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Full text of "Germania; Vierteljahrsschrift für deutsche alterthumskunde .."

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INHALT. 



Seito 

Das AUerseelenbrod, Aas der Geschichte des deutschen Grabcultus. Von E. L. 
Rochholz: 

I. Das Kornopfer * • • . « 1 

II. Das Eachenopfer 20 

KCl bei Hartmann relativ gebraucht Von Adolf Mankopff 26 

Altliocbdeutsche Glossare nhd Glossen. Von Adolf Holtzmann 40 

Offenbarung Jobannis. Augsburger Bruchstück. Mitgetheilt von Benedikt Greiff 70 
Beiträge zur deutschen Mythologie und Sittenkunde aus KSrnten. Von Valentin 
Pogatschnigg: 

1. Das Stephanreiten 74 

2. Das Windfuttern 75 

3. Das Klöckln und die ElÖcklerabende 76 

Gemde Leute in Schweden. Von Felix Liebrecht 77 

Bmchstflcke. Von Franz Pfeiffer: 

I. Aus der Chronik des Eike von Bepgow . . . , 79 

n. Aus Jacobs von Maerlant Reimbibel 81 

Der weiße, der rothe und der schwarze Hahn. Von Reinhold Köhler . . . . 85 

Zu Ulfila. Von A. Ugpström 93 

Eine Teufelscomödie. Mitgetheilt von Adolf Pich 1er 96 

Ein Fuchsmjthus. Von Felix Lieb recht 102 

Zum Spiele von den zehen Jungfrauen. Von Reinhold Bechstein 129 

Zur Sai^e von Romulus und den Weifen. Von Felix Liebrecht 166 

Zur slavischen Walthariussage. Von Demselben 172 

Der Ritte. Von Th. Vernaleken. . , . ^ 174 

Augenblick und Handumdrehen. Von I. V. Zingerle I75 

Phenich. Von Demselben I7ß 

Buneninschriften eines gothischen Stammes auf den Wiener Goldgefäßen des Ba- 

nater Fundes. Von Franz Dietrich (mit einer lithogr. Tafel) i77 

Zur Kritik und Erklärung des Heliand. Von C. W. M. Grein 209 

Zu dem Gedicht von Hans -Sachs 'Die achtzehen Schön einer Jungfrauen*. Von 

Beinhold Köhler 217 

Über den syntaktischen Gebrauch des Dativs im Gothischen. Von Artur Köhler 261 

Cap, I. Der eigentliche Dativ 262 

„ n. Der ablativische Dativ ••..,..., 299 

„ m. Der absolute Dativ 302 

Althochdeutsche Glossen. Von A. M.W alz 3O5 

ZeugnisB zur deutschen Heldensage. Von W. Crecelius 310 

Hrafnagaldr Odhins. Von Theophil. Bupp 311 

Altes Zengniss über die Mundarten und die Schriftsprache der Deutschen. Von 

Franz Pfeiffer 320 

Altsächs. Bruchstücke. Von Hoff mann v. Fallersleben 323 



Seite 
Tristan und Isolde und das Märchen von der goldhaarigen Jungfraa und von den 

Wassern des Todes und des Lebens. Von Reinhold Köhler 389 

Bruchstücke aus dem Leben des heil. Eustachlus und ans den sieben Schläfern. 

Von Frann Roth 4 406 

Die Holden am Niederrhein. Von Alexander Kaufmann 411 

Die gotbischen absoluten Nominativ- und Accusativ-Constructionen. Von Heinrich 

Rückert 415 

Baldur. Von Theophil Rupp 425 

Eio altes Kindergebet, Von Reinhold Köhler . . , 435 

Über die Betonung viersilbiger Wörter im Mittelhochdeutschen. Von Frz Pfeiffer 445 

Zur deutschen Mftrchenkunde. Von Karl Schenk! 450 

Über die tonlangen Vocale des Niederdeutschen. Von K. Nerger 452 

Zusammenhang der indischen und deutschen Thiersage. Von A. Meier . • . 458 

LITTEKATUK. 

Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jhd., gesammelt und 

erläutert von R. v. Liliencron. 1. Von Karl Bartsch 102 

Ulfilas oder die uns erhaltenen Denkmäler der gotbischen Sprache. Herausgegeben 

von Stamm, besorgt von Dr. Moritz Hejne. Von A. Holtzmann . . . • 221 
Heliand, mit ausführlichem Glossar herausgegeben von Moritz Heyne. Von Dem- 
selben 224 

Paris, Gaston, histoire po^tique de Charlemagne. Von Karl Bartsch . . . . — 

Die Magdeburger Fragen, herauHgegeben von Dr. J. Fr. Behrend. Von Siegel. 230 

Koch, C. Friedr., Die Satzlehre der englischen Sprache. Von C. W. M. Grein 231 
Proben eines Wörterbuches der österreichischen Volkssprache von H. Mareta. Von 

Schröer 235 

Uhland's Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage. Erster Band. Von 

K. Bartsch 459 

Rymkronyk van Viaenderen etc. Von Eduard v. Kausler 467 

Tristan et Iseult etc. par A. Bessert. Von J. Lambel 493 

BIBLIOGRAPHIE. 

Bibliographische Übersicht der Erscheinungen auf dem Gebiete der germanistischen 

Philologie im Jahre I8b'5. Von Karl Bartsch 325 

MISCELLEN. 

Zur Geschichte der deutschen Philologie. I. Briefe von Jacob Grimm: 

A, au Franz Pfeitter m^ 2.30 

B. an Hoffmanu v, Fallersleben 375, 49^^ 

Für Herrn J. Zacher in Halle. Von Franz Pfeiffer 257 

Berichtigungen zu den Kosenamen der Germanen. Von Franz Stark .... 512 



DAS ALLERSEELENBROD. 

AUS DER GESCHICHTE DES DEUTSCHEN GRABCULTUS, 

VON 

E. L. ROCHHOLZ. 



1. Dctö Kornopfer, 

Die Keimkraft des Getreidekornes erscheint als etwas nahezu 
Unvergängliches; ackerbautreibende Völker schütten es daher mit in 
die Gräber, den ewigen Schläfern zur immerdauernden Speise; Cultur- 
Volker haben es zum Sinnbild einer über das Grab hinaus reichenden 
Fortdauer erhoben. Herkömmlich sieht man auf Kirchhöfen katholischer 
oberdeutscher Dörfer in dem Weihwasserbecken neben dem Grabkreuze 
einen aus Kornähren geflochtenen Sprengwedel liegen; er ist ein Symbol 
des hier gleich einem Weizenkorne in die Erde gesenkten Lebens^ 
das durch den Thau des Weihwassers wieder erweckt und gezeitigt 
werden solL So galt es schon vor Jahrtausenden; aus Korn und Brod 
bestanden die frühesten Todtenopfer, so beweist es der Gräberfund , 
so drücken es die Sprachen aus. Den Thraziern und Hellenen waren 
die Namen für Getreidehaufen, für Korn- und Todtenbehälter sprachlich 
synonym, den Etruskem und Tusken galt die Pforte der Unterwelt 
für einen Kombehälter, wie die ägyptischen Pyramiden sowohl Königs* 
gräber als auch Kornkammern hießen. Bei der Öffnung antiker Grilber 
im oberägyptischen Theben , auf denen das Siegel von Jahrtausenden 
unverletzt geruht hatte, fand man Todtenbrode mit in die Leichen- 
binden eingewickelt, Weizenkörner in den Händen der Mumien. Als 
von solcher Frucht der Franzose Guerin Mineville im Jahre 1849 
fünf Weizenkörner ausgesäet hatte, erhielt er mit einem 1200fachen 
Ertrage ein der heutigen ägyptischen Weizenfrucht völlig gleiche» 
Product. Nicht bloß DecandoUe's Ansehen verbürgt die Thatsächlich- 
keit dieser naturhistorischen Angabe, es haben die seither mit dem 
Mumienweizen weiter fortgesetzten Versuche in der Landwirthacbaft 
Frankreichs einen entschieden ernsten Charakter angenommen« Doch 
der Brauch selbst des Korn- und Brodopfers bei Leichenbegängnissen 
findet sich, wie im alten Nillande, ebenso durch das Morgen- und 
Abendland verbreitet, bei dem einen Volke bald öffentlich und rituell 

GEKUANJA. XI. I 



2 E. L. ROCHUOLZ 

fortdauernd, bei einem andern nur heimlich genbt oder stillschweigend 
von Oben her geduldet, und gerade die Art und das Alter seines 
außerchristlichen Vorkommens wird öfters im Stande sein, ein auf- 
klärendes Licht auf unsere eigene Christensitte zu werfen. Man ver- 
gönne uns, zu diesem Zwecke sogleich ein paar Beispiele anzufahren. 
Bei arabischen Beerdigungen zu Kairo, wie solchen i. J. 1860 
Dr. Frankl aus Wien (Aus Egypten, S. 33) als Zuschauer beiwohnte, 
eröffnen den Zug zwei Kamele, das eine Brod in Körben tragend, 
das andere in »Schlauchen Wasser, hinter ihnen ein Ochse, der am 
Grabe gesehlachtet und stückweise sammt den Broden unter die An- 
wesenden vertheilt wird. Der Alttürke futtert gefangene Vögel und 
lässt sie am Feste der Gräber fliegen ; er zerbröckelt viele Laib Brode 
und wirft sie am gleichen Tage den Fischen ins Wasser; er legt süße 
Kuchen in die müßigen Flammen und schüttet ganze Metzen Korns 
in die Ameisenhaufen ; er beköstiget und nährt mithin an diesem Tage 
alle vier Elemente, in denen die Abgeschiedenen ihre Wohnstatt 
nehmen könnten. Wie müßen wir aber wohl staunen, wenn eben dieses 
Verfahren und zu demselben Zwecke in den religiösen Bräuchen un- 
serer oberdeutschen Bauernschaft wiederkehrt, wie es in der nach- 
folgenden Beschreibung des Allerseelenfestes noch weiter mitzutheilen 
sein wird, und wer wird dabei voreilig an eine Entlehnung denken 
dürfen! Denn diese dem Islam jetzt ausnahmslos gebotene Todten- 
spende war vor dessen geschichtlichem Auftreten schon altarabische 
ßitte gewesen, wie „das Fest der Todten", eine besondere Erzählung 
in Fr. Rückert's Morgenländischen Sagen 2, 309 unwiderleglich dar- 
tiiut; sie verräth sich aber eben so ursprünglich in jenen Theilen des 
Orientes, in welche der Islam niemals vorgedrungen ist. Als Wilhelm 
Heine mit der nordamerikanischen Expedition Japan besuchte (Japan 
und seine Bewohner 1860, 306) war er dorten Augenzeuge des Todten- 
festes, das der Japanese am fünfzehnten Tag seines siebenten Monats 
begeht. Man pflegt da die Speisen, die man über Tag auf die Gräber 
gestellt hat, Abends auf kleinen, kerzenerhellten Booten, mit Papier- 
segeln versehen, in die Gewässer zu setzen, so daß am Festabende 
tausende solcher Fahrzeuge auf den Wellen sich schaukeln. Zu Ähn- 
lichem verpflichtete Menu*s Gesetzbuch den Inder. Dieser hat alljähr- 
lich zehn Tage hindurch zur Beruhigung der Jüngstverstorbenen Reis- 
kuchen zu opfern, Pinda genannt; er hat Grabfeuer anzuzünden für 
Groß- und Ältervater, und für sämmtliche Ahnen Wasserspenden aus- 
zugießen; erst nach dieser Verrichtung kann der Überlebende den 
rechtlichen Besitz des ihm von dem Verstorbenen zugefallenen Erbes 



DAS ALLERSEELEN BROD. 3 

antreten, so daß somit Familienverband, Vermogensbesitz und Todten- 
opfer als eine unzertrennliche Einheit erscheinen. Gans, Erbrecht 1, 80. 
Damit wird das Todtenopfer zu einer Satzung gestempelt, die unab- 
änderlich über aller Willkür des Lebenden und über dem bloßen 
Wunsch und Willen des Verstorbenen steht. Die Legende lässt es 
auch nicht an beweisführenden Beispielen solcher Art mangeln. Sie 
berichtet im indischen Epos Mahabharata von dem edelmüthigen Wett- 
streit, welcher zwischen Jajati, einem nach seinem Tode wieder zur 
Erde gekommenen Könige, und dessen vier Enkeln entsteht. Jajati 
trifil jene am Altare, da sie eben das Opfer für die Ahnen entzünden, 
und weigert sich großmüthig, die Frucht und das Verdienst ihrer 
frommen Handlung diesmal auf seine eigene Person überti^en zu lassen. 
Doch die Viere erwiedern ihm: Allein an den Menschen liegt die Schuld, 
wenn die Verstorbenen nicht im Himmel zu bleiben vermögen; wenn 
du durch uns den Himmel verlierst, so ist ja deiner Nachkommen Loos 
gleichfalls die Hölle. — So tief verwachsen mit dem Organismus des 
religiösen Gesetzes und des bürgerlichen Sachenrechtes, erweist hier 
der indische Brauch sich um ein Bedeutendes ursprünglicher, also auch 
weit folgenreicher, als jene althebräische Satzung, Tobiä4: Stelle dein 
Brod und deinen Wein auf das Grab des Gerechten. Denn in dieser 
Stelle raisonnirt eine bereits nach willkürlichen Ausnahmen sich selbst 
beschränkende Sitte, dorten spricht ein ausnahmsloses Gesetz. Um so 
überraschender für uns wird es sein, dasselbe Rechtsverhältniss auch 
im altdeutschen Todtenmahl mitbegründet zu finden. Denn auch nach 
diesem durfte der Überlebende so lange nicht sich in den Besitz der 
Erbschaft setzen, bis nicht Erbmahl und Erbtrnnk (altnordisch Arföl, 
das Erb- Ale) feierlich abgehalten und damit des Verstorbenen Gedächt- 
niss (minne) getrunken war. Der Brauch des Leichtrunkes besteht in 
diesem rechtsgiltigen Sinne des Erbbieres jetzt noch. Der Schleswig- 
Holsteiner umschreibt den Namen Grab hier mit der Phrase dm Doden 
»in Hut verteren; denn eben die Haut und Bedeckung (Hut und Hütte), 
aus welcher der Todte gefahren ist, verbleibt nun seinen Erben. Im 
Aargauer Reuß- und Bünzthale, deren Bevölkerung ungemischt katho- 
lisch ist, wird zum Gedächtnisse des Verstorbenen ein dreimaliger 
Seelgottesdienst abgehalten, am Tage der sg. Begräbde, am Siebenten 
darnach, schließlich am Dreißigsten. Eben so oft findet auch im Trauer- 
hause ein Trauermahl statt, das herkömmlich mit Rothenrüben-Salat 
und Rothwein schließt. Bei der dritten Mahlzeit am Dreißigsten werden 
die Kleider des Verstorbenen verschenkt und zugleich geht hier die 
Ausscheidung des Erbes vor sich. Ist Letzteres geschehen, so legt die 

1* 



4 E. L. ROCHFIOLZ 

männliche Verwandtschaft den am Lande noch üblichen lieidmantel 
für immer ab; man hat darin dem Freund nach Vorschrift das Geleite 
gegeben „zu Kirche, zu Straße und abers Grab*^, und somit ist seinem 
Andenken kirchlich und weltlich Genüge gethan. 

Der Leser, welcher die innere Übereinstimmung dieser so ver- 
schiedenartigen Völkern angehörenden Leichenbräuche zuzugeben ge- 
neigt ist, wird das höhere Alter derselben beim Germanenvolke doch 
wohl beanstanden, in so ferne er das Todtenopfer auch hier grund- 
sätzlich als eine Kornspende auffassen soll und sich erinnert, daß Cäsar 
und Tacitua dem Germanen den Ackerbau nahezu absprechen. Dieses 
ehemalige Bedenken ist aber durch eine richtige Interpretation jener 
Schriftsteller ohnedies bereits verringert und durch den neuerlich ge- 
machten Gräberfund vollends zum Schweigen gebracht. Die ostdeutschen 
Leichenfelder und Opferschanzen zwischen Elbe und Weichsel, also 
in jenen Landstrichen, wo die früheren Wohnsitze des Vandalenstammes 
gewesen waren, haben bisher nicht bloß beträchtliche Massen gerosteten 
Weizens ergeben, sondern auch kugelförmige Klumpen, laibleinartig 
aus gestoßenem Korn und aus Thonerde zusammengebacken und von 
der Flamme des Leichenbrandes mitcalciniert, die man mit allem Grunde 
fiir Opferbrode anzusehen hat. Solcherlei aus Gräbern erhobene Brod- 
kugeln, in ihrer Gestalt den nachher noch zu beschreibenden Seel- 
laiblein gleich, finden sich aufbewahrt in der Preusker'schen Alterthums- 
saramlung zu Großenhain. Außerdem aber haben die seitdem erst 
entdeckten Pfahlbauten, die mit der germanischen Urzeit an Alter 
jedenfalls sich messen, eine immer noch sich mehrende Ausbeute an 
Weizen, Körnerbrei und Brodkuchen geliefert. Zu Wangen im Bodensee 
allein hat man an Weizen und Gerste ein zu hundert Sestern anstei- 
gendes Quantum aus der Tiefe des dortigen Seedorfes erhoben. Es 
bewährt sich damit, daß das Korn eine urzeitliche Pflanze, ein Gemein- 
gut der frühesten Menschheit gewesen ist, und in diesem Sinne haben 
es auch die ältesten Mythen aufgefasst. Nicht bloß Abraham vermag 
den sammt den Engeln zu Besuch kommenden Herrn mit frisch- 
gebackenen Weizenkuchen zu bowirthen. Durchwandert einmal der 
Germanengott Rigr ebenso die Welt, um das Menschengeschlecht in 
Stände zu ordnen, so findet er dasselbe überall schon mit dem Acker- 
bau beschäftigt und erhält zur Einkehr in dem einen Hause grobes 
Gerstenbrod, in dem andern feine Weizenkuchen vorgesetzt. So erzählt 
das Eddaische Lied R^gv^da. Das altnordische Alvtssmäl ist zwar ein 
um Vieles jüngeres Gedicht, enthält aber sammt einer poetischen Um- 
schreibung der mehrfachen Namen der Gerste zugleich den sprechenden 



DAS ALLERS££LENBROD. 5 

Beweis, daß die germaDischen Todtenspenden eben in Korn bestanden 
haben. Bei den Menschen, erzählt dies Gedicht, heißt das Korn 
(der Gerste) Bygg, das Gebante; bei den Göttern heißt es Bar, der 
Ertrag ; bei den halbgöttlichen Vanen Vaxt, das Granige ; bei dem Volke 
der Kiesen Aeti, das Essen; bei dem Geschlecht der Zwerge Lagastaf, 
der Maßstab des Gesetzes; aber in dem Todtenreiche der unterirdischen 
Göttin Hei wird es Hnipinn genannt. Letzterer Name bezeichnet das 
wallende, Alles zudeckende Saatfeld, ein Bild von gleich plastischer 
Trefflichkeit, wie ehedem des Odendichters Ramler „blonde Ceres, die 
ganz verhüllt in Ähren geht^. Und wie nun der Getreidebau älter 
ist als unser geschichtliches und naturgeschichtliches Wissen; wie die 
Sprache mit dem Namen Gottesgabe, dänisch Gudsgave, das Korn als 
eines jener Geheimnisse bezeichnet, deren Anfang wir nicht ergrunden, 
sondern nur Gott allein überlassen können; so muß es auch mit in 
den ursprünglichsten Ideen der Menschheit liegen, wenn man um den 
Grund fragt, warum die in Korn bestehende Todtenspende in altindi- 
schen und altdeutschen Satzungen unter denselben Rechtsfolgen erscheint. 
Daraus ergibt sich zugleich der sprechende Beweis, daß ein solcher 
Brauch sammt seiner Übungsart nicht aus diesem oder jenem Religions- 
system abentlehnt, nicht gleich einer Mode mechanisch auf weitere 
Völker übertragen worden sein kann, daß er vielmehr aus der überall 
sich gleichenden Menschenempfindnng unmittelbar entsprungen ist und 
in dem Unentbehrlichsten, dem täglichen Brode, gleichmäßig sich ver- 
körpert hat* Gerade unter solchen Völkern oder Volksschichten wird 
er daher noch am deutlichsten erkennbar sein, deren ursprüngliches 
Sittengesetz und Rechtsleben am wenigsten von äußerlicher Gewalt 
hat beeinflußt werden können. 

Ferner ist zu erwägen, daß das Todtenopfer ein von der Treue 
der Blutsverwandtschaft eingegebener Liebesdienst, ein Sühn- und Dank- 
opfer ist, in Speise und Trank dazu bestimmt, von der gemeinsamen 
Verehrung dargebracht und in gemeinsamer Stimmung aufgezehrt, con- 
sumirt zu werden; denn nur so betrachtet, wird sich jener sittliche 
Widerwille ermäßigen, mit dem heute ein verfeinertes Urtheil die oft 
zu greifbare Naturwüchsigkeit manches alten V^olksbrauches beanstanden 
möchte. Nach der liüUe und Fülle, das heisst wörtlich, nach Kruste 
und Krume aller zu einer Todtenspende aufgebrauchten Brode ^ ver- 
anschlagt jetzt noch unser oberdeutsche Landmann die seinen Verstor- 
benen nachgetragene Achtung, wie dauerhaft sein Angedenken, sein 
Nachruhm in der Gemeinde verbleiben werde und, da dem Abgeschie- 
denen eine umfassende Erinnerung hievon zugetraut wird, wie ihn ein 



8 E. L. KOCHHOLZ 

Menschenart, haben daher von dieser doppelten widerspruchsvollen 
Gemüthsstimmung zu erzählen und wie sich dieselbe beiderseits 
ausgleicht. Wenn der erschlagene Nibelungenheld begraben ist, so 
finden sich manche seiner Freundschaft, die dreier Tage lang vor 
großem Kummer weder essen noch trinken; doch wahrheitsgetreu setzt 
das Lied sogleich hinzu : si nerten sich nach sorgen^ sie fingen in ihrem 
Leid doch wieder an, Nahrung zu nehmen. Wenn Vater Priamos die 
Stadt verlässt und im Feindeslager die Leiche des Sohnes beim Mörder 
Achilleus sich erbitten muß, erhält er sie zwar, zugleich aber soll der 
Gebeugte mit Achilleus im Zelte zu Nacht speisen. Hier ist es, wo 
die Uias unserer Missstimmung über einen in seinem Herzeleid essenden 
Vater eine merkwürdige Belehrung gibt: das Brod ist kummerstillend; 
oder wie Schiller im Sieges feste jenes homerische Wort übersetzt: 

Denn auch Niobe, dem schweren 

Zorn der Himmlischen ein Ziel, 

JKostete die Frucht der Ähren 

Und bezwang das Schmerzgefühl. 
Dies ist die erwähnte Nährkraft, die vor jedem andern Brode dem 
Todtenbrode beigelegt wird. Dasselbe drückt der Spruch in Zend-Avesta 
aus (übersetzt von Spiegel 1, 85): Niemand, wenn er nicht isst, ver- 
mag etwas; und zustimmend steht Psalm 104, 15, daß das Brod des 
Menschen Herz erfreue. Es ist aber vom Heilsamen nur ein kleiner 
Schritt zum Heilkräftigen, daher rühren die tausendfachen Wunder- 
curen, die das einfache Brod verrichten muß. Wer über Land geschickt 
werden soll , der schneidet sich vom Hauslaib in der Tischlade erst 
ein Stück ab; in der Tasche mitgetragen, bewahrt es Jung und Alt 
vor plötzlichem Heimweh, vor Bezauberung, vor dem Anfall der Hunde. 
Dem armen Soldaten in der Fremde begegnet das Graumännchen und 
schenkt ihm ein Krüstchen Brod : Hier riechst du dran, dann hast du 
keinen Hunger, und denkst du dran, dann hast du keinen Durst! 
Curtze, Waldeoker Volksüberlieferungen 56. 

Wenn nun im Nachfolgenden einige geschichtlich verbürgte Züge 
aus den Leichenbräuchen unserer heidnischen Vorzeit mitgetheilt werden, 
so sind sie zu dem besondern Zwecke ausgewählt, zugleich ein erklä- 
rendes Licht auf jene Grabspenden, Seelfeste und Seelbrode voraus zu 
werfen, mit deren genauerer Schilderung sodann vorliegender Bericht 
abschließt. 

Die jetzt noch geltende Benennung Seelgeräthe, Jahrzeit, Anni- 
versarium begreift alles in sich, was ein Verstorbener nach katholischem 
liitus kirchlich vergabt und zu seinem oder der Seinigen Gedächtnisse 



DAS ALLERSEELENBROD. 9 

alljährlich am IStiftungs- oder Sterbtage zu Wohlthätigkeitszwecken 
ausbieten lässt. Man liest Seelmessen, man vertheilt alle Gattungen 
von Lebensmitteln, man bietet Seelbäder aus, wie jetzt noch in München 
geschieht, einstens aber gleichmäßig in ganz Süd- und Norddeutsch- 
land geschah, man speist die Armen in Genossenhäusern, die im altern 
Nürnberg einst gleichfalls Seelbäuser hießen, und beköstigt die dienst- 
thuende Geistlichkeit an einer reichbesetzten Tafel. Als sich daraus 
clericale Schmausereien entwickelten und man das Anstößige heraus 
zu fühlen begann, suchte man nach beschönigenden Erklärungsgründen 
und leitete den Brauch von den Liebesmahlen der ersten Christen her. 
Allein von dieser entlegenen Beziehung lässt sich in der deutschen 
Kircheogeschichte auch nicht ein leiser Schimmer erkennen. £ben so 
wenig reicht das kirchliche Allerseelenfest allein hin, die Entstehung 
und Übungs weise des Volks brauches zu erklären. Bevor Abt Odilo 
von Clugny zu Ende des eilften Jahrhunderts an dieses Kirchenfest 
gedacht und dann Papst Jobannes XVI. dasselbe auf den zweiten 
November festgesetzt hatte, feierten die Heiden um eben diese Zeit 
Novembers das Fest zugleich des scheidenden Sommers und der mit 
demselben hingeschiedeneu Seelen. Da zog alsdann das große Heer 
der Todten uAi, wurde von dein zum Opfer versammelten Volke be- 
grüßt und mit frisch aufgestellten Speisen zur Weiterreise gestärkt; 
oder es wurden auch statt der Todten, die keine Wegzehrung mehr 
begehrten, ihre Stellvertreter, die Armen und Siechen, mit Trank und 
Speise erquickt Bedingungsweise wurden solcherlei heidnische Opfer 
von den Bekehrern zugestanden, von der Kirche alsdann gemildert 
und umgebildet und eben dadurch für unser geschichtliches W^issen 
gerettet; denn auch jetzt noch behauptet das Todtenopfer wenigstens 
in Form des Almosens seine kirchliche Berechtigung. Der Priester 
Golüne, welcher 1719 starb, fragt in seinen neuerdings stark verbrei- 
teten „Evangelien imd Episteln^ (Augsb. 1820. 2, 293): Wie ist den 
im Fegfeuer leidenden Seelen zu helfen? und antwortet darauf: durch 
Almosen; denn es steht geschrieben: Beraube den Todten der Gnade 
nicht. — Sehen wir nun aus den uns erreichbar gewesenen Quellen, 
wie unsere deutsche Vorzeit diese Pflicht aufi'asste und erfüllte. 

Beim Feste der Goldenen Messe zu Hildesheim, die zum Schlüsse 
der sg. Gemeinwoche 14 Tage nach Michaelis (29. Sept.) begangen 
wurde, hatte das Hildesheimer Stift alle herbei gekommenen Gäste und 
Fremden nach altbestimmter Norm zu begasten. Aber das dabei Allen 
gleichmäßig Zukommende war ein obligates großes Zweckbrod. Als 
der Klosterreformator Bruschius eben zur Zeit dieses Festes das Stift 



10 E. L. BOCHHOLZ 

besuchte, erhielt er neben den übrigen satzangsmäßigen Gerichten, 
deiii bestimmten Quantum Tafelwein und den vorschriftlicben vier Schil- 
lingen Zehrgeld, ein weißes Weckenbrod Ton solchem Umfange vor- 
gesetzt, daß nach seiner Versicherung alle damaligen Tischgenossen 
zusammen daran genug gehabt hätten. Eben dieses Fest der altsäch- 
sischen Gemeinwoche, die hillige mmwekej welches in dreitägiger Dauer 
auf Ende Septembers fiel und das Emtejahr mit Höhenfeuem, Opfern, 
Volksversammlung und Tänzen schloß, ist uns durch Widukinds von 
Corvey Annalen als ein vorchristliches bestätiget. Jetzt noch fallen 
unsere Erntefeste vielfach auf Michaeli (29. Sept.), also ziemlich auf 
die unserer altdeutschen Jahreseintheilung entsprechende gleiche Zeit- 
scheide, und sind begleitet von landschaftlichen Kinderumzügen, städ- 
tischen Festspielen und Ortsbräuchen, in denen sich der Wettkampf 
des Sommers und Winters scenisch ausdrückt. Denn mit der Bergung 
des Pfluges begann der altdeutsche Winters- und Neujahrsanfang. 
Seit nun nach Julianischem Kalender der Winterbeginn auf Martini, 
11. November, gerückt wurde, sind auf diesen Termin auch unsere 
Schnitter- und Drescherschmäuse, Herbstgerichte und Zinstage mit 
hinausgerückt, und Martini schließt nun das Pacht- und Ackerjahr ab. 
Eben deshalb wiederholt jetzt dieser neuere Wintertermin das in dem 
früheren bereits vorhanden gewesene Erinnerungsfest für die im Laufe des 
landwirthschaftlichen Jahres Verstorbenen, nämlich das Opfer am Aller- 
seelenfeste, welches nun am 2. November kirchlich begangen wird. 
Und seitdem das Sonnenjahr nun bei allen deutschen Volksstämmen 
gleicher Maßen in Geltung ist, gelten nach ihrem übereinstimmenden 
Volksaberglauben die jetzige Neujahrsnacht, die Zeit der Zwölften 
sammt der skandinavischen Julnacht gleichermaßen wieder als die ehe- 
maligen Fahrtnächte der Geister und Gespenster. Als eine gleiche in 
Oberdeutschland bestandene Übung dieses alten Ernte- und Todten- 
opfers ist die berühmte Wurmlinger Mahlzeit in Schwaben anzusehen. 
Sie hat ehedem am Dienstag nach Allerseelen stattgefunden und wird 
jetzt im October am Dienstag nach der Großen Kirchweih daselbst 
gefeiert. Keiner dieser beiden Termine hat eine kirchliche Weihe far 
sich; ja auch von der jetzigen Großen Kirchweih behauptet man zu 
Wurmlingen im Orte selbst, sie sei kein kirchliches, sondern ein ur- 
sprünglich heidnisches Fest. Die Stiftung der Mahlzeit schreiben die 
schwäbischen Chronisten dem Grafen Anselm von Calw bei, der schon 
im Jahre 938 gelebt haben soll. Aber ein weit besserer Gradmesser 
des Alters dieser Stiftung liegt in der ursprünglichen Aufzeichnung 
ihrer Statuten. Die Stiftung soll nämlich zufolge des Schlußstatuts 



DAS ALLERSEELENBROD. H 

wieder an das Calwer GrafeDgeschlecfat zurückfallen, wenn siß nicht 
in Allem treu beobachtet werden wurde. Nun ist aber der Calwer 
Grafenstamm im Jahre 1219 ausgestorben, und somit gebort die ältere 
Aufzeichnung der Wurmlinger Satzung bestimmt dem 13. Jahrhundert an. 
Auch die Sage von der Wurmlinger Bergcapelle deutet auf ein sehr 
hohes Alter, sie wird nämlich unter die sogenannten Wandelkirchen 
gezählt; denn so oft man sie auf einem andern Platze hat auffuhren 
wollen, namentlich als die Schweden sie niedergebrannt hatten, kehrte 
sie immer auf ihre alte Standstelle am Remigiusberge zurück. Sie hatte 
bis zur Reformation ein eigenes Landcapitel in Schwaben gebildet, in 
welches alle Priesterschaft der Städte Tübingen und Rotenburg sammt 
den Curaten der umliegenden Flecken gehörte. Jetzt noch steht sie 
unter ihrem eigenen Dekan und Kammerer. Alle diese Priester, jeder 
sammt seinem Sigrist und Pfarrschüler, hatte mit beim jährlichen 
Todtenmahl droben auf dem Berge zu erscheinen. Jeder Pfarrer kam 
beritten, Ross und Knecht, auch jeder des Tages ihm begegnende Fremde 
war droben zehrungsfrei und erhielt seinen Antheil an dem vorgeschrie- 
benen Mahl. Zur Mahlzeit aber gehorten unabänderlich folgende Einzel- 
heiten: ein heute geschlachteter Stier, dreierlei Mastschweine, ein* bis 
dreijährig, dreierlei Bier oder dreierlei Wein, dreierlei Brod nach jeder 
Einzel tracht, Fische (wohl auch dreierlei: gesotten, gesülzt und ge- 
backen), eine haselbraune Gans für je zwei Gäste, „in der gebratenen 
Gans soll stecken ein gebraten Huhn, und in diesem, damit aller guten 
Dinge drei sind, eine gebratene Wurst'^. Sobald sodann oben am Berge 
der Stier ausgeschlachtet ist, so wird seine Haut ins Dorf Sulgen am 
Fuße des Berges hinabgetragen und auf dem dortigen Kirchhof aus- 
gespannt. Hier nehmen ringsum die Sondersiechen Platz und erhalten 
jede droben von der Chorherrentafel der Reihe nach abgehobene Speise 
sammt jeglichem Rest des mit abgeräumten Brodes und Weines. Be- 
sonders gekocht ist für sie der saure Pfeffer der Haselgänse nebst den 
drei gerösteten Schweinsköpfen. Denn gar nichts von Allem soll heute 
ungenützt und nngenossen bleiben. Selbst der nicht aufgefütterte Haber, 
jeder einzelne Tränkkübel, jede Rosshalfter, neu wie man dies Alles 
heute droben empfangen hat, verbleibt den betreffenden Reitknechten; 
und 80 erhalten auch die Siechen statt der Brodkrumen, die man ihnen 
von der Herrentafel doch nicht alle zu Thal bringen könnte, das eigene 
Ersatzbrod des Hüllwecken. Dies ist ein vorher ausgehöhlter Brodkipf, 
in den gleichwie in einen Opferstock jeder Herr und Gast der Tafel 
seinen Pfenning einlegt, der den Armen drunten Mann für Mann als- 
bald vertheilt werden muß. Und sollte dereinst, besagt die Urkunde, 



12 E. L. ROCHHOLZ 

eine einzige dieser vorgeschriebenen Üblicbkeiten nicht mehr gehalten 
werden, dann würde die gesammte Stiftung wiederum dem Ältesten 
der Calwer Grafen zufallen; dieser aber habe dann, auf seinem Kosse 
im Stegreif stehend, einen Goldgulden über den Thurm der Wurmlinger 
Capelle zu Thal zu werfen und damit Zengniss abzulegen, daß er und 
seine Nachkommen die Stiftung voll auszurichten abermals verpflichtet 
seien. 

Seit der Kirchenreformation hatten auch die protestantischen Pfarrer 
der Umgegend an dieser Mahlzeit theilgenommen , weil sich die eine 
und unzertrennbare Stiftung nicht nach beider Confessionen Eigenthuui 
ausscheiden ließ, blieben aber in Folge des überall ausgebrochenen 
Dogmengezänkes schließlich weg. Nunmehr beziehen die nächstgelegenen 
Pfarreien statt des Mittagsmahles je sechs Gulden , und haben dafür 
das Seelenamt und die Vesper stiftungsgemäß auf dem Berge zu be- 
gehen, mit dem Unterschiede, daß dies nicht mehr wie ursprünglich 
am Dienstag nach Allerseelen, sondern am Dienstag nach der Großen 
Octoberkirchweihe geschieht. Den alten und neuen Hergang dabei bat 
Otmar Schönhuth (Burgen Würtembergs 1 , 418) nach den darüber 
vorhandenen Urkunden beschrieben. 

Nach demselben hl. Remigius, an dessen Capelle das Calwer 
Todtenmahl geknüpft ist, hat sich das Stiftscapitel zu Herford Kamey 
(Remig) zubenannt und eine nach Alter und Ausgedehntheit eben so 
merkwürdige Todtenspende abgehalten. Die Herforder Capitelmitglieder 
mußten sich am 1. October, als am Tage des Heiligen, sammt allen 
ihren Behörigen auf dem Nordhofe bei Enger versammeln, um das 
Angedenken des hier begrabenen Sachsenherzogs Wittukind mittels 
der Wekingsspende zu feiern. Die benachbarten Höfe und Dörfer 
steuerten nach ihrer besonderen Pflichtigkeit bei, das ganze Kirchspiel 
schmauste mit. Dreimann in Dreiern hatte das Gestühle ftir die Yolks- 
masse aufzuschlagen, Riepe in Westerenger gab das Weißbrod, Nord- 
meier das zur Spende Nöthige. Bei der späteren Verlegung des Festes 
auf Dreikönige schrumpfte dasselbe bereits zusammen; die Schüler 
erhielten noch die Timpen-Semmeln ausgetheilt, ein Zweckbrod, 
die Armen Brod und Wurst, nur für Geistlichkeit, Lehrerschaft und 
Bürgermeisteramt bestand noch eine Mahlzeit. Seit einigen Jahren unter- 
bleibt auch dieses, wie Heusinger, Sachsenländ. Sag. 38 mittheilt. Bis 
zu welchem Betrag die jährlich wiederkehrende Vertheilung solcher 
localen Spenden zuweilen anstieg, darüber geben oft zufallige Bemer- 
kungen der Chronisten überraschenden Aufschluß, z. B. Bruschius in 
Buchoüiano Parthenone. Das schwäbische Kloster Buchau bei Bibrach 



DAS ALLERSEELENBROD. 13 

WSLT von der Gräfin Adelindis, aus dem Stamme der bairischen Grafen 
von Andechs , zum Seelenheil ihrer Verwandten gestiftet worden , die 
in einer Sehlacht gegen die Hunnen gefallen waren. Hier war Bruschius 
Augenzeuge, wie man am 28. August 1548 allen aus der ganzen Land- 
schaft herzu gekommenen Leuten das Weizenbrod der heiligen Ade- 
lindis vertheilte und damals 4000 Menschen dasselbe empfingen. Die 
Gestalt dieser Buchauer Spendbrode, welche der Kupferstecher Sadler 
in Raders Bavaria Sancta 2, 123 (München 1624) abgebildet hat, kommt 
ganz derjenigen unserer oberdeutschen Seellaibchen gleich. Eine noch 
größere Zahl dieser Spendbrode hatte das Aargauer Kloster Königs- 
felden jährlich am Todestage des hier bestatteten Kaisers Albrecht 
auszutheilen , nämlich 4550. Die Urkunde steht zu lesen in den Eid- 
genössischen Bunden von Kopp 4, Abth. 2, 272. Häufiger ist es, daß 
man statt der Urkunden nur Legenden über das Entstehen solcher 
Stiftungen besitzt, aber trotz ihres Ungeschicks, das sie gewöhnlich 
in der Zeitrechnung verrathen, sind sie doch schon durch die naive Sicher- 
heit belehrend und orientierend, mit welcher sie ihre Erzählung her- 
kömmlich an die heidnische Vorzeit anzuknüpfen pflegen. Die Wekings- 
spende stützt sich auf die erste Bekehrung der Nordsachsen unter 
Karl dem Großen, die Adelindisspende auf die Hunneneinfälle unter 
Otto dem Großen, und bei der Wurmlinger Mahlzeit müßen dieselben 
Thiere, Stier, Schwein und Gans, nicht minder vorschriftsgemäß ge- 
schlachtet und vertheilt werden, wie sie vorher nach heidnischem Ritus 
und wohl auf derselben Stelle einst dem Gotte Fro und Wuotan ge- 
opfert worden waren. 

So weit nun auch diese einzelnen Züge in die Geschichte unserer 
Vorzeit zurückblicken lassen, so sind sie doch noch nicht die älteste 
erkennbare Form, unter der das Todtenopfer aufgesucht werden muß. 
Dem Brodopfer muß das einfachere Komopfer vorausgegangen sein. 
Noch bleibt beim Komschnitt in Baiern und Hessen ein letzter liest 
der Frucht auf dem Halme stehen und man nennt dies Emteopfer den 
Aswald, den Vogelzehnten, das Glückskorn, den Halmbock. Wie die 
Korngarbe allgemeines Erntesymbol ist, so war die Naturalleistung 
die ursprüngliche Form aller Abgabe und Steuer. Noch beziehen Pfarrer, 
Forster und Gemeindebeamten den Hauptbetrag ihres Gehaltes hie und 
da in Haber und Gerste. In den Grundsteinen unserer Kirchen findet 
»ich Weizen, die Größe des Thurmknopfes hört man mit der Kedensart 
bezeichnen, er halte so und so viel Malter Korn. Alterthümlich sagt 
der Däne von einem nach schwerer Krankheit wieder Genesenen, er hat 
dem Tod einen Schefiel Haber gegeben; wie wir vom unabwendbaren 



14 E. L. ROCHIIOLZ 

Tod eines Hinsiechenden: dem ist sein letztes Brod gebacken. Gott 
Donar selbst, der mit seinen Gewittern das Saatkorn aus den Keimen 
lockt, antwortet auf die Frage, was er auf seinem heutigen Wege zu 
Nacht gegessen habe: Haberbrei; denn der nordische Bauer hat ihm 
von der täglichen Abendkost vorgesetzt Überall also ist das Korn, 
diese materielle Grundlage der Cultnr, an den Namen der Götter, 
an die menschliche Lebensdauer und an das örtliche Gesetz zunächst 
hingerückt. 

Wenn nach altnordischem Rechte bestimmt wird, wie weit der 
Königs- und Gottesfrieden gehalten werden soll, so heißt die Formel 
hiefiir in Adhelstans Gesetzbuch: Er soll sich von dem Burgthore, 
wo der König sitzt, nach den vier Seiten erstrecken drei Meilen, drei 
Ackerbreiten, drei Furchenlängen und neun Gerstenkörner weit. Den 
größeren Femen und Maßen sind hier immer kleinere hinzugeHigt, 
so daß offenbar das letzte, das Gerstenkorn, aller Landmessung zu 
Grunde liegt; ein echtes Zeugniss der Heiligung, in welcher die Gerste 
stand. J. Grimm, Berlin. Jahrb. 1842, 795. Neun Gerstenkörner in 
einem Glase frischen Wassers getrunken, heilen eine Krankheit, besagt 
der französische Aberglaube; und nach Bemer Landesbrauch muß die 
Mutter drei Gerstenkörner dem Täufling in die Windeln, und drei 
Weizenkömer in die drei Taufscheine einbinden, die ihm seine drei 
Pathen ausstellen. Vorzugsweise in Gerste, deren Anbau im Hochnorden 
bis zum 70. Breitengrade geht und deren Reife, von der Aussaat an 
gerechnet, nur zwei Monate Zeit braucht, muß der Germane seine 
Opfer dargebracht haben. Noch gilt im jetzigen Kanton Thurgau der 
Gerstentag, ein von der Kinderwelt der ganzen Landschaft gemeinde- 
weise begangenes Jugendfest. Er heißt eben so allgemein auch der 
Eßtag, denn an ihm wird jedes Schulkind des Landes auf Gemeinde- 
kosten ausgespeist. Im Städtchen Bischofszell nennt man ihn Hohlesteiu- 
Tag und begeht ihn folgendermaßen: Die Jugend versammelt sich am 
Osterdiensttage im Schulhause und hält hier nach Vorschrift eine 
Zweckrede zum Fenster hinaus. Darauf zieht sie mit der Ortsgeistlich- 
keit processionsweise singend auf den Grubenplatz in der Vorstadt, 
wo man zum Gedächtnisse ausgestandener örtlicher Kriegsleiden ein 
Gebet spricht , alsdann weiter ins Nachbardörflein Hohlestein und in 
die umliegenden Höfe. Hier in der Nähe der Nagelfluhhöhle, die dem 
Dörflein den Namen gegeben hat, entzünden die Bauernjungen das 
Osterfeuer, schlagen die Feuerscheiben und verzehren dabei die auf 
diesen Tag gebackenen Schmalzküchlein. Dies soll, sagt man, zur Er- 
innerung an alte Kriegsläufe geschehen, bei denen Bischofszell verbrannt 



DAS ALLER8EELENBR0D. 15 

nnd die Bürgerschaft genothigt worden sei, in dieser Hohle Zuflucht 
und Nahrung zu suchen. Daß diese geschichtliche Erklärung bei der 
Bevölkerung selbst nicht ausreichend ist, geht aus einer zweiten so- 
gleich folgenden hervor; selbstredend aber bleibt hier besonders der 
Name des Festplatzes Hohlestein. Der Frauen Holl Stein zeigt sich 
urkundlich in Wertheimer Gerichts-Protokollen (Wolf, Hess. Sag. Nr. 12), 
ebenso sitzt im Walde bei Ändreasberg Frau Holle weinend auf den 
drei Brodsteinen. Pröhle, Harzsagen, S. 135. Diese ihrem entschwun- 
denen Gemahl untröstlich nachweinende Holle ist symbolisiert als die 
in der Sonne wohnende Gotterfrau Huld, im Bann des Wintersolsti- 
tiums gehalten und getrennt vom Geliebten, bis dieser, wenn die Som- 
mersonne um Johanni den Solstitialpunkt wieder gewonnen hat, die 
Waberlohe durchreitet und mit einem heißen Kusse die Verzauberte 
aus ihrem Schlaf erweckt. Dann hält die Erlöste in Goldschuhen ihren 
Hochzeitstanz, wirft den zu Gaste geladenen Menschen die Hochzeits- 
kuchen aus, man entzündet die verkündenden Osterfeuer und schleudert 
die brennenden Feuerräder und Holzscheiben an Schleuderstäben zu 
Thal. Daher heißt dieses Fest rings am Bodenseegelände auch der 
Funkentag. Der Thurgauer Eßtag ist früher nicht zu Ostern, sondern 
auf Jakobi, 25. Juli, begangen worden; und damals suchte man seinen 
Ursprung in der angeblichen Stiftung einer Mutter Bilgeri von Bischofs- 
zell, die zum Andenken ihrer beiden in der Thur ertrunkenen Söhnlein 
seit 1430 alljährlich am zweiten Sonntag nach Jakobi jedem Bedürftigen 
ein Maß Gerste hatte austheilen lassen. Mag nun diese Stiftung ge- 
schichtlich richtig sein, so ist doch auch sie gleichfalls nicht der Grund 
jenes allgemeinen Gerstentages. Denn am gleichen Tage wird im an- 
grenzenden Appenzeller Lande im Dorfe Gonten ein seit unbekannter 
Zeit gestifteter Tanz- und Schmaustag unter kirchlicher Vorfeier ab- 
gehalten, welcher nach einem sg. Hersche, dem angeblichen Ahnherrn 
eines gleichfalls angeblichen Appenzeller Landammanns, die Herschen- 
jahrzeit genannt wird. Es begibt sich da am Jakobitage die gesammte 
Sippschaft erst in Trauerkleidem zu einem Seelgottesdienst in die Kirche 
des Dorfes Gonten, darnach aber zieht man in rasch gewechselter 
Stimmung von der Kirche aus ins Weißbad, um hier bei Hackbrett 
und Geige zu tanzen und zu schmausen. Alles dabei ist traditionelle 
Vorschrift und kann ohne gesetzliche Ahndung nicht geändert werden. 
Als mau vor etwa 86 Jahren das Gastmahl einmal vom Weißbad nach 
Gonten selbst verlegte, trat die Obrigkeit dazwischen und büßte den 
Gontner Gastwirth um 60 Thaler, weil er ohne Befugniss hatte tanzen 
lassen. Und so steht denn der weitere Verlauf dieses Rechts&lles in 



16 E. L. ROCHHOLZ 

der Gesetzessammlung der Appenzellischen Monatsblätter 1827 mit 
amtlicher Beglaubigung zu lesen. Bei Todesstrafe hatte Karl der Große 
einst den Deutschen verboten gehabt, auf den Gräbern ihrer Vorfahren 
zu tanzen, zu singen und zu schmausen; hier aber ist dieser heidnische 
Todtentanz noch immer in Übung und sogar obrigkeitlich garantiert. 
Und wie vieles Ähnliche mag noch anderwärts am Leben sein, das 
gleichfalls eine harmlosere Form annahm und dadurch unverfolgt, aber 
auch unbeachtet geblieben ist. Der Bauer im bairischen Lechrain konnte 
endlich polizeilich gezwungen werden, seine Kirchweih auf den Sonntag 
zu verlegen und den Kirmesstumult durch die gebotene Sonntagsheili- 
gung etwas zu ermäßigen. Doch dafür entschädigt ihn der darauffol- 
gende Montag mit der Nachkirchweih, und diesen verbringt er gerade 
so wie die Appenzeller Herschenzunft im Weißbad. Des Morgens lässt 
er ein Seelenamt sammt Vigil , Requiem und Libera für alle verstor- 
benen Gemeindeglieder abhalten und opfert dabei das Kirchtrachtbrod 
oder den üblichen Altarlaib; die übrige Zeit und die Nacht dazu wird 
in der Dorfschenke verschmaust, verspielt und vertanzt. Was hier das 
Todtenopfer des Altarlaibs genannt ist, so besteht dies hier sowohl 
als auch in verschiedenen andern Gegenden Baierns und Tirols in einem 
Quantum Mehl oder Korn. Wollte ehedem der Erbe seines verstorbenen 
Freundes Sünden büßen, so überschüttete er dessen Grab mit einem 
Haufen Kornes, bis Grabhügel oder Grabstein davon ausgeebnet oder 
überdeckt war, und gab diesen Kornberg öffentlich preis; etwas hievon 
ist katholische Bauernsitte geblieben. In der Charwoche überschüttet 
der Bauer im Innthal mit Mais, der Bauer in Altbaiern mit Korn das 
im Kirchenschiff zur Verehrung ausgelegte Crucißx. Ganz so, wie vor- 
mals die heidnische Mordbuße in so viel Gold bestand, als die Leiche 
des Ermordeten schwer war, sucht hier der Bauer das Maß seiner 
Sünden, für welche der Heiland gekreuziget worden, durch ein der 
Größe des Kirchencrucifixes gleichkommendes Kornquantum aufzu- 
wägen, und in gleichem Sachzusammenhange überträgt er auch am 
Allerseelenfeste das Gewicht des von ihm kirchlich geopferten Kornes 
auf das Seelenheil seiner. Verstorbenen. Die bei solchen Gelegenheiten 
im Kirchenschiffe aufgeschüttete Fruchtmasse verbleibt entweder der 
Kirchenstiftung oder wird zur Pfarrer- und Küsterbesoldung geschlagen. 
Wo der Kornbau weniger vorherrscht, überbringt man auch andere 
Frucht; so stellen z. B. die Deutschtiroler in Valsunga am Allerseelen- 
tag gekochte Bohnen in Holznäpfen auf die Gräber. In den bairisch- 
schwäbischen Kornebenen äußert sich der Luxus der Kornbauern na- 
mentlich am Allerseelentage. Die Todtenburg oder Trauertumba, die 



DAS ALLERSEELENBROD. 17 

man alsdann unter dem Hochaltare aufschlägt, ivird zum Gedächtnisse 
und Heil der Verstorbenen etagenweise mit allen möglichen Victualien 
beladen und garniert. Man nennt dies Opfer den Aufsatz. Er besteht 
aus mancherlei Körben, Schüsseln und Säcken. Die Schüsseln enthalten 
Mehl^ Musbohnen und Kernenfrucht; dies ist der sogenannte Seelnapf, 
der dem Schulmeister für die Besorgung des Weihbrunnens gehört, 
mit dem man heute frisch die Gräber besprengt. In dem einen Korbe 
liegt eine schwarze Henne mit gebundenen Füßen, in dem andern ihr 
Schock Eier; daneben in Tücher eingeschlagen ist das Rauchfleisch, 
die Butterballe, der gewundene Wachsstock, dieser in allen Farben 
und Formen wechselnd, bald nur faustgroß, bald von der völligen Größe 
eines Scheffels. Je zwischen zwei Seelzöpfe, das sind Weizenwecken 
im vorgeschriebenen Werth von 16 Kreuzern, wird ein Laib Roggen- 
brod gelegt, drunter im Kornsäcklein steht der Metzen Roggen. So ist 
es in der Augsburger Diöcese üblich. Groß ist der Wetteifer der Ge- 
benden, nicht minder groß die Zahl der Gehrenden; denn außer der 
Unzahl der armen Seelen sind da heute die wirklich Armen und Kranken 
zu speisen, die Witwen und Waisen der Gemeinde, die Schulkinder, 
endlich die Kirche mit ihren Dienern und Chorknaben, die alle zu- 
sammen in diese Spenden sich zu theilen haben , alle unter derselben 
Verpflichtung, der armen Seelen dafür im Gebet besonders gedenken 
zu wollen. Auch der mit einer Krankheit Behaftete opfert heute, damit 
der Almosenempfänger ihm das Übel wegbeten helfe, denn das zur 
Seligkeit dienliche Korn muß auch zur Gesundheit in Beziehung stehen, 
Seligwerden und Genesen hieß einst in unserer Kirchensprache eben- 
dasselbe; und abermals meint man nach den Quantitäten des Geopferten 
um so zuverläßiger die begehrte Heilung voraussetzen zu dürfen. Man 
opfert in den Gegenden der Eifel Korn für solche Kinder, die nicht 
zunehmen wollen; in der Capelle zu Allscheid so viel, als das Kinder- 
häubchen fasst (denn man sucht dabei den Sitz der Krankheit im Haupte), 
in derjenigen zu Finten zweimal so viel als das Kind wiegt. Der eine 
Theil gehört der Kirche, der andere den Armen. Schmitz, Eiflersagen 
1, 65. Gegen chronische Kopfleiden lässt man im Bairischen Walde, 
namentlich um Bodenmais am Arber, rohe Menschenhäupter in natür- 
licher Größe aus Thon brennen, füllt ihr Inneres mit Gerste und hängt 
sie bei Capellen und an Wallfahrtsbäumen auf. Bavaria I, 1001. 

Hier sehen wir den Einwurf voraus, den die FeinfTihligkeit eines 
denkenden Lesers gegen uns in Bereitschaft halten wird. Darf man 
denn, fragt er, diese zuletzt erwähnten Bräuche schon um deswillen 
mit zur ursprünglichen Volkssitte, ja noch mehr, mit zu unsem reli- 

GERMANIA XI. 2 



18 E. L. ROCHHOLZ 

giösen Alterthnineni zählen, weil sie so ganz nngewohnlich derb sind ; 
kann denn das Grobsinnliche nicht noch am neuesten Tage Brauch 
werden, wie in den untersten Schichten die Rohheit sich überall ver- 
steht und methodischen Zusammenhang gewinnt? Letzteres allerdings! 
Aber dennoch benimmt dieser Einwurf den geschilderten Bräuchen 
nichts an ihrer Echtheit, Ursprünglichkeit und Berechtigung; denn der 
Gedanke, den sie ausdrücken, wenn auch bis zum Exceß unbeholfen 
und bis zum Lächerlichen naiv, ist ja zugleich der von der Natur- 
wissenschaft anerkannte Satz von der Metamorphose der Dinge, wer- 
nach nichts in der Welt verloren geht und aus dem Tode sich immer 
das höhere Leben entwickelt. So wird hier die Fäulniss des Leichnams 
hineingebettet in die Keimkraft des zugleich mit versenkten Fruchtkoms 
und aus der Zersetzung des einen wird die Wiederbefruchtung des 
andern oder gar beider poetisch gefolgert. Überdies stammt das ganze 
Glcichniss und die poetische Licenz, in welcher es der Bauer anwendet, 
nicht direct von ihm her, sondern ist nur bei ihm liegen geblieben, 
wie so manche andere alte Mode in Sprache, Brauch oder Tracht. 
Dieser jetzige Bauernbrauch war im Jahre Tausend noch Fürstenbrauch 
gewesen und hatte so viel Geltung, daß er auch in den weit ent- 
wickelteren Culturformen des dreizehnten Jahrhunderts die Gestalt 
unseres berühmtesten Minnesängers mit einem mythischen, bis heute 
andauernden Lichtschimmer zu umkränzen vermochte. Dies aufzuzeigen, 
reichen zwei hervorstechende Beispiele hin. 

Graf Richard , Herzog von der Normandie (allbekannt durch 
Uhlands gleichnamiges Gedicht), starb 996. Er lässt bei Lebzeiten die 
Abtei Fecamp erbauen und unter ihrer Dachrinne seinen steinernen 
Sarkophag errichten. Diester wird dann, so lange der Herzog noch lebt, 
alle Freitage mit Weizen angefüllt für die Armen, wobei ihrer jeder 
eben so oft fünf Kouenser Sous an Geld mitempfängt. Der Autor, 
welcher diese Stiftung verbürgt, ist Robert Wace, ein normannischer 
Dichter des 12. Jahrhunderts, dessen Reimchronik uns in der Über- 
setzung von Franz von Gaudy (1835, 142) mit dem eben erwähnten 
Umstände vorliegt. 

Hält man mit diesem Berichte die Würzburgersage vom Tod und 
Begräbniss unseres Dichters Walther von der Vogel weide zusammen, 
so wird dieselbe in dieser Verbindung nicht nur weniger empfindsam 
lauten als bisher, sondern auch nicht mehr als bloße Namenssage gelten. 
Die von Oberthür in den „Minne- und Meistersängern Frankens (1818)" 
aus einer handschriftlichen Lateinchronik mitgetheilte Stelle besagt 
nämlich, es habe sich Waltber seinen Sängernamen von der Vogel- 



. DAS ALLERSEELENBROD. 19 

weide (pascua avium) damit befestigt , daß nach seiner letztwilligen 
Verfugong in die vier Nischen seines Grabsteins, welcher unter der 
Linde im Lusamgarten des Lorenzostiftes zu Würzburg lag, täglich 
frischer Weizen gestreut werden mußte, damit bei ihm die Vögelein 
noch ihren Azungsherd und ihre Weide fanden. Das Capitel aber im 
Neumunster habe darauf diesen Opferweizen zu Semmeln verbacken 
und sie den Kanonikern an des Dichters Jahrzeit austheilen lassen« 
Man braucht diese Sage in keiner Weise erst umzudeuten, und selbst 
ihr Schlußsatz, der jetzt einem bloßen Hiebe gegen mönchische Genuß- 
sucht gleichsieht, hat als echt und vollberechtigt mit zu gelten. Wieder- 
holen sieb doch die gleichen Zeugnisse anderwärts und schon früher, 
z. B. von Kaiser Heinrich dem Vogelsteller. Nach seinem Tode schickte 
die Kaiserin Mathilde um seiner Seelenruhe willen stets einen Diener 
in den Wald, um an derjenigen Stelle auf dem Rothenberge die Vögel 
zu futtern, wo ihr Gemahl einst seinen Vogelherd gehabt hatte. Pröhle, 
Harzsagen 1, 292. Walthers Beiname von der Vogelweide ist kein 
dichterischer, sondern ein weidmännischer und bezeichnet das Geschäft 
des Falkoniers; aber er wurde einseitig umgedeutet, da man auch 
Walthers Stiftung einseitig auffasste. Diese letztere sollte freilich den 
über dem Dichtergrabe fortsingenden Vögeln mit zu gut kommen, 
aber um so weniger die Überlebenden vom Mitgenusse ausschließen. 
Denn wie hatte dies gerade der Dichter zu bestimmen vermocht, dessen 
höchster Liederpreis die Milde, die Freigebigkeit, die selbst an dem 
saracenischen Saladin von ihm so hochgeschätzte menschenfreundliche 
Großmuth ist. Auf daß diese Milde ihn auch im Tode noch schmücke, 
soll sein Grabstein täglich frisch mit Koi n überschüttet werden, damit 
die Armen ihre Weizensemmel und die Vögel ihr Weizenkörnlein hier 
finden. Aber haben wir denn diesen Zug der ritterlichen Sage nicht 
bereits im Vorausgegangenen in seiner bäuerischen Anwendung reich- 
lich genug aufgezeigt? Mehl und Frucht stellt der Landmann beim 
Seelgottesdienste auf die Trauertumba, die Zweckbrode des Seellailj- 
chens, der Zöpflein und Spitzwecken verschenkt er an die Begehrenden, 
Altar und Kirchencruzifix überschüttet er reichlich mit jeder von ihm 
gewonnenen Körnerfrucht — Alles, um im Namen der Verstorbenen 
die Armen zu speisen; bis etwa auf die armen Vögelein. Doch auch 
sie bleiben bei ihm nicht vergessen. Ihnen stellt er um Weihnachten 
eine ungedroschene Korngarbe auf die Stange vors Haus, damit auch 
sie das ihrige mit am W^eihnachtsschmause haben. Und indess wir 
denken, dies möchte zwar irgendwo, aber doch nur als eine gutherzige 
Ausnahme geschehen, wird es uns von der Allg. Augsb. Ztg. (1858, Nr. 7) 



20 E. L. ROCHHOLZ 

als ein stehender Bauernbrancfa aus Schweden gemeldet, während man 
durch Birlinger (Volksthümliches aus Schwaben 2, 8) genugsam wissen 
könnte, daß es bei unserem eigenen Landvolke gleichfalls noch nie- 
mals vergessen worden ist. 

Dies sind die für den Ruhm und Frieden der Abgeschiedenen 
gestifteten und den Überlebenden gewidmeten Kornspenden. Nun von 
dem allgemeinen Todtenopfer zum besondern übergehend, berichten 
wir im Folgenden noch von der vielfachen Art und Form unserer 
landschaftlichen Seelbrode. 

n. Das Knchenopfer. 

Die Sorge katholischer Landleute für das Seelenheil ihrer Ab- 
geschiedenen bleibt das ganze Jahr über eine stillgeübte Pflicht, die 
sich mit stummen Zügen allen gedenkbaren Hausgeschäften einprägt. 
Wenn man die Brosamen des Eßtisches eine Woche hindurch in der 
Tischtruhe gesammelt hat, schüttet man sie Samstag Nachts ins Herd- 
feuer; denn so dienen sie für den kommenden Feiertag den Armen- 
seelen zur Absättigung. Was beim Herausschöpfen aus der Suppen- 
schüssel auf den Tisch abfällt, jene Milchstraße von der Schüssel bis 
zum Kindsteller hin, darf nicht wieder in den Teller herein genommen 
werden, sondern verbleibt den Armenseelen. Macht die Frau den Brod- 
teig an, so wirft sie eine Hand voll Mehl hinter sich, ein Stückchen 
Teig in den Backofen, beim Küchleinbacken erst etwas Schmalz aus 
der Pfanne, dann auch das erste Küchlein ins Feuer. Sogar die Holz- 
hauer im Walde legen ihr zu hart gewordenes Brodstückchen auf die 
Baumstämme hin: Alles für die Armenseelen. Wenn die Hofbäuerin 
am Samstag ihr frisches Kleinbrod zu backen hat, wie man es für 
jeden Feiertag begehrt, so werden aus den Teigresten der Backmulde 
klotzförmige Brödchen geknetet, Mutschen, Spend- und Almosenbrödlein 
genannt. Man verschenkt sie an vorüberziehende Fremde und Arme. 

Es ist dies ein hier an die Armuth, dorten an das Feuerelement 
hingegebener, geopferter Theil, damit dadurch dem übrigen Hausbrode 
die gesegnete Nährkraft verbleibe; zugleicli aber geht der Empfänger 
die stillschweigende Verpflichtung ein, seine vorgeschriebene Anzahl 
Vaterunser für die Armenseelen abzubeten. Der Brauch ist eben so alt 
als landschaftlich weitreichend, er findet sich im Süden und Norden. 
So muß der schwäbische Lehensbauer auf Schloß Hohenkrähen im 
Namen des dortigen- Burggeistes, so oft man backt, jedem vorbei kom- 
menden Bettler einen Laib Brod schenken (Meier, Schwab. Sag. Nr. 85), 
und der norddeutsche Edelherr, von welchem Ad. Kuhn erzählt (in 



DAS ALLPiRSEELENBROD. 21 

V. d. Hagens Germania 9, 94) hat testamentarisch verfngt, daß jedem 
Armen, der sein Landgut betritt während man da backt, ein Brod 
verabreicht werde. 

Noch viel lebhafter drückt sich dieselbe Sorgfalt für die Abge- 
schiedenen aus, wenn die Zeit des Allerseelenfestes naht. Dann brennt 
die Nächte durch ein Licht in jedem Hause, die Lampe ist nicht mehr 
mit öl, sondern nur mit Schmalz gefüllt, die Wohnstube wird vor 
Schlafengehen gekehrt, die innere Thüre, oder mindestens ein Fenster- 
schalter bleibt geöflftiet, das Feuer am Herde ungelöscht, das Tischtuch 
unabgenommen, das Nachtessen unabgetragen, ja man setzt noch Milch 
und Krapfen frisch hinzu, oder Wein und Fleisch, anderwärts sogar 
neunerlei vorgeschriebene Speisen, man geht frühzeitiger zu Bette, 
Alles um die lieben Engelein ungestört einkehren zu lassen. Denn heute 
soll ihnen alles im Hanse zu Gute kommen. Am Herdfeuer sollen sie, 
diese Weitgewanderten, sich erwärmen, mit dem Weihwasser neben 
der Stubenthüre, mit dem Schmalz in der Hauslampe sollen sie sich 
die Brandwunden des Fegefeuers kühlen, mit dem Nachtlichtlein sich 
die müden Augen des Grabes erhellen; und obschon sie keine der 
neunerlei Speisen berühren, so werden diese doch aufgetischt und Tags 
darauf mit neuem Korn , mit neuem Obst und frischem Most dieses 
Jahrganges den Armen und fremden Kindern vertheilt, welche für die 
Annenseelen um so mehr beten werden. So ist es Bauernbrauch in den 
Landschaften Tirols, Altbaierns, der Oberpfalz und Deutschböhmens, 
über welche die sittengeschichtlichen Sammelwerke von I. V. Zingerle, 
Jos. Lentner, Schönwerth und Grohmann vorliegen. Jedoch Ähnliches 
hat ehemals überall gegolten, es war neben und außer dem Christen- 
brauche, beim deutschen und beim welschen Bauern vorhanden, und 
so gibt es sich durch weite Länderstrecken noch in fühlbarer Ober- 
einstimmung zu erkennen. Ove Thomsen berichtet, daß der nordische 
Bauer in den Julnächten, in denen die Himmlischen ihren Umzug 
halten, die Speisen am Tische stehen lässt und eine Ose Bier dazu 
setzt für die einkehrenden Alfen; sogar der Schöpfbrunnen wird zu- 
gedeckt, damit Nachts kein Unterirdischer hinein falle. Der Ehste, 
über dessen Bräuche Boecler-Kreuzwald im Jahre 1854 besonders ge- 
schrieben hat, heizt am Allerseelentag die Badstube, richtet drinnen 
eine Mahlzeit an und ruft seine Verstorbenen alle dazu mit Namen 
herbei. Die Speisekammer und die Hausthüre bleibt ungeschlossen» 
jeder voruberreisende Unbekannte wird gastlich aufgenommen, in seiner 
Gestalt könnte sich ja der Abgeschiedene verbergen, und heute soll 
der unsichtbare und der wirkliche Gast an nichts Mangel haben. Noch 



22 £• L. BOCHHOLZ 

heut za Tage legen die Ruthenen und Polen in Galizien Getreidekomer, 
ja auch Bratwürste den Verstorbenen in den Sarg. Die Serben, le^en 
am Montag nach dem Weißen Sonntag rothgefarbtc Eier auf die Gräber. 
Am Allerseelentage backt der Böhme das Gebäck duSiökij im Taborer 
Kreise schenkt man es Kindern und Bettlern, damit sie für die Ver- 
storbenen beten. Grobmann, Aberglauben aus Böhmen und Mähren 1, 
pag. 190. In der heutigen Bretagne dauern jene uralten Todtenbräuche 
noch immer an, die einst der hl. Germanus daselbst vorfand und als 
heidnische vertilgt zu haben meinte. Als da der Heilige seinen welschen 
Gastfreund, bei dem er Herberge genommen hatte, nach beendigter 
Abendmahlzeit abermals den Tisch decken sah und um sein Vorhaben 
befragte, erhielt er die Antwort: den guten fr awlin^ die dd des nacktes 
areuj denen bereit man zu eßen. So lautet die betreffende Lateinstelle 
der Legenda aureuy übersetzt in der Aulendorfer Incunabel-Legende, 
die beide in Grimms Mythologie 1011 und im Germ. Anzeig. 1864, 248 
zu diesem gleichen sittengeschichtlichen Zwecke angeführt stehen. Es 
sei hierauf, berichtet die Legende weiter, ein Schwärm von Nacbt- 
fahrem wirklich zu Tische erschienen und von den Anwesenden für 
lauter Nachbarsleute angesehen worden, bis Germanus ihnen sie als 
Teufelsspuk entlarvte. Dies waren aber dieselben Armenseelen, fiir 
welche bis heute in der ganzen Bretagne die Festnacht hindurch alle 
Glocken geläutet, alle Gräber bei Fackelschein frisch geweiht, alle 
Höhlungen der Grabsteine mit Milch gefüllt werden. Während dann, 
berichtet Villemarque weiter in den Bretonischen Volksliedern, die 
Mutter Gottes zur Labung der Begrabenen einen Tropfen Muttermilch 
mit auf die Grabsteine gießt, deckt man zu Hause neuerdings den Tisch 
mit frischen Speisen ; Bettler ziehen an den Thuren umher und singen 
im Namen der Todten ein Lied mit dem Refrain: 

Ihr schlafet süß und weich zumal; 

Die armen Seelen sind in Qual. 

Ihr ruhet aus in sanftem Schlummer; 

Die armen Seelen sind in Kummer. 
So verwandelt sich dieses Tages die ganze Bevölkerung in Gebende 
und Gehrende, beiderseits zum Heil der Verstorbenen Gaben heischend 
oder vertheilend. Nicht anders ist in den katholischen Landschaften 
Oberdeutschlands der Allerseelentag ein allgemeiner Spendtag. Der 
Bauer beschenkt seine Dienstboten, der Pathe seine Pathenkinder, der 
Liebende den Schatz, die Gemeinde ihren Pfarrer, Arm und Reich, 
Alt und Jung empfängt oder gibt das Zweckbrod des Seelzopfes und 
Spitzweckleins. Nach diesem letzteren heißt in der Oberpfalz der Tag 



DAS ALLEBSEELEKBROD. 23 

der Spitzelntag. Aus weit entfernten Gegenden kommen die Armen 
schaarenweis herbeigezogen, um unter dem Spruche : Gelobt sei Jesus 
Christas um e Spitz'l! das frische Weizen wecklein in Empfang zu 
nehmen. Niemand verweigert das herkömmliche Geschenk, das längst 
das Wahrzeichen der geschichtlichen Helden und Landesheiligen dieser 
Gegenden geworden ist. Drei solche Weißwecken führt der Schwaben- 
herzog Hiltebrant im Schilde. Seine Tochter, die hl. Hiltegardis, die Er- 
bauerin des zerstörten Klosters Hillemont in Kempten, wird abgebildet, 
in einer Hand das Modell des Stiftes tragend, in der andern das Kipf- 
brod des Spitzwecken, und Rader in der Bavaria ganeta (München 
1624. 2, 110) meldet, daß noch zu seiner Zeit im Kemptner Stifte 
jeden Montag und Freitag an 200 Menschen solche Wecken ausgetheilt 
erhielten. So trägt auch die hl. Notburga, ferner der Abt August von 
Einsiedeln und der Wettinger Abt Berohardus auf Altarbildern und 
Glasgemälden einen solchen rautenförmigen, der Länge nach geschlitzten 
Kipf in der Hand. So vertheilt man in Tirol auf Allerseelen tag die 
Seelstück'l, Süßbrode, die für Knaben in Form eines Rössleins oder 
Hasen, für Mädchen in der einer Henne gebacken werden; in Altbaiern 
und Würtemberg machen die Bäcker das Mürbbrod der Seelzöpfe und 
der süßen Zuckerseelen auf den Verkauf; in Welschtirol und der ro- 
manischen Schweiz sind noch die sogenannten Todtenbeinchen , und 
in niederdeutschen Landstrichen die Stutenbrode altherkömmliche, iiir 
dieselbe Festzeit bestimmt gewesene Spendbrode. 

Eine nachfolgende kurze Beschreibung dieser Brode beginnt mit 
dem kleinsten und nun seltensten, um mit dem größten und am meisten 
verbreiteten abzuschließen. 

Man pflegt in Engadin ein Mandelbrod kipftormig zu backen und 
in Dessertschnitten zum Nachtische zu verspeisen. Diese Schnitten 
nennt man „Todtenbeindli*^. Ein anderes länglich geformtes Süßbrod, 
das in Samaden in Graubünden beliebt ist, trägt zwar nicht mehr 
jenen widerwärtigen Namen, dagegen noch vollkommen die Gestalt 
eines formlichen Röhrknochens. Es gleicht dem Mürbbrode der soge- 
nannten Bubenschenkel, wie sie in Hessen üblich sind und namentlich 
an der Bergstraße auf den Verkauf gebacken werden. Auch in der 
westfälischen Mark, wie aus einer brieflichen Mittheilung von Dr. Woeste 
in Iserlohn zu entnehmen ist, namentlich in Breckersfeld, ist gleichfalls 
ein ähnliches Brodgebäcke üblich, das wegen seiner auffallenden Ge- 
stalt Quertreiber, twäersitiwer , genannt wird. Diese Todtenbrode er- 
innern zunächst an die Beinhäuser, die auf katholischen Dorfkirchhöfen 
zur Aufschichtung der ausgegrabenen Todtenschädel und Röhrknochen 



24 £• L. BOCHHOLZ 

errichtet sind. Es steht außer Zweifel^ daß diese Beinhäuser anf deut-^ 
schem Boden ursprünglich heidnischer Abkunft sind, denn der ger- 
manische Knoohencultus ist nachweisbar in unseren Landschaften älter 
als der christliche Grabcultus. An die Erhaltung der Knochensubstans 
knüpfte der Germane die Fortdauer überhaupt und gab daher seinen 
Leichen Ersatzknochen und Ersatzschädel, sogar hölzerne, mit ins Grab, 
Es ist bereits jener Thonschädel im Vorausgehenden gedacht, welche 
der Verwundete mit Korn füllt und zu Opfer- und Heilzwecken an 
Capellenbäume aufhängt. Man erinnere sich dazu jenes Kindermärchens 
vom Machandelböm ; das von der Stiefmutter ermordete und verscharrte 
Kind verwandelt sich alsbald in einen geflügelten Engel, sowie seine 
Knochen wieder aufgelesen sind. Und daher stammt ja das Volkslied 
im Gotheschen Faust! 

Mein Schwesterlein klein 

Hub auf die Bein, 

Da ward ich ein schönes Waldvögelein, 
Diese Voraussetzungen sind durch den Gräberfund bereits bewahrheitet« 
In dem Alemannischen Grabfelde am Lupfen, im Würtemberger Ober- 
amte Tuttlingen, hat man solcherlei hölzerne Ersatzfüße in nicht ge- 
ringer Anzahl erhoben; anderwärts findet man zwei Schädel zu einem 
einzigen Gerippe im Heidengrab, und eben dahin wird es zu rechnen 
sein, wenn irgendwo einmal ein kirchlich verehrtes Heiligengerippe, 
ausgestellt in seinem Glaskasten auf dem Altar, zwei linke Arme oder 
zwei rechte Beine zu sehen gibt. In der Pfarrkirche zu Hiltisrieden, 
Kanton Luzern, liegt ein hl. Leib ausgesetzt, welcher zwei linke Beine 
hat. Obschon es hierüber manche Nachbarspöttereien gibt, entfernt man 
dieses eine unpassende Bein doch keineswegs. Ob nicht etwa die Er-* 
richtung der Beinhäuser auf Christenkirchhöfen erst erfolgt sei, um 
dadurch dem heidnischen Missbrauch zu steuern, der in Form des 
Knochencultus ausnehmend weit um sich gegrifien hatte, lässt sich 
zwar noch nicht mit Bestimmtheit angeben; Thatsache indessen ist, 
daß für Deutschland erst die späten Synoden von Münster i. J. 1279 
und von Köln v. J. 1281 die Errichtung von Beinhäusern auf Kirch- 
höfen verordnen. Der ins Bessere umgeänderte und kirchlich geweihte 
Brauch führte zwar zu abermaligem Missbrauch, nahm aber diesmal 
den Verlauf, daß es die Laienschaft war, welche einer zu weit aus^ 
gesponnenen Priesterlehre schließlich ein Ziel setzte. Noch vor dem 
Beginn der deutschen Kircbenreform begann der sittenreformierende 
öffentliche Geist gegen die gehäuften Spenden zu eifern, die man dem 
Clerus tur die Ruhe der Verstorbenen gewidmet hatte und widmete, 



DAS ALL£RS££L£NBBOD. 25 

und namentlich die Todtenbeine sind es, die in den hierüber ge- 
wechselten Fing- und Streitschriften eine stehende Rolle spielen. Damals 
schrieb der erste deutsche Dramatiker des sechzehnten Jahrhunderts, 
der Basler Buchdrucker Pamphilus Gengenbach, ein jemerliche clag vber 
die Todtenfreßer; er legt darin einer Nonne, d. h. der bei Begräbnissen 
bezahlten Leidfran, die Worte in den Mund: 

die todten bain schmecken uns wol, 

dobei wir tag und nacht sind vol. 
Gengenbachs Landsmann und Nachfolger in der Schauspieldichtung 
ist der Bemer Nikolaus Manuel. Von ihm berichtet der Berner Chro- 
nist Valer. Anshelm zum Jahre 1522: „Es sind ouch diß Jahrs hie 
zu Bern zwey in wite Land ußgespreite Spil durch den Maler Niklausen 
Manuel gedichtet und offenlich an der Kriitzgassen gespilet worden; 
eins, nämlich der Todtenfrässer , berührend alle Mißbrüch des ganzen 
Bapstthumbs, uff der Pfaffen Fasnachf^. Damals begann man die Bein- 
häuser auszuleeren, die Knochen zu beerdigen, die Obrigkeit untersagte 
den Luxus der gehäuften Todtenopfer, Seelmessen und Leichenschmäuse. 
Wollte eine Landschaft nicht alsbald die hergebrachten rituellen Schwel- 
gereien unterlassen, so zog sie sich den Scheltnamen Todtenfresser zu, 
wie er deshalb bis heute der Bevölkerung des Zürcherlandes verblieben 
ist; vgl. Meyer- Knonau, Beschreib, des Kt. Zürich 2, 154. 

Das Stutenbrod, niederländisch stuitef das jetzt noch bei ostfrie- 
sischen Leichenbegängnissen vertheilt wird, gehört seiner Namens- 
bildung nach dem niederdeutschen Sprachkreise an und hat daher seine 
Verbreitung von Holland und Schleswig an bis Köln und Halle gehabt. 
Es ist ursprünglich ein großes schenkelförmiges Weißbrod, das an 
seinen dicken Enden abgerundet, wie der Bäckerausdruck sagt, ge- 
stoßen ist, und also gar nichts mit dem Thiernamen Stute, nieder- 
deutsch etootf gemein hat, obschon man Tiroler Todtenbrode auch in 
Form von Rösslein backt. Eine ganze Last solcher Stuten wird beim 
Begräbnisse der reichen Frau Richmond in Köln an die Stadtarmen 
ansgetheilt. Firmenich 1, 449, Das Staudenbrod zu Halle ist ein ge- 
klotzt stehendes Rundbrod und hat also seine ursprüngliche Form 
verloren; wogegen in Appenzell-Innerrhoden die alte Brodform, jedoch 
ohne Eigennamen, sich erhalten hat. Bei dem Begräbnisse einer Bäuerin 
im Hochthale des Sentis i. J. 1863 schritt die Nachbarsfrau dem Sarge 
voran mit einem kolossalen Wachsstock, dann folgte der Verstorbenen 
Ehemann, der ein eben so kolossales Langbrod auf einer Schüssel 
nachtrug, Jliefstabl bat die Scene in einem hübschen Ölgemälde dar- 
gestellt. 



26 £• L- ROCHHOLZ 

Das im deutschen Soden am weitesten verbreitete Weih- und 
Festbrod ist der sogenannte Zupfen, ein Eierwecken in Form einer 
spitz auslaufenden Haarflechte. In Handlänge halten es die Weißbäcker 
das ganze Jahr über feil, in Ellenlänge aber backt es die Haushaltung 
auf Weibnachten und Neujahr, und der Katholik auf Allerseelen. Als- 
dann wird es in fast unglaublichen Quantitäten verbraucht. Im Jahre 
1860 berichteten die Berner Localblätter, daß am damaligen Neujahrs- 
tage einer der Stadtbäuker zu Bern bis zu 1300 Frcs. Züpfenwecken 
verkaufte. Der Tauf- oder Firmpathe beschenkt sein Pathenkind damit 
und steckt ihm heimlich ein neues Frankenstuck hinein, ebenso der 
Bäcker seine Kunden , der Wirth seine Stammgäste , der Herr sein 
Gesinde. Gänd üa au ne Wegge mit sibezich Zöpfe ! betteln da die Kinder 
selbst guter Familien vor fremden Fenstern herum. Keinem wird die 
Gabe abgeschlagen, dem Dürftigen auch noch ein Geldstück, ein Klei- 
dungsstück dazu verabreicht. Im Berner Kanderthale nennt man dies 
Brod geradezu den Ziebel (Zipfel), in Baiern Seelzopf, Seelwecken und 
Seelzelten, die Schwaben zuckern es und nennen es Zuckerseelen; mit 
Bierhefe angemacht nennt man sie Hefenseelen, mit Eierweiß bestrichen 
und als mürbe Ringlein gebacken, sind es die nackenden Seelen. Frei- 
lich bedeutet das Wort Seele hiebei auch die überschüssige oder nicht 
richtig ausgebackene BrodfüUe, woher denn auch die Bäckersatzung 
stammt: Bretzen sollen keine Seele (Teigfulle) haben; allein Name und 
Bestimmung des Gebäckes bleibt dadurch unangefochten, es ist ein 
Todtenbrod, dessen Verwendungs- und Benennungsweise besonders nach 
Südosten so weit über das deutsche Sprachgebiet hinaus sich erstreckt, 
als dorten deutsche Niederlassungen bleibende gewesen sind. Bei Ungarn 
und Serben sogar ist es einheimisch, nur ist es dorten einen Tag nach 
dem Allerseelenfeste auf Allerheiligen verlegt und trägt davon den 
Namen Allerheiligen - Stritzeln. Eine Südslavin, die Tochter eines 
ungarischen Geistlichen in Szobb, hat ihren deutschen Verwandten in 
der Schweiz eine briefliche Beschreibung der Vorgänge gemacht, unter 
denen man in Ungarn dies Festbrod backt. Am Vorabend von Aller- 
heiligen pflegen die Bäckermeister sämmtliche junge Leute ihrer Nach- 
barschaft zu sich ins Haus zu laden. Hier hat der Meister mit den 
Gesellen den Kolatschenteig bereits ausgeknetet, zu gleichen Theilen 
abgewogen, in lange Teigstriemen geschnitten und geordnet auf die 
blanke Tafel gelegt. An dieser bittet er die erschienenen Jungfrauen 
und ihre Galane Platz zu nehmen, und aus je vier solcher Teigstriemen 
einen Zopf zu flechten. Man legt je ihrer zwei übers Kreuz, flicht davon 
vierfache Zöpflein und drückt sie an ihrem Ende in eine gerundete 
Schleife zusammen. Die kleinen einfachen kosten ein paar Kreuzer und 



DAS ALLEBSEELENBBOD. 27 

entsprechen nnsenn oberdeutschen Marktbrod von ähnlicher Form; die 
mehrzöpfigen und größeren unserm ellenlangen Zöpfenbrod. Während 
das Fräulein flicht, hat ihr der beigeordnete Galan den Hof zu machen ; 
er nimmt ihr die fertigen Stritzeln ab, füllt damit das Einschußbrett 
und überbringt es dem Bäckergesellen, der es in den Ofen schießt. 
Dies dauert bis Mitternacht. Schlag zwölf Uhr trägt die Beckenfrau 
den Kaffee und die ersten frischen Stritzeln auf, ein paar Stunden wird 
getafelt und gescherzt, dann geht es an den zweiten Theil der Arbeit. 
Den Mädchen werden nun längere und breitere Teigstriemen vorgelegt, 
aus denen ftinflheilig gezöpfbe Rosinenkuchen geflochten werden. Man 
nimmt an, dieser Brauch, der in den reformierten Gegenden Ungarns 
herrscht, stamme aus sehr alter Zeit. Ehedem, heißt es, da mau hier 
zu Lande noch reicher und freigebiger war, hat man solche Stritzeln 
in jedem Hause die ganze Festnacht hindurch gebacken und sie Tags 
darauf an die Kinder und Armen verschenkt. Heute noch ist es daher 
dorten Kinderglauben, die lieben Heiligen brächten dies Süßbrod auf 
ihren eigenen Namenstag mit vom Himmel herab. 

Auch dieses besondere Gebäcke der Stritzeln vermöchte hier seine 
eigene Geschichte zu erzählen, zieht sich doch sein Schmalzgeruch 
halb unangemessen bis in den Anbeginn der klassischen Periode unserer 
deutschen Litteratur herein Da ist es Lessing, der Leipziger Student, 
der mittellos und bei harter Winterskälte von den Eltern nach Camenz 
heimberufen wird, um sich darüber zu verantworten, daß er die ihm 
von der Mutter überschickten Weihnachtsstritzeln mit den gottlosen 
Schauspielern der Neuber' sehen Bande verzehrt hatte. Diese Anekdote 
lehrt mindestens, daß unsere Klassik, so häufig sie auch von den grie- 
chischen Göttern redete und mit Nektar und Ambrosia sehr verschwen- 
derisch umgieng, in bäurischer Einfalt und Entbehrung aufwuchs und 
eben daher den verloren gewesenen Ton der Naturtreue und Wirk- 
lichkeit wieder anzustimmen vermochte. Doch anstatt hier noch weiter 
abzuweichen, ist es Zeit, das geschilderte Zweckbrod des Seelzopfes 
zu seiner noch ausstehenden Erklärung zu bringen und damit diesen 
Bericht abzuschließen. 

Die Form der Haarflechte und des Frauenzopfes verräth sich 
außer an dem eben geschilderten Seelzöpfen, als einem Opferbrode 
zum Angedenken an die Verstorbenen, auch noch beim Emteopfer. 
Wenn man einen Kornacker bis auf ein paar letzte Ahrenbüschel, ein 
Flachsfeld bis auf wenige Stengel abgeschnitten hat, so lässt der bai- 
rische Bauer die noch übrigen Halme durch seine Schnitterinnen in 
einen Zopf zusammenflechten und sie bekränzen ; dafür lohnt er dann 
die Mädchen mit Jungfernmilcb und Jungfernschmarren, d. h. er setzt 



28 £• L* ROCHHOLZ 

ihnen außer dem Schnittermabl auch noch Milch mit Schmalzbrod vor. 
Jener geflochtene Ährenbüschel wird der Aswald genannt, man nmtanzt 
ihn singend, weiht ihm die letzten Krumen des Brodkorbes und eine 
Libation des Restes vom Schnitterbier; jener Flachsbüschel wird aas* 
drücklich zu Ehren der Flurgöttinnen und Waldfrauen geflochten, der 
Spruch dazu lautet in Panzers Baier. Sag. 2, 161: 

Holzfräule, da flecht i dir ein Zöpfle, 

So lang als wie Weiden, 

So klar als wie Seiden. 
Verwandte Volksvorstellungen in verschiedenen deutschen Landstrichen 
zeigen, daß man das besondere Merkmal eines Segensgeistes oder eines 
Koboldes je nach der Pflege oder Verwilderung seines Haupthaars 
bemaß. Dieses wallt bei guten Geistern lang und zart hinab, bei ver- 
wünschten ist es struppig und verworren. Schweizerischer Volksglaube 
ist es, daß die guten Hauszwerge den Rossen im Stalle Mähne und 
Schwanz höchst kunstvoll flechten, während der Hauskobold selbst 
den Kühen das Haar verfilzet. Der hübsch in einen Haarkranz gerun- 
dete Frauenzopf heißt nach Aargauer Benennung Ährizopf, Komzopf ; 
das ungeordnete Haar dagegen Heuel und Holle. Dieselbe Anschauung 
herrscht in Thüringen, wo man den Wichtel- und Weichselzopf Sael- 
locke nennt; auch in Bremen, wo er Selkensteert, Seelentost heißt und 
auf Sterz, Schwanz und Locke der verwünschten Geister bezogen wird; 
in Sachsen und der Mark heißt er Hollenzopf, in Schlesien Alpschwanz. 
Unter Aufsicht der Göttin Holle wird wohl das Haupthaar der Kinder 
und Mütter gestanden haben, so gut wie der Flachs, welcher in Ober- 
deutschland gleichfalls Haar heißt. Wer daher um Neujahr den Rocken 
nicht abgesponnen, das Haar nicht sauber geschlichtet hat, dem wird 
Beides von der durch den Ort ziehenden Göttin in einen Hollenzopf 
verzaust. Das am Allerseelentag in Zopfform gebackene Brod versinn- 
bildlicht daher nur die Fortsetzung jenes Liebesdienstes, unter welchem 
man einst den Verstorbenen ins Grab gelegt hatte. Die Edda schreibt 
vor: „Ein Hügel soll dem Heimgegangenen erhoben, gewaschen und 
gekämmt soll er bestattet werden.'^ Kämme und Scheermesser aus Bronze, 
in Heidengräbem aufgefunden, verzeichnet Weinholds Schrift, heidnische 
Todtenbestattung 1, 89. Eiserne Haarscheeren sind in den Alemannen- 
gräbem zu bairisch Nordendorf und in der Gegend des mittleren Ko- 
chers in Würtemberg erhoben worden. Es ist noch Aargauer Bauem- 
brauch, dem Todten seinen Kamm mit in den Sarg zu geben; wer 
sich sonst damit kämmen würde, verlöre die Haare. Nur der einge- 
fleischten Lieblosigkeit soll diese Pflicht der Pietät nicht gewidmet 
sein, der Hartherzige soll mit seiner Münze bezahlt werden; daher 



DAS ALLERSEELENBROD. 29 

behauptet die Volksrede : Käufliche Richter und schlimme Waisenvogte 
werden einst von den Läusen gefressen. Aus solchem Grund ist es 
schon bei Homer höchster Beweis liebender Hingebung, wenn Achilleus 
in Trauer um seinen geliebten Patroklos sich das Haupthaar abschneidet 
und es dem Grabe des Freundes weiht. Nicht bloß des eigenen Hauptes 
Sinn und Gedanke sendet man damit dem Verstorbenen zu den Schatten 
nach, sondern dieser soll unter ihnen erscheinen wie sonst im Leben, 
nach dem Ausdrucke der Hellenen als ein hauptumlockter Achäer, 
nach christlicher Anschauungsweise als ein goldlockiger Engel. Die 
griechische Mutter weihte vor der Niederkunft und für die Gesundheit 
des Neugebornen ihren Haarschnitt der Gesundheitsgottin Hygieia; 
und so eifrig, versichert Pausanias, war die mütterliche Liebe bei 
solchem Opfer, daß manche Bilder dieser Gottin vor der Fülle umge- 
bundener Haare kaum zu erkennen waren. Der sich noch selbst über- 
lassene deutsche Leichenbrauch weiht zwar den Todten nun keine 
Locke mehr, er schneidet sie ihnen wohl eher ab und bewahrt sie zum 
Angedenken; aber er überdeckt einmal des Jahres ihr Grab mit Opfer- 
broden, in deren Form, Größe und Anzahl noch immer der Wunsch 
sich ausdrückt, wie vollkommen und stattlich das geliebte Haupt unter 
den Seelen erscheinen möge in der Lockenfulle seiner Jugend oder 
Männlichkeit. So lebt die Sitte und Urtheilsweise der Ahnen, wenn 
die Geschichtsquellen nicht einmal ein nur kärgliches Zeugniss darüber 
ablegen, oft noch fort in dem unverstandenen Volksbrauche der Gegen- 
wart. Diesen Brauch immer mehr verstehen und ihn in seinen humanen 
Gründen an die unsere Zeit bewegenden Gefühle anschließen zu lernen, 
ist deshalb ein gedeihliches Unternehmen, weil darüber nicht bloß 
unsere Heimatskunde, unsere Kunde aus der Vorzeit wächst, sondern 
zugleich auch deren bestes Kind, dieses patriotische Bedürfniss unserer 
Tage, unser deutsches Gesammtvaterland. 



NU BEI HARTMANN RELATIV GEBRAUCHT. 



Lachmann zu Iwein 2528 sagt: „ich glaube Hartmann gebraucht 
nü niemals relativ". — Zarncke mhd.WB. 2, 42r sub/: „bei Hart- 
mann scheint es nicht in relativer Bedeutung vorzukommen"; doch 
befriedigt ihn nicht Lachmanns Deutung von Erec 7027. Lachmann 
wie Zarncke haben übersehen a. H. 1241 : 

nü er si alse schoene sach, 
wider sich selben er dd sprach. 
BERLIN. ADOLF MANNKOPFP. 



30 ADOLF HOLTZMANN 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE UND GLOSSEN". 



VON 

ADOLF HOLTZMANN. 



I Glossar Bd und Re. 

Der oben (8, 395) beschriebene Reichenauer Codex 99 enthält 
auf Blatt 56 bis 104, also auf den nämlichen Blättern, auf welchen 
Glossar Rh geschrieben ist, auf dem hintern, leergebliebenen Raum die 
beiden Glossare Rd und Re. Beide sind zwar von Grafi ffir den Sprach- 
schatz benützt, aber noch nirgends gedruckt. Sie gehören zu den wich- 
tigsten Quellen unseres Wörterbuchs und sind sehr reich an seltenen 
Wörtern. Geschrieben sind sie noch im achten Jahrhundert, und die 
alte Schrift, besonders die Verbindung des a mit folgendem n, h^ l 
u. s. w. hat häufige Lesefehler veranlasst. Ich gebe sie hier nach meinen, 
vor mehr als zwanzig Jahren genommenen Abschriften und in zweifel- 
haften Fällen nach neuer Einsicht des Codex. Weggelassen habe ich 
nur diejenigen nicht zahlreichen Glossen, die weder ein deutsches Wort, 
noch sonst etwas Merkenswerthes enthalten. Das kurze Glossar Re 
habe ich nach den Buchstaben mit Rd verbunden, so daß also nach 
dem A aus Rd gleich A aus Re folgt u. s. w. Es ist dadurch die Ver- 
gleichung mit den Glossen Jun. b erleichtert. Ich bemerke noch, daß 
der Schreiber von Rd die Absicht hatte, das Glossar zu vermehren; 
wie daraus hervorgeht, daß er nach dem A anderthalb Seiten, nach B 
eine, nach C sogar sieben Seiten freigelassen hat. Es ist daher wahr- 
scheinlich, daß das Glossar keine Abschrift ist, sondern die erste Schrift 
desjenigen, der die Glossen eines älteren biblischen Glossars nach den 
Buchstaben zu ordnen suchte. Als alphabetisches Glossar ist es die 
Urschrift, aber die einzelnen Glossen sind doch abgeschrieben aus einem 
älteren Werke. 

Wir besitzen eine zweite Handschrift desselben Glossars in Jun. 6. 
gedruckt in Suhm, symbolae ad Literaturam teutonicam, Havniae 1787, 
S. 193 — 233. Der fehlerhafte Abdruck kann aus Boxhorn, historia 
universalis, Lugduni 1652, wo S. 452 und folg. zuerst das Glossai 
Jun. A^ aber alphabetisch geordnet, dann das Glossar B^ aber nur bis 
zur Glosse cum parturiretj Jun. 198, abgedruckt ist, berichtigt werden. 
Doch ist der Codex, der aus Murbach im Sundgau stammt, noch vor- 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 3I 

handen in der Bodleiana in Oxford, als codex Jtin. 25. siehe Wanlei 
cat libr. vcl septentr. p. 322. Vergleichen wir den Murbacher Codex 
nach dem Abdruck bei Suhm mit dem Reichenauer, so zeigt sich deut- 
lich, daß der erste unmittelbare Abschrift des zweiten ist. Wie in un- 
serem Druck hat der Schreiber von Jun. b nach jedem Buchstaben von 
Rd denselben Buchstaben aus Re eingetragen; damit sind zuweilen 
noch einige Worter aus einem dritten Glossar verbunden. Im Buch- 
staben C ist es aufßillend, daß alle Glossen von cicatrix (64*) bis zu 
Ende und ebenso Re in Jun. b fehlen, an deren Stelle einige im 
Reichenauer Codex fehlende Wörter stehen circumquogue bis coniceri; 
vielleicht fallt diese große Lücke dem Abdruck zur Last und nicht 
der Handschrift. Ebenso mag es von dem Herausgeber herrühren, daß 
die Glossen bei Junius zuweilen anders geordnet sind als in Rd und Re. 
Im Buchstaben E nach Egregitis, und im F nach Fictor stehen in Jun. 
einige Glossen, die in Rd nicht zu lesen sind, öfters aber ist es nur 
scheinbar, daß Jun. reicher ist, z. B. im A nach Aduena hat Jun. Antrum 
spelnnca hol; diese Glosse fehlt in meinem Abdruck, aber nur aus dem 
Grunde, weil sie in der Handschrift ohne das deutsche Wort hol steht. 
Öfter scheint zwar Jun. besser, als Reich. ; aber das beweist noch nicht, 
daß Jun. nicht aus Reich, abgeschrieben ist; der Abschreiber konnte 
einen Schreibfehler verbessern. Aber gerade diese Besserungen, z. B. 
bei impingebantj wo man die Note sehe, zeigen deutlich, daß Jun. Ab- 
schrift aus Reich, ist. 

Auch das Glossar Jun. A ist aus Reichenauer verlorenen Hand- 
schriften abgeschrieben. Zur Berichtigung des Drucks dient Boxhom, 
der dieselben Glossen, unter dem Namen Glossarium Caroli Magni^ in 
alphabetische Ordnung gebracht, drucken ließ, und zwar wenn schon 
ohne Kenntniss der Sprache, doch unmittelbar nach dem Codex und 
nicht ohne Sorgfalt; ferner können verglichen werden die Anfuhrungen, 
die Junius selbst von diesen Glossen in seinem Glossarium Gothicum 
(Dordrecht 1665) und in seinen Noten zu Williram (Amsterdam 1655) 
gemacht hat Femer ist für den Theil des Glossars, der zu Juvencus 
gehört, der Abdruck zu benützen bei Pitra, Spicilegium Solesmense, 
I (Paris 1852), S. 259, wiederholt durch Bartsch, Germ. 7, 239. Da 
jedoch der Codex selbst noch vorhanden ist, so darf man wohl, in der 
Hofihung, daß uns die sämmtlichen deutschen Stücke desselben in zu- 
verlässigen Abdrücken mitgetheilt werden, von der mühsamen und 
dennoch unvollkommenen Herstellung des Textes von Jun. A vorerst 
Umgang nehmen. Es ist nun aber ein Theil dieses Glossars, nämlich 
der Anfang bis zu den Wörtern aus Juvencus auf S. 179, und noch 



32 ADOLF HOLTZMANN 

einmal ein Stück auf S. 190 nach dem Glossar Rz, und zwar nach der 
Reichenauer Handschrift 99 gemacht. Es wurde zu umständlich sein, 
dies durch Vergleichung der Texte nachzuweisen; es genüge die Ver- 
sicherung, daß Jun. A in diesen Stücken ganz genau dem Text der 
Reich. Handschr. 99 folgt, so daß es nicht zweifelhaft sein kann, daß 
der Verfasser des Glossars Jun, A in diesen biblischen Stücken nichts 
anderes that, als die Glossen aus Rz, der bezeichneten Reichenauer 
Handschrift, abschreiben und mit deutschen Übersetzungen begleiten. 
Wenn auf diese Weise sicher gestellt ist, daß die Murbacher Hand- 
schrift, in der die Glossen des Jun. erhalten sind, für Jun. A aus 
Reichenauer Handschriften geflossen ist, so wird dasselbe Verbaltniss 
für Jun. B um so glaublicher. Insofern das Glossar Jun. B nur Ab- 
schrift von Rd und Re ist, kann es keinen selbständigen Werth haben, 
und ich habe Wörter, die sich nirgends als in Rd oder Re finden, mit 
'einzig' bezeichnet, wenn schon sie in der Abschrift Jun. B ebenfalls 
stehen; insofern aber der Abschreiber zuweilen ein lateinisches Wort 
seiner Vorlage übersetzte und an einigen Stellen Glossen eines dritten 
Glossars eintrug, hat seine Abschrift zugleich den Werth einer Quel- 
lenschrift. 

Das Glossar Rd gehört zur Bibel ; ich habe wenigstens kein Wort 
darin bemerkt, das nicht in der Bibel vorkäme oder in den Vorreden 
des Hieronymus. Dagegen das kurze Glossar Re gehört zu einem nicht- 
biblischen Buch. 

£s kann gefragt werden, ob nicht das biblische Glossar, das in 
Rd zuerst alphabetisch geordnet wurde, in seiner ursprünglichen Ord- 
nung noch vorhanden ist. Die Handschrift selbst, aus welcher der 
Verfasser von Rd schöpft, ist nicht nachzuweisen ; dagegen scheint das 
biblische Glossar, das aus einem leider jetzt verlorenen Augsburger 
Codex Flac. Braun in seiner Notitia historico-literaria u. s. w. Vol. H, 
Augustae Vindel. 1792 beschrieb und theil weise drucken ließ, im Ganzen 
dasselbe Werk gewesen zu sein, obgleich beide Glossare keineswegs 
dieselben Wörter enthalten. Die Vergleichung wird erschwert durch 
den Mangel an Ordnung in Rdj wo öfters sogar Wörter nach den 
vorhergehenden Präpositionen geordnet werden, z. B. titulue unter m, 
weil es in der Verbindung in titulum vorkommt, und durch den sehr 
fehlerhaften Druck bei Braun, wo z. B. gumas ecJianan steht statt ga^ 
wahsanemj JDirsgucßli statt driecuoßli u. s. w. Ich gebe eine kurze Stelle 
mit dem Nachweis der Wörter in Rd; es ist der Schluß der Genesis, 
bei Braun 117, 6. 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 33 

Rd 

31, 27 Prosequerer Kilecti. 89' Prosequere pileitti. 

Fulua Elnuuaz. 76^ Fuluum eluuuaz. 

Farua Pranat. 

30, 37 Popaleas Salahino 89' Populeas albarino. 

Albarino. 

30, 42 Serotinas dies Paia iton. 95' Serotina spattiu. 

31, 1 Facaltate, Possibilitate 

Eichti. 

30, 42 Admissara Gimisgida. 

31, 35 Delusa Sobitrogen. 70' Delusa pitrogan. 

32, 20 Placabo Gihuldo. 89' Placabo kihuldu. 
32, 25 Emarouit Ardorreta. 73"" Emarcuit erdorreta, 
34, 3 Plandicus Flehon. 60' Blandiciis flehom. 
34, 3 Delinuitt Slitha. 

34, 18 Oblatio Vrspotin. 88' Oblatio urbot. 

34, 19 IncHtus Frambari. 79' Inclitus frambarer. 

34, 19. u. 22 Diffevtur Giborot. 71' Distulit kioborota. 

37, 10 (increpavit). Increbuit Er- 79' Increbuit erbalc sich, 
balc sich. 

Die Vergleichung zeigt nicht nur die Verwandtschaft beider Glossare, 
sondern lässt auch die Fehler bei Braun verbessern , wie kilecti fiir 
bileiti; wunderlich ist Pia itorij was doch nichts anderes sein kann 
als ttpattiu. 

Es lässt sich sehr wahrscheinlich machen, daß die Vorlage von 
üd nicht sehr verschieden war von A (dem Augsburger Codex), z. B. 
in diesem 117^ steht penuria zadal, das nächste Wort mit p ist 1 18* 
oeeulium suntscaZy und dsLun perstfepebat prasmta; wirklich folgen in Rd 
ebenso aufeinander 90' 'penuria zadaly peculium suntamcaz^ perstrepebat 
durhpraaiota. Für die nahe Verwandtschait beweist ferner der Umstand, 
daß einige Wörter nur aus Rd und A belegt sind; so oblatio urbot, 
inelitus frambarer j adultia eauuaJiaanem , strues, felah u. a. Besonders 
hervorzuheben ist pitaciis tuachum yrßskim; bei Braun 120' JttacuSj 
Huafftastin Uuruisyi; offenbar dieselben Wöiter. 

Manche Wörter in A stehen in Rd^ sind aber von mir nicht auf- 
genommen, weil sie nichts Deutsches enthalten; z. B. Braun 121' steht 
Biuhati sunt Uuatinti uuaroti. Die Glosse fehlt nicht in Rd, ist aber 
nicht aufgenommen, weil sie Fol. 61' also lautet: Baceati sunt discur- 
rerunt iraii sunt. Ebenso hat Braun 120' Linguam maris ^chahho; da- 
gegen in Rd 83' steht nur Ungnam maris sonum maris. 

GERMAIHA XI. 3 



34 ADOLF HOLTZMANN 

Man wird nach dieser Erörterung nicht bezweifeln können, daß 
eine Handschrift des Glossars A dem Glossar B.d zu Grunde liegt. 
Nach Braun soll die verlorene Augsburger Handschrift dem 10. Jahr- 
hundert angehört haben, wahrscheinlich war sie älter; jedenfalls ist das 
Glossar selbst viel älter. Über den Verfasser erfahren wir durch Braun 
S. 2 nur Folgendes: Hinter den Glossen zu Ecclesiastea standen fol- 
gende Worte: Commendo iibi pater sententtola-'^ a commentario hieronimi 
istas archidortore. cum ingenti studore a me in vnam ßsceUulam (xdunata^. 
et si aliquo modo tibi videor insententua ut puto errare varus» veniam eon- 
cedere mihi flu gito et non autor sed me inperitice inpuiemini. si sitque aliquid 
ad etnendandum, cum pia deuotione hoc age. ut reor pande. multumque 
in domino. uale. Leider erfahren wir nicht, wer der Angeredete, noch 
wer der Redende ist. 

Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß noch andere und ebenso 
alte Handschriften desselben Glossars vorhanden sind. Die beiden 
St. Galler Codices 9 und 295, obwohl vielfach abweichend, enthalten 
doch dasselbe Werk; die deutschen Wörter derselben stehen bei Hatte- 
mer, I, 224 — 236, gedruckt und sind bei Graflf eingetragen: aber ob sie 
über den Verfasser Auskunft geben und jene Dedication enthalten, er- 
fahren wir nicht. 

Dasselbe Werk ist in den jungern biblischen Glossenhandschriften, 
wie in der Stuttgarter, mit dem auf i2^ beruhenden Glossar verschmol- 
zen und mit neuen Glossen vermehrt. Die Untersuchung über die Her- 
kunft und die Geschichte dieser wenig beachteten Anfänge der Lexico- 
graphie und Bibelerklärung in Deutschland ist nicht ohne Wichtigkeit, 
kann aber ohne Einsicht der zerstreuten Handschriften nicht angestellt 
werden, da die Herausgeber bis jetzt nur die deutschen Wörter aus- 
gehoben, alles andere aber unbeachtet gelassen haben. 

Fol. 56^ Rd. Arripuit kichrifta. 

INCIPIT GLOSA. Advena qhuemaner. 

Abram pater excelsus höh Ad meditandum za limee. 

fater. Adultis cauuahsanem. 

Alienigena eliboro. 10 Adoptantes zuauunscante. 

Armentum suueiga rindstal. Adjecit zuauuarf. 

Anus altiu. Attigimus kirortomes. 

5 Agna chilburra. Attrectaverit kifualazzit. 

5 Graff 4, 392. 6 Gr. 4, 317 kri^an, mhd, kripfen ist zu scheiden von 
grifau. B statt za liroenne) wie Jud. 193. 13 Gr. 3, 477. 



ALTHOCHDEUTSCnE GLOBSARE. 



35 



Abeam hinafare. 
15 AnimadTertit kaumun nam. 
Acoeil(*re ziiagan. 

Fol. 57'. 

Aceidere kipurgen. 

Acemis hüffo. 

Acervos fiobon piga. 
20 Aurora tagnrod. 

Abigebat uniez uaerita« 

Arrabon pignas fant. 

Arbitria jadicibna aelpsnaoar- 
ran. 

Adpetitus kirida, 
25 Aquilonem aepteDtrionem 
nordbalba. 

Aiistmin mcridiem sandhalba. 

Argumentuni listfanc. 

Adver«i uuidaniuartes. 

Adtollena ufbarrenti. 
30 Auguriari fogalrarton. 

Agnitioni iirrhnati. 

Aula bof faianza forzib. 

Alendorum za ncrrenoe. 

Auft^raa kinemea. 
35 Adplicitoa zuaprungaiie. 

Fol. 57'. 

Area feldtenni. 
A^portate arfuarret. 
Arcbana tangunninfla. 
Af^gerea acenri hnffnn. 
40 AbbomiDatioDesleidoisaaidola, 
Agrentis nuilden 
Adpenaum zuagibangaoaa. 



Aluit nerita« 
Auuriria f're<*bi. 
45 Anelleg dana uiirl7<*s. 
Abortiuum aunrrf. 
A vergor alibominor leidlihen 

ababon. 
Acitabula quia acetuni fett 

karel ozzibfaz. 
Aetile selppaum cbandaUtnp. 
50 Ansulaa nngtuo. 

Aptari kimahot uueaan. 
Anulos fingiri bringa. 
Arula dual fanna. 
Arvina adeps pinguido »pint. 
55 Artnnm pnno. 

Fol. 58*. 

Amülla meiiicbun, 

Abiotarii bolzmeistres. 

Artifi(*e8 urnuorchmaii. 

Ascellas fedai'ha. 
60 Alaa fedacba. 

Alimooia ninan lipnara. 

Ancupium fogalfengida. 

Adfinitate 8ippn kib*ngidii. 

Arioina qui araa colit ana- 
p<>tari. 
65 Adulterium ubarliuida. 

A Dilta (waa. 

Auuncuiu« obeim. 

Albuginem das uuiza io di'riiu 
augin. 

Fol. 58*. 

Adfinii f»ip|H.*r 



17 Blatt kipoijrn. Gr. 8, ir>4. 19 fiaboD. Or. 3, 5!>3 ; Ja$ ir.irf nur kffr (un^ 
Jon. b). pi|r» Or. 3, 324. ftchm. 158: «. Brt|re, hr'x^rn ht f$timm; Ht4 //. /.^iv« 
</<»« lioU aup»mfm $agt m*tn ouf k tm JUt'itß.km. *J3 Juti. 194 »tlptatiuii» 
»•*'• m«r fnUtk iftU»m ut; dnnurk ut Gr. 6, 3'».' »«IhtHixuo zu «/r<i«Arn« 
:i<' Gr. 2, r>3«;, nm- ktrr. 31 Gr 4, f>70. 4H Gr. 4, V\i. M aiutan 
JiiD 194, nurk Roihom, trakrtrknnhrk /aig'k a\iJyi!v»U A**"*'to{ur, 61 Juo. 
kiinaho«^, aiu$ o {d\ fahck aU or yett$tn. 



36 



ADOLF HOLTZMANN 



Annona fruanta. 

Altilia dicta quasi alitilia quia 

aluntur kimastiu. 
Auricularius kiriino. 

Re. Fol. 102^ 
100 Agon elÜDod. 

Adflictio neizseli. 

Angaria notuaerch. 

Adeptus est kabalota. 

Alabastrum salpfaz. 
105 Avaritia nefkiri. 

Anhelat fnastot. 

Animadversio notsuana. 

Auide suazlihho. 

Ardua iiuidarpirgi. 

Rd. Fol. 60^ 
HO Bucella leip pizzo. 

Bos ohso inti chua. 

Blandiciis flehom. 

Biviam kiuuicki. 

Bissioa uuizes cotauuebbes. 
115 Bases stoUun stozza. 

Balteum bruahbah. 

Brateas port pleh. 

Bubi multi eontendunt quod sit 
nicticorax i. e. noctua, multi 
vero adserunt, quod sit avis 
Orientalis quae Docturuus 
corvus appellatur. alii dicunt 
quod major sit bubo quam 
noctua uuila. 

Fol. 61'. 
Belial filii absque jugo ketti- 
lose man. 

71 chlofolaud (J. und B) wahrscheinlich Schreibfehler. 78 adanca fehlt 
bei Gr. adenca bei Jun. t.s7 falsch aufgelö»t; bei Boxfa. adzca. 79 J. 196 luft 
giuucmmisuht i.«< /ö/ÄrÄ. Boxh. giwennit s. 80 J. 195 trisurhus ist falsch^ Boxh. 
ebenfalls trisuhus. 82 Gr. 2, 397 statt reichotin. 88 au sieht aus wie ua. 
97 J. fmuanta, afctfr Boxh. fpuauta. 99 auricularis orkiruuo J. 100 Gr. 1, 203. 
105 Gr. 2, 1052. ^ 997: r^L nefkerer auarus 4, 226. 106 Gr. 3, 782. 
• 18 uuuilae J. 



70 Acinum trestir uuinperro. 

Alea clofo lauh. 

Asellum esilinchilin. 

Anathema perdicio faruuazani. 

Abstinentia furiburt. 
75 Alumni jungirun tisknn. 

Arrogantia ruamilin. 

Agminis folches. 

Adinventiones funtannissa 
adanca. 

Aer corruptus luft giuemmit 

suht. 

Fol. 59'. 

80 Aerarinm trisuhus. 

Adtributi zuakakebane. 

Adtingerent zuakareigotin. 

Africum sundaruuint. 

Artavit duanc. 
85 Acriter pittaro. 

Anniversaria iarkauuanta. 

Acervus manipulorum piga 
carbono. 

Adnuo kipaucbonno. 

Abnuo intpauchonno. 
90 Angebat kiunfreuuita, kian- 
gusta. 

Anos ringa. 

Astile scaft. 

Amictus pifanganer. 

Arcearis piuueriter uuerdes. 
95 Assatura prato. 

Fol. 59^ 
Absorbeatur farsuuolgan 



uner 



de. 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



37 



120 Bubulum uaisunt. 
Beneficiis uuolatatin. 
• Bellicosum uuiclihan. 

Re. Fol. 102'. 
Benignum enstic. 

Rd. Fol. 62'. 

Condictam samanqhuit. 
125 Conlidebantur kichnusit uur- 
tun. 

Consulerc ratfragon. 

Coctione kisode. 

Ceremonia cotekelt. 

Calamoia barm. 
130 CoDsternatus pitiirner. 

Cacumen spiz. 

Copula kimachida. 

CoDtemptus farmaDa. 

Copulabit zoa kimah nuirdit. 
135 Conduxit kimietta. 

CaligaveruDt Dibulton. 

Coitus rammalod. 

CoDtemplatio scauunga. 

Circumverit umbisuueih. 
140 Cultoribus artarum. 

Confidenter baldlihho. 

Cognomento miltimeDm. 

Cuoi parturiret denne sih ka- 
ratj za peraone. 
Fol. 62\ 

Caolas euuista. 
145 Custos uuartari. 

Corrupta kiuuanet. 

Cataractae himilrinnuD. 

Culmen first 

CoDvalle inlustre tal liohtaz. 
150 Crimen firintat. 

Coeam kimah uuerde. 

121 unolatatim J. 145 es sieht 
157 Gr. 1, 976, (nur hier). 165 Gr 
176 Gr. 4, 1181. 183 Gr. 6, 675. 



Coccinum uurmottaz. 

Creditam pifolahana. 

üanistra zeinna. 
155 Conjectoris traumskeidin. 

Confectae zasamene kitan far- 
suuinan. 

Culmus uuiritta. 

Comessuri samant ezzanti. 

CoDsequenter kilimflihho. 
160 Canos craiu barir. 

Contemplatus scauuonter. 

Cibariis fruanton. 

Crux a cruciatu uuizzi. 

Conicere arratan arskeidan. 
165 Carpebant zuiiioton ziasun. 

Fol. 63'. 

Gonsumptis kinozzanem. 

Condatur kifolaban uuerde. 

Copia kanubt. 

Commiserint kimabhotiu. 
170 Cohibere kibaben. 

üommutatio uuebsal. 

Condicio ea kisezzida. 

Conatus est ingan. 

Coetu liutkisemine. 
175 Ceraetes bornohtiu natra. 

Cervus emissus brusse hiruz. 

Condirent sialzin. 

Conderent fulucbin. 

Crepidine alvei in säume des 
straumes. 
180 Conficiendos za pauuanne za 
pacbanne. 

Colunt uabent. 

Caminus ouan. 

Cessabunt stal gebaut. 

Conrodet pignegit. 

aus wie uaartau, hei Jun. 198 unartal. 
, 5, 730, zuuiotun falsch. Gr. 5, 707. 
184 Gr. 2, 1014. 



38 



ADOLF HOLTZMANN 



Calla kikaraaai ziari. 
215 Consortio kimahhida kinoz- 
scafii. 
Catervam multitudinem kisa- 

mini. 
Carpentarias holzmeistar. 
Catenolas snuabilan. 
Crepidinem säum ramft. 
220 CoUiridas kiprocbotaz prot. 

Fol. 64\ 
Cignus Buuana. 
Condemnabitur fartribaner 

uuirdit. 
Caro uiua qh aec mardaro 

fleisc qhuecaz. 
Cicatrix anamali. 
225 Coma fahs. 

CoDsanguineas sipper. 
Contribules katalinga qaasi de 
ana tribu nati. 
Fol. 65'. 
Condicione ea. 
Circulus anni pisciht iares. 
230 Conficiat zasamane kizuchoie. 
Correptio rafsunga. 
Curiositas forskili firiuuizi 

kemi. 
Cepa sarro. 
Cohibebo piuuerra. 
235 Contenti kafagau. 

Conplosis zasamane kislaganen. 
Cedit somit 
Cis hinont. 
Citra enont. 
240 Confinia kimerchi. 

Confundatar kimiskit auerde. 
Conversatio lip. 

187 Gr. 4, 753 (nur hier) (Jun. reitihuoba). 190 piduungan Jun. 196 
Gr. 6, 562. 200 Gr. 6, 637. 202 wahrscheinlich zu Exod. 25, 6 laminaria concin- 
nanda; lioht ist das ausgelassene luminaria. 207 Gr. 3, 269. 213 Schreib/eitler statt 
zasamane, wie Jon. 200. 223 Gr. 2, 858 (einxig). 237 Schreibfehler für rumit. 



185 Crudum roauaz. 

Fol. 63'. 
CoDspersum kichnetanaz. 
Colonia hreiti huaba. 
Colonas lantpauo. 
Cultum artunga. 
190 Coartati sant pidangan sint. 
Choris kartsangan. 
Coliandri chullintares. 
Consameris kinozzan auirdis* 
Centurio hunno. 
195 Confodiatur prosternatar ki- 
scozzot aaerde. 
Contestare kiarchandon ki- 

uuarnon. 
CoDCussi kiscutte. 
Cultram sahs uaafan. 
Convictus ubaraannan. 
200 Comipeta stacballer. 
Cadaver potah. 
ConciDDenda liobt za qhui- 

channe za mabhoDDe. 
Calami suuegalun roor. 
Cortinas uuantlacfaan bengila- 
chan. 

Fol. 64'. 
205 Cyatus stanfili. 

Conpago samahafti. 
Celaturis kibrachun. 
Cidarim heilac huat. 
Capicium baubit lob. 
210 Crustula protcbunni ano pro- 
samo. 
Concisa kahauuaniu. 
Cedet kifallit kikät, 
Conflatilem kicozanaz kasa- 
mane. 



ALTHOCHDEUTSGHB GLOSSARE. 



39 



Caprese et ibices unum sunt 
qaod quidam reh diciint. 

Fol. 65^ 

ClassibDS chubirron skcfo ma- 
nagi. 
245 Coercitus kirafster kiüueriter. 

Cedere ramman. 

Contumacem uuidarpruhtigan. 

Condeumantes scnldante za 
gelte arteillante. 

Confectus kibeuuiter kineizter. 
250 Cartallum zeinna fanari. 

Celabo hilu. 

Causeris staunoes. 

Clyppeus chamf skilt. 

Complodere zasamane slagon. 
255 Certare stritan illan. 

Capalum hanthabun. 

Clavas tabemaculi chegilnagal. 

Concerperet kazeasi. 

Crines locha strangun. 

Fol. 66'. 
260 Commodum lucrum kasuah 
kafaari. 
Conjugati hilichemu. 
Cultioribus vcstimentis ziariron 

kiuüatun. 
Carere missan darben. 
Calce Aiazze fine. 
265 Cardines skerdar. 

Caccabum a sono fervoris no- 
men habens chezzi steinna. 
Conticiscent kadagent. 
Casa cahun pi fristj. 



Clinum haldtin. 
270 Caaemis holiron. 

Cassis galea heim. 

Casso uulnere farmisseru uun- 
tun. 

Conlebebatur sleif. 

Conjurastis piheizotot. 
276 Conpetis pidorfun. 

Fol. 66\ 

Conglobati zasamane kacliute. 

Crepusculum demar. 

Conclave pettichamara pilo- 
channissa. 

Commentariis ide. biblioteca- 
riis paah uuartun. 
280 Carpenta uuagana. 

Cicer cbichirra. 

Conuiuo kimazzo. 

Cantricum singono. 

Comines princeps miliciae 
crauo vel kasind. 
285 Crassatar uastat kiherrot. 

Curriculium reitlihero. 

Cementarii murara flastrarra. 

Cribans hritaronti. 

Re. Fol. 102', 

Cultor pigengo. 
290 Conqniritur chlagot. 
Condescendit arparmet. 

Fol. 102'. 

Calamitas harmida. 
Cessat pilibit. 
Conclamatus unsprahhi. 



244 Gr. 4, 358. 249 fehü hei Graff 3, 4. 250 Gr. 3, 526, aus pa- 
nariam, Brotkorb. 272 Gr. 2, 867 (l. reg. 19, 10). 275 Graff 5, 208. 
276 Graff 4» 567. 283 Gr. 6, 250 {einzig). 284 ComineB Schreibfehler 
für comes. Die von Mtutmann bei Gr. 6, 233 aus Scfam. a. 74 angeführte Glosse 
ist ebendieselbe j die gerade vorher aus Rd gedruckt ist. 294 Gr. 6, 383, aus R. 
wird condamatas ursprahlii angeführt ; ich kann es nicht finden. 



40 



ADOLF HOLTZMÄNN 



295 Ciuis pure liat. 

Crudelis uualukires. 

Rd. Fol. 70\ 

Dam modo daz nu. 

Declinastis kikhertot. 

Dissimulante dinc altontema. 
300 Domi beime. 

Dispiceret farmaneti. 

Desisisset stal gabi. 

Ditavit kiotogota. 

Delusa pitrogan. 
305 Damnum scadun. 

Dare keban. 

Donare farkeban. 

Fol. 71'. 

Dolus pisuuih. 

Distulit kioborota. 
310 Depopulati sunt piberroton. 

Detestabilem leidlihha fluah- 
barra. 

Deformes unuuathlihho. 

Diversorium ahizzi vel casthus. 

Dilatio obarunga. 
315 Deteslantur leidliheut. 

Diripere zalon. 

Discurreruut lauffoton. 

Disceptatio strit. 

Fol. n\ 

Disponderit kimahilit. 
320 Depascat piuuine frezze. 

Debilitatum arlemit arbelzit. 

Detrahis luastros pisprichis, 

Ductiles kaslaganiu. 

Depone nidarlegi. 
325 Dominator uualtanto. 

Dextralia pauga tam virorum 
quam mulier um. 



Distinctum kiuntarskeidan. 
Deserebat farleaz. 
Defricabitur kiehnetan uuirdit. 
330 Depreheuderit kaumun nimit. 

Fol. 72^ 
Dissuta zatrantiu. 
Denuo auar. 

Dirute zaruuorfano zarfallano. 
Disponant kimarchoen. 
335 Deserto farlazanemu. 
Decreverat arteilta. 
Dimicant pugnant stritant. 
Deformati sunt kiscaffot sint. 

Fol. 72\ 
Diligenter cleinlihbo. 
340 Diligatus zearrer farzarter. 
Decreto urteilidu. 
Diffamatum argo gimartaz. 
Deprauatus kiabuhter. 
Dipsa genus serpentis quae 
taute exiguitatis est ut ante 
possit ferire quam sentiatur 
et dicunt si quis ab ea per- 
cussus fuerit siti periret. 
345 Digesserat arrahta. 

Desiliens uidarschrichanti. 
Devitans midanter. . 

Fol. 73'. 

De industria fona unisheiti. 

Digere fardeuui smelzi. 
350 Demolitus est intuuorahta far- 
uuarta farlos. 

Deierare suuerran jurare. 

Dolor ser. 

Deligatus muruer. 

Domatum tectorum forzihlio« 
355 Domestici uskinozza. 



313 Gr. 4, 1074 (einzig), ahizzia m Jun. ist falsch gelesen für ahizzi yel. 
322 SrhreihfehUr für lastros, in Jun. ebenso. 355 so statt huakinozza. 



k 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



41 



Desolatum ereinetan. 
Delihera kimarcho kiuueli. 
Docile kilerlihhaz. 
Disputavit segita arrahta. 

Fol. 73'. 
360 Disseruit untarsegita. 

Re. Fol. 102\ 

Desperatio unuuan. 

Diriuatur kiskerit ist. 

Dragma pislabt. 

Dicione anaaualtidu. 
365 Deuotus hold. 

Disputat stritit. 

DecoUatus haubitu pilosit. 

Desidiosas slaffer. 

Dapes chochmuas. 
370 Desipit missauueiz. 

Delirat tobot. 

Disponit kasezzit 

Dirum unhiuri. 

Diversoriüm kasthus. 
375 Dumtaxat rehto su8. 

Decrepitus uralt. 

Dirus ariup. 

Differt altinot. 

Rd. 73'. 

Empticius chauf scalch. 
380 Edulio azze. 

Expulistis uz ertribut. 

Ejulatu uueinode. 

Exigebas ersuahtos. 

Exarsisti arpluhitos. 
385 Esto etsitu. 

Eme erreti. 



Emarcuit ertual erdorreta. 
Exercete uabat artot. 
Expeditos za ferti karuste 
snelle 1 ungare. 

Fol. 74^ 
390 Evolutis aruualztem. 

Edibus kadumuD. 

Emergebant uzarduzzun. 

Euentus kipuri. 

Edisserat arsagee arreche. 
395 Exploratores spihare. 

Exasperauerunt kisarfton. 

Equites ritanto. 

Exsequies leito. 

Exercuerunt kimachoton. 
400 Ex adverso e contra in parte 
pi fearu pi halbu. 

Efferetis uzpringet. 

Equites risheri kirit. 

Exaltabo kihohhu. 

Euaginabo arprittu. 
405 Expeterit suachit digit. 

Effringens arprechanti. 

Fol. 74'. 
Estimatio ahta chust. 
Exactor sculdsuacho uuerah- 

suacho. 
E(x)temorum alienorum fre- 

midero. 
410 Expandentes zarspreitante. 
Emunctoria chluft snuzza. 
Eminebant uzluageton. 
Egregius urmarer. 
Expensum est kispildit uuard. 



363 Gr. 6, 777. 377 Gr. 2, 361. 384 Gr. 2, 240 «. 247. 885 
gthört zu Gen. 31, 30 uwi etsi tu ist lateinisch. 389 Gr. 2, 232. 392 Gr. 5, 236. 
396 Gr. 6, 280. 400 Gr. 3, 669. 402 hei Jan. ist dies zu Equites weiUr obeti 
gestellt und gelesen equitatus berikirit, schwer lieh richtig, riBheri fehlt Gr. 4, 986. 
Dazu risaman, eques Gr. 2, 541. 413 Nach diesem W<jrt folgen bei Jvai. einige 
Glossen^ welche nicht aus Rd. gtnommeß sind. 



42 



ADOLF HOLTZMANN 



415 Extenuatis kidunneten. 
Extorserit ardnaingit. 
ErodiuB maior est omnibus 

Fol. 75'. 

avibus (|ua8 in noticia ha- 
bemus quaß aquilam capit. 

Execrandum urauihaz. 

Erodionem quam quidam ar- 
deam dicunt ardea vocata 
qnasi ardua propter altos 
volatus formidat imbres ideo 
supra nubes volat ne sen- 
tiat imbrem quam quidam 
tantalum dicunt. 
420 Eruca quam vulgo dolbiam 
vocant. 

Erui uzaruuelzit uuesan. 

Eruti uzaruualzte. 

Egestate in zadale iiiarmote. 

Excelsa abcuteo hohnissa. 
425 Existimabitur kiabtot uuirdit 

Fol. 75'. 

Expetere kihalon. 

Evadere intkan. 

Exemplar pilidpuab. 

E vicino fona nahun. 
430 Exstrue zimbaro uurchi. 

Egesta uzfardeuuitiu. 

Expendi farspildta. 

Egestas zadal. 

Expositurus ariechanti. 
435 Experiar arsuache. 

Exanimis urseler. 

Excuterem druski scutti. 



Evaunuit arsuuant. 
Examen apium impi piano ali- 
quando uuaba. 
440 Exprimere arrechan. 

Expetam kasuachu kahalon. 
EiFectum kitat. 
Emula kiella. 

Fol. 76'. 
Extales darma. 
445 Exagitabas uueicta. 

Exercens panonter hurskenter. 
Ere alieno injusto debito iiui- 

darmuatte. 
Exosam odiosam leidlihha. 
Eliganti froniskemu smechar- 
lihhemu. 
450 Equestrium ritilichero. 
Extorsit arduuanc. 

Re. Fol. 102'*). 

Eligans smechar, 

Expromit kiufHnot. 

Ex inproviso unforauuisun. 
455 Enueleatim kaskelit. 

Exalat atumazzit. 

Eximius urmarlichor. 

Eatenus diu kamezzu. 

Excidium fal. 
460 Eversio missauuarbida. 

Exitium zäla. 

Extimplo friuntun. 

Fol. 102'. 

Exercet kafrumit. 
Essentia eo uuesanti. 
465 Examen notsuana. 



420 au9 Eucherius Lugdanensis de vocabulis variis: eruca quam vulgo 
dolbam vocant. 432 Graff 6, 338 hat falsch farspildota gelesen; bei Jnn. far- 
spildita. 443 Gr. 1, 202. 445 Gr. 1, 703. 447 Gr. 2, 692. *) Der Buch^ 
Stabe £ steht größtentheils gleich hinter B und vor C; nur einige Wörter stehen 
nach D, vor F. 462 Graff 3, 656 (einzig). 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



43 



Fol. ICS'. 
Exaggerat kasamanot. 
Exerunt arsuahant. 

Rd. Fol. 76'. 

Fervor diei stredo des tages. 

Fanus leita inti re. 
470 Fraudulenter pisuuihliho. 

Fuluuxn eluniiaz. 

Fedam rem unkuske rahha. 

FamoBi marre. 

Favilla falauuiska. 
475 Fruans niozzes. 

Fluxerat fioz. 

Fertilitatis uaahsamin habun- 
dantiae. 

Flagitii peccati firintati. 

Fraudatns piskeriter. 
480 Fundata kistudit. 

Far chom chunni. 

Fermentatum arhabanaz. 

Fasciculnm kipuntili. 

Fenne nah az selbu. 
485 Formica ameizza. 

Fulgora laue medili. 

Frustra inkimeitun. 

Fibula hringa. 

Fol. 77'. 
Forcipes zango. 
490 Fuscinulas crauuila. 

Fabrefacta hasano gitan. 
Femoralia linpruah« 



Femina qde interior pars coxe. 

Fimam cor. 
495 Frusta stucchi. 

Formavit kiscaffota. 

Fusoria kicozzanlihemu. 

Foramen loh. 

Frigetur kisuueizzit kiherstit 
kipratan unirdit. 
500 Fictile vas dahinaz faz. 

Fluxus flusc. 

Flauus plauuaz. 

Fedus unchusger deformis. 

Feri« firro. 

Fol. 77'. 
505 Falsa suspicione lukemu uuane. 

Forinsecus uzuuert. 

Fortuitu kahun. 

Fictor triugo. 

Fenerabis anlihis. 
510 Funiculus nestilo säum seil. 

Funditus chruntliho. 

Fragmen stucchi pruh. 

Familiariter suasliho. 

Fundis slingon. 
515 Familici hungarge. 

Fornicem triumphalem pogun 
sigiruamlihhan. 

Fol. 78'. 
Formellas chasse« 
Furios! uatage dicti a furore. 
Feretrum para. 



467 undeutlich; es war zuerst BiBUBhtont geschrieheriy gebessert in sxsuBhBnt, 
wie auch bei Jon. 205 steht. 468 Gr. 4, 745 (einzig). 486 Gr. 2, 707. 
493 bei Jim. Femina interior coxe pars quoden; es ist möglich, daß die Abbre- 
viatur heißen soll quod est; es ist aber wahrscheinlicher das deutsche Wort^ welches 
hei Jan. quoden gelesen wird, und vielleicht richtiger qaide zu lesen ist ; vgl. goth, 
qvipwi, ags. cvidh, und Rd. 100 qhuiti vulva. femina statt feminal. 494 Gr. 4, 237. 
499 Jan. kiherdit, Lesefehler, 500 Unter den zahlreichen Lesefehlern bei Junius 
ist einer der auffallendsten dahi mezfaz. 508 nach fictor Jiai Jun, mehrere Glos- 
sen, die nicht in Rd. stehen, 516 da sigiruamlih sonst nicht vorkommt, so ist ru 
vielleicht verschrieben für n; siginamlih ist triumphaUs. 518 so statt waatage. 



44 



ADOLF HOLTZMAMN 



520 Fistulaß dolun. 

Frixam in fannnn kasuezzit. 
Fama marida aliquando liu^ 

munt. 
Frixum kapratan. 
Foueat pruatte rigiloe liluche. 

Re, Fol. 103'. 

525 Favoribus liumuntin. 

Freneticus uuinnanter. 

Fertilis uuacharhaft. 

Faciniis meintat. 

Flagitiosus meinfoller. 
530 Fragor kaprech. 

Frustrat ar ist piskerit, 

Furvum prun. 

Fertilis peranti. 

Figmentum kiuiierch, 

Rd. Fol 78\ 
535 Generum eidum. 

GnaruB kunstiger« 

Germen uachar. 

Gratis aruum. 

Grates ensti. 
540 Gira umbiuuirf« 

Gratum Hub. 

Gelu frost. 

Fol. 78'. 

Gremium parm puasum. 

Grandiues hagala. 
545 Graticula rostisan. 

Gimmarii gimmares. 

Gratiarum actio dancho tat. 

Gyppus houarohter houar. 

Gramina uurz cras. 
550 Gerola traga diorna. 



Grandeuus michiles älteres. 
Grossitudo dicchi. 

Re. Fol. lOy. 
Glomerat dicchet. 
Garrit prahtit. 
555 Gradatim stafmalun. 

Rd. Fol. 78'. 
Herentem haftentan. 
Habitus karauui. 
Habitabilem pufaaftan artlihan. 
Hostes inimici fianta. 

Fol. 79'. 
560 Humor nazzi fuhti. 
Heremum uuald. 
Haecine desiunu. 
Hilarior plidiro. 
Humerus ahsala. 

Re. Fol. 103'. 
565 Horrescit tutisot. 

Rd, Fol. 79\ 

Irritum kimerrit. 

Increbuit erbalc sih stauuota 

Instruem uuitu felah. 

Intercedite kidiket. 
570 Inito ingunnanemu anakig: 
ganemu. 

Inprecantes anabetonte. 

Induit kiuuerita. 

Incurventur kinikan uuei 

Innixum aualinentan. 
575 In titulum in auarun. 

Fol, 79\ 
Inalui kimaketa. 
Inclitus frambarer. 
Intueatur anasehe. 



524 Graff 2, 143. Jan. 207 lietti fovetur und liuche. 534 Gr. 1, 965. 
537 /är wuachar. 565 Gr. 5, 382. Schreibt ehler für scutisot, wte Jun. 208. 568 
Gr. 3, 500. Die Glos»e gehört zu Gen. 22, 9 snper struem lignorum (jtimiq) 
ana kifolohan. A, feihau heißt componere (ligna) also uuitu felah, ein Holzstoß 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



45 



Insequitnr anafolget. 
580 Imitantes pilidonte. 
Invasit kichrifta. 
Imminente analineutemu. 
In articulo in giduuDgani in 

pifange in anakinne. 
Innoxias inculpabiles unsun- 
tiga. 

Fol. 80'. 
585 Inluderet honti pismeroti. 

Inopia armoti uneht. 

Indicium chundida. 

Immunita unfestiu ungiaaar- 
notiu. 

Intercessisset antarkiangi. 
590 Instrae kistriuni. 

In furore in heizherzi. 

Jacula uurfi skuzzi. 

Instruebat kilerta. 

In eultum in nuzza in artunga. 
595 Incantatione calstar. 

luteetinis innodilü. 

Indigenis dargiporane. 

Inuoluit inne piunant. 

Industria lirnungu. 
600 Inpensas kiziuc. 

Inuasit anakigat anakilaufit. 

In usus in nuzze. 

Fol. 80\ 
Inducis inleitis inrihis. 
Jecor lebera. 
605 Juge sacrificium emizic plua- 
Star. 
Ignominia unliumunt honida 
infamia. 



Incastraturae nuau nuati. 
Instrumenta kirusti limungr. 
Incidit kiskrerot. 
610 Ilia lanchun. 

Fol. 8r. 

Ilico statim sar. 

Inprecans anapetonti fluah- 
honti soluens. 

Ignominia scama. 

Inpetigo est sicca Scabies pro- 
minens a corpore cum aspe- 
ritate et rotunditate forme 
hanc uulgus sarmam iiocat. 
615 Inrogauerit anapringit. 

Insignem einchnuadile urmar- 
rem. 

Fol. 8r. 

Incassum inkimeitun arauun 
In via in ferti. 
In trieribus in cfaiolun. 
620 Incrementa uauahst. 

Impulerit skurgit stozzit. 
Instructi kiuuarnotae kiruste 
Incidetis meizzat snidat. 
Ingluvie kitagi. 
625 Intcrpellauerint erruafant ma- 
halont. 
Inliciant farspanen. 
Incantator farspanen. 
In re funebri in rachu reli- 

cheru tödlichem. 
Inpolitis ungihasanoten. 
6*^0 Inluuies secundarum din un- 
reinnissa diu after des chin- 
des kiburti haftet. 



581 Gr. 4, 317. 583 ein a hinter uu ist ausgelöscht: Gr. 5, 273. 

607 Gr. 2, 998. 609 Gr. 6, 587. 614 die Stelle ist avs Isidorus orig. 5, 8. 

616 bei Gr. 4, 572 nur diese Stelle} das Wort .steht noch im Iteichenauer Cvdex 

231 , Ftd, 13" eiuchnuodile über peccatum natale. 627 farspanen ist folschy 
Jan. 210 kaUtrari. 



46 



ADOLF HOLTZMANN 



Injangitar pifolohan uuirdit. 
Inritetis kicruazzet. 
Insanabile unheillihaz. 
Inundatio cussa. 
635 In jure jurando in eidsuuerti. 
Infima nidarosta. 
Indicens mandans kapeotanti 

intpeotanti. 
Instantius akaleizzor. 

Fol. 82'. 
Inicia praedarum erista heri- 
handono. 
640 Idolatria heidangelt. 
Ignominiose scantlihera. 
Inpingebant anasteroz. 
Interaallam untarauila. 
Ignaui slaffe trage. 
645 Jubilo hohsange. 

In typo laterum in gilihnissa 

ziagolono. 
Infatua kitnlisco. 
Juga montis spizzi perges enti 

obonontigi. 
Inpedit merrit 
650 Indictio kipot raaba. 
Inpetrabis kidigis. 

Re, Fol. loy. 
Inhiantes cratage. 
Insinuat zeigot. 
Incestum farbaltida. 
655 Inuno noh inen 
Indolis dihanga. 
Indigena lantpigenko. 
Inermis uruuaffan. 
Idiota unpnachik. 



660 In abmpto loco|in steigalaem 

steti. 
Infrunitus unscamager. 

Fol. I03\ 
Iners slaffer vel ungibracbi. 

Rd. 82\ 
Kalendae dictae a vocando 

azfengi manodo. 
Latuit uuard farholan. 
665 Locnpletatas stataluamer. 
Leuigatis kislihte. 
Lacinia säum sine ort. 
Lacerabunt zanont. 
Loculnm sarh scrinne lihkar. 
670 Lacns see. 
Linum harn. 

Lesnm est farauertit uuard. 
Legitimum ehaftaz. 
Laminis plehbum. 
675 Lebetes chezzila minnirun 
steinnun. 
Linea hemidi. 
Lagana kisotan prot unkipa- 

chan mit oleo kasalbot. 
Lita kasalbot. 

Labium labrum nnum sunt id. 
est labal. 
680 Lucos haruga. 

Fol. 83\ 
Laxe uuito sito. 
Locatis kistatte kimeate. 
Lucubre mente kharagemu 

muate. 
Larus gauiä significat 
685 Liquens naz uueih smelzinti. 



684 Gr. 4, 286» wo aber gussa. 642 Jan. 210 anasterozun. Impinge- 
bant ist loahr scheinlich ein Schreibfehler fUr ionpingebat 1 reg. 21, 13, (impigebant 
kommt nicht vor in der Bibel) ; in Jun. wurde die Übersetzung nach dem Lateini- 
scheu der Glosse gebessert, Gr. 6, 731. 647 Gr. 5, 401. 660 es steht steigi- 
laeru mit a über i. 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



47 



liutum flastar horo. 
Latet farholan ist. 
Lupanar huar hus. 
Libertate donaueris frian far- 
lazzis. 
690 Lapsum pislipfit. 
Lam bierint laffant. 
Languenas chruaga. 
Latrocinia scacha. 

Fol. 84'. 
Latita hildih. 
695 Licium est quo stamina ligan- 

tar quasi liginum id est ca- 

nareba. 
Latibulis holanem stetim. 
Ligones mettocas. 
Lurica amata prunna kicra- 

photiu. 
Limpidissimi slehtistun hant- 

mazzistuo. 

Fol. 84\ 
700 Liciatorium mittuli siue ana- 
pint. 

Liquefacieus ZHrlazzanti. 

Legiones in I legione sunt LX 
centuriae manipli coortes 
XXX türme CC. 

Laquearia sunt quae cameram 
subtegant et ornant quae et 
lacunaria dicuntur pro quibus 
nos de ligno tabulas pingi- 
mus et himil nuncupamns. 

Re. 103'. 
Lamenta clagunga. 
705 Latebra tamuuinchila. 



Latibulum faelantfaelm. 
Lascine unstillo. 

Rd. Fol. 85'. 

Muliebria uuibkiziari. 

Moneta munizza uuaga. 
710 Monstra ungihiri forazeichan. 

Minatur drouuit. 

Maculosum fiecchotaz. 

Mature fruo. 

Miliciae kisindes. 
715 Molesta urdruzzigiu unsenftiu. 

Macies magari. 

Macilentes magaro. 

Machinantur sitont machont. 

Molimur machomes. 
720 Miserias uuenacheiti. 

Marsuppiis scazfungL 

Merore tristicia mornun. 

Mutuae untar suasun. 

Fol 85\ 

Mandaverunt inbntun. 
725 Maleficos caucalara. 

Muciet lutit pillit. 

Monimentum kihuct. 

Mercenarius hagastolt. 

Magnalia michiltati. 
730 Musitare runizzenne. 

Minutum smalaz luzzilaz. 

Mutuum analehan. 

Munera miata. 

Mitram uittnm pant. 
735 Munera mez aliquando nu- 
merus. 

Metallum zimbar auri argenti 
aeris ferri stagni plumbi. 



695 Gr. 2, 354 (einzig)-^ bei Graff nur aus Jun. 697 ebenso Jun. 212 
i/euisch7 nicht bei Gr. 702 A« Jun. 212 in una legione sunt LX centuriae, mani- 
puli XXX, cohortes XII, turmae CC. 710 iSchreibfehler für nngibiun. Jun. 214 
ungihuuri. 721 Gr. 3, 341, wo aber Rd, fehlt. 723 einzig. 735 im Lateini^ 
sehen munera ein Fehler. 



48 



ADOLF HOLTZMANN 



Pol. 86'. 

Macula fleccho inti lastar. 

Minutatim chleino kiprochotaz. 

Morticinum stirbigaz. 
740 Mergulus skaraa. 

Menstruae manod pluatera. 

Momenta uuilo. 

Matertera muama. 

Mancipari hauthaft uuesan 
seruire. 
745 Murennlas menDi. 

Meditaberis danc dalloes lir- 
nees. 

Maleficns zaubarari. 

Manubrium halap. 

Machinas kirueti. 
750 Manzer huarchind. 

Marcetis elanguetis artuuelet. 

Fol. 86'. 
Madens nazzenti. 
Munilia menni seu ornamenta 

miiliebria. 
Maxilla uuanga aliquando chin- 

nipacho. 
755 Mandibula chinnipacho. 

Molarem dentem cbinnizan. 
Momentum unila. 
Mentum chiDnipeini. 
Massa caricarum kauuel fice- 

phileo. 
760 Macie magari. 

Matrimonium hiun. 
Magnopere michillicho. 
Moliebatur ingan machota. 
Mare labal quod in templo 



factum est ob magnitudinem 
suam mare uocabatar. 

Re. Fol. 103\ 
765 Magistratus hartpuri. 

Matrona itis. 

Maculae meilun. 

Mediocritas metamscaf. 

Moralis tbaulihc. 
770 Maleficia palotati. 

Monstrum skinleichi. 

Rd. Fol. 87r. 

Nemus haruch. 

Non es passus ni dultos. 

Neruum uualteuuahsun. 
775 Nefarium unsprahlih. 

Nam inu. 

Nimium unmezzic. 

Natalicius kipurti tago. 

Non est super nist zi leibu. 
780 Nazarei kiheiligotes. 

Nomen imposuit namun scuaf. 

Negotium uuantala. 

Negabit arzihit. 

Nexus kituacnissa. 
785 Nutrimenta zuhti. 

Nouerca stiufmuater. 

Nefas inlicitum mein. 

Nouacula skarsahs. 
Fol. 87*. 

Nausia uuillido. 
790 Nihilhominus niuuiht min. 

Necis slahta. 

Nuper nunahun. 

Neruicis funibus adrine seilun. 

Nummum qhuaz. 



741 hieaes schöne Beispiel der Composition Bahuvrihi nur an dieser Stelle, 
Gr. 3, 253. 746 Gr. 5, 164. 748 Gr. 4, 891. 759 Gr. 1, 794. . 761 Gr. 4, 1067. 
765 Gr. 3, 20 mit falschtm Zeichen und ohne Erklärung. 767 Jun. 214 macula 
sneilun, ein übler Lexefehler ; sneilo Gr. 6, 847 zu streichen, 769 Jan. 214 
tuamlih wahrscheinlich falsch gelesen. 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



49 



795 Nates sezzun. 

Nitebatur ingan zileta. 
Negaait arzeh al farlauginta. 
Nee non ioh anh. 
Norma regnia spratta. 

Re, Fol. 103\ 
800 Nimpha unuiiitari vel uuazar- 
chlinga. 
Nimphus sturmauint. 
Nimphorum nuolehouo stürm. 

Rd. Fol. 88'. 

Occurre kakini. 

ObstmxeruDt furiuuorahtun. 
805 Offenderunt erpalcton. 

Orbabor irstiuffit uuirdu. 

Obuium ingagan farantan. 

Occupatis kihafte kisceriten. 
Oblatio urbot. 
810 Odiosum leidan. 

Obstetrix hefihanna. 

Odoratus est stanc. 

Obduxero piziuhu pileittu. 

Occidentem uuest halfaa. 
815 Obesas feizto. 

Orreuni chorn hns. 

Orbe mittili carte. 

Oneratis kilatanem. 

Obtendere ingagan dennan. 
820 Omnino za ernasti. 

Occurrerent kikahotin. 

Obriguerunt kistabeton kistor- 
chaneton. 



Fol. 88\ 

Oracula sprahhus. 

Ora säum. 
825 Operimentum ubarbeli. 

Occupabit pifahit. 

Oppansam ingagani kispreitit. 

Offen dicul um anaspumida. 

Obligans pintaater. 
830 Obturatus furiuuorfan furi- 
stoppot. 

Fol, 89. 
Obsidio pisezzani (Origiuem). 
Occasiones fristi. 
Opitolent' belfern. 
Optio uuala. 
835 Occapaaerunt pifeangun pi- 

hafton. 
Obnixehumiliter sabmisse deo- 

licho. 
Orbata arstiuftiu. 
Obstinato animo farstrachtemu 

muate. 
011a steinna. 
840 Ocreas peinperga. 
Obnoxia sculdigiu. 
Obliquas kleiffo. 
Ordinibas zilon. 

Re. Fol. 103\ 
Ornati zearit. 
845 Oblectamenta lohanga. 
Occupatio unmuazza« 
Obstinatio einstrit. 



795 Jan. sezzom. Gr. 6. 302 {einzig), 797 von a in der letzten Silbe nur 
noch eine Sputy und t nicht mehr vollstänHig, Gr. 2, 134 gibt farlaaginit Jan. 215 
negarit anseht farloaginit; al. ist aliquando. 809 Gr. 3, 70 {einzig), urspotin ^. 
811 nicht kefhanna tot« Gr. 4, 957. Das i ist an i eingehängt, 822 Gr. 6, 7^1 ; 
aber die gleiche Glosse aus Jan. steht Gr. 6, 719, goth, Btaurknan. 830 Gr. 6, 659. 
831 auf 89' beginnt P. Der Schreiber hatte aber die folgenden übersehen und schrieb 
sie nachträglich auf den freien Raum zwischen die Columnenf so daß bei Originem kein 
Platz mehr für die Übersetzung war, 838 fehü Graff, es steht fantracbemu mit te 
über 6. Jan. frustrachemn ist falsch. 842 bei Gr. 4, 293 nur aus Jan. {einzig), 

GERMANIA XL 4 



50 



ADOLF HOLTZMANN 



Obstare uuidarstan. 

Bd. Fol. 89'. 

Prospemm spuatlih. 
850 Paleas strau. 

Prepucium fariuuahBt. 

Pronus framhald. 

Pactum kazumft. 

Prouectae framkifuartes. 
855 Palmentum pisafili zuamuas. 

Paruipendens luzil uueganti. 

Posterus ua qhuemo. 

Perspicunm ursiunic. 

Probans arsuahanti. 
860 Potitus niozanter. 

Proculit furi prahta. 

Priuabit piskerit. 

Precipere furichriphen. 

Populeas albarino. 
865 Platanus ahurn. 

Proseqaere furdir kifolgeti pi- 
leitti. 

Pastum uuinne cauma. 

Placabo kihuldu. 

Paulatim luzilem. 
870 Perpetrasset kimahoti. 

Patrarat kimachota. 

Fol. m. 

Paradis ortus nunnicart. 

Profugus freidiger. 

Prohibete piuuerret. 
875 Praeualuerat ubar meginota. 

Polymeta multicolora feh. 

Patabam uuanta dubta. 

Presto sum az henti pim. 

Prosifit fruma sin. 
880 Polliceris kiheizzis. 



Propago reba kerta. 
Pristinum erirun. 
Prudenter fruatlihho. 
Patibulum kalgo. 
885 Palustribas locis fennistetim. 
Pululabant arhlutun. 
Praesagum forazeichannun fo- 

rauuizzun praesciom futuro- 

rum. 
Probauit arsuahta. 
Preco forachundo. 
890 Pabulum fuatar. 

Propaginem framchnuat. 
Profanum poUutum piuuoUa- 

nar. 
Primogenita erburti. 
Prebens peotanti. 

Fol. 90'. 

895 Publicus frono. 

Pertinax firauali ungibrachi 
chistic. 

Preda herihunda scah. 

Praesertim maxime meistic. 

Patruelem faterrintohter. 
900 Pestis scalmo fihusterbo. 

Palma flazziu hant. 

Palpari kifualit uuesan. 

Pugnator uuigant. 

Pauor plodi. 
905 Precinebat forasanc reh. 

Pilo tunsum stamfe farnuuanaz. 

Prune rifin. 

Penuria zadal armoti. 

Peculium suntarscaz. 
910 Perstrepebat durhprastota 
prahta« 



857 Gr. 4, 678 {einzig), 867 Qr. 1, 882. Bei Jiin. 217 uaona. 886 
»tait arlatat). Gh:« 2, 198 887 Qr. 5. 595; €9 steht -nnan mit v über a gehtueru 
891 Gr. 4, 572, («tncty). 893 d t. Ör-barti. Gr. 3, 162, (wmig). 896 Gr. 4, 531. 
905 Gr. 2, 429, {einzig}, 910 Gr. 3, 274. 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



51 



Probaret arsnahti. 

Puditie oaetitatis kibaltnissa. 

Fol. 90'. 

Petierit digit« 

Pupillo nneisin. 
915 Primicias frumi uuahst frumi 
kift, 

Primitiua frumiuuabsti. 

Propiciatorium ubarlit. 

Panes propositionis beilagio 
prot. 

Paxillos chegila sticbila. 
920 Policem dumun. 

Pectuscnlum prustpratun 
prustpeiDi. 

Papilionis kizeltes. 

Protegam skirmu. 

Precide kimeiz. 
925 Prumptissimi funsistin. 

Palmun muDt. 

Palma flazziu bant. 

Pagillam fast. 

PenitQS karo. 
930 Preuaricans nbarfabanti. 

Perfuderit nezzit durbkiuzzit. 

Fol. 9V. 

Pro fiauio framfluske. 
Pustula qhnedilla. 
Pristinnin erirnn. 
935 Perseuerans dorbuaesanti. 
Pallorem pleicbi. 
Papularum puillono. 
PeUicatus domua concubina- 

rum cbebisod. 
Publice liutzorabto. 



940 Prostituas za bnarmeatu ka- 

sezzes. 
Perpetrauit kimacbota. 
Puniet uindicabit kauuizzinot 

uuirdit. 
Putabis snidis uuingartun. 

Fol. 9r. 

Pauimentum astrib erin. 
945 Passa uua kidartaz uuinberi. 
Precoce uue frumirifi fruaiu 

uuinperi. 
Polenta farina quae fit ubi si- 

milabatur. 
Pleuinonis lungunna. 
Palmitem reba kerta snitilinc. 
950 Procerae staturae langeru 

kiuuabsti. 
Presidium adjutorium festi. 
Pollicita est kihiaz. 
Perscelidas peingiuueri uuibo. 
Passus skriti mez. 
955 Promulgata framkichundit 

framkisegit. 
Portentum forazeichan. 
Precipuum furistin. 
Pertimiscat erfurhte. 
Proteruum frauallan. 
960 Plectendum zi kiflehtaune. 
Preceps uahaldi. 

Pol. 92'. 

Perpessa dultantiu. 
Pignus fant. 
Pondera uuidar unagi. 
965 Procacissimum fraualistun. 
Prurigo juchido mit prunsti. 



919 Btickila Qr. 6, 683. 932 Gr. 3, 754, einzig. 933 Gr. 4, 650. 
987 Gr« 89 96; das i sUht über o, Jan. 220 pnllono. 947 Jan. 221 simula^ 
batar. 966 Jon. 218 laaludo ist LesefekUr und bei Gr. 2, 156 tu streichen. 

4" 



52 



ADOLF HOLZTMANN 



Prouocans craazenti. 
Pitaciis tuachü ur fiskim al. 

indiculum. 990 

Presidia festinna. 
970 Potissimum meistic. 
Postica turili. 
Portibus urfarum. 
Problema propositio qaestio 

ratussa. 995 

Pocala lid lidfaz. 
975 Propugnacala prustuneri. 
ProDuba paranimphus qui 

nuptiis preest truhtinc 
Putamine hacco mit diu man IQOO 
uspanna uuintit. 

Fol. 92\ 
Plexneris kaflihtis. 
Prumptissimi funsistun. 
980 Priuilegium priuata lex sun- 1005 
trigiu ea. 
Posteritas aftarchumft. 
Passim aiiar inti auar. 
Psalterium salm harfun. 
Prtjrupti excissae rupis ex- 

tremitates scorrouo fluahi 1010 
985 Pepercit linta. 

Perendie ubarmorganae. 
Pedessequi mitikangun fuaz- 

folgun. 
Pagum grece nilla latine ali- 1015 
quando gauuimez. 



Be. 103\ 
Parsimonia spari. 
Presumeus arpaldenti. 
Punirent rachin. 
Pignus uuetti. 
Predia dorf. 
Patronos fogata. 

Fol. 104'. 
Praeditus kiotagoter. 
Perpetrat kifrumit. 
Prouectus framdibt. 
Presto est nah ist« 
Principantur sint kihertomit. 
Palmam siginumfL 
Placitum antluagan. 
Profugus atrunno. , 
Precipitium stecchilin. 
Palmas rebazui. 
Palpitat zapulot spratalot. 
Pri(n])legia selpuualtida. 
Presagum fora uuizzak. 
Pemicies palo constantia 

einherti. 
Peruicax einstriti. 
Pepigit kahantreihta. 
Preuius uueca uuiso. 
Poplites kamma. 
Passim uuito. 
Pactio kafuagtda. 
Procax huueller. 
Proceres hrincha. 



968 Die Glo*se gehört zu Jos. 9,5. ur fiBkim gehört natürlich nicht zu 
fisk, piscia; e$ ist dasselbe Wort wie uosteflen, uostafton. Gr. 6, 614. 972 Posti- 
bu8 bei Gr. und Jun. 218 ist Lesefehler. Im Codex ist posti in porti gebessert, 
977 VgL Gr. 6, 345, 347, 348 uspunna, und Gr. 4, 763. Das cc ist eigetU- 
lich a, also haao. Das a in uspanna ist etwa» kletner als gewöhnlich^ und könnte 
für u verschrieben «ein, uspunna; s, unten 97' stuppa; die Glosse gehört zu Ja- 
die. 16, 9 filum de stuppae tortum putamine. 1001 Gr. 2, 155. 1002 Schreib- 
fehler für antrunno. 1007 Gr. 1, 1124 liest forauuizzah (einzig). 1012 Schreib- 
fehler für hamma, wiederhoU bei Jun. 222. Gr. 4, 946. 1015 Gr. 4, 1224 
1016 Gr. 4, 1166; nur hier und Rab. Maur. 972, b. 



ALTHOCHDEUrSCUE GLOSSARE. 



53 



Pertinax einuaillic. 
Propagatum framarlotan. 

Rd. 93'. 

Quin ner er. 
1020 Quondam giu er 

Qaippiam eddes uaaz. 

Qnantotias festinanter illanto. 

Quo dara vel uuara. 

Quinquagenarius sculdheizzo. 
1025 Qnestio strit fraha suahunga. 

Quinquageuos fimfzuc. 

Quinpotius uzzan mer. 

Quispiam uuer eo 

Querellas staunga seccha. 
1030 Quercum eih. 

Querebatur cansabatur stou- 
uota. 

Quin immo uzzan nu kiuuisso. 

Quassata kiclechit. 

Ed. lor. 

Querimonia chnma. 

Rd. 9:v. 

1035 Reputans arzellanti. 
Rescruasti kisparetos. 
Refectis kilaboten. 
Residuum za leibu. 
Resina harzau fiiad. 

Fol 93\ 

1040 Retentum pibebitaz. 

Retrudi includi inne pilochan 

uuesan. 
Redacti kiprauhte. 



Reponerent kipurgin. 

Recidef auur kifazzun. 
1045 Rennuens uuidaronti. 

Riuus pab. 

Renes lenti« 

Relegio ebaltida. 

Remiserat uuidrisanta. 
1050 Rationale prust kiuueri. 

Retorta kizuuirnet. 

Receptacula antfancnissa. 

Reticnlum nezzili. 

Renes lenti pratun. 
1055 Renunculi niorun. 

Recensiti numerati kiscerite. 

Residebit pilibit remanebit. 

Respectantes respicientes uui- 
dari sehante. 

Retortum uuidari ki uuntanaz. 
1060 Ruminat ituruchit. 

Reptat slihit. 
Fol. 94'. 

Recaluaster uachalauuer auur- 
chalauuen 

Rasura kiscorrini. 

Repudiata relicta farlazzaniu. 
1065 Recentes niuniu rauuiu. 

Riuis pachim. 

Rebelles uuidarunigun. 

Resciuit pifand. 

Residere kisizzen. 
1070 Reponas suntar kilekes ki- 
sparees. 

Repetis balos. 

Rubigo rost militau kelagunt. 



1019 iS^ sUht. 1033 Gr. 4, 553. 1034 diese einzige Glosse aus Q steht 
nieki an ihrer Stelle nach P, sondern ganz am Ende des Glossars. 1039 toohl 
harsa vel fliad; bei Jon. harz fliad. 1042 Gr. 3, 280. 1044 Gr. 3, 721 es 
ist cd^er kisasEsnii 211 lesen; indem eih zuerst geschriebenes r in s geändert wurile, 
erhielt der Buchstabe die GestaU eines f. recidemnt 1 Mos. 42 , 36 ; oder ver- 
wechselt mä resedemnt? 1060 Gr. 2, 435. 1063 Gr. 6, 538. 1071 Gr. 4, 220. 



54 



ADOLF HOLTZMANN 



Recalcitraü uuidar spirun. 
Kecentes niaue. 
1075 Redundabit arkiuzsit. 
Regulam zein. 
Rutilent ratichoen. 
Repetitione baloniie. 
Rajimus grece genus spina- 
rum sentibus permolestam 
quem latini sacramspinam 
appeUant. 
1080 Ramnua genua est robi quem 
uulgo senticen appeUant 
asperum nimia et spinosum. 
Fol. 9r. 
Refocilauit kalabota« 
Recoociliari kaauannan. 
Reficientes ezzaote labonte. 
Beditus uinearum urkiftuuin- 
gartoDo. 
1085 Retunsae uuidarpluauo. 
Retractat^o uuidartrahta« 
Reliquus farleipter. 
Rates chuburrun äudar. 

Re. 104'. 
Religiosis erunirdigen. 
1090 Refoueat erchuuicbe. 

Fol. 104\ 
Recidua aleiba. 
Reconpensatio uuidarlon. 
Reciprocantes iDtuuifaillentc. 
Renitet uuidarskurgit. 
Rd. 94'. 
1095 Scelere firintati. 



