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Full text of "Geschichte der Metallkunst"

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-TA ^^S'^P^ö 






TAUL JOSePH SACHS 



HARVARD COLLEGE LIBRARY 

|m|h|TH1S VOLUME FROM THE 
LJKmI HARVARD COLLECTION OF 
^Ipf BOOKS ON THE FINE ARTS IS 
^^ THE GIFT OF PROFESSOR 
PAUL J. SACHS OF THE CLASS OF 1900, 
OF THE FOGG MUSEUM OF ART 



GESCHICHTE 

DER 

METALLKUNST 



ERSTER BAND. 



<r. 



GESCHICHTE 

D£K 

METÄLLKUNST. 

VON 

DR. HERM. LÜEß und Dß. MAX CßELTZ 

LEITER DEE FACHSCHULE Vts. DIB AM KCL. KUNSTGEWERBE-MUSELM 

SOLINGER INDUSTRIE BERLIN, 

ZWEI BÄNDE. 
EESTEE BAND; 

KUNSTGESCHICHTE DEE UNEDLEN METALLE: 

SCHMIEDEISEN, GÜSSHSES, BRONZE, ZISN, BLEI IIM ZISK 

BEARBEITET VON 
DR. HERMANN LOER. 

MIT 445 IN DEN TEXT GEDRUCKTEN ABBILDUNGEN, 



STUTTGART. 

VERLAS VON FERDINAND ENKE. 

1904. 



VA 'A^--:.2G 







DiTick der Union Deutsche Verlagsgesellscbaft in Stiittgait. 



Vorwort. 




>as vorliegende Buch ist als der erste Teil einer Folge von 
Schriften über die Geschichte der Metallkunst entstanden. In 
möglichster Kürze wird darin ein Ueberblick über das unend- 
lich reiche Kunstschaffen der Schmiede und Gießer zu geben versucht. 

Die Aufgabe des Verfassers konnte es nicht sein, die zahllosen auf 
diesem Gebiete noch schwebenden Fragen zu lösen, die sich in den meisten 
Fällen auf die genauere Festlegung der Entstehungszeit und auf die aus- 
führenden Meister beziehen, oder wenn diese bekannt sind, auf ihre Be- 
teiligung an der künstlerischen Erfindung der Werke. 

In erster Linie kam es darauf an, eine für die Gebiete der Metall- 
kunst bis heute fehlende Zusammenstellung der bedeutsamsten Werke 
zu geben und die wichtigeren darüber bekannten Nachrichten auf Grund- 
lage der bis in die jüngste Zeit darüber veröffentlichten, sehr verstreuten 
Einzeluntersuchungen vergleichend beizufügen. Die wichtigeren benützten 
Quellen sind im Texte angeführt. Besonders empfindlich machte sich der 
Mangel an Vorarbeiten über die Geschichte der Schmiedekunst bis zum 
17. Jahrhundert geltend. Die Angaben über die älteren deutschen 
Schmiedewerke sind in der Hauptsache den Inventaren der Kunstdenk- 
mäler entnommen. 

Der begrenzte Umfang des vorliegenden Bandes erforderte Beschrän- 
kung nach verschiedenen Seiten hin. 

Die Entwicklung der im Laufe der Zeiten sehr wechselvollen Tech- 
niken wurde bei den angeführten Kunstwerken nicht verfolgt. 

Ebenso wurde von einer Bewertung der Werke nach künstlerischen 
Gesichtspunkten stets da abgesehen, wo andere leicht zugängliche, in der 
Regel zitierte Schriften alle wünschenswerte Auskunft darüber geben. 

Sondergebiete, die genau genommen in den Rahmen der vorliegenden 
Ausführungen fallen würden, aber eine zusammenfassende Behandlung 
bereits anderweit erfahren haben, wurden nicht berührt. Besonders gilt 
das von den Schutz- und Trutzwaffen, von den Glocken und den Medaillen 
und Plaketten. 

Im dritten Abschnitte dieses Buches wurde aus gleichen Gründen 
weniger das bereits mehrfach ausführlicher beschriebene Kleingerät aus 



VI Vorwort. 

Zinn berücksichtigt, als vielmehr das noch niemals im Zusammenhange 
gewürdigte Gebiet der Rundplastik. 

Die Kunst des Altertums ist nur soweit behandelt, als es für das 
Verständnis der Entwicklung in der christlichen Zeit unerläßlich schien. 

Die Ausführungen erstrecken sich bis zum Jahre 1900. Von einer 
eingehenderen Würdigung der Schmiedekunst des 19. Jahrhunderts wurde 
jedoch Abstand genonmien, weil es auf Grundlage der bisherigen Zeit- 
schriftenliteratur u. dergl. nicht möglich war, den vielen, in neuerer Zeit 
in fast allen deutschen Städten schaffenden tüchtigen Meistern einiger- 
maßen gerecht zu werden. 

Der geschichtliche üeberblick ist femer auf Werke europäischer 
Herkunft beschränkt worden, und naturgemäß sind vor allem die Leistungen 
deutscher Künstler berücksichtigt. 

Bei der Einteilung ist von dem üblichen Schema nach „Stilen** ab- 
gesehen, weil die gebräuchlichen Bezeichnungen der Kulturperioden klare 
Zeitvorstellungen bisher nicht vermittelt haben. Die Gruppenscheidung 
ist deshalb kurzer Hand nach Jahrhunderten geschehen, und innerhalb 
dieser Grenzen ist nach der Bestimmung und Herkunft der Werke ge- 
gliedert. 

Im zweiten und dritten Hauptabschnitte mußte die landschaftliche 
Gruppenbildung, die bei der Schmiedeisenkunst durchgehends an zweiter 
Stelle Berücksichtigung fand, in den Vordergrund treten. 

Durch die Kapiteltrennung nach Jahrhunderten waren in einigen 
Fällen etwas gewaltsame Scheidungen unvermeidlich, durch Verweise auf 
die zugehörigen Textabschnitte ist dieser Mangel nach Möglichkeit auszu- 
gleichen versucht. 

Die zahlreichen Abbildungen werden von jedem, dem umfangreiches 
Studienmaterial nicht jederzeit zur Verfügung steht, als eine wertvolle 
Sammlung gewürdigt werden, die die oft kurzen Angaben des Textes ver- 
vollständigt. 

Von der bildlichen Wiedergabe mancher wichtiger Metallwerke mußte 
leider abgesehen werden, da Unterlagen für die Reproduktion nur mit 
Aufwendung zu großer Kosten erreichbar gewesen wären. In manchen 
Fällen haben Hinweise auf anderweit publizierte Abbildungen genügen 
müssen. 

Berlin-Solingen, im August 1904. 

Herrn. Lüer. 



Inhaltsübersicht. 



Seite 

I>ie Schmiedeisenkunst mit Anhang Gußeisenkunst 1 

DieZeitbiszum 13. Jahrhundert 1 

Beschläge 1 

Gitter 16 

Dreizehntes Jahrhundert 22 

Beschläge ; 22 

Gitter 36 

Geräte 38 

Vierzehntes und fünfzehntes Jahrhundert 41 

Baubeschlagteile 42 

Gitter ; . . . . 45 

Beschläge 66 

Lichtgerät . . : 84 

Wandarme 98 

Brunnenhauben 101 

Hansgerät 103 

Sechzehntes und siebzehntes Jahrhundert 104 

Gitter ;.....:... 105 

Beschläge 181 

Lichtgerät 191 

Wandarme ;;.:;; 193 

Grabkreuze 195 

Verschiedenes Gerät 197 

Eisenfeinarbeiten 198 

Achtzehntes Jahrhundert . 202 

Gitter 204 

Beschläge 242 

Wandarme :;:.... 248 

Grabkreuze 250 

Geräte 251 

Neunzehntes Jahrhundert und Geschichte der Gußeisenkunst . . . 254 

Die Bronzekunst 263 

Das Altertum .:....:.... 265 

Von der Antike bis zum 13. Jahrhund ert . . . . 274 

Byzanz und Italien 274 

Deutschland 279 

Niederlande 305 

Frankreich 306 

England 309 

Spanien 310 



Vni Inhaltsübersicht. 

Seite 

Dreizehntes Jahrhundert 310 

Deutschland 311 

Niederlande 318 

Frankreich 319 

England 320 

Italien 322 

Vierzehntes Jahrhundert 322 

Deutschland und Niederlande 323 

Frankreich 337 

England 337 

Italien 338 

Rußland 341 

Fünfzehntes Jahrhundert 341 

Deutschland und Niederlande 842 

Frankreich 376 

England 378 

Italien 380 

Sechzehntes Jahrhundert 399 

Deutschland und Niederlande 400 

Italien 457 

Spanien 476 

Frankreich 478 

England 482 

Siebzehntes Jahrhundert 483 

Deutschland und Niederlande 484 

England 500 

Italien 501 

Frankreich 508 

Achtzehntes Jahrhundert 515 

Deutschland 516 

Niederlande 527 

Frankreich 528 

England 546 

Italien 546 

Spanien 548 

Skandinavien 548 

Rußland 548 

Neunzehntes Jahrhundert 549 

Deutschland 550 

Frankreich 584 

Schweiz 596 

Niederlande 597 

Italien 600 

England 602 

Skandinavien und Russland 605 

Blei-, Zinn- und Zinkknnst 607 

Ortsverzeichnis 635 

Eünstlerverzeichnis 652 



Die Schmiedeisenkunst. 



Die Zeit bis zum 13. Jahrhundert. 

on einer künstlerischen Bearbeitung des Eisens, insbesondere 
^h|^ von einer kunstvollen Formung durch Schmieden im Altertume 
jCS ist wenig bekannt. Wären damals die Schmiede schon Künstler 
gewesen, wie in späterer Zeit, dann müßten ausgeführte Werke trotz der 
leichten Vergänglichkeit des Eisens in größerer Zahl erhalten sein , aber 
selbst in Pompeji sind nur einige wenige schmiedeeiserne Geräte gefunden 
worden, die uns eine höhere Achtung vor der Leistungsfähigkeit der 
Schmiede der römischen Kaiserzeit abnötigen. Erwähnt sei als ein schönes 
antikes Schmiedewerk besonders ein schlanker Kandelaber im Museum zu 
Pompeji. Erst gegen das Ende des ersten nachchristlichen Jahrtausends 
nahm die Schmiedekunst einen lebhafteren Aufschwung. Freilich klären 
uns über die Schaffensweise auch dieser Periode erhaltene Schmiedearbeiten 
nicht auf, doch bei gemalten und plastischen Darstellungen des 9. und 
10. Jahrhunderts mehren sich auf Türen Beschlagmuster, bei denen es 
sich nur um Eisenarbeiten handeln kann. Hingewiesen sei beispielsweise 
auf die Türbeschläge in der Bibel Karls des Kahlen, die im 9. Jahr- 
hundert entstand (jetzt Bibl. nationale in Paris)^ dann besonders auf die 
Darstellungen im Prümer Antiphonar aus dem 10. Jahrhundert (jetzt 
Bibl. nat., Paris) und auf die Reliefs am Elfenbeinweihwassergefäß der- 
selben Zeit im Dome zu Aachen u. a. m. 

Diese bildlichen Darstellungen und nur wenig jüngere in größerer 
Anzahl erhaltene Eisenarbeiten lassen annehmen, daß die Entwicklung 
der Schmiedekunst, damals bei dem Beschlagwerk der Türen ihren Aus- 
gang genommen hat. 

Der einzige Schriftsteller, der die Entwicklung der Schmiedekunst im tüf- 
Zusammenhange dargestellt hat, J. Starkie Gardner in dem South Ken- ^^^ 
sington Museum arthandbook: Ironwork, glaubt, daß britische Schmiede 
die ersten waren, die technisch wie ästhetisch gleich wichtige eiserne 
Türausrüstungen in reicherer Weise ausbildeten. Und wenn auch sicher- 
lich durch die Eigenart der britischen Kulturentwicklung, die durch Ver- 
mischung verschiedener einheimischer und zugewanderter Volkselemente 

Lüer, Unedle MetaUe. 1 



Zeit bis zum 18. Jahrhundert. 



dem europäischen Festlande in manchen Punkten vorausgeeilt war, auch 
für das Gedeihen der eine vielseitige Erfahrung vorau.ssetzenden Schmied- 
eisenkunst der Boden in bester Weise bereitet war, so darf man Gardner 
doch in seinen Ausführungen um so weniger zustimmen, als er bei seinen 
Untersuchungen die den erhaltenen Arbeiten vorausgehenden bildlichen 
Darstellungen völlig unberücksichtigt gelassen hat. 

Gewisse verwandtschaftliche Züge sowohl in der Hauptgliederung 
wie in Einzelformen sind bei den ältesten Eisenbeschlägen in den Län- 
dern des mittleren und nördlichen Europas unverkennbar, doch die mut- 
maßlich vorhandenen Beziehungen sind selten festzustellen. Eine genauere 
Datierung der alten Eisenwerke ist vorläufig auch nur selten möglich; 
oft wird das Jahr der Kirchenweihe auch für die Beschläge der Türen 
mit Geltung haben, zumeist aber kann man nur annäherungsweise die 
Entstehungszeit auf das 11. oder 12. Jahrhundert ansetzen. Die Miniaturen 
lassen erkennen, daß höchst kunstreiche Beschläge, die im Formcharakter 
wenig von erhaltenen Arbeiten des 11. oder 12. Jahrhunderts abweichen, 
schon im 10. Jahrhundert gefertigt wurden. 

Allgemein läßt sich sagen, daß die Meister damals bei ihren Beschlag- 
arbeiten von wesentlich anderen Gesichtspunkten geleitet wurden, wie sie 
uns heute maßgeblich sind, und daß man sich hüten muß, auf Grund neu- 
zeitiger Zweckvorstellungen gar verurteilend den alten Werken gegenüber- 
zutreten, wie es oft genug geschehen ist. Der Zweck der alten Beschläge 
sollte oflfenbar nicht nur der sein, die Türen fest in den Angeln zu halten, 
um ein leichtes Oeflfnen und Schließen zu ermöglichen; diese Aufgabe 
hatte man seit Jahrtausenden befriedigend in einfachster kunstloser Weise 
gelöst. Auch die schmückende Bedeutung des Beschlagwerkes dürfte nicht 
zuerst erwogen sein. Das wichtigste Ziel, das man anfangs zu erreichen 
strebte, war sicherlich, den Holzplanken der Türen einen wirksamen Schutz 
gegen gewaltsame Zerstörungsabsichten zu schaffen. 

Die Kulturverhältnisse änderten sich im Laufe der Jahrhunderte, der 
Schutzzweck der Beschläge trat wohl mehr und mehr in den Hintergrund. 
Allein man blieb zuerst der Ueberlieferung treu und erblickte kein Kunst- 
verbrechen darin, den praktisch bedeutsamen Beschlagteilen ausschließlich 
schmückende hinzuzufügen. Im einzelnen Falle ist es natürlich unmöglich, 
zu entscheiden, welche Absichten die Künstler bei ihren Beschlagarbeiten 
leiteten. 

Der Verwitterung des Holzes scheint man in den meisten Fällen 
dadurch vorgebeugt zu haben, daß man die Türen zunächst mit wohl 
meist farbigem Leder überzog; in verschiedenen Fällen liefern erhaltene 
Keste des Leders den Beweis dafür. Zugleich erreichte man durch diese 
Unterlage auch ein stärkeres Hervortreten der schönen Beschläge. 

Die deutschen Beschläge, von denen nur einige Beispiele hier be- 



Beschläge, Deutschland. 



sprochen werden sollen, sind durch besonderen Reichtum ihrer Erfindung 
ausgezeichnet, und es ist schwierig, sie ihren Formen nach in Gruppen 
zu sondern; immerhin sind landschaftliche Unterschiede unverkennbar. 
Die französischen und englischen Beschläge sind weniger abwechslungsreich, 
aber sie verraten eine höher entwickelte Schulung in der omamentalen 
Komposition. Bei den in größerer Anzahl erhaltenen ältesten Türbeschlägen 
der sächsischen Lande ist eine klare Anordnung der Beschlagteile nur 
selten zu finden. Da die Türen aus senkrecht gestellten Bohlen hergestellt 
wurden, so mußten horizontal darüber gelegte Eisenteile für den Zusammen- 
halt am geeignetsten sein, das wußten auch die alten Meister und richteten 
sich im wesentlichen danach. Allein einige schlichte Horizontalschienen 
genügten schon damals weder den praktischen noch den Schönheitsan- 
forderungen, die Zwischenräume sollten ausgefüllt werden. Als primitivste 
Art der künstlerischen Lösung möchte man da die bezeichnen, die sich 
an der Kirchtür zu Beiersdorf im jetzigen Königreich Sachsen erhalten 
hat. Zwischen den wagrechten Flachstäben ist in buntem Durcheinander 
allerhand aus Eisen geschmiedetes Getier verstreut, Vögel, Schlangen, 
Salamander und Fische; als Verkörpe- 
rungen der vier Elemente hat man sie 
gedeutet. 

Im verwandten Beschläge der Kirch- 
tür zu Eisdorf im Kreise Merseburg 
(Fig. 1 , S. 3) finden sich auch größere 
vierfäßige Tiere, z, B. Hirsche, unter 
den Darstellungen. Die an den Enden 
gespaltenen und ankerartig auseinander 
gebogenen Hauptschienen laufen selbst 
wieder in Tierköpfe aus und ein dichtes 
Fischgrätenmuster ist mit dem Meißel 
darauf eingehauen. Die Verzierung der 
Beschlagteile durch eingehauene Linien- 
muster ist in der Frühzeit in allen Län- 
dern verbreitet, später wird sie vielfach 
durch eine Modellierung ersetzt. 

Beim Türbeschlage der Kirche in Steudnitz in Thüringen sind von den 
Horizontalschienen in unvollkommener Regelmäßigkeit kleine gebogene 
Glieder abgezweigt, die ebenfalls sämtlich in Tierköpfe endigen. Aus 
einem nicht ersichtlichen Grunde ist die zweite Schiene von oben nicht 
völlig über die Tür geführt und gespalten. Die beiden Endigungen sind 
zu Halbrunden gebogen, die wieder von größeren, mehrfach verzweigten 
Beschlagteilen umschlossen werden. 

Das in seiner Einfachheit vollkommenste deutsche Beschlagbeispiel, 












Fig. 1. Türbeschlag in Eisdorf. S. 3. 



4 Zeit bis Enm 13. Jahrhundert 

von dem man annimmt, daQ es anch noch im 12. Jahrhundert entstanden sei, 
findet sich in Braunschiveig. Zwei schlichte Bänder gliedern die Tür in 
drei rechteckige Felder, die untereinander gleich gefüllt sind mit je vier 
paarweise von einer Mittelrippe auswachsenden Schneckenwindungen. In 



Fig. 1. TnrbeschlBg in SindelÜiiBen. S. 6. 

sämtliche Beschlagteile sind kräftige längslaufende Hohlkehlen hinein- 
gehauen. 

Keben diesen die TUrfläche grundmusterartig bekleidenden Beschlägen 
finden sich aber im nördlichen Mitteldeutschland vermutlich auch noch 
aus dem 12. Jahrhundert solche, bei denen die Querschienen sämtlich von 



BeachUlge, Deutschland. 5 

einer Längsseite der TUr ausgelien und mit ihren rundlich gebogenen, 
gegenständigen Abzweigungen eine bald breitere, bald schmälere Holzfläche 
schützend bekleiden. 

Auf der KirchtOr in Alsen im Kreise Kalbe finden sich nur zwei 
gleiche derartige Beschlagteile oben und unten angebracht; die Zweige 
endigen bei diesem Beispiele zum Teil in Tierköpfen und die Mittelrippen 
sind mit einem Fischgräten- und Kreuzbandmuster bebauen. 

Sieben solcher rerscbiedenartig verzweigter Beschlagteile schlitzen die 
KirchtQr in AHpenig in Sachsen. 

Die westdeutschen Beschl^e des II. und 12. Jahrhunderts weichen 



Fig. 3. Tarb«9f!ilae in Mittfllheim. S. 8. 

von den bisher angeführten Beispielen zumeist wesentlich ab, die Ver- 
teilung der Eisenteile laßt künstlerisch Überlegene Meister erkennen. 

In manchen Einzelheiten nähert sich der Beschlf^ an der bedeut- 
samen Kirche zu Sinddßngen in Württemberg (Fig. 2, S. 4) den mittel- 
deutschen Werken. Die vermutlich nach den Plänen des Abtes Wilhelm 
von Hirsau erbaute Kirche wurde 1083 geweiht, und man darf wohl an- 
nehmen, daß der sehr reiche Beschlag der Tür auch dem 11. Jahrhundert 
angehört. Charakteristisch für die FrUhzeit sind besonders die zumeist 
stumpf auf die Hauptteile stoßenden Abzweigungen. 

Von einer Reihe westdeutscher Beschlagwerke möchte man annehmen, 



6 Zeit bii zum 18. Jahrhundert. 

daß sie nicht ganz unabhängig voneinander und von Iranzösischen Ar- 
beiten entstanden sind (s. S. 11). 

In der Hauptgliederung wie in Einzelheiten zeigen z. B. die Tür- 
beschläge der um die Mitte des 11. Jahrhunderts erbauten Kirche 
S. Emmeran in Regensburg, des NiedermOnstera ebendort, der Abteikirche 
in Alpirsbach, der Kirche in Maulbromi, der Prämonstratenserkirche in 
Amstein, zwei Beschlagwerke der Zisterzienserabtei Eberbach und der 
von allen angeftihrten reichste und schönste Beschlag au der Pfarrkirche 
St. Egidius in dem von Eberbach nicht fernen 
Mittelheim (Fig. 3, S. 5) u. a. m. entschiedene 
Gleichartigkeit. DieHauptelemente dieser Be- 
schläge sind an den Enden mehrfach ge- 
spaltene, hufeisenförmige Glieder, die zu je 
zweien gegenübergestellt, ebenfalls an den 
Enden gespaltene Schienen einschließen ; hin- 
gewiesen sei darauf, daß bei dem älteren 
Sindelfinger Beispiel auch bereits kleine Huf- 
eisenglieder in nicht ganz unähnlicher An- 
ordnung vorkommen, und daß eine vielleicht 
noch engere Verwandtschaft, auch in der 
Gesamtkomposition, sich in Zeichnungen von 
TOrbeschl^en in dem schon erwähnten 
PrUmer Antiphonar aus der zweiten Hälfte 
des 10. Jahrhunderts findet. 

In einzig dastehender Art sind solche in 
Doppel Voluten gespaltenen Sich elglie der an 
der HaupttUr der Kirche in Boppard a. Rh. 
verwendet- In bereicherter Form sind vier 
Türbe,chi.6 fn'oJafendorf. s, «. Füllungen gitterartig damit bekleidet, und 
unten sind sie in regelmäßiger Anordnung 
zu einem breiten Friese zusammengestellt. 

Als letzte Gruppe deutscher Eisenbeschläge aus dem Beginne unseres 
Jahrtausends seien schließlich einige Arbeiten aus Kärnten angeführt, 
wo zu allen Zeiten die Schmiedekunst in höchster BlOte stand. Zwei Bei- 
spiele in Friesach und Grafendorf im Dekanat Friesach (Fig. 4, S. 6) sind 
untereinander fast gleich, weichen aber von allen Beschlägen, die sonst 
aus deutschen Landen bekannt sind, stark ab. Die Türen sind auf einer 
quer darüber gebreiteten Blechunterlage durch Vertikalschienen in drei 
Felder von gleicher Breite gegliedert; bei der Grafendorfer, oben halb- 
runden Tür sind die Seitenfelder ununterbrochen oben im Halbrund herum- 
geführt und ein schlichtes füllendes Rankenband wirkt wie eine breite Borte. 
Das Mittelfeld ist gefüDt mit Ringen, die sich überschneiden. Der Be- 



Bescbia^, England. 



schlag der TUr in Friesacli weicht von jenem nur dadurch ab, daß alle 
Felder auch oben stumpf endigen. 

An mancherlei Lebewesen erinnemde seltsame Bildungen entstehen 
bei der Bearbeitung des Schmiedeisens fast unwillkürlich, solche Gebilde 
aber auf Flächen auch zu inhaltlich zusammenhängenden Darstellungen 
vereinigt zu haben, darf als eine Eigentümlichkeit der Schmiede des nörd- 
lichen Europas gelten. Aehnlich 
wie bei den angefahrten deut- 
schen Beschlagbeispielen in 
Wahren und Beiersdorf hat man 
in den skandinavischen 
Ländern vielleicht schon zu 
Ende des ersten Jahrtausends 
und wie datierte Werke be- 
weisen noch im 16. und 17. Jahr- 
hundert Menschen und Tiere io 
Eisen geschmiedet auf die Türen 
geheftet, und Gardner nimmt an, 
daß durch die in England ein- 
gedrungenen Dänen die Vorliebe 
für solche Motive auch auf das 
britische Inselreicb übertragen 
worden sei. Gewiß ist, daß bei 
den ältesten englischen eisen- 
beschlagenen Türen derartige Ge- 
bilde keine Seltenheit sind. 

Daneben kommen häufiger 
Flecbtmotive vor, wie sie schon 
Jahrhunderte früher von den 
irischen Mönchen in den reich- 
verzierten Handschriften mit be- 
sonderer Vorliebe gezeichnet Fig. S. TUrheBchlag in Hormeail, 8,t. 

wurden. An der Kirchtür in 

Hormead (Fig. 5, S. 7) wird die mittlere Hauptfläche von einem solchen 
aus sieb schneidenden Kreissegmenten gebildeten Flechtmuster gefüllt. Die 
hier aus den Schienen der Randstreifen herauswachsenden, an einem Ende 
doppelt geteilten Schnörkel können ebenfalls in ihrer Art als typische 
Bildungen in den englischen Beschlägen angesehen werden; in Frankreich 
siad sie selten und in Deutschland sind entweder beide Endigungen dieser 
C'Schnörkel ungeteilt oder beide doppelt geteilt. 

Ein Beschlag an der Kirche in Eastwood erinnert in seiner Gesamt- 
anordoung an die angeßlhrten Beispiele in Alpirsbach, Maulbronn etc.; 



8 Zeit bis zum 18. Jahrhundert. 

die an den Enden der Horizontalschienen ansetzenden Schnörkel gleichen 
aber wieder denen an der Tür zu Hormead. 

Als Typus einer verwandten Gruppe darf der Beschlag an der Kirchtür 
in Haddiscoe angesehen werden. An die Stelle der großen Sichelglieder 
sind im Winkel gebogene getreten und die Horizontalschienen schweben 
nicht frei, sondern wachsen aus jenen Beschlagteilen hervor. Und wie 
diese Anordnung sich mehr dem Bau einer wachsenden Pflanze nähert, 
so sind auch die Abzweigungen entsprechend als blattartige Gebilde be- 
handelt. 

Die Mitte der Tür bekleidet ein Kreuz, dessen Arme wiederum als 
Kreuze mit zahlreichen rundgebogenen Blattabzweigungen gestaltet sind. 
In der Mitte des Kreuzes findet sich ein durchbrochenes Geflechtmuster, 
das in einem kleinen Hakenkreuze oben noch einmal wiederkehrt. 

Gleichartig gegliederte Beschlagwerke , bei denen jedoch die beiden 
Hauptquerschieneh nur an einer Längskante von großen sichelförmigen 
Gliedern umschlossen werden, sind zum Teil erhalten in Stillingfleet und 
Willingale Spain. 

Die Endigungen der großen Beschlagbögen des Beschlages in Stilling- 
fleet erinnern an Tierköpfe, als füllende Teile waren anscheinend in 
größerem umfange figürliche Elemente verwendet. Nur im oberen Teile 
der Tür sind noch ein Schiff mit hochgebogenem Vorderteil und zwei 
menschliche Gestalten vorhanden. Die Mitte der Tür durchquert ein aus 
dünnen, schnurartig gewundenen Rundeisenstäben geflochtenes Band. 

Die Hufeisenglieder des Beschlages in Willingale Spain endigen ebenfalls 
in drachenkopfartigen Spaltungen. Als Füllglieder sind Stäbe verwendet, 
die beiderseits mit kleinen C-Schnörkeln berandet oder fiederblattartig ge- 
spalten sind. Bemerkenswert ist auch hier die bei englischen Beschlägen 
häufiger vorkommende, reizvolle schmale Randborte, bei der von der 
Innenkante der Eisenschiene in dichter Folge einwärts gebogene Blättchen 
abgespalten sind. 

Derselbe Beschlagtypus findet sich in England auch auf Doppeltüren 
in symmetrischer Gegenüberstellung auf beiden Flügeln, z. B. in Semper- 
ingham und an der Kathedrale von Durham. 

Bei dem Beschläge in Sempermgham, der als eine Arbeit aus dem 
Anfange des 13. Jahrhunderts angesehen wird, ist als Schmuckmotiv fast 
allein ein in Blätter endigender C-Schnörkel mit Mittelzunge verwendet. 
Die Hauptbeschlagbänder sind damit ausgestattet, an den Randschienen 
ziehen sie sich als Boi*te gereiht hin und im übrigen sind auf der Tür- 
fläche immer je vier solcher Schnörkel zu einer Rosette vereinigt. Oben 
finden sich im Beschläge ein vierfüßiges Tier und eine menschliche Figur 
in primitiver Darstellung. 

Mit zu den reichsten und schönsten englischen Beschlägen gehört 



Beschl&ge, England. 



der an der ZfurAom- Kathedrale (Fif? . 6, S. 9), der angeblich um 1 135 ent- 
standen ist. Gardner sieht ihn wegen einer Reihe, wie es scheinen mdchte, 
nicht ganz triftiger Gründe fUr eine französische Arbeit an. Als im wesent- 
lichen entscheidendes Merkmal daftlr, daß es sich nicht um eine einheimische 
Arbeit handelt, wird geltend gemacht die Art der Rankenendigungen, bei 
denen neben eiaer Mittelzunge zwei ungleiche Schnörkel herauswachsen. 
Weiter nimmt er an, daß die Herstellung des Beschlagwerkes in zahl- 
reichen kleinen Teilen dem fran- 
zösischen Brauche entsprechend 
sei, in England aber nicht vor- 
komme. Nun finden sich aber 
dreiteihge , allerdings symmetri- 
sche Endigungen auch bei an- 
scheinend zn Anfang des 12. Jahr- 
hunderts hergestellten , typisch 
englischen Beschlägen vor (z. B. 
an der Margaret Rodingkirche, 
Essej) und vielfache Teilungen 
auch von zusammengehörigen 
Gliedern lassen sich ebenfalls 
nachweisen (z. B. in HormeadV 
Die vielfache Teilung scheint an 
sich schon gegen den Import zu 
sprechen , da doch . die Gefahr 
eines verkehrten Zusammenfügens 
sehr groß gewesen wäre. Alle 
solche Schlußfolgerungen sind ge- 
wagt, zuerst müßte zuverlässig 
die Pr^e beantwortet werden, 
wann der Beschlag entstanden ist, 
und das wird niemals möglich 
sein. 

DernächstliegendeGedankebei Fig.o. Tari)«scbiug in Durham. s». 

der Prüfung des Durhambeschl^es 

ist eigentlich der, daS es sich um eine Arbeit des beginnenden 13. Jahr- 
hunderts handelt. Schon die Überaus lebensvolle Art der RankenfUhrung 
scheint gegen die angenommene Entstehungszeit (um 1135) zu sprechen, 
ganz besonders in Frankreich, denn dort ist kein Beschlag aus der ersten 
Hälfte des 12. Jahrhunderts erhalten, der eine ähnliche Vollkommenheit 
des Linienempändens wahrnehmen ließe. Von den von Gardner als ver- 
wandt herangezc^enen, nach seiner Annahme obendrein später ausgeführten 
Beschlägen läßt sich das gewiß nicht sagen. Auch dürfen für die Her- 



10 Zeit bie zum IS- Jabrhanaeii 

kunftsfrage die mit den RankenkreuzeD Terschlungeneii Vierecke mit ihren 
UberschDeidenden Querschienen nicht unbeachtet bleiben; es sind Flecbt- 
muster, auf die auch bei den BescM^en in Uormead und Haddiscoe hin- 
gewiesen wurde und die nicht auf Frankreich als Ursprungsland hinweisen. 
Schließlich wird man in der Annahme, daß es sieb um eine englische 
Arbeit des 13. Jahrhunderts handeln möchte, noch durch den Vergleich 
mit den Beschlägen der St. ^iiows-Abteikirche bestärkt, die in Portalen 
von 1160 und 1190 angebracht waren. Bei diesen findet sich durchaus 
der gleiche fortlaufende ßankentjpus in etwas ungelenkerer Form und 
mit Kopfendigungen : doch die Endigungen scheinen der Art der Ranken- 
fUbrung gegenüber erst in zweiter Linie von Wichtigkeit zu sein. 

Mit dieser einen Ausnahme betrachtet Qardner die französische 
Schmiedeisenkunst im Beginne des 2. Jahrtausends als völlig abhängig 
von England und zwar besonders deshalb, weil die auch in Frankreich 
anfangs herrschende Bescblagform mit den aus großen Hufeisengliedem 
herauswachsenden, auch bei geschlossenen TUren frei auf der Außenseite 
sichtbaren Angelbändern als mißverstandene und den ursprünglichen Zweck 
verfehlende Nachbildung angesehen werden müßte. Ob nun aber das 
teilweise Verdecken der Angelbänder durch die äußere TUrleibung solch 
wichtige, praktische Gründe hatte, wie Gardner annimmt, oder ob man 
etwa deshalb den Beschlag bis an die Kante der Türflügel rückte, weil 
sonst bei geöffneter Tür ein kahler Rand sichtbar gewesen wäre, oder ob 
endlich traditionelle Uebung diese Anordnung zumeist beibehalten ließ, 
das sei dahingestellt; man wird daraufhin schwerlich ein Abhängigkeits- 
verhältnis konstruieren dürfen. 

Allem Anschein nach kommen große, hufeisen- 
förmige Beschlagteile in Frankreich auch bereits im 
11. Jahrhundert, wenn nicht früher, vor; es bedarf 
noch einer Prüfung der bildlichen Darstellungen, um 
diese Frage zu klären. In mannigfaltigen Wand- 
lungen der Formen und der Ausgestaltung bald 
mit, bald ohne Mittelschiene bleiben die Hufeisen- 
glieder dort bis ins 13. Jahrhundert hinein in den 
Beschlägen tonangebend. Auch Tierkopfendigungen 
fehlen bei den französischen Beschlägen nicht, wenn 
sie auch seltener vorkommen als in Deutschland, 
TürbeBchiag in Pontigiiy. den nordischen Ländern und in England. Ganze 
menschliche Gestalten und Tiere sind von franzö- 
sischen Schmieden in den Beschlagwerken wie es scheint kaum dargestellt. 
Einen in seinen wesentlichen Zügen bereits bekannten Typus ver- 
tritt der Beschlag an der Kirche in Fontigny (Fig. 7, S. 10), Die Tür ist 
wie bei den Kirchen in Eastwood, Maulbronn, Eberhach u. a. durch Quer- 



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Beschläge, Frankreich. H 



schienen gegliedert, von denen in diesem Falle nur zwei von hufeisen- 
förmigen Gliedern umschlossen werden; die eigentlichen Angelbänder sind 
wie auch bei den Beispielen im westlichen Deutschland und in England 
auf die Rückseite verlegt. Fast gleichzeitig trat in den drei großen Nach- 
barländern in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Vorliebe für 
diese Art der Beschläge hervor. 

Wenn sich auch die Vorstufen für diesen Beschlagtypus bereits einige 
Jahrhunderte früher auf deutschen Miniaturen nachweisen lassen, so scheint 
doch seine eigentliche Ausbildung in Frankreich geschehen zu sein, von 
wo anscheinend auch die Weiterverbreitung ausging. 

Die künstlerische Einwirkung Frankreichs auf England und Deutsch- 
land läßt sich für jene Zeit in vielen Fällen bestimmt nachweisen. Be- 
sonders deutlich kann man die technische und formale Entwicklung der 
Bauten Hand in Hand mit der Ausbreitung der französischen geistlichen 
Ordensgemeinschaften verfolgen, unter denen vor allem die Zisterzienser 
in Betracht kommen. Pontigny ist Zisterzienserabtei, ebenso Mmdhronn 
und JEberbachj damit ist die Ursache der Aehnlichkeit auch in ihren Tür- 
beschlägen einigermaßen aufgeklärt. Eine höchst bedeutsame Einrichtung 
wurde von den französischen Orden mit nach Deutschland übernommen, 
nämlich die, daß Handwerker mit ihnen in engem Verhältnis standen. 
Insbesondere weiß man von den Cluniacensern, deren Bewegung in Deutsch- 
land von Hirsau ausging, daß bei ihnen die Institution der Konversen 
bestand, das heißt Handwerker, vor allem fabri lignarii et ferrarii latomi 
quoque et muratores, die als Laien dem Kloster dienstbar waren (Dehio 
und Bezold, Die kirchl. Bank. d. Abendlandes, Bd. VII S. 211). Diese 
Klosterhandwerker wurden in der Umgebung der neuen Ansiedlungen 
die Lehrmeister. 

Die technische Befähigung, allen Aufgaben gerecht zu werden, man- 
gelte den deutschen Schmieden nicht, es bedurfte nur der künstlerischen 
Anregung, ihrem Können Ausdruck zu verleihen. Die unter französischer 
Leitung in deutschen Landen begründeten Ordensbauten wurden also für 
einen weiten Umkreis die erfrischenden Quellen für Künstler aller Art. 

Der Beschlag in Pontigny und die sehr verwandten Beschläge an 
der Nordtür der Kirche in Chahlis (Yonne) und an den Westtüren in 
Yezeley (Annales arch^ologiques de Didron Bd. XV. Abb. S. 270) müssen 
bereits als die vollkommensten Beispiele ihrer Art in Frankreich an- 
gesehen werden. Möglicherweise sind die Beschläge der Kirche in Montreal 
bei Pontigny und die an der Kathedrale von Le Puy zu ihren nächsten 
Vorstufen zu rechnen. 

Bei dem Beschlag in Montreal sind die Angelbänder mit ihren be- 
reichernden Formen wieder als Hauptteile behandelt, sie wachsen aus 
einem Hufeisengliede heraus und sind an den Längskanten mit ähnlichen 



12 



Zeit bia zum 13. Jahrhundert. 



Gebilden ausgestattet. Die freien QuerscMenen sind ätinlich, aber von der 
Längsmitte symmetrisch gegliedert. 

In Le Puy (Fig. 8, S. 12) ist der Beschlag auf einer Doppeltür sym- 
metrisch verteilt. Die sichtbar nicht mit Angelbändem verbundenen Sichel- 
teile erscheinen durch tiefe Spaltung verdoppelt; stumpf vor ihrer OeÖhung 
und auf den Mitten der Türflügel sind beiderseits ankerartig gespaltene 
Querschienen angeordnet und aus kleinen Gliedern gebildete Bänder queren 
die Flügel in den Zwischenräumen. 




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}£>4f^l f\ 



Fig. B. Türbeschlne in La Puy en Vflay. S. il. 

In nahen Beziehungen zu dJeiten Beschlägen stehen auch die an den 
Kirchtflren in Jibretiil, Lerrottx und Le Dotat, deren Schienenendigungen 
Gardner als besonders charakteristisch für die französische Art der Formung 
ansieht. Die stark zusammengebogenen, die Schienen umschließenden 
Sichelglieder endigen in EbieuH und Letroux in Tierköpfe. Die Be- 
schlagteile sind auch bei diesen Beispielen über zwei Türflügel sym- 
metrisch verteilt. Die Entstehungszeit der letztgenannten wird zumeist 
um ein Jahrhundert auseinandergerückt, der Beschlag zu Ebreuil soll zu 
Anfang des 12., der zu Lerrotu- zu Anfang des 13. Jahrhunderts gefertigt 



Beachl&^e, Frankreich. 13 



sein; man möchte beide in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts ver- 
weisen. Einen in den Ginzelformen durchaus gleichartigen Beschlag an 
der Kirche in Neuvy-St. Sepulcre hält auch Viollet-Le Duc für eine 
Arbeit aus dem Ende des 12. Jahrhunderts. 

Einige in der Gesamtanordnung von den bisher angeführten wesent- 
lich abweichende französische Bescfalf^e mögen noch kurz betrachtet 
werden. 

Fast TOD einer Hand gefertigt zu sein scheinen die BeschUge an 
den auch baulich einer Gruppe an- 
gehörenden auvergna tischen Kir- 
chen in Orcival (Fig. 9, S. 13) 
und St. Julien in Brioudc. Von 
den Angelbändern gehen hier 
rechtwinklig in symmetrischer 
Oegenilberstellung zwei den An- 
gelhändern ähnlich gestaltete, aber 
reichere Glieder aus. Die Zwi- 
schenräume sind mit gleichartigen 
Gebilden gefüllt, die ebenfalls zu- 
meist stumpf von den Kanten der 
Türen ausgehen. Die Bogenendi- 
guDgen weisen Dreiblnttformen 
auf, wie sie sich auch bei den 
angefahrten Beispielen finden. 
Bemerkt sei, daß auch bei dem 
Beschläge in Orcival einzelne Teile 
auf der Rückseite der Tür mit 
KSpfen endigen. 

Neue Beschlagmotive in Ver- 
einigung mit bereits bekannten 

finden sich an der Wesfctür der ^^^ Tiiri,e..hiag in Omvai. s.»- 

Kathedrale von Angers (Fig. 10, 

S. 14). ObschoD die Bauzeit dieser Kirche weit in das 13. Jahrhundert 
hinaufreicht, darf man doch als Entstehungszeit des Bescblagwerkes noch 
das 12. Jahrhundert annehmen. 

Aehnlich dem Beschläge von Pontigny sind auch in Angers große 
Sichelglieder einander gegenübergestellt, die zum Teil Horizontalscbienen, 
teils gleicharmige Kreuze mit Reifen auf den Mitten einschließen. Die 
Zwischenräume füllen verschiedene kleine geometrische Gebilde, die ebenso 
wie ein Teil der großen Beschlagglieder durchbrochen sind. 

Wie eine Vorstufe des Beschlages in Angers erscheint das Beschlag- 
werk auf den HaupttUren der Kirche zu Faray Je Motiial, bei dem eben- 



14 Zeit biB zam 13. Jahrhundert. 

falls an den Endeo gespaltene Kreuze von je vier Sichelgliedern um- 
schlossen sind. 

In den südlicher gelegenen Ländern sind kunstvolle eiserne TUr- 
beschläge, deren Entstehungszeit bis in den Beginn unseres Jahrtausends 



TUrbeschlfig In Anger 



Beichl&ge. Spanien. 15 

zurDckreicbt , in etlichen Beispielen nur noch in Spanien erhalten, und 
zvar besonders in der an die Pyrenäen grenzenden Provinz Katalonien. 
An^fllhrt sei der Beschlag in Marcevols (Fig. 11, S. 15). 

Eine allzu große eigene Erfindungsgabe verraten die spanischen Be- 



Fig. II. TUrbeschtug in Uarcevols. 8. 16. 

schlage des 12. Jahrhunderts nicht, sie gleichen einander in hohem Ma6e, 
und die Vermutung liegt nahe, daß sUd französische Vorbilder benutzt 
sind. Der umgekehrte Weg ist deshalb schwerlich anzunehmen, weil 
auch die spanische Baukunst jener Zeit entschieden in einem Abhängig- 
keitsTerhiUtnisse von Frankreich steht. Die sUdfranzösischen Beispiele, 



16 Zeit bis Eum 13. Jahrhundert 

die als die Vorbilder der spanischen Schmiede gelten dürfen, sind er- 
balten in Louderville und in Cadiae im Vall^e d'Aure (Hautes Pyren^es), 
und dargestellt ist ein in Frage kommender Beschlag auch im Friese aa 
der Hauptfassade von St. Tropbimes in Arles, der um 1170 entstanden 
sein soll. Der Beschlag an der Eircbe in Cadtac ist aus zahlreichen 
Querscbienen gebildet, aus denen paarweise Spiralschnörkel heraus- 
wachsen, deren Oeffuungen im allgemeinen der senkrechten Mitte zuge- 
kehrt sind. 

Nach demselben Schema sind fast alle spanischen Beschlag werke 
geschmiedet. Bisweilen sind die Spiralen, wie an der Tür von St. Juan 
de las Abailesas, palmetten artig angeordnet. 

Gitter. Aus gekreuzten Stäben gebildete kleinere Eisengitter waren, wie z. B. 

Funde in Pompeji erkennen lassen, schon in antik-römischer Zeit in Ge- 
brauch. Im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung sind häufiger in 



Bronze gegossene Gitter nachweisbar. £rst seit dem II. Jahrhundert 
mehren sich große in Eisen geschmiedete Gitter, die in den Kirchen zum 



Gitter, Frankreich, 



Lner, Cnedle MelkUe. 



18 Zeit bis zum 13, JaJirhundert 

Abschluß der Kapellen, zur ümfriedigung von Grabmälem und einzelner 
Teile kostbaren Kirchenbesitzes gewiß deshalb besonders gern verwendet 
wurden, weil sie sich ebenso sehr durch Festigkeit wie Durchsichtigkeit 
auszeichneten. 

Eines der ältesten und schönsten Eisengitter ist in Frankreich in 
der Kirche von Le Puy erhalten, deren Türbeschlag bereits besprochen 



Flg. 11, Gitter, Frankreich 13. JnUrh, Pm-I; Äw, rf« an» -licor. S, »0. 

wurde. Breite, durch ein eingehauenes Kankenornament verzierte Schienen 
bilden die Umrahmung und zwischen senkrechten Stäben bildet eiii immer 
wiederholtes, durch umgelegte Bunde in allen Teilen gefestigtes Spiral- 
muster die Fällung. Diese Art der Gitterbildung ist typisch filr das 11. bis 
13. Jahrhundert, es kommen aber in den Grundmotiven wesentlich ver- 
einfachte und ebenso bereicherte Werke vor. 



Gitter, Frankreich. 19 

Bei dem an Schönheit kaum hinter dem erstgenannten zurückbleibenden 
Cborgitter der Kirche Sainte Foi in Conques (Aveyron) bildet eine obere 



Reihe'~:Ton paarweis hochgestellten, palmettenartig gefüllten S-Schnörkeln 
eine noch von spitzzackig endigenden Stäben Überragte Borte. 

In der Kirche St. Aventin (Fig. 12, S. 16) sind die Vertikalfelder 



20 Zeit bis zum 13. Jahrhundert. 

eines verwandten Qitters abwechselnd mit C- und S-fSrmif^en Gliedern 
dictt gefüllt. 

Zu höchstem Reichtum ist der Gittertypus dann gesteigert in den 
GitterttlrflUgeln aus der Abtei Ourscamp in der Picardie (Fig. 13, S. 17) 
und bei einem sehr ähnlichen Gitter, von dem sich in den Annales 
arch^ologiques (Didron) Bd. X S. 116 eine Abbildung findet. Beide ge- 
hören vielleicht bereits dem 13. Jahrhundert an. 



Gitter ähnlicher Art scheinen in Frankreich vielerorten als Chorab- 
schlUsse gedient zu haben, so z. B. in Parts in der Kathedrale, in der 
Kirche St. Germer bei Beauvais, in St. Denis etc. 

Als Beispiele eines zweiten Typus mQssen einige wie man annimmt 
aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammende französische Gitter gelten, 
von denen das eine unbekannter Herkunft jetzt in Paris im Mus^e des 
arts d^coratifs verwahrt wird (Fig. 14, S. 18), während das andere sich 
ehernes in Cluny befunden haben soll. Durch geringe Abänderung der 
Einzelformen des ersten Typus und eine neue Art der Anordnut^ wird 
der Eindruck eines völlig anderen Gittertypus erzielt, dessen Hauptmotiv 
der Vierpaß ist, und der zu größter Verbreitung in Italien gelangte, ohne 
daß bisher auf die älteren französischen Vorstufen hingewiesen wäre. 

In Spanien finden sich Beispiele des ersten, den dortigen Tflr- 
hesch^en so sehr verwandten Typus in der Kathedrale von Palencia 



GiUer. England. 21 



(Fig. 15, S. 19), in einer Kapelle des Kreuzganges der Kathedrale tob 
Pamplona, in Avila und an anderen Orten. 

Eine Reihe gleichartiger Gitter ist auch in England erhalten. Das 
durch Entst«hungszeit (11. Jahrhundert) und Arbeit hervorragendste befand 
sich in der Kathedrale von Winchester (Fig. 16, S. 20). Bei diesem Gitter 



ist die Ausstattung der Rankenendigungen durch kleine, in Form der 
heraldischen Lilie gebogene Bildungen bemerkenswert. 

Die ttbrigeo verwandten noch in englischen Kirchen vorhandenen, 
teils bereits dem 13. Jahrhundert angehörenden Gitter sind, wie die Mehr- 
zahl der französischen Gitter, aus mehr oder minder spiralig gerollten 
C-Schnörkeln zusammengesetzt. Ein Beispiel dieses Typus aus der Zeit 
um 1200 erhielt sich im Chor der Kathedrale von Lincoln, ein etwas 



22 13. Jahrhunderb. 



jüngeres in der Kathedrale von Canterbury. Das Bruchstück eines solchen 
Gitters bewahrt die St. Älbans-Kirche. Ein Gitter, dessen Felder, ähn- 
lich dem französischen in St. Aventin, verschiedenartig mit C-, E- und 
S-Schnörkeln gefüllt sind, ist aus der Kathedrale in Chichester in das 
South Kensington-Museum in London gelangt. 

In Deutschland und den Niederlanden sind Gitter des reicheren 
Spiraltypus nicht erhalten. Die Halle in Brügge bewahrt aber aus dem 
13. Jahrhundert eine seltene Abart dieser Gitterform. Bei diesem Bei- 
spiele wachsen die Spiralen sämtlich in derselben aufsteigenden Richtung 
aus senkrechten Schienen heraus, in den Spiralreihen herrscht also nur 
vertikale Symmetrie, nicht wie sonst in der Regel auch horizontale. 

Nur zwei dem C-Schnörkeltypus angehörige Gitter, die möglicher- 
weise erst im 14. Jahrhundert entstanden aber auch hier schon erwähnt 
werden mögen, sind in Deutschland bekannt geworden. Das eine dieser 
Gitter bildete ehemals den Chorabschluß in der Michaeliskirche in Lüne- 
burg (Fig. 17, S. 21), das andere befindet sich noch im Dome zu Hildes^ 
heim. Bei beiden Gittern endigen die C-Schnörkel in Blättern, die bei 
dem Hildesheimer Beispiele durchbrochen sind, und deren Formen in 
reichster Mannigfaltigkeit wechseln. 



Dreizehntes Jahrhundert. 

Das 13. Jahrhundert ist die erste Glanzperiode der Schmiedekunst, 
besonders in Frankreich, den Niederlanden und England. 

In Vervollkommnung der Technik, in Vevedlung der Formen, im 

Reichtum der Erfindung und schließlich auch in der Mannigfaltigkeit der 

Verwendung nimmt die Schmiedeisenkunst einen gewaltigen Aufschwung. 

Tür- Den ersten Platz behaupten auch jetzt die Beschläge an den Kirch- 

' türen, es entstehen Werke, deren Großartigkeit niemals wieder erreicht, 

geschweige denn überboten wäre. 

Französischen Meistern aus dem Anfange des 13. Jahrhunderts 
gebührt der Ruhm, die schönsten Beschlagwerke aller Zeiten geschafien zu 
haben. In schwächeren Tönen klangen in England, den Niederlanden 
und Deutschland die Saiten aus, die jene Künstler kraftvoll angeschlagen 
hatten. 

Die Beschläge an den beiden Seitentoren der Westseite der Kathedrale 
von PaWs (Fig. 18, S. 23 u. Fig. 19, S.24), insbesondere die der Annenpforte, 
bezeichnen den Höhepunkt der französischen Schmiedeisenkunst. Bei 
diesem Beschlagwerke sind die sich breit über die Fläche verzweigenden 
Hauptquerschienen auch zugleich die Türangeln; drei dieser mächtigen 



Be«chl&ge, Frankreich. 23 

Rankenarme halten jeden Flügel der Doppeltür. Zwischen diesen Haupt- 
beschlagteile Q sind kleinere angeordnet, die hier wohl kaum noch die Auf- 
gabe erfOllen sollten, das Hotzwerk der TUr vor gewaltsamer Zerstörung 



Fig. 38. TUrbcBchllig BD Kotre-Dsme in Paria. S. 11. 

ZU schützen, ästhetisches Bedürfnis allein wird der Anlaß gewesen sein, 
in diesem Punkte der TJeberlieferung zu folgen. 

Das Schema der Notre-Dame-Beschläge ist überaus einfach , sie be- 
wahren dadurch die wunderTolie Klarheit trotz der unendlichen Fülle 
verschiedenartigster Einzelformen. Der lebensvolle Eindruck der tausend- 
föltig vei-zweigtea Ranken mit allen hineingefiocbtenen Vögeln und Fabel- 



24 13. Jahrhundert. 

wesen wird durch die kräftige Modellierudg aller Teile aufs höchste ge- 



Die Ausfuhr uDgsart, die die alten SchmiedekUnstler bei diesen Be- 
schlägen anwendeten, ist von Viollet-le-Duc aufs sorgfaltigste untersucht, 
im Dictionnaire de l'Architecture Bd. VIII S. 302 fif. gibt er darüber jede 
wünschenswerte Auskunft. Der gewaltige Eindruck, den diese Meister- 
werke auf alle späteren Geschlechter hervorriefen, spiegelt sich am deut- 
hchsten in der mystischen PersSnlichkeit des im Volksglauben lebenden 



Flg. 1». TUrl>i.-9cLlas an Notre-Uame In Paris {l'ei]). 8. 33. 

Meisters wider. Man hielt es jahrhundertelang für unmöglich, daß ein 
gewöhnlicher Sterblicher ohne übernatürliche Hilfsmittel solches Wunder- 
werk in Eisen zu schmieden vermocht hätte; und noch der zu Anfang des 
17. Jahrhunderts lebende, geschickteste Schmiedemeister seiner Zeit, Mathurin 
Jousse, glaubte, daß der Künstler der Notre-Dame-Türen mit Hilfe eines 
verlorenen Geheimnisses sein Werk vollbracht habe, ja er meinte sogar, 
daß der Künstler die Fähigkeit besessen habe, das Eisen wie andere Me- 
talle zu gießen, was man zu Anfang des 17. Jahrhunderts nur sehr 
mangelhaft verstand. 



Beicbläge. Frankreich. 25 

la der Ueberlieferung lebt noch beute auch der Name des Schmiedes 
ron Notre-Dame, Biscornette soll er geheißen haben. Doch keine glaub- 



TDtbeschliB in Enibrnn. 



26 13. Jahrhundert. 

würdige Quelle vermag die Richtigkeit dieses Namens zu bestätigen und 
es ist schon verschiedentlich nachgewiesen, daß auch er nur ein Produkt 
der erregten Phantasie ist. Der Teufel in höchsteigener Person wurde 
als der Verfertiger des 
Beschlagwerkes angesehen, 
und nur eine zarte Um- 
schreibung seines nicht gern 
genannten Kamens ist B i s- 
cornette oder Biscomet, 
das heißt der Doppelt- 
gehörnte. Daß nur der 
Satan die Beschläge ge- 
schaffen habe, dafQr wollte 
das Volk auch einen Be- 
weis erblicken in der an- 
scheinend unverziert ge- 
bliebenen mittleren Westtür 
der Kathedrale; an dieser 
fUr den Eingang des AUer- 
heiligsten bestimmten Pforte 
soll die Kunst des Bösen 
gescheitelt sein. Ueber der 
Sage steht die künstlerische 
Tat; wir vermögen diese 
in ihrer Größe umso leichter 
zu ermessen, seitdem nach 
einem recht trocken ausge- 
fallenen Entwürfe Viollet- 
le-Ducs von dem Pariser 
Schmiede Boulanger bald 
nach der Mitte des 19. Jahr- 
hunderts auch die Mitteltür 
ein Beschlag werk erhalten 
hat, das äußerlich und tech- 
nisch wohl den Beschlägen 
der seitlichen Türen ähnelt, 
Fig.ai. TarbesciUüE in Nornich, s. »7. künstlerisch aber Wenig mit 

ihnen gemein hat. 
Was sonst in Frankreich an etwa gleichzeitigen und form verwandten 
Beschlag werken entstand, steht unendlich an Größe und Erfindung hinter 
der Leistung des Pariser Meisters zurück. Man wollte wohl nicht einmal 
in den Verdacht kommen, mit der köstlichen Schöpfung jenes in Wett- 



Beechlüge, England. 27 



bewerb zu treten. Eine Reihe immerhin noch schöner TOrbeschläge blieben 
besonders in der Isle de France und der Normandie aus dem 13. Jahrhundert 
erhalten. 

Die in erster Reihe zu nennenden Beschläge an TUren der Kathedralen 
Ton Sens, Noyon und Mouen schließen sich in der kräftig modellierenden 
Behandlung des Eisens den Pariser Vorbildern an; die Beschläge in Laon 
sind in Art der älteren Werke flach gehalten. 

Von den wenigen bedeutsamen Bescbli^werken dieser Zeit im süd- 
lichen Frankreich seien die von VioUet-le-Duc erneuerten in Vezelay und 
die Yon den genannten in der Komposition 
wesentlich abweichenden in Embrun (Hautes 
Alpes) und in Äyen (Correze) besonders her- 
vorgehoben. 

Das Eisenwerk von Notre-Dame in Em- 
brun (Fig. 20, S. 25) ist unsymmetrisch über 
beide Flügel verteilt, und auseinander her- 
vorwachsende Spiralranken sind nicht ver- 
wendet. Auf dem einen Flügel bilden große 
Hufeisenglieder mit Mittelschiene das Haupt- 
motiv, auf dem anderen von einer Mittelrippe 
symmetrische, geradlinige ZweiggerUste. Aus 
diesen Hauptformen wachsen dicht angeordnete, 
am Ende aufgerollte Fiederblättchen heraus. 
Bei dem Beschläge in Ayen sind zumeist 
T- artige Glieder mit Blattendigungen ohne 
Verbindung symmetrisch Ober die TUrSäche 
verteilt. 

Nächst den französischen Beschlag- 
arbeiten des 13. Jahrhunderts haben englische 

Schmiede die hervorragendsten Werke dieser Art geschaffen. Wenn 
auch in England kein TUrbeschlag ernstlich mit dem Pariser zu ver- 
gleichen ist, die Falle der damals im Inselreiche geschaffenen Werke 
und der leichte Schwung der Eisenranken in immer neuer Anordnung 
nötigt uns zu höchster Achtung vor dem Können der englischen Meister. 
In der HauptUnienfUhrung und in der Modellierung der Teile folgen auch 
die englischen Beschläge den Vorbildern an den Notre-Dame-TOren , im 
Gegensatz zu den französischen Beispielen sind aber die Ranken Windungen 
zumeist sehr dünn und bisweilen senkrecht wachsend angeordnet. Tierische 
Gebilde kommen nur selten noch in den englischen Beschlägen des 13. Jahr- 
hunderts vor. Den Notre-Dame-Typus io vereinfachter Form zeigen die 
Beschläge an der Allerheiligenkirche in LeightonSuzzard , an der ehe- 
maligen Friedhofskapelle in Norwich (Fig. 21, S. 26), an der Kirche in 



. Teile des TOrbeacliUges: 



28 13' J&hrbuDderi 

Eaton Bray (Bedfordshire), an der Peterskirche in Colehester und an der 
Kathedrale in Lichßeld; von diesem letzten im 19. Jahrhundert restau- 
rierten Beschlag gibt eine im Jahre 1782 angefertigte Zeichnung das 
zuverlässigste Bild. 

Am ChaptefHouse in York ist der Beschlag auf den Ttlren in A.rt 
eines Baumes angeordnet, dessen Wurzeln sogar angedeutet sind und 
dessen sj'mmetrisch auf beiden 
Seiten des Mittels chaftes verteilte 
Abzweigungen mit Ausnahme zweier 
rosettenartig gestalteter Teile in 
dichten Spiralen die Flächen füllen. 
Neben der oberen Mittelendigun^ 
des Beschlages sind in Gegenüber- 
stellung zwei Vögel in hohem Relief 
angebracht, deren Schweife von tief 
herabhängenden Ranken gebildet 
sind. Die Mitten der rosettenartigen 
Teile sind noch durch ein buckel- 
ähnlich vortretendes Rankenmuster 



Bei dem ebenfalls zum Teil 
senkrecht wachsenden Beschlag- 
werke der Kathedrale in Chester 
{Fig. 22, S. 27) sind besonders die 
Knotenpunkte der überaus zierlichen 
Ranken zweige in einfach schöner 
Weise ausgestattet. 

Als ein anscheinend in der 
Detail beh an dlung weniger hervor- 
ragender, in Anordnung und Linien- 
Fig. IS. Teil dea Tarbeschiages in Radrord. f1]hi-ung der aufsteigenden reich- 
gegliederten Ranken jedoch vor- 
trefiFlicher Beschlag sei der an der SUdtUr der Abteikirche in Radford 
(Nottinghamshire) (Fig. 23, S. 28) genannt. 

Die im 12, Jahrhundert den Eindruck der Beschläge in fast allen 
L!Lndem bestimmenden großen Hufeisenglieder kommen nur bei wenigen 
wichtigeren Beispielen des 13. Jahrhunderts noch einmal vor. An einer 
TUr des Merton-College in Oxford lassen die mit jenen Sichelgliedem 
vereinigten Ranken durch ihre Verteilung und Anordnung und durch die 
plastische Behandlung den Beschlag sogleich als ein Werk des 13. Jahr- 
hunderts erkennen. Noch mehr verwischen die lebensvoll empfundenen 
Einzelformen bei dem höchst reizvollen Beschläge der Market Deeptng- 



Beachläge, Deutschland. 



Kirche (Fig. 24, S, 29) den in der Hauptgliederong beibehaltenen Typns 
des 12. Jahrhunderts. In mannigfaltigster Weise verstanden es die eng- 
hschen Schmiede des 13. Jahrhunderts, die im Grunde sehr einfachen 
Formelemente noch bei zahheichen hier nicht angeftlhrten Beschlägen za 
Terarheiten; Oardner spricht sich in seiner bereits angeführten Schrift 
Ironwork Bd. I eingehender darüber aus, der Hinweis möge hier ge- 
oDgen. Bemerkt sei hier nur, daß 
auch in England dies hohe künst- 
lerische Können der Schmiede, 
das in einem engbegrenzten Zeit- 
räume die köstlichsten Werke 
entstehen läßt, bald auf eine sehr 
mittelmäßige Stufe sinkt , wie 
später an Beispielen zu zeigen 
sein wird. 

Nur in einer Stadt des Kon- 
tinents, in Lüttich, entstanden 
im '13. Jahrhundert einige Be- 
schl^e , die mit den Pariser 
Arbeiten in der Linienführung, 
in der Anordnung der Teile und 
auch in der Art der technischen 
Durchführung sehr verwandt sind. 
Das jetzt im Altertumsmuseum 
in Lattich verwahrte hochbedeut- 
same Eisenwerk (Fig. 25, S. 30), 
das ehemals die Tür der dortigen 
Paulskirche schmückte, erinnert 
in seinen leichten Banken zugleich 
auch an englische Beispiele. Ein 
zweiter in der Kirche St. Jacques 
erhaltener schöner Beschlag be- 
kleidet die Tür eines Sakristei- 
schrankes, deren acht durch je 
zwei eiserne Angelbänder paarweis zu einem Flügel verbundenen Teile er 
dicht mit seinen durch Fünfblätter bereicherten Ranken überspannt. 

Fast unabhängig von äußeren Einflüssen scheinen die deutschen 
fUsenbeschlagarbeiten des 13. Jahrhunderts entstanden zu sein. Nennens- 
werte Fortschritte sind vom 12. zum 13. Jahrhundert nur bei sehr wenigen 
Werken der deutschen Schmiedekunst zu verzeichnen, zumeist wurden die 
Oberlieferten Motive mit geringen Abänderungen weiter verwendet. Auch 
die großen technischen Neuerungen, die in Frankreich und England All- 




30 13, Jahrhundert. 

gemeinf^ut der Schiniede geworden waren, insbesondere das plastische 
Formen der einzelnen Teile in Gesenken, blieben in Deutschland iin- 
behannt; die Beschläge des 13, Jahrhunderts sind in Deutschland ebenso 
flach behandelt wie die früheren. 

Die hervorragendste Leistung deutscher Schmiedekunst des 13. Jahr- 
hunderts ist der Beschlag an 
der HaupttUr der im Jahre 1283 
vollendeten Elisabethkirche in 
Marburg (Fig. 26, S. 31). Es 
ist eine Schöpfung erfrischender 
Eigenart, deren rein formale 
Mängel man selbst den gleich- 
artigen Riesenleistungen unserer 
westlichen Nachbarn gegenüber 
leicht vergißt. Das Über die 
Doppeltür symmetrisch verteilte 
Eisenwerk ist auf beiden Flügeln 
von einer Rankenbort« 'um- 
zogen. Die mit den Angel- 
bändern verbundenen, in ihren 
Hauptlinien an die großen 
Sichelglieder erinnernden Be- 
schlagteile sind oben und unten 
auffallend verschieden gestaltet, 
doch ohne daß dieses störend 
empfunden würde. Nicht nur 
die Art und Anordnung der 
den Eindruck des Ganzen Jetzt 
wesenthch bestimmenden Blät- 
ter, auch die Endigungen der 
wagrechten Schienen und die 
füllenden Teile weichen wesent- 
lich voneinander ab. Der zwi- 
schen den Angelbandteilen an- 
geordnete kreuzförmige Beschlag 
FiB- 26 Turbcschiag in Lüttich, 8. it. ist die Veränderte Darstellung 

eines oftmals früher verwende- 
ten Beschlaggliedes, das in Deutschland und Frankreich sonst gleich- 
artig nicht bekannt ist, eine gewisse Verwandtschaft läßt nur derselbe 
Beschlagteil an der Eirchtür in Tttnstall (Norfolk, England) erkennen. 

Mehrere alte eiserne Türbeschlagwerke haben sich in dem Magde- 
burger Dome erhalten, unter denen dasjenige einer Tür am unteren Chor- 



Bescfat&Ke, Deutschland. 31 

eini^aDge durch die kecke Art seiner Verzweigung Ton besonderem Interesse 
ist, zwar mag es bereits dem frohen 14, Jahrhundert angehören. 

Die beiden Angelbänder bekleiden hier toe der w^rechten Mitte sym- 
metrisch die Tür, doch nicht wie gewöhnlich als formal völhg selbständige 



Fig. le. TQrbeaclilBg in MMbnrg. S. <o. 

Teile, sondern di« nach innen abgezweigten schlanken Schienen kreuzen 
sich auf der Mittellinie. Die nach außen gerichteten Zweige sind im 
Gegensatz dazu kurz und in scharfem Bogen rückwärts gewendet. Alle 
Teile endigen in drei flache Blätter, die am ehesten Eichblättem vergleich- 
bar sind. 



32 13. Jahrhundert. 



Bewegte Komposition und lebensvoll aus den Zweigen herauswachsende 
Blätter finden sich nur an wenigen deutschen Beschlagbeispielen des 
13. Jahrhunderts. Auch in bedeutenden Mittelpunkten des Kunstschaffens«, 
wie z. B. in Regensburg, fanden die neuen Formen nicht so bald Einlaß, 
wie der an der Nordtür des dortigen Domes angebrachte Beschlag er- 
kennen läßt. Bei diesem wachsen aus den beiden Hauptquerschienen 
stumpf nach oben und unten kleine Schäfte mit paarig daran gereihten 
Spiralschnörkeln heraus, die Türfläche dazwischen füllen dieselben Gebilde 
zu Kreuzen oder in H-Form zusammengestellt. 

In sichtlich engem Zusammenhange mit älteren, in sächsischen Landen 
erhaltenen Beschlägen (s. S. 3) steht dort noch eine Gruppe, als deren 
Entstehungszeit das 13. Jahrhundert gelten muß. Diese Werke, die be- 
sonders in der Anordnung der Beschlagteile eher einer primitiveren Periode 
anzugehören scheinen, verraten doch in manchen Einzelheiten den Einfluß 
vom Westen kommender Neuerungen. 

