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Full text of "Geschichte der griechischen Litteratur in der Alexandrinerzeit"

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GESCHICHTE 

DER 

GRIECHISCHEN LITTERATUR 

IN DER \ ' :..■ 

ALEXANDEINEEZEIT. 

Vo» 
FRANZ SUSEMIHL. 



LEIPZIG, 

DEUCK UND VERLAG VON It. O. TBITBNEK. 
1891. 



L.,j,_, M.t^TOOgle 



Cti^.'^ 






by Google 



EDUAED ZELLER 

IN GßÖSSTEK HOCUACHIUNO UND VEßEHliUNO 



(1KWI1>MKT. 



406233^ .„Google 



^.■>.l;a^.»^ 



by Google 



Hochgeehrter Herr College! 

AU Ihnen zn Ihrem siebzigsten Geburtstag eine SammluDg 
wissenscbaß^licher Abhandlungen fiberreicbt «rarde, hatte man 
mich nicht der Ehre gewürdigt auch mich zu einem Beitrage 
einzuladen. GlQcklicherweiao kann ich mich dafQr jetzt schadlos 
halten: Sie haben die Widmung dieses meines Buches freundlichst 
angenommen, nnd ich danke Ihnen auf das Herzlichste dafar. 
Bin ich auch nicht Ihr Schfiter durch mUndlichen Unterricht 
gewesen, so haben Sie Sich doch keinen treueren ScbUler er- 
worben als mich durch Ihre Philosophie der Griechen. Dies Ihr 
groBsartiges Werk hat mir in meiner ganzen wisaenschafttichen 
Thätigkeit überall die Anregungen gegeben und die Wege ge- 
wiesen, und es war mir am Meisten, so weit die Yerschiedenheit 
des Gegenstandes es zuliess, auch das Vorbild fQr meine gegen- 
wärtige Darstellung, weit mehr noch als Teuffels Geschichte 
der rSmischen Littefatnr. Und nicht minder bin ich für einen 
der wesentlichsten und umfassendsten Theile des luhalts Ihnen 
dei^estalt verpflichtet, dass ohne Ihr Werk dos meine gar nicht 
hätte geschrieben werden können. Ihnen das letztere widmen zu 
dfirfen war daher mein um so lebhafterer Wunsch, je erkennt- 
licher ich Ihnen öberdies für die vielen Freundlichkeiten bin, 
die Sie mir in unserem persönlichen und brieflichen Verkehre 
erwiesen haben. 

Nächst Ihnen verdanke ich für mein Buch die meisten An- 
regnngen meinem ehemaligen SpecialcoUegen von Wilamowitz- 
MSIlendorff, dessen Untersuchungen und Beobachtungen Aber 
80 viele bisher mehr, oder weniger dunkle oder verkehrt be- 
leuchtete Regionen des von mir behandelten Gebiets das richtige 
Lieht verbreitet h&ben. Ifeh habe aber nicht bloss aus seinen 
Schriften gelernt, sondern auch das besondere GlQck gehabt 
sieben Jahre lang mit diesem ausgezeichneten Manne in unmittel- 
barer Verbindung zu stehen nnd auch später noch von seiner 



VI Vorwort. 

steten Hülfebereitschaft manche vortrefTIiclie Winke zu erhalten. 
Seine Schüler waren femer auf diese Weise auch die meinen, 
und so ist mir der nicht geringe Nebengewinn erwachsen, daas 
ich unmittelbarer und umfassender als irgend ein Anderer von 
den Anregungen, welche er ihnen gegeben hat, mit berührt 
worden bin. Dass ich mich desshalb keineswegs sklavisch von 
ihm abhängig gemacht habe, vielmehr gelegentlich diese oder 
jene seiner Ansichten sogar entschieden bekämpfe, weiss Niemand 
besser an mir zu schätzen als er selbst, Za jenen gemeinsamen 
Schülern gehören abgesehen von !E. Maass, dem ich für manchen 
guten Bath verpflichtet bin, auch G. Enaack und M. Wellmann, 
die mich nicht bloss mit allerlei Notizen unterstützt, sondern 
sich auch an meinem Unternehmen wesentlich betheiligt haben, 
indem Ersterer die Behandlung des Epigramms, Letzterer die 
der Aerzte mit Ausnahme des Metrodoros, Herophilos und Erasi- 
stratos Übernahm. Von drei ferneren Schülern von mir hat 
A. Brunk mir gleichfalls werthvolle Notizen zu Gebote gestellt 
und sich zur Ausarbeitung des Index bereit erklärt, W. Schulze 
sehr sorgföltig eine Correctur gelesen und mich dabei auf manches 
von mir Uebersehene oder Misskannte aufmerksam gemacht, 
A. Schmekel durch Mittheilung^ des Manuscripts seiner uobh 
ungedruckteu Monographie über die Mittelstoa mir erbeblich ge- 
nützt. Das flinfnndzwanzigste Capitel endlich ist das, wie mir 
scheint, trefflich gelungene Werk von E. Oder. Allen diesen 
Herren sage ich für ihre bereitwillige Hülfe meinen aufrichtigen 
Dank, desgleichen dem vortrefflichen Leipziger- Corrector. 

Trotz dieser günstigen Umstände habe ich oft genug an 
das credo ego vos, iudices, mtrari u. a. w. gedacht, und vielleicht 
hätte ich ohne Ihre aufmunternde Zurede doch noch 'das ganze 
Unternehmen aufgegeben und unvollendet gelassen. Meine sichere 
Ueberzengung, dass ich trotz aller Mühe Manches Übersehen und 
Anderes verkennen vrttrde, hat sich jetzt bereits in den Be- 
richtigui^en und Nachträgen zum ersten Bande bestätigt, und 
die hier beseitigten Mängel und Lücken sind gewiss weitaus 
nicht die einzigen. Aber ich habe mir ^uch gesagt: es giebt 
freilich Fachgenossen genug, mit deren Gelehrsamkeit und Be- 
lesenheit die meine nicht im Entferntesten zu vergleichen ist, 
und deren Köpfe und Hände also weit berufener gewesen wären 
als die meinen, aber wenn sie alle es trotzdem mir Qberlassen 
haben den Anfang zur Aosfüllnng eines so schreienden Mangels 



zu machen, welcher der heutigen classischen Philologie wahr- 
lich nicht zur Ehre gereicht, ao ist das ihre Schuld nnd nicht 
die meine. Sollte dies Buch genügenden Beifall finden, 80 denke 
ich, wenn Leben und Kräfte reichen, auch die attische nnd 
sodann die vorattische Litteraturperiode in ähnlicher Weise zu 
bearbeiten.. Zuletzt auch uoch in die Römerzeit zu gelangen 
darf ich bei meinen vorgerückten Jahren wohl kaum mehr 
hoffen. 

Im Uebrigen will ich nicht wiederholen, waa ich schon in 
der ÄnkQndigoDg geschrieben habe; sollte aber Jemand etwa 
an dem gemischten Systeme Änstoss nehmen, welches ich in der 
Anordnung befolgt habe, so will ich doch* für diesen Fall noch 
einmal hervorheben, dass dieses Buch zwar in erster Linie zum 
Nachschlagen und nicht zum fortlaufenden Lesen bestimmt ist, 
aber doch der Text zugleich zu einem kurzen, Qbersichtlichen 
Lesebuch geeignet sein soll, und zu dieser Uebersichtlichkeit ist 
bei dem Stande der Sache und der Mangelhaftigkeit unserer 
Nachrichten jenes System meiner Ueberzengung nach am Besten 
dienlich. Dem Hauptzwecke meiner Darstellung entsprechend 
sind aber die allgemeinen Charakteristiken möglichst knapp nnd 
summarisch gehalten, um möglichsten Kaum, für den besonderen 
Stoff za lassen. Ist doch ohnehin das Ganze viel umfänglicher 
geworden als wtinschenswerth ; allein' das WOnschenswerthe muss 
nun einmal dem Nothwendigen weichen. Endlich will ich noch 
in einem Stücke meinen Recensenten ihre Arbeit durch folgende 
Vorbemerkung erleichtem: in einem Werke, welches wesentlich 
auf Zusammenfassung fremder Forschungen beruht, erschien es 
mir nicht nur angemessen häufig die eignen Worte ihrer Urheber 
anzoführen, sondern ich habe mich auch durchaus nicht bemüht 
in der Anlehnung an die Darstellungen Anderer wörtliche An- 
klänge zu vermeiden. Wo das einmal gut Gesagte wiederholt 
werden muss, geschieht es meines Erachtens am Besten mit 
denselben oder ähnlichen Worten, und es ist zweckwidrig dies 
anders und also vermuthlich minder gut ausdrücken zu wollen. 

Und so möge denn mein Buch hinausgehen in die Welt, und 
mein nächster Wunsch ist, dasa ea Ihnen, verehrter Herr College, 
einigermassen gefallen möge. Der zweite Band wird, so Gott 
will, noch in diesem Jahre erscheinen. 

Greifawald im' Februar 1891. 



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Inhalt*). 



retea Capitel. Einleitong 

HeUenismiia und Vnlg&rgi^Qchiacli S. 1. — Athen, Rhodoi, 
TarBOB, Eo« als StndieDOrte S. 2. — ÄntigonoB Oonatoa 
8. 8. — Die Selenladen S. 4. — Die Atttkliden S. 4. — Die 
Ftolemaeer. Die Bibliotheken und das Mnaeion in Alexan- 
dreia S. 6. 884. — Poesie nnd Philologie S. 9. 
weites Capitel. Die Philosophie bis in die zweite H&lfte des 
zweiten Jahrhnndotta nnd die apSteren Ejniker 

Einloitnng S. 10. 

1. Die letzten Ejrenaiker. ' Theodoros der Atheist S. IS. — 
Hegesiaa von Eyrene S. IS. — Annikeris von Eyrene 3. 14. — 
Aristoteles von Ejrene S. 14. 

8. Die letzten Megariker. Diodoros Eronos S. 15. — 
Stilponvon Megara S. 16. — l'hilon der Dialektiker S. 18. — 
Alexinos von Klia 8. 19. — PasikleSf Panthoedes, Artemi- 
doros nnd Andere S, SO. 

S. Pasipfaon ans Eretria S. 20. — GeMschte sokratiache 
Dialoge S. 20. — .Paeudo-Kebes 8. i2. 

4. Die Eyoiker. Pbiliskoa von Aegina S. 26. ~~ Erates 
von Theben S. 29. — Monimos von STrakna S. Bl. — He- 
trokles von Maroneia 8. 31. — Bion der Borysthenit 3. 88. 
884. — Telei S. 41. — Menippos von Gadara S. 44. — Me- 
leagros von Gadara 3. 46. 

ö. Die Stoiker. Zenon von Kition S. 48. 884. 907. — Elean- 
thes von Assos 3. 59. — Ariston von Chios 8. 64. 884. — 
HerilloB von Karthago 3. 67. — PersaeoB von Eition S. 6S. — 
Dionjrsios der Deberl&afer von Heiakleia S. 11. — Zenon 
von Sidon 3. 73. — Poseidonios von Alezandreia 3. 73. — 
SphaeroB von Bospoios 3. 73. — Hermagonu von Amphi- 
polis 3. 74. — ApoUophanes von Antiocheia S. 76, — Chrj- 
sippoB von Soli S. 7S. 886. — Aristokreon S. 81. 885. — 
Zenon von Tarsos 3. 82. — Diogenes der Babylonier von 
Seleukeia 3. 82. 6BB. — Antipatros von Tarsos S. 84. ~ 



*) In jedem Capitel sinddie Seitenzahlen der betreffenden Berichtignngen 
nnd Nachtr&ge sofort mit verzeichnet. 



iXiOOglc 



Inhalt. - IX 

Salt« 
ArchedeiiiOB von Tofsos S. 96. — Apollodoios von Sa- 
leakeia S. 86. — Eudromos 8. 86. — Uerableidea »od 
TarBos S. 87. — Sosigenes, Diogenee tod Ptolemats, Niko- 
atratoB, Erinia und Andere S. 87. 

6. Die Epikureer. Epikoroa von Suu^g S. 88. e8&. — 
Hetrodoroa von Lunpaakoa S. 98. 686. — Poljaenoa tod 
L&mpaakoB S. 101. 886. — Hermuchoa von M;tileiie S. 102. — 
Koloten TOn Lampwko» S. 103. — Leontion S. 108. — 
Leonteni von Lampsakos S. lOS. — Herodotoe 8. 104. — 
Ariaton S. 101. — Titnokratea von LampaakoB 8. 106. 886. — 
Neoklea and Arigtobnloa 8. 106. — PoljstratoB S. 106. — 
Charikles S. 106, — Eamelakoa S. 106. — Dioo^aioH und 
Baaileidee 8. 106. 

1. Die Pyrroniker. Perron von Elia S. 107. — Hnd- 
pbanea der Demokriteer von Teos S.IOT. — (PhiloD von 
Athen S. 106. 686). — Timon von Phline der Sillograph 
S. 109. 907. — Eaphronor Ton Seleukeia S. 116. 

8. Die Akademiker. PolemoD aoa Oea 8. 116. — Kran- 
ker Ton Soli S.11S. — Kratea aaa Thria S. 181. — Ar^eai- 
laoi von Pilane S. 133. — Lakjdea TOn.Kjrene 8. 135. — 
Pjrthodoroi S. 136. — Apellea von Chioa 5. 186. 866. — 
Ariatippoi ana Ejiene 8. 136. 886. — Eameades von Ejrene 
S. 187. 886. — Eleitomachoa tod Earthago S. 138. 887. — 
Chormidai oder CharmtidaB 3. ISl. — Agnon oder Uagnoa 
8. 132. — Metrodoroe von Stratonike 8.183. — Aeschinea 
von NeapoUa S. ISS. — BoSthoa Ton Marathon S. 138. — 
Unbekannter Geachichtscbreiber der Akademie S. 134. 

e. Die Peripatetiker. Demetrios von Phaleron 3. 136. 
887. — Straten von Lampsakoa S. US. 887. — Pradphacea 
Tou M;tilene S. 144. — Lykon an« Troaa S. 146. 668. — 
HieronTiiiOB von BhodoB 8. 148. — Prjtania 3. l&O. 688. — 
Ariaton von Eeos S. 160, — Phormion S. 162. — Erito- 
laoB von Phaselia-S. 163. — Diodoroa von Tjroa S. 164. — 
Ariaton von Eoa B. 164. — Eallipbon ond Deinomachoi 
3. 164. — DemetrioB von Bjzantion 3. 154. — Pseado- 
afiatoteliache Schriften 8. 166. 666. 
Drittea CapiteL Ueber die Poesie der AleiandrinerKeit . . . 167—173 
Viertea Capitel. Elegie nnd vemiiackte Dichtongen, beaon- 

dera die Pigniengedicbte 174—106 

Philetaa von Koa S. 174. 686. — Simiaa Ton Rbodoi 

3. 179. — DoBiadaa 8. 182. — Eermesianaz von Eolopbon 

S. 164. 907. — Älexandma der Aetoler 3. 187. — Phanokles 

S. 190. — ParthenioB von Nikaea S. 191. 688. 

FOnftes Capitel. Die Idyllendichtnng nnd der Mimiambos 

und andere choUambiiche Dichtungen 196—835 

Theokritos von Syrakna S. 196. 888. — Phoenix von 
Eolophon S. 839. — Heroda« oder Herondaa 3. 829. — 
HoachoB von Syrakna S. 8B1. — Bion von Fhloaaa bei 



lA^iOOglc 



X Inlialt. 

SeiM 

. Smjma S.283. — Hermlas tod Eurion S. 23G. — Parmenon 
TOD ByzantioD S. 235. 

Sechatea Capitel. Die Hilarotragoedie und andere TrSTestien 236—343 
Einleitung. HÜBrodie nnd Magodie S. 235. — Rhin- 
tbon von Tarent S. SS9. — Skiraa von Tarent S. 241. — 
BlaesOB ans Campanien S.'242. — Sopatroa aaa Paphoa S. 243. 

SiebeateB Capitel. Die Eiaaedendichtang 243 — 248 

Einleitong S. 24B. — Sotadee von Maroneia S. 246. — 
Pyres oder Pjnoa tod Milet S.-24e. — _A]eioa(?), Tiroo- 
cbaridas, Xenarchos n. Andere S. 246. — Eleoniaclios der 
Paastkämpfer S. 247, — Seleukoa, Sohn dea Mneaiptole- 
moB 8. 248. 

Achtea Capitel. Die neue Eomoedie 248—269 

Eialeitnng S. 248. — Menandroa aus Eepbiaia S. 263. 
889. — PhilemOD yoo Soli oder Sjrakaa S. 2ß9. — Dipbiloa 
von Sinope S. 260. 907. — Archedikoa S. 262. — Philippides 
aua Paeania'S. 262. — Anaiippoa S. 263. — Apollodoroa 
von Gela S. 263. — Apollodoroa von Earyatoi S. 2S3. — 
FoaeidippoB von Eanandreia S. 264. 899. — Baton S. 264. — 
Phoenikidea van Hegara S. 266. — Machon von Eorintboe 
oder SikjoQ 3. 866. — Epioikoa S. 866. — Philemon II 
S. 266. — Antiphon, Damoienos, DioiippoB, Endoxos, 
Eaphron, Philemon III, Soaipatroa, Stephanoa, Straten, 
Tbeognetoa a. A. S. 266. 889. 

Nenntee Capitel. Die Trftgoedie 269—283 

Die tragiache Pleiae S. 269. — Soaipbanea von Syrakaa 
S. 270. — Soaitheoa ana Alexandreia in Troaa S. 270. — 
HomeroB von Bjzanz 8. 271. — Lykopbton von Cbalkia 
S. 272. 889. — Philiakoa oder Philikoa von Eerkjra S. 279.— 
Dionjsiadea oder Dionysides ana Hallos odeiTareoe 8.280. — 
Aeantiadea oder Aeantidea S. 280. — Enphronioa der Cker- 
Toneait S. 261. — Sopboklea der Dritte S. 8B2. — Aeachy- 
loavonAlexandreia 8.888. — Ptolemaeoa 17 8.283.890. — 
Apollonidea u. A. S. 288. 

Zehntea Capitel. Daa Lehrgedicht 284—309 

Menekratee von Ephesos 3. 284. — Aratoa von Soli 
B. 284. 890. — Paendo-PbemonoS S. 299. 890. — Paendo- 
Orphena, Heliodoroa von Athen, Boloa von Mendea über 
Giftmischerei 3. 800. — Eallimacboa der Jöngere 3. 301. — 
Nikandroa von Eolophon 8. 302. 890. — Anakreon, Smjn- 
thes n. A. 8. 307. — AleiandroB Lychnos von EpbesoB 
8. 308. — Pankratea aaa Arkadien S, 309. 

Elftea Capitel. Tendenzerdichtnngen in Prosa 809—827 

Einleitnng 8. 809. — Hekataeos von Abdera oder Teoa 
S. 810. 891. — Leon von Fella 8. 316. — EahemerOB von 
Meaaana 3. 816. — Amometos S. 323. — Timokles 8. 823. — 
Antipbanea von Berga 8. 828. — lambnloB S. 824. — Aii< 
atippoa irf^l ^alaiäs r^vipiis 8, 82G. 



lA.TOÜgIc 



Inhalt. 51 

8« Hb 

ZwOlftei Capitel. Zenodotoa und di« anderen Utstea Qram- 

matiker. Die aleiandrinischen Bibliotheken ........ S27— 34G 

Einleitnng S. 8S7. 8B1. — Zenodotoa toh Epbatoi 
S. 830. S91. — Die alesandriDiacheD Bibliotheken. Die 
Zitaten Bibliothekare. Die n{tcc»ts des Eallimachoa und 
die der pergameuiaobea Bibliothek S. SSO. 898. — Gpi- 
genea S.S44. — Agatfaoklea, Schüler des Zeoodotoa S.346.— 
LjraaDiaa von EjreDe B. 346. -~ Dionyaioi lamboa B. 846. — 
Theopbiloa der Zenodoteer S. S46. — JEallias von Ujtilene 
8. 846. — Xenokritoa Ton Eoh S. S46. 

Dreizehntee Capitel. Eallimachoa nnd Ffailemon der Qloaao- 

graph 347-974 

Eallimachoa von Ejcene 8. 847. SB4. — Fhilemon von 
Athen S. 87S. 

Vierzehntes Capitel. Die theo^niaohe Dichtung and das 

eigentliche Epoa S7(— 409 

Die beiden jaDgerenorphiacbenTheogouienS. 375. 898. — 
FBetido-Mnaaeoa,Paendo-Linoa n. PBendo-Thamjria 8. 878. — 
Peeudo-Boeo S. 879. 897. — Äntagoraa von Bhodoa S. 880. 
887. — M;ro oder Moero von Byzani 9. 881. — Nikoene- 
toa von Abdel» S. 881. — Soaiknte« von Phanagoria 
3. 38«. 898. — DiodoroB von Elaea (?) S, 882, — Eleon von 
Knrion S. 983. — Theolf toB von Methymna (?) 3. S88r — 
ApoUonioa der Bhoder (tod Alexandreia) S. 888. 897. — 
Gnphorion von Chalkii S. 393. 698. —. Bhianoi Ton Bene 
oder Eeraea S. 899. 899. — Archfta« von Anphisaa 
S. 408. — Simonidea tod Hogneata am Sipjloa 8. 404. -~ 
DemoatheaeB , aus Bithjuien B. 404. — Neoptolemoi toq 
Farion S. 405. — Moaaeos von Epheaoa S. 406. — Mene- 
Jaoa TOD Aegae S. 406. — Theodoroa S. 407. — Fhaeatos 
8. 408. ~ AntigonoB von EarjstoB der JOngere 3. 408, — 
LiciniD« Arohias n. A. 3. 408. 900. — Der Dichter des 
Epoa Aber PbaSthon S. 409. 900. 

Fanfsehntes Capitel. Eratoathenea tod E;rene. . . . 409—488. 900 

Sechzehntes Capitel 428-468 

Ariatopbanei von Bjuuz S. 4S3. 9D1. — Leogora« tod 
STrakns S. 448. — Ealli«tratoa der Ariatophanear S. 440. — 
AgalliB TOD Eerkfra 3. 4G0. — AriatarcboB von Samotfaroke 
S. 461. 

Siebsehntea Capitel. AstigonoBTonEar^stoaDnddie Wnuder- 

bflcher 463—486 

Einleitnng 3. 468. — Paendo-Orphene 'l9toipvi} S. 464. — 
Arcbelaoa der Aeg^pter 3. 466. — Mjrnlaa von Metfajmna 
S. 467. — AntigODOBTOoEaryatoa 8.468. 901. — Nymphodoros 
TOD Sjrakns 3. 476. — Philoatophanoe von Ejrene S«47ä. ~ 
Philen tod Herakleia 8. 477. — Fseado-Ariatotelea S. 478. — 
FseDdo-Theopompoa 3. 478. — pMcdo-Ephoroa 8. 479. . — 
ApoUoDioa 3.476. — Ljaimachoa von Alexandreia S. 479. — 



i,*^tOO^Ic 



XII Inhalt. 

SeiU 

IsigonOB von Nikaea S. 480. — Diopbanes tod Nikaea 
S. 481. 901. — BoloB ron MeodeB S. 482. 901. — PBendo- 
Demokritos nnd Pseado-Pytbagoraa S. 4S3. SOI. — Moui- 
maa, AntiBtheneB n. A. 8. 485. 

Achtzehntes CapiteL Anekdotensammler 486—491 

Einleitnng S. 486. — Lynkeni von Samoa S. 487. OOS. — 
HegesaiidrOB Ton Delphi S. 480. 

NeaDzehntei Capitel. Fernere püiakographiBch-biographisobe 

Schriflen. Litterar- und' Philosopheo geschieht« 491— 61S 

Einleitimg S. 491. — HermippoB Ton Smyma 8. 4S3. — 
Sotiou von Alezandreia S. 496. — Saiyroa der Peripatetiker 
S. 498, — MDeaiatratoa tob Thoaoa S, 499. — ApolionioB, 
Sohn deB Sotadea S. 500. — Antiathenea too Hhodoa 
S. MO. — Eerakleides LemboB 8. 601. — Nikiaa von Ni- 
kaea S. 606. — SoBikrates von Bhodos 8. 606. — DemetrioB 
von Mi^neaia S. 607. — Dioklea von Magnesia S. 609. — 
Lobon von Argoa S. 610. — Artemon von Kaaandreia 
S. eil. — Dämon von Eyrene S. 613. — Istroa von Kai- 
latia S. 612.. 

ZvranzigBtea Capitel. EonaUchriftataller 613—631 

Einleitung 8. SlS. — Xenokratea von Athen (?) B. 616.— 
Adaeoa von Mjtilene 8. 618. — EaUiienoa von BhodoB 
8. 619. •— Antigono* von Ear^Btoa S. 619. — Der Bildner- 
nnd Malerkanou S. 680. — Das Diadochenajatom der 
PlaiÜker bei Panaanias nnd deaaea QueUenichriftatetler 
far die BeschreiboDg der delphiachen Leacbe S. 68S. — 
(PamphiloB der Maler S. 6S4. 903). ~ Uelantbioa der 
Maler von Siky on (?) und Apelles der Haler von ßolophon» 
S. 624. 003. — Artemon, MenodotOB (?), Theophanea S. 624. — 
PasitalesaniGroBBgriechenlandS.624. — AriBtokle8S.626. — 
AriBteaa 8. 681. . 

Ginnnd£wanzigataa Capitel. Die GeBchichtschreibnng mit 
Aasschlnar des Polybioa bia in die zweite Hälfte dea zweiten 

Jahrhnnderta GSS— 649 

Einleitang 8. 632. — Menaechmoa von 8ikjon 8. 638. — 
Maisyas von Pella 8. 63S. — Onesikritoa von Astjpalaea oder 
Aegina S. 634. 904. — Kleitarchoi S. 637. — Ptolemaeoa I 
8, 630. — Aristoboloa von Easandreia S. 640. 904. — Cbares 
von Mjrtilene 8. 611. — Bphippoa von Olyntho* S. 642. — 
HedioB von Larisa 8. 648. — Ejrailoa von Pharsalos S. 648. — 
Foljkleitoa von Larisa S. 544. — Baeton nnd DiognetAB 
S. 614. — AmyntaB 8. 611. — DijUoa von Athen S. 644. — 
LykosvonBhegion 8.646. — TheodekteBd. Jflngere 8.646.— 
Antandroa nnd Ealliaa von 8;iakna 8. 647. — Hegaatbenea 
8. 647. 904>~ Democharea aus LenkonoS S. 562. — Pyr- 
rot von Epeirot 3. 669. — Xineaa ana TheBaalien S, 669. — 
ProxenoB 8. 669. — HierODTmoa von Kardia 8. 660. — Ti- 
maeoa von Taniomenion 8. 668. 906. — Antikleidea von 



lA.TOÜgIc 



Inhalt. ■ 

Athen S. 684. — Doris von Samoa S. 686. — Diokleidea 
von Abdem S. 693. — AlkimoB aas t^ikelien 8. 692. ~ 
Idomenem Ton Lampeakoa S. 693, — Pbilochoros Ton Athen 
S. 694. — Psendo-AmeletagOTSs 8.699. — Knteroa S.699.— 
Heragoraa (Hereaa) von Hegara S. 608. — Echephylidas 
S. 60S. — Sonbioi der Lakone S. 608. — BeroiM der Babylo- 
nier 8. 60S. 90&. — Haoetho der Aegjpter S. 608. 906. — 
Xenophilof S. 617. — Theodotaa tod Rhodos S. 617. — 
Neanthes von Ejtikoi und Neanthee der JOngere 6. 617. — 
EtetibioB von Chalkia 3. 619. — Demetrioi von Byiaoi 
S. 630. — NymphiB von Heraklei» S. 680. — Eaphantos 
TOD OljrnthoB S. 621. — Helanthioi der Attbidenicbr eiber 
S. 623. — litroa der KalliiDflcheer S. 6SS. ~ Apollodoroe 
von BrrUiise S. 636. — Dioklei von PepareUioe S. 6S6. — 
DaSH von Kolonae in Troai S. 6S7. — Aratoa von Sikyon 
S. 627. 906. — PbylarchOB S. 680. 905. — Deiniaa von 
ArgoB 8. 633. — AristoB von SalamiB S. 634. — LTiima- 
choB S. 634. — Philinos von AkragM S. 634. — Androkles 
S. 636. — PtolemaeoB von Uegalopolis S. 906. — Hnesi- 
ptolemoa S. 636. — Baton von Sinope S. 635. 906. — 
HenondroB von EpheaOB 8. 686. — Haumbal 8. 636. — 
SoBj'lo« aa« Lakonien S. 636. — Chaereas S. 637. — - Si- 
lenos von Ealakte S. 637. — Xenophon S. 639. — Euma- 
choB von Neapolia 8. 639. — Henodotos von PerintboB 
S. 640. — (MonodotOB von Samoa 8. 640). — i'jthermoa 
S. 640. - Antigono« S. 640. — Zenon von Bbodoa S. 641. 
906. — PoBeidoDioH roa Olbia 8. 642. ~ Begeiippoa von 
Mekjbeina S. 613. — lason von Kyrene S. 644. — Arae- 
thoB 8. 644. — Ariatippoa ana Arkadien S. 644, — Derkyloa 
Mia ArgoÜB S. 644. 906. — Eratippoe 8. 646. — Diophan- 
tos 8. 647. - ApollonioB von Letopolia S. 648. - Hene- 
kratea von Xanthoa S, 649. 
inndzvansigiteB CapiteL Geographie and Periegeae I 
Einleitung 8. 649. — Nearchos ans Kreta 8. 661. — 
Andcoathenea von Thaaos 8. B63. — Oorgus der Bergban- 
techniker 8. 661. — Kleon von SjiakuB 8. 664. — Diodo- 
roB der Ferieget von Athen (?) S. 664. — Philon 8. 666. ~ 
Orthagoraa 8. 666. — Anaxikratea S, 666. — Da!machoa 
oder DelmachoB von Plataeae S, 666. - Patrokles 8. 667. ~ 
Demodamaa von Milet S. 659. — Timonax 8. S69. — Dio- 
nyaioB 8. 660. — Dalion 8. 660. — Timosthenes von RbodoB 
8. 660. — Pjthagora« 8. 693. — TimagotOB S. 663. — Si- 
miaa 3. 668. — BaBilia 8. 663. -- Bion von Soli 8. 664. — 
Simonidea 8. 664. — Anaxandrides von Delphi 8. 666. — 
Polemon von llion (Qlykeia) S. 666. — Skymooi von Chio* 
S. 677. — Paeadb-Skjmnoa 8. 677. ~-i Mnaaeaa von Patrae 
oder Patara 8. 679. — Demetrio* von Eallatia 8. 681. — 
Deuetrios von Skepsia S. 6S1. - Agathaichidea von Enidoa 



iX.OÜglc 



XIV . Inhalt. 

S. 686. — XeaophOD -von Lampeakoa S. 692. — Eeliodoroa 
der Perieget ana Athen S. 692. — Artemidoroa von Eph«soa 
S. 663. — Endoios von Rhodos S. 697. — Apollonidea 
S. 698. — Androetas von Tetaedoa S. 698. — Seropion von 
Antiocheia S. 698. — Semoa von Deloa S. 698. ~ Apellaa 
oder ApolUs der Fontiker S. 699. — Pbilemon 8. 699. 906. — 
Soknitea von Argoa S. 699. — ÄgaklytoB S. 699. — Alketas 
S. 699. — Amphüm von Theapiae S. TOD. — Aichelu» 
von Eappadokien S. 700. 

Drcinndzwansigatea Capitel. Reihe nnd angewandte Mathe- 
matik 701-776 

Antoljkoa TOn Pitane S. 701. — Ariataeos der Aeltore 
S. 703. — Enkleidea S, 704. — Epigenea der Aatrolog 
S. TIS. — Ariataroboa von Samoa 8. 718. — Aristjllos n. 
Timochatis S. 720. — £onon von Sunoa S. 721. — Niko- 
telea von Ejrene S. 722. — Doaitheoa von Peinsion 8. 728. — 
Archimedes von Sjrakus S, 723. — Kriton von Naxoa 
S. 783. — Atbenaeoe der Mechaniker S. 733. — Kteaibioa 
der Mechaniker von Askra (?) S. 734. — Biton S. 736. — 
Heron von Alexandreia S. 737. — Philon Ton BfEaoE 
S, 744. — ApollonioB TOn Perge 3. 749. 906. — Zwischen- 
bemerknogen S. 76G. — Nikomedee. 8. 768. — Hypsiklea 
S. TG9. — ZenodoroH 8. 761. — Peraena 8. 763. — Diokles 
S. 762. — Dionyaodoroa S. 763. — ArcheBtratoa der Mnsiker 
8. 763. — Seleukoa von 8eleakeia 3. 763. — Hipparchoa 
von Nikaea S. 766. — Arrianoa S. 776. — Etesibios der 
Barbier von Aapendia S. 776. — Diodoros von Alexandreia 
S. 776. — SoBigenea 8. 776. 

Viernndzwanzigatea CapitoL Die.Medicin bis in die tiveite 

Hälfte dea zweiten Jabibunderta 777—828 

EinloitaDg 8. 777. — Pbjlotimos S. 780. — Pleiatenikos 
S. 781. — Xenopbon von Eoa S. 781. — Metrodoroa S. 78^. — 
Medios 8. 782. — AriBtogenea von Enidoa S. 788, — Di- 
philos von Sipbnoa 8. 788. — Enenor S, 788. — Apollodoros 
der lologe S. 784. ~ Ophion S. 786. — Diagoraa aas EjprOB 
S. 786. — Herophiloa von Cbalkedon S. 786. — Erasistratos 
von Inlia anf Eeoa S. 798. — Endemoi S. 811. — Diencbe» 
S. 812. — Nnmenios von Heraklei» S. 813. — Eleopban- 
toB S. 814. — Mnemon von Side S. 814. — Antigenes 
8. 81G. ~ Straten der Eraaiatrateer S. 816. — Apollonios 
von Memphia S. 816. — Andreas S. 817. — 'Fhilinos von 
Eoa 8. 818. — Serapion von Alexandreia S. 819. — Bak- 
cbeios von Tanagra S. 820. — Demetrioa von Äpameia 
S. 821. — ApoUophanea von Seleakeia 8. 888. — Zenon 
der Herophileer 8. 823. — Apollonioa der ältere Empiriker 
nnd sein Sohn ApoUonio; Biblaa 8. 824. — Glaakiaa der 
Empiriker 8. 834. — iMauliaa der Herophileer 8. 826. — 
ZeuiiB der Aeltere S. 826. — Nilena 8. 826. — lollaa ana 



iX.OÜglc 



lakalt. 

Bithynien S. 826. — Njmphodoroa S. 827. — Kallmiacbos 
der HerophUeer S. 827. — Protarohoa 8. 827. — Kleom- 
brotoa von EeM S. 8S8. — Eritobnloi S. 82ft. — Andtoa 
S. 828. — Autiphamea von Deloa S. 828. 
Ffinfundzwansigstes Capitel.. Schriften aber Laudwittli- 

Bchaft und VerwandteB, Thier- u. Steinknnde. Tcaombacher. 

GaatronomiBche Schriften. Beechieibong eines Schiffes . . . ) 
Einleitung S. 8SS. — Caaeiiu Dionysids aas ütika (and 
Diophanea der Aettere ans Bithymen) S. SSO. — ßseado- 
Aodiotioii S. 838. — Einwirkung des Theophrastos S. 834. — 
Äbergläobische Schriften: Paeado-Demokrilos and Archibios 
S.BS&.— LandwirthschaftlicheParadbxographie; Aristondros 
S. 835. — Eigentlich'' landwirthtchaft liehe Specials chiiftan ; 
Amphilochoa. von Athen S. S38. 906, Aeschjlides S. 837. — 
Litteiatur Aber Bienenzncht 8. 8S8: AristomachoB von Soli 
und Philiakos von Thasoa S. 839, Neoptolemoe S. 839. — 
Schriften Aber Weinbau und Weinbereitnng S. 839: (Bi- 
kesios 8. 840), Kommiades 8. 840, Eupbronios ana Athen 
oder Amphipolis 3. 840, Aristomochos S. 840, Chaereas 
von Athen S. 840, — Cultur der Pruchtbiome: Antiphon 
8. 841, Paiamoa 8. 842. — Die landwirthBcbaftlichen 
SchrifUteller Mnaseai S. 844, Archytas S. 844 und Chry- 
aippofl S. 345. — Oartenban 8. 646: Attalos Fhilometor 
S. 846, Hieron 11. 8. 846. — AnaiipoÜB von Tbasos u. A. 
S. 846. — Paendo-Epicharmos S. 847. — Reitkunst n. Pferde- 
zucht: Ekodamas ans Achnae S. 848. — Pferd earzncikiinst 
S. 84S. — Jagdbacber S. 849: Andromenidea S. 8G0. — 
Schriften Aber Fische nnd Fischfang S. 860. 906: Dorion 
S. 8G0. — Zoologie: Alexandros von Hyndoa S. 861, Pam- 
menes S. 866, I>enietrios der Pbjaiker" S. 866. 907. — 
Steinkunde 8. 866. Schriften über Edelsteine 8. 857: 
Sotakos S. 860, Sudinea S. 861, Zenothemis S. 863, Sa- 
t;roB S. 864, Timaris 8. 864, Nikias 8. 866, Paeudo- 
Zoroaster 8. 866, Damigeron S. 865, PseDdo-Demokritoa 
8. 866, Pseado-Orpheaa S. 866, Paendo-Nechepso S. 866, 
Pseudo-Oros 8. 866, Zachalias der Babylonier 8. 887, le- 
nienias S. 867. — Traumbficher 8. 868: (Phitochoroe 8. 870, 
Dionjsioa der Kyklograph von Rhodos S. 870, Alexandros 
von Mjndos 8. 871), Dionyaios aua Heliopolis nnd Phoeboa 
von Antiocheia S. 871 , Apollodoros von Telmeaaos 8. 872, 
Apollonios von Attaleia S. 872, Ariatarchos S. 873, Niko- 
atratoi von Epheaoa 8. 878, Geminoa von Tjros, Pseudo- 
Demetrioa von Phaleron and Artemon vod Üiletoa 8. 873, 
Pseado-PbemonoS 8. 876, Psendo-Horos S. 876, Psendo- 
Epicharmos 8. 876, Serapion von Askalon S 876. — Eoch- 
bQcber S. 876: Herakleides der Aeltere und der Jüngere von 
Sjr<*kas S. 677. 907, Glaukos der Lokrer 8. 878, Sophon 
aus Akamabieo, Simonaktides ans Chloa, Tyndarichos aus 



iX.OÜ^Ic 



Inhalt. 

Hielte 

Sikyon und Zopjrinoa S. 878, Agis, Dion^Bioii, Eriton, 
StephanoB, Akeeias, Fftntoleon, Parmenon von Rhodos 
S. 879. — Schriften über Brot- und Euchenbacken S. 879: 
AegimioB, Metrobios, Pbaeatoa und Ee^üppoH S. 880, 
Utroklei S. 880, Harpokration von Uendes S. 880. — 
GoBtianomitche Briefe S. 880; Chaerephon von Athen 
S. 881, Hippolochoa ana Hakedonien (und LjnkeuB Ton 
Samo«) S. 881. — BetcbTeiboDg einea RieaenptachtscbiffeB : 
MoBchion S. 883. 
ichtigungen nnd Nachtrage 884-907 



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Erstes Capitel. 
Einleitung'). 

Durch die Eroberungen des groBsen Alexandros und die neuen 
hellenistischen *) Reiche , welche aus denselben hervorgingen, 
verbreiteten sich griechische Sprache und Bildung allmählich 
immer ireiter nach Nordafrika und bis in das Innere von Asien 
hinein, sei es nun, dass dabei die Landessprache ganz durch die 
griechische verdrängt ward, sei es, dass letztere als ofGcielle 
Sprache neben die erstere trat'). Ja sie drang selbst zu solchen 

1) Heyne De genio laecoli PtolemaeonnD , Opnac. I. S. 76 — 134. 
Matter EaBai Bar l'äcole d'AlesaQdrie, Paris 18S0. II, 8. 2. Ä. 1810-1848. 
in. 8. (Kann fdglich jetzt anbenutzt bleiben). Bernhard; Gmndrisa der 
Kriech. Litt. I'. S. 486— Sei. 

2) Der Aaidmck ßä^fiafot illriviiav t^ v^ erscheint zuerst bei 
ÄeacfainCB III, 172. Paseivisch heisst ee von dea Benohnem des ampbilochi- 
schen AigOB bei Thuk. II, 68, C 7)lX7ivlc9tiaav iqv *v» ylwavov . . . änö 
täv 'j/txfuntmxäv itnoiKijuävtatii. 

8) Wie sehr in Karthago die Renntniss des Griechischen bei den Ge- 
bildeten Bcbon während der Zeiten des illteren Dionjsioa verbreitet wai', 
erhellt ans loatin. XX, G, 11 ff. (vgl. Diod. XIV, 77), wie aefar volleada 
später, zeigt wohl BChon der ünutand hinlänglich, doas Uannibnl als 
griechiBcher Scbrifteteller anitrat, b. C. 21. A. GOl. Die nna erhaltene 
griechiBche Üeberselznng vom Periplua des Hanno mag auch wohl von 
einem Punier verfaaBt «ein. Im Allgem. e. Plnt. de fort AI. 32S D. 'Mt^av- 
9qov iqp 'Aciav f{i; gtg9 Üyiog "Ofiij^OE ^v aväfvma^a, moI Flfffcmv tal Sov- 
Ciavä* ual rtSqualav ttaidii xAi t.vQtn(iov Mal ^otpoxltfofc x^ayaHaq 
^iav. Allerdings erat den letzten Aleiandrinerzeiten gehört an was Plat. 
Craas. 33 von dem Parther Hyrodea and dem Armenierkönig Artavaades 
erzählt: iaxtäiiiiq Si mal xöxoi 8t uUijImv riaav aixoii, nul nollö xaqtm- 
^ytxo tmv ütto xiit 'Ellttäos ÖMOvofuixmv. ij» yöp o5t£ ipen-qs ovxe ypafi- 
fMiilav 'Tfrädijc '£ll)]»iNräv äsfifof , h 8' 'A^taovätiSTis luti XQaymiCai Ittoiti 
■mI löyovs lytaipi ual ÜTOeias, <ai> ^viai diaa^iovxat. xijs Si utipaliig 
tov XfänwHi xoftia9i{iii]s ixl &vQas äxtjQxr^fiivai ftlv ijaav at t^äxa^ai, 
tQayqtdiäv di vxoK^ii^g 'läeatv ivoptt T^ctldiavot fgitv Evqiniiov Bii>x<üp 
TB »tfl cqv 'AyavTjf xil. 

SüimBL, ttirlMh.-klei. [,f[|..aMo1l. I. I 



|.;,*^tOO^[C 



2 Bretes Capitel. 

Völkerschaften, welche einer makedonisch -hellenistischen Herr- 
schaft entweder gar nicht oder doch nur sehr Torßbergehend 
unterworfen waren. Welche Entartungen sie dabei freilich zum 
Theil erlitt, zeigen die nubischen Inschriften*). Und ganz hievon 
abgesehen, die griechische Schriftsprache selbst nahm allmählich 
einen wesentlich veränderten Charakter au, indem sie unter dem 
Einflüsse zahlreicher Prosaschriftsteller von ungriechischer oder 
lialbgrlechischer Herkunft aus der attischen in die sogenannte 
gemeine (xoiv^) Ubei^ing, welche im Anschluss an jene erwachsen, 
aber doch keineswegs eine blosse Verderbniss von ihr, sondern 
vielfach eine, wenn auch nicht eben durchweg gesunde, Neu- 
bildung war und sich von ihr namentlich durch eine gewisse 
abstracte und formelhafte Färbung, dabei durch eine Masse neuer 
Composita und Decomposita und allerdings auch durch das Ein- 
dringen von Sprachfehlern unterschied^). Athen selbst blieb ein 
vielbesuchter Studieuort, in welchen die Bildungslustigen von 
nah und fern zusammenströmten, aber doch vorwiegend nur zum 
Betriebe der Philosophie. Ausserhalb des Mutterlandes waren 
besonders Rhodos und Tarsos und im Beginne dieser Zeiten Kos 
namhafte Pflanzstätten litterarischer Bildung*). Aber vor Allem 

4j S. Niebnhr luscriptionea Naliienaes und Ueber daa Aegyptiscb- 
Grie.:liische, Kl. Scbrifteo K. S. 172-198 und 197—208. 

5) Das Genauere hierüber, waa noch gaf sehr der Uatersuchung be- 
darf, gehfirt in die griechische Sprach- und nicht Litteraturgeschichte. 
S. übTi^euH Bernhard; a.. a. O. 1'. S. 490ff. 600?. Desahalb aber, weil 
Poseidippos in einer seiner KomOdien (Fr. 28 E, — fr. ine. 11 M.) einen 
von einem Attiket wegen eeiuer unattischen Sprache angegriffenen Thessaler 
eich Behr „kecltlich" vertbeidigen läset, hat man noch kein B«cht ihn 
eelbst mit Rohde Der griech. Roman S. 328 ohne Weiteres zum Vet- 
thoidiger des llXijvttiiv gegentlber dem citimiSiiv und deBsen Anhängern 
zu machen. 

6) Pflr Auswärtige freilich war Taraos kein Studienort: Strab. XIV. 673. 
Taaavtij ii lofs tvtaic av9fmnoig ejiovdr] «gas if ipiloaoipi'av ttal tijv 
ällrj* wiäiiav iyxviiliov ujtaaav yiyovev, ä<l& i-nffpfßljjvTai nai 'AS^rag 
Mal UlfiävS^itav nal ff rivo öUo» TDirov dvrutov rintiv, iv m exolal %al 
StaTfißal ipiloaifiav yiyöyaai. äioiffeei äi xoaoviov, oti ivTav^a fiiv of 
qiiXoiia9ovvtif imxra^ioi saftig ilai, If'voi S' ov* IxiSrjiiovai {aSitaf oiS' 
BVTol ovtoi t^fvooaiv avTÖ^i, äXli nal tcXtiovvtai /xJTjfi^aßtifs Hol «- 
lHai9i»tts ^iviziiavaiv jjSiais, xaifdociai d' öliyoi. Dann spricht Strab. 
p. 674 bei Gelegenheit des Dichtera Boethos von der den Taraiern eignen 
Fertigkeit Hua dem Stegreif zu reden (ffiidiD^ov na^aj^^fia npöc t^v df- 
io/itviiv iTtöOfaiv, vgl. C. 14. A. 194) und gedenkt p, 675 de» tarsiscbeo 
Stegreifdichters D Sogen bh, welcher besondere Tragödien improwairte. 



Iv.t^TOO^IC 



Eioleitaug. 'i 

bedurften Kunst und Wissenschaft jetzt der (tunst und des 
Schutzes der Eönige und fanden sie bei ihnen im ausgedehntesten 
Masse. Unter denen von Makedonien selbst ragt freilich in 
dieser Hinsicht nur Antigonos Gonatas hervor als Liebhaber 
und Förderer der Poesie^ und der Wissenschaften, besonders 
der Philosophie. Ein Z&gling des Megarikers Euph&ntos und 
Freund des Philosophen Menedemoa von £t«tria, welcher hernach 
seine letzten Tage bei ihm verlebte^), und des Stoikers Zenon 
und seihst von durchaus stoischer Gesinnung, lud er gleich nach 
seiner Thronbesteigung 276 den letzteren vergeblich an seinen 
Hof. Statt des Zenon erschienen aber dessen ScbOler Persaeos 
und Philonides und mit ihnen ein dritter, der Dichter Aratos, 
welcher auf Anregung des Königs hier seine (Poivofitva schrieb. 
Dazu kamen Bion der Borysthenit, die Poeten Antagoras von 
Rhodos nnd Alexandros der Aetoler, allem Anscheine nach auch 
Timon von Phlius, neben ihnen der eingebome greise Geschicbt- 
schreiber Uieronymos von Kardia, und in einer Schrift über diesen 
hat der Herrscher mit eigner Feder dies genussreiche litterarische 
Zusammenleben geschildert^}. In seinen späteren Jahren stand 

B. C. S2. A. 136, und als Dichter aolcb er sogenannter tarsiecher Tragö- 
dien eracfaeint bei Lnert. Diog. IV, 58 (im HomouymeDverieichniBa) ein 
gewieier Bion: Ivaxot «oiiiiq; xgajaiSiat <äiv Tafaitiäv Ifyonivav, ähnlich 
T, 86. Demetrios von Tarsos (tfitos Tatamös) als eatvQOyfäipos. Vgl' 
Welcker Kl. Schrr. II. 8. XCII. 

7) Vgl. auch die Anekdote b. Sex. Emp. Matb. 1, 276. ZtMcpuroc 
yap, mt ipaelv, anamatiig vxo JTcolifiafou xqus top 'Arzifimof (taailm^s 
uroi Ivciuc Xftüis, uäteivov t^NiiiöjffOv äjtotfivonivov , lititvxty tlxiiv 

„onnD ii] uiltat, yai^oz^ xtiaroxKita ; 
forde tpit/a Jd fiö^ov txjiJivla ti xfazfifov tt; 
^ II fuiaot^iilieiti mtfixtal pev tc ipfivcs i<i9lmv" (11.0,20111'.). 
xaiia -fäf äwitiaat 'Amiyovat futtßüJitto. 

8) Laert. Diog. U, 111 — 144. — Ein VeraeicbniBs der Philosophen, 
welche in der Aleiandriaerzeit an den Höfen oder in der Umgebong von 
rSmischen Qroosen lebten, giebt Diels Doiogr. S. 82 f. A. 2, eine Listo 
bloss von den Hofphiloiophen in Aleiandreia Kohde a. a. U. S. 208. A. 4. 

9) V. Aniti [II. p. 68, Ifi ff. WeBterm. 'Avtiyovot ö rovatüg, ""t' m 
SucQißtv aitös (näml. 'Afatos) Hol avv avr^ ntgaaCos ö ^TeoiihÖe nal 'Av- 
loyöpac ö 'P68iot h t^v Sqßatäa xaiijoas Kai 'AXiiuvSgat ö AhtoUs, ät 
itviög qiqaiv ö 'Avtiyovos h xois ntpl 'Jeeävvnov. Ich folge Ü. Schneider 
Nicandrea 8. U. A. 1 in der obigen AunasBiing , welchur zagleich iw«l 
'Iffävvfutr grammatisch lecbtferiigt. Gewöhnlich wird ittfl mit Buhnkcn 
in *<)öe geändert, wo denn der Titel aU Üedication an den Peripatetiker 
HieronjDioa aufzofassen wäre. 



ivXtOO^IC 



4 Erstes Capitel 

er daao mit dem Peripatetiker UieroDymoa von Rhodos in Ver- 
bindung. Unter den syrischen Königen hatte Antiochoa I 
Soter (287 — 262) den Dichter Äratos geranine Zeit an seinem 
Hofe, und entweder er oder ungleich wahrscheiDÜcher sein Nach- 
folger Antiochoa II Theos (262—247) lud den Peripatetiker 
LykoD, freilich ohne Erfolg, zu sich ein. Vielleicht begann auch 
bereits einer dieser beiden Herrscher die Bibliothek zu begrün- 
den, zu deren Vorsteher nachmals Antiochos III der Grosse 
(224 — 181) deu Euphorion berief. Am Hofe des letzteren Königs 
befanden sich ausserdem der Epiker Stmonides Ton Magnesia, 
welcher dessen Tbaten poetisch verherrlichte, ferner Hegesianas 
und der Geschichtschreiber Muesiptolemos. Aber ein irgendwie 
freies geistiges Leben kam hier wenigstens fUr die Dauer am 
Wenigsten auf"**). Ungleich grosser war das Verdienst und die 
Wirksamkeit der pergamenischen Herrscher*"), und in Per- 
gamon entstand im Vollgefühl der Besieguug der Gallier ein 
wahrhaft nationalhellenischer neuer Staat und eine ganz neue 
Entwickluug der nationalhellenischen Kunst, wie uns die Aue- 
grabuDgen der jüngsten Zeiten gelehrt haben. Von Pergamou 
ging daher allem Vermuthea nach schliesslich auch jene Ei> 
neuerung des Atticismus aus, welcher wir zum grossen Theil 
die Erhaltung der Meisterwerke attischer Prosa verdanken'*""). 

9'') Einer der späteren KSoige vertrieb die Philosophen aus Serien, 
s. den Erlaes bei Ath. XIL 617 a. b. Baailev« 'Avtioioe ^aiviat. {ygaipefitv 
ilii» Kai «iiötfiiov Smat iiriSeli ji •piiöioipos ir xij nölti itrji' ly i^ loipa. 
xvv&avöftt9a dt ovm öXiyove rlyai kuI rois riooe JLVfiaivie&ai, 3ia tÖ fti;- 
Hill Tttitoninivui ifiät mv lyfätljaiiev ^iqI xovtiov. äs av ovv läßss triV 
itiiiitol^v, avfzaiov »^fvyi^a ]%oiiitav9ai eaotf ot itiv tpilöeoipoi xcrt>Tf£ 
anaHä^oytat t» növ xöxioy jjf(r], räy 3i vtavCatimv osoi av ältaJiairtttt 
Ttgit xoiioit ftvöiicvoi dto» K^Cfi^aoirai nal oi natigcs avtäv ly attCati 
faovtai laj'c fity/tfrois' nirl (i^ ällag yi'vijioi. Für frühere Zeiten bezeichnend 
ist die Erzählung bei Luliian. pro imsig. 5. lotirov ytloi6ttfoy SiQatoyiviir 
Ttmqaai x^v Ztituno« ywaincf zeit yap noir]tai{ äyAva xgoaitiyai aiviiy 
irfpi TuitiEi'ian , ooiie af Sfiriyoy iTiaivfaai ooiqg tijy xöfii]v, itaitoi qialu- 
«eä hvyxavtv or«a Kol ovSi uoas öUyas töe taviijs tfliag fiovta. xo!. 
Siiios oviio iittxciiiiyri ti/y veqxrl^v, änävtiov tiiotaiv Sti Ix yövtv iuikqüs 
ti 10I0VX0V ijil>l6v9ei, iJKOvac räv xaxaiiänav noiljitöv vatiiy^iyae tag 
zeixas aviijt Xtyöyzav tial ovlovE Tiväg alonäiiovs ävavlt»6vtiav nul adC- 
yoit to»e fifj^i oXm ovxat eUaiövtaiy. Uebrigene aber vgl. auch noch 
C. 23. A. 9S. 

10) Wegener De ftula Atlalica littei'arum artiumqae fautrice, Kopen- 
h.igen 1S36. 8. iit ziemlich veraltet. 10'') S. C. .15. 

D,J-,., lIv.t^TOO^lC 



Einleitung. 5 

Attalos I (241 — 197) stand zQm Theil nach dem Vorgange von 
Eumenes I (263 — 241) mit den gleicbzeitigea akademischen 
und peripatetiacben Philosophen Athens Arkesilaos, Lakjdes, 
Lykon in Verbindung, hatte den Antigonos von Karystoa, den 
j6ngeren Neanthea und wohl auch den grosseo Mathematiker 
A pollonia a. längere Zeit in seiner Umgebnog, rertnuthlich auch 
seinen Uuterthanen Polemon") und verfasste selbst ein Werk, 
ans welchem uns noch die Beschreibung der berQhaiteu schönen 
Pinie in Troas erhalten ist'^), und welches also wahrscheinlich 
die Geographie seines Reiches oder auch dessen naturbistoriscbe 
MerkwGrdigkeiten betraf. Später gewannen in den litterariscben 
Kreisen Ton Pergamon die Stoiker den massgebenden Einfluss, 
besonders unter den Philologen, und so viele Verkehrtheiten 
diese Philologenscbule auch beging, so ist doch die antiquarisch- 
hiatorische Forscbuug, wie sie in diesen pergamenischen Kreisen 
betrieben ward, eine sehr wesentliche Er^nzung des «iemlich 
einseitigen Sprachatudiams, wie es in Aleiandreia durch Äristarchoa 
einriss'*). Die pergamenische Bibliothek wetteiferte mit der alexan- 
drinischen. Am Eifrigsten im BClcbersauiinelD war Eumenes II 
(197—159)"), und Termuthlich erst anter ihm oder seit seiner 
Regierung lebte am pergamenischen Hofe der Epiker Musaeos 
aus Ephesoa. Dem Ättalos II Philadelphos (159 — 138), 
einem grossen Gemäldeliebhaber"), widmete Apollodoros seine 
Xffovtxd. Endlich der letzte dieser Herrschpr, der freilich sehr 
entartete Attalos III Philometor (138— 133), trieb Gartenbau 
and Pfianzenknnde und später Erzgiesserei '^) nnd schriftatellerte 



11) 8. C. 22. A. 114. Ob es Attalos I oder Attaloa li war, dem Biton 
seina Schrift xtgl öoyiv»v widmete, darOber s. C. 23. A. Iö8. In Bexug 
anf ApollonioB Ton Perge aber s, C. 2S. A. 216''. SS8. 

12) Demetr. t. Skeps. (Fr. 29 Ciaede) b. Strab. XIIL 603. 

13) Vgl. die Sehilderang der attatUcben Caltnr nnd ihrer Stellung zw 
Aleiandreia bei t. WilamowitE-MOlleodoTff Antigonos von KaryutoH 
S. 168— 16S nnd Reifferscheid Brealnnec WinltTkalal. 1881/^ (vgl. C. 3fi. 
A, 108). Vgl. aoch noch G. U. A. 196. 

14) Strab. XIII. 624. ^tplio^'Ntcs . . . ff^DiffipiloxtElrjaE. Die Angabe bei 
Plin. H. H. XIII. g. 70. aefflulatione «rca bü)Uotheea» regum Ptolemaei et 
Euntenii, mbprimente Chartas Ptolemaeo idem Varro metnbranas Fergami 
tradit reptrla» iat jedoch in dieser Oestalt unrichtig, s. Birt Dus antiki' 
BnchtreMn (Berlin 1882). S-.GStT. 

16) Plin. S. H. VII. §. 136. XXXV. §,24. Ii«, 132, 
18) iQrtin. XXXVI, 4, Iff 



byGOÜgl 



6 Eratee Capit«!. 

selbst. Vor allen Anderen aber glänzten die älteren Ptolemäer. 
Ptolemaeos I war nicht bloss ein Gescbicbtschreiber von Be- 
deutung, sondern er suchte auch die Philosophen Tbeophrastos '') 
und Stilpon so wie den Komiker Menandroe nach Älexandreia 
zu ziehen, was ihm allerdings nicht gelang, hatte den Hekataeos 
7on Äbdera, einen Schüler des Skeptikers Pyrron, in seiner Um- 
gebung und nicht minder den Kyrenaiker Theodoros und liess 
seinen Sohn und Thronfolger Pbiladelphos durch den Philologen 
und Dichter Philetas und den Philosophen Straton, den Nach- 
folger des Theophrastos, ausbilden. Schon unter ihm wirkten 
als Forscher, Lehrer und Schriftsteller zum Ruhme von Alexan- 
dreia der grosse Mathematiker Eukleide s und der noch grossere 
Anatom, Physiolog und Arzt Uerophilos. Bei ihm hatte schliess- 
lich ein fernerer Peripatetiker Demetrios von Phaleron eine Zu- 
flucht gefanden und grossen Einfluss gewonnen, und von diesem 
Eiufluss gingen ohne Zweifel die Aufänge der BUchersammluugeu 
aus'"), welche dann von Ptolemaeos II Pbiladelphos (285 — 241) 



17) Laert. Diog. V, 37. 

18) Auadrücklich berichtet wird dies freilich nicht, nnd mit der Notiz 
b. PHSudo-Plut. Äpophtb. 189 D. ^. h. 0. TItoltiiaiot t^ ßaatlti nuf^rn 
rä Ttifl paeiltiat Kul ^yffMiri'ac ßtßUa Titäa&ai xal dvayiväaxsiv a yäf ot 
film xoig ßaailtvaiv ov 9aQeovsi itafaiveiv, Taüia Iv roig ßißX(ois yiyifaaTai 
Vimt sich herEÜcli wenig anfangen. Aber cur eo konnten die ohne Zweifel 
(b. C. S. A. 693lf.) verkehrten Angaben entetehen, nach denen ihm viel- 
mehr die Anregnng zur ErcichtuDg der Bibliotheken bei Pbiladelphos six- 
geBchriebea wird (Tzetz. Prolegg. in Aristoph. b. Kitscbl Opusc. I. S. 124, 
23 im latein. n. 12 ff. im griech. Test. S. 206, 5 ff.). Auch in dem Märchen 
von den siebzig Dolmetschern (Pseudo - Ariataeoa Epjst. ad Philocr. p. U f. 
18 f. Schmidt nnd b. Euseb. P. E. VUI, 2 ff. nnd loaeph. A. I. XII, 2 ff-, 
Tgl. C. 38. A. 8. 9. 12) erscheint er fUlschlich als BibliotheksTorsteheT un<l 
zwar des Philadelphos {vgl. Euseb. Vlll, l, 8. 849 c. d. Aristobul. b. Enseb. 
XIII, 12, 1. 664.1 und dazu unten C. 38. A. 8. Zon&r. Ann. IV, IG. Epi- 
phim. de mens, ut pond. 9, a. C. 12, A. 37, Clem. Strom. I. 841 D. Ijpij- 
vfv9ijvai Si lüs yQaiptts ^tS ^l vOftov xal rag xfotprjritiäs i» lijs täv 
'EßljaCmv ÄialiiiTo« ilg xipi 'EXläSa yXätxäv cfuaiv Itü Utolt/miov toü 
Aäyov !j, mg Ttvtg, litl rov tiiaSiXqxit) ivmXTj^tiiTog, i^v fiEyi'ncijv iptlo' 
Tifiiav flf toiizo nfoatviyxixiievov ^ruiTjZfiov lov ^altjQtatg xal tii atfl tr,v 
fffiiivfiai' KÄpipiSs sfay^azfveufiivov a. i. 1.). Vgl. M. H. E. Muier Opnsc. 
I. S. 79. A. 26. Um so mehr muss man mit Uitachl Opnac. 1. 8. 17 
(^ Alex. Bibl. H. 18) annehmen, daaa Ptolemaeos II die eigentlich ofiicielle 
Stiftung der grossen Bibliothek gleich im Anfang seiner Regierung, wie 
donn auch Euaeb. Chron. II. p. HS ff. Schoene (a. C. 38. A. 5) bereits zu 
0). 124, 3 (283/2 V. Chr.) von toi's xata titr 'MeiävdttiBv iiaxtteKivii(i»c{<jaig 

L.,|,_ II t^iOOQk' 



Emleituag. 7 

in grossartigem MasBstabe durch die eigentliche Begründung 
der beiden Bibliotheken fortgeftifart wurden. Eine zweite Stiftung 
dieses letzteren Königs*^) war das groBse Gelehrtenpensionat des 
Maseions*'*). Ohne Zweifel war diese Anstalt in vergrössertem 

avv£ ßißXu>^:^iKus (Hieron. Ht Mexandrina biblütheca . . . quam libi ex 
omni genere litUralurae comparaverat) epricbt, TOrgeDommen and nicht 
damit bia ins 30. Jahr derselben (nach einem gewiaaen Butropios, wie ich 
auB Heier S. 80 entoehme, der dafür A. 31 das mir unverBtllnd liehe Citat 
EoneiM). IV, 8 giebl) oder gar bi« Ol. 133 — 302 y. Chr., aUo nicht BOnder- 
lich lange vor seinem Tode gewartet hat, wie liUios Äfricanus and Sjn- 
kellos 213 B (I. p. 518 Bonn.) ti)» h 'Mtiuviftla ßtßJUofrijKijv xafHatJitiv 
,(Iß' oXv^Tctäii, i]c jrlii|ioi)fiEv>K xtXsvxä aeltaam genug behaupten. Epi- 
phanioa a. a. 0. Iftsat natüTÜch gleich Eaaebioa die grSaaere Bibliothek achon 
Tor der Septuaginta entstehen, wenn er anch IS. 169 Ä. B die letztere 
etwas apäter, nämlich ins aiebente Begienmgajahr dea Pfailadelphos 279 setzt. 

19) Atb. V. 203 c — e. KoXläv «' i 9iliiät3.<poe (laailimp «lotiio iti- 
giipE . . . xf^l di ßißliai» MliJfroDC Mai ßißXio^Tjtmi' ittitaautv^t Hai i^c tis 
lö Mowtior avraymy^s tI 9tl xal liynii niat xovitBV örian Nnia fiviifii]*'; 

20^*) Die frOhate uns erhaltene Erwähnung deaaelben findet aich bei 
Timon von Phliue in den Sillen Fr. LX b. Atb. I. 22(1, a. C. 2. A. 626. 
Parthej Daa alezandriniache Muaeum, Berlin 183S. 8. and Klippel TTeber 
dae aleiandrinische Musenm, Qottingen 1838. 9. tibertreiben Jedenfalla atark, 
indem sie dieae Anstalt als den anaachiiesalichen Mittel- und Auaganga- 
pankt aller wissenschafllichen nnd litterariachen Stadien in Alezandreia 
ansehen. Parthey vollends hält mit Unrecht dieselbe fflr eine Art von 
Duiveraität mit Wohnungen fSr die Lehrer und allen möglichen Lehr- 
apparaten, z. B. einer Sternwarte. Strab. XVII. 793 f. nennt in seiner Be 
schreiboDg der Bäume nur einen achattigen Baumgang, eine offene Halle 
und ein groaaea gemeioaamea SpeiEehans und bezeichnet daa Qanze als 
einen Theil der EOnigxburg: täv Si ßaetltCatr ftiiios iatl %ul tö Motiatiov, 
liov jttffljiuxov xai i^iSi/av *ai oluov ^ijav, iv «5 xo evaeitiov xmv luu- 
jöpxmv xoö MavctCov iptXoXöytav ävi^mv. l«u Si x^ avvöSm xavxr) *aX i^i,- 
fuixa noivä ('— eigne Fonda) xal ttgtis o Ixl xm Movatlei (der Huaen- 
prieater and als solcher Vorsteher der Anstalt) lEiay^tvoe tine ^iv vxä 
tmv ßaeiXimv, vir d' vito Kaieagog. Es war aUo keine Lehranstalt, und 
PriTatachalen waren ea allem Anscheine nach, in welchen die Lehrer der 
Mathematik, Medicin, Philologie in Alexandreia ihre Vorträge hielten. Ver- 
mathlich empfingen die Mitglieder dcH Maaeiona als solche auch noch be- 
stimmte Jahreagehalte {avvxä^iis), e. Atb. XI. 494a. xäv pißUmv, iv ols 
ai ävayeafai tlai läv lit avriäitis laußavoviav. Denn doss nur die 
hier genannten sechs Gelehrten Empfänger eines aolchen unter Philadelphos 
and diea ^o eine Extraansieichnong von ihnen gewesen wäre, wie Christ 
Gesch. der griech. Litt. B. 381 die Sache darstellt, folgt aua dieaer Stelle 
mit Nichten, ist anch an aich nicht glanblich, da es aiiaaer Sosibios 
(s. C. 21. Ä. 402) lanter Teracbollene oder fast verschollene Leulc sind. 
Eher kOnnte allerdinga die Angabc von Polem. Fr. 84 b. Ath. Xll. ö&2 c 



ivXtOO^IC 



S Ecrtes Capitel. 

Maaastabe eine Nachahmung des tod Flaton gestifteten Thiaaoe 
der Akademiker, welcher ja gleichfalls ein Museion, eine CuUus- 
genossenschaft im Dienste der Musen war, und des selbst schon 
Dach dessen Vorbilde entstandenen Feripatos, und das gelehrte 
Studium der Peripatetiker, hinübergetragen durch Demetrios und 
Straten, setzte sich in dem der Alexandriner fort"). Eine Reihe 
gelehrter Älesandriner, wie Hermippos, Satyros, Agatharcfaides 
und der Jude Äristobulos, vermuthlich auch Herakleides Lembos 
und Tielleicht Sotiop, galten sogar ausdrücklich zugleich als 
Peripatetiker. In philosophischer Hinsicht hatte dies wenig oder 
nichts zu bedeuten, da die peripatetische Schule, wie wir sehen 
werden, nach Straton bis in das letzte Torchristliche Jahrhundert 
hinein mit wenigen rühmlichen Ausnahmen allen speculativen 
Charakter yerlor und in blosser Schönrednerei aufging. In den 
Anfängen dieser Zeit erregten die Aristippeer Hegesias und der 
schon genannte Theodoros mit ihren Vorträgen in Alexandreia 
Aufsehen. Auch Timon von Pblius kam auf seinen Wanderungen 
vermuthlich dorthin, und durch ihn*"'') erfahren wir, dass «u 
den Pensionären des Museions auch streitbare Philosophen ge- 
hörten. Die Stoa femer wandte sich schon unter der Leitung 
des Kleanthes von Antigonos Gonatas ab und den Aegyptera zu, 
so dass auf eine von Ptolemaeos II oder III e^angene Einladung 
Sphaeros an dessen Hof kam. Aber erheblich gediehen ist in 
Alexandreia unter den Ptolemäem die Philosophie nicht, noch 
viel weniger freilich die Rhetorik und Beredsamkeit. Philadelphos 
hatte eine besondere Vorliebe für naturwissenschaftliche Dinge, 
zumal eine Liebhaberei für Thiere, namentlich seltne und bis- 
her noch unbekannte**). Ptolemaeos lU Euergetes (247 — 
221) besass, wie es scheint, ein Interesse für Mathematik *^. 



iD dieseni Sione gedeotet weiden, nach welcher PanaretoE (e. C. 2. A. 613) 
von Euergetea I 18 Talente jährlich erhielt: «vviyima ütoXtimiift im 
EitQyiti] tälavtu täBtyia löv ivutvtiv lay^äviov. Göll Uebei das aleion- 
drinische Huseum, Scbleiz 1868 und Weniger Das alexandrinüche Mneenoi, 
BeiÜD 1875 stehen mir nicht zu Qebote. 

21) S. aber dies Alles WilamowitE a, a. 0. S. 279—291. 

22) Diod. HI, 86, 3 f. 

23) Mau darf dies ans dem an ihn gerichteten Briefe, welcher die Er- 
zählung über das Problem tou der Veidoppelung det Eubu« enUiält, nnter 
dem Namen des Eratosthenei vielleicht selbst dann noch scbliemCD, wenn 
dieser Brief eine F&lscbung ist, wie dies von dem beigegebeDen Epi- 
gramme ohne Zweifel gilt, Vgl. C. IG. A. 61. 66. 



iv.t^iOO^lC 



Einleihing. 9 

PtoIemaeoBlT Fbilopator war „ein äsUißtiBcher Herr", welcher 
selbst eine Tragödie schrieb und dem Homeros eineu glänzendeD 
Tempel mit Bildsänle stiftete"). Aller Wahrecheinlicbkeit nach 
aber war dieser Ftolemäer auch derjenige, welchem der Epikureer 
Kolotee seine Streitschrift wider alle anderen Philosophon zu- 
eignete. Endlich Ftolemaeos VII Physhon oder Energetes II 
(alleiniger Herrscher 145 — 116), der durch seine schändlicbeii 
Wathereien die Männer der Kunst nnd Wissenschaft forttrieb 
und so den Glanz ron Alexandreia zerstörte**''), war doch als 
SchBler des Aristarchos den grammatischen Studien so ei^eben, 
dasa er selbst den homerischen Text zu Terbessern suchte*^) und 
bis tief in die Nacht hinein mit seinen Hofgelehrten disputirte^. 
Ausserdem aber schrieb er sehr ausführlich seine Denkwürdig- 
keiten (TxoftviinaTa), welche manche interessante Notizen auch 
von natur geschichtlicher Art enthielten*^), und legte Oberhaupt 
auch an geographischen Dingen, au Völker- und Länderkunde, 
für deren Erweiterung schon seit den Anfängen des dritten Jahr* 
honderts besonders von Aegjpten und Syrien aus ungemein viel 
geschehen war, ein grosses Interesse au den Tag**). 

Mit der Entwicklung der Poesie aber und der philologischen 
Gelehrsamkeit in ihrem gegenseitigen Verhältniss ging es iu 
Alexandreia und in Pergamou genau den umgekehrten Gaug. 
Es ist „im dritten Jahrhundert, zumal der ersten HfUfte die 
brennende Frage: sind die Kreise der Poesie erftlllt oder giebt 
es noch eine Aussicht für moderne Dichter? In Kos und Alexan- 
dreia bejahte man sie zuversichtlich; dorthin zog es die Taleute 



H) Äelian. V. H. XIII, 22. ntoXei^aün o tiloxätaiif tmxaextvaaut 
'Ofi^p^i vtäv, avTOf (tiv Kaiöv nulät i*ä9itte, %ö%lm Si tag söletg ntm- 
imjai rov Jyälp,atos, oaai ävttsilUU'viiii lov 'Ofi^QOV. '-" - .- '- 

3*'') 8. C. 16. A. 80. 

S6) AÜl. II. 61 C. ntolrftatoe ö 3t4vceas Evetyitfis na^ 'Ofir;^ (t , 7*J) 

«lUyov <pvta9at &XXa fiq Tu- 

2G) Plot. de adol. et am. 17. 60 Ä. ovzmt 9^ nvl TlitAtp,aia ^iXo^tx- 
9tiv douovrti xc^l yXtiitjjs k«1 tfiixi^too Hol tatag/at fiajöfiifoi (nilml. ol 
xölaxfc) ft^ipt ftctfü« yvxttär dxixeivov, 

27) Dies Inteietse TenUh sich aacb in seiner Ä. 21 angcfUhrtea Homer- 
conjectnr, 

28) S. die Ert&bluag des PoseidonioB Fr. 6S b. Strab. II. 9S f. über die 
Ton ibm aasgerflateto Fahrt des EudoioB von Kyzikoa nach Indien, yg\. 
Staat, p. 103. 



ivXiOO^lC 



10 Zweites Capite). Philosophie bia 2. B&lfle dea 2. Jahrb. 

und auch Manchen, der sich nur selbBt eiu Talent zutraut«. Nach 
Älexandreia zieht mit der Dichtung auch die Dichterkritik und 
Grammatik. Nach zwei Menscbenaltern beginnen sich ihre Wege 
zu scheiden, die Poesie stirbt daran, die Philologie gewinnt 
Aristophanes von Byzanz soll noch gedichtet haben; schwerlich 
brauchen wir um seine Verse zu trauern. Von Aristarch könnte 
man es sich gar nicht vorstellen. Im Cultnrkreise von Pei^amon 
wächst mühselig erst unter Eumenes eine Poesie heran, die höchstens 
im Epigramm, an dem sich hier auch noch die Philologen be- 
theiligen. Erträgliches leistet: ihr grosser Name aber ist die uner- 
quicklichste Erscheinung der vorchristlichen Poesie: Nikandros."") 



Zweites Capitel. 

Die FblIos«phie bis in die zweite Hälfte dea zweiten 
Jahrlinnderts und die späteren Kyniker. 

Während die Übrigen Wissenschaften, besonders die mediciui- 
scheu, i]^gtlienia|tini>liBn geographiscbeu und philologischen, kräftig 
aufblühten, sank die Philosophie schnell von der Höhe herab, auf 
welche Piaton und Aristoteles sie erhoben hatten. Wohl machte 
sie Fortschritte nach einzelnen Eichtungen hin, aber im (üanzaa 
trat Oberflächlichkeit an die Stelle der Tiefe. Mit dieser Ein- 
busse an innerem Gehalt ging jedoch Hand in Hand eine um 
so grössere Einwirkung nach aussen. Wohl niemals wieder ist 
die Philosophie eine solche Macht geworden als in den Zeiten 
vom Ende des vierten Jahrhunderts bis zum Untergange des 
classischcn Heidenthums. Die Religion mochte dem Bedürfniss der 
Gotteaverehrung noch immer vollauf genUgen, aber im Uebrigen 
hatte sie alles Leben verloren, die Philosophie trat an ihre Stelle 
als Erleuchterin und Trösterin der Gemüther. Dieser Zug der 
Seelen füllt nicht bloss die Hörsäle der Philosophen, sondern auch 
philosophische Wanderlehrer und Wanderprediger, wie Theodoros, 
Hegesias, Bion, Timou, Teles, ernteten wenigstens im dritten 
Jahrhundert mit ihren populären Vorträgen reichen Beifall und 
Lohn. Die Fr^en des praktischen Lebens waren es unter diesen 
Umständen, auf welche die philosophische Betrachtung ih^' Haupt- 
augenmerk richtete, der Fortschritt der theoretischen Erkenntniss 
29) Wilamowilz a. a. 0. 8. 166 f. 



Einleitung. 11 

stand in Wahrheit auch da erst in der zweiten Linie des Interesses, 
wo ihm dem Namen nach der erste Platz zugewiesen ward, wie 
bei den Stoikern. Dadurch allein, daas auch sie sich in letzterer 
Hineicht an das Zuuächstliegeude hielten, erklärt es sich, dasE 
auch sie einem ausgeprägten SensualiemuB uid Materialismus 
huldigten. In den Monarchien dieser Zeiten war für politische 
Freiheit und lebendige Theilnahme Aller am Staatsleben kein 
Raum. Die privaten Interesse)) nahmen den Einzelnen mehr als 
die öffentlichen in Anspruch. Verheerende Kriege und bald auch 
die Missregierungen in den meisten der neuen Reiche und in den 
alt^iechischen Ländern der immer zunehmende Verlust nationaler 
Selbständigkeit machten die Zustände der Aussenwelt unbefrie- 
digend. Die Individuen ziehen sich in ihr eignes Innere zurtick, 
und so wird eben diese innere Unerschtttterlichkeit des GeojÜths, 
die Apathie oder Atarasie, bei den Dogmatikcrn wie bei den 
Skeptikern das höchste Ziel des menschlichen Strebens. Nur auf 
entgegengesetztem Wege suchen es die Stoiker und die Epikureer, 
und Gleichgültigkeit gegen die Form der schriftlichen Darstellung 
bei einer masslosen Vielschreiberei geht damit bei ihnen Hand 
in Hand. Auf einem kürzeren trachten die Skeptiker der pjrroui- 
schen Schule und der mittleren Akademie dasselbe Ziel zu er- 
reichen , indem sie dieser praktischen Beziehungslosigkeit des 
Menschen zur Aussenwelt auch die theoretische zur Grundli^e 
geben. Aber auch bei den Stoikern und Epikureern verräth sich 
der nämliche Mangel rein wissenschaftlichen Strebens schon darin, 
daas beide in den theoretischen Fragen auf Selbständigkeit ver- 
zichtend, wenn auch beide mit gescliickteui Griffe und im besten 
Einklang mit ihrer entgegengesetzten Lebeusanschauung, zu älteren 
Systemen in dieser Hinsicht zurückgreifen, jene zu dem herakleiti- 
Bchen Pantheismus, diese zur Atomenlehre des Leukippos und 
Demokritos. Neben diesen neuen Schulen, von denen jedoch die 
pyrronische bald erlosch, bestehen unter den älteren von ähnlicher 
Richtung die Kyniker fort, die Kyrenaiker und die Megariker da- 
gegen nur noch kurze Zeit. Der äussere Bestand der Pcripatetiker 
bleibt nnunterbrocheu, aber sie verfallen allmählich, wie gesagt, 
einer vollständigen Lethargie, aus der erst Ändronikos von Rhodos 
kurz vor der Mitte des ersten Jahrhunderts sie wieder erweckt'). 

1) S. zum TorstehendeD die ausFührliche SchiMcrung tdd Zeller l'hilo- 
lophio der Griechen m', ]. S. 1 ff., aehtt den Eiürterungen von Wilamo- 
witü a. a. 0. 8. 307 ff., im TJebrigen aber Zumpt lieber deu Bestand dar 



iX.OOgk' 



12 Zweites Capit«!. PhiloBopbie bis 2. BlÜfte des S. Jabrh. 

1. Die letzten Eyrenaiker. 
TheodorOB von Kyrene mit dem Beinamen der Atheist 
(äd-foff), spottweiso auch frtos') genannt, Schaler von Aristippos 
Tochtereohn, dem jüngeren Aristippoa*), scheint zu den Vor- 
nehmen gehört zu haben, welche in den Parleibärapfen nach 
dem Tode des grossen Alesandros aus Kyrene vertrieben wurden. 
-Denn er lebte gegen Ende des vierten Jahrhunderts als Ver- 
bannter*) in Griechenland, lehrte hier, wie es scheint, an ver- 
schiedenen Orten ^) und besonders in Athen^, wo er an Demetrios 
von Phaleron während dessen Kegentscbaft (316 — 306) einen Be- 
schützer fand. Obwohl aber dessen Macht ihm das Leben rettete, 
musste er doch wegen seines Atheismus die Stadt verlassen^}, fand 
indessen, wie es scheint, Aufnahme und Gunst bei Ptolemaeos I, 
der ihn einmal als Gesandten an Lysimachos schickte^), und 



pbiloB. Schalen in Athen und die Siiccession der Scholarcben , Berlin 
1843. 4. (Abb. der Beil. Äkad. 1842. S. 1—119). 

2) Snid, D. d. W. 'Afioiimtot. Laert. Diog. H, 86, angeblich in Folge 
eines Gesprächs mit StilpoD, ebeud. 100, vgl. IIS. 

3) Snid. a. a. 0. Laert. Diog. 11, 86. Nach AntiBthenea (von Bbodoa) 
ebend. 98 auch des AnnikerU nud des Dialektibeia (d. i. Megarikera) Dio- 
nysioB ; ^novat 8i xal 'ArvittgiSos o StöimfOf xal Jiorvaiav rov SialtKTtuov, 
tiaS-ä tptjaiv 'Avtia&ivrjs Iv ipiXoaö^tor äiaSoxais, b. aber ADm. 19. Anden 
Said. D. d. W. Btöd. -fjyiqoäeato Z^VtovoG tov Ktriims (was chronologiBch 
anmQglicb ist), Hirjxovat 9i xal B(/ia<ayos xal UvqQoivos zaS tipniti*ov. 

i) Laert. Diog. II, 103, vgl. Plnt de eiil. 16. 606 B. Pbilon qu. omo. 
pr. lib. 884 Hoesch. 

5) Laert. Diog. II, 102. ipaol de ncte iv Koif{v9qt nagiexto9at avcöv 
avxfovg ijtayöfnvov fut&ijicfe, Mrjzfo'xkia lov kvvikdv . . . t^nttV' xü ö 
aoipiatrii x. i, 1. Von einem Zu Bammentreffen mit Bipparcbia, der Schweatcr 
des Hetroklea und Frau des Krates, auf einem Symposion (bei Lysimachos, 
sagt Diog.) und seiner gegen sie begangeoen Roheit (vgl. ^fctavtazos Laert. 
Diog. II, 116 und unten Anm. 89) erzählen ohne Angabe des Orta Laeit. 
Diog. VI, 97 f. und Snid. a. d. W. {^a Dbe reinstimmend. Vgl, mit § 98 
Suid. u, d. W. Seöd. ovioe eijic Tigot 'IjiTfaqrfav t^v ywntia Kfätijtof 
oJtij Ivzlv ii täfi Tflöfi fotoüj Ixkiaovvu xfi%i'S'as xat t^C^iava tpif/ovaa. 

6) Laert. Diog. II, lOOff. 116. IV, 52, ^n ■..:'■.■ ■..'< L 

T) Laert. Diog. II, 101 f. Phil. h. a. 0. Seltsam ist die Behanptung 
TOn Amphikrates b. Diog. 101. Ath. XIII. 611a, doSB er dorch den Schier- 
lingBtrank hingerichtet worden sei. 

8) Die Anekdoten über seine FreimQthigkeit, Todesverachtung und 
Snhlagfeitigkeit, welche ex bei dieser Gelegenheit entwickelt haben soll, 
lauten sehr Terschieden: Laert. Diog, II, 102. Cic. Tusc. I, 43, lOi. Phil. u. 
Pkt. a. a. 0. an Titios. 3. 499 D. Valer. Haz. VI, %, ezL 8. Stob. Flor. U, 33. 



Iv.t^TOO^lC 



1. Ejrenaiber. Theodoros. Hegeeias. 13 

kehrte eudlich in seine Taterstadt zurück, wo er zu den Ver- 
trauten des dortigeu Regenten Magas, Stiefsohns von PtolemaeoB I, 
gehörte*). An Charakter und Denkart wich er weit von Aristippos 
ab'*'), indem er die einzelne Lnst für gleichgültig und rieltnehr 
die auf richtiger Einsicht beruhende bleibende Heiterkeit des 
GemQths für das höchste Gut erklärte. Damit waren aber keines- 
wegs sittlichere Grundsätze gewonnen, im Gegeutheil zog gerade 
Theodoros die unsittlichen Consequenzen der Lustlehre auf das 
Schroffste und Rücksichtsloseste, und ebenao verfuhr er auf dem 
religiÖBeD Gebiet, indem er in mKudlicher Lehre wie in seiner 
Schrift «tfl -Siräi»") nicht bloss die Volksgötter, sondern Ober- 
haupt alles Göttliche und Unvei^änglicbe leugnete**). Da er in 
seinem mfindlichen Vortrag alle möglichen Töne anschlug"), 
wird wohl auch seine schriftliche Daretellung lebendig, aber 
eben nicht wählerisch gewesen sein. 

Hegesias von Kyrene, Schüler des Paraebates, welcher 
letztere auch den jitugereu Aristippos gehört haben soll, wahr- 
scheinlich also etwas jünger als Theodoros, berührte sich noch 
näher einerseits mit Epikuros, andrerseits mit den Kjnikem, 
indem er sogar alle äusseren Güter, ja das Leben selbst fUr 
gleichgültig erklärte und sogar zugab, dass das menschliche 
Dasein mehr Trauriges als Freudiges darbiete, und eben in 
dieser Gleichgültigkeit gegen alle äussern Eindrücke und gegen 
das Leben selber die einzig sichere Quelle aller Lust und das 
einzig wahre nnd sichere Gut fand '*). Ptolemaeos I soll ihm 
endlich das Lehren in Alexandreia untersagt haben, weil er die 
Uebel des Lebens in Meinen Vorträgen so beredt schilderte, dass 

9) Laert. Diog. II, 103. reltvtahf 3' tlt Kvf^vi]v axtliiir irnl Maya 
avfißtoig iv niitfi] iipj dtixilii TvyjdrcDi'. 

10) S. be». Laeri Diog. II, 98 f. Zeller a. a. 0. II', 1. S. S75ff. 

11) LB«rt, Diog. II, 97. pißUai ne^l O-ftö» oüx fvxaza^fov^xw. Was er 
Bonit noch etwa geechriebeo hat, Bteht dabin: Said. n. d. W. fieöS. lygatlie 
xoUä awTtivovra tls Ti7V ottieiav a^Qioiv xal aHa Tit'ö. Jedeofatla mit 
Unrecht iteht er bei Laert. Diog. E*rooem. 16 noter Denen, welche nicbta 
SchrifÜicheB fainterliesBen. 

12) Cic. N. D. 1,1, 2. 29, 63. 4i, 117. Plut. de coinm. not. 31, 1075A. 
8m. Emp. Pjn. III, 218. Math. IX, 61. 66. Zeller, a. ». 0. 11', 1. 
S. 376 r. A. 8. 

13) Laert. Diog. IV, 62. BioSdfOV loü öO'^ov natä tciv (t8ot Xöyav ao- 
tpiVTciorTOq , Tgl. Ä. 96. 99. 108« nnd La. Di. II, 100, loiavict atta Ättpco- 
T(ä* [a-[vt im loyal. 

14) 8 Laert, Diog. II, 98 ff. Zeller a. a. 0, S 379 ff. 

D,J-,., lIv.t^TOO^lC 



14 Zweites Capitel. Philosophie. 1. Kjrenaiber. Anoikeris. Äristoi, 

er dadurch Viele zum Selbstmord veranlasst habe'*), und dasselbe 
Thema fOhrte er auch in seiner Schrift 'ytaoxofiteQmv aus, in 
welcher er eineo, wie der Titel besagt, freiwillig Yerhungeruden 
seinen Freunden, die ihn davon zurückhalten wollen, die in eben 
jenen Leiden gegebenen GrOude seines Entschlusses darlegen 
liess'^. Daher stammt sein Beiname Ileiai&ävaTos")- 

Annikeris von Kyrene, gleichfalls Schüler des Paraebates '^ 
und mithin ans derselben Zeit'^), entwickelte dagegen ungleich 
sittlichere Grundsätze, indem er die sympathetische Lust über die 
idiopathische, die Freude über das Wohlergehen der Freunde nnd 
des Vaterlandes über die am eignen setzte, wodurch er jedoch mit 
<leu Grundlagen der aristippeischen Lehre nicht minder in Wider- 
spruch gerieth*"). Von seinen etwaigen Schriften wissen wir Nichts. 

Aristoteles von Kyrene^'), Zeitgenosse des Theodoros und 
Vorsteher einer philosophischen Schule wahrscheinlich in Athen"), 
schrieb Jtsffl «oiTjTtx^s**). 

Theodoros, Hegesias und Annikeris werden als Stifter eigner 
Secten (atg^atis) bezeichnet**); wir hören aber von den letzteren 
im Uebrigen so gut wie Nichts^), nnd sehr lange werden die- 
selben also wohl nicht gedauert haben. 



16) Cic. Tiiac. 1, 34, 83. Valer. Hax. Tltl, 9, ext 3, die freilich nur 
a rege Ptolemaeo sagen, vgl. Flut, de am. prol. G. 497 D. 

16] Cic. a. a. 0. 84. etus . . . Ii&er ett 'A*o%a^ztii&v , in quo a vila qui- 
dam per inediam diacedeiu revoeatvr ab amicis, gvibus re^aonderts vttae 
humanae enumerat incommoda. 

17) Laert. Diog. II, 86. Suid. '^c^oimjioc. 
lg) Laert. Diog. II, Se. Said. 'AwUrgit. 

19) Suid. Uvv. Bogt freilich ^v 3' in' 'liXf^ävdfov, unc) dazu würden 
aach die Angabeo des Äntisthenefl (oben A. 3) Btimmen. 

20) Laert. Diog. II, 96. Zeller S. SSlf. 

21) Aelian. V. H. X, 3. Laert. Diog. V, 36. Vgl. Zeller S. 296. A. 2. 

22) Philipp. T. Uegara b. Laert. Diog. II, 113. nag' 'A^ttotrlovt di 
10« KvfTivainov (äÜäiu* äaientiai) Klfitafxov «ul Si^iav. Vgl. A. 61. 

28) Laert. Diog. V, 35, 

24) Laert. Diog. II, 93 ff. IV, 23. Gioaiiquov äno i^s atghtios iiH^a- 
Xoip^vov. Soid. &föSiiifas. aigraiv läiar evgiv, ^rtc BeoSägeiog Ixl^&tj. 
Strab. XIV, 837. 'Awiutgit ö doKtöv Inavaif^maai i^v Kvgiivaitiriv aTgtatv 
Htil nuQicyayiCv ävx' avx^i t^ 'AvvtKtftCav. Suid. 'Arvi%. ix laviov atffaig 
ij juxlov/iitir] 'Avvtxifttas. Cic, Off. III, 33, 116. Gyrenaici alqwe Anmcerei. 
Clem. Strom. II. 417 B. of di UwtKiftioi aalovficvoi l* i^g KvQTifa'tnijt 
jm^oj^t K. T. X. 

25) Ath. VI. 252 c. 'AttäXov Si toü ßnmlfne lyivfto vöXai xul 
Sidäasulot jlooifia^oc I or KaXXif^oios pir Siodatiitioi' avayfäipci, Effuimos 



I.;, t^lOOy IC 



S. Hegarikec. DiodoroB Eronos. 15 

2, Die letsten Uegariker. 
Diodoros, Solin des Ämeinias, aus laaos in EarieD^), mit 
dem SpitznameD Eronos, Schüler des Apollonios von Ejrene mit 
demselbeu Beinamen, welcher seinerseits den Eubulides tarn Lehrer 
gehabt hatte*'), war ein Überaus scharfsinniger Dialektiker'"), 
dessen Erörterungen über die Unmöglichkeit der Bewegung und 
des Vergehens so wie über das Mögliche und die hypothetischen 
Sätze uns näher bekannt sind^). Sein berühmter Beweis dafQr, 
daas nur das Wirkliche auch möglich sei, ward xvQisvap ge- 
nannt^). Endlich aber begegnete es ihm doch 307 an der Tafel 
yon Ptolemaeos I, dass er eine von Stilpon an ihn gestellte ver- 
iäogliche Frf^ nicht sofort beantworten konnte^'), worauf Ptole- 
maeos spöttisch auch anf ihn jenen Beinamen seines Lehrers über- 
trug"). Von seinen Werken wissen wir nur, dass es eine Schrift 
von ihm über dies nämliche Problem gab**). Er scheint noch 

S' i« Tvie Ofowäscov fiadifraie %ataliyfi. 8. Cap. 13. A. 61. C. 19. 
A. 10 ff. Suid. 'Avv, jjv äi Tcü Avvixliiidt «dl idtXipös NnoTiii]e öcofia, 
ipilieoipot, fi((97)T^E i' ovTOV Ijciifarris Tlovttdmitiis. 

86) Art. von Steiobart in ErBch n. OrnberB Encykl. 

27} Laert. Diog. I[, in. Strab. XIV. 066. XVII. 838. Ueber den GniDd 
und Sinn dieaea BeiuameDa s. die UnterBuchnng von Paneerbieter Dio- 
doms Kfötits, Archiv f. PhiloL T. 1837. S. 323—226. 

28) Cic. de bA. S, 12. vakn» dicätelicus. Sex. Emp. Math. I, 809 f. Sia- 
U%xi*tötatot- 

a») 8. Zeller S. S«Sff. 

80) Vgl. Änm. 220. Zeller D«ber den av^iivor des Hegarikera Diod., 
SitmigBber. der Berl. Akad. 1S82. S. 161—169. 

31) Laert. Diog. a. a. 0. «orpö IlroXt^aiai tqi Ztor^fi diatflßmv . . . 
l6yove tirae OialtTtri^oit igioz^Oii nföt ZcAxmvof x. t. 1. 112. l^d^Av 
i^ Toi avfmottiov. Vgl. Anm. 44. 

32) Strab. XIV a. a, 0. sagt: Jiödafos i Xpovos xfoeayogivfyiit, xai' 
ÖQxäf pir ^ivdms' Uitolliivios yaf t%altCTo h Kföt/ag, h ^Kiacin^aac 
i%t{*irv fitr^veyxav 8' In' crvcöv A>v tijr üo^ia* xov %<tt' älij^Fiav 
Kförov. Aber mit Recht vereinigt Panzerbieter diese Angabe auf die 
obige Weise mit der Anekdote bei Laert. Diog. und nimmt eiDen Doppel- 
tinn, auf welchem eben die Satire dea Ptolemaeon beruht, in dem Namen 
Kförog an, indem Kronoa einerBeita bei Homeree und Hesiodoa daa Btehende 
Beiwort syivlofi^qc bat, bo daas der Name im ehrenvollen Sinne anf den 
gewandten Dialektiker pasat, während andrergeits Keävos anch die Be- 
deatimg des dämiachen Alten hatte ala der von Zeaa Entthronte, wie jetit 
eben Diodoros von Stilpon aae dem Sattel gehoben war. 

33) Laert Diog, II, HS. loyo* fQuifias mql Ton ngoßl^iitnos. Der 
ZuBatz aber i&vfila töv p/ov yntxiexgf^f , nach welchem er bald hernach 



iv.t^iOO^IC 



16 Zweites Capitel. Philoiophie bie i. U&irte deB 2. Jahrb. 

bis in die ersten Jahrzehnte des dritten Jahrhunderts gelebt zu 
haben, da er nicht bloss, sei es nun in Megara, sei es in Athen, 
der vorletzte Lehrer des Zenon war, sondern auch Kallimachos, 
welcher vielleicht auch gelegentlich seine Schule besucht hatte, 
noch ein uns erhaltenes satirisches Epigramm'*) gegen ihn schrieb, 
welches eher gegen den noch Lebenden und Wirkenden als gegen 
einen Todten gerichtet zu sein scheint. Er hinterliess fünf 
dialektisch gebildete Töchter'*). 

Stilpon von Megara hatte ausser mehreren Megarikern, 
wie es heisst, auch den Kyniker Diogenes gehörf ), und jeden- 
falls war seine Denkweise zum Theil mehr eine kjnische als 
eine megarische. So beschäftigte er sich zuerst, wie es scheint, 
unter den Megarikern auch mit ethischen Fragen, und zwar in 
entschieden kjniachem Sinne"), und auch seine Freigeisterei'*) 
erinnert an die Kyniker "'*). Dabei war er jedoch ein Mann 
von feiner Lebensart^'), der sich auch den Staatageschäften 

gestorben sein mSsete, iit darcbauB unglanbwArdig und rflhrt ohne Zneifel 
von HermippOB her, welcher iu seiaeu von Laert. Diog. mit Torliebe aaf- 
gegriffeuen TodesDachrichten vijllig seiner FhantaBie nad Malice die Zügel 
schiesaen liesa, s. C. 19. A. 16. Wilamowitz a. a. 0, S. 46. 103. 

34) Fr. 70. Dase die je zwei Distichen bei Laert. Diog. n, 111 aaä 
bei Sex. Emp. a. a. 0. EasammengehOren, eikaont« schon Bentlej. 

SB) S. A, 61. 

36) La. Diog. II, 113. Si^xovtt niv növ dx' EvuXtiSov, iR Si (schwer- 
lich mit Recht) tiai avtov Evttleiäov uMtvcaC ipaatv avröv, ällä nal Oga- 
cvfuiiov lov Ko(iip9iov, os iv Ijffva ycmpiftoc, xufl'ie gnjtriv Hi/axltiSTit. 
Said. StiXitaiv. pu^iftiis n<iaitiXiovs toi &t]ßaiov. St -^«Qoäntito Ki/ätTitos 
TOv ditXipoi Tial JtonXtCSov -roti Mryofftot (s, anch A. 61), o 3' Bvxleüov 
Tov niäzmvae yviüpifiai). La. Di. VI, 71. ^xouae äi bvtov (näml, jdioyivovf) 
Hai «omtW iniuli)!' i^noe (s. dagegen Zeller Ph. d. Gr. li', 1. S. S84 f. 
A. 2) »al Exlknav i Mcya<frvt tial aXloi tiXfiavs ävSgts nolicixo^. Jedenfalls 
kann er sehr füglich anch den Diogeneannd einen (älteren) Bmder von deaaen 
SchGler Kratea (xovtov, n&ml. Apüiovc, ytyovc IlaaDiX^t äSeXqiöe sagt auch 
La. Di. VI, 89) zn Lehrern gehabt haben, nur aber kann dieser Posiklea 
nicht selbst schon Schüler von Eratea gewesen sein. Ans St.'a „Neckereien" 
mit Erates (La. Di. U, 117. 118. 119) entstand die falsche Nachricht, daas 
letzterer des ersteren SchQler geworden sei (ebend. 114. Sen. Epist. 10, 1), 
wenn anders nicht ein jüngerer Eratea gemeint ist: Zeller a. a. 0. 8. 28G. 
A. 1 denkt an den Peripatetiker: La. Di. IV, 23. 

37) Zeller a. a. 0. S. 272». 

38) La. Di. II, lief. Ath. X. 4S2d. Vgl. anch die Geschichte von 
seinem Priesterthniu dea Poseidon, Plnt. de prof, in virt. 12. 83 C, D. 

38'') Ansaerdem s. A. 44. 4G. 46. 

39) L. D. II, 116. ^v ei uXr}»äs ovtoc (ßtöSafot, vgl. A. &} fiJ* 



Iv.t^TOO^IC 



2. Megariker. Stilpon. 17 

widmete^**), und dessen anregende, theils in Megara, theils oliue 
Zweifel anch in dem benachbarten Athen") gehaltene Vortrüge 
ihm Scbflier von allen Seiten zuführten**), nnd ein ebenso fester 
und anabbängiger wie sanfter und schlichter Charakter*^. Als 
Ptolemaeos I Megara Ol. 118, 1 = 307 besetzte, wollte er ihn, 
wie ges^, mit nach Aegypten nehmen, nnd als dann Demetrios 
PoHorketes Ol. 118, 2 => 306 die Stadt eroberte, verschonte er 
sein Hans nnd wollte ihm alles Verlorene wiedererstatten, aber 
Stilpon schlug alle diese Anerbietungen aus'^). Weniger glück- 
lich denn als Lehrer war er als Schriftsteller: seine neun Dialoge 
werden als frostig (ijrvxifoi) bezeichnet*'). Einen von ihnen hat 

ffeaiivTatos, ovT»s 81 NOfti^taTOf , Tgl. 117 f. Menedemos faast« nach II, 134 
seine groue BewtinderuDg des St. ia die Bexeichnang ilivfUfios (.lein 
Öentleman") ziiBamiDen. Wilamowits a.a.O. S. 112 meint, dasa St'a 
f^Mse Erfolf^ gerade aaf diesem Contrast beniht«D. Dan iet sehr möglich, 
aber nicht erweislich. Mit welchem Recht WilamowitB jedoch von 
„kynischen HaoieTen" deaselbeD spricht, sehe ich nicht ab. 

40) La. Di. VI, 76, 9. A. Se. Eben dies bedeutet daher anch II, 114. 
i]* di %al «oliTtxiBnEiac (und nicht „dnrchana ein Mann von Welt", wie 
Wilamowitz a. a. 0. flbcrtet^t). Daa nnmittelbar Folgende, er habe »ich 
neben seiner Fraa noch eine Concnbine gehalten, %id yvvaixa ^yayrio \al 
Itaifu vmnir Ntnofi-Vß, ms ipnal xov xoil 'Ov^tat^, ist Klatsch: diese Iletilre 
war seine ZnhörenD, Ath. XIII. 696 e. Dasu Cic. de fat. 5, 10: hunc 
(Smponem) «eribunt ip»iu» famiHares tt ebrioeum et muUeromm fuisse, aber 
MtMSom . . . nafvrant ab eo Hc edomitant et compressam au doetrina, ut 
nemo unquam vinoktUum ilhim, nemo tn to libidinia vesügium mderit. 

41) La. Di. II, 113 f. 119. 

42) Philipp. V. Hegara b. La. Di. II, 113 f., vgl. A. 8S. 61. 

43) La. Di. n, 117. dtptliii mit ävt^inlaatos nföf tt tov ISimtJir 
röOrtos. PInt. adv. Col. 23. 1110 C. ipQÖvjjiia . . . ittta ittiaör^tae k«! fic- 
TfOTttt9tias. Vgl. die Anekdote fiber Alciinos und St. de vit, pml. 18. 
636 A. B. 

44) La. Di. 11, 116: er ging sogar, nachdem er einen mäasigen Theil 
des ihm von Ptolemaeos dargebotenen Geldes angenommen hatte, weiterem 
Andrängen desselben ans dem Wege nach Aegina, aa>e Ixtirog äxiTtlivtit*. 
Tgl. anch Ben. Dial. II, 5, ef. Epist. 9, 18 f. (nach Epikuros, s. A. 435). 
PInt. de üb. ednc. 8. B F nnd wegen der Zeit Diod. XX, 37. 46 f. Bei der 
ersten Qelegenbeit fand also anch der Vorfall mit DiodoroR KronoH 
(A. 31) Statt. 

45) La. DL n, 120, wo die Titel anfgezählt werden. AufTallend ist 
xföt rqv tttmov OvyaxfQa: war dies vielmehr ein Brief an seine Tochter 
oder war dieser Dialog gegen seine Tochter gerichtet? S. A. 46. Snid. 
a.a.O. giebt ^Ifchlich 30 an, wenn die Lesart richtig ist Bei Ath. IV. 112 b 
ist von St.'a ii«opn|(»o»»p(«rw die Bede, aus denen Peraaeoa seine «itjiiro- 
11x01 ämXoyoi gezogen habe. Wie mt daa xn verstehen? S. A. 46.200.206. 



iv.t^iOO^IC 



1 8 Zweites Capitel. PhiloBOphio bia 3. Eälfte des 2. Jabrli. 

Telea in seinem Vortrage ne^l yvy^s benutzt^*''). Unter ihnen 
befanden sich ein Äristippos und ein Aristoteles, offenbar gegen 
beide gericlitet, femer ein Ftolemaeos und ein Metrokles*^. End- 
lich starb er hochbetagt"' ^), vermut^lich erst im ersten Drittel 
des dritten Jahrhuoderta *''). 

Philon der Dialektiker, SchDler des Diodoroa zusammen 
mit Zenon von Kition, welcher letztere, jflnger an Jahren, ihn 
sehr schätzte und sich namentlich mit ihm im Disputiren flbte*^), 

46») S. T. Wilamowite Antig. \. Kar. S. 306 f. und imteii A. 126 ff. 

46) Ans dem Hetrokles Sodet sich ein kleines, aber werthToUes Bmch- 
Btack ia den tod Sakkelion entdeckten neuen Scholien zn Demosth. 
(Bullet, de corresp. hellän. I, 161): ivtßtiii.ti- änl tov m^^fia* StUinav 
(so Gomperi f. EtCimavi) MrizfOKltC „ivißgfiiit StÜTtmvi Jtfi]T|iOHl>(c", 
Jedenfalls (wenn anden nicht die Form eines wiedererzUilten Gesprächs 
gewählt war) aus dem ProOmion; ea hatte also weni^tene hier St. nach 
dem Muster der aristotelischen Dialoge (Cic. ad Att. XIII, 19, 4) sich selbst 
eine Rolle ertheilt and anch wohl deren ProOmienart nachgeahmt (a. Bernaje 
Dial. des AriBtot S. 137). Vgl. Gomperz Rhein. Mas. XXXn. S. 477 f. 
Hier ist mithin ohne Zweifel die Quelle des Qasprächs TOn ihm mit Me- 
trohles darüber za finden, dass das zQgelloee Leben seiner Tochter ihn 
Nichts angehe, Plut. de tranquill, an. 6. 468A (Tgl. L. D. II, 114), welches 
Tbema denn wohl auch in fftfäg t^v iavtov S^atigti behandelt war. Und 
so stammt denn wahrscheinlich aus andern seiner Dialoge, wie dem Ptole- 
roaeos, ein Theil der Nachrichten aber ihn, and so erklärt sich Tielleicht 
auch jene ihre Bezeichnung (A. 45) als äiioiivfiiiovfviiaza. Vgl. A. 266. 

46'') La. Di. II, 120 nach Hennipp. (Fr. 37), dem man ja das yij^ntöv 
wohl wird glauben dürfen, freilich auch nicht mehr, a. A. 33. 

47) Seine Lehrthätigkeit war ungefähr gleichzeitig mit der des Theo- 
phrastos, La. Di. H, 113 f. ISO. 

48) La. Di. VII, 16 (nach Antig. t. Kar.). Imi^rlmt di xccl irpog ^i- 

9avjuta&TJvai vni Zj'tvmvot (**?) «>5 vtatigmi ov% ijxzav JioSägov toü 
diiaatiäXov avtov. Die obige Anßassung scheint mir die allein dem Zu- 
sammenhang entsprechende , ebenso dass mit ovioö Ph. und nicht Zenon 
bezeichnet wird. Andere freilich, wie z. B. Wilamowitz a. a. 0. S. 113, 
Terstefacn unter Z^vtavog lov vearfiiov den jQngeren Zenon aus Sidon, 
Schüler des Eitieere (e. A. 989—291), so dass Comparetti hiemach sogar 
Philod. Ind. Sto. Col. XI, 2 zu ergänzen versucht hat (s. A. 290), und bei 
Süid. ZijpiDv Motieaiov heisut es Ton diesem; pa&Jitijt tov iJioäiiifDv loü 
»lil&ivtoe Kquvov, aber mit dem anf alle Fälle sinnlosen Zusatz; dtiäa^a- 
loi Sl %al aiiiDc Ziivmvos lov Kitiiiüf. Hier ist also der jüngere Zenon 
zunächst mit seinem Lehrer, dem älteren, Terwechaelt und so zum Schüler 
des Diodoros nnd dann in Folge davon aus einem Schüler des Eitieers 
fUUchlich zu dessen Lehrer geworden. Vgl. Sosemihl Jahrb. f. Pb. 
CXXXIX. 1889. S. 760 f. Allerdings aber scheint mir die Stelle bei La. Di, 



ivXtOO^IC 



2. Hegariker. Pbilon. Aleiiooe. 19 

blieb dagegen, nie ea scheint, der urs prang) ichea megarisclien 
Richtung in allen Stücken treu, aber freilich mit Zugeständ- 
nissen, welche in Wahrheit das Wesen derselben aufhoben*^. 
Gegen seine grammatisch-logischen Abhandlungeo ai(fl tt^(ia6i(5v 
und xtffl tffömov schrieb nachmals Chrysippos ^), und aus seinem 
Menexenos stammte die ob^e Nachricht über die fünf Töchter 
seines Lehrers"). 

Älexinos von Elis, aus der Schule des Eubulides, wegen 
seiner Dieputirsucht Etenxinos genannt^*), war, wie schon 
hieraus erbellt, ein ächter Megariker, aber auch der letzte nam- 
hafte Vertreter dieser Secte. Nach seinen Streitigkeiten nicht 
bloss mit Stilpon^') nnd Menedemos^), sondern auch mit Zenon, 
als dessen lebhaftester Gegner er bezeichnet wird'''), scheint er 
bis über das erste Drittel des dritten Jahrhunderts hinaus ge- 
lebt zu haben; jedenfalls war er jUnger als Stilpon'^^. Von seinen 
Schriften sind noch eine oder mehrere gegen Zenon, eine gegen 
Ephoros'^, eine g^en Aristoteles^) und ein Päan auf Krateros^*) 
nachweislich*"'). 

lückenhaft: wovon soll der lofinitiT ^«vfiac&i^pai ubbängeii? Oder bann 
io dicBem s[AtereD Griechisch Sttv = mon mit dem InfinitiT stehen? 

49) S. Zelier S. 270 f. 

60) La. Di. VII, 191. 194. Weiteres b. Zeller S. 260. A. 2. 

51) dem. Strom. IV. 622 D — 523 A. at ^todägov mv Kfövov Im- 

'Agytia Stoyvig 'Aftriiicia JTafiuxlfia. Vgl. Hieron. adv. lorin. I, 42. 
T. II^ p. 309 Vallarsi. Diodorut Soeratieiu quinque filia» diaJwticat in- 
»ifnis ptidicüiae habuiste narratur, de ^i6uf et Fhäo Cameadia magkter (!) 
ptametimam tcribü hütoriant. 

62) La. Di. II, 109. fifiafv j^ äXlap öviu» t^g EißovXiiov durStti^t 
'Mf^os iyivtto üfiif tpiXortuiöxatos' iiö xbI 'EXtfiCvos ixltiX^Orj. 

63) S. A. 43. 64) La. Di. II, 136. 

66) La. DL II, 109 fährt fort: iiKplgtxo di ftäXiexa xQot Zi]v<ui>a. 

66) Die bei La. Di. a. a. 0. weiter folgenden NachrlchteD des Her- 
mippoB Aber ihn sind ohne Zweifel wiederum erfanden. 

67) La. DL II, 110. ylyfaipf 9i ov /tötav xgie Zqwru (Zenons Oegen- 
Khrift erscheint VII, I63j aasserdem vgl. Sex. Emp. Mnth. IX, 108), äXXir 
vil SXXa pißXüt, Kai iifög 'Eipofov tav tatoi>toyiiätftnr. 

GS) ArietokL h. Enaeb. P.'E, XV, 2, 4. 791 c. ntnayiXaexa 9' tUötns 
ipai)) ns av Mtl zä Axofirrif^rtVfiatti tn 'AXe^ivov rov (qibutiov. jraiit yäf 
jtXl^BvSfOw naida ^(«iUyöfUvo* rä natfi 4tli^Ji^ xal iiamioTta ftJr tois 
toi 'AfiVToiiXovs XÖyovs, äxoSexäiirrov 3i /ViMByu'ea» lir'Efii^vlxivXTi^tvTa 

69) Hermipp. Fr. 42 b. Äth. XV. 696e, s. C. 38. A. 11. 

59'') Eine ethische Schrift «(9I avaxt»titt« steht diesem Manne kanm 

D,j-,_, l|.;,*^TOOy[C 



20 Zweite» Cap. Philoeophie. 2. Megariker, Paaikl. Panthoed. Artemid. 

Sehr wenig wissen wir von Fasikles, von Panthoedes, 
dem Lehrer des Peripatetikers Lykon, von Ärtemidoros, wel- 
cher gegen Cbrysippos schrieb™), und einigen Änderen**). 

3. Fasiphon ans Eretria und Faendo-Eebes und andere 

Fälaehongen BOkratiseher Dialoge. 

Pasiphon aus Eretria, vermuthlich ein Mitglied der eretri- 

schen Philosophen schule und, wenn dies richtig ist, jedenfalls 

ein Zuhörer des Menedemos*'), war nach dem gewichtigen Zeugnisa 

des Peraaeos^'') der Urheber aller bis dahin unter dem Namen 



EU Geeichte, und es ist daher im höchsten Grade zweifelhaft, ob Meioeke 
mit Kecht bei Ath. X. US e 'AXtiis in 'Jie^Cros Tenrandelt bat. Aller- 
dings ist dieser Alexis sonst nnbekannt, und chronologisch -wäre es wohl 
mOglich, dasB Aleiinoa dem Hekataeos 7on Abdera die Geschichte Ton 
König Bokchoris (gleich Diod. I, 45, 2 und Plut. de Is. et Oe. 8. 354 B) 
nacherzUhlt bUte, s. Ed. Schwsrtz Hekataeos von Teos, Rhein. Mns. XL. 
1886. S. 230. 246. Vgl. C. 11. A. 27, 

60) La. Di. IX, 68. 

61) S, die ZuBammenstellung bei Zeller 8. 260. A. 3, ausserdem über 
Panthoedea noch S. 270. A. 3, vgl. anch unten A. 747, Den Tyrannen 
Abantidas von Sikyon, welcher den Vater des Aratos getOdtet hatte 
(s, C. 21. A. 623''), räumte hernach AriBtotoles der Dialektiker in Ge- 
meiuscbafl mit Deinias, wie es Bcbeint, einem Manne ähnlichen Schlages, 
etwa 266 aus dem Wege; Plut, Arat. 8. XQ^"^ ^^ natfpov 'jßavvidati itiv 
Ol KFpl dfiv{ay Korl AftarotiXT} zof Siult%TiKOv, tlm^öza loig löyoif UDiiäv 
not' äyofäv aioXa£öviatv tnäavoTf jtafftvai «ul oJi^tloM iic (& , f/ipoXivife 
tig T0iaDX7]v iiutgcß^v *al TtazoBKtväeartii ixißovlijv aviiXav. Unter den 
Dialektikern, welchen Stilpon Schüler entzog, wird von Philipp, au» Hegara 
(vgl. A. 42) bei La. Di. n, 113 onmittelbar nach den A, 22 angeführten 
Worten Aristeides genannt: axö Si räv diitXf*Tixwv naiäviov iiiv ä«ö 
'AfuIxtlSov, JlifiXov Si x'ov Boanagiuviv Evqiävrov %al MvgiiTjTia lov 'E£ai- 
vitov, nagayevoitivovg mg lX4y^oinas, un^poiffons £ijXrotas ^oxf- Ueber 
Pasikles s, A. 36, Wenn derselbe bei La. Di. VI, 89 Schüler des Eukloides 
genannt wird, so ist entweder, wie Zeller S, 347. A, 6 bemerkt, Diokleides 
herznstellen oder es ist wenigstens Diokleides mit Eukleidea verwechselt, 

62) Die einzige Zeitangabe steht bei La. Di. VI, 73. tC ye avrov 
(n&ml. dioytvovi) ai zfaytoftiai nal /lij 0iXiaxov xov Alyivrirov zov Imivov 
jvmqip.<ni q riaiitipärcog zav Aov^iavov ('Efftzgnov Wilamowitz a, a. 0. 
S, 142. A. 13'), ov tpijai ^aßaigrvos . . . pezä zr]v zcXeviriv avrov avyygäipat. 
Dazu kommt aber, dass Persaeot ihn bereits kannte. 

62^) Bei La. Di. II. 61. xal z£v tnzä 3i (dies ist jedenfalls falsch: in 
Wabibeit sagte dies Persaeos sicher nicht von den sieben ächten unmittelbar 
hernach genannten Dialogen des Aescbjnea, sondern von den unmittelbar 
vorher eingeführten „eingangalosen", a*fipaloi, s. Weicker El. Sehr. I. 
3. 422. A. IS. C. F. Hermann Plat Phil. S. 686. A. 182. SusemihI 



iv.t^TOOylC 



3. Posiphon ans Ereinti. 21 

von unmittelbaren Scbüleni des Sokrates gefälschten Dialoge. 
Aus einem derselben, den er dem Fbaedoa untei^eschoben hatte, 
besitzen wir noch ein Bruchstück*'). Mit welchem Recht ihm 
aber auch die unter dem Namen des Eynikers Diogenes nm- 
laufenden Tragödien von gewissen Seiten zugeschrieben wurden*^''), 
ist schwerlich za entscheiden^), ebenso wenig, welche der uns 
erhaltenen, offenbar von verschiedenen Verfassern herrührenden 
pseudoplatonischen Dialoge, unter denen neben dem Ion der 
geistreiche Eryxias und aus anderen Gründen der Axiochos ein 
besonderes Interesse in Anspruch nehmen, ihm angehören mögen*^). 



Jahib. f. Pb. LXXL S. 704. Uebera. v. Platons Werken T. S. 863 f. Änin., 
wo dtu Deberweg gemacbte Zuges täudniBa verkehrt ist) toiit iltimavt 
nrgaaios iptiat Tlantpävios itvm tov 'EffTQiiiov , lit toiis Alexivov 8\ %aza- 
tafiit. äXXa hqI tÖv 'Arxui6ivims lö* xe fiiKfiöv Kigov aul lov 'Hfia*Xta 
TOT tXäatai nbI 'Mnißuiiiiv, ital toie trä» SUor di iatnväfjitai (9i lextV' 
mf^a9ta Kühn, ittexiviöiffiiat oder du»iivmg^<i9ai? Susenlibl). Die 
äxttptiloi liefen aber nicht bloss unter dem Nunen des Aeschinee, sondern 
auch unter dem des Flaton (La. Di. III, 62) nm, unter welchem wir noch 
swei von ihnen, ntfl ägst^s oii oo dtiawv und ntfl dmalov, besitieQ, 
welche beide auch zu den „SchuBterdialogen" (axcTiHOt) gerechnet wurden, 
d. h. sn denjenigen Dialogen, welche fllr Werke des angeblichen Schusters 
Simon galten (La. Di. II, 122), aber von Ändern dem Piaton (La. Di. III, 63) 
oder Aeachiuee oder Phaedon (La. Di. II, lOa, s. A. 63) beigelegt wurden, 
theilweise nach der aurfalleuden üebereinstimmang von manchen der Titel 
dieser knnen Dialoge bei Simon (La, Di. I), 122 f. xQiit i\ *aX tqidxovxa 
ir Iri fSföfitfoi ßißUm ■. t. X.) nnd bei Kriton (La. Di. II, 121. Sialöfavs 
fifQaipty ir ivl ipiffoßivovs pißlim intaytttiSena k. t. l.) auch wohl dem 
letztem; in gewissen Sammlungen wurdsu sie mit in den äueipaXai ge- 
zahlt (Snid. Ataiivra), in andern nicht (La. Di. III, 62). Ausfahrlicberes 
3. b. Snaemihl Plat. W. a. a. 0. S. 269 ff. 

63) Scbildetnng des Nikiaa; Flut. Mik. i. ^> Si tivi x£v Ilaaupärxos 
iialöyiav yiiQBTttai, oti {Nt%iei) xnO' -rinif/ctv I9ve x. t. l. Vgl. La. Di. 
II, 106. iutlayovs ii {9aiämv) awitfutfiE y*i)o/oue fi'' Zmiropov, Siptova, 
tat ^i<mi£4>fuvov Tfixiuv, M^diov, ov ipaaC xivtg Alaxivov, oi 8% IloXvaivov, 
'Avxifiaiov 5 ÜQHißvxat {»«1 ovxos AoräJfHM)» i««Si«ovs (L ZxvxiKovg) 
liyovg- %al fovxovt xivis Ataxivov tpaoü'. 

63*') 8. A. «2. 

64) Vielleicht verfiel man darauf nur, weil er dem Stifter der Kjuiker 
Antisthenes in der That (s. A. 62^) mehrere Dialoge untergeschoben hatte. — 
Sehr richtig findet es Übrigens Wilamowiti a. a. 0. bezeichueud f^r die 
Bedeutungslosigkeit der gewiss zeitig erloschenen eretrischeu Schule, wenn 
ihre einzige nachweisliche litterarische Thätigkeit f^lscbnngen unter frem- 
dem Namen waren. 

65) Neuerdings hat Buresch Consolationnm a Graecis Romaniaquc 
scriptamm historia oritica, Leipzig 1886. 8. (Doctordiss. = Leips. Stud. IX, 



22 Zweites Capitel. Philosophie bis 2. H&lfte des 2. Jahih. 

Zu den Fälschungen gleicher Art, die ohue Zweifel sämmt- 
lich einem neu entstandenen Industriezweige dienten, indem sie 
dazu bestimmt waren Tortheithaft an die grossen Bibliotheken 

1687). 8. 9 ff. Bofs Neue den vergeblichen VersDCh gemacht den letit- 
genannteD Dialog als den ächten gkichnamigen dea AeachineB tv erweisen. 
Dieser Versuch schelfert ichon an 366E, wo „eine BeadsichligaDg der 
reifen Jugend durch den Areopag und andere Behörden" geschildert wird, 
wie sie „einer späteren Zeit" angehOrt, „wo man in dieser Einsicht sehr 
gesctamig war"(Scb&fei Deraostfa. m^. Beil. S.32). Ferner hat P. Corsiien 
Itheiu. Mds. XSXVI. 1881. S. G19 f. (Tgl. C. 29. A. S20) unbestreitbare An- 
klinge an Etoische nnd epikareische Anschaunngen (366 D. 366 A. 370 C) 
naohgewieseD , so daas sich eher Teminthen läast, der Dialog sei erst nach 
Pasiphon eutotanden. Der Verf. vermscht also den Vortrag dea Prodikos, 
auf welchen er sich beruft, oder vielmehr er hat ihn selbst gar nicht in 
Hunden gehabt, sondern schreibt S66 D. E gleich Tele« in der Parallelstelle 
p. 38, 10 ff. Henae bei Stob. Flor. XCVII, 73 — IH, 236, 1 ff. Mein, {vgl. 
Welcker a. a. O. S. 50) den Eyniker Krates aus wie anderweitig (s. unten 
A. 6G4) den Krantor. Bei der unverkennbaren Aebnlicbbeit des Dialoge 
auch im Stil mit der Rede des Teles, bemerkt sonocb Wilamowiti 
S. 296 f. A. 6, wird anch die Zeit ziemlich die gleiche sein: „wir werden 
seine Abfassung bestimmt nach Athen verlegen dürfen in das 3. Jahrh." 
(Schäfer), und dass er erst frühestens zur Zeit des Poseidonios entstanden 
sei, wie Corsseu unter Beistimmung, wie es scheint, von Usener Epicurea 
S. LVlf f. (vgl. C. 29. A. 216. 220) darzuthun sucht, davon kann schwer- 
lich die Rede nein, e. dagegen auch Gercke De consolationibue, im 
Tirocin. philol. Bonn., Berlin 1883. S, 31. A. 1. S. Sbrigens noch Matthiä 
Loca nonnulla e I. libro Tusc. disp. com locis Aeschiuis et Platonia com- 
parantnr, Altenburg 1808. 8. (nnd in Verm. Schrr.), welcher (S. 61) wie 
nach ihm Hermann S. 418 (vgl. anch schon Wyttenbacb Opnsc. 11, 
S. 569. &99) deu Verf. für einen spätem Schulphiloaophen erklärt; ich 
glaube eher, dass er ein philosophi^cb gebildeter Rbi-tor war (vgl. A. 66). 
IJdi Eryzias ist sehr merkwürdig f{lr die Geschichte der nutionalSkonomi- 
schen Gedanken. Aus dem massgebenden Eiufluas, welchen die Tetmlogien- 
eintheilung der platonischen Werke durch Tbrasylloe frühzeitig gewann, 
so dass unsere Handschriften auf sie zurückgehen, erklürt es sich, dass 
alle diejenigen Schriften unter Piatons Namen, welche er für unächt er- 
klärte und daher auch nicht in die Tetralogien aufnahm, hernach allgemein 
als nuplatonisch augeschen und in den Anhang veiwieaen wurden: La. Di. 
III, 63. vo9fvovtat 3i xwv diaJiöyior oftoloyau^itroic MiSmv i) ' Imtoigitpoq, 
'EQv^iat 1} 'EfaaicigaTOi , 'AXtiväv, AniifaXai -q' (so C, F. Hermann a. a, ü. 
S, 679 f. statt 'AM^aXot oder 'AnifaXai ^), i^iavipos, 'A^ioxot, 4>aiatus, Jq- 
fiöSoitot, XiXtäiäv, 'Epioim, ^nififf i'dtjs. Wir besitzen von denselben nocb 
ausser den schon genannteu vier (Erjiias, A:iiocbos, v. d. Gerecbtigk. u. 
v. d. Tagend) den Eisvogel (AXxviöv) der auch unter deu Werken des 
Lukianos, aber mit noch grosserem Unrecht steht, den Sisjphos und den 
Demodokos. Ueber den Eisvogel macht La. Di. zu seiner Vorlage noch 



iv.t^iOO^IC 



S. Pi>endo-KebM und Umliche F^ljchongen. 23 

vefkanft zu werden'"'), gebort auch daa erhaltene „Gemälde" 
(nivai) unter dem Namea eines nnmittelbaren Schülers von 
Sokrates, des aus Piatons Phaedon bekannten Thebaners Kebes. 



(Ol Pbaboriuos (b. v. WiUmowitE Epüt. ad Haus., Pbilol. Untern. 111 
S. 143 ff.) den Zusatz: mv ij 'Aluvär Alortis xitot tXvai. io%fi, *a(fä i)>i]«( 
iapaiiiitot Iv TÜ nffisco) läv Axonvtifiavivfuixani , und Atb. XI. &06c be- 
richtet: mc xal ij 'AlKväv Aiortog loü Utadifiiiauov , äg VI"' Ntxias h 
Nixaevt- Aber wir wissen von diesem Akademiker Leon Nicbta. Der 
liebent« Honatutag (Eßdöin)) stebt bei La. Di. II, 1S5 auch unter den 
Dialogen des Eebes, die ohne Zweifel alle drei FUschongen waren: xoviov 
ipigin'xai diäloyoi tfiiCt, niW£ 'Eßtötti] ^tvviios, und es ist ein sehr du- 
methodischer Einfall von Siltl Gr. Litt. G. II. 8. 276, daas der Urheber 
wirklich Kebes geheiascn habe und der bei Ath. IV. 169 d erwähnt« Xjniker 
dieses Namons sei (a. A, 66). Aber auch gegen andere angeblich platonische 
Dialoge erhob sich von einzelnen Seiten Zweirel. So hinsichtlich der Neben- 
buhler sogar von Seiten des Thtaijlloa selbet, La. DL IX, 37. tixiQ oi 
'ArtiQttiixal UXüxiavös tlti, <p>,at ßfiäovXlog. So sagt femer Ath. unmittelbar 
tor den angejahrten Worten Tom zweiten Alkibiadee: o jäf divxsfot vnü 
iirnv Sitotpänos tlvai IcyiTut. Freilich gebOrt in Wahrheit dieeer Dialog 
dem Xeuophon ebenso wenig an, sondern ist sicher eine Fälschung. Vom 
HipparcboB schreibt Aelian V. H. VIII, 2: ti dij h "liiTiei/ios Illäxavii iaxi 
Tm övTi. Den Hinoa hielt freilich schon Aristophanes von Byzantion für 
^ht (La. Di. HI, 62), aber er fahrt den Nebentitel ittgl vöfiov wie der 
Hipparchoe tit^i tpiloneeiovs , und diese beiden letzteren Titel begegnen 
um auch bei Simon (La. Di. 11, 122 F.) und bei Eriton (La. Di. II, 121. 
vifl lov KJttfov fi«iv ond «tfl vöfiov). Thats&cblich sind beide Dialoge 
Aach eingangslos, obgleich sie wenigstens von Tbrasyllos nicht zu den 
'A%iipaloi gez&hlt wurden und diese, wie die schon eiwähnten (s. A. 62'') 
erhaltenen Gespräche von der Gerechtigkeit und von der Tagend, daher 
wahrscheinlich spät«re Nachahmungen von ihnen sind. Die beiden letzt- 
genannten Dialoge erscheinen äbrigens wiederum im Vereeicbniss der 
Schriften des Simon bei La. Di. a. a. 0, , der von der Tagend auch bei 
Kriton (Öt( OVK In iov iia9iiv o! äya^oi). Auffällig genog ist es, dafs 
der Theages im Alterthum nicht angezweifelt zu sein scheint. Aber auch 
der erste Alkibiades und der von E, Weber De Dione Chrysostomo, Leipz. 
Stnd, X, 1887. S. 189—198 ansfOhrlich, aber schwerlich (was ich hier frei- 
lich nicht nachweisen kann) mit Erfolg vertheidigte grüasere Hippias und 
selbst der im Ganzen recht hübsche Ion (vgl. v. Wilamowitz Enrip. 
Herakl. L S. 12. A. 17) sind nntergeschobene Werke, b. Zeller Zeitschr. 
r d. Alterthum»w. 1861. S. 366 ff. Kvfcala De Piatonis qni fertur 
Alcibiade L, Zeitschr. f. d. Ost. G. XIV. 1863. S. 1 — 18 und die be- 
treffenden Einleitungen in den üebersetzungen von Schleieimacher 
(der hier die Bahn brach) nnd 8usemibl. Dass ferner diejenigen Schriften, 
welche in der Sammlung der Werke des Antisthenes den 10, und letzten 
Buid aasmachten (La. Di. VI, 15 — 18), nichts Anderes als ein Anhang 
iweitelhafter und unSchter BQcher waren, zeigt Snsemibl Der Ideal- 
tUiat des Antietbenes nnd die Dialoge Ärchelaos, K;roe und üerukles. 



24 Zweites Cnpitel. Pbiloaophie bis 2. Hälfte des 2. Jahrb. 

Früher, bis in die Mitte des neunzehnten J&hrhnndert«, faad man 
viel Gefallen an diesem kleinen Machwerk, wie die fast zahl- 
losen Ausgaben und Uebersetzungen beweisen; jetzt, nachdem 



Jahrb. f. Phil. CXSXV. ISST. S. 207-211 Mf Grand der A. 62^ aogef. 
Stelle La. Di. II, 61, nach welcher der kleine EyroB, der kleinere Heraklee 
Dnd der Alkibiadea Fälecbungen des PasiphoD waren, unter fieiatimmang 
TOD Zeller Ph. d. Qr. II', 1. S. 282. A. 1. Arch. f. Geach. der Fhiloe. I. 
1S&8. S. 267 f. Danach war also auch der Archelaoa (Ath. V. 220 d) 
nntergeachoben, welchen Dammler Antifithenica (Halle 1882). 8. 8—11 
vielleicht mit Recht für die wesentlichate Torlage der 13. Rede des Dion 
ChrjBOst. erklärt, aber mit Unrecht fQr acht hUt. Denn warnm Eraterea 
desahalb anageachloaaen sein sollte, weil Dion, wie Hartlich De exbor- 
tationum a Qraecie Bomaniaque scriptarum historia et indole , Leipi. Stnd. 
XI. 1889. S. 314f. uachweiat, auch den pseudo-platoniechen Eleitophoa 
vgl. 421 R. mit 407 A. B) vor Augen gehabt hat, vermag ich nicht ein- 
znaehen, und durch die Entgegnung Ton Dümmler Akademika, Giessen 
1889. 8. S 1—83 halte ich mich, wae ich hier freilich nicht ausführen 
kann, in keiner Hinaicbt für widerlegt. Von Ariatippos waren wohl nur 
die secbB Diatriben (La. Di. II, 84. 86, vgl. Tbeopomp. Fr. 279 b. Ath. XI. 
G08 e. f und unten A. HS) acht; in Bezog auf Phaedon a. A. 63. Mit Un- 
recht gab daher einst B9ckh den Hinoa, Hipparchoa und die Dialoge t. 
d. Gerechtigk. n. t. d. Tugend unter dem Namen dea Simon herans: 
Simonis Sociatici, ut videtur, dialogi IV de lege, de lucri cupidine, da 
iuato ac de virtute, Additi sunt incerti auctoris dialogi Eryiiaa et Aziochus, 
Heidelberg 1810. 8. S. dagegen Stallbaum Da dialogia nuper Simoni 
Socratico adacriptii, Leipzig 1841. 4. Allea, waa wir über diesen Schaster 
erfahren (La. Di. II, 122), und ao denn doch wohl (waa ich Mher noch 
nicht anznnehmen wagte) seine Person selbst war ohne Zweifel eine blo^e 
dialogische Erdichtung des Phaedon in dem gleichnamigen Geapräcb (vgl. 
A. 63), 8. Zeller Plat. Stud. S. 138. Ä. 1 und a. a. 0. II', 1. S. 242^. 
A. 2i 3. Aach bei Simias (La. Di. II, 124) kehren grosaeutbeils dieselben 
Titel wieder wie bei Kriton und Simon, und auch er und Kriton sind daher 
aus der Zahl der Schriftsteller zu streichen, und es ist vielmehr mit 
C. P. Hermann a. a. 0. S. 419. S. 685. A. 181 anzunehmen, daas die Ge- 
lehrten, welche an den grossen Staatsbibliotheken arbeiteten, nachdem 
<liese Betrügereien einmal in die letzteren eingedrungen waren (vgl. A. 66^), 
zwar aas äusseren und inneren Gründen an der Aechtheit dieser Mach- 
werke irre wurden , aber doch die erlittene Täuschung nicht geradezu ein- 
gestehen mochten, sondern dieselben auf geringere Schüler des Sokrates 
abwälzten, wobei aie denn im Hemmrathen natürlich auf veiachiedcno 
Grgebniase kamen. Nur zwei der iUlschlich unter Piatons Namen um- 
laufenden Dialoge sind sicher voralciandriniacben Ursprungs, ilie Epinomie 
und der vielfach jetzt wieder (a. dagegen Zcller a.a.O. II', 1. S. 4809'. 
A. 2) für äiciit angesehene Meneienos, vielleicht auch (worüber ich hier 
nicht eingehender reden kimn und will) der Eleitophon. Der erste Alki- 
biadea stand als vermeintlich acht platonischer Dialog bei den Neu- 



|.;,*^tOO^IC 



3. PaBipfaon SU19 Eretria und Pseudo-Kebea. 25 

man seinen wahren Charakter und seine grosse Färb- und Be- 
deutungslosigkeit erkannt bat, bietet es nur noch ein geringes 
Interesse dar"), obgleich es noch immer seine Liebhaber hat*""). 

pl&tonikera hoch in Anaeben: wir beBitzen £a ihm noch die CooimeDtare 
von Prokloa und Olympiodoroa. Der Ion igt beBoadera beraaegegeben ton 
G. W. NiUich, Leipzig 1882. S. and von Knebel, Cobleuz 183S. 8. mit 
Theages und den Nebenbuhlern. Wiagand Debet den Zweck, welcbea 
Platoa bei der Abfaasnug dea Dialogs Ion vor Augen gehabt, Allgem, 
SchnlzeitODg 1828. S. 1864 ff. fieffter Deb. Platon'a Ion, Zeibcbr. f. d. 
AlterUinmaw. 1813. No. 90f. Daum Prolegomena ot adnotationes ad 
lonem Platonia dialogum, InoBbrnck 1661. 1. Hollen berg Ueber die 
Kritik des Theages, Zeitschr. f. Oyinnw. Va 1B6S. S. 263—263. Debers. 
dea grSssem Hippias von GOtz, Augsburg 1829. 8. und der beiden Alkib. 
(mit Menon o. Kriton) von Gedike, 2. Aufl. t. Ullrich, Berlin 1821. 8. 
Aeacbines des Sokratikera Gespräche und Cebes des Thebaoere Gemülde 
übera. T. Pfaff, Stuttg. 1827. 16. (eutbKlt den Dial. v. d. Tugend, Bryx. 
and Äxiochos, die der Ueberaetzer aber mit Itecht auch dem Aeschinea 
abspricht, während er das Gemlldo für ein Werk dea Eebes h&lt). Hagen 
Observ. oeconomico-polit, in Aeschinis dialogum, qui Erjxios inscribitur, 
KSuigebei^ 1628. II. 8. (mir nicht zugänglich). BOckh lo Platoois qui 
vnlgo fertttr Minoem, Haila 1806. 8. Im AUgem. s. bea. Hermann a.a.O. 
a. 412—481. GT6— 698, dazu unten C. SB. A. 68. 

6&>>) Galen, ad Hippocr. da nat hom. I, 48 (T. XV. p. 106 EQbn). 
nglr yäf Tovs ir 'Alt^aviiftlif xal Tlt^dii^ ytvia&ai ßaaiXiis Inl xiijoft 
fli^Ximv tfilotiiiij&ivTut, ovSiaai (dies iet freilich eine starke Uebertraibung) 
^tvääg i»tyiyeavto avyygap,pa- laiißävnv d' äf^afiiviav fua^ö* täv %Of.t- 
Eövini' KCToff ffvyy^dfifut jtaXmov iivog avi^bg, ovioie qi^ij itolXä ipevSäs 
huygäq)ovttt hiiiitov- Vgl. Sackow Form der plat. Schriften S. 162 ff. 

66) Die Un&cbtheit ergiebt bicIi apecicll aua c. SS, wo Platona Gesetze 
(Vtl. 808 D.E) angefahrt werden, und c. 13, wovoUenda achou die Hedoniker, 
Peripatetiker und Kritiker erwähnt aind. Wie beliebt freilich das Scbrift- 
chen Hchon im apäteren Altertbum war, erhellt ans einem in einer Nach- 
leicbnung, die sich in einem Sammelbande des Berliner Kupferatichcabinets 
findet, noch erhalteuea UeliefbrncbatQck mit Darstellungen aua demselben, 
a. Carl Conr. MQller ßeliefiragment mit Durdtcllungeu aus dem Flivai 
des Kebes, Archäol. Zeitung XLII. 1884. Sp. 116—128 uad daxu Robort 
S. 127 — 130, und daraus, dasa Lukianoa zweimal (de mercede cond. 43. 
rhei praec. 6) von Kebea, dem Verfaeser desselben als einem allgemein 
bekannten Schriftetetler spricht. Und so sind denn alletdinga manche 
Ulosseme eingedrungen, und selbst H. Sauppe Gßtt. gel. Anz. 1872. 
S. 776 f. {a, u.) ist geneigt an der letztem von beiden obigen Stellen die 
Worte of Si 'UdoviHoi, oC 3i Un)tnaxJni*oi för ein solches zn holten, aber 
wenn die Tertbeidiger der Aachtheit, wie Klopfer De Cebetis tabula, 
Zwickau 1818. 1820. 1822. lU. 1., die erstero für interpolirt erkläreu, so 
ist die« baare WillkSr. Im Uebrigen s. A. 66 und Zeller 11^, 1. S. 212. 
A. 6: „Auch in dem sonstigen Inhalt der Schrift lilsüt sich trotz der 



Iv.t^TOO^IC 



26 Zweites Capitel. PbüoBOphje bis 2. Bälfta dea 2. Jahrb. 

4, Die Zyniker und Bion der Borysthenit. 
PhiliskoB von Aegiaa, Sohn des Onesikritos und gleich 
seinem Vater und seinem Bruder Audrosthenes Schaler des 

Farbtoaigkeit des äanzen der Standpnnkt und Geachmach eiuer späteren Zeit 
in der ttobchen Moral, der Polemik gegen die falsche Bildnug und den 
weit anBgeBponnenen Allegorien kaom verkennen, cind wenn sie Droeihn 
Die Zeit dea Tliva^ Kcßiizot (udtoU. heranag. von Dietlein), Nenatettin 
1873. 4. mit Recht der atoiachen oder kyniachen Schule saweiat, so wird 
sie wohl auch von ihren Aah&ngem erst ein jüngerer, ettj-a ana dem 
1. Jahrh. vor oder nach Chr. verfaaat haben". Ebenso nrtheilen über die 
Entatebnngazeit anch Andere, und anch v. Wilamowitz Ant. v. K. S. 29» 
scheint dieselbe nicht früher zu aetzen, und Kondylea TVvog Kißritos ö 
nirni; in 'Eipjiitetfls xäv «Uafw^räv XXVI, 2, Athen 1676. S. 1S3— 186 
und SakellarioB (a. u.) entscheiden aich für die ^teete) römische Eoiserzeit. 
Ich kann die kleine Schrift nach dem Gemerkten für ao jung nicht hallen: 
ihr Verläeaet braucht ja gar nicht Mitglied einer Philosoph euachule ge- 
wesen ZQ sein; ich halte ihn eher gleich don Urhebern der paendoplatoni- 
echen Briefe für einen philoaophiach angehanchten Rhetor, und dann 
erklärt sich wohl Alles, anch wenn das Schriftchen achon im 3. Jabrh. 
entstand, wie ansser Jerram (s. n.) auch Usener bei Carl Conr. MStler 
Philol. Rdacb. IV. ISSi. Sp. 1422 f. mit Hinweiaung darauf annimmt, dasa 
im Atiocboa 366 E neben Anderen die ngiTmoi and yftoiihQai ala Lehrer 
der Jugend hervorgehoben werden gerade wie in der obigen Stelle c. 18 
(a. indeaaen A. 65). Jedenfalls ist, wie Hagen und C. C. Müller a. a. 0. 
Sp. U32 bemerkt haben, der Erjiias nachgeahmt nicht bloss in dem fast 
gleichlantenden Anfang, sondern anch sonst, schwerlich nmgekehrt dies 
Schriftchen im Erjiiaa. Es iat übrigens voltaländi^ nur in der arabischen 
Ueberaetzong von Ibni Muskweth aus dem 11. Jahrb., die von Elich- 
mann, Leiden 164Ü und Snavi Effendi, Paria 1873 herausgegeben ist 
(vgL Wenrich De auctorum Graecorum vetBionibas et commentarüs S^' 
riacia etc., Leipz. 1842. S. 85 ff. 114 ff.) erhalten, in den griechischen Hand- 
achriften fehlt der Schluss (c. 42. 43), in zweien CK sogar schon von 
40, 2 ab, die Utste und beste A (P* =- Paris. SbS ans dem 14. Jahrb., 
B. C. C. Müller a. a. 0. Sp. 1419) reicht vollends nur biB ins 23. Cap. 
hinein. Die alten lateinischen Ueberaetzungeu von v. Queatenberg (Cod. 
Monac. 924) und Odaxiua, Bologna 1497 aind ohne kritischen Werth, 
denn beide sind aus C oder ganz ikbolicher Quelle geflossen. Ein Gleiches 
gilt von den beiden ältsteu Ausgaben, einer Aldina, Ven. um 1603. 8. 
und einer wahrscheinlich von Zachariaa Ealliergea vermutblich in 
Rom um 1617. 8. besorgten, von denen dieae ans einem noch erhaltenen 
Coiles Corainianus (K), jene aus einer ähnlichen Handschrift stammt. In 
der Folge wHrd der kleine Dialog wiederholt mit dem Encheiridioo dea 
Epiktetoa herausgegeben, so von Uporinua, Basel 1647, Hieron. Wolf, 
Basel 1661 u. C. (s. C. C. Müller Z. f. d. Öat. G. XXX. S. 846 f.), Berkel, 
Leiden 1670, welcher den Schlues nach Elicbmanna lateinischer Wieder- 
gabe dt-r anib. L'ehera. hinzufügte, worin ihm andere Ansgaben nachfolgten. 



iv.t^iOO^IC 



4. Eyniker. PhiÜBkos. 27 

Diogenea von Sinope*'), aoll Dialoge geBchheben haben"*) und 
ward TOD gewisser Seite als der wahre Urheber jener sieben 

Erheblich waren die von Jac. Qrouov, Anuterdam 1689, welcher bereits 
A und twei jOugere PariBer Codices BC (P"-'^, freilich ongenagend, be- 
nntzte, anch Ton Meibom, nach de»en Tode besorgt von EeUnd, Leiden 
1711 (mit Epikt. Ench.) und besonders die grosse von ScbweighUaser, 
BtrasabiiTg 1798 (zugleich mit einer kleinem), i. AuS. 18ü6. IS., dann sind 
die TOnKoraes Paris (b. Didot) 1826 (mit Epikt.u. Kleanthes) nnd Dübner 
(mit Theophi. Cbar. n. &..), Paria (b. Didot) 1840 zn nennen. Gelinde ge- 
sagt, recht mittetmässig ist die von Drosihn, Leipzig 1811. 8., der dann 
noch die anch nicht besonders erheblichen von Ldcluse, Par. 1877. li. 
Jerram, Oxf. n. Lond. 1818. 8. Sakellarios, Athen 1880. S. folgten. 
Zn einer methodischen Textrecension hat erst H. Sauppe in seiner treff- 
lichen Bec. von Dioeifans Aasg. a. a. 0. S. 769 ff., die ungleich werthvoUer 
ala letztere selbst ist, einige Striche gezeichnet, dann mit Hülfe nmfassen- 
der Vorarbeiten C. C. Haller De arte critica Cebetia tabulae «dhibenda, 
WOnbarg 1878. 8. (Doctordiss.), bei welchem man ancb fiber die hier 
nicht erwähnten Aoggaben Ansknnft findet, allseitig den Ornnd zn legen 
gesucht Von seinen beiden Kecensenten H. Ualler Phil. Anz. IX. 1879. 
S. 266—270 und EnOll Zeitichr, f. d. fist G. XXIX. 1878. S. 97—102 
billigt der erstere seine Ergebnisse im Wesentlichen voltstfindig, wahrend 
der letztere' dieselben, so weit sie neu sind, fast ebenao vollständig be- 
streitet C. C. Hfiller Zur KriUk des Eebes, Z. f. d. Ost 0. XXX. 1879. 
S. 241— 2G2 vertheidigt sie gegen diesen Angriff, vgl. die korze Replik 
von EnSll Z. Er. des E. ebendas. S. 6S6f. So viel scheint sicher, dasa 
von dem gemeinsamen Archetypos deijenige Codex, aus welcbem die 
arabische Uebersetznng geflossen ist, der ältste nnd beste Abkömmling 
war, bis zu welchem unsere Ennde reicht, und dasa alle unsere Codices 
von einer Nebenlinie desselben abstammen, und zwar die übrigen nicht 
von A; ob aber alle ans dem DäcbetUl testen V (Vatic. 112 auch noch aus 
dem 14. Jahrh.}, wie C. C. Müller dargethan zu haben glaubt, erscheint, 
ich will nicht sagen falsch , aber doch zweifelhaft. Für den ersten Theil 
reicht man mit der arabischen Debers. nnd mit A meistens aiis, für den 
zweiten neben erstercr Y allein zn gebraachen erscheint dagegen somit 
nicht rathsam. Auf der andern Seite aber hat wenigstens mich die Er- 
örterung V. C. C. Hiiller trotz aller Einwendungen EnOtls davon über- 
zeugt, daas es wahrscheinlich gar keiuen Codex M, aus dem man das 
VariantenTeneiciuliss bei Meibom entnommen glaubte und EnOll noch 
glaubt, gegeben habe, sondern dies Verzeichniss vielmehr vermuthlich ans 
A und anderen Handschriften und aiia Conjecturen zusammengeflossen sei. 
Zu diesen anderen Handschriften rechnet C. C. Müller mit Becbt auch C 
(P° = Paris. 1174 aus dem 16. Jahrb.), da mit dieser. von c. 31 ab von 
allen anderen Codices vielfach abweichenden, aber, wie Müller Z. Er. 
S. 342f zeigt, keineswegs, wie EnOll meinte, besseren Handschrift M 
allein stimmt und auch (& o.) gleich Meibom» Text nicht weiter reicht 
als C E, Die neueste deutsche Üpbers. von Kranaa (mit dorn Schlüsse aus 



iv.t^iOO^IC 



28 Zweites Capitel. PhiloBopliie bis 2. Hälfte des 2. Jabrh. 

angeblich von Diogenes verfassten Tragödien bezeichnet^). Sie 
waren natürlich nicht zur ÄuKührung bestimmt und dienten zur 
Vertheidiguug kyniscber Lehren und Paradosien, so der Thyestea 
oder Atreus zu der der Erlaubtheit des Genusses von Menschen- 
fleisch "*), der Oedipus wahrscheinlich") zu der der mit der 
Weibergemeinschaft im kyniscben Idealstaat, wie ihn Diogenes 
entworfen hatte""*), zusammenhängenden Erlaubtheit der Blut- 
schande. 

dem ÄrabiBchen von Fr, Hüllet), Wien 188S. 8. kenne ich nm nos der 
Eec. Y. C, C. Müller Phil. Rdech. IV. 1884. Sp. 1417—1426 (wo auch die 
neuste Litteratar nacbgetra.gen ist). Der Bchwedieclie Cebenetzer Frigell, 
Upsala 1878. 8. und L^cluae halten noch den Eebea für den wirklichen 
Verfasser, während doch jeder Zug der Schrift dem Bilde widerspricht, 
welches Platoa von diesem scbarfsinnigeu , durch seinen früheren Lehrer 
PhilolaoB ij'Iat. Phaed. 61 D) anch p^rthagoreiach gebildeten Dialektiker giebt. 
Kritiflche Beitrage gaben noch Hertloin Jahrb. f. Ph. XCV. 1867, S. 182 
und Kontos im Bulletin de corresp. bell. II. 1878. S. 233^236 (mii nicht 
zug&oglich), — Schaber Ueber das Gemälde des Kebes, ConstaoE 1862. 8. 
ist mir nur dem Tit«l nach bekannt. Äniaerdem b. A. 66 z. E. 

6e>>) Wie aus A. 66 xa ersehen ist. S, B. Mfillei a, a. 0. S. 269: 
„den liebenswürdigen kleinen Cebes". 

67) La. Di. VI, 76. vgl, 84 (s, C. 21. A. 19. 20), Suid. *ai«OB mit 
der chronologisch lumGglichen Behauptung ö Sida^as yQäp.pMza 'Ali^avS^av 
xöv MamSöva nnd dem Zusatz, dass Uermippos ihn vielmehr als Schüler 
des Stilpon bezeichnete, was er ja später wirklich geworden sein mag. 

68) Suid. fypalfl diaX6yovs, am iott KöiQOf. 

69) La. Di. VI, 80. cü tt tfaj^Säeiä tprjaiv a Satv^oe 9iliaiiov thai 
10V Alyai^rov yviagiitov lav Jioyhove, vgl. 78 {s. Aum. 62). lulian. Or. 6, 7. 
p. 181 c. 210 c. 212 a (der sie noch gelbst kannte). Die Titel stehen bei 
La. Di. 80 und in alphabetischer Ordnung bei Snid. JtoyEvijc: 'A%illtvs, 
'Eltvti, 'H<)a*l^s, OvicTiK, Mi^Stia, OlSCnov?, Xf/vaiimot. S. Welcker 
Or. Tr. HI, S. 1085fF. u. bes. Heineke Exerc. in Athen, L 8. 46—49. 
Anal. crit. in Äthenaei Deipn. S. SOG— S09. Nauck F. T. Q. S. 627—629. 
'S. 807—809. E. Weber a, a. 0. S. 142—166. Philodem. wepl top q>ilo- 
QÖifiiov Vol. Berc. Coli, pr. VIIl, Col. XIV führt unter dem Namen des 
Diogenes neben dem Oedipus den Atreos an, wabracbeinlich >» Thyestes, 
B. Gomperi Eine veischollene Schrift des Eleanthea, der „Staat" und die 
Bieben Tragödien des CjnikerB Diogenes, Z. f, d, österr. G. XXIX. 1878. 
S. 252— 266 (weicherden Diogenes selbst fär den Verfasser hält), Dümmler 
Autiathenica (Balle 1882). S. 67 f. 

70) La. Di. 73. 

71) Wie Dümmler a. a. 0. S. 68 richtig bemerkt. 

71'') In der Schrift rJoXiTtia, deren Äechtheit schon durch Eleanthea 
bei Philod. a. a, 0, Col. XBI bezeugt ist, a. Gomperz a. a. 0. S. 266. 
Dümmler a a. 0, S. 66 f. und unten A. 196, andrerseits s. A, 377. 



iv.t^iOO^IC 



4. Kjniker. Krates. 20 

Kratea von Theben"), Sohn des Asbondas, gleichfalls ein 
SchQler des Diogenes^^) und neben diesem nächst Antisthenes 
jedenfalls der bedeutendste unter den Kynikem,-Ton Aussehen, 
wie es heisst, hässlich und missgestaltet'*), verschenkte, seitdem 
er sich zu ihnen bekehrt hatte, sein ansehnliches Vermögen'^), 
und seine Braut, die schöne und reiche Hipparcbia aus Maroneia 
in Thrakien, folgte ihm trotz seiner Abmahnungen als Gattin in 
sein freiwilliges Bettlerleben '^). Er lehrte offenbar zwar nicht 
ausscülieselich"), aber doch vorwiegend in Athen'*), vielleicht 
in dem alten Sitze der Ejniker, dem Eynoearges '^). Ein fein- 
gebildeter Mann, stellte er doch, nach den Anekdoten über diesen 
Gegenstand^) zu schliessen, die kynisch« Roheit in gesuchter 
Weise zur Schau. Wenn seine BlOte Ol. 113 = 328—324 an- 
gesetzt ward*'), so kann dies annähernd richtig sein, falls das 
hohe Alter, welches er erreichte*""), ein ungewöhnlich hohes 
war, denn er flberlebte noch den Stilpon und Menedemos und 



73) S. aber ihn La. Di. VI, 86 ff, n. d. Art. b. Snid. Nach Inlian. Or. 
6. SCKib faatt« Plutarcboa sein Lebeo bescbrieben. Posthnmus De Ciatete 
Cpiico, Groningen 1823. S. nteht mir nicht xn (lebote. E. Wellmann 
Art. Krates in d. Encykl. v. Ench a. Gmber. 

7S) Nach Hip))obotOH b. La. Di. 66 dea jüngeren Brjaon, einee AchTiew 
ans der megariachen Schule, den er vielleicht früher wirklich gehCrt haben 
mag. Vgl. Snid. a. a. 0. im^tfit ^loyivovg xal Efvoaivos lov 'Axatov, 
o. d. W. 'Ix'jiafxi''- Bevetovoe fiB#i]i:^c tov 'Jxatov ^ ät Tiffg Jtoyrvovs. 

7*) La. Di. 91. Apul. Flor. II, U. 

75) La. Di. 67 f. Flut. vit. ser, al. 8. 831 E f. Apnl. a. a. 0. de mag. 
39. Philoatr. T. Apoll. I, 13, 2. Simpl. in Rpict. Euch. p. 6iW. 

76) La. Di. 96 ff. vgl. Eratosth. ebend. 88. Apnl. a. b. 0. Said, Kg. 
Said. '/nn. neant aogeblicb von ihr folgenile Schriften: fygailre ipiloaöifovs 
into^iattg yial n»« ^miitpqftaiD xol ittfotäetis npös üioSioqdv lö» ^m- 
tXri^ivia 'A9tov (vgl. La. Di. 97 u. die andern Ann. 5 angef. Stellen). 

77) La. Di. 90 ir ©?ipB»e . . . ol 8' iv KofMip «. t. X. Dazn der Vor- 
gang in Elretria II, 131. 

78) La. Di. II, 117—119. VI, 87. 90. 03. 94. VII, Sff. 

79) Oewiia nicht in der Akademie; bei Teles p. 39, 9 Henec ist fit 
ataitifiiav wobl mit Rosaignol und Heuae xd strpichea, jedanfaila achon 
nach dem Obigen nicht mit Wilamowitz S. 300. A lü in ei^ Ku9^(iav 
zn verwandeln, a. überdies Hanse Telet. reliqu. S. XXFVf. Vgl A. 82. 

80) La, Di, II, 117-119. VI, 89 ff. 94. 67 (s. aber Zeller 8. 327. A.3), 
VII, 3 ff. 

61) La. Di. VI, 87. Entsprechend die der Hippftrchia Ol. 111 (Snid. 
Vmr.). 

ei"") La. Di. VI, 92 f. 98. 



Iv.t^TOO^lC 



30 Zweites Capitol. Philosophie bis 2. Hälfte des 2. Jahrh. 

kana mitlim frühestens erst kurz vor 270 gestorben sein^. Er 
ward in seiner Heimat Böotien begraben ^^. Ob die Briefe unter 
seinem Namen -acht waren, ist zweifelhaft**). Jedenfalls dichtete 
auch er kyniache Tragödien**}, so, wie ea scheint, einen Herakles, 
welcher hier als Vertreter des k;nischen Weltbüi^erthums auf- 
trat*^), und allerlei kleine satirische und moralische Gedichte 
{Dalyvia) theils in Hexametern, theils in elegischen Distichen, 
theils in Trimetem, in welchen die Parodie, und zwar in den 
hexametrischen natürlich die bomeriecbe, eine Hauptrolle spielte. 
In einer der letzteren beschrieb er, wie die Bruchstücke lehren, 
in Nachahmung der homerischen Nekjia seine Hinabfahrt als 
Lebender in den Hades und hechelte iu dieser Form die in den 
letzten Zeiten verstorbenen Philosophen durch, deren Schatten er 
dort erblickt habe, wie den Menedemos, Asklepiades von Phlias, 
Stilpon und den uns ganz unbekannten Mikkylos*^. 



SS) S. A. 87. Vgl. aach die „Neckereien" mit StUpoD bei La. Di. II, 
117 ff. (t^I- Anm. 36. 80) und aeine „Roibungen mit Heuedemos ia desaeo 
spüteren Jahreo" La. Di. II, 131, Tgl. VI, 91. Bei Tele» p. 39, CS. (vgl. 
A. 79) wird er noch dem Ptolemaeos (Philadelphoa) als Zeitgeaoue gegen- 
ObergeBtellt, a. Hense a. a. 0. S. XXVII. 

83) La. Di. VI, 98. 

84) Dagegen spricht, wenn man die Unäcbtheit der angeblich platoni- 
schen bedenkt, die Vergloichnng mit dieseo, La. Di. 98. ifi<tttiii t\ toi 
Kfäiijtoe ßipliov 'ivitiaxolai, h alg Sgiata ipiloatnpft, tijv It^ir Fativ öti 
iropmtljjo/aie nXaxoivi. Dia ans abeikommeaen (Epigtologr. Gr. S. 208— 
217 Herch.) sind ein ajÄtes Machwerk. 

85) La. Di, a. a. 0. ytyfaipe nal tfaymä/ag iilirj}.itaxov iiovaas filo- 
aotpCag xaQCCKtiiga. 

86) S. Düminlera, a. ü. S. 68 f. U. Di. a. a. 0. theilt x^tnlicb Verse 
aus einer Tragödie des Krates mit, welche allem Anscheine nach gleichen 
Ursprungaa mit denen sind, welche PInt de eii). 0. 600 F aus einer Tragödie 
Herakles, ohne Nennang des Dichters, anführt. 

87) Die er also alle aberlebte. ImUabrigen b. Bergk P.L. G. IM, S.364ff. 
und besonders Wachsmatb Sillogr. Gr.* S. 72 f. 192 S. Elegisch war der 
HjniDos auf die Evxiliia (Fr, 2 Bergk), iambigch die 'Etfinimls (Pr Ifl), 
s. Inlian. Or. VI. 199 A. La. Di, 86. Die GesammtbeEeichnung naiyvia 
geben La. Di. 86. lulian. a. a, 0. t99C; aaiirae nennt sie Apn). Flor. 20. 
p. 3J, t Erflger (wo Bohde Rh. Mag. XL. S, 112 f. XenoeraUs richtig in 
Crateg verbessert hat). Ueber Fr. 14 b. La. Di, 92 s, Ueinebe Krates des 
Cjnikers Schwanengeeang, Pbilologns XII, 1867. B. 3S9. Äosserdem s. noch 
Hiller Zu den Fragmenten des Ejnikers Krates, Jahrb. f. Ph. CXXXIK. 
1886. S. 249— 2S2 und nber die Benutzung von dem Vortrage des Prodikoa 
Aber die Uebel des Lebens in einer seiner Schriften oben A. 64. 



iv.t^iOO^IC 



i. K;i)iheT. Hoaiinos, Metroklee. 31 

Monimos von Sjrakus, Sklave eines borintliisclien Wechslers, 
ward TOD seinem Herrn fortgejagt, als er desBen Geld in seiner 
Begeistening fQr die Lehre des Diogenes aus dem Feoster zu 
werfen anfing, schloss sich hernach auch dem Erates an und 
verfasste gleichfalls Ilcuyvta^), dazu zwei Prosaschrifteu, einen 
UifmQSXuxög und 2 Bücher xetfl ögitäv^). 

Metrokies aus Maroneia, Bruder der Hipparchia, war 
Schüler des Xenokrates und des Theophrastos gewesen^) und 
stand im Begriffe sich wegen eines Unterleibsübels auszuhungern, 
als sein Schwager Krates ihn auf acht kynische Weise von die- 
sem Vorhaben abbrachte und fdr die kynische Secte gewann^'). 
Er verbrannte hierauf seine Nachschriften der Vorträge des 
Theophrastos, angeblich auch seine eignen Schriften^). Die 
parodischen Verse jedoch, welche er dabei gesprochen haben 
soll, lassen auf ähnliche poetische Erzeugnisse wie bei Erates, 
Monimos und Bion schliessen, welche sich auch später noch er- 
balten hatten. Auch war er allem Anschein nach der Erste, 
welcher Chreien {Xpititi) schrieb"), d. h. eine Zusammenetellung 
von Schlagworten und schlagfertigen Handlungen älterer Meister 
der Schule und den zugehörigen Anekdoten, eine Schriftstellerei, 
welche sehr natürlich aus dem Ereise der Ejniker entsprang **) 
und von ihnen dann auch auf die Stoiker flbei^ng'^). 



88) aicov8§ Ulij^via iirfuypiva La. Di. VI, 88. Daae in diesen 
naiyria auch die von Clem. Protr. 27 B (Hflller F. H. G. IT. S. 464) 
angefahrte ^uviutaiav ovvajay^ la suchen aei (W Üamowitz Coni- 
metitariolam gntmm. IL, Oreifuw. 1880. S. 9), will mir nit^t einleuchten: 
ich halte sie einfach fOr eine Prosaachrilt eines andern gleichnamigen 
Terfamera. 

89) La. Di. VI, 82 f, — Ebend. 84 werden als Schfller des Diogenes 
noch genannt Henandroe mit dem Beinamen df/vitög, ^atiftuorijc 'OfniQOv 
Dud Hegesias von Sinope. 

90) Tel. h. Stob. Flor, XCVII, 31 (II, 214, 28 ff. Mein. *p. 29, II ff. 

91) La, Di. VI, 94. Ob ea wahr oder wiedemm von Hermippoa er- 
fnndeD ist, dass er s)äter sich doch erbängte, nm den UcBChwerden des 
Alten ein Ende zd machen (Diog. 96), lasBe ich dahiogextellt. 

92) Hekaton bei La. Di. VI, 96, vgl. C. 32. A. 86. 

93) Wilamowitz Antig. v. K. S. 106. A. 6. Dflmmler S. TO. 8. La. 
Di. VI, 83 (Anekdote von Diogenes). 

91) S. darüber DSmmler a. a. 0. 

96) S. aber Melrokles noch A. 5. 4G. PInt an vitios. 3. 499 A. 



lA.TOOgle 



32 Zweitos Capitel. Philosophie bia 2. Hälfte dea 2. Jahrfa. 

Bion von Borysthenea"*) war nach seiner eignen Änseage'^'') 
von der niedrigsten Herkunft, Sohn eines Freigelassenen, welcher 



96) HoogTliet De Bione BorjBtfaenita, Leiden 1B21. 4. RoaaigDol 
Fragmenta BioniB Borytthenitae philosophi, Paris 1830. (BeideB mir nicht 
zugänglich). F. V. FritzBche ütmin Bion Borystheoitea facem ad satoraa 
inTenienda« Menippo praetalerit anne Lucilio, Antg. des Lakian. I[, 2. 
Prolegg. S. SL— XLIV. Wachamnih Sillographorum GFaecomm reli- 
quiae'. S. 73—77, vgl. S. 67 ff. Hense Teletis reliquiae, Freibnrg i. B. 
1889. S. S. XLTIff. Susemihl Za den Biographien des Bion und des 
PiUakog bei Laertios Diogenes, Jahrb. f. Ph. CXLl. 1890. S. 187—191. 
DosB die Biographie bei La. Di. IV, 16 ff. dem B. feiDdaelig nod grosaen- 
tfaeÜB anglanbwfirdig sei, behaupteten Bohde Or. Rom. S. 260f. Asm. 
nnd Wachsmuth beiiehunga weise mit Recht, b. Hense S. XLVI— L; in 
Wahrheit gilt dies indeaaen, nie Hense 3. L— LIII aneführt, nnr von dem 
letzten Theil derselben and auch von diesem nnr tbeilweiae, und zwar 
nicht schon, wie er annimmt, von §. 61. ovxog yag h. r. l. (s. A. 99), son- 
dern erat von §. &2. ^v Ü xnl i^targiiiös ab bis §. 64. ta>e 'Avilyovoe — 
äxiattilr. Schon Babnach De Diog. L. fontibns, Gumbianen 1868. 8. 
S. 29 hat erkannt, dass diese Biographie ans zwei verschiedenen Quellen 
xusammengebracht ist, und nach g. 83 vgl. m. 61 (•. A. 98. 99} muss man, 
wie ea scheint, annehmen, dass die erste derselben das Werk jenes Ge- 
scbichtachreibers der Akademie war, welche aach fflr die Darstellung von 
Polemon, Krates dem Akademiker, Krantor, Aikesilaos bei La. Di. nnd bei 
Pbilod. im Ind. Acad. die letzte gemeinsame Quelle gewesen igt (s. A. 6(4. 
CSö"). Wenn diese meine Vermnthnng das Richtige trifft, so hatte auch 
die von Spengel Philologns Snpplem. II. S. 641 anfgestellte Behauptung, 
daas bei letzterem Col. XXI von B. die Rede sei, von rem herein nngleich 
mehr Wahrscheinlichkeit, als ihr Bücheier n. d. St. nnd Hense S, hV 
einränmen. nnd Henae acheint übersehen eu haben, was aicb inswiscfaen 
herausgestellt hat, daes Jener Gcschichtsch reiber der Akademie mindestens 
schon vorher den B. unter den Schülern des Akademikers Eratea mit auf- 
geführt hatte, B. Gomperz Die herknl. Biographic des Polemon (s. A. 544). 
S. 149, vgl. nnten A. 674. Han wird hiernach um ao mehr zu nrtheilen 
haben, daes diese erate Quelle, und zwar (a. A. 106) mit Kinscbluse der 
Apophthegmeu Sammlungen 47 — 61 wirklieb bis za den obigen Worten in 
62 reicht, jedoch mit Ausnahme der beiden Zusätze in 6S, dea spOttiscben 
Kui u' — dträfyciav; nnd xttrü aüy — notpiaTfvovros (a. A. 99), die allerdings 
(a. Henae S. LH. LXVII) ans der sweiten Quelle atammen. S. aber dies 
Alles SuBemihl a. a. 0. Aber auch der Urheber der letzteren, dem aller- 
dings Zeller S. 342. A. 2 zD viel vertraut, bietet manches ganz Richtige 
(s. Hense S. L7I1— LIX), nnd er hat, wie es scheint (doch s. A. 104''1. 
nicht eigne Erdichtungen gemacht, sondern nnr Gerüchten und fremden 
Erfindungen zu willig sein Ohr geliehen nnd wirkliche Thatsachen in ein 
für B, mSglichnt ungünstiges Licht gestellt. Die (Übrigens von ersUrem 
mit ZurOckhaltnQg anageaprocheue) Vermuthung von Hense S. Ulf und 
B. Heinze De Horatio Bionie imitatore, Bonn 1889. 8. (Doctordiss.). S. 6. 



iv.t^iOO^IC 



4. Kjniker. Bion. 33 

mit Salzfischeo handelte, und eines ehemaligen Frendenmädelieas^'), 
und als dann der Yater unverzollte Waaren einschmuggelte, ward 
die gagze Familie wieder zu Sklaven verkauft. Ihn selbst kaufte 
ein ßhetor, welcher an dem hUbscheo und begabten Knaben und 
Jftngling Gefallen fand und sein ganzes Vermdgen demselben 
hinterliesB. Bion ging nun mit dieser Erbschaft nach Athen 
und ergab sich dort dem Studium der Philosophie, jedenfalls in 
den letzten Jahrzehnten des vierten Jahrhunderts. Zuerst hielt 
er sich, wenn wir recht berichtet sind, zur Akademie und hörte 
wabrecbeinlich den Xenokcates, dann ging er zu den Kyniken, 
and zwar wahrscheinlich dem Erates über^), darauf ward er 

A, 1, daaa in den Worten 68 f. •qv di woltittl^e — donä fu>i nexonftivai 
eine Entlehnimg aoB ÄrisÜppo« jctfl xaXaiäs zgvipjis (i. C. 1 1. A. 82 ff.) 
enthalt«)) sei, ist «ehr wahrscheinlich, nnr aber maas sie auf &3, t!e tö 
äaojfiia^at — i^Sowäs %al and 6S f. naixoi t(»os — Ttmov^dwat beBcbrftnkt 
nnd diese Worte ala ein sp&terea, nicht von dem nrsprflnglicheD Terfoater 
diesef Stücki herrühiendes Eimchiebsel angesehen werden, und ein Gleiches 
gilt, wie e« scheint, auch von der allerdingi ans anderer Quelle geflosienen 
Zwiachenbemerkung Aber B.'s ThStigkeit in Bbodos 63. Ivlotf Tutl ifav- 
xaviar — nifißUmos ^v, ». Sniemihl s. a. 0. S. ISS f. A. T. Ob übrigens 
der Urheber dea Uebrigen gerade ein Stoiker war, wie Hense S. LIIl 
meint, iat docb sehr ongewias. 
96") S. A. 108. 

97) Vgl Nikias v. Nikaea b. Ath. XIII. 691 f. Biaiv ö Bofva»eWxris tpiXi- 
«oipoe ttuiffas ^v vtis 'OXvftitiat AaKuivac- 

98) Nach La. Di. 2S. 61 hMe er vielmehr den Akademiker Erates, 
waa aber, wie Zeller o. o. 0. darlegt ond Hense S. LIV anerkennt, 
chronologisch nnmeglich iat. Sehr verfehlt ist die Einwendung von Eirzel 
Unters, z. Cic. philos. Schrr. 11. 8. «0. A. S und Waobarnntb a. a. O. 
S. 73 f., denn die Quelle iat offenbar 61 dieselbe wie SS, nnd dann iat ee 
eben die A. 96 bezeichnete, und aof dieser Verwechaelnng beruht die Stelle 
dea B. bei La. Di. nicht bloss unter den Akademikern, sondern anch on- 
mittelbar hinter Arkesilaoa and der Umstand, daes 61 unter seinen Lehrern 
einzig und allein der kyniacbe nicht genannt und 33 sogar von eeiner konischen 
Bildung gar nicht gesprochen, aondern geaagt wird (vgl. auch A. H), er 
sei sp&ter „der Theodoreer" genannt worden nach aeinar Secte (vgl. dazu 
anch A. 108): äjtiltxB (Kfäirit) . . . fut&rjtüe llloyiiiovs, äv 'Af/xtoü.aiti' . . . 
■bI Biuta töv Softva&ivCtijv, v&itQOv 3i ReoSdfeiov ii*A t^e atfimat im- 
xalovfitpov, «£(1 ov . , . li^ojitv iioftivias 'Agtitailäov, e. Hense S. LIV f. 
D» er nnn aber nach der so weit gewiss glaubwürdigen Anekdote %. 10 
(a. A 100) den Xenokratea noch pertltnlich kannte nnd hernach angriff, 
nnd da, wenn er inerst einen Akademiker hOrte, aein dritter Lehrer Theo- 
doroa aber doch schon vor 806 Athen verlassen mnsate (s. A. 7), jener 
Akademiker eben nnr der erst 814 gestorbene Xenokratea gewesen sein 
kann, so halte ich den auf der Annithme einer Doppel verwecb sei ting 

SciHidL, srlMfa.-ilai. LltL-Gaioh. 1. 



i.t^ioo^k' 



34 Zweites Capitel. Philosophie bia 2. H&lfbe des 8. Jahrh. 

SchQler des Ey/euaikers Tbeodoros nnd zuletzt des Theophrastoa^"). 
Mehr witziger Litterat als eigentlicher Philosoph'*"), in vieler 
Hinsicht eio ähnlicher Mann wie Voltaire'"'), durchzog er danu 
als Wanderlehrer die Städte, wirkte anter anderen in Rhodos"**) 
and lebte eine Zeit lang auch am Hofe des Antigonos Gonatas 
zugleich mit den Stoikern Persaeos und Philonides und mit beiden 
in lebhaflier Eifersüchtelei. Sie bewogen, wie es beisst, den 
König zu der Frage nach seiner Herkunft, auf welche er un- 
umwunden die obige Antwort ertheilte und dem Fdrsten empfahl 
ihn um bo mehr als selbstgeniacbten Mann zu ehren. In Wahr- 
heit handelte es sich indessen hiebei nicht um ein mündliches 
Gespräch, sondern diese Nachricht ist aus einem Htterarischen 
Sendschreiben geflossen, welches er, durch die Spöttereien und 
Zutr^ereien der beiden Stoiker ober diesen Gegenstand gereizt, 
an den König richtete und dann auch weiter Terö£Fentiichte ""). 
An Persaeos rächte er sich Übrigens hernach durch ein Wort- 
spiel'"*''). In der Folge hielt er jedenfalls auch in Athen, wohl 
noch nach 250 Vorträge^**). Endlich starb er nach schwerer 

beruhenden obigeu Sachverhalt fSr deu wafaiecheinlicbrteD ; und schwerlich 
kann jene einfache Terwechaelnog zwischen den beiden Eratee das Richtige 
Bein, so dass B. in Wahrheit nie einen Akademiker gehOrt hätte, wofür 
Henae aich za entscheiden genei^ ist, wenigstens ist es nicht leicht sich 
vorzQst eilen , wie dieselbe dann hätte entstehen kOnnen. 