Subuertam ziratorre. 

Spelunca steinlob. 

Spaciosus locus rumiu stat 

Sterelitas keisini. 
1100 Spopondi kihiaz. 

Fol. 95'. 

Subteminis uueuales. 

Subplantauit piscranchta. 

Subripuit untarcbrifta. 

Subjugaui untarjauhta. 
1105 Stabiliui kistatta. 

Sparso uellere kispranctema 
scappare. 

Spacium rumi. 

Serotina spattiu. 

Stramen kistreuui. 
1110 Suppellectile kiziuc azzasi 
alapuu. 

Saltim doh. 

Seuientes erimmisonte. 

Stupra farlegari huar. 

Sexus natura kipurt 
1115 Scortum zaturra meretrix. 

Soporem suuilm. 

Suspicatus est uuanta. 

Suggeras spanes. 

Succedentibus folgente. 
Fol. 95\ 
1120 Solito kiuuonemu. 

Squalore unsubri. 

Stola kauuati. 

Stiricis genus ligai uuirouch 
poum. 



1078 Gh*. 6 , 859. Die Auflötung recalcitraTemnt Jon. 224 und Gr. \»t 
»chtoerlick richtig. In der Bibel kommt nur recalcitravit vor Deut 82, 15. spirun 
ist vieümekt age. tpeam, PräL des starken Verb, spimii, unregelm. und vielleicht 
verschrieben für spam. Wahrsehemlicher wie steroz mit 8pur der Reduplication 
von Spannan, Prät, spien; doch ist ein Verbum widarspannan nicht nachgewiesen. 
1088 QKt.%, 754. 1098 Qr. 1, 717 scheint 5eftr#t^/«A^ /iKr iotemihMÜenta ; bei 
Jon. 6, 224 intuaihMUente. 1098 eigentlich namva, wohl Sehreitfehler. 1099 
Gr. 4, 267. 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



55 



Sciphum khelih. 
1125 Sententia urteilida. 

Subnectione untarfuamissa. 

Sufficit kinah. 

Superstitem ubarlibun. 

Solam herda erd. 
1130 Sutio stal. 

Situm kilegan. 

Stillaoit trauf. 

Scandalam zaruuarida bo- 
nida asaaih. 

Solennitas tnld kimali. 
1135 Superliminare ubarturri. 

Scüariam belac cadum. 

Scatere ouiü man. 

Sabbatizauit firrota rasta. 

Strenuis käbare uuizzigen 
snellen. 
1140 Scolptile picrapht. 

Sectis kisagotem. 

Sobula alansa. 
Fol. 96'. 

Segites ezziska. 

Seduxerit pitriugit. 
1 145 Stataa imago kilibnissa auara. 

Sprabrones hornozza. 

Semis e scaftruni. 

Sciphus chupfili. 

Sphemlas skibili. 
1150 Saga lachan. 

Solidom festi samabaftaz. 

Successio oaqhumft. 

Superhumerale ahsal kiuuati. 

Sculpes crebis. 
1155 Stipite selppaume. 

SpecaliB scucharun. 

Subiciendis untarkebane. 



Sartagene phannun. 
Subucula lih hemidi. 
1 160 Seposita dicta quasi seorsum 
posita suntar kilegit. 
Satisfactionem folpuazea. 

Fol; 96^ 

Stelio mol. 

Scabia iuchido. 

Sabrufum est inter album et 
rufam samiuuiz. 
1165 Subtilior cleinira. 

Stamen uuaraf. 

Supercilia ubarun prao. 

Superficies obanontigi ana- 
siuni. 

Stratum kistreuui. 
1170 Salina speichilla. 

Sagma sella stual säum. 

Sagma stualkastreuui. 

Sagma panc lachan. 

Segites ezziska. 
1 1 75 Susurro runazzari. 

Stigmata libzeichan. 

Statera uuaga. 

Spatula palma plat. 

Salices felauua. 
1180 Seditio liutpaga heimstrit. 

Fol. 97'. 
Scopoli flaahi scorrono. 
Solueutes keltante intuante. 
Situla eimbar. 
Sacrilegium heidangelt. 
1 185 Suris rihon musculis tibiarum. 
Stemens streuuanti. 
Stimulatus kistuncter. 
Scidit sleiz. 
SoUicitant spanant. 



1129 RtehHgerwäre erda herd Gr. 4, 1026. 1137 Gr. 1, 852. 1138 
Jim. 225 sabbati saimfirrota Lesrfehler. 1147 Gr. 6, 461. Gramm. 2, 175. 
1166 Gr. 6, 420 und 4, 464. 1166 Gr. 1, 1039. 1179 Jon. 227 lalauus 
Lesefehler, 



56 



ADOLF HOLTZMANN 



1190 Salataris heilant« 

Sndes spizzi stecfaun. 

Seuisset sali. 

SaffocatuB aruurgit. 1225 

Subuerteretis zarstortit. 

1195 Sagum al. liAcfaaD cuius dimi- 

nut. facit sagellnm. 

Fol. 97'. 

Suspicabantur uuanton. 

Sodalibus kaleibon. 1230 

Sodales kasellun. 

Stuppa uspunna. 
1200 Sarcinolis fazzon purdinü. 

Statu stalle statuissn. 

Sc loeanerunt sih inneaton 

sih pifuluhun. 1235 

Subsiste kistulli. 

Stationes heriuuahta liutstal. 
1205 Siringium sirno. 

Sitarciis chiuuillon. 

Sportulam keba manabeiti. 

Sarculum iat isan. 

Saltum uuald. 1240 

1210 Spurius notus zuitarn. 

Sarcinas purdi al. heribergo. 
Fol. 98'. 

Sponsalia prutkeba. 

Suspicetur uuanne. 1245 

Singultum fneskezzan. 
1215 Scrupulum pisiunigi. 

Saccum harrun. 

Scurra spiliman tumari. 

Subegerat untaruuant. 1250 

Serrauit segota. 
1220 Sorbiunculas sofmuas. 

Scandens ascendens chlim- 
banti. 



Stratoria streuui lacfaan. 
Satisfac rebtspracbo. 
Sterneret sataloti streuuiti. 
Spectaculum uuntarscauuida. 

Be. Fol. 104\ 
Sparsim stetim enti stetim« 
Sponte selpuuillin. 
Subuectio faelfa. 
Solerter clanlihfao. 
Samenta asnita. 
Spectaculum untarsiuni. 
Stadium spurt. 

Rd. Fol. 98'. 
Totidem ebaumanago. 
Torrens leuuina. 
Tedet ardriuzzit urlustit. 
Tribus cbumbirra. 

Fol. 98'. 
Tandemque ioh eddesuuenne« 
Turnus suuellanti. 
Teristra aestiuum pallium 

sumarfanö. 
Tenues dunniu. 
TuDcdemum do hitamun. 
Torpebant artuualun. 
Tenere unice einliho. 
Tantandem so samafiln. 
Terminis marcbon. 
Tributum kelstrum. 
Turgentes suuellanto. 
Tribunus crafo. 
Turpitudo scama erheli. 
Turibula rauhkar. 
Tentoria deni lachan. 
Tabulas suli. 

Fol. 99^ 
Tabulata kisuli. 



1202 Fehlt Gr. zu 1, 298 sih innon. Jan. 227 sih meton uyahrsckeinlich 
falsch gelesen. 1205 Gr. 6, 280. 1210 Gr. 5, 730. 1236 Gr. 4, 405. 1241 
Gr. 4, 696. 1246 Gr. 4, 194. 1249 Gr. 4, 844 SrheÜ; schwerlich richtig, 
andern zu mhä, erklich; nhä. EkeL 



ALTHOCHDEUTSCHE GLQSSARE. 



57 



Tintinnabalis skellilinü. 
1255 Tiara id est cidaris id est 
pilleas huat. 

Tortam protrinch. 

Tomultnm stürm. 

Torqneri uuidari ktuantan 
unesan. 

Tnlerant prahton. 
1260 Talpa skero. 

Tactns kihmarida. 

Testiculis bodon. 

Tabicina homplaso qai in 
toba canit. 

Tritara dreska. 
1265 Tridentes craouila. 

Terebat mulita. 

Torculare trota. 

Trita uia kipeuuiter nuec. 

Tedere nrlustison. 
1270 Tumulos huffo crap. 

Tragelafas elaho. Tragelafi a 
grecis nominati eadem spe- 
cie ut cerui sed uellosos 
habent carnes ut hirci et 
mento (99J promissis hirto 
barbis qui circa phasidem 
gignuntur. 

Transfretare ubarferran. 

Tributarias kilstirro. 

Tympus dunuaengi. 
1275 Truncabant stumbaloton. 

Tortum kidrait kiuuntan. 

TemuleDtam ninolentam trun~ 
chana. 

Tonant liutant thonaront. 

Tabescat farsuuine. 
1280 Truncas stnmbaler. 



Triclinium ufhus de tribus 
lectis dicitur in quibns 
solebant antiqui declinare 
post conviviam. 

Tridentem isan cabala. 

Tumnlas hobpuri crap. 

Temeritate frauali. 
1285 Tapecia teppidi. 

Tysanas quae fiant de grano 
necdum perfecte maturo 
postqaam in pilo tnnditar 
siccatur ad solem et ite- 
rum in pilo tunditar donec 
secematnr farina et für 
fores et sie ntitnr in ca- 
lido potu nt cibo cum 
uoluerit. 

Tempesta noctis stilli nahtes 
id est media nox. 

Tali anchalo. 

Tribunal dincstual. 
Be. Fol. 104\ 
1290 Throni sedal comun. 

Tabescit suuintit. 

Tugurium chubisi. 

Turbo Sturm unint uuintes 
prut. 
Rd. Fol. 100'. 

üemaculus inburro dilibuiro. 
1295 Uita comite übe kisinde. 

Uallauerunt umbi halboton. 

Uulua qhuiti muater. 

Uictima frinskinc. 

Uepres prammo. 
1300 Uoluerem uulli uuantaloti. 

Uenusto fagaremo. 

Uiolenter noti. 



1271 carnes] armoa Jan. 230. 1273 Gr. 4, 194. 1281 poat] in Jon. 230. 
1283 Gr. 3, 167. 1290 Jun. 230 sedal komono. como in der Bedeutung 
procer. 1292 Gr. 4, 359. 1294 diüburro fehlt Gr. 3, 20, steht aber 5, 133, 
ohne das Zeichen Rd. 



58 



ADOLF HOLTZMANN 



Fol. 100\ 

Uadum fart uuat. 

Uiolatum piauollana. 
1305 Uastantes aoastante. 

Uersatilis uuarblih pikherlih. 

ITagus hirrer. 1340 

Uegitat faarit tregit 

Uiatores farante. 
1310 Uincti hafta. 

Uridine heiu prunsti. 

Ubertas habundancia kinuht- 
sami. 1345 

Uictus libleita. 

Ueraatur libit ist. 
1315 Uterinas lebar lago. 

Uiscera innodi. 

Uua botrus drubo. 

Uissice platarun. 1350 

Urgnebantur peitton. 
1320 Uolgus smala firhi. 

Uixerit kinisit. 

Usuris firin iiacfaaruii. 

Ultroneas noluntarius iiuil- 
liger. 

Uergit inclinat inneigit. |'^gg 

1325 Uncinos haccun craphun. 

Uersum zilan. 

Uitta nestilo. 

Fol. lor. 

Uestibulo forzihe furihnse. 

Utensilia azzasi kiziuc. 1360 

1330 Uermicalnm narmottaz. 

UeBtiait kinuerita. 

Uenerationis eru. 

Uitabitis midat. 

Uultor gir. 
1335 Upuba nuitoboffa. 1365 



Uespertilionem flederemus- 

trän. 
Ulcus SUD sponte nascitnr tolc. 
Ulnus ferro fit et dioitur uunta. 
Uicina came nahemu fleiske. 
Uolatilis flogarontia. 
Uallicnlas talili. 
Uapor thanm. 
Uile smahlib. 
Uicarium figari qaia similis 

in uice ejus ponitnr. 
Ueniet kicbaufit nuirdit. 
Uactilla spaladra enea. 
Uagidaber numerus. 
Uixilla uictoria heripaucban 

chundfano. 
Cindicetis kiuuinnet. 
Uasta solitudine magna soli- 

tudine uuastemu einotte. 

Fol. 10 r. 

Uicturis lebentMenne. 
Uiaticum uueganest. 
Uentriculum mago. 
Ultor antrecho. 
Uomerc uuagansin. 
Uacat muazzot irrot. 
Uiolentia not. 
Usurpauerunt unrehto ki- 

falcton. 
Uellus scappari. 
Uicem Ion. 
Umbilicus nabnlo. 
Uehemens drater. 
Utile nuzlih pidirblih. 
Uaccas fetas cbnai mit chal- 

birun. 
Ultro iro danches kerno. 



1311 Dom u iit amgewischt. Jan. 231 heoi. Gr. 4, 709, 1315 Gf. 2, 
94 {einzig). 1354 Gr. 1, 1135 (einzig). 1358 Gr. 3, 499. 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



59 



TJicem antan in minan stal. 

Uicissitudo Ion unehsal. 

üia compendii nacga rihti. 

Uncia thümali in hoc loco. 
Unda nero unias cujusqae 
rei XTT pars est sicut est 
uncia in libra. finit AMHN. 



1370 Telotypie zorna fradi. 
Re. Fol. 104'. 

Uersatur nnarbot 

Uoluptas onnnilust. 

Uentilat uuantalot. 

Uectigal zol. 
1375 Uacellat nnanobot. 



2. Glossar E£ 

105'. INCIPIÜNT ALIQÜA VERBA 

EXGERPTADE UBRO REGUM. 

Fusoinula chraunil. 

Fenore antlehane. 

Placari kihuldit uuesan. 

Ignobiles nnadillichi. 

Extales drozdarama. 

Reditus urkift. 
105\ Subsiste kistnlli. 

Lagnena chrnac hanthabbhter. 

Dissimulabat tarota. 

Magoifica michiltati. 

Ligonem seh. 

Saroulum iatisan. 

Vomer auaganso. 

Tridens kabala. 

Scopolns fluah. 

Preruptum hamalscorruo. 

Retractio uuidarznc. 

Retractatio uuidartrahta. 

Triamphalem siginiamlicha. 

Kefocilabatur kilabot uuard. 

Palmas munt. 

Amata giangilotin. 

Ocreas peinperga. 

Liciatoriom mittuli. 

Ephi polenti pisufli. 

Casso farmissera. 

Gardans ceisala. 



Abigebat inde minabat. 
Curiosius ruahlibor. 
Ibix steingeiz. 
Increuerunt aruuobsan. 
Kotabitur uuiruit. 
Singultum fnasca^zen. 
Scnipulum pisiunigi. 
Eraserit arscurri. 
Inposuisti inguoni. 
Concertatio strit. 
Decrescit suuein. 
Fusum spinnilla. 
Exsequias leita. 
Ignani slafe. 
Debilibus samiheilen. 
Fistulas dolun. 
Curia mahalstat. 
106'. Pyrus saccari. 

Collirida panis pizzo panis. 
Assatura prato. 
Bubule nuisunt. 
Frixam kacraupta. 
Serravit sagota. 
Typo laterum ciagolo. 
Sorbiunculam supbilan. 
Deuium auuicun. 
Matrimonium conjugium hi- 

leih. 
Effiigium urfluht 



1366 Ebenso Jan. 282. Ich finde die Stelle nicht bei GrafF; ein Nomin. 
anta kommt niehi vor. VielleieM Dat. Plur. twn anti? 1S69 Gr. 2, 716. 1370 
Gr. 3, 820. 



60 



ADOLF HOLTZMANN 



Infatua gitnliski. 
Domestici huskinozza. 
Calcalas steinili. 
Tysanas clinua kirstino. 
Stratoria pettinnat. 
Tapecia teppi. 
Cicer chicbirra. 
Satisfac nuillinnrti« 
Querelle sechu. 
Ilia lanchun« 
Conplanavit gislihta. 
Talus anchala. 
Aurora tagarod. 
Rutilat rutichot. 
Tenerrimus muruuuisto. 
Obrigisceret gistabeti. 
Extorsit ardunanc. 
Auricularius giruno. 
Delibera ahto. 
Submittere nidargilazzan. 
Amplum uuit. 

Praeposuerat foragimarchota. 
Conscius ginuizzo. 
Adfinitas gimachida. 
Chorus cartsanc. 
Dolaverunt snituu. 
Lathomi marmorarii. 
Inde dolatura manaria dicitur. 
Cementarius murarius. 
Cementum flastar. 
Cocleum snechinhus inde co- 

cleum ascensus rotundus 

dicitur. 
106\ Serrati gisegote. 
Lira seil. 
Axes absa. 
Modiolum naba. 
Radii speichun. 
Cantus felga. 
Botunditas sinuuelli. 



Amulas offerturia. 
Argilla leim. 

Argillosa terra leimagaz lant. 
Erngo milito. 
Inprecatio fluab. 
Devotatio unheil. 
Nauticos skefman. 
Gnaros antchundun. 
Rumor liumunt, marida. 
Suppellex gipuida. 
Sicomaros murpaum. 
Vorago chlinganta. 
Scorpiones astalohte staba. 
Fefellit pitrauc. 
Intermisit untarleaz. 
Excnsatus antrahoter. 
Alitus atumzuc. 
Sustentor anthabet pim. 
Asportabit fartregit. 
Aratiuücula furuh. 
Lambens laffanti. 
Pedissequus fuoz fendo. 
Commodius scazlomira. 
FuUo lauentarius. 
Sarta teeta ubarzimbri. 
Interruptum zascruntan. 
107'. Profugus freidon. 
Trulla cbeilla. 

finit de libro regum. 
Adfinitas sippa. 
Carpentarius holzmeistar. 
Exedre mausiones. 
Utensilia gipuida. 
Agilitas snelli. 
Egregius urmarrer. 
Ripa stad. 
Tribulos prammun. 
Ferrata carpenta giisanta uua- 

gana. 
Gratuita ungiamotiu« 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



61 



Commissura gilaz. 
Inpensas giziuc. 
Tarmas folch. 
Apoteca cellarium. 
Pecalium suntarscaz. 
Celare craban. 
Ambiebat umbifianc. 
GroBsitudo dichi. 
Perspicuuoi dnrhsiunig. 
Moliebatur zileta. 
Tabe cunt. 
Inpulit Bcuracta. 
Septum tenipli pifanc. 
Condacebant kiiiiiatton. 
Delenitus intlazzaner. 
Crepnerunt zarprustun. 
Obsidum kisalo. 
Vastitas auasti. 
Macbinas kirusti. 
Atrociter crimmo. 
Acerai piga. 
StiUabit gitriufit. 
Indicere zinsen. 
Parvi pendebant Inzzic uua- 

gun. 
Decrepitas uralt. 

DE LIBKO DANIHELIS. 
Coevi gialtrnn. 
Sciscitatus est forscota. 
Decuplum zebanfalt. 
Redimitus dingaltonter. 
107^ Sententia urteilida. 
Statura kiuuahsti. 
Magistratus herscaf. 
Fistula snuegula. 
Decretam urteilida. 
Cum tyaris mit hotun. 
Tibarii pein rehfta. 
Urgtiebat peitta. 
Stuppa uspunna. 



Molestia unkifori. 
Adustus farprunnan. 
Saraballa peinrefta. 
Conpages lidi gilazza. 
Subripuerunt untarfeangun. 
Euulse sunt aruuelzit sint. 
Rapidus staufi (in stuafi ge- 

ändert). 
Incenatus ungiazter. 
Palude fenni. 
Inpudens scamaliner. 
Aeris candentis cloantes. 
Emarcuit aruuesaneta. 
Conuaini gimageta. 
Aggerem huffun. 
108^ Inpinget farspumit. 
Fraudolentia unchust. 
Conflentur gigozzan uuerdant. 
Suspitione urtriuuidu. 
Smigmata sopona. 
Porticum turili in media porta 

factum. 
Cognitor urchnao. 
Malitiose ubillicho. 
Inveterate ungialteto. 
Conviva gimazzo. 
Alveolus trugili. 
Intriverat giprochota. 

DE LIBRO BESTER. 
Jactantia ruamili. 
Nemus haruc. 
Consitum kisezzit. 
Fulciebantur arspriuzzit 

uuarun. 
Pavimentum astrih. 
Poculis lidfazzun. 
Parvipendent luzzic abtönt. 
Divulgatur gimarit uuerde. 
Deferueuepat intuueal.^ 
Muliebrem uuipzieri. 



62 



ADOLF HOLTZMANN 



Adceleraret kiskeorti. 
Gratiosa liuplichiu. 
Prodiderat meldeta. 
Annales iargiscrib. 
Experimento giuuissi. 
Insolescat giniuuoe. 
Summa pifanc. 
Exemplar pilidi. 
Redandavit argiuzzit. 
Contenta gifagun. 
Secta ehaltida. 
Inhiare fnehan. 
Conatus picbanst. 
Expressi arrahta. 
Delatio melda. 
Detestari fien. 
Molinntur lagont. 
Vesania narrabeit. 
Cunicalis strangon. 
Arrogantia ruamili. 
Expetivit kerota. 
Invia auaikki. 
Inpensas kiziuc. 
Urguerunt peitton. 
Impediret marti. 
Annuo reditos iarkelt. 
Koza scado. 

Inpolito ung^hasanotemu. 
Qaerimonia stauunga. 
Aurifex coldsmid. 
Fumorum ouano. 
Exigatis snacbet 
Oliveta olicarto. 
Adtenuatus kidunnet. 
Distincte untarskeidlicbo. 
Mulsa scruaf. 
Exactio not. 
Forinsecus uzauert. 
Objurgavit piac. 



108'. DE TOBU. 

Inpertiret teilti. 
Exiguam smal. 
Brancia cbenun. 
Extentera gisarauin. 
Cassidile. follicellas. 
Domininm berscaf. 
finit. amen yof pyok eak feci 
}iiaflioop. 

INCIPIT DE LIBßO JUDITH. 

Scissis gimeizzanen. 
Diruit zarauarf. 
Maritima selant. 
Cidaris pinta. 
Extirpaverunt arriutton. 
Obdulcati kisuazte. 
Nuper nunabun. 
Fallit triugit. 
Transverberabitur durbpluan 

uuirdit. 
Spumam feim. 
Frastrabuntur gimerrit uuer- 

dant. 
Distilliscent zartriufant. 
Restibus Beilum. 
Reficerunt intpizzun. 
Per crepidinem durb baldan. 
Apex riz. 
Furtim dinplicbo. 
Precipitium uabaldi. 
Infasus nazzer. 
Sapplimentum folnissa. 
Pectivit stralta. 
Periscelides peinuueri. 
Ascopa sie factum est ut 

puttastar. 
Conopeum muccanezzi. 
Discriminavit gifebta. 
Lampata massa fici. 



ALTHOCHDKUTSCHE GLOSSARE. 63 

lodastria claunida. Tyrsos torsun. 

Straguls fehlachan. Debilitabant lemiton. 

Sopitus intsuebiter. Gincinnos capillos looha. 

Ezpendit farspildit. Anathema faruuazan. 
Strepitu mit prahtu. finit. AMHN. 

Diese Glossen stehen in dem Karlsruher Codex 86, demselben, 
welchen ich oben 8, 395 beschrieben habe^ auf den letzten Blättern, 
Fol. 105 — 108 in ganzer Linie, nicht abgesetzt geschrieben. Der An- 
fang nach der Überschrift lautet: Ramathan eivüa» erat. Uteri infantes. 
BeUal absque iugo. Nam Uberorum nomine non poseunt infantee diei nisi 
ex nobilitate proereati liberi pluraUs eemper numeri eet. Uulua est ubi 
caneeptio ßt nam viri milvam non habent Emvla inimiea sive imitatrix 
n. 8. w. Ich habe nur die deutschen und einige andere ausgehoben. 
Graff hat das Glossar benutzt und unter der Bezeichnung Rf in den 
Sprachschatz eingetragen; nichts, desto weniger scheint ein Abdruck 
nicht überflüssig. 

3. 

Gollationem cesameneprahti. mutata sunt. Vgl. die Mainzer 

Temeritate fravali. Glosse Diut. 2, 282; zu lesen 

Exemplaria pilid puoch. ungeuuaren). 

Imbiberant keslunten. Imbibit Reprehensibles erraticos notavit, 

keslant. fersluoc. 

Falsarium erraticum lugenare. Institutum kemeintaz. 

Temerariis fravallen. Industria keuuerido, khleini, klerti, 
Suspicionem vuidarsiht zurtriuuida. uuistuome. 

Argumentum chleini list. Emendarios puozzila puoch. 

Maledicos skeltara, maledicorum Consideratione keuuerido. 

skeltarro. Non tam nols so fi)o. 

Dormitantibasungeuuren(eZi6iSfWZtf Canones, kerihtida. 

des Hieron. lautet quae vel a vi- Industria klerti. 

tiosis interpretibus sunt male edi- Cnriosis forsklinen firuuizgernen. 

ta, vel a praesumptoribus impe- Ceterum andarstabo. 

ritis emendata preversius ant a Continuatis samahaften. 

librariis dormitantibus addita vel 

Diese Glossen finden sich im Spicilegium romanum, tom. IX. und 
gehören zu des Sedulius Scotus explanaiiones in prcefationes saneti Bie- 
ronymi ad evangelia, gedruckt S. 29 und folg. Sedulius lebte zu Anfang 
des neunten Jahrh. in Gallien, und die Handschrift, aus welcher Text 
nnd Glossen abgedruckt sind, ist nach Angelo Mai vom Verfasser selbst 



64 ADOLF HOLTZMANN 

geschrieben oder doch gleichzeitig. Die deutschen Glossen sind zwar 
nicht zahlreich, aber nicht unwichtig, andarstabo war bis jetzt zweifel- 
haft, Gr. 6, 611. pvozzUa ist ganz neu. klerti ist wahrscheinlich kilertt, 
nur einmal in der Bedeutung /acundia nachgewiesen. Die ersten Glossen 
haben Verwandtschaft mit den Mainzer Glossen Diut. 2, 282. 

4. 

Fol. 3, a. Uesicula .i. crop .f. 

Fol. 11, b. Alies .i. arangroz. (vf. eringrioz Gr. 4, 346.) 

Larus. mea .8. (zwischen e und a etwas vertüisrhi), 

Mergulus. dohfugal. s. talacra .f. vel tuhheri .f. 

Ciguns. suuan. 

Onocrotalus. roredumble .s. 
Fol. 12, a. Herodio. falcho. 

Caradrion. quidam dicunt. lericha. 

Upupa. sive opopa. uuitohofFa. 

Uerpertilio. fledaremustro. 

Unum diz eina. 

Pectinatium. stechelez. chambohtez. 
Fol. 12, b. Migale. qnidam dicunt haramo. 

Stelio bestia nenenata .i. genus lacertae. vel mol ut alii 
uolunt. 
Fol. 13, b. Peccatum natale, einchnuodile. 

Diese Glossen stehen im Reichenauer Codex 231 , oder Karls- 
ruher 119, in einem Commentar zum Leviticus. Sie sind meines Wis- 
sens noch nicht gedruckt. Die Buchstaben / und s (frankisch , säch- 
sisch) stehen in der Handschrift über den Wörtern, hinter welchen ich 
sie gesetzt habe, talacra ist ganz neu; auch chambohtez^ roredumble und 
arangroz sind in dieser Gestalt noch nicht nachgewiesen, etnehnuodile 
mit der Bedeutung natale ist ebenfalls zu merken. 

5. 

Der Reichenauer Codex 217 (Karlsr. 193) besteht aus zwei ur- 
sprünglich verschiedenen Handschriften, die durch den Buchbinder ver- 
einigt sind. Die erste Handschrift, noch aus dem neunten Jahrb., ent- 
hält des Juvencue evangelia^ des Seduliua carmen pasehcde und dann noch 
einige Hymnen des Seduliue. In dem carmen paschale finden sich deut- 
sche gleichzeitige Glossen, die zum Theil absichtlich verwischt sind^ 
wahrscheinlich von demjenigen, welcher später mit kleinerer Schrift 
lateinische Glossen eintrug. Deutlich zu lesen sind noch folgende: 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 



65 



Onerata gilateniu. 

Fontex stada. 

Lntus biscimder. 

Monimenta geuuaht. 

Damnavit ferstredita (damnavit pa- 

tulas audax fiducia venas). 
Legiones folco. 
Apostata freido. 
Obicit kaginauarf. 



Moderamine mceszuna (gehört zu 
mezön oder zu mftzön, moderari). 

Intemerata unuernuartezs. 

Scisma sceitunga. 

Dispar nngelih. 

Funditus (terra intremuit) karelihho. 

(Miles deserta) statione uaarto {am 
Rande uigilia). 

Fuscata colore keuiartu uaruo. 



Die zweite Handschrift ist von derselben Hand geschrieben, wie 
Codex 18; dieser aber ist der erste derjenigen Codices, welche nach 
Neugart, episc. 547 Reginbert geschrieben hat. Er gehört also in den 
Anfang des neunten Jahrhunderts. Er enthält die Evangelien des Ju- 
vencus, Sedulii Carmen paaehale (ohne den Brief) und ein Cento Probce; 
beim Binden sind die verschiedenen Stücke vermengt worden. Darin 
folgende Glossen, vielleicht von anderer Hand: 



Aestibus, uuallanten. 

Convicia, sceitunga. 

Obreptans, unt^chresente* 

Inlex (que malorum), spanara. 

Gratantis, uiantis farantis. 

Latebram, kebercc. 

Intentio, inhuct. 

Nomismatis munezisenes. 

Clavae, cholben. 

Grandisonis pompare modis, lei- 

chun. 
Amoena, uunuesamo. 
Uirecta, kigruoni. 
Linguisque trisulcis , drisuohen 

zungon. 
Corui, ramma. 
Rostro, snabale. 
Orbita, felga. 
Sulcos, furce. 



Depasta, föne kegrasotomo. 

Strage, uuala. 

Labere, xbllfn (wallen). 

Pinne, xkntpfrgp (wintpergo). 

Latebris, keberkun. 

Abrupto, stechelun. 

Famse, liumunte. 

Casus, kiburida. 

Nactus, findante. 

Causata, chlagonte. 

Yacuum, zuama. 

Egestas (de fontibus undas), arsca' 

fano. 
Correptet, uuidarchrese* 
Fundus, houastat. 
Plene, follicho. 

Horrore (ciborum), in unluste« 
Inbigat, unter thiute. 
Glaucis, uueitin. 



Auch diese Glossen sind meines Wissens nirgends gedruckt. 



OBBUANTA XI. 



66 ADOLF HOLTZMANN 

6. Zum Olossar Eb. 
Im Druck, Dintiska 1, 490 — 533, ist Folgendes zu berichtigen: 

491, a, Z. 6 V, 0. umbipigurtida. 

Z. 9 V. u. caunurt {zu Grr. 1, 993). 

492, b, Z. 16 V. 0. prichino, Schreibfehler statt pirchino. 
495, a, Z. 8 v. ti. uuitta kfzehotiu. 

— b, Z. 4 V. u. nustium. Zwischen s und i ist ein Buchstabe^ 

wie es scheint ch, ausgewischt, 

498, b, Z. 18 V. 0. nineti. 

499, b, J?. 14 V. u. nach latita, vor conpulit, ist ausgefallen: de 

umbilico terre fona nabulin dero erda. 

499, hy Z. 12 V. u. kisamonoteiu. 

500, a, Z. 5 r. o. des statt der. 
Z. 10 V. u, uuasmegi. 

501, a, Z. 17 V. 0. maget. 

Z, 19 V. 0. statura. 

— b, Z. 4 V. ti. sibun {nicht sibuno). 

503, a, Z. 8 V. o. fona statt fora. 

504, a, Z. 10 V. u. anakifaldant. 
Z. 7 V, u. lihemin. 

506, a, Z 7 r. o. smaahlihiu. 

506, b, Z. 1 V. 0. tauganorutn. 
• Z. 9 V. u. fiureitilun. 

507, b, Z. 13 r. ti. zeni dero. 

510, a, Z. 1 V. 0. stouf der uuazares. 
Z. 9 V. n. maarre. 

510, b, Z. 13 V, 0. smecharlicher. 

511, a, Z, 9 V. u. semalun. 

512, a, Z. 7 V. 0. es steht feter statt fater. 

513, a, Z. 8 V, u. falanuemo. 

514, b, Z. 12 V. 0. kiprahta, das ki über der Zeile, Gr. 3, 268. 

515, b, Z. 12 r. o. zizi; das erste zi steht über der Zeile. 

516, b, Z, 12 r. 7i. schirammant. 

517, a, Z, 14 r. o. farantem. 

Z, 12 t». w. zehotar. 

Z. 11 r. u, edo in mi-. 

519, a, Z. 16 V. 0. anafarkiangun. 

— b, Z. 9 r. «. aftar. 

520, b, Z. 2 t?. M. anthabaner,Gr.4,818,^oR/a?^<?Ä^«Ä<«tottRb- 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE. 67 

621, a, Z h V. 0. obonontigi. 

— b, Z. 5 V. ti. kiuuatte. 

526, a, Z. 1 r. o. luakirum. 

527, a, Z. 7 v. o. heitaremo. 
-• — Z. 13 t\ 0. churis-, 

Z» 9 V, u. nicht Costa; copta geändert in conta; gemeint 

ist compta, Eccli. 9, 8. 

— b, -Z. 7 V, u. ^ kilimit. 

528, a, zwischen 1 und 2 v. o. fehlt aromatizanz pimentonti. 
528, b, Z. 14 r. u, kiuuebe. 

530, a, Z. 3 V. u. mstitutoris indes stiurantin. 

— b, Z. 7 r. ti. kichauicchat. 
Z. 13 r. ti. uuahsante. 

533, a, Z. 17 v. o. kichuninchanne (deutlich), 

zwischen Z, 6 und 5 v, u. fehlt attrita kidroscatiia. 

533, b, Z. 4 V. u. kimarachnn. 

Bis zu Fol. 56' scheinen die deutschen Worter gleichzeitig mit 
den lateinischen geschrieben zu sein, aber von 56"" an zeigen die deut- 
schen Wörter eine blassere Tinte ; es wurden also die zu übersetzenden 
Worter zuerst aufgeschrieben, und die Übersetzung kam später dazu. 
Viele lateinische Wörter blieben aber unübersetzt; das letzte übersetzte 
Wort ea ebore indico steht Fol. 100' am Ende; es folgen aber noch 
vier Blätter mit lateinischen Wörtern, ohne Übersetzung; nur einmal 
auf der letzten Seite Fol. 104'' ist ein deutsches Wort, aber von ganz 
anderer Hand, beigeschrieben, nämlich uharuuant zu conuicerat. 

Die lateinischen Wörter sind genommen aus den Büchern Mosis 
bis 498", Z. 12 v, u. hceccine reddis Deuter, 32, 6. Dann folgt nova cudere 
aus der Vorrede des Hieronymus in Josue, und dann cultros lapideos 
aus Josue 5, 2 bis 499% novellis ovibus Josue 24, 32. Aber in den Josua 
eingeschoben ist ein anderes Werk, das ich nicht entdecken kann, von 
498* Z. 7 V. u. invaserunt civitatem bis 498** , Z. 20 v. o. ad proclivum. 
Gleich nach Josua beginnt Judicum mit consuluerunt lud. 1, l und 
geht bis 500% Z. 16 v. o. ire (sta,tt jure) bellandum Jud. 21, 22. Hierauf 
beginnt mit der Überschrift de evangl und mit conpescat eine nicht- 
biblische Schrift, die wie es scheint bis 506% Z. 5 v. u. gebt. Mit 
demoliitts est eos beginnt 1 reg. 5, 6 und die Bücher der Könige gehen 
bis 515* Z. 7 V. o. trullas 4 reg. 25, 14; unmittelbar folgt 1 FaraL 4, 38 
bis ebenda Z. 5 ▼. u. pacem et ocium, 1 ParaL 22, 9. Dann beginnt 
wieder mit in lustratione ein unbekanntes Werk bis 519*, womit Z. 4 v. o, 

5* 



68 ADOLF HOLTZMANK 

oblicus die Vorrede des Uieron. zu Uiob beginnt. Hiob geht bis 520^, 
Z. 9 V. o. eonpactvm Hiob 41,6; es folgt unmittelbar ad (statt quod) regio 
cultu EöteTy 1,5; bis ebenda unten sublatu» est Ester 16, 12. Dann folgt 
eine Glosse aus Tobias 11, 5 super dlium mantia, und dann beginnt mit 
confocUuniur die Vorrede des Hieronymus zu Esdra; Esdra geht bis 
52 1*", Z. 6 V. o. in domate 2 Esdra ^ 8, 16, doch ist schon vorher valle 
artificum aus 11, 35 genommen. Es folgt unmittelbar emula 1 reg. 1, 6 
bis due palme 1 reg. 5, 4 auf 522% Z. 12 y. o. Darauf folgt 1 ianitoruni 
1 Paral 23, 5 und Parai. gehen bis 523', Z. 6 v. o. caniricesj 2 Par. 
35, 25, worauf Pror^rMa beginnen mit a»iutia 1, 4 und gehen bis 525*, 
Z. 4 V. o. Siragxdatam 31, 22. Es beginnt hierauf Eccle mit luatran» 
1, 6 und geht bis 525% Td. VI v. o. amigdalum 12, 5. Mit equitatui be- 
ginnt Cant. 1, 8 und geht bis 526*, Z.16 v. o. crater iotmaiilis 7, 2. Das 
folgende umtcta finde ich nicht, und mit exaors beginnt Sap. 219 und 
geht bis 527% 1 inaquaticoy 19, 18 und sine guerela 18, 21. Dann be- 
ginnt mit animositaie Eeelu 1, 21 und geht bis 529% Z. J2 eUuatus 51, 6. 
Es folgt Hieronymus Vorrede zu Isaia, und es folgen dann die Propheten 
in ziemlicher Verwirrung bis zu Ende, und auch die vier Blätter, auf 
welchen die Übersetzung nicht mehr ausgeführt wurde» enthalten Wörter 
aus den Propheten. Die letzten Wörter sind prandium Dom. 14, 33. 
restituit Dan. 14, 38. Dann noch sabatum und deligaturn, und die Seite 
ist nicht vollgeschrieben. 

Es ergiebt sich aus dieser Reihenfolge, daß in der Handschrift 
die Lage Fol. 69 bis 76 unten mit h gezeichnet, und die Lage 77 bis 
84 unten mit i gezeichnet, verwechselt worden sind, denn Fol. 68* 
schließt mit dem nicht biblischen Buch, welches 77' fortgesetzt wird, 
und diese Lage schließt auf 84' mit 1 reg. 5, 4; 69' beginnt mit 1 reg. 5, 6 
und schließt auf 76' mit 1 ParaL 22, 9, woran sich 85% 1 Parai 23, 5 
anschließt. Die Verschiebung muß aber geschehen sein, ehe die alpha- 
betischen Glossare auf den leeren Platz eingetragen wurden ; denn diese 
sind nicht verschoben. Wirklich findet sich bei genauerer Betrachtung, 
daß auf Fol. 76' oben statt des jetzigen Zeichens C ein ausgewischtes 
i>, und ebenso auf 84' oben ein ausgewischtes C statt des jetzigen 
D stand. 

Das Glossar ist gewiss sehr alt; eine Benutzung anderer Glos- 
sare ist nicht zu bemerken. Es ist auch nicht Abschrift, sondern 
von der Hand des Verfassers geschrieben, was sich aus allerlei 
Kleinigkeiten ergiebt, z. B. S. 513* steht unter et ßucinolas inti clira- 
uuila in der nächsten Zeile ei ßalaa i. Man sieht, der Schreiber 
wollte et mit inti übersetzen; im Schreiben aber fiel ihm ein, daß er 



ALTHOCHDEUTSC?HE GLOSSARE 69 

nicht wusste, wie er fialas übersetzen sollte, und so horte er auf, nach- 
dem er das t geschrieben hatte. Überhaupt zeigt sich eine große, auf- 
fallende Unkenntniss des Lateinischen schon in der Art, wie die latei- 
nischen Worter geschrieben sind; z. B. Judic. 16, 14 cum crinibus ei 
licio ist S. 500* des Druckes geschrieben cum crinibus aeditio. Judic, 21,22 
jure bellantium wird geschrieben irce hellantium^ und dies wird als In- 
finitiv ire übersetzt zi uarramie uuikantero. Der Nutzen, den diese 
fehlerhaften Glossen beim Lesen der Bibel leisteten, war ein sehr ge- 
ringer. Jemand, der viel Pergament verschwenden konnte, denn die 
Glossen sind mit einer ganz ungewöhnlichen Raumverschwendung ge- 
schrieben, also wahrscheinlich einer der ersten Äbte von Reichenau, 
schrieb sich diejenigen Wörter aus der Bibel und andern Büchern auf, 
die ihm besonders dunkel waren. Ein anderer, ohne Zweifel der ge- 
lehrteste Kenner des Lateinischen, der im Erlöster zu finden war, schrieb 
die deutschen Erklärungen dazu ; bei sehr vielen Wörtern aber reichte 
seine Kenntniss nicht aus, er mußte sie unübersetzt lassen. Man kann 
nicht ohne Mitleiden diese ersten Anfange der lateinisch -deutschen 
Lexicographie betrachten, die aus einer Zeit herrühren, in welcher, wie 
wir auch ans andern Zeugnissen wissen, die Kenntniss der lateinischen 
Sprache fast erloschen war. Gerade diesem Umstände aber verdanken 
wir die ältesten Aufzeichnungen deutscher Wörter, unter welchen das 
Glossar Rb durch den Reichthum an alten und seltenen Wörtern eine 
der allerwichtigsten ist. 

Ich benütze diese Gelegenheit, um einige Druckfehler meines 
früheren Aufsatzes (Germania 8, 385 ff.) zu verbessern. Lies S. 387, 
Z. 10 V. u. auel. — S. 391^ Z. 5 v. o. Laqnearibus. — S. 397, Z. 2 
V. o. heb. («=» hebraice). — S. 398, Z. 12 v. u. zu furiosi. — S. 399, 
Z. 21 V. o. fuliae; Z. 23 rind; Z. 27 sicut. — S. 401, Z. 14 v. o. 
Manrica. — S. 405, Z. 6 v. u. ist XTT zu streichen. — S. 409, Z. 8 
V. o. lies: ostii. — S. 411, Z. 3 v. o. buticnlnm. — S. 413, Z. 3. v. o. 
nrgnet. 



70 BENEDIKT GBEIFF 

OFFENBARUNG JOHANNIS, 

AUGSBÜRGER BRUCHSTÜCK. 

MITQBTHEILT VON 

BENEDIKT GREIFE. 



!• 

da ihesus an daz crutze trat, 

Ir nament sit ir gnüg gemant 

die stat ist geistlichent genät 

Sodama, daz quit stumme, (Apoc. Cap. XI, 8.) 5 

8U8 heiset sie dar umme, 

Swenn iz vnreht wirt alls offenbar 

da da nieman wider sprechen tar. 

Egyptus ist auch sie genamet, 

wand sie sint vinster alle sament. 10 

Die got den wol erkennen 

die turrent sin nicht nennen. 

J)iz ding daz an in sol gesehen 

sol Volk von allen diethen sen^ (XI, 9.) 
Daz si mit bluote gar besigen 15 

drie tag und einen halben ligen (XI, 9.) 
Geworfen in daz horch gewat*) 
iherusalem der grozzen stat, 
die groz heizzet durch die dinch 
daz des gelauben gesprinch 20 

Vmb unsen berren ihesum crist 
US der stat zerst irsprozzen ist. 
Ir libe nieman getar bestaten (XI, 9.) 
zvo du daz sich an in gesäten 
Die vogele mit den hunden. 25 

so sendent in den stunden 
Die danne habent leides gewin 
ir gift ein ander under in 
Vnd ervrowent sich zu wider strit 
daz also iamerlichen lit 30 

Ir vleisch und ir geweide 
1" 



*) horch contr. aus horwee = ichmutzig. Vgl. F. Pfnlftfs devUehe Mystikttr 
< 386, 2 und 17. 



OFFKNUAÜIN« JOllANMS. 7| 

Die da ligeut vtibegrabcu 

sie vor gerrutzigct haben. 

Die de« eidea buwcut dau. (XI, 10.) 35 

die tiutct warheit uad ban. 

Vnd guot bilde der cristeuheit 

de aiut dea hertzeliche leit 

Dieselben boüse pilde Iragent 

vnd sehe war die diuch sage ($o). 40 

Wen awenne die predigi*re 

die rechten wäre were 

Der heilige achrifte aprechent, 

so mugen ir hertze brechen. 

Die nicht enwellent volgen 45 

und sin san irbolgen 

Durch im nü tragenden mein 

als geschieh den prüften xwein (XI, 10.'^ 

Enoch un Eyase. 

si werdent gelich eim ase 50 

Dax man wirfet für den bunt 

durch sinenen (so) girlichcn alnnt 

Handelet die wissagen 

bi den iungeaten tagen 

Unde sie nicht altes eine 55 

daz volk Wirt al gemeine 

Daz dann an cristes namen giet 

erslagen als man daz crslet. 

Nu merchent ebne waz ich tage: 

nach discm vierden tage 60 

Des libes geist von gote gesant (XI, 11,> 

kumi in se die der tot erbaut 

muzzen 

wider auf iren ftizzen 

Ewich und unbewegelicb. 6.% 

8 wer hie nu stet der rege sich 

Von bewegelichem t<'>de 

wan die werlt ist aihe br<v(e 

Daz nieman hat hie vollen stadel. 

da wider hat so ui-bteü adel 70 

Der himel, awer da sin werch gelegct, 

der blibet immer vnbeweget. 



72 BENEDIKT GBEIFF 

Von du beganden dise zwene 

nach der urstende zv stende 

Vor iohannes angesichte 75 

wenne sie erberen an nichte 

Daz in daz yallen ervorchte (XI, 11.) 

des viel auf sie . . geworchte 

Von allen den landen 

die sie san erstanden. 80 

Und als diz ende genam 

ein groz stime in aber cham 

Sprechende von himle nider: 

stiget her auf zvz vns wider! (XI, 12.) 

Un si stigent auz den wölken 85 

in den himel durch die wölken 

Von ir uiande angesicht. (XI, 12.) 

die rede bedarfe glosen nicht, 

Wende sie sol also gesehen 

als iohannes hat sie gesen. 90 

Jdoch sit des yernumftig. 

her schribet, daz sit wart künftig, 

Als üb es were vor gesehen 

So muz ich nach des selben i6n 

2* 96 

sit in den selben standen, 

Daz dise die wichung begos, 

ward ein erdpiben sere gros, (XI, 13.) 

Unde viel der stat zehende teil. 

zwar uiel iz in ewig unheil 100 

Und in ewikliche leit. 

die stat uiel auz der cristenheit 

Des himeltragenden heiles 

den zehenden dez zehenden teiles. 

Der himilischen ierusalem 105 

meinite hie crist von bethleem 

Vnd augete iz Johanne, 

Daz diz teil solte danne 

Valien, daz ander teil belibe. ^ 

des sprach er . von der erdebibe 110 

Viel der zehende teil der stat, (XI, 13.) 

daz gotes gebot übertrat« 



OFFENBARÜNa JOHANNR. 73 

Diz ist gut an zesehene; 

der köre sint auch zehene 

Da gotes erweiten inne wonent 116 

und immer in sime dienste donent *). 

Auz allen disen koren 

vielen der willetoren 

Von vpigem geleze 

das eteslicher mcze 120 

Do lucifer der arge viel 

in ewich pech daz fiure wieL 

Dar zoch der gotes uermeinde 

mit im zwaz sich vnreide («0) 

Dur sinen hezzigen mort 125 

uf disem ertrich unde dort. 

Daß ein Dichter des XIII. Jahrhunderts sich die 'Ofi'enbarung 
Johannis' zum Gegenstande einer umfassenderen Dichtung gewählt habe, 
darauf hat zuerst G. Ch. Pisanski (preuß. Lit. Gesch. S. 85), nach ihm 
Fr. K. Kopke (s. E. Hennig, hist. krit. Würdigung etc. S. XXV) auf- 
merksam gemacht. Später hat Dr. Karl Roth in München, ohne von 
seinen Vorgängern zu wissen, zwei Bruchstucke aus zwei verschiedenen 
Handschriften des Gedichtes — einer Saarbrücker und einer Regens- 
burger — mitgetheilt **). 

Ich kann diese Bruchstücke um ein drittes vermehren, das ich 
unlängst, zugleich mit den von mir in der Germania ***) veröffentlichten 
Bruchstücken zu 'Wernher's Marienlied' auf der hiesigen k. Kreis- 
nnd Stadtbibliothek aufgefunden habe. 

Leider ist es nur ein einziges Pergamentblatt in Quart, zwei- 
spaltig, die Spalte ursprünglich 31 und 2* und 2^ 32 Verse enthaltend, 
von denen aber je der oberste Vers sammt dem Rande abgeschnitten ist. 

Die Verse sind, wie im Saarbrücker und Regensburger Bruch- 
stücke, abgesetzt geschrieben und beginnen in ungewöhnlicher Weise 



*) Vgl. das Saarbrücker Bmchstüek V. 54, 55. 

**) Siehe Dr. Karl Roths 'Dichtangen des deutschen Mittelalters*. Stadtamhof 1845. 
[Seitdem haben über das vollständige Werk , das sich in Handschriften zu Königsberg, 
Dansig und München erhalten hat und dessen Verfasser Heinrich Hesler ist, weitere 
NachAht und Auszüge gegeben F. K. KÖpke in v. d. Hagens Jahrbuch 10, 81—102 und 
Karl Both in s. kleinen BeitrSgen 1. Heft S. 31—35. Ein Bruchstück wahrscheinlich des- 
selben Gedichtes steht in meinem , Altdeutschen Übungsbuch" Wien 1866 S. 21—26 
abgedruckt. PFEIFFEB.] 

***) Germania, Jahrgang VII, S. 305 ff. 



74 VALENTIN POGATSCHNIGG 

je einer mit einem großen roth durchstrichenen, der andere mit einem 
kleinen Anfangsbuchstaben. Die größeren, vom Texte etwas wegge- 
rückten Anfangsbuchstaben stehen in einer eigenen Columne, jeder 
Vers aber zwischen feinen gelblichen Linien« 

Die größeren Abschnitte, deren das Pergamentblatt zwei enthält, 
beginnen mit großen drei Zeilen hohen Anfangsbuchstaben, einem 
rothen und einem blauen. 

Die vollständige Handschrift, aus der das Pergamentblatt stammt, 
befand sich einst, wie die Bruchstücke zu 'Wemher's Marienlied', in 
einem der Klöster des £j:eises Schwaben und Neuburg. Ich kann aber 
nicht angeben, auch nicht vermuthen, in welchem; denn ich fand das 
Blatt von der Buchdecke bereits abgelöst. 

Was den Inhalt des Bruchstücks betrifi't, so behandelt der Dichter 
darin das XI. Capitel der Offenbarung Johannis. 

Sprache, Orthographie und der Charakter der Schrift weisen der 
Handschrift eine Stelle in der zweiten Hälfte des XITT. Jahrhunderts an. 

AUGSBURG, im Janaar 1863. 



BEITRAGE ZUR DEUTSCHEN MYTHOLOGIE UND 

SITTENKUNDE AUS KÄRNTEN. 

VON 

VALENTIN POGATSCHNIGG. 



1. Das Stephanreiten. 

(Mündliche Mittheilung aus dem Lavantthale.) 

Am 26. December, dem Gedächtnisstage des Protomärtyrers 
St. Stephanus, findet im Lavantthale eine seltsame Feierlichkeit statt. 
Von weit und breit strömen die Bauern in Schaaren nach der am Ab- 
hänge der Koralpe gelegenen Kirche St. Stephan, einer Filiale von 
Marein, zusammen. Die einen kommen herangeritten, die andern fuhren 
mit Blumen und Bändern geschmückte Pferde neben sich. Nachdem 
der Gottesdienst, .bei welchem für dieselben Brod und Salz geweiht 
wurde, sein Ende erreicht hat, sprengen alle im raschen Trabe dreimal 
um die Kirche herum und halten endlich bei dem Opferstocke, wel- 
cher vor der Thüre aufgerichtet ist. Hier werden die Prämien (pro) 
an die gewandtesten und schönsten Exemplare vertheilt und jedem 
Pferde ein mit dem geweihten Salze bestrichenes Stück Brod gereicht. 
Dann zerstreut sich wieder die Menge, um nach Hause zurückzukehren, 



BEITRÄGE ZUK DEUTSCHEN MYTHOLOGIE AUS KÄRNTEN. 75 

WO man Nachmittags noch gewöhnlich die Fluren mit den Pferden zu 
umreiten und mit Salz und Wasser zu besprengen pflegt. 

Dem am Stephanstage geweihten Brod und Salze wird eine be- 
sondere Kraft zugeschrieben ; in Krankheitsfällen gibt man kleine Do- 
sen davon dem Viehe ins Futter; durch den Genuß desselben bleibt 
es jahrüber gesund. Darum fehlt es auch in keinem ordentlichen Haus- 
balte. Auch beim Schweineschlachtcn gibt man manchmal etwas von 
diesem Salze in den Kreuzschnitt. 

Anmerkung 1. Zur Verbreitung der Sitte vgl. Panzer Beiträge zur 
deuUchen Mythologie U, 233 u. 283. Wolfs Beiträge 125. Düringsfeld Festkalender 
aus Böhmen 596. 

Anmerkung 2. Zur Geschichte der Sitte. Mit dem Christenthum ist an 
die Stelle des germanischen Licht- und Friedensgottes Fro (Freyr), dem auch das Pferd 
geweiht war, an manchen Orten St. Stephanns getreten; vieles, was mit dem Cult des 
erstem in Verbindung stand, gieng daher großentheils auf letztem über, so besonders 
dessen Patronat über die Pferde. Vgl. Frz. Pichler, Über das Stephanreiteu , Grazer 
Zeitung 31. Febraar 1861. Grimm, Deutsche Mythologie 1184. Simrock, Deutsche 
Mythologie, 2. Auflage 560. 571. Wolfs Beiträge I, 117, 125. II, 92. Quitzmann 
Dia heidnische Beligion der Baiwaren S. 91. 

2. Das WindfAttern. 

(Mündliche Mittheilung aus dem Drau-, Gurken- und Lavantthale.) 

Wenn der Wind im Sturme durch Bäume und Dächer saust 
und den Rauchfang des Hauses zwingt, die Rauchwolke an sich zu 
halten, da pflegt die Hausmutter gerne, um die rasende Windsbraut 
zu versöhnen, derselben ein Opfer zu spenden. In Eierschalen oder in 
kleinen Schüsseln gibt sie Milch oder andere Speisen vor die Thüre 
oder stellt dieselben auf einen Balken, der eigens zu diesem Zwecke 
bei dem Erker des Daches hervorragt. Besonders beliebt ist dieser 
Brauch um die Zeit der heiligen Nächte vom Christabend bis zu 
Heiligendreikönig, während welchen Zeitraumes im Gebirge der Wind 
oft eine schreckliche Herrschaft übt 

Anmerkung 1. Über die Verbreitung dieser Sitte vgL Leoprechting, Sagen 
ans dem Lechrain 101. Virgil G roh mann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen 
S. 3. Kuhn, Westphalische Gebräuche II, 93. Zingerle, Sitten, Bräuche und Mei- 
nungen aus Tirol 74. Paumgartner, Das Jahr und seine Tage, Kremsmünsterer 
Gymnasialprogramm 1860| 9. Becker, Ötscher und sein Gebiet, I, 381. 

Anmerkung 2. Der Cult des Windes ist uralt und nicht bloß germanisch 
Über die Vorstellung des Windes bei den Germanen vgl. Grimm, Deutsche Mytho- 
logie 515. Simrock, Deutsche Mythologie, 2. Auflage 508. Korwegische Märchen, 
übersetzt Ton Bresennann, I, S. 49. Frz. Pichler, Das Wetter, in deutscher, be- 
sonders steirischer Volksüberlieferung , Graz 1860, 15. Mannharts Germanische 
Mythen 754. 



76 VALENTIN POGATSCHNIGG 

3. Das Klöokln und die Klöcklerabende. 

(Vgl. Weinhold, Weihnachtsspiele S. 43. Lexer, kfirntisches Wörterbuch S. 161. Carin- 
thia, Jahrgang 1853 Nr. 81 u. 82. Jahrgang 1861 S. 26—27.) 

An beBtimmten Abenden der heiligen Adventzeit — meist Diens- 
tags, Donnerstags und Freitags — ziehen im Drau- und MoUthale 
junge Bursche von Haus zu Haus und verlangen, an die Hausthüren 
klopfend, Einlaß. In der Vorlaube beginnen sie nun, während die Haus- 
leute in der Stube versammelt sind, ihren Gesang. Hell klingt aus 
dem sie begleitenden Chore eine jugendliche Stimme vor; sie singt: 

Heint is d'r heilige klöckleräb'nd, 

den gott d'r hear crschäfin hat. 

Mier wünschen den bauer an güldenen hof, 

ZW& rücklate ochs'n, zwa zikate schaf; ') 

mier wunsch'n dV bäurin an güldenen hert, 

äfft diz ') sie kann koch'n, vi^äs ir herz'l begert; 

mier wunsch'n d'r tochtar a* güldenes radl, 

äfft däz sie kann spinnan a'^gär a^fcins fadl; ') 

mier wunsch'n d'r dirn a'guldene stieg'n, 

und äff iedem stäpfl a'kint in d'r wieg'n; 

mier wünschen den knecht a* güldene zang'n ^), 

äfil daz er si kunat den himm'l d'rgläng'n; 

mier wunsch'n den kindem an güldenen tisch, 

äff äll'n vier eck'n aufgebratenen fisch. 

Mier hearn schon die Schlüssel klingen, 

passt's auf! ^) die frau muoter wirt uns was aussar bringen. 
Allein ihre Ahnung hat sie betrogen; noch rührt sich die Hausmutter 
nicht, um sie ablohnen zu kommen. iMan erwidert vielmehr von innen : 

Meine liab'n klöckler! mächt's enk nix draus, 

foarts hin ze des nachbers haus; 

da göb'n's enk de löne heraus; 

foarts übern perg auf und nidar, 

foart's hin ze d'r moUprugg'n, 

stoass't se oacher in den sänt, 

schaugg't's wia se aufar in enk zänt. 
Der Spott findet in dem redegewandten Munde des Klöcklers schnell 
seine Entgegnung; er zahlt mit barer Münze heim und so entspinnt 
siöh ein langer Dialog improvisierter Keime, in denen sich beide Par- 

Lexer hat die Variante xwd 9pieglaU pferL *) In Lexer's Fassung erscheint 
statt hffi daz, = damü daz. >) Lexer schreibt ihr feinattei pfddl, *) In Lexer*s Leseart 
lautet es u gtUdene hhk'n — damit . . . himmH eifihbJ^n, *) Lexer hat ja! ja! statt 



BEITRÄGE ZUR DEUTSCHEN MYTHOLOGIE AUS KÄRNTEN. 77 

teien in Witz und Spott zu überbieten streben. Die unzählichen kleineu 
Skandalgeschichten und Lächerlichkeiten des unmittelbaren Lebens der 
Gegenwart, alte Erinnerungen liefern eine nie versiegbare Quelle des 
Stoffs zu diesen gereimten Sticheleien. Die Natur der Improvisation, 
welche den Gedanken des Moments zu ergreifen und auszubeuten nö- 
thigt, duldet es nicht, daß diese Verse, welche man im Möllthale 
Lisnerreime nennt, lange im Curs bleiben und auf diese Weise typisch 
und traditionell werden. Sie kommen und gehen wie Eintagsfliegen 
und werden stets von neu nachwachsenden verdrängt. 

Hat dieser poetische Wettkampf eine Weile gewährt, so erhebt 
sich endlich die Bäuerin und begibt sich nach dem Gaden, der Speise- 
kammer, um den Klöcklem in Eßwaaren eine geringe Belohnung zu 
bringen. Befriedigt von dem Erfolge, ziehen diese wieder weiter, ihr 
Glück bei einem andern Hause zu versuchen. 

Anmerkung 1. Die Herrschaft dieses Brauches erstreckt sich über einea 
weiten ausgedehnten Bezirk. Vgl. Weinhold, Weihnachtsspiele 43. Seh melier, 
Wörterbuch II, 361. Meier, Sagen aus Schwaben 457 — 461. Woeste, Volk^über- 
liefemngen 24. Kuhn, Westphälische Sagen II, 119. A. Paumgartner, Das Jahr 
und seine Tage in Meinung und Brauch der Heimat, Kremsmünsterer Gyronasialpro- 
gramm 1860, S. 13. 

A n m e r k n n g 2. In der Qestalt , in welcher der Brauch in Kfirnten auftritt, 
durfte derselbe nun kaum mehr als eine Posse sein, bestimmt, den Burschen Gelegen- 
heit für Zusammenkünfte und Neckereien mit den Dirnen zu bieten. Allein die unzfih- 
lichen Variationen und Abarten, welche derselbe in den verschiedenen deutschen Ge* 
genden aufweist , und in denen sich alte ursprüngliche Formen erhalten haben , lassen 
uns denselben als AbschwSchung einer uralt heidnischen Feier erscheinen, die sich an 
eine bestimmte Erscheinung des Naturlebens anlehnend nach und nach von ihrer pri- 
mitiven Tendenz entfernte und in eine Feier des Neujahrstages oder des Winterfest* 
abschlusses übergieng. Vgl. Oskar Schade, Klopfan, Beitrag zur Geschichte der Neu- 
jabrsfeier in Weimarschen Jahrbüchern II, 75 ff. Simrok, Deutsche Mythologie, 
2. Auflage 558. 56). 563. 

GERNDE LEUTE IN SCHWEDEN. 



In Afzelius' Swenska Folkets Sagohäfder Bd. IV S. 135 f. (2. Aufl. 
Stockholm 1851) findet sich eine Stelle, welche sich auf die Schau- 
spiele, die bei Gelegenheit der im Jahre 1307 gefeierten Vermahlung 
des schwedischen Königs Birger mit der dänischen Prinzessin Martha 
statt fanden, bezieht und folgendermaßen lautet: 

„Wie die Schauspiele jener Zeit beschafien waren, lässt sich nicht 
leicht sagen; jedoch melden die Chroniken, daß Personen, die man 
gärande nannte, derartige Spiele aufführten. In Gothland wird allgemein 



78 FELIX LIEBRECHT, GERNDE LEUTE IN SCHWEDEN. 

gära statt göra gesagt und die Redensart gära sek sjuk bedeatet „sich 
krank stellen^. Gärande waren diejenigen jungen Leute oder selbst 
Ritter, welche verkleidet vor die Zuschauer traten, um die in den Sa- 
gen und alten Volksliedern erwähnten Begebenheiten zu spielen. So 
wurde Helge's und Swawa's, Sigurds und Brynhilds Liebesgeschichte 
gesang weise und mit lebendigen Geberden vorgestellt, wie auch noch 
heutzutage hie und da auf dem flachen Lande Gesellschaftspiele mit 
Gesang und Tanz aufgeführt werden. Aus jener Zeit stammt femer 
die Sitte, daß man auf dem Lande den zweiten Tag der Hochzeit mit 
einer Art Schauspiel vermummter gärande beginnt, welche mit ver- 
stellten und bemalten Gesichtern und in umgedrehten Kleidern zur 
Belustigung der Zuschauer allerlei Possen treiben. Oft auch wird zu 
diesem Zweck ein großer Ochs herausgeputzt, im Sommer mit Blumen- 
kränzen, im Winter mit bunten Bändern und Papier um die Homer; 
auf demselben sitzt ein gärande in lächerlicher Tracht mit einem alten 
rostigen Säbel oder dergleichen in den Händen. So wird der Ochse 
mit seinem Reiter in dem Dorfe umhergefiihrt , begleitet von einem 
Haufen verkleideter Knaben und Mädchen, die sammt und sonders 
nach Kräften ihr loses Spiel treiben; vor ihnen ziehen einige noch 
burlesker vermummte Musikanten einher, und unter diesen sind meh- 
rere, die mit Ofenklappen und Bratpfannen den Takt schlagen und so 
einen entsetzlichen Lärm machen. Auf diese Weise gelangt die ganze 
Gesellschaft in die Hochzeitstube, wo der reitende Held zuvorderst 
meldet, wen er vorstellt und dann sein Spiel weiter fortfahrt." 

So weit Afzelius. Das von ihm Mitgetheilte ist nicht ohne 
Interesse, besonders deswegen, weil man daraus ersieht, daß es auch 
jetzt noch in Schweden gerade gibt, wenn auch etwas verschiedener 
Art. Daß die Bezeichnung gärande von dem mhd. Ausdruck herkommt, 
der dort also in dieser speciellen Bedeutung sehr früh eingedrungen 
ist und sich in Gebrauch erhalten hat, während er bei uns nicht mehr 
der lebenden Sprache angehört, ist gar nicht zu bezweifeln, und man 
muß sich nur wundem, daß Afzelius dies nicht erkannt hat, sondern 
das betrefiende Wort (jgärande)^ wie wir gesehen, von göra (machen, 
thun und provinciell göra eig^ sich stellen) herleiten will, und doch ist 
es in der Bedeutung begern auch schwedisch, freilich jetzt nur noch 
in der abgeleiteten Form begära^ gerade wie im Deutschen. 

LÜTTICH. FELIX LIEBRECHT. 



79 



BRUCHSTÜCKE. 



I. Ans der Chronik des Elke von Repgow. 

Ein Pergamentblatt, gr. Fol., in Spalten zu 32 Zeilen, mit zahl- 
reichen großem und kleinern Bildern auf Goldgrund. Die Schrift ist 
eine feste Minuskel und gehört noch ins 13. Jahrhundert. Der Text 
stimmt mit der Bremer Handschrift, welche Maßmann seiner Ausgabe 
(Stuttgart 1857 = Bibliothek des lit. Vereins XLII) zum Grunde ge- 
legt hat und der sie auch sonst, durch Alter und Ausstattung, nahe 
tritt, fast buchstäblich überein , so genau jedesfalls , daß , wenn nicht 
die eine unmittelbar aus der andern geflossen, doch beide Abschriften 
einer und derselben Handschrift sind. Und zwar gleichzeitige, in der- 
selben Gegend gefertigte, denn unter den verschiedenen Federproben 
von Händen des 16. 17. Jhds., die auf den Rändern des als Umschlag 
verwendeten Blattes geschrieben sind, lese ich: „Bremen-Adwin Ad- 
ministrator zu Verder*^ und „Administrator des Stifftes Verden in 
Hertzo. zu Braunswieg*^. 

Das Blatt, einst zu D. K. F. W. Hasselbachs Bibliothek gehörig, 
wurde erst in diesen Tagen durch J. A. Stargardt in Berlin (s.Nr. LXXL 
Bibliotheca theologica S. 42, Nr. 1290) zum Kauf ausgeboten und ist 
nun in meinem Besitz. 

WIEN, December 1865. FRANZ PFEIFFER. 

(s. Maßmanns Ausgabe S. 53- 58.) 

a ioden to babilonie warede seuentich iar. Do de koning fedechiaf 
gevangen waf. ufi ierl'm tovort was. man let de armen iode imme 
lande, dat Te den akker buweden. un deme koninge uan babilonie 
tins dar af gauen. Do fcop man to houetmanne godolyam. den Hoch en 
norfte dot. des koningef van babilonie. dat urochten de armen ioden 
alfo fere. dat fe ulogen in egiptü. un togen mit in iheremiä den 
propheten. unde baruch llnen iungeren. weder er beider willen. Dar na 
uor de koning nabugodonofor in egiptü uü beduanc dat laut. u!l 
veng de ioden alle, de eme vntulogen waren, ufi uorde fe to babi- 
lonie. duf belef dat laut to ierl'm gare wofte. Do he to huf quam, 
he makede en grote hogtit. to der let he de ioden halen. ufi den 

b koning fedechiä alfo blint. ufi at mit en urolike ^) | ufi dranc« 
Binnen des let he bringen enen rore dranc dem koninge fedechiare. 
de rordene alfo fere. dat he vor aldeme volke fic unreine makede. 



*) Büd^ da» Gcutmal daratellend. 



80 FRANZ PFEIFFER 

des lachgede de koning. ufi alle de fine. Sedechiafe den koning let 
men in fine uangniffe. dar ftarf he van ruwe. Dit waf de silue na- 
bugodonofor de de sule up rechte let. deme ane beden folde. un de dre 
kindere in den ouen ftoten let. dur dat fe de fule nicht anbeden 
newolden. Eme dromde ok wo en bom woffe. ander hoge wante 
an den hemel. un fin breide al erdrike bedacte. dar under was aller- 
hande ve. un uppe den telgen waren allerhande uogele. Do gebot 
en [temnß van hemele dat men den bom up höwe. un alle de der 
uü de uogele danen uoren. fin wortele de Toi de auer beliue imnae 
erdrike. uü fin herte folde werden gewandelet au enes deref herte. 
un dat Tal gewaren feuen iar. Den drom dudde daniel un fegede 
deme koninge. Herrc du betekenift den bom den got het up howen. 

c wante uan *) | diner gewalt fal tu gan. unde din herte fal geuandelet 
werden an enes veis herte. vnde deme ve werdef tu gelich feuen 
iar. Dit gefcha alfo daniel gefeget hadde. wente ') dat de feuen iar 
worden gewandelet in feuen manede dur danielef bede. Defeme 
koninge dromde oc en ander drom uan dere fule. den eme daniel 
oc dudde. dar van fole we fekgen hir na« Defe koning leuede dre 
un vertich iar. un ftarf*). Nabugodonofor fin föne wart na eme ko- 
ning. de waf ftarkcre den de uader ie geworde. an der gewalt. uii oc 
an def liuis cracht. De filue koning hadde oc angeft dat fin uader 
uan deme dode up erftunde. ufi ene uan deme rike verftete. dur dat 
ene got in dat rike weder hadde gebracht, do he ene to deme ve 

d gemifchet hadde. { Dur den angeft let he ene up grauen ufi let ene 
delen an dre hundert ftukke. dren hundert gyren. dur dat fe ene ^) 
to norden, ufi nicht mer ne mochten to famene comen *). Do defe 
koning ftarf. Balthafar fin föne wart na eme koning. De filue ko- 
ning fat an einer hochtit mitten finen ufi scheute en mit den uaten 
de gerouet waren to iherl'm. Do he aller beft in finer vrowede fat. 
do quam dar en haut in den palaf '') ufi fcref in der want. defe wort. 
Mene . tecel . phares. Defe wort nekonde finer wiffagen nen beduden. 
do fandeme na daniele. de qua. ufi laf de wort, ufi fprac to deme 



') Die linke Hälfte der Spalte ~- von der ersten bis zehnten Zeile — bedeckt 
ein Bild mit dem Baunty in dessen Zweigen Vogel^ xu dessen Füssen Thiere, 

^ Auf der rechten Seite der Spalte, den Baum von drei Zeilen einnehmend j ein 
Biid, das Nahuchodonosor nackt auf allen Vieren kriechend darstellt. 

*) Bild Nabuchodonasors in einem Kreise^ durch drei Zeilen, 

^) Bild mit drei Geiern, drei Zeilen der ganzen Spalte einnehmend. 

*) Bild des K, Balthasar, wie oben, 

') Verwischtes Bild im Quadrat. 



bbüchbtCcke. gl 

koninge. Heire defe wort cundegit di. dat got dine dage cniien wele* 
onde din rike to uoret Tal werden* un din gewalt Tal gegenen werden 
den van media. oA den van perfia. dit gefcheL 

n. Aiu Jaeobi Ton Xaerlant SaimbibeL 

Ein Pergamentblatt in Fol., in Spalten zu 42 Zeilen « aus dem 
14. Jhd., ans derselben Bibliothek (s. Stargardu Catalog a. a. O. Nr. 1289) 
kanflich von mir erworben. DaiS das Bnichstück wirklich Maerlants 
Keimbibel angehört, kann ich swar, da diese noch ungedmckt nnd 
nnr ans einzelnen Mittheilungen bekannt ist, nicht bestimmt behaupten, 
werde mich indes doch kaum irren, denn Sprache und Darstellung 
scheint mir ganz den aus dem Spiegel historiael bekannten Charakter 
zu tragen. Damit das Blatt nicht verloren geht, werde ich es dorthin 
schenken, wo es am besten aufgehoben ist: in die Bibliothek der 
Maatschappij der Nederlandsche Letterkuude zu Leiden. 



a Die die wairhoijt nyot en mifte 
Ilie bcghint al thcenen gader 
Vp des iudas ouer ouder vader 
D^ was abraham daer ghi 

Hier voren af höret fecggheu mi 5 

£n firijck van daer fcoene 
Tote xpm den gods soene 
D' tulTchen waren als ick kinde 
Si XL Tau kinde te kinde 

Abraham en xpm met ghetelt 10 

Oet dat ghi dat weten feit 
Dat daer tulTchcn waren 
Die tide van iij" iaren 
Ende van diefen abrahame 

Achterwart tote adame 15 

Alfo lucas wel fcrijuen can 
Waren deen ten andren XX man 
Daer tunVhen waren op<*ii^:ire 
Ekrn myn dan xij^ iarc 

Matlieus fcrijft mccr van defen 20 

Dat latic te niete wefen 
Tbeghin van diefen geflachte 
Data god die adame wrachte 
ornuaiA XI. 6 



82 FRANZ PFEIFFER 

Want god es adams vader 

En dat ende al teene gader 25 

Van defen gheflachten groet efi fcone 
Qua cristus die gods föne 
Dus es yp gode dat beghinfel 
Efi yp finen Toene dat infel 

Want hi blef fuuer efi reyne 30 

God ende menfehe ghemeyne 
Efi enliet gheene ghebort 
Alfo den vleefche toe behort 
Nochtan liet hie kinder meer 
Dan aldat vor hem was eer 36 

Want dat Gjn alle fijne kinder 
Onde lange meere on minder 
Die dat kerrtendom ontfaen 
Efi in den heilghen gheeft dwaen 
Niet in der zonden eefcbe 40 

Noch in den wille vä den vleefche 
Maer die anderwarf fijn gheboren 
b Vut gode die fijn vercoren 
Mids den watre efi dien gheefte 
Dats tfchoenrte efi tmeefte 45 

Alfe xpriftus felue zeit 
Ouerfte leerere der waerheit 
Efi dit fijn fin kindere allegader 
Wie haer moder was of vader 
Adaems kinder woerden ghebom 50 

Na den eefcbe die den vlefche behort 
Maer xpc kindere diet wel y'eeft 
Sijn geboren van den heiigen geeft 
Anderwarf efi van den watre niet 
Als ic hier voren hebbe ghefet 55 

Dus fijn ij gheborten ghegeuen 
Deerfte en helpt niet ant ewelic leuö 
Tander brengt ons claerlic daer 
Vp dat wi intghelouue fijn ciaer 

Van den rike die begonsten efi van 
moyses ende uan de «x. gheboden {roih) 



BRUCHATÜCKE. 33 

JN den tide als ghi hebt ghchort 60 

Als van abrabame rort 
Beghonfte menich (Inrc rijkc 
Die secre rcgneerde moghcntlike 
Van grieken en van babilonc 
Van carthago cn yan machidone 65 

Dat eerfte begonfte allexnnder 
Trike van rome cn menicb ander 
Die fo rtarck waren in hnren dinghe 
Dat n die warelt al wonden dwing^ 
En ain bem niet wonden laton 70 

Ghenoeghen met maten 
So warp god boron onennoet 
AJgader ondcr noot 
Want ic hebbe ghelefen 

Dat cume cenicb van deson 75 

iiij^ bleef in die eere 
Of daer bonen lettel mecre 
Na bleef dat roemfche rijke 
Tbooft van al aertrijke 

En hadden der warelt r)megaen 80 

Metten fwaerde al onder ghedaen 
En regneerdcn met groter eren 
c En waren der beren beren 
Die wijle dat fi orloge bilden 
En daromme forghc en pine wilden 85 

So droghen fi fo wel ouer eon 
Dat elc anders brocder fcbeen 
Maer do Tijt al badden verwonnen 
Dat was onder der Tonnen 

En met mften leaen fouden 90 

Enconften fij bem niet gbebonden 
Sine gbingen onderlingbe twicn 
Met goHacbten en mit partien 
Om tfordel van der ftat 

En elo gbinc gaderen Tcat 95 

Den andren te bodemen mede 
Alft noch doet te minigber Rede 

88 = ti et = fi es. 



g4 FRANZ PFEIFFER 



Aldus waert mids difcorde 

D^ deentrachticheit mede fcorde 

Haer ghewelt en haer macht 100 

Te noete alghader bracht 

Dat niet en dede dan ouermoet 

Die hem algader dede tgoet 

Daer bi fegt een wijs man 

Dat oneendrachticheit can 105 

Groete dinghe te niete bringhen 

£fi dat eendrachtige dinghen 

Cleenen dinghen maken groet 

En noch fo waers noet 

In den lande hier twaren 110 

Dat porteren eendrachtich waren 

In die fteeden daer Hj fijn 

Of het fal nemen quaede fijn 

Airt in yele fteden heft gedaen 

Got laet ten heften al verghaen 115 

Van de grote rikeu die wile wäre XLI {roih) 

vinder alle rike twaren 

So ymtmere iiij die waren 

Die rtercfte entie meefte 

Teerfte fegt die ieefte 

Was dat rike van babilone 120 

Dat fcoet in Orienten fcone 

D^ yp ninns fijn beghin nam 

In den tijden van abraham 

Tander rijc ftaet in fuden 

Als ic die iecften höre luden 125 

Was dat rike van carthago 

Dat menich lant maecte onvro 

Dat derde rike dat ftont dan 

Int Westen ende dat began 

Allexander die coninc 130 

Maer faen het te ginc 

Dat vierde as ict begoeme 

Was dat rike van roeme 

Dat yp romulus beghint 

En leegt in occident 135 



BRUCHSTÜCKE. gS 

Tbabiloenfche rike was teerfte 

Tftarcrte en bei v'chierrte 

Dat roemfche was tiefte 

Van den iiij ende tbefte 

Maer machidonen ende cartbago 140 

En waren niet alfo 

Staro als dander twe 

Tbabiloenfche was ftarcker mee 

Menicb tijt en menich iaer 

Tote dat cbyros quam daer 145 

Diet al waq> in den gront 

Alfo als ic ▼ fal doen kont 

Cbiros alfo ikt las 

Die cö Tan perfen was 

Voer in Orienten ftrijden 150 

En wan in dien tijden 

Een groet deel van lande 

Do bi dat badde in die bände 

Wondi trecken tcenre an der ftat 

Dat bi meere vonde den fcat 155 

Vor babilone trat bie fcbiere 

Daer ftout eene riaiere 

Taffcben bem entie ftat gbereet fo g*t 

Dat fi den gbanc verboot 

Want fij was breet eD diep 160 

Die riuiere diere voren liep 

Datfe niemet parfen endorfte 

Doe was daer een Torfte 

Een ridder een vroem man 

AKe bi den pas zoeken began 165 



DER WEISSE, DER ROTIIE UND DER SCHWARZE 

HAIIX. 



Es ist ein alter und weitverbreiteter Glaube, daß der den Tages« 
anbracb verkündende Habnenscbrei allen nacbtlicben 8puk, alles Da- 
moniscbe verscbeucbt (sieb P. Cassel, Eddiscbe Studien 1, 53-*57)« 
'Der Habnenschrei*! sagt Clemens Brentano (Gründung Prags S.4I9)| 
'ist den wandelnden Geistern, was den Soldaten der Zapfenttreicb, 



86 BEINBOLD KÖHLER 

sie maßen dann nach Haus gehen.' und wer erinnert sich nicht der 
Worte Shakespeare's im Hamlet? 

I have heard, 
The cock, that is the trumpet to the mom, 
Doth with his lofty and shrill-sounding throat 
Awake the god of day; and, at his warning, 
Whether in sea or fire, in earth or air, 
Th' extravagant and erring spirit hies 
To his confine. 

Während aber nach der gewöhnlichen Annahme der erste Schrei des 
ersten besten Hahnes ^ den Teufel oder Gespenster gerade hören , sie 
vertreibt, geht aus den folgenden Stellen, die meines Wissens von mir 
zum ersten Mal zusammengestellt sind, noch ein besonderer Glaube 
hervor. Hiernach verkünden drei — in einigen Überlieferungen auch 
nur zwei — , durch die Farbe unterschiedene Hähne den Dämonen und 
Gespenstern den Morgen, und erst beim Krähen des dritten — oder 
des zweiten — Hahnes verschwinden dieselben. Wo drei Hähne vor- 
kommen, sind es immer ein weißer, ein rother und ein schwarzer; 
ihre Aufeinanderfolge ist aber nicht immer dieselbe. Wo nur zwei 
Hähne vorkommen, fehlt eben eine der drei Farben. 

Die von mir gesammelten Stellen sind die folgenden: 
Von der s. g. Teufelsbrücke, einer höchst wahrscheinlich künstlich 
hergestellten Landzunge im Gahlenbecker See südöstlich von Friedland, 
erzählt eine Sage (Niederhö£fer , Mecklenburgs Volkssagen 3, 29): 
Der Teufel erschien einst des Nachts einem Schäfer und versprach 
ihm noch in derselben Nacht eine Brücke über den See zu bauen, 
wofür ihm der Schäfer, wenn der Bau vor dem dritten Hahnenschrei 
fertig sei, seine Seele verschreiben sollte. Der Schäfer gieng darauf ein 
und der Teufel machte sich rasch ans Werk« Bald aber ergriff den 
Schäfer Keue, doch der Bau war schon weit vorgeschritten und der 
Morgen noch fern. Da weckte er seinen Hahn und warf ihm dreimal 
Hafer vor, so daß der Hahn dreimal in Zwischenräumen krähte. Als 
der Teufel den ersten Hahnenschrei hörte, rief er höhnisch: 

Dat is de witt, 
dat is so vel als wenn der Hund scbitt! 

Beim zweiten rief er ärgerlich: 

Dat is de rohd', 
dat geht mi dörch' t Blood! 

Beim dritten aber rief er vrüthend: 



DEB WEISSE, DER BOTHE UND DER SCHWARZE HAHN. 87 

Dat 18 de swart', 
dat geht mi dörch 't Hart! 
ließ alles stehen and liegen und fuhr von dannen. 

Von der Teufelsmauer bei Hohenfurt an der Moldau (Vemaleken, 
Mythen und Bräuche des Volkes in Osterreich S. 370) geht die Sage : 
Der Teufel wollte das Wasser auf das Kloster hinleiten, und auf einem 
Teufelsstein sitzend, trieb er die Arbeiter an. Das Krähen eines wei- 
ßen Hahnes machte keine Unterbrechung. Da krähte ein rother 
Hahn, und der Teufel sagte: 'Bother Hahn, todter Hahn!' und hieß 
sie eilen. Endlich krähte ein schwarzer; da sagte er: 'Schwarzer 
Hahn, Himmelsbahn!' und alle liefen davon. 

Von der Teufelswand bei Langeck an der Donau (Vemaleken 
a. a. O. 369) wird erzählt : Der Teufel wollte die Donau anschwellen, 
und als er zu dem Zweck die Mauer auflPuhrte, krähte ein weißer 
Hahn dreimal, und am andern Tag ein schwarzer. Der Teufel 
sagte, er höre nicht eher auf, als bis ein rother Hahn krähe. Da er- 
schien am dritten Tag ein rother Hahn auf der Spitze* des Kirch- 
thurms von St. Johann und krähte dreimal. Nun mußte der Teufel 
aufhören. Voll Zorn schoß er nach dem Hahne, der noch am Thurme 
zu sehen ist. — Daß in dieser Sage die drei Hähne an drei verschie- 
denen Tagen krähen, ist wohl Entstellung; wahrscheinlich haben sie 
ursprünglich in einer und derselben Nacht gekräht. 

Nach einer neugriechischen Sage (J. G. v. Hahn, Griechische 
und albanesische Märchen Bd. 2, S. 82) kommen Neraiden Nachts auf 
eine Tenne und tanzen, bis bei Tagesanbruch die Hähne krähen. Zu- 
erst kräht der weiße Hahn; da sprechen sie zu einander: 'Es ist 
der weiße, der mag krähen!' und tanzen weiter. Darauf kräht der 
rothe und sie sprechen: *£s ist der rothe, der mag krähen!* und 
tanzen weiter. Endlich kräht der schwarze; da rufen sie: 'Jetzt ist 
es Zeit, unsere Flügel zu nehmen und aufzubrechen !* und fliegen weg. 

In einem griechischen Märchen (v. Hahn 1, 210) wird von einer 
nächtlichen Versammlung der Teufel unter einem Baum erzählt. 'Da 
krähte der weiße Hahn, und alsbald rüsteten sich die Teufel zum 
Abzug; darauf krähte der schwarze Hahn, und nun giengen sie 
aus einander, und indem fieng es an zu tagen.' — Hier fehlt also der 
rothe Hahn. Ebenso erscheinen nur der weiße und der schwarze 
Hahn in einem griechischen Elfenmärchen (v. Hahn 2, 79) , wo Elfen 
ein auf einem Maulthier reitendes Mädchen verfolgen. 'Und so ofl der 
schwarze Hahn krähte, wichen sie vom Maulthier zurück, und so oft 
der weiße krahte, kamen sie wieder heran/ 



88 REINHOLD KOHLER 

Die drei Hähne finden sich femer in alten dänischen Volksliedern. 
Erstlich in mehreren Bearbeitungen des Liedes von der todten Matter, 
welche eines Nachts ihr Grab verlässt und zu ihrem wieder verheira- 
teten Gatten geht und ihm die schlechte Behandlung ihrer Kinder 
durch die Stiefmutter vorhält (Svend Grundtvig Danmarks gamle 
Folkeviser Nr. 89). In einer Bearbeitung (Grundtvig Bd. 2, S. 479) 
schließt die Todte ihre« Rede an ihren Gatten mit den Worten: 

Nu gaaUer Haanen den suorte: 
saa snarlig mae ieg buorte. 
Nu gaaller Haanen den roedde: 
tili Graffue stundder alle dy Doedde. 
Nu gaaller Haanen den huidde: 
ieg maa nu icke lenger biidde. 

In einer andern (Grundtvig S. 488): 

Og nu galer Hauen den sorte: 
nu aabnes Himmelriges Porte* 
Og nu galer Hauen den rcede: 
til Jorden skal alle de Doede. 
Og nu galer Hauen den hvide: 
nu maa de Doede ej laenger bide. 

In einer dritten (S. 487): 

Nu galer Hauen den roede 
til Jorden skal alle de Doede. 
Nu galer Hauen den sorte: 
nu aabnes Himmeriges Porte. 
Nu galer Hauen den hvide: 
jeg kau ej laenger bide. 

Endlich in einer vierten (S. 486): 

Og nu gal Hauen den sorte: 
nu aabnes Himmelens Porte. 
Og nu gal Hauen den hvide: 
fra Jorden stiger alle Lige. 
Og nu gal Hauen den roede: 
til Himlen stiger alle de Doede *). 



*) Auch in einer norwegischen Bearbeitung des Liedes kommen, wie Gmndtvig 
8. 473 bemerkt, die drei Htthne vor. Ick kann die Stelle Idder nicht mittheilen, da 
mir Land8tad*8 norwegische Volkslieder nicht sa Gebote stehen* 



DER WEI88E. DER ROTHE IIND DER RCmVARZE HAHN. gg 

In dem ▼erwandten Lied Tom todten Bräutigam (GnindtTi|i^ Nr. 90) 
sagt der Todte za seiner Braat in der einen Bearbeitung (Gmndtrig 
Bd 2, S. 496): 

Nu galer Ilanen den hvide, 

til Jorden maa icg: 

til Jorden stunder alle de Lige, 

nu maa icg med. 

Nu galer Ilanen den roede, 

til Jorden maa ieg: 

til Jorden maa alle de Doede, 

nu maa ieg med. 

Nu galer Ilanen den sorte, 

til Jorden maa ieg: 

nu luckes op alle de Porte 

nu maa ieg fcclge med. 

In einer andern Bearbeitung (Grundtvig Bd. 3, S. 871): 

Og nu galer Ilanen den raede» 
til Jorden skal jeg: 
til Jorden skal alle de Doede, 
jeg maa foclgc med. 

Og nu galer Ilanen den hvide, 
til Jorden skal jeg: 
til Jorden skal alle de Lige, 
jeg maa fcBlge med. 

Og nu galer Ilanen den sorte, 
til Jorden skal jeg: 
na lukker de Uimmerigs Porte, 
og maa jeg fcrlge med. 

In eber dritten Bearbeitung endlich (Bd. 2, S. 497) fehlt der weiße 
Ilahn: 

Nu galler Hannen den nrde, 

til Jorden maae ieg: 

til Jorden skal alle de Dade, 

thi maae ieg foelge afsted. 

Nu galler Hannen den sorte« 
til Jorden maae ieg: 
aaben staar Ilimmeriges Porte, 
thi maae ieg na afsted 



90 REINHOLD KÖHLER 

Peder Syv, der im Jahr 1695 eine danische VolksiiederBammlaiig 
herausgab, sagt in einer Anmerkung zu einer der Versionen des Liedes 
von der todten Mutter (Grundtvig Bd. 2, S. 473, Anmerkung) : 'Ellers om 
Hanegalen haver mand og noget anderledis, nemlig at Dcßdningen ej 
agtede den sorte eller hvide Haue, men ikkun den roede; om hvil- 
ken band sagde: 

Nu gal Hauen den roede, 

Til Jorden stunder den Doede. 
Derfor legges endnu belst rcßde Haner til/ 

In zwei dänischen Märchen, die neuerdings aus dem Yolksmnnd 
gesammelt worden sind (Svend Grundtvig Gamle danske Minder Bd. I, 
S. 6 und Bd. 2, S. 14), kommen die Verse von den Hähnen auch vor, 
doch immer nur zwei Paare, so daß beide Mal ein Hahn fehlt. In dem 
einen Märchen besucht ein Todter Nachts einen lebenden Freund und 
sagt, als Mittemacht vorbei: 

Nu galer Hauen den sorte : 

nu aabnes Himmeriges Porte. 

Nu galer Hauen den roede: 

nu sover alle de Doede. 
In dem andern spielen Gespenster Nachts auf dem Kirchhof Kegel. 
Auf einmal sagt das eine: 

Nu galer Hauen den roede: 

til Jorden skal alle de Doede. 
Bald darauf ein anderes: 

Nu galer Hauen den hvide: 

til Jorden skal alle nu skride. 
Endlich kommen zwei — nicht drei — Hähne auch in zwei 
alten schottischen Balladen vor; in der einen: der weiße und der graue; 
in der andern: der rothe und der graue. Offenbar waren es also auch 
hier ursprünglich drei: der weißfe, der graue, der rothe. Der 
graue ist hier an die Stelle des schwarzen getreten. Die Balladen, 
die ich meine, sind die von 'sweet William' (Percy Reliques of ancient 
Poetry, London 1839, S. 227, aus Allan Ramsay's Tea.-Table Miscel- 
lany) und von 'Clerk Saunders' (W. Scott Border Minstrelsy, Edin- 
burgh 1861, Bd. 3, S. 183). Die erstere Ballade, nach welcher William's 
Geist seiner geliebten Margret erscheint, schließt: 

Then up and crew the red red cock. 
And up then crew the gray. 

'T is time, *t is time, my dear Margret, 
That I were ganc away. 



DER WEIS8K, DEB ROTHE UND DEB SCHWARZE HAHN. 91 

No more the gho8t to Margret saidf 

Bot, with A grievoo8 groney 
Evanish* d in a cload of iiii»t, 

And left her all alone. 

Die Ballade Ton Clerk Saunders, der ebenfalls als Geist seine Geliebte 
besucht, schließt: 

Then up and crew the milk-white cock. 

And up and crew the gray; 
Her lover Tanish* d b the air, 
And she gaed wecping away. 

Wie es scheint, gehört auch hierher das deutsche Volkslied Tom 
Vorwirth, d. h. von dem verstorbenen ersten Ehemann, welches Meinen 
(^Alte tcotsche Volkslieder in der Mondart des Kohläodchens S. 13) 
aufgezeichnet hat Die som sweiten Mal verheiratete Frau geht hier 
an das Grab ihres ersten Mannes und klopft an ond begehrt au ihm« 

Die Schone erwischt' ihren Rocken, 

Sie gieng ans Grab anklopfen. 

'Tho doch aof ond thu dich, ErdenkloO, 

Und laß mich hbunter auf seinen Schoß.' 

nWas willst du denn da unten thun? 

Da unten hast du ja keine Ruh« 

Da unten darfst du nichts backen, 

Da unten darfst du nicht waschen; 

Da unten hörst du keinen Glockenklang, 

Da unten hörst du keinen Vogelgesang; 

Da unten hörst keinen Wind nicht wehen, 

Da unten siehst keinen Regen nicht sprehen.* 

Da krähte die erste Ilimmelstanb;* 

Die Grablein thaten sich alle auf: 

Die Schöne stieg zu ihm hinunter. 

Da krähte das andere Höllenhohn; 

Die Grablein thiten sich alle zu: 

Die Schöne moßt* unten verbleiben. 

Wilhelm Wackemagel in seinem schönen Aufsatz *Zor Erklärung 
und Beurtheilung von Bürger's Lenore* in den Altdeutscheo BlAttem 
(Bd. 1) bemerkt zu diesem von ihm mitgetheilten Lied (S. 198, Note 10): 
'Der erste Hahn heißt die Himmelstaube : denn er warnt sie und mahnt 
zur Heimkehr; der zweite das Uöllenhuhn, denn sein Ruf bedeutet, 
daß es nun zu spat seL Ebenso werden in der weiter unten angeführten 



92 REINHOLD KÖHLER, DER WEISSE etc HAHN. 

schottischen Ballade von Wilhelms Geist der rothe und der graae 
Hahn unterschieden.' 

In einer erst neuerdings bekannt gewordenen Variante des Liedes 
(Anton Peter, Volksthümliches aus Österreichisch- Schlesien ^ Bd. 1, 
Troppau 1865, S. 200) ist der Schluß anders, vielleicht missverstanden 
und entstellt. 

Und wie sie auf den Friedhof kam, 

Mit ihrem Finger klopft' sie an, 

Thu dich auf, thu dich auf, du Erdenkloß, 

Nimm mich zu dir in deinen Schoß. 

Was wirst du denn da unten thun? 

Da geben nicht die Würmer Ruh'. 

Da unten ist die himmlische Ruh', 

Die Gräber decken alles zu. 

Da unten hörst nicht Glockenklang, 

Da unten hörst nicht Vogelsang. 

Da schreit ja stets die himmlische Taub': 

Ihr Gräber, schließt euch alle auf! 

Da unten schreit das Höllenhuhn: 

Ihr Gräber, schließt euch alle zu! 

Ihr Gräber, schließt euch feste. 

Die erste Ehe die beste. 

Schließlich will ich noch auf die von J. Grimm in der deutschen 
Mythologie S. 262 angeführte Stelle aus dem Reinardus aufmerksam 
machen, wo es von der Herodias heißt: 

quercubus et corylis a noctis parte secunda 

usque nigri ad galli carmina prima sedet. 

Hier haben wir also wenigstens den einen der drei Hähne und zwar 
den schwarzen, der gerade in mehreren Überlieferungen derjenige ist, 
bei dessen Ejrähen die Dämonen erst weichen. 

Wie die drei Hähne der Völuspä (J. Grimm, Deutsche Mytho- 
logie S. 635) sich zu den besprochenen verhalten mögen, überlasse ich 
Andern zu erwägen. 

WEDfAB, December 1865. BEINHOLD KÖBIiEB. 



93 



ZU ULFILA, 



A. ÜPP8TBÖK AI DSV HSBAVSOBBBR. 

Upsala den 30. Jal. 1864. 
Ilögtikrade Herr Professor! 

Innan manaden gur tili ända, anser jag mig ej längre bora fa- 
summa alt tacka (or skrifvcUeo af den 7 dennet, som Herr Professor 
haft godheten tillsända mig. Det gläder mig^ att Herr Profcssam fannit 
noje af den bok, som Lidforss öfverlemnade. Det var ej mer an en 
tiirkdambetgiu-d ät utgifvaren af Germania, i anledning af Leo Meyers 
artikel, der ak jag var ibagkommen. 

Nar frukten af min Italienska resa lurtiden sommar ser dagsljuset, 
kan jag annn ej saga, utan jag (ar lof att bedja mina vanner bafva 
talamod, ty jag marker nog, att det gar blngsammare, an forsta afsig- 
ten Tar. Jn mer man furdjupar sig in en dylik sak, ju mer finner man, 
att Tarsambet är af nuden. Ilar man dessutom tjcnstealigganden, som 
under laseterminema npptaga myoken tid, ocb ar man derjemte nagat 
kommen tili aren, sä att man beböfver göra afdcende pa buad belsa 
och krahcr medgifva, su är det lorklarligt nog, att enskilda arbeten 
mäate laggas a sido, och det oftare, an annars öh«kligt vare. 

Da det torde interessera Herr Professoren att se nugra andra 
af mina rattelser, an dem Leo Meyers artikel innehuller, sa iöljer hir 
en lista öfver de vigtigaste: 



Kom. 8, 9 babai )>i8 ni ist is* 

— 9| 17 in )>ize jab rai^ida 

— 9» 25 )>o nnliubona liiibona 

— 9, 27 greteil> 

~ 10| 19 inub )>iudom in)>iuda 

— 11, 1 managein seinamnia 

— 11, 15 was andanumts 

— II, 17 vanrbtsa 

— 11, 18 )>o vaurts 

— II, 24 intniHfrans 

— 12, 16 ni • . . . bnaivam 

— 13, 9 faibugeironjais 

1 Cor. 1, 21 nin ni kunnaida 

— 4, 11 angasto)}anai 

— 9, 21 in vit<i}> 



liks: babai)> sa nist is. 

du )>amma silbin nrraisida. 

\>o unliubon litibon. 

hropei^« 

In an)>indom in )>iadai. 

arhja scinamma. 

wa so andanumts. 

▼aurtai. 

\>o Taurt. 

lnt^l^^iJ)S. 

ni baubaha bugjandans ak 

fiaiin bnaivam« 
faibn;;ri^uH. 
ni utlunnaida« 
unga»to)>aL 
inTito|)<i. 



94 



A. ÜPP8TRÖM 



1 Con 15, 

- 16, 

- 16, 

2 Cor. 4, 

~ 5, 

- 6, 

- 8, 

- 11, 

- 12, 
Gal. 2, 

- ß, 
" ß, 

- 6, 
Eph. 1, 

- 4, 

- 4, 

- 4, 

- 4, 



- 4, 

- 4, 

- ß, 

- 6, 

- 6, 
Philipp. 1, 

- 1, 

- 2, 
Col. 1, 

- 1, 

- 3, 

- 3, 

- 3, 

- 3, 

- 3, 

- 4, 



54 A* sknla auk Ist 
B. skola ist aak 
67 sihv (B in marg.) 
19 Akvüa 
17 kaorein 
l air})eina unsara 

11 mnn}> 

12 gagreftai 
4 nemu}> 

21 Cod. B. aglaitelno 
14 usgasaw 
10 bairai}) 
26 flautandans 
9 afmaindai 
14 arbjos 

8 ushim}) 

9 nndaraisto 
12 nstauhein 
14 nsvalugidai 

- Yn 

- liuteis 

- listeigon usvandjai 
16 ainis waijoh 
31 hropei Cod. A.) 

hropi Cod. B. f 
18 anadriggai]) 

20 kunavedom 

21 Tukeikus 

22 wa })aa 
24 })aurftizo 
28 ufmunnands 

7 triggva 
22 unfairioans 

5 faihngeironi 

8 aflagei]> 
10 gaskof 

14 gabindi 
- nstanhtais 

15 STignjai}) m 

6 gasaqo]) 



las: sknld ank ist. 
skold ist aak. 
sihu (victoriam). 
Akyla. 
kaureL 

sa air})eina unsar. 
mun}>s. 
gagreiftai. 
nimi}). 

aglaitein. 

ik gasaw. 

bairai })o. 

flautai nns. 

afmauTdai. 

arbjis. 

nshan}). 

andaristo. 

ustauhtai. 

usflaugidai. 

vinda. 

liutei (veri similiter). 

listeigai usvandeinai. 

ana ainwarjoh. 

• hrops. 

anadrigkai]). 

kunavidom 

Tykeikas. 

waj)ar. 

J)aurftozo. 

ufkunnands. 

triggvs. 

usfairinans. 

faihügeigoD. 

aflagjij), 

gaskop. 

gabinda. 

ainamundi})08. 

svignjai J)an (veri similiter). 
gasapo]). 



zu ÜLFILA. 



95 



CoL 4, 10 da )>anei 

— 4, 14 do )>an8 

1 TheM. 3, 3 ratidai 

— 3« 13i ^ . . 

— 5, 24f 

-^ 4| 5 gainiDJA 

^ 4, 6 bifaiho • . • . bro)>ar 

— 4, 11 mnaqal 

— 4, 14 tiuhai)> 

— 5, 3 gi)>iihaftoiia 

2 Theaa. 1, 9 osgiband 

— 1, 10 ashauhjao 

— — le ba 

— 2, 4 Ki)>ana 
2, 2 los 

2, 9 markreitam 
2t 11 haui)>a 
3| 5 gakarai 

3, 15 Titais 
6| 10 faihugeiro 
5| 10 jah (qmnqoiea) 
6, 1 akalkaaa 
6, 14 qmna 



1 Tim. 



las: bi )>aoei. 
bi j)an8. 
Cod. gatidai (pro gaaatidai). 

; usfairinona. 

gairnel (gairneiD). 

bifaiho In toja bro)>ar. 

anaailft (anaailan). 

tiiihi)>. 

gi}>ubafton. 

andnimand. 

nshaohnan (Ten similiter). 

•ildaleiknan „ 

gi}>anaize. 

ald. 

marikreitam. 

hlio)>a. 

gakaro)>. 

Titeis. 

faihngeigo. 

Jan« 

)>iTOS. 

qnm. 



— 5, 23 Cod. A, noo B snqnis lege: 8a)>iiia. 



2 Tim« 1, 5 ka )>an traua 



— I, € lagein 

— 2y 17 gon amli)) 

— 2, 20 STerain 

— — antrerain 

— 3, 11 Lystros 
Tic 1, 3 atbairbida 

Neb. 5| 18 gaiUa 
^ — ja allamma )>o alla 

hlaif 

— — In )>ixeei 
«^ 6, 15 meno)>a 



las: ga}>-)>an traoa. 

Cfr. 2 Cor. a 18 
Cod. B. ga)>-)>an mi)>8andidedan* 
Cod. A. gali-)>an , 

las : analagein. 

gonda ali)> (Ten similiter). 

STerein. 

nnsverein. 

Lystfya. 

aUagida. 

gaiu. €. 

jab ana po alla . blaif • . . 

et saper (I. prster) hco om- 
nia . panem 

ui)>is. eL 

meno)>is. 



). . • 



Calend. 



96 A. ÜPPSTEÖM 

Neh. 6, 16 afkun])idun las: ufkun])edan. 

— — usfuUijJS usfuUiJ). 

— 6j 18 ufai])eai ufai])jai. 

— 6, 19 jah redidedun du jah rodidedun du imma vaila 

'imma m m andvair])ja: et laudabant 

andyair])ja. eam in prsesentia Cfr. Luc 

6, 26. 

gamiii])i bilaif.] memoria remansit. 

— gabrannidai.] combasti, sc. sunt 

Decem folia rediviva. 
pag. 96 col. 2 vairfaira||jandans lege: yaifairw{jjandan8. 

Fragmenta Gothica Selecta. Upsaliae 1861. 8^ 

Skeireins VI. 1. lin. 4, 5 sve samaljis gi])i]) 

lege: sve silbaljis gi])i}>. 
— VI. 2. lin. 22, 23 at mannam in mun|| dai mäht ist: 

lege: at mannam inna-|[man mäht 'ist: 
Oly. 'innuman = ganuman. 

Med storsta hogaktning 
A. Uppström. 

P. S. Uppgifben om de 450 rättelserna bor modifieras sä, att 
flera af dem äro gemensamma for de b'^da Codices, och att Cod. A. 
stundom fätt skuld for fei och läsarten , som tillhöra Cod. B. och 
tvärtom. 



EINE TEÜFELSCOMÖDIE. 

MITGSTHEILT VON 

ADOLF PICHLER. 



Das Jahrbuch für Litteraturgeschichte von R. Gosche bringt 
einen Aufsatz von Karl Weinhold über das Komische im altdeut- 
schen Schauspiel. »Der Volkswitz beschäftigte sich gern mit dem 
Teufel; er vnrd nicht bloß in der Sage geprellt, sondern tritt auch 
leibhaftig im Drama auf. Nach beiden Richtungen nimmt Tirol in der 
Geschichte deutschen Geisteslebens keinen unbedeutenden Platz ein. 
Was das Schauspiel betrifft , so werde ich die Entwicklung desselben 
bei anderer Gelegenheit von 1430 — 1758 behandeln , hier jedoch an 



EINE TEtTFELSCOMÖDtÜ. 97 

Weinhold anknapfend einige Nachtrage ober den Teufel liefern. Jenen 
Scenen, »wo die Teufel ihrem Fürsten die Soelcn TcrBchiedener Sunder 
herbeischleppen^, begegnen wir auch in den Tiroler Passionsspielen; 
so liegt uns ein selbständiges Stück aus dem Archive von Sterzing 
Tor, welches, eine eigentliche Teufelscomodie, den Schluß dos auf meh- 
rere Tage vertheilten Passionscyklus bildet. Es ist mit Roth^tift unten 
an den Rand des ersten Blattes geschrieben: 9, Von Hall 1514.** Gerade 
zu Hall wurde die Passion häufig aufgeführt. 

Zuerst tritt ,,Luciper^ auf und beruft die Teufel zu einem Land* 
tage, um au berathen, wie die Hölle sn füllen sei. Bin Teufel nach 
dem andern erbietet seine Dienste, indem er seine Aufgabe charakte- 
risiert Voran 

... fürst Satanaü, 
Der wider got ye u. ye was. 
Er kennt: 

Manige hofiart und vpikait 

Vnd ander rble beschait, 

Wie man sol stechen vnd tnmieren 

Singen, springen vnd hofieren. — 

Auch kan ich den franen Tud ir dieren 

Anstreichen die wang nd die stieren. 

Dann lehrt Fürst ,|Rosenkrana^: 

Kranzl vnd puschle (Strauße) machen 
Das mugen dan die gar wol lachen, 
Dens gepunden wirt von Teil vnd rosen, 
So hebt sich dan ein liebkosen. — — 
Dann Fürst ^Welczebub: 

Ich lern sy die leut betruegen 
Mit valscbet mtreu Tnd mit liegen. 
Ich laß den man woll ze kirchen gen, 
Aber sein andacht mueO im schrcin sten. — • 
Dann rertritt „Weliall'', Fraß und Völlerei. 
Dann Astaroth, der Teufel des Neides, der Judas zum Verrathe 
trieb. 

Dann „Ruflb*': 

Er macht die straßenrauber fro. 
Dann ^Amon^, der Teufel des Argwohns und nbler Nachrede. 
Dann „Belphegor^, der Teufel des Zornes und der Ra« hsucht 
Dann „Tttinill^, der die Leote von der Andacht und guten Wer- 

omuau XL 7 



98 ADOLF PICHLEB 

Ich laß auch niemanz gern vasten, 
Aber am suntag mach ich die leut rasten, 
Das sie lang luntschen in irem pett 
Bis das die sun allenthalben ufget. 
Dann „Baall^, der die Leute lehrt spotten, nachreden und lügen. 
Dann ,,Spranczl^: 

Meine wonung hab ich in dem Etschland, 
Die wirt sind mir darin vast wol bekant 
Mit iren vielen valschen maßen, 
Die sy brauchen vor den vassen. 
Dann ,,Le6terer^, der Zwietrachtsteufel, der den Kaiser erwecken 
kann wider den Pabst. 

Dann „Sturpaus^, der Teufel der Wechsler und Geldfalscher. 
Dann „Nicht umbsunst^, der die Hexen Wetter machen lehrt: 
Bis das sy etwa gerichtet werden 
Mit feur vnd prant auf der erden« 
Dann der Teufel „Vntreu^^ der die „Kerzlmacherinnen^ anleitet, 
die Kerzeln klein zu machen, daß nichts daran ist, „dan der zachen^ 
und auch die erhitzen will, die an den Sonntagen vor und auf dem 
Friedhof sitzen und „prenten (Fässer) wein vnd lebzelten vail haben.^ 
Zum Schlüsse noch „Vmell^: 

— ain getreuer pote schenk, 
der sich Lucifer zu Bestellungen nach allen Ländern der Welt erbietet. 
Nachdem so alle vor Lucifer defiliert sind, fordert er sie, damit 
ihnen alles besser gelinge, zum Sang und Tanz auf. 
„Et sie canit Satanas incipiens: 
Luciper im trone — das re 
Der was ain engel schone — das re, ra. 
Er was ain engel wunicklich — das re 
Nun ist er worden greulich — das re, ra! 
Luciper dicit: 

Ach wie woU habt ir gesungen. 
Es hat in ainem alten padkubl so woU erklungen, 
Ich gebeut euch an allen haß 
Das ir mir singendt paß. 
Et sie canunt: 

Luciper du bist geschaffen — das re 
Rechten wie ein ander äffen — das re, ra!^ 
Nach diesem Lobgesange gehen die Teufel auf Fang aus und 
schleppen Sunder jeder Art herbei: Schneider, Wucherer, Metzger, 



EINE TEÜFELSCOMÖDIE. 99 

Kanfleate u. s. w. Sie geben ihre Sünden an und erhalten 7on Lnzifer 

das Urtbeil. 

Schließlich fuhren die Teufel unter lautem Geschrei : „Ha, ha, hal^ 
die Verdammten an Ketten in die Hölle. 

Auch das neuere Bauernspiel beschäftigt sich gern mit dem Teufel, 
den das Volk wohl auch »Gangerl" oder MGabelelitz" nennt. Bezüglich 
der Geschichte des Tiroler Bauemspiels verweise ich auf einen län- 
geren Aufsatz von mir: „Über Bauernspiele in Tirol** in den „oster- 
reichischen Blättern für Litteratur und Eunst^ Nr. 34, 35, 36 (August 
bis September) 1854. Das Tiroler Bauemtheater oder Bauernspiel, wie 
es sich aus dem vorigen Jahrhundert in die Gegenwart fortsetzt, hat 
mit dem Drama des Mittelalters nichts zu schaffen; es ist mit seinen 
Alexandrinern ein eigentliches Produkt der Rococozeit nnd leitet, wie 
ich Schritt für Schritt nachgewiesen, seinen Ursprung von den Jesuiten- 
schauspielen ab. 



EIN FUCHSMYTHÜS. 



Es ist ein in manchen Orten Deutschlands herrschender Ge- 
brauch, am Osterfeste im Walde auf Eichhörnchen Jagd zu machen 
und sie so lange zu verfolgen, bis sie todt nieder&Uen, s. Kuhn und 
Schwartz Nordd. Sag. S. 511, Anm. zu Nr. 26 (27). In England, wo 
sich derselbe Brauch wiederfindet (s. Kuhn in v. d. Hagens German. 7, 
433), hat er zwar zu Weihnachten statt, jedoch weist letzterer darauf 
hin, daß die Weihnachtsfeier gewissermaßen ein Vorspiel zum Sommer- 
empfang sei, und bemerkt ferner ganz richtig (S. 432): „Die Farbe des 
Thieres war es gewiss, die es dem Donar heilig machte; auch der rothe 
Fuchs heißt im Isländischen holtaihorr (Grimm, MyÜi. 162) und ich 
vermuthe, daß auch das Eichhörnchen aus demselben Grunde ihm 
heilig gewesen sein wird.^ Daß die Eichhörnchen als Opfer in das zu 
Ehren Donars und Freirs (Kuhn, Westphäl. Sag. 2, 137) angezündete 
Osterfeuer geworfen wurden, ist zwar nirgends gesagt*), jedoch aller- 
dings wahrscheinlich, wie Kuhn (Germ. a. a. O.) bemerkt. Was den 
Fuchs betrifft, so wurde er auch bei Sommerverkündigungen umher- 
getragen, was ihn gleichfalls als ein dem Thor geweihtes Thier er- 
kennen lässt: Simrock, Mythol. 566. 579 (2. Aufl.). Grimm RF. CCXIX. 
Daß auch dieser einst als Opfer verbrannt wurde, ist ebenfalls höchst 

^) Man berichtige hiernach Mannhardt German. Mythen S. 137. 238. 

7* 



iOO FELIX JÄEBRACTtH 

wahrscheinlich, wobei man sich erinnere, daß zn Rom (Carseoli) im 
April (also auch im Ostermonat) an den Cerealien Füchse mit ange- 
zündetem Fell in die Felder gejagt wurden^ Ov. Fast. 4, 681 ff. *). 
Auch dies deutet auf ein altes ^ irgend einer Frühlingsgottheit darge- 
brachtes Opfer. Man hat längst auf die augenfällige Ähnlichkeit hin- 
gewiesen, welche zwischen dieser Sitte und der bekannten That Sim- 
sons (Kichter 15, 4) statt findet. Bochart wollte sogar erstere von 
letzterer herleiten; vgl. Raskofi*, Die Simsonssage, Leipzig 1860 S. 104'). 
Daß bei den Griechen einst ein dem römischen ähnlicher Gebrauch 
vorhanden war, lässt sich aus Babrius Nr. 1 1 (^AviQmnoq %al aiUoari}^) 
mit größter Wahrscheinlichkeit folgern. Die hebräische Sage, die rö- 
mische und deutsche Sitte^ so wie die griechische Fabel weisen offenbar 
auf gleichen Ursprung, der auf das fernste Alterthum zurückfahrt. 
Der all' diesen Überlieferungen zu Grunde liegende gemeinschailliche 
Zug ist aber der angezündete Fuchs, statt dessen auch das Eichhörnchen 
eintritt und zwar nicht bloß der gleichen Farbe wegen, sondern auch 
weil es ihm in dem buschigen Schwänze ähnlich ist; wozu dann viel- 
leicht noch kommt, daß es zahlreicher und leichter anzutreffen ist als 
der Fuchs, der allem Anschein nach das eigentliche, ursprüngliche 
Opferthier war *), wenn er nicht selbst etwa in zoomorphischer Götter- 
anschauung für irgend ein mit Feuer, Sonne u. s. w. in Verbindung 
stehendes Wesen galt oder dasselbe repräsentierte *). Wie dem auch 



') Die wichtigsten Stellen lanten so: 

Car igitur missfie yinctis ardentia tiedis 

Terga ferant vulpes, causa docenda mihi... 
Der Sohn eines Landinannes zu Carseoli föngt einen Fuchs, der den Federviehhof ofit 
geplündert hatte. Dann heißt es weiter: 

Captivam stipnla fsenoque involvit et ignes 

Admovet. Urentes efitigit illa manus. 
Qna fogit, incendit vestitos messibns agrcs. 

Damnosis vires ignibus anra dabat. 
Factum abiit: monumenta manent. Nam vivere captam 

Nunc qnoque lex Tulpem Carseolana vetat. 
Utque luat poenas, gens hcec, Cerealibns ardet; 
Qnoqne modo segetes perdidit, ipsa perit. 
') HosenmüUer, Altes und neues Morgenland 3, 50 ff., auf den Roskoff verweist, 
kann ich leider nicht nachsehen. 

^) Über die rothe Farbe des Fuchses und seinen Schwanz vgl. Grimm BF. 
XXIX f. XLI. 

*) Grimm BF. XXX bemerkt: „Ich finde, daß die Finnen für das Nordlicht den 

Namen rewon tulel die Lichter oder Feuer des Fuchses haben, sei es von der bloßen 

' Farbe diesT Ersclipimnig oder einem Mythus." Einen japanesischen Volksglauben über 



EIN FÜCHSMYTHÜS. 101 

sei, jedenfalls mochte ich die Frage aufwerfen, ob nicht mit den bisher 
besprochenen Sagen und Gebräuchen eine altitalische Mythe in irgend 
welchem Znsammenhang steht, wonach bei der Gründung Laviniums 
ein Fuchs sich mit seiner in den Fluß getauchten Ruthe einen großen 
Brand auszulöschen bemühte, zu welchem ein Wolf Holz herbeitrug, 
während ein Adler ihn mit seinen Flügeln anfachte. Dion. Hai. 1, 59. 
Auf die genaue Übereinstimmung dieser Sage mit mehrfachen indischen 
nnd andern habe ich in meiner Anzeige von Preuners Hestia-Vesta in 
den Gott. Gel. Anz. 1866 hingewiesen und hebe ich hier besonders 
noch nachträglich hervor , daß in dem von Benfey Pantschat 1 , 236 
mitgetheilten buddhistischen Dsckätaka zwar statt des in den meisten 
andern Versionen eintretenden Brandes von einer Sturmflut die Rede 
ist, dagegen an der Stelle des Fuchses der laviniscben Legende ein 
Eichhörnchen erscheint, welches mit seinem Schwänzchen den Ocean 
auszutrocknen unternimmt. Also auch hier sehen wir wie schon oben 
Fuchs und Eichhornchen einander vertreten. Ob diese beiden Hilfe- 
bringer sich übrigens in letztgenannten Sagen an ihrem rechten Platze 
befinden, möchte ich jedoch bezweifeln, wenigstens finden wir statt 
ihrer in den übrigen Wendungen auch andere Thiere genannt und in 
der ältesten Form, älter als die buddhistische und lavinische, dürfte 
der Fuchs (das Eichhorn) das Feuer genährt, dagegen ein anderes 
Thier dasselbe zu löschen gesucht haben. Wenn dem so war, dann 
müßen in dieser weitverbreiteten Mythe Fuchs und Eichhorn ebenso 
gedeutet werden, wie in dem hier zu Anfang besprochenen deutsch- 
italischen Gebrauch, welcher Art auch sonst diese Deutung sein möge. 
Man darf hierbei wohl fragen, ob das Ganze vielleicht ursprünglich 
einen Kampf zwischen Sommerglut und Regenzeit vorgestellt haben 
nnd der die erstere repräsentierende Fuchs verbrannt worden sein mochte, 
welche letztere Sitte sich später in einigen Ländern allein erhielt. 

Schließlich noch die Bemerkung, daß unter den das Feuer lö- 
schenden Thieren in einigen Versionen auch Vögel genannt werden, 

den Fachs b. DK. 634 Bei den Peruanern fand sich ein Gott in Gestalt eines Fuchses. 
Malier, Amerikanische Urreligionen S. 320, und die Tapuya's besitzen einen Mythos, 
wonach einmal ein Fuchs sie bei dem Gestirn des großen Bfiren in Ungnade gebracht 
habe. Vorher htttten sie ein gar bequemes Leben geführt und nicht nöthig gehabt, für 
die Nahrung zu sorgen. Von nun aber müßten sie ihr Leben in Mühe und Anstrengung 
subringen; ebendas. 8. 256. F. L. W. Sohwartz in seinen Naturanschauungen u. s. w. 
BerUn 1864, Bd. I. 130 ff. 220 f. fasst Simson als Sonnenheld und die an die SchwSnae 
der Füchse gebundenen Feuerbrfinde als Gewitterer scheinungen« Herakles, mit dem an- 
dere Forscher den Simson zusammenstellen (s. Roskoff a. a. O. 8. ICO ff.), ist gleich* 
ialla ein Sonnengott. 



102 LITTERATUB. 

nämlich in der tatmudischen Schwalben, in der dentschen Storche und 
in einer buddhistischen (Benfey a. a. O. 1, 237) ein Haselhuhn, iBv^el- 
ches in einen Fluß taucht und das Wasser aus seinen Flügeln auf 
den brennenden Wald spritzt. Hierbei nun ist zu bedenken, daß die 
Grundungssage von Lanuvium der von Lavinium gleich gewesen zu 
sein scheint, wie aus Münzen erhellt, aus denen allein wir sie kennen ; 
8. Preuner, Hestia-Vesta S. 399. Auf dem Avers nämlich zeigen sie 
in der Mitte ein Feuer , rechts einen Wolf mit einem Span im Maul, 
links einen Adler, mit den Flügeln das Feuer anfachend. Der Fachs 
also fehlt hier trotz der übrigen Übereinstimmung mit der lavinischen 
Sage. Man darf daher vielleicht annehmen , daß in der letztern , die 
zur Zeit des Dionysius hauptsachlich nur noch aus Münzen bekannt 
sein mochte, der Adler ursprünglich die Rolle des buddhistischen Hasel* 
huhns spielte und gleich diesem von seinen Flügeln Wasser aufs Feuer 
spritzte, was in plastischer Darstellung leicht als ein Anfachen des 
letztern erscheinen mußte. In diesem Falle wusste die lavinische Grün- 
dungssage statt von zwei anfachenden und äinem loschenden vielmehr 
nur von einem anfachenden und zwei löschenden Thieren, während die 
lanuvische nur ein löschendes kannte oder darstellte, dabei aber im- 
merhin in so weit vollständig war, als sowohl Anfachen wie Loschen 
sich in ihr repräsentiert fanden. 

LÜTTICH. FELIX LIEBBECHT. 



LITTERATÜR. 



Die historischen Volkslieder der Deutschen Yom 13. bis 16. Jahrhandert 
gesammelt und erläutert von R. von Liliencron. Erster Band. Leipzig 
1865, F* C. W. VogeL (XXXIX, m und 606 SS.) gr. 8. 

Von der seit Jahren Yorbereiteten auf Veranlassung der historischen Com- 
mission in München von Liliencron unternommenen Sammlung historischer Lieder 
Hegt der erste stattliche Band nunmehr vor. Das ganze Werk wird vier Bände um- 
fassen, die in Zwischenräumen von je einem Jahre erscheinen werden. Dem ersten 
Theile hat der Herausgeber in der Vorrede die Grundsätze vorausgeschickt, 
nach welchen er bei der Bearbeitung und Auswahl der Lieder verfahren. Auch 
gibt er darin in kurzen Zügen die Geschichte des historischen Volksliedes, die 
mit einem vergleichenden Blicke auf die Poesie der nordischen Skalden schließt 

Was die Auswahl betrifft, so sei zunächst bemerkt, daß auch das nieder- 
ländische geschichtliche Volkslied in seinem ganzen Umfange aufgenommen 
worden ist, was keiner Rechtfertigung bedarf; ausgeschlossen sind die sprach- 
lich und sachlich weiter abliegenden Volkslieder der Dänen. In Beziehung 
auf die ältere Poesie entstand die Frage, ob die politischen Dichtungen der 



LITTER ATÜR. 103 

Minnefanger mit in den Kreis des historischen Volksliedes fielen. Von dem 
strengeren Sinne des Wortes Volkslied ausgehend, konnte genau genommen 
diese Frage kaum aufgeworfen werden ; da jedoch, wie wir nicht leugnen wollen, 
ein gewisser Znsammenhang zwischen der volksthümltchen Poesie und der poli- 
tischen der Minnesänger besteht, und da der Herausgeber, wie wir bald sehen 
werden, auch sonst die Grenzen des Volksliedes ziemlich weit gezogen hat, so 
ist jene Err^Lgung begreiflich , wir stimmen aber Liliencron ganz darin bei, 
daß er sich bewogen gefunden, die politischen Gedichte der Minnesänger nicht 
in seine Sammlung aufeunehmen. Ausgeschlossen sind femer Dichtungen, welche 
rwar zum Lobe geschichtlicher Personen verfasst sind, aber in aller ihrer Weit« 
schweifigkeit gar keinen wirklich historischen Sto£F enthalten (S. XXXVI), wie 
die beiden Todtenklagen auf Johann Yon Brabant und Wilhelm von Holland 
(Hagens Germania 3, 116. 6, 251). Daß Suchenwirts historische Gedichte, die 
nach dem Grundsätze des Herausgebers, die Dichtung der Fahrenden, sobald 
sie die vom höfischen Gesang gezogenen Schranken wieder Yerlässt', auch wenn 
sie nicht in strophischer Form sind, mit hineinzuziehen, in die Sammlung gehört 
hätten, trotzdem nicht in derselben sich finden, hat seinen Grund in dem Um- 
stände, daß wir dieselben in der Ausgabe Primissers schon besitzen. Indess, 
da die historischen Gedichte Suchenwirts nur einen Theil seiner Werke aus- 
machen, da zudem eine Anzahl derselben als Todtenklagen und Wappendich- 
tnngen ebenso wie die beiden vorhin erwähnten Gedichte nicht in Betracht ge- 
kommen wären, so hätten wir gewOnscht, der Vollständigkeit wegen sie der 
Sammlung einverleibt zu sehen. Ausgeschlossen wurden femer diejenigen Dich- 
fungen, <Üe in viel späterer Zeit als die Begebenheit fällt nicht nach mündlicher 
Überlieferung, sondern nach einer schriftlichen Quelle verfasst sind. Eine Reihe 
solcher Lieder führt die Vorrede S. XXXVI fg. an. Nur wo der Nachweis nicht 
SU fuhren war, wo aber angenommen werden kann, es habe die Tradition von 
dem Ereigniss sich noch durch Jahrhunderte erhalten, und sei dann wieder 
C^egenstand der volksthümlichen Poesie geworden oder es sei etwa ein älteres 
ans verloren gegangenes, im Volke lebendig gebliebenes Lied benutzt worden, 
sind die betreffenden Lieder aufgenommen. Hier scheint uns nun freilich das 
Verfahren nicht Qberall ganz eonsequent zu sein: denn wenn das dritte der die 
Schlacht bei Näfels (1388) betreffenden Lieder, welches anfängt: ^Herr Gott, 
da seist gepriesen', nicht mitgetheilt wird, weil es jedenfalls ein späteres Mach- 
werk' sei (S. 198), so würde das auch von manchen anderen der Sammlung 
gelten, die zum Theil mehrere Jahrhunderte mich den Begebenheiten, die sie 
behandeln, entstanden sind. Daß sich in diesem Falle gerade zwei ältere auf 
denselben Gegenstand bezügliche Lieder erhalten haben, berechtigt noch nicht 
zur Ausschließung eines dritten jüngeren, von dem nicht nachgewiesen werden 
kann, daß es auf einer schriftlichen Quelle, einer Chronik oder einer ähnlichen, 
beruhe. 

Am meisten anstößig in Hinsicht der Auswahl wird vielleicht die Auf- 
nahme von manchen Gedichten sein, auch wenn sie nicht in strophischer Form 
verfasst sind. Liliencron hat hier den Grundsatz aufgestellt, von derartigen Ge- 
dichten nur solche aufzunehmen, welche in engster Verwandtschaft mit den 
Liedern, unter dem augenblicklichen Eindrack der Begebenheiten entstanden sind 
und nicht sowohl die Absicht haben, bloß zu erzählen und zu schildern, als 
mit der mehr oder minder tendenziös und vom Parteistandpunkt aus gefärbten 



104 LITTEBATÜB. 

Kivähluiig im Volke zu wirken (8. XXXVü). Ich muß gestehen, daG ich mit 
dieser Erweiterung des Planes mich nicht befreniiden kann : von einer Sammlan^ 
historischer Volkslieder waren derartige Dichtungen nach meiner Ansicht aus- 
Buschließen. Die tendenziöse Richtung wird bei den meisten der hierher gehö- 
rigen zwar nicht bestritten werden können, wohl aber, und zumal gilt das von 
den umfangreicheren, die beabsichtigte Wirkung auf das Volk; denn diese hatte 
schon die unsangbare Form vereitelt. Vor allem durften, glaube ich, solche 
lange Machwerke, wie das Gedicht vom Würzburger Städtekrieg, Kr. 4-J, und 
das vom Concil zu Constanz, Nr. 50, nicht aufgenommen werden; das letztere 
umfasst 1860, das erstere sogar 2178 Reimzeilen. Wäre das Ganze eine Samm- 
lung historischer Gedichte , so würde sich gegen jene Erweiterung nichts ein- 
wenden lassen; nur würde dann freilich noch manches andere Werk unter den- 
selben Gesichtspunkt fallen, und selbst manche Reimchronik, die gleichzeitig 
mit den Begebenheiten fallt und auch tendenziös gefärbt ist, würde dann hahen 
Berücksichtigung finden müßen. 

Der vorliegende erste Band enthält 124 Nummern (ausschließlich einiger 
Schaltenummern), welche die Jahre 1243 — 1469 umfas&en. Die äußere Ein- 
richtung ist die, daß jedem Liede die historische Grundlage vorausgeschickt 
und dadurch der Leser in die Begebenheiten hineinversetzt wird, auf denen 
das Lied selbst fußt. Unter dem Texte stehen theils sprachliche, theüs sach- 
liche Erläuterungen. Am Schlüsse jeder Nummer folgen in kleinerer Schrift 
die Angaben über die benutzten Quellen, handschriftliche wie gedruckte, und der 
Varianteuapparat. Es würde sich mehr die Einrichtung empfohlen haben, welche 
in den 'Chroniken der deutschen Städte beobachtet ist: daß die Varianten wie 
die erklärenden Anmerkungen unter dem Texte ständen, für das Auge durch 
verschiedenen Druck gesondert. Denn da z. B. Verbesserungsvorschläge verderbter 
Stellen bei Liliencron sich ebenso unter dem Texte wie am Schlüsse der ein- 
zelnen Lieder bei den Varianten finden, so ist man häufig genöthigt, an zwei 
verschiedenen Stellen nachzuschlagen. Auch in Beziehung auf das, was, abge- 
sehen von den Varianten, voraufgeht und nachfolgt, wäre etwas mehr Gleich- 
mäßigkeit zu wünschen; denn Bemerkungen über das Alter und die BeschaflPen- 
heit der handschriftlichen Überlieferung der Lieder finden sich bald an der einen, 
bald an der andern Stelle. Auch von den historischen Beziehungen gilt theil- 
weise dasselbe und erschwert die Übersichtlichkeit. Wir sind überzeugt, daß der 
Herausgeber mit geringer Mühe bei den folgenden Bänden eine größere Gleich- 
mäßigkeit der Behandlung wird herstellen können, wenn auch andere Desiderata, 
wie daß die Varianten unter dem Texte ständen, sich nun nicht mehr werden 
befriedigen lassen. Daß Liliencron in Mittheilung der historischen Beziehungen 
nicht allzukarg gewesen, dafür kann man ihm nur dankbar sein, da dem Buche 
von verschiedenen Seiten Interesse entgegen kommen wird. In wie weit der 
Herausgeber überall das historische Material erschöpft hat, darüber werden an- 
dere besser urtheilen als ich ; vom philologischen Standpunkte interessiert natür- 
lich am meisten die kritische Behandlung der Texte und der Sprache. 

Daß diese keine leichte war, wird jeder einräumen müßen; und daß bei 
der nach verschiedenen Seiten gerichteten Aufmerksamkeit das Auge nicht auf 
alle Punkte immer gleich scharf achtete, begreift sich leicht. Es liegt in der Art 
der Überlieferang der Lieder, wie schon in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit, 



LITTERATX7R. |05 

den bäofigen Assonanzen, dem mehr oder weniger ungebundenen Versbau, daft 
auf die Handhabung einer strengen Kritik, wie man sie bei älteren kunst- 
mäßigen Werken unserer Poesie seit langer Zeit gewohnt ist, verzichtet werden 
muß. Einzelne der im vorliegenden Bande enthaltenen Stücke sind so furchtbar 
entstellt, daß an eine kritische Bereinigung gar nicht gedacht werden kann, 
und diese hat daher Liliencron mit Recht unverändert wieder abdrucken lassen, 
wie das in K. Stolle's Chronik enthaltene Lied von 1452 (Nr. 96). Daß in 
solchen Fällen nicht einmal der Versuch gemacht wurde, einen kritischen Text 
herzustellen, deswegen wird den Herausgeber wohl niemand tadeln, da er in 
keinem Falle zu irgendwie sicheren Resultaten hätte gelangen können. 

Auf zweierlei mußte in formeller Hinsicht das Augenmerk besonders ge- 
richtet werden: auf die Schreibung und auf die Behandlung des Verses und 
Reimes. In jener Beziehung kam, so weit sie ermittelt werden konnte, die 
Mundart in Betracht, in der jedes einzelne Stück ursprünglich abgefasst war. 
Viele Lieder sind in anderer Mundart aufgezeichnet als in derjenigen, deren 
der Dichter sich bediente. Manche niederdeutsche sind nur in oberdeutscher 
Form oder Übersetzung auf uns gekommen, indem namentlich spätere Geschichts- 
schreiber mit Rücksicht auf ihre hochdeutschen Leser solche Übertragungen 
sich erlaubten. Eine Rflckübersetzung ins Niederdeutsche hätte hier allerdings 
nur dann stattfinden können, wenn mit genügender Sicherheit zu ermitteln war, 
daß eben nur eine Umschreibung in hochdeutsche Sprachformen, nicht aber eine 
weiter geheude Bearbeitung stattgefunden. Interessant in dieser Beziehung und 
die Kritik zur Thätigkeit auffordernd ist das Lied von Stortebeker und Godeke 
Ifichel (Nr. 44) vom Jahre 1402. Die zahlreichen gedruckten Texte, die mit 
der Mitte des 16. Jahrhunderts beginnen, geben in. ihren Abweichungen, die 
entweder darauf ausgehen, veraltete Worte zu beseitigen oder niederdeutsche 
Sprachformen zu entfernen, der Kritik ein treffliches, wenn auch nicht immer 
ganz ausreichendes Mittel zur Herstellung des Textes. Die erhaltenen Recen- 
sionen sind sämmtlich hochdeutsch, doch so daß das niederdeutsche noch deut- 
lich hindurchschimmert. Da nun zum Glück die erste Strophe in einem jüngeren 
Liede von 1609 in niederdeutscher Fassung erhalten ist und die Vergleichung 
xeigt, daß eben nur eine Übertragung in hochdeutsche Sprachformen stattge- 
funden, so durfte hier wohl der Versuch gemacht werden, das Lied in seiner 
ursprünglichen G^talt darzustellen. Freilich würden dadurch nicht alle Schäden 
der Überlieferung geheilt, aber manches von dem was nun im Texte steht 
hätte berichtigt werden können. Wir werden weiter unten auf ein paar Stellen 
aofmerksam machen. Leichter und es ist nicht zu leugnen iu mancher Hin- 
sicht auch sicherer war der Weg, den der Herausgeber eingeschlagen, indem 
er mit wenigen Ausnahmen das Lied so gibt, wie es die Überlieferung ihm 
darbot. Nur bei Nr. 40, dem längsten Stücke der Sammlung, und bei einigen 
andern ist der Versuch gemacht, die ursprüngliche Mundart mit Hinzuziehung 
ftleichzeitiger Urkunden zu geben, und wir wollen gestehen, daß wir das 
hier geglückte auch auf andere gern angewendet gesehen hätten. Zwar dem 
Historiker wird es von geringem Interesse sein, ob er das Lied in dieser oder 
jener mundartlichen Fassung liest, so lange der Inhalt nicht davon berührt wird ; 
vom Standpunkte des Philologen aber ist die Frage keineswegs gleichgiltig. 

In der Schreibung, die in den Quellen des 15. nnd 16* Jahrhunderts 
häufig sehr verwildert ist, sind im Allgemeinen die Gnmdiätce adoptiert werden, 



106 LTTTERATÜR. 

welche zuerst Uhland in seiner trefflichen Volksliederaammlang aufgestellt und 
durchgefiihrt hat. Die etwaigen Abweichungen von Uhlands Verfahren sind auf 
S. Vin ff. besprochen und begründet; in Betreff der Vocale hat sich Liliencron 
im Ganzen noch etwas enger der Überlieferung angeschlossen, während er ia 
Betreff der Consonanten sieh manchmal weiter von derselben entfernt als Uhland 
that. Die niederländischen Texte hat der Herausgeber unverändert nach seinen 
niederländischen Vorgängern gegeben. 

'Die Herstellung der Texte', heißt es S. V, mußte mit einer gewissen 
Eilfertigkeit gemacht werden ; bei mehr Zeit und Weile würden sich oft glück- 
lichere Combinationen und Einfälle zur Besserung der Schäden herzugefunden 
haben. Manchmal auch wäre ich mit beiden Füßen im Domgestrüpp hängen 
geblieben ; hätte ich zu ängstlich nie weitergehen wollen, bis alles unzerrissen 
entwirrt und sorgfältig aufgebunden war . Alle Domen wegräumen wollen, würde 
bei dem schon bezeichneten Stande der Überlieferung wohl nie zu einem Ab- 
schlüsse geführt haben; ist sich jedoch der Herausgeber bewusst geworden, 
daß er etwas mehr für die Herstellung und Reinigung der Texte hätte thun 
können, so hätte die Arbeit wohl einen etwas längeren Aufwand von Zeit ver- 
dient, sobald dadurch ein reinlicheres Resultat zu gewinnen war. Diese Bemer- 
kungen wollen das Verdienstliche in der Arbeit Liliencrons durchaus nicht 
schmälern, sondern auf die Punkte hinweisen, auf welche die Aufmerksamkeit 
des Herausgebers selbst wie der Mitforschenden sich wird zu richten haben. 
Hat doch Liliencron selbst in bescheidener Weise sich über das was er geleistet 
ausgesprochen (S. V): Die Sammlung will in allen diesen Beziehungen (näm- 
lich in geschichtlicher wie litterärischer, in grammatischer wie lexicalischer Hin- 
sicht) nur Anderen zu weiterer Forschung den Stoff vorbereitet übergeben ; 
was hie und da, weil es eben zur Hand lag, an Untersuchung im Einzelnen 
hinzugefügt ist, möge man eben nur als gelegentliche Beigabe betrachten und 
mit keinem höheren Maßstabe messen'. Einer solchen Außerang gegenüber 
werden wir auch die etwa bemerkten Mängel schonend zu beurtheilen uns ge- 
drungen fühlen, während die selbstzufriedene hochmüthig herausfordernde Art 
mancher Kritiker von uns auch femer schonungslos verfolgt werden wird. 

Ich lasse, vom Allgemeinen zum Einzelnen übergehend, nun eine Anzahl 
von Bemerkungen nach der Reihe der Stücke folgen, damit der Herausgeber 
sehe, daß wir von seiner schönen Sammlung nicht nur das Vorwort gelesen, 
sondern dieselbe wirklich durchgearbeitet haben. Gleich bei dem ersten Liede 
ist die. Frage, ob dasselbe mit der Begebenheit gleichzeitig sei, nicht zu um- 
gehen, und die Beantwortung für die sprachliche Behandlung bedeutungsvoll. 
'wie es uns vorliegt, ist seine Sprache etwas jünger. Aber der feine Bau seiner 
Strophe, welche der eben damals (1243) besonders durch Neidhards Lieder be- 
liebten Form der Reihentänze angehört, macht eine so frühe Zeit seines Ent- 
stehens wohl wahrscheinlich . Die Aufzeichnungen des Liedes g^hen bis ins 
15. Jahrhundert zurück und modernisieren natürlich die Sprachformen, kaum 
jedoch haben sie eine wirkliche, die Sprache und den Versbau wesentlich be- 
rührende Änderung unternommen. Die Reime sind von durchgängiger Reinheit; 
die Syncope hevint (: sint) für hevindei 3 , 4 begegnet auch sonst schon im 
13. Jahrhundert, und tnen (tu), was wie eine jüngere Sprachform aussieht, 
begegnet schon bei Notker (Weinhold alemann. Grammatik S. 457). Das ein- 



LTTTEBATUB. 107 

zige was gegen die Mitte des 13. Jahrhunderts sprechen könnte, wäre der 
Gebrauch von sechen ijechen^ tretten : entwetien als klingender Reime (2, 5. 6, 5); 
aber beides, die Verschärfung des h zu ch und die Verdoppelung des t kommt 
schon im 13. Jahrhundert und selbst früher in alemannischen Denkmälern vor 
(Weinhold S. 189. 136). Es mußte daher, wie ich glaube, durchaus unbedenk- 
lich erscheinen, das Lied wirklich in der Schreibweise des 13. Jahrhunderts 
zu geben, und die Abweichung von der Überlieferung war hier um so weniger 
gewaltsam, als das Schweizerische des 15. Jahrhunderts in vielen wesentlichen 
Punkten noch den lautlichen Standpunkt des Mittelhochdeutschen einnimmt. 
Einige Sprachformen maßten verändert werden, so das zweimalige getar (l, i. 
5, 2), das in tar zu bessern war, wie an beiden Stellen der Vers beweist: 
dar tn tar meman gän^ niemdn tar mit in stözen. Auch 2, 5 ist eine zweisilbige 
Form zu entfernen und damit der zweisilbige Auftakt zu beseitigen: statt mögent 
ist die schweizerische Form münt zu setzen und der Vers zu lesen swaz si münt 
Übersechen (vgl. Weinhold S. 392). 

Nr. 2 gehört zu den in Reimpaaren verfassten Gedichten, die nach unserer 
Ansicht nicht in den Bereich der Sammlung gehörten. Die niederrheinische 
Fassung ist in der Handschrift bewahrt, und so bot von dieser Seite der Text 
keine Schwierigkeit. Die schon früher mit Nr. 5 zusammen gedruckten Frag- 
mente hat Liliencron zuerst in richtige Ordnung gebracht und statt wie Maß- 
mann auf Adolf von Nassau wohl mit größerem Rechte auf Ottocar von Böhmen 
(1278) bezogen. Zu V< 5 zoigen vergleicht Liliencron ahd. zöhjany mhd. z(xhen\ 
aber warum? zoigen ist nach der Schreibung der Hs. , die auch leioit : streioit 
(=: lebet : strebet) u. a. hat, nichts anderes als mhd. zogen. — 42 den man den 
lewen unde am, die Hs. hat vU] da ünde dm ein falscher Versschluß w&re, so 
ist zn lesen und den am^ leicht erklärlich, wenn in der Vorlage stand vfidi^ 
was der Schreiber, die Abbreviaturen übersehend, unde las. — 63 ist vorte^ 
die niederdeutsche Form, beizubehalten und nicht in vorhte zn verwandeln. — 
99 ist die Wiederholung der Präposition und der dadurch entstehende leichte 
Auftakt (und in) zu dulden. — 103 liest die Hs. up deme orse hei wenede unde 
wane\ ob wenede hier präter. von wenden sei, wie Liliencron annimmt, ist mir 
zweifelhaft, vielmehr halte ich wenede für einen Schreibfehler, es muß wenkede 
heißen; die Verbindung des schwachen und starken Verb, ist wie winken wanken 
(mhd. Wb. 3, 704^ 13). — 115 ist und dis wohl in der Bedeutung unter- 
dessen aufzufassen, und und entweder für under (und^) verschrieben, oder es ist 
die in niederdeutschen Quellen vorkommende Nebenform unde (die Hs. hat vfl), 
mithin zu interpungieren dar gaink man vaste schauwen* unde dis mtn ovgen 
nämen war, mit Bezug auf das folgende. 

Nr. 4, ebenfalls in Reimpaaren, trägt in der Hs. entschieden österreichi- 
sches Grepräge , während der Dichter , Hirzelin , nach Liliencrons Vermuthung 
in der Nähe des Bodensees zu Hause war. Aus diesem Grunde ist die aleman- 
nische Dialektfärbung durchgeführt, was wir billigen: nur hätte es mit größerer 
Consequenz geschehen müßen. Während getrewen 48, dreu 72 u. s. w. in getri- 
wen, driu verwandelt ist, bleibt neuUchs 23 stehen ; das beginnende Schwanken von 
t in ei ist beseitigt, aber doch ist Leiningen 80, 220, chrei 96 , nicht wie es 
nöthig gewesen wäre, in lAningen, chri (vgl. 26) verwandelt. Auch sieht man nicht, 
warum sluch 110 in sliig und nicht vielmehr in sluch verändert worden ist« Sonst be- 



108 LTTTEBATUB. 

merken wir zu dem Texte noch: V. 25 ist wahrscheinlich zu dem vorhergehenden 
Satze zu ziehen und nach RomanU ein Punkt zu setzen. — 33. 34 ist unnöthig von 
der handschriftlichen Überlieferung abgewichen: lies und solt ein strtl aber wesen^ 
sie mähten aber noch wol genesen\ das zweimalige aber ist absichtlich und nach- 
drücklich gesagt. — 69. die Einschiebung von man, um ein starkes Partie]- 
pium gelosen (: hosen) zu vermeiden, scheint mir nicht gerechtfertigt, ahd. hlosin, 
in Verbindung mit hlust , auditns (vgl. Zeitschrift 6,5) weist auf eine starke 
Wurzel hlus hin; und vrarum sollte sich nicht in einer Mundart das starke Parti cip 
erhalten haben? — 225 cheuf (mhd. coife) ist als mascul. nicht nachzuweisen, 
daher mange zu lesen. — 251. die Worte halt atiz, nemt war sind wohl ebenso 
wie trevos arrir als Rufe in der Schlacht zu fassen. — 307. den zu kurzen 
Vers ergänze ich nicht durch stne^ sondern vor sich vaste üf die brüst -^ der, 
Schreiber sprang von einem v auf das andere. 

Nr. 5, ohne Zweifel demselben Dichter gehörend wie Nr. 2, ist wie jenes 
niederrheinisch. 59 hat die Hs. noch gein minre herren, nachdem vorausgeht in- 
gein min mäch. Liliencron streicht gein^ vielmehr wird zu lesen sein noch gein. 
min herre. Der Schreiber setzte nach jüngerer Weise den gen. partit, woran 
ihn im vorhergehenden Verse nur der Reim verhinderte. — 68. die vorge- 
schlagene Besserung in der konreide hei sich vlais ist wogen des Reimes (: bloz) 
bedenklich. Ich glaube, man muß lesen rüch und wilde greven vil in der konreide 
hei sich slois, in deren {der gen. plur.) Schar er sich stürzte . — 71 ist natür- 
lich unde für und zu schreiben. — 97. die von selbst sich ergebende Er^nzung 
(d)at ist nicht versucht worden, weil Liliencron nach neit interpungiert; vielmehr 
ist zu schreiben und inweis neit wei. sin reines leiten dat ist an dat re gegeioenz 
ich weiß nicht wie es zugieng. — 108. innois für in genois der Überlieferung 
ist nicht zu billigen; denn das einfache niezen in dieser Bedeutung ist kaum 
einmal zu belegen (vgl. mhd. Wb. 2, 391^). Die Vereinigung des in der Hs. 
gewöhnlich getrennt geschriebenen negativen in mit dem Verbum ist nicht con- 
sequent durchgeführt. 258 steht indar ^ dagegen 96 in weis^ 113 tn kund« 
u. s. w. — 138 scheint mir die Besserung Maßmanns streit fiir steit das Rich- 
tige zu treffen. Liliencron behält steit bei, was keinen natürlichen Sinn gibt: 
vorher hieß es ^Markolf lag todt', es folgt der lag todt im Staube', dazwischen 
*fhr sollt wissen, er stritt (nach Lil cm: steht) wie ein Ritter sollte'. — 151. 
dat am Beginne der Zeile war nicht zu streichen. — 167 schreibt Liliencron 
der grussenleche tn dar tu dufanc, vermuthlich = griiezenRche, Die Hs. hat des 
grusse leche ^ und dies war beizubehalten, grusseleche scheint gebildet wie das 
Verbum spottelachen spöttisch lachen, also grüssendes Lächeln . Man könnte auch 
an die bei Herbort vorkommende Bildungen gesindeUhe und ähnliche denken, 
wenn nicht in diesen immer der Sinn coUectiv wäre. — 202. drungen kann 
beibehalten werden; es wäre ein schwaches Verbum (von dringen"), wie von 
vinden gebildet wird funden^ fanden, — 225. umbedrogen in unbedrogen zu ändern 
ist nicht nÖthig, da bekanntlich die Schreibung um vor ^-Lauten sehr häufig ist. 
— 228. der unvollständige Vers wird zu ergänzen sein (dem) ingeinis valsches heoe, 

Nr. 8 ist aus der verderbten Überlieferung meist glücklich vom Heraus- 
geber hergestellt worden, wenn natürlich auch alle Lücken nicht von ihm er- 
gänzt werden konnten. 7, 6, wo die Überlieferung lautet und lasse keine rawe 
und Lil. schreibt und inen . . . lassen k, r. möchte ich vorziehen unde lassen in 
dekeine rawe^ oder unde lassen ir deheinen rawen (; clawen). 



LtTtEBATÜB. 109 

Nr. 13, in dem Herzog-Ernst-Ton oder der Bemerweise verfasst, gibt 
rieh selbst als Umdichtang eines alten Liedes, die sicherlich nicht älter ab der 
Druck (1536) ist, während die Begebenheit ins Jahr 1339 fällt. Wamm dies 
ältere Lied nicht schon aufgezeichnet, handschriftlich oder gedruckt, dem Be- 
arbeiter vorgelegen haben kann, ist nicht abzusehen. Liliencron meint: daß das 
alte Lied ein vom Volke fortgesungenes, vielleicht 1536 halb verwittertes gleich- 
zeitiges Lied über die Schlacht gewesen sei, daran zu zweifeln liegt kein ver- 
nünftiger Grund vor. Ich meine doch, um so mehr, da sich die Erneuerung 
auch auf die Chronik als Quelle beruft (aU dchronik noch anzeigte 2, 6). Mit- 
hin würde, genau genommen, das Lied unter die S. XXXVI fg. aufgeführten 
fallen und hätte keine Aufnahme finden sollen. In der letzten Strophe (16, 7) 
muß gelesen werden 

aht man zalt drizehen hundert jar, 
nun und drissig ouch darneben; 

Liliencron mit dem Drucke hat jar nicht und zieht nun zur vorhergehenden Zeile. 
Der Beim (Jar : gfar) zeugt für die Besserung. — Nr. 16 ist niederdeutsch: 
2 , 5 wird der Reim zu verändern sein en darher holen wolde (: entholden) ; 
Lil. wolde holen. 

Stark entstellt ist Nr. 19, vom Jahre 1368, daher hier der Heransgeber 
auf eine durchgreifende Herstellung verzichtet hat: einiges möchte sich wohl 
ohne Mühe bessern lassen. 4, 3 ist zu schreiben da si in Hessen zu in (in\ 
SU sich herein. — In der eilften Strophe ist der zweite Vers aus zweien zu- 
sammengezogen; die ganze Strophe lautete: 

Er zoch dahin gen Biele^ 
not ward do den herren 
a6 der bürg zu fliehen^ 
si geheiten sin nit mere» 

"Der Text hat Biel:flien\ in der zweiten Zeile fehlt do^ das in der vierten 
pleonastisch steht, und Z. 4 fehlt mere. Der klingende für zwei Hebungen gel- 
tende Beim der ersten und dritten Zeile findet sich auch Strophe 15 und 34. 
Die 13. Strophe ist so herzustellen: 

Gelegen was ir geschalt 
die mit den langen gleven 
unde mit dem beingewand 
die fluchent allesamt. 

So liest B, nur beingewande^ es reimen oder assonieren also die erste, dritte und 
vierte Zeile, in einer mehrfi&ch in dem Liede vorkommenden Nebenform der 
Strophe (17 u. s. w.), die wegen ihrer Wiederkehr als berechtigt gelten muß. 
Auch 21 hat dieselbe Strophenform, nur mit Vertauschung der stumpfen und 
klingenden Beime, daher auch die erste Zeile nicht mit L. zu streichen und 
nach 3 keine Lücke anzunehmen ist Nicht minder 23, wo man lesen muß: 

Rechte als einen fromen man, 
der bi drien milen 
gegen Berne nie enkam^ 
die ross in wurden lam; 



1 10 LITTERATÜR. 

die Überlieferung zieht 3 und 3 in ^ine Zeile zusammen , hat (/rth, gen^ hatn 
und wurden in. Femer 27, wo in der ersten Zeile zu lesen vnde /ur, und 3, 4 
wahrscheinlich zu vertauschen sind: dif dem stosi und anderswo da wart ml 
mengem bxdqt. In 33 ist ebenfalls die zweite Zeile zu zerlegen und zu schreiben : 

Ünz daß si der her bezwang: 
er slug si ze iode 
allesamt mit sinem zand, 
das hus er schir verbrani; 

ganz habe ich mit B in der vierten Zeile gestrichen und allesamt aus alle 
in B entnommen. 

In dem schon erwähnten Liede von Störtebeker (Nr. 49) will ich auf ein 
paar Stellen hinweisen, wo noch Spuren der niederdeutschen und älteren ver- 
wischten Fassung zu Tage treten. Die sechste Strophe weicht in der letzten 
Zeile in den Texten ab: AB haben für wildem haoe, wie L. schreibt wilder zwe 
(awen), C wilder have^ DE wildem (n) hafen\ Liliencron meint, ABC kannten 
das Wort have nicht (aber C hat ja haoel) und änderten es in awe um. Indess 
da mhd. have vorkommt, so ist jene Annahme mir zweifelhaft. Ich glaube, weder 
have noch awe ist das alte, sondern es hieß sie ligen an wilden ünden, Wellen ; 
denn darauf führt der in der dritten Strophenzeile erhaltene Reim von DE 
die ich euch wil verkünden, wofür die andern haben die ich euch wil sagen. Das 
veraltete ünden war Anlaß der Änderung. Strophe 8, 5 führt ebenfalb DE auf 
die echte Lesart: in ABO heißt es bei meinem treuen eide {: glauben) ^ dagegen 
DE bei meinem eid und trewen^ d. h. niederdeutsch lA mtnem eide und trdwen^ 
ein ganz richtiger Reim auf geldven. Str. 15, 2 weist noch die Lesart von BDE 
die für dir in AG auf das nicht verstandene niederdeutsche di = dir^ und der 
Vers lautete Hamborg, dt was ^ böse bedacht] wie sich 15, 4 in C die nieder- 
deutsche Form zuvorn statt zuvor (tovom) erhalten hat, und hechte für ha/t in 
AB 22, 1. 

In Nr. 69, Str. 28, 2 ist die Ergänzung ganz frei {: dabei) unnöthig; 
der Vers ist zu schreiben wollen (für woln) ewer diener sein^ was auf bei ganz 
gut reimt. In Nr. 71 zeigt die dritte Strophe wieder einen entstellten Reim: 
das kunt in nit gedeihen (: zerhauen) ; das echte war ohne Frage das kunt in nit 
gezauen, mhd. gezouwen'^ vgl. Schmeller 4, 210. — In Nr. 84 ist die dritte 
Strophe in zwei zu zerlegen, indem die beiden ersten Zeilen den Anfang einer 
Strophe bilden, deren drei Schlußzeilen ausgefallen sind. In Nr. 123^ Str. 2, 9 
ist för das wurd im ungliick machen zu lesen des wurd im Unglück nachen (für 
nahen)^ reimend auf fahen. 

Ein sorgfältiges Namenregister bildet den Schluß des ganzen Bandes, der, 
in der rühmlich bekannten Verlagshandlung von F. C W. Vogel erschienen, 
an geschmackvoller Ausstattung hinter den übrigen Pablicationen der historischen 
Commission in keiner Weise zurücksteht. 

ROSTOCK, im November 1865. KARL BARTSCH. 



111 
MISCELLEN. 



ZUR GESCHICHTE DER DEUTSCHEN PHHiOLOGIE. 

L Briefe von Jtfcob Orimm. 

A. J. Grimms Briefe an Franz Pfeiffer. 

AIb ich im December 1862 Jacob Grimm meine kleine Schrift über Uhland 
schickte, schrieb er mir unterm 23; desselben Monats zurück: „der nachruf 
hinter Uhland hat mich gerührt und es fuhr mir durch die seele, dasz Sie 
auch nach meinem tod ein paar blätter ausgeben werden«** (s. 37. Brief.) Aber 
es kam nicht dazu. Es war am 24. September 1863, ich befand mich, eben 
mit dem Ordnen seines Nachlasses beschäftigt, in Uhlands Stube, als mir Keller 
das Zeitungsblatt mit der Todesnachricht herüberschickte. Ich hatte anfanglich 
Muhe, daran zu glauben, denn wenige Wochen vorher hatte ich noch einen 
Brief von ihm, der die alte freudige Arbeitslust athmete und nichts enthielt, 
was eine solche Wendung befürchten ließ. Die Bestätigung der traurigen Kunde 
traf mich wie ein Donnerschlag und es bedurfte geraumer Zeit, mich zu fassen. 
Nach Wien zurückgekehrt, forderten zunächst die Berufsarbeiten ihr Recht und 
später kam allerlei dazwischen, was mich abhielt, zu thun, was allein von meiner 
Seite hätte geschehen können: dem theuem Mann angesichts des frischen Ver- 
lustes, den wir, den Deutschland in ihm erlitten, einige schlichte herzliche Worte 
des Dankes und der Verehrung nachzusenden. Ist nun auch damals seine Er- 
wartung durch mich unerfüllt geblieben, so soll mich das nicht hindern, jetzt 
noch, und zwar durch den Abdruck seiner Briefe an mich, ein Gedenkblatt 
auf sein Grab zu legen. Wohl geht manches darin nur mich an und hat nur für 
mich persönlichen Werth, doch fehlt es nicht an zahlreichen Stellen, die von 
allgemeinerem Interesse sind und die ein künftiger Biograph nicht wird musen 
mögen« 

Der erste Brief, der zwischen uns gewechselt wurde, war von Jacob. 
Ich hatte nämlich bei meinem Auftreten in der Litteratur eine unüberwindliche 
Scheu, fremd wie ich ihm war, an ihn zu schreiben oder ihm von meinen Ar- 
beiten etwas zu schicken, denn ich wollte nicht die Schaar der jungen Germa- 
nisten mehren helfen, die sich damals um ihn, mehr noch freilich, und nicht 
immer in uneigennütziger Absicht, um Lachmann drängten. Meine Meinung war, 
es sollte Jeder, der etwas gelernt hat, auf eigenen Füßen zu stehen versuchen, 
und ich dachte mir, daß meinen Arbeiten, falls wirklich etwas darin geleistet 
wäre, früher oder später, auch ohne mein äußeres Zuthun, die verdiente Be- 
achtung und Anerkennung nicht entgehen würde. 

Mit Wilhelm war ich durch Abschriften und CoUationen von Konrads 
Goldener Schmiede, sowie durch einige Gefälligkeiten, die ich ihm für seinen 
Athis zu erweisen in der Lage war, schon früher, im Jahre 1840, in Verbin- 
dung getreten. Auf eine gelegentlich an ihn gerichtete Frage nach Jacobs Ab- 
handlung über 'Die Gedichte des Mittelalters auf Friedrich den Staufer' gab 
diesem Anlaß, an mich zu schreiben und mir über meine Thätigkeit einige 
freundliche aufrauntemde Worte zu sagen. Man muß jung gewesen sein and 
muß wissen, wie einem aufstrebenden jungen Manne in bedrängter äußerer Lage 
zu Muthe ist, um den Eindruck zu ermessen, den die wenigen, einfachen, aber 



112 mSCELLEK. 

herzlichen Zeilen auf mich machten. Nun waren alle Bedenken rerschenclit, 
und Ton da an schrieb ich und schickte ihm alle meine Sachen. 

Im Jahre 1846 lernte ich ihn, bei der GermaDistenversammlong zu Frank- 
furt, persönlich kennen; aber zu einer nahern Berührung, ja nur zu einem 
vertraulichen G-espräch, kam es in jenen mächtig bewegten Tagen nicht; was 
hätte ich ihm, dem auf der Hohe seines Ruhmes Stehenden, damals, neben so 
vielen bedeutenden Männern, die ihn dort umgaben, sein und bieten können. 
Auch später noch blieb ich ihm gegenüber in bescheidener Entfernung und 
schrieb nur, wenn ich ein Buch zu schicken oder eine Mittheilung zu machen 
hatte, von der ich glauben durfte^ sie könne von Werth für ihn sein. 

Erst im Jahre 1850 begann sich ein regerer brieflicher Verkehr zwischen 
uns zu entwickeln, der sich ailmälich, besonders durch die von ihm mit Freuden 
begrüßte Gründung der »G-ermania^, zu einem förmlichen Briefwechsel gestaltete 
und ohne Unterbrechung bis zu seinem Tode andauerte. In dieser ganzen Zeit, durch 
achtzehn Jahre, war unser Yerhältniss ein durchaus herzliches, ungetrübtes. 
Selbst der Span, den ich wegen des Freidank mit seinem Bruder hatte, be- 
wirkte hierin keinerlei Störung. In der Sache stand er entschieden auf meiner 
Seite, imd was die Form betraf, so mochte er wohl fühlen, daß an der gestei- 
gerten Heftigkeit der Polemik nicht allein meine leidenschaftliche Natur Schuld 
war, sondern daß auch die vornehm abwehrende und dadurch verletzende Art 
Wilhelms zur Schärfung des Conflicts das ihrige beigetragen hatte. Wie wenig 
dadurch seine Gesinnung gegen mich berührt ward, erhellt wohl am deutlichsten 
daraus, daß er mir, mit zartester Aufmerksamkeit und rührenden Worten, ge- 
rade am Sterbetage Wilhelms, am 16. December 1860 (s. Brief Nr. 34), die zweite 
Ausgabe des Freidank zuschickte. Nur ein einziges Mal ward, durch eine Re- 
cension im zweiten Hefte der Germania, seine Empfindlichkeit wach und machte 
sich in einigen scharfen Worten Luft (s. Brief Nr. 17). Ich durfte diese in 
meiner Eigenschaft als Kedacteur mir gemachten Vorwürfe nicht unerwidert 
lassen und wehrte sie ruhig, aber mit aller Entschiedenheit, als unbegründet 
von mir ab. Auf sein offenes gerades Wesen scheint meine Antwort, die ich nach 
einem Concept in der Anmerkung beifuge, nicht ohne Eindruck geblieben zu sein, 
wenigstens erhielt ich nicht lange darauf wieder einen Brief, worin die alte 
Freundlichkeit waltete und jener Sache keine Erwähnung weiter geschah. 