An erster Stelle ist der Beschlag an der Kirchtür in Wahren bei 
Leipzig zu nennen (Fig. 27, S. 33). Er ist in einen breiten, seitlich und 
oben herumgeführten Bortenteil und ein wagrecht und senkrecht geteiltes 
Mittelfeld gegliedert. Die palmettenartig wachsenden Füllmotive tragen den 
Stempel des 13. Jahrhunderts, während Doppelhakenglieder und C- und 
S-förmige Gebilde ebenso wie die merkwürdige, in das Beschlagmuster 
komponierte figürliche Darstellung nicht als wesentlich neue Errungen- 
schaft für die sächsische Schmiedekunst jener Zeit gelten können. Auch 
die Verzierung der Schienen durch eingehauene Gräten- und Zickzack- 
muster fand sich, wie erwähnt wurde, vorzugsweise bei älteren Werken. 
Arbeiten geringerer und weniger origineller Meister sind die Beschläge 
an den Kirchtüren in Zwätzen (Bezirk Jena) und in Waldkirchen. 

Gleichmäßig horizontal gegliedert ist der Zivätzener Beschlag. Die 
Flächen zwischen den kräftigen Querschienen sind teils mit rosetten artigen 
Gebilden, teils mit reihenweise gegenübergestellten Doppelhaken oder 
sichelförmigen Gliedern gefüllt, die in ihrer Ausgestaltung und Anordnung 
an die Beschläge in Arnstein, in Mittelheim u. a. 0. (s. S. 6) erinnern. 

An der Kirchtür in Waldkirchen sind die Querschienen des Be- 
schlages teils schlicht über die Türfläche geführt, teils sind sie auf einer 
Seite gekürzt und dann durch verzweigte Endigungen als wachsend 
gekennzeichnet. An die völlig querende obere und mittlere Schiene und 
vermutlich ursprünglich auch an die untere sind beiderseits als Kreise 
zusammenschließende Halbrunde gelegt, die in der Regel durch Doppel- 
haken getrennt sind und X-förraige Glieder einschließen. Dieselben Ele- 
mente sind mit geringfügigen Aenderungen, aber ohne erkennbare Regel- 
mäßigkeit in den Zwischenräumen der übrigen Schienen verteilt. 

Die Reihe der angeführten deutschen Beschlagbeispiele des 13. Jahr- 



Bescbl&ge, Oesterreicb. 



huoderts ließe sich für Sachsen, das deren besonders viele aufzuweisen 
bat. und auch f(lr die westdeutschen Gebiete noch wesentlich vermehren, 
doch von höherem Interesse ist die Entwicklung der Beschläge in Oester- 
reich. Eisenwerke, die mit gleichzeitigen französischen und englischen 



Fig, «7. TUrbeschlBg in Wahren. S. S2. 

Arbeiten vei^leichbar wären, fehlen in Oesterreich ganz und gar, in ihren 
Formen sind die Schmiede ein Jahrhundert zurückgeblieben. Allein die 
wenigen erhaltenen Beschläge sind stattlich, und Klarheit und Gesetz- 
■näSigkeit der Anordnung zeichnet sie besonders aus vor den meisten 
sächsischen. 



34 13. Jahrhundert. 

Die dem 13. Jahrhundert angebörigea oder wenig jängeren Beschläge 
sind, wie die sächsischen durch Querschienen kräftig gegliedert, die seitlich 
mit stumpf daran stoßenden Gebilden besetzt sind, oder deren Zwiscfaea- 
HLume mit gleichmäßig gereihten Gliedern gefüllt sind. Ein sonst auf 
deutschem Bodea nicht nachweisbares Motiv findet sich an der äußeren 
Tür des Treppenhäuschens der Liebfrauenkirche in Wiener-Neustadt, näm- 
lich eine Ärkadenreihe, deren Oeffnungen gefüllt sind mit Figuren in Form 
der heraldischen Lilie auf der Spitze einer Winkelschiene, vei^leichbajr 
der Kreuzblume auf «inem GKebel. Solche Bogenstellungen kommen auch 
bei alten schwedischen TUrbeschlägen vor, z. B. in Skonherga bei Soder- 



Fig. 9S. Tnifaenbe schlag ans St. Denis. Parti, llui. Canueti*!. 8. SS. 

köping; eine Beziehung zwischen beiden Beispielen wird man jedoch 
schwerlich annehmen mögen. 

Das Hauptschmu ckmotiv bildet die heraldische Lilienform, teils auch 
auf Spitzen von Winkelschienen gereiht, bei einem schönen, ehemals in 
Piesting (Niederösterreicb) befindlichen Beschlagwerke. 

Bei dem Beschläge der Basilika in Seckau, dessen Querschienen in 
Doppelvoluten endigen und von S-fÖrmigen Gliedern gekreuzt werden, ist 
besonders bemerkenswert eine die Mitte der Tttr senkrecht überziehende, 
leicht gewellte Schiene, aus der drei lappige Blätter herauswachsen. 

Truhen- KuTz angefUhrt sei noch, daS reiche Eisenbeschl^e im 13. Jahr- 

beschiage. ]iUQ jgj-t und vermutlich auch schon früher nicht für Türen allein ausge- 
führt wurden. Der sichere Schutz, den das eiserne Stab- und Ranken- 
werk dem Holze gegen unerwünschte Eingriffe gewährte, mußte vor allem 
auch ftlr die Behälter von Wert sein, in denen man zu jener Zeit die 



TrabeDbeschläge. 35 



kostbarsten BesitzstUche verwahrte, für die Truhen. Die wenigen in 
Deutschland, Frankreich und England erhaltenen Schatzkästen jener Zeit 
sind ringsum mit kräftigen, meist quer zur Paserrichtung des Holzes 
gerichteten, geraden Schienen hescblagen, die bald von sichelförmigen 
Gliedern gekreuzt sind oder aus denen in Oegenttberstellung Voluten 
herauswachsen und zwischen denen auch ringförmige oder kreuzartige 
Teile angeordnet sind. 

Eine französische Truhe dieser Art aus der Abtei St. Denis (Fig. 28, 
S.''34) befindet sich jetzt in Paris im Mus4e Carnavalet; sie ist das 
schönste bekannte Beispiel dieser Gruppe. Eine andere, wenn auch dieser 
an Schönheit nachstehende, etwa gleichzeitige französische Truhe besitzt 



F[g. M. Tmlienbescblag ans Herford, Berlin, Ktaulgtietrln-Mua. S. 35. 

das South KensingtoQ-Museum in London. Deutsche ähnliche 
Arbeiten werden im Kunstgewerbemuseum in Berlin aus der Johannis- 
kirche in Serford (Fig. 29, S. 35), im Dommuseum in Trier und im 
Leibnizhause in Hannover verwahrt. Einen verwandten Truhentjpus 
aus jüngerer Zeit, vermutlich dem 14. Jahrhundert, besitzt die Gesell- 
schaft zur Erhaltung der Denkmäler im Elsaß in Straßbttrg. 

Im Anschluß an diese Qruppe möge ein in der Kunsthistorischen 
Sammlung in Innsbruck befindlicher, vielleicht noch dem 12. Jahrhundert 
entstammender Holzsarg erwähnt werden, der ebenfalls durch Eisenbeachläge 
von besonderem Reize zusammengehalten wird. Der mit einem Deckel 
in Form eines Satteldaches verschlossene rechteckige Kasten ist an den 
Kanten mit Schienen beschlagen, die durch abgespaltene, einfache oder 
verdoppelte Spiralschnörkel, zum Teil an längeren Stielen, bereichert sind. 
Die Kopf- und Fußplatte sind durch Kreuze und der Deckel durch ge- 
schmiedete, keck aufgerichtete TierkSpfe mit langen Hörnern ausgezeichnet. 



36 18. Jahrhundert. 



Gitter. Nur klein ist die Zahl der Gitter, die ihren Formen nach als typische 

Arbeiten des 13. Jahrhunderts anzusehen und den schönsten Türbeschlägen 
als ebenbürtige Leistungen an die Seite gestellt werden können. Nur 
Frankreich und England können sich des Besitzes solcher Werke 
rühmen, und das hervorragendste englische Gitter, das an Schönheit auch 
von einem französischen kaum übertroflPen wird, wird noch wertvoller da- 
durch, daß es das einzige erhaltene Schmiedewerk jener Zeiten überhaupt 
ist, dessen Meister bekannt ist, und über das sogar eine Urkunde aussagt, 
für welchen Preis es hergestellt wurde. 

Dieses köstliche Gitter (Fig. 30, S. 37), das man im 19. Jahrhundert 
bereits einmal als „altes Eisen" verkaufen wollte, befindet sich in der 
Westminsterabtei zu London über dem Grabmal der Eleanor von Kastilien, 
und der Schöpfer dieses Kunstwerkes war Thomas de Leghtone, das 
heißt wohl unzweifelhaft der Schmied Thomas von Leighton-Buzeard^ wo 
noch ein dem Gitter durchaus verwandter Türbeschlag (s. S. 27) erhalten 
ist. Im Jahre 1294 war es vollendet und nach heutigem Gelde wurden 
etwa 4000 Mark dafür bezahlt. Das, Gitter schwebt leicht vorgeneigt 
zwischen zwei Pfeilern über dem Steinsarkophage; bis auf den Boden 
reichende Eisenstützen sind nicht vorhanden. Man hat aber die Ver- 
mutung ausgesprochen, daß für die große bezahlte Summe auch vielleicht 
der jetzt freie Raum bis zum Boden mit einem Gitter geschmückt ge- 
wesen sei. Es besteht aus elf rechteckigen, senkrecht aneinanderstoßen- 
den Feldern, die, jedes von dem anderen abweichend, an einem Mittel- 
schaft mit aufsteigenden Schneckenranken oder ähnlich angeordneten 
Blattbündeln geftOlt sind. Das Schmiedewerk jedes Feldes gleicht also 
etwa einem reich ausgestalteten Beschlagbande. Oben und unten verbinden 
schlichte Schienen die Teile. Die senkrechten Mittel- und Trennungsschienen 
sind zu Dreizackspitzen ausgeschmiedet, die zusammen den bekrönenden 
Abschluß bilden. Man nimmt an, daß diese Domfortsätze von vornherein 
bestimmt waren, Lichter zu tragen, und eine Reihe jüngerer, zweifellos 
für diesen Zweck gefertigter Gitterleuchter (Herse) scheinen dieses zu be- 
stätigen. Der Reiz der Linienführung wird auch bei diesem wundervollen 
Werke gesteigert durch die in allen Teilen durchgeführte kräftige Mo- 
dellierung. 

Ein zweites, etwa gleichzeitig mit jenem geschaffenes Gitter soll sich 
in derselben Äbteikirche am Grabmal König Heinrichs IIL befunden haben; 
als sein Verfertiger wird Henry of Lewes genannt. Weitere Gitter, 
die sich in den Hauptformen dem am Eleanorgrabmal anschließen, die 
aber die modellierende Behandlung vermissen lassen, sind in Malpas und 
Icklingivorth erhalten. Andere unter dem Einflüsse des Eleanorgitters 
entstandene Beispiele finden sich noch in Tinswell, Ärborfield, Santon, 
Filby und anderen Orten. 



Gitter, Frankreicli. 37 

Die Mehrzahl der franzSsischenEisengitter der Zeit bis zum 13. Jahr- 
hundert wurde bereits kurz besprochen, es erübrigt nur noch, einige in 
der Art der AusfQhniDg den Notre- Dame-Beschlägen nahestehenden Ar- 
beiten den etwa gleichzeitigen englischen Meisterleistungen gegentlberzu- 



Fig. BO. Gitter in der Westin in steribtel in Loodon. S. 3«. 

stellen. Wie schon angedeutet ist, unterscheiden sich diese in der Kathe- 
drale von St. Denis und in Braine bei Soisson erhalt«nen Gitter von den 
früher besprochenen (französischen) nicht nur durch ihren ungleich voll- 
kommeneren Entwurf, sondern vor allem wieder durch die ModelUerung 



38 13. Jahrhundert. 



aller Teile. Das reichste dieser nur zum Teil erhaltenen Gitter befindet 
sich in St, Denis^ es ist dem Eleanorgitter so nahe verwandt, daß man 
eine direkte Beziehung zwischen beiden annehmen muß. 

Mit größter Wahrscheinlichkeit darf man annehmen, daß Thomas 
de Leghtone in Frankreich war und die Erfindung auch des englischen 
Gitters auf das französische Werk zurückgeht; der von englischer Seite 
(Gardner) gemachte schwache Versuch, das Abhängigkeitsverhältnis um- 
zukehren, weil man allein für das englische Werk den Zeitpunkt der 
Entstehung kennt, dürfte wenig Beifall finden. 

Ebenso wie bei dem Eleanorgitter wachsen auch bei demjenigen in 
St Denis aus senkrechten Schienen die Ranken heraus und füllen ein 
rechteckiges Feld, an das ohne Unterbrechung andere gereiht sind. Hinter 
den Rankenmustern angebrachte Stäbe sind allein dazu bestimmt, dem 
Ganzen eine größere Festigkeit zu verleihen. 

Nur wenig diesem an Reichtum nachstehend ist ein zweites in St. Denis 
verwahrtes Gitter. Von jenem unterscheidet es sich in der Konstruktion 
besonders dadurch, daß die Ranken nicht in Verbindung mit geraden 
Schienen gebracht sind; allein kräftige Bunde halten die in einen recht- 
eckigen Raum komponierten Teile zusammen. Die Ranken und Blätter 
sind ferner nicht der unendlich sorgsamen Detailbehandlung unterworfen ; 
einen reizvollen Wechsel von Licht und Schatten hat man bei den Ranken 
durch ein herzförmiges, mit der Spitze nach vorn gekehrtes Profil erreicht. 

Das am wenigsten prunkvolle Gitter dieser Gruppe ist das in St. Ived 
in Brainc, Im Aufbau nimmt es eine Mittelstellung zwischen den ge- 
nannten ein ; die Ranken wachsen nicht aus senkrechten Schienen heraus, 
aber sie sind durch solche in senkrechte Felder geschieden und durch 
Bunde daran befestigt. Auch sind im Gegensatz zu den vorherbesprochenen 
Gittern bei diesem die Ranken über die Breitseite und nicht über die 
hohe Kante gebogen, also in der Art, die auch bei den einfacheren Grund- 
mustergittern jener Zeit zumeist angewendet wurde. 

Daß im 13. Jahrhundert auch Eisengitter für die großen Fenster- 
rosen der Kirchen (Dijon, Paris etc.) ausgeführt wurden, sei wenigstens 
erwähnt. 

Geräte. Bei den bisher betrachteten Eisenarbeiten war in bald größerem, bald 

geringerem Maße die schutzverleihende Festigkeit für die Verwendung 
des an sich wenig kostbaren Metalles ausschlaggebend gewesen, eine 
kleine Gruppe französischer Werke läßt aber erkennen, daß man im 
13. Jahrhundert das geschmiedete Eisen auch bereits aus überwiegend 
künstlerischen Gründen anderen Stoffen vorzog. Als Beispiele dafür ist 
zuerst ein in Noyon erhaltener Ständer für die Osterkerze anzuführen (Fig. 31, 
S. 39); ein köstliches Dokument für die gewaltige Kunsthöhe der Zeit. 



Geiste, Frankreich. 

Dieser .^oße Standleuchter, 
. der sich im Hospital jener Stadt 

befindet, gleicht in seiner Arbeit ^j 

dem Notre-Dame-Beschlage und pH 

dem reichsten Gitter in St. Denis. ^^ 

Er ruht auf drei aus Stabbtludeln 
gebildeten Füßen, die untereinan- 
der durch überleitende Blattvolu- 
ten verbunden und durch Blätter 
und Fröchte, die aus den einzelnen 
Stäben herauswachsen, bereichert 
sind. Auch der Schaft ist aus 
einem lockeren Stabbündel ge- 
bildet, kräftige Bunde gliedern 
ihn. An den Knotenpunkten sprießt 
Blattwerk hervor und Getier be- 
lebt die einzelnen Stäbe. Ein 
BiDtenbfischel bildet um den Dom 
für die Kerze den reichen Ab- 
schluS. . 

Von einem formverwandten, 
auch hervorragend schönen ge- 
schmiedeten Kaminbocke des 
13. Jahrhunderts, der sich ehe- 
mals in Vezelay befunden haben 
soll , gibt Yiollet-le-Duc in 
seinem Dict. du mobilier S. 139 
eine Abbildung. .^rJKd^^ 

Ein sehr viel einfacheres, 
durch die Kraft seiner Formen 
immer noch hervorragendes fran- 
zösisches Schmiedewerk dieser 
Art und Zeit ist ein Lesepult in 
der Kirche St. Martin in Brives. 
Auch dieses ruht auf drei ge- 
bogenen Fußen, auf denen phan- 
tastische Bestien lagern. Der 
Bdndelschaft ist, mit Ausnahme 
des mittleren, reicher gestalteten, 
durch schlichte Knäufe gegliedert. 

Die obere Bekrönung bilden vier „ "■*■ '^- 

, , , . ,. , rn- , ^ Osterkerzenl«ncliter ig Novon, HospiUl. 

langhalsige, dicke Tierköpfe. s. ss. 



40 13. Jahrhundert. 



Eine Reihe durch besondere Kunstformen nicht ausgezeichneter eiserner 
Stehpulte und Klappstühle mit Ledersitz sind außerdem aus dem 13. Jahr- 
hundert erhalten, darauf sei nur hingewiesen. 

Nur eine das französische Kunstschaffen jener Zeit glänzend belegende 
Gruppe von Eisenarbeiten bedarf noch einer kurzen Betrachtung, die 
Hostieneisen, die keine Zeit und kein Land später in ähnlicher Schön- 
heit hervorgebracht hat. Diese Hostieneisen haben bekanntlich die Form 
von Zangen mit großen rechteckigen oder runden ebenen, gegeneinander 
schließenden Backen, in deren vertiefte Darstellung der dazwischen ge- 
brachte Teig gepreßt und von den erhitzten Eisen gebacken wird. 

In die eine, selten in beide Backenflächen dieser, einen Plattendurch- 
messer von etwa 25 Zentimeter erreichenden Geräte wurden bisweilen 
Szenen mit zahlreichen Figuren in vertieftem (negativ) Relief eingegraben, 
in gleicher Weise wie es heute noch bei Petschaften, Münzstempeln und 
ähnlichen Gegenständen geschieht. Diese ohne Erwärmung des Metalles 
ausgeführte Arbeit wird als „Schneiden* oder „Metallschnitt* bezeichnet 
und geschieht mit Hilfe von Grabsticheln und kleinen, Punzen genannten 
Meißeln verschiedenster Form. Bei den großen, früher betrachteten Eisen- 
werken wird von dieser Technik nur ausnahmsweise Gebrauch gemacht 
sein, im allgemeinen suchte der Schmied offenbar seinen Stolz darin, alle 
die kleinen und feinen Formen durch Hämmern am erhitzten Eisen her- 
vorzubringen, sofern er sich nicht, wie bei den meisten durch Modellierung 
bereicherten Werken, der Gesenke* bediente. 

Diese, sicher schon seit dem 9. Jahrhundert zur Herstellung der 
Hostien gebrauchten Eisengeräte sind in größerer Anzahl aus dem 13. Jahr- 
hundert erhalten. In der Regel freilich ist die nur auf einer der Backen 
eingeschnittene Zeichnung einfach, man beschränkte sich auf das Mono- 
gramm Christi oder eine heraldische Lilie. Unter den figürlichen Szenen 
wird die Kreuzigungsdarstellung bevorzugt, daneben kommen vor Dar- 
stellungen der Auferstehung, Christus als Majestas Domini, die Geburts- 
darstellung, selten die Kreuztragung Christi u. a. m. 

Die schönste erhaltene Arbeit dieser Art besitzt wohl das Cluny- 
Museum in Paris, Beide Backenflächen weisen zahlreiche Figuren auf. 
In der Mitte ist beiderseits Christus dargestellt; in den Feldern ringsum 
sind in einem Falle die zwölf Apostel, im anderen sechs Szenen aus dem 
Leben Christi eingeschnitten. 



Baubeschlagteile, Italien. 41 



Vierzehntes und fiin&elmtes Jalirlinndert. 

Die Schmiedeisenarbeiten aus der Zeit des 14. bis zum Beginn des 
16. Jahrhunderts bilden ihrem Formcharakter nach eine Gruppe, die zweck- 
mäßig ungeteilt zu betrachten ist. 

In den Ländern nordwärts der Alpen ist das 14. Jahrhundert für 
die Schmiedekunst eine Zeit des Stillstandes oder gar des Bückschreitens 
und Arbeiten aus dieser Zeit sind seltener. Zwar üben die Schmiede 
emsig ihr Handwerk weiter, doch hervorragende Leistungen sind nur in 
geringer Zahl zu verzeichnen, erst das folgende Jahrhundert bringt einen 
erneuten Aufschwung. Die Arbeitsweise der Schmiede änderte sich. 
Wenn auch weiter ebenso wie vorher die grobe Formung der Eisenteile 
in erhitztem Zustande vorgenommen wurde, so wurde doch die Gestalt 
der Eisenformen in der Begel jetzt mit Meißeln und Feilen am kalten 
Metalle hervorgebracht. Die Technik folgte dem nach eleganter Zierlich- 
keit und Leichtigkeit strebenden Geschmacke; dasselbe gilt ja von der 
gesamten Kunst jener Zeit, nicht zum wenigsten von der Architektur. Eine 
stärkere Beeinflussung der Schmiedekunst vom Süden, die von verschie- 
denen Seiten für diese Zeit angenommen ist, läßt sich kaum nachweisen ; 
gewisse Verwandtschaftlichkeit in den Formen der nordeuropäischen und 
italienischen Schmiede dürften auf gleiche Quellen — die Architektur — , 
aber selten auf direkte Abhängigkeit zurückzuführen sein. Die Arbeits- 
gebiete der Schmiede blieben in den genannten Ländern im wesentlichen 
dieselben vne in den Jahrhunderten vorher, in erster Linie waren weiter 
ihre Hauptaufgaben die Gitter und die Beschläge der Türen und Möbel. 
Konnte aber bei Betrachtung der früheren Jahrhunderte von einer 
italienischen Schmiedekunst kaum gesprochen werden, so ändert sich das 
mit dem 14. Jahrhundert völlig, Italien tritt mit seinen eigenartigen 
Leistungen aus jener Zeit in den Vordergrund des Interesses. Ein der 
deutschen und französischen Schmiedeisenkunst an Umfang und künst- 
lerischer Kraft völlig gleichwertiges Schaflfen blieb zwar dem Süden über- 
haupt versagt, aber eine Reihe von Werken wird immer zu den eigen- 
artigsten und schönsten dieses Kunstzweiges gerechnet werden müssen. 

In Toskana und Oberitalien, den Landschaften, in denen die neuere 
italienische Kunst zu ihrer Höhe heranreifte, sind auch die meisten und 
besten Schmiedewerke entstanden. Beziehungen zu den nördlichen Län- 
dern, besonders wie schon früher erwähnt wurde, zu Frankreich, sind 
ebenso wie auf anderen Gebieten der Kunst nicht ohne Einfluß auf 
Technik und Formgebung geblieben, allein andere Natur- und Kultur- 
verhältnisse haben die Schmiede ItaUens doch zumeist in der Zweck- 



42 14. und 15. Jahrhundert. 

bestimmung und im Formcharakter andere Wege gefuhrt, wie sie die 
Eisenkünstler der nördlichen Länder eingeschlagen hatten. 

Zur Verherrlichung der Gotteshäuser entstanden im Norden fast 
allein hervorragende Schmiedewerke, aadei's in Italien; zu der fröhlichen 
Farbenpracht der mit Marmor inkrustierten Kirchen würde hier die ernste 
Art des Schmiedeisens vielleicht weniger gestimmt haben. Die Schniiede- 
kunst Italiens entwickelt sich Hand in Hand mit dem EmporblUhen der 
politischen Macht und der zunehmenden Wohlhabenheit, die sich äußerte 
im Errichten trutzig-monumentaler Palastbauten, mit denen zugleich sich 
das nach neuen künstlerischen Ausdruckmitteln ringende Bedürfnis ein- 
stellte, das die Schmiede für einige Jahrhunderte in erster Linie be- 
schäftigen sollte. 
Bau- Noch heute begegnet man auf Schritt und Tritt besonders in den 

"uut^ toskanischen Städten an den alten festungsartigen Wohnbauten der Nobili 



und an den mächtigen turmbewehrten munizipalen Residenzen ReLhea 
eiserner Fassadenzieraie , Ober deren praktische Bedeutung man in der 
Regel durch die fortbestehende Verwendung bald aufgeklärt wird. 



Baubeacblogtflile, Italien. ' 43 



Id greifbarer Höhe rom Boden bemerkt man zunächst wenig vor- 
tretende aufgebogene Eisen, die unten einen beweglichen Ring tragen; 
ihre Bestimmung war und ist es bis heute geblieben, die Zug- und Reittiere 
daran zu befestigen. In einfachsten, aber fast stetig wechselnden Formen 
finden sie sich bereits in großer Zahl an den Palastbauten des 13. Jahr- 
hunderts. Die obere freie Endigung ist meist mit wenigen kräftigen 
Hamm erschlagen und Mieißelhieben zu einem phantastischen Kopfe ge- 
staltet und einfachste, mit Meißeln oder kräftigen Punzen eingehauene 
Musterung ziert ihre Flächen. Doch 
schon bald wurde die Ausschmückung 
sorgfaltiger durchgeführt , die Haken- 
kSpfe wurden reicher gestaltet und 
lebendiger wurde der Schmuck des 
Halses. Es entstanden Bitdungen, wie 
sie den Beschauer in Florenz am Pa- 
lazzo Vecchio und am Bai^ello (beide 
aus dem 13. Jahrhundert) erfreuen. 
Andere Kisenhaken ragen in den oberen 
Stockwerken neben den Fenstern heraus; 
sie sind meist leichter gestaltet, treten 
weiter vor wie die Sockelhaken und 
tragen am vorderen Ende einen Ring 
an lai^em Stiele. Wenn auch ihre 
eigentliche Bestimmung nicht unzwei- 
deutig feststeht, so darf man doch an- 
nehmen, daß sie hauptsächlich dazu 
dienen sollten, bei festlichen Gelegen- 
heiten auf durchgezf^enen Stangen 
Teppiche zu tri^en, oder in anderen 
Fällen auch Tücher zum Schutz gegen 
die sengenden Strahlen der sDdlichen 
Sonne. 

Neben diesen Hakenbildungen ge- 
hören zur Eisenausstattung der Palast- 
fassaden schon früh die Fahnen- und 
Fackelbalter und die PechkranzkSrbe ; 
einige Beispiele aus dem 14. Jahrhundert 

sind erhalten. Angeblich hatten -nur ire- Fig m. Laterne »mPHi. stroMi 

wisse angesehene Familien ursprfingbcb 

das Recht, ihre Gebäude von außen durch Fackeln und Feuerkörbe, die zu- 
gleich auftreten, zu beleuchten, anderen weniger angesehenen scheint . . . 
die Beleuchtung der Zinnen des Gebäudes gestattet gewesen zu sein ..." 



44 14- >ii«l 13' Jahrhundert. 

(Steche, Ueber Kleinwerke italienischer Schmiedekunst, Kunst und Ge- 
werbe (Schorn) 1881 S. 68). Die einfachsten, aus Oese und darüber an- 
gebrachtem Ringe gebildeten Fackelhalter wurden im 15. Jahrhundert 
mehr und mehr bereichert und an die Stelle der schlichten Pechkranz- 
körbe traten mehrfach aufs kunstvollste gestaltete Laternen. Köstlich ist 
die Reihe der zwölf zugleich die Fferdehaken ersetzenden Fackelhalter von 
mehr als l'/> Meter Höhe am Palazzo del Podesta in ^o^o^nn (1485 bis 
1500). Doch der Höbepunkt des Könnens 
der italienischen Schmiede war daran noch 
nicht erreicht. Die Schöpfung des Florentiner 
Meisters Niccolo Grosso, genannt Ca- 
parra, bilden den Mittelpunkt im gesamten 
italienischen Kunstschaffen dieser Art; von 
seiner Hand entstanden die Eisenkunstwerke 
am Palazzo Strozzi in Florenz, an die sich 
die gleichartigen Arbeiten am Palazzo Gua- 
dagni (Fig. 32 , S. 42) und am Palazzo 
Riccardi anlehnen. 

Der Palazzo Strozzi ist an seinen drei 
freiliegenden Seiten am Sockel mit Reihen 
kraftvoll einfacher Fackelhalter besetzt. Nur 
fUr die vier Ecken des Palastes sind Ge- 
bilde gleicher Bestimmung von Caparra 
geschaffen, die alle früheren Werke dieser 
Art an Erfind ungsreichtum und technischer 
Meisterschaft unendlich übertreffen (Fig. 33, 
S. 42). Ein aufragender geflügelter Dracben- 
leib mit weiblichem Kopf ruht auf einer 
reichgegliederten Konsole, Über die hinten 
der kräftige Ring gelagert ist. Als Höhe 
dieser Prachtstücke werden 88 Zentimeter, 
als Ringdurchmesser 41 Zentimeter ange- 
geben. An Schönheit wetteifern mit diesen Fackelhaltem Caparras 
Laternen an demselben Palaste (Fig. 34, S. 43); nicht im heutigen Sinne 
ind es Laternen, durch einen gerade aufstrebenden Mitteldom und 
nen Kranz schlanker, kühn auswärtsgebogener Bekrönungszacken sind 
e als Pechkranzkörbe gekennzeichnet. Als Trageglied ist wiederum die 
Konsole verwendet; vom auf ballusterartigem Zwischengliede erhebt sich 
in Form eines sechsseitigen Rundtempelchens der Laternenkörper mit 
seiner Zackenkrone und den Mondsicheln des Strozziwappens. 

Man hat von diesen Arbeiten Caparras gesagt, sie entsprächen der 
Schmiedetechnik nicht sonderlich, Semper sagt, es seien »nicht mehr 



Gitter, Italien. 45 



^anz schmiedeeiseme Zierden*', Steche sagt (a. a. 0.) von der Laterne, 
daß sie «in ihrem oberen Teile als Nachbildung einer vollständigen 
Architektur im kleinen nichts mehr mit der Schmiedetechnik zu schaffen 
hat, sondern dem Gußstil angehört **. Solche engherzig befangenen, theo- 
retischen Grübeleien entsprungenen Urteile, die sich leicht vermehren 
ließen , wird heute niemand mehr teilen ; was sich in einem bestimmten 
Materiale ausführen läßt, kann unmöglich seiner Eigenart zuwider, wohl 
aber unzweckmäßig oder häßlich sein. Voll und ganz und ohne jede 
Einschränkung schätzen wir diese Leistungen eines der größten Schmiede- 
künstler. Und dieser Meister war sich seines Könnens ganz bewußt, das 
bezeugt der italienische Künstlerbiograph Vasari, der durch mancherlei 
Angaben die Persönlichkeit dieses seltsamen Mannes kennzeichnet. 

Caparras Schmiedeisenwerke am Strozzipalaste sind die typischen 
Repräsentanten der gleichartigen, ums Jahr 1500 in Florenz entstandenen 
Arbeiten, wie sie sich außer an den angeführten Palästen beispielsweise 
noch finden am Palazzo Gondi, am Palazzo Roselli del Turco (Fig. 35, 
S. 44) u. a. m. Solchen Werken gegenüber sind die gleichzeitigen im 
Norden vorkommenden, nicht selten vortrefflichen Hausanker doch nur 
von geringer Bedeutung. 

Die Gitterschmiedekunst Italiens gewinnt erhöhtes Interesse auch noch bitter. 
dadurch, daß uns bei einer Reihe noch im 14. Jahrhundert entstandener 
und zum Teil erhaltener Werke die Namen der Meister und die Zeit der 
Herstellung tiberliefert ist. 

Die Kunstform der Gitter wird im 14. und 15. Jahrhundert von einem 
Typ beherrscht, dessen einfaches Schema die Meister doch stets neu und 
eigenartig auszugestalten wußten und dessen Leitmotiv, wohl sicherlich 
im Anschluß an die älteren französischen Vorbüder (s. S. 20), der Vier- 
paß ist. 

Die älteste italienische Form dieser Gitterart ist in der Abbildung 
auf Seite 46 wiedergegeben; das vermutlich ehemals vergoldete Gitter 
befindet sich in der Markuskirche in Venedig und dürfte ums Jahr 1300 
entstanden sein. Diesem verwandt ist ein Gitter in Santo Stefano in 
Venedig und das Gitter am Grabmal der Skaliger in Verona^ das von 
Bovinio di Campilione 1380 ausgeführt wurde (Fig. 37, S. 47). 

Gemeinsam diesen Gittern ist die ungegliederte Aneinanderfügung 
der zu einem Stück verschweißten Vierpässe, in denen höchstens, wie bei 
dem Gitter der Skaligergräber , das Füllmotiv — in diesem Falle das 
Wappenzeichen der Skaliger, die Leiter — mit kräftigen Nieten befestigt 
ist. Die Umrahmung ist äußerst einfach und den oberen Abschluß bildet 
eine Zackenreihe. 

Neben diesen Gitterwerken einfacher Art entstehen schon im 14. Jahr- 



46 14. und 15. Jahrhundert 

hundert in manchen Einzelheiten bereicherte. Man begann die Pässe einzeln 
oder in Gruppen durch Stäbe zu trennen, die durch Vernieten ungleich 
breiter Eisen profiliert erscheinen und die mit Zahnschnittkanten, gewun- 
denen Bändern, Rosetten oder Knöpfen weiter ausgeschmückt wurden. Für 
die Schönheit der Wirkung bestimmend wurde insbesondere ein hiDZu- 
gefngter breiter, zumeist aus Blech ausgehauener, reich omameatierter 
oberer Fries. Diese Gliederung wurde im großen und ganzen auch im 
15. Jahrhundert beibehalten ; daß auch die Paßglieder oft bei den jOngeren 
Arbeiten reicher ausgestaltet wurden, möge nicht unerwähnt bleiben. 



Fig. W. ßitter, VensiliB. San Murco. S. 4E. 

Werke der gekennzeichneten Art aus dem 14. Jahrhundert sind 
z.';B. dos im Dome zu Oriieto befindliche mit der Inschrift: ,Conte 
Lelli de Senis me fecit, Ann. 1387", dann das ebenfalls bezeichnete, 
von Giovanni Cristoro im Jahre 1348 vollendete Gitter im Dome zu 
Prato, das Gitter vom Jahre 1371 in Santa Croce in Florenz (Fig. 38, S. 48), 
das noch besondere ausgezeichnet ist durch die in reichster, fensterartiger 
Maßwerkteilung ausgeführte Tür (Fig. 39, S. 49). Wohl um die Wende 
vom 14. zum 15. Jahrhundert dürfte das Gitter in Santa Trinita in Florette 
(Fig. 40, S. 50^ und das Gitter an der äußeren Kapelle des Palazzo Publico 
in Siena (Fig. 41, S. 51) entstanden sein. 

lieber Sieneser Meister und ihre Gitterarbeiteu geben weiter urkund- 
liche Notizen Auskunft. Bertino di Piero aus Ronen fertigte in den 
Jahren 1384, 1387 und 1388 mehrere Gitterstücke für den Dom. Andrea 
d i Sano lieferte 1392 für den Dom ein kleines Gitter (graticola) und 1402 
wird angegeben, daß Jacomo di Giovanni ein Gitterwerk för die Kanzel 



Gitter, ItAÜes. 



dieses Oottesli&uses lieferte. Die Critterarbeiten für die Kapelle des Palazzo 
E*nblico in Siena wurden 1436 von Niccolo di Paolo begonnen und 



Fig. ST. Qicter aa den Skaligergräbsm in Verona. B. iB. 

Dach seinem Tode von Oiacomo di Vita und dessen Sobne Giovanni 
di Vita im Jahre 1445 vollendet. Ebenfalls dem 15. Jahrhundert gehört 
das schöne Gitter im Palazzo dei Diavoli in Siena an. 



48 14. und 15. Jahrhundert. 

Zahlreich Snden sich auch seit dem 14. Jahrhundert an den italieDi- 
schen Palästen zumeist einfache, aus gekreuzten Stäben gebildete Fenster- 
gitter. 

Ueberaus kunstreich gestaltet sind vielfach die auch nicht seltenen 
schmiedeisemen Oberlichtgitter. 

Mit den Gitterwerken des 14. Jahrhunderts in Italien können sich 



Fig- S8- tiltler in Santa l'roce In Florenz. S. ifl. 

nur wenige gleichzeitige in Deutschland, Frankreich und England er- 
haltene messen, im 15. Jahrhundert wird abev die Ueberlegenheit des 
Südens bereits wieder ausgeglichen. Immerbin sind auch die Leistungen 
der Gitterschmiede des 14. Jahrhunderts in den nördlichen Ländern be- 
deutsam genug, um neben den jüngeren Werken etwas näher betrachtet 
zu werden. 

Am spärlichsten sind Gitter des 14. Jahrhunderts in Deutschland 



Gitter, Deutechl&nd. 49 

erhalten. Ein wahrscheinlich dem Anfange dieses Säkulums angehöriges 
sehr merkwürdiges Werk befindet sich in der Marienkirche in Wismar 
und umgibt den Bronzetaufkessel. 

Auf einem von Klauenftlfien getragenen Ringe sind senkrechte Stäbe 
angeordnet, die ebenso wie der obere Abschlußring mit tauartig gewun- 
denem und durch Knoten gegliedertem Eisenwerk umflochten sind. Das 



Flg. 9B. Gitter in Santa Croce in Florenz, S. la. 

Plecht- und Knotenmotiv ist in der alten Schmiedekunst häu6ger, z. B. 
auch bei Türringen verwendet; in dem Umfange und mit ähnlichem Ge- 
schick wie bei dem Gitter in Wismar kommt es nicht mehr vor, und 
man wundert sich nicht, daß auch bei diesem Werke der Sage nach der 
Teufel dem Schmiede seine Hilfe gewährt hat. 

Obschon anzunehmen ist, daß auch in anderen großen Kirchen, die im 
U. Jahrhundert besonders im Norden Deutschlands entstanden, Eisengitter 

Liier, Unedle Hetalle. 4 



50 14. und Id. Jahrhundert. 

nicht völlig fehlten, erhalten geblieben ist von bemerkenswerten Arbeiten 
dieser Zeit nur ein schönes Abschlußgitter in der Ereuzhapelle auf SchJoji 
Karlstein bei Prag, das um die Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut wurde. 
Dieses Gitter ist in seinem unteren Hauptteile aus schlichten, schräg ge- 
kreuzten Stäben gebildet, die oben durch einen breiten, wenig verzierten 
AbschluBstreifen zusammengehalten werden. Von höherer künstlerischer 
Bedeutung ist der schöne Aufsatz darüber; auf kurzen Stäben erhebt sich 
ein großer Spitzbogen, dessen FuBpunkte mit den Seitenwänden durch 
wagrechte Schienen verbunden sind. Dieses Eisengerippe ist dann mit 



Fig. 40. Gitter in Santa Trlnita in Florenz. S. 4S. 

einer höchst geschmackvollen, aus unten offenen Maßwerkgliedem ge- 
bildeten Behangborte ausgestattet. 

Aehnliche Schmuckmotive, wie sie dieses Gitter aufweist, finden sich 
auch bei den meisten deutschen Gittern des 15. Jahrhunderts, besonders 
bei den zahlreichen größeren Gittern in den Kirchen Westdeutschlands. 
In Mittel- und Norddeutscbl&nd sind überhaupt bemerkenswerte Eisen- 
gitter auch im 15. Jahrhundert kaum erhalten, freilich das vielleicht 
großartigste Werk der deutschen Schmied eis enkunst jener Zeit be wundem 
wir im Dome zu Magdeburg, aber es steht vereinzelt im Lande (Ab- 
bildung in: E. Flottwell, Mittelalterliche Bau- und Eunstdenkmaler in 
Magdeburg. Magdeburg 1891). Aufs reichste entfaltete sich auch die 



Gitter, Deutschland. 5X 

Oitterschmiedekunst in diesem Jahrhunderte im stldöstlicben Deutschland, 
es entstanden dort zahlreiche, zumeist zwar kleinere Werke, besonders 



Gitter für Sakramentshäuschen , die den köstlichen Beschlagarbeiten, von 
denen noch zu sprechen ist, würdig zur Seite stehen. 

Das hervorragendste deutsche Eisengitter, das im Jahre 1498 als 
Abschluß für die Bischof-Ernst'Kapelle im Magdeburger Dome vollendet 



52 14* ^u^cl 15. Jahrhundert. 



wurde, möge zuerst etwas näher betrachtet werden. Das mächtige, etwa 
15 m breite und 6 m hohe Gitter zeugt in allen Teilen von einer Er- 
findungsfreudigkeit und einer Sorgsamkeit und Solidität der Arbeit, die 
schwerlich zu überbieten sind. Der Zusammenbau der Teile ist ähn- 
lich, wie etwa der Tischler ein solches Werk aus Holz konstruiert 
haben würde. Neun durch Querriegel und ein kräftiges Hauptgesims 
untereinander verbundene Pfosten bilden das Gerüst, die Umrahmung 
der aus gekreuzten Stäben gebildeten GitterfUllungen. Das ganze Rahmen- 
werk, dessen senkrechte Stäbe teils vom, teils auf der Rückseite durch 
kräftige Dreikantschienen und gewimdene Dienste verstärkt wird, besteht 
der Dicke nach aus drei Lagen, die durch wechselsweises Uebereinander- 
greifen überaus feste Eckverbände ermöglichen. Die beiden äußeren 
Lagen sind breiter als die mittlere, so daß Nuten entstehen, in die die 
Gitterfüllungen eingelassen sind. 

Aus übereinander gelegten Schichten sind auch die Maßwerkfriese auf 
den wagrechten Schienen gebildet. 

Das Gitter ist mit zwei großen doppelflügeligen Toren ausgestattet, 
durch die noch je eine kleinere reicher ausgestaltete Pforte bequemeren 
Eingang gestattet. Diese kleinen Türen sind durch ihren Spitzbogen- 
abschluß und Maßwerkfüllungen besonders kenntlich gemacht. Die großen 
Türen weichen nur in der Dekoration des Querriegels von den übrigen 
Gitterfeldern ab. 

Die vierkantigen Gitterstäbe sind stets auf einem Teil ihrer Länge 
durchlocht, so daß andere sie durchqueren, mit dem folgenden Teile durch- 
dringen sie die kreuzenden Stäbe. Als ein wirksames, häufig wieder- 
kehrendes Ziermotiv sind noch die Ringe hervorzuheben, die in regel- 
mäßiger Anordnung an Kreuzpunkten mit dem Stabwerk verbunden sind. 

Manches erinnert an diesem Werke an das berühmte, künstlerisch 
gewiß nicht höher stehende ältere Gitter in St. Croce in Florenz (S. 46) 
und ähnliche Formen wird man auch bei englischen Gittern des 15. Jahr- 
hunderts finden, aber auch hier ist die Benutzung gleichartiger, im Süden 
wie im Norden in der Architektur zu findender Vorbilder wahrscheinlicher 
wie eine direkte Abhängigkeit. 

Die westdeutschen Gitter des 15. Jahrhunderts unterscheiden sich 
von diesem Magdeburger Werke meist wesentlich, sie sind in allen Teilen 
schlichter und lockerer behandelt, breite, reichornamentierte Friese kommen 
nicht vor. Die zur Füllung oder Bekrönung vorherrschend verwendeten 
einfachen Maßwerkformen sind aus flachen Schienen gebogen und durch 
Bunde oder Nieten mit dem gewöhnlich aus senkrechten Stäben gebildeten 
Gitterwerk verbunden. 

Ein typisches Gitter der Art ist in Kempen am Niederrhein erhalten; 
es wurde im Jahre 1463 von Meister Peter von Straelen gefertigt. 



Gitter, Deutschland. 53 



der gewiß auch ein verwandtes, in seinem Heimatsorte Straelen noch 
Yorhandenes öitter ausgeführt hat. 

Auch für den Dom in Köln wurden im 15. Jahrhundert verschiedene, 
nicht unbedeutende Schmiedeisengitter hergestellt, über deren wichtigstes 
nur noch eine Tuschzeichnung aus dem Jahre 1633 einigen Aufschluß 
gibt. Es diente als Abschluß der Dreikönigskapelle und umgab auch 
den dort aufgestellten Reliquienschrein. Eine Beschreibung der Abbildung 
(von Schnütgen) besagt: „Einfaches, oben durch einen blauen Pries be- 
säumtes Oitterwerk schließt vom die Kapelle ab, in welches der ähnlich 
behandelte Gitterschrank so weit hineinragt, daß hinter ihm noch Raum 
für den Altar bleibt. . . . Das tiefprofilierte, weit ausladende Gesims um- 
gibt mit seinem zierlichen Hängefries auch die Seitenwände, und ver- 
goldete, so streng wie reich stilisierte Armleuchter verzieren die Vorder- 
seite, während zahlreiche Leuchteiieller die Firsten des Walmdaches 
beleben und ein hoch hinaufragendes Gehege von Eisenstangen den oben 
flatternden Kerzen Halt bietet. In seiner bunten Bemalung muß dieser 
kunstvolle Apparat von prachtvoller Wirkung gewesen sein.** (Zeitschr. 
für chrisÜ. Kunst 1896, S. 320.) 

Erhalten ist im Kölner Dome noch ein aus dicht gekreuzten Stäben 
gebildetes Gitter mit einer Bekrönung aus schlanken Fialen, die unten 
durch nach oben offene Maßwerkbögen verbunden sind. 

Ein ähnliches, etwas reicheres Gitter der Zeit um 1500 befindet sich 
im Straffbiirger Münster vor dem Taufsteine. Auch hier bestehen die 
Füllungen aus schräg gekreuzten Stäben. Die Ständer zeigen die Formen 
sehr schlanker Strebepfeiler. Die Bekrönung besteht aus großen, oben 
offenen, sich kreuzenden Halbkreisbögen, die mit Maßwerk und kurzen 
Schnörkeln gefüllt sind. Die Eckständer wachsen oben in eine Blüte an 
schlankem Stiele aus. 

Ein eisernes Treppengitter in der Leonhardkirche in Frankfurt a. -M., 
die in Eisen ausgeführten Gitter und der unterbau einer Kanzel in Ober- 
dkbach bei Bacharach a. Rhein, einige Gitter im Dome zu Konstanz am 
Bodensee und schließlich ein höchst reizvolles, mit Leuchterarmen aus- 
gestattetes Gitter in der Stadtkirche in Friedberg (Oberhessec) sind der- 
selben Gruppe beizurechnen. 

Künstlerisch bedeutsame Fenstergitter von Wohnhäusern sind aus 
jener Zeit in Deutschland wenige erhalten, ein schönes Beispiel findet 
sich in Metz. Es zeigt den Typus des rechtwinklig vortretenden Fenster- 
korbes. Die Füllungen bestehen aus senkrechten, in Wellenlinien ge- 
bogenen Stäben, die zusammen eine Art Rautenmuster bilden, das von 
den Schmieden für gleiche Zwecke häufig benutzt wurde. Die Eckstäbe 
des Gitters wachsen in Fialen aus und die Vorderseite ist von einem 
geschweiften Maßwerkgiebel bekrönt. 



54 14. und 15. Jahrhundert. 



Im südlichen und südöstlichen Deutschland sind wenige größere 
selbständige eiserne Gitterschranken aus dem 15. Jahrhundert erhalten. 
Unter diesen verdient ein vermutlich um 1470 entstandenes Kapellen- 
abschlußgitter in der St. Ulrichskirche in Augsburg besondere Beachtung 
(Fig. 42, S. 55). Das Gitter ist in zwei rechteckigen Türflügeln zu öffnen. 
Der Teil im Spitzbogen darüber ist unbeweglich. Die in je zwei Felder 
senkrecht geteilten Flügel sind gleichmäßig mit einem Maßwerkmuster 
gefüllt, in dem große Spitzovale den Ton angeben. Die Türfelder werden 
oben im Bogen durch giebelartige Musterungen bekrönt. 

Wie schon erwähnt wurde, sind die reizvollsten Gitterarbeiten jener 
Zeit im deutschen Süden die weniger ausgedehnten Verschlüsse der Sakra- 
mentshäuschen. Zierlichkeit der Formen und leichte Konstruktionen, bei 
denen das Blech in weitestem Umfange dienstbar gemacht wurde, sind 
allen diesen Gitterarbeiten gemein. Sakramentshäuschen in schlanker 
Turmform, deren berühmtestes Beispiel von Adam Krafts Hand för die 
Lorenzkirche in Nürnberg geschaffen wurde, gab es damals in mehr oder 
minder reicher Form in allen Teilen Deutschlands, kunstreiche Eisengitter 
schätzte aber daran eigentlich nur der deutsche Süden. Bei verhältnis- 
mäßig geringem Wechsel der Formen verdienen diese Eisenarbeiten doch 
höchste Bewunderung. 

In der Regel sind es Gitter in hoher, oft spitzbogig überhöhter 
Rechtecksform. Ein breiter, meist mit krausen aus Blech ausgehauenen 
Blattranken belegter Fries umgibt die Gitter, und teilt sie bisweilen 
auch in der Länge und Breite. Gekreuzte, flache oder vierkantige 
Stäbe, aus verschiedenen Schichten gearbeitete Maßwerkmuster oder 
auch aus Blech gehauene Gruppen krausen Blattwerks füllen die 
Rahmen aus. 

Zu den einfachen Beispielen sind noch die Tabernakelgitter in jE^- 
Ungen und im Ulmer Münster zu rechnen. In Ulm sind die kleinen 
Rautenfelder gleichmäßig mit Yierpässen, in Eßlingen mit verschiedenen 
Maßwerkmustem gefüllt. 

Unvergleichlich reiche Schmiedearbeiten wurden für die Sakraments- 
häuschen in Tirol ausgeführt, leider sind die Hauptwerke nicht mehr in 
ihrer ersten Gestalt und ^n ihrem ersten Aufstellungsplatze erhalten. Eins 
der Hauptwerke besitzt jetzt das South- Kensington-Museum in dem 
Tabernakelgitter, das aus Ottoburg in Tirol stammen soll. Dieses in Form 
eines sechseckigen Rundbaues gestaltete, mit Strebepfeilern, Giebeln, Fialen, 
reichsten MaßwerkfüUungen und erkerartigen Vorbauten ausgestattete 
eiserne, jetzt dachlose, wenig über ein Meter hohe Häuschen bezeichnet 
neben einem im Jahre 1655 zu einer Kanzel umgebauten, jedoch anschei- 
nend in allen Teilen erhaltenen Tabernakel in Feldberg in Tirol wohl den 
Höhepunkt der Verwendbarkeit des Eisens für ähnliche Zwecke. Die 



Gitter. Deutschland. 55 

zeichnerische Rekoostruktion dieses letzten ganz aus Eisenblech gefügten, 
laut Insclirift im Jahre 1509 (oder 1520?) errichteten Werkes ergah, daß 
es Ober einem Steinunterbau von einer mit sechs sehr tiefen Eanelluren 



r, Angabarg, St. Ulrichakirche. S, 6 



versehenen Eisensäule getragen wurde, die in ein breites, aus Blattrankea 
gebildetes KapiUil endigte. Wie bei dem Eraftschen Werke in KUmherg 
erhob sich dartlber in mehreren Geschossen der weitere turmartige Bau 
und endigte auch wie jenes in einer Uhergebogenen Kreuzblume. Tu Holz 



14. und 15. Jahrhundert. 

geschnitzte Figuren stei- 
gerten Qocb den Reich- 
tum des luftigen, bemal- 
ten und vergoldeten 
Strebenwerkes. Die den 
geheiligten ßaum um- 
schließenden Gitter sind 
hier am einfachsten 
bebandelt, nur die TQr 
ist fensterurtig mit 
Haß werk verkleidet. 
Ausfllhrliche Beschrei- 
bung und Abbildungen 
finden sich in: Mittei- 
lungen der Zentralkom- 
mission 1858 S. 16 ff. 
Die Gitter am Ta- 
bernakel der Kirche in 
Heiligenblut sind als 
weitere sehr bemerkens- 
werte Leistungen an- 
zuführen. Von anderen 
trefflichen Arbeiten die- 
ser Art seien noch er- 
wähnt: die Tür am 
Tabernakel der Bene- 
fiziatenkirche in Vor- 
demberg, im Dome in 
Preßburg eine höchst 
geschmackvolle Qitter- 
tür (Fig. 43, S. 56), 
die laut Inschrift von 
Sigmund Fischer, 
Schlosser zu Wien, 
gefertigt wurde und 
schließlich in der Hei- 
hgen Geistkirche in 
Küniggrätz an dem im 
Jahre 1497 errichteten 
Tabernakel. 

Maßwerkformen be- 
lakeitiir, Preßburg, Dom. s u stimmen aucb bei den 



Gitter, England. 57 



Gittern der übrigen europäischen Länder im 14. und 15. Jahrhundert 
zu allermeist den Eindruck. 

Den angeführten rheinischen Arbeiten sehr verwandt sind einige in 
niederländischen Städten erhaltene Gitter, besonders gilt das von 
einem in der Kathedrale in Herzogenbusch (Bois-le-Duc) befindlichen und 
einem anderen in der Großen Kirche in Breda. Bei dem Bredaer Gitter 
ist das Korbflechtmotiv höchst geschickt verwendet, das sich auch findet 
bei dem auf Seite 82 abgebildeten schönen Sprechgitter im South-Kensing- 
ton-Museum. Eiserne Flechtbänder halten etwas über der Mitte und oben 
die außerdem durch Maßwerkbögen verbundenen Stäbe zusammen. Im 
Formcharakter schließen sich diesen Werken noch vortreffliche, frei auf 
dem Markte in Mecheln stehende, wohl zur Befestigung des Viehes be- 
stimmte niedrige Gitter an, die erst im Jahre 1531 von Jean de Cuyper, 
d. J., einem Schmiede in jener Stadt, gefertigt wurden. 

Eine Reihe schöner in England aus dem 15. Jahrhundert erhaltener 
Gitter läßt drei Haupttypen erkennen. Die erste Gruppe verwendet in 
reichster Weise Maßwerk und Bauformen in der Art der süddeutschen 
Tabemakelgitter. Die zweite Gruppe wird durch den Vierpaß in netz- 
artiger Anordnung gekennzeichnet. Die dritte Gruppe endlich umfaßt 
die aus schlichten senkrechten Vierkantstäben gebildeten Gitter mit einer 
wenig verzierten oberen Querverbindung. 

Wohl das reichste englische Gitterwerk dieser Zeit befindet sich jetzt 
in der St. Georg-Kapelle in Windsor^ ehemals stand es vor dem Grab- 
male Königs Eduard IV. in Windsor. Es tritt in Form eines halben 
Sechsecks vor. Die Hauptständer sind in Form von Strebepfeilern ge- 
gliedert und mit Fialen ausgestattet. Fensterartige Maßwerkmuster bilden 
die Füllungen, das Mittelfeld ist oben durch einen Baldachin ausgezeich- 
net, der in denselben Formen aufs reichste durchgebildet ist; die Ueber- 
lieferung verbindet dieses Gitter mit Quinten Massys, dem Nieder- 
länder Maler, dem noch andere Schmiedewerke zugeschrieben werden. 
Daß das Gitter die Arbeit eines niederländischen Meisters ist, wird mit 
Sicherheit angenommen. 

Durch Reichtum der Erfindung weit weniger bedeutsam ist das Gitter 
an der Kapelle Heinrichs V. in der Westminsterabtei , das von Roger 
Johnson in London im Jahre 1428 gefertigt wurde (Fig. 44, S. 58). Das 
Gitter füllt den flach spitzbogig überwölbten Eingang. Der rechteckige 
Hauptteil des Gitters ist durch zwei die Tür begrenzende kräftige Schienen 
senkrecht und einmal in der Mitte quer geteilt. Die ganze Fläche ist in 
eng quadriertem Grunde mit Vierpaßmaßwerk gemustert , das unter der 
mittleren und oberen Querschiene von einer Bogenreihe begrenzt wird. 
Abweichendes Maßwerk mit Betonung senkrechter Linien weist der Bogen- 
teil des Gitters auf. Die Reliefierung des Maßwerks ist wie bei ver- 



58 14> und 15. Jahrhundeii. 

wandten deutschen Arbeiten durch UebereinanderfUgen mehrerer Schichten 
erzielt. 

Noch ein Gitter dieser Art findet sich an einem Seiteneingange zum 
Chor der Kathedale in Canterbury. 



Fig. **. Gitter. Londop, Wentminaterabtei. 



Die in Deutschland unbekannt gebliebenen Vierpaßgitter hat man in 
England verschiedentlich ausgeführt und bei diesem Ziermotiv wird die 
Annahme zutreffen, daß die zwiscben Frankreich und England bestehenden 
Beziehungen nicht ohne Einwirkung waren. Die Yierpässe sind auch bei 



Qitter, Frankreich. 59 



den englischen Gittern bald in ein Netz sich kreuzender Stäbe eingelassen, 
bald in unmittelbarer Berührung aneinander gereiht. Beispiele dieses 
Typus sind oder waren vorhanden in den Kathedralen von Chichester 
(jetzt im South-Eensington-Museum in London) und Salishury^ andere in 
Wells^ Christchurch, Hants. 

Die aus gereihten Yierkantstäben gebildeten öitter wurden besonders 
als ümfriedigung von Grabmälem in den Kirchen verwendet. 

Ein paar ebenso einfache wie schöne Beispiele schützen in der Kathe- 
drale von Canterbury die Gräber des Schwarzen Prinzen und Heinrichs IV. 
Man nimmt an, daß ein Meister beide fertigte, obschon die Grabmäler 
nicht gleichzeitig entstanden. Die hohen durch sechs kräftigere Ständer 
unterbrochenen Yierkantstäbe sind übereck gestellt. Den oberen Abschluß 
bildet eine breite Schiene mit Zinnenrand. Die strebepfeilerartig ge- 
gliederten Ständer überragen das Gitter und tragen in der Mitte einer 
bekrönenden Erweiterung einen Kerzendom. Die ernst monumentale 
Wirkung dieser Werke dürfte kaum zu übertreffen sein. Verwandte Bei- 
spiele sind an der Kanzel in Ärundel^ als Kapellengitter in Ely^ als Grab- 
gitter im S. Johns College in Cambridge und an anderen Orten erhalten. 

Vortreffliche Eisengitter aus dem 14. und 15. Jahrhundert haben 
auch in Frankreich in größerer Anzahl den Stürmen der Zeit getrotzt. 
In weitgehendster Weise in Anlehnung an die Bauformen dieser Zeit 
komponierte Maßwerkgitter, wie sie in Italien, Deutschland und England 
mehr oder minder zahlreich anzufahren waren, sind in Frankreich sehr 
selten; als Beispiel dieser Gruppe kann die wohl um 1500 entstandene 
Sakristeitür in der Kathedrale von Bouen gelten. An erster Stelle stehen 
hier die Stabgitter in verschiedenartiger Ausgestaltung. 

Zu den schönsten Leistungen der französischen Schmiedekunst des 
15. Jahrhunderts gehört ein Gitter in Puy-en'Velay. Sehr sparsam sind 
bei diesem Maßwerk und andere Bauformen verwendet, nicht zur Ver- 
dichtung des Gitterwerkes, sondern nur als gutes Hilfsmittel, um eine dem 
Auge wohlgefällige Verbindung und Gruppenteilung der Stabreihen zu 
erzielen. Die rhythmisch mit gewundenen Stäben wechselnden Vierkant- 
stabe sind übereck gestellt, unten sind die Stäbe mit einem hohen vier- 
kantigen normal gestellten Fuße versehen, oben tragen sie ähnliche acht- 
eckige Verstärkungen, die durch eine Bogenreihe verbunden sind. Je 
neun Stäbe überschneiden oben geschweifte Maßwerkspitzbögen, die kreuz- 
blumenartig endigen und herauswachsen aus größer, kräftiger und reicher 
als die übrigen Stäbe gestalteten Ständern. Nach oben offene flache 
Bögen bekrönen das Gitter. 

Eine Reihe ebenfalls dem 15. Jahrhundert angehöriger, sehr bedeutender 
Stabgitter, an denen Maßwerkformen gar nicht vorkommen, schmücken 
noch einige Kirchen in Toulouse. 



60 14. und 15. Jahrhundert. 

Bei den fast vier Meter hohen, aus dicht gestellten, durch drei Quer- 
schienen verbundenen Vierkantstäbeu gefügten Gittern in der Kirche 
St. Semin hat das ZierbedUrfnis in den Bekrönungen allein seinen Ausdruck 
gefunden. Alle Stäbe endigen Über der oberen Querschiene in sehr natur- 
ähnlichen Blättern und BiUten von wechelnden Formen, einzelne durch die 
Form ihrer Bekrönung abweichende Stäbe überragen als belebende Elemente 
die übrigen. 

Die Stäbe eines verwandten, im Chor der Kathedrale in Toulouse 
erhaltenen Qitters wachsen oben abwechselnd in schreckhaft geformte 



Fig. U. Gitter in Lungeac. S, «o. 

Torgebogene Tierköpfe und heraldische Lilien aus; die Stöbe sind bei 
diesem Beispiele nicht übereck gestellt. 

Yierpafigitter, von denen einige Beispiele in Frankreich, wie früher 
ausgeführt wurde, mit gröBter Wahrscheinlichkeit dem 13, Jahrhundert 
zuzurechnen sind, sind auch aus dem 14. und 15. Jahrhundert erhalten. 
Das schönste Werk dieser Art, bei dessen Altersbestimmung die Ansichten 
zwischen den beiden Jahrhunderten schwanken, befindet sich in der Kirche 
in Langeac (Fig. 45, S. 60), Ohne trennende Stäbe sind die an den Kreuz- 
punkten mit Rosetten besetzten, diagonal stehenden Yierpässe aneinander- 
gereiht. Senkrechte Ständer, die oben unter einer Blatthnospe einen kleinen 
Schild tragen, überragen das Gitter samt seiner über einem gewundenes 
Querstabe angeordneten Zackenborte, die aus abwechselnd aufwärts und 



Gitter, Frankreich. 61 

abwärts gerichteten halben Ylerpässen gebildet ist und ähnlich wie die 
Ständer in BlatthUschel auswachsen. In welchem Maße bei diesem Gitter 
italienische EinäUsse mitgewirkt haben, durfte schwer zu entscheiden sein. 
Da die Vorstufen in Frankreich nicht fehlen, hindert nichts, es als eine 
selbständige französische Arbeit anzusehen. 



Flg. 48. Fenstergitter aus Bourgea, B. «i. 

Ein in seiner Art einzig dastehendes französisches Gitter, das wohl 
mit Sicherheit dem 14. Jahrhundert zugeschrieben werden darf, befand 
sich ehemals in S. Denis. Es besteht aus senkrechten, oben und unten 
dorch Querschienen verbundenen Stäben, deren Zwischenräume gefUllt 
sind mit Obereinander angeordneten gabelrutenförmigen Gliedern, die an 
den Stäben scharf aufwärts geknickt sind und an der Spitze wie an den 



62 14* und 15. Jahrhundert. 



rund einwärts gebogenen Endigungen Viereckblätter tragen. In je drei 
solcher Blätter wachsen auch die Stäbe oben aus. 

Künstlerisch bedeutsame Fenstergitter, die in Deutschland und Eng-- 
land im 14. und 15. Jahrhundert nur selten ausgeführt wurden, müssen 
in Frankreich auch an Wohnhäusern ein gern gesehenes Schmuck- und 
Schutzmittel gewesen sein. Die den Fenstern korbartig vorgesetzten Gitter 
scheinen ebenso wie in Italien den in die Laibung eingelassenen vor- 
gezogen zu sein. 

Neben einfachen aus gekreuzten Vierkantstäben gebildeten Fenster- 
gittern kommen sehr reiche Beispiele vor. 

Bei einem aus Bourges stammenden Beispiele (Fig. 46, S. 61), das 
noch im 14. Jahrhundert entstanden sein dürfte, sind die Querstöbe durch 
dichtgereihte herzförmige Gebilde verbunden. Alle Stäbe sind gewunden 
und an den Kreuzpunkten mit Rosetten besetzt. 

Ein besonders schönes Fenstergitter des 15. Jahrhunderts aus Troyes 
ist senkrecht in der Mitte und durch zwei Schienen ungleichmäßig quer 
geteilt, derart, daß die oberen Felder am kleinsten, die unteren am größten 
sind. Diese Felder sind dicht gemustert mit paarig gegenübergestellten 
8-Schnörkeln von wechselnder Größe. Rosetten zieren die Hauptkreuz- 
punkte und zwei geschweifte Spitzbögen von halber Breite des Gitters 
mit Krabben und Kreuzblume bilden die Bekrönung. 

Neben solchen Fensterkörben dürften damals in Frankreich halbrunde 
Oberlichtgitter, in Art der älteren italienischen, mit strahlig angeordneten 
Füllgliedern nicht gefehlt haben. 

Den südfranzösischen nahe verwandt sind eine Reihe von Gitter- 
werken im nordöstlichen Spanien. Der Typus des Stabgitters mit spar- 
sam eingeflochtenen Bauformen herrscht bei ihnen vor. In den Bekrö- 
nungen werden, wie in Toulouse, großblätterige Blüten und Blattbüschel 
gern verwendet. 

Reich an schönen Gittern aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, be- 
sonders vor den Seitenkapellen, ist die Kathedrale in Barcelona (Fig. 47, S. 63). 
Die Gitter sind gleichartig aus dicht gereihten runden Stäben gebildet, die 
durch wenige kantige Querstäbe verbunden sind. Flügeltüren in den Mitten 
der Gitter sind durch reichere Gestaltung hervorgehoben. Strebepfeiler- 
artige oben in Fialen auswachsende Glieder bezeichnen die Seitenlinien und 
meist auch die Mitten der Türen, die entsprechend durch einen oder zwei 
geschweifte Spitzbogengiebel mit kräftiger Kreuzblume überspannt sind. 
Verschiedenartig gestaltet sind bei den Gittern auch die gewiß nicht un- 
absichtlich so überaus zackigen Blatt- und Blütenbüschel auf der oberen 
Querschiene. Bei einigen der Gitter sind die Stäbe an den Querschienen 
noch durch eine schmale Maßwerkborte verbunden. 

Ein ausgezeichnetes Gitter desselben Typus verschließt den Eingang 



F[g, 4T Qitter in Barcetonit. S. S 



64 14- und 15. Jahrhundert. 

einer Kapelle der Kirche San Pablo in Saragoza. Breite, wagrechie 
Schienen mit aufliegendem Rankenomatnent verbinden hier die im obereo 
Teile gewundenen Vierkantstäbe. 

In der Kathedrale zu Pamplona befindet sich vor der Capilla Major 
ein mächtiges, fast 10 m hohes Gitter derselben Art. Andere sind in den 



Fig. «S. Fenatergitter in Ssluni&aca. S. tt. 

Kathedralen von Palencia, Leon, Burgos und Toledo erhalten, wo sie 
teils auch als Schranken vor Grabmälern errichtet sind. 

Vierpaßgitter scheinen in Spanien fiir umfangreiche Abschlösse nicht 
gefertigt zu sein, sie finden sich Überhaupt selten. Ein schönes Beispiel 
ist in der Kathedrale von Barcelona die Gittertür an der Treppe zur 
Kanzel, aber sie soll die Arbeit eines deutschen Meisters, des Michel 
Locher und seines Gesellen Johann Frederich und im Jahre 1443 von 



GitUr, Spanien. 65 



diesen beiden ausgefOhrt sein. Bei der durcli einen reichen Spitzbo|;;en- 
Wiraperg bekrönten TUr sind die zu einem Stück Tersch weißten Pässe 
einzeln in die Rauten des aus schräg gekreuzten vierkantigen Stäben ge- 
bildeten Gitterwerks eingepaßt. Die Stabkreuzungen sind mit Rosetten 
besetzt. 

Bemerkt sei noch, daß dem Steingeländer der Eanzeltreppe folgend 
eine eiserne Zackenborte angebracht ist, die in der Art der Gitterbe- 
krönungen in derselben Kathedrale, aus gereihten Bluten besteht. 



Fig. IB. Kam in Bitter (!) aaa Spanien. i'nWi, Laum, 

Die eisernen Fenstergitter, die anscheinend in Spanien auch bereits 
in den vorhergehenden Jahrhunderten nicht selten waren, wurden seit dem 
15. Jahrhundert mit besonderer Sorgfalt behandelt. Ein schönes Gitter 
in ebener Korbform, das wohl gegen das Jahr 1500 in Gerona entstanden 
sein dürfte, zeigt Tom und an den Schmalseiten ein dichtes, aus schlichten 
durcheinander geschobenen Rundstäben gefügtes Netzwerk. Die BekrÖnung 
bildet ein Maßwerkwimperg, ganz ähnlich dem an der KanzeltUr in Barce- 
lona. Ein in Spanien neues, wohl von der Nachbarhalbinsel übernommenes 
Motiv, sind die vier an den Ecken des Gitters vortretenden geflügelten 
Drachen. 