99) La. Di. Olf. ovtog r^v aii%riv /liv aQOjjgeCto (so Hirzel f. nofi)- 
. itCta) lä '.YxaÄijfiaix« , xnfl-' ov xvövov tJKOVt ÄpätijiOfi- tW iTttcveilfzo 

/,('!'' tijv KvvtKijv äymyfir Itcptav t^ßava ical i trioax (xol tl yiip SlXo (leicHTifia- 

BtoS<ö(iov tov ä&fov xaza xäv ttSot Xöjov aoftottiovcoi- f»**' S* Äto- 
tpfäaxov 8triTfovae tov JIc^ixaTijrixoü. 

100) Zeller a. a. 0. 8. bee. La. Di. 10. enaittöfisvot v^h Simvot "in 
tipt] (SfvoxfdtTis) Bvtä aTtoxgivtCa&af iniSi yä^ zijv tfaymdiav vno i^c 
KiofuaSlai OHmxTOfifvijv äxoMp/ocmf u^tovv n. A. 109. So wenig Henae 
S. LXSlX e« Wort haben will, t^nft doch auch seine eigne, mit Recht 
gOnatigere Darstellang des B. schliesalich hieraaf hinaus. 

101) Hirzel a. a. 0. S. 60. 102) La. Di. 4B. 63 (vgl. A. 96). 

103) Wie Hirzel a. a. 0. nnd Hense S. LXXU f. richtig aahen. 
{letzterer leigt, dass sich, abgesehen von der Eanptatelle La, Di. 45 f. 
(Q. 8. A. 97), noch einige weitere Spuren nnd Keste von diesem Schriftchen 
erbalten haben. 

103><) Ath. IV. 162 d, vgl. A. SG3. 

104) Wenigstens wenn Strab. T. 16 (s. C. 16, Ä. 8) sich genan ani- 
drfickt, ward B. (wie gegen Zeller bemerkt sei) von Eratostheoea als 
einer von den zn dessen Zeit in Athen blähenden Philosophen bezeichnet. 
Vgl. A. 10». 



4. Kyniker. Bion. 35 

Krankheit, zu deren Erleichterung ihm Äntigonoa zwei Diener 
als Pfleger schickte, in Chalkis "'"'). Im Wesentlichen war und 
bUeb er stets ein Kyniker, aber von laxerer Observanz wie in 
der Lehre so erst recht im Lehen ''*^''), nnd wenn, wie wir sahen, 
die damaligen Ejrenaiker Tbeodoros und Hegesias in verscbie- 
dener Weise der kyrenaischen Lehre eine Wendung gaben, durch 
welche sie sich der kynischen annäherte, so kam ihnen Bion als 
Schüler des ersteren wiederum von kynischer Seite überaus stark 
entgegen'"''), dergestalt, dass er sogar den Aristippos mit nnter 
seine Vorbilder aufnahm""*). Ohne Zweifel hatte er seine Frei- 
geiaterei '**") schon in der Schule des Krates, aber doch noch 
mehr in der des Tbeodoros""^ eingesogen, und wenn er von 
einer gewissen Frivolität nicht freizusprechen ist'**''), so hatte 

104>') So weit iat kein Grund der Erzählung bei La. Di. 64 so mUs- 
traaen; im Uebrigen aber verdient die, waim nicht geraden erfundene, 
10 doch aaedrQckiich auf ein bloisOB in Chalkis verbreitetea Gerücht (ä>t 
iifitatov ot iv XalitlSi) Hieb bemfende Nachricht, als habe ihn in dienen 
leiaen Leiden Heue wegen seines ÄtheisrnnB angewandelt, und er habe 
nnn zn kindiichem Aberglauben gegriffen (vgl. Zeller 8. 377. A. 1), keinen 
Glanben, b. Beuse 8. XLVIff. 

104O) S. Herne S. LXff. vgl. S. XXXIV f. 

104^) 8. Henae S. XLI-XLVIL 

104") La. Di. n, 77 (s. A. lOfi). Bion b. Ps.-Plnt. de lib. edoc. 10. 7 D 
tgl. m. Aiistipp. b. La. Di. II, 79. {Schwerlich hat Horat. Ep. 1, S, 26 nn- 
mittelbar, wie Eiesaling Coniectan. apec. IV, Grnfawald 1S87. 4. S. 111 If., 
meint, aus letEterm, sondern Tielmebr aus ersterm geschöpft, vgl. A. 114). 
Weitere« bei Hense S. LXVI f. Tgl. Anm. lOS". 

1040 Deber seine SpSttereien gegen die Wahrsager e. Ia. Di. IV, 60 
nnd Hened. bei La. Di. 11, 136. Vgl. auch Plut. de auperatit. 7. 168 D.E 
a. dasu nenie S. XLVll f. 

104 R) Es ist durchaus nicht unrichtig, wenn es bei La. Di. IV, 64 aus 
der sweiten Quelle heinet: nollü S\ %ul äOtänqov xgoaiififfto toCs öfu- 
ioiai, xovia Beoiäfttm äxolavvat, nur ist das loig ofMlovai in sehr be- 
Khrfinktem Sinne zu fassen and das noUä sehr KU ermiUsigen, B. war 
vielmehr mit seinen MeinungBäuBseriuigen in dieser Hinsicht klug turOck- 
baltend, s. La. Di. II, 117. Uense S. LXII f. Wir wissen daher auch nicht, 
ob er bloss an die VolksgOtter nicht glaubte, was ebenso gut wie th'eo- 
doriacb, auch konisch, ja platonisch nnd aristotelisch war, oder mit Theo-, 
doros bis zum unbedingten Atheismus foitging, was in der That ein starker 
Abfall vom ächten EynismoB gewesen w&re. 

lOi**} Hui vgl. besonders den Ansspruch Ober das Heiratheo I.a. Di. 
IV, 4S und aber die drei Schfllerclassen bei Stob. Ekl. II. p. S18, leff.W. 
Hense S. LXI. Am Meisten belastend iat aciu Tadel dea Sokratea La. Di. 
49, aber s. A. IOC. 



ivXtOO^IC 



36 Zweites Capitel. Pbiloaophie bis 2. Hälfte des 2. Jabth. 

er nach dieser Richtung hin in dem letzteren einen schlimmen 
Lehrmeister. Bei Theophrastos zogen ihn sicher vorwiegend 
dessen Charakterstudien an'**'), doch ist kein Grund zu der An- 
nahme'^^), dass die milde peripatetische Moral ohne Einfluss 
auf ihn geblieben wäre. In seinen ohne Zweifel glänzenden 
mündlichen Vorträgen und in seinen schriftlichen „Diatriben""*) 
waren anmuthiger'"^'*) Ernst und derbe Komik in eigenthüm- 
licher Weise mit einander gemischt, und eben diese Mischung 
hat den sehr erheblichen Einflass der letzteren auf die Litteratur 
der Folgezeiten hervorgebracht, welchen wir erst jetzt sehr all- 
mählich wiederzuerkennen beginnen. Bion belebte alle diese seine 
Geisteserzeugnisse mit dialogischen Elementen, indem er ihnen 



104') Wie Hense 8. LVf. richtig bemerkt. 

104^} Welcher Henae a. a. 0. zn baldigen scheint. 

lOG) Dieser Titel seiner Aofsätie eraohemt in der A. 101* angef. Stelle 
La. Di. II, 77 {vgl. Uaener Epicarea S. LXIX). Solche dtatfißui, d. h. 
nichtdialogische, nnd zwar wohl mehr oder weniger zwanglose kurze Anf- 
e&tze über ethische Themen (s. Eermog. Rh. Gr. 111 p, 406. W. diaf^i^ii 
Itni ßfaxiot itavOT^axos ij^mq fxdtaic) gab es nach dem in dieser Ein- 
sicht nn verwerflichen ZeugniBse des Theoponpoa Fr. S79 b. Ath. XI. 50S c 
schon von Aristippos, dem älteren Brjson nnd Antistbenes. Nach dem 
Vorgang des Antisthenea waren sie dann n&ehst den Kynikern anch bei 
den Stoikern (s. A. 190. 196. 197. 220) zu Hause. Bei La. Di. IV, 47 wer- 
den diese Schriften des B. vielmehr vnofiv^fuini genannt, vielleicht, wie 
Hense S. LXXXIf. meint (was aber durchauB nicht sicher iat), am sie 
erst recht als „hTpomnematiseb", also swacgloa za bezeichnen, obgleich 
diese Ewangloae Form, ao weit sie reichte, doch jedeuMla nur eine könst- 
liehe nnd anf den Effect erat recht berechnete war, s. A. 108°-'*. Wenn 
ea aber hier heiast: xiiCatä zt xataliXoiKiv üso^viifuiia mit der Beißlgang 
«11« Nul üaoififH'/yMxu iftimdii «t/ajitatciav iiavca, so e. über den Sinn 
von ifttiädti X. 1. 1. Henae S. LXXXIII, der ganze abgeschmackte Zusatz 
aber bat, wie Henae S. LI bemerkt, lediglich den Zweck die folgende 
Apophthegmenaammlung (a. A. 96) hier anzareihen, nnd ich vermag keinen 
Grund abzoeehen, wesshalb nicht diese Sammlung schon die de« A. 96 
bezeichneten Qeschichtachreibera der Akademiker nnd also auch diese nicht 
ISblicbe Uebetgangswendnng bereits die seine geweaeu sein sollte, wenn 
schon Henae faierflber keine Verroathnng wagt und Wilamowitz a. a 0. 
S. 829 aogar erst den La. Di, selbst verantwortlich macht. Dass diese 
Schlagworte in Wahrheit aaa den Schriften des B. ausgezogen sind, stellt 
Hense S. LXVIIff. klar, ebenderselbe giebt aber S. LXXIX auch zn, da« 
die Mangelhaftigkeit dieser AnazOge (s. A. 106) ebenso gnt aus Ungeacbick- 
licbkeit wie aus Böswilligkeit hervorgegangen sein kann. 

lOö"*) La. Di. 47. Ir iMi ei »ol jcäzifios koi ösoloüflai tii?«»' *"*''- 
tittog. Vgl. auch Hense S. LXXXIf. 



„L^ocylc 



4. Kyniker. Bion. 37 

tlieils, was daiia aach auf seinen Nachtreter Teles überging, die 
Form einer Disputation mit einem erdichteten Gegner gab"^), 
theila auch sogar abstract« Dinge gleichsam wie persönliche Wesen 
auftreten und reden liess"*"^). Er bediente sich der Sprache des 
t^licheo Lebens, gebrauchte gern starke nnd drastische nnd 
demgemäss auch schmatzige Ansdrücke'*"), verspottete Gramma- 
tiker, Mathematiker, Uusiker und alle ernsten Fhiloeophen'"") 



106) Vgl Plnt. de aud. poet 4. 28 A. Tel, p. 5, 7 f. 6, 1 ff. HierauB 
erklärt Henae S. LXVII— LXXXII sehr richtig die echainbaran Wider- 
■prficbe dei B. mit aich Bclbet in der ApophthegmeDeammlang bei La. Di., 
indem der Excerptor vielfach die von B. einem Bolchen erdiobteteo Gegner 
in den Mund gplegten ÄursprOcbe ab Scblagworte des ereteren «elbat aaf- 
genommen hat. Hoi bei dem mit der vorangehenden nnd der Dachfolgen- 
den AensBenmg Ober P&deraBtie anTerträgHchen Tadel de» Sokiatei in 
i 49 (b. A, ]04») l&BBt Hense S. LXllI. LXXV f. ca EweifelbaFt, ob die 
Sache, wie er eher glanbt, ancb hier ebenao ateht odet ob B. Ober diesen 
Gegenstand in TeTscbiedencn Zeiten veracbieden gedacht nnd sich ans- 
geaprochen hat. 

106'') Man erkennt anch dies dentUch an einem von Telea p. 3, 16 ff 
aDBgeBcbriebeD«n Stacke: Wachamatb S. TT: „eolloquiwn beVietimutn et 
anicilatum, guod inter Tliviav el xä Tliiayuoxa ßngitur habitum, . . . de- 
icriplum . . . ex Bionü qvodam dialogo Lucianto". (Diea Letetere bedarf 
jedoch einer Elaratellnng: eigentliche Dialoge hat nnaera Wiaaena B. nicht 
geschrieben, nnd ao iit denn auch der Tadel von Dflmmler S. 70 gegen 
den Anadrock vnoitviiiiata, a, A. 105, bei La. Di. „purum aecurate Laer- 
tuu nominatit perpetuos eomfitentaTioi" k&omhegrÜTidet). Vgl. anch Weickec 
Kl. Schrr. 11. S. 485. 

107) La. Di. G3. ^v 31 «al ^cuTfmöt *<<' noXvc ^i* im ytlo/m Aiaqpo- 
p^SBi ^ociixors ovofiaai xma zär mfayiiätmv i^difitvoE. Vgl. Wacba- 
math 8. E6: „tarn inUlUgeg qmd «nwieia . . . vattont: egregiam TiQoaa>ito- 
voilav adhibet tue, igitur ^saxgnig avdit; vanat (?) quibut homineB (pfülo- 
lopkique) deeipi tolent opinione» evertit non aerere exagitando aed facete den- 
dendo, ii/ituT ett xolvg . . . 3iaipoif^«ai . . . non ifublimi dietione utitttr eed 
ipso germone familiari logwitKrqwe ad sengtitn populärem vulgaremque aecom- 
medate, igitwr (bloea deaebalb?) nototur qgo(>i(N0i> x. i, 1." Doch a. A. 109 
nnd doB kObleie and richtigere ürtheil von Henae S, LVlt — LIX, welcher 
such zeigt, dasa WacbBroath den Anedmck »ttnuiMs viel eq eng foiat. 
VSIlig intrefFend tchreibt er: „(Acafn'cus ... mihi audit philosophui, qui 
rkäoeophatur npös Siiov tml Oiaz^av (Pb. Plat. Aiioch. 370 D), qui in tpe- 
CÜM laborat mum captans vel plmteum et acciamaiionem". 

108) La. Di. 10 (a. A. 100). 47 (unmittelbar vor den A. 105i> angef. 
Worten), ^v . . . lü itiv SUa nolvTi/oitos xirl aoq»iac^E not%üot "il nltiatug 
nqgof^S SeSaxiös tofg ^ovIofiEVoic *a9tmtäS«i9ai ipiloaoipi'ag. 53. Hai alias 
■al fiovemriv xni ytmuttfi'ai' iiivaitt*. Stob. Flor. IV, 64. LXXX, 3 
(= Ekl. II. p. 17, 14 ff. W.). Vgl. die Bebanptnng dea Dioklea oder viel- 

D,J-,., lIv.t^TOO^lC 



38 Zweites Capitel. PhiloHopbie bia 2. R&tlle des 2. Jahrb. 

und wflrzte seine Darstellung reichlich mit GrleicliDisareden^*'*''), 
mit boshaften Wortspielen und WitzeD und trotz einer berech- 
neten Zwanglosigkeit"^°) auch mit rhetorischen Figuren**"^) und 
ferner mit geflügelten Worten, eignen und fremden''^*), und mit 
Citaten von Dichtenitellen und theils parodischen theils nicht- 
parodischen Anklängen an solche '°"). Und wenn sich seine 

mehr (e. Wilamowitz a. a. 0. &. S13. A. 23) Dikaeokles von Enidas bei 
Numen. (Eaaeb. P. E. XIV, 6, C. 731 b. c), Arkesilaoe habe sich Bof den 
Skepticigtuns geworfeD ipißip iwv StoSa^iletv ie mal Bimvoi ztm aoipiarov 
intuiiövnDP Toig filoeoipovat ital ovÜv öitvovvtioy äni nuvtöt ^li^lffi 

qiaiväfttvov , aaaiQ Si tä fiilav Ttj^ {tat Cobet) aipiias agaptAitfai Kfo 
Itivzoi Tijr ixopjv. 

108'') Tgl. darübet anch Henaa S. XCiV. S. LXI. Äom. E. Weber 
De DioDe Chrysoatomo, Leipz, Stud. X. 18ST. S. 181 ff. 

108°) S. A. 106. 

108^) BesoDders den BOgenanntan gorgianiBchen, b. Henae S. LXSXIV— 
LXXXVIl 

108«) Daas die einzige Anfahrung de« AriatippoB bei Tele» (ir. tfuryni) 
p. 21, 15 f. ans B. stammt, Termuthet Heuae S. LXVll mit giÜBBter Wahr- 
Bcheialichkeit, «in Gleichea gilt von den Stellen ans Xenopbon und dem 
{«. uv%ttf*iltts) p. IS, 1 ohne Zweifel namentlich angefühlten FlatoD bei 
ebendemaelben, g. Henae S. XXXV - XX XVI II. CVIl. (vgl. S. XXVUf), 
vielleicht anck von dem wiedetam dort not einmal («, niviag p. 29, 11 ^-i 
a. oben A. 90) erwühaten Metroklea, a. Henae 8. XXVI. XXXVIII. XLIV. 
CV. Nicht aelten werden die von ihm angeffihrten Apophthcgmen Anderer, 
wie dea ' Antiathenes nnd Diogenee, von apäteren Schriftatellern Uun aelber 
beigelegt, wie achon DQmmler S. 60 darthat, während B. aelbat ohne 
Zweifel die Namen der Urheber nannte und wahrscheinlich Telea wiederum 
die des Solirates und Diogenes (obwohl Wilamowite and Andere ^^um 
Tbeil anderer Meinung sind) wahrscheinlich ans ihm hat, s. Henae 
S. XLII-XLVI. Daas er auch den Srates anführte, kann natOrlich nicht 
zweifelhaft sein, am so zweifelhafter aber ist us, ob Telea seiDereeita 
diesen selbst benatzte nnd ans diesem und nicht vielmehr aus B. auch 
seine Rede ntpl lov fi^ elvat tilog f)Sov^v auageachrieben hat, s. Uenae 
S. ClVf. Ol) aber in («. «ttl'ns) p, 36, 4ff. Z^vav i>q Äjäiijta «. i- 1- 
des wieder nur einmal hier bei Teles erwähnten Zenon Denkwürdigkeiten 
des Eratea (a. A. 197) von jenem aas eigner Leutüre oder auch nur aus 
der des Bion benutzt sind, darüber s. Henae S. CV f. Dagegen acheint 
Stilpon von Teles aelbat gelesen und es dagegen höchst fraglich lu sein, 
ob dieser zn den Auctoriläten des B. gehörte, s. Hease S. XL— ^l""- 
CVl-CVIU. Vgl. noch A. 124. 

106') Wie des Euripides nnd Theognis und der Komiker Antiphanes und 
Menandroa, theils beistimmend, theils bekämpfend, indem er auch wohl den 
erdichteten Gegner sich auf sie berufen liose, s. Henae S. LXXIX-LXXXII. 
Vgl. Wolcker Praef. Thet^u. S. LXXXVf. Wachsmuth S. 67, 70f. 



iv.t^iOO^IC 



4. Kjniker. Bion. 39 

Vortrags- und Darstellungsweiee dergestalt auch in vieler Hin- 
sicht an die des Theodoros"^") und der Eyniker anschloss, so 
mischte er doch noch stärker die Farben '"'). Von seinen homeri- 
schen Parodien nach Art des Xenophanes und des Erates sind 
uns insbesondere zwei Hexameter geblieben, welche eine Satire 
gegen den Ärchjtas enthalten und Bion als einen nicht minder 
bfibnen Wortbildner denn Timon zeigen""). Schwerlich jedoch 
traten diese Erzengnisse seiner satirischen Poesie für sich auf 
gleich den üiiiyvuc des Monimos und Erates"^), sondern er 
schmückte ohne Zweifel auch mit ihnen lediglich seine Prosa 
aus Qod machte so seine Darstellung noch „buntfarbiger""*), 

108') Daiauf (e. A. 109) weiet der Znsatz bei La. Di. 52. xatä xäv 
iU)«s löyov «oipiute vortot lu Seatäitov tov ä^iav bin, desueo aachliche 
Bicbtigkeit Herne S. LZTll Tiel ed «ehr aDEweifelt. Vgl. A. 13. 

109) Daher (La. Di. 62. 8iä dl} avy t6 navxl USu iöyov umtäo^iil 
qxiiTt liftiv 'Efato<i6in]9) warf Eratoethenea und vielleicht (s. A. 449) vor- 
her BchoQ Theophrastos ibm vor, er habe laerBt (doch thaten ao Etwaa 
Tor ihm, wenn auch nicht in ao grouem Masae der „Bont&rbigheit", ja 
ancb acboD die Eyniker nnd Theodoroa !) die PhÜoaophie in ein hnnt- 
farbigea Qevand, wie nämlich die Hetären ea trugen (•. Kohde a. a. ü. 
Cobet Mnemoa. N. F. IV. 1872. 8. 86) geiteckt (La. Di. a. a. 0. äf&ipi 
tvidvaiv. Strab. L 16. äv»ivu ntfißaUip, a. C. 16. A. 8), d. h. „sie tu 
einer aolchan gepalzten Dirne gemacht", tn einer „gemeinen für alle", 
mit anderen Worten, sie nicht bloaa popnlariairt, aondem anch rulgamirt, 
aber Eratoathenea aatzt« (waa fteilich bei La. Di. wohl ana TeodeiiE weg- 
gelaaaen ist), mildernd hiniu, indem et selber (wahracheinlich mit An- 
ipielnog auf eine Stelle beiß, seibat, ■. Henee S. XCV f.) eine bomeiiache 
Parodie machte: doch gelte dabei ein ähnliches Wort wie da« der Freier 
Od. d, 74 vom Bettlergreise Odysaeaa: dlX' ofimc noUaxic ilvitv Sv ztva 
{*' avtov toito- „o^v in janiar o Bim»". Nach diesem Lob und Tadel 
wohlwollend abwägenden Urtheil iat die eben (A. 101) angeführte Apo- 
l<^tik Ton Wachamnth auf ihr richtiges Mass herabzusetzen. 

110) Wacbsmnth S. 201 f. La. Di. 62 (numittelbar vor der A. 108 
aiiBgeschriebe&en Stelle) iühri sie mit den Worten ein: ev<pviis y<i( v* 
xa^dijtai, oht. Ansaerdem vgl. Flut, de lih. edac. 10. 7 C. D. de prof. in 
virt. 11. 82 E. Stob. Flor. IV, 64. Cic. Tnsc. 111, 26, 62. Vgl. Wachs- 
mnth S. 77. A. 1. Eenae S. LXII f. 

111) Wachamnth S. 77 glaubt freilicb sogar zu wiaaen, dasa aie alle 
BUB einem einzigen ,,carmen parodicum" waren (obgleich er doch aelber 
die Parodien des Theognis nnd Enripidea vielmehr der Prosa B.'a Eainrechnen 
scheint). Die eincige Stötzeiat ein sehr confnsea Scbolion zd Hör. Ep. U, 
!, 60, dos wenigstens klarer gelasst sein mftaste, nm ana .einer Aeusserung 
solcher „magitlri inepti'' einen solchen Schluss wagen zn dürfen. 

112) Dann hat Eratoathenes bei seinem Witzwort zwar keincEwega 
anaschliesglicb, wie Welcker a a. 0. S. LXXXVII. XCI f. and Fritzscbe 



„i.,ooylc 



40 Zweites Capitel. FbiloEOpbie bis 2. Hälße des 2. Jahrb. 

so daes er damit in gewisser Weise ein Vorläufer der ineniitpei- 
Bchen Satire wurde"*). Von anderer Seite bezeichnet Horatius"*) 
seine eignen Satiren oder vielmehr einen Theil derselben als 
Nachabmungen des Bion. Zu Bions ältesten Nacbahmern ge- 
hörte ferner Äriston Ton Keoa"^), und mit besonderer Vorliebe 
achrieb Teles ihn aus, obgleich derselbe ihn nur in denjenigen 
beiden Vorträgen, in welchen dies wohl am Meisten geschehen 
ist, ictpl avtaQxeiae t""^ ^^9^ nsvias und einmal noch in atgl 
tpvyijs, und zwar hier in einer Weise, die mit Wahrscheinlichkeit 

S. 5LIV meintoD, aber doch nebenbei wohl anch dieae Uigchnog mit im 
Sinne gehabt. 

113) Vgl. Hense S. LXXXf. EeioEe S. 7: „prognasum . . . quem 
post Bionem ftcit Menippus: ts cnim cum in argamentis saturae latus pen- 
deret a Biene, forma diatribarum relieta propius acccFserat ad comoediatn; 
Bio in lermonibui non aäegoriaa narravtrat Frodiceas, sed ip»as res per- 
sonatas quasi in scaenam induetaa loquenUs feetrat et cum ipso et inter te; 
MenippuB certas qtMsdam saiuris tubiecit fabulas, vt non res tantum quati 
vivorum sp«cu indutae prodirent, ted verae rariaeque pascnae, quibns aut 
gutu aut eorum quo» lacesseret tribueret lenlentiaf. Statutrim haec quam- 
quam non pro certis et propter Varronis Lucianique imiiationea et propter 
MtwJM Sufixöciov, ilioyevovt vgäait, Nlitvia." S. jedoch A. 139 ff. 

114) Ep. II, 2, 60. Bioneil Bcrmonibus et sale nigro, s. Eies^ling zu 
d. St. und Coni. apic. I, Greifswald 18S3. 4. S. 7 f. (welcher mit Recht in 
«dl niger, d. b. dem groben, also aach wohl zur Hfinngalake gebrauchten 
Salz, eine Anspielang aof B.'a Herknntt findet). Daher nannte UoratioB 
seine eignen Satiren denn auch eermonet. Richtig jedoch hebt Heime 
3. 7 f. herror, dass die längst beachtete kOnstlichere Form der Satiren des 
2. B. vielmehr, wenn ancb 2. S. 7 der bioneischen Diatribenform nahe bleiben, 
auf Henippos hinweist und data für II, 6, wie enerat A. Tb. H. Fritzscbe 
vermnthete, anch iuhaltlicb dieser, nämlich dessen Niyivta, ein Vorbild 
gewesen zu sein scheint, aber aueb eben nur für diese Satire (gegen die 
viel weiter gehenden Verrnnthnngen von F. V, Fritische u. Th. Fritziche 
s. A. ISS). DasB ohne Zweifel theils B. and tbeila Menippoe auch schon 
auf Lociliue einwirkten, bemerkt Leo Varro nnd die Satire, Hermes XXIV. 
1889. 8. 84. Genauer gelangt Heinee zu dem Ergebnias, daae in I, 4. 5. 
7 — 10. II, 1. 4. 8 bei Horatios von inhaltlicher BerQhning mit ti. keine 
Rede sein kann, dass dagegen I, 1 wesentlich von ihm, und iwai am - 
Wahrscheinlich eten von zwei seiner Diatriben (über die Unbestflndigkeit 
der menschlichen Wfinjcbe und über die Habsucht) und verrauthlich auch 
I, 2 von einer solchen abhängt, dasa ein Gleiches auch von II, 2 und femer 
theilweise anch von 11, S (vgl.V. »9 ff. mit B. b. La. Di. II, 77, s. A. 104". 
Hense S. LXVI. Anm.) und von II, 7 dem ersten Theil nach gUt (wo auch 
V. 48—71 die Redeweise stark an B. erinnert), vgl. auch Ep. U, 2, 146 ff- 
Carm. II, 2, IS ff. und den Index Bionena bei Hense S. 89 f. 

116) S. A. 786^ 787. 790. 



iA.tOO^Ic 



4. Ksaiket. Telea. 41 

auf eine Di&tribe Bions ntffl tatp^e schlieBsen läest*^*), aus- 
dröcklich anfahrt. Der einzige uns geradezu Kberlieferte Titel 
aber ist ntffl öffy^g bei Philodelnoe ^"). Unter den Späteren hat 
Bion sehr weaentlieh auf Platarchos eingewirkt""'). Der eben 
genannte 

Telea"*), wahracheiulich aus Megara"^), wirkte dort und 
in Athen und wohl auch anderswo mit populären Vorträgen, die 
er bei sehr geringer eigner Daratellungs- und Erfindnngagabe '*°) 
meistens aus seinem LieblingsTorbilde Bion, demnächst ans Stilpou 

116) p. 22, 2. S. Herne 8. LXXSVII— XC. Uebrigen* Tgl." auch 
Webet S. 1«S. A. 1. 

117) De ii. CoL I, 16 Gomp. Noch allzu schüchternem Vorgänge tod 
Allera De L. Annaei Senecae librornm de ira fontdbus, OOttingen 1881. 8. 
S. 15 hat BBoheler Bhein. Uns. XLlll. ISSa. S. 163 (a. C. S2. A. 220) 
genauer daranf hingewiesen, dasi der erst« Thcil dieser Schritt des Fhilod. 
lieb wesentlich an die des B. anachUeBst, vgl. C. 32. A. 200. Uense 
3. LIX. 91. AasBerdem nennt ihn Philod. noch de mort. V. H,> IX. Fr. IV 
{TgL Daener Epicnrea S. 269, 19 Anm.) nnd de rhet. V. fi.* VII, 61 
(TgL Gomperz Z. f. d. Ost. Q. XXBI. 1872. 8. 27. Daener a. a. 0. 
8. 402), desgleichen erscheint er bei Fsendo -Metrod. de aens. anaser 
Col. XV (a. A. 149) aacb, wie Brinkmann De dialogis Platoni faho 
addictia, Bonn 1S88. S. IE erkanot hat (vgl. Henae S. LXVil. Anm.) 
CoL XrX. In Bezug anf Epihoroa a. A. 39&'>. Gegen ihn achrieb Kolotes, 
B. A. 4960. 

117") Und den Verf. von de lib. ednc. nnd von an vitios. Eine üeber- 
sicbt der Stellen gieht Henae S, 92. Dieaer Gegenstand bedarf noch einer 
beeondem üntersochnng. Die Auazdge, aus denen Stobaeoi geschöpft hat, 
atammen wahrscheinlich Ton Pbaborinoa, a. Frendenthal Zn Phavorinna, 
Kheio. Mna. XXXV. 1880. S. 4S4, Im Ganzen hat die Apophthegmen- 
sammtang bei La. Di. trener daa UraprQngliche bewahrt. Hiarüber und 
über den Teracbiedenen Charakter von ihr und den Resten bei Arrianoa 
g. Hense S. LXXXKff., Tgl. den Index 3. 88. 98 f. (auch in Bezog anf 
Seneca und Ath.). 

118) Niebnhr Ueber den chiemonideUcheD Krieg, El. Schriften 1. 
3. 461 ff. T. Wilamowitz Der kfoiache Prediger Telea a. a 0. S. 292— 
819 (welcher 8. 31S dieaen anaeerordentlich nnbedentenden Henachen zu 
der welthistoriacheu Bedentmig erheben will, daas derselbe der älteate 
kenntliche Vorfahre dea chriatlichen Prediger« sei, was Weber a a. 0. 
S. 202 ff. mit ungleich grOsserem Recht, ao paradox es anch scheinen mag 
and ao sehr ea anch nur in beschränkter Weise richtig ist, für den originellen 
Diogenes in Ansprach nimmt). Ansg. der erhaltenen Reste tos Henae 
(a. A. W), Tgl. die (übrigene kanm gane gerechte) Bec. t. H. t. Arnim 
Gott. gel. Anz. 189*0. S. 124-128. 

119) S. A. in. 

120) Vgl. Henae S. XXXII-XXXIV. 



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42 ZweiteB Capitel. Philosophie bie. 3. Hälfte des 2. Jahtb. 

und wohl auch uoch anderen kynisch gefärbten oder geradezu 
kynischen Schriftstellera zusammensetzte'"), im Sinne eiaes, wie 
sich eben hieraus ergiebt, yerdfinuten Kynismos '**), Wir haben 
bei Stobaeos nach dem Auszüge eines gewissen Tbeodoros noch 
Excerpte von sieben aolcbeo Paränesen neQl tov doxttv xal toü 
flvai, nsgl avzaQxsias, ntgl ipvyilg, negl nivias xal jclovtov, 
aegl tot/ (itj t«'J.os Bivai ijdov^v, nsgl jreQUjzäeecov (Ober die 
Glilcksumstände) und nsgl äna^sias"")- Von ihnen ist die über 
die Armuth in Athen vorgetragen'**), die Über die Verbannung in 

131) S. A. 108«. DasB auch nntei den äfiaEai in xtfl mr. p. 26, 3. 
27, 12 (Stob. Flor. III. p. 312, 26. 313, 21 Hein.) die alten Ej'aiker tu vei- 
stehen Beieo, vennuthet Wilamowitz.S. SOI. A. 19 nobi mit Recht, 
e. Hanse S. XXXVIlIf., dem ich gans darin beiatimme, da« T. diese 
„Alten" schwerlich selbst gelesen hat, sondern den Ansdmck seiner Qnelle 
(Bion) nachschreibt. 

122)8. Bense S. XXX IV f. Dass T. Ejniker war, hat Wilamowitx 
gezeigt. Wenn Zeller IP, t. S. 3ST. A. 1 ihn tiotidem noch für einen 
kjnlBch geförbten Stoiker bUt, so schwindet der lettte Schein hiefür mit 
der Beseitigung der mit Unrecht von Zellet uod- Wilamowitz S. 300 
gebilligten Conjectni von Heineke (s. A. 19B) in v. »tr. p. SB, 16 (Stob. 
111, 201, SB) o 'Aeaios, während vielmehr mit Cramer und Halm ö ö^ioe 
herzustellen ist, b. Henee S. XXII ff. 

128) Ekl. II. p. 191 ff. W, Flor. V, 67 (I, 123 f. Mein.\ XL, 8 {II, 66 ff.). 
XCVII, 81 und XCV. 21 (III, 311 ff. 200 ff.). XCVIII, 72 (III, 234f.). CVIH, 
82, 83 (IV, 49 ff.). Ueber den ÄUBdruck xtQiaxams vgl. auch C. 36. A. 20. 

1S4) p. 44, 7 (IV, M, 15 M.). 'Attixrt yuvij — 45, 4 (30 M.). tdv no«' 
it^iv IIB rrvoiMÄi-. Hit Unrecht erhebt E. Weber a. a. O. S. 212 ff. A. 1 
hiegegen Bedenken, b. Hense 8. XXVlll. DasB aber die GrOnde, mit 
denen Wilamowitz S. 300. A. 10. 11 ein Gleiches von nf^l av%aste<tti, 
jcffi loö fiq xiXot *. t. 1. and ntfl äxaSiCas darzuthun sncht,, in der That 
bei einem solchen CompiUlor nicht ausreichend sind, haben Weber a. a 0. 
und Hense S. XXVIlf. CVIl f. gezeigt. Die Ansfahning in der gegen 
Epikuros gerichteten Schrift nt^l tov ^ij xiloi k. x. I,, an dem Lebenslauf 
eines attischen BQrgerE, dass die GlackeeÜgkeit nicht in der Summe der 
GenfiBse beatehen kOnne, ist eben, aei ca mittelbar. Bei es unmittelbar ans 
Krates entnommen, und beweist daher für T. nicht das Geringate. VOUig 
raisalnngen aber ist der Versach von Wilamowitv S. 800 zu erb&rteo, 
dasB die Rede fiber die Armuth schon um 234 noch bei Lebzeiten des 
BleanthcB <s. A. 122) gehalten sei, b. Herne S. XXII-XXVIII. Aus p.89, 
6ff. 36, 4ff. (III, 214, Uff. 201, 12ff.) geht nur hervor, daas de nach dem 
Tode des ErateB entstand, mögen nun die hier erzählten Dinge unmittelbar 
theilsauB Zenon, theils aus Metrokies stammen oder aus^ion abgeschrieben 
aein, a. darüber A. 108« und Heose S. XXVI. CV. Dass auch die Schlag- 
wortc von Lakonerinncu in n. an. p. 44, 3 ff. mit ihren Anflflgen von 
Dorisrnua und die Erzählungen von Laked&moniem ehendort p. 46, 7 ff. 



iv.t^iOOylC 



4. Kyniket. Teles. 43 

Megara'"), und zwar um 240'**), Damentlicli, wie schon ge- 
aagt^*'), mit Benutzung Ton einem Dialoge Stilpons. 

Aus der Schule des Metroklea ging eine Reihe tou Kjnikern 
hervor^^), und namentlich diesem Kreise, dem doch wohl auch 
Teles nahe gestanden haben wird, dOrßeu die weitere „litterarische 
Aasbildung der Diogeneslegende" und die zahlreichen Fälschungen 
von Dialogen unter der Maske des Antisthenes und besonders 
des Diogenes '^^), so weit sie nicht schon älteren Datums waren '^), 
und der angeblichen Chreien des Diogenes and auch wohl Briefe 

und «pl ipvy^e p. SO, 10 ff. gleichwie n. aev. 37, 4 ff. aiu Bion eot' 
nonunen sind, macht Hense 8. CVII f (vgl. S. XLI f.) einigerm&iscn 
wahre cheinl ich. 

125) Dies achliesst Wilamowitz 8. 300 ff. mit Kecht (gegen die Kin- 
wendcmgen von Weber a. a, 0. u. S. 168 a. Henge 3. XXVIII— XXXll) 
ans p. 21, 11 (69, 5) ff. Tgl. m. le, 4 (66, 11) f. 21,5 (68, SO) ff., ond diese 
Stellen, wie Wilamowitz weiter bemerkt, zeigen eben auch, dasB T. eio 
Athener von Geburt schwerlich war, vielmehr in Megara, wo er damals 
seine Heimat hatte, auch wohl geboren ward (vgl. auch H ens e S. XXVIH f. 96). 
Da« Pablicnm bestand wenigstens grossentheils aas Jünglingen tä iitteama 
Tttvxi 16, 10 •= 66, 18). Daher nennt T. sich xaiiayaiyös 16, H (66, 23) 
Dach Sion (n. am. S, 9 — I, 12S, 11). 

136) Wie Wilamowitz 8. S02ff. nach dem Vorgang von Dropsen 
Helleniam. III*, 1 S. 407. Ä. 2 genauer nachgewiesen hat. Chremonides, aus 
Athen verbannt, lebt in Gnnst bei Ptolemaeos III, der kürzlich (s. Plut. 
Arat. 34) eine grosse FlottendemODStration gemacht, und der dea (als 
UanpttheilDehmer der Revolution des Agis) aus Sparta verbannten Uippo- 
medon (etwa 241) als Statthalter über Thrakien gesettt hat (p. 16, 2 ff. ~ 
66, 9 ff.). Die athenischen Verbannten leben in dem freien, also dem nch&i- 
BChen Bnnde (242) zugetretenen Megara (21, 11 ff. = 69, 6 ff.). 

127) S. A. 46«». 

188) S. die Aufzahlung bei La. Di. VI, 96. Vgl. Zeller 8. 386. A. 1, 
no noch andere Kyniker (Thiasjllos, Sotades) lusammengestellt sind; 
Kolotee aber ist dort zu streichen, ■. Zeller seihet in der folgenden A. 2, 
ebenso in letzterer Etesibios, s. C. Sl. A. 486. Ueber Menedemos 
handelt La. Di. VI, 102, wo er denselben als Schüler des Lampsakeners, 
also doch wohl des Epikureers Kolotes bezeichnet, während 95 als Zögling 
des Echekles, eines Schülers von Theombrotos und Eleomenes, zwei 
Schülern des Hetrokles. Dieser Menedemos scheint also, wie Zeller be- 
merkt, von den Epikureern 2u den Kynikem übergegangen zu sein. Als 
Schüler des Eleomenes wird hier auch Timarcbos genannt. „War dies 
etwa derselbe, welcher im tO. (12. Sehn.) Epigramm des Kallimachos er- 
scheint?" (Enaack). Debet Diodoros von Aspendos s. C. 32. A. 449. 

129) Wilamowitz S. 29>). 

130) Denn von den Bastarden unter deui Namen des Antisthenes waren 
drei, wie schon bemerkt ist, bereits von Pasiphon, s. A. 62^. 65. 



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44 Zweites Cäpitel. Pliilosophie bü 2. H&lfte dee 2. Jabth. 

des Krates angehöreD^^'). Als hervorragecd (imfpavtjg) aber 
wird unter den Schfilem des Metrokies *'^) 

Menippos'^) der Sinopeer genannt, ursprünglich ans Gadara 
in Kölesyrien'**), ein „phönikischer" Sklave des PoDtikere Baton"*), 
mit dem er also ohne Zweifel in Sinope lebte '^. Später aber 
erwarb er sich, wie es heisat'"), durch Wucher so viel Ver- 
mögen, dasa er sich in Theben das Bfli^errecht erkaufte. Seine 
Wirksamkeit fiel also wenigatens theilweise noch in die erste 
Hälfte des dritten Jahrhunderts, wozu vielleicht auch die Er- 
dichtung seiner Feinde und Neider stimmt, dass seine Schriften 
in Wahrheit von den Kolophoniem Dionysios und Zopyros 
verfasst seien, wenn anders dieser Eolophonier Zopyros doch 
möglicherweise, um nicht zu sagen wahrscheinlich, derselbe mit 
dem Rhetor dieses Namens, dem Freunde des Sillographen Timon, 
war^**). Diese Schriften nun aber waren lediglich satirischer 

181) S. A. 84. 132) La. Di. VI, 95. 

138)Le7De TitaBcriptieqaeMeiiippiCynici, EOIn 1B43.4. P.V.FritsBcbe 
De acriptoribua satiricis specimeu III. IV. V., Boatock 186&. 1866. 4. 
Th. FritzBche Menipp und Horaz, OfiBtrow 1871. 4. Nachtr. PbilologuB 
XXXII. 1873. S. 744—7*8. Wildenow De Menippo Cynico, Halle 1681. 8. 
(Doctotdiss.) WachBmnth Sillogr. Gr' S. 78—84 (dem ich mich in allen 
Stficken anscblieBBe). Dasn Rieee Varrou. sat. lell. S. S B. und die Fragma, 
bei deiiiBelbfln S. 248 f. Gegen die Änsicliten der beiden FriUache iat 
auch auf Wachsmuth Phil. Aue. IV. 1878. 8. 196-199 ■und Bowe Quo 
iure Horatina in saturia Henippnm imitatne esse dicatur, Halle 1888. 8. 
(Doctord.) zu verweiaen, vgl, A. tl4. 

134) Strab. XV. 769. Phil. b. Steph, t. Byi. Fädaea. 

135) La. Di. VI, 99. tÖ itvi*<i9(v ijc 4>o6'i£ Sovlog, tag ipijaiv 'Axo'ixas 
iv '}I9t%oit- iltottl^ 6e xdI tÖv dtasottjv avzov JTovtihÖi' etvai xal Bä- 
tmvtt %alcüf^al. 

1S8) F. V. FritzBche a. a. 0. Spec. IV (Winterkaial. 1865/8) S. 6 f. 

137) Diokl. b. La. Di. in den zuoBehBt folgenden Worten. — Die Ur- 
lählung de« Eermippos ebend. 100 fiber seine Todesart lasse ich wiedemm 
auf sich beruhen. 

138) La. Di. VI, 110, vgl. IX, 114, s. unten A. 626 n. C. 85. A. 59—61. 
Dazu kommen (wai freilich anch noch nicht iwingend ist) seine Schrillen 
(s. A. 139. 141) gegen Arkesilaoe und Epiknros. Lukian. IcaToineo. iB (vgl. 
Zeller III', 1. S. 766. A. 1) aetzt ihn ansdrflcklich in die Zeiten am 280, 
Prob. z. Verg. Ecl. VI, 31 nennt ihn wenigstens älter ala Varro, nnd 
HermippoB hatte ihn acfaon behandelt (s. A. IST). Vgl. F. V. Fritssche 
Ausg. des Lukian. a. a. O. S. XXXVlIIff. ti. bea. Nietische Rhein. Mds. 
XXIV. S. 193 f. Beitrr. zur Quellenkunde des Diog. L. (Basel 1870). S. 28 ff. 
Zeller 11', 1. 8. 2Sef. A. 3. Nun acheint aber Diokl. b. La. Di. VI, 99 
ihn vielmehr als Zeitgenossen des Meleagros anzusehen: tü Si PißXia ovior 



i.t^iooylc 



4. Ejniker. Menippos. 45 

Art, dreizehn an der Zahl^'^), menippeiBche Satiren, wie sie 
nach ihm geuaunt wurden, Prosa mit Yersen durchäochten '***), 
Dnd zwar ohne Zweifel theils selbstgemachten, theils von älteren 
Dichtern bald wörtlich und bald mit parodischer Abünderung 
eDtlehnten, theils, wie es scheint, Dialoge, theils Briefe, theils 
ErzähliiDgen mit dialogischer Zuthat, theils vielleicht Faräoesen, 
theils Streitschriften gegen Naturphilosopheo , Mathematiker, 
Grammatiker^"). In einer von ihnen, der Nekyia, folgte er in 



aoZloö ntctajtlatos yiiiH ku^ Ti (xat' Hecker) faov toi'f MiUuytfov toü 
Ksi' oöiöv ytronivov, aber diet beEeichnet schon F. T. Fritiaohe Scr. 
aat, IV. S. & als ein „taendum", und dos Richtige sab Maass De biognt- 
pbü Oraecia (Berl. 1880). S. 17 f.: dieser Schein ist darch das schlechte 
Contaminiren des La. Di. entstanden, nnd nor' avtöv ist anf Diokles zn 
beüeheD, so dass dieser rielmehr als Zeitgenosse des Meleagros angegeben 
wird. S. A. 185. 137. 

139) La. Di. 101: lä d' ovv tov Kvvihov ßißXia ietl dtiiarfiif Ninvw, 
^ta&^Ki», Einatolal xixOfi(|>iv^^viii axb toi zäv #E(ä>> npotfräsotr, nQoe 
toit <paifi*ovs Kirl na9iifiazi*ovs *al ytfaufiatiKovs**»al Fovä; 'Exixoi^ov, 
Hil las 9t1'*f^'>f^f'"'S ^''' av-eäv ti%iidas (a, Ä. 414). Die Änfiählong 
war docb wohl nrsprflnglich vollständig; auch sind im jetugtin Text weder 
die Accasative noch das avimv am Schlusge begieiflicb; also ist vor %al 
Foräg eine längere LScke anzunehmen, b. Uaener Epicnrea S. LXIX (der 
dies nnr mit Vorbehalt tbnt). S. A. 141. 

140) Dies erbellt acbon aus den Nachahmungen Varros, ansaerdem aber 
1. Prob. a. a. 0. omHigeno carmine satiras mac expoliverat nnd dazu Sohde 
Or. Kom. S. 248 f. A. 1. Lnkian. Bis accns. 33. ottc« xttös . . . ovTt isl tüv 
fifTpisv - . . all' InnoKtvzavfov 31*1)* avv9n6v n. Von den wörtlichen 
Bracbatücken ist eins ans dem Arkeailaos (Ath. XIV. 664e) prosaisch, ein 
andeiea (Ath. I. 82e) metrisch. 

141) Die Lücke in dem Verzeichniaa bei La. Di. a. a. 0, l^st sich 
noch Ibeilweiae ansfaUea. Ea kommen hinzu ans La. Di. Helbat %. 29 
(i. Wachsmuth S. 82. A. 7; Jioyivovs ngiais and aas Ath. XIV. 629e. 
664e (a. A. 140) Xnimöaiov und 'Af^foilaos: in eraterem stand eine Ver- 
hShnung der atoischen Lehre vom Weltbrand: KoJ-diai ii zte nal äUri 
ititjais KOOfioti IxKvpiaots, ^s Itvrntoiilvli M. i Kovtttes iv im Siifatooim, 
in letitorem ward ein stattgehabtes Gastmahl geschildert. Die Niitvui war 
Tielleicbt das Vorbild, wie schon A. 114 bemerkt ist, für HoraL Serm. 
n, 6, deagleicben vielleicht für die Nt^voftarztia des Lukianoi, und an 
die '£ii«iT ola ^ achlo BS aich dieser wohl in seinen G Otterdialogen an; xpöe 
Tocs ipvaixovq K. I. l. waren wohl drei Streitschriften und nicht eine; fiber 
die Forol 'BnmiKQOV s. Uaener a. a. 0. S. LXIXf. — Die Form von 
Dialogen (sei es diructen, sei es wiedererzählten) für einen Theil dieser 
3cfarift«a erhellt aus der A. 140 angezogenen Stelle des Lukianoa. -^ Strab, 
und Steph. a. a. 0. 0. nennen ihn in Bezog auf diese seine Satiren axov- 
ivfiloioi, vgl. A. .HS, 



ivXtOO^IC 



46 Zneitei Capitel. Philosophie. 

der Einkleidung offeobar dem Vorbilde des Krates. Von seinen 
Nachfolgern, zu denen auch Lubianos gehörte, waren die ältesten 
uns bekannten Varro in seinen Saturae Menippeae"^^) und 

Meleagros, Sohn des Eukratee, aus Gadara, später in 
Tjros heimisch'*^, dessen Blüte mit Recht in den Anfang des 
ersten Jahrhunderts gesetzt wird***), und welcher im Älter in Kos 
lebte'") und dort starb"'). Abgesehen von seinen menippeischen 
Satiren "*) scheint er aber auch dieselbe Pereon mit dem Verfasser 

1*1'') Varr. b. Cic. Acad, I, 2, 8. JUenippum mitati non itOerpretati. 
Von ihm «tammt der Name „menippoische" Satiren, wUirend Andere sie 
„kyoische" naonten, Qell. II, 18, 7. Macrob. Sat. I, 11, 42. Knaack 
Menipp nnd Varro, Herraea XVIII. 1883. S.;i48— 150 sucht wsbracheinlich 
zu machen, dasa Varro im 'TSgotivaiv (Fr, 575 BQchel.) dem ^ftnöaiov des 
M. gefolgt sei. 

H2) Anthol. Pal. Vn, 417-419. XII, 256, 12. Ath. IV. 157b. Strafe, 
Stepb. a. a 0. In Schol. Anth. p. 81 (Aotb. Pal. ed. Daebaer I. 8. 54) 
wird er zuerst ein Fhöniker aus Paläatioa, dann ein Syrer ans Gadara ge- 
nannt, endlich p, 82 heisat es, er habe eich iv toi's iimfoe^tv selbst als 
Gadatener bezeichnet. — ÄuHdrQoblich nJa RjDiker erscheint er (was Zeller 
|{<, 1. 8. 287 f. A. 1 abersehen hat) bei Ath. XI. 602c (vgl. Ath. IV. 157b. 
ö nfoyoros ü^iüv Mcliaygos ö PaSagevs}- 

143) Schob Anth. p. 88: unter dem letzten Seleukoa (93—80). Dam 
atimmt es, dass sein 132. Epigramm (A. P. IV, 43G) eine Orabachrift anf 
ÄntipattoB von Sidon iat, welcher bia Ol. 160 (= 140-136) lebte (a. C. 86), 
und daas er andrerseits im Einleitungsgedicht (s. A. 150) A. F. IV, I, 42 
dessen Schöpfungen noch ala neue bezeichnet. Auch hatte er in seine 
Anthologie noch keins von den Epigrammen dea Philodemos aufgenommen 
(Tgl. C. 32. A. 313), offenbar weil dieselben damals noch nicht erschienen 
waren. S. Jacobs Anth. Gr VI. S. XXXVI ff. XIII. S. 915f. 

144) Epig. CXXVI (A. G. I. p. 38 Jac.) = A. P. VIII, 419, 6 (vgl. 
418, 3 f.). 

145) Schol. Anth. p. 81. 

146) Ep. CXXVII =1 A. F. VII, 417, 4. XQäTa Mtvimifiois evvxfozäaus 
Xättciv. 418, 5 f. Mifutneiois (80 L. Holatein f. Wtlijts/ois) . . . Xäeinip 
Diokl. b. ba. Di, 100 (s. A. 138). Wir kennen drei Titel: Sviittömov, Ath. 
&02c, Xäfitet, Ath. 167b (wo er den Homeroa für einen Syrer erklärte. 
Tgl. überdies Wachsmuth a a. 0. S. 84), endlich ebendas. (ausdrücklich, 
wi3 gegen .lacoba zn bemerken ist, Ton den XäpiTfg unt«rBchieden) At- 
K^ov %al tuxijt ovyitfunt, d. h. nach Witamowitz S. 394 f. „Streit des 
LinaenpOrees nnd der dicken Linaeu", eine, wie Wilamowitx bemerkt, 
gut kjnische Fortsetzung einer litterarischen Uaratellong, wie sie in den 
Hören dea Prodikos nnd dem Streit der beiden Aöyoi in den Wolken des 
Aristophanes ihre Vorbilder hatte nnd sodann in peraOnlicher Satire tod 
Alkaeos aus Heasene (Polyh. XXXII, 6, 6) angewandt worden war (e. C. 36), 
bei den Rümem Tielfach nachgeahmt wurde (so in dem TOn Tiberins reich 



iv.t^iOO^lC 



i. Kya'iVet. Meleagros. 47 

der Schrift über die Lehrmeinungen der Philosophen"') gewesen 
zu sein. Ueberdies war er ein sehr fruchtbarer und geschätzter 
Dichter von Epigrammen und epigrammenühnlichen Poesien und 
der Urheber der ältesten Sammlung von Epigrammen in rein 
poetischem Interesse (Anthologie) unter dem Namen ^kipavog, 
in welcher die Epigramme nach ihren Anfangsbuchstaben ge- 
ordnet waren '*^). Ton seinen eignen in diese Sammlung auf- 
genommenen Gedichten haben wir noch gegen 130'*''), In dem 
ersten, einleitenden, in welchem er dieselbe seinem jugendlichen 
Freuade Diokles (von Magnesia) widmet, zählt er die Namen 
der Dichter'^), in dem zweiten'^"'') die der von ihm in Tyros 
geliebten Knaben -auf, welche er hier gleichsam zu einem Kranze 
zusammen reiht. Auch seine Epigramme auf jeden dieser Lieblinge 
sind zum grossten Theil noch erhalten "*"). 

belohotSD Dialogit*, t'n quo boUti et ficedulae <l oatrei tt turdi eerlamcn in- 
dunerat AskIUm Sabinus, Suet. Tib. 42, Certamin coci tt pütoris u. b. w.), 
eodtich in den Certamina und Cunflictiu dea Mittelalters wiederkehrt. 1d 
Bezug anf die Bolle der Linse bei den Kjnikem vgl. bes. BJrates Ft. 10 
Bei^k. Die wenigen BrnchstOcke dif^xer Satiren «tehen bei Riese a. a. O. 
S. 246. Sehr richtig bemerkt über diese ganze LiUeratargattung Wacba- 
mnth 3. 95: .,*ieque Atticis placuit rteqtte ttiguit trtdioribu» temporibus, sed 
efßoruit reeentiore denaan aetate et exaiila est per tres Hyros, Menippmn, 
Meleagrum , LMeianwn. Frank ^iir Satnra Menippea, NikolBborg 1880. 8. 
ttebt mir nicht su Gebote. 

147) nipl äoiäv, La. Di. II, 92. 

148) Scho1. Aotb. p. 81. inainecv ii rör öav^äeiov lotitocl xi* xüv 
tmyfaiifuittor etitpavov awfta^t* S^ avta xata lä V[0(;f(>. 

149) Aoth. Qi. I. S. Iff. Jac. Fipecialauagaben tod Manso, Jena 1786. 
A. C. Heineke, Leipzig. 1789. tirafe, Leipz. 1811. Charakteristik von 
St Beuve Rev. dea deux moudea 1845. S. 1006— 102S. Unächt aind unter 
ihnen, wie ea acheint, nur zwei, Anth. P. XII, 33. 61, ». Eaibel Senten- 
tiaram Über primnB, Hermes XV. 1880. S. 457 ff. 

150) Antb. P. IV, I. Von den Zeiten der Sappho an bis tief in die 
alexandrioiecbe Periode hinein, and V. S5 sagt er, dasa er nicht wenige 
Schapfangeo auch tod jfiugeren Dichtern hinzugefügt habe; äZleo» i' l^rra 
xoUä veöjQatpa. Anf die Widmung Mi Dioklea (s. über diesen C. 19. 
A. 89 ff.) kommt er auch in seinem Schlnsagedicht (CXXIX =- A. P. XII, 
SG7) zoritck. Dasa er die Sammlung erat im Alter machte, erbellt ans 
A. F. Vn, 417, 7 ff 

150") Ä. P. XU, 256. 

150°) üeber den Verahau seiner Epigramme t. C. 13. A. 74. C. 32. 
A 224, f. a. bea. C. 3fi. 



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48 Zweites Capitel. Philosophie bi» S. ÜÜRe dea 2. Jahrh. 

B. Die Stoiker*^')- 
Zenon'^*), Sohn des Mnaseaa oder Demeas"'), ward wahr- 
scheinlich 336/5*") in Kition auf Kypros, einer Stadt mit ge- 

161) B. Hirzel Die EDtwicklang der BtoiBchen PhiloBophte, in Mioen 
üntersnchimgen zu Ciceroa philOB. Sohn. II, 1. Leipsig 183!. 8., viellach 
borichtigt Ton Lndw. Stein Die F^jchologie der Stoiker I. Berlin 1886. 8. 
(Beil. Stnd, lU, 1). n. Die Erkennte isEtheorie der Stoa, Berl. 186S. (Berl. 
Stad. Vn, 1). Wergoldt Die PhiloBopbie der Stoa, Leips. 1B83. 8. 
(populär). Bnd. Schmidt Stoiconm grammatica, Halle 1839. 8. (lieber 
denselben Gegenatand b. aacb Steinthal Gescb. der Sprachwisaensch. b. 
d. Griechen n. Römern, Berlin 1863. 8. 266—363). C. Wacbsmuth Die 
Änaicbten der Stoiker Aber Hautik nnd Dämonen, Berl. 1860. 8. 0. Heine 
Stoicoram de fato doctrina, Naumbnrg 1869. 4. (Progr. v. Pforta). HeinzB 
Stoicorum de afiectibuB doctrina, Berl. 1860 8. (DoctordiBH.). Stoicoram 
etbica, Naumborg 1862. 4. (Progr. v. Pforta). Zur ErkenntniBslebre der 
Stoiker, Leipzig 1880. 4, Striller De atoicorum gtodÜB rhetoricis, Breslau 
1886. 8. (Doctord., Breel. philo). Abhh. 1, 2) A. Eaake Die OeiellBchafts- 
lehre der Stoikei, Berl. 1687. i. Lotbe Die ErkenntniBslebie der Stoiker, 
Leipzig 1890. 8. — Von uneem beiden Hanptqnellen bricht die eioe, Laert. 
Diog. Tll, jetzt mitten in der Darstellaug dea Chr^Bippoe (b, A. 386) ab, 
nach einem in P ^ Paria. 1769 (B. Bonnet Hbein, Mna. XXXII. 1877, 
S. 678 ff.) und in deiBen Abeohrift (e. Uaener Epicnrea S, XI), dem Lftur. 
69, 36 (H; erhaltenen Inhaltaanaioge ging eie einat bia auf CornutuB, tief 
in das 1. Jahrh, n. Chr. (e. Rose Die Lücke im Diog. Laert., Herrn. L 
1866. S. 867—397). Die andere, ein herknlaniacber Papyroa, bearbeitet 
Ton Comparetti Papiro ercolanese inedito, Törin 1876. 8. Riv. di Fü- 
nf. 1876. S. 449 ff., ist wahrscheinlich von Fhilodemoa und iat nach der 
eignen Angabe dea Verfoeaera Col. XTIl ausgegebrieben aus dem Stoiker 
Stratokles (a. C. 33. A. 7), schlieaat daher mit zweien von desaen Schülern. 
Der Hanptkem der betreffenden Biographien des La. Di. wiedemm stammt 
auB dem freilich nur bei Zenon (a. 1. 2. 6. 24. 28) citirten TlCr«i täv ^"> 
Zii»i»oe ipiUtaitpav %al x&y ßißlüov dea (a. C. 32. A. 67) noch etnaa jüngeren 
Stoikera Apollonioa von Tjroa (s. Wilamowitz S. lOSff.)^ welcher für 
ZenOD, Eleantbea, Cbryaippos (8. 'Exactnv Si ^ijai xal 'An. ö T. S6) die 
Chreien dea Hekaton {t. C. S2. A. 26) benntzte. 

162) Healemann De Zenone Citieo. Pars L Grfiningen 185S. 8. 
(Doctordiaa.). Weygoldt Zeno von Citiom nnd seine Lehre, Jena 1672. 6. 
(Doctord.). Ed. Wellmann Die Philosophie des Stoikera Zenon, Jahrb. 
f. PhUol. CVff. 1873. S. 432—490. Nachtr. ebend. CXV. 1877. S. 800—808. 
C. Wachsmutb Commentatio de Zenone Citienei et Clcanthe Asiio, 
QGttingen- 1871. 1876. II. 4. mit FragmB. — Die LebenabeBchreibung bei 
La. Di. iat ifirer Etauptmaase nach theila aus jener Biographie des Apollo- 
nioa, theits ans der viel znTerläaaJgeren älteren, zeitgenOaaiachen des Anti- 
gonos von Karjatos (12—34), ans welcher aoch die Nachrichten ans Per- 
eaeos (s. 28) eq stammen scheinen (s. Snsemihl Jahrb. f. Pb. C£2v. 
S, 743) ZDsammengeBetKt, doch in den ans Apollonioa entnommenen Stücken 



iv.t^iOO^IC 



6. Stoiker. Zenon toh Eition. 49 

mischter griechischer und phönikischer BeTöIkening'^*''), geboren 
und war vermuthlich aelbst von gemischter Abkunft'^"), so da»s 
sieb denn in seinem Charakter neben den vielen grossen nnd 
acht hellenischen Zügen auch einzelne phönikisch- semitische 
zeigen, wie namentlich eine übertriebene Sparsamkeit'^'). Sein 

mit mancherlei EinachiebnDKeii and Zu&tzen ans anderen BchriftslielleTD, 
B. Wilamowitz a. a. 0-, nad zwar zahlreicberun, all Wilamowitc 
glaubte, n. A. 161. IM. 169. 184. Antig. gab im Qanzen den Z. der Oe- 
achicbt« wieder, Apoll, den der Stoikerlegende. Die Bmchbtücke sind ab< 
geeehen ton Philod. a. n. 0. Col. III (h. A. 161) Termehrt dorcb die Ent- 
deckung von Zeller Der Streit Theopbrasts g%en Zeno über die Ewigkeit 
der Welt, Herrn. XI. 18TC. S. 4Sä— 469 (vgl. deiaen Beplik Der pseudo- 
philoniacbe Beriebt Qb. Theophr. Herrn. X.T. 1880. S. 134—146 gegen Diels 
DoiogT. S. 106 ff.; voUetändig unberflckaiohtigt hat dieEs Replik bei «einen 
erneuten Einwürfen v. Arnim Quellen etndien za Philo, Berlin 1888. 8. 
S. 41 fr. gelassen, s. gegen dieselben C. 32. A. 134), dass der von Theo- 
phrastoi (Fr. SO) bei Pseado-Philon de incorr. m. c. 88—27. p. 60 ff. 
Haogey. p. 969 C ff. HBsch. bekämpfte Gegner der Weltewigkeit nnr Z. 
sein kann, ao dosa wir hier ancb ans dessen Schrift nifl toi SXoo (a. 
A. 189. 19SB) Fragmente haben. 

163) L«. Dl tu, 1. Hnaseas ancb 10 f. 31. Snid. Zn*^v. AeL Plac. 
(^ Psendo-Plnt Plac I, 4, 1 nnd Stob. Gkt. I. p. 806 H. 186, IT W., wo 
die Handscbiiftm MuMaiov geben) p. 989, 1 Dielt. Farn. K, 8,4, dies iat 
also wohl der richtige Name. 

1G4) Wie Bohde Die Chronologie des Zeno von Kition, Rbein. Um. 
XXXJII. 1678. S. 622-626 nnd Qompers Zur Chronologie des Zeno nnd 
Eleanthes I., cbend. XXXIV. 1879. S. 164—166 nachgewiesen haben, a A. 183. 
184. Tgl. auch TOpffer Qnaeationes Pisiitiateae , Dorpat 1B86. 8. S. 142— 
146. Gegen G. F. Dnger Die Zeiten des Zenon von Kition nnd Antigonos 
Gonatas, Hflnchner Sitznngaber. 1887. 1. S. lOlff, , welcher die Geburt des 
Z. 348/^ und dessen Tod ib6/'& seist, s. Suiemihl Analectorum Aleian- 
drinoram cbronologicoram part. II., Qreifsvrald 1888. 4. 8. XXIII ff., und 
gegen Brinker Das Oebortejaht des Stoikers Zenon aus Cttiiim und dessen 
Briefwecbsel mit Antigonos Qonatas, Schwerin 1888. 4., welcher bei La. 
Dl 28 (e. A. 169) die Zahl 72 mit Clinton nnd Unger in 92 nnd die 
Zahl 68 in 48 andern will nnd so anf das Geburtsjahr 866 gelangt, siehe 
Snaemibl Das Geburt^jahF des Zenon von Kition, Jahrb. f. Phil. CXXXIX. 
1889. S. 746—761. 

166) La. Di. I. wölt^^a 'EHjjriKiv ^ivtttas ^no/xotic hitinöe- 

166) Denn er wird wiederholt (La. Di. 3. 16. 26, 30. II, 114. Said. 
Zrttmv. Ath. XIIl. B63e. Cic. Fin. IV, 80, 66) selber geradezu ein Phönikier 
genannt, nnd bei La. Di. 6 heisst es, dass auch die Eitier in Sidon ihn 
EU den Ihren z&hlten; jedenfalls stand also seine Vaterstadt ihrem phSniki- 
■eben Bettandtheile nach noch in fortdanemder Verbindung mit PhOnikien. 
Vgl. Stein a. a. 0. I. S. 3 ff. A. 3. 

157) ßagpa^ix^ aiunfotoyttt La. Di. 16 (nach Antig.). 



i.t^iooylc 



50 Zweites Capitel. PhiloROphie bis 2. Hälfte des 2. Jahrh. 

Vater Latte als Teisender Kaufmann ihm BokratiHche Schriften 
auB Athen mitgebracht, so dass er ohne Zweifel schon zu Hause *'^) 
namentlicb Xenophons Memorabilien las, welche einen grossen 
und bleibenden Eindruck auf ihn machten und auch hernach in 
seiner Schule ein Lieblingebuch wurden, und so ging er mit 
der Absicht eines gründlicheren Studiums der Philosophie nach 
Athen'"), 22 Jahre alt'**), also 314'"). Hier schloss er sich 
zuerst und auf längere Zeit ausnahmslos dem Eyuiker Krates 
an'^'), doch stiessen, wie es scheint, schon ziemlich früh die 
kjnischen Roheiten ihn ab "*), und auch die dürftige Lehre dieser 
Schule genügte auf die Dauer seinem wissenschafUichen Streben 
nicht*^). Und so wandte er sich denn in einem sehr natürlichen 

1 tiB) Und nicht erst^ wie die Sage bei La. Di. 3 berichtet, epftter in Athen. 

169) Mit Zeller IIP, 1. S. 28 f. A. 1 folge ich der einfachen nnd on- 
gesnchten Angabe des Demetr. t. Hagn. b. La. Di. 81 gegenOber den ver* 
schiedenartig ansgeschmflckten Legenden, ta denen ancb die Art gehOrt, 
wie Z. die Bekanntschaft des Erates gemacht haben aoll, bei La. Di. 2 — 6 
(d. i. ApoUonios). 31 f. und Audeni. 

160) Nach dem selbstveratSndlich allein glanbwfirdlgen Zengnisa «eines 
Schalen Pecsaeos in dessen "H^ixal atolui b. Diog, SB (s. A. 162. 169. 258. 
2B6), gegen welches die Bnndzaht SO (ebend. 2) nicht aufkommt. 

161) im Todeqahre des Xenokrates, während er nach limokiates 
(schwerlich dem Epikureer) im Dion diesen noch 10 Jahre lang gehOrt 
haben soll cdei ancb (nach weniger wahrscheinlicher Constmctioo) Stilpon 
und hernach diesen zatammen so lange Zeit, La. Di. 2. Oi^novat 8i, »a- 
0<int( nq<ttlv[taii [TI, lOS), Kfäxiixoi' tXxa tLul ZtClntaros ü*ovea£ ipattv 
ii4tiv Kttl Stvmftäzovt fii] Sin«, idg Tiftoxt^iifiiE iv x£ düavi, älli *al 
Tloti^tüvoQ. Die Worte löc — Mavt oder aoch sogar *al Sivo*(iKtovg — 
^Cavi stammen übrigMis schwerlich, wie Wilamowitz S. 111 glaubt, ans 
ApoUonios, s. A. 168 nnd Snsemihl Jahrb. t. Ph. CXXV. S. 743 t Vgl. 
auch Nnmeo. b. Enseb. P. E. XIV, 6, 11. 729 b. noliitmvot 9' iyitHfxo 
ynöftfioi UfKtaÜaos nal Zi]*g)« (vgl. 6, lt. TBlc) . . . Z^vtarti fite ow 
lilflw^Hai tlnmv SirOKifäxei, tha di ilol^fta)»! qiou^oai, av0ic 8i nagt 

162) S. darOber auch La. Di. 12 (nach Antig.). 163) La. Di. S. 
164) La. Di, 4. ttltvwiov di i»i«xTi (n&mlicb Ton Eiates) m^ n»' 

x90tiiit}f.irmv ^Kovotv int itnv tlvoaiv. Diese Worte h&ngen eng so- 
sammen mit denen am Anfang dieses £. 4 ¥<as ^i* ovv nröc ^»ovt tov 
Kgätfitos, von denen sie Diog. dnrch den aof letztere folgenden Binschnb 
ort X. T. l. nnd die Art, wie er an diesen das SchrütenverEeichnisB anreiht 
(s. A. 192. 194), abgerissen hat. Der Zusatz: ^tof Itmv tltioai* stammt viel- 
leicht wiedernm nicht aus ApoUonios, s. A. 168. 169. Andrerseits i^*^ 
schwer abiusehen, wie Deijenige, welcher ihn machte, sich mit den obigen 
hii SiTia (S, s. A. 161; fOr Xenokrates oder Stilpon und Xenokrates allein 
hätte befreunden kCnneu. 



iv.t^iOO^IC 



6. Stoiker. ZenoD von Eition. 51 

UebergaDge zunächst dem Stilpon zu^*^), hierauf dem Diodoros 
Kronos, mit dessen SchQler Philon er sich, wie schon gesagt, 
eifrig im Disputireo übte'**), und zuletzt dem Akademiker Pole- 
mon'*'). Nach dieser angeblich'*") zwanzigjährigen, in Wahr- 
heit vermuthlich kürzeren'*") Schülerzeit, also sp»te»tenB seit 
294 trat er endlich seibat als Lehrer auf in der Oroä jcoixUiq, 
von welcher die neue Schule, anfangs Zenoneer geheissen ""), 
später den Namen Stoiker erhielt. Und zwar ))flegte er, dem 
alles Menschengewühl zuwider war, sich am Liebsten in der 

165) Apollon. b. La. Di. S4, vgl. -i (b. A. 161) a. II, lU. Henklcii). 
Lemb. ebend. II, ISO. 

1C6) llippobotos b. La. Di. 25. (Antig. t. K.) obeiul. IG, b. oben A. 48. 
SiisemihI Jahrb. CXXXIX. ü. T&Of. Apollonios acheiiit ihn freilii:h nicht 
EU Zenona Lehrern gerechnet zu haben, s. A. 161. 164. Kei Suiil. werdon 
nur Ktatea und dann Polemon genannt. 

167) Hippob. a. a. 0. Vgl. Ä. 161. Cic. Fio. IV, 16, 4S. Acad. 1, 9, 34 f. 
Strab. XIIL 614. 

IG8) Wenn andere die A. 164 aufgezogene Stolle nicht sogar bedeutet, 
ei habe nach Erates auch noch zuaamiucn 20 Jahre Stilpon, Xenokrates 
und Potemon gebSrt. 

169) AbgeBeben von dem eben A. 168 Gesagten ist die Kundiabl SO 
«cbon alB lolche *erd&cht)g. Sodann setzt aie eich wenigstona in der Oom- 
pilation den Diog. in Beziehung zd der falachen Angabe, dasa Z, noch den 
Xeuokratoa gehOrt habe. Endlich wenn es bei Diog. 88 heiut: Öxt» yäe 
itfig Tofs iviv^Kovia ßtovs fii] »aziazftilitv Jivoaot >al vyiijs initcXiaat. 
ntffaaCog Si (piioiv h tat's ^^iKurc ajolalt ivö xul ip8o^it%orta ixmv »- 
Ifvx-^eai avt6v, il^etv il 'AO^vait Svo noi iCnoaiv Itmt. ö d' 'AnolXiiviös 
ftfaiv ätpTiyi^eaa9ai avtov fcij ivolr Hiona ffiiiiovto, h> kOnnen, wai 
tnerst Rohde Rhein. Mub. XXXIU. 1878. S. 178. A. 3 bemerkto, Wilamo- 
witE aber anBier Acht gelaaeen bat, nicht alle drei Zahlen, die erreichton 
30 Jahre bei der Ankunft in Athen (b. A. 160), die SO Lehr- und die 98 
Lebenneit anB derBolben Quelle (Apollonios) stammen, denn die 68 Jahre 
SohnlvorstandBchaft wflrden mit jenen beiden ereton Zahlen zusammen viel- 
mehr 108 Lebenigahre geben. Ihtsa Apollonios 98 annahm, ist wohl wahr- 
Bcheinlicb, aber welche von den beiden anderen Zahlen 30 und 20, ja ob 
eine von beiden ihm angehört, iat lehc nngewiBS. Wollte man aber auch 
ihm in S- S die Worte ij^i] x^itnmtvinit und vorher entweder not Siva- 
at^TOoe — jiiavi oder doch ttri — ^üori (s. A. 161) absprechen, dagegen 
in §. 4 Ims itäp efi(o«t* belawen, so macht doch die Unrichtigkeit eeiner 
anderen Zahlen anch die Richtigkeit von dieser bedenklich. Vgl. Sunemihl 
Zenon von Kition, Jahrb. f. PhUol. CXXV. 1882. 8. 7S7— 748 (mit der 
RepUb von Rohde ebend. 8. 8S1 f. nnd der Antwort von Suacmihl ebond. 
CXXTIL 1888. 3. 223 f.). Das Qebnrtijahr des Zenoo, ebend. CXXXIX. 1H8U. 
(B. A. 164) 8. T4«f. 

170) (Apollon. b.) La. Di. 6. iiu»ä »q« xai 'Eaitiavifoe (Fr. 198). 



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53 Zweites Capilel. Philosophie bis 2. Hälfte des 2. Jahrh. 

Weise des Aristoteles mit zwei oder drei Frennden auf und ab 
gehend zu unterhalten"'); selbstTerstÄDdlicli hielt er aber auch 
eigentliche Lehrvorträge. Bald nach 294, im Winter 29^ ward 
Demetrios Poliorketes König von Makedonien, und dieser so wie 
sein Sohn Äntigonos Oonatas brachten sodann wiederholt längere 
Zeit auch in Athen zu"*), und so wurde der letztere Zenons 
Schfller und Freand, was er auch bis zu dessen Tode blieb"'): 
so oft er nach Athen kam, hörte er dessen Vorträge"*), und es 
leidet keinen Zweifel , dass er gleich nach seiner Thronbesteigung 
276 denselben an seinen Hof ziehen wollte, Zenon aber es ab- 
lehnte und statt seiner, wie schon erzählt ward"*''), seinen 
LandsmauD und bisherigen Hausgenossen Persaeos und noch einen 
anderen seiner Schüler, den Thebaner Philonides, sandte^'^). Die 
Geschenke des Königs nahm er an, wusste aber dabei seine 
Wfirde zu wahreii^^°). Weislich enthielt er sich, stols darauf 
ein Kitier zu sein"'), aller Einmischungen in die politischen 
Händel, sei es im Interesse der Athener, sei es vollends gegen 
dasselbe, und als Demochares ihn um seine Verwendung beim 
König, offenbar zu Gunsten Athens, anging, brach er den Um- 
gang mit diesem Manne ab"^). Sein Wesen war ernst, etwas 
schweigsam, ja herb, doch zugleich gesellig; ein überaus schlag- 

171) (Anüg. V. K. b.) La. Di. 14. 172) Vgl, WiUmowite S. 202 ff. 

ITS) Äntig. T. E. b. Ath. XIII. 608 c. La. Di. IS. 16. Vgl. Aeliui. 
V. H. IX, 86. Weiteres bei Zellei S. 81. A. 4. 

174) (Apollon b.) La. Di. 6. 174'>) C. 1. S 3. 

176) (Apollon. b.) La. Di. 6. 9 {axinnlf Si nifua^ov Mal tilmvldrs" 
tiv &j]ßaiov, ar äiiipoTigmv 'Eniuovtiot nvT)novtvti aig avvövTiav 'Jvtifövip 
Iv lg sQÖt 'Afiazopovi.ot' töv äStXipöv Ixitttol^), feraer La. Di, SS a. datn 
uaten A. 363. Vgl. IV, 46 u. 0. V. Arat, S. p, 5S, löf, 4, p. SO, lOff. 
Westerm. Philod. Ind. St. Col. XIII. C. 10. k. 14. 19. Dass freilich der 
von Apollon. b. La, DL 6—9 mitgetheilte Briefwechisl iwischen dem KOnig 
und Z., welchen mit Becht bereit« Bracker Hiat. phil. I. 8. 897 onsweifelte, 
gelUlBcht ist, ergiebt sich schon daraus, da«s Z. sich hier SOjBhrig nennt 
(a, A. ISS). Anaaerdem s. bes. Unger S. llOff., von dessen Erfirterongen 
freilich Alles abgezogen weiden niuse, was mit seiner unrichtigen Be- 
lechnung von Z.'s Lebenszeit (e. A. 164) zasammenhängt 

176) Nach dem eignen Zeugnisa des KOnigs, (Antig, v. K. b.) La. Di, IS. 

177) Antig. V. E. b. La. Di. 12. Antipatroa v. Tars. b, Plnt. Sto. rep. 
i. 10B4a, B. A. 186. 88S. 

176) (Antig. T, E. b.) La. Di, 14, raiaarerBtanden bei DTOfaeu HeUeniam. 
111* 1. S. 280. A. 2 nnd Zeller S. SO. A. 3. Aelian. V. H. VII, 14. «ollä 
9i vqI Zijpuf vnif 'Afftfuaimv (nöXizivaaxo xfoe 'Ayxiyovo» verdient daher 
keinen QlauUn. 



6. Stoiker. Zenon von Kition. 53 

fertiger Sarkasmns stand ihm zu Gebote; ein grosser Menachen- 
kenner, war er gegen jüngere Leute nachsichtig'^^. Seine Lebens- 
weise wac überaus einfach nnd massig^, and so erhielt er, 
wie es heiset, seinen schwachen Körper &st immer gesund*^'); 
doch wird Ton einer längeren Krankheit erzählt "*). Terheirathet 
war er nicht. Er starb, 72 Jahre alt'«"), Ol. 129, 1 '") — 26^3 

179) ADtig. T. E. b. Ath. XIII. 607c. 60Sc. U. IM. 13. 

180) Fflr gewöhnlich bebalf er lich ohne Aafw&rter, noch seltner hielt 
er lieh atatt eines lolchen eine Aufwärterin , (Antig. t. £. b.) La. Di. 13, 
miMTentaDden bei Atb. XIII. 563c (oder verdreht?) and sogar noch bei 
Zeller 3. SO. A. 1 und Hirzet 8. 68. A. 1, ■. Wilamawits ß. 116. 
Sniemihl Jahrb. CXXT. 8. 741. A. SO. Daraiu ward da« Uarchen (Sen. 
Consol. ad Eelv. 19, 6], er sei ed arm gewesen, um lich einen SklAven n 
halten, umgekehrt flbertrieb lohon Antig. t. K. seinen Beichthnm (La. 
Di. 13). Weiterei b. Zeller 8. 28 f. A. 1. 8. SO. A. S. 

181) 8. die A. 169 angef. 8(eUe La. DL 38 (vgl. Said., wo es gleich- 
hlla heiurt: ntniariftipt löv ßlof ävoeoi hvI vyti); diattlinot) , Aber seine 
KOrpericbw&che aber das SelbitaengniM bei Fhilodem, Ind. 8t. Col. III, 
femer Timoth. Apoll. Pen. b. La. Di. 1 (vgl. A. 36ft). 

182) Diokl. b. La. Di. 162, vgl. Mdbod. b. Stob. Flor. XVII, 4S. 

188) Pen. b. La. Di. 38 (•. A. 160), noch Apollon. (?) ebend. nnd 
Pteado-Lnkian. Uacrob. 19, anch wohl Philod. nt^l imv tpiloaSipüM' (s, C. 33. 
A. 188) CoL IV, 4 f. ivtv .... ytjoföxa »<ii[to»(«' >(<!■>, freilich vielmehr 
9B, nach Said. Z^mv nnd aHus 90 (wenn andere nicht auch hier mit 
Kflster 98 honnrtellen ist), nach Philod. a. a. 0, Z. öff <£z«>c KlV^^" 
täf $ xal ü ItSv sogar beinahe tOl. 8. darQbeT A. 184. 

184) Nach der schon von Zompt 8. 76 fflr richtig erklärten Angabe 
des Hieronjmns cn Boseb. Cbros. n. p. 121 SchCne, von welcher die des 
armenischen üeberselsers freilich um 4 oder 6 Jahre (s. Unger a. a. 0. 
9. 106) nach rflckw&rta abweicht, die aber iniwiichen anderweitig best&tigt 
ist, a. A. 317, auch 800. 318. Vielleicht, aber eben auch nur vielleicht 
mit Recht vermnthet Rohde, anch Apollonios habe an kein anderes Sterbe- 
jahr gedacht, sondern sich nnr durch jene gef&lscbte Correspondenz (s. A. 176) 
Unicben lassen , habe diese schon gleich nach dem Tode des Poliorketes 
(S83), also 382 angesetzt und folglich, indem er den Z. damals für 80jUirig 
hielt, ihn 264/3 als 98jUirig beteichnen mflssen. Dagegen irrt jedenfalls 
derselbe Kohde mit der Aanahme, es habe dberhaapt keine De herlief ening 
von einem anderen and sp&teren Todesjahr gegeben; hiergegen ist ünger 
im Hecht. Dies erhellt nicht bloss daraus, daes von gewisser Seite her noch 
ChrysippoH (geboten nm 260) and sogar noch Eratosthenes (geboren zwischen 
S76 und 373) als SchQler des Z. mschtich bezeichnet vrnrden, La. Di. 179. 
8trab. L p. 16, s. A. 316. C. 16. A. 4. 10, sondern auch aas der ansdrSck- 
Kchen Angabe bei La Di. 6, welche flberdies den Peraaeos so jnng macht 
(s. A. 261): ^Hftirte (/Tiiiaoi'oe) Norä t^v t^itraoorqv xal lnazoexiiv ölufi- 
ntäda (o- S60— 266) ^St) yiQovtot fivToe ZqvMvoc Dieselbe kaim 
freilich wenigstens ihren letzten, anf Zenon betOgUchen Worten nach nicht 



|.;,*^tOO^[C 



54 Zwmtee Capitel. PhiloBopbie bis 2. BälAe dea 3. Jahrb. 

unter dem Archon Diognetos. Äntigonos Gonatas, welcher damals 
vor den Thoren Athens stand, erklärte, seinen besten Zuschauer 
auf der Weltbühne verloren zu haben und sprach dem gerade 
anwesenden athenischen Parlamentär Tbrason die Bitte an die 
Athener aus dem Verstorbenen die Ehre des öffentlichen Be- 
gräbnisses im Eerameikos zu gewähren^^), was sie denn wohl 
ohne Zweifel auch thaten***). Auch im Stil aber yerleugnete 
Zeuon den Halbphönikier nicht: seine Sprache war unrein, seine 
Schriften strotzten von unrichtiger Anwendung vorhandener und 



von Apollonioa herrQhreD, wenn anders dieser ihm BB Lebemgahie gab, 
dagegen hat der Oew&hremanu dea Fhilodemoa rnnthmasBlich (obgleich 
Rohde S. 624 imdera ottheilt) Mitte 256 ala Todeazeit im Binne gehabt, 
denn wenn er wiedernm nach jenem pseudo-ieuouiBchen Briefe den Z. 276 
aiuh SOjübrig dachte, stimmt sMt diese Weise die Rechnung, weiche den- 
selUen fast 101 Jahre erreichen laast. Ob aber dieser OenAhrsmann, wie 
Unger annimmt, Apollodoroa war, welchen Phitod. Col. XI (a. C. 32. A. 183) 
ausdrücklich fOr Z. anfQhrt (jAnolXöätafOf ö toif -[fövovf ävayifätpas), vgl. 
auch Col, UI, oder ob Apollodoroa die richtige Berechnung aufgestellt 
hatte, wie ich Jahrb. CXXV. S. 734. A. 36 nach Uohde und Wilamo- 
witz S. 110 gedacht habe, will ich nicht entscheiden, glanbe iodesaeu 
Erateres nicht; als unmittelbare Quelle wird von PhUod. eine Imatolf) mita 
<ioö> '^VTiqp(äti^o;]> bezeichnet; von dem Archon des Sterbejahrs nach dieser 
Berechnnng ist Dur die Endsilbe 3t]v flbrig. War es Arreneides 7 S. A. 186. — 
Die angebliche Todeiart des Zenon, Ariston und Kleanthea (La. Di. 88. 
164. 176) iat wahracheinlich von Diog. seibat eeiner Vorlage eingefQgt und 
achmeckt stark nach Hermippos, a, Wilamowits S. 103. Ich laaae daher 
alle diese Nachtichten auf aicb beruhen. Doch s. A. 219. 

185) (Anüg, V. K. b.) La. Di. 15. 

186) Beweisen läsat es sich ireilich Dicht, und dos ächte Decret hat 
t>ick in diesem Falle nicht erhalten. Denn, wie H. Drojaen Der attische 
Volkabeschlusa zu Ehren des Zenon, Herrn. XVI. 1881. S. 291—301 und 
Unger S. 111—119 gezeigt haben, das bei La. Di. 10—12 (offenbar aus 
Apollon.) aufbewahrte, angeblich unter dem uns sonst unbekanntfin Archon 
Arreneides erlassene Psephisma ist mit Unrecht nach dem Vorgange von 
La. Di. 28 und wohl auch (s. A. 184) von dem GewiLhrsmaun des Philod. 
von Gomperz, Wilamowitz S. 2S1 f. 261 f. 340fi. (welcher daher den 
Arreneides sbttt des von llöckh richtig angeuommeneu Diognetos als 
Archon für 26^3 setzen wollte, während Andere andere Auswege suchten), 
Tilpffer u. A. für die betreffende Urkunde gehalten. Dasselbe bezieht 
sich vielmehr grOsstentbeils, aber nicht ausschliesalich auf den lebenden 
Zenon. Es ist also im günstigsten Falle aas zwei lichten, verschiedener 
Zeit angcfaSrigen BeschlilBacn zasammengestitckt, wie Droysen annimmt, 
vielleicht aber und wahrscheinlicher eine Fälschung gerade so gut wie der 
unmittelbar vorauigehende Briefwechsel. Wcnigatena ist auf die von 
Droj-sen herangezogene Nachricht La. Di. 0. hiitetv . . . 'A&yi*aioi aifo- 



h;, t^lOOy IC 



5. ätoiker. Zeuon von Kition. 55 

sprachwidriger BilduDg neuer Wörter'^'). So schuf er die neae 
stoische Schalsprsche, und die sämmtlichea älteren Stoiker, 
meistens gleicb&lla Halbbarbaren, scheinen es mit Ausnahme 
des Eleanthes nicht besser gemacht zn haben. Sie alle schlössen 
sich äberdies an den kynischen Grundsatz an alle Dinge, auch 
die ananständigsten, unTerbOUt mit ihrem eigentlichen Namen 
zu nennen'^), was natflrlicfa, abgesehen von allem Änderen, auch 
zur Eleganz der Darstellung nicht beitrug. Das erhaltene Ver- 
zeicbnisB der Schriften Zenons '^) umfasst nur diejenigen Werke, 
Ufa täv ZTjfmTa ovtms, amtt Hai tmv Tfijcöv avtm rät nXlte xaga*ata9f(l&Bi 
xal 2(*"^ dxnpänm iifi^ifat xol jaltH^ titiöri keiD Vertasa, da mindeBteDs 
der *0D den TborBchiaiBeln handelnde Beatandtbeil derseiben, wie '/.eUer 
8. 30 f. A. 4 bemerkt, eine Fabel ist. Ebctuo wenig möchte ich iLuf (Irund 
der vagen Angabe von Antipatr. t. Tara. (n. A. 177. S32) glaaben, dua 
ihm das atheniacbe Bdrgerrecht geradezu angeboten worden sei. üeber 
eine Statue in Eition a. Plin. N. H. XXXIV. §. 92. 

187) Cic. Tn«c. V, II, 48. ignobilis verborutn opifex. Galeu. T. VILL 
p. 642 K. naivoiofitiv %«X imtg^aCvur tÖ räv 'Elt^vmv ?&os tv toi'c öröfunm. 
Eine SelbitTertheidignng gegen solche Vorwürfe ist aeino AeneBerang b. 
Diog. 18 (B. A. 189), Später sncbte ihn Chrjaippoi, ein nicht minder 
Btarker Sprachverfälscher (fl. A. 337 f.), in einer eignen Schrift itcQ\ lov 
xvfCae Kti^rjof^tti Z^vava totV 6v6fMat (La. Di. 128, e, A. 336) gegen die- 
xelben m rechtfertigen. Tbeilweiee biemit zneammen hängt ein anderer, 
in Wahrheit faOchat oberflächlicher Vorwurf, der den Mangele an Origi- 
naliUt, KT habe nar älteren Lehren ein neuei, phOnikiaches Gewand an- 
gezogen (La, Di. S6, häufig wiederholt von Cicero nach Antiochos von 
Aakalon, i. Zeller 8. 81. A. 1). 

188) Cic. Epiit IX, 22, 4 f. 

189) La. Di. 4, ohne Zweifel nach Apolloniog, E« iit, wie Wachs- 
math zeigte, sachlich geordnet; aef 6 ethische Schriften ntfi tov *axä 
(pimv fUbtr, xefl Office n Tttf/l äv^pünov ipvvtiai, itti)\ ]tv9iäv, ntfl loü 
xa&^xovTOC, «ifl »öfMiti, ntQl tfle 'S.XXtjvi*fit natdriat folgen 4 phjsiiche, 
nifX ö^tmt, ittfX xov olo«, niQl attßtimv (^^ Voixeicben), nv^ayagtxä nnd 
drei logische nnd ftetbetiacbe, Ka^olmä Mtgl li^iav (^ de singulii vtrbü, 
de verbontm dtitctn, denn liiis bedeutet bei den Stoikern „das Wort", 
e. Striller S. 6f. S2, der daher jene Aeusserung bei Diog. 18, b. A. 187, 
dieser Scbrift Eoenweieen geneigt ist), Uffoplniiaia 'OpTiginä, negl »oiriitn^s 
anfoävtait nebst einem Anhang Tixvjj nal Ivacie »al iXtyxoi /Ivo, .Inoftvi]- 
fiortvnattt Kfättitot mit dem Zusatz ^9mä , unter welchem aber ZeMer 
S. 82. A. 1, wenn ander!> man nicht mit Wellmann ij Xfiiai (a. A. 190) 
schreiben will, wobl richtiger eine eigne Schrift fnäml. xfoßi-^fiata) ver- 
steht, doch e. La. Di. lil, 34. la ^#ixä äjtofiviifiorcvfi.aTa =^ Xca, Mem. 
Dnter der Tiz'^ versteht Striller S. 4 feine Dialektik mit Berufung anf 
Stob. Flor. LXXXII, 5. Cic. Ein. IV, 4, 9. Im Debrigen vgl. die Combina- 
tionen von Stein 11. S. 808 ff. A. 689, and nach dem Vorstehenden ist 
Natorp Forschungen 8. 141. A. 1 zn berichtigen. 

D,j-,., iivXtOO^IC 



56 Zweit«B Capitet. PhiloBophie bis 3. Hallte des 2. Jahih. 

welche von der späteren Stoa als kanonisch anerkannt wurden'^. 
Am Meisten wissen wir von der HoXitsia, die zwar schwerlich 
ein eigentliches Jugendwerk '^'), aber doch vielleicht wirklich zu 
einer Zeit geschrieben war, als Zenon sich noch im Uebei^ange 
zum stoischen Standpunkte vom konischen befand""), (tber wel- 
chen letzteren freilich in dieser Hinsicht auch Chrysippos nicht 
hinausgekommen ist und also ohne Zweifel auch Zenon niemals. 
In ihr nahm er den ganzen kynischen Idealstaat, wie ihn Diogenes 
in seiner Schrift gleichen Titels entwickelt hatte, auf'^^). Es 

190] Anden treilicb noch Hirzel S. 40f. A. 2, b. aber SaBemihl 
Jahrb. CXXV. S. 739 f. Die Titel «tgi oveiag {La. Di. 134) und nipl qiv- 
cfiat (Stob, Ecl. pbjs. p. 178 U. 78, 13 f. W.) köimeu einerlei sein mit Ttifl 
lov olov, die XQeiat (La. Di. VI, 91) waren von den '^sofinjfiovtofuna 
nicht veracbieden. Anders aber utebt es mit jcffl löyov, wo Z. die Philo- 
sophie in Logik, Pbyaik, £tbik tbeilte (La. Di. 89. 40, b. A. 221, Tgl. auch 
C. 32. A. 199), der iQmtHtii Tfif?] (La. DL 34), den JiaTfftpai (La. Di. 34. 
Sex. rjrr. 111, 205. 245. Halb. XI, 190), den '£iii(riolii(, aus denen ein 
Bruchstück im Floril. des Maximus Btebt. Das Febten von ntijl loyov ini 
TcrzeichniBB iet anffallend und beruht wohl nnr auf VerHeben, judenfalls 
lUsst es Bich nicht bo erklären, wie SuBemihl a. a. 0. 746 glaubte. VgL 
auch A. 194''. 198». Ob bei Pbilod. 1. St. CoL VI. <k>ii1 nivia yÜQ ^v 
lis ^tÖ^ vfivov äfetc xctB^jtte^^fftr »u^O ' - ■ "•'«i S(t}iiyoa{av . . . und 
Col, VII. (^liuyqäiifuiyia (nach Comparettie mit Recht nur sehr zweifelnd 
auEge »pro ebener Ergänzung) xai aefil ofxrjatäv xal ItituftiSv (b. 0. 6. 
A. 11 fr., falsch Comparetti avladäv für dvaiaSav) tioIv ijiüa nal i«- 
Qiieiiga Tifjcoiiiiicva von Gedichten des Z. die Bede iBt, wie Comparetti 
und DieU Rhein. Mus. XXXI. 1876, S. 6 behaupten, scheint mir sehr 
fraglich. Vgl. C. 27. A. 27. 

191) Wie ein Tbeil der jüngeren StoihcT zu seiner Entschuldigung be' 
haaptete, Pbilod. de pbiloB. Col. XV, vgL La. Di. 6 und daeu SusemihI 
a. B. 0. S. 745. 

192) „Wohl Hcbon über den Hund gekommen war, aber noch nicht 
aber den Sebwanz", La. Di. ebend. (nach Diokles, b. Wilamowitz Epist. 
ad Maass. S. 166. A. ä): [i*'(c iliyov nai^ovcfg ixl t^t ^»^ xvcöc ovifäs 
avtriv ytjgaipivat. Es iBt indessen nicht einmal sicher, ob dioiier Scherz 
eine solche chronologische Bedeutung auch nur haben sollte. 

198) Mit Weiber- und GUtergu mein seh aft, gleicher Kleidung für beide 
GeBchlecbter, Aufhebung des Geldes, der Gau- und GeecblechtBverb&nde, 
ja der nationalen Grenzen, der Qatt4.'rtempel , Gerichtshöfe, Gymnasien, 
der ganzen enkyklopüdischeu Bildung und mit Empfehlung der Milnner- 
liebe (wenn auch nicht der gemein-Binnlicben), indem Eros als das zu- 
sammenhaltende Band dieses Staates beieicbnct watd, CasB. b. La. Di. 32 f 
TgL 31. Pbilod. de pbilos. Col. IX tf. (?). XIL Plut. Sto. rep. 6. 1034 b. de fort 
AI. 1 , 6. 329 A. B, Clem. Strom. V. 684 C. D. lulian. Or. VL 200a. Vgl. auch 
Aotip. (von Tars.) *aiä läv atgiatav bei Pbilod. a. a. 0. Col. VII, s. A. 377. 



ivXtOO^IC 



6. Stoikor. Zenon Ton Kilion. 57 

war daher den späteren eklektischen und milder denkenden 
Stoikern ein unangenehmes Bach, welches sie gern als unächt 
beseitigt hätten"*), wäre es nur nicht von Chrysippos als ein 
Werk Zenons bezeugt'^'') und offenbar'^") anch dem Inhalte 
nach im Wesentlichen gebilligt worden. Einen ähnlichen Cha- 
rakter tragen auch die ebendesshalb im Verzeichniss fehlenden 
^unfißai und 'EQomxr} xixvTj an sich'^*), aber daraus folgt so- 
nach nicfat'^^), dass auch sie einer früheren Periode angehört 
hätten. Die Denkwürdigkeiten des Krates, f&r welche die xeiio- 
phontischeu des Sokrates ohne Zweifel das Vorbild waren, sind 
vollends aelbstverstäudlich vor dem Tode des Krates schwerlich 



194) Philodem. de philoa. Col. VU[-XVI. La. Di. S4 (e. A. 194^ aai 
C' 38. A. 49). Gomperz in der A. 69 angef. Äbh. Dümmlcr Antütbcn, 
S. 64 ff. Wenn daher der Aaedruck bei La, Di. 4. yquipn Si n^öt t^ Tlo- 
1([(<^ Hvl tädt an lieh beide HCglichkeiten offen lllest, dase diese Schrift 
die erste in dem folgeudun Katalog und da»B sie gar nicht in deiuielben 
war, BO trifft doch in Wirklichkeit doa Letztere zu. 

IH*") La, Di, 34. öii ä' Kviov iait* i] [loUuia, xal Xfveiititiit l» tä 
%ifl xoXntias tpijisl. Es folgen dann die A. 190 angezogenen Angaben: 
xcfi Cf iQmzt*Ar Sniimat xaiä iqv üpj^v *<it iftiyfafOflivut 'EtiraciHqf 

t>*ä Jon nafä xm Katalm, äiXit Hol 'teidmfm ■. t. 1. (■. C, S8, A. 49). 

19ft) Wie schon aus oeioer mit Z. Qbereinstimmenden (s. Sex. a. a. 0.) 
Tertheidignng der Blntachande zwiachen Elteni and Kindern (Sex. Vjn. 
ni, S46) deutlich hervorgeht, b. aber anch La. Di, 131 (Weiteret bei 
Dammler a. a. 0. S. 5). Hiernach iat anch Susemihl a. a. 0. 8. 14t zu 
berichtigen. Auch Kleanthes aber mieabilligte, wie ea acbeint, dieae Schiilt 
de« Z. keioeawi'ga. Denn Phitod. de philoa. Col. XIU aagt von der nolt- 
Uta de« Eyuikers Diogeneat ^iinl Äl^f«v^<t> iv <r^ «epl ix<^i«tri^iyt 
(Ay^ jdioytrove (ao Usener bei DQmmler a. a. 0, S. 61, nicht Iv t^ 
K«pl af)|li]c Jioyevovs, nie QomperE in der A. 69 angef. Abh. S. '25S f, 
glaabte) «vT^ff fi>»ij<po»'>töit »al i««i<»(f> mkI <fiiK«dv> 5«t»<(i>o* 

(L i%&t«i*) t^noiyK^it^at. Die leisten ErgUnzungen Bind freilich, wie 
Gomperz seibat bemerkt, „keineiwegs vOlHg gesichert". CilaU ans eben 
dieser Schrift bei Chrjsippoa ffihrt Philod, ebendas, an, s, Qomperz 
a. a. 0. S. 264. 

196) S. die A. 190. 194» angefahrten Stellen ans den ^wxqi^viC, nach 
denen hier jede Art ron Befriedigung des ÜescblechtstriebeB für ebenso 
aittlicb gleichgültig erklärt ward wie jede andere. AehnlicheB stand in 
der naUziia, Fiat. Q»- ajmp. m, 6, 1. 663 E. F. PhUod. de philoa. Col. IX (?), 
Auch Eieantliea achrieb nfpl fpaiac, 'Efinti*ri xi%vTi and JiaiQtßai, e. 
A. SSO. 

iSe») Wie ich selbst fiäher (a. a. U. S. 740) glaubte. S. dagegen 
A. 192. 195. 



i.LtOO^IC 



58 Zweites Capitel. Philoaophie bis 2. HälRe des 2. Jafarh. 

geschrieben'^, und es war ja auch natürlich, daas Zenon diesem 
Maune, dessen Lehre doch immer die eigentliche Grundlage der 
seineu blieb, stets ein dankbares Andenken bewahrte. Jedenfalls 
geben auf Zenon im Wesentlichen bereits die eämmtlichen Grund- 
zQge des altstoischen Lehrsystems zurück'^). Schon er lehrte 
die periodische Weltverbrennung'""'), schon er liess, wie es 
scheint, den mit der allweisen Gottheit identischen Aether die 
Übrige, aus demselben entstandene Welt umgeben"^'), schon er 
war entschiedener Sensualist'^^'') und stellte bereits die orthodoxe 
stoische Lehre vom Kriterium auf '"^''), schon von ihm stammen die- 

197) Schwerlich mit Recht venonthet Zeller S. 82. A. i, nod wie ee 
Hcheint, auch Comp areiti S. 477, daia die ^wi^t^/ dieselbe Schrift geweeen 
seien, b. dagegen A. t06. 190. 196. Wohl aber itt jedenfalU mit den 'Jxo- 
fivijfioMÜfMtia (und nicht, wie Compaietti meint, mit den Juttftßai) das 
Werk Jiifil 10V rqe oixtias atif^^iaitoty ^yifioroc identisch, in welchem Z. 
Tiel auch aber sich selbit erzählte, Philod. Ind. St Col. III. 

198) S. hieraber beaondera Stein a. a. 0. 1. S. 61 — 65. 161 — 16S. 
iL S. 300-816. 

IM"-) S. A. lea. Stein I. S. 61. Ä. 86. 

198«) Fr. 12 b. Achill. Isag. in Atat. 5 p. 189o. Z^*«»' «tPiius avtiv 
(näml. tÖv oiSpiivot') mQiaato' ovgarös Imv aiO'tQot lö [ajafOf, ii ov Mal 
i» ip iatt itävta ifitparäs läsat kaam eine undeie Deutang la, auch wenn 
man nicht, was mir nöthig scheint, einen Irrthom des Bericht eratatterB an- 
nehmen will, derart, dass Z. vielmehr gesagt hat: al9^<f lau oifavov zo 
ia%aiov *. x. X. Ausserdem s. Stein I. S. &g. A. 80, der sich nur nicht auf 
Fr. 1* hätte berafen sollen. Wie Z. es hiernach, was man nach den Be- 
richten (s. Stein I. S. 63. A. 88) glauben müesle, aagefangen haben sollte 
in einem Doalismns iwischea Gott und Materie stecken zu bleiben, ist mit 
auch nach den Erörterungen von Stein Unverstand linh geblieben; ich ver- 
mnthe auch hier einen Irrthnm: der Pantheismus des Z. mag in so fern 
noch ein mehr gemässigter gewesen sein, als er vielleicht in der fibrigen 
Welt nicht Gott selbst als solchen, soudem nur seinen Wirknngen oder 
mit anderen Worten Einströmungen nach gegenwiirtig sein liess. Desihalb 
kann er immer noch, wie Sei. Math. iX, 107 berichtet, das Wcitganze als 
ein t?o*> beieichnet haben, s. Stein I. S. 69 f. A. 82. 

198'') S. hierüber die richtigen Bemerkungen v. Arnims Deutsche 
L. Z. 1888. Sp. 638 gegen Stein U, S. SlO ff. 

198*) üass bereits Z. den Begriff der ipttnailv nataXifKti*^ als Kriterien 
der Wahrheit ausbildete, hat Stein U. S. 170 f. A. 311 einleacbtend nach- 
gewiesen, in seiner Auf&ssnng dieses Begriffs II. S. 167 ff. aber auch wohl 
noch nicht das Richtige getroffen. Dies scheint vielmehr erst Luthe 8. 6 ff. 
mit seiner neuen Erklärung gelungen lu sein, nach welcher tfatxaaltt lutza- 
Itjxiixr' „die das Begreifen (xcEiieltjVi;) erzeugende oder sum Erzeugoi des- 
selben geeignete Vorstellung" bezeichnet. Luthe giebt den Gegt^nsatz iwi- 
ichen xfctatqv'e und imiFrqfti] bei den Stoikern nicht gut dnrch „Erkennt- 



|.;,*^TOOy[C 



b. Stoiker. Eleanthes. &9 

jenigen Bestandtbeile tler stoischen Ethik, welche deren gruud- 
wesentlichen Unterschied von der kynischen ausuiacfaen'^^'), schon 
er hat in der allegorischen Auslegung der Götterlebre den Seinen 
das Vorbild gegeben "^b). Allerdings aber war das Gebäude 
dnrch ihn noch nicht allseitig genug gefestigt, so dass zwei 
seiner Schfiler io verschiedener Weise von dem ächten tieist 
seiner Lehre abwichen und Eleanthes allein sie in demselben 
weiter aus- und fortbildete. 

Kleanthea'^*'), Sohn des Pbainias, von Assoa iuTroas ward 
unter dem Archon Aristopbanes, d. h. Ol. 1 12, 2 = 331/0 geboren'*'). 

nUs" und „Wisaen" wieder; mir acheint „Begreifen" Docb eher puseud, 
obwohl auch nicht «oll entsprechend, eigentlich ist Naiulijif'ic nur das 
geistige „Ergreifen" oder „Erfassen". Wenn aber bei La Di. 51, nachdem 
von den Eriterieulehren des Boethoa (s. C. S8. A. i) and des Chrjsippos 
(in rä ninätip ttifl löyoo, s. A. 380) die Rede gewesen ist, naumebi fort- 
gefahren wird: älXai 9i xiVH riüi' cc^ioiOTffar Sttoviäv zor 6q96> li(yc»> 
■piiij^iov ajialsiitovaiv , as It Iloaeidtäyios Xiyti, so ist damit keineswegs, 
wie Hirzel S.3ff, glsabt (»gl. auch Stein U. S. 260 ff. Sosemihl a. a. 0. 
S. TG4), Z. selbst gemeint, denn e» bedentet das nicht, das« diese tttris den 
äf9ie löyoE als Kriterien neben die tfanaeia KamliptTm^ , sondern ilass 
sie ihn au deren Stelle seteten. Wie sie dazu kamen, hat Luthe S. 16—19 
einleachtend dargethan. Dennoch ist es nach Analogie mit Chrjsippos 
ziemlich wahrscheinlich, dasa Z. anch seine Erkenntnissielire in der Schrift 
Titgl Xiyw (s. A. 190) behiuidelt hatte. 

lOSO Anfänglich macht« er gleich den Kjnikem unter allen zwischen 
Tagend und Untngend in der Mitte liegenden Dingen keinen Unterschied, 
dann aber nahm bereits er (wohl in der Schrift itigl toi xit#iiMM^o{) die 
Sonderong in wünschenswerthe («poijyfii*«), mittlere ißiaa) und »erwerf- 
licbe {ina^foijyiiiva) vor, Cic. Flu. IV. §. 64 ff. 

iSgs) Die allegorische Erklärong des Homeros entwickelte er ohne 
Zweifel in den homerischen Problemen, welche sich auch anf den Hargitee er- 
streckten (Dion. Chrys. LUX. p. 276 lt.), die der besiodi«chen Theogonie aber 
und alles sonst bei Cic. N. D. 1, 14, 36 Angeführte stand wohl in xifl toö 
olov, s. Kriscbe Forschungen S. 366 S. 

199) La.Di.l6Sff. Hohnike Kleanthes der Stoiker, Greifewald 1848. 8. 
Wachsmnth s. A. löi. Krieche Forschungen (Gett. 1840). S. 415— 436. 
Meineke Bioiges zur Geschichte des Stoikers Kleanthes, I'hilologus 1. Iglu. 
S. 372—374 (s. gegen ihn A, 132). Goniperi, s. A. 69. 196. Hirsol 
S. 84-182. Stein I. a 65—74. 162—172. 11. S. 316-832. 

200) Philod. Ind. Sto. Col, XXVIII f. <^ytjovivm ÄU>«»'#ii* ix' öpxo»- 
<tot> Ufunoifüpoot. Da wir wissen, dass Aristophaues 331,0 Aichon war, 
so kann an der Bichtigkeit dieser Ergänsang Comparettis kaum ein 
Zweifel sein. S. Susemibl Anal. Alex. 11. S. XXV gegen Unger S. 104 »'., 
welcher einen sp&teren gleichnamigen Archon postolirt ond Tieimehr <^Zq- 
vawot iiäio%ov ycyovifKi KW^t%iiv x. x. l. herstellen will. — Vorher 



i;A..oügle 



60 Zweites Capitel. PbiloBOpbie bis 8. HBlIle des 3. Jabrh. 

Er war tod niederer Herknoft , zuerst , wie es heisst *"*"), 
Faustkämpfer und kam, wenn anders er wirklich **"'<'] 19 Jahre 
lang der Schule des ZenoD angehörte, erst 282, bereits 48 Jahre 
alt, nach Athen, und zwar, wie ferner erzählt wird, mit nur 
4 Drachmen, so daas er sich durch mühselige nächtliche Tage- 
löhnerarbeit '"') erhalten musste, um nur bei Tage mit Zenon 
Philosophie treiben zu können. Mit Antigonos Gonatas natür- 
licherweiae bekannt^*"), wandte er sich doch als Leiter der Schale 
von ihm ab und trat vielmehr, wie schon gesagt***), zn Ptole- 
maeos Philadelphos oder Euergetes in Beziehung, welchem er 
den Spbaeros zusandte**'^*'), worauf denn später die Stoa allmäh- 
lich jene Schwenkung zur Oligarchie machte, durch welche sie 
im zweiten Jahrhundert die herrschende politische Lehre und 
hernach unter dem Kaiserreich die Seele der republikanischen 
Opposition wurde. Im Uebrigen war Eleanthes, wie er selbst 
eingestand und schmerzlich empfand^, ein langsamer und etwas 
schwerfäUiger Geist, mit feinem kritischen Scharfsinn weniger 
begabt, aber andrerseits eine tief angelegte, sinnige nnd „an- 
schauende"^*^), dabei jedoch etwas handfeste und auf das sinn- 
lich Greifbare gerichtete, zugleich endlich auch poetisch begabte 
Natur, und bei all seiner glühenden Verehrung fflr Zenon^ 



Col. X ist unter den Schülern des Z. aafgezKhlt XXiäv^^&ijt ^'^aiviov 'Aaviot 
6 xnl Tq* ojol^v aagalaßiäv. 

200'') AxtUtb. b. La. Di. 168. S. jedoch A. 314. 

200") La. Di. lU, 8. Ä. 218. 

201) Als WaBserträgei und Meblatampfer, wotoq er mit Anspielnng 
auf seinem ähnlich kliogenden Momen ^Qiävrltis, aber aach der zweite He- 
raklea genannt ward (olfioc bei Timon). 8. La. Di 16S ff. Said. KUJv^tjt. 
Flut, de Tit. aec. al. T. B30 C. Sen. Ep. 44, 3. Val. Hax. VUI, 7, ext. 11. 
Nach Suid. freilich hätte er zuvor noch den Kratea gehOrt, aber die Ver- 
wechselung wird klar durch seine Binuloee Bezeichnung als Lehrer des 
Küoigs Antigonos. 

202) Plut. a. a. 0. Beine Fabelei ist es, dass er ron diesem 3000 Minen 
bekommen habe, La. Di. 16B. 

208) C. 1. S. 8. 803") 8. unten A. 297. 

204) La. Di. 170 f. vgl. S7. Said. dUios. Plnt. de rect. tat. and. 18. 47 E. 
Timon nennt ihn fimiliinje. 

30&) Nur in HO weit kann ich mit Stein der Cbarakteristik Hirieta 
folgen, der im Uebiigen gerade den E. am Meisten Teneichnet hat, wie 
Stein nachweist. 

S06) Ein Zengniss fOr diese ist auch die EnUdnng bei Cic. Tnsc. II, 
20, SO, er habe beim Abfall dea Dionysios auf Zenon einen Vers der Epi- 



Iv.t^TOO^IC 



b. Stoiker. Kleanthes. 61 

ging er doch in der gensaereu AusgestaHuDg von dessen Lehre 
mit manchen Abweichungen im Sinzelnen zn Werke, also in 
einer durchaus selbständigen, dabei wohl darchdacbteo, aber 
Freilich auch etwas phantastischen Weise. Dass ein Mann dieser 
Art aus einer längst bellenisirten Gegend mit jener seiner 
poetischen Ader, die sich auch in des Gleichnissreden seiner 
Prosa nicht verleugnete*^^), als Stilist, wie bemerkt, alle an- 
dern älteren Stoiker weit fibertraf***'}, ist eben so begreiflich 
wie andrerseits, dass ihm allem Anscheine nach die Redefertigkeit 
von manchen seiner Mitschüler abging und er weniger GIfick 
als Lehrer machte*"*), vielmehr die Schule unter seiner Leitung 
bedeutend abnahm. Ausser Dionysios fielen damals auch He- 
rillos"**) und Ariston von derselben ab*'") und grfindeten eigene 
Schulen*"), und Ariston hatte mehr Zulauf als Kleanthes"*). 
Dennoch scheinen beide auf gutem Fusse mit einander geblieben 
zu sein*'*), und wenigstens in einem nicht unwesentlichen 
Paukte"*) trat auch Kleanthes der kjnischen Anschauungsweise 
näher als Zenon. Auch mit Arkesilaos, der ihn sehr hoch achtet«, 
war er trotz der Verschiedenheit ihrer beiderseitigen Richtung 

gonen augenaudt, nin letzteren ala eioen Amphiaraua eu beMichnen, weil 
er mit prophetischem Blick schon immer dem Üionraioa niobt getränt habe. 

S08i>) 8. Hiiiel S. 181. A. 1. 

SOI) La. Di. 174. ß^ßUu Millwta. 

SOS) Daher nannte denn auch Eratoithenei nnter den in eeiner Zeit in 
Athen blflbendeu PbiloBophen den E. nioht, waa ihm Strab. 1. 16 tnm Vor- 
wurf macht, B. C. 16. A. 10. 

809) Oegen den er eine Streitschrift verfuste, s. A. 820. 

810) Dieee drei anerkanntermasaen Abtrünnigen werden bei Lb. Di. 
190— )6T mit der Kinleitnng a Si xiutt J| avtär dtrtv4%9i}«m , tm tädi 
Qod dem Schlasi nal ovtoi piv ol diJiwtj^fvris als eine beaandece Orappe 
nuammengefaait. Uebrigens bildet« die Stoa nie nnd namentlich damals 
Dicht eine so geschlosnene EOrperachaft wie die Akademie, der Peripatos 
mid die epikureische Oartengemeinde. In der sweiten HAIfte dea Eweiten 
Jahrtiondert« gab ei in Atbea eigene Tiicbgenossenichaften der Diogeniasten, 
Aotipatiisten nnd PanUiuten, Ath. y. 18« a. 

211) S. A. 841. 262. 

812) La. Di. 188. Plnt philoe. c. princ. 1. 716 C. Seibit ChrjRippos 
hOrt« aach bei jenem (La. Di. a. a. 0.). 

813) La. Di. 171. Themisi Ot. XXI. 266 b. Dafür spricht wohl anch 
der Umstand, dass Ariston Briefe an K. Teröffenttichte, s. A. 848. 

814) Indem er allein ron allen ächten Stoikern die Lust fflr av vaxi 
ipitiv erklärte. Sex. Math. XI, 78. Der künstliche WegdentangsTarsach 
HirzeU S. 89 ff. tl>aReagt mich nicht 

D,j-,_, ii.LtOO^IC 



62 Zweites Capitel. Philosophie bis 3. Hälfte dee 8. Jahrh. 

befreandet"^). Dazu hatte er auf der anderen Seite an Chrysippoa 
einen bedeutenden Schüler, welcher den Meister pietätevoll zu 
schätzen wusste*'"), so verschieden er auch von diesem geartet 
imd so frühzeitig er auch Ober manche Punkte anderer Meinung 
war. Kleanthea starb, nachdem er 32 Jahre lang der Schule 
voi^estanden hatte*"), 99 Jahre alt*"}, also Ol. 137, 1 = 232/1, 
unter dem Ärchon lason*'*). Seine ziemlich zahlreichen Schrif- 
ten*"') waren allerdings vorwiegend ethischeo, aber zu nicht ge- 

S1&) La. Di. iTl. Pbilod. lod. 8to. Col. XXII Tgl. m. La^ Di. 173. Ar- 
kesilaoB soll dem Baton, weil dieser in einer KomSdie einen Vers (^ Fr. B 
Kock) gegen E. richtete, den Besuch seiner Schule verboteo haben, Flut, 
de adul. et am. 11. 55 C, vgl. Krieche S. 417. C. 8. Ä. 10. 112. 

216) La. Di. 176. 182. Cic. Äcad. 11, 41, 126. 

217) Philod. Ind. Sto. Col. XXIX unmittelbar nach den A. 200 angef. 
Worten: «al 117» ajoli^v iitt<xo:ior^O];fr> in' ftij <i^eiaK^o»>ra Mal dvo. 
Daea Philod. diese Zahl (und nicht 3g, wie Comparetti meinte) giebt, hat 
Oompere (b. A. 154) ermittelt. Wenn E. 831/0 geboren und 99 Jahre alt 
ward, begann seine Schulleitung sonach 8G4/3, so dass hiedurch die Angabe 
des HieronjmuB über Zenons Todeszeit (A. 1S4) bestätigt wird. 

218} Pseudo-Lukian. Maccob. 19. Val. Max. VIll, 7, ext 11. — Auch 
La. Di. 176 hätte, was auf dasselbe binanslaufen würde, 98 Jahre angegeben, 
wenn hier nach Anleitang der besseren üaudscbrlftenclasBe BP (s. Usener 
bei SusemihI Jahrb. f. Ph. CXXV. 1888. S. 788 und Diels bei Susemibl 
ebendfta. CXXXIK. 1889. S. 749) eu lesen wire; ttJitvriiaat xavta Z^rmvi, 
naOä tpaai tices, Itti ßiciearta (s. A. 188} xol ätiavaavta ht] 6-' xot 1'. 
Aber s. dagegen Brinker Oeburtajahr des Stoikers Zenon S, 4 nnd Suse- 
mihI Jahrb. CXXXIX. S, 749. Man muBs vielmehr im AnschlDse an F 
schreiben: tiltvtijaai (juvxä Z^vav oder auch Ziivori, Kotä qp««/ iirtc), 
«' JT)] ßuiaavta h. 1. 1. und dabei die Parenthese ttdia — tivec Dicht mit 
dem Folgenden, sondern mit dem Yorhergehenden verbinden (vgl. §. 81, 
wo es von Zenons Todeaart heisst; <fi 3i, fifvio* äeixot). Wie diese tweite 
and falsche Angabe von nnr 80 erreichten Lebensjahren entstand, darSbet 
stellt Rohde Bfaeiit Hus. XXXIII. S. 682. A. 1 folgende Verrnntfaung auf: 
„vielleicht hat Diogenes, eilfertig seine Quelle eicerpirend, die 19 Lehrjahre 
von dengesammten B9Jabren in wunderlichem Uissverst&ndniss abgesogen." 
Jeden&Us ist die Bemerkung von SusemihI Jahrb. CXXV. 8. 739 über 
diesen Gegenstand selbst ein wunderliches HissverstAndniss. 

819) PhUod. a. a. 0. Col. XXTIII. Dies war also der sonat nicht feat- 
iQstetlende Archen eben dieses Jahres. — Ueber die angebliche Todesart 
des. K., freiwillige Aoshungerung nach einer MondentiüDdoDg (La. Di. Ps.- 
Lttkian. a. a. 0. 0., vgl. Stob. Flor. VU, 64), s. A. 184. Indessen berichtet 
hier ancb Philod. Col. XSVl f. Aehnliches, nur an«fübtlicber. Später Hess 
der rSmisohe Senat ihm eine Biidsftole in Asaos errichten, wekhe noch 
SimpUkios (in Epict. enob. 0. MI. 389l*) sah. 

820) In dem Verzeichnis^ bei La. Dr. 174 f. gehen, wie Wachsrnnth 



i.t^iooylc 



G. Stoiker. Kleanthea. 63 

riiig«m Theil auch logischen, rhetorischen, theologischen und 
physischen Inhalte. Er behandelte, wie man ans den Titeln sieht, 
die Li^ik und Dialektik weit eingehender als sein Lehrer*"), 
ebenso die Grammatik nnd schrieb zuerst, wie es scheint, unter 
den Stoikern eine Rhetorik""'). Ein ausgepr^ter Pantheist"*), 
verlegte er mit einer entschiedenen Vei^öherung des Materialis- 
mus^^) den Ursitz der Gottheit (Zeus), worin ihm kein anderer 



dargelegt hat, H phyalache vorauf, ant«r ihoen »9I tqe tov Zi)vwpot 
tpvaioXoyias (S B.}, tm» 'HfoxXfhov i%i\yTiafit (4 B.), «föc JijftÖKpitoy, k^ö« 
'Aflazuffltm (a. A. S!8>, k^Öe "HQiUor (b. A. 209), tttgl fttüv (nebtt %tfl 
qiorrit die Urquelle dea Berichta Cic. N. D. I, H, 37 f.), »ipl yiyavinv, 
«(fl Tov jtoiTitoi. Kein Anderer ist also, wie Hohnike 8. TT aab, der 
Analeger das Herakleitos K. ö IJovrixöe (La. Di. IS, 16, wo Cobet doch 
wobl mit Recht o Fl. atreichtj i IlnaStis hat seltsamerweise Clem. Protr. 
4T Ä, wofOr Heineke ö TffioaStvs Termnthet). Dann folgen SO ethische 
and politäsohe, nater denen netfl tov «afriiNariDc, ttti^ f^aros tind 'Eniatmii 
i^l»il (■. A. 106), Üoliziitöe, Kfpl tov löyov (3 B.), vtfl ßiKiiXfüct, *spl 
*vfnio<iiov, ittfl xdtiär, Jiatpißai {8 B., h. A. 196) hier genannt werden 
mOgen, dazu /IpoipexTiHds mid «tpl riiorrjs, aus denen allein wir siehere 
Brachstücke haben, endlich ncgl {xi<iitjiii]s (wie wahrBcheinlich ricbUg auch 
bei PhUod. de phiLos. Col. XIII Ton Ueener bei DOmmler a a. 0. S. 67 
ergänzt wird, womit die Vermathang von Gomperi, s. A. 195, f&Ut). Den 
ScUaas bilden & logisch- grammatische xcpl liiav, mfX i«* üxö^*, ntnl 
tuilt*ri*fiSt *(?i t^iitnT, Rspl Kanffo^ftätam. Dasu kommen aber noch 
>f(l ti.txalr[ptios (Ath. XI. 467 d. 471 e), natiX coö kd^isvovidc (Arriao, 
Epict. U, 9,. 19. ■- o. S. lö mit A. 30), eine Rhetorik (Cic. Fin. IV, S, 7), 
nelleicht 'Txofivqfuifii ifvainä (Plut. Sto. rep. 8. 1031 F) und xtpl lalnoü, 
WMU die Lesart bei La. Di. 14 richtig ist. Bei den iMofrixa (Ath. XliL 57S e. 
Porphjr. V. P. §. 1) Termuthet Möller P. H, G. HL 8. 6. 9. U eine Ver- 
wechselang mit Neanthes. 

231} S.'indesaen Stein II. S. 819. Ein Streben nach genanerer Detail- 
aDtnhmng zeigt sich auch darin, dasa er die von Zenon (s. A. 190) an- 
erkannten drei Tbeile der Philosophie durch Zweitbeilung eines jeden aaf 
sechs löyoi vemiehrte, den dialektischen, rhetoriachen, ethischen, politischen, 
physischen und theologischen, La. Di. 41, s. Stein 1. 8. 66 f. Doch vgl. 
A. 360. 

Mlb) Cic. Fin. IV, 3, 7. Qnintil. U, 15. 86. Vgl. Stein II. S. 818. 
Striller S. 7 f. Doss die BQcher ntpl tqinmv und itei/i fuial^s»; nicht 
rhetorischer Art waren, zeigt gegen Zeller UF, 1. S. 68. A. 1. Striller 
S. 10. Die Behauptung von Plat. Sto. rep. 3, lOSS K nollä ät Kltät»st 
. . . ytjfccutiltm Tvyjtfs'et m^l noltttüie «vi . . . ddtiifsadai hbI ^>)«opioiir 
berieht eich abgesehen von der Politik wohl nur auf daa rhetorische 
Lehrbuch. 

222) Trotz Hirzels entgegengesetzter Behauptung. Vgl Stein I. S. 67f. 

223) 3. Stein I. S. 68 ff. 



Iv.t^TOO^lC 



64 Zweites Capitel. Philosophie bis 2. Hälfte de« 3. Jahvh. 

Stoiker folgte, abweichend von Zenon in die Sonne*"), und dem 
Peuer**^) so wie den Gestirnen"*) schrieb er, hierin nicht minder 
allein stehend, eine kegelfnrmjge Gestalt zu. Im Uebrigen aber 
machte er sich vielfach um die feinere Ausbildung der stoischen 
Lehre verdient""'"). Eine nicht geringe religiöse Beschränktheit 
I aber legte er an den Tag, indem er den grossen Ästronomen 
/ Aristarchos von Samos wegen dessen Hypothese vom Umlauf 
( der Erde nebst den Planeten um die Sonne**') vor allen Hellenen 
der Gottlosigkeit anklagte, weil derselbe die Hestia des Weltalls 
von ihrer Stelle verrücken wolle"^). Die poetische Darstellung be- 
zeichnete er als die der Erhabenheit des Göttlichen entsprechend- 
ste'^^), und so haben wir denn von ihm auch ein paar poetische 
Bruchntdcke und den Hymnos auf Zeus*"'), vermuthlicfa Zugabe 
zu einer Prosaschrift (etwa ae^l &täv), um den Hauptinhalt der 
letzteren den GemUthern noch eindringlicher zu machen. 

Ariston von Chios"'), Sohn des Mütiades*^), erhielt neben 

824) Die er daher aoch dao ioidoiios der Welt nannte, Epiphau. Exp. 
fid. 1060 C. Alle abrigen Belege y Fr. pbjs. 5. fi Wocham. 

22b) Aet. p. 312, 3S f. Diele. 

226) Aet. p. S44, 8 Diels. Achill. Isag. ISSb. — Eine noch viel eia- 
Hchneidendere Abweichung von Zenon und ollen anderen Stoikera wQrde ea 
sein, wenn Stein 11. 8. 325 f. darin Recht hat, daaa K. die Äactorit&t der 
Koivorl Ivroiai verworren habe. — Ueber seine Ansieht vom Ocean and die 
Entstehung von Ebbe nnd Flut h. A. S94 und C. 26. A. 21. 

226") S, darflber Stein a. a. 0, 0, 337) S. C. 23. A._69. 70. 

228) Plnt. de Eac. lun. 6. 923 A. Vgl. das Schririenveneichniss A. 220. 
Man hätte denken sollen, diese H3-potheBe hätte gerade dem K. bei dessen 
eigner Lehre von der Sonne sehr zusagen niOssen. 

229) Pbilod. de mna. Üol. XXVIII, vgl. Sen. Ep. 108, 10. 

2S0) In einem Cod. des Stobaeos gefunden and zoerst herausgegeben 
von Fulvio Orsini (Urainiis) hinter Carmina novem illostriam feminarnm, 
Antwerpen 1&68, abgedr. b. H. Stephauns noit}«ti qiUoooqpoc, Paris 1673 
nnd Cudworth Intellectuat Systeme, Lond. 16TS. S (Int. v. Moabeim, 
Jena 1783), bearbeitet v. Brunck LecUones n. Emendationes zu seinen 
Analecla veterum poetarnm Gr., Stmssb. 1776 (1785) n. Onomici .poetae 
Oraeci, StraMb. 1784. Dann Sturz, Leipz. 1785 (2. A. v. Uerzdorf, 
Leipz. 1835), Heeren Stob. Ecl. 1792, Mohnike, Schwabe, Jena 1819, 
Cb. Petersen, Kiel I82fi. Eoraes l8Se (s. A, 66). Dazu Ch. Petersen 
Cleanthis 3toici hjmnuB in lovem auctori suo viodicatas ad einsque doctri- 
nam enarratot, Hamb. 1839. 4. (mit deutscher Debets.). 

281) La. Di, 160-164- Vgl. PhÜod. I. St. Col. XXXUI tf. Krieche 
Forschungen S. 406-416. Hirzel S. 44 f. Saal De Aristonis Chii vita, 
scriptis et doctrina, EOln 1862. 4. 

23-2) La. DI. 37. Philod. I. St. Cot. X. 



i.t^iooylc 



6. Stoiker. Anston von Cbioa. 65 

dem Beinamen des Kahlkopfs (g>älav&oe) wegen seinet popu- 
lären Beredsamkeit^**) auch den der Seirene, ward aber schon 
Ton seinem Lehrer*^} Zeuon als ein Schwätzer bezeichnet*'^) 
und soll bereits während dessen längerer Krankheit vorüber- 
gehend ganz von der Stoa abgefallen sein und sich dem Pole- 
mon zugewendet baben**^, an welchen ihn in der That dessen 
Geringscbätznng der Dialektik möglicherweise eine Zeit lang 
fesseln konnte*'^, so wenig ihn im Uebrigen seine Oeistesrichtung 
ZD platonischen Anschauungen hinzog. Denn er ging so gut wie 
ganz aaf die kjnische Ijchre zurBck, indem er die mehr theo* 
retischen Disciplineu nnd die specJelle Moral dergestalt beseitigte, 
dass er letztere und die Logik mindestens für flberfiQssig erklärte, 
die Naturphilosophie aber fOr die menschlichen Kräfte über- 
steigend*''), und indem er femer jeden Werthunterschied unter 
den zwischen Gut und Uebel, Tugend und Dntugend in der Mitte 
liegenden Dingen (idiäipoQa) leugnete'**). Daher trat er denn, 
wenn auch wohl erst nach Zenons Tode, im Kynosarges als 
Lehrer auf**")» sonderte sich damit zngleich ausdrücklich von der 
eigentlichen Stoa endgftltig ab, um eine eigene Secte der Ari- 
stoneer^") zu stiften, und gewann in der That zahlreiche 
Schüler*"). Zu seinen ZnhSrem, aber nicht Anhängern gehörten 



883) La. Di. 161. KEtBrtxÖE nal ojlm sExoitjfifvog. Tgl. Aeliui. V, H, 
m, 83. 

284) PhUod. I. St. Coi. X. La. Di. 18. 87. 160. CLo. N. D, I, U, S7. 
AcBd. II, 42, ISO. Sen. Ep. 94. 8. 

ä36> La. Di. 18 (nach Antig. v. Ku.). 

886) Diobl. b. La. Di. 162. 

287) Wie Zailer S. 3C>. A. l bemerkt. 

288) La. Di. 160. 161. Stob. Flor. LXXX, 7. LXXXII, 7. 11. 16. 16. Cic. 
a. a. O. (vgl. dam Kriache S. 40«. 414). Acod. II, 80, 12S. Sen. Ep. 89, 
13. 91, 1 ff. 6—17. Sei. Math. TU, 13. 

289) Cic. Leg. I, 21, 66. 18, 38. Fin. IV, 17, 47 n. ö. Vgl. A. 198'. 
Hirsel 8. 4b. Anm. vennutbet, daai er die itoische Bezeichnung &Siäipofa 
fOr diese Dinge ausbracht habe. Dasn et statt äxä9eut den Anadrnck 
adiatpofia gebrancbte, sagt Cic, Acad. II, 42, 130. 

240) La. Di. 161. 

241) 'Afwtäriioi. La. Di. 161, Bei Strab. I. p. 16 (uv dmdoiri ovitfila 
aä^iiai, Tgl. C. 16. A. 10) and Cic. Leg. I, 13, 38. Fin. II, II, 36. 13, 43. 
V, 8, 23. Tose. V, 30, 86. Off. I, 8, 6 werden sie als längst ausgestorben 
bezeichnet. 

842) S. A. 212. Zwei von ihnen, Hiltiades nnd Diphilos, werden 
bei La. Di. 161 genannt. 

SoBBitiaL, giiich >Ibi. Llii.-Otiich. I. 6 . . 

L,j„iiil^,OOglC 



66 Zweitaa Capitel. Philosophie bis S. Hälfte des S. Jahrb. 

auch ÄpollophaneB und der berahmte Eratosthenea , welche beide 
einen Äriston schrieben, ihm aber in demselben daa wenig ehren- 
volle Zeugnis» gaben, daes er von der Übermässigen Strenge 
seiner sittlichen Grundsätze (darin dem Kleanthes sehr unähnlich) 
im Leben, und zwar wohl nicht gerade ganz selten und wenig, 
abgewichen sei'"), wobei aber andrerseits Eratostbenes ihn und 
Arkesilaos als die beiden Koryphäen unter den damaligen Philo- 
sophen Athens bezeichnete^. Jedenfalls dankten seine Vor- 
träge zu nicht geringem Theile ihren Erfolg seinen Gleichnissreden, 
mit denen er den Zenon**^) und Eleanthe« '*^) an Eeichlichkeit 
noch Überbot^'); denn diese pflegen zu allen Zeiten der Menge 
zu gefallen""'). Dass er dagegen nur wAiig schrieb"^), ist bei 
einem so gearteten Manne sehr natürlich. 



S43) Äth. VII. 281 cf., vgl. Stoab. a. a.O. Suid. 'Efaioa»in]t. — Timon 
warf ihm auch Schmeichelei gegen Persaeos vor, alg dieser in hoher Qniist 
bei Antigonoa Goaataa lebte (Atb. VI. 2&1 b. c). 3. Anm. 637. 

244} Strab. a. a. 0. Aristoo muss hiereach um 260 noch gelebt habeD, 
3. C. 16. A. 6. lieber aeine angebliche Todesart (La. Di. 164) a. A. 164. 

246) Cio. N. D. II, 8, 22. Stob. Flor. LSXXK, 6. 

246) 3. A. 206 ^ 

%41) Wenigstens erklärt «ich eo die aus seinen Vortragen aaigezogene 
Sammlung derselben 'OftornftttTO, ans welcher Stobaeoa im Floril. zahlreiche 
Stücke erhalten hat. Denn dasa dies nicht etwa eine von Ariston selbst 
veröffentlichte Schrift war, erhellt, wie Bitschi Oposc. I. 6. 668 f. be- 
merkt, schon daraoe, dass es hier nie qirjai beisst, sondern etets iipri, iXcjt 
n. dgl. Vgl. bes. IV, 110. Em Tm» Afiümonoe öfMimfureio*. ^^Anai* i Xü>s 
. . .' AffE*. Der Urheber der von Stob, benutzten Samalong hatte, wie 
ans dieser Stelle vgl. m. La. Di. II, 79 erhellt, dieselbe ältere Compilation 
vor sich, ans der auch die Apophthegmen des Aristippos bei La. Di. stam- 
men, f. Eiesaling Coniect. spie. IV (Greifswald 1867). 3. Vf. -- Vgl. auch 
Hirzel 3. 81 ff. A. 2 nnd unten A. 761. 

247'') Mit seineu Gleichiässreden verwandt ist auch sein Vers auf 
Arkesilas, Sex. Fyrr. I, 234, La. Dl IV, 38. Deim wahrscheinlich war nicht 
der Peripatetiker A. (i. A. 766), sondern er der Verfasser dieses Verses, da 
uns von ihm noch eine andere Stichelei anf Arkesilas berichtet wird, s. 
La. Di. VII, 16S (vgl. aoch 163). Aber der schmutzige Elatech IV, 40 
stammt, wie Wilamowitz S. 60 f. gesehen hat, aas Aristippos sf^l xaiaiäg 
tQv^rjt and ist daher vQlIig erlogen. 

246) Das Verzeichniss der Schriften bei La. Di. 163 tchliesst mit dem 
Bemerken, dass Panaetios nnd Sosikrates sie alle dem Peripatetiker bei- 
legten mit Ausnahme der 4 Bücher Briefe aa Eleanthes. Zu einer Tendenz- 
kritik, wie sie Dflmmler 3.66. Anm. 1 wittert, war einem solchen notorisch 
„Abtrünnigen" gegenüber kein Anlass, und der Widerlegongaversuch von 
Krieche ist schwerlich geglückt Treffend bemerkt Ritschl a.a.O. 3.566: 



i.t^iooylc 



5. Stoiber. HeriUo«. 67 

Herillos toq Karthago**^ kam schon als Enabe unter die 
LeituDg des Zenon ^^) , Bei aber nichtsdestoweniger hernach 
gleichfalls von der eigentlichen Stoa ab, sei es nnn nach der 
megariach-platonischen, sei es gleichfalls nach der kyntschen Seite 
durch einen nur anders gearteten and gemild.erten Yermittlnngs- 
versnch zwischen der acht stoischen und der kj'nigcben Bich- 
tong*"), nnd soll gleichfalls eine eigne Secte, die der Herillier, 
gestiftet haben***). Seine Schriften, unter denen sich auch Dia- 
loge und ein Matsvaxög befanden, waren nicht zahlreich, über- 
di^ wie es heisst, nur kurz, aber voll Kraft'''^. 

^uf die Bchriftit«lleriRche EathalUainkeit des Chien geht es offenbar zurQck, 
du8 keine Heinarg oder Aeauemng von ihm mit If ]'ei oder <pijei angeführt 
wird, sondern nur mit dem Imperfcctnm oder doch Aoristne (selbst mit dem 
Zasatz m; ipaai), wie auch nicht mit dem Terbam yfätpnv, wovon man sieb 
ans der Sammlung bei Bernhardj Eratosth. p. 189 fl. sogleich Qberzeugen 
kann". Etwas zu weit scheint jedoch Fanaetioa in der That gegangen ed 
sein, denn die Jiäloyoi «ifi läv Z^vmvos Jayfi^t«» und die 11 Bücher 
Xftütt dürften doch wohl wirklich dem Stoiker gebOren. Ob aber die 
Alschllch (s. schon Heineke F. C. O. I. S. 8TS. A. 73) dem Aristoteles 
beigele^n Xfiiai, aai denen Stobaeoe im Florilegiom AnssOge giebt, in 
Wahrheit die des Ä. waren, wie Rose Aristot. psendep. S. All — 61Ei an- 
nimmt, vermag ich nicht la entscheiden, nnd ebenso lasse ich dabiDgestellt, 
ob dieser oder ein anderer A. der Verfasser des Buchs »tfl 'Hfanlihov 
(La. Dl IX, 6) war. 

249) La. Di. 37, 16Bf. Oder ans Cbalhedon? So eine Vorianle an 
letzterer Stelle. Hiisel S. 45—68. 

250) La. D. 166. Vgl. Cic. Acad. II, 42, 1S9. Zenonis audüor. 

351) Erateres ist die Ansicht toq Zeller S. Sef. S. GS mit A. I. S. 359 
mit A. 3, Letzteres die, wie es acheint, richtige von Hirzel, nach welcher 
die Bezeichnung der Erkenntnies (^jiiatrjfiij) ala des bOcbsten Guts (Cic. 
a. a. 0. Pin. II, 18, 43. IV, 14, 36. V, SG, 73, La. Di. 166) nnr denfietben 
Sinn hatte wie die Bebauptang des Ariston (La. Di. 162), dass der Weise 
sich überall nnr von dieser, nie von der blossen Meinimg nnd Vorstellang 
(4ö£a) leiten lasse, so jedoch dass Herillos dabei die von Ariston ganz ver- 
worfenen itQtnjiffiirtc für die Nicbtweisen gelten lieas and in diesem Sinne 
als „ünterzweck" (ixouUs) bezeichnete (La. Di. 166, vgl. Cic. Fin. IV, IG, 40), 
allerdings in Annähernng an Piatons Unterscheidung einer philosophischen, 
aaf ErkenntnisB, nnd einer gewChnlichen, auf blosser richtiger Vorstellung 
berahenden Tagend. 

262) Cic. de or. III, IT, 62. Jedenfalla fand indessen achon seit Chrj- 
aippoB seine Lehre keinen Anklang mehr, Cic. Fin. II, IS, 43, vgl. 11, 35. 
V, 8, 23. Tnac. V, 80, 86. Acad. II, 42, 130. Off. I, 2, 6 u. Anm. 327". 

2G3) La. Di. 16S. oXiyöatixa niv SwäitKOi äi fiiiFctf. Dann folgt 166 
ein Verzeichnisi von 13 Titeln. 



iv.t^iOO^IC 



6S Zweites Capitel. FbilosopHe bia 8. H&lfte des 2. Jahrh. 

Persaeos von Kition"**), auch Dorotheoe beigenaDot***), 
Sohn des Demetrios*^'), war, wie es heisst, gleichfalls von Zenon 
auferzogen *^'), jedenfalls, wie gesagt, nicht bloss sein Schüler, 
sondern auch sein LieblingBSchfiler und Hausgenosse'^), und er blieb 
seinerseits auch ein tieuer Anhänger von dessen Lehre, was ihn je- 
doch nicht hinderte bei seiner atarkeii weltklugen und weit- und 
lebemännischen Ader***} die nach dieser Seite hin gerichteten Ele- 
mente derselben in einer Weise zn betonen, welche einigermassen 
nach den Ejrenaikem und Epikureern hinfiberschielte*^). Gerade 
diese Eigenschaften empfahlen ihn nun aber zum Hofmann, and 
sie waren es ohne Zweifel neben dem engen persönlichen Ver- 
hältniss, welche den Zenon bewogen gerade ihn 276 dem Änti- 

264) La. Di. 36. Ktiache Forsohungen S. 436-443. Hirzel S. 68—64, 
deeaen vielfach treffende Charakteriatik nach deo Oegenbemerkangeii vod 
Snaemihl Jahrb. CXXV S. 711 ff. (a. bes. A. 31) erbeblioh zn modificiren ist 

SG6) Snid. Urt/gaiof. 

266) La. Dl €. 86. 

267) Said, (ur#i]ri]c xat fftatig Zr/ravos- Philod. I. St. Col. XII. (ui- 
lujta fiiv 0^ täf fi,a0i]t£tr vxö tov Zi]ft»voc ^yanäto ö ntf^atos, älXä 3^ 
xal avvtßdtv {xal yi-ffantai i' in' avrov <^utgä^ycinc(fhs i*lar) ^Ziftatat 
avy oUoyev^t (vgl. A. 263). Die BrcSblang dea Antig, v. Ear. b. AÜi. 
XIII. 607 c. La. Di. 13 wei^t auf einen beträchtlichen Unteracbied des 
Altera, etwa von B6, ja 30 Jahren zwischen beiden hin: man wird kanm 
sehr fehlgreifen, wenn man die Qebmt dea Persaeos etwa SIC— 806 aetzt 
(R. KOpke De Arati aetate, Gaben 1867. S. 6 nimmt 306 an-, übrigens vgl. 
Amn. 261), folglich kann er nicht Lehrer dea Dichtera Aratoa (Tit. Ar. 4. 
p. 60, 10 f. W., wenn nicht sogar hier aioläaas in avajolttaas zu veTfaeaBern 
ial) geweaen sein, wie noch Wachsmuth SUlogr. Gr' S. 17 glaubt, üeber- 
haupt ist in aeiner ganzen Lebenageachichte für eine Lehrthätigkeit kein 
Raum. Tgl. Anm. 308. 

258) Antig. v. Kar. a. a. 0. Philod. a. a. 0. Im Uebrigen ■. Cic. 
N. D. I, 16, 38. Faua. II, 8, 4 u. Anm. 256. Dies setzte ihn denn anch in 
den Stand in seinen 'Titoiiv^funa «vfuroiixä und 'H9ixal exoXaC (La. Di, 
1. 26) die schon erwähnten and benutzten (s. A. 160. 169. 183) genaueren 
Angaben ttber Zenon zu machen. 

269} Auf diese schliesse ich nicht so sehr aas den beiden Anekdoten 
La. Di. 86 nnd Antig. v. K. a. a. 0. als vielmehr aut seiner Laufbahn und 
dem folgenden Brachstflck. 

260) 3. das Bmchatfick bei Atb. XIII. 607 b ff. aua seinen Aftnonxö 
vnofw^pjtza, nait denen die 2^^XDtiKol SiäloT/oi ebend. IV. 162 b f offenbar 
(vgl. A. 46. 266) einerlei sind. Üeberhaupt hoben diese nfojjyitha zwar 
die stoische Ethik Aber die Enghercigkeit der k;niachen hioaua, aber aie 
wurden zugleich zn einem zersetzenden Moment fOr aie, indem sie einer 
laxen Moral die Wege bahnten. S. unten A. 364. 366. SSe**. 



i.t^iooylc 



6. Stoiker. Feraaeot. 69 

goDoa Gonatas zuzusenden'"). In der That gelangte er bei letz- 
terem zu 80 hoher Gunst, daea derselbe ihn nicht bloss zum 
Erzieher seines BastardsohneB Halkyoneus*^), sondern auch zu 
eioem seiner politischen Rathgeber maGhte**^ und ihm endlich 



S61) S. A. 176. Dms er damals erst 20 big U Jahre gewesen wäre 
(La. Di. 6, s. A. 184), ist nicht glaublich. 6. vielmehr A. 2GT. 

268) La. Di. S6. Die Hatler desselben war die athenische Hetäre Demo. 
Uebrigens vgl. Ath. VI. 2G1 c (s. A. 243). PluL Aiat. 18. Das« der KOnig 
selbst noch «einen Dnterricht benotet habe (Ael. V. H. III, 17), ist selbst- 
ventändlich in dieser Form anwahr. Uebrigens vgl noch Toi. Herc. ' 
Vll, 146. Usener Epicurea 8. 416. 

S63) Der von den demokratischen Eretriem wegen seiner Frenudschafli 
mit AatigonoB Gonatas Tertriebene und Daninehr am makedonischen Hofe 
lebende greiie Henedemos schrieb es dem Einflösse des Fersaeos sn, dass 
seine eignen Füibitten den EOnig nicht abhielten die Demokratie in 
Eretriä anfinheben und strenge Uassregeln gegen diese Gemeinde za er- 
greifen, hasate desshalb den Pereaeo« bitUr und grämte sich za Tode (La. 
Di. U, X49 f.). — Aus diesen VeihUtniasen am makedonischen Hofe, näm- 
lich ans jenem Wortspiel, darch welches sich Bion (s. S. 34 mit A. 103'') 
an Fersaeos iftchte (Atb. IV. 162 d], entstand da« boshafte Häichen, er sei 
Zenone Sklave geweMn, Sotion a. Nikias r. Nikaea b-. Äth. a. a. Q. La. 
Di. 86 (wo entweder, was also nicht Dnger, wie era. a. 0. S. 113 f. glaubt, 
inerat gesehen hat, mit EOpke a. a. 0. 8, 6. A 10 aii^ %agi 'Awtlyovav 
oder gar mit BOper x«(' «viov 'Artitivtf zu lesen sein wird). Philod. I. SL 
CoL Xn (a. A. 8&T). Gell. 11, 18, 8, nnd dais gerade Sotion diesen Klatsch 
auispann, liegt vielleicht in der Eifersucht der Peripatetiker auf den poli- 
tischen EinSnsB der Stoiker Indessen lässt «ich nicht wirklich beweisen, 
dass Sotion Peripatetiker wnr, s. C. 19. A. 19. Freilich waren .auch die 
sp&teren oligarchisch- republikanischen Stoiker, wie es scheint, auf diesen 
Fdrstendiener nicht allzu gnt tu sprechen. Wenigsten« fand einer von 
ihnen, Stratokles, dass er mehr da« Leben eines Hofmannes als eines Philo- 
sophen gefOhrt habe, mtfinlaväa^ai tö* uvUtöv ov tev <piX6<i4npov ^ijfiffov 
^0* (Püod. a. a. 0. CoL Xlll). Dagegen steht ein anderer Umstand hiemit 
nicht, wie frOber ich selbst (a.a.O. S. 74Bf.) dies Wilamowitz S. lOS. A. lü 
geglaubt habe, iDsammen: ungleich richtiger urtheilt Aber ihn Hirsel S. 71, 
Dass rk&mlich die HauptschOler Zenons in dem ihn behandelnden Abschnitte 
aoigei&hlt werden, dann die wichtigsten von ihnen eine gesonderte Dar- 
■tcllong erhalten und nnr Fersaeos in jener Anfiählong „als Annex zu 
Zenon" gleich mit abgehandelt wird, ist dem Fhilod. and dem Diog. ge- 
meinsam, d. h. dem Stcatokles und dem Apollonios, so dass die im Allge- 
meinen mit Recht von Wilamowitz S. lOTf. behauptete Unabhängigkeit 
des Apollonio« von Stratokles wenigstens in diesem Funkt eine Äasnabme 
erleidet. Gerade desshalb aber ist hier nicht an eine „stiefmfitterliche Be- 
handlung" des Persaeos m denken, sondern die Sache umgekehrt aus 
dessen bei Stratokles, der auch dessen Ende in besonders ehrender Weise 



,,i.,ooylc 



70 Zweites Capitel. PhiloBophie bia 2. Hälft« des 2. Jahrb. 

im Kriege gegen den achäiechen Bund auch den Befehl Ober 
die makedonische Besatzung in Korinth gab. Aber Persaeos 
liess sieh dabei von Aratos Oberliaten und fand bei dieser Ge- 
legenheit selbst, und zwar an vielen Wunden blutend durch 
eigne Hand seinen Tod, 243*"). Seine Stellung zu Zenon war 
in vielem Betracht eine ähnliche wie die des Xenophon zu So- 
krates*^). Das eigentlich philosophische Interesse war bei ihm 
offenbar nur gering. Fast alle seine Schriften"^ bewegten sich 
auf dem ethisch-politischen Gebiet. Ausserdem aber zeigen sich 
bei ihm gewisse philologisch- historische Neigungen*"'), und sehr 

(d. Änm. 264) beechrieb, an die Spitse gestelltea Beceichnnng ak LiebtingB- 
schüler des Zenon (». A. 2bT) eq erkl&ren. 

28i) So Philod. a, a. 0. Col. XV, vgl. Paua. 0, 8, 4. VII, 8, 1, Ihnen 
folge ich mit Wilamowitz S. 217 unbedeDklicb. Die entgegeugeBetiEte 
Angabe (Flut. Ärat. 28. I'olyaen. VI, 6. «»«e b. Philod. a. a. 0.) mit der 
SM sie angeknapften Anekdote gebt auf Hermippos zarUck (Ath. IV. 162 c, 
vgl. PMIod. Col. XVI): das genQgt 

266) S. Hiizel S. 63 ff., welcher in dem Bmchütflck ans den Zvnno- 
xtxol dtaloyoi bei Atb. IV. 162 b (s. A. 260), die den vKOfit^ftata des Stilpon 
nnd dee Zetton sich aogeecbloasen haben sollen, einen Anklang an Xen. 
Mem. I, 9, 8 ff. (vgl. Sjmp. 4, 7 ff. 26) nachweist und in diesem so wie in 
dem anderen Bruchstfiük die Anknfipfong an eigne Erlebnisse hervorhebt, 
so daBB diese Sviinoima rnioiivtjiiatK zugleich ähnlich wie die Utmutriiio- 
»ivfuiia des Zenon (a. A. 197) eine Art eigner Memoiren waren und eben- 
deeshalb auch erzählen konnten, wesshalb allein Zenon Symposien mied 
(La. Di. 1). Die Vorliebe des letaleren für Senophons Schrift kam dem 
Persaeos entgegen, aber bezeichnend ist doch, dass er in dem zweiten Frag- 
ment b. Ath. XIII. a. a. 0. genau wie Xenophon (Mem. 1, 1, 16. 2, 18. IV, 
8, 11), was Hirzel S. 79 ff. mit Recht betont, den Begriff des Weiaen 
(üotpög) in den des »tiXot xäya9öe verflflchtigt. 

266) Das VeraeichnisB bei La. Di. 36 enth&lt 11 Titel: xf«l ßaoiltitit, 
rioliTiia jIqxidvini), ntpl yäfiov, ite(i1 aaißeias, Sv4<itiis, jitfl ifnitur, Ilgo- 
xqfxtiv.oC, Jiaiftßai, Xfttmii 6', 'Anofivijiiovtviiata , ngöf to«( lHäimfOt 
vöfiovg 7 ü. Die UnoiivriitovtviiaTa werden wohl mit den Zviiitoti%ä vxo- 
lirijfiata einerlei ae'n. Dagegen fehlen die Schrift nc^l 9iiv (s. Atim. 269) 
und die 'H9t)ial eioXai (La. Di. S8). Dass ApoUonioa die letzteren auslieea, 
wird wohl wiederum tendenziCa sein, denn da er sich durch den gefUachten 
Briefwechsel zwischen Antigonoa Oonatag und Zenon t&uschen lieas (s. 
Anm. 17&. 184), muaste ihm Persaeoa mit seinen abweichenden chrono- 
logischen Angaben über letzteren in dieser Schrift geradezu als ein Lfigner 
erscheinen Schwerlich mit Recht hält KOpke a. a. O. 8. 6 diesen Persaeos 
auch für den Uibeber der Taktik (Air. u. Ael. Tact. 1). 

267} Diese findet Hirsel S. 77 mit Recht in dem, waa Ath. IV. 140. b.e 
(Hüller F. U. G. II. S. 623) aus seiner IlolitUa Amm*i%ii mittheilt, nnd 
in Eeiner Angabe über die Fälschungen des Pasiphon (s. A. 62''), wir wissen 



Iv.t^TOO^IC 



6. Stoiker. Dion^uos der Deberl&ufer. 71 

bezeichnend fOr ihn ist ea, dase er, ohne im Uebrigen der auf 
die allegorische Auslegnng der Mythen und der alten Dichter 
sich BtOtzenden stoischen OStterlehre untreu zu werden**^, doch 
allem Anscheine nach der Erste war, welcher"*^) nicht allein 
an die von Prodikos aufgestellte Erhläning der Entstehung des 
G5tterglanbenB sich anschloss, sondern sogar, ohne Zweifel dem 
Eahemeros folgend, das sogenannte enbemeristische Element 
dieser stoischen Theologie aufbracht«*"'), indem er ausführte, 
daas in der That ein Theil der YolksgÖtter aus einstigen, nach 
ihrem Tode vergötterten Menschen bestehe, was natfirlich am 
Hofe besonders gefallen musste und so recht in eine Zeit passte, 
die „mit dem älteren Heroencalt Missbranch trieb and die Fürsten 
göttlicher Verehrung sogar bei Lebzeiten würdigte "'''). 

Dionysios von Herakleia in Pontes, Sohn des Diophantos*"), 
hörte zuerst seinen Landsmann Herakleides, dann den Menedemos 
und den Megariker Alexinos und zuletzt den Zenon*''), der ihm 
aber bereits nicht recht traute*^*). Als er dann später unter 

Dicht, in wekher Schrift, nnd bezeichnet ihn (S. 78) in dieier wie auch ia 
mancher anderen Einsicht ala Vort&afei des Panaetioe. Aber mit Hirsel 
(S. 79) ans jener aeiner Schrifli aber den spartaniachen Staat tn folgern, 
dasB achon er eine Voriiebe fflr die Oligarchie gehabt habe, dagegen apricbt 
neben seiner Stellung tarn makedoniaobeo Hofe seine andere, gegen Flatona 
Oesetie gerichtete politische Schrift, and seine Abneigong gegen die De- 
mokratie in Ereiria' (a. A. 368) stammte wohl eher aoa monarchischer als 
ans oligarchischer Qesinnang. ' 

868) Dien Cbrys. Or. LIIl. p. 876 R. 

269) In der Schrift «((1 9eAr, ans welcher nach Philod. de piet. Col. X 
Dasjenige stammt, was wir bei diesem und bei Cic. N. D. I, ifi, 38 lesen. 

370) Hirzol a. a. 0. I. S. 8. II. S. 73 ff. DieU Doxogr. S. IZS. 126. 

271) Hirzel IL S. 76. Aber auch dies spricht gegen dessen A. 267 
l)fllenchtete Hypothese. 

S73) HiefOr wird bei Philod, i. St. Col. X die Biographie des Antigonos 
von Earyetos oitirt, die also anch Stratokles (a. A. 161) neben anderm Ma- 
terial benntit hatte, Athenaeos (a. A. 882) kennt sie wohl nor ans Nikias 
Ton Nikaea; die Biographie b. La. Di. 169 f. stammt mit Ansnabme des TOn 
ihm aas Dioktes eingelegten Stficka (s. A. 373) wohl jedenfalla ans Apollo- 
nioa, dann aber hat dieser sich hier einfach dem Antigonoa angeschlossen, 
nnd also anch die Todesart ist hier suverlassig. Philod, I. St. Col. 2XIX ff. 
ist aasfahrlicher, ist aber »taik serrMtet anf nns gekommen. S. Wila- 
mowits 8. 133 ff. 

378) Diokl. b. La^ Di. 166 f. Ala Schfller Zenoaa beseichnet ihn auch ' 
Antig. V. Kar. b. Philod. Col. X. 

274) La. Di 83, vgl. A. 806. 



i.LtOO^IC 



72 Zweites Capitel. Philosophie bis 2. Hulfle des 2. Jahrb. 

der SebulTorstandachaft des Eleanthes^''') durch eine Bchmerz- 
hftfte Äugen- ^'*) oder Nierenkrankheit'") davon überzeugt ward, 
dasB der Schmerz keineswegs etwas Gleichgültiges sei, ging er 
geradeswegs zu den Kyrenaikeru*'*) oder Epikureern*'*) über, 
wovon er den Beinamen des Ueberläufers (ö jiEta&diisvos) er- 
hielt'^). Er erklärte nunmehr die Lust für das höchste Gut'^') 
und soll dann diese Lehre trots seines TorgerQckteD Alters auch 
im Leben auf die schamloseste Weise bethätigt haben***). Eud- 
lich starb er, 80 Jahre alt, eines freiwilligen Hungertodes"*). 
Im Uebrigen war er jedenfalls ein geistreicher und auch poetisch 
sehr begabter Mann, der sich, wie wir boren, .in seiner Jugend 
in Gedichten mannigfacher Art versuchte und später seinem 
jüngeren Mitschüler Aratos Nacheiferte*"*). Von diesem hatte er 
Un terweisung^ in der Mathematik erhalten***) und sich nahe mit 
ihm befreundet. Von seinen Jugendpoesien erfahren wir genauer 
noch Folgendes. Um den Herakleides, welcher augeschuldigt 
war Tragödien anter dem Namen des Theapis gedichtet zu 



276) S. A. 206. 

27«) Cic. Fin. V, 81, 94 (nach Antiochos). La. Di. 37. 

277) Cic. TuBO. D, 26, SO, vgl, Lukian. bifl acc. 31. S. Wilamowiti 
S. 126, 

278) La. Di. 167. 279) Ath. VIL 281 e. 

280) La. Di. 23. 37. 167. Philod. I. St. a. a. 0. Ath. a. a. 0. X. 637 e. 

281) La, Di. 16«, vgl. 37. 

282) Anlig. v. Kar. b. Ath. X. 43?c (vgl. VII. 281 e. YnQfm). La. Di. 167. 
Die bei Alh. hiiizugefflgte Berichtignog eeiteoB des Nikias von Nikaea, dass 
er vielmehr Bcboo von Jugend anf ebenso der Wolluat gefröbnt habe, iet 
natürlich werthloe. 

283) La. DL 167. ämtia, vgl. A. 272. Anders freilich Philod. 1. St. 
Co). 5XXIII, 8. aber Wilamowitz S. 128 mit A. 3. Kfipke a. a. 0. S. 7 
— 12 gelangt in einer sehr sorgfälUgen, aber nicht irrthomsfreien Unter- 
■ncbaiig zu dem Ergebniu, daaB er etwa S20 geboren and etwa 240 ge- 
storben sei. Aber Herakleides der Pontiker lebte schwerlich noch nach 
300, und so wird man eher die Zahlen 330 und 260, spätestens 886 nnd 
846 aoEunehmen haben. Die Schilderung seiner Bejahrtheit bei seinem Ab- 
fall (A. 282) atimmt so anfs Beste, wenn er, als Eteanthea 364/3 Vocatebec 
ward, bereite 63 bis 67 Jahre c&hlte. Schüler des Zenon ward er sonach 
erst als schon gereifter Mann. 

284) La. Di, 167. nal ttttt' äf/xös P^y ^Uoypcffifimoe mv (vgl. Philod. 
I, St. Col. XXXII) xavTolanols Intitifti not^iiaeiv {jttva 8i Kai 'Ai/tnop 
ä*§i(xtto Cijlräv avtöv. Dichtete er also auch ^eivoiuva? 

286) Vit. Ar, 2 p, 56, 6 ff. F&lBchlich wird das VerhBltniss umgekehrt 
Tit. Ar. 1. p, 64, 67 f., f. Wilamowiti S. 126. A, 6, 



iv.t^iOO^IC 



6. Stoiker. ZeDon V. Sidon. Poseidon t. Alex. SphaeroB. 73 

haben^^), Beiaerseits zu tänechen, schob er dem Sophokles eioen 
Partheaopaeos unter und erreichte damit eeinen Zweck so Toll- 
ständig, d»8s sich Herakleides hernach gar nicht wieder von 
seinem Irrthnm abbringen lassen wollte; nach anderen Angaben 
war jedoch vielmehr ein dritter Uerakleiot. Spintbaros der wahre 
Veriiisser*^'). Seine Prosaschriften waren sämmtlich ethischen 
Inhalts»«). 

Zenon von Sidon, Sohn des Musaeos*^"), Schüler des Ze- 
non'^), schrieb eine Apologie des Sokrates und £idiOviaxd***). 

Poaeidonioa von Alexandreia, gleichfalls Schaler des Ze- 
non*^), war vermuthlich *"^J derjenige Mann dieses Namens, 
welcher neben Kleauthes die hernach von Erates aus Mallos 
übernommene Lehre aufbrachte, dass der Ocean, weil ans dessen 
Ausdunstungen die Sonne sich nähre, sein Bett in der heissen 
Zone habe»"). 

Sphaeros von Bosporos, Schüler des Zenon und sodann 
des Kleantbes'"^^), ward, wie schon bemerkt, von letsterm auf die 
Einladung des Ptolemaeos Pbiladelphos oder Euergetes'**), dass 

SB«) Voa AristoxenOB, b. La. Di. V, 92. 

287) La. Di. V, 92 f. vgl Suid. «a«aoiiz''c- 

288) DaB VerieicfanisB von 9 Titeln bei La. Di. 189 itt indeaaen nur 
da« einer Anawahl, i. Pfailod. I. St. Col. XXXII. lyivita »' oiv mI xelv- 

289) Said. Zr>. 

390) Pbilod. I. St. Col. XI (nach welcher Steile anch ChijeippoB ihn 
erwUinte, wo aber die ErgHoiUDg von Comparetti ^ö vioc) liyofifvoc 
Bchwerlich richtig iat), Hippob. b. La. Di. 88. Auseerdem ». A. 48. 

291) Said. a. a. 0. 

292} Hippob. cbend., der auBBerdem nocli Pfailonide», AthenodoroB 
von Soli (TgL HekataeoB, Sobn des SpiutbaroB, bei Pbilod. 1. St Col. Xll), 
K&llippoB von Korinth nennt. Said. JloanSiiwtoa 'JU^ttvtgtvs qnköaoqios 
oimiHÖc fui9tixi)t Z^fMvos. Vgl. C. 21. A. 689. 

293) So Berger Die geogr. Frgm. dee Erat. 8. 38. A. 1. 

29«) Macrob. Somn. Scip. 11, 9, 1. 

29a) La. DL 37. 177. Ätb. Vlll. SU e. 

296) Freilich nennt La. Di. 177 vielmehr den Philopator (221-204), 
aber Zeller S. 88. A. 3 bemerkt richtig, daea dieser erst nach dem Tode 
des KleantbeB zur fiegierang kam. Man mOsete also, da allerdingi nirgends 
auadrücklich angegeben wird, daea des SphaeroB Anfeuthalt in Sparta vor 
den in Aegjpton mit, mindeateni seine Sendung dnrch Kleanthes fallen 
lasKn, aad annehmen, da« er erat, als KleoroenoB 231 an« Sparta nach 
Aegjpten floh, mit ihm dorthin gekommen eei, bemerkt Zeller. Aber 
n&her li^t wohl noch eine andere MCglichkeit, das« n&mllcb jene Angabe 



iv.t^iOO^IC 



74 ZweiteB Capitel. PbiloBopbic bis t!. Hälfte des S. Jabrh. 

entweder Eleanthes oder eiDsr von dessen SchQlern zu ihm 
kommen möge, nach Aegypten gesandt, da Chryeippos es ab* 
lehnte**^). Sp&ter***) ward er der Freund und Batbgeber des 
unglücklichen Königs und socialen Revolutionärs Eleomcnes von 
Sparta '""), Jedenfalls gab dieser Aufenthalt ihm den Anstoss 
zu seinen Schriften Aaxavixif noXiTeia oder atpl jiaxatvtx^g 
jtoAiTEtus^ und X£(fl jivxovffyov xal ^axgatovg (3 B.). Seine 
ferneren Schicksale sind unbekannt. Ans den Titeln seiner 
Werke^') sieht man, dass er sich namentlich auch mit älteren 
Philosophen, mit Logik, Rhetorik und Naturphilosophie eingehend 
beschäftigte. Besonders wurden seine Definitionen bei den Stoikern 
sehr geBchätzt^'). 

Hermagoras ans Amphipolis, angeblich Schüler des Per- 
saeos, in Wahrheit wohl vielmehr des Zenon^'*'), schrieb Dialoge, 
unter ihnen einen wahrscheinlich gegen die E;niker und einen 
gegen die Akademiker gerichteten, Mieoxvatv und xtf/l co<fiicttiae 
«ffog xovg 'jtMadrjuatxovs""'). 



über Eleaothes ganz richtig ist, dass Spbaeros von Alexandreia nach Sparta 
zu Kleomenes (der erst seit 286, fOnf Jahre vor dem Tode dee Kleanthee, 
regierte) ging (vielleicht, meint Zeller, im Anlage des ägyptiBcben 
Söniga) and dann nach des Eleomenes Stnra mit diesem zum iweit«ii Male 
nach Aleiandreia, bo dass er jetzt dort wirklich bei Philopator lebte imd 
dieser zweimalige ägyptische Änfentbalt irrtbfimlich in einen lusaminen- 
geworfen ist. 

897) La. Di. 177. 188. Äth. a. a. 0. 

298) 8. A. 296. 

89S) Plut. Oleom. 2, 11. 

SOG) Zwei Fragmente Plut L;c. 28. Ath. IV. 114 c (letzteres aus dem 
3. B.) b. Hailer F. H. Q. m. S. 20. 

SOI) La. Di. 178. Vorangehen 7 pb^sische (uat«r ihnen ntfl tmtt ila- 
xi«T<ov, xfis t^e äTÖfMve %al xa tCSaiXti, xtfl 'HQa*ltifov t' [Suitgtßmv]), 
dann folgen 12 ethische und politische (anter ihnen ausser den beiden oben 
genannten: itt</l it«9^nofTos, dttctfißtti, ne</l ßamXiias, Jiäloyot tamtiitof}, 
dann 10 logische, beginnend mit xtgl zmv 'f^iipiaxtöv iptloniipmw (unter 
ihnen «tpl o<t»t', ittgl löyov, nitil ittmiyoftjfuitav), nnter die njachlicb 
mindestens 2 ethische ntgl nlovtov und wfpl 9afätov (iweifelhafl ist wigl 
di!{iic) eingvmiscbt sind, endlich viertens einen Anhang bilden die "Extetolai. 

303) Cio. Tnsc. IV, 24, Ö8. 

SOS) Ersteret wäre nur mOglich, vrenu ihn Persaeos etwa als einen 
Oesellschafter des Halkyoneus mit diesem nnterrichtet hat. Vgl. A. t67. 

S04) Suid. 'EfiiaY6fas 'AiKpittolhtis <pil6aoipos, fia^i^E Ileiiatiiiiv, iia- 
loyai «DToö MiooMBmr a', xtgl a-mpiiuitiiiv , 'Euxtiiov {t<tti 3i aomtiutia), 
»c(i «oipmtlat "V^S (o^C 'AitadTiitatHovs. 



Iv.t^TOO^IC 



Ö. Stoiker. Uermagoraa. ApollophaneB. Chij^ippos. 75 

Apollophanes von Aatiocheia***^) war zwar, wie geaa^ 
Zuhörer des Arislon gewesen, folgte ihm aher in keiner Hin- 
sicht^ und beschränkte sich auch keineswegs auf die Ethik, 
sondern schrieb neben anderen Werken auch eine ^iitfut^""). 

Chrysippos**) Ton Soli*"), geboren jedoch vielleicht in 
TarBOs*'"), Sohn des Apollonios oder Äpollonides*"), kam etwa 
280 zur Welt"*). Er soll seiu yäterlichea Vormögen durch Con- 
fiscation verloren''^) und sieb zuerst zum Wettläufer ausgebildet 
baben^'*). Ausser Kleanthea^'^), nach dessen Tode er die Leitung 
der Schale Qbemahm"^, soll er auch bei den Akademikern 
ArkesilaoB und Lakydes gebort baben"^, und jedenfalls eignete 
er sich das dialektische Verfahren derselben mit der grössten 

306) Steph. T. BjE. UfuöxHa. Ö9(> 'JnoXlo^üfTis h oiwikÖc qnlödotpog. 

306) Auch Dicht, wie Zeller 8. 36 f. A. 1 nach La. Di. 9S meint, in 
der Lehre von der Einheit der Tagendenj b. Hinel 8. 101. A, 3. 

307) In welcher er nnter Anderem Aber den leeren Kaum handeile, 
La. Di. 140. Ueber seine Aoeicht von den Theilen der Seele b. TertoU. 
de an. U. 

308) Bagnet De Chrjeippi vita, doctrina et reliqniia, Ano. Acad. 
Loran. IT, 4. LOwen 1822. 4. FeterBen Phitosophiae ChrjBippeae fueda- 
menta in nominnm dispoBitione posiia e &agmentiB reatituta, Altona 1827, 8, 
Hirsel S. 182—310. Stein I. B. 74—77. ITS— 178. U. S. 832-848. 
Aronia Xf^enmos y<fi^ium%öt, Jena 1886. Doctord. 

309) La. Di. 179. Flnt. de exiL 14. e06B. St»b. XlII. «10. XIV. 871. 
810) Snid. Xf6»nimt. Soltis ^ Tagaivg. Ztjvmn diotn. X^oimmv 

joi T«ii<iias. La, Di. a. a. 0. ^ Ta^eivt, ü; "MfiarSiiot iv ^laioiale. 
Wenigatena war aein Vater von Tanoa in Soli eingewandert, Strab. 671. 

311) Den erstem Namen giebt La. Di., den letztem Suid. 

312) S. A. 353. 

318) Hekat. b. La. Di. 181. Gewiaa iat, dau er aplter httchBt ärmUcb 
lebte, nnr von einer einsigen alten Magd bedient, Demetr. b. La. Di. 186, 
vgl. Diokl. ebend. 181 ^ aach ISS. Im Floril. Mon. (Stob. Floril. ed. Meiueke 
IV, 289) wird freilieb aeine Lebensweise als atoische Ginfacbheit {Utixr,s) 
bezeichnet, da ei viel Geld gehabt habe. 

814) La. Di. 179. Zeller S. 40. A. 8 apricht jedoch mit Becht den 

~ Verdacht aus, ea mOge diea ebenao wenig, wie daaa Eleanthea Fooatk&mpfet 

geweeen lei, wahr aein, aondem nrapiOnglich nnr ein Witi, om den Gegen- 

lats dea gesandten DialektikeTS Cb. und dea masaiveien Kleanthea in be- 



816) Snid. La. Di. 179. <fx«vMie Z^mvot q SXtäv9vat, ät ^loxjl^c «ol 
ot lUlovf. Dass er noch Zenon gehört haben kSnnte, iat chronologisch 
onmOglich, wenn anders die obige Berechnung seiner Qebnrtneit die richtige 
ist. 8. A. 181. 

316) La. Di. Prooem. IG. Strab. XIIL 610. Said. 

317) Sotion b. La. Di. 183. 8. A. 606. 



byGoo^lc 



76 Zweites Capitcl. Philoeopbie bis 2. Hälfte des S. Jahrh. 

Meisterschaft an, um es gegea die Akademiker selbst auszu- 
iiben^'^), dergestalt dass Karneades, als er hernach den Kampf 
der Akademie gegen den stoischen Dogmatismus eroeuerte, selber 
eingestand durch den Scharfsinn, mit welchem Gbrjsippos den- 
üelben vertheidigt hatte, am Meisten zu dieser Erneuerung au- 
geregt zu sein und von ihm das Meiste gelernt zu hsben"'^. 
Allein indem derselbe so Sätze des Chrysippos gegen diesen 
kehrte^^), konnten sich die späteren Stoiker mit Recht beklagen, 
dass letzterer selbst dem ersteren die Waffen geliefert habe, in 
so fern er namentlich in seinen 6 Büchern „gegen die Gewohn- 
heit" (xara tijg fftt/ij^Eins oder xaga rag Ow^^tiag) die Zweifel 
mit einer unerbittlichen Strenge entwickelte, ohne sie doch immer 
wirklich genOgend widerlegen zu können*"). Dabei war er zu- 
gleich einer der fleiasigsten und gelehrtesten Männer des Alter- 
thums'*^, auch von grossem Unabhängigkeitssinn , so dass er 
nicht bloss, wie gesagt, es ausschlug an den ägyptischen Hof 
zu gehen, sondern auch nie einem Fürsten ein Buch widmete"^'), 
freilich aber auch von nicht geringem Seftistbewusstsein***), ohne 
Zweifel auch ein anregender Lehrer'**). Und so galt er denn. 



S18) Sein Neffe Ariatokreon bezeichnete ihn daher in der poetJachou 
Inachrift auf einer ihm enichteten Bildsäule aU 'AnairnuanAv vr</ayyaU6m* 
noitif, Plut. Sto. rep. 8. 108SE. Noch aU Schiller dea Eleanthes soll er 
diesen gebeten haben ihm. aar die Lehrsätze zu geben, die Beweise verde 
er schon selber finden, La. Di. 179. Und so hiess es später, wenn die 
CiOtter eine Dudektik bUteo, würde ea die des Ch. sein, La. Di. 180. 