Im August 1861 reiste ich eigens nach Berlin, um den verehrten Freund 
Und Meister vor dem Ende noch einmal zu sehen. Er empfieng mich überaus 
liebreich, mit, ich möchte fast sagen, väterlicher Güte. Er forderte mich auf| 
so oft SU ihm zu kommen, als es mich freue; er lud mich zu Spaziergängen 
in den Thiergarten ein, auf denen ich mit dem unter lebhaftem Gespräch und 
in jugendlicher Rüstigkeit dahin Schreitenden oft Mühe hatte gleichen Schritt 
zu halten; er nahm mich zur Akademie mit und überhäufte mich mit Bücher» 
geschenken. Als ich einst die Frage, ich werde doch seine Abhandlungen alle 
besitzen, verneinend beantwortete, meinte er, der Fehler werde sich gut machen 
lassen, er selbst habe zwar keine Exemplare, aber die Bibliothek seines Bruders 
könne aushelfen: Der brauche sie ja doch nicht mehr; und wenn auch etwa 
Bemerkungen von dessen Hand auf den Rändern sich eingeschrieben fänden, 
so würde, fügte er lächelnd hinzu, mich das wohl nicht stören. Nicht ohne einen 
gewissen Stolz zeigte er mir seine an seltenen und kostbar eingebundenen BS* 
ohezn (meist Dedicationsezemplaren) reiche Bibliothek und deren Au&tellung, 



MISCELLEN. 113 

nnd auch in seine Arbeit am Wörterbuch gewährte er mir bereitwillig Einblick. 
Natürlich fehlte es nicht an mancherlei bedeutenden G-esprächen über gelehrte 
Dinge und die Zustande in unserer Wissenschaft. Vielleicht daß ich einmal 
niederschreibe, was noch heute frisch wie gestern daron in meinem Gedächt- 
nisse lebt. Beim Abschied konnte ich meine tiefe Bewegung nicht verbergen; 
auch er war sichtlich ergriffen und entließ mich mit Kuss und Umarmung. 
Noch auf der Heimreise fasste ich den Entschluß, den Berthold fOr ihn aus« 
anarbeiten; welche Freude ich ihm mit der Widmung bereitete, seigt der 
36. Brief. 

Diesen längst beabsichtigten Besuch noch rechtzeitig ausgeführt zu haben, 
gereicht mir nun zu wahrem Trost; hat sich doch Jacobs Bild meinem Herzen 
Tiel tiefer dadurch eingeprägt, als ohne dies geschehen wäre* Ganz werde ich 
seinen Verlust freilich niemals yerwinden. Seit ich ihn kennen lernte, war ich 
gewöhnt, bei allen meinen Arbeiten in erster Reihe immer an ihn zu denken 
and mich zu fragen, was dr wohl dazu sagen, wie er dies und jenes aufnehmen 
werde. Denn bei ihm durfte man stets sicher sein gelesen zu werden und herz- 
liche Theilnahme, sei es Anerkennung oder Belehrung, zu finden. Ein aufmun- 
terndes, zustimmendes Wort aus seinem Munde wog deshalb auch mehr als aus 
anderm das YoUtÖnendste Lob, und seine Missbilligung, sein Tadel hatte nie 
etwas Verletzendes, Demüthigendes , sondern war stets ein mächtiger Sporn, es 
das nächste Mal besser zu machen. Überhaupt war seinem Wesen alles Bittere, 
Schroffe fremd und für jedes ernste redliche Streben hatte er ein Herz voll 
Milde nnd Wärme. Von diesen Charaktereigenschaften werden auch die folgenden 
Briefe vielfach Zeugniss geben. Hätte in der deutschen Philologie statt des 
herzlosen Spottes, der herben Abweisung gegen Alle, die sich nicht «willig 
ergaben*, die Art Jacob Grimms vorgewaltet, diese innige Güte und das herz- 
liche Wohlwollen, wie ganz anders stunde es mit unserer Wissenschaft, wo statt 
des einträchtigen Zusammenwirkens auf diu großes Ziel Haß und Zwietracht 
die Zügel führen. 

Auch Jacob hatte unter diesen trostlosen Verhältnissen, unter dieser Un- 
doldsamkeit gegen jedes freie selbständige Urtheil zu leiden^ mehr als man 
weiß und ahnt, ohne andere Schuld, als weil er seiner Überzeugung in einer 
wissenschaftlichen Streitfrage offene Worte geliehen. Der Ton der Wehmuth 
nnd der Klage über mangelnde Nachfolge und Beachtung, der durch die Briefe 
ans seinen letzten Jahren hindurch klingt, hat seinen Grund weit weniger im 
zunehmenden Alter oder im Verlust des geliebten Bruders, als in der Vereinsa- 
mung, in die er sich aus einem, man könnte sagen, lächerlichen Anlaß plötzlich 
und in ostensibler Weise versetzt sah. Als er mir während meines Besuches er* 
zählte, wie sich Diejenigen, die ihm die nächsten hätten sein sollen, mit dem 
kindischen Trotze kleinlicher Seelen von ihm abwaudten, lächelte zwar sein 
Mond, aber ich merkte es ihm doch recht gut an, wie tief ihn solches Benehmen 
schmerzte. 

Beim Abdruck der Briefe habe ich mich möglichster Treue beflissen und 
alle Eigenheiten der Orthographie und Interpunction sorgfältig bewahrt Was 
darin mich persönlich betrifft ^ habe ich Alles, das Jiob wie den Tadel, stehen 
lassen, neben dem Licht den Schatten, denn ersteres zu unterdrücken schiene 
mir lächerliche Prüderie, und den neuesten Kundgebungen gegenüber kann es 
nichts schaden, wenn man aus Jacobs eigenem Munde erfährti wie er von mir| 

QBBMANU XI« 8 



114 MISCELLEW. 

von meiDen Arbeiten und überhaupt meiner ganzen wiBsenschaftlichen Thätigkeit 
gedacht und geurtheilt hat. Ebensowenig ist an den Äußerungen über Andere, 
Lebende, ungünstigen wie günstigen, gerührt worden, wofern sie sich an wissen- 
schaftliche Erscheinungen knüpfen und in deren Geleite auftreten. Dagegen 
habe ich alle vereinzelt vorkommenden subjectiven Urtheile, die irgend verletzen 
könnten, grundsätzlich weggelassen und die Lücken durch Striche bezeichnet. 
Deren Zahl ist, wie schon Jacobs Charakter und milde Denkungsart erwarten 
lassen, nicht groß. Nur einmal bin ich von meinem Grundsatze abgegangen, in- 
dem ich im 25. Briefe die den Hrn. J. Zacher betre£Pende Stelle stehen ließ. 
Mag er, der ohne selbst eine nennenswerthe Leistung aufweisen zu können, 
sich berufen glaubt, über Arbeiten und Bestrebungen Anderer den Stab zu 
brechen, und mögen Jene, die ihn dazu vermocht haben, wissen, welche Mei- 
nung Jacob Grimm von ihm hatte. 

Die Briefe werden, wie ich hoffe, in zwiefacher Beziehung willkommen 
geheißen werden. Erstens als Beiträge zu einer Geschichte der deutseben Phi- 
lologie und der altdeutschen Litteratur. Das sind sie durch die Mittheilungen 
über eigene wie fremde Arbeiten und Pläne und durch eine Fülle treffender 
Bemerkungen über die alten Autoren, ihre Werke und deren Ausgaben. Zwei- 
tens als Beiträge zu einer künftigen Charakteristik des unvergleichlichen Mannes, 
in dessen Wesen sie tiefe Blicke thun lassen. Mir scheint als müßte, wer von 
ihm und seinen Werken sonst gar nichts wüsstc, ihn aus diesen Briefen lieben 
und verehren lernen. Hoffentlich reizt ihre Veröffentlichung Andere zur Nach- 
folge. Schon jetzt kann ich zu meiner Freude mittheilen, daß eines der nächsten 
Hefte Jacobs Briefe an Hoffmann von Fallersieben aus den Jahren 1818 — 1842 
(wozu noch zwei vom J. 1852 kommen) bringen wird, die den an mich gerich- 
teten zur willkommenen Ergänzung nach vorne dienen. Später werde ich die 
nicht zahlreichen Briefe, die ich von Wilhelm habe, folgen lassen und diesen 
weitere Briefe von Jacob und Wilhelm, von Lachmann, Schmeller u. s. w. an 
verschiedene Andere anreihen. 

WIEN, 21. November 1865. FRANZ PFEIFFER. 

1. 

Herrn Dr. Franz Pfeiffer. 
Mein bruder sagte mir letzthin, dafs Sie meine abhandlung über die lat. 
gedickte des archipoeta wünschen, sie ist jetzt erst gedruckt und ich lasse 
Ihnen durch buchhandel ein ex. zugehn , obgleich ich nicht weifs was Sie 
darin interessiert. Ihre thätigkeit hat mich schon lange gefreut und ich folge ihr 
mit aufrichtiger theilnahme. In der livländ. chronik (Bergmanns ausg. ist hier 
nicht selten und wenigstens in 6 exempl. zu finden) las ich erst die ausgefüllte 
lücke* 8084 ist zu lesen: über houbet. es ist ein Sprichwort: über houbet 
houwen oder vehten. Schmellem habe ich ermahnt, er solle die ganze Benedict- 
beurische handschrift mit den lat. liedern in Ihrem verein drucken lassen, und 
ihm gebührt es vor allen. Sie werden aus meiner schritt entnehmen, wie sehr 
sie gedruckt zu werden verdient >. 

(Berlin) 22 dec. 1844. Hochachtend und ergebenst 

Jac Grimm. 

*) Eine sorgsame, Zeilen- und seitengetreue Abschrift des ganzen Codex Bnranua 
wurde von mir schon weit früher, schon im J. 18.39, für Prof. Dr. St. Endlicher in Wien 



MISCELLEN. HS 

2. 

Berlin 20 oct. 1845. 
Hochgeehrter herr, 

Schmeller meldete mir schon vor einem Vierteljahr dafs er sich zur heraus- 
gäbe der lateinischen lieder entschlossen habe. Darf ich jetzt ein gnt wort 
einlegen für Jeroschin oder Geroschin?*) ans dem cod. pal. 367, der zwar 
dem geschicbtsforscher wenig bietet, aber für spräche und darstellnng zehnmal 
mehr werth ist, als die langweiligen von Chmel und Lanz gelieferten Urkunden 
und briefe. Es scheint ein blofser abdrnck der Pfälzer hs. zureichend und eine 
vergleichnng der schlechteren Königsberger unerforderlich. Da Sie sich bereits 
der Livl. chronik angenonmien haben, werden Sie leicht geneigt sein, dem ähn- 
lichen nur um 50 jähre jungem werk aufzuhelfen. | 

Ich bescheide mich gern dafs bei der auswahl mancherlei rücksichten 
gelten; ich würde vorzüglich deutsche sachen des 14. 15. 16. jh. begün- 
stigen und dafür alles portugiesische, catalanische , französische hintansetzen. 
Auch Windecks leben Sigismunds verdiente einen bequemen correcten Wieder- 
abdruck; der verstorbne Schöppach in Meiningen arbeitete daran und seine 
papiere müssen noch da sein, das wird Aschbach in Bonn wissen. Überlege 
man auch einen abdruck von Bothos chronicon picturatum. 

Entschuldigen Sie meine Zudringlichkeit. 

Hochachtungsvoll Ihr ergebner 
Jacob Grimm. 

Vielleicht hat den Jeroschin schon Frommann in Coburg abgeschrieben.! 

Der Verein mufs sich nicht zu leicht den historikern hingeben, die mit 
dem was sie für wichtig halten schnell eine menge bände anfüllen, sondern 
mehr auf das poetisch sprachliche sehn, was sonst nicht oder schwer gedruckt 
wird, jene bringen ihren kram doch auf anderm weg in die weit. 

Meine actie für das dritte jähr habe ich an Kirchner in Leipzig aus- 
zahlen lassen. 

3. 

Berlin 19 dec. 1845. 
Hochgeehrter herr, ich habe Ihre beiden briefe vom 5 und 28 oct. er- 
halten und nicht eher beantworten wollen, bis das mir angekündigte geschenk 
Ihrer altd. mystiker**) in meinen bänden wäre; jetzt ist es eingetroffen und 
bereits durchblättert worden, so flüchtig man das in der ersten freude darüber 
thut. Sie haben sich eines wichtigen und nicht leichten geschäfts gründlich 
und willkonmien erledigt ich kannte diese predigten entweder gar nicht oder 



gefertiRt; dieser verschenkte sie an Dr. Ferd. Wolf, der sich ihrer zu seinem Buche 
Über die Lais, Sequenzen und Leiche (Heidelberg 1841) bediente; durch dessen Güte 
jselangte sie unlängst wieder in meinen Besitz. Schmellers Ausgabe erschien gegen Ende 
des J. 1847 als XVI. Band der Bibliothek des Stnttg. lit. Vereins unter dem Titel: 
Carmina Burana. Lateinische und deutsche Lieder und Gedichte einer Handschrift des 
Xin. Jbd. aus Benedietbeuem auf der k. Bibliothek zu München, XIV und 275 Seiten. 

P£ 
^ Mit diesem hatte ich mich, wie der erste Theil meiner Mystiker und die dort 
angezogenen Stellen zeigen, schon früher beschäftigt. Pf. 

^ Deutsche Mystiker des 14. Jhds. 1. Band, Leipzig 1845 (Hermann v. Fritslari 
Nioolaus V. Straßburg. — David v. Augsburg, dieser im Anhang), Pf, 

8» 



1 1 6 MISCEU.EN. 

nur durch ausziige und gewahre nun wie viel daraus zu lernen sein wird, haben 
Sie also herzlichen dank nicht blofs für diese Zusendung, sondern noch viel 
mehr dafür dafs sie sich überhaupt dem werk zu unterziehen wagten; an luat 
zur Yollführnng wird es, nach solchem anfang, gar nicht mangebi. — — — 
Menschlicher fehler sind wir alle nicht hei, auch die nicht, die sich gern in 
fester schanze halten und nur sagen wollen, was sie sicher zu wissen meinen; 
ich fQr meinen theil habe mich immer ins freie feld gewagt und ohne zu wagen 
gewinne man nichts geglaubt. 

Ihre anmerkungen und Ihr glossar sind sehr diensam und ich werde sie 
mir oft zu nutze machen. Manches einzelne zieht mich au, z. b. da ich vor habe 
über monatnamen zu schreiben, der sonst unerhörte Ausdruck volbom (so hiefs 
auch der sächsische leutnant der neulich zu Leipzig auf die bürger feuern liefs) ; 
doch warum soll es febmar sein? ich denke Januar, denn hartmftnet kann dec. 
sein, volbom jan. und homunc febr. weshalb lassen Sie die erste vaste laufen 
vom 5. jan. bis 14. febr.? die fastenzeit ist stets eine bewegliche und trift in 
jedem jähr andre tage *). 

Dafs mein Vorschlag wegen Jeroschin auf so guten boden gefallen ist, 
freut mich ungemein, und ich denke der verein nimmt ohne alles bedenken 
Ihr anerbieten an. mir ist die grofse fast entschiedne ähnlichkeit seiner spräche 
mit der des passionals aufgefallen, welcher gegend würden Sie beide zuschrei- 
ben? müssen Sie Ihre mittlere mundarten nicht noch weit über Thüringen nach 
Nordosten hin, bis nach Preufsen erstrecken? 

Der Simplicissimus wäre nicht übel zu genauem wiederdruck nach der 
ersten ausgäbe Mompelgart 1669 ; es giebt jedoch zwei verschiedne 
ausgaben dieses jahrs, und es ist noch ununtersucht , welche davon für die 
ältere zu halten sei. wahrscheinlich sind beide vorzugsweise in Stuttgart (wegen 
des alten bands mit Mompelgart, was freilich erdichteter druckort sein könnte) ; 
sonst kann ich mit meinem exempl. der einen dienen (worin leider ein blatt 
fehlt) und ein Leipziger freund besitzt die andere, ist der verein auf das 
grofse format erpicht? sonst wäre dieser roman in 18® anmuthender. 

Meine recension des Berthold erscheint mir freilich in diesem augenblick 
viel unvollkommener, als in den Sommernächten, in welchen (so übermäfsig war 

*) Dies beruht zum Theil auf einem Missverst&ndniss. Allerdings bedeutet volbom 
wie im Leben des hl. Ludwig ed. Bückert S. 32, 20, so auch an der einen Stelle in 
den Mystikern I. 73, 6. 7. aber PatUita wart bekirt in dem volbomerif den Januar, indem 
Pauli Bekehrung auf den 25. Januar fällt. An der zweiten Stelle dagegen ist bestimmt 
der Febmar gemeint. Daß die von der Kirche gebotene vier^igtägige Fastenzeit eine 
bewegliche ist, daran habe ich natürlich nie gezweifelt; doch ist unter der inien. 
va$U deutlich eine andere gemeint Die ganze Stelle bei Hermann v. Fritslar (Myst. I. 
90, SS"- 91, 5) lautet: Ir nUi wizzen: loer dd vaalel di vierzig tage di unser herre 
Jiitu KriatuM vaalete , der toi aneheben an deme zwelflen tage , und diz heizit die wuate- 
nungef und der leite tac ist »ante Valenäne» tac, und an deme tage wart unser fterre bekort 
von deme tüvele und uberwant den tüvel, — Di heilige kri$tenheit hdl virzie tage gesateit, 
di Un^fen in den Tiomung und in den merzen, und diae müz man vasten von not und von geböte 
der bibistee. Aber di Srsten virzig laufen in den hartmänden und in den volbom, und dise 
eint nicht geboHn ze vtutene, aunder die alden einsidelen und die klüeenSre di vaeten ei vor 
der rechten vaste : do vone eint ei here komen in dütache lant. Also die erste uneigentliche, 
dem freien Belieben ttberlassene Fasten beginnt mit dem zwölften Tag, d. i. Epiphania, 
6. Januar, und endet mit dem Yalentinstag, d. i. 14. Februar, dauert also genau 40 Tage. 
Dieselbe fUlt in den Hartmond (so heißt bei Hermann v. Fritslar der Januar) und den 
Volbom, der somit nur der Februar sein kann. Pf. 



MISCELLEN. 1]7 

ich damals beschäftigt) meine kleine lebensbeschreibung ver^Eifst wurde; mit 
▼ergnägen aber würde ich, sobald es zor ausg, der pred. kommt, eine Umar- 
beitung versuchen , falls es Ihnen aus gröfserer fülle des stofs | nicht eine neue 
abhandlung zu liefern leichter wird. 

Wilhehn läfst gegenwärtig seinen Athis drucken, der Ihnen alsbald zu- 
gehen soll, sein Sie von ihm und mir freundschaftlich gegrüfst 

Jacob Grimm. 

bitte die einlage weiter laufen zu lassen. 



Helfen Sie doch, werthester freund, die einliegende sache zu ordnen. 
es scheint bei der Verwaltung Ihrer liter. societät etwas verworren herzugehen, 
auf die letzte von Ihnen empfangene mahnung hatten wir ja verabredet, daTs 
ich durch Weidmanns zahlen und empfangen sollte, und demgemäTs zahlte ich 
fürs dritte jähr, schon october 1845, an den bestimmten commissionair, jetzt 
fordert herr Falkenberg diesen betrag von neuem, ungerechter und unordent- 
licher weise. 

Ich lege Ihnen die Leipziger quittung bei, bitte sie aber nicht ans der 
hand zu gebeu, blofs vorzuzeigen. 

Ihrer anstellung *) freue ich mich von herzen, sollte möglicher weise, was 
ich nicht einmal glaube, das von mir verlangte unnöthige zeugnis angeschlagen 
worden sein, so wäre das meinerseits leicht verdient, denn weU mir 'der finger 
Bwar muste ich dictieren. 

Kommen Sie im sept. nach Frankfurt? es soll mir lieb sein Sie nun 
auch von angesicht zu sehn. 

Berlm 16 aug. 1846. Jacob Grimm. 

5. 

Hochgeehrter herr bibliothekar, 

Jonckbloet hat schon unterm 12 juni ein paket ans Deventer an mich 
abgehn lassen, worin sich auch ein beischlufs für Sie befand, das ich aber erst 
gestern empfangen habe, ich will wünschen, dafs die schriffc nunmehr schneller 
in Ihre bände gelangt, auch die hinzugelegte einladung zur Unterzeichnung ist 
auf diese weise verspätet worden. 

Hat sich der Scheible mit seinem ekelhaft dickwanstigen kloster noch 
nicht zu gründe gerichtet? man verwundert sich über den mut zu solcher spe- 
colation, die einem fast die freude an der literatur des 16. 17. jh. verderben 
konnte, kaum | brauche ich auszudrücken, wie sehr mir auch Norks schriften 
ein greuel sind. 

Haben Sie die gute den beischlufs an Keller zu besorgen. 

Mit der aufrichtigsten hochachtung 
30 sept 1849. Ihr Jacob Grimm. 

6. 
Hochgeehrter freund, 
ich bin Ihnen schon lange antwort wegen Bertholds schuldig und das mag 

*) An der Stuttgarter k. öffentl. Bibliothek; ich hatte ihn behufs meiner Bewer- 
bung um ein paar empfehlende Zeilen gebeten. Ff. 



11g MISCELLEN. 

mich eben entschuldigen, dafs ich hofte, aussieht würde sich erofhen für freie 
mofse, die mir in diesem oder dem nächsten jähr beschieden wäre, und dann 
hätte ich meine zusage gern gehalten, aber es läfst sich anders an, arbeit 
thürmt sich auf arbeit, denen ich Dicht ausweichen kann, und meine gesundheit 
nimmt ab, nicht zu; ich werde froh sein nur einen theil von dem vielen, was 
ich mir noch vorgesetzt hatte, zu vollbringen. Nehmen Sie also den Bertfaold 
ganz auf Ihre schultern, und schalten mit dem, was mein vor langen jähren 
verfafster aufsatz noch brauchbares darbietet, nach belieben, es wird wenig sein 
und das meiste der nachhülfe bedürfen. Ich hätte mich für Ihren zweck | auf 
die lebensumstände und Charakteristik des predigers eingeschränkt und allen 
sächlichen gewinst ausgeschlossen, es wäre aber nöthig gewesen alle mir noch 
unbekannten texte der predigen zu lesen, wofür ich jetzt nicht zeit aufbringen 
könnte. 

Sie haben nun das passional vor dem Konrad von Fufsesbrunnen oder 
diesen vor dem passional entschieden sicher gestellt*), und es gehörte Hagens 
ganze Unüberlegtheit dazu zwei im dialect so abweichende gedichte wie das 
leben Jesu bei Hahn und das passional demselben Verfasser beizumessen. Allein 
es steht nun dahin, ob wir das gesammtabenteuer 3, 263 so zu lesen bekommen, 
wie Sie es ausgezogen haben, da er in dem längst fertigen aber immer noch 
unausgegebnen buche vielleicht erst das blatt Umdrucken lärst**). Wahrschein- 
lich verdanken Sie der bekanntschaft mit Cotta ein exemplar; ich begreife aber 
nicht wie es dessen vortheil entsprechen kann die übrigen unversandt zu lassen, 
mir wären immer auch die schlechten texte willkommen und brauchbar; es wird 
aber manches fehlen, z. b. das heifse eisen und das gänslein, weil Sie diese 
sonst nicht bei Haupt hätten erscheinen lassen ***). 

Schmellers ahd. nachlese f) zeugt wieder von der ungemeinen dfirfÜgkeit 
dieser literatur, denn es ist wenig neues daraus zu lernen, der ahd. form- 
reichthum, auf den ich auch in einliegendem blättchen hinweise, bleibt uns fast 
ganz verschlossen, oder ein unerhörtes Glück müste den Sindleozesauer schätz 
wieder heraufrücken. 

Ich bitte die einlage nach Tübingen laufen zu lassen und meinen herz- 
lichen grufs zu empfangen. 

Berlin 13 merz 50. Jacob Grimm. 

Haupt hat das neuste heft sehr schlecht corrig^ert; er ist kränklich und 
verstimmt, meine aufsätze haben fast ein jähr lang ungedruckt gelegen; sollte 
nicht die Jettha (mythol. 85. 486) eine Jeccha sein? wie mau auch Jechel- 
bürg in Jetheiburg verderbte. 

7. 

Ich habe, lieber freund, den schuldigen dank für das willkommene ge- 
schenk Ihrer deutschen theologie ff) lange aufgeschoben. Sie verrichten alles 
reinlich, so dafs man wenig oder nichts auszusetzen hat, mögen Sie nur nicht 



*) S. Zeitschrift für d. Alterthum. 8, 156 ff. Pf. 
**) Das ist in der That nachher geschehen. Ff. 

***) Sie stehen aUerdings schon im GA. IT, Nr. XXUI und XLVI; aber ich gab 
sie in ganz anderm Text und mit Benutzung neuer Quellen. Pf. 

t) Deutsches aus dem 10.— 12. Jhd., Zeitschrift 8, 106 ff. Pf. 
tt) Theologia deutsch. Stuttg. 1851, Pf. 



MISCELLEN. ]|9 

allsnfest an diesen geistlichen sachen hängen, sondern sich auch wieder einmal 
weltliche gegenstände aus unserm altertham suchen, denn die geistliche dich- 
tiing, davon überzeuge ich mich immer mehr, hat eigentlich alle weltliche yer- 
derbt nnd zu gründe gerichtet. 

Lachmanns hingang würde Sie näher geschmerzt haben, wenn Sie hier 
gelebt hätten; seine art war wie die mancher philologen scheinbar spröde und 
▼omehm, innerlich aber war er stets liebreich und freundlich, ein solcher tact 
fürs herausgeben wird kaum wiedergeboren, obgleich ich sonst einige seiner 
hauptansichten nicht theile. fertig zum druck liegt eine aus wähl der ältesten 
minnesänger. Anfangs erschien Lachmanns krankheit ein ungefähr |]iches podagra, 
mit dem sich noch spafsen liefse, wie ich in einer kleinen Vorlesung über das 
mythische podagra am 13 februar zu seiner erheiterung that; ich glaube Ihnen 
den bogen zugesandt zu haben. 

Vor einiger zeit beim wiederlesen des passionals erwachten in mir alte 
zweifei über die zulässigkeit Ihres dafür eingeführten yocalismus; Sie werden 
den kleinen aufsatz im jüngsten hauptischen hefte gut aufgenommen haben *). 

Haupts mishandlung in Sachsen, scheint es, wird durch das übrige Deutsch- 
land nicht gut gemacht, denn die reaction tobt jetzt ärger und unaufhaltsamer 
als je ; desto früher wird sie ihr eignes mafs erfüllen. 

Mit herzlicher hochachtung Ihr 

Berlin 14 juli 1851. Jac. Grimm. 

8. 

Berlin 10. sept. 51. 
Werthester freund, es kam mir nicht in den sinn Ihnen die geistliche 
literatur der mittelalters zu verleiden, denn schade wäre, wenn Ihre mjstiker 
und die vorgehabte ausgäbe Bertholds nicht zu stände kämen; dahinter lag 
eigentlich nur der wünsch, dafs Sie Ihr talent, wie es sich neulich noch am 
Habsbui^er urbar **) erwiesen hat, auch in andern gegenständen bewähren 
möchten, ich für mein theil lerne aus jedem weltlichen autor der vorzeit drei- 
mal so viel als aus einem der geistlichen, die in gedanken und worten immer 
sehr beschränkt sind, schlägt man die erste beste seite eines mystikers auf, 
so könnte er für sich einnehmen durch die innigkeit des Vortrags oder den 
feinen gebrauch der worte. dabei bleibts aber auch, alles was folgt ist einför- 
mig und gleich, ohne fortschritt der empfindung und klarheit der gedanken, 
man dürfte hinten wie vomen anfangen. Wenn Sie mir einen vergleich mit 
Hadamar von Laber nicht verübeln, auch dieser wenn man erst einige Strophen 
von ihm gelesen hat, nimmt ein und erregt erwartungen, die hernach unbe- 
friedigt bleiben, denn es kommt nichts als eine verwirrende Wiederkehr immer 
desselben, ohne allen ausgang. Unter den geistlichen nehme ich freilich Bertfaold 
ans, der noch viel weltliches an sich hat und einmischt ; Göbels Übersetzung | 

macht mich wieder nach dem original begierig. mit durchführung der 

mhd. metrik und Schreibung soll man auch nicht zu strenge sein ; die von Ihnen 
fbr den dialect geforderte freiheit, mufs auch für andre selten der grammatik, 
namentlich für metrik angesprochen werden, überall z. b. im mhd. swer und 



*) Über den s. g. mitteldeutschen Yocalismus: Zeitschrift 8, 544 ff. Pf. 
**) Das hAbsburg.-österreichische Urburbuch. Stuttg, 1850 (— Bibl, ^e? JU, Ter' 
eins 19). Pf, 



120 BUSOELLKN. 

8waz für wer und waz durchzuführen hat bedenken, weil das anlautende 6 doch 
irgend einmal aufgehört haben mufs. 

Ich danke Ihnen für Zusendung Ihrer recension des GA. *\ die mir sonst 
noch lange nicht zu gesiebt gekommen sein würde. Sie sind sehr fleißig und 
genau. Hagens Sacheinleitungen hätte ich lange nicht so gelobt (fast scheint es | 
Sie bedurften einer folie für den nachfolgenden tadel), denn das geschmacklose 
untereinanderwerfen bedeutender und unbedeutender notizen, wodurch der histo- 
rische standpunct immer verrückt wird, hat für mich etwas unerträgliches. 

Mit Ihrer mitteldeutschen spräche, fürchte ich, ist nicht durchzureichen, 
und lieber will ich sie bestreiten ab behaupten, das wahre, was dabei unter- 
liegt, haben Sie zu weit getrieben, und es wird wieder falsch. 

Meine rede auf Lachmann, weil der jetzt erleichterte verkehr es znläfst, 
ist mit der post an Sie abgesandt worden; ich wünsche dafs Sie dem inhalt 
grofsentheils beipflichten. 

Mit aufrichtiger hochachtung 

Jacob Grimm. 

9. 

Lieber Pfeiffer, 
ich konnte schon lange nicht dazu kommen, Ihnen zu antworten und zu dan- 
ken; das Wörterbuch, abgesehn von der unablässigen ausarbeitung , verwickelt 
mich auch in so vielfachen briefwechsel, dasz ich mühe habe ihn, wo er aus- 
zubrechen droht, wieder zu dämpfen. Unterdessen kam mir auch die künde von 
dem befürchteten verlust Ihrer frau, der himmel möge Ihnen trost und die 
fortführung begonnener arbeiten heiterkeit gewähren. 

Die anszüge aus des Jul. v. Br(aunschweig) Susanna waren mir ein will- 
kommener beweis Ihrer theilnahme am wb. und Sie werden in den nächsten 
heften schon stellen daraus benutzt finden. Was Ihnen fernerhin brauchbares 
aufstöszt, oder Sie zeit und lust haben eigens vorzunehmen und zu excerpieren, 
soll mit dank empfangen | werden, doch bitte ich dafür kleinere zettel, nicht 
gröszer als kartenblätter zu verwenden, weil sie bequemer zu handhaben sind. 

Sehr aber hat mich gefreut, dasz Ihnen die ganze ungeheure und noch 
etwas bodenlose arbeit überhaupt zusagt; sie kann sich erst allmälich entfalten 
und bedarf namentlich gar sehr alles dessen, was in der vorrede des ersten 
bandes, d. h. mit dem achten heft gesagt werden soll, bis dahin nehmen Sie 
manches noch auf guten glauben hin. 

Eine academische abhandlung über frauennamen erfolgt nächstens und 
ich wQnsche dasz Sie ihr gleiche theilnahme gewähren, wie der über den Ursprung 
der spräche, meinen bruder erfreute Wackemagels beistimmung zur identität 
des Walthers und Freidanks, von welcher ich noch nicht recht überzeug^ bin. 
oft aber können sich die zweifei eben so sehr verhärten wie die meinungen 
selbst, und man musz auf seiner hut sein. 

Des guten Schmellers tod **) hat mich betroffen und darf es auch, da ich 



*) d. h. des Gesammtabentener v. d. Hagens in den Münchner gelehrten Ansei- 
gen 1851, Nr. 84-92. Pf. 

**) Geb. 6. Aug. 1785 zu Tirschenrent in der bair. Oberpfalz, f '^ München 
den 27. Juli 1852. Pf. 



MISCELLEN. 121 

mit ihm au einem jähr bin. einen redlichem mitarbeiter hat die altdeutsche 
literator nicht gehabt. 

Bleiben Sie zngethan Ihrem 

Berlin 10 ang. 1852. Jac. Qrimm. 

10. 

Berlin 19 jan. 1854. 

Lieber Pfeiffer, ich säume nicht Ihnen für die Zueignung Ihrer beitrage*) 
herzlich zu danken, sie ist um so gewogener und freundschaftlicher, als Ihnen 
mein, übrigens ohne alle absieht Sie zu verletzen geschriebener aufsatz in Haupts 
Zeitschrift ungelegen kam. Da ich in diesem augenblick über der vorrede zum wb. 
sitze und vielerlei zu erwägen habe, werden Sie nachsieht üben und nicht begeh- 
ren, dasz ich ausführlich von Ihrem buch spreche, es ist wie alles von Ihnen 
reinlich und sauber gearbeitet, und das glossar von bleibendem werth. der an-> 
eicht, dasz Jeroschin nur des auszugs, nicht des abdrucks bedurft habe, pflichte 
ich nicht bei. auf 370 selten hätten alle 30000 verse so gut gedruckt werden 
können, wie die der kröne; da Sie ihn selbst für einen der sprachgewandtesten 
dichter erklären, kann es gar nicht anders sein, als dasz Sie manches wichtige 
aus ihm nicht aufgenommen haben, wie schon Ihr unbequemer nachtrag zum 
glossar beweist die weit ist heute so druckfertig, dasz es gar nichts verschlägt 
alle mhd. quellen abzudrucken, man könnte dafür ein paar der heutigen romane 
in drei bänden entbehren, den mit gewalt eingeführten namen mitteldeutsch 
halte ich fortwährend für überflüssig und verfänglich, man kann recht gut 
hessischthüringische mundart sagen, und aus ihr dann die preuszische und lief- 
ländische ableiten, auf diese | östlichen landestheile ist die bezeichnung der mitt- 
lem gegend nicht passend. Da nun keine noth ist, den österreichischen dialect, 
dessen abweichenden vocalismus ich in der grammatik angebe, mit dem namen 
ostdeutsch oder den schweizerischen mit dem von süddeutsch zu belegen, den 
alemannischen den von südwestdeutsch, so brauchen wir auch kein mitteldeutsch, 
das in meinen äugen so unausstehlich pedantisch klingt wie oberdeutsch **). — 
Ein Franzos oder Engländer, der uns von mittelhochdeutsch und mitteldeutsch 
salbadern hört wird in lachen ausbrechen. 

Was nun diesen hessischthüringischen dialect angeht, so dachte ich bei 
abfassung meines aufsatzes natürlich blosz daran, dasz aufs passional Ihre vocal- 
bezeichnung nicht genau paste, und hatte weder Verpflichtung noch lust damals, 
wo mich blosz Ihre marienleg^nden und das passional beschäftigten, Siegfried 
den Dörfer^ Athis und was Sie noch sonst dazu nehmen, durchzulesen und zu 
prüfen, ob, was ich nicht gerade glaube, diese gedichte in ihren vocalen 
völlig zusammentreffen. | 

Was macht der gute Grieshaber? lebt er noch in Bastatt oder in Brei- 
sach? wenn Sie ihm schreiben^ grüszen Sie ihn von mir. 

Leid thun mir Ihre klagen über geschäftslast ; ich wüste es nicht und 
meinte gerade Ihre läge sei in dieser beziehung die wünschenswertheste. Ich 
war zeitlebens nicht so beladen wie in Göttingen, wo man täglich sechs stunden 
auf der bibliothek sein muste und ich täglich oder doch viermal wöchentlich 

*) Beiträge zur Geschichte der mitteldeutschen Sprache und Litteratur: Die 
Deutschordenscl^onik des Nicolaus v. Jeroschin. Stattg. 1854. Pf. 
**) d. h. in der Grammatik. 



122 MISCELLEN. 

zwei stundeii collegia las und dazu lauter neu ausgearbeitete. Hernach ist es 
mir oft viel besser geworden; jetzt quält mich das Wörterbuch auf seine iv'eise 
allzu sehr. Sein Sie gegrüszt von Ihrem 

dankbaren freunde 
Jac. Grimm. 

11. 

Schönsten dank für die anziehende weihnachtsgabe , die ich von Ihnen, 
hochgeehrter freund , empfangen habe *). es sind drei ausgezeichnete Untersu- 
chungen, die auf groszen beifall rechnen dürfen, vor allem überraschte mich 
die erste, Sie haben nicht nur wahrscheinlich gemacht, sondern bewiesen, dasz 
uns noch ein bruchstück des leider verlornen Umhangs gerettet ist. das schänd- 
lich-barbarische zerschneiden der alten pergamente! eine sünde, die der her- 
liche fund der druckerei unmittelbar in seinem gefolge hatte, auch über Flecke 
pflichte ich Ihnen bei und dasz ich an die einheit von Walther mit Freidank 
nie geglaubt habe, ist Ihnen längst bekannt, ich halte nicht nur die beiden 
meidungen von den grabschriften zu Würzburg und Treviso für echt, sondern 
sehe auch keinen grund an der richtigkeit des vomamens Bemhart zu zweifeln, 
darin stimmen wir gleichfalls zusammen, dasz wir aus Rudolfs stelle dem Frei- 
dank ein erzählendes gedieht überweisen, dessen held der Staufer war, und dass 
es keinen deutschen dichter von Absalone oder Arbone gab, nur raten Sie 
hübscher auf Ascalone als ich damals auf den dänischen Absalon. Wilhelm wird 
freilich mühe haben, seine lang mit sich umgetragene ansieht, in welcher ihn 
zumeist | Lachmann und Wackemagel bestärkt hatten , aufrugeben, so wie Sie 
die benennung mitteldeutsch nicht gern fahren lassen werden. 

Sehr angenehm war mir der aus Schweden angelangte codex argenteus 
▼on Uppström, woraus einige prächtige berichtignngen zu entnehmen, auch ein 
paar, natürlich noch unerhörte starke verba neu zu gewinnen sind, und welchen 
kreis zieht gleich ein solches wort. 

Mit dem wünsch dasz Sie das neu angetretne jähr gesund und vergnügt 
durchleben mögen, in alter freundschaft 

Berlin 5 jan. 1855. Ihr Jac Grimm. 



12. 



Berlin 21 aug. 1855. 



Lieber freund, 

eine kleine erholungsreise, die ich mir gegönnt hatte, macht dasz ich Ihnen 
später auf Ihre einladung zur Zeitschrift antworte. Sie werden jedoch an meiner 
bereitwilligkeit Ihnen beitrage zu liefern ohnehin nicht gezweifelt haben. Ihr plan 
ist mir ganz recht und Sie tragen ihn ja schon seit vielen jähren mit sich herum ; 
auch neben Haupts unternehmen ist das Ihrige sehr ausführbar. Sie werden darin 
frische kräfte walten lassen. Schon dasz Sie recensionen aufnehmen wollen, kann 
einen wesentlichen unterschied begründen ; in der letzte hatte Zamcke dies gebiet 
an sich gebracht und oft sehr mangelhafte beurtheilungen geliefert. Ich werde 
mich bestreben Ihrem wünsche nachzukommen und bis gegen ende octobers einen 
wenn schon kleinen artikel einzusenden. Sie wissen dasz mir keine unedierte sa- 



Zur deutschen Litteraturgeschichte, Stutt^. 1855, Pf, 



MISCELLEN. 123 

chen zu gebot Btehen ; ich kann blosz grammatisches oder mythologisches liefern. 
Dem altfranzos. bitte ich doch nicht allzngroszen Spielraum zu gewähren , Sie 
könnten sonst leicht damit überschwemmt werden. 

Es liegt ein brief glaub ich von Ihnen an meinen bruder da. er ist noch 
nicht nach bans gekommen, gelangte aber diesmal nicht nach Wildbad, sondern | 
nur nach Soden bei Frankfurt, dessen Wirkung der des Wildbads gleiehkommen 
soll, ohne dasz man berge zu steigen braucht. 

In Hagens heldenbuch *) war mir die grundlage des Caspar von der Bhön 
neu und zumal der Wolfdieterich ist ein anmutiges gedieht, leider nur bruchstück. 
dergleichen konnte Hagen zehn oder zwanzig jähre mit sich herumschleppen, ohne 
es herauszugeben, alles übrige war mir bekannt, auch Dietrich und gesellen, dem 
eine lebendige fabel gebricht, nicht aber eine reihe hübscher, naiver stellen über 
franenputz und die thiere, die sie auf dem schosz halten. 

Sein Sie schönstens gegrüszt von 

Ihrem Jac. Grimm. 

13. 

Werthester freund, hier ein beitrag **) zur vierteljahrsschrift, deren name 
Germania, furchte ich, einige Verwirrung stiften kann, oder zu umständlicherem 
eitieren nöthigt. am ende wird man denn, sobald es mehrere bände sind, auch 
lieber PfeifiPer 1, 2, 3 sagen, wo der setzer mit meiner hand noch unbekannt ist, 
werden Sie bei der correctur leicht nachsehen können, wenn Sie hübsche beispiele 
zu den hauptsachon beifügen wollen, soUs mir lieb sein, ich lasse den brief fort- 
geben und schliesze ohne weiteres, weil ich mich gerade nicht wol befinde, mein 
bruder ist noch nicht heimgekehrt. 

29 sept. 1855. Jac. Grimm, 

durch betrachtung der einfachen zahlen, die ich schon niederzuschreiben be- 
gonnen hatte, wäxe der aufsatz noch einmal so weitläuftig geworden. 

14. 
Lieber freund, 
ich danke Ihnen für das erste, mir wol gefallende heft, Sie werden allmälich 
noch besser hineingeraten ; hier folgen wieder ein paar beitrage ***), die O und p 
werden hofiPentlich nicht über die kräfte der druckerei gehen, es liegt mir an dem 
aufsatz wegen Uppström. Massmanns Ulfilas kann nicht sehr gerühmt werden, 
es ist eine vorlaute, nicht recht überlegte, seiner art nach viel unnützes einmen- 
gende, dazu durch schändliche druckfehler entstellte arbeit, ich begreife nicht, 
welche freude ihm sehr bald an der aufgewandten mühe übrig bleiben wird. 

Über Gunzenle hatte ich auch collectaneen, doch an die bestattung eines 
eingebomen beiden nimmer gedacht, hätten wir nur näheres über ihn. seltsam, 
dasz wie am Lech ein Gunzinle so an der Donau , nicht allzu fern davon auch in 
Schwaben vom flüszchen Günz, Günzburg heiszt und schon bei Eumenius zum 
j. 296 der Danubii transitus Contiensis. in dem Moselgebiet geht zu Conz eine 
brücke über die Saar, was könnte in allen diesen Conz stecken? 



*) Heldenbuch. Altdeutsche Heldenlieder ans dem Sagenkreise Dietrichs von Bern 
und der Njhelnngen. Durch F. H. v. d. Hagen. Berl. 1855. Zwei Bände. 8. Pf. 
**) Üher die zusammengesetzten Zidilen, s. Jahrg. I, 18 ff. Ff. 
ist hv I, 129 ff. und kleine MiUheilungen H, 233 ff. Ff. 



124 MISCELLEN. 

Daaz W. vor Holzmann scheu hat, der ein gescheider, kenntoureicher 
mann ist, scheint mir thorheit Könes Heliand, mit einer löblichen andacht 
unternommen, wird im commentar zu breit und fehlt auch im Terständnis der 
spräche öfter als recht ist. 

7 febr. (1856). Ihr Jac Grimm. 

15. 

Lieber freund, — — das ist prächtig dasz Sie den Megenberg aufge- 
nommen haben und drucken lassen, zur springenden geisz HLllt mir nichts ein, 
herstrasze für milchstrasze ist auch sonst bekannt, z. b. aus Mones anz. 8, 495^ *), 
bedeutet aber nichts anders als die grosze heerstrasze, über die auch das wü- 
tende beer zieht, vgl. Meiers schwäb. sagen s. 137 heergasse, 139 muotes- 
heergasse. { 

Schmeller würde sich über Köue **) argem, aber nicht betrüben, denn 
wo dieser meistern will, gerät er in irrthümer. ich dachte er würde mehr leisten 
und namentlich eine collation der Londoner hs. erworben haben, gegen die er 
die Münchner allzusehr herabsetzt, er hat wohl allerlei einfalle, aber meisten- 
theils doch nicht recht damit und keinen guten grund. 

Nächstens erhalten Sie von mir eine akademische abhandlung über den 
Personenwechsel in der rede; müste ich nicht zu umständlich werden, so hatte 
ich Ihnen gern manche fragen daraus yorgelegt, was Ihnen zur antwort einfallt, 
können Sie mir dann desto bequemer mittheilen. 

Für Trüsil^h bei Hattemer hat Arx bei Pertz 2, 83 aus der hs. gelesen 
Trusiloh, ohne zweifei schlechter. 

14 febr. (1856). Ihr Jac. Grimm. 

16. 

13. merz (1856). Lieber freund, ich hatte Ihnen eine ausführliche recen- 
sion von Thorpes Beovulf zugedacht, komme aber nicht daran, dafür ist Ihnen 
ein, ich glaube guter einfall über das Ludwigslied***) zugegangen und hierbei 
folgt noch ein anderer lückenbüszer. 

Dank für Ihren hübschen aufsatz über Heyses fnnd f), warum aber Hessen 
Sie ihn nicht in die Zeitschrift einrücken, statt in Menzels blatt? das hier we- 
nigstens den leuten kaum zu gesiebt kommt, kam es auf schnelles erscheinen 
an ? Geninus hat an diesem gedieht, dessen darstellung nicht gerade sehr aus- 
gezeichnet ist, darum so groszen gefallen gefunden, weil es die Alexandersage 
enthält, die ihn mehr anspricht als unsere sagen des mittelalters. sicher war 

das franz. gedieht vorzüglicher als das deutsche. 

Jac. Grimm. 

17. 

Lieber freund, 
ich danke für alle Ihre Zusendungen, auch die letzte des ganzen zweiten hefb. 



*) d. i. eben aus dem Bach der Natur. Pf. 
**) d. h. dessen Ausgabe des Heiland. Münster 1855. Pf. 
♦**) 8. GermanU I, 233 ff. Pf. 
t) Anzeige von P. Heyse's Romanische Inedita, Berl. 1856, und das darin ent- 
haltene Bruchstück des altfranz. AlexaDderlledes : in Menzels Litt.-Bl. 1856, Nr. 18. Pf. 



MISCELLEN. 125 

der aufsatz von Rochholz ist gar zu weitläuftig und wslb er gutes enthält, 
konnte auf ein paar seiten stehn. Holzmann dagegen trägt seine paradozien 
immer angenehm und einschmeichelnd vor, ein unerfahrener Leser wird ihm 
unbedenklich beipflichten, ergötzlich ist, dasz er die g^meinschaft der Gelten und 
Germanen aus zwei zahlen beweisen will, die wir wissen nicht wie bei den 
Galliern lauteten, bei den wirklichen Überresten der Gelten, den Iren und Wel- 
schen aber gerade auf undeutsche weise gebildet werden; und doch soll unser 
XI und Xn druidisch sein! alles was er über tdhund vorträgt scheint unhaltbar, 
ich will Urnen fürs nächste heft ein paar bemerkungen dagegen zusenden, auch 
der gute Grieshaber hat mir eine nachzutragende berichtigung überschickt. 

Der Zeitschrift furchte ich wird schaden thun, dasz sie zu parteiisch aus- 
sieht. Ihre bemerkungen gegen Lachmann im ersten heft gehen hin. wozu aber 
die von Holzmann herbeigezogene lobpreisung Hagens am Schlüsse der anzeige 
der kreuzfahrt? dasselbe hat er ja schon in seiner Zueignung der Nib. schrift 
ausgesprochen, wozu es wiederholen? wenn ich mir im geiste Lachmann neben 
Hagen denke, musz ich augenblicklich zu Lachmann treten. Hagen hat sein 
lebenlang fleiszig und eifrig, oft aber oberflächlich und | immer vorlaut und grosz- 
sprecherisch, nie bescheiden gearbeitet, so dasz er sich sein lob selbst im voraus 
weggenommen hat. sieht jener schlusz nicht einer aufforderung an Hagen gleich, 
dasz er Ihnen beitrage liefern solle? er und N. würden Ihnen ganze hefte füllen. 
Auch die recension des KÖne spielt ins ungerechte, das buch ist breit und un- 
geschickt, aber mit einer art von begeisterung gemacht, der Verfasser lebt ab- 
geschieden von der übrigen lit. weit, sammelt emsig an einem münsterschen 
idioticon und war für diese arbeit wie entzündet, ein paar triftige und feine 
Wahrnehmungen wird er doch gegeben haben. — 

Ein Baier, namens Kelle, der den Otfried neu herausgibt, ist seit einem 
halben jähre hier, auch Feifalik aus Wien, der altdeutsche predigen, Wemhers 
Maria und eine Nibelungcnhs. zum druck vorbereitet, wenn Ihre Zeitschrift, 
vielleicht unbewast, einen süddeutschen ton anschlägt und einen gegensatz zum 
nord| deutschen betrieb ausdrückt, so sehen Sie wie natürlich der schwerpunct 
nach Süden zieht, ich bin vom Main her und liege ziemlich in der mitte, fühle 
mich aber nach langer gewohnheit sehr norddeutsch. 

Diesmal und sobald nicht wieder von einem gegensatz, den ich vertilgen 
mochte, wenn ich könnte *). 

Mit fortwährender freundschaft 
7 mal 1856. Ihr Jac. Gkimm. 



*) Antwort auf vorstehenden Brief, nach einem Coneept. Zu meinem 
großen Bedauern ersehe ich ans Ihrem Briefe, daß das zweite Heft der Germania in 
mehrfacher Beziehung Ihre Unzufriedenheit erregt hat. Daß der Inhalt gegen den des 
ersten Heftes zurücksteht, habe ich mir selbst nicht verhehlt. Aber ich hänge von mei- 
nen Mitarbeitern ab: für diese ist das vierteljährliche Erscheinen eben so angenehm 
und bequem, als für mich eine Last und der sorgsamen Auswahl hinderlich. Gleichwohl 
enthält auch das zweite Heft nach meiner Ansicht nichts ganz werthloses, und getreu 
meinem Programm habe ich kein Recht, «Ansichten, die mit Liebe, Fleiß und Kenntniss 
gewonnen und vorgetragen sind, die Aufnahme zu versagen**, auch wenn ich selbst mit 
diesen Ansichten nicht einverstanden bin. Im Programm ist femer ausdrücklich gesagt, 
„wir erwarten von unsem Mitarbeitern, daß sie ohne Empfindlichkeit Ansichten, die 
nicht die ihrigen sind, sich aussprechen lassen*. Die hier niedergelegten Grundsätze 
sind keine leeren Phrasen, wie das so oft zu geschehen pflegt, und wer nach Lesung 



126 MISCELLEN. 

18. 

1 sept 1856. 

Lieber freand, heute empfange ich yom Verleger das dritte heft, und 
in unbeschnittenem exemplar, welches mir lieber ist als das beschnittene, früher 
Yon Ihnen gesandte, dies folgt also hier zurück, dasz Sie anderweit 
schalten können. 

Holzmann in allem was er schreibt laszt es nicht paradox zu sein, 
in einziger stelle den sonst unerhörten weiblichen instrumental zu behaupten ^), 
leugnet er lieber den acc. bei mit, der beinahe überall auftritt und emendiert 
die einschlagenden belege oder dreht sie. das scheint nicht begründeter als sein 
neulicher aufsatz über das duodecimalsystem. ich mag aber kein gozänke er- 



des Programms mein Mitarbeiter wird, von dem glaube ich nicht wegen dessen strenger 
Beobachtang Vorwürfe befürchten zu müßen. 

Ihre in Aussicht gestellten Bemerkungen gegen Holtzmanns Aufsats heiße ich 
willkommen; H. wird sie entweder annehmen oder bekämpfen, ohne Empfindlichkeit, 
die eben so wenig zu seinen schwachen Seiten gehört als zu den meinen, weshalb ich 
denn auch dem zum größten Theil gegen meine Auffassung gerichteten Aufsatz Ton 
Bartsch (die metrischen Regeln des H. Hesler und Nie v. Jeroschin: Germ. I, 192 ff«) 
ohne das geringste Bedenken Aufnahme gew&hrt habe. 

Holtzmanns Sympathien für v. d. Hagen theile ich nicht; wie wenig mir sowohl 
in der Form als auch in der Sachs seine Arbeiten zusagen, habe ich nie verhehlt. 
Wenn jedoch H. am Schlüsse seiner gehaltvollen Rec. seine Verdienste um die altd. 
Litteratur wiederholt hervorhebt und denjenigen gegenüber, die gar nichts an ihm wollen 
gelten lassen, betont, so mag ich dem Manne, dem viel unverdiente Unbill widerfahren 
ist, diese Anerkennung am Abende seines Lebens wohl gönnen. Diese Stelle zu streichen 
hatte ich kein Recht; wollte ich solche Kritik üben, so hfitte ich meine Mitarbeiter 
ohne Zweifel bald gezählt. 

Die Bemerkung am Schlüsse Ihres Briefes hat mich schmerzlich überrascht. 
War es denn nöthig mir zu sagen, daß der Schwerpunkt der altdeutschen Wissenschaft 
im Norden , bei Ihnen liegt? Steht nicht in meinem Programm Ihr Name obenan und 
gibt nicht in den beiden Heften fast jedes Blatt Zeugniss, daß, wie die ganze deutsche 
Alterthumskunde , so auch meine Zeitschrift auf Ihnen und Ihren Werken ruht? Wie 
könnte oder wollte die Germania einen Gegensatz bilden zu Ihrem Betrieb des Alt* 
deutschen? Die Befürchtung ist ebenso unbegründet als unveranlasst von meiner Seite. 

Obwohl an der südlichsten Gränze deutscher Zunge geboren und mit Norddeutsch- 
land aus eigener Anschauung unbekannt, bin ich persönlich dem norddeutschen Wesen 
so wenig abhold, daß mein hiesiger Umgang vorzugsweise aus Norddeutschen besteht. 
Und in wissenschaftlicher Hinsicht habe ich mich immer laut und freudig als Ihren 
und selbst als Lachmanns Schüler bekannt, und lasse mich darin nicht beirren, auch 
wenn ich nicht allem beistimmen kann, was Sie und Lachmann lehren und gelehrt 
haben. 

Es hat also keine Gefahr, daß ich, einen süddeutschen Ton anschlagend, durch 
meine Zeitschrift den unseligen Riss vermehren helfe, der leider Gottes zwischen Nord 
und Süd kkfft. 

Über die Richtung, welche die Germania einschlagen würde, spricht sich das 
Programm so bestimmt und klar wie möglich aus. Der Gegensatz, den sie bildet, ist 
nicht g^en Norddeutschland und norddeutsche Wissenschaft überhaupt, er ist gegen 
den undeutschen und verderblichen Geist und Ton gerichtet, der unter den blinden 
Anhängern Lachmanns herrscht, die ihren Meister in seinen Fehlem wo möglich noch 
zu überbieten suchen. Dieser Geist und Ton ist aber so wenig norddeutsch, daß er im 
Norden sogar noch zahlreichere Gegner zählt als im Süden, nur mit dem Unterschied, 
daß dort der rechte Muth zu fehlen scheint, mit Entschiedenheit dagegen aufzutreten. 

Stuttgart 10. Mai 1856. Pf. 

*) Dem übrigens Grimm kurze Zeit nachher selbst zustinunte, s. Germania 

m, 154. Pf. 



MISCELLKN'. 127 

heben, denn Sie äuszerten letzthin, er werde wenn uuüberzeugt erwidern; ohne 
zweifei würden alle meine gegenbemerkungen ihn doch nicht in seiner ansieht 
stören, schade dasz sein Scharfsinn und seine darstellungsgabe diese anpositive 
riohtung haben. 

Etwas breit zu werke geht Rochat über das merkwürdige Alezanderlied. 
wäre nicht einfacher 75 zu verstehen: que altre emfes del sojen trejr, als ein 
andi'es kind in seinem dritten? soyen = son, sien. Macedonor 32 ist gen. pL 
wie Francor, poienor anderwärts, da ich mich nicht entsinne Ihnen meine be- 
merkungen über solche gen. geschickt zu haben, so lege ich die betreffenden 
drei bogen aus unsem acad. berichten bei. 

Den feldbauer hatte ich mir längst in Heidelberg j ausgeschrieben, biber- 
anz 466 ist buchstäblich biberbalke und der biber zimmert mit balken, die berg- 
leute desgleichen und könnten nach dem aussehen eine grübe so benannt haben. 

p. 883 schrieben Sie nieder, bevor Sie meine abhandlung eingesehen hatten, 
in der ich gar nicht darauf ausgieng die beispiele der einzelnen fälle zu er- 
schöpfen, doch das seltsame min Muscapluot , mit dem sich dieser dichter oft 
selbst anredet, hätte ich nicht sollen zurückhalten, haben Sie in Ihrer schwei- 
zerischen schule kein wir für du gehört? die schelte mit dem dein kann ich 
jetzt auch merkwürdig mythologisch bestätigen und so greifen form und sache 
immer in einander, zum unser toerscher knabe aus Parz. p. 26 gibt es auch 
stellen in Tristan und Lanzelot. hauptzweck beim abfassen des artikels war mir 
der unterschied zwischen sagen und denken und das vorausgehende nur beiwerk. 

Zu den philologen nach Stuttgart gehe ich nicht, fliege aber diesen monat 
noch anderswohin, | wenn es das ungetreue wetter zugibt. 

Ihr Jac. Grimm. 

19. 

Berlin 20 apr. 1857. 

Lieber freund, vor vierzehn Tagen sandte ich Lauremberg, heute attrac- 
tion *), das gerücht aber ist zu mir gedrungen, dasz Sie nach Wien an Hahns 
stelle unter den vortheilhaftesten bedingungen gerufen seien. Ihnen, als ka- 
tholischem, steht nicht entgegen was jetzt den Protestanten, die der geist des 
concordats allmälich aus Ostreich herausbeiszen wird, der talentvolle Schleicher 
könnt es nicht länger zu Prag aushalten und geht nach Jena. Kelle, ein Baier 
und freilich kein ultramontanisch gesinnter, tritt zu Prag an. der arme Weinhold 
zu Grätz bleibt unbeachtet. 

Sie melden mir sicher bald was an der sache ist. Neulich beim wieder- 
lesen Ihrer vorrede zu Jeroschin fand ich, dasz meine ansieht, die sich von 
der Ihrigen immer noch entfernt, nicht hätte unausgesprochen bleiben sollen, 
^^^ Pft la Stack ich über die obren in andern arbeiten, jetzt antworte ich vielleicht 
doch noch. 

Haben Sie von neuen fünden gehört? Veldeckes Servatius tritt zu Lüttich 
ans licht und Haupt wird einen schönen bogen von Albrecht von Halberstadt 
drucken lassen. 

In eile mit schlechter feder. Ihr 

Jac. Grimm« 



^ S. Germania H, 298 ff. ü, 410 ff. Pf. 



128 MI8CELLEN. 

20. 

Berlin 80 apr. 1857. 

Hochgeehrter freund, von ganzem herxen wünsche ich gluck zu der Ter- 
dienten beforderong, die Ihnen in theil geworden ist und yortheüe and ehre 
die fülle nachbringen wird, mir geschah als bibliothecar au Cassel ähnlichem, 
da ich nach Gtötting^n zur professur berufen ward, schon war ich eini^ jähre 
älter als Sie jetzt sind, hatte ebenfidls nie einen lehrstuhl betreten, hätte ich 
voraussehen können, was mir dort bevorstünde, ich würde mich mit bänden nnd 
föszen gesträubt, den geliebten boden der heimat nie verlassen haben, mögen 
Sie vor allen Unfällen bewahrt bleiben, mir ist das unglQck hernach Bom heil 
aosgeschlagen und hat mir hier in Berlin freie musze verschaft, nach der ich 
begehrt. 

Sie haben recht, in der nähe schwinden von der ferne aus gesehne nebel ; 
ich glaube und hoffe, die ausbreitung und das gedeihen gründlicher Wissenschaft 
wird Ostreich aus aller gefahr reiszen, an guten antrieben und reichen mittein 
mangelt es dort nicht. 

Sie melden noch nicht wann und ob Sie erst im Spätsommer, wie ich mir 
denke, abreisen werden, mir war unbekannt, dasz Sie zwei knaben mit über- 
fuhren; grüszen Sie Ihre frau von mir. 

Sobald sich freie stunden finden, will ich meine ansichten von hochdeutsch 
und mitteldeutsch niederschreiben und Ihnen senden. 

Ob Wilhelm seine liebhaberei von Freidank und Walther sogleich fahren 
lassen wird, kann ich nicht sagen , da er noch kein wort darüber mit mir ge- 
sprochen hat dasz ich längst Ihrer ansieht war, wissen Sie, und was ich im 
archipoeta s. 10 sagte, s. 113. 114. hinzufügte stimmt ja genau zu Ihren 
ergebnissen. 

Über sem keltisches buch hat Holzmann viel ausznhalten und zu Brandes 
ist nun auch Glück und zwar so aufgetreten, dasz seiner heftigkeit beinahe 
persönliches unterliegen musz. 

Sind denn Albert und Edmund Höfer ein und derselbe? beide haben 
gesammelt* wie das volk spricht. 

Den Servatius hat Bormans in Lüttich, ich habe ihn zu schnellem druck 
angetrieben, kaum dasz Liebrecht dazu gelangt. Liebrechts tadel der märchen 
ist gegründet, nur sind seine zusätze und ausstellung^n unbedeutend,- es hätten 
ganz andre sein müssen, zu meinen lieblingsplänen und samlungen gehört eine 
ausführliche arbeit über märchen und viel dazu steht mir bereit. 

Bei der attraction vergasz ich einige griech. beispiele hinzuschreiben, ich 
kanns bei der coiTectur nachholen, wenn Sie den setzer anweisen wollen, fünf 
oder sechs zeilen irgendwo im aufsatz frei zu lassen, die ich ausfüllen werde. 

Ich trage aber hiermit auch eine recension bei *) , die Ihnen vielleicht 
willkommen ist. 

Jac. Grimm. 



*) S. Germania ü, 380. Pf. 



ZUM SPIELE VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN. 

INSBESONDERE EIN GRAMMATISCHER UND KRITISCHER NACHTRAG ZU 

LUDWIG BECHSTEINS WARTBURG-BIBLIOTHEK I. 

VON 

REENHOLD BECHSTEIN. 



Das Drama des Mittelalters ist im Vergleiche mit den andern 
Ricbtnngen der Poesie bis jetzt augenscheinlich vernachlässigt worden. 
Zwar fehlt es keineswegs an geschichtlichen Darstellungen, zwar haben 
manche Herausgeber die dargebotenen Texte mit eingehenden Unter- 
suchungen sachlicher und sprachlicher Art begleitet, aber im Einzelnen 
ist doch noch eine nicht geringe Anzahl litterarischer und kritischer 
Fragen zu lösen, ehe wir uns auf diesem Gebiete einer gleichen Sicher- 
heit erfreuen können, mit welcher wir im Großen und Ganzen der 
Epik und Lyrik gegenüberstehn. Und dazu bedarf es noch der Er- 
schließung von Quellen, sowohl far einzelne Gattungen als auch für 
einzelne Perioden, namentlich für die frühere des 13. und 14. Jahr- 
hunderts. 

Allerdings mag der geringe poetische Werth unserer alten Dramen, 
die Einseitigkeit ihrer Stoffe, die Kunstlosigkeit ihrer Form wenig An- 
ziehungskraft ausüben; allein die neuere Richtung unserer Philologie, 
welche ihr Augenmerk nicht bloß auf das ästhetisch Werthvolle richtet, 
sondern sich auch lediglich durch die litterarische und culturgeschicht- 
liche Bedeutung der Sprachdenkmäler bestimmen lässt, gibt uns die 
Burgschaft, daß künftig auch das Drama des Mittelalters nach den 
verschiedensten Richtungen hin untersucht und ausgebeutet werde. 
Geschieht dies, dann wird sich auch im Einzelnen zeigen, daß diese 
gering geschätzten Erzeugnisse einer volksthümlichen Poesie doch nicht 
so ganz des tieferen Gehaltes und der dichterischen Schönheit entbehren, 
wie sie sich auf den ersten Blick darstellen. Und diejenigen drama- 
tischen Dichtungen, welchen man auch jetzt schon poetischen Werth 
nicht abzusprechen vermag, werden gewiss in noch günstigerem Lichte 
erscheinen, wenn für sie die Thätigkeit der Textkritik begonnen 

GERMANIA XI. 9 



130 REINHOLD BECKSTEIN 

haben wird, welche auf diesem Felde mit einzelnen wenigen Ausnah- 
men bis jetzt nur in untergeordneter oder in willkürlicher Weise ge- 
handhabt worden ist. 

Wenn irgend eines unserer alten Dramen verdient, daß ihm eine 
gesonderte Betrachtung geschenkt werde, so ist es das Spiel von 
den zehn Jungfrauen, welches sich an eines der denkwürdigsten 
Ereignisse in der Geschichte des deutschen Theaters knüpft und welches 
zugleich in dichterischer Beziehung einen hohen Rang in der drama- 
tischen Litteratur unserer Vorzeit behauptet. Dazu kommt, daß das 
Stück, wie die meisten der bis jetzt bekannten Spiele, in der Sprache 
des mittleren Deutschlands abgefasst ist, über welche trotz vielfacher 
eifriger Bemühungen der jüngsten Zeit, trotz mancher schon vorlie- 
gender Ergebnisse doch noch Einzelstudien gemacht werden müssen, ehe 
ein vollständiges Bild von der geschichtlichen Entwickelung in jenem 
Dialectgebiete gewonnen ist, ehe alle seine localen Besonderheiten fest- 
gestellt sind. Wie wenig in sprachlicher Hinsicht das Spiel von den 
zehn Jungfrauen, sowie das mit ihm zugleich überlieferte von St. Ka- 
tharina (beide zuerst mitgetheilt von Friedrich Stephan in : Neue Stoff- 
lieferungen far die deutsche Geschichte... 2. Heft. Mühlhausen 1847, 
und ersteres dann in Ludwig Bechstein's Wartburg - Bibliothek L 
Halle 1855) Beachtung geftinden haben, ist besonders daraus ersicht- 
lich, daß in den grammatischen Studien nur selten, im mhd. Worter- 
buche fast gar nicht Notiz von ihnen genommen wird. Doch hat dies 
gewiss auch einen innem Grund. Stephan's Publication blieb, vielleicht 
in Folge buchhändlerischer Verhältnisse, fast ganz unbekannt, und selbst 
heute noch, nachdem durch meines Vaters Buch sowie durch ander- 
weitige litterarische Citate ihre Existenz genugsam kund geworden 
sein muß, scheint die kleine Schrift selbst nur Wenigen zu Gesichte 
gekommen zu sein. Bedeutsamer aber ist, daß die Urkundlichkeit von 
Stephan's Textmittheilung für Leetüre und Benutzung weder einladend 
noch forderlich erscheinen kann. Und L. Bechstein's letzter Abdruck 
kam ebenfalls nicht in dem gewünschten Maße dem wissenschaftlichen 
Bedürfnisse entgegen. 

Wenn der von meinem Vater versuchte Nachweis auch ziemlich 
allgemein angenommen worden ist, daß das vorliegende Spiel eine 
Niederschrift des vielfach erwähnten Stückes sei, welches einen so er- 
schütternden und unheilvollen Eindruck auf das Gemüth des Thüringer 
Landgrafen Friedrichs des Freidigen gemacht hat, so ließen sich doch 
auch zweifelnde und ablehnende Stimmen vernehmen, so daß es an 



ÄÜM SPIEL VON DEN 2EHN JUNGFRAUEN. 131 

der 2eit zu sein scheint^ die vorgebrachten Gründe einer nochmaligen 
Prüfung zu unterwerfen. 

Meines Vaters Wunsch war es immer, nachdem des Sohnes wissen- 
schaftliche Richtung ausgesprochen war, daß eine zu erwartende zweite 
Auflage seines Buches von uns gemeinschaftlich besorgt würde. Mir 
wäre der grammatische und kritische Theil der Arbeit zugefallen, und 
alsdann hätte auch in der beigegebenen Übertragung manches eine 
andere Gestalt erhalten müssen. Diese Hoffnung hat nun das Geschick 
zerstört. So beabsichtigte ich, selbständig einen grammatischen und 
kritischen Nachtrag zu Wartburg-Bibl. I. zu geben, und schon war ich 
mit meiner Arbeit zu Ende gediehen, als in der Germania (10, 311 ffg.) 
ein zweiter höchst werthvoller Text des Spiels erschien, durch dessen 
Mittheilung und Würdigung sich Max Rieger aufs Neue ein Ver- 
dienst erworben hat. Ohne Zweifel wird durch diese Mittheilung das 
Interesse an der hervorragenden Dichtung theils erweckt, theils erhöht 
worden sein, und darum kann eine gesonderte Betrachtung um so eher 
auf eine allseitige Theilnahme rechnen. Denn wenn auch, wie es in 
der Natur der Sache liegt, gar manche meiner Erörterungen, und na- 
mentlich gilt dies von den kritischen, durch den neuen Text sich von 
selbst erledigen und somit zu verschweigen sind, so bleibt doch immer 
noch eine Anzahl Punkte für die Besprechung übrig, ja dieselben ge- 
winnen gerade noch mehr Bedeutung durch das übereinstimmende oder 
gegensätzliche Verhältniss, in welchem beide Recensionen zu einander 
stehen. Und natürlich werden auch in der folgenden Abhandlung bei 
Weitem nicht alle wichtigen Fragen berührt worden sein. 

Die von Rieger in seiner Einleitung geäußerten Ansichten, wie 
namentlich die über den Werth beider Texte, über die Interpolationen, 
welche in der Mühlhäuser Hs. sichtbar sind, theile ich fast ohne Aus- 
nahme. Auch in der Textmittheilung finden sich nur wenige Punkte, 
in denen ich andere Meinung hege. Vor allen muß ich billigen, daß 
Rieger die Mühlh. Hs. trotz ihrer Mängel als die Haupthandschrift 
anerkennt und sie demgemäß mit A bezeichnet. Zu Gunsten der ober- 
hessischen (jetzt Bonner) Hs. B *) hätte noch geltend gemacht werden 
können, daß sie, nach einzelnen alterthümlichen Formen zu schließen, 
eine ziemlich weit zurückreichende Vorlage gehabt haben muß. Ferner 
scheint der Umstand nicht bedeutungslos zu sein, daß das mit der Ge- 
schichte Thüringens verknüpfte Schauspiel in einer hessischen Hs. ge- 



*) Um Verwocliselnng in vermeiden mit B («» Abdrnck des Spiels dnrcli Lndw^ 
Bechstein) soll im Folgenden Hti. B lieber hs. b genannt werden. 

9» 



133 BEINHOLD BECH8TEIN 

rade hinter einem Gedichte von der hl. Elisabeth eine Stätte fand. 
Für die in den Anmerkungen gegebenen Lesarten von A hätte doch 
auch Stephan's Abdruck benutzt werden sollen. Daß es selbst hier 
nicht geschah, bestätigt die angedeutete Seltenheit und Unzugänglich- 
keit der neuen Stofflieferungen. Sehr verdienstlich muß es erscheinen, 
daß Rieger die gedankenreichen, v^ohlgeformten und schveungvollen 
Schlußstrophen nicht urkundlich, sondern auf Grund von A kritisch 
berichtigt mitgetheilt hat. Dabei wäre es aber auch wünschenswerth 
gewesen, wenn sämmtliche Abweichungen der Hs. b hinzugefugt worden 
wären, nicht sowohl um der Textherstellung willen, sondern um ein 
Bild zu geben von der handschriftlichen Umwandelung und Entstellung 
ungeläufig gewordener Kunstformen, welches Moment sich leicht ander- 
wärts verwerthen ließe. 

Wenn im Folgenden die Strenge philologischer Kritik manche 
Fehler in meines Vaters Publication aufdeckt, wenn ich mich auch 
im Streben nach Wahrheit nicht scheue, in sachlicher Beziehung ihm 
hie und da zu widersprechen, so werden Einsichtsvolle hierin keine 
Pietätslosigkeit erblicken. Mein Vater war kein Philologe, und er 
hat auch nie danach getrachtet, es zu sein oder zu scheinen. Ihm, 
dem Dichter und Alterthumsfreunde , bleibt ungeschmälert das Ver- 
dienst, die geschichtliche, litterarische und dichterische Bedeutung 
des Spiels von den zehn Jungfrauen zum erstenmale in eindringlicher 
Weise hervorgehoben zu haben. 

Stephan's Text erreicht zwar im Allgemeinen die Urkundlichkeit, 
aber dennoch gebricht es nicht an Fehlern, Ungleichheiten und unrich- 
tigen Auffassungen des Mundartlichen. Ein Einblick in die Original- 
handschrift war daher dringend geboten. Wie einst meinem Vater 
durch die Güte und Liberalität des Herrn Gymnasialdirectors Dr. Haun 
zu Muhlhausen in ThOringcn die Us. auf längere Zeit anvertraut war, 
so wurde mir dieselbe auf mein Ersuchen wiederum durch Herrn 
Dr. Haun bereitwilligst übersendet, was ich mit gebührendem und 
freundlichstem Danke auch öffentlich anzuerkennen habe. [Zugleich diente 
mir die Hs. zu einer nochmaligen Collation des Spiels von St. Katba- 
rina, welches ich wegen seiner litterarischen und sprachlichen Wichtig- 
keit zur Herausgabe vorbereite.] 

DICHTUNG UND (ALTERE) HANDSCHRIFT. ALTER UND HEIMAT. 

Sehen wir ab von dem geschichtlichen Ereignisse, welches ein 
Spiel von den zehn Jungfrauen hervorrief, so hat die uns vorliegende 
Dichtung eine besondere litterarische Stellung innerhalb des 




ZUM SPIEL VON DEN ZEHN .JUNGFRAUEN. 133 

deutschen Eirchendramas ßchon um des Stoffes willen, indem sie 
die einzige bis jetzt bekannte ist, welche für sich abgegränzt eine 
Parabel des neuen Testamentes dramatisiert. 

Hinsichtlich der Zeit des Gedichtes und seiner Überlieferung giengen 
die Angaben bis jetzt auseinander. Meines Vaters Zeitbestimmung scheint 
mir im Allgemeinen, nicht im Einzelnen, die richtige; es kommt darauf 
an, dies im Interesse der Litteraturgeschichte genauer festzustellen. 

Das Alter der Spiele ist bis jetzt meist nach dem Alter der Hand- 
schriften angesetzt worden, wenn auch in den meisten Fällen die Her- 
ausgeber betonten, die Überlieferung scheine jünger als das Werk. 
Stephan setzte die Mühlhäuser Papierhandschrift Nr. 20 (früher Nr. 137, 
beschrieben im genannten Hefte der Stofflieferungen S. 126 f.) in das 
15. Jhd. Wenn der sonst in der Handschriftenkunde wohlbewanderte 
Mann hier einen Fehlgriff that, so ist dies leicht erklärlich: ihm 
schwebte immer Theoderich Scherenberg, der Dichter des Spiels von 
Frau Jutten auch als Verfasser der Spiele von St. Katharina und von 
den zehn Jungfrauen vor, obgleich er schließlich selbst gesteht, daß 
er für Scherenberg keine Gründe habe, imd daß die Schrift des Codex 
nicht der Art sei, daß man sich nicht leicht um einige Jahrzehnde 
irren könne (S. 153). Im Nachworte (S. 196) kommt Stephan auch 
auf die Eisenacher Aufführung (1332) eines Spiels von den zehn Jung- 
frauen zu sprechen und mit richtigem Geftihle äußert er, daß uns das 
alte, furstenmörderische Stück in dem gleichnamigen, von ihm mitge- 
theilten wohl nicht ganz echt und unversehrt vorliege. Sein Endurtheil 
geht dahin, daß beide Stücke älter als die Papierhandschrift, aber um 
die Mitte des 15. Jahrhunderts neu überarbeitet seien. 

Stephan's Veröffentlichung blieb glücklicherweise doch nicht ganz 
anbeachtet. Auch Karl Gödeke kannte sie und verzeichnete die beiden 
Spiele zuerst MA*) S. 970 f. In dieses chronologisch geordnete Yer- 
zeichniss brachte er nicht nur die erhaltenen, sondern auch die be- 
stimmt erwähnten Stücke, und so nannte er das Spiel von den zehn 
Jungfrauen doppelt: einmal fuhrt er es an unter Nr. 24 zum Jahre 
1322 und dann stellt er es unter Nn 36 zu den Spielen des 15. Jhds. 
Zugleich verweist er von einer Ordnungsnummer auf die andere. In 
gleicher Weise wird auch das Spiel von St. Katharina als aus dem 
15. Jhd. stammend eingereiht. Gödeke verließ sich also auf Stephan's 
Zeugniss. Wenn sich Gödeke durch die Lectüre, durch Rechtschrei- 
bung und Sprache der Überlieferung keine andere Ansicht bildete, so 
bin ich am wenigsten geneigt, ihm daraus einen Vorwurf zu machen: 



*) Deutsche Dichtung im Mittelalter (Hannover 1854). 



J34 BEINHOLD BECKSTEIN 

es wäre unbillig, von einem Litteraturhistorikery der ein so weites Ge- 
biet zu überschauen hat, die speciellsten grammatischen und dialectolo- 
gischen Kenntnisse zu verlangen. 

Kurz nach Erscheinen des MA veröffentlichte L. Bechstein den 
ersten Band der Wartburg-Bibliothek, der schon längere Zeit vorbe- 
reitet war. Hier wurde der Mühlhäuser Codex in das 14. Jhd. ge- 
setzt und das uns erhaltene Stück als das Eisenacher zu erweisen ge- 
sucht. In Godeke's Grundrisse (1859) I, §• 92 wird unter Nr. 13 Ittdus 
de decem virginibua erwähnt, hier aber steht das Spiel richtig unter 
den Dramen des 14. Jhds., trotzdem ist die Hs. wiederum als eine 
des 15. Jhds. bezeichnet Zugleich wird von meinem Vater gesagt, 
er habe jenen Nachweis im MA , d. h. die kurze Notiz und die Ver- 
weisung von einer Zahl auf die andere, benutzt und das Spiel als ein 
von ihm neu entdecktes herausgegeben. Ich habe hierauf schon einiges 
bemerkt im Deutschen Museum, neue Folge 1, 337 und will hier nur 
versichernd wiederholen, daß mein Vater, als er das Spiel herausgab, 
Gödeke^s MA gar nicht kannte. Ich hätte dort noch hinzufugen können, 
daß Gödeke keineswegs ^zuerst^ das Spiel mit dem der Eisenacher Pre- 
digermönche vom J. 1322 in Verbindung gebracht hat: das geschah 
ja schon von Stephan in dem erwähnten Nachworte. 

Bei der hohen Bedeutung, welche dem Grundrisse mit Recht 
zukommt, will ich nun hier betonen, daß der Muhlhäuser Codex, 
der in Current-, Urkundenschrift, nicht in Fractur geschrieben ist, 
nicht dem fünfzehnten, sondern wirklich dem vierzehnten Jhd. an- 
gehört, und zwar hat der steile und schlanke Ductus einen für diese 
allgemeine Zeitbestimmung sehr alterthümlichen Charakter: das sieht 
der Kenner auf den ersten Blick, und Vergleiche mit Urkunden haben 
es bestätigt. Zwar kein Beweis an sich, weder ein diplomatischer noch 
ein sachlicher, wohl aber mit der früheren Zeit der Hs. im Einklang 
stehend scheint mir der Umstand zu sein, daß in beiden Stücken nicht 
allein die Scenerieangaben in lateinischer Sprache abgefasst sind, son- 
dern daß auch ziemlich häufig lateinische Gesänge am passenden Orte 
der gesprochenen Rede voraufgehen. Wichtiger noch sind ebenfalls 
in beiden Spielen die aus Responsorien und Antiphonen bestehenden 
vorspielartigen Einleitungen, welche entschieden kirchliches und alter- 
thümliches Gepräge tragen. Auch das ist handschriftlich nicht außer 
Acht zu lassen, daß in beiden Spielen die Verse nicht abgesetzt, son- 
dern fortlaufend wie Prosa geschrieben sind. 

Mein Vater hatte vom paläographischen Stundpunkte aus ganz 
recht, wenn er die Hs, mit der Eisenacher Au0ührung fiir gleichzeitig 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN. I33 

oder fär fast gleichzeitig erklärte. Aber gegen eine so frühe Zeit« 
bestimmung, gegen welche auch Bieger (S. 311) leisen Zweifel äußert, 
scheint mir mancherlei zu sprechen. Zuerst Einzelheiten der Recht-» 
Schreibung, von welchen selbstverständlich nicht eine jede fiir sich 
allein den Ausschlag geben kann, die aber in ihrer Vereinigung be- 
weisen. Dahin gehören: die vielen Abkürzungen, der überaus häufige 
Gebrauch des y, die systemgemäße und richtige Anwendung des cz 
für z^ die vereinzelte fehlerhafte für j, das öftere Vorkommen des ck 
für Ä;, Katherine für Katerine (einmal Katerina im Anfang). Sodann die 
Sprache, welche öfters im Vergleiche zu andern mitteldeutschen Denk- 
mälern des 14. Jhds. jüngere Laute und Formen zeigt, während sich 
im Spiele selbst die ältere Gestaltung durch Keime und einzelne 
Archaismen kundgibt. Sprachlich bemerkenswerth ist auch a statt e 
in der Flexion des Namens Maria^ ferner der Mangel der Correlativa 
swer^ 8wie u. s. w. ; nur einmal in St. Kath. swelcherhande. Schließlich 
bezeugen eine jüngere Abschrift oder Bearbeitung mancherlei Fehler, 
Missverständnisse und unverkennbare Zusätze, was jetzt alles durch 
die jüngere Hs. seine Bestätigung erhält. Alle diese Wahrnehmungen 
bestimmen mich, den Mühlhäuser Codex im Allgemeinen der zweiten 
Hälfte des 14. Jhds. zuzuweisen. Nimmt man nun den alterthümlichen 
Ductus hinzu, so ergibt sich mit ziemlicher Sicherheit für die Ent- 
stehungsperiode der Hs. das dritte Viertel des genannten Jhds. 

Die Dichtung dagegen ist nach Sprache und Stil älter. Sie zurück 
in das 13. Jhd. zu setzen, verbietet ganz abgesehen von der Metrik 
schon die Thatsache, daß in dieser Zeit die uns bekannten Spiele noch 
der lateinischen Sprache den Vorrang geben und die deutsche Rede 
nur episodisch erscheinen lassen. Denn das älteste deutsche Passions- 
spiel, welches nach E. Ohler's Vorgange von K. Bartsch herausgegeben 
wurde (Germ. 8, 284 ff.), steht doch zu vereinzelt und trägt in seinem 
Stile zu sehr den Charakter der höfischen Poesie, als daß man auf 
dieses eine Beispiel hin irgend welchen Schluß wagen könnte. So 
bleibt für unser Spiel im Allgemeinen die erste Hälfte des 14. Jhds. 

Die Handschrift rührt von einem Thüringer her, und seine 
Sprache stimmt mit der des Gedichtes in der Hauptsache überein. 
Zudem findet sich am Ende des Spiels von St. Kath. eine deutliche 
Anspielung auf Erfurt (vgl. Stephan Steffi. 2, 172, 73 und 154). 
Die Heimat einer Handschrift bis auf einen ganz kleinen Umkreis 
zu bestimmen, wird sich ohne äußere Anhaltspunkte kaum erreichen 
lassen; daß aber der Mühlhäuser Codex aus dem nordlichen Thü- 
ringen stammt, was mir jene Beziehung auf Erfurt nicht zu widerlegen 



136 BEINHOLD BECHSTEIN 

scheint, dafür spricht einigermaßen ihr Fundort, sodann bezeugen es 
einige Formen, die außerhalb des Reimes stehn, nämlich «ti fem. u. pl. 
des Personalpron. statt «2, 5te, ferner eder statt oder (hochd. oder\ viel- 
leicht auch seihen im Nom. 

Die Heimat des Spiels ist nach den Reimen im Allgemeinen 
in Mitteldeutschland, speciell in Thüringen zu suchen. Das zeigt 
der Yocalismus, die Zusammenziehungen sen^ geschSn u. a., mt = tnir, 
die Apocope der Infinitive, die Form Jiere für herre. Namentlich die 
beiden zuletzt beröhrten Fälle weisen entschieden nach Thüringen. 

Fasst man nun zusammen, daß die Dichtung in die erste Hälfite 
des 14. Jhds. gehört, daß sie in Thüringen entstand, daß sie in einer 
ebenfalls noch im 14. Jbd. verfertigten und ebenfalls in thüringischem 
Dialecte abgefassten Niederschrift vorliegt, und daß diese für uns älteste 
Überlieferung gerade in einer Stadt Thüringens aufgefunden wurde, 
daß ferner die jüngere Hs. aus einem benachbarten und damals mit 
Thüringen staatlich und volksthümlich eng verbundenen Lande stammt, 
während sonst aus keinem Theile Deutschlands jemals etwas von einem 
Spiele von den zehn Jungfrauen verlautete: so ergibt sich doch mit 
ziemlicher Wahrscheinlichkeit, daß die bekannt gewordenen Fassungen 
jüngere Abschriften und in gewissem Sinne Bearbeitungen des berühm- 
ten Eisenacher Spieles sind. Und betrachten wir den Inhalt des Spiels, 
welches vielleicht mit Ausnahme einiger empfindungsreicher Marien- 
klagen alle andern Dramen des Mittelalters an Schönheit, aber auch an 
Gewalt der Idee überragt, fühlen wir nur einigermaßen den lyrischen 
Schwung und die erschütternde und für das Gemüth eines mittelalter- 
lichen Menschen gewiss doppelt erschütternde Wirkung des Schlusses 
nach, dann erhebt sich die Wahrscheinlichkeit fast zur unumstößlicheu 
Gewissheit, daß eben nur dieses Spiel es sein kann, welches jenes tra- 
gische Ereigniss veranlasste. 

Wenn also dieses Resultat von der Litteraturgeschichte ohne Rück- 
halt angenommen werden kann, so braucht das Jahr 1322 keineswegs 
stricte auch als das Entstehungsjahr des Spieles angesehen zu werden. 
Der Chronist berichtete gewiss nur deshalb von der Aufiuhrung, weil 
sie einen so denkwürdigen Ausgang hatte. Ja die Stelle cut ludo marchio 
tunc intererat (beiRothe: unde du was lantgräve Frederich keginwortig) 
deutet vielleicht gerade darauf hin, daß der sonst immer abwesende 
und ruhelose Fürst 'damals' erst Gelegenheit hatte, dem Spiel der 
Fredigermönche beizuwohnen. Rothe wendet die Sache so, als sei die 
Abfassung und Aufiuhrung des Stückes in Folge des glücklich errun- 
genen Friedens geschehen , aber davon steht in der Nachricht des 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN. 137 

Cbrouicon Sampetrinum nichts, sondern das Spiel knüpft sich an die 
Ablaßfeier der Predigermönche* Rieger gibt zu, daß der Chronist 
'ans ungenauer Kunde' von der Fürbitte der Heiligen neben der der 
Maria geschrieben habe, während beide Überlieferungen von einer sol- 
chen Fürbitte nichts wissen. Die Wendung: b. virginis Mariae et om" 
nium sanclorum möchte ich eher mit L. Bechstein für eine Metapher 
oder geradezu für eine Formel halten. Übrigens ist schon in Wart- 
burg-Bibl. (S. 7) aufmerksam gemacht, daß die Heiligen in unserem Texte 
genannt werden, ohne daß sie bändelnd auftreten. Die dritte der Thö- 
ricbten sagt: . . Maria mac mir nicht [hs. b: nommer] zu staten gesiäj 
mt sin auch alle sine heiigen gehaz [hs. b : mir sin die heiligen gar gehaß\ 
38, 35 f. [537 f.]. Es hindert also nichts, das uns bekannte Stück, 
abgesehen von den Veränderungen und Zuthaten einer jüngeren Zeit, 
wirklich als das historisch berühmte zu betrachten. 

DIE SPRACHE. 

Die Eigenthümlichkeiten des Mitteldeutschen, wie sie in einer 
Reibe von poetischen und prosaischen Schriften sich darstellen, finden 
wir auch im Spiele von den zehn Jungfrauen entschieden ausgeprägt. 
Im Einzelnen gewahren wir Geltung der Nebenformen, was dem Cha- 
rakter einer gemischten und verschiedenen Einflüssen ausgesetzten Sprache 
vollkommen entspricht. Die folgende Darstellung der Sprache 
des Spieles kann von der der Hs. A nicht getrennt werden, 
indem beide zeitlich und örtlich einander nahe stehen ; auch würde die 
Hs. an sich als thüringisches Schriftdenkmal wegen ihres Alters Be- 
achtung verdienen. — Wenn fnr manche Vorkommnisse sich keine 
Reimbeweise aufstellen lassen, so findet dies in der Kürze des Gedichtes 
seine Erklärung. 

Zunächst sind diejenigen sprachlichen Erscheinungen ins Auge zu 
fassen, welche mit der Rechtschreibung verbunden sind. 

Das sehr häufig neben i angewandte y hat nicht wie bisweilen 
im 15. Jhd. (vgl. Liliencron im Glossar zu Rothe 712^) eine durch 
folgende Consonanten bestimmte phonetische Bedeutung, sondern ist 
nur graphischer Art, Gr. I», 162 bestätigend, weshalb auch in den Ci- 
taten vom hsl. y abzusehen ist. Hier einige Beispiele*): 

y = md. u. mhd. h by 16, 2. [dy (tibi) 22, 11. my (mihi) 25, 23.] 
sy (sit) 16, 19. mynen 15, 11. stjn (suus) 15, 6. sy[n\ (esse) 16, 22. 



•) Die Citate nach der Wartburg-Bibliothek (1. Zahl: Seite; 2. Zahl: (deutsche) 
Zeile, Vers), ib Klammer die Verszahl des Abdrucks von Rieger. 



138 EEINHOLD BECHSTEIN 

y = md. ij mhd. ie: dy (rel. u. art.) 16, 8. 17, 7. hy 21, 1. ny 
29, 40. 31, 2. wy (qaam) 16, 28. ymane 21, 9. tyfen 32, 11. inphly[n] 
29, 39. 

y =z ii wy (m, %Di = wir) 17, 9- 9nyr 28, 33. myt 20, 18. dytigen 
(: gelingen) 17, 21. kyntheit 17, 9. 

y = t in y« = w = tV 31, 17. ye^=^ie (semper) 18, 18. 

y = i=j: yd 31, 16. 

y in et und ot: eya 16, 31 und so immer, icheyn 16, 16. 17, 1. 
eyme 16, 24. ieyde 16, 34. meyde 31, 24. herczeleyt: wärfieyt 16, 1. 
beyten : hereyten 16, 5. o^ey^ 19, 23. 27. — fnay< : geaayt 23, 29. 31, 15. 
betayt 31, 20. 

Die Frage über die geschichtliche Wandlung des uo in ü im 
Mitteid. ist noch nicht völlig gelöst (vgl. hierüber meine Ansichten 
Einl. zu Heinr. u. Kuneg. XIX, Germ. 6, 422 ff. und Germ. 8, 357 f. 
V, 2, die leider noch niemand eingehend zu widerlegen versucht hat). 
Wenn man auch annehmen kann, daß der Ring über u vielfach und 
in jüngerer Zeit durchaus die vocalische Natur bezeichnen soll, so 
müssen doch noch Beobachtungen angestellt werden, wann dies in den 
Hss. eintritt. Daß zur Zeit des Schreibers ü für uo durchgedrungen war, 
ist als bestimmt vorauszusetzen und lässt sich erweisen; auch für die 
frühere Zeit des Spieles trotz des Reimmangels wage ich nicht an uo 
festzuhalten und deshalb sehe ich wie von y auch von ü in den Citaten 
ab, zumal die Dichtung nicht für die stumme Leetüre, sondern für das 
Ohr bestimmt war. Dennoch werden einige Beispiele der Schreibart, 
da Stephans Abdruck nur u bietet, nicht überflüssig erscheinen: der 
für verschiedene Laute dienende Buchstabe zeigt uns, daß seine ehe- 
malige Bedeutung verändert ist. — Der Ring in der Hs. ist gewöhn- 
lich von schwacher Gestalt, nur selten ähnelt er dem «, öfters ist er 
aber auch ein deutliches, mit Grundstrich ausgeführtes o. 

ü = md. ü = mhd. uo: nü 30, 28. tü[n] 15, 3. vru 16, 34. czu 
15, 6 und so fast ohne Ausnahme auch wie hier in der Präposition. 
gut : mut 17, 19. guten 16, 20. müter 16, 16. süze (adv.) 15, 6. rücken 
19, 23. geruchen (: versuchen) 19, 22. 

ü = md. ü = mhd. üe: ersluge (: gefge) 27, 8. gute (ertnüte) 24, 17. 
pruuet 20, 14. muwe (mügen) 32, 13. 

ü = md. u. mhd. ü: du (mhd. anceps duj düj bisweilen diw) 15, 
10. 21, 3L sur 28, 28. hüs 24, 16. 

ü := md. ü = mhd. tu: vur 26, 34« ütoere 16, 26 (sonst vwtr..) 
enphlüt 17, 1. hüte 20, 12. 22, 17. tü/ele 26, 35. rüwe 26, 30. 

Ferner ü fast immer in sü = siy sie 16, 5. 6. 9 u. s. £ 



ZUM SPIEL VON DEN EEBN JUNGFRAUEN. 139 

u = nid. u. mhd. u: siufU (: kat) 21, 10. vunden (: MiHtU) 21, 21. 
rcrgunde 25, 29. aluus 29, 7. — (mhd. anch ü) ml %ci 19, 20 (m/ wi 
19, 16). mit 16, 33. 9ullii 21, 7. 

a =5 md« u ^ mhd. d : iure : rt/r 23, 5. sundSre 26, 36. erueA- 
/<rii 20, 18. 

Vocalischo Natnr bezeichnend in pruvei 20, 14 nnd in an : oüch 

17, 18. ouijm 21, 18. «owc 26, 30. toufe 27, 13. — ou « md. tmeh = 
uibd» öu : vrouJe 17, 8. 15. 

ErgebnUs: ü bezeichnet 1. den Vocal u, 2. die Lange des Vo- 
oala, 3. Vielleicht" den Umlaut. 

In der Ha. findet sich nie otitr, sondern immer otc : schowefi 19, 13 
( : owjat). 28, 14. vroure in der Kegel aligeknrzt oV^. 

Der Schreiber hat die Lautal)8tufung dargestellt, auf der andern 
Scitn am organischen Laute festgehalten. 

Die Tennis tritt ein: ap (vereinzelt) 30, 18. /i// (carum) 24, 5. 
lifJiche 16» 14. 23, 24. starp 27, 12. tumphnt 22,25. toi 16,33. iMltch 
16, 32. kiui 23, 19. kifdhat 17, 9. it:u#U : huni 27, 11. t/Hir< (: zart) 27, 17. 
irtV£ (hds. tri) 16, 30. 17, 25. jo<jent 2.3, I. moif (: gesctU) 23, 29. — 
mac 18, 23. iac (: majf) 22, 20. irae 27, 2. ixrie 16, 4. Cxciclkhe 22, 6. 
fnirciie 19, 4. ßizicllchen 19, 21. 

Die Media bleibt bewahrt: ah (regelmäßig mit nur einer Aus» 
nähme s. o.) ijrab 32, 7. Hb (carus) 18, 24. tcib 25, 5. lob 21^ 11. — 
tKHi (: goi) 20, 10. — ma«/ 17, 22 (: iae) 22, 19. ehiig 20, 28. t/ri<:;i> 

18, 7. teriiuj 19, 12. f/€ii<^ 26, 36. 27, 3. gint/ : ttiphlwj 26, 6. enphhtg : 
trhhuj 27, 13. 

Vereinzelt findet sich </ für ik in marg 20, 26, was im Mitteid. 
zu jener Zeit die gewöhnliche Schreibart ist (vgl. unter andern Myst 
244, 40) nnd auf eine wirkliche Erweichung des Lautes hindeutet 

Die Erweichung der Tenuis nach Liquiden ist regelmäßig, z. B.: 
aldeni manicvaUlen 17, 7. aldcr 17, 11. hunderivaUigah 18, 20. ycerlJe 
21, II. 15. 9old€ 18, 4. ttolden (: Itoldcft) 15, 12. Dagegen nur th tf^ 
fr f lim 22, 1. 

Die im Mitteldeutschen häufige nnd auf Aussprache beruhende 
Erweichung der Tenuis im Auslaut auch hier: ii^d (2. p. pl.) 19, 26. 

Umgekehrt Verhärtung der Media im Anlaut : empuiii 16, 12. Im 
Spiel von St Kath. auch häufig kein s=s gegen. 

ph erscheint für / oder r gebraucht in rnphK [n] (envliehgn) 29, 39. 
enfMCii (envliuhei) 17, 1. für/ in siroph^n = »(rdphen (: tcA/en) 19, 2. 

Eine andere bemerkenswertbe Schreibart ist: kuch» =s ku^eh 16« 22 
(ähnlich rieh» = risch in St. Kath.) nnd htmelichuhe = hemeliseht 16, 12. 



140 REINHOLD BECHSTETN 

Daß letzteres Schreibfehler sei, lässt die Lesart der jüngeren Hs. von 
hymel der riche (got) 18 vermuthen. 

7 a 1 e. 

1. Die Umlaute mangeln mit Ausnahme von e und e (= cb), 
falls man von ü absiebt. Nur einmal über einem andern Laut ein 
Zeichen in vor (= vur, mhd./är) 31,1. Reimbeweise nur wenige: sunde : 
stunde 28, 18 [hs. b 519]. gevrowen : gezouwe 19, 14 [144] (s. u. Worte). 
gute (: güeie) : ermüte 24, 18 [402] (s. u. Worte), hunde : Vormunde [n] 
30, 4 [593] (s. u. Worte). 

Über den Umlaut im Mitteldeutschen bedarf es noch mancher 
Studien. Nach den Reimen fehlt er bekanntlich selbst noch im 15. Jhd., 
aber dennoch liegen auch aus viel früherer Zeit Anzeigen vor, welche 
auf das Vorhandensein des Umlautes schließen lassen (vgl. Hildebrand 
in der Vorrede zum jnd. Sachsenspiegel ed. Weiske pag. XIII). Es 
wird darauf ankommen, diese Anzeigen zu sammeln, zu sondern und 
zu erklären, sodann wird festzustellen sein, wann der Umlaut neben 
einzelnen alterthümlichen und namentlich fiir den Reim verwerthbaren 
Resten des früheren Sprachzustandes zur Regel wird. 

2. Wie in allen mitteld. Quellen , so auch hier durchaus S := ce 
in der Schrift. Beweisende Reime mangeln. 

3. Das md. Endangs- i = e in Hs. sehr häufig angewandt. Eine 
Statistik des Schreibgebrauchs, die hier zu wiederholen Pedanterie 
wäre, ergibt, daß in der Endung er das «, in et das i vorgezogen wird. 
Nor obir ist häufiger als ober. Nach dieser Beobachtung hat die Auf- 
lösung der Abkürzungen zu geschehen: } oder 5 für er, die dem j 
ähnliche Form oder kleines t oberhalb der Zeile für it. Stephan wählte 
unkritisch das t in allen Fällen, ohne sich jedoch in der Praxis gleich 
zu bleiben. — Hieran schließt sich t s= e in iz 16, 19. 21, 4. 6. in 
der Vorsetzpart, he : bireit 21, 28, in der procl. Negation: inmogen 20, 7. 

4. o = e in der Vorsetzpart, vor wie in allen mitteld. Schriften 
des 14. und 15. Jhds. Es ist noch zu untersuchen, wann vor für ver 
allgemein wird; einzelne Denkmäler des 13. Jhds. haben ver, einzelne 
tnr, einzelne auch beides. 

5. ü = mhd. iu durchaus mit Einschluß der mit ü geschriebenen 
Worte (s. o.). Wichtig sind hier Conjugationsformen wie enpütü 16, 12. 
enphlat 17, 1. Eigentliche Reimbeweise mangeln; mittelbar bezeugt: 
vründen : künden 15, 9 [3]. vründe : eunde 29, 57 [574]. 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN. 141 

6. 1 = rohd. ie in der Regel. In mitteld. Denkmälern des 14. Jhds. 
kommt es nicht darauf an aufzuzählen, wann t für ie, sondern umge- 
kehrt, wann ie für t steht, ie = ir pl. des 2. Personalpr. (s. Flexion). 
ie (semper) 18, 18. 22, 16. 18. 26, 7. 31, 7. Reimbeweis ieii: alhi : mi 
(dat.) 24, 21 [alhir : mir wie in hs. b 405 kaum anzunehmen, aber auch 
dieses wäre Beweis]. 

7. t2 = mhd. uo trotz der Schreibart ü , die neben u sehr häufig 
vorkommt (s. o.). Reimbeweise fehlen. 

8. Brechung. a)e= mhd. t weit ausgedehnt, namentlich vor 
Liquiden: spei 25, 3. speleteine 17, 40. vel (neben vil 17, 39. 18, 19) 
17, 31. 20, 22. 21, 6 u. s. w. wel 15, 7 [3 will], 16, 3 [9 wulle]. 9 [15 
tril] 25 u. s. w. hemel 24, 25. hemelrtche 22, 5. hemeliech 22, 21. 24, 27. 
ben 17, 34. 26, 2. 3i, 20. hen 31, 12. hene 20, 24. henevart 31, 17. — 
Wenn es heißt en acc. 30, 30. en dat. pl. 16, 2. 3. eme 17, 1. ere 16, 8. 
er$ 21, 32. und so immer statt m, ime^ tr, so kann dies auch als Schwä- 
chung betrachtet werden, sobald die Worte in der Senkung stehen. — 
Die Form bretiffe [n] (: enelende) 21, 25 [271] ist nicht specifisch mittel- 
deutsch. — Brechung ferner vor Dentalen: das Adv. durchaus mete 
20, 3. 7, dagegen die Präpos. tnet 24, 19. 27, 30. 31, 26 *und zu- 
gleich und häufiger mit Einschluß des Gebrauchs in St. Kath. mit 
imyt) 17, 38. 20, 18. 21, 18. 20. ledes 22, 23. seien : beten 19, 19. 
20, 17. beten (1. p. pl.) 19, 25. 22, 22. betes (2. p. conj.) 24, 3. dese^ 
dese, deseme 18, 2. 21, 26. 30 u. s. w. bez 18, 10. — Gesonderte Er- 
wähnung verdient die Brechung in der 1. Pers. der 1. st. Conj. in 
bevele 21, 30. 26, 29 (im Sp. von St. Kath. auch spreche)^ welche sich 
in der 3. Conj. auch auf die 2. und 3. Pers. ausgedehnt findet: gebest 
28, 26. ffebit 18, 29. Daß in der Sprache des Spiels die 3, Pers. das 
t bewahrt, bezeugt im Reime die Form enphlU (= enphUget): zU 21, 8 
[258], welche sonst enphleit (= enphleget) lauten würde. Ebenso heißt 
es genist : bist 30, 9 [598], nicht genest , genesit^ ferner hilßt 28, 42 wie 
auch in St. Kath. Darum wird es wift (in Hs. stets abgekürzt), nicht 
wert zu heißen haben. Ferner zu erwähnen die Brechung im Part, der 
5. st. Conj. geschreben 17, 31. 

b) o = mhd. u und ü ebenfalls besonders häufig vor Liquiden: 
son 15, 4. 24, 3. 15, dagegen sun anzunehmen wegen des Reimes mit 
tun 15, 3. Der alte Laut ferner auch hsl. bewahrt in vorsunnen : nunne 
18, 11 [auch noch in hs. b 109], sowie in sullen, suUii, suln^ sultj vor 
adv. und praep. c. acc. 23, 3. 19. 24, 3. 31, 1, dagegen vur (hsl. vur): 
tur (hdsl. iure) 23, 5. [356 thore : vore]. erzomit 26, 14. 30, .30. bomde 



142 REINHOLD BECH8TEIN 

pait. 16, 24. dorch 15, 12. 16, 26 u. s. f. varchte praes. 19, 2, dagegen 
vurt ich 24, 7 K] *). (du) wordt 20, 28. 31, 5. orteU 24, 32. 26, 21. 
(ir) dorft 32, 13. bedorve (wir) 23, 32. fcorz^r 22, 8. — Ferner vor Media 
obir^ ober 17, 2. 20, 12. 21. 2.3, 18 u. 8. w. mögen 17, 26. 19, 14 n. s. w. 
(du) zöge 27, 18. Dagegen u-Laut bewahrt vor ch : kruche (conj. von 
kriechen) = hs. b 27, 25 [493J. 

Hieran ist zu schließen e = mhd. tV, was in geschei begegnet 
außer Reim 18, 18. 28, 6 und im Reime mit stet 30, 6 [bs. b 695 
geschieht : stet]. Die ältere mitteld. Form ist bekanntlich geschtt^ geschieU 
Auch für die Sprache des Spiels dürfte jene Vocalwaudlung insofern 
nicht als feststehend gelten, als der Reim mit st^t vielleicht nicht streng 
beweisend ist: sollte nicht geschit : sfxt möglich sein? Vgl. zu Ebern. 607. 

Außer diesen acht fiir das Mitteldeutsche bezeichnendsten Er- 
scheinungen sind noch folgende Abweichungen vom Mhd. zu bemerken. 

a = mhd. o: ab 24, 10. 26, 18, ap 30, 18 u. s. w. (ich) sal, (du) 
sah 15, 10. 21, 31. 24, 33. 25, 11. 34 u. s. w. (du) gelabes 24, 29. walde 
30, 35 (s. u. Lesarten), crate 27, 23 (s. u. Worte). 

a =3e md. = mhd. u: vereinzelt (wir) magen 17, 12: wohl kaum 
als Archaismus anzusehen. 

ä = ü: da (causal) 27, 20. 

e = mhd. a: sege imp. 25, 23. — ermüte 24, 17 (s. u. Worte), er^ 
beit 24, 19. — dez 28, 2 [hs. b 504 abweichend]. 

e = md. a = mhd. o: eder 16, 16. 19. 17, 3 u. s. f. (s. u. Worte). 

= mhd. a: gor 16, 14 (sonst gar 28, 45) wor (wohin) 20, 24. 

6 « mhd. d: jö (hds. io) 28, 6? K]. 29, 41. 31, 2 (s. u. Worte) 
(sonst ja — hds. ia und ya — 23, 30. 30, 35. 31, 16). wo 21, 17. w6r 
umme 25, 25. 27, 18. ndch (sonst nach) 17, 21. 24, 27. möge 32, 13. 
(wir) wdnden 29, 18. Strophen (in der Abkürzung deutliches o) 19, 2. 
Für diese Vocaltrübungen, die im Mitteld. weit zurückreichen, kein 
Reimbeweis. 

= md. e = mhd. i: homelrtcJie 23, 14. homelische 16, 25: indessen 
ist in Hs. das e noch öfters dem o sehr ähnlich, so daß in diesem Falle 
die Entscheidung schwierig ist. Über das Vorhandensein von o ^ e 
oder i kann die Fracturschrift besser Auskunft geben. 

ti r= md. t, i = mhd. t, ie und iu : su (hds. meist sü s. o.) (s. u. 
Worte). 

u = mhd. t und ie: ummer 20, 23. 22, 17. 27, 27. 31 u. o. nummer 
22, 2. 25, 27. 31 u. o. 



*) K =s stehe nnten Kritik. 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN. 143 

u = mhd. i oder i\ hülfe 22, 14. 31,4. — wüste (hsl. wüste) conj. 
praet. 20, 17. 

u = mhd. o: uffenhär 28, 16. uffenbäre[n] 28, 20. 

ei = e vor n in bekeintenisse 16, 24. ^W^ 29, 25. 37. (: hende) 
29, 23 [569]. Daneben ende 17, 15. Auch im Sp. von St. Kath. ein- 
zelne Fälle ei statt e. Über dieses ei s. Weinhold Dialectf. 45 und 
namentlich H. Rückert zum hl. Ludwig 161 f., wo aber verschiedene 
Erscheinungen nicht scharf genug gesondert sind. 

Apocope des «. — kusch statt kusche 16, 22 (letzteres dem Verse 
angemessen, da das Wort in der Hebung steht und Vocal folgt [18 
kusche], wer (= wcBre) 20, 2 zweifelhaft [hs. b 164 abweichend], sür 
adv. 26, 11 (dem Verse entsprechend) [438 sure]. 28, 28 (volle Form 
wie in hs. b 530 besser), den = denne^ danne 16, 27. 28. 18, 12. 30, 4. 
32, 16. 

Syncope des «. — In der Vorsetzsilbe ge vor n und l in gnäde 
23, 8. 26, 37. glouben Sp. v. Kath. Vereinzelt steht in unserem Spiele 
gelouben 21, 17, — Syncopierte Formen wie Idzt^ woü s. u. Flexion. 
Von Participien bemerkenswerth : gesazt : gehazt 18, 21 [hs. b 121 ab- 
weichend], uf gerieht 18, 19. geleit (= geleitet) : bereit 17, 14 [53 gelei- 
det : bereidet], — Syncope im Praeter, getät (= getätet) : hat (= habet) 

23, 12 [hs. b 372 abweichend] (s. u. K). — Die Zusammenziehungen 
und Erweichungen, in denen e mit h und g ausfallt, s. bei den Con- 
sonanten. 

Consonanten. 

Hinsichtlich der Lautabstufung sind nur die Gutturalen in 
Betracht zu ziehen. Daß die organische Media im Auslaute zur Tenuis 
wird, zeigt schon die Rechtschreibung (s. o.). In unserem Spiele nicht, 
aber in St. Kath. wird zweimal ch iur k (c) geschrieben in mcteh und 
inniehliche. Beweisende Keime g : k fehlen, doch können die Assonanzen 
tnae : stat 25, 31 [wenn auch in einer interpolierten Stelle] : grap 32, 8 
[656] für k sprechen. 

Die frühere Spirans h in Verbindung mit t ist im Mitteid. des 
14. Jhds. graphisch und phonetisch fast durchaus zu eh geworden. In 
Hs. durchaus chy nur einmal begegnet umgekehrt vurt (= vurhte) ich 

24, 7 [hs. b 391 abweichend K]. Beweise iiir eh mangeln, vielleicht 
bezeugt der (unreine?) Reim nicht : mich 31, 1 [623]. 

h fallt ab im Auslaute nur in hozit (hsl. hoczit) 16, 18. Dagegen 
gesehaeh (nicht geschd) : gemach 18, 18 [118] : ungemach 26, 5 [432]. 

h fallt aus im Inlaute wie allgemein mitteld. in bevele (mhd. be- 
tilhe) 21, 30. 26, 29. 



144 REINHOLD BECH8TEIN 

he fallt aus im Inlaute durch Zusammenziefaung in allen Fällen: 
z. B. außer Keim gevdn (1. p. pl.) 25, 6. enphdt (2. p. pl.) 30, 25. sei 
17, 16* vorsmit 21, 12. fleltchen 19, 19; im nicht beweisenden Reime: 
enplüt (: züt) 17, 1 K]. voramet : enphet (3. p. sing.) 18, 25 [125 versmehet: 
enphehet]; ira beweisenden Reime: trän (trahen) : län 20, 27 [213]. ge- 
sehe[n] : ge[n] 19, 3 [133]. set : get 20, 5 [167 get : seliet], geae : me 22, 18. 

Hieran schließt sich die Erweichung der Gutturalmedia in age 
und ege zu ai und ei, die im Mitteldeutschen weit ausgedehnt. In 
unserem Spiele: meide 31, 24. weis (weges) 25, 8. vorsait : mait 23, 15 
[375]. 28, 33 [535]. mait : vorsaut 23, 21 [interp. Stelle] : gesait 23, 29 
[381J. 31, 15 [638 richtiger gedeit]. betau 31, 20. [hs. b 641 abw.J In 
St. Kath. auch häufig und zwar regelmäßig kein (= kegen^ g^g^' — 
Zu erwähnen ist hier auch die schon berührte Form phltt (= phliget) : 
ztt 21, 8 [258]. Die Contr. bei haben. Idzen u. s. w., s. u. Flexion. 

An diese wichtigsten Erscheinungen reihen sich noch folgende 
einzelne Besonderheiten : 

Ä tritt ein im Anlaut in lierhdre[n] 30, 35; ebenso in St. Kath. 
einmal herlwriet. Über das Pronomen he, her = er s. u. Flexion. 

t fällt ab öfters in der Flexion (s. u.), ferner in ich = icht 30, 18 
[607 ichi\, nich = nicht 29, 10 [557 tchi]. Danach wäre der Reim nicht: 
mich 31, 1 [623] vielleicht als ein mundartlich reiner zu betrachten. — 
Wenn tros (hdsl. Vos) statt trost steht 28, 7, so ist nicht ohne Weiteres 
Schreibfehler anzunehmen: vgl. Mone altd. Schausp. 8, wo ein Reim 
aus Alex, trost : sigelos angeführt wird, trds ist in unserm Spiele wahr- 
scheinlich der Genetiv (s. u. K.). 

V = mhd. b : swevel 25, 20 (s. u. Worte). . 

V = mhd. /: bedorve (unr) 23, 32; daneben dorft 32, 13. 
w = mhd. j in müwe (= müejen) 32, 13. 

f iß) = z' g^sa^t : gehabt 18, 22 [hs. b 121 abw.], also Mittel- 
form zwischen gesetzet, gesalzt und gesast. 

Schließlich ist der Assimilation mm aus mb zu gedenken, die im 
Mitteid. schon früh eintritt, und für das 14. Jhd. fast als durchgeführte 
Regel gelten kann. Im Spiele z. B. umme 16, 3. 17, 10 u. s. f. kummer 
31, 9. 14. kümmerlichen 30, 31 , dagegen nur einmal im Auslaut, bez. 
vor Consonanz die alte Lautverbindung : tumpheit 22, 25 [357 darheit]. 

Quantität. 

Im Allgemeinen gelten noch die alten Verhältnisse. Einzelheiten 
der Rechtschreibung deuten auf Bewahrung der alten und zugleich 
auf den Beginn einer neuen Betonung. Es wird nach früherer Weise 



ZITM SPIEL VON D£N ZEHN JUNGFRAUEN. 145 

g€*9chriebcD : jamer Sp. v. St Kath., f einerlich 26, 41. 27, 6 u. o. — 
tnuitr [ebenso noch in bs. b] 22, 27. 23, 21, aucb im Reime müf^ : 
oüier 26, 16 [443], sowie im Cäsurreime vtHier : ^üU 31, 5 [627]. 12 
[♦03]. — la:r[n\ 17, 36. 18, 8. p^lazen 21, 16, dagegen lazzif 15, 2. -- 
$nucen 24, 34, dagegen murrrlfi] 28, 24. 29. 11. 21 u. s. w. — Die 
Sc^hreibart (jrozzere 30, 20 ist vielleicht in der Au.-sprache begründet 
(doch steht proce 30, 3), ebenso drizzic 18, 7 (daneben drizir 24, 20), 

Das Praetor, von habm wird im Mitteid. schon früh zu hatU statt 
hatf^ hdie. In der Muhlhanser IIs. durchaus 24, 16. 19 u. s. f. Ebenso 
hetUj hftUi^ heilen 20, 26. 24, 5. 25, 17. 18 u. s. f. (s. u. Flexion und 
Worte). 

Die Hs. bietet durchaus here {here) für Arrrc, und anch die Ab* 
kfirznngen lassen sich nur so wiedergeben. Anßer Keim z. B. 23, 5. 
24, 16. 25, 28 u. s. f., im Reime nur einmal, aber bewiesen: ttt^re : kPre 
23, 7 [367 herre : keren] (s. u. Worte). 

Die Kürze des Vocals in -lieh (adj.) zeigt der Ueim unvorvencUch : 
iVA 24, 8 [hs. b 392 nirht\ In der Flexion dagegen immer die Lange. 

Manche ehenials lang, jetzt kurz gesprochene Vocale werden im 
Spiele mit Kürzen gereimt, doch ist hieraus für jene Zeit noch nicht 
auf die Kurze zu schließen, htht : /im/ 27, 1 [4<)9|. h/it : ^rart 16, 15 
[21]. gedacht : nacht 16, 19 [2.'»]. Ebenso ist Länge und Kurze anzu- 
nehmen in: vfünde i tundt 29, 26 [573]. vründen \ künden 15, 9(3]. 

F lezion. 

Im 14. Jhd. geht die eine volle Form der 2. ClaH»e der st. Feminina 
allgemach verloren , worüber noch Beobachtungen angestellt werden 
müssen. Mit am längsten erhält sie sich in trrrlL So auch in unserem 
Spiele: gen. werlde 21, II (= hs. b 261]. dat. tcerlde 26, 24 [451 tcer^tdr]. 
27, 9 (477 perlte]. Daneben erscheint auch dat. werlt 27, 24, wo tcerlde 
wie in hs. b 492 ebenso gut stehen könnte. Nur einmal noch kommt 
eine volle Form vor in gen. meide 31 , 24 (646 keine andere Lesart). 

Die alten unflectierten Plurale des st. Neutruum sind noch erhalten : 
irt/ri (: dort) 24, 23 (407] hdr (: uffcfMr) 2i^. 15 (.M7 h*tre i ufenfHire], 
)dr (: uTilr) 24, 20 [403 wäre : jare], kini (: $int) 26, 10 [437]. Form 
auf er in kindere 22, 1 [275 ki^d]. 

Diese letzte Form fuhrt auf die im Mitteld. beliebte Anfügung 
des € nn er und el wie ferner in mreitere 17, 16. 27. 20, 13. (dagegen 
"wesier 18, 15, s. Lesarten), meintere St. Kath. «"»fter«*, t»'t/*fe 2.'», 2 37. 
Vgl. Pfeiffer Myst. 1, 574. 

In der Declination der Pronomina manches Bem«>rken9werthe. 

(•KKMAXU \i. 10 



146 REINHOLD BECHSTEIN 

XnmentUch sind hier die Nebenformen wirksam. Im Folgenden nicht 
alle Fälle, sondern nnr Beispiele. 

Pron. der 1. Person. — dat. mir 26, 5. 8. 36 n. s. w. mi {tnt) 

25, 35. 27, 3, im Reime mi : alht 24, 21 [405 mir : hier] : ä[n] 25, 23 
[auch in der interp. Stelle für die Sprache der Hs. beweisend]. — pl. 
wir 16, 32. 17, 2. 19, 14, häufiger ici (wi und 7ci anzunehmen je nach 
der Geltung im Verse) 17, 5. 14, 26. 28. 

Pron. der 2. Pers. - dat. dir 26, 11. 27, 2. di (di) 22, 11. 19. 

26, 18. .37. 39. — pl. iV 16, 17. 21, 7. 22, 2. ie 16, 21. 23. 29, 1. 10 
(s. u. Worte), dat. uch (ob uch oder üch noch zu untersuchen) 16, 12- 
26. 28, ebenso durchaus im Sp. von St. Kath. In unserem Spiele ein- 
mal als Archaismus ü (hds. v) 15. 2. 

Pron. der 3. Pers. — her 16, 30. 17, 2. 18, 17. he 16, 27. 17, 33. 
18, 29. fem. su (s. o. Voc. und u. Worte), dat. eme^ acc. en (s. o. Voc). 

— pl. 8U. 

Im Possessi vpr. unser fallt nach gewohnlicher Weise r ab oder 
aus: unse 17, 16. unses 17, 37. unsen 17, 20. unse pl. 17, 23. 24. dagegen 
r in üwer erhalten. 

Für das Interrogativpr. 7cer 16, 29. 20, 21. 21, 2 u. s. w. erscheint 
wie im Niederd. wi (wy) 22, 19. 23, 9. 

Zu beachten ist ferner, daß das Adj. al oft in der Form alle (auch 
gegen den Vers) vorkommt, wo hochd. unfl. al oder die schwache oder 
starke Flexion stehen würde. 

Für das Mitteid. ist auch bemerkenswerth der in den Nom. ge- 
drungene schwache Gen. selben statt selbes oder selp^ selbe, selber. Nur 
einmal erscheint selber 23, 15 (s. u. Worte). 

In der Conjiigation ist das bezeichnendste Merkmal des Mitteid. 
und speciell des Thüringischen die Apocope der Infinitive. Sie erscheint 
außer Reim sehr häufig: Me 15, 12. «i 16, 22. Idze 17, 36. beite 18, 10 
u. 8. f., auch in nicht beweisenden Keimen: vare : »pare 17, 17. gebe: 
lebe 17, 29. schade : habe 18, 23. geschP : g^ 19, 3. Wenn ein n ge- 
wöhnlich durch einen Strich über dem Vocal ausgedrückt wird, und 
man in diesen Fällen vielleicht Vergesslichkeit des Schreibers anneh- 
men möchte, so muß doch der häufige Mangel des Striches sowie die 
sonst bemeikbare Genauigkeit der Hs. die thüringische Mundart un- 
widersprechlich kundgeben. Für die Sprache des Dichters sind zahl- 
reiche Reime maßgebend, und diese finden sich auch in den Partien, 
welche die jüngere Hs. allein überliefert hat (Rieger 312). Wenn in 
der That die Beispiele eich so zahlreich auf den ersten Blick ergeben, 
daß ihre Aushebung füglich erspart werden kann, so verdient doch 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNOFRArEN 147 

bemerkt su werden, daß 1. n abfiült s. B. {9nüc) tjesUi : Marid 28, 3ß 
[538] lind 2. en nach kurzer Stnmrosilbe und einfacher Liquida, z. B. 
{trel) kom (Xutii): bHitep^n 16, 26 [32]. 

t iällt ab in der 2. Pers. sing., nanientlirh in Conjunctiven : z. B. 
iiu i^ten 23, 23. 24, 3. iielabei 24, 29. woUen 23, 8. 24, 30. Irdes 22, 23. 
wni^hUn 29, 2. ertrnikeU$ : vorhenpetes 17, 19 [ehon^o noch in h«, b 487]. 

I fallt ab in der 3. Pern. Bing, in m 17, 35, Honst und im Keime 
immer mI : Crist 21, 15 [265]: p^isl 26, 34 (461). 

t 6ndet sich unorganisch in der 1. Pers. pl. in shit 16, 32, wäh- 
rend in bs. b 38 und auch sonst noch sm steht. Ob freilich dicNcs 
ßht der jüngeren Hs. =3 nn oder analog der dritten Person ^^ fin ist, 
wird sich nicht ohne nähere Untersuchung der Mundart entscheiden 
lassen. 

n fiUlt ab in der I. Pers. pl. bei folgendem irir : trerJr tri 17, 14. 
fmye tri 17, 26. käme trt 17, 39. Mzf tri 18, 8. it tri 18, 21 u. s. w. 

t der 3. Pers. pl. in 11s. durchaus abgefallen z. B. hfljVn 17, 23, 
timnkfn 22, 20, mtUm 24, 34 u. s. w., was bekanntlich schon im Mitteid. 
de« 13. Jhds. vielfach der Fall ist Beweisender Reim : (dir) Ulmk : 
nehf conj. 29, 24 [571] oder inf. ? — In $int ist ( erhalten anüer Keim 
z. B. 19, 28. 23, 6, im Keime «tvil : kint 26, II [438], danel>en al)er 
auch die mundartliche Form Wn 19, 29. 20. 16. 25, 19 [interp. St ), 
(doch ist in letzterem Falle auch der (.^onjunctiv wenigtitens nicht un* 
möglich). 

In der 2. Pers. praet. zci^ 8icli schon die moderne, nach Ana- 
K»^ie des schwachen VorbumH gebildete Form: (du) Ud^M = lede$l statt 
Irdr^ lide 22, 23 [hs. b merkwürdiger Weise liede 35r>J. Im Sp. von 
St Katb. begegnet lidfMt (darch drft du lidefi erhfit\ wo nach dem Sinne 
kaum lldent anzunehmen ist, wenn es auch der SchreÜHT so verstand, 
f«-iner das. vormedixt statt ro/irw^c/#», rormide. In unserem Spiele hat sich 
aber auch die alte Form hds. erhalten: (</«) trordr 31, 5. zi**if 27, 18 
[4**ti ztt/7<l. netriitjf : erjthhtr 27, 7 [ - hs. b 47.'»]. 

Einzelne Verba. — Vom Verbnni subst. sind hcIiou erHähiit die 
Formen u neben m/, aittt 1. p. pl., #m 3. p. pl., aU im|N*r. kommt vor 
triü 20, 10, in St. Kath. auch his und tr<#. 

Von hab^n lM»gegiien volle und ZMgz. Formen. Inf. A<i/i#l#*j : «r/iii</r jnj 
IS, 24 |l:«l : tapm 29, 17 [564]. p^UU 2."i, 31. - Praes. I. p. /,uA^ 21.21. 
ht'tm 16. 8. 2. p. hast : last 27, 1 [469]. 3. p. hnt immer, im l^'im«*: 
iral 16, 15 [21] : rat 17, 15 [.Vi]. 28, 41 |:i43]. 29, 5 (.V>2| : tat :i|, ;, 
•r,27). I. p. pl. haben 21, II. 27, .32. Ami (: pan) 19, 17 )I4.'»|. W^f 
iirO 21, 14. 16. hd {tri) 19, 12. 2. p. hat Uhtiit - prinht) 2.1. 11 jlifi. b 

10- 



]48 BEINHOLD BECHSTEIN 

.•^71 hantgccJdi]. 3. p. haben 25, 21. — Praes. conj. 3. p. hä 27, 28. — 
Pniet. ind. hattey CODJ. hds. heite (s. o. Quantität). Im Heime Kürze und 
einfache Consonanz heten : bete 20, 2 [164 heden : tMent] (s. u. Worte 
u. K.). — Imp. fiah 22, 24 [356 habe]. Ebenso bei läzen. : Inf. Iä2e[n] 

17, 36. Idn (: trän, trahen) 20, 27 [213]. — Praes. 1. p. pl. läze wi 

18, 8. — Part, geläzen 21, 16. geldn (: stän. getan) 23, 4 [364]. 25, 18 
[iuterp. Stelle]. Imp. läzit (hds. ^z^t'O 15, 2. /^« 16, 3. Zo« 28, 31. 

^<in und gen. — Inf. gän : hän 19, 18 [146]. ge : geaclii 19, 4 
[134]. 24, 34. 25, 35 [interp. St.]. me 20, 24 [210]. 28, 8 [510]. 29, 36 
[584 gm : e]. - Imp. geng 26, 36. 27, 3 [463. 471 gang], genk oficrs 
St. Kath. — siän und etSn. : Inf. stän : ^€/^n 23, 3 [363] : getan 24, 6 [390]. 
gesiä[n] : 3/anÄ 28, 36 [538J. — sten : me 26, 16 [interp. St.]. — Part- 
intsien i mi 32, 4 [652]. 

wollen. — Neben wel und wil (s. o. Voc) kommt auch für die 
3. Pers. praes. sing, wille vor 21, 2, doch ist eher Conj. anzunehmen 
[252 wuüe]. Im Praes« begegnen sonst nur Formen mit o, volle und 
syncopierte: wollen 17, 17. 26, 7. woln 17, 18. wollea 23, 8. [368 wuUeit] 
24, 30. [Für wollen 17, 28. 37. 25, 8 stünde besser woln] 

sullen (s. u. Worte). — Praes. 1 , 3. u, 2. p. sal und ealt durch- 
aus, aber nie im Keime. PI. {wir, su) sullen 16, 6. 17, 20. 30. eul (wi) 

19, 16. 20. .30. 23. [Für sullen besser suln 17, 9.] (ir) eult 16, 21. 23. 
22, 2. 5. u. ö. sullit 21, 7 [besser sult]. 

tun. — Praet. tet (außer Reim) 25, 28: gebet 30, 34 [hs. b 621 
bessere Lesart bet]. getete : bete 26, 18 [445]. 3. p. pl. getäten 31, 2 
[624]. conj. tete, gegen die Hs. durch silgeriie 32, 15 [663] bewiesen. 
(wir) teten oder tetenf 20, 1 [163] (s. u. K.). 

wizzen. — Conj. praet. wuete (hds. wüste) 20, 17. 

laden swv., invitare. — Part stark geladen 17, 5 [== hs. b 45], 
öfters im Sp. v. St. Kath. 

Worte und Wortformen. 

Nicht allein in Laut und Form, sondern auch imWortvorrathe 
bietet das Mitteldeutsche charakteristische Eigenthümlichkeiten dar. 
Einiges Lexicalische verdient deshalb angereiht zu werden. Da das 
Wort einestheils durch die Form erst bestimmt wird, anderntheils eine 
Statistik wie die vorhergehende durch die nähere Besprechung der 
Formen an Übersichtlichkeit einbüßen müsste, so mögen hier zugleich 
Wort formen berücksichtigt werden. 

begeben stv. refl. in der Wendung: (wir) begeben uns [hs. b 1J2 
to thun wir uns] in ein closter 18, 9 bietet ein ziemlich altes Bieispiel 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNOF&AUEN. 149 

Ton dem leisen Übergang des ehemaligen Begriffs Mer Welt entsagen, 
in ein Kloster gehen' in den modernen der Ortsveränderung und Be- 
wegung, der jedenfalls durch solche örtliche Bestimmungen wie hier 
tii ein eWster entstanden ist (vgl. mhd. Wb. I, 503 und d. Wb. 1, 1280. 2) a). 

brütegum stm. 17, 13. 19, 11 u. s. f. Der beiden Hss. gemein- 
same Reim brütegum : hom (:= komen) 16, 25 [31]. 21, 1 [251] gibt zu 
bedenken Anlaß, welcher Laut, u oder o, hier maßgebend sei. In hs. b 
auch der Reim kum (hds. kommen) : Jhesum 427. In den md. Evang.*) 
beißt es ebenfalls brüiegum^ aber auch meist kumen und wume^ vrumen 
(io der Mühlh, Hs. immer vrome)j ebenso der u-Laut durchgängig bei 
Jeroschin, im Passional K. kumen^ vrumen^ aber brütegoum 27» 23. Dies 
spricht dafür, daß es in der Sprache des Gedichtes kumen und vrumen 
hieß, was der Schreiber modernisierte. 

eder conj., sonst mitteld. in der Regel euler (vgl. unter andern 
Pfeiffer Myst 1, 570, Rückert hl. Ludw. zu pag. 29, 16, S. 117, Lilien- 
cron Rothe S. 689). Im mhd. Wb. 11', 430 ist abgesehen von aide, 
olde als Nebenform von oder nur oder und uder genannt. Das md. ader 
erhält sich bis Anfang des 16. Jhds. (d. Wb. I, 179). Aber neben 
cukr ist auch das hochd, oder im Mitteld. nicht außer Gebrauch, es 
findet sich z. B. in den md. Evangelien und im md. Sachsenspiegel. Die 
dritte Form ist das in der Hs. A erscheinende (ganz deutliche) eder^ 
welches in frühe Zeit zurückzureichen scheint. Gr. 3, 60 und 274 er- 
wähnt die ahd. Form eddoy edo, erdo. Bekannt ist, daß eder und häu- 
figer edder niederd. ist. S. Ettmüller zu Theophilus 105. 

Auf das vereinzelte Vorkommen von eder in den altd. Schausp. 
I, 2896, während hier sonst ader das gewöhnliche ist, wage ich keinen 
Schluß zu bauen, daß aber eder^ welches sich mit dem nd. eder^ edder 
ganz naturgemäß berühren würde, im nordlichen Thüringen zu 
Hanse war, ist zu ersehen aus dem Gebrauche Nordhäuser Hss., vrelche 
Förstemann in den neuen Mittheilungen des thür.-sächs. Vereins zu 
Halle bekannt gemacht hat. eder findet sich im Nordh. Exemplar des 
alten Mühlh. Rechtsbuches geschrieben gegen 1300 (n. Mitth. VII, 
], 78 ff.), in den Nordh. Weisthümern (I, 3, 15 ff.) und in den alten 
Gesetzen von Nordh. (III, 2, 1 ff. u. 3, 65 ff.) 

enelende stn. 15, 8. 21, 26. 28, 2, jüngere und mitteld. Form 



*) Md. Evangelien — die früher fSlschlich dem Matthias von Beheim als Autor 
angeschriebene ubirtragunge (der vier Evangelien) in dax mitteUte dütach vom J. 1343 
(vgl. Pfeiffer in der Germ. 7, 226 ff), welche ich im Auftrage der deutschen Gesell- 
0chaA XU Leipzig herausgebe. 



150 REINHOLD BECHSTEIN 

des älteren iUhnde^ eülendi: 8. Rückert hl. Ludw. zu p. 17, 14. Eber- 
nand 2230 stellte ich eilende her, nach Bech's Ansicht Germ. 5^ 496 
mit unrecht. Wie weit reicht enelende zurück? Hs. b hat elende 2. 
272. 504. Diese moderne Form auch schon in den md. Evang. 

ermüte stn. 24, 17 [401 armude]. Der Übergang von arm in erm 
auch in emiüt stf. z. B- hl. Ludw. 76, 3. Die Bildung ermüte, ermuote^ 
welche sich organischer als das missverstandene armuot stf. entwickelt 
hat (vgl. Gr. 2, 256. 257 und mhd. Wb. I, 68**), findet sich öfters 
im Mitteid., z. B. Myst 1, 81, 9. 160, 19. Wichtig ist die Frage, ob im 
Hochd. der Vocal den Umlaut erhalten hat oder nicht: armüete oder 
armuot e. Im letzteren Falle würde das Wort für unser Spiel zum Be- 
lege dienen für gute (= güete). 

hattej kette praet. Die Vocalkürzung verbunden mit der Ver- 
doppelung der Consonanz statt des alten und naturgemäßen hdte 
(:= habete) ist für das Mitteid. des 15. Jhds. Regel: s. unter andern 
Liliencron zu Rothe S. 711, Lewenhagen's Hs. von Heinr. u. Kuneg. 
Kapitel nberschr. 20, 24, 35 n. ö. (Einl. XIV meiner Ausg.), ferner 
Reimbeweise Pf. Germ. 3, 391. HL 2. Aber sie findet sich auch ira 
14. Jhd. : z. B. in der Mühlh. Hs. durchaus, in den md. Evang., im 
md. Sachsensp., in der Gothaer Hs. des Vaterunsers. In der Elisab. 
neben den Formen hdte, hdde, heie, hede, auch hatte ( : bestatte') Bartsch 
Germ. 7, 9. Ob der Conj. nach Analogie von hatte aus kcete^ hite zu 
hätte ^ hette wurde oder ob die alte Nebenform hete Doppelconsonanz 
erhielt (wie sullen statt sulen) wird noch im Einzelnen festzustellen 
sein. Welche Conjunctivform in der Sprache unseres Spiels zu gelten 
hat, lässt sich nach der einzelnen Reimstelle 20, 2 [164], die in beiden 
Überlieferungen verschieden gestaltet ist, schwierig entscheiden (s. u. K.), 

here adj. subst. hat im Mitteid. und insbesondere im Thüringischen 
wie im Niederd. die alte Länge des Vocals bewahrt und lässt so die 
alte Bedeutung durchklingen; das etymologisch begründete doppelte r 
wird alsdann vereinfacht. Im Mitteid. daneben auch herre, namentlich 
in Prosadenkmälern : Jerosch. , Passional K. , Sachsensp. , Myst. und 
Evang. Es verdient noch untersucht zu werden, in wie weit dies Jierre 
eine Anbequemung an die hochd. Schreibung und Aussprache sei. Im 
mhd. Wb. I, 664 f. ist here = herre, herre unberücksichtigt geblieben. 
Schon bei Ebernand here Einl. XXIV, in unserem Spiele hds. durch- 
aus , aber nur ein Reimbeweis (s. o. Quantität) ; häufiger im Spiel von 
St. Kath. (Citat nach den Verszeilen): here : kerkere 353: lere 384: ere 
683: eren 460, 692. heren dat. sing.: leren 110. Bei Rothe here Germ. 
3, 393 und 6, 274, auch in der Sprache des Spiels von Frau Jutten 



ZrM ölMKL VON DKN ZEHN JUN(}KUAUKN. |3| 

I>. Muneum N. F. 1, 54. Ober hrre im Niederd. vgl. Ettmuller «u 
Tlieophilu8 15. 

ichein adj. prou. 16. 16. 17, 1. 23, 10. 24, 5. 10. 26. 18. 31,24. 
lui Sp. TOD St. Kutk. nur einiual. Auf ichein ^ Form zwiscben drhfln 
und Xc'(>i hat ziUTüt Ilildcbraud im Cilo88ar zum äai-bt^eiibp. 8. 147 
uacbdriii'klicb aufmerksam gemacht; seiue weitere Austubrung s. d. W. 

\\ 4:i8. 

if =- ir pl. des 2. IVrtionalpr. lu Betreff der pbonett^c*bcll Bedeu- 
tuii;{ von i^ (bds. auch r/f) we^^cii Ueimmaiigeld keine Eutticlieiduug. 
Idt e iu cV Aufdruck der V^ooali^ierul)g den r und iht es zu bprechen 
mit einem dunkeln voealisrbeu Laute, wie r baufi<^ guttural genproehen 
wild? Oder ibt ^ Zeichen der Lauge de.s i,'weU*ht'8 man in kalligra* 
pbi.Hcher Uück>iebt nirht alli'iu hiuhet/.en wollte, also ic = i und dieses 
I im gleichen Vt*rliältnihtie zu ir wie f#«/. </#, ui zu wir^ dir^ trh? Oder 
ist endlich ie=jf^ ein l'bcrgang zum nicdcrd. yV, «/i/ 

lü adv. oder iuterj. Kiickeit bat hl. Ludw. dan iu mitteld. Quellen 
hiiuHg erscheinende io au mehreren Stellen be^proehen und ihm richtig 
versicbiedeneu Ur^prun«; und B<*griff zugetbeilt. S. 113 zu p. 17, 27 
wird 10 - jo =^jt<h^ 'ja doch, doch auch* erklart, 8. 131 zu p. 45. 5 
viird gesagt, es sei hier wie t^o oft uuentbchieden, ob man es an joch 
oder an Ja anzuHchlieÜen habe und S. 121 zu p. 35, 23 wird io -^ iV 
immer* aufgetaüht. In unserem Spiele durfte 29, 41 die Interj. ja an- 
zunehmen sein, wie auch hs. b 588 steht; 31, 2 kann i<; (624 eben* 
falls jo\ als j*l und als jorh stehen und für 28, 6 pasi<t am lH*8ten joch 
;508 j«ij (H. u. K.). 

cratc Bwf. 27, 23 [491 krode), mhd. krotf, kroftr mlid. Wb. 1, 889. 
Pa^H. K. krotf 237, 87, Herb. krrU 8:<64. altd. Schausp. krafen III, 389. 
If^t in kraie die im Mitteld. öfters vorkommende Erhöhung des o iu 
u oder Verdunkelung des ^ in a anzunehmen? 

lampfl swf. pl. lampftu 16, 24 [daitir hs. b 30 /tV#7i/] , lampeltn 
auüer Keim 20, 16. 20; im Keime mit ichnfd 17, 24 |lis. b 64 um* 
ptlm : tffimpilrtt] eigenthumliche gemi»ichte Form von atnprt swfl (mhd. 
Wb. I, 31*) und lampc swf. (mhd. Wb. I, 930*), welche ich sc>n!«t nicht 
nachweisen kann. Fände sich lampcln in einem oberd. Denkmale, ho 
würde man versucht sein, an das Deminutiv von lurnj^ zu denken. 
Außer den angeführten Stellen findet sich im Spiele auch einmal der 
lat. PI. lantpatifs 19, 28 [158 la9fipaden\. 

Itb hnbfHy eine besonders im Mitteld. beliebte Wendung für den 
Re^iiff 'lirben'. In unserem Spiele ooi wtl un» ß^if'^n llh A'iV 18, 24 
[I24j. Schon bei Herb, loldc ich den /vp haöm, drr vnch ^etfu If'jrüben 



152 REIMHOLD BECHSTEIN 

sehe 12591, bei Ebemand und huotest der die liep Kant dich 609, bei 
Jeroscb. so habin ei in lip tdoch Gl. 188. In den md. Evang. Ixb haben 
überaus häufig für amare und diligerey liber haben för plus amare, plus 
diligere. Durch Verschmelzung beider Worte zu einem Begriffe das 
Subst. liephab^e, libhaber: s. mhd. Wb. I, 601, wo ein einziges Bei- 
spiel aus Myst. 67, 19. Schon bei Ebernand liephab^e {\ gew^e) 3415. 
Das Wort wird sich gewiss noch häufiger finden lassen. 

sdn adv. erscheint in Hs. A nur einmal außer Reim 27, 14 [hs. b 
482 abw.], in hs. b selbständig im Reime mit gegän 339; beidemal 
richtig in der mitteld. Form: vgl. Pfeiffer in der Germ. 6, 242. 

selben sw. gen. := selbes (woraus unser selbst). Rückert hat 
hl. Ludw. S. 109 zu p. 12, 16 bei Besprechung von selbis auf den 
schwachen Gen. selben aufmerksam gemacht, der sich einigemal in den 
von Leyser herausgeg. Predigten des 14. Jhds. finde. Dieselben Citate 
auch im mhd. Wb. II*, 245. In Gr. 3, 5. 646 wird selben nicht er- 
wähnt ; die Form , welche an sich ebenso wie selbes und selber ausge- 
dehnt auf alle Fälle Berechtigung hat, verdient nicht unbeachtet ge- 
lassen zu werden; in kritischen Ausgaben mag sie wohl stillschweigend 
getilgt worden sein. Wie in jenen vielfach mitteld. gefärbten Predigten, 
so erscheint selben auch in unserem Spiele in Hs. A [hs. b. selbes]^ wo 
die Beziehung auf das Subject nicht bezweifelt werden kann : ich wel 
üch selben brenge üz deseme enelende 21, 25. ich toel üch selben Ionen 22, 3. 
Ebenso im Sp. von St. Kath.: di wärheit wil ich selben sen 55. ich teil 
selben met dt ge 359. daz sali du seibin ervinden wol 380. Dieser Ge- 
brauch berührt sich mit dem niederd. sulven: z. B. dei dävel hat dai 
sulven schreven Trierer Theoph. 387. twär, jode, ik weit dat sulven wol 
das. 492. Vgl. auch Frommann's deutsche Mundarten III, 186, 55: 
dort eine mundartliche Form selm aus Österreich angefahrt, ferner das. 
VI, 38, 24 selm aus dem Oberinnthal und 344 aus der Mundart der 
Heanzen. 

8u = sif sicy siu fem. und pl. des 3. Personalpr. erscheint öfters 
in mitteld. Quellen, von denen nur die genannt werden sollen, deren 
Heimat bekannt ist: in den Nordb. Weisthümem (in den neuen Mit- 
theilungen, 8. o. eder\ in den alten Gesetzen von Nordh. (3, 3 u. 4), 
in Citaten zweier Mühlh. Hss. in Stephan's Verzeichniss 22 S. 128 und 
35 S. 141. Hieraus kann geschlossen werden, daß su dem nördlichen 
Thüringen eigen ist. — Wegen Keimmangels kann über die phonetische 
Bedeutung des u nicht entschieden werden. Daß su = sü = siu und 
nach Analogie für alle Fälle durchgedrungen sei, ist nicht wahrschein- 
lich: die älteren Denkmäler sprechen dagegen. £s kann u in su ein 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNOFBAUEN. 153 

dunkler Laut sein aus der Schwächung se^ aber auch = t2, Verdun- 
kelung aus t, wenigstens für die Zeit des Schreibers, darum wohl auch 
hds. 8Ü. Thüringische Mundarten der Gegenwart werden hoffentlich 
über vieles noch Auskunft geben, bis jetzt sind sie wissenschaftlich 
auffallig vernachlässigt. Im Hennebergischen hört man ^ statt sie. 

sunderj sundern praep. erscheint nur einmal in der im Mitteid« 
beliebten Phrase sundern spot 16, 11 [17], dagegen begegnet sunder 
wdn nicht; häufiger ist dne : äne ende 29, 37. dne orteil 24, 32. 26, 21 
[448]. dne rüwe und dne hicht 32, 12 [660]. dne zel 25, 19 [interp. St.]. 
dne zal 30, 16 [605]. Umgekehrt im Sp. von St. Kath. sunder häufig, 
dne niemals. — Ob n in sundern als eine sogenannte unorganische eu- 
phonische Gestaltung anzusehen ist, lässt sich nicht ohne Weiteres be- 
stimmen. Sollte sundem nicht eine bewusste Adverbialbildung sein im 
Gegensatze zum Adj. sunder ^ welche sich später auf die Conjunction 
beschränkte ? 

swevil 25, 20 [interp. St.], ebenso Kath. swevel 472, Myst. swevel 
1, 86, 15. sweval 102, 36, mittel- und niederd. Mittelglied zwischen mhd. 
swebel und nhd. swefelj Schwefel (goth. svibls). In den md. Evang. schon 
sweßl Lucas XVII, 29. 

tempeltrete sw. subst. 18, 2. 6 [94] nachzutragen mhd. Wb. III, 
101% 37, wo nur ein Beispiel aus den altd. Schauspielen. 

vere adv. 16, 8 statt verre oder veme. Sollte Schreibfehler vor- 
liegen oder ist vere eine berechtigte Form des alten fer, oder hier ein 
ähnlicher Process wie bei here statt herref In Lewenhagen's Hs. von 
Heinr. n. Euneg. steht 4118 ver adv. 

vormunde[n] Hs, A: {weme sul wiz den hunde\n\T) so mögen vA iz 
wol Vormunde u. s. w. 30, 6. Stephan fasste das Wort auf als Verbum 
mit der Bedeutung ^sagen, aussprechen', was aber sonst nicht nachge- 
wiesen und auch an sich unwahrscheinlich ist. Hs. b: (wem suUen wir 
es dann kundenT) so mögen wir uns wol vermunden 593. Hier kann das 
refl. vermunden kein anderes Wort sein, als welches Schmeller 2, 596 
citiert in der Bedeutung 'sich in den Schirm eines andern begeben', 
und ist dasselbe mhd. Wb. II, ], 238* nachzutragen. 

weis, weges gen. In V. 25, 8 [interp. St.] kann loses weis nichts 
anderes bedeuten als 'böses Weges'. Es ist dies ein sehr frühes Bei- 
spiel vom Gebrauch des adverb. Gen, von wec^ den die neue Zeit weiter 
und zum Theil nach falscher Analogie ausgebildet hat; vgl. Gr. 3, 143. 
4, 681. Vemaleken d. Syntax II, 37. 160. 

wenig iman 30, 9 [598] ^kaum jemand*. Weitere Beispiele inbd. 
Wb. m, 559, 48 und Bech, Germ, 5, 246- 



154 HEINHOLD BECUSTEIN 

wirUehaftgezouwe stn.] In Hs. A ist die Stelle 19, 1 1 ff. wi wizzen 
nicht wanne der brdtegum kämet; so hd uoi leider w^ig gevrumet unse 
Wirtschaft gesch(mwe[n\^ viexin aach an sich nicht ohne Sinn^ doch matt 
und deutet ein Missverständniss an. Für geschouwen vermuthete 
ich zunächst gezouwen und dachte auch an wirtschaftgezouwey was nun 
durch hs. b bestätigt wird in V. 143. Außerdem kommt es in den 
Theilen, welche hs. b selbständig aufzuweisen hat, noch zweimal 
vor V. 196. 237. Das Wort ist mhd. Wb. HI, 943 nachzutragen. 

zu und zu (czü) für mhd. zuo, ze und zer wie in allen mitteld. 
Schriften. 

VERS UND REIM. 

Wie in allen Dramen des Mittelalters, ist auch im Spiel von den 
zehn Jungfrauen der Vers der Kunstepik, die kurzen Reimpaare 
angewandt (vgl. W. Wackernaßjel Litteraturgesch. 3J0), jedoch mit 
allen Freiheiten, welche die Verskunst überhaupt gestattet. Es lässt 
sich nicht leugnen, daß für das Drama jene Kunstform wegen ihrer 
engen Grenzen nicht sonderlich praktisch war. Volle Freiheit in der 
Ausübung musste namentlich in einer Zeit erstrebt werden, welche die 
überlieferte Strenge als lästig empfand und nach neuen Formen suchte. 
Den Ausdruck 'Reimprosa', welchen Rieger (314) fiir die kunstlose 
Form des Dialogs gebraucht, wird man in gewissem Sinne billigen 
können, doch ist nicht außer Acht zu lassen, daß die Grundform immer 
rythmisch ist und daß selbst in jüngeren und schlechteren Überlie- 
ferungen der viermal gehobene Vers vorwiegt. Eine zusammenfassende 
historische Darstellung der dichterischen Formen in unserem Drama 
des Mittelalters würde für die Geschichte der Poesie und Metrik eine 
sehr lohnende Aufgabe sein. 

unser Spiel ist hinsichtlich der dichterischen Form, wie Rieger 
mit Recht betont hat, deshalb von so besonderem Interesse, weil am 
Schlüsse der episch-dramatische Vers in die Strophe des Walther- 
liedes übergeht. Schon diese Wahl eines lyrischen Metrums würde 
vermuthen lassen, auch wenn wir es nicht durch die ausdruckliche 
Vorschrift in Hs. (A) prima cantat u. s. w. wüssten, daß dieser Schluß 
mit Gesang vorgetragen wurde. Auch ist der erste Vers der ersten 
Strophe in Hs. unterstrichen, ebenso wie außer den Scenerieangabeu 
die lateinischen Stellen, welche bekanntlich alle gesungen wurden, auch 
wenn die Vorschrift nicht besonders bemerkt steht. 

Diese erste Strophe ist nun aber in beiden Überlieferungen nicht 
^»*5 des Waltherliedes, sondern die Nibelungenstrophe. Rieger 



H 



ZUM SPIEL VON I>£N Z£liM JUNGFUAUEM. 153 

hat desLalb V. 618 eine Ergänzung der 4. Zeile (7. ILdbzeile) um zwei 
Hebungen vorgenonimeu. Trotz dieser Änderung unterscheidet sich 
die erste Strophe wesentlich von den andern in der 3. und 4. Zeile, 
indem sie nicht wie diese C'usur-Reim oder mindestens Casur- Assonanz 
autzuweisen hat. Allerdings fehlt nach der Cherlieferung noch in einer 
andern Strophe dieser künstlerische Schmuck, aber die Herstellung des 
K«'liten ergibt sich dort ohne Schwierigkeit (s. u. K.). Vielleicht hat 
die Form der Nibelungenstrophe doch Geltung, denn ihre Wahl im 
I>rania steht nicht vereinzelt, ja selbst der erste Vers der ersten Strophe 
NM hehtt sich groz tchrinen und vcfineti ummertne findet sich angewandt 
am Schlüsse einer (Trierer) Marienklage (Hoffmann*s Fundgruben 
2, 2tH> fl*.)- Dort wird ebenfalls in der vorhergehenden Scenerieangabe 
eii^ens bemerkt: Maria cantat qw d trquitur^ Der ohne Zweifel verdor* 
l>ene Text dieser Strophe (S. 272) lautet in Hoffmimn's etwas willkür- 
licher Umschrift : 

Sil litbtt «ich Qruz tceintn unde schrien immerftir» 
Ali enwfiz ich arme vrauwe trif ez mir tiii ml trpiht. 
Sil bin ich arme vroutce rcnreisct al*o gar: 
Minen tro.-it hat mir hcnomcn diu vaUchc judcnachar. 

Es ist anzunehmen« daß jener erste Vers noch «"»fters in typischer 
Weise zur Anwendung kam: neue Quellen werden dies vielleicht (>e* 
iitäti|^en. 

Wenn es auch als das Einfachste und Natürlichste erscheint, daß 
Ȋmmtlichc Strophen nach einem Ton gesimgen wurden, so ist es doch 
auch nicht umlenkbar, daß ein Wechfsel, ein Übergang von einer Strophe 
in die andere stattgefunden hat, der noch dazu so leicht zu bewerk* 
stell igen war. 

Im Allgemeinen finden sich im Spiele reine Keime einschließ* 
lieh derer^ welche mundartlich rein sind. Daneben aber herrscht auch 
Freiheit. 

Länge nnd Kürze gebunden außer den schon angeführten Fallen 
IS. o. Quantität): nirhi : Urht :}2, II [659]. aot : v^t 20. 9 [171 goix 
nut], 22, 21 [353]. hin : $un 15, 3 [fehlt hs. bj. 

t : tn gebunden außer den Infinitiven, wo Reinheit des Keimes 
berzQStellen ist: btie : Inten 20. I [hs. b 163 abw.j. ehester : iUtem 18, 9 
jHIj. verdünnen : nunne 14, II [109 rcrMtntitr p.irt. : nunne]. trutrtfi : rthre 
30, 24 [611 ruwen sw, acc. f. oder m. ?|. — Hieran reiht sich mriimtr 
ffi'n 32, 3 [651]? K.] t'onsonanz : ConM>nanz mit l: mirh : ufcht 31, 2 
'^62.*] (wenn nicht nich herzustellen), tart : $char 32, 1 [649j K. 



156 REIKHOLD BECHSTEIN 

Assonanz. — 1. Liqnida einfach: welihen 31, 11 [633]. teile i 
eleine 20, 3 [165 deiln : cleln], gram : vorgan 28, 29 [541]. vel : mere 28, 9 K. 

2. Liquida in Consonantenverbindnng : hochvart : starc 28, 21 [523]. 
brenge : enelende 21, 25 [271]. vindet : gelinget 16, 27 [39]. darumme : tH?r- 
gunde 25, 28 [interp. St.]. 

3. Liquida: Labial: nemet : lebet 29, 14 [561 inf. nemen : leben], 

4. Liquida : Dental : ptne : lide 29, 1 1 [hs. b 657 abw. pin : »in]. 
30, 14 [603]. 

5. Labial : Dental : geschade : habe 18, 23 [123]. 

6. Labial: Gattural: tagen: haben 29, 16 [563]. grapimac 32, 7 
[655]. gelouben : ou^m 21, 17 [fehlt hs. b]. ougen : beschouwen 28, 13 [515]. 

7. Dental: Guttural: schade: trage 20, 19, [fehlt hs. b]. 

8. < : < in Consonantenverbindnng: hat : wart 16, 15 [21]. 

9. ß : cht : Wirtschaft : gemacht 16, 7 [13]. 

10. ft:rt : gespart : Wirtschaft 17, 11 [51 gespart : wirtschaftfart] K. 

11. eh: seh : gebrochen : vorlosehen 19, 27. 20, 15 [157 gebrosten : 
v^2o«cA«n]. 

Verletzung der Quantität. — leben : sterben (hds. st^bgn) 29, 6 [553] . 
In Hs. A schapel : lampeln 17, 23. In hs. b sere : mere 511. Zu er- 
wähnen sind noch die rührenden Reime ttslich [yylich] : tStlich 16, 31 
[37]. nicht : nicht 32, 13, wo die Änderung nicht : wicht nahe liegt und 
durch hs. b 661 bestätigt wird, gesümet hat : gebüzet hat 23, 1 , wo 
hs. b 363 Besseres bietet. 

LESARTEN DER (MÜHLHÄÜSER) HANDSCHRIFT A. 

Die vorausgehenden sprachlichen Anfuhrungen, sowie die Citate 
in den folgenden kritischen Bemerkungen weichen in einzelnen Fällen, 
weil sie sich auf die Handschrift gründen, von dem Texte ab, wie er 
durch Stephan oder L. Bechstein gegeben ist. Schon in dieser Rück- 
sicht ist es geboten, die hds. Überlieferung im Zusammenhange zu be- 
legen. Hauptsächlich aber möge deshalb eine Zusammenstellung der 
Lesarten der Mühlhäuser Handschrift folgen, soweit sie entweder von 
dem einen oder von dem andern Abdrucke abweichen, damit diese 
Texte künftig für gelehrte Zwecke nach irgend welcher Seite hin be- 
nutzt werden können, und niemand mehr die Nichtachtung des Spiels 
mit der Unsicherheit der Überlieferung entschuldige oder beschönige. 
Wie nöthig es zudem ist, mit einer Berichtigung der ersten Abdrücke 
und insbesondere des zugänglichsten nicht länger zurückzuhalten, zeigt 
uns die Mittbeilung Riegers: der Herausgeber des neu aufgefundenen 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN. 157 

Textes bat in den Angaben der Abweicbungen der IIa. A eine nicbt 
geringe Ansaht unrichtiger Lesarten bringen müssen. 

Zu der folgenden Aufzählung ist die kurze Darlegung über die 
Schreibart der Hs. A zu vergleichen. Es kommt hier vorzugsweise 
auf das Sprachliche an, deshalb ist bei Berichtigung von Unvollkommen- 
heiten und Fehlem abgesehen 1. von vi» = und^ unde (Stephan vn, 
Bechstein mn), 2. von y und i, 3. von ti (St. u, B. u\ 4. von v und 
M aia Vocale und Consonanten, 5. vom Endungs-« oder i, 6. von k 
and ck^ ez und tz, $ und /. Citiert kann wieder nur nach B. werden, 
da St die Verszeilen nicht absetzt. Zugleich wird nothigen Falls auf 
ha. b und insbesondere auf die von Rieger angefiihrten Lesarten Rock-* 
sieht zu nehmen sein. 

15, Z, tu. 6. St criit^ B. CkTi$t\c$L S. emiendt. 

16t 3* ^'"' vmme (a. wo immer getrennt). 6. tn $uli€n* 7. y*<efi. w^t$ek0ft 
(n. so immer abgek&rst). 14. gor, 16. [hs. b 2S] St o. B. teA^yn] 
irA#y. 24. trage. 25. komtUßcke (? s. o. Vocale). 30. St n. B. wirt] 
vt (a. to immer abgekfint). 84. her ni. 

17, 2. |42] tnrizxtfn. 7. da czi. 8. den. 10. St wtrt^ B. w€rf\ wU (rgL 
tu 16, 30). (hs. b 61 wirdei], II. ai4t, 12. we mugtn, U. w'de. 
16. [5Cj swtsCrt. 17. [57] En Ttre (o. wo fast immer , nie frouiMn). 
20. vnte. 21. noch. 22. v<>A/ geüye, 26. »o. 32. St a. B. mmdir$\ 
tu<tM (niemals i aasgetchr. in den Snbst anf er b= ^e = irrt)* 
38. Übe. 36. dar rf. 38. gthitt. 40. [80] laz. 

18, 6. [94] aide, tempelfte. 7. v*iee (u. so immer, nie o**w). 11. vor tunnen 
(so öfters getrennt; weitere AnfÜbrang annotbig). 14. [114| ras fehlt 
Hs. \b. $^est\ \S. gescket. [IIb geschickt.] \^. v/. gerkkt. 20(120] 
kumttvaldigen. 21. [121] .<?i vy. 

19, 2. »Cphe. 9. )139] CuTe. 13. [143] geicko^. 17. #n Aon (so öfters 
getrennt). 18. ntüe. 21. [\b\\ flizielicke. 23. [163] St oref, B. #r«s) 
runder Bachstabe, doch eher ere$. 24. St komit^ B. Irom/] kom'» 
25. iuncv*tee. (n. so immer). 

20, 2. c/y. ketten. S. Bolde. 4. St yeiran«, B. gewinne] geume (d. L ge* 
irtmiw, ^nrttnn« conj. praet [hs. b 166 abweacbend]. 7. (169] tmogi. 
8. JUMf/* (a. s. öfters statt der ToUen Form), daz U (170 do itj). 
22. rel. 24. m>rA. 28. [21 4| daz iz, 

21, 4. ix. 10. [260] u>äne. 13. ki*rkvart vn k. 14. iwn</iVinV. etrickegt 
(in diesen Worten immer k oder rlr, nie rA). 14. habe «y. 15. n/lis 
doM. 18. Aafi 5rr. 32. ergttze. 

22, 3. ipr£. 13. gelttl/. 24. cf//rr mtf/»t. 16. St engere^ B. nuf'r] nu^it. 
[» bs. b 288.] 20. [J90] St den, B. c/<m] di. 21. St </i#, B. dC^ 
/ (d. i. c/it) [— hs. b 359]. 

23, 2. [362] fude. 3. (:i>>3 ] ^•'»'. 4. St wrdit, B. tnr«/!!] wdit. ingtlan. 
14. komelricke \'( s. o Vucmle). i*«»r be»htzzen. 16. [37»5] ^€1* iry. 
MiA/r. 20. [380] tf. 24. Itpiuke. 

24, 5. mgme. 7. ds< en kat. des eurtick [bs. b 391 abwetcbend]. 8, [392] 



158 KEINHOLD BECHSTEIN 

»nter, 9. imjme. 12. arme. 13. manicvaldtgen. 16. [400] enhatte. 
17. [401]o//*>. 21.//Atf. 22. [406] a%. 27. [411] Jarnoc/i. ZZ.gesche. 

25, 3. St. redil^ B. r^-r//] r^c^. 7. wollen. St. wi7, B. OT€<] m'. 8, tooUen, 
böses, 17. a//«z. 18. ^en. 25. wor vmme. allir meysU 

26, 2. [429] /iVi^z. 8. c/f«. [435 der]. 12. [439] St. mit manchen vnge- 
mache, B. manchem] müchl. 30. St /ow/, B. tcnit] touc. 36 [463] St.. 
sundir, B. *tin</er<»] *wc?\ 40. myme. 

27, 2. .«ftir/c [470 ninden], 11. nflintf tc^r/. 13. heyige. 15. St. u. B. werde ^ 
to'de (d. i. an dieser Stelle tcorde coDJ. praet.) [483 teere = tc^r«, loaerej» 
17. ofc<? (u. 80 fast immer), wor üme. 21. alczti. 22. ntVA/. gewsche. 
24. »oV/. 27. T-mmer. 

28, 2. [504] </^c. 8. [510] äo//?. 11. heh*. 12. [514] nocÄ. 16. [518] 
i.t. 22. [524] dyn. 28. iros = Hs. [509 drost]. 29. 8t. u. B. wert 2 
w^'t (viell. fror/, wäret f s. o. K.) [hs. b 531 werdet], alczv. 30. [532] 
St wir, B. wy] w\ 31. St u. B. herczliben] horji l. (d. i. hont L 
vgl. 29, 12) [533 höret], 40. allis. 41. n//i>. 

29, 6. st^ hyn. 8. rfa vor synnet. 10. St u. B. n»rÄ = Hb. 13. spigele* 
16. St iJweren, B. itccm] wr'n. 19. St hulden, B. hulde] hulde [hs. b 
566 Ä«W^]. 29. letffe henevari. 30. [577] des. 35. r/e* *y. St o. B. 
//«r vor»/. ] rf' [582 </t«]. 

.30, 1. sy lihe. 2. flWe d' harmeh. [591 o//«r ä.]. 10. [599] den. w^'desl. 
11. [600] ere. 13. rforcÄ ^r. 17. ohir al. 20. ^rosi'. 27. iemerliche 
30. ww\ [= hs. b 617 unser]. 31. r/«z /. kumUiche. 34. waz. 35. en- 
walde, doch ist a in r> zu corrigieren gesucht, herhöre. 