LBer, TTpedle Metalle. 5 



66 l'^- und 15. Jahrhundert. 



Mehrere vortreffliche, untereinander verschiedene Beispiele, die dem 
beginnenden 16. Jahrhundert angehören, zieren die 1512 erbaute Casa 
de las Cochas in Salamanca (Fig. 48, S. 64). In den Einzelformen gehen 
sie noch völlig mit den Gittern des vorhergehenden Jahrhunderts zusammen. 
Die ebene, rechteckige Vorderseite des einen an der Fassade des Palastes 
angebrachten Gitters, ist aus abwechselnd schlichten, übereck gestellten 
und gewundenen Vierkanteisen gebildet. Vier schlanke, ebenfalls vier- 
kantige, oben fialenartig endigende Pfeiler gliedern das Gitter senkrecht 
Drei paarweise durch ein Zierband verbundene Vierkantstäbe begrenzen 
die Stäbe oben und unten und überspannen sie in der Mitte. Das Mittel- 
band mit dem „Englischen Gruße '^ in durchbrochener Schrift tragt 
zwischen den Pfeilern je einen Maßwerkspitzbogen mit breitblättrigen 
Krabben und krauser Kreuzblume. Inmitten dieser Bögen sind Wappen- 
schilde angeordnet, die überhaupt an spanischen Schmiedearbeiten der 
Zeit selten fehlen. 

Ein zweites Gitter an demselben Bauwerk weicht von jenem beson- 
ders dadurch ab, daß die Vorderfläche nicht eine Ebene bildet. Die auch 
abwechselnd schlicht vierkantigen und gewundenen Stäbe sind vielmehr 
durch Querbänder verbunden, die in drei Halbrunden vortreten. 

Zu den meistbewunderten Eisengittern spanischer Herkunft ist noch 
ein im Louvre in Paris verwahrtes zu rechnen (Fig. 49, S. 65). Dieses 
zumeist als Kamingitter angesprochene Kunstwerk ist der Seitenansicht 
einer mit weiten Maßwerkfenstem durchbrochenen, mit Strebepfeilern, 
Fialen, Rankenfriesen und dergleichen ausgestatteten Kathedrale des 
15. Jahrhunderts nachgebildet. Die ganze Art der Arbeit erinnert an an- 
geführte süddeutsche Beispiele, und die Möglichkeit eines Zusammen- 
hanges ist nicht völlig abzuweisen. 

Beschläge. Die reizvollsten Türbeschläge aus dem 14. und 15. Jahrhundert finden 

sich zweifellos in Deutschland. 

Sachsen macht seiner Ueberlieferung in dem wohl der ersten Hälfte 
des 14. Jahrhunderts angehörenden trefflichen Beschlagwerke am Triangel 
des Domes in Erfurt (Fig. 50, S. 67) alle Ehre; es ist gewiß als die eigen- 
artigste und schönste Leistung der Schmiedekunst dieser Zeit anzusehen. 
Die durch einen reichen Mittelpfeiler geteilte Tür ist auf beiden Flügeln 
völlig ungleich beschlagen. Den rechten Flügel bekleidet gleichmäßig 
ein aus immer wiederholten Stab- und Blattformen gebildetes Grund- 
muster im Anschluß an drei Querschienen, denen auf dem linken Flügel 
drei in Blattranken auswachsende gegenübergestellt sind. Die Blätter, 
besonders die der Ranken, weisen die bei den meisten Beschlägen des 
14. Jahrhunderts ganz ähnlich wiederkehrende Gestalt auf, die in ein Vier- 
eck einzuzeichnen ist und der Form der Weinblätter am nächsten kommt. 



Beschläge, DeutachlanU. 67 



Die in Erfurt auf einem Flügel noch beibehaltenen Spiralranken ver- 
scbwindeo Übrigens im 14. Jahrhundert mehr und mehr und mit ihnen 
die selbständigen, mit den Angelbändem nicht verbundenen Beschl^^ile. 



Pig M, TflcbcBChlBg In ErfiirC, Dom. 



Das Streben, die Tfirfläche möglichst reich zu füllen, hörte aber damit 
nicht auf. Man suchte nur den auch jetzt über Gebühr ausgedehnten 
Beschlaggliedern den Schein praktischer Berechtigung zu verleihen. 



68 H. und 15. Jahrhundert. 



Ein ansehnliches Beschlagwerk befand sich ehemals in Oberwesel am 
Rhein; die acht die Tür bekleidenden Angelb'änder waren dort einfach 
und symmetrisch schräg nach außen verzweigt. Von ungleich frischerer 
Wirkung ist ein wohl annähernd gleichzeitiger Beschlag in Schloß Lcihneck. 
Auf der zweiflügligen Tür sind die Angelbänder buschartig ausgebreitet, 
nur annähernd symmetrisch auf beiden Flügeln, und diese. Art der Ver- 
zweigung scheint besser dem etwas krausen Blattwerk jener Zeit zu ent- 
sprechen, wie eine strenge Gleichmäßigkeit. 

Abweichungen von den hier gekennzeichneten Beschlagtypen kommen 
vor, zumeist wurden aber bei den in großer Zahl erhaltenen Beispielen 
die bekannten Motive verwendet. 

In seltsamer Mischung hat ein alter Schmied an dem sehr bedeutenden 
Türbeschlage von Notre-Dame in Hai (Belgien) alte und neue Formen 
zu vereinigen gewußt. Aus den drei kräftigen gefurchten Angelbändem 
wachsen spiralig aufgerollte, ebenfalls gefurchte Zweige heraus, vier Paare 
an der mittleren, je drei Paare an der oberen und unteren Schiene. Oben 
und unten kommt aber zu den aufgerollten Zweigen noch ein Paar fast 
gerade abstehender hinzu, zwischen denen in der Achse der Mittelschiene 
ein ebenfalls kunstvoll ausgebildeter Schloßkasten und ein Türring an- 
gebracht sind. Die ganze Anordnung erinnert stark an Werke des 13. Jahr- 
hunderts, aber die Entstehung in etwas jüngerer Zeit wird offenkundig 
besonders durch die zackigen Blätter an unregelmäßig gebogenen Stielen. 

Die größeren Türbeschläge, besonders die Angelbänder, lassen ähn- 
lich wie in den Jahrhunderten vorher, auch im 14. und 15. Jahrhundert 
nicht immer ohne weiteres erkennen, ob sie dem älteren oder jüngeren 
angehören. Viele Beschläge des 15. Jahrhunderts lassen nur aus Einzel- 
heiten ersehen, daß sie nicht gar schon im 13. Jahrhundert entstanden; 
die Wandlungen des Geschmackes drangen ehemals langsam in abge- 
legene Gegenden vor. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß im 15. Jahr- 
hundert die Zweige der Beschläge noch unregelmäßiger in ihrer Be- 
wegung und die Blätter noch zackiger und krauser wurden. Das einheit- 
liche Blatt wurde auch oft in ein Rankenmuster aufgelöst, das nur noch 
eine blattförmige, eine viereckige oder auch kreisrunde Umrißlinie bei- 
behält. Bisweilen wurden die Blätter auch ersetzt durch geometrisch mit 
Maßwerk gemusterte Scheiben. 

Aus der Fülle der in allen Teilen Deutschlands, besonders zahlreich 
zwar im Süden und Westen, erhaltenen Türbeschläge sind, abgesehen 
von einer etwas genauer zu betrachtenden eigenartigen südostdeutschen 
Gruppe, nur wenige besonders anzuführen. Die zwar ziemlich reichen 
Beschläge, wie sie sich beispielsweise erhalten haben in Zülpich (katho- 
lische Pfarrkirche), in Ktdrich (Rheingau) an einem Schranke der Sa- 
kristei, in der Pfarrkirche in HaUenheim, in SoUtude, Marhach und 



Beschläge^ Deutschland. 69 



anderen Orten Württembergs, in Orh (Kreis Gelnhausen) u. s. w., sind von 
allgemeiner Bedeutung nicht. Als einer der vorzüglichsten Beschläge des 
15. Jahrhunderts muß aber der an der Sakristeitür der Stadtkirche in 
Markgröningen in Württemberg gelten. Die beiden Angelbänder sind in 
drei gerade, mäßig divergierende Hauptzweige gespalten, aus denen aus 
meist S-förmig gebogenen Stielen die Blätter wachsen. Diese Blätter 
aber bestehen aus zart durchbrochenem Rankenwerk von prickelndem Beiz. 
Eine höchst geschmackvolle, ebenfalls mit durchbrochenem Rankenwerk 
geschweifte Platte mit schönem Ringe bekleidet die Mitte, und ein gewiß 
diesen Teilen gleichwertiges Schloßblech wird ehemals den sichtlich dafür 
bestimmten Raum gefüllt haben (Abb. in Bau- u. Eunstdenkm. Württem- 
bergs I. S. 361). 

Diesem trefflichen Werke ebenbürtig ist der Beschlag an der Tür 
des Saales im alten Rathaus in München^ das in der Zeit zwischen 1470 
und 1480 entstand und jedenfalls gleichzeitig der Beschlag. Auf jedem 
der beiden Türflügel wächst aus den beiden breiten Angelbändem jeder- 
seits zartes Rankenwerk heraus mit Blättern in der gewöhnlichen Vierecks- 
form, aber zumeist durchbrochen gemustert. Ueber die Rankenanfänge 
hinaus setzen sich die Schienen in eigenartig reizvoller Weise fort, sie 
nehmen an einer Verbreiterung Kreuzansätze an und endigen stumpf in 
einem breiten Fiederblatte. In unauffälliger Art sind die vier Angel- 
bänder voneinander abweichend ausgestaltet. Die Mitten der Flügel 
zieren je eine durchbrochene Vierecksplatte mit Ring und symmetrisch 
über beide Flügel verteilt ist der Schloßbeschlag. 

Ein seltener Beschlagtypus aus der Zeit um 1500, der sich an einer 
jetzt im Germanischen Museum in Nürnberg verwahrten Tür befindet, 
verdient noch der besonderen Hervorhebung (Fig. 51, S. 70). Die Formen 
der Angelbänder mit ihren Zweigen, Blättern und Blüten, und ebenso 
der herzförmige Türring mit seiner Unterlagsplatte und die Zierformen des 
Schloßbleches sind bei diesem Beispiele in Zeichnung und ModeUierung 
Naturvorbildem möglichst nahe gebracht. Die beigegebene Abbildung 
läßt die Einzelheiten hinreichend erkennen. Daß die Arbeit in allen Teilen 
einen besonders guten Geschmack bekundet, läßt sich kaum sagen, aber 
als ein Dokument für das nach Neuheit ringende Streben der Zeit ist sie 
von höchstem Interesse. 

Mit etwas veränderten Einzelformen und zumeist noch koketter be- 
wegten und vielfach sich kreuzenden Ranken liebte auch das beginnende 
16. Jahrhundert noch ähnliche Türbeschläge. Eine Anzahl solcher be- 
sonders schöner Arbeiten sind beispielsweise im Rathause zu Sterzing 
(Fig. 52, S. 71) und im Schloß Tratzherg erhalten. 

Eine Gmppe von Türbeschlägen aus dem 15. und beginnenden 
16. Jahrhundert, die von der Art der bisher besprochenen Beispiele sehr 



70 14. und 15. Jahrhundert. 

wesentlich abweicht, ist im südöstlichen Deutschland, in Böhmen, 
Ungarn und Polen entstanden und in größerer Zahl erhalten. Das Eigen- 
artige und Gemeinsame bei diesen TQrbeschlägen ist, abgesehen von ihrer 



Fig. M. TUibescbtag, Karnberg. 



gewöhnlich mehrfarbigen Bemalung, daß sie stoffmusterartig die Holzfläche 
f;leichmäßig ohne Unterbrechung bekleiden, derart, daß auch die Zwischen- 
räume des aus gekreuzten Schienen gebildeten Leitmusters mit verziertem 
Metall gefüllt sind. Die Vorstufen dieser Beschlagart sind weit zurück- 



Beschläge, DeuUcbland. 71 



zuTerfo^en und finden sieb au et in denselben Landschaften. Die 
trtäier (S. 6) angeführten Beschläge in Friesach und Grafendorf in 
Kirnten tnflssen als die ältesten verwandten Beispiele angesehen werden. 



Tarbesching in Steizing, Ratbao 



Bei diesen beiden Türen ist zwar das Blech als gleichmäßige Unterlage 
und nicht wie fast ausnahmslos bei den jüngeren Türen als Füllmittel 
benOtzt, auch ist es völlig unverziert geblieben, dennoch wird man an 
nnen Zusammenhang mit den neueren Arbeiten denken dürfen. Unter- 



72 14- and 15. Jahrhundert. 

l^en scImiUckender oder wie angenommen ist auch symbolisclier Art 
wurden zwar bereits im 12. Jahrhundert und der Folgezeit oftmals ver- 
wendet, doch nur weiche Stoffe, besonders farbiges Leder dienten dann 

zur Hervorhebung der Be- 
schlagteile und möglicher- 
weise zugleich als Schutz- 
mittel fUr das Holz gej^en 
Witterungseinflilsse. 

Bei den hier zu be- 
trachtenden Türbescblägen 
scheint der dekorative 
Zweck der BlechfUllungen 
zu überwiegen, denn nur in 
sehr geringer Stärke wur- 
den sie verwendet. Dünn 
sind zumeist auch die sich 
kreuzenden Schienen , so 
daß die Türen nur wie 
sehr flach reliefierte Ebe- 
nen erscheinen. Die Schie- 
nen sind fast durchgehecds 
unrerziert geblieben , nur 
mit rund- oder rosetten- 
köpfigen N^eln beschla- 
gen. Die Füllungen sind 
in der Regel mit in Blech 
gestanzten Flachrelieffigu- 
ren verziert, seltener durch- 
brochen gemustert. Das 
reichste und schönste Bei- 
spiel dieser Gruppe ist 
die SakristeitUr in Brück 
a. d. Mur (Steiermark) 
(Fig. 53, S. 72). Die 
Schienen kreuzen sich in 
schräger Richtung und 
bilden Quadraten ange- 
^, .o n.,. , ..1 ■ » , j « o ™ näherte Rautenfelder, die 

Fig. B». TUrbeäClilag in Btuck i. d. Mar. S. 'S. 

mit kaum einmal wieder- 
holten zartesten Mustern gefüllt sind. Maßwerk und spitzblätter^e Ranken 
sind die Motive, mit denen der erfindungsreiche Künstler seine Zieraufgabe 
in köstlichster Weise löste. Die Rankenmuster sind aus Blech heraus- 



Beschläge, Deutschland. 73 



gehauen und mit dem Treibhammer von der Rückseite an einzelnen Stellen 
gebeult, das Maßwerk erhält einen besonderen Reiz dadurch, daß es aus 
mehreren gegeneinander abgesetzten Schichten gearbeitet ist. Die Mitte 
der Tür ist durch einen Klopfring auf großer Platte besonders ausge- 
zeichnet; Ring und Platte sind in einer den Rautenfüllungen entsprechend 
reichen Weise mit Maßwerkdurchbrechungen geschmückt. Der Grund unter 
den Mustern war in den Yiereckfeldem abwechselnd blau und rot bemalt, 
die Schienen waren vergoldet. 

Eine Reihe von Türen, bei denen die Rautenfelder auch mit durch- 
brochen gemusterten Blechen gefüllt sind, haben sich aus der zweiten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts in Krdkau erhalten. Die Füllungen zeigen 
bei diesen Türen geringen Wechsel, auch kommt nur ein einziges Muster 
in stetiger Wiederholung vor. Bevorzugt hat man rosettenartige Motive, 
daneben kommt der heraldische Adler vor. 

Am verbreitetsten sind die Türen mit gestanzten Ornamenten. Als 
Nürnberger Arbeiten angesehen werden zwei im Kunstgewerbemuseum 
m Berlin befindliche und eine dritte im Nordböhmischen Museum 
in Beichenberg, Diese Türen gleichen sich annähernd. Bei allen sind 
in flachem Relief abwechselnd Löwen und Reichsadler, bei zweien in einer 
Felderreihe der Nürnberger Adler in das Blech gestanzt. 

Mehrere sehr ähnliche Türen sind im Rathaus in Breslau erhalten. 
Bei diesen finden sich neben Löwen und Adlern auf je zwei Felder ver- 
teilte Darstellungen des ^Englischen Grußes". Von anderen verwandten 
Beispielen anzuführen ist die Tür in der Piastenkirche in Krems a, D., 
eine im Mährischen Gewerbemuseum in Brunn verwahrte Tür aus 
Proßnitz mit dem Wappen der Pemstein und eine Tür in der Jakobskirche 
in Loäse (Ungarn), diese letztere mit senkrecht und wagrecht sich kreuzen- 
den Schienen. 

Bei einer Tür in Schloß Karlstein bei Prag ist das Muster auf den 
Rautenfbllungen nur gemalt. Mit dem schwarzen österreichischen Adler 
auf Goldgrund wechselt der weiße Löwe Böhmens auf rotem Grunde. Die 
Schienen sind mit goldenen Rosenranken auf schwarzem Grunde bemalt 
und die Nagelrosetten sind golden und schwarz. 

Dieser Gruppe beizurechnen ist auch eine wundervolle Tür, die jetzt 
das Museum in Nischburg besitzt. Bei diesem Beispiel werden die Rauten- 
felder nicht durch Eisenschienen gebildet, sondern kräftige vierkantige 
Hölzer sind an deren Stelle getreten. Und wie anzunehmen ist, war auch 
ehemals nicht der Grund vor allem durch Ornamente bereichert, sondern 
die vortretenden Rippen. Diese sind mit eisernen durchbrochenen Ranken- 
und Maßwerkbändem belegt, die seitlich mit einer Lihenborte über die 
Holzer greifen. Und ebenso schön, wie geschichtlich wertvoll ist die eben- 
falls aus Eisenblech herausgehauene, auf der Randleiste herumgeführte 



74 14* und 15. Jahrhundert. 



böhmische Inschrift, die besagt, daß diese Tür im Jahre 1490 unter Hrozek 
von Prossowitz, Berghauptmann von Purglitz, verfertigt wurde. 

Schließlich mögen im Zusammenhange mit den angeführten Bei- 
spielen noch ein paar bemerkenswerte Türen kurz besprochen werden, 
bei denen zwar nicht mehr von einem Beschläge die B.ede sein kann, bei 
denen sich aber, wie man sagen könnte, das Eisenwerk vom Holze gelöst 
und zu etwas Selbständigem, zu einem Gitterwerk geworden ist. Direr 
ganzen Erfindung und Ausführungsweise und schließlich ihrem Entstehungs- 
kreise nach gehören sie zu den vorstehend beschriebenen. 

Die bekanntesten dieser Art, die sich in der Spitalkirche in Krems 
a. 2). befinden, sind untereinander fast gleich. Sie werden getragen an- 
statt von Holzbohlen von einem aus schlichten, kräftigen Yierkantstäben 
geschmiedeten Gitter, über das wagrecht und senkrecht sich kreuzende 
flache Schienen gelegt sind, die zwischen schmalen Randleisten mit auf- 
liegenden Blechranken verziert sind, und deren quadratische Zwischen- 
räume mit durchbrochenen Blechplatten gefüllt sind. Die Muster der 
Füllungen zeichnen sich besonders dadurch aus, daß mannigfache, der 
Leidensgeschichte Christi entnommene figürliche Szenen neben Jagddar- 
stellungen, dem Monogramm Christi u. a. m. nicht ungeschickt ornamental 
verwertet sind. 

Eine dritte ähnliche Tür befindet sich an einem Tabernakel in Znaim 
in Mähren. 

Die in Frankreich aus dem 14. und 15. Jahrhundert, z. B. in 
JRouen, Chalons sur Marne, Goutances, Bayeux und anderen Orten an 
Eirchtüren erhaltenen Eisenbeschläge sind von geringer Bedeutung und 
ebensowenig besitzt England hervorragendere Werke der Art aus jener 
Zeit, obschon man besonders an Sakristei- und Schatzkammertüren selten 
auf das Beschlagwerk verzichtete. Beispiele finden sich in Winchester^ 
Great Casterton^ in der Westminsterabtei zu London und in Wells. 

In zunehmendem Maße erlangten aber in diesen Jahrhunderten ein- 
zelne, früher von den Schmieden weniger beachtete Beschlagteile künst- 
lerische Bedeutung, insbesondere die Schloßplatten, dann die Türringe 
und Griffe, die Türklopfer und schließlich die Sprechgitter. 

Diese Beschlagteile, die damals in fast allen europäischen Ländern 
in reichster Weise ausgestaltet wurden, sind zweckmäßig gesondert zu 
betrachten. 

Die Schloßbleche, deren schmückende Aufgabe auch in jener Zeit 
die praktische zumeist aufwog, finden sich in reichster Form besonders 
in Frankreich und Deutschland. 

In Deutschland ist die gebräuchlichste Form ein an der Riegelkante 
gerade abschließendes und von da aus verbreitertes Blech, das dann in 
mannigfachster Weise durch Schweifung der Kanten, durch Auflagen und 



Schloßblecbe, Deutschland. 75 

Eckfortsätze ausgeschmückt wurde. Besonderer Wert wurde in der Regel 
auf eine gute ScUUsselfUbrung gelegt, die ein langes Tasten und Suchen 
nach dem SchlUsseJloche unnötig machte. 

Eins der schönsten und größten deutschen Schloßbleche des 15. Jahr- 
hunderts besitzt das Museum in Klagenfurt, es schmückte wie die meisten 
dieser Art eine Truhe, falls es nicht etwa nur ein »Meisterwerk' ohne 
praktischen Zweck ist. Die Verteilung des Schmuckes auf der Grund- 
platte ist die typische. Ein breiter Streifen an der Riegelkante ist von der 
fibrigen Schloßblechfläche abgeteilt. Erhaben aufliegende, wie bei der 
Sakristeitür in Brück (S. 72) aus verschiedenen Schichten hergestellte 



Fig. M. Bchlofiblech, Deutschland, 1B. Jahrb. La<ufoii, 3cuth Ktn:-3i<a. S. TG, 

fensterartig gegliederte Maßwerkmuster bedecken die durch ein dreikan- 
tiges Randstäbchen eingefaßte Fläche. 

Bei anderen deutseben Schloßblechen der Zeit ist die Hauptfläche in 
der Regel sehr viel einfacher verziert, ein mehr oder minder reicher 
breiter Randstreifen fehlt aber kaum einmal. Maßwerkmuster flnden sich 
häufig, ebenso gern wurde aber das auch sonst bei den Angelbandbeschlägen 
beliebte krause Blattrankenmuster angewendet, dann auch schlichte oder 
in Rosetten endigende Spiralranken, die als SchlüsselfUhrung zur Seite 
des Schlüsselloches meist symmetrisch aufsteigen. Oder die Hauptöäche ist 
bis auf eine einfache SchlüsselfUhrung unverziert geblieben und Eckblätter 
bieten den Ersatz (Fig. 54, S. 75 und Fig 55, S. 76). 

Eine im 15. Jahrhundert seltene SchloQblechform befand sich ehemals 



76 14. und 15. Jahthondert. 

an dem schönen Gitter der Waldsteinlcapelle ia der Kirche in Hall (Tirol). 
Die Grundplatte zeigt die Form eines Quadrates, das oben herzförmig mit 
der Spitze nach außen Terbreitert ist. Die Fläche ist hier bedeckt mit 
reichen Wappen und einem Paar heraldischer Löwen, die aus Blech heraus- 
gehauen sind. Als SchlUsselfUhrung dient ein unter dem SchlOsseUoch 
angebrachter kleiner Drache. 

In Suddeutschland sind die schönsten Arbeiten der Art entstanden, 
vielleicht übertrafen die steiermürkischen Schlösser damals auf diesem 
Gebiet« alle deutschen Meister. 



Fig. K. BchloBblecb, Dentschlaod, le. JaLrli. LoHia«, San» Krmi.-Miu. 6. 75. 

Während nun die deutschen Schloßbleche jener Zeit in den aller- 
melsten Fällen die Scbließvorrichtungen völlig verdecken, bevorzugte man 
in Frankreich Schlösser mit äußerlich eingreifender Falle. Falle und 
Schloßblech war man bestrebt formal zu einem Ganzen zu verbinden. 
Die technische Teilung sollte aber nicht nur fUr das Auge schwer erkenn' 
bar sein, man suchte auch oft das Schlüsselloch so zu verbergen, daß 
erst der Druck auf eine Feder oder die Verstellung eines Schiebers dem 
auch kunstreich gestalteten Schlüssel den Eingang öfFuete. Die Vor- 
liebe für kräftige plastische Behandlung , die schon bei den älteres 
Eisenarbeiten in Frankreich so nachdrücklich heiTOrtrat, zeigt sich auch 



Schloßbleche, Frankreich. 77 

wieder an den Schloßbeschlägen. Ein flaches, durch Ausbauen dünner 
Schichten erzieltes Relief befriedigte die französischen Meister nur selten, 
sie arbeiteten aus dem vollen Stoffe ganze Architekturen und Figuren 
heraus; Prachtwerke ganz eigener Art entstanden in großer Anzahl. Die 
ft^mzösischen SchloBbeschl^e bestehen zumeist aus einer rechteckigen 
Grundplatte, die plastische Ausschmückung darauf ist wie eine Umrahmung 
am den die Mitte von der Oberkante her bedeckenden Fallriegel aus- 
gestaltet 

Maßwerkmuster, mit Fialen bekrönte Giebel und Figurennischen, auch 
Felder mit komplizierten figürlichen Szenen bedecken die Flächen voll- 
ständig. 



Schloeblech, Frankrei 



Ein seltenes Beispiel dieser Art, das im Jahre 1880 in Diisseldorf 
(Kat. Nr. 1111 b) ausgestellt war (aus der Sammlung Spitzer, Paris) 
(Fig. 56, S. 77), ist in der Form eines dreiteiligen Elappaltars überaus 
reich gestaltet. Auf der von Maßwerkfeldem umrahmten Hiegelplatte 
thront oben Christus als Weltenrichter über Gestalten der Auferstehenden 
und Verdammten, und die beiden Seitenflügel zeigen unter einer drei- 
teiligen Baldachinarchitektur in voll vortretenden Figuren noch einmal 
den Eingang zur Hölle und ins Himmelreich. 

Ein anderes Schloß der Art, das in den fünfziger Jahren des 19. Jahr- 
hunderts vom Fürsten SoltikofF fUr etwa 2000 Mark erworben wurde, war 
in Fonn einer Eirchenfassade mit Fenstern und Baldachinnischen, in denen 
Heilige standen, ausgeschmückt. Reiche Schloßbeschl^e dieser Gruppe 
besitzen das Louvremuseum und besonders das Clunymuseum in 



78 1^ vnd 15. Jahrhundert 

Paris, andere finden sicli in französisclien Provinziainiuseen, z.B. 
in Eouen und Le Maus, auch in den großen Museen des Übrigen Europa 
und in Händen der Priratsammler sind solche kostbare Eisenwerke erbalten. 
Den reichen deutschen und französischen Schloß bekleidungen des 
15. Jahrhunderts gegenüber treten die der anderen Länder zurtlck. Am 
ehesten können sich mit jenen vielleicht noch die spanischen Ar- 
beiten messen; die englischen 
Schloßbeschläge sind von beson- 
derem Interesse nicht. 

N^eben den Schloß platten 
wurden im 15. Jahrhundert be- 
sonders die Türgriffe und die 
vielfach zugleich als Klopfer 
dienenden TUrringe aufs reichste 
in Eisen ausgeführt. 

Äucb Deutschland nimmt 
bei dieser Beschlaggruppe eine 
höchst ehrenvolle Stellung ein, 
wieder besonders in seinen süd- 
lichen Landesteilen. 

Die TUrringe mit ihren oft 
großen TTnterlagspIatten zieren 
zumeist die Mitte der Tür, die 
in der Regel bUgelartigen Griffe 
sind gewöhnlich in der Nähe 
des Schlosses angebracht. 

Die mit durchbrochenen 
Blattranken oder mit Maßwerk 
gemusterten Platten sind bald 
rund, baliT' eckig. Die Ringe sind 
zumeist herzförmig, derart, daß 
die der Spitze gegenüberliegende 
Seite geteilt ist und zwischen 

den aufgerollten Enduiungen die 

Flg. 6J. TflrriDg in DinkelsbUhl. S. TS. -n „ ■ ■ ■ . 

Befestigungsöse trägt; sie smd 

bisweilen hohl gearbeitet mit einer auf dem Grundringe halbrund vor- 
tretenden Schauseite. 

Von dem schönen Ringe an der SakristeitUr in Bruch (S. 72) wurde 
bereits gesprochen, ähnliche, wenn auch minder reiche Werke sind nicht 
allzu selten. Mit durchbrochen gearbeiteten Blattranken ist die Grund- 
platte eines venvandten Beschlages in der St. Georgskirebe in Dinkeh- 
bähl dicht gefüllt, der Ring zeigt Maßwerkformen (Fig. 57, S. 78). 



Türgriffe. Deutechland. 79 

Runde oder rosettenartige Grundplatten sind bei den Türringen der- 
selben Zeit gleichartig gemustert mit Maßwerk und Blattranken oder 
strablicli angeordneten Blättern. Die Ringe wechseln mannigfach ihre 
Gestalt; Paßformen und Vielecke oft mit sich überschneidenden Endigungen 
der Glieder, auch strickartig gewundene, durch Kuoten unterbrochene 
Ringe kommen vor. Ein vortreffliches Beispiel aus Lüneburg sei noch 
angeführt. 

Die BQgelghffe sind zumeist auf zwei kleinen Grundplatten angebracht, 
bei denen die runde und quadratische TJrarißlinie vorherrscht. Die Griffe 
sind bald flach, bald walzenförmig (Fig. 58, S. 79). Bei den ilachen ist 
die Vorderseite meist mit Maßwerk oder Banken belegt, bei den walzen- 
förmigen ist in der Regel ein Eerustab rings mit einem durchbrochenen 
Muster überzogen. Wohl die schönsten erhaltenen Tüi^iffe dieses Typus, 



Fig. BS. BQgelgriff, DentBcbland, le. Jahrh. XamUre, armiim. Miu, S. 7«, 

die zwar schon dem Anfange des 16. Jahrhunderts ihre Entstehung danken, 
schmückten ehemals eine Tür im Rathause zu Ulm und werden nebst der 
köstlichen Türklinke und den beiden Ängelbändem jetzt in der dortigen 
Ennst Sammlung verwahrt (Fig. 59, S. 80). Zwei verschiedene Griffe be- 
fanden sich hier an derselben Tür, einer noch pi^chtiger als der andere. 
Im einen Falle ist der Griffbügel aus einem kräftigen gewundenen Längs- 
stabe gebildet, der vor zwei reich mit Maßwerk gemusterten, nur in der 
Größe gleichen runden Grundplatten gehalten wird. Im anderen Falle 
bilden sechs dünne gewundene, durch Maßwerkfensterchen verbundene 
Stabe auf einer eigenartig geformten, fensterartig durchbrochenen, oben 
mit Fialen und Raukenmustern bereicherten Grundplatte die Griffvorrichtung. 
Auf dem Bügel ruht, vielleicht als Symbol der Wachsamkeit, ein Hund. 
Zahlreiche einfachere Griffe finden sich in vielen Museen. 

Der Ringtypus ist in zahlreichen, aus Eisen gearbeiteten Beispielen 
meist aus dem 15. Jahrhundert auch in England, Frankreich, Italien 
und Spanien erhalten. 

Besonders verbreitet ist der oft zugleich als Klopfer dienende Ring 
in England, doch Arbeiten dieser Art, die an künstlerischem Arbeits- 
aufwande mit den angeführten deutschen Werken wetteifern könnten, gibt 



80 14. und 15. Jahrhundert. 

es nicht. Die fast ausnahmslos runden Orundplatten sind nur sparsam, die 
Ringe überhaupt kaum verziert (zahlreiche Abbildungen finden sich in 
Brandon, An Analysis of gothik architecture Bd. II). Die meist mit einem 
drehbaren BUgel ausgestatteten englischen Griffe der Zeit sind ebenso- 
wenig von allgemeinem Interesse. 




Flg. 6». TUrbesthliigteiJe vom Jahr« 1509 aus dem Eatlianse in Ulm. 8. i». 

Die französischen Türgriffe und TOrringe sind mit wenigen Aus- 
nahmen, z. B. an den Kathedralen in Rotten und Ecreux, nicht Ton größerer 
Wichtigkeit, nur in Spanien sind noch durch Größe und Arbeit im- 
ponierende Werke dieser Art entstanden. 

An der Kathedrale in Tarragoua findet sich das reichste Paar (Fig. 60, 
S. 81), der Klopfring ist hier in einer Gesichtsmaske beweglich, die in der 
Mitte einer runden MaSwerkplatte befestigt ist. Eine spitzovale, ebenfalls 



Tflrringe und Törklopfer. 81 



mit Maßwerk durchbrochen gemusterte Platte mit einem Drachen darauf 
bildet unten das Widerlager des Ringes. Die beiden sich berührenden 
Platten sind von einer breiten Blattborte eingefaßt und ihre Höhe zusammen 
soll 7ä cm betragen. Dieses auf beiden Türflügeln in gleicher Form 
angebrachte Werk ist nur als ein Prunkbeschlag anzusehen, das viel zu 
hocH befestigt ist, um einem praktischen Zwecke dienen zu können. Be- . 
merkt sei nur, daß bei dieser gänzlich mit EUuten aus Kupferblech be- 



Fig, so. TUrbest^hlag in Tarragona, Kathedrale, 8. SO. 

schlagenen Tür auch die Angelhänder in derselben Weise wie jene Ringe 
mit Maßwerk durchbrochen und mit derselben Blattborte eingefaßt sind. 
Ändere überaus geschmackvolle eiserne TUrringe, bei denen wohl auch 
stets die Bedeutung des Klopfers überwiegt, sind in Toledo, Sarcdona, 
Zaragoza und anderen Orten Spaniens erbalten. 

Die ausgeprägter durch ihre schlankere oder bammerartige Form als 
Klopfer gekennzeichneten eisernen Türbeschläge haben in Deutschland 
eine höhere künstlerische Bedeutung nicht erlangt, die schönsten Arbeiten 
dieser Art dUrf^n neben Italien wohl in Frankreich geschaffen sein, 
wo sie bereits seit dem 12. Jahrhundert in Eisen ausgeftlhrt wurden. 
LQer, Unedle Uetalle. 6> 



82 14. und 15. Jahrhundert. 

Vielleicht der scliönste eiserne Tilrklopfer des 15. Jahrhunderts 
schmückte die Tür eines Hauses in der Rue de la Prison in Puy en Velaif. 
Die hochrechteckige, oben giebelartig abgeschlossene Grundplatte ist seit- 
lich mit iialenbekrönten Strebepfeilern eingefaßt, und dazwischen mit einem 
schönen Maßwerkmuster 
gefüllt. Unterhalb der 
Giebelääche ist der leicht 

gebogene, vierkantige, 
durch ein kräftiges, zart 
profiliertes Band geglie- 
derte, nach unten zu an 
Stärke zunehmende Klop- 
fer in einem Gelenke be- 
weglich angebracht. Das 



Ganze ein Meisterwerk vollendeten Formempfindens. Nächst diesem ver- 
dient der Eisenklopfer eines Hauses in Troi/es (jetzt dort im Museum) 
rühmlichst hervorgehoben zu werden. Die Grundplatte ist auch hier mit 
Maßwerk zwischen flankierenden Säulchen bekleidet, an den schlichten 



TQrklopfer und Sprechgitter. 83 



Hammer gelehnt steht aher in diesem Falle auf einer Konsole eine aus 
dem vollen Eisen he raus modellierte wappenhaltende Knabengestalt. 

In der Anordnung ähnliche, aber künstlerisch zurückstehende Klopfer 
sind erhalten in ChäicauduH, in Bourges (Fig. 61 , S. 82), in Auxerre, 
mit einem menschlichen Beine als Hammer in Toulmise, in Rodez, am 
Hospital zu Beaune und in verschiedenen europäischen Museen, z. B. 
zu Florenz im Bargello. 

Die in England, Spanien und Italien in großer Zahl gefertigten 
scfamiedeisemen Türhämmer sind durchgehends wesentlich einfacher ge- 
staltet, doch auch in ihrer Schlicht- 
heit oft Ton hohem Reiz. Der Hin- 
weis darauf möge hier genügen. 

In der Reihe der Türbeschläge 
des 15. Jahrhunderts ist schließlich 
noch der kleinen Sprech- oder Schau- 
gitter zu gedenken, die vor Oeffnung 
der Tür ermöglichten, den Einlaß- 
b^ehrenden mit prüfendem Blick zu 
betrachten oder mit Worten abzu-- 
fertigen. 

In Deutschland kommen diese 
kleinen Sprechgitter nur in einfach- 
ster Form Tor, ein aus gekreuzten 
Stäben gebildetes Netz mußte den 
Zweck erfüllen , kunstreichere Bei- 
spiele finden sich in England, z. B. 
an der Tür der St. Georges Chapel in 
Windsor, besonders aber in Frank- 
reich und ein wahres Frachtwerk 
ist eine im South Kensington- 
Museum in London verwahrte, als 
flämisch bezeichnete Arbeit dieser Art {Fig. 62, S. 82). Die hoch- 
rechteckige Platte dieses Meisterwerkes ist in reichsten Maßwerkformen 
gemustert und oben und unten mit zierlich gearbeiteten Gesimsen abge- 
schlossen. Die obere Hälfte bedeckt zum Teil ein Wappen, die untere 
Hälfte mit der Sprechöffnung ist durch einen fensterkorbartigen Vorbau 
erweitert, der aus schlanken Fialen gebildet ist, die durch Maßwerk 
und vor der Oeffnung durch ein dichtes Korbgeflecht verbunden sind. 
Die französischen Beispiele sind in der Regel aus einer Platte ge- 
bildet, die zwischen fialenbekrönten Strebepfeilern eine kleine Uaßwerk- 
durchbrechung ausweist (Fig. 63, S. 83). Ein schönes Beispiel am 
Hospital in Beaune ist aus rechtwinklig sich kreuzenden Stäbchen ge- 



84 14. und 15. Jahrhundert. 



bildet, die oben durch eine reiche Maßwerkbekrönung und unten durch 
ein Gesims bereichert sind. 

Geräte. Mannigfache andere Aufgaben beschäftigten die Schmiede und Schlosser 

aller Länder im 15. Jahrhundert neben den großartigen Gitter- und Be- 
schlagarbeiten, Aufgaben, die ihnen vorher nur vereinzelt zugefallen waren . 

In erster Linie von Interesse ist das in allen nur möglichen Formen 
ausgeführte eiserne Beleuchtungsgerät. Die zahlreichsten und reizvollsten 
teils großen Hängeleuchter aus dieser Zeit danken wir deutschen Meistern. 
Unübertroffen in der Schönheit der Verhältnisse und Luftigkeit des Auf- 
baues ist der Kronleuchter in der Pfarrkirche zu Vreden in Westfalen, von 
einem Bürger dieser Stadt, dem Schmiede Gert. Bulsinck gefertigt, und 
im Jahre 1489 der Kirche von der Zunft der Schmiede zum Geschenk 
dargeboten. (Abb. in J. H. von Hefner-Alteneck. Eisenwerke oder 
Ornamentik der Schmiedekunst. Frankfurt a. M. 1870 u. 1885.) 

Der sechsseitige Unterteil dieser Lichtkrone von mehr als 2 m im 
Durchmesser ist mit einem ebenfalls sechsseitigen kronenartigen Ober- 
teile durch Ketten und eine Mittelstange verbunden, die zwischen zwei 
gleichen aus Holz geschnitzten Figuren der Madonna mit Christkind hin- 
durchgeführt ist. Die Ecken und Mitten des aus zwei Reifen gebildeten 
Hauptteiles zieren Baldachinnischen mit den in Holz geschnitzten Figuren 
der zwölf Apostel. Vor jeder Figur ist ein Lichtarm angebracht. Ohne 
Ueberfüllung ist der Leuchter mit zierlich durchbrochenen bald hängenden 
bald krönend überragenden Füllgliedern aufs reichste ausgestattet. Die 
Eisenteile waren verzinnt und die Figuren buntfarbig bemalt. Mit Stolz 
durfte der Meister an solchem Werk seinen Namen der Nachwelt über- 
liefern. 

In einer Zeit der Mißachtung alten Kunstfleißes war diese Lichtkrone 
zum Gerumpel getan, bis man um die Mitte des 19. Jahrhunderts dieses 
unschätzbare Dokument der Vergangenheit wieder würdigen lernte und 
es mit Ergänzung der mittlerweile verlorenen Teile und Auffrischung 
der vorhandenen in neuer Schönheit seiner Bestimmung wieder übergab. 

An diesen Vredener Kronleuchter erinnert in einigen Punkten ein 
anderer, ebenfalls in Westfalen erhaltener. Dieser künstlerisch geringere 
Leuchter wurde für die Probsteikirche in Dortmund wohl annähernd gleich- 
zeitig mit jenem hergestellt. Es ist auch ein stattliches Werk von 
1,60 m Höhe. An die Stelle des Reiftypus ist eine Laternenform ge- 
treten. Ueber der mit zwölf Lichttellern ausgestatteten Bodenplatte tragen 
sechs schlanke Säulchen ebensoviele Spitzbögen und darüber einen Zacken- 
reif mit hohen geschweiften Bügeln, die sich in einer kleinen Krone ver- 
einigen, aus der Blüten herauswachsen. Auch die eisernen TraggUeder 
dieses Leuchters sind nicht unverziert geblieben. 



Lichtgerät, Deutschland. ' 85 



Wieder in andere Form gekleidet ist der bei diesen Kronleuchtern 
leitende künstlerische Gedanke bei einer Reihe untereinander nahe ver- 
wandter wenig jüngerer Werke, die ebenfalls aus der Hand westfälischer 
Jffeister hervorgingen. Bei diesen höchst imposanten Leuchtern, von denen 
zwei fast übereinstimmende sich in Cdlcar und Osnabrück befinden und 
ein dritter sich in Kempen erhalten hat, tritt allerdings die Eisenarbeit 
der des Schnitzers gegenüber durchaus in den Hintergrund, dennoch mögen 
sie hier nicht übergangen werden. 

Auch bei diesen Leuchtern ist die Doppelfigur einer Madonna in die 
Mitte gestellt, aber weit mehr als bei den Leuchtern in Vreden und Osna- 
brück erscheint bei ihnen die Figur als die Hauptsache und nicht aus 
künstlerischem Bedürfnis dem Beleuchtungsgerät hinzugefügt. Bei den 
Lichtkronen in Calcar und Osnabrück umgibt reiches in Holz geschnitztes 
Rankenwerk mandorlaförmig die Figur. Von einem sockelartigen Teile 
unter der Madonna gehen strahlenförmig sechs vielfach durcheinander 
gewundene eiserne Rankenarme mit zackigen Blättern aus, die vom die 
Lichtteller tragen. Bei dem Kempener Leuchter fehlt das die Madonna 
umrahmende Schnitzwerk; sehr zum Vorteil des Ganzen. Die Eisenarme, 
acht an der Zahl, zeichnen sich durch besondere Eleganz der Linien- 
führung aus und sind in ihrem Verhältnis zu den übrigen Teilen treflFlich 
abgewogen. 

Diesen verwandte Kronleuchter, bei denen aber das die Madonna um- 
gebende Holzgehäuse in Bauformen aufgeführt ist, und nur die einfachen 
Eerzenhalter und in einem Falle auch der tragende mit Blättern und 
Rosetten ausgestattete Bügel in Eisen gefertigt ist, befinden sich in der 
Johanniskirche in Lüneburg und im Dome zu JRatzeburg. 

Einige zwar dem Vredener Leuchter auch nicht gleichwertige, aber 
bei einem geringeren Arbeitsaufwande hoch künstlerische, ganz aus Eisen 
gefertigte Kronleuchter sind aus der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert 
in den sächsischen Landen erhalten. 

Aus der Hand eines Meisters könnten einige Lichtkronen in den Domen 
zu Magdeburg (im Jahre 1494 gestiftet) und Halberstadt hervorgegangen 
sein. Bei ihnen trägt der mit zierlichem durchbrochenem Rankenwerk 
gemusterte Reif kurze, einfache Lichtarme. Bei den beiden im wesent- 
Uchen gleichen Magdeburger Leuchtern verbinden in geschweifter Linie 
aufsteigende, mit zierlichem Blattwerk bereicherte Bügel den Lichterkranz 
mit einem kleinen kronenartigen Reif. Am Halberstädter Leuchter (Fig. 64, 
S. 86) hat man mit zur Hälfte aus Stäben, zur Hälfte aus Ketten ge- 
bildeten Gliedern, die von einem lockeren Blattknauf in der Mitte umhüllt 
sind, die ähnlich gestalteten Teile verbunden. 

In dem an schönen Lichtgeräten reichen Dome zu Halberstadt be- 
findet sich auch das seltene Beispiel eines Eisenkronleuchters, der in An- 



86 U. und 15. Jahrhundert. 

lehnung an die alten Reif krönen das himmlische Jerusalem darstell eo 
soll. Der Mauerreif ist mit zwölf Türmen, in denen die Apostel stehen, 
geschmückt und zur Aufnahme von sechzig Kerzen eingerichtet. 

Der Kronleuchter wurde gestiftet von Balthasar r. I^euenstadt, dessen 
Wappen viermal daran angebracht ist. 

Einen anderen Leuchtertypus, mit mehreren übereinander angeord- 
neten Reifen, vertritt die schöne eiserne Lichtkrone von fast 2 m Durch- 
messer im Dome zu Merseburg. Zwei mit durchbrochenem Laubwerk 
gezierte Kränze und darüber ein Baldachin mit zwei in Holz geschnitzten 



Fig. 94. Kronleuehter in Halberstadt, Dom. S. 8S. 

Schutzheiligen der Stadt bilden das Gerüst, an dem die Tüllen für 
40 Kerzen, zu 24, 12 und 4 übereinander angebracht sind. 

Bei kleineren Kronleuchtern begann man zu Ende des 15. Jahrhun- 
derts auch mit großem Geschick Hirsch- oder Elcbgeweihe mit eisernem 
Gerüst zu verbinden; auch von dieser Gruppe haben sich eine Reihe statt- 
licher Beispiele im nördlichen Deutschland erhalten. Fünf solcher Licht- 
kronen schmücken noch den Fürstensaal des Rathauses in Lüneburg. In- 
mitten eines schmalen gezackten Reifen, der die Lichtarme trägt, ist 
zwischen aufragenden Hirschgeweihen ein aus Holz geschnitzter Heiliger 
angeordnet. Ein hochovaler, mit ^Kasen" und Blattwerk bereicherter Eisen- 
bOgel, der oben in einer kleinen Krone endigt, trägt das Ganze. Hängende 
bemalte Wappensohilde , die bei den wenigsten der angeführten Kron- 
leuchter fehlen, vervollständigen auch diese Lünebuiger Werke. 

Verwandte Leuchter gibt es im hannövriscben Lande noch in den 



Lichtgerät, Deutachland. g7 

Kirchen zu Locktum und Reepsholt, ein dritter aus Rtestedt wird jetzt 
im Provinzialmuseum zu Hannover verwahrt. 

Im südlichen Deutschland entstanden besonders im 16. Jahrhundert 
zahlreiche kleinere Hängeleuchter, bei denen in der Regel ein weihlicher 
Oberkörper nach hinten zu in Geweihe auswächst, die sogenannten Leuchter- 
weibchen. Bei diesen trat aber die Eisenarbeit ganz und gar in den 
Hintergrund, der Hinweis darauf möge deshalb genUgen. 



Fig. Bö. Hlngelenchter, Dentscblaad, le. Jabrh. »««An, Sal.Miu. S. m. 

Einer Gruppe einfacherer, laterneuartiger eiserner Hängeleuchter ist 
noch zu gedenken, die in den verschiedensten Teilen Deutschlands vor- 
kommen, bis nach Ungarn hinein. Ihr wesentlichster Bestandteil sind 
zumeist lange, parallel angeordnete senkrechte Schienen, die durch etliche 
Reifen verbunden sind, so daß das Ganze eine längliche Walzenform er- 
hält. Die Llchtttlllen sind bald außen bald innen daran angebracht. 

Das reichste und schönste Beispiel dieser Art aus der zweiten Hälite 
des 15. Jahrhunderts besitzt das bayrische Nationalmuseum in München 
(Fig. 65, S. 87). Eine beachtenswerte Leistung ist der Leuchter in der 



14> und 15. Jahrhundert 




Kirche in Bartf'eld in Ungarn , einfachste Beispiele tler Gruppe sind er- 
halten in St. Wolfgant/ (Salzburg), in Lübeck, Lüneburg und anderen Orten. 
Die nächst den deutschen Arbeiten durch den damit verknüpften 
Namen berühmteste Licbtkrone bewahrt die Peterskirche in Löwen. Der 



Lichtgerät, Dentechland. 80 

als Maler so berühmte Quinten Massjs soll der Verfertiger gewesen sein, 
rermutlicb war es ein Verwandter, vielleicht ein Bruder mit Vornamen 
Josse, von dem noch die Rede sein wird. Mit Sicherheit darf angenommen 
werden, daß dieser Kronleuchter noch dem 15, Jahrhundert angehört, im 
folgenden sind die in Gent, Hai und Bastonges erhaltenen Lichtkronen 
entstanden. 

Daß in Frankreich im lf>. Jahrhundert eiserne Kronleuchter ge- 
fertigt wurden, ist aus Inventaren und Rechnungen jener Zeit ersichtlich. 
Einige wenig bedeutende Beispiele sind in Spanien erhalten. Von den 
köstlichen Eisenlatemen, die in Italien zur selben Zeit geschaffen wurden, 
ist auf S. 44 gesprochen worden. 



Eiserne Wandleuchter dieser Zeit sind auch in Deutschland in reicherer 
Form nur selten noch an ihrem Bestimmungsorte zu finden. Die schönsten 
sind im Rheinlande erhalten, besonders im alten Rathause zu Köln. Von 
weiteren Beispielen seien angeführt die in Wankum (Rheinland), in Till 
bei Calcar und schließlich noch ein in Friedberg in Hessen mit dem auf 
3. 53 erwähnten Gitter verbundener Leuchter. 

An anderer Stelle (S. 36) war bereits die Rede von einer in früheren 
Jahrhunderten bisweilen vorkommenden Beleuchtungsvorrichtung , die in 
den Kirchen bei festlichen Anlässen mit Kerzen besetzt wurde, dem Oitter- 
leuchter, auch Herse genannt. Ein paar trefflicher solcher in Eisen ge- 
schmiedeter Werke des 15, Jahrhunderts besitzen wir im Dome zu Köln 
und im Monster zu Xanten. Der Kölner (Fig. 66, S. 88), auf einem reich 
profilierten und kunstvoll bemalten Holzunterteil zwischen zwei Pfeilern 
des Chores angebrachte Apparat läßt kaum erkennen, welchem Zwecke 
er dienen soll. Das eiserne Gitterwerk ist aus senkrechten, durch Quer- 
schienen verbundenen Stäben gebildet, und durch MaSwerkbögen mit Lilien* 
endigungen bereichert. Das Ganze ist eine den Gittern in Kempen und 
Straelen nahe verwandte Arbeit. Deutlicher verrät seine Bestimmung der 



90 14. und 15. Jahrhundert. 

Gitterleuchter in Xanten (Fig. 67, S. 89). Zwei Maßwerktonsolen tr^en 
hier eine reich verzierte Schiene von mäßiger Breite, auf der zwischen 

Maßwerkbögen die 
Eerzenhalter gereiht 
sind. 

Diesen Gitter- 
leuchtem beizurech- 
nen ist ein Überreich 
mit Kerzenhaltern 
besetztes Eisengerttst 
in Kap eile nform, das 
sich ehemals auf dem 
Nonnberg bei Salz- 
burg befand, und be- 
stimmt war, bei der 

Totenfeier hoher 
Verstorbener ent- 
zündet zu werden. 
Auch bei diesem nur 
zum geringen Teile 
erhaltenen Eisenbau 
waren in erster 
Linie Maßwerkfor- 
men schmtlckeud 
verwendet. 

In Frankreich 
und England wa- 
ren schon in den 
Jahrhunderten vor- 
her Beleuchtungs- 
geräte ähnlicher Art 
gefertigt , aus dem 

15. Jahrhundert 
scheinen bemerkens- 
werte Beispiele nicht 
erhalten zu sein. 
Ueberaus groß 

Fig. flS. Ten«berlei.chler In OsniibrUck (nafh Ciilhaband), S, «, j^*^ ^'^^^ ^^^ "^^^ ^*'' 

in fast allen euro- 
päischen Ländern im 15. Jahrhundert gefertigten eisernen Standleuchter 
in bald einfacher, bald reicher Form. Die Mehrzahl ist mit etlichen, 
oftmals sehr vielen Kerzentellern in verschiedener Anordnung au^erfistet 



Lichtger&t, Dent«chl&nd. 9X 

In Deutschland entstanden die schönsten eisernen Licbtständer 
wiederum in den westlichen Gebieten. 

In einer Reibe Tortrefflicher Beispiele kommt der sogenannte Teneber- 
leucbter vor, bei dem die Eerzenteller auf zwei nach oben zusammen- 
laufenden Schienen Übereinander aafi^eordnet sind. Die am Karfreitag 
entzOodeten Kerzen dieser Leuchter wurden beim Absingen der Psalmen 




in bestimmter Folge nacheinander gelöscht. Der stattlichste dieser Gruppe 
befindet sich im Dome in Osnabrück (Fig. 68, S. 90). Ein auf drei ge- 
b«^enen Füßen ruhender, durch drei Knäufe gegliederter Schaft teilt sieb 
oben in drei Arme, von denen die beiden äußeren einwärts gebogenen Maß- 
werkrosetten einschließen und mit Nasen besetzt sind. Diese zierlichen Arme 
tragen einen gleichartig profilierten, mit Rosenmaßwerk gefüllten Dreiecks- 
rahmen, auf dessen Schrägseiten 15 Lichtdome befestigt sind. Ringe auf 
den Fußen sind als Handhaben gedacht. Man hat diesen schönen Leuchter 



14. und IS. -lahrhundert. 



Totenleiicht« in Köln, St. Colnmh» (nacli GaühaTjancl). S. » 



Lichtgerät, Deutecblajid. 93 



als eine wahrscheinlich niederländische Arbeit bezeichnet; kaum mit Recht. 

Die geTählten Formen, ebenso wie die Behandlungsweise des Metalles 

waren den deutschen Meistern jener Zeit geläufig, wie Beispiele genug 

beweisen. 

Ein jenem ähnlicher Mettenleuchter derselben Zeit befindet sich in 

Z)äM'eH (KreisKem- 

pen). Einvortrefif- l "t* 1 »4* j 

lieber eiserner Ker- 
ze ns tänder, bei dem 

eine umrandete, mit 

sechs aufragenden 

heraldischen Lilien 
besetzte, wagrechte 

Platte zur Auf- 
nahme der Lichter 
bestimmt ist, be- 
sitzt das Münster 
in Xanten (Fig. 69, 
S. 91). Mit Nasen 
besetzte BOgel und 
gerade , zu den 
Ecken der PUtte 

hinaufgeführte 
Streben verbinden 
dieselbe mit einem 
kräftigen Mittel- 
schafte, der unten 
in Tier leicht ein- 
wärts gebogene 
Fflße geteilt ist. 
Von verwandten 
Beispielen sind an- 
zuführen die Leuch- 
ter in Gaesdonk 
(Kreis Eleve) und 
in der Pfarrkirche 
der Stadt Kleve. 

In den Kir- 
chen zu Kidrich FIk. ". Kerzenstander in Chap«Ile-ti-\Valtiiifl (nach »«ilhnband). 

und Bauenthal im ' "^ 

Rheingau haben sich weiter ein paar besonders schöner, form verwandter 

Standleuchter erhalten , die auf sechseckigen , übereinander angeordneten 



14. und 15. Jahrhnadert. 



Reifen zaUreiche Lichter 
aufnehmen können. Mittel- 
Rchaft; und Füße sind bei 
beiden Beispielen aus kräf- 
tigen Vierkantstäben gewun- 
den, die die Reifen tri^en- 
den Streben sind ähnlich wie 
bei den vorher angeführten 
Beispielen gestaltet. 

Nicht selten wurden in 
Deutschland auch die einzeln 
vor dem Altare aufgestellten 
Osterleuchter , die nur eine 
große Kerze zu tragen hat- 
ten , in Schmiedeisen aus- 
geführt. Die künstlerische 
Aufgabe bei diesen war es 
besonders, den hohen, zu- 
meist auch von drei ge- 
bogenen FDßen getragenen 
Schaft zu bereichern und 
zu gliedern. 

Ein paar schöne, wohl 
als Osterleuchter zu betrach- 
tende Eisenständer befinden 
sich in der Quirinskirche in 
Neuß a. Rhein, ein anderer 
in Semishätn in Hessen und 
noch solch ein Oerät mit 
besonders reizvoll gearbeite- 
tem Eerzenhalter in St. Geoi^ 
in Hagenau. 

Einige Lichtständer be- 
sonderer Art, die wohl teils 
noch im 15. Jahrhundert 
entstanden sind, haben sich 
in Groß St. Martin , St. Co- 
lumba und St. Gereon in 
Köln erhalten , sie mögen 
als Totenleuchter verwendet 
sein {Fig. 70, S. 92). Ein 
reich profilierter Steinsoekel 



Lichtgerät, Niederlande. 



95 



bildet bei ihnen den Fuß. In wechselnder Querschnittform erhebt sich 
darüber ein schlanker Eisenständer und endigt oben frei bald kreuzartig, 
bald in durchbrochenem Blattwerk, dessen Gesamtform einer heraldischen 
Lilie gleicht. Die 

Kerzendome sind bei f J 

diesen Beispielen un- 
ten, nahe demStein- 
soekel , angebracht, 
Ringe halten die 
hohen Lichter oben. 
In der Höhe dieser 
Hinge zieren Wap- 
pensehilde die Stän- 
der und kleine 
Maßwerkarme zum 
Tragen eines Weih- 
wasserkessels ver- 
Tollstandigen diese 
Kultgeräte« 

In belgischen 
Kirchen sind einige 
eiserne Kerzenstän- 
der aus dem 15. Jahr- 
hundert erhalten, bei 
denen die Lichttüllen 
auf bald runden, 
bald eckigen, meist 
zu mehreren überein- 
ander angeordneten 
Reifen befestigt sind. 
Die beiden her- 
Yorragendsten • Bei- 
spiele dieser Art 
befinden sich in 
Chapelle - d - Wattine 
(Fig. 71, S. 93). Im 
Aufbau und in den 
Schmuckformen sind 
sie den deutschen 
Arbeiten sehr ver- 
wandt. Von einem 
dreifüßigen Mittel- '^'•^ -• ^XTÄ^^^^tie"- "'"'''''• 




96 14. und 15. Jahrhundert. 

Schaft sind blDtentrageode Maßwerkstreben zum RanJe des großen sechs- 
seitigen unteren Lichtkranzes abgezweigt, der bei beiden Beispielen mit 
einer durchbrocben gearbeiteten Insehrift (Ave Maria) geflUlt ist. Bei 
dem reicheren der beiden Leuchter tragen mit Blattzacken besetzte, ein- 
wärts gebogene Stäbe einen 
zweiten, ebenfalls sechsseitigen 
kronenartigen kleinen Reif, der 
nur zum Tr^en einer Mittel- 
kerze eingerichtet ist. Auf 
dem entsprechenden Teile des 
zweiten Leuchters werden die 
Kerzen von Gliedern in Form 
von Maßwerkkonsolen ge- 
tragen. 

Wesentlich einfacher sind 
Kerzenständer derselben Zeit 
in Ypcrn, Toumay und Licr, 
bei denen jedesmal drei Ker- 
zenreifen angebracht sind. 

In Frankreich scheinen in 
Eisen kunstvoll geschmiedete 
Kerzenständer im 15. Jahr- 
hundert nur in geringer Zahl 
entstanden zu sein, erbalten 
sind zum wenigsten nicht 
allzuviele. Zu den allerbesten 
Beispielen dieser Gruppe ge- 
hört aber der Osterleuchter in 
der Kathedrale zu Noyon 
{Fig. 72, S. 94} der freilich 
stark in Anlehnung an den 
früher (S. 38) erwähnten, im 
Hospital derselben Stadt 
befindlichen Leuchter des 
13. Jahrhunderts entstanden ist. 
Einen schönen, vielleicht noch im 14. Jahrhundert gefertigten Leuchter 
für fünf Kerzen, deren jede von einem besonderen Arme getragen wird, 
besitzt das Cluny-Museum in Paris. 

Andere, den deutschen und belgischen ähnliche, angeblich in Frank- 
reich entstandene Lichtständer, befinden sich im South Kensington- 
Museum in London (Fig. 73, S. 05). 

Reich an schönen eisernen Kerzen Ständern, die anscheinend zumeist 



s TuufkesseldeckeU in Hai (nach Gailhali 



, Unedle Metalle. 



98 14. und 15. Jahrhundert. 



im 15. Jahrhundert entstanden sind, ist Spanien. Der dreifüßige Mittel- 
Ständer bildet auch hier die Regel, in der weiteren Ausgestaltung weichen 
aber die spanischen Lichtträger vielfach von den vorher angefCQirten 
mehr oder minder ab. 

Bei einer Gruppe wird von nasenbesetzten Streben zuerst ein zur 
Aufnahme des abtropfenden Wachses bestimmter Teller und darüber ein 
kleiner, die Lichttülle umschließender Reif getragen. Blatt- und Bluten- 
formen in derselben Art, wie sie die Gitter des 15. Jahrhunderts z. B. in 
Barcelona bekrönen, bilden die Hauptziermotive bei einer zweiten Gruppe 
von Standleuchtem. Spitzige Blätter umkleiden dann oben den Kerzen- 
halter, und an langen Stielen wachsen Blüten bald aus einem Blattkranze 
in der Mitte des Schaftes hervor, bald steigen sie neben dem Schafte 
über dem Dreifuße auf. Einige typische Beispiele solcher Leuchter von 
fast 2 m Höhe besitzt das Diöcesan-Museum in Vieh (Provinz Barcelona). 

In Spanien sind auch aus jener Zeit kleinere, für den Gebrauch im 
Hause oder für den Altartisch bestimmte eiserne Leuchter, die in den 
nördlichen Ländern seltener gefertigt wurden, in größerer Zahl erhalten. 

Wand- Noch eine Gruppe kirchlicher Eisengeräte, nämlich die mit wechseln- 

flXII16. ^^ 

den sinnreichen Hebevorrichtungen ausgestatteten Tragarme der Tauf- 
kesseldeckel, verdient etwas näher betrachtet zu werden. Im Gebiete des 
Niederrheines treten diese mächtigen Schmiedewerke wie es scheint erst 
im 15. Jahrhundert auf, und sind dort in geringer Anzahl erhalten. Die 
bedeutendsten Beispiele, die noch im 15. oder zu Anfang des 16. Jahr- 
hunderts entstanden, sind die in der Peterskirche in Löwen (Fig. 74, 
S. 96), in der Frauenkirche in Eal (Fig. 75, S. 97) und in der Peters- 
kirche in Zülpich, 

Als Schöpfer des gewaltigen Eisenarmes in Löicen galt wiederum 
(vergl. S. 57, 58 u. 101) lange der Maler Quinten Massjs, allein wieder 
scheint das ruhmreiche Schaffen dieses Künstlers das Können eines anderen 
Meisters derselben Familie verdunkelt zu haben. Nach den bisherigen 
Ermittelungen ist nicht Quinten, sondern einJoostMassys der Schmied 
dieses Prachtwerkes gewesen. Die Untersuchungen darüber sind noch 
nicht abgeschlossen und stellen die Fragen durchaus noch nicht völlig 
klar. Vergl. Gailhabaud, L'Architecture Bd. 4 und Rooses-Reber, 
Gesch. der Antwerpener Malerschule. München 1899. S. 34 ff. 

Daß der Maler Quinten nicht der Schmied des Wandarmes gewesen 
sein kann, darf daraus geschlossen werden, daß dieses Eisenwerk kaum 
vor dem Jahre 1505 gefertigt sein kann und der Maler damals schon 
lange dem Schmiedehandwerk entsagt hatte. 

Ueber den etwa 2 m vortretenden Wandarm selbst ist zu sagen, daß 
er drehbar ist an einer kräftigen sechseckigen, mehr als 3 m hohen Schiene, 



Wandarme, Niederluide. 



daß das in FiscbblasenmaSwerk durchbrochene Qerflst ebenfalls aus sechs- 
kantigen Stäben geschmiedet ist, und daß die freien Endigungen an der 
Yorderkante und oben in krauses Blattwerk auswachsen. 

Der Tauftesselarm in Hai aus der Mitte des 15. Jahrhunderts ist 
wesentlich einfacher gestaltet. Die schUchten gefasten Schienen sind 



100 14. und 15. Jahrbundert. 

hier nur mit einzelnen aus Blättern und heraldischen Lilien gebildeten 
Gruppen besetzt, die im Inneren des Armdreiecks aus Maßwerknasen 
hervorwachsen. 



i\^_^^m I g 



f 



. Lesepolt In Patin, Cluny-Uussam (nach Gailhabnad). 



Der Wandarm in Zülpiclt ist wesentlich leichter und zierlicher in 
der Gesamtkonatruktion und in den Einzelformen, er tr%t nicht wie die 



Brunnenhauben, Niederlande. IQl 



erstgenannten einen Bronzedeckel (der in Löwen nicht mehr vor- 
handen ist), sondern einen leichteren aus Holz geschnitzten. Die aus 
flachen Eisenstäben gebogenen Zierformen dieses Deckels sind ähnlich 
denen, die bei den rheinischen Gittern des 15. Jahrhunders verwendet 
wurden. 

Der einzige bedeutendere deutsche Taufkesselarm, der sich in den 
Formen jenen belgischen anschließt, aber bereits der zweiten Hälfte des 
16. Jahrhunderts angehört, befindet sich in St. Columba in Köln (Fig. 76, 
S. 99). 

Kleine eiserne Wandarme aus der Zeit um 1500 dienen im Münster 
zu Tanten als Altarkonsolen. Bei diesen ist eine das Armdreieck füllende 
Platte dicht mit durchbrochenen Blattranken belegt. 

Ein zierlicher Maßwerkwandarm derselben Zeit ist im Plückhof in 
Köln erhalten. 

Yon sonstigen für kirchliche Zwecke gefertigten Eisenarbeiten ist die 
Kanzel in Oberdiebach bereits genannt (S. 53). Andere derartige Werke 
des 15. Jahrhunderts haben sich in Spanien, in Toledo und Burgos 
erhalten. 

Ein überaus reich und zierlich in Maßwerkformen durchbrochen 
gearbeitetes Ciborium in Turmform befindet sich in der Wenzelskapelle 
in Prag. 

In Eisen geschmiedete Lesepulte des 14. und 15. Jahrhunderts sind 
nicht allzu selten. Ein paar besonders schöne französische Beispiele be- 
finden sich in der Abteikirche in Cerisy-la-Foret (Manche) und im Cluny- 
Museum in Fans (Fig. 77, S. 100). 

Belgien besitzt in der Kathedrale in Toumay solch ein Gerät. 
Verwandter Art ist ein schmiedeiserner Taufkissenhalter (in Klapp- 
stuhlform) in Xanten. 

In St. Maria im Kapitol in Köln befindet sich ein Handtuchhalter 
mit durchbrochener eiserner Vorderwand und Seitenteüen. 

Zu den reizvoUsten Werken, die Schmiedekünstler des 15. Jahr- Brannen- 
hunderts geschaffen haben, gehören noch die zum Nutz und Schmuck auf 
Höfen und öffentlichen Plätzen aufgestellten Brunnenhauben. In Deutsch- 
land sind Meisterwerke dieser Art nur aus den folgenden Jahrhunderten 
erhalten, etliche köstliche Beispiele des 15. Jahrhunderts finden sich aber 
in niederländischen und französischen Städten. 