819) La. l'i. IV, 162. tl liTj yäf ^v JT^vPiKnac, ov* av ^ iyw 
(a. A. 326). 

320) Sex. Math. VII, «ififf.. Tgl. Cic. Aoad. U, 29, 92ff. Euseb. P. E. 
XIV, 7, 16. 787 a. 

321) Cic. Acad. IE, 27, S7. Fiat. a. a. 0. 10. 10S6 B ff. La. Di. 1S3 f. 

322) La. Di. 180. Cio. Toac. 1, 4S, 108. Atb. XIU. 66&a. Damssc. V. 
Iiid. 33. 

3SB) La. Di. 1S6. 324) La. Di. 17S. 183. 

S26) Ob man von der erdichteten Todesnachricht, welche Uermippos 
b. La. Di. 184 giebt (Tgl. anch Said.), dooh so viel glauben darf, dass er 
zum Mindetten in seioer letzten Lebentzeit sein« Scbnle nicht in der Stoa, 
sondern in Odeion Tcrsanimelte , stelle ich dahin. Die Angabe des Demetr, 
ebend. 18fi. xi/mas i^tiiftiBf aioli/* fitiv vaui^to* Ir Avxttat bezieht 
sich wohl anf populäre Vorträge Tor dem PubliouiD, die er neben den 
cigenlUoben Lehrrorträgen -füi seine Schüler gehalten haben mag. Schwer- 
lich mit Recht findet dagegen Zeller S. 40. A. 4 in ihr eine Spar daTon, 
dass ei noch bei Lebzeiten des Eleanthes als Lehrer anfgetreten sei, 
uad auch das In tt trärroc äniatri aitov La. Di. 179 beziehe ich nicht 

D,J-,., lIv.t^TOO^lC 



6. Stoiker. Chry«ippo8. 77 

obwohl nur ein spitzfindig-kritischer und dabei sammelnder und 
ordnender und nicht ein schaffender Geist, dennoch mit Recht 
als der Erneuerer der unter Kleanthes, wie bemerkt, offenbar 
etwas in RQckgang gekommenen Schule und als der zweite Be- 
grßnder des Stoiciemus und mit gewissem Recht auch als der 
bedeutendste seiner Vertreter**^. Denn ihm erat verdankte die 
stoische Lehre ihre wirklich allseitige systematische Begründung 
und Detailauaftthning"'), und die Schärfe seiner Polemik nicht 
bloss gegen andere Secten, sondern auch gegen die AbtrUnnigen 
aus der eignen'*"') schuf der stoischen Schule erst einen festeren 
Zesammenhalt, indem er sie allerdings wohl noch starker, als 
es schon Zenon und Eleanthes gethau hatten, vom Kynismos 
ablöste, dem er jedoch in Bezug auf das Staatsideal und mancherlei 
moralische Paradoxien immerhin gleich Zenon noch nahe genug 
blieb**"). Einen neuen Inhalt aber gab er im Ganzen genommen 
der stoischen Lehre nicht, sondern begnQgte sich mit einer ge- 
wissen Vermittlung zwischen Zenon und Eleanthes, und zwar 
so, dass et meistens ^ie etwas grobkörnigen Auffassungen des 
letzteren xu verfeinern suchte und von dessen Neueningen zu 
Zenon zurfickkehrte***) Wo er wirklich neue Begriffe einführte, 
wich er doch damit von dem Kerne der Lehren desselben nicht 

auf ein soldies, an sich freilich ganz mögliche« Auftreten, londem dem 
Zaaammenbange oacb daranf, dass er achoo damaU dem Eteanthes gegen- 
aber seine Selbat&ndigkeit leigte. Tgl. A. 339. Der Angdmek iit tat 
jeden Fall flbertrieben nnd nngeBchickt, 

326) Cic. Acad. 11, 84, 76. Oell. VI, 2, 1. Ath. VIII. aBBb. So enl- 
Btamd der Vers rt (iij yöp ijv Xfvaiiinog, ov* Sv ^» axaä (La. Di. 183), in 
welchem dann Eameadae iyä für atoä geflettt haben soll, b. A. 919. 

387) So gelangt Stein II. S. SU in der Erkenntniiilehre in dem Et- 
gebuiis: „Ea dürfte BOaach die Annahme gerechtfertigt lein, daae die in 
der Sfoa allgemein gebräuchliche Stufenfolge von atüfh^oit, tpavxaaCa, *a- 
ratij^tf, frrota, xpii^fiioi' ibrc Bchalmä^aige Formnlimng erst dnrch Ch. 
erhalten hat", Vgl. IT. 8. 388: „Die weit anggeaponnene Theorie der 
ifa-naaüt . . . etammt von Cb,". Die genanere Ausbildung der formalen 
Logik in der Stoa ist ücher erat von ihm ansgegangee , ». Stein II. 
S. 808—306. S16— 31S. 333 T. 

827") Cic. Fin. II, 18, *3 sagt von Herilloe: hie ipte iam pridm ttt 
reieelM: pott etiim Ghrygippum non est lane diiipittatutn. Tgl. A. G83. 

888) 3. A. 196. 840 f. 

389) S. Stein I. S. 74 ff. 177 ff. II. S. 3Se. 828 «. 346 f. Antijpatros 
(von Tarsoa) schrieb ein eignem Bach sfpl rqt KXiär9ovs Hai X^afunov 
diaipo^S, Plvt. a. a. 0. 4. 1048A. Vgl. Cic. Acad. II, 47, 143 and A. 826. 
824—226. 



ivXtOO^IC 



78 Zweites Capitel. Fbiloeophie bin «. Hälft« des S. Jahrh. 

ab^^), und nur in einem einzigen Punkte, indem er die rohe 
Art, wie sich nicht bloss Kleanthes, sondern aller Wahrachein- 
lichkeit nach auch bereits Zenon die Entstehung unserer Tor- 
atellang von den Dingen dachten, durch eine feinere ersetzte''^), 
hat er sich eine wirklich tief in das Wesen der Sache eindringende 
Abweichung von beiden gestattet Das ihm angetn^ene athenische 
Bürgerrecht nahm er an^'^). Er starb, 73 Jahre alt, Ol. 143, 
d. h. zwischen 208 und 304 >^°). Am Wenigsten erfreulich 
Ist das Bild seiner schriftstellerischen Thätigkeit, so dass wir 
den Verlust ihrer Erzeugnisse^ durchaus nicht zu beklagen 

330) So gilt die« TOn der «ahrech«iiilich erst von ihm in die stoische 
ErkenDtaisBlehre, aber, wie Stein <trota Luthe S. 31 IT.) zeigt (freilieb 
nicht ohne anch hier Verkehrtei eincnmi sehen), in einem anderen Sinne als 
bei den Epikureern eingeßthrten, auch nicht einmal (wie ich selbst frflher 
glaubte) Ton diesen entlehnten «f^ölij^ic. Wenn e* in dem Berichte des 
La. Di. 64 (s. A. 199*) heisit: xifix^fiä rptiai» eh/at afa^Doi* koI xföl-ii^iv, 
so verbietet schon der Flaial nfix^Quc den eventuellen Vorschlag von Stein 
alc9T)f**V*' *(<>Ji]^iv zu schreiben, wohl aber hat Stein darin Recht, dasa 
die atotiian nud die nptfliji^te nnr die beiden Unterlagen der tfavtacia 
*at«lt]nriii^, welche letstare Ch. keineswegs (s. La. Di. a. a. 0. D. die Belege 
bei Stein IL S. S89. A. 767) Preis geben wollte, sind. In einer anderen 
Bedentang (näml. Kttt' S — Hassstab der Beurtheilmig, h. Sex Uatb. VII. !61) 
ist letztere das Eriterioo, als in welcher es die beiden ersteren sind (oäml. 
it ov «- nrtheilsvennOgen als Erkenntnissioittel), eigentlich Wahmetuniug 
und Verstand (löjoe) bei Zenon, ond dass Ch. an die Stelle des köyos die 
«polq^ic setsta, war eben nm: eine mehr formale Abweichung. S. Lathe 
S. SS— 24, der freilich nach >C. SS. A. 1 de^estalt zu berichtigen ist, dasa 
seine BegrQndang hinßUig wird. In grainmatischer Hinsicht mag hier 
noch bemerkt werden, dass Ch. die vier bisher angenommenen Redetheile 
(fi/^ iöftm oder, wie er sie nach Galen. V, 610 K. nannte, vioiieCa löyov) 
övofui, fwa, avrSiBfios, ü^^e*, auf fOnf vermehrte, indem er övopM und 
xfoin)yopla (Nomen proprium und appellativnm) unterschied, La. Di. 57. 

381) a Zeller S. 72 ff. E. Wellmann Jahrb. CVTL S. 479f. Stein 
IL S. 83Öff. Doch wnsste er mit derselben, wie es scheint, aach weiter 
Nichts anzufangen. 

8S2) Autip. b. Plat. Sto. rep. 4. 1084 A. 5» Zijvaiv >al Xltav^tje oo'x 
^f^iXtlcav 'Aftrivaiat ytvie&ai, ftq Jö£caat tag avtmv tuttfUag äSiKtir, 
wonnf Fiat, hinsasetzt: Öci fiqv tt *alä.s oitot, X^aiitxot oÜn ö^mc 
ixoitiiicf iyyfaipclt ilt cqv «oliifAiv, natttinftm. Vgl. Ä. 177. 18G. 

888) So Apotlod. Fr. 101 b. La. Di. 164 (vgl. Soid.). Nach Pseudo-Lukian. 
Macrob. 20 wäre er freilich, was aber kaum als Abweichung ansusehen ist, 
Sl Jahre alt geworden, und Val. Max. Vlll, 7, eii 10 sagt, er habe im 
SO. Jahr das 39. Buch seiner Logik vollendet, was vielleicht auch noch mit 
jener Angabe vertrSglicb ist. 

884) Bis in den Anfang des 3. Jahrb. n. Chr. lassen sich ihre Spuren 



iv.t^iOOylC 



• S. Stoiker. CIiTjrBippOB. 79 

bnnclieii^^). Denn er war ein Yielschreiber, von deasen Werken 
aber alle mSgUchen Gegenstände 705 Bücher gezählt worden"^, 

Terfolgen , s. doraber basondera Qercke CbrjBippea, Leipz. 1886. 8. (Jahrb. 
t Phil. Snppl. N. F. XIT). S. 691 f. ed3 ff. Bei Snetoii. de rir. illutr. 
p. 74, 14 ff. Baiffencb. ConuUo rogavit (scriptis matrem Perriut) ut dant 
iibroi circa gepHngatiot [OhryrippiJ rive hibliothtcam «Harn omnem haben 
JaEm und Beiffericheid mit Recht Chrysippi getilgt Aber aoa Plat. 
comm. not. 86. 1070 E. ti yäf tifttiir nt^X S%'iiaioavinns ptßüov iati xavrd- 
jötf'fr laßiüi erhellt, daas diese Schriften wenigstem sa dessen Zeit noch 
riel&eh gelesen wurden, kach die Citat« des GalenOB dOrTten ans eigner 
Leotflre etammen. Doch sagt denelbe XI. !31 , dua ihr Untergang bereit« 
nahe bevonnstehen icheine: il »al fx^dip la^ino 'Efuatatfmtov ßißUbt, 
älX' ^4q »äpttc aTialälti, natäntf tk X^alxxov %iv8vviin na&tlv. Der 
■Stoiker Arietokles ron Lampsakos, welcher eh der Schrift xtqX toö «üg 
iiuteza Z^yOfMv xnl durroovficO'« einen Commentar in 4 B. schrieb (Said. 
^pMtoxi^c), n&d det Epikureer (s. Qercke 8. 693) Diogeoiano«, Ton dessen 
Polemik gegen »«pl ttfiafitir^t wir Brachstficke in Euseb. P. E. (s. Qeroke 
S. TOI ff. 74S— 765) haben, mbgen ancb erst dem 3. Jahrh. n. Chr. an- 
gehören, doch ist dies muieher. Aber gegen Ende dieses Jahrb. Ter&aete 
im Anschlasi an dieses Werk der Stoiker Philopator sein gleichbetäteltes 
fernes, de nat. hoin. SS. p. 140), und Aleiandros von Aphrodisias unter- 
liebt ersteres in seiner Schrift xt^l ttfiainiivtK xxt tau i<p' ij^iv einer ein- 
gehenden Widerlegnng. 

386) Am Meisten beaitien wir ron der Schrift mpl äwaqnm%mv (n&ml. 
«{uBfta'f«»*) ^Qot 'J^mafifttv in S B. (La. Di 190) ans einem Pariser 
agjrpüschflu Papjroa. Nach der Bekanntmachnng ron Letronne Fragments 
ioädito d'ancieni poCtea gieci, tiräs d'un Papyrns apputenant an Musäe 
Royal arec la oopie entdäre de ce papyros etc., Paria 1888 hat es Bergk 
Commentatio de Chrysippi libris ««fl Anwpannäp, Cassel 1841. 4. Oposc. 
IL S. 111—148 bearbeitet. 

336) La. Di. 180, bei welchem sich 189—803 ein Katalog der „nun- 
hafieeten" {hioiöttnti ßißUa) findet, der aber in der Hitte abbricht, 
weil hier die A. 161 beseiohnete groese Teitlüoke eintritt. Den Anfang 
machen die logischen Schriften: loyinoi tönov (lam Verst&ndnisa dieses 
Ausdrucks ist su bemerken, dass ein Theil der Stoiker, freilich nicht Ch. 
selbet, die drei Hauptabschnitte der Philosophie tditoi nannte, La. Di. 39. 
möca Sh ra ft^^ij b itir 'j^mlliöJapoc lösove nalfi, & it Xifvvixxos xcl 
Eüqop^s t{9t[, iiUm ihrti, Tgl. A. 8BG; inr Logik rechneten aber die 
Stoiker ancb die Bhetorik, die Grammatik, ja die Theorie der Poesie und 
der Hoeik, s. Zeller S. 63 ff.). S. Aber dieselben Prantl Oesch. d. Log. 
1. 8. 404ff., femer Nicolai De logicis Chrjsippi libris tam coiligendis 
quam ad doctrinae rationem acoommodate disponendia, Qaedlinburg 1869. 4. 
und die maaalose Polemik gegen diesen von Hirzel De logica Stoicorom 
in der Satnra phiL H. Sanppio obl., Leipi. 18T9. In der That glaube ancb 
ich nicht, dass die Qeaonuntliste so Terachoben und verderbt ist, wie 
Nicolai, annimmt, und halte schon dessbalb seinen verwegenen Her- 
stellnngsreranch fGr Terfeblt, Aber ebonao wenig aobeinen mir die künat- 



,,i.,ooylc 



80 ZweiteB Capitel. Philosophie bis !. Hälfte des 2. ^rh. 

UD<1 natürlich war eine solche Schreibseligkeit nur auf Unkosten 
aller Schönheit und Sorgfalt der DarstelluDg möglich. So spricht 



liehen und grosBentheilH auf einer zogeataDdenenuasseti mindestens höchst 
unsicheren Hypothese berahenden Erklärungen von Hirzel darchweg an- 
wendbar, -vielmehr ddrften in der That einige Titel logischer Werke nnter 
die ethischen gerathen sein, wenn auch nicht so Tiele, wie Frantl und 
Nicolai meinen; sicher wird sich hier in manchen Fällen nicht entecfaeiden 
lassen, nod ein jeder Versuch vollends die ursprünglichen Platte zu er- 
mitteln scheint mir von vom berein hoRnungelos. Die Itachevzabl der legi- 
neben Schriften wird schUeaslich (198) auf 311- angegeben. Dass Praatl 
anch unter HiniUEählnng der i ilmtSexiyQtaftt mit S BQchein nicht ganz 
so viele ans den Titeln herausznrechnen vermocht hat, darauf legt er ein 
unverhältnisemBssiges Gewicht, denn bei S Titeln fehlt in unsern Aungaben ' 
die BuchEahl. Wenn also nicht in Sil ein Fehler steckt, kann die Zahl 
der unter die ethischen Schriften versprengten logischen keine grosse sein, 
oder aber es sind mehrere erst nachtritglich in dae Verieichniss nnd zwar 
an falscher Stelle hineingebmcht. Die logischen Werke sind, wie I9S aus- 
drücklich wiederholt wird , wieder in 4 Abschnitte getheilt, von denen der 
eiste, allgemeine nnd einleitende in nnsem Ausgaben keinen besondem 
Titel hat, der Eweite xtgl iä ititäyiutta, der dritte xtgl rät <1^£<>C »«l lör 
«ai' avxis löyov, der vierte ngög (>rF(>l?) Toiig loyottg «al rovi; i^önotrs 
benannt ist, woranf denn noch als Anhang ein Sammelweck folgt, und 
jeder dieser Abschnitte serflllt wieder in kleinere Gruppen (<it>mi£nc). Da 
die Liste, wie gesagt, gar nicht alle Werke des Ch. umfassen soll, ist es 
nicht auffallend, wenn sich auch noch einielne andere Titel nachweisen 
lassen, auffallend allerdings, dass die A. 187 en^hnte Schntcichrift fOr 
Zenon wenigstens in unsern Ausgaben im Terceicboisse fehlt. Die dann 
folgenden ethischen Werke, in deren Aufzählung die Lücke bereits be- 
ginnt, sind entsprechend geordnet: ^^ihoü loyov toi nr^ t^v iiÖQ^mair 
T«v >]#iitiD>' mit 6, >E(1 rüv xoivisr löymv naia rat i* zoviov ewiataniraf 
riirat ««1 UQttät mit 8 W9W%tit, dann nt^l äya9äv xal Ttcntäi/. Wo 
dem Titel einer Schrift ttgöt mit einem Namen angehängt ist, scheint dies 
stets eine Dedication nnd nicht eine Gegenschrift zn beieichnen, so dass 
das wiederholte Hfbt Z^vtava sich nicht auf Zenon von tfitdon, sondern auf 
Zenon von Tarsos bezieht. Ueber die Schriften xtgl vdfiot) (der vollstAndige 
Titel war xci/l niXitos «al föfiov, PhUod. de philos. Col. XIII, a. Gomperz 
a. a. ü. 8. 254), löyot mto&tzi*ol tlg loös vöfiooc, itegl jijropH^e nnd die 
physischen xtgl fMoiix^e, iuqI ctfuiQiifvtK , xpl ^I^C handelt Oeann 
Von einigen Schriften des Chryrippos, Beiti4ge tnr griech. u. rOm, Litteia- 
targesch. I. (Darmstadt 1886). S. 260 ff. Die Schrift atfl ita9äv ist von 
PbilodemoB im zweiten Tbeil von xtgl öfv^t ausgeschrieben, s. C. SS. 
A. 200. Die Bcnchstacke der 6 Bücher xtfl jtfovoiat nnd der S nifl 
ttfuiQlUviie bat Oercke a. a. 0. S. 691 ff. fortrelTlich gesammelt Einen 
ausfUhrlicheu Bericht über die Theologie des Ch. aus m«! 9täv, xcfl Xnfl- 
Tn», x(0l fvatiat, xf(l «no^oCvs giebt Philod. de piet. Col. XI ff., vgl. 
Cic. N. D. I, 16, 89 ff. Krieche a. a. 0. S. 443—481. Dipls Doiogr. 



ivXtOO^IC 



6, Stoiker, Cbcjsippo». Aristokreon. 81 

er es denn auch selber sqb, dass er sich um Dunkelheiten, 
Härten und Uncorrectheiten aller Art wenig kümmere''^, und 
gewiss ist das Urtheil^) nicht ungerecht, dsBs er zwar der 
geflbteste Dialektiker war, aber unter allen namhaften Schrift- 
stellern der schlechteste Stilist Seine Darstellung war Ton ^r- 
mOdender Breite und Weitschweifigkeit, leblos und trocken, von 
langweiligem und pedantischem logischen Formalismus durch- 
zogen, vielfach unklar, strotzend von Geschmacklosigkeiten aller 
Art, Toll von Wiederholungen und von masslos gehäuften und 
übel angewendeten Citaten, namentlich von Dichteratellen^^''} 
und dabei nicht einmal frei von dem Fehler, dass er häufig Be- 
weismittel ohne wissenschaftlichen Wertli anwandte'^'). Ganz 
besonders widerwärtig aber berührt es, wie dieser „von alten 
Grazien verlassene Mann" in mehreren seiner ethischen Schriften"") 
kynisch-stoische Paradozien, wie das unerquickliche „Thema von 
der Statthaftigkeit des Genusses voif Menschenfleiech mit der 
nur ihm eignen breitspurigen Vertiefung in das HässUcbe und 
Ekelhafte weitläuBg erörtert hat"**')- 

Aristokreon, Schwestersohu und Schüler desChrysippos'*'), 
welcher mehrere seiner Schriften ihm widmete, verfasste selbst 
zu Ehren seines Oheims, dem er auch eine Bildsäule errichten 

S. 614 ff. Ueber die 3 BQcber Mtf/l futwtn^t, über xtpl i^tiofimp und «tpl 
öwtifanr a. Wachsrnnth AiuichUn der Stoiker ab. Mantik S. U— 14, äb«r 
4 Bücher x(|il i^f naii füe li£fic ävtaftmXiat "fot Jimva a. C. SG. A. 40, 
aber xt«! vmv imaiav tpvouilöyai' C. 20. A. 13, 14 vgl. mit C. IT. A. 27, 
aber die rhetoriecben Schriften C. S&. A. IT, Qbei die gegen Phi]on Ä. 60. 

337) Bei Plut. Sto. rep. 28. 104TB. Vgl. C. 86. A. IT. 

838) Von Diony». v. Halik. C. V, 4. p. 81 Eeiske: äiroxifi] di tiK(ni- 
giai xf^aaü&ai t^ loyal X^elmtov tov Zianiitv . . . coviof läf ovx' äfitt- 
vo» ovdflf fäg duiltHTtxäc zlivas ■^%eipa>ety ovu %(iQovi afitoulqi avv- 

838*') Vgl. A. 431 nad Eomead. b. La. Di. X, 2T munittelbar nach 
den dort augef. Worten; nolXäiut tavta yi-jfutft xal to ^xfldöv, Kvl 
'a^iöf#tot(r iia%i xä Inti-fieOai, %«l za iittQtiiQta Toaavxä laviv äs Ixtivmv ■ 
ßorioy yluciy tä ßißUa, HaOuscp Mal xapä Zt;vmvi fori* ivffip xol nanä 
'AfuitotiUi nnd Apoliod, d. Epiknreer b. La. Di. VU, 181 (a. C. 32. A. 138). 

389) Cic. de or. I, 11, 60. La. Di. VII, 180 f. Galen. T. V. p. 213. 
296—315. VIIL p. 631 E. 

840) In der UoXittia, den Bdchem atfl tov tiaO^-navtas (Sex. Pyrr. 
lÜ, 247 f.), dem dritten Bach «tpl lov dtnaiov (La. DL 188) ond in itegl 
«ixtriDovriic (Fhilod. de pbilog. Col. XIV, a. Oompert a. a. 0. S. 266). 

341) Oompert a. a. 0. S. 266, A. 1. 

342) La. DL 185. Vgl PbUod. I. St. Col. XLVII, 8 f. 

SctufiBi., grlvelL.alai. I.ltl,-0«ich, I, 6 

D,J-,., llv.t^TOO^IC 



82 ZweitsB Capital. PhiloBOphie bis 2. Häm« äct 2. Jahrl). 

liess^'), eine Schrift nach dessen Tode^) und ist wohl auch 
derselbe, dessen Werk AW'ioiuxä oder wie sonst der Titel ge- 
lautet haben mag, Hermippos, offenbar sein Zeitgenosse, las*"). 

Zenoti Ton Taraoa, Sohn des Dioskurides**'), Nachfolger**^) 
und gleichfalls SchDler des Chrysippos^, schrieb wenig, hatte 
aber viele Schüler***) und zweifelte bereits die herakleitisch- 
stoische Lehre von einer periodiscbea WeltTerbrennung an''*), 
wodurch er den ersten Keim zn einem Eklekticismus in die 
stoische Schule hineintrug, welcher bald genug kräftig auf- 
schieasen sollte*^'). 

Diogenes, Sobn des Artemidoros'^^, tod Selenkeia am 
Zasammeofluss des Euphrat und Tigris*''*), daher gewöhnlich 
„der Babylonier" genannt***), war gleichfalls Schüler des Chry- 
sippoB gewesen*^) and ward der Nachfolger des Zenon von 



848] S. Anm. S18. Vgl. La. Di. 18S. 

344) X^alKKov taipatt wo er deo Hjllos au» Soli als SchOler des 
CbryeippoB und des Sphaeros beieicbDete, Philod. 1. St. Col. XLTI. 

346) Bei Ael. V. H. VII, 40 Tgl. mit Fiat. comm. uot. 16. 1064 B. Im 
Uebrigena. Hin. N. H. V. g. 69. VI. §.188. 191. Müller F. H.G. IV. S. 383f. 

846) Suid. Z^p. Jioo., wo die Angabe üg äe nnt üliJavios natarlich 
auf VerwechMlnng mit Z. von Sidoa faeraht. 

347) Philod. a. a. 0. Col. SLVII. Euseb, P. E. XV, 13, 9. 816 c. Areios 
Didj'm. b. Eneeb. ebeud. XV, 18, 8. 820 d. 

348) Said, fiu^ijijjg X^vaiitiiov nal iiäSoxot- In der Epit. Diag, (tiebe 
Usener Epicnrea S. XI) folgt er auf ChryaippoB, 

349) La. Di. 3& (im Homon^menTeneicbsiia). Wie ea echeint, iat bei 
PfaUod. a. a. O. Col. XLYIII von aeinen Scbriftea (gegen den Peripateliker 
Hieronjmos) die Rede. 

360) Ar. Did. a. a. 0. In der Eintheitang der Philoaopbie acUoas er 
»ich in so fem an Eleantbea an, als er die von diesem (a. Ann. 2S1] anf- 
geatellten secbs Theile des Vortrags (X6yos) der Philosophie so Theilen der 
Philosophie selbst machte, La. Di. 41. Weiteres a. ebend. 84. 

861) Weitere Schüler des Cbrjsippos waren Diophanea (Philod. a. a. O. 
Col. XLVI), auch wohl die (ebend. Col. XLVII genannten) Apelles, Ari- 
atobnloa, Herakleidea, denen er gleichfalls Schriften widmete, nnd so 
wobl die Meiaten, von denen daa Gleiche gilt, dazu Aristokreons Binder 
Philokratea (La. Dt. 185). 

882) Philod. a. a. 0. Col. XLVIII. 

868) Philod. a. a. 0. La. Di. VI, 81 (Homonym enverz.) Strab. XVI. 
744. Paendo-Lakian. Hacrob. 20. 

864) La. Di. VII, 89. 66. Cic. N. D. I, 16, 41. Divin. I, 3, 6. Plut. de 
exil. 14, 606 B. — Thiery De Diog. Bab., LSwen 1830, 8 (mit Pragma.). 
Vgl. Eriacbe a. a, 0. S. 481 ff. Hirzel S. 230ff, 

366) Cic. Divin. a. a, Ü. Pseado-Galen. Hiat. philoa. 2. p. 600, 10 Diela. 

D,J-,., lIv.t^TOO^IC 



6. Stoiker. Zenou von Twiob. Diogenes d. fiab;L 83 

Taraos^. In dieser Eigenschaft als stoisches Schulhaupt nahm 
er Theil an der sogenannten Philosophengesandtachaft nach 
Rom 15C^'^'). Bald darauf scheint er hocbbetagt, wohl noch 
TOr I5y0 gestorben zu sein*'*), wie es heisat, 88 Jahre alt'^'). 
Auch be^Qhmte^Qrammatiker, Apollodoros von Athen^, Zeno- 
dotoa von Alexandreia *") nnd vermuthlich ***) auch Krates von 
Mallös gehörten zu seinen Schülern. Aber er soll in späteren 
Jahren dem Zweifel an der Weltverbrennung beigetreten sein***), 
nnd jedenfalls stellte er, wahrscheinlich gedrängt durch die Ein- 
wQrfe des Eameades gegen das den natürlichen BedOrfniasen des 
Menschen nicht genügend Rechnung tragende stoische Tugend- 
ideal, eine Definition des Lebenszwecks auf, welche von der alt- 
stoiscben in bedenkUcher Weise abwich^ und sodann von Anti- 
patros nnd Archedemos in verschiedener Art modificirt ward'*'^). 
Entsprechend dieser Auflockerung der strengen altatoischen Ethik 
huldigte er denn auch einer sehr laxen Moral, indem er es, wenn 
wir ^eeht berichtet sind und dies nicht vielmehr eine blosse 

366) Pfailod. a. a. 0. In der Epit Diog. wird er unmittelbar nach 
dieiem aafgaFBhit. Bei Rat. de fort. AI. I, b. 328 D leien wir Zr;vo>voE, 
il Jioyiwi] tÖ* Baßvlätiov Intioi tfiloaoipii*. Aber dies ist falacb, mag 
man nun nnter Z^vtsvoE den Kitier oder den Taraier Terstehen, denn aucb 
letzterer kSnnte nnr nach nnd nicht vor CbT7rippo( Lehrer des Diogenes 
geoesen sein. Vgl. W^ttenbach z. d. St. Thierj S. 16 f. 

367) Cic. Acad. II, 46, IST. Weiteres bei Zeller II', 2. B. TBS. A. 13. 
S5B) Cic. de len. T, 33. 

359) Piendo-Lakian. a. a. 0. Damach wäre er etwa 340 geboren. 
S60) Psendo-Skrmn. 19—31, s. C. 2T. A, Sl. 

361) Wenn anders dieier bei La. Di. S9f., wo ein Epigramm von ihm 
Ulf Zenon von Eition mitgetboilt wird, m verstehen ist, h. C. 26. A. 83. 

362) Wie Claasen De primordiis gramm. Qr. 8. 79 nnd Zeller IIP, 1. 
S. il. A. 1 mit grosser Wabracbeinlichkett annehmen. 

S6S) Vielleicht in Folge der Gegen argnmente des Kritotaoe (a. A. 804), 
wie V. Arnim Qaellenstud. z. Philo 8. 60 vermnthet. 8. PBendo-Phil. de 
incorr. m. 16. i»l Hang. 94T C HOach. (p, 348 , 14 S. Bern.), liyitm Si 
wi ^loyevi]; -^»{»a viot t;*> ovmmyifa'ptt fiivot rm Söyiiazf r^t ixitvfdeeios 
mpi tiji Jiltulas ivSotäaas Intaxeiv. F&lseblich kehren Eirzel S. 253 und 
Stein I. 8. 79 die Sache nm, nnd letzterer schiebt dabei noch obendrein 
ertterem die richtige Angabe unter nnd tadelt ihn desahalbl Tgl. C. 32. 
A. 434. 

>64) Indem er ihn geradezu in das richtige Verhalten la den mittleren 
Dingen settter tvlojietia 4* *b tä» aatä iptiaii' ^«loyg xal änfuXoy^, 
La. Di. 88. Stob. Ed. eth. p. 134 H. T6, 9f.W. In Bezug anf die Ein- 
theilnng der Ethik fahrt ihn La. Di. 84 an. 

366) 8. A. 8T6. 388. 



84 Zweites Capitel Philosophie bis 8. Hälfte des e. Jahrh. 

CoDBeqaeuzmacherei seiner akademischen Gegner war^^"), sogar 
für erlaubt erklärte wesentliche Mängel eines za rerkaufenden 
Gegenstandes- zu verschweigen, ja folsches Geld zn gebrauchen'^, 
womit er freilich andererseits doch nur Auechaaimgen anf die 
Spitze trieb, zn denen der Gmnd bereits bei Chrysippos gelegt 
war**"'). Seioe Schriften waren vielseitiger Art"'). 

Antipatros von Tarsos"*), Schüler***) and wohl unzweifel- 
haft Nachfolger des Diogenes *'"), machte, nachdem er ein hohes 
Alter erreicht hatte*"), seinem Leben, wie es heisst, selber durch 
Gift ein Ende*"). Er bekämpfte den Kameadea in mehreren 
Schriften, wagte aber nicht sich in eine mfindliche Disputation 
mit demselben einzulassen, was ihm den Spottnamen des „Peder- 
schreiers"'^*) zuzog. Aber auch die unsittlichen Grundsätze 
seines Lehrers bestritt er und stellte dessen grob eigennOtziger 
Moral eine „gruaeherzigere Lebensauffassung" gegenüber*"), wenn 

365i>) Wie Klohe De Ciceronis librorom de officüa fontibns, Qreifs- 
wald 1889. S. (Doctordiaa.) S. 86 f. annimint, theilweise wohl mit Becht, 
aber doch aach wohl nur tfaeilweise. Vgl. A. 374. 

866) Cio. Off. ni, IS, 61. 18, 66. 38, 91 (nach der Schrift eines Aka- 
demikers, wie Elohe a. a. 0. naohweiat). 

866>>) 3. Cic. ebend. 10, 42. Hirzel S. B9T. S. 698 ff. Anm. Und in 
anderer Waiie schon bei Penaeos, s. A. 860. 

867) .JKrlsxnx^ xijvij (La. Di. 11), Tiinj ki^I ipnvijt (Diokl. b. La. 
Dt. 66. 67, ygl. 68 nnd C. BS. A. 19!), Otier Weiaeaffnng (Cic. Dir. o, a.0.), 
»t«i T^c 'A&Tivät (Philod. de piet Col. XV. Cic. N. D. I, 16, 41. Hinnc. 
Fei. 19), uBifl lov Tqe ^vx^s ^vtfiomov (Oalen. de Hipp, et Plat. II, 6. 
T. V. p. 841), sE^l vöfuor (Atb, Xn. 626d, von Cicero in de leg. benntrt, 
wie ans dessen Aenssernng ebendas, III, 6, 18 erbellt, ■. C. 88. A. 68). 

368) Wnillot De Antipatro Tanio philosopho Stoico, LOwen 1834. 8. 
(Doctordiss.) 

ae9) Cic. Off. III, 18, 61. Psendo.Galen. Hiit. phil. 8. p. 600, 10 Diels. — 
dem. Str. 11. 416 B (497 Pott.) beteicbnet ihn OlHchlicb ak Schalet des 
Kleaathei. 

870) Denn er lehrte in Athen (Plnt Ti. Gracoh. 8) nnd kehrte nie 
wieder von dort in seine Heimat snrAck (PlaL tianqn. an. 9. 469 B. Cic. 
TuKi. V, 8T, 107, Tgl. A. S78), nnd ansserdem e. C. 28. A. 17. 27. 

871) Philod. l. St. Col. LX. Plut. St. rep. 2. 1088 D. E. 

318) La. Di. IV, 66. Stob. Flor. CXIX, 19. Ob sich damit aber Plot. 
tmnqo. an. a. a. 0. /tvti^ajQOf Bi ö Tafnrie xi/og tm xtltvtSv m* fxvxti' 
ttja6mv ävaloyitöfnvoe ovii zi]r tmtlaiuv ttafillxt t^v tu KiXtiiias avtm 
Yironinjv flg 'A9^vas verträgt, la«He ich dahingeBtellt. 

318) »alaiMßiat. Plut de garnil. 83. 614 D. Nnmen. b. Enseb. P. E. 
XIV, 8, 11. 738 0. Cic. Acftd. 11, 6, 11. 

874) Cir. Off. HI 12 60ff. 23, 91. S. Hirze) S. 69Bff. n. vgl C. 88. 



hX.OO^IC 



ö: Stoiker. Antipaboa v. TaraoB. Archedemoe. g5 

er sich auch in seiner Definition des hÖchsUn Guts, wie ges^, 
mit einer gewissen Modiücation an denselben anschloas''^''), und 
nicht minder hielt er an der Lehre vom Weltbrande fest ^'"). 
Von seinen ScLriften ist uns nur wenig bekannt'^^ 

Archedemos ron Tarsos"^), auch wohl ein Schüler des 
Diogenes*™), ging von AUien nach Bab;Ion und gründete dort 
eine eigene Schule*^). Er wich von allen anderen Stoikern darin 
ab, dass er den Hauptsitz der Gottheit nicht in den Weltumkreis, 
sondern in die Weltmitte, d. h. in das Innere der Erde, welcher 
er also richtig einen fenrigen Kern zuschrieb, verlegte^^), womit 

jL 16. — Klohe a. a. 0. S. 87 meint freiiicli: „propoiuerat . . . tUa« ptae- 
Miona nee Diogtnes Hec Änlipaler, nd Cameada etc.", da« geht aber m. E. 
Tiel m weit 

376) 8. die A. 364 angef. Stelleo bei Stob, (^^v ixXtyonivttvs fihv lic 
■«ä ^mv, ättttUro/ttnovs Si tä nat/i tpvnv di^nxäs oder >«v lö ita6' 
«vtÖ* itoulv itrpitimt %a.l äxapa^iaic x^öc lö tv)iä*H9 t&v x^o^ott- 
tuvtni Ksta tfvntv) nud Clem. a. a. 0. (/tti]wt*»t "ol ÖTtafaßattos IxXiytMvi 
ftlr nr xorä tpvttt, äiitnXiyia9ai ü iä naifa 9vo»>). Birzel 6. SSSfT. 

876) La. DL 142. 

S77) Aasaer der A. S39 aDgefOhrten: ntel ögtov (Diokl. b. La. Di. 60. 
'A. ip tä K^'tfi «. 3.\ xt(l li^iais x«! lüv Ityoiiivaii ia mehreren Büchern 
(Jf tots «. 1. M. T. 1. sagt DioU. b. La. Di. 67 mit der Angabe, daee A. 
hier en den fflnf Bedetheilen de« Chryaippoa, a. A. 330, noch die fitiroTigc, 
d. b. da* Adverbinm, hininfOgte, TgL aoch 64. 66. 68 und Varr. L. L. 
VI, 1, wo er neben ChtjsippOB als Etymolog genannt wird), 8 B. *ti/l futv- 
u%^f (Cic. DiTJn. I, 3, 6) mit vielen biBtoriocben Beispielen (ebendas. 69, 
laS) namentlich auch tod Tr&umen und Traumdeatongeu (ebenda«. 20, 39. 
II, 70, 144, tgl. Wachsmutli a. a. O. S. 14 f.), *tnä läv u[fi4tmy (Philod. 
de philoa. Col. VII: hier gedachte er anch der noXnu'a des Zenon und 
der des Diogenei, nach Philod. nicht dea Sinopeera, aondem eines anderen, 
TgL A. 198 und 7L''). Fälschlich hat man ihn Teretaudeo unter 'Anhufcnot 
h iwtifonfittjs Artemid. Oneirocr. IV, 66, vgl Wachsmuth a. a. 0. S. 16. 
S. noch La. DL 84. 92, wo anch wohl der Taraiet gemeint ist, und im 
Uebrigcn C. 32. A. 66. 

378) Strab. XIV. 674. 379) Philod. I. St. Col. XLVUl. 

380) Flut de exil. 14. 606 B. ö di 'A^itvalog (diee ist natürlich ein 
Iirthum) 'Agj. tls t^v näf&m' fMta«täe h BafinXtävi. Stattifiv dialloi^v 

881) AeL p. 889b, ge Diele ■» Stob. £cl. I. p. 4B2 B. 187, 6f.W. vgl. 
AieioB Didjrm. b. Euseb. P. E. XV, 6, 8. 818b. lufl Si tiv äxä xjjt atfi- 
«tmt lOoit *. X. X. Ein Irrthnm ist hier kaum mOglich. Hiermit und übet- 
hanpt mit stoiBcher Anschauungsweise unvertrBglich ist nun aber die An- 
gabe dea Simplik. z. Aristot. de coel. p. 229'', 80 Karst. (Schol. in Ar. 
606*, 4ö), Dach Alex. v. Aphiod., Archedemos habe die Erde nicht als 
Weltmitte angeaeben, daher denn Zeller IU^ 1. S. 46 f. A. 8 mit Becht 



„i.,ooglc 



J 



86 Zweites Capitel. Philosophie bU 2. Hälfte des 2. Johrh. 

er denn mSglicherweise noch einen Schritt weiter als Eleantbee 
unii Chrysippoa im PantheismuB ging'^). Seine Definition des 
höchsten Gutes^') entfernt sich vielleicht noch mehr als die 
des Diogenes, an velche sie sich anschloss, von der Anschauung 
der alten Sto». Auch mit Rhetorik beschäftigte er sich***''). 

Apollodoros von Seleukeia, Schüler des Diogenes*^), wird 
nicht selten erwähnt^ ''), und es sind uns auch mehrere Schriften 
von ihm bekannt^^). 

EndromoB, Verfasser einer Ethik^, gehört auch wohl 
derselben Zeit an. 

anoinimt, entweder eei hier ein anderer A. gemeint oder 'AeiidTmos mib 
Afimtifxos 6 Zafuoe (b. A. 227 n. bea. C. 23. A. 69 f.) verderbt — Eine 
Schrift des A. ntfl notiMiatv wird -bei La. Di. 1S4. ISS angeßhrt 
888} Hirtel 8. 221. 7T8ff. 

383) nävtu tä *a9^*ovTtt i^iitloivTat ^*, a. die A. 364 angef. Stellen. 
Eine andere Definition bei Clein. Str. K. 4lfi B. ixiffäficvos {Ixleyia^ai 
oder ijdfjö^nvov? Hirael) zä mokc tfvaiv fiiftata nal nvtfKÖxatit, oöj 
olöv xt öiFia vjtnißccivtiv achlieaBt sich in der Form enger an die des 
Diogenes nud AntipatroB an. S. Hirsel S, 233ff. — AnsBerdem s. noch 
La. Di. 84. 

383^) Denn es ist wohl kaum ein Grund vorhanden, um mit Striller 
B. a. 0. S. 15 daran zu sweifeln, daes det-jenige A,, welcher nach Demetr. 
de eloc. 34 die Definition dea Kolon bei Ariatot. Rbet. III, 9. 1409^ 16 
benutzte, und von welchem Quintil. lü, 6, 81 berichtet: fuerunt gtw duM 
stalm facereWt: AriAeäemua coniecturalem et finüivuvt excluta qualitale, 
gvia eic de ea guam existimabat uguiil esset inimiewm, quül imwsttim quid 
diclo audientent wm «ue", quod vocat de eodem et äUo (vgl. C. 8&. A. 83), 
der Stoiker war, wie auch Zeller II', 2. S. 148. A. 8 vermnthet, a. Diels 
üeh. d. 8. B. der ariatot. Bbet, Abhh. der Berl. Akad. 1886. 8. 24 f. — 
Femer schrieb er xt^l ^oiviis, Diokl. b. La. Di. 65 (vgl. A. 367), b. anch 68. 

384) Philod. I. Bto. Col. LI. Von La. Di. nach der Epit^me Ewiaohen 
Diogenes und Boethos behandelt Derselbe ist 'A. 6 'Etpilat La. Di. 39, 
wofür jedenfalls, auch wenn es verderbt ist, nicht mit Cobet (vgl. C. 32. 
A. 31) 'A. Kai i^llof geschrieben werden darf, s. Zelter IIP, 1. S. 47. 
A. 1. (Ob vielleicht 'A. ö Zil$vittvs1). 

384^) Z. B. bei La. Di. noch 64. 64. 84. Ausserdem s. C. 32. A. 31. 

385) Elf tä iöyiiaza elaaytoyal (La. Di. 39, vgl. A. 336. 384), ^«'»^ 
(La. Di. 108. 118. 181. 129), ^amii tf'zvii (Ar. Did. Fr. 26. 24 b. Stob. 
EcL I. p. 266. 108 E. lOS. 166 W., vgl. La. Di. 126. 136. 140), eine «voto- 
loyiK^ tt^aytofTi, welche der ap&tere Stoiker Theon (a. C. 82. A. 118) 
commentirte (Snid. Bitov). — Noch wird L St. CoL LI* ein Schüler des 
Diogenea aus Alexandreia in Troas genannt, dessen Name aber ange- 
fallen ist 

386) Tf&tK^ iTToiii/raftc La Di. 39, vgL 40 (wo schon Stephanus 
richtig EvApofME für Eviijimt vermothete). 



i.t^iooylc 



6. Stoiker. Apollodoro«. Eudromos. etc. ö. Epikureer. Epikuroa. ^7 

Herakleides von Tareos, ein Schalet des Aatipatros, be- 
kämpfte das altstoische Paradoxon von der Gleichheit aller Sfitiden 
und Fehltritte'«*'). 

Sosigenee war gleichfalls ein SchOler des Antipatroe'^^). 

Aus ganz anbekannter Zeit sind Diogenes von Ftolemais, 
O^opides, Nikostratos, Krinia'*'*'). 

6. Die Spikoreer. 

Epikuros'^) war der Sohn eines Atheners Neokles aus dem 
Demos GaigBltoe"^'^ nnd wird daher selbst vielfach als Athener 

386'») La. Di. 121. 
■ 387) Alei. y. Aphroii. de mixt. t. 148'. Im Ind. St. Col. Lllli ist 
bloBB der verstilDimelt« Name ^^on^tr^vii^C^ erhalten. La. Di. hatte nach 
der Epitome den Herakleides nnd den SoBigenes zwischen Antipatroe und 
FaDaatios abgebaodelt, a. C. 32. A. 9. Weit bekannter ala beide iat ein 
dritter ZOgling des Antipatroa, C. BloiainB au» Camae, der Vertraate des 
Tiberiue QracchDe, b. Zeller DI'. S. 684. — Im Ind. St. Col. LH werden 
ala Schaler, sei ea des Diogenes, sei ea des Antipatroa, uofgefOhrt Apollo- 
nidea von Smyma, Chryaermoa von Aleiandrcia, Dionyaios Ton Syteoo 
(fta^itgtit üeuitot . . . ttvxet^vxtty (?) JriiirjfQi^ icä ^(^ij^iopiiiffi , x . . .) 
und vor ihnen ein Mann, der Areopagit war, desBen Name aber nebat dem 
aeinea mfilterlichea Qroatvaters {^vyatQos vtöt) anagefallen ist, jedenfalls 
nicht laaon von Nyaa, ao den Comparetti denkt, denn diea ist chrono- 
logisch DomOgUch, s. C. 38. A. 47. 

887^'} Den Erinis fahrt Diokl. b. La. Di. 71 mit dem Bnchtitel Sia- 
lt»n%q ti%vfi und ohne Zweifel in Bezug auf dieselbe Schrift 62 ond 
(neben ChrjaippoB, Archedemos, Athenodoroa und Antipatroa, vgl. A, 367. 
877) 68 an, den Diogenes citirt La. Di. 41, den Oenopidea nennt St«b. 
Ekl. I. p. 58 H. S4,20W. in Verbindung mit Diogenei (dam Babjlonier) 
und Kleanthea (alao nicht Oenopidea von Cbioa, wie im Iudex von Wachs- 
muth ateht), Hacrob. Sat I, 17, 31 in Verbindung mit Eleanthee, den 
Nikostratos Philodemoa jmjI **ib* ätayoiy^e (Vol. Herc, Coli, prior. VI, 1. 
Tab. I, 3}, vielleicht auch Artemid. I, 2 z. E. JVixoai^ÜTC) löl 'Eqitaiai, 

888) Unter den erhaltenen Bildwerken tragen zwei seinen Namen, einea 
im capitolipiacheu Muaeiun und ein herculaniscbea, a. Viaconti Iconogr. 
Gr. I. 8. aiOff. T. XXV. Mua. Pio-Clem. VI, T. 34. Comparetti und 
de Petra La villa Ercolaneae T. XII, 5—7. Von seinen Schülern schrieb, 
und zwar allem Anschein nach in einem ihm feindlichen Sinne, Uerodotoa 
Mtfi 'Eatmovtov Iqirißciat (La. Di. X, 4), Ariatou, auch wohl einer von 
ihnen, aber gleichfalls wenigatena kein unbedingter Verehrer des E, (aiehe 
A. 4&6), verfaaste einen Bus 'Extxoöpov (La. Di, 14, a. A. 466), später 
ApoUodoroa (der Gartentyranu, a. C, 32. A. 131) eine Schrift xcgl toü 'Ehimov- 
fOD ßiov (La. Di. 8). — Eine aimgf ^.BJfhnpi-j fip^junTntmn^. des uns gebliebenen 
Nachlasses mit Ausnahme der Eeate xtgl qivonot erhielten wir von Usener 
Epicnrea, Leipzig 1887. 8. Dazu ist dann noch die von Wotke im Cod. 



88 Zweites C&pitel. Philosophie bü 2. EUlfle dee 2. Jahrb. 

oder Gargettier bezeichDet, ward aber in Samos, wohin sein 
Vater aU Eleniche übergesiedelt war^™), und wo derselbe als 
Schulmeister lebte"'), Ende 342 oder Anfang 341 geboren»»*) 
und theils dort theils in Teos auferzogen»»'). JedenfalU erhielt 
er keine allseitige nnd feinere wiBseuschaftliche Aasbildung, daher 
er denn eine solche auch in der Folge gründlich missachtete »»*), 



Vatic. i960 (ans dem 14. Jahrb.), wo sie deu uDpasBenden Titel 'Exmovfov 
Ttfoaip(avr]ais führt, entdeckte und io den Wiener Studien X. 1888. 8. 191 — 
198 TerOffentUcbte epikurieche SpruchsanimliiDg gekommen, b. die Ein- 
leitung von Uaener ebendag. 8. 176—190 und die Bemerkmigen von 
Gompers S. 200—210. ~ Gaeaendi De vita, moribas et doctrina Epicuri 
libci VIII, Leiden 1647. i. Haag isse. 4. AuimadverBionea in Diog. L. de 
vita et phiJ080phia Epicnri, Leiden I4fl9 Toi. Syntagma philoBOpbiae Epi- 
cart, Leiden 1655. 16G9. 4. Steinhart Art. EpicoruB in d. Encjkl. t. 
ErBch u. Qniber. v. Oizjcki Ueb. d. Leben u. d. HoralpfailoBophie des 
E,, Halle 1879. 8. Einleitende BemerkuDgen ... üb. d. Werth der Natnr- 
pbiloBophie dea B., Bert. 1884. 4. Preller Ceb. E. u. seine Pbiloaopbie, 
Phüologua XIV. 18B9. S. 69—90. Auagew. Aufe. (1864). 8. 830-849. 
SchOmann Schediosma de Epicuri theologia, Greifsw. 1865. 4. Opnac. 
IV. S. 336— 3G9. Beisacker Der Todesgedanke bei den Griechen . . . 
mit besonderer Rücka. auf Epikor nnd . . . Lucrez, Trier 1862. 4. Tobte 
Epikurs Kriterien der Wahrheit, Clausthal 1874. 4. Bockemäller Studien 
zu Lukrez u. Epiknr, Stade 1877. Guyau La morale d'Epicure, Paria 
1878. 8. Scott The pbyaical couetitation of the Epicnrean gods, Jonm. 
of Phil. XIL 1B83. S. 212-247. Brieger De atomorum Epicurearum 
motu principali, Philol. Abhh. H. Hertz dargebr. (Berlin 1SS8). S, 216-228. 
Weieaeufels Lncrez und Epiknr, GSrIitz 1889. 8. 

389) Nach Hetrodoros aus dem Geschlecht der Philaiden, La. Di. 1. 
Vgl. auch Suid. 'ExIkovqos. 

890) Herakkid. Lemb. Fr. 9 b. La. Di. 1. Cic. N. D. I. 26, 72. Strab. 
XIV. 638. 

391) Cic. a. Strab. a. a. 0. Daher nannte Timon Fr. LV ihn selbst 
spOttiBcb y^atifiaSiSeKixaUSris, Hermippoe nnd Andere aber machten ihn 
aelber zum Schnlmciatcr nnd Geholfen seines Vatcra, La. Di. 2 f. 4., vgl. 
Atb. XIII. 688 b. Dazu s. den Elatacb Ober aeine Matter b. La. Di. 4, 
welche Chaereatrate hieas (La. Di. 1). 

392) Ol. 109, 3 am 7. Gameliou nach der Berechnung von Apollod. 
Fr. 95 b. La. DI. 14, nach seiner eignen Angabe im Testam. b. La. Di. 18 
am 10., s. Usener S. 105: „an E. die VII nalus quoä d. X suiceplua erat, 
hunc politu dietn eehbra^at?" (i^v fitiaiiivTjv ayrefiai jivi9Xiov tifitfat). 

393) Strab. a. a. 0. 

394) Fr. 6 b. Plnt. non posae suav. 13. 1065 (a. 0. 32. A. 193). Fr. 
117 b. Atb. a. a. 0. a. Fr. 163 b. La. Di. 6 u. Ä, Fr. 164 b. Plut. a. a. 0. 
12. 1094 D. Fr. 227 b. Sei. Math. I, 49 (Tgl. Cic. Fin. I, 21, 71 f. 11, 4, 12). 
Weiteres bei Zeller 111», 1. 8. 881 ff. 



iv.t^iOO^IC 



«. Epikureer. Epiknroa. 89 

uDd seibat eeine EenotDisa der Mnttereprache blieb eine so roangel' 
balle , dass sieb diee später in der stilistiscben Uoreinheit, Bant- 
gcheckigbeit und UDvollkommeDheit seioer Schrifteu und den 
vielen plebejiscben Ansdrücben in denselben '"'') verrieth "*), 
wenn er es auch rermöge seines ächten Athenerthums lange 
Dicht ao Bcblimtn maebte wie Zenou nnd Chrysippos ond in 
populären Aufsätzen, wo er es nur wollte, auch gewählt zu 
Bcbreiben verstand'^''). Und so lernte er denn aucb die Lebren 
der frflberen Philosophen mit Ausnahme der demokriteiscben 
stets nur nngrOndlicb kennen'^). Trotzdem erwachte nach seiner 
eignen Aussage schon im 14. Jabre***^) sein philosophisches 
Nachdenken, und er ward in Samos durch Pamphilos*^) in der 
platonischen und wahrscheinlich in Teos durch den Teier Nausi- 
pbanes in der demokriteiscben Philosophie unterrichtet'"^^). Die 



3Bf^) La. Di. 13. xfiffjtai äl li^ii iivf/ce i»l füv nfayftäxmr, ^y Ön 
CSimtätTi (I. UuoxiiuoräTTi mit Menage oder iSuotitq mit Bake) itfil» 
UfiataipäTTie i ypafifiniixöc (vgl. C. 16. A. 68. 66) ahiäiat, Tgl. Menage 
I. 4. Bt. AoMerdem i. bes. Kleomed. 11, 1. p. 112 Buke (91 Balf.), Tgl. 
C. S8. A. 1. 

396) Sex. MaUi. I, 1. iv «oUati: yäp «ffia&^e 'Eninovtos iUytnai oi^d^ 
h Tais KOirafff iftdiai; (•>- im aprachlichea AuidrDck) Ka^npivcM'. Ath. 
a. a. O. iy%v%iiov xaidtiag afivtjtot ir. Cic. Kiii. I, 7, S$. Vgl. Dionya. 
T. Hai. C. T. M (La. Di. 4) n. A. 394<>. Eine Tollatandigo Zntammen- 
ttellnng der Urtheile des Altetthams giebt Ueener S. 88—90. Vgl. anch 
C. S&. A. 51. 

396^) Wie der Brief an HenoekeaH zeigt, s. Ueener S. XLlff. Die 
Sporen einer etwaigen Einwirkang von Bion und dem Komiker Antiphanea 
auf die DarsteliuDg dea E., welche Dsener (a. S. 400. 402) findet, haben 
[flr mich nichts Uebeneogendes, um ao weniger da, wie üaener aelbat 
herroTbebt, Kolotea gegen Bton achrieb, a. A. 4S9''. 

396) Die Behaaptnng Aber die Schriften dea K. bei La. Di. 26. ji- 
Ytanxai 91 l^aetv^lB>v ffta#tv iv aitoCs ovHiv , äXX' avxov ileir 'Est%ovifov 
fvrral iat freilich (trotz Uirzel UnterttDchungen 1. Leipiig. 1877. 8. 178. 
A. 1) eine Uebertreibnag, s. Ueener S. XLL 

396^) Fr. 179 b. La. Di. S. Arieton a. Suid. a. a. 0. geben eogu das 
12. an. 

997) Epik. Fr. 288 b. Cic. a. a. 0. Ariaton a. a. 0. (a. A. 388. 436). 
VgL Suid. 

397 <■) In Bexng auf Nanaipbanea a, aussei den A. 397 angef. Stellen 
La. Di. IX, 69. X, 8. Cic. a. a. 0. 88, 98. Sex. Math. 1, 3ff. (=- Epik. 
Fr. 118. 236. 114). Den Demokriteer Nanaik;dea, der bei La. Di. Prooem. 
16 neben Naoaiphaocs genannt wird, sieht Zeller S. 864. A. 2 mit Recht 
als eine blosae Terdoppelnng des ersteten an. Nicht ehenao wagt er dber 
den ron Apollod. Fr. 96 bei La. Di. 18 (— Epik. Fr. 123) neben Nauaiphanea 



iv.t^iOO^IC 



90 Zweiten Capitel. Philosophie bis 2. fiäiae des 2. Jahrh. 

letztere machte auf iliD eineo solchen Eindruck, daas er sich auch 
später noch längere Zeit hindurch als einen Demokriteer be- 
zeichnete'"^). In seinem 18. Jahre kam er nach Athen^, von 
dort, wir wissen nicht, wie lange später*"**), nach Kolophon, wo 
sein Tatet damals nach der Vertreibung der Athener aus Samoe 
lebte, trat dann, 32 Jahre alt, also 311/0 in Mjtitene, und hier- 
auf in Lampeakos, wo er sich mit Idomeneus und Leonteus be- 
freundete""), und zwar an beiden Orten zusammen 5 Jahre lang 
als Lehrer auf***^), und siedelte endlich um 306 mit seinen 



geuaonten FcaiiphanaB zd orthailen, macht aber mit Recht gegen Hirsiul I, 
S. IGG geltend, dass wenigatena der Peripatetiker Praiiphanes, welcher 
mindeatcns gleich alt, wahrscbeiolich aber erheblich jfinger als F.. war, 
Dicht deeeea Lehrer gewesen sein könne. S. A. 738. Wenn ea übrigens 
hier ¥on E. heiast: a^xAt ii «* <pti<iiv, aXV lavtov Iv t^ ngös Evfvlo%ov 
iniatol^, 80 wollte K. aaeh damit nur behaupten, das« er hei Nanaiphanea 
(und Pamphiloa) Nichts gelernt habe, aonJem Allea dorch aich selbst. 
Vgl. A. Wöi-. 416. 

39S) Plnt. adv. Col. 3. 1108 E. Ueber den Entwicklnngsgang des K. 
s. die Vermutfaungen von Hirzel a. a. 0. S. 108 ff. mit den sehr richtigen 
Uegeubemerkangeo von Zeller S. 473 f. A. 1. 2. Darin zwar bat Birzel 
Becht, daas die Philosophie des E. in allen Stücken, anch in der Ethik 
von der dea Dumokritos beeinflosat war, aber mit Unrecht bcstreibit er 
jeden Einänas des Aiiatippos auf ihn. Im Uegentheil geht E. in der Ethik 
weit mehr anf letzteren ala aaf erateren larflck, und anch aeine Behaup- 
tung, daaij die Sinnescmpfindung nicht blosa die alleinige Quelle alles Wis- 
seuH, sondern anch jede Wabmehmang ala solche wahr sei, stammt tod 
diesem und nicht von jenem. S. die nähere Ausführung bei Natorp For- 
achuDj^en lar Geüch. dea ErkeimtniaaproblemB im Alterth., Berl. 1S84. 8. 
Abschn. IV. Demokrit. Absch. V. Epikur u. d. epik. Schule S. 164—256. 
Aach kann ein grosserer Gegensatz kaum gedacht werden ala der zwischen 
Demokritoa, welchem die rein wiaaenschafUicho Forschung das Höchste ist, 
und E., welcher lediglich ihren Werth für das praktische Leben in Betracht 
nimmt. Aber bezeichnend iat es, daaa trotidem letzterer aeine ganze 
Th&tigkeit unter den Begriff der Natnrforachung {ipvaioliyyia) zoeammeu- 
faaste, s. bes. La. Di. 87. 

309) Herakl. Lemb. a. a. 0. Wen er hier hörte, wissen wir nicht. Ks 
heisst: den Xenokratea (Demetr. v. Magn. bei La. Di. 13), aber wenigatena 
er selbst (Fr. !33) stellt« diea entschieden in Abrede, und es iat kein Grund 
ihm hierin eu misatranen, a. A. 397, äBT**. 41&''. 

400) Herakl. Lemb. a. a. 0. sagt: lüv U»ti»aia>r luKeoövzaiv imb Iltif 
diKfoo — Snde 322 (vgl. C. 21. A. 3SS). Daraus folgt aber (wie gegen 
Uaener S, 404 bemerkt sei) noch nicht notbwendig, daaa ea gleich nach 
dieaem Ereignias geschah, wenn dies auch vielleicht das Wahncheijilichstc 
sein mag. 401) Strab. XIU. 689. 

402) Apollod. Fr. 06 b. La. Di. 16. Vgl. Suid. 



iv.t^iOO^lC 



6. Epikoreei. Epikuros. 91 

meisten Schtiiem dauernd nach Ätheo Ober*"*). Hier kaufte er 
sich einen Garten mit einem Hanse und begründete in dem- 
Belben****) nach einiger Zeit eine eigne Schule^, zu welcher 
auch seine drei Brü<ler^ gehörten, und führte in diesem viel 
besprocbenen Garten {xfjaoi 'EnixovQov), welchen er der neuen 
Genossenschaft vermachte*"^), und von welchem die Epikureer 
daher auch die „Gartenphilosophen" (ot äxo räv x^xatv) genannt 
wurden**^, mit seinen Anhängern ein höchst inniges Zusammen- 
leben, welches dieselben hier auch später fortsetzten***). Frei- 
lichnahmen an dieser Genoasenschaft nicht bloss auch Frauen*'"), 
sondern auch galante Damen Theil, von denen die bekannteste 
Leontion, die Geliebte des Metrodoros, war*"). Auch artete diese 

403) flenkl. Lemb. b. L». Di. 2: unter dem Arcbon AnaiikTatea, d. b. 
Ol, HS, ! c 807/6. Zeller S. 366 f. A. K bemerkt, dws sich dies mit den 
Zahlen des ApoUod. vertr&gt, wenn mau dieselbeo nicht voll nimmt. 

404) La. Di. 10. 17 f. Suid. Plin. XIX. §. 61. 8en. Ep. 21, 10. Vgl. 
C. 32. A. 171. 

406) Herakl. Lemb. a. a. 0. %a\ ^i%i)i fii* »vog xm' Imiiiiiav iow 
SHote tpiXovoipiiP, Ixtna Idia ano^^tpaCrKi^tiiy t^v ä* ovioö •nl.ffiiieaY 

406) AristobaloB, Chaeredemoa, Neokles, ». Phil od. b. La. Di. 3 
(C. 32. A. 187), vgl Aelian. Fr. 89 Herch. Suid. Plut. a. p. ButtT. 6. 16. 18. 1089F 
(wo f&lachlich 'Aytt9äßovlof ateht). 1097 E. 1100 A (= Fr. 186. 178). lat. viv. 
1129 A. Epik. Fr. 561. La, Di. 27 f. (vgl. A. 433), Philod. de gens. (?) 
Col. XYI, 13 Scott. 'AfunößovXos Iv nvt y^äpiuxti (b. C. 32. A. 17S). ü. 
aach A, 435. 485. Sie atorben alle drei vor ihm (s. A. 483), Ariiitobalos 
(g. Plat n. p. soav. 22. 1103 A) nicht lange, -jedenfaUs erat nach 876, s. 
C. 10. A. 19. 

407) S. das Testam. bei La. Di. 17. 

408) Sei. Math. IX, 64. Vgl. auch Usener S. 409 f. u. d. W. Aq«oe. 

409) ac. FId. 1, 20, 66. II, 25, 80. Bl. V, 1, 3. 

410) So Themista oder Thcmiato, die Ehittin des LeouteuB, La. Di. 5. 25 
(x^e ^v xai yiy9u<ft9 h 'EicUttv^ot, s. A. 433). S6. 28, Cic. Pin. II, 21, 68. 
m Pis. 26, 63. Clem. Str. IV. 622 D. VgL A. 413, 433. 473. 

411) Plut. non poase anav. 1089 C. 1097 D. 1129 B (der wie La. Di. 7 
noch einige andere anfahrt, so Boidion). La. Di. 4. 6. 6. 7. 33. Eleomed. 
p. 113 (~ Epik, fV. 414). Atb, xni. 685 d. Uaener S. 411. Ungenan wird 
sie die Fraa des Hetrodoros genannt von Sen. Fr. 45 b. Hieron. adv. IotId. 
p, 817 Tall. Sie hatte (s. A. 435) TOn ihm swei Kinder, einen Sohn EpikuroB nnd 
eine Tochter, welche wahrscheinlich Dana« hiess (wenigstens iat eine Tochter 
dieses Namens von ihr bekannt, Phylarch. Fr. 28 b.Ath.XIIL 598 c. Dropsen 
Hellen. lU', 1. 8. 877). E. liebte dieselben zftrtlich (e. A, 486) und trifft noch 
in seinem Testament (La. Di. 19. 21) Vorkehrungen fOr sie, desgleichen 
(ebend. 19) ftlr den Sohn des Pol;aenoB, welcher gleichfalls wobl mit einer 



iv.t^TOOgle 



92 Zweites Capitel. Fhiloaophie bb 2. Hälfte des 2. Jahrb. 

iauige ÄDhäiiglicbkeit DDter deo Epiknreera vielfach iu eine wider- 
wärtige gegenseitige Beräucberung aus, und die maeslose Ueber- 
schätzung, welche sie ihrem Meister zoUten^'^), ward von ihm 
selbst verlaugt, aber auch reichlich erwidert*'*). Er ordnete in 
seinem Testamente ausdrücklich die doppelte Feier seines Ge- 
burtstages und jedes zwanzigsten Monatatages, die schon bei 
seinen Lebzeiten zu seinen Ehren begangen wurde, zu seinem 
und des Metrodoros Andenken auch nach seinem Tode an*"). 
Und 80 zeigte er sich auch in jeder anderen Weise als Überaus 
eitel und selbstgefällig"^). Er behauptete Alles sich selbst zu 
verdanken, stritt Denen, welche seine Lehrer gewesen waren*'^**), 
jedes Verdienst um seine Ausbildung ab und überhäufte den 
Nausiphanes, der ein solches in Anspruch nahm*"), dafQr mit 

der inc Sobole geböieudeii Hetären ereengt war (s. Plat. a. a. 0. 16. 1098 B, 
wo ee 10U £. heisBt: wowg t^nä cov flolvaivov xaidoitoiovfifvo» 1% iqg 
AufiNigv^c itoiftts), Termnthlich der Hedeia (s. Useoer S. 407. 416). An- 
dere von dOD SchQlern des E. hatten andere von diesen Hetzen zu Eebs- 
weibern, s. Philod. VoL Herc. CoU. II. T. I. Taf. 149 (vgl. C. 83. A. 309): 
NlKÜuir ig 'Idoinviais jpmfiEvi], Atovtiais d^ Afufifuip^i ?^ov , 'Egiiäfiov 8i 
iyj)(ii]<l«t?>a- toiot V" nv&o(_*X(yavs ii<;oiäo>y(oyie Ilolii<o:ivof.>, . . Da« 
aber LeonÜon mit E. seihst nnd allen seinen Schülern gebuhlt habe (Atb. 
XIII. CSS b » Kpik. Fr. 121), ist ohne Zweifel erlogen, obwohl anch 
Kleomod. ». a. 0. sie al« Bnhlerin des E. selbst bezeichnet und Plnt. 1069 C 
(— Epik. Fr. 436) sie und Hedeia. Weiteres fiber sie A. 436. 471, anch 
A. 418. 

412) Metrod. Fr. XIV b. Plut. Col. 17. 1117 B. Cic. Fin. V, 1, 3. N. D. 
1, 16, 43. Lttcr. I, 62 ff. III, I ff. 1040 f. V, 1 ff. VI, 1 ff. Kleomed. 
p. 102. 110 Bähe (s. Bake zu der letztern St.)- Plin. XXXV. §. 6. 

418) S. bes. die Brucbatficke der Briefe an Tbemiata, Leontion, Pf- 
thokles (121-127. 148—146. 161—166) und Plut. n. p. soav. sa. 1103 A. 
Weiteres b. Zeller 8. 463. A. 1. Dsener S. 93; in Bemg anf PTthoktes 
*gl. Philod. de morte Col. 13 f. nnd dam v. Arnim Ubein. Hus. XLIII. 1988. 
S. 369 f. Ansserdem s. A. 414. 4B3. 445. 456. 461. 

414) Nebst FortsetEung der Opfer für seine Eltern und Brüder und des 
Feiertags für die letzteren, La. Di. 18. Cic. Pin. II, 31, 101. Plin. a. a. 0. 
Von der Feier jedes Zwanzigsten wurden die Epikureer spottweise Eika- 
disteu genannt, Atb. VII. 398 d. T(;l. auch A. 139. 

41G) S. seine AeasBerangeu Fr. 178 (bei Plut. n. posse soav. 18. 1100 A, 
vgl. frat. am. 16. 487 D) n. 141 b. Plut. Colot. 17. 1117 Bf. 

415'') Und von denen er selbst dies nicht bestritt, nämlich Pamphilos 
nnd Nausiphanes, e. Cic. N. D. a. a. 0. 0. (— Fr. 383, vgl. 33a). Sex. Uath. 
1, 2 ff. (=o Fr. 114). Vgl. A. 397''. 

416) La. Di. IX, 64. 



byGoogIc 



G. Epikureer. Epiknros. 93 

Scbmähungen"^''), und aach tod den frOlieren Philosophen be- 
handelte er nur den Demokritos, venn schon er im Einzelnen 
Bogar diesen scharf ang^riffen haben mag*'^, doch im Ganzen 
mit grosser Achtung"^, und den Aristippos scheint er wenig- 
siena geschont zu haben, lieber alle anderen ergoss er Ver- 
leumdungen, Schimp&eden und ungesalzene Witze*'*). Kurz, im 
Wesentlichen liess er nur sich selbst nebst seinen Lieblings- 
schülem und seine eigne Weisheit gelten, deren Hauptsätze er seinen 
Jangeru ihrem Gedächtnisse wörtlich einzuprägen empfahl^"*), 
und noch auf seinem Sterbebette soll er ihnen eingeschärft 



41«*') Cic. a. a. 0. 0. Sex. a a. 0. La. Di. S, T f. Plnt non p. luav. 
b. a. O. Tgl. S«n. Ep. 6!, S. 

417) Cic. N. D. 1, 38, 93. Tiraokr. b. La. Di. 8. Plut. a, a. 0. Er 
icbrieb ancl» «^s ^fwiipito» (Philod. de Hb. die Vol. Herc. Coli. I. T. V. 
Fr. »0 •- Epik. Fr. IS), ebenm Hetrodoroi, t. A. 449. 

418) Plat, Col. 3. 1108 E. Wie aehoa Qaisendi erkannte, hSagt es 
damit auch susammen, duB er, um den Demokritoa tarn Urheber der 
Atomeulehre su machen, dem Lenkippoa die EiiHtenz abstritt (doch e. C. 32. 
A. 134), worin er freilich nicht bloss in seinem Schüler Hermarchos, non- 
dem ueuerdingi bekanntlich auch in Bohde gl&nbige Nachfolger geronden 
hat, während schon der Epikureer Apollodotos (e. wiederum C. 82. A, 184) 
nnbefongeaer nrtheilte, La. Di. 18 (— Ep. Fr. 292), ebenso der Terf. des 
Lehrbriefe ui Prthoklea (b. Uaener S. 410 f). 

419) Timoki. Cic a. a. 0. 0. Plut. Col. 26. 1121 E. F, trI. n. p. snav. 

a. 1086 B. V {— Kp. Pf. 886—289). Sei. a. a. 0. (— Fr. 227). Fr. 171—172 • 

b. Ath. Till. 8G4 b. c. La. Di IX, 68. Aristokl. b. Eoaeb. P. E. XT, 2. 71)1 c. 
Cnuner Anecd. Fnr. I, 171, 81 f. (am der 'EkuitoIi] «s^l iüf iiatTidivitättay). 
Vgl Cic. N. D. II, 17, 46. Epictiru» iocttur, homo tum aptmiwm» ad mkan- 
dum n. A. 410. 

420) DiokI, b. La. Di. 12. iyvfumt> ■ ■ ■ vovs yp»gitiovt ital ita ^r^ittjs 
i%tu va itxvtov «f>ry«äfifUHa. Epik. Epiet. 1 b. La. Di. 86. 83. Pseudo- 
Epib. Epist It ebend. 86. Demgem&sa liebte und verstand er es denn 
oocb in seinen Schriften solche Hanpta&tie in Eemiprnchen und Schlag- 
wörtern ansinprägen. So erklärt eich die Entitehang einer Sammlung 
solcher ausgewählter etbiacher Sentenzen ans diesen Werken, der sogenannten 
Kifiai Sö^M 'Exmovfov, welche zwar in dem Verzeicbniss der auserlesenen 
Schrüten des E. bei La. Di. 27 (e. A. 488) mit aufgefOhrt werden, aber, 
wie schon Gassendi Animadv. 8. 1689 erkannte und Dsener S. XLIII ff. 
Rnnauer darlegt, nicht TOn Epiknros selbst, sondern von einem P^piknreer 
sicher lange ror Ciceros Zeit (s. die Zeugnisse bei Usener S. 68 ff. 394 ff,, 
Dnter ihnen Philod. de ir. Col. 43. p, 148 Gomp. ot . . . toü Kvfiait diian 
ärtijfiäipowtts, vgl. auch Usener S. 72, 1 Anm.) lUMUnmengestellt waren, 
nad welche von den Epikureern auswendig gelernt wurden, s. Cic. Fin. II, 
7, 30. qtU» :. . oeitnait non edidicU Kpicwi Kv^ius ««{nie? Sie sind 
nna bei La. Di. 188—164 (»gl. 29. 31) erhalten (s. Usener S. 71 — 81)- 



iv.t^iOO^IC 



94 Zweites Capitel. Philosophie bii S. Hülfto des 2. Jahrh. 

haben seine Lehren nicht zn rergessen*"). Und so erreichte er 
es denn glQcklich, daas mit alleiniger Ansnahme des Timokrates 
und auch wohl des Herodotos und des Äristou*^"*) die nilchsten 
Generationen der Epikureer fortwährend in demselben nnwissen- 
schaftlichen Gleiste sklavisch an denselben festhielten, nnd dass 
auch späterhin, als eine etwas freiere Richtung eintrat, dennoch 
die Lehreinheit nicht wesentlich getrübt und strenger als in irgend 
einer anderen Schule festgehalten ward^**). Andererseits war 
aber auch Epikuros vielen Verleumdungen ausgesetzt"^. In 
Wahrheit lebte er einfach nnd massig*"), eigentlich aasschweifend 
wohl in keiner Hinsieht Dabei war er ein äusserst liebeus- 
würdiger nnd menschenfreundlicher, im persönlichen Verkehre 
milder Mann*'^}, voll Anhänglichkeit gegen Eltern und Ge- 
schwister*'") nnd ein grosser Einderfreund **^). Er behandelte 
auch seine Sklaven mit Wohlwollen und machte sie zum Theil 
zn seinen Freunden und Schülern***). Er ertrug endlich die 
Leiden der schweren Krankheit, welche ihn zuletzt heimsuchte, 
mit acht philosophischer Fasaung*^^), und so starb er 370 im 

Nicht von E. selbst, EOndem von einem unbekannten Epikureer sind auch 
die ethischen Bruchstacke Toi. Herc. Coli. II. T. XI, 20—42 (Pap. t85l), 
welche Comparetti Fnunmenti inediti dell' Ktica di Epicaro, Riv. di 
Filol. VII I8T9. S. 401—424 nnd in verbesserter Gestalt im Unaeo itatiano 
di antichitä clossica 1884. I. S. 67 ff. bearbeitet hat (v^l. die Nachlese von 
Usener S. XLVll ff.), und die Erwafanong der KvQtai i6lai in ibneii 
(Taf. S4. Col, 15) beweist weder, dass der Verfasser sich selbst, noch dass 
er den E. als Urheber dieser Sammlung bezeichnen wollte, e. Usener S. LI. 

4SI) Dies erzählte freilich nur Hermippos im Zneammenhang mit der 
von ihm selbst erfandenen Todesart. 

421 ■>) S. A. 466. 477. Vielleicht gilt etwas Aehnliches aber auch von 
Tiinarchos and Heneetratos, s. A. 449. 478. Dflring De Hetrod. S. 37 f. 
Useuer 8. 411 f. Ausserdem s. A.. 138. 656 £f. 

482) Freilich der Vorwurf bei Cic. N. D. II, 29, 7S. veslra totwn kgitä, 
veslra tmatia, celtrm causa incognita condemnatü passt auf diese spätem 
Epiknreet nnr noch mit sehr grosser Einschräntraag. S. Ober dies. Alles 
C. 82. Absebn. 2. 

423) g. das Register bei La. Di. 3 ff. 

424) Diokl. b. La. Di. 11. Sen. Ep. 21, 10. Stob. Flor. XVII, 34 (^ Fr. 
181 f.). Vgl. Sen. a. a. 0. 18, 9 (■= Fr. 168). 

425) La. Di. 9 f. Cic. Tnsc. H, 19, 44. Fin. II, 25, 80. 

426) La. Di. 10 mit Berafang anf das Testament, a, A. 414. Die Ver- 
ehmng seiner Brflder für ihn rflhmt Pliit. frat. am. 16. 487 D. 

427) S. A. 411. 4S6. 

428) La. Di. 10 {vgl. 3). 8. A. 478. 

429} La, Di. 16. 22 {= Fr. 138). Cic. Fin. II, SO, 9S (— Fr. 122). Epist, 



S. Üpücnreer. Eptkoros. 95 

Älter von 72 Jahren""), Er war ein gewaltiger Vielschreiber, 
90 daas ihn nur noch Chrysippos darin überbot'*'}, und wieder- 
holte sich daher ähnlich wie dieser vielfach, wenn auch wohl nicht 
ganz so wrg*"). Man zählte von seinen Werken gegen 300 Bände'*'). 

VII, 26, 1. Seil. Ep. 66, 47. 93, 26; freilich auch wiederum nicht ohne 
Selbstgeßlltigheit, PInt. n. p. bdat. l&. 1091 E — Fr. 190. 

4S0) Ol. 127, 2 Unter dem Archen PjtharatoH, Apollod. b. La. Di. 16. 
Cic. de fat, 9, 19. Die Krankheit war ein Blaaenatein (vgl. anch Fr. 122 1. 
136. 190) und dauerte achliesBlich 14 Tage, Hermarch. b. La. Di. 16 (vgl 
A. 464). Er war von Jagend auf aehr achw&chlich (Snid. — Aelian. Fr. S9). 

481) La. Di. Prooem. 16, Tgl. X, 26. Kameades warf daher dem Chry- 
aippos in dieser Hinaicbt eine achlechte Nachahmung dea Epikaroa tot, 
was denn die Epikureer eifrig aafgriBen; darin aber war ihre Kritik (a. 
den Epikureer Apollodoroa bei La. Di. Vll, 181, Tgl. C. S2. A. 1S2) frei- 
lich richtig, daai Chrfaippoa roaiaenweiae Ändere aasechrieb, K. aber immer 
nur aich selbst und die Seinen (La. Di. X, iG. y/ygantai . . . ifAval, i. 
A. 396. l^^tav Si uvxov Xifviuntos Iv xoXvyi/aipia, uaS'ä <pitiii KanrniSiis 
xofäntor avioü tär ßißliar aKtmuläv „tl yäf ri yfätfiai ö 'ExiMavgot, 
qiilovKKtr zoaovtot ytiihptu o XQvaixxos ■ mal dia idöto sal Kollünie m. t. l." : 
Sa folgen die A. SS8'' angef. Worte). 

432) a. die vorige Ä. 431. 

438) Kvlittgoi La. Di. 26 (vgl. C. 18. A. 64''), wo dann 87 f. die ge- 
scb&titeaten (tä piltuna) anfgeiählt werden. Unter ihnen befinden sieh ab- 
gesehen Ton den Kifiai döitu (a. A. 420) nnd den den Schluia bildenden 
"Entmolai {*. A. 486. 438) das grosae Werk xf pl ipvariot, femer ntfl atf{vfa>9 
■al ipnyrnv (a. Üaener 3. 91), nt«l ßaailiiat (b. Veener 8. 94), »Fpl tütyvt 
(von Cicero geleaen, a. Tnac. in, 18, 41 f. vgl. Hirsel 8. 13. A. 2, Uaener 
3- 119—123), ein Svfinöatov (a. Oaener 8. 116-119, vgl. A. 465), ein Hpo- 
TQixxixös, "tgl *iiiTTjQiov Tj Kavär (Uaener 8. 101—106, s. nnten A. 466, 
nach Hiriela S. ISlf, allerdings unsicherer Vermnthnng die frfiheate Schrift 
dea E.), xt^' fi^" (s- Uaener 3.94—96), xtgl dmoam »al jäpiroe (a. tlsener 
3. 99), ntql ^kö» (>. Uaener 8. 103f.), arfl lUtvaix^e, nrpl iaiÖTtjtos (s. 
Uaener 8, 106—106), ferner drei nach seinen drei BrOdem (a. A. 406) be- 
titelte, von denen der Neoklea der Tbemista (b. A, 410} gewidmet war: 
NioTiX^S 'fit Bt^{9tav. Hinter dtfilazav ist TioUeicht SeiUara auc^efallßn 
(s. Cic. Fin. 11,21,66. lantis voluminibM de ThemiHa loqtti. Uaener S. 101), 
drei andere Schriften im Verzeicbniaa trogen die Kamen seiner Freunde (Tgl. 
A. 603) oder Jflnger Enrjlochoa {itgos MriTQ6dmtt»i), Hegeaianax, Uetrodoros 
(in 6 Bdchem). Alle diese sieben stellten ohne Zweifel die betreffende 
Person nach deren Tode ala Hnsterbild dar nnd entwickelten an dieRem 
Hnater inoraliache Lehren, a. Uaener S. 93 und nnten A. 488 f. Der Anti- 
doroe nnd der Timoktatea dagegen waren polemisch, a. Uaener S. 92. 123 f. 
Zn welcher Secte flbrigens Antidoros (s. Fr. 4. 438 b. I.a. Di. 8), den auch 
Eolotes bekUmpfte (s. A. 469'*), gehörte, wiasen wir nicht. Heber den 
Anaiimenee a, die sehr nnaichere Venuiitbnng von Usener 8. 92. Dem 
Mjtbrea (s. A. 436. 478) waren die Mtfl vözmw dö^«i gewidmet; ob in dem 

D,J-,., lIv.t^TOO^IC 



96 Zweites Capitel. Philosopliie bis 2. EälOe des 2. Jahrb. 

Wir besitzen ausser seinem Testament*^) und manchen anderen 
Kleinigkeiten**'') und ausser den sonstigen Bruchstflcken *^) toII- 



Titel niifl na^A* -4d£m k^ö; Tifiox^drijv dos vQ&t „an" oder „ge^n" be- 
dent«t, ist ungewisB. Vgl. noch A. 182. Ueber Jtt^X ipvctiot b. h. 439 ff. 
446. 465. 

434) La. Di. 16—21. Uaener S. 165—168. 

436} La. Di. 32 theilt sein letztes Schreiben (Fr. 138) mit, welche* an 
Idomeaeiis gerichtet iat, und id welchem er dieeem die Einder tod deraen 
Schwager (b. A. 446) Hetrodoros (s. A. 411) empfiehlt, wie er ein Gleii^ea 
ancfa an Hermarchos in einem Briefe an diesen (Fr. 122) gleichiaUa in aeinet 
letzten Krankheit that (Cic. Fia. II, 30, 96, Tgl. A. 461). An eins dieser 
beiden Kinder, n&mlich das TOchteichen, aof eiaem seiner Besncfae bei den 
freunden in Lampsakos (La. Di. 10. die ^ TpU toÜc iuqX t^v 'larlav lö- 
Kove n^bs rois ipHofS dia^^nfiövra. Flut. u. p. auav. 0, 1090 E — Fr. 189. 
Hui 9aläaejit a^fayjae, vif als '^tiuovnot öUyot idhjet Hc>ra«o9^vai jtlitur 
tla Aänipaito», Ag VQ^V", ^g^- anch A. 461 a. Epik. Fr. 195 und daui 
Uaener S. 413 u. d. W. Mvg) noch bei Lebzeiten dei Metrodoioa ist, wie 
es acheint, ein anderes Briefchen (Fr. 176) geachricben, welches uns grosaen- 
tbeila bei Philodemos (T) Pap. Herc. 176 (a. C. .^2. A. 187) erhalten iat, a. 
Qompera Ein Brief Epikara an ein Kind, Hermea V. 1871. 8. 336-395. 
Ein fernerer Brief, den E. wiederum kurz vor seinem Tode an einen aeiner 
Frennde sn Ganaten der SOhne (ohne Zweifel des Hetrodoros nnd Polyaenoa, 

B. A. 4tl) aandte (Fr. 177), steht in den IlgafiuiTtiai dea Fhilodemos (a. 

C. 32. A. 208) Vol. Herc. Coli. IT. T. I, 138, s. Speugel, Philologna Sappl. 
II. 1863. S. 530 ff. Gompera a. a. 0. S. 391 f. Die Briefe dea Epiknroa 
and aeiner bedentendaten Zöglinge Hetrodoros, Poljaenoa, Hermarchoa 
wurden nILmlich znm Tbeil aacb mit BeifQgang der an dieae H&nner ge- 
richteten Schreiben anderer Freunde (a. Dsener S. LIV) von den Epikureern 
Borgfilitig geaammelt nnd, wenn Qomperz Zeitschr. f.d. Oaterr. G. XVI. 1865. 
S. 824 tr. XVII, 1866. S. 693 f. und a. a. 0. S. 386 Recht hat, dem aber Usener 
S. 132 widerspricht (a. dessen üebersicht der Datirnngen nach den &rcbonten 
S. 132—184), nach Jahr^^gen geordnet, gelegentlich auch in verkürzter 
Oeatalt herauagegeben (Pap. Herc. 1044, 4. iÜe ^mio/ur; ^iiü*]> ixuioXä» 
'Exi%oi(^fOvy Miireo8iifoi> TloXvuü'OV 'Ef^iiäyfiov lutl tä* ^yvo^/^ftotr), 
nnd diese Briefe bildeten dann eine Ilauptqnelle fSr biographlacbe Dar- 
atelluagen, in welche auch einzelne Briefe ood Briefatücke ala Belege Sber- 
gingen. Ana einem aolcben Anaiuge, gleicbaam einem „gnomotogion Epi- 
CMreum" hat wahracheinlicb schon Seneca geach&pft, jedenfalls theila 
nnmittelbar, theils mittelbar die Florilegiensammler nnd Forpb;rios, ■. 
Uaener S. LV — LXIV. Auaaer den Gvaammtach reiben (an die Freunde in 
Lampaakos, in Aegjpten, in Asien, an die Philoaophen in Mjtilene, Fr. 106 
—114) nnd den Briefen an die Oroasen (Fr. 104) lassen sich von denen des 
E. an Einzelne noch aolche an Athenaeoa (s. A. 444), Anaxatchoa, Apelles 
(s. A. 41S), Apollooidea, Ariatobnloa (a. A. 406. 433), Dositheoa (a. A. 478), 
fiermarchoB, Herodotoa, Tbemiata (s. A. 413), Idomeneaa, Erateroa (s. C. 21. 
A. 388>>), EDiylochoa (s. A. 433. 503), Kolotes, Leontion (s. A. 413), Hetro- 



|.;,*^tOO^IC 



6. Epikureer. EpiknroB. 97 

sUkodig noch zwei längere Lehrbriefe^') an HerodotoB and au Me- 
noekeus, von denen jener ein kurzes Sunuuar von seiner natur- 
philosophischen Principieolehre, dieser van seiner ßthik enthält*^), 
besondere erhebliche Ueberreste aber aus seinen 37 BQchern reepi 
fiudfcog"^). Ans diesem grossen Werke machte er einen Auszug 



doroe, Hithres (s. A. 478), Vji (s. A. 47g), Poljaenos, P;thoklea (i. A. 413. 478), 
Timokrates, Pbjreon (s. A. 478), Charmides (Fr. tlS— 170, Usener S. 131 
—152) nachweisen, dam kommen dann „epistiäae ad incertos datae" 
(Fr. 171—177), unter denen noch die 'ExiomZi] xtgl läv ijiirT]Sfv(iätav {B. 
A. 419) mtd scpl £ti3.*uvot (Fr. 174 f.) besonders in bemeiken aind, end- 
lich „incertarum flragmenta" (178—816). Ueber natergeechobene Briefe % 
C. 32. A 28. 

436) Nicht am allen in dem Terzeichnita anfgeiAhlUn Werken lind 
■olche geblieben, wobl aber anch noch ans anderen, wie besonders xepl 
nlovimi (48*— 46*) and nc(l {titoqmijs (46*— 66). Eine Schrift de tanetitaU, 
die Cicero N. D. I, 41, 116. 44, 128 nennt, unterscheidet Usener S. 100 
unter dem Titel xtfl tveißtias von ntfl ittötiiiot (s. A. 433). Ueber die 
gegen Theophrastos s. A 471. 

437) Denn ein dritter, bei La. DL 84 — 116 iwischen beiden stehender 
aa Pytbokles Über Meteorologie und Astronomie (Usener S. 85 — 66) ward 
bereits im Alterthmn angeEweifelt (Philod. Vol. Herc. Coli. II. T. 1, 168), 
nod Ewar mit Becht, wie Usenei S. XXXVII— XLl nachweist Ein Bpi- 
knreer hat, ihn ans der Ph;aik des E. aosgetogen, und keiner der ältesten, 
denn in diesem iweiten Brief wird §. 85 der erste nntec dem Titel Mtxfä 
/niTOftq >eic 'JifiSoTor citirt, während doch ans $. 136 (Fr. 37) erhellt, daas 
in der Mittuet imtofiq (s. A. 448) vielmehr Dinge enthalten waren, die 
weder jetzt in dem Brief an Herodotos stehen noch je in ihm gestanden 
haben kfinnen, s. Usener S. 99 f. Freilich war letzterer nach der Natar 
der Sache und der eignen BiU&rmig des E. (§. 36 f.) gleichfalls ein Ans- 
(og ans xtfl ipvetais, nnd es bliebe daher die IfOglichkeit, daas die Mixea 
lairofi^ erst nach dem Briete an Pjthokles entstanden wäre, vgl. dariber 
A 442. S. aber A. 418. 

438) La. Di. 35—83. 122—186 (Ueener S. 2—32. 68—66). Den Brief 
an Herodotos und den an P^rthoklee hatte J. G. Schneider Epioori phjsica 
et meteorologica duabus epistolis compreheosa, Leipi. 1813. 8. besonders 
heraosgegehen. Die Ueberlieferang ist klilglich, auch abgesehen von den 
in den Text eingedrungenen Scholien, nnd sogar Usener hat noch lange 
nicht alle sinnstOrenden Fehler entdeckt, zuweilen anch nmgekehrt ins ge- 
tunde Fleisch geschnitten, überdies anffallenderweise die gute Arbeit von 
Brieger Epikars Brief an Herodotos §. 68—83 Übersetzt and erläutert, 
Halle 1842. 4. v&llig onbenntzt nnd nnerwähnt. gelassen. Vgl. anch Lortzing 
Beti. philol. Wochenschr. VIII. 1888. Sp. 889-393. 421—429. 

439) In den Vol. Herc. Coli. I. T. n traten das S. nnd 11. B. in gT<>a- 
Beren Brachstflcben nnd einige sonstige Trümmer ans Licht, bearbeitet 
von J, Conr. Orelli, Leipz. 1818. 8. Dazu kam ein nenas Stück in T. S, 
dann in Coli. II. T. VI theils Berichtignogen zam 11. B., theils nene Frag- 



iv.t^iOO^Jc; 



98 Zweites Capitel. Philoeophie bis 2. H&lfbe des 9. Jahrh. 

für Anfänger***), welcher Tertnnthlicfa die Hauptvorlage des 
Lucretjns war"^), und sei es er selbst oder einer seiner An- 
hänger einen kürzeren, der also wohl für Geübtere dienen sollte^*). 
Metrodoros**^} von Lampsakoa ***) , der Lieblingascbfller 



mente anB dem S. U. Ifi. 88 B. nnd noch andere T. VI. VII. IX. X. Ads 
den tJeberacbriften erhellt, Aaaa das 16. unter dem Accbon Hegemacbos 
(300/299), das 28. unter Nikias (296fi) vettuab war. S. Qotnpecs Nene 
ßrachatücke Epiknrs Ober die Natnr, Zeitachr. f. d. Ott. 0. XTUI. 1887. 
S. 207-318. Wiener Sitonngsber. LXXXHI. 1S76. B. SSf. Daaa ans keinem 
jener BQcber, aber aus einem and demselben Bncbe jene Stücke in Coli. I. 
T. X (Pap. 1066) nnd Pap. 1481. 362 (Coli. 11. T. VI, 82—91. 92—96) »ind, 
welche namentlich über Willensfreilieit und verwandte Gegenstände handeln, 
eeigte Qompers Nene Brnchitflcke Epikare, besonder fiber die Willens- 
frt^e, Wiener Sitmngtber. a. a. 0. S. 87—98. Zn ihnen gesellte sich dann 
noch der titfilloae, aber ehenbieher gekCrige Pap. 419 (T. IX, 86—90), nnd 
danach hat denn Qomperz Die BmchetQcke eines Baches von Epiknr atgl 
qivaiios, Wiener Stadien I. 1879. S. 27—81 dies Alles zasammen bearbeitet. 
Debrigens s. üsener S. 124-129. Scott Fragmenta Hercdonensia, Oxf 
1886. a. 6S— 66. 

440) Mtfilrf imto^ri, beieogt durch die eingedrongenen Schollen xo 
Epist. I. §. 89. 40. 79 (Fr. 24 — 26) nnd dnicb Epiknroa selbst ebendort 
g. 86 (ano^tfv t^c iXt^t »qayiMztlas . . . tiiav&s ctviof aa^fmtvaaa, bo fem 
hier diese Herstellnng von Seiten Briegers und nicht die von üsener 
versackte av iig xnpoiTKcvifatK die richtige eq sein icheint 

44i) Wo die Diaposition wenigstens in den beiden ersten Bfichem trotz 
mancher Abweichangen doch im Oansen eine auffallend ähnliche ist, s. 
Dsener S. S74ff. Snsemihl Philologue XUV. I8g4. S. 81. 86. Daas diese 
HanptTorlage nicht in der grossen Phjaik selber %a aacben iat, wird Jeder- 
mann bereitwillig Uaener S. XXX VI tngeben ond bat aach meines Wia- 
aena hierfiber noch Niemand anders gedacht; wenn aber deraelbe meint: 
qutäea fortasst (t) tjiK auditrat scholat . . . exprimit, so ist dies swar auch 
möglich, al>er man wflrde damit noch nar anf einem Umwege zn derselben 
Vermathong kommen, dass n&mlich dann die Vortilge vom Lehrer des 
Lncretins sich an dies Bach des E. in freierer Weise angeschlossen hatten. 
Ueberdies aber l&ast Allee, was Usener fOr seine Annahme geltend macht, 
sich bei der meinen ebenso gut erklären, and seiner Berafong auf die Er- 
Srtemngen von Ivo Brnns Lncrezatudien, Freibnrg 1834 ist flherdiea die 
völlige VerfeblUieit derselben in Besag aaf das 1. Bach, anf das es hier 
neben dem 2. mi^hst ankommt, entgegemineetsen, a. Sasemihl o. a. 0. 
S. 84—81. 

442) Die Mtrifä iTtixoji^, a. A. <87. Man sollte meinen, sogar dem 
Epihuros mQsste es des Onten zn viel erschienen sein, daaa er selbst jenen 
beiden AnsEflgen, der MtyäXi] initonij and dem Brief an Herodoto«, noch 
einen dritten hiniugefügt haben sollte. 

448) La. Di. S2— 24 (Weiteres bei Zeller S. 868. A. 2). DSning De 
Hetrodori Epicurei vita et scriptis, Leipzig 1870. 8. mit Fragms. Uaener 



i.t^iooylc 



6. Epikureer, Metrodoroa. 99 

des EpikuroB, welcher nöclist letzterem unter den Epikureern das 
höchste Ansehen genoas**'') und mit Ausnahme einer sechs- 
monatlichen Reise in seine Heimat nie von dessen Seite wich""), 
starh 7 Jahre Tor demselben im 53. Lebensjahre**^, mithin 277 
nnd war also 330 oder 329 geboren. Abgesehen von Briefen**^) 
lassen sich etwa 20 Schriften von ihm nachweisen***), Ton denen 

S. 412 r. — üeber die eThaltenea Abbildungen b. Vieconti Iconogr. Qr. I. 
S. 24 f. T. XXV, 4 und Comparetti u. de Petra a. a. 0. S. 263. T. XIE, 2. 

444) Cic. TuBC. V, 37, 109. Strab. SIII. 589. Ueber die TerderbU 
Stelle U. Di. 22 b. DQning S. 6—9. öomperz Herm. V. S, 387. Hit 
Recht bt ÜBeuei nicht weiter gegangen als sie lo herzustellen r Mt^iqö- 
Stafov A9iiviiiov i) TifioNi^aTovc kqI Säviiic AanijiaMTivov, Vielleiclit iBt 
der Vater des M. deijcnige ÄthenaeoB, an welchen der Brief dea Epiknroa 
Fr. IIS gerichtet iat 

446) EpikurOB, welcher ihm and dem nnB Honst nnbekannten Magne« 
das 88. Bach xti/l qiöiiftac widmete (s. TlBener S. 128), nannte ihn einen 
Weisen, Cic. Fin. II, 3, 7, doch a. Ben. Ep. 62, 9 (= Epicur. Fr. 192), wo 
er ihm doch die SelbBtSndigkeit des Denkens abspricht nnd ihn erst als 
philoBophiachen Geiat zweiten Baugea bezeichnet (vgl. A. 461), paetu aUer 
EpicuTV» Cic. ebend. 28, 92. Anaserdem s. A. 411. 414. 486. Nach theil- 
weisem Vorgang Anderer ancht Hirzel S. ItiT. vgl. S. 87 S. zu zeigen, dass 
zwei epikureiBche Lehren, nBimlich die QOtter als flberaas zarte Atomen- 
gebilde hätten nur gewiBBermaeBen Fleiach und Blut {gveui corptu, quasi 
»anffuis), Cic. N. D. I, 18, 49, vgl Psendo-Metrod. de aens. Col. XVII. XVIII. 
Philod. de deor. viv. rat. Col. VI, und die laorofiia, (d. h. das Gleichgewicht 
der erhaltenden nnd der zerstörenden Bewegungen) von H. herrührten (wenn 
aach Hinel achwerlich mit Kecht dieaen Schüler dea Epiknroa für den 
Verf. von de Bens, billt, b. A. 449), die aogeblich epikurische laoroiiüc aber 
beruht vielleicht überhaupt nar auf einem Versehen dea Cicero, welcher 
a. a. O. 19, 50, 39, 109 der einzige Zeuge für sie iat. Denn der Veraucli 
von Hirzel sie auch bei Lucretius nachzuweisen ist miaBlungen, a. Buach 
Lncretiaa nud die Isonomie, Jahrb. t Ph. CXXXIII. 18S6. S. 777—780. 

446) La. Di. 22. 447) La. Di. 23. 

448) An seine Schwester (wohl Batis, die Fiau des IdomeueoB, La. 
Di. 83), unter ihnen ein Troatachreiben nach dem Verluste ihre« hoShunga- 
voHen Sohnes (Sen. Ep. 98, 9. 99, 23 — Fr. XXVIU. V, a. DQning S. 38), 
ferner an Fythoklea (Philod. de morte p. 319 Hekl.), sodann an Timokrates, 
Alh. XII. 646 t (h wie ixiatoXais). VII. 280a. Plut. non poase snftv. 16. 
1098 B. CD = Fr. XIII. VI. XVII, doch fragt es tich, ob diese von der 
Streitachrift oder den Streitachrirten gegen denselben Terschieden waren, 
8. A. 449. 460. AuBserdem b. Fr. XXX b. Sen. Ep. 79, 14. 

449) Ausser den 12 bei La. Di. 84 anfgezählten: itföt tovt laxQovs 

"f^*"^, noücoo öjjgoflr/as, npöc zovs Sia}.t%u%oit , "pöe roBs aoiftatäa ivvta, xtpl 

'™*" T^e ItI eoiflap itiiQtiat, «f?l iflS ptm^ol^S, "tpl nloirov, itfög JiifLiiiQiiov, 

m^l liyiftiat weist Düning S. 25 ff. noch 8 andere nach: jitql tpäta- 



iv.t^TOO^k 



J 



100 Zweites Capital. Philosophie bis 2. H&lfte des 2. Jahrb. 

eine oder mehrere*^) g«gen seinen abtxfinnigen Bruder Timo- 
krates gerichtet waren. 



noipüit, vtgl 9t&t, »tot oltutroniae (7), ntgl tov ftti^ova elvm t^p vag' 
^liäe uhwy Jtpöc tvBcu^vlav z^s i% läv afay^äxat* , ke^I natrjfiiiTiav, Ti- 
pixpänic, «#öe TiituQiop (b. A. 421''. 478), «eÖE Mtviotfcnov (a. A. 42l'>), 
doch waren die beiden letzteren vielleicht Briefe, sipä; TiftoK^Div und 
TinoMfiÜTtit (La. Di. 186), mQglicherweiBe nicht von einander verechiedeu 
(doch B. A. 460), und biqI oUovop.lat eikl&rt Dfining S. 21 Belbst neben 
nttjl nlou'iov fOr zweifelhaft (vgl C. S2. A. 194). Doxa kommt aber noch 
npäc loög a>o tfvtioXo^iat tiymTtts üytt9ovs elvai jiJiOfiitE (I'hilDd. de rbet. 
V. H.' IV, 77 — Epik. Fr. 10, vgl. V. H.' V, 68, e. üaener S. 412). In 
der Schrift vtifi tiftutlas vertheidigte M. den Epiknroa gegen die An- 
schuldigung des Eerodotoa nnd Timakratea (La. Di. 4), daaa decaelbe kein 
legitimer Bürger sei (La. Di. 1, vgl. S4}, in der «c;l 'Etcnovfov agetoatias 
vermnthlich gegen Diejenigen, welche dessen Kränklichkeit zu Angriffen 
ausbeuteten (Cic. Epist. VII, 26. Plut. a. a. 0. 6. 1089 B. Dflning 8. 88), 
in der w^öe djniöx-eirov rechtfertigte ei ohne Zweifel die Abweichungen 
der epiknreischen Atomenlebre von der demokritei sehen (DSning S. 36 f.). 
Uebei kqÖc covc aoipuitäs schrieb Galenos (s. de libr. snis T. XIX. p. 48 K. 
niQl täv XQot ^ais ao^iax^t iwia Mififoäiöfov). Das in den Vol. Herc. 
Coli. I. T.VI veröffentlichte Bruchstack angeblich Ober SumeswahmehmnngeD, 
in Wahrheit (s. Scott a. a. 0. S. 248) aber das Wesen der GOtter (Pap. 
106G), welches allerdings einem Epikoieer angehdrt, hat der Eeransgeber 
Scotti, dem noch Hireel (a. A. 446) glaubt, der Schrift des H. ntpl 
alaS^eiiap beigelegt. Allein hier findet sich Col. XV bereits jenes geflSgelte 
Wort des Eratosthenes (s. A. 109) über Bion, welches hier freilich dem 
Theophrastoa beigelegt wird: Biaros tov xotu Beö<pfa<noy «^«id^icm qsdo- 
aoipta* äv^ivois xoBftij'iiiivToc, vgl. Scott S. 2G0; denn schwerlich bedeutet 
»atä 0. vielmehr „znr Zeit des Theopb rastos", wie Dflning S. 32 f. will. 
Sollte nun freilich Eratosthenes wirklich, wie Wachemntb Sillogr. Gr. 
rel.< S. 76 und Hense TeleL reliqn. S. LVI. LXVIH vermuthen, dasselbe 
sich erst von Theophrastos angeeignet, aber zugleich durch einen erheblich 
mildernden Zusatz (vgl. Ä. 109) beschränkt haben, so wSiden diese Worte, 
was Wachamuth nicht bemerkt zu haben scheint, weit eher fOr als gegen 
die Urheberschaft des H. sprechen, aber viel wahrscheinlicher iat doch 
wob], dass der Verfasser, der dann sicher erst ein späterer Epikureer war, 
ans Unwissenheit den Theophrastos an die Stelle des Eratosthenes gesetzt 
hat. — Ein neues Fragment dea M. ist in Philod. de rhet Pap. 832 (V. H.' 
VII, 44 ff.). Col. XXXII xa Tage getreten, s. Gomperz Z. f. d. ö. 0. XXIII. 
1872. S. 3S, desgleichen erscheint sein Name bei (Philod.) de sens. Col. IV, 13. 
de educ. Col. III, 8 Scott. Ueher unächte Schriften unter demselben s. 
A.456. 

460) S. A. 448. 449. Von iure m/os tÖv äSilipov ämyfcupmlt in der 
Uehrzahl spricht Plut a. a. 0. 16. 1098 B. Vielleicht war es aber doch 
nnr eine, aber aus mehreren nach einander an und gegen Timokratee ge- 
richteten Briefen nachträglich zusammengeetellte. 



6. Epikureer. Polyftenoa. 101 

PolyaenoB, Sohn des Athenodoros, gleichfatls aus Lampsa- 
koa**'), war frQher ein tüchtiger Mathematiker geweaen, folgte 
dann aber auch in der Geringschätzung der mathematischen 
Wissenschaften seinem Lehrer Epikuros nach*"), zeichnete aich 
jedoch darch sein liebenswürdiges Wesen aas, so dass er anch 
mit Genossen anderer Secten, sogar mit Stoikern auf Jrennd- 
licbem Fnase stand*^'), und behandelte auch den Epikaros mit 
verfaältniasmässig grossem Freimutb*"). Aach er starb noch vor 
demselben*^'). Ton seinen Schriften m(fl ^ikoffotpiag und an 
oder gegen Ariaton iat uns noch eine Spur geblieben*'''). 



4öt) La. Di. S4. — tJebec P. s. DBenec 3. Itht 

462) Cic. Acad. U, SS, 106 (vgl. Epiknr. Fr. 329*). Fin. I, 6, 80. Es 
exiBtiren noch die Trünuaer ein er GegeaBi'.hrifl wider ihn, wia et h eiwt. 
geomet riachen Inhatta. Pap. Herc. 1429. tdijfiJiT^ioo «^öf tag Uolvalrov 
äaoQias e', b. äcott a. St. 0. 3. 46. 

453) Philod. bei La. Di. a. a. 0. itittinfit *al iptlinäs (vgl C. 32. 
A. 187. 190) n. Pap. Herc. 176. Col. XIX. b. Oomperi Z. f. d. Ö. G. 1866. 
S. 694 (c- Epik. Fr. 166). fic&' TEffiopjov %al jttfi xmv &(Uibv xäry 'Ent- 
^nov^igov ipiliBr x^oi^so^fiai z^v ypuqg^v. SIibs äi lotimatc ^tai i« %al 
xü&tat lucl TtfiE ^npd^c l«<avotic iinStilo<^it öy^^XCait iy-nii^to IloXvai- 
rot Sote Kai lovc catö tidv äXLiov tptXMÖtpioy eöfiireCs turtt(_tty»tv^auyi»ai 
jiifis imitöv, oi ftof^o» rov^t ä%o x^t rmvAi;; atoäg %. i. 1. — Ueber 
seine erotischen Beüehangen zu PythoUee und Demelata(?) •. A. 411. 

464) Philod. nml xa^ria. V. H.' V^. Fr. 49. Metrod, b. Philod. eben- 
das. T*. Col. VI nennt ihn äitixp^tyntttüit. 

45b) S. A. 411. Aach fOr ihn ordnete Epik, eine jUirlicbe QedUchtniss- 
feier an {Testam. b. La. Di. 18, Tgl. Philod. Pap. Heic. 176. Col. XXII b. 
Gomperz Herrn. V. S. 388 nnd Aelian. Fi. S9 b. Snid. 'Exi%. — Epik. Fr. 
218) und hatte in seinem Zviiaöetor (vgl. A, 433) ihn m eeinem Hit- 
Qnteiredner gemacht (Plut. CoL 6. 1109 E) and ihm, irie es scheint, daa 
14. B. xcqI ipianos gewidmet. 

466) Philod. de piet p. 98, 20. 140, 10 Gomp. {zä jcfof ziv 'Afiattova). 
Dieser Ariiton war, denke ich, der Biograph des Epikuros, welcher sich 
des Kaasiphanes gegen diesen annahm nnd sogar behauptete, dass jener 
in seinem Kavtäv (b. A. 438. 602) stark aua diesem geschöpft habe: tov 
Kavöra yifiipat norö» iit tov Ntcvaupävovs T^lxoiot, *v xol äitovaal 
ifUciv avtöv, iXXa %ul na^ilov tov nbrnDviKov t* ^p^i La. Di. 
14, wo Cobet ans Sfunov ot (d. i. 'Afivttav i 'l**, vielleicht h 'Eni- 
Koö^cioc) ann&hemd richtig 'Achten , ü s e n e r freilich 'Jvti-fovoe ge- 
macht hat, vgl. C. 17. A. 30. Un&chte Schriften unter dem Namen des 
P. xfit Tovs j^TDpat and «cfl acl^vtjs, so wie andere anter dem des 
HetrodoroB and Kolotes werden erwUint von Philod. V. H.* I, 162. IV 
(de Thet.), 7S. 



102 Zweites Capitel. Philosophie bis S. Hälfte de« 8. Jahih. 

Hermarchoß"^, Sohn des Agemortoa**^, toh Mytilene*^) 
widmete sieb in dOrftigen YermSgeDaumständen anfanglich der 
Rhetorik'^, scliloss sich dann aber dem Epikuros oETeobar schon, 
als dieser in Mytilene lehrte, an, und wird daher nicht bloss io 
dessen Testament als einer von dessen iUteateu und treuestcii 
Schülern bezeichnet^^^), sondern ward von demselben auch zu 
seinem Nachfolger ernannt*^*). Von den Scliriften dieses Mannes*"*) 
ist uns namentlich noch ein längeres Stück aus den 22 Büchern 
gegen Empedokles erhalteu^^). 



467) So (und nicht, wie man früher schrieb, Hermachos) stets Pbilod. 
(Tgl. Ä, 163) und die Unterschrift seiner in HercnUneum gefundenen Ab- 
bildung (b. Compaietti u. de Petra La villa Ercolaocse S. 263. T. XII, 8. 
Wolters Beitiägc zur griech, Ikonographie. 11. Uermarchos, Ärcbäol. Z. 
XLII. 1884. Sp. 163— 1G6). 

468) La. Di. 15. !4. Teetam. des Epik, ebsnd. 17. S. über ihn Usener 
S. 399. 406 und über den Namen Ägemortos Schneidewin Zeitscbr. f. d. 
Alterth. 1844. 8. 159. 

4G9) La. Di. IG. U. 

460) La. Di. 24. av^g itatffös ftiv xivrixot, tag i' (x^jäs xtotiitav 

461) La, Di. 20. atiyaaioyjjTjfaxöiog iitilv ir tpiloaotpiei. Vgl. auch 
die Briefe des Epikuros an ihn Fr. ISI b. Ath. XIU. G8S b u. bes. Fr. liä 
b. Cic. Fin. II, 30, 96. tua erga ms et philosophiam vohtrUaie ab aäuletem- 
(ulo suscepla, dazn jedoch Fr. 192 b. Sen. Bp. GS, 4, wo er nach dem Drtheil 
des Epikuros doch nnr als ein Geist dritten Banges (vgl. A. 446) erscheint: 
eorum qui cogi ad recttttn compeUiftte poaawtt , quibua non duce iantum optu 
Sit, std adiulore et, ut ita dicam, coacU/re. Er hatte nebst Pjtboklea nud 
Ktesippos den Epik, anch auf der Reise nach Lanpaakos (b. A. 435) be- 
gleitet, B. Epik. Fi. 176, auch dessen Leiche bestattet, Pbilod. de morte 
Col. fl. 

462) La. Di. 15. Teatam. des Epik. 17 ff,, wo derselbe 21 ihm auch 
seine Bibliothek Termacht. Noch s. über ihn A. 411. 416. 435 und über 
seinen Tod La. Di. 25. iiiltvta di TteQalvoti. Sen. Ep. 6, 6 nennt ihn, 
Poljaenos und Metrodoroa magnos viros. 

463) Ala die besten (yiäflieza) nennt La. Di. 25. 'Eniaiolma, «tQ\ 'Efi- 
ntStnlitme %p' (oder 'EjtmoUxä ntpl jt. t. XJ e. Usener b. d. St.). jtfpt_ 
Täv (la^riiiätmt . nQOt Ultirava, «foe 'A</t«totHt]v. 

464) Bei Porphjr. de abstin. I, 7—12, s. Beinaya Theophi. über 
VrOmmigk. S. 8. 139 f. Auf dies Werk beziehen eich auch Cic. N. D. 
I, 33, 93 (wie Bern-ajs bemerkt) und PhUod. de piet p. 101, 13ff. 113, 
25 ff. und vielleicht 99, 9, s. Dicls Doxogr. S. 127. A. 1. Aus den 'Enunolni 
(-> '£vtaioIix«c ?) ist die Nachricht über die letzte Krankheit des Epikuros 
b. La. Di. 15 (s. Ä. 430). Speciell erwähnt wird der Brief an Theopheides, 
PhUod. de rhet. V. H.' IV, 94. 'Ep^^«)« Inl Mtpe»Xiov<_s (vgl. Ä. 436) 



I.;, t^lOOy IC 



6. Epikoreer. HeriDacchos. Eolote«. LeoDtion. Leonteus. 103 

Kolotes ans Lampsakoa*^), ein glühender Bewunderer seines 
Lehrers Epikuros^'^), widmete dem Ptolemaeos (wahrBcbeinlich 
Philopator) ein Werk, in welchem er zu beweisen suchte, dass 
nach den Lehren der anderen Philosophen nicht einmal zu leben 
möglich sei'"), und gegen welches noch 400 Jahre später von 
Plutarchos die beiden Gegenschriften „widet Eolotes" und wider 
die GlQckseligkeitslehre des Epikuros verfasst wurden. Ausserdem 
kennen wir von ihm noch drei gegen Piaton gerichtete Schriften, 
gegen dessen Mythen und insbesondere den im zehnten Buche des 
Staats'^), gegen dessen Euthydemos und gegen dessen Ljsis, 
und von den beiden letzteren haben sich noch TrQmmer er- 
halten**^. Auch gegen Antidoros und Bio« schrieb er***''). Doch 
erhielt er sich dabei frei von den plebejischen Schmähtingen eines 
Epikuros und Metrodoros gegen andere Philosophen*'"). 

Leoutiou trat, wie es heisst, auch als Schriftstellerin und 
nicht ohne Geist gegen Theophrastos auf*"). 

Leonteus aus Lampsakoe *'*), der Gatte Ton Epikuros 



tv> «n *«<««> »toV^i^V* <J«i>nolj, Tgl. V. B.' HI, 44; Gomperi 
Z. f. d. 0. G. 1S66. S. 834 f. Auf eeine AouaecruDgeD aber die Khetorik 
bezieht sich PbUod. ebendak. IV, T4 (— Epik. Fr. 4S). 

465) La. Di. 26. S. über ihn Uaenor 8. 410. 

466) Flut. Col. 17. 1117 B.C (— Epik. Fr. 141). 

467) t)» »ari i« täi* iUtmv <pUi>«6<paiv Böf^xa ov9h £^v iaii, Plut, 
Col, 1. 1107D.E, vgl. a. p. SDav. 1. 1086C.D. 

468) Haorob. Somn. Seip. I, 2, S ff. 

469) V. H.' VI, 96—106. 112—120. L«titere wird in ersteeer citirt 
f. 103. TJebrigenB TgL A. 466. 

469") Fiat. CoL S2. 11S6A. n^g 'Arta»itov n Btmva yfäipav. Vgl. 
A. 396 1'. 433. 

470) PIdL n. p. suav. 2. 1086 E (*- Epik. Fr. 237). — S. über ihn 
nocli A. 128, Pbilod. ntfl xatoV- ^'- 9i <Ue Briefe des Epik, an ibn 
Fr. 140—142 (nebst Usener S. 346, 1 ff.) und das mothmasBliche Bruch- 
atöck b. PIdL Col. 27. 1122 D (UBenet eu S. 27», 21). 

471) Ctc. N. D. I, 38, 08. $dto . . . BermoKt et ÄUico: sie war, wenn 
dies richtig ist, also wohl eine beuere Stiliatin als Epiknroa aelbat. Vgl. 
Plin. N. H. Praef. %. 29. Theoroa (Theodoroa?) maüe sie coffitantem, Plin. 
N. H. XXXV. S. 144, der %. 99 noch ein anderes QemÜde ron Aristeides 
enrUint, a. Bronn Qesch. d. gi. KOnatler II. S. 366. Da indessen Plut. 
Col. 7. 1110 C daa sweit« Bach des Epikoros aeLbei (Fr. 29. 30) *fit Bci- 
79a«M' anfuhrt, ao nimmt Dsener 8. 40S. 411 an, daas diese seine 
Sbeitschrift von Anderen ibr beigelegt wurde. Vgl. auch Epik. Ft. 140 
and die BrachslOcke (143—146) seiner Briefe (La. Di. 6) ao sie. 

472) La. Di. 26. Strab. XiU. 669. 



i,*^TOOglc 



104 Zweites Capit«l. Philosophie bis 2. Hälfte des 2. Johrh. 

FreuDdin Tfaemieta*'') , wird gleichfalls zu den bedentenderen 
Schülern desselbec gezählt*^'). Auch ist uns eine Schrift von 
ihm*") bekannt 

Herodotos, an welchen Epikuros den schon erwähnten 
Lehrbrief schrieb, scheint späterhin wenigstens tfaeilweiee von 
diesen seinem Lehrmeister*'^) abgefallen zu sein: zum Mindesten 
stellte er in seiner Schrift über dessen Epbebie da« legitime 
Bürgerrecht desselben in Abrede*"). 

Üeber Ariston s. A. 388. 456, über Idomeneus C. 21*"). 



179} La. Di. 5, B. Aber sie Ä. 410 und Aber eeiue Kebie MammBrion 
A. 411. L. and Themiata hatten einen Sohn Epikoroa (La. Di. 26). 

474} La. Di. 26. Plnt. Col. 3. IIQSE. eU fä» In' «»«ov 'EtUHOvQov 
fu>»i]imv. VgL Pbilod. de morte Col. XXIII. 

476) Plnt. a. a. 0. f3gt hinsn: xfös Avxöipgova y^äipatr: SB folgt ein 
BruchBtack Ober die BhrfnTcht des EpikaroB gegen Demokritoa. 

476) La. Di. 6 (— Epik. Fr. 124). äUa Hu) 'läoittviu xal 'Hfödinor 
»dl TtfMK^'n]«> to«c i%nvata aviav xä tifvipui noi^aavtat ijnatftuittiv 
(^'Extuovi/oii Itfovn) nkI nolaittvttv uvtö loöio. 

177) La. Di. 4. fti] ttvai xi yrrt^lmt ä<növ, ät Tifunovii]; ifit)tl ual 
'HtiioTOt iv tä xtgl 'Enixav^ov iipTjßciat. Eiemnch ist Ueener S. 408 
za berichtigen. 

478) Ton anmittelbaTen Schülern des Epikorös kennen wir noch mehrere 
mit Natnen: AnaxarchOB nnd Apelles (? a. Epik. Fr. I16f.), Aegena 
und Diodoroa (? a. Epik. Fr. 177), Endemoa (Epik, Fr. 196. Philod. 
V. H.' I, 117 n. b. Usener S. 136), Charmidea (Epik. Fr. 170), der in- 
gleich ein Frennd dea Arkesüaoa war (Cic. Fin. V, 31, 94), Eegeaianai 
und FhjrBon (Epik. Fr. 120. 167—169), wahrBcheblich ans Eolophon 
(s. Üaener S. 407), 86hne des Dositheoa (an welchen letitem das TiobI^ 
achreibeu dea Epik, über den frShen Tod dea HegeBianax Fr. 120 gerichtet 
iat; anasetdem b. ä. 493), Hippokleides (a. A. 486), Kteaippos (a. A. 461 
und Epik. Fr. 184), Hagnea (? a. A. 146), Matron (Epik. Fr. 99 bei 
Philod. de piet. V. H'. U, 107. p. 126 Gomp. u. Pr. 176, a. Gompers 
Herrn. T. S. S94), Henoekeua (a. oben), Hithres den Syrer, einen Be- 
amten dea LyaimachoB (La, Di. II, 102. X, 4 — Epik. Fr. 118. Plut. a p. 
■nav. 16. 1097 B. CoL 33. 1126 E.F — Epik. Fr. 194. Philod. nfttyiuntiai 
V. H.< I, 186. 127. 129 — Epik. Fr. 149—161. 102, aach xtgl nlovrov 
T. H.' ni, Col. T, a. Qomperz Z. f. d. S. Q. 1666. S. 691, aoaBerdem e. 
A. 433; Briefe dea Epikuroa an ihn Fr. 148—151; vgl. Dfining S. 11 f. 
Uaener 8. 413), Hji, seinen im Teatament (La. Di. 21) mit xwei anderen 
aeiner Diener nnd Termuthlich gleichfalla Anhänger Nikiaa nnd Ljkon 
freigelassenen Sklaven (La. Di. 8. 10. Epik. Fr. 196 b. Philod. nftetii. 
T. H.< L US und Fr. 152—166 ana BriefcD an ihn. Qell. II, 18, 8. Hacrob. 
Sat. I, 11, 42. Dseuec S. 413), Nikanor (Bpik. Teat. b. La. Di. 80), 
Pjtboklea, einen der jflngem, den Epiknroe und aeine älteren Schfilei 
beeondeia feierten (Briefe dea Epik. Fr. 161-166, vgl. Fr. 185 b. Stob. 



iv.t^iOO^IC 



e. Epikureer. HerodotoB. AriitOD. Idomeneni. TiinokrateB. 105 

Timokrates aus Lampsakos, Bruder des Metrodoros"^), 
entzweite sich später mit seinem Lehrer Epikaros, gegen den er 
eine Sclimühschrift Evtpffavrä roll tbeils wahrer, tbeils aber aach 
gröblich erlogener Anachuldignngen abfasste*^. Ob schon vor 
ihr die Streitschriften, welche er mit Metrodoros wechselt«^'), 
und die, welche Epikaros selbst gegen ihn erliess^, zu Tage 
getreten waren oder**") erst später zu T^e traten, wissen wir 
nicht; näher aber liegt doch wohl die eratere Annahme, der- 
gestalt, dass dieser reizbare*^"*), durch alle jene voraufgegangenea 
Reibungen aufs Aeusserste erbitterte Manu sich endlich zu jenen 
masslosen UngebOhrlichkeiten und Verleumdungen hinreissen 
lieaa*^). Noch erfahren wir, dass Epikuros eigne Sendboten an 
ihn nach Asien schickte, welche ihn ausschelteu und von dem 

Floi. XVII, S4, des Hetiod., i. A. 448, uBierdem •. Ä. 411. 4ST. 468. 46t), 
kuch wohl MenestratOB und den Athener TinarchoB (Hetrod. Fr. III. 
IV b. Clem. Str. V. <UA.B u. Plat Col. 1117B, vgl A. 481^ Ufleuer 
8. 416), und Teimuthlicb gebOrten ed ihDen aach Beine beiden Erben und 
TestameptavollHtreckeT, Timokrates ans dem DemoB PotamoB nad Amj- 
nomachoB (La. Di. 16 ff. üsener 3. 400. 418). üeber Eurylochoa 
B. A. 608, aach 397\ 488. 

479) La.. Di. 23. Cic. N. D. I, BS, 9». ÜBener 8. 418 f. 

480) La. Di. fl— 8, Tgl. 4. 6. 

481) Prokl. in Hee. Op. 284 (^ Plat. Fr. VII Dflbn.). r.pjKpÖTii* xal 
Mi]t(/iSiofor IDVG 'ExitovQtiovt adtifpoit Snag xal x^oaKfOvortas äXX^lois 
tniovrai xa%' äU^lmv avyyifäiifuita. AnBserdem b. A. 448. 449. 460. 

482) 8. A. 438. Cic. a. a. 0. totit volumintbut. 

483) Wie die« Dfining S. !4 ond üaener S. 419 ohne Weiteres an- 
Dehmeo. 

48S*) Metrodoroa warf ihm ancb seinen Zorn gegen ihren ältaten 
Bnider Aktoridee tot, Philod. de ir. Col. XII. p. 48 Oomp. AuBserdem b. 
Philod. ntQt mcifftie, Col. XX. 

484) Der eigentliche Streitponkt war, data T. nicbt lediglich den 
BtnnengenUBB oder, wie MetiodorOB (Fr. VII b. Ath. VU. SSOa. XII. 646 f. 
Fr. VIII b. Cic. N. D. I. 40, 118. Fr. Tt. XI. XIII. XVII b. Plut. n. p. 
BoaT. 3. 16. 1087 D. 1098C.D. Col. 81. 1126 D) in «einet drartischeD Weise 
nnbetonnen genog (b. Zellec 8. 444. A. 3) sich ansdrückte, den Banch 
als Quelle nud Mass aller Lust nnd damit alle« Gaten anerkennen wollte. 
Anders, aber gewiss nicbt richtig, fasst Daning S. 22f. die Sache auf. 
Die BpOttbche Anrede, welche Metrod. Fr. VI. VII dem T. giebt, ä gtooio- 
l6yi, scheint zu beweisen, daiB letzterer selbst sich mit besonderer Emphase 
so, mithin als NatnrforBCher bezeichnet hatte: Tiellcicbt entsprang also 
diese seine Abneichnng von Epiknros ans einem nocli engeren Anschlüsse 
an Demokritos, als et bei Epiknros selber Statt fand, siehe Hirzel 
8. 166 ff. 



|.;,*^TOOy[C 



106 Zweites Capitel. PbiloHOpbie bis 2. Häia« des 3. lahih. 

Hofe des Königs, bei welchem er sich aufhielt, vertreibea sollten'^''). 
Es war dies vermutblich der letzte Versuch den ÄbtrBtinigeu 
zurQckzafQhren. 

Neoklea and Aristobuloa, die BrQder desEpikuros, traten 
auch als Schriftsteller auf**'^). 

Polystratos, der Nachfolger desHermarchoa'^^''), war auch 
wohl noch ein unmittelbarer Schüler des Epikuros gewesen*^). 
Wir besitzen noch seine Sclirift ict^l äXöyov xazaipQOvrjffeas und 
dürftige Trümmer einer anderen lugl ipiloaoipüis*^^). 

Charikles aus unbekannter Zeit wird einmal als ein be- 
sonders TorzQglicher Schriftsteller erwähnt*^'). 

EaineTskos, ein Epikureer von dorischem Geblüt, gleich- 
falls aus ungewisser Zeit, aber mindestens nicht später als Pbtlo- 
demos**"*), schrieb nach ähnlichen Vorbildern des Epikuros*^) 
eine Lobrede auf seinen Freund Philistaa, von welcher wir noch 
Beste aus dem 2, Buch besitzen^'*^''). 

Dem Polystratos folgte als Schulhaupt der Epikureer Diony- 
sios und diesem wieder Basileidea*""), von denen wir aber 
weiter Nichts wissen. 



484^) Plut Col. 32. 1I26C. 'Eniitoveos . . . de Ueiav i^ineime tois 
TiftoK(cCTt( XoidoiiTjaojievovt hkI iije Pamlf^ijs i^ileiv avlrjs zov avtf'vmsov. 
Uacner S. 310 vennnthet, dasa dieser Eünig Ljrsiniachos geweBcn aei 
{»gl. A. 478). Noch s. über T. A. 476. 

18ö) Snid. NtouXijt . . . ixif tije tSias atqiaiat u. a. A. 406. 

48Ö'') La. Di. 26. 

486) Val. Mai. I, 8. ext. 17. Foly»tr<Uws et Hippoclides . . . eiiudem 
praecfptoris Epicuri («etat» ucvti fle. 

486'') Jene V. H.' IV, bearbeitet von Gomperz HermeB XI. 1876. 
S. 399-421 (Tgl. Herrn. XII. S. BIO f.), diese V. H.* V, 196—200. 

487) Philod. V. a* I, 148. Pr. 18. iö<» yö?) ATop.KlfX« ">pfro^»' 

487*') Da »ich ia den herculaneiBchen Rollen keine jQngeren Schriften 
als die des letEtereu finden. Tleberdies nennt ihn Pbilod. V. U.' I, 118. 

488) S. Ä. 433. Usenec S. 93. 

4es'>) V. H.' V, 182- lOö (Pap. 1027). Der an dem Muster des Pbiliatas 
erörterte Gegenstand scheint die FienDdschaft zu sein. Der Name tilCatag 
findet sich, wie Compatetti bemerkte, auch noch in vier anderen Rollen 
1096. 1110. 4C9. 1111 =- V. H.' VUI, 76—81. 108-118. IX, 142—186. 
X, 185^201, die also wohl tn demselben Werk gehören. S. Scott a. a. 0. 
8. 34. 

489} La. Di. 26. 



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6. Epikureer. Neokles n. Arialob. etc. 7. PjrroniBche Schale. Pyrroo. 107 

7. Die ältere pyrroniache SchTile and der Demokriteer 

HaosiptuuieB^^). 
Pyrron voii Elis, der Begründer der pjrroniachen Schule*"'), 
ward etwa zwischen 365 und 360 geboren und starb etwa zwischen 
275 ond 270***). Anfangs Maler*'*''J, scfaloss er sich dann dem 
Demokriteer Anaxarebos an und begleitete mit diesem Alexanilrus 
den Grossen auf dessen Zügen bis nach Indien*"') und lehrte 
endlich später in seiner Vaterstadt*^). Die Geschiebte der Litte- 
ratur hat indessen an ihm keinen Theil, da er nichts Schrift- 
liches hinterHess ***). 

Nausiphanes ?on Teos***) hörte den Pyrron*"'), und als 
er dann selbst später den Epikuros unterrichtete*'*^, lernte dieser 
aus seinen Schilderungen jenen Mann dergestalt bewundern, dass 
er immer von Neuem nach demselben fragte***). Nausiphanes 

490) HaccoliThegreek tceptic«,Load. 1S69. WAddiogton Pyrrhon 
et le pyrrhonüme, S^ances et traranx de l'Acad. des Sciences moi. et pol. 
1876. S. 85 ff. 406 fi. 646 ff. Hirzel Uutergacbungea £. Cic. ph. Scbrr. III. 
Leipe. 1883. 8. I) Die ver<icbiedenen Formea des SkepticismuB S. 1— 2B0. 
ExcnrBO S. 498—632. Natorp Forechangen zur Oeschiclite des ErkenntniGS- 
problems im Altertbom, Berl. 1884. 8. Brochatd I<«s sceptiques grecs, 
Par. 1887. 8. (vgl. die Becc. V. Pappenheim Berl. ph. Wochenschr. VUI. 
1888. Sp. 198—203 und S. Beinach Bev. crit. 1888. I. S. 103—107, feruet 
Natorp Neue Schriften znr Skepsis im Alteithum, Philos. MonaUh. XXVI. 
1890. 3. 61—68). 

491) Ueber den es eine zeitgenossische Biographie von Aotigonos aus 
Eiuystos gab (La. Di. IX, 62. Äristokl. b. Easeb. F. E. XIV, 18, 26. 7ö3a), 
Tgl. V. Wilamowita Ant. V. K. 8. 37 ff 86 ff. 

492) Er wurde nämlich gegen 90 Jahre alt, (Antig. b.) La. Di. 62. 
492''} DafQr bemA sich La. Di. 61 aaf Apollodoros (Fr. 94). 

493) Dies Letztere beruht fireilich nur auf Alex. Polyh. Fr. 146 b. 
La. Di. 61. 

494) La. Di. 64. 109. 

496) La. Di. Prooem. 16. IX, 10!. ArigtokL a. a. 0. §. 27. 763 b. 

496) U. Di. IX, 69. Vgl. Ueener S. 413 f. 

497) Sex. Math. I, 2. La. Di. 69. 102: angeblich schon als jnnger 
Mensch (La. Di. 64), dies ist aber, wie Wilamowits S. 37. Aam. zeigt, 
cfaroDologisch unmöglich, da es nach dem Obigen (A. 493) nicht vor 322 
geschehen sein kann, Epikuros aber um 310 eicher nicht mehr Schaler 
des N. war (a. A. 401—403). Wenigstens mfleete also N. nagemein jugg 
Beiuereeiti als Lehrer aufgetreten sein. 

498) S, A. 397, 307''. 416. 416'». 

499) La. Di. 64. 



byGooylc 



108 Zweites Capitel. Philosophie bis i. Hälfte des 2. Jahrh. 

selber schätzte indesseii an Pyrroo vorzugsweise deeseu GemQtbs- 
stimmnng, den mierschütterlichen philosophischen Gleichmutfa, 
und nicbt so sehr dessen skeptische Lehre*^**), war und blieb 
vielmehr ein Anhäuger der Philosophie des Demokritos''''^), zu 
deren Verbreitung er nicht wenig beigetn^en hat, namentlich 
auch durch die uns allein von ihm bekannte logische oder viel- 
mehr erkenntnisstbeoretiscfae Schrift, welche „der Dreifuss" 
(TffCaovs) betitelt war^*). Denn sie soll nicht bloss von Bpi- 
kuroB in seiner eignen entsprechenden, wie bemerkt, erheblich 
ausgebeutet worden sein und gab jedenfalls das Torbild für 
diese "^, sondern auch die empirischen Äerzte schlössen sich an 
diese inductive Logik an^"'}. 

So zahlreich aber die sonstigen ScbUler des Pyrron'^'') auch 

499>>) 3. indeBBen La. Di. lOS. 

500) La. Di, 64. lipaaxe . . . yhmftai itt» r^s fiir Sm^iaime r^e TIup- 
fariiov, xäv 8i löyoiv xäy tainov. Freilich schätzte auch Pyrrou eelbit 
deD DemokritoB sehr hoch, La. Di. 64. 

601) Nach theilweisem Vorgang von Gassendi erklärt Hirzel l. 
S. 13Sf. A. t dieaen Titel bo: der DieifiuB ist EanächBt dbechaupt Symbol 
der Wahrheit, N. atellte aber wohl genauer drei Principien der ErkenntDiBs, 
die also anf drei FaBseii ateht, gleich Demokritos auf, die Wahrnehmuig 
fQr die BrecbeisiiDgea , den YerBtand für daa.WeBeo, Last und UnluBt fQc 
daB Praktische oder das NOtdiche und Schädliche, so vie denn anch der 
Kavmv des Demokritos drei Bflcher hatte (La. Di IX, 47, vgl. ten Brink 
PhilologoB SXIX. S. 613 £) 

&0S) Ariaton b. La. Di. X, 14, s. A. 466. Tjmokr. «bend. xal in xa^ 
Ixti nal tQiätutvta ßvßlott rdtg xsfl ^votmE vä vlclaia tuvtä ^»^ liyti* 
%til ävTiyffäipiiv i* uitalt äiUaie te %cd Naveitpättt %. x. 1. (=• Epik. Fr. 93), 
wovon so viel richtig sein wird, daas Epiknros anch in den kanonischen 
Partien von »ifl q)vacms den Tfijcovs stark benutzte ond zum Dank dafär 
den N. hemntermaobte. — N. erscheint atich bei Fbilod. de rhet V. H.* 
111, 63. V, ISS. 143 und vielleicht YII, 46. CoL IV, 4 v. a. (s. Oomperi 
2. f. d. 0. G. 1872. 8. 32). 

60!") (pBendoOQaloD- Hypotjp. empir. c. 11. p. 63, 18 Botmet. o^ fio 
^i' iomtäv tÖv dti zfimv löyoii Santf Stfaxüov on^i XfiMOVv annt^ 
rimv*itts. Vgl C. 24. A. 348. 292. Ueber die Lehrwirkaamkeit des N. b. 
Sex. a. a. 0. nolXois yög xär vccov avviCxe %al tmv paSTjiitifttv eitoviaüit 
jncpilifro, nätuna ii Sl^Of/n^i. Vgl. die Invective eines onbekannten 
Schriftstellers gegen die Epikureer V. U.* IV, 206. irpöc lö* äji^B*Qit<,riyov 
Navatqiänjv ^Htfutjonc» . . . xöp 9' avträ» 'idontvlu (»ttfrijt^» aafeiaayov- 
eiv K. 1. 1. (s. TJsener 8. 414). 

603) Als die bedeutendsten werden bei La. Di. 68 f. ansser Timon, 
Hekataeoe, Nausiphanes noch die von Timon in den Sillen (Fr. LXlIf.) 
verhertUcbten Fhilon vonAthen und Eutjlochos dargeateltt; ob letiterer 



„i.,ooglc 



7. Pynoniscbe Schule. NauaiphaiieB. Tunon. 109 

waren, so hat doch fOr ans ausser Hekataeos aus Abdera^') 
Dor noch Timon Bedeutoi^. 

Timon"'^) von Phlius"*^, Sohn des Timarchos»'), erblickte 
etwa zwischen 320 und 315 das Licht der Welt^^). Einäugig 
geboren'*'*), war er zuerst Chort&nzer, offenbar im Dienst einer 
Schaospielertruppe "'*'), dann begab er sich, dieser Beschäftigung 
Qberdrüssig, nach Megara und h'örte dort den Stilpon, kehrte 
Herauf in seine Heimat znrQck und verheirathete sich. Nach 
seiner eignen Darstellung traf er dann zufallig beim Tempel des 



der TOI Uetrodoroa und Epiknroi gestoibene und Ton dieum dann in 
einer eignen Lobachrift (s. A. 433, vgl. A. 486) geprieiene war, erscheint 
mir trots des IntereeseB von BpiknroB an Fyrron (>. A. 499) and trotz Epik. 
Ft. 18S (b. A. 397») nicht 10 nnzweifellian;, aU ÜBenei S. 407 cb darstellt. 
Ich mOchte doch lieber an einen gleichnam^n Schfller des QargettierB 
denken. Zweifelhaft iet aoch, ob Numenioa (La. Di. 102, Tgl. 68) wirk- 
lich nDmittelbarer Schüler des Pjnon oder ein späterer Skeptiker war, 
B. Zeller HI', 1. S. 483. A. 4: allsu kOnstlicb echeint mir die Comhinatioa 
Ton Wilamowitz S. 32. A. 8. 

504} S. C. 11. 

606) Wachsmnth SiHographomm Graecomm leliquiae, Leipz. 1886. 9. 
(1. Aafl. De Timoue BÜlographo ceteiisque BÜlographjs Graecis, Leipi. 
1866. 8.). Wilamowitz a. a. 0. S. 31 ff. 41 ff. 821, vgl. Epiat. ad Ubam. 
S. 164. Die Biographie bei La. Di. IX, 109— US scheint, wie Wilamo- 
witz bemerkt, wArtlich (b. 109. ö nag' ^fiäf) aua einem erdt nach Sex. 
Emp. und Satmniniu (s. 116, Tgl. Anm. 611) lebenden Skeptiker (Empiriker) 
abgeachrieben cn aein. Der Versuch von Wachsmuth S. 91 ff. vielmehr 
die Sache dadnrch en erkl&reD, daaa er den Diog. selbst zn einem Empiriker 
macht, acheiteit daran, daaa letzterer allem Anacheine nach nirgenda den 
Antig. T. Kar. (und auch wohl den Sotion nicht) unmittelbar benutit 
hat. Dagegen hat m. £. in Bezug auf die ZnsammenBetzung der Biographie 
Wachsmnth wirklich Wilamowitz berichtigt. Die HauptmaeBc (109— 
118. (vdcuätip) stammt ana der Eiuleitong TOn dem Commentar des akepti- 
schen Granuiialikers Apollonidea von Nikaea ans der Zeit des Tiberins za 
deuSillen, welcher dabei die Lebensbeschreibung TOuAntigonos aaa Karyatoa 
und die ^uiSo%al des Sotion verwerthet hatte; dum folgen zwei NachtnLgp, 
der eine aas Antigonos (112. i> d' ovv — 114. naÜ^nv loioüro), der andere 
Termuthlich ans Sotion. Die kurzen Notizen bei Arietokl. a. a. 0. g. 28. 
7&3c (bie ifiloaotpTitmixiis oder tV^ypoi). g. 14 f. 760 d ff. mit Sillenbnich- 
■tücken geben auch hier (s, Anm. 491) auf Antjg. zurück, s. Wilamowitz 
S. 27 t Wacbsmnth S. 9, TgL S. S4i 

606) La. Di 109. AristoU. a. a. 0. Snid. Tl^n. Steph. t. Bje. «Itoüc 

507) La. DL 109. 508) S. A. 522. 628. 587. 

609) La. Di. 112. 114: gegen den Zweifel Ton Wilamowitz S. 31 
a. Wachsrnnth S. 10. Anm. 1. 

610) La. Di. 109. AristokL g. 15. 701 b. §. 28. 7G3 c. 



byGOÜgIC 



110 Zweites Capitd. Philoaopbie bis 2. HHIfte des 2. Jahrb. 

Amphiaraos mit dem greisen Pyrron tusammen, welcher auf der 
Reise nach den Pythien begriffen war^^'), und ward so mächtig 
VOD demselben angezogen, dass er sieb mit seinem Weibe nach 
Elis begab, dort blieb, bis seine beiden Söhne geboren waren, 
und der treueste Schüler des Pyrron ward'^'). Darauf aber trat 
er, durch Mangel an Unterhalt gezwungen, mit ZurQcklassung 
seiner Familie als fahrender Litterat und Wanderlehrer in den 
Städten am Eellespontoa und in der Propontia auf, machte mit 
seinen Yorträgen besonders in Chalkedon Glück, kam ohne 
Zweifel bei dieser Crelegenheit mit dem Tragiker Homeroa in 
dessen Vaterstadt Byzantion in nähere Verbindung^"), besuchte 
vielleicht^^*) auch Alezandreia und jedenfalls wohl den make- 
donischen Hof bald nach der Thronbesteigung des Antigonos 
Gonatas 276, wo er den Dichter Aratoa in Bezug auf dessen 
Plan den Homeroa herauazugeben vor der jfingat erschienenen 
Auagabe dea Zenodotos mit ihren vielfach willkOrlicben Tezt- 

611) TimoD erzählte dies im Pflbon (Arätokl. §. 14. TGOd.'e, Tgl. La. 
Di. 64. 76. tos), nod zwar iv oCc xpö; Jltid'mva dii^Eiair, so ilass entweder 
der genanere Titel dieser Schrift tcgög Ilv^cava oder, wie Wilamowitn 
S. SS. Anm. nod WAcbsmuth 8. 28f. wobl richtiger annehmen, dieselbe 
ein Dialog zwischen Timon and Pjtboo war. Wilamowitz denkt an das 
Heiligtbnm des Amphiaraos in Oropos, Wacbsmnth S. II. Anm. G richtig 
vielmehr an das in Phlins (PauB. 11, 13, 6, 7). 

612) I». Di, 109 f. Von dem ftltereo Sohne wird hier berichtet; Sü*6ot- 
l%ÜUm kdI {azgmrjv iSidttie Mal iiäSoiov tov ß^oo xariXattv, S dt iHöyi- 
fUJE ^v, äs x«) Saititav h lä ivScTiätia q>r]c(v. Die Terbindung der empiri- 
schen Aerete mit dem Skepticismut rührt also schon Ton diesem Xantboa 
her, von Timon selbst aacb dann nicht, wenn kilSa^e bedeotet, dass er 
selber erstem in der Arzneikunde unterrichtete, denn dann war Timon 
Arzt in Phlins, bevor er Skeptiker wnrde und nach Elia ging. Aber Idßali 
kann ebenso gut heissen „liess ihn nute tri chten", wie Zeller III^ 1. S. 483. 
A. 2 richtig bemerkt, den Wachsmuth S. 12. A.2 und Andere beetritten, 
aber nicht vicderlegt haben. Die Sache mnss also dahingestellt bleiben. 

EIS) La, Di. 113. fitTidi9ov 3i tüv T(aye>Si£v 'AIi^ÜvSqoi nal 'Op^ifm 
(vgl. Anm. BIG. 627. 530 nnd C. 10. A. IS). Wilamowits S. 1B6. 

614) Hit Sicherheit folgt dies nümlich weder ans La. Di. 110. iyvm«^ . 
i'k nai 'Avxiyövei xäi pccniXt! mütI Utoltftalia ^iXaSflrptp , äs aitie if lorc 
(ä^ßois ('ivSaXiioCt Wilam., a. A. 630) ctvxä (lUftvQei, noch ist es Bchlechtei- 
dings nothwendig, dass der Spott über die „FbiloBOphenvoliere" {tälafo*) 
in der, mit Athenaeos in reden, Menagerie (xävaytof) des alexandriniscbeti 
Museions (Fr. LX b, Ath. I. 33 d, a. Anm. 626) aaf eigner Anscbaunng 
benihL Da indessen Timona eigner Anfenthalt bei Antigonos fast zweifellos 
erscheint (a. Anm. 515), so liegt es n&ber nach dieser Analogie die erstere 
Stelle auch auf persönlichen Verkehr bei Philadelphos zn deuten. 



iv.t^iOO^IC 



7. FjrrODische Schule. Timon. 111 

änderangen wturite^'^), und knSpfte entweder hier oder schon 
rorber in Alezandreift oder an beiden Orten noch mit einem 
dritten Dichter, dem Aetoler Alexandras, ein näheres VerbSltniss 
an^'^. Nachdem «r sich nun in dieser Thätigkeit ein YermBgea 
erworben hatte"'), siedelte er, und zwar somit später als 276, 
nach Athen fiber, wo er mit kurzer Unterbrechung durch einen 
Aufenthalt in Theben"*) sein übriges Leben zubrachte*'"). Er 
überlebte noch den Arkesilaos*^, welchen er nur als einen halben 
Skeptiker gelten Hess and in diesem Sinne rielfach neckte"'), 
erreichte gleich Pyrron fast 90 Jahre**") und starb etwa zwischen 
230 and 225**'). Die Zahl seiner Schüler war nicht gering, ob- 
gleich er ,,nach Art der Skythen fliehend auf sie Jagd machte"^"*). 
Gleich Pyrron war er ein Freund der Einsamkeit und ländlichen 
Ruhe: bei Geräusch im Hause konnte er nicht arbeiten*^^). An 
Gleichgültigkeit des GemDths nahm er ea nicht minder mit Pyrron 

616) La. Di. 113. ipaal 8i ttal'^gvmv %v&io9ai avtov «tue t^r 'Ofi^^ov 
%oiifit.ii efffiiil^ NT^OBico, ti» ii ilmftv, et zati u{jialoit avztyfäipoi^ (v' 
■cvfimvot aal ^i} lOit ^4i} iiaffteiftivoig. 8. Wilamowitz S. 13. Antii. 
(der dabei freilich auch noch an die de« RhiauoB denkt, b. dagegen C. 14. 
A. 141). Vgl C. 12. A. 16. SS''. Yergeblich mflht aich Wachamath 
S. 17 f. am die Möglichkeit einer andereo Erkl&TDng ab. Dau die Atii- 
gabe dea Zenodotoa zwischen 376 and STi lohon existirte, ist nun aber 
bereite Abeiraacfaend genag, daher geht ob nicht an ihr Erscheinen noch 
weiter tnrSckanlegen , wie man thnn mflsit«, am WachBtuntks Annobmc 
(S. IS), Timon Bei Bchoo einige Zeit vor 276 noch Athen Abergeaieüelt, 
und damals nad dort habe dies Gespr&ch mit Äratoe sich ereignet, baltbar 
%a finden. Und wenn Wachtmnth 8. 17 f. den von Uaener Rhein. Has. 
XXIX. S. 48 und Wilamowiti behaupteten Aufenthalt dea Timon am 
makedonischen Hofe fOr einen Inihain erkl&rt, «o bat er nicbt bedochf, 
da» die BekanntBchalt desselben mit Alexandroa dem Aetoler doch nar 
entweder Ton dort oder von Aleiandreia stammen kann, e. Snaeniibl 
Anal. Alex. U. 8. XV ff. 

61«) 8. A. 61S. 617) La. Di. 110. Stepb. v. Byz. Miovs. 

618) La. Di. 110. US. 61») La. Di. 110. 

6S0) S. A. 689. 637. 6S1) La. Di. lU. HC. 

622) Ia. Di. 113. 688) 8. A. 637. 

624} HierosymOB v. Rhod. b. La. Di. 112. 

6S6) La. Di. IIB. Seine Iiebensweise wat Knwervt m&SBig: er frQh- 
stOckte nicht, La. Di. 114. Noch Wilamowita S. 42. Anm. glanbt aaf 
Ömnd von La. Di. 110. Ath. X. 436». (AeL V. H. II, 41. p. 86, 2tF. Hercherl, 
dasB er trotzdem auch einen guten Trank vertragen konnte. Aber Wachs- 
mnth S. 14. 19 oeigt, dasB ans Ath. gerade dos Qegentheil fSr ihn wie 
fdc Lakjdea hervorgeht und Bndert bei La. Di. HO mit Recht ipiloMÖtr,s in 
7ilinroii)[^E, wie der Zusammenhang fordert 



Iv.t^TOO^lC 



112 ZweiteB Capitel. Philosophie bia 2. HUfU des 3. Jahrh. 

auf, 80 dass er seine Gedichte angeordoet nnd Teruachlässigt 
umherli^eo liesa, bis die Mäuse sie fraBsen^*"). Und doch war 
er ein poetisch hochbegabter Mann, welcher auch den beiden 
tragischen Dichtem Homeros von Bjzantion und Älezandros dem 
Aetoler bei ihren Tragödien half, indem er ihnen Pläne und 
Stoffe an die Hand gab^'^, ja vielleicht solche, die er bereits 
selbst ZQ bearbeiten angefangen hatte, zur weiteren Äusfflhrung 
fiberliess ^'^). Namentlich aber hatte er eine starke satirische 
Ader. Weit bekannter daher als seine prosaischen Schriften"^) 
war wenigstens ein Theil seiner poetischen^'"), namentlich die 

ftSS) La. Di. 119. All er einmal dem Bhetor ZopyroB (von Klaiomenae, 
B. C. S6. A. 62) ans einem daraelben vorlaa, „fand er den abgerisBenen An- 
fang beim AüfwickelD der Rolle", ebenda 114, b. wiederum C. 3G. A. 58, 
femer WachBmotb 8. 16. Wilamowitt S. 43. Adid. Wie aber Wila- 
mowiti B. 167 bdb dieser Gleichgflltigkeit und vollenda aoB Beinem nicht 
ganz unberechtigten UrUieil Aber die Oewaltoamkeiten der Homerkritik des 
Zenodotoa (a. Anm. ftlG) Bchliessen kann, daw er überhaupt von der neuen 
Poesie nicht viel gehalten habe, verstehe ich nicht, nnd der A. 614 und 
schon G. 1. A. 20 erw&hnte Spott flbei die „Voliere" (nfJUi«ov) des aleian- 
driniacheu Uuseions Fr. LX ist nicht gegen die dortigen „Hofpoeten", 
sondern gegen andere aeltene HOhner, welche in demselben gefüttert worden, 
nämlich die dort pensionirten Philosophen gerichtet, wie Wachamath 
S. 181 £f. ausser Zweifel gesetzt hat, vgl, Snaemibl a. a. 0. S. XVI. A. 7». 

687) La. Di. 112, tpiXoytiiißitaiäs tt «vt roic notijzais iii9ovs 741(11^1 
CnovÖc val fifä^axa <iv»Siati9i*ai. ^tttSitov x. t. l. (a. Anm. 613). Vgl. 
Wacbemuth S. 18f. 

628} S. A. 630. 

629) Ansaer dem Pjtbon (s. Anm. 611) werden noch andere erw&hnt: 
xf^l a/o9i]«c(g» La. Di. 106, tföt toi>t qivaiinivB Sex. Math. III, 2. Viel- 
leicht aus einem dritten Bache stammt was Aristokt. a. a. 0. XIV, 18, 
2-4. 768 0. d aDsführlicher, La. Di. 102. 107 kOrzer berichtet. Während 
er den Arkesilaos auch nach dessen Tode (wie bei dessen Lebzeiten, s. 
Anm. 621) in den Sillen nicht schonte (vgl. Anm. 537), Terherrlicbte er ihn 
dagegen, gleichfallB nachdem er gestorben war, nnd zwar wohl bald her- 
nach zn Ehren der verwandten Denkart in dem Ufgiinifvov 'Aettteilänv 
(La. Di. 116), offenbar in Nachahmung von des Spensippos ntttHuww 
niäftaiiot, ob aber in Froaa oder in Versen, steht dahin, s. Wachsmnth 
S. 89 f. 

680) Das anmmarische Register bei La. Di. 110 xal yäp »ov^fiata avvi- 
■ffaqn Nul fxi] >iil ifceyaiilas xal iWiofiMic [xal di/mnaza HmfitKÜ xiftaxorta 
tu di T^yiNO {^^KOvra], aHXmg 11 xul uifaitovs, ipiffMtai 8 ovrov *al 
»ataXoyidTjv pißUa [1^ iTtmv xelvovxa (ivgiaias tvo] ist ans Antig. V. K. 
entnommen mit Znaata der eingeklammerten Worte aus Sotion (bei welchem 
die Zeilenzahl sieh vermnthlich auf die gesammten Werke, nicht bloss die 
proBaischen besog, s. Wachsmuth S. 27 f.), so dasB in Wahrheit die 60 



iv.t^iOO^IC 



T. Pyrronische Sebnie. Timon. 113 

Sillen, ausser denen er auch noch Elegien, Epen^^') und^^^) kina- 
dologiitche Dichtungen verfflsste. In elegiscber Form waren die 
„Vorstellußgen" oder vielleicht richtiger „Phantasiegebilde" ("Jv- 
Sai^fioi) gedichtet, von denen uns noch ein paar wichtige Bruch- 
stQcke geblieben aind^^). Seinen eigentlichen ßuhm aber ver- 
dankt er jenen Silleu (^Eüloi), nach welchen er der Sülograph 
genannt zu werden pflegte^'*). Es war eine mit Qeist und Witn 
geschriebene Satire auf die früheren und gleichzeitigen Philo- 
sophen, ein parodisches Epos in Hexametern, in welchem nicht 
bloss zahlreiche homerische und nnr homerische Yerse in paro- 
discher Umbildung verwandt wurden, sondern dessen Ganzes auch 
aller Wahrscheinlichkeit nach^*^) eine parodische Nachahmung 
der homerischen Nekjia darstellte, dergestalt dass in ihr Timon 
selbst die Rolle des Odjsseus, Xenophanea aber die des Teiresias 
hatte. Im ersten Buche erzählte und beschrieb Timon sein 
Hinabsteigen in den Hades und den Redewettkampf, welchen die 
dort von ihm erblickten Schatten der bisher verstorbeneu Philo- 



tr^i:cheD Dramen mit doD TrogSdieD nnd die 30 komischen mit den 
aätvqoi einerlei find, s. Wacbamnth S. 19 IT. Wilnmowitt S. 33. 42. 
Anin. Sicher wahren dia Tragödien gleich den byniBchen nicht zur Auf- 
führtmg bestimmt, vielleicht zum Theil nur Skizzen, welche er, wie bemerkt, 
möglicherweise anderen Dichtem zur weiteren Änsarbeituag aberlauen hatte, 
die aatvQot oder EomOdien vollends wohl blosse komische Mimen oder 
Dialoge, vielleicht einerlei mit den nur einmal La. Di. 110 erwähnten 
taußoi, wenn andere (e. Änm. 614) dort diese fiberlieforte Lesart richtig ist, 
t. Wachsmath S. 24—26. 

&31) Wenn anders nicht unter den fxq in jenem Register, in welchem 
die Elegien mit zu den firi] gerechnet za sein scheinen, bloss die 'ivSalfioi 
SU verstehen sind. Ygl. Wachsmntb 3. SOf. 

533) Qleich seinem Freunde Alexandros, s. C. 4. k. 83. 

633) Gesammelt bei Wachemuth S. 21 fF. Ueber den Plan und Zweck 
dic^ee Werkes s. Hirzel IH. S. 4G ff. mit den Beriohtignng.^n von Natoip 
S. 289f. und Wachsmuth a. a. ü. Ea war eine Art Dialog zwischen 
Timon nnd Perron oder vielmehr eine Beantwortung der Anfrage des erateren, 
wie letzterer zn seiner wunderbaren Seelenruhe gelangt sei, durch diesen 
letzteren. Üeber die homerischen Anklänge und neuen Wortbildungen in 
diesen Brachstficken s. Wachsmnth S. 24. Ueber den Titel s. aach 
Itrocbard S. 85. 

534) Ath. 1. 22 d. Ariatokl. a. a. 0. §. 26. 763 c. Prokl. z. Plat. Parm. IV. 
p. 23. 68 Cous-, E. Plat. Tim. p, 1. Suid. oiUaiVti. — Sülog bedeutet eigent 
lieh „Ängenverd reher", daher „Spötter" nnd auch „Spölterei", s. Wachs- 
mnth 8. bf. — Ein paar kritische und erk1fi.rende Beiträge zu den Brach- 
stficken giebt Eaibel Sententiarum lib. IV, Henn. XXII. 1887. S. 512 f. 

536) Wacbsmntb S. 39 ff. 

SDinnrT., sr<«h.->Ici. Lltt.-Gei<:h. I 8 

D,j-,., iiv.t^iOO^IC 



114 Zweites Capitel. Philosophie bis 2. BsMte dea S. Jahrh. 

sophen mit Ausnahme des Xenoplianes halten, und welcher enil- 
lieh durch den Schatten des Pyrron zur Ruhe gebracht wird. 
Im zweiten lleas er aodann den des Xenophanes auftreten, mit 
welchem er sich von da ab unterredet, indem er fragt, Xeno- 
phanes ihm aber antwortend Bericht giebt im zweiten Buch 
Qber die früheren, im dritten über die gleichzeitigen Philosophen, 
welche jetzt den Hades bewohnen^^. Im Epilog scheint dann 
endlich umgekehrt Timon dem Xenophanes Über die noch leben- 
den kurze Auskunft gegeben zu haben. Ans dieser ganzen Ein- 
kleidung folgt denn, dass das Gedicht erst nach dem Tode des 
IJeberläufers Dionysios, des Arkesilaos und des Eleanthes "^^ 
im hohen Alter des Dichters verfaest und wohl sein letztes Werk 
war. Dem Xenophanes gab er jene Rolle in demselben ohne 
Zweifel aus einem doppelten Grnnde, einmal weil die Satire vor- 
wiegend gegen die Dogmatiker sich richtet"*) und Xenophanes, 
ohne Skeptiker zu sein, doch wenigstens die Unvollkommenheit 
der menschliehen Erkenntnisa sehr stark betonte, und sodann 
weil auch er schon polemisch-satirische Gedichte in Hexametern 
zum Theil mit Parodie homerischer Verse gegen Homeroa, He- 
siodos, Epimenides, Thaies, Pythagoras geschrieben hatte. Andere 
und spätere Vorläufer hatte Timon an Erstes und Bion, ja von 
ersterem entnahm er die Form der Nekyia selber""), aber die 
eigentliche Ausgestaltung eines aolchen kunstvoll angelegten 
polemisch-parodiBchen Epos scheint doch sein eigenates Werk"*'). 



586} Apollooid. h. La. Di. 111. zmy Si aßAmv tfia lativ, Iv ofc ms «tj- 
cxentix^e äv nävttit loidmgtt kqI aiXlaivii tove doyiiarmovs tv leaiiiaditii 
ttSti. (ov xh p-^v TtfjäxoTi amoSiriyrttov fjet i^v iq^Tiveiav, td ii Aevcipov 
*aX ffixov Iv /tialöyov irxiJfKfii. (paivetat yovv ava-Kiilva)v Sivoi)<'*'1 '"'* 
KoXoipaiviav nifl fHÜariav, o di avxä AitjyottfiEvoc lati, xul iv iiiv xä Stv- 
T^99) vttfl xäv afieiattfiar, Iv di t^ tfitm nepl täv icxifta*. o9ev S^i 
aizo xiwte tal luiloyov inlyf<nfiav, x6 di nfäxav xavtä xtf/iiitt «(layfiata, 
*li}v Ztt fton>«püoD>«^e l<ntv. Wachamnth S. 3G— 48. 

537) Fr. LDL b. Ath. VII. 281 d. Fr. XVI. XVir bei La. Di. IV, 33 
(Vffl. La. Di. IX, 115, a. Anm. 559). Fr. XXIII b. U. Di. VII, 170. Timon 
lebte also noch nach 381. Ob Ariaton Ton Chioa in den Sillen als Schatten 
oder im Epilog ala Lebender vorkam, l&aat aich ana Ath. YI. 231 b. c 
(Fr. LXIV) Dicht abnehmen, vgl. Anm. 243. 244. 

5S8) Freilieb bekam auch der „halbe" Skeptiker Arkeeilaos und wohl 
ancb Protogoraa (Fr. X b. La. Di. EX, 52) sein Theil ab. 

639) Sicherlich kannte er ani^fa die des Ein&d an dichtere Sotades nod 
vielleicht aach schon die des Menippos, a. Wachamnth S. 40 f. 78fE!. 

540) Sotion veifaaste auch eine Special achrift Qber die Sillen (Ath. Till. 



Iv.t^TOO^lC 



T. PyrrODische Schule. Timon. 115 

So grossen Zulauf mm aber auch Timoua Vorträge gehabt 
hatten, und obvohl sein Anhang ohne Zweifel mit seinem Tode 
nicht ausstarb, eine eigentliche Schule bildete er nicht"*), wenig- 
stens nicht in Atheo. Wer dort dem Skepttciamns zuneigte, 
wandte sich lieber zu der Akademie des Arkesilaoa, gegen welchen, 



S36 d. Tgl. C. 19. Ä. 30), TQrmQthtich aber ohne Biographie, to dass ApollonideH 
in leinem Conunentar vielmehr, wie gesagt, dia in den ^utio%ul beuDttte, 
■. Äiun. 606. lAert. Diog. nnd Aiiatokl. oitiren die Silleo nur aas mittel- 
baren Qnellen, yielleicbt auch Sex. Emp., aber Athenaeos hat eie noch 
selbst gelesen. S. Wachsmath S, Sl— 86, 

641) Seihet Skeptiker gaben dies in. Einer von ihnen Henodotos (im 
3. Jahrh. n. Chr.) beiengte, da«i Timon keinen Nachfolger hatte, sondarn 
die Schnle eine Unterbrechung erfuhr, bis sie durch Ptolemaeos von 
Eyrene erneuert ward, La. Di. 116 (s. C. S2. A. 483). Qegen Haas De 
philoeophorom sceptioornm auocaisioDibue, WOnbarg iSTfi. 8. a. üb. diese 
St. Zeller 8. 488. A. 2. Wenn Sotion und nach ihm Hippobotos (ebend.) 
von vier SchQlero de^ Timon, nämlich Diosknrides von Kyproe, Niko- 
lochos TOD Rhodos, Enphranor Ton Seleukeia nnd Praylos aas Troas 
denen sie fOglich noch seinen eignen Sohn Xanthoa h&tten beigesellen 
können (h. A. 612), wnisten, so steht dies nicht im Mindesten hiemit In 
Widcrapmeh, S. Zeller III', i. 8. S. A. 1. Daran Bchlieast sich nun aber 
IIS eine DiadochenKtt«, die mit Enphranor beginnt und erst mit Satnr- 
ninns, einem Schiller de* Sex. Emp., endet. Nach dieser Liste soll nnn 
jener Ptolemaeos schon Schtller von Euphnmors BchQler Enbulos Ton 
Aleiandreia gewesen sein, was aber, auch wenn man Aeneeidemos, den 
Schüler von Ptolemaeos SchGler Herakteides, wi^lich schon um 80 t. Chr., 
was rieh C. 83. A. 498. 409 als unrichtig ergeben wird, en setzen h&tte, 
chronologisch nicht mOglich ist, s. Natorp S. 66 f. Demi es kommen auf 
diese Weise, was Hirael III. S. 2. A. 2 nicht beachtet hat, vom Tode dee 
Timon bis aef den des Aeoesidemos auf etwa SOO Jahre nur 4 Generationen. 
Hithin war Eubuloe entweder nicht Lehrer des Ptolemaeos oder aber nicht 
Schüler des Bubnlos oder endlich Eubulos nicht Schüler des E^iphranor. 
Die Liste hat also im An&ng mindestens ein Qlied cn wenig nnd beet&tigt 
somit in Wahrheit nur die Angabe des Henodotos. Unter diesen Ums<ADden 
bleibt es eine TOUig unsichere Berechnnng TOn Haas S. 22, doss Ptole- 
maeos ein Zeitgenosse des Karneades gewesen sei. Unter den längst ans- 
gestorbenen Secten wird neben denen des Chiers Ariston nnd des Herillos 
(s. Anm. 241. 253) bei Cicero wiederholt (nach Karneades) die des Pj-rron 
genannt: Fin. II, 11, 86. i'am diu ahiecti. 13, 4S. tarn pridem contra eoB 
detüum «* düpütari. V, 8, 23. explotae eUetae^ue smtentiae Pyrrom» tle. 
Tusc. V, 30, 86. evarnKTimt. Off. I, 8, 6. tarn pridein expUua sentenlia. 
Und wenn es auch Fin. IT, 18, 49 nur Ton Herillos heisst post . . . Chry- 
tippum non tane ut ditpvtalum, so wird ja doch die scharfe Polemik des 
ChrTUppos ebenso gnt den Aristoneem verderblich nnd wird es also wohl 
aoch den mit beiden in allen diesen Nachrichten Terbandenen Pynoneem 
geworden aein, s. Hirzel S. If. Anm. 



i.t^iooylc 



116 Zweites Capitel. FhiloBopbie bis 2. Hälfte des 2. Jahrh. 

wie gesagt, schon Timon seine Eifersucht nicht verhehlt hatte. 
£s ist möglich, dass sich der Pyrrouismus im Stillen namentlich 
in Alexandreis, znm Theil unter den Aerzteu fortpflanzte^*). 
Eine wirklich nennenswerthe Emeuemng ward ihm erst durch 
AenesidemoB zu Theil. Wenn man übrigens das Verhältniss 
bedenkt, in welchem Timon zu Aratos gestanden hatte, so wird 
man wohl Tcrmuthen dürfen, dass aus einer Schrift von dem 
Schüler des ersteren Euphranor aus Seleukeia eine Nachricht 
stammt^ welche Über einen Bruder des letzteren Athenodoros aus 
Enphranor angeführt wird"'). 

8. Die Akademiker'^*). 
Polemon, Sohn des Philostratns "''), ans dem Demos Oea "*''), 
einer reichen Familie angehorig"*''), führte in seiner Jugend ein 
überaus zügelloses Leben und ward von seiner Frau wegen Pä- 
derastie verklagt, änderte sich aber vollständig, nachdem er 
Schiller des Xenokrates geworden war"'"*), und hielt von da ab 



542) Dies ist da« Aeasserste, was man Hirzel a. a. 0. S. 8f. Anm. 
zugeben kann, insofern Enbalos ans Atexandreia, Ptolemaeos ans dem be- 
nachbarten Ejrene war und auch AeneBidemoa in Aleiandreia wirkte. 

548) S, C. 10. A. 39. 48. 

544) Von Polemon nnd Erantor ist eine Bio^apbie des Antigonos von 
Ear;Bt08 dnrcb La. Di. IT, IT. 22 bezeugt, vgl. jetzt ancb PbUod. Ind. 
Acad. Col. Q bei Oomperz Die herknlaniBche Biographie des Polemon, 
in den Pbilos. Anfss. Zeller gewidmet, Leipzig 1S8T. S. S. 147. Aber 
Wilamowitz S. 45 ff. bat nachgewiesen, dass nicht bloss hier, sondern 
ancb bei Erates and ArkeBiJaoB der UaupUtock det Darstellung des La. Di. 
and dea AoonymuB Herculanen^is im Index der Akademikei (Toi. Ilerc. 
Coli. II. T. I. f. lGi-197, e. bca. die Bearbeitong von Bücheier, Qreifaw. 
1869 mit dea sebr wesentlichen Ergänzungen von Gompetz a. a. 0.), d. b. 
wahrscheinlicb des l'hilodemOB, mittelbar auf denselben AatigonOH inifick- 
geht, indera der aDl>ekaDnte, am Ende des 3. Jabrh, v. Chr. lebende Bio- 
graph der Akademiker, welchen Philodamos auszog, und welcher für jene 
vier Akademiker aach die mittelbare Quelle des La. Di. und mindentens iu 
einzelnen Stücken hier durch andere Hittelglieder wohl auch des Numenioa 
(s. Euseb. P. E. XIV, 5, 12 fE. T29c ff.) war, vorwiegend, wenn auch nicht 
aaaschliesalich fSr die Biographie jener vier Männer ihn benutzt hatte, s. 
A. 66BO. 

645) La. Di. IV, 16, Philod. Col. XII bei Gomperz S. 144.; 

bib^) La. Di. ebenda«. 

5460) geJQ Vater züchtete Wageupferda, Antig. v. £. b. La. Di. 17. 
Philod. a. a. 0. 

645'') Vermuthlich in seiaem 80. Jahre, denn Antig. v. K. b. Atb. II, 44 c 



Iv.t^TOO^lC 



8. Akademiker. Polemon. 117 

nicht bloss mit unerschQtterlicber Treue an diesem fest, soodem 
entwickelte auch in seinem späteren Leben die sch&nste Ruhe 
und Wflrde und einen nnerscbQtterlichen, zum Theil etwas Qber- 
triebenen Gleichmuth, Yon welchem verschiedene Zflge erzählt 
werden"*'). Er folgte diesem seinem Lehrer 31^ in der Lei- 
tung der akademischen Genossenschaft^") bis zu seinem Ol. 
126, 1 = 27^5 oder Ol. 127, 3 — 270 in hohem Alter erfolgten 
Tode^*^). Zurückgezogen TOB allem WeltgetBmmel und poUtischeii 
Treiben, lebte er mit den Seinen auf dem ron Piaton der Gesell- 
schaft rermachten QrundstQck, wo diese sich Hotten zum Auf- 
enthalt bauten ^*^''), eng verbunden namentlich mit Krates, welcher 
mit ihm zusammenwohnte**^'), sein Nachfolger ward und sich 
endtich auch mit ihm in demselben Begräbniss beisetzen liess''*^^), 
und mit Krantor und Arkesilaos, die wiederum ihrerseits zu- 
sagt, dasa et von dieaem ab nar Waaser gatnmken habe. Die anmathige 
Oescbicht« freilich, wie er in dsr Tnmkeobeit dncob einea von ihm ao- 
gebOrteo Vortrag des Xeaokratea bekehrt sein aoll (La. Di. 16. Philod. 
Col. Xin. Weiterea b. Zelter II*, 1. S. 964. A. 1) stammt nicht allein nicht 
ans AntigonoB, aondern ist auch nDgeacbichtlich, e. Wilamowjtt S. 66 f. 
Ueber P.'a BemudeniDg dea Xenokratee aber s. (Antig. b.) La. Di. 19. 
Philod. CoL XV, ilff. bei Qomperz S. 14« f. 

645 ■) (Antig. T. E. b.) La. Di. IS ff. Philod. Col. XII f. bei Qompen 
S. 144 f. VgL Plat. cob. ira 14. *«S D. 

646') Lft. Di 14. 16. 

646") Philod. Col. Q. b. flompen S. 147: «aiö tfilox^otjj». S. G. P. 
Unger AUiache Ärchonten, Philologns Snppl. V. 1880. 8. 69» f. Euaeb. 
Chron. IL p. 120. 121 SchOne mit einer tob Ol. ISd, 4 bia 188, 1 echwan- 
kenden Angabe. hiltvtT^ti di j^gaiös ^Ji], (Antig. b.) L. D. 80. Setst 
man aeine Gebnrt nach dem Obigen etwa 364, ao ward er nngef&hr 78 bia 
84 Jabre alt. Ueber die Todeaart a. Wilamowitz S. 47; ,,Dem Diogenes 
selbst werden wir wohl mit Überwiegender Wahrscheinhchkeit die Hinm- 
fSgnng der Todeearten zuweisen, welche, geschmackt mit einem Epigramm, 
hier wie bei den alteren Philosophen anftreten. Für die gröbate LOge, dca 
Arkeailaoa delirium tremens, i^ Hermippos citirt(46): ihm auch dea Pole- 
mon Schwindsucht (SO), de» Kraotor Wassersucht (S7), des L;kou Podagra 
(7, S8) EDsntheilen ist jedeorall« das Sicherste, obwohl dies ja Alles ui 
aicfa allerdings auch pusirt sein konnte". 

646'>) {Antig. b.) La. Di. 19. Phitod. Col. XIV, 18 ff. 28 ff. 86 ff. 

616') Antig. b. La. Di. 22. 

64&'Ö (Antig. b.) La. Di. Sl. Nadi Philod. CoL S scheint es, daaa 
Polemon netmehr in der Termnthlich fBr Erantor nnd Arkeailaoa in Ana. 
sieht genommenen (Tgl. La. DL 36) gemeinsamen Begräbnissstätte gleichfalls 
iD mhen gewQnscht hatte, s. Qomperz S. 147 f. Waram es dazu, wie ca 
sonach scheint, nicht kam, wissen wir nicht 



iv.t^iOO^lC 



118 Zweites Capitel. Philosophie bis 2. HalElc des 8. Jahrb. 

summenwobnteu^^'). Deiinoch stand er bei den Athenern um 
seiDes edlen CHarakters willen in hoher Achtung'^'""). Dabei 
wandte er sich aber bereits entschieden von den theoretischen 
Betrachtungen ab und einer blossen ethischen Popnliirpbiloaophie 
zu, indem er mit einer gewissen Annäherung an die kynische 
Denkweise so weit ging su sagen, man müsse sich durch Hand- 
lungen üben und nicht im Aufstellen dialektiacher Fn^en^*^"), 
und so machte denn auch er selbst hauptsächlich durch jene 
immer gleichmässige harmonische Rübe seines persönlichen Auf- 
tretens Eindruck"^"). Dem entsprechend schrieb er „Ober das 
naturgemässe Leben"^*^*'). Bei alledem ging er indessen in seiner 
Lehre über die äusseren Güter nicht bis zu den Schro^eiten 
der Kyniker und Stoiker fort, sondern hielt in dieser Beziehung 
an den Ansichten des Piaton und Xenokrates fest^^''). Weitere 
Schriften von ihm, deren Zahl nicht gering war, kennen wir 
nicht"*') 

Erautor*^^) von Soli, ein grosser Bewunderer des Homeros 
und Euripides ***'*), aber auch in vielen anderen Dichtern be- 
lesen**'"), Terfasste selbst poetische Versuche, die er aber in 



615 >) Antig. bei La. Di. 83. 