.31, 1. dy hat, 2. wflr wne. 4. sy, 5. fniV«« /a/. 6. [628] schi^e (d. i, schire). 
14. ewicliche. 20. [642] St. rzw emclichen, B, «irtc/icA^m ] ewicliche. 
iemerliche, 21. Mi//f. 

32, 1. St rfiirr*, B. f/irr«] rfVe (u. so immer in Hs. abgekürzt). 3. gese, 
4. allez. 7. tö^rfi/. 12. ror vorn. 16. [664] St r/^n, B. dem] de. 

ZUR KRITIK DES TEXTES. 

Eine Dichtung von dem litterarischen und poetischen Werthe wie 
das Spiel von den zehn Jungfrauen verdient es wohl^ daß man ihrem 
Texte, wenn er nicht unverfälscht auf uns gekommen ist, kritische 
Nachhülfe angedeihen lasse. Jetzt nachdem ein zweiter und trotz seines 
jungem Alters vielfach die ältere Fassung übertreffender Text vorliegt, 
ergeben sich eine große Zahl Berichtigungen und Verbesserungen von 
selbst, welche ohne diese Hülfe zum Theil durch Conjecturalkritik bald 
mehr, bald minder leicht zu erreichen gewesen wären, zum Theil aber 
auch so geartet sind, daß der einzige Text schwerlich auf sie geführt 
hätte. Dennoch finden sich immer noch einige Stellen, welche eine 
kritische Erörterung wünschenswerth erscheinen lassen, und um so mehr, 
als uns fiir einige Verse noch ein dritter Text zu Gebote steht, der 
^ohl längst bekannt und viel citiert, noch nicht mit dem Spiel 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN. 159 

von den zehn Jungfrauen in vergleichende Verbindung gebracht wurde: 
dieser Text ist enthalten im 4« Theile (Christi Höllenfahrt) des Als-- 
felder Passionsspiels (ed. Vilmar, Zeitschr. 3, 477 flF.); also eben- 
falls aus Hessen kommt uns das zweite Zeugniss vom Fortleben un- 
seres Spieles. Sogar diese aus so junger Zeit stammenden Bruchstücke 
haben uns in einigen Stellen das Alte und Echte treuer bewahrt als 
die frühere Niederschrift. Aber wichtiger noch als diese Wahrnehmung 
muß uns die directe Benutzung eines vorliegenden älteren Textes für 
einen andern mehr oder weniger verwandten Stoff erscheinen. Wir 
wissen auch anderwärts, daß die dramatische Litteratur des Mittelalters 
gar viel Typisches und Formelhaftes enthält ^ aber im Einzelnen ist 
dieser durchgehende Zug noch wenig gewürdigt worden (vgl. Bartsch 
über ein geistl. Schausp. des 15. Jhds. Germ. 3, 267 ffg.). 

Gerade die Entdeckung der Hs. b muß doppelt zu einer weiteren 
Betrachtung und Ausbeutung des Alsfelder Passionsspieles anregen, 
welches bekanntlich von Vilmar nur theilweise mitgetheilt wurde. Es 
wird zu untersuchen sein, ob in den noch unbekannten Stücken sich 
nicht noch mehr Stellen aus dem Spiel von den zehn Jungfrauen vor- 
finden und namentlich solche, welche uns in hs. b allein überliefert 
sind. In gleicher Weise verdient das dem Alsfelder nahe verwandte 
Friedberger Passionsspiel, über welches Weigand (Zeitschr. 7, 546 Sg.) 
berichtet hat, eine wiederholte Durchsicht. 

Deutscher Text. 

Der Eingang in beiden Hss* verschieden. Daß der in hs. b alt 
ist, älter als die Niederschrift, das scheinen mir die Reime zu bezeugen. 
Aber die Ursprünglichkeit ist wohl in Hs. A. zu finden, einmal weil hier 
das Gebot, Stillschweigen zu halten, ein Publikum voraussetzt, also 
dramatisch ist, und sodann, weil die ersten Zeilen mit ihrem Reime 
iüU : bedüte formelhaft sind. Dieselbe Wendung nu swiget lieben lüde 
vnd lat uch betüden im Alsfelder Passionssp. 1 , 85 (Zeitschr. 3, 482) 
und ähnlich Himmelf. Mone I, 254, 1. aagit Itben lute, kan mt dit niman 
bedüte Kathar. 38. merkit liben lüte* . : bedüte Kath. 217. höret ir cristen 
lewte was ich hewte bedewte Zerbster Procession Zeitschr. 2, 281. Die 
Formel auch noch in den Fastnachtspielen, z. B. nu merket lieben leut, 
neue mer ich euch bedeui Keller II, 595, 5. nu luget liben leut was ich 
euch bedeut das. 606, 25. 

15, 5. Jhesü Crist] der Vers zu kurz; mit ziemlicher Sicherheit 
zu ergänzen: (van) unsem heren Jhesü Crist. Vgl. a. Heinr. 807. 

17, 1 — 3. Daß {enphlut = enphlüt = envliuhet :) züt = ziuhet statt 



160 EEINHOLD BECHSTEIN 

des hds. alet geschrieben werden muß und daß in Z. 2 obir uns wahr- 
scheinlich erklärender Zusatz ist, wird gewiss jedem einfallen. Hs. b 
hat auch 41, 42 richtig enphluget : zugetj aber auch 42 vber uns. Der 
folgende Vers ist in Hs. A verdorben : eder siinen angel slinden^ noch 
mehr in hs. b: oder sin angel swinde. Zu richtiger Fassung verhilft 
uns eine gleiche oder geradezu dieselbe Stelle im Alsfelder Passionssp. 
(von Vilmar Zeitschr. 3, 477 nicht mit abgedruckt), welche Weigand 
bei Gelegenheit seiner Mittheilung über das Friedberger Passionssp. 
in einer Anmerkung beibringt (S. 548). Weigand sagt: . . . übrigens 
redet der Tod im Alsf. Spiele von seinem necze^ hinsichtlich dessen 
vorausgeht er slichet fatt hyr [her] zu und seiner angeL 

Mer enwysszen ngty wen hie [der doit] syn necze zyhet 
Adder wer synen angel sal slingen (: fynden) Bl. 48*. 

Demnach wird der alte Text gelautet haben: 
der tot sticht vasie her zu 
beide späte unde vrü: 
unser ichein eme envlüt 
wir enwizzen (nicht) wan her sin netze züt 
oder wer sal einen angel slinden, 

17, 12. Hs. A we magen vorsümen di Wirtschaft (: gespart)^ hs. b 
52 bietet reinen Reim: wirttehaftvart. Dennoch dürfte hier die Lesart 
von A dem Sinne angemessener sein. 

17, 23. Hs. A: schapel : lampelen^ hs. b 63 gampelen : ampelefi. 
Die bessere Lesart von hs. b deutet auf eine alte Vorlage. Wären 
wir auf Hs. A beschränkt, dann wurde schappel : lampeln wenigstens 
nicht zu verwerfen sein (mhd. Wb. H", 85^ 40). 

20, 2 f. [163 f.] Eine Stelle, die uns zeigt, daß auch die Reime 
nicht immer zuverlässig sind. In A der Reim bete stf. : heten conj., 
also Kürze des Vocal und einfache Consonanz gegenüber dem hds. 
heilen. In b der Reim ledert : heden und zweifelhaft, ob teten : heten oder 
teten : heten zu gelten hat, doch ist ersteres das Wahrscheinliche. 

22, 2. Hs. A etwas formlos: ir sult nummer ungemach Rde eder 
pm, hs. b 276: ir suUet nommei* leit me geliden (ader pln von Rieger er- 
gänzt). Der Vers ist durch Umstellung glatter zu machen, sowie durch 
eine kleine Umänderung, zu welcher V. 18, 16 [116] das Vorbild gibt. 
Also mit 4 silb. Auft. zu lesen : ir sult nummer liden ungemach und pin, 

22, 6 f. ir sult daz hemelriche besitze mit mir ewicliche fehlen in 
hs. b nach V. 278. Daß diese Zeilen alt sind, bezeugt ihre häufige 
und formelhafte Anwendung. Sie finden sich z. B., wenn auch nicht 
Wort für Wort, Kathar. 591. 681. Alsf. Pass. 4, 103. 119. 178. 



ZUM SPI£L VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN. 161 

22, 11—18 [283 — 288] finden sich mit geringen Abweichungen 
im Alsf. Fass. 4, 215—222 (Schluß des Ganzen). Und diese Parallel- 
steile ist in verschiedener Hinsicht wichtig. Zuerst bestätigt sie mit 
hs. b, daß es 22, 16 [288; 220] unser ie heißen muß (s. o. Lesarten 
▼on A). Sodann zeigt sie, daß die Verse wol uns hüte und ummer rne, 
daz un dich ie solden gese keine Interpolation von A, sondern in hs. b 
mit Unrecht ausgelassen sind, und drittens bestätigt sie die Vermuthung, 
daß im zuletzt angef. Verse eher sullen^ suln statt solden die ursprüng- 
liche Lesart sei (vgl. 30, 23 [610]). 

23, 7 f. [367 f.] = Alsf. Pass. 4, 186. 187 (516. 517): gnäde A u. 
AP besser als dm gnäde b. 

23, 9—12 [369—372] = Alsf. Pass. 4, 191—194 (517). V. 193 
bestätigt, daß es mit Hs. A in hs. b selben statt seiden zu heißen hat. 
V. 23, 42 [372; 194] lauten in allen drei Texten verschieden: (wan ir 
zu ielieiner zit mich selben erkant hat) noch den andern armen ni ein gut 
getät A, noch die andern mtn hantgedät b, nach gedienet früe adder spdde 
AP. Daß hs. b hier das Richtigste bietet, unterliegt keinem Zweifel. 
Hs. A ist auch noch an einer andern Stelle V. 26, 15 [442] dem un- 
geläufigen hantgetät aus dem Wege gegangen. 

24, 7 [391]. Rieger fahrt in der Lesart an: 391 des enhat (der 
Rest fehlt). 392 des vurt ich daz u. s. w. Ich glaube, daß die Vers- 
eintheilung in Wartburg. Bibl. richtig ist: des enhät, Messen habt ihr 
nicht (gethan 384)\ des vurt ich, deshalb furchte ich | 392, daß u. s. w. 
So hat es jedenfalls der Schreiber von A verstanden. Doch scheint 
hs. b die bessere Fassung aufzuweisen. 

26, 36-39 und 27, 3. 4 [463-466 und 471. 472] = Alsf. Pass. 
4, 182—186 (S. 516). Danach ist arme sunder mit A u. AP zu lesen 
statt sunder in b, und ach und wS mit b u. AP statt ach und owe in A. 

28, 6 f. [508 f.] A : io geschet nummermere, b : ja nu geschieht uns 
nammermere. .io würde in der Bedeutung von joch 'ja doch' ganz gut 
am Platze sein. Daß ein Dativ im Satze zu stehen hat, versteht sich 
von selbst, doch würde ü (üch) dem Sinne des vorhergehenden Impera- 
tivsatzes angemessener sein als uns. — Das hds. tros 28, 7 [drost 509] 
deutet wahrscheinlich auf den Gen. : trSstes noch genäde mS : vgl. mhd. 
Wb. m, 115*, 18. 

28, 45. 29, 1 [547. 548] A: ie (Anrede an den Tod) vare doch 
obir mSnen Rp. gar unbarmeherzic. war umme nemet ie nü mich nicht ? h : 
«r Ufaret doch über minen Kp gar unbarmherzig vor der ssit. Auch die 
ohne Zweifel bessere Wendung in hs. b will nicht genügen. Für ir 

eBBMANIA XI. l } 



182 BEINHOLD BECHSTEIN 

wäret (wäret) wird wohl ir väret (ihr lauert) mit A zu lesen sein, ob- 
gleich dann obtr mtnen Up statt mines Uhes immer bedenklich ist. 

29, 6 f. [565]. Sollte nicht für sterben : leben ursprunglich sterben : 
werben gestanden haben ? Die Yermuthung wird durch die Lesart von 
hs. b bestärkt: ein ommer wer ende leben. 

30, 20 ff. [611 ff.] Ich versuche mit Anschluß an A eine andere 
Yerseintheilung, als sie L. Bechstein und Rieger gegeben haben, doch 
bedarf es dazu einer kleinen Ergänzung: 

w(iz solde grdzer jfyie 

wan daz wi got und fAne 

Itben müter nummir me 

[mit unsen ougen] sullen gesef (vgl. 28, 13. 14. [515. 516]) 

31, 7 [629]. Nu clagit armen alle daz unser ie wart gedächt. Aus 
metrischen Gründen wird Rieger ie, welches beide Hss. bieten, nicht 
entfernen wollen , aber er fTihrt dagegen V. 32, 9 [657] an : ach und we 
uns vü armerij waz solde wi gebom ? Ich glaube vielmehr, daß ie berech- 
tigt ist und der ganze Satz zu dem Ausspruche der Klugen: wol uns 
daz unser ie wart gedacht 22, 16 [b 288. AP 220] einen Gegensatz 
bilden soll. 

32, 1 f. [649 f.] Statt vart : schar vielleicht var : schar? 

32, 3 f. [651 f.] Der Reim me : insten ist sicher nicht anstoßig, 
und zur Textanderung kein Grund vorhanden, allein durch Umstellung 
ist leicht Reinheit des Reimes zu erzielen, und so darf vermuthet werden : 
wi nummer mir gesen : intsten. — Rieger hat mit Recht das hds. deti 
vrouden riehen got geändert in got den vrouden riehen, aber dann muß 
auch zur Erlangung des Cäsur-Reimes ein Wort der folgenden Zeile 
geändert werden und zwar vorswunden in entwichen. Also: 

got den vrouden riehen den gesen m nummer me: (wi nummer 

me gesen ;) 
sd ist uns alle vroude gar entwichen und allez herzeleit intsten. 

Zu vroude entwichen vgl. wenn er daran gedähte^ so entweich im 
aller stn muot Er. 9785. 

32, 9 [657]. Für das hds. ach und we darf wohl owe gewagt werden, 
wie der Anfang der beiden vorhergehenden Strophen lautet. 

32, 13 ff. [661 ff.]. Sollte nicht volle Form vrande herzustellen 
sein? — Rieger hat im 3. Vers der letzten Strophe loaz der Hs. beibehalten 
und swaz nicht eingeführt. Für die Entstehungszeit der Dichtung kann 
man wohl die Geltung der üorrelativa noch annehmen, welche erst 
gegen Ende des Jhds. vOllig aussterben und zwar im mitteld. Gebiete 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN. 163 

eher als im oberdeutschen. Daß die Vorlage von hs. b die Correlativa 
gehabt hat, glaube ich aus verschiedenen Stellen schließen zu dürfen, 
in denen der Relativform ein so vorgesetzt ist, nämlich V. 30: so wen 
lie hereidt findet [A 16, 27 wan\, V. 434 so was ich pine durch dich 
enphing [A 26, 7 waz]. V. 440 mit so welcher hande sache [A 26, 12 
welcherlei/ge]. — In der 4. Zeile ist die Antithese: ein tdt baz hülfe 
danne ein seigerste nach moderner Anschauung poetisch und geistreich, 
aber sie ist nicht mittelalterlich. Ich halte dafür, daß das zweite ein 
das erste als Schreibfehler veranlasst hat. Es ist vorher so viel vom 
Tode die Rede, und er wird h^ Tot genannt, darum gewiss auch 
hier die Personification : der Tot baz hülfe denne ein sSlgerSte. Ich habe 
sonst keine Stelle finden können, wo ein tot statt der tdt vorkäme. 

Lateinische Oesänge. 

Für unser älteres Kirchendrama, in welchem lateinische Gesänge 
die gesprochene Rede vielfach einleiten, haben diese lateinischen Be- 
standtheile des Textes eben dieselbe Wichtigkeit wie die deutschen. 
Wenn auf diesem Gebiete noch wenig Einzelarbeiten unternommen 
wurden, so geht dies mit der geringen Beachtung, welche die Dramatik 
überhaupt gefunden, Hand in Hand. Andererseits fehlt es noch sehr 
an Material, so viel auch schon von tüchtigen Sammlern wie Mone, 
Ph. Wackernagel, Daniel u. a. geleistet worden ist. 

Mein Vater hat den Gesängen im Spiel von den zehn Jungfr. 
ein besonderes Capitel gewidmet (Wartb. B. 39 fil) und dieselben, 
d«i sie in den Hss. in der Regel als bekannt vorausgesetzt und nur mit 
den Anfangsworten angeführt werden, vollständig mitgetheilt und zu 
deuten gesucht. Hiezu sei einiges bemerkt und nachgetragen. 

Anfang Responsorium : Testiä domini ebenso wie im Spiel von 
St. Katharina. Beide Herausgeber lesen testium domini ^ und B. denkt 
an eine Benutzung von Esaias XLHI, 10 u. 12. Es kann aber ebenso 
gut testimonium gelesen werden, und dann ergibt sich eine Bibelstelle, 
welche für beide Spiele, namentlich aber für die zehn Jungfr. trefflich 
passt, nämlich Ps. XIX, 8: Testimonium domim fidele^ sapientiam praC" 
stans parvuUs* 

Das zweite Responsorium im Vorspiel Regnum mundi habe ich 
nirgends auffinden können, wohl aber ist aus beiden Spielen zu erkennen, 
wie sein Inhalt in der Hauptsache beschaffen sein muß. Regnum mundi etc. 
singen die Klugen, nachdem ihnen die Engel die Ankunft des Bräu- 
tigams gemeldet (nach 21, 10 [260]). Hierauf spricht die fünfte dei 
Klugen: Wi haben der werlde ire vorsmSt dorch di gotea ^ u« s. w. 

11* 



104 BEINHOLD BECHSTEIN 

Im Sp. von St. Kath. wird das Responsorium ebenfalls in ähnlicher 
Weise benutzt. Nach der Aufnahme Katharina's in den Himmel 
singt sie im Verein mit den Engeln Regnum mundi etc. und spricht 
dann: AI der werlde richiüm und ere habe ich vorsmit dorch dich, vel 
über here u. s. w. Im Alsf Passionssp. 3, 124 (S. 507) findet sich in 
der Rede der Maria Magdalena die Stelle : Ich hon versmehet der wemde 
richy welche unzweifelhaft auf den Gesang Regnum mundi bindeotety 
wenn dieser selbst auch in der jungen Niederschrift nicht mehr vor- 
handen ist. Hierherzuziehen ist ferner der Gesang lölante's in Bruder 
Hermann's Gedicht V. 191 ff. (Pfeiffer's altd. Übungsbuch S. 111): 
Der werlde richdüm und ir gut , . . hain ich vorsmeit durch Jhesum 
Christ.,,, der nur die Übersetzung jenes lat. Kirchengesanges sein 
kann. Danach wird die Vermuthung, der Gesang beziehe sich auf 
Apocal. XI, 15, nicht mehr aufrecht erhalten werden können. 

16, vor V. 30 [vor 37]. Prudentes cantant responsorium: Emen- 
demua in melius. Von B. als freie Wendung mit Hindeutung auf 
Proverb. XXV, 7 u. 8 aufgefasst. Es ist vielmehr bestimmter nach- 
zuweisen als der Beginn eines Responsoriums in quadragesima: Emen- 
demus in melius guae ignoranter peccavimus, ne subito praeoccupati die 
mortis quaeramus spatium poenitentiae et invenire non possimus, Attende, 
domine, et miserere : quia peccavimus tibi. Chlichtoveus elucidatorium 
ecclesiast. Paris 1516. Bl. 95^ 

21, vor y. 21 [269]. Primarius cantat: Veni electa mea etc. Ist 
nicht Umschreibung von Cantic. canticorum V, 1, sondern aus der 
Legende von St. Kath. entlehnt: Veni electa mea, sponsa mea, ecee 
tibi eoeli janua est aperta. Legenda aurea rec. Grässe. 2. edit. p. 780. 

S i 1 e t e. 

Die von meinem Vater Wartb. Bibl. S. 11 gegebene Erklärung 
des formelhaften Rufes Sile oder Silete, deren Wahrscheinlichkeit ich 
von Anfang an bezweifelte, gab mir zuerst den Anlaß, über Gebrauch 
und Bedeutung jener Formel in den Quellen selbst Belehrung zu suchen, 
und ich gelangte zu dem Ergebnisse, Mone's Ansicht sei im Allge- 
meinen die richtige, nur müsse sie dahin erweitert und näher bestimmt 
werden, daß der den Zuschauern geltende Ruf als ein Mittel zur thea- 
tralischen Illusion den Scenen- und Auftrittwechsel ankündige und an- 
deute. Ich legte dann die Hauptpunkte meiner Auffassung Germ. 5, 97 f. 

"^r Kurze dar und überließ die Nachprüfung fQrs erste jedem theil- 
Lden Ijeser selbst Wenn ich nun hier Gelegenheit und Ursache 
gegenüber der in der Wartburg- Bibliothek ausgesprochenen An- 



ZUM SPIEL VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN. 165 

sieht die meinige im Einzelnen zu erhärten, so scheint mir hierfür das 
Spiel von den zehn Jungfrauen, an welches doch zunächst anzuknüpfen 
wäre, nicht besonders günstig zu sein. Zwar der Gebrauch in der Hs. 
würde durchaus zur Unterstützung dienen, allein das Stück selbst bietet 
kein recht geeignetes Beispiel dar, indem es wegen seines vorherrschend 
lyrischen Charakters arm ist an Handlung und darum den Scenenwechsel 
nur selten eintreten lässt. Ich verspare daher eine genauere Erörterung 
auf die Einleitung zum Spiel von St. Katharina, weil gerade dieses 
Stück es ist, welches unter allen Dramen des Mittelalters am unzwei- 
deutigsten über Silete Aufschluß gibt. 

Wenn es erwiesen sein wird, und ich hoffe sicher auf allgemeine 
Zustimmung, daß Silete scenische Bedeutung hat, dann wird künftig 
in kritischen Ausgaben hierauf gebührend Rücksicht zu nehmen sein: 
ans dem allgemeinen Gebrauche der Handschriften müssen sich Kri- 
terien für einzelne Änderungen und Ergänzungen der Überlieferung 
finden lassen. Dies vorausgesetzt, wird es sich fragen, in wie weit 
für unser Spiel kritische Nachhülfe in Anspruch zu nehmen ist. Leider 
sind wir bei dieser Frage nur auf Hs. A angewiesen , da hs. b wie 
oft^ers jüngere Hss. jene Formel durchaus unberücksichtigt lässt. 

Streng genommen dem Principe nach sollte S. 16 vor V. 11 [17] 
und S. 20 vor V. 9 [b abw. nach V. 170] Angelt : Silete! stehen, doch 
kann in der Praxis das Gebot sehr wohl deshalb unterbleiben, weil 
beide Auftritte mit Gesang beginnen und sich zeitlich unmittelbar je 
an den vorhergehenden anschließen. Eine Scenerieangabe wird vermisst 
S. 21 nach V. 28 [274]. Wir müssen annehmen, daß Christus die ersten 
Worte (V. 21—28) noch auf der Erde spricht; erst nachdem er den 
Jungfrauen verheißen hat: ich wel üch selben brenge üz deseme enelende 
zu der ewigen sSlikeit di ü mm vater hat bireit begibt er sich mit ihnen 
und mit der begleitenden Engelschaar nach dem Orte, welcher den 
Himmel vorzustellen hat, und dann erst richtet er an seine Mutter 
die Bitte : ich bevele di dese juncvrouweltn : du aalt au bt dich setzen und 
Ungemachs ergeizen. Und den Beginn dieser letzten Scene im Himmel, 
welcher noth wendig eine Pause vorhergeht, müsste der Ruf Silete! an- 
zeigen. Jene Anrede an Maria fehlt allerdings in hs« b; aber wenn 
sie auch jüngere Interpolation sein sollte, so wird die Scenerie dadurch 
nicht verändert. Soll aber die Aufiassnng gelten, wie sie L. Bechstein 
im Anschlüsse an die Handschrift in seiner Übertragung (8. 69) zur 
Anschauung bringt, dann fehlt in Hs. vor V, 21 [vor 269] Silete. Einer 
solchen Auffassung, welche allerdings durch die in Hs. ununterbrochen 
fortlaufende Rede des Herrn, sowie durch die Scenerieangabe nach 



166 FELIX LIEBEKCHT 

V« 20 Quinta prudens ducens easy welche in hs. b fehlt, äußere Anhalts- 
punkte finden mag, kann ich mich nicht anschließen. Der Sinn jener 
Worte Christi und namentlich der Wendung: ich wel üch brenge Hz 
deseme enelende spricht nicht dafür, daß sie schon im Himmel ge- 
sprochen seien. Ein Fehler des Schreibers oder vielleicht auch schon 
seiner Vorlage ist an dieser Stelle nicht zu verkennen; und was jene 
Scenerieangabe betrifft, so wird sie im Verein mit einer andern, die 
eben ausgelassen ist, nach V. 28 hingehören. — Im Übrigen findet 
sich in unserem Spiele das Gebot des Stillschweigens stets an rechtem 
Platze, also bei jedem Scenenwechsel vorgeschrieben. 



ZUR SAGE VON ßOMULUS UND DEN WELFEN. 



Gleich am Anfange seiner Einleitung zu RF. hat Grimm das ver- 
trautere Verhältniss zwischen Menschen und Thieren, wie es in der 
ältesten Zeit wahrscheinlich bestanden, näher besprochen und dasselbe 
auf sehr aoziehende Weise dargelegt. Unter anderm bemerkt er: 'Es 
ist nicht bloß die äußere' Menschenähnlichkeit der Thiere, der Glanz 
ihrer Augen, die Fülle und Schönheit ihrer Gliedmaße, was uns an- 
zieht; auch die Wahrnehmung ihrer manigfaltigen Triebe, Kunstver- 
mogen, Begehrungen, Leidenschaften und Schmerzen zwingt in ihrem 
Innern ein Analogen von Seele anzuerkennen, das bei allem Abstand 
von der Seele des Menschen ihn in ein so empfindbares Verhältniss 
zu jenen bringt, daß, ohne gewaltsamen Sprung, Eigenschaften des 
menschlichen Gemüths auf das Thier und thierische Äußerungen auf 
den Menschen übertragen werden dürfen. • . . Blieben nun in der Wirk- 
lichkeit immer Schranken gesteckt und Grenzen abgezeichnet, so über- 
schritt und verschmolz sie doch die ganze Unschuld der phantasie- 
vollen Vorzeit allenthalben. Wie ein Kind, jene Kluft des Abstands 
Wenig fühlend, Thiere beinahe wie seinesgleichen ansieht und als solche 
behandelt; so fasst auch das Alterthum ihren Unterschied von den 
Menschen ganz anders als die spätere Zeit. Sagen und Mythologien 
glauben an Verwandlungen der Menschen in Thiere, der Thiere in 
Menschen, und hierauf gebaut ist die wunderbare Annahme der Seelen- 
wanderung u. s. w.' So z. B. also verwandelt sich der Hund, mit 
welchem nach einem indianischen Mythus das erste Weib Umgang 
pflog, des Nachts in einen schönen Jüngling, s. J. G. Muller, Gesch. 
der amerik. Urreligionen S. 134; vgl. S. 65, wo es heißt: 'Überhaupt 
werden die Thiere in Menschen verwandelt', nämlich nach indianischer 



ZUR SAGE VON ßOMüLÜS UND DEN WELTEN. 167 

Vorstellung. Einmal im Jahre auch erscheinen nach faröischer Sage 
die Seehunde in Menschengestalt, s. Grundtvig, Danmarks Gamle 
Folkeviser 2, 76 Anm. , vgl. DM. 1049 Anm., s. auch zu Gervasius 
von Tilbury, S. 137 Anm. Viel häufiger jedoch begegnen wir der An- 
nahme von Thiergestalt durch Menschen oder auch Gotter und wäre 
es überflussig, hiervon Beispiele anzuführen; nur des Wolfes will ich 
erwähnen, an den sich bekanntlich vielfache Sagen knüpfen, die 
W. Hertz in seiner schonen Abhandlung über den Werwolf , Stuttg. 
1862, zusammengestellt hat*). Aber auch von geschlechtlichen Ver- 
bindungen zwischen Menschen und Thieren ist oft die Rede, sowie 
von daraus entspringender Abstammung der einen von den andern. 
Wie weit verbreitet diese VorsteDungen waren, erhellt aus viel- 
fachen Sagen bei den verschiedensten Völkern, s. die indianischen bei 
Müller a. a. O. S. 64 f., die irische zu Gervas. S. 64, die türkische 
bei Gibbon, Decline and Fall c. 42, nach welcher letztern der Gründer 
dieses kriegerischen Volkes von einer Wölfin gesäugt und dann später 
von ihr zum Vater einer zahlreichen Nachkommenschaft gemacht wurde, 
wovon die Abbildung dieses Thieres in den Fahn.n der Türken Zeugniss 
ablege. Ferner fuhrt Müller S. 108 an, daß die Indianer in den neuen 
Niederlanden neben dem Schöpfer oder der männlichen schöpferischen 
Kraft eine weibliche als seine Gattin aufstellten, welche vom Himmel 

*) Vgl. über den Wolf als Thier Grimm RF. XXXV ff. LIV ff. und über den 
ilmi in der Fabel nnd Volksanschauung nahestehendeD Bären ebend. XL VII. LVI ff. 
446. Zu dem dort in Betreff der Heiligkeit des Bären bei den Ostjaken Angeführten 
füg^ man noch, was Rodolphe Lindan, Voyage autoor da Japon. Paris 1864 über 
dieses Thier bemerkt, daß es nämlich die oberste Gottheit des Urvolks der Ainos und 
die Zerlegung eines auf der Jagd getödteten Bären etwas höchst Sonderbares sei; sie 
wird mit den größten Achtungsbezeugungen, Gebeten und Kniebeugungen Torgenommen ; 
der Kopf ist geheiligt und wird als ein Talisman gegen den Einfluß der bösen Geister 
über der Thür aufgehängt. Auch bei den Giliaks an den beiden Ufern des Amur, 
wie ein Herr Gortschakoff in der Petersburger Zeitung 1864 berichtet, gilt der Bär für 
einen Abgesandten (apotre) des obersten Gottes Kur, der im ELimmel wohnt. Jedes 
Dorf besitzt wenigstens Einen Bären , der an einer Kette liegt Wenn er sterben will, 
was man an seiner zunehmenden Fettigkeit erkennt, tödtet man ihn, nachdem man ihn 
Ton der Kette freigelassen, haut ihm den Kopf ab und steckt diesen auf eine Stange, 
um welche sich das ganze Dorf versammelt Das Fleisch des Thieres wird zerschnitten, 
gekocht und unter alle Gegenwärtige vertheilt Hat der Bär bei dem letzten Kampf 
am sein Leben einen Giliak erstickt, so gilt dies für ein gutes Zeichen und das Dorf 
für heilig. Vgl. auch DM, XXVIU. Über Bärenmenschen ebend. 1051. Hertz, Wer- 
wolf 58. Bär und Wolf sind nach indianischem Glauben Kinder und Gatten der ersten 
Frau; s. oben, und in beider Gestalt wird der große Geist gedacht. Müller S. 123. 
W. Grimmas Abhandlung über die myth. Bedeutung des Wolfes in Haupt's Zeitschrift, 
Bd. XII, kenne ich nur aus Anführungen. 



Ißg FELIX LIEBRECHT 

gestiegen, einen Hirsch, einen Bären und einen Wolf gebar, die sie 
säugte und groß zog und mit denen sie sich sogar vermischte, woraus 
die verschiedenen Geschöpfe und zuletzt auch die Menschen entstanden ; 
und ebend. S. 134 heißt es: 'Dem Mingostamm der Arikarras (in Nord- 
amerika), der im Ganzen mit den Mandans dieselben Vorstellungen 
hat, ist der erste Mensch der Wolf, gerade wie der Herr des Lebens 
sich auch als Wolf zeigt. Sie nennen den ersten Menschen Ihkocha 
oder Sziritsch, was auch Wolf bedeutet, oder Pakatsch, Präriewolf.' 
Eine ähnliche Beziehung des ersten Menschen zu einem Hunde, wie 
dort zu dem Wolfe spricht sich in dem bereits oben angeführten in- 
dianischen Mythus aus, nach welchem das erste Weib mit einem 
Hunde Umgang gepflogen habe. Hier also sehen wir, wie außerdem 
noch oft in Sage und Poesie, statt des Wolfes den in Gattung und 
Wesen verwandten Hund eintreten (vgl. Mannhardt German. Mythen 
198) und auch sonst erscheint er nicht selten als Stammvater von Völ- 
kern und Geschlechtem oder selbst der Menschen im Allgemeinen. 
So erzählen nach Lindau die bereits erwähnten japanesischen Ainos, 
daß als die Welt aus dem Schlamme hervorgetreten war, sich eine 
Frau auf der schönsten Insel derselben, welche die Ainos bewohnen 
sollten, niederließ; sie kam auf einem Schiffe an, welches Wind und 
Wellen vom Abend nach Morgen getrieben hatten. Eines Tages be- 
merkte sie einen großen Hund, der mit großer Eile auf sie zuge- 
schwommen kam und ihr, als sie aus dem Bade, in dem sie sich be- 
fand, floh und sich versteckte, zurief: 'Laß mich bei dir bleiben, ich 
werde dein Ge^lhrte und Beschützer sein und du wirst nichts mehr 
zu furchten haben.' Sie willigte ein und aus dieser Verbindung ent- 
standen die Azinös, d. h. die Menschen. — Die schwarzen Kirgisen 
(Kara-Kirghis) in den Bergen von Issik - keul und in Khokand leiten 
ihren Namen Kirgisen von dem Umstand her, daß sie von vierzig 
Mädchen (Kirk Kize) herstammen, welche eines Tages von einem Aus- 
fluge zurückkehrend, die Wohnung ihrer Eltern verwüstet und weder 
von den letzteren, noch von den Heerden irgend eine Spur fanden; 
die Feinde hatten Menschen und Vieh fortgeführt. Nur einen rothen 
Hund entdeckten sie in der Umgegend, mit dem sie sich vermischten 
uud von welchem die jetzigen (schwarzen) Kirgisen, wie sie sagen, 
entsprungen sind; s. Joum. asiat. VP* sir. 2, 311. — Ein chinesisches 
Werk, angeführt von Klaproth im Nouv. Joum. asiat. 12, 288 berichtet: 
„Dans le royaume des chiens les hommes ont le corps de chien; leur 
tete est couverte de long poils, ils ne sont pas habilles et leur langue 
ressemble ä Faboyement des chiens. Leurs femmes sont de race hu- 



ZÜE SAGE VON ßOMULÜS UND DEN WELFEN. 169 

maine et comprennent la langue chinoise. Lenrs habits sont faits de 
peaux de martres zibelines. Ce peuple yit dans les cavemes. Les 
hommes mangent les comestibles cras, mais les femmes les fönt cuire; 
elles contractent des mariages avec ces chiens.^ Klaproth fahrt ferner 
eine ähnliche mongolische Sage nach Plancarpio an. Auch in einem 
armenischen Werke ist von diesen mit menschlichen Frauen lebenden 
nnd Kinder zeugenden Hunden die Rede; von diesen Kindern sind 
die mannlichen den Vätern, die weiblichen den Müttern gleich. 1. c. — 
In Betreff der Hundsrippindianer berichtet Jones, Traditions of the 
North- American Indians 2, 19, daß sich einer von den Indianern der 
Urwelt an den Ufern des Great-Bear-Sees niederließ. Er hatte einige 
junge Hunde und immer, wenn er von der Fischerei zurückkehrte, 
horte er, indem er sich dem Zelte näherte, innerhalb desselben ein 
Geräusch, welches dem Plaudern, Lachen, Schreien und Weinen von 
Kindern glich, jedoch fand er beim Eintreten immer nur die jungen 
Hunde. Eines Tages nun verbarg er sich in der Nähe und stürzte, 
als er wieder das Geräusch horte, plötzlich in das Zelt, wo er einige 
schone Kinder lachend und scherzend fand, mit den Hundebälgen 
neben sich. Letztere warf er rasch ins Feuer, worauf die Kinder ihre 
Gestalt behielten und später die Stammeltern der Hundsrippindianer 
wurden. Auch die Chippewaeer wollen aus einem Hundsfell hervor- 
gegangen sein. Muller S. 65. Hierher gehört auch die Erzeugung 
Attila's durch einen Hund*), die ich in den Gott. Gel. Anz. 1865, 
S. 1149 ff. als eine acht hunnische Sage nachzuweisen suchte, eine 
Ansicht, die durch das Obige und noch Folgende weitere Bestätigung 
erhält. Aus dem Bisherigen lässt sich nämlich auch mit hinlänglicher 
Sicherheit schließen, welches die ursprüngliche Gestalt und Bedeutung 
der Welfensagc gewesen sein muß, nach welcher eine fürchtende Mutter 
oder böse Schwiegermutter die auf einmal geborenen sieben, neun oder 
zwölf Knäblein für blinde Weife (junge Hunde) ausgiebt, worauf sie 
den Namen Weife, Hunde, oder Eitelwelfe, Eitelhunde empfangen und 
Stammherren berühmter Geschlechter werden; s. Grimm DS. Nr. 515. 
534. 571. E. Meier, Schwab. Sag. Nr. 371. 372**). Meiner Ansicht 
nach berichtete nämlich die ursprüngliche Sage die wirkliche Ab- 
stammung jener Ahnherren von Hunden, wodurch sich auch 
das Epitheton ihrer Abkömmlinge der ^blinden' Hessen und Schwaben 

*) Auf diese scheint sich auch zu besiehen Qesta Rom. c 38, in welchem Fallt 
jedoch Heinrich II. inihümlich statt Heinrichs I. genannt wSre. 

**) Güerher gehört die Sage von der Fran , welche Rüden sängen mnO, s. Knhn, 
Wettph. Sag. 1, 73 Nr. 62; femer die von Hackelberg*s Fran, deren sieben ermordeta 



170 FELIX LIEBBECHT 

genügend erklärt; denn bei den erstem, welche noch im 16. Jhd. 
den Beinamen 'Hundhessen' führten (s. Grimm, Gesch. d. Spr. 566), 
werden wohl einst ebenso wie bei den Schwaben dergleichen Sagen in 
Umlauf gewesen sein oder sind es vielleicht noch. Über hessische nnd 
andere Weifen s. Grimm a. a. O. 567, wo er die blinden Schwaben 
nnd Hessen durch die meiner Ansicht nach spätere Sagenform zu deuten 
sucht, indem dieselbe, wie er glaubt, auch schon in ältester Zeit von 
einem Urahn dieser Völker umgegangen sein mochte. Die Annahme 
von wirklichen Hunden als Stammvätern ist jedoch wahrscheinlicher 
und der Hund im hessischen Wappen (Grimm a. a. O. 566) weist 
gleichfalls darauf hin. Auch die Türken führten, wie wir gesehen, das 
ßild ihrer Stammmutter der Wölfin in den Fahnen und bei nord- 
amerikanischen Indianern ist das Thier, von dem man abstammt, das 
Totem, d. i. das Wappen der Familie oder des Stammes. Müller S. 64. 
Endlich auch ist in der Sage von Romulus und Remus, welche Schwegler 
für die Lares praestites Roms hält, die säugende Wölfin eigentlich die 
Mutter der Zwillinge, als solche aber ursprünglich eine luperca, 
d. i, eine Hündin *). Als Vater erscheint Faustulus , d. i. Fannus, 
Lupercus, also gleichfalls ein Hund; s. Preuner, Hestia-Vesta. Tü- 
bingen 1864**), S. 389 f , vgl. 384. Wenn nun die Laren (Luperci), deren 
Mutter Acca Larentia (Fauna, Luperca) heißt, mit Hundefellen bekleidet 
und mit Hunden neben sich abgebildet wurden, so bedeutete dies eben 
nichts anderes, als daß sie ursprünglich selbst Hundegestalt hatten. 
Man vergleiche die oben angeführten Sagen der Hundrippindianer und 
Chippewaeer. Die Laren aber galten für die zu Schutzgöttem erhobe- 
nen, am Heerd verehrten Seelen der abgeschiedenen Vorfahren, welche 
Seelen demgemäß in urältester Zeit gleichfalls als Hunde müßen ge- 
dacht worden sein. Vgl. Mannhardt, German. Mythen S. 300 — 304, 
wo er von den Hunden = Seelen spricht, und besonders die S. 302 
angeführte Sage von dem schwarzen Hündchen auf dem Feuerheerde; 
vgl. Kuhn u. Schwartz Norddeutsche Sagen S. 275 f. Nr. 310, 2. Bei 
dieser Vorstellung lag wahrscheinlich die von einem Hunde als Stamm- 
vater zu Grunde. Wenn man also an den Luperealien Hunde opferte, 



Kinder nach ihrem Tode als lebendige kleine Hände an ihr heramhängen , als wenn 
sie an ihr sogen. Schambach und Müller, Niederd. Sagen S. 421 ff. In beiden Sagen 
scheint ursprünglich auf einen Hund als Vater hingewiesen. 

*) Man yergleiche hiermit die ganz ähnliche Sage von der Hündin, welche den 
Kyros gesSugt haben sollte; s. G. C. Lewis untersuch, über die altröm. Gösch. 1, 393. 

**) Meine oben S. 101 angeführte Anzeige dieses Buches steht in den Göttinger 
Gel. Anzeigen 1866, IIL Stück, die betreffende Stelle findet sich auf S. 107. 



ZUR SAGE VON R0MÜLU8 UND DEN WELFEN. 171 

SO galt dies Opfer in seinem Ursprung eigentlich den Laren und wurde 
wahrscheinlich in ältester Zeit auch verzehrt ; so pflegte auch das Volk 
der Arkansas, das die Hunde gottlich verehrte, an einem seiner Feste 
Hundefleisch zu essen; Müller S. 606 f., wo er überhaupt von der Sitte 
des Gottessens spricht; vgl. S. 635 ff. Über Omophagie, die im 
Alterthum selbst bei den Griechen sehr verbreitet war, s. ebend. S. 375 f. 
— Nach dem bisher Angeführten darf es daher nicht auffallend er- 
scheinen, wenn man den Hund auch sonst in Verbindung mit der 
Unterwelt und den Seelen der Hingeschiedenen trifft; so z. B. erscheint 
er auf vielen Sarkophagen, s. Bachofen Gräbersymbolik S. 113; vgl. 
ferner J. Braun, Naturgeschichte der Sage 2, 474 s. v. Hund ; A. Kuhn, 
Westphäl. Sagen im Register s. vv. Sarama *) und Sarameya. Mannhardt 
1. c. 198. Als Psychopompos und Todtenbestatter erscheint der Hund 
gleichfalls nach altpersischer Anschauung und ebenso stirbt noch 
jetzt kein Parsi in Frieden, wenn seine brechenden Augen nicht auf 
einen Hund fallen, der ihm deshalb vorgehalten wird. Dieser Augen- 
blick heißt daher: 'Der Hund sieht.'**) Auch die nordamerikanischen In- 
dianer und Neuseeländer kennen einen Hund als Wächter in der Unter- 
welt. Müller S. 87. Schwartz, Ursprung der Mythologie S. 276. Diesen 
Vorstellungen von dem Zusammenhang der Hunde mit der Geisterwelt 
gehört es auch an, wenn dieselben für geistersichtig gelten und durch 
Heulen Todesfälle vorherverkünden. DM, 632. Kuhn u. Schwartz a. a. O. 
S. 452 Nr. 392. Kuhn, Westphäl. Sag. 2,55. Mullenhof, Sagen aus 
Schleswig-Holstein Nr. 584. Scheible's Kloster 12, 744 u. s. w. 

Um aber auf die Romulussage zurückzukommen, so haben wir ge- 
sehen, daß die Zwillingsbrüder aller Wahrscheinlichkeit nach als Hunden 
entstammend gedacht wurden und man hierin selbstverständlich durchaus 
nichts Verächtliches erblickte ; bei andern Volkern begegnen wir Ähn- 



*) Die von Kuhn 2, 138 aufgestellte Vermathnng auf Grimm'B Frage DM. 633 
erledigt sich durch die von J. W. Wolf, Beitr. zur deutsch. Mythol. 2, 413 gegebene 
Antwort. Ich benutze diese Gelegenheit, um ein Missverständniss Wolfs 1. c. S. 414 
zu berichtigen. In der das. aus Nialss. c. 158 angeführten Stelle zielt Hrafn auf keine 
unbekannte Sage oder Legende über St. Petrus, sondern meint mit dem Ausdruck 
*hnndr ]>inn* sich selbst, um sich zu demüthigen, und will sagen, er sei schon zweimal 
nach Rom gepilgert und verspreche im Fall seiner Rettung eine dritte Wallfahrt dorthin. 

**) In gewisser Verbindung mit den Seelen der Gestorbenen scheinen auch die 
armenischen AralSz oder ArUz zu stehen, deren Namen bedeutet, *16chant continuelle- 
ment, completemenf und von denen berichtet wird, daß sie waren *une classe d^Stres 
sumaturelB ou de divinites n6es d'un chien et dont les fonctions ^taient de lieber les 
blessnres des guerriers tomb^ sur le champ de bataille et de le.s faire revenir k la vie/ 
Sie werden auch noch im 4. Jhd. erwähnt, wo die Armenier schon Christen geworden 
waren i 8. Journ. usiat. lY™* s^r. Id, 31. 



172 FELIX LIEBRECHT 

lichem, wie oben gezeigt worden, und nicht nur rühmten diese selbst sich 
einer solchen Abstammung, sondern auch Königen, wie z. B. dem Attila, 
und gottlichen Wesen, wie den armenischen Aralez, wurde sie bei- 
gelegt; bei verschiedenen Völkern erscheinen sogar Hunde als Könige, 
wie ich in den Gott. Grel. Anz. 1865 a. a. O. nachgewiesen. Daß aach 
jetzt noch altadliche Geschlechter den Namen Hund fuhren, ist bekannt; 
so die Hunde von Holzhausen, von Altenstein, von Berntschoffen, von 
der Leiter u. a. Gleiches besagt ja auch der Name 'Weif. Wie also 
Grimm, Gesch. d. Spr. 468 nach Anfuhrung der Namen Bikki, Sifeca, 
Sibeche, Edica, Wulf, Odoacar, Wolf, Weif und Eticho die Frage 
hinzufügt, ob man geduldig anhören wolle, daß alle diese Namen den 
Begriff Hund enthalten, muß ich mit der gleichen Frage schließen, 
ob man diese hündische Abstammung des göttlichen Zwillingspaares 
und der hochgeborenen Weifen geduldig anhören und als in uralten 
Vorstellungen begründet gelten lassen will. — Später freilich, als die 
ursprüngliche 'höhere\ Stellung des Hundes vergessen war, oder man 
sich derselben zu schämen anfing, gestaltete sich die Sage anders und 
zwar nicht bloß mit Bezug auf Romulus und Remus, sondern wir be- 
gegnen dieser umgebildeten Form auch sonst, sowohl im Alterthum 
(s. G. ü. Lewis Untersuchungen über die altrömischc Geschichte 1, 393 f.) 
wie in den wunderbaren Umständen, welche die Geburt Wolfdietrichs 
und anderer neu - europäischer Volkshelden begleiten. Vgl. DM. 363. 
Uhlands Schriften 1, 191. 226. Die älteste Gestalt auch dieser Sagen 
mag wohl eine andere gewesen sein und Thiere als Stammväter genannt 
haben, wie wir z. B. aus der merkwürdigen symbolischen Verwand- 
lung eines irischen Königs in ein Ross ersehen, womit wahrscheinlich 
ein Hengst als mythischer Stammvater des betreffenden Königsgeschlech- 
tes gemeint war; s. die bereits angeführte Stelle zu Gervas. S. 64. 
LÜTTICH. FELIX LIEBRECHT. 



ZUR SLAVISCHEN WALTHARIUSSAGE. 



In den 'Videnskabs - Selskabets Forhandlingar* Christiania 1862, 
befindet sich eine Notiz *), deren Inhalt auch die Leser der Germania 
interessieren dürfte, weshalb ich sie hier abgekürzt folgen lasse. 

„Herr Sophus Bugge theilte einige Bemerkungen mit über die 
auf Island aufgezeichnete Saga von König Halv und seinen Helden. — 
Nachdem er sich über das Alter der Saga ausgesprochen, suchte er 
die Meinung geltend zu machen, daß Hjorleiv und Halv vollkommen 



*) IHt mir »igtkommene Separütabdrack trügt keine SeitensahL 



ZUR SLAYISCHEN WALTHABIÜSSAGE. 173 

sagenhifltorische Persönlichkeiten wären. Namentlich wies er darauf 
hin, daß die in Halvs Saga cap. 8 über den Konig Hjorleiv (Fornald. 
sog. n, 33 ff.) mitgetheilte Sage ein Glied in einer ganzen Reihe von 
Sagen und Märchen bildet, die von Felix Liebrecht (der jedoch die 
nordische Version nicht besprochen) in Pfeiffer's Germ. 5, 66 ff., so 
wie in Benfey's Orient und Occident 1, 126 ff. zusammengestellt sind. 
— Es wäre ein und dieselbe Sage, die so weit umhergewandert und 
an verschiedenen Orten verschiedentlich modificiert worden sei. Auf 
die Frage, wann und wo sie zuerst entstanden und auf welchem Wege 
sie nach diesen verschiedenen Ländern gewandert wäre, wagte Herr 
B^ggc keine Antwort zu geben. Gegen Liebrechts Meinung, daß die 
Quelle die indische Erzählung, letztere aber wahrscheinlich durch die 
Mongolen nach Europa gekommen sei, spräche namentlich die altnor- 
dische Sage, die bei uns kaum jünger als das Heiden thum sein möchte. 
Ihr hohes Alter würde durch mehre Verse der Saga dargethan, von 
denen einer in berichtigtem Texte mitgetheilt ward. Auch enthielte 
die Sage keinen Zug, der mit Bestimmtheit auf einen indischen Ur- 
sprang hinweise; jedoch wäre es wohl möglich, daß sie von Osten 
her zu uns gekommen ist/' 

So weit Bugge, dem man für diesen Nachweis der nordischen 
Wendung der in Rede stehenden Sage den besten Dank schuldet. Auf 
seine Schlußbemerkung muß ich jedoch Folgendes erwidern. Auch 
nach MüUer's Ansicht (Sagabibl. 2, 466) scheint es nämlich, daß die 
Halvssaga zwar schon im eilften Jahrhundert aus alten Liedern entstand, 
jedoch erst zu Anfang des dreizehnten niedergeschrieben wurde; zu 
dieser Zeit konnten bereits aber sehr wohl indische Erzählungen durch 
die Mongolen und Bussen nach dem Norden gedrungen sein, selbst 
ehe noch die vollständige Unterjochung der letzteren durch erstere ein- 
getreten war. Daß aber die obige Sage sich bei den Russen findet, 
habe ich in Benfey's Orient und Occ. 3, 367 nachträglich gezeigt, so 
daß also meine Ansicht über den Weg, auf dem dieselbe von Indien 
nach Europa gelangt ist, noch immer sich als haltbar und sogar als 
wahrscheinlich erweist. 

Bei dieser Gelegenheit will ich auch noch bemerken, daß ich 
über die Germ. 6, 68 erwähnte Sitte, Besiegten das Haupt abzu- 
schlagen und als Trophäe fortzufuhren, ebend. 10, 111 Anm. weitere 
Nachweise gegeben. Vgl, auch Grundtvig Danmarks Gamle Folkeviser 
1, 209* Str. 26: 'Den anden Dyst, de sammenreed — Memring hug 
Rundkruds Hoved af.' 

LÜTTICH. FELIX LIEBRECHT. 



174 

DER RITTE. 

Im Mittelalter bis zum 17. Jhd. begegnet uns häufig das Wort ritte^ 
jarrittj meist in Verwünschungen, zuweilen als Personification. Grimm 
(Myth. 1107) und nach ihm Simrock 547 leiten es von ritan (reiten) 
her, indem das Fieber y,wie ein Alb betrachtet werde, der den Menseben 
reitet, rüttelt und schüttelt''. Es ist mir dies immer unwahrscheinlich 
vorgekommen. Wir sagen : Es beutelt mich ; in Baiem wird das Fieber 
ausdrücklich als Beutelmann (Schmell. 1, 219) personificiert. Zu dem 
Begriff „schütteln'' („ich erschutte ir ir gelider" sagt der ritte zur Floh 
bei Boner Edelst. 77) stimmt auch das in altem Dialekten mit h an- 
lautende (z. B. angelsächs. hridhjan Gr. Gr. 1, 267) Verbum ridan^ 
reiden (Schm. 3, 54) = torquere, mhd. riden = sieben, noch heut zn 
Tage in Baiem (Schm. 3, 53) und Westfalen reden = durchsieben. 
Das mhd. rtde^ reit, geriden im Sinne von drehen, wenden lebt in 
Nieder-Österreich noch fort in reutem^ z. B. Wenn Sie's nicht klauben 
(glauben) woUn, so thun Sie's reutern (= das Feine absondern), in 
Ober-Österreich reiten {= rütteln, s. Hofer 3, 30); die Reite nehmen 
(= in einer Wendung fahren); die Reiter oder Reuter = Sieb. Im mhd. 
rile^ später rid und ritt (Genit. des ritten)^ d. h. das Keberschütteln, das 
Fieber. Zu den Beispielen mhd. WB. 2, 698 u. Gr. Myth. 1107 fuge ich 
noch einige aus dem 16. Jhd., woraus hervorgeht, daß der Begriff des 
Reitens nicht zu Grunde liegt. Unter den Flü(;hen bei Agiicola (Nr. 473 
bis 502) heißt es: „Der gäch ritten gehe dich an. Diß wort ist am 
Reinstram fast gemain uud ist meines dunkens der ritt das feber, das 
kalte oder frorer. Der gachritten aber das feber, das bald todtet. Der 
gäch oder schnelle ritten ist ein underscheidener ritte von den anderen, 
als von dem viertegigen und dreitegigen ritten. Die weren lange, oft 
ein ganzes jar, oft ein halbes.*' Von dem dritägleichen und dem vier- 
tägleichen riten ist auch die Rede bei Megenberg (Pfeiffer S. 697). Wie 
es nun bei Agric. 472 heißt: 'Daß dich ein bös jar ankomme,' d. h. 
du sollst das Jahr hindurch keine gute Stunde haben, so gebraucht 
H. Sachs das Wort jarritt, z. B.: 'Nun muß ewer der jarritt walten 
(I. 478) ; die magd sprach : der jarritt schlag in das wesen , solt ich 
erhungern (I. ölP); daß euch der jarritt sehend (I. 115); der jarritt 
walts' (11, 4, 119). Femer: 'Daß dich der ritt wasch! (Dialoge 15, 2). 
der ritt schütt dich' (I. 512). Deutlicher personificiert in dem Aus- 
drucke: 'Ins Ritt nam' (11. 2, 47), wie wir sagen: Ins Teufels Namen; 
'warf den ins wasser ritten nam' (IL 4, 119). Eine vierte Form der 
Verwünschung bei H. Sachs ist endlich : 'Hab dir den ritten!' (II, 2, 49). 

WIEN. TH. VERNALEKEN. 



175 



AUGENBLICK UND HANDUMDREHEN. 



Um den fluchtigen, kürzesten Zeitpunkt zu bezeichnen, sagt das 
Volk : 'im Augenblicke' oder Mm Handumdrehen'. Dem ernten sprich- 
wörtlich gewordenen Ausdrucke begegnen wir zuerst bei Notker: in 
'fapo dfro brdtco Ps. 2, 12 dem Wesen nach, obwohl in anderer Form. 
I>i€se ist noch lange Zeit hindurch die gang und gäbe, z. B.: 

al^ Mehiere so ein brd 

te der andern »lohen mach, Fundgruben I, 199» 45. 

Ml ehumt der junffisU (ac 

al*o feiere so etpi brtUlaeh. Diemer 287, 9. 

alßo schiere diu der brd 

die nidereti gerOerei. Bonns 163. 

biz man geruorU die hrd. Servati us 342. 

deheiiter riuwe mir aoi erheii 

hiz ein brd die andern ruarte* Servat 3458. 

e ich die hont umb hcrte 

Oller zvo gesluege die brd. Erec 5172. 

iifi(/ hall nne trile als lange al» ein br&we die widern mOhie geriieren, 
Bertbold I, 527, 25. 

daz Üben niht geherien mac 

%tan ah ein kurzer brdtcenslae, Bari. 213, 36. 

das was als ein brilwenslae^ 

nihi baz ieh es geliehen mae. Martina 256, 35. 

Iriz ein brd zer ander sieh trol gähes df und nider meket. J. Tit 
.1080, 2- 

anteq^iam »uperrilium superiue in/eriori jungi passet. C^aesarins 
I leisterb. 12, 5. 

'Augenblick* begegnete mir erst in der Kaiserchronik: 

daz er einie ouoenblirkes langer mune beleben. M. 9990. 

• «i « » 

Andere Belege sind: 

o/f ein qnhir owienhlie 

qrn den sUrJen früudni witfel. Martina 102, 28. 
diz ist ein kurzer ougenUic, Martina 254, 95. 
eineit ougetiblirkes gedrueket. Martina 269, 86. 
eneller danne der augenblie, Myst I, 385, 18- 



176 I V. ZINOERLE, PHENICH. 

als lange gelebet unz man ein ouge üf getuot unde wider zuo getuoL 
Berthold I, 124, 10. 

Auch der Ausdruck 'im Handumkehren' war dem Mhd. schon 
geläufig: 

e ich die hont umb kSrie. Erec 5172. 

aU lange^ aU ein hant mae umbe gekeret werden. Berthold I, 30, 34. 
niuwen als lange als einz s^ne hant möhte umbekeren. Berthold I, 
388, 28. 

6 man die hant gewende. Tristan 349, 32. 

Dasselbe bezeichnet knapper einer hende wtle^ hanttdUe^ z. B.: 

bi einer hande vAle. Leyser's Predigten 42, 19. 
da mite er alle <ßne sunde 
in einer hantwtle Jiete verbrant. Litanei 1233. 
joeh eine hantlange toUe. Berthold I, 275, 16. 

und in dieser Bedeutung ist es wohl auch Kudrun 384, 3 zu nehmen : 

«C hoitens wcerltehe niht einer hende wtle, 

ob er eolte singen^ daz einer möhte fiten tüsent mite. Vollmer. 

« hetenz niht geahtet einer hende wile. Müllenhof. 

sie hetens niht enphunden einer hande unle. Bartsch, 
dessen Erklärung mir sehr gesucht scheint. 

Die kürzeste Zeit (Moment) ist auch gemeint, wenn es heißt: 

etlicher unz an den morgen vruo 

slief niht einer hende breit. Biterolf 9568. 

I. y. ZINOERLE. 

PHENICH. 



Das mhd. Wörterbuch setzt zur Erklärung dieses Wortes (II', 
491) 'Buchweizen?' bei. Dieser kann aber nicht gemeint sein. Phenich 
ist eine Hirseart, als setaria italica oder panicum italicum den ßo- 
tanikem bekannt. In Leoniceri Kräuterbuch (1630) finden wir die drei 
Hirsearten aufgeführt: 1. Hirsen, 2. der welsch Hirsen, den man Sorg- 
samen nennet, vulgo Sorgi vnd Milium Indicum, 3. Fench oder Pfenich 
oder Fuchsschwanz, latine Panicum (S. 527). Der mhd. Ausdruck für die 
zweite Art war 'surch\ der im Tiroler Urbar von 1280 öfters vorkommt, 
heutzutage nennt man diese Pflanze im deutschen Südtirol 'Zürch'. 

I. V. ZINOERLE. 



177 



RUNENINSCHRIFTEN 

EINES GOTHISCHEN STAMMES AUF DEN WIENER 
GOLDGEFÄSSFN DES BANATER FUNDES. 

VON 

FRANZ DIETRICH. 



Die prächtig ausgestattetcD, auf Kosten der kaiserlichen Akademie 
der Wissenschaften gedruckten und mit gelehrten Abhandlungen von 
Arneth begleiteten Monumente des k. k. Münz- und Antikencabinets 
zu Wien vom J. 1850, dargestellt auf XLI Tafeln im größten Format, 
geben unter andern auch Abbildung imd Beschreibung von über zwanzig 
goldenen Tischgeräthen , es sind Schalen, Becher und vasenähnliche 
Krüge, nebst einem goldenen Trinkhorn, die zusammen im Banat ge- 
funden, und sämmtlich noch im Wiener Antikencabinet vorhanden, 
abgesehen von ihrem beträchtlichen Werth und ihrem Bildwerk, die 
Aufmerksamkeit deshalb zu erregen und im hohen Grade zu fesseln 
im Stande sind, weil sie außer drei Aufschriften in griechischen Un- 
zialen auch zwölf Inschriften in nicht antiken Schriftzügen enthalten, 
deren Aussagen noch unenthüllt sind, und von denen wegen ihres zum 
Theil fremdartigen Aussehens früher selbst zweifelhaft schien, ob sie 
zum Kreis der Runen germanischer Art zu rechnen seien. 

Wie man beim Auftauchen der burgundischen Runen auf der 
Spange von Charnay sich um Auskunft über die Inschrift nach Kopen- 
hagen wandte, als den vorzüglichen Sitz der Runenkunde, und von 
dem um nordische Litteratur vielverdienten Rafn den Versuch einer 
Dentnng, freilich nur der Hälfte dessen, was da geschrieben steht, er- 
hielt und veröffentlichte, so wusste der Herausgeber der Wiener Mo- 
numente, wie man S. 36 des Textes erfährt, selbst einen König, den 
dänischen König Christian VIII. für die Denkmäler zu interessieren 
und auszuwirken, daß dieser von einem nicht genannten Gelehrten, 
wahrscheinlich vom Präfect des Kopenhagner Museums, dem kürzlich 
verstorbenen, in weiten Kreisen beliebten und geachteten Conferenz- 
rath Thomsen, von dem auch S. 12 eine Nachricht erwähnt wird mit 
seinem Namen, eine Untersuchung über Bild- und Schriftwerk der 
Goldgefäße veranstalten ließ» Dieser übergab die Inschriften einem in 
Runen sehr erfahrenen Mann', — wir können nicht im Unklaren sein, wer 
es war — in der Erwartung, eine gelehrte Erklärung von ihm künftig 

GEBMAMIA XI, 12 



178 FRANZ DIETRICH 

mittheilen zu können, woza Ärneth bemerkt, daß die Hoffiiung sich 
nicht erfüllt habe. 

Auch seitdem ist mir bis jetzt keine Deutung der genannten In- 
schriften bekannt geworden. Um darüber sicherer zu werden, wandte 
ich mich an Herrn Prof. Pfeiffer und durch ihn an die Vorgesetzten 
des Wiener Antikencabinets, erfuhr aber eben nur dies, daß es weitere 
Litteratur über diesen Gegenstand nicht gebe. Nach einer ersten ober- 
flächlichen in Hannover gemachten Bekanntschaft mit dem kostbaren 
Werk von Ameth gerieth ich schon auf den Gedanken, besonders mit 
Hinblick auf die sechste Inschrift, daß hier etwas Altgermanisches vor- 
liege, das übrige sieht fremd aus, und weil man leicht fehlgreift, wenn 
man über Denkmäler spricht, die man nicht gesehen hat, erbat ich 
mir die Beihilfe Pfeif fer's, die ich reichlich erfahren habe und nicht 
hoch genug schätzen kann. 

Durch seine gütige Vermittelung habe ich nun von den Wiener 
Inschriften Darstellungen, welche die Anschauung vollkommen ersetzen. 
Es gibt davon zwei Arten, die einen sind in breiten Zügen eingehauene 
(Nr. I — 5 und 9), von diesen erhielt ich Staniolabdrücke, die anderen 
sind in dünnen Linien eingeritzte, davon bekam ich Durchzeichnungen. 
Mit der größten Dankbarkeit habe ich es anzuerkennen, daß die Vor- 
stände des Wiener Antikencabinets, Herr Director Bergmann, und 
die Herren Freiherr v. Sacken und Dr. Kenner, nicht nur mir 
diese wichtigen Hilfsmittel haben zukommen lassen, sondern mich auch 
mit andern gelehrten Nachrichten freundlichst und zuvorkommend un- 
terstützt haben. Möge es ein auf immer der Wissenschaft geleisteter 
Dienst heißen können, durch den sie mich erfreut haben. 

Ehe ich indessen von den Abdrücken Gebrauch zur Erklärung 
machen kann, muß ich der allgemeineren Frage Rede und Antwort 
geben : sind denn die Zeichen wirklich Runen , und , da auch Slaven 
und andere Volker dergleichen hatten, sind es germanische? Ein Be- 
denken dagegen entstand schon aus dem Fundort und aus der einen 
der griechisch geschriebenen Inschriften. 

Gefunden sind die wie es scheint die Zahl von ein und zwanzig 
betragenden Goldgefäße mit einem Kloß geschmolzenen Goldes im 
alten Dacien *). Sie wurden 1799 ausgegraben in einem Bauernhofe 
von Groß-Szent-Miclos im Torontaler Comitat des Temeser Banates, 



*) Wie Pnrs. 10, 5 der gtddine Jddz neben den goUvaz erscheint. Die Zahl der 
gefundenen Stücke gibt Ameth auf der letzten Seite des Textes unter dem Banater Fund 
auf 20 an, aber bei den dort aufg^sühlten Nummern ist Nr. 3 und Nr. 200, wie die 
Sohrifttafel 8. XIV notweist, nur durch Veraehen übergangen. 



RÜNENINSCHRIFTEN AUF DEN WIENER GOLDGEFÄSSEN 179 

also Moesien gegenüber nördlich von der Donau, wo einst slavische 
Völker hausten, zeitweilig auch germanische. 

Die in den gewöhnlichen griechischen Capitalen geschriebene In- 
schrift auf der Schale Nr. 18 des Banater Fundes schien Arneth (S. 22) 
von den ersten christlichen Zupanen der Slaven an der Theiß im zehnten 
Jahrhundert zu sprechen, was ich dahingestellt lasse. Die späte Zeit 
dieser Inschrift hat übrigens Arneth selbst vom Zeitalter des aus dem 
fünften Jahrhundert herrührenden Denkmals unterschieden. Die goldene 
Schale gewährt nichts von der hier zu untersuchenden Schrift, und ist 
daher von geringerer Wichtigkeit. Mir scheint die Inschrift derselben 
durch ungehörige Interpunction aus einer im barbarischen Griechisch ge- 
schriebenen Anruftmg Gottes als des allweisen, alles verbindenden Lebens 
entstellt zu sein, die etwa durch ihren Gebrauch als Zauberformel zu 
der verwilderten Gestalt kam, in der so viele Zaubersprüche vorliegen. 

Was nun das Volk betriffi;, unter dem die Hauptmasse der Gold- 
gefasse, natürlich zugleich mit ihren Inschriften, entstand, welche auch 
auf den goldenen Ringen des walachischen Fundes von Pietraossa doppel- 
ter Art sind — der eine Ring sagt ja XAIPE KAI IIINE, der andere 
Guta niothi hailag in deutschen Runen — so spricht auch bei dem Ba- 
nater Funde die doppelte Schriftart wie das gesammte Bildwerk der 
künstlerischen Ausstattung dafür, daß darin griechische Kunst und zwar 
die von Byzanz nachgeahmt wurde von einem germanischen Stamm, 
der nicht gerade im Banat selbst braucht gewohnt zu haben; denn es 
gibt deutliche Spuren, daß die ersten Inhaber einem christlichen 
Volk zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert angehörten. 

Für das beanspruchte Alter kann ich mich auf einen Kenner, wie 
Arneth ist, berufen. Überzeugend belehrt er uns darüber aus der Ver- 
gleichung der bis auf Valens, Gratianus und Valentinianus II. herab- 
gehenden Medaillen des Wiener Cabinets, durch die Angabe, daß der 
Goldgehalt der Gefäße eben derselbe, wie in den Schmuckmünzen des 
Valens ist, und die Kunst der Verzierung bei beiderlei Gegenständen 
völlig ähnlich ist. Ich finde nur, daß das Gold wie die Nachahmung 
des Griechischen auch noch ein paar Jahrhunderte nach Valens Zeit 
fortdauern konnte. 

Daftir aber, daß das Volk ein christliches war, erbringe ich 
den Beweis aus der Übereinstimmung der vielfältigen Verzierung und 
Interpunction durch das einfache Kreuz der Form -{- mit dem Inhalt 
der doppelt vorhandenen, in griechischer Schrift eingeschlagenen In- 
schrift. Gerade solche Kreuze nämlich erscheinen mit und ohne Ver- 
zierung überaus häufig auf den Gebrauchsgegenständen der früh zum 

12* 



180 FRANZ DIETRICH 

Christcnthum übergetretenen Burgunder in den Gräbern von Chamay. 
obwohl neben Kunenschrift. Sehr viele kleine Krenze der angegebenen 
Form sind nun auch hier der Kern der Feldverzierung auf Nr. 11, dem 
schönen goldenen Henkelkrug mit schlankem gereiften Halse, bei Ameth 
Tafel G. VIH; ein Kreuz derselben Art, umschlossen von einem Kreise, 
befindet sich in der Mitte der Wandverzierung der kostbaren Trink- 
schale Nr. 13, Tafel G. II, femer zeigen sich, was sehr bemerkenswertb, 
an den Enden und zur Wortabtheilung der Runeninschrift auf der Schale 
Nr. 29 zusammen fünf Kreuze derselben Gestalt, endlich auf den Schalen 
Nr. 19 und 21, welche die gedachte griechische Inschrift und außerdem 
je eine Runeninschrift, jedesmal fast dieselbe tragen, zeigt sich in der 
Mitte ein großes Kreuz derselben Form, nur daß seine vier Enden 
noch durch je drei kleine Blätter verziert sind, um anzudeuten, daß 
aus dem Kreuze das Leben sprießt für seine Bekenner, denn die Christen 
pflegten das Kreuz den Baum des Lebens zu nennen. Obwohl an sich 
das Kreuzeszeichen auch den Heiden üblich war, so doch nicht in dieser 
belebten Form, und in der erwähnten Gesellung. Um diese kennen' zu 
lernen, prüfen wir 

Die doppelt vorhandene griechische Inschrift. 

Sehr bedeutsam und für den begonnenen Beweis vollendend ist 
es nun, daß auf demselben Denkmal mit dem Kreuz des Lebens auch 
eine griechische Inschrift steht, die das Kreuz kreisförmig umschließt, 
worin eine Bitte an den Herrn alles Lebens enthalten ist. So viel hatte 
bereits Arneth, der die Inschrift Tafel G. V. Nr. 21 darstellt (die zweite 
oben übergesetzte gleiche Legende ist von Nr. 19) in seinem Text 
dazu S. 22 erkannt, wo wenigstens die Worte vdarog avuTcavöov richtig 
gelesen sind. Den Anfang der Inschrift, worüber er noch schwankte, 
nehme ich da an, wo die Schriftzeichen noch in gleicher Größe mit 
denen der genannten Worte sind, d. h. zwei Zeichen früher, denn das 
Kleinerwerden und das Abkürzen ist ein Anzeichen des Endes, wo 
nicht mehr alles auf den durch den Kreis beschränkten Raum gehen 
wollte. Indem ich nun das unmittelbar vor vdatog vorhergehende, 
etwas liegende Zeichen für ein nicht ganz vollständig ausgeprägtes (^ 
nehme, gelange ich nach Auflösung der Abkürzungen, deren erste die 
Copula betrifit, die andere die Verbindung von TO in totcov^ die dritte 
ein übereinandergesetztes XLO^ eine vierte endlich eine Abkürzung der 
Praep. xuta zu KAT oder KA®, zu der Lesung 

EOTJATOC ANAHATCON K EIC TOnON XAOHC KAGICON, 



BUNJSNINSCHRIFTKN AVt' DEli WlENEß GOLDGE FASSEN. 181 

Daß Gott oder Christus in den beiden Imperativen angeredet ist, 
and daß das Object 'mich' oder 'uns' sein muß^ ist selbstverständlich; 
das Ausgelassene konnte allenfalls auch ohne den Mangel an Raum 
wegbleiben, durch welchen auch das kürzere xdd'iöov statt xataöx'^vcüaov 
veranlasst scheint. Denn der Inhalt der Bitte: 'am Wasser laß mich 
ruhen und auf grünem Ort laß mich lagern oder wohnen', ist deutlich 
aus dem so herrlichen Trost für Leben und Sterben enthaltenden Psalm 
vom treuen Hirten der Seele entnommen, nur daß dort in umgekehrter 
Folge gesagt ist: sig x6%ov %Xoiig ixet ^s xat£0xijv(o0ev^ ixl vdatog 
avaxdvöeag i^e&gsil^i fis. Fs. 23, 2. LXX. 

Wie lebendig dieser wunderbar erquickende Psalm den alten 
Christen im Gcdächtniss war, beweist unter andern auch, daß man 
mit seinen Worten über den Tod der Abgeschiedenen tröstete, indem 
mau sie zu Grabschriften wählte, vgl. meine zwei sidonische Inschriften, 
Marb. 1855, S. 16, woraus die griechische Grabschrift mit wenigen 
Änderungen aufgenommen ist in das Corpus Inscript. IV, 2 als Nr. 9153. 
Genug, unsere Inschrift gehört einem christlichen Volksstamm an, und 
mußte, da sie eine Bitte um endliche Aufnahme ins Paradies enthält, 
— denn avdnavaov (gew. laß mich ruhen in Abrahams Schoß) ist in 
christlichen Grabschritten ganz herrschend — um so mehr einem Manne 
germanischer Abkunft zusagen , der sich seinen Himmel auf wonniger 
Wiese, dem toxog x^^^S entsprechend, nach einheimischem Glauben 
vorstellte. 

Das Bildwerk. 

Dafür aber, daß der Stamm, unter dem die Goldgefaße entstanden, 
ein germanischer war, sprechen deutlich die mannigfachen Berüh- 
rungen des vorliegenden Bildwerks mit dem auf deutsehen Denkmälern. 
Einiges freilich ist einfach rohe Nachahmung griechischer Vasenbilder, 
wie die mit dem Adler aufschwebende Jungfrau auf Nr. 28, worin 
schon Arneth (S. 25) den Raub der Aegina erkannt hat. Classische 
Kunst herrscht auf den bildlosen Ornamenten der Gefiiße Taf. G. VIII 
und X, sie können allenfalls von Griechen selbst angefertigt und nur 
als Goldzahlung in die Hände der Germanen, die sie mit Runen be- 
schrieben, gelangt sein. Fremd zwar, aber deshalb nicht etwa Altaisch, 
ist das geflügelte Thier mit Löweuschweif und Füßen, und mit Adlers- 
kopf auf Nr. 22 (Arneth S. XIV) , auf Nr. 29 , hier jedesmal hinter 
einem löwenähnlichen Thier, und auf Nr. 28 (G. VI), wo der Greif 
einen Hirsch erlegt, aber fiir diesen Greif ist keine besondere Bedeu- 
tung zu suchen, es ist einfach Ornament geworden , und zwar Nach- 



182 FRANZ DIETßlCH 

ahmung eines römischen oder griechisch-byzantinischen Motivs, welche 
übrigens unvollkommen genug gelungene Nachahmung besonders deut- 
lich wird, wenn man das Bild von Nr. 28 vergleicht mit dem classisch 
vollendeten auf der griechischen Silberschale, bei Arneth G. III und 
G. in% vgl. Text S. 60. Dergleichen war also längst von den Griechen 
eingeführt, und würde nur empfehlen, einen südgermanischen Stamm 
als den nachahmenden anzusehen, wenn aus sonstigen Gründen deutsche 
Art der Verzierung annehmlich wird. Diese sind aber mehrfach vor- 
handen. Erstlich die Thiergestalten auf Nr. 3, 8 (G. IV) und auf Nr. 13 
sind nicht, wie angenommen worden ist, wieder Greifen, sondern da 
sie nur zwei Füße vom, und einen mit Ringen versehenen, gewundenen 
und in ein Fischende ausgehenden Hinterleib haben, deutlich die durch 
ganz Deutschland bis in den Norden allgemein als Zierrath beliebten 
geflügelten Drachen. Nach echt germanischer Weise hat jeder der 
sechs Drachen auf Nr. 13 einen anders gestalteten Kopf, gerade so, 
wie von den sechs zweifüßigen, geflügelten Drachen auf dem elfen- 
beinernen Beliquienkästchen in Braunschweig je zwei dieselbe von den 
übrigen verschiedene Kopfgestalt haben, schon nach demselben Triebe, 
wonach das Blätterwerk an den Säulen deutscher Dome beständig ab- 
gewechselt wird; einer von den Drachen des Goldgefäßes Nr. 13 hat 
einen adlerähnlichen Kopf, aber gerade so auch mehrere der angel- 
sächsischen Drachen, womit die Unzialen in der Cädmonhandschrift 
verziert sind*). 

Dazu kommen ferner die künstlichen Schlangenwindungen 
mehrerer Ornamente, besonders auf Nr. 11, die Verbindung von Ku- 
geln oder Perjenreihen, und das Blumen werk mit Lilien formen, 
Dinge, die in allen Gegenden Deutschlands verbreitet waren, ich er- 
innere für das Lilienwerk an die Zierrathen des Smaragds mit dem 
Namen des Königs Alfred bei Hickes und an die Gleichheit der in 
Nr. 29 aufsteigenden Lilienform mit der auf der fränkischen runden 
Spange bei Grotefend (Nieders. Vereins. 1860. Taf. 11, Nr. 9). 

Eine der merkwürdigsten Erscheinungen ist, daß als Verzierung 
eines kleinen Gefäßes Nr. 9 G. III auch der Stierkopf mit einwärts 
gebogenen Hörnern vorkommt. Derselbe Stierkopf, halberhaben auf 
einer Metallplatte dargestellt, mit ebenso eingebogenen Hörnern, den 
Arneth als fremd bezeichnete, wurde bei den Franken als Stirnschmuck 
der Pferde gebraucht, wie er aus dem Grabe Childerichs I. von Chiflet, 



-T 



*) EUis Account of Caedmons metrical paraphrase, Lond. 1833. 4. auf der vor- 
nmerierten Tafeln, die Fi^ren mit p. 27. 38 bezeichnet. 



BUNENINSCHRIFTEN AUF DEN WIENEB QOLDGEFÄSSEN. 183 

und danach von Cochet*) dargesteUt zu sehen ist, und dieser Kopf- 
schmuck wenigstens mit den halbmondartigen Hörnern oder lunulaey 
muß auch bei norddeutschen Yolkerstammen allgemein gewesen sein, 
da er sich überaus häufig auf den Pferden der Goldbracteaten vor- 
findet, welche Denkmäler ins 4. — 6. Jhd. gehören. Hieran habe ich 
die eigenthümliche mehrfache Ausschmückung des Pferdes auf 
dem mit vier kreisförmig eingeschlossenen Bildern ausgestatteten Bauch 
des goldenen Kruges Nr. 28 , G. VI, worauf ein Geharnischter reitet, 
anzuschließen. Erstlich ist die Mähne des Pferdes mit kunstlichen 
Flechten verziert ; dergleichen war im deutschen Mittelalter sehr ge- 
bräuchlich. Bereits im eddischen Hammerlied Str. 5 und in der Atla- 
kvida Str. 37 kommt eine Pflege der Mähne vor. Mit Band durch- 
flochten sah ich Mähnenzopfe, oben auf eine ßosette, unten eine Schleife 
daran, an den Pferden des noch mittelalterlich ausgestatteten und von 
Läufern begleiteten Parlamentwagen der Konigin von England. — Auf 
unserm Bilde kommt dazu noch ein Kopfschmuck, der sich noch drei- 
mal wiederholt, indem über der Stirn gerade auf dem Kopfscheitel des 
Pferdes aufrecht ein spitz zulaufender Büschel steht, der auch am Kinn- 
zaum herabhangt 9 sowie am Brustriemen und an dem Hinterriemen. 
Derselbe Büschel erscheint als Kopfverzierung der Kitterpferde auf 
Münzen und Siegeln des deutschen Mittelalters. Die Sitte des Kopf- 
schmuckes beweist sich schon durch mhd. gtigerelj den eigens dafür 
gangbaren Namen. 

Nicht minder hat der freilich sehr verzeichnete gewaffnete 
Reiter dieses Bildes, der an der linken Hand ein dem Feinde abge- 
schlagenes Haupt trägt und zugleich einen gefangenen Feind mit hinten 
gefesselten Händen am Schöpfe fuhrt, durchaus ungriechische, ger- 
manische Art. Nicht nur war es Sitte der deutschen Stämme, den 
überwundenen, nicht gefallenen Gegner auf dem Kampfplatze zu fesseln 
(Beov. 964), und daher eherne Fesseln mit zum Wahlplatz zu nehmen 
(Cädm. Exod. 176. 218. El. 24), wie denn 'siegen' und 'binden' selbst 
in denselben deutschen Worten zusammenfällt (J. Grimm in Hpt. 8, 6. 7), 
sondern auch die gesammte Rüstung stimmt, indem die Wafie der 
Oeer ist mit schmaler Fahne und oben herabhängendem Doppelband, 
die Hauptwafie aller germanischen Stämme, goth. gairu(8)j ahd. gSr^ 
ags. gär, die auch El. 23 den gegen Constantin kämpfenden Franken 
und Gothen beigelegt ist, noch im elften Jahrh. zeigt sich der Geer 

*) Abb6 Cochef, Le Tombean de Childeric L, roi des Francs, Ronen 1859 p. 295 
(hier too Gk>ld). Ähnliche bronzene Stierköpfe aus HaTro, Ayenches in der Bebweis 
und aoB dem MoBellande sind hier p. 286 t dazugestellt. 



1Ö4 KK4NZ DlKTKICll 

mit Fahne und Banderu au dcii Kriegern Wilhelms des Eroherere aul' 
der Tapisserie de Baycaus, und hier finden wir ebenfalls noch den 
einiachen spitzen llelm, von dem an der Kingpanzer beginnt, der auf 
unserm Bilde bis auf die Füße herabgeht, nur daß Beinharn isoL, Iland- 
wehr und Halsberge besondere Stücke sind; dieselbe zugespitzte Art 
des Helms trägt außer der Kingbriinie auch der Kitter, welcher aus 
dem elften Jabrh. im Codex Eberhard! T. II fol. 52 dargestellt ist. 
Über die Älterthümlicbkejt des aus Ringen bestehenden Panzers, den 
auch die Dacier hatten, und der in unserm Uildebrundsliedc 'die Ringe' 
schlecbthiu genannt werden konnte, brauche ich kein Wort zu ver- 
lieren; der Helm des Bildes aber ist so einfach eingerichtet, daß er 
in sich selbst das Zeugniss des Alters trägt. An seinem untern Rande 
läuft ein Schmuck her, der nur ein Stirnband oder Diadem sein kann, 
welches hinten gebunden ist, die Enden des Bandes stehen hinten weit 
und steif hervor, wie es fast an allen diademierten Häuptern der 
Goldbracteaten zu sehen ist, wo sich der dtadcmfurmige Sehmuck eben- 
falls auf den Helmräudern zeigt, z. B. Nr. US des Kopenhagner Atlas. 
Übrigens wurden solche goldene Stirnbänder nicht nur von Fürsten, 
sondern von allerlei vornehmen Herren getragen. 

Etwas Fremdartiges ist allerdings der Gegenstand des mittelsten 
Bildes auf demselben Gefäße Nr. 28, nämlich der kronenähnlich ge- 
schmückte, geharnischte Reiter, der seinen Bogen auf einen von hinten 
her aufspringenden Panther richtet, nicht wegen des Panthers, der 
sicher einst auch die Donaugegenden besuchte, sondern wegen des 
orientalischen Kopfschmucks, und besonders wegen des phantastischen, 
cherubähnlichea, aus Löwe, Adler und Mensch zusammen- 
gesetzten Thieres, worauf der Kitter reitet. Zwar sind Centaureu- 
gestalten nicht etwas im deutschen Alterthuui ganz unerhörtes, seien 
sie nun durch Nachahmung eingeführt oder einheimiscb, genug sie 
zeigen sich schon auf dem gleichzeitigen goldnen Hörn von Tondern, 
Hier aber sehen wir einen gekrönten Kopf mit langem spitz auslau- 
fenden Barte auf dem geflügelten nnd gemahnten Thiere, wie auf den 
jwsyrisclieri und ptisischen Denkmälern *). Dergleichen bildliche Dar- 
stellungen koiiiiicii aber den Griechen der Kaiserzeit und den in ihren 
Heeren (iieLn.ii(U-ii Germanen um so weniger fremd bleiben, als sehr 
viele Krie^ii' mit rjroßen Soldnerheeren im Orient geführt wurden. Es 
«äre selbst nii In /.n verwundern, wenn bei den Germanen jener sfid- 



•¥ 



■•)- Vgl. Anielli s. 24 und 26 de« Teiles, der an den Martichoras der Perser bei 



KUNEN INSCHRIFTEN AUF DEN WIENER GOLDGEFÄSSEN. 185 

lichsten Gegenden solche mythologische Vorstellungen selbst Eingang 
gefunden hätten. Denn wenn doch schon die westgothische Sprache, 
die wir allein kennen, auffallend mit slavischen und andern uns wild- 
fremden Wörtern gemischt ist, warum sollte das mythische Gebiet der 
länger heidnisch gebliebenen Ostgothen nicht auch fremde Elemente 
haben enthalten können? Ohnehin bestand ja zwischen Persern und 
Gothen Verwandtschaft des Blutes und der Sprache. Solche Dinge 
konnten dann aber leicht auch bis in die christliche Zeit der letzteren 
hinein als Verzierungen fortdauern. 

Ein anderes rein orientalisches und zwar ursprünglich persisches 
Bild kam ganz sicher auf seiner Wanderung über Byzanz auch früh 
zu den alamannisclien uud zu noch nördlicher gelegenen deutschen 
Christen, indem es dem christlichen Vorstellungskreis angepasst wurde. 
Ich meine den von den lebenden Wesen, welche in geflügelten Thieren 
dargestellt und zusammengefasst sind, angebeteten Baum des Lebens. 
Der vielfaltig als Palme im Orient dargestellte persische Lebens- 
baum II om, wahrscheinlich schon übertragen auf Christus, 
dessen Symbol so früh und so oft ein Leben spendender Baum ist, 
findet sich deutlich mit der heimischen Umgebung von geflügelten Ge- 
stalten, welche Anbetung darbringen, auf dem vielverzierten Griff der 
Schale aus dem Banater Funde Nr. 29, bei Arneth Tab. G. V. Zur 
Rechten und Linken steht zunächst je ein geflügelter Löwe, sie bringen 
mit emporgehobenem Vorderfuß einen Kranz dar, hinter jedem der- 
selben steht ein geflügelter Greif, der in erhobenem Vorderfuß eine 
Lilie oder einen Zweig hält. Im Orient selbst sind, wie Piper gezeigt 
hat , das von den geflügelten Thieren dargebrachte gewöhnlich andere, 
aber ebenfalls fiir Weihe und Anbetung symbolische Dinge ; eine Über- 
tragung aber wenigstens dieses Motivs auf christliche Kirchen hat der- 
selbe Gelehrte nachgewiesen, z. B. auf einer portalähnlichen Tafel der 
Domkirche zu Chur aus dem 10. oder 11. Jahrhunderte, auf dem zwi- 
schen zwei ruhenden Löwen die Palme als Baum des Lebens erscheint*). 
Eine ähnliche Darstellung, zwei Löwen, die sich gegen einen, da nur 
kleinen, Baum mit dem Vordertheil erheben, gibt von einem fränkischen 
Denkmal der Abbe Cochet a. a. O. S. 408. Ich bemerke noch, daß 
es seit den frühesten Zeiten in der christlichen Kirche gewöhnlich war, 
nach Vorgang von Joh. 1, 4. 11, 25. 14, 6 Christus das Leben zu 
nennen. Belege gibt Suicerus aus den griechischen Kirchenvätern, in 



*) Piper über den Baum des Lebens , im Evang. Kalender, Berlin 1863, 8. 79 flf. 
und das Bild zu S. 81. 



186 FBANZ DIETBICH 

Osterliedern hieß es sogar ^ fioq iv tp täq>qi ixstto (Octoechas Ton 
Johannes Damasc. p. 118); und die Benennung tritt an einem Gebrauchs- 
gegenstände, der einein Christen angehörte, auch in der Anrede auf, 
indem die Inschrift des dreifachen Goldringes im Wiener Cabinet, 
bei Arneth Nr. 167 auf p. 34 des Textes, lautet: AMO TE VITA 
Daß in bildlichen Darstellungen, wie bei christlichen Dichtern, nicht 
nur das Kreuz, sondern auch Christus selbst als Baum des Lfebens 
aufgefasst ist, hat Piper hinlänglich bewiesen. Das Kreuz von Ruthwell 
aus dem 8. Jahrh. gibt einen Weinstock mit allerlei] Thieren, die von 
ihm genießen, als Symbol des geistigen Lebensquells der Christen, 
und zwar des Lebens, welches vom Kreuzestod des Erlösers ausgeht 
Wenn es sich aber in dem vorliegenden Falle fragt, was denn eine 
schon vollzogene Übertragung des uralten Lebensbaumes, zwar nicht 
auf das Kreuz, aber doch auf Christum selbst wahrscheinlich mache, 
so liegt sie unzweideutig in dem mehrfachen Gebrauch des christlichen 
Kreuzes zu Anfang und Ende und in der Mitte der Runeninschrifl 
auf der besprochenen Schale, ferner in der Gesellung mit zwei ähn- 
lichen Schalen, deren griechische Inschrift dem Psalter entnommen ist, 
und in dem geistlichen Inhalt der eigenen Inschrift unserer Schale, der 
weiterhin (Inschr. 9) nachgewiesen wird. 

Zur Bestätigung des bisher aus der Betrachtung des Bildwerks 
gewonnenen Ergebnisses, daß der Schatz der Banater Goldgefaße einem 
christlich gewordenen germanischen Volksstamme angehorte, dient nun 
aach die auf dem Goldgefäße Nr. 13 häufige und auf Nr. 28 nur aus- 
gefallene Verzierung mit Glas p asten, die zwar auch schon auf einer 
Goldmedaille des Maximianus, nach Arneth's Text S. 20 u. 44, vorkommt, 
die aber nirgends beliebter war als bei den Völkern germanischer Ab- 
kunft. Diese Einfassung von farbigen Glasstucken in einem Goldrand 
zeigt sich auf den Goldbracteaten aller Gegenden, von Hannover an 
bis in den fernsten Norden, und ist besonders häufig auf den goldenen 
Schmucksachen, die in den burgundischen Gräbern von Charnay ge- 
funden und dem fünften Jahrhundert, wie Baudot ganz klar gemacht 
hat, angehorig sind *). 



*) H. Bandot, Memoire bvlt les Bepultures des barbares de T^poqne Mdroyingienne 
döcouvertes en Bourgogne et particuliirement k Charnay... A Dijon *& Paris* 1860. 4. 
Man vgl. besonders PL XII, 1. 3—6. 9. PL XIII, 1. 2. 



EUNENINSCHBIFTEN AUF DEN WIENER GOLDGEFÄSSEN. 187 



Das Alphabet. 

Indem wir nun zur Schriftgestalt der Goldgefaße übergehen, muß 
nach dem vorigen die Erwartung entstehen, daß sie die eines südger- 
manischen Volksstammes war, und da sie nicht die griechischromische 
ist, daß sie eine diesem eigene besondere Art der sehr manigfachen 
Runenschrift war. Ich könnte mich für den altgermanischen Charakter 
dieser Schrift begnügen, auf das besonnene Urtheil des von Arneth 
S. 37 angeführten nordischen Gelehrten, der offenbar Thomsen war, 
zu verweisen, dieser sagte aus: „Meiner Überzeugung nach sind die 
auf Ihren goldenen Gefäßen eingekratzten Charaktere nicht nordische 
Runen, sondern eine mit selbigen verwandte Schrift, vielleicht der 
ältere Bruder von unsern und den sogenannten anglo- 
sächsischen Runen.^ Dies war eine vollkommen richtige Ahnung, 
doch der Inhalt der Aussage muß bewiesen und etwas genauer be- 
stimmt werden. Erstlich die Zeichen der Goldgeßße stehen den deut- 
schen Runen am nächsten, wie sie in Burgund, in Hannover, Schleswig 
und andern nordsächsischen Gegenden auftreten, hier z. B. auf dem 
goldenen Hörn, den bronzenen Gegenständen von Taschberg in Anglien, 
dem goldenen Diadem von Strarup und auf den Goldbracteaten* Dies 
beweist schon der Anfang des Alphabets h ^ ^> indem für C im ags* 
vielmehr ein Stab mit einem untern, rechts herabgehenden Sporen gilt, 
und für A ein aus dieser alten ^-Rune differenziiertes Zeichen vorhanden 
ist, und femer | ^ 5i für z, Z, o, indem das ags. für o ein ganz ver- 
schiedenes, ebenfalls aus der ^-Rune differenziiertes Zeichen hat ; endlich 
H) T} D9 V ^r ^t ^ ^9 ^'^7 äiGtm jenes ;S-Zeichen ist allgemein auf den 
Goldbracteaten, das Zeichen für u steht dem nicht seltenen fl ^^ näch- 
sten, ist übrigens als eine Art Ausgleichung des beharrlichen alten 
Zeichens fl anzusehen , das letzte für th ist überall allgemein. Das 
Zeichen für h mit dem doppelten Querstrich gleicht zwar dem ags., 
war aber diesem nicht ausschließlich eigen, da es sich auch in dem 
sonst deutschen burgundischen Alphabet zeigt. 

Daneben finde ich zweitens zwar für einige Laute auch eigen- 
thümlich aus den gewöhnlichen abgekürzte oder differenziierte Zeichen, 
und drei, welche ich für älter erklären muß, nämlich die Runen für 
w, T und V, weil sie noch nicht auf die gewohnliche gestabte Form 
mit einem Grundstrich gebracht sind, während sich eben die gewohn- 
lichen Formen daraus ableiten lassen, und weil überhaupt ein Vorurtheil 
für Reste aus einem höheren Alterthum in der Schrift hier darin liegt. 



188 FUANZ DIblTaiCU 

daß alle zwölf lDschrLf):en ohne Ansnafame noch von rechts Dach 
links gelesen werdea müßen. 

Zum großen Vortheil in der Bestimmung dieser neuen Zeichen ge- 
reichte es, daß jene auf der Tafel obenan gestellte Gruppe von 9 starken 
Runen, die der fremdartigen so viel enthält, eben fünfmal mit einigen 
kleinen Variationen vorkommt, und nach dem kleinen | in der Mitte, 
welches auch fehlen konnte, einen zusammengesetzten Namen vermutben 
ließ, dessen Bindelaut t war, welches auch fehlen konnte. Doch ich 
will meine Leser nicht auf dem weitläufigen Wege des Suchens, den 
ich durchgemacht habe, umher führen, sondern nunmehr das Gefun- 
dene kurzer Hand zu rechtfertigen suchen. 

Zur Rechtfertigung des in der ersten Tafel aufgestellten Alpha- 
bets habe ich folgende aligemeine Bemerkungen zu machen. Erstlich, 
es darf nicht befremden, daß für einige Buchstaben mehrere Formen 
desselben Typus vorkommen, diese Erscheinung begegnet in den naeisten 
handschriftlichen Runen alphtibeten, nnd selbst auf einem und demselben 
Denkmal, wenn die lusuhrifl nur von einigem Umfang ist, zeigen sich 
verschiedene Gestaften derselben Rune, was so häufig ist, daß ich es 
ruhig versichern darf. — Ferner zu den Modificationen der Runen ge- 
hört nicht nur die Abkürzung von Querstrichen, die an den Stäben 
sind, sondern auch dieAbrundung der Grundstäbe selbst, so ist auf 
den Goldbractcatcn f) die geradlinige, oben eckige Rune für u sehr ofl 
in der runden Gestalt (\ zu finden, und werden die Arme der Rune 
für m sehr gewöhnlich zu einem Bogen, auch X erscheint mit abge- 
rundeten Schenkeln in ags. Alphabeten und der gerade Strich des | ist 
bogenförmig ausgerundet auf dem Hing von Bukarest. Dies hat in dem 
vorliegenden Alphabet mit ziemlicher Consequenz die Stäbe oder Grund- 
striche betroffen , sie werden auch ausgerundet angetroffen bei a, i, /, t 
(I) nnd g. — Sodannn gibt es auch Verzierung und Confor- 
mierung, beruhend auf einem Trieb nach Ebenmäßigkeit der Form, 
wonach z. B. die Griechen, als sie ihr Alphabet von den Scmit«n em- 
ptiengen , mehr und mehr verfahren sind. Einiges der Art zeigt eich 
auch bei den Sachsen und Angelsachsen, die Rune für ff, gewöhnlich 
X, kann iimli oliicn Grundstrich annehmen Xj ^^^ zu ^ und JK ver- 
ziert weiden, wio nsbeu den einfachen beide verzierte Gestalten auf 
dem Kreuz von lüithwell vorkommen. Auf den Goldbracteaten wird 
sie oben mit Ilakcu verziert, einmal auch unten, so daß die crux ansala 
darmis tutstubi. Mit Köpfen oder Kugeln oben sind die drei Runen 
des Goldbra'.ifi.it.'ii Nr. 118 und 2"f4 des Atlas ausgeschmückt. So 
Itommt nun ancb bier ein überflüßiger Stab bei der Rune für o, und 



RUNENINSCHRIFTEN AUF DEN WIENER GOLDQEFÄSSEN. Igfl 

ein halber bei der für v hinzu, einmal wie es scheint auch bei der für 
e Conformirung, wie bei der ags. C-Rune, welche gewohnlich f^ ist, 
und von j\ auch zu ^^ fortschreitet, tritt hier ein bei dj bei u und t/i, 
80 wie bei der 2. und 3. der Binderunen, in denen zwei Zeichen aut 
einen Stab gebracht, und einander conformiert sind. 

Endlich habe ich noch der Umwendung der Runen zu ge- 
denken, wodurch übrigens keine neue Nebenform bedingt wird. Im 
Alphabet habe ich alle Zeichen aufgestellt, wie sie bei der Schreibung 
Ton links nach rechts erscheinen, um die Vergleichung zu erleichtern, 
obwohl hier nur die älteste Schreibung von rechts nach links statt 
hat. Bei der hier herrschenden Richtung der Schrift werden die Zeichen 
umgewendet, d. h. die Arme und Schleifen der rechten Seite der Run- 
stäbe bekommen die Richtung nach links. Dies ist aber nicht con- 
sequent bei allen geschehen. So ist das zweite S - Zeichen dreimal 
Inschr. 3 — 5 nicht umgewendet , auch das erste S - Zeichen nicht in 
Inschr. 6 c und das Zeichen für th ist dreimal nicht umgedreht. Die- 
selbe Erscheinung hat man wiederholt auf den Goldbracteaten. 

Zur Begründung der angesetzten Bedeutung der einzelnen 
Runen ist nunmehr nur noch weniges hinzuzufügen, da die Zeichen 
für a, bj <?, h (1) dieses im Burgundischen, femer ?, /, o, s (1 und 2), 
U th die im deutschen Alphabet gewohnlichen sind. Die eigenthüm- 
lieberen sind diese. 

Die Rune für D ist aus der allgemeinen T-Rune durch ein dia- 
eritisches Zeichen, einen kleinen Strich auf der linken Seite abgeleitet, 
so auf dem Goldbracteaten von Oberhornbek in Jutland, Nr. 114 des 
Kopenhagener Atlas, in dem Wort geldda^ und ebenso erscheint sie 
herrschend im nordischen Alphabet. Das vorliegende Zeichen ist nur 
durch einen Strich auch auf der rechten Seite ebenmäßig gestaltet. 

Die Rune für E ist durch einen diacritiachen Strich auf der rechten 
Seite, oder^ wenn sie etwa auf den Inschriften nicht umgewendet wurde, 
auf der linken Seite, aus dem Zeichen für | gebildet, und so gleichsam 
als Verwandter davon dargestellt. Dies ist eine starke Verschiedenheit 
vom deutschen und ags. Alphabet, welche das besondere Zeichen M 
fiir e haben, indes keine ganz vereinzelte Erscheinung. Auf dem Brac- 
teaten Nr. 80 des Atlas zeigt sich zweimal neben der gewohnlichen 
Rune für e auch das aus | difierenziieite Zeichen "f"? welches auch im 
nordischen bekannt ist, und eine andere Diflerenziiernng, nämlich das 
I mit oben gabelförmiger Öffnung, wie es meine Tafel darstellt, ge- 
währt das ags. Runenalphabet bei Uickes im Thesaurus (gramm. isl« 
nach p. 4) unter Tab. II, Nr. 10. 



190 FRANZ DIETBICH 

Zweierlei ist für die G - Ranc za bemerken. Zu Grande liegt 
allerdings die im deutschen nnd ags. Alphabet gewöhnliche Gestalt 
des griechischen Chi, aber mit ausgerundeten Linien, wie dies hier bei 
i, l, a nnd « (I) vorkommt. Dies hat Parallelen im ags. , bei Hickes 
a. a, O. Tab. VI unten im 2. und 4. Alphabet ist nur der eine Schenkel 
derselben 6r-Hnne ausgerundet unter dem Namen ffi/ii, beide aber an 
derselben Figur unter dem Namen ffär im vierten der Alphabete. — 
Die andere Eigenthümlichkeit unserer Rune, daß der Querstrich nm 
die Hälfte verkürzt ist, hat wenigstens Analogie in der bekannten ver- 
kürzten Gestalt des a, o und n im nordischen, und des n im ags. nnd 
auf den Goldbracteaten. 

Für die zweite ff-Rune gibt wieder das Ags. Anskunft, es zeigt 
sich nämlich in demselbeu Alphabet, aus dem oben die besonders dif- 
ferenziierte E-Rune beigebracht wurde, Hickes Tab. II, Nr. 10, und ein 
monumentaler Beleg liegt vor auf dem Kreuz von Ruthwell in dem 
Wort tdmehttiff nach Hickes richtiger Zeichnung. Um den Namen dieser 
zweiten H-Rane, die in unbekannter Bedeutung auch auf dem Bracteat 
von Vadstena vorkommt, und in bekannter, aber verschiedener, auf 
sonstigen Denkmälern, brauche ich mich hier nicht zu bekümmern. 
Die burgundischen Namen sind nicht überliefert, was wir von gothi- 
Bchen Namen besitzen, halte ich für Übersetzung aus den ags. Namen 
ins Gothische durch einen ags. Schreiber. 

Aofiallend auf den ersten Anblick ist die JV-Rune, wofür der Ring 
von Pietraossa in Bukarest und die übrigen Runenalphabete das weit 
einfachere Zeichen 'f, die deutschen auch ^ haben. Das vorliegende 
umständlichere Zeichen steht unverkennbar nahe dem Bilde einer halben 
Fessel. Denn die alte Fessel sowohl des Fußes als der Hand und des 
Halses bestand aus zwei gleichen Stücken, und zwar seit den ältesten 
Zeiten auch im Orient, wie z. B. das Hebräische mit dem Namen 
nechuschlajim (Doppelerz) beweist. Daß aber der allgemeine Name der 
A'-Rune, naulh, die Fessel bedeutete, weiß man aus der Sprache 
der Edda. 

Zu äcT sehr einfachen 72 -Rune sind die einfachen, ungestabten 
in scliit/fer Richtung nnd in gerader Stellung vorkommenden Zeichen 
TAI vcrglciclicn , die P. Magnusen Runamo S. 347 beibrachte, mögen 
sie das ursprrmirliche oder das abgekürzte sein. 

Dos iTstc /'eii;hen für S begreift sich aus dem gewöhnlichen 

ii'lit niicli di'iii liier herrschenden Princip der Abnindung. Das zweite 

ist auf vielen Goldbracteaten anzutreffen; das dritte nur in verkürzter 

auf dini i^oldencn Hom von Tondevu, und in völlig derselben 




RtTKEKINACnRIFTEN AlTF DEN WIENER OOLDGEPX88EN. 191 

aaf der Spange von Ilimilingoe io dem Namen Horiaoj and auf dem 
Sohildbackcl von Taschberg in Anglien in dem Namen AUgih {Augid). 

Ebenmäßig gemacht wurde die {/-Rone zn wolligem Parallelogramm; 
ohne die untere Schließnng erscheint es dainr in dem zweiten der 
Gottorper Alphabete bei Ilickes Tab. II , Nr. 4, und auf alten Denk- 
mileni: auf dem Goldbracteaten Nr. 13 des Kopenh. Atlas, auf dem 
Diadem von Strarup in Schleswig, und zweimal auf der bronzenen 
Zwifige von Taschberg. Daneben gibt es auf Bracteaten hanfig die 
Spitzbogengestalt 

Die Rune (tir V mit der Verzierung im oberen Ende der ovalen 
Uandung scheint mir aus der vorigen Rune wegen der lantlichen V*^er* 
wmndtschaft zwischen u und r abgeleitet. Ursprunglich bedurfte es dafiir 
kein besonderes Zeichen, wie das nordische ein solches nie angenommen 
hmt» noch auf den Goldbracteaten ist u häufig für « gebraucht, bestan» 
dig s. B. auf Nr. 239 des Atlas. Auch diese Rune hat noch keinen 
Stab, wie auch If n^ r nicht, es ist möglich, daß die deutsche und 
ags. Rone ftir v durch Stabung und Vereinfachung der ovalen Rundung 
daraaa abgeleitet ist. — Nahe unserer Rune für V auf den Goldgefaßen 
steht das Zeichen^fur IIV bei Ulfila, nur daß in der Mitte des Kreises 
ein Ponct ist. 

Das 77/ mit größerem, den Grundstrich als Sehne umspannenden 
Bogen begegnet auch auf dem Bract. Nr. 69 des Atlas , und in der 
af^s. Schrift der Münzen und üandschriften, da die Rune hier in die 
gewöhnliche Schrift überging. — Nach Peststellung der Schriftzeichen 
der Goldgefaße durch Analogien in andern Runenalphabeten können 
wir nun zur Lesung und Erklärung fortschreiten. 

Die Insohriftsn 

erscheinen auf der beigegebenen Tafel thcils mit dickeren Zügen, thrils 
mit dünnen schwachen Linien. Die ersteren sind die, wie früher l>o- 
merkt, mit breiteren Buchstaben eingeschlagenen, Ameth druckt sie 
durch Doppellinien ans, die anderen sind die eingeritzten. Wo sie 
nebeneinander auftreten, auf 4 und 5, erregt die dopi>elte Schriftgattung 
anwillkürlich die Vermuthung, daß dadurch Haupt- und Nebensache, 
wie z. B. Besitzer und Anfertiger, unterschieden werden sollte, sie recht« 
fertigt sich, wie wir sehen werden, durch die Bedeutung der Zeichen» 
— V*^erzeichnet sind nach sachlicher Anordnung zwölf Inschriften auf 
zwölf Gefäßen 9 ein dreizehntes , nämlich Nr. 28, auf Ameths Tafeln 
0. VI (Gold, Schrank VI) enthält zwei vielfach zusammengesetzte Zei« 
eben eingeritzt, welche freilich Monogramme für Namen sein konneUi 



192 FRANZ DIETRICH 

bei der Möglichkeit aber, daß es nur Marken sind, wie die unserer 
Werkmeister, und wegen ihrer Dunkelheit habe ich sie weggelassen. 
Ebenso das zusammengesetzte Zeichen, welches auf dem Pfropfen des 
goldenen Horns Nr. 15 eingeritzt ist, und dessen Grundbestandtbeil, 
von oben angesehenen vp, die gewöhnliche J/-Rune ist; der Anfangs- 
buchstabe wahrscheinlich eines zweiten kurzen Namens, etwa Mvg. 
Halten wir uns zunächst an das Klare und das mit nur wenig Dun- 
kelheit Behaftete. 

1. Das goldene Hom Nr. 15, welches viel mehr ein Trinkhom 
als ein Hörn zum Blasen gewesen sein mag, bei Arneth G. H, jetzt 
Schrank VHI Nr. 31, enthält dicht unter der breiten Öffnung die In- 
schrift, welche wie schon bemerkt, noch viermal wiederkehrt, hier und 
unter 5 in der reinsten Gestalt. Aber sie geht nicht, wie Ametb sie 
gibt, von links nach rechts, sondern nach Ausweis des mir vom Vor- 
stand des Antikencabinets gütigst zugesandten Staniolabdrucks von 
rechts nach links. Stellen wir statt der Runen die gefundenen Laut- 
werthe ein, so ergibt sich unter der Annahme, daß die ftinfte Rune 
die Laute v und a verbindet, welche sich auch durch die 9. Inschrift 
rechtfertigt, so wie, in Bezug auf die graphische Abkürzung, durch 
die besondere Häufigkeit der Verbindung VA in unseren alten Sprach- 
stufen, die einfache klare Lesung: 

GÜNDIVAKRS 

ein Personenname, der mit seinem nominativischen S dem gothischen 
nahe steht, sich aber schon etwas von Ulfilas Zeit entfernt durch das 
D statt TH in seinem ersten , Kampf bedeutenden Bestandtheile und 
durch den Stammvocal / statt A^ der indes in den gothischen Namen 
sehr bald einschleicht. Während der Chronist Prospcr einen Gunta- 
mundus gibt , den Victor Tunensis besser Gunthamundus schreibt 
p. 326 neben einem Guntldmtr p. 329, und während Jordanes einen 
Guntliericus und Gunthigis stellt, hat Cassiodor: Gumlibald und Gun- 
dinand. 

Der zweite Theil des Namens gibt genau die syncopicrte Form 
wie goth. akra^ der Acker, und da diesem ahd. akar, arhar entspricht, 
so darf vakrs aus ahd. tcakary tcachar gedeutet werden. Gutnh'vakrs 
ist componiert wie Odovakar^ der mehr gothisch 'Audovakrs' heiik'u 
würde. Mit Frankisierung des k zu ch wird dieser Name von Sigebertus 
Gemblacensis in seinem Avdovachrius gegeben (bei Bouquet Tom, III 
336 zum Jahre 471 und 481), bei den alten Sachsen nach sächsischer 
Weise Adovacar (ein sächs. Herzog nach Greg. Tur. U, 18), bei den 



RUNENINSCHRIFTEN AUF DEN WIENER GOLDGEFÄSSEN. 193 

Angelsachsen mit Anglisierung Eddvacef*^ ein westgothischer comes 
cnbiculariornm bekommt 653 aaf dem achten Concil von Toledo seinen 
Namen Hodoaenis geschrieben, d. h. Odoacvy er hieß wie der bekannte 
Konig, den z. ß. Ennodius Odovacar^ Isidorus (Opp. VII, 120) genauer 
Odovacrus aussprach. Im Munde des hochdeutschen Volkes wurde er 
verhochdentscht zu Oiaehar; der Versuch, den J. Grimm einmal Hpt. 
in, 139 machte, die hochd. Form zu Grunde zu legen, und den Namen 
ans -Äort, -chari zu deuten, das o in Odoacer aber für zufällig zu er- 
klären, widerlegt sich durch das oben beigebrachte. — Die schon früh- 
zeitig seltener und theilweis unkenntlich gewordene Composition mit 
wacker, die in Wackerbart, Wackemagel noch erhalten ist, lebt wenig- 
stens noch im ahd. Vacarolfy Vagarlind und in dem burgundischen und 
ahd. Gundaehar fort. 

Um die Identität von Gundaehar und Gundivakr einzusehen, braucht 
man nur an die Identität von ahd. Otachar und Odovahr zu denken, 
und sich daran zu erinnern, daß der Stammvocal, der sogenannte Binde- 
lant, fehlen konnte, und daß im ahd., ja fast in allen Dialecten das W 
der zweiten Namensbestandtbeile theilweise verschwindet. Beweise 
geben alle Comp, mit »wald, ahd. walt und -wolff und viele mit -wini, 
-tiwi Freund; wie im altsächs. Amaldy HrMaldy Hünald, Rainald neben 
Amoldj Hrddolt, Hünold; ahd. Amolt, Ilruodolt u. s. w., nur daß neben 
solchen Formen wie Ghimold noch das ältere Chritnoald (Dronke p. 63) 
erscheint, während ags. Earnvaldy Hrodvald, Hünvald, so wie auch 
meist die -vulf ungestört sind ; selten ist das v im ags. vor vine Freund 
verschlackt, wie in Ätheline Dipl. 2, 391, und in smth wie in Ansith 
1, 122. Häufiger unterblieb es im ahd. wie in Eburin, Helidin^ Selin 
Siffinij Suuabiny Werin bei Dronke, in alts. Namen vocalisieite es sich 
öfter, wie in Berahtuni neben Berahtuuini^ in Erluni, Oduni^ Rädunu*' 
In den Namen der Ost- und Westgothen findet es sich oft übergangen 
wie in AWin Cass. 1, 20, statt Alb-vin^ Odoin statt Odovin An. Val. 
Exe. 568. Theudin st. Theudvin Proc. 2, 30. Thorisin st. Thoriavin 
Proc. 2, 34. Fantin st. Fanthvin Greg. VIII, 29. Der Sisaldus Conc. 
Toi. XV steht schon für Sigisvaldusj der Theodoigius Toi. IV für Tlieo- 
dovig; die goth. Namen mit -vulf haben fast immer -ulf^ wie auch im 
Anlaut. Für den westgoth. Königsnamen Svinthila findet man auch 
Sintilof und ähnlich -nnth fur-svinih in Frauennamen. — Daher mag 
es noch mehr Compp. mit wakar gegeben haben, im ahd. Dialecte, 
dem namenreichsten, mußten sie nur alle zu --acar, -aehar werden, wie 
die -^teald zu -a/(f, ^old; und so wurden sie mit denen auf ^char (chari, 
hart) nnanflöslich vermischt. 

OBBUAIIXA XI. 13 



104 FRANZ DTETRICR 

2. Auf dem Fuß eines fast 61 Dncaten wiegenden goldenen Be- 
chers, der nach seinem schalenförmigen Obertheil unserm Römer und 
dem englischen Champagnerglas ähnelt, Nr. 199 bei Arneth, jetzt 
Schrank VUI, Nr. 28; findet sich im Ganzen dieselbe Inschrift. 
Nur hat die sechste Rune von rechts die Binderune (Fa) hier fönt 
abwärts gehende Seitenstriche statt der vier von der ersten und fünften 
Inschrift. Überall zeigt sich nämlich, daß der, welcher die Runen ein- 
hieb, sie nicht erst auf einem Stempel fertig machte, sondern daß alle 
Bucbstabentheile, Grundstriche und Seitenstriche besonders eingeschla- 
gen wurden. Gerade so haben die beiden identischen griechischen 
Inschriften doch in der Ausiuhrung einzelner Buchstaben mehrere kleine 
Verschiedenheiten. Genug klar liegt ein Versehen des Runenschneiders 
vor, der Name soll ganz offenbar derselbe sein. Ein anderer kleiner 
Fehler begegnet bei den zwei folgenden. 

3« Die in zwei ein wenig verschiedenen Exemplaren vorhandene 
Schale, auf deren Hauptseite das in Blätter ausgehende Kreuz und um 
dieses herum die oben besprochene griechische Inschrift ist, bei Ameth 
auf Tafel G. V, Nr. 21, jetzt Sehr. Vm, Nr. 22, hat nach der Nach- 
rieht des Vorstandes auf der Kehrseite, unter der zum Anhängen der 
Schale bestimmt gewesenen Schnalle, die ganz ähnliche Inschrift 
GUNDVAKRS, mit ausgelassenem Bindevocal. Das hier obwaltende 
Versehen ist dies, daß an der erwähnten Binderune nur drei Seiten- 
striche sind, jetzt also einer zu wenig, wie vorhin einer zu viel. Die 
Auslassung des kleinen Striches für t kann aber auf der gleich be- 
rechtigten Aussprache des Namens ohne Bindevocal beruhen. Die In- 
schrift muß von außen her gelesen werden und hat nach dem Staniol- 
abdruck ebenfalls die Richtung von rechts nach links, unrichtig ist sie 
daher bei Arneth in der Richtung von links nach rechts dargestellt. 

4. Das andere Exemplar von der vorigen Schale, Am. G. V, 
Nr. 19, jetzt Sehr. VIII, Nr. 24 zeigt kleine Varietäten nicht nur in 
der griechischen Inschrift (wie beim ersten iV, beim vierten Ä)j sondern 
auch in den Runen, die übrigens wie die vorigen von außen her gelesen 
sein wollen; man darf seinen Standpunkt nicht wie sonst im Innern 
der Rundung nehmen. Die /-Rune ist hier ein ganz kleiner Strich, 
die folgende Binderune hat aus Versehen wieder nur drei Seitenstriche ; 
auf die dick eingeschlagenen 9 Runen folgen, und zwar dazu in senk- 
rechter Stellung vier andere eingeritzte, an deren Ende Arneth noch 
einen kleinen Strich verzeichnet, der ein t oder auch nur ein Schluß- 
zeichen sein konnte. Das erste der eingeritzten Zeichen ähnelt am 
meisten zwar dem ersten der eingeschlagenen, aber der Anfang GC 



RlJKENINSCHRItTEN AUF DEN WIENER fJOLD^EFASSKN u)f, 

miiüte erst durcb Ergänzung eines Vocals verstandlirli getüncht wctcIvH) 
ich Termnthe, daß in jenem ersten eingeritzten Zeichen ein nusgernn- 
detfls E beabsiehtigt ist, die oben besprochene nifferenziiemng des r. 
So ergibt sich 

GUNDIVAKRS EKAS 

nnd in dem Ekas sicher ein zweiter, nur durch Derivation ^cbildrter 
Personenname. Während in dem rorigcn componierten der Nnmc eines 
Tomehmen Mannes vorliegt, tritt in dem andern einfachen zuerst einer 
von gewohnlicher, niederer Herkunft, wahrscheinlich ein Werkmeister 
oder Runenmeister hervor. Daß ich ihn gerade so nicht nachweisen 
kann, darf gegen die Lesung nicht eingewendet werden. Denn leider 
hat die Geschichte besonders von gothischen Stämmen immer nur we- 
nige Namen, nnd diese meist nur aus den angesehensten Ueschlech- 
fem aufbewahrt 

Ekas ist ein znnächt aus Ekasa gekürzter Name. Solche Kür- 
zungen kommen bei Jordanes mehrere vor, wie A^ c. 58 fnr A*jita 
den westgothischen Konig, Ascal^ wegen des A^eahtn c. 43, Athal c. 14 
(ur den Athala im Geschlecht der Amaler, wie ihn Cassiodor schreibt, 
nnd nehmen alsbald mehr überhand. Wie nun bei Jord. hfVaaineM ent- 
steht aus bilornnrisy Geberteh aus GilfOffth, Gfhamvndv^ bei Victor aus 
Gihnmundu$^ indem bald nach Ulfila 7 durch folgendes A herabgezogen 
wird, so ist Eka» auf IkoBa zuriickzufTihren, nnd da nicht das mindeste 
Redenken gegen die Derivation mit 5 in Namen sein kann, ein ihn 
vorauszusetzen, welcher Stamm sich als Eigenname hinlänglich belegen 
lässt; nnter den alten Sachsen durch Iko tradd. Corb. 233. 256. 287 
403. Lacombl. Archiv II, 223, unter den Hochdeutschen durch Ihho 
Pronke p. 78. 324. 

5. Ein zweiter Becher von Gestalt und Große wie der unter 2, 
bei Ametb G. VIII, Nr. 231, jetzt Sehr. VIII, Nr. 30, gewahrt auf 
dem Fuß im Kreis hemm erst eingeschlagen, dann von dc>r zehnten 
Rone an eingeritzt die völlig regelmäßig geschiiebenc Inschrift: 

GÜXDIVAKRS hAKTHO AIVI, 

worin das o darch einen Stab verziert ist, der eben so wenig eine 
Veraoderong macht als der Stab, womit die deutsche und ags. Kun«" 
X oft in der Mitte durchzogen ist Die 15 Rune hat einen Ilaken an 
der linken Seite, wodurch sie in den Schein eines E kommt, ich halte 
den Ilaken für eine Verritznng mit Hinsicht auf die Ausweiihungen 
de« Meißels, die sich ans der Vergleichong der beiden sachlich aber 
Dicbt graphisch identischen, griechischen Inschriften bemerklich machen; 

13* 



196 FBANZ DIETRICH 

obwohl auch ein AEVI in den vier letzten Runen begreiflich wäre, da 
ae die Contraction von ai in einem Namen sehr wohl sein kann. leb 
lese den zweiten Theil: {h)aktho Atm, d. h. Aivi, oder wenn man bei 
E stehen bleiben will, Aevi stach (die Runen) ein. Das aus hakUha 
schon verkürzte Praeteritum des Verbums hakjan stechen, bei Graff IV ^ 
762 belegt, woraus unser hacken entstanden ist und welches in der fol- 
genden Inschrift wiederkehrt, ist ohne h gesprochen, wie das {h)aik 
gothicum der Anthologie, wie die (h)altorüncB bei Jordanes, und wie 
die meisten gothischen Namen, die mit Bari- beginnen sollten, ent- 
blößten Vocal haben, und wie das hälu der Goldbracteaten fast immer 
ohne h auftritt. — Die Endung -tho statt -iha müßen wir um so mehr 
hinnehmen, da sie. wenigstens noch den ächten Consonant gibt, in dem 
verdunkelten Vocal aber gestaltet ist, wie das : ek tavido des goldenen 
Homs von Tondern, und das: ik vorahto auf dem Stein von Tunoe. 
Der Stamm des Verbums zeigt sich in der Form hakvan vom Runen- 
stechen auch auf dem Goldbracteaten Nr. 102 des Kopenhager Atlas. 

Der Name Aivi oder Aevi schließt sich an gothisch aivs Zeit an, 
wie dies in dem synonymen Namen ags. Ttda Dipl. 1, 221 alts. Ttdo 
Lacombl. Arch. II, 235 neben Tidi Corb. 229, ahd. Ziti sowie Zitcoma, 
Zitleih, Zitolf^ Zitwart (Förstem. p. 1370), ags. Ttdberht, Tiidhedh (sie 
Dipl. 1, 135), Tidhelm, Tidvulf der Fall ist. Im Ahd. ist durch Com- 
positionen auch ein Adjectiv ztti (zeitig) vorausgesetzt Für nnsem 
Namen, der im ahd. Aevo, Evo, Ewüiy Ewald wiederkehrt (Förstem. 
p. 393), bedarf es indes nur des Nachweises, daß es alte Namen auf 
-t gab, neben denen auf -a. Nun deren gab es im Altsächs. genug, 
ich nenne allein aus den Corveier Tradd.: Abbi^ Adij Ast, Ati, Benni^ 
Bevi, Bodiy Brunij Buniy Deddi^ Dendi, Elli, Est, Ewi (statt Ebi) u. s. w., 
sammtlich neben Formen auf -o. Schon in alter gothischer Zeit sind 
sie nicht ganz selten. Die Wandalen Ambri und Assi nennt Paul. Diac. 
I, 7 den vielbesprochenen Ammi-us Jord. c. 24, einen Nandi Cass. 
Var. 1, 24 einen Nausti comes das Conc. Toi. XV v. 688. Möglich, 
daß ein Diminutiv darin lag, oder auch eine caritative Kürzung, genug 
gegen alte Namen auf i ist nichts einzuwenden, und daher auch nichts 
gegen den Volsi der 12. Inschrift. 

6. Ein großer, schöner, 221 Ducaten wiegender Weinkrug, bei 
Arneth G. X links, nach dem Text Nr. 233, jetzt Sehr. VIII, Nr. 21 
trägt auf seinem Boden eine dreitheilige Inschrift eingeritzt, deren 
letzten mit c) bezeichneten Theil Arneth zuerst gab, er steht aber nach 
der gefalligen Nachricht des jetzigen Vorstandes des Cabinets in der 
Innenseite der Bodenrandung und muß daher zuletzt gelesen werden. 



BÜNENINSCHBIFTEN AUF DEN WIENEB GOLDGEFASSEN. ]97 

Nach dem ersten o hat die mir fibersandte Durchzeichnung noch einen 
leisen, fast senkrechten Strich und einen kleineren vor a, Ameth gibt 
beide nicht, ich kann sie nicht für beabsichtigte^Schriflzeichen halten ; 
ähnlich gibt umgekehrt Arneth in dem C des mittleren Inschrifttheils 
noch einen dritten von der Spitze des Winkels nach links gehenden kleine- 
ren Strich, auch dieser ist in der Durcbzeichnung nur sehr schwach an- 
gedeutet und wird ein zur Schrift nicht gehöriger sein, obwohl man 
ihn für eine Verzierung halten könnte; ich sehe davon ab und lese, 
sonst nach Ameth's Zeichnung, indem ich statt von rechts, wie immer, 
von links an schreibe und die drei Zeilen in eine bringe: 

IK ÖHSALA hAKTHO KES 

d. h. ich Ohsala stach das Gefäß ein. Zunächst zwar werden freilich 
die Runen eingestochen, in der That aber wird es auch das Gefäß, so- 
bald es mit Inschrift versehen wird. Zum Stamm des Personennamens, 
der noch vollkommen gothische Derivation und Endung gewährt, wie 
Amara^ Athana^ Amalaf Andalaj Aihala^ Hanala^ Sansala, vergleiche 
ich einstweilen das ahd. uolisa für Achsel, und den schwedischen Namen 
Axelj da so viele Personennamen von Gliedernamen entlehnt sind, wie 
jetzt: Haupt, Bart, Mund, Zahn, Herz, Hand, Faust, Fuß, Zeh, 
Schenkel nebst Breithaupt, Breitfuß, und wie in alter Zeit selbst ein 
König seinen Namen Vamba vom Bauch hatte, und vom Knie die 
Gothen Cniva und Cnivida benannt waren. Den Namen des Ostgothen 
Tötila erklärte J. Grimm in Haupts Zts. VI, 540 als Synonym des 
lateinischen Naso. — Das Praeteritum {h)aktho ist bei 6 besprochen. 

Das langvocalige kes für Gefäß, was ahd. käs sein würde, ist 
zwar so in dem Gothischen des Ulfila nicht vorhanden. Genug, daß 
seine Sprache das kurzvocalige kas (Gefäß) ahd. kar, char erhalten hat. 
Es gilt ganz allgemein vom Töpfergefäß bis zur Tonne. Die gestei- 
gerte Form mochte ein stattlicheres Gefäß bezeichnen. Im deutschen 
Gebiet stehen ja viele zu einem Genus gehörige Sachbenennungen im 
Verbältniss des Ablauts zu einander, wie Grab und Grube, mhd. gebe 
und gdbe^ bug die Biegung, bouc (Jbouges) der Ring, und zwar liegt 
oft in der Form mit gesteigertem Yocal eine BegrifFssteigerung , wie 
oben bei Grube, was auch vom Bergschacht gilt, im Vergleich mit 
Grab, bei mhd. boug^ der völligen Zusammenbiegung, bei ahd. houf^ 
hü/o Haufe im Vergleich mit huf (Hüfte), trovfa (die Traufe), die viele 
Tropfen enthält im Vergleich mit trqf (Tropfen), u. s. w. 

Wichtiger jedoch als die specielle Bedeutung ist es, das Vor- 
baudensein einer langvocaligen Nebenform zu verfolgen und zu belegen. 



198 FRANZ PIETBICH 

Eine Spur von ahd. kda liegt nun in dem abd. kdd^ mbd. kcese^ d. h. 
der in der Form oder dem Gefäß entstandene (fromage), wie J. Grimm 
in Hpt. VII, 468 gelehrt hat. Und wenn, wie Leo Meyer gut ent- 
wickelte, goth. kas zu lat. väs st. cvds (wie qu'ic und keck zu vivua) ge- 
hört, wovon auch vesica {xv^tog, dieses von xiia) abgeleitet ist, so 
wird in dieser Reihe, zu der auch caseua für cvasiua und cis^ta für 
cvis-ta gehört, ein Glied mit langem Vocal auch im Deutschen desto 
wahrscheinlicher *). 

7. Ein schön verzierter Krug, von dessen Henkel oder Griff der 
untere Theil erhalten ist, G. 7III, Nr. 11, jetzt Sehr. VIII, Nr. 2, hat 
wie auch der folgende am innern Bodenrande vier Runen eingeritzt, 
von denen die letzte nach der Durchzeichnung deutlicher als nach 
Ameths Tafel das gewöhnliche Zeichen far c oder k ist. Die dritte 
oder vorletzte Rune, die für F, hat von oben her einen kleinen Strich, 
den ich als Verzierung erklärt habe, wie den unteren beim 0. Auf 
der folgenden Inschrift ist er länger und geht bis in die Mitte der 
ovalen Figur, vielleicht soll es hier ein eingesetztes, folgendes I aus- 
drücken. Nimmt man dies nicht an, so muß gleichwohl t zwischen 
den beiden letzten Consonanten ergänzt werden, was bei einem sehr 
gebräuchlichen Namen, der im Kreis dieser Inschriften allein dreimal 
auftritt, nicht befremden könnte. So kommt auf den Goldbracteaten 
zweimal der Name Thurt {Thuret) vor, einmal auf dem Oberhombeker, 
gleich im Anfang der Inschrift, wo es an Raum noch nicht gebrechen 
konnte, Nr. 114 des Atlas, ist er bloß ITirt geschrieben. Ich lese daher 
den Namen 

ARViK 

das nominativische /8, was nach 1 — ^5 .^u erwarten gewesen wäre, ist 
freilich schon verschwunden, und der zweite Theil der Composition 
ist ungenau oder schon mit hochdeutschem Fortschritt, vik statt vtg 
gesprochen, was aber selbst bei Gelehrten vorkommt, wie Ennodius 
ep. 2, 3 Erdvic gibt statt Herdüig, d. h. Hartwig, Bei den West- 
gothen zeigt sich ein Bischof Baldvigius 633, und Theodvigius 633, 
desgleichen, was mit unserm derselbe Name ist, ein König Ervig von 
680 an, und ein Ervig episc. Betemensis 693. Natürlich ist dieser wie 
unser Name, bei dem fast ständigen Unterbleiben des h in dieser Com- 



*) Die Wnrzel CVAS (stechen, aaegraben, ausböhlen) liegt vor in quiria (sabin. 
eurU) und altn. keaja Spieß. Auf Hohles übertragen in lat. guälua {cvaselua Korb) und 
dem Dimin. quatUlua Körhchen; nortbnmbr. caaa Napf, Schüssel. Verwandt mit CYA 
xvo), wovon nvtoSf goth. ([vithtu Bauch. 



RÜNENIN8CHBIFTEN AUF DEN WIENER GOLDGEFÄSSEN. 199 

poaition, aaf Harvtg^ nach älterer Weise Hariamg^ zuruckzutühreu und 
daher identisch mit dem heutigen Namen Herwig. — Damit scheint 
aber, nach der 9. Inschrift zu schließen, der Besitzer des Goldgefaßes 
bezeichnet. 

8. Derselbe bloße Name erscheint, wie schon bemerkt, auf dem 
gleichgroßen und gleich verzierten Weinkrug Nr. 16, jetzt Sehr. VIII, 
Nr. 5, nur daß der Strich im V etwas tiefer herabgeht, und das letzte 
C größer ausgefallen ist, so daß das ARVIK um so sicherer ist. 

9. Nicht eingeritzt y sondern wieder eingehauen ist die Inschrift 
auf einem Theil des sonst mit Blumen werk verzierten Randes einer 
großen ovalen Schale Arn. G. V, Nr. 29. Blumenwerk ist auch auf 
der einen Seite des breiten Griffes derselben, während auf der andern 
Thiergestalten damit verbunden sind. Die Inschrift nimmt gerade die- 
selbe Breite ein, wie der Griff, unter dem sie steht, und hat das Eigen- ' 
thumliche, daß Anfang und Ende mit einem Kreuz bezeichnet ist und 
daß dies auch im Innern der Worte noch dreimal gebraucht ist. — 
Ähnlich ist schon das dreimalige Kreuz zwischen 6 griech. Buchstaben 
bei Ameth Silbersachen (S I) Nr. 70, wo zwei davon mitten in dem 
Woi*te zu stehen scheinen. Hier indess wird man eine versuchte Wott- 
abtheilung darin sehen können, wie auf dem mit 30 ags. Runen be- 
schriebenen Goldring von Yorkshire, auf dem das eine Kreuz den An- 
fang des ganzen Ausspruchs, die beiden andern den Anfang neuer 
Wortgruppen bezeichnen. Ich finde hier, indem ich wieder rechts be- 
ginne und alles mit den Kreuzen übertrage, gegen Ende hin notb- 
wendig Vocale zu ergänzen, die, weil der Raum unter dem Griff ver- 
braucht war, wegbleiben mußten: 

+ ARViK + VAKAI + VAKN SeL + SaTH. 

Das erste S ist gestaltet wie in 6, c, ein Vocal muß nach diesem, 
wie nach dem zweiten ergänzt werden ; gerade so nämlich, wie in der 
griechischen Inschrift gegen Ende alles abgekürzt und sehr klein ge- 
schrieben werden mußte, so mußte hier ebenfalls wegen Mangel an 
Raum ohne Vocale VAKNSLSTH gesetzt werden, Daduich ist freilich 
auch der Sinn der Inschrift gegen Ende sehr verdunkelt. 

Im Anfang ist alles klar, Arvik der Name wie in 7 und 8, aber 
im Vocativ, der Mann ist hier tn geredet, denn VAKAI ist noch völlig 
in goihischer Form der Imperativ von vakan^ vakaida, ahd. wachen, 
wachi/üy entsprechend dem pl. Imp. oakaith wachet 1 Cor. 16, 13. Darauf 
folgt der Acc. des entsprechenden Verbale VAKN das Wachen, was 
schon Yocalisch gekürzt oder nicht ausgeschrieben ist^ im Gothisclien 



200 FRANZ DIETRICH 

wäre es ein Feminin, dessen Acc. vakain zu lauten hätte, vorhanden 
ist es im ags. fem. vacon (das Wachen) z. B. in: pvnre vacone Alfr. 
Beda p. 138. Dadurch wird der Spruch allitterierend. 

In dem dunkeln Schluß können zwei asyndetisch verbundene Ad- 
jectiva liegen, wenn man S^L, SaTH liest, und abgeworfenes S des 
Nom. m. annimmt, für goth. selsj aaths oder vielmehr eine ungehörig 
getrennte Composition selsath^s), in welcher natürlich sei- gleich dem 
ags. säl (in sdlvong) und scel (Glück) substantivisch zu nehmen ist. 
Ehe ich eine weitere Vermuthung begründe, belege ich, daß es über- 
haupt Sitte war, in solchen Inschriften auf Gebrauchsgegenständen den 
Besitzer anzureden, und ihm entweder Glück anzuwünschen, oder was 
auf christlichen Denkmälern häufig wird , ein besonnen geführtes , in 
in der Gemeinschaft mit Gott geführtes Leben anzuwünschen. Der 
ersten allgemeinen Art ist z. B. Juliane vivas! (Silbers. Nr. 26 bei 
Ameth), Pelegrina^ utere felix ^ Arn. p. 16, welches xUere felix noch 
häufiger ohne Namen vorkommt. Der andern bestimmteren Art ist das 
OvXa^at (sei wachsam) S. Nr. 65 Arn. p. 77 und mit ausgeführtem 
christlichen Lebenswunsche: In deo, Seleuce et Ct/riace, vivas! eb. Nr. 153, 
ferner: Secunde et Projecta^ vivatis in Christo! eb. p. 16 (aus dem 5. Jh.), 
und: De donis dei et domni Petri utere felix cum gaudio! eb. p. 68. 

Nach dieser Analogie, und da uns das Auftreten der griechischen 
Inschrift auf den Goldgefäßen darüber belehrt und sicher gestellt hat, 
daß die Anfertiger der Inschriften Christen waren, glaube ich, daß 
das Verständniss des vorliegenden Wunsches aus dem biblischen 
Sprachgebrauch entwickelt werden muß. Dazu bieten sich zwei Wege 
dar. In der Bibelsprache nämlich steht schlafen für todt sein, und 
wachen für leben 1 Tbess. 5, 10, und heißt der Tod die Nacht da 
niemand wirken kann, danach könnte unser Spruch, wenn man selsaih 
verbindet, übersetzt werden: wache das Wachen gesättigt an Gutem, 
letzteres (satt des Guten) wie Ps. 104, 28. Sir. 32, 17. Koh. 6, 1, und 
dies konnte den Sinn haben : mögest du an allen Glücksgütern befrie- 
digt leben bis der Todesschlaf kommt. Oder das Wachen könnte 
geistlich gemeint sein und auf die sittliche Nüchternheit und Aufmerk- 
samkeit gehen wie 1 Thess. 5, 6—8 I Pet. 5, 8 und sonst, dann wäre 
(mit accusativischem s^lsatha) zu übersetzen: wache ein mit (sittlich) 
Gutem gesättigtes, d. h, erfülltes Wachen — wie die Erde Prov. 30, 16 
gesättigt heißt, und andere Dinge nicht gesättigte Prov. 30, 15 — dann 
wären die zwei Aufforderungen, auf sich selbst wachsam zu sein und 
reichlich Gutes z'' ' ' ^ine verbunden. 



BUNENIKSGHEIFTEN AUF DEN WIENEB GOLDGEFASSEN. 201 

Welchen Weg man auch vorziehe, das Wahrscheinliche bleibt 
immer ein Compositum siUath am Schluß der Inschrift, welcher Art 
mehrere im Angelsächsischen nur nicht gerade aus der geistlichen 
Sprache vorliegen, die Epen gewähren wenigstens unsäd^ hüdesäd und 
vihsädy die mittelhochdeutsche geistliche Sprache zeigt aber ähnliche 
Übertragung, wie in dem: rtcher tugende sat Pass. K. 402, 79, vgl. 
das in W. Mullers WB. II, 2, S. 57' dazu gestellte. 

10. Eine Schale mit verzierter Handhabe bei Arneth S. VIII, 
Nr. 8, jetzt Sehr. VIII, Nr. 6 gibt auf der Kehrseite des Griffs sehr 
deutlich 

AKENB, 
es ist ein Personenname, worin n vor b nur für das gewöhnliche m 
stehen kann, wie das Wort kamb auch kanb geschrieben ist auf dem 
in Schonen gefundenen Kamm von Wallfischbein bei Finn Magnusen, 
Afhandl. (Runamo) p. 585. Der Name, sei es des Anfertigers oder, 
was mir weniger wahrscheinlich ist, des Besitzers, ist diesmal ein 
Unname. Ein Westgothe Cambra unterschreibt als episc. Italicensis 
das zweite Hispalensische Concil von 619. Am nächsten steht ahd. 
akambi^ der Flachsabfall, das abgekämmte Werg Graff IV, 402. 
W. Müller 1, 784. — Inzwischen noch im Mhd. ist die Form akambe 
ohne Umlaut, um so mehr würde hier die umgelautete bedenklich sein. 
Das Akemb mit steigerndem a wird vielmehr aus Äkimba abzuleiten sein, 
nach Analogie des altn. Namen Kimbi, welcher nach B. Halderson 
subsannator bedeutete, und so wie als Zuname, so auch selbständig 
vorkommt. 

11. Die völlig ähnliche Schale S. VUI, Nr. 3 (auf der Tafel ist 
statt 38 vielmehr zu lesen 3 . 8) jetzt Sehr. VIII, Nr. 14 gibt dieselbe 
Inschrift, nur daß bei der letzten Rune für B, deren Schleifen eckig 
gemacht sind, die unterste Ecke nicht ganz völlig geschlossen ist. 

12. Ein Krug mit Griff Arn. G. X rechts , sollte die Nr. 200 
haben, jetzt Sehr. VIII, Nr. 25, hat auf dem Boden eingeritzt : 

VOLSI VAH 
Alte, auch gothische Personennamen auf — i wurden unter 5 be- 
sprochen. Der Name Volsi entspricht dem ahd. V^olso, Wolaso, der durch 
die Wolasingas vorausgesetzt ist, die neben WaUmngaa Graff I, 835 er- 
scheinen, wenn auch das Patron, gewöhnlicher Welisung lautet. Der- 
selbe Name mit unserm Volsi ist der ags. Välae (Gen. Välses Beov. 897), 
wovon die VaUingas^ altn. VoUungar abstammen, die aus der Helden- 
sage bekannt sind. Der gothische VoUi statt VaUi ist gesprochen, wie 
^Poioyalöo^ statt Hradagaü gehört wurde. 



202 FRANZ DIETRICH 

Das Praßteritum vaJi ist diesmal nach Analogie von giban, gaf 
mit Aspiration ans vigcai gebildet, welches wägen, und folglich auch 
darwägen bedeuten konnte, so daß Vohi als der Besitzer bezeichnet 
wird, welcher das Gold zum Gefäße darwog. Die Form vali statt vag 
kann mundartlich gewesen sein, oder auch nur auf Rechnung der un- 
genaueren Volksaussprache kommen. Möglich wäre auch, daß darwägen 
im Sinne von schenken stünde, wie in dem ags. sincgevoge^ Schatz- 
darwägung für Austheilung. 

Schließlich ist das Gefundene noch zusammenzufassen zu Fol- 
gerungen 

9ber den Volkiitamm 

und die Heimat der Goldgefässe, obwohl es zur Zeit darüber nur 
Vermuthungen geben kann. 

Fest steht aus der Sprache der Inschriften ein zum Kreis der 
Gothen gehöriger Stamm, und aus den Runen, daß es nicht genau 
derselbe war, dem wir den Ring von Bukarest, ursprünglich von 
Pietraossa, verdanken, weil hier zwar die meisten Zeichen gleich, 
aber die Runen für G und N verschieden, und zwar die gewöhnlichen 
sind. Daß dieser Ring aber gothisch ist, dies ist mir nicht mehr zwei- 
felhaft; das erste Wort in seiner Umschrift: Cruta niotht hailag kann 
ich des Consonanten wegen nicht mehr wie früher auf die Gotter {gup)j 
sondern nur auf die Gothen beziehen *) , Gutd mag für Gutnä stehen, 
wie im ags. und ahn., oder Compositionsvocal enthalten, und so wird 
zu übersetzen sein : dem Gothen-bedürfniss, heilig der alte Schwurring 
der Heiden, der einem Hauptgerichtsort und Hauptheiligthum des 
Volkes angehören mochte, konnte sich allenfalls in christliche Zeit hinein 
erhalten, doch gab es auch in der Zeit nach ülfila, in welche die 
Sprachformen der Inschrift zu gehen nothigen, noch genug heidnische 
Theile des großen Gothenvolkes. Die authentische Schreibung des 
Volksnamens der Gothen ist in der Einzahl Guta, so mit T erscheint 
er in dem Gut thiuda des gothischen Calenders, während die Griechen 
rbrdo^ sagten. 

Wenn man nun von dem Sprachgebrauch des griechischen Histo- 
rikers Procopius ausgeht, wonach Gothen schlechthin für Ostgothen 
steht, wie wo er sagt: „unter den gothischen Völkern sind die zahl- 
reichsten und angesehensten die Gothen, Wandalen, Wisigothen 
und Gepäden^ (bell. Vand. I, 2), und wenn man hinzunimmt, daß der 



*) Das nxoüi f3r BedttrfhisB ist belegt in m. Abb. De inscriptionibus duabas 
roniciB ad Qothomm gentem relatis, Marb. 1861 p. 19. 



RUNENIKSCHHIFTEN AUF DEN WIENEB GOLDGEFÄSSEN. 203 

mitgefandene Ring XAIPE KAI IIINE aussagt, und auch in dem 
ganzen Kreis der übrigen Goldgeräthe des Fundes von Pietraossa 
(Arneth Text S. 85 -87 und auf den Tafeln Anh. V und VI) weder 
ein Kreuz noch eine sonstige Spur christlicher Art in den Verzierungen 
ist, wohl aber Nachahmung griechischer Gotterdarstellung auf der 
großen goldenen Schale (Arn. V, 1 und S. 85), so wird einige Wahr- 
scheinlichkeit far die Annahme sein, daß dieser Schatz mit dem Schwur- 
ring, dessen Buneninschrift sich dem 5. Jahrh. fugt, von einem noch 
heidnischen Zweig der Ostgothen herstammt. 

Nun geht aber aus fast allen Bestandtheilen des noch größeren 
Banater Fundes, namentlich aus den fijreuzen, aus der den Psalmen 
entnommenen griechischen Inschrift, wie aus der 7. Runeninschrift her- 
vor, daß der Stamm, dem er angehorte, oder doch die Häuptlinge, 
welche die Goldgef ässe besassen, das Christenthum angenommen hatten, 
wenigstens also muß dieser Schatz einem andern Zweig des Stammes, 
als der vorige, zugeschrieben werden. Da es nach allen Umständen, 
besonders dem Werth des Besitzes und der Nachahmung griechischer 
Kunst zufolge, ein angesehener und gebildeter Stamm gewesen sein 
muß, so ließe sich wohl an die Westgothen denken, denn der Fundort, 
nordlich der Donau, entscheidet natürlich nichts über die Heimat der 
Sachen. Aber der aus der Sprache der Inschriften sich erge- 
benden Zeit der Goldsachen entspricht es nicht, an die Westgothen 
zu denken, wegen ihrer großen Entfernung. Altgothisch sind zwar noch 
Formen Gundivakrs, ik Ohsaloy vakai^ und das Ar in Arvig ; aber eine 
Perfectform wie hdkthoa statt hakühat vali statt vag^ das verschwundene 
Nominativzeichen S in Arvig ^ und in sath^ das abgeworfene A der 
schwachen Declin. in den Namen Ekaa^a) und Ahemb{a)^ so wie die 
hierin auftretende Schwächung des / zu E^ die übrigens in Namen 
sehr bald nach Ulfila auftritt, nach dem Freiela von 403 statt FVitüa 
d. b. FrtLhüa zu urtheilen, nöthigen ins 5* Jhd. zu gehen, aber nicht 
weiter, weil nur erst ein Schwanken von den zuerstgenannten rein- 
gotbischen Formen hinweg eingetreten ist. 

In dieser Zeit wohnen in der Nähe der Donau von angesehenen 
gothischen Stämmen nur noch Gepiden und Ostgothen. Die Westgothen 
wohnten ja bereits seit 396 in Illyrieu, von v^ sie 412 nach Grallicn 
zogen westlich der Rhone, alsbald aber war Spanien ihre Heimat» Es 
wäre nicht abzusehen, wie die Goldgefäße sollten aus Illyrien oder 
Gallien oder Spanien nach dem Banat gekommen sein. Die wenigen 
in Mösien am Haemus zurückgebliebenen Westgothen aber schildert 
Jordanes als verarmte Nomaden. Wenn denn die Westgothen nicht 



204 FRANZ DIETBIGH 

In Betracht kommen können, so wird die Wahl zwischen den oben« 
genannten Stammen sein, nnd sich nach ihrem Verhältniss zum Christen- 
Ükum entscheiden müßen. Der Fundort im alten Dacien würde am 
meisten für die Gepiden sprechen, die nach 453 aus Sadpolen herab- 
gezogen waren bis zum linken Donauufer hin, indem sie den Sieg über 
die Hunnen, denen sie vorher gleich den Ostgothen dienstbar waren, 
entschieden hatten. Aber der Fundort allein kann eben hier nicht be- 
stimmen; es fragt sich, ob im 5. Jhd. das Christenthum bei ihnen, 
wenn auch nur tbeil weise, Eingang gefunden hatte. Dies ist für die 
Zeit, wo sie noch in Polen wohnten, bei ihrer Entfernung von Con- 
stantinopel, dem Hauptsitz der Gothenmission, die besonders von Chry- 
sostomus , dem Bischof dieser Hauptstadt 398 — 404 , gepflegt wurde, 
wenig wahrscheinlich. Jordanes sagt zwar, daß die Westgothen, nach- 
dem sie durch Valens — ^ was übrigens von Bessel bestritten ist — 
vielmehr Arianer als Christen geworden, sowohl den Ostgothen als 
den Gepiden, ihren Verwandten, das Evangelium und den Irrglauben 
mitgetheilt haben, nnd daß sie die ganze Nation gleicher Sprache zur 
Annahme dieser Sectirerei einluden (c. 25). Inzwischen ist immer nur 
von Mittheilen und Einladen, nicht aber von Erfolg und Wirkung 
unter den Ostgothen und Gepiden im 4. Jhd. die Rede. Bis wenig- 
stens zur Mitte des 5. Jhds. galten die Gepiden noch als Heiden, 
denn Salvianus (f 486 als Presb. in Massilia) rechnet zu den Heiden 
unter den Barbaren, die er übrigens noch besser findet, als die christ- 
lichen Romer: die Sachsen, die Franken, die Gepiden, Alanen und 
Hunnen, in der Schrift De gubernatione Dei (von 455) 7, c. 15. — 
Es fehlt noch an eingehenden Untersuchungen über die Zeiten, in de- 
nen das Christenthum von den einzelnen Stämmen der Gothen ange- 
nommen wurde. Rettberg hatte in seiner Kirchengeschichte Deutsch- 
lands die Gothen ganz ausgeschlossen. Ausführlich bespricht sie die 
treffliche Schrift von W. Kraffit : Die Anfänge der christlichen Kirche 
bei den germanischen Völkern , deren erster Band, Berl. 1854 jedoch, 
der nur bis 412 geht, die berührte Frage nicht besonders behandelt, 
und wohl schon durch Bessels Leben Ulfilas Modificationen erleidet 
Diejenigen Gothen, unter welche Chrysostomus christliche Send- 
boten ausschickte, müßen, da die Westgothen zu einem großen Theil 
bereits unter Ulfila übergetreten, zu Chrysostomos Zeit aber nach Illy- 
rien gezogen waren, besonders die Ostgothen gewesen sein, unter 
denen zwar, wie bemerkt, schon Ulfila missioniert hatte, die aber zum 
größeren Theil Heiden geblieben waren. Viele Gothen starben den 
Märtyrertod in der Christenverfolgung durch Athanarich seit 370, den 



BUNENINSCHRIFTEN AUF DEN WIENEB GOLDGEFÄSSEN. 205 

noch heidnischen Westgothenkonig. Dadurch aber pflegte immer das An* 
sehen der neuen Religion vielmehr zu steigen als abzunehmen. Von großer 
Wirkung mußte die Übersetzung der Bibel in die Volkssprache sein. 
Nun erfahren wir aus einem Briefe des Hieronymus, der in Martianays 
Ansgabe (Tom. 11, 626) mit Recht unter die exegetisch kritischen 
gestellt ist, und der yom Jahr 403 oder 404 herrührt, daß zwei Go- 
then, Sunnia und Fretelaj eine Anfrage an ihn gerichtet hatten über 
Verschiedenheiten zwischen der lateinischen und griechischen Über- 
setzung der Psalmen, um die Wahrheit aus dem Hebräischen zu er- 
fahren, dessen unter allen Eorchenvätem nur Hieronymus kundig war, 
damals in Bethlehem wohnend. Seine gelehrte Antwort, die wir allein 
besitzen, hatte sich fast über den ganzen Psalter hin zu erstrecken. 
Es kann nicht lange zweifelhaft sein, welchem gothischen Stamm diese 
wissbegierigen Männer angehörten. Denn der Kirchenvater, der im 
Eingang seines Schreibens Gott preist für dieses Siegeszeichen des 
Christenthums unter den Barbaren, fugt hinzu : „Wer sollte es glauben 
daß die barbarische Zunge der Gothen nach dem reinen Sinn der he- 
bräischen Urschrift forschen würde, und daß während die Griechen 
schlafen oder vielmehr mit einander streiten (es war der origenistische 
Streit, der 400 die Verdammung des Origenes herbeigeführt hatte, 
und der mit der Absetzung des Chrysostomus 404 fürs erste endigte), 
gerade Deutschland das gottliche Wort erforschen würde.* Zu 
Deutschland konnten damals in der Ferne wohl die Donaugegenden, 
aber nicht Illyrien gerechnet werden. Man darf also Sunnia und Fre- 
tela mit Wahrscheinlichkeit für Ostgothen erklären, und annehmen, 
daß auch sonst in diesem Stamm die Mission des Chrysostomus be- 
reits Früchte getragen hatte*). Dies wird um so mehr erlaubt sein, 
wenn wir die Entstehung der Inschriften jener Goldgefäße — die grie- 
chische hat schon starke Abbreviaturen — in die zweite Hälfte des 
5. Jhds. setzen, welches auch die Zeit der burgundischen Runen- 
inschrift auf der Spange von Charnay ist. 

Nach dem Sturz des Hunnenreiches 453 wohnten die Ostgothen 
in den Strecken zwischen Wien und Belgrad. Letztere Gegend wäre 
nicht weit entfernt von dem Ort, wo der Schatz gefunden wurde. 
Unter der Annahme, daß die Goldgefäße unter einer christlich gewor- 
denen Verzweigung dieser Ostgothen, defen Häuptlinge und Fürsten 
so oft in Constantinopel ihre Bildung erhielten, entstanden, würde sich 



• 

'*) Für Ostgothen stimmt auch W. Krafft, wenn er a. a. O. S. 406 die Absender 
des Briefes in Constantinopel als orthodoxe Christen lebend ToraasRotzt 



206 FRANZ DIETRICH 

selbst ein Jahr, welches mau nicht überschreiten dürfte, das Jahr 481, nU 
Grenze ihrer Anfertigung angeben lassen, denn in dieser Zeit führte 
der zweite westgothische Theodorich, der sicher ein Christ war, nnd 
far Befestigung des Christentbums eifrig sorgte, sein Volk aus den 
genannten -Gegenden heraus nach Italien. lui folgenden, dem 6. Jhd«, 
finden wir unter den Ostgothen schon einen heftigen Eiferer für das 
arianische Christen thum , den Zalla^ den Gregor dial. II, 31 einen 
Zeitgenossen des Totila nennt. 

Zur Bestätigung aber der bisherigen Ergebnisse dient der nnge- 
meine Reichthum an Gold, den wir auch nach dem Thatbestand 
des Fundes bei einem Stamm voraussetzen müßen, in dem auch Häupt- 
linge, die nicht gerade Konige sind, ihr Trinkgeschirr aus reinem Gold 
anfertigen lassen können, welches gerade so gut als das des Kaisers 
Valens ist, weshalb Ameth, wie schon bemerkt, unter Vergleichnng 
der Verzierung der Medaillen dieses Kaisers, eben seine Zeit für die 
der Goldgefäße vermuthen konnte. Nun wurde aber das Gold der ost- 
romischen Kaiser den Gothen in den jährlichen Summen, womit sie 
ihnen den Frieden abkauften, schon weit über hundert Jahre vor Valens 
ausgezahlt. Davon sagt Leo a. a. O. S. 259: „Bereits Alexander Se- 
verus zahlte den gothischen Fürsten Jahrgelder für den Frieden; diese 
Jahrgelder aber scheinen besonders den ostgothischen Konigen die 
Mittel gewährt zu haben, ihre Macht zu verstärken ; ihr Reich erscheint 
bald als das mächtigste." Die gedachten Friedensgelder steigerten sich 
aber je länger desto mehr; von dem älteren ostgothischen Theodorich, 
dem Sohn des Triarius, ist bekannt, daß er jährlich 2000 Pfund 
Gold vom Kaiser Leo im Jahr 471 forderte und erhielt (Manso Gesch. 
der Ostgothen S. 19), jeder König aber war in unserm Altherthum 
ein Goldgeber, und mit Goldringen und Goldgefäßen wurden die Ekllen 
seiner Gefolgschaft ausgestattet, vgl. Beov. 81. 622. 1200. Parz. 10, 4. 5. 

Es ist daraus klar^ daß sich bei den Ostgothen massenhafte Gold* 
schätze anhäufen mußten, und wenn dazu der Fund von Pietraossa 
gehört, der nach Ameth S. 14 40 Leipziger Pfund Gold beträgt, und 
wie noch wahrscheinlicher der Banater Fund, der vielleicht nahezu 
die Hälfte jenes Goldwerthes erreicht, so sind darin nur geringe Reste 
von dem bedeutenden Goldbesitz der Ostgothen übrig und in alter 
Form erhalten. 

Daß auch die Gepiden reich an Gold waren oder wurden, kann 
nicht geleugnet werden, sie empfiengen nach ihrem Einzug in Dacien 
453, wie Jordanes c. 50 berichtet, ebenfalls jährliche Friedensgelder 
und dasselbe Kaisergold. Es wäre daher möglich, sie ftir die Anfertiger 



RUlfEMiNSCHRIFTEN AUF DEN WIENEB G0LDGEFA8SEN. 207 

der besprochenen Runeninscbriften und die Besitzer der Goldgefaße 
za erklären, wenn sich beweisen lässt, daß sie wenigstens seit 453 
alsbald Christen waren. Dem oben angeführten Zeugniss des Salviauus, 
der unter den Barbaren zwei Classen macht, Arianer und Heiden, und 
die Gepiden den Heiden zuzählt, steht die Nachricht der Historia 
miscella lib. XIV p. 94 bei Muratori entgegen, welche zum 16. Jahr 
Theodosius des zweiten gegeben ist, daß von den Gothenstämmen 
«rationabiliores quatuor sunt, Crothi scilicet, Hypogothi (Westgothen), 
Gepides et Vandali, nomen tantum et nihil aliud mutantes, nnaque 
lingua utentes, omnes autem fidei erant Arian» malignitatis.* Es müßte 
aber diese Angabe einer sehr viel spätem Zeit, nämlich des neunten 
Jahrhunderts, erst durch ein älteres Zeugniss bewährt werden, welches 
ich nicht kenne. Außerdem schildert sie Jordanes als tardioris ingenii, 
sie konnten deshalb doch freilich allmählich zum Christenthum gelangt 
sein, aber alle diejenigen Goldgefäße, worauf Bildwerk mit Figuren 
vorkommt, verlangen daß man Anfertigung durch nichtgriechische, die 
antike Kunst nur nachahmende, jedoch darin bewanderte Goldschmiede 
annehme, denen großtentheils die Bildgegenstände zu phantastisch und 
romantisch ausgeführten Zierrathen, fast konnte man sagen zu Ara^ 
besken wurden, wie wir sie auf dem Weinstock des Kreuzes von Ruth- 
well finden; immerhin setzt dies alles aber die Kunstfertigkeit und 
Phantasie eines gutbegabten, länger bei den Griechen in die Lehre 
gegangenen Volksstammes voraus, und so wird man zur Zeit bei den 
Ostgothen stehen bleiben müßen. 

Daß aber unter den Gefäßen des Banater Schatzes, die alle offen- 
bar Trinkgefäße waren, so viele Schalen vorkommen, ist nicht etwa 
eine dem germanischen Alterthum fremde Erscheinung zu nennen. 
Nicht etwa nur Griechen und Romer tranken aus Schalen, und nicht 
waren etwa die Trinkgefäße der alten Germanen auf Thierhorner und 
hölzerne Becher beschränkt. Leider fehlen uns die eigens gothischen 
Worter fiir Kruge und Schalen, da im Ulfila die Übersetzung der 
Apocalypse und des alten Testaments fehlt, worin der Trinkschalen 
5fter erwähnt wird, ülfila hat Marc. 7, 4 für den Krug das lateinische 
Wort ureeus behalten, für «ot^qiov aber, sei es ein Becher Wassers 
oder Weins, oder der geweihte Kelch, immer das Wort stikUy ahd. 
tUchal (calix), doch ist thalja Schale wenigstens vorhanden, und die 
Sitte des Trinkens aus Schalen bezeugt schon von Paul. Diac. ], 2V' 
mit Angabe des deutschen Worts scala^ was der Verfasser des Heliand 
ohne Veranlassung in seinem Texte Joh. 2, 6 gebraucht, wenn er in 
der Schilderung der Hochzeit zu Cana sagt: es giengen die Schenken 



208 FRANZ DIETRICH 

mit Schalen, He). 61, 7. In goldenen Schalen aber wird der Wein 
geschenkt noch Nib. 1750, 3. Parz. 794, 23. 

Eine eigenthümliche Einrichtung haben mehrere der Banaler 
Schalen. Die einfachsten tragen nämlich an sich einen in einer Schnalle 
befindlichen Stachel zum Anhängen auf Reisen. Ameth verweist zn 
Nr. 18, S. 22 des erklärenden Textes auf die allgemeine persische 
Sitte, die Trinkschale beim Ausreiten an den Sattel des Pferdes zu 
heften. Warum sollte diese Sitte nicht auch die der stammverwandten 
Gothen gewesen sein? Nach meiner Meinung ist das gothische Wort 
ttikls am einfachsten daraus erklärlich, daß es ursprünglich die Schale 
bezeichnete, die durch Stechen angeheftet oder angesteckt wurde, dann 
erst den ans der Schale entstandenen Becher; — wie wir das mit einem' 
Stachel zum Einstechen versehene hörnerne Tintengefaß einen Stecher 
nennen. — Im ahd. gilt atichal ebenso für Becher als für Stachel und 
stechend, Graff IV, 637 *). 

Die beiden sächsischen Dialecte ^haben ein Wort, welches noch 
zu gleicher Zeit die Schale und den Becher bezeichnet, und bei J. Grimm 
unter den Trinkgefäßen III, 457 fehlt; es lautet alts. w^ und wägi^ 
beides aus tocdgi entstanden, und ist Hei. 165, 1 von einer Wasser- 
schale, sonst vom Becher angewendet, im ags. heißt es voege^ vSffj und 
ist in der alten Poesie für Becher das herrschende Wort, es ist das 
ahd. weiga Schale, welches in bahweiga (Beckenschale) erbalten ist und 
nächst der Wagschale auch die Schüssel und daher auch das Gericht 
bedeutet, Graff 1, 740; die Grundvorstellung ist dabei das Flache» 
welches wie in itäraxvov^ xätavov^ patina und patera aus der An- 
schauung des Schiagens {«atdööm) hervorgeht. Denn Schlagen, Stoßen 
und Stechen wie fcaraooBiv muß einst auch WIG bedeutet haben, 
nach altn. vigr Spieß, Lanze, und nach ahd. weigjan^ alts. vegian, ags. 
vcegan (affligere, crupiare), altn. vig (interfectio) das Erschlagen. Doch 
von Wichtigkeit ist hier nur zu sehen, daß die germanischen Benen- 
nungen des Bechers aus denen für Schale hervorgegangen sind. Die 
Anschauung dazu liegt in den Bechern des Banater Fundes vor. Die 



*) Ags. ist aticoly stechend, aUcel Stachel, wie auch atieels; altn. atikill Spitze, 
Stecken (nicht etwa Hom); nUkUl ffullhringr var { atikli homaint^ Fomald 3, 140. 
Unhaltbar ist daher Grimms Vermuthnng II, 27. III, 381 das goth. stikU möge eigent- 
lich Hom bedeutet haben, ein altn. attkiU comu (III, 381) gibt es nicht Für das wirk- 
lich vorhandene stikül gab B. Halderson: pars extrema comu^ apex; worin aber com« 
Genetiv, nicht Nom. ist. Die andere Bedeutung Stecken erweist sich in atikill, pl. atiklar 
dadurch, daß das davon abgeleitete Verbum atikla mit einer Stange (übers Wasser) 
springen bedeutet. 