Das reichste unter diesen Werken ist die schon erwähnte Eisenlaube 
in Antwerpen (Fig. 78, S. 102); sie trägt die Jahreszahl 1470 und galt 
lange Zeit als Werk des Malers Quinten Massys, der damals aber noch 
ein Kind war. In jüngerer Zeit hat man den damals etwa 25jährigen 
Joost Massys aus Löwen als den Künstler dieses Schmiede Werkes an- 



102 14. und 15. Jahrbimdert. 

gesehen, doch wird auch im Jahre 1453 schon in Antwerpen ein Schmied 

Jan Massys erwähnt, der der Verfertiger sein könnte. 

Vier kräftige , in Form von 
Bündelpfeilern gebildete Stützen, 
die ia schlanke Fialen aus wach- 
sen, tragen die aus Blattranken 
geflochtene Haube. An jedem der 
Pfeiler steht auf einer Konsole 
zwischen dem Rankenwerk eine 
kleine, aus dem Tollen Eisen ge- 
arbeitete Gestalt eines «wilden " 
behaarten Mannes oder eines sol* 
eben Weibes , alle mit Keulen 
bewaffnet. Inmitten oben, wo die 
tragenden Bogenrippen sich in 
einem kapitälartigeo Knaufe ver- 
einigen, steht die etwa ein halbes 
Meter hohe Figur eines gehar- 
nischten Mannes, der in der Rech- 
ten eine abgehauene Hand hoch 
hält, ein auf die sagenhafte Ent- 
stehung Antwerpens hindeutendes 
Symbol. Unter der Haube war 
ehemals ein vielleicht kunstToU 
gestaltetes Rad befestigt, das als 
Windevorrichtung filr das in 
Eimern geschöpfte Wasser diente. 
Von solchen vermutlich in 
größerer Anzahl in den Nieder- 
landen ausgeführten eisernen 
Brunnenhauben hat nur eine sich 
noch in Brüssel an der Porte de 
Hai erhalten und man weiß, daß 
ehemals vor dem Stadthause in 
Antwerpen ein Ziehbrunnen in 
gleicher Weise ausgerüstet war. 
Die beiden schönsten unter- 
einander form verwandten franzö- 
sischen Brunnenhauben sind in 

FiR. TS. BrunneliliLUbe in Antwerpen. S. 101. tt..i< .• i i>. i- 

^ Höfen aufgestellt, die eme mi 

Hofe des Cluny-Museums in Faris (Fig. 79, S. 103), die andere in 
Nantes im Schlosse der Herzöge von Bret^ipie. Von einem dem Ant- 



Bmnnenhauben, Frankreich. 103 

werpener Brunnen nur entfernt Tergleichbaren Keichtnm ist bei den 
französischen Arbeiten nichts walmehnibar. Lockere Blatt- und BlUten- 
bekrönunf^en und schlicht vier- 
kantige, zum Teil gewundene 
StÄbe, sind die ebenso beschei- 
denen, wie könstlerisch wirk- 
samen Ziermittel, deren sich 
die Schöpfer dieser Meister- 
werke bedienten. Bei dem 
Brunnen in Paris tragen drei 
Yierkantpfeiler die Spitzbogen- 
haube mit dem in Maßwerk- 
formen durchbrochenen Rade 
daran. Auf sieben Stützen 
ruht das breite Laubendach in 
Nantes, bei dem durch eine 
ganz eigenartige Konstruktion 
eine besonders reizvolle Linien- 
wirkung erzielt wird, und das 
auch mit drei Winderädem 
ausgestattet ist. 

Einfacher und trockener in 
der Gestaltung ist die Brunnen- 
haube in dem an schönen 
Eisenarbeiten reichen Hospital 



Schließlich ist noch ver- 
schiedener Haus- und Klein- 
geräte zu gedenken , die die 
kunstgetlbten Hände der Schlos- 
ser und Schmiede des 15, Jahr- 
hunderts schufen. 

Die seit Jahrhunderten in 
Eisen gefertigten Eaminböcke 
wurden auch in diesem Zeit- 
abschnitte wohl häufiger, wie 
die sparsam erhaltenen Beispiele 
erkennen lassen , in kraftvoll 
schönen Formen ausgeführt, in 
Deutschland freilich war in dieser Zeit wohl schon allgemein der Eamin 
durch den Kachelofen ersetzt, aus dem Grunde fehlen bei uns die zu 



BrnoDeulaube ia Faria, Clnnj-Hua. S. l 



104 16. und 17. Jahrhundei-t. 



jenem gehörigen Geräte, in Frankreich, Italien, Spanien und auch, in 
Portugal sind aber Kaminböcke, Zangen und Schüreisen aus dem 15. Jahr- 
hundert bekannt. 

Durch besondere Feinheit der Arbeit sind neben den früher be- 
sprochenen Schloßbeschlägen auch französische Geräte des 15. Jahrhunderts 
ausgezeichnet. Erwähnt sei eine in Form eines stumpfen Maßwerk- 
türmchens gestaltete Tischuhr (abgebildet in Gardner: Ironwork II S. 123). 
Fast zarten Goldschmiedearbeiten kommen bisweilen die in Frankreicli 
zahlreich gefertigten Taschenbügel gleich. 



Sechzelmtes und siebzehntes Jalirhnndert. 

Das 16. Jahrhundert ist wie für alle Gebiete des Eunstscha£fens auch 
für die Arbeiten in Eisen eine Zeit durchgreifender Wandlung. Die Art 
der Formgestaltung, das Maß und der Zweck der Verwendung verschieben 
sich gegen früher, auch neue technische Verfahren kommen auf. Zwar 
diese Aenderungen vollziehen sich langsam, wie es scheinen möchte lang- 
samer, als bei anderen Handwerken; bis gegen das 17. Jahrhundert hin 
entstehen Eisenarbeiten, bei denen man schwanken kann, ob sie nicht 
etwa noch dem 15. Jahrhundert angehören. 

In Ueberfülle entstanden im 16. Jahrhundert Schmiede werke aller 
Art, in keinem Lande aber mehr und schönere Arbeiten als in Deutsch- 
land. Die Menge des verwendeten Eisens kann für alle Zeiten als ein 
Maßstab für die Stufe des erreichten allgemeinen und insbesondere des 
technischen Wissens gelten, und an der Ueberfülle der Schmiedearbeiten 
allein könnte man erkennen, daß das 16. Jahrhundert ein wissenschaftlich 
bedeutendes gewesen ist. In der Tat haben ja eine ganze Reihe großer 
Erfindungen unserer Zeit schon damals ernsthafte Vorläufer gehabt. 

Für den Schmied und Schlosser war besonders die Gewinnung und 
Vorbereitung des Eisens von großer Wichtigkeit. Gleichmäßige Be- 
schaffenheit und möglichst handliches Rohmaterial erleichterten ihm die 
Arbeit in hohem Maße. Aus der überaus weitgehenden Verwendung 
dünner Rundstäbe kann man schließen, daß nicht, wie zumeist in den 
vorhergehenden Perioden, erst die Schmiede in den Werkstätten ihre kost- 
bare Zeit damit hinzubringen brauchten, grobe Klötze in die erwünschten 
Stärken auszustrecken, die Hammerwerke lieferten offenbar bereits damals 
überallhin Stabeisen in verschiedenen gängigen Kalibern. Von früher nicht 
gekannten Zierverfahren wandten die Schlosser im 16. Jahrhundert be- 
sonders gern die Aetzung an, daneben bisweilen die Tauschierung. 



Gitter, Deutschland. 105 



Während die Beschläge, zum wenigsten in ihrer Ausdehnung, auf 
Türen und Möhehi sehr zurückgingen, gewannen die Gitterwerke immer 
mehr an Bedeutung. 

Aber man f&hlt zumeist, daß nicht zunehmende Unsicherheit dazu 
zwang, Werke verschiedenster Art mittels fester Schranken vor gewalt- 
samen Eindringlingen zu schützen; aus künstlerischem Bedürfnis heraus 
entstanden gewiß die meisten Gitter. Wie man Bilder in Rahmen fügt, 
so gab man den plastischen Werken in jener Zeit die Gitter. 

Wohl verraten die Schmiedewerke gewisser deutscher Landschaften 
auch ferner ein auf dem Nachwirken vielhundertjähriger Ueberlieferung 
begründetes besonders hohes Können, aber an Sorgsamkeit und liebevoller 
Hingabe an ihr edles Handwerk fehlt es auch bei den bescheiden wirken- 
den Meistern in den abgelegensten deutschen Städten nicht. Ueberall in 
deutschen Landen ließ eine schier unversiegbare Schmuck- und Schaffens- 
freudigkeit Schmiedearbeiten entstehen, auf denen noch jetzt unser Auge 
mit Freude ruht. 

Der Baukunst entlehnte Formen wurden besonders bei den Gitter- und 
Beschlagwerken im 16. und 17. Jahrhundert in Deutschland nicht mehr 
verwendet. , Durchzüge und Flechtungen mit allerlei Laub- und Blumen- 
werk " , d. h. aus dünnen Rundstäben gebogene einander durchquerende 
Banken mit einfach geformten Blättern und blütenartigen Bildungen 
wurden neben einem netzartigen Sprossenwerk, das den kunstreichen 
Linienzügen der Schreibmeister jener Zeit oder den bekannten „Knoten'^ 
Dürers vergleichbar ist, in Deutschland die Lieblingsmotive der Gitter- 
schmiede. 

In England und Frankreich scheinen im IG. Jahrhundert größere 
Schmiedewerke von künstlerischer Bedeutung kaum geschaffen zu sein, 
erhalten ist zum wenigsten so gut wie nichts der Art. 

Die großartigen spanischen und italienischen Gitterwerke des 16. Jahr- 
hunderts bewahrten einen ernsten, monumentalen Charakter, kräftige, 
nebeneinandergereihte Stäbe gaben darin zumeist den Ton an. 

Die von den deutschen Schmieden im 16. Jahrhundert aufgenommenen 
Formen erwiesen sich als höchst entwicklungsfähig, bis zum Ausgange 
des 17. Jahrhunderts wurde man nicht müde, die erhaltenen Anregungen 
immer wieder neuartig zu verwerten, erst um die Mitte dieses Jahrhunderts 
wurden merkbare Wandlungen überall erkennbar, aber das Hauptmotiv 
blieb auch jetzt noch die Spiralranke. 

Die Entwicklung der deutschen Gitterschmiedekunst des 16. und öitter. 
17. Jahrhunderts , die in erster Linie von Bedeutung ist und an erster 
Stelle betrachtet werden soll, läßt sich erfreulicherweise in weit höherem 
Maße, wie es in den vorhergehenden Abschnitten möglich war, an datierten 



106 16. und 17. Jahrhundert. 



Werken verfolgen. Bei einer beträchtlichen Reihe schönster Gitter sind 
sogar die Meister und andere Einzelheiten über ihre Entstehung bekannt. 
Die Untersuchung beginnt damit auf einigermaßen sicheren Füßen zu 
stehen und gewinnt einen lebendigeren Ausdruck. Von den datierten 
Werken soll bei der Betrachtung der verschiedenen Landesgruppen in 
jedem Falle ausgegangen werden. 

Einige Werke aus dem 16. Jahrhundert, die in der Gestaltung noch 
ganz und gar den Ueberlieferungen der vorhergehenden Periode folgten, 
wurden bereits angeführt, sehr zahlreich sind aber bedeutendere Eisen- 
arbeiten aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts überhaupt nicht. 

Die Formen der Eisengitter des 16. und 17. Jahrhunderts im Strom- 
gebiete des Rheines mögen zuerst etwas genauer auf ihre fort- 
schreitende Entwicklung hin untersucht werden. 

Die in langsamer Folge im Laufe der beiden Jahrhunderte ent- 
standenen Gitter zweier bedeutender oberrheinischer Kirchen, der Dome 
in Freiburg i. B. und in Konstanz^ gewähren allein schon einen Ueber- 
blick über die Wandlungen des Geschmackes auf dem Gebiete der 
Schmiedekunst in jenem Zeiträume, von einer Deutlichkeit, wie er in 
kaum einem anderen Teile Deutschlands noch möglich ist. Nur einige 
der zumeist die Kapellen vom Hauptschiff abschließenden Gitter mit be- 
kannter Entstehungszeit sollen aus der großen Zahl dort vorhandener aus- 
gewählt und untereinander und mit früheren Werken verglichen werden. 

Als erstes sei ein Gitter im Freihurger Münster angeführt, das die 
Jahreszahl 1538 trägt (Fig. 80, S. 107). Es ist ein Stabgitter, in dem 
weder Gliederung noch Füllformen wesentlich von dem abweichen, was 
man ein halbes Jahrhundert früher als neu bezeichnet haben wird. Nur 
Einzelheiten lassen erkennen, daß seit etlichen Jahrzehnten eine neue 
Formenwelt die deutschen Künstler begeisterte. 

Im unteren Teile des Gitters leben die Maßwerkmotive fort, unter der 
oberen Querschiene sind palmettenartige Füllglieder angeordnet, die in 
erster Linie auf das 16. Jahrhundert als Entstehungszeit hinweisen, auch 
die bekrönenden strahlig gefüllten Rundbögen wird man bei Werken des 
15. Jahrhunderts kaum finden. 

Eine um etwa 20 Jahre jüngere Gittertür, an der Treppe zur Kanzel 
in derselben Kirche, zeigt den gleichen Aufbau, in den Füllungen ist 
aber alles verschwunden, was an die Bauformen des 15. Jahrhunderts 
erinnerte. Die für die Folgezeit typischen Gitterelemente sind, wenn auch 
in einfachster Form, bereits darin verwendet, nämlich die Spiralranke mit 
einfachen Blättchen und die Spindelblume, bei der in einfacher Gegen- 
überstellung oder in strahliger Anordnung gebogene Lanzettblättchen und 
Staubfäden ähnliche Stäbchen unter einer spindelförmigen Drahtspirale 
angeordnet sind. 



Gitter, Rhemgebiet. 



107 



Mit Bereicherung ron Blättern, die den Einfluß Holbeins und der 
deutschen Eleinmeister erkennen lassen, finden sich dieselben Motive bei 
einem Münstergitter Tom Jahre 1568 und einem anderen mit der in aus- 
geschnittenen Ziffern eingefllgten Jahreszahl 1570 (Fig. 81, S. 108), das 





Fig. BO. Gitter 



Jahre iGsa in Freibnrg i. B. (nacb J Ruchdorff) B l 



neben den neuen Formen wieder merkwürdig umfangreich mit Spitzbogen 
und MaßwerkmotdTen ausgestattet ist. 

Die Qitter im Dome zu Konstanz sind besonders für die Entwicklung 
der Eisenformen im 17. Jahrhundert von Interesse. Die rheinischen 



108 16- und 17. Jahrhundert. 

Werke des 16. Jahrhunderts sollen aber an der Hand weiterer Beispiele 
noch etwas näher untersucht werden. 



nach J. RsacbdoTff). B. 1 



Zu den frühesten Gittern, die die entwickelten Formen des 16. Jahr- 
hunderts erkennen lassen, muß ein prächtiges Fenstergitter am Haupt- 



Gitter, Rheingebiet. 109 



saale des Schlosses Zell bei Koblenz angesehen werden, wenn man an- 
nehmen darf, daß seine Herstellung mit der Vollendung des Schlosses (mit 
Ausnahme des jüngeren Zwischenbaues) im Jahre 1543 zusammenfällt. 

Das Gitter ist in seinem unteren Hauptteile aus senkrecht und wag- 
reclit gekreuzten und durcheinander geschobenen Rundstäben gebildet und 
in symmetrischer Verteilung mit Ringen und Vierpässen ausgestattet, eine 
längst bekannte Art der Bereicherung, die z. B. auch bei der Bischof 
Ernst-Kapelle in Magdeburg angewendet wurde. Auf das 16. Jahrhundert 
deutet die weitere Ausschmückung der Ringe hin, besonders aber zeigt 
der dreieckige Aufbau über dem Gitter die typischen Blumen und Ranken 
dieses Jahrhunderts. Die Ranken sind an einigen Stellen durcheinander 
geschoben, an anderen durch Bunde zusammengehalten. Zu beachten ist 
besonders die Art, in der die einzelnen Teile auseinander her vor wachsen. 
Die schlicht natürliche Führung der Linien verliert sich seit dem Ende 
des 16. Jahrhunderts immer mehr, im allgemeinen kann in der un- 
gekünstelten Rankenbildung besonders ein Zeichen früher Entstehung er- 
blickt werden (Abb. in Ortwein, Deutsche Renaiss. Bd. 5. Taf. 38). 

Den rheinischen Arbeiten beigerechnet werden darf auch ein besonders 
reiches und schönes Gitter am Grabmal des Landgrafen Ludwig und seiner 
Gemahlin in der Marienkirche in Marburg a, d. Lahn (Fig. 82, S. 110). 
Der leider unbekannte Meister hat sein Werk nur mit seinem Mono- 
gramm und der Jahreszahl 1592 versehen. Ausgeprägt neue Motive sind 
unter den Schmuckformen dieses höchst geschmackvoll komponierten 
Gitters dem in Zell gegenüber kaum zu finden. Künstlerisch wohl- 
berechnet erscheint die Verwendung schlichter Rundstäbe im unteren 
Teile des Gitters und die Anordnung leichterer, geometrisch gemusterter 
Gitterfelder darüber, die dann überleiten zu der lockeren, im Maßstabe 
wechselnden Rankenbekrönung. Auf die etwas humoristisch wirkende Dar- 
stellung des Sündenfalles oben auf den Ranken und zwischen den vom 
Künstler als Paradiesesbäume aufgefaßten, hoch das Ganze überragenden 
Blütengebilden sei schließlich noch hingewiesen. 

Die im Anfange des 17. Jahrhunderts im Stromgebiete des Rheines 
gefertigten Gitter lassen auch bemerkenswerte Neuerungen nicht erkennen. 
Bei dem schönen Oberlichtgitter über dem Portal des in den Jahren 1601 
bis 1607 erbauten, als Friedrichsbau bezeichneten Teiles des Heidelberger 
Schlosses tritt wenigstens andeutungsweise eine in gewissen Teilen Deutsch- 
lands schon etwas früher vorkommende Art der Rankenführung zu Tage, 
die bald zum Leitmotiv in den Gittermustem wurde, und in der wieder- 
holten Berührung mehrerer einander durchdringender Spiralen zu erblicken 
ist. Auch die Betonung der wichtigsten Rankenkreuzungspunkte durch 
umgelegte trichterförmige Muffen ist ein in dieser Zeit häufiger, unter 
anderem am Taufkesselarm vom Jahre 1594 in Maria im Kapitel zu Köln 



110 16. und 17. Jahrbundert. 

TOrkommendes Motiv, das in der Zukunft in anderer Form immer mebr 
fta Bedeutunff gewann. Stärker als bei diesem tritt bei einem ähnlichen 
Oberlicbtgitter vom Jahre 1609 in Sulzfeld a. M. das die Mitte füllende 
Netzwerk hervor, das aber im Rheingebiete auch bereits bei Beispieleit, 
die der zweiten Hälfte de.<s 16. Jahrhunderts angeboren dürften, häufiger 
vorkommt. 



Fig. 83, Oitter (Oberteil) von lesa In ÜfarbnrB a. d. Lohn. B. ia>. 

Die Gitter im MUnster zu Konstanz sind teils bezeichnet, teils sind 
sie nach den bekannten Stiftungsjabren der Altäre in den Kapellen, die 
sie abschließen, mit leidlicher Zuverlässigkeit zu datieren. Hier sollen 
zunächst zwei der Gitter betrachtet werden, von denen das eine (Fig. 83, 
S. 111) mutmaßlich 1628 entstand und das andere (Fig. 84, S. 112) grofl 
die Jahreszahl 1646 aufweist. Es sind Werke, die ein ungewöhnlich 



Gitter, Rheiogebiet. 



hohes KQnaen und feines Formempfinden verraten, und die zugleich zu 
den selbständigsten und eigenartigsten Schöpfungen des 17. Jahrhunderts 
auf dem Gebiete der Oitterschmiedekunst zu rechnen sind. 



Abgesehen von den kräftigen Konstniktionsschienen ist auch in diesen 
6itt«m fast ausschließlich Rundeisen von gleichmäßiger Stärke verarbeitet, 
aber die Führung der Linien ist eine völlig neuartige geworden. Gerade 



112 16- '^"^ 17. Jahrhundert. 

Linien kreuzen oder stoßen stumpf auf Kankenzüge und diese Ranken 
sind nicht mehr, wie bei den älteren Beispielen, in natOrlich wachsender 
Art miteinander verbunden, rückläufig entwickelt sich von einem scharf 
geknickten Rankenzuge aus unvermittelt ein neuer. Die Kficklauftendenz 
tritt Überall zu T^e, besonders auch in der Zeichnung der bald die 
Hanken als Ausgangs- oder Endmotiv abschließenden, bald sie unter- 



brechenden grotesken Gebilde. Silhouettenartig ausgeschnittene FigureQ 
kommen auch bei älteren Gittern vor, aber sie waren dann entweder als 
fast selbständige Teile zwischen das Rankenwerk gestellt, oder aber die 
Stelle von Bluten oder Blättern ersetzend mit den Ranken verbunden. 

Außer durch solche groteske Figuren sind die Ranken bei den 
Konstanzer Beispielen auch verschiedentlich nur aus ästhetischen Gründen 
plötzlich stark verbi'eitert, abgeflacht und durchbrochen. Auffallend zahl- 
reich und groß sind älteren Beispielen gegenüber die sehr spitz aus- 
laufenden, an Stelle von Blättern h er vorsprieli enden Nebenspiralen. An 



Gitter, Rheingebiet. 113 



den Berührungspunkten sind die Ranken in der Regel nicht durch ein- 
fache Bunde vereinigt, reidher gestaltete Deckplatten werden mit Vorliebe 
hinzugefügt. Auch an Rollwerkformen erinnernde Motive kommen vor 
als gespaltene und durch einen Querstab verbundene Endigungen. 

Alle diese Formen waren wohl den Baukünstlern und zeichnenden 
Meistern schon längst geläufig, bei Eisengittem kommen sie kaum früher 
vor. Ob bei den Konstanzer Gittern der ausführende Schmied auch der 
erfindende Künstler war, oder ob ein anderer Meister, wie es schon bei 
noch zu besprechenden älteren hervorragenden Schmiedewerken der Fall 
war, die Entwürfe lieferte, ist unbekannt. Deutsche Omamentstichwerke 
mit Gitterentwürfen, die als Vorbilder in den Schmieden verbreitet waren, 
sind aus jener Zeit nicht bekannt. 

Einige Anklänge lassen die Konstanzer Gitter an Erfindungen des 
Straßburgers Wendel Dietterlin erkennen, in dessen 1598 erschienener 
»Arcbitectura" sich auch etliche höchst interessante Gitterentwürfe finden. 
Die Möglichkeit einer Beziehung zu diesem Werke ist sogar etwas fester 
befjrründet. Man darf annehmen, daß die beiden Gitter von 1628 und 
1646 von dem Konstanzer Bürger und Stadtschlosser Johann 
Reifell gefertigt sind, von dem bekannt ist, daß er in den Jahren 1641 
bis 1644 für die Hofkirche in Luzern ein noch erhaltenes, sehr bemerkens- 
wertes Gitter fertigte, das den perspektivisch dargestellten Einblick in 
eine Bogenarchitektur wiedergibt. 

Das Gitter in Luzern ist das älteste erhaltene dieser merkwürdigen Art, 
doch ein schon um 40 Jahre früher entstandener Entwurf des erfindungs- 
reichen Dietterlin leiht demselben Gedanken Ausdruck (Tafel 159 der 
Architectura). Die Vermutung, daß Meister Reife 11 das sicherlich damals 
schon berühmte, im nahen Straßburg erschienene Werk sehr genau kannte, 
ist gar zu naheliegend. 

Die beiden Konstanzer Gitter weichen in der Komposition sehr von- 
einander ab, und nur die Tatsache, daß Reif eil um das Jahr 1640 bereits 
ein weithin bekannter Meister sein mußte, läßt darauf schließen, daß auch 
das vortreffliche Gitter vom Jahre 1628 sein Werk ist. Bei dem 1646 
aufgesteUten Gitter wird Reifells Urheberschaft durch einen Vergleich 
mit dem Luzemer Gitter feststehend, die Gleichartigkeit der Motive ist 
entscheidend. Freilich perspektivisch ist das Gitter in Konstanz nicht, nur 
ein fensterartiges Gebilde in der Mitte erinnert daran, daß der Meister 
sich auch mit Bauformen vertraut gemacht hatte, um sie seinen Zwecken 
nutzbar zu machen. Außer diesen Arbeiten sind weitere Gitter im Münster 
zu Konstanz^ in Einsiedeln ^ in Zürich^ auf Reichenau-Mittelzell und 
anderen Orten erhalten, die die Werkstatt Reifells oder doch die Be- 
nutzung seiner Werke vermuten lassen. 

lieber das großartigste dieser Gitter in der Kirche des Benediktiner- 

Lüer, Unedle Metalle. 8 



114 16. und 17. Jahrhundert. 

stiites Maria-Einsiedeln (Fig. 85, S, 114) sind einige urkundliche Notizen 
erhalten. Im Auftrage des FOrstabtes Augustin II. von Reding wurde es 
in den Jahren 1675 — 1684 von dem Klosterbruder Vinzenz Nußbaumer 
aus Äegeri (am Zuger S«e) gefertigt. Schon die perspektivische Eom- 
position deutet auf Beziehungeo zum Meister Keifell hin, die Gleich- 
artigkeit der Gruppenmotive und Einzelformen mit den Gittern in Luzem 
und Konstanz, die zuerst iu Betracht kommen, läßt sogar mit Sicherheit 



Fig. K. Gitter in »itria-Einsiedeln, auHgenUirt iftTG— l«S4. S. in. 

annehmen, daß Nußhaumer seine Kunst in der Schmiede Reifells 
erlernte. 

Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts zeigen die Eisengitter, be- 
sonders im oberrheinischen Gebiet, vrieder mancherlei Wandlungen in 
Komposition und Formgebung. 

In den Füllungen wurde die Spiralranke mehr wie je vorher zum ' 
herrschenden Motiv. Aber während früher die Rankenzüge nur in seltenen 
Fällen mehr als zwei oder drei Windungen aufwiesen, wurden jetzt in 
den Hauptranken vier bis sechs Windungen bevorzugt, und nebeneinander 
angeordnete Spiralen wurden in der Regel derart miteinander verbunden, 
daß gegenseitig die äußere Windung der einen etwa die dritte Windung 
der anderen berührte. Die Berührungsstellen wurden regelmäßig ver- 



Gitter, Rheingebiet 



schweißt, flach gehämmert, häufiger als früher in pbaotastischeii Formen 
ausgestaltet und an Stelle der vorher Qblichen eingehaueneo Innen- 



n l«8S in Zürich 



zeiclinung oft plastisch ausgearbeitet. Die Mitten der Spiralen, die 
man früher durch größere BiUten, Blätter oder andere stark bervor- 
tretende Gebilde besonders betonte, wurden am Ende des 17, Jahrhunderts 



116 16. und 17. Jahrbondert. 

nicht mehr in ähnlicher Weise vor anderen Teilen ausgezeichnet. Schon 
um die Mitte des Jahrhunderts hatte man sich vielfach mit einer flach- 
geschlagenen Rundung begnügt, schlieBltch zog man es vor, nahe der 
Mitte irgend ein groteskes Gebilde anzubringen, aus dem meist mehrere 
dünne Spiralschnörkel herauswuchsen, und die Mittelwindung des Ranken- 
zuges spitz auslaufen zu lassen. 

Am Schlüsse des Jahrhunderts mischten sich, zunächst zaghaft, schmale 
Akanthusblättchen in das Rankenwerk, um bald darauf für einige Zeit 
alles zu überwuchern. 

Ein Oberlichtgitter vom Jahre 1680 an der Eatharinenkirche in Fra»k- 



Pig. er. Gitter, ehemsb in Wettingen. S. lie, 

furt a. M. läßt die Mehrzahl dieser Eigentümlichkeiten schon einiger- 
maßen ausgeprägt zu Tage treten. Fortgeschrittenere Entwicklang zeigt 
eine vortreffliche Gittertür vom Jahre 1698 im Rathause in Zürich (Fig. 86, 
S. 115). 

Das reichste und schönste Beispiel dieses Gittertypus im oberrheinischea 
Gebiet, dessen Entstehungsjahr leider nicht bekannt ist, aber wohl um 
1690 angesetzt werden darf, befand sich ehemals in der Zürich nicht 
fernen Zisterzienser-Abteikirche in Wettingen (Fig. 87, S. 116), 

Im niederrheinischen Gebiet zeigte sich schon gegen die Mitte des 
17, Jahrhundeiis bisweilen eine gewisse Verwilderung in den Rankenzügen 
der Gitter, die wohl besonders dadurch genährt wurde, daß man an Stelle 
des ßundeisens Flacheisen zu verwenden begann, Schonausdem Jahre 1627 
ist in der Abteikirche in Brauweiler ein Stabgitter mit Rankenbekrönung 
erhalten, das mit den oberrheinischen Gittern den Vergleich nicht aus- 



Gitter, Rhein fcebiet. 



hälL Gin diesem ver- 
wandtes Gitter yom 
Jahre 1644 befand sich 
ehemals im Dome in 
Ailenberg. Ein Ober- 
lieb t^tt er vom Jahre 
1688 am Spanischen 
Bau in Xöln, das der- 
selben Art beizurech- 
nen ist, ist interessant 
durch die umfanfip'eiche 
Verwendung verdop- 
pelter oder gespaltener 
roll werkartiger Endi- 
gungen, auf die auch 
bei oberrheinischen Git- 
tern hingewiesen wurde. 
Außer den ange- 
führten zeitlich fest- 
legbaren Gittern sind 
im ganzen Gebiete des 
Rheines noch zahl- 
reiche ausgezeichnete 
Schmiede werke dieser 
Art erhalten, die durch 
Vei^leich mit den da- 
tierten Arbeiten eini- 
germaßen zuverUissig 
zeitlich zu ordnen sein 
würden; nur um das 
Entwicklungsbild zu 
Terrollständigen, sollen 
einige hier ai^efUhrt 
werden. 

Große Gitterwerke, 
die wohl zumeist bald 
Dach dem Jahre 1600 
entstanden sein dürften, 
finden sich in mehreren 
Kölner Kirchen. Die 
Hauptfelder dieser Git- 
ter sind in der Reget 



118 16. und 17. Jahrhundert. 

aus schlichten oder teilweise verdickten und profilierten Rimdstäben ge- 
bildet. Knotenvrerk und Ranken fDllen in bald größerem, bald gerinf^erem 
Umfange die Türen der Gitter und bilden in reichster und schönster 
Komposition besonders die Bekrönungeu. Hingewiesen sei auf die Gitter 
in St. Peter, in der Maria-Himmelfahrtkirche, in Maria im Kapitol und 
im Dome (Abbildungen bei Raschdorff a. a. 0.). 

Von größeren Gitterwerken des oberrheinischen Gebietes sei noch der 
sehr interessante, zum größten Teile aus Eisen geschmiedete Lettner in 
der Stadtkircbe in Nürtingen am Neckar besonders hervorgehoben ; er 
dürfte auch bereits dem 17. Jahrhundert angehören. 



Schöne Oberlichter (Fig. 88, S. 117 u. Fig. 89, S. 118) und Fenster- 
gitter scheinen in den rheinischen Städten an den Häusern der wohl- 
habenden Bürger wie an den Palästen und auch an Kirchen allgemein 
zum Schutz und Schmuck verwendet zu sein; die Mehrzahl der erhaltenen 
Beispiele ist im 17. Jahrhundert gefertigt. Senkrecht oder schräg ge- 
kreuzte Rundstäbe bilden bei den Fenstergittern das Gerippe, mit dem 
man ring- oder herzförmige Glieder in rhythmischer Verteilung verflocht, 
die durch ßache gezackte oder schmale spiralig gerollte Blättchen, Masken 
u. a. m. bereichert wurden. Ein aus Ranken mit Blättern und Spindel- 
blumen gebildeter Aufbau bekrönt häufiger die Fensterkörbc. Seltener 
sind die Gitter allein mit großen RankenzUgen geftlllt. 

Bemerkenswerte eiserne Treppengitter sind spärlich erhalten. Ein in 
der Leonhardskirche in Frankfurt a. M. befindliches Treppengeländer 
wurde bereits früher erwähnt, ein zweites, wesentlich jüngeres, schönes 
Beispiel besitzt Frankfurt im Turmaufgange der in den Jahren 1678 bis 
1680 erbauten Katharinenkirche. 

An öffentlichen Brunnen hat man im Rheingebiete das Eisen in 



Gitter, Bayern und Franken. 119 



16. und 17. Jahrhundert nur in bescheidenem Maße bald zur Umgitterung, 
bald zu Armen für die Laufrohre verarbeitet. Brunnengitter finden sich 
z. B. in Bernkastei und Frankfurt^ Rohr arme in Tübingen. 

In Bayern und Franken, mit den Mittelpunkten des deutschen 
Kunstschaffens im Reformationszeitalter, gewann die Oitterschmiedekunst 
eine der rheinischen ähnliche Bedeutung erst in der zweiten Hälfte des 
16. Jahrhunderts. 

Eines der ältesten bayrischen Gitterwerke ist das in der Stadtpfarr- 
kirche (Zu unserer lieben Frau) in Ingolstadt. Es ist zwischen den Schluß- 
pfeilem des Mittelschiffs aufgestellt und wurde im Jahre 1561 vom 
Schlossermeister Mathäus Andres ausgeführt. Ein breiter, schöner Rund- 
eisenrankenfries schließt das aus schlichten Stäben gefügte Gitter oben 
ab. Von der Mitte symmetrisch wachsen die lockeren Windungen aus 
einer Vase heraus. Naturgemäß entsprießt eine zwanglos der anderen. 
Blatter und Masken, wie sie aus den Stichen der Eleinmeister damals 
bekannt waren, zweigen sich ab und bilden die Rankenmittelpunkte. Ein 
paar freie, von einer Spindelblume überragte Ranken bekrönen die Mitte 
des Ganzen. 

Ein bescheidenes Werk ist dies zwar der imposanten Leistung des Nürn- 
berger Meisters gegenüber, dem Gitter, das Paulus Kuhn im Jahre 1587 
zur Umfassung des „Schönen Brunnens'' schuf. Der zu Ende des 14. Jahr- 
hunderts errichtete Brunnen wurde in jenem Jahre in ein neues farbiges 
Gewand gekleidet und man wünschte auch an Stelle des alten ein neues 
prächtiges Gitter herumzuführen. Paulus Kuhn aus Augsburg wurde damit 
beauftragt, und er fertigte es „viel schöner und künstlicher, als es ihm 
angedingt worden'' , was man ihm dadurch lohnte, daß ihm für jedes 
Pfund 1^2 Kreuzer mehr bezahlt wurde, als vereinbart war. Im ganzen 
erhielt der Meister für seine Arbeit 854 Gulden. Die Füllungen des 
Gitters sind aus schräg gekreuzten Stäben mit je fünf darin verteilten 
einfachen Ziergliedern gebildet. Bewunderungswürdiges Können lassen 
aber schon die mächtigen senkrechten Ständer erkennen, bei denen sich 
noch Formen des 15. Jahrhunderts mit den neuartigen Blumen und Roll- 
werkmotiven mischen. Von höchstem Reichtum war aber die Bekrönung 
des Gitters, aus ihr sprach die ehrliche Freudigkeit des Schaffens, die 
Liebe des Meisters zu seinem Handwerk und das Bedürfnis, nicht nur der 
bezahlten Pflicht zu genügen; ein Denkmal wollte Meister Kuhn sich und 
dem Können seiner Zeit setzen. Mit Wehmut nur können wir heute den 
Brunnen betrachten, über dessen vergangene Pracht allein Zeichnungen 
Aufschluß geben. 

Was die Unbilden der Witterung zerstörten und ersetzt werden mußte, 
wird man bedauern, was aber Menschenhände in elendem Kunstfanatismus 
vemichteten, erfüllt mit Empörung. Bis zum Jahre 1821 war das Gitter 



120 16. und 17. Jahrhundert. 



vollständig erhalten, dann entschied man, daß die Bekrönung des Oittei 
die ja zwei Jahrhunderte jünger war als der Brunnen selbst, als stillos 
zu entfernen sei. Wie ein Hohn auf jene Weisen grinst nun die Narren- 
krone vom Gitter herab. 

Kaum auszudenken ist, welch farbenfreudiges Bild der Brunnen im 
Jahre 1587 geboten haben muß, nachdem die Steinarbeit ebenso wie das 
neue Gitter aufs reichste bemalt und vergoldet waren, wofür allein 1500 Gulden 
aufgewendet wurden. 

Erwähnt sei schließlich noch, daß im Jahre 1587 zugleich mit dem 
Gitter auch eine reiche eiserne Wetterfahne, wohl an die Stelle einer ein- 
facheren, auf die Spitze des Brunnens gesetzt wurde, die man 1821 eben- 
falls entfernte (nähere Angaben über die Geschichte des Brunnens siehe 
Bergau, Der Schöne Brunnen zu Nürnberg, Berlin 1871). 

Annähernd gleichzeitig mit diesem köstlichen Nürnberger Werke ent- 
stand in Atigsburg^ wie man nach der Bezeichnung H. M. 1588 mit 
Sicherheit annehmen darf, von der Hand des durch andere vollbezeichnete 
Arbeiten und aus urkundlichen Nachrichten bekannten Hans Mezger ein 
Gitter, das zwar jenem künstlerisch nicht gleichwertig ist, aber doch zu 
den bedeutendsten Schmiedeleistungen der Zeit gehört. Dieses große Gitter 
umgibt das im Jahre 1580 von Jakob Fugger gestiftete Familiengrab in 
der Ulrichskirche (Fig. 90, S. 121). 

Die Ständer des Gitters sind mit Ausnahme des unteren vierkantigen 
übereck gestellten Teiles rund, in Art gedrehter Treppengitterdoggen 
profiliert und mit eingehauenen Blattornamenten bereichert. Die in der 
Mitte wagrecht geteilten Felder sind mit lockeren Rundeisenranken, in den 
Türen auch mit Knotengeschlinge gefüllt; dieselben Motive wurden auch 
in der Bekrönung verarbeitet, aber große Spindelblumen steigern oben 
noch die Pracht. Alle die Einzelgebilde, die auch bei den rheinischen 
Gittern derselben Zeit als typisch hervorgehoben wurden, finden sich hier 
vereinigt in einem Reichtum, der am Rheine nicht seinesgleichen hat. In 
dem Rankenwerk und alles überragend, über den Mitten der Bekrönungen 
sind immer wiederholt die Wappenzeichen der Fugger, die heraldische 
Lilie und ein Doppel-W angebracht. 

Von Hans Mezger wurde auch das große Gitter der Bartholomäus- 
kapelle in derselben Kirche gefertigt, hier findet sich die Bezeichnung 
,Hans Mezger 97« (1597) am Schloß. 

Schließlich wissen wir, daß der Meister Arbeiten für das Schloß 
Velthums in Tirol ausführte. Mancherlei ist in jüngster Zeit über die 
Persönlichkeit dieses Kunstschmiedes festgestellt (Friesenegger, Zeitschr. 
d. histor. Vereins für Schwaben und Neuburg 1901, S. 263—274). Der 
Vater Hans Mezgers war ebenfalls Schmied, er starb 1594. Hans wurde 
1553 geboren, er fertigte 1580 sein Meisterstück, er wurde 1594 »Vor- 



Gitter, Bayern und Franken. 121 

geher" der Schmiede, 1599 — 1611 gehörte er dem Kleinen Rate an nnd 
bekleidete sonst verschiedene Ehrenämter. Er starb zu Ende des Jahres 
1611 oder im Anfang des Jahres 1612. 

In Manchen war fUr die Micbaeliskirche in den Jahren 1586 — 1588 
ein Meister KolbauQ mit Schmiedearbeiten beschäftigt. Vermutlich sind 
sein Werk einige große dort erhaltene Kapellengitter, die in ihrer eigen- 



Fig. 90. Gitter in Angsbarg am Faggerdenkmal, 8. lao. 

artigen Ausgestaltung eine Sonderstellung in der Gitterschmiedekunst jener 
Zeit einnehmen. 

Aus dem Jahre 1594 ist wiederum in Augsburg ein höchst geschmack- 
volles Qitter erhalten, es umgibt den bekannten Äugustusbrunnen und ist 
von 6eorg Scheff von Heilbronn gefertigt, der im Jahre 1566 in Augs- 
burg Meister wurde (Fig. 91, S. 122). Uebereck gestellte, durch Profile 
gegliederte Vierkantstäbe sind unterbrochen durch doggenartige Rund- 
stiibe, die oben große Spindelblumen tragen, zwischen denen eine reiche 
RankenbekrSnung ausgespannt ist. Neben manchen Einzelformen lassen 



122 16- und 17. Jahrhundert. 

besonders wied«r die RUcklaufinotiTe in den Ranken die der Zeit um 160O 
eigenartigen kOostlerischen Tendenzen erkennen. 

Einige datierbare scbdne Beispiele TOn Fenster- und OberlicliJ^tteni 
sind besonders in Franken erhalten, die nur wenig von den rheinischen 



Fig. 91. Oitter vom 3ahr» 1591 in Augsburg am Angnstusbrunnen. S. iti. 

Gittern abweichen. Ein mit Ranken und Knotenwerk gefülltes Gitter 
vom Jahre 1590 befindet sich in Nürnberg am Topplerhause. 

Aus schräg gekreuzten Vierkantstäben gebildete Fenstergitter Tom 
Jahre 1595 sind am Rathause in Würsburg erhalten. Reiches Rankenwerk 
mit Bluten und Blättern bekrönt die Gitter und FUllglieder verschiedener 
Gestalt sind im Stabwerk verteilt. 



Gitter, Bayern und Franken. 123 



Gitter ähnlicher Art, aber in die Laibung der Fenster eingelassen, 
also ohne Bekrönung, befinden sich am Pellerhause in Nürnberg aus dem 
Jahre 1605. 

Sehr früh zeigen sich in Franken Gitterformen, die in anderen 
deutschen Landschafben wesentlich später auftraten, dann allerdings so- 
gleich auf der Stufe einer fortgeschritteneren Entwicklung. 

In Altdorf bei Nürnberg ist ein geschmiedetes Grabkreuz vom Jahre 
1614 erhalten, das in der phantastischen Ausgestaltung seiner Ranken 
an die 60 bis 80 Jahre jüngeren Gitter in der Katharinenkirche in 
Frankfurt a. M. und dem ehemals in Wettingen befindlichen erinnert 
(s. S. 116). Die Rundeisenschnecken wachsen an vielen Stellen, ohne 
daß praktische Gründe es erforderlich machen, in groteske Silhouetten aus, 
die eine mit Meißeln eingehauene Innenzeichnung erhalten haben. 

Man könnte an der richtigen Datierung dieses Kreuzes zweifeln, 
wenn nicht die Art der Rankenführung, vor allem die Verbindungs- 
weise nebeneinander angeordneter Windungen doch auf den Beginn des 
17. Jahrhunderts hinwiesen. Und weiter wird die Richtigkeit der 
Datierung gestützt durch ein nur wenig jüngeres Oberlichtgitter in 
Nürnberg vom Jahre 1626, das in der Bildung entschiedene Verwandt- 
schaft mit dem Kreuze erkennen läßt, und bei dem bereits die jüngere 
Entwicklungsstufe durch die Verschmelzung der Windungen deutlich er- 
kennbar wird. 

Andere bayerische, gleichzeitig mit jenen oder sogar ziemlich viel 
später entstandene Gitter zeigen gegenüber den Gittern aus der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts nur in geringem Maße auffallende Neuerungen. 
Die Rücklaufmotive, die Art der Rankenverbindung, die Formen der 
Blätter, die eingehauenen Innenzeichnungen auf den flach gehämmerten 
Teilen deuten zwar meist auf das 17. Jahrhundert hin, aber die Kompo- 
sition unterscheidet sich kaum von der der älteren Werke. Beispiele 
dieser Art sind das schöne Oberlicht über dem Nürnberger Rathausportale 
vom Jahre 1617, die Gitter an der Lorenzkirche (Fig. 92, S. 124), die die 
Jahreszahl 1649 tragen und ein treffliches Gitter in der Annakirche zu 
Augsburg vom Jahre 1666. 

Erst die bayrischen Gitter aus dem letzten Viertel des 17. Jahrhun- 
derts lassen fast durchgehends in gesteigerter Zierlichkeit und mit Ver- 
meidung aller kompakten Gebilde die Formungstendenzen erkennen, die 
bei dem Altdorfer Kreuze und dem Nürnberger Oberlicht vom Jahre 1626 
zuerst sich zeigten. Die Ranken wurden vielfach in ihrer ganzen Aus- 
dehnung, nicht wie auch vorher schon nur an den Verzweigungen, auf der 
Vorder- und Rückseite flach gehämmert. Die zahlreichen kleinen Neben- 
ranken erhielten durch leicht vortretende Verdickungen, durch ein- 
gehauene Modellierung und vielfach auch durch rundliche Endverbreiterung 



124 16- und IT. Jahrhundert. 

einen ausffesprochen pflanzlichen Charakter. Dem oberrheinischen Gitter- 
typus dieser Zeit g^enUber zeigt der bayrische manche Eigenart. 

Die bedeutendsten Gitter dieser Periode sind in Augsburg aus den 
Jahren 1688 vor der St. Lukaskapelle und von 1692 (Fig. 93, S. 125) 
vor der St. Gertrudkapelle des Domes und in der Ulrichskirche vor der 
Ällerheiligenkapelle (Fig. 94, S. 126) in der im Jahre 1698 errichteten 
ISakristei erhalten. 

Etwa zur selben Zeit dUrfte das Ghorgitter im Ulmer MUnster ent- 



Fig. »i. Oitter vom Jahre i«le in KOmberg, Lorenzkirch«. S. 1^3, 

standen sein und ein durch jüngere Zutaten verändertes Gitter in St. Em- 
meran in Regensbnrg. 

Ein großes Choi^tter mit der Jahreszahl 1690, das zwar seine 
deutsche Herkunft und seine Entstehuugszeit am Ende des 17. Jahrhun- 
derts nicht verleugnet, aber doch in Formen und Komposition durchaus 
von den übrigen deutschen Gittern dieser Periode abweicht, befindet sich 
in Obemiarchthal (im wUrttem bergischen Donaukreise). 

Einen den vorher genannten Beispielen sehr verwandten Charakter 
tragen in diesem Gitter die schmaleren friesartig gereihten RankenfKllungen 
der Längsfelder und die Bekrönung. Durchaus fremdartig erscheint je- 
doch an dem Gitter die Art der senkrechten Gliederung. Breite, aus 
je vier vierkantigen Stäben gebildete Pilaster mit Basis und Kapital 



Gitter. Bajreru und Franken. 



flarüderen den mittleren TUrteil des Gitters, und die quadratischen Haupt- 
felder fQllen Stabmuster, fUr die in Deutschland alle Vorstufen fehlen. 



2 in A-ngsbuTB, Dom. S. 1 



Die BekrSnung stimmt nicht zum ganzen, wie es sonst stets der Fall 
ist, sie' ist zu luftige zu leicht, kurz, aus allem spricht an diesem Werke 
eine seltsame Sprache. 



16. und 17. Jahrhandert. 



Des Rätsels Lösung ist die, daß der Entwurf des Gitters im 
Auftrage des Abtes Nikolaus in Paris gefertigt wurde und die Aus- 



P<g. m. Oitti-r vom Jahre tei« in Augsburg, Ulricbsklrche. S. 111. 

filhrung vom Klo s t e r s chl oss e r Hans Rieger in Obcrviarchthd 
herrührt. 



Gitter, Oesterreichische Länder. 127 

In Frankreich blühten damals die Künste und nicht zum wenigsten 
die Schmiedekunst, in Deutschland war man wohl der Rankenzüge über- 
drüssig^, und so sehr verwunderlich ist es nicht, daß man sich den „Riß*' 
zu einem kostbaren Werk, das in jeder Einsicht Eindruck machen sollte, 
von dort verschrieb. Aber freilich, jener Entwurf mußte stark abweichen 
vom ausgefbhrten Werk, das lehrt ein Blick auf das Gitter selbst und 
wird bestätigt durch die französischen Gitter jener Zeit (s. S. 163). Sei 
es, daß der biedere deutsche Schmied die französischen Formen nicht 
völlig verstand und unbewußt änderte, oder daß ihm die Schönheit der 
zierlichen Windungen über die gebrochenen französischen Linien jener 
Zeit ging, der Hauptwunsch des Auftraggebers, etwas durchaus Eigen- 
artiges zu erhalten, wurde erfüllt. 

In den jetzt zur österreichischen Monarchie gehörigen Län- 
dern lassen die erhaltenen Eisengitter des 16. und 17. Jahrhunderts im 
ganzen den gleichen Entwicklungsgang erkennen, zeigen aber doch manche 
Eigenart der Formgebung. 

Einige der bedeutendsten deutschen Gitterarbeiten wurden im 16. Jahr- 
hundert in Tiroler Kirchen aufgestellt. Eine gefestigte üeberlieferung 
ließ vermutlich in den ersten Jahren dieses Säkulums einige Werke ent- 
stehen, wie sie in keinem deutschen Lande aus jener Zeit in ähnlicher 
Schönheit erhalten sind. 

Das hervorragendste dieser Gitter schließt die von Florian von Waldauf 
zu Waldstein (1440 — 1510) und seiner Gemahlin Barbara von Mitterhofer 
bereits im Jahre 1495 gestiftete und nach und nach immer reicher aus- 
gestattete Kapelle in der Pfarrkirche in Hall auf zwei Seiten ab (Fig. 95, S. 128). 
Die Hauptgitterfelder sind aus schlichten schräg gekreuzten Yierkantstäben 
gebildet, die Türflügel füllt zum Teil ein Maßwerkgrundmuster. Keichste 
Formentfaltung zeichnet die Bekrönung aus; nebeneinander gereihte, in- 
einander greifende und unten spiralig gerollte und mit Ranken ausgefüllte 
Spitzbogenmotive mit Krabben und Kreuzblumen und über den Türflügeln 
die großen Wappen der Stifter bilden das breite Muster. Die Formen- 
sprache des 15. Jahrhunderts feiert einen letzten Triumph in diesem 
schönen Werke. 

Aehnlich ist es bei einem zweiten, wesentlich abweichenden Gitter, 
das sich jetzt im Nationalmuseum in München befindet. Soweit 
festzustellen ist, stammt es aus Rettenschöß bei Kufstein, sein Entstehungs- 
jahr ist unbekannt, die Formen weisen aber unzweideutig auf die Zeit 
um 1500, am ehesten auf das beginnende 16. Jahrhundert hin. Es 
ist oben spitzbogig geschlossen und wird eine Oeffnung gleicher Form 
gefüllt haben. Eine zweiflügelige Tür in der Mitte gestattet den Durch- 
gang. Türflügel und Umrahmung sind mit Ausnahme des oberen Bogen- 
teiles, in dem der Tiroler und der Reichsadler ihren Platz gefunden haben. 



X28 16- und 17. Jabrbundert. 

mit Ranken gefüllt, die in ihrer unregelmäBigen Führung und in ihren 
Blättern und BiUten, Überhaupt in den Einzelformen auch mehr an die 
Bildungen des späten 15, Jahrhunderts erinnern, wie an die entwickelten 
Kankengitter des 16. Jahrhunderts. Aber man möchte doch dieses Gritt-er- 
werk wie eine Brücke betrachten, die hinüberführt zu den in sorglicher 
Kegelmäßigkeit gezeichneten Eisenwindungen mit den entsprechend streng 
stilisierten Spindelblumen der jüngeren Zeit. Als einziges erhaltenes Bei- 



Fig. «E. Gitter in Hall. S. 1I7. 

Spiel, das die Gitterformen der beiden Jahrhunderte deutlich verbindet, 
ist es Ton besonderem Interesse. 

Das größte und berühmteste Gitter in Tirol, das erst der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts angehört und das Grabmal des Kaisers Maxi- 
milian I. in der Hofkirche in Innsbruck umgibt (Fig. 96, S. 129), wurde fem 
vom Bestimmungsorte ausgeführt, obschon es scheint, daß man ursprünglich 
den ehrenvollen Auftrag zwei Innsbrucker Ueistem zugedacht hatte, die ver- 
mutlich im Jahre 1564 einer Epidemie zum Opfer fielen, die Ihre Heimat- 
stadt heimsuchte. So zwangen die Verhältnisse dazu, Verhandlungen mit 
auswärtigen Meistern anzuknüpfen, über die wir dank der Untersuchungen 
D. Ton Schönherr's {Gesammelte Schriften, Innsbruck 1900, Bd. 1 S. 287 ff.) 



tiitter. Oesterreicbische L&oder. 129 

einigermaßen gut unterrichtet sind, und die fUr die Geschiclite der deutschen 
Schmiedekunst von höchstem Interesse sind. 

Nachdem die Innsbrucker Meister ,in den letzten Sterbläufen" mit dem 
Tode abgegangen waren, wurde der Innsbrucker Regierung vom Herzog 
Albrecht von Bayern Hans Metzger, Schlosser und BUrger in Mitn- 
rhen, vermutlich der Vater des bei Gelegenheit seiner Äugsburger Arbeiten 
Is. S. 120) erwähnten Meisters, als geeignet fUr die schöne Aufgabe emp< 
fohlen. Mit diesem kam auch ein Vertrag zu stände, nach dem er für 



Fig. 9S. Gitter In Innsliruck am (iral.miil KaUer Maximiliam I. von Jörg S 
1372 vollendet. S. 188. 

Eisen und Arbeit 1050 Gulden und eine Werkstatt in Innsbruck erhalten 
sollte. Der Meister sollte die „zierlichsten und fQrnemsten stuck" mit 
eifi^ener Hand ausführen. Allein die entscheidende Genehmigung wurde 
vom Erzherzog Ferdinand von Tirol diesem Vertrage versagt, dieser 
wünschte, daß einem ihm , dienstlich verpflichteten' Schlosser, der auch 
sein Können bereits bewährt hatte, und von dem man erwarten könne, 
daß er auch „dieses werk mit allem vleiß schön und zierlich verfertigen' 
werde , der Auftrag übergeben würde , dem MUnchener Meister solle 
.glimpflich' davon Mitteilung gemacht werden. 

Dem Wunsche des Erzherzogs entsprechend wurde im Jahre 1568 
die Herstellung des Gitters dem „khunstlichen gueten Arbeiter' Meister 
LDer, Uaedle Hetalle. 9 



130 16- ^"^^ 17. Jahrhundert. 

Jörg Schmidhammer, Büchsenmeister und Schlosser zu Frag 
übertr^en. Dieser ausgezeichnete Künstler, der seit dem Jahre 1559 in 
Vrag lebte, hatte dort für das Fürstengrab im St. Veitsdome ein großes 
kastliches Gitter geschaffen (Fig. 97, S. 130 und Fig. 98, S. 131), dem. 
wie schon Kaiser Ferdinand I. bestimmt hatte, das Gitter in InnshTtAck 
sich anschließen sollte, und von dem eine Zeichnung an die dortige 
Regierung gesandt war. In Anlehnung an dieses Vorbild wurde die zur 
Ausführung gelangte Zeichnung von dem Maler Paul Trabel in Innsbruck 
hergestellt. 

Jörg Schmidhammer verpflichtete sich, „ein schön, zierlichs eisen- 



Fig. BT. Gilter ia Prag, Dom, von Jörg ScLmidhammer. S, no. 

gätter von allerlei laub- und pluemwerch auch zügen und seulen fleißig 
sauber* auszuführen. Für das ganze große Werk von Ö4 Innsbrucker 
Werkschuh Länge und 7 Fuß 7 Zoll Höhe sollte er einschließlich des 
Transportes bis Linz und eingerechnet die Aufstellung 1500 Gulden erhalten. 
Zur AusfUbriiDg wurden ihm die nötigen Mengen Eisen in den gewünschten 
Fassons bereitgestellt. Er erhielt: ,Dückhs rambeisen, seilen eisen, schar- 
sachstachel, leisteneisen, clains g'attereisen, stangen, schlossplech, khlains 
zaineisen und gefüerte stangen". Im Jahre 1573 war das Gitter vollemiet 
und bereits in Innsbruck. Es wurde aufs reichste bemalt und vei^oldet 
und die Verhandlungsberichte mit den Malern sind ebenfalls erhalten. 

Mancherlei Auskünfte über Jörg Schmidhammer erfahren wir aus 
einem Nachlaßinventare des 1577 verstorbenen Meisters, das im Prager 



Gitter, OetterreichiBcbe Lander. 131 

Stadtarchiv aufgefunden worden ist. Von besonderem Interesse ist die 
Werkstatteinrichtung, die mit allen Einzelheiten aufgeführt wird (ver- 
öffentlicht TOn G. E. Pazaurek, Kunstschmiede- und Schlosserarbeiten 
des 13. bis 18. Jahrhunderts, Leipzig 1895). 

Verwunderlich ist nicht, daß das großartige Gitter Schmidhammers 
auch die Innsbrucker heimische Schmiedekunst heilsam förderte. Einige, 
allerdings im Vergleich zu jenem, bescheidene Werke entstanden dort wenig 
später in ähnlichen Formen. Eine GittertUr am Eingange zur Silbernen 
Kapelle (neben der Hof kirche) wird zugleich mit dieser im Jahre 1578 ent- 
standen sein. Zehn Jahre später fertigte der Hofschlosser Hans Beck 



Fig. »8. Gitter in Prag, Dom, von Jörg Schmidhainnier. 8. ISO. 

von Innsbruck das Trennungsgitter zwischen dem alten und damals hinzu- 
gefQgten jüngeren Teile dieser Grabkapelle. Ein treffliches Gruftgitter in 
der Hof kirche ist voll bezeichnet: Paulus Kien 1582; ob dieser Meister 
etwa mit dem Nürnberger Paulus Kuhn oder Köhn identisch ist, was 
bei der Gleichgültigkeit jener Zeit gegen eine gleichmäßige Namenschreib- 
weise den übrigen Umständen nach möglich wäre, mag vielleicht noch 
einmal aufgeklärt werden. 

Die bedeutendsten Gitterwerke der Folgezeit entstanden aber zumeist 
in den östlicher gelegenen Landesteilen; Salzburg, Steiermark, Kämthen, 
Ober- und Niederösterreich, Mähren und Böhmen sind in schwankendem 
Grade an der Weiterentwicklung beteiligt. 

Ein ausgezeichnetes Gitter aus der Zeit um 158P, in der itlr seine 



132 18- und 17. Jabrbundert. 

Zeit typischen Formgestaltung mit Durchzügen und Flecttungen und allerlei 
Laub- und Blumenwerk, umgibt das Grabmal des Zacbarias von Keuhaus 
und seiner Oemahlin in der Allerheiligenkapelle zu Teltsck in Mähren. 

Mancherlei sonst in dieser Zeit nicht vorkommende Motive Süden 
sich besonders in den umrahmenden Streifen der GittertDr des in den 



Fig. M, (iittfirtOr in Scckan, um iG»o. S. 139. 

Jahren 1587 bis 1592 errichteten Mausoleums des Herzogs Karl II. in 
Sevkau (Steiermark) (Fig. 99, S. 132). Der Hofschlosser Lukas Seen 
war der Verfertiger, sonstiges ist darüber nicht bekannt. Das wohl sicher 
mit dem Mausoleum zugleich ausgeführte Gitter erinnert in Einzelheiten 
an etwa hundert Jahre jUngere französische und auch an gleichzeitige 
italienische Arbeiten; vermutlich geht der Entwurf auf einen der Archi- 
tekten des Mausoleums, den Italiener Theodorus Cypsius zurück. 

Ein angeblich 1599 entstandenes Gitter, das in seiner Bankenbekrönung 



Gitter, Oe8t«rreichiscbe L&nder. 133 

dieses Datum zu bestätigen scheint, umgibt den erst im Jabre 1667 auf- 
gestellten Boppelaltar in St. Wolfgang (.Oberösterreich). 

Eine Reibe schönster Gitterarbeiten, deren Entstehungszeit in das 



Fig. IiM. Brunnenlanbe auf SchlaB Xeuhans. S. \K. 

letzte Viertel des 16. Jahrhunderts fällt, befinden sich auf Schloß Ncu- 
hatts an der böhmisch-mährischen Grenze, das in den Jahren 1554 bis 
1580 erbaut wurde. Vor den Fenstern, als BrUstungen auf den Ver- 
bindungsgalerien, zwischen den Säulen des Hofes sind sie angebracht. 
Der höchste Reichtum ist wohl entfalt€t bei der auf dem Rande des 



'. und IT. Jahrb ändert. 



Gitter (Brunnenlauben), Oesterreichische Länder. 135 



ScUofibmnnens im Jahre 1596 errichteten Eisenlaube. Man hat auf die 
XJebereinstimmung dieses Werkes mit dem Grabgitter in Teltsch hinge- 
wiesen. Fast alle Schmuckmotive stimmen in der Tat übereiu, und mög- 
lich ist, daß auch jenes Gitter in Neuhaus ausgeführt wurde. 

Die aus Eisen geschmiedeten Brunnenlauben, die im westlichen und 
nördhchen Deutschland gänzlich fehlen, gehören in den österreichischen 
Landen noch in zahlreichen anderen Orten zu den Glanzleistungen der 
Gitterschraiedekunst. Die Mehrzahl gehört dem 16. Jahrhundert an, leider 
ist nur in seltenen Fällen über die Entstehungszeit und die Meister ge- 
naueres bekannt. 

Zum Teil gleichen sie in der Art des Aufbaues den früher be- 
sprochenen französischen und niederländischen Hauben, oft begnügt 
man sich aber nicht damit, ein zierlich geflochtenes Rankendach auf 
die mehr oder minder verzierten Stützen zu setzen, auch die Zwischen- 
räume zwischen diesen wurden mit reichstem Gitter werk gefüllt; ein Bei- 
spiel der letzten Art ist auch der Brunnen auf Schloß Neuhaus (Fig. 100, 
S. 133). 

Neben diesen laubenartigen XJeberdachungen kommt auch in ester- 
reich die im übrigen Deutschland übliche, oben nicht verbundene Um- 
gitterung vor. 

Eine verhältnismäßig noch einfache Laube überspannt das ehemals 
offene Becken eines Brunnens am Kleinen Ring in Prag (Fig. 101, S. 134). 
Er soll im Jahre 1560 gefertigt sein und bis auf Zutaten, die anscheinend 
im 17. Jahrhundert, vielleicht an Stelle stark verletzter Teile hinzukamen, 
wird diese Angabe zutreffend sein. 

Noch einfacher ist eine dreiseitig aufgebaute Haube vom Jahre 1564 
aus Neunkirchen (Niederösterreich), die jetzt einen Brunnen auf Schloß 
Stixenstein ziert. 

Ein köstliches Werk ist die die Jahreszahl 1570 tragende Brunnen- 
laube auf Schloß Grafenegg (Niederösterreich), die ehemals einen Brunnen- 
rand im Hofe des alten Landhauses in Wien zierte (Fig. 102, S. 136). 

Von Brunnenlauben, über deren Entstehungszeit nichts näheres be- 
kannt ist, die aber ihren Formen nach zu urteilen im 16. Jahrhundert 
entstanden sein dürften, sind zu nennen die im ehemaligen Eonventgarten 
in Saar (Mähren) erhaltene, eine andere in Biegersburg (Steiermark), 
weitere auf Schloß Seebenstein (Niederösterreich) und im Stifte St. Florian 
(Oberösterreich). Im 17. Jahrhundert sind die Brunnenlauben im Hofe 
der sogen. Stallburg in Wien (1675), im Stifte Vorau (Steiermark), in 
Loretto (Kämthen) und eines der schönsten Werke dieser Art auf dem 
Hauptplatze in Brtick a. d. Mur (Steiermark) gefertigt. 

Von der köstlichen Brunnenlaube in Bruch (Fig. 103, S. 137) ist be- 
kannt, daß sie im Jahre 1626 ausgeführt wurde, und auf den Namen des 



. und 17. Jahrhundert. 



Brunn enlitabe auf SchloS Qrafenegg v 



Gitter (BrunnenlanbeD), Oeflt«rreichiBehe Lftnder. 



Meisters darf man vielleicht aus der launigen Inschrift schließen, deren 
eine Strophe lautet: 



,Icb Hana Praater Trank ich das Wasser so gern als Wein, 

Trink lieber Wein als Wa«er. So könnt ich ein reicher Prasaer sein.* 



138 16- nnd n- JahAnndert. 

Allem Anscheine nach vurde aber im Jahre 1626 nicht auch das 
Gitterwerk geschmiedet, das die die Haube tragenden Ständer bis zur 



Fig. 11)4. Gitter vom Kali 



halben Höhe verbindet, dieses dürfte erst in der zweiten Hälfte des 
17, Jahrhunderts hinzugeftigt sein. 

In ähnlicher Reihenfolge wie in Bayern und im Rheingebiete vollziehen 
sich auch im 17. Jahrhundert die Formwandlungen in den österreichischen 



Gitter, Oesterretcbische Länder. 139 

Landeo, und nacb den für die westliclieren Gegenden zusammengestellten 
Merkmalen darf man im allgemeinen auch die österreichischen Gitter 
zeitlich ordnen, doch eine Reihe ihrer Entstehung nach festlegbarer her- 
Torraf^ndercr Arbeiten dieses Jahrhunderts muß im Interesse der örtlichen 
Entwicklung noch angefUhrt: werden. 

Bei Graz (Steiermark) wurde im Jahre 1606 ein Ealvarienberg an- 
gelegt, dessen Stationen mit ausgezeichneten geschmiedeten Oittern, mut- 
maßlich aus derselben Zeit, verschlossen sind (Fig. 104, S. 138). In Graz 



Flg. ICE. Gitter Tom Jahr« leg; in Salzborg, Florians brunnen. S. im. 

wird in einem Rechnungsbeleg vom Jahre 1600 ein Hofschlosser 
Wilhelm Rueprecht genannt, möglich, daß er mit jenen Arbeiten in 
Beziehung zu bringen ist. Die Gitter lassen die fUr das 17. Jahrhundert 
typischen Neuerungen deutlich erkennen. 

Die Ranhenanßlnge und -endigungen, die geraden Verbindungen 
zwischen zwei im Gegensinne gerollten Windungen, die nn zahlreichen 
Stellen der Ranken und Stäbe vorgenommenen, mit eingehauenem Muster 
versehenen Verbreiterungen mit ihren spiralig gerollten schmalen Blättern, 
die ROcklaufmotive u. a. m. sind ähnlich bei Gittern des 16. Jahrhunderts 
nicht zu finden. 



140 16. und 17. Jahrhundert 



Wenn diese Gitter aber wirklich, wie angenommen werden darf, nocli 
dem Beginne des 17. Jahrhunderts angehören, dann muß ihr Verfertiger 
besonders fortschrittlich gesinnt gewesen sein. 

Die meisten sicher datierbaren Gitter der folgenden Jahrzehnte sind 
nicht in gleichem Maße als neuartig zu bezeichnen, fast durchgehends läBt 
aber doch die Art der Bankenyerbindung allein schon die Entstehungszeit 
zutreffend festsetzen. Angeführt seien die schönen Fenstergitter des in 
den Jahren 1621 bis 1630 erbauten Waldsteinpalastes in Prag und an dem 
im Jahre 1644 vollendeten Zeughause in Graz^ dann das große Gitter 
vom Jahre 1662 in der Benediktinerkirche in Lambach (Oberösterreich). 

Noch im Jahre 1687 entstand in Sahburg ein nicht unbedeutendes 
Gitter, das auch bei sorgsamer Prüfung kaum wesentliche Abweichungen 
vom Gittertypus des 16. Jahrhunderts finden läßt; es erhielt auf dem 
Becken des Floriansbrunnens seinen Platz (Fig. 105, S. 139). 

Die strahlig komponierten oder aus gleichmäßig gereihten Motiven 
gebildeten Muster der Gitterfelder deuten noch am ehesten auf ihre Ent- 
stehungszeit hin. Die Bekrönung zeigt etwas ungelenk geführte Ranken 
mit silhouettenartig ausgeschnittenen Figuren, kleinen Blättern, Rosetten 
und in der Regel einer einfachen Spindelblume in der Mitte; in große 
vorgebogene Spindelblumen wachsen die acht Eckständer aus. 