ölö") {Antig. h.) La. Di. 19. Philod. Col. XIV, 25 ff. 

646") (Antig. b.) La. Di. 16. Philod. CcA. XIV, 3 ff. 

646°) So auf Erantor nach dessen eignem Zeugnies, (Antdg. b.) La. 
Di. 17. vgl. 84. Demgemäas zeigte er denn dieee Ruhe und Uilde {äaölomot) 
auch gerade in der Dispntation, (Antig. b.} La. Di. 18 ff. Philod. Col. 
XIV, 7 ff., jodoeh mit dem Znaatz (La. DL 19): illä it^ oidi ■ofr^Ca)« 
lltjt Ufas tas Sintis, fa«l, %iQfKatäv ti iit»%ti^i. Dem Arkesilaos er- 
schienen of xcqi nolifuova wie GCttet oder Ueberrest« des goldenen Zeit- 
alters, (Antig. b.) La. Di. 22. Philod. Col. XV. 

645») Clem. Strom. VIL 717 D. tä xtfl caO »axä ipviiiv püv ovr- 

5451) Clem. Strom. H. 419 A. Cic. t^in. II, 6, 14 f. Weiteres b. Zeller 
IM, 1. S. 1046 f. 

646') La. Di. 20. iiiavä avvv(ii{umtc. Suid. IIoX. aoUa iiiv tmtyqtupt 
ßißUa, oiSiv 8' tröiov ifiqtxat. Seine Lieblingsdichter waren Sophokles 
namentlich in dessen herberen Partien, und Homeros, (Antig. b.) La. Di. ÜO 

646) van ßleeck van Bysewjtc De Crantore Solensi, Arnheim 
laa?. 8. (Leidener Dissert.). M. H. E. Heier De Crantore Solensi (Halle 
1840. 4), Opusc. II. S. 263 — 283. F. Kaiser De Crantore Academico, 
Heidelb. 1841. 8. 

646<>) (Antig. b.) La. Di. 26. 

&4$°) Wie die Bruchstücke beweiseo. 



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8. Akademiker. Erantor. 119 

milder Form remichtete, iodem er sie versiegelt im Athenetempel 
seiner Vaterstadt niederlegte**'), vermuthlich'*"') schon als er 
dieselbe, oachdem er bereits, und zwar wohl wegen eben dieser 
poetischen Begabung, Bewunderung in ihr gefunden hatte^^), 
Terliess, um sich der Philosophie in Athen zu ergeben, wo er 
bis zu seinem Tode blieb'^^. Er härte hier noch mit PolemoD 
zusammen den Xenokratea^, kann also nicht viel jünger als 
ersterer gewesen sein, höchstens etwa 10 Jahre'*'). Trotzdem 
blieb er nach dem Tode des Xenokrates Polemons Schüler, an 
den ihn nach seiner eignen Aoasage'^*) dessen ruhiges und mildes 
Wesen fesselte, and selbst als er in Folge einer Krankheit sich 
in das Asklepieian begab und hier eine Menge Lernbegieriger, 
unter denen sich auch ArkesilaoB befand^'), in der irrigen 
UeinuDg, er sei hieher gegangen, am eine eigne Schule zn be- 
gründen, nm ihn zusammenströmte, wies er doch ihr Ansinnen 
zurück und führte auch den Arkesilaos der Akademie zu''^*). 
Mit diesem und in zweiter Linie mit Erates, welche mit und 
bei ihm beide ihren gemeinsamen Tisch hatten'^), lebte er dann 
in der innigsten Verbindung und hinterliesa, als er noch vor 
Polemon **") und noch nicht im Greisenalter *''') starb, dem Arkesilaos 

647) (Antig. b.) La. DL 26. Dennoch haben rieh (wohl erst aiu seiner 
■päteien Zeit} „ein paar moralische lambea erhalten, unbedenteud gleich 
denen des £leanthea". Stob. Flor. XCVI, 18. XCVll, 6, vgl. Meiueke 
F. C. 0. I. Praef. S. XI. Kayaer S. 6Bf. Wilamowiti S. 68. Anm. 

MT»-) So Meier a. ft. 0. S. S66. 

&*8) (Äntig. b.) La. Di. 24. Philod. CoL XVL 

619) Cic. Tnec. V, 87, 107. 

650) Selbst wenn wirklich, wie Gomperi S. 118 etwas Torachnell an- 
uimint, der Ansdrack bei La. Di. 24 StPoniiiitotit dojxovas Iloleiuovi mtxQ- 
läim* gegenSber dem bei Philod. Col. XTL in/mTOv /liv Stvox^tovs ^*ovtw, 
vniQov Si luxä Jlol^fiaivoc laxöXaStv nur anf Bechnnng einet „eilfertigen 
EicM^irena" geietzt werden mOute, kann doch der Sachverhalt kein 
anderer gewesen lein. 

661) Zeller S. 994. A. S. Er ward alio spätestens angeflLhr (siehe 
A 64&S) 344 geboren, aber auch wohl nicht viel frflher. 

662) S. A. 646°. 

663) Der widersprechende Znaatz bei La. Di. 24 &ilmr ix' avtoi 
tvstefHivtH. nolcituvi ist ohne Zweifel wirklich aus eilfertigem Eicerpiren 
entstanden: Antig. wird geschrieben haben, dasa Erantor den Arkesilaos 
dem Polemon zafshrte. 

664) (Antig. b.) La. Di 24. 29, Tgl. vorige Anm. 

666} Antig. b. La. Di. 22. 666) (Antig. b.) La. Di. 27. 

657) Theaetct. b. La. Di. 26. y^t/ms ^Iv^ev ovti a^öaai. Hiernach mnse 

D,j-,., l|.;,*^TOOylC 



130 ZweitL's Capitel. Philosophie bis 2. Hälft« des 2. Jährh. 

sein bedeutendes Vermögen "*). Unter seinen Pros&scbriften von 
massigem Umfang^^^) sind uns zwei bekannt, sein Commentar 
zu Piatons Timaeos, das erste Werk dieser Art*^"), dessen Üeber- 
reste**') ihn trotz einzelner von ihm begangener Misagriffe "*) 
als einen Erklärer von Bedeutung kennzeichnen, und seine be- 
rühmte Trostschrift (aegl ntv&ovg) an Hippokles bei dem Tode 
von dessen Kindern'*^, die von äeva Verfasser des pscudoplatoni- 
scheo Axiochoa^"), dann in reichem Masse von Cicero in seinem 
gleichfalls nicht erhaltenen Trostschreiben an sich selbst nach 
dem Verlust seiner Tochter Tullia**^) und in verschiedenen Stellen 
des ersten und dritten Buchs seiner Tusculanen"'^) und von 
Flutarchos oder Pseudo-Plutarchos in dem Trostschreiben an 
Apollouios**') benutzt ist. Der Inhalt war indessen nicht be- 



eeiu Tod sogar betrUchtlich frQher aU derdesPolemoa, etwa 289, epäteBtens 
286 erfolgt «ein, a. A. 661. 

558) (Äntig. b.) La. Di. 26. 

559) Von nngelUhr SOOOO Zeilen, La. Di. 21. Philod. Col. XVI, 12. 

660) Frokl. in Tim. 34 Ä. h nfwzog zov IHäztovos i^Tiyjjrris Keäv^mi/. 

661) Bei Frokl. a. a. 0. und Plut. de an. proer., gesammelt von 
Bleeck S. 99 ff. und von Kajaer 8. 13ff. 

662) So hielt ei Platoas Milrchen von der Atlantis für geschichtlich, 
B. Prokl. a. a. 0. 

5G3) (Antig. b.) La. Di. 27. Saviiäiizai di avvov ßipJJov iiältiiTa to 
tiiqI viv&ovf. Cic. Acad. 11, 44, 135, kgtmug omncs Cranlorit, veterU 
Academici, de luclu: eet enim non magtau, vtrum aureolus et, at Tttberoni 
Panaetius praeäpit, ad verbum ediscendas üMlus. Plut. Cona. ad Apoll. 
6. 104 C. b Kfävzmf Jtagofiv&ovnivog M t^ iräv tixviav rtltvtj liv 'ixno- 
■Ifix. Ausser Bleeck 8. 34 ff. KajBer 8. 34 IT. u. Heier s. F. Schneider 
De Crantoria libro, qui mel niv^ovs inscribitur, Zeilachr. f. d. Alter- 
thunaw. 183G. S. 839—848. Bnreach Consolationum . . . hist crit., Leipz. 
Stud. IX. 1887. S. 88—67. 

G64) Nicht umgekehrt, wie Buresch 3. 61. 63 meint, s. A. 66. 

Se6) Plin. N. H. Praef. %. 22. in Omiolatione ßiae Grantorem, in- 
g^uil, sequor. 

566) S. die Zusammenstellung bei Buresch S. 96 ff., welcher nach 
theilweisem Vorgänge von F. Sehneider De cons. Cic. (Heidelb. 1886. 8.) 
S. 30 meint, daas Cle. hier nicht aowohl den K. von Neuem aU vielmehr 
seine eigne Consolatio wieder ansgeacb rieben habe. Auch Acad. a. a. 0., 
t. Buresch S. 47. üebrigens vgl. C. 29. A. S20 Heine De fontibna 
Tuscnlanarum disp., Weimar 186S. 4. S. lOf. Gercke De consolationibus, 
Tirocin. philol. Bonn., Berlin 1883. S. 33. 39 ff. 63 f. 

667] Wirklich mit Namenancnauag citirt freilich Plut. seine Vorlage 
nur selten: 8. 6. 26. 27 = 102 D. 104 B.C. 114 C. 116 B. Daas aber nicht 
überall, wo Cic. und Plut. Obereinstimmen, E. benutst ist, scheint, wie 



ivXtOO^IC 



e. Akademiker. EraDtor. Kratoa. 121 

sonders originell, wie denn Oberhaupt Erantor noch mehr al» 
Polemon sich von Schrofi'heiten fern hielt und daher noch enger 
und treuer sich an die Moralphiloeophie des Piaton und Xeno- 
krates anschloss"*). Andrerseits rechtfertigen die BruchstDcke, 
besonders ein längeres aus einer dritten Schrift***) das uns über 
seinen Stil überkommene Urtheil*^. Wir sehen, dass er mit 
rednerischer Anmnth und Fülle schrieb, aber auch nicht ohne 
eine gewisse Gespreiztheit, so dass er seiner Bewunderunir der 
genählten Schlichtheit der euripidei sehen Ausdrucksveise'^') in 
seiner eignen AusDbung wenig treu blieb. 

Krates, Sohn des Antigenes, aus dem Demos Thria'") 
ward, als DemelHos Poliorketes 287 ans Makedonien von Fyrros 
vertrieben war und nunmehr Athen, welches unter der Leitung 
des Olympiodoros die makedonische Besatzung verjagt hatte, be- 
lagerte, an diesen als Gesandter geschickt und benahm sich dabei 

Uatthiä Oposc. S. 61 (vgl. A. 66) bemetU, daraus hervotzagehen, dass 
die aimliche SteUe bei Cic. Tuac. I, 39, 93 nnd Pliit 21. tlsE.F nach der 
ansdracklicheii Angabe des erst«roD vielmehr ans Kallimachos (Fr. 3G3) 
etammt. Deno der Veraucb von Bnresch S. 41 ff. xu zeigen, daag Ealli- 
machos angeföhr gleichaltrig mit K. gewesen eei nod daher fQglich von 
diesem aDgefGbrt werden konnte, wird wohl Niemanden dberzengen, nnd 
wenn es aoch nicht geradeza namOglich ist, dass K. noch lebte, als der 
JDgendliche Kallimachos am 290 oder 2S9 (s. C. 10. A. 10. C. IS. A. 4) nach 
Athen kam, dass er also denselben penSnIich kennen lernte und daher ein 
Gedicht desBelbeo citirte, vorausgesetit, daas dies Gedicht schon damals 
entetanden ond xigl iifv9ovt nicht lange vor dem Tode des K. geschrieben 
war, so ist doch eine so mäbselige Combination äusserst nnw abrechein lieb. 
Hieronymns hat in seinem TrosUchceiben an Heliodoras (Ep, LX) trot« 
seiner enlgegengesetaten Versicherung (c. 6. p, 33* Vall., s. C. 2«. A. 217) 
■chwerlich das des E., sondern lediglich das des Cicero ausgebeutet, 
e. LQbeck Hieronymns (Leipz. 1872). 8. 68 (vgl. auch A. 632), ist aber 
eben deashalb wichtig nicht bloss für die Herstellung des letzteren, sondern 
mittelbar auch des ereteren, s. darüber besonders Uuresch S. 47 ff. Das 
BmcfastOck bei Plnt. 102 D. Cic. Tiibc. III, 6, 18 ist auch von Seneca Cons. 
sd Helv. 16, 1. ad Pol^b IT, 2 [vgl. 18, 6 f.) benatzt, s. Kayser S. 39 f. 

668) S. Zollar 8, 1047 ff. 

669) Bei Sex. Math. XI, 51—58. Kayser S. 49 ff. 

670) diivig övoftanMcoi^ocri (Antig. b.) La. Di. 27, woranf eiaige Belege 
gesuchter Metaphern folgen, von denen eine ein Lob des theophrasti sehen 
Stils enthalt. 

571) (Antig. b.) La. Di. 26. Auch diese Bemerkung Erantors ist aber 
nicht ganz originell, sondern stammt beziehungsweise von Aristoteles Khet. 
III, 2. 1404" 24f. 

572) La. Di. 21. 



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122 Zweit«! Capit«l. Philosophie bis. 8. Hälfte de» 2. Jahrh. 

so klug, doss seioe VorstellungeQ wenigstena mit dazu beitrugen 
den Demetrios zum Abzüge zu bewegen, wenn dieser auch immer- 
hin noch andere Gründe zu demselben gehabt haben mag^'^ Es 
zeigte sich hierin der alte athenische Patriotismus der Akademie, 
denn sicher handelte Krates auch hierin in voller Ueberein- 
etimmung mit Polemon. Offenbar aber lebte er aonach überhaupt 
mehr als letzterer in Verbindung mit der Welt, und so gab er 
denn auch seine in dieser Angelegenheit vor der Volksversamm- 
lung und vor Demetrios gehaltnen Reden als eine Staateschrift 
heraus'*'*). Ausser ihr und seinen philosophischen Werken ver- 
fafiste er auch eine Schrift über die Komödie'''*''). Er ward, 
wie gesagt, 276/5 oder 270 der Nachfolger seines Lehrers*'"), 
kann aber die Schule nicht lange geleitet haben, da sein eigner 
Nachfolger Arkesilaos, dessen eingreifende Wirksamkeit in dieser 
Eigenschaft gewiss keine seht kurze war, schon 241 starb. 

Arkesilaos oder Arkesilas"^, Sohn des Seuthea oder^'') 
Skythes, aus Pitane in Aeolis"*) wurde etwa 315 geboren""). 



bis) Plut. Demetr. 46. vgl Pjrr. 12. lustin. XVI, 2. Diese ohne allen 
Grund bezweifelten NachricbteD bat Wilamowits S. 207 ff. wieder in ihr 
gutes Recht eingeaetzt. 

674 &») La. Di. 23. Kfätris, iui9m ipriatv Uitollötwgos (Pr. 9S) . . ., tuneltMt 

ßmois nttl xQiaßsittmovs- Adb dieaet StaatsBchrift schöpfte, wie v. Wilamo- 
witz ricbtig bemerkt, der Gewährsmann des Plotarchos. unmittelbar 
hierauf folgen fibrigena die Ä. 98 angef. Worte, in denen Arkesilaos und 
(fälschlich} Bion als Schulet dea K. bezeichnet werden, ebenso wie bei 
Philod. CoL XXI, ö ff. V. u. ond beaoDdeia bei Oomperz S. 119 (vgl Ä. 96), 
wo aber noch andere, unbekannte hinzugefügt sind , deren einer Enmenea 
(von Aspendos?) hier als der Teifasser von ^bqI *aifiMiSias eracheint Die 
schon an sich m. E. nicht sonderlich wahrscheinlichen Behauptungen aber 
und Vermnthnngen von v. Wilamowitz Euripides Herakles I. (Berlin 1889). 
S. 134. A. 21, nach denen Erutes und Eukleides beim Anou. de com. 
No. VIII vor Bergks Ausg. dea Ariatoph. und Tietzes (s. C. 26. A. 64) 
nicht der Pergameuer und ein uns sonst unbekannter Grammatiker, sondern 
der Athener und sein Schüler Eomenes sein and schon aus dieser Schrül 
der Begriff der mittleren KomOdie hetrQhren aoll, waren durch die grOnd- 
liche Dnterauchung von Conabrach in der C. 12. A. 3S angef. Abh. 
(s. wieder C. 26. A. 54), wie mir scheint, bereits faiaf&llig geworden, bevor 
sie noch an die Oeffentlichkeit traten. Uebrigena vgl. C. Ib. A. 88''. 
676) S. A. 646«. 646^ und La. Di. 21. 

676) Golfers De Arccaila, GOttingen 1841. 4. 

677) Nach ApoUod. Fr. 39 b. La. DL 28. 

678) La. Di. 28. Sirab. XIII, 614. 

679) S. A. 696. 696. 



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8. Akademiker. ArkoailaoB oder Arkesilae. 123 

Er hatte zwei Brüder von väterlicher und zwei von mütterlicher 
Seite. Der ältere von den ersteren Moereas, sein Voroiuad, hatte 
iha znm Rhetor bestimmt, während seine Neigung ihn schon 
frQhzeitig zur Phüosophie hinzog, und so half ihm der ältere 
von den beiden letzteren üalbbrOdern Pjladea, nachdem er den 
Astronomen Antolykos theila zu Hause, theils in Sardes gehört 
hatte ^'^''), TOD Hanse fort, und zwar zunächst nach Ohioa, dann 
nach Athen. Hier h5rte er den Musiktheoretiker Xanthos, dann 
den Theophrastoa und ward endlich, nachdem er die Bekannt- 
schaft des Krantor gemacht hatte, durch diesen, wie gesagt, 
der Akademie als Schfller des Polemon und dann des Krates 
zugeführt^''). Ausserdem war auch der Mathematiker Hipponikos 
sein Lehrer gewesen, den er später, als derselbe von einer 
Geisteskrankheit ergriffen war, in sein Haus aufnahm und heilen 
lies»***). Nach dem Tode des Krates wählten die Akademiker 
einen gewissen Sokraüdes, weil dieser älter war, zu ihrem Vor- 
steher, aber dieser verzichtete zu Gunsten des Arkesilaos^'). 
Letzterer brachte nunmehr die Schule zu grosser BtQte^, führte 
aber aoch die skeptische Richtung, mit welcher er schon zuvor 
hervorgetreten war^), in dieselbe ein, so dass man von ihm 
das Erlöschen der alten und den Anfang der mittleren Akademie 
datirte***). In politischer Hinsicht aber blieb er dem Beispiel 

670») 8. über dieien C. ÜB. A. 1 ff. 

580) (Antig. b.) L*. Di. 88 f. IB. Philod. Col. ZVII. 

661) (Aatig. b.) La. Di ät. 

682) La. Di. 82. Philod. CoJ. XVUI. Jedenfftlb viel zu früh vtttk 
ApoUod. b. La. Di. 46 aeioe Bifite Ol. 120 — 300—296. 

683) (Antdg. b) La. Di. ST. 3trab. 1. p. 16. Vg). C. 16. A. S. 

6S4) Plnk adv. Col. 26. 1121 E.F: noch bei Lebieiten des Bpikuros, 
t. Zeller IIP, l. a Mit Anm. 3. 

686) La. Di. 28. Philod. &. a^ 0. In Beeng auf die Frage, wie er in 
diesem seinem Skepticiamna kam, hat Biriel HL S. 22 ff. eich vergebens 
bemfllLt den Einfliiss des älteren l'yrroniunus auf ihn in dieser UiDsicht, 
wo nicht ganz zu bestreiten, «o doch als möglichst gering erHcheinen eq 
lassen troti aller entgegenstehenden Zeagnisse des Altertbuns, (Antig. b.) 
La. Di. 88 and Nnmen. b. Enseb. P, B. XIV, 6, 12 ff. 739c ff. Sex. Pyn. 
1, 232. 234: Aristqu (von Chios) und Timon sind vüUig einig darfiber, diese 
■eine Bichtong anf Perron einer- und Diodoios (Krooos) andreraeita, denen 
Timon noch Henedemos beiffigt, EOrackEaKbreD, a. Natorp 8. 290 f. 
Höchstens auf dem pmktischeu Gebiet mag man vielleicht wirklich sogen 
dürfen, das« er mit seinem Princip des ivXoyov, durch welches er jede 
einzelne Handlang nicht von blinder Auctorität, sondern von vernünftiger 



iv.t^iOO^lC 



124 Zweites Capite). Philosophie bis i. HUfte des 2. Jahrb. 

seiuer Freunde getreu. Er war gut bekannt mit Hierokles, dem 
makcdonischec Commandanten von Munichia, welchen Antigonos 
ironatas, ata er nach Zenons Tode Athen erobert hatte, dorthin 
mit einer Besatzung schickte, und als nun nach dem Siege des 
Antigonos über die Flotte des Ptolemaeos Fhiladelpfaos bei Eos 
fast alle anderen Philosophen dem Ednig ihre Aufwartung machten, 
entschlosa er sich zwar auf Zureden des Hierokles auch dazu, 
kehrte aber noch vor der Thor wieder um. Später freilich unter- 
nahm er im Interesse seiner Vaterstadt einen vergeblichen Bitt- 
gang zu demselben nach Demetrias und feierte das Gedächtniss- 
fest des Halkyoneus bei Hieronjmos von Rhodos mit***). Im 
Wesentlichen lebte auch er still in jenem Sitz der Akademiker, 
m&glichst unbekümmert um das politische Weltgetriebe ^'). Von 
allen Forsten seiner Zeit stand er allein mit dem Landesherm 
seiner Heimat Enmenes I in näherem Verkehr und nahm auch 
dessen Geldgeschenke an^^), und wir haben noch den Anfaug 
eines Epigramms von ihm auf dessen Vetter und späteren Nach- 
folger Attalos l'^^), in welchem er in wahrhaft prophetischem 
Geist*^) die künftige GrSsse von Pergamon voraussagt So ward 
er denn ein reicher Mann, zumal da er ohnehin ein eignes Ver- 
roSgen von seinen Eltern besass, welches sein Bruder Pjladea 
treulich verwaltete'"), and auch den Krantor beerbt hatte, und 
er trieb auch einen nicht geringen Lusus mit goldenem nnd 
silbernem Tafelgeschirr, war dabei aber auch äusserst woblthätig 
und freigebig^'*). Ebenso war er nach anderer Richtung hin 
nicht engherzig: als er merkte, dass einige seiner Schüler mehr 
Neigung zu Hieronymos verspürten, führte er selbst sie diesem^*') 
zu, so wenig gut er sich auch mit ihm stand''^). Er erreichte 



UobarleguDg abb&ngig macht, sich zu den alterou Pyrronikera verbKlt wie 
nntcr den Dogmatikem der RationaliBt edih Empiriker. Darin aber mag 
Hirzel S. 36 Recht baben, dasa er mit seiner Skepsis nur von PIat«n auf 
äokmt«a zurQckzugehen vermeinte. 

586) Ueber dies Alles b. (Antig. b.) La. Di. 89 ff. 

587) (Äntig. b.) La, Di. 89. lov iioliTiap,öv intoniiav. 
688) (Antig. b.) La. Di. 38. 689) (Antig. b.) La. DL SO. 

590) Denn den Sieg von diesem Attalos, der erst in seinem TodeBJahre 
241 den Thron beatieg, über die Gallier erlebte er ja nicht mehr. 

691) (Antig. b.) La. Di. 38 

592) (Antig. b) La. Di. 87 f. t'lut de adul. et am. 2-2. 63 D. Vgl. 
A. 681. 0. 21. A. 487. 

699) (Antig. b.) La, Di. 42. fi94) (Antig. b.} La Di. 48 f. 



|.;.*^TOOylC 



8. Akademiker. Lakjdes. 125 

ein Alter vod 75 Jahren^'') und starb OL 129, 3 «= 241/0^**). 
Da er nicht Frau und Kinder besass, so hatte er den Pylades 
zum Dank für desaen Dienste als Erben eingesetzt ^^'). Er war 
freimtitbig, beredt nnd von scblagfertigem Witze^^). Vertraut 
mit den alten Dichtern^*'), machte er auch selbst dichterische 
Versuche™"). Statt des fortlaufenden Lehrvortrages führte er 
aber die sokratische Katechese wieder ein™'), und in Prosa ver- 
fasste er nur einige wissenschaftliche Zuschriften an Eumenes I, 
die überdies offenbar „nicht in den Buchhandel und somit nicht 
auf die Nachwelt kamen"*"). 

Lakydes**'), Sohn des Alexandros, von Kyrene übernahm 
nach dem Tode seines Lehrers Arkesilaos die Leitung der Schule 
241/0 und (Ibertrug sie 2(3 Jahre später 215/4 wahrscheinlich 
kurz vor seinem Tode seinen Schülern Teleklea und Euandros 
von Phokaea*^), von denen der letztere hernach, muthmasslich 
nach dem Tode des ersteren, sie allein weiter fübrte'^^). Wie es 
scheint, war Lakydes auch der Erste, welcher die skeptische 
Lehre des Arkesilaos iüt das Publicum auch schriftlich ent- 
wickelte, denn wohl nur durch diese Annahme erklart es sich. 



E95} Der Zeuge ist freilieb nur HenDipp. b. La. Di. 44. 

696) Weuigrtene folgte in diebem Jahre Lakydea ihm nach, La. Di, 61. 

697) (ÄDtig. b.) La. Di. 43. Es folgt 43 f. ein Brief an einen Bnrger 
VOD Pitaoe, welcfaem er mit demaelben daaeine Exemplar seines Tentamenh 
zur Verwahrung sandte. 

59g) (Antig. b.) La. Di. 83 ff. 49. &90) Ebend. 86. 

COO) Auesei dem schoD eiwUhaten Epigramm Ktt^ht ebendoe. 30 f. nocli 
ein zweites auf den Sklaven eines andiren Akademikera Eugamoa. 

eoi) La. Di. 28, Cic. Fin. 1, 1, 2, vgl. N. D. 1, 6, 11. 

602) (Antig. b.) La. Di. 88. Vgl, WiUmowitz Ant-v.K. S.69. Po konnte 
der Streit entstehen, ob er überhaupt Etwas geschrieben habe oder nicht, 
und Klatsch nnd Böswilligkeit mii-cbten sich in denselben: da hiess es bald, 
er habe seine. Schriften wieder verbrannt, bald die von Erantor hinter- 
lasBenen, bald, er sei dabei ertappt worden, wie er die letzteren ilber- 
arbeitet habe, um sie aU seine eignen herauszugeben, bald, er habe eic 
wirblich heranegegeben, bald , Üeee unter Krantors Namen von ihm hciMUü- 
gegebenen Schriften seien in Wahrheit seine eignen gewesen, La. Di. .12. 

Phiiod, Coi. xviir. 

e03) Geffers De Arceeilae successoribus, OOtt. 1846, 4. S. 4-6. 

601) La. Dl 69—61. Vgl. Snid. Aa». Die Todrsart («B«alvoi; In ao 
Itrxouac 61) setzt Wilamowitz S. 47. A. 6 gewiss mit Recht auf di^' 
RecbnnDg des Hermippos, vgl A. 6460. Die Lügenhaftigkeit dieser An- 
gabe folgt aus dem A. 626 Dargelegten. 

eoö) La. DL 60. Cic. Acad. II, 6, 16. 



byGOÜgIC 



126 Zweiiea Capitel. t>liüoHophie bis S. HälfU des 2. Jahrh. 

dass er von einigcü Seiten als Gründer der neuen Akademie be- 
zeichnet ward^. Sein Gönner Attalos I lud ihn zu sich nach 
PergamoD ein, was er aber mit einer feinen Wendung ablehnte, 
und schenkte ihm einen, wahracheinlich an das alte Grundstück 
der platonischen Gemeinschaft stossenden Garten, in welchem er 
anch lehrte, nnd welcher davon der lakydeische genannt ward**"). 

Pythodoros, ein anderer Schüler des Arkeailaos, gab die 
Vorträge seines Lehrers heraus*"'), 

Äpelles von Chics, ein dritter Schüler des Arkeeilaos ""*), 
ist wahrscheinlich der von Eratostfaenes oft erwähnte Mann dieses 
Namens*'*'), vielleicht, was jedoch sehr ungewiss ist, der Vater 
des Geographen Skymnos*"). 

Aristippos aus Eyrene soll der ausgezeichnetste unter den 
Schutern des Lakydes gewesen sein"'*) und ist wahrscheinlich 
der Verfasser der Schrift asgl (pvetolöycov*'^). 

606) Lb. Di, 59. Snid. a. a. 0. — Die Invtlge Oe«chioht« von ihm und 
eeinem Sklaven NDtnenioB bei Eiueb. P. E. XIV, 7 (veratflmmelt b. La. 
Di. 59) erklärt Hirzel Gin unbeachtetes KomBdienfragmeiit, Herrn. XTIU. 
133S. S. 1 — 16 für ein Stück aua einer die akademiscbe SkepsiB peisiflirenden 
EomSdie, richtiger wohl Usener Kpic. S. LXVIII f. aus einer menippeiachen 
Satire. Jedenfalla zeigt Bio (im GegenFiatK zu der Heionng von OeffecB 
S. 5) das unverkürzte Feathalten dea Lakjdea an dieser Skepsis. Wenn e« 
aber wahr ist, daiB ChtysippoB nicht bloss bei &rkesilaos, sondern auch 
bei ifim in die Schule ging (s. A. 317), so kann sich dies schwerlich erst 
auf die Zeit seiner Schul vorstehciachaft, sondern nur auf eine die seines 
Meisters unterstützende Lehrthätigkeit noch bei dessen Lebzeiten beziehen, 
wie Zeller S. 498f. A. 2 bemerkt. 

607) La. Di. 60. 608) Philod. Col. XX. 

609) PInt. de adul. et am. S2. 63 D (vgl A. 692). Atb. X. «20 d, vgl. 
Wilamowitz S. 77. 

610) Strab. 1. p. 16. Vgl. Bernhardy Eratosth. S. 188. Wüamo- 
witz S. 310. Ä. Sl. 

611) 8. C. 22. Ä. 191. 

612) Euseb. P. E. XIV, 7, U. 736 d. Vgl. La. Di. 11, 83. 

613) La. Di. VIII, 21. — Als Schüler des ArkeaUaos kennen wir noch 
PaDaretos(vg]. C. I. A. 20), Ekdemosnnd Hegalophanes von Hegalo- 
polis (s. C. Sl. A. 685), Arideikes von Rhodos, Dorotheos, als Schaler 
des Lakjdes noch Paulos und wabracbeinlich Dämon, Leontens, 
MoBchiOD, Enandios von Athen, Paaeas, Thrasys, zwei Enbulos, 
Agamestor, endlich einen Schüler des Ariatippos und dea Eubnloa von 
EphesoB Namens Boethoa, der mit Eameades Streitigkeiten hatte. S. die 
Zusammenstellung der Belege b. Zeller IIP, 1. 8. 497f. Anm, 2. BOcheler 
S. 13. Ob Zenon von Alenandreia (Pbilod. Col. XXIf) des Lakjdca Schüler 
war oder dea Eameades, bt zweifelhaft, doch ist das Letztere weit wahr- 



i.t^iooylc 



8. Akademiker. PjthodoroB. Apellee. Ariatippoa. Karaeades. 127 

Karneades^'^), Sohn des Epikomos oder Philokomos , von 
Kyrene*"), Schüler und Nachfolger von des Euandros Nach- 
folger HegesinoB**') oder Hegesilaos"^, ward nach den uns 
zagekommenen Angaben ond Berechnungen"') entweder 219/8 
oder 214/3 geboren. In der Dialektik hörte er auch den Stoiker 
Diogenes"'") und stndirte eifrig die Schriften des Chrjaippoe, 
wie schon bemerkt wurde**"). Als Theünehmer an der so- 
genannten Philoaophengesandtschaft nach Rom 156^ erregte er 
dort am Meisten Aufsehen*"). Denn er ww ein Dialektiker von 
ausserordentlicher Schärfe und besass bei einer überaus voll- 
tönenden Stimme'^) eine seltne Gewalt und Aumuth der Rede*'^, 
sodass seine Vorträge auch von Rhetoren gern gehört wurden***) 
und von seiner Zeit ab auch Mitglieder der Akademie selber sich 
einen Namen als Rhetoren machten*"*). Dies hängt mit einer 
eigenthümlicben Wendung zusammen, welche er der akademischen 
Skepsis gab. So wirkungsvoll nämlich auch seine Polemik gegen 
die noch blühenden dogmatischen Schulen war**^, so fand doch 

■cheinlicher (i xal ajoläs üvajQäipas aätoi). Tgl. Snaemihl Jahrb. f. Ph. 
CXLL 1890. S. 190. A. 7. 

014) Ronlaz De Carneade Cjrenaeo philoaopho Academico, Gent 
IBS6. 4. (Ann. Qandav. 1824/5). Geffer» a. a. 0. S. G ff. 

615) Cic. Tum. IV, 3, 6. Strab. XVIt. 836. La. Di. 62. 

616) La. Di. 60. Cic. Äcad. Ü, 6, .Ifi. 

617) CleiD. Strom. 1. 301 C. 618) S. A. 633. 
619) Cic. Acad. II, 30, 93. 620) S. A. 319-321. 

6S1) S. bes. Plat Cat mai. 22, nuMerdcm die voa Zeller n\ 2. 
S. 928. A. 1. 2 angef. Stellen. 

622) La. Di. 63. PluL de garrol. 21. 613 C. 

623) Cic. Fin. III, 12, 41. de or. II, SS, 161. III, tS, 63. Gell. VI, 
14, 10. Nomen, b. Enseb. P. E. XIV, 8, 2. 9. 737 b.c. 738b. Lact Inat 
V, 14. Plnt Cat mai. 22. 

634) La. DL 62. 

825) So MetrodoroB Ton Skepsis und Diodoros von Adramyttion , siehe 
C. 32. 36. Aoch aa Cbacmadas wird seine Beredaamkelt gerühmt, Cic. 
Acad. II, 6, 16. Damit geht aber eine acht platonische Polemik gegen 
die gewChnliche, nnphiloeophiscbe Rhetorik bei Kleitomachos (Sex, Math. 
II, !0), Channadaa Cic. de or. I, 18, 84, s. A. 6e3<>, vgl. Sex. a. a. O.), 
Bagaon (s. n.) Hand in Hand. S. Zeller III', 1. S. 624. A. 4. 

626) Siehe S. 83 ff. C. !S. A. 42 und C, 83. A. 136 f. 147. üeber die 
Aeneaemngen der Bewunderung leiner eignen Schule a. Plut. Qn. tymp. 
VIII, 1, 2. 717 D fF. La. Di. 64. Said. Kogy. Zeller S. 498 f. A. 1. S. 499 f. 
A. 2. Aber aach Strab. a. a 0. nennt ihn als allgemein anerkannt {öfio- 
loyiixtu) den bedeutendaten {Sftatog) der Akademiker. 



iv.t^iOO^lC 



128 Zweites Capitel. Philosophie Lia 2. Hälfte dea 2. Jahrh. 

bei ihm selber aehon ein gewiasea Eiolenkeu zum Dogmatismus 
Statt, iudem er an die titeile des aus Überwiegenden rationellen 
GrUndeii Wahrscheinlichen (eCioyov), welches Arkesilaos als 
Richtschnur des Handelns Übrig gelassea hatte*'^'), das Probable 
(jTtdavöi') setzte, welches uns zur Zustimmung überredet und 
mehr empirisch glaubwürdig erscheint^*), und für dieses die 
stoischen Eriterien gelten Hess, so dass er sie also nur Ton der 
Wahrheit auf diese Art von Wahrscheinlichkeit übertrug"'*), und 
indem er von letzterer sodann noch wieder verschiedene Grade 
unterschied, deren höchster der wirklichen Wahrheit nahekommt*'"), 
so dasB er so gewiasermassen^^) schon den ersten Grund zu jenem 
Eklekticismus legte, welcher später namentlich gerade in die 
Akademie eindrang. Schriften aber hioterliess auch er nicht 
ausser einigen Briefen an König Ariarathes von Kappadokien, 
und auch deren Aechtheit scheint angezweifelt worden zu sein**'). 
Er starb, sei es 85, sei es 90 Jahre alt«"), Ol. 162, 4 = 129/8"'*). 
Eleitomachos, eigentlich Hasdrubal aus Earthago '''^), 
spätestens 175, vtahrscheinlich aber beträchtlich früher geboren"*^, 

627) Sex. Math. VII, 158. 

G23) Wenn anders Hirzel III. S. 149fr., welcher zwischen ivloyor 
nnd ni9aföv denBelben Unterachied wie zwiachen verisimile und probabtlt 
Betst, in seiner Msharfsinnigen llDteranchung wcnigatcna mit dem Obigen 
das Richtige getrofTen hat. 

029) Vgl. Zeller S. 6l3ff. 

630) Haaptatellen Sex. Math. VII, 178. 176—182. Pyn. I, 227. Doa 
Genanere bei Zeller 8. 6l5f. 

631) Vgl. Zeller 8. 628ff. anch 626 f. 688 ff. 

632) La. Di. 66. tpipovrai. Hi«ronjmDa in der Ä. 667. C, 29. Ä. 211 
angef. Stelle behauptet freilich anch von ihm eine oder mehrere Trost- 
Bchriflen gelesen zn haben, aber Hirzel III. S. 350 f. erklärt dieselbe oder 
dienelben mit Recht eben hiernach für eine Schwindelei, während Boreach 

a. o. 0. 3. 48. 58 in dem Glanben, Hievonymu« habe seine angeblichea 
Anctoreu ans Ciceros Cotuolalio ausgeac h riebe n , meint: „Carueadem . . , 
episiultf ftonnvllas eonsolatoriaa scnp$isse fortasse lum-ndutn est". Mich 
dankt, das sieht dem K. sehr wenig ähnlich. 

G3.1) Letztere Zahl geben Cic. Acail. II, 6. 16 und Val. Max. VIII, 7, 
ext. 6 an, crKtere ansaer Pseudo-Lukian. Macrob. 20 auch Apollod. Fr. 102 

b, La, Di. 65, so daaa tie wohl die richtigere sein wird. 

6.14) Apollod. a. a, 0, — Die Erzählung von einer Erblindung bei 
Li. Di. G6 iat sehr dnn^el. 

635) Philod. Col. XXV. La. Di. 67. 

686) Zeller S. 623. A. 1: weil er nämlich mit 28 Jahren (a. A. 638) 
Schiller des Karneadcs wnrde und ea bei der ZoraUSmng aeiner Vaterstadt 
146 bereits war, s. A. 641. 



iv.t^iOO^lC 



8. Akademiker. Kleitomacbo«. 139 

soll sich BchoD iu seiner Heimat der wiaaeoscliaftlicheii Forschung 
gewidmet and, wie es scheint, philosophische Schriften in seiner 
Muttersprache verfasst haben*''), kam hierauf, erst 24 Jahre alt, 
nach Athen und ward dort 4 Jahre später 11 Jahre lang Schüler 
des Karneades, worauf er dann noch bei dessen Lebzeiten im 
Palladion eine eigne Schule gründete. So bekam dem) auch 
nach dessen Tode zunächst nicht er die Leitung der Akademie, 
sondern sein MitsehSler Karneades, Sohn des Polemarchoa, 
und als dieser schon nach 2 Jahren starb, ein anderer UitechOler 
Erates Ton Tarsos 4 Jahre hindurch, aber schon nach dem 
zweiten dieser Jahre di^ngte sich Eleitomacbos mit seinen zahl- 
reichen Jflngero vom Palladion in die Akademie ein und brachte 
nach ferneren 2 Jahren die alleinige Leitung derselben an sich"*), 
FrOhestens 110 sah ihn L. Grassus noch in Athen ^^), viel länger 
wird er wohl aber auch nicht gelebt haben. Er vertrat eine 
stretagere Richtung der Skepsis als namentlich sein Mitschüler 
Metrodoros"*) und stellte die Lehre seines Meisters in zahlreichen 

GS7) La. Di. a. a. 0. tf ISiif qmi^ %uxec i^v watfidu iipiloaöipii. 
Freilich kaon tu Bcheinen, daw wer dies glaubt, auch die Nachriebt d«s> 
•elben SerichteritatteTB, dau er ent mit 40 Jahren nach Athen gekommen 
sei, annebmeD mfliHe, b. A. 6S8. 

688) Ich folge mit Zeller S. 638. A. 1 dieeen genaaereo Angaben das 
FhUod. CoL XXIV. XXV (a. BQoheler b. d. 8t.). XXX (aaob Apollodonw, 
1. A. SS5^<. G. 37. A. 22. 34). Steph. y. Bj*. Kaftn^nv giebt £8 statt M, 
aber erstere Zahl läaat aich leicht aof die letetere doich Hinzareohnang der 
4 J^re, in denen El. noch nicht Schaler dea Kameades war, cd dieser 
tnrflckfObren. Darch die Tennathnng femer Ton Zeller S. 684. A. 8, 
daM er während dieaer 4 Jahre die penpatelieche und atoiicbe Schale b&- 
■ochte, wird die Angabe bei La. Di. S4. üvi^p ir tais i^ielv imiffferai 
dcta^iipat, Ir tt vg 'A%Mditt^'^'*V "^' n(«i>CB[i]tix^ ""1 ^ .£mmk^ aaf du 
Beet« eiklftrt. Und wenn er nach La. Di. 67 rielmehr b« «einer Ankonft 
in Aulen aohon 40 Jahre get&hlt haben soll, so kann auch dies anf bltnaer 
Verwecbseliuig berohen, wenn ander« er nach vollendeter SchnlEeit bei 
Eameadei wirklich im 40. Jahre Btaod, s. jedoch A. 637. Bei der Kflne 
der Scholarchate dea iweiten Karaeades and des Eratee endlich ist der 
BUnmariMshe Ansdnok bei La Di. 67. dttiiiaio löv KaQueäirt*, der ohne 
Verechweignng jener ongflnatigen Nebennrnstände anmOglich war, wenigeteni 
nicht aberm&wig aotfallend. 

<89) Cic. de or. 1, 11, 46. S. C. 38. A. 80. 

610} Cic. Acad. II, 31, 9Sff. S. indeasen was Zeller 3. 624 auf Gnind 
TOn La^ Di. 04 (s. A 639) bemerkt. Hetrodoroa berichtete t^mliob, Sar- 
neades habe auch anf dem theoretischen Qebiet die ixoi^q nar in be- 
schr&nhtem Sinne gefordert und ein gewisaea Meinen auch dem Weieen 

HcriHiHi., gTl>oh.-*l>i. Litt.-(jsiab. I. 9 



130 Zweitee Capitel. Philosophie big 2, Ilillfte dea 2. Jahrb. 

Schriften"') dar, Terfaaste aber auch ein Trostschreibeo an seine 
Landaleute nach der Zerstörung von Kartht^o*"'') und eine 
Schrift Ober die philosophiechen Secten*"). Sicher ein Haupt- 
werk waren die 4 BUcher «epl iaoxije^^). Zwei ZuBchriften an 
vornehme Römer, C. Lucilius und L. Censorinos*"), theilten 
ohne Zweifel nicht wie seine meisten anderen litterariachen 
Arbeiten Gespräche, Disputationen und Vorträge des Karneades 
mit, sondern hier sprach er im eignen Namen, und es waren 
wohl kurze Handbücher der akademischen Skepsis zunächst zum 
Gebrauche der beiden Empfänger ^*^}. Gewiss aus einer Schrift 
von ihm stammt das dritte Buch von Cicero de natura de(m4m, 
die Kritik der stoischen Götterlehre***), ob aber auch die ent- 
sprechende akademische Widerlegung der epikureischen im ersten 



, Cic. ebendu. 27, 78 (vgl. 48, 148). 8. anch A. 668. 669. Dieser 
DarHteUnDg bcUobb sich nicht bloss Fhiloa von Larisa, seinem eignea 
Standpunltta eutsprechend, an (s. C. 32. A. 286 ff.), sondern flberhanpt die 
meisten Spätereo, Baseb. P. E. XIT, 7, IG. T3ed (d. h. wohl Namenios). 
Sei. Math. VII, 172. Vgl. Hirzel UI. S. 163 ff. 

641) Nach La. Di. 67 war die Zahl seiner Bfichec Aber 400. Aasser- 
dem B. Cic. Acad. II, 6, 16. 81, »8. 82, 102, Tgl. A. 648. 844. 

641 *>) Doch schloM er sich anch hier an eine ihm mit RflckHioht anf 
dies Ereigniss gegebene Ansfabrnnf; des Earoeades an , Cic. Tnic III, 22, 64. 
Zw« andere Brachstocke des E. bei Stob. Flor. XCVIU, 67. CV, S« zieht 
Bnresch a. a. 0. 3. 68 f. mit Recht zu dieser Schrift, die Cicero wohl 
sicher anch in seiner ConsolaUo mit beaatzt hat, s. Baresch S. 68. 95 ff. 

642) nigl aCeiatmv, La. DL II, 92. 

648) Dies war ohne Zweifel der Titel: Cic. Aoad. II, 81, »8. quaUuor . . . 
Ubri de tusHnendit assentümibts. 

644) Die. ebend. 32, 102. — Uebrigens WUt Kriache üeb. Cic. Akad. 
8. 162. A. 1 (anf dessen genauere AufTusang hier nicht eiagegangen zu 
werden braucht) ihn fQi eine Haoptqnelle von diesem zweiten Theil des 
LacallaB, der Gegenrede Ciceros, ebenso Diels Doxogr. B. ISI nnd Zeller 
8. 601. A. S. S. 661. A, 8, welcher Philon von Larisa als cweit« Quelle 
beieichnet, dagegen (nnter Beistimmnng von Schwenke Jahresher. IXXV. 
1888. S. 79) EicEel III. S. 279— S19 (mit Tennemann Gesch. d. Phil. 
IV. 8. 396. A. 8) Philon für die einzige Quelle, ans der anch die Citate 
des El. entnommen seien, nur dase Cic. ans der Schrift an Lncilios g. 10t — 
104 und auch wohl 187 ein paar Eicerpte hiniugefflgt habe. Vgl. C. 82. 
A. 244 — 246. Jedeofalls ist von diesem QnellenschriiUteller noch das voll- 
ständige Werk des Theophrastos 9vaiiuil döiat (37, 118) benntzt, s. Di eis 
a. a. 0. S. 119 ff., vgl. C. 19. A. 22. 28. 

846) Eiizel III. S. 164. A. 1. 

646} Der Eflrze halber sei nur anf SchOmanns Aosg. nnd Hirzel 
I. 8. 243 f. T 



iv.t^iOO^IC 



8- Akademiker. Charmidas oder Channadai. 131 

(§. 57 — 124)"'), ist mindeBtens sehr zweifelhaft"»). Wohl aber 
ist aus ihm die Bestreitung der dogmatischen Theologie und die 
der Astrologie bei Seztos dem Empiriker^") hei^eDommeti, viel- 
leicht auch der Bericht tlber die Stoa und die Widerlegung der 
stoischen Lehre toq der tpavtaüia xctraAiiimxij bei ebendem- 
selben^. Anch Cicero de fato iet aus ihm entlehnt und nicht 
minder die Hauptmasse des zweiten Buchs de dimnoHone'^^). 

Charmidas oder Chsrmadas, gleichfalls ein Schüler des 
Kameadee, Terbehrte auch mit Grassus in Athen ^) nnd Ober- 
lebte wohl den Eleitomachos, da er noch neben dessen Nach- 
folger Philon dort gelehrt zu haben scheint*''^). GerQfamt wird 
seine Beredsamkeit, sein storkee Gedächtniss und sein genaues 
Eingehen in seinen Vortri^en auch auf rhetorische Fragen in 
Bekämpfong der gewöhnlichen, unphilosophischen Rhetorik^^). 

647) Wie nach SckSmaaiis VermTithiuig Hirzel L S. SSff. scharf- 
ainnig za erveiaen ancht. 

61g) Denn Schwenke Jabrb. f. Phil. CXIX. 1879. 8. 69 ff. hat die 
(jetzt von Schwabe geatriobne) Anaicht TOn Teaffel KOm. L. O. §. 186, 
10, dasB Tielmehr Poaeidonioa atfl 6(Av, ana welcher Schrift der %. ISS 
ohne Zweifel entnommen iet, hier ilbertiaapt die Quelle aei, mm Wenigaten 
in hSchst beachtenawertber Weise TsrUieidigt. 

649) Math. IX, 1—194. V, 1—106. In BeKog auf letstere a. A. 661, 
in Betreff der erateren Hinel a. a 0. Hartfelder Die Kritik des Qötter- 
glaabeoa bei Sex, Bmp., Rhein. Hna. XXXVI. 1881. S. 8S7-SH4. Wenn alao 
Schwenke Becbt hat, imA die anffallenden Uebereinrtimmungen iwiachen 
Cic. und Sex. ao eq erklären, dnsa achon Poaeidonioa den E. beantit hatte. 

660) Math. VII, 402—423 and 237-260. S. Natorp S. 2«l. 296. Und 
vielleicht tnm Theil anch da« S. B., aber achwerlich, wie Zeller S. 871. 
A. 4 meint, 318 ff. (a. C. 32. A. 188. 140). 

661) In Bezug auf de fato liegt mir handechriftlich der zwingende Be- 
weis von Schmekel in aeiner noch ongedraokten Monographie aber die 
Hittelatoa vor, daaa fOr dieM Schrift wie fdr Sex. V, 1 ff. nnd Phaborin. b. 
Gell. XIV, 1 (theilweiie wohl aach Plnt. de Stoic, rep.) K. die gemeinaame 
Quelle war. Vgl. anch C. 38. A. 368. Ueber de dioi». aber a. Schiebe 
De fontibni libromm Cic«onis, qni aunt de divin., Jana 1876. 8. S. SS ff. 
Hartfelder Die Quellen von Ciceroa zwei BQchern da divin., Freiburg i. B. 
1878. 4. S. 18-20. Eine Aaniahme machen, abgeaehen von manchen 
eignen ZDS&tzen Ciceros, nnr §. 87—97, s. C. 88. A. 64. 

662) Cic. de er. I, 11, 46. 17. SO, 98. 

663) Wenigatens lieaaen Einige (vgl. C. 32. A. 361) die vierte Akademie 
von Philon nnd Ch. anfangen. Sex. Pyrr. I, 2S0. Enaeb. P. E. XIV, 1, 16. 
736 d, wahrend Ch. doch ein noch aklaviacherer Anhänger dea Earneades 
□ach deaaen eigner Anaaage ala Eleitomachoa war, Cic. Or. 16, 61. 

664) Da« Letztere ward achon A. 626 hervorgehoben. Im Uebrigen 

9* 



132 Zweites Capitel. PbiloBophie bis 2. HUfte dea 2. Jahrb. 

AgQon oder Hagnon ron Rhodos, auch ein Schüler des 
Karneades*"''), verfasete eine Änkl^e wider die Rhetorik^. 

Metrodoros von Stratomke, anfänglich Epikureer^ und 
Schüler des „QartentyraDDen" ApoUodoroa^'), schloss sich dann 
ebenfalle dem Eameades an und brachte, wie ges^, dessen 
Lehre dem Dogmatismus naher, indem er behauptete, dass alle 
Andern denselben missverstanden hStten^^). Ja, er stellte sogar, 
wie es heisst"^^), noch vor Philon den Satz auf, dass die Skepsis 
der Akademiker gar nicht unbedingt gemeint sei, sondern nur 
gegenüber den stoischen Wahrheitskriterien gelte'^''). 

Aeschines von Neapolis*^"), ein Zuhörer des Kameades in 
dessen späteren Jahren*"') und dann von dessen SchQler Melan- 
thios aus Rhodos^'), hielt sich in etwas anderer Weise an die 



8. Cic. de or. II, 88, 860. Tusc. I, S4, 69. Qnistil. XI, S, 86 (vgl. C. 33. 
A. 12), Cic. de or. I, 18, 84. ChaTmadas vtro muUo uberiut eisdem de rebus 
(uäml. de officio oratoris gaatn Mnesarchus) loqutbaiur, non quo aptriret 
aentenftom stuan (hie enim moi patrius erat Äcademiae advereari semper 
Omnibus in dieptUando), eed cum maxime tarnen Hoc ngnifiecAat eos, gm 
rhetores nonUnaTetUw et qui dicendi praeeepta tradereni, nihil plane tenere 
nequt posse quejnqwam faevliattm assequi, nisi q»ti pkilMophorum innenla 
didicisset. Tgl. C. SS. Ä. 4. C. 8&. A. 16. üb er die Maemonik auch 
theoretiecb betrieb, Irbs« ich dahingestellt. 

654 *>) Cic. Acod. II, 6, IG. 

66b) Qniutil. II, IT, IG. Wohl wxt «iner andera Schrift ist du Bruch- 
«tück Ath. SIII. 602«. 

666) La. Di. X, 9. 667) Philod. Col. XXIV. 

668) Philod. Col. XXVI. .Dazu b. A. «40. In Bezug auf dae bedingte 
Lob, welches Philod. hier dem abtrannigen Bpikureei ertbeilt, bemerkt 
BQper PhÜol. Anz. II. 1870. S. 27, dau in dem Beiben ja liegt, er babe 
anch in seiner neuen Secte nnr halbes Qlflck gemacht; die häufige l£r- 
wähnong des Hannes (Col. XXIV. XXVI. XXXV} eeheine jedoch ein ge- 
wisses Interesse an dam talentvollen ehemaligen Parteigenoasau en ver- 
rathen. Vollends aber irfirde olles Befiremdliche jenes Lobes schwinden, 
wenn Oompere Jen. N. L. Z. 1816. Sp. «04. A. richtig vermnthet hat, 
dass dasselbe nur Paraphrase etwa folgender Verse ans der Chronik des 
ApoUodoroe sei: 

ovn ävaXöyovt Hi t«e xäfizaf Sv%ä* li»tv. 
Vgl. A. ««e*». C. 27. A. 28, C, 88. A 136. 

6G9) Angustin. c Acad. IIJ, 18, 41. Vgl. A. 640. C. 38. A. 288. 

669'') 8. Aber ihn noch Cic. de or. I, 11, 46. II, 90, 866. lU, 80, 76 
und C. 88. A. 9. 

660) Cic. de or. I, 11, 46. 661) Plnb an seni 13. 791 A. 

662) La. Di. II, 64. Ueber Helanthios s. auch Cic. Acad. II, 6, 16. 



iv.t^iOO^IC 



8. Akademiker. Agnon. Hetrodoroi. Aeacbmta. Boothoa. 133 

positiTe Seite der Lehr« des Earneades, nämlich lediglich aa die 
Mildemng seiner Skepsis auf dem praktischen Gebiet^. 

Ueber Mentor"*) ans Bithjnien, Zenodoroe Ton Tyros, 
Kallikles Ton Larisa, den Lehrer Philons, und andere Schüler 
des Karneades und über Metrodoros yielleicht von Pitane, 
einen Schüler des Metrodoros von Stratonike, s. die Zusammen- 
stellung bei Zeller S. 525. A. 1»«), aber Metrodoros von 
Skepsis, SchOler des Chsrmadas, 8. C. 33. 

BoethoB, Sohu des Hermagoras, von Marathon, von dem 
wir weiter Nichts wissen, wird uns als Schüler einer Reibe 
anderer, nicht minder unbekannter Männer und als Zeitgenosse 
des Knrneades mit der weiteren Angabe bezeichnet, dass er den 
letzteren um zehn Jahre überlebte und 118 starb**'^). 

eeS) Plat. ft. a. O. 

£64} Phabor. b. La. Di. IV, 63 f. Namen, b. Enwb. P. E. XIV, 8, 
IS. TSS d. 

666) Hanptstelleu: Pbüod. Col. XXIII f. XXXIII. XXXVI. 

666») Philod. Col. XXVI. XXVIlIf. bat ohne Zweifel aa» Apollodoros 
wSrtlich folgende TrimeteF aber ihn nach der Hentellnng tdd Gompers 
a. a. 0. 8p. 60Sf. abgeacbrieben : 

Bö^^os o£dc 'EtiutY^Syfov (^MyaifaSmviot, 

TÖ c' ällo [di] x^äf H^al lä« ^^io\ (oder den Spatien besser enfc- 

Bprecbend t^mo»?) ftnlts^Ta (JSiiy 
txior if^ü.y6«(oytpo9 , t<iö>t lÖfttl 9' ö<»o>l(BMpoe. 
ootos 9' 'Ji/iatia^tyos ftiv ^v äxijKoä; 
T^or> «' 'Eiftaiov ß^^^jv« nv* Biß^ovl^ve ipoi'<w 
tatt *' Äixtlv^Koyiai^vy im c' 'Afivn^ ^toUänt;, 

Die anTerbältniumiMige AutfObrUchkeit dar Daratellniig dieaei imberübmten 
Hanne* erklärt Gomperi Sp, 604. A. daran*, „dau ei eich hier am einen 
Landemaim, einen Zeit- und (in weiterem Sinne) ancb einen BerofsgenoBaea 
handelte. In lolchem Falle pflegt fich ancb für den amnchtigaten Historiker 
die Perspective gewaltig an venchieben; und liegt nicht die Absiebt zu 
Tage einem persönlichen Freunde ein Denkmal su setien, dem nach 
des Antore Heinong anr GrMse wenig mehr gefehlt hat als die Oabe sich 
geltend sn machen? Wai er doob lö^ai äaaUixtfat — nnd das neben 
einem Redevirtnoaen ersten Banges wie Kameades ! Solcher Unbill des 
Schicksals will dieser Nachrnf nach Eriften stouem". ' Indessen scheint 



lA.TOOgk' 



134 Zweites Capiliel. Philosophie hu 2. Häia« des 8. Jahrh. 

Jedenfalls ein Zeitgenosse der Schüler des Earaeades war 
auch der unbekannte Geschichtschr eiber der Akademie, 
dessen Spuren uns noch Pbilodemos, Laertioa Diogenes und 
Nutnenios erhalten haben'""). 

ÄpoUodoros überhaupt gerade die jOugste akademische Schulgeschicbte 
recht aoaführlich behandelt in haben (vgl. RCper Philo). Ans. U. 1870. 
S. 84 ff.}, und wie dies zu erklären sein mag, darüber s. C. 27. &. 24. 
Uebrigeni vgl. auch C. 37. A. 22. C. 82. A. ISS. Eubalos von Ephesos, 
Sobn des Eallikrates, ist kurz vorher Col. XXVlIi genannt. Ob dieser 
oder der anmittelbar vor ihm Col. XXVII aufgeführte Sohn des Antenor 
oder ein dritter, etwa ein Kjniker, der Verfasser der Schrift über den 
KTniker Diogenes Jioyhovg vpäoic (La. Di. VI, 30, vgl. 20. EößovUiijSr 
wofBr eben hiernach mit Zeller Evßovlos lu Bcbreiben sein wird, Iti tä 
ittgl Jioyevovs) war, vermag ich nicht zu entBcheideu. Vgl. Zeller 
Begiater S. 10. Sehr interesBant ist die Notiz, die gleichbtlls wenigateoB 
znm Theii aaa ApoUodoroB atammt, Aber einen Zeitgenossen des Kleito- 
machos, welcher ein preiBgekrOni^r Tragiker und zugleich Grammatiker, 
ziemlich lange Schfller des ArislaichoB gewesen war, bevor er ein akademi- 
scher Philosoph ward, Col.. XXXI (a. Bachelor r. d. St.)j leider ist aber 
der Name aasgefallen; vgl. 0. 27. A. Sa. 

666°) S. A. 9«. 93. K44. Wilamowitz a. &. 0. S. 64-6E, dessen 
Worte S. 54 f. ich aasschreibe; „Der GewUhramann des Philodemos gebCrte 
der zweiten Hälft« des zweiten Jahrhunderts an, denn er reichte nur bis 
Metrodoros von Stratonikeia und war gegen Ende (offenbar weil er von 
Zeitgenossen berichtete) schon ganz dürftig. Von da ab (Col. XXVI) hat 
Pbilodem sich die Erg&nznng durch einfaches Abechreiben (oder vielmehr 
Abscbreibenlaasen) der bezOgUcheu Stücke der apoUedorischen Chronik 
(s. A. 665. 666^) leicht gemacht. Der QewUirsmann PhÜodems ist aber 
noch nicht identisch mit dem Biographen der Akademie bei Diogenes, 
denn weder bei den vorhergehenden noch bei den nachfolgenden Philoaophen 
ist die Cebereinstimmnng, die wir bei Polemon, Erat«s, Krantor, Arkesi~ 
laos mit H&nden greifen, vorhanden oder vorbanden gewesen, Sie gilt 
also erst im Eweiten Gliede vor Philodem und frOhesteae im zweiten vor 
Diogenes. Es wird sich ergeben, daas selbst so noch nicht die Archetjpa 
erreicht sind, sondern noch weiter ta sondern ist; doch giebt es dafQr nur 
innere OrOnde und zwar keineswegs gänzlich zwingende". Wenn dem aber 
Bo ist, dann verstehe ich nicht, dass trotadem der gemeinsamen Quelle 
des Diogenes nnd Philodemos (8. SO ff.) gewisBe Angaben, die nicht ans 
AntigonoB von Karystos, sondern anderswoher, und swar mindestens zu 
grossem Theil aus ÄpoUodoros stammen, zogeschrieben werden kOnnen, 
nnd wie es beiasen kann: „es ist darin lediglich der Biograph der Akademie, 
der Zeitgenosse ApoUodors, zu erkennen, welcher von den hier in 
Betracht kommenden SchrifteteUem allein den Antigonoi gelesen hat". 
Uicb dünkt vielmehr, die Sache liegt einfach so: eben dieser Biograph 
der Akademie ist die unmittelbare Quelle des Philodemos, dagegen nur 
für jene vier Akademiker nnd Bion (a. A. ee. 96) die mittelbare des Diogenes ; 

D,j-,_, l|.;,*^TOOylC 



9. Pecipatetiker. Demetrioa von Phaleron. 



8. Die Peripatetiker, 
Demetrioa tod Phaleron^, Sohn des PhanostratoB**^, 
ward etwa zwischen 354 und 348 geboren**^). Er war von 
niederer Herkunft, einem der Familie des Konon und Timotheos 
angebÖrigen Sblarengescblecht entstammt nnd kam sogar, wie 
es heisst, noeh selber als Sklave zur Welt**'); jedenfalls ward 
aber schon sein Vater freigelassen^"*). Ein Schiller des Tbeo- 



ob nicht Einige ■ anch in den Biographien der andemt bei letzterem aoe 
ihm eUmmt, bleibt dabei allerdings eine ofRene Frage. Dow erat änrcli 
eine Hittelqnalle die Stflcke au Ariltippoa ntifl aalaiät itfvtp^s (b. C. U. 
A. 83. 89), von denen bei PhiJod. keine Spnr iet, bei La. Di. und Nnmeniou 
(b. Euaeb. 780 d ff.) hiuzagekommen sind, ergiebt sich darauB, liasB dieselben 
bei La. Di., wie Wilamowitz S. 48 ff. leigt, den Zanrnmenhang unter- 
brechen, and daas lie in der Biographie dei Bion gerade in denjenigen 
Theil nngetchohen Bind, welcher nicht ans jenem Geacbichtachretber der 
Akademie stammt, aondem deBBen Berichte au anderer Quelle angeb&ngt 
ist, B. Snsemihl Jahrb. f. Ph. CXLI. 1390. 3. IBS f. mit A. i. 

666) Eine eigne Bchnft über ihn enrähnt Ath. XIIL 667 d: 'AaxXtpiiä- 
Äije . . . i %0v Ugtiov iv tp aejl Ji]fii7T^ov xoi 9alr}fiiDs avy-ffamtaxi. — 
Dohrn De vita et rebiu Demetrii Pbaleiei Petipatetici, Kiel 1826. 4. 
Herwig De Demetrio Phalereo, Rinteln 1860. 4. o, be«. Ostermano De 
Demetrii Phaletei vita, rebaa gertia et Bcriptomm reliquÜB. P. I. Herareld 
1847. P. II. Fulda 1867. 4. Ueberdiee Tgl. C. 21. A. 168. 

667) La. Oi. V, 76. Paos. I, 86, 6 (S). Said. ^rifi. 

668) Da er bei Minem ersten Auftreten oIb Staatamonn schwerlich 
Ober SO, aber anoh schwerlich unter 24 Jahre lählte. 

669) Aelian. Y. H. XII, 43. oMvfißa yiwia^ai liyovatv in iqt oltUat 
i^t Ttfiotttov N«! Kivm*ot. La. Di. T, 76. ^v yä; ^x x^s Kövarot clxütt, 
ms tttßafipot ly wiiita tüv «:(Oftvi]fu>*»i>fMiiia* tprjatr, DaiD stimmt die 
Angabe bei Bnid., er habe soerst Phanos geheiasan: Sf lö n^miov 4^*öc 
i*altl%o. La, Di. Ahrt fort: äXiä äaxrj xcct tvytutl evvtputi Aafti^ tg 
iifa^tw^, %a^ä%tll i oöiöc ir t£ nfäta tpiflir. Bei Diogenian. Bekk. Anecd. 
UL p. 1S96. Gramer Anecd. Oi. II. p. S89 wird diese Lamia (Aoifila) viel- 
mehr seine Fraa (yw^) genannt. Es ist aber doch wohl dieselbe Hetäre und 
FlOtenspislerin , welche als Qeliebte des Demetrios Poliorketei bei Plnt. 
Demeto. 16. 19. 24. 36. 87. Ath. XIU. 677 c. Tl. 869b (nach Polem. Fr. 16, 
vgl. Demochar. Fr. 8 ebendss. 868a, b. C. 86. A. « und C. 82. A. 128). Ljnk. 
h. Ath.UI. 101 e. Aelian. V.H. XII, 17 beseichnet wird (vgL Dropsen Hell. 
II', 2. S. 1S4. 146. 18&. 194 ff.), so daas dieser also die Erbschaft an ihr antrat, 
falls nicht dai angebliche Verh&ltnisB des Pbalereers zu ihr flberhanpt nur 
anf TerwechsluDg mit Dem. Poliork. bernbL Einen gleichnamigoi Sohn 
oder Enkel (iviyofot) des Demetrio* von Phal. machte Antigonos Gonat« 
zDm Theamotheten, fiegesand. Fr. 8 b. Ath. IV. 167 e. f. 

670) Erhieh auch wohl schon das Bfiigerrecht, s. Osteimann I. S. 6ff. 



„i.,ooglc 



I3f> Zweites Capitel. PhiloBophie bis 2. Hälfte des 2. Jabrh. 

pbraBtos^^'), begann er ueine Btaatsmännische Laufbahn um 324^^'}. 
Während sein älterer Bruder Himeraeos zur Partei des Hypereides 
gehörte^^'), schloBS er sich vielmehr dem Phokion an und befand 
eich daher, wie es scheint*'*), mit diesem und dem Demades 
unter den Gesandten, welche nach dem lamischen Kriege die 
Capitulationsbedingungen mit Antipatros Terhandelten, und lieas 
sich in seiner Hingebung an Makedonien auch dadurch uicht 
stören, dass Himeraeos auf Befehl des Antipatros aufgegriffen und 
hingerichtet ward (5. Oct 322)*''). So gewann er denn bereits 
nunmehr unter der Goust des letzteren eine bedeutende Macht 
in Athen*'*). Als dann aber dort nach dessen 319 eingetretenem 
Ableben sich eine Yerfolgang gegen dessen Anhänger erhob und 
das Todesurtbeil wider den greisen Phokion und Andere 318 
gefallt and vollstreckt ward, entzog »ich Demetrios rechtzeitig 
einem gleichen Schicksal durch die Flacht*") und ward ab- 
wesend zum Tode verartbeilt"*). Noch im Jahre 318 jedoch be- 
mächtigte sich Easandros der Stadt and setzte nach Wahl der 
Bürgerschaft den Demetrios gleichsam als seinen Statthalter zum 
Regenten ein*'''). Derselbe blieb es zehn Jahre lang**"), und seine 
durch zeitf^mässe «Masaregeln und Reformen*^') ausgezeichnete 

6T1) Cic. Fin. V, 19, 64. Leg. III, 6, 14. Off. I, 4, 3. Brat. », 31. 
La. Di, 75. Strab. IX, 898. 

672) La. Di. 76. äflao^ai S' avtor x^f lolitilae qttjvl Jijfiqt^of l 

67S) Man darf dite wohl noch entschiedeDer behaopten, ala es Schäfer 
DemoBth. III'. S. S98 (111'. S. S21) gethan hat Data Himeraeo« ält«i als 
DemetrioB wu, darf mao wohl daraoB schlieaeen, dass ersterer gerade 
damals ca eineni der lehu tifCeotlicheo AnUBger im faarpaliBchen ProcesM 
erwählt wurde, PBeado-Plat. X or. 6460. 

674) Demetr. «. tQfi. g. 289. Vgl. Schäfer a. a. 0. S. 354 (SS8). A. 1. 

615) Plut. JÜemoith. 88. Demetrios begnOgte sich damit dem Himeraeos 
ein Todtenopfer mit Qebet des Wiedersehens dannbringea: Karrst. Fr. 10 
b. Ath. XU. 642 e. 

616) PlnL Demetr. 10. 

677) Und zwar, wie es scheint, nach Munichia, eu Aristoteles Adoptivsohn 
NikanoT, dem dortigen Commandonten des Kasandros, Earyst. ». a. O. 
'ifUQuiov TOÖ äieltpoi avaioc9t*ioG ün' 'Amnätgoo aitos fteta Nfnävo^ot 
Stitfißt*, tcitiay Ixmv äs tu ixiipii*tict *ov aStlifov &<ämr, wenn anders man 
aacb nar so viel aus dieser confasen Nachricht scbliesaen darf. S. A. 678. 

61B) FInt. Phok. 36. Nach Karjst. a. a. 0. mfiaste man gl&aben, dass 
jene dem HimcTaecs dargebrachten Epiphanien den Anklagepookt bildeten, 
s. indessen Ostermann I. S. 28 ff. 

679) Diod. XVIII, 74, 8. C. I. A. II, 534. 680) Strab. a. a. O. La. Di 16. 



Iv.t^TOO^IC 



9. Peripatetiker. DemetrioB von l'haleroD. 137 

Verwaltaug war wenigstena im Anfange musterhaft^') und auch 
in ihrem weiteren Verfolge segensreich ffir den Staat^, wenn 
aoch an den Nachrichten Aber die Verschwendungen vmd Aus- 
schweifungen, denen er sich allmählich ergeben haben soll, immer- 
hin etwa« Wahres sein mag**^). Im Jahre 309/8 (Ol. 117, 4) war 
er aacii Arcbon*^). Schon 313 jedoch, als Ptolemaeos, der Neffe 
mid Feldherr des Antigonos, sich mit einer Flotte der attischen 
EQste näherte, ward er von der Bürgerschaft gezwungen Waffen- 
stillstand mit diesem zu machen und mit Antigonos in Verhand- 
lung za treten^*"*), und er hielt sich nur dadurch, dass zunächst 

flSl) Da« Oetunere geh&rt uicbt hiehet; s. bea. die aniffllirlicbe Zu- 
tiunnien(tellii[iK TOn Ostermanu I. S. SOff. Von litteiargeachichtlichem 
Interesse ist die Notiz Ath. XIV. 620 b. toÜ« 8i vvv 'OttrjQtatas o»ofia£a- 
nfrovt Jtfäras ilg tä ^iatfa itaf^yayt, aber ich ireiss trotz der unmittelbar 
Torhergeh enden Worte öii t' i%aXov*to ot ia^ioiol %al 'OiitjgiaTul 'Ai/iatmliit 
iCiftpitv %. t. l. nicht, ob man unter den HomeriBUn einfach homeriKhe 
Rhapsoden za Tersteben bat, deren Vorträge dann also im Theater früher 
nicht Statt fanden. Denn wie kommt Enstatb. II. p. 1479. icpäTor et« 
9iaHfOr na(nj7«7E, tfaai, (trfimSovs loöc aal 'OfitlfKlzis nalovf^/rovs , di 

dann zu dem Ansdnick iiisl^dow? 

0S>) Vgl. Earjit. a. a. 0. xai' äpx'S f*^* V* "imi cö äfiaxav ö£t1- 
^a^m jfuvtodama iläat ix'***" "*'' tv«dv rrjti€attn6v. 

688) DafDr iprecben am Siohentea gerade die Aenuenmgen seiner 
G^;ner Demochares Fr. 2 b. Poljb. XII, 18, 9 fF. nnd Dans Fr. 97 b. Atb. XII. 
bis c ff. AoBserdem vgl. Sliab, Diod. La. Di. a. a. 0. 0. Aelian. V. E. III, II. 

tu) Von daa HaaptEengen Duri* a. a. 0., Dijrllos Fr. 4 b. Atb. XIII. G93 f. 
(Tgl. Did^m. b. La. Di. T«. H. Schmidt Did. S.8T4) and EarjBt. a. a. 0. ist 
jedoch wenigstens Doris nicht besonden inverlAssig. Alle diese Bericht- 
etelatter mid der Anekdoteniammler HegeiandroB Pr.-8 b. Atb. IV, 167 d tf. 
nun wiuan fiel Ton seinen Ehebrflchen, Minen Bohlennnen Lampito und 
Amtagoi», seinem Lnstknaben Theognis und den vielen anderen Knaben, die 
ein Qleifdiea ko werden wünschten, von «einem Koch Hoschion, seinem Qe- 
branch voo Schminke and Hoarforbe so en&hlen. Vgl. Droyaen a. a^ 0. 
S. 106 — 111. Vermutblich ward aber aus seinem Spitznamen Laropeto oder 
Lampito (•. A. 712) ent ein Vcrit&ltnisa zu dieser HetKre gemacht. Auch 
va« Aelian. V. H. IX, 9 irrtliQmlich von Demetrios Poliorketes berichtet, 
war Qber den Pbalereer enählt. 

UC) Diod. XX, 27, 1. Dion;«. Din. 9. p. 650. . Dar. a. a. 0. Ostermann 
I. S. SSff. BQcht EU zeigen, daat er erst als »olcber die Vclksi&hlung habe 
Toniebmen lassen, von welcher Etesikles b. Atb. VI. 272 b (Malier F. H. G. 
IV. S. 376) berichtet, so dasa dort ^ij ixtaaaiyititat^ zu schreiben vBre. 
Qeber den Chorgwiang des Kaetoriou aber, durch welchen die Athener ihn 
als solchen über die Hassen feierten, a. C. 86. A. 8. 

686) Diod XIX, 78, 4. Dropsen o. a. 0. S. S2 f. 36f. Haohdem et 



iv.t^iOO^IC 



138 Zweilea Capitel. Fhiloaophie bis 2. HiUfte des 2. Jahrh. 

Antigonos**') und später 308 der Lagide Ptolemaeoa sich mit 
Kasandros TergHcb"*^); als oun aber 307 Demetrios Poliorketes 
den Peiraeeus erobert hatte, miisste er oapituliren und ward lon 
dem Sieger ehrenToU mit sicherem Geleit nach Theben, wie er 
es wünschte, entsandt '^'')^ wo er in Freundschaft mit dem 
Kyniker Krates gelebt haben soll*^). Von hier begab er sich 
endlich, als Kasandros 297 gestorben war, nach Äegypten zu 
Ptolemaeos^, bei dem er zu grossem Einfluse gelangte"^^), and 
welchem er, wie Bcbon bemerkt^*), den ersten Änstosa zur Be- 
gründung der alezandriniscben Bibliotheken gab. Da er aber 
demselben widerrathen hatte den Philadelphos zum Nachfolger 
zu machen und schon bei Lebzeiten (285) diesem die Herrschaft 
zu übergeben^'), so verbannte der letztere, und zwar ohne Zweifel 
gleich nach des Vaters Tode 283^*'), ihn nach einem Orte im 

eb«n erat EaauidroB auf deiien Befohl 20 Schiffe zur HGlfe gesandt hatte, 
Diod. XIX, <S, 8. 

687) Diod. XIX, 106, 1. 638) Diod. XX, S1, 2. 

6SB>>) Dag Qanaaere s. b. Diod. XX, 46, 2 ff. PInt. Demetr. «. Di« 
AUiener hatten ihm 360 Statuen nach der Zahl der Tage dea attigcben 
Jahrs errichtet, Varr. b. Non. p. 628 (vgl. C. 86. A. 110). Plin. N. H. 
XXXIT. g. ST. La. Di. 76 (Andere, wie Strab. &. a. 0-, sagen tmgeiiaiier 
Aber 30O oder 800, so Nep. HUt. 6. Plot praec. ger. reip. 27. 820 E. Dion 
Chiyst. XXXVIL p. 466 R. 1600). Diese worden jetst aämmtlicb lertrammert 
oder bei Seite geschafft mit Ausnahme (wie La. Di. 77 hinEufilgt) Ton 
einer anf der Burg, er selbst abwesend von Neaem znm Tode Tenutbeilt 
(Philoch. Fr. 141 b. Dionys. Din. S. p. 68« R.) and «ein Archontat fQr 
ungeseUlich erklärt (Phabor. Fr. 82 b. La. Di. a. a. 0.). Vgl.. La. Di. 88. 

689) Flut de aduL et am. 98. 69 G. 

690} Hermipp. Fr. 60 b. La. Di. 78. Slxab. a. a. 0. Vgl. Diod. XX, 
46, 4. Die louderbare Gnählang bei Poljaen. III, 16 kann mau auf sich 
beniheu lassen. Die Angabe des Hermipp. aber, ea sei dies ans IWcht 
vor Antigenes gesoheben, sucht Ostermann L 8. 68. A. 1 so zn recht- 
fertigen; es sei unter diesem Antigonos der Sohn des Kasandros eq ver- 
stehen, welcher sonst Antipatros genannt wird. 

691) Plat. de eiil. 7. 602 F. Vgl. Aeliau. Ul , 17. Hermipp. a. a. 0. 
and C. 21. A. 111. 

692) C. 1. S. 6 mit Anm. IB. 

698) Bennipp. a. a. 0. Herakleidea Lembos Fr. 10 b. La. Di. 79. 

694) Dass es gleich daraaf geacbehen sei, aagt freilich Hermippos 
nicht ansdröcklich , aber m. E. versteht sich dies von selbst, nnd die An- 
gaben (s. C. 1. A. 18), dMB er Rathgeber des Philadelphos bei der An- 
legung der Bibliotheken and dessen Bibliothekar gewesen sei, erscheinen 
hiemach eicfacb als unmOgUch, und ich gloobe nicht, dass deiVer- 
mitUungsTersnch von Ostermano II. S. Iff., bei welchem sogar das 



iv.t^iOO^IC 



9. Peripatotiker. Demetrios von Phaleron. 130 

Lande, wo er denn noch einige Zeit lebte, endlicti uber durcli 
SchlaDgenbiss hingerichtet sein soll^. Seine Schriften*^), am- 
fängUcher »Is die irgend eines anderen Peripatetikera seiner 
Zeit^^, waren sehr mannigfachen Inhalts. Es gab von ihm 
allerlei moralische Abhandlungen ^°^), zu denen auch wohl seine 
acht Dialc^e gehörten'^). Dazu kam eine Sammlung von Volks- 
und Gesandtschaftsreden^^, aber auch Declamationen '°*), wie 

Märchen von den siebzig Dolmetschern fflr wesentlich hiitoTiach erkläct 
wird, einer Widerlegaog bedarf. 

696) Cio. p. Beb. PoiL 9, tS. Bemetriutn . . . qui Fkalertm vocUatus 
at, in todem isto Aegyptio regno aapide ad corpus admota vita este prieaium. 
Ton einem Selbstmord, wie Oatermaun 11. S. 16 und Zeller II*, S 
8. 896 meinen, iit hier keine Rede. Die Richtiffkeit dieser •Nacbriobt ist 
indessen sehr zweife]hf^. Die Angabe von Henuippo» a. a. O., nach wel- 
cher diese Todesart Tielmehr eine tai&lliga war, verdient nämlich selbst- 
verttAndlich ebenso wenig Qlauben als dessen sonitige Todesnaohrichten, 
und ich sehe nicht ab, wie sich die Frage beantworten liest, ob die An- 
gabe bei Cicero ans ihr entstanden ist, oder ob Eermippos sie icbon kannte 
nnd aas ihr die seine Eurecbt machte, so das« er in diesem Falle wenigstens 
vieUeicht die halbe Wahrheit gesagt h&tte. 

GM) Von einer oder mehreren poetischen iit die Rede bei La. Di. 76. 
Ujfxat 8i äxoPaXövta avtöy täs Ötfiiis iv 'A}.tiav3^»(a »opdea^ai tti^tf 
nufä Toi Saqä%i6af 09'tvxal xitvt ttaiäwat noiii»tu tovt y.i%^i vvv äSop,ivovt. 

697) La. Di. 60, wo dann nach der Voibemerkang räv iaii rä ftiv 

i( Kai xfiaßiiäv ällä fi^v lurl löyan/ Al^nntlmv avvutny^ *a\ äXka leXtlm 
SO f. ein VerEeicbniia derselben (nach Hermippos?) folgt, ia welchem die 
Sammlnng atopischer Fabeln wiederkehrt. Vgl. Said, yjypnipi iptkiaoifä 
11 xaX ttnogmä nal ^tofttM seil Tttgl xotrpäf. Wenigstens ein großer 
Tfaeü dieser Schriften war nach Cic. Fin. V, 19, 6i erst in Aegjpten verfasst. 

698) Dnter ihnen 'E^ainxee, UifoxetirtiMt , vrpl y^gas (s. A. 70S), nepl 
iDii)c, S17 geschrieben mit der merkwürdigen Propbeseinng, das« anch 
das Hahedonenreich nicht allza lange dauern werde, Polyb. XXIX, 31 (6 c), 
vgl. HQlter F. H. G. IL S. 868. ROsiger Die Bedeatnng der Tycbe bei 
den alteren griechischen Historikern, besonders bei Demetrios von Pha- 
leron, Constans 1880. 4. Schenkl Jahresber. XXXVUI. S. 329 f. und unten 
C. 39. A. 76 nnd C. 21. A. 862. S6S. 

699) Denn Dialoge »oheiiien üioltiiaiOs , ^aiimiditt, MaiSav, Kliav 
(vgl. La. Di. 7fl), '<<(rii£^«£i]f , 'AfuttiBiis, 'A^t^xö^exot, Jtovvtiioe gewesen 

700) S. A. 697. Jedenralls lag sie noch Cicero (vgl. A. 713) und viel- 
leicht anch noch Qnintilianns {•. A. 711) vor, aber in dem Veneichniss 
selbst klingt hSchstens etwa der Titel n^taßtvn*6t an sie an. Bruoh- 
«tdcke sind wenig oder gor keine erhalten, s, Sanppe 0. A. IL S. Si6 f. 

701) Quintil. II, 4, il. fictas ad imilationtm fori conaüioruntqm ma- 
itriai apud Graecoa düxre circa Demelrittm Phalereum instittUum fere conttat. 



,,i.,ooglc 



1 40 Zweites Capitel. Philosophie bia 2. Hälfte des 3. Jahrh. 

z. B. eine Lobrede auf Sokratea"^), eine Reihe geschichtlicher 
und Staats wissenschaftlicher Schriften, unter denen auch eine 
über jene Beine zehnjährige Verwaltung (ne^l tijs deKtttTtag) 
war'"'), verschiedene litterarhiatorisch-philologische Arbeiten Ober 
Ilias und Odyssee"^) und Über Antiphanes, eine Briefasminlui^, 
eine Rhetorik'*"'), in welcher er sich besonders eingehend mit 
der Kunst und den rednerischen Studien des Demosthenea zum 
Theil noch nach desseu eignen mündlich gegen ihn gemachten 
Aeusserungen™^ beschäftigte"''); nicht minder aber auch Ober 
Isokrates und andere Redner allerlei Nachrichten gab'**), die, 

703} S. die Binchatacke bei Malier o. a. 0. S. 365 f. Sanppe a. a. 0. 
nud Ostermann II. S. Sl— 23. 

703) Auch Ton Strab. a. a. U. erwUmt, feiner 6 BQcher xi^l t^c 'A9ij- 
vt]«tv vop,o&talaq, ans welchen mehrere Brachatflcke auf uns gekommen 
sind, 'Aq%6vtmv ävayqaipri, im YeneichniaB fehlend, aber in drei Bmch- 
stacken nachveislicb (a. Müller a. a. 0. S. 862 ff.), na^l tüv '^f^vriOi 
noXitäv (2 B.), nttii di^^ayioflai (S B.), «(pl jtaXimrii (S B.), «cpl röftav, 
Stfaeiffixä (2 B.). Geachicfatlicbe Nochiichten über Philosophen &nden 
sich aber ausser in der 'Aqj. ävayq. auch in Werken anderer Art, i. 6. in 
xtfl y^Qms aber Xenophanea und AnaiagOT&a (La. Di. II, 13. IX, 20), im 
Sokratea aber Herakleitos, Demokritoa und Arvhelaos (La. Di. IX, 16. 87. ft7). 
In La. Di scheinen sie besonders durch Demetrios *on Magnesia gekommen 
zD sein, s. Wilamowit£ Antig. t. Kar. S. S2If. AnchChreien schrieb er. — 
Daas der Verf. der Schrift n««! im* xat' Atyvxtov (Atb. XV. 680a, TgL 
TertuU. Apol. 19) nicht der Pbalereer ist, bemerkt Ostermann II. 8. 84. 
A. 1. Um so nnnderlicher ist es, dass er IL S. 38f. und Herwig 8. Ifif. 
dem loseph. o. Ap. I, 88 (Enseb. P. £. IX, 42, 2. 4580) glauben, der 
Urheber des Bnohs über die Juden (s. C. ii. A. 81 n. bes. C. SS. A. 78 ff.) 
sei kein Anderer. 

704) In 2 und 4 B. Dasn 'Op-rifixös. 

705) 9if«l jijto^iK^e 2 B. (citiit von Philod. V. H.* III, 146. J. ö. «. 

706) PlBt. Demosth. 11 (Fr. 17 MBU.). 

707) Plot. a. a. O. 9. II. Cic. de divin. 11, 46, 96, vgl. de or. I, 61, 
360. Qu. Cic. de petit. cons. 1. Diouja. de vi die. Dem. 63. Philod. Rhet. 
4, 16 f. p. 282 f. Speag. Anadracklich oitirt wird freilich diese Schrift >f«1 
^iIio^ix^E nirgends, nod einige seiner Aeussemngen aber Demoatbenei, wie 
das nngOnstige Urtbeil Plut. a. a. 0. 14, nnd andere Redner kOnnen daher 
auch in einer oder mehreren anderen Schriften gestanden haben. 

703) Tod des laokratea, Zosim. V. Isocr. p. 268, 46 Weiterm., Gebnrt 
des Isaeos in Chalkii, Harpokr. 'ictiios, Archias o ^yaSotijfae sei Schtller 
des Anaximenee gewesen, Rnt a. a. O. 88 (Fr. 18 M.), Lob der Bered- 
samkeit, mit welcher Philou, der Baumeister des neuen 8eeienghaiiseB, vor 
dem Volke aber »einen Bau Etechenachaft abgelegt hatte, Philod. &. a. 0. 
IV, 12- p. 218 Sp., vgl. Cic. de or. J, 14, 62. Val. Hax. VIII, 18 ext. 2. 



Iv.t^TOO^lC 



9. Peripatetikej'. DemelrioB von Phaleron. 141 

SO viel wir wisaen, älteste Sammlang äsopischer Fabeln'"^ und 
desgleichen eine Sammlang angeblicher Aaesprüche (yväfiaij 
äxotpHyitata) der sogenannten sieben Weisen, von welcher uns 
Doch Manches erhalten ist'"'). Die eigne Beredsamkeit des 
Demetrios war nicht gering'"). Schon sein scbÖDes Äeussere"*) 



Sch&fer Demoetb. IP. S. 301 (II'. S. 288 f.}. Kia »o mtusiTer Irrtbam 
jedoch, dass er den AeschineB ala Schüler des Sokrates beEeichuet haben 
sollte (Schol. ÄeBchin. 2, 1. rä; (itr d. b 9. <fTiat), ist ihm kaam zuzutrauen: 
entveder schrieb er (auch noch verkehrt genug): des leokrates oder aber, 
wat weniger wahrscheinlich ist, Tielmehr von Demetrios ans Hagneeia 
rfihrte diese &kche Nachricht her, s. Sch&fer a. a. 0. I. 8. SSß (880). 
A. 1. Blass Att. Bereds. III, 2. S. 132. A. 1. 

709) S. A. 697. 

710) Im Veneiobnisie freilich fehlt sie, wenn sie nicht etwa in den 
T^Efai enthalten war, aber die bei La. Di. den sieben Weisen beigelegten 
Amaprflobe Htammea ans dieser Quelle. Dam kommen der Ausrag bei 
Stob. Flor. III, 79, die rrätua, täv txcü vofän bei BoiBSonade Anecd. 
Or. 1. a 186—141, die von F. Schnlti Philol. SXIV. S. 216—939 mit- 
getfaeilten Jla^yyil^ta, die 'Tno&^xoi des Sosiadas bei Stob. Flor. III, 80 
und andere Sammlungen. S. Bionco De vitis VII sapientinm a Demetrio 
Phalereo coUectis, Act sem. pbil. Erlang. UI (1384). S. 89»— 307, dessen 
ÜntersDchnngeu Aber den Ursprung nnd das Verbältnin dieser Samminngen 
IQ einander mui bei ihm lelbit nachlesen mus. Das Resnltat ist S. 8S2 
in ein Stemma zosammengefaest. Hier kann in der EOne nnr Folgendes 
bemerkt werden. An« wekhen Quellen auch Demetrios geschöpft haben 
mag, »eine Arbeit war keineswegs gewissenhaft nnd sorgfUtig, aber sie 
ist ihrerseiti die Qnelle fdi alle Bpftteien geworden. Während vor ihm 
da« grOaste Schwanken über die su den Sieben m rechnenden Hänner 
herrtohte, stehen seit ihm Eleobnlos, Solon, Chetlon, Thaies, Pittakoa, 
Bias, Periandros feit. In den La. Di. kamen ihre Sprüche mittelbar, wie 
es nach I, M scheint, doroh Apollodoros «c«! züv ip§lo9eipar alifiatiat 
(i. C. SS. A. 1S2), der die Sammlung des Demetrios ohne Zweifel onmittel- 
hai benntete. Ein Gleiches gilt T<m Didymos, dem Sohn des Henkleides, 
unter Nero im 10. B. von dessen Str/tMOiuttKä (vgl. C. 80. A, 331), nnd ans 
diesem mag Stob. , der jedenfalls nicht mehr den Demetrios selbst auszog, 
geecbOpft haben, a M. Schmidt Didjm S.818. 879 ff., vgl. jedoch Bronco 
8. 307 f. 

711) S. Dohrn S. 6ff. Herwig S. 3—6. Ostermann U. S. 16 ff. 
Ob QuintiL X, I, 80 ihn mit sn den zehn Rednern z&blt oder ihn vielmehr, 
nachdem er fflnf von ihnen besprochen, dieser Omppe anreiht, geht an 
sieh ans detsM Worten nicht ganz deutlich hervor, indessen spricht nicht 
bkn das einleitende qttin etiaitt entschieden für das Letztere, sondern es 
hat anch •chwetlich jemals, nachdem dieser BJuton angestellt war, ein 
Schwanken Qbei irgend welche zn dieser Aniw^l eu i&hlenden Personen 
Statt gefunden, i. C. 86. A. 108 ff. Wenn Qointil. ihn aber hier als den 
leisten nennenswerthen attjachen Redner bezeichnet, so hat er in gewisser 



i.t^iooylc 



142 Zweites Capitel. Philosophie his 2. Hälfl« des S. Jahrh. 

kfttn ihm bei derselben zu Statten. Aus tiefster Seele freilich 
entsprang sie nicht, und das Studium war in ihr Btarker als die 
Natur. Von dem Schwung und Feuer eines Demosthenes war 
sie weit entfernt. Wie die Verhältnisse es mit sich brachten, 
eignete ihr vielmehr eine elegante Ruhe, und sie war in weit 
höherem Qrade darauf berechnet die Zuhörer zu ei^ötzen als 
hinzureisseQ, weich, anmuthig und übermässig hIOtenreich'"). 
Seine schriftliche Darstellung zeigte eine Mischung des philo- 
sophischen und des rhetorischen Stils '^*) und war allem Anscheine 
nach nicht arm an zugespitzten Weudangen und metaphorischem 
Ausdruck"^). Dass seine geschichtlichen Angaben nicht durch- 



Weiae ohne Zweifel Recht. Der Hauptceuge jedoch ist Cicero, der in ihm 
die eioiige VerechmelEnng dea Staatimaalis und Bednera mit dem Pbilo- 
eophen und selbst in ihm nicht ohne allen Zweifel bewundert, Off. 1, 1, S. 
Leg. in, 6, U. 

712) Snid. Vgl. Phabor. b. La. Di. 76. Theils auf seine SchOnheit, 
theils auf seine Pntzencht und weibische Körperpflege besogen sich seine 
Spitmamen Lampeto oder Lampito von der gleichnamigen HetSxe (vgl. 
Anm. 684) und x<'9''">ß'^i'pi'9'>s , Diyll. a. Didym. &. a. 0. 0. 

713) Cic, Brnt. 9, S7. dehetabat magü Athenietms gvam inftammabat . . . 
primus inflexit orationem et eam moUem teneramqut reddidit, et suavü . . . 
videri maluit gvam grapit: sed gKavitate ea, qua perfimderet animos, tum qua 
perfringeret: tarttum ut memoriam eoneinnitatia ttiae, »oh, guemadmodum 
de Pericle scriptit Eupolif, cum deUctatione aculeoi etiam relinquaret m 
animis etc. 92, 285. mihi quidem ex itlius oratiottüiu* redoUre ipsae Äthenat 
videntw: at ett floridior . . . quam Hyperidet, quam Lydias. Off. a. a. 0. 
oralor parum eehemem, äulcis tonten, vt Theo^uratti di*cipuium agnotcere 
pouif. De or. II, 88, 96 wird et nntei den nachdemosthenischen Rednern 
aU der politunmiu bezeichnet, Or. ST, 92 beisst es von ihm diesen gegen- 
Qber: (guavüate) praestitit eeterit, cttius oratio cum tedale placideqve labi- 
lur, tum ittuitrant eam qiiati ttellat quaedam tralata verba et immutata ete. 
(vgl. Ä. 71G), nnd Cic. rechnet seine Beredsamkeit znm meditun dicendi getuu, 
in welchem nervorum vel mmtmum, svaoitatit autem est vel piutimutn: huie 
(generi) omnia dieendi omamenta eonveniunt. Tgl. Qaintil. a. a. 0. Daher 
ward denn das geflügelte Wort des Eratoetbenea aber Bions Bebandlang 
der Philosophie (a. A. 109) anf seine Behandlnng der Beredeamkeit Qber- 
tragen, Qnintil. X, 1, S8. nee versicolorem Ulam, qua D. Fh. ditebatur uti, 
veetem. Hiesu stimmt auch die Schildenmg seines persönlichen Auflieiten*, 
Dur. a. ft. 0. ^ßovltro yäp «j« ö^if Cla(/i>t ««l '"ft owovraBi» ^9ve V«'" 
vea^at, nud daher gefiel ihm auch die Lebhaftigkeit der Action des 
Demostheaes nicht (b, die A. 707 angef. Stellen b. Plnt. Demoeth. ». 11). 

114) La. Di. 88. lorpaKi^p 61 ipilöaotpot mtovI^ ^i/toifi»^ lurL fofvfiii 
itingafifvoe. Dann folgt eine Sammlung seiner Apophtb^men. 

716) Nachdem Cic. Or. a. a. 0. atueinandergesetEt hat, daas er nnter 



iv.t^iOO^IC 



9. Peripatetiket. Straton. 143 

weg zuTerlässig waren, ei^ebt eich neben ADderem^*^ schon 
daraus, doss aach er daa Märchen von der BigAiie des Sokrates 
aaftiaciite'"). 

Straton ^"), Sohn des Arkesilaos, von Lampsakos "^), 
Schüler'*^ nnd seit Ol. 123 (288/4) Nachfolger des Theophraatos 
bis an seinen Ol. 127 (270/68) 18 Jahre später erfolgten Tod^'>), 
war Torber, wie schon -bemerkt"*), etwa um 294'**) Lehrer des 
Ptolemaeoa Pbiladeipbos geweaen^^), und ans seinem Testa- 
ment"*), in welchem er den Lykon zn seinem Nachfolger und 
znm Erben seiner Bibliothek ernennt, geht hervor, dass er ein 
wohlhabender Mann war. Ohne Zweifel in philosophischer Hin- 
sicht der selbständigste Geist der aristotelischen Schule'^''), so 
dass er nach dieser Richtung hin sogar den Theophraatos Ober* 
traf, verfolgte er indessen dabei den schon von Äristoxenos und 
Dikaearchos eingeschlageneD Weg und brachte das naturalistische 
nnd materialistische Element in der Denkweise des Aristoteles 



immutata terba die H;palbge oder Metonymie Teratebe, die gebHarte tra- 
latio aber im Allegorie werde (§. 98 f.), ^irt er fort: hatc frequtntat Pha- 
Urem maxime, »a/ntque duIctMiMa, tt quamquam tnUaHo a( apttd eum 
mttlta, lamm immtUationa nuequam erebriorta. 

716) S. A. 708. 710, vgl. aach A. 707. 

717) Fr. 16 H. b. Plnt. ÄriBteid. B7. 

718) Nanwerck De Stratone Lampaaceno philosopho, Bcrl. 1836. 8. 

719) Ia. Di. 68. 

7S0) La. Di. a. a. 0. Cic. Acad. I, 9, 8i. Pin. V, 6, IS. Snid. Stgii- 
tmw Aa^wt-Ti^öt, «pilöaoqioe, Stoipftiatov yvtöfiiUK xal diäSoxoe, nlös '-^9- 
xftiläov ^ 'Affntatov, Sc ^(Klijlh] 9vani6e %. t. X. Simpl. Pbya. f. 286'. 
xal £t(ütaiv 3i i Aait^a-Atjuos ö 9«o<p0iii)T(Mi ytyoväc änovcr^t "vv xolf 
äfivxois niti"tatriux.ois afi^iuyiiitvot. Zu dem letztem Ansdriick Tgl. Plnt. 
Col. 14. 1116B (nachdem er ton Aristoteks, Theophnistoi, Herakleidea, 
DikBearchoa geaproclien hat): lä* SlXanr /lEptnaninxmv KOQmpaiötatos 

781) Apollod. Fr. 97 b. La. Di. a. a. 0. 

7M) C. 1. 8. 6. 

733) AIb PhiladelpboB 16 Jahre alt war. 

784) xa9)]yi]iiaT0 ÜToXiiuiim toi ^iXaiiltpov , Said. La. Di. a. a. 0., 
wo der Zniats >bI ilaßt, ipa«l, kuq' ttvtov xälavia ojüa^xovxtt aof sich 
bemben kaan. Data er wirklich eine Zeit lang am alexasdriniachen Hofe, 
wohin er Tielleicbt aof den Antrieb dea Demetrios von Phaleron berufen 
ward, lebte, »o bemerkt Zeller U', 3. S. 901. A. S, beweisen seine Uriefe 
(oder aeio Brief) an Aninoe, La. Di 60. 

7SS) B. U. DL eis. 

7U*) In Beng auf aeiDe SchUzong im Altertbnm g. A. 730. 



iX.OÜglc 



144 Zweites Capitel. PbiloBophie bia S. HKlfte dee 2. Jabrb. 

einseitig zur Geltung. Wenn er auch in Bezng auf die Seelen- 
lehre nicht 80 Weit ging als jene seine beiden Vorläufer"^, bo 
schrieb er doch auch den Thieren Vernunft"^) zu und bekämpfie 
ia hijchst scharfsinniger Art die Unsterblichkeitsbeweise in Pia- 
tons Phaedon'**). In metaphysischer Hinsicht aber ging er noch 
Über jene beiden hinaus, ja sogar Ober den stoischen Standpunkt, 
indem er an die Stelle des ausaerweltlichen aristotelischen Gottes 
die bewusstlos wirkende Natarkraft setate'"). Daher beschäftigte 
er sich auch vorwiegend mit naturwissenschaftlichen Unter- 
suchungen, so dnss er den Beinamen „der Physiker" erhielt'^) 
und die Zahl seiner Schriften über Logik, Metaphysik, Ethik 
und Politik zusammengenommen noch nicht so gross war wi« 
die der naturwissenschaftlichen allein "'). Historisch waren die 
zwei Bficher Evffjuäzcav iieyxoi, in welchen er die vor ihm auf- 
gestellten Behauptungen über die Erfinder der verschiedenen 
Künste zu berichtigen suchte"*). 

Praxiphanes"*), Sohn des Dionysophanes, von Mytilene^") 
oder Rhodos"^), Schüler des Theophrastos "*), hielt selbst in 

728) 8. das Genauere b. Zeller S. 916 ff. 
727} Bpiphon. Eip. fid. 1090 A. 

728) Vielleicht ia der Schrift «{^1 ipvctas ävfiftaxivjit , s. Oljmpiod. 
zu Plat. Fhaed, p. 150 f. 186. 191 Finckh, welcher AnazOge »ob ihm giebt, 
vgl. Zeller 8. 920. A. 2. 3. 

729) S. Zellet 8. 904 ff. 730) La. Di. 68. 

731) S du Yerzeichnisa b. La. Di. 68—60. Vgl. Ä. 724. 728. 783. 

732) Nacb dem UrtheJI des Pol;b. XU, 26", S mit sehr gUcklickam 
Erfolg in der Widerlegung , aber mit eebr unglücklichem in seinen eignen 
Anfstetlucigen; Stav ijxti^^tjj tag täv älXaiv iöitcf iiaeti2Xi«6antal ifitvdo- 
xottiv, Savfittaiöt lativ, orav S' i£ «ötoü t> »fOipiifjTat %ai tt tüv Uiatv 
iniroTjfiäimy i^riyijtiii , nufi solv (paivitat xoCg ittm^fioeir ivrj&iiniifot 
tnitvi %ai vu^iföxtfot- EaQpte&chlich waren sie gegen Ephoroi gerichtet, 
Plin. N. H. VII. Ind. Stratone gut contra l^hori fif^fiaTa gcriptü. VgL 
Malier F. H. 0. II. 8. 869. BruBBkern De renim inventanim acripto- 
libns Graecia, Bonn 1861. 8. S. 10. Das eintige Braobatfick gtebt Clem. 
Strom. I. 809 A. Von den übrigen Schriften wird ntfl loö x^tiQOv xnl 
vmtQov von Simpl. Cat. f. lOd', xe^I iwKvlmv bei Tertoll. de an. i6 an- 
gefahrt, auaurdem s. A. 728; «((1 »at^atae bei Simpl. Phja. a. a. 0. 
fehlt im Verzeiohniu: „pari fortaisit fmt oIhm libri", meint Nanwerck 
8. 7. Ä. 6. 

788) Preller De Praxiphane Peripatetioo inter antiquiuimoa gramma- 
ticoB DObili (Dorpat I81S. 4), Ausgew. AuMt» 8. 94—112, 

784) Clem. Strom. I. 809 A (366 F.). Vit. AratJ Lat Z. 41 f. Breysig. 
736) Strab. XIV. 666 (wo die Zniammenitelhuig mit Eadenu» and 



„i.,ooglc 



0. Peripatetiker. Praiiphanea. 145 

Äthen"^ entweder auch schon bei Lebzeiteo Beinea Lehrers^**) 
oder aber lediglich eret nach deesen Tode Vorträge, jedoch, wie 
es Bcheiot, mehr auf dem Gebiete der Rhetorik und Poetik, der 
Litteratnrgeschicbte nnd, so weit damals von einer solchen schon 
die Rede sein konnte, der Philologie als der eigentlichen Philo- 
sophie, dergestalt, dass man ihn als den ältesten Grammatiker 
bezeichnete'^). Dazn stimmt es denn auch, dass, wie es scheint, 
nicht bloss Äratoa, sondern gleichzeitig auch Kallimachos etwa 
Ewiachen 291 und 287 seine Znh&rer waren und letzterer späterbin 
ihm eine seiner Schriften widmete '^''). Von seinen eignen Werken 
kennen wir drei Titel, Ober Dichter {asffl aoiijTÖv), ober Dicht- 
werke (»Sifl «OiijftaTOw) '•*"*), vielleicht beide nur verschiedene 

Hieronjmoa beweist, dau der Peiipatetiker gemeint iat). Epiphan. adr. 
haer. L III. T. II. p. 1090 B. 

736) Prob], in Plat. Tim. & C- Proleg. in Heeiod. p. Sf. QaiBf. 

T8T) Denn nur dort koonten Andioe nnd EallimacboB KOMmmen »eine 
Schüler sein. 

738) Aber doch sicher nicht schon bei Lebzeiten des Aristoteles 323 
oder bald beroach, als Epikaios zum ersten Male nach Athen gekommen 
war, so dass dieser schon damals ihn hätte hOren kOnnen; aber auch wbdd 
man annehmen wollte, er habe zuerst in Mjtilene gelehrt, lo ist es nicht 
eben wahrscheinlich, dass EpikoTOs bereits über 80 Jahre alt and schon im 
Begriff dort selbst als Lehrer aafzntreten, es noch der HQhe fQr werth ge- 
halten hätte sich daselbst Envor erat bei ihm in unterrichten, nnd tollends 
nnglaablich erscheint der Gedanke von Preller S. S«f., es sei dies noch 
einige Jahre «plller 306 in Athen geKhehen, anmittelbar beror Epikoros 
dort zur GrQndang seiner Oenoaeenschaft schritt (rgl. Anm. 40ß). Es wird 
daher wohl dabei bleiben mflssen, dass es ein Irrthnm war, wenn Apollo- 
doroB den FranphaDes als Lehrer des Epikaroa beieichnete, e. Anm. 397^ 

739) Clem. a. a. 0. myoi^a^ii ii ypafifiitnxöc äs rvr orofutfofit*' Kfätof 
n. ö M. Schol. DioD;s. Thr. Bekk. Aaecd. IL p. 789. Er scheint sich 
also anter den Peripatetikem noch mehr, als es Damentlich subon Dikae- 
archos gethan hatte, im Aoschlnss an die Litteratnrgeschiohte, Rhetorik 
and Poetik anch mit der Kritik, namentlich der KsthetiicheD (Fr. 1 b. 
Fhilod. X. xiiii]futtav Col. XL p. 18 Dnebn. nnd IV b. Demetr. de eloo. §. 66, 
rerglichen mit Fr. V b. Prokl. in Tim. a. a. 0., wo er den Anfang des 
platonisdten Timaeoe tadelt) nnd Aoslegong (Fr. TH b. Sobol. Soph. O. C. 
900. VIII h. Bekk. Anecd. p. 8U, 14) der Schriftsteller be&ast zu haben. 
£r entdeckte znerst die Dnfichtheit des in den älteren Exemplaren, wie er 
beobachtete, fehlenden Prooemions Ton Hesiodos W. n. T. (Fr. VI b. Prokl. 
Proleg. in Ees. Op.). Fast alle seine BruchslOcke fallen in dies Gebiet. 

740) Kallimachos war, wenn ich nicht ine, nein Schüler etwas später 
hIb Aratot, nngefähr 890/S9 geworden, a. C. 10. A. 10. Im Uebrigen s. 
C. 10. A. 4, 4». C. 18. A. 6. 77. 

740*) Philod. a. a. 0. 

SiiHiHL, grlBch.-»«!. liti-Oetch. I 



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146 Zweites Copitel. FbiloBophie bis 2. HUfte des 2. Jahrb. 

Dezeichaungen desaelben Buchs, eioea Dialogs, in welchem er 
mit der dieser Litteratut^ttung eigaendeu poetiscbea Freiheit den 
von Platou auf dessen Landgut bewirtheten laokratea sich mit 
ersterem über Dichter unterhalten Uess'*'), und über Geschieht- 
Schreibung (xtgl iatopiag)^")- Yermuthlich war auch das Werk 
dieses letzteren Titels ein Dialog, in welchem er die Scenerie an 
den Hof des Archelaos von Makedonien verlegte '**) und auch 
den Thukydides, der allerdiags eine Zeit lang in Makedonien 
gelebt hat, mit noch grösserer Freiheit der Erfindung dort audi 
sterben liess"*). 

Lykou'*'), Sohn des Ästyanax, von Troas^*^), Schaler Um 
Straton und des Megarikers Panthoedes^*^, war 30(y29d geboren 
und also noch jung'**), als er nach dem Tode des Straton 270/68 
die Leituug der Schule fibernahm, und um w> mehr zeigte es sich, 
welche unglOckliche Wahl dieser getroffen hatte, als er ihu zum 
Nachfolger bestimmte. Denn Lykon stand nunmehr der Schule 
44 Jahre vor bis an seinen im 74. Lebensjahre^**) 236/4 er- 
folgten Tod, und unter diesem seinem langen Regiment begann 
dieselbe von jeuer wissenschaftlichen Höhe, auf welcher sie unter 
Straton immerhin noch gestanden hatte, zu der vollständigen 
Oede herabzusinken, welche zwei Jahrhunderte lang mit ver- 

741) Lb. Di. III, 8. ö d' ovv ipil6«o<pos (n&iulicb Platon) ml 'laoittä- 
Tf( ipÜos ^v, nal avtär IlfuinpB»!]! owiftailie Siaxqi^^ nvn nt^ «mi]- 
Tiüv yfvofifiT)!' it üyif^ MUfä Hldtayi iMi^eya^irtot toi laotiQazovs. 
Immerhio war die EinkleidoDg in to fern biatoriscb toeu, ala Fl&ton vaia- 
ecbeinlich schon am 896/6 von seinen ßeisen EnrOckgekehrt und bis gegen 
392/1 mit Isokntes befteundet war. 

742) Marcellin. V. Thuc. §. 89 Poppo. 

743) S. Hirzel Die Thu^dideBlegeade, Heim. XIII. I87S. S. 46—49. 

744) Anderer Ajisicbt war t. Wilamowite Diu Thiikjdidealegeude, 
Herrn. XII. 1877. 8. 363ff., aber den Gegaubeweii von Hirsel a. &. 0. 
hat dann E. Scholl Di« Thuk^didasbiographie, ebend. XIII. 1878. S. 446 ff. 
noch verrolUtandigt. S. jetst auch Wilamowits Eurip. HeraU. I. S. 16. 
Ä. 26. 

745) Eine ihm mit Recht sehr nngüiutige Biographie hatte Autigonos 
von Karjütos geschrieben, aus weichet nicht bloss bei Atb. XII. 647 d ff. 
ein längerer Anszug erhalten, sondern auch die Hanpimasae des Ättikeb 
bei La. Di. V, e&— 68 geSossen ist, s. Wilamowiti A. r. K. S. 78 ff. 

746) (Ant b.) La. Di. 66. Vgl. Plat. de exil. 14. 60fi B. 

747) La. Di. 68. 

748) S. darüber auch die AeosBerung in Stiatoni Testament, La. Di. 62. 

749) La. Di. ebend. üiemach berechnet aich »eine Geburts- und Todea- 
zeit. Ueber die angebliche Todesart. s. Ä. tW. 



9. Peripatetiker. Lykon. 147 

einzelien rübmlichen Aasaahmen ihr Kennzeichen blieb, zu dem 
„Todtensclilaf"^''*), aas welchem sie dauernd erst Ändronikos 
von Rhodos wiedererweckte. Nachdem sich L;kon während 
seiner Studienzeit namentlich mit den galanten Damen und den 
Zechgelagen Athens eine an gemein genaue Bekanntschaft er- 
worben hatte^^'), führte er als Schul vor stand eine Schwelgerei 
und einen Lnxas ein, die Alles Qberboten, was freilich auch in 
anderen philosophischen Genossenschaften Athens damals ge- 
leistet ward, und es zu einer eehr kostspieligen Sache machten 
athenischer Peripatetiker zu werden und daher natürlich auch 
Yielea die Lost dazu benahmen"'^). Andrerseits beschäftigte er 
sich eifrig mit Ballspiel und Turnen "^, besass überdies einen 
sehr beredten Torfrag^") and machte sich aach als politischer 
Rathgeber am die Athener verdient™), so dass sich vermathen 
lässt, er habe das BQrgerrecht erbalten. Unter solchen Um> 
ständen besass er denn nicht minder hei den beiden ersten perga- 
menischen Königen Enmenea I and Attalos I, zumal bei der 
Herkunft aus deren Reich, ein hohes Ansehen, so dass sie wieder- 
holt ihn forstlich beschenkten^^, und Antiochos IP*') suchte 
ihn an seinen Hof zu ziehen, aber er nahm diese Einladung 
nicht an. In Athen gehörte er zur Tolkspartei, da er im cbre- 
monideischen Kriege eine hohe Beisteuer gab^^), und sowohl 
hieraus wie aas seiner Feindschaft mit Hieronymoa, die ihm 
fibrigena wohl eher zur Ehre als zur Unehre gereicht, begreift 
es sich, dass er allein von allen damaligen Philosophen es ver- 
schmähte an dem bei diesem gefeierten alljährlichen Erinnerungs- 
fest fSr Halkyoneus Theil zu nehmen '^^). Aber man musste ihn 
hören und nicht lesen ^^, denn seine Schriften steckten voll von 



760) Wilamowitz A. v. K. 8. 83. 

161) Äntig. T. E. b. Atb. o. a. 0. 7C3) Antig. ebend. 

765) Aotig. ebend. n. b. La. DL 67. 
751) qittuatixis är^f (Aot. b.) La. Di. 65. 

766) (Ant b.) La. Di. 67. 
706) (Aut. b.) La. Di. ebend. 

767) Denn dieier (883— 217) wird irahrsrheinlich geroeiot sein b. (Aut.) 
La. Di ebend. 

768) C. L A. n, 831. Wilamowiti a. a. 0. S. 79. 

769) (Aut b.) La. Di. 68. 

160) S. dartber daa Witzwort des Antigonoa (Gonatas oder Karyatios? 
s. Wilamowitz S. 79). Cic. Fin. V, 6, 13. oratitme locuples, rebm ip.»» 
ieiunior. 



ivXtOO^IC 



148 Zweites Capitel. Philosophie bis 2. Hälft« des 2. Jahrh. 

geschraubten Phrasen und gesuchten Floskeln ^^^). Genaueres 
freilich wissen wir von diesen Schriften nicht: erhalten ist uns 
ausser einem unbedeutenden Bruchstüek "') nur die kteinisclie 
Uebertragung ^") seiner begreiflicherweise sehr naturgetreuen 
Schilderung des Tmnknen und „des Katzenjammers"'"). 

Hieronjmos^'*) von Rhodos""), sein Zeitgenosse"'^), war 
allerdings ein Mann von sehr vielseitiger, aber auch ohne Zweifel 
von sehr oberflächlicher Bildung und von sehr anedlem Charakter, 
an welchem freilich seine anmuthige Darstellungsgabe gerühmt 
wird'**). Jedenfalls zog er sich- von der peripatetischeu Schule 
unter L^kons Leitung zurück und grSndete eine eigne'"*), aber 
er wich auch von Aristoteles selbst in der Ethik bedeutend ab, 
indem er mit den Epikureern die Schmerzlosigkeit fQr das höchste 
Gut, andrerseits freilich die Lust für gar kein Gut erklärte""). 
Auch hielt er es nicht wie Straten mit den Ptolemäern, son- 
dern scbloaa sich dem Autigonos Gonatas an, und da die atheni- 
schen Stoiker, wie gesagt"'), schon seit dem Tode ihres Stifters 
nicht mehr in derselben engen Beziehung wie letzterer zu diesem 
grossen Könige standen, so ward die jährliche Erinnerungsfeier 
zu Ehren von dessen geliebtem, im Kriege gefallenen Bastard- 
sohne Halkyoneus, zu welcher der König viel Geld hergab, wie 
schon wiederholt bemerkt ward, bei ihm gehalten"'). Die heftige 
Feindschaft zwischen ihm nnd Lykon war denn freilich unter 
diesen Umständen sehr begreiflich. Seine Schriften waren, so 
viel uns bekannt ist, tbeils philosophischer, theils historischer 
Art, und zwar wissen wir von der letzteren Classe bei Weitem 

761) Die Belege bei La. DL G&f. (nach Ant. v. K.) zeigen ilchten 
aaiaDiichen Barockstil, a. Wiltimovitz S. 79. 

762) Bei Herodian. II, 716. 
768) RntU. Lop. II, 7- 

764) WiUmowits S. 68. 

765) Hieronfmi Ithodii Peripatetici friigmeota. CoUegit et adnotarit 
Ed. Hiller. In der Satura philologa H. Suappio oblata, 1879. 

766) Cic. Fiu. II, 8, 8. Strab. XIV. 655. La. Üi. 11, 26. Ath. X. 4S4 f. 

767) Und folglich uicht, wie Ath. iL. a. 0. sich ausdrückt, bereits 
SchOIer des Aristoteles. 

768) doctat et suavü, Cic. Fin. V, 6, 14, vgl. 11, 6, 19. 

769) S. A. 769. 772. 

710) Cic. Tasc V, 80, 87 f. Fin. a. a. O. O. PInt. Stoic. rep. 2. 1033 C. 
lambL b. Stob. Ecl. L p. 920 H. SB3, 8 ff. W. Clem. Strom. 11. 415 C. 
Zeller S. 924. 

771) S. Anm. 208. 803''. 296. 297. 772) La. Di. IV, 41. V, 08. 



h;,*^TO(>^IC 



9. Peiipatetiker. Hieronjmoa tod KhodoB. 149 

mehr ala von der erstereo^''). Sein im Ganzen Teratöndigea 
Kansturtbeil Ober Isokrate»"*) weist ihm eioett Platz unter Den- 
jeaigen an, welche zn einer richtigen Würdigung dieses bis dahin 
noch immer überschätzten Rhetors den Weg bahnten"^). In 
feinen geschichtlichen Angaben aber zeigt er sich im Ganzen 
als ein unzuverlässiger, ja geradezu Ifigenhafler und uuBaubern 
Klatsch liebender Berichterstatter und''"} boshafter Mensch und 

TT3) Die nach weit) ichen Titel «ind; *t«l Inoiijt, wohl jedenfall« ein 
WiderlegnogeieisDch der skeptischen Theorie des ArkeiUaoa, (La. Di. ü, 
105), »tgl fis9ris, obno Zweil'et mit BeDctEiing der gleichnamigen Schrift 
des TheophraatOB oder Charaaeleon oder, wenn es zwei Schriften waren, 
beider verfasat (Äth. K. 434 e. XL 499 f), nifl noiTjfräv in mehreren Büchern, 
Ton denen das 5. xiqI tn&aQmdmr (Ath. XEV. 63&f), ein anderes Ttigl 
TfayaSoxaiä» (Suid. 'Arayvfätiot) betitelt war, 'IVopr^fMrea faio^iwt, ans 
denen Äth. XIII. &61 e. 604 d ff. Anekdoten n. achmnttige Klatschgeschichten 
Ton Sophokles nnd Enripides nebst einem unter dem Namen des erstem 
geE&lschten Epigramm mittheilt, nnd StoaäSijv vxonv^fiata , wenn anders 
dii-s nicht vielmehr bloss ein anderer Tit«! derselben Sammlung war. Die 
amoQttSjjr ino^r^fiata werden von La. Di. I, 26 f. IT, 11 in Betug auf 
Th»leB nnd Anaiagorna angefahrt, aas ihnen stammen aber ohne Zweifel 
auch die Angaben über FTthagoias (La, Di. VIIl, 21) , Herakleitos (La. Di. 
IX, 16), Empedokles (La. Di. VIII, ST. 68) und Sokrates, in Besng auf 
den Hierooymos gleich Demetrios (s. A. 717^ dem Aristoieno« daa lUrchen 
TOD den Ewei Franen desselben nachschrieb (La. Di. II, 36. Ath. XIH. 
566». Flnt. Arist. 27). Diese Sammlnug oder diese beiden Samminngen 
belogen sich also grotBentheils anf Philosophen- und Litterargesobiobte, 
doch werden aus ihm auch NotiMn Qber die Tugenden des Agesilaos 
(Plnt Ages. IS), die Regie magsdauer des Perdikkas (Ath. V. 307 d), die 
KoDstweberei (Alb. II. 4Bb) angefahrt Vgl. auch Hflller F. H. G. H. 
8. 460. A. 1. Auf 'Eniaxolai hat man aas Ath. X. 4S4 e. '/{««t^fu« zt 
h TOic 'Extanlalg 0i6tpta9töt q»)]«! l^yiiv Sit 'Alitmiiitos «- *- ^- ge- 
schlouen, aber es ist, nm nnr das Mindeste su sagen, ebenso gut mOg- 
hch, dass Hieronymos hier die Briefe des Theophrattos oitirt, ». Osener 
Anal. Theophr. S. 9 (der aber mit Unrecht an den JKardianer H. denkt) n. 
bes. Prinz De Solonii Platarchei fontihns (Bonn 1861) S. 38 ff. Bndlich 
rechnet Plnt. Qu. sjmp. Prooem. 3, 613 d auch ihn tu Denen, welche 
loyoofi «n^ä söiov ytvofi^voi'c geschrieben haben. Danach vermutfaet 
U. Schmidt Didjm. S. 366, er habe auch ein Zv^ieiwr verfasst. 

774) Bei Dionys. da Isoer. 13 und vollständige) bei Philod. Rhet. IV, 2. 
Col. XVI. Doch s. Cic. Or. Ii6, IW). Eine gute Beobachtung scheint er 
anch über die Fabel des eurtp ideischen Phoenii gemacht za haben, Fr. tt 
b. Said. 'Atttyvf/äeiot u. s. w., a. dam Hiller, vgL Wilamowits Eurip. 
Hetakl. L S. SS. A. 7«. 

776) Blass Att Berede. II. S. tu. 136. 185. 

776) S. die Anm. 773 aogef. Stell« Ober Phaedon La. DL II, 106. 



iX.OÜglc 



150 Zweites Capitet. Philosophie bis 9. M\H» dea 2. Jahih. 

scheint das Feld der Weiber- und £nabealiebe mit besonderem 
Behagen behandelt zu haben^"}. 

Prjtanis wird gleich Hieronjmos unter den Verfassern 
gympotischer Gespräche aufgeftthrt"*) und aU einer der hervor- 
rageuden Peripatetiker und ein Mann bezeichnet, welchen Anti- 
gonos DosoD (230 — 221) zu Staatageschäften benutzte"^. Er 
inuBS aber damals ecbon ziemlich alt gewesen sein, wenn anders 
sein Schüler'**) Euphorion wirklich bereite um 276 geboren war. 

Arieton"') von lulis auf Keoe'**) war Schöler"') und wahr- 
scheinlich'**) Nachfolger des Lykon, lebte aber doch vielleicht'^) 
auch schon gleichzeitig mit Arkesilaos in Athen. Seine Werke 
waren leicht und gefällig geschrieben, aber ohne Tiefe und 
rechten Ernst, so dass sie mehr das Gepräge blosser Unter- 
baltungslitteratur als das streng wissenschaftlicher Arbeiten an 
sich trugen'^) und er, wie schon früher bemerkt wurde '**''), mit 
Recht als ein Nachahmer des Borystheniten Bion bezeichnet 
wird™'). Seine Schrift Lykon, zu Ehren seines Lehrers so be- 
titelt, wahrscheinlich ein Dialog, wird mit den äsopischen Fabeln 

ITT) AasBer den Anm. T73 angef. Stollen aber Sophokles, Eoripidea, 
Sokrates, Alezandros den Orossen e. noch Ath. III. 603 &. 

7T8) Plut. Qq. sjmp. a. a. 0. 

TT8) Polyb. V, 39, 3. — Bei He»ych. Vit. Amtot p. 401, 21 ff. Weut. 
wird gleichwie Praiiphanea, Hieronjmoa, Phormion bo auch er za den 
Schnlnaohfolgem des Aristoteles (AiuADxot «üioü xq; oiolqc) gerechnet, 
scheint also auch eine eigne Schule gehabt zu haben. 

T80) Snid. EvifOflmy, s. C. 14. A. 97. 

781) Enbmann AriBton von Keos der Peripatetiker, Arch. f. PhiIoL 
Hl. 1834. S, 102—126. Bitiobl Arieto der Peripatetiker bei Cicero de 
smecftri« §. 8, Rbein. Miu. N. F. I. 1848. S. 193—201. 640. Opuso. I. 
S. I>61— 669. 

7S2) La. DL VII, 164; vgl. V, 74. Strab. X. 486. Steph. v. Bys. 'lovUe- 

788) La. Di. V, 70. Cic. Pin. V, 6, 18. 

7S4) Flut, de eiil. 14. 606 A. B, wo die nach einander aufgezUilten 
Feriputetikei die Subalhauptet za sein scheinen. Vgl. Clem. Str. 1. 301 B, 
wo Aristons Name offenbar nor zunilig verloieo Regangen i8t^ 

78(>) Es ist wenigstens mOglich, wenn auch nicht wahrecheinlicb , dasa 
der Vere anf Arkesilaos «föod'c IHärmv, Sini&tv rivgeav, nicoog Ji68mi)aa 
von ihm und nicht von dem Stoiker A. berrOhrt, s. A, 247^. 

786) Cic. Fin. V, 6, 13. «mcinniu ... et elegant . . . sed ea, guae 
dtiideraittr a magna j>A*tosopAo grat!ita» in eo non fuU. scripta tane et 
multa et poHia: ged nescio quo pacta auctoritatem orativ non habet. 

786'') S. A. 116. 

T8T) Stmb. a. a. 0. S. A. T»0. 



i.t^iooylc 



9. Peripatetiker. Prjbutts. Ariston Ton Eeos. 151 

and dem märchenhaften Abaria des Pontikers Herakleides zn- 
BamtcetigeHtellt und ihnen Allen so Etwas wie eine Mischung 
des MythischeD mit dem PhilosophiBchea zugeschrieben ^^)j und 
sie mnsB daher in irgend einer Form märchenartige Erzählungen 
enthalten haben. Wahrscheinlich eine andere'^), weon aach 
tbeiltreise ähnlieh geartete handelte Tom Alter, und Tithonos 
ward in ihr redend eingeführt, und zwar als der einzige oder 
doch der eigentliche Sprecher'^). Eine dritte, 'E^fmtxa oftot« 
oder öftominaTa''^^), war eine Sammlang von Witzworten in Bezog 
auf Liebesangelegenheiten mit einer anf Gleichnissen berahenden 
Spitze. Desgleichen wissen wir einiges Genauere Qher eine vierte, 
die 'Tnq{tv^itata vxi(f xivodoliag^^). Doch seheint er auch eine 



788) Pint. de and. poet 1. 11 E. oi jäf fUwtm xii Jttttntia ftvlfttgia 
«rl TSC ntH^ttnat itn>9iatit «al cd* 'Aßa^tv tön 'Hemtliüov »al ■«» Av- 
nara tÖv UgfttaiTot diifiifufoi (dKidI. ot aiföiftt '^l<"), 'iUit xul rä itf;l 
tip ^jmw iö-fiiata fiituyftiya iiv9oXoj{a i^eS'' ijdov^s tw(tovinäei. 

TgS) Ritichl b&lt rie freilich nftch dem TorgaDg eines Klteren Ge- 
lehiteD für dieselbe. Aber der eintige von ihm aogeffihite ßrnnd, daas 
Ljkm li Jahre alt ward, •prioht eher gegen als fSt diese Vennuthung. 
Denn 74 Jahre sind doch gar kein so ungewöhnliches Alter. Und in welche 
„phaatastiflche Verbindnag" A. den Ljkon nnd den Tithonos gebracht haben 
konnte, Iftaet sich so wenig anadenken, dasB Ritschl eelbst hieranf ver- 
richtet Allerdings konnte „I^kon bloss al; Ehrentitel flgnrirt" haben. 

TH) Cic Senect. l, 8. omnem autem sermomm non tribuimus IWumo 
tu Arüto Otu» etc. Mag sie nun TOn Cicero in dieser Schrift unmittelbar 
oder nur mittelbar beoatzt sein, jedenfalls stamnit ans ihr Alles, was eich 
in letiterer mittelbar anf Dion BorflckfahrcD l^st, s. Hense Teletis rcliqn. 
8. SCIT— CIV. 89. Hit Recht vermnthet Ritschi Rhein. Has. Tl. 1847. 
8. MS in ihr ein Torbild ftlr Tarros IV'Monu« i»«) r^^uc 

791) Ath. X. 419 c. XIH. 668 f. XV. 674 b. vgl. II. SS f. Vielleicht 
eioerlei mit den 'Efmnxsl diatftßal in dem TeTzeicbniss der angeblich dem 
Chier, in Wahrheit aber grosaentbeils (s. A. 248) dem Eeer angebOrigen 
Werke bei La. Di. Vn, 168. Dass ne jedenfalls aber nicht einerlei waren 
mit den 'OftoMDiMTra des ersteren, Boodem dem letzteren angehörten, hat 
Bitschl übeneugend nachgewiesen, s. A. 847. S48, 

79S) Ans Philod. de vit. X. Col. 10.16. §. 10. SS der Ausg. tos Sanppe, 
voraus erhellt, dass anch das bei Cic. Off. II, 16, 06 Bemerkte in letzter 
Instanz ans dieiter Scfarift stammt, deren Titel in dem Terseichniss bei La. 
Di. a. a. 0. etebt. Dan sie wirklich von dem Peripatetiker und nicht von 
dem Stoiker war, hat Sanppe a. a. 0. 8. 6 f. 84 dnrch den Hinweis auf 
die Vorliebe, mit welcher gerade von Peripatetikem (wie Aristotelea und 
Endemofl in ihren Etbiken, TheophraatoB, Ljkon, Satyros, dem Verfäaaer 
der grossen Moral) Charakterbilder geieicbnet wurden, wabrecbeinlich ge- 
macht, obgleich er zagieht, dass diese „Ethologie" (Poseidon, b. Sen. Gp. 



152 Zweites Opil«l. Pbiloaopbie bU 2. H&Llte des 2. Jobrh. 

Scbulgeschichte der Peripatetiker verfasst zu haben '*^, ia welcher 
auch die Teatameute der Schulhäapter, wie sie sich uus Doch 
erhalten haben, standen ^^), und dies muss als sein, wenir nicht 
eiaeiges^"^), so doch am Meisten dauerndes Verdienst, aber auch 
als ein sehr grosses angesehen werden. Von seinen übrigen 
Werken'^) ist uns nichts Näheres bekannt'^). 

Phormion hat sich nur durch eine grossartige Thorheit im 
GedächtnisB erhalten, nämlich dnrcb die Vorlesung, welche er als 

06, 68) aacb den Stoikero, wenigstens den späteren eklektischen, wie Poaei- 
donios nnd Seneca, nicht fremd war. 

798) Wie Stratokies und später Apollonios von Tyros eine der Stoiker, 
s. A. 151 and C. 32. A. 67 f. nud der A. 96. 98. 611. 666° besprochne Ano- 
□jmos eine der Akademiker. 

794) AasdrOoklich sagt freilieb La. Di. V, 64 nur TOm Testament« des 
Straton, daaa es ans A. ist, aber man darf es hiernach mit Wahrscheinlich- 
keit anch von allen uideren annehmen. Dazn kommt, wie Zetler II', 2. 
3. 926. A. S bemerkt, der eigenthfimliche Umstand, dass die Qeachichtc di'r 
Peripatetiker bei La. Di. nicht aber Ljkon hinaasgeht 

794^) FQr die Behauptung ron R. Heime De Horatio Bionis imitatore 
(Bonn 1889). S. 26, dass Horatins stark von ihm beeinflasat sei, namentlich 
in Ep. I, 1 und 2, bleibt der Beweis abEUwarten. 

796) In dem Veizeicbniss bei La. Di. a. a. 0. erscheinen anch ''/Wo- 
fi*i}fM(Taiv xt' and Tigit tois ^qropag; es wäre daher an sich mOglicb, dosa 
bei Philod. de rhet T, R* 1[I, 16B. lö ßi^Uo» <i'> 'Jetarawot. Fr. IS. 
'Atfimo^vy i<^9 vKo^fivijfiaatv u. Q. dieser ältere Peripatetiker A. gemeint 
sei, aber da Strab. XIV, 668 einen Ariston aas Kos als dessen Schaler und 
Erben nennt (ä ä*fo«adfuvas toö ntfmatJitinov xal HJli)e<nrofi^«o£ aviöi-), 
da ferner sowohl Qnintil. 11, 16, 19 einen A. als Ciilolai peripoUtici di»ci- 
puJut nie auch Sex. Uath. U, 61 als ö Kgaoläoit jfiJ^ifMg beieictinen, so 
haben wir schwerlich ein Becht mit Zeller aus diesem Schtller des Krito- 
laos vielmebr dessen Amtavorgänger zu machen, Tielmehr wird hier wabr- 
scbeinlicb eben jener Eoer gemeint sein, der dann also tnecat seines Naniens- 
genosaen nnd darauf noch des Eritolaos Scbaier war. Dazu kommt, daaa A. 
bei I'failod. ebendas. III, 4. EV. 4 hinter Kiitolaoa genannt wird; KfitoXän 
xctl ^«^<<(T(Dvi> (Tgl. ebend. 6. Fr. 6, wo Eritolaos allein erscheint, and 
Col. 16, aus welcher letztem Stelle in Verbindung mit jenen obigen mit 
einiger Wahracbeinlichkeit eu schliessen ist, dass dieser jQngere A. „io 
jenen Commentareu ^Taofiv^iutTa\ die Lehren seines Meisters Eritolaos", 
welche dieser indessen doch anch schriftlich Torgetrogen zu haben scheint 
[a. A. 804], „aufgezeichnet haben mochte", s. Gompen Z. f. d. 6. G. 1866. 
S. 818 a. bes. 1866. S 699 f.). 

196) Einiges Weitere über A. s. b. Zeller a. a. 0., welcher hL'rvor- 
bebt, dass die von ihm erhaltnen Bruchstücke (a. A. 731. Plut. Themiil. 3. 
ArisL 2, Pueudo-SotJon de fluv., (d. i. Uigoa. Kic Flor.) 'ib. p. 187 WesUrm.) 
meistens historisch sind. 



ivXtOO^IC 



9. Pecipaletiker. Pbormion. KritolaM. 153 

Greis in Epbesos 194 dem Hannibal über KriegakuDst hielt'"). 
Wir wissen daher nicht, ob er auch Schriften verfasate. 

KritolaoB von PhaRelis"^), wuhracheiulich unmittelbarer 
Nachrolger des Ariston'"^), jedenfalla Vorsteher der penpstetischen 
Schule^**") und in dieser Eigenschaft Theilnehmer an der so- 
genannten Philosophengesandtscbaft nach Rom Ibßß^"^}, und 
zwar in den spüteren Zeiten seines Leben™), welches er auf 
über 82 Jahre gebracht haben soll'*'^}, war eine jener wenigen 
rühmlichen Ausnahmen unter den Peripatetikern der Alexandriner- 
zeit seit Lykons Regiment, iudem er wieder eine wirklich ernste 
philosophische nnd Überhaupt wirklich wissenschaftliche Richtung 
einschlug ^'''). Er blieb damit allem Anscheine nach, wie das 
Beispiel seines Nachfolgers Diodoros zeigt, auch nicht ohne allen 

797) Cic. de or. II, 18, 76. Äanerdem b. A. 779. 

798) Plut. Je eiil. a. a. 0. 

739) S. darüber Zeller S. 927 f. A. 1. 

800) Clem. Str. I. 301 Ö, vgl, A. 7S4. 

801) Cic. Acud. II, 45, 137. lieber die von den drei Mitgliedern dcr- 
wlbea in Bom gehaltenen Vortrilge sagt Gell. VI, 14, 10 nuch KatiÜiis und 
Polj'bioB : violenta et rapida Camtada dioebat, »ata et teretia OritoJaw, »lo- 
detta Diogeneg tt tobria. 

802) 8. daraber wiederum Zeller a. a. 0. und S. 988. A. l. 
808) Paeado-Lukian. Uacrob. 20. 

S04) Vgl. auch Cic. Fiit. T, 6, 14. Zwar zollt« auch er der materia- 
lisliscbeo BicbtuDg leinea Zeitalters seiDen Tribut und nUierte eich eben 
damit dm Stoikern, indem er sich Seele and Verannft als eine ätheriecbe 
Sabetauz dachte (Stob. Ekl. I. p. 68 H. SB, 6 f. W. = AeL p. 103 DieU. 
Tertall. de an. 6), tÜKi seine Vertheidignng der ariitoteliacben Lehre von der 
Anfangs- und Endlosigkeit der Welt nnd dei MenBohengeBcblechts gegen 
die Stoiker (bei Psendo-Phil. aetern. m. c. 11—16 Bern. p. 4DS ff. Mang. 
943 B— 947 B HöBch.) vermuthlich in einer eignen, vielleicht (s. Bernaus 
Ueber die unter Pbiion'a Werken stehende Schrift Ob. d, UnEetaUtrbark. des 
Weltallo 8. 68) itigl i^c aidi^tjioc luiafioo betitelten Schrift (vgl. C.äS. 
A. 428. 434, anch 423) veirath nicht nur Bein Interesse an tbeoretisoben 
tVitgen, sondern teigt ihn auch al« einen tüchtigen nnd Bcbarfsinnigen 
Denker. In der Ethik schlosa er sich dagegen swar im Uebrigen au diu 
arintotclische Qfiteildiie an, berührte sich aber mit dem altatoischen Bigo- 
rismu*. Indem er die Lust geradezu für ein Uebcl erklärte (GelL X, 6, 6). 
lieber die Beredsamkeit änwcite er sich geringschätKig , indem er sie (mit 
Plat Gorg. 463 D) aU eine bloBse zftß^ bezeichnete (Quintil. II, 16, SS. vgl. 
17, 15 [s. C. 82. A. 422]. Sei. Math. II, 12. ao. Philod. de rhet. V. H." 111, 
i. 10, 1. VIII, 88. IX, m a. b. A. 796). WaJuBCbeinlich in derselben Sdirin, 
in «elcher er diei ausspracb, erzählte er ein abgeschmacktes Geichichtcbeu 
von Demosthenes (Gell. XI, 9, vgl. V. H.' IX, 60). 



ivXtOO^IC 



154 Zweites Cafätel. Philosophie bis S. HaJite des 2. Jahrh. 

wohltlifttigen Einflass auf Hie von ihm geleitete Schala Doch 
sind er und dieser sein .Nachfolger die einzigen namhaften Männer 
derselben bis auf Andronikos hin^, denen sich mit Sicherheit 
ein solches ernstes wissenschaftliches Streben naclirOhmen läset. 

Diodoros von Tyros^"*), dieser sein SehOler und Nach- 
folger^^), zeigte nämlich allem Anscheine nach wirklich ähnliche 
tiefere Interessen^, obgleich er in der Ethik die aristotelische, 
stoische und epikureische Lehre eklektisch zu verschmelzen 
Buchte^^) und also wohl jeden&lls unbedeutender als Kritolaos 
warS'O). 

Ariston von Kos, BchQler des Ariston und dann des Eri- 
tolaos, ist uns durch seine Definition und Bekämpfung der ge- 
wohnlichen Redekunst im Sinne des letzteren bekannt^"). 

Von Kallipbon und Deinomachos, welche in der Ethik 
einen ähnlichen vermittelnden Standpunkt zwischen der peri- 
patetischen und epikureischen Lehre wie Diodoros einnahmen^"), 
und von denen der erstere älter als Diodoros und nicht jfiuger 
als Karneadea war^''), wird uns nicht berichtet, zu welcher Schule 
sie gehörten. 

Demetrios von Byzantion, ein Peripatetiker^") aus iin- 



805) S. C. SS. Abscbn. 5. 

806) Stob. a. a. 0. 

807) Cic. de or. I, 11, 46. Pin. a. a. 0. Cletn. a. a. 0. 

808) Er billigt« die Seelenlehra des Eritolaos (Stob. a. a. 0.). 

809) Indem er das glOckaelige Leben als doa tngendhafte und zogleich 
scbmerelose beseiobnete (Cic. Fin. II, 6, tO. 1t, S4. >6. IV, 18, 60. T, 5, 14. 
8,31.26,78. Tuso. V, SO, 86. 87. Acad. 11, 48, 181. Clein. Str. II, 416 C). 

810) Wohl kein anderer D. ist es, welchem die DefioitioD der ßede- 
kaust bei Nikol. Pragjmo. Rhet. Gr. III. B. 461 Speng. RogebOrt. — Nach 
Cic. de or. a. a. O. war er 110 noch am Leben, nacb dem, was wir Ober seinen 
Nachfolger Erymnons erfahren (Poseidon. Fr. 4t b. Atb. V. 211 dfC.), scheint 
er dagegen etwas fräher gestorben zn sein, b. Zeller S. 94S. A. S. 

811) Wenn anders meine A. 796 vorgetragene Vermntbung das Rich- 
tige getroffen hat S. die dort angef. Stellen Onintil. n, 16, Ifl f. Sex. Hatb. 
U, 61. 

81S) lodern sie das höchste Got in der VereiDigQng von Last nnd 
Tugend suchten, Cic Kin. II, 6, 19, II, 34. V, 8, 21. 86, 73. Acod. II, 48, 
131. Tqsc. V, SO, 86. 8T. Off. HI, 84, 119. Clem. Str. 11, 4l6Cf. Zeller 
S. 986. A. 1. " 

81S) Cic. Fin. T, 26, 73. Acad. II, 46, 18». 

814) La. Di. T, 8S im HomonjmenTeraeicbniss: tfüog {Jij^^rQitg) Bv- 
iärttot ntpixaiijiiNec. 



i.t^iooylc 



9. Peripat«tiker. Diodoroa. Ariston v. Koa a. A. Demetrioa v. Byi. 155 

gewisser Zeit, m&gliclierweise erst aus äer des Philodemos"'), 
wahrscheiDlich aber ans frQberer""}, rerfasste eine Schrift nt(/l 
noitjftätmv iu mindesteDS 4 Blichem^"), von welcher sich ein 
Stück in Hercalanenm gefunden hat^*^). 

Auch die nnbekannteo Terfaaser der meisten pseudo- 
aristotelischen Schriften geboren schwerlich erst in die Zeiten 
ties Kritolaos und des Diodoros, sondern werden bereits als 
Schfller des Straton, ja zum Theil schon des Theophrastos an- 
zusehen sein®'*). So gilt dies entschieden von dem Urheber der 
Abbandinngen über die Farben und über die Töne (beide 
nämlich dürften Werke desselben Mannes Hein)**") und Ton dem 

- 815) Der ihn in aeiner eignen Schrift jtttfl xouifMfca* uniar den Autoren 
Aber diesen Gegeoatand nennt nnd in de rhet. allem Änachein nach eben 
dieaeo D., jedoch ohne Zweifel eine andere Schrift desselben bek&mpft, 
a. C. 82. A. 197. 199. 

816) Wenn ander« der bei La. Di. a. a. 0. genanote Peripatetiker wirk- 
lich der Terfasaer von xfpl «ottgfiiiTM* war. Denn wenn die Homonymen- 
Terzeichaiaae bei La. Di. anch manche apBtere ZnaBtie enthalten, so gehen 
sie doch mittelbar aof Demetrioa von Magnesia nirflck, nnd dieser war bc- 
reita ein EUterer Zeitgenoaae dei Philodemoa. 

817) Daa 4. B. dieser Schrift yon diju^t^Mt o Bv^ävTios wird dreimal 
angefahrt bei Ath. X. &42d. Zn. 548 d. XIV. flSSb. Vgl. Holler F. U. G. 
II. S. 084. Anm. Schwerlich au» derselben Sohrift tat die nicht eben be- 
sonders glanbwOrdige Nachricht Aber Sokrates nnd Kriton b. La. Di. V, 30. 
(zf. {pjjatp i Bt>£.). . 

818) Pap. 1014. Vol. Herc. Oxon. L S. 106 ff. T. H.' V, 1— Sl. Der 
H erstell nngsTeranch Ton Lncignano ist tod Barnahei Qioroale dei Scav! 
di Fompei, Naova Serie IL 1669. S. 66—96 ferOffentlicht. 8. Scott a. a. 0. 
8. 30— S2. IJebec andere Schriften von ihm s. A. 81B. 817. Ob von dem- 
selben D. die A. 4B& erwKhnte x^Öe tat Uolvairov äxoifiat herrOtirt oder 
auch nnr hcTrflhren kann, weiss ich nicht. 

819) Ganz aoBznichlieHien sind hier natdrlioh diejenigen dieser Schriften, 
welche erweislich oder doch wabracbeintich schon Ton unmittelbaren ScbQloTD 
des Aristoteles herrflhren, wie die aogenannte eademiache Ethik von Eudemoa 
ans Rhodos,. daa sogenannte erat« Bach der Oekonomik Tielleicht nnd das 
ÜQchlein über die nntheilbaren Linien wahracheinlioh von Tbeophrastos. 
Anch die Schrift netl ifinjviiag kann swar achwerlicb den Aristoteles 
selbst, aber doch sehr wohl bereits einen aeiner ZubOrer mm Verfasser 
haben, nnd ein Gleiches gilt ron dem nn&chten Anhang en den Kategorien, 
welcher die aogenannten Poi^Adicamente bebandelt. Ueber die Rhetorik 
an Aleiandios s. C. 36. A. 6 ff,, Aber die jüngeren Schriften »tpl xösfiov 
and 9»^ äeträv jutl Tuninf C. 82. A. 438 ff., Aber nepl gntimv C. 32. A. 401. 

820) Ilifl iVf^""" nnd nigl äHov0fi«tn*. Von letzterer itt ons nnr 
ein grosses BnichatDck im Commentar dea Porphyrioa tut Haimonik dea 
Ptolemaeos (bei Wallis Opp. malhem. III. 8. 246 ff.) aofbewahrt, nnd 



iA.tOO^Ic 



156 Zweites Capitel. Philosophie bis 2. HiÜfte deü 2. J&hrh. 

der Schrift aber den Lebensgeiat^'), der jedenfalls ein anderer 
war, aber auch rerschiedeu von dem der klarer geschriebenen 
jOngeren von der Bewegung der Thiere***), welcher »ich 
fälschlich fQr Aristoteles selber ausgiebt^^^J, es gilt femer von 
dem der mechanischen Probleme^, dem des siebenten, des 
neunten^") und des zehnten Buche der Tbiergeschichte"**), 



Bekker hat va ifir nur eine einzige HaudBchnft M* c^Coialiu. 173 (und nicht 
mehrere, wie der nenste Heraasgeber Prautl behauptet) Terglichen. Desto 
reichlicher fliesaen die Qaellen fQr de coloribus, aber eine methodische 
TeitreceDsion ist auch durch die verdienstlicbe, sugleich dem Test durch 
glBazende CoDJecturen aufhelfende erklärende AuEgabe tod Prautl Aritito- 
teloB über die Farben, Hüncbeo 1619. 8. und desaen nur fQr dies ScbTiftclicn 
brauchbare TeitauBgabe Arislot. qnae feruntur du coloribna, de aadibilibns, 
PhfBiognomicR, Leipt^ 1S81. B. nicht geacbaffeD. IJebrigens vgl. auch 
Zeller U', S. 8. 936 f. 

821) Ilrgl nvfvitatot (de Bpiritu), b. Zeller S. 9S. Änm. S. 937 f. 
VgL Siebeck Gesch der pBjchoL I, 8. S. 130 ff. 

822) Iltfl t'^av %iv^eta! (de niolii aDimalium). Bier wird nämlich 
10. 703*. 10 f, tit iiiv Off fj t<az7]fia toi (iviiqivcov nveJfiatog, eitftizai If 
älXoit jene eratcre Schrift citirt (s. darüber Zeller S. 96. Anm), so das) 
der Terfaseer, da er für AriRtoteles gelten wollte, jene beceita für üchb 
hielt; denn ein Selbatcitat iat durch die grosse Verschiedenartigkeit biiider 
Schriften auageBchloBaen. S. Zetler S. 93Sff. und über die Handachriflea 
Suaemihl Krit. Bemerkungen bu deu zool. Schrifien des Ariatot., Bheiu. 
Hub. XL. 1886. S. 6es S. 667. 

828) 8. die Belege bei Zeller S. 938 f. A. 11. 

8St) Eritiache und erkl&rende Ausgabe von vttn Cappelle, Amsterdam 
1812. 8. besonders nach einem guten Pariser Codex (2115). Bekker bat 
nicht diesen, aondem Ewei rSmiBcbe FW* (Vatic. 1S3S, vgl. Susemihl 
a. a. 0. 8. 666, und ütbin. «), 0. Apelt Ariatotelia quae femntur de 
plantis, de miiabilibua aoicoltationibus, Mechanica, de lineis inaecabilibna, 
Tontomm sitos et nomina, de Helisso Xenopbane Gorgia, Leipzig 1888. 8. 
alle drei nach den Collutiooen seiner beiden Vorgänger benutzt. VoB dem 
latein. Ueberaetaier Leonioenns Tflbren einige gute Textverbesscrangeu 
ber. Deutsche Uebers. von Poselger, neu herausgegeben mit Einleitung 
fon Bahlmann, Hannover 1881. 8. VgL A. 846. 849. 

826) Welches noch der Ueberlieferung das 8. ist. Bedenken gegen die 
Aechtbeit deaaelben lo wie des 7. erhoben suerst die Herausgeber der 
Tbierge schichte Wimmer und Aubert, Leipzig 1868. 8. 1. S. 7 If., gegen 
welche t. Witamowitz Ant. v. Kar. S. 18. A, 2 vergebens Einspruch that, 
vgl. ROmet Die Homercitate und die homerischen Fragen des Aristot., 
Hünebener Sitzungsber. 1884. IL S. 272 f. Susemihl JahreBber. XLll. 8. 13. 
Jetzt ist der vMlig nuaristoteliache Ursprung dieses stark an die Manier 
der BavitttVta oder üa^So^a (vgl C. 17 zu Anf.) anstreifenden Buches, 
welches abrigena auch als eine Belbständige Schrift anter dem Titel nc^i 
t£w S^wv ^»ät> xdl ßlmv umlief (Ath. VIL 28Sc. 3070 = 620% 33. 610 % 14, 



iv.t^iOO^IC 



9. reripaletiker. Paendo- aristotelische Schriften. ]57 

dem der Physiognomik"') und dem der AbhandluDgeD Ober 
Melisaos, Xenophanes nnd Gorgias^'^), von dem der ao- 

aatserdem b. C. 17. A. &6, andrerseits aber auch C. 17. A. 67 u. Ath. IX. 
3BTb. iv öyäÖTi £cäav totogiae —' ßSS*, 29) darch die gründliche and all- 
seitige Unterancbang Ton Dittmejer Die Unecbtlieit des 9. B. dar ariatot 
Tiergetch., Bl. f. bajer. Gyrnnw. XXIII. 1687. 3. 16-S9. «6—79. 146—163. 
ausser Frage gestellt. 

8S6} Dos Richtige sah hier schon Camns in seiner Ansg. der Thier- 
gctcfa. (Paris 17gS) 1. 8. XXVII. Vergeblich bat Spengel Do Atistotelis 
libio decimo historiae animaliam et incerto Mictore libri xiqI %6«tt«v, 
Eeidelberg 1B4S. 4. dancothon venacht, dass eine Kohte, hinter dos 7. B. 
gehörige Abb. des Aristol. zu Qmnde liege, die aae einer latein. Ueben. 
wieder ins Griechische «irackQbersetzt sei. Schon gewisse grundstüneede 
AbwaichDDgen von der Zeagniigstheorie des AristoL Terbieten diese Anr 
nähme, s. Zeller S. 92. Aum. S. 940f. Weiteres bei WimmeTDnd Anbert 
L 8. 6 f. Die beiden Ultsten, wahrscheinlich auf Hermippos (s. C. 19. A. tl. 
C. SS. A. 3£8) tnrOckgehenden Veneichiusse aristotelischer Schriften, das 
des La. Di. V, 26 und das des sogen. Anon. Henagianas (Hesjchios y. Milet) 
keimen denn aach dies Buch noch nicht aia Bestaadtbeil der Thiecgeecbichte 
(«««i iäiav), die daher anch am mit 9 BOchem anfigefahit wird (No. 108 
n. 91), BOndem als besondere Schrift unter dem Titel ixlf oder MCfi toi 
ßii ytvrttr (No. 107 u. »0). 

8S7) Sie steht vielleicht schon in den beiden eben genannten Kata- 
logen: bei La. Di. No. 109. ^mvivtvm^wv &, bei Hesjch. 97. ipvmvf*ta^»ii 
P, doch s. A. 846. Die Aneg. von Praotl (a. Ä. 820) ist werthlos. Uebec 
die Handscfaciften nnd ihr gegenseitiges Verhältnisa uid Qber den Imtiscben 
Werth der alten lat«ia. Uebert. handelt POrster De Aristotelis qnse fe- 
mntnr Phjsiognoinicis recenaendis, Kiel 1S82. 4. De translatione Laina 
Phyijiognomiconim qnae fenintar Aristotelis, Kiel 1884. 4 (vgl. Snsemihl 
Jahresber XXX. S. 49 f. XLn. S. 37 f.). Oute Co^jectoren giebt Haydnck 
Emendationes Aristoleloae, Heldorf 1877. 4. (vgL Susemihl a. a. 0. IX. 
a. 362 f.). VgL auch FOrster Die Physiognomik der Griechen, Kiel 1884. 4. 
nnd ZelUr S. 99. A. 2. S. 940. 

828) Diese drei kleinen hypomoematischen Aa&Une sind schon in jenen 
beiden Katalogen (Ul. Di. No. 96. 98. 99. Hes. 86. 69) nebst einem vierten 
(vgl Zeller I. S. 166) aber Zonon (La. Di No. 100) veneichnet. Verrnnth- 
lich (s. Phüop. in Phya. B, 6. p. 66, 60 f. Vitetli. <pael ii ytyifäif^oi «üim 
iSiif ßißlio* xgot tijr üaQ^cviiov iö^a*) wird der Verfasser aach wohl 
einen über Fannenides geschrieben haben, vgl Zeller I*. 8. 468. A. 8. 
U*, 2. S. 69. Anm. Die Un&chtheit behauptete meinem Wisaens tuerst 
Brandis Commentationes Eleaticae, Altena 1818. 8. 9. 18, dann u. A. 
Bergk De Aristotelis libro de Xenophane, Zenone et Gorgia, Maibnrg 
1848. 4. (Opnec. II. 8. Bl— 111), Conr. Vermehren Die Antoiacbaft der 
dem Aristot. zogeschriebenen Schrift itt^i Strolpätovt , xt(l Z^)*!**«;, ntpl 
rofYion, Jena 1981. B, Zellec and Ueberweg im 1. Bd. seiner Gesch. der 
PhiloB. (mit Znracknahme seiner Eraher Fhilologos VUL 1863. S. 104— ,11S 
gelUusertea Anaicht). Nach dem Vorgang von der tweiten Hand des Codex 



|.;,*^tOO^IC 



158 Zweites Capitel. PbiloBoiihie bia 8. Hälfte des 2. Jahth. 

genanntea grosseuMoraP'^) und denen des sogenannten zweiten 
Buches der Oekonomik^ und noch eines dritten, uns nur 

B* und von Brandifi Gr.-rOm. Philo«. I. S. 168. III, 1. S. 29t und CouRin 
Fiagm. philoB. I. S. 26. A. 7 wollte dann munantlich F. Ketn Quaestioanm 
Xeoopbaiieanuii capita duo, Naumburg 1864. 4, Symbolae ciit. ad libellum 
Ariatotelicnm x. 5., n. Z., x. F., Oldenburg 1867. 8. Gtotpfäatov ntfi Mt- 
Xlooov, Philologni XXVI. 1867. S. !71— 289. 676. Krit. Bemerkougen edid 
8. Theil der psendo-ariatoteliBchen Schrift tr. S., «■ Z,, n. r, Olduiburg 
1869. 8. Bin Beitrag eut Daratetlong der Piiiloflopbeme des Xenopbaaes, 
Dauzig 1871. 1. Ueber Xeoopbanea v. Kolophon, Stettin 1874. 4, Unter- 
■uchuug ab. die Qoellen f. d. Pbilowphie des Xenophane«, Stettin 1874. 4. 
vergebhch dartbun, dass Theophrastoa der Verfasser, und dass demgenüLu 
nicbt bloss (was im Ganzen zuingeben ist) die Darstellung der Philoso- 
pheine des Melitao« nnd des Oorgias, sondern auch des Xenophanes ge- 
Bcbichtlicb treu sei. 3. dagegen and über diese ganze Frage die nm- 
fassende und eingehende Ei'Ortenuig von Zellet I*. S. 468 — 486, vgl, auch 
Snaemibl Fhilol. Ana. VU. 1870. S. Sge^-SOO. Diels Doxogr. S. 108—113. 
(Kerns veißJscheude Darstellung der Lehre des Xenophanes ist leider 
auch in Heimes neue Anagaben von Ueberweg übergegangen). DasB 
nicht, wie die Handschriften angeben, der erste Tbeil von Zenon, aber auch 
nicht, wie man früher annahm, der erste von Xenophanes nnd der iweite 
von Zenon, sondern jener von Helissos und dieser von Xenophanes bandelt, 
steht nunmehr fest. Das Qanze ist in sehr zerrOttetem Zastande fiberlieferti 
die Handschriften stammen aus einem Archetypos, in welchem Vieles ver- 
mathlich durch LOcher nnlesbar geworden war. Die beste ist eine Leipziger, 
von welcher Beck Varietas lectionii libelloTom Arietotelicorum e cod. Lipa. 
diltgenter enotata, Leipzig 1193. 4. eine ganz gute, ^>er von Behker nn- 
bennttt gelataene Collation bekannt gemacht hat, und in welcher auch der 
Umbng der Lücken genau bezeichnet ist; die Qbiigen, von denen E* (Vatic 
1802) die werthvoUste ist, sind aas einer anderen Abschrift deceelben Ar- 
chelypos geflosseui einen nicht schlechten Codei dieser Art benutzte auch 
dei lateinische Ueberseteer Feliciauo. Bekkera Text ist noch vQllig 
unbrauchbar, nnD)(.thodisGh ist der von Mullach, Berlin 1846. 8. nnd in 
den Fragm. phikis. Gr. I. (Paris 1860). S. 271-80» gearbeitet, erst O. Apelt 
(h. A. 824) bat eine wirkliche Textrecenaion gescbafTen nnd die ublreichen 
eignen und fremden Fmendationen (wie von Brandis, Kern a. a. 0. 0, 
Foas De Goi^ia Lcontioo, Halle 1838. 8., Bonitz Ariatot Stnd. I., Wien 
1862. 8.) gebührend verwerthet Vgl. 0. Apelt Melitaos bei Psendo-Aristo- 
teJe«, Jahrb. f. Ph. CXXXIIl. 1886. S. 728—766. Gorgiai Ui Pheodo-Aristo- 
telee und Seitns Empiricns, Rhem. Mue. XLIU. 1888. S, 208-219. 

829) Man findet über diese Schrift nnd die Litterator zn dei selben alle 
nOtbige Auskunft in der Ausg. von Suaemibl, Leipzig 1883. 8. Wie der 
befremdende Titel gfrade für diese kürseste der drei ethischen Schriften 
anter dem Namen des Ariatoteles entstanden ist, wird sieb schwerlich je 
aufklären lassen. Der Verfasser hat vorwiegend die eudemiache, aber oft 
aneh vielmehr die nikomachiscbe ausgezogen. Seine Zeit setzt Zeller II ',3. 
S. 941—944 mit Becht zwischen Ende des B. und Auf. des 2. Jahrb., da er 



iv.t^iOO^IC 



9. PeripAteti^er. pBeado-amloWiBche SohriftaiL 159 

in Uteioiseher Uebersetzung fiberkommeneu^') so wie tod deoen 
der meisten uDäcbten B««taiidtheile der Metaphysik^"^). Die uns 

noch so gut wie gßmz vom EklekticiBmns imberfihrt iit. Daan stimmt auch 
die Sprache. 8. Gber diesen oad andere Punkte Bamsaner Zar Chara- 
kteristik dv arietotel. Magna Moralia, Oldenburg 1868- 8. Trendeleuburg 
Einig« Belege fflr die nachariiloteL AbfaHongBxeit der H. Hör., HisL 
Beitrr. zu Philoa. IT., Berlin 1867. S. 4S3 S. Der Schlow fehlt Die von 
Bekker begonnene Textrecension ist von Sasemihl betrftchtlich weiter 
gefStdert. Die HandBchriften Eerfallen in iwei Ckuien, von denen die eine 
(vertreten besonder« daroh S.^ ■• Lant. LXZXl, 11 ans dem 10. Jahib., 
F* — Coidin. 161 ans dem Ende des li. nnd die ed. priuo.) etwas besser 
als die andere (P^ — Vatio. 1342 ans dem Ende des IS. Jahrb., H>> ans 
dem Aof. des 15.) ist; ans je einem Codex der erstem Art sind auch die 
alt« lat Uebers. nnd die von Georg Talla geflossen. Um die Emendalion 
haben sieh am Meisten Boniti Obsetrationea erh. in Ar. qnae femntnr 
M. M. et Ethica Eud., Berlin 18U. 8. nnd Jahrb. f. Pb. LXXIX. 18&». 
S. 15 ff. nnd Ariit Btnd. IL DI, Wien 1869 and Spengel Ariit. Stad. 11. 
Manchen 1865. 4. (Philol. Abhh. der Mflnohner Ak. X. S. 6IS ff.) verdient 
gemacht. Weiteres s. bei Snsemihl a. a. 0. 

880) In der Hauptsache einer Sammlung bistoiischer Beispiele von 
Geldmacherei, die grossentbeile aof Schurkenstreiche hinaaalaofeD. Die 
Entstehung fUlt kaum Mher oder später als in die zweite H&Ut» des 
3. Jahrb. Auch sprachgeschichtlich ist dieae Compilation von Interesse 
wegen der ciemlioh zahlreichen and sum Theil groben nnoorrectheiten, 
welche sie bereits entbllt Die Handschriften »rfUUen in iwei Familien, 
eine «eitaus bessere (P', s. A. 889, nebst P* — Paris. S0S3 ans den Ende 
dee 16. Jahrb. nnd der ed. pnno.) nnd eine weit laUreicheie, deren beste 
Vertreterinnen P" ood M' (s. A.8S9) sind. Aasgaben von J. G. Schneider, 
Leipzig 1815. 6. GOttliug, Jena 1880. 8. Snsemihl, Leipeig 1681. 8. 
(welcher zuerst eine wirkliche Textrecension giebt). Deutsche Uebers, von 
J. 6. SchloHser hinter der Politik, 3. Bd. LQbeck n. Leipzig 1798. 
Niebuhr Ceber das zweite Bnch der Oekonomika unter den aristct. 
Schriflen, El. Sthrr. 1. (Bonn 1828). S. 412—416. Spengel Aristot. Sludien 
lU. Manchen 1868. 4. S. 73 S. (Phüol. Abhh. der MOnchn. Ak. XL S. 125 ff.). 
Um die Verbesserung des namentlich auch durch zahlreiche kleine Lücken 
enteteilten Textes hat sich in Uterer Zeit namentlich Canieracius (dessen 
lat. Debert. bei Bekker wieder abgedruckt ist) erhebliche Verdienste er- 
worben, von Heueren beiondere Eirchhoff Zur aristot Oek., Hermes XIII. 
1878. S. 139 £ und Br. Keil in Snsemihle Ansg., auf welche letztere hier 
f9r alles Genauere tu verweisen ist, und nach deren Erscheinen E. Sonne 
Ad Aristotelis qnae femntar Oeconomicorum libnun II, Genetbliacon Gotting. 
(Halle 1888). S. S7-81. VgL auch Zeller U*, S. S. 994f. 

881) Es ist dies ein gant hQbsches paränetisches Schriftchen fiber die 
gegenseitigen Pflichten der Eheleute, nach der ansprechenden Vennntbung 
von Eose Aribtoi psendep. S. ISOff. (vgL de Aristot libror. ord. 8. Cl) 
dae im Anhang bei Hesych. (No. 166) N6ftat äfitfie x«l yBfMTqs betitelte. 
G^en die Annahme von Egger Les äconomiques d'Aristote et de Thio- 



lA^iOOglc 



160 Zireitea Capite). Philosophie bis 2. Häine des 2. Jahrb. 

überlieferten Probleme oder genauer physiachen Probleme'") 
sind weit entfernt davon die ächten aristotelischen***) oder auch 

phraate, Anoalea de la FacnlU des Lettree de Bonrdeaiu 18T9. S. SOi-SBl, 
dass es Tielmehr der Schlasa (de* in Wahrheit durchana TollBt&ndig«n) 
ersten Bachs sei, s. Snsetnihl a. a. 0. S. XXf Die eine, von Durand TOn 
St. PouTfain mit Hälfe TOn iwei griechischeD Prfllaten angefertig^te Ueb«r- 
aotzaog ist tou Rose n. a. 0, S. 044 und AristoL fragm-, Leipzig 18S6. B. 
S. 140 ff. (— Fr. 1S4) heransgegeben. Zn eiazelnen Stellen von ihr sind 
längere TsriMit«n erbalten, welche wenigstens an einer (a. Sasemihl 
a. a. 0. 8. XYIll. A. 46) die Benatzang einer anderen griechischen Band- 
Schrift Toransaetzea. Schon deashalb wird im Gegensatz sa Hanräaa 
Snr qnelqaeB tradactione de l'Economiqoe d'Arietote, Ann. de la Fao. des 
Iiettres de Bonrdeanz II, 4. 3, 897—409 mit Rose anzonehmen sein, dass 
alle diese Baadnoten Bmchstflcke einer irweiten volUt&ndigen Uebereebong 
sind. Eine andere erhaltne ist von Snsemihl a. a. 0. neben jener ersteren 
and diesen ihren Randcorrectnren ans wenigen Handschriften und alten 
Drucken veröffentlicht. Der Urheber derselben benutzte mindestem ein 
solches gloasirtee Exemplar der ersteren, wahrscheinlich aber vielmehr jene 
beiden TollatSndigen TJebersetsimgen, indem doch wohl nur dies ihn an- 
treiben konnte nach ihnen eine dritte za machen, denn einen griechischen 
Codex hat er, obgleich Hauräau anderer Ansicht ist, wie es scheint, nicht 
verwerthet. S. Snsemihl a. a. 0. S. XVII ff. and krit. Ansg. der Poht. 
(Leipzig 1872J. S. LIV-LVIII. 

832) Das zweite Bach (a), jedenfalls nnBcht, soll von Pasiklei oder 
Pasikrates von Rhodos, einem Neffen des Eudemoa, berrOhreu, s. die Be- 
lege bei BonitE Aristot Het. L S. 16 ff. Zeller 8. 83. Anm. Za weit 
geht Lnthe Zur Kritik nnd ErklUrnng von Aristoteles Hetaphyaik ond 
Alexanders Commentar zn derselbeo, Hermes XV. 1880. S. S07 ff. mit suinem 
Argwohn gegen diese Angabe and seiner Bestreitung der Annahme, dass 
es ledigUch auf einer Verwechselnng beruht, wenn Asklep. in Het. p. 4, Sl f. 
Hayd. (Scb. in Aristot 680*, 6 f.) dies vielmehr vom 1. B. (A) berichtet, 
obgleich Lnthe gut nachweist, dass seltsamerweise in der That auch die 
Aechtheit des letzteren verdächtigt ward. S. Aber a ausser Luthe a. a. 0. 
noch StoUle Einige Stellen aus Aristot. Met. a, Bl. f. d. bajer. QymDw. 
XVII. 1881. S. 193— löB (vgl. Snsemihl Jahresber. XXX. 8. 28 f ). Von 
meiner näheren theilweisen Zustimmung (Plat. Phil. H. S. GOT. 630) zu dem 
Urtheil von Rose De Aristot. lib. S. 168 ff. über J und M bin ich längst 
zurOckgekommen, vgl. Zeller 9. 81 f. Aber allerdings ist in das 5. (nicht 
urspnlnglich Kur Het. gehörige, sondern selbständige) Buch (J) 1018*, 
24 — 1014', 2fi ein Capitel der Physik (II, S) eingeschwärzt, nnd die zweite 
Hälfte des 11, (8. 106b% 86 ff.) ist nichts Anderes als der Auszug eines 
Peripatetikers aus derselben; ob die erste ein Entwurf des Aitstotelct an 
B r£ oder wiederum ein peripatetischer Auszug aas diesen drei BOohem 
sei, ist streitig, e. Zeller a. a. 0. Natorp Ueber Aristot. Het. K, 1—8. 
1066*-, 86, Arch. f. aesch. der Philos. 1. 1888. S. 178-193 (der sich fOr die 
zweite Annahme einer &ei«i Bearbeitung dieser Bücher durch einen alteren 
Peripatetiker entscheidet). 



i.t^iooylc 



9. Peripatetiicer. pBendo-aristotelisclie Schriften. 161 

Qur das in der Älexandrinerzeit gangbare überarbeitete Schnl- 
exeinplar derselben zu sein, ja sie sind nicht einmal ein Aaszug 
ans diesem, sondern eine wahrscheinlich erst nach Athenaeos **^) 
aus verschiedenen theils alexandrinischen und theils wohl auch 
erst nachalexandrinischen Sammlungen von Excerpten ans Ari- 
stoteles, Hippobratee, nameutlicli auch aus Theophrastos^ zu- 
sammengebrachte Compilation ^, und zwar dergestalt, dass eine 
dieser Sammlungen*'^') ein alezaadrinischer Auszug ans jenem 
alezandrinischen Exemplar war"*). Aus eben diesem Aaszuge 
aber stammen ancb die meisten Stücke einer zweiten, uns gleich- 
falls erhaltenen ProblemensammluQg^^^), welche altem Ursprunges 



S33) Prautl Ueber die Probleme dei AriBtoteles, Hflncheu 1S51. 4. 
(Abb. der HOnchener Akad. 1. Cl. VI. 3. 339—377). Rose De Aristot. libr. 
ord,S. 189ff. Aristot. paeodepigr. S. 215 ff. Heiti Die Terloreuen Schriften 
des Aristot. (Leipzig 1S65). S 103-122. Fragm. A riatot. S. 194 IT. E. Eichter 
De AriitotelU problematia, Bonn 138G. 8. Doctord. (vgl. d. Adz. t. Sasemiht 
Wach. f. kl. Ph. II. 1886. 8p. 1481—1483). 

834) S. A. 846. 

836) S. A. 836. 

836) Richter S. &— 26 (vgl. S. 46-47) weist vier nach, die er ABCD 
nenot, and von denen A fast wSrtlich die Originale ansgescbrieben hatte, 
B etwas freier, C noch freier zu Werke ging, aber doch den Gciamnitainn 
im Garnen festhielt, w&brend D, wo Tbeophrastos wohl nur noch mittelbar 
benntst war, auch den Gedanken Tielf&ch Terstammelte. Alles, was sich 
nicht aaf diese vier Sammlungen znrflckfilbren läast, fosst Richter unter 
E zBBaninien. So Btrotst denn die heutige Compilation von Wiederholaagen. 
FSr Tbeopbraatos ist dieselbe Ton besonderer Wichtigkeit, weil ABC bei 
Werken desselben, von denen wir nnr noch Bicerpte haben, auf die Originale 
znrickgehen. 8. die Uebersicbt bei Richter 8. 27—80 nnd deaaea weitere 
Anseinaoderaetanng S. 41-— 47. 

8S7) Hamlicb B, s. Richter S. 46—47. Daas die Eicerpte (vgl. die 
Debersicht bei Richter S. 80) aus Hippokrates de aere nnd aoe den er- 
haltenen Schriften des Aristoteles (Meteor., Thiei^^ch. u. de gen- amim.) 
sfiminüich von dorther zu stammen scheinen, zeigt Richter S. 86 f. 

838) Die in nnserer Sammlung nachweisliche, wenn aneh natariich nicht 
QDgestOrte Ordnuig scheint wenigetens theilweiae noch dieaelbe za sein 
wie in dem Gellina nnd Ptntarchoa yorliegenden Kxemplar der phjuschen 
Probleme des Aristoteles, d. h. wohl noch eben jenem alexandrin lachen (a. 
A. 846), mit andern Worten also aus B zn stammen, b. Richter S. 83—89. 
Im üebrigen s. Richter S. 41-44. 

839) Nämlich die von Bnseemakei im 4. Bd. der Pariser Ansg. des 
Ariatoi 8. 391 S. hinzugefügte. Daas auch hier keine Spnr eines Znrück- 
gehena bis auf die ftchten Probleme des Ariatoteles zn finden ist, zeigte 
Hhon Prantl Hflnohen. gel. Anz. 1868. So. 26. Ein Theil dieser Probleme 

BoiRMiBL, grl«li..al*i. Llt(.-Oa«ch. 1. tl , , 



162 Zweites Capitel. Philoiophie bis 2. H&lfte des 3. Johrh. 

and vohl schon bald nach der Älexandrinerzeit angelegt ist^, 
indem hier mit Sicherheit nur die ersten 38 Nummern vielmehr 
auf eine andere Quelle, und zwar auch eine ?on den in jener 
umfänglicheren Zusammenatellung henntzten^"), und vietleicbt 
die letzten (127 — 192) auf eine dritte, dort nicht verwendete 
zurückzufahren sind^*). Während aber Aristoteles von sich nur 
ein einziges, und zwar physisches Problemenwerk citirt^*) und 
keines dieser Citate sich in den beiden heutigen Sammlungen 
wiederfindet^**), hatte man schon in der älteren Älexandrinerzeit 
mindestens 12 solcher Werke unter seinem Namen***), von denen 

lief froher mit gleichem unrecht anter dem Namen dea Alezandros von 
Aphrodieias um. S. ITaener Alex. Aphrod. Probl. libri III. IV, Berlin 
1859. 4. S. IX ff. Richter S. 89 f. 