RUNENINSCHRIFTEN AUF DEN WIENER GOLDGEFÄSSEN. 209 

Becher Nr. 199 und Nr. 231 sind, wie bei Ameth auf der Tafel 6 
VUI zu sehen ist, noch völlige Schalen , die auf einem Fuß stehen« 
Das spätere ags. Wort der Prosa ist Icefel^ z. B. bei Älfric Gen. 44, 2 
vom silbernen Becher Josephs gebraucht, das congruente ahd. labal 
(läbal?) ist noch Schale und besonders das Becken. So ist unser Be- 
cher aus Becken, ahd. beehiy becchin^ verstandlich, und wird ahd. bechar 
auch zur Übersetzung von pliiala gebraucht, Graff III, 46. Wir haben 
also in diesen Analogien alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß auch goth. 
Mtikls auf den Becher nur übertragen, zuerst die Schale bedeutete, und 
zwar die oben beschriebene Art derselben. Silberne und goldene Schalen 
oder Becher aber, verziert mit getriebener Arbeit finden sich wenigstens 
im Beovulf in dem /(sted-vcBge EL 2253. 2282 (von f^oih, ßtjan schmücken) 
und sonst erwähnt; später genannt sind auch Rosenbecher (Thork. 
dipl. II, 99 von 1284). 

Somit bestätigt sich auch von Seiten der Alterthümer wie der 
Geschichte, was die besprochenen Inschriften fordern, daß das nach 
Aussage der letzteren bereits christliche Volk, von dem die kostbaren 
Trinkgeschirre des Banater Fundes stammen, ein germanisches war, 
und zwar nach Ort, Zeit und Sprache zu schließen, ein gothisches 



ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG DES HELIAND. 



VON 

C. W. M. GREIN. 



Die so eben erschienene Ausgabe des Heliand von Moritz Heyne 
hat das große Verdienst, den Heliand einem größeren Leserkreis, na- 
mentlich auch unter der studierenden Jugend, zugänglich gemacht und 
die Textkritik sowie das Verständniss dieser herrlichen Dichtung be- 
deutend gefordert zu haben, wenn man auch keineswegs durchweg mit 
den Resultaten einverstanden sein kann. Vor allen Dingen ist es sehr 
zu beklagen, daß der Herausgeber den unglücklichen Gedanken gehabt 
hat, seinem Texte die jüngere und schlechtere und noch dazu sehr 
lückenhafte Münchner Handschrift zu Grunde zu legen und die ältere 
und bessere Handschrift, den Cottonianus, bloß für die Lücken ein- 
treten zu lassen, während er gleichwohl auch da, wo M. zu Grunde 
gelegt ist, an zahllosen Stellen dessen Lesarten durch solche aus C. 
ersetzt hat, nicht selten ohne zwingenden Grund: dadurch hat sein 
Text, mehr als gut war, etwas Ungleichmäßiges angenommen. Doch 
es ist gegenwärtig nicht meine Absicht, näher auf diesen Cardinalpunkt 

UKKMANIA XI |A 



210 C. W. M. GREIN 

der Heliandkritik einzugehen, sondern ich will nur einige gelegentliche 
Bemerkungen zu einzelnen Stellen mittheilen, wo ich von Heyne's 
Auffassung abweiche. 

Was die Orthographie betrifft, so kann ich mich mit der Schrei- 
bung tu nach anlautenden Consonanten, wie sie Heyne beliebt hat, 
nicht einverstanden erklären, da hier beide Codices mit einigen ganz 
vereinzelten Ausnahmen, die eben nur als Schreibfehler zu betrachten 
sind, consequent einfaches u schreiben, ebenso wie auch die iibrigen 
altsächsischen Denkmäler: für dieses war jedenfalls, da für das an- 
und inlautende un richtig das Doppelzeichen w eingeführt worden, das 
einfache v zu wählen, also dvalntj svdti neben wtd^ wundar^ farliwctn 
zu schreiben. 

V. 15 f. übersetzt Heyne: „kein Mensch konnte sie [dazu] an- 
regen, sie waren vielmehr durch Gottes Macht dazu auserlesen.^ Ich 
beziehe sia nicht auf die Evangelisten , sondern auf huok und nehme 
frummian in der gewohnlichen Bedeutung von perficere, 

V. 45 schreibe ich, indem ich plur. c. sg. verbi {skoldi für skoldin) 
annehme : 

eflho hvar thiu werold-aldar 
enddn skoldi, 
dann ist wenigstens die sonst aus metrischen Gründen geforderte Er- 
gänzung Heyne's [i/taw] nach werold unnöthig. 

V. 112 ändert Heyne mit Müllenhoff prvn'6 ohne allen Grund in 
den nom. gruri6s\ es ist gen. pl entweder einfach von egison abhängig 
(vgl. umgekehrt ags. egenan gryre) oder als instrumentaler Genitiv. 

V. 122 gehört hvarod an den Schluß des vorhergehenden Verses 
und ebenso herod v. 138. 

V. 162 verdiente jedenfalls in den Noten alalungan C. angeführt 
zu werden; es ist al-alungan, 

V. 197 — 98: der Winter gieng zu Ende, es gieng des Jahres Zahl 
dahin, d. h. es gieng die laufende Jahreszahl zu Ende, indem am 21. März 
der Jahreswechsel eintrat (vgl. Älfr. Hom. I, 100), und darauf im Som- 
mer (am 24. Juni) ward Johannes geboren. Heyne dagegen erklärt 
geres gital 'die Reihe des Jahres, d. h. ein Tag nach dem andern', 
(s. zu V. 2729). 

V. 217 ändert Heyne mit Schmeller furmon M. formon C. (primo) 
ohne Grund in /romwn 'mit tüchtigem, gewichtigem, ernstem Worte*; 
primo verbo soll entweder aussagen, daß Gott hierin das erste, d. h. 
das entscheidende Wort zukam, oder auch ganz einfach 'als überhaupt 
^^erst von dem Kinde die Rede war'. 



ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG DES HELIAND. 21 1 

T. 249 nicht lois'bodo 'sicherer Bote', sondern wU-bodo der Bote, 
welcher Gottes Befehle den Leuten wUian soll. 

V. 254*" ist das Komma zu tilgen; denn gimahlü ist hier nicht 'ge- 
nannt'; sondern 'sich anverlobt'; mhd. gemahelen yermählen, verloben 
und gemaliel dem eine Frau verlobt ist, wenn auch die Ehe noch nicht 
vollzogen worden ; syntaktisch gehört zusammen habda gimahlit (vgl. 
V. 296-98). 

V. 296 ffiworrid C. (nicht giworid), von giwarrian turbare, fehlt 
im Glossar bei Heyne. 

V. 327 besser mit Rücksicht anf v* 333 — 34 ohne Umstellung 
thu scalf sie wel \bisorg^n\. 

V. 371 hat M. die bessere Lesart euman ward (d. h. quarn) statt 
des bloßen euman C. Mit 37 P beginnt ein neuer Satz. 

V. 483 : das zwiefach bezeugte thinan fridu wärun MC. mit Heyne 
in ihtna friduwarun (ags. pine freoduväre) zu ändern , entbehrt alles 
Grandes. 

y. 508 und ebenso v. 2708 an ihU C. 'in ehelichem Besitz, ia 
conjagio'; dafür setzte M. an ersterer Stelle anthehti und an letzterer 
antehtij beides von dem gewöhnlichen andheti^ anthiti^ welches dem 
Schreiber von M. vorschwebte , weiter abliegend als von dem anehti 
(an ihti) C. 

V. 525 — 27 ist die Ergänzimg \thar\ völlig überflüssig und zugleich 
wird V. 526 seines regelwidrigen vierten Stabes entkleidet, wenn man 
nur das handschriftlich Überlieferte richtig abtheilt, nämlich: 

ad nu ihes thinges mugun 
mendian mancunnü Manag fagontda 
werod a/tar them wiha: 

V. 575 lies bi thiu statt bithtu. 

V. 628 — 29 ist Heyne's Umstellung unnothig, sobald man abtheilt 

endi wesan is gebä mildi 
obar middilgard managun thiodun, 

V. 643 — 44 gehört W syntaktisch nicht zu bedon^ sondern zu thavy 
d. h. weldi thar to (sc. /aran)y während der bloße Inf. bedon den Zweck 
des Hingehen wollens ausdrückt; es ist daher ohne Änderung der hand- 
schriftlichen Wortfolge abzutheilen: 

sokian an is seldon, quad that he thar weldi mid is gesadun io 

bedon te them bame. 

V. 681 gidrog praet. von gidragan; diese Stelle ist in Heyne*s 
Glossar unter gidragan nachzutragen. 

14* 



212 C. W. M. GREIN 

y. 682 würde ich that im thütha MC. nicht mit Heyne tilgen, 
bondern noch zur ersten Vershälfte ziehen. 

Y. 722 lies hdndun. 

V. 765 erscheint die Ergänzung [Aord] hsritogo unoothig, wenn 
man abtheilt: 

the waa Archelaut 
KStan heritogo Jielmberanderd. 

y. 822 bedeutet ginddn C. einfach 'zum Begleiter geben, zage- 
seilen*. 

V. 897 — ^98 lies nach der Wortfolge beider Handschriften ohne 
Umstellung: 

Urion thesa liudi^ hvd sia teulun ir6 gilShon halian 
thurh hluttran hugu 

T. 1119 ist Heyne's Umstellung überflüssig. 

y. 1264: awiri ist allerdings &= ags. sveor Schwäher, Schwieger- 
yater; an unserer Stelle aber steht es, was Heyne im Glossar mit kei* 
nem Worte andeutet, unzweideutig in der Bedeutung yon Geschwister- 
kind, Sohn der mütterlichen Tante, gerade wie das ags. nefa sowohl 
Enkel als Neffe bedeutet. So nennt auch eine niederdeutsche Chronik 
des 16. Jhd. den Landgrafen Heinrich U. zu Hessen, den mütterlichen 
Großvater Herzog Otto*s yon Braunschweig, dessen Swerehermy wahrend 
dies sonst gleichfalls im Nd. Schwiegerrater bedeutet. 

y. 1295 ist [thd] Heyne überflüssig, sobald man nur sagda noch 
zu diesem Verse zieht. 

y. 1396 ist h6 holmklibu M. hdh holmclibu C nom. pl. als Appo- 
sition zu burg^ also nicht mit Heyne in höh [an] hoUnkUbe zu ändern: 
es sind die zu den Mauern der Riesenburg auf einander gethürmten 
Felsblöcke. 

y. 1426 — 27 lies ohne Umstellung: 

Sr than therd wordd wiht biRba 

unlistid an thesumu liohte^ the sie u. s. w. 

y. 1453 ist die Heilung einfacher, wenn man nur das in C. ganz 
ausgefallene nu^ das in M. nach tu steht, am Schluß des Verses ein- 
fugt, also than eeggiu ic tu te wäron nu (ygl. y. 1533). 

1542 — 44 hat Heyne durch seine Umstellungen gerade nicht me- 
trisch besser gemacht; was in den Handschriften steht, sind nicht 3, 
sondern nur 2 Verse: 
undar thero thurfiigon thiodu! ne rOkiad^ hvedar gi thes iwigan thank 

antfähan 
^ftho tdn an thesoro lehneon weroldif ae huggeat te iuwomu liobon hemm 
.^ — *— /5 u. s. w. 



ZUR KBITIK UND ERKLJlRÜNO DES HELIAND. 213 

y. 1646: rot&n ist nicht ahd. rot^ (rStSn) rubilare, wie Heyne und 
auch Schade annehmen, sondern ahd. rozian, rozSn seruginare, ags. 
rotian patrescere. 

y. 1928 bloß mdea bebrenffian^ ohne daß man ti zu ergänzen braucht; 
es ist derselbe freie Gebrauch des bloßen Dativs als Casus des Ziels, 
den Dietrich in H. Z. XIII , 128 f. fiir das Ags. an 10 Beispielen 
nachgewiesen hat. 

y. 2055 : lihdlieora M. liihlicora C. braucht man nicht mit Heyne 
in UkÜMora (leichteres) zu ändern; es ist einfach RdKcora (gelinderes, 
milderes) und das hd in M. steht iur dh, ähnlich wie in C. mehrmals 
hi für th und umgekehrt steht. 

y. 2266 braucht man hd humid tkip (das hohe gehörnte Schiff) 
MC. nicht in hOh-humid zu ändern. 

y. 2394 — 95 gibt Heyne die handschriftlichen Lesarten ungenau an; 
Uoblie ftldes /ruht C. fehlt in M. und t?iat thar an theru leiun güag M. 
fehlt dafür in C. Ob aber beides zusammen in den Text aufzunehmen 
und dann mit Heyne thar \an jeliaa uppan^ zu ergänzen sei , ist noch 
die Frage. 

y. 2427 dl criatin/ole MC, zusammen einen Halbyers bildend, 
braucht nicht geändert zu werden, wenn man es als Apposition zu wi 
nimmt. 

y. 2447 ist gunean M. für ndican C. durch Heyne's gekünstelte 
Deutung aus svanc (schwankend, unbeständig) nicht gerechtfertigt: es 
ist sicherlich nichts anderes als naheliegender Schreibfehler für sulican; 
es würde sonst auch ohne Zweifel die Alliteration tragen. Der Artikel 
sunk ist daher im Glossar zu streichen. 

y. 2477 : ge grund C. widerstrebt allerdings der Alliteration ; dagegen 
ist gi krund M. wohl yerschrieben oder yerlesen für gi hniud (^ krüd 
herbam), gi (et) dem endi correspondierend (wie ge.^.endi 4262 C), 
wenn man nicht das Compositum gikrüd (nhd. Gekraut) vorzieht 

y. 2643 ist mSdan M. miadun C. nicht, da beide Handschriften 
in der schwachen Form übereinstimmen, in die allerdings gewohnlichere 
starke Form midä zu ändern; auch im Ahd. gilt die schwache Form 
neben der gewöhnlichen starken, wie der acc. miaturij mietan Graff II, 
704 zeigt 

y. 2729 bezeichnet gSr^tal nicht, wie Heyne annimmt, den Tag, 
an dem die yoUe Summe des Jahres erreicht ist, den Geburtstag, son- 
dern wie y. 786 das ganze laufende Jahr („im Lauf jenes Jahres, in 
dem laufenden Jahre^) und Juded cuningea hängt nicht yon gSrtale, 
sondern yon ftdi ab. Ebenso ist gSr-iala y. 4150 nicht der Jahresschluß, 
sondern das ganze laufende Jahr. 



214 C. W. M. GREIN 

T. 2753: tugidon M. entspricht allerdings dem ags. tygdian; aber 
tuithoH C. ist Mddn und gehört zu ags. tvidig^ nnl. twijden^ mhd. zünden. 

V. 2786 ist die Ergänzung [kuman] überflüssig und ebenso v. 3039 
die Ergänzung [tfiea], 

V. 3045: was MC. mit Heyne in wondda zu ändern ist unnotbig; 
denn da tvas hier nicht als Hilfsverbum, sondern als selbständiges 
Verbum steht, ist es wohl fabig, die Alliteration zu tragen. 

V. 3305 ändert Heyne die übereinstimmende Wortfolge beider 
Handschriften ohne allen Grund. 

▼. 3452—63 lies habit im gicoranan mdd y willion gOdan, so daß 
y. 3452 mit mod schließt. 

y. 3503 ist in zwei Verse abzutheilen: 

80 Sgrohtful is^ the thar alles giweldid; 
he ni will inigumu irminmanne 

y. 3520 lies ddar^-sidu; ebenso y. 1076 C. 4788, 5915, 5950. 

y. 3746: an, auf her zu beziehen, gebort zur ersten Vershälfte. 

y. 3856 ist Heyne^s Ergänzung [skerian] weder syntaktisch notb- 
wendig, noch würde sie auch der Alliteration, wenn diese wirklich fehlte, 
aufhelfen, da s nicht mit sk alliteriert: durch saga i9t aber der Allite- 
ration schon yollständig genügt. 

y. 3919 würde die fehlende Alliteration gerettet sein, wenn sich 
die dem Ags. so geläufige Umstellang iman für rinnan auch für das 
Altsächsische nachweisen ließe, sodaß dann rinandi C einfach für imandi 
verschrieben wäre. 

y. 3963: seolda [helpan] sinnon well. 

V. 4005 ändert Heyne herren willien C. mit Rieger in herren [fe] 
wiüien; die Ergänzung ist nicht nothig, da willien entweder Genitiv 
('sie wurden seines Willens'} oder wie v. 1928 Dativ des Ziels ist. 

v. 4072: griat gehört nicht zu griotan, ags. greötan, sondern als 
reduplicierendes Praet. zu grätan ^ goth. gritan gaigrot, altn. grata gr^i; 
beide Verba sind aus einander zu halten. 

v. 4129 hätte die entschieden bessere Lesart heri handmahal C. 
ganz unverändert und nicht theilweise nach M« corrigiert in den Text 
aufgenommen werden sollen, da heri einfach gen. sg. und Apposition 
zu Judeono ist (vgl. heri Judeond v. 5472 und öfter); in M. ist ebenso 
her^ gen. pL und endi ungehörig eingeschoben. 

y. 4201 ist Sr than (priusquam) MC. nicht mit Heyne in Sr, 
[bi/oran] zu ändern. 

v. 4519 hat Heyne gegen die einstimmige Überlieferung beider 
Handschriften stark verstümmelt; nach Job. 13^ durfte die Erwähnung 



ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG DES HELIAND. 215 

des Hauptes neben Händen und Füßen nicht fehlen und es muß also 
ein Halbvers ausgefallen sein. Ich schreibe daher: 

thu haba thi selbo giwald^ 
fro mtn the godo, f6ld endi handS 
endi mtnes hdbdea eo acana \handun th%nun\^ 
thiodarij te tvakanne u. s. w. 

▼• 4748 nimmt Heyne alothiodo als Adverbium in der Bedeutung 
Torzüglich, Yollkommen' und zu pddan gehörig ('den vollkommen guten ) ; 
diese Auffassung erscheint sehr bedenklich. Ich halte es dagegen für 
gen. pl. von alothioda {gleichsam Allvolk), gebildet wie ags. älvihte, 
ealvundovj ealmägen, vgl. goth. allaim alamannam Skeir, VUI, b. 

V. 4960 ist genower M. ginuwar C nicht mit Schmeller und Heyne 
in geginward zu ändern; es ist entstanden aus ginuwar und entspricht 
fast ganz dem goth. jainar illic, mit demselben Suffix -ar gebildet, 
Dor mit dem Unterschiede, daß jainar auf einem Stamm jaina- ; jina-^ 
unser ginuwar dagegen auf einem Stamm ginu"^ jinw beruht; vgl. goth. 
jatfUj shd. jener, genirj ener^ altn. i'nn, lith. anas ille und nnl. ginder 
illic, illuc. 

v. 5041 ist be thiu nis mannes bäg mikilun biderbi M. vorzuziehen; 
miküunj ags. miclum valde; theilt man statt mikil umbi theribi C. nur ab 
tntkilum bitheribiy so hat man ganz dasselbe, nur daß ist C. offenbar 
für nist verschrieben ist. 

V. 6300 — 1 braucht man folgddun nicht mit Schmeller und Heyne 
in felgidun zu ändeiii; denn zieht man lästar-spräkun als inst. pl. in 
ein Wort zusammen, so ist ßrinword Subject zu folgddun (folgten). 

▼. 6368 einfacher ef thu umbi thtnea herron [huldi] ruokia. 

▼• 6421 lässt sich so ergänzen: 

hvd thiu thiod habda [an thero thingstedi^ 

ddmd3 ädSlid; thd ikoldun ria thia ddd frummian 

V. 5499 kann rdbon dem Zusammenhange nach auf keinen Fall 
entkleiden, 'berauben', sondern im Gegentheil nur 'bekleiden' bedeuten: 
sie bekleideten ihn mit einem rothen Tuche (vgl. Marc. 27*^*'). 

▼. 6546 [drohtinesl d&ldun derebia man, 

▼. 5548: umbi thena aelhon ändert Heyne in umbi that selben, so 
daß ihat auf giwädi und girdbi geht und selbon nom. pl. (ipsi) ist. Da 
aber nach Joh. 19*'^'^ die Kriegsknechte die übrigen Gewänder theiltea 
and bloß über die tunica inconsutilis das Loos warfen, so muß in 
thena selbon jedenfalls der Name dieser Tunica, die v. 5650 pSda heißt, 
gesucht werden. Köne und Rieger vermuthen selkon nach aihd.^ selaeho 
toga, altn. sükij ags. seoloo sericum. Ich will eine andere, wenn auch 
vorerst nur entfernte Möglichkeit nicht verschweigen : wie, wenn selbon 



216 C. W. M. GREIN, ZUR KRITIK ü. ERKLARÖNG D. HELIAND. 

Terschrieben wäre für das sonst freilich nnbelegte alSbön und dies sfdbo 
dem ags. slefoj slyfa^ ei^gl* sleeve manica, mhd. BUmf, aloufej nhd. Sehlaube 
indumentum entspräche? ygl. ags. »l^fan^ slefan^ mhd. sloufen^ indnere. 

y. 5594: gibruocan kann nicht mit Heyne zu ahd. preoAAan gestellt 
werden, sondern gehört einer Wurzel mit a — Ö (nicht einer ti- Wurzel) 
an. Vorerst wird man wohl, bis bessere Aufklärung kommt, bei Grimms 
Deutung zu Elene 1029 'gezimmert an den Baum' stehen bleiben müflen. 

y. 5629 endi sd ffethiamdd [was]; Heyne's Änderung ffethriwnod ist 
nicht gerechtfertigt durch ags. äpryaman^ das, wie ags. prosm zeigt, 
einer u- Wurzel, nicht einer t* Wurzel angehört; ich stelle gethismod zu 
alts. thim (düster) und erkläre es aus *geth%msody wenn nicht umgekehrt 
thim (thimm) aus thism assimiliert ist. 

y. 5678 ist die Ergänzung [^A«ro] überflüssig. 

V. 5791 ändert Heyne toritan mit Rieger in writcmcm (den Ge- 
ritzten, Verwundeten); weit näher liegt die Annahme, daß wrifan yer- 
schrieben ist für writhan^ wrtdan (umwinden, den Verwundeten verbinden 
oder ihn in die Leichentücher hüllen, vgl. Beov. 2982;, da namentlich 
in C der Schreibfehler t für th öfter vorkommt. 

5814 — 15 vielleicht so zu schreiben: 
them idiaon sulica egUon tegegnea: all wurdun /an ihem grurie mihilun 
thiu frt an farahtan; 

y. 5891 — 92: die Heilung dieser corrupten Stelle liegt sehr nahe, 
wenn man daran denkt, daß im Evangelium des Nicodemus Pilatus 
dem Kaiser berichtet, die Wächter hätten zwar das Geld genommen, 
aber doch die Wahrheit nicht verschweigen können (sed cum accepis- 
sent pecunias, quod factum fuerat tacere non potuerunt: nam et illnm 
resurrexisse testati sunt se vidisse et se a Judaßis pecuniam accepisse). 
Es ist somit zu ergänzen: 

dädun <d sd sia bigunnun, 
ni gtto^unltrd wülion^ \sd %oid6\ küd 
thim liudon a/tar them landey u. s. w. 
so daß die Worte ni giwildun ird toillion Parenthese sind. 

v. 5949 : hniuonda ändert Heyne in hriwdnda^ Vollmer in hiuudnda 
(d. i. hiubdnda) wehklagend, weinend; wie es aber da steht, so ist es 
zunächst hnibondoy was nach dem ags. hni/ol frons, palpebrs und hm- 
folerumb qui frontem caperat etwa ^stirnrunzelnd* bedeuten könnte. 

Zum Schluß noch einige Worte über die vermeintlichen Composita 
Ebred-folky JudeS-lindi und ähnliche, wie sie Heyne durchweg ansetzt. 
Sie sind sämmtlich in zwei Wörter aufzulösen, deren erstes jedesmal 
den starken gen. pl. vom Namen der Bewohner des Landes oder der 
Stadt ist; es ist also zu schreiben: Ebieo folk (land\ Egypto (JEgypitd) 



KRINHOLD KÖHLER, ZU H. SACHS, DIE ACHTZEHKN SCHÖN Mc. 217 

land^ GalVi!) land, Juded folk (liudt^ etminp) Kananeö latid^ Ponteo landy 
/{Amofio Uudiy Sidono burg^ Sodomo land (byrg). Am auffallendsten ist, 
daß Heyne auch für ▼. 704, wo die beiden Wörter, wie im Texte 
richtig steht, durch den Versschluß getrennt sind und land in t. 705 
die Alliteration trägt, gleichwohl im Glossar das Compositum E^gyptt^ 
land (^Rjt/pie^land) ansetzt. 

zu DEM GEDICHT VON HANS SACHS 
DIE ACHTZEHEN SCHÖN EINER JUNGFRAUEN*. 



llan» Sachs hat ein Gedicht verfasst, welches 'Die achtzehen Schön 
einer Jungfrauen' überschrieben ist und also beginnt: 

Nechten zu Abend ich spaciert 
Auf freiem Mark und phantasiert 
Zu machen ein neues Gedicht. 
In dem da kam mir zu Gesicht 
Ein Jungfrau, gar hoflich geziert, 
Gar adelich geliedmasiert, 
Dergleich ich mein Tag nie het gsehen. 
Deß ward ich zu mir selber jehen : 
Warhaft die Schon der Jungfrau da 
Vergleicht der Schön Lucretia. 
Deß ich mich gleich verwundern gund 
Und da geleich stockstiller stund 
Und dacht, wer nur die Jungfrau wer. 
In dem die zart trat zu mir her 
Mit leisen Tritten, Fuß für Fuß, 
Und grüßet mich mit Worten süß 
Und sprach, weß ich thet warten hie. 
Ich sprach: Zart Jungfrau, merket wie. 
Ich steh zu schauen euer Schön, 
Die ich ob allen Weihen krön. 
Wann ich sach nie schöner Figur. 
Der giben Srhön tragt ir ein A'ur, 
Die doch all eihen traget ir. 
Da sprach die zart Jungfrau zu mir: 
Seind denn der Schön nit mehr denn siben? 
W^o habt ir das funden geschrieben? 
Ich sprach: Ich hab bei meinen Tagen 
Von eiben Schönen hören sagen* 



218 REINHOLD KÖHLER 

Sie sprach: Der Schön sind wol achtzehen^ 

Die natDrIichen Meister jehen. 

Die werden außgetheilt darbei 

In sechs Theil, jeder Theil hat drei. 

Drei kurz sind im ersten Anfang, 

Darnach in dem andren drei lang, 

Und zu dem dritten sind drei lind, 

Und zum vierten drei schneeweiß sind, 

Und zum fünften drei rosenrot, 

Zum sechsten drei kolschwarz sind not 

Im Folgenden theilt dann die Jungfrau dem Dichter auf sein 
Befragen mit, welchen Theilen des Körpers jene Eigenschaften zukom- 
men, wir aber mußen dem neugierigen Leser überlassen, dieses Nähere 
bei Hans Sachs selbst nachzulesen *). 

Wenn Hans ISachs sagt: 

'Ich hab bei allen meinen Tagen 
Von siben Schönen hören sagen', 
so müßen wir annehmen, daß zu seiner Zeit 'sieben Schönheiten der 
Frauen sprichwörtlich waren, und man sollte daher erwarten, denselben 
öfters in der Litteratur jener Zeit zu begegnen. Ich meinerseits kann 
bis jetzt nur zwei Stellen nachweisen, wo sie erwähnt werden, eine 
ebenfalls bei Hans Sachs, eine andere bei Fischart. In dem Fastnacht- 
spiel des Hans Sachs 'Der alt Buler mit der Zauberei' (Werke II, 4, 22** 
der Nürnberger Ausgabe von 1590) sagt ein verliebter Alter von seiner 
Geliebten : 

'Und wenn ich die Warheit soll jehen, 
Hets der sibn Schön wol dreizehen*. 
Und Fischart sagt in der Geschichtklitterung (Cap. 6) von der Braut 
Grandgosiers : 'Sie hatte die vier Schöne anstatt der vier Tugenden, 
ja der sibn Schöne wol vierzehen, samt dem Löchlin im Backen, wann 
sie lacht, und dem Grüblin im Kinn'. 

Um so mehr war ich überrascht, in italienischen Liebesliedern, 
wie sie in neuerer Zeit aus dem Volksmund gesammelt worden sind, 
die 'sieben Schönheiten' zu finden, und zwar nicht nur im Allgemeinen 
erwähnt, sondern auch einzeln aufgeführt. Ich glaube den Lesern der 
Germania, denen die italienischen Volksliedersammlungen nicht zur 
Hand sind, einen Gefallen zu erweisen, wenn ich hier diese lieblichen 
und wohlklingenden Liederchen mittheile. 



•) Werke I, p. CCCCCVII der Nürnberger Ausgabe von 1558 oder I, p. 380 
der Ton 1689. 



ZV HANS SACHS, DIK ACHTZKHEN SCHÖN EINER jrNCJFRAl'EN. 219 

• 

Kin toftcanischfrUiHprttohei TotnmaseoCanti popolnri I, 46 (darnach 
aiiih bei Ti^^ri Cantt popolari tosrani, 2'* ediz., pag. 22, Nr. 79) lautet: 

Sette bollezze vuole aver la donna, 

Prima che bella ai poBsa chiamare: 

Alta dev' esner aenza la pianella, 

£ bianca e ro88a aenza au' lisciare: 

Lar^a di spalla, e stretta in centurella: 

La bolla bocca, e il bei nobil parlare. 

Se poi ai ttra au le bionde trecce, 

Decco la donna dt aette bellozze *). 
Ähnlich die vicentinische Vilota bei Alverä Canti popolari tradizionali 
▼ irentiui, Vioenza 1844, Nr. 87: 

Sete belezze deve avcr la dona, 

Prima che b6la ai fa^ia chiamare; 

Alta da tera 8<*nza la pian^la; 

Preata e Icf^indra nel 8uo caminare; 

Bianca de late aenza lavadura; 

lto88a de ro8«i 8cnza farsi bela; 

C^oi öci möri e con le bionde drezze; 

Questa i la d6na de siie belezze. 
Femer das Ii^uri8cbe Lied boi Mnrcoaldi Canti popolari inediti nmbrii 
liguri, pireni, piemonteni, latini, CienoTa l8o5, pag. 77: 

Sette bello88e a deve avei 'na fija, 

Prima che bella ai posaa chiamare: 

A deve ease* bella e galantin-na, 

GraaTusettA nel so' raxnnare; 

Larga di e'palle, a^treita di sentura, 

Quella ai chiama bella di natura: 

E gli occhi neri colle biande tresae: 

Qnelle ai chiamn le sette bellesse. 
Unvollständig sind die Schönheiten in einem zv^eiten bei Alverk Nr. 8<>: 

Sete belezze ghe vole a una dona, 

Avanti la se fa^a ciamar b<'*la; 

Prima de tuto una bt^la andatura, 

Larga de spale e atreta in la cintura; 

Prima de tuto un* andatura bela, 

Larga de spale e streta in c<*ntureln; 

Prima de tuto de un Im-I cao de drrzze, 

E quele se ciama la acte belezze. 

^1 Ich ariniief« d«« L^44*r ah di^ •rhön« AnB«>i|r«. mit «rlch«^ J«r«»h Or mm in 
«*te«rr Z^it^rhrill 11. .1^0 die Ti|rri*rh« SAmmlonif f^hrt hat 



220 REINHOLD KÖHLER 

Ebenso in einem yeronesiscben bei Righi Saggio di canti popolari 
veronesi, Verona (1863), pag. 16: 

Sete beleze ghä d'aver 'na dona, 

Quando che bela se vol far cbiamare; 

Larga de spale e streta in zenturela, 

Sete beleze gbä d' aver 'na bela; 

I oci mori cole bionde treze, 

Quele se ciama le sete beleze. 
Endlich erwähne ich noch ein latinisches Lied (Marcoaldi pag. 131), 
in welchem der sieben Schönheiten gedacht wird: 

Oh yedi quant' h hello il paradiso! 

E tu, bellina, nel viso ce 1' hai. 

Sette cose ci vo' per compl' '1 viso, 

E tu, bellina, tutte e sette l'hai: 

E te ne manca una sul bei yiso, 

Solo che 1' occhi neri tu non hai ; 

Ma siete tanto bella di persona, 

Che yi st& bene 1' occhi bianchi ancora. 
Gegenüber den sieben Schönheiten, von denen Hans Sachs sein 
Lebtag hat sagen hören, stellt also in dem Gedicht die schöne Jungfrau 
nach der Lehre der 'natürlichen Meister' *) achtzehn Schönheiten auf. 
Ob nun wirklich in irgend einem gelehrten Werk des Mittel- 
alters yon den achtzehn Schönheiten gehandelt wird, ist mir unbe- 
kannt, wohl aber kann ich ähnliche Aufzählungen der zu einer yollkom- 
menen weiblichen Schönheit nothwendigen Eigenschaften beibringen, 
die alle das gemeinsam haben, daß immer eine Eigenschaft je drei 
Theilen des Körpers zugetheilt wird. Ich begnüge mich, im Folgenden nur 
kurze Nachweise zu geben und überlasse dem Leser die Einsicht und 
die Vergleichung der Aufzählungen. Die älteste mir bekannte derartige 
Zusammenstellung ist ein französisches Gedicht vom Jahr 1332 'Ce sont 
les divisions des soixante et dorne beauU qui sont en dames' in Meon*8 
Nouveau recueil de fabliauz et contes in^dits I, 407 ff. Weiter nichts 
als ein unvollständiger prosaischer Auszug aus diesem Gedicht ist die 
Liste von sechzig Schönheiten hinter dem Gedicht 'La louenge 
des dames' in A. de Montaiglon's Recueil de poesies fran^oises des 
XV et XVI si^cles, Paris 1857, VJI, 299 ff., wozu man auch Brunei 
Manuel du libraire, 5**"**^d., III, 1182 vergleiche**). Ein und zwan- 

*) In Albrecht von Eybe^B Ehebüchlein findet sich dieser Atudrnck mehrfach 
nnd er bezeichnet Natorkundige and Philosophen. 

**) Hontaigion hat das Gedicht bei M^n nicht gekannt nnd Terglichen ; sonst 
hätte er pag. 299 nicht Longue» feuimtj, sondern L^ng nett gesdirieben. 



zu HANS SACHS, DIE ACHTZEHEN SCHÖN EINER JUNGFRAUEN. 221 

zig Schönheiten zählt Heinrich Bebel in seinen Ädagia Germanica 
auf, 8. Bebeliana opuscula noya, Ärgent. Jo. Grüninger 1508, F VIP, 
dann auch in das 3. Buch der Factticß aufgenommen. Ein lateinisches 
Gedicht in Distichen über die dreißig Schönheiten von Fran- 
ciscus Comiger theilt Joannes Neyizanus in seinem wunderlichen, 
1521 erschienenen Werke 'Silvas nuptialis libri sex' mit (Liber II, §. 93), 
wo er zugleich auf zwei denselben Gegenstand behandelnde » mir un- 
zugängliche, italienische Gedichte des Vincentius Calmeta hinweist *)• 
Auf Corniger's Gedicht sind zurückzuführen das anonyme deutsche 
Gedicht 'Dreißig Stück werden an einer recht schönen Jungfrau er- 
fordert' in dem 'Kurtzweiligen Zeitvertreiber von C. A. M. v. W. [d. i. 
Simon DachJ*, o. O. 1668, S. 234 f., dann auch in dem 'Politischen 
und kurtzweiligen Stock-Fisch von Christoph Platt-£iß\ Frölichs-Burg 
1724, S. 104 ff., und das Gedicht von Hoffmanns waldau 'Abbildung 
der vollkommenen Schönheit' in Herrn von Hoffmannswaldau und 
andrer Deutschen .... Gedichten, Leipzig 1697, Theil II, S. 62 ff. 
Endlich stimmt mit Corniger fast ganz überein die spanische Liste 
von dreißig Schönheiten, die Brantome in seiner Abhandlung 'de la 
voe en amour' (Oeuvres completes, Paris 1822, VII, 229) nach der 
Mittheilnng einer spanischen Dame gibt. 

WEIMAR, März 1865. REINHOLD KÖHLER. 

LirrEMTUR. 

TTlfilas oder die uns erhaltenen Denkmäler der gothischen Sprache. Text, 
Grammatik und Wörterbuch, herausgegeben von Stamm. Dritte Auflache, 
besorgt von Dr. Moritz Heyne. Paderborn 1865. XVI und 387 SS. 
1 Thlr. 20 Sgr. 

In dieser neuen Auflage der mit Recht beliebten Stamm'schen Ausgabe 
des Ulfilas sind die Lesarten nicht mehr hinter, sondern unter dem Texte ge- 
geben, was viel bequemer ist. Femer hat Heyne an der Stelle von Stamms w 
wieder hv gesetzt, und häufig die componierten Präpositionen vom Verbum ge- 
trennt. Zu diesen beiden Änderungen hätte Stamm seine Einwilligung nicht 
gegeben. Was ist z. B. gewonnen, wenn Rom. 9, 1 mipveitvodjandein in mip 
veitcodjandein getrennt wird? Die Stelle wird dadurch nur unverständlich, und 
die Trennung ist sogar ein wirklicher Fehler, da mip ebenso untrennbar com- 
poniert wird wie ga^ in u. s. w. Eine weitere Abweichung von der zweiten Auf- 
lage besteht darin, daß manche von Stamm nicht aufgenommenen Lesarten Upp- 



*) Auf Nevizan's Hochzettwald verweist Fischart in dem oben angeführten Capitel 
der Oeschichtklitterung und A. M. von Thtimmel theilt iu einer Anmerkung seiner 
'Reise in die mittiCglichen Provinzen von Frankreich' (Werke, Leipzig 1839, Y, 191) 
das ganze Gedicht Corniger's mit — aber ohne diesen zu nennen und als wäre es von 
Nevizanus selbst. 



222 LITTKRATÜR. 

Stroms von Heyne aufgenommen wurden, z. B. Luc. 5, 11 ofleipondan». Ein 
transitives Yerbum aßeipan, von etwas weggehen , etwas verlassen , wurde zwar 
von Uppström für möglich gehalten ; da es aber von Stamm, gewiss mit vollem 
Rechte, verworfen wurde, so hätte es Heyne nicht aufnehmen sollen. Auch an 
der vielbesprochenen Stelle Marc. 6, 19 hätte Stamm schwerlich sich entschlossen, 
das von Uppström mehr vermuthete als gelesene, sonst ganz nnerweisliche and 
unglaubliche naio in den Text zu setzen. 

Aber eine ganz außerordentliche Wichtigkeit gewinnt diese neue Aufiage 
dadurch, daß wir in ihr zuerst die Ergebnisse von Uppströms neuer Verglei- 
chung der Mailänder Blätter kennen lernen. Heyne erhielt die neuen Lesarten 
durch einen Brief Uppströms an Pfeiffer, und durch Leo Meyers oben IX, 137 
und X, 225 gedruckte Aufsätze. Zu bemerken ist, daß von den von Meyer 
gegebenen Lesarten meistens zweifelhaft bleibt, ob sie wirklich dem Codex ent- 
nommen, oder durch Conjectur gewonnen sind, da Uppström bekanntlich nicht 
einen diplomatischen Abdruck der Handschrift gab, sondern erst in den noch 
unbekannten Noten sagen wollte, was er glaubte gelesen zu haben. Alles also 
was wir bis jetzt von diesen neuen Lesungen erfahren haben, beruht auf ab- 
geleiteten Nachrichten. Nur jener Brief Uppströms an Pfeiffer kann als eiu 
authentischer Bericht gelten ; er darf uns daher nicht vorenthalten werden *). 

Uppströms Verdienste um Herstellung des echten Textes sind sehr groß ; 
aber ehe wir die genauen Angaben über das Ergebniss der neuen Vergleichun^ 
erhalten, müßen wir die vorläufigen Nachrichten mit einiger Vorsicht aufnehmen, 
und wenn Uppström sich nicht begnügt, das Neugelesene mitzutheilen, sondern 
durch Conjectur die Fehler verbessern will, so dürfen seine Neuerungen wie 
die jedes anderen Gelehrten geprüft and beurtheilt werden. Bis jetzt erhalten 
wir bei vielen bedenklichen und zweifelhaften Wörtern und Stellen gar keine 
Auskunft, und wissen nicht, ob wir Uppströms Stillschweigen als eine Bestäti- 
gung des Überlieferten ansehen sollen. Andererseits werden wir durch den Um- 
fang der neuen Lesarten erschreckt ; ganze Wörter, ganze Reihen von Wörtern 
sollen geändert werden : z. B. Rom. 7 , 8 und 9 las man vas navis ip ik simU 
inu viiop libaida at , , , Dafür soll im Codex stehen : naua vas ip ik qius inu 
vitop simle ip, Rom. 9, 17 las man faraoni unte in pize jah raisida; dafür soll 
stehen: faraona unte du pnmma silhin urraisida, 1 Tim. 1, 12 las man galauh- 
jandan mik gahvgida ; es steht aber triggvana mik rahnida. 

Manche richtigere Lesung Uppströms ist nicht neu, sondern schon von 
den Altenburgern in den Addenda gegeben; so andstandip RÖm. 9, 19. skapula 
Col. 3, 25. unsveibandfi 1 Thcss. 2, 13. Es findet sich sogar, daß die von den 
Altenburgern nachträglich gegebene Berichtigung sowohl von Maßmann, als von 
Stamm und Heyne nicht berücksichtigt wurde, offenbar nicht weil sie dieselbe 
nicht für begründet hielten, sondern einfach, weil sie sie nicht bemerkten. 
Col. 1, 29 lautet nach den Addenda: bi vaurstoa sei inna nsimurkeip^ alle, auch 
Heyne, haben diese sehr wichtige Berichtigung übersehen und wiederholen nur 
was die Altenburger zu der Stelle unter dem Texte bemerken. Uppström scheint 
nichts zu der Stelle zu sagen. Wenn die Berichtigung begründet ist, so ist ein 
Feminin vaurHvn BVBQysia vom Neutrum vauvslu Bgyov zu scheiden, und 
Col. 2, 12 ist man versucht, vaurstuis in vaumtvos zu ändern. 

Wenn schon die Berichte über Uppströms Entdeckungen noch mangelhaft 



*) Er ist oben S. 93 ff. niitgethcilt. Pfeiffer. 



LITTERATUR. 223 

sind, so sieht man doch, daß nach Abzug des vorerst noch nicht ganz sicheren, 
der wirkliche Gewinn ein oehr großer ist. Viele neue Lesarten sind nicht zu 
bezweifeln und gewähren reichlichen Stoff zur Berichtigung und Erweiterung 
des Wörterbuchs und der Grammatik. 

Ich lasse noch einige Bemerkungen zu einzelnen Stellen folgen. Das Buch 
ist sehr sorgfältig corrigiert; dennoch sind einige Druckfehler stehen geblieben. 
Rom. 9, 25 Onaien^ ohne Zweifel ein aus der Germania X, 231 herübergenom- 
mener Druckfehler für Osaiin. 2 Cor. 10, 1 tArat statt ikei, 2 Cor. 11, 10 
lande statt landa, Ephes. 4, 31 izis statt izvis. Wahrscheinlich steht auch durch 
einen Druckfehler Rom. 11, 13 qipa piudom statt qi^a paim piudotn, 

Rom. 7, 8 liest Heyne vas naus\ aber Meyer gibt naus vas] wer hat 
Recht? Sehr auffallend ist Rom. 11, 12 ip appon. Entweder ip oder appan, 
allenfalls auch ippnn ist möglich; aber ip nppan beruht wahrscheinlich auf einem 
Missverständniss der Germ. 10, 233. 2 Cor. 7, 7 izvora gaunnpa: diese Lesart 
ist nicht von Stamm, sondern von Heyne; sie ist schwerlich richtig: der Codex 
soll haben izvarana gaunopa. Ein Feminin gaunopa ist bedenklich, da es sonst 
keine Feminina auf opa gibt: ich Termuthe, daß zu lesen ist gaunopu'^ Masca- 
Hna auf opus oder odus sind bekannt. 

2 Cor. 8, 12 gagreif tai'^ so zuerst bei den Alt., aber nach den Addenda 
steht im Codex gagreftai\ so liest auch Stamm und Heyne selbst im Wörter- 
buch; warum wird nun im Texte wieder gagreif tai geschrieben? Ist es ein 
Druckfehler? 

Wenn Gal. 6, 9 wirklich afmauidai zu lesen ist, so muß ohne Zweifel 
auch Mth. 9. 36 ebenso gelesen werden statt ofdauidai, da beidemal ixXvOfiSVog 
übersetzt wird. Ein Verbum afdavjan darf keinen Falls angesetzt werden, es 
müßte ofdttjan lauten; ebenso muß zu afmauidai der Infinitiv afmojan angesetzt 
werden. Denn zu davjan^ maujan würde davida^ maoida gehören, wie favida- zu 
toufartj während stauida zu stojan gehört, mbjan ist gleich ahd. muojan, 

Eph. 5, 5 alUuh. So haben Maßmann und Stamm statt alizuh gesetzt; 
aber nach den Addenda steht h»azu im Codex. Ist nun alizuh durch UppstrÖm 
bestätigt? Wenn es der Fall ist, so sollte es ausdrücklich gesagt sein; sonst 
verdient hvnzv{h) den Vorzug vor dem unbeglaubigten und in der Mitte des 
Satzes nicht wohl möglichen alizuh. 

Es muß noch im Allgemeinen bemerkt werden, daß die Besserungen, 
welche die Ausgabe angeblich gegen den Codex und gegen die Altenburger 
aufnimmt, fast ohne Ausnahme nicht etwa von Stamm und Heyne herrühren, 
sondern von den Altenburgern entweder in der Note oder im Nachtrag oder 
noch in der Grammatik vorgeschlagen werden. Offenbar ist es nur die nöthige 
Kürze, welche die Darlegung des Sachverhalts verhindert hat. Einigemal aber 
und nicht selten wird sogar L. (das ist die Altenburger Ausgabe) als Autorität 
für die verworfene Lesart angeführt, wo vielmehr gerade L. die aufgenommene 
Lesart empfiehlt. So steht 1 Cor. 10, 21 fairaihan im Text, und dazu in der 
Xote fairainan L. Aber gerade L. hat in den Addenda als wirklich im Codex 
stehend yWiVf/iÄon nachgetragen. 2 Cor. 6, 3 histuggqei, dazu in der Note histiggq L. 
Aber L. gibt rielmehr in der Grammatik S. 197 das richtige bisluggqei, 1 Thess. 4, 2 
hrarjofi: in der Note hvaizos L. Aber L. sagt Grammatik S. 84: hoaiznt ist 
jedenfalls in h&arjos zu verbessern. Es ist zu wünschen, daß in einer künftigen 
Auflage sorgfältiger geschieden werde, was der Herausgeber vorgefunden hat, 
und was er Neues bringt, und gewiss wird sich Heyne der Einsicht nicht ver- 



224 LITTEUATUB. 

6chließen, daß so hochyerdiente und gründliche Kenner des Gothischen, wie die 
Altenburger^ nicht so schnöde abgefertigt werden dürfen, wie es hier S. IX 
geschieht. 

Diese neue Auflage ist, so lange Uppströms neues Werk nicht erschieneii 
ist, für Jeden, der sich ernstlich mit Gothisch beschäftigt, unentbehrlich; zn- 
gleich ist sie eine sehr sorgfältige, brauchbare Handausgabe, und muß als eine 
erfreuliche Erscheinung begrüßt und empfohlen werden. 

HEIDELBERG, 7. Jan. 1866. A. HOLTZMANK. 



Heiland, mit ausführlichem Glossar herausgegeben yon Moritz Hejne. Pader- 
born 1866. Vm und 380 SS. 2 Thk. 
Eine handliche Ausgabe des Heiland war längst ein dringendes Bediir&ias. 
Die nun hier vorliegende leistet gewiss alles, was nur gewünscht werden kann. 
Der Text Ist sehr sorgfältig behandelt und es fehlt auch nicht an Textverbes- 
s orangen. Die Lesarten sind mit Ausnahme der bloß orthographischen yollständig 
▼erzeichnet. Das sehr ausführliche Wörterbuch ist eine selbständige Arbeit und 
wild daher auch neben Schmellers Glossar seinen Werth behaupten; besonders 
die Präpositionen und Conjunctionen, bei denen Schmeller sich meistens begnügt 
die Stellen zu verzeichnen, sind hier sehr lehrreich behandelt. Aufgefallen ist mir, 
daß unter thegan abweichend von Schmeller ein Nom. Plur. thegan zweimal an- 
gesetzt ist; Schmeller behält Recht, thegan ist nur Singular. Ein mittelhoch- 
deutsches Fem. zoln ist wenigstens bei Müller nicht zu finden, woher ist es hier 
genommen? Bekanntlich ergänzen und berichtigen sich die beiden Handschriften 
des Holland gegenseitig in erfreulicher Weise. Welcher man im Ganzen den 
Vorzug gibt, wird von der Ansicht abhängen, die man sich über die Heimat 
des Gedichtes gebildet hat. Heyne verspricht nachzuweisen , daß das Gedicht 
im Münsterlande entstanden sei, und er glaubt, daß der Monacensis in der Sprache 
des Münsterlandes geschrieben sei, der Cottonianus dagegen sei zwar älter und 
besser, aber in einen andern Dialect umgeschrieben. Wir sind auf diese Aus- 
führungen begierig, und freuen uns, daß endlich die Forschung sich diesem 
wichtigen Denkmal zuzuwenden verspricht. Obgleich ich selbst mir schon längst 
(denn schon 1833 habe ich unter Schmellers Leitung einen bescheideneu An- 
theil gehabt an der Ausarbeitung des Glossars) eine ganz andere Ansicht ge- 
bildet habe und beide Handschriften für Übersetzungen halte aus einem verlorenen 
angelsächsischen Originale, C. eine altniederländische, M. eine niederdeutsche, 
so bin ich mir doch wohl bewusst, daß diese meine Ansicht, so lange sie nicht 
ausführlich dargelegt ist, der eigentlichen Begründung ermangelt; die erwarteten 
Untersuchungen Heynes werden mir erwünschte Veranlassung geben , meine 
eigene Ansicht zu prüfen und dann entweder sie gegen die besserbegründete 
aufzugeben, oder sie meinen Studiengenossen umständlich zu empfehlen. 

HEIDELBERG, 7. Jan. 1866. A. HOLTZMANN. 

Paris, Gaston, histoire poetique de Charlemagne. Paris 1865, A. Frank, gr. 8. 
(XX, 530 SS.^ 3V3 Rthlr. 

Eine sehr gediegene in streng wissenschaftlichem Sinne gehaltene Arbeit, 
mit jener philologischen Akribie, die die Werke der jetzigen französischen Ge- 
lehrten von der Art und Weise, die früher in Frankreich bei litterarischen und 
historischen Arbeiten üblich war, zu unterscheiden pflegt. Der Verfasser, Sohn 
des bekannten Pauliu Paris, hat sich durch mehrere dem Gebiete der romani- 



LITTERATUR. 225 

sehen Sprachen angehörende Schriften bereits vortheilhaft bekannt gemacht. 
Vorliegendes Bach, seine erste umfangreichere Arbeit, kann die günstige Mei- 
nung, die wir von ihm hatten, nur bestärken. Er unterwirft 2um ersten Male 
sämmtliche Quellen der Karlssage in den verBchiedenen Litteraturen des Mittel- 
alters einer gründlichen und eingehenden Kritik. 

Die Einleitung behandelt zuerst in gedrängter Darstellung das Wesen und 
die Entwickelung der epischen Poesie im Allgemeinen, und geht dann insonder- 
heit auf das altfranzösische Epos über, wie es sich in den Chansons de gestes 
uns darstellt, gruppiert um E^arl den Großen, als den eigentlichen nationalen 
Helden und Mittelpunkt, betrachtet die hauptsächlichsten Gestalten, welche neben 
Karl mit Vorliebe behandelt erscheinen, so wie die metrische Form der Chan- 
sons de gestes, den Einfluß der altfranzösischen Epopöe auf die übrigen mittel- 
alterlichen u. s. w. Wenn nun auch naturgemäß das altfranzösische Epos . den 
Mittelpunkt des Buches bildet, so ist doch die Untersuchung keineswegs auf 
dasselbe beschränkt geblieben, sondern der Verfasser geht allen Verzweigungen 
des Sto£Fes bei allen Nntionen nach; selbst bei den in directer Abhängigkeit 
vom Französischen stehenden Dichtungen sind doch alle thatsächlichen Abwei- 
chungen hervorgehoben und berücksichtigt. Im ersten d(;r drei Bücher, in welche 
der Verfasser seineu roichen Stoff zerlegt hat, handelt er über die Quellen 
(S. 33 — 218), in welchen die poetischen Berichte über Karl den Großen auf 
uns gekommen sind. In chronologischer Folge gehend, bieten sich hier zuerst 
die im wesentlichen rein historischen lateinischen Dichtungen des 9. Jahrhun- 
derts, von Angilbert, Ermoldus Nigellus etc. Die ersten sagenhaften Erzählungen 
finden sich bei dem Monachus Sangallensis : sie reichen bis in die Lebenszeit 
des Kaisers selbst hinauf, dessen wunderbare Thaten die Herzen mit Begeisterung 
erfüllten und dem historischen Volksgesange reichlichen Stoff darboten. Wenn, 
wie kein Zweifel nach den vorhandenen Zeugnissen sein kann, Karl schon bei 
Lebzeiten Gegenstand volksthümlicher Tradition, volksthümlichen Gesanges war, 
so knüpft sich an diese Thatsache die Frage , ob diese ältesten Gesänge in 
deutscher oder romanischer Zunge gedichtet waren. Auch Paris geht auf sie ein 
(S. 45); er findet für die Annahme deutschen Gesanges die Gründe überwie- 
gend; gleichwohl nimmt er (S. 45) schon bei Lebzeiten Karls auch romanische 
Lieder an, die den Kaiser feierten. Mit Sicherheit wird sich die Frage, was 
das Romanische betrifft, wohl kaum entscheiden lassen, während die Annahme 
deutscher Lieder sich gar nicht bestreiten lässt ; doch wollen wir nicht leugnen, 
daß es dem Verfasser gelungen ist, manches für die Existenz romanischer gleich- 
zeitiger oder wenig späterer Lieder über Karl den Großen beizubringen Er- 
halten hat sich von ihnen ebensowenig etwas, wie von den deutschen: nur ist 
die deutsche Poesie insofern günstiger gestellt, als uns ein glücklicher Zufall 
im Ludwigsliede ein historisches deutsches Lied wenigstens noch des 9. Jahr- 
hunderts erhalten hat Aber wie für die deutsche Heldensage im 10. Jahrhundert 
die lateinischen Dichtungen Waltharius und Ruodlieb hohe Bedeutung haben, 
so für die karlingische Sage jenes lateinische Haager Fragment des 10. Jahr- 
hunderts, das Perts in den Monumenten (SS. 3, 708 — 710) veröffentlicht hat 
und welches einen Kriegszug Karls gegen die Sarazenen behandelt. Wegen seiner 
Wichtigkeit hat auch Paris es im Anhange (S. 465 — 468) wieder abdrucken 
lassen. Es ist offenbar Prosaauflösung einer lateinischen Dichtung, und die ori- 
ginale Form in dem größten Theile des Fragmentes noch wiederzuerkennen und 

GBBUANIA XI. 15 



226 LTTTEBATUR. 

herzustellen. Paris hat einen Versuch mit wenigen Versen (S. 50) gemacht; 
wir werden bei anderer Gelegenheit versuchen, das Ganze zu restituieren. Wie 
nun Waltharius und Ruodlieb mit Recht zum Zeugnisse dienen, daß im 1 0. Jahr- 
hundert die deutsche Heldensage Gegenstand des Volksgesanges war, so darf 
man das Gleiche auf Grund des erwähnten Fragmentes für die französischen 
Chansons de gestes behaupten. Eine Übersetzung deutscher Lieder erblicken 
wir im Waltharius nicht, vielmehr ist es eine freie Dichtung auf Grund deut- 
scher Gesänge und der volksmäßigen Überlieferung, und nicht anders betrachten 
wir, zwar nicht das Haager Bruchstück selbst, wohl aber das lateinische Gedicht, 
auf dem es beruht. Wenn deutscher Geist durch das lateinische Gewand des 
Waltharius schimmert, ja sogar hin und wieder Formeln der epischen deutschen 
Poesie hindurch klingen, so beweist das nur, daß auch das Latein des 10. Jahr- 
hunderts von deutschem Geiste beseelt ist, und ebenso steht es mit dem Haager 
Fragment gegenüber den Chansons de gestes. Nicht aber darf man es mit dem 
Bruchstücke einer lateinischen Übersetzung von Wolframs Willehalm zusammen- 
stellen, wie Paris S. 51 thut. 

Im dritten Capitel folgen die kirchlichen Legenden von Karl dem Grroßen, 
die Berichte über seine Canonisation, namentlich auch über einen ihm zuge- 
schriebenen Zug in das heilige Land, der später Gegenstand besonderer fran- 
zösischer Dichtungen wurde. Mit dem vierten Capitel beginnt die Betrachtung 
der Quellen in den Volkssprachen: billig stehen als die reichsten und ältesten 
die französischen voran (S. 67 — 118), und unter diesen das werthvollsie und 
älteste Denkmal, die Chanson de Roland, An diese schließt der Verfasser die 
der ersten Epoche der Chansons de gestes angehörenden Dichtungen, welche 
noch ausschließlich auf der Tradition beruhen, wenn sie auch nur zum kleinsten 
Theile in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten sind. Es sind die Gedichte, 
welche Kriege Karls zum Gegenstande haben, seine Feldzüge in Italien, gegen 
die Sachsen u. s. w. , auf welche sich schon die Chanson de Roland bezieht 
und dadurch bezeugt, daß auch diese wenigstens schon im 11. Jahrhundert in 
französischer Gestalt vorhanden waren. Eine zweite Categorie in dieser ersten 
Epoche bilden Berthe, Mainet, Sibille, die in ursprünglicher Gestalt sämmtlich 
verloren sind; eine dritte eine Anzahl von Chansons de gestes, die Kämpfe 
Karls gegen seine Vasallen behandeln. Die zweite Periode umfasst die Dich- 
tungen, deren Verfasser, um den halberstorbenen Sagen neues Leben zu verleihen, 
mit eigener Erfindung nachhalfen und ältere Gedichte der poetischen Form 
ihrer Zeit näher brachten , indem sie die alten Assonanzen in genaue Reime 
verwandelten, dadurch aber am meisten zum Untergange der Gedichte in ihrer 
ursprünglichen Gestalt beitrugen: von der Mitte des 12. bis zum Ende des 
13. Jahrhunderts währt diese Periode. Die dritte endlich ist die cyklische, die 
hauptsächlich auf meist willkürliche Ausfüllung der Lücken in dem Zusammen- 
hange der Sage aus ist und, wie schon die vorige, ältere Dichtungen verjüngt 
und umdichtet Nun folgt die Betrachtung der ^pop^e proven^le, wie der Ver- 
fasser diejenigen Dichtungen nennt, die auf südfranzösischen Traditionen beruhen. 
Erhalten hat sich in provenzalischer Sprache von den hierher gehörigen Dich- 
tungen bekanntlich nur der Girart von Rossillon; aber die Existenz anderer ist 
mit Sicherheit anzunehmen und ihr Verlust in mehr als einer Hinsicht zu be- 
dauern. Der dritte Paragraph ist den Prosaromanen gewidmet, der vierte den 
cyclischen Darstellungen, die, wie Philipp Mousket, auf Grund von Traditionen 
und Gedichten ein vollständiges Leben Karls des Großen geben; der fünfte 



HTTERATUR. 227 

den Chroniken, unter welchen Albericus Trium fontium eine wichtige Stelle ein- 
nimmt; der sechste behandelt lateinische Dichtungen über Karl, die in Frank- 
reich entstanden sind: ich weiß nicht aus welchem Grunde der Verfasser hier 
den Metellus von Tegernsee aufführt. Der siebente spricht von localen Tradi- 
tionen, der achte von dramatischen Darstellungen, der letzte endlich von mo- 
dernen Versuchen, die Karlssage in Frankreich dichterisch zu behandeln. 

Von besonderem Interesse für uns siud die drei folgenden Capitel, welche 
die Sage in den germanischen Ländern verfolgen. Zuerst in Deutschland 
(S. 118 — 134), wo die älteste Dichtung der ältesten französischen entspricht: 
Konrads Koland , den G. Paris für älter zu halten geneigt ist als W. Grimm 
annahm und um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Baiern oder Schwaben 
verfasst glaubt (letzteres auf Grund von Gödekes Mittelalter S. 683). Die zu 
bestimmteren Daten gelangende Untersuchung der letzten Jahre, wonach das 
Gedicht noch in die Lebenszeit Heinrichs des Stolzen, also vor 1139, fällt 
(vgl. Schade, monumentorum theotiscorum decas. Vimarisß 1860), scheint dem 
Verfasser unbekannt geblieben zu sein. Was des Strickers Namen betrifft, so 
habe ich meine früher ausgesprochene und auch von Paris angenommene Mei- 
nung, es sei ein angenommener dichterischer, inzwischen aufgegeben. Seine außer 
Konrad benutzten Quellen glaubt der Verfasser nicht als direct französische 
bezeichnen zu müßen (S. 123). Die Übereinstimmung des Strickers mit der 
Weihenstephaner Chronik in Bezug auf Karls Jugend erklärt Paris (S. 126, 
vgl. auch S. 225. 502) mit W. Grimm durch eine von beiden gemeinsam be- 
nutzte Quelle ; und darin stimme ich ihm bei gegen meine frühere auf Wacker- 
nagels Behauptung beruhende Ansicht. Da ich nun in einem wie es scheint 
Paris nicht bekannt gewordenen Nachtrage zum Karlmeinet (in Pfeiffers Germa- 
nia 6, 28 — 43) den Beweis geliefert habe, daß der Stricker in einer andern Parthie 
seines Gedichtes nach französischer Quelle gearbeitet hat, so wird die größte 
Wahrscheinlichkeit die Ansicht haben, die auch hier ihn französische Quellen 
benutzen lässt, es müßte denn nacbgewienen werden können, daß der Stricker 
ein deutsches Gedicht in dem Maße sclavisch abschrieb, wie es bei der Annahme 
einer gemeinsamen Quelle für ihn und die Chronik nothwendig wäre. — Zu den 
Bearbeitungen des GuiUavme nn court tiez ist die vorwolframische nur in Bruch- 
stücken erhaltene niederrheinische nachzutragen, die den treuen Anschluß an 
das französische Original beim ersten Blicke zeigt (vgl. Roth, Denkmähler der 
teütschen Sprache, München 1840, S. 79 — 96). — Das sechste Capitel betrachtet 
die niederländische Karlssage (S. 135 — 146), deren Abhängigkeit von der alt- 
französischen Poesie der Verfasser mit Recht gegen den Patriotismus d^ Nieder- 
länder behauptet. In Hinsicht auf den niederländischen Meinet, der nur in der 
großen Compilation des nrh. Dichters erhalten ist, meint G. Paris, meine An- 
nahme, derselbe gehöre noch dem 12. Jahrhundert an, setze ihn wohl zu frühe an; 
er gehöre erst etwa der Mitte des folgenden. Wäre das französische Original 
der niederländischen Dichtung bekannt, so würde dies entscheiden: da es aber 
verloren ist, so kann nur die Beschaffenheit des erhaltenen maßgebend sein. 
Nun weist aber, wie ich an einigen Beispielen gezeigt habe (S. 252), der er- 
haltene Text auf stellenweise verwischte Assonanzen hin, mithin auf eine Zeit, 
da noch die Assonanz neben dem genauen Reime galt, d. h. auf das 12. Jahr- 
hundert. Diese Erwägung und nicht die bei Albericus vorkommende Beziehung, 
die sich, wie ich gern einräume, auf ein französisches Gedicht besieht, war 

16* 



228 LITTERATÜR. 

der Grund meiner ZeitbeBÜmmung. — Den Fragmenten des nieder!. Garin 
ist beizufügen das von C. Hofmann in den Sitzungsberichten der Münchener 
Akademie (1861, II, S. 59 — 74) veröffentlichte, welches zu derselben Handschrift 
wie die Gießner gehörte. — Das siebente Capitel führt nach dem skandinaTischen 
Norden, dessen hierher gehörige Denkmäler auf französischen zum Theil yer- 
lorenen Quellen beruhen. Nicht minder verrathen die altenglischen Gedichte, 
von denen das achte Capitel handelt , den französischen Ursprung deuÜiclL 
Wichtiger als dieses sind die beiden folgenden, die die Karlssage in Italien 
und Spanien betrachten. Namentlich bedeutsam ist die italienische: der Verfasser 
zergliedert die in den drei vielfach besprochenen Handschriften enthaltenen Ge- 
dichte, die theils nur von italienischen Schreibern herrührende Umschreibungen 
aus dem Französischen, theils selbständige Dichtungen in einem mit Italianismen 
stark gemischten Französisch sind. Sodann sehr eingehend die Reali di Francia 
und ihre Quellen, so wie endlich die modernen italienischen Dichtungen bis auf 
den rasenden Roland herab. Beachtenswerth ist, was der Verfasser über die 
Existenz einer eigenthümlich tendenziös gefärbten italienischen Epopee sagt 
Übersehen ist das italienische Gedicht del re Fierabraccia j das aus 13 Gesängen 
in Ottave rime besteht, und von welchem Paul Heyse (Romanische Inedita 
S. 131 — 158) Fragmente hat drucken lassen. Die Handschrift, dem 15. Jahr- 
hundert angehörend, befindet sich auf der Bibliotheca Riccardiana. 

Nachdem so im ersten Buche die Quellen kritisch gesichtet sind, gibt 
das zweite (S. 219 — 429) die sagenhaften Berichte selbst; dem Lebensgange 
Karls folgend, anhebend mit den Sagen über seine Ahnen, und schließend mit 
dem Tode des Kaisers. Die Berichte über Karls Jugend und seinen Aufenthalt 
in Spanien gibt der Verfasser vollständiger als ich in meinem Buche über 
Karlmeinet, wo mir manches, wie die Cronica general Je Espana^ nicht zugäng- 
lich war: die von mir übersehene Venezianer Handschrift konnte auch Paris 
leider nur nach den von Keller gegebenen Rubriken analysieren. Den Bericht 
des Strickers betrahctet der Verfasser als auf mündlicher verdunkelter deutscher 
Überlieferung beruhend. Zunächst folgen die Kriege mit den Sarazenen, in 
Italien, in Spanien, namentlich die über die Roncevalschlacht, die Kriege gegen 
die Sachsen etc. Bei der Bestrafung des Genelun hätte die abweichende Er- 
zählung der Jüngern Texte des Rolandsliedes (B und C) und des diesen fol- 
genden Strickers von seiner Gefangennehmung durch Otto erwähnt werden sollen 
(vgl. Germania 6, 29 — 43). Das fünfte Capitel enthält Karls Kämpfe mit den 
Vasallen: ein besonders reicher Stoff. S. 319 richtet sich der Verfasser gegen 
die bisher bei Deutschen und Niederländern geltende Ansicht, daß die Sage 
von Karl und Elegast eine deutsche sei und daß das Gedicht auf keiner fran- 
zösischen Quelle beruhe. Dankenswerth ist hier zunächst der Nachweis, daß 
das französische Gedicht von Jehan de Lason (noch ungedruckt) in Basin eine 
Persönlichkeit darbietet, die sich mit dem Elegast des niederländischen Gedichtes 
deckt. Demnach kann, da Albericus an der bekannten Stelle keinen Namen 
nennt und da derselbe, wie Paris mit Recht (gegen mich und andere) behauptet, 
sich sonst immer auf französische Dichtungen bezieht, wohl kein Zweifel walten, 
daß er auch bei dieser Erwähnung eine französische Überlieferung im Auge hat. 
Aber damit ist noch nicht bewiesen, daß das uns erhaltene niederländische Ge- 
dicht auf französischer Quelle beruhe. Zwar das sonstige Verhaltniss der nieder- 
ländischen Poesie zur altfranzösischen scheint darauf zu fuhren. Indessen wider- 
strebt der abweichende Name des Helden: Elegast im niederländischen. Basin 



LITTERATÜR. 229 

im firanzösisehen Gedichte. Paris meint, es sei der französische Name vom 
niederländischen Bearbeiter durch den eines sprichwörtlich bekannten Meister- 
dtebes ersetzt worden (S. 142); aber ich wüsste nicht, daß dieser Fall sonst 
durch Beispiele zn belegen wäre. Elegast ist ein mythischer Name: Karl er* 
scheint hier wie auch sonst in Verbindung mit mythischen Gestalten. Nun ist 
ein bekannter Zug der Sagenentwickelung, daß an Stelle der mythischen Namen 
historische treten. Die französischen Chansons do gestes zeigen überhaupt eine 
Abneigung gegen das mythische Element der Karlssage ; mehrere mythische Züge 
haben sich nur in Deutschland erhalten. Sonach scheint mir nicht zweifelhaft, 
daß der Name Elegast in dieser Sage der ursprüngliche, Basin aber der sub- 
stituierte ist. Den deutlichsten Beweis, daß die Sage von Elegast in Deutschland 
heimisch war, liefert eine mitteldeutsche Bearbeitung, welche dem Verfasser 
wohl noch nicht bekannt sein konnte. In der Germania 9, 323 — 337 hat 
F. Bech Mittheilungen über dieselbe aus einer Zeitzer Handschrift gemacht. 
Der Inhalt weicht \on dem niederländischen Gedichte so stark ab, daß eine 
Entlehnung aus demselben nicht angenommen werden kann. Auch hier heißt 
der Dieb Elegast: wäre nun auch hier eine französische Quelle anzunehmen, 
so müßte man sich wundern, daß auch dieser deutsche Dichter auf den Gedanken 
kam, den Basin durch Elegast zn ersetzen. Ich kann also nicht umhin, an der 
bisherigen Ansicht festzuhalten. Bemerken will ich noch, daß Jonckbloets Aus- 
gabe des niederländischen Gedichtes (1859) nirgend erwähnt ist. — Das sechste 
Capitel behandelt den Zug nach dem Orient; das siebente gibt interessante 
Details über die Berichte der poetischen Quellen von Karls Äußerem; das achte 
zergliedert die Sagen von Karls Frauen und Geliebten, das neunte die von seinen 
Kindern , das zehnte von seinen Brüdern und Schwestern , das eilfte von den 
zwölf Paira, das zwölfte von seinen fürstlichen Zeitgenossen, das letzte von 
KarU Alter und Tode. • 

Das dritte Buch 'Wahrheit und Dichtung' (S. 431 — 464) betrachtet in 
einem einleitenden Capitel das mythische Element der Karlssage, welches nicht 
bedeutend ist und sich auf einige in der deutschen Sage stärker hervortretende 
Züge beschränkt; leider findet der Verfasser hier geruhte Ursache, die Phan- 
tastereien eines deutschen Gelehrten, der Karl alles Ernstes als verdunkelte 
Grottheit betrachtet, zu persiflieren. Die historische Grundlage ist noch in der 
Dichtung zu erkennen, wenn auch natürlich ein historischer Werth den Dich- 
tungen nicht beiwohnt. Der Verfasser geht den geschichtlichen zu Grunde 
liegenden Daten nach und zeigt, daß, wenn auch die Poesie in idealem Sinne 
das was der Kaiser theils wirklich vollendet, theils nur erstrebt hatte, aus- 
führt, sie sich doch im Princip in Einklang mit der Auffassung der Geschichte 
befindet. 

Dem Verfasser haben zahlreiche ungedruckte Quellen in den Schätzen 
der kaiserlichen Bibliothek zu Paris zu Gebote gestanden. Die Benutzung der- 
selben verleiht dem Buche einen erhöhten Werth. Aber auch die gedruckte 
Litteratur ist beinahe erschöpfend benutzt; dem ganzen Werke merkt man die 
ernste und fleißige Forschung auf jeder Seite an. So schließen wir mit unserem 
Danke für die schöne Leistung, die auch für die deutschen Gelehrten eine 
Wichtigkeit hat und daher mit Fug in einer den germanistischen Studien ge- 
widmeten Zeitschrift besprochen werden durfte. 

ROSTOCK, im December. KARL BARTSCH. 



230 LITTERATTJR. 

Die Magdeburger Fragen herausgegeben von Dr. J. Fr. Behrend. Berlin, 
Verlag von F. Gattentag (Guttentag und Vahlen). 1865. 8. (L, 300 SS). 

Das Magdeburger Recht und sein Schicksal liefert den Stoff zu ebenso 
anziehenden Untersuchungen als lehrreichen Ausfuhrungen. Es wäre daher sehr 
wünschenswerth , daß der Gegenstand bald seinen Bearbeiter fände, nachdem 
die Eröffnung bisher unbekannter Quellen und die bessere Fassung bereits vor- 
handener das Unternehmen ermöglicht haben. Verschiedene Kräfte waren in den 
letzten Jahren gleichzeitig in dieser Richtung thätig; Wasserschieben und Stobbe 
haben eine Reihe von Urtheilsammlungen veröffentlicht, Bischoff verdanken wir 
die genaue Kunde von Sammelwerken, welche in einzelnen von ihm beschrie- 
benen Handschriften enthalten sind. Laband hat im Jahre 1863 das Magdeburg- 
Breslauer systematische Schöffenrecht kritisch herausgegeben und damit zugleich 
eine neue Ausgabe der Kulm unnöthig gemacht. Zur selben Zeit endlich, da 
Steffenhagen in einer Abhandlung eine neue Ausgabe der 1603 zuletzt gedruckten 
'IX Bücher Magdeburger Rechtes oder der Distinctionen des Thomer Stadt- 
schreibers Walther Eckhard! von Bunzlau verspricht, erschien die oben genannte 
treffliche Ausgabe des Buches der Magdeburger Fragen. 

Unter diesem Namen begreift man ein Werk, worin wirkliche auf Anfritgen 
gesprochene Urtheile und Rechtssätze, welche in diese Form gebracht wurden, 
nach einem zu Grunde gelegten Systeme sich zusammengestellt finden. Zu 
Stande kam das Werk nicht vor dem Jahre 1386 und nicht nach dem Jahre 
1402, da in diesem Jahre das Buch des Thorner Stadtschreibers vollendet wurde 
und darin unser Werk bereits benützt ist. Wie Behrend evident nachweist, hat 
der Autor der Magdeburger Fragen seinen Stoff nicht zu Magdeburg selbst an 
der Quelle der Ujchtsprechung gesammelt, sondern bereits vorhandenen Samm- 
lungen und zwar mit Ausnahme von nur fünf Stellen drei namhaft gemachten 
Werken, worunter auch der Kulm sich befindet, entnommen. Die Zuthat des 
Verfassers beschränkte sich auf die systematische Anordnung (vgl. hierüber 
p. XLI ff.), die indeß nicht ohne Verdienst war, wie der Erfolg des Buches, 
die zahlreiche handschriftliche Vervielfältigung darthut. Über die Persönlichkeit 
des Verfassers ist nichts bekannt; gelebt und geschrieben hat er nach alter 
Überlieferung in Preußen, was auch Behrend annimmt, da lauter preußische 
Compilutionen dem Werke zu Grunde liegen. 

Für die Ausgabe hat Behrend nicht weniger als ein und zwanzig Texte 
benützt. Von diesen gehören acht dem Buche der Magdeburger Fragen selbst an, 
während der andere Theil andere Sammlungen magdeburgischen Rechtes ent- 
hält, welche letztere von dem Herausgeber nach Ort und Zeit der Entstehung 
auf das Eingehendste untersucht wurden, und deren wechselseitiges Verhältniss 
in Tabellen veranschaulicht wird, p. VII — XXX. Als Grundtext ist eine Hand- 
schrift der Leipziger Stadtrathsbibliothek gewählt. Abweichungen von ihrem 
Wortlaut hat sich der Herausgeber nur da erlaubt, wo sie ganz unbedenklich 
erschienen; Qberdieß sind sie durch cursive Schrift angedeutet. Für Varianten 
wurden fünf weitere Handschriften besonders benützt, die übrigen dagegen nur 
ausnahmsweise herangezogen. — Vor jeder Distinction verweist die Ausgabe 
auf die entsprechenden Stellen der Parallelsammlungen. 

Um den Anforderungen, welche gestellt werden könnten, in jeglicher Be- 
ziehung zu entsprechen, hat Behrend außerdem drei Beilagen hinzugefugt. Die 
erste bietet Proben der lateinischen Übersetzung der Magdeburger Fragen, 
welche sich in einer Handschrift der Danziger Stadtbibliothek befindet, und 



LITTERATÜR. 231 

worüber p. XL VIII, 6 zu Tergleichen ist. Die andere gibt diejenigen abwei- 
chenden Redactionen von vier und sechzig Urtheilen in sechs andern Samm- 
lungen, deren Mittheilung in den Noten aus Mangel an Raum unmöglich war. 
Mehrere liegen in zweifach, eines sogar in dreifach verschiedener Fassung vor. 
Die dritte Beilage endlich enthält diejenigen Schöffenurtheile aus einer Parallel- 
sammlung von einer am Ende des vierzehnten Jahrhunderts wahrscheinlich zu 
Krakaa entstandenen Sammlung (Dr. p. XIII ff.), welche sich weder in letzterer 
noch im Buche der Magdeburger Fragen finden. 

Den Schluß bildet ein durch Vollständigkeit ausgezeichnetes Glossar, ein 
Register der Eigennamen und ein Vcrzeichniss der Kalenderbestimmungen in 
der Reduction auf unsere Datierungs weise. — Das Buch der Magdeburger Fragen 
tritt in Folge dieser Ausgabe in die Reihe der bestedierten Rechtbücher ein; 
wer aus der Quelle künftig schöpft, wird dankbar des Urhebers der einladenden 
und bequemen Fassung gedenken. 

WIEN. SIEGEL. 

Kooh, C. Friedr., Die Satzlehre der englischen Sprache. (A. u. d. T.: Histo- 
rische Grammatik der englischen Sprache. Bd. II). Cassel und Göttingen, 
G. H. Wigand, 1865. XXIV und 521 SS. 8. 

Wie der erste Band dieser historischen Grammatik der englischen Sprache, 
der im Jahr 1863 bei Böhlau in Weimar erschien, die historische Entwickelung 
der Laut- und Flexionslehre darstellte, so sind in dem jetzt vorliegenden zweiten 
Bande in gleicher Weise die syntaktischen Formen nach streng historischer 
Methode behandelt, und durch diesen zweiten Band hat der Verf. seinem ver- 
dienstvollen Werke die Krone aufgesetzt. Während Mätzner in seiner nunmehr 
gleichfalls vollendeten trefflichen Lehre von der englischen Wort- und Satzfügung 
vom Neuenglischen ausgeht, dieses nach den erst durch Abstraction gewonnenen 
logischen Verhältnissen ordnet und an die syntaktischen Formen, die sich im 
Neuenglischen befestigt haben, in rückwärtsschreitender Ordnung die entspre- 
chenden altenglischen, halbsächsischen und angelsächsischen anschließt, legt 
Koch das wirklich Vorliegende, das Wort und den Satz nach Begriff und Form, 
die grammatischen Begriffe und Formen zu Grunde, und indem er von den ältesten 
Formen, wie sie im Angelsächsischen vorliegen, ausgeht und deren Weiterbildung 
unter Zutritt und Einfluß des Romanischen durch die verschiedenen Übergangs- 
perioden hindurch bis zum Neuenglischen streng historisch nachweist, gibt er 
uns ein klares und anschauliches Bild von der allmälichen Entwickelung des 
Satzes und seiner Formen und lässt uns zugleich die Gesetze erkennen, nach 
denen dieselbe erfolgt ist. Die Bedeutung bleibt oft, aber oft wird das Wort 
auf entsprechende Gebiete übertragen; oft ändert sich auch die Bedeutung und 
damit die Rection; verschiedene Wörter von verschiedener Bedeutung gelangen 
auf mannigfachen Wegen zu gleicher Bedeutung und stehen dann sich gegen- 
seitig beschränkend neben einander oder das eine verdrängt das andere. Die 
Formen bleiben selten dieselben; wenn sie schwinden, so werden sie gewöhn- 
lich in sehr verschiedener Weise ersetzt; eine Form spaltet sich und die Spal- 
tungen theilen sich in den Besitz der Einheit; verschiedene Formen fließen in 
eine zusammen, so daß diese mehrfache Bedeutung hat und bei scheinbar 
gleicher Bedeutung verschiedene Rection; die alten ursprünglichen Formen 
reichen für die fortschreitende geistige Entwickelung nicht aus und neue ent- 
wickeln sich im Geiste der Sprache, oder alte, in denen sich eine bestimmte 
Bedeutung entwickelt hat, werden in freierer Form wieder anders verwendet. 



232 LTTTERATUR. 

Mit einem Worte, die historische Methode des Verf. verbunden mit seiner 
Anordnung des Sprachstoffs nach den grammatiBchen Begriffen und Formen fuhrt 
uns naturgemäß in die gegenwärtige Sprache hinein, gewährt uns einen Einblick 
in dieselbe und lässt uns ihre Formen als nothwendige Entwickelungen begreifen, 
die zwar von fremden Einfluß en vielfach berührt, aber selten beeinträchtigt, 
in germanischem Oeist erfolgt sind. Die abstract logische Anordnung der syn- 
taktischen Verhältnisse dagegen, so große Vorzüge dieselbe auch bei der Dar- 
stellung einer einzigen Sprachperiode hat, wirkt nur beengend, sobald sich die 
Darstellung auf mehrere Sprachperioden erstreckt, stört die Continuität der 
Entwickelung und erschwert es, ein klares Bild von dem historischen Grange 
der Sprache zu gewinnen : sie stellt mannigfaltige Formen in gleicher oder nahe- 
liegender Bedeutung neben einander und es ist nicht ersichtlich , wie die ur- 
sprüngliche Verschiedenheit sich mindert und in die einheitliche oder ähnliche 
Bedeutung übergeht; sie wiederholt dieselben Formen als Ausdruck der ver- 
schiedensten logischen Verhältnisse und es wird nicht klar, wie sich die ur- 
sprünglich einheitliche Bedeutung spaltet und verzweigt oder wie die enge Be- 
deutung sich erweitert und ausbreitet; ältere Formen schwinden und man sieht 
nicht, ob sie überhaupt aus dem Gebrauche schwinden oder nur in der vor« 
liegenden bestimmten Bedeutung aufhören; neue Formen tauchen auf und die 
Veranlassung ihrer Verwendung ist nicht wahrzunehmen: solche Übelstande 
können nur durch weitere historische Erklärungen oder durch stete Hinweisungen 
beseitigt werden. 

Wenn also auch beide Methoden, die von Koch und die von Mätzner 
befolgte, bei der Darstellung der syntaktischen Verhältnisse ihre wissenschaft- 
liche Berechtigung haben, so gebührt doch, sobald es sich um Erkenntniss der 
allmälichen Entwickelung einer Sprache handelt, der rein historischen Behandlung, 
wie sie in Kochs Satzlehre vorliegt, unbezweifelt der Vorzug, und wir können 
nicht umhin, auf das entschiedenste anzuerkennen, daß dem Verf. die Lösung 
seiner Aufgabe in glänzendster Weise gelungen ist. Auf gar manche Erscheinung 
der englischen Sprache ist durch diese Behandlungs weise ein neues Licht ge- 
fallen und zum erstenmal sind hier Schwierigkeiten gelost, deren befriedigende 
Lösung bisher vergeblich versucht wurde: so z. B. , um nur einige Punkte 
hervorzuheben, bei dem Verbalsubstantiv auf -ing (§. 96), wo der gegenwärtige 
Sprachgebrauch als in beginnender Verwirrung begriffen nachgewiesen ist, bei 
der Verwandlung activer Sätze mit präpositionalem Object in passive (§. 150), 
bei der Einordnung der Parti cipialsätze in die Construction anderer Sätze (§. 160), 
bei der Conjunction pät daß (§. 514 ff.), bei den Relativsätzen mit nachste- 
hender Präposition (§. 484) und so noch in vielen anderen Fällen. 

Bei diesen großen Vorzügen des hier besprochenen Buches brauche ich 
nicht zu fürchten , daß seiner günstigen Aufnahme und der allgemeinen Aner- 
kennung seiner Verdienste im Geringsten Eintrag geschehe, wenn ich hier im 
Interesse der Sache eine Reihe von Einzelheiten aufzähle, in denen theils Ver- 
sehen zu berichtigen sind, theils Nachträge nöthig erscheinen, theils eine andere 
Deutung zulässig ist: einiges sind bloße Druckfehler. 

§. 5 sind zwei verschiedene ags. Verba meltan mit einander vermengt, 
im ersten Beispiel das intransitive starke meltan (mealt) und im zweiten das 
causative schwache meltan {melte)y während sie in §. 13 richtig unterschieden sind. 

S. 3, Z. 15 — 17 haben alle drei Stellen das intransitive vinnan; das zweite 
Beispiel lautet im MS. hine manige ofi • . . vinnad (d. i. on hine) und das dritte 



LTTTERATÜR. 233 

Beispiel ist za übersetzeD : 'warum soll ich mich abmühen • Transitiv ist das 
Verbam in der Bedeutung pati^ sufferre. 

§.11) c) vermag ich in keinem der Beispiele etwas Factitives zu erkennen. 

§.15: vinan gehört unter §. 16, da hier me nur Dativ sein kann. 

§.16: awakien, fleonn, hilefenn^ risenn sind einfach die ags. äoacian, fleön^ 
hitifan^ risan und die angenommene Vermengung mit den Factitiven fand nicht statt. 

§.17 (S. 18): bei recche fand keine Vermengung von rican (röhte) mit 
reectm (rehte) statt, da schon im Angelsächsischen als Nebenform riccan neben 
recon ganz wie sSccan neben sican und wie auch sonst öfter Consonantengemi- 
nation nach langem Vocal sich geschrieben findet. 

§. 24: durran ist nicht unter die Hilfsverba zu rechnen, sondern in allen 
angefahrten Beispielen volles Begriffsverbum. 

S. 50 — 51 ist der von Dietrich in H. Z. XI, 444 f. fOr das Angelsächsische nach- 
gewiesene Gebrauch des Plural mit dem Singular des Verbums unerwähnt geblieben 

§. 77 f. vermisst man die Erwähnung des Gebrauchs von to mit unflec- 
tiertem Infinitiv im Angelsächsischen, wie er dem goth. du hindan entspricht 
und in meinem Sprachschatz n, 541 nachgewiesen ist. — In der Endung ^anne 
des flectierten Infinitivs (Gerundiums) soll nn bloß ans euphonischen Gründen 
für einfaches n stehen, indem bindanne dem Sanskritdativ handhanäya entspreche. 
Allein die volleren Formen der altsächsischen Beichtformel, wo der flectierte 
Infinitiv im Genitiv auf -annias und im Dativ auf -anna endigt, fuhren auf eine 
andere Deutung: diese Endungen sind aus -andjaSf -andja entstanden und Weiter- 
bildungen vom Stamm des Participium prsesentis; durch erweichenden Einfluß 
des j schliff sich nd ab in nn und das j selbst fiel wegen der leichteren Endung a 
zuerst im Dativ und dann später, wie die Heliandhandschriften zeigen, auch 
im Genitiv aus; einen ähnlichen Entwickelungsgang haben wir natürlich auch 
für die übrigen deutschen Sprachen anzunehmen. 

S. 73: eglian gehört nicht hierher; denn nach den von Lye angeführten 
Stellen htm eglede und gif men (homini) innan vyrmatt eglian (vgl. auch Dan. 344) 
regierte eglian den Dativ, was auch der Grundbedeutung lästig sein entspricht. 

§• 105: zu den hier aufgezählten Verbis kommt noch racian (Sprach- 
schatz II, 362). 

S. 83: wie tve6nan wurde auch toeögan persönlich und unpersönlich gebraucht. 

§• 110 — 114 gehört nicht unter den Dativ, sondern unter den Instru- 
mentalis, wie ja auch im Lateinischen bei Verbis mit dem Ablativ bei Form- 
gleichheit dieses Casus mit dem Dativ Niemand sagt, sie regierten den Dativ. 
Ohnedies ist der angelsächsische Instrumentalis §. 116 — 117 nicht erschöpfend 
bebandelt: vgl. Jos. Kress über den Gebrauch des Instrumentalis in der ags. 
Poesie, Marburg 1864. 

§. 123, Z. 2: vielmehr <et acc. (esum) von vtsie abhängig. 

§. 150, b): die Stelle aus Adrian und Ritheus gehört nicht hierher; 
of pe ist wohl verlesen für oppe (oder), da in Kemble^s Ausgabe ohne weitere 
Bemerkung n/fde steht und dies auch dem Sinne der Frage weit angemessener 
erscheint. Ebenso ist daher diese Stelle auch S. 403, Z. 1 — 2 v. u. zu streichen. 

§• 168: nicht bloß sunne^ sondern auch eorde und hell kommen im Angel- 
sächsischen ebensowohl mit als ohne Artikel vor. 

§. 235, Z. 2: lies ashtspidriga. 

§. 266 (S. 193): päa beim Comparativ bedeutet eigentlich in Folge da- 
von, deshalb . 



234 LITTERATUR. 

§. 269 (S. 196) wird besser getrennt an forlcßted geschrieben. 

§.270 blieb die Form tu und ihr Gebrauch unerwähnt. 

§. 274 nicht wirklicher Dativ, sondern Instrumentalis. 

§. 278: die Form humlred findet sich auch schon im Angelsächsischen, 
z. B. bei Alfrik und sonst. 

§.201, Z. 7: lies losad. 

§. 280: ähnlich schon im Angelsächsischen, z.B. Ps.118''', B.2195, Sal. 13. 

§. 290: es hätten auch Fälle, wo feia selbst Genitiv, Dativ oder Instru- 
mentalis ist, aufgezählt werden sollen (s. Sprachschatz). 

§. 294: die Form hvan in dieser Bedeutung ist unbelegt; hodn habe ich 
nirgends aufgestellt, sondern nur ko6n; vgl. hoine. 

§. 299: ve als Majestätsplural findet sich schon Beov. 958, 1652. 

§. 311: pec ist kein Dativ, sondern nur Accusativ; bid pec mite = mited 
pec (Dietrich) : also keine Vermengung von pe und pec ; die Accusative me und 
pe sind einfach Abschwächung von mec und pec ; ebensowenig ist bei den 
Accusativen us und eoo die Form des Dativs für den Accusativ eingetreten, 
sondern die vollere Form des Accnsativs ist verkürzt und so der Accusativ 
dem Dativ gleich geworden. 

§.352, Z. 3 : lies fnrg^jneledsige. 

§. 365: cf/r, auch eahi (Gen. 4**) und alc (Ps. Th. 47*') geschrieben. 

S. 291, Z. 2: das Beispiel gehört wohl nicht hierher, sondern der Genitiv 
hängt direct von moryenleöht ab: 'das Morgenlicht des andern Tages . 

§. 382 (oder §. 380) war die Verbindung csnige pingOf ncenigi pingu mit 
aufzuführen. 

§. 387: es fehlt hvene beim Comparativ: um ein Weniges . 

S. 305, Z. 15 und §. 304: genöh ist nicht Adverbium, sondern ebenso 
gut wie fela, fyt^ mycel (S. 500) und ähnliche wirklicher Accusativ. 

S. 306, Z. 4 V. u. lies on idel, 

8. 307, Z. 10: lies leorningcnyhlum dsundron, 

S. 317, Z. 1 — 3: t6 pam^ to päs u. s. w. sind getrennt zu schreiben. 

§. 396, 17 — 18 und §. 397, 21: purh^ under, vid sind als Adverbia iu 
meinem Sprachschatz belegt. 

S. 320, Z 1 und S. 501: wohl eher Compositum mvi iu'-magifier \ vgl. 
jedoch auch das fater ?res mines des Hildebrandsliedes. 

§. 401 : ebenso werden ags. hvär^ pär (Sat. 326) und tllor mit dem localen 
Genitiv verbunden, der sich übrigens auch als partitiver Genitiv auffiissen lässt 

§. 410: ags. on/oran steht Ps. 113'*'^ adverbial in der Bedeutung vorn'. 

S. 370 unten lies inid eallP, 

§. 435, II: purh c. dat. (inst.) ist besonders häufig in Älfriks Homilien. 

§. 439 gehört kaum hierher, und so noch manches andere, was unter 
den uneigentlichen Präpositionen aufgeführt ist. 

§. 448 : ebenso auch aror ; gehende ist reines Adjectiv und nicht als Prä- 
position zu fassen. 

§. 450 : til ist nicht adjectivische , sondern substantivische Präposition 
(vgl. nhd. Z/e/); übrigens ist sie nicht erst aus dem Nordischen in das Angel- 
sächsische eingedrungen, sondern altes £igenthum wenigstens des Northumbri- 
Bchen, da sie schon in der Runeninschrift des Kreuzes von Rnthwell {äffelt til 
(ttnum) vorkommt. 

§. 484, Z. 8 — 9: lies in yemonge (im Gemenge). 



LITTEBATÜR. 235 

§. 489: aach in der Form ond'^ meist ist es in den Handschriften bloß 
durch das bekannte Zeichen ausgedrückt. 

§.511: es ist pär mit dem Conjunctiv (wofern^ si) unerwähnt geblieben. 

Außerdem wird ohne Zweifel, wie es bei einem erst bahnbrechenden Werk, 

in welchem ein so weitumfassender Stoff zu sichten und zu bewältigen war, 

nicht anders zu erwarten ist, die vorliegende historische Satzlehre besonders 

hinsichtlich der älteren Sprachperioden noch manche Erweiterung und Verbesserung 

erfahren, wenn dem Verfasser Gelegenheit zur Bearbeitung einer zweiten Auflage 

wird vergönnt werden. Aber auch schon in der jetzigen ersten Gestalt hat sie 

Großes geleistet und verdient als würdiges Denkmal deutschen Forschergeistes 

und deutschen Fleißes unsern lebhaftesten Dank. 

CASSEL, am 6. Januar 1866. C. W. M. GREIN. 

Proben eines Wörterbuches der österreichischen Volkssprache von H. Ma- 
reta. Zweiter Versuch. Sonderabdruck aus dem Jahresberichte des Gym- 
nasiums zu den Schotten in Wien. Wien 1865. 8. 72 S. Commissionverlag 
von C. Gerold's Sohn. 
Schon im Jahresberichte des Schottengyminasiums von 1861 hatte d. Vf. 
Proben eines Wörterbuches der österreichischen Volkssprache mitgetheilt Da- 
mals berücksichtigte er jedoch nur die lebende Volkssprache, deren Erscheinungen 
er ans der altem Sprache zu erklären bemüht war. Seitdem gelangte er zur 
Einsicht: daß auf diesem Wege eine Arbeit von wirklich wissenschaftlichem 
Werthe nicht zu Stande kommen könne. „Es stellte sich als unerlässlich heraus, 
die ganze Entwickelung der Österreichischen Sprache vom 13. Jhd. bis auf die 
Gegenwart, soweit dieses durch die vorhandenen Quellen ermöglicht wird, nach- 
zuweisen.** — Er iieng daher an, „die gesammte österreichische Litteratur, be- 
sonders aus dem 14., 15., 16., 17. Jhd., auszuziehen,** wobei ihn Schüler un- 
terstützten, so daß er bereits eine Sammlung von 100.000 Zetteln angelegt hat. 
— In Bezug auf vorliegende Veröffentlichung sagt der Verf. : . es handelte sich 
zunächst darum, die Berechtigung meiner Arbeit neben dem großartigen Werke 
Schmellers nachzuweisen. Deshalb wählte ich fOr diese Proben die Buchstaben 
R und S, weil diese von Schmeller am ausführlichsten behandelt sind, und be- 
arbeitete hauptsächlich solche Artikel, die bei Schmeller ganz fehlen 
oder für die ich wesentliche Ergänzungen oder wenigstens Erweiterungen zu 
Schmeller habe.** — Umfangreichere Artikel sind ganz weggeblieben, da nur 
einige wenige derselben fast den ganzen zu Gebote stehenden Raum ausgefüllt 
hätten. ,,Die Anordnung der Artikel ist die von Schmeller eingeführte,** da M. 
eine andere für unmöglich hält. 

Vor allen Dingen haben wir uns zu freuen, daß ein Mann von dem Fleiße 
und der Ausdauer M.'s entschlossen ist, an ein Werk Hand anzulegen, wie das 
hier beabsichtigte , der nach jahrelangem fleißigen und erfolgreichen Sammein, 
das wir schon aus dem Gegenwärtigen würdigen lernen, die Arbeit nicht ab- 
schließt, sondern mit Ernst darauf ausgeht, etwas von Grund aus Erschöpfendes, 
soweit es möglich ist, zu Stande zu bringen. Wir können uns bei diesem 
^zweiten Versuch" ferner nur in hohem Grade über den Fortschritt freuen, 
den derselbe in Vergleich zu dem ersten beurkundet, indem er Zeugniss gibt 
von der fleißigen Benützuag älterer Schriftstücke. Das Quellenverzeichniss , das 
beigegeben ist, gibt nur die Titel derjenigen Schriften, die ausgezogen und 
in den Artikeln der vorliegenden 72 Seiten starken Proben aus R und S citiert 
sind, und umfasst nher 6 Seiten, was allein schon auf den Umfang der unter- 



236 LITTEBATÜB. 

nominellen Arbeit schließen lässt Ich möchte mir za demselben, da Tiele Schriften 
angeführt sind, die aoßer Oäterreich, namentlich in Baiem gedmckt sind, deren 
Berechtigung unter österreichischen Schriften ich zu prüfen nicht in der LoLge 
bin , nur die Frage erlauben , ob der Herr Verf. sich über das Gebiet der 
Mundart, die er lexikalisch darstellen will, klar ist, d. h. ob er sich bestimmte 
Grenzen gesteckt hat. Zu dieser Frage berechtigt uns die Aufnahme von Robells 
oberbairibchen Liedern und dessen Gedichten in oberbairischer 
Mundart. Die natürlichen Grenzen der österreichischen Mundart fallen aller- 
dings mit den politischen nicht zusammen oder besser die Ostlechmnndart nm- 
schließt die oberbairische ebenso wie die von Tirol (ohne Vorarlberg), Steier- 
mark und dem Erzherzogthum Österreich, ja die Sprache unserer Residenzstadt 
steht der von München vielleicht näher als der Sprache des Landvolkes ob der 
Enns. Wenn daher Mareta ein Wörterbuch der gesammten markomannischen 
oder österreichischbiiirischen Mundart vor hat, so ist dagegen nichts einzuwenden, 
ja es wäre dies vom jetzigen Standpunkte der Wissenschaft aus viel eher zu 
rechtfertigen als Schmellers Vorgehn, bei dessen unvergleichlichem Werke wir 
das Einzige beklagen möchten, daß er die zufällig innerhalb der politischen 
Grenze Haierns begriffenen Mundarten, die er zwar als den oberrheinischen, 
den westlechischen und den ostlechischen Dialekt sehr gut zu unterscheiden weiß, 
zusammengenommen hat. Haben wir ihm hier wohl auch wieder, eben bei dem 
Hinübergreifen in alemannisches und mitteldeutsches Gebiet, manchen bedeu- 
tenden Fingerzeig zu danken, so erscheinen doch die beiden letzteren Mund- 
arten in seinem Werke wie ein fremdes, nicht hineingehöriges Element, das 
von einem andern Centrum aus betrachtet werden muß und dann erst richtig 
aufgefaßt werden kann. Hat, wie gesagt, Mareta ein Wörterbuch der Österrei- 
chischbairischen Mundart vor, dann müßten die benutzten Quellen in viel grö- 
ßerem Umfange die bairische Literatur berücksichtigen, er müßte auch wohl bei 
einer so groß gestellten Aufgabe über das 13. Jhd. zurQckgehen; die bairisch- 
österreichische Mundart fängt schon früher an, sich von den andern alten 
Mundarten zu unterscheiden. Dies scheint aber seine Absicht nicht, er beab- 
sichtigt ein Wörterbuch der österreichischen Volkssprache als einer 
Ergänzung zu Schmellers bairischem Wörterbuch, wie sich aus 
dem Titel und der Vorcrinnerung ergibt; dann ist die Aufnahme der Schriften 
Robells, so wie aller nichtösterreichischen Schriftstöcke auszuscheiden, und wären 
als die Grenzen, die sich das Wörterbuch stellt, demnach die politischen Grenzen 
Österreichs anzugeben, mit ausdrücklicher Ausnahme der alemannischen und 
mitteldeutschen Sprachinseln der Monarchie. Diesem Umkreise sind auch der 
Mehrzahl nach gegenwärtige Proben entnommen. Wenn wir hierin noch etwas 
wünschen möchten, so wäre es eine Einschränkung der moderLcn Belegstellen, 
die sich oft bei solchen Arbeiten anhäufen , ohne zur Charakterisierung der 
Wörter viel beizutragen ; hier nehmen sie neben den Stellen älterer Schriftstücke 
einen unverhältnissmäßig großen Raum ein *), — Ein noch eingehenderes Sta- 



*) Denselben Eindruck machen die Proben auch anf den Recen»ent«»ii der „Wo- 
chenschrift**, der sich noch viel stärker ausdrückt: „nur 6ines kömmt nns hier bedenk« 
lieh vor: die allsugroße Berücksichtigung, welche die sogenannten im Dialekt gepckrie- 
beiien Volksschriften wie Hans Jwgel^ Eipeldauerbriefe etc. . gefunden haben. Weit 
entfernt sie ausschließen zu wollen, glauben wir doch, daß sie erst in sehr spfiter Linie 
Berücksichtigung verdienen. Sie sind im Großen und Ganzen eine sehr unlautere Quelle; 
zudem gibt die zu große Berücksichtigung, welche sie in unserm Versuche gefunden, 
diesem das einseitige Aussehen eines Idiotikons dss Wiener Jargons." 



LITTERATÜB. 237 

dinm der altern Quellen, sowie auch der Vorarbeiten Schmellers, 
wird hier noch in so mancher Richtung Klarheit bringen. Mareta sagt zwar 
im Vorworte : die Etymologie sei diesmal für ihn mehr Nebensache gewesen ; 
zur richtigen Anordnung der Wörter, sowie zur richtigen Worterklärung ist sie 
unerlässlich und ergibtsich bei ausgedehnteren Quellenstudien oft von 
selbst, hätte sich hier auch manchmal bei genauerem Studium Schmellers ergeben. 

Einige Beispiele. 

Der Herr Verf. will die Anordnung Schmellers einhalten und halt eine 
andere für unmöglich. Gleich das erste Wort y,rab, adj. (ä: spr.) roh** hat aber 
Schmeller unter r — h eingereiht, nicht wie M. unter r — b. Letzteres ist kaum 
zu rechtfertigen, da das b doch nur eine Vergröberung des w ist, welches 
erst in der Flexion von mhd. ahd. ro zum Vorschein kömmt. — „*rablerisch, 
adj. fehlt bei Schmeller, Höfer, Lexer, Schmid, Schöpf; unordentlich, verwirrt^ 
etc. wäre unter rappeln j närrisch sein, einzureihen. Schmeller HI, 117 hat: 
rappeln , rappeldürr (dies könnte zu roppen rebeln , s. weiter unten , zu 
stellen sein), rappelköpßsch (vgl. nl. raoelen^ engl, rave, fr. river^ lat. raber e, 
wohin auch rabiat y Mareta S. 1 zu stellen ist). — „*rebach m. Nutzen^, das, 
als bei Schmeller fehlend, aufgeführt ist, wird von demselben freilich nur gele- 
gentlich (HI, 116: „jüdisch rebbes, rebbach**) erwähnt, aber lehrreich unter 
j^rappen m. Vortheil, Gewinn". — „*ieberl n. eine Teigmasse in Suppe einge- 
kocht" soll bei Schmeller fehlen. Es steht daselbst IH, Seite 4 mit einer Beleg- 
stelle aus Scheirers Dienstbotenordnung von 1500, die beachtenswerth ist (Ma- 
reta bringt kein älteres Zeugniss für das Wort bei): „ein Wassersuppen nach 
aintni sweinen smalz genanli ein räbl*^, — „rebeln^ die beeren abzupfen (^„die 
weinher rebeln** nennt man es, wenn die Trauben über einem Gitter hin und her 
gerieben werden, so daß die Beeren durchfallen. In Wolfs Zeitschrift für My- 
thologie n, 187 führte ich eine Art das Loos zu werfen an, wobei zwei Holz- 
stäbchen zwischen den flachen Händen » gerebelt** d. h. gewalzt werden, »»bis 
sie sich verschiedene Male getrennt haben, so daß der rebler nicht mehr wissen 
kann, wie sie liegen^^. „abzvpfen** ist demnach nicht der bezeichnende Ausdruck, 
obwohl ihn auch Schmeller anwendet) verweist Schmeller unter: der rappen d. i. 
der eutbeerte Traubenkamm, der geästete Traubenstengel IH. Bd. S. 117. — 
^rebellen und rebeller y wie Schmeller, dazu noch rebell (rewäll) m. Lärm**, rebell 
m. gehört aber zu fr. reoeille von revigilare^ während rebellen zu lat. rebellis zu 
stellen ist; ja rewäll ist nicht nur der Ableitung, sondern auch der Aussprache 
nach nicht in die Reihe r — b, sondern in die Reihe r — w zu stellen. Dieser 
Verstoß wirkt nachtheilig auf den ganzen Artikel, indem Ableitungen von beiden 
Wörtern durcheinander gemischt werden (z. B. in der Belegstelle: „'s ganze 
Dorf muß aufgrebeUt werden" ist das zweite Wort reveille-y in einer andern: 
«meine Zänt san rewällisch*^ ist das erste rebellis enthalten). — n*''id in den 
Redensarten alle rid und in oan rid** etc. wird, als bei Schmeller fehlend, mit 
einem Stern bezeichnet. Es steht daselbst IH. Bd. Seite 164, freilich nicht 
wie bei M. in der Reihe r — d, sondern unter r — t: ritt m. ^alle rid^ so oft 
man es darauf ankommen lässt, — jedesmal, jeden Augenblick". — »Vanc/m. 
kurze Zeit, Augenblick* soll bei Schmeller fehlen. Eis steht daselbst HI, 113 
unter rant: „a//e ranty alle Augenblicke, vgl. alle »traech^ alle ritt, alle bot". — 
^*r lenken m. (reanken) Stttck Brot" etc. soll bei Schmeller fehlen. Es steht HI, 
S. 111: „ein ranken ränkel, auch wohl renken oder ranken Brot". — „*selpert 
nlperter m. saure Milch" steht bei Schmeller XU, 233 allerdings nur in der 



238 LITTERATUK. 

Nebenform nelhern. — So ist ^^suminiren nachsinnen* doch wohl nur eine 
Nebenform von simulieren Schm. III, 248. — j^*8urm m. Menge*' wird auch 
zu türmen gesurm Schm. III, 281. 283 zu stellen sein. — „*schiengeln schielen* 
fehlt bei Schm. nicht; s. III. Bd. S. 320: „Kchiegkeln schengehj schielen **• — 
f^schame f. die Schanze, ital. scarfcia'* hätte M. S. 33 von schanze f. Glücksfall, 
fr. la Chance vollständig trennen sollen, wie dies bei Schm. III, 374 geschieht. 
— Zu y,* schlumpern schlumpl"^ das bei Schm. fehlen soll, vgl. daselbst m, 450 : 
schlumpen, die schlump. — Ebenso zu ^*schlung Schlund" Schm. m, 454: der 
schlunkf der Schlund. — „*spritzen a) Schimpf für Weiber, b) Feuerspritze* 
fehlt bei Schm. nicht, ja die Artikel daselbst HI, 594: 1. spritzen und eben- 
daselbst: 2. spTutzen (worunter 1. die spritzen hd. Spritze, 2. die sprützen, junges 
aufgeschossenes Mädchen) sind, bei aller gedrängten Kürze, sogar nicht un- 
wichtig. — Bei ft*stiiren stören, stöbern, stochern* Mareta S. 68 muß der 
Asterisk, der Wörter bezeichnen soll, die bei Schmeller fehlen (s. Mareta S. IV) , 
ein Druckfehler sein, denn hier hatte M. offenbar Schm. m, 656 vor Augen. 

— „Sil um m, a) Wasserfall, b) der Taubstumme* und ^Strumen: Schimpfen^ 
stellt Mareta S. 72 unter dinem gemeinsamen Stammworte zusammen, was kaum 
richtig ist. — Zu der utrumm Wasserfall lässt sich vielleicht ahd. ftrum strc- 
pitus stellen, Graff VI, 754 unter stmum Strom (Schmeller nahm III, 685 ein 
doppeiförmiges Ablautthema an: strivman stroum strum- und str^mon strelm 
strim-), Jedesfalls wäre hier eine größere Anzahl von Belegstellen erwünscht 
(M. bringt nur ^ine aus dem 17. Jh. bei), denn dies Wort fehlt allerdings bei 
Schmeller. — Davon zu trennen ist aber wohl der strumm: der Stumme (ob 
gerade nur der ^Taubstumme?"), das eine Nebenform sein könnte von stumme 
vgl. Loritza Idioticon Viennense p. 128: „der strummerl, in den Alpen ein Stummer 
oder Cretin" und auf derselben Seite unten: «der Stummerl, ein stummer Mensch*. 

— Dies Wort fehlt nun bei Schmeller nicht; er fuhrt es an III, 685 au9 
Hübners Beschreibung des Erzstifts Salzburg, wenn auch mit abweichendem 
Vocal: „der striem alriemel, die atrieminn, der, die Taubstumme*. — Zu strumm 
= stumm wären zu vergleichen: strumpf = stumpf Schmeller lll , 640. 686. 
Weinhold schles. Wb. 95. Sogar strute = siute, Meinert Ruhländchen s. meine 
Darstellung d. deutsch. Mundarten des ungr. Berglandes S. 166, 5. Lautlehre 
8. 221, 11. Schmeller Gr. §. 633. Wohl auch stützet =s striizel vgl. Grimm b. 
Haupt VII, 419 f. Schank = schrank^ brimsen = bimsen (binsen) Schm. Gr. 
§. 633. Erscheinungen, die an die alten Formen ags. speean neben sprechen, ags. 
sprSot, engl, sprit neben spiefz, ahd. wraso (?) neben rasen ^ wasen^ wmrcho (?) 
neben wocken und rocken etc. erinnern, s. Weigand-Schmitthenner II, 448. 
Grimm GDS. 220, 314 f. „strumen schimpfen*, zu dem auch nur ^ine Beleg- 
stelle neuesten Datums gegeben ist, gehört wohl eher zu ahd. strum strepitus 
und strumm Wasserfall, als zu strumm = stumm *) ; doch ist der Sprung vom 
Ahd. bis zum Jahre 1862 immer gefahrlich, wenn keine älteren Belege den 
weiten Zeitraum überbrücken. Bei alledem soll der Sammlerfleiß M.*s nicht ver- 
kannt sein, der ersichtlich wird, wenn man erwägt, daß das auf 72 zweispaltigen 
Octavseiten Enthaltene nur eine Auswahl aus den Buchstaben R und S gibt 
Er hat auch vorläufig nur Proben mitgetheilt und würde wohl bei einer wei- 
teren Ausarbeitung selbst gefunden haben, was ich in Obigem anmerkte. Daß 
ich es trotzdem nicht unterlassen konnte, ihn aufmerksam zu machen darauf, 



*) Wozu allerdings noch lat. strüma zu erwägen kommt. 



MISCELLEN. 239 

daß in uDserem Schmeller noch manches zu finden ist, das ihm entgangen, 

dies muß mir der verehrte Herr Verf. und Freund im Namen Schmellers schon 

nachsehen, und so schließe ich denn mit den aufrichtigsten Wünschen für den 

glucklichen weiteren Fortgang des begonnenen Werkes! 

WITTMANNSHOF bei Üngrisch-Altenburt; im. Sommer 1865. SCHRüER. 



MISCELLEN, 

ZUR GESCHICHTE DER DEUTSCHEN PHILOLOGIE. 

I. Briefe von Jacob Orimm. 

A. .1. GrimmB Briefe an Franz Pfeiffer. 

(Schluß.) 

21. 

Berlin 10 dec. 1857. 

Lieber freund, lange habe ich nichts von Ihnen gehört, kaum weisz ich 
Ton dem ersten cindruck, den Wien auf Sie machte, geschweige, da die Ver- 
hältnisse sich nun geordnet haben werden, von der Zufriedenheit mit Ihrer 
neuen läge, wie ich mir sie denke und sie wünsche. 

Den dank für meister Eckhart *) habe ich freilich auch noch nicht ab- 
gestattet, es ist ein mühsames, groszes, bleibendes werk, leicht stimme ich Ihnen 
darin bei, dasz er ein ausgezeichneter, feiner denker war, dessen bcdeutung in 
andrer zeit tief durch die weif hätte dringen können, er widerlegt auch das 
vorurtheil dasz deutsche spräche im 14 jh. gesunken und zu grund gegangen 
sei , denn wie gelenkig weisz er sie zu handhaben und wie viel schöne wÖrter 
und ausdrücke treffen sich bei ihm. seine freie und herliche denkkraft scheiterte 
aber daran, woran auch edle und höchst begabte philosophen unserer zeit sich 
geschwächt haben, dasz sie strebten die dogmen der religion mit dem ergebnis 
ihres denkens in einklang zu setzen, woraus die verwirrendsten hcmmnisse ent- 
sprangen. Das hindert nicht, dasz auch Eckhart oft gedanken von überraschender 
Wahrheit und feinster Wahrnehmung vorträgt, aber in der hauptsache bleibt er 
unklar und ermüdet aufs peinlichste. Wissen Sie wo er mir am meisten zusagt? 
wenn Sies nicht übelnehmen, will ichs bekennen, da wo er aus der enge der 
religion in ketzereien übergeht, der zu Rom aufgefundne widerruf thut | mir 
leid, es ist leicht einzusehn wie die macht der kirche den mann dazu drängte 
und es beweist weder für noch gegen ihn. ich stelle mir vor, wenn er von 
seiner kanzel herabstieg , mag ihn oft das gefnhl befallen haben , dasz weder 
die gemeinde noch die geistlichkeit seinem denkvermögen zu folgen im stände war. 

Wie steht es nun mit der Zeitschrift? ich erwarte nicht dasz sie aufhören, 
nur dasz sie etwa den Verleger wechseln wird, um ihren einrichtungen unmit- 
telbar nah zu bleiben, das letzte heft habe ich bisher noch nicht zu gesicht 
bekommen, eben sowenig die erbetnen abdrücke empfangen. Ihre Versetzung 
hat alles verursacht. Es ist freilich unangenehm solche kleine sacken über ein 
halbes jähr lang ungedruckt zu sehn, doch will ich wagen Ihnen einige blätter 
über Heinrichs minnelieder beizulegen **). Haupt hat es mit seiner Zeitschrift auch 
langsam angehn lassen, doch scheint seine gesundheit jetzt wieder sich zu stärken. { 

Als neuigkeit melde, dasz Bartsch die verlorne Pommersfelder hs. des 

♦) — Deutsche Mystiker des 14. Jhd. zweiter Band. Lpz. 1857. Pf. 
**) 8. Germania H, 477 ff. Pf. 



240 MISCELLEN. 

Bertolt V. Holle wieder aufgefunden hat und jetzt drucken läszt, worauf ich 
mich freue, denn es ist ein lebendiges gedieht *). 

Gehen Sie mit Karajan und Diemer um oder leben Sie ganz eingezogen? 
mich macht das alter allmälich nun stiller und menschenscheu, meine grosse 
freude ist stundenlanges einsames spazierengehn. neulich stiesz mir abends ein 
latemenanzünder das eisen seiner leiter unversehens zwischen nase und linkem 
äuge ins gesiebt, so dasz ich beinahe ums äuge gekommen wäre; die wunde 
hat aber gut geheilt und nur eine narbe bleibt davon. 

Ich bin Ihr aufrichtig ergebner freund Jac. Grimm. 

22. 

Lieber freund, 
ich sende wieder einen beitrag **), in dem Sie vielleicht nur der schlusz anzieht, 
ich hänge noch immer mit Vorliebe an den rechtsalterthümern und allem was 
sich darauf bezieht. 

Warum das vierte heft der Zeitschrift noch nicht erschienen ist, begreife 
ich kaum, da Sie meldeten, dasz es neujahr fertig würde, hätte ich diese zöge- 
rung geahnt, so wäre mir lieb und leicht gewesen meinen letzten aufsatz zu 
erweitem, der setzer hat seine pflicht schlecht gethan, so dasz in der geschwin- 
digkeit ich vielleicht noch nicht alle fehler anmerkte; hoffentlich wird beim 
eintrag der correcturen in Stuttgart genauer verfahren. 

Herzlichen dank für Ihren letzten brief, der mir wesentliches über Ihre 
gesinnung, | läge und die dortigen Verhältnisse hinterbrachte. Sie haben recht, 
in der nähe und gegenwart sieht sich alles natürlicher an, als von weitem. Zu 
dem was Sie leicht am meisten entbehren gehört vielleicht die bibliothek, in der 
Sie zu Stuttgart unmittelbar walteten; wenigstens gieng es mir so, als ich 
Göttingen verlassen muste. 

Schreiben Sie mir doch das nächstemal Franz Starks adresse, ich muss 
ihm antworten und er hat mir sie nicht gegeben. 

Auch ich habe über eine noch unbeachtete seite der eigennamen eine lohnende 
Untersuchung angestellt, die ich bei erster gelegenheit bekannt machen will. 

Leben Sie wol. BerUn 31 jan. 1858. 

Ihr Jac. Grimm. 

23. 

Ich hoffe der anflug von grippe, lieber freund, ist schon vorüber, bei 
meinesgleichen dauern die nachwirkungen länger, für die gesandten blätter 
meines aufsatzes über die lieder dank (s. 480 z. 13 v. u. steht dort den dank 
für dem dank und 479 z. 7 v. u. lassen für läszt, wahrscheinlich wurde beides 
von mir bei der revision übersehn), das ganze heft wird bald aus Stuttgart 
nachkommen, schüwen, scheuen begegnet nun auch bei Holle 2863. 

Neulich fiel mir ein, was doch Ihren Megenberg aufhält, der schon vor 
einigen jähren sollte gedruckt sein? 
am 12 febr. 1858. 

24. 

Sie können nicht behaupten, dasz ich Ihre klage über mangel an bei- 
tragen zur Zeitschrift im stich lasse, hier gebe ich wieder zwei von mir ***), 

*) Berthold v. Holle. Herausgegeben von K, Bartsch. Nürnberg 1858. Pf. 
**) 8. Germania III, 1 ff. Pf. 
***) 8 Germania lU, 147. 151. Pf. 



MISCELLEN. 241 

axvvilivos T^p, denn ich wilU nur gestehn, diese kleinen entdeckungen hatte 
ich schon eine weile in mir herumgetragen, um die neue ausgäbe der formlehre 
meiner grammatik damit, sowie mit ähnlichem mehr, zu zieren, allein ich bin 
74 jähr alt und kränkele, werde also das werk nicht können zu stände bringen, 
so mögen wenigstens einzelne solcher berichtigungen besonders auftreten, im 
auCsatz über die zusammengesetzten zahlen hatte ich klage erhoben, dasz mir 
niemand eben in der grammatik nacharbeite, dies sind noch bessere beispiele. 
seit rielen jähren liegen nun Notkers Schriften durch Graff und Hattemer ge- 
druckt Tor, wer aber liest sie ? 

Vergnügte ostem, hier regnets heute. 

4 apr. 1858. Jac. Gr. 

25. 

Berlin 9 mai 1858. 

Lieber freund , es ist mir freUich angenehm Ihren Megenberg jetzt schon 
zu haben, da er noch nicht so bald erscheinen wird. Sie haben ihn, scheint es, 
nach einer sehr guten handschrift drucken lassen, also die vergleicbung der 
alten drucke entbehren können, die fiurstele (gebildet wie sigegebe, ahd. sigu- 
geba, erbeneme u. a.) bedeutet passend einen lichtdieb, ich hatte bei R. von 
Neuenb. allerdings auch an furstelin gedacht und gemeint der glänzende 
Schmetterling (es sind allerliebste, schöngestaltete thierchen) könne fürstlein 
heiszen, wie Nemnich ein franz. princesse für papillon beibringt, von der liebe 
des papillons zur kerze wäre aus oriental. sagen viel anzuführen, persisch ist 
schemi kerze, pervane papillon, schon Pünius hat papilio luminibus accensis 
advolitans und auch Psyche, die den Amor mit dem licht beschaut, gemahnt 
an den Schmetterling. Nicht unmöglich wäre dasz aus furstelin ein andrer 
fiurstele gemacht und das ihm unverständliche wort so anders aufgefaszt hätte, 
aber auch furstelin kann ein irrthum sein. 

Zacher ist mir von jeher unbedeutend vorgekommen, doch einen so elenden 
und dabei sich übernehmenden aufsatz hätte ich ihm nicht zugetraut *). | 

In Ihr urtheil über Holzmann stimme ich gröstentheils ein, was er aus- 
denkt und schreibt hat alles ein edles gepräge und erregt wolgefallen, auch 
wenn man nicht manche seiner kühnen und verwegenen ansichten theilen kann, 
für sein unglücklichstes buch halte ich das über die Reiten und doch stecken 
darin anziehende und treffende dinge, sehr gut geschrieben war auch die ein- 
leitung zur Schulausgabe der Nibelungen. 

Ich zweifle ob ich noch dazu gelangen werde, was ich über die deutsche 
heldensage gesammelt und angelegt habe, fertig zu arbeiten ; es stehn auf die- 
sem felde noch reiche entdeckungen bevor, die nicht einem allein gehören, 
sondern von vielen zu stand gebracht werden müssen. Die samlung der eigen- 
namen und der volkssagen und märchen bietet reiche Stoffe dafür. 

Wer erstaunt nicht, dasz Schönwerth jetzt aus oberpfälzischen dörfern 
die geschichte von Woud und Freid ans tageslicht bringt **), fast gerade so wie 
sie in der edda von Odin und Frejga steht; ein bair. ministerialrath und general- 



*) Briefe über neuere Erscheinungen auf dem Gebiete der deutschen Philologie 
m: Nene Jahrbücher für PhU. und Pädagogik. U. Abth. Bd. 78 (1858) 8. 112 ff. Pt 

**) Aus der Oberpfals. Sitten und Sagen, von Fr. Schönwerth, Augsburg 1857 
bis 1859, 3 Bände. PI 

GBRMANIA. XI. lg 



242 MISCELLEN. 

secretär wird sich doch keine falschung erlauben, er berichtet auch schone, 
unerfindliche sagen, denen man die Wahrheit schon ansieht, im überflusz. Daraus 
wächst unsre mjthologie ganz anders als aus dem hirtensegen ron Christas | 
und Martin , den Karajan (eigentl. Miklosich) jüngst entdeckt und unrichtig 
auf Wuotan und Hirmin gedeutet hat. die alte formel hat an sich werih, die 
erklär ung der zweiten war aber ganz verfehlt, kein Schreiber hat den Martin 
eingeschwärzt, sondern die Volksüberlieferung trägt ihn selbst, ein ähnlicher 
Spruch bei Hattemer 1, 410 hat Johannes und Martinus. Die zweite formel 
wird so verkehrt behandelt wie die angebliche gothische inschrift; er woUte 
alle ihm zugegangenen bemerkungen nachträglich bekannt machen, ich weisz 
nicht ob ers schon gethan hat, bin aber begierig auf das letzte wert, das er 
dabei behält. 

Von herzen Ihr Jac. Grimm. 

die letzte revision werden Sie empfangen 

haben am tage der absendung Ihres briefes. 

26. 

Berlin 5 sept. 1858. 

Lieber freund, lange horten Sie nichts von mir und selbst heute werden 
diese zeilen hier unmittelbar vor einer kleinen reise geschrieben, die ich zu 
meiner höchst nöthigen erquickung noch spät nachholen soll. Ich habe Ihnen 
noch nicht einmal Ihren aufsatz über Gotfrid ins gesiebt hinein gelobt, was Sie 
sich von mir schon können gefallen lassen, er ist überhaupt der beste von al- 
len, die je in der Zeitschrift standen, und es gebührt dem herausgeber ireilich 
den andern vorzuleuchten. 

Nicht eher wollte ich doch abreisen bis ich Ihnen zwei endlich fertig gedruckte 
abhandlungen übersandt hätte. Die eine über attraction kennen Sie bereits theil- 
weise, weil ich ein stück daraus bei Ihnen veröffentlichte in der hofhung, der 
gegenständ würde auch andere reizen und mir beitrage oder nachtrage zu wpge 
bringen, denn welcher forscher kann wo es so auf beispiele ankommt alle 
selbst herbeischaffen? es hat mich aber geteuscht und niemand sich darum 
gekümmert, doch ist jetzt von mir einiges hinzugesetzt. 

Die andre mir mehr am herzen liegende abhandlung greift etwas hoher 
lind stellt eine merkwürdige anomalie weiblich gebildeter beinamen vorzüglich 
aus dem latein. und dem altnord. zusammen, die von beinamen auf appellativa 
gemachte anwendung scheint vielleicht allzukühn, lag aber unmittelbar nahe; 
die folgerungen daraus sind kaum angebrochen, lange nicht erschöpft. Sehen 
Sie zu, ob Sie aus dem ganzen etwas für sich gebrauchen können. | 

Nun aber kommt die plage, ich schicke zugleich für andere noch 6 ezem- 
plare der zweiten abh. (denn die erste brauchen sie nicht), welche ich bitte 
abzugeben an Ferd. Wolf, Karajan, Diemer, Franz Stark und den jetzt zu 
Wien verweilenden Munch (seine wohnung ist leicht bei Wolf zu erfragen) und 
Weinhold, ich denke mir zur philologenversammlung kommen auch Grätzer, 
die es ihm mitnehmen können, falls er nicht gar selbst erscheint, verzeihen 
Sie die gemachte mühe. 

Leider bin ich wieder ins wörterbuchjoch gespannt und habe «chon acht 
bogen £ geschrieben. 

Ich schliesze mit heralichen grüssen 

Jao« Qrimm. 



MISCELLEK. 243 

27. 

Lieber freund, auf Ihren brief vom 13 wäre schnelle antwort erfolgt, 
wenn nicht der gleich dahinter eingehende gleichsam zaudern empfohlen hätte, 
doch brauche ich auf Zapperts bekanntmachung, die hoffentlich von einem fac- 
simile begleitet ist, nicht erst zu warten, es liegt mir alles klar und bis auf 
die letzte zeile waren fast keine Schwierigkeiten zu überwinden, es ist der wun- 
derbarste fund, der gemacht werden konnte, von höherm werth als die doch 
auch willkommenen Merseburger sprQche, geschweige denn der neuliche hirten- 
segen. ich will die sieben einzelnen seilen durchgehn. 

1. slaslumo sicher zu bessern in släf slumo. dasz zwischen beiden impe- 
rativen das und fehlt ist schön, vgl. far bisuani thih 6r 0. 11. 18, 23. ganc 
sprich, pass. H. 138, 93. sta nitere fiirca. Rudlieb 4, 93. steh verzeuch. H. 
Sachs n. 4, 3°. slumdn dormire ist das einfache wort, aus dem unser schlum- 
mern dormitare sprieszt, ags. slumerian, engl, slumber. slumen bezeugt Diefen- 
bach anter dormitare aus zwei vocabularen^ man musz herausbringen, wo das 
Volk so redete oder redet, beide verba sind nicht gemeinahd. noch mhd. , bei 
Jeroschin ist slnmmer somnus, Stalder 2, 333 hat schlunen, einschlunen für 
schlummern, einschlummern, altn. slum silentium, sluma tacere, oculos demittere. 
man könnte auf Verwandtschaft mit sliumo cito und schleunig rathen, da sich die 
Vorstellungen still und schnell mehrmals begegnen und der schlaf schnell über- 
fäUti wer släf sliumo läse und schlaf schnell deutete, würde nicht ganz fehlen, 
zumal gleich sär protinus folgt, aber vorzüglicher scheint mir släf, slumd! 

2. uurt steht für uuerit, wie 7 hurt für hürit, sonst ist alles in dieser 
zeile leicht, einemo werian ist prohibere , abigere. Triwa ist göttin oder höheres 
Wesen, wie oft bei mhd. dichtem allegorisch ver Triuwe, z. b. Helbl. 7, 38, 
vgl. Winsb. 8, 8. in Triuwen pflege, der Triuwen klüse, böte. Engelh. 6295. 
6332. man denkt an die auch oft personificierte Fides, z. b. N. Cap. 133 
Fides, Triwa; richtiger vielleicht wäre an valor, fortitudo, s. hernach zu 5. 

3. mans = mannes, wie stellt in 4 für stellit und eben wrt für werit. 
trüt bindet sich gern mit sunu , chind , barn, | und ist noch das alte männlich 
geformte diminutiv, statt des spätem neutrums. sunilo = goth. sunila. 

4« Ostara, die göttin. eigir stellan, eier dem kind ins gras stellen oder 
legen zum aufsuchen, wie noch auf ostem sitte ist, zu erforschen an welchem 
orte man noch eier stellen sagt, Schmitz Eifel 1, 29 eier legen, hier ist 
nun der Ursprung der Ostereier fmythol. 740) ein heidnischer brauch, den die 
Christen mit dem namen ostern behielten, statt dasz die göttin den kindem 
die fireude bereitete, heiszt es nun, der hase habe sie gelegt, schrieb mans der 
Maria zu? auch honigeier ist zu beachten, süsz wie honig? man mischte wol 
bonig mit dem ei zur speise, an welchen orten gilt noch die Zusammensetzung 
honigei ? 

5. von HSra m3rthol. 232, sie fuhrt auf Herke und steht als erdengöttin 
den blumen nahe, pluomun plobun für pläwun ist auffallende moderne Schreibung. 
das folgende rdtiu kann nicht auf pluomun gehen und musz entweder zu 
Hira oder zum folgenden Zanfana gezogen oder in rotun geändert werden, ich 
hätte nichts dawider, wenn aus 2 Triwa hierher und Hera in 2 zu setzen 
wäre, der aufzeichnende könnte beide göttinnen vertauscht haben, die alliteration 
steht nicht im wege, da alle eigennamen in diesen versen nicht in sie fiillen. 
mir kommt in den sinn was Holzmann zu triaten in den Nib. bemerkt, das« 

16* 



244 MISCELLEN. 

triawan, triwian eigentlich florere, crescore, pollere, pubescere (Graff 5, 464. 471) 
aussagt, woher triu, treov der gewachsne bäum, und wie man von bäum auf 
baumstark, yon eiche auf eichenfest gelangt, ergibt sich für treu, getreu die 
bedeutung firmus, fortis, fidus, fidelis. Triwa wäre demnach eigentlich gottin 
des wachsthums, also der bäume und blumen, der das blumenbrechen zusteht, 
freilich kanns auch die den würgenden wolf abtreibende stärke und macht sein^ 
was zeile 2 der name meint, und wir wollen an dem eben bekannt gewordnen 
Hede lieber nichts umstellen. 

6. nun aber Zanfana, seit Tacitus das erste wiederaufbauchende zeugnis 
für die deutsche göttin, deren tempel im jähr 14 die Römer | der erde gleich 
machten y von der bei keinem volkstamm weiter eine spur zu finden, die selbst 
in der altnordischen verschollen scheint. Sie musz dennoch irgendwo in den 
Überlieferungen gehaftet haben, weil dies hinter das zehnte jh. zurückreichende 
lied ihren namen nennt, der arme, für einen falscher verschriene Ligorio kann 
eine nachher abhanden gekommene Inschrift, worauf Tamfanae sacrum stand 
vor äugen gehabt haben, die noch älter als Tacitus gewesen sein darf, welcher 
leser des lieds denkt bei Zanfana nicht auch zuerst an fälschung? sie fällt oder 
steht mit der echtbeit des übrigen inhalts, den alles augenscheinlicher bestätigt 
als verdächtigt. Zanfana ist vielleicht lautverschoben nicht wie zwei tva duo, 
zehen taihun decem, sondern wie zwerg twerc dverg, zwingen twingen dwingan 
thuingan, und es entspränge mÖglichkeit an die eddischen stadir Danpar in 
Godrünarhefna, an die gautischen stadir Dampnar in den liedem der Hervarar- 
saga zu denken, denn so liest eine hs. für Dampar oder Damptar. ein weiblich 
gebildetes Dampn oder Dompn, gen. Dampnar (wie Gefh gen. Gefnar, Siöfh 
gen. Siafnar) würde ganz auf Tamfana herauskommen und könnte Vesta, göttin 
des feuers bezeichnen, dampi ist vapor, und ahd. unverschobnes damph, zu- 
weilen tamph vapor, focus, also herd, feuer, demphan sufFocare. ich habe zu 
Tanfana längst die skythische Tahiti gehalten, wie neuerdings ' Bergmann (les 
Scythes p. 44) diese der indischen Tapati vergleicht, von der verbreiteten wurzel 
tap brennen, hier könnte selbst jener gen. Damptar neben Dampnar einschlagen, 
die Marsen, Bructerer und vielleicht andere Germanen verehrten Tanfana un- 
weit des Niederrheins, ein ähnliches heiligthum, die stactir Dampnar lagen im 
Norden; dasz Zanfana in unserm kinderlied fette schafe sendet stempelt sie 
noch zu keiner hirtengöttin, warum aber sollte eine keusche götteijungfrau keine 
herden weiden lassen? wäre rötiu noch auf sie zu ziehen, so läge in der rothen 
Tanfana offenbarer fingerzeijg auf das rothe dement; nur wird die zeile dadurch 
allzu lang. 

7. unta ist alterthümliches und (Graff 1, 361), herra aber in herro zu 
bessern, der einaugo herro last Wuotan keinen augenblick verkennen, hurt kann 
unmöglich zum mhd. hurten stoszen gehören, welches aus romanischer spräche 
erst später eingang fand, vielmehr | scheint hürit von hüran oder hiuran locare, 
leihen, verleihen gemeint, heute heuern, Wuoton leiht, verleiht den kindern 
harte Speere, horsco bald, schnell, asca, wie im Hildebrandslied, askim scrltan. 

Man möchte in einigen versen die zweite hälfte voran stellen, um zwei 
alliterationsstäbe vorausgehen zu lassen, etwa: 

släf, tochä, slumd, weinon sär ll^ds 

(themo) wolfa wurgianthemo Triwa werit craftlfcho. 

slftf§8 unza morgan mannes trüt sunilo, 



MISCELLEN. 245 

honacegir suozia Osträ stellit chinde(a), 
pluomnn plobun rotan HSra pricliit cbinde(a), 
Zanfana sentit morgane(a) feizn scäf cleiniu, 
unta einougo birro bürit (horsco) ascft bartä. 
der dialect ist bocbdeutscb, aber weder bairiscb nocb scbwäbiscb, sondern mebr 
fränkiscb, es käme darauf an zu ermitteln, wo man bonacegir, egir stellan, feiz 
für feizit nnd bürau, beuem spracb, welcbes icb sonst nocb nicbt traf, das 
aber dem ags. b^an conducere, locare entspricbt. 

Das ganze lied klingt an die nocb beute gesungenen: scblaf, kindeben, 
schlaf, dein vater bütet die scbaf, deine mutter bütet die lämmereben, die 
schwarzen und die weiszen, die will der wolf beiszen. es ist nur alles matter 
geworden, vater und mutter sind an der götter stelle getreten, aber die treue 
der Überlieferung und der milde sinn des alten beidenthums, wie Sie auch wabr- 
nehmen, bricht nocb durch, das alte lied richtet sich an töchtercben und söhn- 
chen beide nacheinander, göttliche wesen wehren den wolf ab, stellen eier, 
brechen blamen, senden fette kleine lämmer nnd der grosze gott leiht den 
knaben harte spere. 

Es betrübt mich, dasz nach so gutem erfolge, Sie die Zeitschrift wollen 
eingehn lassen, yielleicbt besinnen Sie sich eines besseren, ich kann einen 
nachtrag zu den alemann, schwachen praet. (aus dem Eckenlied und Sigenot) 
senden und von dem Ober das Schlummerlied hier mitgetheilten wäre wol einiges 
zu brauchen. Ihr 

Jac« Grimm, 
falls Sie nichts von meinen bemerkungen 31 oct. 1858. 

veröffentlichen, behalte ich mir sie vor 
zu einem eignen besonderen aufsatze. 

28. 
Lieber freund, 
Sie haben meinen letzten brief ohne antwort gelassen, an der mir gelegen war, 
weil icb Ibren entschlusz über die fortsetzung der Germania gern vernommen 
hätte; vielleicht schwebt die sache immer nocb. unterdessen empfieng ich auf 
neujahr durch Ihre gute die Wiener Silvesterspenden, das ist ein hübscher brauch 
auf diesen anlasz einen baufen anziehender kleinigkeiten herauszugeben, wenn 
das im gang bleibt und wenigstens eine Zeitlang fortgesetzt wird, so bat man 
auch die schönste musze sich langsam darauf vorzubereiten, bald darauf folgten 
die predigtmärlein, vorläufig schon aus dem letzten heft der Zeitschrift, besonders 
interessant war die stelle über Hesse von Straszburg. icb weisz nicbt warum 
Sie den niederrbeinischen dialect im seelentrost anmutiger und einschmeicbelnder 
finden, ich ziehe den oberrheinischen vor. über den gegensatz zwischen Elsasz 
und Schwaben habe ich aus Reisersberg allerhand gesammelt. 

Conrad von Würzburg hat lange zu Basel gelebt und ist da gestorben; 
doch kommt mir der beweis, den Wackernagel aus dem Baseler hause zieht, 
bedenklich vor. | 

Zapperts commentar zum alten spruch ist noch nicbt erschienen; wenn 
ihn etwas verdächtigt, so sind es die hebräischen Wörter, warum muste er ge- 
rade auf diese Seltsamkeit stoszen? 

Von Holzmann vernehme ich lange nichts, ist die klage nocb nicbt fertig? 
ihm und auch Ihnen wird Fischers schrift über die Nibelungen zusagen, es ist 



246 



MISCELLEN. 



eine besonnen durcligefiilirte Widerlegung von Lachmanns anmerkungen , aber 
ebenso schwer zu lesen als diese selbst, die hauptergebnisse hatten mehr 
sollen hervorgehoben werden. 

Aus Ihrem Megenberg und Eckhart lerne ich fortwährend, wenn ich be- 
denke, dasz Sie dazu noch treffende und wichtige aufsätze in der Germania 
gegeben haben, so weisz ich wol, wem ich das lob der fruchtbarsten thätigkeit 
in der jüngsten zeit zuerkenne; Haupts Neidhart ist mir zu pedantisch nach 
lachmannischem modell ausgearbeitet. 

8 febr. 1859. Ihr Jac. Grimm. 

der kriegslärm wird ja vorübergehn. 

29. 

Haben Sie, werthester freund, zu folgenden beispielen des wortes z^tn 
MS. 1, 48'. MSH. 3, 230\ Neidhart 16, 6. Ernst 576. HelbUng 1, 1240. 
GA. 2, 88. Walther und Hildeg. bei Haupt 2, 220. fastn. sp. 670, 13 noch 
andere gesammelt, so bitte ich darum, ich brauche das wort zu meiner dentong 
des namens Zanfana, worüber ich heute in unsrer akademie einen Vortrag hielt 
und von dem Sie gleich den abdrnck erhalten sollen, sobald er erscheint. Sie 
können daraus folgern wollen, dasz ich meine frühere auslegung verUsse; nein, 
ich denke sie wird daneben bestehn. vorläufig aber mag man die neue mit 
gröszerem beifall aufnehmen. 

Zu zafen gehört auch unser zofe. 

Das letzte heft der Zeitschrift habe ich aus Stuttgart erhalten und danke 
dafür, mich freut aber, dasz Sie nicht davon lassen, sondern zu Wien einen 
bequemeren Verleger gefunden haben. 

Vielmal grüszcnd Ihr Jac Grimm. 

Berlin 10 merz 1859. 

30. 

(Berlin 26 nov. 1859.) 

Lieber freund, ich habe lange nichts von mir hören lassen, den sommer 
machte mich der traurige krieg und der unselige friede beklommen, wer mochte 
über diese dinge, wie sie noch ganz frisch waren, schreiben? alle deutschen 
hofnungen sind dadurch heruntergekommen und das Verhältnis Ostreichs zu uns 
andern wieder viel unsichrer geworden, die hofnung soll man fest halten, doch 
wie getrübt liegt der schlusz meines lebens vor mir, der ich als Jüngling und 
im mannesalter mich immer dem freudigsten glauben an die grösze des Vater- 
lands hingegeben habe, ich brauche nicht mehr zu sagen. 

Meine zeit erfüllt der unaufhörliche ruf zur arbeit am Wörterbuch, das 
längst aufgehört hat die neugier zu reizen und zwar noch fortgekauft, nicht 
mehr fortgelesen wird, so dasz dem zufall überlassen bleibt, ob vielleicht in der 
Zukunft sinn und theilnahme auf das fallen wird, dem ich die meiste mühe zu- 
wende, diese mühe und selbst ihr erfolg ist also etwas undankbares. 

Vom vierten band der Germania liegen mir 3 hefte vor, die Sie so 
freundlich waren mir alsbald zu senden. Ihr aufisatz über den Titurel, so wie 
der frühere über Gotlried sind der ganzen Zeitschrift glänz. 

Ich hätte allerhand Ihnen beizutragen und brauche nur letzte band daran 
zu legen, ein ungedrucktes niederrhein. gedieht mit merkwürdigen anspielungeo. 



MISCELLEN. 247 

eine untersuchnng der spraclieigenheit in Conrads tr. kr., eine etymologische 
forschong über das wort march. 

Dasz ich im wb. Megenberg und Eckhart, besonders ersteren, nach kräffcen 
nutze, liegt vor äugen, die möglichkeit dieses gebrauchs danken wir Ihnen, 
waren die Wortregister, die Sie für die zukunft beabsichtigen, jetzt schon zur 
band, | so hätte ichs leichter gehabt. 

Wir begegnen uns beide in den aufgetragnen reden auf Schiller, ich sende 
Ihnen die meinige. Vielleicht dünkt es Sie, dasz ich Cotta zu arg mitgenommen 
habe, doch war ich gerade durch seinen ablehnenden brief empört und längst 
der meinung, dasz gegen diesen pabst im buchhandel (verzeihen Sie den pro- 
testantischen ausdrnck) einmal einspräche erhoben oder protestiert werden sollte. 
ich bin im alter und in der läge um kein blatt vor den mund zu nehmen, 
also ist es heraus gesagt. 

noch schicke ich aus unsern monatlichen berichten kleinigkeiten über Freia 
und Bendis; es sind, wenn Sie wollen, vorgeschobne verlorne posten, ich habe 
aber immer noch vor wieder emsüich auszurücken. 

Ihr unverändert ergebner freund Jac. Grimm. 

auch über Bormans Servatius des Veldeke liesze sich schreiben, was Sie 
vielleicht selbst vorhaben; zunächst liegt mir der druck eiüer akad. Vorlesung 
über das alter ob, wozu mich eigentlich etymologische auslaufe veranlasst haben. 

31. 

Lieber freund, ich war zu einem lappenbergischen Jubiläum vor einigen 
tagen nach Hamburg gereist, bin aber telegraphisch wegen erkrankung meines 
lieben bruders zurückgerufen, heint mittemacht von dort abgegangen und seit 
eingen stunden wieder hier in Berlin. Wilhelm liegt an einem carfunkel da- 
nieder, die gefahr scheint gehoben, doch fühlt er sich sehr schwach, vorige 
stunde las ich Ihren brief und eile Ihnen in dem ersten ruhigen augenblick 
die umgehend verlangte nachricht aus dem bormanischen buche *) abzuschreiben, 
eine urk. von 1253, wonach der abt von s. Trond domino Henrico de Veldeke 
militi terram incultam apud Spalbeke zu leben verleiht, hatte bereits Mone 
quellen imd foi*8ch. 252 angezogen, dieser H. de Veldeke erscheint noch in 
andern urk. von 1254. 1256. bei Spalbeke liegt die Velleck molen, mouliu 
de Veldek, das volk sagt Velkermolen. Spalbeke liegt nordöstlich von Hasselt, 
die müle in der gemeinde Rermpt, auf der grenze von Spalbeke und Lummen. 
Kermpt ist auf den karten angegeben und leicht zu finden (hinter Mastricht), 
eine bürg Veldek steht nicht mehr, scheint aber noch 1355 vorhanden gewesen, 
auszer einem Henricus ist auch ein Amoldus de Veldek | genannt, beide müssen 
nachkommen unseres dichters gewesen sein und Heinrich führte dessen vomamen 
fort, wie die vomamen oft in den geschlechtern wiederkehren, die von Veldeke 
waren vasallen der grafen von Loz und der Servatius wurde gedichtet auf bitte 
der gräfin Agnes von Loen. Loen ist die flämische form des namens Loz. die 
lebenszeit der Agnes bringt Bormans nicht bestimmt heraus. Sie fragen blosz 



*) Sinte Servatius Legende van Hejnrijck van Veldeken. Voor de eerste mael uit- 
^geven door J. H. Bormaua. Maestricht 1858. Vgl. m. Aufsatz über Waltber von dor 
Vogelwetde in der Germania V, 18. Pf, 



248 MISCELLEN. 

nach dem örtlichen. Bormans hat ganz die schleppende niederland. weitlanftig- 
keit, seine einleituug ist französisch, die anmerkungen zum gedieht niederlän- 
disch geschrieben. 

in eile« 6 dec. (1859) Jac Gr. 

32. 

BerUn 19 febr. 1860. 

Lieber freund^ Sie haben mir schon um neujahr Ihren schönen, edelmütigeD 
nachruf zu ehren Wilhelms Qbersandt *), der mich rührte und bewegte und wofür 
ich Ihnen herzlich danke, gewissermaszcn und im voraus kann er auch für mich 
mitgelten, obwol Sie einiges zu günstige von mir sagen, eines geliebten verwandten 
andenken steigt nach seinem tode immer höher; im leben bringt es die aufrichtig- 
keit des täglichen Umgangs mit sich, dasz verschiedene ansichten hervortreten, 
wenn aber nun sein mund geschlossen ist und nichts weiter entgegnen kann, so 
bleibt seine meinung unnahbarer und gewinnt dadurch an starke, unsere stete 
gemeinschaft führte von selbst auch zu gemeinscliaftlich unternommenen arbeiten, 
doch bald stellte sich heraus, dasz das einzelne schaffen der Sinnesart eines jeden 
überlassen bleiben müsse, ich war ihm meistens zu rasch und weitgreifend da wo 
er mir nicht folgen mochte und mich aufhielt, lieber suchte er sich einen behag- 
lichen gegenständ und ergab sich ihm in langsamer pflege, in grammatische for- 
schungen habe ich ihn fast wider seinen willen fortgerissen, ihm genügte von der 
alten spräche so viel zu lernen und zu wissen, als zum Verständnis der gedichte 
gehört«, gedichte herauszugeben, also auch metrisch zu behandeln zog ihn viel 
mehr an als mich ; wohin er sich wandte, bewies er die gröszte Sorgfalt, die ihm 
möglich war. 

Die ganze zeit her und auch heute noch ist mir schwer zu mute, dicht 
neben meiner stube steht seine noch offen und unberührt, seine tische und stuhle, 
seine bücher stehen und liegen noch ebenso wie sonst, um äuszerliches , wie 
die Verwaltung des hauses und Vermögens brauchte ich mich nie zu bejküm' 
mern, er besorgte alles aufs genauste, seine einsieht ist glücklicherweise auf 
Hermann übergegangen, der jetzt alles in bänden hat und liebevoll ausrichtet. 

Auch für das, was Sie von dem Wörterbuch gesagt haben, bin ich sehr 
dankbar, kann aber doch nicht alle Ihre ansichten theilen. sicher war ein solches 
unternehmen von niemand gepachtet und jeder darf mit seiner arbeit vortreten, 
allein es bleibt doch gehässig einen lange voraus dem publicum angekündigten 
ernsthaften plan gerade wo er nun in ausführung tritt durch nebenarbeiten em- 
pfindlich und gefährlich zu stören, angelockt durch äuszere vortheile, die das 
werk zu bieten scheint, der damit unzufrieden ist, sollte den Verfasser doch 
erst fertig werden und ausathmen lassen, ehe er entgegen tritt und sich versucht, 
diesen versuch kann ich nicht gleiche berechtigung nennen. Dann weisz ich nicht, 
ob Ihr eiuspruch gegen die sehr mäszigen abweichungeu in Orthographie und dgl. 
gegründet ist, und begreife nicht, warum Sie jeden Anspruch der bessernden 
reform als gewaltthätig abweisen und alle unbefugt eingetretenen Verderbnisse 
behalten und gelten lassen wollen, es sind keine kleinigkeiten und nebendinge, 
sondern forderungen, die den sinn für Wahrheit und erfolg der forschung über- 
haupt stählen und reinigen, die groszcn | buchstaben am subst. sind abgesehn 



») s. Wiener Zeitung 1860. Nr. 1. 2. l'l. 



MISCELLEN. 249 

von dem was der ästhetische eindruck begehrt, eine alberDheit, von der sich 
gesiind blickende Völker wie Engländer, Schweden, jetzt auch Böhmen losge- 
wunden haben, doppelte zeichen zu brauchen, wie in deutscher schrift sz, in 
lateinischer ss scheint mir gleich unausstehlich, man soll nicht neuern, geschweige 
erneuen, wir alle wissen dasz man vor 600 jähren bi schrieb, d. i. bt und 
später bei, endlich bey; Göthe und Schiller schrieben nicht anders als bey 
und seyn, war es unrecht in ihren büchern bei und sein herzustellen? gewis 
nicht, nichts würde vernünftigen, sachgemäszen besserungen entgegen stehn und 
in einem menschenalter jedermann sich daran gewöhnt haben, wenn man ihnen 
nicht fortführe unnöthig zu widersprechen. 

Freude hat mir Ihre trefliche abhandlung über Walther gemacht *), habe 
ich doch vor vielen jähren im archipoetfi p. 10 die beiden grabschriften von 
Würzburg und Treviso bereits in schütz genommen, was Sie wol hätten er- 
wähnen können, doch bescheide ich mich, dasz nichts natürlicher ist als früherer 
änszernngen nicht zu gedenken, denn wer besinnt sich auf alles? in Ihren nu- 
tersachungen zur deutschen lit. gesch. p. 64 verfallen Sie auf die conjectur 
Askalon, es war Ihnen unbewust, dasz ich sie in unsem akad. berichten 1843 s. 122 
bereits vorgeschlagen hatte **), Wie wenig | ich auf solche Prioritäten gebe, 
folgt Ihnen schon daraus, dasz ich wahrscheinlich des letzten beispiels nie gegen 
Sie gedachte. 

Mehr liegt mir an eine andere jetzt hin und wieder auftauchende meinung 
nicht aufkommen zu lassen, die dasz die märchen hauptsächlich von meinem 
bruder, nicht von mir ausgegangen seien, ich habe für den Ursprung des werks 
und die ersten ausgaben gerade so viel als er, vielleicht noch mehr gethan 
(es war längst mein plan besondere forschungen über die natur der märchen 
bekannt zu machen) und den werth dieser Überlieferungen für mythologie gleich 
erkannt, lebhaft auf die treue der samlung gehalten und Verzierungen abgewehrt, 
die späteren auflagen, weil ich in grammatik versenkt war, liesz ich Wilhelm 
redigieren und einleiten, ohne dasz meine Sorgfalt für sammeln und erklären je 
nachgelassen hätte, wie sollte es auch anders sein können. Wilhelm hat ein- 
mal irgendwo, ich denke polemisch gegen Liebrecht in Lüttich, sich über seine 
betheiligung ausgelassen, was den misverstand herbeiführte ***). wollte gott er 
lebte noch, ich wollte ihm all mein recht abtreten. 

Sie tragen mir nicht nach, liebster freund, dasz ich so spät antworte, 
auf eine flut von briefen erwiedere ich gar nichts und kann es nicht, so sehr 
fühle ich mich noch aus allen fugen. 

Jacob Grimm. 



*) s. Germania V, 1 ff. Pf. 

**) Dies war es in der That. Auf Grimms Conjecturen (Absalon etc.) in der mir 
allein bekannten Abhandlung (Gedichte des Miitelalters auf K. Friedrich I. S. 5 ff.) 
hatte ich an der augeführten Stelle hingewiesen. Dort war von Askalon keine Bede 
and auch der akad. Berichte vom J. 1S43 geschah keine Erwähnung. Diese habe ich 
noch heute mit keinem Auge gesehen. Pf. 

***) Das Ende der Rede Jacobs auf Wilhelm (gehalten am 5. Juli 1860) fehlt be- 
kanntlich. Er wollte den Schluß umschreiben und das Blatt gieng verloren. Nach der 
Bemerkung Hermann Grimms (s. 1. Ausg. Berlin 1863, S. 25) war darin über die 
gemeinsame Arbeit an den Märchen gehandelt. Obige Stelle l&sst erkennen, in welcher 
Weise sich Jacob darüber würde ausgelassen haben. Pf. 



250 MISCELLEN. 

33.*) 

Lieber freund, 

has findet sich in den schwedischen und norwegischen Wörterbüchern und be- 
deutet fort! weg! via! 

Dalin sagt: kas! interj. (fam. d. i. gemein) bort! katta! (katze) kasa bort, 
bortjaga (fortjagen), kasa bort en katt (eine katze fortjagen), dann die 
anmerkung : ordet är bestägtadt med fr. chasser, it. cacciare, sp. ca^ar, 
hvilka alla af Ihre deriveras af det göt. kesan drifva, uskesan utdrifva. 
(Ulf. hat aber kiusan, uskiusan!) 
Aasen verweist unter kas auf kos, wo sich folgendes findet: 
kos, vei, retning, kurs (veg, richtung, cours). 

kos adv. bort, borte, meget brugeligt i Sogn, fr. ex. fara kos, reise 
bort, tyna kos, tabe, miste, han ä kos, han er borte, 
kosfaren bortreist (wegfahren) , kosstolen (fortgestohlen), vgl. veg von 
weg und bort, brant von braut, via. 
Ihre im dialectlexicon kas vox abigentium feles, kasa abigere. im dict. suiog. 
1, 1037 göra kas med en, pellere. angl. chase venari, gali. chasser, 
it. cacciare. ego libentius illis accessero qui a moesog. kesan pellere, 
uskesan expellere recentiora haec formata putant. (! kiusan eligere, 
probare, uskiusan, reprobare). 1, 1138 kos vel kosa iter. hinc fara sin 
kos abire, ställa sin kosa, iter dirigere (ohne bezug auf kas^. 
Molbech im dän. wb. hat weder kas noch kos. 

beide erklärungen von kas fort, bort! und kas katze, fort katze! liefen, 
80 verschieden sie sind, auf eins hinaus, es ist ein abweisender, vielleicht unter 
Schiffern spöttische zuruf. da in der altn. spräche sonst kein kas, kos für weg, via 
vorkommt, so scheint mir der gedanke an catch, schasser nicht uneben und noch 
lebendiger der an die fortgejagte katze. Schmeller hat 2, 345. 346 katsch aus! 
katz aus! geschwind fort! katz abaus! gleichsam katz hinaus! katz fort! | eine 
it schelte lautet cazzo! 

Ob man aber in der mundart der ausgehobnen nd. chronik kas für kat bei 
solchem ruf gebraucht hätte, steht dahin, eben so ob die abfertigung zu spat 
katze, der käse ist gegessen ein bloszes fort! meinte, es musz eine geschickte 
im hintergrunde liegen, wo die katze in die käsekammer kam, als schon alles auf- 
gezehrt war, nun wird sie spöttisch zurückgewiesen. 

In andern nd. Chroniken, z. b. den bei Grautoff habe ich das kas nie 
gelesen, auffallend ist auch, dasz es die dän. glossare nicht überliefern, da es 
in der chronik gerade Dänen in den mund gelegt wird. Zu den Niederländern 
scheint es sich nicht zu erstrecken, man hätte Kosegarten danach fragen können, 
lebte er noch. 

Die versprochnen aufaätze für die Germania werde ich senden, sobald 
ich vor dem Wörterbuch und dauerndem unwolsein dazu kommen kann, jetzt 
nur die eigentlich überflüssige Versicherung meiner unveränderten freundschaft 
und anhänglichkeit. 

B. 11 oct 1860. Jac. Grimm. 



*) Antwort auf einen Brief, worin ich ihn um Aufschluß über ein in Herrn. 
Korners niederd. Chronik öfter vorkommendes Wort kaa ersuchte (Wiener Hs. 217': 
,dd rdpen de Likcndaler al mit lüder stemne: kas kas kas!" — 223*: „men to spAde 
kas, wen ^^ ^^^ -heten in.'* — 252'': „to spAde kas, to spAde kas, de k^e is ghere- 
ten?**^ rbuch V. 278. a, v. KÄtz. Pf. 



MISCELLEN. 251 

34. 

Lieber freund, hier erhalten Sie, heute an seinem todestage, Wilhelms 
Freidank in der zweiten ausgäbe, die er ganz fertig hinterliesz und gerade so, 
wie geschehen ist, wollte gedruckt haben, seine ansichten über Walther hat er 
hier nicht wiedergegeben und nicht neu ausgearbeitet, weil sie noch aus der 
ersten ausgäbe und seinen nachtragen, auf die er verweist, erhellen, das buch 
wird einen desto milderen eindruck auf Sie machen und meines bruders andenken 
Ihnen lieb und werth bleiben. 

Ich selbst habe mein versprechen noch nicht lösen und die versprochnen 
beitrage fertig machen können, ob Ihnen unter den auszügen aus schwed. und 
norweg. Idiotiken , die ich vor einigen monaten sandte, etwas brauchbares er- 
schienen ist, weisz ich nicht, auch in Ydremalet eller folkdialekten i Ydre härad 
af Ostergötland af Leonh. Fr. Kääf, Orebo 1850. p. 46 findet sich: kos, te 
kos adv. borta, sin väg. tröja ä si kos. 

Im neusten heft von Haupts Zeitschrift überrascht das ags. gedieht von 
Waliher und Hildgund, leider nur zwei blätter; oder kannten Sie es schon 
aus Stephens Londoner publication? wie ungeheuer viel ist uns doch unter- 
gegangen und wie wunderbar tauchen die fragmente auf! Kelle ist gar zu 
weitläuftig und an ergebnissen mager *). 

Bartsch über Karlmeinet **) scheint mir zu eilfertig gemacht, ich habe 
eben in unserer akad. den träum vom schätz auf der brücke (gleich zu anfang 
des gedichts) besprochen, sind Ihnen beispiele der sehr häufigen volkssage er- 
innerlich ? 

Die nachwehen der krankheit hängen mir immer noch an und in gesunden 
tagen quält mich das Wörterbuch« in Wien und in ganz Ostreich lebt man jetzt 
in Unruhe und Spannung, es macht uns alle ängstlich und traurig. 

Mit treuem grusz 
16 dec. 1860. Jac. Grimm. 

dank auch fürs Donauthal***). 

35. 

Lieber freund. 
Ewig lang habe ich nicht geschrieben, weil ich eben nichts zu melden hatte, 
meiner gesinnung sind Sie ohnedem sicher, Ihr wolgetroffenes bild hängt in 
meiner stube, und ich kann es täglich betrachten, der Megenberg steht längst 
eingebunden und wird oft aufgeschlagen, vorigen febr. und merz habe ich end- 
lich den längst beschlossenen einzug meiner bücher in Wilhelms stube, zu wel- 
cher nun die thür aus meiner aufgesperrt ist, bewerkstelligt, was mir doch übel 
hätte bekommen können, da ich einen gefährlichen fall von der leiter that und 
mir ein loch in den schädel schlug, das glücklich wieder vernarbt ist. 

In der akademie las ich neulich über stehn, sitzen und liegen, hoffentlich 
mit einigen neuen aufschlüssen über diese wÖrter und Vorstellungen, nebenbei 
ausfuhrlich über den schlaf der vögel. 

es kommt mir manchmal vor ich konnte nun auch schlafen gehen, ohne 
dasz es viel bemerkt würde, ich habe das meinige gethan und thne es immer 

*) Otfiids Verbalflexion, s. Zeitschrift für deutsches Alterthnm XII, 1 ff. Pf. 
♦*) Nürnberg 186a Pf. 
) s. Jahrbuch f: vaterlfind. Gesch. Wien 1861. S. 273 ff. Pf. 



252 MISCELLEN. 

noch, arbeite ein heft nach dem andern aas und kein hahn kräht danach. 
Wackemagei hat sogar in der wenig oder nichts neues bietenden Umarbeitung 
seines Wörterbuchs alle citate der früheren ausgäbe getilgt, die sich auf meine 
grammatik bezogen und wahrscheinlich mit allem fug, denn niemand liest diese 
grammatik mehr, die stelle ihrer schwerfälligen breiten forschung haben auszüge 
eingenommen, mit denen man sich vollkommen begnügt, im wb. bin ich meiner 
alten art und weise nicht untreu geworden, ich dringe in die heimlichkeit un- 
serer Wörter ein so weit ich kann, fast alles ist | von frischem angesetzt, und 
wo nicht alles (was unmöglich), so trift doch vieles, aber wer liest es ordent- 
lich ? ich glaube auszer Hildebrand, der es corrigiert, und Weigand, der von mir 
eingenommen ist, niemand, in fünfzig oder hundert jähren wird man mich nach- 
lesen, wie man jetzt den Frisch aufschlägt. 

Doch lasse ich immerhin einen vierten und wo thunlich fünften band 
weisthümer drucken, das ist auch meine alte flamme« 

Wir stecken hier in trauriger, kläglicher politik, doch so, dasz die Vor- 
bereitung zum besserwerden unaufhaltsam ist. 

11 april 1862. Jac Grimm. 

Sie wollten ja über das Schlummerlied schreiben? Simrock ist so weit, 
dasz er den sommer wieder in Bonn lesen will, er hat den Walther in dritter 
ausg. umgearbeitet und einige kühne sätze über die töne aufgestellt. 

36. 