Der Verfertiger dieses Gitters war Wolf Guggenb erger; er erhielt 
den Auftrag, trotzdem der Salzburger Stadtschlosser Wolf Hapacher 
sein Anrecht auf die Ausführung nachdrücklich geltend zu machen versucht 
hatte. Das Gitter fand in Entwurf und Ausführung den vollen Beifall 
der bei seiner Ausstellung auf dem Rathause versammelten Ratsherrn, 
man bewilligte dem Meister sogar anstatt des ausbedungenen Lohnes von 
10 Pfennigen für das Pfund deren 12. Im ganzen wurden für das Gitter 
49 Gulden und 24 Pfennige bezahlt, dazu ein Gulden für den Gesellen. 
Selbst damals würde kaum jemand für den Lohn etwas besseres haben 
leisten können, unter die künstlerisch wertvollsten Gitter jener Zeit ist 
es ja zweifellos nicht zu rechnen. Ueber die Bemalung des Gitters ist 
bekannt, daß die Stäbe grün gestrichen und die Rosetten, Bunde und 
Engelsköpfe vergoldet wurden; die größeren Figuren erhielten ihre Innen- 
zeichnung in den natürlichen Farben. 

Für die Entwicklung der österreichischen Schmiedekunst weit bedeut- 
samer ist ein um elf Jahre älteres Gitter in der Vorhalle der Serviten- 
kirche in Wien (Fig. 106, S. 141). Die mit der Jahreszahl 1676 darauf 
eingehauenen Buchstaben M. A. B. S. dürften zu lesen sein als: Meister 

A B , Schlosser; wer dieser Meister war, ist leider bisher nicht 

bekannt. 

Die allein in Betracht konamende Bekrönung erinnert in ihren sehr 
warten Ranken, die bis zu sechs Spiralwindungen aufweisen, in der höchst 



Gitter, Oest«rreic)mdie Länder. 141 

phantastischen Ausf^estaltuag der Verbreiterungen nnd in der überaus feineu 
pUstischen Durchziselierung aller Teile am meisten an das Wettiuger 
fiitter (s. S. 116). 

Eine diesem Wiener Gitter gleichwertige Schönheit der Linienführung 
und Formverteilung wird kaum wieder erreicht, der Eindruck der meisten 
Gitter, die man ihrer Gestaltung nach annähernd in dieselbe Zeit setzen 
darf, ist weniger leicht. Gute verwandte Beispiele finden sich %. B, im 
SÜfie Schläge (Oberösterreich), in der Salvatorkirche (Fig. 107, S. 142> 



und in der Georgskirche in Prag und mit der Jahreszahl 1685 auf dem 
Heiligen Berge von Fribram im Kreise Prag. 

Im Mittelfelde mit Banken ähnlicher Art ausgestattet ist ein im 
Übrigen perspektivisch komponiertes Gitter {aus Eisgruh), das jetzt als 
Friedhofstor in Kostl (Mähren) dient. Man darf annehmen, daß dieses 
Tor nicht völlig unabhängig von den Schweizer perspektivischen Gittern 
entstanden ist; seine Entstehungszeit wird um 1670 anzusetzen sein. 

Die letzte Entwicklungsstufe der Gitterformen im 17. Jahrhundert 
wird auch in den österreichischen Landen dadurch gekennzeichnet, daß 
die Ranken mit allen ihren Abzweigungen wieder einen durchaus pflanz- 



142 16. und 17. Jahrhundert. 

liehen Charakter annehmen. In leichtester Andeutung ist diese mehr 
äuSerliche Neuerung schon bei dem Gitter der Servitenkirche zu erkennen. 
Bald wurden alle die bis dahin dtlnnen, schlicht erscheinenden Seiten- 
spiralen knorpelig verdickt und blattartig modelliert, dann wurden diese 
Verdickungen auch im Umriß zackiger und lappiger und schließlich bildete 



Fig. loT. Gitter In Prsg, Salvutorkirche. S. Ml. 

das in der Kunst jener Zeit allgemein wieder aufgenommene Akanthus- 
blatt auch das HauptMlmotiv in den Gitterranken. 

In ganz Deutschland entstanden in der Zeit um 1700 Akanthusranken- 
gitter. Eines der frühesten Beispiele des entwickelteren Typus mit kräftigen, 
bauchig aufgetriebenen Blättern dürfte aber das Gittertor des in den 
Jahren 1G80 bis 1688 erbauten Schlosses Troja bei Prag sein. 

Selten sind in Gitterwerken aus dem Ende des 17. Jahrhunderts die 
neben den Akanthusranken in der Dekorationskunst damals beliebten 



Oitter, Schlesien. 143 

f^ßblQtif^en PflanzeD verwendet. In reichster Weise zu großen Bltlten- 
bDscheln und Giünzeu Tereioigt, finden sich diese Motive iu der BekrSnung 
des großen Gitters, das das Langhaus und die Vorhalle der Kirche des 
Stißes St. Florian (Oberösterreich) trennt (Fig. 108, S. US). Der Meister 



Fig. loS' Oitter im SÜftf St. Florian, um isgB. S. 143. 

dieses bedeutenden Werkes war Hanns Meßner in Passau. Im Jahre 1698 
erhielt er eine Abschlagszahlung darauf, im ganzen wurde ihm die Summe 
von 2700 Gulden dafUr bezahlt und außerdem 80 Gulden Lieferkosten. 
Zahlreiche, teils glänzende Beispiele der Gitterschmiedekunst sind 
seit der Mitte des 16. und im 17. Jahrhundert auch in Schlesien und 



144 16. und 17. Jahrhundert. 



Sachsen gefertigt. Wesentliche Abweichungen von den gekennzeichneten 
Formwandlungen in den verschiedenen Zeitabschnitten sind nicht wahr- 
nehmbar, wie an einer Anzahl der wichtigsten datierbaren Werke zu 
zeigen versucht werden soll. 

Gitter von besonders imponierender Größe oder anderen seltenen Vor- 
zügen gibt es in Schlesien aus dem 16. und 17. Jahrhundert nicht. Zu den 
bedeutendsten Leistungen gehören eine Brunnenhaube, etliche Taufstein- 
gitter und einige Eapellengitter. Aber auch an vielen noch kleineren 
Arbeiten muß die stetig neue Komposition und Ausgestaltung des fast 
allein verwendeten Rankenmotivs bewundert werden. 

Die ältesten Beispiele dieses Typus dürften die jetzt im Museum 
Schlesischer Altertümer verwahrten Oberlicht- und Fenstergitter 
vom alten Leinwandhaus (jetzt Stadthaus) in Breslau sein, man nimmt 
an, daß sie um das Jahr 1540 entstanden. 

Aus dem Jahre 1564 ist eine Gitterfüllung in der Elisabethkirche in 
JBreslmi erhalten. Die Rankenführung bei diesem Gitter ist für seine 
Entstehungszeit ungewöhnlich, insofern als die äußeren Spiralen nicht aus 
der größten Windung der Innenspiralen herauswachsen, sondern erst aus 
der zweiten Windung. 

Eines der schönsten schlesischen Gitterwerke umgibt, auf einem Stein- 
sockel aufgestellt, in acht Feldern den Taufstein der Maria-Magdalenen- 
kirche in Breslau, Es wurde, wie die Inschrift bekundet, im Jahre 1576 
von Simon Laubener und seinem Gesellen Salomon Schmidt ge- 
fertigt. Die Eckständer zeigen eine ähnliche Ausbildung wie diejenigen am 
Schönen Brunnen in Nürnberg (vom Jahre 1586). Die Felder sind mit 
reichstem Rankengeschlinge und kunstvoll geflochtenem Knoten werk in 
vier je einmal wiederholten Mustern gefüllt. Rankenwindungen bilden 
auch die Bekrönung jedes Feldes. Auf der Mitte jeder Bekrönung ist 
abwechselnd der böhmische Löwe und der Reichsadler als Silhouette aus- 
geschnitten angebracht. 

Sehr verwandt in den Formen ist ein Gitter, das in der katholischen 
Kirche in Schiveidnitz demselben Zwecke dient. Die Bezeichnung am 
Schlosse besagt, daß ein Meister Andriß im Jahre 1591 der Verfertiger 
war. Aus den erhaltenen Rechnungsbelegen ergibt sich, daß er in vier 
Raten 421/« ^^Xqy, 45 Mark, ISV« Mark und 28 Mark und 4 W.-Groschen 
dafür erhielt. 

Ein den Breslauer Werken ebenbürtiges Gitter wurde im Jahre 1608 
in Hagenau L Schi, für das Grabmal der Herzogin Anna von Württem- 
berg gefertigt. 

In der katholischen Pfarrkirche in Neiße hat sich ein im selben Jahre 
laut Bezeichnung vom Meister N. K. hergestelltes Kapellengitter erhalten. 

Durchaus dem Formkreise der angeführten Beispiele gehört auch das 



Gitter, Schlesien. 145 



stattliche Gitter vom Jahre 1617 an, das den in einer Ecke aufgestellten 
Taufkessel der Peter- und Paulskirclie in Görlitz vom Kirchenraume ab- 
schließt;. 

Bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts blieben überhaupt in 
Schlesien fast ausnahmslos in den Gittern die Formen und die Art der 
Komposition beibehalten, die seit der Mitte des vorhergehenden Jahr- 
hunderts bekannt waren. Als Beispiel dafür angeführt seien das laut 
Inschrift im Jahre 1627 gefertigte Taufsteingitter in der Pfarrkirche zu 
Xeißc und die Gittertür vom Jahre 1652 an der Kanzel der Elisabeth- 
kirche in Breslau. 

Einige, wenn auch nicht sehr umfangreiche, doch vortreffliche Gitter- 
arbeiten in der Maria-Magdalenenkirche in Breslau zeigen entschiedene 
Neuerungen. Meister Georg Rolcke fertigte im Jahre 1661 das Geländer 
und die Tür für eine Treppe im nördlichen SeitenschiflF. Die Felder, be- 
sonders des Geländers, sind mit rein abstrakten Linienzügen gemustert, 
nichts erinnert daran an pflanzliche Bildungen. Die zierlichen Spiralen 
mit ihren Verzweigungen endigen ohne Blätter oder Blüten, statt dessen 
sind wieder einzelne Stellen der Windungen flach verbreitert, grotesk aus- 
gebildet und mit eingehauenen Linien gemustert. Auch die aus einer 
Rundung in scharfem Knick zurückgebogenen Motive lassen erkennen, 
daß der Meister die Werke anderer deutscher Landschaften studiert hatte. 

In anderen Breslauer Kirchen finden sich Gitter derselben Art, die 
vermutlich auch annähernd gleichzeitig mit denen Rolcke s, möglicherweise 
ebenfalls von ihm gefertigt wurden. Insbesondere zu nennen ist das 
Chorgitter in der Vinzenzkirche. 

Diesen Arbeiten verwandt ist auch die Glanzleistung der schlesischen 
Schmiedekunst, die Brunnenhaube in Neiße. Auf dem mittleren Eisen- 
reif findet sich die Inschrift „Ao 1686 aus Belieben eines löblichen 
Magistrates machte mich Wilhelm Hellew^eg Zeugwarter*. Der 
wohl in seiner Eigenschaft als Büchsenmacher zur Aufsicht über das 
Zeughaus angestellte Meister Helle weg war also der trefi'liche Künstler. 

Bei den vorher genannten Gittern waren die Ranken noch aus über- 
wiegend schlichten Rundstäben gebogen, bei der Brunnenlaube ist eine 
Wandlung durchgeführt, die, wie auch früher besprochene Beispiele ersehen 
lassen, fast überall in Deutschland damals hervortrat, die Rankenstäbe sind 
nämlich auf der Vorder- und Rückseite flach gehämmert und vorn überall 
mit eingehauenen Linien gemustert. (Abb. inFritsch, Deutsche Renaiss.). 

Von trefflichen schlesischen Akanthusrankengittern aus dem Ende 
des 17. Jahrhunderts seien genannt die Chorgitter der Klosterkirche in 
Leiihus und der Kirche in Wartha und das Taufsteingitter der Kath. 
Pfarrkirche in Glatz. Gleichzeitig entstanden auch in Schlesien Gitter, 
bei denen ähnlich dem früher angeführten Gitter im Stifte St. Florian 

Lfter, Unedle Metalle. 10 



ipd 17. Jahrhundert. 



die Ranken in Verbindung; mit großen dünnen Äbuntkusblättern noch durcli 
natui^hnlich gestaltete Kränze, Festons u. dergl. bereichert -wurden. 



Gitter, Sachsen. 147 



Als die bedeutendsten Arbeiten dieser Art sind im und am Jesuiten- 
kollegium in Liegnitz das große Abschlußgitter vor der Haupttreppe 
und die Fenster- und Oberlichtgitter zu nennen. 

Das älteste erhaltene größere Gitter werk in Sachsen umgibt das 
Grabmal des Kurfürsten Johann Friedrich I. und der Sibylla in der Stadt- 
kirche in Weimap\ Es trägt die Meisterbezeichnung H. L. 1555, der 
Uhrmacher und Kleinschmied Hans Lampe in Jena war der Verfertiger. 
Die zwölf auf den vier Seiten zu je dreien angeordneten Felder zeigen 
ein gleiches Muster, das gebildet ist aus dem Umriß einer sechsblättrigen 
Rosette mit Diagonalstäben. Als Stabendigungen innerhalb der Kosette 
und in vier ihrer Außenzwickel sind Blütenmotive angebracht, die an die 
einfachste Form der Spindelblumen erinnern; Ranken kommen in dem 
ganzen Gitterwerk noch nicht vor. 

Für die deutsche Gitterschmiedekunst des 16. Jahrhunderts typische 
Arbeiten sind in Sachsen erst aus dem Ende des Jahrhunderts erhalten. 
Das umfangreichste und immerhin den besten Beispielen seiner Art 
beizurechnende Gitter befindet sich am Grabmale des Kurfürsten Moritz 
im Dome zu Freiberg (Fig. 109, S. 146). Die Dresdener Meister Hans 
Weber und HansKlencke haben es ausgeführt; im Jahre 1595 konnte 
es aufgestellt werden. 

Das aus zahlreichen großen aneinander gereihten Feldern gebildete 
Gitterwerk zeigt besondere Abweichungen von dem Rundstabrankentypus 
der Zeit um 1600 nicht; die Art der Linienführung und Einzelmotive ist 
im ganzen die damals überall in Deutschland herrschende. Daß der 
Meister ängstlich bemüht gewesen ist, kein Feld einem anderen gleich zu 
gestalten, legt Zeugnis ab für den liebevollen Ernst, mit dem er sich der 
ehrenvollen Aufgabe widmete. 

Als das edelste Werk der sächsischen Gitterschmiedekunst muß die 
zur Grabkapelle der Familie v. Bünau führende Tür in der Kirche in 
Lauenstein angesehen werden (Fig. 110, S. 148). 

Ueber den Meister dieses schönen Werkes ist leider nichts bekannt, 
man weiß nur, daß es im Jahre 1611 vollendet war. Die Komposition 
dieses Gitters ist in der Beschränkung auf Ranken meisterlich gelungen, 
von einer frischen Lebendigkeit, ein Vorzug, der nicht allen Feldern am 
Gitter des Moritzgrabmales nachzurühmen ist. Auch Form und Verteilung 
der besonders zahlreich vorkommenden Blätter und Blüten zeugen von 
feinstem Empfinden. Auch von diesem Gitter kann man sagen, daß es 
im einzelnen nicht viel neues für seine Zeit bietet, und doch erkennt man 
eine Meisterhand daran von ganz eigenartiger Gestaltungskraft, nirgendwo 
ist sonst in Deutschland etwas geschaffen worden, das man mit diesem 
schönen Gitter verwechseln könnte. 

Einige für die Geschichte der sächsischen Schmiedekunst nicht un- 



16. und 17. Jahrhundert. 



. Oitt^rtUr in LBuensteii 



wichtige Gitter aus dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts sind eben- 
falls in Freiberg erhalten. Darunter wurde nachweislich eine Gittertor, 



Gitter, Sachaeo. 149 

die den kleinen, liinter der durch ihre Skulpturen hochberOhmten Goldenen 
Pforte gelegenen Friedhof gegen die Str&ße verscliließt, von «Abr. El. 
Hehner Hufschmit 1672" gefertigt (Fig. 111, S. 149). Auch dieser 
Meister hielt an fast schon veralteten Formen fest, nur durch Einzelheiten 



Fig. 111. GiltortBr in Freiberg i. S., lS7i heiffesttUt, 8. ÜB. 

tißt sich das Gitter von solchen unterscheiden, die um hundert Jahre 
früher entstanden. Aehnlich verhält es sich mit dem großen, künst- 
lerisch aber nicht sehr hochstehenden TJmfassiingsgitter der Boseschen 
tirabkapelle in der Marienkirche in Zwickau, das vom Meister Daniel 
Vogel im Jahre 1678 ausgeführt wurde. 



150 16. und 17. Jahrhundert. 



Die aus leichten, mit grotesken Gebilden ausgestatteten und mitein- 
ander verschweißten Spiralranken gebildeten Gitter, die in anderen deutsclien 
Landen am Ende des 17. Jahrhunderts zahlreich entstanden, scheinen in 
Sachsen kaum gefertigt zu sein, ziemlich früh dürfte aber das dünne 
Akanthuslaubwerk in den Gittern verwendet sein. 

Auf dem alten Johanneskirchhofe in Leipzig ist in eine Bogen- 
öffhung, die aus dem Jahre 1680 stammt, ein (in seinem Unterteile später 
ergänztes) Gitter eingepaßt, dessen große Spiralwindungen mit breitem 
Akanthuslaub umwachsen sind. 

Wesentlich bescheidener tritt das Akanthusmotiv in einem Oberlicht 
der Rückseite des Palais im Großen Garten zu Dresden auf. Nach der 
Entstehungszeit des Schlosses in den Jahren 1679 — 1680 darf auch das 
Gitter datiert werden. 

Spärlicher verteilt als in den bisher betrachteten deutschen Ländern 
finden sich hervorragende Schmiedeisengitter aus dem 16. und 17. Jahr- 
hundert in Nord- und Nordostdeutschland. Von nicht geringer 
Bedeutung waren für die Entwicklung der Gitterschmiedekunst am Rheine 
und in Süddeutschland die in unmittelbarem Auftrage der Kirchen ge- 
fertigten Arbeiten, vor allem also die großen Chorgitter und die Kapellen- 
gitter. Im protestantischen Norden war ein Bedürfnis in den Kirchen fOr 
solche Eisenschranken höchst selten vorhanden. 

Von besonderem Interesse ist es aber, daß eines der großartigsten 
Gitterwerke des deutschen Nordens, vermutlich in den letzten Jahren der 
katholischen Herrschaft, im Dome zu Schleswig als Schranke zwischen 
dem hohen Chore und dem Pfarrchore Aufstellung fand. Ueber den 
Meister und das Entstehungsjahr dieses eigenartig schönen Werkes ist 
nichts bekannt, doch sein Formcharakter und die berechtigte Annahme, 
daß es sich noch um eine Arbeit aus der katholischen Zeit des Schleswiger 
Domes handelt, gestatten seine Ausführung um das Jahr 1530 anzusetzen. 

Das Gitter ist aus senkrecht und wagrecht sich kreuzenden Yierkant- 
st'äben gefQgt und die quadratischen Felder sind mit Maßwerk gefüllt, 
das in jedem Felde aus zwei Fischblasenmotiven gebildet ist. In der 
oberen Felderreihe, von halber Breite der übrigen, sind delphinartige 
Wesen angeordnet, die den Einfluß italischer Formen unzweideutig er- 
kennen lassen. Die Stabkreuzungen sind auf einer Seite mit Blattrosetten 
besetzt. Die Bekrönung des Gitters bilden nach oben offene Bögen mit 
krausen zackigen Blattbüscheln, die auf den Spitzen abwechselnd um ge- 
wundene Spindeln — wie sie im 16. und 17. Jahrhundert in ähnlicher 
Form so zahlreich verwendet wurden — angeordnet sind. 

Das nachweisbar älteste norddeutsche Rankengitter hat sich auf dem 
Flure des Rathauses zu Lüneburg erhalten (Fig. 112, S. 151). Dieses 
überaus schöne Werk trägt die Jahreszahl 1576 und den Namen Hans 



Gitter, NorddeuUchland. 151 

Rüge; man Dimmt an, daß Kuge der Verfertiger war. In dem LUne- 
bnrger Eämmereibuch findet sich in den Jahren 1560 und 1580 ein Sciunied 
Hans Rugliese angeführt, der wahrscheinlich mit jenem Hans Euge 
identisch ist (nach einer mir von Herrn Dr. W. Behncke gewordenen 
Mitteilung). 



Flg. 119. Oltter In Lflneburg vqid Jahre 1B7«. S. leo. 

Große, kaum verzweigte und fast blattlose Ranken von vier bis fünf 
kouzentriscben Spiral Windungen, die, zu je zweien durch Bunde vereinigt, 
aber seltsamerweise nicht auseinander hervorwachsend, ftlnf Felder des 
Gitters füllen , verleihen ihm ein sehr eigenartiges Gepräge. In einigen 
Feldern sind nur Ranken kleinerer Form verbunden, in anderen mit einer 



152 16. und 17. Jahrhundert. 



großen Spirale etliche kleine. Die Windungen tragen in der Mitte je eine 
Spindelblume, nur die kleinsten eine Rosette. Freie Ranken mit Blumen 
verschiedener Form und mit grotesken Masken sind zwischen oben her- 
vorragenden Stäben angeordnet, die in große, vorgebogene Spindelblumen 
auswachsen. 

Ueber der Mitte des als Tür zu öffnenden Gitterteiles ist aus einer 
quadratischen Blechtafel ein reiches Wappen ausgehauen, das oben auch 
die Jahreszahl enthält. Unter dem Wappen steht zwischen durchbrochenen 
Omamentstreifen im ausgeschnittenen Grunde groß der vorher ange- 
gebene Name. 

Ein vortreffliches Gitter der Zeit um 1578 befindet sich in der 
Martinskirche zu Stadthagen (Schaumburg-Lippe) vor dem Epitaph des 
Grafen Otto IV. Die Einzelmotive sind die in jener Zeit üblichen, von 
Erfindungsreichtum und feinem Empfinden des unbekannten Meisters zeugt 
aber die Komposition. 

In Braunschweig ist neben anderen vielleicht noch im 16. Jahr- 
hundert hergestellten Gittern eine gute Rankengittertür vom Jahre 1594 
im Ereuzgange der Kirche Hinterbrüdern anzuführen. 

Bemerkenswerte Gitterfüllungen , die wahrscheinlich im Jahre 1589 
ausgeführt wurden, sind am Taufkesselumbau in der Nikolaikirche in 
Rostock i. M. angebracht. 

Ein Prachtwerk ist das Gitter, das vor dem Grabmal des im Jahre 
1571 gestorbenen Grafen Joachim Sparr in der Marienkirche in Berlin 
aufgerichtet wurde; seinem Formcharakter nach möchte man aber an- 
nehmen, daß es erst etwa um das Jahr 1600 entstand. Bedeutsam ist 
dieses Gitter besonders durch seine überaus stattliche Bekrönung, deren 
hoch das Rankenwerk überragende Stäbe in übereinander oder kreuz- 
artig angeordneten Spindelblumen endigen , und zum Teil noch FigQrchen 
tragen. 

Die Jahreszahl 1587 trägt ein tüchtiges, oben im Halbkreis abge- 
schlossenes Eisengitter vor der Dombrowskikapelle in der katholischen 
Pfarrkirche in Rheden (Westpreußen). Das Gitter ist in zwanzig Felder 
geteilt, deren Rankenmuster in der Regel doppelt vorkommen. Die vier 
mittleren Felder unten bilden die Tür, die Felder darüber enthalten die 
Familienwappen der Stifter und die Jahreszahl. 

Einige kleinere, aber höchst geschmackvolle Gittertüren, die noch in 
dem letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts gefertigt wurden, schließen 
die Taufkapelle und die Kanzeltreppe im Dome zu Königsberg ab. 

Die Kanzeltür wurde im Jahre 1589 gestiftet und vielleicht noch 
in demselben Jahre ausgeführt, für die Tür der Taufkapelle scheint als 
Entstehungsjahr 1595 festzustehen. Die Gitter sind so verwandter Art, 
daß für beide ein Meister angenommen werden darf. 



Gitter, Dänemark. 153 



Die oben lialbrunde Tür zur Taufkapelle trägt die als Peter Resekirch 
zu lesenden Anfangsbuchstaben P. R. des Stifters mit dessen Kaufmanns- 
monograinm. Das Schild mit den Schriftzeichen wird gehalten von zwei 
Tortrefflich in flachem Relief getriebenen männlichen Wesen mit Pisch- 
schwänzen, aus denen einfach geführte Ranken hervorwachsen. Gut in 
Form und Verteilung sind auch die ebenfalls zum Teil plastisch behan- 
delten MitielfüUungen der Spiralen. 

Die rechteckige Kanzeltür ist durch eine reiche Bekrönung beson- 
ders ausgezeichnet. 

Im 17. Jahrhundert sind in Norddeutschland nur wenige Gitter werke 
gefertigt, die auch in der Größe über das gewöhnliche Maß hinausgingen. 
Zahlreich erhaltene treffliche kleinere Gitterarbeiten geben aber das Bild 
einer höchst lebendigen Entwicklung, leider ist nur selten die Entstehungs- 
zeit der Werke genau anzugeben. 

Im westlichen Teile Norddeutschlands sind als Arbeiten des 17. Jahr- 
hunderts anzuführen etliche Fenstergitter am Schloß in Wernigerode i, Ä, 
ein Ausschaugitter vor einer großen Maueröffnung und ein Gitter in der 
Martinskirche in Halberstadt ^ ein Gittertor, das jetzt am «Haus der 
Vater** in Hannover aufgestellt ist und die Türen im Lettner des Domes 
in Hildcsheim^ der selbst mit der Jahreszahl 1546 bezeichnet ist. 

Ein zeitlich sicher festlegbares, vortreffliches Gitterwerk vom Jahre 
1675 ist am Taufbecken der Martinskirche in Braunschweig erhalten; in 
der Hauptlinienführung gleicht es im ganzen noch Werken der Zeit um 
1600, die Einzelformen würden aber über die Entstehungszeit kaum Zweifel 
aufkommen lassen. 

Die Jahreszahl 1685 findet sich in dem Rankenwerk einer Gitterttir 
des Domes in Schleswig. Die Art der Führung und Verzweigung und 
die Flachheit der fast rein linearen, kaum an irgendwelche Naturgebilde 
erinnernden Rankenzüge würde auch hier ohne weiteres auf eine Arbeit 
aus dem Ende des Jahrhunderts schließen lassen. 

Daß sich auch als höchst seltene norddeutsche Arbeit wohl des 
17. Jahrhunderts im Hofe des Schlosses Breitenburg (Kreis Steinburg, 
Holstein) eine eiserne Brunnenhaube befindet, soll nicht unerwähnt bleiben. 
Sechs gewundene Stützen tragen in diesem Falle das aus Rundeisenstäben 
geflochtene Dach. 

Bemerkt sei hier, daß etliche ausgezeichnete Eisengitter im Gebiete 
des jetzigen Königreiches Dänemark ganz unter deutschem Einflüsse 
oder gar von deutschen Meistern ausgeführt wurden. 

Ein prachtvolles Werk ist das Gitter im Dome von Roskilde an der 
Grabkapelle Christians IV. (1588—1648), die im Jahre 1617 errichtet 
wurde (Fig. 113, S. 154). Bezeichnet ist das Gitter auf der unteren Tür- 
schiene: , Caspar Fincke bin ich genant — Diser Arbeit bin ich be- 



154 16- und 17. Jahrhundert. 

kant". Meister Fiticke führte dieses künstlerisch uod technisch gleich 
hervorragende Gitter im Jahre 1619 aus. Koch ein anderes, wohl etwas 
jüngeres, ebenfalls ungewöhnlich schönes Gitter ist in Jioskilde erhalten. 



Flg. 113. Gitter in Roskilde vom Jubre leis. S. ih3. 

Eine ansehnliche Leistung ist auch ein Gitter vom Jahre 1641 in 
der Frauenkirche zu AaJborg. 

Eine GittertQr der St. Petrikapelle in Kopenhagen vom Jahre 1684 
ist bezeichnet: HAMÜNNICH FECIT. 

In den letzten Jahren des 17. Jahrhunderts, vermutlich im Jahre 16dS, 
entstand eine Gittertür der Kirche von TisIctJ. 



Gitter, NorddeuUchland. 155 

Vielleicht die meisten Gitter, besonders aus der ersten Hälfte des 
17. Jahrhunderts, haben sich im deutschen Norden in Danz'ig erhalten. 

An erster Stelle zu nennen sind in der Marienkirche das vortrefflich 
komponierte Gitter vor der St. Jakobskapelle und das ebenso eigen- 
artige vrie geschmackvolle Gitter vor dem Orabmal des Simon Bahr vom 
Jahre 1620 (Fig. 114, S. 155). 

Das untere Drittel des Gitters vor der Jakobskapelle ist mit Aus- 
nahme der TOr aus doggenartigen Stäben gebildet. Die Hauptfelder sind 



Fig. IN. Qitter in Danzlg. Marienkirche, nm 1030. S. ISG. 

gefüllt mit Knotenwerk und fast blattlosen Ranken. Flache, bald rund- 
Uch, bald grotesk ausgestaltete Gebilde zieren zielfach die Mitten, und 
spitze homartige Auswüchse durchdringen strahlig die Spiralwindungeu 
and die Obrigen Verzweigungen. 

Aehnliche Formen kommen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts 
besonders im östlichen Deutschland häufiger vor, fllr Damig sind sie 
geradezu typisch, wie das Gitter des Brunnenhäuschens und die Ober- 
lichter des im Jahre 1605 vollendeten Zeughauses und die schönen TOren 
(Fig. 115, S. 156) des um 1630 errichteten Brunnens auf dem Langen 
Markte erkennen lassen. Bei dem Grabgitter sind nur in der Bekrönuug 
derartige Ranken verwendet, der künstlerisch wertvollere Teil ist bei diesem 
der aus kräftigen vierkantigen Stäben gebildete untere Hauptteil. 

Kur wenige bemerkenswerte Gitter des 17. Jahrhunderts sind in der 
Mark Brandenbui^ erhalten. 

In Berlin ist ein ganz stattliches Qitter in der Nikolaikirche vor dem 



156 1^- uii'l 1'^- Jahrhundert 

Grabmal der t. Eotteritz vom Jahre 1610 aufgestellt. Im Aufbau gleicht 
es dem Gitter Tor der Jakobskapelle in Damig, aber in der Führung und 
Ausgestaltung der Banken erreicht es nicht dessen küDstlerische Feinheit. 
Als Werk der Ueber^&ngzeit zum 18. Jahrhundert sei schließlich 
eine Anno 1700 bezeichnete GittertHr in Zinna erwähnt. Die Felder 



Fig. lie. Oitter vom Brunnen aul dem Landen Harkte in Banzig, nm lean. S. IN. 

dieser TUr sind mit dichtbelaubten, dünnblätterigen Akanthusspiralen 
gefüllt. 

Die Betrachtung hat et^eben, daß das bei weitem wichtigste Zier- 
element in den deutschen Gittern des 16. und 17. Jahrhunderts die Ranke 
oder im weiteren Sinne die Spirale ist. Außer den angefahrten Gitter- 
typen anderer Art, hätten weitere erwähnt werden können, bei denen 



Gitter, Spanien. 157 



die Felder stoffmusterartig, durch Reihung einfacher Formen gefüllt sind, 
doch diese Gitter sind für die Entwicklung in Deutschland belanglos. 

Nächst den deutschen Gitterarbeiten sind im 16. Jahrhundert bei 
^veitem von größtem Interesse die spanischen. Die zum Teil geradezu 
kolossalen Eisenschranken der spanischen Kirchen bilden zeitlich und ört- 
lich, technisch und künstlerisch eine Gruppe, der eine andere nicht anzu- 
reihen ist. Es sind nicht Schmiedearbeiten im engeren Sinne, nicht der 
Formung und Verbindung des glühenden Eisens danken sie in erster 
Linie ihre künstlerische Gestalt. Holz, Bronze und besonders Blech als 
Bekleidungsstoff und als Material für die in größtem Reichtume verwen- 
deten plastischen Dekorationen wurde beim Aufbau dieser Gitterwerke 
gleichwertig neben dem massiven Eisen verarbeitet. 

Breite, reichst ornamentierte, horizontale Friese im Schema des von 
Säulen getragenen Gebälkes begrenzen und gliedern die mächtigen, oft in 
mehreren Reihen übereinander angeordneten, ebenfalls reich verzierten, 
meist schlank balusterförmigeu Stabsysteme, und über das Ganze zieht 
sich eine prunkvolle Bekrönung. Die Stäbe sind stets aus dem vollen 
Eisen geschmiedet, aber schon bei den eingeschalteten breiteren kantigen 
oder runden Ständern umkleidet oft getriebenes Blech einen Holzkern. 
Aehnlich sind zumeist die Querfriese ausgeführt. Auch vollrunde Zier- 
teile, besonders Figuren, wurden häufig in zwei Hälften aus Blech ge- 
hämmert und dann zusammengefügt. Die Motive der schmuckfreudigen 
italienischen Dekorationskünstler der Zeit um 1500 verbreiteten sich im 
Anfange des 16. Jahrhunderts schnell in Spanien, schon früh findet man 
sie auch in den Gittern und äußerlich nicht abweichend von den gleich- 
zeitig in Stein oder Holz ausgeführten Formen. Farben und Gold wurden 
wohl ausnahmslos verwendet, um die Pracht dieser Werke noch mehr zu 
steigern. 

Die Kunst des Architekten, des Bildhauers und Goldschmiedes er- 
scheint bei diesen Gitterwerken mit dem Können des Schmiedes vereint, 
und schon die Zeitgenossen bezeichneten die Meister als Bildner und Bau- 
künstler. In vielen Fällen sind die Namen der Meister und die Ent- 
stehungszeit der Gitter überliefert. 

Aufgestellt waren die Gitter auch im 16. Jahrhundert in den Kirchen 
vor den Seitenkapellen (Fig. 116, S. 158), um Grabmäler, und besonders 
als Schranken zwischen Chor und Schiff und als Abschluß der hinter dem 
Chore liegenden Capilla Mayor. 

Die rundliche Formung aller omamentalen Teile und zumeist auch 
der Stäbe steht, ähnlich wie in Deutschland, auch bei den spanischen Gittern 
des 16. Jahrhunderts im entscheidendsten Gegensatz zu den älteren Ar- 
beiten. Für Spanien glaubt man diese Wandlung insbesondere mit einem 
Meister in Verbindung bringen zu dürfen, der bereits 1482 in Toledo 



158 16- uud 17. Jahrhundert. 

als Scilmied nachweisbar ist, nämlicli dem Juan Francis. Von diesem 
befindet sich im South Kens. -Museum in London ein Gitter aus Afiia 
mit der Bezeichnung ,obrti de maestre Juan Francis (od. Francis?) maestro 
major de las obras de tierro", das bereits die entwickelten Formen des 



FiE 11« Kapcllengitter in Pulencia, Kathedrale. S. ill7. 

sogen. Plateresque-Stiles des 16. Jahrhunderts aufweist. Von demselben 
Meister wurde gefertigt das Gitter in der Hauptkirche von AvUa, das 
ähnlich dem Londoner Beispiele bezeichnete Gitter vor der Capilla Mayor 
in der Colegiata der Universität Alcala de Henares, vielleicht auch 
ebendort die schönen Fenstergitter und die mit der Jahreszahl 1525 be- 
zeichnete Kanzel in der Kathedrale von Ävila (Fig. 117, S. 159), Nur 



Gitter. Spanien. 159 



das Piedestal ist bei dieser aus massiven) £isen gefertigt. Der sechs- 
seitige Oberbau besteht aus Holz und ist mit reich getriebenen dUnnen 
£isenpl&tten belegt. (Vergl. über diese und andere spanische Arbeiten: 
Gardner, Iroawork II. Band, Riaüo, The industrial arts in Spain, 



Fig. in. Kunzd in Avilu vom Jahre 1526. S. 1GS. 

London 1879 und Andrew N. Prentice, Renaissance architecture and 
Ornament in Spain, London 1893.) 

Eine Reihe großartigster Werke schuf Meister Francisco de Sala- 
manca. Für die Kathedrale von ScfUla führte er in den Jahren 1518 



16. nnd IT. Jabrbundert. 



Fig. 118. Qitter in Sevilla, ausgemhrt ms-l533. S. leo. 

bis 1533 dos Fron^itter der Capilla Hajor mit einer Kanzel an^ljeiler 
Seite aus (Fi^. 118, S. 1(30), andere Gitter für die Klosterkirche in 
Guadalupe und für die Katbedrale in Satamanca; wahrscheinlich arbeitete 



Gitter, Spanien. 161 



er auch für die dortige Universität. In der Cartuja bei Burgos umgab 
er die Grabmaler des Johann und der Isabella von Portugal und des 
Infanten Don Alonso mit würdigen Eisenschranken. 

Die Seitengitter der Gapilla Mayor in Sevilla fertigte im Jahre 1518 
Sancho Munez von Cuenca; dieser Meister schuf für dieselbe Kathedrale 
im Jahre 1519 das Ghorgitter. 

Zu den schönsten Beispielen gehört das reiche Gitter vor der Capilla 
reale in der Kathedrale von Granada (Fig. 119, S. 162). Eine Inschrift 
daran besagt: ,,Maestro Bartolome me fec.*^, es entstand in den 
Zwanzigerjahren des 16. Jahrhunderts. Die in köstlicher Feinheit ge- 
triebenen Figuren und Ornamente sind bei der kolossalen Größe besonders 
zu allen Zeiten bewundert. Auf reiche Farbigkeit verzichtete man auch 
hier nicht; die Ornamente waren vergoldet, die Figuren bunt bemalt. 
Bekannt ist, daß Meister Bartolome auch in Jaen und Sevilla arbeitete. 

Ein paar Riesenschranken begrenzen ferner den Chor und die Gapilla 
Mayor der Kathedrale von Toledo. Kleinere Gitter schließen dort die 
Heiligegeistkapelle und die Taufkapelle ab. 

Das Gitter der Capilla Mayor ist ein Werk des Meisters Francisco 
Villalp ando aus Valladolid (oder Palencia?)^ es wurde im Jahre 1548 
vollendet. Die Hauptstützen daran sind in Bronze gegossen und vielleicht 
eine Arbeit des Fernando Bravo, der als Mitarbeiter am Gitter bekannt 
ist. Die anderen genannten Gitter in Toledo wurden von Domingo 
Cespedes von Toledo ausgeführt; ebenfalls im Jahre 1548 war das 
Chorgitter fertiggestellt, das Gitter der Heiligengeistkapelle wurde bereits 
im Jahre 1529 vollendet. 

Als einer der vorzüglichsten Gitterschmiede in Spanien muß weiter 
Cristoval de Andino genannt werden. Nicht durch Größe, aber durch 
einfachste, schönste Komposition und Formgebung ausgezeichnet ist sein 
Gitter vor der Capilla del Condestabile in der Kathedrale von Burgos. 
Es ist bezeichnet „Ab Andino. A. D. MDXXIII**. Ein zweites Gitter von 
seiner Hand findet sich dort vor der Capilla de la Presentacion. 

Im Jahre 1520 führte der Künstler das Gitter vor der Capilla Mayor 
in der Kathedrale von Palencia aus und im Jahre 1530 erhielt er Be- 
Zahlung für das Gitter der Capilla de San Pedro in derselben Kathedrale. 

Als Arbeit Andinos hat man auch das überaus reiche von Diego 
Sylve bezeichnete Eisenwerk der Escalera dorada, der goldenen Treppe 
im nördlichen Querschiff der Kathedrale in Burgos angesehen. 

Eine Anzahl schönster Gitter, von verschiedenen Meistern ausgeführt, 
sind auch in der Kathedrale von Cuenca erhalten. 

Als Werk des Sancho Munez, dem Künstler des Chorgitters in 
Sevilla^ gilt das Gitter hinter dem Hochaltar. Das im Jahre 1517 
vollendete Gitter der Capilla Mayor schuf Hernando de Arena s. 

Lfter, Unedle Metalle. 11 



16. und 17. Jahrhundert. 



Die Aufzählung der bedeutenderen spanischen Qitterwerke des 16. Jahr- 
hunderts ist mit den genannten noch nicht erschöpft, auch zahlreiche 



. aitter in Or&nads, Katliedritle. 8. l 



Meistemamen , die zum Teil mit bestimmten Werken zu rerbinden sind, 
sind außer den angeführten noch bekannt, hier mdge aber der Hinweis 
auf die schon vorher zitierten Schriften genügen. 



Gitter, Frankreich. 163 



Dem gewaltigen Aufschwünge der Schmiedekunst folgte in Spanien 
schnell ein lange dauernder Tiefstand. Schon im letzten Drittel des 
16. Jahrhunderts entstanden nur noch wenige bedeutende Gitterwerke und 
aus dem 17. Jahrhundert sind nennenswerte Arbeiten überhaupt nicht 
bekannt. 

Ueber die französische Gitterschmiedekunst des 16. Jahrhunderts 
ist ein völlig sicheres urteil nicht zu fallen, erhaltene Werke gibt es kaum 
und in Schriftquellen ist nur ein mangelhafter Ersatz dafUr zu finden. 
Möglich ist, daß auch etliche Eisenschranken aus dieser Zeit der Revo- 
lution zum Opfer gefallen sind, allein alle Anzeichen sprechen dafür, daß 
die Eisenkünstler des 16. Jahrhunderts fast ausschließlich mit anderen 
Aufgaben beschäftigt waren, auf die noch zurückzukommen sein wird. 
Einige Aufschlüsse über die Art der an königlichen Bauten in großer 
Menge ausgeitlhrten Schlosserarbeiten geben die Rechnungsberichte, die 
von Delaborde herausgegeben sind. Die zahlreichsten Arbeiten wurden 
wohl um die Mitte und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von 
den Schmieden Anthoine Morisseau in Pam und Mathurin Bon in 
St. Germain-en-Laye für das dortige Schloß und das Schloß in Fon- 
tainebleau ausgeführt. 

Eine neue langdauemde Blüteperiode waren aber für die französische 
Gitterschmiedekunst das 17. und 18. Jahrhundert. Und wenn auch die 
meisten und schönsten Werke dieser Zeit vernichtet sind, so ist uns doch 
die Mehrzahl zum wenigsten in Abbildungen erhalten geblieben. 

Die französische Gitterschmiedekunst des 17. und 18. Jahrhunderts 
ist auf Grundlage der Abbildungen verlorener Werke und im Zusammen- 
hange mit den itlr die Werkstätten geschafienen Stichfolgen in jüngster 
Zeit ausführlich untersucht worden von A. Brüning (Die Schmiedekunst 
seit der Mitte des 17. Jahrhunderts, Leipzig, E. A. Seemann, 1902). Ein- 
gehend beschäftigt sich mit demselben Gebiete auch Gardner in dem 
zweiten Bande seines schon erwähnten Werkes „Ironwork* (London 1896). 
Die Schmiedeisenornamentstiche im allgemeinen behandelt Du plessis in 
seinem Aufsatze: La serrurerie, in der Revue des arts däcoratifs Bd. 7, 
S. 161 ff. und als Abbildungswerk besonders für französische Gitter des 
17. und 18. Jahrhunderts sei angeführt: Daly, Motifs divers de serrurerie, 
Paris, Ducher & Cie. Zahlreiche wichtige Angaben finden sich in den 
Ton Guiffrey herausgegebenen Comptes des bätiments und in dem Werke 
von Dussieux: Le Chäteau de Versailles. Diese Arbeiten sind auch 
vorzugsweise den folgenden Ausführungen zu Grunde gelegt. 

Deberaus schwierig ist es, die Art der französischen Gitter des 
17. Jahrhunderts kurz zu charakterisieren. Man kann sagen, daß zur 
Zeit Ludwigs XIII. einfach und in Anlehnung an pflanzliche Bildungen 
gef&hrte Linien mit spiraligen Endigungen vorherrschten, während später 



164 16. und 17. Jahrhundert. 



die gebrochenen Linien für den Eindruck des Ganzen bestimmend wurden. 
Um die Mitte des Jahrhunderts wurden die Motive antiker Reliefomamente 
vorübergehend in den Qittern tonangebend, dann wurde mehr und mehr 
eine architektonische Art des Aufbaues, eine senkrechte Teilung oder 
Begrenzung durch pfeilerartige Glieder aufgenommen, und giebelarti^e 
Aufbauten über den Gebälkfriesen der Gittertore wurden zur Regel. In 
den Füllungen fanden sich dabei aus Geraden und Bogen in gebrochener 
Linienführung gefügte, mit Blättern bereicherte Muster. 

Zu den schönsten französischen Schmiedeisengittern dieser Periode 
sind einige im Louvre in Paris erhaltene zu rechnen, darunter wohl als 
ältestes Werk eine Brüstung im sogenannten Croisde Karls IX., die nacli 
dem verschiedentlich im Gitter groß angebrachten „H* während der Re- 
gierung Heinrichs IV., also um 1600 entstanden sein dürfte. 

Diese Brüstung ist in demselben Formkreise ausgestaltet, wie die um 
einige Jahrzehnte jüngeren, noch weit großartigeren Schmiedeisenarbeiten 
des Schlosses Maisons-sur-Seine bei St. Germain-en-Laye , das in den 
Jahren 1642 — 1651 für den Präsidenten des Parlaments Ren^ de Longueil 
von Fran^ois Mansart erbaut wurde. Die beiden Hauptschmiedewerke 
dieses Schlosses sind die beiden jetzt im Louvre in Paris vor der Apollo- 
galerie und dem Saale der antiken Bronzen aufgestellten mächtigen, in 
blankem Eisen ausgeführten Gittertore (Fig. 120, S. 165, Fig. 121, S. 166 
und Fig. 122, S. 167), von denen alte Beschreibungen der Umgebung von 
Paris angeben, daß das eine von einem französischen, das andere von 
einem deutschen Schmiede gefertigt sei. 

Antike Motive sind in diesen großartigen Schöpfungen in höchst 
eigenartiger, strenger symmetrischer Form verarbeitet. Eine breite, aus 
flechtbandartig verbundenen Ringen gebildete Borte umzieht ringsum die 
Türen und ist quer über den Türflügeln hergeführt. Aehnliche schmä- 
lere, mit Rosetten gefüllte Bänder begrenzen außerdem die Felder. Der 
obere Türteil ist in beiden Fällen symmetrisch gefüllt mit einem nach 
den Seiten in üppige Akanthusranken auswachsenden männlichen ge- 
flügelten Oberkörper, den zwei Putten bekrönen. Die durch senkrechte 
Mittelbänder und ein ovales Feld gegliederten Flügel sind im einen 
Falle mit vollem Akanthuslaubwerk , im anderen mit einem Geflecht- 
muster, das einen Baluster umschließt, gefüllt. In den Mittelovalen 
der Flügel finden sich die Abzeichen Merkurs in Verbindung mit Aehren 
und Blattwerk. Löwenmasken sind auf den Hauptpunkten der Um- 
rahmung angebracht, ein Satyrkopf tritt aus dem Friese unterhalb des 
Oberlichtes hervor. 

Die Erfindung dieser Türen wird Jean Marot zugeschrieben. Unter 
den zahlreich erhaltenen Entwürfen für Eisenarbeiten verschiedener 
Art dieses Meisters befindet sich auch der Stich einer Tür, die an- 



Gitter, Frankreich. 



Fig. na. Tat am dem Sohlo.«« Maisona-sur-Seine, jetit im i,o..rr(-J(w«™, Pnr 



. und 17. Jahihondert. 



nähernd derjenigen vor der Apollogalerie gleicht, und bezeichnet ist 
.Porte de fer du vestibule du Cbateau de Maisons. Jean H&rot fecit'. 



Brüning uimmt an (a. a. 0. S. 24), daß es sich Tielleicht um die Ab- 
bildung eines Tores handelt, das als Gegenstück zu dem noch erhaltenen 
gedient hat. 



Gitter, Frankreich. 167 

Ä.uf Marot dUrften dann auch einige Brüstungs^iptter desselben Schlosses 
zurQckzufllhren sein, unter anderen das Gitter des Belvedere- und des 
Voltaire-Zimmers. Auch in diesen Gittern sind Tomehmlich antikisierende 
EUemente verwendet. 

£iliche ebenfalls um die Mitte den 17. Jahrhunderts entstandene 
Oitter verwandter Art haben sich an dem für den Parlamentspräsidenten 
Claude BuIUon erbauten Schloß Videville (Dep. Seine-et-Oiae) erhalten. 
Sie sind als Brüstungen auf Galerien, als Fenster- und Türgitter dort 
■verwendet. Auch die Gitter im Park des Schlosses Carrottges (Ome) und 
des Chäteau de Vaux le Vicomte gehören künstlerisch und zeitlich der- 
selben Gruppe an. 



Flg. 13t. TUr la ParU, Lodvt«. Siebe Fig. ito, S, IM. 3. lu. 

Sonst sind nur über wenige Gitterarbeiten aus der ersten Hälfte des 
17, Jahrhunderts Nachrichten oder Abbildungen Überliefert. Für Schloß 
Ftmtainfibleau sollen im Jahre 1634 die Gittertore unter der Escalier du 
fer ä cheval und im Jahre 1640 von dem Schmied Achill Fojart von 
Paris Brüstungsgitter und die Gittertür der Porte Dauphine gefertigt sein. 
In einem 1642 herausgegebenen Werke; Le Tresor des merveilles de . . . 
Fontainebleau par le R. P. F. Pierre Dan, ist die Rede von „ramages 
et balustrades de fer bien peints et dorez". Bedeutende Gitterarbeiten 
wurden dort nach den Ausweisen der Comptes des bätiments in den 
Sechzigerjahren ausgeführt von Fleurant Fromentel und anderen 
Schmieden. 

Für die Entfaltung der französischen Schmiedekunst des 17. Jahr- 
hunderts von allet^rößter Bedeutung war das Schloß von Versailles, die 



168 l(i- und 17- Jahrhundert 

eisernen Gitter, BalkonbrUstungeii und Ausbauten mtlssen iür den künst- 
lerischen Gesamteindruck dieses ft)r die Fttrstensitze ganz Europas vorbild- 
lich gewordenen Bauwerkes von entscheidendem Einfluß gewesen sein. 
Erhalten sind an Ort und Stelle nur wenige kleinere Gitter, darunter 
BalkoubrUstungen (Fig. 123, S. 168). Stiche und Rechnungsberichte ge- 
währen aber Über Entstehung und Verwendung des Eisens im Yersailler 
Schloß ein einigermaßen zuverBssiges Bild. 

Im Auftrage Ludwigs XIV. wurden die Eisengitter des Schlosses in 
der Hauptsache in den Jahren 1664 — 1680 von verschiedenen Schmieden 
ausgeftlhrt. Daß auch der ältere Schloßbau Ludwigs XIII. schon mit 



Fig. las. Balkoneitler in Versailles, Schloß. S. i«8. 

Eisengittern reich geschmOckt war, lassen die Stiche des Israel Silvestre 
vom Jahre 1664 ersehen. Unter anderem umzog eine fortlaufende Balkon- 
brQstung das Schloß im ersten Obergeschoß. 

In UeberfUIle wurden aber an der seit 1661 im Umbau begriffenen 
gewaltigen Schloßanlage Ludwigs XIV. hohe freistehende und niedr^e 
am Bauwerke selbst angebrachte Eisenschranken verwendet. 

Ein Stich Silvestres vom Jahre 1674 gibt eine Gesamtansicht des 
Neubaues. Die kolossalen, in Absätzen nach hinten zu enger werdenden 
Vorhöfe waren danach vorn und etwa in der Mitte der ganzen Anlage 
durch Gitter geschieden und schlössen die Wohnung des «allerheiligsten* 
Königs von der Außenwelt wirksam ab. 

Vergoldete Balkonbrüstungen zierten auch damals die Fassaden und 
als Gitterwerke ganz eigener Art müssen die im Jahre 1671 von den 
Schmieden Mathurin le Breton und Christoph le Mangin je fdr 
2500 Franks angefertigten vergoldeten „Voliferen" in der Cour de marbre 



Gitter. Frankreich. 169 

genannt werden, die in der Höhe eines Geschosses als erkerartige Qitter- 
rorbaaten in den Ecken angehracht waren. Al^ebildet finden sie sich 
auf Stichen Lepautres vom Jahre 1676. 

Auf Stichen Silvestres aus den Jahren 1682 und 1684 fehlen sie 
und zugleich lassen diese Abbildungen erkennen, daß in jenen Jahren 
noch andere Veränderungen mit den Eisenarbeiten in den Höfen des 
Schlosses vorgenommen waren, insbesondere waren die großen Abschluß- 



Fig. 114. Vorbafglttcr am Schlosae za Versailles. S. IM. 

gitter durch neue, reichere ersetzt (Fig. 124, S. 169), Die Arbeiten für 
die neuen Gitter scheinen im Jahre 1678 begonnen zu haben, in diesem 
Jahre findet sich in den RechnungsbUchem die Notiit: Pour les piedestauz 
et grilles de fer qui doibvent fermer la cour .... 15000 Livres. Im 
Jahre 1680 mOssen die neuen Gitter bereits aufgestellt gewesen sein, denn 
es werden Zahlungen fUr die Gitter des ,cour et avantcour" verzeichnet. 
Als ausfOhrende Meister werden Luchet, Hast^ und Fordrin genannt. 
(Guiflrey, Comptes des bätimaux Bd. I, S. 1013, 1153, 1272 etc.) 

In derselben Zeit (1677 — 1679) entstanden auch die Gittertore zur 
Escalier du Roi; als ihr Verfertiger wird Simon Delobel genannt, von 



170 16- ""d !'■ Jahrhundert. 

dem auch zahlreiche BalkonbrQstungen und andere GitterarbeiteD in Ver- 
sailles ausgeführt wurden. 

Auch im Park von Versailles waren eiserne Brüstungen, Trennungs- 
schranken, Tore und verwandte Arbeiten zahlreich verteilt, unter denea 
eine der merkwürdigsten und umfangreichsten der eiserne Triumphbogea 
im Bosquet de l'arc de triomphe war, wo sich außerdem eiserne Gittet- 
pyramiden u. a. m. befanden, alles Arbeiten des schon genannten Delobel 
aus den Jahren 1677 — 1683, Drei für die Grotte der Thetis schon im 



Fig. 116. TreppeQglttflr un ScbloS Or. Trianon, Tarsailles. S. i:o. 

Jahre 1666 von Matburin le Breton ausgefUhrte Gittertore mußten 
mit jener schon im Jahre 1686 anderen Bauausführungen weichen. 

Eine fUr die Persönlichkeit Ludwigs XIV. und sein offenbar doch 
tiefer gehendes künstlerisches Interesse an allen in Versailles aus- 
geführten Arbeiten sehr bezeichnende Notiz gibt Dussieux in seinem 
ausgezeichneten Werke : Le Chäteau de Versailles 2. Ed. Bd. 2, S. 260. 
Er hat festgestellt, daß die Eisengitter am Bosquet des Domes den Be- 
suchern auf ausdrücklichen Befehl des Königs besonders gezeigt werden 
mußten. 

Von in Versailles aus dem 17. Jahrhundert erhaltenen Arbeiten sei 
nur noch genannt das Gitter am Eingang zum großen Gemüsegarten nnd 
das Geländer einer Freitreppe an dem in den Jahren 1687 — 1688 erbauten 



Gitter, Frankreich. 171 



Schlosse Grand Trianon, eine Arbeit des Schmiedes Alexis Fordrin 
(Fig. 125, S. 170). 

Auch an anderen unter Ludwig XIV. erbauten oder erweiterten 
Schlössern und Staatsbauten war dem Schmiedeisen eine sehr bevorzugte 
Stellung eingeräumt. Teils bedeutende Gitteranlagen fanden sich bei- 
spielsweise in Meudon^ St Cloud^ Clagny^ Sceaux und besonders in Marly. 
In Sceaux gab es unter anderem ähnlich wie in Versailles ein doppeltes 
Vorhofgitter. Das Schloß Marly wurde rings von einer zwar erst im 
Anfange des 18. Jahrhunderts ausgeführten eisernen Brüstung umzogen; 
schöne Gitter befanden sich auch im Innern und in den Parkanlagen. 
Bekannt ist, daß dort um das Jahr 1680 ein Schmied Michel Hast^ 
Taisn^ arbeitete, auf den ein Teil der älteren Gitter zurückzuführen 
sein wird. Ein Schmied des gleichen Namens, vermutlich derselbe, fertigte 
im Jahre 1676 auch Gitter für Clagny^ die mit etwa 5000 Franks be- 
zahlt wurden. 

In den Kirchen, in denen man in Frankreich während des 16. Jahr- 
hundert für reichere Trennungsschranken dem Steine in zierlichster Be- 
arbeitung den Vorzug gegeben hatte, mehrten sich im 17. Jahrhundert 
wiederum die Eisengitter, und einige derselben sind aus jener Zeit er- 
halten, von anderen geben uns Stiche eine leidliche Vorstellung. 

An erster Stelle genannt zu werden verdient das Chorgitter der Erche 
Val-de-6räce in Paris. Es wurde in dem Jahre 1666 von den Meistern 
Jean Demouchy und Säbastien Math^rion ausgeführt (Fig. 126, 
S. 172). 

Große Gitteranlagen befanden sich etwa aus derselben Zeit in St, 
Denis, 

Weiter anzuführen sind einige Kapellengitter in den Kathedralen von 
Bouen und Dijon und das ein wenig jüngere wohl um 1680 gefertigte 
Gitter im Chor von St. Eustache in Paris^ von dem ebenfalls Stiche be- 
kannt sind, z. B. in einer bei N. de Poilly erschienenen Folge. 

Eine Reihe kleinerer aber trefflicher Gitter des 17. Jahrhunderts 
haben sich in Privatbauten erhalten. In dem angeführten Werke von 
Daly sind einige Oberlichtergitter und Balkonbrüstungen aus Paris und 
Toulouse abgebildet, die zum Teil noch in der ersten Hälfte oder um 
die Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden sind. 

In wirksamster Weise vervollständigt wird das Bild der französischen 
Oitterschmiedekunst des 17. Jahrhunderts, das nach den an bekannten 
Stellen ausgeführten Arbeiten zu gewinnen ist, durch die in Menge erhal- 
tenen Entwürfe, nach denen vermutlich noch zahlreiche Gitter ange- 
fertigt wurden. 

Die ältesten in Stichen erhaltenen Gitterentwürfe, deren Entstehungs- 
zeit von Gardner (Ironwork II, S. 159) in die Zeit um 1615 angesetzt 



172 16. und 17- Jahrhundert. 

wird, sind bezeichnet P. G., was auf den Namen Pierre Gaudin ^• 
deutet wird. 

In der im Jahre 1627 erschienenen Folge von Stichen und Abreibungen 
des Matburin Jousse: La fidelle ouverture de l'art du serrurier, fehlen 



Fig. ise. rhorgitter vom Jahre lfl«6 in fler Kirche Val-de-Oräce in Paris. S. m. 

Abbildungen von Gittern, nur zwei EntwUrfe fUr Brunnenbauben im Typus 
der z. B. im Hofe des Clunj-Museums aus dem 15. Jahrhundert und 
eines im Museum zu Toulouse aus dem 16. Jahrhundert erhaltenen finden 
sich in dem Hefte. 

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts wird die dekorative Kunst be- 
herrscht TOn den Entwürfen der großen Ornamentmeister, des Jean Marot, 



Gitter, Italien. 173 



des Jean Lepautre und des Jean B^rain (eingehende Angaben darüber bei 
Brüning a. a. 0.). Den Anregungen dieser folgen zahlreiche Stecher, und 
die Schlosser selbst veröflfentlichen eigene Entwürfe oder die von ihnen 
ausgeführten Arbeiten. Besonders hervorzuheben sind einige Stichfolgen 
des Michel Hast^, von denen zwar nur eine 1663 erschienene Folge von 
sechs Blättern, die dem Achitekten de Lespine gewidmet ist, ihm mit Sicher- 
heit zugeschrieben werden kann. 

In Italien scheint im 16. und 17. Jahrhundert der vorher fast allein 
vorkommende Vierpaßgittertjpus, für hervorragendere Arbeiten kaum noch 
angewendet zu sein, das Stabgitter trat zumeist an dessen Stelle, seine 
Art lebte aber fort, wenn auch mit einigen Abwandlungen. Die wich- 
tigste seit dem Ende des 15. Jahrhunderts am Paßgitter auftretende 
Aenderung war eigentlich mehr technischer Art; die Pässe wurden nicht 
mehr, wie vorher zu einem Stück verschweißt, sondern gewöhnlich aus 
vier C-fbrmig gebogenen Teilen mit eingeschalteten Zwickelfüllmotiven 
gebildet, die durch Umlegen von Bunden vereinigt werden. Ferner wurde 
zumeist die Achsenrichtung der Pässe in sich verschoben, an die Stelle 
der bisherigen +- Anordnung der Bogensegmente trat die mit schräg X ge- 
stellten Achsen. 

Daneben kamen schon im Ausgange des 15. Jahrhunderts Kom- 
binationen vor, wie man sie z. B. an dem Gittertor im Palazzo Bevilaqua 
in Bologna findet, das vermutlich gleichzeitig mit diesem Bau ent- 
standen ist. 

Schon im 16. Jahrhundert wurden bisweilen den C-förmigen zum 
Gittermuster vereinigten Teilen S-förmig gebogene vorgezogen; das 17. Jahr- 
hundert benutzte diese Anregung weiter und bereichert die S-Glieder durch 
ein scharf geknicktes Mittelstück. 

Die in ihren wesentlichen Zügen skizzierten, vielfach hin und her 
schwankenden Hauptform Wandlungen vom 14. bis zum 17. Jahrhundert 
sind bei den im Grundmusterschema gestalteten Gittern begleitet von 
Aenderungen in den Füllformen und in der Behandlung und Querschnitt- 
form des verwendeten Eisens. Nur hingewiesen sei darauf, und erwähnt 
sei zugleich, daß Rundeisenstäbe nur selten verarbeitet wurden. 

Auch bei den Stabgittern, die ihre Aufgabe in der Hauptsache lösten 
durch gleichlaufende, bisweilen rostartig sich kreuzende Stäbe ohne Netz- 
fQllung, lassen sich in den verschiedenen Jahrhunderten ebenfalls die Typen 
der vorherrschenden Gliederungsarten erkennen. Ein fortschreitendes 
Streben nach Bereicherung im ganzen und in den Einzelheiten ist un- 
Terkennbar leitend. Die ältesten Stabgitter sind aus schlichten vierkan- 
tigen Stäben gebildet, breitere Querteilungen finden sich nicht, in der 
Regel nur oben und unten Schienen, die den Zusammenhalt herstellen. 
Oben pflegen die Stäbe in Spitzen und vorgebogene Haken auszulaufen 



174 16' und 17. Jahrhundert. 

oder eine gleicliartige , dichter als der Abstand der Stäbe ausgeführte 
Zackenborte bildet den oberen Abschluß. 

Wesentlich belebter erscheinen im allgemeineD schon die Stab^tter 



Fig. 13T, Gitter in Bologna, Cap. äi San Damenico. 3. ITS. 

des 15. Jahrhunderts. Breite, mit Vierpässen oder ähnlichen Formen ge- 
füllte Streifen teilen und umrahmen die Gitter senkrecht und in der Quere. 
Man wechselte auch gern in der Querschnittstellung der zumeist ai^ewen- 
deten Yierkantstäbe und zwar in der Art. d&B die stärkeren, das GerOst 



Gitter, Italien. 175 



bildenden, vom eine Fläche, die eigentlichen Gittersfcäbe vom eine Kante 
zeigen. Die Stäbe selbst werden bisweilen durch übergeschobene Messing- 
Inäufe gegliedert. 

Im 16. und 17. Jahrhundert, vielfach auch noch im 18. Jahrhundert, 
bheb die Gliederung der Stabgitter in den Hauptteilen unverändert (Fig. 127, 
S. 174). Gestatteten es Zweck und Mittel, dann wurde das Stab werk in 
möglichstem Reichtum mit schmückenden und füllenden Elementen durch- 
setzt. Blankes Messing wurde in gesteigertem Maße zu Knäufen, Basen 
und Kapitalen, zu Blättern, Blütenkelchen, Balustergalerien, bekrönenden 
Gliedern und anderem Beiwerk in Verbindung mit dem schwarzen Eisen 
verarbeitet in äußerst wirksamer Wahl. 

Als das prunkvollste italienische Gitter des 17. Jahrhunderts muß der 
Lettner in der Certosa von Pavia gelten (Fig. 128, S. 176). Allerdings 
ist bei diesem Werke der Hauptanteil an der Arbeit nicht dem Eisen- 
schmiede, sondern dem Messinggießer und dem Ziseleur zugefallen. Dieser 
Lettner wnrde im Auftrage des Priors Torechio nach dem Entwürfe des 
Francesco Villa von Pietro Ripa 1660 ausgeführt; die Messingteile 
wurden von Ambrogio Scagni gegossen (vergl. Carlo Magenta, La 
Certosa di Pavia, Milano 1897, S. 354 u. 355). 

Schon im 17. Jahrhundert verzichtete man oft, Hand in Hand mit 
gleichartigen Aenderungen in der Steinarchitektur, auf die bis dahin herr- 
schende Geradlinigkeit im Grundriß. Diesem Kurvenbedürfnis, das in 
der Mitte des 18. Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreichte, folgte viel- 
fach das die Stäbe verbindende Schnörkelwerk. 

Die italienischen Schmiede, die bis zum 17. Jahrhundert eine be- 
merkenswerte Selbständigkeit bewahrt hatten, konnten sich wohl in der 
jüngeren Zeit nicht ganz den Einflüssen der in den zahlreichen französi- 
schen und deutschen Oraamentstichwerken für Schlosser veröffentlichten 
Vorbildern entziehen, die Gleichartigkeit der Erfindung deutet oftmals 
darauf hin. 

Mit den Paß- und Stabgittern, die in erster Linie in den Kirchen 
als Kapellenabschlüsse oder bei Bauten aller Art als Tore verwendet 
wurden, war die Schaffenskraft der italienischen Schmiede nicht erschöpft. 
Andere Zwecke führten zu anderen Lösungen, das beweisen vor allem 
die überaus reizvollen Fenster- und Oberlichtgitter, die Gitter der Balkone, 
Treppen, Haustabernakel u. a. m. 

Die Fenstergitter an den Straßenseiten der Paläste blieben fast aus- 
nahmslos in den Grenzen ernster Einfachheit. An den Bauten des 15. und 
16. Jahrhunderts finden sich in gleichförmiger Wiederkehr bald solche, 
die aus senkrechten und wagrechten „durchsteckten" Stäben gefertigt 
sind und ein quadriertes Netzwerk bilden, bald solche, bei denen die schräg- 
laufenden Stäbe ein Rautenmuster darstellen, bald endlich solche, bei 



I. und 17. Jahrhundert. 



denen das Gitter gebildet wird aus Stäben, die in Wellenlinien gebogen 
und derart durch Bunde vereinigt sind, daß ein Netz von spitzovalen 
Maschen entsteht. 

Weiter ausschmückende FUllformen Icnrnmen kaum vor, einen Wechsel 



Gitter, Italien. 177 



erstrebt man eher durch die Art der Stellung zum Fenster oder durch 
Befestigungsglieder zu erreichen. Bald sind die Gitter in die Laibung 
des Fensters unmittelbar eingelassen, bald treten sie kastenartig vor, 
und in diesem Falle sind bisweilen die unteren, mit der Fenstersohlbank 
verbundenen Stützpunkte durch kleine Bronzezierate, wie Eugelknäufe, 
Fabeltiere, Schildkröten u. dergl. bereichert. Ein wenig bewegter wurden 
oft die Fenstergitter der Paläste im 17. Jahrhundert gestaltet; die bis 
dabin zumeist in einer Ebene liegenden Stäbe wurden in gleicher Krüm- 
mung ausgebogen. 

Auch dichter mit Schnörkelwerk gefüllte Seitenteile, Umrahmungs- 
und Querstreifen wurden in der jüngeren Zeit häufig ausgeführt ; besonders 
die Yenetianer Schmiede zeichneten sich durch die Erfindung immer neuer 
Bildungen aus, die oft auch von den kurz gekennzeichneten Haupttypen 
völlig abwichen. 