840) S. dorfiber Richter S. 47 (vgl. S. 39 f.), welcher sogar bie ina 
Ende derselben znrilckzugebcn nicht abgeneigt ist. Dagegen spricht aber 
entschieden die Benotztmg der Quelle D, s. A. 841. 

841) Nämlich D, also gerade die jüngste. 

842} Wenn sie nicht aach aas B stammen. 8. Richter S. 40. Die 
Liste der AaezQge in dieser Sammlung ans erhaltenen Schriften dea Amto- 
telea (Thiergescb. n. de gen. anim.) giebt Richter S. 30 f. — Noch eine 
dritte, nar In lateinischer Uebertragung erhaltene Sammlung angeblicher 
Probleme des Aristot. hat Rose Ar. ps. S. 666 ff. hecaosgegeben and noch 
eine andere lateinische Fr. 246 der LeipE. Aosg. 

843) An sieben Stellen, s. Prantl Ueb. d. Probl. dea A. S. S64 f. Heitz 
Verl. Schrr. S. 112 ff. Boniti lod. Ar. 103'', 17 S. Richter S. 81. A. 1. 

814) Höchstens ein einziges paast einigermaaseo (de vit. et m. C>. 470*, 18 
vgl. m. Probl. A, U), aber doch anch eben nar einigermassen. 

846) Heitz Verl. Schrr. S. 121 f. sieht als aolche die aämmtlicben bei 
La. Di. V, 26 f. von No. 109 bis 185, Rose Ar. ps. S. 16 f. Ar. fr. Becl. 
Ausg. S. 14eE>. Leipz. Aaag. S. 7 f. nor die tod 118 bis 126 aufgeführten 
Schritten an, Richter S. Sl f. schl&gt einen (vgl. A. 848) riohtigei] Mittel- 
weg ein, indem er als sicher folgende übrig ISatt: 110. latgiKÜ ß [Hesjch. 98. 
mpl laxgiuiis ß), 113. ijacpofofiixüv (B. 101), 114. Östiküv (U. 103), 117. 
firijfioriKiäv (H. lOV), 118. aitoiitJittitmv 'Oinjgfiiäv e (H. 106), 119. xo»]»' 
*äv S (H. 108), 130. gmammv xac« noixflov (über den Sinn dieses Zusatzes 
s. Dsenei Rhein. Mos. XVI. 1861. S. 471 f., Rose Arist. pe. S. 816, Zeller 
8, 101. Änm., welche alle drei verschiedner Meinung sind) lij (H. 110), 
131. ixiti»faitfvtav XQoßltifiäiaiv ^ (H. 112), 128. iy*mUaiv P_(B. 113), 
12s. ittiiu*i*äv ä (H. 114), 124. spo^lTj^Tii 1% tö» Jijfiox^/iciti ß (H. 116. 
^eoßlTifidtav JrnionQittimr ß), 126. jtti/l x^s li&ov ä (H. 117), riellelcht 
auch noch 100. ipvaioyvtofu^y (<pviiioyvo)iu%£vJ) ä (doch s. A, 8S7). Bei 
Uesych. kommen noch hiuEa: 107. äxofrjiiätaiv Otiiov. 111. fUTatpvaixa 
X, im Anhang 143. «nop^fuiTa 'UeiiSov h ü. 144. äirop^fMiTa 'jf^jilöjov 
EvfMiiov XotfÜov iw ßi^Xloiq y. I(i8. avfifimiov £i)Ti]fMiia)p oß, &t 9>|viv 



|.;,*^TOOyiC 



9. Periptttetiker. Psendo-aristoteliacbe Schriften. 163 

aber, abgesehen von den pbysischen, von späteren Scfarifstellern 
mehrfach benutzten^*^ and den homerischen, gleichfalls, wenn 



EvKtttifot i änavniie aixav. Bei Ptolem. stehea nur die taxqiiiä (70), die 
pijjvftK« (18), iy%vMUa in 4 B. (67), dain qwttiiitmes phgaicae in i (51) 
nnd qitaestioHei in 68 odec 28 B. (66), aiuserdem aber noch ngoßi.t]pätar 
Tcgoyoeap^ (oder n^oapaffatp^t M). Von 70 BOchem ^ifl mfifiAitoiv tl"i' 
fiätiov Kpoe Evxaifio* spricht auch David (oder Eli&s) Schol. in Ar. 24'', 8 ff., 
Ton 70 qntemä xpoßliiftant dio Vit. Marc. p. 8 Robbe, p. 487, 7 ff. Ko»e 
(neben den laTfinü, äsiina, fiiiiaviaif, ebeneo die Vit. lAt. p. 449, 8 ff.). 
Aniierdem «. A. 849, Deber andere vielleicht problemenaitige Werke in 
den VerteichniHen s. Zeller 3. 100 f. A. 6. Dacn kommt die ohne Zweifel 
on&cbte Schrift ittgl gr^a^ij^'imi- (La. Di. No. 61. He«. 48. Fr. 112 B. ia 
der Leipz. AuBg), vermutblich eine Theorie der Probleme, b. Rose Ar. ps. 
S. 126 f. 

848) Die Stellen bat PrantI S. S67 ff. und genanet nnd Tollst&ndiger 
Beits V. Seh. 3. 104 ff. geaammelt and beortheilt (vgl. Richter S. S2 
A. S); ApolloD. Eilt, mirab. 7. 9. 21. 31. 87. Bl (Qberall h tote ipvmMie 
xgoßl^liaai). 23 {ly tot'« TtQoßl^t""*)- ^^ i^" ^"^S tmt%olg). Gell. I, 11, 11 
Cm librie probUmatim). II, 80, II (libroa probtematorum). III, 6, 1 (in se- 
pUmo problematontin). XIX, 2, &. 4, 1 (problemata phyiicaj. 6, 9. 6, 1 (in 
problematis). Plut. Öfter, aber nnr einmal Qu. «jmp. VIll, 10, 1. 734 D mit 
dem ansdiücklichen Zueatz xQoßlt\itanf . . . ifv9i*ors- Qalen. gleichfalls 
Öfter, aber stet« ohne BnchtiUl. Ath. I. 24 e. X. 434 f. XV. 692 b (überall 
h qivciHois xQoßlitiaai). XIV. 666 b (bloss 'jfimoiilrjt). Apulei, de mag. 
61 (in problemotia) a. s. w. Aber aacli das in diesen Anfühningeii Ent- 
haltene Uast sich nur in der Minderzahl der FUle in onserer Sammlang 
nachweüen, bei ApoUonios, Gellius, Athenaeos allerdings in der HBlfte 
dieser Citate (s. Heit> 3. HO nnd die Fragmeutsammlnngen von Heits 
nnd Rose), aber bei Plut. nur selten (s. Heitz S. 106 ff.) und bei Galen, 
nur einmal (T. XYU^. 29 K., s. Richter S. S2. A. 3). Ebenso wenig aber 
tag die BoBiemakerscbe Sammlung irgend einem dieser Schriftsteller vor. 
Hiernach mnss denn jedenfalls nira Erste, wie oben geschehen ist, als ver- 
bindendes Mittelglied eine aus den Kreisen der ältesten Feripatetiker ber- 
Torgegangeoe üeberarbeitang des orsprüngtichen aristo telischen Werkes 
angenommen werden, dergestalt, dass sich' also anf eratere nud oicbt auf 
leiiteies der Titel in den Veneicbnissen bezieht. Ob dann femer die ge- 
nannten Schriftsteller im wesentlichen Unterschiede von den Urhebern der 
beiden heutigen Sammlungen (s. A. 8S6. Richter S. 41 ff.) noch jene selbst 
oder schon einen Ansiug aus ihr (etwa B) vor Angen hatten, ist allerdings 
nicht ganz sicher, aber wohl mit Recht erklärt Richter S. 41—44. 41 die 
ersteie Annahme fflr die wahrscheinlichere uod ist daher (S. 47) sogar ge- 
neigt die Entetehung jener unserer grosseren Sammlung erst ins 0. oder 
6. Jahrb. n. Chr. in setzen. Die tJeberein Stimmung derselben in der Bücher- 
xahl mit dem Titel bei La. Di, und Hesjch. hält er S. 41 für blossen Zn- 
M, indesten ist es wohl denkbar, dass der Ezcerptor B die Bticherzahl 
jetkes ieines Originals nnd der Urheber der heutigen Sammlung wieder die 



hA^iOOgle 



164 Zweites Capitel. Philosopbie bb 2. Hälft« dea !, Johrh. 

aach nur bedingungsweise^^, ächten und häufig erwähnten, nur 
noch die enkyklisclien in der uns erhaltenen Litteratur der 
Folgezeit, und auch diese nur einmal^, und die optischen 
citirt werden^^) und die mechanischen, wie gesagt, oder doch ein 
Werk gleichen Titels uns geblieben sind. Wie aber eine andere 
erhaltene Sammlung, nämlich die der Wnndergeschichten, 
unter den Namen des Aristoteles gerathen ist, wird später er- 
hellen***''). 

Aber auch unter den verloren gegangenen pseudo-aristote- 
Itschen Schriften waren noch mehrere, deren Ursprung bereits 
auf die Peripatetiker der ältsten Alexandriuerzeit zurückzufQhren 
ist. Sehen wir von denjenigen ab, von denen wir nur die Titel 



wiuer Qaelle B beibehalten hat. Jedenfalls wird sich wobl durch weitere 
Untersuchungen namentlich unter Beobachtang der hier, aber nicht in den 
Hebten aristoteliacben Schriften vorkommenden AusdrOcke noch genaner 
festetellen lasBen, wie weit der Rest des noch aua den Kchteu Problemen 
dcB Aristoteles Stammenden nicht reicht, aber ihn TOllat&odig hcraus- 
Euscbälen wird schwerlich je gelingen. 

84T) Ich denke mir n&mlicb, dass der ohne Zweifel von den Feripate- 
tikem stark erweiterte Kern dieser homerischen Fragen eioe hjpomne- 
matische Schrift des Aristoteles oder mit anderen Worten AufEeichnongen 
desselben ed seinem Privatgebrauch oder ancb ZithOremachscbrillen von 
seinen mündlichen, in seiner früheren Periode gchalt«nen Vorträgen waren 
oder theils das Eine and theils das Andere. Auch das sich mit diesen 
Problemen stark berührende und ebenso stark den Zusammenhang unter- 
brechende und vielfache Ajistösse darbietende 25. Cup. der Poetik scheint 
mir je liUiger je mehr ein peripatetischer Schulsusatz zu sein. 

818) Gell. XX, i, 3, und swar so, dass zn diesem Citat ein Problem 
der heotigen Sammlang (XXX, 10) stimmt. Ueherdies bemerkt Aspas. e. 
nik. £th. I, 3. 1096% 3. San di avioig (avim Rose) «(oßlijfuiTa lyrntlttc 
ntcrtodaita. 

849) Anf die optischen bezieht sich eine latein. Ueben. von Herons 
Eatoptrik (1. fiose Ar. ps. S. 878. BerL Frgms. p. 158. Leipi. S. 367. 
Heiti Fr. S. 216) und Vit. Marc. p. 484, 14 ff. Rose (Fr. 848 — 380 E.), 
aber ohne Titelangabe, und unsere Problemen Sammlung XVI, 1. 918*, 26 f. 
dtixwtai i* TorG ÖTtTtnolf. Ansseidem werden im Allgemeinen die fii]j((- 
vtnä Hui önuw pißKa oder «vKiäyfiaia von David in Cat^. Sch. S5\ 36 
und Anon. Proleg. in Met. (b. Rosa Ar. ps, 8. 877) erw&hnt, vgl. SimpL 
in Cat. f. 1 ''. ycmfiiiptxa . . . xni fniiarixa ßi^Ua. Dia laz^ma Kgopi^fitnu 
hat Rose verkehrte rweise mit der faipiN^ avvayioyi^, die in Wahrheit von 
Aristoteles Schüler Henon herrührte (den sogen. JUivavtut) vermengt, 
S. Zeller S. 99. A. 3 und oben A. 845. 

849'') C. 19. A. 9a^ 



|.;,*^TOOylC 



9. Peripat«tiker. Psendo-aristoteliscfae SchrifEen. ]65 

kennen*"'), und aach Yon einigen aaderen, minder erheblichen**'), 
80 geboren wahrscheinlich bereits dieser Zeit der Dialog xsqI 
svyEVEiag^^^) und, wenn sie nicht doch bereits von Aristoteles 
selbst herrührte, die Schrift über die Pythagoreer**') so wie 
die ethische oder ökonomische xe^l x^g av^ßimasag ävdpog 
Kai yvvaix^s^ und neben anderen ins zoologische Gebiet ein- 



650) Wenn die Veizeichniue von La. Di. und Hesyob. auf HermippoB 
lortlckgebeii, lo lehren lie uns, dasa in der groisen alexandrinTschen 
Bibliothek anter dem Namen des Aristotele« reichlicki so viel Schäler- 
■rbeiten als ganz oder beiiehnngs weise ächte Schriften angeaammelt waren. 
Zu ihnen gebijrten allerlei praklisches Material fQr Schulzwecke, beeonden 
OiaitB zu DispntatioDen , namentlich aber anch allerlei rhetorische nnd 
logische LehrbScher und Abhandlungen. Diese Einsicht wird aber noch 
reichlich vermehrt durch die Angaben der Commentatoren , ans denen wir 
ersehen, dass erst im Verlaufe der Zeit ans der grossen Zahl der (40 Bflcher) 
.UvalvTixä oiid Kategorien die jetzigen als die ^ht aristoteliaohen aaage- 
schieden waiden. Von solchen nicht mit der jetzigen stimmenden Jraiir- 
yfiai haben wir noch Anführungen. Es wird hier mr Vermeidung ud- 
nütier Wiederbolungen genflgen auf die ersdiGpfendea Zusammenstellungen 
von Zeller B. 67 ff. nud die Fragments amm In ngen zu verweisen. 

SB]) Wie die logischen 'Ticojtv^iuita und Jiaiqivtti. Aach hier be- 
gnüge ich mich mit denselben Verweisungen. 

8ö8) Die Aechtheit bezweifelte bereits Plut. Arist. S7. Dieser Dialog 
enthielt das Märchen von der Doppelehe des Sokratea. Vgl. A. 717. 773. 
C. 28. A. 68. Ich verweise hier lediglich auf Zeller S. G2. A. 2. Auf die 
UntergQchnng über xipl ft^öjjs (vgl. Zeller 8. 104. Anm.) oder (?) Zvjl- 
nodio* gehe ich hier absichtlioh nicht ein. 

S53) La. Di. No. 101 (vgl. 97. r^ö« tov; nv&afogtiovt ä). Hes. 88. 
«tpt lä« nv^ayoQtiaiv ö, wogegen Alex, in Het p. 56, lOf. ip tä 8tv- 
xdQtp «tfl i^e nv&ttYOfiHäv Sö^rjt und Simplik. de coel. Seh. in Ariatot. 
402>>, 40 f. iv T^ divtifoi T^e owayaiyTii xä» Uv^ayoiii^är citirt. Weiteres 
b. Zeller S. 66. A. 6 nnd in den Fragmentsammlungen. Ob sich die 
Aechtheit doch vielleicht noch retten läset, iBt mindestens sehr zweifel- 
haft, s. Zeller S. 66. A. 8, andrerseits ausser Rose De Ar. lib. S. 79—83, 
Ar. ps. S. 198 ff. auch Rohde Rhein. Mas. XXVII. 1872. S. 39 F. 83 F. 

854) Hesjch. Append. 165. Dies Seitenstflck zn dem lateinisch er- 
haltuen A- 8S1 besprochenen Scbriftchen ist wahrscheinlich, wie Heitz 
Ar. fragm. 8. 168 vermnthete und jetzt auch Rose in der Leipz. Fragma. 
8. 138 zagiebt, einerlei mit dem von Hieron. adv. lovin. I, 49 (T. U*, 
p. 31B Vall.) enrUinteu de matrimonio. Noch immer aber hat Kose bei 
der Sammlung der Fragmente den Versuch von Lübeck Hieronymus, 
Leipzig 1879. 8. B. 87 ff. nicht beachtet bei Hieronyinua Dasjenige aus- 
Tusondern, wa< derselbe ans eben dieser Schrift entnommen hat, vgl. 
Snsemihl Aristot Pol , Leipz. 1BT3. 8. LV. A 161. — Sehr wenig wissen 
wir von dem Niftot «vamtmig (La. Di. No. 189. *oVoi 



iv.t^iOO^IC 



166 Zweites Capitel. Philosophie bis 2. Hälfte des 8. Jahrb. 

schlageDden BUchern^^) namentlich die in der Folgezeit viel ge- 
brauchten und mit vielen AbenteaerlichkeiteD versetzten uu- 
ächten Thiergeschichten Zmixä oder ne(fl t<oixäv an, das 
Musterbild aller späteren und vielfach nicht eben besonders er- 
quicklichen Schriftstellerei dieser Ärt^^°). Aehnlich gab es neben 
der verlornen ächten Schrift nsgl ipvtäv auch 0vrixä, deren 



HeBjch. 130. vöfunv nvatattnäv; 1. aveatttuol n. avaaiimäT. Ätfa. I. 3 f. 
V. 186 b. ffvfinoiDKil »öfti». Prokl. in Plat. remp. p. 860 — Fr. 177 •» 
ISl B. iv te> Svaaiti%m, vgl. Hes. App. 161. ni^l avaaitiav ^ av/iKoaüor), 
doch wohl einer Art tod Trinkcoinmeot (Rose Ar. ps. S, 17Ö, anden frei- 
lich Ueitz Ar. fr. S. 807) und der Schrift irtgl ita9ä* oder «q xtifiy Böse) 
ntj^ovc otyns (La. Di. ST. Hes. 80. Rose Ar. ps. S. 107 ff. Fr. 94—67 B., 
der diese Brochetncke aber jetst vielmehr ant«r den IIoltTixif tmd die 
Briefe vertheilt. Fr. 161 f. H.), ao daaa vii nicht einmal über die Aecbt- 
heit oder DnUchtbeit entscheiden können. 

866) Rose Ar. ps. S. 876 tF. Heitz Verl. Schrr. S. 321— 22». Ar. fr. 
S. 171 ff. 186 ff. Indessen erscbeineo in den VeneichDissen ausser den 
iLchten 'Avaroiiai and einem späteren, von Apollon. Mlrab. 39 citirten Aus- 
zug ans demselben ('£tUoyi] ävaraftäv La. DL 104. Hes. 94, vgl. aach 
Zell er S. 98. A. 1), nur zwei, ixif täv aw^ixiov lipmr und vsi« 
Tmv furtfoloyoiifiEvcDv tmtov (La. Di. 106 f. Hes. 92. 96), beide in je 1 B. 
Mit grosser VTahrBcbeinlichkeit führt Heits V. Schrr. S. 226 das Brucb- 
Btflck (320 — 329 — 343 R) bei Pseudo-Erat. Cat. 41. Iv loft irfjl »ij- 
^üav auf letztere Schrift zniilck, doch kann es auch ans den Zmixä 
sein, wie Rose znletzt angenommen hat. Aber Plin. N. H. VlII. §. 41 
spricht von quinquagitUa ferme volvmifujt de animalibu», nnd wenn Antig. 
Hiiab. 60, allerdings im Begriff bis §. 116 bin die Thiergescbicht« (ohne 
da« 10. B.) und nur diese ausiuiiehen, von angeßbr 70 ^ipUa spricht 
(a. freilieb C. 17. A. 67), so laeeen sich aus der Thiergeschicbte, den Z^sins 
nnd den beiden eben genannten Büchern diese Zahlen weitaas nicht cn- 
sammenrecbnen; gegen die Annahme von Rose aber, es seien bei so 
grossen Zahlen die soologischen Schriften des Theophrastos fUsohlicb als 
ariatoteÜEch mitgerechnet, erklärt eich mit Recht Heitz a. a. 0. S. SSS. 
Wie weit nun aber die bieber gehörigen AnfOhningen ans Aristoteles, 
welche sich nicht nnsweifelbaft auf die Zmixä belieben, dennoch aus dieser 
Schrift oder ans einer anderen uidcbten sind, ist auch gaui abgesehen von 
jenem einen Beispiel eine vOllig unsichere Sache, s, C. 17. A. 64. 

866) Die beiden Titel giebt ApoUon, Hist. mirah. 87 ('AniemilTfi h 
xoCs iau*oif Svo fäf tiaiv avt^ itfuyiufttiai, ij fiJv «((t i^av, ij ii xcfl 
Tmv CiotKräv, vgl. 28, ^v tots Emixoii;) an, nnd Athenaeos, welcher bei 
Weitem die reichlichste Ausbeute gewährt (sumal im 7. B.), wechselt 
zwischen beiden; an 6 Stellen (III. 86 a. VII. 881b. 2S6b. SOOe. 306 d) 
mnss mit Heitz a. a. 0. S. 224 nnd Rose xt^l Imtuiv statt »sgl £<«o* 
geschrieben werden. Einige Male wird der Specialtitel des Abschnitts über 
die Fiäche hinzugefügt: Iv rrä ai^l iaunmv (Cod. i^y) q xtfl li^vitP 



iv.t^iOOylC 



9. Feripatetiker. Fsendo- aristotelische Schriften. 167 

Entstehnngszfiit aber völlig tiugewiss ist"^'). Ein Gleiches gilt 
TOD dea zweifellos unäcbten reioffytxä^^), 

lieber die Rhetorik an Alexandros s. C. 35, über die Schrift 
xtfil xoefiov C. 32. 



Drittes Capitel. 
lieber die Poesie der Alexftudrineneit *). 

Einen verwandten Cbarakt«r wie die Philosophie, ao weit ee 
die Verschiedenheit beider Gattungen zulässi, trägt natürlich 
auch die Poesie der Alezandriaerzeit an sich. Gingen doch aus 
dem Kreise der ersteren allerlei Spielarten der letzteren hervor, 
die kynischen Tragödien, die satirisch- parodischen Dichtungen 
des Eratea, Monimos, Metrokies, die buntfarbigen Darstellungen 
des Bion, die %llen und sonstigen poetischen Versuche des Timon, 
die menippeische Satire, der Hymnos des Kleanthes*). Aach die 
Poesie dieses Zeitraums Ist durch und durch individualistisch, 
und selbst diejenige Dichtart, welche einzig und allein noch 
lediglich die schon in der attischen Periode eingeschlagne Richtung 

VIT. 306 f. oder ij Ix^var 818 b (Cod. xcrl). 319 d. iri^l li&vmv <^> imnäv 
320 e, einmal bloaa dieser angegeben ^v rä ati/i ti^vaiv SOS d. Das 6. B. 
der Thiergescb. dag^en fOhrt Ath. acltaamer weise als das 6. der Theile der 
Thiere an, aber ein paar Mal ist vielleicbt aas Versehen dieser Titel iv 
T^ »iyntxie tibv tmiov ftop^mv statt dar Zmtxa gesetzt: 291d. 312a. SlÖo. 
321e, iv niitnzco £m(ov tetOfiat 329a, doch a. Heitz a. a. 0. S. 326. 
Uebei da« Verhältaiss des Ariatophanes von Bjzantion in dessen Thier- 
geschichte m dieser SchriR s. C. 16. A. 60. 

851) Poll. X, 170 (Fr. 262 = 26S R.). 'jfguiToxUovs 5 Bioipfänov. 
Von andeien AnftUunugen aas xt^l <pvtm» ist es TSlIig nngevbi, ob sie 
noch aus der &ohtea oder einer nntergescboboeD Schrift sind, a. Zellei 
S. 98. A. 1, 

8A8] S. Zeller S. 100. A. 1. Sie mit den ^nxu fOr einerlei zu er- 
klären, vie Böse änt, ist kein gentigender Anlaas. 

1) Bohde Der gtiech. Roman nnd seine Vorläafer, Leipc ISTS. 8. 
S. 1 — 166, von dessen Darstellong die meine im Wesentlicben nichts 
Anderes als ein Ansiog iet nnd sein will. Coaat La poesie aleiandrine 
soos les trois premiers Ptolemöes (32i— 32S a. Ch.), Paria ISSS. 8. Deber 
die gau Utnlichan Zflge in der gleichzeitigen Malerei, welche sie zu nicht 
geringem Tfaeile dem Einflass dieser Dichtung auf sie verdankt, s. Heibig 
Untersnchnngen Aber die campanische 'Wandmalerei, Leipz. 1873. 8. 

8) S. C. 2. A. 69ff. 86 ff. 88. 92. 110 ff. 189 ff. 146. 230. 



„i.,ooglc 



168 DritteB Capitel. 

fortsetzte und dem Kreise der gelelirtea Poeteii fem lag'), eben- 
desshalb eine der lebensvollsten von allen, die neuere Komödie, 
zieht sieb, worin ihr schon die mittlere mehr und mehr voran- 
gegangen war, ausschliesslich in die engsten Verhältnisse des 
Privatlebens mit Verblassung der specilisch nationalen Färbung 
zurück. Die wahrhafte nationale Selbständigkeit und mit ihr die 
eigentliche Vollkraft poetischen Schaffens war dabin, für die Er- 
zeugnisse auf dem Gebiete der Dichtung blieb nur noch ein be- 
scheidener Spielraum. Eh war, wie schon früher bemerkt*), eine 
sehr ernste Frage, ob die Poesie Überhaupt noch eine Zukunft 
habe, und so gerieth man bei dem Suchen nach neuen Bahnen 
zuerst vielfach auf seltsame Künsteleien, wie die Figurengedichte, 
die Alexandra des Lykophron, die 'A^aC der Moero, den Apollon 
des Alexandros und des Hermesianax Leontion, die zum Theil 
zweifellos, zum Theil mit Wahrscheinlichkeit den ältesten Zeiten 
dieser Periode angehören^); Verhältnis^ massig bald aber fand man 
richtigere Wege. Abgesehen von der Philosophie flüchtete sich fast 
alles geistige Leben unter den Schutz der Hofguust namentlich in 
die neuen Monarchien, in welchen das zusammenhaltende Band 
althellenischen Glaubens und althellenischer Sitte vor einem Alles 
nivellirenden Kosmopolitismua schwand, und in welchen der Ein- 
zelne für seine Privatinteressen und seine Bildung weit mehr seine 
eignen Wege gehen konnte ^s in den alten Stadtrepubliken. 
Selbst die immer mehr sieb entwickelnde Scheidung der Gelehrten 
vom Volke begünstigte den Individualismus. Das eigentlich sittlich- 
religiöse Bedörfniss, wie schon gesagt"), befriedigte sich in der 
Philosophie, und der alte acht nationale Mythos verblasste nicht 
minder als die alte acht nationale Heroensage. „Wie sich die 
Mythen im Rahmen einer leblosen officiellen Hofpoesie ausnehmen, 
lehren uns die" frostigen „Hymnen des Kaltimachos " '). Aber nicht 
besser geriethen die Versuche im Heroenepos höheren Stils, ein 



S) Denn Uttchon, der Lehrer dee Aristophanes von Bjsanz, bildet nur 
eine acheinbare Aaatiabme, s. C. 8. A. IIS^. 

4) C. 1. S. 9 f. 

5) WilamowilE De LjcopbroiiiB Alexandra, Qreifiwald 1S83. i. 8. 13 
schreibt von dem Altar dea DoaiadM nod der Syiinz dea Tbeokritos: au 
omnino aetati reäiua haec tribuM quam ei gvae Simmiae teehnopaegnia, 
Lijcofihronis Ahxandram, Moerua Diras, Mexandri ApoUinem tulit? 

B) C. 2. S. 10. 
7) Itohde S. 19. 



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Ueber die Poeeie der Aleiandrineneit. 169 

Gleiches dUrfen wir wohl von der Trag&die vermuthen, und die 
epische Behandlung historischer StammsageD fand eine einiger- 
massen gelnugeue Vertretung nur durch Rhianoa. Am Nächsten 
lag diesen gelehrten Dichtem das Lehrgedicht, aber gerade hier 
mangelte der feurige poetische Schwung eines Empedokles, der 
am Meisten gerade einer derartige Dichtung nöthig ist, wenn sie 
lebendig und ergreifend wirken soll. Die meistea alexandrini- 
aehen Dichter beschränkten sich mit richtigem GeltlhP) auf 
Dichtungen von geringem Umfang, und hier gelang es ihnen 
wirklich noch manches Neue und acht Poetische zu schaffen, 
namentlich in der Schilderung individuellen Seelenlebens, in der 
anmuthigen Darstellung zarter, sentimentaler und leidenschaft- 
licher Empfindungen. Abgesehen Ton der in einem neuen Stile 
reichhaltig betriebenen Epigrammendichtung, abgesehen von poeti- 
schen Episteln, Hocbzeits-, Trauer- und Lobgedichten, femer der 
neuen poetischen Spielart, welche in der Kinädendichtung auf- 
trat, und den erneuten Versuchen in Choliamben und Mimiamben 
entwickelte sich jetzt die bukolische Idjrllenpoesie, die reizende 
Schöpfiing des Theokritos, der freilich ausser dem Dichter des 
achten uns nuter seinem Namen überkommenen IdjUs and viel- 
leicht auch dem des neunten') einen eigentlicbeu Nachfolger 
Oberhaupt nicht hatte. Immerhin sind übrigens diese herrlichen 
kleinen Genrebilder doch das Erzeuguiss einer künstlichen, senti- 
mentalen Dichtung, welcher freilich die nie in ihr wieder erreichte 
hohe Kunst dea Theokritos den Schein der Natur zu geben ge- 
wusst hat, und auch dieser erste Ursprung der Hirtenpoesie 
liegt bereits in einem empfindsamen Heraussehnen aus der Ge- 
lehrsamkeit und Ueberfeinerung zu einfacheren Lebensformen, zu 
der Behaglichkeit ländlichen Stilllebena "*). Ganz besonders aber 



8) Theokr. Id. VII, «ff. KftUim. Fr. 369. 387. 481, Vgl. C. 6. A. 34. 
C. 13. A. 26. 

») S. C. &. A. U. 66. 

10) Von ftller apUeren bakoliacheu Dichtung wtuete man dies längit; 
dosa e« aber auch tod der des Theokiitos gilt, hat uns loerst M. Haupt 
Berichte der aäcbs. Oea. d. W. 1B16. S. S9. Opuac. I. S S63f (■ C 4 
A. 63) 'gelehrt: „Die bakoliaohe Poesie der Griechen entatood als eue 
SunatgatUing in einem Zeitalter, welches sonst nnr (?) überkommene Vor 
bildet oachsiu^men wnsate. Mitten in der gelehrten und kfiostUchen 
olexandriniBcben Bildung ging sie hervor aaa Sitten und Liedern (?) aicili 
scbtt Hirten, nod vo sie das Hirtenleben rerlieaa, achöpfte sie doch aua 



I *^tIK1^[l 



170 Drittes Capitel. 

musste dem Geiste dieser Zeit eine Dichtangsart zusagen, welche 
auch zuTor schon nie einen besoaders hohen und grossartigen 
Schwung genommen, tüiderersetts aber der Daretellnug des mannig- 
faltigsten Inhalts, der Empfindnog und Betrachtung jeder Art 
und hie und da selbst der Erzählung Raum geboten hatte, näm- 
lich die Elegie. So nimmt sie in der älteren Alexandrinerzeit 
eine faervorr^ende Stellung ein. Dann freilich entschwinden uns 
ihre Spuren, und erst am Ausgange dieser Periode begegnen wir 
noch einem einzigen fruchtbaren Elegiendichter wieder, dem Par- 
tbenios. Je weniger man sich umfassenderen poetischen Auf- 
gaben gewachsen fühlte, desto mehr legte man in dieser Form 
und in Werken massigen Umfangs den Ausdruck aller möglichen 
Empfindungen und Interessen nieder, welche das GemQth und 
den Verstand dieser Zeit bewegten. Und so wandelte denn die 
Elegie bei diesen gelehrten Dichtern znm Tbeil noch in alten 
Bahnen fort, zum Theil schlug sie neue ein. Ein Haupttfaema 
in ihr war die Liebe, zum Theil in rein lyrischer Weise nach 
dem Vorbilde des Mimnermos, ohne Zweifel ohne die Glut eines 
Alkaeos and einer Sappho, aber lieblich, zart und anmuthig» 
wie die rdmischen Nachahmungen eines Propertius, Ovidius nnd 
Tibnllus beweisen. Aber auch die poetische Erzählung nament- 
lich auch Ton Liebesgeschichten fand in dieser Dichtungsfonn 
einen breiten Spielraum nnd nahm eine Gestalt an, dass man 
in einem Theil dieser Elegien die richtigen Vorläufetinnen des 
nachherigen Liebesromans und der nachberigen Liebesnovelle er- 
blicken darf. Noch gab es eine Art von Volkss^en, welche 
für die erzählende Dichtung einen jungfräulichen Boden darbot, 
indem zwar schon vor Jahrhunderten Stesichoros in dreien seiner 
grossen lyro-episcben Chorgesänge, Ealjke, Rhadina, Dapfanis, 
aus ihrem Borne geschöpft hatte, aber bisher unseres Wissens 
kein zweiter erzählender Dichter demselben nahe getreten war. 



dem Volksleben. Beding war sie dnrch da« Wohlgefallen an einfacher 
and zumai ländlicben Leben Bf ormen , äae gerade in Zeiten der üeber- 
feinernug sich regt, dnich den Gegensatz künstlicher ZnstKnde nnd objectiv 
betrachteter NatQrlichkeit; ihre Naivetilt ist nicht nnbewnsst, nicht 
die volkBrnässige selbst, sie ist absichtlich and berechnet, wie 
sehr uns auch Theokrits vollendete Eunat darOber t&nschen 
mag. Seine Poesie steht aber nicht einsam . . . der Hang des Zeitaltern 
zeigt lieh darin, dass auch das Epos idyllische Schildernngen in sich anf- 
nabm. CalUmachus Hekale war sn gutem Theil idyllischer Art n. s. w.". 



ivXtOO^IC 



üeber die Poesie der Aleiandrineizeit. 171 

Ea waren dies die veremzelten, mit dem Ganzen der Heldensage 
auaser Yerbindung gebliebenen Ortelegenden, wie m&n sie neuer- 
diogs zur Unterscheidung von den sonstigen Sagen- und Märcben- 
acböpfongen der Volksphantasie genannt bat, in denen anmnthige, 
rührende und sinnreiche LiebeBgeschicbten eine Hauptrolle spielten. 
Sie ans ihrer bisherigen Entlegenheit and Verborgenheit ans 
Licht zu ziehen war ein natflrlicher Gegenstand gelehrten Interesses, 
sie poetisch zn behandeln, dazu musste fUr Dichter, welche von 
der breit getretenen Heerstrasse der Mythen und Heroensagen 
zugleich mit gelehrtem Stolz und richtigem dichterischen Tact- 
gefDhl fQr das ihrer Zeit und Befahigang Zusagende sich ab- 
wandten"), ein ganz besonderer Antrieb rorhanden sein, und es 
war dies der einzige neue acht populäre Stoff, welcher ihnen 
übrig blieb, ein Stoff überdies, zu dessen dichterischer Ausge- 
staltang and Neubelebung es keiner besonderen Yoraussetznngen, 
soudeni nur im AUgemeineu eines rein menschlichen Eunstver- 
mögens bedurfte. So wirkten hier das Trachten seine Gelehr- 
samkeit am Hervorziehen dos möghcbst Unbekannten zu zeigen 
mit dem acht künstlerischen Interesse und mit dem Streben das 
Publicum durch den Reiz der Neuheit zu unterhalten in ganz 
merkwürdiger Weise zusammen. Dass sich unter den Schöpfungen 
dieser neuen Dichtung neben ächten Perlen auch mancherlei 
nQchteme und geschmacklose Yersmacherei befand, können wir 
noch deutlich erkennen; aber die ersteren faerauszusondero, dazu 
reicht nur selten, sie genauer in ihrer Eigenthümlichkeit und in 
ihrem Verhältniss zu den Idyllen des Theokritos zu bestimmen, 
dazu reicht überhaupt unsere Kenntniss nicht aus, und nur so 
viel ist gewiss, dass wir die Höbe, um welche dieser seine Mit- 
bewerber Oberragt, nicht zu gering, aber auch nicht allzu gross 
anschlagen dürfen. Die Einflechtung von Liebeserzählungen findet 
sich nun ferner in der Prosa schon bei Historikern älterer Zeit") 
und solchen, die in die alexandrinische Periode hinOberragen oder 

U) Eallim. Fr. 29S. ixigtap 8' tivia fi^ *a»opä. Epigr. XXVIII, 
a. C. 13. A. 14. S6, vgl Artemid. IT, 63 {». C. 4. A. 14). Autip. t. Thegeal. 
Anth. Pal. VII, 409, 5. 

13) Das uachweieliob fräbste Beispiel ist die Liebeageschichte des He- 
den StijoitgKeo« und der.SalterkOnigin Zanii«ea bei Kteaiaa Vi. 26~S8, 
t. Bohde 3. SE>. Eine masBiÜBche Liebeelegende stand bei Aristotelea in 
der Politie der UaBsUier Fr. &49 (froher 603, dann 608) Rose b. Ath. Xllf. 
Ö7ea.b, B. Robdfl S,44f. 



byGoogIc 



172 Dritte» Capitel. 

ihren Anfangen angehören"). Aber trotz dieser Vorstafen und 
SeitenatÜcke "} bleibt doch der erzählenden Poesie der Alexandriner 
eine fast unvei^leichlieb nachhaltige Eininrkung auf alle Folge- 
zeit, In ihr zuerst nämlich nimmt der erotiBche Stoff einen so 
bedeutenden Raum ein, dasa von ihr ab jene GeschmacliBrichtung 
beginnt, welche bei allen Völkern die herrschende geblieben ist, 
fQr jede poetische DaratellnDg die Liebe mindestens als ein 
wesentlich mitwirkendes Motiv za fordern; und namentlich die 
Weiberliebe erschien abgesehen von jenem vereinzelten Vorgangs 
des Stesicboros hier zu^st innerhalb der griechischen Dichtung 
in jener zarten und romantischen Gestalt, welche sich sodann 
auf die Poesie der neueren abendländischen Völker vererbt hat. 
Erzähloagen, freilich nicht von erotischer Art, in die Elegie ein- 
zuweben, darin war wiederum schon Mimnermos vorangegangen'*). 
Den unmittelbarsten Anstoss aber gab den Alexandrinern nach 
dieser Richtung jene lange Elegie Lyde des Antimachos, in wel- 
cher dieser sich über den Tod seiner gleichnamigen Geliebten 
dorch eine Reihe schlecht verbundener Beispiele unglQcklicher 
Liebe aus der Heroenwelt tröstete. Er ward auf diese' Weise 
der Begründer einer derartigen lyrischen Erzählung in elegischer 
Form, und sein Vorbild ward massgebend theilweise schon fflr 
Philetas, noch mehr für Hermesianax und Andere, während 
Eallimachos sich von diesem Ungeschmock emancipirte "). Darin 
aber blieben die alexandrinischen Dichter noch der al^riechi- 
schen, von wenig Ausnahmen durchbrochnen Regel getreu, dass 
sie ihre erzählenden Stoffe nicht selbst erfanden"), wenn sie 
auch bald freier und bald weniger frei mit der Ueberlieferung 
umgingen ^^). Sie schöpften dieselben zum Theil gewiss unmittelb&r 

13) Wie Chares von Mjtilene (Fr. 17 b. Ath. &75aff.), Timaeos, Klei- 
tarchoB, Pbjlaiohos, s. Rohde S. 39 ff. 

14) In Betag aaf die Untersochungen des Aristoteles and seiner Schüler 
und anderer Philosophen, inabeiondere dos Bach des Klearchoa Aber die 
Liebe a. Rohde S. 6&fi. 

16) Fr. 9—11. 19-32. 

16) Fr. Tl**. Av8i] Mal xaxi v9<if>fM' *'i oü to^öf. Ueber den Anlaan 
zu dieser Aeosserung s. C. 36. A. 34. 

IT) Kallim. Fr. 443. äfui^twtw ovdhr «c«a>. Vgl. Lav. PalL 6S. Fr. 4»0 
(C. 14. A. S8). HinsiohUich des ApoUonio« s. Q. 14. A. 64. 

18) Sehr frei z. B. Eratosthenes in der Brigone, b. C. 16. A. 68. In 
Bezog auf Hermesianax nad besonder« EuphorioD i. Rohde S. 98. A. 1. 2, 
auch unten C. 4 und C. 14, A. 9S''. 



Iv.t^TOO^lC 



üeber die Poesie der Älexandrinerieit. 173 

aus dem Volksmunile, indem sie auf ihren wissenschaftlichea 
UnterBucbungsreisen vermathlich aneh derartige Sagenforscbtingeu 
anstellten, zam Theil aber aucli aus der spätem Tragödie und 
nach dem schon Bemerkten auch ans den Schriften historischer 
und antiquarischer Forscher von den ältesten Zeiten her bis in 
die Gegenwart'*). Nach Analogie der Liebesgeschichten aus der 
Ortslegende zog man auch die Heroen und Götter reichlich mit 
in diesen Ereis hinein, zumal wo sich in der ursprOnglichen 
Sage von denselben schon die Andeutung eines LiebesTerhältnisses 
fand, aber doch nur als Motiv zu gewaltigen Thaten and Eata» 
Strophen. Die hellenistische erzählende Dichtung verweilte da- 
gegen mit Vorliebe bei der Leidenschaft als solcher, thetls wie 
in der enripideischen und späteren Tragödie nach der dUstem und 
tragischen Seite hin, theils in zarter Bomantik und idyllischer 
Empfindsamkeit. Sie bildete in dieser Weise die schon in der 
Sage angelegten Keime weiter ans und dichtete immer neue 
Liebesabenteuer hinzu und gab so den alten Göttern und Heroen, 
wie Odyssens und Achilleus, ein ihnen ursprQugUch ganz fremdes 
Colorit „galanter Ritter", jedoch , wie es scheint, mit Fernhaltung 
aller LOstemheit. Sehr beliebt war namentlich auch die Be- 
handlung von Nymphensagen, wie der von Paris und Oenone 
und der von Daphnis, und das hierin so wie in anderen ZSgen 
sich äussernde NaturgefQhl , der lebendige Siun fQr Waldesduft 
und Waldesfrische war somit nicht etwa bloss auf den Theokritos 
beschränkt Das volksthümliche Glement in dieser gelehrten 
Poesie erklärt ihren grossen Einfluss auf die Ualerei der gleichen 
und der nachfolgenden Zeiten und auf die Elegie und Metamor- 
phosendichtung der Römer und dann später auf die letzte Nach- 
blQte des griechischen Epos seit Quintus von Smyma und 
schliesslich ohne Zweifel aach auf den spät^riechischen Liebes- 
roman *"). 



19) Ich muM mich hiei begnQgen auf die DntnrBDchn offen von Bohde 
S. 87-66. 100 ff. 113 ff. in verweisen. 

30} S. fiber dies Alle« Rohde S. 100—113. tl6— 1S9 nnd in tiezag auf 
den letcten Funkt S. 189 ff. AnsRerdem vgl. A. I. 



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174 Viertes Capitel. Elegie n. venu. Dichtnngeo, bes. die Figuren^ ichte. 



Viertes CapiteL 

Elegiie*) nnd vermischte Dichtnagen, besonders 
die Fignrengediclite. 

Philetae^), Sohn des Telephos*), toh Kos*), war, eo viel 
wir wissen, das älteste Haupt eiuer Schale tod Grammatikern 
und Dichtern, Lehrer des Zenodotos*) und Hermesianax ") und 
der eigentliche Begründer jeuer eigenthümlichen lyro - epischeu 
Poesie der Alezandriuerzeit. Er lebte unter Philippos, Alesandros 
und Ptolemaeos I, dessen Sohn Philadelphos er, wie schon ge- 
sagt*''), unterrichtete*), wahrscheinlich etwa seit 295*). Jeden- 
falls kehrte er einige Jahre später, etwa 292, toq Alexandreia 
nach Eos zurück^), nnd in diese Zeit') nun fällt das von 

*) Rauch Die Elegie der Alexandriner, Heidelb. 184&. 8. W. A.B. Berti- 
betg Die Elegie der Atezaadriaer, in Pruta Eiator. Taschenb. IV. IMG. 

1) Phitetae Coi fragmenta. Coli, et ootis illaatr. C. Phil. Eayaer, 
GOitingen 1793. 8. Philetae Coi, Herrn eBianactia Colophonii afque Phanoclia 
reliqttiae. DiBpoa. emend. illDstr. Nie. Bachini, Halle 18S9. 8. — Pceller 
Art. Philetas in d. Enc;kl. t. Erach n. Gruber. Robde S. TS f. Conat 
8. 66—80. — „Zu den von Baob geaammelteo Bmchstdcken hat 0. Schnei- 
der Nicand. 8. 17. A. 2 zwei nene hinzngefOgt, ein drittel bei Bergk 
Aothol. lyr.' S. 133 (So. 11) ateht bei Bach S. 8! an verkehrter Stelle. Ob 
Bilthej De Callim. Cjd. S. 38 Recht hat, muBs dahingestellt bleiben". 
(Knaack). 

2) Said. «Uiiräc. Schol. Theoer. VII, 40. Prokl. Chreei p. 812 Weetph. 
u. B. A. 19. 

3) HermeBian. T. TB f, Strab. XIV. 6GT. Ath, IX. 401 e. XII. 66S b, Ael. 
V. H. IX, 14. Prokl. a. a. 0. Said., nach Einigen freilich aoe Rhodos, Schol. 
Theoer. a. a. 0. 

1) 3. C. 12. A. 10. 6) S. A. 63. 6>') C. 1. 8. 6. 

6) Soid. wv inl tt ^iXimiov «öl 'JUiävSfov . . . irivtto di sttl ii- 
iäoiialot Tov dtvilfov IltolifKilov, 

7) AIb Philadelphos, geboren 309 (b. Theokr. XVII, &8 f. Eallim. H. IV, 
16Bf. Drojaen Hellenism. II*, 2. 8. 82. S. 94. A. 1), 16 Jahre alt war. 

8) Die Vereuche von Hempel QnaeBtiones Tbeocriteae (Kiel 1881). 
S. 14 nnd Bnsch De bibliothecarüs Alexandrinis (Schwerin 1SB4). 6. 4 f. 
die entgegengesetzte Ancahme an begründen, Philadelphos sei Tielmehr 
nach Eos zn Ph. in die Schule geschickt worden, bedQrfen kanm einer 
Widerlegnog. Dass anch Straten, der philosophische Lehrer des erateren, 
vielmehr nach Alexandreia bemfen wurde, darüber s. C. 8. A. 724. Vgl. 
Sasenibl Anal. Alex, chconol. II. (Greirswald 1888). 8. VIII. A. ST. 

9) Denn Araloa kann m keiner anderen Zeit in Eos gewesen sein, siehe 
C. 10. A. 6. 8. 



ivXtOO^IC 



PhiletM von Eoi. 175 

Theokritos in seinem siebenten Idyll geschilderte dort^e Za- 
aammenleben eines Kreises poeHsch begabter junger l^nner, die 
sich zn einer poetischen HirtenTerbrüdemog, in welcher jedes 
Mil^lied seinen erdichteten Namen führte, zusammengeschlossen 
hatten '") , nnd zn welcher anch Theokritos und Aratos *" **) 



10) Dies üt freilich jfiDgst wieder beetritten oder weniggteaB venichert 
worden, jenes Gedicht sei aoch ohne diene AnDahme völlig TertlAiidUch. 
und twar hat eich Gercbe Aleiandriu. Stud., Bhein. Mne. XLII. ISBT. 
S. 602 f. (vgl. B. fl22. A. S) mit dieBei Ternchemng begnügt, Hiller Jahree- 
ber. LIV. S. 186 aber dieselbe folgendermaesen begründet. Nachdem Theokrita 
bokoliache Gedichte allgemein bekannt und beliebt waren, habe fOr iliu, 
wie es Hiller Bcheint, die scherzhafte Fiction sich nnd seine Jugendfrenode 
zn singenden Hirten zd machen wahrlich nicht allzn fern gelegen, auch 
wenn eie in Wirklichkeit an ein solches bakolieches Treiben niemals ge- 
dacht hatten. Allein mir meinerseits scheint dies nicht bloss recht fem 
in liegen, sondeni geradeza onmOglich tn aein. Denn mOglich wäre es 
doch wohl nnr dann, wenn diese Jngendfrennde sieh gleichfalls nnd in 
ähnlicher Weite wie Theokritos selbst in Hirtengedichten ergangen nnd 
diese zum Mittelpunkt ihres ganzen poetischen Schaffens gemacht hKtten; 
dae aber war nach Allein, waa wir von ihnen wissen, nnd was Thookritos 
eelbst in jenem Idjll sie dichten läast (allerdings inm Theil, wenn anch 
nicht theokriteiache Hirtenidylle, so doch knrM epische Darstellungen von 
G^enst&nden aus der Hirtensage, i. A. 74. 90, indeseen eben nur sehr snm 
Theil), nicht der Fall. Und selbst so wBre es meines Eraohtens immer 
noch nndenkbar, wogegen anch die schon früher im 8. Idjll (e. A. 74. C. 6. 
A. 6. 8) gemachte Verwendung des Ti^ros spricht, dass Theokritos jetzt 
diesen seinen Jngendgef&hrlen erst nachträglich ans eigner Br- 
findnng erdicht«!« Namen beigelegt haben loUte, wie es insonderheit 
Ljkidas nnd Tityroa doch ohne Zweifel sind, obgleich Hiller a. a. 0. 
S. 189 nicht einmal so viel gans sicher in sein scheint. Dasa das 7. Idjll 
in seinen besonderen Zügen vielfach nnhistoriach nnd freie Erdichtung ist, 
dass Theokritos nicht mit dem hier unter dem Namen des Ljkidaa auf- 
tretenden Maime bei dieser Gelegenheit einen poetischen Wettkampf anf- 
gefahrt and nicht diese ünterhaltong gepflogm hat, liegt aaf der Hand; 
vielleicht ist er demaetben gar nicht einmal wirklich auf dem Gange an 
diesem Erntefest begegnet. Aber das Gedicht verliert allen Sinn nnd Zu- 
sammenhang als DantelluDg einer wirklichen Jngenderinnemng, eines glück- 
lieb verlebten Jagendtages, wie es doch eine solche oboe Zweifel nnd auch 
nach Hillers Anfi'aaaong sein soll, wenn nicht wie dies Enitefeat nnd 
der Besuch desselben, so anch der allgemeine Hintergmnd dieser Dichtang 
der geschichtlichen Wirklichkeit angehörte (vgl. anch Rannov Woch. f. 
kL Ph. V. 1888. Sp. HS). Was aber bleibt denn nach dieser Biohtuig 
noch fibrig, wenn auch die „bokoliache Maskerade" noch abgezogen wer- 
den soll? Lebten vielleicht aogar (ond das ist die Hauptfrage, dagegen 
nur ein ^lerdings nicht nnwesentlicher Nebenpuokt, ob eine Tändelei wie 
die Hirtenvffirbrüderong Statt gefunden hat oder nicht) alle dieee JQnglingo 



iv.t^iOO^IC 



176 Viertes Capitel. Elegie u. verm. Dicbtangett, bes. die Figurengediclite. 

gehörten. Kaum kann diese jungen Männer ein anderer Zweck 
hieber zusammengeführt haben als der, hier ihre grammatischen 
und poetischen Studien zu machen, und schwerlich bei einem 
Anderen als Philetas, so dass dieser allem wahrecheinlichen Ver- 
muthen nach ancb von ibnen allen Lehrer und wohl auch der 
eigentliche Mittelpunkt dieses Dichterbundes war"). Seinen 
schwächlichen Korper") rieb er durch übermässige Studien auf"), 
und so wird er ein besonders hohes Alter schwerlich erreicht 
haben, und mau wird wohl mindestens nicht sehr fehlgreifen, 
wenn man sein Leben etwa zwischen 340 und 283 oder 285 
setzt"). Seinen dichterischen Ruf begründete er besonders durch 



damals gar nicht in Eos zoaamtuen? Das b&lt indessen ja zweifelsohne 
auch Hiller nicht fOr mOglich, während freilich Oercke biaiichtlich de« 
Aratos aogaf eioen solchen weiteren Schritt tiini Wenn aber auch nur 
dies der Fall war, reicht es denn nicht schon daro aas, nm wenigstens so 
viel mit grOsster Wahrscheinlichkeit anzDuehmen, wie es denn auchGeicke 
immer noch za thnn scheint, dass sie snm Stadium bei Ph. dorthin ge- 
kommen waren? Und doch bleibt Hiller a. a. 0. 8. 186 anch jetzt nocb 
dabei, das SchalerrerhälbkisB des Theokritos zu ibm, für dai freilich die 
Alten keine andere Qnelle als wir hatten (a. C. 6. A. 3. 6], fQt eine bliebst 
zweifelhafte Sache zo erklären. Wer aber, wie Oercke, schon dies ala 
ein Uebermasa von Skepsis ansiebt, trotzdem wir hier ein ausdrückliches 
Zeiigniss des Theokritoa nicht haben, der aoUt« sich doch so weit an desaen 
anadrficklicbe Darstellung hallen, als nicht anabweialiche Qründe gegen 
deren Geschichtlichkeit sprechen. Vgl. Susemibl a. a. 0. S. IT f. 

lOi") S. darüber C. 10. A, 8, 

11) T. S9— AI werden Ph. nnd Äsklepiades als Dichter bezeichnet, mit 
denen Theokritoa seinerseits selbstversUndli^ zur Zeit der Handlung diuei 
Gedichte sich noch nicht vergleichen konnte. S. C. 6. A. 10 a. ygt C. 36. 
A. ao. Bl. 

18) Plut. an seni Ifi. 791 B. U^idnov zov eoifmiiv q ^iXtfläv töv amii' 
T^y . . . Uxvnii . . . *ii,l voamitis Kfd t« ttolla »lu/oxfttls '•' üfQoexüo' 

IS) Was denn Eomikem (vgl. Aelian. V. H. X, S) oder Bpigrammatist«D 
zu allerlei Witsen und Spöttereien Veranlaaenng gab, die spUer für Tbat- 
saohen gehalten wuden, wie dass er übet dem rergeblichen Soeben nacb 
der LOsnng eine« bekannten Tmgiohlaases (des ^ctt^öficvo; Xöyot) abge- 
magert nnd endlich gestorben sei (Ath. IX. 401 e. Snid.), oder data er, nm 
nicht wegen seiner Dünnheit Tom*Winde umgeworfen zn werden, bleierne 
Sohlen getragen habe (Atb. XII. 652 b. Ael. V. H. IX, 14). 

14) JedenfolU wohl (s. A. 66) vor 2B1 erwUhot Hennesianaz, der ihn 
dabei allem Anschein nach als einen schon Geatorheneo behandelt, eine 
ihm von seinen Mitbürgern errichtete eherne BUda&nle, die ihm doch wi^l 
ancb , wenn sie nicht wie so vieles Andere blosse Erdichtong des Hermetiwu 



i.t^iooylc 



FhUetiu von Soi. 177 

seine Elegien an seine Geliebte Bittis"), bei denen ihm die des 
Mimnermos an seine Nauno vorscliweben mochten; doch weist 
die Zusammenstellung der Bittig mit der Lyde des Antimachoa 
bei 0?idina") wohl auf eine noch grössere Aehnlicbkeit mit 
letzterer hin. Von Titeln seiner sonstigen elegischen Dichtungen 
kennen wir abgesehen Ton den Epigrammen noch Demeter 
and üulyvitt, ans denen auch einige BruchstOcke erbalten sind"). 
Dass in seinen Elegien auch Erzählungen vorkamen, davon sind 
nns sichere Spuren geblieben"), und dass er insonderheit erotische 
Erzählnngen liebte, steht nicht minder fest. So wurden in einem 
seiner Gedichte die Hochzeit des lason und der Medeia behandelt '^ 
in einem kleinen Epos Hermes, wie es scheint, die Abenteuer 
des Odysseus, und zwar wohl bereits ganz in dem neuen, romanti- 
schen Geschmacke, indem hier mindestens diesem Helden ein 
Liebeavethältniss mit Polymele, der Tochter des Aeolos, ange- 
dichtet war**). In welchem seiner poetischen Werke er die Ge- 



ist, erat nach seinem Tode gesetzt ward. Bitachl AI. Bibl. S. 61 f. (Opaec. 
I. S. 66) Btelli aeiae Geburt zwiacben 34B and 840, Conat S. 83 tF. 67 
zwiachen 340 und SS6 nnd seinen Tod nm SS5. 

16) Ovid. Triat. I, 6, t. Ep. ei P. 111, 1, SS. „Bmlf, nicht Banis iat 
auch bei Hermes. 77 za achreiben, a. Eaibel Epigr. Gr. 3.!S2". (Enaack). 

16) OTid. Trist, a. a. 0. 1 f. 

17) Bei Stob. Plor. CXXIV, 26. 28«. CIV, 11 nnd LXKXI, 4. CXXI7, 10 - 
Fr. 1— S. 9 f. Bacb. Aach die beiden Epigramme (Fr. 11 f.) stehen ebendaa. 
CXXIV, 11. L1X, b. „Die Demeter behandelte woM, wie schon W. E.Weber 
Die eleg. Dichter der HelleneD, Frankf. a. H. 1826. S. 661 annahm, die 
Irrfahrten dieser GCttio. Vielleicht gehCrt die Schol. Theoer. VU, 5 f. mit- 
getheilte Sage von den Nachkommen dea EUniga Enrjpyloa bieber, da sieb 
nnmittelbar ein Fragment (19) dea Pfa. angchlieast. Dasselbe würde dann 
in der Demeter gestanden haben, Uebrigens iat daa Thema in jener Zeit 
beliebt gewesen: ansaer Kallimachoa hat auch Aratoa iv tois xtttä Xttttöy 
dasselbe behandelt, wie das Fragment bei Strab. X. p. 486 (a. C. 10. A. 34) 
beweist. Vgl. Anthol. Pal. IX, 4Q3. 421". (Enaack). 

18) Fr. 17. 18. Ob Fr. 22. 23 dem Ph. aogehCren, ist mindestent sehr 
zweifelhaft, b. Meineke Analecta Aleiandrina, Berlin 1843. 8. 8. 120. 

19) Schol. Apoll, fib. IV, 1141 {— Fr. 13). Ob dasselbe wirklich Tele- 
phOB (nach seinem Vater?) betitelt war oder mit Bach S. 60 ö TjfUipov 
für i» Trildtpip zn achreiben ist, atebt d^in.- ich glaube Letzteres, s. indessen 
Rofade 3. 74. A. 3. 

SO) Parthen. 8 — Ft. 4. Anch die beiden Bmchstllcke Fr. 7 f. bei 
Stob. Flor. CIV, 12. EU. I. p. 166 H. 71 , 16 ff. W. acbeinen Worte des 
OdjBsens za aeiu. Vgl. Heineke a. a. 0. 6. 848—361. Ein nicht anf- 
kl&rbarer Titel iat das verderbte 'Egiitvei^ bei Strab. III. 168, wo dann ein 

Bn..«mt, gri«b. .lei Lllt.-Q««li. I. 12 , OOQIC 

L"'iJ !'■ II.;, 7 ^ 



178 Viertes Capitel. Elegie a. Term. Dichtnngeii, bes. die Fignreogediobte. 

schichte von Atalanta und Hippomenes mit Abweichung von der 
gewöhnlichen Sagenform") erzählt hatte, wissen wir nicht, und 
von dem dichterischen Charakter dieser Werke können wir nur 
so yiel sagen, dass sich in den Bruchstücken im Ganzen eine 
lebendige, fast sentimentale Empfindung ausspricht und der in 
ihnen herrachende Ton ziemlich einfach und anspruchslos ist; 
eine besondere Dichterkrafl freilich verrathen sie nicht Die 
Alexandriner gaben bald dem Kallimachos den Vorzug, während 
die Römer ihn ebenbürtig neben den letzteren oder wenigstens 
nächst demselben stellen und seines Ruhmes Toll sind**). Auch 
zu der nachmaligen Schriftatellerei über ^aviiadia oder naffädoia 
gab er bereits in seinen Dichtungen einen Anstoss"). Als ge- 
lehrter Grammatiker bethätigte er sich durch sein Prosawerk, 
ein Glossarium, welches öfter unter dem Titel "Atoxtu oder 
"Atttxzoi ylmcaai^), auch wohl schlechtweg rimaoai^^) angeführt 
wird ^"). 

Distichon (Fr. 6) toq ihm mitgetheilt wird, so dass der Hermes nicht ge- 
meint sein kann, b. Meineke a. a. 0. 

21) Fr. 15 b. Schol. Theoer. H, lao. Vgl. Ovid. Met. X, 574 ff. — 
Immerwahr De Atalanta, Berlin ISBfi. S. 7 f. ist einem aleiandriniaclien 
Gedicht von der Liebe des Meilanion zur Atalaota, der Quelle von Ovid. 
Are am. II, 187 ff. tinci (?) Aelian. V. H. XIII, 1 (vgl. Tibnll. IV, 3, 7 ff. 
MusaeoB H6ff. Honn. XVI, 21 ff. 82 ff. 91 ff. 113 f. 133 f.), auf die Spar ge- 
kommen, hielt aber mit Unrecht den Ph. fOr den Verfaeaer, der vielmehr 
nnbekanDt nnd aus unbekannter Zeit ist, 3. hierüber nnd Oberhaupt fiber 
dies Gedicht Robert Archäol. Nachlese. I. Atalante. Hermes XXII. 1887. 
8. 114—454 u. bes. Maats Aleiandrin. Fragmente, ebendas. XXfV. 1889. 
S. 523—527. 

23) Prop IV, 1, 1 ff. ir[, 32, 87 ff. IV, 8, 51 f. 8, 43 f. V, 6, 3 f. Ovid. 
Bern. am. 759 f. Ars am. III, 329 ff. Stat. Silv. I, 2, 252 ff. Vgl. QuintU, 
X, 1, 5S. degiatn . . . cui'us princepB habetur Callimachu!, secunda» am- 
feesione plurimorum Philetas occupavit u. C. 13. A. 71. „Vermuthlich geht 
dieser Ruhm aof das Lob seiner Freunde lurück. Von besonderem Einflnsa 
auf die Späteren scheint die Sammlung der Dichterportcüts (FeaquCov) des 
Kallimachos (e. C. 13. A. 50) gewesen zu sein, und es scheint, daei Schnei- 
der Callim. Fr. 854. tä txtlop rö y^ä^ita to Kätov richtig auf dies Buch 
inrickgeföhrt und ebenso richtig auf Pbiletas gedeutet hat". (Knaack). 

23) Antig. V. Kar, 83, der ihn in Being auf diese Dinge tmavit äv 
Titslfsyos nennt, führt einen sie betreffenden Vers (Fr. 17) von ihm an. 

24) So Schol. Apoll. Rh. IV, 989. 
26) So Etjm. M. 'Elitöt (=- Fr. 43). 

26) Fr. 83— CO. Am Hänflgsten citirt dies Werk Athenaeos, ond «war 
stets, wo er überhaupt einen Titel beifOgt, unter der Beseicbnnng ^oxt«. 



,,i.,ooglc 



Simiaa von Rhodos. 179 

Simias*') tob Rhodos, gleichfalls ein Grammatiker"^), 
lebte vor dem Tragiker Philikos von Kerkjra^") und mitbin^') 
schon nnt«r Ptolemaeos I. Er verfaBste 3 Btlcber Glossen und 
4 Bücher vermischte Gedicht«'''), von denen wir aber nur wenig 
bestimmte Titel kennen. Im Apollon scheint der ganze Mythen- 
kreis dieses Gottes dargestellt gewesen zu sein"). Die Gorgo^'^) 
war wohl '^ einer Dame dieses Namens gewidmet^) und behandelte, 

In den Vereen (42 (T.) des Komikers Straton (s. C. 8. A. 11t) bei ihm IX. 
383 b heisBt ee: mett at xäv tov #Ui)rä Iv^ivovxa pvßlimn aumctiv 
t%actov x( dvvatai t£v ftjuätmv. Deber die Beontiiing bei Enphoiion 
(and Ljkophron) e. C. 14. A. 101. Hieran reihen aich aber nocb die Bnich- 
Htücke 61 — 64 in den Homerscbolien und bei Eaatath., nämlich die Lea- 
arten dea Pb. ui verichiednen Stellen der Iliaa (B, 269. «, 126. 179. 8&2). 
Standen dieselben aoch in dem Gloesar oder in einem besonderen Werke? 
Wenn Letzteres der Fall war, ao hat man doch kein Becbt daaaelbe mit 
Bach 8. 80 xtfl t^g '0^int«^c imiuiloyias oder ähnlich in betiteln, bloaa 
weil TEetz, Ezeg. IL 8. 1!6 Herrn, auch Ph. nntcr Denen nennt, welche 
über homeciicbe Etjmologie gebandelt haben. Ariatarchos acbrieb itfit 
•hlijräv, B. C. 16. A. 69. 

27) S. Sternbach Heletemata Giaeca L Wien 13S6. 8. S. 110—117. 
27") Strab. XIV, 666. Ath. XV. 677c. Snid. Si/iiag. Sicht Si^iUat, 

aondem Sifiiae acheint die richtige Schreihnng asn sein, a. die Zuaaramea- 
atellung von Häberlin De carm. fig. (■. A. 87) S. 46 f. 

28) Hephaeat. p. 58. S. C. 9. A. 62. 29) S. C. 9. A. 50. 

30) Said. Iffaifit jlieaeat ßipila y', noiijfucia Siäipo^ii ßiplitt S'. 
BrachttQcke aaa den Uloaaen giebt Ath. VII. 827 e. XI. 413 e. 419 C. XT. 
677 c. Darüber, daaa dieser seiner grammatiaoben Thätigkeit aaine eigne 
Schreibweiae entsprach, e. A. S6. 

31) Heineke Anal. AI S. 219. Crnsiua Art Hjpetboreer in Rotchers 
rnjibol. Lex. 1, 8. Sp. 2821 f. Enaaok Simienm, Hermes XXV. 1890. 
S. 457 — 460 (in dem hier vorzugsweiae beaprochaen l&ngeren Bmchsttlck 
bei Tiets. Chil. VII, 696 ff. Steph. 'Hiti*wts ist Find. P7. X, 50 ff. herOok- 
sichtigt). Anaserdem vgl. C. 14. A. 14. 

Sl^) Aiklepiad. v. Hyrl. b. Ath. XI. 491 o. Schob Marc. Enrip. Andr. 
14 (b. A. S9. 34). 

82) Wie mir Knaack bemerkt bat Dnich dieae Annahme achwindet 
der Anatoas, welchen Sternbach S. 14 daran nimmt, dau dieselbe Sagen- 
geatalt, welcher Enripidet Andiom. 14 f. folgt, nnd nach welcher Andromache 
(ond Aeneiai) dem Neoptolemos als Kampfprcia mgeiprochen worden, anch 
von 8., wie da» angefahrte Scbolion s. d. St. bezeagt, in der Gorgo dar- 
gestellt ward, a. A. S4. 

33) „Der vielleicht anch Anth. Pal. VII, 647 gilt, wenn anders nlUn- 
lich anf den Anctorennamen (SiiuonUtm , ei Si Si/xitiov) Verlass iat" 
(Knaack) -<• Simon. Fr. 116, b. sn demselben Bergka Anm. Schon Jacoba 
Antb. Or. VII. S. 4 hielt die Oorgo, von welcher hier die Bede ist, für 
eine Qeliebte des Dichters. Doch b. A. 34. 



180 Viertes Capitel. Elegie Q. venu. DichtnogGD, bes. die Fignrengedicht«. 

wie es scheint, den troischen Sagenkreis**). Ferner werden einmal 
seine Mijveg erwähnt^). Dazu kommen ein paar Epigramme 
in der Anthologie'^) und ebendort drei sogenannte Figuiengedicbte 



S4) Ganz anders freilich Rohde &. a. 0. S. 81 mit A. 1. S, dem Stern- 
bach S. HS f. folgt. Bohde vermuthet Q&mlicb aoe Plut Erot. 20. 766 D, 
da89 der lahalt eine kretische Liebeslegeude und Gorgo der Name eines 
für seine SprSdigkeit bestraften UädcheDS, jene eben (A. S3) berührten 
zwei Distichen aber in der Anth. Pal. a. a. 0., in denen Gorgo dorisch za 
ihrer Hntter sprechend eingefahrt wird, ihre letzten Worte in diesem Ge- 
dicht, sonach einer Elegie, gewesen seien. Allein bei dieser Combination 
ist das A. Sl>>. 32 angeführte Scholion abersehen: Zi/tCat iv r^ rouyivi 
'jvSQOfiä%Tiv ipTiti »a\ Atvtiav yii/ai io&ijrai Nfonzoli/iip If'y»' ovtiat. Es 
folgen dann $ Hexameter, die freilich bei Tzeti. ad Ljrcoph. 1263 hinter 5 
anderen vielmehr der kleinen Ilias zugeschrieben werden. Gesetzt jedoch 
auch {VBA ich nicht entscheiden will), dass mau im Gegensatz zu Cobet, 
Welcker Ep. Cjcl. II. S. 588 nnd Anderen dies mit Sternbach fQc richtig 
zu faalten nnd folglich nnmittelbar hinter den angegebenen Worten des 
Scholions eine Lücke anzunehmen habe, so würden doch diese Worte immer 
noch beweisen, dass die hier ausgefallenen Verse aus der Gorgo des S., 
der also jedenfalls auch in diesem Gedicht wie im Beil (s, A. 38^) der 
kleinen Iliaa folgte, denselben Sinn gehabt haben müssten, and wie Verse 
dieses Sinnes in ein Gedicht des Ton Rohde vermatheten Inhalte binein- 
gepasst haben konnten, vermag wenigstens ich mir nicht vorsustellen, nnd 
auch Sternbach vermag es nicht, denn seine A. 32 berücksichtigte 
Aeusserung lautet vom Standpunkte seiner voi^fassten Ueinung aus ganz 
richtig so: „»tiUo pacto inttlUgi poteit, quomodo isla fabula ad Simiae 
Gorgonem pertineat". Allerdings kann auch ich mir ebenso wenig vor- 
stellen, wie jene zwei Distichen, trotzdem fiergk a. a, 0. dies veraichert, 
ein voll ständiges Epigramm sein konnten, aber daraas folgt sonach nur, 
dass die Sache einen Zusammenhang hat, welchen wir nicht mehr auf- 
zuklären im Stande sind. 

86) Steph. T. Byz. Ufiv>ilBi: in Bezug auf Hjakinthos, vgl. Meineke 
Del. S. 101. Knaack Anal. AI. Rom. S. 60. 

3C) S. hierQber jetzt besonders Sternbach S. 113. 11& S., vgl. S. 110 f. 
und gegen ihn Eiller Jahreaber. LIV. S. iBOf äternbach macht als Kenn- 
zeichen der Aechtheit den dorischen Dialekt und das Haschen nach ylüffirai 
und ungewöhnlichen Formen, welches dem S. eigen war (z. B. *<fäs für 
Hapa in dem A. 31 angef. Bruchstück, ^tpSä, 'A/ivjtXavios b. Steph. ^mSmvj). 
UnvvUii, nitanis xvjttigos, s. Hesjch. u. d. W.), geltend. Abgesehen von 
den besprochnen zwei Distichen schreibt er hiernach dem S. mit Recht zu: 
Anth. Pal. VI, 113 {Eifiiiiov.YQatiiiatitiov). 114 {roi ovioc), Bergk P.L. Q. 
11*. S. 818 f. fflgt (abgesehen von VIl, 617) nicht minder richtig VII, 1B3 
(Zififiiev). 203 (Ziniiiav) hinzu (etwa auch VI, 116 Zäiioei), hätte aber 
wohl besser gethanvonseinerfrüherenjmit der von Meineke und Hartnug 
übereinstimmenden Ansicht (Ausg. des Sophokl. S. XXIII) nicht wieder ab- 
zugehen, dass ein Gleiches wahrscheinlich auch von VIF, 21. 23 gilt. Seine 



iv.t^iOO^IC 



Simiaa von Rhodos. Igt 

(carmitta figttrala), d. h. Gedichte aue Versen von verschiedener 
Art and Länge in der Weise, dass diese Verse anter einander 
geachrieben verschiedene Figuren ergeben. Es sind dies das Ei 
('ßtov), das Beil (Wltxvs) und die Fittige (HraVvyes)''). Ob 
er aber der Erfinder dieser poetischen Spielerei oder ob vielmehr 
die dem Preise des kosmogonischen Eros geweihten Fittige im 
Inhalt and zum Theil auch in der Sprache und das £i nach eben 
dieser seiner Gestalt aus orpbischem Einfluss hervorgegangen 
waren, steht sehr dahin^*). Um so zweifelloser ist es, dass dem 

gp&tere VenDutbong über die Urheber vod VII, SO (— Simon. Fr. 180, 
s. dazu P. L. G. lll*. S. 5t0). 21. 22 wird mit Recht vod Sternbach 
verworfen, aber was dieser au die Stelle setzt, ist, wie schon Hiller 
dargelegt hat, wo möglich, noch nnhaltbarer, n&mlicb dasB VI, 116 (— Simon. 
Fr. 181, B. dazo Bergk ebendaa.). VII, SO. 31. 23. 60 alle von Simias aus 
Theben, dem Schaler des Sokrates (vgl C. 2. A. 66), seien nnd VII, 60 
Platons Achte Qrabschritt, wobei Stcrnbacb im Gegensatz zu Bergks 
richtigem ürtbeil der Fabelei bei Olympiod. a. Anon. Vit. Plat. p. 387, 
136 ff. 389, 34 ff. Westerm., nach welcher dieser Sokratiker Piaton überlebt 
haben mOsste, ein oiibegreifliches Vertrauen schenkt. Allerdiogs hat der 
Urheber der üebeischcift Sifißiov VU, 60 wohl an diesen Tbebaner gedacht, 
aber vennnthlicb eben nur auf Grund dieser Fabelei, zomal da danselbs 
Epigramm in der Anth. Plan, nnd bei La. Di. II(, 43 namenlos steht. 
VIT, 21 ist &tißa{ott erat vom Corrector binzugetban, TU, 22 ist tov aitov 
äberschrieben; jedenfalls ist der Verfasser beider sum Mindesten für Mach- 
werke wie VI, 146, VII, 20. 60 lU gut. 

37) Anth. Pal. XV, 27 (mit der verderbten Ueberschr. Briaamirov 'Po- 
9ütv miö* xelidövos und dar Untencbr. Bi\ttavihoii 'Padiov <ii6v ^ tj Jo- 
BuiBa ri Zi^^ov. äiupditfoi 'Pöiioi.). 22 [Simiioo ö niXtuvg). 23 (£iit(t{oo al 
Uiifvjtg 'Epmios). Des Beils nnd der Fittige gedenkt anoh Hephaest. a. a. 0. 
(^ZiHliias i 'P6dios . . . Iv te T^ ntlimt . . . xbv tals Üiiifv^i) nnd des Eis 
p. 11 7 : lö 'üiov TÖ 2k(ntlov %al £Ua xalyvia, U^ber die Bakolikerhandschriften, 
welche gleichfalls das eine oder andere der sechs uns überkommenen 
Figurengedichte enthalten, s. Häbeilin De fignratis carminibaa Qraecis, 
Hannover 1886 (2. A. 1887). 8. S. 6ff., der S. 3 ff. auch seine Vorgfinger 
in der Bearbeitung dieser Spielereien durcbmustirt, unter denen Salmasius 
Duaram inscrr. Herod. Att. . . . eiplicatio, Paris 1619. 4. nnd Bergk 
Anthol. lyr,' (Leipzig 1868). 8. LXVIII— XCI besonderB hervorzuheben sind. 
Zu Häberlins verdienstlicher Abb. vgl. übrigens bes. d. Bec. v. Knaack 
Woch. f. kl. Ph. IV. 1887. Sp. 613—617. 

38) S. hierOber Haberlia 8. 36 f, Schol. A Hephaest. p. 182 VTestph. 
werden n&mlich noch zwei andere Fignrengedicbte erirthnt, Ztpuifia und 
Bföfos, und von der £<pai^, der ja freilich die Figur des Eis wohl nach- 
geahmt sein konnte, erbbren wir ans den Homerscholieu und Eustath, zu 
S, 670, dasfl eie ein dem Orpheus zugeschriebenes {ava<pl(ittat eis 'Of/ipea) 
Gedicht auf Lines war, ob aber früher oder später entstanden als diese 



iA.tOO^IC 



182 Viertes Cspitel. Elegte u. Term. DicbtuDgeu, bes. die Figurengt dicbte. 

Verfasser bei dem Beil zum Preise des Epeios dem Inhalte nach 
die homerische Poesie, nämlich die kleine Iliaa^''), vorschwebte. 
Im Uebrigen aber stecken diese drei künstlichen Machwerke 
zwar Toll von seltneren Wörtern, sind ober noch frei von allen 
Griphen, während in ihre Nachahmungen, den Altar (Btafiöe) 
des Dosiadas nnd die Sjrinx des Theokritos^), solche Räthsel- 
spiele so haufenweise hineingeheimnisst sind, dass sie die eigent- 
liche Pointe des Ganzen bilden*"). Die Verbindung der daktyli- 
schen Tripodie und Dipodie zu einem Pentameter mit spondeiscbem 
oder trochäischen Auslaut und eine akatalektische Nebenform 
des grossen asklepiadeischen oder sechzehnsilbigen sapphischen 
Verses") erhielten nach Simias den Namen des simieischen und 
des simiakischen Verses (iiiTQOV Sifiieiov und £t(iiax6v)*-); er 
scheint also ganze Gedichte in jener nnd in dieser Versart ver- 
fasst zu haben**), wie dies hinsichtlich des katatektischen anapästi- 
schen Trimeters auedrtlcklich bezeugt ist*^'). 

Dosiadas, der Urheber des eben erwähnten, dorisch ge- 
schriebenen, die Figur eines Altars darstellenden Figurengedichts**), 

TechnofägnicQ des 8., ist doch in der Tbst ganz ansicber. Wanun et 
wahrscheinlich sein soll, dass Epigeoes {a. C. 12. A. 9b. 96) sie schon mit 
unter den Gedichten, die den Kamen des Orphens trugen, aafgefflhrt habe, 
ist nicht abznaehen: in den beiden Verzeichnissen derselben (•. C. 12. A. 9fi), 
die doch verrnnthlich Torwiegeod auf die Kritik dieses Grammatikers zurQck- 
geben, fehlt sie, und dies spricht offenbar eher dagegen als dafQr. Und ob dos 
Vorbild des S. der orpbische and nicht vielmehr der besioduche Eros war, 
ist schwerlich auszumachen, denn das von S. Öfter gebrauchte Epitheton 
ayvös ist doch nicht apeciell orphiseh. 

38") Die er auch in der Qorgo beuotzte, b. A. 81. 

39) Anth. Pal. XV, SO. SI. Der Altar wird hier anadracklich dem 
DosiadoB beigelegt übereinstimmend mit dem einen Index, ebenso in einigen 
Buko lik erbau da chriften, b. Eäberlin S. GS. Dam freilich der interpolirte 
Schlusavers hiefür nicht beweisend, und wie er zu begreifen ist, leigt 
Häherlin S. GOff 

40) S. Ober dies Alles Bäberlin S. 37C 

*1) .i__uMi \j-j\— luu -\j Sie findet sich schon bei Anakr. 

Fr. 19. 20. 

42) Schal. B Heph. p. 164 f. W. Heph. p. 66 G. 

43) Christ Metr. der Gr. u. R.' 8. 166. 410. 

4S*>) Hephaest. p. CO. r^ itaTal>ixrniM 91 tfi/tlrffoi E. ö 'PöSiog olor 
itoiijuäftov (yfiatptv, ras fö h. t, l. Vgl. Bossbach Theorie der mos. 
Kanste der Hellenen III, 2. S. 137. 

44) Lnkian. Leiiph. !5. Bekk. Anecd. p. 784 f. Vgl. A. 39. Ueber die 
Nachahmungen von Ljkophrons Alexandra in diesem Gedicht b. C. 9. A, 39. 



ivXtOO^IC 



Doaiadas. 18'6 

war angeblich gleichfalls aus Rhodos*^), indessen spricht eine 
weit grössere Wahrscheinlichkeit dafBr, dass er**) vielmehr ein 
Kreter und dieselbe Person mit dem Verfasser der kretischen 
Geschichten {KffrjTtxä)*''), dann aber auch vielleicht kein Anderer 
als der aus dem siebenten Idyll des Theokritos uns bekannt« 
„kydonische" Jugendgenosse desselben, welcher innerhalb des 
bukolischen Dichterbnndes in Eos den Namen des Geishirten 
Ljkidas führte, gewesen sei*"*). Somit dQrften also auch solcherlei 
poetische Kunststücke zu den Üebongen geh&rt haben, in welchen 
die jngeodlichen Mitglieder dieser Verbrüderung unter einander 
wetteiferten**''), zumal da allerdings wohl Einiges für die An- 

Der andere Altai iiD ioaiscben Dialekt Anth. P. XT, S5 iat ans viel jüngerer 
Zeit, B. H&berlip 8. 31. 69—66. 

it) Nach der DoteTBChr. in der Anth. P. sum Ei, ■. A. S7. Der Werth 
dieaer Onterschiiften iat aber bekanntlicb vielfach sehr gering, ja gleich Nall. 

46) So toeret A. Hecker Comm. Crit. de aath. Qr. p. I. (Leiden 1B6S). 
8. 127. 

47) S. die Bmchatflcke b. Müller F. H. O. IT. 8. 899 f. Das Zeitalter 
geheint sn Btimmen, da bei Diod. V, 80, 4 (a. C. SS. A. 19S) D. vor Sosi- 
krates (b. C. 19. A. 7T)'and Laoathenidaa (Äglaoathenes ? a. C. SS, A. 193) 
unter den TeTfaiaern kretJBcber Oeachichtea genannt wird, also wohl älter 
all beide war. FOr die Identität toacht v- Wilamowitz De Ljcophr. 
AJex. S. 12 f. neben der Seltenheit dea NameOB geltend, dass dicBer Altar 
dea laaon wegen deB Todea dea Talos erricbtet sein boII, das Qiuize also 
von einer kretiicben Soge anageht. 

48»-'*) WilamowitE ». a. 0. nach Tbeokr. VII, 11 fl. (KvdmyiMv . . . 
ätSga). Schlechthin sicher sind freilich alle dieBs VeriUQthnngen nicht 
(Tgl. Hiller a. a. 0. 9. 188), aber Brinker De Theocriti vita elc. (s. a B. 
A. 3) S. 7Sf. flbersieht, dasB man die AecbtheJt eines Gedichts, wie in 
diesem Falle der Sjrrinx, auch mit annehmbaren Hypothesen vertheidigen 
darf, welche dann der Angreifer erst wieder all nnbaltbar oder doch un- 
wahrscheinlich zu erweisen hat, was Brinker nicht einmal versDcht. 
8. fiberdies C. 6. Ä. 9. Wamm dies Gedicht die Panspfeife aii 10- und 
nicht als 9- oder T rOhrig darstellt, bat m. B. Häberlin S. 46—48 richtig 
erkl&rt. Data hinter dem Lykidus vielmehr Aratos verborgen sei, ist ein 
sefar wunderlicher Einfall von Bergk De Ljcida etc , Halle 1861. 4, Opnsc. 
II. S. 288—242; wenn 0. Ribbeck Prenss. Jahrb. XXXII. 1873. S. 79 Anm. 
hinter demselben den atmlos Astakidea von Kreta (l^allim. Bp. XXII, 1) 
sucht, so begreife ich nicht, wie hinter einem Ziegenhirten noch wieder 
ein anderer stecken eoll, überdies aber a. Qercke Alex. Stud. III, Rhein. 
Mus. XLIT. B. 144. A. 8. Gercke seinerseits (S. 144 f.) versteht den Kalli- 
machoa, nnd in der That gB,b es neben dem kretischen Eydonia auch noch 
andere Ortschaften dieses Namens (s. Gercke S. 144. A. 4) nnd ontcr 
ihnen auch eine in Libyen (Steph. t. Bje. Kviiavia . . . itvtfea nöltt £i- 
ntliaf. Tfitrf Aifivrit). Aber Kallimachos kann nicht gemeint sein, da er 



iv.t^iOO^IC 



184 Viertes Capitel. Elegie n. »enn. Dichtongeo, hee. die Figurengedichte. 

nahme^^) spricht, dass der Altar des Dosiadas vor der Syrinx 
des Theokritos verfasat und diese eiue Art poetischer Äatnort 
auf jenen aei*"). 

Hermesianax^') aus Kolophon^*), Schüler and Freund des 
Philetas'^, scheint dagegen zu den älteren Zöglingen desselben 
zu gehören, die ihre Bildung von ihm in Eos bereits empfingen, 
bevor er, um an der des Philadelphos mitzuwirken, fQr eine Zeit 
lang nach Alexandreia übersiedelte, und also etwa zwischen 330 
und 320 geboren zu sein"). £r dichtete 3 Bücher Elegien, 

den Ar&tos vielmehr erst in Atben kennen lernte (b. C. 10. A. 10), aUo 
erst nachdem dieser von Eob dorthin bereite öbergesiedelt war. Eallimacboa 
hat folglich gar nicht in Eos studirt und nicht eq den dortigen Jugend- 
gefUhrten des Theokritos gehört 

19) Von Haberlin 3. isff., degsen AuBfahmngen freüich von haltr 
losen Phantastereien stark darchzogen sind, b. Knaack W. f. kl. Ph. a.a.O. 
8p. 616. Immerhin scheint er mir darin Recht zu haben, daas der Qriphos, 
vermOge dessen im Altar (10) Paris Theokritos genannt wird, dem, ver- 
möge dessen Theokritos in der Sjrini (12) sich selbst Paris Simichidas 
nennt, eher vorangegangen als nachgefolgt sein dürfte. 

60) Bergk Antbol. lyr.' S. XXXIV and Wilamowitz a. a. 0. glaoben 
umgekehrt, dass der Altar mit Rücksicht anf die Sjrinx verfasst sei. 

61) Fragms. v. Bach, e. A. 1. Hud. Schulze Qaaestiones Qerniesia- 
nacteae, Leipz. 1858. 8. Bohde S. 74-82. Conat S. 80—99. — „Zu den 
bisher gesammelten Fragmenten kommt noch hin^n Et. U. p. 169, 53. 
StvSot' xihs %ttl yvvaixöc ifiaxtov aolvxeUs, «apä 'Ec(t»jo(oviniTi de xoi 
äyalliu". (Knaack). 

62) Äth. XIII. 697 a. Vgl. Paus. I. Ö, 8. VIIl, 12, 1 n. A. 63. 

eS) Schol. Nicand. Ther. 3 (yor der Bemerkung, Nikandros habe in 
seiner Schrift über die Dichter aue Eolophon auch des H. als eines Aelteren 
denn er selbst gedacht): ö 'E^fniaiava^ {ovcac] <püos i^ $ilt)t^ nal yttigi- 
lioe ^v. Vgl. A. 69. 

54) Schulze S. 12 meint, am Si5, Conat S. 35 ff. 67 gar, von der 
{a. A. 8) bodenlosen (freilich nicht von ihm snerst aufgestellten) Voraus- 
Setzung ans, Pbiletas sei nie wieder von Aleiandreia nach Eos zurück- 
gekehrt, 330— 3S6. Schulze bernft sich darauf, daes H. nicht blons als 
Schüler, sondern auch als Freond des Philetas bezeichnet werde (s. A. BS); 
viel Gewicht aber mQchte darauf nicht in legen sein. Eber darf' man 
daranf fiiaeen, dass die Vollendung seines Hauptwerks sohon vor 281 zu 
fallen scheint (s. A. 65). Seine Verebmng der Lyde des Autimachos zeigt, 
dass damals das riebtigere Urtheil des Eallimacbos (Fr. 74'', s. C. 8. A. 16), 
vienn ja überhaupt scbon ausgesprochen, wenigstens in lonien noch nicht 
durchgedrungen war. Unsicher bleibt die ganze Berechnung sehr, und für 
jiinger müiste man den H. halten, wenn er wirklich mit Ageanaz (Theofcr. 
id. VII, 62 ff.), dem Qeliebten des Lykidas (Dosiadas?), dieselbe Person wäre, 
wie H&berliu S. 52 f. meint Allein alle diese geistreichen Deuteleien 



,,i.,ooglc 



HermeBiaiiax aus EoloptioD. 185 

welche Leontioa nach seiner gleichnamigen Geliebten betitelt 
waten ^), und in welchen er dieser allerlei Liebesgesohichten 
enählte^^. Hierbei ist das Vorbild der Lyde des Äntimachoe 
nnTerkenobar, und es hatte diese Einkleidung jenem Mädchen 
statt von seiner eignen Liebe vielmehr ron der aller möglichen 
anderen Personen zu reden entschieden etwas Gemachtes'^. Im 
ersten Buch berichtete er von der Liebe des Pol^phemos zur 
Galateia'^), im zweiten von der des Arkeophon in Eypros zur 
Ärsinoe, der Tochter dea Königs Nikokreon^*), und wie diese, so 
handeln auch die anderen uns bekannten Geschichten, von denen 
nicht angegeben ist, aus welchem Buche dieser Dichtung sie 
stammen, die Ton Menalkas und Euippe anf Euboea^), von Leu- 



HäberÜDi sind gleich den ftflheren Bergks Opaec, II. 3. 241. A. 6 
(welcher sprachlich näher liegend, aber chronologisch unmOglicb jenen 
Ageaaax vielmehr auf Hegeiianai deutete) mit wenigen Ausnahmen (a. 
A. 73) theils falsch, theils blosse lusns ingeni, anf welche Nichts sa 
geben ist, «. Knaack a. a. 0. Sp. 615 f. Hiller a. a. 0. S. 186. 187. 188. 
1S9 (wo aebr richtig bemerkt wird, das« zur Annahme fiugirter Nameu nnr 
im mittleren Theil, wo die bukolieche Uaskerade herrscht, IS— 130 eine Be- 
rechtigoDg vorliegt, nicht in den Anfangs- nnd Schlussversen). 190 f. Vgl. 
auch Cmains L. Centrlbl. ISSl. Sp, 1380. 

66) HanptsteUe Ath. a. a. 0. 

66) Bohde S. 77. A. 1: „Dass H. seine Enählungen direct an Leon- 
tioffl nebtet, zeigen in dem grossen Fragmente des dritten Buchs V. 49. 
yirfmirxctc, 76. ola9a, 7S. ytyvminiii; äravmic". 

67} Wie Conafe S. 61 richtig nitheilt, welcher denn aach vielleicht 
mit Gecbt vermutbet, dass Lyde und Leontion nur erdichtete Fenonen 
seien. Auf alle EUle bedarf es jetct keines Bedens mehr darüber, dass 
Leontion, die Geliebte des E., und Leontion, die Freundin des Epiknros 
(s. C. 2. A. 411. 436. 471), Nichts weiter mit einander gemein haben als den 
Namen. Ueber den engen Anschlnss des H. nnd des Phanokles an Him- 
nermoa s. Eaibel Sententiarum lib. IV., Herm. XXII. 18S7. 3. 610; dass 
jedoch dessen Hanno schon ähnlich componirt war wie Leontion, glaube ich 
ihm nicht. 

68) Fr. 1 b. Herodian. de solit. dict. I, 16. p. 922, 19 ff. Lentz, s. 
Bach S. 95 f. Holland De PoljThemo et Qalatea, Leipz. Stad. VU. 1884. 
S. 189—318. 

69) Fr. 4 b. Antonin. Lib. Hetam. 3» (laut der Beischrift, s. A. IIS). 
Diese Geschichte spielt in der jüngsten Vergangenheit Denn Nikrokeou 
litt der 318 von Ptolemaeos zum Strategen eingesetzte PQrst von Salamis, 
Diod. XIX, 79. (Bohde 8. 79). 

60) Fr. 3 — Argum. Theoer. Id. XIX, wo man früher sinnlos KvfTjraiaf 
achrieb, während im Ambros. k t^tivaias steht, wobei man aber nicht mit 
Bohde 3. 78. A. 1, anf welchen im Uebrigen zu verweisen ist, an eine 



„i.,ooglc 



186 Vierks Capitel. Elegie n. vertu. Dichtungen, bee. die Figurengedicbte. 

kippoa und seioer Schwester*'), von Nanis und Kyros*"), sämmt- 
lich von ii^endwie uDgliicklicher, sei es aun rerschmäliter oder 
verbrecherischer Liebe. Aas dem dritten Buch ist ein grösseres 
Stflch von 98 Versen erhalten"^), in denen eine lange Reihe von 
Poeten und Philosophen abgehandelt wird, welche vou der Gewalt 
der Liebe bezwungen wurden. Eier war also die Compoaition eine 
wesentlich andere, die nicht mit Unrecht geradezu als pueril be- 
zeichnet worden ist^). Dabei geht der Dichter mit grosser phan- 
tastischer Willkür zu Werke und bindet sich wenig au die ge- 
schichtliche Wahrheit, und trotz alles Dnftes der Sprache ist die 
AusfGhrung trocken, breit und ermüdend. Er beginnt mit Orpheus 
und schliesst mit Philetas. Man darf wohl mit einiger Wahrschein- 
lichkeit annehmen, dass der Ort, in welchem er dies dichtete, 
und welchen er selbst hier (V. 72) „diese Stadt" nennt, seine 
Heimat Kolophon war, und dann ist dies dritte Buch der Leon- 
tion noch vor der Zerstörung derselben durch Lysimachos, d. h. 
mindestens noch vor 281 entstanden*^). Ob die Elegie**) auf 

Qacllnymplie eq denken haben, eondem was mit v. Wilatnowitz Herrn. 
XIT. S. 182 in Kijvaiat xa verbeaaern seio wird. 

61) Ft. 6 — Parthcn. 5. 

62) Fr. 11 = Partheo. 22. Vgl. Rohde S. 82. Ä. 2: „Sicher aus der 
Leontion und nicht, wie Bach S. 104" (nach dem Vorgang von Riihnlieii) 
„meint, ans den Qbrigena" (b. A. 69) „mehr als problematiBchen ritgemä 
das E." S. A. 69. 

63) Fr. 6 b. Ath. XIII. 69Tb ff, — Ausgaben von Rubnken Epiet crit. 
II. 178S. Opuic. II. Leid. 1823. 6., Itgen Leontii fragmentnm 1T9T. OpoBC.I. 
(AnimadTeruoDeB criticae in fragmentom Herrn esianactis, Leips. 1790. 4), 
Rigler und Ait mit lai Uebere,, COln 1B28. 12., G. Hermann Hennesitr 
uactJB Elegi, Leipz. 1828. 4. Opnao. IV. 8. 339— 2(i2, Bergk Commentatio 
de HermeBianactis elegia, Marbnrg 1B44. 4. Opnec. II. S. 168—182 nebst 
S. 182—184, Ljsander, Luud 1819. 8. — Einzelne Stellen besprecheo 
U. Haupt Ueber eine Stelle des CalliniachuB nud eine des Hermesianai, 
Berichte der eUha. Ges. d. W. 1849. S. 39—49. Opnsc. I. S. 252-2G2 und 
Schabart De BermeBianactii elegis, Planen 1868. 4. 

61} Conat S. 91. 

66) Jedenfalle wohl nach dem Tode de« Philetae, b. A. 14. Zum Aller- 
mindeBten konnte, wie Bach S. 91 bemerlit, von einer demeelben derch 
aeine Hitbürget errichteten BildaAule doch nicht eher die Eede sein, als 
bevor derselbe ein hochberQhmter Mann war. Damit ist aber die ein aller- 
dinga viel zu weit gehendea ai^mentum e ailentio enthaltende Schlnaa- 
folgeruDg, H. habe bei der ZereUIrung von Kolophon durch Ljsimacfaos 
nicht mehr gelebt, bei Paus. I, 9, 7 (8). ovn /«, fiiol äonetr, ntpi^*' 
wärtais yap «ov xal aviös «v inl älovati KolotpSvt toSvtftixo (vgl. ancb 



h;,*^TO(>^[C 



Aipzaadros der Aetoler, 187 

den £eDtanren Eurytion, welcher nach der aller WahrBcheialieh- 
keit nach hier zu Grunde liegenden Sage den Dexamenos zwingen 
wollte dessen Tochter mit ihm zu Termählen, aber von dessen 
zu HBlfe gerufenem Gaatfreund Herakles ersehlagen wurde''), ein 
Theil dieses Gedichtes war, steht dahin*^). Nicht erotisch ist 
was uns Ober Attee aus den Elegien des Hermesianax berichtet 
wird **). 

Älesandros^"), Sohn des Satyros und der Stratokleia, aus 
Pleuren in Äetolien'^), daher gewöhnlich der Aetoler genannt'*), 
scheint zugleich mit Theokritos in Kos dem dortigen Bukoliker- 
Tereine angehört zu haben und in demselben rermuthlicb mit 
Beziehung auf den Namen seines Vaters '') Tityros genannt 
worden zu sein'*), so dass er also wohl mit Theokritos in un- 



C. S. A. 86], keineBwegB widerlegt. Deno Rohde S. 76 ff. Äum. hat ge- 
teigt, da» du Ereignira keinetwega achon, wie man frflher glaabte, SOS 
Statt fand, nondem jedeofallg nicht tot SOO oder 299, wahnchcinUcfa aber 
erst Ewiscben S8T Qnd SSI in don letzten Zeiten des LysimacbOR. 

66) Oder vielmehr, wenn der ADadrack bei PauK. VII, 18. 1 (~ Fr. 10), 
was icb aebr bezweifle, genau ist, das elegiscbe Dieticfaen (^iltyeCov). 
„Panianiai achOpft hier und nelleicbt auch TU, 17, &, 9 ff. (b. A. 69) ans 
einem Handbacb, a. EulkmaDU Pana. der Perieget S. 203. 2fi0". (Enanck). 

67) ApoUod. 11, B, 6. 

68) 8. Bacb 8. 101 ff, 

69) PaoB. TU, 17, 6, ft ff. (=- Fr. 7). — Höobat aafiUIlig iet die Nach- 
riebt Scbol. Nicand. a. a. 0. uacb den A. 63 aogef. Worten: zovxio ii tu 
ritfanü ydyffttitftu nal tä tlt Asivtiov «i]« i^ajitviiv. Denn waa eoll man 
aicb unter den nteaixä denken? Ei liegt bier wobl irgend ein IrrUiiun 
vor. Vgl. A, 68. 

70) Capellmann Aleiandri Aetoli fragmenta, Bonn 18S0. 8. (Siebt 
mir niebt zu Gebote). Oaann Alexander Aetoloa, Beitrr. mr gr. u. r. 
L.-G. I. S. «98— SOt. Bach Alexander Aetolua, Ztachr. f. d. Attertb. 1837. 
S. 3S7— 346. Meineke Analecta Alexandrina S. 213—261. Conat 
8. 105-110. 

71) Snid. Ulfi. Ah. 

72) Z. B. Vit Arat. I. p. G4, G4 f. II, p. 66, 6. III. p. 68, 17. IV. p. 60, 6. 
Said. I^QCEioe. 

78) So H&beclin S. 61. 

74) So Heineke in Theokr. Id. VII, 72, wo Ljkidas sagt (V. 71-89), 
er werde am Tage der gificklicben Ankanft aeinea geliebten Ageanax in 
Hjtilene aicb ein Stfick vorflOten laaaen tdd iwei Hirten, einem Achantei 
und einem Ljkopiten, l^tyroa aber (der ans aneh Id. lli, fi ff begegnet) 
Bolle ihm (dazu) aingen zaerat TOD der nnglticklicten Liebe dea Dapbni« 
EQt Xenea, dann von jenem bieDengenährten Hirten, welcher bemach S3 f)'. 
all Eomataa apoatxophirt wird. Dosh dies eine Anapielnng auf zwei bei 



„i.,ooglc 



188 Viertes Capitel. Elegie u. Term. DichtnngeD, bes. die Figuieagedichte. 

getahr gleichem Alter war und miUiiD etwa, um 315 geboieQ 
ward. Jedenfalls wohl sehr bald nach dem Regierungsantritte 
des PhiladelphoB (285 oder doch 283) begegnen wir ihm dann 
wieder als einem der drei obersten Beamten bei der neugegrOn- 
deten grossen alexandriniachen Bibliothek, an welcher ihm die 
Anordnung der irdischen Dichtwerke übertragen war'^), und 
später 276 als einem der Dichter, welche Antigonos Gouatas 
an seinen Hof zog'*). Sein weiteres Leben ist unbekannt '*'*). 
£r war ein ungewöhnlich vielseitiger Dichter. Als Tragiker 
ward er zu der sogenannten Pleias gerechnet'^, wir kennen aber 
nur ein einziges von seinen Stücken, sei es eine Tragödie, sei es 
ein Satyrdrama™), die Würfelspieler (jiOrgayaXtetaC). Ob er 
wirklich auch Oaivöftsva dichtete, steht nicht ganz ausser 
ZweifeH'^. Sicher aber ist, dass er auch im eigentlichen er- 

dei EntatehiiDgszeit dieses Id^lla wiTklich Toihandene DichtongeD des hinter 
Titjroa Bteckeuden Poeten ist, liegt vor Aagen, Aleiandros aber hatte einen 
Daphnis gedichtet, s. A. 90. Gegen die schwerlich richtigen Schlüsse jedoch, 
welche Wilamowitz De Ljcoph, Alei. S. 13. Anm. aas der Art zieht, wie 
hier von dem zweiten dieser Gedichte (dem über Komatas) 78—89 gehandelt 
wird, und die ganz bodenlosen Hypothesen, welche H&berlin S. 67 ff. (mit 
der falschen Behanptttng, daes Titjros eelbat als Ljkopit bezeichnet werde) 
an dieselben angeknüpft hat, s. die guten Bemerkungen von Hiller a. a. 0. 
S. 190 f. Tgl. auch Enaack Woch. f. kl. Ph. IV. Sp. 406 f. und Job. 
Schmidt Za Theokrit, Rhein. Mus. XLT. 18S0. S. 148 f., welcher nach- 
weist, dass Theokritos hier eine andere Form der Komatasfabel im Aoge 
hat als die bei Lykos von Rhegion Fr. 6 b. Schol. z. 78. 

7fi) Twti. Proleg. in Aristoph. b. Bitschl Opuso. I, S. 1X4. 199 f. 206. 
Vgl. C. 12. A. 83. 40. 

76} T. Ar. HI a. a. O. — Ar. gen. Z. 23 ff. Breys., vgl. die anderen 
A. 18 angef. Stellen und C. 1. A. 18. C. S. A. 616. Aus dem dort Ent- 
wickelten ergiebt sich die Unhaltbarkeit der umgekehrten Annahme von 
Couat S. 10&, nach welcher A. vielmehr erst von Makedonien nach Ale- 
xandreia gekommen w&ie und seine Tbätigkeit an der dortigen BiblioUiek 
in Gemeinschaft mit Zenodotos nnd Ljkopbrou also erst nach 276 be- 
gonnen hatte. 

76*') Vgl. C. 6. A. 8.' 

77) S. C. 9. A. 6. Vgl. Polem. Pr. 45 b. Ath. XV. 699 b. 'A. 6 t^arip- 

78) Für die letztere Annahme entscheidet sich Schenkl Die Astra- 
galistai des Alexaudros Aitolos, Wiener Stud. X. 1838. S. 327 f. wegen des 
jutf' 'Oft'svovei 1^ yganjittTUii^ in dem einzigen [die Jugendgeschichte des 
Patroklos anlangenden) Citat Schol. ABT 11. V, 86. 

79) Sex. Uath. VUI, 204 fahrt ihn als Dichter dieser Art neben Aratos 
auf. Aber hier liegt die Möglichkeit eines Versehens nahe, da es niinde- 



|.;,*^TOOy[C 



Aleiandroa der Aetoler. 189 

zählenden Epos thätig war, wenn auch von den zwei uns ge- 
nannten Epen nnter seinem Namen das eine, wenn es überhaupt 
ein solches war, Erika, vielleicht nicht wirklieh von ihm her- 
rührte^); das andere, der Fischer ('j4i.tBvs) behandelte den 
Uythos des Meei^ottes Glaukos^*). Nicht minder verfaaste er 
kinädologische Dichtungen^. Eine merkwürdige Neuerung 
in einem sei batänd igen und dabei nicht ftlr den Gesang be- 
stimmten Gedicht war seine Zusammensetzung eines solchen ans 
anapästischen Tetrametern, aus welchem uns einige den Euripides 
betreffende Verse erhalten sind^"). Von den Epigrammen des 
Aleiaudros, deren mehrere Meleagros^) seiner Sammlung ein- 
verleibte, sind uns noch zwei geblieben, von denen das eine sich 
auf Alkman bezieht^). Die längsten Bruchstücke haben wir 
aus seinen elegischen Dichtungen, nämlich den Musen und 
ApoUon. Die Musen bezogen sich wiederum aaf seine Dichter- 
stüdien, indem sie das Lob verschiedener Poeten enthielten: die 
uQg erhaltenen Bruchstücke^) handeln von Timotheos von Mi- 

»tens noch einen «olcbea Dichter dieies NamenB gab, vielleicht Ewei, A. 
TOD EpbeBos (b. C. 10. A. 188 ff.) and von Ljkaea, V. Ar. II. p. 67, 20 f., 
welcher letetere jedoch mOglicherweiie vielmehr in Prosa geschrieben haben 
kann. S. indeaaen C. 10. A. 186. JedenfelU iat eine solche Verwechielnng 
wirklich begangen von Theon am Smyrna p. 138 ff. Hill., welcher 36 Verae 
uigeblich ans den ^airöfucir das Aetolera anfahrt, die vielmehr, wie 
Nake OpQBO. I. S. 11 ff. nacbwiea, Eweifellos (a. Harakl. Allcg. Hom. 13) ans 
deneD dea Ephesars sind. 3. C. 10. A. 118 and'vgl Heineke a. a. 0. 
S. 3« ff. 87iff. 

SO) Ath. VII. 888a. iv KfU^ (.1^^0*9 Schweigh&user), el r^^aiof 
10 xoniiiätiov : ea folgen 3 Hexameter. 

81) Ath, VII. 296 o, Tgl. SIV. 679 a. 

88) Btrab. XIV, 6«. Ath. ilV. 620 e, ». C. 7. A. 1. 

SS) Gell. XV, 20, S. £in Stück dea ersten dieser drei Verae wird etwas 
abgäLndert, fUlschlich dem Ariatophanes beigelegt in der Vit. Barip. p. 137, 
86 f. Tgl. 140, 88 West — „Dazu kommt eine Notie Aber die Hntter des 
Eoripides b. Schol. Aristopb. Baa. 840, s. Eitschl Oposc. I. 3. 17. Wila- 
mowits Anal Enrip. S. 163. A. 8". (Enaack). 

94) Wie er aelbat sagt Carm. I (Anth. PaL IV, 1), 39. 

Bö) Aoth. Pal. VII, 709, wo es freilich nnr mit dem Namen des Alexan- 
dros ohne Beisatz beieichnet ist; auch b. Flnt. de eiil. 3. 696 0, aber ohne 
Nennung dos Verfasiers. Das zweite findet sich in der Anth. Plan. ^ Anth, 
PaL App. (XVI), 173. Ein drittea, Anth. Pal. VI, 183, einem gant unbekannten 
A Ton Magnesia mgeacbriebenes haben wir desabalb noch kein Becht dem 
Aetoler beicnlegen. Deber Antfa. Pal. VII, 607 s. Bergk zn Simon. Fr. 124. 

86) Bei Uacrob. 3at. V, £!, 4 f. n. Polem. Fr. 46 b. Ath. XIV. 699 c. 
Vgl. C. 23. A. 176. 



iv.t^iOO^IC 



190 Viertes Capitel. Elegie n. verm. Dichtungen, ben. die Figurengedichte. 

letos und den ParodiendichteiD Boeotos und Euboeos. Vom Apol- 
Ion haben wir ein längeres zusammenhängendes Bruchstück^') 
von 34 „höchst nüchternen"^) und in das Innere des Seelen- 
lebene und der Leidenschaft nicht im Mindesten eingehenden^^) 
Versen, nach denen zu schliessen der Gott in diesem Gedicht die 
unglücklichen Schicksale Obermässig Liebender weissagte. In 
welcher metrischen und poetischen Form Alexandros die Daphnis- 
sage behandelt hatte ^), erfahren wir nicht, und seine etwaigen 
grammatischen Leistungen^') sind uns TÖllig unbekannt^"'). 

Phanokles^), allem Anschein nach gleichfalls der älteres, 
ja der ältesten Alexandrinerzeit angehörig ^^), dichtete erotische 

87) Bei Parthen. 14. Vgl. M. Haupt Opusc. 11. S. 96—99. 

88) Bemhardy Gr. L.-G. II', 1. S. 663. 

89) Couat S. 107. 

90) Nach seiner Daretellung nar Daphnis Lehrer des Marsyas im FlSten- 
spicl, Argam. Theoer. Id. Vlll. Schol. Ambros. ebend. VIU, \. Beträcht- 
lich mehr erhellt ans Theokritos selbst VII, 78—77, wenn anders dort 
Titjros wirklich Alexandros ist. Das zweite Gedieht, auf welches dort 
78 — 79 angespielt wird, über Eomataa kann wohl kantn etwaa Anderes ge- 
wesen sein als ein kleines idyllisches Epos, und man darf dies wohl HJialog 
auch auf jenes erste über Daphnia und Xeuea übertragen, von welchem ei 
ans den Worten des Theokritos an sich nicht deutlich herrorgebt, welcher 
poetischen Gattung oder Spielart ea angehört. S. A. 71. 

91] Ytfajiiiatiiiös heiast er bei Said. 
91'') S. übet A. noch C. 6. A. 14. 

92) IjVagms. von Bach, s. A. t. Preller Phanokles nnd die Mytho- 
logie der Enahenliebe, Rhein. Mus. N. F. IV. 1845. S. 399—406. Ansgew. 
Anfs. S. 871—376. Art. Phanokles in der Enc. t. Ersch n. Gräber. Conat 
S. 99-105. 

93) Dass or wenigstens aas der Blütezeit alexandrinischer Poesie ist, 
dafür zeugt die grosse Reinheit des Stils. Aber t. Leutsch Wann lebte 
Phanokles? Philologus XII. 1867. S. 6ö vermuthet bestimmter schon aus 
der grossen Aehnlichkeit in der Wahl nnd Behandlung des Stoffes mit 
Hermesianax und Alexandros, daas er ein Zeitgenosse beider und ftlter all 
Eallimachos gewesen sei- Vor Allem aber macht derselbe mit Recht 
geltend, dass die zuvor nur b. Eippon. Fr. 42 nachweisliche, im Hexa- 
meter aber beispiellose Verlängerung der drittletzten Silbe in Bfijl*ios 
bei Phan. Fr. 1, 1 und ApoIL Rhod. IV, 906 sicher auf Nachahmong 
des Einen durch den Anderen, nnd zwar genauer des Eceteren durch den 
letzteren hinweist, theils weil sich ein Elegiker schon eher diese Freiheit 
nehmen konnte, theils wegen der vielen Nachahmungen älterer alexaa- 
drinischer Dichter gerade bei Apollonios, s. C. 14. A. 66. „Data kommt 
aber noch (nach einer Bemerkung von Wilamowitz) der am Meisten ent- 
scheidende Umstand, dass der Versschiusa bei Ph. bedeotsam, hei Apollo- 
nios massig ist". (Knaack). 



Iv.t^TOO^lC 



Pbanoklea. Partbenios von Nilutea. 191 

ElegicD unter dem Titel "fpoics ^ xaXoi, -welche, bo zu sagen, 
die Geschichte der Knabealiebe von des älteaten Zeiten her ent- 
hielten, jedoch, wie die Bruchstücke zu beweisen scheinen, um 
von ihr abzumahnen, indem sich stets ein unglücklicher Ausgang 
herausstellt. Ein längeres Fragment von 38 Versen handelt in 
dieser Hinsicht von Orpheus^). Im Anklang an die sogenannten 
hesiodischen Böen heginnen diese mythischen Register bei Pha- 
nokles immer mit ^ ag^''). 

Erst am Auegange des hellenistischen Zeitraums begegnet 
uns, wie schon gesagt^^''), noch wieder ein namhafter und frucht- 
barer Elegiendichter: 

ParthenioB^, Sohn des Herakleides nnd der Eudora'^, 
von Mikaea^). Er kam in Folge der Eroberung seiner Vaterstadt 
73 nach Rom als Kriegsgefangener^^. Hierauf frei gelassen"*"), 

91) Fr. t b. Stob. Flor. LXIV, 14. aohde S. 88 f. hebt henoT, daai 
diese Era&blotigen des Ph. eotachiedeu einen „äiiologiecben" Chanktei 
hatten wie bei EaUimachog (■. C. IS. Anm. 38 ff.), wie t. B. diese über 
Orphena die Sitte dea T&towirena bei den thrakiBchen Weibern motirirte, 
dacB aber ein iolcher Charakter auch gerade den Ortilegenden tou Natnr 
TidTach innewohnt, bo namentlich auch den TerwandlungsBagen. 

96) Fr. 1. 3. Deberhanpt «ind aber von den 6 Braohstflcken nur S 
wOrllich. „üebrigen» geht ein Theil der Fragmente anf DidjmoB znrück, 
ein anderer ui durch mjtbographiBche Handbücher erhalten. Die auffallende 
Benutzang daicb Ovidins Het. 11, 86T-8S0 erkl&rt lich aUB letzteren (b. 
Enaaek Quaestiones Pbaethonteae S. 63. 67). DaBBelbe läBBt sich für die 
OrpbeDiiage bei Orid. Uot. X, 83 S. — Hjgin. Aatron. II, T c. E. nach- 
weisen". (Enaaek.) 

96'') C. 8. S. 170. 

96) Meineke Anal. Alex. S. S63— 83B. 

97) Said, üa^., welcher hiniufOgt, dAaa HermippOB (der Jüngere) die 
Hatter Tetha genannt habe. Daas aber auf die Schrift dieaea HermippOH 
TOn Ber^toB (unter Hadrianm} nt^l täv iv lutiSti^ Sttatfttfiävzav iovhav 
im Wesentlichen fiberiiaupt dieser gao» Artikel des Sold, nnd alle ähn- 
lichen znrflckgehen, hat C. Wachsninth De fontibos, es quibos Suid. . . . 
hanserit, Sfinb. pbil. Bonn. 8. 140—148 gezeigt 

SS) Steph. T. Bjz. Ni%aCa. Said. a. a. 0., welcher baifügt: „oder Mjr- 
leia", wOEO auch die Inschrift des Hadrianng auf das eraeaerte Qrabmal 
einer der von F. durch ein "Enm^itiov geehrten Personen (Arete? s. A. 103) 
C. I. 0. IV, 6867 stimmt: V. 2 tin 'Aa*a*{n ytifaxa naQ^ivtov, T. 12 
(^äetövy 'Axap^iTis, d. h. also: er war in Nikaea geboren, aber Bürger von 
Hjrleia, denn HTileia hiesa apUer Apameia (Said. 'Jo^ltimäBiii). S. darüber 
Eaibel Parthenianom, Herm. 21. 1876. 8. S70-S7S. 

99) In diesem Jahre n&mlicb ward Mikaea von Barba, dem Legaten des 
Lucallns, erobert, und in dasselbe Jahr fBIlt auch die Brohening von Hyr- 



i.t^iooylc 



192 Viertefi Capitel. Elegie n. Terra. Dichtungen, bea. die Figarengedichte. 

verkehrte er nameDtlicIi mit OorneliuB Gallus, fDr ^reichen er nach 
Auszügen, welche er zunächst fQr sich selbst gemacht hatte, 
seine noch erhaltenen Liebesgeschicbten verfasste"*'). Er dichtete 
in verschiedenen Versmassen, namentlich aber Elegien'"*), unter 
ihnen zum Theil Trauergedichte {ixtK^SEia) auf den Tod ge- 
liebter Personen'''^). Elegisch war anch die nach seinem Zeit- 

leia (ApanieiaJ durch Valetius TriariaB, gleichfalls einen Legaten des Lo- 
callQB, H, Äppian. Bell. Mithr. TT. Hiernach verwirft Meinelie S. !&6 f. 
die Nachriebt bei Suid. ovcoc ^l^<p&]] üsö Klvva Xäifvi)OV, Zxt Mt9i)i6ärrt* 
'Pap.aiQi iuntjti>Xlp.t]ffav, bo weit Bie den Cinna betrifft, da Comelias Citina 
schon 8i get^ldtet war (Tellei. II, Sl). Allein ei ist sehr wohl mOglich, 
wie A. EieaBling De C. Helvio Cinna poeta, Comq. in hon. Th. Mommseni 
(1877). S. S61 f. vermuthet, daas hier nicht der Feldherr, welcher den P. 
gefangen nahm, zu verstehen iat, aondern derjenige BOmer, welcher ihn 
kaufte und dann freiliesa, und daes dies Helvina Cinna, der Yatec des 
Dichters C. HelviuB Cinna, war, mithin das griechiBche Original eu der 
Zmyrna dieseB rOmiscben Poeten bei F. (vgl. Fr. XXVI. XZVTI. XXXVIl], 
sei eB in deaaen Aphrodite oder in deesen Metaniorphoaen, und ebeoBO das 
za dem Propempticon Poilionis von jenem in dem Ugoatiiitmöv von diesem 
(b. A. 110) zu Buchen iat. ChronologiBch nnmOglich ist die weitere Angabe 
bei Snid. ißia n^tQ^ TißsQiov lov Ka{aafot. Wie aie entstand, erhellt 
aus A. 111, ond Tielleicht mag Tiberins in seiner Jngend noch wirklich mit 
P. verkehrt haben. 8. Meineke S. 2G7. 

100) Suid. äipii&ri iiä i^v Tcaiärveiv. 

101) Wie aus der voraufgeHchickten Dedication hervorgeht. Bei Maorob. 
Sat. V, IT, 18 lag man ehemals; quo grammatico in Graecii Pergiliut mmI 
ett, und noch Meineke S, !57 f. achloBB darana, dasB er sich um 64 (Doant, 
V. Verg. 2) in Neapolis aufgehalten zu haben scheine. Aber diese Worte 
sind (was anch noch Eiesaling nicht beachtet) ohne handschriftliche Be- 
glanbigung und paBaeu nicht in den Zusammenhang. Daas Vergiliai mit 
ihm persönlich bekannt war, iat jedoch auch ohne ZengnisB sehr wahr- 
scheinlich; daas derselbe einen Vera von ihm (Pr. XXXIIl) in Georg. I, 417 
übertrug, wird auadröcklich berichtet, Macrob. a. a. 0. Qell. XIll, S7, 1. 
„Aber die Notjz von J. G. Vobbios De poet. Gr. S. 70 Aber ein von ihm 
in einem Cod. Ambros. gefundenes Scholion, nach welchem das Moretum 
Nachbildung eines entsprechenden Gedichtea von F. sein soll, tet sehi 
verdächtig; im gflnstigaten Falle hat ein Gelehrter der Benaiasanceteit sich 
dies avtoeieSiaaiia gestattet, a. 0. ßibbeck Praef. append. Verg, S. 14. 
Bährens Foet. Lat. min, II. S. 178". (Knaack). 

102) Suid. iXtytiOTtoibt »al fiizemv iiaipöeiap «oitjwie. 

103) So auf den Tod seiner Frau Arete, ana welchem Gedicht beiSaidT 
wie es Bcheint, fälschlich zwei geworden sind: fyea^c 8' ilfftCas/Aip^oS!- 
xi\v, 'AtTftris ininriileiov [t^e ycrfist^B ^pVic ij'Koifuov] J» y' ßißliois, ««' 
älla noUä, ond deasen richtiger Titel wohl blois 'AeijtT} (Schol. Find, 
latbm. II, 68) war, femer auf Auzithemis, aof die Archelais, auf 
Bias, Fr. I-IIL V f. 



iv.t^iOO^IC 



PartheDioa von Nikaea. 193 

genossen, dem Poeten Erinagoras, benannte Dichtong'^''*), ferner 
Deloa"*), Aphrodite'"^, die LeakadieriDnen'*") und wahr- 
Bcheinlidi anch die Metamorphosen*"^), episch, me es scheint, 
sein Herakles"^); über andere Titel*"') lässt sich in dieser Hin- 
sicht nicht entscheiden'"). Hinsichtlich der Weitschweifigkeit 
seiner Schilderangen wird er mit Kallimachos und Euphorion 
zusammengestellt"*). In den Bruchstücken und dem erhaltenen 
Prosascbriftchen zeigt sich bei einer im Ganzen einfacheo Aus- 
drucks- und Darstellungsweise doch auch ein gewisses Haschen 
nach nngewötmlichen und gesuchten Worten und Wendungen"^). 



JW) Fr. X. 106) Fr, VU-IX. 106) Fr. IV. S. A. lOS. 

107) Fr. XI. 

108) S. A. 116. Richtig sagt Said. Ni«%<af Aaqaväivf . . . Meiuiiog- 
tptöofie, meKie xtrl üaii^ivuts ö Nmaivg, dagegen steht wieder naf9iru>B 
XÜK ■ ■ . ooioc iy^tc^t tmI xr^) fiErafio^moia»', wo jedoch Bernhardy 
dieie ichon von Fabricina verdacbtigten Worte in eckige Paren- 
theien setit. 

lOS) Fr. XIX— XXni. Wenn indesMit Fr. XX7 gleichfalls eh diesem 
Gedicht gehörte (b. Heineke S. 278), bo war es vielmehr aach elegiicb. 

110} Anthippe (Fr. XII f.), Elialaipuvris (Fr. XIV), IphikloB 
(Fr. XV), ntoiii^nti%6v (Fr. XVI II). Du älteste Propemptikon, so viel 
irit wiaseD, ist das in Theokr. Id. VII, 63—89. Sehr zweifelhaft ist nach 
A. 101 Motimto«. „Ein neues Fragment ist hinzngekonunen aus dem Cod. 
Flor, des Etym. H. (p. 462, 7 Gaief.) bei Miller Mdlanges 8. 147: rtXaiva 
tÖ finpoifn Hitl iflKitawa nagä Ilagfttvl<p (so Cobet für atqi nag- 
»irovy\ (Enaack). 

111) Einen grossen Verehrer fanden Enphorion, Rhianos nud Paithe- 
nios an dem Kaiser Tiberius : Säet. Tib. 70. fecit <( Qraeca poemata tmäattu 
Euphoriotutn et Shimnvm et PatHttniitm: quihua poelis admodum deleetattu 
scripta eonttn et imagints pvbUcis bibliotheäs inter vetera et pratcipuos 
auetort» dedicaeit: tt ob hoc plerique entditorwn Mrtalm ad evm multa de 
Ais ediderunt. Dass später Eadrianua seiner ganzen Bichtung gemäss gleich- 
fiüls von diesem Dichter entzückt war, erhellt aus A. 98, Vgl. Eaibel 
a a. 0. 8. 871. Die meisten ADTQhmngen ans P. giebt abrigens Stepbanos 

112) Lnkian. de scrib. bist. 57. tt 3i Ilag&hios i) Eitfogiar ^ Kal- 

zälav ^yaytyi 

113) Ueber den Einfinss des Eallimachos anf ihm s- ansaer Metneke 
SQ Fr. XXIV. XXXII. XXXVU. XUII Dilthej De Callim. Cyd. S. 23. 
Gewiss hat Dilthe; S. 2S f. anch darin Recht, dass in der Uebersobrift 
von Antb. FaL VII, 377 (vgl. Meineke S. SU) P. von Phokaea in P. von 
Nikaea lu ändern und kein Anderer also als letzterer der Elegiendichter P. 
sei, welchem von Erjkios in diesem Epigramm seine Schimpfreden gegen 
Homeroa vorgeworfen weiden, so dass er sich sogar erdreistet habe ItiaB 

SvsBHin., grl>ah.-Blai. UtOGeuh. L 13 

D,J-,., lIv.t^TOO^IC 



194 Viertea Capitel. Elegie n. verm. Dichtungen, bes. die Fignrengediclite. 

Viele seltene und eBtlegene Legenden und S^en wob er ancb 
in seine Elegien ein^"). Daas sich unter den in seinen Gedichten 
behandelten Erzählungen auch Liebesgescbieht«Q bebnden, erbellt 
abgesehen von dem Titel Metamorphosen auch aus einigen Frag- 
menten^"). Und so ist denn jene una^'^ erhaltene kleine Prosa* 

und Odjsaee Kotb zu nennen. Denn, wie Enaaek Analecta, Herrn. XXT. 
1890. S. 88 f. bemerkt, dies Epigramm stammt aas dem Kratu dea Fhüippw 
(um 100 n. Ch.), P. von Phokaea aber war ZeitgeaOBse de« Hadrianue (SIeph. 
Movtoa). „DaraoB folgt aber nicht, dasg die Änichiildigang wahr ist; fiet- 
mehr wird sie anzusehen sein ala bSiwitlige ScbmUinog eines Zeitgenossen, 
der vieUeicbt aach dem Tergilischen Kreise nahe stand: wenigstens icbeint 
Anth. P. VI, 90, 2 einen deutlichen Anklang an EoL TU, i sa enthalten". 
(Enaaek). 

114) Artemid. IV, 03, linl yäg k«1 MUfi AvuäipfOn tv tq 'Jli^tS^a 
Tutl xai)ä 'Hfa%ltid'^ zm JTovTium ir taCe Aioxats ■"' wpä Ilitfdifltf iv 
taif 'Elrytiait *al tiatf' ällott xoXXolt hmeiai fift» ««1 ECpntioi. VgL 
M. Schmidt Didjm. S. 366 f. 

115) S. hieraber Rohde S. 93 ff. Die einzige sichere AnfOhrang (Fr. 
XVJ f.) an« den Metamorphosen, „ans denen flbrigens anch Fr. XXXI zd 
stMnmen scheint" (Enaaek), bezieht sich sogar ausdrücklich auf eine solche 
Qeachichte, nämlich von der Liebe der Skjlla zu Hinos nnd ihrem durch 
dieselbe bewirkten Verrath. Fr. XXIV nnd XXXII handeln Ton der Liebe 
einer kilikischen Königstochter zmn Flassgott Kjdnos and von der dar 
Bjblis zu ihrem Brader Kannos. Das letztere ist rein hexametrisch, biaacht 
aber, wie Bohde zeigt, nicht ans den Metamorphosen zu sein, das erstere 
dagegen ist elegisch and enthUt die Verwandlong jenea Mädchens in eine 
Quelle, nnd so spricht denn eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafilr, dais 
vielmehr dieses ans den Metamorphosen ist, die dann also elegische Form 
hatten. Eben dies Fragment hatte übrigens Nonnos XXVI, 367 TOr Augen, 
s. Ludwich Beiträge znr Krit. des Nenn., EQnigib. i. F. 1878. 8. 8. U 
(Tgl. Eobde S. 94. A. 1) nnd auch vielleicht Gregorios von Nazians wmt 
rvvtftKiöP naUmxitoitivmv Ifil ff. (ed. Colon. 1609. II. S. 149), a. Enaaek 
Zu Greg. v. Naz., Jahrb. f. Ph. CXXXV. 1687. 8. 619 f. Von jener Er 
tKhlang der Skjlla aber ist, wenn Heyne richtig vermnthet hat, die 
psendo-vergilische CXrü eine lateinische Bearbeitung, vgl. Meineke S. 87S. 

116) In einer einzigen alten und fiberaas scbOnen Heidelberger Mis- 
cellanhandschrift (Cod. Pal. 898), in welcher aaf Parlbenios unmittelbar 
Antoninns Liberalis folgt, s. Horcher Zur TextkVit. der Verwandlnngen 
des Ant. Lib., Herrn. XII. 1877. 8. 806 ff. — Bd. princ. lano Comario Inter- 
pret«, Basel 1681. 8. Gale in den Hist. poet scriptores, Par. 1876. Legrand 
und Herne, Gfitt. 17B8. 8. Fr. Passow, Leipz. 1834. 8. Westermann 
in den Hrthogr, Meineke An. AI. S. 896—338. 0. A. Hirechig in den 
Erotici scriptores, Par. 1868. 8. (Didot). Herober in den Erot scripL 
Bd. 1., Leipz. 1868. 8. — Uebers. v. Fr. Jacobs, Sbittg. 1887. 18. — Bast 
Epistola crit. super Antonino Liberali, Parthenio et Aiistaeneto, Leipi- 
1809. 8. O. A. Hirschig Emendationes in Parthenio, Hiscellan. pbilol., 



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Fftiihenioa von H)ka«a. 195 

scbrift TOD der Liebe Leid"') ein Denkmal der gelehrten Vor- 
arbeiten, welche er fflr seine eignen Dichtungen nach dieser 
Richtung bin machte"*), gleichwie er es als eine Hülfe dieser 
Art auch fQr die des Gallus bestimmte. 

Not. Ser. Fnac. IL, Amsterd. 1861. Hereber Zu P. uad Ant. Lib., Jahrb. 
f. PhU. LXXXI. 1866. S. 4GS. 

117) Dieaer Titel ««jl iQoiTixmv na9tiy.izav, den Bernhard; Or. L.-G. 
n', i. S. 671 mit Unrecht darcb '£«0111x0 eraetien will, rdhit allerdiagB 
ent ton einem Abschreiber her: „arBprünglich hatte das Büchlein, da et 
nicht fQr das Pnblicum, sondern für den Privatgebranch des Gallaa be- 
etimmt war, gar keinen Titel", s. Horcher Herrn, a. a. 0. S. S16. A. 1. 

118) Die eingelegten poetischen Stellen erklärte Uercher PhUologns 
TU. 1668. S. 461 f. frOber far unScbt. Ihm widergprach auf das Ent- 
tchiedenate Bernhard; a. a. 0., nnd Bohde S. 114. A. 2 bat diese Be- 
haoplnng loi eignen Zufriedenheit HeicherB entkAftet Dagegen hat 
Horcher ebenda«., Jahrb. f. Ph. a. a. 0., Erot. scr. I. S. Tf., Herrn, a. a. 0. 
{(gL Heineke PhiloL SIT. 1869. S. 7 f.) darin Recht, daas die am ßande 
beigeBchriebeneo QueUenangaben zn P. und Autoo. Lib. nicht TOn diesen 
SchriftBl«llera selbst herrühren, s. auch Rohde S. 116 ff. A. 2. Aber sie 
stammen, wie Rohdo S. 114 f. zeigte, ans grosier Snchkonde, so dase sie 
anch da, wo aie daa Richtige Terreblen, doch von erheblicher Wichtigkeit 
»ind, indem sie nna lehren, bei welchen Scbrift«teUerD und Dichtem auch 
noch aoBser den Ton P. benutzten ilbnliche Erzählangen sich fanden. Noch 
günstiger stellt sich übrigens die Glaubwürdigkeit dieser Angaben bei 
Antonioas nach den UnteraDchoagen yon Oder Üe Antonino Liberali, Bonn 
1S8G. 8. S. 42—66, wo in der Beiicbrift zur 23. BrzUüang nätttfiXos Jv a 
citirt wird. Oder glanbt hiernach, dasa der betreffende Leser Oberhaupt 
alle seine Qaellenr^rmeike aas Pamphiloa und mar wahrscheinlich (Tgl. 
C. 14. A, 190) ans desaen Ac^fuär entnommen habe, uikd dasa da, wo mehrere 
Quellen genannt sind, die erHte die von Pamphiloa angegebene zu sein 
pflege, die andere oder die anderen ao lu erklären seien, dasB bei ihm zn- 
gleich angemerkt gewesen aei, bei welchen anderen Sehriftstellern ähnliche 
^lählongen st&nden. Zuweilen findet sich statt einer Quelleonotiz daa 
Zeichen o mit übelgeschriebenem T (— ov, 9. Hercher Herm. a. a. 0. 
S. soer., TgL Oder S. 47. A.3), und Oder nimmt daher an, daaa der Ur- 
heber der Beiachriltea in solchen Fällen bei Pampbilos Nichts gefunden 
habe. TgL flbrigena C. 10. A. 112. F., dessen Büchlein offenbar für Anto- 
ninns das Muster ward, entnahm diese seine Auszüge theila aua Historikern, 
tbeila aus den aleiandrinischen Dichtern, und ao sind una denn dieaelbeu, 
wie Rohde S. 114 hervorhebt, ein nnschäbcbarer Ersatz für den Verlust 
dieaer älteren Litteratur, eine reiche Fundgrube „für unsere Krkenntnias 
der alten erotischen Tolkssagen and ihrer Darstellung bei piosaiscbeu und 
poetischen Erzählern". 



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196 Fünftes Capitel. Id^Uendichtnng; HimiamboB n. a. choliamb. Dicht. 

Fünftes Capitel. 
Die Idyllendichtimg') und der Himiambos und andere 

choliambische Dicittnngen. 
Theotritos*), Soho des Fraiagoras und der Philinna, ward 
aller WahrBcheinlichkeit nach in Syrakus oder wenigsteoB in 

1) A.Th.H. PritiBche De poeti« Graecorum bncolicin, QieBMii 1844.*. 
Leop. Schmidt Art. Bvcolici ia Faaljs Bealenc^kl. O. HermaiiD De arte 
poeBiB Qraecoram bacolicae, Leipzig 1649. 1. Opuac. Till. S. 8S9— 34S. 
ElivUiop ist Deminatir toq ftSog im Siooe von „Qedicht", wuin und wo 
immer diese Bedeatnng entetandeD sein mag (s. Christ üeber das IdjU, 
Verhh. der SS. Fhilologentera., Leipz. 1869. S. 49—68, dem ich aber nicht 
folgen kann), bezeichnet aUo nnprOnglich nur überhaupt ein kleines Oedicht; 
txloj^, eigentlich „ein ausgewKhltei Stück", wird seit der KaiseTzait (PUd. 
Epiat. IT, 14, 9) genau in dem n&mücben Sinne von poemcttion gebraucht, 
vorwiegend aber doch beide AnedrOcke von Hirtengedichten. Bei Psendo- 
Theokr. Id. IX, S8 heiseen die letcteren nnbestimmt äSai. Umgekehrt 
waren die Gedichte dea MoschoB und Bion, an denen wenig Bokoliachet 
zu spQren ist, doch in den von Stobaeos benutzten SammloDgen BoraaltM 
betit«lt und werden, wie dies auch schon aua dem 'Ettitäipios Blaras her- 
vorgeht, anch sonst so genannt, s. A. lOS- 104. 

S) Die knrze Biographie (8co*Qitov yfvot), der Art. bei Snid. nnd das 
anächt« 22. Gpigr. (a. A. 69} zeigen, dass man im Alterthnm aber das Leben 
des TheokritoB abgesehen tou dem Namen der Eltern (vgl. A. 6) and einem 
zweiten, A. fl ed besprechenden Punkte keine andern Quellen hatte als wir 
(vgl. auch A. 102). — Aderi TböocriU, Genf 1843. 8. .(ziemlich veraltet). 
Qreverns Znr WDrdignng, Erklämng und Kritik der Idyllen Theokrit«, 
Oldenburg 1850. 8. Hanler De Theocrili vita et caiminibus, Freiburg i, B. 
1865. 8. 0. Bibbeck Die Idyllen des Theokrit, Preuasiache Jahrb. XXXII. 
1873. S. 6B— 98 (populär). Holm Qesch. Sicilieoa im Alterth. II. (Leipzig 
1876). S. 298-331. 493 ff. kehrt (ILholich wie L. Schmidt nnd anch Hanler 
und Eniper, s. A. ZZ) den wahren Lebens- nnd Entwicklangsgang dea Tb. 
beinahe geradezu um, indem er die epischen Gedichte für die frühesten, 
die bukolischen fttr die sj^teren erklärt, und läset den Dichter zweimal 
nach Aleiandreia kommen, zuerst in frOher Jugend, dann zuletzt von Nenem. 
0. Eempel Quaestiones Theocriteae, Eiel 1881. 8. Doctordias. (big auf sehr 
wenige gute Bemerkungen achOIerhaft). Brinker De Theocriti vita car- 
rainibusque aubditiciis, Boatock 1884. 8. Doctordiaa. (nur dem zweiten, 
weitana längeren Theile nach branchbar, hier aber auch aehr brauchbar, 
vgl. die Kec. v. Hiller Wochenachr. f. kl. Ph. Tl. 1885. Sp. 1900 ff.). 
Susemihl Analecta Aleiandrina chronologica. L Greifawald 1885. 4, (vgL 
die Kec. v. Knaack Woch. f. kl. Ph. Hl. 1886. Sp. 466-460). II. 1888. 4. 
H&berlin s. C. 4, A. 37. Bannow Stndia Theocritea, Berlin 1886. 8. 
Doctordiss. (vgl. die Eec. v. Knaack W. f, kl. Ph. IV. 1887. Sp. 617— 6S1). 



iv.t^iOO^IC 



Sikelien*), und zwar wohl etwa um 315 geboreo*). Heran- 
gewachsen, lebte er längere Zeit in Ko8, wo er, wie man un- 

MertenB Qaoestionea Theocriteae. L LStiea tSST. 4. (in Folge mangelhafter 
KeimtmeB dar neueateD Litteratnr meist miaBlungen, a. die erschöpfende Rec. 
T. Bannow W. f. kL Pb. V. igSS. Sp. 101—104). Oeroke Aleiandriuiaehe 
Studien, Rhein. Hm. XLIL 1887. S. S6S— 275. 590—628. XLIV. 1889. S. IST 
—160. SlO— 258. (Gleich Hiller Jahresber. LIV. S. 185 ff. kann ich mich 
mit der litteraihistoriHchen Methode des VerfuHera nnd der Art Beiner Be- 
veigfUhraug in den meisten Fällen Dicht einverstanden erklären, vgl. Anal. 
AI. U. S. III ff. S. XIX. A. 99). VOUig verthloi ist Etant Qaaestiones 
Theocriteae, Erotoschin JSeS. 1SB9. II. 4. 

3) V. Theoer. p. 186 West ZvQaK&ittiog ^v tö yivtc. Epig. XXII (b. 
A. S9) itg ^'"^ «öv xoUd* . . . SvtftjKoaiiov . Said. Sein. Sofunovoiot' 'S 
»i cfwn (nSml. nach Id. VII) Kmov. Ath. VIL 284a (s. A. 31^) etoupttoe 
i' i 2hea»6aiot. Dass ich mich im obigen Sinne beinahe ebenso bestimmt 
wie Holm und Vahlen entscheide, geschieht ans folgenden (meiat schon 
Anal. AI. II. S. S f. dargelegten) Gründen. Wer, wie ich, daa Ei^ebniss 
Vahtena (s. A. 21) in Bemg aof den Hieron des Th. für unzweifelhaft 
lichtig halt, fOr den ist damit wenigstens die Annahme, ala konnte der 
Dichter unmittelbar von Eos nach Alexandreia gekommen sein, aos- 
geschloisen; wollte mau dennoch an der Gebart in Eos festhalten, so bliebe 
ani eine doppelte Möglichkeit, entweder dasa sein erster ond einciger 
Aufenthalt in Sikelien onmittelbar auf den in Eos gefolgt sei, oder daas 
er eich ansaerdem ajAter von Aegjpten ans noch einmal wieder nach 
Sikelien begeben habe. Nun ist aber doch so viel gewiss, dass er an dieeen 
drei Orten längere Zeit gelebt hat, und da er sich in seinen Gedichten 
trotsdem niemals ala einen Alexandriner oder Eoer, wohl aber noch ganz 
abgesehen vom 16. Idyll zweimal Id. XI, 7. XXTUI, 16 ff. ala einen Sjra- 
koaer oder doch Sikelier bezeichnet, so spricht schon diea mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit dafOr, dasa er ein solcher auch von Gebort war, zumal 
da entscheidende Gegeogrande fehlen. Denn daas der Name seiuea Vaters 
Praiagoraa nicht auf Eoa beschränkt war, erhellt ans Flut. Pomp. 57, wo 
ein Neapolitaner dieses Namens erw&hnt wird. Ferner ist aber die patrio- 
tische Tactlosigkeit, mit welcher Th, im 16. IdjU sehr zur Unzeit dem 
Hieron die einstige Yertreibnng der Punier ans Sikelien durch diesen pro- 
phexeit (a. A. S2), füglich bei einem Eingebomen begreiflich, nicht leicht 
aber bei einem erst in den Manneajahren Eingewanderten. Endlich beruht 
du Eigenthümliche in seiner Poeaie, durch welches sie eich von ollen anderen 
Dichtongen dieser Zeit nnteracheidet, gerade anf sikelischen Eindrücken, 
nfimlich aae der sikelischen Hirteusage und dem Eyrakuaischeu Mimos (s. 
D. bes. A. 44), and schon hierdurch wird es wahrscheinlich, dass dies fMbe 
Jugendeindrdcke waren (s. überdies A. 6^), aber aach durch die ErwKgnng, 
dass es doch wohl am Leichtesten und Natürlichsten ans dem Einfluas des 
Th. als des bedeutendsten unter den Mitgliedern der kölschen Dichter- 
verhrCdemng und ana Beiner mithin achon vorher eingeschlagenen buko- 
lischen Richtung sich erkl&rt, wenn diese Urflderachaft gerade die Maske 
von iiirteu annahm. Entscheidend ist endlich, wenn anders sie, wie ich 



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198 Funnes Capitel. Idylleodichtung; MiuiiamboB n. a. choliamb. Dicht. 

bedenklich aDDetufien darf, uuter der Leitung dcB Philetas sich 
den Stadien ei^ab'') und unter dem Namen Simichidas') jener 

glaube, richtig ist, folgende Beobachtoog tod Maaas, welche derselbe mir 
mitgetheilt hat. Im 1. Idyll ist der S&oger dei DaphniBliedes allerdingt 
(65) Tbjrsie, der Schäfer von Aetna (hier — Tbeokiitos), aber der Schau- 
platz des Qedichte ist nicht Sikelieo, sondern allem ÄnBcbeioe nach Kot. 
Denn ein haljdoniBcher Fährmann (nicht Schiffer! xo^fxr 66) hatte 
freilich anf keiner von beiden Inseln Etwa» sn snchen, aber eben deithalb 
ist anch fielmehr die Lesart Kalvdvlm die richtige, und wie ein kaljd- 
niacber Fährmann nach Eos kommt, ist ebenso klar wie seine Reise nach 
Sikelien undenkbar ist.' 

4) Damit soll dorchans nicht die HQglicbkeit anegeschlosBen werden, 
dasa Beine Gebnrt erst zwischen 314 nnd 312 gefallen sei, was Diejenigen 
lieber glauben werden, welche etwa daran Änatoss nehmen, daas er erat 
mit 88 Jahren Schaler des Philetat geworden sein sollte. Aber tiefer hinab 
als 312 nnd höher hinanf als SIC darf man schwerlich geben. Man darf 
nämlich wohl annehmen, dass er etwa gleichen Altera mit Aratoa war und 
das von ihm im 7. Idyll geschilderte Erntefest etwa zwischen 292 und 390 
Statt geftwden hatte. S. darflber C. 4. Ä. 7-10. C. 10. A. 6. 8, vgL anch 
C. 4. A. 48-60. C. 9. Ä. 28. 

6) V. Theoc. p. 185, 42 ff. ÜKOvoiqe Si yiyovt 9iXrtt& xrl 'AvitXiiiaäSov, 
üv fivi]fiav£vt(. Dies iat, wie die letzten Worte deatlich genug besagee, 
aus Id. VII, 39 ff. geachloseen (vgl. Schol. 40. 'ÄenltixiäS-qv -citv Säfuov, oe 
So%fC ÖKovaiiis ftyovivat ö GeöxQizot und A. 2), aber ao falsch dieser 
ScbluSB in Bezug anf Asklepiadea ist, so richtig scheint er nach den oben 
C. 4, S. iTfi f. mit A. 10 angestellten Erwignngen in Bezng anf Philetat. 
Vgl. auch noch Cboeroboak. p. 360 Gaiaf. ^ili^tät h Siddmtlos Beo%fiiov 
(— Herodian. 11. p. 768, 20 f. Lentz). 

6) Syr. 12 (Tgl. C. 4. A. 4S). Id. VII, 21. 50. 96. Dass man hie und da 
aus diesem Namen tUschlich achloas, sein Vater habe Simichidaa (oder Si- 
michoef) geheisBen, erhellt aua V. Th. p. 185, 38 ff. nati/it StfuxiSa (Ztfu- 
xiSov Vulg., Xifiijoti AbreoB und nach diesem Ziegler), äf ttvris tpi^t 
(ea folgt Id. Vll, 21)- fvuM Bi lo ZituilSa {Zi^ixCatis Ahrena nnd Zieglei 
nach einigen Handacbrr.) ijtäw\utit elvai liyovvi {Soitti jä(f tifiig tlvai Tqr 
nföamiiiy), Tiatita S' iofri-nivtn TlQaiayöfav kvI (iijtltta ^ilivvur. Snid. 
nfaiayöfov nsI tiUvvrig, oi ii Zifuj/dcv. Schol. VII, 21. o'i fi.iv . . . tta9» 
Sifuxliov {^iflixov Genev.'', Ahrena, Ziegler) rjv vic'c, rj Na#ö aifiis »*' 
o'i ii K. I. l. (a. n.). Ans diesem Scholion aber erhellt wenigstens ao viel, 
üasB es in Kos einen Bürger Simichidaa oder Simichoa gab, Sohn de« 
Periklea, ans der Zahl der Orchomenier, welche (nach der ZeratOrnng ihrer 
Stadt durch die Tbebaner 364, s. Schäfer Demoatb. I.' S. 1211 — I.> S. 10») 
in KoB Bärgerrecht erhielten, Stni%i8ov (wenn Ahrena nnd Ziegler Becht 
haben, was ich ebenso wenig wie Meioeke nnd Hiller glanbe, tötten 
sie wenigstens auch hier Xifiixo« schreiben mfiaeen) loö IleQinleiwt tth 
'Ofiofteviav , otuttg noUxelat xa^ä Ktpoit rtxv%ii*a9iv , and daaa Th. fflr 
diese zugewanderten Orchomenier, beziehentlich diesen Bürger ein beson- 
deres Intereeae hatte, ergiebt eich ans Id. XVI, 104 f. Welcher Art d 



iv.t^iOO^IC 



TheokritoB. 199 

poetiscbeD HirteDgenoasenacbaft; aDgeb&rt«, zu deren Stiftnog 
Termathlich von ihm selbst der stärkste Anetosa ansg^^ogen 
war^. Um so weniger läset sieb besweifela, dasa schon in diesen 
Zeiten der letzten Neunziger- nnd ersten Äcbtzigerjahre des dritten 



war, kennen wir freilich (wie Hiller Einl. m Id. VII. 8. IIB richtig ba- 
merkt) nicht wiseen, immerhin aber dürfen wir hiernach mit grOestei 
Wahrscheinlichkeit Termuthen, daga der Dichtername des Th. von dem 
wirklichen Namen dieses Bflrgers hergeleitet war, <md jedeofalta nicht, 
diese fiberlieferte Spur verlassend, mit H&berlin S. 46. Bl rein ans der 
Phantasie eine andere Ableitung jenes Diohtemameneversachen, vgl. Knaack 
W. f. kl. Ph. IV. 3p. 616. Will mau der Phantasie folgen, so konnte man 
ja weit eher so combiniren: da doch Praiagoras ein vorwiegend koischer 
Name ist, so war der Vater des Th. vielleicht wirklich ans Eos gebflitig 
and stand mit jenem koiscben Bürger in FamilienbeEiehungen. Wenn 
freilich Eäberlin S. 64 meint: e sekoUia Thalytiorwn comperttun habeiMtt 
Theocriti avum (er meint wohl den Stiefgrossvater im Anichlnss an die 
Schreibang xaipmov) fitüac FericleM Erehomenwm, so Qbersieht er, was 
schon Hiller in seiner vortrefflichen ErUntemng dieses Scbolions (Jahrei- 
ber. XXIV. 1686.. S. 874 f.) sehr richtig hervorgehoben hatte, dass Die- 
jenigen, welche diese firklärong gaben, bei derselben bebaopteten (was 
nenerdings Mectens S. 18 ff. angegriffen hat, s. aber gegen ihn Bannow 
W. £. kl. Ph. V. Sp. 113 f), unter Simichidas sei nicht Th. lu verstehen, 
sondern ein Anderer, lii ii iStiföf t(«>« tüf ovv avr^, und von diesem 
Anderen sagten, tö« tatoitor äxö natguöxov (so richtig Hiller statt 
xatfiov: die von Hanler vertheidigte Sobreibong KutgMov nnd Ueinekes 
Coujector MBifOE 6itov bemhen auf dem gleichen Irrthom; ich selbst dachte 
froher an <«a»«oi(> vatgiov) alii^qra», ätiö 2iiuxiäov *. t. i. (s. o.). TJeber- 
dies aber liegt es doch wenigstens weit näher tä* "OQio^tvlav %. 1. 1. auf 
Si^t%£8ov als auf Jlf^mXiovt zu beziehen. Will man daher der Phantasie 
Baum geben, so konnte man weit eher in Simichidaa (oder Silnichos?) den 
Vater des nach Sikelien ausgewanderten Praiagoras und äroesvater des 
Th. suchen; doch das ist eben nur eine Möglichkeit Sehr gut vermnthet 
fibrigens Hiller, dass derjenige Ausleger des Th., welcbei' snerst aus einem 
Historiker oder Localforsoher die Nachricht Aber jenen Sohn des Perikles 
herao2<^, wahrscheinlich der Eoer Nikanor (s. A. ib*') war. Wenn aber 
■onach SifUfiSnt gewiss auch von aifio'c nicht absuleiten ist, so darf man 
doch den fireilicb schwerlich (s. A. 8) richtigen (bedanken des Munatios 
(Ai^m. Id. III u. das. Schol. 1 f.), dass der Hirt des 8. Idylls Th. selbst 
sei, indem er V. 8 mit der Frage, ob er etwa aifi^c sei, auf jenen Dichter- 
namen anspiele, immerhin nicht als so sinnlos beseichnen, wie Hiller in 
der £inl. zn diesem Ged. S. 77 thut, da ja doch der von diesem Hirten 
angeredete Titjros (!ff.) ohne Zweifel kein Anderer ist als der gleich- 
benannte Freond des Th. im 7. (Alesandros?). Allerdings hat Mnnatioa 
mehrfach (.». A. 79) wunderliche Verkehrtheiten vorgebracht. 
7) S. A. ». 



i.t^iooylc 



200 PünfteB Capitel. IdjUendiohtniig; Himianibos n. a. choliamb. Dicht. 

Jahrhunderte ein Titeil seiner Hirtengediclite entstand^}, und ein 
Gleiches mag wohl such von dem mimischen 2. IdjH gelten^^). 
Als eine poetische Spielerei verfaeste er ohne Zweifel damals die 
Hirtenpfeife (Süptyl)'). Vielleicht traten auch Dichter der Nach- 
barinsel Samos zu dieser poetischen Verbindung in ein näheres 
Verhältniss, wie Asklepiades "*) und auch wohl der nachmalige 
Arzt uod Epigrammendichter Nikias von Miletos, welcher eben 
damals bei dem berühmten Erasistratos schwerlich in Kos, wahr- 
scheinlich vielmehr in Samos Medicin stndirte"). Jedenfalls be- 



8) Von den erhaltnen tum Wenigstea nach Ä. 3 das 1. (vgl. auch A. 18) 
und Bodann vielleicht das 8. Die Rolle, welche hier TitTTOB spielt, konnte 
demselben freilich ancb ipäter, aU der Dichter nicht mehr mit diesem 
TitjroB-AleuiidroB zasammenlebte , von ihm zngetbeilt aein, wie gegen 
Häbertin S. 57 zn bemerken ist. Aber dies Idjil iit wenigatena geraume 
Zeit TOT dem 4. entatanden, in welchem AmaiyUie eohoD todt ist, und in 
deBsen 38. Vers anf den 6. dee 8. znrttckge blickt wird, wie Hiller be- 
merkt hat. Trotzdem entscheidet aicfa Häberlin dafQr, Bchon die Ent- 
Btehnng des 8. erst nach Alexandreia zn verlegen, indem er annimmt, (tut 
Th. dort wieder mit AleiaudroB znaammengetroffen sei; aber wir wissen 
gar nicht, ob leteterer xaa 274 oder Bp&ter von Makedonien wieder nach 
Alexandreia zurdckgekehit ist oder nicht (a. C. 4. A. 76^). Ebenao onBioher, 
wenn nicht geradezu verwerflich (s. CrusiuB L. Centralbl. 1887. Sp. 1880) 
ist J. A. Hartnnge and H&berlina Vermnthnag, daas der Ziegenbiit 
BattoB im 4. Idyll KallimachoB sei, and wenn ea auch ohne Zweifel als 
eine fernere Bezagnahme des 4. aaf das 8. mit Hiller aniiuehen iat, doai 
dieser Battoa als ein Liebhaber der Amarjllia und der nngenannte Lieb- 
haber derselben im 3. IdjU gleichfalla alB Ziegenhirt eracheint, ao ist doch 
nicht einmal so viel ganz aicher, ob Th. bei dem letzteren aofaon den i^Un- 
lichen Battoa vor Augen hatte. S. flberdiea A. 63. 

%^) 8. Hiller Jahiesber. LIV. S. 187: „Abfaasung in Aleiandria nimmt 
Spiro Deutsche L. Z. 1886. Sp. 1466 an. Mir scheint der Aufenthalt dea 
Mjndiers Delphis in der Stadt, wo daa Gedicht apielt, eher auf. .. 
Eos hinzuweisen". 

9] S. C. 4. S. 183 ff. Von Unächtheit dieaes kleinen Gedichts kun 
jetzt, nachdem sich gezeigt bat, daaa wirklieb kein Grund iat dem Zeognisi 
dea Cod. Palat. zu misatraoen, nicht mehr die Bede sein, a. Bergk Anthol. 
Ijr. S. LXVni, Wilamowitz a. a. 0., welcher zu den C. 3. A. 6 citirten 
Worten noch hiozui^gt: „melicog varsut, quales kic }iabemua, pott Colli- 
machum omnitto conditog tage tum demum credemut, cum exempla prolata 
eninf (a. jedoch C. 7. A. 29. C. 9. A. 60), Häberlin S. 40 ff.. Hiller 
Jahreaber. LIV. S. 200 f. und C. 4. A. 48. 

10) Id. Vn, 40 erscheint dieaer nnter dem Namen Sikelidas, mit wel- 
chem ihn auch Hedjlos b. Ath. XI. 473 b nnd Meleagroa Anth. Pal. IV, 
1, 46 bezeichnen, a. Hiller z. d. St. n. vgl. C. 4. A. 11, C. S6. A. 30. 

11) Argnm. Id. XI nach der Herstellung von Biicheler Bhein. Mus. 



ivXtOO^IC 



Theokritoa. 201 

ireandete äich Theokritos eng mit diesem seinem Jugendgenoasen, 
welchem er hernach sein 11. Idyll, den Kyklopen, und sein 13., 
den Hylas, gewidmet bat"), nicht minder mit Äratos") und 
demnächst mit Dosiadas und, wie es scheint, dem Aetoler Alezan- 
droe"). Ob er noch nach dem Tode des Fhiletas in Kos blieb 

XXXTX. 18S4. S! 876 (tind alao nicht ent, wie Hiller a. a 0. S. 186 be- 
richtet, TOn Geroke): ^yqu^pi Ji iniffäiiiKCta i avtöt- fifoyt di nvftipoi- 
f7iT7]f 'Ef/uaiaxQäLzov xov lovXtTftov (oder VdoZi^toc Kti(ov statt nodjtov ^), 
a>; qnjot ^tovvsiof k; c. I. Data iiDfupo(ii]i^C hier entweder nicht „Mit- 
Bchfller", londem „ScbUer" bedeotet, oder dasa, wenn diee nicht möglich 
«ein aoUt«, diese Angabe irrig und in ihr Schäler nnd MitschQier ver- 
wechnelt Bein dürfte, »igt Snsemihl Au. AI. t S. Vllf,, im Uebrigen a. 
C. 24. A. S9, 80. 130. 

IS) Vgl. aocb Epig, Till aaf ein BildnÜB dea Aalclepioa. Einea kanen 
Erwidenmgagedichtea von Nikiiu aaf den Ejktopen in Heiamatem ge- 
denkt Argam. Id. XI mit Anfahmng der beiden e»ten Vene. Auaaerdem 
a. C. 86. A. 89. 

18) Id. VII, »8. Vgl. A. 19. 

14) S. C. 4. A. 41-49. 14. 90. Auch Aristit (Id. VII, 99 ff.), welcher 
genau TOn der Liebe d«B Äratoi in Philiooa Bescheid weiaa (a. Uiller t. 
A. St.), wai natOrlieh ein Qenoase dea bukolischen Terbandea. üb dies 
aber sein wirklicher Name oder not sein Hirtenname in diesem Vereine 
war, nnd ob vielleicht in letiterm Falle ein uns anch sonst bekannter 
Dichter hinter damselben ateckt, iat vOtlig donkel. Gegen die Vermnthung 
TOD Häberlin S. 68, dasa der Id. VII, 3. 133 erwähnte Qenoaae des 
Th. Amjnlaa oder AmyntichDB der ana Ath, XIV. eSOc bekannte KinAdo- 
logendichter Alezot (Tgl. C. T. A. 1. Sl) sei, s. C. 4. A. 64. Aus der Art, 
wie Id. V, 105 Prariteles erw&hnt wiid (a. Hiller z. d. St), kann natflrlich 
Nicbta darüber geachloaaen werden, ob etwa Th, auch mit diesem peraOn- 
lieh Terkehrte. Ein Qleiehea gilt Ton den Dichtem and Compouiaten 
iTriacher Gea&nge, der Glanke von Chioa nnd dem P7riOB, Id. IV, 31, 
Tgl. die Schollen z. d. St , nach denen er aua Erjthrae oder ans LeeboB 
war; aber wohl mit Recht vermnthet Meineke An. AI. 8. 246 f. in ihm 
den gleichfolls als Ein&dologendichter bei Ath. a. a. 0. nnd Said. SmtiÖTit 
aniigefabrten Pjrea oder Pyrroa von Hiletos, a. C. 1. A. 1. 32. Sit. Dann 
aber geataltet sich die Sache doch etwas anders. Wenn n&mlich, wie 
Enaack Analecta, Hennea XXV. 1890. 3. 84f. bemerkt, die Scholiln m 
Id. IV, 84 besagen, daaa Th. die Geschichte dea Uileaiers Aatyanai auf 
den Aegon dieaea Gedichts übertragen habe, ao liegt der Gedanke nahe, 
das* jene Geschichte in einer Dichtung dieses milesischen Poeten bearbeitet 
war und Tb. diese vor Augen hatte, zomal da auch Titj^oe-AlexandroB, 
der als Qenoase bei dem der Amarjllis dargebrachten StAudchen Id. III, 
« ff. wogegen iat (a. A. «. 8), einen Utnlicben (a. IV, 83 ff.) Fresser TitormoB 
beaang, s. Theodor, t. Hierapolia ieb^I äymvai» b. Ath. X. 412 off., wo 
auch Milon (wie bei Th.) und Astjaoai wiedererscheinen und Meineke 
An. AI. S. 349. „Stammt die bei Ael. V. H. XII, 82 (vgl Fritsache- 



„i.,ooylc 



202 Fünftes Capitel. IdyUendichtiuig; Mimiunbog o. a. choliamb. Dicht. 

oder die Insel sehou vor demselbeD verliess, wissen wir nicht; 
Bicher ist es, dase er in seine Heimat, und wahrscheinlich, dass 
er vor 280 in dieselbe zurüchkehrte '^). Hier und theils viel- 
leicht auch in Unteritalien ^*) brachte er nunmehr eine Beihe 
von Jahren zu and verfaaste in dieser Zeit einen weiteten Theil 
seiner Hirtengedichte, so ohne Zweifel das 11. Idyll") und viel- 
leicht das wahrscheinlich^^) nach diesem entstandene, dem Aratos 
gewidmete 6.^"). Von hier aus besuchte er auch den Nikias und 

Hiller xa U. IV, 3Q) von TitormoE erzUilte Geschichte etwa ans Äleian- 
droB?" (Knaack). 

15) Dies ist gewiss nicht in viel behauptet, wenn man bedenkt, dast 
er schon entweder kurz vor oder weniger wabiBcbeinlich kun nach 370 
nach Alexandreia übersiedelte, a. A. i». Die Blfita des koischen Dichter- 
bandes ist daher nicHt mit Wilamowitz a. a. 0. S. 18 erat zwischen 386 
und 870, sondern schon zwischen 292 und 285 oder doch 360 in verlegen, 
EUn&chet zwischen 298 nnd 290, s. Qberdies Snaemihl Anal. AL II. S. VIIL 

10) Wenn anders man diea, waa ich dahinstelle, daraus schlieuen 
darf, dasa dort die Scene des 3., 4. and 6. Qedicbte ist. War das 3. schon 
in Eos entstanden (s. A. 8), so darf man es wohl nicht. Immerhin scheint 
Th. aber doch Cntetitalien zum Theil aus eigner Anscbaanog zu kennen. 

17) Wie ans V. 7 erhellt 

18) S. darQher Hiller in der Einl. za diesem C. IdfU. Gut ist übrigens 
auch die Beobachtung von Oeroke Rh. Uns. XLII. S. 621: derselbe Vor* 
wnrf wiederholt sich I, 84 und TI, 7 und ist an der enteren Stelle passen- 
der und also doch wohl auch nraprünglicher, das I. Idyll also mindestens 
(s. A. 8. 8} auch älter ala das 6. Auch Hiller Jahreeber. LIV. 8. 187 i^t 
hierin Gercke beizustimmen geneigt, Daae tibrigena nicht bloss das 1. 
nnd 8., sondern, auch das 6. and sogar (vgl. A. 8) auch daa 4. an den Uteren 
Gedichten des Th. geboren, dafOr spridit auch noch ein metrischer Gmcd: 
dies siod die einzigen Hirtengedichte, in welchen der Spondeioa unmittelbar 
vor der bakolischen Diärese entweder ganz vermieden oder doch nur so 
zugelassen wird, daas die zweite Silbe deaselben ein zum Folgenden ge- 
hSrigea einsilbiges Wort ist (vgl. Brinkec S. IB), a. indeasen A. 68. 

19) Auf aikelischem Boden spielen ausserdem unter den Hirtengedichten 
das unächte 8. und das nicht unverdächtige 9. Idjll. Immerhin kann in- 
des^ das 6. möglich erweise auch erst in Alexandreia abgefasst sein. Denn 
wie sehr H. auch dort in. seinen sp&teren Jahren noch den Aratos, ohne 
ihn je wiedergesehen za haben, zu lieben fortfuhr, erhellt ans dem 7. 
(98ff.). Vgl. A. 13, auch C. 10. A. 16. H&berlin S. ÜB. meint freilich, 
es sei ein Anachronismos, wenn Th. denselben schon in Eos anr Zeit des 
beschriebenen Erntefestes ala seinen vertrauteaten Freond darstelle, und 
vermnthet vielmehr, daas ersterer sich zwischen 276 und 274 an den Hof 
de« Antigonos Gonatae begeben und dort den Aratos vorgefunden habe; 
allein diese Hypothese ist rein aus der Lotl gegriffen, s. Enaack a. a. 0. 
IV. Sp. 616, Tgl. auch Hiller.a. a. 0. S. 196, doch s. A. 20. 



iv.t^iOO^IC 



Theokrit«8. 203 

desaeD Frau Theogenia in Miletos, nachdem er zn Ehren der 
letzteren daa 2S. Idyll auf die Spindel, welche er ihr als Gast- 
geschenk mitbringen will, gedichtet hatte, als er sich auf diese 
Reise zn begeben im Begriff stand. Vielfach bewarb er sich um 
die Gunst reicher und mächtiger Iieute, aber vei^ebens*"), end- 
lieh mit dem 16. Idyll (^Xa^ttte V 'IkQtov) um die von Hierous 
neu aufgehendem Gestirn, Doch bevor dieser Mann am Longanoa 
gesiegt hatte und zum Könige au^emfen war**), also zwischen 



20) Id. XTI, 6ff. Vgl. Biller a. a. 0. S. 196: „Tod HaohUiabera in 
Bicilitchen St&dten aas d«r Zeit kurz vor HieronB Herrscfaaft werden um 
einige g«nan[it (Holm a. a. 0. 11. S. 378), und wenn fOr die Zeit fiieroitB 
nuere erbärmliche UeberliefeniDg hierflbeT venagt, lo ist damit Nichts 
bewiesen". Haberlin 8. fi6. A. 10 behauptet freilich gegen Vahlen, ans 
V. 7 ond 34 gehe hervor, dass diese Leate aosierhalb Sikeliens za snchen 
seien, und versteht, wie gesagt, den Antigonos Gonataa. Aber T. 6— T 
steht weiter Nichts als: „welcher Erdenbewohner wird meine Chariten anf- 
nehmen and nicht ohne Gastgeschenk wieder entlassen?" und V. 84 — 67 
Nichts weiter ab dasa die thessalischen Qrossea ihren Nacbrnbm dem 
Simonides, die bomerieclien Personen dem Homeros nnd Kyknos dem Dichter 
der Ejprien verdanken. Und darin findet fi. eine Andentnng des Th., dasa 
er von den jetzigen Herren von Tbeualien weniger gütig behandelt sei als 
Simonides von den damaligenl Spiro Dentache L. Z. 1886. Sp. 1466 ver- 
steigt sich sogar an der Behanptnng: „Th. selbst sagt im Hieron, der 
Fant, den er verlassen, sei ein orientalischer"!! Die HOgUchkeit, dasa der 
Dichter neben den einbeimischen Machthabem auch auswärtige (meinet- 
wegen anch AntigODOs Qonatas) gemeint haben kOnne, iat natürlich, wie 
ich Hiller a. a. 0. gern zugebe, nicht anagesc blossen; von Wichtigkeit 
würde indessen dieser Ponkt doch erst werden, wenn man ernsthaft mit 
der weiteren Möglichkeit, dass Tb. selbst bd diesen fremden Farsten ge- , 
reist sei, zn rechnen hätte, dazu mOsaten aber doch erst irgend welche 
Spnren hiervon, wenn auch noch so leiae, vorhanden sein. 

Sl) Durch diese Entdeckung Vahlens üeber Theokrit's Hieron, Monats- 
her. der Berl Akad. 18S4. S. 828—649 ist ein ganz neues Licht auf die 
Lebensgeschichte des Dichters geworfen. Denn wenn auch invor schon 
Bibbeck a. a. 0. S. Bt ff. den Sachverhalt im Wesentlichen richtig dar- 
gestellt hatte, so verlegt er doch das 16. IdjU ffiJachlich erst ins Jahr 266. 
Der Versuch von Beloch Zn Theokritoa Hieron, Jahrb. f. Philol. CXXXI. 
1886. S. 866-868 Vahlens BeweisfQbnmg bo entkräften und die frühere 
Annahme, dass das Gedicht beträchtlich später, genauer, wie er meint, 
erst Ende 263 oder Anfang S6S entstanden sei, neu zu begründen, ist von 
Susemihl An. AI. I. 8. XVII f. and besonders von Rannow S. S— 6 der- 
gestalt widerlegt worden, dass selbst Knaack, welcher noch a. a. ü. III. 
1686. Sp. 4G7f. Vahlens Ergebnisse lebhaft and scharfsinnig bestritt, sich 
dann a. a. 0. IV. 1887. Sp. 617 zu denselben bekehrt hat. S. aber überdies 
i82. 



,,L.ooylc 



204 Fünftes Capitel. Idyllendichtnng ; Mimiamboe a. a. choliamb. Dictit. 

274 und 270'^). Aber aucb hier erreichte er deo gewtiDSchten 
Erfolg nicht, und so wandte er sich nunmehr an Fhiladelphos, 



83} Gercke Alex. Stad. 2. Der Regietougaautritt Hierons II. Rh. Hdb. 
XLII. S. 867—270 Teraetzt dies Gedicht zwar aoch mit Vahlen Tor die 
Schlacht am LongaDOs, verlegt aber (muh Haackh in Pauljs Bealecc. 
III. S. 1304) dteae erat iua Jahr 265 und l&aet daher den Aufenthalt dea 
Dichtere in Alexandteia der Bewerbung um Hierona Onnat vorangehen, in- 
dem er (mit Haackh) die &4 j&brige Begieruagazeit dea letzteren bei Polyb. 
Vn, 8, 4 trotz dea hier gebrauchten Ausdrucks ßaoilfvaas und des un- 
mittelbar voranfgeh enden ßaailcve %atiarij so deutet, als sei hier die Peld- 
herrnieit mit gerechnet, nnd nicht minder die aofs Beste Qbereinatimmende 
Angabe bei Paua. VI, 18, 2 mit seiner Berechnong anaiugUichen encht. 
Allein Suaemihl An. AI. IL 8. IV und beaonders Hiller a. a. 0. S. 193 f. 
nud Euiper De Theocriti carmine XTI, Hnemos. N. F. XVII. 1SS9. 
S. S78— SS3 haben die Unmöglichkeit dieser Deutnngen dargethan. Dm eo 
onbegreiflieher iat ea mir, wie Hiller S. 196, obgleich er Vahlena DaUmug 
dea 16. Id^lla TSlIig beistimmt, ea dennoch fOr nicht unzweifelhaft erk&«n 
kann, ob nicht das 17. trotzdem früher aei. Den schon TOn Vahlen nnd 
Snsemihl An. AI. I. S. XVH heranagebobnen Hauptpunkt, welcher dies 
nnmCglich macht, haben Beloch, Enaacb und Gercke Bb. U. XLII. 
S. 603—611 nicht einmal berührt: die Klagen des Tb. XVI, 6-67 (*. A. ai) 
müsaten aich dann, aei ea ausBcblieselicb, aei ea namentlich, auf Pbiladelphoa 
beziehen, nnd er müaate dann, nachdem er bei dieaem Jahre lang in 
Aleiandreia gelebt und wiederholt (XIV, 60 ff., XVH, 108—120, vgl XV, 
106—111) deaaen Freigebigkeit geprieaen hatte, denselben mit einem Haie 
jetzt der Knickerei anschnldigeu (s. die gnten Bemerkungen Ton Rannow 
S. 10 ff.). Die BinwQife von Hiller erledigen sich Eum Theil durch das 
von Snsemihl a.a.O. 11. S. IV Geltendgemachte, anderntbeils ist auf 
Hillera Satz; „Obrigens wissen wir nicht, ob Exemplare dea zanachst für 
die Hofkreiae bestimmten Enkomiona so raacb (7) nach Sicilien gelangten", 
zu antworten; nm dem Th. eine solche Frechheit znxntrauen, das« er sieb 
darauf verliess, »eine a^mmtlicben Oedicbte XIV. XV. XVII werden dem 
Hieron nnbekannt geblieben sein, nnd er kOnne daher demselben getrost, 
ohne Fnrcht von ibm verlacht zu werden, jene Verse vorerzählen, müsatoi 
erst aehr zwingende Gründe vorhanden sein, während doch Hiller aelbst 
wenigstens die von Gercke (vgL A. 21) fOr belanglos erklärt Wohl aber 
hat der Dichter die phantastische Unvorsichtigkeit begangen seine Ho&nng 
auf die dereiuatige Vertreibung der Eaithager aus Sikelien durch Hieron 
zu einer Zeit auszusprechen, in welcher dieaem vielmehr gerade an einer 
Freuudachaft oder doch einem neutralen Verhalten derselben Alles gelegen 
sein muaste. Dieae TacÜoaigkeit hat Beloch fflr nnmCglich erkl&rt, aber 
Rannow S. 3ff. zeigt, daaa die Annahme, das Gedicht aei erat 263/2 ab- 
gefaaat, noch viel grossere AnstOssigkeiten, ja zum Theil wirkliche Un- 
möglichkeiten mit sich bringt, und eben dieser Hiasgriff mag der Grund 
gewesen sein, weaabalb 'Ib. (wie man sich die Sache unzweifelhaft denken 
musa, wenn das 17. Idjil später entstand) bei Hieron kein Glück machte. 



iv.t^iOOylC 



Theoltritos. 205 

Tielleiclit zonäcbst mit dem 14.*'), wenigstens f8r diese Situation 
nicht abel psBsenden**) Idyll, in welchem der Liebhaber seine 
treulose Geliebte verlässt und in die Kriegsdienete des Ptolemaeos 
geht, mit dessen Preise das Gedicht endet. Jedenfalls lohnte 
hier der Erfolg seine Bemöhungen. Er siedelte zwischen 273 
oder 272 nnd 270, spätestens 269 nach Alexandreia über'^) und 
blieb dort vermutblich") bis an seinen vielleicht erat unter der 
Regierung des Euergetes*^ erfolgten Tod. Ausser dem 7. Idyll 
ist möglicherweise auch ein anderer Theil seiner Hirtengedichte 



Aoch bemerkt noch Hiller S. 191», dftgg dar Fehler „einigennaiBeu ge- 
mildert werde, wenn mui, was Oercke S. 2T0 vielleicht mit Becht thnt, 
anf . . . InatJD. XXIV, 4, 9 einigei Gewicht legt". Uebrigeiu rgl. aach 
A. S9. Hoch istereiMDt w&re es, wenn Euipei 8. 888— 3S7 darin Recht 
baben Bollte, dass daa Gedicht mehr&ohe Anklänge an Pindaroa Eeige, 
nnd daM anch daa S4. Bekaaiitaoliaft mit Nem. I an den Tag lege; jeden- 
&11b aber ist die Folgerong, die er daraoi zieht, verkehrt, dau die Hirten- 
gediclite apftter aeien. — Tor des Dichters Uebersiedlung nach Aleiaadreia 
dflrfte hiernach aach dos 12. Idyll entstanden Hein, deim von den Be- 
merkungen Oerckes 8. 610 Bcheint mir gleich Hiller S. 192 Bo viel richtig, 
daas die* Gedicht wegen V. 6 nicht fQglich dort nach der Qe«chwiat«iehe 
in Tage gebeten sein kann. 

23) Nach der ansprechendes Vermathung von Knaack a. a. 0. IV. 
Sp. eis. Ooni anders freilich Gercke S. 609. 6JS, s. aber die Wider- 
legnng von Htller S. 19S. 193 n. bes. von SuBemihl a. a. 0. II. S. XIU. 
Ist Knaacks Yermnthnug dennoch nnrichUg, SO bleibt nur Entstehung in 
Alntandreia übrig. Der Schanplati indessen ist Sikelien. 

24) Wenn anders man das tertium comporationis noi nicht allia weit 
ansdefant. 

SC) S. A. X9. Wenn dos Argnm. Id. TU ihn nicht von Sikelien, son- 
dern Ton Eos aas nsch Alexandreia kommen lässt, so beruht dies ver- 
mnthlich, wie Enaack a, a. 0. IIL Sp. 468 bemerkt, aof einem Schlass 
ans TU, 91 f., wo in der That hinler Zeus (9S) nach Beiskes Annahme 
PhiladelphOB m stecken scheint. Aber trotidem ist dieser Schluss keines- 
v^s Ewingend, denn Th. war hier, wenn die Sache richtig ist, wirklich 
m einem Anachronismus genOthigt. 