Lieber freund, länger warten will ich nicht, ich war schon viele monate 
drauf und dran Ihnen zu schreiben und dank zu sagen, die letzte sendnng*) 
verdunkelt aber alle früheren und ich kann Ihnen nicht ausdrücken, wie sie mich 
überrascht hat und welch dauernde freude sie mir macht, eine angenehmere 
Zueignung hätten Sie nicht erdenken können, als die eines werks das mir längst 
am herzen lag und mich beschäftigte, ich lese es nun in reinerem gewande 
und mit voller Zufriedenheit. Sie haben nichts daran versäumt und der folgende 
band wird nicht nur die mir noch unbekannten predigen, sondern auch ein 
Wörterbuch gleich dem zu Megenberg bringen und allen meinen arbeiten Vor- 
schub thun. ich bin begierig was Sie über den verhalt der lateinischen texte 
und die wahrscheinlichste art und weise der aufzeichnung festgestellt haben, 
sicher war Berthold ein klarer und begabter köpf, der freilich nach den ein- 
flüssen seines Zeitalters zu beurtbeilen ist und dessen spräche noch ruhiger und 
reiner flieszt als die des späteren Keisersberg, der ihm sonst in gesinnung und 
anläge oft ähnlich steht, die mjstiker Eckhart und Tauler sind tiefsinniger aber 
auch verworren und ärmer an aufschlüssen für sitte und geschichte. 

Ihre fruchtbarkeit, lieber freund, in den letzten jähren ist bedeutend. 
Berthold und Megenberg lagen freilich schon geraume zeit vorbereitet in Ihren 
bänden, sind aber ohne zweifei noch vielfach durch sie gegangen, noch habe 
ich mich nicht über Kürenberg, als Nibelungendichter geäuszert **) , alles ist 
von Ihnen fein und sorgfältig angelegt, mit unleugbarem Scharfsinn ausgeführt, 
ich stecke jetzt tief in dem wörterkram und habe die faden der literaturge- 
schichte nicht alle in den bänden, unbegreiflich ist fast, dasz die autorschaft 



*) Berthold von Regensburg, volUtändige Ausgabe seiner Predigten. Erster Band. 
Wien 1862. Pf. 

**) Der Dichter des Nibelungenliedes. Wien 1862. 



MISCELLEN. 253 

eines solchen dichters und bei solch einem werk im ganzen dreizehnten Jahr- 
hundert ▼erschollen und unberührt geblieben sein sollte; wenn auch die heimi- 
schen epischen Stoffe vor der kunstpoesie zurückwichen, .die sich selbst erst von | 
Veldeckes auftreten herleitet, so waren sie selbst darum noch nicht in verges- 
senheit geraten. Grotfried nennt den von Hagenau die ieitefrau aller nachtigallen, 
es ist möglich, dasz des Kürenbergers lieder damals nicht mehr bis über den 
Rhein gedrungen waren, aber in Baiern und Österreich musten doch Wolfram 
und Neidhart künde davon haben und namentlich ersterem hätte eine erwähnung 
Kürenbergs näher gelegen als die des Rumolt aus dem gedieht selbst, weil uns 
soviel verloren gegangen ist, gestehe ich, darf auch dem argumentum a silentio 
nicht xn viel getraut werden. 

Holland in München will den gedanken an Kürenberger auch gehabt 
haben, sein buch *) lehrt nichts neues , obgleich es mit geschick verfasst ist, 
die vielen auszüge geben ihm interesse, sind aber zu weitläuftig und unvoll- 
standig. die bairische und österreichische geschichte der poesie im 12 — 14 jh. 
dürfen nicht von einander gerissen werden, lassen sich aber sehr gut einer 
schwäbisch-allemannischen zur seite stellen. 

seit 4 oder 5 wochen hat mich etwas betroffen, das mich unruhig^macht. 
eine fliege schwebt mir im rechten äuge und stört meinen blick, das kann 
ebensowol langsam vergehn als zunehmen und verböte von einem star sein, 
dann bliebe mir nur das linke äuge und ich habe beide so nöthig. 

es freut mich, dasz die Zeitschrift fortbesteht, das bedeutendste im letzten 
Heft war der Wiederabdruck von Holzmanns recension **). 

mit ungeschwächter freundschaft 

Ihr dankbarer Jac. Grimm. 

Berlin 5 aug. 1862. 

gestern besuchten mich drei Japaner, gutmütige, unbeholfne gesiebter. 

37. 

Berlin 23 dec. 1862. 

Lieber freund, Sie lassen nicht ab mir Ihre neuen hefte und was sonst 
von Ihnen erscheint zu übersenden und dankbar nehme ich alles in empfang, 
der nachruf hinter Uhland hat mich gerührt und es fuhr mir durch die seele, 
dasz Sie auch nach meinem tod ein paar blätter ausgeben werden, wir haben 
io der akademie die sitte, dasz wenn ein mitglied stirbt seine einzelnen abhand- 
langen zusammengebunden aufgestellt werden und im geist sehe ich auch meinen 
band zugebunden, doch soll wenn ich lebe noch einiges hinein, jeder mensch 
fallt ein ihm, ohne dasz wir es merken, gesetztes masz von thätigkeit aus. 

Den aufsatz Zingerles über ä ***) finde ich mager , es tröstet mich aber 
über die brauchbarkeit meiner arbeiten, dasz er dem, was ich bereits 1831 
waste, nichts hinzuzuthun hat, da sich doch vieles erweitern Hesze. p. 265 fehlt 
8ni4 snf, p. 260 fiurä, Hntä = feurio, feindio u. s. w. 



*) Geschichte der altd. Dichtkunst In Bayern, von Dr. H, Holland. Regensburg 
1862. Pf. 

**) s. Germania VII, 196 ff. Rec. des vierten Abdruck» von Lachmanns Der Nl- 
belange Noth und die Klage. Berhn 1859. Pf 
***) 8. Germania VII, 257 ff. Pf. 



254 MISCELLEN. 

Haben Sie Meyers Walther von Schipfe *) anf^esehn ? die vorrede miuz 
Ihnen misfallen, weil er nicht einsieht, dasz Lachmanns und Mollenhofs arge 
polemik natürlich eineu reaction zur folge haben, aber die kleine echrift ist 
nicht ohne combinationsgabe , wenn man auch dem ergebnis nicht beiatinimt 
es wäre doch seltsam und unbegreiflich, dasz in allen gedichten Waltbers und 
bei allen übrigen dichtem keine anspielung auf das schenkenamt und den namen 
Schipfe vorkommt, mehrere dichter heiszen ja schenke und so besonders vor- 
nehm werden die dynasten von Schipfe nicht gewesen sein, und an&llend 
klingt doch 

mich hat daz riebe und euch diu kr6ne an sich genomen. 
könnte der name Schipf oder Schipfe auf weide und Vogelfang gehen, se wurde 
auch Vogelweide gedeutet f), ich kann aber keine bestatigung dafür finden, 
der Würzburger stein geht nur auf den dichter und hat nur pascua volucrum ; 
so wenig den geschlechtsnamcn als das todesjahr, woran uns besonders läge, 
dankenswerth ist auch die auffindung des Gk>dcfredus de Argentina. 

In Biegers Walther scheinen einige änderungen mir zu kühn. 

Frohe Weihnachten und neujahr. 

Ihr Jac. Grimm. 

t) schipf wäre etwa der bügel, der herd, den sich der Vogelsteller baut, wonach 
anch der vorbeiflieszende bach Schipfe heiszen dürfte, können Sie ohne mühe erkun- 
digen, ob von Kaltenb&cks pan- und bergtaidingsbüchem mehr heraus ist als band 2 
seito 320 (Wien 1847, im verlag von Ignaz Klang), so bitte ich nm nachricht. 

38. 

Lieber freund , alare , alaere **) ist doch wol nichts als sambucus nigra, 
unter welchem wort Nemnich zu dem bekannten holunder, holler auch die form 
alhom, alhem stellt, die aus aler verlängert, oder aus welchen dieses gekürzt 
sein kann, schwer aber wird sich alare den buchstaben nach mit holer einigen 
lassen, wie sollte die aspiration hinzugetreten oder weggefallen sein? im latein 
ist das freilich gewöhnlich, olus, holus etc. typtanum ist verderbe aus dictamus, 
wie sich auch sonst diptam findet, manfende verstehe ich kaum, das ahd. fendeo, 
fendo ist pedes, fuozfendo pedisequus, es erhellt nicht, ob neben hasenbein 
und hirschhom ein andrer knoche, oder ein kraut gemeint wird, den werten 
nach wäre manfende gleichfalls pedisequus, was sich auf tarsus, fuszblatt, fuszzehe 
deuten liesze. sehr merkwürdig und deutlicher ist merswaz, ich weiss nur nicht ob 
merswaz oder merswftz, gemeint wird damit sepia, os sepiae, ein altes arznei- 
mittel, swäz ist ausgusz, ausschutt, quod effunditur, schlesisch schwutz. Wein- 
hold 89*, was sowol an schmutz, als an schweisz, sudor erinnert. Schmeller 3, 
652 hat aus der Oberpfalz die schwätzen, der durchfall vom vieh, und schwatzen 
durchfall haben, d. i. ausschütten, bei Frauenlob Ettm. p. 118 

und sitzet an die sunncn warn 

und trinket dft des pfuoles harn 

üz köpfen boesc in irmen rehte, daz si s!n sw^lzen (: l&zen, m&zen), 



*) Waltlier V. d. Vogolweide identisch mit Schenk Walther von Schipf. Voa 
fi. H. Meyer. Bremen 1863. Pf. 

**) Über die lüer besprochenen Wörter s. Zwei deutsche Arzneibücher aus dem 
UL und XUI. Jhd. Wien 18(>3. S. 10. Pf. 



MI8CELLEN. 255 

in irmcn rehte mir dunkel, das c wird von Ettmülier unriclitig zugesetzt, der 
sonst p. 329 swäzen, ohne es zu verstehn^ ausrinnen richtig erklärt: trinkt da 
die jauche des pfuls ans schlechten ausrinnenden , verschüttenden köpfen, wie 
nun, wenn unser schwatzen, plaudern auch eigentlich bedeutete verba effundere, 
fallen lassen? die schmutzige bedeutung braucht nicht vorzuherschen, effundere 
grenzt an effutire und unser plaudern, blodern, schwatzen gilt gerade vom ge- 
schwätzigen, rauschenden, gieszenden bach (wb. 2, 141). um wieder auf mer- 
swäz zu kommen, so wäre es maris effusio, vielmehr quod in mari effunditur 
a pisee, meerschmutz, meerdinte, atramentum marinum, sepia. man könnte denken, 
es sei in swaz ein r ausgefallen, { da schon bei Ulfila svartizla dinte ausdrückt, 
and merswarz sei = meerdinte. doch das schickt sich nicht zu schwätzen, 
plandem. die Franzosen brauchen für os sepias ^cume de mer, meerschaum. 

was die entfallenden tuomen neben den tunewengel sein sollen, ist schwer zu 
sagen, die wangen neben den schlafen? Berthold fuhrt unter den todeszeichen 
8. 509. 510. dieses nicht an. das wort begegnet sonst nicht, an dümen, dau- 
men ist nicht zu denken. 

buomez ist bims, pumez, ahd. pumez, mhd. pumz. urstende bei Hahn 
103, 15. 

buzina ein ruortrane mir ganz dunkel, denn die zwei buzzel mit win 
scheinen etwas anders, vgl. franz. boisson, trank. 

Wenn Sie als ein noch junger mann über krankheit und unlust zur arbeit 
beschwerde fuhren, was soll ich, der ich im 79 jähr stehe, dem die mücke vor 
dem rechten äuge mit ihren fühlhömem schwebt (doch gewöhne ich mich fast 
daran) und dem manchmal bände und beine ermüden? ich schreibe demun- 
geachtet rüstig fort. 

Ich bin voll von Renaus de Montauban *) und habe last vom altfranzö- 
sischen epos zu handeln, hier ist wirklich mehr epischer stil als in den Nibelungen. 

Ich will sehen, was Sie zu Walther von Schipfe sagen, mir gefiel der 
gedanke und die mutige ausführung, abgesehen von der vorrede, die ich misbillige. 

Grüszen Sie Vemaleken, den söhn von frau Aleke. ich weisz wirklich 
nicht, ob ich ihm für den zweiten theil der sjntax gedankt habe, er ist ein 
guter freundlicher mann, meine feder will auch nicht mehr fort, ich schliesze 

als Ihr aufrichtiger freund 

27 febr. 1863. Jac. Grimm. 

39. 

Hierbei, lieber freund, ein band weisthümer, der vielleicht mehr eindruck 
machen würde, wenn die vorrede ausgeführt worden wäre, wie es geschehen 
sollte, hinterher entschloss ich mich zu einer besonderen schrift, die mich nun 
eine zeitlang vom Wörterbuch abhält. Sie können aber, bis sie erschienen ist^ 
das buch noch ganz bei seite legen. 



In Osterreich wird, wenn, wie ich hoffe, Ihre Wirksamkeit anhält und sich 
noch erhöht, Ihnen bald eine reihe von schülern zur seite stehn. ich habe 
eigentlich nie schüler hervorgebracht, weil bei mir der lehre stets das lemea 



^ ed. H, Michelant — Bibliothek des 11t. Vereins Nr. 67. Stuttg. 1862, 



256 MISCELLEN. 

überwog, in meiner lehre also etwas unfertiges blicken muste, was ich lernte 
gab ich immer treu hin. 

nun plage ich Sie noch mit dem beigefügten packet, daa ich an Karajtn 
zu senden bitte. 

6 Jan. 1863. Ihr Jac. Grimm« 

40. 

Lieber freund, ich habe lange nicht geschrieben und für das erste heft 
der forschung und kritik *) zu danken vergessen, über die örtlichkeiten des 
Helmbrecht ist nach den abweichenden handschriften schwer zu entscheiden, 
doch mag Ihre ansieht die richtige sein. Sie haben damit eins der besten alten 
gedichte Österreich rindiciert. 

Die ziemlich langweiligen bruchstücke des gedichts für Ludwig von Baiem 
mit der aUegorie von frau Ere, frau Venus und herm Velox sind durch Sie 
sehr sorgföltig zusammengestellt und erklärt worden, es kommt mir nur za um- 
ständlich vor, dasz man das immer schwäbisch- alamannisch nennen soll, ich meine 
schwäbisch reicht hin, wenn auch in der Untersuchung das schwäbische und 
alamannische geschieden werden musz. das Elsasz ist nicht einmal reintüaman* 
nisch, sondern mit fränkischem gemischt bei Keisersberg wird öfters über die 
Schwaben losgezogen. 

Weinholds alamannische grammatik ist nun erschienen, ich kann nicht 
sagen, dasz sie mir genug thu(:, ea wird vieles nachzuholen und zu ändern 
bleiben, er hat oft nicht den rechten tact, und die alemannischen merkmale 
treten nicht sattsam hervor, unerläszlich war es ein Verzeichnis der characteri- 
stischen Wörter aufzustellen, meine entdeckung über die alamann. schwache con- 
jugation **) leuchtet ihm nicht ein und er verschmäht eins der besten kennzeichen. 

Nächstens lasse ich eine abh. Ober das Schlummerlied erscheinen, wenn 
es mir in der akademie zu lang damit dauert, in besonderm druck, ich hoffe 
es soll Sie freuen. 

Gegenwärtig bin ich durch Jonckbloets ({tude sur le roman de Renart ***) 
ganz zurückversetzt in die zeit der herausgäbe des Reinhart; es gibt in der 
ganzen geschichte der poesie keine anziehendere Untersuchung als die der 
thierfabel. Ihr 

26 juU 1863. Jac. Gr. 

BERICHTIGUNG. 

Nach einer brieflichen Mittheilung meines lieben Freundes Prof. Dr. IL De Vries 
in Leiden gehört das oben S. 81 ff. abgedruckte niederländische Bruchstück nicht in 
Maerlants Reimbibel (die übrigens in drei Bänden 1858 — Gl durch Prof. David in Löven 
heraasgegeben ist), sondern zum Lekcnspieghel von J. Boendale ed. M De Vries 
(Leiden 1846—48) Buch I, Cap. 39, V. 124 bis Cap. 41, V. 60. F. P. 



*) Forschung und Kritik auf dem Gebiete des deutschen Alterthums. f. Wien 

1863. Pf. 

*♦) s. Germania III, 147. 
♦•*) Groningne, J. B. Wolters. 1863. 



257 
[BEILAGE ZDB aEBMAXIA XI, 2. HEFT.J 



FÜR HERRN J. ZACHER IN HALLE. 



Als Herr Zacber in den Jahrbüchern für PhH. und Päd. zu Ende des 
▼origen Jahres aas Anlaß meiner Ausgabe des Walther seine „kritische Wasser- 
suppe^ auftischte, hatte er, im GrefÜhl etwas AußerordentLiches geleistet zu haben, 
wohl gehofflfc, ich würde nichts Eiligeres zu thun wissen, als hungrig darüber 
herzufallen und ihm damit eine Ehre zu erweisen, nach der er lüstern verlangt. 
Da mir jedoch Wichtigeres obliegt, als mich mit dem G-ebräu kritischer Koch- 
künstler von dem Schlage des Hm. Z. zu befassen, und mit einer vorläufigen 
kurzen Empfangsbestätigung (s. oben S. 114) ein Übriges gethan zu haben glaubte, 
wird er, in seinen Erwartungen geteuscht, nun frech und zudringHch, indem er 
die G-elegenheit vom Zaune bricht, um mich am nämlichen Orte (Jahrb. 1866, 
n. Abth. S. 111. 112) abermals, zum Nachtisch gleichsam, mit einem unge- 
salzenen Produkt aus seiner Waschküche zu regalieren. 

Allerdings ist es für Jemand, der, in trauriger Selbstteuschimg befangen, 
etwas Großes zu sein glaubt, sehr kränkend, sich geringschätzig behandelt zu 
sehen, und Monate lang auf eine unliebsame Eröffnung warten zu maßen,, ist 
auch nicht gerade angenehm. Dennoch hätte Hr. Z., statt über einen roa mir 
vielleicht nicht genugsam überlegten Ausdruck sofort Zeter zu schreien, gewiss 
klilger gehandelt, wenn er, seine Empfindlichkeit unterdrückend und seine Un- 
geduld bemeistemd, in Ruhe das Erscheinen des 2. Heftes der Gkrmania abge- 
wartet hätte. Er würde dann vielleicht geschwiegen und dadurch sich und nur 
nianeherlei Unlust erspart haben. Wie die Sache steht, muß ich ihm wohl die 
Elhre einer Erwiderung anthun. Ob sie ihn befriedigen wird, weiß ich nicht, 
kümmert mich auch nicht, er hat es ja so gewollt. 

Nach seiner Behauptung enthält die ihm gewidmete einzige Zeile eiae 
Drohung, eine Schelte und eine Verleumdung. Das ist viel auf einmal. Hr. Z. 
teuscht sich jedoch, er gebraucht da Worte, deren wirkliche Bedeutung ihm, 
der ein deutscher Sprachforscher sein will, offenbar zur Zeit noch verschlossen 
ist Weder ist die vorläufige Anzeige von etwas wirklich G-eschehenem eine 
Drohung, noch die Erwähnung einer unleugbaren Thatsache eine Schelte. 
Auskunft über den eigentlichen Sinn dieser beiden Worter kann Hr. Z. im 
nächsten besten Wörterbuche finden. 

Von größerem Gkwicht ist der mir zugeschleuderte Vorwurf der Verleum- 
dung. Es wird daher nöthig sein, sich über die Bedeutung dieses Ausdrucks 
genau zu verständigen. Verleuoiden heißt: von Jemand ohne Grund Böses oder 
Nachtheiliges aussagen und ihn dadurch in Übeln Ruf bringen. Habe ich mir 
Solches an jener Stelle wirklich zu Schulden kommen lassen?' Ich befiirchte nicht 
Hat Hr. Z«, wie er wiederholt versichert, in der That ganz allein, aus eignem 
Antrieb, den Beschluß zu jener Beurtheilung gefasst und ausgeföhrt, so> ist meine 
Annahme, daß ihn Andre dazu „vermocht'' haben, eine in*ige und meine Be- 
hauptung eine falsche, aber darum noch lange keine Verleumdung; behauptet 



258 BEILAGE. 

doch Hr. Z., er sei es der WifiBenschaft, der Universität, der Schule, sowie dem 
Andenken seines Lehrers und Freundes Lachmann schuldig gewesen, gegen mich 
und mein Buch aufzutreten, er hahe damit eine unahweisliche moralische Pflicht 
erfüllt. Er bildet sich also alles Ernstes ein, der gute Hr. Z., ein tugendhaftes 
Werk, eine rettende That vollbracht zu haben. Wie in aller W^elt kommt er 
dann aber dazu, mich der Verleumdung und Beschimpfung jener zu zeihen, die 
ihn nach meiner, wenn auch irrigen, Meinung zu deren YoUbringen vermocht 
haben? Seit wann pflegt man Denjenigen einen Verleumder zu heilen, der einem 
Andern^ wenn auch ohne Grund, die Theilnahme an einem guten Werke zutraut 
und zuschreibt? Ofienbar gebrieht es Hm. Z., trotz der Methode, deren Besiteei 
er sich rühmt, am einfachsten logischen Denken, oder sollte am Ende gar der 
Zweifel seines Herzens Nachbar und in dem schweren Vorwurf der Terratherbche 
Zeuge einer leisen Mahnung seines Gewissens verborgen sein, einer innem Stisnine, 
die ihm vorhält, daß die Anzeige doch nicht aus so durchaus lautem Motiven 
entsprungen sei, als er sich selbst und seinen Lesern aufzureden sucht? Daas 
allerdings, aber nur dann, wenn er von der Lauterkeit seiner Handlung nicht 
vollkommen überzeugt war, ist der Ausdruck Verleumdung begründet, aber 
nicht ich bin es, der dann einen Vorwurf verdient Denn meine Äußerung war 
ohne Arg, ich dachte entfemt nicht daran. Hm. Z. und seinen Freunden damit 
etwas Böses oder Ehrenrühriges nachzusagen. 

hn Gegentbeil würde ich es ganz natürlich und unbedenklich finden, wenn 
er sich, aus Erkenntlichkeit, durch Jene, denen er so Vieles verdankt, hätte be- 
stimmen lassen, seiner Meinung über mein Buch, das ganze Unternehmen und 
dessen Eichtung öfientlichen Ausdruck zu geben imd Ansichten auszusprechen, die 
bekanntlich nicht sein alleiniges Eigenthum sind, sondern der Clique angehören, 
deren Mitglied er ist. Unerhört wäre dergleichen nicht. Oder %'erlangt Hr. Z. Be- 
weise? Ich kann sie ihm geben, authentische, aus eben jenem Kreise. Übrigess 
ist er selbst es, der durch die lange Auseinandersetzung, womit er am Schlüsse 
seiner Anzeige die insolente Sprache, deren er sich wider mich bedient, zu moti- 
vieren, d. h. zu beschönigen bemüht war, die Vermuthung eines solchen Verhalts 
in mir geweckt hat. War er überzeugt, gegen Wissenschaft, Universität und Schule 
eine unahweisliche moralische Pflicht erfüllt, war er sich bewusst, durch Vernich- 
tung von etwas Gemeinscliädliclam um jene sich verdient gemacht zu haben, wosu 
dann die vielen Worte? Seine vei dämmte Schuldigkeit gethan zu haben, bedarf 
niemals einer Entschuldigung. Ich denke daher, ganz aus der Luft gegrifien war 
Biein Verdacht nicht. In der That begreife ich heute noch, wo es mir, ihn aufrecht 
zu halten, nicht mehr gestattet ist, nicht recht, wie Hr. Z., dessen Name in der 
altdeutschen Philologie kaum bekannt ist, der auf dem Gebiete der Kritik und 
Exegese die ersten Proben noch abzulegen hat, sich konnte beikommen lassen, in 
einer Angelegenheit das Wort zu ergreifen, über die er zu reden gar keinen Beruf 
hat und die ihn im Grunde nichts angeht. Gegen ihn war das Vorwort wahrlich 
nicht gerichtet, denn mit ihm und seinen Arbeiten sich zu beschäftigen, in Gutem 
oder in Bösem von ihm zu reden, hat er uns kaum je Anlaß gegeben. Ist seine 
Liebe zur Wissenschaft so heiß, wie er vorgibt, warum hat er zu deren För- 
demng und Gedeihen so gar nichts bis jetzt beigetragen? Was soll das Geflunker 
von Wissenschaft und von angeblichen moralischen Pflichten, Männern gegenüber, 
die von jungen Jahren an der Wissenschaft mit Eifer und Hingebung redlich 
gedient und durch die That bewiesen haben, daß sie dieselbe nicht bloß auf den Lippen, 



BEILAGE. 259 

sondeni im Henen tragen? ,Wer ist der Hr. Zaeher, der sieb aufWirft, über sie 
Gericht zu halten? Es ist Hr. Zacher, der Professor. Sehr wohl; damit mu6 
sich der Pedell auf einer preußischen Universität begnügen ; aber auch der Leser? 
Wenn der Leser fragt: wer ist der Hr. Zacher? so will er wisaen, was dieser Herr 
Zacher geschrieben hat und worauf sich sein Becht gründet, über solche Männer 
laut urtheilen zu dürfen. Nicht diese Männer nehmen ihn wegen dieses Bechts in 
Anspruch, sondern das Publicum. Die Nachsicht, die das Publicum hierin gegen 
einen ungenannten kritischen Schriftsteller hat, kann es gegen ihn nicht haben. 
Der ungenannte Kritiker will nichts als eine Stimme aus dem Publicum sein, und 
80 lange er ungenannt bleibt, lässt ihn das Publicum dafür gelten. Aber der Kri- 
tiker, der sich nennt, will nicht eine Stimme des Publicum sein, sondern will das 
Publicum stimmen. Seine Urtheile sollen nicht bloß durch sich so viel Glück ma- 
chen, als sie machen können, sie sollen es zugleich mit durch seinen Namen machen ; 
denn wozu sonst dieser Name? Daher aber auch Yon unserer Seite das Verlangen, 
diesen Namen bewährt zu wissen ! Daher die Frage, ob es verdienter Name, ob es 
verdienter Name in diesem Bezirke ist! Jeder andere Name ist noch mehr Betrug 
als Bestechung. Und wenn Hr. Zacher Staatsminister wäre und wenn er der größte 
lateinische Stilist, der erste Philolog von Europa wäre, was geht uns das hier an 9 
Hier wollen wir seine Verdienste um die deutsche Sprachwissenschaft kennen, und 
welche sind die? Was hat unsere Sprache von ihm erhalten, worauf sie gegen 
andere Sprachen stolz sein könnte ? Stolz ? was sie sich nur nicht schämen dürfte, 
aufzuweisen 1*^ Die Worte, deren ich mich hier bedient, gehören nicht mir, sondern 
ich habe sie, mit einigen ganz unwesentlichen, aber nothwendigen Änderungen, 
Leasing entlehnt, demselben Lessing, den auch Hr. Zacher zu citieren liebt, aus 
denselben antiquarischen Briefen, die er ungeschickter Weise gegen mich aufruft, 
von denen er aber nur den letzten zu kennen scheint, auf dem er nun schon zu 
wiederholten Malen (s. Jahrbücher f. Phil. u. Pädag. 1858, H. Abth. Bd. 78, S. 1 75) 
herumreitet. Hätte er auch den unmittelbar vorausgehenden Brief, den vorletzten 
(56.), gelesen, so würde er obige Stelle und noch andere gefunden und vielleicht 
auch bemerkt haben, daß, was Lessing dort über Klotz und dessen Freunde achreibt, 
auf ihn und seine Schulkameraden so genau paset, als wäre es ihnen auf den Leib 
gemessen. Noch ist, wie man sieht, das Geschlecht der Klotze nicht völlig aus- 
gestorben und merkwürdiger Weise ist es abermals die Hallorenstadt, wo dieser 
allerdings etwas dürftige Ableger des alten Klotz, der trotz alledem ein vielver- 
dienter Mann war, zum Vorschein gekommen ist. Zum Glück fehlen aber auch 
heute noch die Keile nicht, wie sie auf solche Klötze gehören. Den Anstoß zur 
Auffindung dieser treffenden Parallele empfieng ich von Hm. Z., was ich hiermit 
dankend bescheinige. 

Übrigens kam seine Warnung, den Abdruck der Briefstelle J. Grimma 
zu unterlassen, viel zu spät: als sie eintraf, war der Schade bereits geschehen. 
Gefruchtet hätte sie ohnehin nichts. Ich sehe nicht ein, was mich abhalten sollte, 
dem auf hohem Bosse dahersprengenden Hm. Zacher aus dem Munde eines 
Manne«, dem ein sicheres Urtheil gewiss vor jedem Andern zustand, die Wahrheit 
über sich selbst sagen zu lassen. Streng genommen verstoße ich damit, du auch 
dieses Urtheil sich an eine litterarische Erscheinung knüpft, nicht eicmal gegen 
den oben S. 114 aufgestellten Grundsatz, was zur Beruhigung des ängstlichen 
Wamers in Nr. 14 der Blätter f. litt. Unterhaltung ausdrücklich hier bemerkt 
sein mag. 



260 BEILAGE. 

„Zacher ist mir von jeher unbedeutend Torgekommen, doch einen ao elenden 
und dabei sich übernehmenden Aufsatz hätte ich ihm nicht zugetraut.' Dies ist und 
war auch stets meine Meinung, sie beruht auf eigenster Beobachtung und Erfahrung. 
Schmeichelhaftes liegt darin freilich nichts, aber auch nichts Ehrenrühriges, nichts 
was man anderswoher als aus dem, was Hr. Z. geschrieben, zu wissen braucht, 
nichts also, das zu jenem letzten antiquarischen Briefe Lessings „einen praktischen 
Commentar'' lieferte. Der Ausdruck „von jeher^ deutet auf keine „vorübergehende 
gereizte Stimmung", wie Hr. Z. im Voraus darzustellen sucht, sondern zeigt, daß 
J. G-rimm ihn stets richtig, von jeher so taxiert hat, wie er es verdient. „Unbe* 
deutend" ist in der That das rechte Wort ; wie sollte es auch anders sein können ? 
hat doch Hr. Zacher nie etwas gethan, was ihm Anspruch auf eine bessere Note 
gäbe. Auch die Bezeichnung „elend" ist nicht zu stark, der erwähnte Aufsatz ist 
wirklich über alle Beschreibung elend; und ebenso mulS der Ausdruck „über- 
nehmend" vollkommen zutreffend genannt werden. Davon liefern seine Anzeige 
sowohl als das neuerliche Gewäsch wiederum die schlagendsten Belege. „Ich habe, 
sagt Hr. Z. an letzterem Ort, damals die eigene öffentliche Äußerung J. Grimms 
nut dem pietötsvollen Schweigen hingenommen, welches ich dem hochverehrten 
Lehrer schuldete, wie ja auch alle, die dem trefflichen Manne näher standen, seine 
reizbare Empfindlichkeit schonten und trugen." Wie, nachdem Hr. Z. ihm mit 
einer frecherlogenen Behauptung am Zeuge zu flicken gesucht und von ihm mit 
Fug darob zurechtgewiesen wurde, hat er noch den Muth, von „hoher Verehrung" 
und „pietätsvollem Schweigen" zu reden. Was hätte er auch darauf erwidern 
können? Nicht genug, ein Zacher spricht von Schonung und Ertragung, die er 
gegen einen J. G-rimm und „seine reizbare Empfindlichkeit" geübt! Ein Knirps 
hat Nachsicht mit den Schwächen eines Biesen! Wahrlich die verkehrte Welt und 
ein seltenes Beispiel unberechtigtster Selbstüberhebung. Es kann mir nur lieb sein, 
wenn es Hm. Z. noch gelingt, das vorstehende wohlbegründete Urtheil zu seinen 
Gunsten umzuändern. Eins aber sollte er dabei beherzigen: daß er dies auf dem 
bbherigen und dem zuletzt betretenen Wege nimmermehr erreichen wird. 

An dieser kleinen Abschlagszahlung möge Hr. Z. sich vorläufig genügen 
lassen, hat er nun doch erreicht, womach er sich gesehnt: in der Germania genannt 
und einem großen Leserkreis einstweilen im Schattenrisse vorgeführt zu sein. Später, 
in der versprochenen Rechenschafit; über meine Walther-Ausgabe, werde ich ihn, 
nicht sowohl um seiner selbst willen (das lohnte sich der Mühe nicht), als wegen 
der Ansichten der Clique, die in seiner Anzeige zum Ausdruck kommen, vollauf 
zu befriedigen trachten. Dort werde ich dann auch Gelegenheit finden, ein 
kleines CoUoquium über das Wort „ehrenhaft" mit ihm zu veranstalten, das er 
so oft im Munde fuhrt, über dessen wahre Bedeutung er aber ebenso im Unklaren 
zu sein scheint, wie über die von Drohung,. Schelte und Verleumdung. 

Wien, 4. April 1866. Franz Pfeiffer. 



BMh'iriKkeMl von C«fl 0«n4d'i 8ohu la Wlaa. 



ÜBEB DEN SYNTAKTISCHEN GEBRAUCH DES 

DATIVS IM GOTHISCHEN. 

VON 

ARTÜß KÖHLER *)• 



Wie eine jede Sprache in älterer Zeit eine äußerst einfache Syntax 
zeigt und in der Wortstellung und Satzfugung fast eine gewisse Dürf- 
tigkeit verräth, wie sie auf einer früheren Entwicklungsstufe noch eine 
Menge Partikeln entbehrt, welche späterhin zur Umschreibung einfacher 
bedeutungsvoller Formen^ die verloren giengen, benutzt werden müßen, 
so zeigt auch der älteste germanische Dialect, auf welchen alle For- 
schungen im Gebiete der deutschen Philologie zurückgehen müßen, 
das Gothische, eine wunderbar klare und durchsichtige Syntax und 
vor Allem eine reiche Verwendung der Casus, welche in den übrigen 
älteren germanischen Sprachen schon weit mehr zurücktritt, und von 
der im Mittelhochdeutschen, noch mehr im Neuhochdeutschen, wenn 
ihre Spur überhaupt geblieben, nur noch Trümmer zu entdecken sind. 

Den ausgedehntesten Gebrauch unter allen Casus findet im Go- 
thischen der Dativ, welchem neben den Functionen des eigentlichen 
Dativs noch die des Ablativs und Instrumentals übertragen sind, soweit 
nicht als Stellvertreter des Ablativs, gleichwie dies im Griechischen 
geschehen, der Genitiv eingetreten ist. Von besonderem Interesse sind 
diejenigen Fälle, in denen wir die Frage, ob wir eigenthümlich gothi- 
schen Sprachgebrauch vor uns haben oder eine Nachahmung des grie- 
chischen Ausdrucks anzunehmen ist, zu entscheiden haben, eine Frage, 
die wir freilich oft nicht zu beantworten im Stande sind bei dem Übel- 
stande, daß uns nur zwei Quellen vorliegen, die Bibelübersetzung des 
Ulfilas und die Skeireins, gleichfalls eine Übersetzung. 

Über den syntaktischen Gebrauch des Dativs existiert bereits eine 
Abhandlung von Karl Silber**), die aber der Verfasser lediglich zu 



^ Inangnral-DisserUtioii zur Erlangung der philos. Doctorwürde auf der Georg- 
Ang:aste-Umyer8itSt su Göttingen. Dresden 1864. 54 SS. 8^ 

**) Karl Silber, Versnch über den gothischen Dativ» Im Programm des Dom- 
gynmasioms zn Naumburg 1845. 

QBBlfANIA XI. 17 



262 ARTUR KÖHLER 

dem Zwecke geschrieben hat, um an einem beliebigen Casus die Frage 
nach der ursprünglichen Bedeutung der Casus zu erörtern, die Frage, 
ob die locale oder causale Bedeutung der Casus die ursprünglichere sei, 
und man konnte fast sagen, daß er ganz zufällig den Dativ heraus-» 
gegriffen habe. Auf das Gothische hat der Verfasser sich beschränkt, 
„weil — wie er selbst sagt — in dieser Sprache der Dativ eine fast 
noch ausgedehntere Anwendung findet als im Griechischen.^ Diese 
Abhandlung ist durchaus eine sprachphilosophische Untersuchung: sie 
beschränkt sich fast ganz auf diejenigen Verwendungen des Dativs, 
die dieser Casus auch in anderen Sprachen findet. Der absolute Ge- 
brauch des Dativs ist völlig bei Seite gelassen, für die Vertretung des 
Instrumentals auf eine spätere Abhandlung vertröstet: wir können also 
diese Schrift ohne irgend welchen Schaden für unsern Aufsatz ruhig 
unberücksichtigt lassen. 

Bei der Darstellung des syntaktischen Gebrauchs des Dativs habe 
ich mich im Allgemeinen an Jacob Grimm (im 4. Bande der Gram- 
matik) gehalten. Die einzigen wesentlichen Abweichungen von seiner 
Eintheilung bestehen darin, daß ich die ablativischen und instrumen- 
talen Functionen des Dativs möglichst auseinander halte und daß ich 
die den Dativ regierenden Verba und Nomina zusammen behandle, 
je nach den ihnen gemeinsam zu Grunde liegenden Begriffen. 

Cap. L 
Der eigentliche Dativ. 

§. 1. 

Allgeraeines. 

Beim Dativ haben wir im Gothischen drei Functionen zu unter- 
scheiden: die des eigentlichen Dativs, des Ablativs und des Instru- 
mentals. Grimm (Gr. IV, 683) fasst die beiden letzten Functionen zu- 
sammen, indem er einen eigentlichen und einen ablativischen oder 
instrumentalen Dativ annimmt. Mir jedoch scheint es geboten zu sein, 
diese beiden zu trennen. Im Lateinischen allerdings wird der verloren 
gegangene Instrumental durch den Ablativ mit ausgedrückt, im Grie- 
chischen aber übernimmt die Function des Instnimentals der Dativ,, 
des Ablativs aber der Genitiv (der Ablativ ist als der Casus des Woher? 
anzusehen, woher denn auch die Präpositionen axo, srpog, varo, xata 
und xagä zur Bezeichnung des Ortes oder der Person, von welcher, 
etwas ausgeht, den Genitiv regieren). Auch im Gothischen hat der Dativ 
zur Beantwortung der Frage nach dem Woher ? entschieden ablativische, 



Ober den SYNTAKTISCHKN GEßRAUCri der DATIVS etr. 263 

Qicilt instminenUle Geltung. Im Verlaufe unserer Dnieniuchung wird 
M«*h xeigeo, daß der Mangel einer Unterscheidung zwischen ablativisoher 
lod iostrumentaler Geltung des Dativs bei Grimm manche irrige An- 
»I fat benrorgerofen hat. 

Wahrend der Accusativ der am Völligsten objective Casus ist, 
'kr Casus, in welchen diejenige Person oder Sache gesetzt wird, auf 
«fli'be ganz direct die Thatigkeit des den Satz beherrschenden Sub* 
"riM gerichtet ist, hat der Dativ eine bedeutend stärkere subjective 
Kirbung^ indem er das Verhiiltniss zu einer anderen, neben dem Sub* 
j**.*t und Object existierenden, entfernter stehenden Person oder Sache 
Ao^ibt, indem er aussagt, daß etwas Ar oder in Bezug auf Jemand 
i^ier Etwas geschieht, kurz, er ist der Casus des entfernteren Objects. 
Ibber findet er sich ganz besonders häufig zur Bezeichnung desselben 
^«-i transitiven Verben neben dem Accusativ, der das eigentliche Object 
^M-zeichnet, z. B. Marc. 12, 14: skuldu ist kaisarafnU giban kaisara; 
12, 16: aibairip mis $katt; Luc. 7, 21: blhuUnm managcim fragaf siun; 
oft aoch steht der Dativ als Casus des entfernteren Objects bei ver- 
«Mhwiegenem Objectsaccusativ , der aus dem Znsammenhang oder ans 
*lf-m Sinne leicht zu errathen ist, wie z. B. Marc. 10, 21 : 9va filu 9ve 
habaUy /rabugei jah gif parham. 

Grimm stellt zuerst, als den Dativ verlangend, die Vorstellungen 
•it*« Nihems und Entfemens auf und begreift unter diese Kategorie 
Jir Verba, die ein Geben, Bringen, Zeigen, Sagen, Melden, Bergen, 
Entziehen, Vorenthalten bezeiohnen (S. 638). Alle diese Verba haben 
•J«^ Accusativ der Person oder Sache, welche das directe Object ist, 
tmd den Dativ der Person oder Sache, welche das entferntere, das 
nit*ht so ganz unmittelbar von der Thatigkeit berührte Object ist Dies 
i«t derjenige Gebrauch des Dativs, der in seinem eigentlichsten Wesen 
>f*grQndet, der ihm specifisch eigenthumlich ist, den er in allen ger- 
manischen Dialecten, in allen Sprachen überhaupt hat Diesen Gebrauch 
•i«*s Dativs können wir iuglich hier bei Seite lassen, da wir es nicht 
mh den allen Sprachen gemeinsamen Gebrauchsweisen zu thnn haben, 
Mrtidem vorzugsweise mit den dem Gothischen eigenthümlichen , in 
dmen eine Verschiedenheit von den übrigen germanischen I>ialecten 
Qod den dassischen Sprachen zu Tage tritt 

§. 2. 
Der Dativ von Verbis und Nominibus abhangig. 

Daß die Verba, welche ein Erlauben und ein Wehren, Weigern 
«Dsdrocken, uMlanJbjam und varja$iy den Dativ der Person erfordern^ 

17* 



264 ABTUR KÖHLER. 

liegt aaf der Hand, da sie nicht zu denken sind ohne ein Object, zu 
dem die Erlaubniss ertheilt oder verweigert wird. Ebenso ist es selbst- 
verständlich , daß die Verba des Sagens, Antwortens, gipan und andr 
ha/jan^ den Dativ der angesprochenen Person bei sich haben; doch ist 
zu bemerken, daß gipan häufig auch die Präposition du mit dem Dativ 
zu sich nimmt; um nur einige Beispiele anzufahren, erwähne ich Mattb. 
6, 22; 7, 22; 8, 4. 13 als Stellen, wo der bloße Dativ angewendet ist, 
und Matth. 8, 19. 20. 21 als solche, in denen die Präposition du zu 
Hilfe genommen ist. Ein Unterschied in der Bedeutung von gipan ist 
mir nicht bemerkbar gewesen, wonach die Construction mit dem Dativ 
oder mit der Präposition du und dem Dativ verlangt würde ; Matth. 8, 9 
scheinen sogar beide Constructionsweisen durcheinander zu laufen. 
jah gipa du pamma: gagg^ jah gaggip, jah anparamma: gim, jah gimip, 
jah du akalka meinamma: tavei pata^ jah taujip, wenn hier nicht viel- 
mehr anzunehmen ist, daß der Dativ anparamma von dem kurz vorher- 
gehenden du abhängt; der griechische Text hat keinen Einfluß auf die 
Construction dieser Stelle, da dort nur der Dativ steht nach XiyBtv, 
Bemerkenswerth ist noch, daß rodjan^ welches mehr den Begriff des 
Redens mit Jemandem enthält, als den des einfachen Sagens, Mitthei- 
lens, häufiger die Präposition du mit dem Dativ, als den bloßen Dativ 
bei sich hat, wie es denn auch meistentheils zur Wiedergabe des grie- 
chischen XaXstv gebraucht wird, Idystv und sliietv hingegen äußerst 
selten übersetzt, wofür der Gothe in der Regel gipan anwandte. An 
zwei Stellen, Marc. 9, 4 und Job. 9, 37, nimmt rodjan die Präposition 
mip mit dem Dativ zu sich, als Übersetzung von ^vXXaXatv c. Dat. 
und XaXslv {leta c. Gen. An einen Einfluß des griechischen Originals 
ist keineswegs zu denken, da sowohl die Stellen, wo der bloße Dativ, 
als auch die, wo die Präposition du sich findet, im griechischen Text 
den Dativ aufweisen; unter den 22 Stellen, wo du angewendet ist, 
finden sich allerdings 7, wo XaXslv die Präposition nQog c. Acc. zu 
sich genommen hat, hingegen unter denen, wo der Gothe den bloßen 
Dativ gesetzt hat, keine einzige; doch wird dies Niemand für einen 
Grund halten können, der zu der Annahme eines Einflusses des grie- 
chischen Textes berechtigte. Interessant ist die Stelle Luc. 2, 38, wo 
nach rodjan in c. Dat. steht: soh pizai hveäai aUtandandei andhai/uxit 
fraujin jah rodida bi ina in cdlaim paim usbeidandam lapon Jairusaulymos, 
Es wäre dies keineswegs aufiallend, wenn man die Stelle so auffassen 
dürfte, daß die Prophetin Hanna, von der hier die Rede ist, mitten 
unter den Gläubigen, unter den der Befreiung Jerusalems Harrenden 
gepredigt habe; dies verbietet aber der griechische Text, wo es heißt: 



ÜBEB DEN SYNTAKTISCHEN QEBKAUCH DES DATIVS etc« 265 

wtd Ümiäi m$qI aixov xiöi xoTg nifOgdtxofJvoiq AvT^oxriy iv '/^pot^aAiffi. 
WA werden demnach hier entweder einen Übersetzungsfehler des Ul- 
£1as annehmen muOen, den wir ihm aber schwerlich zntraaen dürfen, 
odrr aber, daß der dem Ulfilas vorliegende Text iv xi6$ totg ntX, 
dargeboten habe, wenn wir es vermeiden wollen, die höchst auffällige 
ronatmction mit in c Dat. bei rodjanj die außerdem nur durch diese 
unxige Stelle verbürgt wäre, anannehmen. 

Ganz in der Ordnung finden wir es, daß vfhautjan den Dativ 
rr^nert and ondhausjany welche beide Verba „gehorchen^ bedeuten*). 
Auffallen muß es aber, daß andhausjan in der Bedeutung „erhören^ 
dro Dativ regiert, Job. 9, 31 ; II, 41. 42. In derselben Bedeutung 
findet sich das einfache hawjan Job. 9, 31 mit dem Dativ. Auch wenn 
Imxnajam nur ein einfaches Anhören, Zuhören bedeutet, ohne daß dabei 
an ein Beachten, Befolgen des Geborten gedacht wird, so findet es 
Mch mit dem Dativ verbunden, Marc. 6, 11; 7, 14; 9, 7; 12, 37; 
Uc 2, 46; 9, 35; 10, 16; 19, 48; Köm. 10, 14. Öfters liegt der Be- 
triff des Aufmerkens auf das Gehorte und demnach des Beachtens 
deaaelben in hausjan und dann mußen wir es auweilen geradezu mit 
•gehorchen*' übersetzen; auch in diesem FaU hat es den Dativ nach 
»ich, Marc. 6, 20; Job. 10, 3. & 20. 27. 47; I. Tim. 4, 16; Skeir. 
111, b; IV, a. Wenn jedoch einfach das sinnliche Hören eines Tones, 
S.*halles, einer Rede u. s. w. gemeint ist, so hat es meist den Accusativ 
bei sich, wie Matth. 7, 24. 26; Marc. 4, 16. 18. 20; 14, 16; Luc 1, 41 
Q. s. w., WO auch im griechischen Texte der Accusativ steht; doch auch 
in folgenden Stellen, welche im Griechischen den Genitiv bei mmoveiv 
sofweiaen, findet sich nach hausjan der Accusativ; Luc. 6, 46; 15, 1; 
Job. 7, 32; Col. 1, 23; IL Tim. 1, 13. Doch finden sich auch einige 
Stellen, in denen hautjanj analog dem griechischen iuwavj mit dem 
Uenitiv verbunden ist Folgende zwei Stellen, Luc 2, 47 allai kaus^ 
j^ndanä ü, Muvtig anovovxig avxov und Job. 7, 40 managai pan püos 
thomapfmM hau*jandan$ pize vaurde^ noUoX ow in xov oxlov anov6m¥%9^ 
ror io>^oy können wir nicht als vollgültige Belegstellen ansehen, da 
das Participium koufjandwu sehr wohl als Substantiv gefasst werden 
kann, ala „die Ilorer, Zuhörer,^ in welchem Falle der Genitiv absolut 
oothwendig sein wurde. Noch weniger mochte ich die Stelle Job. 6, 60 

•) m/hmuj€^m c. Dat liatih. 6, 24; 8,27; Marc 1, 27; 4, 41; Lac 2, 51; 8,25; 
I'». 17. 90; mSm. 8. 7; 10, 3. 16; 13, 1; L Cor. 16. 16; Eph. &, 21. 22. 24; Col. 3, 
I**. 20. 22; Oal. 3, 1; 5, 7; II. Thest. 1, 8; Skeir. I, e nnd das Part. Prac«. u/ham- 
j»mia c Dat. Lac 2, 51 ; PhUipp. 2, 8; I. Ttm. 3, 4; amikausjam c Hat Marc ^ 2r); 
Uc 17, 6s L Cor. 14, 21. 



266 AETÜR KÖHLER 

hieherziehen, panuh mcenagai gähauyandans pize siponje ü qepun, jcoXXol 
ovv axovöavtig ix tmv (ladiicäv avrov slicov, da is weit natürlicher zu 
pize siponje gezogen wird, ganz so wie im griechischen Text avtov zu ix 
täv iiad'iitmv. Man hat gar nicht nöthig, panuh als Object, von gahaus- 
jandans abhängig, anzusehen, was an sich recht wohl gienge {panuh 
zusammengezogen aus dem Accusativ pana, hunc^ und dem Copulativ- 
suffix uA), denn im Griechischen steht axovöavtsg gleichfalls absolut. 
Dahingegen ist der Gebrauch des Genitivs bei hausjan sicher verbürgt 
durch zwei Stellen, wo hausjan als Verbum finitum fungiert, Job. 10, 16 
ja anpara lamba aih, . . jah stibnos meinaizos hausjand und Job. 18, 37 
hvazuh saei ist sunjos, hauseip stibnos meinaizos^ wozu noch Job. 19, 13 
zu rechnen ist, wo zwar das Part. Praes. steht, aber in solchem Zu- 
sammenhange, daß die ftir jene oben besprochenen Stellen vorgeschla- 
gene Deutung als durchaus substantivisch, nicht zulässig ist; panuh 
Peüatus hausjands pize — (hier bricht der Text ab), o ovv Ilikaxog 
äxovöag tovtov rov Xoyov. — Wir haben demnach eine dreifeche 
Construction von hausjan: Genitiv und Accusativ werden angewendet, 
wenn von sinnlichem Hören die Rede ist, jedoch tritt der Genitiv nur 
dann ein, wenn der Begriff des Aufmerkens, des Gehorchen s mitherein- 
spielt; tritt dieser Begriff nur ein wenig hervor, so ist auch der Dativ 
zulässig, der nothwendig stehen muß, wenn jener Begriff stärker sich 
geltend macht oder so sehr in den Vordergrund tritt, daß er den des 
Hörens ganz verschwinden macht, sei es nun ein Gehorchen, wie es 
dem Abhängigen, Untergebenen ziemt, oder sei es ein gnädiges Er- 
hören von Seiten eines Mächtigeren, namentlich Gottes. 

Hieher gehören noch einige Yerba des Dienens : andbahtjan, sipon- 
jan^ skaUdnon^ welche den Dativ der Person, deren Diener oder Schuler 
man ist, bei sich haben. Nur Matth. 27, 57 findet sich siponjan mit 
dem Dativ : saei ja silba siponida Jesua ; dagegen skalhnon mit dem 
Dativ sehr häufig, Matth. 6, 24; Luc. 15, 29; 16, 13; 1, 74; Job. 8, 33; 
Rom. 7, 25; 9, 12; 12, 11; 13, 3; 14, 8; I. Cor. 6, 10. 11; Gal. 4, 
8. 9; 5, 13; ebenso andbahtjan Matth. 8, 15; 25, 44; 27, 55; Marc. 1, 
13. 31; 15, 41; Luc. 4, 39; 8, 3; 17, 8; Job. 12, 26; L Tim- 5, 10; 
n. Tim. 1, 18; Phil. 13. drauhtinon kommt nur einmal vor mit dem 
Dativ der Person, der man Kriegsdienste leistet, II. Tim. 2, 4 m cdnshun 
drauhtinonds fraujin dugavandip sik gavaurkjam pizos aldais, ei galeikai 
pammei drauhtinop. — Hiebei sei gleich erwähnt der dem Begriff des 
Dienens nicht allzufem stehende Begriff des Folgens, den das Verbum 
laistjan ausdruckt Dieses regiert stets den Accusativ, ganz wie latei- 
nisch sequi. Daß das Compositum a/arlaistjan den Dativ regiert, wird 




Ober den SYNTAKTmCUEN QEBKAUCU DES DATIVS etc. 267 

aotcn besprochen werden. Einmal tritt laistjan in Begleitung der Pra- 
p>ftition fnip aaf^ Luc. 9, 49 unte ni laistip nup ufisü als Übersetznng 
▼ao or» QVH i*olov1^it iii& ^iiävj wo es seine gewöhnliche Bedeutung 
darchaas nicht hat, sondern „begleiten, mitziehen^ bedeutet. 

Den oben behandelten Verben gerade gegenüber stehen diejenigen, 
welche den Begriff des Befehlens, Herrschens, sowie des Verbietens 
anadracken, anabiudan, ,,befehlen^, und /aurbiudan^ das sowohl „befehlen* 
als «verbieten^ heißen kann, haben beide den Accusativ der Sache 
trod den Dativ der Person bei sich. Bei /aurbrnJan habe ich an allen 
Stellen nur den Dativ gefunden (Marc. 6, 8; 8, 30; Luc. 8, 25. 56; 

5, (4; L Tim. 1, 3) und das directe Object entweder im Infinitiv 
eines Verbums oder in einem durch die Conjunction ei eingeleiteten 
ahhaogigen Satze umschrieben; bei anabiudan finden sich gleichfalls 
die genannten Bezeichnungen des Objects, doch findet sich dieses auch 
häufig durch ein Relativpronomen ausgedrückt, wie z. B. Matth. 8, 4; 
Marc. 1, 44; Luc. 5, 14; 17, 9. 10; der Dativ der Person neben ana- 
bimditn ist äußerst häufig, von vielen Beispielen nenne ich nur Matth. 
II, I; 27, 10; Bfarc. 1, 27; 8, 6. — Wichtiger und interessanter sind 
die übrigen Vcrba des Ilerrschens. Regelmäßig den Dativ hat reUnnon 
hei sich, welches stets iQtnv c Gen. wiedergabt, Marc 10, 42; Job. 
14,30; Rom. 15, 12; piudanony welches fiaöilivnv übersetzt, hat stets 
ufar c. Dat bei sich, Luc. I, 33 f 19, 14. 27 (im Grichischen steht 
iM£ i\ Gen.), sonst steht es absolut (I. Cor. 4, 8; 15, 25; I. Tim. 

6, 15); mit dem bloßen Dativ, den man nach Analogie von reikinon 
rrwarten sollte, kommt es nie vor. Dagegen hat Jraujinon (*vgimiHv)j 
sowie die verstiirkte Form desselben, ffofraufinonj den bloßen Dativ 
überall, Marc. 10, 42; Luc. 2, 29; Rom. 7, 1; 14, 9; IL Cor. 1, 44; 
K, 8; mit Ausnahme der einzigen Stelle I. Tim. 2, 12, wo die Präpo- 
sition /amra c. Dat. zur Umschreibung verwendet wird: ip galaitjan 
qm<m ni M$laubjaj ni fraujincn faura vcira^ avih av^iptttp mpdpof. 
I. Tim. 6, 15 findet sich das Part. Praes. hievon, aber ohne Object 
Das Verbum mffinfm {^yiiiopiviiv) findet sich bei Ulfilas nur Luc. 2, 2 
Qod 3, I , aber beidemal ohne Objectsbestimmung. valdan in der Be- 
deotnng „verwalten, vorstehen^ hat den Dativ bei sich I. Tim. 5, 14 
^urda valdan^ ot*odi6Motsip; das Part. Praes. davon kommt in Zusam- 
oiensetzong mit dem Dativ fforda vor als Substantivum gardaraldam 
Matib. 10, 25; Luc. 14, 21, ot*oi9o6w6ttii^). Noch cinnud findet sich 

*) £• koiiiit49 jedoch das a in garda nozUcher WelM» nicht nis Dnlivradanfr 
■nffas<hwi lein, Bondem rielmehr nis Hindcrocnl, d«r bei der ZoMBunentetattnf fnbrmncbt 
wird t wie s. B. ia dem C^mpoeitam kmUaragiUL Vielleicht iet «ach mnUlmsmirih^ eo 



268 ABTUR KÖHLER 

valdan mit dem Dativ Luc. 3, 14 jah valdaip annom izvaraim^ näl 
agxatad's totg otifmvioig viiäv. Luther übersetzt nach den Worten des 
griechischen Textes ganz richtig: „und lasst euch begnügen an eurem 
Solde.^ Ob es aber gerechtfertigt ist, mit v. d. Gabelentz und Lobe 
für valdan aus dieser Stelle die Bedeutung „sich begnügen, auskommen^ 
abzuleiten, scheint mir mehr als zweifelhaft. Es ist nicht recht einzu* 
sehen , wie valdan von seiner ursprünglichen Bedeutung zu dieser so 
ganz direct übergehen sollte; zumal ist dies bedenklich, da sie nur 
durch diese einzige Stelle belegt wäre. Früher haben v. d. Gabelentz 
und Lobe der Ansicht beigestimmt, daß Ulfilas in dem ihm vorliegen- 
den griechischen Texte nicht agnetöd'a^ sondern aQ%sts oder aQx^o^e 
gefunden habe *). Diese Conjectur wäre recht wohl annehmbar, nur ist 
das Schlimme dabei, daß sie eben eine Conjectur ist. Aber auch ohne 
dieselbe läßt sich recht gut verstehen, warum Ulfilas an dieser Stelle 
UQxetiSd'ai nicht mit ganohipa vüan^ sondern mit valdan übersetzt hat, 
da man in dem Ausdruck „den zukommenden Sold verwalten^ recht 
gut den Sinn finden kann, daß bei dem Verwalten des eigenen ge- 
bührendermaßen zukommenden Soldes das Begehren fremden, unrecht* 
mäßigen Besitzes ausgeschlossen werden soll und auf diese Weise das 
Begnügen mit dem einmal Zuertheilten gewissermaßen involvirt gedacht 
wird. 

Wenden wir uns nun zu den hieher einschlagenden Substantiven. 
Grimm bemerkt im Allgemeinen über den von Substantiven abhängigen 
Dativ (S. 746): „Ein eigentlicher Dativ wird nur selten neben Sub- 
stantiven stehen können, in welchen ein verbaler oder adjectivischer 
Begriff lebendig ist, von dem der Dativ abhängt.^ Und es sind in der 
That auch nur drei Substantiva, von denen ein Dativ abhängt (wenig- 
stens scheinbar), und zwar nur solche, welche mit den eben behan- 
delten Verben des Herrschens und Gehorchens zusammenhängen, fravja^ 
skaUcSy aiponeis. Wir finden Marc. 2, 28 svaeifrauja ist aa sunua mana jah 
pamma aabbaio, oicts xvQLog iötiv 6 vCog tov av&gciaov xal tov öaßßätov 
und Luc. 6, 5 ja qap du im^ pateifrauja ist aa aunua mana jah pamma aab^ 
bato dagaj iXsysv aizolg^ oti xvgiog iönv 6 vtog tov av^gdzov xal tov 
oaßßdtov. akalka findet sich ausnahmslos mit dem Genitiv derjenigen 
Person oder Sache, deren Knecht, Diener man ist, Luc. 7, 2. 3; 
Marc. 14, 17; Joh. 18, 10. 26; Col. 4, 12; Tit. 1, 1; Neh. 5, 16; wo 

*) Prolegg. pag. XXVII. Ad Lac, 3, 14 no» prdbasae conjeeturam Marethallif 
judictmUs ülfilam pro aQ%iia&i farUuse a^2^^' '^^^ agxecd's legisaty nunc jpoenUet^ 
propterea quod nullum verhum cum „valdan^ compositum illud u^ji^nv continet et „gano- 
' "'*i 3ijaip^\ quod in margine scriptum est, glosaa poCius quam vera lectio esse vi'Jetur 



Ober den syntaktiscuen oebkaucu des dativb etc. 269 

nA neben MhalkM ein Dativ findet, ist er yon dem dabei stehenden 
IIUfiiTerbom abhängig: Marc. 10, 44 sijai aüaim skalkt; Joh. 8, 34 
UiMliB Ml fravaurthai; Col. 7, 23 ni vaifpaijp fkalkoa mannam, sipofieis 
kommt nur Joh« 9, 28 vor (zweimal): pu u nponeia pammaj ip veU 
Jio44 nponjoB Mfum^ öv tlg lut^fftiig ixtivovy i^fistg dl tov Mm0iag 
M|Uy iui^fi%ai* Grimm erklärt den Dativ bei /ravja daraus, dAÜfrauja 
ui an Bedeutung dem verbalen Ausdruck fraujinop gleich sei (S. 746). 
Aber dann ist auffallend , daß /rauja nicht auch da , wo es attributiv 
ftebl, den Dativ bei sich hat, da man es ja eben so leicht in diesem 
Falle für einen Ersatz für das Participium fraujinonds halten konnte, 
wie fratija m< für einen anderen Ausdruck für fraujinop. Es findet sich 
Jkber kein einsiges Beispiel für den Dativ bei frauja in attributiver 
Stdlong, sondern regelmäßig der Genitiv und zwar der Genitiv in 
H-iner eigentlichsten Function, als der Casus, der das Zusammenhang^- 
verhältniss zweier Nomina bezeichnet, der in den Schulgrammatiken 
der classischen Sprachen sogenannte Genitivus subjectivus. Wir finden 
diesen Genitiv bei frauja Luc. 19, 33; 20, 13; Joh. 15, 16; Matth. 9, 
3S; Marc. 12, 9; Itom. 10, 12; 1. Tim. 6, 15; Skeir. IV, c Desgleichen 
finden wir stets diesen Genitiv bei piudan$^ Matth. 27, 11; Bfarc. 15, 

2. 9. 12. la 26; Lua 1, 5; Joh. 12, 13; 18, 33. 39; 19, 2; L Tim. 
I« 17; 6, 15 und bei reik$ (aQimi) Joh. 12, 31; Eph. 2, 2. Ich kann 
deshalb mich nicht zu der Ansicht bekennen, daß in den angeführten 
Stellen^ wo der Dativ bei frauja angetroffen wird, sowie bei »kalk* und 

fmfurU^ derselbe von jenen Substantiven abhänge, sondern ich meine 
Ticlmehry daß er durch das dabei stehende Verbum snbstantivum vUan 
bervorgerofen sei. Über den Dativ bei vi$an und vairpan wird weiter 
oolen gesprochen werden. — Was nun die hieher gehörigen Abstracta 
anlangt, so finden wir sie, wenn sie in Verbindung mit andern Sub» 
itantiven vorkommen (und nicht den bloßen Infinitiv bei sich haben, 
wie raUyfni Matth. 9, 6; Luc. 5, 24; 10, 19; Joh. 10, 18; 19, 10; 
Rom« 9, 11; I. Cor. 9, 4 oder die Präposition du mit dem Infinitiv, 
wie Marc. 3, 13) mit dem sogenannten Genitivus objectivus, wie Marc 
6, 7; Luc. 4, 6; Job. 17, 2; Skeir. V, c; skufkimusus immer in Ver- 
bindong mit dem Genitiv galiugagude {ild&AoJiaxQtta) Gal. 5, 20: E()h. 

3, 5; CoL 3, 5. Nur zweimal begegnet vaUlufni mit der Pra|>ot*ition 
a/or c; Dal. Luc. 9, 1 ; 19, 17 (ma/il jah valdufni ufar allaim unhulpam 
and sijaU valdufni habands ufar iaihun baunjtm); an ersterer Stelle 
»tf ht im Griechibchen ixi c. Aco , an liizti-rer dvr Gtnitivu^ objt*rtirus. 
Diejenigen Stellen, welche im GothiM-ben den Gcuitivub objectivus 
haben, weisen den^vllKU auch im Griechi^rben auf, eb(>n so wie im 



270 ARTUH KÖHLEE 

Gebrauch des InfinitivB bei genannten Abstracten der gothigcbe and 
griechische Text ebenfalls übereinstimmen, einmal im Genitiv (Luc. 
10, 19 dtScDiiL vfitv xriv i^ovaiav rov jcazslv indva oq)safv xal 6%oq- 
jtimv); an einer anderen Stelle hat Ulfilas den Genitiv pize hinzu- 
gesetzt, von valdufni abhängig (Luc. 4, 6), während der griechische 
Text keinen entsprechenden Zusatz zu f^v i^ovöiav tavtriv Smaöav 
hat. — Es sind hiemit nun die Substantiva, welche einen Dativ re- 
gieren könnten, erschöpft. Denn die eine Stelle, welche für die dati- 
vische Rection eines Substantivs noch sprechen könnte, Job. 18, 13 
sa vaa auk svaihra Kajafin^ v^v %aQ nsv^sgog rov Katäg>aj liefert viel- 
mehr einen Beweis gegen dieselbe« Bei Grimm habe ich dieselbe nir- 
gends erwähnt gefunden. Alle übrigen Verwandtschaftsnamen, aita, fadar^ 
aipei, bropar^ svistar^ haben den Genitiv bei sich. Nun könnte man 
aber versucht sein, svaihra einen adjecti vischen Begriff unterzulegen, 
„verschwiegert , durch Heirat verwandt,^ von welchem der Dativ ab- 
hienge; aber das Femininum zu svaihra^ svaihro^ ycsv^ega, hat überall, 
wo es vorkommt, Matth. 8, 14; 10, 35; Marc. 1, 30; Luc. 4, 38, den 
Genitiv bei sich, so daß dieser Weg, die dativische Construction bei 
svaihra zu vertheidigen , abgeschnitten wird. Es bleibt nichts übrig, 
um den Dativ Kajajin bei svaihra zu erklären, als ihn von vas abhängig 
zu betrachten, ganz ebenso wie den Dativ bei frauja ist. Es fallt also 
auch diese Stelle unter die Kategorie derjenigen, welche die Construction 
von visan mit dem Dativ in der Bedeutung „haben" bezeugen. Wie 
alle bisher besprochenen Stellen, welche als Beweise für die Abhän- 
gigkeit eines Dativs von einem Substantiv dienen sollten, vielmehr 
Beweise gegen dieselbe lieferten, so auch diese. Wir werden demnach 
anerkennen müßen, daß nie ein Dativ von einem Substantiv abhängig 
gefunden wird. 

Eigenthümlich gothisch ist der Gebrauch des Dativs bei gaplaihan 
in der Bedeutung „umarmen, liebkosen**, Marc. 10, 16 gaplaihanda imj 
ivayxaXtöiiivog avxa. Grimm gibt als Bedeutung von gaplaihan neben 
„kosen^ noch sehr treffend „freundlich zureden" an*). Ich möchte 
diese Bedeutung als die eigentliche annehmen, da sich aus ihr sowohl 
die Bedeutung „liebkosen", als auch die anderwärts anzutreffende des 
freundlichen Herbeirufens, Ermahnens sehr wohl ableiten lässt, welche 
au den entsprechenden Stellen des griechischen Textes durch naga- 
xaJLstv ausgedrückt ist. Auch hier hat gaplaihan den Dativ bei sich. 

*) Grimm bemerkt hiezu S. 685: yjilaihan scheint ganz ahd. flihon^ w\i^i^ flüien 
zu sein, das precari ausdrückt und bald den Accusativ, bald den Dativ regiert. Auch 
noch im heutigen „flehen'' liegt schmeichelnde Bitte.' 



ÜBER DEN SYNTAKTISCHEM OEBRAUCH DES DATIVS etc. 271 

IL Cor. 7^ 6 akii sa gapiaihands hnaividaim gapraftiida uns gup in quma 
TmtauM^ uU* 6 tucpeMalmv tovg xaxnvovg MaQinali0iv ^(uig 6 Stog 
iw fg naf^vifla Tlxovy wo Ulfilas für den griechischen Ausdruck 
mm^mmmX^v eine doppelte Übersetzung gibt, wo es den Anschein hat, 
aIs habe er ans dem erstcren naganaltlv besonders das gütige, wohl- 
wollende Herbeirufen, Anflfordem Gottes hervorheben wollen, während 
<T dj» «weite xaffaxaktlv^ das oflfenbar „trösten^ bedeutet, durch das 
imiiiuglioh falsch zu verstehende paprafstjan wiedergegeben hat. Die 
Too T. d. Gabelentz und Lobe in ihrem »Glossariam der gothist'hen 
Sfirache* *) angegel)ene Cbersetzung »trösten ** kann ich nicht billigen, 
da Ulfilas jedenfalls das zweite xaQa*aX$tv dann nicht durch gapraf^i- 
Jan übersetzt haben wurde, sondern gaplaümn gesetzt haben wurde, 
wenn es diese Bedeutung haben könnte. Antterdem spricht noch gegen 
diese Ansicht L Tim. 5, I. 2, wo kein Gegen3atz gegen andbeitan^ 
inixtpip^ ixtxXiißüiiVj tadeln, schelten, stattfinden wurde, wenn man 
t^plmhoH für .trösten" nehmen wollte, wahrend die Übersetzung »er- 
mahnen*, welche auch Luther ganz richtig gibt, den besten Sinn gibt; 
es wird das freundliche Ermahnen gegenubergcsetzt dem unfreundlichen, 
harten Tadeln. Diese Stelle L Tim. 5, h 2 ist noch besonders intor- 
casani dadnrch, dafi hier Ton gaplaihan sowohl der Dativ als auch 
der Accusativ abhängt: sMoigana m andbeitaUj dt gaplaih 9Vf allin, 
juggams $94 broprun$y 9etieiga$ sve eipemsj juggos 9ve svistruns in allai 
«cxibim; im Griechischen steht naturlich beide Male der Accusiitiv 
auch Mupaxalitv: MQiößvtipp f^i} ixiaAiflg;, illi xa^oicalfi mg 
acv/fsr vimzipovg mg idilfpovg' MQiöfltnipag mg ftipioag- virntipag 
mg mdil^piig^ iv xaßji iyviia. 

AnffiUlend ist es ferner, daß hilcjanj küssen, den Dativ verlangt, 
wahrend das althochdeutsche cAtiMon, das mittelhochdeutsche kuj^srn^ 
sowie das neuhochdeutsche hissen j das griechische ^iAsft^, ttatatpilitp 
(soch in der Bedeutung »küssen*), das lateinische osculari den Acru* 
saliv erfordern. Beispiele für den Dativ bei kul^an weisen auf Marc. 
U, »4. 45; Luc. 7, 38. 45; 15. 20. Grimm scheint die nK)gliche Um- 
Bchreibong „Jemandem einen Kuß geben* für den Grund dieser C'on- 
stmction mit dem Dativ zu halten; wenigstens gibt er (S. 684) zu 
Lac 15, 20 hukida imma in Parenthese die Cbersetzung .gab ihm 
einen Kuß**. Das Compositum biknkjan aber hat den Accusativ bei hich, 
Loc. 7, 45; v. d. Gabelentz und Lobe überseUen es „bekuj^sen, mit 
Küssen bedecken*. 



•) VoL II, I. 83. 



272 ARTUE KÖHLEE 

Eine auf den ersten Anblick befremdende Erscheinung ist die, 
daß das Stammverbum hcUan den Accusativ regiert, während das davoa 
abgeleitete haiizon den Dativ verlangt, Job. 7, 23 mia hatizopj iiiot 
XoXttts. Doch ist dies leicht zu erklären, wenn man bedenkt, daß 
hatjan oder hatan das transitive iiiostv c. Acc. übersetzt, das intran- 
sitive %oXav (erzürnt, zornig sein) aber durch das gothische gleichfalls 
intransitive hatizon wiedergegeben wird. Grimm (S. 686) meint, hatizon 
bedeute ,,Einem Feind sein, grollen" ; doch dann ist der Unterschied 
zwischen dem transitiven hatan und dem intransitiven hatizon nicht 
in voller Schärfe aufrecht erhalten, dem Intransitivum ist noch zu viel 
von der activen Thätigkeit des Hassens beigegeben. Ich halte es für 
weit besser, hatizon fiir „zornig, aufgebracht sein"* zu nehmen, so daß 
man in dem Dativ, gerade so wie bei xolävj den Instrumental zu sehen 
hat; dann ist diese Stelle zu übersetzen: »ihr seid erzürnt, aufgebracht 
durch mich, ihr seid zornig über mich." 

Die Verba, welche ein Drohen ausdrücken, haben ebenfalls den 
Dativ bei sich. Dies konnte nicht Wunder nehmen, wenn die ange- 
drohte Sache im Accusativ dabei stünde; doch ist dieselbe nirgends 
angegeben, vielmehr lassen diese Verba die transitive Bedeutung des 
Bedrohens sehr deutlich hervortreten. So finden wir hvofjan mit dem 
Dativ Marc. 10, 48; Luc. 4, 35; gahvotjan Marc. 1, 48; 9, 25; Luc. 
9, 42; sakan in der Bedeutung iiaxiii&v^ zurechtweisen, findet sich mit 
dem Dativ Marc. 10, 13; Luc. 19, 39; dagegen hat gasakan in der- 
selben Bedeutung stets den Accusativ Job. 8, 46; 16, 8; I. Tim. 5, 20; 
Tit. 1, 9. 13; Skeir. IV, d; V, b. Tit. 1,11 findet es sich mit dem 
Accusativ mit der Nebenbedeutung „zum Schweigen bringen^, als 
Übersetzung von iniCtofil^etv (Luther: „das Maul stopfen"); in der 
selteneren Bedeutung „bedrohen* mit dem Dativ Matth. 8, 26; Marc. 
4, 39; Luc. 4, 39. 41; 8, 24; 9, 55; 17, 3. Passivisch gewendet, also 
entschieden transitiv finden wir gasakan Luc. 3, 19 ip Herodes aa tai- 
trarkes gaadkans fram imma; I. Cor. 14, 24 gaaakada Jram allaim; 
Skeir. VU, a analeiko sve Filippus gaaakada. 

Daß von den Verben des Fluchens, Schmähens ubilqipan Marc. 
*^f 1^} g^^2 ^6 lateinisch maledicere^ den Dativ bei sich hat, kann 
nicht auffallen, obgleich griechisch xaxoXaXBtv den Accusativ regiert, 
da, wie Grimm bemerkt (^S. 686), „man den Dativ schon von dem 
bloßen qipan abhängig machen kann" *). AufiTälliger ist der Dativ bei 

*) Ob aach vaüaqipan (xalös sineiv c. Acc.) den Dativ regiert, lässt sich nicht 
erkennen, da nor Lac. 6, 28 vai, than vaila qithand izvis allai nums vorkommt; doch 
~«M es na^h Analogie von vJtnl qipan wohl anzunehmen sein. — piupjan {evXoytiv) 



f^ER DEN SYNTAKTISCHEN GEBRAUCH DES DATIVS etc. 273 

/oMR, loidoQHvy Job. 9) 28, den man nicht bo leicht zu erklären Ter- 
mag wie den bei ubilqipan. Aach ubilvaurdjan zeigt den Dativ 
Marc 9, 39. 

Was die Verba des Schönens, Gnadig-Seins, Erbarmens, Helfens 
betrifft, so lasst sich über bleipjany oluxlifUMva Wvoi, nichts sagen, 
weil dasselbe nnr Luc. 6, 36 vairpaid bUipjandatu vorkommt. Ebenso 
wenig laset sich etwas Sicheres sagen über gableipjan^ da Marc. 9, 22 
dl« xweidentige Form urma steht und an einer anderen Stelle gerade 
die Worte fehlen, die ein helles Licht verbreiten wurden. Rom. 9, 15 
beißt es nämlich gaarma^ pami armaj jah gableipja — , iliiiöm ov iv 
iläm^ mal oixuQiiöm ov Sv olMtiigm. Maßmann ergiinzt wiUkürlich 
/NBMt hUipjüj wonach also bUipjan den Accusativ erfordern würde; 
Grimm hingegen sagt (S. 687): ^das sweideutige wuU (Marc. 9, 22) 
ist wohl sicher der Dativ." Mir scheint aber der Accnsativ annehm- 
barer so sein, weil durch eine solche Constmction der Parallelismns 
der beiden Glieder vollständiger wird, auch im g^echischen wie im 
bebrmischen Text*) der Accusativ steht. ~ kUibjan, wtUaiißav$09tUj 
»cbonen, aufhelfen, hat den Dativ, Ltic. 1, 64, ebenso bairgtm^ be- 
wabren, hüten, schützen, Job. 17, 15, wo es das griechische xtigitp, 
and Job. 12, 25, wo es ^vXartHv übersetzt, gabairgan mit dem Dativ 
findet sich in der passivischen Wendung bajopum gabairgada^ afiq>6tipo$ 
^vwT^QOWtaiJ Matth. 9, 17, eines von den wenigen Beiiipielen davon, 
daß Verba, welche den Dativ regieren, wenn sie passivisch gewendet 
werden, impersonell stehen und das Object in den Dativ gesetzt wird. 
Höchst anflällig ist es, daß lälpau und gahilpafi^ ßoffiiiVy cvXia^fid" 
vfS^oi, den Genitiv der Person bei sich haben, Marc. 9, 22« 24; 
Luc. 5, 7; IL Cor. 6, 2. Wie dieser Genitiv zu erklaren sei, ist mir 
dorchans rathselhaft geblieben. 

Die Verba des Verachtens, Piagens, Qualens, Verlassens (S. 689 f.) 
haben fiMt sammtlich den Dativ: a/akitJfjany axmi^ii^l^ai , von sich 
stoßen, verwerfen» Rom. 11, I; I. Tim. 1« 19; fruknnnan^ iiov&iVitVy 
verachten, Luc. 18, 9; Rom. 14, 3. 10; L Cor. 14, 11; Gal. 4, 14; 
L Tbess. 5, 20; (xava^povifv) Bfatth. 6, 24; Luc. 16, 13; I. Cor. 11, 
S2; L Tim. 4, 12; Job. 12, 48; Skeir. I, d (aber Skeir. VI, d 6ndet 
es sich mit der Präposition at: ai paim gahtairbam fraJcunnan); ufhrikam^ 
nicht erhören, abweisen, i^ixilv^ Marc. 6, 26; Luc. 10, 16; L Thess. 

Mift bald den DaUt, M«rc. 10, 1(>; Luc 1. £); 2, 2K. .14, UM Atn AccnAativ, Lac. 
I. M; 2, 34: ti, 28; Köm. 12. U I>«««rl^ichf»n ist uicWr/an, evtiai'ftir, mit dem DsIit 
vfvtaod«« lUtth. 11, 20; 27, 44; Marc. 15, 32; mit dem AccomUt Born. 1&, S. 
•) Die BtoUa ifl eitierl au U. Moa. 33, Hi 



1 



274 ABTUR KÖHLER 

4, 8; uspriutariy beschweren, belästigen, xonov naQi%BLVy Marc. 14, 6; 
Luc. 18, 5; uaagljan^ vnmntd^sLVj misshandeln, Lnc. 18, 5; balvfati, 
ßaöaviteLVy quälen, Matth. 8, 29; Marc. 6, 7: Luc. 8, 28; fraliusanj 
anoXXvvaiy Luc. 15, 4. 8. 9; bileipany aipidvaij xataXeixeiVj iyxata- 
XsixsiVy verlassen, zurücklassen, Matth. 27, 46; Marc. 10, 7; 12, 19. 
20. 21. 22; 14, 52; 15, 34; Luc. 5, 28; Job. 8, 29; 10, 12: 16, 28; 
Rom. 9, 9; II. Tim. 4, 10. 16. Grimm fuhrt nur einige von diesen 
Stellen mit dativischer Construction an und lässt unerwähnt, daß Job. 
14, 27; 16, 32; Luc. 15, 4; IL Tim. 4, 13 der Accusativ von biUipan 
abhängt; es finden sich auch zwei Stellen, wo das Object, das von 
bileipan abhängt, im Genitivus partitivus steht, Luc. 20, 3 jah ni hiUptai 
bamey wo man nicht entscheiden kann, ob hier ein Dativ oder Accu- 
sativ in dem partitiven Genitiv enthalten ist, und Marc. 12, 19 Afases 
gamelida unsis, patei jabai hvia bropar gadaupnai jah bileipcd qenai jah 
bame ni bUeipai^ wo es durch den Dativ qenai unzweifelhaft gemacht 
wird, daß in dem partitiven Genitiv ein Dativ verborgen ist. Wir sehen 
also, daß die weit häufigere Construction von bileipan die mit dem 
Dativ war, welche wir als die ältere anzusehen haben, wie überall da, 
wo dativische und accusativische Rection einander berühren, erstere 

, die ältere ist, daß aber später der Dativ anfieng, vom Accusativ ver- 
drängt zu werden. 

Hieran schließen sich die Verba des Verwerfens, Veinichtens, 
Tödtens, welche mit dem Dativ und Accusativ wechseln, ersteren jedoch 
vorziehen. So finden wir uakiusan in der Bedeutung aaoSomiittisiv 
mit dem Dativ Luc. 20, 17; wo es sonst in dieser Bedeutung vor- 
kommt, tritt es, als Verbum finitum oder im Particip, nur passivisch 
auf, wovon später gesprochen werden wird. Ferner hat es den Dativ 
bei sich in der Bedeutung ixßdlXHV Luc. 4, 29, in seiner ursprüng- 
lichen Bedeutung „erwählen^, doxi^d^Hv^ aber den Accusativ I. Thess. 

5, 21. Femer findet sich der Dativ bei qistjan (dxoXXfivai) Luc. 9, 56, 
bei uaqiaijan {axoXXvvai, anoxtsivsiv) Marc. 9, 22. 31; Luc. 20, 16; 
bei Letzterem jedoch häufiger der Accusativ Marc. 3, 4; 11, 18; 12,9; 
Luc. 6, 9; 19, 47; dagegen hat fraqiafjan (id.) nur Luc. 17, 27 und 
Job. 18, 14 den Accusativ, sonst den Dativ überall: Matth. 10, 28. 
29. 42; Marc. 8, 35; 9, 41; Luc. 9, 24. 25; 17, 29. 33; Job. 12, 25; 
18, 9; Rom. 14, 15. Nicht zu entscheiden wegen zweideutiger Formen 
sind Marc. 1, 24 (uns); Luc. 4, 34 (mi«*); I. Cor. 1, 19 {snutrein^. 
Ohne jegliches Object steht /rojw^/on Job. 10, 10. — usqiman (xata- 
0q>dtr€iv) steht Luc. 19, 27 ohne ausdrücklich hinzugefugtes Object, 
doch scheint aus der Zusammenstellung mit briggip^ das nothwendig 



i 



ÜBER DEN ßYNTAKTISCHEN GEBRAUCH DES DATIVS etc. 275 

♦ 

den Accosativ verlangt und ihn in der That auch bei sich hat» hervor* 
logeben, daß auch for usqiman hier der Accusativ anzusetzen seL Die 
Stelle lautet nämlich: affpan svepauh ßjands meinofu joinata^ patd m 
nairJun nuk piudanan u/ar sisj briggip her jati usqimip faura rnu. Die 
Unterbrechung des Hauptsatzes durch den Relativsatz konnte zu der 
Annahme verleiten, hier liege ein Anakoluth vor; jedoch der Relativ-» 
<ciu ist nicht lang genug, als daß Ulfilas den Anfang der Periode 
ood den (.^aaus, in welchen er das Object gesetzt hat, vergessen haben 
«ollte; auch wurde er bei der großen Correctheit seines Ausdrucks 
ond dem Streben nach möglichster Klarheit und Priicision eher das 
Object durch ein Demonstrativpronomen (pana) wieder in Erinnerung 
erbracht haben, als daß er eine unrichtige Construction gebraucht hatte. 
Außer dieser Stelle gibt es nur noch zwei, wo sicher der Accusativ 
Un tts^moii steht, Mara 12, 6. & Nicht mit voller Sicherheit sind 
tolgende Stellen hieher zu stellen : Job. 7 , 1 unU soladedun ina pai 
JwlmmM umpman^ v. 19 hva vnik •okeip usgimanfy v. 20 hvuM puk $okeip 
MJK/unanf, 8, 40 ip nu $okeip fnik usqimanj da es sehr wohl möglich, 
}A »ogar wahrscheinlicher ist, daß die Accusative tna, tnikj puk von 
tökj^n abhangen, wofür auch schon die Wortstellung spricht, nament- 
lich an den drei ersten Stellen (im Griechischen ist sie genau ebenso, 
dtKh würde dies kaum in Betracht kommen, da ifitiiv äußerst häufig 
mit dem Infinitiv vorkommt), so daß der Infinitiv den Zweck des 
SudieDs bezeichnet, dasjenige, was dem Gesuchten zugefugt werden 
hAL Weit häufiger aber als der Accusativ ist der Dativ bis usqiman: 
Matth. 10» 28; ftUrc. 6, 19; 9, 31; 10, 34; 12, 7; Luc. 18, 33; Joh. 
7, 25; 8, 22. 37; 10, 12; 18, 31; I. Thess. 2, 15, wo es überall 
mMomtsiviip übersetzt; anolXvvai gibt es wieder Marc. 3, 6, wo es 
d«-n Dativ bei sich hat Ob Joh. 16, 2 izei usqünip izrw der Dativ 
«Hier Accusativ steht, lasst sich nicht erkennen« Eigentbümlich ist der 
iniransitive Gebrauch von us*fiman für »sterben* Marc. 8, 31; Luc 9, 
23; Rom. 7, 11; II. Cor. 3, 6. Auch /roifiman {apaXdöMuv, «po^ova- 
li9M4i9^ duKuvap) bat das Object im Dativ bei sich Marc 5, 26; 
Luc« 8, 43; 9| 54 (an Ictztgruauntcr Stelle vom Feuer gt-sa^ mit der 
NeUmbedentung des Vemiehtens), ohne jegliche Schwankung in die 
»4caaativische Construction hinüber. — Alle übrigen Vcrba, welche 
•tödten^ bedeuten, haben ohne Autinabme das Objoct im Accusativ 
\tc\ sich, daupjan^ afdaupjan^ a/^tlahan^ maurprjan. 

Iliebei sei gleich die Cotihtruction von usrairftau mit behandelt. 
In seiner eigentlichen Bedeutung ^binauswerf'on*, ßdiAs$p^ ixßalltiw^ 
bat Msvairpftn ebenso häufig den Accusativ (Matth. 8, 12. 16; Marc. 



1 



276 AETÜR KÖHLER 

11, 15; Luc. 19, 45; 20, 12. 15; Joh. 6, 37) als den Dativ (Marc. 5, 
40; 12, 8; Luc. 14, 5. 35; Joh. 9, 34. 35; Gal. 4, 30); wenn vom 
Austreiben böser Geister die Rede ist, nur den Accusativ, Matth. 7, 
22; 8, 16; Marc. 1, 34. 39; 3, 15. 23; 7, 26; 8, 9, in der Bedeutung 
„verwerfen ** aber nur den Dativ, Luc. 6, 22 (ixßäXXsiv) und Marc. 

12, 10 {änodoxtfiatsLv), ebenso lediglich djen Dativ, wenn es bedeutet 
„ausziehen, ausreißen", Marc. 9, 47; Luc. 6, 42, femer »ablegen^ 
(ixotid'ivai) Rom. 13, 12; wiederum den Accusativ regiert usvairpan 
Luc. 19, 35; usvairpandans vastjos seinos ana pana fulan^ wo es heißt 
„auf Etwas werfen^ (ixt^^tutsiv). Ein einziges Mal findet sich der 
Dativ bei der Austreibung böser Geister, Marc. 12, 10. Uncntscheidbar 
ist die Construction Matth. 8, 31 jabai usvairpaU unsisj was sowohl 
Dativ als Accusativ sein kann. Auch atvairpan findet sich mit dem 
Dativ des Objects, Matth. 27, 5 jah atvairpands paim silubram in <M. 
— usdreibarij ixßaXlHV^ axoötdXksiv ^ findet sich mit dem Dativ nur 
Marc. 5, 10; Lue. 9, 40. 43; sonst immer mit dem Accusativ, Matth. 
9, 34; Marc. 6, 13; 9, 18. 28. 38; Luc. 8, 54; 9, 49. 

Interessant ist die Behandlung des Yerbums liugan, heiraten. 
Das Activum liugan^ galiugan hat den Accusativ der Person, jwelche man 
heiratet, bei sich und wird nur vom Manne gebraucht, wie das latei- 
nische itxorem ducere in matrimonium ^ nxarem aasumere^ Matth. 5, 32; 
Marc. 10, 11; 6, 17; Luc 14, 20; 16, 18; L Tim. 6, 14. Das Passivum 
hingegen wird lediglich von der Frau gebraucht und, wie das latei- 
nische nähere^ mit dem Dativ verbunden, Marc. 10, 12. Wo sonst 
Uugan noch vorkommt, sei es activisch, sei es passivisch, steht es 
ohne Hinzufugung des Objects, Luc. 17, 27; 20, 34. 35; L Corr. 7, 
9. 28; L Tim. 5, 14. 

An dieser Stelle lassen sich passend die Verba horinon^ gahorinon 
{moecharif fioLXSV£i,v) anfügen, die entweder absolut stehen, wie Matth. 
5, 27. 32; Marc. 10, 12; Luc. 16, 18; 18, 20, oder das Object im 
Dativ bei sich haben, Matth. 5, 26, oder auch zur Bezeichnung des 
Objects die Präposition du c. Dat. zu Hilfe nehmen, Marc. 10, 11. 
Daß an der Stelle Matth. 5, 32 hvazuh saei aßetip qen seina inuh/airina 
kalkinassaus^ taujip po horinon der Accusativ po nicht von horinon ab- 
hängt, sondern von taujipy liegt auf der Hand, wie auch der griechische 
Text zeigt: xout avxr^v iioi%ä6%'ai. 

Über die auffallige Erscheinung, daß das durchaus transitive 

frapjan {fpQOVstv) im Gothiscben nicht, wie man erwarten sollte, den 

Accusativ, sondern den Dativ regiert, bemerkt Grimm (S. 695): „Echt 

-^^hisch erscheint die Verbindung des Dativs mit frapjan^ q>QovatVf 



!*BER DEN SYNTAKTISCHEN OEBKAITCH DES DATIVS otc. 277 

wp^rt^ (U die griechischen und lateinischen Verba den AccusatiT vor* 
UeJteo. Aach das griechische iyvoitv abersetzt U16Ias einige Male 
darch m fntpjan. Der Dativ ist jedoch überall objectiv und anpersön- 
liiL* Dieser Dativ findet sich Bfarc. 7, 14. 18; 8, 33; 9, 32; Luc. 1, 
Zt\ 2, 50; 9. 45; 18, 34*); Eph. 3, 4; Phil. 3, 19. „Einmal/' 8a|Tt 
Urimm« nSteht der Accusativ statt des Dativs: ni hauhjm fropjandantf^ 
^f f« tnf^Xa 9^oyowT<$, Rom. 12, 16, wenn es nicht ffir hauhipai 
Tifftohriebcn ist^ Es hat sich aber in den Mailänder Handschriften, 
vriche der am die Ilecension des Textes so unendlich verdiente Upp- 
»trom im Jahre 1863 verglichen hat, die Lesart ni hauhahn /ntp- 
nttuiamM ergeben **). Es liefert also diese Stelle keinen Bewein für den 
(i<-hraach des Accnsativs bei frapjan^ denn nur die Sillx'rhandhchrift 
Ii<-»t kauhipa Jrapjandang und fast überall, wo deren Lesarten AnstoU 
trregen, wie dies hiebei der Fall ist, werden dieselben durch dieje- 
^i^en der ambrosianischen Handschriften corrigiert. Es findet «.ich nUo 
keine Ausnahme von der dativischen Constrnction von frupjnu. Man 
wird diesen Dativ für den ablativischen zu halten haben ***) und 
frapjim als ursprüngliche Bedeutung die intransitive ,|klu|^, verstandi|^ 
^«*io* onterlegen, so daß der zu frapjcai hinzutretende Dativ bezeichnet, 
daO man rucksichtlich einer Sache, in Bezog auf eine Sache klug Mei, 
L B. airpnnaim frapjmij Phil. 3, 19, würde bedeuten »in Bezug auf 
das Irdische klug sein^. Bestätigt wird diese Annahme noch durch 
den Umstand , daß der Dativ bei frapjan nie von Personen , sondern 
immer von Sachen gebraucht wird , z. B. Marc. 8, 33 ni fropji* paim 
yii/iSy ok paim manne; 9, 32 ni fropun pamma vaurda; C ol. 3, 19 pamri 
impa sind, fräpjaip^ ni paim^ pari ana airpai sind. Skeir. H, b pammuh 
M jrop Stkaudemus ist der Dativ pammuh nicht sowohl auf ( *hriKtus, 



*) Los. 18» 34 jaA sm m 9aHäm fn* fropmrn^ ««1 ^idlv t09tm9 sr»r,nap, kann 
alehl IragUch Min, ob m vaUUai Objf^rtMUtiT. Abhlnfiit von /r^fpum, (>«l«*r 
tdrmhitd ft«eUt Ut (wie llarr. 5, 2l>; Lue. 4, ;ij; II. Cor. II, 6; IS, 11; Vhi\ 4. K 
«m kHpcr Weise, keiiiefweg»*), dm der hinsn^nifte putative (<ciiitiv tJtim dir <\in- 
fCnwtkHi voo /roptm mit dem Dativ «nßer allen Zweifel stellt. 

•^ leb danke dieee KenntniM der OOte de« Herrn Profenvor I>h> llevrr. wr|. htm 
CppatrSm Sber tetne nenecten Porscbonsen Mittbeilnnip l^emarht hatte nud Wf l< h*-r mir 
4#f«a Benalaiuif in frcondliebiiter Weite geetattete. 

***) Grimm aaft: pich habe erwoir«n, ob nirbt ein abUtivlacher HaliT an/ii* 
brhmaa lei, eo daß /rapjan eowrr/a bedeutete: .durch da« Wort klu|( «etn, kl«i|r «rnti^n /* 
Aber mrpfim^im frapjan kann nicht an««i4ren, .durrh da« lrdi«4'he klu|r *<iti*. «ornlfm 
k«r .>laa Mierbe Teretebn." — Diene Zurück wei»un|^ d<*« Oedaiikrn« an dm •M.-«ti%i«<'hrn 
0rtiT bnndrt auf der VerweebfelnniT ^^ Ablativ« nnd Inftnimenlal« bei Orimm. iihcr 
««lebe eebon oben fesprocben worden iat. 

«saaiainA xi. |8 



278 ARTITR KÖHLER 

de&8en Worte uumiLtelbar voiber augefubrt sind, zu beziehen, als viel- 
mehr auf seine Worte, auf den Inhalt seiner Rede. War aber die in- 
transitive Bedeutung ^klug, verständig sein^ auch die ursprüngliche, 
so kam doi^b die transitive „verstehen^ späterhin ganz entschieden 
zur Geltung. Die rein objective Beschaffenheit des Dativs bei frapjan 
erhellt daraus, daß slu{ /rapjan bisweilen Objectivsätze folgen, ein- 
geleitet durch das Interrogativpronomen hva, Job. 10, 6; I. Tim. 
2, 7; Eph. 6, 17, oder das Relativpronomen patei^ Rom. 7, 15; 
IL Tim. 2, 7, oder auch durch die Conjunction patei^ ort, Luc. 20, 19; 
Skeir. VIII, d. — An einer Stelle, Joh. 12, 40 fropeina hairtin, 
voijöfoöi T^ xagSia^ ist der Dativ als Instrumental anzusehen: „mit 
dem Herzen verstehen, erkennen". 

Von den Verben des Vertrauens und Glaubens nimmt trauan 
(jtaxoi^ivai^ xenstö^ai) entweder die Präposition du c. Dat. zu sich, 
Matth. 27, 43; IL Cor. 1,9, oder in c. Dat., Phil. 3, 4, oder aoch 
den bloßen Dativ, Luc. 18, 9 paiet nlbans trauideditn sis; gatrauan 
kommt mit dem bloßen Dativ nur IL Tim. I, 12 und Philem. 21 vor, 
sonst immer mit der Präposition in c. Dat., Rom. 14, 14; IL Cor. 2, 3; 
Gal. 5, 10; Phil. 1, 14; 2, 24; 3, 3; IL Thess. 3, 4. Mit der Präpo- 
sition du findet es sich nie. Sind Objectivsätze von pafmunn abhängig, 
so werden sie durch die Conjunction patei eingeleitet, Rom. 8, 38 und 
IL Tim. 1, 5; einmal, IL Cor. 10, 7, wird auch die Construction des 
Accnsativus cum Infinitivo angewandt: johai hvas gatraui']^ sik silban 
Xfistaus visan. — Bei ffalaubjan ist zu unterscheiden, wie auch noch 
im Neuhochdeutschen, ob das Object eine Sache ist, oh man etwas 
glaubt, d. h. für wahr hält, in welchem Falle der Accusativ steht, 
Marc. 11, 23; Joh. 11, 26; L Cor. 13, 7, oder eine Person. In letz- 
terem Falle ist wiederum zweierlei zu unterscheiden : wenn nämlich 
einfach gesagt wird, daß man Jemandem, Jemandes Worten Glauben 
schenkt, so steht der bloße Dativ, Matth. 27, 42; Marc. 11, 31; Lnc. 
16, 11; 20, 5; Joh. 5, 38. 46; 6, 29. 30; 7, 5. 31. 48; 8, 31. 45. 46; 
10, 37. 38; 12, .37; 14, 12; Rom. 10, 14; Gal. 3, 6; Phil. 1, 29; 
L Tim. 1, 16; IL Tim. 1, 12; Skeir. VI, a; VIII, c. An verschiedenen 
der hier citierten Stellen geht der einfache Begriff des Glaubens, Glauben- 
Schenkens schon über in den des Glaubens an Jemand, an seine Exi- 
stenz, Persönlichkeit, Wahrhaftigkeit, Untraglichkeit, Macht u. s. w., wie 
dies aus den Worten des griechischen Textes hervorgeht: Joh. 6, 29 
Iva niöTSvörixB eis ov äniaveilsv ixslvog; 7, 5. 31. 48; 12, 37 «fe 
avxov; 14, 12 Big ifii; Rom. 10, 14; €lg ov ovx ixiöxBv^av; Phil. 1, 29 
ilg avtov'j I. Tim. 1, 16; in avtS. Ulfilas aber hat in seiner Über- 



ÜBKR DEN RYNTAKTI:^CHEN OEBRAI-OH HKS DATIVS otc. 279 

•etzQng diese Bedeatangsverachicdenlieit nicht hcrrortreten laBsen, 
««Nideni übersetzt, als ob, wie an den übrigen Stellen, niöxiviiv c. Dat 
«;r«Unden hatte. Ilieher gehören anoh noch die Stellen Lnc. 1 , 20 
*'pf fi ni palaubides vaurdatn meinaim; Joh. 5, 47 hraira raurdam 
''*mmm oalavitjaip; 10, 38 paim raHrstratn OftlauhjtnJ» ; Koni. 10, 16 
' r^ pala»ttnJa hau*fin(ri ufufarai? ug inicttvoe r^ axotj ij/ifiii'; (hau/ft'i»ß, 
MMt^i i^t hier nicht das Gehör, sondern das Gehorte, die Rede, Predigt, 
«it- aoch Joh. 12, 38; I. Thes». 2, 13 nnd gahauseinn Gal. 3, 2. 5; 
Rom. 10, 17); Eph. 1, 13 airatwelL ., pamtnei oalauhjafidatm^ fvayyiXiOV 
fV o M$st§v6avtfg. Denn der Glanbe wird ja dadurch, daü man ihn 
dt-n Worten, den Werken, dem Evangelium schenkt, zugleich ancli den 
ÜM'iielben anssprechenden, ausrichtenden, verkündigenden Personen ge- 
schenkt. Marc. I, 16 wird gesagt aafauheip in airaoaelioti ^ weil der 
(tUnhc an die nnumstössliche Wahrheit des Evangeliums gemeint ist. 
Wo nnn aber palaulyan hei Personen den Glauben an ihre reale Exi- 
«tc-nz, an das, was sie prätendieren zu leisten und zu sein, besonders 
•i««n von C^faristas nnd den Aposteln geforderten Glauben an Gott nnd 
die Messianitat Christi bedeutet, da nimmt es die Präpositionen du 
«vier tH c. Dat. zu sich. palmd»jan in c. Dat. findet sich außer Marc. 
I. 16 nnr noch Gal. 2, 16; dagegen du sehr hanfig: Marc. 9, 42: 
Joh. 6, 35. 40. 47; 7, 38 39; 9, 35. 36; 10, 42; II, 26; 17, 20: 
Ur»m. 10, 10. 11. Im griechischen Text steht oberall ntöttvttv iig 
(\ .\cc., mit Ansnahme von Kom. 10« II, wo sich nt6x$vfiv inl c. Dat.' 
tindet« Ilieher ist noch zu rechnen Joh. 12, 36 nalauh^ij* du liuhada^ 

Bei den Verben des Begegnens, Sicb-Niibems ist zu bemerken, 
•liü i/ftmotjott (vx€tvtiv^ inttvxiv, öwavtap^ evpitpai) mit dem Dativ 
• oiiMniirrt wird Matth. 8, 28; Marc. 5, 8; 14, 13; Luc. 8, 27: 9, 
l?< 37: 14, 31; 17, 12; Joh. 11, 30; I. Thess. 4, 17. Anscheinend 
'•line Modificirnng der Bedeutung von gamoijan finden wir einmal ffoofjan 
'•tmotjftn mit dem Dativ, Joh. 12, 18. Aoch das (Kompositum nfmufa- 
"••»y*» regiert den Dativ, obgleich hier der Accusativ wegen der Zu- 
•»immensetzoog mit der denselben regierenden Präposition rij^ra keines- 
«eges aafiallen wurde, im Gegentheil fast erwartet werden sollte. Das 
ri-fl^zive M nehrjan kommt nor Luc. 15, I und zwar at>soItit vor, 
"n^krfiHj ohne #iX\ aber trotzdem mit reflexiver Bedeutung, gleirhfalls 
aar absolut Marc. 14, 12; Rom. 13, 12; Phil. 2« 30; dagegt^n Lnc. 
10,9 mit fina c. Dat.; nk atnehrjan steht absoint Marc. I, 15 nnd mit 
«ma r. Dat. Lnc. 10, II. 

Die V'erba frikan und o^ilrikatt {igicuiiv^ fvioMit^^ tvipiftrov iimt\ 

18* 



280 ARTÜB KÖHLER 

zuweilen mit Hinzusetzung von vaila haben den Dativ Marc. 6, 22; 
Luc. 1, 3; Rom. 12, 1; 14, 18; L Cor. 1, 21; IL Cor. 5, 9; 12, 10; 
Eph. 5, 10; I. Thess. 2, 15; 3, 1 ; 4, 1 ; IL Tim. 2, 4, an folgenden 
Stellen aber in c. Dat.: Marc. 1, 11; 3, 22; Col. 1, 19; 3, 10. 

Von den Verben des Wahinehmens, Beobachtens ist gaumjan 
mit dem Dativ verbunden, Luc. 6, 41 ; Job. 6, 5; 9, 1; I. Tim. 4, 13. 
Skeir. VII, d folgt ein Objectivsatz, eingeleitet durch die Conjunction 
Patei: jah anparans gamaudida gaumjan, patei is vas 8a sama etc. Zwei 
Stellen verdienen hiebei eine besondere Besprechung. Die eine Stelle 
ist Matth. 6, 5 ei gaumjaindau mannam, welche weiter unten bei der 
Behandlung des Passivs derjenigen Verba, welche den Dativ regieren, 
besprochen werden wird. Die andere interessante Stelle ist Marc. 16, 4 
jah insaihvandeins gaumidedun, pammei afvalviths ist sa stains^ xal ava- 
ßliil;a6ttL ^eagodciv, oti anoxExvkifStai 6 kid'og. Man könnte versucht 
sein, anzunehmen, daß pammei bloß zu a/valviths gehört (sc. hlaiva) 
und gaumidedun absolut steht, wobei es allerdings aufiallig wäre, daß 
die Conjunction pafei zur Einleitung des Objectssatzes fehlte, oder 
aber, daß der Dativ pammei sowohl zu gaumidedun als auch zu af- 
valvips ist gehört: gaumidedun pamma (sc hlaiva), pammei afvaMps 
ist sa stains, eine Attraction, die ganz besonders gerechtfertigt erscheint 
zur Vermeidung des Gleichklangs pamma pammei. Man könnte sich 
aber auch, da die Snpplierung des zu dem Relativpronomen gehörigen 
Substantivs aus dem vorhergehenden Satze (hvas valvjai unsis pana 
stain af daurom pis hlaivisf) ziemlich schwerfallig ist, mit der Ver- 
muthung helfen, daß pammei verschrieben sei für patei; aber es ist 
zu gefahrlich und keineswegs gerathen, bei der im Allgemeinen ganz 
vortrefflichen Beschaffenheit des Codex argentens Conjecturen aufzo- 
stellen, außer bei ganz offenbaren Fehlem der Handschrift, wo ein 
Sinn sich absolut nicht finden lässt. Aber nichts von dem Allen ist 
gerechtfertigt. Wir haben im Ulfilas einige ganz ähnliche Stellen, 
f\/\^j\0t'i99m, 7, 18 ni frapjip, pammei all pata utapro tnngaggando m mcmnan 
ni mag ina gamainjan; Luc. 1CL20 i/) faginop in pammei namna izvara 
gamelida sind in himinam; 17, m6 ip ains ize gaumjands pammei hrains 
vas etc. In der Grammatik zu der Ulfilasausgabe von v. d. Gahelentz 
und Lobe (vol. II, 2, 269) wird hierüber gesagt: „daß bei ihatei in 
dieser Satzverbindung (d. i. nämlich in subordinierten Sätzen, „wo der 
Inhalt des abhängigen Satzes nicht in innerem Zusammenhange mit 
der Thätigkeit des Hauptsatzes steht, sondern nur in äußere Verbin- 
dung gesetzt wird, wie bei den Verbis sensuum, dicendi, cogifandi^) der 
Gothe nicht vergaß, daß es das Relativpronomen sei, ergiebt sich dar- 



ÜB£B DEN SYNTAKTISCHEN QEBRAUCH DBS DATIVS ete. 281 

■O0^ dafl er, wo das Verbum des IlanptBatzes den Dativ regiert, tham» 
mui alAtt thaiei aetzt^ Wie dies über möglich ist, wird nicht ange- 
^beo; mao kann doch nicht etwa glauben sollen, daß die Conjunction 
/»•iXW, welche ursprünglich mit dem Relativpronomen wohl identisch 
prwcaeo aein mag, flectiert werden könne. Mir scheint der beste Weg, 
dieses panunei in Objectivaätzen , welche von Verben abhängen, die 
den DmtiT regieren, zd erklären, der zu sein, datt man eine Art Attrac- 
lioo aonimnit ans dem Dativ des Neutrums dos Demonstrativpronomens 
/•oauna aod der Conjunction pateiy in der Weise, daß statt jener 
l»«iden der Dativ des U<*lativpronomen6 gesetzt wird. — Auch mian 
(beobachten, bewachen) hat regelmäßig den Dativ bei s'ch, Blatth. 
r, 54. 64; Marc. 3, 2; 6, 20; Luc. 2, 8; Job. 9, 16; II. Cor. 11, 32; 
CiaL 4, 10; IL Tim. 4, 15. 

Ganx eigenthumlich gothisch int auch der regelmäßige Gebrauch 
d^« Dativs bei Ukan und atukan (antiö^ai^ <u/<(/r*r<, berühren, an- 
t'j^^en), mag von Personen oder Sachen die Kcde sein; Matth. 8, 15; 
'.♦, 20. IL 29; Marc. 3, 10; .5, 27. 28. 31; 6, 56; 7, 33; 8, 22; 10, 13; 
Loc. 6, 19; 7, 14.39; 8, 44. 45. 46. 47; 18, 15; II. Cor. 6, 17. Wenn 
rwei Dbjecte angegeben werden, welche berührt werden, d. h. die 
Person ond zugleich die ihr geliorige Sache, an welcher sie berührt 
«ird (ein Körpertheil oder das (rewand), so stehen b«*ide im Dativ. 
Marc. 5, 30 hvas mit iaitolc viuijom f Im Griechischen steht dop|>elter 
itmitiv: tlg fMV ^^oro tiSv liiaxiav: an zwei gleichlautenden Stellen, 
Mattb. 8, 3 und Luc. 5, 13, handu aitnitok imma^ seheint es auf den 
rrsteo Augenblick, als ob der berührte Kur{)ertheil in den Aciusativ 
l^eik^at sei. Es wären dies die einzigen Stellen, wo attekan einen Accu- 
satiT bei sich hätte, die um so mehr auffallen mußten, als wir t>o 
JinOerordentlii'h viel Beispiele vom Dativ bei Ukan und utfAatt haben; 
auch wird die accnsativische C*onstruction von attfkan noch zweifel- 
kaAer wegen der Zusammensetzung mit der Prä|M)sition u/, welche 
den Dativ verlangt ^). Einem aufmerksamen Ijoner des Ulfilas können 
j^och diese Stellen kein«*RwegH Zweifel erregen an der dativi^elH'n 
( OTHtmction von atirkan in den angeführten Stellen; denn es i!>t !><•• 
kannt, daß die Genitiv- und Dntivfornien der dritten starken oder 
L*-Declination -oii# nnd -an häufig in die Formen -irt und -n hiniiUT* 
Schwanken, sowie auch die Endung des Nominativs -im, des Accu- 



•* mt Im! den Arra«*liT nJi«'h «irh Mir l»ei Z<*itYM-«iimmMii)mi uiiH e»iil«prirbt «l«»m 
ntecfcUclMa Dativ Marc 12, 2: Luc 2, II; CUl. (>. !» «xlt-r «I* m »b«'*liitrn Gcoitiv, 
MailL 27« 1 9i Monryiii ramrpanatu», npMta^ dl yfrofifri}^. 



282 AKTUK KÖHLER 

sativs und Vocativs -u dieser Declinatiou in -aus und -au sehr oft 
ausweichen ; ganz besonders schwankend ist die Endung des Vocativs. 
Beispiele hiefur findet man in reichlicher Anzahl aufgeführt bei ▼. d. 
Gabelentz und Löwe vol. 11, 2, §. 29, 3 (S. 33). 

Merkwürdig ist die Construction von bifdmariy xXdnteiv^ mit dem 
Dativ Matth. 27, 64 ibai au/to qimandans ihm siponjoa ia hinimaina 
immay xlstl;a0tv avtov. Das synonyme hüfan findet sich nur absolut, 
Matth. 6, 19; Marc. 10, 19; Luc. 18, 20; Rom. 13, 9; Eph. 4, 28. 

Was nun den Begrifi* der Gemeinsamkeit anlangt, so ist zu be- 
merken, daß das Verbum gamaivjan in der Bedeutung xoivmvsiVf mit- 
thoilen, naturlich den Dativ des entfernteren Objects bei sich hat, 
Rom. 12, 13; Gal. 6, 6; Phil. 4, 15; an einer dieser Stellen wird zur 
Bezeichnung dessen, was mitgetheilt wird, die Präposition tu c. Dat. 
verwendet, Gal. 6, 6 appan gamainjai sa laisida vaurda paniMa lais- 
jandin in allaim godaimy iv ncc6iv dya^otg (und vielleicht Phil. 4, 15 
ni ainnohun aikklesjono mis gamainida in rapjon gibos jah andtmemut alja 
jus ainai^ ovdBft£a fLOt ixKlriöia ixoiVcivrfiBV iig koyov doösmg xal Xtj^siDg 
xtA.); in der Bedeutung xotvmvov slvai^ ovvxoiViovBtVy Theil haben, re- 
giert es gleichfalls den Dativ I. Cor. 10, 18; Eph. 5, 11. Wo gatnaivjan 
dagegen xotvovvy entheiligen, profanieren, bedeutet, hat es den Accu- 
sativ als Objectscasus , Marc. 7, 15. 18. 20, sowie v. 23 gagamainjan. 
Von den hieher zu zählenden Adjectiven haben wir haßa mit dem 
Dativ nur I. Cor. 7, 10 paim liugom haftam anabiuda, doch ist dies 
kein eigentlicher Dativ, sondern vielmehr der instrumentale Dativ 
„durch die Ehe verbunden,** matrimonio junctus, den Grimm aber irriger 
Weise hier unter den von Adjectiven abhängigen Dativen auffuhrt. 
gamainsj das in der Bedeutung „gemeinschaftlich** den Genitiv bei sich 
hat, äkeir. 1, a qam gamains allaize nasjandfi^ aber den Dativ, wenn 
es övyxotvcavdg^ theilhaftig, bedeutet, Rom. 11, 17 gamains pizai vaurUai 
(oder vaurtai^ wie die Mailänder Handschriften bieten) jah smairpa 
alevabagmis vast^ xaX Oxyyxotvtovog rig rijg Qit'fig xccl z'^g yiiaxTitog xi^g 
ikalag iysvov*). Die Stelle Rom. 14, li jag-gatraua in fravjin Jesua, 
Patei ni vaiht gavamm pairh sik silbo, niba Jtamma munandin hva unhrain 
visan, pamma gamain ist, olöa xal nE7t€i0(ß,at, iv xvQiiq^ 'ItiCov^ ort ovdiv 
xoivov dt iavTOV' al firi tc5 Xoyi>^o(isvp xl xolvov alvai^ ixsivm xotvov^ 



*) Grimm meint ^S. 749), man dürfe an dieser Stelle gamains für das Substantiv 
aociua der Vulguta nehmen und dann würde diese Construction den substantivischen 
cuzuzählen sein. Allein das der klassischen Gräcität fremde avvnoLvaivog hat hier offen- 
bar die Bedeutung „theil haftig", wie auch Luther richtig übersetzt hat. Die Wiedeirgabe 
der Vulgata durch aociua ist als ein Übersetzungsfehler anzusehen. 



OBKK dkm 8YNTAKi ISCHEN GEBRAUCH DES DATIVS etc. 283 

hml Grimm irriger Weise hieber gezogen, denn tjamain ist hier nichts 
Aodcreift als ein synonymer Ausdruck fi'ir gavamm^ unrein, unheilig, 
«ifareod im Griechischen beide Male xoivov gebraucht i8t. (In gleicher 
Bedeutung findet sich gamainn Marc. 7, 2.) Der Dativ pamma bei ^a- 
MdM Ui hingt nicht von dem Adjectiv mmain ab, sondern von ü/, 
t's ist der sogenannte ethische Dativ oder, wie er besser bezeichnet 
vird, der Dativ des Interesse: |,fur ihn, d. h. in seinen Augen, nach 
H*inem Urtheil ist es unrein.^ — Es sind nun die Snbstantiva zu be- 
tachuro, die zu dem Begrifie der Gemeinschaft, Theilhaftigkeit zu 
»teilen sind. gamai9*ja^ Theilnehmer, hat in Verbindung mit dem Ver- 
bnm sobstAUtivurn ri^rm den Dativ I. Tim. 5, 22 ni oatnaivja ^fjais /ra* 
mtmrhtimframopjaimy iitidl no$v€ivH iiiagtiaig aXloTQiaig^ das fast sy- 
nooynie padaila (»iMyoird^, Genosse) wird mit dem Dativ verbunden 
angetroffen Luc 5, 10; I. Cor. 10, 20; Kph. 5, 7, wo die Genossen- 
K^haA mit Personen bezeichnet wird ; ist jedoch von der Gemeinschaft, 
Thetfambme an einer Sache die Uede, so finden wir es mit dem Ge- 
aitiv, IL Cor. K 7; Eph. 3, 6; I. Tim. 6, 2. An eiue Einwirkung des 
i^^obischen Spracligebniuches wird nicht füglich gedacht werden 
k'Huiru, da zwar II. Vor. 1, 7; Eph. l\^ 6; I. Tim. 6, 2 im (iebrauche 
des Graitivs und Luc. 5, 10 im Gebrauche dcH Dativs im Griechinchen 
•.ud Gothiüchen ilbereiiiHtiuimen, der gricchibclie T«'Xt aber I. Cor. 10,20; 
Eph. 5. 7 den Genitiv zeigt. Daigegcn ist die Übereinstimmung der 
i^net^iiscben und gothischen (^onstruction bei den Abstracten zu auf- 
fallig, als daU nicht die Vermuthung aufsteigen sollte, der gothische 
Cbersetzer sei von meinem Originale hierin abhangig; gatnaitifi {xoivoviu) 
hat IL (%>r. S, 4 den Genitiv bei sich gamauteiu auiil»ahljU^ xif¥ XOi* 
9mtnm¥ Tif^ Jianoi/i«;, weil von der (femeinKcbnft, die man an einer 
Sache bat, die Uede ist, aber (lal. 2, 9, wo die (temeinschaft mit einer 
Person bezeichuet wird, den D;itiv jah Itarnohiu oamohifitiM^ Bagvaßa 
Moiwmpüig; ebenso hat gamm'udu/n [HOtvmvia) den Genitiv l>ei sich 
inr Bezeichnung des Antheils an einer Sache, I. (*or. 10, 20 bhpU 
frattjiHs; Phil, 2, I ahmiun: .S, lO pnUnue u, wo im (frirchischen gleich- 
falls der Genitiv »teht^ oder die PrüpoHitionen «/u üder v**}»^ denen im 
Griechischen gleichfalls Pra[)ositionen enti^preehen : II. C\>r. 6, 14 unU 
&v«> tlaUö guraihtein utift uniiaraihleiu oiftftau hvo \itw\aindupt liukada 
mdff ritfiiaf tig yag firroxi; dixatoövrfj xal apoiAi'a; ug ii xoivopia 
%mtX MQog 0u6to^: IL Cor. 9, \'\ jiih m aitt/affttin iftinttimlufung dn im 
Jmk du allaimj Mal axXdrfixi tifg Motv&yütg tig avrovg Mal iig ndvtag. 
Von den Verben des Scheiden s, Trennens hat tkaidattn t^9^*^^» 
den Dativ bei sich nur Marc. 10, 9 mantta pamma ui skaid<nj aber 



284 ARTUB KÖHLER 

Matth. 10, 5 die Präposition vipra c. Acc, wo auch im Griechiecben 
xaxa c. Gen. steht und die eigentliche Bedeutung des Scheidens der 
des Aufregens zu Haß und Feindschaft gewichen ist: quam auk skaidan 
mannan vipra atian ü jah dauhtar vipra aipein izoa jah brup vipra 
svaihron izosy i^X^ov yäg 8i,%d6ay avd'Qmxov xaxa xov naxQoq avtov 
xxX. Refleziv^ findet sich ekaidanj aber ohne dk, I. Cor. 7, 15 absolut, 
skaidai, XmQi^dcd'&f und I. Cor. 7^ 10 mit der Präposition /atrra c 
Dat. : anabiuda . . . qenai fairra abin ni akatdan, ywatxa ixo ävÖQog fu} 
X(OQi<f^'^vttt. Das reflexive gaskcüdan (ob gik oder sisj lässt sich aus 
der zweideutigen Form izvis II. Thess. 3, 6 nicht erkennen) nimmt 
die Präposition af c. Dat. zu sich. Das passivische gcukaidnan findet 
sich nur I. Cor. 7, 11 und zwar absolut. Über afskaidan lässt sich 
nichts Bestimmtes angeben, da es Gal. 2, 12 absolut steht, aber aas 
den Stellen Luc. 9, 33; Rom. 8, 35, 39; IL Cor. 6, 17 wegen der 
daselbst lediglich vorkommenden Formen uns und izvis sich kein Schluß 
ziehen lässt. Der- oder dasjenige, von dem man getrennt, geschieden 
wird, wird unter Wiederholung der Präposition af in den Dativ ge- 
setzt. Luc. 6, 22 pan ßjand izvis mans jah afskaidand izvis j xal iq>o- 
giacjöLv vfLccg^ scheint man fast den Accusativ annehmen zu müssen, 
da es hier „ausscheiden, aus der Gesellschaft ausschließen, verwerfen^ 
bedeutet. 

Merkwürdig ist der einmalige Gebrauch von galukan {xlsiBiv) 
mit dem Dativ, Matth. 6, 6 galukands Iiaurdai peifiai, während sonst 
immer der Accusativ bei galukan steht, Matth. 6, 66; Luc. 3, 20; 5, 6 
(an der letztgenannten Stelle in dem Sinne „fangen^, övyxXBiBLVy eigent- 
lich in ein Netz einschließen); Rom. 6, 32. Der Dativ wird wohl am 
Besten als Instrumental erklärt, unter Annahme einer Ellipse von hepjcn 
peina. Der Vers lautet: ip pu pan bidjaisj gagg in hepjon peina jah 
galukavds haurdai peinai bidei etc.; es wäre hepjon als Object zu galu- 
kands zu denken, doch ist auch dies nicht ohne Bedenken wegen des 
Possessivpronomens 7>^tnat neben haurdai^ das unnütz wiederholt werden 
würde. 

Was nun die Verba des Gleich-, Aehnlich- Seins oder Machens, 
des Vergleichens anlangt, so finden wir galeikofi {o^toiovv^ ofioiovö^ai) 
mit dem Dativ Matth. 6, 8; Eph. 5, 1; I. Tbess. 2, 14; II. Thess. 
3, 7. 9; Skeir. I, d; V, a; galeikon sik {6v6%fi^axiiB6^ai,^ sich gleich- 
stellen) Rom. 12, 2 ebenfalls mit dem Dativ. Höchst überraschend ist 
die Erscheinung, daß zweimal bei galeikon der Instrumental steht, 
Marc. 4, 30 hve galeikom piudangardja gups? und Luc. 7, 31 hce nu 
galeiko pans mans pis kuvjis jah hve sijaina gaUikait Im Griechischen 



ÜBER DEM SYNTAKTISCHEN GEBRAUCH DES DATJVS ete. 286 

ftebt an beiden Stellen der Dativ. Grimm (S. 750) bemerkt über den 
Wechsel der Construction mit Dativ und Instrnmental : y,Aucb im La- 
t^riniscben wird Beides gesagt comjyarare alirui und comparare mm aliqiio; 
ML nEinem^ nnd |,mit Einem vergleichen*'. Hiernach erscheint ein 
^rothiscbes Am rijoina gaUikai völlig statthaft and selbst das einfache 
/ri^f schon in hveleika mit dem Instrumental gebildet.^ — «fuibnjati 
kommt nur Luc. 19, 44 vor jah airpai Jtuk (fäthnjatni^ xal idafpiovei Of, 
«and sie werden dich der Erde gleich machen ;*' Luther: nUnd werden 
dirh schleifen. ** Von Adjectiven geboren hieher ibfiSj das Luc. 20, 6; 
Skeir. I, a mit dem Dativ gefunden wird, und gnUihi^ das wir in Ver- 
Mndnng mit einem abhängigen Dativ antreffen Matth. II, 16; Marc. 
1^ 31; Lnc. 6, 47. 48. 49; 7, 32; Joh. 8, 55; 9. 9; Skeir. I, a, nnd 
das von ihm gebildete Adverbium Phil. 2, 6, gaUiko^ als Cbersetxung 
Ton 10«. 

Was die Reflexiva anlangt, welche den Dativ l>ei sich haben (mM, 
Oh$^ «ü\ so genüge es, auf Grimm (tir. IV, 29 ff) xu verweisen. 

Iliemit ist die Reihe derjenigen Verba, welche den Dativ regieren, 
fr*ch6pft. 

§ 3. 

Die Construction der den Dativ regierenden Verba im 

Passi vum. 

Betrachten wir al>er, ehe wir zn den Impersonalien übergehen, 
erst noch die Construction derselben in denjenigen Fällen, wo diesell»en 
in Passiv vorkommen. Die dativische Construction ist nur an xwei 
Stellen erhalten, mit unpersönlicher Wendung des Verbs: Matth. 9, 17 
hfjopufn yabairpadiMj aiitpotiQU 4tvpTfi^owxa$ und Joh. 6, 12 ri rafhiai 
m frofistnaij twa fiif Ti itnoliitut. Hier int die Rection des Verlis, die 
^ im Activum hatte, auch im Passivnm bewahrt; es ist vollkommen 
die im lateinischen gebrünchliche passivische Wendung von Verben, 
die den Dativ regieren {invidetur alirui^ pan-fitir alirui etc.) Das, was 
im lateinischen gans unmöglich i»t, daß nämlich das den Dativ regie- 
rnide Verbnm wie ein transitives mit accusativisrher Rection l>ehandelt 
wird nnd das bei activiticher Wendung im Dativ 8ti*hende Object nis 
Sobject in den Nominstiv gesetzt wird, ist im (tothi sehen, abgesehen 
ton den oben (>esprochenen Stellen, zur Regel geworden. So finden 
vir Matth. 11,5 nnd Luc. 7, 22 unUdai taHamefjanda; Luc. 17, 34 
stas MtmimaJa jah attfutr tnUiftada; v. 35 aina utmimada jah of^p^rQ 
h^Utpada; Joh. 12, 31 uu sa reth pi$ fairhraus u$cairjMtda ut; Iby 6 



286 ABTUR KÖHLER 

niba saei viaip in mis^ usvairpada tU sve veinatains; Luc. 20, 34 Idugattd 
jah liuganda; II. Cor. 12, 15 ik fraqima jah fraqimada; GaL 5, 15 ibai 
fr am izvis misso fraqimaindau. Am Erklärlichsten ist die personelle 
Wendung des Passivs an denjenigen Stellen, wo Activ und Passiv 
eines und desselben Verbs unmittelbar nebeneinander stehen, wie L#nc, 
17, 34. 35; U. Cor. 12. 15. Da konnte leicht zu Gunsten der Kürze 
und Glätte des Ausdrucks die strenge Regel unbeachtet gelassen werden. 
Wären es bloß diese Stellen, in denen der besagte Gebrauch des Pas- 
sivs den Dativ regierender Verba vorkäme, so würde man sie als Aas- 
nahmen von der regelmäßigen Construction des Passivs derselben an- 
zusehen haben. Indessen findet dies nur an den drei obenerwähnten 
Stellen Statt und die regelmäßige Construction dieser Verba ist die, 
daß sie ganz wie Verba, die den Accusativ regieren, behandelt werden. 
Ganz besonders häufig finden sich die Participia Praeteriti dieser Verba, 
oft in Verbindung mit vairpan und visauj die zur Umschreibung des 
Passivs dienen. So finden wir Luc. 15, 6 bigat lamb mein paia fra- 
luaano; 17, 27 liugcidoi vesun; 19, 10 ncujan paus fralusanans; Joh. 
6, 27 mat pana fralusanan; Marc. 9, 12 usgistips; II. Cor. 4, 9 trikanaiy 
ak ni bilipanai; gadrausidai, ak ni fraqistidai; 10, \0 jah varp frakunp; 
I. Thess. 3, 1 ei bilipanai veseima; Joh. 12, 42 ni usvaurpanai vaurpeina; 
Luc. 15, 24 jah fralusane vaa; v. 32 fralusans varP; Marc. 8, 31 tM- 
kiiisan skulds ist, wo uskiusan als Infinitiv des Passivs anzusehen ist, 
wie ja oft der Infinitiv des Activs den Infinitiv des Passivs vertritt, 
wo er nicht durch Umschreibung mit dem Particip. Praeteriti und den 
Hilfsverben visan oder vairpan gebildet wird; ferner Luc. 9, 22 uskunafu 
vairpan fr am siiUMtam etc.; II. Tim. 3, 8 uskusanai bi galaubein {ido- 
xifiOft negl xrjv xitfrtv); Tit. 1, 16 du allamma vaurstve godaize ushaanai 
(iiQog näv igyov ayu^ov adoxtfioi); Neh. 5, 18 jah vai fraguman dagi$ 
hvizuh »tiur. a. (täglich ward ein Stier verzehrt); Luc. 3, 19 goiakans 
fram imma, iksyxofisvog vn uvtov. Durchaus nicht zu verwundern 
ist es, daß diese Art der passivischen Ausdrucks weise bei usqisfjanf 
das häufiger den Accusativ als den Dativ regiert, zu bemerken ist, und 
seine Behandlungsweise wird es wohl auch bewirkt haben, daß das 
von demselben Stamme gebildete fraqisijun in gleicher Weise behandelt 
wurde, usvairpany das in der Bedeutung „hinauswerfen, austreiben^ 
meist den Accusativ hat, kann deshalb auch weniger Anstoß erregen, 
obgleich es an den Stellen, wo es passivisch auftritt, stets die Beden- 
^""f? „verwerfen^ hat, in welcher es sonst streng den Dativ verlangt: 
ebenso verhält es sich bei uskiusatiy dessen Construction gleichfalls von 
seiner jedesmaligen Bedeutung abhängt: bei beiden Verben mag die 



ÜBEK DEN SYNTAKTISCHEN GEBRAUCH DES DATIVS etc. 287 

Moglichheit der accusativischen Rection den Anlaß gegeben haben, 
auch bei einer Bedeutung, wo es eigentlich nicht gestattet war, die 
unbehililiche impersonelle Ausdrucksweise mit der leichteren, gefal- 
ligeren personellen bei passivischer Wendung zu vertauschen. Der 
gleiche Grund wird bei bileij)an obgewaltet habei), zumal da hier die 
Wahl des abhängigen Casus nicht von der Bedeutung des Verbs ab- 
hieng. Schwieriger ist die Erklärung der persönlichen Ausdrucksweise 
im Passiv bei den Verben, die nur den Daliv bei sich haben , liugan, 
cailufnerjuH^ frakutman^ fraliusanj fraqiman. Das Natürlichste wird die 
Annahme sein, daß dem Gothen die schwerfällige unpersönliche Wen- 
dung schon sehr früh äußerst lästig wurde und daß er, von der Regel 
abweichend, zu der bequemeren und gefälligeren persönlichen Wen- 
dung ubergieng. — In Betreff der Partioipia Praeteriti gibt Grimm 
(S. 717) das Urtheil ab, daß die gothische Sprache dieselben zulässt, 
als Adjective betrachtet, wenn auch das Verbum den Dativ verlangt, 
wie Luc. 15, 6; Joh. 6, 27, und meint, daß auch die mit dem Verbum 
substantivum verbundenen, wie Luc. 15, 24, hieher gehören, eine An- 
sicht, die ich deshalb nicht billigen möchte, weil die Bildungen dieser 
Participia mit vai/pafi zur Umschreibung des Praeteritum Passivi zu 
sehr das Gepräge passiver Verbalformen tragen. 

Noch eine Stelle bedarf hier einer besonderen Besprechung. 
Matth. 6, 5 ei gaumjaindau marmarnj oxcag av q>avc5<fi totg avd^Qcixoig^ 
wie Grimm übersetzt : appareantj videantur hominibus» Zunächst ist zu 
constatieren , daß auch gnumjan^ trotz seiner dativischen Rection, im 
Passivum in die persönliche Ausdrucksweise übergetreten ist, und ganz 
wie ein den Accusativ regierendes Verbum behandelt wird. Es ent- 
steht nun die Präge, ob es wie das lateinische apparere zu verstehen 
sei, wie Grimm zu thun scheint, oder ob es seine eigentliche Bedeu- 
tung im Passiv als „beobachtet, bemerkt werden" behalten hat. In 
letzterem Falle hätten wir allerdings ein Beispiel für den Gebrauch 
des Dativs beim Passiv statt eines von einer Präposition abhängigen 
Casns (fram c. Dat.), wie wir im Lateinischen gar nicht selten beim 
Passivum den Dativ statt des von einer Präposition abhängigen Abla- 
tivs finden. Es finden sich ähnliche Stellen noch, aber freilich nur bei 
dem Passivum des fast synonymen saihvan, Matth. 6, 16 ei gaacdhvaindau 
fnannam /astandans und v. 18 et ni gasaihvaiznn mann am fa Stands, Wenn 
wenigstens nur noch eine ähnliche Stelle bei einem anderen Verbum ^ 
als den genannten sich finden ließe, so wäre dadurch eine interessante 
Erscheinung aut dem Gebiete der gothischen Syntax erwiesen. Allein 
in Ermangelung einer solchen wird es wohl gerathener sein, dem Pas- 



288 ARTUß KOHLER 

sivuin von gaumjan nnd saihvan die Bedeutung videri^ apparere, fpctlvBiv 
zuzuschreiben, wo dann der Dativ mannam seine ganz natürliche Er- 
klärung findet als Dativ des entfernteren Objects. Ganz ebenso werden 
wir die Stelle Matth. 6, 1 du saihvan im^ 7Cq6$ t6 ^sa^^vai uvrotg zu 
beurtheilen haben. 

§. 4- 
Der Dativ bei Impersonalien. 

Wir kommen nun zu den Impersonalien. 

Hier zeigen sich sehr häufig Schwankungen zwischen dem Ge- 
brauch des Dativs und des Accusativs, indem manche Impersonalia 
im Gothischen den Dativ, in anderen germanischen Dialecten den Accu- 
sativ erfordern. Auch im Neuhochdeutschen kommt es vor, daß einige 
Impersonalien den Gebrauch des einen oder des anderen Casus zu- 
lassen, z. B. mir und mich ekelt, mir und mich graut. Gothisch finden 
wir bei visan den Dativ, im Althochdeutschen stoßen wir zuweilen 
auf den Accusativ, z. 6. Tat. 45, 2 waz üt thih thes inii mih ? (quid mihi 
et tibi est?), Grimm bemerkt hiezu (S. 703): „Ein organischer Accu- 
sativ mit ,^Sein^ und „Werden^ verbunden lässt sich kaum begreifen, 
und da „dünken^ sonst jenen gleich construiert wird, so halte ich auch 
ihm den Dativ hier für angemessener, als den Accusativ, die hoch- 
deutsche Mundart hat aber diese Abweichung beinahe durchgesetzt.^ 

Unbedingt den Dativ zu verlangen scheint pvgkeip (doxa oder 
düX€i ftoi), Matth. 6, 7; Luc. 19, II; Gal. 2, 2. Ob eine Construction 
mit dem Accnsativ möglich ist, kann aus Matth. 26, 66; Marc. 14, 64; 
IL Cor. 12, 19 nicht ersehen werden^ wo überall izvia steht. Im Alt- 
hochdeutschen finden wir sowohl dtmckit mih als auch wir. Vgl. hier- 
über Graflfs althochdeutschen Sprachschatz V, 173 ff". — Von dem un- 
persönlichen Vorkommen von gatiman ist mir nur eine Stelle bekannt; 
an dieser findet es sich mit dem Dativ: Luc. 5, 36 jah pawma faimjin 
ni gatimid paia aj ]mmma nittjin, xai rcJ nakaiä ov öVfKpmvsi imßXtifia 
to axo tov xa^voiJ. Im Althochdeutschen finden wir nur mir zimify 
im Mittelhochdeutschen zemen mit dem Accnsativ der Person, sobald 
ein Genitiv der Sache beigefügt ist, sonst mit dem Dativ der Person 
und dann ist die Sache Subject. Beispiele hiezu bei Grimm IV, 235. 
— Für ganahan (aQXsti^^ agxstov elvai) nimmt Grimm bloß den Ge- 
branch des Accusativs an, der sich in der That Matth. 10, 25 ganah 
siponiy agxitov rS fiai^ritjjj und II. Cor. 12, 9 ganah puk ansts meina^ 
uQXit 601 71 xagig fiov, findet, aber übersehen hat er II. Cor. 2, 6 



Aber den syntaktischen gebrauch des dativs etc. 289 

fomak pismana waleikamma andabeit paia fram manoffizam^ tnmvov t^ 

vMOWf» 1) iniXifUa 1} wo xmv nXnovov. Wegen der hieraus offenbar 

•ich ergebenden Zulassigkeit des Dativs bei ganahan und wegen des 

Uebranchs des Dativs bei dem Adjectivum pafioluf^ Job. 6| 7 ni gonohai 

rwl paim^ ist es xweifelhaft, ob wir Job. 14, 8 ffonali unsis in utuü 

den Accuaativ oder den Dativ su erkennen haben. Wo gamoht sonst 

Torkommt, als Übersetzung von txavog^ Marc. 10, 46; Luc. 7, 11, 12; 

M, 9; L Cor. 11, 30, beißt es stets „zahlreich, viel*', kann also hier 

nicht in Betracht kommen. — Für botanj ApilitVj sollten wir den 

Dativ erwarten, wir finden es jedoch Marc. 8, 36 mit dem Accusativ 

constmiert, hva auk boteip mannan. Grimm fuhrt f&r diese Construction 

Dar Job. 6, 63 an: m boteip vailUy das sich ebenso Job. 12, 19 findet; 

doch liast sich aus diesen Stellen für die Construction von botan Nichts 

eotaehmen, da hier nicht die Person oder Sache, der etwas zum 

Nutzen gereichen soll, angegeben wird, sondern nur der Grad, in dem 

etwas ootzt; ni vaihi ist also ebensowenig Objectsaccusativ, wie ni 

txaAiot Marc. 5, 26 {ni vai/Uai botida) Objectsdativ, sondern beide sind 

Adverbia. 

Uieher ist auch der unpersönliche Gebrauch von vi$an mit dem 
Dativ zor Umschreibung des Begriffs „babcn*^ und vairpan mit dem 
I>ativ ZOT Umschreibung von „erhalten*^ zu rechnen. So findet sich 
dem Griechischen entsprechend, z. B. Lue. I, 7 m vom im harne; 8» 42 
'/«niAtar ainoho va$ imma; auch althochdeutsch begegnet diese Ausdrucks- 
weise noch, z. B. Tat 2, 2 wird non erat Uli* filitu übersetzt mit m 
«««j tu 6<ini. Dagegen findet eich die griechische Wendung ilvmC vir« 
abgeändert, z. B. Luc 9, 13 ov« tUiv ^lUv xUlo/w { s^s sf^oft wird 
obefsetzt nift hmdar un» maizofimf hlaibam; 8, 30 tt 9ol i€up oyo|Mr; 
Am ift namo peinf Ich schließe hier den Gebrauch des Dativs beim 
bfinitiv gleich an, da er sich nur bei ruan und dem begrifflich ver- 
wandten vairpan findet. Grimm fragt zweifelnd (S. 705): „Ob sich 
<ia Dativ mit dem Infinitiv tnu faginon varp^ varp gaggan imma^ varp 
W/i/»aM imma durchfuhren lasst?'^ In Betreff der Stellen, wo ein Dativ 
neben dem Infinitiv angetroffen wird, hin ich der Ansicht, daO der 
Infinitiv wie ein Substantiv behandelt wiid und das Kubject des Satzes 
bildet; der Dativ bezeichnet dann die Pernon*), drr das im Infinitiv 
Beirichnete zu Theil wird oder widerfahrt. Es wurde dann II. Cor. 
7, 7 »raei imm fftatt fnginon varp der Infinitiv finjinon ITir das Substan- 



*) leb bab« dlm* C*4>n«tnictioii nnr <U ^fundrn, wo von Pcr»oiM»a 4i« llsdc It^ 
m fMi 8*cbeii. 



290 ARTUB KÜHLER 

tivnin faheda stehen; Marc. 2, 23 jah vor]) pairhgaggan imma pairh 
aiiak würde pairhgaggan stehen für ein nicht existierendes Substantivam 
fiir „Durchgang", das etwa pairligaggs heißen müßte; Lnc. 6, 1 jah 
varp gaggan imma pairh atish und v. 6 varp galeipan imma die Infini- 
tive gaggan für gaggs und gal^pan iiir ein entsprechendes Substantivum ; 
Luc. 6, 22 varp pan gasviltan pamma nnledin würde gasvilfan für ein 
nicht anders als aus dem Adjectivum svultavairpja*) zu belegendes 
svulls stehen. Allerdings finden wir im griechischen Text aller dieser 
Stellen iyivBxo mit folgendem Acc. c. Inf. Die Construction des Aor. 
c. Inf ist nun freilich dem Gothischen durchaus nicht fremd und findet 
sich besonders häufig nach qipan, viljan^ rahvjan^ auch nach sokjan 
und munarij nach den Impersonalien gadob ist^ mel isi^ pop iH oder 
ras; aber nach varp^ iydvstOy habe ich nur coordinierte Sätze finden 
können, die mit ^aA eingeleitet sind (Matth. 9, 10; Marc. 2, 15; Luc. 
2, 16; 3, 21; 5, 1. 12. 15; Neb. 7, 1) oder asynthetisch stehen 
(Matth. 7, 28; Marc. I, 9; 4, 4; Luc. 1, 8. 23. 41. 59; 2, I. 6. 46; 
7, 11), oder auch mit der Conjunction ei eingeleitete subordinierte Sätze 
(Luc. 6, 12; 17, 30). Nnr ein Beispiel des Acc. c. Inf, nach varp ist 
mir gelungen, aufzufinden, Luc. 4, 36 jah varp afslanpnan allans^ iydvero 
diifißog inl nivtag. Die oben angeführten Dative mit dem Infinitiv 
hält Grimm für eine dem Acc. c. Inf. gleichartige, mit demselben 
gleichberechtigte Construction. „Offenbar hätte Ulfilas", sagt er (An- 
merkung zu S. 115 f.), „oben (d. i. Luc. 4, 36) setzen können afslanpnan 
allaim oder hier (d. i. Luc. 6, 1. 22) gaggan tna, gasviltan pana unledan; 
aber wie bei dem absoluten Casus Accusativ und Dativ zulässig sind, 
scheinen sie es auch hier. Auf varp beziehen mag ich den Dativ nicht 
(etwa in dem Sinn; es geschah, begegnete ihm, daß), dann würde er 
unmittelbar daneben stehen. Auch das schon S. 91 angeführte ttvaei 
mi8 mais faginon varp scheint nichts Anderes als ein Dat. c. Inf., ob- 
wohl er sonst svaei für m0tB anders behandelt**). In keinem andern 
deutschen Dialect die Spur einer solchen Constmction, wie sie auch 
im Gothischen nur nach varp vorkommt.^' Diese Ansicht kann ich 
unmöglich theilen. Die Construction des Dat. c. Inf. wäre eine ganz 



*) Das Adjectivom »vultavatrpja , das Lnc. 7, 2 yorkommt, nimmt Grimm wohl 
mit Recht für morli propinquus; doch fag:t er hinzn: „wenn es nicht Zasamroensetsnng 
ist" (S. 747.) 

**) S, 107 bemerkt Grimm hieriiber: „Bei mazB schwankt Ulfilas, er setzt nach 
avaei den Conjunctiv, Rom. 7, ß; IL Cor. 3. 7, nach «ve oder wawe lässt er den In- 
finitiv, Lnc. 9, 52." 



Ober den syntaktiachen gebrauch des dativs et«*. 291 

Qoerbörte; der angefiibrte Uruod, daU das EutferaUteben des DatiTS 
roo rorj!» es nnmöglich mache, ihn daron abhangen zu lassen, kann 
dorchaos nicht Stich hallen, und der Grund, daß der Dat. c. Inf. zn- 
la»5ig sei neben dem Acc. c. Inf., weil beide Casus absolut stehen 
kiüonen, eben so wenig : man durfte dann mit vollem Hechte auch einen 
(ff<-nitiToa com Infinitivo erwarten. Man konnte zweifeln, ob die Con« 
•tmction des Acc. c. Inf. wirklich echt germanisch fiel, und vermuthen, 
«ie 9ei oar dnrch strenges Pesthalten an der Ausdrucksweise des grie- 
rhivhen Uriginali« in das Gothische herübergekommen, da an allen 
den Stellen« wo wir im Gotbischen sie antreffen, dieselbe auch im grie- 
rhi<irheo Text vorliegt, mit Ausnahme von II. Cor. 5, II, wo im Grie- 
chischen das Subject nicht ausdrücklich gesetzt ist (Msr/^o ih ual ip 
rc{g 6tfVBiii^iav v^äv MifpavsQm4t4^aij appan renja jah in nvprwfim 
izraroim »rikunpanB ri»Qn vim) und Phil. •% 7, wo tlvm fehlt (iki Ütivu 
i(r fM« KiQÖfi^ ravta fiyt^M dti tov XqCixov l^iliitiv^ ahti patfi tos 
mi$ gmsntrlci^ patuk rahnida in Xristaus »Iffpa vinan^ wenn nicht bei 
Notker sich so baafig der Acc. c. Inf. zeigte, daß wir ihn fi'ir der 
alten Sprache eig^nthumlich halten müssen *). Ist alter an(*h die Exi- 
Menz des Acc. c. Inf. im Gotbischen als diesem eigenthunilich , als 
nicht aas einer fremden Sprache entlehnt, zweifellos, so ist es doch 
immeHiin allzu gewagt, dem Gotbischen einen Dat. c. Inf. zns<*lireibeD 
rn wollen^ lediglich auf Gmnd von Stellen • bei denen eine einfachere 
Erklarong als durch diese befremdliche Construction sich darbietet, ja 
ix^t aufdringt. Die Stellen, an denen nach rarp ein Dativ neben dem 
Infinitiv aofstoßt, sind meiner Ansicht nach denen völlig gleich zn 
K'bten, in denen ein Substantiv im Nominativ als Subject bei rairpan 
ftebt, wie Marc. 4, 11 ip jainaim paim nVi in ffojukom allata vairpip^ 
iuiiroijg il totg l^a iv MUQaßoXatg ta navxa ytvirai; 9, 21 a varp 
}»>ia MMfia; II, 23 vuirpip imma pizvah pei g^pip , 11« 24 jah vairptp 
'rru; 12,23 hvarjoftuna ize vairpip qetu; Lnc. 1, 14 vatrpip pu* fahtdi 
jik tt^vnipa; (patei rairpip usiauhU pize rodidaue izui fram fraujin ge- 
k<*>rt nicht bieher, da der Dativ trat von pize roiüdane abhängt, obwohl 
*f SQch zn rairpip zu supplieren sein wird), 2, 20 tei rairpip allai mo- 
«tf^Aii; Job. 16, 7 bidjith jah rairpip izvü; Rom. 7, 3 jabai rairpip 
fsira amparamina: 9, 9 jah rairpip Sitrrin $uuu$; II, II rarp ganisU 
pimdam; II, 25 duuM rarp Ittraela ; L Cor. 4, 5 haz^iuM rairpip hrar^ 
jimmek fram ffftpa; Skeir. VII, c jah wi in raihiai raninastu pizai filu9nai 
rpoH gaiatida. Wir werden am B<*htcn thun, wenn wir die naber 



*; VfL Grimm, GrammiUik IV, | m; tT 



292 ARTUR KÖHLER 

liegende Erklärung des Dativs nach vaip als von diesem abhängige 
annehmen, so daß varp nicht unpersönlich steht, sondern Prädicat ist 
für das infinitivische Subject. 

Zu den Impersonalien sind noch einige Verbindungen von Sub- 
stantiven und Adjectiven mit dem Verbum substantivum zu rechneD. 
Der hievon abhängige Dativ ist vreder von dem Substantiv oder Ad- 
jectiv allein, noch von dem Verbum substantivum allein abhängig, son- 
dern von der Verbindung beider, von dem durch diese Verbindung 
entstandenen unpersönlichen Begriffe. Grimm rechnet hieher ntis üt 
vuipris^ ÖLaq>iQH fioij das nur Gal. 2, 6 vorkommt, m vaüit mis vuipris 
isty ovdiv iio^ dtaipigeij ferner vfjo mis ut^ negtööov fioi iöxiVj ü. Cor. 
9, 1 *), mia ist van, vöxbqbZ fiot, Marc. 10, 21 und Luc. 18, 22. Wie 
mis ist van mit dem Genitiv der Sache construiert wird (Luc. 18, .32 
amis pus van ist), so mik ist kara, ^tiksL ftot. Hier ist der Accusativ 
der Person statt des erwarteten Dativs im höchsten Grade auffallend. 
Er findet sich Matth. 27, 3; Marc. 4, 38; 12, 14; Joh. 10, 13; 12, 16. 
Grimm versucht (S. 703) diesen Accusativ zu erklären, indem er sagt: 
„Wenn ein Accusativ weder von ist, noch weniger von dem dazu ge- 
stellten Nomen abhängen kann, so scheint es misslich, ihn aus ihrer 
Vereinigung zu erklären. Weil es hieß mih wuntardt, sagte man auch 
tnih ist wuntar, und aus dem gothischen mik ist kara ließe sich ein 
mik karaip folgern.'' Nun steht aber karan an der einzigen Stelle, wo 
es vorkommt, I. Cor. 7, 21, absolut (m karos) und das verwandte ^a- 
karan I. Tim. 3, 5 ebenfalls nicht reflexiv. Man wird hier bei der, 
allerdings ziemlich unbestimmt ausgesprochenen Vermuthung Grimmas 
sich beruhigen müssen. 

§. 5. 
Der Dativ bei Adjectiven. 

Es ist noch eine Reihe von Adjectiven zu behandeln, welche den 
Dativ verlangen und oben nicht passend untergebracht werden konnten. 
Von Adjectiven der Zuneigung, Liebe, Güte ist zu nennen Imhs (aya- 
ntitog), das mit dem Dativ verbunden Marc. 12, 6 vorkommt, ferner 
httlp'i, hur. 18, 13 hulps sijais mis, tkatS^rixC fioi^ dann gop (xalog), 
z. B. Marc. 9, 42. 43, der Comparativ dazu batizo ist auk puSj 6v^q>iQBi 
yug 601, Matth. 5, 29. 30. — Von Adjectiven der Nähe ist nur eine 
Spur Luc. 7, 2 svultavairpja, ijftskks xekBvx&v, wenn dies nicht in einem 

*) Grimm hSlt (S. 241) ufjo, wohl mit vollem Rechte, für ein Femininum, das 
f^Überflnß" bedeutet. 



ÜBEE DEN SYNTAKTISCHEN GEBRAUCH DES DATIVS etc. 293 

Worte zu schreiben und als Zusammensetzung anzusehen ist. — Von 
den Adjectiven der Angemessenheit und Übereinstimmung haben wir 
gadofs {Tcgincyii) mit dem Dativ Eph. 5, 3; I. Tim. 2, 10; Tit. 2, 1; 
Skeir. 11, c, während das zugehörige Verbum gadahan Skeir. III, o 
den Accusativ bei sich hat: svaave gadob pans ufarmiton munandanBj 
wenn gadob hier nicht vielleicht als Neutrum des Adjectivs gadofs zu 
nehmen ist und die Copula ist oder vas zu ergänzen, wodurch eine 
doppelte Rection, mit Dativ und Accusativ, sich ergeben würde. Femer 
gehört hieher gaqiss, welches sich findet Rom. 7, 16 gaqiss im vitoda^ 
Ovnqnmi reo voiiw und Skeir. I, c gaqissans vairpan nasjandis laisinaij 
and gavizneigsj Rom. 7, 22 gamzneigs im vitoda^ övvi^dofiai yaQ zm voiip, 
— Das Adjectivum kunpa (yvcötfro'g) verlangt den Dativ der Person, 
der Etwas bekannt ist, Job. 18, 15; Eph. 3, 5; Phil. 4, 5; da an 
diesen Stellen die gothische Construction mit der griechischen voll- 
kommen übereinstimmt, so dürfte vielleicht Phil. 4, 6 bidos izvaroa 
hmpos sijaina at gupa als wörtliche Übersetzung von xa aln^^ara vfiäv 
yvogiii^^^ ngog rdi/ @s6v anzusehen sein. Ebenso hat das Compositum 
svikunps den Dativ bei sich I. Tim. 4, 15; IL Tim. 3, 9; Rom. 10, 20; 
n. Cor. 5, 11; desgleichen das negative unkunp* {ayvcoviisvog) ^ Gal. 
), 22, wobei der Gegenstand, in Betreff dessen Jemand oder Etwas 
anbekannt, verborgen ist, im ablativischen Dativ (hier: vlita, reo ngog- 
dxo) hinzugefugt wird. — Was die Adjectiva anlangt, die sich auf 
die Möglichkeit und Unmöglichkeit beziehen, so ist zu bemerken, daß 
mahteigs in der Bedeutung „mächtig, stark wozu'' den Infinitiv nach 
sich hat, Luc. 14, 31. 32; Rom. 11, 23; 14, 4; IL Cor. 9, 8; 11. Tim. 
1, 12; Tit. 1, 9; Eph. 3, 20, oder bei Substantiven die Präposition 
du c. Dat. IL Cor. 10, 4 vejma . . . mahteiga gupa du gataurpai tulpipo 
(der Dativ gupa ist instrumental), dvvaza xä ®sä XQog xa^aCgaew 
oxvgmfidt&Vf in der Bedeutung „möglich" aber, sowie unmahteiga in 
der Bedeutung „unmöglich" den Dativ der Person, welcher das Ver- 
mögen, die Macht zugeschrieben wird oder abgesprochen, bei sich hat 
Marc. 9, 23 und Luc. I, 37; daneben finden sich noch die Präpositionen 
at und Jram: Luc. 18, 27 pata unmahteigo at mannam^ mahteig ist at 
gupa und Marc. 10, 27 fram mannam unmahteig iatj akei ni fram guPa; 
aUata auk mahteig ist fram gupa. An eine Beeinflußung des Über- 
setzers durch das Original kann hiebei nicht wohl gedacht werden, 
da nicht nur in den beiden Stellen, wo der Gothe eine Präposition 
anwendet , sondern auch Luc. 1 , 37 im Griechischen die Präposition 
xaga c. Dat. gebraucht ist. — Auf die Schuld bezügliche Adjectiva 
haben wir im Gothischen zwei, skulds und skula. In Verbindung mit 

GEBMAKIA XI. 19 



294 ARTUB KÖHLER 

viaan übersetzt skulda 8iZv oder oipsiXsiv und hat den Infinitiv bei sich, 
Marc, 8, 31; Luc. 16, 32; Job. 12, 34; I. Cor. 15, 53; ü. Con 5, 10; 
11, 30; 12, 11; ü. Tbess. 3, 7; L Tim. 3, 15; Tit 1, 11, nur einmal 
den Accusativ, I. Tim. 5, 13 rodjandeina poei ni skulda nnd^ wobei 
freilieb der Infinitiv rodjan aus dem Zusammenbange zu ergänzen ist; 
oder es bedeutet ilttvaij erlaubt sein, und bat, wenn es nicbt, wie 
Marc. 2, 24, obne alle näbere Bestimmung stebt, den Infinitiv dessen, 
was erlaubt ist, bei sich, Matth. 27, 6; Marc. 3, 4; 10, 14; Luc. 6» 2. 4; 
Skeir. VI, d; wird die Person angegeben, der Etwas erlaubt ist, für 
die sich Etwas ziemt, so steht diese im Dativ, Marc. 6, 18; 10, 2; 
Luc 20, 22; Job. 18, 31; U. Cor. 12, 4. Über skula bemerkt Grimm 
(S. 733): „Das gothische skula ^ welches ho%og und reus übersetzt, 
lässt sich als eines jener substantivischen Adjective nehmen, die nur 
in schwacher Form vorkommen. Ulfilas verbindet damit bald den Dativ, 
bald den Genitiv/' Als wirkliches Substantiv habe ich skula^ als Über- 
setzung von aq>€MTfis nur Matth. 6, 12 gefunden, wo es aber auch 
zugleich als Adjectiv, das den Accusativ regiert, vorkommt (jtA aßet 
uns patei skulans aijaima^ xcci aq>€g i^^tv ta ofpsikr^iutta 4^yLmv). Wo 
nun skula als Adjectiv gebraucht wird, ist dreierlei zu unterscheiden; 
1) entweder ist es ganz identisch mit skulds (verpflichtet wozu) und 
hat einfach den Infinitiv bei sich, Gal. 5, 3, oder 2) es bedeutet 
„schuldig an Etwas'' und hat den Genitiv der Sache, an der man 
Schuld hat, bei sich, I. Cor. 11, 27, oder 3) es bedeutet ivo%og^ obnoxius^ 
verfallen, und hat den Genitiv oder Dativ der Strafe, der man ver- 
fallen, deren man schuldig ist, bei sich : wir finden den Genitiv Matth. 
26, 66 skula daupaus ist und Marc. 3, 29 skula ist aiveinaizos fravaur/äais, 
den Dativ Matth. 5, 21 skula vairpip stauai; v. 22 skula vairpip stauai 
und gleich darauf skula gaqutnpai; Marc. 14, 64 skula daupau. Es 
liegt die Vermutbung nahe, daß der auch im Griechischen wechselnde 
Gebrauch des Genitis und Dativs bei ivoxos far die Construction im 
Gtothischen maßgebend gewesen sei; allein obgleich Matth. 5, 21. 22 
der Gebrauch des Dativs, sowie Matth. 26, 66 und Marc. 3, 29 des 
Genitivs in beiden Sprachen übereinstimmt, so spricht doch Marc. 14, 64 
gegen diese Annahme, wo im Griechischen der Genitiv, im Gotbischen 
aber der Dativ gebraucht ist. In der Bedeutung 6g)€iX€tv^ schuldig 
sein, hat skula viaan den Accusativ der Sache, die man schuldig ist, 
und den Dativ der Person, der man schuldet, bei sich, Rom. 13, 8; 
Philem. 18, 19. 

Hiemit sind die Adjectiva mit dativischer Rection erschöpft* 



ÜBER DEN SYNTAKTISCHEN GEBBAUCH DES DATIVS etc. 295 

§. 6. 

Der Dativ bei Präpositionen. 

In Betreflf der den Dativ regierenden Präpositionen kann ich mich 
äußerst kurz fassen, da Grimm dieses Capitel völlig erschöpfend be- 
handelt hat und zwar mit größter Schärfe, Sicherheit und Feinheit des 
Blickes. (S. 765 — 800, wo auch zugleich die übrigen Präpositionen 
ihre eingehende Besprechung finden.) Es kann nicht meine Aufgabe 
sein, hier einen Auszug aus den Arbeiten Grimm's zu geben, und noch 
weniger kann es mir beikommen, ihm gerade in einer der trefflichsten 
Partien seiner Grammatik Irrthümer nachweisen zu wollen. Es genüge 
hier, zu bemerken, daß bei alja*^ (außer), a/ (von), mip (mit), us 
(aus), faura (vor), fram (von) lediglich der Dativ zulässig ist und daß 
nach ana (an, auf), at (bei, zu), a/ar (nach), bi (um, an), hindar (hinter), 
uf (unter), ufar (über) der Dativ gesetzt wird, wenn das Sein, Bleiben, 
Verweilen bei einer Person oder Sache, an einem Orte bezeichnet wird, 
der Accusativ aber, wenn von der Bewegung nach einer Richtung hin 
gesprochen wird. Ebenso verhält es sich mit der Präposition m, die 
außerdem noch den Genitiv zu sich nimmt in der Bedeutung „wegen^^ 
als Übersetzung von Slu c. Gen. oder Acc, iicl c. Dat. vnig c. Gen., 
%iQl c. Gen., %uQiv c. Gen. Hiebei ist zu bemerken, daß in nach qiman 
stets den Dativ bei sich hat, mit Ausnahme von Marc. 1, 14; Joh. 
6, 14. 22; 11, 27. Noch sei erwähnt, daß die Verba des Legens, 
Setzens, Stell ens mit dem Gebrauch des Dativs und Accusativs bei 
den beide Casus zulassenden Präpositionen schwanken, jedoch sel- 
tener den Dativ zu sich nehmen (vgl. S. 809 f.), daß bei briggan hin- 
gegen die hinzutretende Präposition meist den Dativ verlangt (S. 811), 

Eine Bemerkung sei mir noch gestattet über die Präposition du. 
Sowohl Grimm (S. 769) als auch v. d. Gabelentz und Lobe (Vol. II, 
pars I, 46) schreiben dieser Präposition die Fähigkeit zu, sowohl den 
Dativ als auch den Accusativ zu regieren. Es finden sich unzählige 
Stellen mit dem Dativ, jedoch nur zwei mit dem Accusativ, Col. 4, 10 
du Panel nemup anabusnins und v. 13 bi izvü jah du pans. Schon 
Maßmann vermothet an der ersteren Stelle bi statt du und setzt es 
sogar in den Text, an der zweiten setzt er du als verdächtig in Pa- 
renthese. Uppström nun hat bei seiner Vergleichung der mailänder 
Handschriften gefunden, daß Col. 4, 10 geschrieben ist bi pmei und 



^) a^ja ist araprüngiich Adverbium ond, wo es als solches steht, folgt ihm der 
^oich den ZüBftnun ^y^bft pg bedinffte Casus» 

19* 



296 ARTUR KÖHLER 

y. 13 bi paus; diese Lesarten, die weit besser dem griechischen xegl 
ov und vxhg vfimv xtd xäv iv AaodvKeia xtl. entsprechen, da du sonst 
nirgends far nsgC und vxig c. Gen. gefunden wird, widerlegen die 
Meinung von der accusativischen Rection der Präposition du. — Über 
die zweifelhafte Stelle Joh. 16, 32 bemerkt Grimm (S. 769): .,,Früher 
bekannt war schon ei dUtahjada hvarjizuh du seina^ Iva öxogxiö&^xs 
sxaötog sig ri liia^ in welcher Stelle ich einen Gen. Plur. doch nicht 
aus der Ellipse von gardim erklären mag; warum sollte das gothische 
du nicht auch in der Bedeutung von slg den Äccusativ regieren können?^ 
In den Stellen aus dem Colosserbriefe steht allerdings im Griechischen 
jtsgl und VTcig c. Gen.; es ist diese Johannisstelle die einzige, in 
welcher du als Übersetzung von ctg vorkommt. Im Wörterbuch von 
V. d. Gabelentz und Lobe ist hierüber bemerkt (Vol. II, pars I, 46): 
„Die Stelle Joh. 16, 32 kann nicht als Äccusativ erklärt werden, weil 
weder du in den Evangelien je mit dem Äccusativ vorkommt, noch 
überhaupt mit diesem Casus „zu^ bedeutet. In der Anmerkung zu 
dieser Stelle ist aeina als Genitiv genommen und elliptisch erklärt 
worden, vielleicht ist es in seinamma oder mit Zahn in seinaim zu än- 
dern.^ Aber wir brauchen gar keine Conjecturen zu machen, sondern 
nur verwandte Stellen zu vergleichen, um uns von der Richtigkeit der 
Annahme einer Ellipse zu überzeugen. In der Anmerkung zu dieser 
Stelle wird verwiesen auf folgende ähnliche Stellen: Luc. 7, 32 üop- 
jandam seina mx880 jah qipandamj ngog^an^ovöiv aXXijloig xal liyovöiv 
xtA., wo seina wohl zweifellos als Genitiv anzusehen ist^ da der Gothe, 
hätte er den Äccusativ anwenden wollen, wohl sicher aik misso gesetzt 
haben würde; femer Luc. 8, 49 gaggip sums manne fram pis faura- 
mapleis synagogeis^ iQXEtal xig xagu xov aQXiövvaymyoVy wo der Ge- 
nitiv pis fauramapieis nur durch eine Ell^se von mannam erklärt 
werden kann, wenn man nicht eine gedankenlose wörtliche Übersetzung 
des griechischen Textes annehmen wollte, die aber bei Ulfilas zu den 
Unmöglichkeiten gehört. Noch eine andere hieher gehörige Stelle ist 
Luc. 19, 7 patei du fravaurhtins tnane gcdaip in gard ussaljan^ ort TCaga 
i^ccQtmXtß ivigl sig^^X^s xatakv6aiy eine Stelle, die offenbar als ver- 
derbt angesehen werden muß. y^Mira dicendi^^ heißt es in der An- 
merkung z. d. St. bei v. d. Gabelentz und Lobe, j^ratio^ cum j^du^ 
pruepositio posita sit cum geniiivo^ cum quo casu conjungi non aoleU 
Locum e88e corrupiumy et „du^ indicat et otiosum illud „tn gard^^» Zahnius 
aut jjdu^^ deleriy aut ommisso j^in gard^^ legi maluü ^^du fravaurhtin monn^^ 
Si de gloesa in teatum illata^ cujus rei exempla non pauea inveniuniurj 
cogiiari licet 9 glossator quidam „tn gard^^ ad explieandam constructionem 



ÜBER DEN SYNTAKTISCHEN EBRAUCH DES DATIVS etc. 297 

yydu fravaurhtis mansf^ nobis videtur addidUse; ea autem ellipsü et Graeco 
sermoni familiaria est nee abhorret a Gothico. Sin ornnta, quae leguntur, 
sineera suntj certo ordo verborum mutandue est hunc in modum: ^ifira' 
naurhiM mans galaip in gard du aasaljanJ^ Cum Zahniot gut yjdu^^ at 
„ffalaip^^ trahi posse arbitratur, veremur^ ut intelligentes consentiani,^^ Am 
Besten wird man dem von y. d. Gabelentz und Lobe Vorgeschlagenen 
folgen, indem man garda snppliert, wovon der Genitiv fravaurhtis mans 
abhängt und in gard als aus einer Glosse herübergenommen streicht, 
wie auch Maßmann diese beiden Worte in Parenthese setzt. Grimm 
selbst fuhrt IV, 261 einige Stellen an, die ohne Annahme einer Ellipse 
darchaus unerklärlich sind: Luc. 6, 17 us aUamma Judaicis, wo landa^ 
und Joh. 11, 1 o/* Betlianias^ wo baurg zu ergänzen ist. Skeir. IV, b 
dUwianne hält Grimm eine Ellipse {kunt) fiir schwierig; doch ist die 
Annahme einer solchen gar nicht nöthig, ja unmöglich, da der Codex 
argenteus die bessere Lesart all manne bietet. — Zum Schluß will ich 
einen noch weniger zutreffenden Grund, den Grimm fiir die Construction 
der Präposition du mit dem Accusativ vorbringt, besprechen. „In dem 
gothischen du fnjon^\ sagt er S. 770 , „(fu sitan und überall so kann 
du nichts Anderes als die wirkliche Präposition, der Infinitiv aber 
nichts Anderes als ein im Neutrum unveränderliches accusatives Sub- 
stantiv sein. Aus diesem du frijany das genau dem romanischen ad 
amare entspricht, fließt also ein wichtiger, unverwerflicher Grund fiir 
die früher vorwaltende Construction des du mit dem Accusativ.^' Warum 
aber soll der Infinitiv nur ein accusatives Substantiv sein ? Ein Grund 
dafür wird nicht angegeben, sondern einfach gesagt: „es kann nichts 
Anderes sein.'' Wir finden aber nun im Althochdeutschen den Infinitiv 
flectiert, mit Genitiv- und Dativformen (z. B., um nur einige wenige 
anzuführen, Exhortatio ad plebem christianam, bei Wackernagel, kleines 
altdeutsches Lesebuch, S. 14, Z. 13; S. 15, Z. 4; Notker Ps. 28; oft 
bei Tatian); warum sollte da nicht der gothisch flexionslose Infinitiv 
als ein Dativ oder Genitiv aufzufassen sein, wo das Satzgefüge einen 
solchen verlangt? Da er unflectierbar ist, so ist ja der Casus gar nicht 
ZQ erkennen und wird derjenige anzunehmen sein, den die Construction 
des Satzes gerade erfordert. — Da nun alle die Stellen, welche es 
als nicht unmöglich erscheinen ließen, daß du auch den Accusativ 
regieren könne, bei genauerer Betrachtung ergaben, daß die Annahme 
accasativischer Construction auf falschen Lesarten oder unrichtiger 
Voraussetzung beruhte, so haben wir die Präposition du unbedenklich 
denjenigen zuzuzählen, welche ausnahmslos den Dativ regieren. 