Die in der Regel halbrunden, in den Türbögen angebrachten Ober- 
lichtgitter traten ebenfalls in verschiedenen, nur in den Einzelheiten wech- 
selnden Mustern auf, deren einfachste auch neben den reicher gestalteten 
immer wieder ausgeführt wurden. 

Die aus schlichten vierkantigen, bisweilen in sich gedrehten, sich 
schräg durchquerenden Stäben gefügten Gitter dürften wohl als die ein- 
fachsten und vielleicht auch als die zuerst vorkommenden anzusehen sein. 
Jedenfalls nur wenig später wurden aber ein paar Typen ausgebildet, die 
mit besonderer Vorliebe immer und immer wieder neuartig verarbeitet 
wurden. 

Das Leitmotiv des ersten ist die Strahlengliederung, das des zweiten 
die Gliederung durch konzentrische Bögen, und schließlich die Ver- 
bindung beider Arten zu einer dritten. 

Bei der radialen Anordnung bildeten anfänglich die von einem kleinen 
in der Mitte des unteren Horizontalstabes angebrachten Halbkreisbogen 
ausgehenden geraden Stäbe den Hauptbestandteil; C-förmige Schnörkel, 
Ringe u. dergl., die in der Anordnung der Bogenlinie folgen, werden 
dabei zumeist als Füllformen verwendet. 

In jüngerer Zeit fielen die Stäbe vielfach fort, an ihre Stelle traten 
unmittelbar aus Stabeisen geformte längliche Gebilde, die ebenfalls wenig- 
stens an den Endpunkten mit Schnörkeln vereinigt wurden. Bis gegen 
das 18. Jahrhundert bewahrten die einzelnen Strahlenglieder in sich die 
Symmetrie zu ihrer Längslinie (dem Radius), dann aber wurde diese viel- 
fach gelöst; mannigfach gebrochene, aus Geraden und Bögen gebildete 
Schnörkel traten an ihre Stelle, eine Symmetrie blieb nur bestehen in 
den beid«0i Hälften der Gitter. 

Als Füllformen der durch konzentrische Bögen gegliederten Ober- 
lichtgitter wurden anfangs auch mit Vorliebe die Vierpässe, dann die 

Ltter, Unedle Metalle. 12 



178 16. und 17. Jahrhundert. 

daraus abgeleiteten Bildungen in bald inetr randlichen, bald mehr läng- 
lichen Bildungen verwendet. Die reizvollsten Oberlichtgitter durften jenem 
Typus angehören, dem durch die radiale Gliederung gemeinsam mit der 
durch Bögen das Oepräge verliehen wird. Eine Reihe von köstlichsten 
Werken dieser Art findet sich z. B. aus dem 16. Jahrhundert in Lucca 
(Fig. 129, S. 178). 

Die Brüstungen der Balkone und die anscheinend verhättnisniaßig 



selten in Italien ausgeführten eisernen Treppengeländer gesondert in ihrer 
Entwicklung und ihren Formtypen zu besprechen, erscheint kaum nötig, 
wesentlich neues lehren sie nicht, da sie in ihrer Ausgestaltung den bis- 
her besprochenen Gittern folgen. 

lieber die Oitterschmiedekunst in England im 16. Jahrhundert bis 
zum letzten Drittel des 17. Jahrhunderts ist nicht allzuviel zu sagen, 
künstlerisch bedeutsamere Werke entstanden nur sehr wenige. Erst ein 
französischer Künstler brachte neues Leben, regte durch tüchtiges Beispiel 
die englischen Schmiede zu neuem Schaffen an. 

Die Gitterarbeiten dieser Jahrhunderte sind ausführlicher mit zahl- 
reichen Illustrationen in: A bistory of Renaissance Architecture in England 
by Reginald Bloemfield, London 1897, p. 384 ff. behandelt worden. 



Gitter, England. 179 



einige Aufsätze von Nelson Dawson darüber sind veröffentlicht in der 
Architectural Review Bd. 3 u. 4, weiteres findet sich bei Gardner im 
ersten Bande seines: Jronwork und bei Brüning a. a. 0. S. 52. 

Das bei weitem reichste und schönste eiserne Gittertor des 16. Jahr- 
hunderts in England befindet sich in der Westkapelle der Kathedrale von 
Uly und ist nach Gardner in der Zeit zwischen 1515 bis 1533 ausgeführt. 
Die Annahme, daß es sich um die Arbeit eines ausländischen Schmiedes, 
vielleicht eines Flamen, handelt, muß nach den sonst aus der Zeit in 
England erhaltenen Arbeiten als zutreffend bezeichnet werden. Die Maß- 
werkarkaden, die Rankenauflagen auf der mittleren Querschiene, die Ranken 
in spitzbogig geschlossenen Oberteile und die senkrechte Mittelschiene 
zeigen reicher entwickelte Motive des 15. Jahrhunderts. 

Der Typus der spezifisch englischen Gitter des 16. Jahrhunderts ist 
überaus einfach. Schlichte oder gewundene, vielfach gemischt verwendete, 
nebeneinander gereihte Vierkantstäbe werden oben durch einfache Quer- 
schienen mit geringen schmückenden Zutaten abgeschlossen. Als Beispiele 
sind zu nennen ein Gitter in der Kathedrale von Canterbury am Grabmal 
des Dean Wotton, f 1566, ein anderes in Currey Rivell (Somersetshire) 
an einem Monument von 1593 und noch eins in der Kirche von Ludlotc 
an dem die Jahreszahl 1592 tragenden Walter-Monument. 

Noch dieselbe Gestaltungsweise findet sich an einem Grabgitter der 
Kirche von Burford (Oxfordshire) aus der Zeit um 1625, und selbst Gitter 
aas der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lassen keinerlei Einfluß der 
großartigen in Frankreich und Deutschland gefertigten Eisenschranken 
erkennen. 

Durchgreifende Formwandlungen in der Gitterschmiedekunst zeigen 
sich erst unter dem Einflüsse der hervorragenden, in England ausgeführten 
Arbeiten des französischen Schmiedes Jean Tijou, in dem letzten Jahr- 
zehnt des 17. Jahrhunderts, die gegenteilige Ansicht Dawsons (a. a. 0.) 
scheint einer Widerlegung kaum zu bedürfen. 

Christopher Wren, der große englische Architekt jener Zeit, scheint 
Tijou veranlaßt zu haben nach England zu kommen. Für die Bauten 
Wrens war Tijou in erster Linie tätig. In den Jahren 1689 bis 1700 
schmiedete er eine Reihe prächtigster jetzt zum Teil verstreuter Gitter 
für das Schloß und die Gärten von Hampton Court (Fig. 130, S. 180); 
als Mitarbeiter scheint daran der englische Schmied Huntingdon Schaw 
von Nottingham angesehen werden zu dürfen. Zwischen den Jahren 1693 
und 1711 führte Tijou unter anderem die sehr bedeutenden Gitter vor 
dem Chorumgange der auch von Wren erbauten St. Paulskirche in Lon- 
dm aus. 

Ueber das umfangreiche Schafifen Tijous erhält man weitere Aus- 
künfte durch ein von ihm selbst im Jahre 1693 herausgegebenes Werk, 



180 16. und 17. Jahrhundert. 

das in einer Neuausgabe mit ausführlicher, sein Schaffen behandelnder 
Vorrede tod Gardner 1890 in London erschienen ist. Im Titel seines 
Werkes gibt Tijou an, daß die Vorliefen von ihm selbst entworfen und 
gezeichnet, und daß die Mehrzahl fllr das Königliche Schloß zu Bampton 
Court und die Häuser mehrerer Personen von Bang ausgeführt seien. 
Ein Vergleich der Stiche mit erhaltenen Werken ergibt, daß auf den 
Tafeln 2, 4, 12, 16, 19 und 20 ftir Bampton Court ausgeführte Schmiede- 
werke dargestellt sind. 



Flg. 130. Gitter aua Uampton Court In Landau, Kwi* Km.-Miu. S. 17». 

Für Chatstvorth ausgeführte Gitterarbeiten sind auf den Tafeln 6 bis 
10 abgebildet, auf Tafel 17 Gitter des Hofgartens von Bnrleigh. Auf 
Tafel 18 ist ein Treppenbaluster wiedergegeben, der sich in dem Geländer 
der von Wren erhauten Bibliothek des Trinity College in Cambridge ver- 
wendet findet, das der Londoner Schmied Patridge fertigte. Tijou lieferte 
Entwürfe zu Schmiedearbeiten auch ftlr die Architekten Talman und 
Vanbrugb. Zahlreiche Aufträge haben ihn außerhalb der Hauptstadt 
beschäftigt und an vielen Orten sind besonders treffliche, teils offenbar 
wesentlich jüngere Gittertore erbalten, die zum wenigsten die Einwirkung 
seiner Vorbilder erkennen lassen, wie die Abbildungen in den vorher ge- 
nannten Schriften erkennen lassen. 

Die Gestaltungs weise Tijous, der ein bedeutsames selbständiges Mo- 



Beschläge, Deutschland. 181 



ment nicht abzusprechen ist, steht naturgemäß in engen Beziehungen zu 
den bedeutenden Schmiede werken, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahr- 
hunderts in Frankreich entstanden. In den Stichen erscheinen die Kom- 
positionen Tijous, besonders den französischen Arbeiten gegenüber, zu reich 
und zu dicht geftillt mit breitem Bandwerk und vollen Akanthusblättern, 
gegen die erhaltenen Arbeiten ist dieser leichte Vorwurf weniger zu er- 
heben und man hat vermutet, daß die Schwülstigkeit der Vorlagen wohl 
auf Bechnung der Stecher zu setzen ist. 

Fast mehr noch als in den Jahrhunderten vorher wurden auch im Beschläge 
16. und 17. Jahrhundert kleinere Arbeiten aufs kunstreichste in Eisen 
gefertigt, an erster Stelle mögen wiederum die Beschläge der Türen und 
Möbel ein wenig näher betrachtet werden. 

Ihre gegen Einbruch schützende Bedeutung hatten die Beschläge 
mittlerweile so gut wie ganz verloren. Ohne ihre natürliche Aufgabe, die 
Türen, Fenster oder Truhendeckel beweglich und verschließbar zu machen, 
zu vergessen, betrachtete man sie immer mehr als ein höchst dankbares 
Ziermittel. Die über das notwendige Maß vielfach weit hinausgehende 
Große bei verhältnismäßig geringer Stärke kann darüber nicht im 
Zweifel lassen. 

An Außentüren, an Kirchenportalen und Haustoren legte man auf 
Beschläge nur noch geringen Wert, die schönsten Beispiele finden sich 
an den Türen reich ausgestatteter Innenräume. 

In den deutschen Ländern blieben die Beschlagmotive, die im 

15. Jahrhundert vorherrschend gewesen waren, noch bis um die Mitte des 

16. Jahrhunderts in Anwendung, langsamer anscheinend, wie in der Gitter- 
schmiedekunst, bürgern sich bei den Beschlägen neue Formelemente ein, 
die mit denen der Gitter, nur in flacher Ausführung, nahe verwandt sind. 
Neben den Bankenzügen mit ihren phantastischen Endigungen und allen 
den eng an die Stiche der Kleinmeister sich anlehnenden, überwiegend 
pflanzlichen Mustern ^ wurden ganz besonders die Mauresken, die wohl 
durch Peter Flötners Stiche in weiten Kreisen bekannt geworden waren, 
als dankbare Motive von den Schlossern aufgenommen. Mit den neuen 
Formen begann dann die schmückende Ausgestaltung bei den Beschlägen 
weit mehr ins einzelne zu gehen und neue technische Verfahren zu Hilfe 
zu nehmen. Die ebenen oft nur wenig oder gar nicht durchbrochenen 
Flächen gestatteten eine feinere Ausbildung ohne besondere Schwierigkeiten, 
und weil es sieh zumeist um Teile handelte, die dem kunstfreudigen Auge 
des Beschauers sehr nahe gerückt waren, ohne den Einflüssen der Witterung 
ausgesetzt zu sein, und schließlich auch, weil die Eisenteile mit höchst 
kunstvollen Holzarbeiten in Einklang stehen mußten, wurde eine mehr 
oder minder reiche, zarte Flächenverzierung bei den Beschlägen zur Regel. 



182 16. und 17. Jahrhundert. 

Eine der mit größtem Erfolge aucli bei allen Arten von Beschl^en 
im 16. und 17. Jahrliundert in Deutschland angewendeten Schmucktecluiilcen 
war die Aetzung, meist derart ausgeführt, daß das Muster sich leicht er- 



TUrbeacbläge, Deutschland, erste H.ilfte des 10. Jabrii.. 



haben von dem heran sgeittzten Grunde abhob. Nicht selten wurde zur 
Steigerung der Wirkung bei so verzierten Platten eine leichte farbige 
Behandlung oder Vergoldung zu Hilfe genommen. Der geraubte Grund 



Beschläge, Deutschland. IgB 

wurde wohl mit; einer lichten Farbe eingerieben, während man dem blanken 
Reliefmuster durch mäßige Erwärmung eine blaue TSnung gab. Die 
blaue Anlaufrärbung wurde auch mit Vorliebe bei Beschlägen angewendet, 
deren blank polierte Fläche durch leicht eingebunzte Innenzeicbnungen 
belebt war, und die nun häufig durch Abdecken einzelner Teile ein blankes 
Huster auf blau angelassenem Grunde oder umgekehrt aufweisen. 

Kach und nach änderten die einzelnen Beschlagteile ihre Hauptumriß- 
formen nicht unwesentlich. 

Die Angelbänder, die bis gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts noch 



meist im Anschluß an die Vorbilder der früheren Jahrhunderte mehr oder 
minder reich verzweigt gestaltet waren, wurden seitdem fast ausnahmslos 
aus bald kräftigeren, bald sehr dünnen Eisenplatten herausgehauen, meist 
mit Durchbrechungen und lebendig bewegtem Kontur. Je nach Art der 
Türen oder Truhendeckel traten sie bald senkrecht zur Drehachse bis 
Dber die Mitte der Holzflächen hinaus oder sie breiteten sich in der Rich- 
tung der Längsrahmenhölzer und auf diesen aus. 

Die SchloSbleche weisen noch vielfach bis gegen das 17. Jahrhundert 
die Qrundformen auf, die sie im 1-5. Jahrhundert angenommen hatten; 
erst mit der zunehmenden Vorliebe für Vermehrung parallel angeordneter 
Riegel erhalten sie dementsprechend ihre größte Breite oft quer zur 
Riegelrichtung. Auch die zum Zwecke der SchlttsselfUhrung um das 



184 16. unil 17. Jahrhundert. 

Schlüssellocli aufgenieteten Verzierungen zeigten, zum wenigsten im 

16. Jahrhundert, noch häufig die einfachen Spiralmotive, nur der Orund 
darunter wurde sehr viel reicher durchgebildet, als es im 15. Jahrhundert 
zu geschehen pflegte. Und während bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts 
das Schloßblech in den meisten Fällen das in oder hinter der Tür an- 
gebrachte Schloß schätzend überldeidete, wurde seitdem und besonders im 

17. Jahrhundert das Schloßbleeh sehr oft die Qrundplatte ftlr auch in 
sich reich verzierte, zum größten Teil offen konstruierte, kunstreiche 

dösser. 
Mit den Schloßblechen wurden, in weiterem Umfange Oberhaupt erst 



seit dem 16. Jahrhundert, TUrklluken verbunden, die ebenfalls kunstvoll 
ge.staltet wurden. 

Neben den großen Schloßblechen kommen dann auch zierliche Schlüssel- 
schildchen immer mehr in Aufnahme. 

Die Türklopfer in ringartigen Formen behielten ihre alte Be- 
deutung bei, wurden aber ebenfalls wesentlich reicher und bewegter aus- 
gebildet. 

Die meisten und schausten Beschläge entstanden auch im 16. und 
17. Jahrhundert in den südlichen deutschen Ländern. 

Etliche gute Angelbänder, die wohl noch in der ersten Hälfte des 
16. Jahrhunderts entstanden sein dürften, befinden sich z. B. im Qerma- 
nischen Museum in Nürnberg (Fig. 131, S. 182), andere wohl noch 
aus der Mitte des Jahrhunderts besitzt das Kunstgewerbemuseum 



BeschlSige, DenUchland. 185 



in Berlin. Aus der Zeit um 1590 befinden sich in dem damals erbauten 
Topplerliaiise in Nürnberg neben anderen Beschlägen auch gute Angel- 
bSnder. 

Ein ausgezeichnetes, fOr das 16. Jahrhundert typisches Schloßblech 
mit aufliegender SchlOsselfUhrung und geätztem Grunde befindet sich im 
Qer manischen Museum in Nürnberg (Fig. 132, S. 1S3). Ein ähn- 
licheV, von 39 cm Länge, dessen Spiralauflage aber nicht erhalten ist, 
befindet sich im Hamburgischen Museum für KuQst und Ge- 



FIe. im. TfliTlnge, Dentschland. it. und 17. Jahrb., UBitclm, A'af.-,Vu. S. lae. 

werbe (Fig. 133, S. 18i). Bei einem zweiten in diesem Museum er- 
haltenen SchloBblech derselben Zeit, das wohl einst eine Truhe schmückte, 
ist das Mittelfeld, innerhalb einer geätzten Umrahmung, mit einem aus 
Blech ausgehauenen grotesken Rankenmuster mit trefflicher Innen gravi erung 
bedeckt. 

Eine ähnliche durchbrochene SchloBauflage aus dem Kloster Crom- 
bach tr^t die Meisterbezeichnung: ,1595 von Diederich Hablitzell 
aus dem Lant Lottrinen von Walderfaneun." 

Die Klopfringe des 16. Jahrhunderts (Fig. 134, S. 185) sind denen 
des folgenden gegenüber noch verhältnismäßig ruhig gehalten. Sie sind 
zumeist auf runder, durchbrochener Grundplatte, wie auch früher in einem 



18g 16. und 17. Jahrhundert. 

Tortretenden Knaufe beweglich befestt};rt. Der meist breit-ovale Ring ist 
zu den Seiten des Eoaufes gewfihnlicE stark verdickt und wächst in 
Blattwerk aus. Der untere geteilte King wurde häufig zu einem lockeren 
Knoten verflochten oder es wurde auch die Form des Ringes am Dreh- 
punkte in ähnlicher Weise unten noch einmal wiederholt Ein Beispiel 
der ersten Art vom Jahre 1590 befindet sich im Topplerhause in Nüm- 



Flg. las. TürbeBcUiig vod iaso im Pellerbause in NarDberg. 8. I87. 

berg, ein Beispiel der zweiten Gruppe, das bezeichnet ist: .Hans Mez- 
ger 97", ist in der Bartholomäuskapelle der Ulricbskirche in Auf/sburg 
erhalten (s. S. 120). 

Die schönsten deutschen Beschlagbeispiele des 17. Jahrhunderts dürften 
sieb noch an den Plätzen ihrer Bestimmung in Nürnberg, Augsburg und 
Ulm erhalten haben. Angelbänder, Griffe, Klopfer, SchlUsselschilder und 
Schlösser von reizvollster Erfindung und flottester Ausführung finden sich 
dort vielfach an den Türen vereint vor. Zu den schönsten gehören die 
an der Haustür des im Jahre 1605 vollendeten Pellerhauses in Nürnberg 



Beschläge. Deutachland. 187 



(Fig. 135, S. 186) und diejenigen im Rathause zu Auffsburg (Fig. 136, 
S. 187), das in den Jahren 1615 bis 1620 erbaut wurde. Bekannt ist, 
daß die meisten Schlosser- und Schmiedearbeiten für diesen Prachtbau 
von dem schon frflher genannten Oeorg Scheff von Heilbronn und 
dessen im Jahre 
1575 in Augsburg 
geborenen Sohne 
Bartholme ge- 
fertigt wurden. 

Diesen vor- __ 

trefflichen Wer- KT!/^' 

ken gleichwertig 
sind die ebenfalls 
um das Jahr 1620 
ausgel^hrten Be- 
schlagarbeiten im 
Hflnster und in g 
der Spitalkircbe I 
in Ulm, ober C 
deren Meister lei- ^ 
der bisher nichts V 
bekannt gewor- ^ 
den ist. 

Für das we- 
gen seiner im 

Laufe etlicher 
Jahrhunderte ge- 
fertigten 
Schmiedearbeiten 
bereits rühmlichst 
erwähnte Stift 
St. Fhrian fer- 
tigte zu Ende des 

17. Jahrhunderts Fig. isa. TOrheacWagteile im Rathauae zD Augsburg. S. 187. 

Meister Joseph 

Feldberger in Lim reiche Beschläge; von ihnen wird angegeben, daß 
sie blau poliert und mit goldenen Röschen besetzt waren, und daß auch 
die 6ehäuse der Schlösser vergoldet und gestochen waren. 

Von dem auch durch andere Arbeiten bekannten Nürnberger Eisen- 
künstler Bartholomäus Hoppert ist ein bezeichnetes reiches Schloß 
vom Jahre 1675 in Dresden erhalten. 

Daß bisweilen auch damals noch größere Beschlagwerke für Kirchen- 



188 16. und 17. Jahrhundert. 

tore ausgeführt wurden, sieht man z. B. an dem Portale der 163t> neu 
erbauten Stadtkircbe in Rudolstadl. 

In den außerdeutschen Ländern scheint im 16. und 17. Jahrhundert 
die Vorliehe für kunstvolle Beschläge nicht in demselben Maße verbreitet 
gewesen zu sein, insbesondere sind reichere Angelbeschli^e sonst kaum 
nachweisbar. 

In Frankreich wurden besonders die Schloßbleche, Schlüssel, Klopfer 
und Riegelbleche künstlerisch ausgestaltet, und zwar wiederum in einer 



Fig. 137. SchloBbleCh, Frankreich, 16. Jahrb.. Parli, Clun^Miu. S. 168. 

Weise, die nichts gemein hat mit der in Deutschland geübten. Die 
französischen Scbloßbleche des 16. Jahrhunderts zeigen zumeist sehr 
einfache Umrißformen und die bevorzugte Dekorationstechnik ist das 
Treiben an Stelle des früher zumeist geübten Metallschnittes. 

Im Uus^e CluQy und im Louvre-Museum sind eine größere Anzahl 
trefflichster Beispiele des 16. Jahrhunderts erhalten. Eines der grCSteo 
Scbloßbleche ist nach Art eines in die Breite gezogenen italienischen 
Palastfensters des 15. Jahrhunderts gegliedert, mit Seitenpilastem, Onw- 
mentfriesen und einem reich figürlichen, getriebenen Mittelfelde (Fig. 137, 



BeschlKge, Frankreich. 



S. 188). Ein anderes verwandtes Schild weist im Mittelfelde das Wappen 
der Katharina von Medici auf. Noch andere Beschlagteile, besonders 
Riegelplatten, deuten durch Monogramme und Embleme darauf hin, 
daB sie für Heinrich II. und seine Geliebte Diana von Poitiers ausgeführt 
wurden — einige Beispiele dieser Gruppe besitzt auch das Museum 
fOr Kunst und Gewerbe in Hamburg. 

Die französischen TUrklopfer des 16. Jahrhunderts bestehen bald aus 
einem Ringe auf reich getriebener Grund- 
platte , bald schließen sie sich in der 
Komposition den älteren Beispielen an, bei 
denen ein meist ögUrlich gestaltetes, aus 
dem vollen Eisen rundplastisch gearbeitetes 
hammerartiges Glied vor einer als Nische 
ausgebildeten Platte senkrecht angebracht 
war. Noch andere Modelle finden sich 
z. B. unter den Stichen des Androuet Du- 
cerceau. 

Eine größere Keihe bester Beispiele 
befinden sich in den genannten Pariser 
Museen und anderen Sammlangen. 

Reichere in Eisen geschnittene Schlüssel 
kommen auch in Deutschland wohl im 
16. Jahrhundert vor, doch den französischen 
Prachtwerken dieser Zeit sind sie nicht 
vergleichbar (Fig. 138, S. 189). Man nimmt 
gewiß mit Recht an, daß diese köstlichen 
Kleinwerke nicht fUr den praktischen Ge- 
brauch, sondern als Meisterstücke gefertigt 
wurden. 

Heber die Art der französischen Be- 
schläge des 17. Jahrhunderts geben uns am 
besten die Stiche Auskunft; ausgeführte 
Arbeiten sind nur spärlich erhalten (Fig. 139, 
S. 190). Hingewiesen sei auf das schon 
frdher erwähnte Schlosserbuch des Mathurin 

Jousse (1627), das Vorlagenwerk Hugues Brisville's (1663 und folgende 
Jahre), auf die Stiche Jean Le Pautre's, Mich. Haste's u. a. m. 

An die Stelle der Treibarbeit trat im 17. Jahrhundert besonders bei 
den SchloQblechen zu allermeist die Gravierung, und durch den Werkstatt- 
brauch, von den gestochenen Platten wie von einer Kupferstichplatte 
AbiOge oder wie man sagt Abreibungen zu nehmen, sind uns besonders 
zahlreiche Schloßbleche in Abbildung mit Meisterbezeichnung erhalten. 



LvHüonr Soutk Kern 



190 16. und 17. Jahrhundert. 

Groteskes Kankenwerk wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts 
bei diesen Beschlagplatten vorwiegend verwendet und verwandte Motive 
wurden auch bei den TUrklopfem und SchlQssein verarbeitet. 



In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts begannen, ebenso wie es bei 
den Gittern der Fall war, im Ornament und in den Umrißlinien der Be- 
schlagteile die gebrochenen Linien mit akanthusartigen Blättern den Ton 
anzugeben. Schon um die Mitte des Jahrhunderts scheint man in Frank- 
reich bereits weniger, wie man nach den zahlreichen Stichen annehmen 



Beachläj^e. England, Spanien. 191 

möchte, das Eisen für kunstvolle Beschläge angewendet zu haben; die 
GroldbroQze entsprach seitdem mehr dem PrachtbedUrfnis dieser Zeit. 

Nur wenig ist über die englischen Eisenbeschläge des 16. und 
17. Jahrhunderts zu sagen. Bemerkenswerte Beschläge aus dem 16. Jahr- . 
hundert sind kaum bekannt, erst aus der zweiten Hälfte des folgenden Jahr- 
hunderts sind außer Entwürfen des früher genannten Jean Tijou einige 
eigenartige und schöne Beispiele im South Kensington-Museum 
erhalten. Die Verzierungen sind bei diesen Beschlägen gleichartig in 
der Hauptsache in der Weise ausgeführt, daß eine schlichte Grundplatte 
mit einem aus einer zweiten Platte ausgeschnittenen, dichten, reliefartig 



Fig. 140. äcbloBblech, England. U. Jsbrb.. Londim, Sauih KtHi.-H^t. S. 1»1. 

behandelten und gravierten, grotesken Rankenmuster belegt ist (Fig. 140, 
S. 191), Als Meister des einen dieser schönen Werke wird Richard 
Bickford in London angegeben. 

In Spanien wurden auch im IG. Jahrhundert zum Verschluß der 
großen Gitter treffliche in Eisen geschnittene Fallriegel gefertigt, auf die 
bei dieser Gelegenheit noch einmal hingewiesen sei (eine größere Anzahl 
von Beispielen ist abgebildet in der Zeitschr. d. MUnchener Kunstgewerbe- 
vereins 1895, Beilage S. 13 f.). Auch eine Reihe guter spanischer Tür- 
klopfer und besonders Beschläge von Kabinetten sind aus derselben Zeit 
erhalten. 

Nichts wesentlich Neues bieten die Eisenbeschlagarbeiten Italiens 
Dach der Mitte des Jahrtausends. 

In nicht geringem Umfange wurde auch im 16. und 17. Jahrhundert 
das Eisen zu Beleucbtungsgeräten verarbeitet. 



192 16. und 17. JabrbuDdert. 

In Deutschland, das, wie gezeigt wurde, auf diesem Gebiete der 
SchmiedekuDst schon im 15. Jahrhundert eine Vorrangstellung einnahm, 
wurden auch die besten erhaltenen Lichtkronen des 16. Jahrhunderts ge- 
fertigt. Die beiden schönsten, untereinander fast gleichen deutschen 
Kronleuchter, deren Entstehung man in das Ende des 16. Jahrhunderts 
ansetzt, schmücken den Friedenssaal im Rathaus in Münster i. W. (Fig. 141, 
S. 192) und den Friedenssaal im Rathaus in Osnabrück. (Näheres bei 
Kisa, der .Friedenssaal" in Osnabrück, in Zeitschrift des Kunstgewerbe- 
Vereins München 1894.) 



Fig. 111. EroDleachtar in MUnster i. W. S. isa. 

Eine große, aus vier übereinander angeordneten Reifen gebildete Licht- 
krone, die im Jahre 1507 gestiftet wurde, befindet sich außer einer älteren 
früher erwähnten im Baiherstädter Dom. 

Im Dome zu Brandenburg befindet sich außer einem schönen ver- 
goldeten Radleuchter vom Jahre 1539 noch ein eigenartiger Bogenleuchter 
derselben Zeit, bei dem die Kerzenbalter über einem hochkantstehenden 
HalbkreisbOgel befestigt sind. 

Im allgemeinen gab man damals, nicht nur in Deutschland, den 
Messingkronleuchtem entschieden den Vorzug, wie die übergroße Menge 
der erhaltenen Beispiele erkennen läßt. 

Außerhalb Deutschlands sind nur wenig erwähnenswerte Kronleuchter 
aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten. 

In den Niederlanden dürfte der mit dem Drachen bekrönte in 
St, Bavo in Gent der wichtigste sein. 



Licht|;erftte, Verschiedene Länder. 193 

Das Cluny-Museum in Paris besitzt einen Kronleuchter aus po- 
liertem Eisen, der angeblich fUr Ludwig XIV., jedenfalls in der zweiten 
Hälfte des 17. Jahrhunderts, gefertigt wurde. 

f^iseme Wachskerzen Ständer, Totenleuchter, Oitterleucbter , Altar- 
leuchter, Wandleuchter und Tisch- 
leuchter sind in Deutschland 
auch aus dem 16. und 17. Jahr- 
hundert zahlreich erhalten. 

Im Aufbau gleichen sie im 
allgemeinen den älteren, nur die 
MaßwertmotiTe sind verdrängt 
von Rundeisenranben, die in ihrer 
Ausgestaltung die gleichen Wand- 
lungen erfahren, auf die bei den 
Gittern hingewiesen wurde. Von 
kllnstleriscber Bedeutung sind sie 
nur in selteDsten Fällen; beson- 
ders erwähnt sei nur der treff- 
liche Qitterleuchter der Pfarr- 
kirche io Geisenkeim im Rhein- 
gau aus der Zeit um 1600. 

Die Kerzen stand er lehnen 
sich im Aufbau an die antiken 
Kandelaber an, die zwar in der 
Regel in Bronzeguß ausgeführt 
waren, aber wie das selten schöne 
und bereits erwähnte Beispiel im 
Uuseum zu Pompeji beweist, auch 
bisweilen schon im Altertum in 
Eisen geschmiedet wurden. 

£in schlanker, unten zumeist 
mit lanzettförmigen Blättern um- 
hQllter, oben scbranbenartjg ge- 
wundener Mittelstamm wird von 

drei FUßen getragen und oben 

1 1 .. ^- 11. 11 o Fig.l«, FfnsterteuchWr in Bureoa- S. is9. 

Ton emem kelcbartigen Abschlutt 

mit Platte und Dom bekrönt. Auch bei diesen Geräten zeichnen sich die 
älteren den jüngeren gegenüber durch eine kraftvolle Einfachheit aus. 

VieUeicht der größte und schönste eiserne Kandelaber — ein Teneber- 
leuchter — , der im 16. Jahrhundert geschaffen wurde, ist eine spanische 
Arbeit und in der Kathedrale von Surgos erhalten (Fig. 142, S. 193). 

Die Schmied eisernen Wandarme, die in Deutschland bis gegen 
LSer, Unedle HeUlle. 13 



194 16' unii 1'?' Jahrhundert. 

das 16, Jahrhundert nur selten angefertigt wurden, kamen seitdem immer 
mehr in Aufnahme, und zahlreiche treffliebe Beispiele sind besonders aus 
dem 17. Jahrhundert in allen deutschen Ländern erhalten. Sie dienten 
den verschiedensten Zwecken. An den Innungs- und Wirtshäusern trugen 
sie die Gi Idenabzeichen und die Xamenschilder, innerhalb und außerhalb 
der Gebäude fanden sie sich als Träger von Laternen. Seltener ^nu-den 
sie auch damals in Deutschland über den Tauf kesseln angebracht, um 
deren Deckel zu tragen (Beispiel in der Nikolaikirche in Lemgo). In der 
Gestaltung zeigen sie im Norden und Süden Deutschlands große Ver- 
wandtschaft, hl der Regel wurde eine schlichte, weit vorn^^ende, vorn 



Fig. US. Wandarm im SeeachlaS Ort. S. IM. 

hochgebogene und in eine Spindelblume oder dergleichen auswachsende 
Schiene von einer aus Kundeisen geschmiedeten Rankenkonsole gestützt 
und schr^ seitlich mit der Wand verbundene Stäbe verleihen den Armen 
Halt gegen den Druck des Windes. Vorn hängt das mehr oder minder 
reich umrahmte Schild mit aufgemalten Abzeichen und Namen oder Em- 
blemen, die die Bestimmung des Hauses kundgeben (Fig. 143, S. 194). 

In den Niederlanden finden sich diese Arme, wie schon im 15. Jahr- 
hundert, in äußerst kräftiger Ausführung auch im 16. und 17. Jahrhun- 
dert, besonders als Träger der Taufkesseldeckel. In der Großen Kirche 
in Breila hat sich ein schönes Beispiel aus der ersten Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts erhalten. Trefflich ist auch der Arm in St. Martin zu Ypern 
und der schon dem 17. Jahrhundert angehörende Arm in der Hauptkircbe 
von Bixmunde (1626). Einer der schönsten erhaltenen Wirtshausarme 
dieser Zeit Überhaupt dürfte der am sogen. Freitagsmarkt in Brügge sein 
(Fig. 144, S. 195). 

Erwähnt sei schließlich noch ein Leuchterwandarm in der Frauen- 



Wandarme und Grabkrence. 195 

kirche in Brügge, der im Jahre 1700 von dem auch durch andere Ar- 
beiten bekannten Meister Jan ßjckam gefertigt wurde und in Form einer 
mit Üppigem Akanthuslaub ausgestatteten Terzweigten Kanke gestaltet ist. 
In Frankreich und England sind erhaltene Schmiedeisenwandarne 
aus dem 16. und 17. Jahrhundert nicht nachweisbar. Zahlreiche Ent- 
würfe lassen aber darauf schließen, daß wenigstens in Frankreich Werke 
dieser Art nicht unbekannt waren. Es sei nur hingewiesen auf die Stiche 
des Andr. Ducerceau, des Math. Jousse, des Jean Le Fautre und des 
Mich. Hast^. 



Flg. IM, Wuidinn am Freitagamarkt In BrOgge. 8. IM. 

Schon früher wurde einmal auf schmiedeiseme Grabkreuze hingewiesen, 
hier mag noch hinzugefügt werden, daß sie seit dem 16. Jahrhundert in 
großer Zahl im südlichen Deutschland und den Alpenländem 
gefertigt wurden und erhalten sind. Auch ihre schmUckende Ausge- 
staltung geschah im 16. und 17. Jahrhundert fast ausnahmslos mit Kund- 
eisenranken, deren Einzelformen sich in gleicher Weise wie bei den 
Gittern wandeln. 

In einer interessanten Studie über die schmiedeisemen Grabkreuze in 
Tirol (von Demminger in der Zeitschrift Kunst und Kunsthandwerk 
1899, S. 291 f.) weist der Verfasser darauf hin, daß diese Kreuze zuerst 
nicht, wie Grabsteine, bestimmten Personen geweiht wurden, sondern 



\QQ 16. und 17. Jahrhondert 

an den Enden der Gräberreihen als Ständer für WeÜLwasserkessel auf- 
gestellt waren. 

In allen Teilen Deutschlands und ebenso in den auBerdeutschen Län- 
dern behielt dann das Eisen seine Wertschätzung fUr aller Art Kamin- 
und Herdgerät. Auch ganit aus Schmiedeisen gefertigte oder mit ge- 
schmiedeten! Rankenwerk verzierte Oefen sind aus dem 17. Jahrhundert 
erhalten , z. B. auf Schloß Rötheistein bei Admont aus der Mitte des 
17. Jahrhunderts. 

Kunstreich geschmiedete GlockenstOhle 
sind weiter als Arbeiten der Eisenschmiede 
anzuführen; waren sie in zierlicher Form an 
den Haustüren der Wohnhäuser angebracht, 
wurde auch die Zugstange und der Handgriff 
nicht selten reicher geschmückt. 

Aus der zweiten Hälfte des 17. Jahr- 
hunderts haben sich einige trefflich ge- 
schmiedete, als Pokale oder Innungszeichen 
der Schlosser verwendete sehr große Schlüs- 
sel erhalten. Einer dieser Schlüssel, der sich 
im Mainzer Museum befindet, wurde von 
Michael Platter im Jahre 1662 gefertigt. 
Ein besonders schönes Beispiel im Mfln- 
chener Nationalmuseum stammt aus 
einer Zunftstube in TJnterfranken und wurde 
im Jahre 1680 hei^estellt (Fig. 145, S. 106). 
Auch in Kopenhagen hat sich solch ein 
Innungsschlüssel vom Jahre 1669 erhalten. 
Als seltene Werke deutscher Schmiede- 
kunst mögen ein Jagdfalkenbauer im Besitz 
F' US zunftachiüssei ^^^ Berliner Kunstgewerbemuseums 

ans Franken, jwut*™, jfBt.-M«. aus der zweiten Hälfte des 16, Jahrhunderts 
und eine 10 Meter hohe GartenpTramide aus 
Billwärder bei Hamburg (jetzt vor dem Hamburger Museum fOr 
Kunst und Gewerbe aufgestellt), in der Zeit um 1700 entstanden, 
nicht unerwähnt bleiben. 

Ausführlicher gewürdigt zu werden verdienten die besonders in 
Deutschland, den Niederlanden und Frankreich im 16. und 17, Jahr- 
hundert oft überaus reizvoll in Schmiedeisen gestalteten Hausanker, Ea- 
minaufsätze, Turmkreuze, W^etterfahnen, Dachrinnenarme und dergleichen, 
doch der Hinweis muß genügen. 

Von kirchlichen größeren Schmiedeisenarbeiten aus derselben Zeit 
wurden bereits einige Kanzeln in spanischen Kirchen angeführt. 



Verschiedene Geiftte. 197 

FQt die Jakobskirche in Boskowitz in Mähren wurde im Jahre 1626 
TOD dem Schlosser Fiota Sylvester aus Chiavenna eine Kanzel an- 
gefertigt, die nach der Fiiialkirche Allerheiligen verbracht und dann durch 
eine andere ersetzt wurde. 

Opferstöcke und Weihbeckenständer mögen ebenfalls genannt sein als 
Arbeiten der Schmiede in Deutschland. 

Die ursprünglich wohl allein zur Herstellung der Hostien in den 
Kirchen und Klöstern verwen- 
deten Oblateneisen (s. S. 40) 
wurden in jUngerer Zeit auch 
in den Familien zur Herstellung 
von Adventskuchec und der- 
gleichen gebraucht. Zahlreiche 
Beispiele mit eingegrabenen 

Wappen, Inschriften und christ- 
lichen Symbolen sind in guter 

AusfDhruQg aus dem 16. und 

17. Jahrhundert erhalten, wie 

nicht unerwähnt bleiben soll. 
Von den schmiedeisemen 

Gebrauchsgeräten Italiens 

mag hier noch besonders der 

Becken Ständer gedacht werden. 
Die bald zur Aufnahme 

wärmender Holzkohlen , bald 

als WaschgeßtBe hergerichteten 

Kupfer- oder Messingbecken 

ruhten in der Zeit bis zum 

16. Jahrhundert zumeist auf 

einem dreiftlßigen tischartigen 

Bisen gestelle, von dessen kräf- 
tigem Mittelstamme auch nach 
" Fig. 11«, B ecken stftnüer des 16. Jahrhunderts 

oben hin drei Arme auswach- in Mlena, Casa di S. Caterlna. S. 187, 

sen, deren wagerechte Verbin- 
dungen oben die Unterlage für das Becken bilden (Fig. 146, S. 197). 
Oftmals ist, wie z. B. bei einem in London befindliehen Beispiele, das Becken 
Ton einem hochaufgerichteten Arme Überragt, der an einem Haken eine 
Lampe oder ein Räuchergefäß tragen sollte. Die Behandlung der Einzel- 
fonnen erinnert an die Pferderinge der Paläste und in den Zwickel- 
(QUungen an die durchbrochenen Blechfriese der älteren Maßwerkgitter. 
Bei den jQngeren Beckenständem , besonders bei denen des 17. und 
18. Jahrhunderts, vereinigen sich in der Regel die Füße und das obere 



198 16. und 17. Jahrhundert. 



Traggertist nicht an einem geraden Mittelgliede. Die Ftiße, jetzt oft vier, 
steigen bei diesen vielmehr in bewegter Linienführung von unten nach 
oben auf, werden durch einzelne Ringe oder dergleichen zusammengehalten 
und die Zwischenräume oft in reichster Weise mit zierlich geschmiedeten 
Ornamenten gefüllt. 

An die Stelle der tragbaren Heizbecken trat in Italien in großen 
vornehmen Häusern der Kamin; auch zu seiner Ausstattung wurde in 
Italien gern das Schmiedeisen verarbeitet. Die zur Aufnahme der Holz- 
scheite bestimmten Feuerböcke sind in kunstvoller Ausgestaltung zahlreich 
erhalten, seltener finden sich die zugehörigen Schüreisen und Zangen in 
reicherer Schmiedeisenarbeit; eine vollständige Eamineinrichtung mit Eisen- 
geraten ist z. B. in Florenz im Bargello, dem jetzigen Nationalmuseum, 
erhalten. 

Eisenfein- Aus allen diesen doch überwiegend mit den groben Werkzeugen des 
arbeiten, gchmiedes und Schlossers gefertigten Eisenarbeiten fallt eine umfangreiche 
Gruppe oft mit raffiniertester Feinheit geschaffener Eisenwerke heraus, 
die zu allermeist ohne eine praktische Bestimmung nur als Prunkstücke 
bestimmt waren oder auch, ähnlich wie es bei den reichen Schloßbeschlägen 
erwähnt wurde, als Meisterstücke entstanden. 

Die vornehmsten Techniken, die bei diesen Arbeiten in Anwendung 
kamen, waren der Eisenschniit, das Aetzen und die Tauschierung, die an 
einzelnen Stücken in vollendetster Darstellungskunst vereinigt zu bewun- 
dem sind. 

Deutschland und Italien sind die Ursprungsländer fast aller 
bedeutenden Arbeiten der Art und Zeit, und in Deutschland kommen 
wohl allein Nürnberger und Augshurger Künstler in Betracht. Die Glanz- 
werke der Waffen- und HamischkünsÜer würden im Grunde dieser Gruppe 
beizurechnen sein, doch sie würden über den Rahmen dieser Schrift 
hinaus gehen. Arbeiten anderer Art sind hier kurz zu betrachten. 

Die künstlerisch und technisch hervorragendste Leistung dieser Zeit 
dürfte ein in Eisen geschnittener Lehnstuhl sein, der bezeichnet ist: 
«Thomas Ruker fecit 1574*^ und sich seit dem 18. Jahrhundert in Enjg- 
land in Privatbesitz befindet. Ueber den Künstler ist nicht mehr be- 
kannt, als daß er in Augsburg gelebt hat. Die Geschichte des Stuhles 
steht jedoch fest. Er wurde von der Stadt Augsburg dem Kaiser Rudolf II. 
geschenkt, im Jahre 1648 wurde er von den Schweden aus Prag entführt 
und durch eine schwedische Familie später nach England gebracht. In 
über 130 Feldern findeil sich daran Szenen aus dem Leben Rudolfs 11. 
(nach anderen Angaben Darstellungen aus der Geschichte Roms) und 
aus dem Alten Testament (nähere Angaben und Abbildungen in: The 
Art Journal 1898, S. 298 ff.). 



Eisenf einarbeiten, Deutschland. 199 

EiD höchst achtbares deutsches Werk, das angeblich im Jahre 1588 
gefertigt wurde, ist eine eiserne Truhe aus der Ambraser Sammlung in 
Wien. Der auf einer von vier EugelfÜßen getragenen kräftigen schlichten 
Platte ruhende, etwa würfelförmige Körper ist an den senkrechten Kanten 
mit gedrungenen dorischen Säulen besetzt und den postamentartig aus- 
gebildeten Deckel krönt ein Ritter zu Pferde. Die Vorderseite ist kassetten- 
artig profiliert und trägt einen wohlgebildeten Schloßkasten. Zur Oeffnung 
ist die Kenntnis des komplizierten Mechanismus erforderlich. Die in den 
Formen sehr eigenartig antikisierend gestaltete Kassette ist ganz bemalt 
und mit verschiedenen Aufschriften versehen, deren Zuverlässigkeit jedoch 
ebenso wie die angegebene Jahreszahl nicht ganz unzweifelhaft zu sein 
scheint. 

Das bedeutendste Werk deutscher Eisenätzkunst des 16. Jahrhunderts 
dürfte die mit zahlreichen und überaus reich und schön ornamentierten Hilfs- 
teilen ausgestattete Ziehbank sein, die der Bezeichnung nach im Jahre 1565 
f&r den Kurfürsten August I. von Sachsen gefertigt und durch eine allem 
Anscheine nach frevelhafte Unbedachtsamkeit als total verschmutztes und 
wertlos verachtetes Stück in Dresden veräußert und vor einer Reihe von 
Jahren in den Besitz des Gluny-Museums in Paris gelangt ist (vergl. 
Aufsatz von Champeaux in Revue des arts d^coratifs 1882 — 1883, 
S. 77 ff.). Ueber die Herkunft dieses köstlichen Werkes hat bisher nichts 
ermittelt werden können, doch dürfte wohl auch hier ein Nürnberger oder 
Augsburger Künstler anzunehmen sein. Im Königlichen Museum in 
Dresden befinden sich noch einige gleichartig verzierte Werkzeuge und 
auch etliche Vorlegemesser. 

Kleinere Kassetten, teils ganz aus Eisen, teils aus Holz mit Eisenbelag 
und reichem geätzten Schmuck, sind in Deutschland zahlreich aus dem 
16. Jahrhundert erhalten. 

Im 17. Jahrhundert entstanden in Deutschland Feinarbeiten in Eisen 
von der künstlerischen Vollkommenheit der älteren nur noch wenige. Die 
Aetztechnik wurde seltener geübt, nur im Eisenschnitt erreichten einige 
Künstler ein virtuoses Können. Der berühmteste unter ihnen war Gottfried 
Leigebe, über den schon ältere Quellen, wie Andreas Grulden in 
seiner Fortsetzung der Neudörferischen Nachrichten (um 1602), Doppel- 
mayr, Historische Nachrichten (1730) und Sandrart in der „Akademie^ 
ausführlich berichten. 

Doppelmayr gibt an, daß Leigebe im Jahre 1630 zu Freistadt in 
Schlesien geboren wurde und im Jahre 1645 nach Nürnberg kam. Hier 
fertigte er ein jetzt in München verwahrtes Schachspiel, dessen weiße 
Figuren in Silber und dessen schwarze in Eisen geschnitten -waren. Seine 
Hauptwerke sind die aus schweren Eisenklötzen herausgearbeiteten Reiter- 
statuetten Kaiser Leopolds (in Kopenhagen)^ König Karls H. von England 



200 16- und 17. Jahrhundert. 

(in Dresden) und des KurfUrsten Friedrich Wilhelm von Bmadenburg (ia 
Berlin), in dessen Dienste er 1668 trat. Auch zahlreiche kleinere Eisen» 
schnittarbeiten, wie Degengefäße und Knäufe, Hirschfängergriffe u. a. m., 
gingen aus seiner kunstgeUbten Hand hervor und sind zum Teil noch 



Bchreibkassette, Italien II 



nachweisbar (nähere Angaben Über den KUnstler sind zusammengestellt 
bei BrQnnig, Die Schmiedekunst. Leipzig, H. Seemann 1902, S. 67 ff.). 
Neben Leigebe muß der schon früher genannte, im Jahre 1648 ge- 
borene Bartholomäus Hoppert, der seit 1677 in Nürnberg tätig war, ein 
sehr geachteter EisenkUnstler gewesen sein. Als sein Haupt- und Meister* 
werk bezeichnet Doppelmayr eine auch in seinem Werke abgebildete 



Eisenfeinarbeiten, Frankreich. 201 

Kassette, die für 1000 Taler angekauft und dem Kaiser Leopold geschenkt 
wurde. In den Einzelformen ist bei dieser Arbeit ein französischer Einfluß 
unverkennbar, was leicht dadurch zu erklären ist, daß Hopp er t mehrere 
Jahre im Dienste Ludwigs XIV. tätig war. 

Das Museum in Kassel besitzt ein kleines in Eisen geschnittenes Hoch- 
relief des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, das bezeichnet 
ist: i,Jusso fecit 1677.* 

Die italienischen Arbeiten dieser Gruppe sind zumeist noch reicher 
und zierlicher durchgebildet als die deutschen. Die Flächen und Reliefs 
sind bei ihnen gewöhnlich noch mit Einlagen in Grold und Silber aus- 
gestattet. 

Eines der prachtvollsten Beispiele dieser Art ist eine als Schreib- 
kasten bestimmte Kassette im k. k. Museum in Wien^ die im Jahre 1567 
von Joseph de Vici geschaffen wurde (Fig. 147, S. 200). 

Mailand war besonders wegen solcher Arbeiten im 16. Jahrhundert 
berühmt und als dort entstanden gelten z. B. eine im Besitz des South 
Kensington-Museums in Lofidon befindliche Spiegelfassung und ein 
Schachbrett. 

Ob eine durch die letzte Pariser Weltausstellung weiten Kreisen be- 
kannt gewordene, blank polierte Eisenstatuette Ludwigs XIV. als ein in der 
Technik Leigebes aus dem vollen geschnittenes französisches Werk an- 
gesehen werden darf, steht nicht unzweifelhaft fest. Man weiß aus An- 
gaben Davilers in seinem Cours d'Architecture vom Jahre 1691, daß man 
damals in Frankreich bereits ein schmiedbares Gußeisen herzustellen ver- 
stand, das der Nachziselierung keinerlei Schwierigkeiten bot. Da weiter 
bekannt ist, daß am Hofe Ludwigs XIV. einmal eine in Eisen gegossene 
Statuette als eine höchst erstaunliche Leistung der Kunsttechnik bewundert 
worden ist, liegt die Annahme nahe, daß es sich um jenes jetzt in Privat- 
besitz befindliche Werk handelt. 

Einige andere größere französische Eisenschnitt- oder Tauschier- 
arbeiten aus dem 16. und 17. Jahrhundert waren auf der Ausstellung des 
Burlington Fine Arts Club im Jahre 1900 zu sehen, darunter besonders 
eine Kassette mit dem Mediciwappen. 

Von den wenigen nachweisbaren englischen Eisenfeinarbeiten sei 
eine Holzkassette angeführt, die auf einem Samtbezuge mit zart durch- 
brochenen eisernen Rankenmustem bedeckt ist. Sie befindet sich im 
Besitze des Berliner Kunstgewerbemuseums und dürfte aus dem 
Nachlasse der im Jahre 1694 gestorbenen Königin Maria, der Gemahlin 
Wilhelms IH., stammen, worauf das in das Ornament eingefügte Mono- 
gramm und andere Anzeichen hindeuten. 



202 18. Jahrhundert. 



Achtzehntes Jahrhundert. 

Im 18. Jahrhundert ist der deutschen Schmiedeisenkunst nach umfang 
und künstlerischem Werte nur die französische an die Seite zu stellen, 
in allen übrigen Ländern entstanden nur Eisenarbeiten von mäßiger 
Bedeutung. 

Die Aufgaben der Schmiede änderten sich im 18. Jahrhundert nicht 
sonderlich. Mehr noch wie vorher sind die bedeutendsten Schöpfungen 
der Eisenmeister im Gebiete der Gitterschmiedekunst zu suchen. Die in 
den beiden vorhergehenden Jahrhunderten so meisterlich geübten Techniken 
des Schneidens, Aetzens und Tauschierens wurden selten und nur bei 
Gegenständen geringer Größe angewendet. Auch eiserne Beschläge finden 
sich an Türen dieser Zeit nur ausnahmsweise und an Möbeln so gut wie 
gar nicht mehr. Entschiedener als in den vorhergehenden Jahrhunderten 
traten im 18. Jahrhundert kurz aufeinander folgende Wandlungen des 
Formgeschmackes auch an den Schmiedeisenarbeiten hervor. 

Im Beginne des Jahrhunderts, bis um das Jahr 1715, blieben in den 
deutschen Gittern mit spitzzackigem Akanthuslaubwerk besetzte Banken 
das fast allein herrschende Ziermotiv. Dann zeigten sich in dem jetzt 
durchgehends aus vielfach flachen Vierkantstäben gebogenem Rankenwerk, 
meist als Verbindung zweier im Gegensinne gerollter Windungen, gerade, 
meist etwas breitere profilierte Glieder, und während solche gradlinigen 
Elemente in den Gittern immer weiteren Raum einnahmen, traten die 
Spiralen zurück und schrumpften zu C-Schnörkeln mit zugleich schmäler 
gewordenen Blättern zusammen. Andere Elemente, wie mit Rosetten be- 
setzte, aus fiachen gekreuzten Stäbchen gebildete Gittermuster, weiter 
palmettenartige Bildungen, Blumen in fast natürlichen Formen, Baldachine 
und andere Architekturmotive, Vasen ^. Wappen und Getier wurden in die 
Muster hineinkomponiert. 

Die Vorstufen dieser eigenartigen Ornamentik sind in Deutschland 
weit zurückzuverfolgen ; eine nahe verwandte, zwar mehr gelockerte Kom- 
positionsweise fallt besonders auf bei einer Reihe von Gittern aus der 
Mitte des 17. Jahrhunderts. Wenn man trotzdem französischen Werken 
den entscheidensten Einfluß auf die Entwicklung dieser Ornamentik bei- 
mißt, so darf das nur auf die unmittelbaren Vorstufen bezogen werden, 
die ihrerseits zweifellos nicht unabhängig von älteren deutschen Zierformen 
entstanden waren. 

Der starke französische Einfluß auf die deutsche Schmiedeisenoma- 
mentik des 18. Jahrhunderts wurde besonders genährt durch die damals 
zahlreich in Anlehnung an die schon früher angeführten Vorbilderstiche 



französischer Meister in Deutschland, besonders in Augsburg veröffent- 
lichtea Stichfolgen (näheres über die Stecher und ihre Arbeiten bei 



Bröning, Die Schmiedeknnst, Leipzig 1902, S. 72 und folgende). Durch 
die damals auch in Deutschland teils ron Berufstechem , teils von zeich- 



204 18. Jahrhundert bis um 1715. 

nerisch geschulten Schlossern entworfenen Vorlagen wurde schon damals 
für das Ornament der Zeit von etwa 1715 — 1745 die heute wieder auf- 
genommene Bezeichnung „Laub- und Bandelwerk*" verbreitet. 

Gegen die Mitte des Jahrhunderts setzte dann die mit dem Namen 
Rokoko belegte Eunstperiode ein. 

Die geradlinigen Elemente wurden aus dem Inneren der Omament- 
massen mehr und mehr verdrängt und C-Schnörkel an C-Schnörkel g^e- 
reiht. Die schlanken zackigen Blätter wurden zumeist breiter und lappiger, 
oft muschelartig gestaltet und wuchsen dann hahnenkammartig aus den 
Eurvenstäben hervor. 

Gegen Ende des Jahrhunderts, anscheinend in den Siebzigerjahren, 
setzte auch in Deutschland bei den aus jener Zeit verhältnismäßig sehr 
spärlich erhaltenen Schmiedeisengittem eine heftige Reaktion gegen den 
Ueberreichtum der Eurvenornamentik ein. üeberwiegend geradliniges 
Stabwerk in einfachsten Eombinationen mit wenigen antikisierenden Zier- 
formen ausgestattet, kennzeichnet den Geschmack dieser Zeit. 

Die Schmiede der westlichen und südlichen deutschen 
Landesteile zeigen sich im 18. Jahrhundert mehr wie in den vorher- 
gehenden Jahrhunderten ihren norddeutschen Handwerksgenossen überlegen. 

Von den Gittern aus dem Beginne des 18. Jahrhunderts, bei denen 
also noch die mit Akanthuslaub besetzten großen Spiralranken das Haupt- 
ftlUmotiv bilden, sollen die wichtigeren, einigermaßen zuverlässig datier- 
baren nur angeführt werden. 

Ein perspektivisch komponiertes Gitter dieses Typus befindet sich in 
der Stiftskirche von Ellwangen vor der im Jahre 1701 gestifteten Nepo- 
mukkapelle. Vielleicht das bedeutendste Beispiel ist das ebenfalls per- 
spektivische Gitter, das die Ulrichskirche in Augsburg nahe dem Eingange 
quer durchteilt; es wurde im Jahre 1712 ausgeführt (Fig. 148, S. 203). 
Bemerkt zu werden verdient dabei, daß in der reichen, in Holz geschnitzten 
Umrahmung bereits stark die Motive der folgenden Periode, das Laub- 
und Bandelwerk, in den Vordergrund tritt. Schon früher wurde darauf 
hingewiesen, daß die Schmiede besonders zähe an den einmal aufgenom- 
menen Formen festhalten. 

Das Gitter am Äugsburger Merkurbrunnen vom Jahre 1716 ist der- 
selben Gruppe beizurechnen. 

Ein Gitter des Rankentypus mit stumpfen Blättern in der alten Ea- 
pelle in Begensburg^ das angeblich im Jahre 1726 angefertigt wurde, 
möchte man auch eher als Arbeit aus dem Ende des 17. Jahrhunderts 
ansehen. 

In Ulm war ein Meister Job. VitusBunz für das Münster in ähn- 
lichem Sinne tätig. 

Ein höchst reizvolles Gitter, das die Jahreszahl 1716 trägt, dient als 



Gitter, Deutschland. 205 

Kapellenabscbluß in der Kirche des Stiftes Stams in Tirol (Fig. 149, 
S. 205). Im oberen Bogenfelde sind in anmutigster Weise die Äkanthus- 
ranken mit natürlich gebildeten Blättern und BlQten, besonders zahl- 
reichen Rosen, untermischt. 



Pig. U9. CiHer vom Jahre Uli im Stift Stiims. S. a05. 

Mehrere künstlerisch vielleicht noch höher stehende Gitter in der 
Abtei Wilten bei Innsbruck durften Ton demselben unbekannten Meister 
ausgefabrt worden sein. 

In St. Florian (Oberösterreich) arbeitete zu Anfang des 18. Jahr- 



206 Zeit um 1715—1745. 

' hunderts der Schmied Sebastian Zierlewang ftlr das frUher genannte 
Kloster vermutlich in gleichem Formcharakter (Abbildungen standen dem 
Verfasser nicht zur Verfügung). Von seiner Hand entstand, wie ange- 
nommen wird, das im Jahre 1704 in der Frauenkapelle aufgestellte Gitter 
und sicher im Jahre 1705 die beiden Gruftgitter, für die er 410 fl, erhielt. 
Im Park des jetzigen Theresianum in Wien befindet sich ein per- 



Fie l""' Treppengitter in Aacben. S. ins. 

spektivisches Akanthusrankengitter, das zur Zeit Karls VI. (1711 — 1740), 
Termutlicb um 1715, gefertigt wurde. 

Prachtvolle Scbmicdeleistungen sind die ganz zu Anfang des Jahr- 
hunderts (1701) entstandenen Gitter der Klosterkirche zu Trebnite in 
Schlesien. 

Etwas rückständig in der Formengebung ist das vom Stiftsschlosser 
Jakob Majr im Jahre 1727 als Abschluß der Hochbergschen Kapelle 
in der Viuzenzkirche in Breslau gefertigte Gitter, 

Die Periode von 1715 bis etwa 1745, die Zeit der Laub- und 
Bandelwerkformen , bezeichnet wohl den Höhepunkt der deutschen 
Schmiedekunst des 18. Jahrhunderts, in überreicher Menge entstanden 



Gitter, Deutechland. 207 

an zahlreichen Orten kUnstierisch und techniach gleich hervorragende 
Werke, 

Wenn auch das sUdliche Westdeutschland in dieser Periode an Zahl 
bedeutenderer Werke hinter den südöstlichen Landesteilen zurücksteht, so 



Fig. i&l. Gitter in W«inKiirten i. B. ß. lOH. 

siud doch auch dort eine Reihe trefflicher Leistungen zu verzeichnen. All- 
gemein kann man sagen, daß im 18. Jahrhundert in Deutschland, wie schon 
früher in Frankreich, filr die Residenzen der weltlichen und geistlichen 
Fürsten die reichsten Schmiedewerke entstanden. Dementsprechend verloren 
in den einzelnen Landesteilen manche vorher für das Schmiedehandwerk be- 
sonders wichtigen Städte an Bedeutung und andere nahmen ihren Platz ein. 



208 Zeit um 1715—1745. 

Im Niederrheiogebiete und in Westfalen sind nur wenige bedeuten- 
dere Schmiedewerke anzuftlliren. An erster Stelle beachtet zu werden 
verdient hier jedenfalls die Schmiedeisenausstattung eines Privathauses in 
Aachen, des Hauses, das der Bürgermeister von Wespien um das Jahr 
1740 erbauen ließ. Die schönen Gitter am Balkon und im Treppenhause 
(Fig. 150, S. 20G) sind ihrer Qesamtkomposition nach kaum noch in den 
Kreis des Laub- und Bandelwerktypus zu rechnen, doch fehlt anderseits 
noch die fUr die Folgezeit so charakteristische Rokaillebildung. 

Im mittel- und oberrheinischen Gebiete sind bemerkenswerte, 
zuverlässig datierbare Gitter ebenfalls spärlich erhalten. 



In Mainz befindet sich ara großherzoglichen Palast aus der Zeit 1731 
bis 1739 ein Balkongitter im Laub- und Bandelwerktypus. 

Ein Tor und Gitter vom Jahre 1 742 im Römer zu Frankfurt a. M. 
läßt bereits Form Wandlungen durchblicken, die einige Jahre später zur 
allgemeinen Herrschaft kommen. 

Eines der schönsten und größten rheinischen Schmiedewerke dieser 
Zeit ist das wiederum perspektivische Torgitter in der Kirche von Wein- 
garten (Kreis Karlsruhe) (Fig. 151, S. 207). 

Noch in den Zwanzigerjahren (1727?) entstand das große Gitter der 
Kirche in Scköntkal i. W. (Fig. 152, S. 208). 

Auch die Reihe der Konstanzer Domgitter wird in der ersten Hälile 
des 18. Jahrhunderts weiter vervollsfändigt (Fig. 153, S. 209). 



Gitter, RheJDgebiet 



Einige vortreffliche Laub- und Baadelwerkgitter haben sich in Zürich 
erhalten, daranter besonders ein ausgezeichnetes Oberlicht vom Jahre 1726 
am Hause „Zum Stein-Böcklin" (Fig. 154, S. 210). 



Fig. 1E3, (iitter io KoDHliuiz, S. aas. 

Besonders bemerkenswert durch seinen reichen Gitterschmuck ist das 
in den Jahren 1732—1735 erbaute Rathaus in Schwäbisch Eall. Ein 
Gittertor, Oberlichtgitter, BalkonbrOstungen und Fensterkörbe zieren die 
Fassade. 

Lll«r. unedle HeUlle. 14 



210 Zeit um 1715— 1745. 

In den Dreißigerjabren begann Würshurg sich zu einem glanzvollen 
Mittelpunkte der westdeutschen Schmiedeisenkunst zu entwickeln. 

Wahre Prachtwerke, deren bedeutendstes leider Terschollen ist, ent- 
standen für das damals bischöfliebe Schloß und den Dom. Daak der 
sorgfältigen Untersuchungen BrUnings in meinem schon verschiedentlich 
genannten Buche ,Die Schmiedekunst" , sind wir kaum in einem anderen 
Falle so gut unterrichtet, wie über die Entwicklung der Arbeiten in Würz- 
burg und Ober die in Betracht kommenden Künstler. 

Da hier nur kurze Angaben möglich erscheinen, sei auf jene Schrift 
besonders hingewiesen und zur Ergänzung der Abbildungen auf das 
Tafelwerk von F. Ehemann, Kunstschmiedearbeiten aus dem IG. bis 
18. Jahrhundert, Berlin 1884. 

Die besten Würzburger Schmied ewerke sind Arbeiten des Job. Georg 



Oegg (1703—1780) aus Siltz in Tirol und des Stadtschlossers Markus 
Gattinger. 

Das erste größere Scbmiedewerk, das dem Meister Oegg zugeschrieben 
werden darf, ist das Gitter der SchÖnbornschen Kapelle am Dom, die 1736 
geweiht wurde. 

Genauere Nachrichten sind erhalten über das 1821 aus gewissenlosem 
Unverstand entfernte Ehren hofgitter vor dem Schlosse. Der Meister be- 
gann im Jahre 1737 damit, und es scheint 1741 vollendet gewesen zu 
sein; erhaltene Stiebe (Abb. hei Brflning a. a. 0. S. 117) geben über 
seine Gestalt Auskunft. Wie auch andere Arbeiten Oeggs aus dieser Zeit 
erkennen lassen, arbeitete der Meister damals noch überwiegend in den 
Formen des Laub- und Bandelwerks. Die Mehrzahl der erhaltenen 
Würzburger Schmiedewerke entstand gegen die Mitte des Jahrhunderts 
und in den folgenden Jahrzehnten im Formkreise das Rokoko, auf 
S. 227 wird darüber näheres gesagt. 

Ab Nürnberger Arbeiten des Laub- und Bandelwerktypus seien das 
Gitter auf der KarlsbrUcke vom Jahre 1728 und ein schönes Oberlicht im 



Gitter, Franken und Bayern 



Manchener Nationalmuseuin mit der Jahreszahl ll'dQ genannt. In 
Regensburg ist das Toi^itter von St. £mmeraii ein sehr reiches, dicht 
komponiertes Werk derselben Art, das um 1733 gefertigt sein soll. 



212 Zeit ÜB» 1715—1745. 

Das Hauptwerk dieser Periode in Augsburg ist die große, nahe am 
Eingange in der Kreuzkirche aufgestellte Gitterschranke (Fig. 155, S. 211). 
Der Stadtscblo.sser Joh. Mich. Hoch und sein Geselle Job. 6. Rummel 
haben es in den Jahren 1741 — 1744 verfertigt. 

Einige schöne Gitter dieser Zeit sind in uad um München erbalten, 
genaue Daten Über die einzelnen Werke sind zwar bisher selten bekannt. 

Wohl um 1725 dürfte das Gitter in der Heiligengeistkircbe ge- 
fertigt sein. 

Sehr früh treten in München die für die folgende Periode charakte- 
ristischen muscheligen Bildungen im Gitterwerk auf. In den Dreißiger- 



Fig, 168. Oberlichtgitter in Wien. 8. i«. 

juhren leitete Fran^ols Cuvilli^s (näheres über die Entwürfe des Künst- 
lers für Schmiedeisen bei Brüning a. a. 0. S. 110) die Ausstattung der 
reichen Zimmer in der Residenz, und nach seinen Entwürfen sind jeden- 
falls verschiedene erhaltene Gitter ausgeführt, die schon die Wand- 
lungen der Laub- und Bandelwerkformen zu den Rokokoformen deutlich 
erkennen lassen. Ab der Schmied dieser Gitter wird Nikolaus Bern- 
eckher genannt. 

Von demselben Meister wurden auch die reizvollen Gitterarbeiten 
am ehemals Preysingschen Palais in München ausgeführt, die ebenfalls 
gegenüber anderen deutschen Schmiedearbeiten dieser Zeit wesentlich fort- 
geschrittenere Farmen zeigen. Bekannt ist, daß Berneckher in der vom 
Kurfürsten Mas Emanoel eingerichteten Schlosserei sein Handwerk er- 
lernte unter Leitung des französischen Schlossers Antoine Motte und 
des Kunst- und Eisendrechslers Franijois Houard. 

In der Klosterkirche des unweit München gelegenen Diessen befindet 



Gitter, Franken und Bafera. 213 

sich ein sehr geschmackrolles Gitter in Laub- und Bandelwerkformea, 
das bezeichnet ist: 

„Marx Kriner. Pii^er. schlosser In Minichen 1739." 