26) S. Bannow S. 19. 

27) Wenn v. Wilamowiti Herm. XIT. 1879. S. SOG. Ä. 1 Recht darin 
hat, dOBS bei Kallim. Ep. LI, 3 (a«/£atoE Bi^ivina) ein dem Th. (Id. XVII, 
67 äftialae Btftvina) dargebrachtes Compliment in finden sei, so dürfte 
darans hervorgeben, dass letzterer mindestens nm 248/T (s. C. 18. A. 69) 
noch lebte. Bannow S. bO bestreitet nno freilich jene Annahme, aber 
Enaack a. a 0. IV. Sp. 621 macht für dieselbe geltend, dasa die Be- 
dentsamkeit des Epithetons Bp/foldc ans dem von Uecker mit Wahr- 
scheinbcbkeit dem Eallimachos beigelegten Fr. an. 267. Aaäyov tfilot vCöb 
B^^loc ntaUfutio« erhelle. 



iv.t^iOO^IC 



206 Fünftes Capitel. Idytlendichtnn^; MimiamboB n. a. cfaoliamb. Didtt. 

erst hier entstanden*^), jedeafalls aber, wenn nielit schon zwischen 
272 lind 270, ao doch mindestens kaum nach 266 oder vielmehr 
267 das 17. Idyll, das Lobgedicbt auf Ptolemaeos*^, ferner in 

28) Doch kann es sich nach Abing des 8. und 9. IdjUe eigentlich nu 
nocb um das 6. und allen&lU auch noch am das 4. und 6. handeln, 
B. A. 3. 8. 18. 19., 2u denen dann noch das 10. kommt, nnd obgleich man 
den Umaland, daaa alle erhaltenen Hirtengedichte aussei dem 1. (s. A. 3) 
nnd 7. Id. in Sikelien oder GrosagriechenlaDd spielen, wohl nicht hiegegen 
geltend machen darf, so ist es auch ebenso gut mAglich, daaa Obiges 
nicht der Fall nnd jenea 7. Id. vielmehr nnr eine TOiflbergehende nnd 
ansn&hmaweise Rückkehr des Tb. m der Poesie seiner jOngem Jahre war. 
S. aber flberdies Ä. SS. 

29) Viel später freilieb setete Dioyaen Helleniam. III>, 1. S. SlSff. 
dies Gedicht (dessen Dentnog 8. 884. Ä. 1 von V. 68 £F. auch schwerlich 
richtig iet); allein znn&chst wies Bllcheler De bnoolicornm Oraeconun 
aliquot cannioibos, Rhein. Mas. XXX. 1875. S. 66 ff. nach, dass dasselbe 
dort nm 870, wenigstens zwischen 276 nnd 26S entstanden sei. In seiner 
Erörterung sind nur zwei Fehler. Erstens ans der äleichheit des Anfoogs 
mit dem der ^ivöiiivit des Aratos ist in so fem kein chronologischer 
Schlaes zu^sig, als Th. so beginnen könnt«, ancfa wenn letcteres Qedicht 
noch nicht vorbanden war, wie Vahlen Berl. Sommerkat. 188G mit Recht 
bemerkt. Andreiseifs freilich da dasselbe zwischen 276 nnd 274 entstand 
nnd folglich in der That schon da war, kann unmöglich mit Vablen nnd 
Bannow 8. 22 f. behauptet werden, der gleiche Anfang beider Oedicbte 
mit demselben Halbven sei nur ein znf&lliger, oder wenigstens es sei nicht 
sicher, dass Tb. sich dieaer Uabereinstimmnng bewnsat (m«mor«M) gewesen 
sei, aoadem richtig nrtheilt Biller Woch. f. kl. Ph. II. 1886. Sp. 1801: 
„sind Arals Phänomena frflber gedichtet, so wird man sagen dflrfen" (ich 
dächte vielmehr: müeaen), „dass der Anfang dieser Dichtung dem Tb. 
im GedKchtniBse geblieben, nnd dass er sich folglich, wenn er ein eignes 
Gedicht mit den gleichen Worten anfing, der Uabereinstimmung bewnsst 
war". Es ist nnd bleibt so eine kleioe dem Äratos dargebrachte Huldigung, 
die übrigens um so mehr am Platze gewesen sein würde, wenn schon 
PhiladelpboB, was aber freilich mindestens sehr zweifelhaft ist (s. C. 17. 
A. IS. 13. C. 19. A. 17. C. 27. A. 18), derjenige Ptolemaeoa war, welchem 
die ^tväpiiru besonders gefielen (s. C. 10. A, 40), nnd nicht erst Gnergete*. 
Ueberdies s. Knaack a.a.O. IV. Sp. 619 f. Zweitens die Verse 43f. 
sind, wenn anders man überhaupt eine solche Anspielung in ihnen ania- 
nehmen hat (a. Bannow S. 18. Vahlen Sitzungsber. der Berl. Akad. 
1688. S. 1377 f. Hiller Jabresber. LIV. S. l»S), jedenfalli nicht, wie 
Bücheier mit Hauler 8. 24 f. glaubte, auf die erste Ehe des Philadelpboa 
gemünzt (vgl. dagegen auch Hiller za 44}, sondern, wie der Znaammen- 
hang lehrt, mit Hempel 3. 96 f auf die frühere Ehe (oder die früheren 
Ehen?) seines Vaters nnd deren Nachkommenschaft m benehen. Diese 
Deutung wird, wie Enaack a. a. 0. IV. Sp. 018 bemerkt, nocb durch 
V. 63 unterstützt, wo der Gegenaats gegen 44 ohne Zweifel (vgL Eallim. 



iv.t^iOO^IC 



einer nicht näher zu heatimmendeii Zeit das prachtvolle 15., die 
Adomaznaen"^, welche Debenbei auch eine dem Fhiladelphos 



H. in D«l. 170) beabüchtigt iit. Vgl. aach Efipp Rh. Hui. XXXIX. S. 809ff. 
nnd WiedemaanFhilolog. XLVII. S. 36f. (^gen Oercke a.a. 0. S.87Sf.). 
Dann ab« lästt aich aas dieien Tenen NichU fQr die EsUtehnngezeit ent- 
nehme». PhiladelphoB hat Beine Schwester Ärainoe Bcbou geheimthct. 
Wiedemann Zur Chronologie der Arrinoe Fbiladelpbot, Rhein. Hdi. 
XXXVIII. 1S9S. S. 364—892 zeigt, daaa die Hochzeit schon tot 370 Statt 
fand; EOpp Ueber die ajriachen Kriege der ersten FtolemKer, Rhein. 
Maa. XXXIX. 1884. S. 309— SSO macht im Anachlnae an BQoheler wahr- 
icheinlich, data sie achon geraume Zeit vor STl Statt gefanden hatte; 
Gercke a. a. 0. (8. Die Gescbwiiterehe) S. 270— 2T& (welcher S. S72 einen 
■von Wiedemann selbtt geltend gemachten Umatand in eine Widerlegung 
Wiedemanna verkehrt, s. Wiedemann PbiloL a.a.O. S.81. Ä. S) kommt 
aaf einem anderen, aber (wie Wiedemann ebendas. S. 8S leigt) un- 
richtigen Wege (b. C. IS. A. fiS) zu dem Ergebniis, daaa diese Ehe awiachen 
179 nnd 9T1/0 geBchloaaen aej; endlich bat Wiedemann Die Ehe des 
Ptolemaeaa Philadelphng mit Areinoe II, Pbilologna XLVil (N. F. 1). 1889. 
S. 81—89 in erneuter UnterBuchnng dargethan, dsN ea BfAteatene 278 ge- 
aehab, und dasa der In ägyptiacben Urkunden eraoheinende, dann aber 
wieder verschwindende Hitregent kein Anderer als der von Arainoe II 
adoptirte Euergetea aein kann, der aber in dem Gedichte nicht erwUint 
wird und also tnr Zeit der Entstehung desaelben schwerlich Bcbon in dieser 
Weiae anerkannt und ausgeieichnet war. Allein die Zeit, in welcher dies 
geachab, vermag Wiedemann nur so zu bestimmen: „vermntblicb 371, 
»[Atestena 266". Und auch Kopps Veraucb darautbun, das in Rede stehende 
Oedioht kOnne nicht buge nach jener Hochteit geschrieben sein, ist misa- 
longen, wie Rannow S. 6ff. gezeigt hat, denn was gegen diesen H&berlin 
Pfailol. Ans. XVII. 1887. S. IST ff. bemerkt, ist aohwerlicb fibenengend. 
Aber »acta Bannows Gründe fOr das Gegentbeil sind durchons nicht 
zwingend. Er bat bewiesen, dass diese Dichtung nicht wohl nach 366, ea 
sei denn, dass die Schlacht bei Xos später war ata diea Jahr (eine Be- 
schifinkang, die jetzt nach Wiedemanns Ergebnissen aoch noch wegfUlt), 
aber er faai nicht bewiesen, dasa aie nicht schon Bwiacben 372 und ¥10 
entstanden sein kaun, vgL Enaack a. a. 0. IV. 8p. 617—019. 8. noch 
Hiller Jahreaber. LIV. S. 195 ff. Zn einer genaueren Zeitbestimmung ge- 
langen wir ancb nicht dadurch, dasa Th. hier, was fireilich Hiller a. a. 0. 
S. 196 f. mit Bannow S. 24 ff. leugnet (s. aber A. 40), den Hymnos des 
Kallimachos auf Zena und wiederum (nie v. Wilamowitz Ant. v. K. 
S. ilO. A. 41 bemerkt) EallimacboB im Hjmnos auf Delos den Ptolemaeoa 
des Th. benntst haben dürfte, wenn anders nicht (s. Hiller a. a. 0. 8. 197) 
du Verb&ltnias anch hier das umgekehrte ist (s. wieder A. 40). Dies 
17. IdjU wenigstens später als das 14. zu aetomi ist fibrigena auch Rannow 
B.10 geneigt, weil diesem gegenüber in jenem das Lob des Ptolemaeoa 
gesteigert werde. 

SO) Rannow S. 10 meint, wahrscheinlich nach dem 17., weil zwar 



ivXtOO^IC 



208 FQuftes Capitel. Idyllen dichtnng; Mimiamboe a. a. choliamb. Dicht. 

und der Arsinoe^') gewidmete Huldigung in sich echUesst, end- 
lich in einer nur sehr snuäheniogsweise bestimmbaren das schöne, 
viel besprochene 7., das Erntefest (&alveia), und das 13., das 
kleine Epos Hjlas, so wie, wenn anders sie acht war, die Be- 
renike, aus der ans Athenaeoa*"") ein Bruchstück erhalten hat 
Dass sich nämlich Theokritos in Älexandreia mit dem wahr- 
scheinlich*') etwas jüngeren Kallimacbos befreundete, ist auch 
anderweitig wohl kaum zu bezweifeln"); jedenfalls mischte er 
sich aber, wenn nicht alle Anzeichen trOgen, in den Versen 
45—48 des Erntefestes zu dessen Gunsten in den von diesem 
mit Äpollonios geführten Streit"'), und der Hylas ist vielleii^t 

im 1&, d&B Lob des EOnigs aach nicht gespartr (32. 46 ff.), aber doch weit 
mehr (a, A. 31) die Königin verherrlicht werde, bo dasH es nohl all ein 
namentlich dieser geweihtes ergänzende» Seitenstflok zu jenem Lobgediobt 
auf den EOnig anzusehen seL 

81) V. 23. 100 ff. Slii) VII. 284 a. 

32) S. A. 4 und C. 10. A. 4. 6. 10. 

83) S. Ä. 39. DasH freilich der im 62. Bpigr. (Wilam. — 63 Schneid.) 
des EallimachoB erscbeinende Th. der Idyllen dichter sei, wie Einige ge- 
meint haben , ist ganz onmOglicb (vgl. auch A. G4). HOchatena kOnnte et 
sich fragen, wie Hiller zu Id. VIII, ggf. bemerkt, ob Eallimachoa viel- 
leicht hier den 14ameu Btö^txoe mit Rfickaicht aef den letztereo gewUüt 
habe, und dieser Ufiglichkeit atebt aoch die wabncheinlich richtige Deutung 
(Bezugnahme anf BakchjL Fr. 25), welche Hiller Jahresber. LIV. S. 19S 
jetzt gefunden hat, nicht im Wege, 

34) Dies erkannte znerat Gerhard Lectionea ApoUonianae (Leipsig 
1S16). 8. 5. Dann ist ea vielfach beatritten worden, aber mit Unrecht, 
und Bannow Woch. f. kl. Pb. V. 188S. Sp. 101 f. und HilVer a. a. 0. 
S. 180 verfahren viel zu zaghaft, wenn aie ea nur ala mOglich gelten laeaen 
wollen. Denn zwar vermag ich in diesen Veraen nicht eine Anspielung 
anf eine beatimmte Stelle des Argonauten gedieh ta (I, TSSff., vgl. Herkel 
Prolegg. in Apoll. Rh. S. XXVII, welcher mit unrecht umgekehrt eine Be- 
ziehang dieaer Verse anf die des Tb. annahm, a. dagegen Hempel S. 61. 
Hertens S. 8) ala besondere wahrscheinlich anzuerkennen, zwai acheinCD 
auch mir die aonatigen Anspielungen, welche Kterteus 8. 6 fF. in den 
Thalyaien auf dies Gedieht entdeckt zu haben meint, dnrch Eannow be- 
seitigt za aeic, nod diejenigen, welche Oercke Rh. Mus. XLIV. S. 137 t A. I. 
S. 140 f. findet, sind ffir mich theila gar nicht, theils nicht in genügendem 
Masse Cberzeugend; aber die Polemik der in Bede stehenden Verse richtet sich 
ohne Zweifel gegen einen sehr bekannten Dichter, aie pasat vollkommen 
anf Äpollonios, es wird ferner in ihnen deraelbe Grundsatz wiederholt, von 
welchem ans Eallimachoa denselbeu bekUmpfte (vgl. C. 3. A. 8. SuaemihI 
An. AI. I. S. IV f.), ond die Chronologie macht nicht die geiingttea 
Schwierigkeiteu (i. A. 36^ SusemihI a. a. 0. S. XIII f.): alle diese Dm- 
■tfinde vereint erheben die Sache m. G. zur aUergr^taateD Wahrscheinlichkeit 



iv.t^iOO^IC 



Theokritoa. 209 

sogar ^nzlich aas dem Boden dieser Fehde enrachsen ^) ; alieia 
wir wissea weder, wann sie begann, noch, wie lange sie dauerte"), 
und müssen nns daher begnügen jene beiden Gedichte etwa 
zwischen 265 nnd 255 oder doch 260 za setzen*"*). Von be- 
sonderem Interesse ist der Vei^leich der beiden Loblieder mit 
einander, des auf Hieron und des auf Ptolemaeos: jenes ist „fein 
nnd gemDthlich", dieses „höfisch und prunkvoll"*^; in jenem 
spricht das Herz'^**), in diesem die mühselige Eunst*^), und aus 



Vgl auch Euaaoka. a. 0. m. Sp. 466ff. Gecoke a. a. 0. S. 133 ff. Auch 
bflüreist der Aoadrnck Moioiv ifviits Saot %. t. 1. (4T f.) keineswega (wie 
Baonow meint), dasB mindestens noch andere Dichter neben ApoUonios 
gemeint seia mQgaten, vtelmehr ist in solchen Angriffen gegen einen 
Bincelnen, den man nicht oennen will oder darf, der (im Griechischen flber- 
dies ADCh sonst in Anwendnng anf einen Einzigen, wie i. B. xiwfs oder 
fviot in Citaten, femer die bekannt« Phraae o[ urgi iivs, recht übliche) 
Plnial eine sehr gel&afige Manier (s. z. B. Isokr, XIII nnd C. 10. A. &6). 

85) S. Knaack Zu den Aitien des Kallimachos, Hermes XXIII. 1888. 
8. 137; „Dass Th. in diesem Epjll Coirecturen der masslot nngeschickt«n 
Eis&hlang des ApoUon. I, 1S07— 1873 bietet, ist von Wilamowitz, wenn 
nicht Öffentlich, no doch in seinen VorlesuDgen Qber Th. angesprochen 
worden; wer genauer nacbprflft, wird diese Vermothong bestätigt fin- 
den n. s. w.". YgL o. A. Th. M mit Äp. 1249. 8. aoch C. 18. A. 36. 
Darflher aber, dass wohl auch der Dioskarenhjmnos eine Zurechtweisung 
des ApoUonios enth&lt, s. C, 13. A. SO''. 

86) Wenn Kallimachos ein eigne* Gedicht (Ibis) in dieser Angelegenheit 
verfasste, wenn die Angabe wahr ist, data eben dieee Fehde ihn auch 
noch lur Dichtong der Hekale getrieben habe (s. C. 13. A. 90), und wenn 
ferner der Hjlas des Th. nnter einen ähnlichen Gesichtspankt fftllt, so 
muss der Kampf l&ngere Zeit gedauert haben, bis ApoUonios endlich seine 
Sache in Alexandreia aufgab und nach Rhodos ging, und wenn die C. 18. 
A. 16 mitgetheilte Vennutfaung von Linde richtig ist, so hat wenigeteoa 
ApoUonios ihn noch von Rhodos ans fortgesetzt. 

SB») S. C. 18. A. es ff. C. 14. A. 61. 

37) Bernhardj Gr. L. G. II', 2. S. 669. 

81'') Nach der gansen Haitang des Oedichta vermag ich die A, SS be- 
sprochene Tactlosigkeit desselben durchaus nicht mit Hiller Jahresber. 
XLVL S. 81 (welcher flbrigens selbst LIV. S. 196 auch die andere Auf- 
fassung für mOglich gelten läast) als einen Ansflass „massloser Schmeichelei" 
anzusehen, vielmehr nur ala einen Ergoss patriotischer Phantastik. Wie 
weit freilich Tb. ea bald darauf indem andern Lobgedicbt in der Schmeichelei 
brachte, erhellt besonders ans den Venen 131 ff. desselben, vgl. C. 18. 
A-M". 

38) Vortrefflich legt BQcheler a. a. 0. S. 67 ff. dar, vrie cortect das- 
selbe ganz nach der Schablone der prosaischen Lobreden disponirt ist. 
Der Hieron ist dagegen, wie Vahlen a. a. 0. S. 894 ff. ausfuhrt, gar kein 

Snmini., STiMili.-ftliiz. UtL-GMeh. L 14 



iv.t^iOO^lC 



210 Ffinftes Capitel. Idyllen dichtauf; HimiunboB n. a. choliamb. Dicht. 

eben dieser MUhBeligkeit erklärt ea sich wohl anch, dass sich 
Theokritos in diesem ein paar Male aus jenem wiederholt und 
so sich selbst anaschreibt'^. Ob er sich nun aber in diesem 
hSflschen Treiben auf die Dauer wohl fühlte, ist eine andere 
Frage; ja es wird wohl kaum Denjenigen seine Empfindung 
täuschen, welcher aas der Art, wie der alternde Dichter im 
Erntefest die Erinnerungen seiner in Eos glflcklich verlebten 
Jugend feiert, ein entschiedenes Sichhinaussehnen desselben aus 
flen Schranken des Hoflebens in jene frQheren ^eien und fröh- 
lichen Zeiten herausliest. Dabei setzt er denn abermals (98— 122) 
namentlich dem Äratos ein Denkmal^^). Die Frage, wie weit 
Eallimachos den Theokritos und wiederum Theokritos den Ealli- 
machos nachahmte oder vielmehr complimentirend berücksichtigte, 
ist noch nicht spruchreif*"). Abgesehen von den Hirtengedichten") 

Enkomion im strengen Siiue, und selbst so weit es Enkotnion ist, beideht 
dies sich doch mehr auf die Zuknnft als auf die Qegenirart nnd Vergangen- 
heit: nicht 80 aehr die schon vollbrachten Thaten Hierons werden ge- 
rühmt, aU vielmehr Wünsche nnd Hoffnungen auf seine noch tn voll- 
bringenden ansgesproohen. 

S9) Wu er sich freilich anoh sonst nicht abel nioiint, «. Gercka 
Rhein. Mng. XXII. S. 616. A. 3. Hier vgl. XVH, lOBff. mit XVI, 22 ff. nnd 
XVn,56 mit XVI, 108. Enaack'W. f. kl. Ph. HI. Sp. 467 f. hat die obige 
That«ache richtig hervorgehoben, nur glaubte er damals (vgl. A. 21) noch, 
dasB umgekehrt der Hieron in dieser Weise auf den Ptolemaeos cnrOck- 
weise. Auch der Anfang des späteren Gedichtes giebt Hinblicke auf den 
des froheren; schroffe Gegeng&tze jedoch, wie Enaack meint, enthalten 
diese beiden Anfänge unter einander nicht. 

39*') Vgl. auch C. 10. A. 16. 

40) Die Zusammenstell nngen von Qercke a. a. 0. S. 69SS. sind nur 
mit grSsster Vorsicht und scharfer Skepsis za benntsen. Andrerseits geht 
Bannow S. 81 ff. in seinem Bemühen jeden beabsichtigten Anklang des 
Theokritos an Eallimachos zurückzuweisen, so sehr er auch in manchen 
Stücken Hecht hat, doch viel tn weit. Gegen ihn bemerkt Knaack a. a. 0. 
IV. Sp. $20, Benutzung des Hj'mnos auf Zens im Ptolemaeos lasse sich 
gat nicht lengnen: V. IST werde die richtige Lesart (in k) ahtv durch 
den Scblns« jenes Hjmnos best&tigt, nnd der ganze lettte Theil von 9S an 
ist nur eine breitere AnsfOhrung dieses Schlusses (93—95); auch ist es ge- 
wiss nicht zufällig, worauf Eaibel Seutentiarum Über secnndus, Herrn. 
XVII. 1B8S. S. 41Bf. aufmerksam machte, dass wie Eallimachos 79 f. so 
in anderer Weise wiedemo) auch Th. 73 ff. an Hesiod. Theog. 94 ff. (vgl. 
Sl. Op. 326) anknüpft;, vielmehr scheint Eaibel, wie auch Enaack meint, 
darin Recbt zu haben, dass Th. sich dorch dies Lobgedicht nicht bloss 
der Onnst des gelobten EOnigs, sondern auch der des mächtigen Hof- 
dicfaters Eallimachos empfiehlt. Und dass dann nmgekehrt Eallimachos im 



|.;,*^TOOylC 



Theokritos. 211 

und den drei Mimen, nämlich dem 2. Idyll ^J^afffucxevziftat, dem 
14. und dem 15., hat sich TheokritoB, ein höfischer Dichter gleich 
den anderen Poeten seiner Zeit, wenn auch sie alle weit Qber- 
ragend, fast in allen damals Üblichen Arten von Poesie ver- 
sucht*'), und man darf nicht übersehen, wie stark die idyllischen 
ZQge aach bei anderen gleichzeitigen Dichtem woren*'^). Ziehen 
wir die erhaltenen Epigramme, welche nicht minder als die Idyllen 
seine grosse Dichterkraft verratheu, nicht in Rechnung, so sind 
von den uns unter seinem Namen Qberkommenen Gedichten nur 
das 1., das 3. bis 9. und das 11. rein bukolisch, das 10. ist ein 
Bauern-, das 21. ein Fischeridyll, und das äO, und 27. zeigen 
noch gewisse Annäherungen an die Bukolik. Am Meisten als 
Seiten- und Gegenstück zu den Hirtengedichten dürfen jene beiden 
Bilder aus dem städtischen Leben, das 2. Idyll, welches sich in 
der Form nahe mit jenen berührt, and die meisterhafte mimische 
Zeichnung des alexandrinischen Festwesens im' 15. angesehen 

Hjnmoa auf Delos wieder (Tgl. 266 f. tuit Tb. I6B£ and 166 ff., beionders 
16S mit Tb. 7G und den Schlaai mit Tb. 101 f., Weiteres b. bei Gercke 
S. 698 nnd Hiller Jahresber. LIV. 3. 187) beeinfluBHt war, darfte Wila- 
mowite (e. A. SS) richtig gesehen haben, wenn nur nicht leider dos nm- 
gekehrta VerfaKItniM, wie Hiller bemerkt, dosa also vielmehr Tb. aach 
dielen BynmoB berBckeicbtagt habe, gleichfalls möglich wBxe. Gegen 
Hempel S. 90 f. indessen, welcher hier auBdrQcklich dies umgekehrte Ver- 
hältniss annimmt, s. Rannow 3. 24fr. Aach Eallim. Ep. XXV, 6 ist, wie 
Knaack a. a. 0. IV. Sp. 621 bemerkt, eine Reminisceiiz an Tb. Id. XlV, 16, 
indem das Sprflcbwort an beiden Stellen von den Hegarern anf die nn- 
glQcklich Liebenden übertragen wird. Äniaeidem b. A. 27. 

41) Wenigttens beilänBg berührt musa hier die Frage werden, wie weit 
die Personen der Hiitengedichte wirklich bloss erdichtete oder «agenbatle, 
nnd wie weit vielmehr wirkliche, nvr in jene Hirten verkleidete sind, wie 
im 7. Idjll. DasB das Letztere znm Tbeil anch von anderen dieser Gedichte 
gilt, ceigt sich an Tityroa im 8., nnd ein Gleiches wird daher anch von 
dem nngenannten Ziegenhirtan dieses Idylle nnd der Amaryllis hier und 
im 4. and vielleicht anch von Gattos in letzterem ancunehmen sein, vgl. 
A. 6. 8. Aber dasa es flberhanpt von allen Fersonen aller dieser Gedichte 
(also anch von Eomalaa im 6., vgl. G. 4. A. 90, von Dapbnis und Menalkoe 
und vollends gar anch von Polypbemoa und Galateial) gelte, wird man 
wohl so leicht Knaack a. a. 0. IV. Sp. 617 nicht glaoben. Vgl. Crusina 
L. Centralbl. a. o. 0. 

43) Snid. Tivte d' ävuifiifovatv tls avxö* iittl tavta, UfoitiSat, 'EXxl- 
tat, Sjtvovs, 'Hfmirms, itii%i]9tia, (tili], iltytürg,^täiifiovs, btiyQäp,^azu. 

42**) Vgl. C. 8. A. 10. S. Eum Obigen aach die brancbboren Ani- 
föhrnDgen von B. Biese De poeü Theocritea observationes , Straleuad 
1874. 8. (Boatocker DoctordisiertatioD). 



|.;,*^TOOy[C 



212 Fünftes Capitel. Idjllendicbtimg; Himiambos n, a, choliamb. Dicht 

werden; im letzteren wird das Gedränge and die Redaeligkeit 
der schauluetigen Weiber treffend abgeschildert, and endlich 
läuft die ganze Scene in dafi Prunfelied auf Adonis hinaus*'). 
Diese beiden Gedichte und ohne Zweifel auch das ihnen ver- 
wandte 14. waren verfeinernde Nachahmungen der Mimen des 
SophroD**), jener einst in Sikelien, dem Vaterlande des Dichters, 
erwachsenen poetischen Spielart kunstToll gestalteter Sceneo aus 
dem dortigen Yollisleben in prosaischer Form, und der Gedanke 
liegt nahe, dass Theokritos aus ihr, wenn auch gewiss Nichts 
für den Inhalt seiner Hirtendichtungen, so doch Manches für die 
mimische Kunst auch von diesen gelernt hat*^). Das 12. Idyll 
'Airas ist ein Liebesgedicbt an einen Knaben, kleine Epen sind 
ausser dem 13. (Hylas) noch das ä4., der kleine Herakles (HtfU' 
xXiexos), welcher die Schlangen t5dtet, das 25., Herakles bei 
Äugeias, ein erst von Kallierges mit dem anpassenden Titel 
'Hfiaxlilg itovxo<p6vo$ versehenes Fragment^**), welches mit be- 
sonderer Vorliebe bei dem ländlichen Besitze des Äugeias ver- 
weilt und das Löwenabenteuer nur episodisch einäicht. Den alten 
lyrischen Epithalamien ist das 18-, ein spartanischen Jungfrauen 
in den Mund gelegtes Hochzeitslied der Helena, nachgebildet. 
Das 22. ist ein Lobgesang auf die Dioskuren. Sehr schwach ist 
das 26., die Bakchantinnen (j^^vai ^ Säxiai). Zu den beiden 
Lobliedern auf Hieron und Ptolemaeos kommt als drittes wohl 
noch die Berenike, von der uns ein Bruchstück*^ erhalten ist 
Drei Gedichte zeigen äolischen Dialekt und Versarten, wie die 
alten äolischen Lyriker, Älkaeos und Sappho, sie liebten: das 
schon erwähnte 28. (HXaxäzt]), das 29., eine Liebesklage an einen 

43) Ueber die S&ngerin desaelbeii, die Tochter der ÄrgeJa (97), ■. 
C. 86. A. 18. 

4i) Wie von den beiden erateien die Argumenta angeben, and twar 
die AdoniazuBSD von den ßä/xtvai xä 'la^ixia. Doch beBcbr&nkte «ich, wie 
0. Jahn Henn. U. 1867. S. S40 darlegt, der Antbeil de« Sophron am 
3. Idjll aof die Zauberscene, wahrend die Liebeeklage freie Zntbat des Tb. 
ist, gerade wie im 15. du Adoniilied and die Zaüpitzang des Gänsen aaf 
die Verhenlichang des BtAdtischen Qlanies von Alexandreia nnd der Fest- 
pracbt der Ptolemler. 

46) Vgl. Ä. 8. 

4&i>) S. die Bemerkung dee Kalliergea b. Ähreae Bnc. Qr. I. S. 141. 
Dau das Gedicht ebeiuo wie die eng mit ihm zuaammenh&ngende so- 
genannte Hegara (Mosch. IV) urxprfiDglich obae Titel Qberlierert war, zeigt 
Hiller Beiträge zur Textgesch. der gr. Bnkoliker (■. A. 66). 3. 68—62. 

46) Bei Ath. Vll. 284 a. 



ThMkritos. 313 

schönen Knaben {üaiSixä) and das ähnliche, erst neaerdings*') 
wieder aufgefondeoe 31."), von denen daa erste und dritte in 
choriambiBch-loga5diachen Yersen, das zweite in sogenannten 
äolisch - daktylischen Fentametern gedichtet ist. In denselben 
Kreis der Kuabenliebe gehSrt das 23. ('ßpafft^g rj ^vöepag), die 
ErbäDgang iies verschmähten Liebhabers durch sich selber vor 
der ThOr des spr&den En&ben und die Rache des Eros an letzterem 
behandelnd. Aber es ist ohne Zweifel ein nicht geringer Theil 
dieser erhaltenen Gedichte nicht voo Theokritos verfasst, und von 
einem anderen Tbeile iet es wenigstens zweifelhaft*^. Allgemein 

47) Von Ziegler (s. Jalirb. f. Ph. CXIIL 1886. S. 169) and durch ihn 
von Stademnnd in dem ontea A. 60. 70 etwas näher zu beaprechendeii 
Codex c {Ambros. B 75), ane dem es flbrigena, wie Sternbach a. a. 0. 
S. 180. A. hervorhebt, schon d'Orville od Charitoa. IV, 2 kannte. Heraus- 
gegeben ward es danach sneret von Beigk Theocriti tertinm qaod vocatnr 
cumen AeoUcam, Halle 1666. 4. Opnsc. U S. 842—249. — Th. Prittscbe 
De Theocriti earmine Aeolico receos invento, Bostock und Leipiig 1666. 4. 
A. Tb. il. FritiBche Epistnla critica ad Theod. Fritzschium de Theocriti ear- 
mine Aeolico nnper a Th. Bergkio edito, Bhein. Mds. XXI. 1686. S. 247—262. 
Schwabe Theocriti Carmen Aeolicum t«rtinm, Dorpat 1866. 4. H.L. Ahrens 
De Theocriti earmine Aeolico tertio uuper iDTento, Hannovär 1868. 4. 
Schneidewind De earmine Theocriti quod dicitar Aeolico tertio, Eiseuoch 
1S73. 4. Kraushaar Das dritte &ol Qed. des Th. (Qj-mnasialprogT. v. 
Saarbmrg). Strawbnrg l E. 1877. 4. 

48} I>ie jetiige Reihenfolge der Gedichte findet sich lo in keinem 
Codex, wie ja auch keiner sie alle enthält. Sie entstand vielmehr, indem 
mau regelmässig, so bald mtin nene entdeckte, die Nummer weiter fort- 
laufen liess. — Diese drei äolischen Qedichte gebfiren natailich unter den 
von Soid. (s. A. 42) anfget&blten Classen su äen-Miln, <laB 82. lu den 
Hymnen, dai !6. vielleicht zu den 'Hetaiyai. Episch waren ohne Zweifel 
auch die nur bei Snid. genannten ngotxidtt. 

49) Die Untersnchnng bierOber begann D, HeinsioB Lectiones Theo- 
criteae hinter seiner Ausg. 1804. Ihm folgten innAchet Valckenaer, Eich- 
Btädt De carminnm Thaocriteomm ad sna genera revocatorum indole ac 
viitntibns, Leipüg 1794. 4., E. Beinbold De genuinis Theocriti carminibus 
et sappositiciis, Jena 1819. 8,, welcher auf Grund der beiden allerdings sehr 
beachtenswerthen, aber doch nicht allein entscheidenden Thatsachen, daes 
wir nur sn den ersten 17 Stacken atte Schollen haben and die Nach- 
ahmungen bei VergiliuB sieb aaf keine der folgenden entrecken, alle 
folgenden mit Ansnabme des 18. und überdies aus inneren Gründen das 
12. and seltsam genng dae 17. dem Th. abspraob. Ihm trat A. Wissowa 
Theocritoa Theocriteas, Breslau 1828. 8. mit dem verfehlten Versuch ent- 
gegen im Wesentlichen durchweg den theokriteiBchen Unprung zu ver- 
theidigen. Dann haben sich bei dieser Untersuchong besonders Q.Hermann 
Scholae Theocriteae (Schalheit. 1688. Nr. 198—134. Zeitechr. f. d. Alterth. 



lA.TOOgle 



gl4 Fünftes Capitel. IdjUandichtuDg; Uimiambos n. a. clioliamb. Dicht. 

verworfen werden heutzutage das 19. Idyll {KripioxkixTiig) auf 
den dem Eros zu Theil gewordenen Bienenstich, vermuthljch von 
Moschos Terfasst^), und das 30. auf den todten Adonis (tlg 
vtxQov "ASaviv), zwei jedenfalls betrÖcbtlich später entstandene 
Tändeleien, ferner fast allgemein Aas 20. 21. 23. 25. nnd das 
frisch lebendige, aber schlüpfrige 37. (V?a()f(rTve) ^'), und das 26. 
ist nicht Ober allen Verdacht erhaben^»). Für das 19. 23. 25. 
27. 30. spricht auch kein wirklich altes Zeugniss ''), fSr das 20. 
und 21. das doch ziemlich schwache einer einzigen byzantiniBchen 
Handschrift^**'). Aber selbst unter den bukolischen Gedichten 

1840. S.969ff.) OpnHC. V. 3.78—117. Vm. 8.815-828, WeiBe, BQoheler 
Vier Idyllen dee TheokritoB (IX. VIÜ. I. XVm), Jahib, f. Ph. LXXXI. 1860. 
S. 381—873, Meineke, Ä. Th. H. FritiBohe, Ahrens (b. A. 66. 70'>), 
Hitler and Brinker, dasaea -vortreffliche ZnaammeuBtellDOgen oad eigne 
Beobachtungen neben Hillers Schrift besonderB gut zur Orientirang dienen, 
betheiligt. 

bO) 8. darüber Hiller a. a. 0. S. 67. Vgl. A. Th. H. PritsBche in d. 
grosaen Ansg. H. S. 108. V&Ickenaer rieth anf Bion. Eine Nachahmung 
findet sich in den Aoacreontea 88 Bergk. 

61) 3. fiber dies Ged. v. Wilamowiti Znr "Oafivxvt, Herrn. Km , iSTO. 
8. 276—27». Vgl. 0. Ribbeck Zur 'Oti^unvt, Rhein. Mna. XLV. 18». 
8. 146 F. Zu den 'Altzit, ebeudaa. 3. 147 f. 

62) ÄllerdingB iat die Aechtheit dea S6. und 86. von Brinker S. 64— 78 
sehr geschickt vertheidigt worden, aber in Bezug auf das eratere sicher 
Tergebens, s. A. 63. 70; in Beiug auf das 20. b. Hiller W. f. kl Ph. a. a. 0. 
Sp. 1303. Mit dem 25. f&lit aber auch die Hjpotheee von Brinker S. 60 f., 
die dreimalige Bebandlnug der HerakleBsage dnrch Th. im 13. 84. 86. sei 
daraof surückzufCihren , daas I^ilemaeoa I als natOrlicber Bruder dea Ale- 
xandroa, wie der Dichter ihn im 17. darstellt, für einen Herakleiden gelten 
muBBte, wenigstens in dieser Gestalt, und in der noch übrig bleibenden 
BeBchrilnknng auf das 13. und 24. scheint sie mir doch recht fragtich. 
Der theokriteiache Ursprung dee 22. aber wird gegen Eichst&dt, Kein- 
hold, 0. Hermann gut au^cht erbalten von Brinker 8. 61—60. Das 
10. ist von Wilamowitz Coniectanea, Oottingen 1884, 4. (Sommerkat.). 
S. 16 angezweifelt, leider ohne Andeutung seiner GrQnde; s. Brinker 
S. 36—37. Das 26. entb&lt (30) eiue UDverkennbare Nachabmong von 
Kaltim. H. IV, 98, wo 97 der Kithaeron, also das Local dieses wirklichen 
oder angeblichen theokriteiachen Gedichta, auadTficklicb genaunt wird, s. 
Wilamowitz b. Enaack Anal. Alei.-Roro. S. 68. Daraus folgt aber (a. 
A. 40} noch nicht im Mindesten die ÜD&chtheit dieses Gedichts. Wohl aber 
spricht ein anderer Umstand für dieselbe, a A. 70'. 

63) S. Ahrena Phüologus XXXIll. 8. 687 ff. 694 ff, Hiller Beitdkge 
a 67—70. 

63'') Nämlich dem ron Hiller mit 4 bezeichneten, verlorenen Original 
der HandschrifteD 23 und M (s. A, 70 und Hiller Beitr. S. 70), welches 



Iv.t^TOO^lC 



Thaokrikii. 215 

ist das 8. tiaäcbt'^) und das 9. wenigstens nicht Jinbedenklicb^'). 
Dagegen stehen beim 29. dem äusseren Zeugniss^*) innere Gründe, 
wie es scheint, nicht entgegen, und so macht die Aehnlichkeit 
des 31. mit ihm auch dessen Herkunft von Theoltritos trotz des 
Mangels an äusserer Beglaubigung^^'') einigermasBen wahrschein- 
lich. Der Verfasser des 25. und der der sogenannten, willkür- 
lich unter die Gedichte des Moschos an 4. Stelle eingereihten, 
gleichfalls fragmentarischen Megara ist wahrscheinlich einer und 
derselbe unbekannte Dichter der Älexandrinerzeit, welcher sonach 
wohl selber diese beiden Darstellungen aus der Heraklessage, „in 
denen die Berichte und Schilderangen ganz odw grossentheiU 



wohl kaam älter ala das 12. oder IS. Jahrb. war. So kann denn in Wahr- 
heit dies ZeugnisB schwerlich viel mehr gelten aU die willkflrliohe Bei- 
legung aller in M enthaltenen Gedichte (auch Mosch. III. IV und *ogar 
Bion I. III) im diesem Codex, d. h, (s. A. 70) seitens des TriklioioB an Th. 

64) Zncrst sprach es G. Hortuann, welcher sehr richtig (Op. V. 3. BT) 
den sachlichen Widersprach des zweiten Theil* (61 ff.) gegen den ersten 
erkannte (vgl. auch Brinker S. SO) theilweise, dann Weise, Meiueke, 
Briuker nnd zuletst anch Ililler W. f. kl. Ph. 11. Sp. 1308 ganz dem Th. 
ab, nnd in der That l&sst die von Blinker S. SS ff. gegebene Ueberaicht 
aller Abweichnagen von dessen Sprache, Versban und SagengestaLtong 
keinen Zweifel Qbrig. Die bei Brinker S. SO. A. 1 zosammengesteUte 
frOhere Litteratur fiber die Daphni^sage bei Th. ist durch Brinkers eigne 
karze nnd klare ErCrterang (S. 00—33) lieinlich entbehrlich geworden, nnd 
die Üieokriteiache Form dieser Sage stimmt nicht mit der ilteren Gestalt 
derselben, welche V. 98 Toransgesetzt wird. Trotz aller dieser Mangel war 
der Verf. ein nicht unglücklicher Nachahmer des Th. Mit Eecht aber 
urtbeilt Hiller gegen G. Hermann und Brinker, dasi kein genügender 
Grund vorliegt das Gedicht unter verschiedene Urheber zn theilen. Ueber 
die ungeschickte Anspielung 59 f. auf Kallim, Ep. LH, 8 f. bemerkt Yal- 
ckenaer Epist ad Roever. S. 9 richtig: „ex his Ceitintaeheia nostntm focKtn 
(57—60) tfförmavit homo quidam", aber dieser ,M''"> guidam" kann füglich 
der Verf. des Ganzen gewesen sein, welcher bereits (s. A. SS) den Th. jene« 
kaUimacheischen Epigranuns fälschlich für den Idyllendichter hielt. Das 
Prooemion (1—5) ist dem des 6. Idylls (1—6) nachgebildet. 

6C) Mit Weise verwerfen es auch Eaibel Sententiamm liber primns, 
Berm. Xr. 1880. S. 467 (wie es scheint) und Brinker S. S8ff., s. jedoch 
Hillet a. a. 0. Sp. 1802 f. Natürlich handelt es sich dabei im Weeent- 
Ucheu nur nm die knizen Lieder des Daphnis nnd Menalkae. Denn Anfoog 
und Scblnas sind s^tere Znthaten, s. A. 66. 

66) Schol Fiat Symp. 217 E. üeberdies s. A. «7^'. 68. 

66") Die Art der Ueberlieferung spricht sogar eher gegen die Aecht- 
heit, s. AhreuB a. a. 0. S. 689 f. Wenn es trotzdem von Th. ist, so gehört 
es, wie Häberlin S. 64 bemerkt, nach V. IS desaen Alter an. 



lA^iOOgle 



216 FOnftes Capifet. Idjllendicbtungi MimiamboB n. a. cboiiamb Dicht. 

den Torgefabrtm PereoneD in den Mund gelegt verden", udtoU- 
endet hinterlassen hat''^. 

Die Darstellung des Theokritos ist zum Theil die rein dra- 
matische, zum Theil spricht er umgekehrt durchweg im eignen 
Namen, zom Theil endlich bedient er sich derselben Mischung 
wie das lebendige Epos: er fügt seiner Erzählung directe Reden 
seiner Personen und Nachahmungen IjriBcber Gesänge von ihrer 
Seite, namentlich Wett^esänge von Hirten ein, und ein Gleiches 
pflegt auch in den ganz dramatisch gehaltenen Hirtengedichten 
und Mimen zu geschehen''"'). In solchen eingelegten Gesängen 
oder wo, was im 5. Idyll der Fall ist, das Ganze eineo Wechsel- 
gesang darstellt, päegt denn auch 'eine kSnstliche strophisch- 
sjmmetrische Gliederung zu herrschen^), mit welcher die An- 
wendung des Refrains im 1. nnd 2. Idyll, vielleicht den beiden 

CtT) S. die erschfipfeade AnaeinaaderBetEimg TOn Hiller Beitr. 8.60—67. 
Dau beide Gedichte nicht tod HoBchoa Bind, zeigt deraelbe S. 66. VgL 
aacb Ä. 118. 

67^) Hieber gebOrt du Zanberlied im 2. und das AdoniBlied im 16. IdylL 
DaB einzige rein dramatiBCb-dialogiBche Hirteagedicbt ohne Lieder and 
WettgeaHnge iBl du 4. Idjll. 

SS) Die freilich in der Ueberliefemng mehrfach geatArt ist. Znerst 
faute diesen Gegenstand Eichatädt QnaeetioDum philologicanim Bpecimen, 
Leipzig 1796 genaner ina Auge, dann besODdeTB H. Haupt Zu den grie- 
cbiBcben Bnkolikem, Rhein. Mub. N. F. IV. 184«. 8. 860—876. Oposc. L 
S. 167—184 (nnd zwar namentlich am 1. Ged.), 0. Hermann De arte 
poeaia Gtaeconim bucolicae, Leipzig IBIS. 4. Opaac. VIIL S. SSS- 343, 
Eoechly Carminam Theocriteorum in atrophaa anaa Testitntorum Bpecimeo, 
Zürich 1368. 4. vgl. Akftd. Vortrr. q. Reden I. S. 406-412, Bücheler 
Jahrb. f. Fb. LXXXL 1860. 8. 643-677 (a. A. 40). Coniectanea critica. 
Kbein. Uua. XV. 1860. 8. 461-465. Zu Tbeokrit, ebendas. XVIIL 1863. 
S. 314—316, Qebaaer De poetamm bncolicorom Graecornm inprimia Theo- 
criti canuinibna in eclogiB a Vergilio eipreBaia, Leipäg (1866). 1861. 8., 

0. Ribbeck TheokriteiHche Studien, Rhein. Hdb. XVIL 1862. 8. 648—677. 
Nachtr. ebenda». XTIII. 1868. S. 316-318, Goebbel De Tbeocriti idjlL l. 

11, de Bionia epit. Adonidie, de Moscbi epit. Bionia, de Vergitü ed. Vlll 
ratione strophica, Warendorf 186S. 4., Feipec Der Refrain bei griech. o. 
lat. Dichtem. 11. Theokritos eratea nnd zweites Id;ll, Jahrb. f. Ph. 
LXXXIX. 1864. S. 440-466. V. Die Strophen der griech. u. lat. BukoUker. 

1. Theoktitoa, ebendaa. XCI. 1366. 8. 8S3-S43. Viel sweifelhafter iat ea,. 
ob und wie weit in anderen ganzen Gedichten Tenchiedener Art, wie im 

12. 13. 16. 22. und vollends gar in den beiden Enkomien, eine Bhnlicbe, 
aber weit kOnatlichere Symmetrie wirklich von Th. beabaichtigt ist; jeden- 
&llt iat man in solchen Annahmen oft viel zn weit gegangen. 8. Steig 
De Tbeocriti tdjUioram compositiona, Berlin 1882. 8. (Doctordiu.)- 



|.;,*^TOOy[C 



TheokritoH. 317 

Sltesten von allen™), zusammenhängt. Id den Hirtengedichten 
schlägt Theokritos bald, wie am Meisten im Erntefest, einen 
verfeinerten, bald einen derberen Ton an, so ganz besonders im 
4. and 5. Gedicht nnd ebenso im 10., dem Bauemidjll. Auch 
der Dialekt ist ein künstlicher^), verschieden in den verschiedenen 
Gedichten im Ganzen je nach ihrer Gattang, dorisch in den 
Hirten- und Bauerngedichten und Mimen, aber auch im £pitha- 
lamioD der Helena (XVUl) und selbst, jedoch mit starken Bei- 
mischungen aus der epischen Sprache in dem kleinen Epos H;las 
(Xin), meist jedoch ohne stärkere landschaftliche Färbung, die 
nar in jenen drei realistischen ländlichen Gedichten stärker her- 
vortritt, äolisch, wie gesagt, in den drei äolischen Dichtungen, 
ionisch, aber zum Theil mit dorischer Beimiachnng'^), im 12. Idyll, 
in den beiden Enkomien (XVL XVII), in den Dioskuren und 
Bakcbaotinnea (XXII. XXVI) und im kleinen Herakles (XXIT). 
Das dritte Epos (XXV) nnterscbeidet sich auch dadurch von allen 
Sehten Sch&pfongen des Theokritos, dass es in Sprache, Dialekt 
nnd der ganzen Färbung rein homerisch ist. Kunstvoll ist auch 
der Bau des Hexameters, jedoch verschieden je nach den verschie- 
denen Dichtarten, im Ganzen genommen am Freiesteu in den 
ländlichen Gedichten, am Gebundensten in unzweifelhaftem Au- 
BchluBB an Eallimachos in den epischen und im 12., 16., 17., 22. 



6«) S. A. 8. i\ 

60) F. Schulti Die Miiohnog der Dialekte bei Theokrit, Calm 18TS. 4. 
Horsbach De dialecto Theocritea, Bonn 1874. 8. (OoctordiBs.). Ueber den 
Dialekt Tbeobit't, in Q. Curtiiu Stndiea X. 1877. S. 1—88. Oppel Qooe- 
Btiones de dialecto Theocriti, Leipzig 1ST4. 8. (Dootordiaa). Futh De 
Tfaeocriti studüs Homericia, Halle 1316. 6. (Doctordisi.). Stanger Homec 
im Theokrit, Bl. f. d. bayr. QymDW. III. 1867. S. 201 ff. — Wintiell Stadia 
Theocritea, Lnnd 1889. 8. DoctordiiB. (Aber die Wörter nnd Wortfornien 
im 16. bii 2S. Qed. in Besag anf Laut- und FleiioiuleliTe). — Bumpel 
Lesicon Theocritenin, Leipag 1879. 8. 

61) Dieselbe reicht iodeBsen schwerlich so weit, ali t. Wilamowit^ 
iBjlloB TOD Epidauros (Berlin 1886). S. S6 f. (vgl. C. 36. A. 16) uuiimmt. 
HinficbtUch der verb&ltoiasm&iiig doch nnr wenigen (?) DoriBmen in den 
beiden Enkomien sehe man wae Blinker S. BS ff. gegen Morsbacb be- 
merkt. Dud was die Dioskuren anlangt, so ist die bessere Ueberliefenmg 
in D (s. A. 70) frei von dieser Beimischmtg, die sich überdies in der 
scblecbteren 4m sogar beim 86. IdjU zeigt; auch die Citate Hprechen gegen 
dieselbe, and das w»«^ 'lä9i in der Ueberscbrift stammt ohne Zweifel (vgl. 
Ähren s Philologns XXSm. S. 406) bereits aas dem Arcbetjpos. 8. Hiller 
Beitrr. S. 71 1 



iv.t^iOO^lC 



218 FQnfliei Capitel. Idyllendichtimg; Himiambos u. a. choliamb. Dicht 

und 36., so dass denn der Dichter innerhalb der ersteren auch 
noch in Alexandreia seine eij^e Weise beibehielt, während er 
in den minuBcheu und im 18. einen dieser näher kommenden 
Mittelweg einscblug^^. Beliebt ist namentlich in jenen ersteren 



62) A a B m UB Quaeationnm bocolJcanuD apecimeu , Berlin 1866. 8. 
(HaUeache DoctordiBB.) ist ziemlich dürftig. ErQgermann Quoeationea 
Theocriteae, Breslau 1876. 8. (Doctordias) behandelt im ersten Tbeil Hiatus 
und PositioDBTerl&ngeruiig, iib zweiten grammatiBche Fr^en. Gote Be- 
obachtangeu giebt Bciuker S. 13—22, eine grOndlicbe Gesammtnnter- 
Buchang Kunst De Theocriti toisd berotco, Disa. philol.Tindob. I., Leipi. 
n. Prag 1887. 8. S. 1—134. Nur aber w&re noch eine beaondeie Betrach- 
toiig dea 16. Idylls darauf bin erwünscht, ob dieaes wirklich int Venbau so 
gaasmit den Übrigen oben genannten Gedichten stimmt, welche Ennat kurs 
unter dem Namen der epiacben EuaammenfaBBt, daaa man danach annehmeo 
mÜBste, Th. habe aich acbon hier, also bevor er nach Alexandreia ging, dem 
Eallimachoa angeechloaaen. Von den in Bezug auf Znlaasnng des Spondeioa 
überhaupt möglichen 32 Formen dea Hexameters gebrancbt er nur diejenigen 
4 nicht, in welchen dem Spondeioa an fünfter Stelle noch wieder mehr 
als ein Spondeioa unmittelbar TOranfgeht, und zwar verwendet er 23 in den 
l&ndlichen, 23 in den mimiachen Gedicbtea (immer nebat dem 18. gerechnet), 
27 in den epiachen (nach jener Bezeichnungaweiae Eunats), ehrend Ealli- 
machoa (a. C. 13. A. 74) überhaupt nur 81 hat Dafür aber ist in diesen gleichwie 
bei Eallimachos das Yorwiegen der Daktylen vor den Spondeien sehr be- 
tAcbtlicb und ganz unverb&ltniasm&sBig am Staksten, desgleichen aber 
auch andereraeitB der Spondeioa an fünfter Stelle bei Weitem am Häufigsten, 
so dass hier sogar mehr ala zwei solche Verse anmittelbar auf einander 
folgen, in den ländlichen nie. Namentlich in den epiacben Gedichten wird 
im eraten Theil des Hexameters bei der Anfeinandeifolge zweier Spondeien 
die Zulassung von mehr als einem Einschnitt vermieden, wenn auch nicht 
eo ängstlich wie bei Eallimachoa. Am Meisten in ihnen, am Wenigsten in 
den bukolischen wird in den mit zwei Spondeien beginnenden Vetaen die 
weibliche Cäaur an dritter SJ^lle (xm« xfltov XQOiaiov) bevonugt, deren 
Anwendung sich überhaupt in dienen wie in allen anderen Fällen zu der 
der FentbemimeTeB in den epischen nabezn wie 8 : 1 verhält, während 
letztere in den ländlichen beinahe ebenso häufig und in den mimischen 
nicht betAcbtlicb seltener iat Mit der Bevorzugung jeuer weiblichen Cäaur 
hängt es auch zusammen, dass der Spondeioa an dritter Stelle noch seltener 
als bei Homeros ist, am Häufigsten aber in den bukolischen Dichtungen, 
daher auch weitaus meistena mit bukolischer Di&reae verknüpft, da dieee 
Otter mit der Penthemimeres ala mit der Cäaur xotä t^^to* tfoiaünr aich 
zu verbinden pflegt, Alles genau wie bei EaUimochos. Nur im 4. und 
7. Gedicht unter allen ländlichen überwiegt die letztere Cäaut stärker, da- 
gegen im 1. und im unäcbteu 8. ganz besonders die erstore. Zu dem stär- 
keren Deberwiegen der Daktjlen in den epischen Dichtungen stimmt die 
in den bukolischen im Allgemeinen häufigere Verlängerung vor Muta cum 
liq.nida. Dagegen ist die in engen Grenzen zugelassene Beibehaltung der 



h;, t^lOOy IC 



TheokritoB. 210 

die eben davon so genannte bukolieche Diärese, vor welcher der 
Spoudeioa nur in sehr beschränktem Masse zugelassen wird''). 
Die 25 Epigramme aind nicht alle in elegischen Distichen, aondem 
zum Tbeil in künstlicheren lyrischen YerBmasBeu abgefaest. Aecht 
sind das 1. 7. 10. 12. 13. 17. 20. 21., sicher dagegen nicht 
von TheokritoB das 2.. bis 6., das 8. 9. 11. 18. 19. 22. 23. 25., 
zweifelhaft das 14. 15. 24, ganz zweifellos wohl auch das 13. 
nicht"). 

Theokritos hat seine Gedichte nur einzeln herausgegeben'^). 



LOnge dea entan Vocals beim Hiatas gerade ia den bakoliBohen am 
Seltensten, ho dau in dieser Biniicbt die epischen die grttaaere Licetu 
Keigeo, freilich keine ao groBse wie das Argonaaten gedieht dea ApoUouioa, 

I. C. 14. A. 67. Nameutlicb in dea l&ndlicbeD eowohl nie in deo epiacben 
IdjUen verbindet «cb mit der Pentbemimeres fast atehend entweder buko- 
lische DiOrese oder Hephtbemimere«. Für die Abfosanngsseit aber ergiebt 
aich am dieaen Thataacben nnr diu Eine: es wird durch sie heat&tigt, dua 
im Ganzen und Grosaeu die epiacben Dichtungen gegenOber den Hiiten- 
gedicbten die späteren sind. 

es) Faat gant wird er vermieden, wenn hinter ihm eine Interpanctioa 
eintritt, und im 1., 3., 4. imd b. Idyll erscheint er, wie schon A, 18 hervor- 
gehoben ward , entweder gar nicht oder doch nnr unter einer beatimmteu 
Bedingnng, s. Brinker 8. 19 (vgl. Kaust 8. fi6 nnd gegen diesen 8aaemihl 

II. S. Xn. A. 58X "^ eioigermasaen dafQr aprecben wflrde, dsss diese vier 
Hirteo gedieht« die Uteaten von allen nns erhaltenen Schöpfungen des Tfa. 
mit Ansuahme der Sjrinx seien, wenn uns nicht der A. 62 bezeichnete 
metrische Gegensatz swischen dem 1. anf der einen und dem 4. anf der 
anderen zeigte, wie ousicher solche SdüQase sind. Die nicbtUndlicben 
Gedichte zeigen nBmiinti bierin in der Tbat eine grossere Freiheit, das 16. 
hat sogar 12 Spondeien vor der bnkol, DiBf., von den ländlichen hat nur 
das 11. eine etwas grossere Zahl, n&mlich G. Die Abb. von Schümann 
üeber d. Spondens vor d. bukoL C&but b. Tbeokrit, in: Oermaniae philo- 
logoi Hianiae couventum celebrantes aalatat H. Fritzscbe, Leips. 1868. 4. 
ist mir nicht zngbiglich. Bukolische Diärese haben flbrigens in den epischen 
Idyllen nni die knappe HBlfte, in den mimischen etwas Aber die H&tfte, in 
den ländlichen fast % der Verse, und zwar in den erzählenden Partien und 
den Gesängen ohne Unterschied, daher ist hier die Zahl der Hexameter mit 
Spondeioa ui vierter Stelle überhaupt eine besonders geringe. 

64) Vgl. die Uebersiohb von Brinker 8. 71—77 und über das 2. Epigr. 
Eaibel Herrn. XV. S. 4G6f. 

66) Anf die entgegengesetzte Ansicht von Birt näher einingeben kann 
ich hier nicht fflr meine Aufgabe halt«n. Bezeichnend ist es, das» der ge- 
lehrte nnd sorgfältige Gmndnrheber der Lebensbeschreibung dea Aratoa 
die Gedichte des Th. offenbar nicht gekannt hat, s. C. 10. A. i. Zum 
Folgenden vgl. bes. Ahrens Ueber einige alte Sammlungen der theokri- 
teischen Gedichte, Philologas XXXIII. 1874. S. 38&— 411. 677—609, dessen 



iv.t^iOO^IC 



220 FUnfteB CapiteL IdjUendichtong; HimiunboB n. a. ckoliamb. Dicht 

Die früheste Sanunlung, welche eine Spur biDtertassea hat, um- 
fasste nur die Hirteogedichte, und zwar so, dass hier das 9. Idyll 
die letzte Stelle einnahm. In diesem sind nümlich nicht bloss 
Anfang (V. 1—6) und Ende (V. 28- 36) von späterer Hand hin- 
zugesetzt, sondern das Ende kann auch gar nicht anders begriffen 
werden denn als Epilog einer so gearteten, mit eben diesem Gre- 
dicht abschliessenden Sammlung, welchen der Urheber derselben 
hinzuthat, indem er ihn dem Theokritos selbst in den Mund 
legte'^). Eine erweiterte Sammlung, vermuthlich aber doch eine 
solche, welche auch nur theokriteische Gedichte enthalten sollte, 
lag dem Yergiliua Tor^'), und es ist nicht unmöglich, wenn auch 
recht unsicher, dass uns eben diese Sammlnag in der best«n, aus 
dem 13. Jahrhundert stammenden, in Mailand befindlichen, ge- 
wöhnlich mit k bezeichneten Handschrift (Ämbros, 222) im 
Wesentlichen noch rorliegt, nur freilich wohl nicht vollständig 
und gerade hier wohl nicht ganz mit Bewahrung der ursprüng- 
lichen Reihe*"*). Diese letztere war allem Anschein nach fol- 

Ergeboiiae aber weniger (b. indesaea A. 60. 78} nach Tahlen (De Artemi- 
dori (?) collectione carmianm bncolicomm), Berlin 1876. 4 , Birt Das antike 
Buchwesen, BerUn 1882. 8. S. 894 ff. Ä. 1. S, t. WilamowitE Hermea ZnE. 
S-üTa, E. A. 61 (Tgl. anch Eaibel HenneB X7. S. J61. U4. 456), aU nach der 
moBteThaften üntergnchang von Hillar B«iti&ge txa Teztgeschichte der 
griechischenBukolikeT, LeipsiglSSS. 8. (Tgl. anchdeBBeDToTarbeit: Zarhand- 
Bchrim. Ueberlteferang der griech. Bukoliker, Jahrb. f. Ph. CXXXIII. 1886. 
S. 613—821) wesentlich sa berichtigeo sind, b. A. 70. Vgl. auch A. 70. 

66) S. daraber jetst besonders Brinker S. 32— SB. Den Prolog sprach 
sneist F. Jacobs bei Wdstemann dem SammleT lu, welchen er (wie sich 
aus dem Folgenden eigiebt, mit unrecht) gleich Anderen nach ihm für den 
Artemidoros hielt. 

67) Wenigfltena hat derselbe nicht blosa das 8., londem auch das 
18. Id;!! nachgeahmt (Ecl. V, SS t. VII, 65 f. — Id. XVIU, SO f.), nnd wenn 
er natürlich auch nicht desshalb gerade 10 Eklogen dichtete, wiil die Zahl 
der „rein ländlichen" Gedichte des Th., d. h. der 11 ersten mit Antnahme 
des 2., ebenso gross wai, so spielt doch Serr. Aignm. Verg. EcL 1 led ett 
Bciendwn Septem eclogai eise merat ruiticas, quat TheocTÜus deean habet: 
hie in tribus a bucolico carmin€,aed cum excueatvme düeeisit (vgl. Bacheler 
Jahrb. f. Pb. LXXXl. S. 3S7) aller Wahrscheinlichkeit nach richtig auf die- 
jenige Sammlung an, welche Vergilins wirklich tot Aogen hatte, nnd in 
welcher jene „decem" den Anfang machten. Wie man die Worte des Serv. 
anf eine Bolobe hat besieben können, welche nni diese enthalten habe, ist 
schwer in begreifen, i. hierfiber die richtige Bemerkung Ton Vahlen 
a. a. 0. 8. 4. 

67'') k enthält in dieser, sonst nui noch in der Inatina (s. A. 8&) er- 



|.;,*^TOOy[C 



Theokritos. 221 

gende: es geben die 10 rein ländlicben Gedichte in dieser Ord- 
nang: 1. 5. 6. 4. 7. 3. 8.— 11. voran, nnd es folgen das 13. 13. 
2. 14. 15. 17. 16. 29. und die Epigramme, doch scheinen auch 
daa 24. 22. 18. 26. 28. noch mit zu dieser Sammlung gehört 
tu haben '^}. Es gab aber auch eine solche Auswahl, welche nur 
die ersten 17 Gedichte enthielt, denn nur zu diesen haben wir 
noch alte Scbolien nnd Argumente*'*'), es gab femer spätere 
Sammlungen, welche theils Alles anfnahmen, was an wirklich 
oder doch TerhältnissmSssig alter alexandriniscber Idyllenpoesie 
ohne BeacbräDknng auf Theokritos noch aufgetrieben werden 
konnt«*^, theila Auslesen in diesem Sinne gaben. Eine dieser 

scbeinenden Abfolge: 1. 7. S— 6. 8—13. 8. 14. 16. IT- 16- 29, daia die Epi- 
gramme. 

68) S. AhiBDB S. 100—417. 677— 68S. Do« Princip iw Anordnung 
Kheint, wie AhreuB 8. S9S f. 682 bemerkt, folgendea zu Bein. lonerhalb 
der 10 rein l&ndlichea Qedicbte, zd denen du 12. und 13. Id;U als Anhang 
(wenn nicbt vielmehr mit Birt 8. 890 als Eweite Gmppe, n&mlicb erotische 
oder genaaer päderastische iüjllien) aninBeheD Bind, geben das 1. 6. 6. i, 
T. 3., in denen ein Ziegenbirt (im 8. Treilich nnr nach irrthflmlicber Mei- 
nnng des Sammlera), dem 8. 9. 10., in denen wohl ein Eubhirt (im 10. 
freilich wieder nur nach itrtbflmlicber Deutung), aber keie Ziegeobirt auf- 
tritt, voran, w&brend der Ejklop im 11. aU Hirt echlecbtweg aufgefasst 
iit. Dann folgen luenit die Bt&dtiecheu Idyllen mimiacher Art (2. 14. 16.), 
dann die Enkomieu fOr EOuige (17. 16.), fOr Heroun (24. 22.), fflr Heroinen 
(18. 86.), endlich IjrischaoliBche Gedichte (SS. 29.). 

68^) BloB* Argumente allerdings anch noch 2um 28. nnd S9., bloss 
dfiiftige Beste alter Scbolien etwa auch noch znm 18. 

69) Es bandelt sich biebei um die beiden Epigramme, welche im 
AmbioB. k (von anderer Hand geschrieben) und in anderen Qnellen (s. 
AhreuB BdcoL U. S. 2) nach der üeberscbrift BtontfCtov ßovKoliiiii. Ufte- 
pt4(j(oti TOÜ yfiafifiaiixoS ixl ij atfotan t<Sv ^ovxoltKiäv «otijfianDT ohne 
Spatinm aaf einander folgen: 

SovkdIixcI Moiatii anofädis xöxa, fvv t apa näeai 
htl fiiäe ftävBfat, ivtl fuäg oy^luc 
und 

'AiXog h Xiot' iyä i\.&iä*fixos, os xüS' lyftr^tt 
tJt öno TÖv noXlä* tlfX Sv^ipiactav , 

fiovanv 8' 69vtlr(v ovtiv ^qxlKiiaafii)«, 
während das aweite begreiflicherweise anderswo dem Th. selbst (-■ Ep. 82) 
beigelegt wird. Abreni nnd Vablen halten hieroacb, worauf man Kich 
ja in der Tbat znn&chst hingewiesen sieht, den Artemidoros für den Ver- 
fasser des ersten und das zweite fQr das Motto einer späteren Sammlung. 
Dabei fasst aber Ahrens in dem ersten die ^omioiUxai Moietn im strengen 
Sinne als Hirtengedichte nnd bezieht so dies Epigramm auf die oben an- 



|.;,*^TOOy[C 



223 Fünftes Capitel. IdytleDdichtODg; Himiambos a. a. choliamb. Dichte 

Auslesen, bei welcher tlieils jene grössere theokriteiscbe Samm- 
lung, wenn auch vielleicht nur mittelbar, theils eine erweiterte 
benutzt zu sein scheint^^), liegt uns noch deutlich vor^). 

gegebene Uteate Sammlong theokriteiacber Poesie, welcbe eben ddc die 
bakoliachen enthielt. Allein in deuBelbeD ist ja gar nicbt von einer Be- 
ecbi^kang aof Tb. die Bede. Vahlen dagegen nimmt ewot trotx des 
GleichniaaeB von der EQrde nnd Herde mit Recht an, daas die Bnfcolik 
hier in jenem weiteren Sinne der Idyllenpoesie (b. A. 1) zn veretebeii sei, 
kommt nnn aber folgerichtig damit xa dem in mehr ala .einer Einaicbt 
(h. C. Hartnng Philol Ani. VIII. 1877. 8. Sa2 f.) aehr nnwahrscheinlicben 
Eesnitate, daaa sonach eine Sammlnng a&mmüicher Idjllendicbter entweder 
von Artemidoros veranstaltet oder doch (s. A. 71) von ibm mit die«em 
Epigramm eingefObrt, dagegen die der Gedichte des Tb., welche daa zweite 
Eur Aufschrift gehabt, ihr (also doch wohl in der kurzen Zeit Ewiscben 
Artemidoros and Tergilinsl) erat nachgefolgt sein mOBate. Der Schlnssven 
des zweiten Epigramms aber wird keineswegs bloss, wie Vahlen meint, 
datch die Annahme verständlich, daae ea gegen das erate nnd die dorch 
dasaelhe bezeichnete Sammlnng gerichtet seij er braucht vielmehr Nichts 
weiter zn sogen, als dass der Sammler Kritik geübt nnd Nichts auf- 
genommen habe, was ihm nicht anf Gmnd derselben als acht theo- 
kriteiach erschienen sei. Allem Anschein nach richtig vermnthet dagegen 
V. Wilamowitz a. a. , daas vielmehr dies zweite Epigramm der Samm- 
long des Artemidoros voraufgeschickt gewesen sei, das erst« aber ala 
Motto zu einer späteren, erweiterten gebOre, die dnrch ebendiea Hotto 
beweist, dasa sie gar nicht den Anspruch erhob allein Theokriteieches zu 
geben, ob freilich, wie er annimmt (vgl. jetzt auch Enrip. HerakL L 
8. 187 f.), gerade zn der von Nonuos benntaten, nnd ob zu der Ä. 70 an 
besprechenden oder einer uns unbekannten, ist eine andere Frage. Dar- 
Obec aber, dass nicht, wie Wilamowitz meinte, der sehr junge Codex c 
(Ambros. B 76) der beste Bepräsentant dieser Sammlung, dass er vielmehr 
überhanpt kein Repräsentant einer älteren Sammlang nnd dasa er vielmehr 
zum Theil mittelbar ans M (e. A. 70) geflossen, in einielnen Tbeilen sogar 
(b. Ahrens a. a. 0. S. 693) aus der ersten Äldina abgeschrieben ist, a. 
Hiller S. 16 8'. S. 19. A. 1. 

öS**) Wie ich im Anachlnss nicbt sowohl ux Hiller (a. A. 70} ala an 
Ahrens glauben mOcbte. 

70) Wie dies die Ergebnisse der von Hiller a. a. 0. angeatelltsn, die 
Ueberliefemng der in k nicht enthaltenen Gedichte 82. 85. Hoach. IV. III. 
18. 20. 21. MoBcb. 1. 10. Bion 1. SO. 2S. Bion II betreffenden üntersuchan^ 
gelehrt haben. Der verlorene Archet^pos der hier in Betracht kommenden 
Handachriften enthielt jedenfalls zunächst die 16 ersten Oediobt« in der 
oben bezeicbneten Abfolge 1. 5. 6. 4. 7. 3. 8 — 13. 8. 14 — 16, dann wafar- 
Bcheinlich unmittelbar darauf (s. Hiller S. 7S f.) das 17. und SS. und 
hernach mehrere andere, unter ihnen unmittelbar nach SS und jedenfalla 
(a. Hiller S. 60) schon unmittelbar mit einander verbunden entweder S& 
und Mosch. IV oder umgekehrt Mosch. IV. 86. Aus ihn atammen einer- 



iv.t^iOO^IC 



Theokritog, 223 

Weiche von diesen späteren Sammloogen, so weit wir sie nocli 
gaiui oder annähernd nnterscheiden können, oder ob eine andere, 
uns sonst unbekannte die von Nonnos benutzte gewesen sein 
mag, bat wenigstens bisher noch nicht festgestellt werden können. 
Die in k, jedoch, wie gesagt, wohl ancb nur theilweise erhaltene 
ZaBammeuBteUung aber umfaeste in ihrer rnnthmasslich ursprOog- 
licben und rollBtändigen Form in der Tbat fast Alles, ja, wenn 
man von der Sjrini absieht, vielleicht ausnahmslos'"^) Allee, 



Kita der vierte Theil in D (Paris. S12$ ana d. 14. Johih.) and ein incwiaehen 
verloren gegangener Padnaner Codes, nach welchem HuHnrna sein, wie 
Ahrena S. 407 ff. nacbweJBt, in den Anagaben von 151b and 1618 (s. A. SG) 
benotEtes Exemplar fQr 24 — 28 and nDvollat&ndig ancb 89 (theilweiae aaob 
iS nad HoBCb. IV) herstellte, andereraeita daa Original von m (9 Ahrem 
« Vatic. 016 ani dem Anf. dea 14. Jh.) onf der einen ond der wiederum 
verlorenen, von Hillei mit 4 bezeichneten Vorlage von SS (d. h. dem 
Schlosse von Vatic. 1894 und dem Anf. v. Tatic. 1825 ans d. 14. Jb.) nnd 
von dem (wie Ahiene sah) die B«ceualon des Triklinioa enthaltenden M 
(Paria. 2832, aocb ana d. 14. Jh.) auf der anderen Seite. Uod zwar enthielt 
H in seiner uraprflnglichen Qeatalt nnd Ordnung 1 — IT (in der angegeboneti 
Folge). 28. Sfi, Cod. 28 aber 1—16 (in der BDgegehenen Folge). 26. Mosch. 
IV. 17. Uoach. in. as. 18. 80. 21. Moacb. I. 19. Bion I. 80. 2S. Bion II 
(was jetzt fehlt, ist ana den Abschriften w nnd 11 zn erg&nzen), H hat das- 
aelbe nebat Sjrinz nnd des Doeiada« Altar in derselben Folge ansaer Hoacfa. 
L 19. SO (die also möglicherweise, obgleich, wie Ahrens S. 696 ond Hillei 
B. 67 f. »igen, dies nicht wahrscheinlich ist, ana einer anderen Quelle 
itanunen konnten; ein Gleiches iat mOglich von 18 and Hoach. III, s. H 
S. 74). Der betreffende Theil von D endlich amfasat 22 (von T. 61 
26. 28. Mosch. IV. S6. Moach. III. Hiemach bat denn Hiller 8. 
eine kritische Aasgabe von 22. 86. Mosch. IV. 20. 21. 19. Bion I. SO. 23. 
Bion U veranstaltet, in welcher er den Text des Archetypos möglichst her- 
iQstellen ancht. Das« die bloas darch erhaltenen Gedichte 20. 21. 
Bion I. 80. 83. Bion II jemals mit der oben bezeichneten Sammlung, am 
welcher k herTOrgegaogen ist, zu einem Ganten verbanden worden seien, 
davon fehlt jede Spor, wohl aber wurden, wie Biliar S. 66 zeigt und mm 
Theil anch bereits ana dem Gesagten erhellt, schon ziemlich frOh 26 
nnd Moach. IV einer Sammlung theokriteiachet Gedichte ala Anhang an- 
gereiht Das 27. Idyll ist (abgesehen von den beiden eben genannten Ana- 
gaben) nur noch in cD, das 28. ansserdem noch in Vatio. 913 (ana dem 
IS. Jh.), daa 31., wie schon (A. 47) gesagt, nar in c erhalten. 

70^) Eine Ananahme macht vielleicht nur daa 81. Gedicht, falls dasselbe 
nicht etwa doch aach orsprflnglicb zn dieser Samminng mit gehOrte (vgl. 
A.66i>). Im Uebrigeo hat nuter diesen Umst&Ddeii gewiss mit Recht Ähren a 
in seiner Aaag. der griech. Bukoliker Alles, was in ihr nicht Platz gefunden 
hatte, trotzdem daas aach ihr ürbeber (a. A. 81) vielleicht, was aber doch 
sehr zweifelhaft iat, nar eine Aaswahl aas Th. geben wollte, mit Ausnahme 



Iv.t^TOO^lC 



224 Fünftes C&pitol. IdjUeDdicbtong; Mimiambos n. a. choUamb. Dicht. 

was TOD den uns überliefertea Gedicbtan ÄuBproch darauf er- 
heben kann wirklich von TheokritOB zu sein, und nur Weniges, 
was die neuere Kritik ihm abgeBprochen hat. Sollte sie oder 
doch eine ähnliche wirklich schon die von Vei^iliua benutzte 
gewesen sein, so darf man als ihren Urheber mit grösster Wahr- 
scheinlichkeit") den Äristopfaaneer Artemidoros im ersten Jahr- 
hundert V. Chr.") ansehen''), und etat durch dessen Ausgabe 



des TermathuugBweiso (e. A. 109} dem Bion (I) zugeechriebenen *£«iräg)ioc 
'AimiitSos und der dem Moachoa belasBenen Ev^rani} (II] and "Efas diitntfttis 
(!) in den Änbaitg ^Ib IncerUtrvm idyllia vemieBen, nar h&tte 19 eu Oanaten 
dea MoschoB wobl (s. A. 60) eine Ansuahme vetdient. Anderer Meinung 
freilich ist Birt S. 399. A, S, welcher anf Qmnd schwerlich richtiger An- 
nahmen (a. A. 81) anch das freilich (vgl. A. G2) nicht nnverdachtige 2S. Idjll 
nnd die BOgeaannte MtyÖQa (Moach. IT) dem MoBchoa (b. dagegen A. 61 
und Hiller S. 64. A. 3) beUegt. Gegen die Aechtheit deB S6. fällt freilich 
im Uebrigen, wie Enaack Analecta, Hermes XXV. 1890. S. 88 bemerkt, 
der UmBt&nd erheblich ins Gewicht, daea dies Gedicht gleich im An- 
&ng auf Hesiod. Theog. 976 ff. Beeag nimmt imd der Dichter sich somit 
TOD vom herein ala einen Nachahmer der hesiodeiachen Oenealogien- 
poesie bezeichnet , waa denn aehr für die Annahme von A h r e n a and 
Birt 8. 303 spricht, das» es aas der Sammlung der 'Hfmltiat (a. A. 43) auf- 
genommen ist, 

Tl) DasB ein solcher Scblnts auch nar in dieser hypothetischen Form 
nicht gerade mit voller Sicherheit ans der A. 69 besprochenen Deberliefe- 
rang m ziehen iat, kann man Ahrena nnd Tahlen S. 4 EUgeben, aber 
am Nächsten liegt es doch wohl, daas Artemidoros jenes Motto fOr eine 
eigne Sammlung und nicht ffir eine fremde (etwa von seinem Sohn Tbeon, 
wie Ahrens S. 893 sehr willkürlich vermnthet, da Tbeon in der Üeber- 
liefemng, a. A. TG, nur als Commentator, nicht ala Sammler erachaint, m- 
sammengeatellte) verfasste. 

12) S. C. 30. A. 808 ff. 

73) Natürlich war seine Sammlung eine Erweiterong jener frfiheaten, 
schon mit dem 9. Idyll abschlieasenden; um ao auflallender iat es, dasa er 
das Ende dieses 9. atehen lieaa, daa fdr aeine ZuBammenstellang schlechter- 
dinga nicht pasate, indem es in ihr nicht einmal mehr daa Ende der buko- 
lischen AbtheÜDDg blieb. Wie ana dem Yoratehenden erhellt, hat Birt 
richtig geaehen, dasa sowohl di^enigen Handschriften, welche nur die IS 
ersten Gedichte in der wiederholt beaeichoeteo Folge enthtüteu, und von 
denen die älteste eine Florentiner p (Lani. XXXII. 37) aoa dem 13. oder 
14. Jahrh. ist, als auch die wenigen jungen, in welchen nnr die ersten 
9 Gedichte in ihrer jetzigen Ordnung stehen, nicht ältere Sammlaogen, wie 
Ahrena glaubt«, der demnach dieae Sammlnng erst als „die dritte" be- 
zeichnete (vgl. auch A. 19 z. E.), sondern byzantiniache Anatflge ana der 
letiteren darati-llen. Denn daas wir in der betreffenden nenngliedrigen 
Gruppe nicht etwa jene Älteste Zusammenatellung, welche ja freilich auch 



i.t^iooylc 



Theokritoa. 225 

wurden, wie es scheint, die Grammatiker zu einem genaueren 
Stadiam des Theokritoa angeregt, so zunächst sein Zeitgenosse 
Äsklepiades von Myrleia^*) und sein Sohn Tfaeon, dessen Commentar 
die Hauptfundgrube för die Späteren ward"), dann aus Ungewisser 
Zeit Nikanor tou Kob'^^) und Theaetetos, aus dem zweiten Jabr- 
handertn. Chr. Munatios und Amarantos'*), endlich Eratostbenes ^'). 

mit dem 9- Idyll abechloBB, vor uns haben, ergiebt sich abgeBeheo von 
der Unglaublichkeit einer eolchea Aanahme bei dieser Art Ton deber- 
liefernng aacb darauB, dass wer, wie diea offenbar die Absicht des Uiheberg 
jener ftlteaten Sammluiig war, alle HirteBgediohte des Tfa. und aar diese 
znHmmeaordneD wollte, daa 2. Idyll nicht aufnehmen and das 11. nicht 
weglassen dorfte, so dass folglich die jetzige Ordnung nicht die seine ge- 
wesen sein kann. Freilich ist auch aie bei den 9 ersten Gedichten, wie 
schon F. Jacobs sah, aof ein bestimmtes Prineip gegrflndet, indem die 
drei ersten Monodien Bind oder enthalten, die fünf letzten Wechselgesänge, 
du doswischen stehende 4. aber reiner Dialog ist (s. A. ST**), allein dies 
liegt doch, wie Birt richtig bemerkt, anch für einen Byzantiner nicht zu 
tief. Bine dritte, die ersten sei es 18, sei es 14 Gedichte umfassende, 
jedenfalls erst jongbj'xantinische Qnippirang mit dem barbarischen, auf <lie 
Worte ov nliiäw»* 8' tjtiTv%ov, ijiiC yt pöltc xa) xärSc endenden Epi- 
gramm b. Ahrens Bac. II. S. Sf. No. ft wird von Ahrens Philol. a. a. 0. 
3. 605 ff. selbst auf die in k Tertretene Sammlung inrQckgefCIbrt, doch 
kannte wohl der Urheber wenigstens jenes Hott« (s. A. G9) einer erweiterten 
Sammlnsg und lehnt sich mit dem seinen an dasselbe an, so jedoch, dass 
er in dem seinen die Absicht ausspricht nur die ihm noch zogilnglicben 
Beste tbeokriteiicher Bukolik eq sunmeln. 
74) 8. C. 26. A. 93. 

76) S. T. Wilamowitz Euripides Herakles I. 8. 187f.: „dieser Com- 
mentar bat sich Unge gehatten, s. Orion (Et. H.) ypixoc; durch dies Citat 
gewinnt man bei Orion noch Hehreres. Allein nnsere Schoben sind viel 
später geschrieben und haben nnr Theon als Urqnelle für ihr bestes Ontj 
man findet ihn mit Hülfe der Römer". S. über ihn C. 9. A. 4S. 44. 0. 10. 
A. 186. C. IS. A. 98. C. 14. A. TS. C. 80. A. 807 und bes. C. SO. A. 887 ff. 
Genannt wird er in den Scholien nicht, er nnd Artemidoroa erscheinen ans- 
diücklicb nnr in den Etymologica. S. C. :iO. A. 390. 

U^) Vgl. A. 6. 

76} Erat t. Wilamowitz a. a. 0. S. 183 bat. nachgewiesen, wer diese 
beiden Männer sind: Manatios ans Tralles, snr Umgebung des llerodes 
Atticne gehörig, der sich nicht y^upuTixöc, sondern xtKcmo'c nannte, „wie 
'UmaJs in Asien zuweilen wieder ^s feiner galt" (Philostr. V. S. I, 3S, T. 
p. 6S8. II, 1, 14. p. &84) nnd Amarantes, dem Galeoos persSnlich bekannt, 
aber vor ihm Terstorben, s. Galen. XIY. 808 E. 'AfMQÜvtoo ffaitfiatiKov 
x^ xQialjtTiovt , ^ snl nvtös ^»^ro (es folgt das Hecept). S. A. 79. 

77) S. daa Genauere, jedoch mit den Berichtigungen von Wilamowitz, 
bu Ahrens Poet, buc II. S. XXVll ff. Eratostbenes ist offenbar der 
Gratosthenes Scbolastikos (d. i. Bachwalt), von welchem einige Epigramme 

ScBMiHL, ETiech.-ftI«, T,ttt,-a«ach. I. !■'> 



226 Fünftes Capitel. IdjUendichtang; Mimiamboa u. a. cboliamb. Dicht. 

Aus den Studien dieser CommentatoreD ist schon vor dem 12. Jahr- 
hundert'^) die unTerächtliche Scholiensammlnng'^) hervorgegangen. 
Die Haudachriften des Theokritos sind zwar sehr zahlreich, aber 
für die ia b enthaltneD Stücke haben, wie es scheint, auch die 
rerhältnisstnässig besten von allen anderen nur einen er^nzenden 
Werth^"). Im üebtigen aber hatte sich noch gegen Ende des 

in der Anthologie stehen, wie \. Th. H, Fritzsche erkannte. Dieser ver- 
legt ihn erst in die Zeit des luBbinianoB, aber er kann, wie Ahreai a. a. 0. 
S. bist, zeigt, fOglich älter Beiu. Er ahmt, wie Eaibel a. a. 0. S. 466 f. 
bemerkt, Antb. Pal. VI, 78 das von ihm also für ficht gehaltene 8. Gpigr. 
unter dem Hamen des Th. (A. P. VI, 177) nach. 

78) Denn Enstathiot and Gregorios von Eorinth kennen die alten 
Schollen im Wesentlichen schon in ihrer jetzigen Gestalt. Vgl. auch Bram- 
bach Za Theokrit-Schotien nnd Gregor von Eorinth, Rhein. Mos. XZIl. 
1867. S. U9-4&1. 

19) Die Haapthaudsehiift ist anch für sie k. Die älteste Änsgabe ist 
die von Kallierges (s. A. SB); neuere wisBenschaftlicbe Bearbeitungen 
haben Qaisford im 4. Bde. der Poetae minores, Oxford 1620. 8. (Leipc 
Aueg. Bd. G), vollständiger Dabner Paris 1849. 8. und am Besten Ahrens 
im a. Bde. der Buc. Gr. geliefert, von denen in k nach erneuter Ver- 
gleichung Ziegler Codicis Ambrosiani 222 scholia in Theocritum, Tübingen 
1861. 8. Ueber die za Gnmde liegenden Lesarten handelt Sobtmann De 
BchoIÜB Tbeocriteis, Neustettin 1881. 4.; sehr gross ist die Aosbente nicht, 
a. jedoch anch Kaibel a. a. 0. S. 168 f. Byxantüiische Zna&tse von Moscho- 
pulos und TriklinioB (Cod. M , b. A. 70) gab luerst Casanbonns (in seinen 
Lectiones Theocriteae) heraus, dann vollständiger aus einem Genfer Codex 
in Verbindung mit den von Gail (s. A. 86) aus Pariser Uandechiirten mit- 
getbeilten Scbolien Ädert Scholioium Theocriteorum pars inedita, Zürich 
1848. 8. Argumenta (Txo&ieitt) haben wir, wie schon A, 49 und 68'' 
hervorgehoben werden musste, nur zu den ersten 17 Idjllen nnd zum SB. 
and 29., alte Scholieu nor zu den ersteren. Die Eypothesis tum 13. wird 
dem Eratosthenes beigelegti ob mau dessbalb auch die anderen Argnmeuta 
und mit ihnen die Scholiensammlnng auf Ihn mit Ahrens zurflckführen 
darf, steht sehr dahin. In Argum. III. VII. XVII wird heftig nnd meist 
mit Recht (vgl. A. 6) gegen Munatios polemisiii, und da nun Amanutos 
dessen jQngerer Zeitgenosse war und nachweislich AnszQge ans seinem 
Commentar in unseren Scholien stecken, so hält Wilamowitz a. a. 0. 
vielmehr „den Schluss für gestattet, dass er der Feind des Uonatios und 
der gesuchte Bedactor ist. Vgl. Et. M. 'JairäXaS^oe » Schol. IV, 67. ^it- 
»Qtai^aata — Schol. VII, 164. Die frfihbyiantiniscbe Zeit mit ihren verseln- 
den Scholastikern wie Eratoethenes repräsentirt selbstverständlich nor eine 
Etappe der Ueberliefemng . . : auch ist sie wenig zu spüren". Nicht bloss 
Ahrens, sondern auch Birt vermnthen ührigeua in Eratosthenes auch den 
Orheber jener Sanimlnng theokriteischer Gedichte, welche ich, wie gesagt, 
eher bereits auf Artemidoros zurückznfQhren geneigt bin. Vgl. A. 73. 

80) Auch das Original von k war bereits in Hinnskeln (20 Zeilen anf 



Iv.t^TOO^lC 



Theokritos. 297 

fOnfleD oder Anfang des eechsten Jahrhunderts d. Chr. daa An- 
denken an eine weit umränglichere ältere Zusammenstellung der 
theokriteischen und pseudo-tbeokriteiscfaen Werke erhalten^'), 
obgleich ohne Zweifel das uns nicht Gebliebene auch damals 
schon, sei es ganz, sei es wenigstens beinahe ausnahmslos, 
verloren gegangen war. Denn die Metaphrase, welche um 
500 Marianos (unter Anastaaioa) von dem ihm noch zu Gebote 
Stehenden machte, umfasste nur 3150 iambische Verse"). Die 
Einwirkung des Theokritos auf die Folgezeit ^^) spQrt msn 
fibrigens auch bei den Dichtern der Anthologie^). Die Äus- 

der S«ile) geBcbrieben. In Bezug acf die EandBcbriften der in k nicht 
eDtbaltnen Stöcke a. A. 70 (wo freilich nicht Alles angegeben üt). Der 
Cotgectaralkritik bleibt ein ziemlich groaaer Spielraam. 

81) Nämlicb znr Zeit des Hesychios TOn HiletoB, wie der A. 42 mit- 
getheilte Eatalog bei Said, ceigi. Die weiteren Hypothesen von Birt 
S. 389 ff. jedoch, wie da«a jeder 1*1161 bei letzterem genau einem Bande in 
dieser Gesammtansgabe entsprochen habe, entbehren jedes featen BodeoH, 
vgl. Hiller a. a. O. S. 64. A. 3. Ana welcher Zeit dieselbe stammte, Väeet 
gich, wie ea scheint, nicht ansmachen. Wenn aber Artemidaroa, oder wer 
immer der Urheber jener oben besprochenen Sammlung theokriteischer Ge- 
dichte war, die Absicht gehabt haben sollte die ihm acht scheinenden 
Werke des Th. Tollst&ndig zu sammeln nnd nicht vielmehr, was ja freilieb, 
wie schon gesagt (A. TO**), auch nicht gerade anmOglich ist, eine blosse 
Auslese geben wollte, so moss sich in jener umfassendereii Aangabe wohl 
vieles Unächte befnnden haben. 

SS) Snid. Mufiarös- Da Marianoa in seinen sonatigen Dmdichtungen 
{Tgl. C. 10. A. 183. C. IS. A. 106) sich nahe an - die Verszahlen seiner 
Originale hielt, so ist zwar daraus noch nicht mit Birt S. 400. S. 401. A. 1 
in folgein, dasa schon sein Theokritcorpna genau dem nnseren entsprochen 
habe, aber wenn er naoh dem A. 53'' Dargelegten auch schwerlich Bion I. II. 
Mosch. IV. Theokr. XIX. XSllI. XXV. XXVII. XXX für theokriteisch hielt, 
vielleicht auch das 20. und 21. Idyll nicht, so steht doch der Annahme 
Nichts im Wege, dass ei seinem Machwerk ausser den in der Sammlung 
des ArtemidorOB (um sie kurz so za nennen) enthaltenen Dichtungen etwa 
noch die Sjrini, das Sl. nnd 26. Idyll nebst der Msgara (vgl. A. 51. 70) 
zQ Grande legte, d. h. zusammen 2794 Verse, möglicherweise aber auch 
noch einige andere, jetzt verlorene Gedichte. 8. darüber Hillcr S. Sä — 70. 

83) Wie wenig er freilich im 2. Jahrh. v. Chr. in sehr massgebenden 
Kreisen gelesen im sein scheint, darüber s. A. ÖS und C. 10. A. 4. 

84) Kehr De poetamm qut snnt in anthologia Falatina studiis Theo- 
ulteis, Leipzig 1880. 8. (Doctordiss.). So schon bei ßbianos Anth. Pal. 
XU, 93, 1, wo das früher nicht nachweisliche ävi^oSos, wie Brinker S. 67 
bemerkt, aus dem an derselben Stelle stehenden ävfiodor Theokr. Id. XII, 19 
genommen zu sein scheint, ja schon bei Aaklepiadea (s. C. 36. A. 37), Vgl. 
aoch A. 77 und Eaibel a a. 0. S. 466 f. 



ivXtOO^IC 



228 Fünftes Capitel. Idyllendichltiiig; HimiambaB u. a. cboliamb. Dicht. 

gaben^''} gelangten erst allmählich dazu vollständig zu werden and 
MoBchos und Bion von Theokritos abzuBondero. Die kritische Haupt- 
ausgabe ist die TOD Ährens; besonders durch eigne Yergleichungen 



86) Die Editio princeps, Hailand etwa 1481 fol. bei Bonns Accnriioa 
(mit Heaiod. Op.) enthält nnr die 18 ersten Idyllen, die- folgende, in 
zweierlei Exemplaren, TollstlLndigeren (Aid. II) nnd nnvollstäDdigeren 
(Aid. I) gedruckte Anagabe Aldina, Ten. 1496 fot. (mit Tbeognis, Paendo- 
Pbok;lide8 nnd Hesiod.) S9 (nämlich noch MoBch. 1[I. 1. IL 19. Bion. L 
80. 81. Hoicb. IT. 88. 83. 30, zwischen 2S nnd SO aacb die Sjrinz, meirt 
nach Cod. 11, b. A. 70. Ahrene Philol. XXXIII. S. 591. Hiller Beitrr. 
S. 8 f.), die von EnphroaynnB Boninns besorgte lontina, Floreoc 
1515. 8. Bchon 35, nämlich 1. 7. 3—6. 6— IS. 3. U-18. 28. 81. Mosch. I. 
29 Anf. (1—26). 26. 27. 28. Mosch. IT. 26. 21. 23. 20. Bion I. 30. Moich. 
in. tl. 19 nebst Epigrammen, Sjtinx, Fittigen, Beil, mm Theil (b. A.67>'. 
Abrens a. a. 0. S. 101) aus einem mit k verwandten nnd vielleicht noch 
besseren Codex, ram Theil nach dem Exemplar des Masarue (s. A. 70). 
Die erste (abgesehen vom 31. Idjll) vollständige Anagabe der Idyllen- 
dichter ist die von Zacb. Eallierges, Rom 1516. 8. mit den Schollen 
(s. A. 79). Es folgten Caraerarins mit der lat. üebers. v. Eoban Hess. 
Uagenan 1680. 8, H. Stephanns in den Poet princ. her. cann., Paris 
1566 foL und Theocriti aliommque poetaram idjllia, Paria 1679, 16., wel- 
cher zuerst HoschoB und Bion von Th. abschied, nnd dessen Text, wie 
gewöhnlich, die Tulgat« ward, Commelinns, Heidelberg 1696. 1603 mit 
den Conjecturen von Scaliger und Casanbonns nnd Anmerkungen von 
D.Heinains, dann D. Heinsius, Heidelberg 1603. 6. 1604.4. Bei ske Wien 
nnd Leipdg 1765. 1766. IL 1. Warton (bei welchem die ersten Anf&nge 
diplomatischer Kritik hervortreten), Oxford 1770. 4. mit Bemerknngen nnd 
Coigectnren von Tonp. Wirklich methodisch den Text hertDitellai begann 
Talckenaer, der zuerst 10 Idyllen heransgab mit dem berühmten Commen- 
tar ta den Adoniazusen, Leiden 1773. 2. Anfl. 1810. 8., dann die sämmt- 
liehen Idyllendichter, Leiden 1779. 8. AuB. 1610. 8. (Heindorf), Berlin 
1810. 8., Sammelanag. derselben, 9. Anfl. \. 0. Schäfer, Leipiig 1817. 
Dahl, Leipzig 1804 8. Fr. Jacobs 8. Aufl. Gotha 1808. 8. Weise, 
Leipzig 1809 (nener Abdruck 1867). 16. 0. Schäfer, Leipeig 1811 fol. 
O. Sieialing, Leipiig 1819. 8. Geel, Amsterdam 1880. 8. Briggs 
Poet, buc Gr., Cambridge 1821. Gaiaford in den Poet. min. 1828 (ebenso). 
J. A. Jacobs 1. Bd., Halle 1884. 8. mit Bion nnd Hosch. Meineke, 
Leipzig 1826. B. BerUu 1836. 12. nnd bes. Berlin 1S66. 8., desgl. Gail, 
Paria 1828. III. 8. mit Collationen von Pariser Handachriften. Waate- 
mann, Gotha 1830. 8. Ziegler, Tabingen 1844. 8. 8. Aufi. 1867. 8. AnO. 
1817 nach neuer Tergl ei chnng italiänischer Handschriften. Wordsworth, 
Cambridge 1844. 18T7. 8. AmeiBpoet.bncol.,Paris]846(Didot). H.L.Ahrens 
Bncolicomm Oraecomm reliqniae, Leipzig 1865. 1859. U. 8. A. Th. H. 
FritzBche mit dentacben Anmm., Leipzig 1867. 2. Anfl. 1869. 8. Anfl. 
V. Eiller 1881. 8., mit lateiniachen, Leipzig 1866. 1860. IL 8. 2. Anfl. 
1870. 8. J. A. Härtung Die gr. Bnkoliker, mit deutscher Uebers., Leipzig 



|.;,*^tOO^IC 



riioenix. Hi;t[>dM oder Herondu. 229 

hat sich Ziegler verdient gemacht; Erhebliches theüs fitr die 
Kritik, theils für die Erklärung, theils für beide haben nach 
dem Vorgange zumal von Scaliger, Reieke, Toup namentlich 
Valckenaer, Meineke,A.Th.H.Fritzscbe und Hiller geleistet. 

Phoenix von Kolophon, wohl noch älter ala Theokritos, 
jedenfalls aber nicht aua voralexandrinischer Zeit^^), dichtete in 
Choliamben „kleine Genrebilder aus dem Leben und der Ge- 
schichte""). 

Herodas oder Herondas**) aus ungewisser Zeit, wahr- 

1S6S. 12. (nicht lobeDiwerth). Palej, Cambridge 1863. 2. Aufl. 1869. 8. 
Hiller Beitrr. s. A, 70. — Dentsche Uebersetinogen von J. H. Voea, 
Tabingen 1808. S. Naumann, Prentlan 1828. 13. MOrike und Natter, 
Stattgftrt 1856. 16. Zimmarmaiin, Stuttgart lSfi6. 16., alle auch von 
HoHcbos nad Bion. Eben, Frankfurt a. M. IBG8. 8. Data die mehrerer 
Idjlleu Ton Friedr. ROckert in deisen Nochla««, heraiug. v. H. Rflckeit, 
Leipag 1861. — Kritiiche and erklärende Beiträge Ton Q. Hermann 
(s. A. 49), H. Haupt Opnic. I. a 807. II. S. SOS ff. 666 ff. III. S. 398 ff. 
16TS1 484 ff. 639. 649 und >. A. 49, Ahrena Emendationea Theocriteae, 
Gfittingen 1841. 4. Zeitachr. f. d. Alterih. 1689. No. 86. Pbilologns XXXVL 
1871. S. 210—320, Bergk Rhein. Hua. 1886. S. 217— 329, Bficheler Rbeiu. 
Hua. XXX (s. A. 29). S. 41 ff. C. Hartang Philologu» XXXIV. 1876. 
S. 301-326. 699—664, Kaibel Hermes XV. S. 461—461. XVII. B. 417— 
4SI, Vahlen a. a. 0. nnd Berl. Sommerkat. 1884 and 1386 (e. A. 29), 
JoL Schmidt Zu Theoknt. VII, Rhein. Mua XLV, 1890. S. 148-161 
and Anderen. 

86) Paus. 1, 9,7 (8). Biißi} (nKml. Aveiiiaiot) di nal vavoiw inl t^ 
'Jaiav Kai iqv äfirfv tfjt 'Aftiyöfov «vyitn^ffle. evfann«! di keeI Eipto/ay 
«11(1 ^aläeetis i^v vvv xöXiv, ixayay6^tvot is avti^v Aißa3lovt rc o/kiJ- 
togas x«l Koloipaulove , tat Sl ituittav äveXiiv ttokeis, b>s ^Cvina [ä^^ia» 
xontti^ KoXoiptivuyr #pijv^«a< iqv SXticiv. Vgl. auch C. 4. A. 06. 

87) Bernhard; Qr. L. O. II', 1. S. 647 f, welcher den naiven nnd 
treobaizigen Tod, EDgleich aber auch die gelehrte Feile der Brachatiicke 
heiTorhebL Sie sind iniAmmengei teilt und bearbeitet von Meineke in 
Lacbmanna Auag. dea Babrioa S. 140—146 und Bergk Anthol. lyr.* 
8. 217—219 nnd finden alch bei Atli. VIII. 869 e ff. (Lied der ^fotvictai, 
bebandelt Ton llgen Opnec. L S. 169 ff. und Bergk Commentatio de 
FhoeoiciB Colophonii iambo, Halle 1868 4. Opnac. II. S. 149—167). XII. 
630 e ff. (Geacbichte von Ninoa, viel geancbter und phnuenbafter; s. Naeke 
Choeril. S. 287 ff.). XI. 496 d (von Tbalea, vgl. daa Choliambenfragm. 94 
des KallimachoB nnd daia Bergk Ueb. d. Zeitalter des Babrina. Üpnac. II. 
8. 660 f.). — H. Haupt Ueber eincelne Stellen aua den Cbotiamben dea 
Ph. T. Solophon, Ber. der a&cha. Gea. d. W. I. 184S. S. 411—416. Opuac. I. 
S.330— 236,daaniPhilologna I. 1846. 8. 366. Opnsc. I. S. 188 f. v.Lentscii 
Fhilol. XI. 1866. S. 244. Meineke ebendas. XIV. 1869. S. 28 f. 

88) 'HfafSuB beisat er nnr bei Äth. 111. 86 b (= Fr. 3 Bergk), aonal 



iv.t^iOO^IC 



230 Fünftes Capitel. Idyltendichtnng; Mimiambos a. a. choliamb. Dicht. 

scheiulich jedoch ungeiahr aus der gleichen mit TheokritOB uod 
KallimachoB^^) verfaüste sogeDannte Mimiamhen, d. h. Mimen in 
iambischer Form, meistene in Choliamben^), aber zam TheÜ 



'Hn6Sai odei'HQiäSnt, ntu ein anderer Name ale 'H^äpiat ist, s. Hetneke 
in LachmannB Babr. S. IGl f. — Schneidewin Der Mimiambogr^b 
Herodaa, Rhein. Mub. N. F. V. 1S4T. S. 292—294. ien Brink Herodii 
mimiambi, Fhilolt^UB Tl. 1S61. S. S6t— S66. F. UanBsen QaaeHtiiuicnla 
Paeudoanacreontica, in Comraentt. philol. in hon. 0. Ribbecki, Leipzig 
1B88. 8. S. 187— 194. Beruhardy a.a.O. 8. 549 f. - FragmeDtsammlungea 
von Fiorillo bioter Herodia Attici quae (nperaunt, Leipzig 1901. S. 111— 
180, Schneidewin im Delect pott». Gir. eleg. etc., Heineke a. a. 0. 
S. 148-162, Bergk P. L. G. U*. S. 609—612 (vgl. Anth. lyr. S. SlSf.). 

89) So Heineke Anal. AI. S. S89f., 0. Eibbeck Gesch. der T6m. 
Dichtung 1. S. SOS, HansseD S. 189 f., welcher mit Recht die Termutbang 
von Bergk S. 609 verwirft, dass der in Ft. 1 angeredete Oryllos der Sohn 
XenophonB sei, und Andere. Wenn man an die Cboliamben dea Phoenix, 
des Asklepiades (s. Meineke Babr. S. 168 und C. 36. A. 38), des Ealli- 
machos (e. C. 13 A. 44 ff.), des Apolloaioa (s. C. 14. A. 83), die Mimen dea 
TbeokritoB and die kiaaedo logischen Dichtnogen dieaer Zeit denkt, so wird 
es das NatQrUchBle Bein auch die Mimiambcn des H. als eine der ihr sa- 
gohQrigeii poetischen Spielarten aninseben. Die AeusBening des jüngeren 
Pliains Ep. lY, 3, 4 übei die lamben des AntoniniiB: CaUimachti-m me vel 
Jleroden i-d ei quid his melius tenere credebam entscheidet freilich Nichts. 
Bergk hiUt ihn fflr gltei, nämlich für den Sjrakuaer Herodas bei Xen. 
Hell. III, 14, 1, anf den Heineke Babr. S. 161 hinwies. In Wahrheit legt 
diese Stelle lediglich den Gedanken nahe, dass auch der Mimiambendichtev 
so und nicht Herondas hiess nod gleichfalls ane Sjrakus war gleich Theo- 
kritoB, zumal da beide sich in ihren betreffenden Dichtungen an die Hirnen 
des SjrrakuBera Sopbron anschloHsen, Herodas wahrechoinlich enger, wie 
Schueidewin S. 293 bemerkt: „von den Titeln weieeo die £v9t9Yai6- 
fiEvai (Fr. 2) auf eioen fn>o« yvvaitieios, der Molxivos (Fr. 1) auf einen 
üviftios". Dazu atimmen die Doriamen, auf die Bernhardy und be- 
sonders Schneidewin aufmerksam gemacht haben. Letzterer jedoch 
meint im AnschloBs an die Bemerkung des Ersteren, der Dichter habe 
„mSglicherweise der italiotiocben Gesellschaft" angehört, seineneits, daes 
„das la^^tai (Fr. 3, 3), eine Form des strengen Doriamus, nna zwinge 
denselben" trotz jener seiner engen Anknüpfung an Sophron „für einen 
i taliotischen Dichter, etwa aua Tarent zu erklären"; aber ten Brink 
nimmt diesen Zwang wohl mit Recht in Abrede, und geaetzt avch, H. sei 
wirklich aus ün teril allen , beziehentlich Tarent gewesen, so würde dies 
schwerlich (man denke an Rhinthon!) nAthigen ihn, wie Scbneidewin 
will , erst einer jüngeren Zeit zuzuweiien. 

00) Die meiaten Bruchstücke aind aus Stob. Flor, (mit Ausnahme von 
Fr. t, a. A. 99) unter der Deberechrift 'H^Jov Mtpiäiißat, und von allen 
10 sind 9 choliambiach. üeberdies bemerkt Meineke Anal. AL S. 890: 
„mimiambi non dicebantur mimt ex iambis compositi, sed cMiambi potiua 



i.t^iOOylC 



HoBchos von %rakuB. 231 

auch in jenen später Hemiambeo*') genantiten spielenden kata- 
lektischen iambisclien Dimetern**), welche er, wenn nicht zuerst^'), 
so doch als einer der Ereten anwandte, and welche uns dann 
bei Promathidas , dem SchQler des Thrakers Dionjsios^), in 
dem psendo-theokriteischen 30. Idyll anf den todten Adonis^') 
ond häufig in den Anakreonteen ^^ wieder begegnen. 

Hoschos von S;rakns, ein SchQler des Aristarchos'^ und 
Verfasser eines Prosawerks über rhodische Provinzialismen**), 
war einer der wenigen Männer aus der späteren alexandriniechen 
Philologenschute, welche die Yerbindnng des Gelehrten mit dem 
Dichter fortsetzten. Aber mit wirklicher Bukolik hat seine heilere 
und tändelnde Poesie Nichts zu schafTeo. Von den vier kleineren 
Stücken*") zeigt nur das erste, eine Vergleichuag des Land- und 
Seelebens, wahres nnd warmes NatnrgefQhl, die drei andern aber 
sind erotische Spieiereien gleich denen des Bion. Von den grösseren 



ckoUanbis ampo»ila, v. Gelt. XX, 9. Plin. Ej: VI, 21", 
waa abcT doch la viel behauptet ist. 

91) Haussen S. ISO. A. 2 meint, „hcmiamborum nomen ante infimoni 
aeiatem ByianKnam iynotum fuitge". Aber diese Bezeichnnng eracheint 
bereits bei Äth. VII. 996 b ngona^idae 9' ö 'HfanltätTit h 'Hfuäiißois. 

98) Fr. 10 in Schol. Nie. Ther. 377, wo zugleich der (e. A. 89) dritte 
Tit«l "Tnvos encbeiot: 'Hgädiis ip 'Hfu^t^poif h im Ixtyeaifofiivei "Ticm. 
Nach dem eben (A. 91) Bemerkten ist hier vielleicht Nichts zn ilndern i 
treoD aber ja, so scheint mir der Vorschlag Schueidewins in 'Hfiiaußois 
ZD streichen mindestens gerathener als sein anderer von Bernhard; 
(s. Hanssen S. 190. A. 6) stammender, Iv Mifiinfißo'C zo schreiben, ob- 
gleich ich nicht Eireifle, dass anch die Hemiamben des H. eq seinen 
Mimiamben gehörten; will man dagegen aurUmnd der Lesart 6 'Hiilufißot 
beiseni, so ziehe ich Bergks cventnelle Tennntbnng i Mtiiiaupog der 
H. Eeila i ^(iittiißi%bt vor. BeTDhardj beb&lt achliesslich 6 'HfUufißot 
bei, obwohl er es f3r verderbt ansieht, nnd vcrmuthet zweifelnd nach 
Zenob. VI, 80 (— Fr. 9) ö la^ßonoiö«. 

93) Vielleicht TOr ihm schon Aeschrion, a. Hanssen S. 191. A. 1. 
Aach bei Eallimachos finden wir Hemiamben Fp. XXXVII Wil. nnd mit 
anderen Versen vermischt Ep. XXXVIII. XXXIX. 

94) S. A. 91 und C. S8. A. 38. 

96) Tgl. Hanssen S. 194; „hoc carmine irantitm mihi fttri videtur ab 
hemiambico genere ad bucoUcum". 

96) Nach Hanssen S. 190fF inn&chet nnter seinem Einflnas. 

97) Said. Möaxos 2hemoiiau>s, ypnffftaTiHOg, 'Jttiatufxov yrrn^ifiof. 

98) Denn gewiss mit B«cht nimmt Blau De Aristarchi discipulin 
(Jena 1883). S. 24 f. as, dass diese von Atb. XI. 4@G e augeffihrle 'Elqyijiic 
'Foiianäv liitetv von diesem H. war. 

99) Aas Stob. Flor, nnd der Anthologie. 

D,j-,_, l|.;,*^TOOylC 



232 Fünfleit Cspitel. IdjUeadicbtuDg; MiniomboH d. o. choliamb. Dicht. 

aber siod Qur zwei wirklich ffir ihn bezeugt, die Evf/änri (II), 
ein kleiues Liebeaepos ganz in der gewöhnlichen alexandrinischen 
Weise, welches man trotz gewisser metrischer Bedenken*"") wohl 
in der That fortfahren luuss ihm beizulegen, und der entlaufene 
Eros ("fipoig St/axirtjs -= I), wieder eine blosse Tändelei gleich 
dem, wie schon gesagt""), wahrscheinlich auch von ihm her- 
rührenden 19. Idyll in unseren Ausgaben der theokriteischeo 
Gedichte. Die beiden anderen aber sind ihm ebenso willkürlich 
wie unrechtmässig zugeschrieben worden'*'). Von dem einen, 

100} 8. A. 113. 

101) S. A. 60. 

102) Ueber diejenigea Codicea des Theokritos, in welchen agglejch die 
tbeild wirklich, theile vermeintlicli von Moschos aod Bio& verfaBateD Jängeren 
Gedichte (mit AaBuahme tod Mosch. II), aber nicht anter deren Namen 
stehen, s. A. 70 (vgl. A. 63i>). Ea giebt aber fOr MoscboB auch besondere 
Uandscbrirter , von denen die älteste b ~ Lanr. XXXII, 16 ans dem 13. 
oder 11. Jahrh. die Ev^mni) nnd den '£«»; Sgaxitiis unter dem Namen 
lies MoBchoB und die Mtyäea ohne denselben giebt. Offenbar hiemach hat 
vao Mekercbe (b. n.) auch die letztere ihm beigelegt, wilhrend doch eher 
das Qegentbeil hieraas zu folgern war. Ein «weiter Codex Vd (Vindob. 311) 
enthält freilich nur die Evi/iiaii unter diesem Namen, den 'Efag dpaxf'iijc 
ohne Bezeichnung, dazu ebenso die ersten Verse der Mtfüfv, ansserdem 
zu Anfang das Klagelied auf Bion, und dieses freilich mit der, offenbar 
aber aus sehr später Annahme entsprungenen Ueberschrift Möaiov (^ ist 
TOn jüngerer Hand beigefügt) Gio^fltov, wss, wie Büchelec ßb. Hua. 
XXX. S. 40 bemerkt, an die jedenfalli erst jnngbj-zantiniscbe , durch das 
Eindriogen «od Gedichten des Hoschos in die Sammlungen des Theokritos 
entstandene Angabe über letzteren V. Theoer. p. 195, 16 West, xatä yovv 
iivas M6cxos »aXov jievog Stömgiios (Jvofuia&i] erinnert. Dazu kommen 
mehrere MiBCellancodiccs, welche die Eifäx/i allein enthalten nnd den 
besten Text geben und gleichfalls für Moscbos zeugen, und "EgiBt dgcmivqf 
findet sich unter seinem Namen auch in der Anthol. Pal. IX, 440 und in 
anderen anthotogischen Codices. Stobaeos benutzte, wie schon (A. 1) ge- 
sagt, für Moschos und Bion besondere Samminngen, s. z. B. Flor. LIX, 19. 
CK tmv Moaiov BovxoXixäv. LXIII, 29. LXIV, 19. h iü*> Mocxov toi £i- 
NfUiötoti fiouHolixüv. XXIX, 52. ^H xäv Bluvos Spvgvaiav BovHolmmr. 
Ekl. 1. p 170 H. 75, 17 W. Ih räv Bltavos &ov*oh,*&v tlt 'Täiuv9o*. Vgl. 
Orion Anth. 6, 4. i» ... cmv Bitavat £oviolixäv. — Specialausgaben de« 
Bion und Moscbos sind: Ed. princ. t. Adr. van Mekercbe, BrQgge 1506. 4. 
SchwebeliuB, Venedig 1716 (Sammelaasg.). Heskin, Oxford IT84. 4. 
Hauso, Gotha 1764. Leipzig 1S07. S. mit Uebcrsetzung und Erläuteraugen. 
Wakefield, London 1735. 8. Fr. Jacobs, Gotha 1795. 8. G. Hermann, 
Leipzig u. Berlin 1649. 8. (die krit üauptausg.). Ziegler, Tübingen 
1868. 8. (mit verTollständigtem Apparat Dach neue» Collationen). -- Treff- 
liche ital. ücbm. V. Leopardi, Florenz 1816. — Tb. Schmitz Adnola- 



iv.t^TOOylC 



Bion von Smjrna. 233 

der sogeoannten"**^) Megara (IV), einem weicben und Bchwer- 
mOthigen Elagdialog zwischen Megara und Alkmene, ist der 
wahre Urheber bereits oben"'') näher bezeichnet. Das andere 
aber, die Klage um Bion ('Exitaqiioe BCmvos ^ HI), kann ihm 
schon deeshalb nicht angehören, weil Bion bereits jünger als er'"*) 
war, und weil der wirkliche, frflbesteus zur Zeit des Sulla**'') 
lebende Dichter, ein Nachahmer und Schüler Bions, eich selbst 
vielmehr (lOOf.) als einen Ausoner, also Italer kenozeichnet. 
Das Gedicht hat übrigens etrophische Gliederung und Refrain, 
ist aber sehr phrasenhaft"*^). 

Bion, auf dem Gute Pblossa bei Smyrna geboren"*'), scheint 
namentlich in Sikelien frühestens am Ende des zneiten Jahr- 
hunderts gelobt zu haben "'^). Das zwar nur nach gelehrter 
MathmasBUDg, aber einer allem Anschein nach triftigen'"') ihm 
beigelegte Klagelied auf Adonis ('^iTa'^xog 'ASmviSog •= I), 
welches gleichfalls eine freilich in der Ueberlieferuog etwas ver- 
dunkelte strophische Gliederung mit Refrain zeigt, ist zwar nicht 

Uonea ad BioDis et Moachi cannina , Mfineter 186S. 8. C. Hartang 
QuaeiUoneB Moacheae, Bonn 1S65. 8. (DocUirdiBsertataonen). 
108^) S. A. W». 

103) S. A. 67, Tgl. A. HS. Ueber die Absiebt des Dichters aber s. 
1. Wilamowitz Eurip. Herakl. I. S. 323 f. A. 110. 

104) Snid. Jlfödxoe. ooiöf iaxiv h dtvziifot xoirjtiit fuxi 6(0K(>itov löv 
träv ßovitoUxiv ifaftänitf naitjTqv und Btiitfuos- Insov d' Ott y' ■/työvavi 
ßooxoliKwv titmv non]tai, BtönifiTOS oiioei, M6o%ot SntXuötTis ual Büav 
ö Zimgraios. Schol. Anth. P&l. IX, 140 (s. A. 102). xgmtot Scö^gtxot, 
dtvtftios aixot h Möaioe, tfitos B{iov ö Zftv^atos. S, BQcbeler Rhein. 
Mos. XXX. S. 40. 

106) Wenn Bion anch nur wenig jünger denn Hoschos, dei als Schüler 
des Aristarchos dem Ende des 2. Jahrb. angehört, gewesen sein sollte, so 
kann wia Tod, zumal da nach diesem Klagelied ihm eher ein längeres als 
ein kOneres Leben znzaaobreibea ist, doch nicht früher angesetzt werden. 
So Bflcheler a. a. 0. S. 41 f. (vgl. C. fl. A. 33). 

106) Goebbel s. A. 68. Peiper Der Refrain b. gr. u. lat. Dichtern. 
11 HoMhOB EpiUphion auf Bion, Jahrb. f Phil. LXXXTII. 1863. 8. 763— Tö6. 
H. Stier De Bionie et MoBcbi epitaphüe, Berlin 1864. 8. Tb. Fritiiche 
De carmiue Hoscheo coi inscriptum est Epitaphium Bionis qoaestionea cri- 
ticae, Güstrow u. Leipzig 1S67. 4. Bflcbeler a. a. 0. S. 38-41. 

107) Said. ^lon«. fährt nach den A. 104 angef. Worten fort: 1% moe 
inQtdiov ttoloDfifvoi) ^Xäaerig. 

105) Epitaph. Bion. Befrain o. 69 ff. 12S «. Dass ei an Gift gestorben 
>ei (ebead. llSff.), erkl&rt Bücheier a. a. 0. S. 37 mit Recht für eine 
blosse poetiM^e Fiction vom Verfasser dieses Qedicbts. 

lOfl) Von CamerariuB auf Grund von Epit. Bion. 69f. 86. 126ff. 



,,i.,ooglc 



234 FflafteB Capitel. IdjUendichtong; Hiraiambos u. a. chotiamb. Dicht 

gerade ohne dichterische Kraft, aber mauierirt, schwfllatig nnd 
Toll schillernder Rhetorik. Es verräth dabei NachahmuDg des 
Theokritos, dessen Prunklied in den Adoniazusen den Dichter 
auch wohl auf diesen Stoff' gebracht bat"**). In den 18 kleinen 
Gedichten und Gedichtbruchstücken '") zeigt sich eine gewisse 
Weichheit, die zum Theil in Tändelei ausartet, und zarte 
Sentimentalität. Von bakolischem Charakter aber tragen auch 
sie kaum mehr an eich, als dass die Sprecher in einem von 
ihnen (XYII), Kleodamos und Myrson, offenbar Hirten sein sollen. 
Ein Gleiches gilt von denen in dem zweiten grösseren Gedicht, 
dem EpithalamioB des Achilleus und der Deidameia, welches 
recht artig« aber spielend das Abenteuer auf Skyros behandelt, 
Myrson und Lykidas, aber gerade von diesem Fragment (Ilj 
lässt sich anch nicht einmal vermathungsweise erhärten, dass es 
jemals dem Bion zugeschrieben worden sei; vielmehr war dies 
eine völlig willkürliche Annahme. Das kleine Epos Hyakinthos 
(Fr. XVI) war Quelle der entsprechenden Darstellung des Ovidius 
in den Metamorphosen"*). FDr den Versbau des Bion so wie 
jenes seines SchQlers, welcher die Kl^e um ihn gedichtet hat, 
ist eine entschiedene Vorliebe für die Daktylen und ein sehr 
bestimmtes Mass in der Zulassung der Spondeien bezeichneud '*'). 



110) Goebbel b. ä. 58. Bficheler BioDB QrabUed auf Adonia, Jahrb. 
f. Philo). LXSXVII. 1863. S. 106—113. Peiper Der Eefrain b. gr. n, lat. 
Dichtern. I. BioDS Epitapbios auf Adonis, ebendas. 3. 617— 6S3. C. Lang 
BiooB Grablied auf Adonis , Eos II. 1866. S. 204 - 223. Ueber die Btrophiache 
Gliederung b. aucb G. Hermann in seiner Ansg, (b. A. 10!). — Srit. Aatg. 
Y. H. L. Ahrens, Leipzig 18B4. 8. 

111) 8&mmtlicb bis auf das letzte aue Stobaeos. 

112) X, 162—219. Dies zeigt (auf Grond der Textberichtigung von 
Wilamowitz Herrn. XIY. S. 163) Knaack Annl. Alex. Rom. S. 60 ff. 
Deraelbe ist, wie er mir mittheilt, jetzt der Ansicht, dass Bion seinerseits 
wieder von Nikandroa (b. C. 10. A. 9S) beeinfluBei war. 

118) S. daräber das Genauere bei Bficheler Rhein. Hus. XXX. S. 34 
nnd Kunst a. a. 0. S. 12—14. Der Spondeios an fanfter Stelle wird in 
der Klage um Bion ganz vern^eden, desgleichen alle Fonaan mit drei 
Spondeien ausser der einen, in welcher dieselben den Versanfang bilden, 
nnd auch die Form ddssdd, so daes im Ganzen nur 11 Formen Qbrig 
blciljeD und bomit diese Verskunst schon dicht vor der des Nonnoe mit 
seinen steht. Dagegen hat die Europe alle mSgllchen mit Dakt;loa an 
fOnfter Stelle mit alleiniger Ausnahme von ssud, also im Ganzen 16 nnd 
dazu 6 mit Spondeios. Itu entlaufnen Herakles und den kleineren Stücken 
des Hoscho« sind dagegen überhaupt nur Gesbiltongen der ersteren Ciasee 



iv.t^iOO^lC 



HermeiM TOn KnrioiL ParmenoD von BjEantioo. 235 

Als Choliambendicliter kennfin wir noch: 

Hermeiaa von Enrion, tod dem nna fünf Yerae gegen die 
Stoiker aafbewalirt aind'^^), und 

ParmeDOn von ByzantioD, desaen 'laftßoi mehr als 1 Buch 
umfasaten '"*). 

Sechstes Capitel. 
Di« Hilarotragoedie aad aadere Trarestlen'). 
Ueber die üilarotragoedie und die kinaedologische Dichtung 
haben wir nur aehr unvoll ständige Nachrichten; doch bringen 
Tasenbilder, welche allem Anecbeine nach Seesen aus Hilaro- 
trf^;oedteu darstellen, die erstereunsrer Anschauung näher*). Sieher 
ist es, dase sie auf groBsgriechiacbem Boden erwuchs, namentlich 

xa finden, und iwar nar 9, wobei aber die geringe Verazahl zo bedenken 
irt, flo dau man den nahe liegenden Schlusi, die Europe kOnne nicht von 
demselben Dichter Min, nicbt ohne Weiteres ziehen darf. Bion selbst bat 
13 Formen, 11 mit DaktyloB, S mit Spondeios als fünfter Honopodie. üeber 
die grosse Äabnlichkeit der Hegaca, welche 8 TOn der enteren und 7 von 
der letzteren Art darbietet, mit Herakles dem LOwentOdteT anch in metri- 
scher Hinsicht 8. aber HiUer Beitrr. 3. 68 f. 

114) Bei Ath. Xlll. &68d: ix täv laiifimv. S. Meineke in Lach- 
manns Babr. S. 147. Bergk &nth. Ijr. 8. 220. (Richtiger wobl Hermias). 

115) 3tepb. T. Bji. BoviCvoi: h iä^ßar nfätto. 9qIiuo»: h täi n^iattp 
läfi^. Tgl. Xittitri. Schol. Nie. Tber. 806. J7. h tot« ^«fi^oig. Drei 
wörtliche Bmchstücke giebt Atb. V. 221 a, III. 76 f. V. 203 c (— Schol. 
Find. Py. IV, 97), s. Meineke a. a. 0. S. 146- U7. Bergk a.a.O. 8.220.— 
Auf die alberne Oaschichte ron Charinos angeblich aus der Zeiti des 
Mithridates ond dessen vier ChoUamben, welche Ptolem. Heph. b. Phot. 
Cod. 191. p. 131, 6ff. (Tgl. Tzetz. Chil. VIII, 408. Xaefros ianPoyeäipos) 
aaftischt (vgl. Heineke a. a 0. 8. 170. Bergk a. a. 0. S. 219) wird boffentr 
lieh heutzutage Niemand mehr das Geringste geben. 

1) G. Sommerbrodt De phlyacographia Oraecis, Bresl. 1S76, 8. (Steht 
mir nicht zu Gebote). Vociker Rhinthonis fragmenta, Halle 1887. 8. (vgl. 
d. Bec. T. Crnsias Woch. f. kl. Ph. VI. 1889. Sp. 287—289). Nachtrag 
von Crneias Ein vergeBsenes Fragment des Khinthon (Rhein. Mos. XLV. 
1890. S. 265—278. 

2) Wieseler Tbeatergebände und Denkm&ler des Bfibnenwesens bei 
den Gr. u. &., OOttingen 1801. 4. 8, r>5. 69. Taf. IX, bes. T. 11. Hejde- 
mann Die Phlyakandarstellungen auf bemalten Vasen, Jahrb. des arch&ol. 
Inst. 1. ISSe S. 360—818. Vgl, 0. Jahn Beachreibung der Vaseasammlung 
KOnig Ludwigs in d. Pinab. in München, Manchen 1864. 8. S. CCXXVII f. 
S. die Äusfahntngen von VOlker S. I6ff. 19ff. (welcher Hejdemanns 
Sammlung leider noch nicht benntr.en konnte) und unten A. 24. 



236 SecliBtea Capitel. Die Hilarotragoadie and andere TiaveBtien. 

in Tareot, aus äbnlichen Keitneu wie sorzeiten in dem benach- 
barten Sikelien die dortige Komuedie und dann der dortige Mimos 
und jetzt mittelbar auch der des Theokritos uud wohl auch^") 
der des Herodas, so Terschieden sie alle von einander sind. Und 
Rhinthon, ihr Urheber, war sogar, wie ee den Anschein hat, 
selbst in Syrakus geboren'). In Unteritalien wie in Sikelien 
wimmelte es stets von Posaenreissem, mimischen und pantomimi- 
schen EUnsÜem jeder Art, die denn zum Theil auch in die 
Fremde zogen*). Solche Leute, welche auf eigne Hand fremde 
Charaktere {^9t}) darstellten, dabei wohl auch bekannte Persön- 
lichkeiten nachäfften, und vielleicht auch ihre Darstellungen 
nannte man auch wohl Ethologen (^^olöyoty). Oft führten 
gewiss auch mehrere Darsteller dieser Art zusammen einen ge- 
sprochenen oder gesungenen Dialog auf''^, und Meleagros mag 



2>') S. C. 6. A. 89. 

3) 8. A. 20. 

4} Wie jener Syiakuaer in Xenophona SjmpoBion, welcher mit seiner 
Oeaellachaft nicht blois JonglenTkünste , Bondem auch ein mimiBches Ballet 
prodacirt ADsaerdem s. A(h, 1. 19 f. Steätav S' ö Tttfavttvot l^avßiiitTO 
to^e 3i9v(iäfi§ovt fiifKWficvoe, täs Ü %i&ai/qiSiag oC xifl tov i^ 'halCas 
OlvamSv, OB tial Kvxlana sia^yayc vegiztiovia nal yavayov 'Odvacia ««- 
toiN^omi, üc d avtöf (n&ml. 'Af/iaiAitvos) ftiaC. 80& ivio^oi 8' ^sav %ai 
xag' 'AltiütSiia) ^avuatoitoioi Z^vfivot o Ta^mtiiias, ^iXiniSrit o Siofa- 
Ho'dioG X. r. X. 4 d. KXiäv^Tjs i' 6 TafavTivos, ms qi'^ei KXiatfjos (Fr. 16), 
aärta natfi tov; «diove f^fici^u llcyi xal näinpilos 8' ö i;t%tl6t *- t. 1. 
Slearch, Fr. 67 b. Ath. X. 462 f. JCXitav ö itiftavlos %a3.oviu*ot, Sextg xbi 
tmv 'Italtitäv pifimv äftotos yljovtr voionpoaoMOc virox^nnjc %al yäf 
NvpipodmQov MtQiijy fr xm ftvtifiovfvofitvm p^fap. tovtov 61 ksI '/oiöfutzo; 
ö K^pv£ lyevfTo £i)1o)T)}c, S; iv loig Hvnloig tsoieixo tue f"f>^a((C' me i' 

5] Diod. XX, 6S, 2. {'Aya^oiil'^i) vnäQxmv . . . ipvttt ytlUiioxotaE %al 
fülios ov8' iv taig imlifciaig äxdiczo xov axisinftv lo^ Mtduficfovc *tü 
Twag avtäp flnäteiv, morc t& «l^do; noUttMC ils yHiot« ^Ki^ixtefrat, 
na&äjtfi ttva lÖ* '^ftoiiyatv ^ 9av(iax07iotmi &{mQovviiif. Cic. de or. 
11, G9, 242. in re . . . ridiculum . . . mimontm est . . . ethohgomm, m mmta 
eit imitatio, sicvt obgceniUts, vgl. 60, 244. ffiimonim eOtotogorunt. Peendo- 
Longin. de Bublim. 9 z. E. nennt die Odjeaee *i»ita>6üt ti« ^Voloyocfi^vii. 
Von diesen Ktbologen oder ethologiBchen Hirnen Bind die eist in der rOmi- 
■cheu EBigerzeit (Suet. Aug. 14 n. CasaubonuB z. d. St. luven. 16, 16) 
nachweialichea Aretulogen (wofQr auch dieie dorische Nunenafonn spricht) 
schwerlich versctiieden: man wird eben anzonehmeD haben, doss diese 
Komiker niederen Stiles ihre vielfach nnsaaberen Darstellungen mitTugend- 
predigten nnd moraliBchpD Sprachen zu verbiftmen liebten,' 

6) Hör. Sat 1, 1, 15 fl'. (tocHlarta). 6, 61 ff. 



ivXtOO^IC 



- Hilurodie pni Hsgodia. 237 

in seiner livyxßnttg Xtxi&ov «al ^axrjg'') auch schon an derartige 
Certamina angekofipft babea. Der eigentliche Name aber für 
alle solche Clowns nnd Possenspieler und auch fOr ihre Possen^} 
in Unteritalien war ^Ivaiieg^'), und auch dem Rhinthon wird 
noch diese Bezeichnung beigelegt*"}. Schon in roralexandrioischer 
Zeit hatten sich sogar - zwei Spielarten eines fSmalichen Volks- 
draoaas entwickelt, die Hilarodie oder Simodie nnd die Ma- 
godie oder Lysiodie*'}, beide mit Oesang und Tanz rerbunden, 



7) S. C. 8. A. H6. 

8) Diei darf man bqb Said. £atädr]t und ^Xvants {»■ C. T. A. 6) ab- 
nehmen, aber nicht mit Sicherheit an« der Aenaaeinng, welche die Dichterin 
Nosaia Epig. XII — Anth. Fal. VII, 414 (vgl. A. SO) dem Hhiuthon in den 
Hand legt: tptvä*av t* tQoytKäv TBioii »maev iStetfäfu&a , denn dies kann 
(wie schon in Paasowi Lexikon bemerkt iat) „auch tod PosBengpielem, 
d. h. ihren von Rhinthon Terfaasten Rollen, verstanden werden". 

9)V01kerS. 8ff. glaabtrielmehrinäieilweiMmAngchlnHBan Somroer- 
brodt, dasB dies eine besondere Art von eztemporiienden Possenmachem 
gewesen sei oder -genauer eine doppelte Art, eine mehr lyrische und zweitens 
eine mehr dramatische, aus deren Kreise Rhinthon hervorgegangen sei, 
und von welcher er (8. 9) meint, „ut in Baedti honorent Baechico apparattt 
inttrueti in »caena hymnos canenäo ßaUando) mimos agendo ex tempore etih 
dendo apeetatonun riswn moverent". Aber diei gebt in Wahrheit weder ans 
Eesycb. iplvai' ii/9vntit, fir^tiat^t- Vfloiaoi^c noch ans Poll. IX, 149 
noch ans der von Sosibios Fr. 10 an seine Schilderuag der lakonischen 
Deikelikteu (die doch schwerlich irgendwie an den Bakchosdienst erinnert) 
angehängten Bemerkang (Ath. XIV. eSlf) rov di ißove tu« dii%j)ltotäii 
xolial Mrra röxove tM «povijyop&i. 2txvnvM>i ^iw ya; <paXlo<p6goos avtove 
Mtloüffii' , üUot d' avtimapSälovt , tu ü iplvauas, me Izaioi, tnttpiotat 3' 
Ol xoUol, etjßaüii di xä «ollö I9i»i övo^iitv tlio^itt l^iiofrat (vgl. 
Semot Fr. SO b. Ath. 632 a ff.) hervor, nm so weniger da bei Said, (s, A. B> 
anch die Kinaedendicbtnngen ^littxtt genannt werden. Der Vergleicbnngs- 
pnnkt far olle die bei Sosifaioi aafgei&hlten Leute braucht in nichte Anderem 
ta bestehen and »oll ancb wohl in nichts Anderem bestehen als in ihren 
BtegreifpoBsen nnd StegreifipBssen. Um so anfälliger iat es, dass VSIker 
von der Hilarodie und Hagodie vBIlig schweigt 

10) Li den beiden Berichten gleichen Ursprungs (a. VSlker 8. S) bei 
Steph. T. B;e. Tä^as nnd Enstath. m Dionjs. Perieg. 876: 'P. Ta^auxltos 
9lmi£ und 'PivOuv . . . ö ini%alov(u»ot tfXva^. ^yov* qplva^c. Vgl. 
HoBsis a. a. 0. und Said. 'Plu^tav Tai>mrtZv<it, *mfunös, ä^mihi xfis *tiXov- 
pi*tie lXa^ntfv.ya>8{ai , S iatt tptvttn4>yfa<p{a. Ob aber bei lo. Lanr. 
Lfd. de megistr. 1, 41 tplvanoygätpani ans ^vf^ayifmv (s. A. 80) nnd bei 
Hesych, 'Aat^Tos iplvanoftäipai ans ^dooögtm ED machen sei, ist mehr als 
nreifelhaft, b. Ueineke Exerc. crit in Athen. I. S. 44. Völker 8. Sf. 

11) Ath. XIV. eSOd fi. nach AristoUes (Fr. 7. 8). wpl z«P<>*' and dem 
Ton diesem benutzten Aristoxenos (s. C. 20. A. £6). Hier heiast es 6S0e: 



i.t^iooylc 



.238 Sechetea Capit«!. Dia HUarotragoedie und andere TraveBtieo. 

und zwar so beechaffen, dass in ersterer weibliche PerBOoen in 
Manne rkleidern auftraten, dass sie aber dabei von Saiteninstru- 
menten begleitet ward und obne groteske Tänze und mehr ge- 
halten und würdig war, während in letzterer Pauken und Cymbeln 
die Begleitung bildeten und uDzüchtige Tänze üblich waren und 
der Magodfl Männer und Weiber darstellte, aber stets in weib- 
licher Kleidung, und zwar von Männern Ehebrecher, Kuppler, 
Trunkne und dergleichen Leute mehr*^}. Man konnte also, frei- 
lich ohne Zweifel ungenau genug, sagen, die Hilarodie sei mehr 
mit der Tragoedie, die Magodie mit derKomoedie zu rergleicheu *^. 
Oft modelten denn auch die Magoden komische Stoffe in freier 
Bearbeitung um**). Wenn aber sonacb die Magodie wenigstens 
vielfach eine Travestie der Komoedie war, so war doch gewiss 
auch die Hilarodie nicht eigentlich ernst '^), sondern wahrschein- 
lich eine Travestie der Tragoedie. Die letztere wurde, wie gesagt, 
auch Simodie genannt nach ihrem hervorragendsten Dichter 
Simos von Magnesia'*), die erstere Lystodie gleichfalls nach 
ihrem Hauptdichter Lyais, welcher jünger als Simos war*^. 
xmal^yEi 9i i 'Af/iazoxl^t *ol zovir8e Iv im Titgl (tavainTis y^dipan' atSt ■ 
„l^aymSot' ovtos dl iativ ö avzög zm XvaiipSm'^. Weiter s. A. 16. IT. 

12) Ath. 620 e. 'AgtOTa^evot Se ipiat tov fi^v ävS^eia xal yvvaiittia 
jiQOtta-Ka inenfiyölierov fiayradov tiaXfie^ai, tov St -/waiiteCa atSgriaif 
IvcimSop. 621 b. c. afiivötcifoe 3i . . . i (Itr^ra^o; nalovfLevos. ovSi yäif 
oiiv^fcinc xfjjzai 8' in^ti Icvxi; üvifti^ xul eitipavovxai jpvaoSv mi- 
ipavov Hol n iihv «aXaiöv ixod^fitieiv fip^ro, tat fl"^" ° 'AQunoxliie, ***>' 
9h ■pi^tiTi. Tpällei S' aizä äfiQtjv t] ^Xtia, äs nai xA avXatiw. diSoiai 
di a ciiipavos t^ tXafipS^ »di im avXtoSä, ov rö rfräXt^ ovSi T^ avXrjt^. 
i ii naymäös HaJoofiEPoc iiifutavB ?xtt xcl wvfißailii , nol «ävxa xa xr^l 
avxov hiv^axa ywaiKtüf axtvi^ixal xi %ai itävxu xotil xä iita »öaftov, 
immgtpöiievos Tioxi jiiv yvvaUa aal fiaijaiig »al fmtsx^oxove, aox'i S' ävS^tt 
fit^vaiixa *al ixl näp.av TCaifayiv6iievov xifös xqv Iffaitivijv. Die Worte 
xocl fioixove Jial imaxgoxovs stehen tiiclit an ihrer richtigen Stelle, son- 
dern gehören hinter iganivriv. Eaibel freilich tilgt vielmehr das erste 
xal nnd schreibt yvvafnas. 

13) Ath. 621 C. d. tpijal 3i b Uftaxö^ipoe Tqv ftiv llagipStav etiivf/w 
ovoav na^ä x^v tgayipHav elvai, xl/V 8i f^aytpiiar nafu xijv xmiioiSiar. 

14) Ath. a. a. 0. fährt fort: noXiä-xis 3i kqI of iiajmäol xal KinfitaÜE 
vTio9laeit Xaßövxes vnEx^^^ijoav %Bxa xijV iHav äymyri* xal itä^ceiv, 

16) AristozenoB in der A. IS angef Stelle fährt fort: xä avxä dt ftili} 
^8ovn *a\ xalXa xävtcc 8' katlv Ofutm (Ath. 620 e). 

16) Äth. 620 d anmittelbar vor den A. 11 angef. Worten; xvl ei xnlov- 
ficfoi 8\ [Xag<aSoi, obs vvv tiyit oifimSovt xulovotv, At 'A{/taxoitl^s ^ri«i-r 
h TtQcäxa n«(l jogäv, tä xö* Mäyj]ia Si/uiv dtangi^ai ftäUev täv itä 
xov [XaQf9ttv xoir)TOi' x. i. 1. 

D,j-,_, l|.;.*^TOOy[C 



RhinUiOD. 239 

Obgleich wir nun aber die Heimat des Lysis nicht kennen und 
Simos soDach nicht in Unteritalien oder Sikelien zu Hause war, 
liegt doch der Gedanke nahe, daas die vielen Feste in dem Dppigen 
Tarent'^), welches namentlich seine Dionysien mit äuaserster Aus- 
gelassenbeit beging'*), derartige AtiFfQhrungen ganz besonders 
begünstigten. Denn die Hilarotragoedie des Tarentiners Rhinthon 
kann doch kaum etwas Anderes als eine kunstgerechtere Aus- 
gestaltung der Hilarodie gewesen sein. Jedenfalls h&ren wir von 
dieser durch den genannten 

Rhinthon aus Tarent, der jedoch, wie gesagt, wahrschein- 
lich in Sjrakus geboren und erst nach Tarent übergesiedelt war"*), 
eines Töpfers Sohn zur Zeit von Ptolemaeos I"), ins Leben ge- 
rufenen*') Hilarotragoedie, dass dieselbe eine Travestie des Tragi- 
schen ins Komische war*'), und namentlich die schon erwähnten 
Vasenbilder geben uns auch Ober die Art dieses Travestirens in 
Bezug auf EostOm und Mischung tragischer und komischer Per- 
sonen einigen näheren Aufschluss^). Für Sprache und Versbau 

17} Strab. XIV. 648. ävSfts . . . yvdgipoi Mäyvritti . . . ZCfiOs ö 
liilowoios xafa8ia<f9tiQas . . . tijv tmv nfotifo»/ itclonaiäv üyinyq» nal 
tijv ai^rpiCuv staayafäv [%a&äiii^ fit fiä\Xor tvanfitttl xal fiajipiof) . . . 
(«. C. 7. A. 1) Aveit XDil fn jtgöttfos tovtov ö Sifioe. 

18) Strab. VL 280. 19) Plat. Legg. I. 637 B. 

EO) Dies hat BChoo Lorentt De rebus aacriB et artibna vetemm Ta- 
rentiooram, Elbetleld 1836. 3. >6 daraus geachloaGea, dasa seine Zeib- 
geoosein Noisü a. o. 0. (A. 8) ihn eioen Sjraknier eich nennen läast Sonnt 
wird er allgemein all Tarentinet bezeichnet, *. aower den A. 10 angef. 
Stellen Heajcb. FaXioi. aävvofos. Herodian. de BoUt. dict. 19, 29. p. S96, 
34 S. Lents •= de cath. pr. p. Ul, 19 ff. L. Et. M. "OUos (•= Herodian. II. 
p. 296, 7 ff. L.). Äpollon. Djte. de pron. 964 C. 

Sl) Snid. vtas S' ^ Hipafif'a; %al yifoitfv inX xov «fäxov IlioXt^Cov. 

83) S. die A. 10 angef. Worte bei Suid. 

28) Steph. B. a. 0. tä ifaytnä ftiTa9^dp^<»v tlt tö ytXotor. Enstalh. 
a. a. 0. Ät tä t(ftiyi%a tlt ytlaia ftfitf^pvfrfi/foM'. Tgl. NoHia A. 8 and 
Said. A. 10. 28. Ob Bh. gerade ateta, wie ancb noch Vttlcker S. 14 f. 
meint, an bestimmte tragische Torbilder anknfipfte oder ob vielmehr, wie 
CrntioB Wochenachr. a. a. 0. Sp. 2SS annimmt , „die acurrile Darstellung 
heroischer Scenen, wenn auch mit läufiger Anlehnnng an berühmte Master, 
die Hauptsache war", laase ich onenlscbieden. 

24) Tgl. die Schilderung von Jahn a. a. 0.: „Eine Klasse von Vasen- 
bUdern, welche ohne alle Frage eine eigenthQmliche Art von komischem 
üühnenspiel repräaentiren , bei dem auch die Biihnc selbst oft kenntlich 
aogedeutet iat Auf deraelben treten Scbanapieler aof, welche als solche 
darcb groteske Hasken nnd eine eigenthümliche, im Wesentlichen überall 
gleiche, baute Tracht charaktcriairt sind. Diese besteht bei den Männern 



Iv.t^TOO^lC 



240 SecbeteB Capitel. Die EUarotragoedie nnd andere Travestien. 

aber l&sst sich ein Oleicbee noch immer BtiB deo Brachatflcken 
erkennen, so dürftig sie auch sind*'}. Der Dialekt war natflrlicb 
der tarentinische^^, der gewöhnliche Vera der iambisehe Trimeter, 
aber mit allen m&glichen und unmöglichen metrischen Freiheiten, 
so dass gelegentlich zum Scherz auch wohl ein choliambischer 
eingemischt ward*'). Von Rhinthons 38 Stücken*^) kennen wir 
noch 9 sämmtlich mythologische TiteP^). 



aus engauliegendeii Hosen and Aenneln, einer Art von Wams, das ge- 
wöhnlich ED einem dicken Bauch ausgestopft ist, wosn mitunter ein Ueber- 
wnrf kommt, und eiaem uufSrmlicheQ Phallas; die Tracht der Frauen ist, 
abgesehen von der Haske, Ton der gewöhnlichen Weibertracht nicht sehr 
abweichend. . . . Daw in der attischen EomSdie ein solches Kostflm üblich 
geweeen, davon findet sich meines Wissens keine Spur, Nun liest man 
aber aaf einer nolanischen Vase der Art (Ttif. IX Wiesel.) neben einem 
Sklaven die oakische Inschrift Santia, ein sicherer Beweis, daas sie an Ort 
nnd Stelle verfertigt ist. Daia kommt, dass Vasen dieser Art in der Ober- 
wiegenden Hehrzahl in Apulien und Lnkanien, eioKeln in Leontinoi, wo 
auch sonst den apnlischen verwandte Vasen zum Torschein gekommen 
sind, nnd in Campaoien, sonst nirgends gefunden vreiden". Volker S. 16 
fOgt hinzn, dass auf der Amphore T. IX, 16 AESTEAS als Maler tuige> 
geben ist, ebenso auf iwei anderen QeiUsseu (Jahn S. CCXXI), von denea 
eins in Paestum nnd eins in Bari gefunden ist. Eine dieset Scenen T. IX, II, 
in welcher Zeaa znr Alkmebe elasteigen will, passt gaoz in den Amphitiyon 
des Bhinthon hinein (s. Wieseler S. 69. Volker 8. 19ff.), eine andere 
T. IX, 7 ist aus einer travestirten Äntigone, sei es nun des Bhinthon selbst, 
von dem eine solohe sonst nicht nachweislich ist, sei es eines seiner Eunst- 
genossen, und ist besonders lehrreich für die Behandlung dieses SiyeU, 
s. Wieseler S. 60. T0lkerS.21ff. Das von Jahn beechriebeaeKleidoDgs- 
Stack ist die (fpa£tt0t^ (a. Volker S. 24 f.). Ob dasselbe, wie TOlker 
S. soff, glaubt, mit dem sogenannten tafiantvCiuni , wie es nach Poll. 
IV, 104 die Stelzent&nter (yönoivEc) und nach Semos Fr. 20 b. Ath. XIV. 628 b 
die ISvifalXoi (vgl. A. 9) trugen, ist doch sehr fraglich. Die Fflsse waren 
nach dem Zeugniss der Bildwerke ohne jede Bekleidung. TroUdem wur- 
den EiuEelheiten des tragischen Eostams beibehalten, s. Volker 3. 81: 
„hÜarotraginAia aviem multa etiam ex tragieo veetäu strvavü, teeptrum et 
tiaram et ipaivölTiv (quem tx Rhinthonis Iphigerüa Tavrica Foltux VII, 61 
affert), Synov denigue" (vgl. Volker S. 38 f.). Einen besonders lotonhaften 
Charakter der Hilarotrsgoedie nimmt Volker S. 90 mit Recht in Abrede. 

36) S. Volker S. 95 f: „nemo eontm Kriptonim,quonaitlibri ad nottram 
aetaiem penenenmt, Bhinthonia ipaoa fabuku ante ocvios habuit, »ed omnüx 
fragntenta gloMographontm ttudiis debemtu tte." Im Uebrigen s. VSlker 
S. 18 ff. 

SO) Apollon. Herodian. Etym. M. a. a. 0. 0. 

ST) Von den beiden auf einander folgenden VeiMn ans dem Orestes, 
welche Hephaest. p. 9 f. anfahrt, ist der erste (der Person A in den Mnnd 



|.;,*^TOOy[C 



Skiru von Tarent. 241 

Die fdbnla Bhitithonica wird auch unter den Arten dea römi- 
schen Lustspiels und der römischen Posse neben der paUiata, 
togaia, üätemaria, ^nip&ioria oder crepidata, der Ätellana uud 
dem mitnus genannt, so dass die üilarotragoedte jedenfalls auch 
' aaf die lateinische Volkskomoedie EinSuss auqgeQbt hat^). 

Skiras von Tarent wird als Dichter der sogenannten itali- 
schen Eomoedie mit zwei den Euripidea parodirenden Trimetern 
aus seinem Meleagros angefahrt. Es hat immerhin eine nicht 

gelegte) cboliambiscb , und im zweiten macht lich Rh. hierüber laetig mit 
einem neuea metrischen Schnitzer, indem er in ' Ixniäraiitos einen Spondeioa 
an gerader Sielte atatt des lamboa gebraucht: B. 'JnmoreiHTog tö pltfov. 
J. ovifv fioi lifXtt. Vgl. TOlker S. 17f. 28f. 49. — Eaibel Herrn. XXIT. 
1687. S. 609 und CrneioH a. a. 0. Sp. S98 halten die Nachricht bei lo. L;d. 
de magistr. I, 11, dasa er zoerst f£afiitpoie fj-^o^« tiitff<iiSlttr (a. A, SS), 
tSx richtig; in dieser Gestalt iat aie ea gewiaa nicht) h&oAger parodiacher 
Qebninch von Hezametern bei ihm iat aber mOglich. 

28) Snid. äi/iifiitttt S' avtDv xiüfiixä cpayma 2i]'. Steph. g>^(o*n[i 9' 

S9) 'AfUfixqimv (Ath. HL 111 c, vgl. A. 24), 'Hqa*liii (Ath. XI, 600f) 
Jovlos MtXiaiQot {JovlotteliayQoti Bernhard; Or. L. 0. 11', 2. S. 643) 
und 'Joßtiftjs (UerodJan. Kt^m. M. a. a. 0. 0), 'itpiyfrna ij h AiU8t und Iv 
Ttni/ots (Poll.Vll,90 u. 61), M^dtia (Heaych. AufUiNTm«), 'Ogiattit {b. A.27), 
T^lKpcs (Poll. X, S6). Data kommt vielleicht nach A. S4 eine Antigone. 
UavollatÄndigbat die Bruchstücke Loieutz (e. A. 80), «oUstKndigei YAlker 
S. 35—49 gesammelt, einen kleinen Nachtrag nnd einige Berichtigangen 
giebt Cruaina Woch. a. a. 0. Sp. 888f. and in dem A. 1 angef. Attfaati 
Ueber den Herakles vgl. noch ZieliäBki Qnaeat. com. V. 8. IIB. 

SO) Laurent. Lyd. de magiatr. 1, 40. Donat. ad Ter. Ad. Prol. T. 
Enaoth. de com. p. 7, 7 Reitf. Donat. de com. p. 9, S3 Reiff. Acon. Gramm. 
Lat. VJ. p. 274. 812 Keil. Vgl. Völker S. I2f., weichet S. 9 f. mit Un- 
recht (gleich viel ob Rh. in seinen Stücken aelbat aU Schanspieler auftrat 
oder nicht) in den Worten dea Enanth. Jthitiihomcas ab aclori» nomine die 
durch den Sinn (denn nicht weit Rh. Schanspieler in Hilarotragoedien, son- 
dern weil er Urheber dieser Spielart war, ward sie ÜAtntAontca genannt) 
gebotene Conjectur von J. Q. Voasiua avelori« verwirft. Vablen Plautua 
nnd die fabnla Rhinthonica, Rhein. Hna. XVI. 1881. S. 472 ff. erklärt sich 
fQr die „nicht neue Ansicht", daas diese lateinischen Bhinthonicae lolche 
Atellanen gewesen aeien, welche mythiach-ttagieche Stoffe bebandelten, und 
will mit Welcker Rhein. Has. 1834. S. St2. Anm. in den Worten des 
lo. Lyd. xal 'P»&io*iKq ti ifuim^ vielmebr iioSix^ Für ij ^foiriKq schreiben. 
6taa ander« Völker S. 18; ,^oticum dicitur peregrinum stcundum JVontttm 
p. 540, 17 (ad Plaut. Epid. 233): ef. etiant Ptauti Menacchm. a'36 Graecia 
exotica et Heeych. t^aiTitiae SUaf nee {iriHac: aptisntna (?) igUuT illa 
appeilatio est, practetlim $i ad Graeeiam exoticam, qua Magnam Graecidm 
Plautu» ngni/icat, animum adeertinua". 

BuEHiai., sriKh. al». Lllt.-OM<:h. I. 16 

D,j-,_, I|.;,*^tOO^[C 



243 Sechetea Capitet. Die Hitarotrsgoedie und andere TraveBtieii. 

geringe Wahrscheinlichkeit, dass unter dieser italischen Komoedie") 
die Hilarotragoedie zu verstehen ist^). Dagegen erscheint es von 
Blaesos aus Capreae in CampaDien, welcher wohl erst der 
Zeit des Sulla angehört"), mehr als zweifelhaft"), ob seine 
parodischen Dichtungen (axovdoy^i.otay''), von denen wir zwei 
Titel, MaooT(f(ßag (Mf^oTQißasT) und l^zovgvog, kennen**), Ober- 
haupt dramatischer Art") und nicht vielmehr mit denen der 
Ejniker Krates und Monimos, ja sogar den Satiren des Menippos 
verwandt waren^). Endlich von 



31) Atb. IX. 40Sb. Snifag (tU i' Ittlv ovtot i^C '/iuIik^ Kolofft/fije 
%afnp9las xotTfiiie yivot Tufavttvos) iv MilcäyQip tp>]alr %. r. A. Vgl. 
Earip. Hippol. 74 f. 

32) Aqb Io. hyA. &. a. 0. 1, 41. 'Piv9mva xol Ztiaaw (f. 'Aan^fuf) ttal 
BXolaov (f. BXiaov) »ul rois SUmit tüv nvüayöfioii (wofür man bald q>lva- 
»OYfärpmv, bald Uv&afOi/tiav geHcbrieben hat, b. VOIker 8. 2 f. 32 und 
oben A. 10) Ceptv ov umQäi' SiSaytuixmv iwl t^; ^.f/äliK 'BlXätog yetiaöai 
\ta&-qyTfti{, %a\ äutiffi/övctoi xov 'Piv^mva , og cjafiti^oie (s. A. 27) nfätos 
lygaipt Tuaiiaidiav (mit der ferneren abtturdea Bebaiiptung: i^ ou nifäxos leßäy 
tag B^opfiBg Aovtüios ö 'Pafiaiot ij^mmoii iweir l%apjp8-riet) l^at sieb 
diea allerdings, wie schon Bommerbrodt bemerkte, niuht folgern, ebenso 
wenig aber mit VOlkei S. 30 (vgl, S. SSf.) das Gegeatheil. Ob hinter 
Skleria« (Älijc^as) bei St«b. Flor. 11, 9. XVIII, 2 (und vollends CHI, 9) 
dieser Skiras zu sucbeo sei, iet im höchsten Grade unwahracbeinlich. 

33) Bficbeler Rhein. Mus. XXX. 1876. S. 41 (a. C. 6. A. 106) achreibt 
von jenem Ansonet, der das Trauerlied auf Bion verfasat hat: „atqvalem 
hunc fuiase et popularent opinor Blaesi Capreatae, qui Dorioa üevi dtoJecto 
tpliaitaq Bcriptit, cel Samnüum illoruta, guoa index Serculanttigis , si bene 
memini, Panaetii ititer diecipuloa refert Xiolino alttrum, alttrum (iraeeo 
nomine". Hüper Fhilologua XVIU. ie«8. 8. 428 f. meint vollends: vielleicht 
erat der Zeit dea Ti bonos. 

34) Bedenken erhob anch gegen des Blaeaos hiaher allgemeine Zn- 
rechnnngEudenHilaTotragoedieudichtera inerat Sommerbrodt, ■. Volker 
S. 30 f. 

36) Steph. V. Byz. KaxfCTi. ivfev9tv ^v BlaCaog enooSoytloiatv voir,- 

36) Ana Atb. (a. A. ST). Ausserdem s. Hesjcb. fioxHavtoaiE, luotfö, 
ipvXaxös. 

87) Das Einzige, was wirklich entschieden dagegen spricht, ist, dau 
das Citat ans dem 8atnmos bei Ath. XI. 487 e niohtdialogisches Versmua 
zeigt, vgl. hieraber (gegen Volker S. 91) Crnains a. a. 0. Sp. 288. Dafür 
zn sprechen acheinen kfinnte die Zusammenstellung in dem anderen Citat 
bei Atb. III. 111 c. BlafooG (ao Caaanbonua f. BUcot) h MivoiQifta 
{Miiatfifi^i Kaibel) xsl JnviXotot l" Trjl/ipta 'Plttteiv n i* Uft^d^a*!. 

88) S. C. 2. A. 87. 88. ISSff. Ich folge der ansprechenden, wenn anch 
nnsichcren Vermuthung von Volker S. 80—83. Nor aber bescbrftnkt er 



|.;,*^tOO^IC 



Blaesog. Sopatros 243 

Sopatros aus Paphoa, welcher von den Zeiten des Alesaodros 
bis in die des PhiladelphoB lebte") und bald der Parode"), bald 
der Phljakograph^') genannt wird, ist noch eine Beihe von Titeln 
seiner Werke und von Versen aus denselben auf uns gekommen*'). 
Hilarotragoedien jedoch waren es sicher nicht"), und ob auch 
nur eigentliche Dramen**), muas dahingestellt bleiben*^). 



Siebentes Capitel. 

Die Kinaedendichtans- 

Mit der Hilarodie und Uagodie werden auch die sogenannten 
ionischen Dichtungen des Sotades und anderer Poeten der älteren 
Alexandrinerzeit zusammengestellt, welche angeblich von den 
lonikologen oder Kinaedotogen vorgetragen wnrden*). Auf Grund 

dieselbe mit Unreclit hat den Vergleich mit den Satiren dea Meuippoa, die 
doch vielmehr Prosa mit eiageBtrenten Versen waren und also höchatenB 
ID «weiter Linie herangezogen werden dürfen, nnd mit gleichem Unrecht 
bflgrümdet er dieselb« anf die Beteichnnog dieser Gedichte als ewovSoye- 
loia («. Ä. 85), die doch auf dramatieche Parodien genan ebenso gnt 
passen kOnnte. 

39) Ath. n. 71 a. h. SäTtatfos ö Uätpioe YCyovms foCg xg6roig xar' 
jIXt^atiQin tov 0iXiK*Bv, ixipioie Si sal etat zoi dioi/poe iqc Alytimov 
fiaailiBg, (äf avxöt tfiqiaviitt Iv xivt imr avyygaiiiuixm*. III. 119 a. IV. 
168 d. e (wo freilich ö tp^niog aagipdät aberliefert ist). 

iO) Ath. IV. 158 <l (B. A. 89). 175c. 183 b.c. VI. 230 e. VIll. 8«le. 

41) Ath. UI. e»a. XIV. 64i c. U9 a. «Ci6 f. XV. 702 b. 

42) BaniCg Atb. IV. 168 d. 176 a. Ba%jaot fnT)ii«w*c IV. 160 a b. 
SIV. 644 C. BoKiiäos yafiDc XIV. 656 f (wohl nur drei Bezeicbnimgen des- 
selben Werks), ralärui (?) IV. 160 e. Evßavlo^ioitßfOios III. 86 a. 7«*ö- 
Ivtoe in. 101 a. KvUia 111. 109 e. Mierai (1) IV. 188 b.c. Mubibxo« »tj- 
xiov ni. 119a. IV. 175e. NtMvla IV. 160b, c. 'Octoiijs VI. 230 e, ilvlui 
IV. 176 e. XIV. 64» a. Sa<pai Hl. 101 b. «o»^ V!. 230 e. XV. 702 b. 
^oaioXvfOi III. 101 a. Vgl. Bernhard; a. a. 0. S. 542: „Im lAngstea 
Bnicbstack IV. 160 e werden die Stoiker verspottet, vgl. 175 c. VI. 230 e". 

43) Demi die wenigsten Titel sind mythologisch. 

44) Wie sia Ath. 86 a (Bubnlotbeombrotot). 17öc. 649 a (Ililai). 230 e 
(<P(ni^) nenat. 

46) Allerdinga sind mit wenigen Ausnahmen (649 a. 656 f) alle er- 
haltenen Verse Trimeter. 

1) So in dem C. Ö. A. llff. besntzten Abschnitt bei Ath. 620 e (nach 
den dort A, 12. 15 angef. Worten); ö Ji 'imvitoXö^ot (so Dobree f 'latri- 
%it löjoe) xä EmtäSov xal täv (so Kaibel f. xa) ngö tttvxav 'rmt-ixä s«- 
Xaijuvti notrjfxaxa , 'Ali^ätiiiov xi xoi AltnXov xal I7o(fqcoc xoü Milrioüto 



j,j-,., iiv.t^TOOgle 



244 Siebente« Capitel. Die EiuoetleadicbtuDg. 

aoderer, jedenfalls zuverlässigerer NachrichteD wird man indessen 
anzunehmen haben, daas die letzteren vielmehr mit den Kinaeden 
(d. h. EnabenBchändem), den Tänzern von Profession gewisser 
unanständiger Bellete'), einerlei waren und zu diesen ihren Tänzen 
vielmehr ältere volksmässige Gassenhauer vortrugen, und dass 
Sotades aus diesen Darstellungen zuerst eine lediglich fUr die 
Leetüre berechnete Poesie zog, bei welcher man sich die Mimik 
hinzudenken mnsste'). Dass ihm in derselben neben Anderen 
auch Timon der Sillograph und Alexandros der Aetoler folgten, 
haben wir bereits gesehen*). Sicherlich waren aber auch jene 
rohen Schmutzgedichte, an welche er eich anschloss, bereits in 
demselben Versmass steigender loniker'') und in demselben ioni- 
schen Dialekt abgefasst, von welchem diese poetische Spielart 
ihren Namen erhielt^ und auch das Versmass erst den seinen 

■«1 'Aliiov ['AI[^{ov7 Eaibel, vgl. A, 22} xol äXlatv loioiituf «oii)tiSv ttto- 
ipSgeiai. tiaXitxai il ovtot xu! xivaiSolöyot. DAgegOT» sagt Strab. XIV. MB 
(s. C. 6. A. IT) ungleich richtiger (wenn er aoch nich ungeschickt bo auBdriIckt, 
dass man glauben kOnnte, er habe L^aie und Simoe fSr jünger als Sotades 
gehalteo): i)(|t Sl 2JaiiäSris pi* ictiüiOE tov »irmSolofiCv, fntita 'Ali^av- 
Sgos ö Mz<al6f äXX' ovtoi fifv (v ifitXip löyip, fictä filXovs ti Avoig xol 
^11 jigötcgog Tovtov ö ^ifiog. Denn Sotades, Alexandros, P;tes, Timon 
waren ZeitgenoBaen, und Solades, der Einzige von ibnen, welcher diese 
neae Spielart von Poeaie ausBchliesslich betrieb, wird Bomit auch als deren 
Urheber, die Anderen als seine Nachfolger anzusehen sein. Sollten freilich 
StraboDs Worte den Sinn haben, als hätte Sotades dieselbe frei geschaffen 
ohne AnlehnODg an eine schon vorhandene Volkapoesie dieser Art, so würde 
auch Strab, tbeilweise in dieser Hinsicht in demselben 4rrtham stecken wie 
der Oenährsmann des Ath. Uebrigens vgl. C. 80. A. 66. 

2) Plant. Glor. 668 (III, 1, 73). Letronne Recueil des Inacriptions de 
l'Eg;pte, Betr. de pbil. I. 8. 126. II. S. lOOf. 0. Jahn WandgemUde des 
Columbarinms in der Villa Pamfili, Philol. Abbh. der MOncbner Abad. 
VIII. S. 85< ff. Vgl. A. 35. 

3) Das ir ipiXiä X6y^ bei Strab. a. a. 0. findet seine Erläaterting in 
dieEein Sinne durch Aristeid. Qutntil. p. 32: fifrä «txlcEtffif »ot> vno- 

i) C. 2. A. 632. C. 4. A. 82. Vgl. A. 1. 

6) Ich nenne die lonici a maiori steigend, weil ich mit Cäsar Onmd- 
zQge der griech. ßhythm. S. 177 ff. übentengt bin, dass in ihnen die erste 
Länge die Senkung, dae Uebtigedie Hebung ist, die Seukong also vorangeht. 

6) So viel darf man ja auch ohne Weiteres der Angabe bei Ath. a. a. 0. 
glanbeu, daas die Einaedologen oben auch lonikologen genannt wurden. Im 
Uebrigen a. Snid. Siotiittt (n. ^Xva*ts), welcher offenbar auch ebeigene 
Stelle des Ath. vor Augen hatte: Sa>täSi]t IyQ"^* iplvccxas ij %irai- 

8ovs (wenn die\ richtig ist, wurden also anch die Poesien bo genannt) 

L *^TiHiglc 



Sutadea. 245 

bekommen zu haben Bcheint^), und unterschieden sich also unter 
Anderem dadurch von den grossgriechischen Elhologen; über 
ihre Heimat aber lässt sich Nichts ansmachen. 

Sotades von Maroneia auf Ereta^) benutzte diese seine un- 
saubere Dichtart zugleich dazu, um Königen und Fürsten herbe 
und derbe Wahrheiten zu sagen, aber immer nur denjenigen, 
an deren Hofe er sich gerade nicht befand, wie dem Philadelphos 
an dem des Ljsimachos und umgekehrt^. So war eins dieser 
Gedichte gegen Belestiche, die bekannte Mätresse des Philar 
deiphoa'"), gerichtet"). Zuletzt jedoch reizte er diesen König 
dnrch einen die Ehe zwischen demselben und dessen Schwester 
Ärsinoe persiflirenden Vers**) aufs Aensserste, so dass derselbe 
sich seiner bemächtigte und ihn lange im Gefangnisse schmachten 
liess ''). Endlich entfloh er und kam auch glücklich aus Alexandrcia, 
ward aber von Patroklos, einem Admiral des Königs'*), in Kaunoa 
aufgegriffen und in einer bleiernen Kiste im Meere ertränkt'^). 



(JioltHTBl 'lattijt^- Ktil yöp ViBviiiol liyot lualovvzo gvioi. lo. Sicel. Kh. 
ür. VL 399 Wall, s. C. U, A. 182, 

7) Denn urBprünglicb hiasscn die looiker und Choriamben allem Ad- 
Bclieina nach vielmehr Bakcheieu, «. Weetphal Hetr. der Griech. 1'. 
8. 621 tF. 

8) Strab. Snid. a. a. 0. 0. Ath. 620 f., wo weiter berichtet wird, dasa 
über ihn Karystioa von Pergamon iv im ntQi avTov [SatäSav] svyy^a'fifuiK 
Dod nein eigner Soho Apollonios (mpl -ni* loö nai^öc mtiriiiiitiav avy- 
rpDfifui) geBchrieben hatten. Vgl. C. 19. A. 44''. C, a6. A. 66. 

9) Atb. f&hrt fort: l£ av (närnl, au« den Bach des ApollonioB) fo» 
naiiSiir lijv axttifov na^^ijoAiv tov Zmtäiov, HBKcäc fiiy flnovxog Avisl- 
t^iov liv pamUa Iv 'Jle^avdiitfa , UioltiiaCov 6i lö* ^iläielrpov Tta^u 
.ivaipäjiot , *al altave föiv paailiav iv älXais täv xöitioy. 

10) Ptolem. Phyak. Fr. i h. Ath. XIH. 676 f., vgl. Ath. 696 e. Er tie» 
ihr als Apbrodit« Belestiche einen Tempel errichten, Plat. Am»t. 9. 763 F. 

11) Said. a. a. O. tUl i' uvtov eldi) nXeieta, oro» e/e''Atdov nutufiagit, 
liglrpiQS, tlt BeXtatiiJiv , 'Aftatäv, kuI iziga. 

12) fle 0^1 oait)!' ipvfi(fl(r,v tö niTtQov tö#Eic. — Zn wiimcn ist vor 
der gTondlooen Behauptang vod Haeberlin Carm. hg. S. 66. Phil. Anz. 
XVU. 1887. 8. 128, es sei una bei Plnt. Qu. sjmp. IX, 1, 2. 736 F noch ein 
zweiter Vers dea S, in dieaer Angelegenheit aufbewahrt. 

13) Plnt. (7) de Üb. ednc. 14. II A. 

U) 8. Aber ihn Phylarch. Fr. 1 b. Ath. VUl. 334 a. b. Drojeen 
Helleuiam. lU'j 1. S. 232. 235 ff. 272. 268. A. S. 

16) Hegetand. Fr. 12 b. Ath. 620 f ~ 621 a. Vgl. v. Wilamowitz b. 
Kaibel i. d. St. und C. 18. A. 28. 



Iv.t^TOO^IC 



246 Siebentes CapiteL Die EinBedendichtuDg. 

Neben auderen Titeln seiner Gedichte'^ sind auch einige mytho- 
logische nachweislich"). Sein Veranlass war der Bteigend-ionieche 
katalektische Tetrameter, ebendesshalb der eotadeische Vera (£o- 
tttSsiov) geoanut'^). Es aind aber nur sehr wenige ächte Verse 
yon ihm auf uns gekommen'"). 

Pyres oder Pyrroa von Miletos") war, wie aus seiner Er- 
wähnung bei Tbeokritos hervorgeht^'), zugleich Dichter und 
Componist lyrischer Geeiinge. Biosan Namen sind ffir uns 
nur noch 

Alexos oder vielleicht vielmehr Alexias*'), Timochari- 
das und Xenarchos. Von Theodoridas, dem Zeitgenossen 
des Euphorien*'), ist später (C. 36) zu handeln"). Üeber Mene- 
laoB von Aegae s, C. 14. 

t6) S. A. 11. 

17) Hephaett. p. 8. SO. '^Öoivig (mit dem Vera tiva täv xalaiäv teio- 
gtäv d«£r* äxovaai). 'Utas. 

18) Hepbaeat. p. 69. 

19) Bei Ath. (Plut.) und Hepbaeat. Denn die bei StobaeoB sind aus 
Bacblictien nnd metrischen Gründen der Uuächtfaeit dringend verdächtig, 
wie Meineke Aual. AI. S, 246 f. richtig g<;eebeu hat. Gewiss fehlte «s 
anch bei Sotades an moralischen Sprüchen nicht, Termuthlicb wurden solche 
in BlQtenlesen ausgezogen und mit denen anderer Urheber vermischt, und 
Stobaeos hat eine solche Sammlung benutzt. Die sämmtlicben Bruchstdcfae 
unter dem Namen des S. findet man mit Ausnahme des bei Ath. XIV. 616 d 
aufbewahrten Verses bei G.Hermann El, doctr. mott. S. 445— «8 »n- 
sammen gestellt. — Der fehlende Anscblnss bei Ath. 621 a GfoSmgov n.i.l. 
weist, wie mich Eaibel belehrt hat, darauf hin, daes hier vom Epito- 
mator Mehrerea weggeschnitten ist. Die folgenden Verse waren von S. 
gegen den Flötenspieler Theodoros, seinen älteren Zeitgenossen (Ael. V. H. 
XII, IT), nicht, wie es jetzt scheinen könnte, gegen dessen Vater Philinon 
gerichtet. 

20) S. Ä. 1. 24. 21) 3. C. 6. A. 14. 

22) S. A. 1. Jedenfalls nicht Uliiät. Bei Eaibel im Ind. steht 'Aliiae. 
Ich folge Benseier. Auffällig ist es nach dem A. 6 Bemerkten, dass Snid. 
(8. A. 24) ihn nicht nennt. SoUte das aal 'AUiov bei Ath. vielleicht blosa 
durch eine Dittographie aus 'AU^avSfov entstanden sein? 

23) S. C. 14. A. 98. 119. 

24) S. Said. a. a. 0. /jp^oato di t^ eiiei touito xol 'Ati^atifOt ö 
Altmlöt xal Uvi/fot ö üfilijoioc huI Stoiai/iSas xot TifioxaQi/lag %al Sifagioe. 
Schwerlich mit Eecht hält Bernhard; z. d. St. den Xenarchos vielmehr 
unzweifelhaft fQr den weit älteren Mimendichter, Sophrons Sohn. SioSn- 
nCias steht freilich nur in F, sonst ist fehlerhaft meistens 9to8tigus flbei- 
liefeit, und es "t^re also auch die Verbessemug SeiSotfos (s. C. 14. A. 184 ff. 
187) möglich, wie auch in V aberliefert ist. AUeiu E. Soraraerbrodt a. a.0. 



iv.t^iOO^lC 



PjreB oder Pyrroa. AlflioB. EleomachoB. Seleakos. 247 

Kleomachos der faastk&mpfer von Magoesia verliebte sich 
in einen Kinaedenilarsteller und eine von diesem gehaltene Dirne 
und ward dadurch zu ähnlicheu dialogischen Charakterdarstellungen 
in der bei den Kinaeden üblichen Weise begeistert^). Der ateigend- 
iontsche akatalektische Dimeter ward nach ihm der kleomacheische 
Vers (^Klaondxttov) genannt*^). Ändere Verstacte als lonici a 
maiore (mit häufiger Ausklase) scheinen Übrigens in dieser Art 
von Poesie überhaupt nicht verwandt worden za sein^'}. 

Anhangsweise ist hier noch 

Selenkos, Sohn des Geschichtschreibers Mnesiptolemos, also 
aus dem Ende des dritten oder vielmehr dem Anfang des zweiten 
Jahrhunderts**}, zu erwähnen, welcher als Verfasser „scherzhafter 
Lieder" bezeichnet wird, wobei aas denselben zwei von aller 
Welt gesungene, die Knabeuliebe preisende Verse, und zwar 
längere Asklepiadeien , angefahrt werden^^). 



S. ST f. hat die Eatstehaag der TeTderbniiiB wohl richtig auB dem unmittt:!- 
Lar folgenden Tipoxafiidae dergcstitlt erklärt, daBa StoBagiiug die eiit- 
Bprecbeode Heilung ist. Üb aber zugleich , wie er will, 7'ifiojaiji'4aci 
was aclion Bernhardy für verdächtig erklärte, eq atreichen sei, ist eine 
andere Frage. 

25) Strab. a. a. Ü. ävS^f« 6' lyivovro jvmQifioi Mäyri\its . . . *ai 
KUöfutios o «catij;, os fh Ifciia Iftscamv xivaiSov cirÖG »ul xaiHUxiit 
inti (i^] tuvatim xfnpoy.iv7it änefUfi^aaio tijv äytay^v xmv naea TafE 
tuvaiäoie dtalcxtaiv nal i^c tfiimoiias, KieBsling vermuÜiet noirji^c atutt 
mJiiiiIE, aber e. Tricha p. 60 Herrn, p. 892 Westph. nöxiijc (lit nföitfov, 
(Üf tpBtiv, q», ifia«9clf Si iivoc viov tiiv itotriti*ifi' ^inxtiQieato. 

i%) Uephaest. p. 67 (wo die beiden dann p. 66 angefahrten VerBe ohne 
Zweifel voD K. sind}. Tricha a. a. 