Was den Gebrauch von Präpositionen neben Verben anlangt, 



298 ARTUR KÖHLER 

das ist zum Theil schon oben besprochen worden bei Behandlung der 
Verba, welche den Dativ regieren; im Übrigen muß ich auf das ver- 
weisen, was Grimm darüber, S. 804 — 869, sagt. Ich würde nur aus- 
zugsweise das wiedergeben können, was er in trefPlichster Weise aus- 
geführt hat. 

Nur eine Erscheinung hat er nicht behandelt, welche ich hier 
in Kürze besprechen will. Es sind dies die Verben, welche mit Prä- 
positionen, die den Dativ regieren, zusammengesetzt sind. Bei vielen 
von ihnen zeigt sich nämlich, daß sie den Dativ bei sich haben, der 
aber nicht von dem der Zusammensetzung zu Grrunde liegenden Verbum, 
sondern von der zur Bildung des Compositums angewandten Prä- 
position abhängt. So finden wir z. B. afargaggan in der Bedeutung 
itnokov^etv mit dem Dativ Matth. 8, 23 afariddjedun imma siponjoSf 
in der Bedeutung dimxsiv Phil. 3, 14 afargagga afar sigislauna pizos 
iupa laponais gupa in Xristau Jesu, wo die Präposition afctr wiederholt 
ist; afarlaistjan mit dem Dativ Luc. 7, 9; I. Tim, 5, 10; ufarskadvjan 
(^iniöxta^siv) mit dem Dativ Marc. 9, 7 und Luc. 1, 35, hingegen 
Luc. 9, 34 mit dem Äccusativ varp milhma jah ufarskadvida ins, — 
andgipaHf aitotdöösö^at^ entsagen, findet sich mit dem Dativ Luc. 9, 61 
und in der Bedeutung övvtvyxavsiv^ mit Jemand reden, Luc. 8, 19; 
so auch afgipan^ ixotdöösö^av^ Luc. 14, 33; diese beiden gehören 
aber wohl kaum hieher, da der Dativ eben so gut auch von qipan, 
das mit and und af zusammengesetzt ist, abhängen kann. — Femer 
trefien wir ufarmunnon, inilav^ävsö^ai^ nagaßovXevsö&ai (vergessen), 
mit dem Dativ Phil. 2, 20; 3, 14; afstandan in der Bedeutung axautBlv 
(abfallen) IL Cor. 4, 2, dk afstopun paim analaugnjam aiviskjtSj oder 
aipiötccö^av (id.) I. Tim. 4, 1 afstandand sumai galaubeinai; doch finden 
wir es auch mit Wiederholung von af II. Cor. 12, 8 ei afatopei afmis; 
IL Tim. 2, 9 afaiandai af unaelein, und einmal mit der Präposition 
fairraj Luc. 4, 13 afstop fairra immaj „er stand von ihm ab, verließ 
ihn.^^ — Hieher ist wohl auch die Construction von anahaitanj xaga- 
xttlstv^ anrufen, zu rechnen, die sich nur Skeir. VIII, b findet, andhofun 
auk jainaim anaJiaitandam im, während sonst immer der Äccusativ von 
ihm abhängt, Rom. 10, 13; IL Cor. 1, 23; U. Tim. 2, 22. Ebenso 
darf man wohl auch den Dativ nach andhaitan^ o^oXoyBtVf i^ofioXoyst- 
ö^ai^ bekennen, hieher zählen, Matth. 7, 23; 10, 32; Marc, 1, 5; Rom. 
15, 11; L Tim. 6, 12 und in der Bedeutung „danken," iv^of^loyet- 
6&aiy il^ofioloystö^ai, Luc. 2, 28 und 10, 31; den Äccusativ nach 
andhaitan treffen wir Joh. 9, 22; Rom. 9, 10; 14, 11; Skeir. V, a. 
Es scheint gerechtfertigt, diese Dative von den zur Composition ge- 



ÜBER DEN SYNTAKTISCHEN GEBRAUCH DES HATIVS etc. 299 

brauchten Pritpositionen ana und and abhängig zu denken, da das 
Verbnm simplex haUanf sowie gahaUanj ailudtan den AccusatiT r^eren. 
— Besonders hänfig aber ist dei Dativ nach Verben, die mit der Pra- 
position mip zusammengesetzt sind, z. B. mipskalkinon Phil. 2, 22; 
mipqiman Job. 6, 22; mipinngaleipan Job. 18, 15; mipanakumbyan 
Matth. 9, 10; Marc. 2, 25; Luc. 14, 10; mipuahramjanj 6vv6tuvQovv^ 
Matth. 27, 44; Marc. 15, 42; Gal. 2, 20 u. s. w. Auch das substan- 
tivisch gebrauchte ndpfrahunpana, 6waixiuiXanog^ finden wir mit dem 
Dativ verbunden, Col. 4, 10 und Philem. 23, sa mipfrahunpans mü, 
6 6waixiiälmt6s f^ov. Weitere Beispiele finden sich bei v. d. Grabelentz 
und Lobe II, 2, 223 ff. 

Cap. n. 

Der ablativisohe Dativ. 

Wir kommen nun zum Dativ in seiner E\inction als Stellvertreter 
des Ablativs. Schon oben habe ich es ausgesprochen, daß der Ablativ 
eigentlich der Casus des Woher? ist und daß aus dieser ursprüng- 
lichen, localen Bedeutung die causale der Relation hervorgieng; der 
Ablativ ist derjenige Casus, welcher bezeichnet, daß Etwas hinsicht- 
lich einer Person oder Sache, in Bezug auf sie geschieht. Seine Form 
hat sich im Gothischen ebensowenig wie in irgend einer andern ger- 
manischen Sprache erhalten, seine Functionen sind andern Casus über- 
tragen worden, und zwar dem Genitiv (z. B. Hk skaman c. Gen., sich 
einer Sache, d. h. rücksichtlich einer Sache schämen) und dem Dativ; 
oft auch wird er mit Hilfe von Präpositionen umschrieben. Wir haben 
hier nur die Fälle zu betrachten, in denen der Dativ ablativische Be- 
deutung hat, und die andern Ausdrucksweisen nur insofern zu berück- 
sichtigen, als sie bei einigen Wendungen gleichberechtigt neben der 
dativischen auftreten. 

Ich wage es nicht, die Frage zu entscheiden, ob bei den Verben 
des Herrschens, reikinon, piudanon u. s. w., der von diesen abhängige 
Dativ ein wirklicher Dativ oder nicht vielmehr als ein Ablativ anzu- 
sehen sei (rücksichtlich eines Volkes, eines Landes Herrscher, König 
sein). 

Ganz zweifellos ist der Dativ anzunehmen bei foffinonj xaigs6^a&, 
L Cor. 13, 6; Luc. 10, 20, woneben sich aber auch noch folgende 
Umschreibungen finden: mit in c. Gen. Job. 11, 15; I. Cor. 16, 17; 
mit in c. Dat Luc. 1, 14; Phil. 1, 18; Col. 1, 24; I. Thess. 3, 9; 
mit ana c. Dat. Luc. 15, 5 ; H. Cor. 7, 13; mit yrom c. Dat H. Cor. 2, 3. 
Nicht hieher gehörig ist fagtnop infraujin, Phil. 3, 1; 4, 4. 10; I. Thess. 



300 ARTÜR KÖHLER 

5, 16, da hier infraujin, wörtliche Cbersetzung von iv xvQlqi^ nicht 
bedeutet, daß der Herr der Gegenstand der Freude sein soll, sondern 
daß die Freude eine Freude im Gedanken an den Herrn, in seinexn 
Sinn und Geiste sein soll. V. d. Gabelentz und Lobe sprechen von 
einem Causalis und Modalis, zu dessen Bezeichnung der Genitiv oder 
Dativ oder Umschreibungen mit Präpositionen dienen. Der Causalis wird 
bezeichnet (H, 2, 230) als der Casus, der einen Gegenstand als Grund 
einer Thätigkeit oder eines Zustandes anzeigt, der Modalis (H, 2, 232} 
als derjenige, der die Art und Weise anzeigt, wie etwas geschieht, 
wie eine Thätigkeit sich äußert. Beide, Causalis und Modalis, sind 
zusammenzufassen zu dem einen Casus, dem Ablativ. Irriger Weise 
rechnen v. d. Gabelentz und Lobe auch ganz entschieden instrumen- 
tale Functionen des Dativs mit unter die ablativischen, wie huhrau 
fraqistna, Luc. 15, 17; ufhropida Jesus stibnai mildlaiy Matth. 27, 46. 50. 
Ablative finden wir in reichlicher Anzahl; ich führe beispielsweise hier 
an: Luc. 1, 74 unagein skalkinon (aq)6ßmg dovXsvBiv); Marc, l, 34 
gahailida managans ubü habandans missaleikaim sauhtim; Rom. 7, 22 
gatrizneigs im vitoda gups; 11, 20 ungalaubeinai usbruknodedun^ v. 30 
gaarmidai vaurpup pizai ize ungalaubeinai; 12, 11. 12 usda:tidein ni laiei^ 
ahmin vulandansy venai faginondans; L Cor. 7, 27 gabundans is qenai 
und gleich darauf galausips is qenai (dagegen Rom. 7, 2 galautijada 
qens af pamma vitoda^; 14, 20 frapjam fuUaveisai sijaip; H. Cor. 1, 15 
pizai trauainai vilda faurpis qiman at izvis; 9, 2 vait gaimein izvara, 
pizaiei fram izvis hvopa; 12, 16 visands listeigs hindarvisein izvis nam 
(all* vnaQxcav navovQyog doXp v^ag Slaßov); Phil. 3, 3 ahmin gupa 
skalkinondans und v. 8 allamma gasleipips im (ta navxa^ in jeder Hin- 
sicht); I. Thess. 2, 17 appan veis gaainaidai af izvis andvairpja^ ni hmrtin; 
L Tim. 6« 5 usbalpeins fravardidaize manna ahin (naQdcdiatQißal du- 
q)^aQ(iiviav äv^gdxmv vov vovv) und v. 8 paimuh ganohidai sijaima 
(tovrotg aQXSö^öofAS^a); IL Tim. 3, 8 pamma haidau (pv tqoxov) 
und mannans fravaurpans ahin; Skeir. I, c mahtai gudiskai (eigentlich 
Comitativ: in Begleitung göttlicher Macht, mit gottlicher Macht) und 
svesamma viljin (propria voluniate), — Offenbar ist auch u/arassau als 
Ablativ anzusehen, das sich sehr häufig findet als Übersetzung von 
stBQiööotigmg, vnsgnegiöötSg^ vxsgsxnBgiööov^ na& vTiBgßolijv^ Marc. 
7, 37; Rom. 7, 13; IL Cor. 1, 8. 12; 2, 4; 7, 15; 11, 23; II. Thess. 
2, 17; 3, 10; 5, 13, oder auch für vTtig in der Zusammensetzung, wie 
ufarassau ufpanjan für vnsQBXtflvEVv ^ II. Cor. 10, 14, sowie in der 
Verbindung ufarassau haban oder ganohjan für nsgiöösvBiVj Luc. 15, 17; 
Eph. 1, 8; Phil. 4, 12. 



ÜB£R DEN SYNTAKTISCHEN GEBRAUCH DES DATIVS etc. 30 1 

Wenn ▼. (L Oabelentz und Lobe diejenigen Dative, welche den 
Preis angeben, nm den Etwas gekauft oder verkauft wird, für modale, 
alao für ablatiTische halten» so werden wir ihnen nicht beistimmen 
köoDen, sondern sie vielmehr (ur instrumentale halten müssen. Daß 
aoch Grimm sie för instrumentale hält, lallt hier nicht ins Gewicht, 
da Grimm Ablativ und Instrumental nicht unterscheidet. Wir gehen 
bei dem Gedanken des Kaufens von dem Begriflfe des Erwerbens, An* 
eignens ans und das für das gekaufte Object Hingegebene, der Preis 
ist das Mittel zur Erlangung desselben; daher glaube ich, daß hier 
d«r Instrumental anzunehmen ist Wir finden diesen Dativ des Preises 
Matth« 10, 29; Joh. 6, 7; L Cor. 7, 23; sonst finden wir den Preis 
ausgedruckt durch m o. Acc. Marc. 14, 5; Joh. 12, 5 oder find c Dat. 
MaUh. 5, 8; 27, 10; Rom. 12, 17. 

Über den Instrumental kann ich zu dem, was Grimm S. 709 -- 
715 und 750 — 752, sowie v. d. Gabelentz und Lobe II, 2, 231 ff. an- 
fahren, nur wenig Neues hinzufugen; ebensowenig über das» was bei 
V. d. Gabelentx und Lobe S. 234—244 über OrU-, Zeit- und Maß- 
bestimmungen gesagt ist. Nur über den Dativ bei der Comparation 
muß ich Einiges bemerken. Grimm sagt (S. 752): »Wenn die Be- 
schaffenheit sweier Gegenstande verglichen werden soll, entspringen 
eigentlich zwei Satze: die Sonne ist großer als der Mond ist. Dieser 
mehrfache Satz verschwindet nicht durch die gewohnliche Ellipse des 
zweiten tsl, wohl aber durch die Verwandlung des zweiten Nominativs 
in einen obliquen Casus. 

»In welchen obliquen Casus ? Die griechische Sprache wählt den 
Genitiv, die lateinische den Ablativ, die deutsche den Instrumental 
oder an dessen Statt den instrumentalen Dativ. 

»Daß von dem eigentlichen Dativ hier nicht die Rede sein kann, 
sieht man leicht, seine subjective Natur taugt nicht ßir das völlig ob- 
jective Geschäft der Comparation. Es folgt auch aus der Anwendung 
I' des lateinischen Ablativs und des griechischen Genitivs, daß da, wo 
onser Dativ einem Genitiv begegnet, der ablative, d. h. instrumentale 
Dativ zu verstehen ist. 

•Wir haben gesehen, daß bei dem Adjectiv galeiks neben dem 
Dativ ein Instrumental erscheint Wie der Gleichung wird er also auch 
er Vergleichung angemessen sein." 

Hiebet zeigt sich wiederum ein Irrthum Grimmas, der lediglich 
ladnrch entstanden ist, daß er Ablativ und Instrumental nicht aus- 
•inaader halt, sondern f&r völlig identisch ansieht Wenn auch bei 
lea Verben and Adjectiven des Begriffs der Gleichheit vereinzelt der 



302 ABTUR kOHLER 

Instrumental statt des erwarteten Dativs vorkommt ^ so ist dies noch 
keineswegs ein Grund, (ur das Geschäft der Vergleichong ebenfalls 
den Instrumental anzunehmen. Außerdem fuhrt Grrimm ausdrücklich 
einen Umstand an, der entschieden gegen die Ansicht spricht, als sei 
der Dativ nach Comparativen ein instrumentaler, nämlich, daß im Grie- 
chischen der Genitiv nach der Vergleichung steht; es steht aber fest, 
daß der Instrumental im Griechischen durch den Dativ, der Ablativ 
aber durch den Genitiv ausgedruckt wird. Die Annahme von der 
ablativischen, nicht instrumentalen, Natur des Dativs nach Compara- 
tiven wird also durch die Analogie des Griechischen und Lateinischen 
bestätigt, und zudem hat ja auch der Ablativ eine weit bessere Be- 
rechtigung als der Instrumental, bei der Comparation angewandt zu 
werden, denn ein Ding ist nicht großer, besser u. s. w. durch ein an- 
deres, sondern rücksichtlich eines anderen, das die verglichenen Eigen- 
schaften in geringerem Grade besitzt. — 

Was den Instrumentalis und den Dativ als Stellvertreter des- 
selben anlangt; so kann ich nur auf Grimm IV, 741 f. und 750 f. 
sowie auf v. d. Gabelentz und Lobe II, 2, 231 f. verweisen. Wo ich 
mit deren Ansichten nicht übereinstimme, habe ich meine abweichenden 
Ansichten oben gehörigen Orts angegeben. 

Cap. III. 

Der absolute Dativ. 

Zum Schluß haben wir noch den absoluten Gebrauch des Dativs 
zu behandeln. Grimm bespricht das Capitel der absoluten Casus über- 
haupt S. 887 — 919. Ich kann mich auch hier nur darauf beschränken, 
einen kurzen Auszug aus Grimm's Resultaten zu geben und muß mich 
darauf beschränken, daß ich einige Stellen, an denen er mir unrecht 
zu haben scheint, zu corrigieren versuche. 

„Absolute Casus^, sagt Grimm (S. 887), »sind, welche nicht 
regiert werden. Wenn ein Casus weder abhängig zu machen ist von 
einem herrschenden Verbo, noch von einem Nomen oder einer Partikel 
des Satzes, so verdient er jene Benennung. Er tritt, für sich beste- 
hend, in den Satz ein. — Solche absolute Casus haben die Natur des 
Adverbs, und man darf auch alle aus dem Nomen entsprossenen Ad- 
verbia absolute Casus heißen.^ Dies Letzte hat seine volle Richtigkeit 
bei Casus von Substantiven, welche ohne Hinzutritt eines Adjectivs 
oder Particips absolut gesetzt sind, wie dagisj nahtSj nicht aber bei 



ÜBER DEN SYNTAKTISCHEN GEBRAUCH DES DATIVS etc. 303 

Substantiven, die mit einem Adjectiv oder Particip verbunden, absolut 
gesetzt sind, 

Ebensowenig, wie im Lateinischen, gibt es absolute Participia, 
bei denen das Subject im Dunkel gelassen und nicht gesetzt wird, 
wie im Grriechischen, z. B. vovrogj 6ukni%ovToq. Absolute Substantiva 
und Adjectiva werden im Gothischen nicht gefunden, dagegen äußerst 
häufig Substantiva mit Participien als absolute Dative, denen häufig 
die Präposition at voransteht, oft zur Wiedergabe von inl^ das sich 
jedoch nicht immer findet, wo der Gothe at setzt. Bemerkens werth 
ist, daß das Participium bei absoluten Dativen stets prädicativ steht, 
nie attributiv* 

Von anderen Casus, die außer dem Dativ absolut vorkommen, 
fahrt Grrimm zunächst den Nominativ an und bringt als Beispiele 
dafür Marc. 6, 21 jah varpans dags gatilsj pan Herodü nahtamat vaurhta 
and Joh. 11, 44 jah vlits is aurcdja bibundana^ q oif^ avtov öovdagi^ 
XiQudideto. Maßmann fugt an beiden Stellen, eine Ellipse vermuthend, 
in Parenthese vas hinzu. An der Johannisstelle bietet die Ellipse von 
vas sich sehr deutlich dar, besonders wegen der Fassung des grie- 
chischen Textes; auch Grimm weist den Gedanken einer Ellipse nicht 
direct zurück, obgleich er ihm bedenklich vorkommt. An der andern 
Stelle, Marc. 6, 21, hält Grimm eine Ellipse von vas aus dem Grunde 
für bedenklich, weil ülfilas für vaurpans vaa vielmehr einfach v<xrp ge- 
setzt haben würde. Diese Einwendung würde ganz gerechtfertigt sein, 
wenn hier einfach das Prateritum ausgedrückt werden sollte, aber es 
wird g^nz speciell das Plusquamperfectum verlangt .als ein passender 
Tag gekommen war", wie es im Griechischen heißt: xal yBvofiivfis 
^fkigag eixtuQov^ und dieses Plusquamperfect konnte nicht anders aus- 
gedrückt werden als durch die Umschreibung vaurpana vaa. Wir werden 
also beide Stellen, wo Grimm absolute Nominative erkennen will, 
als solche nicht anerkennen dürfen, sondern als unabhängige Sätze, in 
denen das Hilfsverbnm, vcu^ ausgelassen ist. 

Für den absoluten Genitiv bringt Grimm nur eine einzige »un- 
sichere* Stelle bei, Marc. 16, 1 invisandins sabbaie dagis, diaysvofiivov 
xov öaßßätov, cum transisset sabbatum. Grimm bemerkt hiezu (S. 896) : 
.Ulfilas nimmt ivayivsö^ai, y für imylvB6^ai^ instare^ scheint aber th- 
viatmdmB attributiv mit dem absolut gesetzten dagis zu verknüpfen. 
dagis steht, was auch die neuesten Herausgeber bemerken, ganz wie 
16, 2 auf die Frage: Wann? Der Sinn ist also: am Vorsabbat. Wäre 
das Particip prädicativ, so würde der Dativ invüandin daga auf ge- 



304 ABTUB KÖHLER 

wohnliche Weise gebraucht sein, freilich mit wenig abweichender Be- 
deutung.« 

Absolute Accusative hält Grimm für unbestreitbar. Außer den 
von ihm (S. 900) angeführten Stellen habe ich keine gefunden, welche 
auf die Vermuthung von der Existenz absoluter Accusative fuhren 
konnte, und unter den citierten Stellen ist keine, die nicht eine andere, 
mindestens ebenso gute Erklärung zuließe, als mit Hilfe der Annahme 
eines absoluten Accusativs. Matth. 6, 3 tjb puk taujandan armaiorif ni 
viti hleidumei peina^ hva taujip taihsvo peinaj 6ov dl noiovvzos ilsiffU)- 
övvqv xtl. Trotz des absoluten Casus im Griechischen halte ich es 
doch für bedenklich, hier einen absoluten Accusativ anzunehmen, da 
sehr wohl der Accusativ puk taujandan armaion von viti abhängen kann 
und der Nebensatz hva taujip taihsvo peina eine nähere Ausführung zu 
puk taujandan armaion enthalten. Marc. 6, 22 jah aigaggandein vnn 
dauhtar Herodiadins Jah plintjandein jah galeikandein können die Par- 
ticipien ebensowohl Dative als ^ccusative sein ; zu den Dativen würde 
aber der Accusativ dauhttxr nicht stimmen, indeß durch eine leichte 
Conjectur, die Stamm vorschlägt, indem man dauhir für dauhtar schreibt, 
hilft man dem ab und wir erhalten einen absoluten Dativ, entsprechend 
dem griechischen absoluten Genitiv dieser Stelle. Femer wird als Be- 
legstelle für den Gebrauch des absoluten Accusativs citiert Skeir. IV, c. 
ip po veihona vaurstva^ unandsakana viaandona, gcuvikunpjandona pis 
vaurltjandina dorn, bairhiaba gabandvjandona, aed aanctia operibus irre/u^ 
tatia, operantia Judicium manifestantihua et clare aignifieantibua ; Grinmi 
wirft hiebei die Frage auf: „Alle diese Accusative konnten ebensowohl 
Nominative sein?« Femer hält Grimm viaandona für attributiv und ist 
ungewiss, ob er nicht auch gaavikunpjandona dafür halten soll; dann 
müßte es aber auch gabandvjandoa sein; anscheinend ist auch unand- 
aakana viaandona in der That attributiv, die anderen Farticipien aber 
prädicativ und haben wir keine Accusative in veihona vauratva u. s. w. 
zu sehen, sondern Nominative und die Copula aind zu ergänzen. Daß 
Matth. 26, 71 usgaggandin ina in daur gaaahv ina anpara von absolutem 
Accusativ nicht die Rede sein kann, lehrt schon der griechische Text 
dieser Stelle, der gleichfalls doppelten Accusativ aufweist: i^aX9'6vxa 
91 avtov slg xov xvlmvuy bUbv avtov äXXri. Auch Luc. 15, 20 fuiuA- 
Panuh pan fairra viaandin gaaahv ina atta is kann unmöglich als ab- 
soluter Accusativ gelten, da das erstemal (bei viaandin) der Accusativ 
weggelassen ist ; im Griechischen steht der absolute Genitiv. Luc. 9, 42 
duatgaggandin ina gabrak ina aa unhulpa haben wir, trotz des absoluten 
Genitivs im Griechischen, doch wohl nur eine Wiederholung des Ob- 



ÜBEB DEN SYNTAKTISCHEN GEBRAUCH DES DATIVS ete. 3o6 

jectsaccnsativs der stärkeren Hervorhebung des Objects wegen anzu- 
nehmen. Demnach werden wir auch schwerlich at maurgin vaurpanana^ 
Matth. 27, 1, als absoluten Accusativ, dem die Präposition at voran- 
tritt, wie so häufig dem absoluten Dativ, anerkennen können, da nach 
dem oben Gesagten alle sicheren Analogien eines solchen mangeln. 
Das von Grimm angesetzte maurgin vaurparara als Accusativ der Zeit- 
bestimmung habe ich nirgends finden können. 

Nicht selten kommt es vor, daß im Griechischen wie im Go- 
thischen ein Dativ in einem Satze steht, auf welchen ein zweiter Satz 
mit wiederholtem Dativ folgt; in solchen Fällen ist ein absoluter Dativ 
nicht anzunehmen; so Matth. 5, 1. 23; 8, 22; 9, 27; Marc. 5,2; 
Luc. 8, 27. 

Auch Auflosungen des griechischen absoluten Ausdrucks finden 
sich zuweilen, wie Matth. 9, 18 raika avtov XaXovvrog avtotg^ mip^ 
Panei ü rodida paia du im und v. 33 xal ixßkr^%ivxoq roi; daifiovCov^ 
jah bipe usdribana varp unhulpo u. s. w. 

In Betreff des absoluten Dativs habe ich Nichts gefunden, was 
ich gegen Grimmas Resultate einzuwenden oder wodurch ich sie zu 
vervollständigen wüßte; höchstens hätte ich noch mehr Beispiele sam- 
meln können, bei der unzähligen Menge derselben eine überflüssige 
Arbeit. 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSEN. 

In der Germania I, 110—114, 465-476, Vm, 383-414 ist von 
Holtzmann nachgewiesen, daß die ahd. Übersetzungen des ersten 
Evangeliums, des Isidorischen Tractates, der Homilie „de gentium vo- 
catione^ und der Predigt „de Petro titubante^ von dem Angelsachsen 
Pirmin, dem Stifter von Beichenau, herrühren, daß ebenderselbe auch 
ein Glossenwerk über die ganze Bibel gleichsam übersetzte und daß 
sämmtliche Reste dieser Übersetzungen und Glossen direct oder in- 
direct Abschriften der Pirminischen Sammlung seien. 

Diese Sammlung wurde durch unterhaltene Verbindung mit 
Reichenau und besonders bei Klöstern, welche unter unmittelbarem 
Einflüsse Pirmins gestiftet wurden, fiir den nothwendigen Bücherbedarf 
eines jeden Klosters abgeschrieben; wie es von Altaich, Murbach und 
Pfäffers bekannt ist (Germ. I, 473). Dabei gieng die ursprünglich 
angelsächsische Übersetzung ins Hochdeutsche über und die Glossare 



306 ^ ^* WALZ 

waren bis ins 13. Jhd. in der anfanglichen Form nach dem biblischen 
Texte allgemein im Gebranch. 

Aach in der k. k. Stadienbibliothek zu Salzburg befindet sich 
ein Fragment einer solchen Abschrift dieser Pirminischen Glossen ans 
dem 11. Jhd. auf einem Pergamentdoppelblatte gr. Fol., welches bisher 
als Einband eines mathem. Werkes des 16. Jhds. diente. Jede Seite 
hat 3 Spalten und 38 Zeilen; es sind gegen 450 lateinische Ausdrücke 
angeführt, wovon 170 durch nebenstehende oder übergeschriebene 
deutsche Glossen erklärt sind. (Die übergeschriebenen, welche viel- 
leicht Zugabe des Abschreibers oder eines Gebrauchenden sind, ob- 
schon die Schrifl ganz dieselbe bleibt, wurden durch gesperrten Druck 
kenntlich gemacht.) 60 Worte sind gar nicht glossiert und die übrigen 
haben Synonyme oder erklärende lateinische Phrasen neben sich. 

Das erste Blatt stimmt überein mit den von Graff VP bezeich- 
neten Tegernseer Glossen, welche ich auch in dem schriftlichen Nach- 
lasse Schmeller's auf der k. Hofbibliothek in München unter seinen 
Glossae interlineares I, 400 und 11, 1007 abgeschrieben fand und ver- 
glichen habe. 

Das zweite Blatt hat mit diesen nichts gemein und stimmt über- 
ein mit den Monseer Glossen (p. 380 — 382 nach Pez). Die beiden 
Blätter bildeten vielleicht das äußere Doppelblatt einer Lage, welche 
den Schluß eines Abschnittes der Tegernseer Glossen und den Anfang 
der Monseer (Pez I, 374 — 380) enthielt Sie sind, wie die angeführ- 
ten Abweichungen beweisen, weder eine Abschrift des einen, noch des 
andern Codex, haben aber offenbar mit beiden die gleiche (xrundlage. 

Die Salzburger Hs. zeigt die Consonanten fast durchgehends 
auf einer andern Stufe als die beiden andern, z. B.: 6 : p, ^ ; i, 
e : eh, h : eh, z : e, f : ph etc. Der Schreiber subscribiert meistens das 
i nach m und n; er setzt im An-, In- und Auslaut nur ein langes /, 
schwankt öfters zwischen e und es, eio und tio, wechselt jedoch selten 
zwischen v und u, nie bei vv. 

Ich habe nur die deutschen Glossen herausgenommen. 

SALZBURG. M. iL WALZ. 

Blatt I, Seite 1, Spalte a« 6. Idiota, heimzugilinc, hei- 

1. Fax, fachal. miska. 

5. Arram, phant 7. Scirpus, pinuz. 

Abweichungen von Schmeller: 
1« fachala« 6« arrabonem. 6. heimragilinch. heimiaci. 



ALTHOCHDEUTSCHB GLOSSEN. 



307 



9. Saccelliia, seochil. 


2. 


10« VersQoia» oontorta seDtenciA, 




apabL 


5. 


13. Pnligine, raou« 


7. 


18. Carioie, ▼irTriskernlibo« 


9. 


19. Theatrioanii spilililiha. 


10. 


23. MalunsMl, riffeU« 


12. 


24. Cicercule, chlichiriga. 


14. 


25. Catinolam, solsoharili. 


24. 


28. Jos, pröd. 


28. 


30. Lieoticale, Liaso. 


32. 


31. Cacmneranoin, ohorpizgarton. 


35. 


34. Rcmotns, giBuntroter. 


36. 


35. Pazmote^ IUI pars panis. 




34). Rettuidere, irvTentan. 


1 


37« TerebranteiDy durahporanta. 


m • 

5. 


Seite 1, Spalte b. 


6. 


2. Recreare, lapon. 


9. 


7* RafanoleoDi merratib. 


10. 


8. Eztorqoena, nsannrintenter. 


12. 


12. BetaSy biezsa. 


13. 


14. TuasienBi hnostenter. 


17. 


16. Flegma, rotz. 


20. 


17. Ezpers, ateiler. 


22. 


23. Apparatam, gizinc 


23. 


28. Obicit^ anaaagat 


25. 


29. Papimm, pinaz. 


27. 


33. Debilitaretor, irsiTcbeta. 


28. 


35. Venari, iagon. 




Seite 1, Spalte c 


5. 


1. Caccabam, cbnbma. 


la 



Opercnlüm, Tperlid, qnod 

operit Süminitatem vasi. 
Mutnarit, intlehinota. 
Resarcitas, gipuozta. 
DiBtrahts, firchoffest. 
Invisi sunt, arpoodon. 
Instramentam, giziac. 
RepaQsavit, gilabota. 
Ezterminabitar, zistorit vrirdit 
Parcas, foripartiger« 
Calamis, s z z f g b 1 z n. 
Cataplasma, vasca. 
Keoiti, vTidersten. 

Seite 2, Spalte a. 
DetrimeDtom , TngifTori. 
Retulerit, narravit, zaita. 
Ezpensas, gizivch. 
Eulogiai oblei. 
Tridens, mistcapala. 
Efficacia, giframida. 
In procincta, in vvicki garavTa. 
Inruptiones, anaaart 
StragoB, slahta, vrala. 
Stipcodinm, Ion, faora« 
Satisfacerc, givrillan. 
Ezoflfensa, missitati. 
Uratifice, liupliho. 
Diversorium, gastv^issida. 

Seite 2, Spalte b. 
Monstri, gitroges. 
Simias, affinna. 



9. Mchil. — 10. hei Oraff 1, 91. — 18. bti firaj 4, 235. — 19. fpi- 
liJibo. S<k. hemtrki daxu: ,,fmU»trlUk'\ — 94. ftkU bei OrnJ 4, 363. — 95. sold- 
chmrilL — 31. cburpiskartnii. — 37. darabpporaaten. 

(S. 1, 8p. b.) 7. memtich. — 16. ros. — 93. gidocb. — 28. anaMfcet 

(S. It 8p. c) 1. chohmoa. — 5. intlelmota. — 9. firchoffr«. — 10. ar- 
pannwi. — 19. gistach. — 14« gflapoCa. — 94. cbtorit «oirdiL — 32. &rJkme*Ur 
bemerkt : das i $(heint thtrck bf ^ «, mui 6 durch pf sai op fmgtdeuitt wordm tu teifu 

(8. 9, 8p. a.) 10. Graf: nislgabala. — 19. giwomida. — 13. saikki 
— 17. aaalart — 90« giaaL 



308 



M. A. WALZ 



19. Cepas, phlanzun. 
23. Dumtaxat, doh. 
25. Trabes, gipretto. 

31. Leuitonarium est colobium 

lineum sine manicis quäle 
egiptii monachi utantur. 
35. üonclttdere, gisueigan. 

Seite 2, Spalte c. 

3. Incutiens, anawerfentaz. 

4. Obsecuntur, dionont. 

de appelle: 

5. Proaectus, gidiganer. 

6. Mente exciderat, tobota. 

7. Jamentorum cingnla. satalgis- 

cirri. 

Isidori. 
9. Armonia, Intnussida. 
11. Novalia, niulenti. 

de appollonio. 
16. Confutabant, valscotun. 
19. Examen, suaram. 

22. Oratores, redinari. 

23. Vermiculos, worma. 

vita sancti hilarionis. 

32. Sagum , filz , gallicum nomen, 
dictum autem sagum quadrum 
eo, quod apud eos primum qua- 
dratum aut quadruplex esset. 

Blatt II , Seite 1, Spalte a. 
2. SoIIicitet, inspenet. 



3. Ambicioni, firehhi. 

6. Si quid alterius, id est givüori. 

15. Promamus, gioffaneu. 

16. Ambitus, rihtuom. 

20. Praepostenim, missisazteo. 

24. Notari, piscoltan werdan. 

25. Absurdum, tumplih. . 

26. Rüdes, uncbustiga. 

28. Trutina, vraga. 

29. Probatus, livper. 

32. Damnum, flomussi. 

33. Frequenturibns, stivren. 
35. Obscuris, unwerden. 

Seite I, Spalte b. 

1. Municipiis, cuphon. 

2. Ventilentur, irsnochit vrerdan. 

4. Mansura, festiu. 
8. Adspiret, zuoille. 

10. Non resecat, dananinimit. 

12. Compendium, gimab. 

13. Testamentario, arplihemo. 

16. Inpulsu, anazungo. 

17. Litterario, prieflihemo. 

22. Municipii, dorfTes. 

23. Diocesis, piscoftuom. 

25. Prospexit, giriet 

26. Divinationes, vrihi. 

27. Praeproperum, zivilogaha. 

29. Damnabili, lastarparero. 

30. Retundi, irrvventit vverdan. 

31. Resultat, vvidarstritit. 



31. Schm. betnerkt: jyAm Rande steht hantscuoha." — 35. giewegan. 

(S. 2, Sp. c.) 7. satilgiscirri. — 22. redinara. 

Abweichungen von Pez: 

(Bl. II, S. 1, Sp. a.) 2. intspenne. — 20. missisaztes. — 26. unchunstiga. 
— 32. vlornuBsi. — 33. freqnentioribus. — 35. nnwerdin stetin. 

(S. 1, Sp. b.) 4. mennura. — 10. [Schilter bemerkt in seinem Glossar 8. 202 
zu dananimit, non resecat, Ol. Mons, p, 386: „hie particola negativa theodisca 
band dubio vitioBe est omisBa." Die zwei ersteren i sind in vorliegender Hand' 
Schrift den vorhergehenden n subscribiertJ] Sämmtliche Glossen von Adspiret Us 
Blatt n, Seite 1, Spalte c fehlen bei Pez und theiltoeise bei Graff, 



ALTIIOCIIDEUTSCIIK GLOSSEN. 



30» 



BUtt II, Seite 1, Spähe v. 
Si quis esset et re]. 
3. Plectibiles, Tirdatnlibu. 
8. Faciendo, wibauto. 
9- Traoquillitatein, gidult. 

10. Ezaggerare, gimeron. 

11. Publicare, giliutmaren. 

12. CAuaam, diuc. 

Flavio et rel. 

14. Infacatim, tmtrugiliho. 

15. Laooo, TTflgo. 
16« Uaura, tnaiiarfalti. 
17. Resipiscunt, piehennant. 
2o. luve^trff, nngiparta. 

Necessaria et rel. 

23. Moderatione, rihttingo. 

24. Likrare, gtchiosan* 

25. Ketro, piTore. 

26. Metiri, pidenchan. 

27. (latentiB, unzinandaz. 

Soite 2, Spalte a. 

2. Arta, irleitter. 

7. AdMC'titus est litteras, c 

pIMH'll. 

lü. Coufutemur, pi^clloltan vverct. 

13. InvestatioDi, aiiavarti. 

14. Subrogandis, zipicellunne. 

16. Condiciotiatio9, zinsara. 

17. DiscudSOSy irsiiobta. 



ban 



18. Praefigant, forapimeinaut. 

20. Iiilationibus, altasungun. 

21. Tendere, ilan. 

22. Fastigio, stiiiri. 

23. Suppetit, hilfit, 

25. Mota, gitrahte. 

26. Deferente, meldentemo. 
28. Tractatus, gichosi. 

31. Praefixa, ▼orapimetntiu. 

33. Strenuitate, vradi. 

34. Infulis, garavvin. 

35. DecoloratioDO, bonido. 

36. Mutilauda, gir ranne. 

Seite 2, Spalte b. 

5. Incuria, ungivvari. 

1 1. Late, folliblibo. 

12. Praeterimua, nperpurian. 

13. DesiTtor, flazari. 
16. Indicio, potasccfti. 

19 I^'o^ternere, ginidiran. 

20. Dedives, vrilliga. 

21. Adtnittit, gilazit. 
25. Elittor, vliosari. 

Exurditim etc. 
30 Scaudalunu asvib. 
31. Onerosuni, ungiuiab. 
33. Floruerunt, irscinun. 

35. CoDcinen», gibrllcnter. 

36. Serenitatis, bethcefti. 



i'S. 1, Spalt« c.) 10. giincrr. — 12 dinch. — 15. I^nze jutlin'o Tel 
▼▼a^. — 17. pichcniient. - - 20. liiio barba. — 26. pvdeuchao. - - ^7. on- 
linaoandaz. 

S. 2, Sp. a.i 2. irleittT. — lo. pitiholtMinan. — 13. infi-ttatar. — 
14. xipifrltannr. — IR. TorapiuMMnnrnt. - Ii>, ilLin. — 31, vorapiinrntiu. — 
n4. i^raiiln. — 36. zifiininnr. 

S. 2, Sp. h.f 5. uii^i\iirri. — 11. folliihliho. (irtv%m Cr, 2 . 3o4 tnqt: 
•i'f ^mI >*»at Motut. httKrn »"»/"»* foHioliHho, <tn^ uu^'ftjrttjUi\e L<tait^ r^f «•*.'■ n-h 
ffiUtclibho zu ftnentft'rfn; tlte rcStt F*"m ist ahrr aK*t. vollib, mhd \y\\'\ h. — 
12. Dp«rpan*>ini*ii Iß. potast-rphti. \\K J'eMt hrt Fe:. — 2t^ »ullv»- 

•*)$. bmrcpbi. 

f*f.aii«M% xt. 20 



. * 



310 W. CRECELIÜS, ZEÜGKISS ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. 



Seite 2y Spalte c. 
5. Inflictus, anagitaner. 

Beatitudo vestra etc. 
11. Vivaciter, rasco. 

14. Pittacio, brief. 

15. Sacramentum, eid. 

16. Sublevetur, gistivrit vvirdit. 

17. Sapiendos, zipidephanne. 



18. Obtestatione, eide. 

19. Arnplitudioi, stinri. 
21. Äestimatione, werde. 
23. Praerogativa^ fitintrigi. 
27. Patrimonii, eigines. 
31. Mansuro, festero. 

33. Tractationis , hantalungo. 

34. Liberalitatis, manabeitigi. 



ZEUGNISS ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. 

Ein interessantes Zeiigniss fnr die deutsche Heldensage findet 
sich in einer friiher der Benedictiner-Abtei zu Deutz angehörigen Hand- 
schrift, welche kürzlich in den Besitz Sr. k. Hob. des Fürsten zu 
Ilohenzollern- Sigmaringen gekommen ist und deren Hauptinhalt Herr 
Geh. Archivrath Lacomblet im Archiv f. d. Gesch. des Niederrheins 
V. S. 251 ff. bekannt gemacht hat. Es steht daselbst in einer von dem 
Küster (Aeditnus) Theoderich herrührenden kurzen Weltchronik, die 
mit dem J. 1159 endet. Hieraus, sowie aus anderen unzweideutigen 
Angaben, hat Lacomblet mit Recht die Jahre 1155 — 1165 als die Zeit 
angenommen, innerhalb deren der genannte Theoderich die Handschrift 
anlegte. Die betreffende Stelle aus der Chronik, welche der Heraus- 
geber a. a. 0.,S. 322 mittheilt, lautet folgendermaßen: 

De Hunis. — Quorum rex Attila quem multo potentiorem prio- 
ribus regibus habebant. adunatis milibns quingentis italiam horribilis 
inuasit. Galliam atque Germaniam pari formidiuis horrore concussit 
et totius pene europe, urbibus euersis. regionibus adnichilatis quicquid 
attingere poterat. uelut ignis adurens. uel ut turbo dispergens absume- 
bat. Qui inter cetera flagitia sua exercitum XI milium uirginum dum 
Coloniam obsideret cum omnibus qui cum ipsis erant extiuxit. Hie est 
Attila rex hunorum et Emmericus atque Theodericus reges Gothorum. 
quorum actus uel precouia ueterum narrationibus tragicorumque decan- 
tationibus orbe toto declamantur. 

ELBERFELD, 21. März 1866. W. CRECELIÜS. 



(S. 2, Spalte c.) 17. zipideppanne. — 27. eiganes. 
33. feJUt bei Pez. — 34. liberalitati. 



31. mansura. — 



311 



HRAFNAGALDR ODIIINS. 



Odhinfl Rabenzatibor, auf deesen Deutung schon viel Zeit und 
Scharfsinn verwendet worden ist, hat lange für das dunkelnte Lied 
der älteren Edda gegolten, und ist in ßezug auf Alter und Sinn sehr 
▼erftchieden beurtheilt worden. Dr. Sfheving zu HeitHnstadr in Inland 
(Dietrich in Haupts Zeitschrift VII, 314) nennt es ein Machwerk 
»{kliter .\ftergeh*hrHamkeit. Svfiiif^iorn E;;ilsson findet es fTir »ein alt« 
nordt»«4*hr.H Lexikon keiner Hrn<'litnii^ werth; hIht Uhland (Mythus von 
Tbor 128), Simrock (Edda 3. Aufl. 4O10, Liming (Edda 516) u, A. 
Wurtlicilen es günstiger und suchen mit vielem Erfolg seinen Sinn zu 
deuten, wenn sie auch die Abfassungszeit der jungern Sprache, der 
entlehnten und der hie und da geschraubten Bilder wegen, den ubrig«*n 
Liedern der älteren Edda gegenüber, als eine spätere annc>hmen mnüen; 
wiewohl, nach Uhland, dem Verfasser das innere VerslTindniss der 
mlten mythischen Symbolik nicht abzusprechen wäre. Simro<*k bi trachtet 
da« Lied wohl mit Rrcht als ein Vorspiel der Vegl.ims-kwidha, auf 
Welche der ganze Inhalt entschieden hinweist und v<m hpaterer Hand 
au fgf pfropft sein dnifte; er findet dies auch bestätigt durch den Kamen 
Porspiallsliodh, der ihm in einigen Ilnndst^hriftm gc^MlH'n wird (vgl. 
Simrock Edda, 3. Aufl. 412). ,tDer allgemeinste Sinn des Liedes, sagt 
Simrock (Edda 3. Aufl. 411), lässt si^h dahin angcbm, dali die (ifiitir 
in dem Eintritt der Winterzeit ein Sinnbild des nahenden Weltunter- 
gangs erblicken, da sie beim Abfallen des Laubes vcm trübt'n Ahnungen 
ergriffen werden^ ein GcfTihl, dehM*n aaeh wir uns nicht erwehien.* 
Iliemit kann ich mich zwar ganz einverstanden erklären, aWr nicht 
mit den Auidegungen der einzelnen Strophen, welche zu die^er allge- 
meinen Auffassung nicht immer als die geei<;n«'thtcn erhchcinen. Andere 
Erklärer halten das (icdiclit für ein Hruchntiick, wie l*hlaud, Lüning 
o. A. und kommen von dic>ein Staudpiuikt aus, zwar zu sehr sinn- 
reichen, aber für das (laii/e zu w« tii^cr uberznigendea Deutungen. 
Nach Simrocks Clx-rsctzung lautet: 

Str. 1. Allvater waltit, Alfen vcr>tehen, 
Waueu wissen, Nunien wci*eu, 

20* 



312 THEOPHTL RÜPP 

Iwidie nährt, Menschen duldee, 
Thursen erwarten, Walküren trachten *). 
Allvater (Alfodr), der über Alles erhabene Erschaffer, der auch über 
Ragnarökr steht (Völuspa 63, Gylfaginning 3, Simrock Hdb. 2. A. 151)^ 
wird hier waltend , also das, was geschehen soll , geschehen machend, 
vorangestellt. Nach ihm kommen die verschiedenen Wesen des alt- 
nordischen Glaubens angeführt, wie sie sich beim Eintreten des zu 
erwartenden Ereignisses verhalten werden, nicht wie sie sich bei dem 
gewöhnlichen Gang der Dinge zu verhalten pflegen, denn schon das 
„ Thursen erwarten^ bezeichnet etwas Zukünftiges. Es ist dies ein Aus- 
spruch in prophetischer Form über Ereignisse gegeben, welche auch 
nicht jetzt beginnen, wie mehrfach angenommen wird, sundern der- 
einst kommen sollen. An diese künftigen Ereignisse zu erinnern gibt 
Veranlassung, was in den folgenden Strophen dieses Liedes und in 
der Vegtamskwidha erzählt wird. 

Lüning Edda 517 deutet elr ivid/a Iwidie nährt, durch ividja 
Riesin, worunter die Alte im Eisen walde (Vol. 32), eine von den t<£m- 
vi(fJNr (Sn. Edda 8), zu verstehen wäre. „Sie nährt, d. h. sie zieht ihre 
Brut groß; die Ungethüme, welche den Weltuntergang bereiten werden, 
erstarken, weil unheilvolle Zeichen verkünden, daß die Zeit des Unter- 
gangs näher kommt^. Diese Auslegung hat viel für sich und scheint 
auch das Richtige anzugeben, doch konnte nach dem Ausspruch der 
vierten, von der nach Str. 1 in die Vegtamskwidha eingeschaltenen 
Strophen, wenn diese, wie wahrscheinlich, auch nicht älter als Hrafna- 
galdr selbst sind, nämlich nach dem: 

„Allvater (hier Odhin) achtete das ungenügend. 
Verschwunden schienen ihm die Schutzgeister all^, 
auch an die Waldgeister oder die Waldweibchen gedacht werden, 
welche Grimm (DM. 451) von ividr Wald, das Völuspa 15 vorkommt, 
ableitet. Er sagt, die Waldweibchen erscheinen, wenn die Leute Brod 
backen und bitten, ihnen auch einen Laib zu backen. Das Brod er- 
statten sie hernach zurück oder sie bringen auch von ihrem eigenen 
Gebäck, das sie den Ackerleuten in die Furche oder auf den Pflug 
legen. Hienach könnte das Iwidie nährt nach dem Sinn des oben an- 
geführten Ausspruchs auch auf eine Zeit der Noth, während des er- 
warteten dreijährigen Winters, hinweisen sollen, wo in dieser Beziehung 



*) Thrd valkyrjur. Lüning meinte thrd nei durch trotz en besser gegeben. 
Thrd^ pl. thrar, Sehnsucht, Kammer, ist vielleicht als Verbam durch harren entspre> 
chender ausgedrückt. 



IIRAFNAQALDR ODIIINS. 313 

nur die Hilfe guter Geister zu hoffen wirr, denen man sich vertmuend 
erwiesen liitte. 
Str. 2. Die Äsen ahnten übles Verhangniss, 
Verwirrt von widriger Wesen Zeichen. 
Urda sollte Odhrörir bewachen, 

Wenn sie der Menge des Volks vermöchte zu wehren. 

I>ie Äsen ahnten übles Verhängniss durch die Erscheinungen, welche 

io der Folge näher angegeben werden, verwirrt mimenllii*h durch das 

anfii-heinlich absichtliche Aufliören der gewohnten Thatigkeit widriger 

Wesen (der Zwerge), mit anderen Worten durch das Stocken der 

NatorkrAfte, Als Wiesen widrig auch den Äsen erkennen wir die Zwerge 

in den AlvismAl. Urda sollte Odhrörir bewachen, den KesKel, der den 

^leth der Dichtung und Weisheit enthalt. Hier könnte Odhrörir auch 

den Urdahrnnnen bedeuten, von dem die Verjüngung der ganzen 

Welt ausgeht (Lnuing Edda 512). Übrigens kommen aus dem Urda- 

lirannen auch viel wissende Frauen (Vol. 19) und insofern passt die 

älteste Nome als Hüterin des Kessels Odhrörir, wiewohl nach Str. II 

hier unter Urda die Idun zu verstehen ist Die vierte Zeile der zweiten 

Strophe, wo die Menge de^ Volks als der gefährliche Feind Odhrörini 

angegeben ist, fuhrt auf den Cudnnken, daü hier unter Iduns Hut mit 

Urdas Namen die VerjOngungskräfie des geistigen und physihchen 

I^l>ens gemeint sind; denn wenn auf einer Seite Urdai«brunnen nahe 

liegt, weist Odhrörir oder der Behälter des Meths der Du*htung und 

Wetshrit auf den Mythus hin, nach welchem die Vanen, die sonst 

«uch als Volk bezeichnet werden. ,.dus man Vanen nennt ^, AuHpniche 

auf den Inhalt Odhrörirs haben (8n. Edda Bragarödiir f>7), und wabr- 

M'heinlich unter dem Volk gemeint sind. 

Str. 3. Auf hnb sich Hugin den Himmel zu suchen, 
Unheil fUrchteten die Ahcn, verweil er. 
Thrains Ausspruch ist schwerer Traum, 
Dunkler Traum ist Dains Ansspruch. 
Von dieser Strophe leitet Uhland (Th. 127) den Namen des I^iedcs 
I{abrnzaubrr ab. y^Kaben ließ man, vor dem (iebrauche des Magnets, 
vom Srhiffe auffliegen, um die Nähe des Landes zu erforschen. Sagen- 
haft werden auch sonst Raben auf Botschaft aungesrhirkt. Kabenzauber 
hieß nun wohl die Beschwörungsformel, wodurch diese Vögel zu soU 
ehern Dienst geweiht wurden, und dann auch die Kabensendung über* 
kaopt, womit sich der Name des I^iedes erklärt.^ Er setzt dabei einen 
dem Lied fehlenden Theil voraus, der das Ergebniss des Rabenflugs 
ond die endliche Erlusimg Iduns dan^tellen soll, da der Name Raben* 



314 THEOPHIL RUPP 

znuber durch den Bonstigen Inhalt dea Liedes nicht gerechtfertigt wäre. 
Siinrock meint, der Kabe sei zurückgekehrt und habe eben Ton den 
Zwergen deu Ausspruch erfahren, der schweren und dunkeln Träumen 
verglichen wird, und erkennt in der Vegtainskwidha, wie oben erwähnt, 
riclitig den zweiten und wichtigeren Tbeil des Liedes, Wenn aber, 
wie Simrock annimmt, die Zweite Hälfte der Strophe 3 gleich das 
Ergebnisfl der Aussendung des Raben auedriicken würde, so wäre der 
Ausspruch „Unheil fürchteten die Aseii verweil er" zum mindesten 
fiberBüasig; denn offenbar liegt es nach dem Sinn des ganzen Liedes 
in der Absiebt des Dichters, auf eine herannahende Gefahr nicht nur 
voi-zu bereiten , sondern die Aeen sogar in Angst versetzt darzustellen, 
wobei dem dunkeln Schicksal, wie auch aus den spätem Strophen 
hervorgeht, eine Hauptrolle zugetheilt ist. Hngin kann deswegen hier 
nicht zurückkommen; erst in der Vegtamskwidha erscheint er, unter- 
richtet von der Bedeutung der Zeichen, als Odhins Gedanke, dessen 
Verkörperung der Kabe, wie allgemein angenommen wird, ausdrOckt. 
Die Äsen sollendurch das Verweilen Unheil fürchten und, wie ge- 
nagt, eingeschfichtert erscheinen; auch würde wohl dieses Ausbleiben 
als ein Zeichen des bevorstehenden Weltuntergangs verstanden worden 
sein (vgl. Gylfaginning 38). Den Himmel suchen ist ohne Zweifel gleich- 
bedeutend mit überall, in allen vier E)cken der Welt nachforschen*), 
Odhin sendet seine Raben Morgens ans, alle Welten zn umfliegen 
(Gylfagtnniiig 38). Zu der zweiten Hälfte der 3. Strophe, nänvlich zu; 

„Thrains Ausspruch ist schwerer Traufli, 

Dunkler Traum ist Dains Ausspruch", 
gehört von der ersten Zeile der 4. Strophe dasi 

„Den Zwergen achwindet die Stärke", 
indem dies in Verbindung mit dem Rest der 4. Strophe, ferner mit 
Str. 5, 6, 7 und 8 die Bedeutung der eben augetiihrtcu zifreiten Hälfte 
der 3. Strophe näher bezeichnet. Alle diese Strophen geben den Sinn 
dea nahenden und endlich des angekommenen Winters, Die Zwerge 
sind die Werkzeuge der Naturkräfte (Uliland, Thor laö). Ihr Wirken 
oder gewisse Erscheinungen der schaffenden Natur galten ala Kund- 
gcbuii^ri-n, als Aussprüche der Zwerge, also auch von Thrain und Dain. 
Das Schwinden ihrer Kraft oder Thätigkeit deutet demnach, wie die 
weiter angeführten Erscheinungen, auf den herannahenden Winter, und 



'( Dur Himmel ist aiin ilem IllmscbUiIel Ym!r» gemacht mit vier Ecken, unWr 
jiHlnr Mike oder tjorn litit ein Zwerg, die haillen: Austrl, Weatri, Nordrl, Sudri 
IrlfaeimiioB 0). 



HRAFNAGALDR ODHIKS. 3I5 

di<^fier gibt den Äsen die Ahnnng des endlichen Weltuntergangs; daher 
»ind die Ausspruche der Zwerge im Spätjahr oder ihr Tcrmindertes 
Wirken (wie) dunkle und schwere Traume. 

DaO der Winter als Zeichen oder Vorgang des Weltendes auf- 
It^fust wurde, beweist unter anderem auch die Äußerung „Weltwinter^ 
^(Inibnlwinter) in der 44. Strophe der Vafthrudhismäl. 

Str. 4. Den Zwergen schwindet die Starke. Die Ilimrod 

Neigen sich nieder zu Ginnungs Nähe (Oinnnngs nidi). 

AUwidr lasHt sie oftmals sinken, 

ült die sinkenden hebt er aber empor. 

Unter Himmel ist hier der herbstliche Wolkcnhimmel verstanden, 
wrlober die Erde oftmals zu berühren scheint. Ginnungs nidi, Ginnungs 
Sohn oder Abkömmling; Ginnnng, wohl auf Ginnungngap (Vol. 3) 
Abf(rand, Chaos hinweisend, wäre mit nidi als Abkömmling des Chaos 
Mifku&ssen, wie die Erde gedacht werden konnte. Alswidr, das Sonnen» 
ruds« la»st sie, die Wolken, oft sinken, oft hebt es (nämlich die Sonne) 
dieselben wieder empor. 

Str. 5. Nirgend haftet Sonne noch Erde, 

Es schwanken nnd stürzen die Strome der Luft. 

In Mimtrs klarer Quelle versiegt 

Die Weisheit der Manner. Wisst ihr was das bedeutet? 

I>er wolkenbedeckte Himmel lisst die Sonne, der Schnee die Erde 
ni^-ht schauen Unter Stürmen stürzen Regen und Schnee aus der Luft. 
Uathlon ftind die Götter bei diesem Zeichen, welche das Herannahen 
dca Weltuntergangs bedeuten könnten. 

Wenn die 5. Strophe wörtlich genommen oder mit unregelmäßigem 
Soonenlaof, Erdbcl>en u. s. w. erklärt werden könnte, so wäre der An- 
fang vom Ende gekommen und die Frage: wisst ihr was das l>edeutet, 
eine müüige Frage; denn was diese Erscheinungen bedtMiten wurden, 
wäre jedem klar« Das Entblättern der I^äume muüte nach dem (iesiJie- 
henen so unwichtig werden, daß nicht weiter davon die Rede nein 
könnte Aber eben weil erst Strophe H das Ilfrabfallen Iduns von der 
Esche Yggdrasil erwähnt wird, kann in den vorangegangenen Strophen 
3, 4 and 5 nur das HereinbrecLt^n dt>8 Herbstes und des Winters an- 
zodruten bi-absichtigt sein (vgl. Str. 21 u. 22). 

Str. 6* Im Thale wt*ilt die vorwi^ben«ie Göttin 
Herub von Yg:;dni»ils K^che gesunken, 
AirengfM'hIcchtem Idun genannt, 
Die jünge^te von Iwalta altem Kindern. 



316 THEOPHIL RUPP 

Str. 7. Schwer erträgt sie dies Niedersinken, 
Unter des Laubbaums Stamm gebannt. 
Nicht behagt es ihr bei Nörwis Tochter (der Nacht), 
An heitere Wohnung gewöhnt so lange. 

Liining S. 519 meint, nach diesem allgemeinen Vorzeichen des die 
Welt bedrohenden Unheils komme das Gedicht nun zu seinem eigent- 
lichen Thema; Idun die verjüngende Göttin ist verloren gegangen und 
weil die Äsen untergehen miißen, so muß auch Idun vorher unter- 
gehen, versinken und nicht wiederkommen (S. 526). Da nun in den 
übrigen Strophen weder von diesem Untergang, noch von einer Zurück- 
kehr die Rede ist, so nimmt Lüning und, wie wir oben gesehen, auch 
Uhland einen zweiten fehlenden Theil des Gedichtes an. Uhland 
(Thor 130) erinnert an die Ballade von Hind Etin und Lüning findet 
in dieser eine Hinweisung auf einen Mythus, der mit dem Gedichte, 
nach seiner Auffassung, übereingestimmt haben könnte. Aher die Baliade 
Hind Etin liegt dem Jotun (ags. Eoten) Thiassi, und Margret mit ihren 
Nüssen der Idun mit ihren Äpfeln und ihrer Heimfiihrung als Nuß 
in Sn. Edda (Bragaroedhur 56) so nahe, daß die von der Esche 
Yggdrasil herabgefallene Idun mit ihren Thränen kein weiteres Moment 
in der Ballade zu ergänzen hat; denn der Balladendichter mußte auch 
Idun hei dem Kiesen Thiassi trauernd und weinend denken. 

„Hütten wir diesen Mythus in seiner ursprünglichen dichterischen 
Fassung, sagt Lüning schließlich, dann hätte die Überschrift Forspialls- 
liodh einen ganz andern Sinn; dann enthielt das Gedicht ein Vorspiel 
zur Götterdämmerung". Idun aber ist nicht verloren gegangen; ihr 
Herabfallen von der Esche Yggdrasil bedeutet die jährliche Entblät- 
terung der Räume u. s.w., nicht die vor dem Weltuntergang, wie auch 
Uhland dieses Herabfallen aniSasst und erklärt, indem er freilich ein, 
wie wir sehen werden, nicht notliwendiges Wiedererscheinen derselben 
in einem fehlenden Stück des Liedes voraussetzt. 

Idun ist Göttin des frischen Sommersgrüns in Gras und Laub 
(Uhland 120), wie die Nanna, unter deren Namen sie Str. 8 erscheint, 
die Biüthengöttin ist. „Darin, sagt Uhland (Thor 125), daß sie von 
Yggdrasil herabsinkt, fallen Bild und Gegenstand fast gänzlich zu- 
sammen. Das Sommergrün erscheint hier als Laub der großen Esche, 
des Sinnbilds der lebendigen Natur; wann die Erde zu grünen auf- 
hört, dann ist Yggdrasils Blätterfall, dann sinkt Idun vom Laubbauni. 
In Thälern im tiefen Gruude, unter dem Stamm des Baumes festge- 
halten, weilt sie jetzt; die zuvor in Luft und Licht lebte, ist nun von 



HKAFNAOALDK ODHINS. 3I7 

Nacht umgeben, in scblammerabnliche Betäubung, in dumpfe Trauer 
Tefvenkt 
Str. 8« Die Sieggotter sehen die Sorge Nannas 

Um die niedre Wobnung: sie geben ihr ein Wolfsfell. 
Damit bekleidet verkehrt sie den Sinn, 
Freut sich der Auskunft, erneut die Farbe. 
Das Wol&fell, das der Idun von den Gottern gegeben wird, deutet 
Sinirock (Edda 3. A. 415) auf den Iteif und Schnee des Winters, von 
d«»ro bedeckt, Stauden und Bäume von neuem zu blühen scheinen. 
Sie gefallt sich im trügerischen (laevfss) Kleid und in der neuen Farbe 
Qod freut sich in ihrem nothwcudig veränderten, traurigen Zustand 
Urs erhaltenen Ersatzes. 

Str. 9 sendet Odhiu (Widi ir) den Wächter der Brücke, den Giallar* 
rrlöner, nämlich Ileimdall mit Loptr (Loki) und Brap au der herab- 
gesunkenen Idun, um sie zu fragen, ob ihr Fall der Welt und den 
(f Ottern Unheil bedeute *). 
Str. 10. Weihlieder saugen, auf Wölfen ritten 

Die Herrscher und Iluter der Himmelswelt. 
Odhiu spähte von Hlidskialfs Sitz 
Und wandte weit hinweg die Zeugen. 
Auf Wölfen wurden die Zauberer noch im 15. Jhd. reitend gedacht *•). 
S<i ««heint es auch bei den Äsen in Übereinstimmung mit dem Singrn 
dt-r Weib- oder Zauberlieder angenommen wordeu zu sein, um der 
liotitcbaft glucklichen Erfolg zu bewirken. 

Str. II. Der Weise (^Bragi) fragte die Wäcliterin des Tranks, 

Ob von den Auen und ihren Geschicken 

Unten im Hause der Hei sie wussten, 

Anfang und Dauer und endlichen Tod. 
Str. 12. Sie mochte nicht reden, nicht melden konnte sie*s: 

Wie begierig sie fragten, sie gab keinen I^aut. 

Zähren schössen aus den Spiegeln des Haupts, 

Mühsam verhehlt, und netzten die Hände. 

In den folgenden Strophen 13, 14, 15, 16 und 17, welche, wie 
die vorstehenden vier, keiner weiteren Erläutenmg bedürfin, erscheint 
die harmvolle Idun den Göttern wie schlafbetäubt; all ihr Fragen und 
Forschen ist vergebens. Ileimdall, der Vormann der Botschaft, (ahrt 

*i rber die Wahl dtr B»t«o «iehe UbUnd der Mjribac von Tb<^r l'JH. 
^} TbcAlmm de ▼enrficia Vir. MolUor Von Hrien md Voholdeo 8. 79, Frank- 
fuft IM',. 



318 THEOPHIL RUPP 

daun mit Loki, dem Sobn der NaI; zu Odhio heim. Beide von Forniots 
Freunden (Wind: ühl. Th. 32. Luft und Meer: Simr. Edda 416) ge- 
tragen, und lassen Bragi (Odhins Skalde) bei der Schönen als Wächter 
zurück. 

Unter Begrüßen und Glückwünschen setzen sich die Boten zum 
Mahl der Götter und speisen von Sährimnir (dem immer sich er- 
neuernden Eber), wo die Walküre Skogul den Metb aus Mimirs Uom 
in die Schalen Hnikars (Odhins) schenkt. 
Str. 18. Mancherlei fragten über dem Mahle 

Den Heimdall die Götter, die Göttinnen Loki, 
Ob Spruch und Spähung gespendet die Jungfrau — 
Bis Dunkel am Abend den Himmel deckte. 
Str. 19. t}l)el, sagten sie, sei es ergangen, 

Erfolglos die Werbung, und wenig erforscht. 
Nur mit List gewitmen ließe der Rath sich, 
Daß ihnen die Göttliche Auskunft gäbe. 
„Nur mit List gewinnen ließe der Rath sich^ u. s. w., wie dann auch 
Odhin in der Vegtamskwidha, unter falschem Namen, zum Hause der 
Hei reiten mußte, um durch Zauber die Wala zu der gewünschten 
Auskunft zu zwingen. 
Str. 20. Antwort gab Omi (Odhin), sie Alle hörten es: 
„Die Nacht ist zu nützen zu neuem Entschluß. 
Bis Morgen bedenke, wer es vermag 
Glücklichen Rath den Göttern zu finden.'' 
Str. 21. Über die Berge von Walis Mutter 
Niedersank die Nahrung Fenrirs. 
Vom Gastmahl schieden die Götter entlassend 
Hroptr (Odhin) und Frigg, alsHrimfaxi (das Mondross) auffuhr. 
Walis Mutter, über welche die Nahrung Fenrirs, nämlich, nach Vaf- 
thrudhnismäl 46, die Sonne niedersank, ist Rinda die winterliche Erde. 
Dies und der Inhalt der ersten Hälfte der Strophe 22, ferner die dritte 
Zeile der Strophe 23 bestätigen weiter die Behauptung, daß in Strophe 
3, 4, 5, 6, 7 und 8 nur der alljährig wiederkehrende Herbst und Winter 
gemeint sein können; denn bei dem Gefühl des bevorstehenden Welt- 
untergangs wären Kälte und Frost, welche die Äsen zu erdulden hätten, 
«o nachträglich keiner Erwähnung werth. 

Str. 22. Da hebt sich von Osten aus den Eliwagar 
Text Str. 13. Des reif kalten Riesen dornige Rutbe, 

Mit der er in Schlaf die Völker schlägt, 
Die Midgard bewohnen, vor Mitternacht 



IIRAFNAQALDR 0DHIN8. 3I9 

Von Oftten uus den Eliwagar (Eisfluthen) hebt sich die dornige Ruthe 
df*« rctfkmlti*n Kiesen. Die Ruthe ist ein Bild der Strahlen *), von wel- 
<'ki«*n dt*r Mond, wie die Sonne, umgeben angenommen und dargestellt 
wufde« Sie heißt doniig, weil dos Mondlieht im Winter, oder der 
Wioterfrost beim Mondschein, durch seine beißende Kälte, wie dornige 
Ruthe wirkend, gedacht werden konnte. Das Bild der Ruthe scheint 
an« den Fidlsvinnsmäl entlehnt zn sein, und ist etwas gezwungen. 
Was die Stiahlen als Ruthe bctriffl, so liegt deren Auffassung als 
•solche, namentlich bei der Sonne, nicht ferne; denn nach Ad. Kuhn^ 
<li«* Ilerahkunft des Feuers u. s w. S. 180, 201 u. s. w., 213, 236 wurde 
drr Zweig oder die Ruthe des Polavabanms, der Mimosa catechu, der 
Kl>rresche und nach diesen die Dorn- und Hasel- Zauber- und Wün- 
»• h«'lriithen von den Indem und Germanen als Verkörperung des hinim- 
li.ni bcn Feuers oder des Blitzes betrachtet. Man könnte bei der dornigen 
Ruthe, mit welcher der reifkalte Riese die Völker in Schlaf schlägt, 
auch an den Scblafdom denken, mit welchem Odhin die Sigrdrifa 
(Bryobilü) nach der Edda (Sigrdrifumal 4) sticht, oder die eben er- 
wiüinten, in der Sage oft vorkommenden Zauber- und Wunschelruthen 
von Kreuzdorn u. s. w. in Betracht aiehen; aber die angeführte Strophe 
spricht ni(*ht im Allgemeinen von schlafbewirkenden Ruthen, sondern 
von der domigen Ruthe des reifkalten Riesen, die sich von Osten aus 
d<*n Eliwagar erhebt. Sie ist also, ohne Zweifel, als winterliche Natnr- 
eiM*brinung aufzufassen. Der reifkalte Riese ist Nörwi, der Vater der 
N^icht, der damit — da die Ruthe zur Zeit des Schlafengehens er- 
»i'heint — die Völker, welche Midgard bewohnen, nämlich die Menschen, 
in Schlaf schlügt, und zwar vor Mitternacht, weil zu dieser Stunde 
f«'iiidlichen Wesen Gewalt gegeben ist , die Menschen in gewissen 
Verhältnissen zu schädigen , wie wir dies noch in unzahlichen Sagen 
nachklingen hören. 

Str. 23. Die Kräfte ermatten, ermüden die Arme, 
Tezt Str. 14. Schwindelnd wankt der weiße Schwertgott. 

Ohnmacht befallt sie in der eisigen Nacbtlufl, 
Die ^inne schwanken der ganzen Versammlung. 
Str. 24. Da trieb ans dem Thore wieder der Tag 

Sein schön mit Gestein geschmücktes Ross; 
Weit über Mannheim (Midgard) glänzte die Mahne: 
Des Zwergs Cberli«terin (die Sonne: Alvism. 36) zog es 

im Wagen. 



320 F» PFEIFFER 

Str. 25. Am nördlichen Rand der nährenden Erde 

Unter des Urbaams äußerster Wurzel (Griuinism. 31) 
Giengen zur Ruhe Gygien und Thursen, 
Gespenster, Zwerge und Schwarzalfen. 
Str. 26. Auf standen die Herrscher und die Alfen Bestrahlerin 

(die Sonne); 
Die Nacht sank nördlich gen Nifelheim, 
Ulfrunas Sohn stieg Argiöl hinan, 
Der Hornbläser zu den Himmelsbergen. 
Der Schwertgott (sverdäss |J. Str.), der wachsame Heimdali, 
der weniger Schlaf bedarf als ein Vogel (Sn. Edda 17), wird von 
Schlummerlust befallen. Ulfrun ist eine von den neun Muttern Heim- 
dalls. Argiöl, die Friihtöuende, muß ein Beiname der Himmelsbrücke 
sein (Simrock Edda 3. A. 417), der wahrscheinlich von der Sonne auf 
die Brücke (den Regenbogen) übergegangen ist*). Die Str. 18 und 20 
angedeutete Nacht wird Str. 21, 22 und 23 als eintretend beschrieben. 
Str. 24, 25 und 26 erscheint der Morgen, an welchem nach Str. 20 
die Götter sich wieder versammeln sollen, um zu hören, wie es dort 
heißt: Wer glücklichen Rath den Göttern zu finden vermag. 

In der auf Hrafnagaldr oder Forspiallsliodh folgenden Vegtams- 
kwidha eilen die Äsen zur Versammlung, und das unbestimmte Angst- 
gefühl derselben gestaltet sich, durch Baldurs Träume, in Angst und 
Sorge für diesen „blühenden** Gott. 

REUTLINGEN, Sept. 1865. THEOPHIL RÜPP. 



ALTES ZEUGNISS 
ÜBER DIE MUNDARTEN UND DIE SCHRIFTSPRACHE 

DER DEUTSCHEN. 



Aus Casparis Scioppii comitis a Clara Valle (geb. 1576 zu Neu- 
mark in der Pfalz, f 1649 zu Padua, s. über ihn Jöcher 4, 421 ff.) 
„Consultatio de prudentiae et eloquentiae parandae de modis in ado- 
lescentis cujusdam Germani usum^ vom J. 1626, abgedruckt in 
„H. Grotii et aliorum dissertatt. de studiis instituendis.^ Amsterodami 
1645. S. 442 ff. ist die den meißnischen Dialekt betreffende Stelle schon 
öfter angezogen und besprochen worden (z. B. in Adelungs Magazin 
2, 13. und Wackernagels Litt.- Geschichte S. 369. 375), allein mir ist 



*) s. Germania, X, 442. 



HrNDARTKN UND SCHKIPTSPBACnE DER DKITSCIIRK. 32) 

oi«*ht lM*luintit, daß die ganze Stelle über die verschiedenen deutschen 
Mondarten nnd die geroeine deutsche Schriftsprache neuerlich in einem 
KHi^glichen Buche mitgetheilt wäre. Sie ist aber bemerkenswerth 
^«•nagy am einen vollständigen Wiederabdruck zu verdienen. 

F PFEIFFER. 

De Germanica linguA recte discendft te horoinom Uermannm mo- 
neri, minus mirabitur qui sciat, quanta sit Dialectorum ejus liuguae 
Tarietas, quaroqite paruui recte Austriae provinciae homines, qua pro- 
tianciare, qui scnbere soleant. Dialectos alias vocare Principe« placet, 
sive generales, alias principibus subjectas sive speciales, quae qiiamvis 
io muhis a principe aliqua Dialecto recedant, in niulto pluribus tarnen 
ad eam referuntur. 

Iiiter prineipes familiam ducit et primas olitinet dialectus Mitftiai^ 
({uae (irrmanis idem est qnod Gravcis Attica, Italis Florentina, Unllis 
AurelianensiH, Ilispanis Toletana. Mibuentiis eniui optiuiis et probntis* 
»imis vocabulis ac phratiibus utuntur, quamvis in pi onuuciaudis diphthon- 
;*iit et oonsonantinm nonnullis, risum caeteris Germania merito moveant. 
Vctlii gratia cum dicunt IlffU pro Hanbt Zethrrer^ pro Zanberer» Joti 
pn» Gott, Gar pro Jar. Joft jrb euch ein jutfs naue* Gar, — Misnicae 
Mibjecta sunt Turingica, Francica, IIu88ica. 

Srcundum locum tribun Rhenenti dialecto, qua Rheni accolae ad 
tineit n>que Bt*lgii magnam partero utuntur. Moguutiae cives eam re- 
I.<|uii» emandatius pronunciare judicantur. 

Tertia est Sufvita quae et ipsa snas in divor>i8 Sueviae partibus 
tatii't.itca h<«l»4*t. 

Quarta Hflvitica^ qtiii qnondam omnes fero Alemauni, hodie IIt*l* 
vftii tantum utuntur. quam band scio an omniuni supi-rioris Germaniae 
oopiosissiniam minimeque depravatam rpcte dixerim. Ilomines enim suo 
contenti et aularum contemtores (ex qnihus fere Ilelvetiorum renpublirn«* 
ci»oatant) exteris minus niisceri, neque de lingua polieiida et adsoiti« 
|teregrinis vocibns ioquendique generibns exomanda soliciti esse solent. 

Quinta Dialectus est Saxonico^ qua cum Saxones, tum Westphuli, 
IloU.iti, Mechelburgenscs, Ponierani et Brandeburgenses utuntur. 

Scxta e»t liarariea^ cujus in Bavaria, Tiroli, Stiria, Carintbia, Au- 
Mna et trans Dantibium in Aihtadicnsi Epi(»copatu et apud NarisiuH 
qiii et Anualausi quondam dicti, sive in superiore I^ilatinatu UhUH est. 
Exteri t*um eam audiunt, ex ipno sonu lon^oquc vocaliuui tiactu ht»« 
uiiiir^ c.i loqticntit» diHhoIiitos, i^iiavo« et aninio oinmi^sitires tx«e suspi- 
r.iutut. AlaoriiA» rnim linKiiat' vX pronnn(*i:uit>niji Oi*lt*ritas ingenii acri*» 



322 F. PFEIFFER, MUNDARTEN etc. 

ac vividi index pntatnr. Qui ergo vel consonantes alioqui minima asperas 
proferre pigratnr, vel Vocales longo pronunciationis tractu usque eo 
prodncere gandet ut ex singulis ternas vel qnaternas facere videtur, 
quod Bavari et Austriaci solent, cuüi ex causa Acm dicunt pro Auch, 
Pfoffmhooof*^^ Schrobnhaaausen^ Waaarle pro Warlich, Yyynglstat^ gooolJ, 
eiiuen^ trinink^ huut^ Graaz pro Graez, Taaaler pro Teller: talis igitur 
Italis, Gallis et aliis suspicionem movet nt eum „Vervecum in patria 
crassoque sab aere natum* credant. In qua suspicione ealtem de ple« 
bejis hominibus non multum eos falli, vel opificum, qui eä Dialeeto 
magis utuntur, cxempla fidem faciunt, quos magnam partem obtuai in- 
genii, ignavos et laboris fugitantce esse constat. Sicut etiam in eorum 
censu qui Germanicum nomen literis et ingeniorum momnmentis illo- 
strarunt quippe vel in Societate Jesu, vel inter Lutheranismi praecones 
ingeniis eruditione et eloquentid excelhmt, multi pauciores Bavari, Au- 
striaci, Tirolenses quam Snevi, Franci, Khenenses et Saxones numeran- 
tur. Neque tarnen negaverim Austriacos qui vel in aula Viennae, vel 
in viciuä ac velut suburbanä Pannoniä multum consuetudine exterorum 
usi sunt, Bavaricae stribliginis aliquantum detersisse, eaqne ex re sie 
jam animis efferri ut emendatae tersaeque locutionis palmam non ßa- 
varis modo sed etiam, quod maxime est ridiculum, ipsis Misnensibns 
et Rhenanis ereptum eant. Verum , si quod res est dicere volumns, 
etiam quos inter ipsos esse cultissimi purgatissiuiique seriiionis opor- 
tebat, tarnen idiotismis Bavaricis non modo caedendis sermonibus scri- 
bendo abstinere possint. Non longe abiero, Melchiore Cleselio Viennensi 
episcopo non temere quisquam Austriacorum quautumvis ipse sibi pla- 
ceat, se Germanice melius loqui aut scribere persuasum habet. Eum 
enim haud alia res, quam Germanica facundia, qua Haeresin pro con- 
cione multis annis feliciter flagellaverat, ex huinillimo loco ad tarn cel- 
sum bonorum fastigium evexit. Ex hoc tarnen audias, partim etiam in 
scriptis ejus legas ifir pro Wir; Enck pro Euch; Ees pro Ihr; Enten 
pro Daryben aut Jenseit; Thaan pro thun; Kaan pro Kuen; Graaz pro 
Graez. Es gehört meiny dein, Bein pro »es gehört mir, dir, ihm** vel .es 
ist mein, dein, sein. Quem porro mihi dabis Austriacum ex omni Cae- 
saris comitatu qui non iisdem aut foedioribus Bavarismis orationem 
inficere soleat quicunque eos exaudiunt sine controversia statim rogare 
possint „Numquid omnes isti qui loquuntur Galilaei sunt** ? Nam haec 
verba Serenissimi Archiducis Ferdinand! concionator Aulicus Pater Bai» 
tbasar Nimitsch Jesuita, cquestris apud Silesios familiae in celeberrima 
concione Pentecostes anni 1609 non alium habere sensum ajebat quam 
si quis hodie diceret: „Nonne omties isti sunt obtusi et craesi Bavari?^ 



nOFFMANN T. FALLERSLEBEN, ALT«ÄCnft. BRITCRRTfrCKB. 323 

(Soioppiiis tadelt ihn darüber, indem er namentlich die Verdienste 
der Baiem um die kath. Kirche und dm Je8iiitihmn8 hervorhebt, auch 
daß die Otiterr eicher den Uuiem in IliiiHicht der Sprache nichts vor- 
zuwerfen haben.) 

Itaque ad Uerroanici «ermonis dialectot* ex diverticnio revertor, 
qnanini longe omnibus pnu'fi'ivi debet, quae ComtnuNis appellari pott>t, 
imjus loqnendi genera sive phiases a Minncnsibus pdtissiuium petuntur, 
pronunciatio vero Idiotismis et propriis singuinruiii vitiis caret, ut si 
qnia es loquentem audeat, qui caeteroquin ounics dialectos agnostit, 
aermonem qnidem ipsum probet, nequsquam tnnien, cujus ille nationis 
ftiti coQStituere possit Ilaec Spirae et in Aula Cnc^aria facile addisi-itnr, 
qofKl eo ex omnibns Cieruianiae partibus multi conflnere soleant, qui 
magnopiTe cavent, ne vemaculae linguae idiotismis, quos caeteri omnea 
ut vitiosos exsibilant, risuin iis quibuscnm versantur, commoveant. 



ALTSÄCHSISCHE BUUCHSTCCKE. 

Zwei Pergament blRtter aus der ehemaligen Fniuenabtei Gemrode 
am Harz. Herr Prof. v. Hcinemann, herzogl. Archivar zu Bemburg, 
bat das doppelte Verdienst, diese Blätter nit-ht allein gefunden, son- 
dern auch gerettet zu haben, sie siud nämlich dermaßen vermodert, 
daß sie nur durch Aufkleben auf Wach.npapier einigcrmaÜen erhalten 
werden konnten. Herr v. Heinemann war so gütig, sie mir mitzutheilen. 
Viele Buchstaben, sogar ganze Worter sind bereite verloren gegangen. 
Was noch früher vorhanden war und von Herrn v. H. gelt^sen ist, balie 
ich durch Cursivsrhritl bezeichnet. Zusamnienhan^X geinährt nur die 
erste Seite des ersten Blattes und der Schluß der Kuckiteite, sowie 
6 Zeilen vom zweiten Blatte, denen ich noch einige Worte der übrigen 
Seiten hinzufüge. Das Eingeklammerte ist Ergänzung von mir. 

Bei der geringen Anzahl altsächsischer Denkmäler (s« (fodck«s 
Grundriss 1. Bd. S. 10), muß uns jeder, auch der kleinste Fund 
willkommen sein. 

6CIIL08S CORVEY, If'tV;. HOFFMANN t. FALLEB8LEBEN. 

1. a. ihen lenindigon ftenon. that if 

minef drohtinef heligeno. T^hai Jral 
themo hcligon temple. ihat if t in 

(nikhamon tlicl belirer. mid theru niannn;^ii th< ru 
foihtn. *). Vuula thu di«»httn ulh 

*) Aiurfttlurtr Su4lo. 



324 HOFFMANN v. FALLERSLEBEN, ALTSÄCHS. BRUCHSTÜCKE. 

Icdi mik an thinemo rehte. thurii in(i)na fr(aud)a en- 
di gereko minan vueg au tbinero gerihti. Vuola 
ihn drohtin gereko min lif tuote thiDeru bederun 
gefibti. tbiiru tbin ernuifta rebt. tote tbin eau(i)- 
gon TTiendiriou. tbaru mina fraada endi t(bia) here- 
tikere endi tbia betbinun. tbat if min ie duonne. 
that (ik) mina fuoti fette an tbinan vueg endi tbat 
if thin (te) duonne. tbat tbu miuan gang gir(eker) 

\ ua..ihe* . .vueg ne uuari tbiu liccia beligero ge 

7Ti\i vuar hednif an tbeino mutbe tbero 
beretikero. vuan tbiu idaluutli beuual 
tono . vuan tbiuuTiga folge tbena felf kunt thej 
muodef . vuan fia ne bebbed tbia uuarbed an iro 
inutbe . tbat if criften. vuan fia ne bebbed an 
iro berton. vuan alla tbia befaikid tbe f(ioud) 
tbe be idelef berton findid. 

1. b. fjidinion, Introibo **). ca d in buf gangan 

n.. ,a fcal bedon an tbinera f to tote tbi- 

w(emo) beligon temple. Tburug tbia mikili 
(thero) ginathono fo if that godef buf tbat 
if tbiu bimilika bierufal ***) getiniberd mid 

2. a. Ik fkal iclapa endi restian an themo fretbu 

tber annana vui fa ueuuandlod f) vuertban 

endi tben tbe tben erhllikon dadion ang... 

vuertban mag neuan tbe vuirtbid imo gige- 

ua geuuilTo ie tbar tuo vuardig endi uugi- 

rimend^y guodlika rufta vuirtbid 
Einzelne Worte von 1. b, 2. a. b. : 
vuorkid — flabid — lugina — fprekad — gifela — mangan man 

— bcuuollan vuir(tbid) — flitid — fculun ferneman — anfclage — 
fialun — vuetef — an iro gitbankon — niauuihtigi — an tbero ge- 
nuftera — tbetbar gcfalda findun — dadion — tbe frithu — uuand- 
iondelik — erifton — ftabid — tben nerio crift — an tbenio anaginne 

— an tbemo endi — giborid uuertb — fan god — Tbu bift min god. 

*) Hier fehlt eine Zeile. 
**) Mit rother Dinte. 
***) In kleinerer Sehriß mit rother Dinte darüber thunig if. 

t) Dcu Wort beginnt mit einem ue, da$ e ist cAer mit dem zweiten Schenkel de 
o verbunden, ob rv. oder w? 



325 



BIBLIOGRAPinSCHE ÜBERSICHT 

DKR 

ERSCH EINUNGEN AUK DEM GEBIETE DER GERMANISCHEN 

PHILOLOGIE IM JAHRE 1865. 

VOR 

KARL BARTSCH« 



1. Begriff ond Geachicbte der germmn lachen Philologie. 

1 . Grimm, Jscoh, Rede auf Wilhelm Orimm nnd Rede fiber das Alter. 
Iier«ttag^gehen von Hermano Orimm. 3. Auflage, gr. H. (63 S.) Berlin 1805, 
Dummler. Vs ^^^^ 

2. Ludwig r h I a n d. Eine Oahe fBr Freunde. Zum 2t>. April 1 AG5. 

Ab HandMbrift gedruckt. 8. (479 8.) 

Kio6 Biographie Ubland's, die namentlich durch die Mittheihingcn «uh Uhlaod*t 
FAiniUrn- und O^iehrtenrorre«pondcnt Ton benondprem Wortbe int. V|cl. Gottingcr 
iM, Anaeigra |H*». Nr. 24, 8. J»59 fg. 

Ich trage hier noch mehrere Schriften uher Uhland nach, di«* lum Theil 
in das Jahr 18f>3 zurückreichen: 

3. Beranger, Aug., IHiIand. 
Biblioth^ne nnivemflle, Janrier 1H4;S. 

4. Freniel, Karl, Ludwig IHihuid. 

In: Frenael, Bütten und Bilder. Hannover IH«;). 

5. Kranohals, A. F, Ludwig Lliland. 
Baltische MonatMchrift 18(», VII, 3<)2— 44)H. 

<. Paur, Theodor, Zu Uhland*e OcdärhtniM. 

Abdruck «un dem Neuen LautiU. Magaxin, Gr>rlitt \H»IX K. (10 8.) 2 Kgr. 

7. Ludwig Uhland. 
BUckwood't ICagiuina 18«^), Mai 

8. Über Ludwig Uhland. 

EvangeK Ki rohen seitung, ▼. Heii»;«V'nb^rg lt!U»4, Nr. 9, .'lt. 44>, <>T. 

9. Ohneaorge, Fritx, Ludwig ThLand. Biogiaphitch-litterari«rh<* Skixte. 
1^ 8. (23 8.) DrcMlen 1H65, Schneider. 3 Ngr. 

10. Scherer, Wilhelm. Jacob Grimm, /weiter Artikel. 

Freomseh«! Jahrbücher. 16. Band. 8. 1-47 ond !»:»-i:«i. B«ide Arlikrl mich 
•i* Biwhnre erschienen. <n>H 8.) Berlin lH»i5. Rrtmcr. *i Rthtr. 

ftkanAffu II 21 



328 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

32. Birlinger, Dr. A., Zwei Vorlesungen Schmeller's über dentsche 

Grammatik. 

Archiv für das Studium der neueren Sprachen 37, 353 — 370. Nach einem steno- 
graphierten Hefte von Dr. Rockinger in München. Die beiden einleitenden Vorlesungen. 

33. Winckel, Dr. L. A. te, De grondbegindelsen der nederlandsche 
ßpelling. 8. (LXXH, 251 8.) Leiden 1865. f. 2, 75. 

34. Andresen, Dr. K. G,, Register zu J. Grimm's deutscher Gram- 
matik, gr. 8. (Vm, 219 S.) Göttingen 1865. Dieterich. 1% Rthlr. 

Eine sehr dankenswerthe Arbeit, viel mehr zu empfehlen als die von Wober 
(1860). Vgl. Liter. Centralbl. 1865, Nr. 42; Blfitter für liter. Unterhaltung 1866, Nr. 8. 

34^ Blägard (Jessen, C. A. E.), Undervisning i Oldnordisk for Be- 
gyndere. 8. (48 S.) Kjöbenhavn 1865. 

35. Vernon, Edward Johnston, Guide to the anglo-saxon tongue: a 
grammar after Erasmus Rask, extracts in prose and verse, with notes etc. With 
an appendix. New edition. London. Smith. 5 sh. 

36. Mätzner, Eduard, Englische Grammatik. 2. Theil. Die Lehre von 

der Wort- und Satzfugung. 2. Hälfte, gr. 8. (XVI, 597 S.) Berlin 1865. 

Weidmann. 3 Rthlr. 6 Ngr. (Das ganze Werk 8 Rthlr. 16 Ngr.) 

Vgl. Literar. Centralbl. 1864, Nr. 30; 1865, Nr. 47; Herrig s Archiv 37, 426 
bis 429. (Asher.) 

37. Craik, G. L., Outlines of the history of the english language. 
For the use of the junior classes in Colleges and the higher classes in shools. 
8. (XU, 148 S.) London 1864. Chapmann u. Hall. 2 sh. 6 d. 

38. Müller, Eduard, Zur englischen Etymologie, kl. 4. (45 S.) Cöthen 
1865. Schettler. 7 Va Ngr. 

Vgl. Literar. Centralbl. 1866, Nr. 7. 

39. Winckel, L. A. te, Over het voorvoegsel A in het Grermaansch. 

Verslagen en Mededelingen der koninklijke Akademie van Wetenschappen , Af- 
deeling Letterkunde. Amsterdam 1865. 8. 

40. Rudolph], Dr., Gymnasiallehrer, Über die Erweiterung der Wurzel- 
silbe deutscher Wörter durch die Nasale m und n, 

Programm dos Gymnasioms zu Erfurt 1864. Vgl. Herrig's Archiv 37, 231 fg. 

41. Möbius, Theodor, Übergang von l in d, 

Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 14, 377 fg. Mit Bezug auf das 
Altnordische. 

42. Widerlegung von J. Grimmas angeblicher Verschobenheit eines 
Präteritums. Dabei Auffindung teutischer Medialko^jugation. 

Herrig*8 Archiv 36, 313—332. 

43. Moller, Adolf, Gegen Herrn von Schmitz- Auerbach in Heidelberg. 
Herrig*8 Archiv 37, 421 - 425. Widerlegung der vorher erwfihnten Abhandlung. 

43\ Söderwall, K. F. , Undersökningar i svensk sprakhistoria (Om 
Verbots rection i fornsvenskan). Akadem. afhandling. 4. (38 S.) Lund 1865. 

44. Förstemann, Ernst, Zur Geschichte altdeutscher Declination. 
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschungf 14. Band, 3. Heft. 

44\ Lyngby, K. J., De oldnordiske navneords böjning. 

Tidskrift for Philologi og PKdagogik. 6. Jahrgang. KjObenhaven 1865, 8. 20—53. 



BIBLIOGBAPmSCHE ÜBERSICHT. 329 

45. K r e 8 8 , Jos. , Über den Gebrauch des Instrumentalis in der ags. 
Poesie. Inaugnral-Dissertation. 4. (32 S.) Marburg 1864. Elwert. 

Vgl Liter. Gentralbl. 1865, Nr. 26 (Dietrich). 

46. Rumpelt, Dr., Die deutschen Zahlwörter, sprachverglcichend dar- 
gestellt. 

Osterprogramm der höheren Töchterschule I in Breslau 1864. 

V. Deutsche Lexicographie. 

47. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grioim und Wilhelm 
Orimm. Fortgesetzt von Dr. Rudolf Hildebrand und Dr. Karl Weigand. Fünften 
Bandes zweite und dritte Lief. [Kartenbild — Kind.] Bearbeitet von Dr. R. Hilde- 
brand, hoch 4. (Sp. 241—720.) Leipzig 1865. Hirzel. k % Rthlr. 

Vgl Kuhn'fl Zeitschrift 14, 379—386 (Birlinger); Köhi. Zeitung 1865, Nr. 123; 
Revue critique 1866, Nr. 9, S. 145—147 (Br6al). 

48. Sanders, Dr. Daniel, Wörterbuch der deutschen Sprache. Mit 
Belegen von Luther bis auf die Gegenwart. 32. — 34. Lief. gr. 4. (2. Bd.^ VIII S. 
und S. 1441—1828.) Leipzig 1865. Wigand. 2 Rthlr. 

Der Schluß des ganzen Werkes, welches 24 Rthlr. kostet. 

48\ Fritzner, Job. , Ordbog over dat gamle norske Sprog. 6. und 
7. Heft. [nöf-tUtoekiligr.] (S. 481—672.) Christiania 1865. 

49. Clavis poetica antiquae linguae septentrionalis , quam e lexico 
poetico Sveinbjömis Egilssonii collegit et in ordinem redegit Benedictus Gröndal 
(Egilsson.) Ed. societas reg. antiq. septentrion. (XIV, 366 S.) gr. 8. 1864. 
2 Rthlr. 

49^. Bugge, Sophus , sjaeldne ord i norrön Skaldskab. 

Tidskrift for Phüologi og Pädagogik. 6. Jahrgang. Kjöbenhavn 1865. S. 87—103 

50. Vries, Dr. M. de, Middelnederlandsch Woordenboek. Tweede Af- 
levering: Afdinken-Anxt. hoch 4. (Sp. 129—256). 's Gravenhage 1865. NijhoflF. 
(Leipzig. Brockhaus). 16 Ngr. 

51. Vries, M. de, en L. A. te W i n c k e 1 , Woordenboek der Needer- 
landsche Taal. Aflev. 2. 's Gravenhage 1865. Nijhoff. 16 Ngr. 

52. Glossarium van de oud-hoUandsche en midden-eeuwsch latijnsche 
woorden voorkomende in de Provexbia communia. Gevolgd door omstrecks 200 
emendaties in den latijnschen texst van dat geschrift. Uit het verhandeling van 
Dr. W. H. D. Suringar overgedruckt als bijlage tot het 9. deel de Horae Bel- 
gicae van Hoffmann von Fallersleben. gr. 8. Leiden 1865. Brill. 1 fr. 50 c. 

53. Vries, Dr. M. de , Mededelingen en opmerkingen betreffende het 
Nederlandsch woordenboek. In de vergadering van het 8. Nederl. letterkundig 
congres te Rotterdam voorgedragen. 8. (26 S.) 's Gravenhage 1865. fl. 0, 40. 

54. J a g e r , Dr. A. de, Bezwaren tegen de spelregeling voor het woorden- 
boek der Nederlandsche taal. gr. 8. (32 S.) Deventer 1865. fl. 0, 35. 

55. Stratmann, Franc. Henry, A dictionary of the english language 
of the 13., 14. und 15. centuries. Part H. IH. gr. 8. (S. 97 — 288). Crefeld 
1865. Gehrich in Comm. k l'/^ Rthlr. 

56. Halliwell, James Orchard, Dictionary of archaic and provincial 



330 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

words, obsolete pbrases, proverbs, and ancient customs, from the fouiteenth Cen- 
tury. 5. edit. 8. (XXXVI, 960 S.) London. J. R. Smitb. 15 sh. 

57. Wedgwood, Hensleigb, Dictionaiy of Englisb etymology. Vol. III- 
Part I (Q — Sy). London 1865. Trübner u. Co. 10 sb. 6 d. 



58. Rotb, Dr. Karl, Kleine Beiträge zur deutseben Sprach-, Geschicbts- 
und Ortsforschung. 16. und 17. Heft. 8. (Vin, 96 S.) München 1865. Fin- 
sterlin. ä Ya Rthlr. 

59. Glück, Chr. Wilb., R^nos, Moinos und Mogontiftcon, die gallischen 
Namen der Flüsse Rein und Main und der Stadt Mainz erklärt. [Aus den 
Sitzungsberichten d. k. bayer. Akad. der Wiss.] gr. 8. (27 S.) München 1865. 
Franz in Comm. Y^ Rthlr. 

60. Gatschet, A. , Ortsetymologiscbe Forschungen als Beiträge zu 
einer Toponomatik der Schweiz. 1. Heft. gr. 8. (IV, 44 S.) Bern 1865. 
Haller. 9 Ngr. 

Vgl. Liter. Centralbl. 1865, Nr. 45. 

61. Über schweizerische Ortsnamen. 
Das Ausland 1865, Nr. 4 ff. 

62. Bazing, H. , Zur Erklärung württembergischer Ortsnamen. 

Württembergische Jahrbücher für Statistik und Landeskunde. Jahrgang 1863. 
Stuttgart 1865. 

63. Über den Namen Nürnberg. 
IVttnkischer Kurier 1865, Nr. 109. 

64. Schneider, Ober die sprachliche Derivation der Namen Schlesien, 
Lahn oder Lahn u. a. 

Schles. Provinzial-Blätter 4, 10—13. 

65. E b e 1 , H., Die neueste Deutung des Namens Berlin. 
Kuhn und Schleicher, Beiträge 4, 341—344. 

66. Mahn, K. A. F., Über den Ursprung und die Bedeutung des Na- 
mens der Stadt Brandenburg. 

Archiv für das Studium der neueren Sprachen 38, 98 — 101. Als vox hybrida 
erklärt; der erste Theil sei keltisch, von brennin, König. 

67. Schmidt, Tb., Oberlehrer an der Friedr. Wilh.-Schule in Stettin, 
Die Bedeutung der Pommerschen Städtenamen. 4. Stettin 1865. 

Schulprogramm. 

68. Vilmar, A. F. C, Deutsches Namenbüchlein. Die Entstehung und 
Bedeutung der deutschen Familiennamen. 4. bedeutend verm. und verb. Aufl. 
gr. 16. (IV, 96 8.) Frankfurt a. M. 1865. Völcker. '/a R^^lr- 

Vgl. zum theolog. Literatnrblatt 1865, Nr. 59. 

69. Fergusson, Kobert, The teutonic name-system applied to the 

familj names of France, England and Germanj. 8. (XV, 606 S.) London 1864. 

Williams u. Norgate. 14 sh. 

Eine Dilettantenarbeit, die bei anzuerkennendem Fleiße viel Verkehrtes enthält. 
Vgl. Liter. Centralbl. 1865, Nr. 16, Sp. 427-429 (Stark). 



BIBUOGRAPHIBCHE ÜBERSICHT. 331 

70. Stark. Fraoi, Zor Kunde altdeutaeber PenonennMBen. 
Pfuffer*» OeriMoU 10, i^—iH, 

7 1 . Werde ner Abecedarium. 

Z«iUcbrift fUr deaUchea Altertbum 12, 410, nacb einer Abtcbrift JtJi4*9 eae 
^tn«r Berliner Ht. des 12. Jbds. mit^tbeilt Latainitche Heiameter mit denisebea 
Namen. 

72. Da« Xecrologium des ebemaligen AuKuetiner^Cborbermitiftaa 

f^t. Polten. Mit^etbeilt von Dr. Tb. Wiedemann. Lex. 8. (IV, 753 8.) Wien 

1H65. Gerold in Comm. 27a Rtblr. 

In: Konte« lemm AuatrUcarum 11,21. Daan Berichtifungen und Ergäninnfen von 
K. Stwk (Wien 18<>:>), aus denen aieb erribt, da5 die Publication aebr nanrelbaft iat. 
Wicbtig ift diea NVrrolofpnm lUr deutacbe Nanan des 12. — 14. Jabrb. Vgl LiUr. 
Ontralbl. |^*6'>. Nr. 46, Sp. 12(KI— IL 

73. Zar Gcachicbta der deutachen Peraoneonameo. 
WochenhUtt der Johanntt^v-Ordena-Ballej Brandenbory lM>:i. Nr ^3. 

73*. Bornbak, Guat., Urapmng und Hedeutong dea Namena »Ger* 
maaen". 4 (15 S.) Nordhauaen 18B5. 
Scbttl Programm. 



74. ßech, Fedor, Kleine Beiträge. 

Pf^iff>r*f Germania 10, .3!):> ¥^l. Mri>t lexiraHnrher Art. 

75. W c n d I e r, W. , Zusammcnatellnng d<*r Fremdwörter dea Alt- nnd 
Mitt«>lho<-lMi<*uti»rhi'n nach nachlicbi'n Kategorien, gr. 4. (34 H.) 

Pr<»|(riuiiin d«*ii Gyinna«iuma xn Zwirkjiti |m;5. 
7<>. Daa Fremdwort im Deutachen. 

AUj^mcine Zf'itang IN;.'», BriUfre 34«;. 34!». 351 {ßj. 

VI. Deutache Mundarten. 

77. Rierke, C. F., Beitri*^«* zur Kenntniaa der vorg<*a4*bi* btlirben Zelt 

I>eat«r hUnd« nnrh Krg<*hni0»4'n der nf*aeni HprarhfortrhutiK. 1. Th«*il. gr. H. 

NorHhAtj««>n 1H>)5. Kiirbtini;. 1 Rtblr. 

Inh«ll: I)fr V.»lk«innnd in IVuU' bland 'S<m«t nnd Jrtit'. 'XXXII, .'Ml? H ; Vgl. 
n!u«tr Zrifing 1179. 

78. Hirlinger, Ant., f>ie Bpraihe d^^a Rotwrilrr Htadtrechtra. H. 
(72 S. and I Karte.) 

Sitsiing«b«Tirbte der k. baj**r. Akad. der WuaenM-b. 1 >«>'», IL I HrA (Ankang/. 

75*. Birlinfrer, Ant., Handt« hriftlirhe NarhtrAge zu d^^n Mnndartea 
BareriM*. 

Hemgt Arrb.T J7. 2:*— &m 371 — 421 Ao« K-bm^ll'-ra Han<l«>xempt«/». 
^fi. Bauer, IL, Der ottfrAnktM h«) DiAl^rf lo K*ini«Ua*i. 

Z^it»' hrift d^« b.ttf'r.f« K^r. Vrr^iD« für 4a« «irVffj^^r<t»'be Fraiik««, 6. Baad, 
3. Heft 

t*L Sckone, G., V\trr d*-ii rheinit^-b frAnkiacben I>iaJ«<t and dia EJ''<er- 
ff '. l«*r Man iart m»^f »«»b'ir-re. 4. \2 S. > 

PrxigraaMi Aft Elberf^i.er ReaiarLu^ I Ordauag fitf 



332 BIBLIOGRAPHISCH^: ÜBERSICHT. 

82. Schröer, K. J., Die Deutschen im aagariachen Bergiande and 
ihr Dialekt. Eine Skizze. 

Österreichische Wochenschrift 1865, Nr. 5 — 7. 

83. Peters, J., Über die Sprachalterthümer des Böhmerwaldes. 

Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, 4. Jahrg., 
1. Heft. Prag 1865. 8 Ngr. 

84. R ü c k e r t , H., Entwurf einer systematischen Darstellung der schle- 
sisch-deutschen Mundart im Mittelalter. 

Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens, 7. Band, 1. Heft. 

85. Müller, Max, On the language and poetry of Schleswig-Holstein. 

Macmillan's Magazine, September 1864 (Nr. LIX), Artikel 1; vgl. Bibliographie 
1864, Nr. 91. 

86. Johansen, Chr., Über das Verhältniss des Nordschleswigschen 
Dialects zum Ostdänischen, Nordfriesischen und Plattdeutschen. 

Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein und 
Lauenburg (Kiel 1864), 7. Band. 

87. Die englischen Dialecte. 
Die Grenzboten 1865, Nr. 7. 



88. Kaltschmidt, Dr. J. H., Vollständiges GesammtwÖrterbuch der 
deutschen Sprache aus allen ihren Mundarten und mit allen Fremdwörtern. Ein 
Hausschatz der Muttersprache für alle Stände des deutschen Volkes, worin außer 
allen einfachen und zusammengesetzten Wörtern der hochdeutschen Schriftsprache 
auch alle derselben fehlenden Wörter der norddeutschen, d. h. der westphä- 
lischen, bremischen, hamburgischun etc. und die Wörter der süddeutschen, d. h. 
der bayerischen, schwäbischen, schweizerischen etc. Mundarten in schriftgerechter 
Schreibart verzeichnet und erklärt sind. 5. Ausgabe. Nördlingen 1865. Beck. 
2 Rthlr. 

89. Reiser, Franz, Beiträge zum schwäbischen Sprachschatz. 4. (28 S.) 

Jahresbericht über die kgl. höhere Bürgerschule zu Hechingen für das Schuljahr 
1864-65. Hechingen 1865. Vgl. Herrig's Archiv 38, 229-230 (Birlinger). 

90. Birlinger, Dr. Ant. , Zum augsburgischen Wörterbuch. 

Herrig's Archiv 38, 201 -> 205. Abwehr gegen Lexer's Recension in Kühnes Zeit- 
schrift 14, 387. 

91. Mareta, Hugo, Proben eines Wörterbuches der österreichischen 
Volkssprache. 2. Versuch. [Abdruck aus dem Jahresber. d. Ob.-Gymnas. zu den 
Schotten in Wien 1865.] gr. 8. (XI, 72 S.) Wien 1865. Gerold in Comm. 
12 Ngr. 

Vgl. Österreich. Wochenschrift 1865, Nr. 34; Germania 11, 235 ff. 

92. Schuiler, weil. Statthalterei - R. Joh. Carl, Beiträge zu einem 
Wörterbuche der siebenbürgisch-sächsischen Mundart, gr. 8. (XI, 91 S.) Prag 
1865. Credner. % Rthlr. 

Beigegeben ist: Nekrolog des Verfassers, von J. Banniger. 

93. Haltrich, Josef, Plan zu Vorarbeiten für ein Idiotikon der sieben- 
bürgisch-sächsischen Volkssprache. 1865. 8. 



BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 333 

94. Hebel, P. J. , Allemannische Gedichte. Für Freunde ländlicher 
Natar und Sitten. Vollständige wohlfeile Orig. Aufl. gr. 16. (XV, 176 S.) Aarau 
1865. Sauerländer. V, Rthlr. 

25. Dasselbe, neue vollständige Orig. Ausg. 16. (XV, 271 S.) Aarau 
1865. Sauerländer. 1 Rthlr. 

96. Lebermuth, A., Hebel und seine Gedichte in allemannischer 
Mundart, vom vlämischen Gesichtspunkte aus betrachtet. Brüssel 1865. Mu- 
quardt. 10 Ngr. 

97. BerdeU^, Ch.^ Elsässische Lieder un Gedichter in Stadt un Lands- 
sprooch, vum e Hauenauer. gr. 16. (149 S.) Hagenau 1865. 

98. Stiel er, Karl, Bergbleamln. Gedichte in oberbaierischer Mundart. 
gr. 8. (Vin, 132 S. mit eingedruckten Holzschn.) München 1865. Braun und 
Schneider. 1 Rthlr. 

99. Weiss, C, Aus dem Leben und der Natur. Dichtungen in hoch- 
deutscher Sprache und Nürnberger Mundart. 8. (246 S.) Nürnberg 1864. 
Bauer u. Raspe. Va Rthlr. 

100. Desprez, A., Zwaerla Duch odder drei gute Kinner. Frankfurter 
Localposse in 3 Akten, gr. 8. (24 S.) Hanau 1865. Prior in Comm. Vg Rthlr. 

101. Blimcher, drei, aus Frankfort. Scherzhafte Gedichte in jüdischem, 
Frankfurter und Sachsenhäuser Dialekte. 3. Aufl. 8. (16 S.) Hanau 1865. 
Konig. 4 Ngr. 

102. Kiesheim, Ant. v., 's Schwarzblattl aus^n Wienerwald. 2. Theil. 
Bildin in Holzrahmln. Gedichte in der österreichischen Volksmundart. 8. (Vin, 
158 S.) Wien 1866. Gerold. 1 Rthhr. 

103. Siegmund, Ferdinand, Gedichte in Reichenberger Mundart. 16. 
(Vm, 88 S.) Reichenberg 1865. Schöpfer u. Waege. 10 Ngr. 

104. Giebelhausen, C. F. A., Nischt wie lauter Hack un Mack, 
alles dorchenannerdorch. Ein Denkstein, der alten Mansfelder Mundart gesetzt. 
1. Heft. 8. (IV, 63 S.) Hettstedt 1865. Hüttig. Vi R^^^^- 

105. Holt ei, Karl y., Schlesische Gedichte. 9. Auflage. Mit einem 
Glossar von Karl Weinhold. Mit Bildern nach Zeichnungen von Aug. v. Heyden. 
gr. 8. (vm, 464 S.) Breslau 1865. Trewendt. Z% Rthlr. 

106. T s c h a m p e 1, H., Gedichte in schlesischer Gebirgsmundart, nebst 
einem Anhang, enthaltend einige Gedichte in gewöhnlicher Schriftsprache. 3. Aufl. 
8. (XII, 307 S.) Schweidnitz 1866. Heege. Vs ^^^^' 

107. Sackmann, J. , Plattdeutsche Predigten aus Flugblättern des 
Torigen Jahrhunderts zusammengetragen und mit andern merkwürdigen Predigten 
derselben und späterer Zeit vereinigt. 9. verm. Aufl. Mit e. Vörspauk u. literar. 
Naehweisnngen sowie einer Lebensgeschichte Sackmann's, herausgeg. von Friedr. 
Voigts. 8. (143 S.) Celle 1865. Schulze. Va I^t^lr. 

Vgl. Wißenschaftl. Beilage der Leipziger Zeitung 1865, Nr. 55. 

108. Diskurse, plattdütsche , äwer de Thelogie un de Presters, ok 
van Staats- un annern gelihrten Saken. För sien Landslüd upschreben von'n 
oUen Meckelbörger. I. H. 8. (98 S.) Leipzig 1865. Häfele. k 4 Ngr. 

109. Bornewiek, Karl, Tau Hus un in dei Fromm*. 8. (118 S.) 
Jena 1865. Frommann. % Rthlr. 



334 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

110. Rieke, A. , Schnurrige GreBcbichten in plattdeutschen Gedichten. 
16. (Vn, 105 S.) Münster 1865. Brunn. 9 Ngr. 

111. Grimme, F. W., Schwanke und Gedichte in sauerländischer 
Mundart. 3. Aufl. 16. (203 S.) Paderborn 1866. Schöningh. IdVs Ngr. 

112. Uemmer op de olle Hacke. Lustspiel in sauerländischer Mundart 
vom Verfasser der 'Spröckeln un SpÖne'. 16. (54 S.) Paderborn 1865. Junfer- 
mann. 4 Ngr. 

113. Piening, Th., De Reis na*n Hamborger Dom. 5. Uplag. 8. 
Hamburg 1865. Richter 'Z, Rthlr. 

114. Maurer, Franz, alt- und neufriesische Sprachproben. 
Ausland 1865, Nr. 51. 

115. Hob ein, E., Über Claus Groth und seine Dichtungen, zum Theil 

aus ungedruckten Quellen. 8. (60 S.) Hamburg 1865. Mauke. 12 Ngr. 

Vgl. Blätter für literar. Unterhalt 1866, Nr. 8; Hamburger Macfarichten 1865, 
Nr. 108. 

116. Boysen van Nienkarken, Leeder und Stückschen in Ditmarscher 
Platt. 8. (XII, 333 S.) Leipzig 1865. Brockhaus. iV, Rthk. 

117. Petersen, N. M., Plattdütsche Fabeln, Verteilungen un Märken 
in Angeinner Mundart, gr. 16. (VIII, 176 S.) Dresden 1865. Burdach. V« Rthlr. 

Vgl. Hamburger Nachrichten 1865, Nr. 303. 

118. Reuter, Fritz, sämmtlichc Werke. 1. Band. 8. Wismar 1865. 
Hinstorff. 1 Rthlr. 

Inhalt: Läuschen un Rimels. 1. Theil. 8. Anfinge. (XVI, 269 S.) 

119. Derselbe, Ut mine Stromtid. Mit Holzschn. nach Zeichn. Ton 
L. Pietsch. 3 Theile. Lex. 8. (XIX, 797 S.) Ebenda. 6 Rthk. 

120. Derselbe, Hanne Ntite un de lüdde Pudel. *Ne Vagel- un Minschen- 
geschicht. Illustr. Ausgabe, gr. 8. (IH, 329 S.) Ebenda. 2 Rthlr. 

121. Glagau, Otto, Fritz Reuter und seine Dichtungen. 8. (V, 311 S.) 
Berlin 1866. Lemke. 1 Rthlr. 

Vgl. Allg. Zeitung 1865, Nr. 332; Grenzb. Nr. 50; Über Land und Meer Nr. 15. 

122. Hob ein, Ed., Blömings un Blomen ut fromden Gor*n. 2. verm. 
Aufl. (Titel.)Au8g. 16. (XI, 199 S.) Berlin 1865. Schotte u. Co. 12 Ngr. 

123. Ramellen, olle. Plattdütsche Rimels un Läuschen. Nr. 1. 2. 
8. (15 u. 14 S.) Berlin 1865. Lassar. k 2 7^ Ngr. 

Inhalt: Kuddelmuddel, verteilt v. Krischan Dasei ut PUmpelhagen. Schurr- Murr 
V. Jochen Zwippolmann. 

124. Heyse, Wilhelm, De Meklenbörger Burhoch tid un Rosmarin un 
Ringelblomen. 2. (Titel-)Au8g. 16. (VIR, 213 S.) Berlin 1865 (1862). 
Schotte u. Co. 12 Ngr. 

125. Heyse, Wilhelm. Frische Kamiten ut Krischaon Schulten sin 
Mus'kist. 2. (Titel-)Ausg. 8. (V,205S.) Berlin 1865 (1863). Schotten. Co. 12 Ngr. 

126. Göttergespräche, neu plattdeutsche (Mecklenburgische Mund- 
art.) gr. 16. (40 8.) Coburg 1865. Riemann. 6 Ngr. 

127. Hogg's, Nath., Lettres und Poems in the Devonshire Dialect. 12. 
1^60 S.) 1865. 1 sh. 

128. Second series of poems in the Devonshire dialect. 12. (60 S.) 
1865. 1 sh. 



BIBUOORAPH18CHE 0B£R8ICHT. 335 

129. Fiotterwmlder, J., Verieichnitt der auf Uland wadueoden 
mit ihren volktthümlicheo Namen geordnet nach dem Linn4*tchen Syatem. 
fftr die geiammten MatarwisMotcbalten IHtiö, Oetober. 



VII. Deutsche Mythologie« 

130. Grimm, Jacob, Kleinere Schriften. 2. Band. A. u. d. T. : Ab- 

baadlangen rar Mytbologie und Sittenkunde. gr. 8. (III, 462 8.) Berlin 1865. 

I>aminler. 3 Rthlr. 

V^ 2MUcbrift fUr die Österreich. Ormnanien 18*>'>; Preiiß. Jiihrbürher XVI, |; 
(H>tt. Gel. Anseigen Nr. 47 (WaiU); Orensboten Nr. 02; Kuhn's ZeiUchrift XV, I 
«über den ersten Band). 

t31. MQllenhoff, R., Zur deuUcben Mythologie. 
ZeiUchrift für deuUcbes Alterthnm 12, 401- 409. 

132. H e 1 f f e r i e h, Adolf, Zam Verständnis« der deoUchen Mythologie, 
gr. 8. (48 8.) Leipsig 1865. Brockhaas. Va K^^''* 

133. Bender, Jos., De veterum Prutenonun diis. Dissertatio historica 
critiau 8. (26 S.) Braoniberg 1865. 4 Ngr. 

134. Bender, Jos., Zur altprenfiischen Mythologie and Sittenkunde. 
Altpreußischo MonaUschrift I8H5, 7. a. 8. Heft. 

135. Mannhardt, Wilhelm, Roggenwolf und Rogg«*nhnnd. Beitrag 

sor germanischen Sittenkunde, gr 8. (XII, 51 S.) Danzig IHtiri. Ziemiwen. 

Als Vorläufer too des Vorf. größerem Werke, welches einen Qoellentrhals der 
dentschen VolkiüberliefprunK sum Ziele genommen hat. Vjfl. Ans<*ig«*r fiir Kunde der 
dMtsehen Vorseit ISkiti, Nr. 1; Kölnische Zeitang IKbö, Nr. 315. 

136. Gould, Sabine Baring: The book of Were-Wohe», being an 
account of a terrible superstition. 8. (270 S.) 1865. 7 sb. 6 d. 

137. Birlinger, Ant*. Umgehende Seelen. 
Münchener SonntagsUatt |8tio, Nr. H. 

138. Birlinger, Anton, Etwas Ober unheimliche Leute. Von Zauberern 
und Consorien. 

Münchener Sonntag«blatt 184)5, Nr. 16. 

13<l. Latolf, Alois, Zur Frau 'Selten* (Saelde). 

Pfeiffer*s Germania 10, 103. 

140. Ena mann, IL, Die WQnschelruthe. 
West«rmann*s MonaUhefte, Nr. II (107), 8. 531. 

141. Lütolf, Alois, Rosengarten. 

Pfeifler's Germ. 10,147 fg. Im Sinne einer kfilbringcndeu h<*ili(^-n BegrKbni«ft«tJitte. 

142. Lütolf, Alois, Mailand. 
Pfeiffer*! Germania 141, 102. 

143. Pah st, Kd., Die Volksfette des Maigrafen in Norddeut«rhland, 

Preassen, Livland, Dänemark und Schweden. Hin Bf^itrag cur Kulturg«-«ohicht4* 

des germanischen Nordens, gr. 4. < V, 92 S.j B«*rlin 1H(;5. Mittler u. Sohn. 24 Ngr. 

Das Resultat des Verf. ist: Der Mnitrrnf ist nicht eine BeKJij»|>fiinf d<<« Wiotrr«, 
sondern ein friedlich einhenieheiidrr RrprÄ<i«>ut«ut des sunukgrkrbrten Knib)in|;f. Vgl. 
Litarar. CeatralbL 1H>6, Nr. U (A. Kuhnj. 



336 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

144. TschiBchwitz, Benno, Nachklänge germanischer Mythe in den 

Werken Shakspeares. 8. (VI, 130 S.) Halle 1865. Buchh. d. Waisenh. V, Rthlr. 

Vgl. Liter. Centralbl. 1S66, Nr. 11 (A. Kuhn); Europa 1865, Nr. 37; Bremer 
Sonntagsblatt, Nr. 43. 

145. Petersen, Chr., Hufeisen und Rosstrappen oder die Hufeisen- 

steine in ihrer mythologischen Bedeutung erläutert. Mit einer Steindrucktafel. 

gr. 8. (107 S.) Kiel 1865. AJcad. Buchh. in Comm. 24 Ngr. 

25. Bericht der Schlesw. Holst. Lauenburg. Gesellschaft für die Sammlung und 
Erhaltung vaterl. Alterthümer. 

Zur vergleichenden Mythologie: 

146. Braun, Julius, Naturgeschichte der Sage. RQckfuhrung aller reli- 
giösen Ideen , Sagen , Systeme auf ihren gemeinsamen Stammbaum und ihre 
letzte Wurzel. 2. Band. gr. 8. (VII, 476 S.) München 1865. Bruckmann. 3 Rthlr. 

Vgl. Grenzboten 1866, Nr. 2. 

147. Scheiffele, Prof., Mythologische Parallelen, gr. 8. (68 S.) 
Ellwangcn (Tübingen) 1865. Fues in Comm. 12 Ngr. 

148. Sonne, W., Sprachliche und mythologische Untersuchungen, an- 
geknüpft an Rigv. I, 50. 3. Artikel. 

Zeitschrift fär vergleichende Sprachforschung, 15. Band, 2. Heft. 

VIII. Märchen und Sagen. 

149. Köpke, Dr. Ernst, Cber Märchenpoesie. Ein Vortrag. 
Herrig's Archiv 38, 131—168. 

150. Grimm, Brüder (J* und W.), Kinder- und Hausmärchen. Kleine 
Ausgabe. 11. Aufl. 16. (VI, 311 S.) Berlin 1864. Duncker. Y2 Kthlr. 

151. Grimm, Gebroeders, Volks-sprookjes. Geillustreerd met fraaije 
gravuretf. (Uit het hoogd.) 1. Aflev. 8. Rotterdam 1865. Nijgh. 

152. Hoffmann, F., Deutsche Volks-Märchen. 5. Auflage. 16. (116 S.) 
Stuttgart 1865. Chelius. V2 Rthlr. 

152*. Birlinger, Dr. A, Märchen aus Schwaben. 
Chilianeum 1865, 9. Heft, S. 408. 

153. Bartsch, Karl, Schlesische Märchen und Sagen. 
Schlesische Provinzialhlfitter, neue Folge, 4, 25—27 und 91—93. 

154. Mulden er, Rud., Märchen aus Süd und West. 8. (200 S.) 
Langensalza 1863. Greßler. 12 Ngr. 

155. Müldener, Rud., Nordisches Märchenbuch. 2. verm. Auflage. 8. 
(VIII, 175 S.) Langensalza 1865. Greßler. 12 Ngr. 

156. Schenkl, Karl, Zum Märchen 'der Gaudieb und sein Meister. 
Pfeiffer*8 Germania 10, 342. 



157. Pro hie, H., Über deutsche Sagensammlungen. 

Neue Zeitschrift für Theater n. s. w. von F. A. Meyer, 1. Jahrgang, Nr. 5. 

158. Zur deutschen Sitten- und Sagenkunde. 
Österreichische Wochenschrift 1865, Nr. 25. 



BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 337 

159. Grimm, Brflder (J. und W.), DeuUche Sagen. 2. Auflage. Mit 
riner Abbildung der Sage nach W. ▼. Kanibach. (In 8 Lieferungen.) 1. und 
2. Lief. 1^. 16. (1. Band, XXHl, S. 1—192). Berlin 18G5. Nicolai V/^ Rthlr. 

Vgl. Freya 1866, Nr. 3; Bresl. Zeitung 38; Aachener Zeitung |}^t>5. Nr. 3C)9. 

160. II offmann, Franz, Kleines Sagenbuch. Ein Nachtrag su der 
frrüfteren Sammlung. 4. Aufl. 16. (III, 184 8.) Stuttgart 186ri. CheliuB. V« I^thlr. 

I«>1. Schultheis, Fr., Volkssageu. Aus dem Munde des Volkes ge- 
«Ammei U 

IlAOsbUtter ls<j5, U. Hnft, S. 451; 7. Heft S. 74. 

162. Her sog. Fr. U. , Schweizer Geschichte und Sagen: Die Angel- 
sachsen in Sarmendorf. 

MuDchener Sonntagsblatt 1865, Nr. 26. 

1 63. L ii t o 1 f , Alois , Sagen , Bräuche und Legenden aus den fünf 

<>rten Lucern, Uri, Schwyz, Unterwaldon und Zug. 8. (600 8.) Lucern 1865. 

SchifTmann. 

Vgl. Litertr. Ccntralbl. 1H(>5, Nr. 37 (A. Kuhn); Ansei^er für Kunde der deut* 
«rheo Vorxeit, 8p 40. 

164. Jahn, Alb., Emmenthaler Alterthümer und Sagen. Mit 5 lith. 
Tafeln. 12. (VII, 72 8.) Bern 1H65 Huber u. Co. Vi Rt»»^''- 

165. L e i b i n g, Franz, Volkssagen aus dem Ober- Wallis 
Pfeiffer*« Germania 10, 473 475. 

166. Lech n er, Enist, Das Thal Bergcll (Breßaglia) in Oraubiinden. 
Xatar, Sagen, Geschichte, Volk, Sprache etc nebst Wanderungen. 16. j'VHI, 
140 S.; Leipzig 1865. Engelmann. 16 Ngr* 

167. B i r 1 i n g e r , Dr. AnU , Schwäbische Volk?isagen. 
Münchener BonntagsbUtt 1865, Nr. 4. 

168. Birlingor, Dr. A., Schwäbische Volksnagen und Legenden. 
Chilianeum IH4i5, S. 274. 

169. Laurent, Prof. J. J., Lcs legendes de TAlsace. 8. (12.'> .S.) 
Colmar 1865. 

170. Ca s pari, K. H., Zu Straßhurg auf der Sehanx. Dorfsagen. 
3. Aufl. 16. Stuttgart 1865. Steinkopf. % Kthlr. 

171. Schönhuth, Ottmar, Die Burgen, Kl<'»ster, Kiichen und Kapellen 
Badens und der Pfali mit ihren Gefechicht4*n , Sa^en und Märchen. 23. und 
24. Lieferung. 12. (2. Bd., S. 481 — 576;. Uhr 1H65. Geiger, a 5 Ngr 

172. Weininger, H. , Der Spuk auf Neu*Wiudeck. Sage aus (l«*m 
Badischea. 

Mttnrhener 8oniiUg»bUtt |h(i:>, Nr. Ü. 

173. H e r r 1 e i n, Adatbc/t von, Sagen aus dem Spctsart. 
HausbUtter lh(ö. 8. Heft, 8. Ui2; VK HcO, 8. (>i. 

174. Weininger, Hans, I^*genden von (*)iri»tu« dem Herrn und 
Haoct Peter. Aus dem Munde des bayeriM-licn Volket. 

Bajrrrtsch«» Zeitung lhUi*>, Morgt^nM Nr. *j:VK 

175. Baader, J., Vom Birnbaum, der zu Strin geworden. 
Münchrner SouDUgabUtt INiCi, Nr. 42. 



338 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

176. Moser, Peter, Sagen. Nach volksmündlicher Erzählung aufgezeichnet. 
8. (16 S.) Bruneck 1865. Mahrsche BuchdruckereL 

Vgl. Literar, Centralbl. 1865, Nr. 38 (A. Kuhn). 

177. Zingerle, J. V., Die Römerschlacht bei Brixen. Sage. 
Münchener Sonntageblatt 1865, Nr. 8. 

178. Zingerle, J. V., Der Knabe und die Riesen. Ein Märchen aus 
Sarnthal in Tirol. 

Münchener Sonntagsblatt 1865, Nr. 4. 

179. Förster, E., jun. , Der Stadtschreiber von Reichenhall. Eine 
Unterbergcr Sage. 

Bayer. Zeitung 1865, Morgenblatt Nr. 128 ff. 

180. Weyrother, Clemens Ritter v.. Böhmische Sagen. 1. Reihe. 
2. Auflage. 8. (III, 91 S.) Prag 1865. Bellmann. 16 Ngr. 

181. Helfforich, Adolf, Der culturgeschichtliche Sinn der altböh- 
mischen Sagenwelt, gr. 8. (31 S.) Prag 1865. Credner in Comm. 12 Ngr. 

182. Waldau, Alfred , Böhmische Christussagen. 

Bremer Sonntagsblatt 1865, Nr. 6. 13. 20. 39; Novellenzeitung Nr. 43; Slavische 
Blätter, 5. Heft. 

183. Waldau, Alfred, Böhmische Baumsagen. 
Deatsches Museum 1865, Nr. 41. 

184. Waldau, Alfred, Der Eselswirth. Böhmische Volkssage. 
Biene 1865, Nr. 20. 

185. Gradl, H. , Aus den Sitten und Sagen des Egerlandes. Lex. 8. 

Prag 1865. 

Mittheilnngen des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen. 4. Jahr> 
gang, Nr. 1. 

186. Haupt, Karl, Nachträge zum Sagenbuche der Lausitz. 
Neues Lausitz. Magazin, 41. Band, Görlitz 1864. 

187. Herchenbach, W. , Rübezahl , der Berggeist in dem Riesen- 
gebirge. Dem Volke wiedererzählt. 8. Mülheim a. R« 1865. Bagel. Va Rthlr. 

188. Rübezahl, der Herr der Earäuter. Ein Beitrag zur böhmischen 
Pflanzenkunde. 

Bremer Sonntagsblatt 1865, Nr. 45. 

189. Zur Rübezahl -Sage. 

Schlesische ProvinzialblStter, neue Folge, 4, 223 fg. 

190. Schnellen, E., Sächsische Sage und sächsischer Sang. 
Deutsches Museum 1865, Nr. 39. 

191. Schatzsagen und Schatzerzählungen aus der Umgegend von 
Leipzig. [Abdruck aus den Leipziger Nachrichten.] 8. (30 S.) Leipzig 1865. 
Reusche. V^ Rthlr. 

192. Gress, Kurt, Holzland- Sagen (aus Altenburg). 
Hausblfitter 1865, Nr. 19, S. 68; Nr. 21, S. 219; Nr. 24, S. 453. 

193. Waldmann, Heinrich, Eichsfeldische Gebräuche und Sagen, 
zusammengestellt. 



BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 339 

Programm des kathol. OymoMiums su Heili^nsUdt« Michaelis 18G4. V'^K Liter. 
Onualbl. 184i5, Nr. 38 (A. Kuhn;; Herrig^s Archiv 37, 33ü ^Sachse) 

194. Ziegenmeyer, 0., Sagen ans der Helmstedter Oogend. 
Haiublltter, 21. Heft, 8. 214. 

1 95. Herchonbacb, W., Die Sage von der Lurlei. Dem Volke er- 
xahlt. 8. Mfilheim a. R. 1865. Bagel. V, Rthlr. 

196. Krüger, Altmärkische Sagen. 

18. Jahresbericht des Altmlrk. Vereins fOr vaterUnd. Geschichte. Salswedel \^'A, 8. 

197. D entler, Fr., Die Sage vom Heiligensteiii. 
AltpreiiG. Monatsschrift 18^5. Jnli — September. 

198. Zur Sammlung der Sagen, Märchen und Li«*d(*r, der Sifteu und 

Gebräuche der Herzogth&mer Schleswig-Holstein und Lauouburg. 

•lahrbttcher fUr die Landeskunde der Hertogthümer Schleswi|( • llolutcin und 
Lanrnbnrg, 7. Band, Kiel 1864. 

199. Ehlers, J., Was die Alt«n meinen. (Nachtrag zur Sammlung der 
Sagen etc.) Meistestheils nach mundlicher Überlieferung au^czeichuet. 

Derselben Jahrbücher H. Band. Kiel 18(>5. 

200. De Friesche-Zweedsche Sage in hei Ober-IUbii-Thal. 
De rrije Fries, 10. Deel. Leeuwarden lH4i5. 8. 

201. Morin, £., Remarques sur les contes et les traditions populaires 
des Gaels de ITcosf^e occideiitale, d apres la receute publication de M. F. J. 
Campbell. 8. i32 S.) Rennes 1864. (*aU'l. 

Vgl. Bibliographie 1H63, Nr. 137. 

202. S a g o m i n n e n frun Sveriges forntid. S am lade och utgifne af 
Tonten. H. IV. V. 8 (S. 243-387). Stockholm 1864. Flodin. 



203. Alte Thierfabel. 

Zfitsrhrift für deutsches Allerthiim 12« 4<ii( f^. An» Fmie^nr mitcftheiJt. 

204. Mflilenhoff, K., Zeugnisse und Kzcurse zur deiit^rhen Ileldni 

saf^v. 1. Nachlese. 

Zeituchrift Hir dcutAches AU*>rthum 12* 413 -AU'*. W«>^>>ii d«'r B«*ri)«TKiitij* mif 
S. 424 Terweine ich auf in(*iiie Ku<iruii S. IX. wo auch <li>* Na< liahiiiiini; li4t|i|H*« «rlii*ii 
«rwahnt i«t. (hrant hat die H« , wa<« airh tu Ji^nint vrrhiül y^'^v in der II«. iIit KiKinin 
tkrwumte and Jiomutm^^ i}rtr%rhe und Horirtcht etr. 

2ori. Pfeiffer, Franz, /etignisiio zur HeldenBam«. 
I*ft*ilTer's Germania \i\ !M i^ Ans Agricol« und l*antalr«n. 

206. Herchenbach, W., Der p<'h»imto SircfHed, der DnichrnttMld'r. 
\Wm Volke wiedererzählt H. Mülheim a« R. Ih«;:». Hainl. */,. Rthtr 

207. Vogel st ein, H., AdnotatiiMie« i|uaedam ex Ittti'ri« <»rienUlil»n« 
petitae ad fabula« <|Uae ile Alezandru Mn^no circutnferuntur y^r. H Kr<*«) m 
1M65. Hcbletter. V« Rtlilr. 

208. Die Nieodemus- and Pilatus-Legende. 

rhilianeum \^\\ Nr. 10. Au« einer Haxid«rhriA d^r Miinchrner Hof* und Stjuit« 
bibliotbek. 



340 BlBLlOGRiLPHISCHE ÜBERSICHT. 

209. Liebrecht, Felix, Zur Virgiliuseage. 
Pfeiffer's Qermania 10, 406—416. 

210. Weininger, Hans, Der Ritter Georg. 

Deutsches Museum 1865, Nr. 50. 

211. Paris, Gasten, Histoire po^tique de Charlemagne. gr. 8. (XYIH, 
513 S.) Paris 1865. Franck. 3 7, Rthlr. 

Vgl. Germania 11, 224-229; Revue critique 1866, Nr. 5, S. 74—76. 

212. Paris, Gaston, De Pseudo-Turpino disseruit. 8. (68 S.) Paris 
1865. Franck. 20 Ngr. 

213. Zingerle, J. V., Karl der Große nach der deutschen Sage. 
Österreichische Wochenschrift 1865, Nr. 33. 

214. Cassel, Paulus, Der Gr&l und sein Name. 8. Berlin 1865. Decker 
in Comm. V« ^thlr. 

215. Her chenbach, W., Ritter Ernst von Gleichen und seine beiden 
Frauen. Eine Sage aus den Zeiten der Kreuzzüge. 8. Mülheim a. R. 1865. 
Bagel. Vb Rthlr.- 

216. Pfannenschmid, Heino, Der mythische Gehalt der Teilsage. 
Pfeiffer's Germania 10, 1—40. Vgl. Allgemeine Zeitung 1865, Nr. 140, Beilage. 

217. Pfannenschmid, Dr. H., Neuestes zur Teilsage. 
Magazin für die Literatur des Auslandes 1865, Nr. 49. 

218. Rektor, £., Zur Teilsage. 

Korrespondent von und für Deutschland 1865, Nr. 600, 602, 615, 617, 619, 
634, 635. 

219. Die Teil sage. 

Magazin für die Literatur des Auslandes 1865, Nr. 43. 

220. Lippe, Ernst Graf, Sagen aus dem Bereiche der Ritter des deut- 
schen Ordens. 

Wochenblatt der Johanuiter-Ordens-Balley Brandenburg 1865, Nr. 47. 

221. Einige Sagen in Beziehung auf deutsche Adelsgeschlechter. 
Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenbarg 1865« Nr. 23. 

222. Hesekiel, Georg, Wappensagen. 16. (HI, 316 S.) Berlin 1865. 
Rauh. 1 Rthlr. 

223. Norddeutschlands Waldbäume und des Volkes Sage 
und Dichtung. 

Europa 1865, Nr. 28. 

224. Waldau, Alfred, Der Baum-Cultus der Cechen. 
Magazin für die Literatur des Auslandes 1865, Nr. 32. 

225. Waldau, Alfred, Beiträge zur böhmischen Pflanzensagenkunde. 
Die Biene 1865, Nr. 21 ff. 

226. Die Sage von den drei Schwestern. 
Europa 1865, Nr. 12—14. 

227. Herchenbach, W., Der Klabautermann. Ein Seegespenst. Dem 
Volke erzählt. 8. Mülheim a. R. 1865. Bagel. V^ Rthlr. 

228. Ilwof, Franz, Die ungleichen Kinder Adams und Evas. 
Mffer's Germania 10, 429-431. 



BIBLIOGRAPHISCHE ÜBEKSICHT. 341 

229. Köhler, Reinhold, Die Legende von den beiden treuen Jacobs- 
bradem« 

Pfeiffer's Germania 10, 447—455. 

230. H o f m a n n , C, Über das Lebermeer. 

SitBimgsberichte der k. bayer. Akademie der Wissenschaften 1865, II. 1. Heft. 

IX. Volks- und Kinderlieder, Sprichwörter, Sitten und 

Gebräuche. 

231 . Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. 
bis 16. Jahrb., gesammelt und erläutert von R. von Liliencron. Erster Band, 
gr. 8. (XXXIX, in u. 606 S.) Leipzig 1865. Vogel. 3 7, Rthlr. 

Vgl. Germania U, 102—110 (K. Bartsch); Liter. Centralbl. 1865, Nr. 49, Sp. 1330 fg. ; 
Revne critiqne 1866, Nr. 9; London Review, Sappl. 288; Wissensch. Beilage d. Leipz. 
Zeitung 1865, Nr. 96; Unsere Tage 87; Grenzboten 1866, Nr. 1 ; Gott. Gel. Anzeig. Nr. 12. 

232. Chrysander, Fr., Deutscher Volksgesang im 14. Jahrb. 

Jahrbücher für musikalische Wissenschaft I. Mit Beziehung auf die in der Lim- 
burger Chronik erwähnten Volkslieder. 

233. Hinrichs, F., Die poetische und musikalische Lyrik des deut- 
schen Volkes. I. 

Preußische Jahrbücher XI, 594—616. 

234. Waldbrühl, W. v., Der Vogelgesang und das Volkslied. 
Die Natur 1865, 6. Ergänzungsheft. 

235. Schild, Franz Jos., Der Großätti aus dem Leberberg. Sammlung 
von Volks- und Kinderliedem , Spottreimen, Sprüchwörtern, Wetter- und Ge- 
sundheitsregeln etc. aus dem solothumischen Leberberg. Ein Beitrag zum 
Schweizer Idiotikon. 16. (XVI, 150 S.) Biel 1864. Steinheil. V2 Bthh*. 

VgL Magazin für die Literatur des Auslandes 1865, S. 615. 

236. Schuster, Friedrich Wilhelm, Siebenbürgisch-säehsische Volks- 
lieder, Sprichwörter y Räthsel, Zauberformeln und Kinder-Dichtungen. Mit An- 
merkungen und Abhandlungen herausgegeben. 8. (XXIV, 556 S.) Hermannstadt 
1865. Steinhausen. 2V3 Rthlr. 

Vgl. Österreichische Wochenschrift 1865, Nr. 52. 

237. Peter, Gymn. Prof. Ant. , Volksthümliches aus österr. Schlesien. 

I. Kinderlieder und Kinderspiele, Volkslieder und Volksschauspiele, Sprichworte. 

8. (XV, 459 S.) Troppau 1865* Schüler in Comm. 1*/« Rthbr. 

Vgl. Österreichische Wochenschrift 1865, Nr. 37 (A. Ficker); Schles. Provinz.- 
BUttter 1866, 1. Heft; Magazin f. d. Lit. d. Ausl. Nr. 16. 

238. Hoffmann von Fallersleben , Ruda. Polnische Volkslieder der 

Oberschlesier. gr. 8. (56 S.) Cassel 1865. Frieyschmidt. 12 Ngr. 

VgL Allgemeine Zeitung 1865, Nr. 284; Blfitter fiir literar. UnterhaltuDg Nr. 47; 
Schles. Prov. Bllitter, Nr. 11, und BibUograpHe 1864, Nr. 219. 

239. Rathery, £. J. B., Les chants popnhurea de TAngleterre. 
Revue des deux mondes, 48. Bd., 881—915. 

240. Romains of the early populär poetry of England. CoUected and 

GKSUAHIA XI. 22 



1 

I 



342 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

edited, with introduction and notes, by W. C. Hazlitt. 8. (XIX, 288 S.) London 

1864. J. R. Smith, ö sh. 

Vgl. The Reader 1865, Nr. 110. 

241. Percy, Th., Reliques of ancient English poetr}'. Edited bj R. A. 
Willmott. New edition. 12 (680 S.) 5 sh. 

242. Earlj ballads, illustrative of history, traditions and customs. 
Edited by R. Bell. With illustrations. 8. (VIU, 224 S.) London 1863. 
Griffin. 5 sh. 

243. Ballads and songs of the peasantr}' of England. Edited bj 
R. Bell. New edition. 12. (250 S.) 1 sh. 

244. Hunt, R., Populär romances of the west of England, or the droUs, 
traditions and superstitions of Old Cornwall. 2 Bände. 8. (630 S.) 1865. 16 sh. 

245. Ballads and songs of Lancashire, chieffy older than the 19*" Cen- 
tury. Collected, compiled and edited with notes by John Harland. 12. (281 S). 

1865. 5 sh. 

246. 0*Brien, Arth. W. , The old songs of Ireland : a collection of 
fifty songs and ballads, with the original words and music. 4. 1865. 5 sh. 

247. Street Ballads: populär poetry and household songs of Ireland, 
collected and arranged by Duncathail. 2. edition. 18. (260 S.) 1865. 1 sh. 

248. Die Heldenlieder der Färinger. 

Magazin für die Literatur des Auslandes 1865, S. 505 — 508. Anschließend an 
Willatzen (BibUogr. 1864, Nr. 549). 

249. Winther, Christian, Hundrede ogti danske romanzer. Samlede 
og udgivne. 8. Kopenhagen 1864. Reitzel. 

Vgl. Athenaeum 1864, October. 

250. Rimbault, E. F., Old english carrols, and two hymns suited 
to the merry time of Christmas. 4. 1865. 4 sh. 

251. Old nursery rhymes, with chimes. 4. (39 S.) London 1863. 
Bell a. Daldy. 3^/, sh. 



252. Simson, R«, Über Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten, 
niustrirtes Familienbuch Y, 9, 310. 

253. Ottow, A. M., Der Einfluß der ältesten niederländischen Sprich- 
wörtersammlung auf die älteren deutschen Sprich Wörtersammlungen. 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1865, Sp. II — 18. 

254. Franck, J., Literarische Forschungen. 11. Die Ausgabe der Sprich- 
wörter Agricola's vom Jahre 1548. 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1865, Sp. 388 — 395. 

255. Wand er, K. F. W., Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Ein Haas- 
schatz für das deutsche Volk. 9. — 11. Lieferung, hoch 4. (Sp. 1025 — 1408.) 
Leipzig 1865. Brockhaas, ä % Rthlr. 

Vgl. Magazin für die Literatur des Auslandes 1865, Nr. 43; Kölnische Zeitung, 
Nr. 168. 

256. Schröder, Richard, Deutsche Rechtssprichwörter. 

Zeitschrift für Rechtsgeschichte 5, 28 — 45. Meist Nachträge zu der Sammlang 
von Ghraf und Dietherr (BibUogr. 1863, Nr. 203). 



HIBLI<>GKAl>HlSCnK rBEUSICHT. 34:{ 

2r>7. Barack» K. A., Wenn du su Nürnberg wärcut, »o (;äb* mun 
air <iic Wahr. Sprichwörtliche Redennart im Ki. Jahrhundert. 

Albttin de» literarischfn Vereins In Nürnlierg^ ftir l^(;5, 8. 7(>— H<). 

2r>Ö. Friachbier, U., PreuGische SpriohwÖrtor und volkAthumlichc 
K'd<*ii»artc*u. 2. Auflage. H. Kunigitbcrg Idfif). Nürenberger. 1 Hthlr. 
Vgl. llimere Tage 87; Berlin« ScbuUeituiig l^'Al, hl; Greiuboteii, Nr. 12. 

251». O r d s p r a k t b o k e n, den Hvenska, innelidllunde 31GU Ordsprak. 
H t»H S.) 18t;r). 12 Ngr. 

2()0. Der Deutsche im franiösisohen Sprichwort 
lUufltrirte Zeitung. Nr. 1175. 



261. Simrock, Karl, Da« deutsche Käthselbuch. 2. AoBage. 8 Frank- 
furt a. M. 1SG5. Winter. % Rthlr. 

262. Ehlers, J., SchlesH ig - HoUu>ensch Uiithselbok m. 500 lustige 
Kithftels ole vun anno een an niee. Mit einem Vorwort von Klaus Groth. 12. 
;XI, lOH S.) Kiel 18(;5. Schwer«. 12 Ngr. 

203. Kuhn, A., Zar KäthseU und Sprachvergleichung. 
Zeitschrift für vergleichende Sprarhfor^chung 14, 4r>5-^57. 



264. Volk«bflcher, die deutschen. Gesammelt und in ihrer Ursprung- 

lii-hrn Echtheit wiederhergi-stellt von Karl Simrock. 11. und 12. Band. 8. 

CV, r»44 und III, 486 S.) Frankfurt a. M. 18G5. Winter, k P/j Rthlr. 

Vfrl. Literar. CentralbUdt 1H(;6, Nr. 50. Inhalt, 11: Pontus und Hidoni«, Hersog 
H'-rpin, Ritter üalmy, |2: Thal Josaphat, Hirlanda, Gregurius, Sieben weine Meister, 

265. Volksbücher, deutsche, nach den ältesten Au<%pibi*n hergestellt 
ron Dr. Karl Simrock. 44. 45. Heft. 8. (233 a. 96 8.) Frankfurt a. M. 1866. 
Winter. 12 and 6 Ngr. 

44: Hersog Herpin. 45: Ritter Galmy. 

266. Schönhuth, O. F. H., Flos und Rlankflos. Eine anmuthige und 
rührende Historie. Aof« Neue an*« Licht gentellt für Alt ond Jong. 8. (48 S.) 
Reutlingen 1865. Fleischhauer. 1 Ngr. 

267. Derselbe, Helena, Fürstentochter ao« Konstantinopel. Eine an* 
mutliige und belehrende Historie. 8. (48 S.) Ebend. 1 Ngr. 

Von denselben Verfasser ebend.: Hirlanda (47 H., I NfrT.>; sieben weise Meister 
l'O S., 4 Ngr.); Morioi^er (^4 8 , 1 Ngr); SUufenberg (31 S., 1 Ngr.); der geh<jmU 
^i«gfried (55 8., 1 Ngr.). 



268. B i r I i n g e r , Dr. Anton, L'ber alten Al>ergUaben. 
MOnchener Sonntagsblatt In;5, Nr. 0. 

269. Freand, Leonhard, Zur Geschichte de« AbergUaben« 
Bfemer KonntagsbUtt 18<;5, Nr. 7. 

270. Zar Ge«chicht6 der Chiromaalio. 
Eoropa 18^, Nr. 32. 



344 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

271. Land und Leute. Nr. 20. Wurzelgraben und Rautenholeu. 
Die Gartenlaube 1865, ^t, 31. 

272. Schneider, Oberlieut. C, Der allgemeine und der Krieger- Aber- 
glaube im 16., 17. und 18. Jahrhundert. Eine culturhistorische Skizze aus dem 
deutschen Kriegerleben. Mit 18 Holzschnitten. [Abdruck aus der österr. milit. 
ZeiUchrift.] gr. 8. (33 S.) Wien 1865. Gerold in Comm. Vi R*^^- 

273. Aus dem WiirtembergischenVolksleben. L Der Licht- 
karz in Betzingen. 

Illnstrirte Zeitung, Kr. 1136. 

274. Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern be- 
arbeitet von einem Kreise bayerischer Gelehrter. 3. Bd. Oberfranken, Mittel- 
franken. 2. Abtheilung. Mit einem Trachtenbilde. Lex. 8. (VIII, S. 481 — 1320.) 
München 1865. Liter, artist. Anstalt 27, Rthlr. 

275. Moser, Peter, Allerlei Sprüche und Meinungen. Aus dem Tiroler 
Volksleben gesammelt. 

Bayerische Zeitung 1865, Morgenblatt Nr. 284. 285. 

276. Banmgarten, P. Amand, Aus der volksmäßigen Überlieferung 

der Heimat 8. I. U. Heft (167 und 100 S.) Linz 1864. 

24. Jahresbericht über das Museum Francisco - Carolinum. *WerthyolIe Beitrige 
zur oberösterreichischen Volkskunde.' Germania 10, 105. 

277. Schuller, K. H., Volksthümlicher Brauch und Glaube bei Tod 

und Begräbniss im Siebenbürger Sachsenlande. Ein Beitrag zur Culturgeschichte. 

n. Schässburg 1865. 

Vgl. Bibliographie 1863, Nr. 226; Literar. Centralbl. 1864, Nr. 19 und 1866, 
Nr. 11. Dieser zweite Theil besteht aus drei Abschnitten: ]. Das Begriibniss; 2. ThrSnen- 
brot und Thränenopfer (Leichenmahl): 3. Geistererscheinungen. 

278. Siegmund, Ferdinand, Aus der Heimath. Ernst und Scherz aus 
dem Volksleben der Deutschen in Böhmen. 2. Heft. 8. Reichenberg 1865. 
Schöpfer u. Wäge. Ve ^^^^• 

279. Waldau, Alfred, Die Pflanzen vrelt im böhmischen Volksleben. 
Ein Beitrag zur Symbolik und Mythologie der Pflanzen. 

Magazin für die Literatur des Auslandes 1865, Nr. 2. 3. 10. 

280. Waldau, Alfred, Die Sitte (in Böhmen), Krankheiten aof Baume 
sa überpflanzen. 

Magazin für die Literatur des Auslandes 1865, Nr. 48. 

281. Grohmann, J. V., Uralte Sympathiemittel aus Böhmen. 

Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, 4. Jahrg. 
3. Heft. Prag 1865 (Leipzig, Brockhaus). 8 Ngr. 

282. Hradisch, Job. v., Bilder aus dem Kuhländchen und der mäh- 
rischen Walachei. Mjrthologie, Aberglauben, Gebräuche und sonstige Überlie- 
ferungen. 

Die Biene 1865, Nr. 6. 

288. Hradisch, Job. v., Rhapsodische Skizzen, Schilderungen etc. aus 
dem Kuhländchen und der angrenzenden mährischen Walachei. Alte Sprüche. 
Aus dem 17. Jahrhundert 

Die Biene 1865. Nr. 25. 



BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 345 

284. Hochzeitgebräuche in Schlesien. 
SchloBische Proviniialblfttter 4, 193-196. 

285. Das Jüngstenläuten zu Goldberg. 
Schlesische Provinzialblätter 4, 490—492. 

286. Hildebrandt, Eine Bauernhochzeit im ostpreußischen Oberlande. 
Familien- Journal, Nr. 601. 

287. Hochzeitsgebräuche zu Hintersteinau und Umgegend. Ge- 
schildert von Pfarrer J. Rullmann. 

Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, 10. Band. 
Kassel 1865. 8. 

288. Volksfeste in Thüringen. 
Familien-Journal, Nr. 35 (613). 

289. Hartmann, Hermann, Bilder aus Westfalen. Die Babilonie. 
Bremer Sonntagsblatt 1865, Nr. 35. 

290. Meier, H., Aus dem Volksleben in Ostfriesland. 
Globus von K. Andree, 18. Band. 

291. Dykstra Waling, en T. G. van der Meulen, Friske Winter- 
joune-nocht, foardrachten in Rim en Onrim. Oarde bdck. 8. (XVI, 252 S.) 

Leauerd 1864. Kuipers. f. 1, 25. 

292. Grebel, Fr., Die tanzende Procession, oder die tanzenden Heiligen 
zu Echtemach. 

Hausblfttter 1865. 

293. Leechdoms, Wortcunning and starcraft of early England, gr. 8. 
1865. 10 sh. 

294. Williams, H., The superstitions of witchkraft. 8. (310 S.) London 
1865. 7 sh. 6 d. 

295. Das Cr ick et und andere Ballspiele. Ein Beitrag zur Geschichte 
der englischen Volksspiele. 

Morgenblatt 1865, Nr. 31 ff. 

296. Fish er, Anth. L. , The game of Pallone, from its origin to the 

present day, historicaUy considered. With illustrations. gr. 8. 3 sh. 6 d. 

Pallone ist ein Spiel mit einem großen spitxigen Balle, welches früher in Eng- 
land wohlbekannt war und in Italien noch heut gespielt wird. 

297. Hörmann, L. v., Die Klöpfelsnächte. Kulturhistorische Skizze. 
Mänchener Sonntagsblatt 1865, Nr. 51. 

298. Birlinger, Anton, Das altaugsburgische Festjahr. I. Der Wasser- 
▼ogel. n. Im Monat Januar. 

Bayerische Zeitung 1865, Morgenblatt Nr. 188. 206. 

299. Helfferich, Adolf, Das Dreikönigsfest. 
Dlustrirte Zeitung, Nr. 1124. 

300. Das Eierschieben in Bautzen am ersten Osterfeiertag. 
Blustrirte Zeitung, Nr. 1141. 

301. Sntermeister, Otto, Emtesitten in der Schweiz« 
Die Grenzboten 1865, Nr. 41, S. 591 ff« 



346 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

302. Preis, J., Oberscblesische Sitten und Gebräuche zur Saatzeit, bei 
der Ernte, bei Erntefesten und andern Grelegenheiten des Jahres. 

Schlesische ProvinzialbUtter 4, 129—135. 

303. Schönwälder, E., Emtesitten in Schlesien. 
Schlesische Provinzialbl&tter 1864, 12. Heft. 

304. Das Sommertagsfest in der Pfalz. Von R. D. 
Elostrirte Zeitung, Nr. 1134. 

305. Asmus, Heinrich, Der Martensmann. Culturgeschichtliche Skizze. 
Bremer Sonntagsblatt 1865, Nr. 23. 

306. Mannhardt, Wilhelm, Weihnachtsblüthen in Sitte und Sage. 16. 
(VI, 180 S.) Berlin 1864. Duncker. Vo Rthlr. 

Vgl. Hauck, Jahresbericht I, S. 75. 

307. Beta, H., Zum heiligen Christ Die Zwölften. 
Magazin für die Literatur des Auslandes 1865, Nr. 52. 

308. Weihnachten in Schleswig-Holstein. 
Grenzboten 1865, Nr. 51. 

309. Fraw Herae de vlugbet. Weihnachtsbräuche. 
Über Land und Meer 1865, Nr. 12. 

310. Das Fi z ein. Brauch am 28. December. 
Über Land und Meer 1865, Nr. 14. 



311. Das Passion 8 spiel in Vorderthiersee. 
Münchener Sonntagsblatt 1865, Nr. 20, Beilage. 

312. Das Spiel des Wasservogels. Ein kleiner Beitrag zur Greschichte 
der Bauernkomödie in Oberbajern. 

Bayerische Zeitung 1865, Nr. 32, Morgenblatt. 

313. Noch ein Weihnachtsspiel (Herodesspiel) aus dem Eulengebirge. 
Mitgetheilt von F. Zeh. 

Schlesische Proyinzialblfitter 4, 745—748. 

314. Klopfleisch, Fr., Das Weihnachtsspiel zu Groß-Löbischau bei Jena. 

Zeitschrift des Vereins für thüring. Geschichte und Alterthumskunde , 6. Band. 
Jena 1865. 8. 

315. Grebel, Fr., Die geistlichen Spiele in den Rheinlanden. 
Hausblfitter 1865, 9. Heft, S. 235. 

X. Alterthümer und Kulturgeschichte. 

316. Pfahler, Georg, Handbuch deutscher Alterthümer. 2. Lieferung, 
gr. 8. (Vm, und S. 465—777). Frankfurt a. M. 1865. Winter. iVs Rthlr. 

Vgl. Allgem. Lit Zeitung 1866, Nr. 13. 

317. Sacken, Ed. Freiherr v., Leitfaden zur Runde des heidnischen 
Alterthums mit Beziehung auf die österreichischen Länder. Mit 84 in den 
Text gedruckten Holzschnitten. 8. (VII, 224 S.) Wien 1865. Braumüller. 1% Rthlr. 



BIBLIOQKAPHISCHR ÜBER8ICIIT. 347 

Vjfl. öairiTPich. Wachenncbrifl l«i;5. Nr. 14; Hpi<l«Ihor<rer Jahrbücher, Nr. 57; 
llelfrrt, MiUhi*ilun|^u, Nr. 5. (>; Wiener namiiimat. MonaUhefto I, 1. 

SIH. IlaGIor, C'hcr die rfalillmuten. 

l><*aUche Viert4»lJAhrs-8chrift 1H<;5. Nr. Hr\ h S. 55-SI. 

319. Hocker, Nie, Tbcr den Zweck der Pfahlhaatcn. 
Illustrirte ZeitiiD^, Nr. 1140. 

320. Keller, Ferdinand, Die keltiBchcn Pfahlhanten in den Schweizer- 
•ern ^schrieben. 2. anvcninderte Auflage, gr. 4. (.'US. mit 5 Stein tafeln.) 
/Onch 1H6.'>. Höhr in Comm. 1 Rthlr. 9V4 Xgr* 

Mitthoilunj^n der antiquariAchcn GotelUchaft in Zürich, 9. Band. 2. AbUictIung. 

321. Lisch, Arclüv-lt Dr. G. C. Fr., rfahlbauten in MeklenburK. Mit 

40 in den Text gedruckten Holzschnitten und 4 Steindmcktafeln. [Aus den 

Jahrbil ehern de« Vereins für meklenburg. (tcscliichte und Alterthuinskunde.J 

gr. H. (HI, 128 S.) Schwerin 1K(;5. Stiller in Comm. I lUhlr. 

Die Vorjh»ichun(f der KnUlerkunjfcn in den Srhwoizcr^oen mit denen in Nord- 
df^alAchland, namentlich in Meklenbiiri;. führt tu dorn Kc<«ulLiito, daf) die (torithe in den 
mr^klrnhurf^i^rhen PfahUmuten an MaWrial und Form mit df^n in den (lrib<>rn gefun- 
d^nen übereinntimmon , abrr abweichen ron den Schweizer I'fahlliauten. wKhrend alle 
SA<'hen, die in den Gr&bem sich nicht Anden, in Nord und Siid überrinttimmen. Vgl. 
Kiterar. Ceiitralbl. |Ht>5, Nr. 41>; Aniei;;er für Kunde der deutschen Vorxeil, Nr. !l. 

.322. Wibel, F., Die ('nitur der HronzeZeit Nord- und Mittel- Kuropa's. 