Fig. 16T. GiUertoc ia Wien. S. a 



Die ungleicli meisten und großartigsten Werke der Schmiedekunst 
entstanden in dem hier betrachteten Zeitabschnitte unbedingt in den sfid- 



n Schlofl Belvedere in Wie 



Östlichen deutschen Ländern, vor allem in Ober- und Niederösterreich 
mit W^» als dem Mittelpunkte. Nur einige der bedeutendsten Gitter- 



(iitter, OesterreichiBche Länder. 215 

werke können besprochen werden; zur Vervollständigung sei hingewiesen 
auf Ilg und Eabdebo, Wiener Schmiedewerke des 17, und 18. Jahr- 
hunderts, Dresden 1883. Mit 60 Lichtdrucktafeln. 

Die Laub- und Bandelwerkperiode setzt in Wien mit etlichen in 
ihrer Art unttbertroffenen Werken ein, den Oberlichtgittem am Palais der 
Ungarischen Garde (ehemals Trautsonscher Palast) (Fig. 156, S. 212). 



Fis. IM. Mittelteil eines Gittertores vom SchloB Belvedere. 8. 91S. 

Dieser Palast wurde im Jahre 1712 im Bau vollendet, und wenn, wie 
mfui annehmen darf, die Gitter gleichzeitig entstanden, wären es in Deutsch- 
land, soweit bekannt ist, überhaupt die frühesten Schmiedearbeiten in 
jenem Fonncharakter. 

Nur um wenige Jahre jUnger sind, wiederum der Erbauungszeit nach 
fjerechnet, die großen Gittertore an dem im Jahre 1719 eingeweihten 
Kloster der Salesianerinnen in Wien (Fig. 157, S. 213). 

Jedenfalls zu Anfang der Zwanzigerjahre entstanden die Oberaus 
prachtvollen Eisengittertore des Belvedere (F^;. 158, S. 214 u. Fig. 159, 



216 Zeit um 1715—1745. 

S. 215), denen schon in einer 1727 erschienenen Dissertation die höchste 
Lobpreisung zu Teil wurde (s. Ilg und Eabdebo). 

An dem im Jahre 1725 vollendeten Palais Schwarzenber^ gehören 
die BrUstungsgitter der SäulenvorhaUe zu den schönsten ihrer Art. Es 
scheint Daniel Gran, einer der herrorr^endsten Dekorationskünstler der Zeit, 
dazu die Entwürfe geliefert zu haben, die von dem Schlosser Schenaeckh 
mit französischen Gehilfen ausgeführt sein sollen. Auch bei einer Reihe 
anderer Schmiedewerke gilt Gran mehr oder minder begründet als der 
Erfinder (.vergl. Schirek, Die Kunstschlosserei in Mähren, BrOnn 1893. 
und Ilg, Mitt. des k. k. Oesterr. Mus. N.F.II. S.281). 



Eine zuverlässige Nachricht gibt Auskunft Über die Entstehung des 
Balkongitters im Hofe des alten Rathauses Über dem Andromedabrunnen 
Donners (Fig. 160, S. 216). Der Wiener Schmied Simon Vogel erhielt 
dafUr im Jahre 1725 eine Bezahlung von 460 Gulden. 

Die Jahreszahl 1731 ti^gt an den Pilastersockeln ein mächtiges 
Prunktor vor der Prinz Eugenkapelle in der Stepbanskirche. Schließlich 
seien als Hauptwerke der Wiener Schmiedekunst im Laub- und Bandel- 
werkform kreise noch die Gitter an der im Jahre 1744 gestifteten Johsnnes- 
kapelle an der Donau genannt, in denen sich aber schon einzelne Rokaille- 
motive finden (Fig. 161, S. 217). 

Aehnlich bedeutsame Schmiedewerke wie in der Hauptstadt finden 
sich aus dieser Zeit an vielen Orten der österreichischen Monarchie. 

Im Stifte Sl. Florian mUssen wiederum ein paar treffliche Gitter an- 
geführt werden. Das eine neben der Probstei aufgestellte ti^^ die Jahres- 



Gitter, Oeaterreichische Länder. 



FlS' IBi, »itter in Wien. Johanneskapclle. ü. 91«. 

zahl 1721 und daneben die Buchstaben - 1. B. P., was zu lesen ist als 
Joannes Bnptista Praepositus (Fig. 162, 3. 218). Gefertigt wurde es fUr 
etva 460 Gulden von dem Schmied {Nikolaus Peigine, der damals in 



218 Zeit um 1715—1745 

St. Florian tätif; war und auch das vor der Treppe aufgestellte Gitter mit 
der Jahreszahl 1730 ausführte (Fig. 163, S. 219). Beide zeigea ent- 
schiedene Verwandtschaft, das jüngere nur entwickeltere Formen (vergl. 
Czerny, Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian, S. 208). 



Fig. 101. Qitter vom Jahr« 1791 Im Stifte SC. Florian. 



Unter die vorzüglichsten Scbmiedewerke dieser Zeit muß auch ein 
Torgitter mit der Jahreszahl 1727 im bischöflichen Palast von St. Polten 
(Fig. 164, S. 220) gerechnet werden. 

Für die Wallfahrtskirche am Hafnerberge bei Pottenstein wurden 



Gitter, OesterreichiHche Länder. 219 



(nach Angabe von Ilg) zwischen 17Ü9 und 1745 eiserne Torgitter an- 
gefertigt. Auch für das Stift Klostemeuburg wurden in dieser Zeit aus- 
gezeichnete Gitterarbeiten ausgeführt (Fig. 165, S. 221). 

Mit den Schmiedewerken des Belvedere hat man die ähnlich reichen 
nnd schönen Gitter des Schlosses Schloßhof a. d. March, die um das Jahr 
1728 entstanden sind, in Beziehung gebracht (Fig. 166, S. 222, Fig. 167, 
S. 223 u. Fig. 168, S. 224). Man hat für sie wegen ihrer großen Ver- 



Fl^. IN. OitterbckrDnang vom Jahre 1190 im Stifte St. Florian. 8. aie. 

wandtschaft im Gesamtaufbau wie in den Einzelformen denselben Schmied 
angenommen. Angeblich sollen die Schloßhofer Gitter von einem Schmiede 
aus Holitsch ausgeführt sein; zuverlässige Nachrichten fehlen überhaupt. 

Hingewiesen ist femer bereits (von Ilg) auf die Achnlichkeit jener 
Gitter mit denen des Schlosses Esterhazy in Ungarn und dem Gittertor 
der Kirche in Großweikersdorf. 

Von den mährischen Schmiedearbeiten dieser Zeit verdienen erwähnt 
zu werden die Gitter im Schlosse und im Parke von Ntkolsburg^ die alle 
von dem Hofschlosser Heinrich Förster in Brunn gefertigt wurden, 
vielleicht auch nach Entwürfen Daniel Grans (vergl. Schirek, die Kunst- 
Schlosserei in Mähren, BrQnn 1893, S. 16). 



Fig. IM. Oitt«Ttor vom Jahre 17IT in St. PSlMn. tj. 118. 

In größerer Anzahl finden sich gute Gitter der Laub- und Bandel- 
werkperiode auch in Sahburg, Gras und besonders in Prag. 

In Schlesien, Sachsen und dem ganzen nördlichen Deutsch* 



Gitter, Schlesien und Sacfasen. 221 

land sind k&iun nennenswert« Schmiedeisenfi^itter ans dieser Zeit erholten 
und auch wohl nicht entstanden, nur einige gut datierbare Werke mögen 
angefahrt werden. 

Ein reit der Jahreszahl 1747 hezeichnetes Gittertor der Universität 
in Breslau gehört noch ganz dem Laub- und Bandelwerktypus an. 



Auf dem Eliaskirchhofe in Dresden befindet sich ein Gitter vom Jahre 
1726 in jenem Formcharakter. Ein anderes stattliches Gruftgitter in 
Dresden mit der Jahreszahl 1733 ist neben jenen Ornamentformen zum 
großen Teile mit Schrift in durchbrochenem Grunde gefüllt. 

In der Nikolaikirche in Berlin befindet sich am Grabmale des Ministers 



n SchloB ScUoUhor. 



Gitter, NorddeutGcblaud. 223 

Ton Kraut ein Gitter mit reicher Laub- und BandelwerkbekrönUDg, dessen 
Entstehung im Jahre 1725 angenommen wird. 

Um das Jahr 1741 wurde fUr den Moltkestubl in der Nikoluikirche 
in Mostock ein sehr geschmackvolles Gitter in denselben Formen aus- 
geftlhrt (Fig. 109, S. 225). 

Um das Jahr 1745, in einigen Gegenden früher, in anderen später, 



Fig. l«T. Teil eines Gittertores vam Schloß ScbloShot. 8. 11«. 

wurden, wie bereits gesagt ist, in der deutschen Schmiedekunst die 
Formen herrschend, die man mit dem Namen Rokoko belegt hat. Die 
Wandlung tritt zuerst in Einzelheiten auf, erst allmählich wird auch die 
Oesamtkomposition eine andere; deutlicher wie eine Beschreibung, werden 
auch hier die Abbildungen sprechen. Die wichtigeren Werke, besonders 
die, über deren Ursprung irgendwelche Nachrichten Aufschluß gehen, 
wUen in derselben landschaftlichen Gruppierung, wie vorher, kurz be- 
sprochen weidflB. 



224 Zeil um 1745—1775. 

In voller Entwicklung treten uns die Rokokofonnen aß Eiseoarbeiten 
im Treppenhause und im Konzertsaale des Schlosses Brühl bei Köln a.Rh, 
entgegen. Das schöne Qeländer und eine große, in der Mitte l^nj^nde 
Laterne sind Arbeiten der Schlosser Eöbst und Muller und wurden Ton 



Fig. US. Treppengitler am Schloß SchloBhof. 8. il». 

diesen im Jahre 1743 geliefert, wie es scheinen möchte, nach Entwürfen 
des Fran^ois Cevilli^s, der an der Ausschmückung des Schlosses, wie fest- 
steht, bedeutenden Anteil hat. 

Ueber die reichen Gitter der in den Jahren 1753 — 1756 erbauten 
Jesuitenkirche in Mannheim (Fig. 170, S. 226) ist zuverlässiges nicht be- 
kannt, man glaubt den Schlosser Peter Schoch als ihren Verfertiger 
ansehen zu dürfen. 



Gitter, Bheingebiet. 



Treffliche Scluniedearbeitet] wurdeo auch fUr das id den Jahren 1750 
bis 1776 erbaute Schloß in Zar/srw^ ausgeführt. Ein schönes dreiteiliges 
Gartentor zeigt gewisse Verwandtschaft mit den Gittern des Würzburger 
Meisters Gattinger. 

Am Chorgitter im Münster von Ueberlingen gibt nur die Zahl 1754 
das Sotstehungsjahr an, eine Meisterbezeicbnung fehlt, 

£ines der reichsten überhaupt geschaffenen Scbmiedewerke ist das 
Chorf^tter der ehemaligen Abteikirche in Zwiefalten in Württemberg, das 



Fig. 1««. Gitter in Rostock. 8. in. 

ein Schlosser Joseph BOssel von Rankweil bei Feldkirch in den Jahren 
1751 — 1756 ausführte. Eine mächtige architektonische Komposition mit 
^ulen, verkröpftem Gebälk und phantastischen Volutengiebeln ist, zu 
einem raffiniert perspektivisch gezeichneten Linienmuster aufgelöst, in die 
Gitterebene gebracht. (Große Abbildungen in: W.Kick, Barock, Rokoko 
und Louis XVI ... mit Text von Dr. B. Pfeiffer, Stuttgart, o. J.) 

Erinnert sei bei dieser Gelegenheit noch einmal daran, wie unendlich 
fruchtbar sich gerade bei Gittern der zuerst bei Wendel Dietterlin in seiner 
,Ärchitektura' vom Jahre 1598 nachweisbare Gedanke, die Linienperspek- 
tive zu verwerten, erwiesen hat. Man hat die ästhetische Berechtigung 
solcher Gitterkompositionen erwogen, doch möchte die Frage, ganz be- 
sonders einer Leistung wie dem Zwiefaltener Gitter gegenüber, als müßig 
Laer, Unedle Metalle. 15 



erscheinen. (Vergl. Minkus, Die perspektiTiscIien Gitter des 18. Jahr- 
hunderts. Kunstgewerbeblatt 1898, S. 33 ff.) 



Bei den meisten oft recht ansehnlichen Schweizer Gittern dieser 
Zeit, deren eine ganze Reihe besonders in Basel und Zürich erhalten sind. 



Gitter, Franken und Bajern. 227 

ist das Entstehungsjahr nur selten bekannt. Näheres weiß man aber 
über das schöne Chorgitter der Stiftskirche Ton St. Gallen. Dieses in 
maßvollen Rokokofonuen gestaltete Gitter wurde entworfen von Anton 
Dirr von TJeberlingen und ausgeführt von dem gallischen Hofschlosser 
Jos. Mayer von BrUtschwil, der im Jahre 1772 dafür Bezahlung erhielt. 

Auf die köstlichen Würzburger Gitter der Rokokozeit wuide schon 
vorher bingewiesen (S. 210), sie befinden sich zumeist an Ort und Stelle. 

Brüning nimmt an (a. a. 0. S. 122), daß wenigstens die vor 1753 



Fig. 171. üilter in Wnrzburg- S. »27. 

entstandenen vom Meister Oegg nach den Entwürfen des Schloßarchitekten 
Balthasar Neumann ausgeführt wurden, auf Orund der Zeichnungen in 
dessen erhaltenem Skizzen buche. 

Nach den daran befindlichen Wappen wurden, wie Brüning fest- 
gestellt hat, das Portal am Rennwege und die Seitenteile des Garten- 
einganges am Rennwege in den Jahren 174Ö — 1749 ausgeführt, in den 
folgenden fünf Jahren das Gartentor am Rennwege (Fig. 171, S. 227) und 
die Seitengitter dort in der Flucht der Vorderfront, von 1755 — 1779 das 
Mittelportal des Garteneingangs am Residenzplatze (Fig. 172, S. 228) und 
der Torbogen am Rennwege. Nicht vor dem Jahre 1770 können, der 
Erbauungszeit nach, die Gitter in den Arkaden angefertigt sein. 

Bei den jUngeren Gittern, besonders bei dem Mittelportal des Garten- 
einganges am Residenzplatze, ist eine verschiedenartige Formbehandlung 



228 Zeit um 1745-1775. 

der Teile ganz auß^allend; die klassizistisclieii Elemente begannea damals 
auch in der Schmiedeisenkunst bereits Boden zu fassen. 

Soweit nach seinen bekannten Werken zu urteilen ist, reichte das 
Können des schon vorher genannten Wflrzbut^er Stadtschlossers Markus 
Gattinger nicht völlig an die Gestaltungskraft Meister Oeggs heran und 
es erscheint glaubhaft, daß beide einander in Feindschaft gegenüberstanden. 

Die untereinander sehr vervfandten großen Chorgitter im Dome zu 
Witrzburg und in der Abtei Amorbach wurden von Gattinger gefertigt. 



Fig. ua. Gitter in Würaburg. S. ai7. 

Für das im Jahre 1750 vollendete Gitter in Ämorbach erhielt er 4650 Gulden 
und (i Dukat«n Aufgeld. Auch fiber die bedeutenden Zahlungen an Oegg 
— in den Jahren 1752—1754 erhielt er 33784 Gulden — geben erhaltene 
Rechnungsbeläge Auskunft. 

Das bedeutendste Rokokogitter in Augsburg (Fig. 173, S. 229) wurde 
von Job. Samuel Birckenfeld, einem auch durch seine trefflichen 
Vorbilderstiche fUr Seh mied eisen arbeiten bekannten Meister (s. Brüning 
a. a. 0. S. 113), im Jahre 1760 für die Barfüßerkirche vollendet. 

Ueber Entstehungsjahr und Meister der ofTenbar in dieser Zeit ge- 
fertigten schönen Schmiedearbeiten am Palais des Freiherm von Schätzler 
in Augsburg ist näheres nicht bekannt. 

Als tUchtigt^ bayerische Schmiedeleistungen der Bokokozeit mögen 



Gitter, Oeeterreichiscbe Länder. 229 

schließlich auch das Eingangsgitter in der Kirche von Fürstenfeldbruck 
bei Manchen (Fig. 174, S. 230) und die vortreflflichen Oberlichtgitter an 
der Kirche und am Kloster von Oltobewren (Bezirksamt Memmingen) er- 
wälmt werden. 

Ueber die österreichischen Schmiedearbeiten der Rokokozeit, die 
an Zahl und künstlerischer Bedeutung weit hinter den Werken der voraus- 



gehenden Geschmacksperiode zurückstehen, ist nicht allzuviel bekannt. In 
den Urkunden des Stiftes St. Florian ist uns aber wiederum der Meister 
Qberhefert, der einige treffhche dort erhaltene Gitter gefertigt hat. An- 
gegeben wird, daß dort ein Meister Ludwig Gattringer in Linz (nicht 
zu verwechseln mit Gattinger in Würzburg) seit 1747 die Schlosserarbeiten 
för die Bibliothek und im Jahre 1749 zwei Gitter für den Vorraum, die 
letzteren für 750 Gulden, ausgeführt hat. Das im Gange zu dem Mine- 



ralienkabinett aufgestellte Gitter scheint Gattringer erst im Jahre 1773 
geliefert zu haben (Czernj a. a. 0. S. 210). 

Iq Wien sollen die schönen Oberlicbl^tter am Uinisterium des Inneren 
um 1753 gefertigt sein. Anscheinend um dieaelbe Zeit entstand das 
höchst geschmackvolle Balkongitter an einem Hause der BrünnerstraBe 
(Fig. 175, S. 231). 



Flg. 174. Oitter in FDrstenreldbruck. S. SM. 

Ein Kapellen gitter in der Dominikanerkirche ist bezeichnet: .S. Y. 
F. 17ti9". Man hat als den Verfertiger einen gleichnamigen Sohn des 
Simon Vogel, der das Balkongitter im Rathaushofe ausführte, vermutet. 

Um die Mitte des Jahrhunderts wurden die Schmiedearbeiten fflr 
Schloß Schönbrunn ausgeführt. Das Hauptwerk, das große Meidlinger- 
tor, würde man den Formen nach in die Zeit um 1725 ansetzen, das 
Doppelmonogramm der Maria Theresia und Josephs U. gestattet aber 
kaum eine Datierung vor 1763. Ein großes Hofgitter und zahlreiche 



Gitter. ScbleBien und Sacbeen. 231 

BalkoDgitter, die annähernd um dieselbe Zeit entstanden, aind in bewegten 
Rokokoformea ausgefUhrt. 

In der Hofkirche zu Fürstenfeld in Steiermark wurde das treffliche 
Chor^tter unter dem Äbte Martin (1761 — 1779) von einem Mitgüede der 
seit alters her beim Kloster beschäftigten Schlosserfamilie Oberögger 
in Brttck angefertigt. 

In Salzburg sind als größere vortreffliche Gitterwerke dieser Zeit die 
vorderen Abschlußgitter in der Franziskanerkirche, in der Peterskirche 
(bez. 1768) und in der Michaelskirche zu nennen. 



Fig. 176. Bslkongitter In Wien. S. 130, 

Der Späteren Rokokozeit gehören ein paar fast Oberreiche Gittertore 
am Komitatshause in Sevcs in Ungarn an. 

In Böhmen befindet sich auf Schloß Dobris ein Rokokogitter mit der 
Jahreszahl 1765. 

Ueber mährische Schmiedeisengitter ii. dergl. aus dieser Zeit vergl. 
Schirek, Die Kunstschlosserei in Mähren, Brunn 1893, S. 15 S. 

In Schlesien und Sachsen arbeiteten die Schmiede, soweit aus den 
wenigen datierbarea Arbeiten zu ersehen ist, um die Mitte des Jahrhun- 
derts noch in den Laub- und Bändel werkformen, teils mit einzelnen Ro- 
caileelementen. 

Als eine schlesische Arbeit dieser Art sei ein Gittertor vom Jahre 1755 
in Kloster Trebnitz genannt. 

Ein besonders bemerkenswertes sächsisches Werk ist das Gitter, das 
für die Leipziger Stadtbibliothek vom Schlosser Gottl. Böttger um das 
Jahr 1750 gefertigt wurde. Der Meister, über den näheres bekannt ist 
(vergl. Wustmann, Leipziger Schlosserarbeiten des 18. Jahrhunderts, 



232 Zeit um 1775—1800. 



Gewerbehalle 1886, S. 91), hatte es ebenso wie andere für die Bibliothek 
geplante und zum Teil in Entwürfen erhaltene Gitter durch „leichtes 
Schnerkel-Werck und Frantz-Laub von Eißen" verziert. 

Eine Laub- und Bändel werkgittertür aus dem Jahre 1751, vom ehe- 
maligen, an Schmiedearbeiten reichen Johannesfriedhof in Leipzig^ befindet 
sich jetzt dort im Kunstgewerbemuseum. 

Im ganzen nördlichen Deutschland sind Schmiedeisengitter von 
einiger künstlerischer Bedeutung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sehr 
dünn gesät. 

Am Schloß Sanssouci bei Potsdam (erbaut 1745 — 1747) ist ein 
Brüstungsgitter zu erwähnen und die reichen Gitterlauben mit Pilastem, 
Gesimsen, Festons u. dergl., die an Stelle baufällig gewordener hölzerner 
im Jahre 1770 von Potsdamer Schlossern für mehr als 10000 Taler 
ganz in Eisen aufgeführt wurden (Manger, Baugeschichte von Potsdam, 
S. 343). In Berlin ist das Gitter vor der Universität (erbaut 1754 — 1764) 
von einigem Interesse. Ein ansehnliches Balkongitter aus der Zeit um 
1752 befindet sich am königlichen Palais an der Leinstraße in Hannover. 

Mit der fröhlich bewegten Kunst der R-okokoperiode welkte auch die 
deutsche Gitterschmiedekunst dahin, um bald gänzlich durch die Eisen- 
gußtechnik, die bis dahin nur vereinzelt einmal zu Hilfe genommen war, 
verdrängt zu werden. Der Uebergang aus der Kurven- und Muschel- 
ornamentik zu den einfacheren, an antike Vorbilder sich anlehnenden Mustern 
der als Zopfzeit (nach der damaligen Mode des Zopftragens) bezeichneten 
Periode, vollzog sich naturgemäß auch nicht plötzlich, doch kann man im 
großen und ganzen das Jahr 1775 als den Wendepunkt ansetzen. In 
abgelegeneren Gebieten finden sich aber reinste Rokokobildungen bis gegen 
das Jahr 1790, so z. B. in Königsberg in der Altroßgärter Kirche ein 
Oberlicht vom Jahre 1784. 

Glanzwerke der Gitterschmiedekunst aus der Zeit der Geschmacks- 
wandlung wurden um das Jahr 1775 in Augsburg für das Schülesche 
Fabrikgebäude gefertigt. Das Treppengeländer und die imposante Be- 
krönung des Gittertores, als deren Verfertiger ein Meister Endres an- 
gesehen wird, befinden sich jetzt im Hamburgischen Museum für Kunst 
und Gewerbe (näheres siehe im „Führer" des Museums S. 795 f.). 

In Nürnberg haben sich einige vortreflFliche Oberlicht- und Fenster- 
gitter aus dem Ende des Jahrhunderts erhalten. 

In der Kirche von Salem (Kreis Konstanz) befinden sich in der Chor- 
brüstung streng klassizistisch komponierte Eisengitter, die im Anschluß 
an die übrige Ausstattung der Kirche um das Jahr 1790 gefertigt wurden. 

Von den in Oesterreich im letzten Viertel des Jahrhunderts aus- 
geführten Gittern seien erwähnt ein Kapellengitter in der Michaelskirche 



Gitter, Deutschland. 233 

in TV7«». eine Torbekrönung vom Jahre 1782 in der Wiener Vorstadt 
Landstraße und ein Balkongitter am Ungarisclien Ministerium in Wien 
(Fig. 176. S. 233). 

Eine Charakteristik der nicht sonderlicli bedeutenden deutschen Oma- 
mentstiche aus dem Ende des Jahrhunderts gibt BrUning a. a. 0. S. 134. 

Der Formenkreis, der in Deutschland als Laub- und Bandelwerk be- 
zeichnet wurde, hatte sich in Frankreich schon beinahe ein halbes 
Jahrhundert frQher entwickelt, aber kam hier in den Schmiedeisengittern 
niemals zu dem Reichtume der Entfaltung wie im südlichen Deutschland. 



Fig. IT«. BalkonEitter in Wleo. S. aas. 

Und man kann auch sagen, daß die Geschmackswandlung , die sich in 
Deutschland bei den Schmiedewerken um das Jahr 1745 ansetzen läßt, 
in Frankreich in ähnlichem Sinne schon im Anfang des Jahrhunderts 
festzustellen ist. 

Die Umformung vollzog sich jedoch in Frankreich sehr allmählich 
und in etwas anderer Art wie in Deutschland. Während bei uns als 
erste Anzeichen eines neuheitsbedUrftigen Geschmackes in den Yierziger- 
jahren einzelne Rocaillemotive in dem Laub- und Bandelwerk der Gitter 
wahrnehmbar sind, blieben in Frankreich die Einzelmotive bis gegen 
das Jahr 1740 fast unverändert, aber die Art der Linienführung und 
der Gesamtkomposition änderte sich bereits in den ersten Jahrzehnten 
des 18. Jahrhunderts wie bei uns um dessen Mitte. Die klassizistische 
Geschmacksströmung endlich kam in der französischen Gitterschmiedekunst 
nicht wesentlich früher als in der deutschen zum Ausdruck, also ebenfalls 
etwa in den Siebzigerjahren. 

Wie schon früher erwähnt wurde, sind auch von den französischen 
Gitterwerken des 18. Jahrhunderts zahlreiche der Revolution zum Opfer 



IS. Jahrhundert 



gefallen, und um ein vollständiges Bild zu gewinnen, ist ein Studium der 
in Eupfe 1*311011 folgen erschienenen Entwürfe kaum entbehrlich. 

Ausführlicher kritisch behandelt sind die Schmiedeisen-Omamentstecher 



Gitter, Frankreich. 



Fig. 1T8. Gitter in Seas. S. SM. 

in den scIiod frQlier (S. 163), genannten Scliriften, hier seien nur die ein- 
floBreiclisten Meister erwähnt. 

Daniel Marot, der Sohn Jean Marots, gab im Jahre 1712 eine Folge 



236 18. Jahrhundert. 



von 6 Blatt: Nouveau Li vre de Serrurerie .... heraus. Im Jahre 1738 
erschienen Gitterentwürfe in dem Werke des Fran9oisBlondel: Distribution 
des maisons de plaisance. Um das Jahr 1740 dürfte das Schlosserbuch 
des Gabriel Huquier erschienen sein. Zahlreiche Gitterentwürfe finden 
sich in Vorlagewerken des C. E. Briseux aus den Jahren 1752 und 1761. 
Im Jahre 1767 veröflfentlichte der größte Eisenkünstler des 18. Jahr- 
hunderts, Jean Lamour, auf Foliotafeln seine bis heute erhaltenen Werke. 
Schliesslich seien noch die Stichfolgen des Jean Fran^ois Forty und des 
Deboeuf du Saint-Laurent aus den Siebzigerjahren erwähnt. 

Von ausgeführten Gittern wurden die für das Schloß Marly^ zumeist 
um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts entstandenen, bereits erwähnt; 
in den Jahren von 1696 — 1705 wurden dort für Schmiedearbeiten 
265 761 Livres bezahlt. Allzuviel künstlerische Aufträge sind sonst bis 
gegen Ende des 18. Jahrhunderts den Schmieden für die königlichen 
Schlösser in der Nachbarschaft von Paris nicht zu teil geworden. Eine 
Reihe bedeutender Gitter wurde für Kirchen ausgeführt, doch auch 
von diesen Arbeiten sind nicht alle unversehrt geblieben. Ein Gitter in 
der Kathedrale von St. -Denis ^ das angeblich im Jahre 1709 von P. Denis 
errichtet wurde (Gardner a. a. 0. Bd. II S. 167) und die etwa zur selben 
Zeit nach den Entwürfen Robert de Cotte's hergestellten Gitter für Kotre- 
Dame in Paris (näheres bei Brüning, a. a. 0. S. 47) wurden in der 
Revolution zerstört. 

Erhalten sind die einige Jahrzehnte jüngeren Gitter in St. Ouen zu 
Ronen (1743) und die in den Kathedralen von Beauvais und Amiens; 
die letzteren wurden nach den Entwürfen des Ren6 Michel Slodtz vom 
Schlosser Deyrens in Corhie ausgeführt. 

Ein ausgezeichnetes Gittertor, das vermutlich in der Zeit zwischen 
1730 und 1740 von Pierre Delphin in Paris gefertigt wurde, befindet 
sich noch am Hotel Dieu in Troyes (Fig. 177, S. 234), ein anderes, etwa 
aus derselben Zeit, schließt den Hof des Erzbischöflichen Palais in Setis 
ab (Fig. 178, S. 235). 

Alle diese Arbeiten werden aber übertroflFen von den um die Mitte 
des Jahrhunderts von JeanLamour in Nancy ausgeführten Werken, ins- 
besondere von der einzig dastehenden in Eisen geschmiedeten Monumental- 
schöpfung auf dem Stanislausplatz. 

Jean Lamour, der Hofschlosser des Königs Stanislaus Leszczjnski, 
wurde 1698 als Sohn des Stadtschlossers in Nancy geboren. Nach Lehr- 
jahren und Studien in Metz und Paris übernahm er im Jahre 1720 
das väterliche Geschäft. Als seine erste größere Arbeit wird ein Gitter 
für die Kirche St.-Epure erwähnt, für das er 1728 1150' Livres erhielt. 
Die Glanzzeit seiner Tätigkeit begann bald nach dem Einzüge des Königs 
Stanislaus in Nancy im Jahre 1737. 



Gitter, Frankreich. 



238 18. Jahrhundert 

Scbon 1738 bekam Lamour den Auftrag, Gitter für die Grabkapelle 
des Königs in Notre-Dame de Bon Secours in Nanct/ herzustellen; diese 
blieben ebensowenig erbalten wie die bald darauf für das Schloß Chantcheux 
bei Luneville und die für Commeraj ausgeführten, doch finden sich Ab- 
bildungen in dem angeführten Stichwerke des Meisters. 

Das Hauptwerk Lamours ist die Ausstattung der Place ßoyale 
(jetzt Place Stanislas), (tlr das ihm 149324 Livres bezahlt wurden (Fig. 179, 
S. 237, Fig. 180, S. 238 u. Fig. 181, S. 239). Der über hundert Meter 



Flg. ISO. üitUr in N^ucy, StanblsUHpIntz. 8.239. 

lange und breite Platz ist rings von Gebäuden umgeben, an der Südseite 
steht das mächtige Hütel de Ville, auf die schmäleren Seiten münden Straßen 
und an den Ecken sind zwischen den Bauten Oeffnungen gelassen. Diese 
Zwischenräume schmückte L a m o u r mit seinen Eisenaufbauten und Por- 
talen, und auch die umliegenden Bauten erhielten ihre Schmied ei senzierate 
von seiner Hand. Der Grundgedanke der ganzen Anl^e soll auf den 
Architekten Emmanuel H4r^ zurückgehen, die Erfindung der Eisenwerke 
im einzelnen darf für Lamour in Anspruch genommen werden. 

Außer den Baikonen an den Fassaden schuf Lamour ftlr das Hotel 



Gitter, Frankreich, 



de Ville besonders noch das prachtvolle Treppengitter; als Entgelt für 
die Arbeiten diese-s Bauwerks erhielt er 60411 Livres. 

Noch ein anderer Platz in Nancy, die Place de la Carri&re, ist mit 
Gitterwerken Lamours ausgestattet. Weiter fertigte der Meister für die 



240 18. Jahrhundert. 

Kathedrale zwei Grabkapellengitter; vier andere Gitter sind dort bezeichnet: 
Jean Marie 1750. 

Der König, der von Anfang an lebhafteste Teilnahme, besonders 
an dem Hauptwerke Lamours gezeigt hatte, ehrte den Meister aufs 
höchste, und als echten KUnstler schätzten ihn auch seine Mitbürger. 
Er starb im Jahre 1771. (Näheres über Lamour in seinem eigenen 
Stichwerke [Neuausgabe von Dr. Joseph, Berlin, Hesling], bei BrQoing 
a.a.O. S, 90 ff, und bei Cournault, Jean Lamour, serrurier du roi 
Stanislns ä Nancy. Paris, Rouam 1886.) 



Fig. ISi. Treppengitter am SchloQ Gr. Trianon. S. 141, 

Das Kocailleornament bewahrte, wie schon oben bemerkt wurde, 
seine Schätzung bei den Schmieden in Frankreich im allgemeinen bis 
gegen die Siebzigerjahre , dann nahmen auch die Eisenkünstler die 
strengeren antikisierenden Formen auf. Blankes oder doch scharfkantig 
gefeiltes Eisen in Verbindung mit Bronze kennzeichnet besonders die 
Geschmacksrichtung der letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts. Mehr 
wie je vorher verlangte man damals äulterste Vollendung und Exaktheit 
in der Oberflächenbehandlung. Einige eiserne Treppengeländer sind be- 
zeichnende Beispiele daftlr. 

In blankem Eisen mit BronzeausschmUckung wurde um das Jahr 1763 
das große Treppengeländer des Palais Rojale in Paris, vermutlich nach 
den Modellen des Jacques Caffieri, vom Schlosser Courbin ausgeführt 
(Ohampeaux, Dictionnair des fondeurs etc.). 

Das köstliche Treppengitter im Petit TrianoB in Versailles soll 
zwischen 1765 und 17ti8 von dem Schlosser Gamain gefertigt sein. Auch 



Gitter, Frankreich. 241 

hier ist neben dem Eisen Bronze verwendet, aber das s&uber bearbeitete 
Eisen hat einen grOnen Anstrich erhalten. 

Die um dieselbe Zeit entstandene schöne Brüstung an der Nord- 
westecke des Schlosses Grand Trianon (Fig. 182, S. 240} ist ohne 
Bronze ausgeführt. 

Treppenbrüstungen von gleicher Vortrefflichkeit wurden auch gefertigt 
Rlr das Schloß in Compi^gne, und in Paris fUr das Marineministerium, 
das Hotel d'Armenonville (jetzt im Mus^e des arts d^coratifs) und 
fttr die Ecole militaire (1752—1773 erbaut) (Fig. 183, S. 241). 



Ein mächtiges eisernes Vorbofportal, dem leider die Belcrönung fehlt, 
entstand in derselben Zeit fUr die Ecole mihtaire in Paris (Fig. 184, S. 242). 
Etwtts junger ist das Vorbofgitter und Tor (mit später hinzugefügter Be- 
krönung) am jetzigen Palais de Justice in Paris (Fig. 185, S, 243), eine 
Arbeit des Schlossers Bigonnet, der 200000 Livres dafUr erhielt. 

Von Schmiedeisenarbeiten aus dieser Zeit f&r Pariser Kirchen seien 
angefOhrt das Kanzeltreppengeländer in St. Roch, das aus blankem Eisen 
und Bronze vermutlich von dem für diese Kirche besonders tätigen Schlosser 
Oarnier gefertigt wurde, und das Kommuniongitter in St-Germain- 
l'Auxerrois (Fig. 186, S. 244), das als eine Arbeit des Schlossers Pierre 
Damiez angesehen wird. 

An Privathäusem haben sich besonders in Paris und Versailles 
etliche gute Balkongitter erhalten. 



, Cnedle Hetitlle. 



242 18' JahrbuDdert. 

Daß auch in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts noch 
eine Reihe bemerkenswerter Omamentstichfolgen fUr Schmiede in Frank- 
reich erschienen, sei wenigstens erwähnt (nähere Angaben daröber und 



Fig. 184. Gitter in PaHa, Ecole miliUire. S. 111. 

über die angefilhrten Werke bei Brüning a. a. 0. S. 103 ff. und bei 
Gardner a. a. 0. Bd. II.). 

BesciiiaBe Eiseme Türbeschläge haben im 18. Jahrhundert allein in Deutschland 

noch eine künstlerische Bedeutung. Die seit Jahrhunderten besonders im 



Beschl&ge, Deutschland nad Oetterreich. 



sfldöstlichen Deutschland geübte Beschlagart, äach geschmiedete Zierteile 
auf einer Blechunterlage zu Terteilen, wurde im 18. Jahrhundert zu ihrer 



reizvollsten Entwicklung gebracht, und zwar entstand die Mehrzahl der 
erhaltenen Beispiele auch wieder in sUdostdeutschen Gebieten. 

Frag ist besonders reich an derart ausgeschmückten Ttlren, und 



244 18. Jahrhundert. 

vielleicht das schönste erhaltene Beispiel Überhaupt findet sidi dort an 
der St. Niklaskirche. In flachen Laub- und Bandelwerkformen ist hier 
auf der Türfläche ein besonders trefflich komponiertes Gittertor dargestellt. 
Einfacher ist ein Gittertormotiv auf einer Tür der Thomaskirche verwendet. 
In der Regel sind rechteckig umgrenzte Felder gleichmäßig mit dem 
Eisenhelag gefQUt, wie z. B. an der för die Karlskirche gefertigten TOr. 



Fig. im. Oitter in Paris, St-Oermaid-l' 

Auch tinden sich mehrere Beispiele in Prag, bei denen in alter Weise 
Schienen auf der Blechunterlage schräg gekreuzt sind, und die Rautea 
gleichzeitig durch eine Hosette oder dergleichen verziert sind. 

In TFien befindet sich ein ausgezeichneter Beschlag derselben Art 
an einer Tür der Rochuskirche. Bei diesem Beispiele sind auch die eben- 
falls in geschmackvollsten Laub- und Bändel werkformen gestalteten Angel- 
bänder auf den Rückseiten der Türflügel besonders bemerkenswert. 

Eine Reibe guter Beispiele dieses Beschlagtypus hat sich femer in 
Schlesien erhalten, so in Breslau an der Universität, in Liegnits am ehe- 



Beschl&ge, Deutschland und Oeaterreich. 



Flg. IST. Tarbeachlog in Liegniti 



n)ll^^n Ereisgericht (Fig. 187, S. 245) und am Jesuitenkollegium. 
Schließlich aucb an einem Görlitser Prirathause. 

Diesen Beispielen, die wohl ausnahmslos in der ersten Hälfte des 



246 18' Jahrhundert. 

1 8. Jahrhunderts entstanden, schließen sich einige etwas jüngere imsfidvest- 
lichen Deutschland an. 

Rocaillebeschl(^ zeigen zwei KassentUren im BQrgerspital zu Straßburg 
und eine Tür im nördlichen Flügel des Wämburger Schlosses, vermutlich 
auch eine Arbeit des Meisters Oegg. 



Wohl das jüngste Beispiel dieses Beschlagtypus ans dem 18, Jahr- 
hundert und zugleich eines der schönsten deutschen Eisenwerke dieser 
Zeit überhaupt ist die wohl um 1780 gefertigte Tür an der Reichen 
Kapelle in München mit köstlich getriebenen Auflt^en. 

Gute Beschläge anderer Art aus der Mitte des Jahrhunderts, wie 



Beachliljfe, Deatechland und Oeaterreicb. 247 

2. B. an einer Tttr des Zeughauses in Augsburg (Fig. 188, S. 246) — 
hier sind die Ängelbänder und das Kastenschloß mit Rocaillemotiven und 
krausem Blattwerk ausgestattet — und an einer Tür der Klosterkirche in 
Ottobeuren — mit Rocaillegittern in vertieften Fällungen — gehören zu 
den Seltenheiten in dieser Zeit. 



Fig. 18». Türklopfer in NUrnlierg, G«rnian, Hus. 8. 218. 

In größerer Anzahl haben sich besonders aus der ersten Hälfte des 
Jahrhunderts noch Schlösser mit kunstreich durchbrochenen, getriebenen 
oder gravierten Deckplatten, die bisweilen auch aus Messing gearbeitet 
wurden , erhalten. Auch Schlüssel in zierlichster Ausfuhrung zeugen 
davon, daß die Schlosser des 18. Jahrhunderts die kalte Behandlung des 
Eisens noch zu Üben verstanden. 

Künstlerisch wertvolle eiserne TUrklopfer aus dem 18. Jahrhundert 



248 18- Jabrhundert. 

sind selten, ein ausgezeichnetes Beispiel besitzt das Germanische 
Museum in Nürnberg, angeblich eine Arbeit des Hofschlossers J. Chr. 
Böckel in Kassel (Fig. 189, S. 247). 

Ab Höbelbeschlag hat das Eisen im 18. Jahrhundert einzig noch 



Fig. ISO. '\^'andanii in Salzburg. S. u». 

an Truhen in Niederdeutschland eine gewisse Bedeutung; ein gutes Bei- 
spiel vom Jahre 1711 besitzt das Berliner Kunstgewerbemuseum. 

Eiserne Wandarme sind aus dem 18. Jahrhundert besonders zahlreich 
in Deutschland erhalten , darunter einige , die an Größe , Reichtum und 
Schönheit alle älteren hinter sich lassen. Sie finden sich in allen Gegen- 
den, besonders aber im Süden Deutschlands, wie frUher an Wirts- und 



Wandarme, Deutschland und Oesterreich. 



249 



Innungshäusem mit daran hängenden Schilden und Emblemen und auch 
▼ielerorfcen als Träger von Laternen. 

Ofhnals finden sich solche Arme in Deutschland noch am Platze ihrer 
Bestimmung, in größerer Anzahl z. B. in Salzburg (Fig. 190, S. 248). 
Einige ausgezeichnete Beispiele besitzen auch die größeren deutschen 
Museen, unter anderem das Kunstgewerbemuseum in Berlin einen 




Fig. 191. Grabkrenz in Spital am Pyhm. S. 260. 

mächtigen Arm aus Würzburg, der als eine Arbeit des Meisters Oegg, 
jedenfalls mit Recht, angesehen wird, dann das Hamburgische Museum 
fQr Kunst und Gewerbe einen ähnlich bedeutenden Arm, ebenfalls 
aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, von einem Augshurger Brauhause. 

Qegen Ende des Jahrhunderts wurden die Wandarme in Deutschland 
immer seltener imd dürftiger in der Ausgestaltung, ein leidlich gutes Bei- 
spiel aus dieser Zeit findet sich z. B. in Bonlanden in Württemberg. 



250 18- Jahrhundert 

Außerhalb Deutsclilands wurden kDnsÜerisch wertvolle Schmiedeisen- 
waodarme im 18. Jahrhundert anscheinend nur spärlich gefertigt. Prscht- 
voll sind aber die Latemenarme an den besprochenen Eisengittem auf 
dem Stanislausplatz in Nancy. 



Auch die Vorliebe für geschmiedete Grabkreuze erscheint im 18. Jahr- 
hundert gegen ftüher eher gesteigert denn yermindert, Beispiele, darunter 
hervorragend schöne Werke, sind im ganzen südlichen Deutschland fast 
allerorten erhalten. 

Ein schönes Kreuz in Spital am Fyhm in Steiermark (Fig. 191, 
S. 249) zeigt zierlich geflochtene Akanthusranken , die auf den Beginn 
des Jahrhunderts hindeuten. 

In Freiburg i. B. findet sich ein Grabkreuz, das man den Laub- und 
Bandelwerkformen nach in die Zeit um 1730 ansetzen möchte. 



Gtabkrense, Deutschland und Oeaterreich. 251 

Ein Kreuz in ähnUrheii Formen, das in Ulm erhalten ist, soll dort 
im Jahre 1737 vom Stadtschmied Woydt gefertigt sein. 

Auf eine Entstehungszeit um das Jahr 1760 deuten bei einem hSchst 
geschmackvollen Kreuze in Nikolsburg i. Mähren die Formen hin (Abb. 
bei Schirek a. a. 0. S. XXX). 

Etwas jünger noch dürfte ein Kreuz auf dem Währinger Friedhofe 
in Wien sein (Fig. 192, S. 250). 

Mit der Kreuzform besonders glücklich vereinbar erscheinen aber die 



Fig. 1B3, Kronleachter Id Graz, Museum. S. 961. 

klassizistischen Farmen zu Ende des 18. Jahrhunderts, es sind vielleicht 
die schönsten geschmiedeten Grabkreuze, die aus dieser Zeit erhalten sind. 
Aq erster Stelle anzuführen ist ein wohl um 1780 gefertigtes Kreuz im 
Berliner Kunstgewerbemuseum. Ein annähernd gleichwertiges Kreuz 
mit der Jahreszahl 1799 befindet sich in Garmisch in Bayern. 



Ein wenig abgeschwächt erscheint im 18. Jahrhundert die Bedeutung seunch- 



des Schmiedeiseos fUr Beleuchtungsgeräte. ""^^ 



Eiserne Kronleuchter wurden nur in sehr geringer Anzahl kunstreich 
«o^estattet. Ein gutes Beispiel, das den Formen nach wohl um 1730 
entstanden ist, befindet sieb im Landesmuseum in Graz (Fig. 193, S. 251). 



252 18. Jahrhundert 

Die Kerzenständer in den Kirchen sind im 18. Jalirhundert ebenso 
dUrftif^ wie die vereinzelt nachweisbaren Kandelaber in Profanbauten. 

Fast das einzige Lichtgerät, an dem damals die Schlosser ihr Können 
in geschmackvoller Form des öfteren zum Ausdruck gebracht haben, ist 
die Laterne. Vortreffliche Eisenlatemen, bald an einem Arme, bald von 
der Decke hoher Bäume herabhängend, bald auch anf Sockeln angebracht, 
sind in größerer Anzahl erhalten. 



Vielleicht die reizvollste Gruppe ist die, bei der die senkrechten 
Kahmenstäbe und oberen Bügel mit leichtem getriebenen Blumen- und 
Rankenwerk ausgeschmückt sind. Beispiele dieser Art kommen häufi^r 
in Ungarn vor, einige besitzt auch das Kunstgewerbemuseum in 
Berlin und das Museum in Linz a. D. (Fig. 104, S. 252). 

Von anderen bemerkenswerten Schmiedeisenarbeiten des 18. Jakr* 
hunderts mögen noch angeführt werden die in mehreren Beispielen erhaltenen 
Aufsätze für die Rezeptiertische der Apotheken. Ein solcher Aufsatz in 
der Apotheke des Juliusspitals in WUrzhurg wird als eine Arbeit Oeggä 



BeleuchtungBget^t« u. a. 



angesehen , ein zweites Beispiel befindet Eich in der Mohrenapotheke in 
Satfreuth, ein drittes besitzt das Berliner Kunstgewerbemuseum 
(Fig. 195, S. 253), (Vergl. Mitteilungen aus dem German. Museum, Bd. I. 
1884—86. Taf. VU u. Vni.) 

Eine TortreflFliche Schmiedearbeit aus dem Ende des Jahrhunderts 
ist der Eisen auf satz und Schwengel eines Hofbrunnens (Pumpe) in 



In den Kirchen in Grabow und Ludwigslust in Mecklenburg haben 
sich Tom Jahre 1785 und 1804 je ein trefflicher eiserner Taufbecken- 



Fig, IM. Bekröming eines Rezept ierllacliaiifsatz es in Berlin, Kunstgew.-Mns. S. isa. 

Ständer erhalten, die anscheinend beide von dem Schlosser A. Niens an- 
gefertigt wurden; nur der in Ludwigslust ist bezeichnet. 

Als eine seltene französische Arbeit aus dem Jahre 17C9 sei schließ- 
lich noch der schmiedeiseme Ältartisch in Fecquencourt erwähnt. 

Ueber größere Eisenfeinarbeiten, die den Kassetten des 16. und 
n. Jahrhunderts vergleichbar wären, ist aus dem 18. Jahrhundert nichts 
zu berichten. Wenn wieder, wie bisher, von den Waffen abgesehen wird, 
^rde die Tauschierarbeit in Eisen nur noch in allerkleinstem Maßstabe 
an Dosen und dei^leichen geübt, die Eisenschnitttechuik kam nur, wie 
erwähnt wurde, noch ab und zu bei Schlüsseln zur Geltung. 



254 19. Jahrhundert. Schmiedeisen. 



Neimzelintes JalirliiLiidert, und die (rescliiclite 

der (rußeisenkimst. 

Die Schmiedeisenkunst gewährt in der ersten Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts ein trauriges Bild, Arbeiten, die über das Maß ödester Hand- 
werksmäßigkeit hinausgingen, entstanden kaum. Die wichtigsten Aufgaben 
hatten die Eisengießer den Schmieden abgerungen. Erst langsam gewann 
die Erkenntnis Boden, daß der Ersatz des geschmiedeten Eisens durch 
gegossenes doch als ein vollgültiger nicht angesehen werden dürfe. 

In Frankreich kam man zuerst zur Einsicht, bereits im Jahre 1844 
findet sich in den Annales archeologiques, Seite 226 ein vernichtendes 
Urteil über das Gußeisen. Dort heißt es: „. . . Car c'est la fönte qui a 
d^trönä le fer; la fönte, cette mati^re inerte, sans ^lasticit^ ni souplesse, 
cette agglom^ration de particules soud^es par le feu, v^ritable päte durcie 
qui r^siste, se gerce, puis tombe en ^clats au moindre choc . . . le ridicule 
est d'avoir voulu imiter avec la fönte, la delicatesse et la l^geretä du fer 
forgd . . .^ Und diese Ueberzeugung begann man auch bereits damals 
unter der Führung Viollet-le-Ducs in die Tat umzusetzen, wie die in 
demselben Aufsatze abgebildeten Beschläge für die Kirche St.-Madeleine 
in Vezelay von der Hand des Pariser Schmiedes Boulanger beweisen. 

Nur wenig später wurden nach dem Entwürfe Viollet-le-Ducs von 
demselben Meister die Beschläge an der Mitteltür von Notre-Dame in 
Faris ausgeflihrt, die zwar neben den gewaltigen alten Beschlägen dieser 
Kathedrale unendlich trocken erscheinen, aber technisch doch eine außer- 
ordentliche Leistung sind. 

Gitterarbeiten in Anlehnung an die mittelalterlichen Vorbilder ent- 
standen ebenfalls, z. B. für Notre-Dame in Faris ^ für die Kathedrale in 
St.'Denis und für St.-Sernin in Toulouse. 

In Deutschland, England, Italien und den übrigen europäischen 
Ländern begann, von bescheidenen Ausnahmen abgesehen, die Schmied- 
eisenkunst erst einige Jahrzehnte später zu neuem Leben zu erwachen, 
um dann verhältnismäßig schnell wieder eine achtungswerte Höhe des 
Könnens zu erreichen. Ueber die Art der Arbeiten und die bedeutenderen 
Werkstätten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geben die 
Ausstellungsberichte die beste Auskunft; der Hinweis darauf muß hier 
genügen. 

Ueberall begann man damit in engerer oder freierer Anlehnung an 
die heimatlichen Werke der Vergangenheit neue Gitter, Beschläge und 
Kleinarbeiten aller Art zu schmieden. 

Ein bewußtes starkes Abweichen von den Formkreisen früherer Jahr- 



Gußeisenkniist seit dem 15. Jahrhundert. 255 



hunderte zeigte sich erst in jüngster Zeit, besonders bei einigen groß- 
artigen deutschen Gitterwerken auf der Pariser Weltausstellung 1900. 
Seitdem sind höchst anerkennenswerte Schmiedeleistungen in neuartigen 
Formen in den europäischen Hauptstädten keine Seltenheiten mehr. In 
Berlin hat insbesondere die im Jahre 1902 yoUendete Hochbahn Gelegenheit 
zur Herstellung einiger sehr reizvoller Gitter gegeben. 

Die Yon manchen Seiten gehegte Erwartung, daß mehr und mehr 
die großartigen Eisenbauten der Ingenieure im Sinne steinerner Monumental- 
bauten durch schmückendes Beiwerk, auch im landläufigen Sinne, zu 
Kunstwerken werden könnten, zeigt, wie es scheinen möchte, ein Verkennen 
des eigentlichen Wesens der Eisenkonstruktionen. 

Die modernen Eisenkonstruktionen möchte man als „Form^ gewordene 
Mathematik bezeichnen, sie bilden eine, wenn man will, höchste und 
äußerste Grenze echten künsÜerischen Schaffens, sofern man ihnen ihre 
Eigenart läßt und klar und deutlich zeigt, daß die Berechnung zu dieser 
oder jener Eonstruktionsweise und zu einem bei allen erforderlichen Graden 
der Sicherheit möglichst geringen Materialaufwande geführt hat. Es kann 
hier nur eine Wahl geben künstlerisch zu schaffen, entweder man zeige 
die durch Berechnung gefundene, sicherlich noch immer zu yeryollkommnende 
Schönheit der Gesamtkonstruktion, oder man behandle die Eisenteile wie 
ein beliebiges Baumaterial, dessen Stärkeabmessungen dann aber äußer- 
lich nicht nach der Berechnung, sondern nach einem auf Erfahrung 
begründeten ästhetischen Empfinden gewählt werden müssen. 



Die Gußeisenkunst. 

Noch etliche Jahrhunderte später als das Schmiedeisen begann das 
in flüssigem Zustande in Formen gefüllte Eisen irgendwelche Bedeutung 
in der Kunst zu gewinnen. Soweit die jüngsten Untersuchungen fest- 
gestellt haben, wurde das Gußeisen zum wenigsten im Abendlande nicht 
vor dem 15. Jahrhundert künstlerisch verwertet, und auch dann noch in 
sehr bescheidenem Maße. Die Angaben, daß man bereits im Altertume 
es verstanden hätte. Eisen zu gießen, dürften als Fabeln oder Mißdeutungen 
alter Berichte anzusehen sein. 

Technische Schwierigkeiten, die bei der Gewinnung und der Ver- 
arbeitung des Eisens überhaupt von jeher ausschlaggebend für den 
Umfang und die Art seiner Verwendung gewesen sind, haben in besonders 
hohem Maße der Gußeisenkunst hinderlich im Wege gestanden. 

Heizkörper und Feuerungsgeräte, wie Ofen- und Kaminplatten, Ofen- 
füße und Kaminböcke erscheinen zuerst in einer etwas reicheren Aus- 
bildung in Eisen gegossen. 



256 Gußeisenkunst im 15. und 16. Jahrhundert 

Ueber die ältesten gußeisernen Oefen aus dem Ende des 15. Jahr- 
hunderts finden sich Angaben in Beck, Geschichte des Eisens Bd. I, 
S. 948. 

Im nordwestlichen Deutschland und im Elsaß, dann auch im 
Harze und in Thüringen entstanden wohl die ältesten Eisenkunst- 
gußarbeiten. Im 16. Jahrhundert scheint der Eisenkunstguß aber bereits 
weit verbreitet gewesen zu sein und die erhaltenen Arbeiten aus dieser 
Zeit sind sehr zahlreich. 

Näheres wissen wir über den Ofenkunstguß der Eisenhütte des Klosters 
Haina in Hessen dank den urkundlichen Feststellungen von L. Bickell: 
Die Eisenhütten des Klosters Haina und der dafür tätige Formschneider 
Philipp Soldan von Frankenberg, Marburg 1889 (mit Tafeln). 

Im Zusammenhange stellt den Ofenkunstguß des 16. Jahrhunderts 
dar Beck a. a. 0. Bd. II, S. 293 flF. 

Offene Kamine, bei denen eine eiserne Reliefplatte an der Rückwand 
angebracht war, kommen in Deutschland im 16. Jahrhundert bisweilen 
in denselben Räumen neben Oefen vor. „Die Oefen bestanden aus Orund- 
und Deckplatten, Seiten- und Stimplatten, letztere durch rinnenförmige 
Leisten und Gegenleisten mit Schrauben verbunden. In ältester Zeit, 
ca. 1480 bis gegen 1540 hin, schlössen die relativ hohen und schmalen 
weit ins Zimmer vortretenden Oefen vorn dreiseitig ab, später herrschte 
die einfache rechteckige Form bei niedrigeren und breiteren Verhältnissen 
vor. Ein solcher Bau bildete nun entweder für sich den Ofen, oder er 
erhielt einen eisernen Aufsatz, ursprünglich dem polygonalen Schluß ent- 
sprechend sechsseitig, später vierseitig, oder endlich erhielt er einen 
schöneren Aufsatz aus gebrannten Kacheln.'^ (Bickell, a. a. 0. S. 9 — 10.) 

Auf den Gußeisenplatten aus dem 15. und dem Beginne des 16. Jahr- 
hunderts finden sich Bauformen, wie Wimperge auf Säulen und Heiligen- 
figuren in flachem Relief. Ein Ofen aus Platten dieser Art befindet sich 
z. B. auf der Feste Kohurg, 

Gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts beginnen bibUsche Szenen, 
allegorische Figuren und Wappen vorzuherrschen , auf einer Platte im 
Museum in Strasburg ist ein Turnier dargestellt. 

Neben den. Ofenplatten entstanden im 16. Jahrhundert auch bereits 
zahlreiche gußeiserne Grabplatten. Beispiele dieser Zeit finden sich in 
Lübeck^ in Helmstedt^ in Gr.- Wartenberg i. Schlesien, in Marienstadt bei 
Altenkirchen, und sicherlich werden auch unter den gegen Ende des 
19. Jahrhunderts aus der Kilianskirche in Gorbach i. S. als altes Eisen 
für 137 Taler verkauften Grabplatten zahlreiche Werke des 16. Jahr- 
hunderts gewesen sein. 

In Frankreich kommen Gußeisenöfen höchst selten vor, wohl aber 
seit dem 15. Jahrhundert Kaminplatten und Kaminböcke. 



Gaßeisenkunst im 17. Jahrhundert. 257 



Eine Rechnungsnotiz aus den Jahren 1548 — 1550 gibt beispielsweise 
an, daß für das Zimmer der Königin im Schlosse SL-Germain-en-Laye 
eine Kaminplatte mit der Figur eines Herkules darauf beschafft sei. 
(Delaborde, Comptes des bat. Bd. II, S. 314.) 

In den übrigen europäischen Kulturländern scheint damals die Guß- 
eisenkunst in ähnlicher Weise entwickelt gewesen zu sein. 

Das 17. Jahrhundert scheint zunächst eine wesentliche Erweiterung 
dem Kunstgebiete nicht gebracht zu haben. 

In Deutschland wurden Oefen und Grabplatten aus Gußeisen in ge- 
steigertem Maße verwendet. Während im 15. und zu Anfang des 16. Jahr- 
hunderts eiserne Oefen ihres hohen Preises wegen nur in öff'entlichen Ge- 
bäuden, in Klöstern und Schlössern aufgestellt zu sein scheinen (im Kloster 
Wolf a. d. Mosel wurden im Jahre 1507 nach heutigem Gelde etwa 
80 Mark fär einen Ofen bezahlt, für einen in Augsburg im Jahre 1510 
in der Gerichtsstube gesetzten eisernen Ofen zahlte man gar über 
200 Mark nach heutigem Gelde. Beck a. a. 0. Bd. II, S. 316, 317), so 
soll schon im zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts ein eiserner Ofen 
zu den wichtigsten Geschenken für einen jungen Hausstand gehört haben, 
aber erst im 17. Jahrhundert dürften solche Oefen in Deutschland in 
keinem Bürgerhause mehr gefehlt haben. 

Als Reliefmotive kommen auf den eisernen Platten im 17. Jahrhundert, 
ähnlich wie auf den Tonkacheln, der Reichsadler, Fürstenwappen, Wappen 
der Zünfte und mannigfache figürliche und landschaftliche Szenen vor. 

Die Eisengrabplatten wurden, wie ein Beispiel in der Paulinenkirche 
in Leipzig beweist, auch buntfarbig bemalt. 

Eine seltene Verwendungsart von gußeisernen Reliefplatten ist an 
Schloß Gehren in Thür. nachweisbar: sieben solcher, die Jahreszahlen 1576 
und 1604 aufweisender Platten finden sich dort am Treppenaufgange. 
Biblische Szenen, die Lebensalter in zehn Stufen, Wappen und anderes 
ist darauf in Relief dargestellt. 

Eine höchst wichtige Notiz über die französische Gußeisenkunst am 
Ende des 17. Jahrhunders gibt Daviler in seinem Cours d'architecture, 
Paris 1696, Seite 107. Er sagt, Gußeisen werde nicht nur zu Röhren, 
Töpfen und Kaminplatten verarbeitet, man habe seit einigen Jahren ein 
(wie er wohl irrtümlich annimmt) verlorenes Geheimnis entdeckt, dem 
Gußeisen eine weichere Oberfläche zu geben, die eine Nachziselierung 
gestatte. Man fertige nun Balkon- und Treppengitter, Chorschranken 
und anderes mehr aus Gußeisen. Er führt schließlich bestimmte ausge- 
führte Beispiele an. 

Ob die deutsche Eisengießkunst damals bereits zu einer ähnlichen 
Vollkommenheit gediehen war, ist bisher nicht festgestelt. 

Zu einer ernstlichen Ausnützung scheinen die gekennzeichneten Er- 

Lüer, Unedle Metalle. 17 



258 Gußeisen im 18. und 19. Jahrhundert. 

rungenschaften auch in Frankreich kaum gekommen zu sein, denn in der 
Enzyklopädie von Diderot und d'Alembert wird (1773) von derselben 
Sache als von etwas ziemlich Neuem gesprochen und hinzugefügt, daß sie 
nicht die verdiente Beachtung fände, obschon das säuberst nachgearbeitete, 
vielleicht gar polierte Gußeisen doch besonders bei Treppengeländern, 
Kronleuchtern, Wandarmen und dergleichen einen vortrefflichen Ersatz fOr 
die überaus kostbare Bronze zu bieten vermöchte. 

Solange man beim Gußeisen eine tadellos saubere Oberfläche erst 
durch höchst mühevolle Nacharbeit erzielen konnte, und nicht schon in 
der Form, war es nicht allzu verwunderlich, daß man geschmiedetes Eisen 
oder Bronze vorzog, wenn die Mittel irgend dafür vorhanden waren. 

Für die Entwicklung des deutschen Eisenkunstgusses, ja vielleicht 
f[ir den Eisenguß seit der Mitte des 18. Jahrhunderts überhaupt, scheint 
von allergrößter Bedeutung das Hüttenwerk Lauchhammer gewesen zu 
sein. Schon um die Mitte des 18. Jahrhundert sollen Eisentechniker 
aller Länder die vortrefflichen Einrichtungen des im Jahre 1724 begründeten 
Werkes studiert haben. Der Kunstguß in höherem Sinne begann den 
Nachrichten zufolge dort im Jahre 1781. Eine Chronik aus dem Jahre 1825 
berichtet über die teils großen freiplastischen, figürlichen und Reliefwerke, 
zumeist nach antiken Vorbildern, und über die zahlreichen Gegenstände 
anderer Art, wie Beleuchtungsgeräte, Torflügel, Kruzifixe, die seit dem 
Jahre 1784 in Lauchhammer in Eisen gegossen wurden; nicht angeführt 
ist die Brunnenfigur eines Neptun, die nach Rietschels Modell um das 
Jahr 1825 dort für die Stadt Nordhausen ausgeführt wurde. Eine Ueber- 
arbeitung scheint bei diesen Gußwerken nicht vorgenommen zu sein, man 
hatte es gelernt, die Formen und das Eisen in einer Vollkommenheit her- 
zustellen, die vorher nicht annähernd erreicht war. 

Die großartigen technischen Fortschritte und der soziale Tiefstand 
der Zeit wirkten wohl ganz besonders in Deutschland darauf hin, daß um 
das Jahr 1800 eine Gußeisenzeit anhob, die noch unendlich weit die 
Wünsche übertraf, die z. B. in der französischen Enzyklopädie ge- 
äußert waren. 

Schmiedeisen, Bronze, ja selbst die edlen Metalle wurden eine Zeit- 
lang vom Gußeisen verdrängt. 

In Deutschland schwangen sich neben Lauchhammer -das Königliche 
Eisenwerk in Glekvitz in Oberschlesien, die im Jahre 1804 begründete 
Königliche Eisengießerei zwBerlin^ die Königliche Sayner-Hütte 
im Westerwalde, dann besonders die Gießereien zu Horowitz in Böhmen, 
die Königshütte und Mägdesprung im Harz, Wasseralfingen in Württem- 
berg und andere mehr zu einer bedeutsamen, künstlerischen Höhe auf. 
„Fönte de Berlin*" war sprichwörtlich für Eisenguß waren von höchster Voll- 
kommenheit und von oft geradezu minutiöser Feinheit. 



tiuBeiaenkunBt im 19. Jahrhundert. 259 

Zahlreiche, teils sehr bedeutende Werke der Berliner Eisengießerei sind 
aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch erhalten, aber die geringe 
Beachtung, die man ihnen leider heute schenkt, wird noch viele ver- 
schwinden lassen; ganz besonders liegt diese Gefahr vor bei den oft 
ganz vortrefflichen EisenguSarbeiten an Bauten, deren Abbruch bevorsteht. 
(Eine Geschichte der Berliner Eisengießerei zu schreiben, wird eine der 
dankbarsten Aufgaben sein; es sei nicht versäumt, hier dazu anzuregen.) 

Schon im Jahre 1811 entstand das Denkmal der Königin Luise zu 
Gransee, bald darauf die Denkmäler Theodor Kömers in Wöbbelin und 
des Feldmarschalls Courbi&re in Graudenz. 



Fig. iw, GnfieiseDBelander der SchloSbraeke in Bsrlln. S. \at. 

Das großartige Hauptwerk der Berliner Gießerei ist das Denkmal 
auf dem Kreuzberge in Berlin, das in den Jahren 1818—1821 nach 
Schinkels Entwurf und nach figürlichen Modellen von Rauch, Tieck und 
Wichmann ausgefdhrt wurde. 

Vermutlich gleichen Ursprungs ist das Denkmal des 1818 gestorbenen 
öeneraifeldmarschalls Barclay de Tolly, das nach Schinkels (?) Modell 
in Säbitschen (Ostpreußen) im Jahre 1821 errichtet wurde. 

Ebenfalls nach Schinkels Entwürfen wurde auch die schöne Eisen- 
brüstung der in den Jahren 1822 — 1824 erbauten SchloßbrUcke in Berlin 
(Fig. 196, S. 259) in der Königlichen Gießerei hergestellt. 

Von größeren Arbeiten sind weiter zu erwähnen die an vielen 
Berliner Bauten erhaltenen Balkongitter, Gartengitter, Kandelaber und 
große Vasen, unter denen besonders namhaft gemacht werden die 
t Alexandervase " mit Reliefs aus Thorwaldsens Alexanderzuge, die Vase 



260 Gußeisenkunst im 19. Jahrhundert. 



mit den Lebensaltern und Jahreszeiten nach Vollgolds Modell und die 
a athenische Vase**. 

Von den Kleinarbeiten der Berliner Gießerei seien das „Eiserne 
Kreuz**, die »Neujahrskarten** und die zarten durchbrochenen Schmuck- 
sachen angeführt, von denen zahlreiche Beispiele im Berliner Kunst- 
gewerbemuseum und in der Sammlung der Bergakademie 
verwahrt werden. 

In den außerdeutschen Ländern hat das Gußeisen während der ersten 
Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht völlig die umfassende Bedeutung für das 
Gebiet der dekorativen Kunst erlangt wie bei uns, aber an zahlreichen 
Versuchen, dieses billige Material der allgemeinen Verwendung zu er- 
schließen, fehlt es besonders in Frankreich und England auch nicht. 

Als die ersten monumentalen französischen Eisenguß werke gelten die 
vier Löwen an der Fassade des Palais de Tinstitut in Paris, die bezeichnet 
sind: „Fonderie de Creuzot 1810**. 

Im Rapport du Jury central der Pariser Weltausstellung des Jahres 
1839 wird angegeben, daß der große Aufschwung der französischen Eisen- 
gießerei erst mit dem Jahre 1834 eingesetzt habe und daß große Gußeisen- 
monumente bereits die öffentlichen Plätze zierten. 

Auf der Ausstellung wurden mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet 
die Gießereien von Emile Martin & Cie. in Garchisi und von Calla 
in Paris, Eine Silbermedaille erhielten die Gießereien von Muel in Tusey, 
von Andr^ in Val ä'Osne und Sautelet jeune & Cie. in Orleans, 

Die Gießerei von Calla scheint für den Kunstguß die bedeutendste 
gewesen zu sein, sie hat zuerst Gußeisenarbeiten für Monumentalbauten 
geliefert, z. B. für das Palais Royale Kandelaber, Balkons u. a. Auch 
soll sie als erste in Frankreich im Jahre 1829 große Statuen in Eisen 
gegossen haben. Unter anderem wurden die großen Figuren der Fontaine 
de Richelieu in Paris dort hergestellt. 