27) Varr. Ft. 857 Büchel. 'AiiXliae ii^iaiMt, iavitöt TUtttiSov. 

28) S. C. 2i. A. 696, 

2») ^ i-^_j w^ ^ J. ■jw -■j ^. Demetr. v. Skeps. Fr. 18 Gaede 

b. Atb. XV. 697 d. MvTjaixtoliiutv . . . viöv ytvio^ai SiXtvxov lo* imv 
ÜMfäv äoftäxttiv xDii]ii]p' mincif dovcjiÖE Siciv tliä9aaiv 
„Mcytö xaiSoipil7i«<a' nolv itoi. xaUio* tj ya/itir' 
xais fit' yög sm^Eidt' n^v nolifio) (lällov ixmipiliC". 



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Achtes Capitel. 

Die neue Komoedie'). 

Was in der mittleren attischen Komoedie von dem CharakUi 
der alten noch übrig geblieben war, verschwindet in der neuen 
mehr und mehr, wenn auch immerhin nicht in solchem Grade) 
als man es sich nach den römischen Nachahmungen vorstellen 
möchte. Sie zieht sich vollends, wie schon bemerkt^), fast gänzlich 
in die Kreise des privaten bürgerlichen Lebens zurück, und von 
der persönlichen Satire bleibt sehr wenig mehr nach. Doch 
finden sich allerdings noch einige Angriffe gegen fremde Könige, 
wie AlexandroB den Grossen^), und einheimische Staatsmänner 
und einäussreiche oder bekannte Leute, wie z. B. die Schmähungen 
des Archedikos g^en Demochares*) und der edlere Kampf des 
Philippides gegen den Stratokles^), femer Klagen Ober den ge- 
sunkenen Zustand des öfTeDtlichen Lebens und der Gerichte^). 
Man liess sogar hie und da noch einzelne lebende Personen unter 
eignem oder fremdem Namen auftreten, ja verspottete sie wohl 
durcli ganze Komoedien hindurch, wie Epiuikos den (reschicht- 
schreiber Mnesiptolemos^). Noch um 298 erlaubte es sich, wie 



1) Meineke Fragmeota comicomm Qraecorani, Berlin 1839ff. S. L 
S. 436 ff. IV. Tb. Kock ComicorUDi Atticoram fngmenta. ]1. Leipzig 1884. 
8. S. 478 ff. ]1I. Leipzig 1889. 8. Vgl. auch C. 36 z. E. (mit A. 112 ff.). 

2) C. 3. S. 167 t. 

3) Henond. Fr. 863 Kock (Kolai Fr. I Mein.), vgl. Fr. 924 (Fr. ine. 
XXXIX H.). — Auesetdem b. A. 73. 74 und Phoenikides Fr. 1 und geg«o 
den Tjr&nneD Dionj'Bios von Herakleia Menand. Fr. 33—26 ('AXuit Fr. 
I-UI M.). 

4) 8. C. 21. A. 173. 

6) Philippid. Fr. 26 (Fr. ine. 11 H.) b. Ptut. Demetr. 26. 12. Fr. 31 
(Fr. ine. III M.) b. Plut. Erot. 4. 760 F. — Ktesippos, der Sohn des Cba- 
briaa, wird bei Mepand. Fr. 86S (Öjyij Fr. I) und Diphil. Pr. 38 ('Evayiafiaia 
Ft. 1) angegriffen. Ueber die Verspottung von PhiloBOplien e. nnten A. 9 — IS. 

6) Diphil. Fr. 21 (räftot Fr. I) b. Ath. VI. 264 e. Philippid. Fr. 9 
{'AnfVfiov äipaviiitiöt b. Heineke IV. S. 460 f,) ebenda«. 2S0a. 

7) Ath. X. 432 b. Ixivov ot xolXol niiI äXipiza imßäXiovttt i<ä oivoi, 
ag b £lfl<pot 'HyTiaasdqös tpijaiv. 'EuiiviKos (Fr, 1) yovv Af*i]oi«talcfiat> 
äväyvmaiv jtotriaufiii'ov twv 'foTOpimf , iv nfg lyiyfaxto £t Siitv%og amrii- 
tpiriat, ffäffiuB äf/ttfia Mfijaijtxöleiiov nal itiuiie>8äv avzav xal >epl tijs 
xSetatf xaig iyttlvov xtfänfvoi tfiavaCs, ijioljiat Xiyvvta n. x. X. (Meineke 
IV.S.606£. Kock S. 830f.). Vgl. C. 21. A. 584 ff. Andere ßeiapiele i. 
bei Meineke I. S. 438 und antea A. 88. 101, vgl. auch A. 106. 



Iv.t^TOO^lC 



Die neue Komoedie. 249 

gesagt, Philippides den elenden Stratokies, den Schnieicbler des 
Demetrios Poliorketes, auf das IBchärrate anzagreifen und zu er- 
klären, dasa solche Menschen und nicht die Komoedie, deren Frei- 
heit also damals wohl bedroht war, die Demokratie zu Grunde 
richteten^). Im Ganzen aber waren die gelegentlichen Anspielungen 
auf politische Zeitereignisse und Personen denn doch sehr zahm, 
nenn auch in dieser Hinsicht gegen die mittlere Komoedie nur 
ein Gradunterschied besaht. Eine wesentliche Verschiedenheit 
Ton dieser dagegen war es, dass die Parodie und zumal die der 
Tragiker verschwand, vermutfalich weil das grosse Publicum in 
seinen alten Dichtem nicht mehr hinlänglich zu Hause war, um 
solche Anspielungen sofort zu verstehen. Die wenigen Scherze 
über Dichter sind sehr milde. Desto mehr aber wird die Ver- 
höhnung der Philosophen fortgesetzt^). Sie trifft vorwiegend die 
Stoiker'") and den Epikuros"), auch die Kyniker nndden Stilpon'*), 



8) In den A. 6 angef. Fragmeoten S& ond 31. Zu dem letefereo s. 
Meineke IV. S. 476; „foriaste ijpsum Straloclem in ecenam induxW- und 
Koch III. S. 310: „gl 7(1[(V poela leripsil, Straloelt:m iptum quisqyis haec 
dieit adtoqittbalur. Das aretere bezieht sich auf die dnrch Stratoklea S02 
oder 301 Termittelte Einweihung des Demetrios Poliorketes in die kleioen 
und grossen elensinitchen Hysterien und «an sich weiter daran knüpfte, 
s. Plut. Demetr. o. o. 0. 0. u. 24. Sock S. 308 f., Tgl. Drojaen Ilellemsm. 
II', 8. S. 190 ff., und scbon hiernach bestimmt sich die Zeit der betreffenden 
Komoedie, wekbe bezeichnend f^r den inzwischen eingetretenen UmBcblagdec 
Stimmung in Athen gegen Demetrioa ist, a, Wilamowiti Ant. t. Kar. 
8, ISO. A. 20, welche/ überdies sehr richtig bemerkt: „da Philippides noch 
mu:h der Schlacht bei Ipsos bei Lysimachos war" (a. unten A. 93), „eo 
^It das Stück in die Jahre 2SS— 297. Der Schlusavem " dea erstem Frag- 
ments „taita dtaXvti d^iio», ov xmiietSia beweiat, dass die Demokraten, 
die aicb unter Demetrioa compromittirt hatt«n, die Pressfreiheit (?) be- 
schränkt wiesen wollten, weil jetzt die Parteigänger der anderen Könige, 
wie Philippides, ihnen eu Leibe gingen". Vgl. anch schon Heineke 
I. S. 487: „guae aperte äoeent rtiam itlis temporibM k. e. Ol. CXX fuüie 
qui de comoediae libertate intra angtutiores fina compellmda eomilia agi- 
tareiU". 

9) ^aitixpoi war ein Stfick des Philemon betitelt (s. Fr. 86 Kock). 
Vgl. auch Pr. 71 (aas nvf^t) nnd Fr. 146 (a. A. 12). Baton Fr. 2. 6. 

10) Theognet. Fr. 1, Poaeidipp. Fr. IS nnd Diphil. Fr. 8fi (Zenon), 
Baton Fr. 8 (Eleantbea, a. A. 112 nnd C. Z. A. 316). 

11) Bat. Fr. 3. S. Hegeaipp. Fr. 8. Damox. Fr. 2. 

12) Pbilem. Fr. 146 — Fr. ine. LUI M. b. La. Di. VI , 87 (Krates), 
vielleicht, wie Heineke bemerkt, ans den 9ü6ao<foi. Henand. Fr, 117 f. 
{dav^ai Fr. I f.) bei La. Di. VI, SS (Kratea). Fr. 249 (7xir<>xo>oc Fr. I) 



iv.t^TOOylC 



250 Achtes Capitol. 

dagegen sehr selten den Platou'^). Die mythologischen Stoffe 
wurden weit spärlicher als in d*r mittleren Eomoedie. Haupt- 
sächlich kamen sie nur bei Diphilos zur Verwendung, welcher 
zwar der Zeit »ach ganz der neuen Komoedie angehörte, aber 
auch sonst zum Theil noch im Geiste det mittleren dichtete. 
Auch die Zahl der nach Hetaeren benannten Stocke ist eine viel 
geringere als in der letzteren. ' Denn eine noch grössere Rolle 
als die Hetaereiiliebe spielen jetzt die VerfUhrungsgeschichten 
freier Jungfrauen, die aber alle äusserlich anständig mit der Ehe - 
endeten*^), so dass diese StQcke denn in der Folge auch von 
Knaben und Jungfrauen gelesen wurden"'). Eine grosse Zahl 
derselben trug sogar nicht sowohl den Charakter von Lustspielen 
als vielmehr den von Fumilienschauspielen und moralischen Riihr- 
stficken an sich. 

Während im Uebrigen die philosophische Eunsttheorie, deren 
Schöpfer in grösserem Stile ja erst Aristoteles war, aus den 
schon vorhandenen Kunstwerken abstrahirt ist, so ist es dagegen 
eine höchst wahrscheinliche Vermuthung, dass die Lehren des 
Aristoteles, welcher die persönliche Satire, wie üie in der allou 
Komoedie vorherrschte, entschieden gegen die von den Sikelieru 
Epicharmos und Fhormis begründete und dann von Krates 
und Pherekrates und in der mittleren Eomoedie fortentwickelte 
Richtung zurückstellte'"), von einem gewissen mitbestimmenden 
Einfluss auf die Entwicklung der neuen gewesen sind. Nament- 
lich von ihrem Hauptdichter Menandros, dem Schüler des Theo- 
phrastos"^, darf man wohl annehmen, dass efsich auch an diesen 
Lehren gebildet, ans ihnen die Ueberzeugung damit nnr dem 
inneren Wesen der Sache selbst nachzugehen gewonnen und so 
„sicheren Schrittes den Weg weiter verfolgt hat, auf welchen 
die tastenden Versuche der mittleren Eomoedie sich nur durch 
den Zwang äusserer politischer Verhältnisse hatten drängen 



b. La. Di. VI, 38 (Monimos). Stilpon ward von DiphUoa im rä/ios ver- 
spottet, La. Di. II, 120 (=■ Fr. 33), wo freilich Snv'lw Qberliefert ist, 
aber a. Meiseke f. 8. 426. Kock IL S. 647. 

13} Fhilippid. Fr. 6. 

14) WenigeteDH in Bezug aaf MeuaDdroa ist dies anadrficklicli betengt, 
l'lut. QnaeBt. ajmi). VII, 8, 8. 712 C. 

1&) Ovid. Trist. 11, 370. et solet htc pueris virginibutque legi. 

16) S. Suaemihl Arietot Ob. d. DichtkaiiBb'. 8. 288. k. 49. 

IT) S. A. SS ff. 



Iv.t^TOO^lC 



Die oene Eomoedte. 251 

lasBeQ"'"). JedeDfalls stand diese neue Eomoedie, auch darin den 
Lebren des Aristoteles eatsprecheud, an innerer, allerdings viele 
ZufSUigkeiten nicht ausschliessender Wahrscheinlichkeit der Hand- 
lung uud Feinheit der Intrigue Über der mittleren. Doch waren 
selbst in ihr, wie es scheint, die Verwicklungen oft noch von 
ziemlich einfacher Art. Denn doch wohl nur dadurch konnten 
die römischen Nachahmer'^) sich veranlasst fühlen hie und da 
in das Ton ihnen bearbeitete Stück zur Bereicherung desselben 
Sceneu und Motive aus einem anderen einzuschieben. Selbst 
diese neue Kotnoedie der Griechen uebst ihren römischen Nach- 
ahmungen und das aus ihnen hervorgegangene Lustspiel und so- 
genannte bürgerliche Schauspiel der Neueren bis in das vorige 
Jahrhundert hinein ist vorwiegend Chatakterdrama geblieben. 
Und zwar sind gemäss jener schon von Epicharmos angebahnten 
Richtung auch die Personen der neuen attischen Komoedie im 
Wesentlichen typische Charaktere, Vertreter gewieser im da- 
maligen häuslich-bftrgerlichei) Leben et«te wiederkehrender Er- 
scheinungen, und wenn auch der Kreis dieser Charaktertypen 
ein viel weiterer geworden ist als bei jenem alten sikelischen 
Posaeudichter, so bleibt er doch bei der Armuth jener Zeiten 
an groesartigen, die Individuen bebenden und belebenden Ideen 
immer noch ein verbältnissniässig enger und nicht eben gehaltreicher. 
Nachsichtige und überstrenge Väter, verzogene Söhne, schändliche 
Wucherer und Kuppler, schlaue und gutmUtbige Buhlerinnen, 
bramarba sirende SöldnerofGciere , verschmitzte Schmarotzer und 
ähnliche Figuren füllen denselben aus. Aber gerade durch dies 
Zurücktreten des im eigentlichen Sinne Individuellen in dieser 
sonst so individualistischen Zeit und des specifiach Nationalen 
sind diese Charaktere mit verschiedenen Modificationen Typen 
fQr alle Folgezeit geworden, und gerade je enger und gehalt- 
ärmer ihr Kreis war, desto leichter war wenigstens innerhalb 
desselben eine allseitige treue Lebensbeobacbtung, eine treffende 
Zeichnung vieler der Menschennatur zu allen Zeiten eigenthflm- 
licUer Züge möglich. Der Sentenzenreichthum zumal des Me- 
nandros stimmt hierzu aufs Beste. Die Charakterbilder, welche 



18) Bernaus Zwei Abhb. üb. d. ariatot. Theorie dee Drama, Berlin 
1880. 8. 162 f. (= Rhein. Hus, VIII. 1863. S. 672 f.). 

19) Uder wealgatoiia Terentins. Denn ob auch Plautus contaminirt 
hat, ist ja sehr «treitig. 



iv.t^iOO^IC 



2b'2 Achtes Capitel. Die neue Eonoedie. 

Aristoteles und seine Schüler Theophrastos und Eudemos zeich- 
neten, mögen dabei wiederum mitgeholfen haben, um auch hier 
im Besonderen die Wege zu zeigen. Von nicht geringem £in- 
äusB wenigstens auf Menandros ist auch die Tragoedie des Euri- 
pides gewesen™). 

Die Sprache der neuen Koinoedie zeigt in noch grösserem 
Masse als die der mittleren den Mangel an höherem poetischen 
Schwung. Doch eignet ihr eine einfache Änmuth und ein glatter 
und gewandter Redeäuss. Die Metrik vollends ist ziemlich dürftig, 
öanz vorwiegend ist natürlicli der iambische Trimeter in den er- 
haltenen Bruchstücken, am Häufigsten nächstdem der trochaische 
Tetrameter"). Weit seltner sind die der mittleren Komoedie sehr 
geläufigen anapaestischen Systeme**). Vom daktylischen Hexa- 
meter findet sich nur ein einziges Beispiel*'), von künstlicheren 
lyrischen Massen nur zwei, eines bei Dipbilos und eines bei 
Menandros, letzteres in Eupolideen"), die jedoch bei diesen beiden 
Dichtem nicht selten gewesen sein sollen *'). Und da der kata- 
lektische daktylische Hexameter mit Sjiondeios an dritter Stelle 
der diphiliscbe oder chörilische Vers genannt wird'*), so muhs 
ihn ütpfailos öfter verwandt haben*"''). In einem Theil dieser 



20) Quintil. X, 1, 69. admiraluB maxime eit, wt taepe tcslatur, tt se- 
eulut (näml. Euripidem), quatnquam in opere divereo, Mertandtr. 

21) S. Haphaeit. p. 121. fimtä . , . äs ai MevävSfov miaumSiai- aq 
ftlv yäf ttt^äfittfa iv icä aii^ noi^fiati, n^ ii tQinetfa tiaüitiTai. Mar. 
Vict. I, 16, 8. Gaiaf. p. 67, 14 f. Keil. Menander in comocdiie freqaentfr a 
amtinaalie iantliide vcreibus öd trochaicoa iransit et rw&Mm ad iamliitoa 
redit. Die rOmiachen Komiker banden sich übrigens in dieser Hinsicht 
nicht streng an ihre griechiacbeD Originale, sondern gebrauchten iDm Theil 
da Telrametei, -wo ietstere Tcimete^ hatten, s. Meiaeke I. S. 444 f. 

22) Menand. Fr. 299. 312 — KöXai Fr. V. AiiinM« Fr. I M., lotiteies 
Beispiel nach Schol. A Ueph. p. 223, 9 F. ij ilaßolii t^t Aivxadiae, also 
unmittelbar nach dem Prolog, Tgl. Meineke I. S. 443. 

23) Diphil. Fr. 126. 

24) Diphil. Fr. 13: uiiyu,^u_ üiu_v-CJ. Menaod. Fr. 835 
(Fr. inc. COXXVI M.): ^c;,^_^^^o- w_^._, vgl. Meinekel. 
8. 442 f. 

•ih) Mar. Vict. IH, 2, 12 Q. p. 104, 2 ff. Keil: sunt itan quae privuun 
trochaicam, secutidam choriambicam , tatiam Irochaicam, eed et quartam 
ayllaba breviorem coniugationtn hobtant, quonon exempla pltntmque apttd 
comica», Diphili et Menandri contoediis, reperiutUur. 

26) Mar. Viel, in, 6, If. Ö. p. 110, 21 ff. Keil. 

26'') Für Menandros ist auch der Ith^phallikou besengt, s. Caet. Bau. 



iv.t^iOO^IC 



Uenandroa. 253 

Stücke kamen also EinzelgeaÜDge vor"), ob in allen, wissen 
vir nicht 

MenandroB**} aus dem Demos Eephisia war ein Sohn 
der Hegesistrate und jenes ausgäzeichDeten athenischen Feldherrn, 
Colonieführers nnd Gouverneurs im thrakiachen Chersones Dio- 
peithes, dessen entschlossenes Vorgehen gegen die Makedonier 
Demosthenes Ol. 109, 3 = 34t in der Rede Ober die dortigen 
Angelegenheiten Tertbeidigte'*), und ward nicht lange vorher 
entweder 344 oder 343 geboren^). Ohne Zweifel trug der Ver- 
kehr mit seinem Oheim, dem berühmten Kouioedien dichter Alexin, 
neben seiner eignen Begabung nicht wenig dazu bei Jhn auf 
dasselbe Feld der Tbätigkeit zu führen"), und so trat er denn 

p. 2Ci5, lOfT. K. ithyphallicum metrum aaepe reeipit tribradntm, «t apud 
Maiandnun in Phatmaie. 

27) Das« diese Komoedien Knm Theil auch noch einen Chor gehabt 
hätten, mäsBte beuer hezeagt sein als durch da* Teiwirrte EinBcbiebsel in 
der Vit. Ariatopb. §. 11 Bergb. Denn dus Menand. t'r. 165 {'EKi»XriQot 
Kr. II M.) ebenso gut nur tragische und kyklische ChOre im Auge haben 
kann, giebt Meineke I. 8. U\ selber sn. 

£S) Heineke MenaDdTieti'hilemoniareliquiae, IJerlin 1823. 8. Preller 
Art. Henander in Paulys Uealenc. Beuoit Essai historiqne et littäraire 
SDT la cotuädie de M^nandre, Paris 1864. 8. Oniiot Menandre, Paris 
1S56. S. Horkel Die Lebenaweisheit des Komikers Menander, Königsberg 
ISST. S. — Im AlterthiuQ icbriebeu Ober ihn bereits sein Zeit- und Kunst- 
genosse Lynkeus, s. C 18. A. H, dann Ariatophanei von B;sanm über eeiae 
Enilehnnagen aus anderen Dichtem (s. C. 16. A. 49), sjAter ein gewisser 
LatinoH (?) über dasselbe Thema («^1 lüv ov* Idimv Meräfiffm in 6 U., 
Porph. b. Enseb. P. E. X, S, 13. 465d), femer Plntarchos die sam Theil 
noch erhaltene VergleJchung zu seinen Gunsten mit Aristophanes (l^ay- 
Tt^ultt 'Aiftntofütiove *ai MivärSi/ov), Soteridas von Epidauioa i'in 'Tnöfivqpa 
tls MerttPifoi' (Suid. ^atri^idas. Tgl. dexa Meineke Men. rel. S. XXXIV) 
nnd UomerOi mit dem Beinamen Silkioe TIe^ioioI tmv Mtnvifov iqanä- 
ratr. (Said. "O^nfos SilXios). 

89) Said. MivttvSijot- 'AOtfyaiot •dioniMove xal 'i/y>)iFi<ripäTt]5. Si'bol. 
Demostb. VIII. p. 178, S Dind. ovioc ii ö Jionti&rit natijg fiif Miväv- 
äqov toi %miu*ai. Apollod. Fr. 96 b. Gell, XVII, 4, 6. Kj;<pi«K«t äv Ix 
JiOMti^ovs ttw ntofit. Anon. de com. No. III (vor Bergks Ausg. des 
Ariskipb.). g. 16. dtonil&ovt vtis, 'AOtivbIos, la/ineos ■«! ßiip xal yivti. 

50) Die Diülcbtheit der tnsQhrirt bei Oorsini F. A. IV. S. 76 — C. I.G. 
6084, nach welcher er Tielmehr erst Ol. 109,3 — 342/1 (Ixl ämoftot 
Smutfirotit} geboren wäre, üt jetzt wohl allgemein anerkannt, s. Üroysen 
a. a. O. 1I>, S. S. 391ff. Wilamowitc a. a U. S. 179. A. 2, Das Bichtige 
erhellt ans A. 39 40. 

51) Anon. de com. a. a. U. fiUirt fort: avpäittifiifiae Ü 'ü TiolXä 'Miiiii, 



iv.t^iOO^IC 



254 Achtes CapiUl. Die neoe Komoedie. 

scboD Ol. 114, 3 = 321 oder Ol. 114, 4 >= 320 zum ersten Male 
auf^). Im Uebrigen war er, wie gesagt, Schiller des Theo- 
plirastos*^) iiDd auch in seiner Denkweise Peripatetiker und nicht^ 
wie man früher vielfach geglaubt bat, Epikureer**), Daraus er- 
klärt sich denn auch*^) seine Verbindung mit Demetrios Ton 
Phaleron, und schwerlich ist es wabr'^, dass er erst nach dem 
Beginn von dessen _Regentschaft mit diesem Manne bekannt 
ward. Seiu Verhaltniss zu demselben war ein so befreundetes, 
dass ihm dies nach dessen Vertreibung und der Eroberung Athnns 
durch Demetrios Poliorketes beinahe das Leben kostete*'). Jeden- 
falls mit dieser Verbindung hing es wohl auch zusammen, dass 
er später, termuthlich erst nachdem Demetrios bei Ptolemaeos I 
Aufnahme gefunden hatte nnd zu grossem Ansehen gelangt war, 
einen ehrenvollen Ruf an den Hof dieses K5nigs, welcher ihn 
sehr schätzte, erhielt; doch schlug er denselben bub*^). Er starb. 



iitö TOvtov Sonti jroiJMi&qttti, Vgl, Soid. "^itiie. yiyopt Si xäteiat Mi- 
väfigov TOÜ xu^mav, Wean Äleii« witklich au« Thnrii ifar, nie Suid. 
angiebt, welubea um 390 von den Lacaneni zerstört ward, so kann die 
Anspielung auf die Geschwiatcrefae des Philadelphos und der Arsinoe in 
seinem 'TnoßolinaCos tiotE der von ihm erreicbtea 106 Jahre nicht mehr 
von ihm Kclbst herrühren, sonderi) nur ein späterea Einacbiebael sein; rührt 
sie von ihm selber her, so ist er nicht mehr in Thurii gehören, wenn anch 
seine Eltern dort gewohnt hatten, und Letzteres dürfte wohl das Richtige 
nein. Damit wird er aber noch nicht jdnger als IL, wie v. Wilamowitt 
Bnrip. Herakles I. S. 134. A. 21 behauptet (s. C. IB. A. 86^), wenn er auch 
diesen seinen Hoffen um 20 Jahre und vielleicht noch l&nger aberlebte, 
da H. noch nicht halb so alt wnrde als er. 

32) Der Anon. fährt fort: tSidair ii gr^üioc fqii^ßos mv ^'1 Jioxliovt 
äetovtog. Dagegen schreibt Eneeb. za Ol. 114, 4 (II. p. 116 Schöne). 
Mivandgot ö HtofMxöc jigärov äffäfta iiSa^tis 'JDgyijv {*iiit]ai , wo es aber 
fraglich int-, ob x^töiov mit Sfäiiu oder mit Ipinijae verbunden werden soll. 

33) Pamphila b. La, Di. V, 3$, 

34) Seine angebliche Freundschaft mit Epikoros steht nnd mit mit 
dem ihm beigelegten Epigramm Antb, PaL VII, 72, welches aber ohne 
Zweifel unacht ist, s. v, WilamOwitz Ant. v. K. a. a. 0. 

36) Wie Wilamowitz a. a. O, bemerkt. 

36) Wie man nach Phaedr. V, 1 bes. Vers 9 ff, Mentmdtr nMiU comoe- 
das, quai ipsum ignoraiu legerat DeatetriM et admiratvs fMerat ingemiim 
viri nnd Alkiphr. Epist. II, 13, |5 glauben mflsste, 

81) La, Di. V, 79 f. ejti}vi%a 6' honotfafieixo (n&ml. Jijfi^vptoc) iv 
mis 'A9^yais . . . MivcnSf/os d »«Dftixic nag' ilifOP ^IOb xift&^wat dt' 
oiiii' SlXo 1 ort ipdos i]v aixä' all,' avtov xa^ij^iJMti« T^ltoipöiiot i 
ücfif'iöc tov Jijuritgtov. 

38) Plin, N. H, VII. %. 111. magnum et MenoMdro im eomieo soceo UM- 



h;, t^lOOy IC 



UenaDdros. 355 

erst 52 Jahre alt"), Ol. 122, 1 — 292/1^"), indem er im I'eiraeeus 
beim Baden ertrank*'), und ward an dem Wege von da nach 
Athen begraben*^). In seinem äusseren Auftreten soll er höchst 
elej^nt nnd stutzerhaft gewesen sein*^), dabei schieläugig^). 
Die Nachrichten Über seinen Lebenswandel sind sehr verschie- 
den'^); gewiss ist nur, dass er mit der Hetaere Gljkera in inniger 
Liebe verbunden war^*). Er besass ein ungemein leichtes und 
rasches Schöpfungstalent und war dabei gleich seinen Neben- 
buhlern weder auf allzu grosse Sorgfalt in der Ansßlbrung noch 
auf stete Neuheit in der Erfindung bedacht*'), so dass er in 



DioniKM rtgum Aegypti et Mactdoniae (?) Contimit claite et per legaloa petita, 
maiug ex ^so regio forlunae pradata litterarum eonscietitia. So weni^ Ver- 
tiaaen erweckend diese Aeuaeeruug an eich ist, glaube ich doch nach ihr 
die obige Thatsache feathallan zu müBaen, da meines Erachtena sonst der 
genOgende Anbalt fOr die Entetehnng der Briefe Alkiphr II, 3 und 4 nnd 
der natarltch nicht minder fingirten Briefe fehlt, von denen Suiü. IHir. 
spricht: yiy^aipi xwiimdiat (ii;' *ai isietolät K(>og ÜtoliiiaCov lov paeilia 
*al löyovs IxiQovt xltütovt innaloyüirpi, Tgl. Wilamowitz a. a, ü. 

39) Apollod. □. Aoon. a. a. 0. 0. 

*0) Eiueb. Chron. II. p. 118. 119 Schöne. Gell. XVII, 21, 42. L. lAiiius 
poela fabiÜM docere Jiomae eoepit (Ol. 135, 1 '^ S40/39) post . . . mortem . . . 
Menandri onnu circiter quinquaginta duobux. Der Klllacher der A. 80 er- 
wähnten InBChrift setzt seinen Tod irrthnmlich erst Ol. 123, 3, t. Franc 
zu derselben (der sie noch fQr Seht nnd daher dies fQr richtig b&lt). 

41) Ovid. Ib. 689. eomicu* ut mediit perüt, dum no^nt, in undig tud 
dam Scbol Menander comieta Alheniensis, dum in Piraeo portu nataret, 
swbiTHmw eit: de quo nobilissimae a (iraeci» traduntur eUgiat et a Oalli- 
•toeho (Ft. 74) epigramma (vgl. C. 13. A. 58). Zwei sp&tere Epigramme auf 
ihn finden sich Anth. Pal. VII, 370 (von Diodoros). IX, 187. 

42) Faiu. I, !, 2. 

43) Daranf besieht sich das IvftxpDc . . . ^loi des Aoon. (h. A. 29). 
Aoaserdem b. Phaedr. V, 1, 12 f. unguento delibulKt, vettitu ßuetts , venirbat 
gretsu dejicato et languido. Alkiphr. II, 3, 15. 

44) Said, eteapös tus Sipttf, i^of di tdv vovv. 

45) Suid. fuhrt fort: xal ntpL ywaiiiat innttvietaios, vgl. Alkiphr, 
Epist. I, 29. Dagegen sagt Aason. Cent. nnpt. p. 219, 1 f. quid ipgum Me- 
navdrvm? quid comtos onmet? guibu» est pura vita et laeta mäteria, vgl. 
l'lat S. 864 A ff. 

46) S. Pr. 569 (Fr. ine. XLVI M.). Er liesn sie ferner auch im Äfiao- 
rirtis anftretau (Ft. 889). Im Debrigen s. Ath. XIII. 685 c. 594 d (vgl. 
A. 60). Alkiphr. I, S9. 11, 34. Martial. XIV, 187. Philoatr. Bpiat. XXXVIII. 
p. 846, 31 f. Kayier. Vgl. Meineke Men. rel. 8. 38 f. 

47) S. A. 44. Anon, a. a. 0. yijore d' fv^ftnatot xavn. Plut. de 
glor. Athen. 6. 347 E. F. Hjtrai di inl M(>a»it«a> tmr acv^^mv tis thtir. 



iv.t^iOO^IC 



i}56 Achtes CapiteL Die ueae Eomoedie, 

seinem verhültnissmäasig nur kurzen Leben doch mindestens 
105 Eomoedien dichtete*^). Indessen trug er nur achtmal den Sieg 
davon^°), weil sein Rivale Phileinou sich besser beim Publicum 
einzuschmeicheln verstand^). Doch ward ihm eine Statue im 
Theater errichtet"^). Später wurden angeblich seine noch er- 
haltenen Sttlcke mit den Schöpfungen anderer griechischer Dichter 
durch die fromme Wuth byzantioischer Kaiser vernichtet*'). 
Milde Anmuth war ein Hauptcharakterzug seiner Poesie, zu- 
weilen mischt sich selbst ein leiser Zug vou Melancholie hinein^), 
und eine nicht gerade tiefe, aber klare und verständige Lebens- 
philosophie äussert sich, wie gesagt, in eiuem grossen Reieh- 
thum von moralischen SiunaprOcben. Sie wurden viel citirt und 
Blutenlesen von ihnen gesammelt, so daas sie auch jetzt in den 
erhalteneu Bruchstücken vorwiegen^'). Als seine Meisterstücke 

töv Si änoxfifM^ai , „rij zovt ^tais ^yrnyi ninoiri^cwt^ii umitaäiaif- räao- 
röiifjiai yäf q 3tä9t«is, dti 3i avzg iä cii%lSiu Ix^aoi". Schol. CrVqu. 
Uor. A. F. 811. p. 633. Me»ander cuvn fabulam düpoeuüatl, ttiaatii non- 
dum Versibm adomasgel, dictbat (amen «c tarn eomplette. Im Debri^D b. 
Tetent. Andr. Prol. 9 ff. (Tgl. A. 68). 

48) Gell. XVU, 4, 4 f. MeTumdrum alU centum oclo (flo Suid., b. A. 38, 
Adod. n. Vit. Terelit, p. 6, 15 Fleckeisen], partim emfum ttovem reliquisK 
comoedias fentnt. Sed Apollodoru» (Fr. 96) . . , «pös tolem lYtatlm wlm 
y^tpat Bgäiiaxa. Wir kenoeti noch 86 bis 87 Titel. 

49) Gell. a. a. O. ßlhrt fort; ex ütii tarnen centum et quinque omttibiu, 
soUi ettm octo vicitee idem Apollodtmu . . . scribit. Vgl. MutiaJ. V, 10, 9. 
rara eoronato plaunere Iheatra Menandro. 

60) Qell. XVII, 4, 1 f. Menander a Philemone, ftequaquam pari Kri- 
ptore, in certaminibvs comoediarum ambüu gratiaque et factionümt gatpe- 
nwnero vineebatur. eum cum forte habtaautt obviam, „quatto", inquit, 
„Phihmo, bona venia die mihi, cum me vinda, non erubeids?". Philemon 
war aach sein Nebenbuhler bei der Gljkeia, Ath. XIII. 594 d, doch vgl. 
Alkiphr. II, 3, 17. 

61) PauB. I, 81, 1. DioB. Cbryg. Or. XXXI. p. 688 E. üeber die auf 
uns gekommeDen Äbbildnngen des M. s. Heineke Hen. cel. 8. XXXI f. 
A. 2. Die BChOnste ist die sitzende Statae in der Galleria delle Statue des 
Vatikaas; ihr gegenüber befindet sich die dea Poseid^po«. 

52) Wie Petrus Alcyonins de eiil. I. 8. 69 mit Berafnog auf Demetrios 
CbalkoDdjIas erzählt. 8. aber Sittl Berl. pb. WocE. X. 1890. Sp. 413. 

53) 8. LorenE Epichaim. S. 195—197. 

54) Abgesehen von Stobaeos giebt es einea anonymen „Wettstreit" 
des MenaadrOB und des mit Phil iütion verwechselten Philemon, Mcvdwit^ov 
Hai dl(«t^vo£ avyngMtt, in zwei Pariser Codices aus dem Ende des 
16. Jahrb., von denen Q (27S0) das Original des anderen P (1778) in sein 
scheint, vgl. Stndemand Wocb. f. kl. Ph. III. 1886. Sp. 1584 ff. und in 



|.;,*^TOOy[C 



galten Mt«oyvvtfs^) und JMiöovfieros**)- Die 'ASeltpoi^'''), 'Av- 
S(fia und ütifiv^ia'^), 'EavTov Tifttoffovftsvoe''*), Evvovxos und 

der gleich ni erwähnenden Aasg., znerat heianagegefaen von Eigaltiue, 
Parü 161S (dann in metr. lat üebers. t. Morel, Paria 16U), dann 1618 
TOn Bntgera Var. lect. IV. S. 366 ff., jetst correct von Studemnnd 
Henandri et PliilistioDiB comparatio, Brealaa 1887. 4. mit einer andern, in 
denselben HandBchriften enthaltnen kürzeren nnd titelloaen Sammlimg 
(DiBÜcha Parisina), welclie auch Bntgers ichon beigefügt hatte, nnd mit 
Evei Anhängen, den früher ichon von Boisaonade Anecd. I. S. U6 f. 
TeiOffentlicbt«n Fräfiai Mnäwigov xol tfUttnimcof aus einer Pariser 
Hondichr. dee 11. oder 13. Jahrh. R (1166) nnd 28 im 13. Jahrh. abge- 
schriebnen Tiimetem lUtfdpd^ov «b1 4i1i«i^(dvoc Siält*ri>t im Laar. LVllI, 
32 (L). Dazu kommen nun aber noch in Terschiedenen HandBchriften nnd 
einer Aldina (Sententiae monoatichi ex Tariis poetis, 1496) rVmfiai /tovö- 
oTijot oder n<>(ai»i«(te Mcvävdffov, zu denen jüngst aoa einem Cod. Urbin. 
63 nene hioxogekommeD aiod, a. W. Meyer Die' Urbioatücha Sammlung 
Ton SpinchverBen des Menander, Enripidea und Anderer, München 1880. 4. 
(PhiloL Abhh. der Münchner Akad. XV. S. S97— 449}. Aber dies Altea 
sind in Wahrheit erat bjEantiniache Fabrikate, freilich mit BennUnng 
älterer Sammlungen, die aber für die Namen auch achon keine Qew&hr 
boten, B. Tb. Kock Die Samrotongen MenandiiBcher Spruchverse, Rhein. 
Mna. XLI. 1886. 8. B6— JIT. Stndemnnd S. »ff., nnd nur das iat streitig, 
vie weit die SiyxQiais Achte Verse des M. nnd Philemon entb&lt. Jedeo- 
falla kannte schon Chorikioa unter luaUnianoa (Apol. mimor. 18, 2. p. 344 
ßraai) eine Uinliche, in deaaen Aeusaerung anch schwerlich bereits, wie 
Stndemnnd S. IT annimmt, Philemon mit Philiation Terwechaelt iat, 
a. Eook C. A. F. lU. S. JV f. Dass die ona erhaltne Svyn^ms weitaus 
allen jenen anderen Sammlniigen voiansteht und nicht a^ter ale um die 
Mitte des 7. Jahrb. entstanden aein kann, weist auch Stndemnnd ein- 
gebend nach, aber er glaubt andrerseits wahrscheinlich gemacht in haben, 
dass achon Stobaeoa bei ihr benutzt aaL — Für die Sammloi^ der Frag- 
mente des M. leistet« zon&chst H. Stephanoa (Comic. Gr. sententiae, 
Paris 1669) Einiges, angleich mehr H. Qrotius (Excerpta ex comoedüa et 
tragoedüs Graecia, Paria IGIS). Die Teninglückte Sammlnng von Clericus, 
Amaterdam 1709. 8. hatte dagegen kein auderea Verdienat, als dass sie 
die Gegenachrift Ton Beutle; Emendationea in Menandnim et Philemonem 
hervorrief, welche unter dem Namen Philelentiiierua Lipaiensie ron Clericaa 
Feinde Barmann, Utrecht 1710, TerOffentlioht wurde (2. Ausg. ohne Bur- 
manns Vorrede Cambridge 1714, Abdruck bei Meineka) nnd wiederum 
die Streitach liften von Jac. Üronov Inüunia emendationnm in Menandri 
leliqniae etc., Leiden 1710 und de Panw Pbilargjrii Cantabrigienaia emen- 
dationes in Men. et Ph. rel. etc., Amaterdiun 1711 erregte. — Seit den 
beiden Ausgaben tou Meineke ist noch Manchea fainingekommen. So s. 
Welcker Ein nenea Fragm. dea M., Rhein. Hns. XV. 1860. S. 166—168 
(wenn auders die betrefienden Verae wirklich gerade von M. sind). So 
Fr. 680, von Tiiohendorf gefunden und von Cobet Menandri frag- 
menta inediU, Mnemos. N. F. IT. 1876. S. 386—293 veröffentlicht, vgl. 

SomiiBi:, BiiKli.-alax. LltL-Gaioh. I. IT 



„i.,ooglc 



258 Achtes Capitol. Die nene Komoedie. 

Köi-ui^") waren Vorbilder des Tereotins. Aus einem andereD, 
gleichfalls 'ASelspoC betitelten StUck entnahm Plantus den Stichus^'), 
aus seinem .^Ig i\anaxäv vermuthlich die Bacchides'^), und dem 
Poenulus liegt wahrBcheiDlich sein Kao^tiSöviog zu Grunde^). 

y. Wilatnowitz Der FegsimiBt dea Menandei, EenneH XL 1878. S. 496— 
fi06 und dagegen Th. Eock Menander und der Peendo-PegHimist, Rhein. 
Mas. XXXII. 1877. S. 101— HS. Anseeidem b. Th. Kock Nene Brochstacke 
attiecher Komiker, Eermeg XXI. ISSe. S. 372—410. 

6&) Phrjnich. Epvt. 417. MittarSiiot f^l* xdWi'onj* riSp itiapmiiäv tä» 
Savtoi w MivoyvvTiv tucttiii]li8a><itv ititäv (die Worte des H. — Fr. l>84 
sind aoBgefalleD). üebrigenB vgl. A. 46. 

66) S. Eock m. S. 97. 

67) Didasc. Terent. Ad. Oraeca Menatidru. Doch a. da« TOn Kock 
in. S. S ZoBammengeftellte und fibeidiee A. 90. 

68) Ter. Ändr. Prol. 9 ff. 

Menander feät Änäriam et Perinihiam. 

qui Ktramvis rede norit, ambas itoverit; 

Mon Üa disemili sunt argumenta, at tarnen 

dissirnüi oratione sunt faiAae et stäo. 

gttae eonvettere in Andriam ex Perinthia 

fatetur transtulüse atque uaum pro euis. 
Dsiatzko Die Andria dei Menander, Rhein. Mus. XXXI, 1876. S. 234— 
253. Alles Weitere b. bei Kock Ilt. S. lif. Unter ntqtv&Cav xri» jieätijv 
b. Zenob. in Millers Mglanges S. 365 = Fr. 401 ist vielleicht die 'AvdQÜr 
verstanden, wie Kock S. 112 meint. 

59) Ter. Heant. Didasc. Graeea Menandru, vgl. ProL 4 ff. Kock 
8. 41. 

60) Ter. Enn. Didasc. Graeea Menandru. Prol. 19 f. nunc aeturi sumus 
Menandri Eunuehum. 30 ff. 

Cotaa Menandrüt: in eatt paraiitus eolasc 

et miles glorionu: eas »e non negat 

pereonai tranttutigee in Eunvchum auum. 
AuH 25f. Colccem etie Ncuvi et Plauti, veterem fabuJam ele. hat Ritechl 
Parerg. Plant. S. 99—104 erwiesen, daaa Naevias den JCöls£ bearbeitet und 
PlautuB wieder deBsen Stück umgearbeitet hatte. Einen Commentar schrieb 
Timachidag, s. C. 80. A. 238. — Vgl. noch Kock Ul. S. 68 f. 82. 

61) Plaut, Stich. 6. Adelphoe Menandru, vgl. Schol, Plat. Phaodr, 
279 C. nttl MtvavdQoe iv USflcpote ß' (— Fr. 9 K.). Und nicht aas den 
i>dä3tltpoi, wie Kock 111. S. 144 nach C, F. fiermaDn Hall. L, Z. 18S8, 
Sp. 137 nnd Ritachl a. a. O. S, 261—280 noch jetzt annimmt, 8. dagegen 
F. Scholl Lifterariache« zu Plautns, Jahrb, f. Ph. CXIX- 1879. S, 44—47. 

62) Ritachl a. a. 0, S. 405. Vgl. Opusc. II. 8. 292ff. 

63) Plant. Poeu, Prol. 53 sagt; Carehedonius voeatur haec cotnoedia, 
nnd wir wenigstens kennen keinen anderen ^«(zijddvios ala den des H. 



iv.t^iOO^lC 



Laacius LaTiniua fibertrug das Oatffta^) und den, wie es scheint*^), 
zmacheu 310 und 308 entstandenen &tjOavfi6g ins Lateinische**). 
Philemon"), Sohn des Dämon, ans Soli*^) oder Syrakus, 
jedocli mit dem atltenischen Bfii^errecht beschenkt**), war älter 
als Menandros™) und betrat schon am Ende der 112. Olympiade"), 
also etwa 329 die Bfihne, so dasB er wohl überhaupt als der 
älteste Dichter der neuen Komoedie anzusehen ist, indem seine 
Geburt bereits etwa zwischen 366 und 360 QeV*). Jedenfalls 
lebte er nicht immer in Athen, wirkte vielmehr eine Zeit lang 
auch auswärts, vermuthüch in Älexandreia, denn wir hören, dass 
er, durch einen Sturm verschlagen, in die Gewalt dea Kdniga 
M^as TOD Kyrene gerieth, welchen er in zwei Versen einer 



64) Tetent Eim. Prol. Off. Weiteres bei Kock III. S. 143 f. 

66) Diiatiko Zu MenaDdros, Jahrb. f. Phil. CXXl. 1880. S. Sil f. 

66) Terent. a. a. 0. nod dotn Donat. Vgl. Kock III. S. 67. — Nur 
von TerhaitniaimAwig weDigen der anderen 7S oder 74 Eomoedien , von 
denen niu Titel nnd Fragmente Überliefert sind, wiaeen wir tnebr oder 
weniger über den Inbalt darcb ansdrflükliche Nachrichten oder einiger- 
maraen sichere VenuntboDg, ao Ober den Jöaxolos (wo aber Vieles BtraitiK 
ist, 8. Kock 111. S. 36 f.), den 'EnCtdrjQot (von velohetn es zwei RecenBionen 
gab, nnd dessen Fabel wohl dem Phormio des Terentias Uinlich war, 
s, Kock III. 8. 47 f.), den 'EmtpS^ortes (Sidon. Apoll. Epist 4, 12. p. 267. 
Terentianae Hecyrae . . . fabulam similis argumtnU), der AttmaSia (in 
welcher die Sage von Phaon mit verarbeitet war, s. Kock III. S. 88), dem 
'TitofioXiltaros (s. Kock III. S. ISTf.). Gate (b. Kock 111. S. 161) nnd 4d- 
VI0V waren , wie es scheint, die beiden einzigen nach Hetaeren benannten, 
B. Ath. XIll. 667 c. o'äÖ ftaipäy foje lüe Ixiyfatpäs ■ ■ ■ Meräväpov öate 
mal #cfv(i>v. Uebet die Entatehungazeit der Öpyi] s. A. 32. Dass er trotz 
der Titel JägSavos, T(og>mvii>c, Vivätjta-uXijs keine mytbotogiBcheu Stoffe 
behandelte, dartlber ■. gegen Heineke F, C. 0. 1. S. 439 Kock 111. S. 3S. 
DebrigeiiB ■. die Znaammenstellang von Preller 8. lTS3ff. Die Prosa- 
Bchrifteri nnter seinem Kamen waren obne Zweifel alle nntergeschoben, 
s. A. SS. Die Dnterscheidong eines älteren H., eines Dichters der alten 
KomSdie, von ihm bei Snid. ist gewies ein Irrthnm. 

«7} Heineke s. A. 98. 68) Strab. XIV. 671. 

60) Anon. de com. a. a. 0. No. III. §. 16. tilinuop . . . ^äfue*os, Ev- 

70) Snid. ^iIijfiB«, Sofaiutvaios, vtot ^afuavot . ■ . ^Hfia£fv lx\ ir/c 
'AXt^ävipov ^utiXtüii, Pfaxi Mivmviqov xQÖtifct. 

71) Anon. idida^i 8i xpo xijs ptr' ölcFiauiJog. Für sein ältestes Stack 
h&]t Heineke Uea «t Phil. rel. S. XLV den 'Tiro^oIifMtos aof Gmnd von 
Clem, Strom. VI. 6S8 D. tÖ* ftirtm Känalop löv aot^irta "A^afÖTi x^ 
'Affunolpäfovi vtt£ t. i tuofunit ixallä^af tv 'TxoßoXifiatip iita>iiäSii<itv. 

78) S. A. 76. 77. 

17« 



|.;,*^tOO^[C 



260 Achtes Capitel. Die neue Eomoedie. 

seiner KoiuoedieD angegriSea hatte''), und dase dieser zur R&che 
darch einen Schar&icbter oder Soldaten seinen entblösaten Hals 
mit einem Schwerte bestreichen liess, dann aber ihn unversehrt 
entsandte"). Er starb znr Zeit des Krieges von Autigonos 
Gooatas mit den Athenern '^), des sogenannten chremonideischen, 
also™) etwa 263, im Alter von 96, 97, 99 oder gar 101 Jahren"). 
Die Zahl der sei es nun von ihm geschriebenen, sei es wohl 
richtiger der später noch erhaltenen StQcke wird auf 97 an- 
gegeben'^). Sein "EfixoQog iag dem Mereator''^, sein &r}aavQ6g 
dem Trinumnms^"), sein Odtffut vermnthlicli^') der MosteUaria 
des Plautus zu Grunde. 

Diphilos von Sinope^^, Zeitgenosse des Menandros^) und 
Liebhaber der Hetaere Gnathaena^), starb in Smyma, dichtet« 



78) Fr. 144 (Fr. ine L M.). 

74) Fiat de c<tk. ir. 8. 468 A. de virt. mor. 10. 449 E. F. 

75) AelioD. de provid. Fr. 11 Heich. b. Said. a. a. 0. 

76) S. T. Wilamowits Ant. t. Kar. S. 261. Vgl. C. 2. A. 184, auch 
Drojsen a. a. 0. IH', 1. S. 226 ff. 

77) Said, ißimac» Irr] q0', tlal 9' o1 iSyovaiv a xal p'. Paendo- 
Lukian. Macrob. 25. Imü xal htvriiiorxa fttj ßiove- Diod. XXHI, 6 unter 
Ol. 129, 2 -> 268/2 unmittelbar nach den A. 78 angef. Worten ßitiaat IttJ 
ivtf^xoVTU ivvla. üeber seine Todeeart gab es verechiedene Sagen, b. 
einmal Flut, an aeni 3. 786 B. ^tl-qnova ii tiv naiitnöv xal 'Aliiiv ixl 
tijf <ixri*iit äyovi£ofit'vovt Hirl «if^uvaofiivove b ^ävatot xaiiXaßt, iweiten« 
Suid. [hdivxjjat 9i vxo aipoSfov yiXiotos) und Piendo-Lakian. a. a. 0. 
nebst Tal. Max. IX, 12, ext. 6, drittens endlich Aelian. a. a. 0. 

78) Diod. a. a. 0. iffatpf dgäfiata ivet^*ovta imä. Said. iyQcapi ii 
MoiioiSiat ^i'y (bo Meineke) xpög l\ Dagegen sagt der Anon. wohl ge- 
nauer; ctoifrai 31 avToi äfänaxa iitxa n^ös ToCt ivevTJiuivia. Wir keimen 
noch 67 bis 69 Titel, b. Kock 11. S. 478 ff., unter ihnen 2 mjthologiBche, 
die Mjrmidonen nnd Palamedes. Ansserdem i. A. 9. 12. 

79) Plaut Herc. ProL 9. Graece haec voeatur Emporos Fhäemomi. 

80) Plaut. Trin. ProL 18 f. huie Gratet nomm wt Thaamo fabuUt: 
Philemo gcripgü. Die Vermathung von Eock II. S. 486, da« entweder 
MenandroB den BTjaavQÖt des D, in neuer Bearbeitung auf die Bühne ge- 
bracht habe oder nnigekehrt, ist nur sehr schwach begrflndet. 

81) S. Ritachl a. a. 0. S. ie9f. 272. Anm. Tgl. Eock 11. S. 601. 

82) Strab. XII. 546. Aoon. a. a. 0. %. 17. Dasa er im Lex. ed. G. Her- 
mann p. 824 vielmehr als Athener beieicluiet wird, steht dem naUrlich 
nicht im Wege. 

68) Anon, saiä tiv amöv xfävov Ididait MttävBftp. 
84) Lynk. n. Machon b. Ath. XIII. 688 f. 67» e, vgl. 679 f ff. Meineke 
I. 8. 44ti. 



i.t^iooylc 



DiphüoB. 261 

100 StBcke^^) und trat, wie es scheint, gleich dem MenandroB^} 
in ihnen zam Theil selber als Scbanspieler auf, aber nicht immer 
mit dem besten Erfolge*'). In seiner Sappfao beging er die wahr- 
hafte Grausamkeit die beiden bissigsten aller Spötter Ärchilochos 
und HippODax aller Chronologie zum Trotz als Liebhaber der 
Dichterin auftreten zu lassen *"). Seine KlrjQVviievoi waren das 
Original zur Ckisina^), seine Swaxo^ijaxovtss, tius denen auch 
die Kupplersceue in den Adelf^i des Terentius stammt, zu den 
Cotnmorientes des Plantus^). Der Vidularia desselben endlich lag 
seine X^sSia zu Gmnde, und dieser sehr ähnlich war ein anderes 
seiner Stficke, nach welchem der jRudens gearbeitet isf ). 

86) AnoD. reltvT^ Ai i* Sftv^v^. Sgüfiattt 9i «vtov «'. Wii wiwen 
nooli Ton 68 bis 66 die Titel. S. Meineke I. 8. 449—467. IV. S. STGff. 
Sock U. 8. 641 ff. 

06) WenigtteiiB oacii der Dwratellnng bei Alkipkr. JI, 4. 

81) Ljnk. ft. ft. 0. ir äyäri noxt avtir cioiiifianjotEVTa 9<föd^ df^rivai 
in tov ^tätfav avflßri »nl ovSiy ^Tto» llitiv Ttfog t^v rVa^iHvav x. t. 1. 

88) Atb. XIII. 6S» d (— Fr. 70), vgl. XI. 487 a (— Fr. 69). Eine solche 
Art von Stficken war der mittlerea Eomoedie duTchana nicht frenid, in der 
neaereii dagegen tonst wohl beispielloa. Ferner sind Ton ihm nicht «enigei 
als 6 mythologische Titel nachweifllicb: Danaiden, Hekate, Herakles, Pe- 
liaden, Theeeos. üeber seine Sprache s. Heineke L S. 447 f. Vie'Afyoia 
war zwischen ihm und Ealliade* streitig, Ath. IX. 401a (— Fr. 1), s. 
Meineke 1. S. 449 f., die 'Amolijtovea zwischen ihm und Sosippos, AUi. 
IV. 183 f {■- Fr, 18). Von Aifijaniiiiit gab es eine zweite Bearbeitung 
Evwoitot V Xi^TtmniG, i. Heineke I. 8. 46t. Eock Tl. 8. 642. Nach 
einer Eetoere war 2ievaf(s betitelt, gleichfalls io zwei Bearbeitungen (Ath. 
VI. 247 c — Fr. 74 f.), a. Meineke I. S. 467. Kook II. 8. 666 f, Merk- 
wflrdig sind die Titel nach den Namen historischer Personen: Amaatria, 
Telesias, Tithraostes, a. Heineke 1. S. 438. 450 f. 466. 467. Eock II. 
8. 666 f. Ob der En»ln6s eine Dmorbeitang von dem des Philemon war, 
wie Eock II. 8. 498. 664, oder ob derselbe nnr aof Irrthnm beraht, wie 
Heineke I. 8. 466 vermntbet, ist Beides gleich zweifelhaft, S. noch oben 
A. C. 9. 

89) Plant Gas. Frol. 81 ff. CUrummoe vocaiwr hoec eomotäia Graeee . . . 
D^/tOug hone Gratet scripsü. 

90) Terelit. Ad. Prol. 6 ff. 

Synapothtuscontei Diphili comoeditut; 
tn öraeea adtihaems est, qm lewmi eripit 
meretricein in prima fabuia; evm JPlautus loatm 
rdiguit Mteprum.- tum htc locum swnjwit gSii 
in Adtlphoe, vtrbum de verbo exprtstum extulit. 

91) Dies hat Btademnnd Geber zwei ParoUelkomSdien des Diphilns, 
Verhh. der 86. PhilologeDvers. in Karlsruhe, Leipiig 1883. 4. 8. SS— 4!. 
Ph. Wochenschr. II. 1882. Ho. 42. Dne commedie parallele di Difilo, Biv. 



i.t^iooylc 



262 Achtes Capitel. Die neue Komoedie. 

Ärcbedikos ist uns, wie gesagt^, nicht zum Wenigsten 
durch seine Schmühungen gegen Democliares bekannt. Von zweien 
seiner Stücke sind uns noch die Titel Qberliefert^^}. 

Ph i 1 i p p i d e s, Sohn des Philomelos, aus dem Demos Paeania ^), 
welcher ale Freund und Rathgeber noch nach der Schlacht bei 
Ipsos (301) am Hofe des Lysimachos lebte, viel bei ihm galt 
und zu Gunsten der Athener durchaetzte*^) und sodann zu den 
Leitern der athenischen Büi^erschaft gehörte*^), war ohne Zweifel 
derselbe mit dem schon genannten Komiker, welcher gleichfalls 
nach Art der- alten Eomoedie auch die Bühne zu seinem politi- 
acben Organ machte^'}. Er scheint hiemach ungefähr gleichen 



di Fil. 1B8S vortrefQich nachgewiesen. S. Plaut. Kud. Prol. 82 ff. priraiuii- 
dttm huic esse nomen urbi Diphitua Oi/renas votmt etc. Vidul. ProL 6 f. 
Sc(hyedi(_a haecy ttx^cataet ö> G<r)oe<«) comyo(_eäia p^oeta. Da«« aber 
der Dichtai de» 'Ovayös, dei Vorlage dei Aainaria (a. Prol. 10 f. huie est 
nomen Gratet Onago fabulae; Demophäut scripiü) nicht, wie noch Eock 
U. S. 55& nach Ritschi a. a. 0. S. S73 annimmt, von Diphilos, sondem 
wirklich Demophilog war, hat Fleckeisen Jahrb. f. Ph. XCVII. 1868. 
S. 214 f. gezeigt und schoo Bitschl Opusc. II. S. eSS selbst aoerkanot. 

92) S. A. i. 

93) ^uifUtQväratv nnd 0T]aave6t- 8. Heineke I. 8. l&8f. IV. 3. 48&£ 
Eock III. S. 276—278. Zwei Personen Bind ans ihm geworden bei Said. 
^PXf'^iKDc, )ia)fitaöc. imv ifafiäiiov avtov iatt (hieavtos viil ^tufuifciiiMaw, 
(öe 'A9^vai6s ipTi6iv iv Toit ^fixvoooipiatate. 'Af/xi^fos *ioiu»dtoffii<pos, oc 

94) C. I. Ä. II, 297. 302. Vgl. A. 96. 

96) Plnt. Demetr. 12. ^v S' h ttXtmtiitjt Avaiiiä%ov 9>£loc, aal xoUi 
Si' uvcöv & dqpog cv ixttfitv vni cov ßaatXlmt. id6%ti Ü nal Kpög tt^iir 
avtä »al nifis atfaxtiav (vw/tflolos anmn^ag iJvai aal iip^iis. Vgl. 
das Ehrendecret fOr Ph. C. I. A. II, 314. inl Ev»iov äpzovioc, d. i. Ol. 1S3,4 
~ S9e/'> (hier genauer 294), s. WilamowitE a. a. 0. 8. 246f., nnd dasa 
Droysen a. a. 0. II', 2. S, 209. A. 2. 8.324. A. 1. WiUmowits a.a.O. 
S. 25öfF., auch S. 198 f. 

96) 8. aosMi dem eben angef. Ehrendecret far ihn C. I. A. II, 314 
auch das A. 94 erwähnte ebendas. 302 unter dem Archen Oljnipiodoroe 
Ol. 121, 8 oder 4 — 294/3 oder 29^2 {Tgl. Köhler zn deme. DrojsBn a.a. 0. 
8. 273. A. 2. S, 897. Wilamowiti a.a. 0. S. 240f. G. F. Unger Philolog. 
Suppl. V. 1SB9. ä. 686 ff.) und das 7on ihm beantragte, gleichfalls eben- 
dort erwUinte für Poseidippos aas dem Demos Eothokidae ebendas. 297: 
<^n>l £<VKT^ftov>as (a. Dittenberger Hermes II. S. 293), d. i. 899,it 
(Ul. 120, 2), Tgl. Droysen a. a. 0. S. 841. A. 2. 

97) 8. A. 6. 6. 8. Freilich muas dann die Angabe bei 8nid. (s. A. 9Tt>), 
nach welcher sein Vater vielmehr Philoklea geheisaen hUte, auf einem 
Irrtham beruhen. 



h;XTOO^IC 



Archsdikos. PtulippideB. Anoxippos. Die beiden ApoUodoros. 263 

Alters mit Menandros gewesen zu aein"''') uud galt als eiuer der 
Torzfiglichsten onter diesen Dichtern"'"). Von seinen 44 Komoe- 
dien**} kennen wir noch 15^*''). 

AnaxippoB wirkte zur Zeit des Äntigonos und Demetrioa 
Poliorketes^). Von seineu 4 nachweislichen Eomoedien "'°) war 
der Keifowös nach dem Spitznamen des Oamippos, eines be- 
rüchtigten Fressers der damaligen Zeit, bezeichnet'"'). 

Apollodoros TOD Gela war ein Zeitgenoase des Menandros '"*). 

ApoUodoroB yon Earystos war dagegen beträchtlich jOnger, 
Zeitf;eno8ae des Machon'*"), und dabei beträcbtlicb berühmter''*''). 
Nach seinem 'ETttSixa^önevog ist der Pltormio des Terentius ver- 
fosst'*^), nach seiner '£xv^(^ desseD gleichnamiges StUck"*^). 

97'') Daher iet denn Tiellaicht bei Said, ^ilitatidfjs, U^ifvalos, xapiaöf 
xal avTOs T^E 'ift mo/tatiiat, tiCÖ; 9UoiiXiovs. ^v di Inl tTJs Qta' ölvfi- 
nuidoe mit Heineke L 8. 471 (la' in gna' %u verwandela. 

97") s. A. loa»-. 

98) Said, fährt fort: itlia^t na) avzös Sqä^aza ite'. 

96i>) S. Meiueke I. S. 470—474. IT. S. 467 ff. Kock III. S. 301 ff. 
Bemerket) awerth ist seine Darstellnng eines Terrückten Enripidesachwärmei« 
im ftJitvfiniiijs. Sin mythologischer Titel ist Amphiaraos, aber die F^bel 
war es schwerlich, vgl. Eock I. S. 896. Ueber seine Sprache b. Meineke 
I. S. 474 f. 

99) Snid. '^»afimrog, NmfiiMÖc zjjt viat »m^ipdias, fJKitaatv in' 'Arn- 
YÖrm %ai Jji^Jixqltiv xov IIoXiOQjfrixov. 

100) Heineke L S. 469 f. IV. S. 4a9ff. Kock 10. S. 296-301. 

101) Ath. £. 4ief = Fr. 3. 

108) VxoUÖdlU(IO£ FlUr^DE, HlOfltllÖC, aijX^OPOS lOÜ XtDfItllOÜ MivÜvSQQV. 

Sfäliaxi^avxov UxoxB^it^iä» ij ^ilättlfof, Jtv90«oiis, 'Jifitu, r^Sfifta- 
iitdioiioiäE, Vtvdaüis, Simipog, Alamlmv. Die 'liftiu war vielmehr wobi 
von dem Kar^rstier, von dem auch 'ATCoytafttgovvits angefahrt werden, und 
Aach rfofiiuanStoxoiöe und 'Anolidtovea waren zwischen beiden streitig. 
S. Heineke I. 3. 469 ff. IV. S. 4S8f. Eock 111. 8. 978—280. Bei anderen 
Stocken wird schlechthin Apollodoros citirt, s. Meineke IT. 8. 460 ff. 
Kock III. S. 288 ff 

108) Ath. XIV. S64 a. Main* 8' o SiHvm'tog ttöv uata 'AnolXidaiQOv 
tot Kaqvaiimi ■nttfuadomoun tts itxi xai avx6s. 

lOS'') AnOD. de com. in. §. 16. t^e i\ vius nm^joSiai ytyivati fi^v 
KotijxaX £d', ä^ioloyätatot 8i xmättor tfiliifimv Mevaviiioi iJiipilos #iiUn- 
*fdt]c UaiiiliiMnot [A*oUö3i0t'*S- 

104) Ter. Pharm. Didaac. Öraeca ApoUodont JSpidicatometto». Prol. 
24 ff. adporto novam EpidicaiOmenott guom vocant comoedicait Graeei etc. 
Vgl Kock m. 8. 286. 

106) Ter. Fhorm. Diduc. Figbiana: tola Graeca Apollodoru (nicht Jlf«' 
NomlrH, s. Meineke I. 8. 404). V. Tevent. Hai p. 38. fabulae eius extant 



iv.t^iOO^lC 



264 Achtes Capital. Die neue Komoedie. ' 

Poseidippos von Kas&ndreia, Sohn des Eynistos, trat drei 
Jabre nach dem Tode des Menandros, also 287 zuerst auf"^ 
und gehörte zu den vorzUglichBten Eomoediendichtem seinei Zeit, 
und auch von seinen Stocken wurden eiazehie Ton r&miscben 
Nachahmern ins Lateinische übertragen"'^. So waren allem An- 
scheine nach zwei derselben die Vorbilder fOr die Menaechm* 
und die Aulularia des Flantus'"^). Es waren gegen 30***^ und 
wir können noch 17 Titel "") nachweisen "'). 

Baton, ein Zeitgenosse des Arkesilaos und Kleanthes, wel- 
chen letzteren er in einer Komoedie angegriffen hatte'"), machte 
sich Oberhaupt, wie die BnicbstQcke lehren"*), die Verspottung 
der damaligen kynischen, atoiachen und epikureischen Philosophen 
in seinen Stücken, von denen wir noch Tier Titel kennen"*), zn 
einem Hauptgeschäft. 



quatiuor e Menandro tratulotae . . . dwte ex ApoUodoro Carygtio (Cod. 
Garisio), Heeyra et Phormio. Donati additam. ad V. Terent. p. 6, 19 f. 
Fleckeiaen. duoe ab Apollodoro trmwlatae etee iftewndir comico, Heeyra 
et Phormio, quattttor reliquae a Menandro. — Hit Recht bezieht auf ihn 
Heineke I. S. 402 den Art. b. Suid. 'AnolXöSaiiios 'AOtivaios, xcsfUMÖe. 
httoiiiet äfäfitita fi£', ivturiot t'. Wir kennen IS Titel (mit EimchliiBB der 
4 in Ä. 102 erwBhiiten). üeber die Eutstehnngizeit der Zq/anofiivti nnd 
der 'Iigtia i. Heineke I. S. 466. Sook III. S. 287. Daee der Parasit 
PhormiOD (anch im JiäpoXoe, Pt. 7) wirklich eo hieis, erhellt ans AUi. 
Yl. 244 f. — 8. Meineke I. S. 462—469 (Qbei die Sprache der beiden 
A. S. 468 f.). IV. S. 440ff. Kock IIL S. 280-288. 

106) Said. Iloctlitmtot KaaattvSfevs, vtös Kvvlatov, t^U^ itti fitti 
tÖ icXtvx^vtct zov MivavSqov iiSä^as, xoifiiKifc. « 

107) Gell II, 23, 1. comoediaa Uctitamus noatrorwn poetarvm simptas 
ae versa» de Graeei», Menandro aut Posidippo attt ApoUodoro aut Alexide 
et quibusdam item aliis comicis. 

108) Die« achlieut 0. Rihbeck Alazon, Leipzig 1B82. 8. 26. A. 1 uu 
Atb. XIT. 668 f. OB yÜQ äv ev^ol «e dovliv isva itäyrtgoy xli}v no^ IJo- 
aiiiUmcqi norm. 

109) Soid. fILhrt fort; loti di tic dfätmtu aviov ^toc tüv Z'. 

110) unter ihnen eine Arsinoe. S. Meineke I. S. 482—484. IV. 
S. 61Sff. Eock III. S. 63b S. 

111) Heber seine allerdingB Btaxk ueuemde Sprache h. Heineke 1. 
S. 484 n. C. 1. A. 6, über seine SUtue oben A. 61, über den Brief de« 
Ljnkeos an ihn C. IS. A. 8. 

112) VgL A. 10. C. 2. A, 216. US) Vgl. A. 10. 11. 

114) Vgl. Snid. Bäiiav, xtDfttxdc. difäiuna avtov Evnlattatin (Fi. b. V), 
'jltdfaipövoi (Fr. 2. 3), Evi^yiiai (Fr. 4, Tgl. C. 26. A. 199). Daza kommt 
Jltalöi (Fr. 1). Heineke 1 S. 480f. IV. S. 4M ff. Kock UI. S. 386—830. 



iv.t^iOOylC 



Poseidippofl. Batoo. Phoenikides. Mach od. 265 

Phoeuikides von Megaia Terspottete in seiner an den 
grossen [Honysien anfgeführteo Komoedie AvXritffidEs das Btlod- 
nisB zwischen Antigonos und Pyrros^"'), witkte also etwa zwischen 
290 und 260. Ansaerdem werden noch drei Stficke mit den Titeln 
angefßhrt"^. 

Machon Tön Korinthos oder Sikyon, Zeitgenosse des Anti- 
gonos von Earystos und Lehrer des Aristophanea tod Byzanz, 
also wohl noch etwas jflnger, jedenfalls ein erheblicher Dichter, 
arbeitete nicht fQr die BQhne in Athen, sondern in Alexaudreia "') 
und schrieb ausser seinen Komoedien'^), in welchen er eich auch 
nicht etwa die neuen oder mittleren, sondern die alten attischen 
im Anschluss au das denselben von Lykophron, Euphronios, 
Eratosthenes , Dionysiades zugewendete Studium zum Muster 
nahm*'^^), auch eine lustige und vielmehr „sehr salopp und 



115) Hesjch. dvvaeai «unräv; n<iät6v fpaat #«iriNi9i]« Mtyafia iu»- 
funöv voitjtijv iv äaret äiäämorta äxoimä'^ai zIjt aioxiu^^Ft]* Ofioloylin* 
«((1 inv Sialvataiv 'Airnyövov aal llvfgov ^ovldfiivov elnsäi Iv ta^ AvXri- 
t^ir tmtns x. t. l. (— Fr. 1). Es iit mit Ueineke IV. S. 509 uncl 
Droysen a. o. 0. II*, 2. S. S02. A. 1 das geheime AbkommeD tiri»cheD 
Demetrioa FoliorketeH nod Vjnoa und das in demwlbeii anebedungene, 
angläcklicli ablanfende BündnisB iwiachen letiterem ond Antigonoa Gooataa 
wider L^Bimachoa ans dem Jabre S8T (Plnt. P^rr. 12) lu verateben, i. 
Dro^Ben a. a. O. 8. SOI f. Sit f. 

116) Vgl. Snid, tfaivia^dijc, «Dfuaöc. imv ^pafMcnnv ccviov lirtt ^vXaf- 
tot, Miaoviiivai, is 'A^^utos x. 1. 1. Daio ist intwiacbeo noch Uoojtigg 
gekommen. 8. Heineke I. S.Mlf. IV. 8. 600— 518. Kock III.S.SSS-SSS. 

117) Ath. VI. 841 f. Mäzav ö xoifi^Joiiatöe i Koalv^iot fi* V ^»trm- 
not yiv6iicrQS, iv 'JXtiavd^tl^ 8i x^ ift^ tKttaßuivs xal diiämalot yev6- 
fxvog föv tarä ifKfupiiav liigäv A^unoiparoos lov f (fufifuiiiitov ' og heI 
ä^i&attv iv TJ 'AlcittvSftia, ual intyijiiajnai aviDV vm fiv^fMm' „t^ 
umi/Mdofqäipcp n. t. 1.". XIV. 664 a. Miiiov 9* ö Ei%vi£ru>s zäv fitr xazä 
UxeUöSagov töv Kafvmov TtaitaiBojioiäi' elf lait %al avzös, ov* iSlSait 
4' 'A^rt^ai ims nm^Slaq xät latnav, äXX' i» 'Ali^avditeia. ^ S' äya&öt 
xoMTT^E tt %it nüloc fi«[ä Tocg ii%tä. AoBHeidem b. C. 9. A. 60. 

118) Wir kennen ans Atb. XIV. 664 b und VIII. 845 f iwei, 'Aytoia 
nnd 'EnMTOlij mit je einem BmchstQck. S. Meineke L S. 478 — 480. 
IT. 8. 406— 40S.- Eock III. S. S84f. Im enten preist ein athenischer 
Bfl^er das leckere NacbtiBchgeiricht iianvtj, im zweiten belehrt ein leckrer 
Koch seinen ScbOler, 

118'') Die« hat, ho yiel ich weiss, saerst t. Wilamowiti Enrtp. 
Eeiakles I. S. IST ans Dioskor. Anth. P. VII, 708 erschlossen, wo V. S f. 
die Asche des M. » il|vi]£ a£iov ügialijt ItiipmiQv genannt und dann 6 f. 
so geendet wird: 



hX.OO^lC 



266 Achtee Caiiitel. Die neue Komoedie. 

modern gehaltene" Änekdotensammluug X^etai in iambischen 
Tri metein "'^ 

Epinikos ist uns, wie schon erwähnt'***), TOrzngBweise 
durch seine Komoedie Mnesiptolemos bekannt and war also'*') 
noch später in Thätigkeit, zar Zeit Antiochos des Grossen 
(224—187). Ein zweites Stttck war 'TjtoßaJiXöfisvai betitelt"*). 

Philemon der Zweite, Sohn des älteren Philemon, soll 54 
Komoedien zur Au^iihrung gebracht haben'*'). 

Die übrigen Dichter der neuen Komoedie, von denen uns die 
Namen und meistens auch ein oder mehrere Stücke bekannt 
sind, mögen hier kurz in alphabetischec Ordnung aufgeführt 
werden: Antiphon'"), Biottos'*'), Ohaerion'*'), Damoie- 
nos'"), Demetrios'*«), Demophilos "»), Dioxippos'»*^, 



tovio S' i jtfinpvs ii/ei' „Kixgoxot nöXt, xal naifä NelXa> 
ftmv Ol' iv Movaaiq Sftfko tti^me ffvfiov". 
Allzu «Örtlich wird man das freilich wohl nicht nehmen dürfen. Vgl 
A. 118. AnaBerdem s. C. 9. A. 80. 66. 69 f. C. 16. A. 6. 

119) Ath. XIII. 577 d— 683 d, welcher hier und anderweitig (a. den 
Indes in Meinekee Aueg.) betr&chtliche Brnchstücke aus ihr erhalten hat 

180) S. A. 7. 

lai) S. C. 21. A, 684 ff. 

122} 8. Meineke I. S. 181. IV. S. «>6--60S. Kock IIL S. 330—332. 
Vgl. Suid. '£«A'txOE Hol avtbi xmfMKOe. täv SqK^zatv avzov tmiv 'Tno- 
ßaUö^fvai, äs 'AOijvaios (XI. 497 a — Fr. 3). 

128) Said. (Ftl^fimv ö vtätcgos, xal aitis tuopiMÖg, vtäg <Z>U.t)fM>*(if 
Toii xiofiixav. idiSa^c 8i SgäiiuTa v9'. Wir kennen jetct eine von ihnen 
9a>iiel« ans einer attiechen Inschrift C. I. A. IIl, 976, s. Eock II. S. 640 
(Tgl. UI. 8. 760). 

124) Erat »ob der Zeit um 146, a. Meineke L S. 489. Kock lU. 
S. 866. 

126) Gleichfalle erat aua dem 2. Jabrh., a. Kock IV. 8. 866. 

126) S. wiederum Eock III. S. 366. 

137) 8nid. Jaiiä^fvos, ji^varoi, xm^tHOg. im*' iganätiBV avtov £vr~ 
if/oipoi, (of A^jjvalbt liyci iv tgitcp (lOlf ff.) ^tmroaoiptCTny, xal Jitor 
nev»äv, äs näXiv ö avzos iv IvJtxnroj (468f). Heineke I, S. 484f. IV. 
a 629 ff. Eock III. S. 848—363. 

128) Bei La. Di. V, 86 im HomonymenTcn. wird freilich ein ^iifMjT^iot 
angeführt Ö vriv äfiaCBr motupSitct' nfnoiqxiDg, aber a. Hsineke I. S. 964 ff. 
IV. 8. 639 f. Kock m. S. 357 f. 

129) 3. Ä. 91. 

ISO) Suid. jlmiinnoe 'A9i{taios, xiofiixös. ^pttfumi tcvtoi 'Avttnoi/vo- 
pooKÖs, 9iXä(iyvQ0s, 'lüzofioytiäipos, i^tadiiur£öfiivM: aui den drei enteren 
Stocken und dem Hrjoavtög haben wir noch Fragmente, b. Heineke 1. 
S. 486. IV. S. 641f. Kock UI. S. 368— S60. 



i.t^iooylc 



EpinikoH. Philemoa II. ÄjitiphoD etc. 267 

Eadgzos, Sohu des Agathokles, ein Sikelier"'), Euphron'**), 
Hegesippo»^*'), Hipparehoa"*), Paramonoa'**), Philemon 
der Dritte"«), Philoklea'"), Sogenea''«), Soaipatros""'), 
StephaaoB ^*"), Strston '*'), Theognetoe'^**), Timostra- 
toa'"), Timoienoa'"), dazu ebenao diejenigen, von denen es 
sogar uagewiss iat, ob sie erat der neuen Eomoedie oder schon einer 
älteren Zeit angehören: Alexandros'**), Athenion'"), Chari- 
kleides"'), Dexikratea'"), Diophantos""), Euangelos'^), 

131} La. Di. VIII, 90 im Homonjmenverz. iqiios (EvAofoc) Xixfliinitje, 
jttilt Aya^onlimit, itoirjzijt Maiiupäiae, vixoe fläv äatiHug iiiv tfiCt, Irjrat- 
xäc^f xirti, %utä ifqatv 'ATtollöSaQOt In XQovmoit (Fr. 9S). PoU. II, 301. 
US lAr vitar nafUHAv. Meineke I. B. 4,9i. IV. S. 608. Kock III. S. 332. 

ISS) Said. Evifi/av MPfHwöc, 'J^vaiag. xä* Sfuiuitiav avtov Alajeä, 
Movaat, 2hvi(pjtPot, Btmgoi. S. Heineke I. S. 477 f., wo er zeigt, dau E. 
auch noch oach SSO wirkte, IV. S. 4g6ff. Eock III. S. 817 ff. Vf;l. A. 139. 

1S3) Heineke I. S. 47B ff. IV. S. 419 ff. Kock lU. S. 312 ff. 

134) Suid. 'imrv^Xoe, ««ftiiiöc xijt ätf%aius nm^mdCat. i^ä^xa avzov 
TUflyaiuBv. Aberi. Heineke I. S.4ftT f. IV. S. 431 f. Kock III. S.273ff. 

13fi} Sock m. 8. 365. 

136] Durch die A. 133 erwähnte attiBche Inschrift bekannt geworden, 
8. Kocl III. S. 867. 760. 

137) DDd 188) Eock 8. 866 nod 6. 356. 

139) Viel Altar als Enphron, vielleicht also noch Eor mittleren Komoedie 
gehörig, B. Heineke I. S. 477. IV. 8. 482ff. Kock III. S. 314 ff. 

140) Entweder dee Alexis oder wahrscheinlicher des Antiphanes Sohn 
(i. Snid. 'Aliiie. faxt S' vthr Etitpavov *ctl avxov xo>fi(xdv und dagegen 
Anon. de com. No. HI. §. 14. xäv 8% »m^aSiä* ovtoö [n&ml. 'Awtifmravs] 
xitat xal £ Ztitpavot IdÜtaitv) und Verfasser der Komoedie 9iloXäitiav. 
3. Heineke I. 8. ABbt IV. S. 544. Kock lU. 8. 3Ö0f. 

141) Said. Stfäxav, «mfiixög t^g ftiai]! umtuaSint. t£v igaf^äxav txvtoi 
ijv «o/pig. Aber der Titel war ^ivmiStit (Ath, IX. 388 c), nnd b. Heineke 
I. 8.42flff. IV. 8. 646 ff. Kock III. 361 ff. Vgl. anchC.4. A. 26. C. 14. A. 101. 

143) Said, ^sö^viiioe, xwfHNÖe. läf igafiäxaiv avtov tan ^«fM q 
tiläi/yvfos, SivzavifOt, töc 'A&qvaios iv ^iimioaaipi&tals (wo sich aber 
jetzt der Ktrt. nicht findet). 8. Heineke I. 8. 487. IV. S. G49f. Kock 
m. 8. 364 ff. 

143) Heineke I. 8. 499 f. IV. 8. 596 f. Eock 111. S. 365 ff. 

144) Kock m. 8. 866. 

146) Heineke I. S. 487 f. IV. S. 663 ff. Kock III. 8. 372ff. 

146) Heineke I. 8. 489 f IV. S. 667 ff. Kock III. 8. 369 ff. 

147) Heineke I. S. 490, vgl. S. 423. IV. 8. 656. Kock 111. 8. 898f. 

148) Said. /ft|iX9(it<]c. ovfoc 'A&7)raias HiofHKOe. ^pctfun« avtov ctaiti 
'Tip' tamän ulavciptroi, Sg qnjaiv 'A&^vaiog (DI. 424 b). Heineke I. 
8. 492. IV. ß. 671. Kock III. 8. 374 f. 

149) Heineke I. S. 492. Kock III. 8. 376. 

160) Heineke 1. 8. 492. IV. S. 678 f. Kock III. 8. 876. 



iX.OÜglc 



268 Achtes Capitel. Die neue Eomoedie. 

Eiimedea"')- Kallippoa"*), Krobylos'"), Laon'"}, Lexi- 
phaoes"»), Menekrates '**), Nikolaoa"^, Nikomaclios"*), 
Nikon'^"), Philoatephanos'«*), Polinchos'*'), Sosikratea'»*), 
Thugenides'"), Xenon'"), üeber Lynkeua s. C. 18. 

Im Ganzen Boll sich die Zahl dieser Dichter auf 64 be- 
laufen haben, von denen MenandroB, Philemon, DiphiloB, Philip- 
pidea, Poseidippos und ApoUodoroB (von Kaiystoa) als die be- 
deutendsten galten ^^). Die eigentliche Blütezeit reicht nicht 
über die drei ersten Ptolemaeer hinaus. Die grosse Fruchtbar- 
keit dieser Dichter und namentlich der drei erstgenannten er- 
lüärt sich aber, wie zum Theil schon angedeutet worde, zwar 
nicht ausschliesslich, aber doch theilweise durch ein gewisses 
„fabrikmässiges" Arbeiten derselben, indem sie sich vielfach 
wiederholten und immer neue Variationen über dieselben Themen 
verfassten, dergestalt, „dasa die gleichen oder ähnliche Motive 
und Terwickelangen und ähnliche gehäufte Wunderlichkeiten des 
Zufalls in einer grosseren Anzahl von Komoedien wiederkehrten, 
so dass nur die Verwendung jener Motive virtuos Tariirt und durch 
Beimischung ergötzenden Scherzes und durchdachte Charakter- 
Zeichnung der auftretenden Personen dem Geschmack der Zuh5rer 
anfiepaBst zu werden brauchte"""). So spielt in den moralischen 

161) Kook m. 8. 877. 

162) Meineke I. S. 480. IV. S. 661. Kock III. S. 879f. 
163)MeinekeL S.490f., vgl S. 476. IV. S. 666 f. Sock III. S. STSfi. 
164) Meineke I. S. 492 f. IV. S. 674. Kock UL S. S82. 

166) Meineke I. S. 493. 

166) Snid. Mevc%Qii%Tit Ttaifuttös. Sfäpaxa «vioö MtriinaQ ^ 'E^fuovcvc. 
S. hierabei Meineke I. S. 493 f. 

167) Vielleicht ist er gans zu «treicheu uod die beiden ihm loge- 
Bchriebenen Bruchstücke vielmehr dem Nikomachos nunneiien, jeden&lU 
ist er nicht mit Nikolaos von Damaakoa, der eich freilich auch in Eomoedien 
venachte, ta verwechseln, s. C. 8S. A. 364. Meineke I. S. 496 f. IV. 
S. 679 fr. Eock III. 8. 883 fF. 

168) Seine StQcke aind bei Said, in die des gleichnamigen Tragiken 
hineiogerathen , s. Meineke I. 8. 49dff. IV. S. 688 ff. Eock III. S. 386 ff, 

169) Meineke I. S. 496. IV. S. 678. Kock UI. S. 889f. 

160) Meineke I. 8. 49S. IV. S. 68». Kook UI. S. 898. 

161) Meineke I. S. 498. IV. S. &89f: Kock IIL 8. SSOf. 

162) Meineke I. S. 49Sf. IV. S. 691 f. Sock IIL S. 89lff. 

163) Meineke I. S. 499. IV. 8. 693 f. Eock ni. 8. 877 £ 

164) Heineke I. 8. 600. IV. 8. 696. Kock S. 890. 

166) s. Ä, l03^ 

166) Stndemnnd Verhh. der 86. Philologenvers. 8. SSC 



l,*^TOÜglC 



Neontaa Capitel. Die Tragoedie. 269 

Schauspielen die Yerwickelung durch ScbifTbruch aod Seeraab 
and die Löeang derselben durch Erkennung mittels gewisser, 
aach sich öfter wiederholender Eonstgriffe eine Hauptrolle. 



Neuntes Capitel. 
Die Trasoedle. 

Ueber keine poetische Gattung dieser Zeit sind wir so un- 
vollständig unterrichtet wie über die Tragoedie. So viel steht 
wohl fest, dass das Theater in Alexandreia spätestens unter 
Ptolemaeos I erbaut ward'), und wenn er auch den Menaudros 
vergeblich dorthin zu ziehen suchte'), so scheint es, wie gesagt, 
doch, dass Fhilemon sich wirklich eine Zeit lang dort aufhielt*). 
Yermuthlich stiftete dieser erste Ptolemaeer auch bereits jene 
regelmässigen tragischen Wettkämpfe an den Dionjsien, die uns 
ftlr Philadelphos ausdrücklich bezeugt sind*). Die Litterarhistoriker 
oder Philologen der späteren Alexandrinerzeit stellten die ihrer 
Meinung nach ausgezeichnetsten tragischen Dichter dieser Periode 
bis znm Schlüsse der Regierung des letzteren zu einem tragischen 
Siebengestirn, einer Pleias, zusammen^). Sie waren theils in Alexan- 
dreia ansässig, theils Gäste, theils vielmehr f3r die Bühne ihrer 



1) Welcker Qnech. Trag. 111. S. 1242. 

3) S. C. 8. A. 88. 8) B. C. 8. A. 74. 

4) Theokr. Id. XTII, 113 ff., wo ei heisst, dass dieser jeden tragischen 
Diolitet, welcher sni Tbeiliiabme an denBelben kam, fStatlicb belohnte. 

5) Strab. XIV. 6TB (s. A. 65 u. vgl. C. 16. A. 66). Hepbftest. p. 67 f. 
4CU»oe ö KtQKvgatos, ttf mv t^c nittädat *. t. 1. u. duu Schol. A p. 181 f. 
Weitpb., wo p. 182, 2 ff, die eine Liste mit Dion^nadee and Euphronios 
■teht, ». A. 68, dum Z. 9 E (dies ist aber vielmehr Choerobosk. &xeg. in 
Heph. p. 74, 9ff. HOrsohelm. in Studemand nad R. ScbOU Anecd. I. 
Berl. 1886, beiiehaogsweise nach HCrschelmann Rhein. Hus. 5XXV1. 
1881. S. 291 ff. aach Scbol. B), die andere mit Sosiphanei and Aeantidea 
an Stelle von ihnen: ivtios an 1x1 täv xQÖvar Tlxaltpaiav xov iiXuSflifov 
lutä Sgieiot ftydvaat zuaynol, ovt IltttäSa inältaav dia lö lafixpove 
11*0:1 Iv T§ i^ayixj de ti Soxfa zfis nitiäSos. tlai Ü oviot' "Ofiijfo;, 
ovi ö «oiijnfc («t(l lenyixiöv yäp i l6'/oe), alt' i Mvfovs i^g xouit^s 
vüg T^s BvitivtCas, *al Staeiftfoe koI .^11x09^1' xal 'AXi^afSiios, AUtvtiä- 
Stk, Zmaufäviis xtrt ovxoq ^ilittot, jedoch mit einem auf die erstere ver- 
«eisenden (nach fiDrschetmaDii a. a 0. in Schol. 6 fehlenden) Zusati: 
Tirie K. T. Ü. , a. A, 58. Said. 'AH^aviooe AizmXös. diorvauiä^t- Avxöipfiov. 
"ÜiiTlQos 'Avdeoftäxnv, £oipo*X^s 'A^Ttraios. 2koaupdtr^s. SataCfftog. #i1(«xoe 



„i.,ooylc 



270 Nenntes Capitel. Die Tiagoedie. 

Heimat thätig, theib für die athenische und ayraknaiaobe, wenn 
auch nicht itir diese allein. Ueber den Sechsten und Siebenten 
war man streitig. Ausser Alezandros dem Aetoler waren es 
folgende : 

Sosiphanes, Sohu des Sosiklea, yon Sjrakna, ohne Zweifel 
der älteste dieser Dichter *). Unter Ptolemaeos Philadelphos 
können höchstens seine letzten Lebensjahre gefallen sein, und 
dies war wohl auch der Grund, wesshalb er von Einigen nicht 
mit zur Pleias gezählt ward, da man im Allgemeinen eben nur 
Dichter aus der Zeit dieses Königs zu derselben rechnete^). Man 
hatte von ihm 73 Stöcke, und er trug siebenmal den Preis davon. 
Wir haben nur ein paar Fragmente, unter ihnen eins aus seinem 
Meleagros""). 

Sositheoa aus Alezaudreia in Troas blQhte um Ol. 124, 
also etwa 280 und ward auch als Syrakuser and Athener be- 
zeichnet"), und dass er auch in Athen lebte und wirkte, wird 
uns sogar ausdcDcklich berichtet*). Ein Gleiches wird also für 
Syrakus anzunehmen sein, vermuthlich unter Hieron II. Es wird 
ihm nachgerühmt, dass er das von und seit Sophokles städtisch 
verfeinerte Satjrdrama wieder zu seiner alten ländlichen und 
urwüchsigen Derbheit zurückgeführt habe"*). Dass dies indessen 
doch keineswegs eine blosse Erneuerung des Alten war, scheint 
sich aus der ganz dem Geiste des alexandrinischen Zeitalters 
entsprechenden Benutzung der Hirtensage in seinem „verfeinerten 



Kt^nvfiaiof. V. Ljcoph. p. 149, i ff. Atb, XIV. 6Ma (a. C. 8. &.. 117) nennt 
Hie oC imA. Uebrigene a. Naeke Schedae criticae, Halle 18IS. 4. OpoK. 
I. S. 1 ff 

6) Suid. SaiaKp. lyivczo i' inl täv ztXtvtaiaiv f^irmv ftl/cxoti, oi 9' 
'AltiävSfov toi MextSivoe. Dann iit verderbt Qberliefert TclFtrrä 4* «»' 
ölviiiiiäit, o'i S' i}i9', <a 9' &*fiä<iai aithv yijätfiiyoaiv. Alle VerbeaserangB- 
veisDcbe «ind unsicher, b. Bernfaardy ond Westermann b. d. St 

T) Cboerob. a. a. 0. inl xAn xqotav IlxoUtutiov xov 9Hadil(fiov, vgl 
ancb A. 68. 

7") Nauck F. T. G.' 8. 688. >S. 819ff. 

8) Snid. Zto<ii9ios Zvnaxovaiot ^ 'A^Tjvttrot, lüUov 9' lllt^at^gsis r^ 
Ttfmi-icijs UlttavBfiias. 

9} Et Boll den im Theater anwesenden Eleanthee mit Nennung aeinei 
Namens in einem Verse angegriffen baben und dafür vom Publicum tnm 
Verlassen der Bübne gezwongen sein. Denn das soll doch wobl t^ißatof 
heisaen, Laert. Di. VII, 173. Denkbar iat dies in einem Satfrdrama, wenn 
et Beibat mitspielte nnd dabei jenen Vera einlegte, 

10) Dioekorid. Kpig. 29 — Anth. Pal. VII, 707. 



byGOÜgl 



SoBiphuies. Sogitheoa. Homeroa. 271 

Satyr- oder Schäferspiel" ") Oaphnis oder Lityersea zu er- 
geben, in welchem er die aikeliache Legende von Daphnie mit 
der phrygiBchen Ton dem Unhold Lityeraes Terscbmolz, und von 
welchem wir noch ein längeres Bruchstück von 21 Versen nad 
ein kflrzeres besitzen"). Von seinen Tragoedien kennen wir nur 
einen einzigen Titel Aethlios "). Auch prosaische Werke soll 
er geschrieben haben'"'). 

Homeros, Sohn des Andromachos und der Dichterin Myro 
oder Moero"), ans By^antion, Grammatiker und Tragiker, blOhte 
nm dieselbe Zeit und schrieb 45 Tragoedien'^), bei deren Äb- 



11) Bernhard; Gr. L.-O. 11', 1. S. 69. 7&. Daaa ee ein eigenUiches 
SatyrdTama gevesen sei, wird ireilicb nicht gesagt ond trifft aach nicht 
ZU: ea war vielmehr eine die Stelle desBelben vertretende Tragoedie, wie 
0, Jahn Henn. III. 1869. S. lee f. bemerkt, „nach dem Zaechnitt der 
enripideiBcheu Alkestda, aber derber". Nach theilweiaem Vorgang von 
C. F. Heimaan De Daphnide Theocriti, aott lge3. 4. S. 6 „hat 0. Jahn 
a. a. 0. die Fabel dieiea Stflcka aebr ichOn bei Serv. ad Verg. Ecl. VIII, 6S 
wiedergefnadeD ". (Knaack). Der trene SclÄfer Daphnis, der mit Litjereea 
den Wettkampf im Muhen beetchen mnaa, findet Hfilfe bei Herakles. — 
Im üebrigen vgl. LQdera Die dionja. EQnstler 3. 108: „Indeseen dem 
verwelkenden Baam der dramatiacben Dichtung lieu «ich am wenigsten 
mit Erfolg ein mit gelehrter Komik gesogenes Reis aDQ;>fropfeni von hier 
ans liess aich am wenigsten ein neuer Aufechwung erwarten". Ueber den 
veAnderteo Charakter des späteren Satjrspiela, der sich sehr deutlich auch 
■choD in dem Menedemos des Ljkophron (s. A. 2S) zeigt, s. ebendensellien 
S. 104. 

IS) 8. Nauck P. T. G.' S. «89 ff. 'S. 831 flf. Fr. 8. 8. Das erstere int, 
wie 0. Jahn bemerkt, die Darlegung der Situation, mit welcher Daphnis 
den Herakles orientirt. 

13) Fr. 1. „Die Krotosfabel Fr. G läast sich nach den Zusammen' 
stelloDgen bei Robert Eratosth. catast. rel. S. 16 ff. 33 f 160 f. recon- 
stniiren". (Enaack). 

13^) Snid. a a. 0. ygä\lias di Mal xoirjftuta xttl xataloyaSiiv, 

14) S. über diese C. U. A. 24—30. 

Ifi) Suid. OiiTjfos 'Afdfaiidxov kuI Mvgavt Bti£i»vtCas, yqaftfmitiwt »orl 
^gaytpditÖv natrjT-qt . . ■ ^x^ufM' nXvitxtiiSi päd', l-ftfa^pt Si Xiay^Slai pt'. 
Vgl. 2jBa{»tce, B. A. 16, In V. Lycoph. p. 148, 6 f. West, werden ihm viel- 
mehr 47 Dramen beigelegt: 't)fi7](ios i viot r^aytxis, ö 'AvSiioitd%ov Bvfav. 
uot, dt Sfäjiaia iitoifjat fj£'. Prokl. od. vielmehr Tzetz. Vit. Hes. p. 48, 
76 f. (p. 6, 15 Oaisf.). ovtos i vtaTtgoe "Ojiriifos ijv nuit 'AfSgOfiäjov, nü 
yivii Bv^ävTios, a. Ä. 17. Dagegen wird bei Steph, ' liQttjtoiis nnter den 
berühmten M&nnem ana Hierapolls in Karien ö vios 'OfiTjpoe aufgeführt, 
aaä es kann doch kaom ein Anderer gemeint sein, aber s. anch A. 16. 
War rielleicht sein Vater von dort gehOrtig? An eine Verwechselung mit 
"Obligos X^llioc (8. C. 8. A. !8) iat doch wohl kaom tu denken. 



iv.t^iOO^IC 



272 Neantee CapileL Die Tnigoedie. 

fassung er sich, wie schon gesagt ward, theüweiBe der Unter- 
statzung dag Timon erfreute. Ohne Zweifel wirkte er mindestens 
zum grosBen Theile fQi seine vaterstädtiscbe Bühne "). um 
seinem Namen Ehre zu machen, dichtete er aber auch ein Epos 
Earypfleia*^. Seine Vaterstadt liess ihm später eöne Statne 
errichten'*). 

Lykophron von Chalkis auf Euboea, Sohn des Sokles und 
Adoptivsohn des Geschichtschreibers Lykos von Bhegion^), wnrde 
etwa Ewischen 330 nnd 325 geboren***). 8ei es nan, dass sein 
AdoptiTvater nach Chalkis ausgewandert war, sei es, dass er 
diesem fQr eine Zeit lai^ nach Rhegion folgte und dann wieder 
in seine Heimat zurQckkehrte, jedenfalls gehört dem Boden 
Euboeas und vielleicht, wie man bei der nahen Nachbarschaft 
wohl annehmen darf, auch Attikas, wenn nicht seine ganee 
dramatische Thätigkeit, so doch mindestens ein Theil derselben 
an. Denn nicht bloss h&ren wir, daaa seine Tragoedien dem 
Menedemos sehr gefielen^'), sondern überdies ward ohne Zweifel 
in Euboea oder Athen sein Satyrspiel Menedemos gedichtet 
nnd aufgeitihrt, in welchem er in launiger Weise den Verkehr 
der Schüler dieses eretrischen Philosophen, zu denen er wohl 
einst selber gehört haben mochte, mit diesem ihrem Lehrer be- 
handelte"). Die Zahl seiner Tragoedien wird entweder anf 64 

16) Denn jene Unterstützung des Timon kann, wie Wilamowiti 
Antig. T. E. S. 166 bemerkt, docfa wohl nur Statt gefnnden haben, all 
dieaer in jenen Gegenden lehrte. Tgl. C. 2. A. 613. 627. Doch iit es sehr 
möglich , dass H. später auch in Athen anffOhtte, Dafür spricht vielleicht 
Suid, Zkoalfftot . . . ävtayaymitjjt 'Op.riitav tov tpaymo« loö vCov Mvfois 
lijt Btituvtiat, a. A, 9. Vgl. auch Wilamowiti a. a. 0. A. 17, 

IT) V. Hes. nmnittelbar nach den A. 16 angef. Worten: 6 vi/p Evfo- 
^üleiav voijjaas- Vgl. Tcetz. e. Hesiod. W. o. T. 236. 

18) Die Chdstodoros (Anth. Pal. II, 407 ff.) sah. 

19) Suid. AvTi6ipftav . . . 9f<iti Si Amov tov 'P^ylvov, vgl. V. Ljcoph. 
p. 142, 1 f. vlos 2!0%lLiovt ^ Avitov rov tatoQixov »axä nifaf. — „Hedjlot 
feiert b. Ath. XL 178 a einen gewissen Sokles, den er mit Asklepiades 
vergleicht. Bergk Zeitschr. f. d. Alterth. 1811. S. 90 vermnthet nicht 
Qbel, dasH dies der Vater des L. sei, der dann also tlaiyvui gedichtet 
hätte". (Enaack). 

SO) Da er bei der Abfassung der Alexandra (s. A. 86) doch wohl 
mindestens schon SO Jahre alt war. 

21) (Antig. V. Kar. b.) Laert Diog. II, 183. i)a«ä£eiD ii nal'Aftnop 
»dl AvTiöqiifova tov t^g zgay^dias itotqT^v »al xiv 'Pöduni 'A9tay6iiaw. 

ii) DoTch Antigenes von KarTstos bei Ath. X. 419 e ff. njid La. Di. 
11, 140 (vgl. aach Ath. II. 66 c. d) sind diu mehrorfl Verse erhalten, in 

D,j-,., iiv.t^iOO^lC 



Lykophron. 273 

oder auf 46 angegeben ''); wir haben noch ein Yerzeichniss von 
20 Titeln"), aus welchem wir wenigstena so viel ersehen, dass 
eins dieser Stücke, die Easandreier, seinen Stoff allem An- 
scheine nach aus der jQngsten Geschichte nahm*"). An Bruch- 
stücken ist nns aber nur ein einziges ans den Pelopiden ge- 
blieben**}. Nachweislich aus dieser früheren Lebensperiode Lyko- 
phrons stammt auch seine uns erhaltene Alexandra*^), deren 
Entstehung man wohl ziemlich genan etwa um 295 ansetzen 



welcheo Silenoe den Satjm mit frischem Homor seine Bewirthnng bei 
Menedemoe schildert. Dann aber folgt 420 c nocb ein Bmchstdck, welches 
eingeleitet wird dorch tatogtttai, wozd Wilamowitz a. a. 0. S. 100. Anm. 
bemerkt; „d. h. m dem Stücke.- dies war also wohl nicht mehr in der 
Rede de* Seilenos". Nicht eine VerepottuDg (Atb. &ö d. litl tiatafua^^att 
. . . 9ia<i%iixttBt) dioBea Philosophen, eoDdem eine Verherrlichung (ly«ra- 
fuo* La. Di. a. a. 0. nach Antig.) desselben war das Drama, natOrlich Ter- 
biümt mit gntmUthigem Scfaers nnd harmloser Neckerei. 

23) Tzetz. in L;c. p. 2ÖS. STO. 

S4) Bei Said, ia alphabetischer Ordnung: AläX^i, 'Avdfofkiia, 'Alfiziii, 
AtoXlijis, 'Elf tpijvinf , /{(laxl^c, 't*itai, ' IitJtoXvxot , KaaaavdftCs , Aäiog, 
MitQa^äviot, Navnliot, OiSiaovs a' ß', 'Ofrpavös, UtvOcvt, UrloniBai, 
Ziififiajoi, TfiXiyovot, Xtvauntot- #(ooxe«^ 8' tetXv l* roötoir i NavxXiot. 

26) Niebabr El. Schrr. I. S. 4G0 (vgl. A. 47): „Der Inhalt dieses 
Stückes kami nur das Schicksal der UDglücklichen Eassandrenser unter der 
Tyrannei des entsetzlichen ApoUodoraH sein, dessen Herrschaft erst nach 
280 geendigt haben kann". Vgl. Welckei a. a U. Hl. S. 1268: „Aach 
die Bnudesgenotsen, ancb der Waise . . . konnten solche geschichtliche 
Tragoedien sein". 

SC) Bei Stob. Flor. CXIX, 18 — Fr. 6 Nanck. Besonder« lange haben 
die Dramen des L. ihren Urheber also wohl nicht überdanert. 

27) y. Wilamowitz-MSllendorff De Lycophronis Alexandra, Qreifs- 
wald 1883. 4. S. 4: „Quamqvam JAjcophro in rararum oocum aucwjno iam- 
hico» It/rieos tragieos poetat naviUr perluslramt , comoediiu tarnen give Atticne 
tive Situtlae nulltua Studium apparet. atqui tum qui in admittatdit obioletis 
et jilebns vocabidit tarn non castus fvit, \U Hipponactea admitttrtt, tum eti 
probabüe Arislophattea consuUo aprecisae. credideria igitur AUiandram ante 
eomica I-yeophronia studia eompoMam eise, dtinde qui tot tarn reconditas 
fabuku tetigit, qui OraeeoTvm erroret per lonium Tyrrhenumqite mare, per 
Thraciam et Oifprum peneeutut at, Aegyptiaca sprevit. nam quad Inopum 
AegypHum voeat (676), Delta potius est fabula, Menelai errore» Pharum 
Alexandrinum praetereunt, ipge Proteus inde in Chaäcidicen tranafertur (US), 
nihil de Canopo, Zephyrio Locrorum Aegyptio, Memnone Memphite, nihil 
ultra Herodotam de lo leide (1298) , nihil drnijue in Ptolemaeorum graliam. 
V^ AUxandrum habemu» PhHippi Olympiadisgue fiiiutn: Alexandrinia Ata- 
monia füiua erat, deas ipse. profeäo Alexandrinum eanten AUxandra non ett". 
Ancb die groben geographischen Irrthümer fibec ägyptische Localitäten 

SfgHim., grlsch.-nlai. Mtt..G«ab. I. 18 



ivXtOO^IC 



274 Neuntem Capitel. Die Tragoedie. 

darf'*)- Später uogeföhr um 285 oder 283 ward er nach Aleian- 
dreia, wo damals allem Anscheine nach sein AdoptivTater seit 
geraumer Zeit bereits lebte''*''), benifeu und damit beauftr^ 
die Ordnung der komischen Dichter in der grossen Bibliothek 
zu übernebmeo'^). Diese Thätigkeit gab ihm sodann den An- 
stoss zu seiner Schrift „Über die Komoedie" (TCiffl xco(ip8ias) 
in mindestens 11 Büchern'"), der ältesten Arbeit dieser Art Die 
Fr^mente lassen erkennen"'), wie weit damals die philologische 
Betrachtung und Kunst noch zurück war. Ausserdem erfahren 
wir, abgesehen von einer Sage in Bezug auf seinen Tod"), Über 
ihn nur noch, dass er sich bei Hofe als geschickter und galanter 
Anagrammatist beliebt zu machen verstand^, was bei einem 
Manne, welcher sich in den Räthselspielen der Alexandra geübt 
hatte, nicht eben Wunder nimmt. Die Alexandra trägt scheinbar 

676. 848. 1027, deren eine Eallimachos Fr. 13 berichtigt, weiaeo, wie 
WiUmowitz S. 12 hervorhebt, zweifellos anf ein Gleiches hin. Änsaer- 
dem B. A. 28. 34. 39. 

28) FQr die rOmiechen Aogelegeuheiten (doch b. A. 47) aai Kr das 
Geographische namentlich von Italien und die Ansiedln ngsgeschichten der 
Colonien am sikeliBchen und ioniBchen Meere ist, wie Klangen Aeneas 
nnd die Penaten II, S. 580, Schwegler Rüm. Gesch. I. S. 413. S. 200, 
A. 7. S. 263. A. 3. Mflllenhoff Deutsche Alterthnmskunde I. S. 433— 
436. 466 f. (vgl. auch Maasa De Sibyllarnm indicibus, Oreifawald 1879. 8. 
S, 36 f.) gezeigt haben, Tiinaeos die Qnolle (s, darüber aach C, 31. A, 296 
und jetzt auch Euaack Callimachea S. 11), welcher an seinem groesen 
Geschichtgwerk von 310 bis etwa 262 arbeitete (s. C. 21. A. 286. 238. 239) 
und daher schwerlich g(;hon vor 300 , wahrscheinlich aber erst etwas später 
die ersten Theile deeaelben besonders herausgegeben haben wird, vgl. 
Wilamowitz S. 11. Audrerseita sind der Altar des Dosiadas nnd die 
Sjiinz des Theokritos, ant welche die Alexandra bereits eingewirkt bat 
(s. A. 39), schwerlich viel vor, aber auch schwerlich nach 292—890 cd 
setzen, das gleichfalls von ihr heeinflnsste Beil des Simias aber wohl schon 
etwas früher, s. C. 4. Ä. 7-10. 28, 29. 40. 48-60, vgl. auch C. 10. A, 6. 8. 

28'') S. C. 21. A. 118. 114. 

28) S. die Belege C, 4. A. 75, Vgl. C. 12. A, 14. 

80) Das 11. wird citirt bei Ath. XI. 486 d. 

31) Wie dies Strecker De Lycophrone Euphronio Eratostbene comi- 
coruu interpretibus , Oreifswald 1884, 8., der sie gesammelt hat, 8. 4 fF. 
genauer ausführt, üebrigens vgl. C. 16, A. 88''. 

32) Ovid. Ib. 629 f. Ulque cotkumatwa cecidisse Lycophrona narramt, 
haereat in fibris fixa sagüta tuis. 

33) T. Lycoph, p. 143, 12 ff. nvioMi^ii . . . Siä lö Uytiv äva-ffamta- 
iiofioog, olov on Jlrolfftafos äno ftfliiog Itysi fiftii}'pafi(wint£ofiFv(i>'i 'AfSi- 
iiöij d' ~HQag tov, Mrel üfiotd loiorvto. 



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Lykophron, 275 

die Form einer tragischen Scene, einer Botenerzählung, deren 
Sprecher dem Priamos nach voraufgeschickter Einleitung (1—30) 
das Äoftreten und die Weisst^ung der Titelheldin") mit deren 
eignen Worten mittheiit und dann wieder seine eigne Schluss- 
bemerknng (1461 — 1474) macbt^); aber Sprache und Versbau 
lehren, dass trotzdem das Gänse vielmehr ein lambos ist'^^). 
Es ist ein höchst wunderliches und abgeschmacktes, absichtlich 
dunkel gehaltenes**^ Schaustück mythologischer, historischer und 



34) Bei der Abreise des PariB Qber den troiscben Krieg, 31—407, die 
IrrfahrleD der heimkehrenden Griechen und die ans denselben herror- 
geheoden ColoniegraudaDgen beeonderB in Unteritalien nnd Sikelien, 408— 
1089, die Schickeale der heimgekehrten Achaeec, J099— 1122. 1214—1226 
(i. Wilamowitt a. a. 0. S. 6), die Ebien de« Agamemnon, der Alexandra, 
der Hekabe, dee Hektor, des Aeneiaa nach ihrem Tode, 112S— ISIS. 1220— 
1280, lind die fernereD Kriege Ewiachen Orient und Occident, 12S1 - 1460, 
nebet Epilog der Alexandra 1451 — 1460. Das jüngste erwähnte EreigoisB 
iit die Ermordung von ücrakles, Sohne tod Alexandroa dem Grosäen und 
der Barsine, dnrch Polytperchon (und Kaeandros) i. J. 309 (801 ff.). 8. A. 47. 
Ea ist aber, wie Wilamowitz Ü. 10 femer hervorhebt, wiedernm be- 
zeichaeod, dass L. von dem Antheil des Katandros an diesem Morde -nnd 
TOD allen anderen G(:waUthati.'n des«elben gegen da« angeslammte makc- 
douiEche Herrecherhans schweigt; er fShlt sich eben aU Unterthanen der 
dnrch diesen begrOndeten Herrsctiaft: da» Gedicht passt alio lediglich nach 
Chalkis, weichet lILngBt nicht bloss Provinz, sondern auch ganz besonders 
eng (b. Wilainoniti Ant. v. Kar. 3. 141) mit diesem Keich verknitpfte 
Provinz von Makedonien war, nnd in eine Zeit, in welcher jene durch 
Kasandros begrQndete Herrschaft noch nicht ausgetilgt war, vor den 
GallierB türmen und dem Feldzng des Pjrros gegen die HOmer. 

35) Diesem Sclieine folgt Spiro L'rolog und Epilog io Lykophrona 
Alexandra, Hermes XXIII. 1887. 8. 104—201. Er bemerkt mit Recht, dana 
der Ton in Einleitung und Schluss wesentlich anders gehalten iat alH in 
der WeisBi^ng. Eratere steigert sich erst allmählich snm Orakelton, so 
dass der erste Theil, die Ankündigung des Berichts (1—15), gat keine 
Schwierigkeiten darbietet, wenn auch im Veclaof desselben Bchon einzelne 
Glossen auftreten, während im zweiten, dem Beginn der Erzählung bis znr 
Varfflhning der Alexandra, auch bereits entlegene Eigennamen erscheinen. 
Auch der Epilog der Alexandra hebt sich von dem, Stil der Weiasngung 
ähnlich ab, nnd vollends der des Berichterstatters trilgt, abgesehen von 
gloBsographischer Umschreibung der Eigennamen , wesentlich nur einen 
pathetiachen Charakter an sich. Die genaaere Ausführung muss man bei 
Spiro nachlesen. 

35») S. WilamowitE Enrip. Eerakl. I. S. 136. 

36) Suid. ro axotfifOf not'ni"'. Stat.' Silv. V, 3, 167. lattbrnaque T^a 
pAronis ofn {arti Bährena). 

18« 

D,j-,., iiv.t^iOO^lC 



276 Neuntes Capitel. Die Tragoedie. 

litterarisch- sprachlicher Gelehrsamkeit ^^''), im höchsten Grade 
gesucht und künstlich im Ausdruck, voll hochtönender Composita 
und seltner und alterthtlmlicber, ans allen möglichen Dichtem 
mit Ausnahme der Komiker zusammengelesener Wörter und dabei 
andrerseits wieder mit neuen „hellenistischen Missbildungen" 
durchsetzte^. Aber gerade dieser Charakter des poetisch un- 
geniessbaren Gedichts machte dasselbe zu einem Gegenstand 
eifrigen Studiums für die gelehrten Dichter uud Philologen von 
Lykophrons jangereu Zeitgenossen ab durch die folgenden Jahr- 
zehnte und Jahrhunderte, so dass es sogar fQr die yorgerDckteren 
Knaben in den Schulen als grammatisches UebuDgsbuch benutzt 
ward**). Die ältesten Spuren von Einfluss und Nachabmuug 
finden sich schon in dem Beil des Simias, dann in dem Altar 
des Dosiadas und der Syrinx des Theokritos^^), weiter zeigt sich 
die Einwirkung des Gedichts bei Kallimachos*") und besonders 
bei Lykophrons Landsmann Euphorion, dessen eignem Geschmack 
es ausserordentlich zusagte'^). Daraus erklären sich denn auch 

36>>) Artemid. IV, Ö3, a. C. 4. A. 114. 

ST) 3. den Tortrefflichen Iudex von Scheer und vgl. A. £7 und 46. 
Kobze De dictione LjcophroniB, Haneter 1870. 8. Alei. in Aristot. Top. 
p. 809 (Schol. in Äriatot. 287'' 17): Xiitit . . . afois h AvHOipimy zq^tbi, 

38) Clem. Sttom. V. 611 C. Ev<poQitiv ö noii}t^t «^^ Ktiüipäxov 'ißi^ 
Stil xä Ahta xnl i) Av*ö<fQO*i)t 'AXiiavB^u «ul tä Toiiroie »ttpaitl^oia ytifwif' 
0ta» c/e l^ifi^aiv ypafiftKTiMÜ*' hutixai vataCi'. 

30) In Beinig anf'deu Altar dea DoBiodtu b. WilamowitE L. A. S. IS: 
„imitatio . . . manifegta, Dosiadas v. 11 PhSocietant vocal xfuaxiQmo 
xttvatav, praeiveral Lycophro, qui v. 33 Hercvlivi tQiiaxtgov Icotte dixt- 
rat: opud Awnc /obula multie narrata manifettat, quis per aenigma tigni- 
fieetur, nie nomme uliiur iam in certam tignificatitmem formato. porro 
Achült» opud Doiiadem eil ajtodtvras ivig 'Eimovaas, quae lueem aeeipiunt, 
mcut tarn Holobolus intellexit, e LycophrVKie 178 äep' Ixtä xaiSaiv ^fipäla 
aaoBoviilviav iiörof giUyitvoav lluX^^ama <Mo36r". Weiteres bei Häberliu 
a. o. 0. 6Sf. und Blinker S. 73. A. 1, welcher in Bemg auf die 87111» 
V. 10 vaimoipövos mit L. 1034 aaitxottövoe und T. 2 'Avtlxetfot mit 
L. 1201 löv ävtlnQivov lultiflms nitifov vergleicht. In Betieff des Beils 
von Simiaa aber vgl. L. 048 £F., b. Enaack Annlecta, Hermea XXV. 1390. 
S. 8fi. 

40) Wilamowitz a a. 0. bezeichnet ala eigentlich entacheidend hiefür 
die A. 27 angef. Berichtigang, welche Kallimachoa in den Attut Fr. 13 
dem Ljkopbron angedeihen IHsst, weniger die vielen ätiaaerat seltnen WOrter, 
welche beiden gemeinaam aind. Spiro S. 199 f. findet wohl mit Kecht in 
dem 3chlnHBvera dea Demetcrbymooa eine Anapieluug auf den der Alexandra. 

41) S. C. 14. A. 102'». 



Iv.t^TOO^lC 



Ljkophroa 277 

die häufigen Citate bei den Lexikographen und Reminiscenzen 
bei den KirchenschriftBtellero^ und die vielen Handschriften. 
Trotzdem danken wir es nur dem gelehrten Gommentar des 
Theon^, wahrscheinlich doch wohl dea Sohnes Ton Artemidoros 
am Ende des ersten Jahrhunderts y. Chr,'^), daes dies Monstrum 
uns mit höchst vortrefflichen Scholien, deren Grundstock eben 
aas jenem seinen Commentare stammt, überliefert ist"'}. Denn 

42) S. die ZuMDuueaatelliiDg der Testunonia in Scheera Aiug. I. 
S. XVIII ff. 

43) Steph. T. Bji. jUvtm. Kvuta {9itov . . . ijtaiivTjitaiiSair xov Avnö- 
ipgova und iv cnofir^ftaii Avuö^QOfOs) a. 0. Tgl. C. 80. Ä. 889. 

- 4i) S. C. 5. A. 76. C. 10. A. 126. C. 18. A. 98. C. 14. Ä. 72. C. 80. 
A. 207 u. bea. C. 30. A. 887 ff. 

40) Ueber den Gang dieser Ueberlieferong bandelt Scheer Die Ueber- 
lieremng der Aleiandxn des LrkophrOD, Rhein. Hub. XXXIT. 1879. S. 272— 
391. 448—473. 640 (vgL Anag. I. S. Vff.), indem er die allmählich immer 
mehr fortschreitende Bjstematiache Interpolation nod die Mittel zur an- 
nähernden Herstellnng des Archetypos uachweiat. Diese liegen abgeseheu 
von den trefflichen Lesarten bei Steph. v. Bji. and in den Etjmologica 
nicht snm Wenigsten auch in zwei alten, zuerst von Bachmann (b. A. 48) 
mitgetheilten Paraphrasen. Die eine von ihnen, welche Scheer bereits 
anf Theon zurückzuführen geneigt ist, ist in den beiden besten Hand- 
■chriften A (Maroian. Yen. 476 ans dem 11. Jahrb., a. C. 10. A. 67) und B 
(Paria. Coial. 34Ö aus dem 10. Jahrb.) erhalten, die andere, nach ihr nm- 
geformte gleichfalls in A and dem aas A geflossenen, früher für viel älter 
gehaltenen V (Tatic. 1307). A ist die Haapthandachrift nach für den Text 
nnd die alten Scholien (s. C. 10. A. 67), B in beiderlei Hinsicht ergänzend. 
E^r die Heretellong des Textes kommen aber auch noch die besten Exem- 
plare einer zweiten, meist, aber nicht immer minder guten Familie in Be- 
tracht, C (Pans. 2723, geschrieben 1S8S) nnd D (Paris. 2408, anch ans dem 
13. Jabrh.). Zn dieser Classe gehOite anch der von Isaak Tzetzea bei der 
Abfäasaog seines Commeutars benatzte Codei. Dieser Conunentar ist aus 
einer ähnlichen Scholiensammlang wie der in A enthaltenen genommen mit 
Znaätsen aus anderen Quellen , so jedoch , dass die Paraphrasen dabei nicht 
vorlagen. Ans diesem Ursprung erklärt sich die grosee Gate dieses Com- 
menttua nnd das viele werthvolle Material in demselben. Isaak Tzetaes 
war der eigentliche Verfasser, Johannes der Ueberarbeiter und Heraasgeber. 
Von den alten Scholien iat übrigens neuerdings zonilcbst bisher nur eine 
Probe ans T bekannt gemacht: Bacbmann Scholia vetusta in I^cophronis 
Alezandram, Bost. n. Leipc. 1848. 4, ausserdem s. A. 49. Bei Alledem ist 
nun aber aus Tietzes und aus ihnen allein nicht zu ersehen, was Theon 
geleistet hat, nnd weitaus nicht Alles, was hier steht, ist ihm au&nbSrden: 
es sind doch nur dürftige, fort and- fort verdünnte Auszüge geblieben, und 
daher kommt es auch, dass kein späterer Commentator genannt wird; der 
Name von einem wenigstens ist in der älteren Ueberlieferang des Et. M. 



,,i.,ooglc 



378 Meunteti Capitel. Die Tragoedie. 

alle anderen angeblichen Commentatoren beruhen auf Irrlhum 
oder Sehreibfehler, Daaa das Gedicht wirklich von diesem Lj^ko- 
pliron herrührt, kann jetzt nicht mehr bezweifelt werden'^); aber 
der Streit darüber, ob die Verse 1226—1280 und 1446-1450 
oder wenigstens die ersteren ursprünglich zu demselben gehörten 
oder erst später von fremder Hand eingeschoben sind, ist, wte 
es scheint, noch immer nicht geschlichtet*'). Von dea Aus- 

Uiiavtis aufbewahrt: St^timv iv inop-viniau Avuctpi/uvog. Für die Her- 
stellung des Tbeou sind auBser den Hömorn noch Steph. t. B73., das Et. M. 
und die Schollen su Dionja. Perieg. zu benutzen. S. v. Wilamowili 
Eurip. Hemkleg 1. S. 191 f. 

46) Dies erhellt schon ans der Eii4«tehuog vor dem Beil dce Simias, 
der Sjrini des Theokritos und dem Altar des Doeiadas (b. A. 39). Ferner 
ist zwar die enlgegengosetzte Meionng sehr alt {s. Schoi u. TzeU. z. 12'iS. 
Avxö^QOvoe ftiqov lö na/ijfia), aber doch noch betrücbtlich älter, wie 
schon K. F. Hermann Ljcophrou, Hheio. Mus. VI. 1S48. S. 610 (der Irei- 
lich mit Unrecht dem Äristophanes auch einen Commentar lu diesem Ge- 
dicht zuschrieb) und Wilamowits Änt. v. K. S. ISSf. A. 9 bemerkten, 
ist das ZeugnisB des Arietophanea von Bytanz, daBS der Chalkideer der 
Verfasser war, denn wenn jeuec Philolog „die helleniBtischen Missbildnngen 
in den zweiten Aoristen wie iliipoettv chalkidisch nannte", eo geschah es, 
„weil sich L. (11) eine solche erlaubt hatte, s. Tietzes z. d. St. Schol. 219. 
Bekk. Anecd. S. 91. Fresenius Aristoph. B;z. 8. 116". (Spiro S. 19fi. 
A. 1 fügt noch hinzu die Glosse äficnpoi: Aristoph, b. Fres. S. 123, Ljk. 
141. 1338 und in dem angefochteneu Abschnitt 1227). Freilich wer mit 
Niebühr (s. A. 47) annehmen wollte, daaa der vermeintliche jüngere k, 
der Verfasser der Alexandra, auch ein Chalkideer war, brauchte sich ja 
biedurch noch nicht geschlagen zu fühlen. 

47) An die erstere Stelle achloss sich schon die eben (A. 46) erwähnte 
Bemerkung jenes alten Commentators <Theon?), auf Gmnd von letzterer 
iluBserte dann n&chst einem Ungenannten Fox Zweifel, s. DOderlein Foi 
nod Wakefiold über Ljcophron, Rhein. Mua. 1829. S. 466— 4TS. Dann 
suchte Niebnhr Ueber das Zeibdter Lykophrons des Dunkeln, Rhein. Mos. 
1827. S. 108—117. Kl. Schrr. 1. S. 438-460 zu zeigen, daas da* Ganze 
erst im Anfang des zweiten Jahrhunderts v. Chr. entstanden sei cnr Zeit 
der Besiegung von Äntiochos III durch die Römer als Werk eines jüngeren 
h. anch ans Chalkis. Jener Ungeuanute und Fox hatten indessen zan&chBt 
nur an Interpolation der betreffenden Verse gedacht, und so begnügte sich 
denn Welcber a. a. 0. S. I26&ff. damit, vielmehr nur diese als ein ans 
jenen Zeiten stammendes Einschiebsel von fremder Hand zu beieichnen. 
Diente Ansicht, der auch Scheer folgt, fand grossen Beifall, zumal nach- 
dem Leop. Schmidt Ueber Ljcophron, Rhein. Mus. VI. 1648. S. IS& f. 
zu zeigen gesucht hatte, dass dieselben wirklich eine SUrung des Zu- 
sammenhanges hervorbrächten. Dies ist nun freilich, wenn anch die Zn~ 
■ammenreihung nicht gerade geschickt ist, keineswegs der Fall, wie Wil a- 
mowitz L. A. S ö mit Erfolg darthut, denn die Verse 1214-1226 stehen. 



iv.t^iOO^lC 



PhiliBkoB oder l'hilikoit. 279 

gikben^) bietet erst die neueste von iächeer die wirkliche Text- 
receasioD. 

Philiekos oder Philikos, Sohn des Philotaa, von Kerkyra, 
DioDjsOBpriester in Älexaadreia unter Ptolemaeos Philadelpboä^^), 

vio Scheer erkannte, nicht am richtigen Platz, und Wjlamonitz bat 
sie mit Becht vor 1123 hiuaufgerückt; den eigentlichen Anetoea aber, von 
dem alle jene Annahmen anggingen (vgl. auch Irmiach Leipz. Stud. 
VIU. 18S6. 8. SSI), daaa 12S6 ff. die Macht der Eömer in einem Maase ge- 
gcbildeit werde, in welchem es inr Zeit dce L., wenigstens für einen cbal- 
kidischen Dichter, noch anmBglich war, hat er durch eine andere Deutung 
zu beaeitigen und dadnrch sogar die Unentbehrlichkeit dieser Verse zu er- 
härten gesucht. Allein ob dieae Deutung und der ganze von Wilamowitz 
eingenommene Standpunkt gegenüber den (ungeachtet der entgegengesetzten 
Versicherung von Spiro S. 196) durchaus nicht nnberechligten Einwendungen 
von F. Cauer Zu Ljcopbro, Rheiu. Mub.XLI. 188G. S. 887—397 haltbar 
ist, erscheint immerhin zweifelhaft. Dagegen ist es (trotz der zum Theil 
auf Mommsen zurückgehenden Gegenbemerkungen von Cauer 8. 391 f. 
396 f.) deno doch wohl ein sehr glücklicher Gedanke von Wilamowitz 
a.a.O. S. 6 ff., dase die Verse 1146— 14G0 mit den ROmem Nichte zu 
thun haben und fOr den Abscblnsa des Ganzen wirklich nicht zu entbehren 
sind. Er deutet diese Prophezeiung so, dass ein mit der Alexandra bluts- 
verwandter ehemaliger Gegner des grossen Alexaudros sich mit diesem ver- 
söhnen, von ihm als Freund an erster Stelle hochgehalten werden und 
einen grossen Theil der Beate erhalten werde, und bezieht dies auf Arta- 
bazoe, mit dessen Tochter Banine Alciaudroa, ohne sie freilich lu heirathen, 
den A. 34 erwähnten Herakles zeugte (vgl. auch C. 22. A. 16. 18), in dessen 
korzei Erhebung anf den Thron also L. einen Anfang der Aussöhnung 
zwischen Orient und Occident erblickte, der aber durch die Ermordung 
diesei jungen Prinsen inzwischen wieder vereitelt war. S, jetzt auch 
Spiro 8. 196. A. 1. 

48) Ed. princ. Aldina, Ten. 1G13. 6. (mit Pindar. u. Kallim.). Panl Le- 
cisins, Baael 1648 f. (mit Tzetzen). Paris 164T. 4. (mit krit. Versuchen 
von Auratns). Canter, Basel 1666 (die beste der älteren Ausgaben). 
HenrsiuB, Leiden 1597. 1S99. 8. Potter, Oif. 1697. 1T03. fol. mit krit. 
a. eieget. Anmerkungen. H. 0. Heichard, Leipz. 1788. II. 8. mit Com- 
mentar. Ch. 0. MQller, Leipz. 1811. III. 8. mit Tzetzes (für welchen 
diese Ausg. bisher die beste ist). Sebasliani, Bom 1830. 4. mit krit. 
Noten (schlecht). Bachmann, Leipz. 1830. 8. (kritiache Auag., aber mit 
auaserordentlich mangelhafter Ausbeutung des Materials; vgl. die Keo. von 
G. Hermann Opnsc. V. S. 230—263). Deh^gue, Par. 1863. (kümmerlich). 
G. Kinkel, Leipz. 1880. 8. mit den Schol. Marc, (schlecht, s. d. Bec. v. 
Scheer Deutsche L. Z. 1881. Sp. 79—81). Scbeer, 1. Band, BerL 1881. 8. 
(Text mit kritischem Apparat ond den beiden Paraphrasen). — Beiträge 
lor Krit. □. ErkL von Scheer Nonnulii Ljcophronis loci, Plün 1876. 4. 

49) Said. «Aioxoe Kignvfaios. Kallix. Fr. 2 (bei Müller F. H. G. III. 
S. 60«) b. Ath, V. 198 c. 



ivXtOO^IC 



280 NennteB CapiteL Die Tragoedie. 

bezeicliQet sich aelbst ia einem noch erhaltenen Bruchstück als 
Erfinder des nach ihm so genannten philikiBchen Verses^). Dies 
ist nun freilich nicht ganz richtig, denn schon vor ihm hatte 
Simiaa im Beil und in den Fittichen vereinzelt denselben an- 
gewandt, aber freilich war er der Erste, welcher ganze Gedichte 
in diesem Versmasse schrieb^'). Er war also nicht bloss dra- 
matischer, sondern auch lyrischer Dichter. Die Zahl seiner 
Tragoedien wird auf 42 angegeben'''); wie ea scheint, war eine 
derselben Palamedes, eine andere Themistokles betitelt^). 
Ptotogenea malte ihn als einen Meditirenilen^). 

Dionysiades oder Dionysides, Sohn des Phylarchides, 
au» Malloa oder Tarsos"), jedenfalls also ein B^likier, verfasste 
ausser seinen Dramen unter Anderem auch ein Buch über den 
verschiedeoen Stil der komischen Dichter'^^). 

Aeantiades oder Äeantides*^ wurde von gewissen Seiten 
statt des Euphronios wie Dionysiades statt des Sosiphaues zur 
Pleias geeählf*). 

60) HophaeBt. p. 68: iu^_ _^^/_ s 'j ■j - - w^ - i^u_^_o. 
Vgl. C. 88. A. 26. 

51) Bepbaest. a. a. U. u. Schol. A z. d. 8t. a. a. 0. 
62} Said. a. a. O. 

63) Erstere in der Ueberlieferung bei Stob. Flor. IX, 81 dem Philemon 
beigelegt, zuerst von Oroting dem PfailiekoB, jedoch nxch Suid. 4>Amo; 
xKiftiNÖE dem gleichnamigen Eomiker, tod Meiocke F. C. 0. I. S. tu 
dem Tragiker. Vgl. Nanck' 8. 637. 'S. 819. Auf ein h6chat lascives 
Satjrdrama von ihm führt Bobert Erat Catoet. S. 32. Fr. S b. Schol. 
Qerman. p. 70, 16 ff. (Tgl. p. 129, efi.) zurück. 

64) Plin. N. H. XXXV. §. 10«. 

66) Eiateres giebt Suid. , LetstereG Stiab. a. a. 0. an : koiijtijc dh tfarai- 
Hat äfiatos TM* tqc nXtiäSos Ka4'«p(4f(0tifi/yaif JiofvaiStje, waa schwerlich 
heiasen soll „der beste nnter den Dichtern der Pleiae", sondern nur „ein 
TorEflglicber, zor Pleias geeählter Tragiker", daher mit Recht Bernhardy 
a. a. 0. S. 73 %a9aiii9poviifvas vermuthet. 

56) Suid. ^tovva. Mal fcjfanTai avx^ pttaiv SUmv xal Xatfanx^ftf '; 
^iio*B>Hmdös, l" <? ''ovg %ciiia%xtiftct inayyilln tat notrjitÖv. Woraaf die 
Vermuthung von Uiener Oionysii HaLic. libromm de imitationa reliqniae 
(Bonn 1889). S. ISl: „qwid haud scio an Carmen fverit qw u< sülü Timon 
philotophos, sie Ute poetag perstrin3:it" beruht, vermag ich nicht abinsehen. 

67) AoHser bei Choerobosk. Exeg. Heph. (s. A. 6. 68) nur noch V. Lj- 
coph. p. 14S, (t erw&hnt 

68) Choerob. a. a. U. p. 74, Uff. HSrBchebn. (p. 182, 13 ff. Westpb.) 
nach den Ä. 6 angef. Worten: tiv^s äett tov AlavtiäSov kbI Üaaupävove 
ätovvaiäitiv Hirl 'E.äffivtav ijr ÜXiiaSi. avptätiovaiv. Vgl. SchoL Ä Heph. 



i.t^iooylc 



Dionysiftdes. Aeantiades. Enphronios. 281 

£upIiroQio6 der Cherronesit lebte in Älexandreia, war 
Lehrer des Ariätophanes toq Byzaution, verfasste auch priapeiache 
Gedichte und war der Erste, welcher sich nach Lykophron von 
Neuem mit der Erklärung der Komiker beschäftigte, sei es in 
Commentaren'''), aei es in einer eignen Schrift*^. 



p. 181,S6lf. Weetpb. Imä yäf HifOrto etvai rgayotioi- di6 nal Illnäs 
(örapccv&^jotcv' cb» t!e iativ ovtot ö ^Umos. ini nroKei^aCot) (näml. xov 
^iXadeltpov, B. Choerob. Z. 10, Tgl. A. 6) ii fty^raaiv ovxoi afivxoi Tfayinoi. 
lial dl ovioi' OfiijfOs o *f<u[(;oc, Stiie{&tos, Avxöipifiov, AXi^avifof, ^Hi' 
xog, JuirvtiädTit, ^Ev^ovias^ nach der richtigen Erg^nEong tdd Bergk, 
s. A. «0. 

69) DafQr scheint da« Citat Schot. Aristopb. At. 1403. Uvtiitutfot dl 
xot Eviptövios ir tor^ vnofiv^ftaatv cn sprechen, doch kann der Ausdruck 



60) Die Fragmente bat Strecker a. a. O. gebammelt, welcher S. T ff. 
in lichtvoller Uebereicht darlegt, wie man allm&hlich in Besng aal diesen 
Mann zor richtigen Auschaunng gelangt ist. Bei Strab. VlII. S82 erscheint 
ö ta UtM^tut xoig«iie Ev^i^tot, was man verkehrterweiae in Evipogimv 
geindeit bat, statt umgekehrt bei Hephaeat. p. 108, wo der Priapeiendichter 
nach dem jekigen Text Euphorion der Cherronciit genannt wird, Euphro- 
nioH hennstellen. Denn in der Erklärung dieser Stelle sagt Choerobosfcos 
Exeg. Eeph. p. 78, 6ff. HOrscb. (in Folge der ungenanen Angaben Gais- 
fords niscblich als Scbol. A Heph, nnd mit dem felscben Teit Eiipoifiiav 
und GvqpO(i/iBr Off bezeichnet bei WeBtphal Script, metr. Gr. S, 188, IT — 25) 
ausdrücklich, dass eben dieser Euphronios (denn so ist hier die wirkliche 
tTcberliefening] ein Grammatiker in Aleiandreia unter den Ptolemaeern 
{Evifföriot ö v^fifurtixic ijtX xmv Tltoli^ia» iv 'Mtiavifti^ {fQaipev eis 
TlfiaMor Tovrfv xm pttxfip) war, nnd iwar: tatiow Si ozi Tovrov xov F.vipfo- 
tlov yiyvrcr sx^ai^e AqiaxaQxoi o ypapfiariKÖG, ov (lovDv 'AQtllxoifä»iit 
tov 10« Botmxlov. In diesen Worten steckt freilich ein Irrtbum, gleich 
viel ob man mit Bergk Anthol. l;r.* 8. 5CII 'Antaxofivut ö BvCövriot 
oder rielmehr wobi richtiger (b. Sosemibl Anal, AI. 1. S. XV) nnd jeden- 
itUls in grosserer Annäherung an das Uebeiliererte mit Westphal 'Afiexo- 
tpäfovs zov Bvtavxiov berzastellen hat. Denn es ist chronologisch num6g- 
licb (s. C. 16. A. 86), dass Ariitophanes «on Bjsanz und Aristarcbos noch 
denselben Lehrer gehabt haben könnten, nnd Euphronios war Tielmehr 
Lehrer des Erstoren. Dies erbellt aus Snid. 'Afitxoipävrit Bv^ävtiog, wo 
statt EwpfoHoti allerdings fälschlich Evipqapllla steht und m Cgi icherweise 
auch schon in der Torlage des Suidas oder selbst des Besycb. t. Mil. ge- 
standen haben mag. Schon R. Schmidt De Callisttato Aristophaneo 
S. Sl (S27) Termnthete nnn richtig, daes dieser Lehrer des AristophaooB 
von Bjzani der b&nfig ertrtUmte Ausleger des Aristophanea und anderer 
Komiker Enphronios sei, und M, Schmidt Didjmi fragmenta S. S9i f. hat 
dies eingebend erhärtet. Dasn stimmt anfs Beste die Beschaffenheit Ton 
dessen Bemerkungen, die einerseits zwar entschiedenen Fortschritt gegen 



„i.,ooglc 



282 Neunten Capitel. Dio Tragoedie. 

Sophokles der Dritte aus Ätlien, eio Abkömmling des 
^leichnanitgett grossen Dichters und gleichfalls Tragiker und 
Lyriker, lebte nach der Pleias, wie er denn als Sieger bei den 



Lykopbroa, aber andrerBeits, wie auch Blan De AriBtarchl diBcipnlis, 
Jena 1883. S. 67 — 77, der denselben vielmehr erst fSr einen ScbQler des 
AristarchoB hält, zugeben muBB, doch noch erhebliche Mängel an den T&g 
legen, b. Strecker 8. 9 ff. Daes die Bemfhng des EuphronioB auf Ealli- 
machoB (Schol, ÄriBtoph. Äv. 873) kuine entscheidende InatanE ist, sieht 
wiederum Blau selber ein, und so steht nur ein, wie es auf den ersten 
Anblick aussieht, erhebliches Bedenken im Wege: Scbol. Aristoph. Veep. 
606. Ev^QÖvioe äi xal amrjiicima&ai ipriaiv, ii zöv üifo: äfOiiiinäs as "il 
"Ofitieoe Er^ijxcv. Denn das kritische Zeichen, von dem hier Enphronios 
spricht, scheint, wie Blau S, 70 richtig bemerkt, gang der aristarchischen 
Diple EU entsprecheo. Allein wir kennen die Geschichte dieser Zeichen 
vor AristarchoB zu wenig, um hierauf allein einen solchen SchlusB, wie 
Blau ihn macht, bauen zu dürfen. Vielmehr muss mau gerade umgekehrt 
Echlies»en. Zweierlei ist hier Oberhaupt nur denkbar: das hier gememt« 
Zeichen war entweder die Diple oder (b. C. 16, A. 27'') daa x- ^*r ^e die 
erst«re, so ist nach eben dieser Stelle die Ait, wie Ariatarchos sie anwandte, 
viel älter, als dieser, denn bereits £. bezieht eich auf eine Ausgabe, in 
welcher aie so angewandt war, sei ea nun seine eigne (b. Strecker S. 7. 

A. 4] , sei es eine Beines Schülers Ariatophanes (die ja immer noch älter 
sein konnte als das Werk des Eratostbenea über die alte Eomoedie). Oben- 
drein sprechen andere Umstände dafür, dasB wenigatena AriatophanCB in 
seiner Homerausgabe dem Aristarchoa in dieser Anwendung bereits voran- 
ging, B. C, 16. A. 17. Termutblioh (a. C. 16. A. 27*') ist aber vielmehr das 
X gemeint, b. H. Schrader De notatione critica a veteribua grammaticis 
in poetis scnenicis adhibita (Bonn 1863). S. 46, welches bei den Sanglyri- 
kern und Dramatikern ähnlich verwandt wurde wie die Diple bei Homeros, 

B. Schrader S. Uff., nnd dann erbellt aus diesem Scholion, daas dies 
schon bei E. oder doch schon bei Aristophones geschah, s. C. 16 a. a. 0. 
Nun lesen wir freilich bei Suid. a. a. 0. EitpifOviSa toO Koftv^iov ^ Si- 
nvtBvlov, aber Nauck Ariatoph, Byz. S, 3f. hob mit Eecht hervor, dass 
aus Eorinth oder Sikyou vielmehr ein anderer Lehrer des Ariatophancs, 
der Komiker Hachon, war (s. C. 8. A. 117), so daas alao vielmehr dessen 
Name vor tov und vor diesem Namen die Heimatebezeichmiiig des Uaphro- 
nioB ausgefallen sei, alao; Evcpgoviiu oder Eigi^oviov -(roö Xii/foriivitoo 
Hcil Maxo>*o«y xov K. %. i. X. Vennuthlich war aeine Heimat CherronesOB 
in Aegjpten, wie Meineke An. AI. 8.341?. annimmt, jedenfalls nicht, 
wie Bergk, der die Stelle bei Suid. für heil hält, glaubt, ein Vorgebi^ 
im korinthischen Lande. Vorausgesetzt endlich, dass auch der Tragiker 
dieselbe Person war, so erhellt, wesahalb ei gleich dem Sosiphanes Manchen 
nicht in die Pleiae zu passen schien: war letzterer für dieselbe eigentlich 
noch zu alt, so er umgekehrt schon zu jung. Das« der in dem bei Hephaesi 
aufbewahrten Ptiapeienfragment genannte „neue Dionjtos" Ptolemaeos IV. 
Philopator ist, zeigt Meineke a. a. U. 



ivXtOO^IC 



Sophokles. Aescbjlox. Ptoleniaeos IV u. A. 2HS 

Ohariteaien in OrcbomenoH um Ul. 145 (etwa 195 v. Chr.) auf 
eiuer Inschrift") erscheint^ uurl man hatte von ihm 15 Drauien^'). 

Äeechyloe von Älexandreia aus ganz Ungewisser Zeit (lichtete 
einen Ampbitryon und ein Epos MfeeTjviaxä^^). 

Ftolemaeoa IV Philopator verfasete, wie schon bemerkt 
wurde, eine Tragoedie, deren Titel Adonis war, und zu welcher 
sein Minister und Geliebter ÄgathokJes einen Conimentar 
schrieb'*), 

Ueber die Tragoedien des Timon war schon die Rede, von 
denen des Eallimachos, Euphantos, Ezechiel ist später zu 
handeln, von einer Reihe anderer Tragiker aus ganz Ungewisser 
Zeit, von denen wir noch BrucliatQcke besitzen'*), mögen hier 
wenigstens die Namen genannt werden: Apollonides, Biotos"'), 
Chares, Demonax, Hippothoon (?), Isidoros, Mimuer- 
mos^^, Pompeius Macer, vielleicht Sohn oder Eukel des 
Theophanes von Mytilene'*), Serapion, Zenodotos. 

Dorotheos von Taras und als Dichter von fiJatyrdrameu 
Ameinias sind in derselben orchomenisclien Fcstinschrift wie 
Sophokles erwähnt, Kleisthenes in einer teischeu Inschrift*^). 

61) C. I. G. 1584, 29. 

62) Said. 2^090111^5 U&^vaCos. 

63) Atb. XIII. 699 0. 

64) Schoi. Äriatoph. Thesm. 1069. It^ltaae di «utö» (nüiui. Etipinrtij^) 
riioXffiaiOi Ö ^tXonättDQ {» ^ nfnoi'qHE tgayiaBla 'ASmvtSi, nfgl jjg 6 i^ii- 

'Aya9o*Xtiat. Vgl. v. Wilamowitz Eurip. llerakl. I. S. 183. A. 120: „Uaa 
kaoD nor ein zeitlich ganz Naheateb ander berichtet haken, alHO wohl 
EtatoatheoeB oder AristophaneB". 

65) Das Nähere *. bei Nauck F. T. G.' S. 826-831. Bei Weitem diu 
meisUii) dieser Stacke atefaeo im Florilegium des Stobaeon. 

66) Dichter einer Medeia. 

67) Dichter eiiiea Ncoptolemoa. 

68) Wie Meineke Vind. Slrab. S. 213 f. vermuthet. S. C. 33. A. 148. 

69) C. I. G. 3106. S. auch die delphiwhcn loechriften über die druma- 
tiocfaen Agone aa den Soterien bei Weacher und Foccart loBuriptiüUB de 
E>elpbee No. 5. 6. — Von dem Aatoroatcntheater in Aleiandrcia nnd genauer 
einem tod demBelben dargCBtellten Drama (Manplioa) gjebt naa Uerou in 
«JDen jtvTOiitttPitoiaiä p. 264, 39 fr. Th^venot {b. C. 23. A. 184) eine Be- 
Bchreibong. 3. Sber dieselbe B. ScbOne 3u Uyginue und Hero, Jahrb. 
dea archäol. Inst. V. 1S90. 8. 73—77, welcher dahiDgestellt lässt, ob diese 
Tragoedie der Navitluit ^vfttatit dea Sophokles «or. 



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284 Zehntes Capitel. Das Lehrgedicht. 

Zehntes Capitel. 
Das Lehrgedicht. 

Menekrates von Ephesos, ein Grammatiker und Lehrer des 
Aratoa'), verfasste ein Landbaugedicht^ in mindesteos 2 Biicliern, 
"E^fa betitelt^. 

Aratos aus Soli*), Sohn des Athenodoros, eines dort höchst 

1) Said. "Afatot. aKOvtr^g S' iyewrto y(iiififunixoö fiiv lofi 'Eq>i<iiot' 
Mfveitiiätovt- 

2) Tarr. E. R. I, 1, 9. IH, 16, 18. PHn. N. H. Ind. 1. VEI. XI und XI. 
g. 17. Menecratts floreiu eese didt (nilmL erithaeam =• Bienenbrod), sed 
nemo praeler «um. „Hieraas erhellt, <l&a& U. gerade in der Bienenzucht, 
deren Behandlung Manche von der Theorie der Landwirthechaft aueschloBsen, 
als Anctorität galt, zumal da auch Varro, der mit Citaten äusserst Bparsam 
ist, gerade ihn für dies Gebiet (an der letztem Stelle) citirt. Wohl ohne 
Zweifel derselbe M. ist auch Schol, Nie. Ales. ITS gemeint. Aus dieser 
Anfübmng ergiebt eich, da«a er den Herakleitos benatzte: toüio de k«1 
'Hgänltiiae (fehlt bei Bywatar) nal Mtrsxgaziit ctgriitev, und da nun 
NikandroH selbst auch noch in den nächsten Tecsen (vgl. Schol, 174) den 
HerakleitoB (Fr. XX By<n.) wiedergiebt, so ist es sehr möglich, dass dies 
aach M. schon getban hatte nnd Nikandroe (wie er ja ähnlich Sbersll in 
derartigen Fällen verfährt) ihn au age schrieben, beziehungsweise nach- 
geahmt faaL Jedenfalls genügt schon das Schol. z. 173, um den M. mit 
Walirscheinlichkeit in eine stoische Sphäre zu setzea". (Oder). Es fragt 
sich indessen, ob dies chronologiech mOglich ist; dann wäre es bezeichnend 
für die Richtung, welche hernach sein Schüler Aratos einschlug. 

8] Et. M. ^Ofiöt (p. 422, 84), wo Etwas über einen Ven ans demselben 
mitgetheilt wird. Tgl. 0. Jahn Philologas I. 1846. S. 649. 

4) Wir haben ausser dem Artikel bei Said, noch vier Biographien, 
selbstverständlich sUmmtlich Einleitungen alter Ausgaben oder Commen- 
tare, p. 62 ff. West. Die beste ist die dritte. Sie wird, wie Haass 
Analecta Eratosthenica, Berl. 1383. S. (Eiessling u. v. Wtlamowiti Fhilol. 
Unters. VI). S. 34 ff. entdeckt hat, in einem Mailänder Codex griechischer 
Astronomen (C 263) dem Theon (s. A. 67 ff.) beigelegt {&iiovos 'Jltiavifias 
ftvos'/lfäiov), nnd zwar, wie Maass nachweist, mit Recht. Von ihr giebt 
es aber auch noch eine barbarische lateinische Uebersetzung , Arati getutf, 
welche Eoletzt von Breysig, Erfurt 1870. 4. kritisch heranegegebeo ist 
und hie und da (s. A. 10. 26) Lücken des griechischen Textes aufdeckt 
und anafüllt Die zweite ist nach einer mir mitgetheilten Vermutboog 
von Maass (s. C 16. A. 65} das Werk eines anderen Commentators , des 
SporOB (s. A. 64 ff.). Bei Susemihl Anal. At. I. S. XI. A. 46 ist Themis 
mathetmoiei für Sport grammatici zu lesen. Die schlechteste, fehlerreichste 
nnd unzuTerläseigste Biographie ist die vierte, wie Bnsch De bihlio- 
thecoriis AleiandiiDis, Schwerin 1884. S. 1! f. A. 3 sehr tichÜg ansgefahrt 



iv.t^iOO^IC 



Menekratea. Aratos. 285 

angesehenen Matinea uad siegreichen Feldherrn^), and der Leto- 
phila, ward wahrscheinlich etwa um 315 geboren^). Jedenfalls 

hat (vgl. Susemihl a. a. 0. S. XI f. Ä. 4G. 59), Alle diese Arbeiten haben 
90 viel QemeingameB , daea eie wohl ohne Zweifel in letzter Instanz anf das 
DiitDliclie ältere Original mrückzufahren sind, irahrscheinlich, wie BrejBig 
S. 28 f. Tennnthet, die Schrift des Stoikers Boethoa <s. A. 48. C. S8. A. 10) 
xiqI 'Afätov in mindeatenB 2 Büchern (V. 11. [>. GT, 26 ff.) oder 'E^^ytiais 
'Jfäiov (Gemin. leag. 14). Nachträge aaa apäteren Schriftstellern (st. B. 
aas AaklepiadeB von H;ileia V. I. p. 62, 6, Tgl. C. 2fl. A. 96, und dem 
jedenfalls jüngsten der Oberhaupt genannten Apollonides mit dem Beinamen 
ö 9tiytvt y. L p. 66, 1 (vgl. A. 11), was woU gai nicht, jedenfala aber 
nicht mit Bentlej in i Nmaivs zu Undem, ctunal da ein weit Späterer 
als der Nikäer gemeint ist, s. v. WiUmowitE Enrip. Herakl. 1. S. 191. 

A. 148, dazu die in der dritten Biographie fehlenden Fabeleien fiber Anitoa 
und NikandroB, Tgl. C. 16. A, 65, anaserdem s. Ä. 7. 18. SS. 60) sprechen 
nicht biergegen; wenigstens für eine recht alte Urquelle zeugt die ausser- 
ordentliche Qüte (a. A. 48) des Materials; um bo auffälliger ist die Nicht- 
bennt^nng des Theokritos, dessen Lectüie also den Kreisen, ans welchen 
der Ürbiograph stammt, fremd war, s. C. 4. A. 66. Zuweilen ist der richtige 
SacbTeihalt, wie ihn die eine Biographie giebt, in der anderen xecwechselt, 

B. C. 2. A. 286, Tgl. ebend. Ä. 867. So wird offenbar V. 17. p. 60, 36 f. 
yijpcHrä äi xä XvfTivaim Ixtßältto, xttf ov %al imy^ä^^tas ^ficJ4^ kürzer 
□nd mit Umkehrnng des wahren Verbältmsaea dieselbe Nachricht wieder- 
gegeben, welche wir anaführlicber und richtig V, I. p, 61, 74ff. leaen: 
ftffivii'ccd yovr avtov %a\ KaiXliLa%Oi ö>g K^ea^vxiqov oü fiövo* iv toi; 
littffäfifuxiliv , aXltt %ai iv xoli ir^oe II<)a^nfävTiv , itävv inairmv amöv ms 
itolvfia^ sal äiiiaTor «otiTTiJv. ye'yovi S' h 'Aifaxot Eijlrai^c HaiöSov, ä>s 
■dl XorU/fiiiioc Ttaftetiftjjvtito ioüto Siä xov de uvtöv intypüfifictioc ovxiof 
'HmöBov X. X. l. (Katlim. Ep. XSVU), nnd folglich ist nicht, wie Leo bei 
Bosch S- 12. A. 3 meint, das täs n^taßvxtQov hier erst Zusatz des Urhebers 
dieser ersten Biographie, Tgl. Snaemihl An. AI II. S. VIU ff. AU Soliar 
bezeichnet den A. nnn Obrigena schon Kallimaohos in dem hier angezogenen 
Epigramm, w&hrend Aaklepiades von Mjrleia (Tit. 1. p. 62, 6 ff.) Tarsos für 
seine Vaterstadt erklärte. Die Ergebniaae der sorgfältigen Untersuchung 
Ton Reinh. EOpke De Arati Soleosis aetate, Guben 1S67. 4. sind nur 
theilweise richtig. Vgl. auch Couat S. 46-48. 446—466. 469—489. 

6) V. U. p. 66, a ff. 

6) Jedenfalls nicht eist nm 301, wie Eüpke S. 19 glaubte und mau 
demselben Tielbcb geglanbt hat. Dies ist einfach deaahalb unmöglich, weil 
KallimachoB, der nach seiner eignen Aussage (s. A. 4) jQnger als A. war, 
nicht wohl später als SlO geboren aein kann, ja man vielleicht eher Ter- 
sncht sein mScbte anznnehmen, daas er schon früher zur Welt gekommen 
sei (b. C. 13. A. 4). Allein wenigstens erheblich früher ist es nicht gut 
mQgUcb. Denn einerseits mnsa doch A. ao viel älter ala Kallimachoa ge- 
wesen sein, dasa fflr letzteren dieser Altersunterschied überhaupt der Er- 
wähnung werth erscheinen konnte, andrerseits aber doch auch nicht sonder- 
lich Tiel, wenn anders er mit Eallimachos in Athen insammen studirte 



iv.t^iOO^IC 



286 Zehntes Capitel. Das Lehrgedicht 

erhielt er früh eine gewisse mathematische und astrooomische 
Bildung'). Wann und wo er den Unterricht des Menekrates 
empfing, erfahren wir nicht; wenn aber die Nachricht, dass dieser 
sein Lehrer gewesen sei, Oberhaupt richtig ist, so begann er 
wahrscheinlich bei diesem in Ephesos seine philologiscben Studien, 
um sie dann in Kos bei Philetas, wie wir aus dem siebenten 
Idyll des Theokritos entnehmen müssen, etwa von 292 bis 290 
fortzusetzen"). Ohne Zweifel von Kos aus^) ging er hierauf 

{b. A, 10): mau wird also etwa S (mindesteDS S) Jahre annehnien dflrfen. 
Nnn passt aber die Schilderung, welche Theohritoa in deo Thalysien von 
sich und A. bei ihrem gemeinsamen Aufenthalt in Kos entwirft, schwerlich 
anf junge Männer über, aber freilich anch wohl nicht viel unter 25 Jahren. 
Folglich würden wir, wenn wir die Geburt des A. anch nur bia zwischen 
320 und SIT zurückdatiren wollten, damit für diesen Aufenthalt nnd die 
Blüte des dortigen bukolischen Dichte rbundes aller historischen Wahrschein- 
lichkeit zuwider in eine Zeit gerathen, in welcher Philetas allem Vennnthen 
nach von seiner Uebersiedlung nach Alexandieia (nm 895) noch gar nicht 
wieder nach Kos zurückgekehrt war (s. A. 8). Vor jene Debersiedlnng aber 
dies Alles anzusetzen ist, da die Alexandra des Ljfcophron schwerlich vor 
S95 herausgegeben war (e. C. 9. A. 28) und Dosiadas im Altar nnd Theo- 
kritos in der Syrini diese bereits nachahmten (?. C. 9. A. S9), wenigstens 
fdr Denjenigen kaum eine Möglichkeit, welcher diese beiden Gedichte der 
Blütezeit jenes koiscben Vereins zuschreibt, s. C. 4. A. 8. 9. 48 If. C. 5. 
A. 9. 15. Susemihl An. AI. II. S. VIII. Zwischen 316 nnd 312 setzt 
ilbrigens die Geburt des A. Lincke De Callimachi vita S. S, zwischen 316 
nnd 3t2 Conat S. 46—48, zwischen 308 nnd 300 ßitschl Opuac. I. S. 71 f. 
(AI. Bibl. 8. 88), nm 30G Rohde Gr. Rom. S. 100 f. Anm. 

1) Wenn auch dieselbe nicht eben sehr gründlich war (s. A. 33. 43 f. 
59 f. G2), so mnsB dies doch angenommen werden, da er in Athen seinen 
Milscbüler Dionjsios in diesen Gegenständen unterrichtete, a. C. 2. A. 385. 
Die Nachricht in der hSchst unzuverlässigen vierten Biographie p. fiO, 22 tf, 
nach „Kinigen" habe sein Vater Hnaaeas nnd sein Lehrer in der Mathe- 
matik Atiatotberas geheissen, darf man füglich auf sich beruhen lassen. 
Dieser Aristotheraa ist wohl derselbe mit Aristotheros, gegen welchen 
Antoljkos eine Streitschrift verfasste, s. C. 23. A. S. 

8) Wesshalb aus diesem Gedicht der dortige Aufenthalt des A. zu er- 
scblieseen nnd der Versuch von Uertens Quaestiones Theoer. I. (Lotten 
ISBT). S. 8 ff. aus V. 99 nnd 105 zu erweisen, daea derselbe aich zur Zeit 
des hier, geschilderten Erntefeatea nicht oder nicht mehr in Eos beenden 
habe, misslungen ist, leigt einleuchtend Rannow Woch. f kl. Pb. V. 
1SS8. Sp. 112. Hätte aber A. noch länger als etwa bia 290 dort gelebt, 
Bo hätte nicht füglich Eallimachoa noch in Athen mit ibm znsaionien- 
treffen können, s. C. 13. A. 4; die RSckkebr des Philetas von Alexandreia 
nach Kod aber dürfte (znfolge C. 4. A. 7. 8) etwa 292 anznsetzen sein. Die 
scbarfainnige Vermnthnng von Usener Ein Epigramm von Euidos, Rhein. 



iv.t^iOO^IC 



AiatoB. 287 

nach Athen, wo er mit dem etwas jüugeren KaUimachos bekannt 
ward und mit diesem, wie es scheint, die Vorträge des Peri- 
patetikers Praxiphanes besuchte**), hernach aber dem Zenon von 

Mus. XXIX. 1874. S. 41 ff., daaa die BekanntechaH des Ä. mit Tbeobritos 
und sein Aufenthalt in Kon erat iwiscben den ersten in Makedonien aad 
den in Syrien, also etwa in die Jahre 274 bis 272 ge&llen sei, ist darch 
den Nachweis Vahlene (s. C. 6. A. 21), das« eich Theokriton in dieser 
Zeit vielmehr in SyrakaB aufhielt, über den Hänfen geworfen, Tgl. Suie- 
mihl Anal AI. I. S. IV ff. Gesetzt aber auch, der Hieton des TheokritoB 
«Are wirklich, was schwerlich der Fall ist, erst ein paar Jahre sp&ter ent- 
standen, so scheitert doch jene Vermuthung ohnehin an der richtigen Oe- 
burtazeit des A. Denn Niemand wird in der Schilderung, welche Theo- 
kritoe im 1. Idyll von sich, A. nnd »einen anderen Geß^hrten giebt, wie 
bereite (A. 6) gesagt, Männer, die achon in den Vier^igen sind, erkennen 
«ollen. Und so bleibt denn keine andere Möglichkeit als die, Jenen 
koiscfaen Aufenthalt des A. vielmehr tot den athenischen zu verlegen. — 
in Serag anf den Geliebten des A. ans dieser Zeit, den Tbeokr. Id. VII, 
103. 118 Philinoi nennt, schreibt Iluaberlin De fig. carm. 8. G4: „llvnc 
tum diversttm eise opinabar ab eo, qui a Stratone eomieo (Ath. IX. p. 3S2 d) 
inier convivat referiw eodem loco, vbi Phüetae gloasa» ludibrio habet; tdiUtwr 
igitur (? !) Hiam Philinui Phtletae dücipulua fuiate, qaoeum bnte eongnttbat, 
quod in glosrngraphoTum aerie (Ath. XV. 681 b) etiam I^ilimu refertt». 
Ideia (?) iterum tnnuttur in Phaitnaceulriis v. 115, id quod iam PaUyut 
iaspicahalur. Sed qai» quandoque vere fiterit Philiniu, Wilamowitsiiu de- 
lexit: Fhaimia enim Com* Ol. 129 (3G4/3) et iterum ot. 130 (360/59) in 
atadio vidi (Eitseb. Chron. l. I. ed. Bchoene voi. I. p. 308, 15, 18)". Es 
ist in der That nUglich, dass dies der Ton Theokritos Bezeichnete ist, aber 
genau ebenso gnt kann anch ein Anderer gemeint sein, der vielleicht 
{s. Fritzsche z. d. St.) gar nicht vrirklich Philinos hieas. 

») Wenigstens kOnnte er nach dtm eben Bemerkten nur noch sehr 
kurze Zeit anderswo gewesen sein. 

10) Die ans hievon gebliebene Spar hat ßohde a. a. 0. 8. 09 f A. 3 
aufgedeckt. Zn den beiden A. 4 angefahrten Paraltelstellen in den Bio- 
graphien kommt nämlich eine dritte, zorn Theil genauere. V. III. p. &8, 
23 f. heisst es freilich nur: lyiviio ti atpödQu xolvyidmtatos Öv^q, ms 
pa^vfti KaUiiiaios, aber in der lat. Uebers. vollständiger in einer tbeil- 
weise an V. 1 anklingenden Form (Z. S8ff. Breys.): faclu» est aulem nimis 
ffiulfum litteratus nr: testatur CaOimachus adaistens et ab infantia propter 
Praxiphanem Mytilenum. Freilich ist weder die ErSrterung dieser Worte 
bei Bohde noch hei Snsemihl Anal. AI. I. S. X. A. 41 noch bei (G. F.) 
U(ng«r> Fhilol. Anz. XVI. isee. S. 649 f. ganz richtig; jedenfalls aber be- 
weist daa ab infantia (— i% viov), data Kallimacbos und folglich, wie 
BUS dem A. 6 Dargelegton gegen Unger hervorgeht, auch der allerdings 
ältere A. noch jung war, als Ersterer die Bekanntacbatt dej Letzteren 
machte, die schwerlich anderswo als in Athen geschlossen sein kann, 
„denn" <wie Rohde bemerkt) „diese Stadt ist die einzige, in der nach- 



ivXtOO^IC 



288 Zehntes Capitel. Das Lehrgedicht. 

EitioQ und der Stoa sich anscbloss"), wie er sich denn als über- 
zeugter Anhänger der stoischen Lehre in dem Prooemion seiner 
^aivönava ofTeubari Aller Wahrscheinlichkeit nach lernte Anti- 
gonos Gonataa, der Freund des Zenon, ihn, der sich ohne Zweifel 

weialich Bowohl A. ala Kaliimachoa eitunal sich aufgehalten haben". Daas 
aber durch adsistens nicht, wie Bohde wollte, avvmv oder avaxät wiedet- 
gegeben ist, hat Unger gezeigt. Aus Z. 2S (s. A. 16) erhellt Ttelmelir, 
dasa der UeberBetzer iximaOtle odec allenfallE, wie üngei meint, inunäe 
vor sich hatte. Nach Vergleicbnng mit V. I vennathet Rohde femer, 
dasH propter Fraxiphanem UebersetEnng des Buchtitels iv toti «^ög IlfaXi- 
qxEVijv sei, allein dieser Interpret überträgt itqög vielmehr stets durch apvd, 
und BO würde er, wie ans Z. 4! ff. (b. A. 23) sich ergiebt, dies durch tif 
qaibv» apud Praxi^auan wiedergegeben haben; auch pasBt zu jener An- 
nahme kaum der Zusatz MylUetMm. Unger meint, der griechische Text 
habe Imetae avxä i* tiov diä TlQait^äyijv M. gelautet, aber das hätte 
doch wohl vielmehr Ixiata^tli tivr^ . . . iito nifu^itpäfavs M. beiseen 
mÜBsea: ich denke also: er lantete: inmia^ils avtä und dann (wie schon 
Dilthe; De Caltim. Cfd. S. 18. A. S vermnthete) nupü IleaivpärTi» M. 
Nun giebt Imaza&clt, ixietät, avetis avtip, wie Unger richtig bemerkt, 
alles deuselbeu Sinn: „nachdem er ihm vorgeitellt" oder „mit ihm be- 
kannt geworden war". Dazu will l* viov nicht wohl passen. Sollte diee 
in der Vorlage des UebersetKers ans hi vsog verderbt gewesen sein? Oder 
vielmehr, da auch KUfä mit dem Accusativ sonst ancorrect ist, es war 
wohl q>a(i>]0Bf ausgefallen, möglicherweise ist anch überdies üt vios her- 
zustellen. S. Susemibl An. AI. II. S. Vif. Dass freilich die ürbiogruphie 
nicht bloss diese Angabe , sondern auch die Berufung auf jene Schrift dee 
EallimachoB enthielt, kann nach Vergleichnng mit V. I, p. 64, 74 ff. wohl 
kaum Eweifelhaft »ein. üebrigens vgl. C, 3. A. 740. 

II) Dass die Angabe T. IV. p. 60, lOf., Persaeos sei sein Lehrer ge- 
wesen, falsch ist, ward schon C. S. A. 267 gezeigt. Freilich hat auch daa 
ZengnisB V. 111. p. &g, 21 f. ix^x^ijro . . . Z^vtovi tä <mai%ä ipilaaö^ai, kdI 
yi-ft/antai avT£ IxioioZ^ ^göf toviov das Bedenken gegen sich, das« es 
wenigitens scheinen kann, als ob Jenes bloss ana diesem Briefe gefolgert 
sei, während doch die Briefe unter dem Namen des A. diesem von ApoUo- 
nides in dessen Schrift nt^l vaitiptvaiiivTjs taioiiiat abgesprochen und dem 
uns vQllig unbekannten Sabirius (oder nach Bentley Sabidius, nach Bergk 
Asinins, nach Westermann Gabiuius, Sabinine oder Rahirioa) Polio bei- 
gelegt wurden, welcher auch die unter dem Namen des Enripides fabricirt 
habe, T. L p. 66, 104 ff., vgl A. 4 und Wilamowitz a. a. 0. Allein es 
ist auch recht wohl mCglich, dass schon der ürbiograph wirklich geichrieben 
hatte, A. sei Zenons Schüler gewesen, aber auch nicht mehr, und dan eret 
später die vermeintliche Bestätigung durch jenen Brief nachgetragen warde, 
und mindestens dürfte doch der Verfettiget desselben, sn dieser FUschnng 
gerade darch die Debetliefetnug, dass Zenon Lehrer des A. war, bewogen 
sein. Daaa er es war, würden wir endlich ohnehin aus dar Natur der Sacbe 
anch ohne jede Ueberliefening abnehmen müssen. 



|.;,*^TOOy[C 



AratoB. 289 

bereits damals durch poetische Versuche bekannt gemacht hatte"), 
schon in Athen kennen und schätzen ^'), nnd es wird wohl auf 
ansdrQckliche Einladung des E&niga geschehen sein, daas nach 
dessen Throubesteignog 276 Äratos seine Mitschfller PersaeoB 
ond Pbilonides an den makedonischen Hof begleitete, und awar 
znr Hochzeit des Äntigonos mit der Phila"), also wohl geradezu 
als bestellter Festdichter '^), Dazu stimmt nämlich aufs Beste, 
dasB er hier dem König zuerst seinen Hjmnos auf den arkadi- 
schen Fan vortrug'*). Denn dies Gedicht war offenbar^') za 
Ehren des Siegs aber die Kelten, welche 277 dem Gonatas den 
Weg versperrt hatten, und des von jenem Gotte ihnen eingeJE^ten 
panischen Schreckens verfaset, uud da dieser Sieg eben zum 
FriedensBchlusse mit Antiochos I von Syrieu und zur Vermählung 
des Gonatas mit dessen Halbschwester und Stieftochter'^) Pbila 
fährte, so eignete sich dieser Stoff vortrefflich zum Hochzeit«- 
carmen"). Aratos trat am makedonischen Hofe in einen reich- 

18) Wenn andere er doch schon in Eos Mitglied dei dortigen bnkoli- 
flchen DichtorveibandeB geweBen in sein lobeiot. Nicht aeio. erstos Gedicht, 
wie SOpke 8. 6 (wenn ich diesen richtig ventehe) ane V. III. p. 68, 18 f. 
(s. A., 16) heranilieBt, war der HjmnoB auf den aTkaditcben Pno, sondera 
das erste, welche* er in Hakedanien vortrug. In Y. Vf. p. 60, S8ff. wird 
ea freiUch als Angabe Einiger (irioi, t. A. 7) beieichnet, taifbii ii ttgoii' 
yovikivns rutl koiiji^v ytnaftat tu toft 'Avxiyitov ^aaiXtütts. 

18) Wilamowitt Antig. v. Kar. 8. 1«. 

11) V. IV. p. 60, IS B. CvviiAA* avxm (a&mlich ntfdaltp) tlg Mmit- 
iovCav fuftt%ip,if&irn vk' 'ArtiySrov Ktrl xaftX^mv elf 'Jvtiyövov lur) M.itt 
yä^o*. Aouerdem vgl. T. III. p. 68, IKf. 'AiizCyovns ö rovaiäs, xue' u 
itiiftßtv uvtÖ; xal evv svi^ Iliffutoe i atmmis tt. t. 1. n. C. S. A. 176. S91. 

15) Bohde a. » 0. 8. 65. A. 9. 

16) V. III. p. 58, IBff. imaxa^tlt 9i irä ßaatltt xpärov fiiv uvxov 
(wt^ wohl richtig die alte Uebera.) xoi>]im äniyr» lö tk ti" TJäva tijs 
UpMÜas- Ar. gen. Z. 28 EF. adiitien» guidem regi primwn vero Uli cetrmen 
expotuit t^pud Faita Arcadivm. Daaa auf dies Gedicht eine Reihe von 
Jahren Bp&t«r Theokritoa Id. VII, 108 ff. preisend anapielt, bemerkt Hanler 
De T^eocriti vita 8. 18 f. 

17) Wie Usener a a. 0. S. 41 ff. darlegt. Vgl. Wilamowiti Antig. 
V. K. S. 840. Drojaen HeUeniam. IIP, 1. S. 191 ff. 

18) Sie war n&mlich Tochter dee Selenkos nnd der 8tratonike, welche 
letatere ersterer dann seinem im diese seine Stiefmutter lam Sterben ver- 
liebten Sohne Antiochos I abtrat. Vgl C. S4, A. 126. 

19) Denn daas R6par Zn Aratos, Philolf^ns IX. 1854. S. GGl— 555 
diese Hochseit mit Unrecht erat nach S7S verlegt, hat EOpke B. 8—5 mr 
Qenfige erwiesen. Uebrigens erwthnte, wie 0. Schneider Nband. 8. 13 
nnd Eijpke S. 8 hervorheben, noch Epikaros in einem Briefe an seinen 

:., erladL-klex. IMt-OitOt. L 19 



290 Zehntes Capitel. Das Lehrgedicht 

haltigen Kreis litterarisch gebildeter und litterarisch thätiger 
Männer ein*") und verfasate hier nach jenem Hymnos auf den 
Antrieb des Eöniga auch noch sein berühmtestes Gredicht, die 
Oaivöiisva, noch dem gleichnamigen Proaawerk des Eudoxos^'), 
und zwar zwischen 276 und 274. Denn schon 274 ward dies 
litterarische Zusammenleben zerrissen durch den Einfall des 
Fyrros, welcher fftst ganz Makedonien eroberte, und erst nach 
dessen Tode 272 ward Gonatas wieder Herr seines Landes**). 
Aratos begab sich jetzt an den befreundeten Hof des Autiochoa I 
Soter und lebte hier geraume Zeit**). Hier vollendete er auch 
seine Ausgabe der Odyssee, welche er schon in Makedonien 
geplant hatte, indem er ihretwegen, wie schon früher bemerkt 
wurde, dort") den Timon zu Rathe zog*''). Antiochos soll ihn 



Bmdet Arütobolos (fr. 119) den Aufenthalt von Peraaeoa und Philonidei 
bei Gonataa, und Epiknioa starb doch eben BChon STD nach Aristobnlos, 
s. C. S. A. 408. 4S0. 

20) V. III. p. 58, 16 fF. S. C. 1. A. 9. 

31) V. HI. p. 68, 30 f. (nnmittelbar naoh den A. 16 uigef. Worten): 
tW ixcivov neUvauvtot fypai^f tu Asiföfuva (= Ar. gen. Z. 80 f. idewt 
[%Um?} ipso Mtenle scrip»it ea qttae videntur). p. 69, 37 fF. {— Ar. gen. 
Z. 4G ff.), ^fl' ^i täv ^aitoftivar vnö^iatv ttaflßaliv tcvtm 'Artiyotot 9«vt 
zö EvSiiov aoyy^ftfi« (vgL Z. 31. tüv EvSö^ov 0aivoiiivav) >al lultvatis 
tjcta9tit avzä. Vgl. V. I. p. 68, 47 ff. (wo nicht die ^aivifMVa, Hmdeni 
das Kä-zoKTfov dea Eudoxoe als QneUs beEeicbnet wird): xpoEipöni] vv' 
avtov (n&mlich tov ^tiXitof) tit ^aitöfava tfäi^ai, tov ^aaiXiias Ri9ötov 
ivty^atpöfurov ßißUov KatÖTtteim {Kätomfow Sealiget) tontoi air^ xnl 
äiiiöaaytot iä iv aittp nataJMjeidTp' lt%9ivza sepl xmv ipaailt^tirmr Ititfqt 
h^nvai %. X. l. 

23) Droysen a. a. 0.*. 203-220. 

88) Naoh Dositheoa Ton Pelasion, s. C. 28. A. 87 ff.: Ar. gen. Z. 43 ff. 
Bovihea» auiem iUuMftM *n gito opud I>tocIorwffl vtfiwrt tn^ud et ap»ä 
Aniioeh,vm Seieucium et pemanere ad mm tempore imflitienU — V. Hl, 
p. 58, 24 S ^oai^tos ö /Tijlovaioe (oder i7)]loo(run(öc: denn ao iat hiernach 
das verderbte nalinmc niit Osann Anecd. Born. 3. SSO zu verbeatem, 
vgl. Eöckh Sonnenkreises. 28 ff., nnd nicht mit Becker PhiloL V. S.4!l 
nnd Maller F. H. O. IV. S. 400 in HaviiKÖc) iv im «;oc JiöSm^ov il^tiv 
qiijaiv avtöv xal «(löe 'Artüixon löv £i3nviU)V «al SimQ^cu ttaif' avtä 
jföyor faoTÖ*. Vgl Ä. 86, 

34} Und nicht ichon in Athen, wo Timon damals uooh gar nicht lebte, 
s. C. 2. Ä. 616. 