<*h<'Tnisch-antiqnarische Studien Ober unsere Torgenchichtliche Vergangenheit. 

in*. H. (116 S. mit 5 Tab. in Pol.) Kiel IHf,:). Akadem. Buchhandlung in 

Comm. 24 Ngr. 

2(). Bericht der 8chle<iwig-HoUt. I^uenburg. Gesellschaft ftir die Sammlung and 
Ohaltuug vaterländischer All«rthiimer. 

323. Wein hold, Prof. Dr. Karl, Mittheilungen zur Altert humtkunde 
der Herzogthümer Schleswig, Holstein nnd Lauenburg. gr. 8. iG2 S. mit einer 
St^inzeichnung in qu. 4.) Kiel lSt;5. Akadem. Buchhandlung im (*omm. 

24. Bericht dersoU>en GcurlUchaft. Inhalt: Die Kititheilung der llridengräb^r. 

324. Trimpe, G. , Hünenbetten und Todtenumen der alten Germanen. 
Aus der Ilcimath l»*<i:», Nr. 17. 

325. Sacken, Dr. Kd. Freiherr t. , Die Funde an der langen Wand 
bei Wiener-N«*ur»tadt. Mit 15 Holiitchnttten. [Aus dem 49. Bande der Sitzungs- 
berichte der k. k. Akademie der WisHcnschaft«*n.j gr. H. (t?K S.j Wien lHiJ5, 
(terold in Comm. 6 Ngr. 

Behandelt ßronK«>a)trrt!)ünif*r. die man bitih^r mei«t für r«*'nii«che hielt, und stellt 
den Sats auf. dali der (»er rauch df*4 Krze« eine l>e«t)inmte <\tltiircp«>che vieUr Völker 
bezeichne. Vgl. Lit<*rar. IVntralbL |h»;5, Nr. 41». 

32B. Jäkel, F. W., Kingwälle, Stein wUlle nnd Heiden- Kirch hiife, l>e«on> 
den in .Schlesien. L Kingwalle oder Schwe<lenschanzen. H. Heidenkirchhofe und 
Stcinwälle. Mit Holznchnitten. 

Schle«ische Provin«ialbUtter 4, f>o-7:); \X, -1%». 

327. Worsaae. J. J. A., Om Slecvi^'s « "*-r SönderjvIUnda Oltida 
mindesmaerker. £n sauimeulignende UndersogcUe. 4. (104 S i lh»i5. 1 Rthlr. 

Mit AliMldtingen. 

328. Grewingk, C, Das Steinalter der Ostsceprovinien Liv-, Est- und 




348 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

Kurland und einiger aogrensender Landstriche, gr. 8. (UI, 119 S., mit 3 Holz- 
BchnitttafelD.) Dorpat 1865. Gläser. 20 Ngr. 

Vgl. LIterw. Cenlralbl. 1865, Hr. 41. 

329. Hahnel, Dr. Paul, Die Bedeutung der Baatamer für das ger- 
manische Alterthnm. gr S. (63 S.) Dresden 1865. Naumann in Comm. '/^ Rthlr. 

Der Verf. betrachtet die Bastamer aU Kelten, welche sich allmllicb gennanisier- 
ten. Vgl Liter. Centralbl. 1866, Nr 13. 

830. Thaler, Jo»., Die Genaunen. Deren Wohnsitz und Abetammnng. 

Archiv für Qeachichte nnd Alterthnmahnnde Tirols, 2. Jahrgang, 2. Heft. 

331. Quitzmann, A-, Die älteste Rechts Verfassung der Baiwureu. Ab 
foctischer Beweis für die Abstammung des haierischen Tolksstammes. 8. (VIII, 
419 8.) Nürnberg 1865. Stein. 2'/, Rthlr. 

Vgl. Heidelberger Jahrbücher 1865, Nr. 60; 81. Gall. BlKtt. 1866, Nr. 14. 

332. LjBona, Bev. Sam., Our British ancestors, who and what were 
they? an enquiry serving to elncidate the traditioaal history of the early Brilons 
hj means of recent eicarations, etymology, remnants of religious wordtip, in- 
Bcriptions, craoiology and fragmeotarj' collateral bistory. 8. (550 S.) 1865. 12 ah. 

333. Andree, K., Keltenthum und Oermanenthum in Schottland. I. II. 
• Der Globus von K. Andree, 7. Band. 

334. Nilsaoni S., Skandinaviaka nordena nr- invänare, ett fdrsök ■ com- 
parative etnograüen och ett bidrag til menntskoelägteta utrecklings hiatoria. 
Andra upplagan. Bronaaldern IIL 4. Stockholm 1864 (S. 103—144); dazu: 
TillSg (3. 145— 1T2). Dieser Nachtrag in deutscher Bearbeitnng: 

336. Nilsson, S,, Die Ureinwohner des scandinavjschen Nordena. Ein 
Versuch in der compaiatiren Ethnographie und ein Beitrag lur Entwickliings- 
geachichte des Menschengeschlechtes. Aue dem Schwediechen überaetcL I. Das 
Bionzealter. Nachtrag. Hit 13 Abbildungen, gr. 8. (Vni, 64 S.) Hamborg 1866. 
Meiaaner. 12 Ngr. (Das Ganze 1 Rthlr. 22 Ngr.) 

Vgl. Literar. Centrslbl. 1864, Nr. 12; 1865, Nr. 40; BIktter für liter. Unterh. 
1864, Nr. 23; Allgem Lit Zeitung, Nr. 24; Oötting. Oel. Ani. 1866, 8. 961—984 
(Petersen); Hiator. Zeitschrift 14, 191. 

336. Riese, Alex., Die urspriingliche Bestimmung der Germania de* 
Tadtus. 

Eos, süddentsche Zeitschrift für Philologie, 2. Jahrgang, 2. Heft. 

337. Sitter, F., Bemerkungen zu Tacitns (Germania). 
BheiDlsohes Museum fdr Philologie 20, 195—208. 

338. RSsIer, E. R., Über die Namen der Wochentage, gr. 8. (36 S.) 
Wien 1865, Brnumfiller. Vs R''»''^- 

1. Jahreebericht des Leopoldstadt. Communal-Realgymnasinma in Wien 166G, 
S, 3T~T0. Vgl. Österreichische Wochenachrift 1865, Nr. 51. 

33!). Gachet, Em., Recherchea anr les noma dea moia et les grandes 
f6tos chrfttiennes, 8. (170 S.) Brüssel 1866. t. Trigt. 1 Rthlr. 

340. Eyo, A. T., und Jac. Falke, Kunst nnd Leben der Voiseit tod 
11 dcB Mittühilters bis zu Anfang des 19. Jahrhnndera in Skizien nnd 
'""^eukuiätein. 2. nach chronologischer Reihenfolge lusammengestellte Aui- 



\ 



BIBLIOGRAPHISCHE OBERSICHT. 349 

gäbe in 3 Bänden. 3. Band. 6. (Schluß-) Heft. gr. 4. (16 Taf. und 16 BL 
Text.) Nürnberg 1865. Bauer a. Raspe» 1 Rthlr. 

341. Hansbuch, mittelalterliches, Bilderhandschrift des 15. Jahrhun- 
derts mit vollständigem Text und facsimilirten Abbildungen. Herausgegeben vom 
german. Museum. Fol. Mit 28 Knpfertafeln. Leipzig 1865. Brockhaus« 12 Rthlr. 

Vgl. y. Perger, Mittheilangen 3. 4; Allgem. Zeltung 1866, Nr. 126, Beilage; 
Anseiger für Kunde der deutschen Yorseit, Nr. 3. 

342. Retberg, R. ▼. , Kulturgeschichtliche Briefe [über ein mittelalter- 
liches Hausbuch des 15. Jahrhunderts aus der fürstlich Waldburg- Wolfeggischen 
Sammlung] nebst Anhang [Auszug aus Grünenberg's Wappenbuche]. 8. (IV, 
340 S.) Leipzig 1865. R. Weigel. l7e Rthlr. 

Vgl, Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1866, Nr. 3. 

343. Baader, J., Alte Leichenordnungen. 
Münchener Sonntagsblatt 1865, Nr. 31. 

344. Mone, Vermögen und Verbrauch der Privatleute vom 14. — 17. Jahr- 
hundert in der Schweiz, Elsaß, Baden und Wirtenberg. 

Zeitschrift für die Oeschichte des Oberrheins, 19. Band, 1. Heft. 

345. Mone, Über das Kriegswesen vom 13. bis 17. Jahrhundert in Baden, 
Bayern, Ebaß, Schweiz, Vorarlberg, Hessen und Rheinpreußen. 

Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 18. Rand, 1. Heft (Schluß). 

346. Hanauer, Tabb^, Les pajsans de TAlsace au moyen ftge. Etudes 

sur les cours coloogöres de TAlsace. gr. 8. (XVI, 351 S.) Strasbourg 1865. 

347. Haßler, Jüdische Alterthümer aus dem Mittelalter in Ulm. 

Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm, 16. Veröffent- 
lichung. Uhn 1865. 4. 

348. G er lach, H., Die deutschen Städtewahrzeichen und die Wahrzeichen 
der Stadt Freiberg insbesondere. 

Mittheilungen des Freiberger Alterthumsvereins 1864. 

349. Meitzen, A., Über die Culturzustände der Slaven in Schlesien 

vor der deutschen Colonisation. 

Abhandlungen der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Gultnr, philos. 
histor. Abtheil. 1864, 2. Heft. 

350. Mährens Culturzustände zur Zeit der sächsischen, fränkischen und 
schwäbischen Kaiser. 

Österreichische Wochenschrift 1865, Nr. 32. 

351. Hermans, Dr. C. R., Nordbrabants oudheden. Met platen. (20, 
160 S.) gr. 8. Mit 31 Lithographien. *s Hertogenbosch 1865. 

352. Keller, Jr., Neerlands oudheden. Le moyen äge et la renaissance 
dans les Pays-Bas. Choiz d'objets remarquables du 12. au 17. siöcle. 1. — 3. 
Livr. gr. 4. La Haye 1864 — 65. & 2 fl. 

Vollständig in 25 Lieferungen. 

353. Beschrijving van de voorwerpen van Germaanschen, G^rmaansch- 
Celtischen en Romeinschen oorsprong en van lateren tijd, uitmakende de ge- 
meente verzameling te Nijmegen, door de Commissie tot bewaring van voor- 
werpen van geschiedenis en kunst J. V. W. Krul van Stompwijk en Dr. J. H. 
Scheers. 8. Nijmegen 1864. Vieweg. 



350 BIBUOGBAPHISCnE ÜBERSICHT. 

354. Geffroy, A., Des institutions et des moeurs du paganisme scan- 
dinave. L'Islande avant le christianisme, d'apr^ les Gragas et les Sagas. Eztrait 
des mdmoires pr^ent^s par divers savants k racad<$mie des inscriptions. I" s^rie. 
Tome 6. 4. (118 S.) Paris 1864. 

355. Seh ramm , Hugo, Die alten Isländer. Eine culturgeschichtliche Skizse. 
lUastirteB Familienbuch 1865, 10. Heft, S. 344. 

356. Guys, H., Dissertation sur Torigine de la chevalerie et T^tymologie 
de ce nom. 8. (15 S.) Marseille 1865. 

357. Hildebrand, Rudolf, Beiträge zur Sittengeschichte des Mittelalters, 
aus der Sprache gewonnen. 

Pfeiffer's Germania 10, 129—145. 

358. Scherr, Johannes, Geschichte der deutschen Frauenwelt. In drei 
Büchern nach den Quellen. 2 Bünde, 2. verm. Auflage. 8. (643 S.) Leipzig 
1865. Wigand. 3 Rthlr. 

Vgl. Europa 1865, Nr. 21. 

359. Kaiser, W., Die Namen der Frau bei den Germanen. 

Magazin für die Literatur des Auslandes 1865, S. 367 — 369. Angelehnt an 
an Verwijs, Bibliogr. 1864. Nr. 73'. 

360. Phillips^ Hofrath, Samson von Tottington, Abt von St. Edmund. 
Ein Beitrag zur Geschichte des Klosterlcbens im Mittelalter. [Aus den Sitzungs- 
berichten 1864 der k. Akad. d. Wiss.] Lex. 8. (106 S.) Wien 1864. Gerold 
in Comm. 16 Ngr. 

361. Schumacher, H. A., Bremens Schützenwesen in alter Zeit. 
Bremer Sonntagsblatt 1865, Nr. 29 ff. 

362. Fürstlicher Aufwand im Mittelalter. 
Bayerische Zeitung 1.^65, Morgenblatt Nr. 132. 

363. Narren feste im Mittelalter. 
Die Biene 1865, Nr. 2. 

364. Czerwinski, Alb., Zur Kulturgeschichte der Tanzkunst. 
Westermann^s iUustrirte Monatshefte, Nr. 103, S. 100. 

365. Mayer, Anton, Der Schäfflertanz und der Metzgersprung. Versuch 
einer historischen Beleuchtung dieser Münchener Wahrzeichen. 

Munchener Sonntagsblatt 1865, Nr. 10. 

366. Der Schaf flertanz in München. 
IUustrirte Zeitung, Nr. 1130. 

367« Regnet, Der Metzgersprung in München. 
Über Land und Meer 1865, Nr. 23. 



368. Schwicker, J. H., Heilkunde im Mittelalter. 
Westermann^s iUustrirte Monatshefte, Nr. 5, S. 521. 

369. Stricker, W. F. C. , Beiträge zur ärztlichen Culturgeschichte. 
Fremdes und Eigenes gesammelt und herausgegeben, gr. 8. (V, 164 S.) Frank- 
furt a. M. 1865. Anffarth. 24 Ngr. 

370. Hecker, J. F. C, Die großen Volkskrankheiten des Mittelalten- 



BIBLIOGOAPUISCHE ÜBEB8ICHT. 35 1 

HUtoriBcbpathoIogiNcbc Untersuchungen Geaaromclt und in erweiterter Bear- 
beituDg heraosgogeben von Prof. Dr. Aug. Hirsch, gr. 8. (VIU, 432 S.) Berlin 
1H65. Enslin. 2V9 Rthlr. 

Vgl Göschen, Kritische BlStter 18(>b\ Nr. 1. 

371. Die Tanxwuth im Mittelalter. 
FamilirnJoiumal 18t>5, Nr. 47. 

372. Der tcbwarxe Tod and die Gcisselfahrt. 
Münchener SonnUgsblatt 18« J5, Nr. 41. 

373. Die Pflege der Aussättigen im Mittelalter. 
Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg lH<i5. Nr. 48 fg. 

374. Friedberg, Hermann, Die Lehre Ton den venerischen Krankheiten 
in dem Alterthnme und Mittelalter. Klinisch und geschichtlich dargrstrllt. gr. 8. 
(XIII, 170 S.) Berlin 1865. Liebrecht. 1 Rthlr. 



375. Die alte Hofburg in München. 
Der Heimgarten 18<>5, Nr. 34. 

376. Mithoff, MittoUtlterliche Häuser und Burgen in England. 

SMtschrift des Architekten- und Ingenieur* Vereins fiir das Königrrich Hannover, 
10. Band (1864). 

377. Heyne, Moritx, Das woatfiUische Bauernhaus ein altdeutsches 
Stallgebftade. 

Pfeiffer*s Germania 10, 1)5—100. 

378. Httbbe, Dr. W. , Einige Mittbeilungen Ober Cultorverhältnisse, 

Sitten and Gebräuche im Landgebiete der Stadt Hamburg. 

ZeiUchrift des Vereins Hir bamburgische Geschichte. 2. Band. 3. Heft MKtM). 
8. 4:^1 47<i. Mit einer Karte und Figurentafel, auf letsterer ein 'aluächsisches Bauern* 
haos* im Grandriss. 

379. Hamm, Wilh., Die Bauernhäuser in Schleswig- Holstein. 
Westermann's illojitrirte Monatshefte, Nr. 12 (lOH). 

380. Falke, Jacob, Mittelalterliche Muster sar V^enierang größerer 
ebener Flachen. 

Gewerbehalle 18G5, Nr. 9. 

381. Hohe, C, Einige Andeutungen über die Technik der alten Decken 

vad Wandgemälde tu Brauweiler. 

Jahrbücher des Vereins von Alterthnmsfreunden im Hheinland (3*)). 18. Jahrg. 
8. 109-114. 

382. Schauen barg, P. R. de, La peinture de verre. I^iectarr faite le 
20. janvier I8^>5, k la prefecture du Bas-Khin ;Socirt<^ litt«Taire de Strmsboarg; 
gr. 8. (24 S.) Strasbourg XW^k 

Vgl Literar Centralbl. |8*ni. Nr. 35. 

383. Bergan, R., Über das Alter der BeischUge in Daniig (snr Haaa- 
architektonik). 

Danaiger Zeitung 1805, Nr. 3112 und 3214. 



352 BIBLIOGBAPfflSCHE ÜBERSICHT. 

384. Hradisch, Joh. y., Häuseraufschrifteu aus dem Kuhländchen. 
Die Biene 1865, Nr. 26 ff. Beilage. 

385. Gerlach, H., Eine räthselhafte Glockeninschrift. 
Mittheilangen des Freiberger Alterthumsyereins 1864. 

386. Der Dom des heiligen Gral. 
Evangel. Kirchen-Zeitang 1865, November. 



387. Gezähmte Thiere im Mittelalter. 
Europa 1865, Nr. 12, S. 383. 



388. Mascher, H. A. , Das deutsche Gewerbewesen von der frühesten 
Zeit bis auf die Gegenwart. Nach Geschichte, Recht, Nationalökonomie und 
Statistik, gr. 8. (XXIV, 797 S.) Potsdam 1866. Döring. 5 Rthhr. 

389. Stahl, Ludwig, Zur Geschichte des deutschen Handwerks. I. II. 
Westermann^s illustrirte Monatshefte 1865, December und 1866, Januar. 

390. Silber seh lag. Karl, Der Betrieb des Handels und die Sitten des 
Handelsstandes bei den Deutschen im Aiterthum und in der ersten Hälfte des 
Mittelalters. 

Deutsche Gemeinde-Zeitung 1865, Nr. 3 und 4. 

391. Märkte und Messen im mittelalterlichen Deutschland. 
Grenzboten 1865, Nr. 32. 

392. Zunftbrief der Kölner Gilde der Maler, Glaswörter und Bilder- 
schnitzler, von Dr. Ennen. 

Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, 16. Heft, Köhi 1865. 

393. Ordonnance de Guillaome I comte de Hainaut, concemant les 

drapiers et foulons de la ville d'Ath (1328). 

Compte lendu dos sdances de la commission royale d^histoire, 3. serie, Tome 6. 
äruxelles 1864. 8. 

394. Handelmann, H., Sera der Maler, Goldschmiede, Glaser und 

Schnitker (Tischler) zu Flensburg im Jahre 1467. 

Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig-Holstein und Lauen- 
burg, Bd. Vn, Kiel 1864. 8. 

395. Hefner-Alteneck, J. H. v. , Eisenwerke und Ornamentik der 
Schmiedekunst des Mittelalters und der Renaissance. 7. — 11. Lieferung. Fol. 
(k 6 Kupfertafeln und 2 S. Text.) Frankfurt a. M. 1864. Keller, k 1 Rthb:. 

396. Brücke, £., Die Goldfäden der mittelalterlichen Brocatweber und 
Bildsticker. 

ÖBterr. Wochenschrift 1865, Nr. 17. 

397. Siegel des Mittelalters aus den Archiven der Stadt Lübeck. 7. Heft, 
gr. 4. Lübeck 1865. v. Rohden in Comm. 24 Ngr. 



BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 353 

398. Kretschmer, Alb., und C. Rohrbach, Die Trachten der Völker 
vom Beginn der Geschichte bis zum 19. Jahrhundert. 20. (Schluß-) Lieferung. 
Imp. 4. (Xn S. und S. 309—343.) Leipzig 1864. Bach. 2% Rthlr. 

399. Birlinger, A., Etwas über die Kleidung der alten Deutschen. 
Münchener SonntagsblaU 1865, Nr. 39. 

400. Aus einem alten Nürnberger Trachtenbuche. 
Münchener Sonntagsblatt 1865, Nr. 26. 

401. Personalbeschreibung eines Ritters des 14. Jahrhunderts. 
Bayerische Zeitung 1865, Nr. 165, Morgenblatt. 

402. Hefner-Alteneck, J. H. v., Über die Entwicklung der Helm- 

fbrmeu von der karolingischen Zeit bis ins 17. Jahrhundert. 

Sitsungsberichte der k. bayer. Akademie der Wissenschaften 1860, I, 3. Nur 
ein Auszug von einer halben Seite. 

403. £(ye), v., Über den Gebrauch der Helmkleinode im Felde. 
Anzeiger fbr Kunde der dentschen Vorzeit 1865, Nr. 7, Sp. 267—271. 

404. Käntzeler, P. St., Die Legende Dein eyn an dem Karlshorne 
zu Aachen. 

Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande 38, 123 — 130. 

XI. Kunst. 

405. Lübke, Prof. Dr. Wilh., Grundriß der Kunstgeschichte. 3. durch- 
gesehene Auflage. Mit ca. 400 Holzschnitten. (In 2 Abtheilungen.) 1. Abthei- 
lung- gr. 8. (376 S.) Stuttgart 1865. Ebner u. Seubert. 1% Rthlr. 

406. Förster, Ernst, Denkmale deutscher Baukunst, Bildnerei und Ma- 
lerei von Einführung des Christen thums bis auf die neueste Zeit. 223. — 240. 
Lief. Imp. 4. (36 Stahlst, und 84 S. Text). Leipzig 1865. T. 0. Weigel. k Vs^^^lr- 

407. Lübke, Prof. Dr. Wilh., Geschichte der Architektur von den 
ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. 3. Auflage. Mit 583 (eingedr.) Holz- 
schnitten, gr. 8. (XVI, 780 S.) Leipzig 1865. Seemann. 6 Rthlr. 

408. Lübke, Prof. Dr. Wilh., Abriß der Geschichte der Baukunst Mit 
238 (eingedr.) Holzschnitten. 2. (Titel-) Auflage. 8. (VIII, 260 S.) Leipzig 
(1861) 1866. Seemann. IV3 Rthlr. 

409. Baudenkmäler, mittelalterliche, in Kurhessen. Herausgegeben von 
dem Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. 3. Lieferung. Fol. 
(S. 15 — 34 mit eingedr. Holzschn. und Steintafeln.) Kassel 1865. Freyschmidt 
in Comm. 2 Vi Rthh*. 

410. Baudenkmäler, die mittelalterlichen, Niedersachsens. Heraus- 
gegeben von dem Architekten- und Ingenieur - Verein für das Königreich Han- 
nover. 9. und 10. Heft (1. Band, S. 253 — 303 mit eingedr. Holzschn. und 
17 Steintafeln.) Hannover 1864 — 65. Schmort u. v. Seefeld. 3 RthLr. 

411. Kunstschätze, die, des Museums in Basel. Photographien nach 
den Originalen herausgegeben von dem Vorstande der Kunstsammlung des Mu- 
seums. 1. und 2. Lieferung, gr. Fol. (ä 5 Bl.) Basel 1865. Georg, k 6% Rthlr. 

412. Album mittelalterlicher Kunstwerke aus Tirol, den deutschen Kunst- 
vereinen gewidmet vom christlichen Kunstvereine in Bozen. 1. Lieferung. Imp. 
Fol. (5 Steindrucktafeln und 1 Bl. Text) Bozen 1865. Promperger. iVa Rthlr. 



354 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

413. Höfling, B., und Prof. Dr. Merkel, Initialen des Mittelalters. 
Eine Sammlung von Mustern verschiedener Stylarten aus den Bibliotheken zu 
Fulda, Bonn, Paderborn, Kloster- Altenburg, Düsseldorf, aus Privatsammlun^en 
zu Cöln und andern vorzüglichen Quellen. (In 6 Heften.) 1. Heft. FoL (5 Stein- 
tafeln.) Düsseldorf 1865. Spaarmann. V2 Rthlr. 

414. Scheufelein, H. , La danse des noces. Reproduit par J. Schratt 
et publice par E. Tross avec une notice biographique sur H. Scheufelein par 
A. Andresen. Fol. (21 Tafeln und 9 S. Text). Leipzig 1865. R. WeigeL 12 V, Rthlr. 

415. Milde, C. J., Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck. Mit 
erläuterndem Text von W. Mantels, qu. Fol. Lübeck 1865. Dittmer. 5 Rthlr. 

Xn. Rechtsgeschichte und Rechtsalterthümer. 

416. Waitz, Georg, Deutsche Verfassungsgeschichte. 1. Band, 2. neu 

bearbeitete Auflage, gr. 8. (XIV, 496 S.) Kiel 1865. Homann. S'/a Rthlr. 

Vgl. Gott. Gel. Anzeigen 1865, S. 1707-15 (Waitz); Liter. Centralbl. 1866, Nr. 10; 
AUgem. Llt. Zeit., Nr. 16. 

417. Waitz, Georg, Die Anfänge des Lehnwesens. 

Historische Zeitschrift, 7. Jahrgang, 1. Heft. Gegen P. Roth (Bibliogr. 1863, 
Nr. 316) gerichtet. 

418. Brau mann, G., De lendibus in regno Merowingorum. Dissertatio 
inauguralis. 8. (53 S.) Berlin 1865. Calvary in Comm. V, Rthlr. 

419. Stobbe, Otto, Beiträge zur Geschichte des deutschen Rechts, gr. 8. 

(III, 187 S.) Braunschweig 1865. Schwetschke. 27 Ngr. 

Enthält: I. Über die Aufhebung der väterlichen Gewalt im Mittelalter. 2. Über 
Leibrentenvertrftge. 3. Erbfolgeordnung nach den Magdeburger Schöffensprüchen. 4. Zar 
Lehre von den Verwendungen auf eine fremde Sache und dem Erwerbe der Früchte. 
Vgl. Literar. Centralbl. 1865, Nr. 42 (Laband); Bekker und Pözl, Vierteljahrsschrift 
1866, 1. Heft; Haymerl, Vierteljahrsschrift 17, 1. 

420. Bö h lau, Dr. Hugo, Die Entwickelung des Begriffes der Freiheit 
im deutschen Rechte. Ein Vortrag. 16. (58 S.) Rostock 1865. Stiller. 8 Ngr. 

421. Pfalz, Dr. F., Die germanischen Ordalien. 8. (48 S.) 
Osterprogramm der Leipziger Realschule 1865. Vgl. Literar. Centralbl. 1866, Nr. 3* 

422. Friedberg, E., Das Recht der Eheschließung in seiner geschicht- 
lichen Entwicklung, gr. 8. (XII, 827 S.) Leipzig 1865. Tauchnitz 4V, Rthlr. 

Vgl. Literar. Centralbl. 1866, Nr. 4, Sp. 87-89; Reusch, theoL Literatnrhl. 8. 

423. Mone, Beiträge zur Geschichte des Eherechts vom 13. — 15. Jahrh. 
in Bayern, Hessen, Baden, Elsaß und der Schweiz. 

Zeitschrift fQr die Geschichte des Oberrheins, von Mone, 19. Band, 1. Heft. 

424. Sandhaas, Prof. Dr. Georg, Fränkisches eheliches Güterrecht 
gr. 8. (Xn, 808 S.) Gießen 1866. Ricker. 4 Rthb. 

425. Rive, Prof. Dr. Friedrich, Geschichte der deutschen Vormund- 
schaft. 2. Band, 1. Abtheilnng. A. u. d. T.: Die Vormundschaft im deutschen 
Recht des Mittelalters. 1. Abtheilung, gr. 8. (XVIU, 202 S.) Braunscbweig 
1866. Schwetschke. 1 RthLr. 6 Ngr. 

Der erste Band erschien im Jahre 1861. 



BIBLIOORAPniSCHE ITBERSICHT. 355 

426. Stobbe, Otto, Miteigenthum and gesaminte Hand. 
Zrttvchrift far Re<hlA;:P!*chicbt« 4, 207— 24H, 

427. Neumann, Max, OcBchichte dos Wuchers in Dt'uUchland hi« zur 

B^'fn^^Q'iff i'cf heutigen Zinsgt'setze (l(>r>4). Aus haii(]Hrhriftlif*h<*n und ge- 

lirucklen Quellen dargestellt. 8. (68H S.) Halle \SCi'}. Huchh. d. Waisenh. 

Vgl Literar. Centralbl. IH<>5, Nr. 51; Zoit«(chrift fOr da« gcftiininitf» IIaiii1<>Ur4'rht 
Vlll. 2—4 (Laband); AnxeigiT für Kunde der doatschcn Vor/fit ]^'•.^ Nr. lo. 

4*JH. Neumann, Dr. Max, («eschichte des Wuchers in Deutschland bis 
lum Jahre 1G54. 

Zeitschrift für KecbtH^csohichte« 5. Band, 1. bis 3. Heft. 

429. Post, Dr. A. H. , Über Heergcwette und Niftelgerade nach Bre- 
mi^rhem Rechte. Nebst Urkunden- Anhang. 

Bremisches Jahrbuch, 2. Band, I. Heft (]8(;:i). 

4«)0. Paoli, Dr. Carl Wilh., Abhandlungen aus dem Lübischen R«*ehte. 
<;rMGtentheila aus ungedruckten Quellen 4. Theil. A. u. d. T. : Die s. g. Wie- 
iMdiUrenten oder die Rentenkäufe des Lübischen Rechts, gr. H. (VI, .*U9 S.) 
LüU^ck IHr>ri. V. Rohden. 1 V, RUilr. 

431. Toppen, Max, Mittheilungen zur preußischen Rechtsgesehichtc. 
AltpreuOiscbe MonatsNchrift IHtri, Juli — September 

432. RiTe, Zur nordischen Rechtsgeschichte. 

V|f1. Bekker, Kriti»che Vierteljahrs^ chrifl 7, .Vi— 75. Anknöpfend an K. Maurrr*s 
Artikel Graagaaa in Kmch und Gruber's Kncyclop&die. 

433. Maurer, K., Ibhindisches Kirchenrecht 

Vjcl. B^kker, Kritinolie Viert«»! i*hr«nrbrift, 7. Jah'^an^, 2.-4. Heft. AiiknOpfeiid 
an Isleaakur Kirkjumjettur saminn ajf Joni Fjetursnjrni, Reykjavik IS^ri (IV, 2«M> S. H.), 

433. Menzel, Pmf. August, Hienenwirthsehaft und Bienenrecht des 
Mittelalters. Ein Bt'itrag zur germanischen Kulturgeschichte und Rechtskunde. 
H. 4H S.) Nördlingen 1805. Beck. V« Rthlr. 

435. Haas, Dr. Carl, Die Ilexenprocesse. Kin cultur-hi^tort^cher V'ersnch 
ueUt Dokumenten. 8. (VHI, 120 8.) Tübingen I8r>r>. Laupp. 12 Ngr. 

AU Curiosum erwähne ich noch, wi«'wohl es nicht hierher gehtirt: 
43(>. Helffcrich, Adolf, Der Krbaeker. Eine culturgeschiehtliche Unter- 
•u-hung. gr. 8. (VUI, 472 S.) Leipzig 18(;:>. Brorkhaus. 3>/, Kthlr. 
Vftl. Literar. Cent'albl. IM>5, Nr. 24. 

Wegen der Beziehung auf deutaclies Recht ist go enȊhnen: 

437. Wolf, Ferdinand, Ein Beitrag zur RccbtuSvniboIik aas »panisehen 

Quellen. I-iCX. 8. '.'»3 S.; Wien 1805. (terold in C*omm. 

Aus dem LI. Bande (8. ir7) der Sitzungsberichte der Wiener Akademie. Wolfa 
l«Ut« Arb«il (t 18. Februar |8«j»;). 



438. O frörer, Prof. Aug. Fr., Zur Oe»chichtc deutscher Volksrerhte 
im Mittelalter. Nach dem Tode des Verf. heran »gegel»en Ton Frof. I>r. J. B. 
Weifi. (In 2 Banden.) 1. Band. gr. 8. (XX, 441 S.) Schaffbaoaen I8f;5. 
Hartor. 2 Rthlr. 24 Ngr. 

Tgl. Ciött. Gel. Anaeigen IHiJO, Nr. 5 (WaiU); Allgem. Lii Zeitonf. Nr. 8. 



358 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

460. Tastu, Amabie, tableau de la litt^rature aUemande depais Teta- 
bltssement du chriBtianisme jusqa'ä nos jours. Nouvelle Edition. (Bibliotk^que 
de la jeunesse cbrdtienne.) 8. (387 S.) Tours 1864. 

461. Diez, C, Tableau de la litt^rature ailemande. Discours prononce 
ä r Ouvertüre du cours de litt^rature ^trangöre k la facultd des lettres de 
Besan90D le 26. janv. 1865. 8. (27 S.) Besan^on 1865. 1 fr. 

461*. Petersen, N. M,, Bidrag tii den oldnordisk Literatars Historie. 
Annaler for noidisk Oldkjndighed og Historie 1861. KjöbenbavA 1365. S. 5—304. 
46 1^ Grundtyig, Svend, Udsigt over den nordiske oldtids heroiske 
digtniDg. 

Nordisk Universttets-Tidskrift IX, 4, 41—126. Upsala 1865. 

462. Hofdijk, W. J., Gescbiedenis der Nederlandscbe letterkunde voor 
gymnasien en selfonderricht. 3* druk. (XII, 528 S.) Amsterdam 1864. Rraay. 
f. 3, 60. 

463. Scberr, Johannes,' Clescbichte der englisohen Literatur. 2. (Tftel-) 
Auflage, gr. 8. (XIV, 298 S.) Leipzig (1854), 1865. Wigand. 1»/» Rthlr. 

Vgl. AUgem. Bchul-Zeitung 1865, Nr. 47. 

464. Shaw, Th. B., The students manual of engÜsh literature: a history 
of english literature. New editiou enlai^ed and rewritten. Edited with notes 
and illustrations by W. Smith. 12. (510 S.) London 1864. 3 Rthlr. 

Vgl Atheuänm 1864, April. 

465. Spalding, William, The history of English literature: wiA an 
outline of the origin and growth of the English language. IJlustrated by eztracts. 
Foor schools and private students. 8"* edit. 12. (420 S.) Edinburg. 3^/2 sh. 

466. Grainger, H. J., An epitome of the history of the english 
language and literature. Wlth short biographioal notices. Heidelberg. S, (VI, 
170 S.) 16 Ngr. 

467. Craik, G. L., manual of English literature. New edition. London. 
Griffin. 8. 7Va »*>. 

468. Craik, G. L., Compendious history of english literature and of 
the english language, from the Norman conquest. With numerous speeimens. 
2. edition. 2 Voll. 8. (1201 S.) London 1864. Griffin. 25 sh. 



469. Rück er t, H., Die ältere deutsche Literatur und das heutige Pub- 
likum. 1. 2. 

Deutsches Museum 1865, Nr. 48. 

470. Keyser, R., Efterladte Skrifter. L Bd. Nordmoendenes Videaska- 
belighed og Literatur i Middelalderen. 1. Heft. 8. (160 S.) 1866. 27 Ngr. 

471. Pelleter, Prof. Dr., Überblick über die Periode der Blfithe und 
des Verfalles der deutschen Literatur bis sur Reformation 1138 — 1520. 4. 
Prag 1864. 

Gymnatial-Prog^amm. 

472. Holland, H., Deutsche Charakterbilder ans Terscfaiedenon Jahr- 
hunderten, gr. 8. (VI, 156 SO München 1864. Kaiser. 15 Ngr. 



BIBLIOQRAPHISCHE ÜBERSICHT. 359 

B«h«id«lt ik a. Albertiit Ma^tit Micbd BebaiiB, K. t. Mcfenbvf. Vfl. Bllttcr 
fSr Utarmr. Uaterluiltaiif 18(i5, Nr. 11 (Kackert). 

473. Dobler, Friedr., Über den Einflaß des Oeniot der alt4*n Literator 
•of den Kntirickelungiigiing der deutacben Literatur, gr. 8. (^9 S.) Straabing 
1864. Scbomer. 2Va Ngr. 

474. DU Tronbadonra und Hinitrela« 
Wmtafiann'a Ulnatrirte MonaUbafte, Nr. 102, 8. 661. 

475. Lndlow, J. M., Popalmr epica of tbe middla agea, of tha Noraa- 
Genaan and Carloringfan ejclei. 2 Voll. 12. London 1865. Maemillan. 4 ab. 

476. Scbröder, Karl, Die bofiscbe DorfpoeaSa dea Mittelattera. 
Jabrbucb flir Lilteratiirg««cbichte 1, 45* d8. 

477. Bartcb, Karl, Über die romani«cben and deutacben Tagelieder. 

Album dM literarijicben Vereini in Nilmbarf für 18t>5, 8. 1—75. Vgl Bajeriacba 
Zeitung i^(>3, Nr. 140, MorgeobUtt. 

478. Weinbold, Karl, Über daa Komiacba im altdeutaeben ScbaupieL 
Jabrbucb Hir Littaratnrgascbicbte 1, 1—44. 

479. Oftdeke, Karl, Every-man, Homoloa and Hefcaain«. Ein Beitrag 
gur internationalen Litemtargeacbicbte. gr. 8. (XII, 832 S.) UanaoTar 1865. 
Kampier, l'/a Rtblr. 

480. San -Maria, Daa letata Oebeimniaa dea CbriitantbaoM nad aeiaa 
DanteUang in dar Poaaia. 

DmtMbaa Mnaaom 186&, Nr. 46. 

481. Sebneidar, Dr. K. E.» Daa maaikaltacbe Lied in geacbicbtlicber 
Eotwiekehmg. Cbaraiebtlkb und gemeinfiU^licb dargeatellt 8. Periode: Das Oro* 
pbtMbe SHmmungtlied. gr. 8. (VIII, 870 &.) Leipaig 1865. Brettkopf und 
UArtaL 2*/, Rtblr. 

Di« beiden ersten Binde ertcbienea \^^ und 1864. 

482. Waekernagel, Pbilipp, Daa deutacbe Kircbenlied too der iltettea 

ZcH bis aum AnÜMig dea 17. Jabrbunderta. 9. — 14. Liaferong. Lax. 8. (2. Band, 

8. 1--624). Leipaig 1866. Teabner. k */b Rtblr. 

Umlasst die deutscbs gristlicba Liederdicbtung In weitstem SInae, Mam o. a. 
aocb die geistlicbe Sproobdicbtuag Au&abme geAmden bat. 

488. Waller» EmiL Etwas rom dantacben Rirebanliede. 

S as a ps u m 1865, 8. 257—264. Erginsungen oad Bsricbtignaaso sa Waekomagsl's 



484. Kebrein, Sem. Dir. Jos., Pater noster and Ave Maria in deat- 
trben CbersetxttDgea. Nebst einem Anbang: Die altdeutscben Namen Ooftaa 
und Marias. H. (VII, 101 8.) Frankfurt a. M. 1H65. Verl. f. Kunst u. Wies. 12 

Vgl. Allgsm. Ut. Ziitung 184)5, Nr 46. 



485. Zarneke, Friedrieb, Über den fUnfniß igen Jambus mit besonderer 
KQcksicbt auf seine Bebandlung durcb Lessing, 8cbiUer und Gotbe. 4. «93 H.) 
Leipaig 1865. Druck von A. Edelmann. 



360 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBBBSICHT. 

Feitschrift sum Jubiläum der Aufnahme Göthe^s unter die Studierenden in Leipzig 
(19. Oct. 17«j5). Vgl. Revue critique 1866, Nr. 13, 8. 205—211 (G. Paris); GOtt. Gel. 
Anseigen 1866, Nr. 7 (Ebert). 

486. Grube, A. W., ÄathetiBche Vorträge. 2. BäDdchen. 8. (VI, 306 S.) 
Iserlohn 1866. Bädeker. 17« Rthlr. 

Inhalt: Deutsehe Volkslieder; vom Kehrreim des Volksliedes; der Kehrreim bei 
Göthe, Uhland und Rückert. Vgl. Europa 1865, Nr 48: Der Kehrreim des Volksliedes: 
Allgem. Zeitung, Nr. 347; Pida^g. Archiv 1866, Nr. 1; Brandenb. Schalbl. L 2. 



487. Schade, Oscar, Altdeutsches Lesebtich. Gothisch, altsächsiseh, alt- 
und mittelhochdeutsch. Mit literarischen Nachweisen und einem Wörterbuche. 

2. Theil: Altdeutsches Wörterbuch, gr. 8. (XVIII, 766 S.) Halle 1866. Buch- 
handlung d. Waisenh. 4 Rthlr. 

Über die Grenzen des Lesebuches hinausgehend und au einem altdeutschen 
Handw6rterbuche erweitert Vgl. Literar. Centralbl. 1865, Bp. 1403- 140p. 

488. Wackernagel, Philipp, Edelsteine deutscher Dichtung und Weis- 
heit im 13. Jahrhundert. Ein mittelhochdeutsches Lesebuch, zusammeDgestellt 
und mit einem Wörterbuche versehen. 3. verb. Auflage, gr. 8. (XXXVI, 812 S.) 
Frankfurt a. M. 1865. Herder u. Zimmer. 1 V, Rthlr. 

489. Stier, Gymn. Dir. G., Material für den Unterricht im Altdeutschen 
auf Gymnasien und Realschulen. Mit einem Anhang über Orthographie. 2. um- 
gearbeitete Aufl. gr. 8. (V, 88 S.) Colberg 1865. Post 6 Ngr. 

Vgl. PXdagog. Archiv 1865, Nr. 9; Zeitschr. f. d. Gymnasialw. 1866, Nr. 4. 

490. Verwijs, E. , Bloemlezing uit meddelnederlandsche dichters, bi* 
jeenverzameld door £. V. Nieuwe nitgave. Deel 1 — 8. 8. (VIII, 2, 182; II, 213; 
II, 196 S.) Zutphen 1863. Thieme u. Co. k fl. 1, 75 c. 

Enth&lt: 1. Dierensage, ridderpoSzie, S. Gkestelijke en bnrgerlijke poSiie, 

3. mengzelpoezie. 

491. Kok, A. S., The english poetrj, being selections from the works 
of British poets, from the time of Chaucer to the present dajr. With intro- 
ductorj remarks« biographical sketches etc. 8. (XXIV, 536 8.) Schonhooven 
1863. Van Nooten. fl. 2, 65. 

492. Pedemont, V. A., Die englischen Schriftsteller älterer und neuerer 
Zeit Eine historisch-kritische Sammlung von Auszügen ans ihrem Leben und 
ihren Werken. Chronologisch geordnet gr. 8. (VI, 288 8.) Wien 1864. Brau- 
müller. iVa Bthlr. 

493. Turner, Ch. Edw. , Cur great writera: a conrse of lectures upon 
english literature. Vol. L 8. (359 8.) St Petersburg 1864. 

Vgl. Athenaeum 1864, August > 

494. Scrymgeour, Daniel, The poetry and poets of Britain: Chaucer 
to Tennyson. New edition, revised and enlarged. 8. (XXXVIII, 591 S.) Edin- 
burgh 1864. Black. 7Vt «b- 

Vgl. The Reader 1864, Nr. 61; Athentfum 1864, MSrz. 



;v 



BIBLIOGRAPHISCHE rBERKICHT. 361 

A. Ootbiflch. 

495. Ulfilai oder die «ne erhaltenen Denkmäler der gothieehea Sprache* 

Text, Gnunmatik und Wörlerbach. Bearbeitet und herautgegoben von Fr. L. 

Srana. 8. Auflage« bewrgt ron Dr. M. Uejnt. 8. (XVI, 887 S.) Paderborn 

1886. Bcbftningh. iV, Rthlr. 

A. a. d. T.: Bibliothek d«r Iltetten deoUchen Littemtor-Denkmller, L Band. 
Der Vereng dl^Mr Anngabe des Ulfila vor den früheren bezieht namentlich In der Ver* 
«•ffthnng der Rmmltate, die durch Upp»tOn*t Collationen gewonnen tind Vgl. Llterar. 
CeatralbL 1866, Nr. 14; Uter. Handweiter, Nr. 44. 

498. Oaugengigl, Ergäntung der BrnchttOcke dce Ulfilaa nach der 
Sinattiechen Handachrift dee Dr. Conit. Tiechendorf auf Grund der Lachmann- 
Tiacbendorfechen Ausgabe dce neuen Teetamentee heranegegeben. A. u« d. T.: 
Matthlna I, 1—96. Johannee I. IL HI, 1—5. Erster Venuch. 8. (V, 61 S.) 
Ifiachen 1884 (Paaean, Pleuger). >/• R^hlr. 

497. Gaugen gl gl, Die Fragmente dee Ulfilaa nach der ■ilbemen Hand- 
eehrift ia Upaala im Zneammenhalle mit der Handachrift Tiechendorfe von dem 
Berge SinaL A. u. d. T.: Aivaggeljo thairh Maththaan« 6. Auagabe. 8. (XVI, 
188 8.) Ebenda 1884. 18 Ngr. 

498. Mejer, Leo, Cber den handachriftlichen Test der gothiechen Cb«r- 
•ettuBg dee Briefes an die Romer. 

Pfeiffer*! Oermanla 10, 225—236. 

499. The gothio and anglo*aaion goapela in paraDel eolumna: 
vith tha rereione of Wjcliffe and Tjndale. Arranged, with preface and notee 
by BaT. J. Boeworth, aeatated hj G. Waring. 8. (580 8.) 1886. 19 a. 8 d. 

B. Althochdeutaeh. 

600. Dietrich, Frans, Inachriften mit deutachen Runen auf den Hau* 
nÖTeraehen Goldbracteatcn und auf Denkmälern Holateina und Schleawiga, ent* 



PfeHfer'a GennanU 10, 257—305. 

601. Die Runen. Eine literarische Studie von A. t. B. 
WiaaenaehaltUehe Beilage der Leipsiger Zeitang 1865, Nr. 47 ff. 

602. MftUenhoff, Referat fiber die 'Denkmäler'. 

JahrbOcker fftr dentache Theologie |0, 167 — 179* Mit Ihnlteher Tendena ge* 
•ehriebea wie 8eherer*t Vortrag fiber den Ursprung der denUcben Lileratur «BibHofr. 
18i4, Nr. 447), um die in den 'DenkaOlera* niedergelegten Beaultate in weiteren Kreiaen 



608. Dies, Friedrich, AHromanieche Gloeeare bariehtigt ud trkiift. 

gr. 8. (196 8.) Bonn 1886. Weber. 94 Ngr. 

Cathllt: 1. die Retcheaaaer, snerst durch Holtaasana (OermaaU 8, 404) bekannt 
s ewetdeoea Glossen, 2. die Casaeler Gloeeen. VgL LHarar. Ceatralbl. 1M6, Nr S; 
Reme eritique, Nr. 8. 

604. Lambel, J^ Zum Hildebraadaliede. 

Pfeiffer's Germania 10, 388 %. Vergleichnng mit der gftliseheo ftag». Wsgen 
der Verglelchung Ähre ich noch an: 



362 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

505. Marthe, C, Die ruseiBche Heldensage. 

Gosche's Jahrbach für Litteratargeschichte 1, 175 — 200. Vgl. Bibliogr. 1863, 
Nr. 379. 

506. Grein, C. W. M., Daa Wessobninner Gebet 

Pfeiffer^s G^mania 10, SlO. Ein neuer HersteUungsversuch, mit Ergftnsnngen 
nnd Veränderungen, um die gestörte Alliteration überall au retten und anch die aweite 
Hftifte metrisch zn machen. 

507. Spach, Loais, Le moine Otfrit et l'abbaye de Wissemboorg an 

neuviöme siöcle. 

Bnlletin de la sociSt^ poor la conscrFation des Monuments hlstoriqnes d*Alsaee. 
Paris et Strasbourg 1865. 8. 

508. Spach, Loais, Nouveauz mdanges d'histoire et de critiqae littAraire. 

8. (270 S.) Strasbourg 1865. 

Enthalt eine (dieselbe wie die vorige?) Abhandlung über Otfrid. Endlich findet 
sich eine solche in: 



509. Spach, Louis, Archiviste dv d^partement da Baa-Rbin, Oeuvres 
choisies. 2 Voll. gr. 8. Biographies alsaciennes. Strasbourg 1866. 

1, 1—20: Otfrit de Wissembourg. 



C. Mittelhochdeutsch. 

Albreoht von Halbentadt. 

510. Lübben, Aug., Neues Bruchstück von Albrecht Ton Halberstadt. 

Pfeiffer*s Germania 10, 237—245. Ein zweites Blatt derselben Handschrift, die 
das frühere Bruchstück enthielt und zwar aus dem 6. Buche (41 1 80) , im Ganzen 
144 Reimzeilen. 

Albreoht von EemenatoiL 

511. Zupitza, Julius, Frolegomena ad Alberti de Kemenaten Eckinm. 

8. (46 S.) Berlin 1865. 

Eine Doctordissertation, als Vorl&ufer einer kritischen Ausgabe des Eckenliedes. 
Die Texte werden in drei Claasen gesondert, eine mythische Deutung der Sage g^eben 
(wonach Ecke ein Meerwesen, Vftsolt ein Windwesen, Dietrich «■ Donar, die Königinnen 
== Schnee) und Albrecht von Kemenaten als Verf. des Ecke nachzuweisen versucht. 
Vgl. Literar. Centralbl. 1866, Nr. 4 (Zacher). 

Annolied. 

512.- Das Annolied. Genauer Abdruck des Opitzischen Textes mit An- 
merkungen und Wörterbuch von Jos. Kehrein. gr. 8. (VI, 85 S.) Frankfurt a. M. 
1865. Yeriag für Kunst u. Wies. 12 Ngr. 

Vgl. Allgem. Lit Zeitung 1865, Nr. 42; Zeitschrift für die österreichischen Gym- 
nasiea 1866, Nr. 11; Heidelberg. Jahrbücher 1866, Nr. 10. 

Antonius von Pforr. 

513. Barack, K. A., Antonius ron Pforr. 

Germania 10, 145 — 147. Urkundliches Vorkommen des von Bech als Verf. des 
Buches der Beispiele nachgewieseneu A. y. Pf. 

514. Bruchstücke einer mittelhochdeutschen Übersetzung der Confes- 
■iones S. Augustini. Von C. Hofmann. 



B1BLIOORAPHI8C1IE ÜBERSICHT. 363 



SiUniiftberichte der k. bajer Akiid. d. Wim. 18H5, 1, 8. .W7— 316. Zw^ BUttor 
in ttitteldfstflcher Sprache des 14. Jahrbnnderto. Am Schloß noeh MittbailaDf Über atn 
Brvebatflck etaer Ha. dea SchwabentpiegeU. 

Berthold Ton £og«Bi1nur|^. 

515. Greiff, Benedikt, Barbtold ron Regenabarg in aeiner Wirkaun- 
keit in Aagabturg. 4. (31 S.) Aogibarg 1865. 

iVograinin der kgL StodienaoeUlt bei 8t Anna in Angibnrg. 

61 5\ Baar, Ludwig, Eigel*« ron Saaaen Reieebericbte. Mitgetbeilt 

Anaeiger für Kande der deutachen Vorseit 1865, 8p. 300—306. Ana den Jahren 
1413—14. Ana Friedberg; in heMiieher Mandart. 

Freidnnk. 

516. Lambely J«, Zu Freidnnk. 
Germania 10, 339—342. 

Graatis. 

517. Diemer, Joaeph, Beitrige aar iUtereo denlaeheo Sprache and Li- 

trrator. 5. Theil« [Ana den Sitsnngaberichteo der Wiener Akademie.] Lex. 8* 

iX, 181 S.) Wien 1865. Gerold in Comm. 28 Ngr. 

Oeacbicbte Jo«eph*i in Ägypten. DcnUche« Gedieht dea 11. Jabrfannderta. Kach 
der Voraner Handachrift mit Anmerkangen heranvgegeben. 

518. Eine Geographie aaa dem 18. Jahrhundert, heranagegeben von 

I>r. Ignas V. Zingerle. [Ana den Sitsongshcr. d. Wiener Akad.] Lex. 8. \fiO 8.) 

Wien 1865. Gerold in Comm* 

Ana der Criatherrechronlk , wo lia nach dem Thnrmban von Babel alngeaehobea 
Ut Miigetbeilt ana Sentlinger'a Hi. Tom J. l3iM. 

Gottfried Ten Straathorg. 

519. Boasert, A., Triatan et laenlt, poSme de Ootlrit de SCraaboorg, 

rompar^ k d'autrea poämea anr le mtoe aojet Th^ prdaentde k 1a facnltd 

6m Icttrea k Paria. 8. (174 S.) Paria 1865. Fraack. 8 fr. 

Der Verf. weiat nach, da5 Gottfried nnd der altengllache Trittrem anf demaelben 
alttraat. Gedichte beraben. ron weThem iieh in Michel*! Triatan Fragmente erhalten 
haben: dar Anfang dieaer Fragmente stimmt mit dem 8chlQ0e von Guttfried'i Gedieht«, 
waa biaber noch niemand bemerkt hatte. Vgl BcToe critique 18(;6, 8. 50^68 (G. Pani.) 

520. Godefroi de Straabonrg. 

In: Lonia Spach, oeoTres choiiiea (Strasbonrg 1866) 2, 37'-72. Die in der vor- 
jAhrigen BibUogr. lir. 51b* erwKhnte Abband long. 

521. Müller, F. C. F.» Triatan and laolde nach Sage nnd Dichtang. 
Hin Skiaaeabild. Zar EinfÜhrnng in daa Drama Rieh. Wagner a. gr. 8. (XI, 
:f75 tf.) München 1865. Raiaer. 1 Rthlr. 

Hmrtmaiui ▼•& Aue. 

522. Spachy Lonia, Le Minneeinger Hartmann von Aae. 8. (85 8.) 
SCraaboorg 1865. 

Hiaelstitfe. 

523. Birlinger, A«, Hittekleataeh , aiederdentach. 

ZeHaehrift Ar vergleicbende Sprachforwhang 14, 44<»— 452. Hacbwela, da6 dio 
tlimabtiiaa (BibUogr. 1864, Mr. 494) anf niadeHentachar Qrandlago barabe. 



364 BTBLIOGRA.PHISCHE ÜBERSICHT. 

Historienbibel. 

524. Palm, H., Ober eine bisher UDbekannte Historienbibel aas dem 

15. Jahrhundert. 

Anseiger fUr Runde der deutschen Vorzeit 1865, 8p. 337—842. Hs. im Becit« 
des Verfassers. Auszüge und Proben. 

Hopp, ITlrich. 

525. Abschrift zweier Gedichte aus dem 15. Jahrb., wahrscboinlicb von 
Ulrich Uöpp verfasst und von M. Schuttenhelm abg^chrieben. Im März 1865 
aus einem Memminger Ms. copiert von Sbr. Weber. 

Herrig' s Archiv 37, 203—217. Das erste beginnt: 

Ich gieng durch Inst und auch durch wunn 
an einem morgen da die sunn; 

am Schluß nennt sich Ulr. höp; geschrieben 1480; das zweite: 

O hoechster vogt der himel sali, 

sich her und schlaich der gnaden ball, geschrieben 1489. 

526. Johannes de Snzato (Soest), Arztes in Worms, Gedicht 'Wie 

man wol eine Stadt regijren sol' vom J. 1495. Von QM. Morel. 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1865, 8p. 468 fg. Aus einer Hs. in 
Kinsiedeln. 

527. Kalender-Beime vom J. 1431. Von J. Baader. 
Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit 1865, 8p. 319 fg. 348 fg. 

528. Both, Franz, Deutscher Kalender aus dem Anfange des 15. Jahrb. 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1865, 8p. 257—262 und 297—300 
Ans einer Papierhandschrift der Frankfurter Stadtbibliothek. 

Kochbnoh. 

529. Biriinger, A., Alemannisches Bflcblein von guter Speise. 8. (36 S.) 

München 1865. Franz in Comm. 

Ans den Sitzungsberichten der bayer. Akad. d. Wiss. 1865, 2, 3. Nach der 
Münchener Hs. cgm. 384, Bl. 103 (15. Jahrb.), nebst Bruchstücken aus einem Koch- 
buche des germanischen Museums (Nr. 20291, Bl. 17). Als Einleitung eine Aufisählung 
mittelalterlicher Kochbücher von Frommann. Vgl. Literar.. Centralbl. 1866, Nr. 10. 

530. Biriinger, A., Aus dem Tegernseer Kochbüchlein: 15. u. 16. Jh. 
Anseiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1865, Nr. 11, Sp. 439 fg. 

Kndnm. 

531. Kudrun. Herausj^egeben von Karl Bartsch. 8. (XXVI, 384 S.) 

Leipzig 1865. Brockhaus. 1 Bthlr. 

Deutsche Claiisiker des Mittelalters. Mit Wort- und Sacherkllmngen heraus- 
gegeben von Franz Pfeiffer. 2. Bami. Vgl. Buropa 1865, Nr. 22; Österreich. Wochen- 
schrift, Nr. 25; Blätter für literar. Unterh., Nr. 27 (Henneberger); Deutsches Museum, 
Nr. 23; Literar. Handweiser, Nr. 37; AUgem Zeitung, Nr. 212, Beilage; St Galler 
BlKtter, Nr. 43; London Review 1865, Suppl. 28a; Bevue eritique 1866, Nr. 7; Zeit- 
schrift für das Ojmnasialwesen 1866, Nr. 4. 

532. Bartsch, Karl, Beiträge zur Geschichte und Kritik der Kudrun. 

gr. 8. (128 S.) Wien 1865. Gerold. */, Rthb*. 

Abdruck aus Pfeiffers Germania lO, 41—92; 148^224. EnthiÜt den kritischen 
Rechenschaftsbericht zu der Ausgabe. Vgl. Bl&tter für literar. ünterh. 1865, Nr. 47; 
Zeitschrift f d. Gymnasial wesen 1366, Nr. 4. 



BlßLIOORAPHISCHE OBERLICHT. 365 

533. Baem^ister, A-, Di« Königstochter Qiidron oder die «ehöne 
WlacheriD. Eine anmathige and anterhaltende Erslhinng fQr dM Volk bev* 
bcttai. 8. (64 8. mit eingedr UolMchn.) Reatlingen 1866. Fleisehhanor. 4 Ngr. 

534. Otterwald, Prof. K. W., Ersihlangea ans der alten deotseben 
Weh nbr Jung and Alt 1« Tbeil. Oadran. 8. Aaflage. 8. (XII, 194 S.) Halle 
1865. Racbb« d. Waisenb. % Rtblr. 

Jofend-Bibliotbek des griechiiehen and dentaeben Alterthnm«, 7. Band. 

585. Zingerle, J. V., Za Kndnin. 

Pfeifler's Oennaaia 10, 475 fg. Nachweia einM Ortananens Cantrawn (« KAtHln) 
in Tirol im J. 128&. 

Endlicb erwibne icb nocb eine poetitcbe Bearbeitang: 

536. 8eb5pf, J., Qadron. Scbaatpiel in drei Akten. 2. Aaflage. 16. 
il38 8.) Brizen 1865. Weger. 10 Ngr. 

Liederdichtar. 

537. Lieder des deotscben Adels. Von der Zeit der Mianeeinger Us 
aof die Gsgenwart 8. {Xm, 429 S.) Brandenbarg 1865. Wiesike. 1% Rtblr. 

Der Kagat KrAne. 

538. Birlinger, A., Alemacniscb, balrieeb. 

Z^iuchrilt fQr vsrglaicbende Sprscbforschmig 14, 448 fg. KaebwHs. daft das 
g««aaato Oediebt (Bibliogr. 1864, Nr. &01) Ton einen beiriscbso Bcbrslber berrfthrs. 

Marienleioh, s. Wartbargkrieg. 

KaarfUirt, Wiener. 

539. Massafia, Adolf, Zar Wiener Meerfabrt 

Germania 10. 431 fg. Hinweis anf ein lateiaiscbss, in Brisen 1495 gedraektes 
Bdekleia, das die gleicbe Ersiblang eatbllt 

VibeloBgenlied. 

540. Das Nibe langen lied. Heraosgegeben Toa Friedrieb Zancke« 
r Aefl. 8. (LXXXVII, 472 S. mit e. StabUt). Leipsig 1865. Wigand. 1 >/, Rtblr. 

VgL Uterar. CentralbL 1865, Mr. 12 (Belbstanseige) ; Allgem. Zeitnng, Mr. 212, 



541. Das Nibelangenlied. Übersetit tob Karl Siarock. 16. varb. 
Aaflage. gr. 8. (384 S.) Stattgart 1865. Cotta. 1 Rtblr. 

Das Heldeobnek, von K. Bimrockt ^ Band. 

542. Das Nibelangenlied. Nenbocbdeotscbe Cbersetsang tob Oewakl 
Marbacb. Nebet aasfObrlieber Abbandlong : Das Nibeloogenlied nad die altgerm. 
Volkssag« oad mit anifObrlicber Inbaltangabe oad AamerkaBgeB. Nene (Titel*) 

gr. 8. (LXX, 851 8.) Leipsig (1860), 1866. 8enf. 1 Rtblr. 

548. Die Nibelangen. Ib Prosa fibersetat « eingeleitet and erlintett 
Dr. Jobannes Scberr. Volksaasgabe. 2. (Titel-) Aaflage. gr. 16. (IV, 244 8.) 
Uipaig (1860) 1865. Wigand. Vs Btblr. 

544* Les Nibelangen. Tradaction nooTelle par Emile de LaTeleye. 
r Mtioo. 8. M.54 8.) Paris lf^66. Laeroii, VerboeekboTen n. Co. 1 Rtblr. 5 Ngr. 



366 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

Die erste Anngabe erschieD 1861 ; das Buch enthält einen einleitenden Abschnitt 
*la formation des 6pop6es nationales et les origines da Nibelnnge Not'; der Text folgt 
im Allgemeinen Lachmann, nimmt aber auch die in A fehlenden Strophen auf. Vgl. 
Literar. CentralbL J866, Nr. 13. 

545. Das franzosische Nibelungenlied. 
Wissenschaftl. Beilage der Leipz. Zeitnng 1865, Nr. 74—77. 

646. Nibelungenlied. The fall of the Nibelongers , otherwise the 
book of Kriemhild: a translation of the Nibelunge Ndt, or Nibelungenlied. By 
Will Nanson Lettson. 8. London 1865. Williams and Norgate. 10 sh. 6 d. 

547. Osterwald, Prof. K. W., Erzählungen aus der alten deutschen 
Welt 2. Theil. Siegfried und Rriemhilde. 8. Auflage. 8. (242 S.) Halle 1865. 
Buchh. d. Waisenh. 24 Ngr. 

Jugend-Bibliothek des griechischen und deutschen Alterthums, 8. Band. 

548. Saupe, Julius, Der altdeutsche Heldensang in drei Proben: Nibe- 
lungen, Gudrun, Parzival. Für Schule und Haus. 8. (YUI, 136 8.) Gera 1866. 
Kanitz. >/, Bthh-. 

549. Lübben, August, Wörterbuch zu der Nibelunge Not (Liet). 
2. verm. und verb. Auflage. 8. (206 S.) Oldenburg 1865. Stalling. 22 V, Ngr. 

Wie man aus dem Titel ersieht, ist die einseitige Beschränkung auf A aufgegeben 
worden. Vgl. Literar. Centralbl. 1866, Nr. 14; Zeitschr. f. d. Gymnasialw. 1866, Nr. 4. 

550. Martin, Ernst, Grammatik und Glossar zu der Nibelunge N6t 
für den Schulgebrauch zusammengestellt, gr. 8. (36 S.) Berlin 1865. Weidmann. 
^ ^g^' (Zweiter Abdruck ebenda.) 

Vgl. Literar. Centralbl. 1866, Nr. 14, wo schon auf die verkehrte Bemerkung 
über ermuwen 8. 36 hingewiesen ist; Zeitschrift f. d. österr. Gymnasien 1865, 8. 517; 
Kuhn's Zeitschrift 14, 386. 

551. Bartsch, Karl, Untersuchungen über das Nibelungenlied, gr. 8. 
(Xn, 385 8.) Wien 1865. BraumüUer. 2*/, Rthb. 

Vgl. Allgemeine Zeitung 1865, Nr. 263: Der neueste Stand der Nibelungenfrage; 
ErgSnzungsblätter zur Kenntniss der Gegenwart, Nr. 4; Allgem. Liter. Zeitnng, Nr 37; 
Österreich. Wochenschrift, S. 784—787: über den neuesten Stand der Nibeluagenftmge 
(Lambel). 

552. Tuüina, Job., Die Untersuchungen über die Entstehung des 
Nibelungenliedes. Ein geschichtlicher Überblick. Jahresbericht der Oberrealschule 
zu Ellbogen 1865. 

Der Verf. hat die Resultate meiner * Untersuchungen' zu Grunde gelegt. Vgl. 
Zeitschrift für die Österreich. Gymnasien 1865, 8. 608 (A. Egger). 

553. Der wahrscheinliche Verfasser des Nibelungenliedes. 
Novellenzeitung 1865, Nr. 50. 

554. S^crötan, Edouard, La tradition des Niebelungen, son origine, 
sa valeur historique, suivi d' ^claircissements sur les batailles de Mauriac et de 
Chalons. 8. (284 S.) Lausanne 1865. Martignier et Chavannes. 

Separatabdruck dreier Artikel aus der Biblioth^ue universelle, 23. u. 24. Band. 
Vgl. meine Anzeige In der Revue critique Nr. 21, 8.339 — 341. 

555. Scherer, Wilhelm, Über das Nibelungenlied. 



BIBLIOORAPHISCHK VBEB8ICHT. 367 

PrpiiGIsrhe Jahrbücher 16, 253—271. Weiter nichU «li eine popolMre Darlafonf 
Am Larbiii«nD*i€hen Liedertheorie ohne jegliche wiMentchAftUche BegrflndQng . 

556. M « 7 e r , H., Dae Nibelangenlied. 
Brpmer BoimtagibUtt 1865, Nr. 31. 32. 

557. Schnellen, E., Der etarke Hagen des Nibelongenliedea. 
DenlMihee Mnieam 1865, Nr. 46. 

558. Steudenei, Ein iUthetisrh-kritiecher Spailergang vom Nibeloagen- 
liede Str. 282 an Theocrit 18, 26—28 und weiter. 

Zeitechrift ffir dae Gymnaiialweeen XVU, 731-734. 

559. H&bler, Q.y Die Nibelungen - Motiv« nnd nodamn BekaadlaBg 
dcraelben. 

IWIaeeneehallL Beilage der Leipaiger ZeHoBg 1865, Nr. sa 

560. Röpe, O. R., Über die dramatiech« Behandlong der Nibehingen. 
sage in Hebbels Nibelungen and Qeibele Bmnhüd. 4. (37 S.) Haabnig 1865. 

Programm der SeaUchnle. 

Der Fleier. 

661. Z 1 tt g e r I e, J. V., Za Pleier'e Oarel^ die Bmcfattllcke der M«naer 
Haadechrift. gr. 8. (110 S.) Wien 1865. Gerold in Comm. 

Aqi Bd. L, 8. 449 ff der SiUnngiberichte der Wiener Akademie abgedmekt. 
Et sibd sieben Poliobogen einer Hs. dee 13.^14. Jahrhunderte. 

562. Mejer, Elard Hugo, Über Tandarioa und Flordibel, ein Artna* 
dee Pleiert. 



Zeitechrift I3r denUehee Alterthnni 12, 470—514. Literarhistorieche Uatarroohnng 
fiber diee noch nngedmckte Gedicht nnd den Dichter. 

Predigten. 

563. Bereek, K. A., Dentecbe Predigten des 12. Jahrirandertiu 
Germania 10, 464—478. Abdmek ron eeeha PergamentbUtttam in Donaneeohiagen. 

Xeeengartea. 

564. Nene Bmchatfieke dee Roeengertena F von R. MaUenboff. 
ZritMhrift fttr dentachee Alterthum 12, 530—536. In Danaig durch W. Mannhardl 



565. Bmchitück dee Roeengartens. 

Ebenda 12, 411 — 4ia Auf einem Perfamentblatft dee 15. Jahrhnaderti ; ein 
laßenl enteiaUter Text, der am meisten mit 1>^ und D* (nach Grimm) stimmt. 

BehAveiiieL 

566. Daa Rfinxelsaner Fronleiehnamsspiel Der Anfing deseelbon, 
mitgetheilt Ton H. Bauer. 

Zrilschrift des histor. Vereins fUr das wirlemberg. Pranken, 6. Band, 3. Heft 

567. R leg er, Mas, Das Spiel von den aehn Jungfrauen. 

Germania 10, 311-337. Nach einer in Darmstadt befindlichen Hs. v. J. 1428. 



368 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

Theologia, deutsch. 

568. Plitt, G. L., Einige Bemerkungen über die Deutsche Theelog^e . 
Zeitschrift für die gesammte latherische Theologie 26, 49—62. 

Waltber von der Vogelweide. 

569. Menzel, Rudolf, Das Leben Walthers von der Vogelweide. gr. 8. 
(XVIII, 352 S.) Leipzig 1865. Teubner. 2 Rthlr. 

Vgl. Literar. Central bl 1865, Sp. 1198 fg.; Allgem. Lit. Zeitung, Kr. 50; Er- 
gSnzungsblfttter zur Kenotniss der Gegenwart I, 8; Herrig's Axchiv 34, 90—93 (Sachse); 
Dresdener Journal, Nr. 177; Neue Jahrbuch, f. PhiloL 1866, Nr. 3; Magazin f. d. Lit. 
d. Ansl., Nr. 11; Heidelb. Jahrb., Nr. 7; Zeitschr. f. d. öster. Gymn. 5. 

570. Waither von der Vogelweide als mittelalterlicher und 
modemer Dichter. 

Grenzboten 1865, Nr. 50. 

Wartburgkrieg. 

671. Zacher, Julius, Zum Wartburgkriege. 

Zeitschrift für deutsches Alterthum 22, 515 — 527. Abdruck von PergamentbUttem 
in Königsberg, die einen reichhaltigeren und besser (reordneten Text geben als die übri- 
gen Hss.; schon dies Bruchstück gibt 5 ganz unbekannte Strophen. Außerdem ent- 
halten die Blätter einen Marienieich und lateinische Reimverse. 

572. Artaud-Hausmann, L. C. E. , Le tournoi poetique de la 
Wartbourg, poeme allemand du XIII. siöcle, traduit pour la premiöre foie en 
fran^ais avec des notes ezplicatives et critiques, et pr^c^d^ d*une ^tude histo- 
rique et litt^raire sur la po^sie chevaleresque de TAllemagne au mojen-ftge. 
8. (VII, 282 8.) Paris 1865. Didot 

573. Der Sängerkrieg auf der Wartburg. 
Europa 1865, Nr. 29. 

574. Polack, Dr. C. , Die Landgrafen von Thüringen zur Geschichte 
der Wartburg. 8. (XII, 459 S.) Gotha 1865. Perthes. 1 Bthlr. 22 7, ^gT- 

Schildert u. a. das Treiben ant der Wartburg unter Hermann I. (1191 — 1216) 
und gibt eine Analyse des Wartburgkrieges (nach Simrock), so wie am Schluß ein 
Facsimile der Jenaer Hs. 

Wernher der Oartenaere. 

575. Keinz, Nachträge zum Meier Helmbrecht 
Sitzungsberichte der bayer. Akad. d. Wissensch. 1865, I, 8. 316—331. 

576. Schröder, Carl, Heimat und Dichter des Helmbrecht. 

Germania 10, 455—464. Gegen Keinz gerichtet und für die österr. Heimat; der 
Verfasser erblickt in dem Dichter den Bruder Wemher. Vgl. Österreich. Wochenschrift 
1865, Nr. 4. 

577. Wemher der Gärtner, Helmbrecht. Die älteste deutsche Dorf- 
geschichte übertragen von Dr. Carl Schröder. 16. (104 S.) Wien 1865. 
Sckönewerk. V, Rthlr. 



BIBLlOGHArHISC'Hi: TBKRHICHT. 3H9 

WolfrAm Ton BtohenbaclL 

578. Der Pareival Wolframt von Eachenbach ein Symbol dentocber 
0«Mhichto. 

MoTfeabUtt für («bildete Leeer 1865, Hr. 29 ig. 

579. H einte» Pftreival. 1. 2. 
Rrener SonnUgtbUtt 18^5, Nr. 19 fg. 

580. H ab 1er, Q., Über Wolfram Ton Eechenbaeb aad Gottfried to« 
Straeeba rg. 

OeuUcb«« Ma»eum l86ö, Nr. 39 fg. 



Zar Litterator dee 16. Jabrbanderte: 

581. Spaeb, Iiouie, Oeavree cboieiee, 2» toIL gr. 8. Stranboorg 1866« 
BebeeUao Braat et Tbomae Mamer 1, 101^128; Jean Fiscbart I, 129^15a 

582. Wildonbabn, Dr. A., Uane Sache. Een familieTerhaal naaTerteld. 
Naar bei boogd. door W. D. Statioe Maller. 8. Botterdam 1865. f. 1, 80 (?}. 

588. Den t sehe Bibliothek. Sammlnng eeltener Schrillen der älteren 

deotechen National* Literatur. Ueranegegeben and mit Erlftotenuigen Tereebea 

von Ileinr. Kun. 7. Band. 8. (L, 252 8.) Leipaig 1865. Weber. iV, Bihlr. 

Kathih: Jörg Wickraia*« Bollwagenbaebleia. Vgl. Germania 10, 246 ff., Liter. 
C#otralbL IH65, Nr. 50; Heidelb. Jehrbttchcr, Nr 13; Blltt^r filr Uter. Uat«rh , Kr. 28 
iRöckcrt); Eoropa. Nr. 12. 16; Magasin f. d. Ut d. AneL, 8. 548; K61n. Zeitang 
Irtbtf, Kr. 5. 

584. Vilmar, A. P. C, Zar Literatur Johann Fitchart*s. Kleine Beitrige. 
2. nmgeetalt n. etark Term. Aafl. Lex. 8. (VII, 55 8.) Frankfurt a. II. 1865. 
Vdlcker. */, Bthlr. 

585. Uelbig, Un opuecnle Inconnu de Jean Fiechart: Neue Wunder- 
sritungen anee Kraokreich und der Niederlanden etc. Anno M. D. LXXIX. 
Strasburg. kL 4. (8 Bl.) 

le: Balletln da Bibliophile Beige, 20. Band, 5. Heft, Januar 1865. 

586. Ajrrer^s Dramen, herausgegeben von A. ▼. Keller. 5 Binde. 8. 

Stuttgart 1865. 

76^80 PoblieaUon des Ittt^ranschen Vereins. (:)484 8.) Vgl Q9ti. Gel Aaseig«« 
1H6&, Nr. 52 (Liebrecht) ; Kdln. Zeitang 1866, Kr. ft. 

» 

587. ßirlinger, A., Ein Dichter aue der Oberpfals (Woifgaag Schmelsl 
1540—1556). 

Bayer. Zeitung 1H65, Nr. 323, Morgenblatt. 

588. Wagner, J. M., österreichieche Dichter des 16. Jahrhuttderta. 
S es a pe n m 1865, 8. 121—127. 

589. Job. Seekerwitt, ein echl e elecher Dichter dee 16. Jahrhanderte. 
Sehlee. PreriasialbUtter N. F., a Baad. 

590. Spottgedieht vom Jahre 1581. Mitgetheilt vM Dr. Barack. 
IHi*4. Nr IL 



370 BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 

D. Altsächsisch. 

591. Heiland. Christi Lehen und Lehre. Nach dem Altfiächsischen von 
K. Simrock. 2. Auflage. 8. (lY, 275 8.) Elberfeld 1866. Friederichs. 7« Rthlr. 

£. Mittelniederdeutsch. 

592. Grotefend, Archivrath Dr. C. L., Berthold von Holle. 8. (19 S.) 

Abdruck aus der Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen 1864. 
Ans Urkunden weist der Verf. nach, daß es im 13. Jahrh. zwei Berthold y. H. gegeben, 
der von 1219—1247 war Truchseß des Bischofs von Hildesheim, der sweite 1251—1270, 
ein Neffe des Vorigen, ist ohne Zweifel der Dichter. Im Anhange (S. 13-19) sind 
6 Familienur künden mitgetheilt. 

593. Janicke, Dr. Carl, Mittheilnngen aus der Magdeburger Schoppen- 
Chronik, pjin Beitrag zur Kenntniss städtischen Lebens im deutschen Mittelalter 
und zugleich Ankündigung einer Ausgabe der Schoppenchronik. 8. (VIII, 57 S.) 
Magdeburg 1865. Hinrichshofen. 12 73 Ngr. 

594. Michaelis, G., Über die Herausgabe der Magdeburger Schöppen- 
chronik. 

Herrig's Archiv 38, 35—42; im Anschluß an die vorige Schrift. 

595. Die Chronik der nordelbischen Sassen. Herausgegeben von J. M. 

Lappenberg. gr. 8. (XXVI, 184 S.) Kiel 1865. Akad. Buchh. in Comm. V/^ Rthb*. 

Quellensammlnng der Schlesw. Holst. Lanenh. OeseUschaft für vateriXnd. Ge- 
schichte. 3. Band. 

596. Schmidt, Gustav, Erdichtete Liebesbriefe des 15. Jahrhunderts 
in niederd. Sprache. 

Germania 10, 385—394. In Prosa. 

597. Latendorf, Dr. Friedrich, Zur Kritik und Erkl&rung des Reineke 
Vos. 4. (35 S.) Schwerin 1865. 

Pregramm des Gymnasium Fridericianum zu Schwerin, Michaelis 1865. 

598. Reintje de Vos. Het oorspronkelijke vrij naverteld door J. £. 
Hartmann. Naar het hoogd. door S. J. van den Bergh. 8. Utrecht 1865. 

599. Tyel Ulenspiegel in niedersächsischer Mundart nach dem 
ältesten Druck des Servais Krufiler (circa 1520) photolithographisch nach- 
gebildet Mit HoksBchn. kl. 4. (104 S.) Berlin 1865. Asher. 6 Rthhr. 

Vgl. Magazin f. d. Lit. des Auslandes 1865, Nr. 44,- Blätter für Ut. Unterhalt 
1866, Nr. 10. 

F. Mittelniederländisch. 

600. B er maus, J. H., La chanson de Roncevaux, fragments d*an- 
eiennes redactions thioises, avec une introduction et des remarqus. 8. (224 S.) 
Bnaelles (Gand) 1864. 4 f. 

601. Jacob van Maerlant, Spieghel historiael, met de fragmenten 
«inr later toegevoegde gedeelten bewerkt door P. Utenbroeke en L. van Velthem« 
C^pf»v#tt door M. de Vries en E. Verwija. 3. Deel. Leyden 1864. 

Ih&blication der Maatschappij van Nederl. Letterkunde te Leiden. 



BIBLIOORAPUI8CHE ÜBERSICHT. 371 

602. Van Vloten, J., Nedeiiandiche OMcliMdsaiigen , OMur tydtorde 
remngMhikt es toegelicht 1. Handel, 868—1572; 2. Bündel, 1579—1609. 
NiOTwe (Titel.) nitgnve. 8. (XII, 400, XX, 420 8.) Amtteidnm 1864. Scbndd. 

Enthllt Zeitgediebte tor niedcrl. Oeachicbte to« 9.-17. Jabrk. 

608. Kronijken, Kamper. U. Kronijk mn Johnn Ttn Bredm. Ultgegeren 
poor de Tereniging ter beoefening van OTeriJMeltck regt en gescUedenia. gr. 8. 
(XII, 146 8.) Devenler 1864. J. de Lange, f. 1, 50. 



O. Angeltiehttech. 

604. Orein, C. W. M., Zar Textkritik der angelOchttitchen Dichter. 
Q«rmania 10, 416—429. 

605. Schnltse, M., Über da« Beownlftlied. Programm der stidtiMben 
Benbebttle sn £lbing 1864. 

Vgl. Herng*« ArebtT 37, 232. Em wird darin die LoeaUtftt, d<r labalt, dar mj- 
tbtscbe Uiatorgrund da« Oedichte« behandelt. 

606. Orein, C. W. M., Da« Retmlied de« Ezeterbochs. 
Germania 10, 305—307. 

607. Derselbe, Zu den R&th«eln de« Ezeterbncb«. 
Germania 10, 307—309. 

608. Carmen anglosazonieam in Codice Exonlensi «enratam qnod 
Tttlgo intcribitur Rninae edidit emendavit in lin^niam Temaculam transtolit et 
adnoUtione« adinniit Henrieo« Leo. 4. (17 S.) Uali« 1865. 

Akadfmitche« Programm. Vgl Liier. CentralbL 1865, Nr. 26 (Di«tHeh). 

609. King Alfred*« Anglo-Sazon rersion of Boetbio«. Witb a literal 
engfiab tran«latton, note« and g]o««ar3r bj Samuel Fox. 12. (400 8) 5 «h« 

610. Dietrich, Prof. Dr. Fr. E. Chr., De cmce Rathwellenai et de 
aoctore veranam in iUa inacriptomm qui ad paasionem domini pertinent Addita 
Ubala bpide excuaa. gr. 4. (19 8.) Marburg 1865. Elwert. V| Rlblr. 

Die Vene »iod au« CyneTvlf Vgl. Uler. Ceotralbl. 1885, Nr 25 (Grein); GM. 
Gel. Aaaetgea 18<;5, 8. lOlH— 66 (Selbataaaeige). 

611. Diplomatarinm anglicom medll aevi aaioniri: a eolleetton of 
cngüab charters, Irom tbe reign of hing Aetbelberbt of Rcnt, A. D. DCV, 
to tiwt of William the Conqneror. Containing 1. Miscellaneoa« chartera. 2. Will«. 
3. Goild«. 4. Manamiaaion« and aeqoittances. IVith a translation of the Angio* 
Saxoo. Bj Bet\}amin Tborpe. 8. London a. Berlin 1865. Aaber. 1 £• I ab. 

H. Mittelengliacb. 

612. Lancelot of the Laik: a acottiah metrieal romanee (abool 1490 
— 1500 a. d«J re-edited Irom a ma. in tbe Cambridge rni^ersitj-librarj, with 
an faitrodnction, notea and gloeaarial Index hj tbe Rer. W. W. Skeal. 8. (LVi, 
132 8.) liondon 1^65. Trabner and Co. (Berlin, Aaber). 



372 BIBLI0GKA.PHI8CHE ÜBERSICHT. 

Pablication der £arly eDglish text society. Vgl. Revue uritique 1866, Nr. 8, 
S. 131- 133 (P, Meyer). 

613. Köhler, R«, Quellennachweise zu Richard Rolle's ron Hampole 
Gedicht 'the prick of conscience . 

Jahrbuch für romanische und englische Literatur 6, 196 — 212. Vgl. Bibliogr. 
1863, Nr. 478. 

614. Morris, R., The seven deadly sins. 

Jahrbuch für romanische und englische Literatur 6, 332 — 341. Aus einem Cot- 
tonlanischen Codex. 

615. Chaucer's Legende of Goode Women. Edited, with an introdaction 
and notes, glossarial and critical, by Hiram Corson. kl. 8. (XXXYII, 145 S.) 
Philadelphia 1864. (London, Trübner and Co.) 4 sh. 6 d. 

Vgl. Liter. Centralbl. 1865, Nr. 30; Bookseller 1864, April, 8. 248. 

616. Ane compendious and breue tractate conceming je office and 
dewtie of kyngis, spirituall pastoris, and temporall jugis. Laitlie compylit be 
William Lander, for the faithfull instructinn of kyngis and prencis. Edited by 
F. Hall. 8. (XX, 124 S.) London 1864. 

J. Altnordisch. 

617. Mitchell, J. M., Mesehowe: illustrations of the ranic literatore 
of Scandinavia. Translations in Danish and English of the inscriptions in Me- 
sehowe Visits of the Northern sovereigns to Orkney. 4. (77 S.) Edinburgh. 10 Ya sh. 

618. Dybech, R., Sveriges runurkunder. Uppland. 4. Haft. Uller&kers, 
Waksala och Bälinga häraden (S. 25-- 30, med pl. 37—48). Stockholm 1864. 
J. u. A. Riis. 

619. Den aeldre Edda (Til brug ved Svend Grundtvigs forelaesninger). 
I. 8. (72 S.) Kjöbenhavn 1864. 

Enthält den Text der mythologischen Gedichte. 

620. Hjeltesängerne i Sämands Edda, forklarade of Theodor Wis^n. 
1. Haft. (II, 104 S.) Lund 1865. 

621. Den gamle Edda eller 01demo*r, overfort paa Nydansk af Y. B. 
Hjort Kjöbenhavn 1865. (H, 281 S.) 

Vgl. BibUographie 1863, Nr. 481. 

622. Udvalgte norske oldkvad oversatte og fbrklarede af T. Aars. (119 SJ 
Kristiania 1864. 

623. Edda Saemundar hins fröda. The Edda of Saemnnd the Wise. 
Translated from the Old Norse, with a mythological index. Part first: my- 
thological. 12. London 1865. Trübner and Co. 3 sh. 6 d. 

624. Les Eddas, traduites de Tancien idiome scandinave par Mite. R. 
du Puget. 2. Edition. 8. (447 S.) Paris 1865. 5 fr. 

625. Ruppy Theophtl, Fiölsvinnsmäl. 
Germania 10, 433 — 446. Versuch einer Deutung. 



BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT. 373 

626. Hahn, Werner, HelgAkTid» Hundinguhanii. 

Archiv für des Stadiam der naaeren Aprachen 38. 1H3 — 200. LitererUche Ab* 



627. Wiaen, Theodor, Om ordfogningen i den ildre Eddnn. 4. (68 8.) 
Land 1866. Akndem. Afhandling, 

628. Nygnard, M., Eddoprogete eyntez« 8. (VI, 103 8.) Bergen 1866. 

629. Heinekringla eller Norget kongesagaer, forfattede ef Snorre 
StnrUeon, ndgiTne Ted C. R. Unger. 2. Heft. (ä. 161^400, bis 6lefe Mga 
hin« helgat c«P* 149). ChriilUuiia 1865. 

630. Norrone Skrifter af MgnhUtoruk Indhold, ndgime af Sopho« 
Bogge. 2. Heft (S. 81—199: Völsnuga sage). ChrUdauta 18G5. 

631. FlaCejjarbök, en tamling af norake Ronge-eagaere med inekndte 
mindre Fortaellingcr om Begtrcnheder i og ndonfor Norge eamt Annaler« Udg. 
efter offentL ForaneUUning. gr. 8. 111, 1. (472 8.) 1865. 2 Rthlr. 

632. Viga Olnme Saga. The etory of Viga Qlam, tranahited ürom 
the Icelandie , with notee and an InCrodnction by the Right hon. Sir Edm. Head« 
kL S. 1865. 5 eh. 

633. Nokknr blöc! nrHankeb<Sk og brot nr gndmondartiign gefin dt 
af Jöni ThorkelMjrni 4 koetaad hbe ielentka b6kmentaf^lagt. Reykjavik 1865. 
8. iXXIY, 54 S.) 

VgL K. ICanrer hi PfeiSBr*e OermaaU 10, 476—479. 



634. O e r ■ d o r f , E. O., Codex diplomatietta Saioniae regiae. 2. Hanpt- 
theit 2. Band: Urkundenboch des Hochsäfta Meieaen. 2. Band. gr. 4. (XXX, 
4:>6 8.) Leiptig 1865. GKeeecke n. Dement 7 Rthlr. 

635. Urknndenbttch anr Oeeehiehte der Henoge Ton Braoneehweig 
■nd Löoebnrg nnd ihrer Laade, geeammelt nnd heranagegeben Tom Arehirrath 
Dr. U. Sadendorf. 5. Theil. 1374—1381. gr. 4. (CXUI, 274 8.) Hannover 
1865. RAmpler. 4 Rthlr. 

636. Urknnden-Bnch der Stadt LQbeck. Heranagegeben von dem 
Veretoe fSr IQbecfc. Oetchichtc nnd Alterthumtkonde. 3. Theil, 2.-4. Lie- 
fcrviig. gr. 4. L&beek 1864—65. Aeschenfeldt 1 Rthlr. 



Zw aittellateiniachen Poeriei 

637. V • r ■ n e SooCi eninadam de alphaheto. Von Lneinn M illler. 
RheiniM!hee Mnaenm fOr Philologie 20, 357—874. Ans dem 7. oder 8. Jahrh. 

638. Dftmmleri B., Gedichte ans den Holkreiee Karle dee Großen. 

leÜMhrfft mt deatM*hee Alterthnm 12, 446-47a I. Verena in lande Larii Lad 
»); 2. Verena Petri (von Piu); 3, Verena Paoli DiaeonI; 4. V«tene PeCri ad 
Pania»: 5. Verena Panll Diaconi contra Petnun IMaconam; 6. Vereoe Paali Diaconi; 
7. Oediehl, wahrecheinlieh von Panlna Diaconiui 8. Bnichetiicke tinm TUerlhhel; 

flmianiA si. 24 



374 BIB]>I0QRiLPHI8C«B tBE86ICHT; 

9. Versns in Aquisgrani paUtio edlti anno HlodoTvioi imp« XVI. de imagiiie Tetrici; 
wahrscheinlich von Paulns Diaconns. 

639. Haupt, Des Igels Wettlauf. 
Zeitschrift für dentsches Alterthum 12, 527—529. 

640. R i a n t, P. £. D., De Haymaro monacho disqnisitionem criticaiii 
faonltäti Utterarnm Parisicnsi proponebat. Accedtt einsdem Haymari Monachi 
de expugnata A. P. 1191 Accone liber tetrastichus ad fidem mss. recognitus 
et emcndatus. gr. 8. (128 S.) Paris 1865. 

Das latein. Reimgedicht (S. 73 — 118) beginnt: 'Dum Romanns pontifex degeret 
Veronae' und sählt 224 Strophen. Als Appendix (8. 119—127) carmina tria tetrasticha 
Acconensi rhythmo aetate et argiimento affinia. 

641. Alexandri Neckam de naturis rerum libri duo. With the poem 
of the same author de laudibus divinae sapientiae. Kdited by Th. Wright. gr. 8. 
(LXXIX, 521 S.) London. (Rerum Britannicarum scriptores.) 

Vgl. Athenaenm 1864, Juni, 8. 866. 

642. M u s s a f i a, A., Zum Cato. 

Germania iO, 101 fg. Eine wgenthümlichc lateinische Fassung ans einer Wiener 
Hr. (suppl. 6). 

643. Sacred Intin poetry. Selected and arranged for use , with 
notes and introduction. Bj R. C. Trench, archbishop of Dublin. 8. 2. edition. 
London 1864. 

Vgl. Saturday-Review 1864, October. 

644. KÖnigsfcld, G. A., Lateinische Hymnen und Gesänge aus dem 
Mittelalter. Deutsch unter Beibehaltung der Versmaße. Mit beigedrncktem Ur- 
lexte und Anmerkungen. Neue (2.) Sammlung. 8. (XXVI, 375 S.) Bonn 1865. 
Weber. 1 V3 Rthlr. 

Vgl. Philothea 1866, Nr. 1. 

645. Seiler, Jos., Stabot mater. Gkschicfatliohe Skizze. 
MÜQchener SonnUgsMatt >86>, Nr. 14. 



\^^^ ^J^ ^ A X yv A ^ ,^Vj*^ 



875 



MISCELLEN. 



ZUR GESCHICHTE DER DEUTSCHEN PHILOLOGIE. 

L Briefe ▼on Jaeob Orimm. 

B. Jacob Orirnm*! Briefe an Iloffmann tod Fallerileben. 

In den enten Tagen Septembers 1818, als dorch den bekannten Studenten- 
aoMOg die Ferien früher begannen ab tonat, begab ich mich von Oottingen 
au« xonichat nach CataeL 

Bei meinen damaligen archik>logiichen Stadien schien et mir ersprieülich, 
die Cassoler Antiken genauer zu betrachten. Ein Graft Weickrrs genügte, mich 
bei dem Director des Museums, Obcrhofrath Völkel, einsaftihren ond ni<*inen 
Zweck xa erreichen. Den ganten Morgen verwendete ich auf das Museum. Am 
Nachmittag wollte mich Völkel aof der Bibliothek dahin wieder abholen. Ich 
fand mich ta rechter Zeit ein. Ans der Feme sah ich einen Mann am Tische 
sitaen. Ich hielt ihn fftr Völkel and gteng auf ihn au: es war Jacob Grimm, 
der zweite Bibliothekar. Ich that nun natürlich, als ob ich ihn gesocht bitte, 
begriOte ihn nad bat ihn am die Binsieht des Handschrillenkatalogs. Grimm 
war sehr freandlich ond erlBllte sofort meine Bitte. Nachdem ich Eimgea ge* 
fanden« was ich zu sehen wünschte, holte er es herbei, a. B. die Raspe'sche 
Briefsamnüang. Wir unterhielten uns dann über allerhaad sprachliche nnd lit- 
terarisehe Dinge. Kr lud mich zu sich ein in seine Wohnnng^ und schon den 
anderen Tag besuchte ich ihn. Ich fand ihn eben beschüftigt mit seiner Gram- 
matik. Mehrere Bogen lagen bereits gedruckt vor. Ich sah nnd erstaunte, eine 
aeoo Welt gieng mir auf, ich wurde nachdenklich and schwankend in meinen 
PUnen. Da ich den Sommer vorher zu Hause dinisch gelernt hatte ond in der 
letzten Zeit zu GÖttingen holländisch, mich aoch am deutsche Litteralargeschichte 
gekümmert, so gab es in oascrer Unterhaltong BeHUintngspnnkte genug« 

Den anderen Tag sahen wir ans wieder auf der BibÜothek. Jetzt leinte 
ich anch seinen Broder Wilhelm kennen. Nachdem wir ans eine Zeit lang nnter- 
kalten^ überreicht« ich jedem ein Stammblatt. Jacob schrieb mir: 

ein iegUeh mensche enphat 
darnach als ime sin herze stat 

Wilhelm: 

lere ont meicterschafle sint gut, 
swer aber ainnerieben müt 
von angebomer tagest hat, 
des witae get für allen rat 

Uenlich dankend and hocherfreut nahm ich Abaehied. 

Als ich mit Jacob zusammen die Treppe hinab gieng, erzählte ich ihm. 
daft ich nach Italien ond Griechenland zu reisen beabsichtige, nm dort nn Ort 
and Stelle die Überbleibsel alter Kunst zu studieren. «Liegt Ihnen Ihr Vater, 
laad neht nlher?* fragte er darauf in einem herzlichen, liebevollen Tone. Ich 
hSre die Worte noch heote, die Worte vom Tt. September 1818. 

24* 



376 MISCELLEN. 

Noch Aaf| der Reise entschied ich mich für unsere vaterländischen Sta- 
dien : deutsche Sprache, deutsche Litteratur- und Culturgeschichte, und bin ihnen 
bis diesen Augenblick treu geblieben. 

Sobald ich nach Göttingen zurückgekehrt war, sachte ich meine Stadien 
zu regeln und feste Pläne für die Zukunft zu entwerfen. Es schien mir zweck- 
mäßig, zunächt mit den lebenden Sprachen und Mundarten zu beginnen und 
so nach und nach zu den älteren und ältesten Quellen der germanischen Spra- 
chen zurückzugehen. Ob das einem einzigen Menschen möglich wäre, mit Erfolg 
durchzuführen, kümmerte mich im Augenblick nicht. Ich war eben mit dem 
Niederdeutschen und Niederländischen beschäftigt und wendete mich schriftlich 
um Bath und Unterstützung an Jacob Grimm. So entstand ein Briefwechsel, 
der bald durch gegenseitige Liebe und Theilnahme an allem was wir trieben 
und was uns begegnete, mir für mein Leben und meine wissenschaftliche Tha- 
tigkeit eine Quelle nachhaltiger Freude, anerkennender Aufmunterung und er- 
quicklichen Trostes wurde. 

Die Störungen und Unterbrechungen unsers schriftlichen Verkehrs hatten 
auf beiden Seiten meist in denselben Ursachen ihren Grund: Überlast von Amts- 
geschäften und litterarischen Arbeiten, Unwohlsein und Krankheiten; dazu kamen 
bei mir nun noch die häufigen Verstimmungen in meinen widerwärtigen Amts- 
verhältnissen und in der letzten Zeit viele Beisen, die oft mehrere Monate lang 
mich ganz in Anspruch nahmen. 

Auf diesen Beisen fand ich dann mehrmals Gelegenheit, die beiden Brüder 
zu besuchen. Im J. 1834 wohnte ich vom 11.— -15. October bei ihnen in Göt- 
tingen und 1836 wieder einige Tage (13. — 16. Oct.). Im J. 1839 besuchte 
ich sie 27. — 29. Sept in Cassel und war 1841 bei ihnen in Berlin sehr oft 
in der Zeit von Ende März bis Ende April; dann wieder 1843 den 16., 19. 
und 21. März und endlich den 24. und 25. Februar 1844. 

Unser wechselseitiges Freundschaftsverhältniss hatte sich von Jahr zu Jahr 
immer inniger gestaltet : ich pries und bewunderte in Jacob Grimm den Schöpfer 
und Gründer einer neuen Wissenschaffc, der deutschen Philologie, und liebte 
und verehrte ihn als meinen väterlichen treubewährten Freund. 

Leider sollte dies Freundschaftsband, dies schöne G^eschenk des Himmeln, 
worauf ich stolz war und sein konnte, nicht ungetrübt fortbestehen. 

Ein Ereigniss, dessen unschuldige Veranlassung ich leider war, bewog die 
Brüder Grimm zu einer öffentlichen Erklärung *), durch welche mir jeder freund- 
schaftliche Verkehr mit ihnen abgeschnitten ward. Meine Liebe und Verehrung 
war zu groß, als daß ich je etwas gegen sie hätte thun können; ich beschränkte 
mich nur darauf, mich vor ihren und meinen Freunden durch treue Erzählung 
des Thatsäeh liehen zu rechtfertigen. 

Nachdem ihrerseits nie ein versöhnender Schritt geschehen war, wagte 
ich einen solchen, indem ich einer Sendung von Beiträgen zum Wörterbuchu 
einige Zeilen an Jacob Grimm beifügte. Bald ei folgte eine Antwort (der 29. 
Brief), wie ich sie von ihm nicht anders erwartete. Gesehen haben wir uns 
nie wieder. 

SCHLOSS COBVEY, 4. Nov. 1865. H. v. P. 

*) Staats-Lexikon von Bottcck und Welcker. 2. Aufl. 7. Bd. (Altona 1847) 8. 106« 



MI8CELLEM. 377 

1. 

Naefa OMbgeii. Gaftel den 91. Not. 1818. 

Ew. Wohlgeboren 
mtMhaldigen gewiß, daß der Dank für Ihre freundliche Zuschrift vom H. dieses 
•o epit kommt. Ich habe so viel in thnn, daß mir noch nicht einmal Zeit 
abergeblieben ist, die mitgetheilten Bruchstücke von altdeutschen Hss. genauer 
sn betrachten. So viel ich sehe, rflhren beide aus einer gereimten Heiligen- 
gv^cbicbte, die mehrmals Torhanden, aber noch ungedruckt ist, so daß es schwer 
wird ra entscheiden, ob das nämliche oder wieder ein anderem Gedicht Torliegt 
Da die altdeutschen Wälder aufboren (nicht aus Mangel an Lust und Stoff, 
sondern weil dem Publicum billigerwcisc nicht tugemuthet werden darf, bloße 
Stadien in einem Fach tu unterstützen, wo selbst das Gründliche und Fertige 
kah anfgcnommen su werden pflegt); so habe ich keine Aussicht, bald von 
diesen Fragmenten Gebrauch zu machen und ich bitte daher gelegentlich lu 
bestimmen: ob ich sie Ihnen zurücksenden soll, damit Sie anderweit darüber 
▼erfBgen kSnnen, oder ob ich sie als ein Geschenk für die Zukunft aufheben 
und bebalten darf. 

Wegen der in Westphalen Termutheten Hs. säumen Sie ja nicht nähere 
Erkoadigung einzuziehen. Stücke aus dem Heldenbuch In guten alten Hss. 
mangeln durchaus. Ks wäre freilich möglich, daß man, wie so oft geschieht, 
etwas anderes und gewöhnliches su sehen bekommt, wo die Hoflhung ge- 
spannt war. 

Ihre Neigung su der holländischen und flamändischen Volksdichtung kann, 
weoB Sie den Vorsatz ausführen, an Ort und Stelle zu gehen, viel Gutes er- 
tragen. Seyn Sie doch auch mir zu Gefallen auf mündliche Localsagen auf- 
merksam« Ich leihe Ihnen sehr gern beifolgende Volksliederbücher ans metner 
Sammlang zu vorläufiger Übersicht. Ungedrucktes lebendiges muß es aber gewiß 
viel mehr noch geben. Es wäre mir auch lieb, wenn Sie beachten wollten, was 
Ihnen Ton grammatischen Eigenheiten der brabänter Volkssprache aufstoßt; es 
mfißen da weit mehr hochdeutsche Bestandtheile zu spüren seyn , als In dem 
sogenannten niedersäcbsischen Plattdeutsch« 

MH heralichem Omß Ihr ergebenster 

OrinuD. 
ich ftge noch eine haadschriftl. Notls 
aber boUlad. Liederbücher hinzu. 



Nach Gottiiigni. Caßel 5 Mars 1819. 

Es freut mich sehr, daß Sie der holländischen Volks|>oesie niher nach- 
•puren wollen. Die Abdrucke in d«*u g«*wöhnl. Büchern sind freilich fehlerhaft, 
duch muß man dem Volkslied manche rlei zuf^ebeu, oder nachsehen, was gegen 
die G rammst! k der Hrhriftsprache stößt z. U. der •\cc. steht für den Nom. als : 
dal is ea mooyen man, den dorden ley ider dritte Isfr) und wiederum Nom. f. 
Are. t*sal kosten jou joiiger Ijrf. Ich werde dergl. im zweiten Tbeil meiner 
Grammatik Tertheidigen. Im neulich erschienenen erstrn Thril hätte ich S. 537 
oder 596 bemerken können, daß die ntederläad. Volkssprache die tertia pL für 
die tertia sing, gebraucht, als: hy zettense <ot setzte sie, für setlese^ uy 



378 MI8CELLEN. 

kwesten (f. kweste) etc. Das Lied het meisje over de valbrag finden Sie (doch 
nioht ^n;s dch^) gedrußlot und übersetzt in meinem armen fietOKicb (BerL 
1815. S. 167—171) und in den altd. Wald. 1, 161. den Jager aus Griechen, 
2, 47. ^en Herrn und Schildknecht. 

Die Angabe der alten weltlichen Liederanfänge bei später auf die Melodie 
gedichteten geistlichen ist historisch wichtig und kann zu Entdeckungen führen, 
wiewohl die meisten Lieder verloren bleiben werden. Auch in hochdeutschen 
Liederbüchern yerhält es sich ebenso. Ich glaube aber nicht, daß man die 
weltl. Lieder durch die geistl. verbannen wollte > sondern blos letztere leichter 
einfuhren und die vorhandenen Weisen nutzen« Eine seltene Samml. ist auch 
dßfi sog. Geuse Lietboek. Dordrecht 1645. 8, worin namentlich da« berühmte: 
Wijhelmus von Naßauwen. 

|Mir die Beiträge zur Sagensamml. danke ich b^tens vmd bitte mich 
fernem ^u bedenken, wo Ihnen mehr aufstößt. Es soll noch ein dritter Band 
erscheipen, wozu der Stoff größtentheils schon gesammelt vorliegt 

Die raspesche*) Briefsamml. können Sie bei ihrer nächsten JUise hierher 
genauer untersuchen. Ich meine nicht, daß besonders wichtige Sachen darin 
stecken. 

Unsem Manuscriptencatalog haben Sie, wo ich nicht irre, selbst in BQUiden 
gehabt, also unsem Codex, worin Cic. de N. D. befindlich, leicht finden können ; 
CS stehen auch noch andere Ciceroniana darin, die paradoza und or. pro Mar- 
cello, aber die Hs. ist auf Pap« von 1470 und gewiß nicht optimae notae. 
Daß sich Görenz hierher gewandt, weil er sagt: frustra quaesivi, wüßte ich nicht. 

Dijß mitgetheilten Übersetzungen holländ. Lieder **) scheinen mir recht 
gut, nur bin ich eigentlich des Glaubens, daß Volkslieder unübersetzlich sind« 

Mein Bruder und ich grüßen Sie freundlichst. Ihr ergebenster 

Grimm. 

3. 

Nach Boim. Caßel 10 Jan. 1820. 

Werthester Herr und Freund, 
ich beantworte» pure freundliche Zuschrift sogleich, vielmehr ich beantworte sie 
noch nicht, i^elches ich besserer Muße vorbehalte, sondern bitte Sie recht un- 
geduldig um einen Dienst. Wie es einem, der eben die zweite Aufl. seiner 
Grammatik ausarbeitet (die halbärgerliche Nothwendigkeit dieser Arbeit gründet 
sich auf die sehr schwach gemachte erste Ausgabe) und der auf nichts be- 
gieriger als auf den Mailänder Ulfilas seyn kann, zu Muthe ist, wenn er hört, 
daß Majos Dißertatipn schon in Deutschland, doch noch nicht in seinen Händen 
ist, können Sie ermessen. Majo hat sie mir zwar brühwarm zu schicken selbst 
verheißen, vermuthlich aber einem Buchhändler zur Besorgung gegeben, so daß 
ich sie täglich aber auch erst in einem Monat empfangen kann. Bewegen Sie 



*) Bei einer flüchtigen Durchsicht dieser Samml. fand ich einen Brief von 
Wxnckelmann. Ich schrieb ihn sofort ab und ließ ihn bald darauf drucken in Oken*s 
Isis 1818. Sp. 17(>6. 176U — Mittheilungeo über Rudolf Erich Raspe und aus seiner 
Briefsapiml. von Franz Ludwig Mittler im Weimarischen Jahrbuch 3. Bd. S. 1 ff. 
6. Bd. S. 57 ff. (Diese wie alle folgenden Anmerkungen sind von mir hinzugefügt H. v. F.) 

**) Es waren die später in meinen Liedern und Romanzen (Köln, Bachem 1821) 
gedruckten. 



inSCELLEN. 379 

alM doefa Hcm WHberg, dii er die Gite hebe, mir aeb Eienpler mit der 
Ptoel aar auf «elit Tage eder aoch kOraere Zeit sa leihen. Ich würde ihm sehr 
itankh a r wejn and wo ioh vermag wieder dienen. Sollte es Sehlegel anter der 
Hand haben, so kann er et leicht mit irgend einem Vorwande fotdem; -ich 
t c h a för die pttnctliche Zarficluendong. Aach Ihnen werde ich fOr diese Ge- 
fliligkeit Terbnnden bleiben; dies In gr50ter Eile nebet frenndl. Onift 

Jaeob Qrimm. 

4. 
Nach Bonn. Caßel 12 Febr. 1820. 

Aach Ihnen, mein werthetter FVeund, gebOhrt ein TheU de« Danket, den 
ich ao eben Hm. Wilberg fttr die freandliche Übenendang des gewünsclitcn 
Programms abgeetattet habe. Diese Probea spannen meine große Erwartaag 
von dieser überwiehtigeB gotb. Entdeckung gar nicht heronter; «renn nur bald 
mehr and das Oanie folgt. 

Die verlangte Nachricht ron hoDXnd. Liedern lege ich Ihnen an gans 
baiiabigem Oebraoche bei. Aach was Ihnen aus meiner Samml. der VolksbQcher 
ansteht, fordern Sie, denn ich selbst werde sie schwerlieh ordentlich benatsen, 
wie ieh mir wohl Mher einmal dachte. 

Aach Aber das Stadentenwesen sende Ich Ihnen einige vor Jahren ge- 
sammelte Blltter and Aossüge; es sog mich an, von der nngelehrten Seite 
aaaaagahen, weil kein Leben hineinkommen wQrde, wollte man i. B. mit M einer*s 
O ase h . der Universitfttea u. ähnl. Büchern den Anfang machen. 

Über Dalekarlien wird ans wohl mein Frennd Dr. H. R. von 8chr9ler 
befielen, der veriges Jahr in Schweden tabraehio nnd la Upsala ebe kleine 
•ehr markw. SammL tfanisehar Lieder in Original and deatscher Übers, hat 
dmeken laften. Ton den Folkwisor besitee ich aar t Tb. and ein Reit Maiik. 
— Hit baikommenden Österreich. Volkkliedem winsehe ich Ihnen ein angenehmes 
Geaehenk ta madien; ich habe aollllig das Bach doppelt 

Aaf manche Pancte Ihrer beiden Briefe antworte ich noch nicht, so viel 
ich la antworten bitte. Aber ich stecke bis fiber die Ohren in der Grammatik 
and komme an nichts aaderm. 

Viele Orülie. Der Ihrige 

Qrisun« 

5. 

Naah Bonn. Ciesel 10 Ang. 18S0. 

Werthester Preoad 
Das mir mitgetheilte Brachstück eines aithollindischen lieber: lUmlia- 
dieehen Gedichts ist merkwürdig, scheint nur aber nicht sowohl ans dem Roeuin 
▼on Bolaad, sondern aas dem von Rejnalt t. Montalban oder den Haimons* 
kindera ta rflhren. Bekanntlich ist das ahdeatsche Gedieht etwan im 1 4 Jahrh. 
ans einer iamlindisehen Qaelle, nnd von dieser bitten wir non ein Stück wieder- 
grAndan, llbanetst worden. Za Heidelberg liegen awel voUstHndlge Hss. davon 
nnd ieh awoüe kaom, bei einer Beiee dahin würden Sie die vermathlich gonaa 

BteHea alamUeh Weht aalBnden. Dann Inian Sie doeh ii gendwo 
den niadar* «ad hoehdeotMhen Text draekan, mit den Aninaiio^tn, 
walehe die VergWchong an Hand gibt. Die AbkürMbg B bedeotei gewöhnlich 



380 MISCELLEN, 

Beynolt oder vielmehr Reynout, wiewohl sie auch Roelant heißen kann, wie 
der ZuB.hang jedesmahl ausweist. In den mir mitgetheilten Zeilen finde 
ich keinen Anstoß. Das Auslaßen der Aspiration in eelt (Held) astelikc (haatig- 
lich) scheint auch flämisch, alse goet als 4 (vier) bottoen (soviel als vier ELnopfe, 
d. h. nichts). 

Die zehn Pergamentblatter, welche der Bibliothecar zu Düßeldorf entdeckt 
hat y sind wohl auch bereits bekannt und sogar gedruckt. Es ist dasselbe Stück, 
das ich in meiner Gramm, p. LXY. das Essener Fragment nenne, ich vergaß 
nur anzuführen, daß es vollständiger (ich sage aber nicht: critiech und correct) 
gedruckt steht in Fischer's t3rpograph. Seltenheiten. 5^* Lief. Nämb. 1804. 
S. 150 — 167. Sollte sich zu Düßeldorf mehr finden, als daselbst steht, so 
möchte ich es gerne haben; allein ich zweifle. Gewiß hatte Kindlinger alles 
unter Händen und Essen liegt unweit Dusseldorf. Grammatische Schwierigkeiten 
macht es nicht, wie wohl Kindlinger einiges misverstand, namentlich erito (gen. 
pl. Erbsen, Eritten). 

Ihre Arbeit über die holländ. Lieder freut mich ungemein; ich bin auch 
nicht so gesinnt, daß ich alle Übersetzungen verwürfe; mauchmahl haben sie 
einen rechten subjectiven Nutzen. 

Für die mitgetheilte Äußerung Siegenbecks danke ich, wollte aber, die 
holländ. Grammatiker bearbeiteten ihre alte Gramm, selbst, so würde es ihnen 
nicht an Stoff fehlen, mich zu tadeln. Den 3. Theil von Maerlant habe ich. 

An Prof. Welker herzL Gruß und schönen Dank für den Brief; es liegt 
mir und meinem Bruder längst auf dem Herzen, diesem braven Manne au 
schreiben. 

Schlegels ind. Bibl. , überhaupt seine letzten Arbeiten gefallen mir sehr. 
Aber gegen einen andren dortigen Prof., ich meine Badlof, habe ich mich so 
eben öffentlich wehren, d. h. seine Gemeinheit von mir abwehren mOßen. Das 
ist ein elender Patron und Erzpedant. 

Leben Sie wohl, ich verbleibe Ihr ergebenster Freund Grimm. 

6. 
Nach Bonn. Cassel 11 Febr. 1821. 

Lieber Freund, vor einer Stande erhielt ich Ihre Zusendung vom S*"» so 
langsam geht die Fahrpost dorther; ich danke herzlich für alles. Auf Ihren 
letzten Brief hätte ich lange geantwortet, ich wollte aber den Theophilus vorher 
durchlesen und Ihre Fragen erledigen, dazu habe ich nicht gelangen können, 
weil ich, buchstäblich wahr, einen Bogen meiner Gramm, schreiben muß, wäh- 
rend der vorige gesetzt wird, das raubt mir alle meine Muße und gern über- 
arbeitete ich nochmahls, ehe ich drucken ließe. Für heute also nur folgendes, 
es ist mir lieb, daß Sie mir darum nicht zürnen: 

1. Glück zu Ihrem Fond der otfr. Blätter, fahren Sie so fort! Den Ab- 
druck verdienen dergleichen Blätter höchst und wie ich sehe, haben Sie aUes 
fleißig und sorgfältig behandelt. Das Kinderltng^sche fr. hat Hagen im Mus. 
für altd. Lit. Band 2, Berl. 1811. p. 8—16 (in Kurzzeilen) drucken laßen; 
das Wolfenbüttler Rnittel hinter seinen Brachst des Ulph. Wolfenb. 1762. 4. 
p. 486. (in Langweilen). Auch Diet von Stade specimen lect. antiqq. ex Otfr. 
Stadae 1708. 4. gibt die Stellen in Langzeilen, desgl. Mone in s. Inaug. Diss. 



MISCELLEN. 381 

de emeDdanda rat. gramm. Heidelb. 1816. p. 30 — 32 Proben ans der pfaker 
Hs. in Langzeilen. 

. Ich bemerke noch, daß die verlohren geglaabte freinnger Hs. sa Mfinchen 
vorhanden ist. 

Eine neue critische Ausg. dei ganzen Werks wäre ein schönes, ehren* 
volles aber auch schweres Unternehmen. 

2. bb wann müßen Sie den Theophilus wiederhaben? ich besitze seit 
6 — 8 Jahren eine Abschrift derselben trierer Hs. und sende sie Ihnen alsdann 
sa beliebiger Vergl. mit und meine Glossen wenn ich einige Stunden darauf 
verwenden kann. 

3. Die mitgetheilten Perg. bl. enthalten etwas unbekanntes und sicher 
ungedrucktes, wie ich aus den Namen Johannes, Penthbilea etc. schließe. Geben 
Sie sie also mit heraus. 

4. Die blankenh. Hs. des Wilh. H. habe ich zu Paris nur eine Stunde in 
Händen gehabt, wie ich sie den Franzosen wegnahm, weiß also nichts von 
ihrem Wcrth, nicht einmahl, ob sie 1, 2 oder 3 Theile des Werks enthält 
Der casparsonsche Abdr. ist vor 20 Jahren Maculatur geworden und jetzt über- 
selten; kann ich ein Ex. auftreiben, so sende ichs Ihnen mit« Der Theü den 
Wolfram gedichtet (d. h. der zweite) ist wie alles von ihm trefflich und lohnt 
^e darauf gewandte critische Mähe. 

Es freut mich, daß Sie mit meinen auswärtigen Freunden bekannt werden, 
grfißen Sie Hazthausen wieder herzlich, neulich war Arnim hier imd erzählte, 
daß er Sie in Bonn gefunden und besucht hatte. Beimer ist ein ordentl. Ver* 
leger. Gruße von mir und meinem Br. Wilhelm. 

Dies in aller Eile Der Ihrige 

Grimm. 
An Welker herzl. Empfehl. 
er soll nächstens von uns hören. 

haben Sie Gudrun gelesen? es sind köstliche Stellen darin, 
wie in den NibeL nur das Ganze ist nicht gleich. 

7.*) 
Nach Berlin. Cassel 24 Nov. 1821. 

Lieber Freund, Ihren Brief vom 13 Oct ans Amsterdam bändigte mir 
den 20. d. ein Beisender ein, es machte mir herzliche Freude, einmahl wieder 
von Ihnen zu hören; ich wußte seit länger ab einem halben Jahre nicht ein- 
mahl Ihren Aufenthaltsort, sonst hätte ich längst geschrieben und gedankt. Den 
Otfried und die Liedersanmilung habe ich richtig empfangen und mir gleich 
vorgenommen y ersteren zu recensieren und Ihrer fleißigen, nützlichen Arbeit 
alles gebührende Lob zu ertheilen. Weil ich das auch noch immer zu thun 
gedenke, so schweige ich hier davon. Leider muß ich täglich einige Sei- 
ten, wöchentlich einen Bogen Grammatik zus. schreiben und meine Zeit aufs 
äußerste berathen ; ein Paar Stunden Ausweichung bringen mich aus meinen Con- 
cepten heraus. Leider war die Ihnen ertheilte Nachricht ung^grnndet, das Buch 
bt noch unfertig und wird erst Ostern erscheinen, jetzo und 700 Seiten ge- 



*) Von hier an sind die Briefe nicht mehr mit deutscher, sondern lateinischer 
Schrift geschrieben, mit Ausu. vuu Nr. 10. 



382 MISCELLEN. 

dnickt, 66 gibt Uurer aber über tausend und die« Drittel steokt oedi ia der 
Feder. Sobald ich endige, sende ich Ihnen ein Exemplar, oder woUmi Sie da« 
bis jetst fertige früher geschickt haben? Die Bnchstabenlehre geht bis p. 595 
und von da an beginnt der Inhalt der ersten Ausg. doch alles amgeaurbeitet 
und hoffimtBoh befter gerathen. Ich habe auch in die alt und aeoniederlan- 
dische Lautlehre revolutioniert und mich gegen allen Siegenbeekianismus erklfirt 
In diesen Abschnitten ist es nicht anderb möglich ^ ab daß Ihnen ouinche Be- 
richtignngen aufstoßen werden; finden Sie meine Grundlage richtig und wei* 
terer Verfolgung werth, so ergeben sich uns ' wahrscheinlich sehr bald critische 
Regeln I welche auf die Ausgaben altniederl. Denkmähler angewandt selbst in 
Huijdecopers Arbeiten des fehlerhaften und ungenauen genug entdecken laßen. 
Ihre Bebe und ernste Forschung nach diesen Quellen wird in Deutschland und 
auch bei den trägen Holländern die ganze Sache neu anregen ; Dodt aus Leiden 
hat mir -mittlerweile (und ich vermuthe auf Ihren Antrieb) gesehrieben, sich 
aber wenig berausgekßen, so daß ich noch nicht sdie, ob er schon angefangea 
hat oder erst anfangen will. Haben die Bilderdijk zu Leiden besucht? 

Da Sie aicht mehr zu Haus seyn werden, laße ich diese Zeilen unter der 
angegebenen Addr. nach Berlin gehen; melden Sie mir nun, ob ich Ihnen auf 
demselben Wege Ihre Hs. des Theopdilus und wie bald zusohicken soll? Auf 
die Lbte der Subscrib. zu den westph. Beiträgen setzen Sie doch mich und 
Hm. von Amssrwald (Regierungsassessor zu Hannover) und laßen Sie bald nä- 
heres von Sich hörmi; ich will mich dann auch im Antworten beßern, Stoff 
zu schreiben genug haben wir. Ich grüße herzlich and bin 

der Ihrige Grfanm. 

Eben bt ein sehr gutes Buch heraus: Schmeller 
Mundarten Bayerns. München 1820, ungleich plan- 
mäßiger ab Stalders dialectologie und wenigstens 
eben so fleißig. 

8.*) 

Nach Berlin. den 1. Jan. 1822. 

Lieber freund, herzlichen grüß ziim neuen jähr, ich wollte Ihnen gleich 
die gewtmschten aush&ngebogen meiner grammatik zusenden, bin mit itteiner 
bestellung mftsverstaDden worden und habe nun auf die «weite bestellung wieder 
nur die letaten 18 empfangen oder p. 465 — 752, die i(^ Ihnen um so mehr 
zusammenpacke, als darin gerade die niederländ. buehstabenlehre vorkommt. 
Wie gesagt, wenn Sies noch nicht gethan haben, laßen Sie Sich gleich in einer 
buchhdlg. Sohmellers bairbche mundarten dasa geben» worin feine sachen stehen. 

Ich freue mich Ihres eifers und hoffe auch, daß sich Ihre äußere läge 
wenden wird ; eilen Sie mit dem druckenlaßen nicht zu sehr, mich hats hinterher 
gereut, daß ich unreife und halbrechte dinge hergegeben habe; wenn das gram- 
matische Studium zu nichts hfilfe, so machts besonnener. Mono mit dem besten 
willen gibt uns unverdaute, rohe mythologie, daß michs um des verhunzten 
schönen sto£b oft eckelt. Femer, was Sie arbeiten , arbeiten Sie ungestörter 
allein aus, ohne mitherausgeber, dazu waren Sie an einen gekommen wie Haxt- 



*) Der erste Brief mit kleinen Buchstaben. 



BnSCELLEN. 383 

kauMD *), 4gMea «diÖnen .und guten sinn ich längst kenne, daneben auch seine 
merkwürdige unfertigkeit und Schleiferei. Es anangelt ihm an aller praxis und 
aibeitsamkeit ; seinem bruder gehts nicht anders. 

Von einem trierer Isidor höre ich durch Sie das erste; was ist das? 
befriedigen Sie nun meine Neugier^ wenn auch nur durch ein paar ezcerpierte 
seilen. 

In Stuttgart vermag ich nichts für Sie, nach Hamburg will ich aber 
sehreiben. In Braunschweig erzählt^ mir ein reisender, soll eine merkwürdige 
niederdeutsche hs. liegen, ein roman? dort müßen Sie am besten be- 
kannt seyn. 

Das holländ. fragment, das in Bilderdijks Terscheidenheden (die mir noch 
nicht zu gesiebt gekommen sind) mitgetheilt seyn soll, wird beiliegendes seyn, 
Tor mehreren jähren hatte ichs Bilderdijk zugesandt und er es mit noten mir 
wieder geschickt. Vergleichen Sie inzwischen. 

Außerdem sende ich einen bogen yon Ferraguut, den Sie beliebig können 
dracken laßen, mit der bemerk, daß ihn van Wijn mir mitgetheilt hat. Das 
T. Wijnsche bmchst. des Reynaert besitze ich, es ergänzt die combnrger ^hs. 
und ich laße es in meiner längst yerheißenen ansg. des Reyn. drueken, an die 
ich so Gott will, wo nicht dieses jähr, doch das nächste gehe. 

Ich habe auch noch andre notitzen, aber jetzt keine zeit, setzen Sie mir 
termine, das zwingt mich beßer. Sie müßens dem brief ansehen, daß er unter 
neujahrsplagen geschrieben wird. 

Wilhelm grüßt und dankt für die abgedruckte münze, doch runen seyens 
nicht, sondern celtiberische buchstaben, ähnliche münzen könne er nachweisen 
aas Mionnet und Florez. der Ihrige Ghrimm. 

9. 
Nach Berlin. Cassel 10 Apr. 1822. 

Werden Sie mir nur nicht böse, lieber Hofmann, daß ich auf Ihre zu- 
traulichen mittheilungen so säumig und spärlich antworte; Sie wißen zum theil 
meine abhaltungen, aber auch manche andere, die Sie nicht ahnen, sind zwi- 
schengetreten. Das bueh**) kann ich doch noch nicht mitsenden; ich werde 
Ihrem Wunsche gemäß die Ihnen noch mangelnden bogen an Savigny mit über- 
maehen. Sie haben recht, daß Ihnen das äußere misfällt; ich ertrage leichter, 
weil es mir zu den vielen innem gebrechen stimmt und mich zu yerbeßerungen 
ermuntert, für die eine anständigere form aufbehalten bleiben solL 

Der name Isidor hatte mich getäuscht; hätten Sie mir von trierer glossen 
f^eschrieben, so hätte ich auf der stelle geantwortet, daß mir Wyttenbach längst 
den Codex mitgetheilt hat und ich ihn mir schon vor einigen jähren abschrieb. 



*) Seine ganze Betheilignng an dem gemeinsehafUich heranszugsbendfln Werke 
bestand nur in depi guten Willen, die Arbeit wäre mir allein sugefiillen. Da war es 
allerdings besser, die Sache unterblieb, obschon Beimer Bich bereit erklärt hatte, den 
Verlag zu übemobmen. Es erschien weiter nichts als die Anzeige: „Westph&Iische Bei- 
träge sur Geschichte deutscher Sprache nnd Dichtung, heraasg. durch Werner von 
Hutbansen n. H. v. F.** 

„Das Ganze beträgt 24 Bogen in 8., mit Noten und Schriftproben. Subscriptions- 
preis 1 Thlr. 8 Ggr.« 

**) Grammatik 1. Th. 2. Ansg. 



384 MISCELLEN. 

Es ist die schon bei Gerbert aus einer andern hs« gedrackte sammL nnd in 
der Hinsicht nicht von großem werth. 

Auch das freckenhorster lagerbuch ist schon von Kindlinger ediert; steht 
in Fischer*s typogr. Seltenheiten; näheres kann ich Ihnen melden. 

Über Beintje de Vos ein andermahl. — 

Wilhelm thun Sie mit den merseburger runen unrecht; er spricht aller- 
dings davon in seinem buche p. 282.283. — 

Über die darmstädter nieder! . hs. will ich sobald ich kann nachrichten 
einziehen. Docen schreibe ich selten und ungern, so ein fauler und läßiger ant- 
worter ist er; er verliert seine schöne zeit und seine vielseitige gelehrsamkeit 
über prickeleien; eine deutsche grammatik soll er schon zehn jähre im pulte 
haben, läßt mich aber immer sich zuvorkommen. 

Daß Sie mit Meusebach bekannt geworden sind, freut mich; ich laße ihn 
großen und ob ich ihm Domavii amphitheatrum schenken solle? es steht be- 
kanntlich Fischarts flohhatz etc. drin gedruckt, auch ist das buch sonst nicht 
gemein. Er muß es aber noch nicht haben, sonst behalte ichs. Und was er zu 
Wilh. Müllers angekündigter ausg. der dichter des 17« jahrh. sage?*) bei 
Brockhaus in 6 bänden auf einmahl! ich traue nicht, wiewohl Müller ein ver- 
ständiger, gescheidter mann ist. — 

Von Casparsons Wilh. d. H. kann ich Ihnen den ersten theil schaffen, 
aber den zweiten (wolframischen) nicht| d. h. den besten nicht, weil er höchst 
selten ist. Wenn Sie Lachmann einen gefallen erweisen können, säumen Sie 
nicht; er ist der scharfsinnigste und gelehrteste aller jetzt lebenden in der 
spräche und poesie unserer dichter des 18. jahrh. 

Die casseler hs. der Eneit ist leider jetzt zu — Berlin. Kennen Sie den 
Oberbaurath Schinkel oder Grell? Ich hatte mir gutes damit verglommen; 
vielleicht kehrt sie nun nicht wieder. 

Sie sehen diesem briefe außer erstaunlicher eile die neun uhr abends wo 
und die leisen kopfwehe an unter den ich ihn schreibe, hoffentlich auch meinen 
guten willen Ihnen zu antworten. Setzen Sie die geduld mit mir fort. 

Ihr aufrichtiger freund 
Jacob Grimm« 

10. 
Nach Berlin. 10 JuU 1822. 

Lieber Freund, hierbei empfangen Sie die Ihnen noch abgehenden Bogen 
meiner Grammatik, nebst einem Brief von Njerup und Benecke fiir Meusebachs 
Autographensammlung; von Rasks Briefen mocht ich nicht gern etwas entbehren, 
von Geyer und A&elius besitze ich nichts schriftliches. 

Im mittelniederländischen nehme ich ja kein d, sondern statt dessen ae 
an. Wenn Sie aber kein oe und 6 unterscheiden wollen, so mengen Sie viele 
Wörter, die selbst das neuniederländische nicht vermengt. Das Niederdeutsche, 
zumahl die Volkssprache hilft uns nichts dabei. Indessen bitte ich Sie auf Ihre 
Bedenklichkeiten näher einzugehen; es freut mich, daß Sie mit dem Ganzen 
nicht unzufrieden sind. 



*) Vgl. Wilh. Mailer's Brief an Meusebach in meinen Findlingen 1. Bd. S. 211 ff. 



MISCELLEN. 385 

Ich efle dieses Päckchen in ein anderes beisnschlieGen und kann für dies- 
mahl nicht mehr schreiben. 

Viele Grüße Jacob Grimm, 

p. 669. 670 wird cassiert, Sie finden dafiir 
im Bogen Yyj einen zweiten Druck. 

11. 
l^Nach Breslau. Cassel 10 Dec. 1823. j 

Lieber freund, allerdings habe ich Ihnen lange nicht geschrieben, hatte 
aber auch lange nichts von Ihnen gehört, nämlich das briefchen vom 1. April 
brachte mir Meusebach erst am 8. Sept Ich freue mich Ihrer anstellung, die 
ja nach Ihrem Wunsch ist, nun werden sich auch die früheren vielfachen plane 
setzen und sich in ruhe entfalten. Melden Sie mir gelegentlich, was von Ihnen 
in Holland gedruckt ist und unter welchen titeln? Der berühmte Heidelberger 
Otfried darf die reise nach Breslau nicht umsonst thun, Sie müßen ihn tüchtig 
stadieren; wenn Sie nicht ganz neue abschrift*) davon nehmen, so tragen Sie 
doch sicher die accente in Ihren Schilter ein? Schilters Version ist ziemlich 
unbrauchbar und selbst die Scherzische lange nicht ausreichend, Wörter die über 
zwanzigmahl vorkommen, z. b. drof haben bisher alle nicht verstanden, die den 
O. in bänden hatten; vier oder fünf andere nüße darin sind so hart, daß ich 
sie immer noch nicht aufbeißen kann. Eine neue ausgäbe des ganzen betrachte 
ich ab etwas schweres. 

Der zweite theil meiner gramm. ist im druck, verkehrt und immer ver- 
kehrt geschnittene typen haben ihn so lange aufgehalten, doch bleibt mir noch 
vollauf damit zu thun. Außerdem wird ostem von mir erscheinen: Übersetzung 
von Yuks serbischer Grammatik, ich thue das aus liebe zu dem Studium der 
herrlichen Volkslieder, wovon eine neue aufl. in drei bänden zu Leipzig heraus- 
kommt Von allen selten häuft sich jetzt das material, auch die fseröischen lieder 
(ed. Ljngbye, Randers 1822) sind äußerst merkwürdig. Machen Sie daß nicht 
untergeht, was Sie über deutsche volksl. zus. gebracht haben. 

Hageus Tristan habe ich in diesen Tagen erst empfangen, und zum buch- 
binder geschickt. Vorrede fehlt ganz, in meinem exemplar wenigstens j wird sie 
etwa nachgeliefert? Am Wörterbuch wirds allerhand auszusetzen und zu bekrit- 
teln geben, mitunter scheints etwas flüchtig. Doch greift Hagen alles mit Ge- 
schick an und ist mit seinem ehmahligen gefährten Büsching durchaus nicht zu 
vergleichen. Der mag ein guter mann sein; soUte aber nur nicht so elende 
bücher schmieren, eben sein neuliches über ritterwesen ist nicht zum aushalten 
und die allerarmseligste behandlung des reichsten, schönsten Stoffes. -Wie ist es 
möglich daß sich zu solchen Vorlesungen Studenten gefunden haben 1 andere 
mittelmäßige schriftsteUer haben noch ein heimliches gefuhl ihrer unbedeutend- 
heit, das sich auf irgend eine weise äußert; dieser B. thut aber so breit und 
eitel, als hätte er überall das gründlichste mitzutheilen. Die todtenumen gönne 
ich ihm, halte die materie zwar nicht für sehr ergiebig, doch nicht für ganz 
fruchtlos; Dr. Wilhelm in Thüringen hat ihr kürzlich einiges abgewonnen« 



*) Meine Abschrift des Cod. pal. 42 und meine vollständige geuane Vergleichnng 
des Cod. Vindob. 2687 mit dem Sohilter-Schers*schen Texte ist in der kön. Bibl. stt 
BerUn. Vgl. Bibliotheca Hoffm. Failersl. p. 4». 



386 MlBCfiLLEK. 

MfeüAebfick hftbe' itkt dAvm^ mir einigt stünden g^AXJlM»; M^^tSJiig moste 
er wieder fort; ich treibe ihn, so viel ich kaun, die seÜtien bütÜr^ ündäMullldi'. 
Fischaiftr heraüMQ^ben und an seinen liedem fortzusammeln. lelrddellt^ statt 
der berliner gesundheitsreise hätten' Sie Ihre heimath besucht* oder röhrte sich 
Ihr weifisches blut gar nicht bei den netdichen festen 2tt Braunseh wei^? Aus- 
führlicher schreibe ich ein andermahl; heute bloß, gleich nach empfimg Ihres 
letzten briefs, dies blatt, damit Sie mir nicht böse werden. Kräuterbuch und 
Frisius- sollen mir willkommen sein. Wilhelm grüßt, wir haben Haniaker« und 
Reurens pnnica noch nicht gelesen^ aber.dnnkt mich vemchrieben. Was ist aus 
dem Utreohter geworden (Doodt?) der einiBahl so difrif^. hititer das altniedariaiML 
herwollte? von henen Ihr freund GHmm. 

12- 

Nach Breslau. 

Cassel 28 aug. 1824. Lieber freund, es bedarf freilich Ihrer naehaicht 
daß ich einen früheren brief so spat und erst mit dem jüngst empiangnen au- 
gleich beantworte. Sie wißen, wie ich meine zeit zu rath halte; selbst stunden, 
in denen ich gerne zur erhohlnng etwas anderes triebe, brauche ich, um aller- 
hand lücken in meinen Studien auszufüllen. Da führt eins zum andern im Zu- 
sammenhang; briefschreiben hat, wenn man anhaltend arbeiten muß, etwaa stö- 
rendes ; hätte ich daneben nicht auch andere unangenehme Störungen \ Darum 
gehet es, meiner arbeitsamkeit ungeachtet mit dem drucke meines zweiten theils 
nur. langsam fort, es sind erst 20 bogen fertig, am 21. und 22. sehreibe 
ich jetzt Hernach ist seit einem jähr noch ein andrer plan in mir herumge- 
gangen, dessen vorläufiges mislingen mich in den letzten monaten verstimmt hat 
Ich wollte nach Mailand ssum Ulfilas. Kaimi sind die seit 7 jähren unth9ti§p«» 
Italiener unterrichtet von meinem vorhaben, so regt sich ihr neid oder ehrgeitz 
und plötzlich geben sie vor, selbst zum werke schreiten zu wollen, {ch warte 
ab, was das nächste jähr bringt und habe meine absieht mehr verschoben als 
aufgegeben. 

Was Sie nun angeht, lieber freund, freue ich mich Ihrer ruhiger werdenden, 
erfolge verheißenden thätigkeit. Nach und nach werden Sie einzelne plane fahren 
laßen, dafür den übrigen mit desto mehr befriedigung anhängen. Seinen mann 
allein fordert Otfried und tüchtige arbeit. Erwarten Sie dafür von Diet. von 
Stade keine sonderliche hülfe. Zu seiner zeit gründlich und gelehrt, weit ge- 
schickter als der practisch emßigere Schilter zur herausg. alth. quellen, kann 
er uns doch heutzutage wenig lehren. EinmahHges genaues durchlesen bringt da 
weiter im y^i^tändniss als es Stades untereinander gekritzelte meinungen und 
irrthümer vermögen. Und nun gar ein zehn oder mehrmaliges ! denn das ist 
nöthig. Schon Otfrieds äccent und metrik verwickelt tief in die sache, wovon 
der D. v. St. keine ahntihg hat. Haben Sie ein vollständiges Wortregister 
entworfen? Des aiphabet, registers' wegen liegt der Stade schon so lange bei 
mir, ich schlage ihn nach um schnell zu wißen, ob ein wort bei 0. ist, wo und 
wie t)ft? ' Allein ich find^ langst, daß er nicht vollständig ist. Ihr ahd. Wörter- 
buch werden Sie schmi GrafiTzu gefallen aufgeben, den ich für überaus tüchtig 
halte. Sein prodromus über die präpos. könnte kaum beßer gerathen sein. Die 
kltnuem quell«tt zu sammeln und* guf heraus^mgebetr isrwtBdät ein hübseher ge- 
^ankö ; ' asu ihter sicheret! erlflntenmg müßen aber erst critische aJisgaben der 



MTfiCELLEir. 3g7 



hfiiiiipillen roeht MMrfistai. Auf Düren W. rabwribiere ich für die BM. und 
f&r aMckv Abel* dfmk eingeftckUigencii wof^ der iubanriplloii lr»u« S«h ni«lit rt*ebt ; 
mit «ibe treiben Hie 60 theilnebiaer toiamineo, woimuf e» kein t'vHegvHr w«gt. 
Legen Sie einem Ihr feitigee manuecript vor, däft ifam die tiehtl|^elt der arbeit 
«tsleiichte, so untenumlnt er von selbst ein werk, du kae» ein- aipbabet aus- 
nssehea wird (breilo ad modutn Maßmanns lu der fr0Dkeniien|ei> urkttnde werden 
Si« fliehen 1} Sabseriptlonen scheinen mir nur an^iebraolit and nothwendig, wenn 
es sieh nm grüftere deakmähler von mehrem aiphab. oder bttndon handelt. 

Das Georgslied*) gewinnt ditrcb Ihren text nnd ieh danke Ihnen Ar die 
sthm die Sie mir bei dessen abdmck erweisen. Aber wamm haben Hie Ih^e rer* 
•oebt« henteUung» die mir Benecke spaiter mitgetheill hat« nicht gieieh dasu 
grISgt? Hie bimnoben Hieb ihrer nicht an schimen.; allem stimine leh nicht bei, 
«ieWs tat mit glück und ordentlich heransgebracht. Die urknnde kann man ein 
i«l«MÜ von sehlechtsohreibung nennen, doch selbst in. dieser schleehti|^beil lii0 
einiges merkwürdiget >• b. die Verwendung des h xnr dolinnng oder l&aget ▼• 2 
ia nuüuko steckt doch wohl ein druck/., da Handr. und Mone mabrko le»eiiw 
Wie falsch hat Ifone aber vieles und einigee gar nieht gelesen; haben Hie kein 
reageoa angewandt oder anwenden dürfen? es sollte sich sonst noch Teraehiednes 
beraasbringen laften« Hier einige anmerknngen n Ihrer hentellam; !• L mAl# 
*= flsahale, der Schreiber setit mehr o lur e. 3. bebS^^emo (nicht heviAAemoK 
4« gots liebOsta. 6. ther m&ro. 7. «Mmn« geht nicht an« leb siehe das hon ans 
8 noek daan nnd lese: kaningn s^ mane^r', er sobaeb: maneAo (wie heuiAcaio), 
das a hohle der henker. Wollen Hie manege lesen nnd doch bea beballen, so 
müste es adr. su crkeren sein und h6h«» lauten, allein wa« soU h6ho eriieren? 
erkfa^ halte ich iiir : arocare, vom christentb. abkehren ; Ihr erehor5n €s6e ieh 
nicbC HchwerL bts: hOho cren (wie etwa O. III. 12, 52. > H. L bdrm« 9. reponis: 
ne härter, in es scegi guot, quod vix probo. es srogi gtiot venrtehe ick niekt, 
rathe auch nicht, wie Hies nehmen. Das panct hinter horter ist unrecht, ne 
hurter in es (nicht es) muA aus. bleiben^ non obsequutus <*4t illis in ea re, ge« 
rede wie vorher: ern«*« hören d« i. er in veif>v v«, AIht shegih gnotV wenn n^ 
then gilt| rathe ich: negi guot := milcs lionus, al>cr segi f. miles, vir fortis 
habe ich abd. noch nicht gelesen, und kenne IU06 da« a^i. secg, alln. seggr 
in dieser bedeutung. Kin suh»t, ein cpithet für üeorg muft darin stecken und 
wiAcn Sie du beBer«*«? — 11. vor sc« ist wie Ol bvrro au suppliereut nach 68. 
13. L fuorofi. scoDriü. 15. 1. worAta nicht worchota, auch imbix, nicht imbisse. 
20. L gAnten, nicht gahnenton. 21. siil i^t »ehr gut 1. toMSUf/tu jÄr. nssprang 
ther loub sar, scharf »innig von Ihnen aus der le|;i*nde von der blühenden säule 
erklart. An iotth sweifle ieh kaum. Abi>r tkfr ist nelt^am, da sonst i¥ub im abd 



*) Qrimni*s Bemerkungen bestehen sich anf den Tnt, d«»n ich fiir nN*ine Fminde 
Iss Sommsr 1824 drucken ließ, mit einer Widmung an ISrnerk«*, Iktcrn und Orimro. 
Kr erschien unter dem Titel : pIlTmnns th^otiscnii in sanctam Oecirgiaro ad fiilem mdina 
VAiirani edidit et sopplevit A. H. Hoffmann. Fallertlebensis. VraSisL da L» crr ssiiij. 

Eine Hmtellnng theilte ick schon iifl-«^>« Benecke mit, die durch ihn an Ortmm 
f»laafl#, der sich hier in seinen Bemerkungen mit darauf besieht Tr&t und Wieder- 
kefsteUnng nakm ic*h dann spiter in meine Fundgruben auf. 1. Tk. 8. 10—13. 

Wie lUapt den Text las, «teht in: l>enkmller deutscher Poesie und Prosa au« 
d4»m Till. -XII. Jh. Iferausg. ron K. MüllenhoiT und W. 8cher«r (Berlin 18»^) 8. 2mh 
bi« 300, und die Herstellung des Textes dorch die Heraasg. findet sich 8. 23—25, die 
Aamerkungen dasu 8. 900—304. 



388 BflSCELLEN. 

nJid. (auch ags. alts. altn.) neiUrfmi isL Also vielleicht zn nelunen für thir oder 
thir, endit. datiT? 22. L worhta. 26. 1. zürnte, znmta (nicht zürnet). 27. L slahen 
(nicht slagen) L tnertd. 30. 36. 45 wanun gesante? etwa er sandte die ge- 
tanfiten aus in die weit (fram)? lieber: gescante, machte zu schänden. 38. l. mnHen, 
mnljen (nicht malen) ; verbrennen (nicht bemen). 30. L bronnun. 40. l. boldton 
(jecenmt). 46. nzspnmg er ther wache scar — ist kanm anzunehmen. Das letzte 
wort wird sein «dr, wie 21. Doch nicht: üzsprang ther (oder wieder tfair) w&c 
sfir? es sprang wieder waßer aus dem brunnen? oder: ther wäho (der herrliche, 
held, er selbst)? Wer ist der er in seile 47? Tacianus? darauf wirds auch an- 
kommen. 49 ist der schwerste vers im ganzen stuck, weder den text noch Ihre 
conjectur verstehe ich. Offenbar spricht darin Georg ablehnende, den beiden 
ärgerliche werte, aber wer räth sie aus so entstellten überbleibsein. 50. ist mir 
deutlicher; ich 1. (weil nach quat der bloße conjunctiv, ohne partikel steht, vgl. 
25. quat, wftri): quat, sie todrtn ferloren^ (föne) demo tiufele al betrogen^. 
Allenfalls auch sd für sie. föne kann nicht fehlen, wenn betrogene sicher ist. 

51. cund geht nicht an. Will man aber cunne (faveat, largiatur) lesen, so müste 
vorher eine seile ausgefiallen sein, worin von Seligkeit des ewig. leb. geredet wird. 

52. wohl gieng f. git. 54. alessandria sehr gut hergestellt, das wort macht auch 
den halben vers voU: &1^4ndriä. tugei\ich& bezweifle ich. 55. 1. wolett/on. wohl 
«cos f. scanc. 56. hilft (f. hilfit) geht nicht. 59. abolkii gibt keinen sinn, sollte 
hier nicht der name abollo, apollo stecken (erbibinota''4p6llo) den er in den 
abgrund fahren heibt (Reinbot 36* 46')? Er reimt auf üf^ nicht auf hant. 60. der 
letzte vers ist gut; nur fuor f. fuer. — 

Der alte vocabularius war mir recht lieb; dafür und fiir den versproch« 
Frisius weiß ich Ihnen jetzt nichts wiederzuschenken. An Lachmann wird Ihre 
bestellung im nächsten briefe ausgerichtet. Dergl. heimtücken sollte, wer Hagens 
briefe in die heimath gelesen hat, worin er sich bei Kanne so fromm gebährdet, 
ihm ni(?ht weiter zutrauen. Zwar hat er mir früher auch so mitgespielt, aber 
ich hielt ihn fast für bekehrt Seine vergeßenheiten etc. sind meistens absiebten. 
Das heft denkmale ist in der that gering von bedeutung. 

Läßt Ihnen das Bibl. geschäft nicht räum zu Vorlesungen? da Sie jetzt 
dort der einzige sind. Ihre klagen« über Breslau begreife ich nicht , man kann 
da so wohl studieren als anderwärts und subsidien sind z. b. weit mehr als hier. 
Melden Sie Wachlem meine herzliche empfehlung. Wilhelm grüßt aufs freund- 
schaftlichste. Jacob Grimm. 

Bilderdigks verscheidenheden habe ich nun erhalten, die gedruckten frag- 
mente sind das beste; seine paradozien taugen blitzwenig. Ich wollte ich könnte 
den cod. pal. 361 mit Ihnen durchlesen; theüen Sie mir gelegentlich loca et 
vcrba notabiliora daraus mit O. I. 6, 6. liest doch cod. pal. uuirtun? 



Die Kuneninschriften der Wiener- Goldgefasse 

des Bajiatei Fuad.es . 






ßdd.Iirnkhanv, MWt^.Mbe. 



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2. Bester nullius &. MJT/SS 






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6.a..JGfi^mit&ifr,ll[r%S3,ßZlna», 




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Alphabet der Wiener-Goidgefäss 



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Alphabet der Wiener-Goldgefässe 

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390 REIN HOLD KÖHLER 

ihn selbst mit Salben bestreicht, betrachtet Tristan ihr Haar und er- 
kennt, daß sie die gesuchte Frau sein müße. 

So erzählen die beiden Überarbeitungen des Tristan des Eilhart 
von Oberge, welche uns in einer Heidelberger und in einer Dresdener 
Handschrift erhalten sind*), und die gleichfalls auf Eilhart zurückzo- 
iuhrende prosaische, zum Volksbuch gewordene Historie Herren Tri- 
strants und der schonen Isolde **). Auch alte künstlerische Darstel- 
lungen der Tristandichtung stimmen wenigstens in diesem Theil mit 
der Eilhartschen Erzählung. Auf dem in neuester Zeit im Erfurter Dom 
aufgefundenen Teppich aus der Mitte des 14. Jahrhunderts sehen wir 
gleich als erstes Bild den König Marke und Tristan auf einer Ruhe- 
bank, im Gespräch begriffen, einander gegenüber sitzend, oben die 
Schwalbe mit dem langen Frauenhaar (vgl. Anzeiger für Kunde der 
deutschen Vorzeit 1866, S. 15), und auf einem andern, aus der zweiten 
Hälfte des 14. Jahrhunderts stammenden Teppich im Kloster Wien- 
hausen bei Celle zeigt das letzte Bild der zweiten Reihe Tristan ste- 
hend vor dem sitzenden König, oben zwischen ihnen die beiden Vögel 
(Mithoff, Archiv für Niedersachsens Kunstgeschichte, Abth. 2, Tafel 6). 

Anders ist dieser Theil der Tristansage im Tristan des Gottfried 
von Straßburg und im englischen Sir Tristrem erzählt. Hier zieht 
Tristan nicht auf gut Glück in die weite Welt, um die unbekannte 
Herrin des von der Schwalbe gebrachten Haars für König Marke zu 
suchen, die er dann, durch Zufall an die Küste von Irland verschlagen, 
in Isolde, welche er bei seinem ersten Aufenthalt in Develin nicht 
gesehen hatte, findet. Vielmehr hat Tristan hier als Spielmann Tantris 
oder Tramtris, nachdem er von der Königin Mutter geheilt worden ist, 
Isolden längere Zeit in Saitenspiel und Wissenschaften unterwiesen, 
und nach Kurnewal zurückgekehrt, seinem Oheim und dem ganzen Hof 
ihre große Schönheit gerühmt, worauf er auf Anstiften der neidischen 
Barone, w;elche wünschen, daß König Marke sich verheirate, damit 



*) In Beilage A und B zti diesem Anfsatz gebe ich die Stellen nach den beiden 
Handschriften. Die Stellen der Heidelberger Handschrift hat Herr Hofrath Holtzmann 
die Güte gehabt mir abzuschreiben. Die Dresdener Handschrift habe ich hier in Wei- 
mar benutzen dürfen, wofür ich Herrn Oberbibliothekar Dr. Förstemann zu Dank ver- 
pflichtet bin. Die Stellen erscheinen zum erstenmal gedruckt. Nur einige wenige Verse 
sind in v. 6roote*s Ausgabe des Tristan mitgetheilt, S. XXIX aus der Heidelberger, 
8. 416 aus der Dresdener Handschrift, letztere nicht ganz genau. 

**) Sieh Jacob Grimm in der Leipziger Literatur -Zeitung 1812, Sp. 499 ff. in 
seiner gehaltreichen, stellenweis außerordentlich schon geschriebenen Recension des 
Buches der Liebe von Büsching und Von der Hagen. 




TRISTAN UND ISOLDE UND DAS MÄRCHEN 
VON DER GOLDHAARIGEN JL^^(JFßAU UND 
VON DEN WASSERN DES TODES UND DES 

LEBENS. 



von 

REINIIÜLD KÖHLER. 



AU Tristan, tod seiner im Kampf mit Morolt erhaltenen Wunde 
durch die Arzeneien der Isolde geheilt, aus Irland nach Kumewal 
zurückgekehrt war, ward er seinem Oheim, dem König Marke, 
so lieb, daÜ dieser kein Weib nehmen, sondern ihn zum Sohn und 
Erben haben wollte. Obgleich Tristan dabei ganz unschuldig war, 
meinten doch manche, er rathe dem König selbst dazu, und hassten 
ihn de^haIb. Eines Tages begaben sich die Vornehmsten den Landes 
mit Tristan zum König und baten ihn, daü er ein Weib nehme. Der 
König bestimmte ihnen eine Zeit, binnen welcher er ihnen antworten 
wollte. Als diese Zeit nun herankam und der König hin und her sann, 
wie er sie von ihrer Bitte al>bringen möchte, da er durchaus nicht hei- 
raten wollte, flogen zwei Sehwalben m den Saal und l)i^sf*n sich und 
dabei entfiel ihnen ein schönes langes Frauenhaar. Der König hob es 
auf und gedachte damit sich gegen ihre Hitte zu wehren. Als uim die 
Herren mit Tristan erschienen und des Königs Antwort haben wollten, 
erklarte er ihnen, nur die tu Frau nehmen zu wollen, der jenes Haar 
gehöre. Tristan aber, um sich zu n*<*ht fertigen, daü ni<*ht er dem König 
rathe» nicht zu heiraten, bat den König um ein Schifl*, damit er aus- 
ziehe und die Frau suche und, wenn er sie finde, ihm iiringc. So fuhr 
Tristan in einem Schifle weg und ward naeh einem Monat von einem 
Stnrm wider Willen nach Irland verbch lagen. Nachdem er dort den 
Drachen getödtet bat, wird er verwundet und tod matt an einem kühlen 
Brunnen liegend von Isolden und ihren Frauen gefunden und in die 
Stadt gebracht« Isolde heißt ihm ein Bad bereiten, und v^ährend Me 



392 REINHOLD KÖHLER 

Thomas von Britanje, den er im Prolog seines Gedichtes andern Dar- 
stellungen der Tristanaventüren gegenüber so herausstreicht. Wer aber 
auch immer aus der Tristansage dies Motiv als unwahrscheinlich zu- 
erst verworfen hat, von rein dichterischem Standpunkt betrachtet hat 
sie dadurch nur verloren. Jacob Grimm *) sagt mit Recht : 'Es muß 
einleuchten, daß wenn bei Gottfried und Thomas die Braut dem Konig 
als eine bekannte, mit Namen genannte Schönheit angerathen wird, 
und Tristan mit gutem Bewusstsein die gefahrvolle Reise unternimmt, 
daß dieses alles einen schwachen Ersatz für das auf Wunder und gu- 
tes Glück bauende Vertrauen Tristans gewährt, der bloß von dem 
Zeichen eines Goldhaars geleitet Land und Meer befahrt.' 

Aber dieser Zug, daß der Held die Unbekannte, von wel- 
cher ein von einem Vogel fallen gelassenes Haar herrührt, 
suchen muß, kömmt nicht nur in der Tristansage vor, sondern auch 
in ganz ähnlicher Weise in einigen Versionen eines europäischen Volks- 
märchens, welches wir das Märchen von der Jungfrau mit den goldenen 
Haaren und von den Wassern des Todes und des Lebens nennen können. 
Die wesentliche Grundlage dieses Märchens, die selbst in den ent- 
stelltesten Versionen noch durchblickt, ist, natürlich von den Moti- 
vierungen des Einzelnen abgesehen, deren ursprünglichste, älteste Form 
nicht sicher zu bestimmen ist, die folgende: Ein Jüngling wird von 
einem alten König ausgesandt, die Jungfrau mit den goldenen Haaren 
zu suchen und für ihn um sie zu werben. Der Jüngling findet sie, 
wirbt für den König, und nachdem er erst mehrere ihm gestellte 
schwere Aufgaben, darunter die: Wasser des Lebens und Wasser des 
Todes zu bringen, mit Hilfe dankbarer Thiere glücklich gelöst hat, 
folgt ihm die Jungfrau zu seinem Herrn. Dort angelangt wird der 
Jüngling getödtet, von der Schönen aber durch das Wasser des Le- 
bens neu belebt. Der König will dies auch verbuchen und lässt sich 
ebenfalls tödten, die Königin belebt ihn aber nicht wieder, sondern 
vermählt sich mit dem Jüngling. 

Man sieht, das Märchen stände, auch wenn in keiner Version 
das von Vögeln gebrachte Frauenhaar vorkäme, doch der Anlage nach 
der Tristansage sehr nahe : die Jungfrau mit den goldenen Haaren ist 
die'blonde Isold e'**), der Jüngling: Tristan, der alte König: Marke. 



*) a. a. O. 

**) Antressi fist Tristans qnant il devisa la biaut^ la roine Ysenlt. 8i chevol, 
fist i], resplandiseent comme fil d'or. Brunetto Latin! Li Livres dou Tresor, ed. Cha* 
baiU©, pg. 489. 



> TRISTAN UND ISOLDE etc. 393 

Der Verlauf ist freilich verschieden. Die Tristansage endet tragisch 
fTir die Liebenden: sie gehen an ihrer Liebe zu Grunde und der alte 
Marke überlebt sie. Das Märchen, als solches tragischem Ausgang 
abhold, endet heiter : der alte böse König wird beseitigt und die Lie- 
benden heiraten sich. 

Sehen wir uns nun die einzelnen Versionen des Märchens von 
der Jungfrau mit den goldenen Haaren etwas näher an. 

Eine der besten und zugleich — mit Straparola's weiter unten zu 
besprechendem Märchen — die älteste Aufzeichnung findet sich in einem 
Jndisch-deutschen Volksbuch, dem s. g. Maase- (Geschichten-) Buch 
(Cap. 143)*), dessen erste bisher bekaLute Ausgabe zu Basel 1602 
erschien, woraus Christoph Helwig (Helvicus) in seinen Jüdischen Hi- 
storien (Theil I, Cap. XV) das Märchen wieder erzählt. Ich gebe den 
wesentlichen Lihalt desselben zum Theil wörtlich nach Helwig**). 

Einem gottlosen König von Israel riethen die Ältesten, ein Weib 
zu nehmen, darum daß er sollte fromm werden. Der König bestellte 
sie, um ihnen Antwort zu ertheilen, über acht Tage wieder, und als 
sie da kamen, kam eben ein großer Vogel geflogen mit einem Haar 
im Schnabel, das wie eitel Gold aussah und so lang wie der Kö- 
nig war, und warf' es auf des Königs Achsel. Da hub der König 
das Haar auf und erklärte den Ältesten, er wolle kein ander Weib 
nehmen, als die, von welcher das Haar wäre gewesen, und wenn sie 
ihm die nicht brächten, werde er sie alle umbringen lassen. Nun lebte 
damals der Rabbi Chanina***), der 70 Sprachen und die Sprache der 
Thiere verstand und beim König in großen Gnaden war, weshalb ihm 
ein Theil der Ältesten feind war. Diese gaben dem König an, er 
solle dem Rabbi den Auftrag geben, der könne es zu Wege bringen. 
Der Rabbi erhält den Auftrag und macht sich mit 12 Gulden und 
drei Laib Brots auf. Unterwegs theilt er einem Raben und einem Hand 



*) Vgl. über das Maase-Bnch M. SteiDSchneider im Serapeam 1866, S. 1 ff. und 
meine Mittheilnng im Jahrbuch für romanische und englische Litteratur VII, 33. 

*^ Helwig*s seltenes Büchlein besteht sum größten Theil, wie in der Vorredi 
und tu. jedem einzelnen Capitel ausdrücklich bemerkt ist, ans Gfeschichten des Maasc- 
Buchs, und hat nur zum Zweck, *der verstockten Juden Aberglauben und Fabel werk 
daraus ersehen zu lassen. Es erschien zuerst 1611 und 1612 zu Gießen, in 2. Ausgabe 
ebendaselbst 1617, welche letztere mir in dem Exemplar der Gießener Universitfita-* 
bibliothek vorliegt. 

***) In Tendlau^s Buch * Fellmeiers Abende' (Frankf. a. M. 1856), wo S. 5 ff. das 
Mirchen frei, aber doch offenbar auch nach dem Maase-Buch erzählt ist, heißt der 
Babbi llunna. 



394 REINHOLÜ KOHLEK 

von seinem Brot mit und läset einen eben gefangenen großen Fisch, 
den er zwei Fischern für die 12 Gulden abkauft, wieder ins Wasser. 
Er kommt endlich in die Stadt der Königin, welcher jener Vogel, 
als sie sich einmal im Garten gewaschen, ein Haar ausgerupft hatte, 
und trägt ihr des Königs Werbung vor. Sie erklärt sich bereit mit 
ihm zu ziehen, wenn er ihr vorher zweierlei zu Wege bringe. Znerst 
soll er Wasser aus dem Paradies und Wasser ans der Hölle schaffen* 
Wie der Rabbi deshalb rathlos zu Gott betet, kömmt jener Rabe, den er 
vom Hungertod errettet, und redet ihn an und lässt sich zwei Kruglein 
an die Flügel hängen. Darauf fliegt er in die Hölle und füllt das eine 
und vor großer Hitze verbrannten seine Federn; rasch fliegt er zum 
Bach, der aus dem Paradies fließt, und füllet das andere Krnglein, 
da waren seine Federn wie zuvor. Er bringt dem Rabbi die Krage 
und dieser bringt sie der Königin, die die Wirkung der Wasser an 
ihrer Hand erprobt. Hierauf stellt ihm die Königin als zweite Bedin- 
gung auf, einen ins Meer gefallenen Ring ihr wieder zu schaffen. Als 
der Rabbi traurig am Meer betet, kömmt der dankbare Fisch ge- 
schwommen und verspricht ihm Hilfe. Er schwimmt hierauf zum Le- 
viathan und erzählt ihm alles, worauf der Leviathan befiehlt, daß der 
Fisch, welcher den Ring habe, ihn herausgebe. So bekömmt ihn der 
Fisch des Rabbi, schwimmt an das Ufer, wo der Rabbi wartet, und 
speit ihn ans Land. Da kömrot aber eben ein wild Schwein vorbei 
und verschlingt ihn. Wie deshalb der Rabbi jammert, kömmt je- 
ner Hund, den der Rabbi einst gespeist, läuft dem Schwein nach 
und zerreißt es. So bringt der Rabbi der Königin den -Ring und sie 
zieht mit ihm nach Israel und gefallt dort dem König gar sehr. Wie 
nun die Ältesten sahen, daß der Rabbi deshalb in großen Gnaden stand, 
erschlugen sie ihn heimlich, aber die Königin bestrich ihn mit Para- 
dieseswasser und machte ihn wieder lebendig* Das wollte der König 
auch versuchen und ließ sich von einem Knecht todt schlagen. Da goß 
die Königin das Höllenwasser auf ihn und er verbrannte zu Asche, 
worauf die Königin zu den Ältesten sprach : Nun sehet ihr, wäre der 
König nicht ein gottloser Mensch gewesen, so wäre er auch wieder 
lebendig geworden. Nun ward der Rabbi König und Gemahl der 
Königin. 

So das jüdische Märchen. In ihm haben wir wie im Eilhart- 
schen Tristan den von seinen Räthen zur Heirat gedrängten König, 
der sich eine Frist, binnen welcher er sich erklären will, bestimmt 
und dem endlich im letzten Moment das von dem Vogel fallen gelas- 
sene Frauenhaar den ei wünschten Anlaß gibt, sich zur Verheiratung 



TRISTAN UND ISOLDE etc. 396 

bereit zu erklären, aber unter einer Bedingung, die aller Wahrschein- 
lichkeit nach unmöglich erscheint. Abweichend von der Tristansage 
ist, daß nicht zwei Schwalben sich um das 'Haar beißen , sondern ein 
großer Vogel es — wie absiehtlich — auf des Königs Achsel wirft. 
Den übrigen Versionen des Märchens von der goldhaarigen Jungfrau 
gegenüber sind noch folgende Eigenthümlichkeiten des jüdischen her- 
vorzuheben. Die Aufgabe, den ins Wasser gefallenen King wieder zu 
bringen, kommt in den meisten vor und wird dann mit Hilfe des Fi- 
sches gelost; aber dem jüdischen Märchen ist der Zug eigen, daß der 
vom Fisch gebrachte Ring von einem Schwein verschlungen wird und 
dieses Schwein nun erst von dem dankbaren Hund gejagt und zer- 
rissen werden muß. Ferner sind hervorzuheben die Tödtung des Rabbi 
durch die neidischen Ältesten, die Bezeichnungen 'Wasser des Para- 
dieses' und 'Wasser der Hölle', und endlich daß der getödtete König 
durch das auf ihn gegossene Höllen wasser verbrannt wird, — alles 
dem jüdischen Märchen eigene Züge*). 

Eine zweite gute und in eigenthümlicher Weise reich entwickelte 
Gestaltung des Märchens von der Jungfrau mit den goldenen Haaren 
ist bei d