3G) Wenn bei 8nid. nicht etwa Zenon, aondem Timon nnd Ifenedemoa 
aU aeine Lehrer beieichnet werden, so iat folglich in Bemg auf Timon, 
der QDgefähr gleichen Altera mit ihm war, diese Nachricht lediglich hieraoa 
eotatanden, und analog wird sie auch in Besag anf Hanedemoa, welchn 



iv.t^iOO^lC 



AratoH. 291 

daiiD angetrieben haben auch die Ilias herauszugehen'^, doch 
kam es allem Anscheine nach nicht dazu"). Später kehrte er 
an den makedonischeo Hof zarBck und starb hier noch vor dem 
Todesjahre (240/3^) seines Gönners Antigonos Gonatas'^). Bei 
seiner Vaterstadt ward ihm ein Denkmal errichtet'^), nnd sein 
Bild**) findet sich auch auf Manzen derselben*'). Von einigen 
Seiten worde er als Arzt bezeichnet"*), was aber offenbar nur 
daher rQhrt, dass er auch die Medicin zum Gegenstand seiner 
Lehrdichtung machte; in Wahrheit war er blosser Dilettant in 
der Arzueikunde wie in der Astronomie'^). Er verfasste nämlich 
auaaer den drei schon genannten Werken noch eine Reihe anderer 
poetischer und vielleicht auch prosaischer Schriften, von denen 
uns aber nur sehr wenige Bruchstücke geblieben sind"). Auch 

abrigena aoch ein g^roBset Liebhaber der Poeme dea A. war (La. Di. II, las 
nach Antjg. v. Kar.), ledig-lich anf den Verkehr mit diesem am makedoni- 
BcheD Hofe zurück Eufäbreu sein, eo mOglich es an sich ist, dose er diesen 
Hsuti auch schon von Athen ans in Eretria aufgesucht habe. 

SB) Ar. gen. Z. U ff. didicit quideia et Odytaeam (nur dies steht anch 
im griechischen Text V. III. p. 56, SS f. itmi/^mat dt xal tijv 'OSvaatiaw). 
tt Getraustius (Dotitheiu?) inquit quasi praegüleru ab imperatore et eliadem 
teripgiMe uu Homervnt dirigere. V. I. p. 64, 60 ff. iivtc (D&mlich Doeitheoe, 
s. A, SS) a ecitöv elf SvQiav ilijlv9iviti ifa«l Mal ftforivai naif' 'Avn6xia 
■al ^{t««#Bi vjt avtoi äoxt nj« 'iXiata 3iof9ä«a<i9M. 

37) Denn flberall ist immei nur von der Ausgabe der Odyssee die Bede, 
V. III a. a. 0, Said. SiOfüamiv 'OSvoatiat. V. I. p. 64, (>8ff. *ai i^v "Odva- 
attuv äi iitäf^aae, xarl xaleizai nc 4(ö^»Me oStmg Utütuot ms 'A^mzät- 
jdog %ai 'Apoxaifittiot- itv^e 9^ "»^ *. 1. s. A. !6. 

28) Wenn anders aaf Said. \ta\ nag' uvzä liflcvTfjOf Terlaas ist. Itn 
Debrigen a. Polyb. 11, 41, i. Droysen a. a. Ö. IIP, 1. 8. 448. A. 8. 

29) Heia I, 8. 30) Sidon. Apoll. IS, 8. ctrvie« panda. 

31) Visconti Icon. Or. I. Tf. VII, 6. IH. S. 396. Bflrchner Ztschr. 
f. NDmism. IX. S. tlS. 

82) V. I. p. 64, 6fi f. V. II. p. 6«, 12 ff. Vgl. V. IV. p. 00, «8 f. und dam 
A. 4. 12. 

33) Wie im Anschlass au Hipparcbos der Astronom Dionyiios in seiner 
Vergleichnng des A. und Homeros richtig bemerkte, V, 111. p. S9, 34 ff. 
(^ Ar. gen. Z. 69 ff.) avvayofivet B" hÜiä (nämlich 'ImtÖQxai) «nl ^lovvatof 
Iv f^-Kf^l avjKfütag 'AqiiTOv Kot 'Oji^gov xtgl täw jui^Ttpatiiiäp , SantQ 
y( qiTjnv' ov c/&lfitv «vidp Un^hv slvat ypaipavra zaq taTgt-naq twafittg, 
or#i ßa&t}ftui:ntiv &i^aofttr oidiv iivov tlnövta xAv £ü4ö|ov. Tgl. A. 80, 

34) V. I. p. 66, 84 ff. iffttifit dl kbI älla nonifiain . . . ov itövov za 
9aiv6fievtx, xdI 'Aezeoloyiav not 'laTsiv-ig Svvtiti4it (vgl. A. SS) mqI iCe üäya 
vfiMM' «aI tls Mpfiv vov idilqiöv imx^ifto» *al jfiioajiptiae xsl ^TtKäv 
■«1 Katäi Xfxtöv äXXa. Suld, evvitait H pißX/a taör«" ib «aivöfiFV« . . 

19* 



i.t^iooylc 



292 Zehnte« Capitel. Dai Lehrgedicbt. 

haben wir noch zwei Epigramme in der Anthologie^. In den 
unächten"), aber, vie es scheint, immerhin nodi ans guter 
Ueberlieferung geschöpften Briefen ward auch des Aetolers 
Alexandres und der Entstebnng der ^aivöfuva^''), so wie der 
drei BrUder des Aratos, Namens Myris, Katondas und Atheno- 
doroa^"), gedacht, von denen Athenodoros eine, und zwar, wie 
es beisst, die erste <jregenBchrift wider die Angriffe des ZoOos 

tififovc eis näva, SjiorSoqiiQovs , Tlaiyyia, JoiQoloyiav xal Aatfo^tciav, 
Svv^Miv ipaQfiitioiv , 0T](iiaMiv iitixi^Stut, 'Ji^gavoyovüiv , 'Eifi(h>u%6f 
(wofOr Betnhardj wohl mit Becht nach V. I Sinm6v Termnthet) , tt« 
&t6viionov, cle "Avtiyovov, H9oBoiias, 'Eataiokät , '£«typaftfu>ia tlt 9Ha9 
x-^y Svyatiga 'Avxmätfov (also die Hatter dea Oanata«; Hohde a. &. 0. 
8, 66. A. 9 Termuüiet hier einen Irrthum, indem er lieber an die Gemahlin 
desselben denken mOclite), 'AyoTOfi^p I^Avazol^v? b. q.), eis Tlaveavlav xi» 
ManiSöva, 'ETiiinjdiiov KltoiifitfÖTOv , dw^maiv 'OSvaatias, 'Exiaroläs 
öfio^e xataloyäBriy. V. II. p. 66, 8 ff. f<nii> avtov Sztfu avwzäyiuxia, S^ut 
di fivijfi)]; d', ¥v (liy 'JtctQtitä* ivvu^vo», Otvtifor di Katötoe xatato^ii, 
xfitov xa tfaivöfiEVD, xixaftov xö «i«l ävArol^e (Bernhard; nach Said, 
mit Unrecht äpaTOfi^e)i o ipaai tivee fi^ il>ai 'Agäxov älX' 'HyiimätaKtoe. 
Der dreimal bei Acbill. (15. 16. 19, vgl. C. 28. A. S46») erw&hote Xavnw 
oder Kuvövo« meriiTOftij eathielt daa aatronomiach- musikalisch« System oder 
die Sphären barm onie nitd war nach den ^ivöfifva, wie ans V. 460 f. hei^ 
vorgeht, geschrieben, s. Boeckh De Arati canone, BerL 18SS. 4. EL Schrr. 
IT. S. 301—307. Uebrigens Tgl. A. 15. Die 'laxQinal Svvdtitit, bei PoIL 
II, 4 "raipixa genannt, h&lt Bernhard; gewiss richtig für einerlei mit der 
Svv^taie ipagiittxiov bei Suid. Eine poetische Schrift xegl &avaa(fUBv tptiQ- 
tuixair oder wie sonst der Titel gelautet haben mag erwähnt Qalen. ZI?. 
144 Kahn, B. A. 88. Anch das noCiuia tls Stöjigono* war ein Traaei^ 
gedieht {ixittTiStiov), Schol. Od. o, 486. Üeber das Gedicht (oder die Ge- 
dichte?) %axä Xemöv s. C. 4. A, 17. „In ihm (oder ia ihnen?) wird man 
wahracb ein lieh daa Torbild der gleichnamigen Dichtungen des Vergilini m 
sncben haben, i. Bergk Bhein. Mns. XX. S. 261 (El. Sobrr. IT. S. 745. 
No. G2) und besonders R. Ungei Die Gedichte naxi ltxt6v, Jahrb. f. Pb. 
CXIII. 1876. S. 4S9-43a". (Enaaok). Entacbieden fOr an&cbt gaLUn »v- 
tixä nnd «fpl ötvliov, Boissonade Anecd. ill. S- 10. üeber die Briefe b. 
A. 11. Ans einem Bach Elegien citirt Mactob. Sat. T, 80, 8 ein anch bei 
Steph. T. B;z. rätyaga und Enstath. e. U. S, 292. p. 07S, 29 f. aogefOfarteB 
Distichon, in welchem A. 6p<>ttisch den Dichter Diotimos von AdramTttion 
(s. C. 30) beklagt, dass derselbe in Qargara als ScbnlmeiBt«r leben mosa. 
Einen nenen Qedichttitel JTiivitig hat Meinoke Tind. Btrabon. 8. 180* 
und sodann mit Berichtigung des CiUts Enaack Herm. XTIIL 1663. S. S8 
ans Hellad. b. Phot. Bibl. Cod. 870. p. 631 a, IG f. ans Licht ges^en. 

36) Anth. P. XI, 487. XU, 189. 

36) S. A. 11. 37) T. L p. 64, 64 ff. 

88) T. I. p. 63, 8 f. Dass A. auf den Tod des U;ris ein Tranergedicht 
verfasste, darflber s. A. 84. 

D,j-,_, l|.;,*^TOOylC 



Aratoi. 293 

auf die homerisclie Poesie verfaBste''). Den 0atv6(tevtf des Aratos 
aber wird in einem Epigramm ans den 'iStoifivii des Ptolemaeoa 
PhüadelphoB oder Eaet^etes"*) die Palme vor allen anderen, wie 
denen des Hermippos nnd des Hegesianas, ziierkeanL Desgleicheti 
lobte Kallimachos sie in einem gleichfalls nocli erhaltenen Epi- 
gramme**) nnd rftbmte ihren Verfasser rielleieht auch noch in 
anderen Epigrammen, jedenfalls in seiner Schrift an Praxiphanes 
als einen vielseitig gebildeten nnd kenntuissreichen Mann und 
ganz Yortrefflichen Dichter**), nnd nach diesem tonangebenden 
Urtheile wurden denn diese 9aivö(uva bald eins der gefeiertsten 
Gedichte des Alterthnms, nicht bloss im gebildeten Pablicum, 
sondern auch bei astronomischen Sachkennern, Freilich anter- 
lieasen diese, wie Hipparchos nnd Dionysios"), nicht hervor- 
zuheben, dass dies Gedicht ohne wissenschaftliches Verdienst nnd 
seinem sachlichen Gehalt« nach lediglich eine Umsetzung des 
Eudoxos in Verae war, nnd zwar nicht einmal ohne alle Miss- 
Verständnisse, wie Aratos denn z. B. die PolhÖbe des Eudoxos, 
der doch in Enidos lebte, beibehielt, tmd rügten die gegenüber 
den inzwischen eingetretenen Fortschritten der Astronomie hieraus 
hervorgegangenen Müngel**). Aber sie hielten es trotzdem offen- 
bar (Qr ein nützliches populäres Lesebach und schrieben daher 
Üommentare zn demselben. Der des Hipparchos ist uns noch 
erbalten*'), so wie ans späterer Zeit die Einleitung (tlaayoy^ 
des Achilleus*") und die Schrift des Mechanikers Leontios im 



89) V. IT. p. flO, 9 S. Se «((öioc (diet nfätot iat fielleiaht nm ein 
wilUOilicbei Znsate dieses ichleohten Biographen) dvtimtt» liyttai Zatüm 
im naiö; t^e 'Ofiijptx^E noviiatmt ■/^ä^arxi. Y. IIL p. 67, 4 f. Zv ^ijdi* 
Evip^fnf (s. A. 48 und C, 8. A. 648) avttyiiä^at xpöc lüc .loi TiioOjm 

40) T. I. p. 66, 93 ff. Ygl, C. 6. A. 2». C. 17. A. H. 18. C. 19. A. 17. 
C. 37. A. 18. Mit Dro^ien a. a. 0. 111*, 1. S. 60 f. A. 3 erat Philopator 
oder gar Phyakon vx TBrateben sehe ich keinen Oraad. 

41) Dem acbon A. 4 angefllhrten 37. (Anth. Pal. IX, 607). 

4i) 8. A. 4 Qud 10. üeber daa Ürtheil dea Henedemoe a. A. 26. 
48) T. IIL p. 69, 39 ff. Vgl. A, 88. 00. 

44) Vgl aach Cic. de or. I, 16, 69. Aomtfwtn ifrtMrwm a^rotogiae. de 
rep. I, 14, 33. 

45) 8. C. 38. A. 274. 

46) mBchlich nach einem Irrtham bei Said. 'A%iXXivs Tatioa odtr 
Siatioa beigenuint Er lebte gegen Ende des !. oder Anhng dea 8. Jahrh. 
n. Chr. Was nna geblieben ist, aind freilich um Aiuzdge. S. DieU 
DoxogT. S. 17 ff. 



Iv.t^TOO^lC 



294 Zehntes Capitel. Dm Lehrgedicht. 

7. Jahrhundert aegl xazccexevrjs 'J^attiag efpai(fag"). Die Bio- 
graphie und Erläutern DgBschrift des Stoikers Boetbos ging ohoe 
Zweifel aus dem philoBophischen Schalinteresse hervor'^). Aber 
auch die Philologen beschäftigten eich natarlicherweise ei&ig mit 
diesem berühmten Dichtwerk, zuerst, so viel wir wissen, Attalos 
von Rhodos, der freilich zugleich und sogar recht eigentlich 
selbst ein Mathematiker war, kurz vor Hipparchos, indem er es 
sich angelegen sein lieas in dem seiner kritischen Ausgabe hinzu- 
gefügten Commentar nach Kräften den Dichter gegen die Aus- 
stellungen der astronomischen Sachkenner zu schützen*'^), dann 
die ja auch stoisch gesinnten Fergamener Kratee und Zenodotos 
von Mallo9 und vielleicht Asklepiades von Myrleia''"), aber auch 
der Aristarcheer Parmeniskos^'), später Sporos von Nikaea, welcher 
oft in den Scholien zum ersten Theil, Orion und Apollina ris'*), 
welche gleich Plutarchos") in denen zum zweiten, den sogenannten 
^io0T]nstat, angeführt werden. Sporos gegen Ende des ersten oder 
Anfang des zweiten Jahrhunderts n. Chr.^*), welcher auch eine 
neue Ausgabe veranstaltete^), missbrauchte in seinem Commentar 

47) Die beiden ereteren Schriften eiod von Victorias 'rxxtfpjov Bi- 
9vfiiv t£v 'j^^iov xol EvSÖ^ov ^lyonivior l^i^y^vtam pipiia y'. Tov 
avxov 'jtauti9(toi. l^xiUtmc Tatiov IlgoJiiyöiifva stt ni 'AfÜTov ttaiföfiim. 
'Afätov pios, xal aiölia «alitiiöi' tivmv eis <ö tivtov xo^ij^a. Flui. 1567 fol. 
und in Fetaviue Uranologion, Par. 1630 fol. Ämsterd. 1703 hcransgegebeu. 
Ein voD Vettori mitveiOS'eiitlichtes VerzeichDiBt vermeintlicher Aneleger 
dea A. in einem Cod. Vat. 191 ist in Wahrheit vielmehr eine Zogammeii- 
Stellung der in einer astronomiichen Schrift erw&hnten Scbriftatellsr, hat 
alBO mit A. gar Nichte zu thnn, b. Maaes Das vatikanische Verzoichoiu 
der Aratcommentatoren, Herrn. XVl. ISSl. S. 88S— 391 (vgl. v. Wilano- 
wite Ant. V. Ear. S. SS9). 

48) Wenn die A. 4 erwtLhnte Vermothnng von Breysig richtig ist, 
mit BenntzuDg der Tortrefflichsten Qaellen wie der schon erwElhnten Werke 
des Antigonoa Oonatas (b. C. 1. A. 9), des EallimaohoB (a. A. 4. 10. 4S), 
dcB DoBitheos (b. A. 83) and aneh wohl des BuphraDor (s. A. 89), wenn ander» 
dioH der Schüler des Timon (s. C. 2. A. 641. 643) war. 

4U) S. MaasB De Phaenomenis Arati receneendie, Herm. XIX. 1884. 
S. 92—122, bes. 8. 102 f. 107. 113 f. Weitere» C. 30. A. 30—88. 
50) S. C. 36. A. 66. 88, 101. 

61) S. C. 80. A. 106. 

62) Vor AchilleuB, a. Diels S. 18. 

63) DcBsen Jltiai isv 'Ag^tov äiovi\^eim¥ aach in dtm Katalog teiner 
Schriften von dem angeblichen Lamprias stehen. 

61) S. Maas« Anal. Erat S. 63— 1>6. 

65) S. MaasB Do Phaen. reo. S. 116—119, vgl. A. 67. 



lA^iOügle 



Äratoa. 296 

Beine mythologisclie Gelehrsamkeit, indem er zur Aueleguug des 
Aratos die ganze mythische Geschichte der Sternbilder heranzog 
und in ihn hinein erklärte, und Übte damit einen weit verbreiteten 
£influB8 auB^^). Diesem Unweseu trat der bekannte Mathematiker 
und Nenplatoniker Theon tod Alexandreia im vierten Jahrhundert, 
ebenfalls zugleich Herausgeber*'), mit seinem streng innerhalb 
der astronomisch -mathematischen Grenzen sich haltenden Com- 
mentar ent^gen, wie er dies in dem noch erhaltnen Dedicatioos- 
schreiben an seinen Sehtller lulianos^) anadrflcklich si^t; aber 
er verfolgte zugleich einen anderen, nnd zwar sehr Terkehrteu 
polemischen Zweck gegen die älteren mathematischen Aueleger, 
indem er so weit ging, Männer wie Hipparchos und Dionysios*^) 
der Oberflächlichkeit nnd Ungerechtigkeit^), ja des absichtlichen 
schnlmeisterliaften Uebelwollens^') anzuschuldigen, und gegen sie 
uacbzaweiaen suchte, dasa Aratos meistens sogar genauer unter- 



66) S. Haaas An. Erat. S. 68 f. Es ist dies derselbe Sporos, welcher 
anch Erkl&mngea zd Arütoteles nutST dem Titel „ariatotelUche Honig- 
waben" {'AgifTintUnä xrjela) gchrieb, ■. Dieli Änag. dei Simplib. i. Arietot. 
Fhji. I. 8. XXVIf. und Tannerr Snr Sporos de Nio^e, Annales de la 
bcoltä dea lettrei de Boardeanv 1868. No. S.- S. S&T — 261, indeBsen vgl. 
anch Heiberg FhUologiu XLIII. 1881 8. MS f. 

BT) S. A. 68. «7. Mitkrititcben Zeichen, e. Maats De Ph. tec. S. 106. 

68) Duselbe steht mit anderen Ezcerpteu im U&re. 476 (s. A, 67; 
unter den Ansgaben nur in der ed. princ), ans welchem es Haass An. 
Eral S. 86 mittheilt. Freilich ist hier weder der Name des Verfassen an- 
gegeben noch nennt letsteter den von ihm bekämpften Commentator mit 
Namen, spricht Tielmehr unbestimmt von derartigen Analegern im Ptural. 
DasB er aber doch nur den einen Sporos meint tud kein Anderer als 
Theon ist, seigt Hasse a. a. 0. S. SSff. Anch ans einem Schreiben, mit 
welchem (wie Maass gleichfalls beweist) derselbe Theon einem Freunde 
(Tielleioht dem n&mlichen Inlianos?) seine kritische Aasgabe vor ihrer Ver- 
affentUchang zur Ansicht schickt, ist ein Bicerpt nebst einem anderen, 
Umlichen, auf den Conunentar besflglichen im Cod. Lanr. LXXXYII, 10 
erbalten, s. beide bei Haass De Ri. reo. S. 108 f. 

69} Vgl. A. 88. 

60) T. IIL p. 69,S9ff. S^t* rtf^ «»» i^aXmtiQns ttfo<itQto(iiva>v 

ßiliiv Fispo» tär Evdöiov 9aivo(iirm9 nof^oavta avzöv ils tö ouyr^ttfifi« 
tttvai. ta-tttTit ii Tqg yviaatiaf l%txai «vi "innufios ö Bifrevds' iv y&Q totg 
■xfht Evio^ow *a\ 'Aftctov ns^^änn ioüto axottitvivm. avvtcyogrvfi %. c. 1. 
(s. A. 38). |)t<{(avciii 8' ov filrp^e. 

61) Sohol. WO (p. 78, 16ff. Bekk.). "lunatnos . . . twu xi» 'Jpato» 
cö»v*j). S. Haass An. Brat S. 86f 



i.t^iooylc 



296 Zehntes Capitel. Das Lehrgredicht 

richtet gewesen sei als Eudoxos^^. Inzwischen hatten aber auch 
die Römer^^) längst begoonen dem Gedichte eio nicht geringeres 
Interesse zu schenken, wie dies die Brucksiücke einer schönen 
Uebersetznng von Varro Atacinus"*) und die der gleichen, aber 
allem Anscheine nach weit weniger gelungenen Jugendarbeit des 
Cicero zeigen. Dazu kamen dann die noch erhaltnen Bearbei- 
tungen des Caesar Germanicns und im vierten Jahrhundert des 
Kufius Festus Avienus, von denen erstere freilich etwas iQcken- 
haft Überliefert ist^). Sehr fleissig lasen auch die Byzantiner 
biß ins siebente Jahrhundert dies Gedicht, und man miiss sich 
sonach beinahe wundern"^, daes es nur durch eine einzige, aus 
der Redaction des Theon hervorgegangene, im eilften Jahrhundert 
von dem Diakonoa Niketas fQr seinen eignen Gebrauch verfertigte 
und mit einer reichhaltigen Scboliensammlung versehene Hand- 
schrift") auf die spätere Nachwelt gebracht ist Diese Schollen 

e2) Theon fUbrt fort T. III. p. 69, 8» ff. nach den A. 60 angef. Worten : 
i]v füg tö eiSiftit fuiaipi/äaai IfiTiiifilas fiatOiiftoiix^f (dies iii richtig, aber 
Hipparchos und Dionjaioa hatten gewiss dem A. anch nicht alle, londem 
nuc grücdticbe mathematüch-aBtronomiBche EennlniiB absprechen wollen). 
eiQtiaofUv i' uvtot ittil Ixiftcliofc^t' tu nltieta lov Eviö^ov ImonffiMw. 

68) Hoch feiert den A. Ovid. Am. I, Ifi, 16. cum sole et Utna teatper 
AralM erit. Nüchtern and Terslttndig nttheilt dagegen Qujntil. X, 1, 55. 
Ärati materia motu cant, ut in gwi nulla tarietae, nvUue adfectus, nWIa 
pu'sona, nulta cuituguam sit oratio: suffieit tarnen operi, cm u parem ertdidit. 

64) Bei Serr. i. Terg. Georg. I, 357. 

65) Schanbach De Ar&ti Solensis interpretibns Romanis, Meiniogen 
ISIT. 4. Novae editiouis Arateonim CiceroDi«, Oermanici CaeBaris, Ru£ 
Feati AvJeui spec. T. ü., Uei^ingen ISIS. 1820. 4. J. Frey Epiatola critica 
de Germanice Arati interprete, Cnlm 1861. 4. Von den Ausgaben mag hier 
nnt die des Qerman. von BtejBig, Berl. 1867, 9. (mit den Scholien) an- 
gefahrt werden. 

6^ S. jedoch Kaass De Ph. rec. S. 101: „esset mirand%im, tUsi muAm 
indiciit conligeretur inde ab octavo demwn et nono aaeaiio extremam litttra- 
nan cuffut barbariem apud illos Bynanünos fuiaae obduelum. Ttmc tithe- 
menter evanesctmt et fere in clfricorwn latent tolitudine, gm teriptorei remo- 
tiores otii aui obleciandi cauea ex bibliolhecarvm pulvere tordibutque ereptoa 
Mum in itaum describunt et ita contervandos curant". (Vgl. Maaas in den 
M^langes Oraui S. 768 f.). 

67) Es ist dies derselbe Cod. Ven. üdorc. 476, welcher auch die Ale- 
xandra des Lykophron mit Scholien enthält In dem Schreiber imd Beaitcer 
liesgelben Niketaa hat Scheer Rhein. Mos. XXSIV. S. 281 f. (s. C. 9. A. 45} 
einen bekannten nachmaligen Ersbischof des 11. Jahih. Dacfagewiesen. Dasa 
dieaer selbst die Scholien ans Uiecen Büchern ansgecogen hat, sagt er swar 
nicht von denen eu Aratoa, aber doch von denen lu Iijkophron aelber: 

D,j-,_, l|.;,*^TOOy[C 



enthalten grosseotheils*^ Äuszflge aue dem Gommentar dea 
Theoii, aber auch ans denen des Sporos und Anderer*"). Ausser 



xävtav^tc avr^9iioi«a ItitnoÜ 1/fiic, ygi. Haai b a. a. 0. 3. 9i und EenneB 
XIX S. U6. A. 9. HaaBB a. a. 0. B. 101 Wirt fort: ,^tque NietUu dia- 
eoMUt . . . vel Lycophronem adeo adamabat, vt noti «oImm veraua vtore Ly- 
CophrotiM eondertt, verum et iptum »choliü ifutructum Arato etto adiittigeret. 
St Aratum quidem ex velutto extmplari viäetur r^etüsse, quia ex frequettti 
liUerorum qwiruttdam pervnttatione archetypi lüteratura uncialia conligenda 
ttt. Itaqut ultra octavum certe nucwlvm, quod qui huauque innotttenint 
Codices minuscidit scripti mm e^eedviU, archetypitm Marciam unciolem re- 
feretidum exittmo". Ana dieaec EaDdeohrift irt fSr Aratoi, wie Sctieet 
Bhein. Uns. XXX17. S. 872 f. Anig. dei Lykoph. S. 1 f. ond Maasi a. a. 0. 
S. 94 f. ervieBCD haben, znn&cbat der nicht viel weniger alte Cod. Vatic. 
1S07 mit denaelbeu Scholien gefloBBen, welchen Bekker irrtbOmlich für 
d«n Utaten Codex dea A. hielt. Uaaai hat non aber fenker a. a. 0. 
(S. 96 ff.) gezeigt, daaa anf aie mittelbar auch alle jfingeten Handecbriften 
inrackgehen und die Textrecenaion aUo Ton allen HanDscripten aaf aie 
allein m begrflnden iat. (Etwaa anden nrtheilt allerdinga t. Wilamovrits 
Eorip. Heraklea I. S. 190). Mehrere jener jOngeren aind ana der nenen Ite- 
daction oder vielmehr Teitverderbnng des MOnchs Planndea im 14. Jabrh. 
nebat dessen Umgestaltung der alten Scholien herrorgegaogen, und in 
einem (Laor. XVni,44) steht ansdrficklicb: Bitoros ^fijriffftwc ixlttyal Suiq- 
9to9tiaiti waga lov toipaiimov jtofajov %vgiav MailiMV ntetvoviovs. Nnn 
war aber die Redaction des Theon, welche Maaea a. a. 0. 8. 101 ff. als 
Quelle des Marcianoa erwiesen hat, veo deacen apologetiacher Tendern lu 
Onnsten dea A. stark bedingt in der Wahl der Lesarten und der Anfnahme 
fremder Coqjectnren, t. B. Ton Attaloa, wenn Theon aaoh eigne nicht gemacht 
an haben acheiut, a. Maaaa a. a. 0. 8. 103 ff. 110 £ Olflcklicherweise 
jedoch hat Niketaa neben dem von ihm abgeschrielmien Uteren Codex noch 
einen anderen, vielmehr ana der Redaction dea Sporos, wie Haaaa a. a. 0. 
8. 116—119 darlegt, entipmngeneu benntzt und ana demaelbeu nnverächt- 
liohe Variüiiten beigeschrieben, nnd aaaserdem aind wir in der günatigen 
Lage abgesehen von den lateinischen Bearbeitongen fflr die fieratellnng des 
Urtextes, in welcher sich daher recht weit Tordringen l&sat, anch noch die 
Citate, die freilich vielfach nach einer jfingeren Redaction umgemodelt 
aiod, nnd Paraphrasen von nngefähr 200 Venen bei Hipparchoa benatten 
m können. 

£S) Nicht dorchweg, wie nach dem Torgang des Planadea (a. A. 67) 
Hauche g^lanbt haben. In das entgegengesetste Extrem verfiel Bernhard; 
0. L.-G. II', 8. S. 7S0. 7Slf. H. Grotina Sjntegma Atateoram, Leiden 
1604. 4. und Bekker aahen daa Richtige. Bnhle hat die Scholien vOIlig 
verkehrt in zwei Beceoaionen ansebandergeriaaeD , Bekker mit Recht aie 
wieder vereinigt. 

69] S. Haasa Anal. Erat 8. S7. A. 61. Tgl. De Ph. reo. S. lOS ff. Ans- 
zflge ans dem Commentar des Sporoa finden sich anch noch in einem Pariaer 
Xiscellanoodex dea 10. Jabrh. (SuppL Gr. 606 A), aas denen Treu Hiacet- 



i.t^iooylc 



298 Zebatea Capitel. Dm Lehrgedicht 

in dei Tielgeprieseiien einleiteuden Anrufung des Zeus iet die 
Dichtung des Aratos ohne rechten Schwang, aber doch von einer 
gewissen einfachen und dabei edlen Anmuth, und so mag sie 
denn, wenn man die SprÖdigkeit des Stoffes bedenkt, ihres langen 
Ruhmes nicht gerade ganz unwerth gewesen sein^'^); immerhin 
jedoch ist es vom Standpunkte unseres heutigen Geschmacks 
schwer begreiflieb, wie sie einen so grossen und dauernden Ein- 
druck") machen konnte'*). Wohl darf man in ihr die Weise 
des Hesiodos wiederfinden, die Sprache jedoch scblieast sich weit 
mehr an die homerische an^^, zeigt aber, wie sehr die Eennt- 
niss der letzteren damals noch in den Kinderschuhen steckte, 
so dass auffallende Incorrectheiten vorkommen und man hiernach 
von des Aratos Recension der Odyssee eben keine sonderlich 
günstige Meinung gewinnt^^). Einen Anhang bilden die Wetter- 
zeichen'^). Aus welcher Quelle der Dichter diesen zweiten Theil 

lanea Aratea, Ohlan 16S0. 4. Einiges mitgetheilt hat, vgl. Haas» Ad. Er. 
8. 46. A. 67, and so werden sich wohl anch sonBt noch aua solchen aatro- 
nomiBcbea SammelfaandschriRea die Scholien bereichem taaaen, ■. Dübner 
line obaerratioa concemant les Scholies eur AratuB, Bev. de philol. II. 1847. 
S. 183—189. 

70) Vgl. das TJrtheil des QaiDtitianne A, 68, dazn die Charakteriatik 
von Couat S. 469 £ 469 ff. 477 ff. 

71) üeber ihren EinOnss anf die bitdende Kunst handelt Robert Ets- 
tostb. Cataster. reliqti. 3. 846ff., welcher meint, dass Urania erat tqd A. 
ab als die Mose der astronomiBchen Diebtang galt. 

7!) Vgl. Couat S. 488-487. 

73) Ereteres hob Kallimachos in dem mehrerwülinteD Epigramm her- 
vor, Letzteres Boethoa, s. V. L p. 74, 77 ff. und V. II. p. 67, 18—38, vgl. 
V. IV. p. 60, 88 f. 

74) Loebe De elocntione Arati Soleosis poetae, Halle 1864. 8. 

7B) Aber der Titel dee QanEen war trotzdem blou 9inv6^v« und 
nicht, wie die OrommatikeT ihn bezeichneten, ^aivö^tva %a\ iionnuüa. 
Ungleich richtiger setaen die rCmischen Bearbeiter doch wenigstens' Pro- 
gnostica für dioariiiftu. Vgl, A. 77. Dies hat GraDert üebei die Werke des 
Dichters Aratas von Soli, Rhein. Mob. 1827. S. S36— 348 richtig gezeigt, 
seine weitere, neaerdinge von Coaat S. 457 f. anders, aber nicht besser ge- 
staltete Hypothese aber, dasa das Qedicht einst nmHlJiglicheT und 'Aatfti&tvla, 
'Ärtttolri nnd Kavtav (s. A. 34) Theile desselben gewesen seien, ist wenig- 
stens in Bezog auf den Kaväv von BSckh in der A. 84 angef. Abh. wider- 
legt worden. Möglich dagegen ist allerdings so viel, dasa das Citnt des 
Tzeti. ia Hes. Op. 1. p. 23 Quisf. iv x^ iK'fucr?; imv Ua-c^ixiöv sieb auf eine 
sp&tere Sammltmg aller astroDomiichen Gedichte beziehe, eben so gnt 
aber aach denkbar, daae '^mpixü ein anderer Titel ftlr 'Aattolo^lti war. 
Eine dritte Verrnnthung, die von BCckh 8. 307, dass Tietzes eine spielende 



,,i.,ooylc 



Antoi. Paeudo-Phemonoe. 399 

geschöpft hat, ist Btreitig^*). Aach die e^entUcben 0tttv6(ievit 
aber sind bereits zweitheilig, indem die Beschreibung des Sternen- 
himmels schon mit dem 450. Terse abschliesst und von da ab 
aber die Flaneteti, die Himmelskreise, die Auf- und Niedergänge 
der Gestirne gehandelt wird"). Eine methodische Textrecension 
ist in den biaberigen Ausgaben'") noch nicht zu finden'^. 

Eine eigenthOmliche Fälschung wahrscheinlich aus der älteren 
Alexandrioerzeit, sicher wenigstens nicht späteren Ursprungs, waren 
die Poesien über, die Wahrs^iing ans dem Vogelflug und aus 
anderen Zeichen so wie über Traumdeutung unter dem vermuth- 
licb erst von dem Verfasser erfundenen Namen der Phemonoe, 
sei es nun, dass jener diese drei Gegenstände in einem einzigen 
Gedicht oder in drei verschiedDen behandelt hattc^. 
byzantiniiche TierUieilnng der 9air6nt*a (b. A. 77) im Sinne habe trnd 
eiaen verlomen Epilog alg fanftas Bnch bezeichne, kann nach dem, waa 
-wir jetxt Tou der Ceberliefening des Gedichtes wieien, wohl nicht mehr in 
Betracht kommen. 

76) QewOhnlich und ao auch noch toq Maaai De Ph. rec. S. 92. lUf. 
wird als aolche Theophrastoe itt^l arnuimir angesehen, aber J. Boehme De 
Theophraati qoae femntar ttt^l arnnüiv eicerptia, Hamh. iSSi. 8. S. 64 ff. 
bat mit miDdeatani gebr beachten! weitben GrÜDden daRnthnn gesncbt, 
daaa yielmehr ein anderes, mit einem Parapegma veraehenea Werk dea 
Eodoioa za Grande gelegen habe, vgl Snsemihl Jahresber. XLII (1&S5). 
8. Mf. 

77) Richtig iit also in so fern die Bemerknog T. IT. p. 66, 15 ff, Int 

xal avwivwöpTaiv, aal «(oypMvcig ita ernttdov. Dagegen ist es eine bloase 
Spielerei, wenn in einer jnngen Madrider Handeohrift anch der tweite Theil 
noch wieder in iwei Abachnitte zerlegt wird, a. Granert a. a. 0. 9. S3S. 
Eine genauere tJebeiaicht dea Stoffe giebt Ideler Steranameo 8. XIV ff. 

78) Ed. prJDc. AJdina, Aationomi veterea, Ven. 1144 f. mit den Schollen. 
Uorel, Far. 1559. It. 4. mit den Scholien ond Leontioe. H. Stephanna 
in den Poet. Or. her. carm. 1666, deaaen Text die Valgata ward. Fell, 
Oxf. 1672. 8. mit Paeado-Eratoath. Eataat Bnhle, Eeipz. 1793. 1801. II, 8. 
mit Cicero, Germanica!, Avienug und kritiachen Anmerkangen zu allen, 
Scholien tu A. (t. A. 68) nnd Germanicns, Biographien, Leontiog nnd 
Pragmentgammlnng. F. C. MatthiK, Frankf. a. U. 1817. 8. Buttmann, 
Berl. 1836. 8. mit berichtigtem Text und kritigchen Noten. Bekkei, Beri. 
1888. 8. mit den Scholien (a. A. 67 f.). Pari* b. Didot in den Poet, didact. 
Bd. 3. 1861. — Dentoche üebera. TOn J. H. Toga, Heidelb. 1884. 8. mit 
Terdienatlicbem erkl&renden Commentar. — FranzOa. TJebera. von Halma, 
Paria 1838. 8. mit Noten. — Fr»; Za Aratna, Rhein. Haa. XIII. 1868. 
8. ISS— 186. 

79) 8. A. 67. 

SO) Das Meist«, waa wir Aber dieien Gegenstand wiaaen, ist von 

D,J-,_, lIv.t^TOO^lC 



300 Zebotea Capitel. Das Lehi^dicht. 

Vielleiclit auch noch aus der älteren AlexaDdrioerEeit war ein 
Gedicht unter dem Kamen des Orpheus Ober die Zubereitung 

Hnaack Aoalecta AlexaDdrino-Komaca, Oreifsw. 1S80. 8. S. 1— S tu- 
aamm engest eilt Dieee aogebliche Phemonoe, deren nachweislich Ultste Er- 
wähnung sich »chon in den Jiadoiai des Rhoders AntiatheneB (b. C. 19. 
A. 49) fand (La. Di, I. *0. towioo [näml, Btllrttos] inl lo „yvä9t oaotö»", 

8i avtö XiÜmva), gab sich fftr die altate ProphetiD des delphischen Orakel« 
(Paus. X, 5, 4, 7 nach Alex. Foljh., b. C. 21. A. S82°. C. 83. A. 70; vgl 
18, 4, 10. tat ütliiäiat 91 ^miovJjis tc fii itfotitas ytvivftat lifwiai) 
nnd Tochter dei ApoUon (Plin. N. H. X. §. 7) aai. Gin Orakel von ihr in 
drei Hexamelem steht bei Pani. a. a. 0. 6, S, 7. In Folge dessen galt sie 
fQr die Erfinderin des Hexameters (Pans. au der erstangef. St.) und der 
angebliche UtBte Hexameter bei PInt. de l^th. orac. 17. lOS D av^^iqui 
vtttä, olmpoi, xiieö» IC, iiilianai, war atto wohl der Anfongsvers der Dicb- 
tong Ober die Wuhrsagong aas dem Togelflug, deren Sporen «ioh bei Plin. 
X. S- 7. 81 erhalten haben. Von Anderen ward freilich dieser Grfindnngs- 
rühm Tielmehr der angeblichen Verfuaserin einer anderen F&lschnag, der 
Boeo (s. 0. 14. A. 10 ff.) nigeschiieben. Beide erscheinen bei Plin. im Titelreg. 
des 10. B. neben Philemon, welcher Aber Orakel «chrieb (mfl ita»to- 
iaxäv XW^'^9^*t ^th. IV. 114 d), nnd Brann De anotomm indicibas Pli- 
uiaois, Bonn 1856. 4. S. 16 Termnthet mit grosser Wahrscheinlichkeit, daas 
Pliuins ans diesem (dessen Zeit sich aber nicht bestimmen l&cst) Alles ent- 
nommen hat, was er hernach an den beiden augef. Stellen dieses Bnche 
berichtet. „Einen anderen Zweig der Teratoskopie, n&mlich die Weissagong 
ans dem Zocken eines Oliedes, aber betrifft die Anffibning bei Peendo- 
Uelampns (wie man den namenlosen Verftsser, was aas dem Citat des 
Antiphon an dieser Stelle erhellt, wider seine Absicht genannt hat) «««l 
naltMv, Script, physiogn. p, 4SI Franz; 6ipf^aliios Sentit iav aUt;iiii, hotk 
4))f(ovöi]V %al Alyvxriovs xal 'Artupävta i%9eovt vitoffitiavt ^Eft, äjii H 
%al änod^iuivt. i^Oal/tov di^tov ti «mo pii^agov titv allijtat, iiiU%ti<iiv 
«vt^CBg dtiloi, *«tä 9h 'Afuipmfr« irpüft* Kai ijitiaf. Hier siebt es nun 
allerdings nach der Art der AnfOhroDg so ans, als ob Antiphon, der Zeit- 
genosse des Sokratea ond Piaton, sich bereite auf 4ie Aegfpter ond auf 
Ph. bemfen hKtte".- (Oder). Danach wKre denn Phemonoe weit Uter. 
Allein dieser Schein kann sehr leicht trtlgen, und in Besag aaf das aweite 
von Ewei ferneren Citaten dereelben (in welchen Horcher diesen Namen 
mit Sicherheit hergestellt hat) bei Artomid. 17, 9. p. SOS, 7 ff, /«n »i (nSral. 
i^ot), »G V ^ftovöi] (f. TjipTinov. ^) iiytt, föjtot äypa^o; bemerkt mir 
Oder selber: „Tor dem Zeitalter der Sophistik kann Pseudo-Ph. nicht anf 
diese Definition verfallen sein, welche einen hohen Qrad von Reflexion 
voiaiusetzt". Das heisst aber mit anderen Worten: sie war mindestens 
nicht jQnger als jener Sophist Antiphon selbst, ond da er ediwerlich der 
Oet&nschte gewesen sein kann, so würde höchstens Qbrig bleiben ihn selbst 
far den EUscher so erklären. Dafür aber mOstten erst deutlichere Spuren 
Torhaaden sein. „Das frfihere von beiden Citaten II, 9. p. 96, Kff. »«p Ü 



i.t^iooylc 



PBeado-Orphena. Eallimachoa d. Jüngere n. A. 301 

gemischter Gifte"*), neben dem noch ein anileree von emem uns 
ganz onbekannten Tragiker Heliodoros ans Atben^) nnd ein 
drittes unter dem Namen des Bolos von Mendes erwähnt wird^. 

Kallimachos der jQngere von Kyrene, Sohn des 8ta8eDor(?) 
nnd der Megatima, einer Schwester des berühmten Kallimachos, 
verfasste ein Lehrgedicht negl v^aav^). 

Ueber Nnmenios von Herakleia, den Vorlänfer des Nikan- 
droB nnd des Timachidas^), s. C. 24, Ober die poeÜaobea Ji^^actt 
C. 25. 



ti iw jf^«ti öUvor (tiv %al xatfapo» Ifttv ^ tfijftovöi] (f. v^fii) fiövov) l4fu 
äya^iv thai, koIv ii Kai SiuTgov »otijQit fOhrt ODB endlich in« Qebiet 
der Tr&amdeiitang, w&hrend es von jener Definition des f^og fraglich ist, 
ob sie gerade ia dem Traonibnoh der Pieodo-Fb. stand, nnd da das be- 
treffende Ci^itel de« Artemid. der HaapUacb« nach von Alezandros dem 
üyndier itammt (a. C. SK. A. 116), so wird dieser auch für sie hier om so 
-wafancbeinlicher der Vermittler gewesen sein, da er nachweislicb in seinem 
Vogelbocb Uir Gegen- oder SeiteiutQck, die Boeo, benntste (a. C. 26. A. 107). 
Im ersten TOrcbristlicben Jahrhundert moss man ihr also von Nenem, wie 
daa Beispiel der beiden Alexandras beweist, eine bMondere Anfinerksam- 
keit geschenkt haben". (Oder). Endlich wird sie noch erw&hnt bei Suid. 
Jlalalipaxat , Wo ein angeblich alter atheniicfaer Epiker Palaephatos er- 
scheint, Sohn jener Boeo, der entweder nach der Fb. oder noch vor ihr 
gelebt habe, s. C. 27. A. 110. 

Sl) Lobeok Aglaoph. L S. 7G1 b&lt dasselbe schwerlich mit Beebt für 
einerlei mit den 'ijio^oq, s. C. IT. A. 9. 10. 

83) Ea fflhrte den Titel 'AiioUni.%ii «pö« Nixii^axav (was E. Hejer 
Gesch. der Botan. I. S. 276. A. 1 gewiss richtig durch Mittel sich von lülen 
Uebeln zn erlQsen, also cum schmeralosen Selbstmorde wiedergiebt), s. 
Galen. XI7. 146, der 7 Hexameter ans demselben mittheilt, in denen „der 
Dichter »chwOrt die Terfertignng der Gifte niobt ans bflser Absiebt eq 
lehren, sondern seine HAnde rein uun Himmel so erheben". S. die wei- 
teren VerrnDthnugen von He;er S. 275, nach denen das Gedicht jflnget 
als Cicero gewesen wBie. 

as) Galen, a. a. 0. lU. Ux{9ta9itt 9\ tovxKv (n&ml. t«» awtituv 
6aru*fym) anivaaiut ftai#))(<(v ftoi doxsr, taütiif woUmr ftrtjdfijvifviaiv 
«ffib «oiovcwir avyYQUtpate, £p ilciv 'Og^tve i iiiinlj)9ilg tyiöXoyot >t>l 
Binl«t (b. Reinesins t.^Sl^t) i MtvS^etat [i rsmis^ccj *ai 'HXiiSafos i 
'Jftrpiaüf tQoycpStär noiiii^g kbI 'Agatos (s. oben A. 81) xal itloi tivit tÖv 
toiovcmv ovyYfmpt^. twiovt ftiv oir äv tif ftorfufirittv Ifiiiltgus tit- 

ta nfäriuna. Ueber Bolos s. C. 17. A. 127 ff. 

84) Snid. XulUfi, ädfl^qg i' ttviov %att ^ 6 vios KaXUiuix»K, i 
7((i4«rf wf^l v^etni Si inAv ond KaXXlpM%ot Kvqrivitlatf ivojvoidg, äStXlf^- 

S6} Ueber Timachidas s. C. 80. A. 22S ff. 



|.;,*^tOO^IC 



302 ZebuteB Capitel. Das Lehrgedicht. 

Nikandro3^°) von Eoloplion^^), Dichter und Grammatiker, 
aber schwerlich, wie behauptet wird, zugleich Arzt von Fach^), 
Sohn dea Damaeos ^'-') , mag etwa 202 geboren seiu^J. Er war 
Erbpriester des klarischen Apollon*')» daher er denn auch in 
dem zum Gebiet von Kolopbon gehörigen Elaros aufwuchs^) und 
dort seine 'jUs^itpägfiaxa achrieb^'). Längere Zeit hielt er sieb 
aber auch in Aetolien auf**), ohne Zweifel auch in Pergamon, 
an dessen letzten, 133 gestorbenen K&nig Attalosi IIP'^) er, wie 
es scheint, ein Lobgedicht richtete °^). Er schrieb zahlreiche 



86) AnBser dem Art. b. Suid. haben wir noch eine anonyme Biogr^hie, 
ytfoe Nmävdfov (bei Westetm. S. 61 f.). — R, TolkmaDD De Nicutdri 
Colophonü Tita et «criptii, Halle 1862. 6. (veraltet). — O. Schneider Ni- 
oaudrea, Leipög 1856. 8., b. A. 137. 

87) Snid. V. Arat. 1. p. 64, GS. IV. p. 60, 18. Cic. de ot. I, 16, 69 u. A. 
Die Richtigkeit dieser Angabe (nur das« dieselbe doch imgenan und er 
mOglicbenreiie in Elaros geboren sein kann) erhellt daraiiH, dass er eine 
besondere Schrift Aber die Dichter ans Kolopbon abfasete (A. 105) nnd ww 
A. 91—98. Die Nachricht V. Nio, p. 61, 1 f . Jtorvaios o tfttutjZiTtije h xm 
ittfi x^t 'Avxi^ixva «□(^«toie Alttalär tlvai ipTiai x6 yivoi (vgl. Said, uaxa 
ai Tivne AtxmUt) erkUrt siah, wie Ueineke Ad. AL S. 173 ff. 288 bemerkt, 
ans seinem langen Aufenthalt in Aetolien, Tgl. Schneider S. 18. 

88) Soid. äfut y^aftfianKÖg le *a\ xoijc^s %a\ laTf6s. S. Tielmehr 
C. 34. A. O"». 

89) Nach seiner eignen Angabe, Y. N. p. 62, 7 ff. (Fr. 110). Schneider 
S. 18, — Said, nennt seinen Tater Tielmehr Xeuophanei. 

90) V. Arat. IV. p. 60, 21 f. iß' oXatf ölviaciüai vctixi^ot falvetat 
('Ä9ixt>v\ d.h., wie Kitichl AI. Bibl. S. 87 (Opusc. I. a 70). Anm. bemerkt, 
er ward 48 Jahre nach dem etwa (s. A. 88) !G0 oder etwas B^ter erfolgten 
Tode des Aratoa geboren. Dasa stimmt annSherungs weise die nogensue 
Angabe V. Ar. I. p. 54, 71 ff. 'Avtiyoros yäp, p «nvtyivtxa 'Afaxog, «urrä 
xiv a^äxov Kdl dtvxtfop ylyovi IltoltyMioii, Niiuctdfot ti %mk xiv tiifunov, 
in so fem seine Gebort nnd &Olieate Lebensieit sonach wirklich unter Ptole- 
maeos V (205—181) Gel. S. Schneider S. IS— Ift 

91) In der V. N. p. 61, 8 f. folgt auf die A, 87 angef. Worte die Selbst- 
berichtignng des Dionjs. t. Pbas.: iv Si tä nf^l Kotqiiö« ttfiit iftiAv v. x. X. 
(Fr. 14). S. Schneider S. 17 f. 

92) Dies sagt er selbst, wie V. N. p. 63, 3 ff. bemerkt wird, am Scktnss« 
der Tber. 957 f. 

9S) Alex. 9 ff. 

94) Wie dieB aus seinen AlxtaXi^A und anderen seiner Werke herrorging, 
V. N. p. 62, 18 ff. Vgl. A. 87. 

95) T. N. p. 62, 10 ff. iyivtxo «<«* 'Arxulov xöv xsUvxafov n. x. X. 
Suid. ycyoräs *axä xöv viov 'AxxaXar %. x. X. S. Schneider S. 4 — 9. 

9«) Denn einem solchen achreibt Schneider S. 2. 3f. wohl mit Recht 
die an diesen König sieb wendenden Verse V. N. p. 62, 11 ff. (Pr. 104) in. 



ivXtOO^IC 



Nikandroi von Rolophon. 303 

Werke, Üieils in Prosa, theils in Hexametern, theils in elegischer 
Form^^). Erwähnt werden 17, denen aber nach wahracheinlicfaer 
Muthmassoug noch 2 oder 3 weitere binznzafflgen aind*^). Städte- 
gescbichten oder geographisch -ethnographische Darsteüangen 
wareo die MtatXtxä entweder in Hexametern oder in ionischer 
Prosa"*), die ÄoioyowtÄxa "»), die O^ranto"'). ^ßalxd""), Ikxe- 
Äüt^"'), alle drei in Hexametern, anch vielleicht KinftiQtot'"*), 
litterarhigtoriech die Schrift über die kolophooisohen Dichter 
(x£(fl 3toi7}xiäv oder wohl genauer ^te^I rmv ix Koi.o<p<5vog xoit}~ 
ttöv)^°^), medicioisch auBser den erhaltnen ^^laxa, 958 Hexa- 
metern über die Mittel wider den Bjes giftiger Thiere, und 

97) Said. Dennt auBaer den Btigianä und '/tlt^ctpäftuiKa nur noch 
rtatf-fifä , 'Etc^oievfLivin* ßtpli'u t', 'läeiav avvuymy^, n^oyvaazaia ti 
inäv, xtpl x^OTTi^leav advtmv (xurzoimv^ D. Volkmano) ßtßUci y' mit 
dam Zoiati xal aüti ttltrata tumäs, bdb welchem hervoTangehen «cbeint, 
daas auch die B9iiimtliohen Torhet genannten Werke in Hexametern ab- 
gefaaBt waren, es mfiBste denn lm%At hier allgemeiner „in Veraan" be- 
deuteo, worOber NietsBohe Rhein. Uns. XXII. S. 197, Danb De Snidae 
Biogiaphieoram origine et fide, Jahrb. f. Ph. Suppl. N. F. XI. 1880. 3. 498 
D. A. ni Tergleiohen sind. Deber d«a ZoBats dt' inmt bei n^oywatiMa 
■. Danb a. a. 0. 3. 4Uf. gegen Schneider 8. lS6f. 

98) Nämlich jenea Lobgedieht an Attalo« UI (e. A. RS) in Hexametern, 
die Kvpiiytti^i oder 6i]peviixä oder wie BOnst der Titel gelaotet haben 
mag, in elegischer Form nnd Attmä TOm mediciniBohen Oebranch von 
Steinen, Fr. aT— lOi. Schneider S. l!ft— 199. — Enaack QaaestioneB 
Phaethonteae, Berl. 1S86. S. 21 ist geneigt va den Atßiitä (etatt za den 'Mit- 
foiovfMMr) anch Fr. 68 (i. C. 2ft. A, 146) an rechnen nnd noch ein vierte« Oe- 
dicht aber den mythischen Ursprung des ßernBieins sn verrnntben. Oder De 
Antonino liberali, Bonn 1886. S. SS (A. S) erklärt jedoch die GiistenKdar 
Kv*j(fiti%ä fOr sehr fraglich und mOchte, wenn anders ich ihn richtig ver- 
stehe, die betreffenden Fragmente den 'fKfotoüfUva luweiBen. Vgl A. 109. ~ 
Umgekehrt mnas aber von jenen 17 Titeln der nur einmal (SchoL Tber. (»85) 
erwähnte 'Tümv^os (vgl. C. 6. A. 113. C. ZA. A. 60) in Absng gebracht 
werden als Theil Aw'E^tQoiov^vu, t. Schneider S, 1S6. 

9«) Schneider niiomt das Letttereao, Oder 3. 62. Thes.IXdaBEr8t«re; 
sein Beweis bleibt abiowarten, einstweilen s. Christ Qr. L.-O. S. 890. A. 4 
(>S. 461. A. S): „Bedenken ^egeo die prosaische Abfaaaiing) anregt die dorch- 
ncfatige hexametrische Form von Fr. (>". — Fr. 1— S. Schneider S. 19—36. 

100) In mindestens 6 BOchsm. Fr. B. 10. Schneider S. 36 f. 

101) In mindestens 2 Bachern. Fr. 16—18. Schneider S. 39—81. 

103) In mindestens 8 Büchern. Fr. 19. 30. Schneider S. 81. 
108) Nnr Sehe). Ther. 883 (Fr. 96) erv^hnt, b. Schneider S. 196. 

104) In mindeBtens 7 BOehern. Fr. 31-88. Schneider S. Sl f. 

106) Den ersten Titel giebt Partben. 4, den letzten Schol. Thar. S. 
Fr. 13-14. Schneider S. 37-29. 



ivXtOO^IC 



304 ZehnUg Capitel. Das Lehrgedicht. 

'AXelKpaQiuxtta oder 'AvTupäQfiaxa, 630 Heiametern fiber die Gifte 
und Gegeogiftfl, die 'Chpucxä^ in denen er das nnerquickhche 
Thema dieser beiden Gedichte theilweise wiederum, jedoch in 
anderer Gestalt, nämlich in Form einer Erzählung Ton Geschichten 
über Menschen, welche Schlangenbise erlitten, wie es scheint^ in 
elegischer Form"") behandelte'*"), die jeden&lls in gebundener 
Kede abgefaesten, wahrscheinlich hexametrischfu 'läetmv twa- 
ymy^ und ilpoywratfrtxa '™}, medicinisch-Jandwirthschaftlich*"*) die 
rimgyatä '"^ und MeXioaovffytxä '^^), jene sicher, diese wahrschein- 
lich hexametrisch, mythographisch die Metamorphosen (Eztgoiov- 
(ttva), auch in Hexametern"*), grammatisch endlich das Prosa- 
werk mäffffai in mindestens 3 BQchern"^). Ueber den Inhalt 
der EvifeiJtitt"*), eines gleichfalls in Hexametern abgefassten 
Gedichte, und der 3 Bacher mpl z^ffTijp/iot' jtävrmv"'') läest 
sich nichte Bestimmtes sagen. Endlich besitzen wir noch drei 
Epigramme in der Anthologie"^. Zn einem Dichter fehlte dem 

106) Deim die bei Aeliiu). N. A. X, 49. XVI, 2S citirten Terae det N. 
(Fr. 81. SS) gebreibt Schneider wohl sicher mit Hecht diesem Gedicht« so. 

107) Pr. 80-87. Schneider S. 87—48. 

108) Beide nur ans dem Begister des Said, bekannt. Zu der 'läa. avr. 
gehört vielleicht Fr. 11. Dasa aaoh sie wohl hexametrisch war, darflbet 
s. A. 97. 

109) Denn richtig, wenn auch etiraa za weit gehend, nrtheilt Bern- 
hardj Qr. L-Q. III'. S. TSS im Gegensatt m Schneider (vgL A. ISI), 
dan die rcnfyixä nach den eihebliohen Brachttdcken bei Athenaeoa lu 
schliessen weit mehr den Standponkt medicinischen nnd allerdings anch 
culinarischen PBanzenanbana als den eigentlicher Londwiitluchaft einnahmen. 
Wenn Cicero a. a. 0. ab [ohalt dieses tod ihm xweifelsohne nicht gelesenen 
Oedichta die rts rvstieae beceiohnet, so will dies wohl nicht viel besagen- 
Vgl. anch A. 131. 

110) Fr. 68—91. Schneider S. 78— ISS. 

111) Fr. 93— 04. Schneider S. 182-134. 

HS) 3. A. 133. Fr. 88—67. Schneider S. 48—60. Namentlich sind 
uhlreiche AnszOge bei Antoninas Liberalis erhalten, und die Zahl denelben 
steigt noch erheblich, falls der von Oder S. 43—46 versnchte Wahrschein- 
lichkeitabeweis, dnss ausser der SS. und (s, C. 4. A. BS) der S9. ErAhlong 
and den vielmehr ans Boeo (s. C. 11. A. 14) entoommeoeo Oesohichten alle 
übrigen ans diesem Gedicht des N. geschöpft seien, sich als haltbar be- 
n^ren sollte. 

113) Fr. 120-1». Schneider S. 208-207. 

114) Oder Eivfmntia oder Ei^wfri. Fr. 24—89. Schneider S. SS— 37. 
116) Wir kennen sie not aus der AuftUlung h. Said. (s. A 97). 

Schneider S. 27. 

116) Anth. Pal. VII, 46S. 626. XI, 7 ~ Fr. 106—107. Schneider S. ISO. 



iv.t^iOO^IC 



Nikandros von Kolophon. 305 

NikandroB nicht weniger als Alles'"). Er ist Über alle Be- 
schreibung dDrr und ungeoiessbar und dabei dunkel und gespreizt 
im Ansdrucke Ober a\ie Massen, voll yon ungemein zahlreichen, 
zum Theil fehlerhaften Neubildungen mit Verstössen gegen Formen- 
lehre und Prosodie so wie von Anwendungen gewöhnlicher Wörter 
in neuen Bedeutungen, voll andrerseits von einer nicht minder ge- 
echmackloseo Häufung veralteter Ausdrücke bis zu den Partikeln 
hin'^). DazQ kommt aber noch, daas zwar ein Theil seiner 
Werke, wie die ACxmkixü, auf eignen Beobachtungen beruhte, 
dasB er aber doch in den meisten Gedichten und so in den me- 
diciniechen nichts Eignes darbot, sondern blosser Metapbrast war, 
so in den tlQoyveHnnid des gleichnamigen pseudo-hippokrati sehen 
Prosa Werks "^) und in den beiden erhaltnen Gedichten des für 
die Folgezeit Oberhaupt auf diesem Gebiete massgebenden Arztes 
ApoUodoros ^'°). Unter diesen Umständen ist es nicht zu yer- 
wundem, dass nicht allein kein landwirthscbaftlicher Schriftsteller 
seiner gedenkt^"), sondern dass auch die späteren Aerzte sich 
lieber an seine Quellen hielten und wo sie, wie Pseudo-Diosko- 
rides und Galenos, seine Verse anführten, dies doch nur zur Aus- 
schmückung ihrer Darstellung thaten"*). Von den römischen 
Dichtern benutzte Ovidius seine 'STEpotovftfva"'*) und übertraf 

Doch iat nur du Eweite mit NiiuxvSqov Kolo<ptaviov beseichnet, die beiden 
anderen bloaa mit NnuirSgov. 

117) Von praeelare seribere nnd ancb nur TOn vis qutudam poetica bei 
ihm SU iprechen, wie Cicero a. a. 0. tbnt, ist ein Widerainj. 

118} B. Volkmann QnaeatiODea epicae, Leipsig 1864. 8. S. 41—16. 
Schneider 3. SOT — 312. Liageoberg Qtueitionea Nicondreae, Halle 
1886. 8. Einen Theil seiaea WortachatuB entnahm er aas AntiniachoB, 
Schol. Ther. i. fau 8i ö N. {ijlnTiJE '^viifutjov, dtöxig xolXars ll^raiv 
cevroe xixfTimi, s. Schneider S. 910, Aach deo Eupborion benutzte er, 
B. C. 14. A. 108. 

119) Said. fUTOKf^pNOfiii i' Ix täv 'iTntougdrove Hpoyvmaioimv. 

ISO) S. Schneider S. 16&-308, bes. S. 189 ff. Vgl. unten C. 24. A. 44 ff. 
Uebrigens b. anch noch oben A. S. 

121) 8. Schneider S. 76—79. Hiebei kommt Mich der A. 109 hervor- 
gehobene, von Schneider 8. IS— 78 bestrittene Umatand mit io Balracbt. 

ISS) S. die aoBgeieichnete Darlegong von Schneider 8. 166—181. 
In Bezog auf EpaenetOB vgl. C. 84. A. 60, Daas auch schon SostratOB so 
Terfnhr, darQber ». A. 1S5. 

123) 8. Schneider 8. 48. 44. 68. 72. Prob, in Verg. Qeo. I, SV9 — 
Nik. Fr. 64. diieetae Thetiäii oJeyoneij varia at opittio harmn vobtcrum ori- 
gmU: üMptt in aüera s«jw(wr Ovidnta Nieandnim, m altera Theodorum 
(vgl. C. 14. A. 164 f.). OegenOber dem Zweifel von Rohde 8. 127. Anm. 

SuiunBL, ■tlMi]>.-al«x. LilL-OMob. I. ' SO . 

D,j-,_, l|.;,*^TOOgle 



306 Zehntes Capitel. Daa Lehrgedicht. 

sie bei Weitem; ausserdem werden Aemilius Macer uud, wenn 
die Ueberlieferung richtig iat, Vergilius als seine Nachfolger be- 
zeicbnet"*). Auffallend ist es, daes selbst von den Geographen 
nur StephanoB von Byzantion aus eignem Einblick ihn anführt 
nnd auch nur hSchst selten. Di^egen beuteten Sammler, wie 
Partbenios, Plinius, Athenaeos und Antoninus Liberalis, ihn aus'"), 
und nicht minder reizte er das Studium der Grammatiker. Com- 
mentare schrieben unter und nach anderen"^*') Theon"^, Diphilos 
von Laodikeia^"), Plutarchos von Chaeroneia'**), und so ist denn 
auch eine tüchtige Scholiensammlung auf uns gekommen, und 
zwar zeichnet sich die zu den &i}piaxä durch grössere Gelehr- 
samkeit aus'**). Dass auch die späteren griechischen Lehrdichter 



(vgl. S. 1S6. Aqiu.) b. die Bemerkungen von Snaack An. AI. R«m. S. 64 ff. 
Plaehn De Micandro alÜBqne poetis Oniecia ab Ovidio in MetamorphoBibai 
conecribendis adhibitis, Halle 1883. S. (DoctordiBB.) 

124) Quintil. X, 1, 66. Nieafidrwn fruetra »ecutt Macer alque Vergiliug? 
Ueber die Theriaca des Macer b. Enaack a. a. 0. S. lt. A. 17. Vgl. 
Schneider S. 76. R. ünger De Aemilio Maero Nioandri imitatore, Pried- 
land 1846. 4. Bei VergilioB kann natürlich nur an die VtmifjiKä gedacht 
werden (s. Schneider S. 74 f.), freilich erregt hier wieder der A. 109 her- 
vorgehobene DmBtaud Bedenken , b. jedoch gegen die Termathong von 
i;. Unger De C, Valgii Bufi poematiB, Halle 1848. 8., daea Valgius statt 
rergiliu« zn aohreiben Bei, Tenffel- Schwabe IMJni. L.-G. I». §. 837. A. 3. 

135} Vgl. A. 109. 113. „AelianoB hat den N. nnr mittelbar benutst (b. 
in Bei. anf N. A. VII, 61 vgl. m. Ther. 834 ff. Schneider S. 200), unmittel- 
bar den gleichfalls (b. C. 24. A. 60. C. 34. A. 176) aus Apollodoros schöpfen- 
den Arzt SoBtratoB und dessen Citate des N. Die häufige Uebereinatjnimnng 
der Schollen zn letzterm mit ihm erklärt sich darauB, dasB der betreffende 
Commentator gleicblalla den SoatratoB ausbeutete". (M. Wellmano). Vgl 
C. 24. A. 46 n. bes. C. 84. A. 17&. 

126^) Demetrios Chloros, Antigonos von Alexandreia (oder der Arxt ani 
Nikaea?), b. A. 136. C. 36. A. 101*>. C. SO. A. S62. C. 34. A. 60. 

126) Schol. Ther. 287. 9. tv ö«Dp»i;fiaii. Steph. v. Bjz. Kogöati (der 
also unsere Scholieu schon kennt), ot üno^viifiaT^aviic Biav IRavtatiOi 
iJtfliiltfici«, vgl. Schol. Ther. 614 nnd C. 36. A. \0i>'. Es ist derselbe, welcher 
uns schon als Commentator des Theokritos und Lykophron begegnet ist, 
C. 0. A. 76. C. fl. A. 43 f., vgl. C. 18. A. 98. 9B. C. 14. A. 13. 74. 76. C. 27. 
A. 80. C. 80. A. 207 n. bea. C. SO. A. S98. 

137) Ath. VU. S14d. 

128) Steph. T. Byi. Äoponii, s. A. 136. Vgl. Etyn». H. 'Atviar. — Des 
Pamphilos Schrift th <« Nmäviiiov avt^^jrixa %aX tä xvtovfMPtc 'Onixi 
(Suid. näfup.) belog sich wahrsoheblich vielmehr anf die 'EiijyTinxu r^c 
'/fms^g dialixTov des Nikandros von Thjateira, s. C. 30. A. 832—824. 

129) Sonderausg. von Bnssemaker Scholia et par^hrases in Nican- 



Iv.t^T.OO^IC 



Nikandros von Kolophoo nnd andere Dichter. 307 

TOD Oppianos ab den NiksndroB lasen nnd Dachahmten, kaon 
wohl keioeD Zweifel leiden"''). Auch eine Metaphrase Ton Ente- 
knios ist uae noch erhalten'^'). Marianos setzte die Srjptaxa in 
1370 iambische Verse um'**). -So wenig nun aber die Zahl der 
Leser eine besonders grosse war^^''), so haben doch unter ihren 
Händen die 'jiXt^i<päfffucxa eine starke Interpolation (611 — 628) 
und beide Gedichte willkürliche Aenderungen erlitten"*"). Die 
beste Handschrift ist eine Pariser uus dem 10. Jahrhundert'"). 
Unter den Ausgaben'**) verdienen die von J. G. Schneider 
nnd vor allen die vorzflgliche von 0. Schneider, der wir erst 
eine wirkliche Textrecension verdanken, besonders bemerkt zu 
werden. 

Als Dichter von Oatv6ittvtt werden ausaer Aratos, Äle- 
xandros dem Aetoler und den später zu besprechenden Her- 
mippos nnd Hegesianax noch eine Reihe anderer erwähnt, die 
zum Theil vielleicht erst den Zeiten nach Christi Geburt an- 
gehören, während andere von ihnen, wie Eleostratos, schon 
aus voralexandrini scher Zeit waren. Ueberdies sind aber in diene 

drom eta Par. 1S4&. 8. mit den Scholien an Tbeokritoe von DQbner, a. 
C. 6. A. 79. 

130) S. Schneidet S. 164. 

ISI) Zaerat herausgegeben von Bandini, Flor. ]76i. 

ISa) Said, MafiafBs. Vgl. C. 5. Ä. 8S. C. 13. A. 105. 

133^) S. noch Schneider S. 70-73. 163 - 16^ und die BämntHchem 
Citate der »tjf. u. 'Alti. bei ihm S. 136—156. 

ISS") S. Schneider S. lB(i-l63. ECi gab anch ein gantes gefälachtea 
Gedieht Ntxävdgov Sfifiattä, Bekk. Anecd. p. 1I6&. 

188) Par. snppl. 247, von Schneider n genannt . Nächit ihr eind 
Q — GotdngenBia am dem 18. oder 14. Jahrh. nnd H => Lanr. XXXII, IS 
ani dem 18. besonders bemerk ena we rtfa , b. Schneider B. !is~2te. Ftlr 
dio Scholien zq den Btigtanä kommt in erster Linie K = Vatic. 806 aus 
dem 18. Jahrh. in Betracht, demnäcbst Q nnd P ^ Paris. 340S, für die lu 
den 'AXtiupäfimiut besonder« P. 

184) Bd. princ. Aldina, Ven, 1409 fol. mit Scholien (EDaammen mit 
Diostcorides). Aldiua II., Ven. 1622. 4. Morel (mit dor trefflichen latein. 
üebere. von Gorraens), Par. 1667. 4. H. Stephaons Po. pr. her. c, l'ar. 
1666, J.G.Schneider Alexiph. mit Scholien n. d. Paraphr., Halle 179S. a, 
■ehr wichtig dir Kritik nnd Erklämng, liier, mit Scbol., Leipz. 1816. 8., 
viel Bflcfatiger gearbeitet. P. 8. Lehrs in den Poet. bnc. et didact b, 
Didot, Par. 1861. 1. Bd. 0, Schneider Nicandrea, Leipz. 1666. S. mit aue- 
gezeichneter Einleitung nnd Fragms. nnd den Scholien von H. Seil (tn 
den Tber. nach nenen Collationen, sn den Alei, nach Bnisemaker). — 
Bentlej Emendationea in Theriaca, Uus. crit Cantab. I. S. S70ff 446 If. 

20* , 

D,j-,_, I|.;,*^tOO^[C 



308 Zehnte* Capitel. Daa Lehrgedicht 

Listen'^^) auch Prosaiker eingewobeu, so daas sich über Lasos 
von M^nesia, Älezandros von Lykaea und Artemidoros aicbt 
eiomal nach dieser Richtung hin entscheiden lässt. So bleibt 
ausser Anakreon'**) und Sminthea"') noch 

Alexandros von Ephesoe"^) aus Ciceros Zeit, ein Rbetor 
und Staatamaiia mit dem Beinamen AvpioSy welcher anch ein 
geographisches Lehrgedicht^'^) und eine GeBcbichte des marsiechen 
Krieges'^") schrieb. Seine poetische Begabung war allem An- 
scheine nach nicht gross"^). Aus den Q^aivoiieva ist-uns noch 
ein längeres Bruchstück von 26 Versen erhalten"*), aus dem 
geographischen Gedicht, welches in drei Theile, die Beschreibung 
von Asien, Europa und Libyen, zerfiel, mehrere kürzere'**). 

lieber Pseudu-Skjmnos s. G. 22, über Apollodoros den 
Athener C. 27. Wenn 

135) V. Arat. I. p. &&, 89 ff. Kot yäd EvJo£oc h KviSios c'rpa^ «atr^- 
fiEvn Kttl Aäaiis ö MäjvTfs ov%\ b 'Egfitoveis, alX' o^töfvfioc ullos AäaiB 
zm 'Egfitavti, xal 'E^fimnos M"! 'Mfi/Oiäya^ xal 'AfiazoipdvTjB ö Bv^ävtiog 
xül äXloi TTolloi. T. Arat. K p. 67, 28 ff. noUol yif %al SUoi «aooficvn 
lyV^av, Kul Kliöaziiatos *al 2)ilv&Jiq *a\ 'AXi^avSfOt b AliaXot xieI ^1^- 
^avdfog i 'Eipiaiot xal Uliiavlgos ö Av*aUjis %al 'Avani/ia* xol 'AetffU' 
3agos Ttal "inxagxog val äUot TtoXlol. Vgl. auch D. Volkmann De Snidae 
biographicis II., Sjmb. phil. Bonn. S. TSl f. 

136) Dieser begegnet nna auch Hjgin. Aatron. II, 6. p. 42, 7, wie 
Meineke An. AI. 8. 343 bemerkte. 

137) Bei Avien, 5S2 MintbcB genannt. Er erBcheint ancb in dem A. 47 
erwähnten VarzeichnisB vermeintlicher Commentatoren des Antos. 

138) Meineke De Aleiandro Epheaio, Anal. AI. S. 371--S77. 

139) Strab. XIV. 642. täm Si vnazifatv . . . 'AUiaviQOi 4'1'ibq 6 Aipns 
nqoauyoeev&eig, og Mal inoUzivaato »al svviyfaipev tezogiav {■. A. 140) ■«! 
(nti itaielmtr, Iv als zä ze avQÜvia Sutzifitzai «tri täc ^xeiQOVS ycmypaipci; 
KuO'' Ixaoiijv ixdov£ xoiijfut, 

140) Aurel. Vict de orig. geot. Rom. 9, bei Strab. a. o. 0. kurz iazoQia. 
Möller F. a G. III. S. 844, 

141) Cic. ad Att. 11, SO, 6. poeta *nep(iM, ncc tarnen seit nihü, et at ntm 
irnttilis, SS, 7. lihros JJexandri ne^gentis hominis et non boni poetae, Kd 
tavien non invtiiii tibi remiri. 

14S) S. C. 4. A. 79. Ob die AnfeUirung bei Hjgin, Aatron. II, 21. p. eS, 
8-^10 sich auf den Aatoler oder den Epheaer baiieht, iBt fraglich (vgl 
Meineke a. a.O.S. 248), und wenn Robert Bratosth. Cataskrel. S.88S—SS8 
mit Reeht annimmt, dasB sie ans ParmeniBkoa (b. C. 30. A. 106) geflosBen 
Bei, Bo ist daB Entere der Fall. 

148} Ziemlich Idnfig wird ee von Stephanos von Bjuni angefahrt, 
auHserdetn nur noch von Eostath. eo Diira;B. Perieg. 668. 59t nnd Schol. t. 
dema. 607. 8. Meineke a. a. ü. 8. 374—377. 



iv.t^iOO^IC 



Aleiandroi von Epfaeaoa. PsnkiateB cum Arkadiea. 309 

Pankratea ans Arkadien, der Dichter von 'j4HiBVTtxäy Sa- 
käaaia i^ya und B(W);o(M)^s'"), derselbe mit dem von Meleagros"^) 
verwendeten Epigrammendichter war, was aber durchaus zweifel- 
haft ist, so lebte er spätestens im zweiten Jahrhundert v, Chr., 
sonst aber steht nur so viel fest^ dass er älter als Oppianos war^). 

Eaekalos (?) von Argos und Poseidonios von Korintb 
sind fQr uns blosse Namen**^. 



Elftfis Capitel. 
Tendenzerdichtangen In Prosa'). 

Der Zug zum Märchenhaften und Abenteuerlichen war auch 
den Griechen von alten Zeiten her nicht fremd. Der Apolog des 
Älkinooa in der Odyssee ist die älteste Robinsonade der europä- 
ischen Litteratur*). Dann folgte das Arimaspenlied unter dem 
Namen des Äristeas. Aber auch in den Werken von zahlreichen 
anderen Dichtem und von Geschichtschreibern gelangten die Aus- 
geburten der ethnographischen Phantasie, die wunderbaren Men- 
sehen und Tbiere oder Kalbmeoschen und Halbtbiere, die Gross- 
kSpfe, Halbhunde, Pygmaeen, Hundsköpfe, Steganopoden') und 
die anderen Wunder der Feme vollauf zur Erscheinung, und diese 
Pbantastik scheint sich bei dem berflhmten Reisenden Pytheas 
von Massalia, als dieser nach dem zuvor gänzlich unbekannten 
Nordwesten kam, mitten in seine nüchternen und klaren Beobach- 
tungen hineingedrängt und dieselben gelegentlich Qbermeiatert zu 
haben. Von einer anderen Richtung her bekam diese Art von 

144) Ätb. 1. IS b. c. Kalxalor . . . löv 'AgytiMi lutl Nopu^nov tdv 'Hi/*- 
Mlttirrpi, IlayMiiätTfv löv Ai/Ttäia, nooiiiiöviov löv Kafir^im' xal lö* 6Uytii 
wfö ijfUM' ]>«vöfiivov 'Omtiaviv tiv JlCtuut- taaomoit yäf/ ivnvia^iv ino- 
woioAt UlifvriHtt ytyffitipöai. Daraus ist der Art. b. Snid. Ki»{Xtns geschöpft 
Brucbetflcke giebt Ath. Vn. 383 a. o. »üb c. sai e. f (ITnyx^aT^g i 'Afnät h 
t«ft dalaveiois fproic oder iv 'E^yoit 4'tilaiiii>i; oder 9alate{iHs) nod XI. 
478 a. nafitfdt^s d' iv JtQtitip So*xott]idi>t. 

145) Auih. Pal. IV, 1 , 18. Kttpviic ti/rtiii Ilayx^ttct. Die Epigramme 
des P. ebenda«. VI, 117. SM. VD, US airid aber von einem sp&teren Manne 
gleiche! Namens. 

148) Denn es ist nicht eu inssen, ob die Beihenfolge 'bei Atb. I. iSb. c 
(«. A. 144) chronologisch ist. 147) S. A. 144. 
1) itohde Qr. Rom. S. 167—249. 

8) Wie Nittach Anmm. lor Odjas. III. S. XXII richtig bemerkt. 
S) Hesiod. Pr. 74 Harcksch. Aeschjl. Fr. 194. Alkm. Fr. 118. 



,Ki.,ooylc 



310 Elftee Cupitel. TendenzerdichtungeD in Pcosa. 

Neubegier reichlichen Zufluss, seitdem die Kunde von Indien ein- 
zudringen begann, zuerst durch Skylax, dann durch Etesiaa, in 
der ältereu Alexandriuerzeit vor Allen durch Megasthenes*), und 
überhaupt ward dieser ganze romanhafte Sinn auf dem Gebiete 
der Länder^ und Völkerkunde reichlich genährt durch die Züge 
des grossen Alexandros und die fabelhaften Erzählungen seiner 
Geschichtschreiber. Neben den bizarren und fratzenhaften Ge- 
bilden, mit denen die Yolksphantasie die unbekannten Gegenden 
der Ferne bevölkerte, hatte sie es aber auch von Alters her ge- 
liebt sich dort glückselige Länder und gerechte Völker zu ei^ 
sinnen, wie namentlich die Hyperboreer jenseits des Oceans^). 
An solche Volksvorstellungen knüpften nun die Staatsromane, 
die Utopien der Philosophen an. Voran gingen Piaton in seinen 
Dialogen Timaeos und Eritias mit der Geschichte von Altathen 
nnd der rein von ihm erdichteten^) und nach ebendieser Er- 
dichtung längst spurlos zu Grunde gegangenen Insel Atlantis, 
nur aber so, dass Altathen der Sitz seines Idealstaats nnd diese 
fabelhafte Insel bloss der einer mehr äusserlichen Tdchtigkeit, 
Grösse und Pracht ist, und hierauf Theopompos mitten in seinem 
ernsten Geschichtswerk durch die märchenhafte Episode vom 
Meropenland und der Friedens- und Kriegsstadt ''). Ihnen folgte wohl 
zunächst in der ältesten Alexandrinerzeit der Abderit Hekataeos^. 
Hekataeos^) von Abdera oderTeos"), Schüler des Skeptikers 

i) S. C. 31. 

5) Homer. Bpigon. b. Herod. IV, 83, flesiod. Fr. 76 M. Find. Ol. III, 
2fi ff. 60. Py. X, ib ff. Dazu kommen die Gabier (Aetcb;!. Fr. ISO) und die 
einfach -UDichaldigen Boaae melkenden Skythen (Heniod. Fr. 63. Aeachjl. 
Fr. las, 8. auoh schon II. Tf, 6 f.). 

6) 8. Snaemihl Fiat. PhiloB. II, S. 471 ff. 

7) Fr. 76 b, iel. V. H. III, 18. 

8) Dia Reihenfolge bei Äpollod. Fr. 159 b. Slmb. VU. 2»9 (°- Hekat. 
Fr. 6) Kol Tij* itaQti Btoxäitnip Mtfonlda xoliv, Ttat/' 'Euataia Ü Kimtctiia 
x6lip, nag EoTiitiifm ii zijv Ilaypxtriv y^v soll doch «obl chronotogiBcb 
sein. Sicher freilich ist dies nicht, nnd die Möglichkeit, da«« die Schrift 
des Enhemeros etwas früher erschienen sei als der Eyperboreerroman (und 
die ägyptische Oeecbichte) des Hekataeos, ist mitbin nicht von toth herein 
abzuweiaeo, t. indessen A. S6. 

9) Malier F. H.G. IL 8.381—896. Bohde S.20S— 814. BCper Ueber 
einige Schriftsteller mit Nunen Hekataeos. L II. Daneig 1877. 18T8. 4. 
E. Schwartz Uekataeos von Teos, Bhein. Mus. XL. 1886. 8. S28— 268. 

10) AI« Teler beEeichnen ihm nur P8endo-Sk7mn. V. 8<9 MeU. nach 
der ohne Zweifel riobtigen Coqjectar von BOper I. S. 1 ff. b Trjios (für 



ivXtOO^IC 



HekataeoB von Abdera. 311 

Pyrroa"), entweder wirklich, wie uns berichtet wird, gleichen 
Alters mit Älesandros dem Orossen oder doch nicht viel jünger, 
lebte am Hofe von FtolemaeoB 1 und ward von demselben, wie 
es scheint, auch zn Staatsgeschäften verwandt^'). Auch philo- 
logisch war er gebildet, wie seine Schrill über die Poesie 
des Homeroe und Hesiodoa bewies"), TOn welcher wir aber 
weiter Nichts wissen"). An eine Reise nach Theben, welche er 
unter der Regierung des ersten Ptolemaeera unternahm, und auf 
welcher er historische Untersuchungen anstellte"), schloss sieh 



otitia, Tgl. über die frühere, unrichtige HerBtellaug C, 83 A. 811) und Strab. 
XIT. &ii, aoch kommt dagegen in Betracht, daas Plnt. de la. et Üa. 864 D 
ihn einen Abderiten nennt, wenn man bedenkt, da«H dieser sein agTptiachea 
Werk noch nnmittelbar benntzt hat (a. A. 17); jedoch auf wen in letzter 
Inttons aeine AnffQhmng als Abderit bei La, Di. IX, 60 nnd wahrecheialich 
anch 61, wo fSr daa yermathlich verderbt« 'AtTiärios doch wohl (vgl. A. 87) roit 
HDIler S. S81. Anm. 'Eiunaios zn lesen aein wird, Said. (a. A. 13}, Aeliao. 
N. A. XI, 1, Clem. Strom. II. 417 A inrfickgeht, wieaen wir nicht und können 
nm 80 weniger entach^den, welche von beiden Angaben die richtigere iat. 
Die Bedenkon aber von Rfiper II. S. 1 ff. gegen die Einerleibeit der Peraon 
icheinen mir dnroh Scbwartt S. !S4f. A. 4 genOgend erledigt. Abdera 
var bekanntlich Colonie von Teoa, and ebenao wird, wie Röper I. S, 22 f. 
aelljet hervorhebt, der Abderit Protagorae gelegentlich gleichfalls auch aU 
Te^er bezeichnet. 

11) La Di. IX, 69. 

IS) loaeph. C. Ap. I, 22. 'E. 4t b Ußdr^fitiig, «c^p 911000910^ Siki hkI 
»»gl tat xfä^ttf inamiitttxos, 'AU^ivi^io xm ßaailti <niMi«fM>iTftc xal Utolt- 
futUf t^ Aäjov ev/yev6iuvat. Diea atfltit eich freilich wohl nar auf das 
gefUachte Buoh aber die Juden; ao weit indeaew darf man deniaelben wohl 
immer vertranen, aber nicht mochte ich es mit Hüller S. 864 auch noch 
darin, mn ohne Weiteres auf änmd dieser Fälschung anzonehmen, dase er 
den Ptolemaeoa in den ayriscben Feldzag begleitet habe. 

13) Snid. 'E%. 'AßSrifitjjg, ^ildeo^og, Sc iwenl^^rj xai Mptiraöc ypn^ifui- 
iiMÖ£, ota j'^ttfifMrKK^v fjmv ntt^aantv^r . . . ßißUa uvtoi xavta- xtfl T^g 
xoMjata^ 'OfMi^ati xai'Heiäiov. Es erinnert dies an seinen MitachflIerTimon, 
s. C. 2. A. blb. 

U) Wenn anders nicht das von Mfiller überaeliene grammatiache 
ürachstQck bei Erotian. Lei. Hippocr. nvQpaairit . . . 'EKatattg Si ipT/eiv Sri 
xHov ßatßaf'tf"' of mvfUKol liyovaiv, welches schon Franz im Index wohl 
mit Recht diesem H. xuschreibt, aus diesem Werke ist, wie J. Klein He- 
kataeos von Abdera, Jahrb. f Philol. LXXXVU, 1863. S. 682 meint. 

16} Diod. I, 46, B (— Fr. IS), »dl »ollol im* 'EXli^vayv t6w itagaPalöv- 
i«r iiiv ilg tag 9()ßic ixl n-tolefutiov toü Aüyov, avrta^afiivmv Üi zäg 
iltmttuai&s IvtofUtg, m* icu Hol 'ETUttaCog, «vfiiptavvt'ai 104 v^' ^ftm* 
(^pjfMveiC. Daaa wenigstens daa unmittelbar Folgende ana H. iat, aagt 
Diod. sellwt in den nächsten Worten 47, 1. änö yäf xäv h. i. 1. tpaaiv x. x. X. 



„i.,ooylc 



312 Eines Capitel. TendenzerdiohtuDgen in Proea. 

seine romaDhaft gefärbte ägyptische Geschichte'^, welche 
die Hauptquelle fßr die entsprechende Darstellung des Diodoroa 
war") und, wie wir Dameotlich aus ebendieser Darstellung sehen, 



so gut wie anedrficklioh , und bo haben deon salbet Heyne D« fonÜbiiB 
hiBtorioa Diodori, in Diod, ed. L. Dindorf 1. S. LXYl und Krall (b. C. SI. 
A. 434), welche fölBchtioh den Manetho für die HaDptqnelle deBselben in 
der betteffenden DanitelluDg halten, dem H. doch wenigsteoB die Bedeutung 
einer Nebenquelle zagestehen müaBen. 

16) Der Titel {Alyvntteniä t) ist nicht anadrOcklich beiengt. Daa Citat 
bei La. Di. I, lO (^ Fr. 7) Iv tti npmi^ ne^l x^s tär AtyvitxCmv ipilonotplas 
baeieht sich wobl nur auf einen der vier (b. A. 17) Eauptabacbnitte, den 
theologi Beben. — In dieBom Weik stand ohne Zweifel auch jene Üitgere 
Stelle fiber die jSdische Oeachichte, welche Diod. XL, S ans 'Etutxatoe i 
Milijaiot mittheilt, and ebendiea gab den AuIobb, dasB dein Terfaaaer ein 
eignes Buch nipt 'lovSaitav , auB welchem loBephos a. a. O. und Öfter 
(Fi. 14—16) AaszSge nnd Hitllieilungen giebt, und deaaen Aechtbeit achon 
HerenniuB Philo fa. Orig. c. Geis. 1, 15 anzweifelte, und ein zweites xf^l 
'A^gaiiov (loaeph. A. i. I, 7, 2 ■-> Fi. 17) oder *az' "Aßtaftov xor) tovc 
ACyvxxiovt (Clem. Strom. V. 603 B — Fi. 18 mit einem auf den Namen 
des Sophokles gefälschten Brnchatück Fr. 1026 N.) unteigeBchoben wnide, 
wenn anders nicht Tielmehr, wie Müller 8. 3S& »ehr wahrscheinlich vei- 
mnthet. Beides dasselbe Buch war, 

IT) I, 10—98 mit Ausnahme von 33-41, Tielletoht anob Ton 62, 1—7 
(s. C. 22. A. 250) und jedenlalh von 94 f. und von einzelnen eignen Za- 
sätzen des Üiod. 8. hieraber nebst Hüller a. a. 0. S. 391 und Droysen 
Hellenism. 111', 1. S. 47. A. 2 {vgL auch A. 16) bes. Schwartz De Dio- 
njsio Scytobrachione, Bonn 1880. S. BS ff. o. namenÜ. a. a. 0. S. 2SS— S3S. 
DasB die Vorlage aus der Zeit des ersten (und uioht, wie wahrscheinlioh — 
a. C. il. A. 432 — Hauethos Werk, des zweiten) Ptolemaeera atanuot, er- 
bellt nicht bloss aua 46, 7 1. lit 3h ntoitfutCor xör Aäyov x. t. J. (vgl. ancti 
A. 1(1), sondern auch aua 31, 7, ferner ana 26, 1 und dann auch aus 14 
und 69, 6, s. darüber auch Q. I. Schneider De Diodori foutibna (1. I— IV), 
Berl. 1880. 8. 8. 16 ff. Die Berufung auf die Chroniken {ävuyfmfaC} der 
ag7ptiacben Prieater eracheiot zweimal in engster Nähe mit der anf H. 
oder mit zweifelloB hekataeischem Qat (31, 7. 46, 7 f.): sie ist überall ihm 
nachgeschrieben, und man braucht wobl auch nicht daran su iweifeln, 
daas er dieselben wirklich gelesen hatte nnd somit Sprache und Schrift 
dei Aegypter kannte. Die Eintheilnng bei Diod. in GOttarlehre (10-29), 
Land und Leute (31 f.), Eönigageiohichte (43—68), politisch -acMiiale Bii- 
richtungen(69— 93), Epilog (96—98) war ohne Zweifel auch die dea Originals. 
Die KOnigsgeschichte ist eine Umsetzung der herodoteisohen Berichte auf 
den Standpunkt dea H. mit Hinzuziehung auch noch anderer Quellen seitoiu 
dea Letzteren, s. Schwartt S. 235. A. 1. Dagegen ist in Beiug auf IIl, 
68—66. IT, 1—5 nicht bloss die frflbere Herleitnng von Schwarti De 
Dioi^B. Sc. S. 42 ff. ans Dionjsios Skj^brachion sicher, sondem auch die 
spätere a. a. 0. S. 2S2— 234 aus H. wahrscheinUch unrichtig; hSehsteot 



,,i.,ooylc 



Hekataao« von Abdera. 313 

die Tendenz verfolgte in einer Mischung aus Wahrheit und 
Dtchtuug'^ die Aegypter in aller Weise zu verherrlichen, sie 
ftls die Väter aller Cultur und Verbreiter derselben unter allen 
anderen Völkern darzastellen '^), ihre politischen und socialen 
Einrichtniigen, so wie er sie nach seinen eignen Ideen zarecbt- 
modelte, als musterhaft anzupreisen und nicht minder ihren 
Götterglaaben, so wie er ihn willkOrlich gestaltete™), als den 
ächtesten und wahrsten zu empfehlen. Sein Staatsideal erscheint 
dabei als ein von dem Princip der ausser sten Stabilität in 
Schrsnben gehaltener aufgeklärter Absolutismus*'), und damit 
hängt auch seine halb euhemeristiache Theologie zusammen, in- 
dem er zwar Sonne (Osiris), Mond (Isis) und die fDnf Elemente 
{xvtvfuc i= Zeus, Feuer = Hephaestos, Erde —> Demeter, Wasser 
= Okeanos oder Nil, Luft = Athene) als die ursprünglichen 
Gottheiten bezeichnete^), alle übrigen Götter aber aus grossen, 



mag in IV, 1 — i H. mit benotEt eeia; •. Butbe Qoaettionea Diodoreae, 
Gottingen 1887. S. 81 f. (Tgl. C. 87. Ä. 66, 78). — Da» aber ferner aacb 
bei PlutarcboB in der Scbrift über Mb nnd Osiria die Benutuuig dieses 
hekataeiMben Werkei weit ttbet die beideo aasdrücklichen Anfabrangen 
36S B. S6i D (" Fr. 10. 9) trotz der Polemik gegen deuen Gesicbtspoiikto 
dei BetiachtuDg des QOttItchen hioauigebe, legt Scbwarti S, SSO— 23S dar. 

18) S. bierflber Schwartt S. 335 ff. 

19) So handeln die drei Schlaiscapitel 96 — 98 bei Diod. von d«n 
wei«e«ten Häiuem der Oriechen, Orpheoa, Husaeos, Helampue, Homeros, 
Daedalo«, LjkurgoB, Solou, Pjtbagorai, DemokritoB, Oenopides, Piaton, 
Eudoxos nebtt den Bildhauern Teleklei ond Theodoroa, welche eine Zeit 
lang „nach Ausweis der äg^rptiscben Priesterchioniken" in Aegypten ge- 
lebt und sich den besten Theil ihrer Weisheit von dort geholt haben. 

20) Vgl. Schwärt« 8. SWff. 

31) S. die AnifOhrang von Schwarti S. SM ff. Dm sittliche Ziel des 
H. in diesen Ausmolnugen bewegt sich dabei wesentlich in dem Oedanken- 
kreise der {i^rronischen Ataroiie, die er nach Fr. SO b. Clem. Strom, fl. 
117 A «i^Tä^ciii nannte (vgl. A. S7). Seine etwaigen BerflhniDgen mit 
oltstMacben, kynischen imd demokriteiechen Qedanken icbeiuen mir min- 
destens nicht so nahe, wie Schwartz sie in seiner m. E. viel zu künst- 
lichen Anseinandersetsnng 3. 842 — S&O (vgl. S. 261 ff.) danuitelleu sacht. 

SS) Diod. I, 11 1 Diese wunderliche, übiigeni aber anch in Folge 
einer Textlficke (I, 11, 6) in ihrem n&heren Zatammenhange (s. Schwarts 
S. S4S) nnTerslAndlich gewordene Kosmogonie findet sieb sonst nirgends, 
Modem ist des H. eigenstes Bigenthnm, Ton der Skizie der „ägyptischen 
Philosophie", die La. Di. Pro. 9-11 (^ Fr. 7, e. A. 16) nach U. and 
Manetho (s. C. Sl. A. 4SI) giebt, berfihrt sich Einiges hiemit und mit Diod. 
I, 16, 9—16, 2, wie Schneider a. a. 0. 8. as bemerkt bat. Im Uebrigen 



|.;,*^tOO^IC 



314 Elftes Capit«!. Tendenzerdicbtangan in Proea. 

nach ihrem Tode vergötterten KöDJgen und Eöniginnea hervor- 
gehen lieas. Dies seltsame Gemisch ägyptischer und griechischer 
Vorstellungen durchzog er im Üebrigen noch reichlich mit allerlei 
rationalistischen Erklärungen und allegorischen Deutungen. Natflr- 
lich aber musste dies Buch der Ptolemaeerpolitib nicht wenig 
zusagen"). Seine Schrift Ober die Hyperboreer (xeqI täv 
'ritfffßopicov) war vollends eine Art von historischem Tendenz- 
roman in mehreren Bfichem"*), in welchem er dies fromme und 
selige Volk, an dessen Existenz er ohne Zweifel selber nicht 
glaubte, aber dessen fortwährendes Dasein er der Einkleidung 
gemäss versicherte ^*''), auf einer Insel Helixoea*') gegenüber dem 
Keltenlande, d. h. nach damaliger Redeweise der Nordwestkfiste 
des europäischen Festlandes, ansiedelte. Seine Schilderung der 
Zustände desselben sollte offenbar ein Sittenspiegel fOr seine 
Zeitgenossen sein**), üeber etwaige noch andere Schriften des 
Hekataeos lässt sich keine sichere Entscheidung fällen^^. 

9. über die Eoamologie des H. noch Ft. 8 b. Stob. Ekl. I. p. 626 H. V», 
6f.W. — ASt. p. 361, 16 fF. Diel». Damask. de princ. p. S61. 386. Auch 
weiterhin aber bleibt, wie Schwarta S. 260 ricbtig bemerkt, zwischeii H. 
and Enhemeros der weaentlicbe Unterschied, dasa nach Letateretn die 
GCtter KSnige sind, welcbe znm Tbeil sich Belbgt bei ihren Lebzeiten für 
Gotter erklärt haben (s. A. 43. 46), bei Ersteiem aber die nachmaligen 
Götter eolche EOnige, denen allen erst nach ihrem Tode göttliche Ehren 
unerkannt worden. 

83) Da«B daaaelbe zum Theil nur die ptolemaei sehen Regierungagmad- 
sätse im Sinne der Ptolemaeer selbst auf die alten Pharaonen snrückdatiit«, 
legt Schw&rtz S 266 ff. klar. Freilich enthielt die TendenE deieelbea 
weht oder Übel aoch eine gegen die Fremdherrschaft der Ptolemaeer ge- 
richtete Seite; wie wenig dies aber zu l>edeutan hatte, ceigt Schwärt« 
S. 260—262. 

34^») Fr. 1 b. Schol. Apoll. Bh. 11, 675. 'B. di nlxft in* aixim ifi- 
VIDI' ftvaC ipifiit z6 %mv 'TtttffPoffcaiv l&ros- l'lt Si avvä ptpUa iniyfaipi- 
fitru jte^l nDP 'Taefßofiiev. 

26) Fr. r> b. Stepb, t. Bjz. 'BliioM. 

86) S. A. 8. Debiigens vgl. Aber das Verl^tniss dieier Dantellang 
zu seiner skeptiacben Bildung Robde S. 213f. „Es scheint aber", so be- 
merkt dieser schliesslich, „als ob H. die goldne Brücke, welche gerttdc 
von der Verzweiflnng an der philosophischen Wahrheit bd bequemlich sieb 
in das verheissnngBTOll sobinunemde Land des mythologi sehen Glanbens 
hinfiberwOlbt, besondere gnten Mutbes überschritten habe". Ich lasse in- 
dessen dahingestellt, ob und wie weit dieser Schein sich aach im ADgesiohto 
des ägjiitischen Werks erhält. 

37) Stand seine Bezeichnung des höchsten Guts als amäifutui (s. A, !l) 
in einer eignen philosophischen Schrift oder in den Aiyvmiaxa 9 Für 



|.;,*^tOO^[C 



Leon TOD Palla. 316 

Leon**) Yon Pelia**) aus ungewisser Zeit, so dass wir nicht 
wiasen können, ob er den HekataeoB oder Hekataeos ihn be- 
nutzt hat, schrieb ein mit dessen ägyptischer Geschichte in der 
religiösen Tendenz zusammenstimmendes Werk in Form eines 
Briefes von Alezandros deto Grossen an dessen Matter 
Olympias in mehreren Bachem"*), in welchem er gleichfalls 

Letzteres spricht der Unutand, daae Alexis (oder Aleiinoa?) die ohne 
Zweifel von ihm aas dem letzteren Werke des H. (s. darAbei C. 2. A. 69») 
entnommene Anekdote vom ESnig Bokchoria in einem ntfl xin avxa^tCat 
betitelten Bache erdhlte. Im engsten ZasammenbaDge damit (b. A. Sl) 
vtrd H. denPyrron als Urheber der ÜMmali]^^ und inofti bezeichnet haben, 
wenn anden wicklich der A, 10 angefahrten Coojeotnr entsprechend H. 
Deijenige war, welcher dies gesagt hat (La. Di. IX, 61). Anch Ft. 19 
b. La. Di. Pro. S gebOrt woht in die AtfvnTttiitä, In Bemg auf dag neue, 
durch ROperi Verbeasernng (b. wiedenuo A. 10} bei Psendo-Skyran. 
T. 806 fF. gewonnene Fragment bemerkt Rüper IL S. 1 saohgemäas, man 
kOone mit einigem Scheine sagen, daes die Bücber xtpl 'Tatt/ßagimv Oe- 
legcnheit boten ancb vom Skythenhuade und deuen Flüssen zu sprechen. 
Wenn endlich Agatbarcb. M. H. g. 64 Hall. (b. Fhot. Cod. 260. p. 451 b, SS) 
de« E. Beschreibungen des Ostens besonders rühmt (s. C. !2. A. 85S), so 
ut gewiss der Abderit gemeint, welcher also wohl jedenfalis auch Indien 
bereiste, aber, sagt Schwartz S. SST. A. 5, „es ist nicht auszumachen, 
ob er ein beaonderes Werk über Indien" (man kSnnte auch an eine voll- 
ständige Periegese denken und dieser dann auch jenes BruchBtücb bei 
Fsendo-Skymn. zuweisen) geschrieben bat oder ob sich eine Beschreibung 
Indiens in seinem Werk fiber die Hyperboreer fand", wie nrngekehrt Me- 
gastheue« die Hyperboreer ansfOhrlich in seinen 'IvSixä bebandelt« (Strab. 
XV. 711 — Meg. Fr. 81). 

38} Lobeck Aglaopb. IL S. 999-1001. Haller F. H. Q. II. S. SSI f. 
Schwartz De Dionysio Scytobrachione S. 60 ff. mit der Selbetberichligung 
ahein. Mus, XL. 8. 388 f. 

28} Araob. IV, 29 = Fr. 6, s. A. 32. 

SO) Ganz anders denkt sich freilich Lobeck die Sache, aber s. Angustin. 
Civ. D. Vni, 27 — Fr. 4. de üide uxore Osirü et de parentibus eorum, gui 
omMet reges fuitte tcribwntvr, gwänu parentihvt tuis ilUt cum sacHlicaret, 
tweni't hordti ttget»», quae et quanta mala non a poetit, »ed mytlicis eormn 
Utteri» metoriae mandata »int, neut Leone eaeardoU prodenU ad Olytnpiadem 
teribit Alexattder, Ugant qm volunt und SchoL Apoll. Rh. IV, 268 ~ Fr. 1 
Aimt iv Xfäzta rä» Bpöe iqv (trirtfa. Vergleicht man dies mit der Be- 
leichnong des Leon als Pellaeer (s. A. 29) und nicbl als Aegyptier, so bleibt 
wohl nnr der Qedanke flbrig, daes der Verfasser den ägyptischen Priester, 
auf welchen er den Alexandros sich berufen Hess, niich sieb selber Leun 
nannte. Nicht den Tile), sondern nur den Inhalt bezeichnen Clem. Strom. 
I. 328 D " Fr. 2. Aittv Si ö xtfl riiv tuiz' Aiyvnxov &cäv ^ffayftaztvoä- 
fii*a$ und Hygin. Altron. II, 20 •— Fr. 6. Leon, qui res Aegyptias con- 
scripiü. Tgl. Roheit Brat. Cataat. 3. 281. 



Iv.t^TOO^lC 



316 Elftea Capitel. TendenEerdichtongeii ia Prosa. 

darlegte, dass die'^ ägyptischen Götter ursprÜDglich grosse und 
wohlthätige Könige and Eöoigituien gewesen seien. 

Euhemeros") von Messana**) war nach seiner Aussage") 
ein Freund des Easandros (311 — 298) und antemahm wahi^ 
scheinlich im kräftigen Uannesalter in dessen Auftrage**) grosse 
Beisen nach dem fernen Süden**'*), in Folge derer er dann später 

31) Sävin Becberches aar ta via et les ooTrage« d'Eohäm^re, M«m. 
de l'Acad. des Iiuor. VIII. 1738. S. 107 ff. Steinhart Art. Eu. in d. 
Encykl. v, Erach uid Omber. OansB QuaestioneB Eahemereae, Eempeo 
1860. 4. Ean De Ehihemero, GrOningen 1862. 8. (Dieie beiden AbUi 
kenne ich nur ane den ÄuHbraiigen bei Sieroka, Block ood Nämetkj). 
Sieroka De Enhomero, Eüiiigsb. i. P. 1669. S. (gut), de Block Erhäniire, 
Mona 1669. 8. (etiraa breit and nicht immer richtig). N^methy Enhemeri 
reliqniae, Budapest 1669. 8. (gut). Rohde S. SSO— 884. Weiteres bei 
Block S. IV f. o. bes. Nömethy S. 89—92. Vgl. auch Maller F. H. 0. 
II. S. 100. Anm. 

82) *0 MKi<rqvies vriid er bei den meisten und besten Zeugen genannt, 
Polyb. XXXIV, ö, 9 (b. Strab. II. 104), Diod. VI, 2, 1 (b. Euseb. P. E. 
II, 2, 62. p. 69 b), der dies (wie Sieroka S. 27. Anm. bemerkt) wohl diiect 
ans dem Anfang seines Buchs entnommen bat, Strab. I. p. 47, PInt. de b. 
33. 960 A, dazn Ael. V. H. II, 31, Et. H. Bfotöt, Lactant. div. inet 1, 11. 
epit ad Pentad. trat. 18. Dass er genauer ans dem sikelischen Hessans 
war, daffir spricht, dasa Ennins bei der Uebertragung griechischer Werke 
ins BOniaohe sehr natflrlicb gerade die von Schriftstellern ans der Nacbbat- 
schaft, epeoiell ans Sikelien in die Slnde bekam, so Psendo-Epicbamios, 
eo ArchestratoB ron Gela, so Enhemeroa. Als Akragantaner wird E. bei 
Clem. Protr. 15 A (s. darüber Nämethy 8, 13) nnd nach diesem bei Amob. 
adT, gent. IV, 29, pOMurntta quidem hoc in loco omnt» ütos, nobit quot tn- 
ducitis atque appellati» deo8, hominet fmate mon^rare vel Agrigenlino 
Euhemero repliatto . . . vel Nitagora (Nicanare?) Oyprio vel Peltato LeoM 
vel Oyrenetui ThtodoTO vel Hippone ac Diagora Sfelüa eel aueloribu» aUk 
mille bezeichnet (also anch so als Sikelier), als Eoer bei Atfa. XIV. 658e, 
ala Tegeat von Aetios (Pseudo-Plnt. Plac. I, 7) p. 207, 16 Diets (e. iaMba 
Nömethy 8. 16f.). 

88) An deren Richtigkeit nicht n iwaifetn iit, a. Sieroka S. SS- 
Block 8. 1». A. 1. 8. 136—141. N^meth; 8. 6. Die Beste aeiner Dar- 
stellnng verratheu eine genaue LocaUcenntniss orientaliacher Gegenden nnd 
Volker. Plin. XXXVI. §. 79 (der ihn anch im Titelregister au diesem Bncbe 
nennt) aählt ihn unter den Schrifletellem anf, die Bber die Pjiamideo ge- 
handelt haben. AnsfQhrlich sprach er Ober die Joden, Ft. XLIII N^metby 
b. loseph. c. Ap. I, SS, vgl. A. 47. Endlich a. Ath. 668f. öt IkS»r{mr 
Ityevtav oSro. 

34) Vermnthlich, wie Qaass S. 4 bemerkt, in der Zeit von denen 
drei tetsteD Jahren, als derselbe mit Demetriot Poliorketea in Frieden lebte, 
vgl Sieroka S. 88 f. 

»4*») Diod. VI, S, 4. Ev^fiifos (lif ovv, ipdoc ft^ovis Kaeaäwdfov ro* 



|.;,*^TOOylC 



Eahemsroi von HemaDa. 317 

seine „heilige Chronik" (fepä ävayQtapiljy^) Betrieb**). In 
derselben erzählte er zonächst wahracheioUch kurz den Gang 
seiner ßeieen^') und berichtete sodann, er sei im glücklichen 
Arabien zn Schiffe gegangen, auf dieser Fahrt in den südlichen 
Ocean verschlagen nnd zu den drei Inseln der Faochaier gelangt, 
der heiligen, von einem Eönig beherrschten, der Gräberinael 
und der dem indischen Festlande^) zunächst gelegenen, zum 
Theil auch roo eiogebomen Panchaiem, zum Theil von einge- 
wanderten Indem, Skythen und Kretern bewohnten, deren Haupt- 
stadt er Panars nannte. Die Merkwürdigkeiten dieser dritten, 
üppig firachtbaren Insel beschrieb er hierauf zusammt den an- 
geblichen Sitten ihrer Bewohner auefOhrlicb **), wobei er natQr- 



fiiyälac äititii}fiittt x. t. l. Vgl. Drojsen a. a. 0. III*, 1. S. SS. A. 1: 
„Eb wäre Dach den politischea VerhUtniMeo de« Easundro« wohl mSglioh, 
dau damit eine Sendung an den Hof des Sandrokottos bezeichnet väre". 

36) Oiod. Tl, 2, S. Atb. a. a. 0. h xm xgCxm tijs CcgSf ävayQaifiis, 
w&B LactaotinB durch lacra hi^oria nngenau, aber nicht unrichtig wieder- 
giebt. Die Uebenettnng „heilige Chronik" icheint mir TeTfa&ltniBBm&saig 
noch die am Meisten antreffende (e. A. IT), wenn man nicht etwa lieber 
„heilige* Teneiohmsa" tagen will Tgl. femer e. B. Fiat, de mua. 8. 1182 A. 
tiis iticj9a^t x^t iv Etnvätn ««ONiifi^vt];, dt ^e t&s *t Uqiüis tat i» 
A^ti aal xoit noiiitäs k»! loof jtovettovt ivojtäiit. 6. 11MB. iv rg tv 
2uwä*>i ^vaygttip^ t^ «ipl xtSv Katf^T«». JedeofhUi nicht „heilige In- 
■chrift", wie Block 8. Off. will, eher „heilige Urkunde" (»o Rohde). 

Se) Sieroka S. 29 meint, um 890, ich glaabe mit Nämethj S. 6 
■p&tei. Ana Eallim. Fr. BS (bei Paeado-Flut. a. a. 0.) yifup iflaC»* £dnui 
ßt^ia ^'l'> (Tgl. C. IS. A. 47) erhellt weaigitene, da«» er damali acbon 
betagt war, und dasa Satlimacboa dieae gewiea nicht lauge vorher und 
alao «rat im Alter dei E. erschienene Schrift als die eines noch Lebenden 
angreift, was er schwerlich schon um 890 gethan haben kann und wahi- 
acheinUch erst als ein selbat schon hoch anerkannter Uaun gethan hat. 
So aetit denn NÖmeth? die Lebenaieit dea B. annähernd richtig etwa 
twiachen 840" nnd 280. Vgl. aach Ä. 8. 

37) Block S. 19: „aprii avoir paranmt jilusiettn payi, Uü gue Ja 
PhitMie et V^gypte, ü itaü enfin arrivi dam l'Arabie orimlale et Umi- 
trophe de la Qidrotie". Die «nafOhrlicheren Nachrichten Ober Aegypten 
und JndOa (s. A. 88) hat er aber schwerlich achon in dieser Einleitung 
Streben, a. Sieroka S. 87. Nömethy 8. 26. 8fi. 

38) Welehea man von ihrem Östlichen Vorgebirge aus sehen kOnne. 
89) Ana dieaer Schildenmg haben wir einen Auscog bei Diod. V,il— 16 

and VI, 2, 4—10. Zu diesen beiden Uauptatelleu kommen dann einige 
wenige Fragmente bei Sex. Emp. Math. IX, 17, Ath., Hygin. Aatron. II, 
lt. 18. 18, im Et. M. und bei anderen SohrifUlelleni (Block S. 40—48 



i.LtOO^IC 



318 Elftes Capitel. Tendenierdicbtaiigen in Prosa. 

lieh alles Märchenhafte tind Bizarre vermied, weil dies durchaus 
nicht zu seiner Tendenz gestimmt hätte^'*). In der Darstellung 
der halb priesterlichen, halb republikanischen und dabei leise 
communis tisch angehauchten Verfassung dieser Leute gab er 
überdies bis zu einer gewissen Grenze ein Bild seiner eignen 
Ideale, die sich durch ihre massvolle und auf das Ausfahrbar« 
gerichtete Haltung vortheilhaft von denen in anderen Staat*- 
romanen auszeichneten, und so diente ihm denn dies Werk nicbt 
bloss zur Entwicklung seiner Gedanken auf dem religiSseo, Bon- 
dern nebenbei auch auf dem politischen Gebiet"). Auf einem 
hohen Berge der Insel, so erzählte er nun weiter, habe er einen 
Tempel des Zeus Triphylios und in demselben eine goldne ^nle 
mit einer Inschrift in panchaiischen Buchstaben gefunden, welche 
das Wicht^ste von den Thaten des Uranos, Eronos und Zeus 
enthalte, und aus welcher hervorgehe, dass dieselben alle drei 
ursprfluglich Menschen und Könige gewesen seien. Nach dieser 
angeblichen Quelle schilderte er nun die Geschichte dieser ver- 
götterten Familie eingehend*^) und verfolgte sie vermöge der 



und beaonderB Nämetb; S. 37—70) und die Bruchstacke om dem Eumenti 
dea Eniims bbi Lüctantius (Vablen Ennianae poeaia reliqoiae S. 169—171), 
die fieilich wohl nur ans einer UmsetiiiDg dieaes Gedicbts in eine prosabcbe 
Paraphrase gefloBsen aind (b. Vahlen S. XCIV u. bes. Nämetbj S. !S- 
24), TOD welcher mittelbar oder unmittelbar aach Minnciaa Felix (Octav. !l 
= Fr. IX), AngnaliDns und Firtnicos Haternus abhäDgen (s. Nämethy 
8. 26—29). Hit dieser Beschränkung ist die tod Krahner GrandlinieD 
zur Gesch. des Verfalle der rOm. StaaUrel., Halle 18S9. i. S. 89f- and 
SchCmann zu Cic. M. D. I, 43, 119 acgeiweifelte Aecbtheit dieser Bnicfa- 
atflcke TOD Vahlen 8, XCIII f., Ganss 8. 9ff., fiieroka S. 6ff., Block 
S. lS9ff., Nämetby 8. 18 ff. geDÜgend vertheidigt worden. Wenn jedocb 
Ilberg bei Vahlen a. a. 0. und nach ihm Vahlen selbst n. ten Brink 
M. Terent. Varron. locus de urbe Roma etc., Utrecht 1866. 8. noch Sparen 
von trochaiscben TetrameterD in denselben entdeckt zu haben glaabcn, 
so sucht dagegen Nämeth; 8. 19—31 in nupdasteos sehr beoehtenawerthai 
Weise dariutbnn, dass das Gedicht vielmehr in Hexametern abgefasat ge- 
wesen sei. Dass es keine bloBse üeberaetEniig war, sondern Bnnios licb 
erhebliche Aendernngeu and Zasfttze erlaubte, leigt Nämethj S. S6f. 

U) Rohde 8. 22Sf. 

41) Dies Alisa hat xuerat de Block S. &7 S. ISO ff. richtig hervor- 
gehoben. 

49) Dem Uranoa gab er die Heatia zur Frau und Titan, Eronoi, Ahea, 
Demeter cu Kindern, Athene machte er Eur Tochter dea Zeus und der 
Themia, Diod. VI, 2, 9 f. Enn. Fr. I— IV (=- Eo, Fr. VI. XXI. VHI 
Nemethy). VI ff. Uen Zeus stellte er als einen grossen Eroberer dar, welcher 



Eabemeroa von HeeeanB. 319 

weiteren Erdichtung **) , dass Hermes hernach auf ebenjener 
Säule die Thaten des Apollon und der Artemis hinzugeschrieben 
habe^ auch durch die Nachkommenschaft des Zeus^), Wie weit 
er dabei iu der Plattheit ging, erhellt daraus, dass er im dritten 
Buche^'') es als Sage der Sidonier auftischte, Kadmos sei ein mit 
der Flötenspielerin Harmonia davongelaufener Eoch gewesen*''). 
Durch diese gesammte Erdichtung suchte er seine Theorie, den 
ebendaher so genannten Guhemeriamus, auszubreiten, dass die 
hellenischen Götter in Wahrheit blosse, um ihrer grossen Thaten 
und Verdienste willen vergötterte Menschen seien*^, wobei er 



die ganze Welt «ich unterworfen habe ond daher überall noch nach 
seinem Tode göttlich verehrt werde, der aber auch auf dem Berge Olympoa, 
anf welchem er die grOsBte Zeit seinea Lebens zubrachte, aller Welt Recht 
■prach nnd sich alle nfltzlicben Erfindungen zeigen lieaa (Enn. Fr. IX). In 
Babylon aei er vom KOnig Belos gaztlioh anfgenommen worden, dann nach 
Panchaia gekommen, wo er dem Uranus einen Altar nsd aicb gelbst jenen 
Tempel errichtet habe, dann nach Syrien zu dem Fürsten (dvvcfotijv) Eaaioi, 
darauf habe er Kilikien fiberwnnden nnd noch viele andere LKuder durch- 
zogen nnd iei fiberall verehrt nnd ein Oott genannt worden, Diod. a. a. 0. 
§. 10. S. A. 47. 

43) Diod. a. a. 0. g. 8. 

44) Sieroka S. 2b!. Nach aeiuer Darstelliuig tOdtete Athene die 
Gorgo, Pr. XXX b. Hygin. Aetr. 11, 12. In der Angabe über Aphrodite 
Fr, SiXlX ebend. II, 4S »teckt jedenfalla ein Fehler, b. Sieroka 8. 36, 
vgl. N^methy S. 11 ff. 

44^) Was «ich Aber die Compositdon des- ganzen Werkes auamacfaen 
Uflst, ist von N£methy S. 30 — S8 getcbeheD, welcher sich S. 34 fSr die 
Verrnnthnng von BOttiger ansspricht, dass das 1. B. von üranos bis 
Zens eintchlieislich, daa 8, von Apotlon nnd Artemia (vgl. Diod. V, 46, T), 
da« S. nächst Eadmos von Bakchos gehandelt habe. Ob dies 3. das letzte 
war, l&ast sich nicht entscheiden. 

46) Ath. a. a, O. — Fr. IL. Noch schlimmer ist freilich die ErzähluDg 
von der Aphrodite, Fr. XXXII — Eon. Fr, XIII (Lact, I, 17); prima arlem 
meretriciam itatituü aactorque mtuUeribui in Cypro fuit, tUi vulgatn corpore 
quaeatvm facerent: gwd itldreo impertwit, tu sola pratter alias mulieres im- 
pitdtca et mVorwm app«Mn« viderelvT. Vgl, Fr. XXXIII f. 

46) Seine Dantellang hatte aber in dieser Hinsicht offenbar etwas 
Schwebelndes. Denn in dem Bmchstflck bei Sei. Emp. a. a. 0. wird einzig 
das jttQV/lyvtMai taxii xt nkI evtUti als Qmiid der Vergötterung be- 
idohnet, aber indem es dabei heisst ot' 7\v &xa%tos äv^fäamv ßios, wei- 
den ebendainit indireot diese vei^Otterten Menschen, wie es scheiut, als 
solche angesehen, welche das Henschengescfalecht auB der Barbarei zur 
Cnltar geführt haben. Ferner Zeus setzt nach ihm wenigstens theilweise 
(h. A. 41 ond Enn. Fr. XI) sich selbst nnd den Uranos als Qfitter ein. Ganz 
unders verfthrt Oranos, aber auch dieser erscheint als Beherrscher und 



|.;,*^tOO^[C 



320 Elftes Capitel. Tendenierdichtongen in Prosa. 

denn vielfach auch anawärtige Gottheiten heranzog, um aach 
auf sie denselben Gesichtspunkt auszudehnen*'). Freilich war 
diese Theorie nicht von Gmnd aus seine eigne Erfindung, son- 
dern dieselben Ideen begegnen uns auf einzelne Mythen ange- 
wandt schon bei den ältesten Sageugeschichtscbreibern**), aber 
gerade in ihrer Ausdehnung auf das Gänse des Götterglaubens, 
wie sie auch bei Hekataeos von Abdera, dessen Fassung des 
Gedankens doch fiberdies noch keineswegs ganz dieselbe ist, nicht 
erscheint*^), sondern wie er zuerst sie Tomahm, bekam die Sache 
erst ihre eigentliche Bedeutung, ihren Alles zersetzenden nnd 
zerstörenden Einfluss. Yenunthlich war das Buch für das grosse 

mithin doch wohl auch ftls BsEwingei der ganzen bewohnten Brde, Diod. 
V, 44, 6, auf der andern Seite aber aach gleichblls als ^xuikijc «v^g nal 
tvfifyETi.x6s , welcher cuerat den Dienst der himmliBchen OOtter einführt, 
Diod. TI, 2, 8 (a. A. 5»). Das soll jedeufaUa den Anfang der Coltor bc- 
leichDen, und ao berObrt sich hier die Theorie dea E. mit jener älteren, 
Euerst im Siajphos des Eiitiaa aoBgesprocbDen, nach welcher der GAtter- 
glaube eine klage ethisch -politische ErGudong sein sollte (rgt. Sierokk 
S. Sl f ). Aber noch Kronos und Rbea essen Menscheifleisch , und erst 
Zena verbietet es nnd führt gerade durch den neuen MenschenTärgOttemnga- 
caltuB mildere Sitten ein (Eon. Fr. X. XI) i hierin non liegt in der Tbat 
keineswegs, wie Sieroka S. 14 glanbt, ein Widersprach. Andrerseits 
haben andere dieser neuen 6Stter Verdienste nur um die Sch&den der 
Cakor gehabt, ao Aphrodite, s. A. 4G. In solchen WiderBprflchen und 
Frivolitäten zeigt sich, wie wenig ernst Enhemeroa tu Werke ging. Br 
erinnert, wie Block S, 129 richtig bemerkt, an Lnkianoe nnd Volture. 
Sehr verfehlt sind aber trotzdem die Behauptungen von Block 8. 60 £F. 

47} Ammon (Diod. V, 44, 6 f.), Belos, Eadoe, s. A. 42 und Fr. XZVU 
^ Eon. Fr. XI (Lact. 1, 22), wo es heisst, Zens habe fibenll, wo er gatt- 
lich anfgenommeo sei, als Denkmal der Freondsehaft sich mit dem B«i- 
namen seines Gastgebers, e. B. Zeus Easioe, Zens AtabjrioB, Zena La- 
brandioa, Heiligtbflmer errichten laaaen. Block S. lt> vermntdiet, daaa G. 
auch mit dem Judengotte to verfahren habe, s. A. S3. 

48) Hekataeos, Herodoros, ap&ter Epboros, a. Lobeck A^aoph. S. 987 ff. 
E. benntEte natflrlioh sehr eingehend auch alle sehon in der Volksreligion 
fQr ihn gegebnen Anknüpfungspunkte, besonders die Hjthen Ton den Qe- 
burlBst&tten nnd OrabmUem von GOttecn in veischiedenen Gegenden, Cio. 
a. a. 0. Lact. div. inst. I, 11. de ir. 11 , und namentiich das Grab des Zeut 
in Kreta gab ihm einen wichtigen Anhalt (Sei. a. a. 0.), wie denn Ervta 
ja anch als die Qeburtsitatte von Zens und anderen QOtteni galt (Hock 
' Kreta ILL S. 880 ff. Block 8. 48). Daher behauptete er denn aacfa, dass 
die Priester des panohaüschan Heiligthnms ans Kreta stammten, und be- 
rief sich hiefOr aaf andere in deren Besiti befindliche, von Zens verbaste 
Inaohriflon, Diod. V, 46, »f. 

4») S. A. SS. 



Enbemeroa von Metiana. 321 

Pnblicam onterhalteDd gesehrieben, und die romanhafte Form 
der AasfUhrang entsprach dem damaligen Zeitgeschmacke, wie 
die ähnlich angelegten Werbe des BekataeoB, Amometos, lam- 
bnlos nud Anderer beweisen. Und so Übte denn dies« Schrift; 
eine sehr erhebliche und nachhaltige Wirkung auf die hellenistische 
Welt*^), wie wir später sehen werden*'), and durch die Be- 
arbeitung dee EnniuB auch auf die rStniscbe aus''^), wenn auch 
klflgere Köpfe, wie Kallimachos"), Nichts von demselben wissen 
wollten. Seltsam genog^) ist ea flbrigens dabei, dass ein Theil 
dieser abstimmigen Entiher nicht sowohl die Tendenz desselbeo 
angriff als die vermeintliche Lügenhaftigkeit des Verfassers, der 
doch mit der historischen Einkleidungnur eine poetische Täuschung 
beabsichtigte'^), und dass sich dieses Uissverstandes sogar ein 
Mann wie Eiratosthenes schuldig machte^"). Auch sagte Euhe- 
meroa es sich selber recht wohl, dass eine Erbebung von Menschen 
zu Göttern einen schon bestehenden anderweitigen Grotterdienst 
voraussetzt"), und eben desshalb^ erzählte er von Uranos, dass 

60) Block 8. 70—187. 

ftl) a bM. C. 83. X. 908 ff. C. ST. A. «9. 110 ff. C. SS. A. t2. 

bi) Cio. a. a. 0. gtion notter et interpretatvt et teeutut e»t pratter ceterot 

6S) S. A. Bö. Aber gerade EallimadioB fiberoet^te, wenn anch io 
»nderer Weise, in Minen SchmeicbelaieQ gegen die PtolemHer, wie dieM 
es Terlangteo, die meaachenTeTgattemdeB Theorien des E. ini Pntktische. 
Hu lieht daiauB am Beaten, wie aehr gei&de E. eine folgerechte Ver- 
kOrpenmg einer m&ehtigeD Richtmig de« dunaUgen Zeitgeistes war. 

6t) Wie Nitzich Die Heldenaage der Grieoben, KieJer pfailol. Stod., 
Kiel IMl. B. US traffisnd beme^t 

U) Wie PlatoD mit der Atlantis, den man hieniacb eben ao gnt einen 
Lfigner hätte Mfaetten kennen. 8. Kohde S. 3S3. 

M) a Eratoitk. b. Strab. 1. p. 47. U. lU (vgl. A. 71 f.), Polyb. a. n. 0., 
ApoUod. Ft. 169 b. Stnb. TU. M> (a. A. 8), Stnbon eelbrt a. a. O. a. lOi 
(i. A 74), *gL anch Plnt a. a. 0, Es ist nur die Kehrseite hiezu, wenn 
Diod. ihm glänbig sich anschlieasi Die.KirehenvUer folgen tfaeila dem Ver- 
danunanganrtheil dea Hntatchos, theila atehen aie (wie Amobias, s. A. 33) 
aof denaelben Standpunkt wie Diod. und acceptitsn ae seine Angriffe 
gegen das HeidenUinm bestens, s. Sieroka 8. 3». Block S. 137 f. 

61) 8o dasa dieser ans nngenauer Lectfiie oder vielmehr bloai mittel- 
barer BenntEung hervorgegangene Einwurf bei Sex. a. a. 0. S4 f. ihn nicht 
trifft, B. Nämetbj 3. 17. Denn ans eigner Iiesong kennen den B. ab- 
geaehen von Kallimaohoa and Etatosthenes von den Schriftatellem, die ihn 
nennen oder citüen, nni Poljbioa, Varro, Diodoroa, Hyginua und vielleicht 
Plinina (bei dem dooh wohl anch X. §. 4, wenn schon vielleicht nnr mittel- 
bar, aoB dieser Quelle atammt), Athenaeos troti der hinzngefügtnn Bachiabl 

Sdibkibi., erlHh-alsz, Lin.-OMalL I. 21 

D,j-,_, l|.;,*^TOOylC 



322 Elftes' Capitel. TendenxerdicMuugeD in Prova. 

derselbe ein Sternkuodigor geweseo und daher die Yerehrang 
des Himmels und der Sterne eingeführt habe^^), dass aber dann 
an die Stelle dieser älteren Götter je einer jener neuen getreten 
Bei, so Uranos an die des Himmels^. Die älteren auf diese 
Weise als verehrungswiirdiger darzustellen war dabei durchaus 
nicht die Absicht^'): was Enhemeros selbst Über das Dasein von 
Gott oder von Göttern dachte, darüber hat er sich offenbar nicht 
ausgesprochen^*); thatsächlich war er ohne Zweifel^) ein unbe- 
dingter Atheist und ward denn auch vielfach als ein .solcher 
angesehen^]. 

kanm, da et ihn sonst achwertich ferkehrt bU Ko&t bezeichaet hätte 
(e. A. 32). ColumelliL IX, 2 (— Fr. XII} hat natürlich aus EuninB geecbOpa 
5. Himethy S. 6—18. 21 f. und Ä. SB, 

5S) Wie Sieroka S. 9f. 15 ff. richtig bemerkt 

t9) Diod. TI, 3, 6. Ov^avon . . . i^c [d* ävi0ES* lUT^vtttt JMtnT^fKw«, 
ov %al nemfov ihiaCatt tifi^sai tovs o-Afa*l«vt fttovt. VgL A. 46. 

60) Der Zosatz bei Diod. a. a. 0. Sib xal Ovfovöv KQawyoQtv^tat 
igt ongenan, aus Ena. Fr. VII (Lact. I, 11) erhellt vielmehr, daw Zeiu 
Beinen Gros«yat»r als Qott einführte, indem er dem Himmel deuen Namen 
Uronoe gab. Aus diesem Zeugniss hat Sieroka analogiich das Obige 
ersohloiaeu. 

61} Daa gerade Gegentheil erbellt aus dem A. 16 Dargelegten: der 
neue GOtterdienst ist ein Fortachritt, und die Panchaiei tverßci^ lia- 
ipfQovtte, Diod. n, 6, 4, vgl. V, ^i, 7, und die Priester stehen bei ihnen 
in hohen Ehren und grosser Macht S. A. 6S. 

63) Sieroka S. 18 f.: „Librvm auum Eulttmtrtia üa composuüw vid»- 
für, ut lectorts ex argumentU prohti», quoMü äii aesUmoHdi estmt, poaent 
vel eogerentiiT ipti condudere. In meÜo räiqmt aatmtne omnüu dm an 
non tsaent, in media reliquit coleruiine atent dioinie h<morib»u an moh. £Kh' 
Iitpiter aUi non veri dei arant , tarnen heroum wtstar poterant heäieri et eoU. 
Quid quod EvAemerus iüoi dem faUo credito» finxit PomAomi in humI« 
summa saneHtate et oereatndia coli ab iliie »aoerdoUbv» , gyti havd ignora- 
reut eos quondam homine$ fuisse mortalea. Otütua quiäam oaxws reUneripolttit". 

63} Data Steinhart und Block S. 62ff. dies mit Umecht bestritten 
haben, folgt aus dem Vorstehenden. 

64) Die sich hänfig (Cic. Agt Sex. a a. 0. 0. Aelian. V. fi. I, Sl n. s. «.) 
wiederholende Atheisteuliste, in welcher er figniirt, stammt bei ASt ans 
einem Epikureer, der jünger als Philodemos war (s. Diel« DoKOgr. S. 68 f. 
vgl. Zeller Ph. d. Gr. I*. S. B9fi) und sie ans derselben Qnelle wie Cic. 
nnd Sei. (s. C. 3. A. 617 ff.) entnahm. Wenn sich nachweisen liesse, da« 
E. von irgend einer philosophisohen Riohtnng beeinflnsat worden «ei, m 
kannte dies, wie Zeller II', i. S. 843. A. 1 zeigt, nnr die kyrenusche ge- 
wesen sein, allein dieser Nachweis l&sst sich auch nicht einmal mit blossen 
Wahrtcheiolichkeitagrtlnden fahren, s. Sieroka 8. 31 f. Block S. IsafT. 
Bohde S. 3S4f, A. 1. 



,,L.ooylc 



Ämomelo«. Timokles. AntipbansB tob Berga. 323 

Amometos*'), ält«r als Eallimaclios^, also anch unter 
Ptolemaeos I uod vielleicht aach noch Ptolemaeos II, schrieb 
ein dem Hyperboreerroman des Hekataeos ähnliches Buch, wel- 
ches aber vielmehr in jenem andern Local, dem indischen, spielte, 
nämlich über die Attakoren") im Himalayah und ein sweiti^s, 
get^aphiaches, aber gleichfalls mit Wundergeschichten angefülltes 
Werk, ix Mifitpsme ävanllovg*^). 

Timoklea'^), aus anbekannter, aber doch bei der ganz 
gleicbeo Art seiner Schriftetellerei wohl ziemlich aas derselben 
Zeit'**), schrieb unter dem angenommeoen barbarischen Namen 
Chlonthakonthlos oder Eonchlakonchlas der Schlangentödter 
(ö 'O^ioxavög) eine ähnliche abenteuerliche Schilderang") der 
wunderbaren und glficklichen Zustände des von ihm erdichteten 
Volkes der Schlangentödter. 

Äutiphaues von Berga in Thrakien, auch ans ungewisser 
Zeit, aber jedeofalls vor Eratosthenes^), war ein durch seine 
LOgengeachichten sprüch wörtlich gewordener Schriftsteller^'), der 
wohl auch Reiseberichte schrieb^^). 

es) Wohl ein erdichtetei Name. — Mfillet F.H.Q. II. S.S96. Rohde 
8. 817— «1». 

M) Oder wenigatens nicht jflnger, da dieser (Fr. 100', 88) ihn citirte, 
Antig. Hit. 164 (U9 Wert.) — Fr. 2. 

67) So Plin. N. H. VI. 3. 66 (der iha auch im Qaelleoregigter nennt). 
"OtTOfiiöffat Ptolam. 1, 12. Indisch Uttara Kanu. 8. HüUer d. Rohde. 

68) Die drei Fragmente lind aaa Antig. a. a. 0., Aelian. N, A. XVII, 6. 
SoboL Apoll. Rh. m, UT9. 

C9) Uaener Vergeiaenei, Rhein. Hoa. XXVIll. 187S. 8. 109—412. 
Rohde 8. 219f. VgL aneh Meineke F. C. 6. L 8. 4SI. 

70) Uaener aetst ihn freilich etat in die zweite EM&o dea zweiten 
Jahrh. n. Chi., a. dagegen aber Bohde S. 220. Amn. 

71) Welche nicht bloas noch Qalenoa T. XI. p. 798 K., der den letzteren, 
■ondem aogarnoch Pfaotioi Epüt. 66. p. 111 Hontacatins, der den enteren 
Manien angiebt, kannte. 

72) Da dieser den Euhemeroa einen „ Bergaeer" (t. A. 7S) naoate, 
Sbrab. I. p. 47 and nach Poljb. (vgl. A. S2) IT. p. 104, a. Ä. 66. 

7S) Indem Bergaeei lo viel wie „Lagner" nnd ßt^futtit* so viel wie 
„lügen " hieaa,BratoBth. a.a.O. 0. Poljb. XXXIV, 6, 16 *^ m. 6, 10. Strab. 
II, p. 100. 102 (s. A. 74). 104, vgl L 47. Steph. v. Bys. Bin«. 

74) Wie Robde 8. 222. A. 2 darana acbliesst, „daas Stiab. II. p. 102 
die ipivat^ata dea ^theas, Enhemeros, Antiphaues neben einander stellt; 
^l ancb Marciaii. Epit. Men. §. 101". Derselbe erklUit es aber ans gotem 
Qrrinde (hier and 8. STft. A. 1) fdr nnwahncheinlicb , dasa, wie Meineke 
a. a. 0. 8. 480 glaubt, der von Antonins Diogenes ala «ein Voi^(&nger ge- 
nannte Antiphanea der Bergaeer gewesen sei. 

21' 



324 Elftes Capitel. Teadenzerdichtongen in Prosa. 

lambulos^'') auch aus Ungewisser Zeit, aber mindestem 
vor Diodoroa'") und somit aus den vorchristlichen Jahrhunderten 
schrieb ein märchenhaütes Buch, in welchem er von seinem Auf- 
enthalt bei einem glückseligen, in Weiber- and Kindergemein- 
Schaft lebenden Inselvolke und sodann in Indien bei dem hellenen- 
freundlichen König in Palibothra erzählte. Und zwar scheint 
er bei dem ersteren Gegenstände, bei der Schilderung von jenem 
Utopien des fernen Südens, am ÄusfOhrlichBten gewesen zu sein, 
und 80 wesentlich sich seine Darstellung auch von der des 
Euhemeros dadurch unterschied, daes die des Letst^ren ganz im 
Dienste der Tendenz stand, während die seine nach Allem, was 
wir von ihr wissen, ein Wohlgefallen an der phantastischen 
Fabelei als solcher an den Tag legte''), so war trotzdem auch 

76) OBann lambnloa nnd sefne ReiBaabenteaer, Beitrr. eut gr. d. c. 
L.-G. I. S. 387— EM. Bohde S. 336— 248. Der Name wai vielleicht auch 
uiir ein angenommener. 

76) Welcher auch aus ihm II, 65—60 einen (flbrigeD* sehr verwirrten) 
Äaezng gfiebt. 

TT) Qenaner lautete dieeelbe nKmliob m>. Von Jagend anf der Bildnng 
beflissen, habe er nach dem Tode seines Vaters, eines EanfiniaanB, eine 
Handelareise nach Arabien nntemommen, sei jedoch anf derselben in 
Sklaverei gerathen and nach dem am Meer liegenden Thelle AethiopieDi 
gebracht, von dort aber auf Befehl eines inländitohes Orakels anf einem 
Schiffe als SQhnopfer, wie es die dortigen Aethiopen ^le 600 Jahi« dem 
Meere darzobriegeu pflegten, mit einigen Anderen ansgesandt worden. 
Nach vier Monaten seien sie zn einer gifloklichen, eigenüioh ans sieben 
dicht an einander liegenden Inseln bestehenden Insel gelangt, deren Be- 
wohner lanter treffliche nnd voUkommene Leute seien, in Abtheilnngen 
von je höchstens 400 Uitgliedeni getheilt, deren jede von einem Ädtsten 
wie von einem Ettnig r^ert werde, auch sohon fauserlieh aosgaeiolinet 
durch OrOsse und Schönheit, anch durch doppelt gespaltene Zungen, mittels 
derer sie alle Mensoben- und Vogelspracben nadiiobildeD , auch mit «wei 
Leaten zugleich sich su unterreden vermSchten. 0(^ habe w nun mit 
seinen Gefährten sieben Jahre gelebt, dann seien sie, weil ihre Sitten den 
Einwohnern Abel erschienen, aosgestossen worden, ihr Schiff eei wieder 
nach viermonatlicher Fahrt an die indische Efiste geworfen, «eine Qe- 
fKhrten dabei umgekommen , er selbst aber nach Palibothra cu dem 
dortigen hellenenfrenndlichen ECuige gebracht nnd von diesem wohl auf- 
genommen und mit sicherem Geleit nach Persien geschickt worden. Von 
da aus eei er in seine Heimat inrflckgekehrt, am nnn in dieeem Buche 
eeine Erlebnisse aof jener giackseligeu Inselgruppe nnd das Nene, was er 
in Indien gesehen, zu berichten. Man vgl. ausser Diod. a. a. 0. fibrigens 
noch Tiett. Chi). VII, t44. — Lukiau. Ver. hist I, S beieiehnet den 1. 
zwar als einen offenbaren Lflgner, aber snglei^di anmatbigen BnUlm. 



|.;,*^TOOy[C 



lambaloB. Ariatippo«. 335 

er, wie es scheint, ein TeadenzBchrifteteller'^), welcher vermuth- 
lich auf diese Weise die Verwirklichung dea altetoiachen Ideal- 
oder Natorstaats anamalen wollte. Ist dies aber wirklich der 
Fall, Bo mass er^^ spätestens zwischen Chrysippos und Panaetios 
gelebt haben, als noch der ältere Stoicismua strengerer Observanz 
bestand und nicht der spätere, eklektisch gemilderte und er- 
weichte^""). Und so mag er denn auch wirklich in Indien ge- 
wesen sein nnd wirklich Zeitgenosse eines dortigen griechen- 
freundlichen und noch einen grossen Staat beherrschenden Königs, 
d. h. ans der von 315 bis 226 regierenden Reibe^"), und mithin 
jenen anderen, ähnlichen Scbril^stellern auch zeitlich sehr nahe 
gaatanden haben. 

Jedenfalls ist es bezeichnend, dass wenigstens Eubemeros, 
HekataeoB und Ämometos erweislich bereits vor Kallimacboe 
schrieben. Denn der ddrre und leblose Niederschlag dieser ge- 
sammten £«isefabalistik sowohl bei Historikern und Geographen 
als auch in diesen tendenziösen Ualbromaneu, nur aber mit Ab- 
streifung jeder derartigen Tendenz ist die nunmehr durch Kalli- 
machos in Mode kommende Sammelscbriftstellerei der Bayfiäcue 
oder //o^atfol«^'). 

In anderer Weise schlössen sich namentlich an Enbemeros 
die mytholc^schen Romane und Geschicbtchen des Hegesianas, 
DionysioB Skytobracbion und Palaephatos an, von denen weiter 
unten (C 27) die Rede sein wird. 

£in6 schamlose Tendenzerdich tuug von ganz anderer Art 
war die Schniotzachrift eines ungenannten Verfassers anter dem 
Titel 'AffitTtMios ntpl naKatäq tffwp^s, welche allerlei durchweg 
Iflgenbafte Geschichten von Ausschweifungen historischer Per- 
sonen, namentlich im Punkte verbotener Liebe enthielt, uns 
fibrigens nur aus Laertios Diogenes bekannt ist^*). Dass dieselbe 
nicht etwa eine Fälschung unter dem Namen des Aristippos 



7S) Wie Bohde 8. 3)2 f. 21001 vermothel und genauer aasfahrk 

79) Wie Hl Bohdea Untenachongen ergätuend biDiuiufügeD Ut. 
79b) Vf^. c. 28. A. h% ff. 

80) a Bobde S. ttt. A. 1. 

81) S. C. 17. 

83) Die Eiareihniig denelben in deo Zaummenliaiig der alesaudriai- 
Bcheo Litteratnt und die richtige WfirdiguDg dieses Machwerks verdanken 
wir V. Wilamowiti Antig. t. Kar. S. 47— 6S, au den licb die folgende 
Daratelinng voUatfaidig aoicklieut. 



iv.t^iOO^IC 



326 Elftes Capitel. Tandenzurdichtungen in Prosa. 

wd.t, leidet keinen Zweifel^^. Aristippos war vielmehr der 
vom Verfasser allerdings mit ßOcksicht auf den Stifter der 
kyrenaiscben Lustlehre gewählte, den Inhalt bezeichnende Bach- 
titel. Die Schrift entstand auch bereits im dritten Jahrhundert, 
freilich erst in der zweiten Hälfte desselben, und der unsaubre 
Zusatz aus ihr ist lange vor Laertios Diogenes in die. Philosophen- 
biographien gekommen^). Das Ganze umfasate mindestens vier 
Böcher, im ersten war von Periandros die Rede^), sonst wird 
bei Diogenes nur das vierte angeführt ausschliesslich für Philo- 
sophen^. Die Tendenz dieses Libells ging dahin, alle möglichen 
Grössen als andere Aristippe darzustellen, und so passte es ganz 
in eine Zeit, welcher die eigne sittliche Hoheit abhanden ge- 
kommen and daher auch bei den Aelteren unbequem geworden 
war, und bei all seiner Niederträchtigkeit dient es doch wesent- 
lich dazu das Cnlturbild namentlich des damaligen Athen zu 
vervollstilndigen. Ueberdies steht der Verfasser gar nicht so 
ganz vereinzelt da, Aristoxenos war vielmehr im Verläumden 
bereits kräftig vorangegangen, in Bezug auf die Philosophen ist 
Hermippoa ein kaum viel weniger schlimmes Seitenstßck, die 
Dichter und Staatsmänner waren von Hieronymos*') and Ido- 
meneus^) nicht viel besser verarbeitet, und Bflcher wie Herakleides 

83) Denn, wie Nietzsche Rhein. Uns. XXIV. 1869. 3. SOSf. bereit« 
herrorhob, sie handelte anch von Aristoteles ond Theophrastoa (La. DL 
V, 8. 39), ond WiUmowitz S. 48ff. hat nachgewiesen, dua anch die 
ScbDiutzgescbicht«n über Arkesilaos bei La. Di. IT, 40f. ans dieser Lflgen- 
schrift stammen. Obeailrein heisst es hier, Arkesilaos habe die Chraien 
des Aristippos stets im Munde gefDhrt. AoasecdeDi s. anoh noch C, S. 
A. S6 ond ferner A. S6. S9. Aber auch die Termothong von Bergk 
P. L. G, II'. S. 896 ist verfehlt, der Verfasser habe wirklich AriatippOB 
geheissen und eei der von La. Di. II, 83 erwSJintie jüngere Akademiker 
gewesen. 

U) La. Di. Till, SO. ät <p^«iV 'A^U^mnos xal Zäxv^s, d. h. entweder 
SatjroB bei A. oder A. bei Satjroa, und da schwerlich A. die Biographien 
des Satjroe citirt haben wird, ist nur das Letitere möglich: schon Sa^ros 
hat also im Leben des Empedokles diese Schrift benuttt, wie Wilamo- 
wita 8. fiS bemerkt. Vgl, C. 19. A. S9. 

86) La. DL I, 96. 

86) Empedoklea, s. A. 84, Sokratea, Xenophon, Plaion, Polemon, Tbeo- 
phrastos (La. Di. JI, SS. 48. III, SB. tV, 19. V, 39). Wenn d^er V, 3 
ffir Aristoteles und Hermias von &tamens das I. citirt wird, so wird dafür 
das 4. (^ stau A) mit Wilamowitz S. 4» benastellen sein. 

87) S. C. 2. A. 778. 776. 777. 

88) 3. C. 20. A. 364. 367. 



lA^iOOglc 



ZwOlite« Capitel. Zenodotoa n. die ander«!! ILltateu Qrammatiker. 327 

imd Chamaeleon oder Theophrastoe ncpl ^Jov^S uod die Schriften 
des Elearchos mochten dem Verfasser schon manches verwerth- 
bare Material liefern, so dass er nicht einmal seine eigne £r- 
findnngHpabe allzn sehr anzastrengen brauchte. Derselbe war 
wohl ohne Zweifel selber Anhänger irgend einer von ihm halb 
mies verstandenen, halb verzerrten Lastlehre, mochte er nun von 
den Epiknreem oder Dionysios dem üeberlsafer oder Hieronymos 
oder wem immer den Anstosß erhalten haben. Am Meisten gilt 
sein Orimm offenbar den Akademikern*^, weil diese sich am 
Meisten, zwar nicht in wisBensehaftlicher, aber in wahrhaft sitt- 
licher Hinsicht auf der Höhe erhielten. 



ZwOlfbeB Capitel. 

Zenodotos nnd die anderen Sltsten flrantBiatiker. 
Die alexandrlnlschen Biblintheken. 

Unter der Grammatik höheren Stils verstand man bekannt- 
lich im Alterthum nicht sowohl, wie wir heutzutage, die Sprach- 
wissenscbaft ') , sondern die gelehrte Beschäftigung mit der 
Litteratnr *) , so dass bei diesem Ausdruck zunächst an die 

89) AnBBei A. 88. 86 s. auch noch die von Wilftmowitz 3. 48 f. nach- 
^ewiesenen Eimobiebsel aus ihm in Beeng auf Polemon nnd Erates, Enmtoc 
und Aikeulaos bei La. Di. IV, IS. 31. 24 und daia C. 2. A. 666° In Be- 
sag auf BioD ■. C. 8. A. 94. 

1) Abgesehen von der Verbindung T^jm] ypuftfun»^ findet rieh äer 
Aiudmck so tneioea Wiaaens nur bei Dionjta. t. Hai. De vi die. Dem. GS. 
p. 1116. Tq^ talovfUv^ -ffafifum»^. 

i) EigentUoh bedeuten nBmlich y^iififi««« die Buchataben und daher 
auch wohl Leaen and Sohreiben (nnd «elbat ftechnen) all Qegenatand des 
Elementarnntemehta und y^fifwiix^ nur die Kunde des Unterechiedeii der 
Buchetaben nnd de« LeMm nnd Bchreibena, Ariatot. Top. VI, fi. HS** 81f. 
j««njfii] TSV yfcnpdi «al ätayrävai, Pol. V (V1I[), 8. 1887^ 86 f., y^it/ta- 
tisö« Deqjenigen, welcher diese Ennde beaitit, Ptat. PhUeb. 17 B. Xen. 
Hem. IV, 8, 80, und rpuftfunionfc oder ffattfmr«8i9 '«««10$ hat ateta die 
Bedeutung des Elementarlehrers behalten. In der That ist nun aber auch 
der Leie- und Schreibnutenioht mit aeiaer nothdflrttigen Erklärung des 
Geleseaen der Eaim der bOheren y^ftfian«^ geweMo. S. auch A. 8. Ueber- 
flie* aber Teratand man weiterbin unter den y^sfifMicc ausser den Buchataben 
auch das in ihnen Oeacbriebne, alao, freilich wohl nicht bei den Attikem 
(e. Kaibel Herrn. XXV. 1880. 6. 108 f.), auch die Litteratnr (vgl. das lateiu. 
Utterae), und so eotatand denn jene höhere Bedeutung des y^ftfutciKift und 



iv.t^iOO^lC 



328 Zwölftei Capitel. 

Erklärung der Schriftsteller uod vorwiegend der Dichter gedacht 
ward, freilich in erster Linie nach der sprachlichen^ und erst 
in zweiter anch nach der sachlichen Seite. Die kritische Her- 
stellung der Texte war allerdings mit in denselben eingeschlossen, 
keineswegs aber auch so ohne Weiteres die sogenannte höhere 
und die ästhetische Kritik. Wer die letztere recht eigentlich 
von Fach betrieb, ward vielmehr Kritiker genannt, und die perga- 
menischen Philologen gaben sieb diese Bezeicfanong*) in einem 
anderen und umfassenderen Sinne, nämlich vermöge des ihnen 
eigentbfimlichen Anschlusses an die stoische Philosophie in dem 
der höheren, d. h. philosophischen Benrtheilung überhaupt. In- 
dem sie Dasselbe unter einem Grammatiker begriffen wie die 
alezandrinische Philologenschule, Exegese, Kritik, empirische 
Spracfagelehrsamkeit und historische Kenntniss, stellten sie den 
Grammatiker unter den Kritiker, dem sie drei Aufgaben zn- 
wiesen^), nämlich die historische Kritik, die Unterscheidung der 
Stile (nebst der höheren und ästhetischen Kritik) und die syste- 
matische, philosophische Sprachlehre oder logische Behandlang 
der Sprache, wie den Handlanger unter den Meister^. 

der y^aftfMinKtf °> „ Schriftgel ehtter" und „Bchriflgelehrearakeit", oud diSM 
höhere Oramuatik ward nun als ficyälTi, ivTti^e, iHiios von Jener elemen- 
taren fiixpa, xcrtdtxii, ätiitatifa anterechieden. Sex. Math. 1, 44 ff. Weitere« 
b. Wolf Prolegg. in H. 8. 171. A. 16. Clasaen De grammaticM Onecae 
pnmordiis, Bonn 1829. 8. S. 3 ff. S. auch A. 9 u. die Noohtrilge. 

8) S. A. 8. 

4) Said. Apänjc TifionfiiiiMiE. Aaklep. v. Myrl. b. Ath. XL 400 e. Sex. 
a. a. 0. 1, 348. Aelian. V. U. X, 42. Vgl andi A. 6. 

6) Sex. 248 f. Tavfia%os yovv b Apanjio« ttxouoti];, äaxtQ oC äUw 

cö i^iv 11 loyinov to di t<fißi*ov rö d tavaifixöv, Xoymöv (Liy lö tfiptfw- 
Htvm xtgl iqv U£i* %al zovs ypufifuirMoüc Tpdvone, iQißitöp ih cö iH^l 
xat SutXduxinis meI mg iiaifio;ias rmv nlafffutTtov xal xa^auz^nmv, rnaetaö* 
ii tö aefi T^ jct^ojitföi^Ta i^c äfu&öSov vlijc. Vgl. Waohamiith De 
Cratete Mallota (Leipz, 1860). S. 9 f. 

6) Sex. a. a. 0. 10. to* niv Hpiiixiv näejis . . . 6eC Io^ik^c imorqu^t 
tfiMtifov e!*«!, tov äi yfafiiuttmov äxläg ylacuäv i^rjjrjtmov %al ufocif- 
SUts ü%oSo%i*if %a\ xäv xavxtat xaifaxlijoiani lU^iiopa- xnpö xal ii>tTtiwai 
IxeCfOP fiiv «fXitnxoft xiv ßi y^u^ifutiixöv vxiiQixji. — Aof alle ITUle 
ateht der Begriff dea yfttittutxmat im höheren Sinne, wenn er auch (s. A. 2. )) 
weit weniger lunfaaaend ist, als was wir heute einen Philologen oBunen, 
doch dem einee aoloben weit näher ala daa grieohisohe fMloyot, weichet 
■ich Ton (ptJlödofWE in deaaen nraprÜDglicher Bedeutung, qiUafia&iJc, 9tla- 
ixovaot nicht weit entfernt, indem es den Freund geistiger Bildung und 



,,i.,ooalc 



Zeaodotos und die aaderen Utaten QramnUitiker. 339 

Id der Tbat beschränkten sich die ältBten alexandrinischeii 
Grammatiker zarördergt namentlich auf die Herstellimg kritischer 
Dicbtertexte und die FortfllhniDg lexikalischer Arbeiten. la letzterer 
Richtung waren, wie wir sahen'), schon Philetas und Simias thatig, 
und ihnen folgten in derselben Zenodotos, Äriatophanes der By- 
zantier und Andere, um so eine allmähliche Erkenntniss der histori- 
scheu Entwicklong des SpracbgebrauehB zu begründen^). Dann 
machte man sich auch an die Erklärung, aber sprachliche Unter- 
suchungen allgemeinerer Art wurden, abgesehen von der Decli- 
nation und Coi^ugatioD und der Feststellung der sogenannten 
Redetheile nur bei Gelegenheit der Kritik und Auslegung mit 
angestellt. Erst nachdem auf diese Weise fester Boden nach 
allen Seiten hin gewonnen war, schrieb ein Schiller des Aristar- 
chos, Dionysios der Thraker, das erste Handbuch griechischer 
Sprachlehre (TV^vi) /pafi^nxi]) ^), 

inMentchaftlicher Stadien, dan wisienacliaflUch gebildeten Manu bezeichnet, 
ond m dieaem Sinne «oU Eratoathenea «ich selber snerst ao genannt haben 
(Suet de gramm. 10. pMlologi appeUalioncm assua^tisst videtur Ateius, guia 
»ieut Eratotthmtt, qm primtu hoc cognotMtt sibi mndicavit, muU^iei varia- 
que doetrina eetteebaiwr) , nm die Tielteilägkeit leinee wiiaenechaftlichen 
Strebeoi anaznärficken. Nach einem anderen Bericht führte lange TOr ihm 
schon der Qatte der Moero dieien Beinamen, b. C. 14. Ä. 2&. Von Oberana 
iweifelhaftem WerUi (a. Bernhard; ErAtoathenica S. X. X!T, Tgl. C, 16. 
A. BS) iat die Angabe, Entoathenes sei Eoerst GrunmatikeT oder Kritiker 
genannt worden, Clem. Strom. I. S09 A. 'JxoXXöäm^s Ü ^ Kvitaiog xfä- 
log tov «fiTtxoü tlaiu^auTO loövOfMt, Kai ypuftfiBiiitöc s^twijyo^evd'i]. fvtot 

Ftiaßiutti^ i*tyiläipat. Später freilich kann tpil6lojat unter Umatftnden 
auch im Oegenaate gegen den tpUöaoqios von Fach atehen, Porphyr. «Vit 
Plot. 14. Ueber da« Genauere e. Lehia De diaorimine vocabulorom ipil6- 
lofof, *ifijuc6t, yi/a^/Htttuöe, EOnigab, 1638. 4. und hinter Eerodiani achpta 
tria minom S. 379-401. 
T> C. S. A. 84—36. SO. 

8) KiiTxe Qloaaare, d. fa. VetaeicluiiaBe der seltnen, rrai^teten oder 
provinsielLen Auadrflcke (ylßagai) mit beigefOgter Erkläning, besondera fOr 
Homeroa waren ohne Zweifel, wenn ea anch nicht auadrficklich beaeogt 
iat, schon im 6. Jahrh. ein unentbehrlicbea Udlfamittel fSi den Untenicht 
der lieben Jogend. Vgl. Ariatoph. Fr. 828 Eock. Sengebosch Diae. Hom. 
pnor8.&8n.bea.v.Wilamowitsls7)loa(Berll884>. S. lllff. (a. C.lS.A.llO). 
Und ao wache denn wohl ana dieaen Schnlbüchem die vorwiegend gloaao- 
graphiache Richtong der Utaten Arbeiten der höheren Grammatik berTor. 

9) S. C. 80, Aber auch er kommt (A. g. §. 1} noch nicht aber die 
Definition der yfBftfwnaq ala ift/Kiifia imc ««(« iMiriTaCt ««1 Ivyy^aqpcvatv 
ü{ j«l tö «olü Ifyofif'vm* hinauH, die, je nachdem man aie fasst, entweder 



,,L,ooglc 



330 Zwölftes Capitel, ZenodotoB a. die anderen ältsten Orammatiker. 

ZeDodotoB von Ephesos"*) m^ etwa 325 geboren sein"), 
war achoD unter Ptolemaeos I thätig und SchOler des Philetas 
gewesen, und zwar, wie man hiernach annehmen darf, einer ron 
dessen älteren Schalem, die derselbe schon vor seiner Theilnahme 
an der Erziehung des Philadelphos aViagebildet hatte"). Wahr- 
enger oder weiter als noBer heutiger Begriff der Philologie und entveder 
t,a eng oder su weit ist. JedeufitUs ent später entstand die BiDtbeilimg 
dieaer heberen Grammatik in drei Theile, zö tatofmöv, d. h. die lum Ver- 
stAndniBB der Schriftsteller nötbigea antiquarisch -historiHchen KeautniaBe, 
tÖ tixvmiv, A, h. namentlich die eigentliche Sprachlehre, and ti ISiaf- 
lEpor, d. h. die epedelle Anwendung beider anf die Kritik nod ExegeM 
der Schriftsteller (die also anch hier noch der eineige Zweck de« Ganten 
ist), wobei denn dieiet dritte Theil noch wieder in das fgijy^txDv, das 
KpiTixo'i', d. i, Textkritik, und das 3utii&mTtx6v zerlegt ward, Sex. a. a. 0. 
I, 9t S. Ein voller Philolog in unserer heutigen AnfTassoug ist aber selbst 
ein solcher y^afifucrinöe noch hei Weit«m nicht. 

10} Suid. Zi]v68otot 'Eiplaiog txoTtoiät ««1 y^aft^aTixoc, ftud^i^g nie 
^iliTTÜ, liil HiOliiuiiov ycyoviös to« itgäiov, St »tri Kolonie väv 'Oft^fon 
diOf&for^f ifivtto Hui imv ^*> 'Alr^avifeiu ßipiio9t]%mv n^ovan) tutl lovt 
jtaiSat Uiolefuiiov Ijtaldrvaen, 

11) Dieser Ansatz, der im Wesentlichen der von Bitschl AI. Bih). 
B. 81 (OpoBC. I. S. 66) ff. gegebene (Ol. 114-116) iat, kann freilich nnr 
aU ein sehr ungef&hrer gelten. Nach ihm war Z. etwa 40 Jahre, als a 
Bibliothekar ward, und wenn seine Homeransgabe schon TOr 87« (oder 
doch 874) erschienen war (s. A. 16. C. 3. A. 616), so ist es eher wahr- 
scheinlich, dasB er vor !l!6 geboren wnrde als etwa 10 Jahre ajAtor, wie 
dies nenerdings Busch Bibliothecar. AI. (s. A. 83) S. 1—10 glaublidi in 
machen versucht bat. Vgl. A. 30. Mit der chronologischen Angabe bei 
Suid. lässt sich schlechterdings Nichts anfangen. Denn eratenB liegt der 
Verdacht von Rohde riyovt bei Snid., Rhein. Hns. XXXin. ISTB. S. HS 
sehf nahe, dass der Chronograph, von welchem diese Ansetznng stammt, 
die UDgef&hre Blflte des Z, lediglich im Znsaninienhang damit unter 
Ptolemaeos 1 versetzte, weil er die seines Lehrers Pbiletas (a, C. 4. A. C) 
unter Philippoa und Alexandros versetzt hatte; und Eweitens geeetst auch, 
es liege nicht eine solche vage Berechnung, sondern eine wirkliche Ueber- 
liefernng zu Grunde, so haben wir doch nicht die mindeste Drsoche mit 
Busch anEtmehmen, daaa yeYOfät hier die Gebnri. und nicht vielmehr wie 
meistens bei Suid. die ungef&hre BIQte beseichne. Vielmehr fielen in der 
That, falls Z. 3S6 oder noch etwas f^Bher zur Welt kam, seine letzten 
Dreissigerjahre oder selbst noch sein 40. Jahr noch unter die B^emng 
Ton Ptolemaeos I. — Ebenso wenig lässt sich fibrigens mit Sicherheit sagen, 
wie die Nachricht zu benrtheilen ist, Z. habe die SOhne des Ptolemaeos 
unterrichtet Entweder bt dabei Z. mit Philetas, dem Lehrer des Phila- 
delphos, verwechselt oder der zweite Ptolemaeer mit dem ersten, wonach 
denn Energetes ZSgling des Z. gewesen wärei und Beide» ist gleich mOglich. 

12) Vgl. C. 4. A. 6-8. 



|.;,*^tOO^IC 



ZenoHotos tod Ephesoi. 331 

scheinlieh tu Folge eiuer ßerufang dui^ den Letzteren bald nach 
dessen Regierungsantritt (385) *") abernabm Zenodotos die Leitung 
der grossen alezandrinischen Bibliothek, welche eben durch seine 
Gmennnog zn ihrem Vorsteher officiell eröffnet ward""*), und 
widmete ihr dann im Besonderen seine Thätigkeit durch die 
Ordnung der gesammelten Bücherscb&tse auf dem Gebiete der 
epischen und lyrischen Poesie, während, wie schon bemerkt 
wurde, Atexandros der Aetoler die der Tr^ker und L;kophron 
die der Komiker besorgte"). Vielleicht waren seine homeri- 
schen Glossen {riäaeat oder näeeiu 'OfttiQixai)^^) schon 
vorher ans Licht getreten, so dass er durch sie zu diesem Amte 
nnd gerade besonders nach dieser Richtung bin empfohlen war. 
Jedenfalls wird man annehmen mflssen, dass seine kritische 
Ausgabe {diÖQ^auHs oder fxdoais) des Homeros, die erste, 
welche diesen Namen in strengerem Sinne verdiente, schon vor 
276 oder doch vor 274 erschien'"). Sie erstreckte sich aber 
nur auf die Ilias und die Odyssee, so dass er nur diese beiden 
Gedichte ftlr Bebt gehalten zu haben scheint. Von ihm rührt 
wohl auch die BHchereinth eilung beider und die Bezeichnung 
der Bficber in der Ilias nach den Buchstaben des grossen, in 
der Odyssee nach denen des kleinen Alphabets her^^. Einen 
Commentar za diesen Dichtungen schrieb er nicht'^). Ein auf 

15) Da der mit Z. beider OrdnoDg der Dichtwerke betheiligt« AlexrindrOB 
■chon nm 976 an den rnkkedoniichen Hof gini;, ■■ C. 4. A. 76. 

18») Vgl. Sotemihl Anal. Alex. II. S. XV gegen Baich 8. 2 f. 
J4) g. A. 85. C. 4. A. 76. Vgl. C. fl. Ä. 8». 

16) Schol. Od. y, 444. Sohol. Apoll. B^. II, lOM. Ifi) S. C. 8. A. 615. 

17) Die BegrQndang hat am UeberaichtlichateD v. Wilamowiti Homer. 
Unters. 8. 306. A, 47 fblgendermaaseD zuBammengeÜuit! „Von AriBtophauei 
kuin diese Bochtheilung nicht sein, dann der nchloBB die Odjiiee <p S9fl, 
wflrde also, wenn er den Best flherbanpt an^genommeD hatte (?), du m dort 
haben beginnen laewn. Also ist die Eintheilong älter als 200. Aber 
Aristotelea and die Uteren PeripaUtiker kennen sie noch nicht. Also ist 
de jflnger ab SOO. Die Abaicht itt, «o ml Bücher wie es Bachataben 
giebt, daa Boch nnter 1000 Teisen ca machen; natürlich mnaite man daza 
S4 Bachstaben z&hleu. Dm war freilich in lonien vielleicht schon tu 
Herodots Zeiten der Fall. Bflcher, aber noch über 1000 Vene, hat 
Apcdlonioa , deiaen Gedicht etwa 808 erachienen iat" (s. C. 18. A. 63 ff. 
C. 14. A. 61). „Linas Andronicna fibersetarte am S6Q die Odyiaee: seine 
Deberselsang kannte die Bacheintbeilnug nicht, die also nm 270 in Tazent 
imbekaimt war". In Bezug auf die Oegenbemerkiingen von Lndwich 
AriaUrcb ü. S. 890 f. A. 1»6 s. die Nachtrikge. 

IS) Daher denn schon Arietarohoa die Orflnde, welche den Z. in seinen 



330 Zwölftes Capitel, Zenodotoa n. die anderen ältsten Grammatiker. 

Zenodotos von Ephesos'*) mag etwa 325 geboren sein"), 
war schoD unter Ptolemaeoa I thätig und Schüler des Philetas 
gewesen, and zwar, wie man hiernach annehmen darf, einer von 
dessen älteren SchQlem, die derselbe schon vor seiner Theilnahme 
an der Erziehung des Philadelphos absgehildet hatte"). Wahr- 

eoger oder weiter als unser heatiger Begriff der Philologie und entweder 
za eng oder zu weit ist. Jedenfalls erat später entstand die Eintheiiung 
dieser höheren Grammatik in drei Tbeile, lö latofutäv, d. h, die zum Ver- 
aUlndnisB der Schriftsteller nätbigen antiq aarisch -liisto riech eu Kenntnisse, 
tö itjvixdf, d. h. namentlich die eigentliche Sprachlehre, und ii ISiaf- 
ttfov, d. h. die specielle Anwendung beider auf die Kridk nod Bxegete 
der Schriftsteller (die also auch hier noch der eiikzige Zweck des Gaiuen 
ist), wobei denn dieser dritte Theil noch wieder in das i^rjjtjrmiv , das 
NfintHov, d. i, Textkritik, und das 9iot&<otiii6v serlegt ward, Sex. a. a. 0. 
1, 91 S. Ein voller Philolog in unserer heutigen ÄuffasBiing ist aber selbst 
ein solcher ygaitfiavinög noch bei Weitem nicht. 

10) Suid. Z7]p6toros 'Eqiieios iaoxoiöt mqI ypufifiaiiHiic , iiii^ti}s tov 
#fili7Tä, ^1 ÜTolLcita^oti fiyoumt xov «(iinioo, oc Kai s^mioe löv Oft^foo 

itaidas Uioie/wiav ixalirvatv. 

11) Dieser Ansatz, der im Wesentlichen der von Ritschi AI. Btbl. 
S, 81 (Opaac, 1. S. 66) (T. gegebene (Ol. 114— HC) iat, kann freilich nur 
als ein aehi ungefährer gelten. Nach ihm war Z. etwa 40 Jahre, als er 
Bibliothekar ward, und wenn seine Homerauagabe schon vor 376 (oder 
doch 3T4) erachienen war (a. A. 16. C. 2. A. 616), so ist es eher wahr- 
soheinlich, dass er vor S26 geboren wurde als etwa 10 Jahre sp&ter, wie 
dies uenerdinga Buach Bibliothecar. AI (a. A. 83) S. 1—10 glaublich zu 
machen veraacht hat Vgl. A. 30. Hit der chronologischen Angabe bei 
Snid. ^st sich schlechterdings Nichte anfaugea. Denn erstens liegt der 
Verdacht von Rohde riyovt bei Suid., Rhein. Mus. XXXIIL 1S7B. S. ITS 
sehf nahe, daas der Chronograph, von welchem dieae Anaetsung stammt, 
die ungefUire Bifite dea Z. lediglich im Zuaanunenhang damit unter 
PtolemaeoB I verietite, weil er die aetnea Lehrera Philetaa (s. C. 4. A. 6) 
unter Philippos und Alexandroe veraetit hatte; und sweitena gesetzt auch, 
es liege nicht eine solche vage Berechnung, sondern eine wirkliche Ueber- 
liefernng zu Grunde, so haben wir doch nicht die mindeste Ursache mit 
Bosch aniunehmen, dasa ytyoväs hier die Geburt nnd nicht vielmehr wie 
meistens bei Snid. die ungef&hre Blflte beceichne. Vielmehr fielen in der 
That, falls Z. 8S6 oder noch etwas frQher zur Welt kam, seine leisten 
Dreisaigerjahre oder aelbat noch aein 40. Jahr noch nnter die Regierung 
TOn Ptolemaeoa I. — Ebenso wenig Iftast sich tlbiigena mit Sicherheit aagea, 
wie die Nachricht zu beurtheilen ist, Z, habe die 80bne des Ptolemaeoa 
unterrichtet Entweder ist dabei Z. mit Philetaa, dem Lehrer des Phila- 
delphoa, verwechaelt oder der zweite Ptolemaeer mit dem ersten, wonach 
denn Euergetea ZOgling dea Z. gewesen wäre; und Beides ist gleich mOglioL. 

12) Vgl. C. 4. A. 6-8. 



„i.,ooglc 



Zenodotoe von Epheeoi. 331 

scheinlich in Folge einer Benifang durch den Letzteren bald nach 
dessen Regierungsantritt (385) '') Ohemahm Zenodotos die Leitung 
der grossen alexandriniscben Bibliothek, welche eben durch seine 
Ernennung zu ihrem Vorsteher officiell eröffnet ward'^**), und 
widmete ihr dann im Besonderen seine Thätigkeit durch die 
Ordnung der gesammelten Bfloherschätze auf dem Gebiete der 
epischen und i;friechen Poesie, während, wie schon bemerkt 
warde, Älesandros der Aetoler die der Tragiker nnd Lykophron 
die der Komiker besorgte**). Vielleicht waren seine homeri- 
schen Glossen (IViSoeai oder rimifaat 'OiitjgtxaCy'') schon 
vorher ans Licht getreten, so dass er durch sie zu diesem Amte 
und gerade besondere noch dieser Richtung hin empfohlen war. 
Jedenfalls wird man annehmen mässen, dass seine kritische 
Ausgabe (Siöf&aöig oder IxJotfts) des Homeroa, die erste, 
welche diesen Namen in strengerem Sinne verdiente, schon vor 
276 oder doch vor 274 erschien"). Sie erstreckte sich aber 
nur auf die Ilias und die Odyssee, so dass er nur diese beiden 
Gedichte fUr acht gehalten zu haben scheint. Von ihm rQbrt 
wohl auch die Büchereintheiinng beider und die Bezeichnung 
der Bflcher in der Ilias nach den Buchstaben des grossen, in 
der Odyssee nach denen des kleinen Alphabets her'^. Einen 
Commentar zu diesen Dichtungen schrieb er nicht"*). Ein auf 

13) Da der mit Z. bei der Ordnung der Dichtwerke betbeiligte Alexaudros 
■chon am 376 au den makedoniBcheu Hof ging, ■. C. 4. A. 76. 

iah) Vgl. Soaemihl Aaal. Alex. II. S. XV gegen Busch 8. 2f. 

]*) S. A. 88. C. i. A. 76. Vgl. C. 9. A. 39. 

IG) Schol. Od. y, tA*. Sohol. Apoll. Bh. II, lOOS. 16) 5. C. 3. A. GIB. 

17) Die Begrflndong hat am UebereichUicbBten v. Wilamowitz Homer. 
Untere. S. 369. A, 47 folgendem aaien znsammengefasst: „Von Arietophanes 
kann diese BnchtheiloDg nicht sein, denn der uhloas die Odyssee V ^^ 
wtlrde also, wenn er den Rest Oberhaupt aufgenommeii h&tle(?), du m dort 
haben beginnen lassen. Also ist die Eintheilnng älter als 200. Aber 
Aristoteles und die älteren Peripaletiker kennen sie noch nicht. Also ist 
sie jfinger als 300. Die Abtiobt ist, so nel Bfichei wie es Bachitaben 
giebt, das Bnob unter 1000 Versen sn machen; natSrlicb mnsste man dazn 
S4 Baehstaben z&hlen. Das war freilieb in lonien vielleicht schon zu 
Herodote Zeiten der Fall. BQoher, aber noch Aber 1000 Vene, hat 
ApollonioB, dessen Gedicht etwa 368 erschienen ist" (s. C. 13. A, 6S ff. 
C. H. A. 61). „Linas Andronicns nberaetrte am SCO die Odyssee: seine 
nebersetanng kannte die Bncheintheilnng nicht, die also am 270 in Tarent 
nnbekannt war". In Bezug auf die Gegenbemerkungen von Lndwicb 
Aristarch H. S. 2S0 f. A. 19G 9. die Nachtrage. 

IS) Daher denn schon Aristarohoe die OrOnde, welche den Z. sn seinen 



332 ZnöUlea Capit«l. Zenodotoa a. die aadeten Übten Qcammatiker. 

UD8 gekommeneB grösseres Stück aua einer Bereclmuiig der Tage 
in der lUas in der Inschrift von dem Fragment eines Marmor- 
täfelchens mit homeriBchen Bildwerken ^^), vaag diese Berechnong 
nun von ihm selber geechrieben sein oder nicht, giebt wenigstens 
seine von AristarohoB bekämpften AnBichteo über diesen Gregen- 
stand wieder"*). Zeuodotos verfuhr als Textkritiker begreiflicher- 
weise noch mit der vollen jugendlichen Verwegenheit und unent- 
wickelten Methode einer erat frisch entstehenden Wissenschaft*'). 
Allerdings war er auf der einen Seite ohne Zweifel Deijenige, 
welcher durch Benutzung zahlreicher Handaohriften den ersten 
Grund zu den neuen Texten des Aristophaues und des Aristarchos 
gelegt hat, und es sind uns fast nar diejenigen Fälle fiberliefert, 
in welchen diese seine Nachfolger seinen Neuerungen wider- 
sprachen und nicht die gewiss nicht seltnen, in denen sie sich 
denselb