Ein gutes Bild der französischen Eisengießkunst dieser Zeit gewährt 
z. B. ein Musterbuch des genannten Gießers Andr^, in dem neben Gittern, 
Beschlägen und Geräten aller Art auch Figuren nicht fehlen. Man empfahl 
in Frankreich, die schönen erhaltenen Schmiedeisenarbeiten einfach in 
Gußeisen nachzubilden, so ist z. B. ein bei Bance ain^ 1826 erschienenes 
Werk: Modules de serrurerie choisis parmi ce que Paris ofiEre de plus 
remarquable, in diesem Sinne herausgegeben. 

In England gab Melby Pugin im Jahre 1836 ein Vorlagenwerk 
heraus, in dem Gegenstände der verschiedensten Art auch für Ausführung 
in Eisenguß abgebildet sind. 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschoben sich wohl die 
Aufgaben für den Eisenkunstguß ein wenig, doch erst in den letzten 
Jahrzehnten läßt sich eine materialgemäße Beschränkung feststellen; für 



Gußeisenkanst im 19. Jahrhandert 261 



Gitter oder große Tore, für Schmucksachen und große plastische Werke, 
die gar bestimmt sind, unter freiem Himmel zu stehen, würde man jetzt 
schwerlich noch das Gußeisen für tauglich erachten. 

Ein ziemlich klares Bild über die Entwicklung des Eisengusses geben 
die Berichte der großen Ausstellungen ; hier möge nur noch das Wichtigste 
aus einem kurzen Berichte über „die Eisenarbeiten auf der Wiener 
Weltausstellung 1873 ** angeführt werden (Blätter für Kunstge- 
werbe 1874, Seite 61). 

Es heißt dort: ,» Waren die Ausführungen in Schmiedeisen im Industrie- 
palaste relativ selten zu sehen und beschränkten sie sich wesentlich auf 
die Herstellung kleinerer Arbeiten, so fanden sich dort dagegen Arbeiten 
in Gußeisen in Menge und von besonderer Güte. 

Die große Fontaine, der Mittelpunkt der Rotunde, ein Werk Durennes, 
war hiervon eine der bedeutendsten Leistungen. Das weltberühmte Eta- 
blissement, die Fonderie Val d^Osne, das erste Frankreichs, legt 
gleichfalls den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf den Guß von figuralen 
Gegenständen. Seine Statuen, Lampenträger, Brunnenfiguren sind noch von 
der letzten Pariser Ausstellung her (1867) im besten Angedenken gewesen. 
Hier sehen wir den Kunstguß auf seiner höchsten Stufe der Vollendung. . . . 
Kleinere Gegenstände in Eisenguß vermißten wir jedoch in der franzö- 
sischen Ausstellung. Jedenfalls können sich den Franzosen, wenn es sich 
nicht um große Ausführungen von Figuralem handelt, die deutschen 
Gießereien an die Seite stellen, ja man wird finden, daß diese sie sogar 
in gewissen Richtungen übertreffen. Es gilt dies von den Gießereien von 
Ilsenburg^ Lauchhammer und Wasseralfingen. So befaßt sich Ilsenburg 
erfolgreich mit der Imitation und dem Nachguß alter Arbeiten. Ein fein 
ziselierter Schild nach Cellini gelingt dort in Gußeisen gerade so fein 
und gut, wie der Abguß eines ledernen, mit eingeschnittenem feinem 
Ornament verzierten alten Buchdeckels. Von Lauchhammer sahen wir 
einen schönen Pavillon, eine Stiege, gute Oefen und Heizgarnituren. In 
letzter Richtung schließt sich Kaiserslautern würdig an. . . . 

Unter den Arbeiten der österreichischen Aussteller waren jene 
aus der Wagnerschen Gießerei, darunter vorzüglich Kandelaber, 
Stiegengeländer etc., vor allem bedeutend und anerkennenswert. Auch die 
Erzherzog Albrechtsche Gießerei in Teschen brachte einige gute 
Oefen neben anderen, die zum Teil schon etwas stilwidrig ausgefallen waren. 
Wir sind aber gewohnt, so geringe Anforderungen an die dekorative Seite 
solcher Ausführungen zu stellen, daß wir uns selbst die Mißhandlung 
antikisierender Formen noch gefallen ließen und nur froh waren, wenigstens 
keinen gotischen Gußeisenofen zu finden. (Wie sie z. B. auf der Berliner 
Ausstellung des Jahres 1844 vorhanden waren. Anm. d. Verf.) . . . 

Unter den Eisenwerken Ungarns ist die Gießerei von Schlick in 



262 Gußeisenkunst im 19. Jahrhundert. 

Pest am besten yertreten gewesen. Sie sandte unter anderem ein großes 
Abschlußgitter, gut in griechischem Stile gehalten. . . . 

Von den italienischen Ausstellern sei Gambiaggio (Mailand} 
genannt seiner großen Gitter vom Palazzo della Cassa wegen, die er recht 
verdienstlich nach Mengonis Zeichnung ausführte. 

England war nur durch eine einzige Fabrik, aber durch diese 
glänzend vertreten. Die Coalbrock-dale Company sandte eine ganze 
Reihe der mannigfaltigsten und technisch wie künstlerisch gleich lobens- 
werten Arbeiten. Auffallend an den fast durchgehends gut gezeichneten 
Gegenständen ist die allzuhäufige und mitunter nur wenig passende Ver- 
wendung des naturalistischen Pflanzenornamentes. . . .'' 

Dieser in mancher Beziehung bemerkenswerte Bericht läßt das Gebiet 
der Gußeisenkunst doch noch als ein überaus breites erscheinen. Erst 
wenn sich weiterhin immer mehr die Erkenntnis Bahn bricht, daß das 
Gußeisen nur dann omamental ausgestattet werden soll, wenn es zugleich 
auch voll und ganz die im Einzelfalle notwendige praktische Aufgabe zu 
erfüllen vermag, dann wird die Gußeisenkunst vollberechtigt neben der 
Kunst des Schmiedes stehen. 



Die Bronzekunst. 



Das Altertum. 

wie ältesten kunstreichen Bronzearbeiten, deren Entstehung mit 
i Sicherheit auf einen enger begrenzten Zeitabschnitt festzulegen 
) ist, entstammen dem Pharaonenlande, doch scheint Ober 
das zweite vorchristliche Jahrtausend keines der erhaltenen ägyptischen 
Bronzewerke zu rück datier bar zu sein. Den Oberkörper eines dünnwandig 

. gegossenen Figürchens, das wohl eine 

mehrhundertjährige Uebung in der Technik 
voraussetzen läßt, besitzt die ägyptische 
Abteilung der Kgl. Berliner Museen aus 
der Zeit Ramses II., etwa 14. Jahrhundert 
V. Chr. IJeberaus zahlreich erhalten sind 



'. Ilom, M»i. eapilol. 



266 Da« Altertum. 

größere ägyptische Bronzefiguren aus dem letzten vorchristlichen Jahr- 
tausend. Eines der köstlichsten Bronzeguß trerke dieser Zeit ist die fast 
völlig mit zartesten verschiede nfarbigen Gold- und Silberei nlagen bedeckte 
Statuette der Königin Koromama im Louvre in Paris. 

Von anderen semitischen Völkern des Altertums scheinen besonders 
die Phönizier im Ei'zguB Hervorr^endes geleistet zu haben. Im ersten 
Buch der Könige ist zu lesen, 
daß König Salomo sich Werk- 
ieute erbat vom Könige Hiram 
von Tyrus zum Bau der Stifts- 
hUtte und zur Herstellung 
großer Erz werke. Genannt 
werden dort unter vielen an- 
deren in Bronzeguß ausgefOhr- 
ten Gegenständen besonders 
zwei eherne Säulen von 18 El- 
len Höhe und 12 Ellen Um- 
fang mit Knäufen von 5 Ellen 
Höhe , dann das gewaltige 
„eherne Meer" von 10 Ellen 
Weite und 5 Ellen Höhe, das 
auf zwölf ehernen Rindern 
ruhte. 

Zur höchsten Blüte ge- 
langte die Bronzekunst in vor- 
christlicher Zeit in den Ländern 
des griechischen Kultur- 
kreises. Bereits in der sogen, 
mykenischen Periode entstan- 
den kOnsÜerisch bedeutsame 
Bronzeguß werke, größere bohl- 
gegossene, ügUrliche Bronzen 
scheinen jedoch kaum vor dem 
6. Jahrhundert ausgeführt zu 
sein, und in diese Zeit ver- 
legten die Griechen selbst die 
Erfindung der Erzgießkunst 
'^' '" ' "'''"' '"■ ■ durch die samischen Künstler 

Kboikos und Theodoros. Für große Metallbildwerke scheint man sich 
in der ßegel auch damals noch der Treibtechnik bedient zu haben. Auf 
dem griechischen Festlande gelangte im (i. Jahrhundert die Erzgießkunst 
zuerst in Argos und Siki/on zu höherer Entfaltung. Eines der berOhm- 



Griechenland. 267 

testen Sronzewerke dieser Zeit war die Apollostatue des Kanachos von 
Sikyon im Branchidenheiligtume zu Milet. 

ZaMreich sind die Bronzeskulpturen der großen griechisclien Bildner 
des 5. Jahrhunderts, von denen wir Kunde und zum Teil Marmomach- 
bildungen haben, wenn auch nur wenige größere Originalwerke dieser 
Zeit erhalten sind, deren berühmteste die Statue des erst vor wenigen 
JahreQ in Delphi ausgegrabenen , Wagen lenkers" (Fig. 197, S. 265) 



Fig. MO. Hermes. Utapit, Km, >uu. 8. 9)1. 

und die Figur des .Domausziehers" im Kapitolinischen Museum in 
Bom (Fig. 198, S. 265) sind. 

Bronzestatuen Ton Siegern im Wettkampfe waren gepriesene Werke 
des Pythagoras. Eine kolossale Erzfigur von 30 Ellen Höhe schuf 
der athenische Hauptmeister der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts, Ka- 



268 Das Altertum. 

lamis, für Apollonia am Schwarzen Meere. — Allbekannt sind einige 
der in Nachbildungen erhaltenen Bronzebildwerke des ebenfalls in Athen 
schaffenden Mjron, besonders der Diskuswerfer und die Gestalt des 



cspiegcr Ftrtt, Lout, 



Griechenland. 269 

Harsias. Berttlimter noch waren im Altertume des Meisters eherne Euh 
und seine Siegergestalten. 

Auch der größte unter allen griechischen Bildhauern, Pbidias, war 
ein Meister im Erzguß. Sein Werk war die um die Mitte des 5. Jahr- 
hunderts entstandene eherne Gestalt der Athena Lemnia auf der Bui^ 
Ton Athen; die ebendort aufgestellte bronzene Kolossalstatue der Athena 



Fig. xol. Lumpenkrona (Ansioht der Unteiaeitel, Ctriima, arnmus. S. iJt. 

Promachos soll nach des Meisters Entwurf von einem älteren Praxiteles 
ansgefnhrt sein. FUr Ephesos schuf Phidias eine eherne Diana. 

Von den attischen Bronzebildnern der zweiten Hälfte des 5. Jahr- 
hunderts sei weiter genannt Kresilas &ns Ki/donia auf Kreta, der wahr- 
scheinlich aus der Schule Myrons h error gegangen ist. 

Auf dem Peloponnes war damals Polyklet der führende Bildner, 
und als Meister im Erzguß vor allen gepriesen. Ira Wettstreit mit Phidias 
und anderen KQnstlem schuf auch er eine ebeme Amazone. Allbekannt 
sind weiter die, wie auch jene Amazone, in großen Marmorkopien er- 
haltenen, ursprünglich in Erz gegossenen Gestalten des Doryphoros und 
des Diadumenos. 



270 I>ft8 Altertum. 

Auf ein Original dieser Periode geht auch die bekannte Bronzefigur 
des Idolino in den Uffizieo in Florenz zurück (Fig. 199, S. 266). 

Den griechischen Bronzebüdnem des 4. Jahrhunderts wird nach- 
gerühmt, daß sie sich nicht genUgen ließen, formal und technisch voll- 
endete Werke zu schaffen, sie sollen es verstanden haben, durch Zusätze 
zum Metall bestimmte Teile ihrer Gestalten der Natur auch in der Farbe 



Fig. SOS. QTKTierte SUckaeite eines Spiegels ans Pntsneste. Btnstt, Vnniun, S. *it. 

näher zu bringen. So heißt es, Silanion habe bei einer Gestalt der 
sterbenden Jokaste die Todesblässe auf den Wangen kenntlich gemacht 
Unter den peloponnesischen Bildhauern dieses Jahrhunderts, die den 
attischen gegenüber auch jetzt das Erz als bildsamen Stoff dem Marmor 
vorzogen, ist au erster Stelle Lysippos zu nennen. Die von ihm be- 
kannten Werke waren sämtlich in Bronze ausgeführt. Er schuf mehrere 
Zeusstatuen, darunter ein Kolossalbild fUr den Markt von Tarent von 
60 Fuß Höhe. Von anderen Werken seiner Hand seien angeftlhrt mehrere 
Heraklesstatuen, ein Eros, Siegei^estalten und Bildnisse berühmter Männer, 



Griechenland. 271 

besonders Alezanders des Großen. Darunter das großartige in Dion und 
später in Rom aufgestellte Reiterstandbild des Königs, umgeben von 
fDnfundzwanzig Reiterbildem der in der Sclilaclit am Granikus gefallenen 
Jünglinge, und eine andere mit Leocbares gemeinsam geschaffene, in 
Delphi aufgestellte Gruppe, die Alexander auf der Löwenjagd darstellte. 
Erhalten ist von diesen aus schriftlichen Ueberlieferungen bekannten 
Werken des Lyslppos nichts, doch sind einige davon auch in guten 



Nachbildungen auf uns gekommen. Auf eherne Originale des Meisters 
gehen zurück die Statue des Apoxjomenos im Vatikan, die Statuen 
eines auf die Keule gestützten Herakles in Florenz und wahrscheinlich 
auch die köstliche Bronzefigur des auf einem Felsblock sitzenden Hermes 
in Neapel (Fig. 200, S. 267) und eine Statue Alezanders des Großen in 
München. 

Auf einen Sohn des Ljsippos, Bo^thos, will man die Bronsestatue 
des .betenden Knaben' in Berlin zurückfuhren. 

Ghares, ein Schüler des Lysippos, war der Schöpfer des Kolosses 
von Rhodos, des gewaltigen, etwa 30 Meter hohen Erzbildes des Helios, 



272 Das Altertum. 

das im Jahre 2S4 t. Chr. an der Hafeneinfahrt aufgestellt wurde. Diesem 
ehernen , Weltwunder", dem größten bis dahin geschaffenen Erzbilde, 
folgten fast nur noch kleinere, zumeist sittenbildliche Darstellungen in 
Bronzeguß. Älexandrinische Meister haben vor allen TrefEliches in solchen 
Werken geleistet. 

Daß die griechischen Bronzektln stier ihr hohes Können auch an 
Kleinwerken aller Art betätigten, bedarf kaum der Hervorhebung. Eöst- 
liche Spiegel, Gefiiße, Dreiftlße, 
Kandelaber, Lampen und andere in 
Erz gegossene Geräte sind auch aus 
der Bluteperiode des griechischen 
Schaffens genugsam erhalten und 
bekannt (Fig. 201, S. 268). 

Auch in Italien scheißt der 
Bronzeguß schon im Anfange des 
ersten vorchristlichen Jahrtausends 
eine künstlerische Pflege erfahren zu 
haben, als Meister auf diesem Ge- 
biete haben sich zuerst die Etrus- 
ker bewährt. Von größeren figOr- 
lichen Erzwerken, die Überaus zahl- 
reich in ihren Städten aufgestellt 
waren, hat sich aus der älteren 
Zeit nichts erhalten. Vielleicht ist 
die Kapitolinische Wölfin in Som 
eine etniskische Arbeit (die Fiirflr- 
g j,, eben des Komulus und Kemus daran 

sind im 16. Jahrhundert hinzugefllgt). 
Das hohe Können der etruskischen ErzkUnstler um die Mitte des 
1. Jahrtausends v. Chr. bezeugen besonders einige erhaltene größere 
Geräte, wie z. B. der Kandelaber von Volterra in Florenz und die große 
kronleuchteiartige Hängelampe im Museum zu Cortona (Fig. 202, S. 269). 
Unter den zumeist jüngeren etruskischen Bronzearbeiten zeichnen sich 
besonders aus die zahlreich erhaltenen, mit reichen figürlichen und oma- 
mentalen Gravierungen geschmückten Cisten und Handspiegel (Fig. 203, 
S. 270). 

Griechische und etruskische Bronzebildwerke kamen in übergroßer 
Menge durch die EroberungszUge der Römer in ihre Hauptstadt und eine 
freie organische Entwicklung des eigenen Schaffens wurde sicherlich durch 
die Uebermacbt des Kindrucks fremden Überlegenen Kunstschaffens dort 
verhindert. Bis in die römische Eaiserzeit hinein sind Kamen römischer 
Bildner selten , griechische Künstler mußten weiterhin zumeist die ud- 



Italien. 273 

geheuren Bedürfnisse der Weltstadt befriedigen. Unter den im engeren 
Sinne römischen Bronzebildwerken stehen an erster Stelle porträtplastische 
Arbeiten und Eleinwerke aller Art. 

Die Ueberlieferung gibt Kunde von einer riesenhaften Erzfigur, größer 



Doch als der Koloß von Rhodos, die Nero sich errichten ließ ^ 
goldenen Hause; als Meister dieses Werkes irird wiederum ein Grieche 
Zenodoros genannt. Einzig erhalten von den großen in Som auf- 
gestellten Bronzedenkmälem ist die bekannte Reiterfigur Marc Aureis 
auf dem Kapitol (Fig. 204, S. 271). In reicher Fülle sind Erzwerke aller 
Art in Herkulanum und Pompeji gefunden worden. Das Museum in 

Lll«r, L~D«dle Metalle. 18 



274 ^'>'' ^^^ Antike bis zum 13. Jahrhundert. 

Neapel besitzt jetzt diese Schätze und unter den vielen großen und 
kleinen figürlichen Bronzen finden sieh wiederum einige sehr bedeutende 
porträtplastische Leistungen der Eaiserzeit (Fig. 205, S. 272). 

Von nicht geringerem künstlerischen Werte sind die in unendlicher 
Mannigfaltigkeit gestalteten und ausgeschmückten bronzenen Geräte, die 
durch die Ausgrabungen der verschütteten Städte zu Tage gefordert sind. 



In Bronze gegossene Tischges teile, Dreifüße, Sesselstutzen, Kandelaber, 
Lampengestelie, Lampen, Heizgeräte und tausenderlei andere Dinge in 
anmutigen Formen gewähren uns ein Bild des römischen metallenen Haus- 
rates im Beginn unserer Zeitrechnung von einer wohl lückenlosen Voll- 
ständigkeit (Fig. 206, S. 273 und Fig. 207, S. 274). 



Ton der Antike bis zum 13. Jahrhundert. 

Byzanz und Italien. 

Mit der Verlegung des Mittelpunktes der römischen Weltmacht nach 
der Stadt Constantins, nach Byzanz, begann im Jahre 330 n. Chr. eine 
neue Aera auch für die Kunst. Mit zahlreichen antiken Kunstwerken 



Byzanz. 275 

kamen auch Künstler in die bis dahin bescheidene Stadt am Bosporus, 
denen die Aufgabe zufiel, die neue Hauptstadt zum glänzenden Sitze der 
Weltbeherrscher umzugestalten. 

Die Bildner und Erzgießer fanden besonders Gelegenheit, auch die 
schwierige Technik des Gusses großartiger Werke späteren Generationen 
zu überliefern. 

Erhalten ist wenig von den gewaltigen Bronzebildem, die im Auf- 
trage der Kaiser für die öflFentlichen Plätze geschaflfen wurden, aber schrift- 
liche Nachrichten geben doch hinreichend Aufschluß, um die Henlichkeit 
des alten Byzanz ahnen zu lassen. (Unger, Quellen der Byzantinischen 
Kunstgeschichte. Wien 1878.) 

Berichtet wird besonders von einer Reihe großer Reiterdenkmäler 
auf hohen Säulen. Erwähnt werden die Reitermonumente Theodosius d. G., 
die des Arcadius, des Theodosius und eine Statue des Anastasius, die aus 
dem Erz des eingeschmolzenen Denkmals Theodosius d. G. gefertigt 
wurde. Die Reiterstatue Justinians, die im Jahre 543 neben der Sophien- 
kirche errichtet wurde, ist erst im 16. Jahrhundert eingeschmolzen, aus- 
führliche Berichte geben darüber Auskunft. (Unger, a. a. 0. S. 137 flf.) 
Eine Beschreibung aus dem 6. Jahrhundert sagt von dem Monument, 
daß auf einem Unterbau eine ungeheure Säule errichtet war. „Das beste 
Erz aber, in Tafeln und Ringen gegossen, umgibt allenthalben die 
Steine. . . - Auf der Spitze der Säule aber stand ein übergroßes ehernes 
Pferd, gen Osten gewandt, ein Schaustück, sehr der Rede wert. Es 
gleicht einem schreitenden und deutlich vorwärts drängenden. Von den 
Vorderfiißen hebt es leicht den linken in die Höhe, als ob es auf dem 
vor ihm liegenden Boden fortschreiten wolle, der andere aber steht auf 
dem Steine fest, über dem er sich befindet, als wenn er den Schritt auf- 
nehmen wolle ; die hinteren aber zieht es so zusammen, als wenn sie sich 
bereit hielten, wenn an sie die Reihe käme, nicht stehen zu bleiben. Auf 
diesem ehernen Pferde aber ritt die Statue des Kaisers, einem Kolosse 
ähnlich. Das Bild stellt sich aber als ein Achilleus dar, denn so nennt 
man das Kostüm, das er trägt. Denn die Schuhe hat er untergebunden, 
und die Knöchel sind ohne Schienen. Dann ist er nach Heldenart gepanzert, 
und ein Helm schützt ihm das Haupt, das Schrecken zu verbreiten 
scheint. ..." 

Von den zahlreichen Bronzewerken, die im Hippodrom aufgestellt 
waren, scheinen nur wenige Arbeiten byzantinischer Künstler gewesen zu 
sein, vielmehr waren die Figuren des Herakles, der Helena, die verschiedenen 
Tiere, die Wagenlenker u. a. m. aus Italien und Qriechenland zusammen- 
getragen. Eine Arbeit des 8. Jahrhunderts mag vielleicht die Brunnen- 
figur der Eirene gewesen sein, die ihr Sohn Constantin ihr zu Ehren 
im Hippodrom aufstellen ließ. 



276 ^on der Antike bis zum 13. Jahrhundert. 



Auch für Geräte, insbesondere für Beleuchtungszwecke, war die Bronze 
damals ein bevorzugtes Material. Wir wissen, daß zur Zeit Constantins 
für die römischen Basiliken Leuchter bis dreihundert Pfund im Gewicht 
gegossen wurden, mit" in Silber eingelegten Darstellungen. 

In Italien scheinen in der zweiten Hälfte des ersten christlichen 
Jahrtausends größere Bronzewerke nicht mehr entstanden zu sein, die 
Mehrzahl der dort aus dieser Zeit erhaltenen Werke dürfte nicht von 
einheimischen Künstlern ausgeführt sein. 

Vor allem in Frage kommt eine kolossale in Barletta in ApuUen 
befindliche Bronzefigur, von der angegeben wird, daß sie das Werk eines 
Meisters Polyphobos in Konstantinopel sei und den Kaiser Heraklius 
(610—641) darstelle (Fig. 208, S. 277). (Schulz, Denkmäler der Kunst 
des Mittelalters in TJnteritalien, Bd. II, S. 143 ff.) 

Die große erzene Reiterstatue Theoderichs, die Karl der Große aus 
Ravenna nach Aachen brachte, um sie vor seinem Palaste aufzustellen, 
soll aus einer Statue des byzantinischen Kaisers Zeno hergerichtet sein. 
SchUeßlic^h war auch die als Regisole bezeichnete Reiterstatue aus Ravenfm, 
die bis zum Jahre 1697 (?) in Pavia stand, und von der noch bildliche 
Darstellungen erhalten sind, mutmaßlich ein byzantinisches Werk. 

Die überwiegende Abhängigkeit Italiens von Byzanz in künstlerischen 
Dingen blieb auch in den ersten Jahrhunderten des zweiten Jahrtausends 
bestehen. Das Eindringen nordischer Elemente ist selten in dieser Zeit 
nachweisbar, aber z. B. bei den sehr bedeutenden, mit getriebenen Erz- 
reliefs beschlagenen Türflügeln an S. Zeno in Verona^ die teils vielleicht 
schon dem Beginne des 11. Jahrhunderts, teils dem 12. Jahrhundert an- 
gehören, durch B eissei wahrscheinlich gemacht. (Zeitschrift für christl. 
Kunst, Bd. V., S. 341.) 

Eine Reihe anderer höchst eigenartiger im Norden und Süden der 
Halbinsel aufgestellter Kirchentore mit Bronzebeschlag wurden im 11. 
und 12. Jahrhundert von byzantinischen Meistern ausgeführt. Zwar die 
Gußtechnik kam auch bei diesen am Dome von Ämalfi (1066), an der 
Klosterkirche von Monte Cassino (1070), an San Paolo f. 1. m. in Rom 
(1070), an San Angelo auf dem Berge Gargano (1076), an San Sal- 
vatore in Atrani (1087), am Dome von Salerno (1084) und an der 
Markuskirche in Venedig (1112) zumeist erhaltenen Türflügeln so gut 
wie gar nicht zur Geltung. Auf einer Holzunterlage wurden kräftige 
durch stärkere bronzene Leisten umrahmte Erzplatten befestigt, die aber 
nicht wie in Verona durch Reliefs geschmückt waren, sondern deren ver- 
tiefte Zeichnung mit Silber oder einer farbigen Masse ausgelegt und deren 
Fleischteile mit Silber plattiert wurden. (Näheres und Abbild, bei Schulz, 
a. a. 0. Bd. II und Tafelband.) 

Diese eigenartige Ausführung, die wohl zum Teil auf einen Tiefstand 



Italien. 277 

4er Gußtechoik zurUck^brbar ist, war jedoch nicht neu, wie hervorgehoben 
-werden mag, denn schon bei Türflügeln, die Papst Hilarius (f 469) den 
Kapellen der H. H. Jo- 
hannes und des H.Kreu- 
zes gab , wird ange- 
j;eben, daß in das Erz 
silberne Zierarte ein- 
^lassen waren; auch 
Bronzele achter wurden, 
■wie erwähnt ist, be- 
reits damals in gleicher 
Weise geschmückt. Die 
.angeführten Tore sind 
Tzum Teil durch ihre 
Inschriften als byzan- 
tinische Arbeiten ge- 
liennze lehnet, teils las- 
sen andere Anhalts- 
punkte unzweifelhaft 
■darauf schließen. Nur 
■die jüngste der ge- 
nannten Türen in Ve- 
nedig^ mit der In- 
^schrift: .Leo deMolino 
hoc opus fieri jmsit', 
hat man als eine Vene- 
tianer Arbeit in An- 
lehnung an die fremden 
Werke angesehen. 

Im 12. Jahrhun- 
■dert entstanden aber 
auch in schriftlich als 
itahenische Schöpfun- 
gen bezeichnete Tür- 
flügel, die zwar wesent- 
hcbe Eigenart jauch 
nicht sogleich erkennen 
lassen. 

Die Felder blieben 
•an den Türen aus der 
ersten Hälfte des Jahr- 
Jiunderts, mit Ausnahme 

Fig. 20B. Herukllaa. BaTlBttu. S. 37«. 



Von der Antike bis zum 13- Jahrhundert. 



Tat (Tfil) in TroJ». Dom. 8, a 



einer vielleicht schon in dieser Zeit entstandenen TUr am SOdpoiial des 
Domes in Pisa, noch eben, jedoch die Umrahmungsleisten und von 
Löwenmasken gehaltenen Türringe lassen ein Streben nach kräftigereni 



Italien, Deutschland. 279 



plastischen Schmuck erkennen. Dies gilt von der Tür an der Grabkapelle 
Boemunds von Antiochien in Canosa, einem Werke des Meisters Rogerius 
Ton Amalfi aus dem Jahre 1111 und den Türen am Dome in Troja 
(Fig. 209, S. 278), die Oderisio Berardi von Benevent in den Jahren 
1119 und 1127 vollendete. 

Erst die Erztüren der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zeigen 
vollständigen Reliefschmuck. Angeführt seien die durch besondere Schön- 
heit hervorragenden Torflügel am Dome in Benevent, vermutlich auch 
von dem genannten Oderisio Berardi gegen 1160 ausgeführt (vergl. 
Barbier de Montault, Revue de Part chr^t. 1883. S. Uff.), die um 
1180 von Barisanus von Traui für Trani, Bavello und für das Nord- 
portal des Domes in Monreale gefertigten, dann eine 1180 von Bonanus 
in Pisa für den dortigen Dom gefertigte (zweite) durch Feuer zerstörte 
Tür, eine von demselben Meister für das Westportal des Domes in Mon- 
reale gearbeitete und schließlich die um die Wende des 12. und 13. Jahr- 
hunderts entstandenen Türen im Baptisterium des Lateran in Born, die 
von den Meistern Uberto und Piero aus Lausanne angefertigt wurden. 

Andere nennenswerte italienische Erzarbeiten aus dieser Zeit sind 
nicht erhalten. Der bekannte Markuslöwe, das Wahrzeichen Venedigs, 
gilt bald als eine altetruskische , bald als eine Venetianer Arbeit des 
12. Jahrhunderts. Das schönste mittelalterliche Bronzewerk in Italien, 
der siebenarmige Leuchter im Mailänder Dome, ist zweifellos die Schöp- 
fung eines nordeuropäischen Künstlers (s. S. 298). 

Zu mannigfaltigerer und höherer Entfaltung als in Italien gelangte 
die Erzarbeit und besonders die Bronzegießkunst bald nach der Mitte 
des ersten Jahrtausends im westlichen Europa, in Frankreich, Deutschland 
und den Niederlanden. 

Deutschland. 

Die ältesten bekannten und erhaltenen großen deutschen Erzguß werke 
entstanden in der Residenz und zu Lebzeiten Karls des Großen. Woher 
die Künstler kamen oder in welcher Schule sie die Kunst erlernten, die 
großen im Aachener Münster befindlichen Türflügel und die Brüstungs- 
gitter (Fig. 210, S. 280) in Erz zu gießen, ist unbekannt. Aber ersicht- 
lich ist, daß sowohl bei den vier Türenpaaren, wie bei den acht Gittern 
antike Vorbilder nachzubilden versucht wurden. Aus allen Ländern „dies- 
seits des Meeres** zog der große Kaiser Werkleute herbei, des Bronzegusses 
kundige dürfte er, wenn nicht in Byzanz, am ehesten in Frankreich ge- 
funden haben. 

In derselben Werkstatt entstanden zweifeUos auch die für die Schloß- 
kirche in Ingelheim ausgeführten nicht erhaltenen Türflügel. 



280 ^on i^i Antike bis zum 13. .Tahrhtmdert. 

Mit einiger Wahrscheinlichkeit läSt sich femer als ein in der Aachener 
GiefihUite zu Anfang des 9. Jahrhunderts entstandenes Werk eine erzene 
Heiterstatuette betrachten, die als ein PortrMbildnis des Kaisers Karl 
selbst gilt, und aus dem Metzer Dome in das Mus^e Gamavalet in Paris 
gelangt ist. 

Die im Aachener Münster befindliche in Erz gegossene .Wölfin*' 




Guilbabaud), UflnsteT. 



ist eine antike Arbeit, nach Strzjgowski wahrscheinlich ein hellenisti- 
sches Originalwerk ; der ebenso wie jene ehemals am Brunnen im Vor- 
hofe des Munsters aufgestellte Pinienzapfen scheint (nach Strzygowski) 
eine Arbeit aus dem Anfange des 11. Jahrhunderts zu sein. 

In der nachbarolingiscben Zeit wurde das technische Können der 



Deutschland. 281 



deutschen Ktinstier immer weiter entwickelt und auch die künstlerische- 
Leistungsfähigkeit hielt sich auf einer achtbaren Höhe. 

Aus dem 10. und 11. Jahrhundert sind neben kleineren Bronzeguß- 
werken auch etliche höchst bedeutsame Gußleistungen erhalten, an deren 
Spitze der großartige siebenarmige Leuchter im Münster zu Essen anzu- 
führen ist, dessen Entstehungszeit um das Jahr 1000 durch die daran 
angebrachte Inschrift: „Mathild Abbatissa me fieri jussit et Christo conse- 
craTit" unzweideutig festgelegt ist, da bekannt ist, daß die Aebtissin 
Mathilde von 974 — 1011 regierte. (Grosse Abbildung in: Aus'm Weerth, 
KuDstdenkm. d. christl. Mittelalt. i. d. ßheinlanden. Leipzig und Bonn 
1857^68.) 

Die Grundform dieses prachtvollen Bronzewerkes geht zurück auf 
den siebenarmigen Leuchter des Tempels in Jerusalem, der im Jahre 70- 
n. Chr. vom Kaiser Titus zerstört wurde, auf dessen Triumphbogen auf 
dem Forum in Rom sich die Reliefdarstellung jenes Lichtständers 
erhalten hat. 

Die christliche Kirche verlieh dem siebenarmigen Leuchter eine 
symbolische Bedeutung, erblickte in ihm ein Sinnbild Christi. Das Licht 
des Leuchters wurde auf Christus, die Apostel und Heiligen bezogen. 
(Vergl. Pfeifer, der siebenarmige Leuchter im Dome zu Braunschweig. 
Zeitschr. f. ehr. Kunst 1898, Sp. 33 und Springer, Ikonographische 
Studien IV in Mitt. der Zentr.-Komm. zur Erf. der Baudenkm. 1860 
Bd. V, S. 309 fiF.) Die ältesten siebenarmigen Leuchter des Mittelalters 
werden in einem Inventar zu Fontenelle 806 und der Abtei Freisingen 957 
erwähnt. (Ebend.) 

Der Leuchter in Essen ist, wie Clemen in: Kunstdenkmäler der 
Rheinprovinz Bd. II, Teil 3, S. 40flF. angibt: »in einzelnen Zylindern und 
Trommeln gegossen, die mit starken Eisenstangen zusammengesetzt sind 
(nur die unter den Leuchtertellern hingeführte horizontale Stange ist 
späterer Zusatz). Die Bronze war ehemals vergoldet, in die Knäufe 
waren Kristalle und Edelsteine eingefügt (jetzt durch farbige Glasflüsse 
ersetzt). Die Ziselierung ist mit technischer Virtuosität durchgeführt. 
Der Leuchter ruht mit vier Löwenfüßen auf dem marmornen Untersatz. 
Die sechs Dübellöcher, die sich an dessen Seiten befinden, weisen auf 
ehemaligen Metallbeschlag. Die nägelartig rund herum auf den Unter- 
satz aufgesetzten Löwenköpfe sind verlötet. An den vier Ecken des Fußes 
ehemals die vier Winde, zwei abgebrochen, nur der Aquilo ganz erhalten^ 
sitzende halbnackte menschliche Oestalt mit Spruchband aber Tierkopf 
mit Hörnern. . . .* 

Fast gleichzeitig mit diesem überaus schönen Leuchter entstanden 

in Niederdeutschland einige ebenfalls nicht unbedeutende Bronzeguß werke. 

Im Jahre 990 beschenkte der Bischof von Verden das Kloster Corvey 



282 Von der Antike bis zum 13. JahrfauDdert. 

mit sechs erzenen Säulen. Sechs weitere ließ der Abt Deutliemar oder 
Thiatmar, der von 983 bis 1001 regierte, bald darauf angeblich in Correy 
selbst durch den Erzgießer Gottfried ausfuhren. Im Jahre 1004 wurde 
sogar im Auftrage des Abtes Hosad von Correy dem gelehrten Mönche 
Widnkind, dem Geschichtsschreiber der Sachsen, ein Bronzedenkmal in 
Gestalt einer Säule gesetzt. 



Fig. Sil. Der ,Kalserstabl- In Goalar. S. au. 

Noch eines bedeutsamen, einst in Corvey vorhandenen, aus Kupfer 
gefertigten Werkes ist zu gedenken, eines Kronleuchters, Über den nur 
schriftliche Nachrichten noch Aufschluß geben (vergl. Effmann, Zeitschr. 
f. ehr. Kunst 1890, S. 211ff.|. Diese Lichtkrone, die, ebenfalls im Auf- 
trage des genannten Abtes Thiatmar, vielleicht auch von dem Meister 
Gottfried gefertigt wurde, ist in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts 
von den Mönchen des Klosters vernichtet worden , um die Goldschicht 



Fig. 313. TOr in Hildesheim, 1 



284 ^ön der Antike bis zum 13. Jahrhundert. 



darauf zur Münzprägung zu gewinnen. Ein kurzer Bericht aus dem 
17. Jahrhundert gibt an, daß von dem etwa drei Handbreiten hohen mit 
Reliefs geschmückten und stark vergoldeten Reife in der Größe eines 
Wagenrades Arme nach außen vortraten, die die Kerzen oder vielleicht 
ursprünglich Lampen trugen. In der Gestaltung muß jedenfalls dieser 
Leuchter von dem bald darauf herrschend gewordenen Typus der Licht- 
ironen (vergl. S. 287) abgewichen sein, als deren Vorbild er anzusehen ist. 
Ein allem Anscheine nach hochbedeutsames Guß werk wurde um die- 
.^elbe Zeit auch in Trier vollendet, ein Tauf brunnen für St. Maximin, als 
dessen Meister die Mönche Gozbert und Absalom bekannt sind. 

Vielleicht sind auch die mit einem schönen in palmettenartige Blüten 
:auswachsenden durchbrochenen Rankenmuster gefüllte Rücklehne und 
oberen Seitenteile am Kaiserstuhl in Goslar um das Jahr 1000 in 
Deutschland entstanden (Fig. 211, S. 282). 

Großartiger wie die angeführten Bronzewerke waren die, die im 
-weiteren Verlauf des 11. Jahrhunderts in Hildesheim entstanden, das mit 
iseinem großen Bischof Bernward jetzt der Mittelpunkt des deutschen 
Kunstschaffens wurde. 

Die Hauptschöpfung, die unter der Leitung dieses kunstsinnigen, 

vielleicht selbst künstlerisch befähigten Kirchenfürsten entstand, waren 

•die beiden mächtigen ehernen Türflügel im Hildesheimer Dome, die im 

.Jahre 1015 aufgestellt wurden (Fig. 212, S. 283). Die nächste Anregung 

:zur Ausführung dieser gewaltigen, in je acht Feldern mit fast vollrund 

vortretenden Relieffiguren geschmückten Türplatten, mögen die Türen 

.am Münster zu Aachen gegeben haben, und die diesen in der Ausgestaltung 

verwandte Tür am Dom in Mainz ^ die im Auftrage des Erzbischofs 

Willigis im Jahre 1007 von Beringer in Bronze gegossen wurden. 

Weiter mögen für die Reliefausschmückung, die an den Türen in 
Aachen und Mainz fehlt, altchristliche Holztüren, besonders vielleicht die 
von Sa. Sabina in Rom vorbildlich gewesen sein. Dargestellt sind auf 
♦der Bernwardstür auf dem linken Flügel absteigend Scenen aus der 
•Schöpfungsgeschichte bis zu Kains Brudermord, auf dem rechten Flügel 
acht neutestamentarische Bilder, unten anfangend mit der Verkündigung 
und abschließend mit der Himmelfahrt Christi (vergl. B eis sei, der heilige 
Bemward von Hildesheim, Hildesheim 1895, S. 39 ff.). 

Das nächstbedeutende Bronzewerk, das unter Bernward in Hildesheim 
gegossen wurde, ist die jetzt zu Seiten des Hochaltars im Dome aufgestellte, 
fast 5 Meter hohe Christussäule, die von einem langen in Spiralwindungen 
herumlaufenden Relieffriese mit Darstellungen aus dem Leben Christi 
bedeckt ist (Fig. 213, S. 285). 

Auch für die Entstehung dieses Monumentes dürften die oben er- 
wähnten Säulen des unfernen Klosters Corvey nicht ohne Einfluß gewesen 



286 ^OD der Antike bis zum 13. Jahrhundert. 

sein, die Art der künstlerischen Ausgestaltung geht aber wieder auf ältere 
Vorbilder zurück, insbesondere auf die Trajans- und Marc Aurelssäulen, 
die Bernward bei seinem Aufentbalte in Rom im Jahre 1001 sah. 
Die Säule stand ursprünglich hinter dem Kreuzaltare in St. Michael. 
Auf ihrem Kapital, das im 17. Jahrhundert zum Glockenguß verwendet 



Fig. 2tl. Leuchter in Hildesheim, Mngdalenenkircbe. S. iSe. 

wurde, trug sie ein ebenfalls nicht erhaltenes Kreuz. (Beissel a. a. 0. 
S. 45 ff.) 

Kaum weniger bemerkenswert ist weiter ein gegossenes Leucbterpaar, 
das auf Bernward zurückgeht (Fig. 214, S. 286). Diese Leuchter sind 
annähernd gleich geformt, 43 cm hoch und waren ehemals vei^oldet. 
Eine lateinische Inschrift lautet in der Uebersetzung : „Bernward ließ 
diesen Leuchter durch seinen Schüler im ersten Aufblähen dieser Kunst 



DeutacfalMd. 287 

weder aus Gold, noch aus Silber, sondern so, wie du siehst, gießen." 
(Näheres bei Beissel a. a. 0. S. 37ir.) 

Eid Hauptwerk Berwards, die große Lichtkrone der Michaelskirche, 
ist durch mutwilligen Unverstand ira 17. Jahrhundert zerstört worden 
(Kratz, Der Dom in Hildesheim, Hildesheim 1840, S. 100). Doch wie es 
scheint, ist uns in einem der beiden nur wenig jüngeren Kronleuchter im 
Dome zu Hildesheim ein wenigstens annähernd getreues Abbild des ver- 
lorenen erhalten. Von dem größeren der beiden, glücklich in seinen 



^^^y^.,/„.*V.i^| 



Fig. Sl6, Eranlencbter in Hildesheim, Dom. S. 28r. 

Hauptteilen bis auf unsere Tage geretteten, vom Bischof Hezilo (1054 
bis 1079) geschenkten köstlichen Kunstdenkmale sagt Kratz a. a. 0. 
S. 78, daß Hezilo das Gerät zu demselben noch teilweise in Bernwards 
Werkstatt vorfand, ,denn nach dem Plane dieses Künstlers sollte es 
ein Nachbild von dem in seinem MichaelismUnster aufgehängten Kron- 
leuchter werden; ihn überraschte leider der Tod, und es blieb unvollendet" 
(Fig. 215, S. 287). 

Der 6 Meter im Durchmesser große mit reich durchbrochenen Laub- 
werkbändem gemusterte Reif ist im Wechsel durch zwölf Türme und Tore 
gegliedert und trägt 72 Leuchter. In den Toren standen vermutlich die 
12 Apo.stet und in den offenen Nischen der Türme die Figuren von 
24 Propheten und 24 Tugenden; die Namen über den OeffnuDgen lassen 
zum wenigsten darauf schließen. Erhalten ist keine der Figuren, und 
nun hat deshalb auch angenommen, daß Lampen in den Nischen auf- 
gestellt waren. Keiche Muster in sogen. Email brun und Vergoldung 



288 ^(*>i '^^^ Antike bU zum 13. Jahrhundert. 

überzogen die Kupferflächen. Inschriften verherrlichen das in der Licht- 
krone dargestellte himmlische Jerusalem (nach Offenb. Johannis Kap. 21) 
und die Jungfrau Maria, der sie geweiht wurde. 

Der Kronleuchter hat eine bewegte Geschichte hinter sich und ist 
auch nur mit knapper Not der Zerstörung entgangen; er ist mehrmals 
restauriert, die letzte Wiederherstellung noch nicht abgeschlossen. 

Der zweite Kronleuchter im Hildeskelmer Dome ist jenem gleichartig, 
aber weniger reich gestaltet und nur von halber GrSße. Der üeber- 
lieferung nach ist er aber der ältere von beiden, er soll noch vom Bischof 
Azelin (1044—1054) gestiftet sein. 

Der Gedanke, das hinuuUsche Jerusalem im Lichtgerät darzustellen, 
ist, so weit bekannt ist, in annähernd reicher Form von einem Künstler 



Flg. ai«. KronUncliter io Aachen, HDnster. B. aM. 

vor Bern ward nicht verkörpert, wenn auch Metallreife, selbst in Verbin- 
dung mit TUrmcheu, als Lampen- oder Kerzenträger schon früher in den 
christlichen Kirchen Verwendung gefunden hatten. 

Noch zwei solch mächtiger, in der Ausgestaltung verwandter, zwar 
etwa um ein Jahrhundert jüngerer Lichtkronen sind in Deutschland 
erhalten, die eine, ein Geschenk Friedrichs Barbarossa, im Münster zu 
Aachen (Fig. 21ü, S. 288), die andere, eine Stiftung des Abtes Hertwig, 
in der ehemaligen Äbteikirche zu Komburg bei Schwäbisch-Hall (Fig. 217, 
S. 289). (Beschreibung beider in Bock, der Kronleuchter . . . im . ■ - 
Münster zu Aachen, Leipzig 18Ö4). 

Die Mehrzahl der ähnlichen ehemals in Deutschland vorhandenen 
Werke ist verloren. Außer den bereits genannten seien davon noch 
erwähnt die unter dem Bischof Keginbald gestiftete Lichtkrone, die den 
Dom in Spcier zierte, aus der Mitte des 11. Jahrhunderts, die Lichtkrone 
in der Stiftskirche zu Weißetiburg i. E., die als ein Geschenk des Franken- 



königs Dagobert angeseben wurde , ein Kronleuchter , der Tom Abte 
Hermatm I. um das Jahr 1100 nach S. Pantaleon in Köln gestiftefwurde 
und zwei Lichtkronen, die unter dem Stiftsdechanten Stavilo fUr St. Severin 
in Köln ausgeführt wurden, von deren größerer sich nur eine ungenaue 
Abschrifl der Inschrift erhalten hat. (Bock, Das heilige Köln). Ein sehr 
großer und reicher Kronleuchter, vermutlich aus derselben Zeit, befand 
sich ehemals in St. Lambert in Lattich. Auch in Frankreich scheint, 
wie hier sogleich erwähnt werden mag, eine Reihe derartiger Lichtträger 
aus dem 12. Jahrhundert vorhanden gewesen zu sein, die teils erst in 



Fig. IIT. Kronleuchter in Eomburg, Abteikircbe. S. 2es. 

der großen Revolution vernichtet wurden. Einiges Nähere ist bekannt 
Ober die Licbtkronen, die sich ehemals in der Kathedrale 'von Sayeux, 
in St. Remy in Rheims und im Dome in Toni befanden. 

Sttddeutschland hat nur wenige Werke aufzuweisen, die den ange- 
fthrten vergleichbar sind, doch war man auch dort in jenen Zeiten im 
Srzguß nicht unerfahren, und wenn die zeitliche Bestimmung richtig ist, 
entstanden dort schon in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts die reich 
gestalteten und mit Silberauflagen verzierten sogenannten Tassiloleuchter 
im Stifte Kremsmünster (Fig. 218, S. 290). (Mitt. zur Erf. u. Erh. der 
Baudenkm. 1859, S. 44ff. mit Abb.) 

Um die Mitte des 10. Jahrhunderts sollen (nach Sighart, Gesch. der 
EOnste in Bayern I, S. 121) ftir die Wallfahrtskirche zu Mauerskirchen bei 
Braunau bereits ein paar eherne Bilder des Herzogs Heinrich I. von Bayern 
LSei, Unedle Metalle. 19 



290 Vo» ^ci' Antike bis zum 13- Jabrhundert 

und seines Feldherm Raboto ausgeführt sein, in Erfüllung eines Gelabdes, 
das der Herzog vor seinem siegreich beendeten Auszuge gegen die Ungarn 
im Jahre 948 getan hatte. 

Weiter wird von dem im Jahre 1004 gestorbenen Bischof Gottschalk 
zu Freising berichtet, daß er einen Erzgießer nach Tege}-nsee entlieh, 



Fig. 218. Tiusiloleachter Im Stifte Kremamflnster. S. %S». 

WO, wie wir wissen, damals ein Meister Werinher ein kunstreiches 
Taufbecken goß. 

Ein paar merkwürdige Arbeiten, die mutmaßlich auch noch in spatkaro- 
ÜDgisch-ottonischer Zeit entstanden, befinden sich am Ostgiebel des Mflnsters 
in Konstanz. Es sind drei gravierte und vergoldete Eupfermedaillons, auf 
deren mittlerem eine Majestas Domini und auf deren seitlichen S. Eouad 
und S. Pelagius dargestellt sind. 



Deattcbland. 



Das erhaltene Hauptwerk der süddeutschen Erzgießkunst aus dem Be- 
ginne unseres Jahrtausends ist die TUr am Dome zu Augsburg, deren Ent- 
stehung wohl mit Recht in der Zeit zwischen 1060 und 1063 angenommen 



TOr in Augabnrg, Dom. 



ist (Fig. 219, S. 291). Die Tür ist im Gegensatz zur Hildesheimer Tür aus 
einzelnen sehr flach reliefierten umrahmten Tafeln zusammengesetzt, von 
33 Tafeln sind 10 doppelt, in fast völliger Gleichheit vorhanden. Lange 
hat die Deutung des Zusammenhanges der Reliefs Schwierigkeiten bereitet. 



292 Von der Antike bis zum 18. Jahrbundert 

Merz hat in seiner Schrift: Die Bildwerke an der Erztür des Augs- 
btirger Doms, Stuttgart 1885, nachgewiesen, daß an Stelle der erhaltenen 
Tür ursprünglich zwei gleiche aus je 28 Feldern (einschlieBlich zweier 
Felder mit Löwen köpf tUrrin gen) in vier senkrechten Reihen geftigte vor- 



Fig. 130. LOvendenkmal in Braanachwcig. S. in. 

handen waren, und daß die Reliefs mit alttestamentUchen Szenen auf 
den Mittelreihen und die ReUeföguren der Könige, Priester, Propheten etc. 
auf den Äußenreihen in ihrer Gesamtheit die ecclesia, die Kirche, dar- 
stellen sollen. 

Ein paar ganz eigenartige Lichtgeräte, die beide im 11. Jahrhundert 



Bentachland. 293 

entstanden zu sein scheinen und sich im Dame zu Erfurt befinden, mögen 

ferner hier erwähnt werden. Das eine ist ein Kandelaber mit einer fast 

lebensgroßen, als Wolfram bezeichneten Gestalt in langem Gewände auf 

einem von vier Drachen getragenen 

Postamente. Eine Inschrift darauf 

lantet ohne die Abkürzungen: .Wolf- 

ramus. — ora pro nobis sancta Dei 

genetrix. — Hiltiburc. — Ut digni 

ofBciamus gratia Dei*. Man darf 

annehmen, daß die Stifter in den 

Namen genannt werden. 

Der zweite jetzt im Schutzge- 
wölbe verwahrte Beleuchtungskörper 
ist eine Ampel mit zwölf sternförmig 
angeordneten Tüllen für die Oel- 
dochte, die an einem röhrenförmigen 
Oberteile hängen, der auf vier Keifen 
mit biblischen Darstellungen in fla- 
chem Relief geschmückt ist, und aus 
dessen oberer, glockenförmiger Endi- 
gung acht Tierköpfe an gebogenen 
Hälsen herauswachsen. Beide Werke 
sind zweifellos Arbeiten sächsischer 
Künstler und von außerordentlicher 
Bedeutung (vergl. B u c h n e r , Zeit- 
schrift fQr christliche Kunst 1903, 
Sp. 143— 15Ö). 

Im 12. Jahrhundert scheint der 
Kreis der Orte, an denen der Erz- 
guß eine künstlerische Pflege erfuhr, 
wesentlich erweitert zu sein, üeberall 
sind aus dieser Zeit in Deutschland 
Bronzewerke erhalten , über deren 
Ursprung in vorher künstlerisch 
wenig hervorgetretenen Landschaften 
uud Städten wir zum Teil unterrichtet 
sind. Daß das nördliche Deutschland 
die Vorrangstellung behauptet, kann 

kaum wundernehmen. Im alten säch- "'"'- '"■ ^'^tÄe^^Dam!' ;':",^:^'""""" 
sischen Lande entstand vielleicht das 

schönste und eigenartigste Erzgußwerk des 12. Jahrhunderts, der große 
Idwe, den Herzog Heinrich der Löwe vor seiner Burg Dankwarderode 



294 Von der Antike bis zum 13. .Tahrhundert. 

in Braunscktveig im Jahre 1166 als ein Denkmal auf hohem Sockel auf- 
stellen ließ (Fig. 220, S. 292). 

Diesem ersten selbständigen freiplastischen Werke in Deutschland 
sind einige um dieselbe Zeit f^eschaffene Schöpfungen der Porträtplastik 
an die Seite zu stellen, die erzene Grab- 
platte des Gegenkönigs Rudolf von Schwaben 
(t 1080) im Dome zu Merseburg (Fig. 221, 
S. 293), die Reliefplatte des Erzbischofs 
Friedrich von Wettin (t 1152) (Fig. 222, 
S. 294) und des Erzbischofs Wichmann 
(t 1192) oder Ludolf (f 1205) {Fig. 223, 
S. 295) im Magdeburger Dome. Auf allen 
dreien sind die Bilder der Verstorbenen inner- 
halb eines erhöhten Bandes in etwa Lebens- 
größe dargestellt. 

Die Grabplatte Friedrichs von Wettin 
steht, wie Ad. Goldschmidt nachgewiesen 
hat (Jahrb. d. preuB. Kunstsammlungen 1900, 
S. 227), in unmittelbarem Zusammenhanij^ 
mit einem großen sächsischen Bronzenerke. 
das wie jene Platte damals in Magdeburg 
ausgeführt wurde, nämlich zu der £orssun- 
schen Tür an der Sophienkircbe in Now- 
gorod, die dem Inhalt ihrer zwar reicheren 
Reliefdarstellungen nach der Augsburger TQr 
verwandt ist. Diese Türflügel wurden zwi- 
schen 1152 und 1156 in Magdeburg durch 
den Meister Riquinus und seine Gehilfen 
Abraham und Waismuth gegossen, und 
auf Grund der gleichartigen Detailbehandlung 
glaubt Goldschmidt denselben Riquinus als 
den Verfertiger jener Grabplatte annehmen 
zu dürfen. Die Neigung des Künstlers zur 
Porträtbildner ei läßt er auch auf den TOr- 
Fig^Mä. Oraükapeiie Friedrichs flügeln erkennen, auf denen er sich und 
seine Gehilfen in Zeittracht dargestellt hat. 
Eine Bronzetür am Dome in Gnesen mit 18 ReKefdarstellungen aus 
dem Leben des hl. Adalbert ist als weiteres hervorragendes deutsches 
Gußwerk des 12, Jahrhunderts anzuführen, lieber eine Bronzetttr dieser 
Zeit, die sich ehemals in Petershausen in Baden befand, geben nur un- 
genügende Nachrichten Aufschluß. 

In größerer Anzahl hat sich in Deutschland ein in Bronze gegossenes 



Deutachlani). 295 

Türbeschlagmotiv auch an sonst mit Eisen armierten TUren erhalten, 
das schon im Altertum verwendet wurde, nämlich eine Löwenmaske 
mit Ring im Maule. Angeführt seien die vier Beispiele am Dome in 
Trier mit der auch technisch sehr bemerkenswerten Inschrift: „Magister 
Nicolaus et Magister Johannes de Bincio nos fecerunt" und: „Quod 
fore cera dedit, tulit ignis et es tibi regdit." 
Als Werke der Braunschweiger Gieß- 
hStte dürfen außer dem Löwenmonumente 
noch ein paar andere dort erhaltene aus- 
gezeichnete Erzwerke angesehen werden, 
deren eines, der Marienaltartisch (Fig. 224, 
S. 296) auf fQnf ehernen Säulen, nach- 
weislich von Mathilde, der Gemahlin Hein- 
richs des Löwen, im Jahre 1188 auf dem 
Hochchor errichtet wurde, während das 
andere großartigere , der siebenarmige 
Leuchter (Fig. 225, S. 297), der sehr un- 
sicheren Tradition nach von Herzog Hein- 
rich nebst anderen Kostbarkeiten aus dem 
Orient mitgebracht sein soll; urkundlich 
erwähnt wird er zuerst im Jahre 1223, 
Gegen die Richtigkeit der Ueberlieferung 
spricht jede Ueberlegung, man darf mit 
Sicherheit die Entstehung in Niedersachsen 
annehmen. Ob bei der Modellgestaltung 
ein französischer Künstler behilflich war, 
wie Pfeifer (a. a. 0.) besonders aus der 
Formverwandtschaft mit dem (nur zum 
kleinen Teil erhaltenen) Kandelaber in 
St. Remy zu Reims folgern zu dürfen 
glaubt, muß dahingestellt bleiben, beson- 
ders wahrscheinlich ist die Annahme aber 
nicht. Der Leuchter hat ohne den Stein- 
sockel eine Höhe von 4,80 m und zwischen 

, .. o • ■ T. -, j Fip. m. firHhplttltp des Enbischofs 

den äußeren Armen eme Breite von 4 m. WichmunnDderLiiduirin Magdeburg. 
Die ursprüngliche Aufstellung, vielleicht 

vor dem Eauptaltare auf dem hohen Chore, ist bisher nicht unzweifelhaft 
festgestellt. (Die Füllungen am Fuße des Leuchters sind um 1830 an 
Stelle der verlorenen alten eingefügt.) 

Ein diesem Kandelaber sehr verwandter befand sich bis zum Jahre 
1792 in der Michaeliskirche zu Lüneburg. Auch er galt der Ueberlieferung 
nach als ein Geschenk Heinrichs des Löwen, und neuere Untersuchungen 



296 Von der Antike bis inm 13. Jahrhundert. 

haben es wahrscheinlich gemacht, daß dieser Fürst ihn bei Gelegenheit 
des Todes seines im Jahre 1167 in Lünebui^ ums Leben gekommenen 
Sohnes stiftete. Einige vor seinem Einschmelzen beigestellte Zeichnungen 



n BmuD schweig, Dom (Dach Gallhabaad). 



lassen die Bedeutung dieses großartigen, zweifellos auch niederdeutschen 
Gußwerkes zum wenigsten annähernd ermessen. Die Fußbildung ist der 
des Braunschweiger Leuchters ähnlich. Der obere Aufbau ist einfacher 



Deutschland. 297 

und zeigt nicht die elegante Biegung der Arme, vielmehr ist wie beim 
Essener Leuchter die einfache Halbkreislinie bei je zwei gegenüberstehenden 
Armen im Anschluß an das Vorbild aus dem Tempel in Jerusalem bei- 



Fig. US. Siebe n^mlgei Leuchter in Braunsclin'eig, Dom. S. 196. 

■•ehalten. Von besonderem Interesse ist auch die bei anderen Leuchtern 
nicht in gleicher Art wiederkehrende Symbolik in der Gestaltung des 



298 Von der Antike bis zum 18. Jahrhundert. 

FuQes (vergl. Graeven, Der untergegaogene siebenarmige Leuchter des 
Michaelisklosters in Lüneburg, Zeitschr. f. christ. Kunst 1902, Sp. 33 ff.)- 
Noch einige kaum minder bedeutende Bronzekandelaber, die eben- 
falls in der zweiten Hälfte des 12. oder zu Anfang des 13, Jahrhunderts 
entstanden sein müssen, bestätigen das glänzende Können deutscher Meister 
jener Zeit. Leider sind deren reichste in deutschen Kirchen noch ver- 
wahrte nur teilweise erhalten, vom Leuchter im Veitsdome in Prag 
(B er 

Ol ß 



Fie. 136. KandelaberruB io PraR, Uum. S. 2es. 

in Mittelalt. Kunstdenkm. d. Österr. Kaiserstaates Bd. I S. 197 ff., über 
den Klostemeu burger; Derselbe, in Mitt. d. Zentralkomm. 1861, Bd. 6 
S. 331 ff.). 

Künstlerisch den genannten nicht ganz ebenbürtig und weniger reich 
ausgestaltet ist der siebenarmige Leuchter in der Busdorfkirche zu Pader- 
born. (Vergl. Ludorff, Bau- und Kunstdenkm. von Westfalen Bd. VD 
S. 124 Taf. 95.) Der Dom von Bamberg besitzt einen hohen pracht- 
vollen Wandelleuchter . . . mit Emails, wahrscheinlich einst siebenarmig, 
jetzt verunstaltet (Sighart). 

Von einem Kandelaber, der vielleicht noch im 11, Jahrhundert für 
St. Severin in Köln ausgeführt wurde, ist nur eine Aufzeichung der In- 
schrift erhalten (Bock, Das heilige Köln). 

Der schönste unter allen großen siebenarmigen Leuchtern, die als 
Werke niederdeutscher Künstler gelten dürfen, steht in bester Erhaltung 
im Mailänder Dome (Fig. 227, S. 299 und Fig. 228. S. 300). Dieses kost- 



liehe als .Baum der JuD^^rau" bezeicbnete Denkmal mittelalterlicher 
-^<)tist, dos woU um das Jahr 1200 entstanden ist, zeugt tod einem 
^'^hdiiiieit'üsitine im Qesamtaufbau und in allen Einzelteilen, von einer Er- 



Fig. 19T. SlebeDormiger Lencbler in Hsiland, Dom. S. 2W. 

findungskraft und einem Sinne für plastische Darstellung, wie man es 
sonst nur von den großartigsten Schöpfungen der deutschen und fran- 
zösischen Baukunst und Bildnerei des 12. und 13. Jahrhunderts rflhmlich 
sagen kann. 



300 Von der Antike bis zum 13. JahrbuDdcrt 

Den glänzendsten Mittelpunkt des ganzen über i m hohen Werkes 
bildet mit der reichen Darstellung des Zuges der heiligen drei Könige 
und der Madonna der zweite. Knauf oberhalb des Fußes. In Verbindung 
mit strengen RankenzUgen finden sich ferner am Leuchter die zwölf 
Zeichen des Tierkreises, acht Gestalten der Tugenden und Laster, vier 



Flg. %W. Fufi des alebenarmlgen Leuchters im Dome zu UallsDd. S. its. 

freie Künste, die ParadiesesfiUsse , acht Prophetenfiguren und allerband 
Getier. 

Die bisherigen Untersuchungen Über dieses Prachtwerk sind sehr qd- 
genügend, ein nur halbwegs sicherer Nachweis Ober die Herkunft liegt nicht 
vor. Als eine itaUeniscbe Arbeit wird der Leuchter selbst in Italien nicht 
angesehen, neben Deutschland und den Niederlanden könnte nur Franfc* 
reich noch als das Entstehungsland in Betracht kommen. Das einzige 
erhaltene größere französische Bronzewerk, das zum Vergleich herang^ 



Deutschland. 301 



zogen werden kann, der Leuchterfuß in Reims (s. S. 308), ist besonders 
in den Figuren sehr viel befangener; am nächsten verwandt in Haltung 
und Gebärde sind den Figuren des Mailänder Leuchters die des Prager 
Fußes. Auch im Rankenomament schließt er sich an eine Reihe deutscher 
Guß werke am ehesten an. 

Von größeren und figürlichen deutschen Erzgußwerken, die im 12. 
oder zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstanden, sind noch von beson- 
derem Interesse ein Taufkessel im Dome zu Osnahrück, ein etwa 1 m 
hoher, aus fünf Stücken zusammengesetzter gekreuzigter Christus in Werden 
(Rheinland), der „Crodoaltar" in Goslar und die Figur einer sitzenden 
Maria, unbekannter aber vermutlich deutscher Herkunft im Kestn er- 
Museum in Hannover. 

Der Taufkessel in Osnabrück enthält in der Inschrift: „Wilbernus 
Petre confert istut tibi donum, Ut per te summum possit habere bonu(m)'* 
den Namen des Stifters. Als Meister nennt sich Gerardus. Das schlicht 
eimerförmige Gefäß ruht auf drei Klauenfüßen. Am Oberteile zwischen 
zwei Inschriftbändern finden sich in nach oben offenen Halbrunden flache 
Rehefs, die auf die Taufe Bezug haben. Ein ähnlicher Taufkessel be- 
findet sich nach Mit ho ff im Dorfe Oesede. 

Ein Meister Gherardus goß auch den Taufkessel in Sieh bei Ham- 
burg, dieser wird aber von Lotz (Topogr.) als „gotisch* angesprochen. 
An dem aus Bronzeblechen zusammengefügten, anscheinend aus dem 
Kloster Hersfeld stammenden und vielleicht noch dem 11. Jahrhundert 
augehörenden Cordoaltar in der allein erhaltenen Vorhalle des Goslarer 
Doms sind vor allem die vier tragenden Figuren bemerkenswert. (Vergl. 
Wulff, Kunstdenkm. der Prov. Hannover S. 47, Abb. S. 59.) 

Die vortrefflich modellierte Madonna in Hannover^ in etwa ein Viertel 
Lebensgröße, hielt ehemals ein Christuskin^d auf dem Schöße. 

Von den überaus zahlreichen kleineren in Bronze gegossenen Gegen- 
ständen, die sich in Deutschland aus dem 12. Jahrhundert erhalten haben, 
sollen wenigstens einige der wichtigsten gruppenweise angeführt werden. 
Kunstreich gestaltete drei- oder vierfüßige, teils mit Email ge- 
schmückte Altarleuchter in der Größe von etwa 15 — 30 cm befinden 
sich im Hildesheimer Dom, in der Jakobikirche in Stendal, im Dome zu 
Fritzlar, im Kloster Äu am Inn, in Ueberlingen in Baden und im Museum 
zu Stuttgart. 

Neben diesen besten Beispielen des gewöhnlichen Typus, bei dem 
aus dem drei- oder vierteiligen Unterteil ein Schaft hervorwächst, der 
oben Lichtteller und Eerzendorn trägt, kommen Leuchter in phantastischen 
Formen vor, besonders solche, bei denen eine Tierfigur den tragenden 
Unterteil bildet. 

Den Leuchterunterteilen auf mehreren Füßen ähnlich gestaltet, auch 



302 Von der Antike bis zum 13. Jahrhundert. 

zum Teil als solche augesprocben , sind einige ausgezeichnete Füße von 
Kruzifixen, deren reichste und schönste wohl die in Haus Offer, genannt 
nuhr i. W. (Fig. 229, S. 302), im Dome zu Chur (Schweiz), in der 
Michaelisbirche zu Lüneburg, im Kunstgetcerbemusaim in Berlin (Inv. 
N. K. 4165) und im Sotitli Kensington-Museum in London (Obernetter, 
Ausstellung München 1876 Nr. 82) verwahrten sind. 

Bei dem Kreuzfuße in Offer tragen zwei auf quadratischem, abgestumpft 
pyramidenförmigen, durchbrochenen Unterteil stehende Engel eine Hülse, 
in der das Figürchen Abra- 
hams (?) angebracht ist. Aehn- 
lich ist die Anordnung bei einem 
der Füße in Chur. Dieser zeigt 
(nach Rahn, Oesch.d.b. Künste 
in d. Schw. S. 278): ,auf nied- 
riger PUnthe zwei Engel, die in 
gebückter Haltung einander 
gegenüberstehen und mit äußer- 
ster Anstrengung den zylindri- 
schen Fuß des (nicht mehr vor- 
handenen) Kreuzes tragen. Unter 
diesem Einsätze zwischen den 
Engeln ruht eine bärtige Figur, 
die ihr Gewand Über sich zieht, 
oder dasselbe ablegt. Sie stellt 
Adam vor, wie die Inschrifl 
erklärt, der zu neuem Leben 
erwacht." Da.sselbe Motiv ist 
Fig. a» KreuzhiD in Haus off«r, gen. Ruiir i. w. auch am Lüneburger Kreuzfuße 
verwendet. (Vergl, Vogell, 
Kuostarbeiten aus Niedersachsens Vorzeit.) 

Ein zweiter KreuzfuS im Dome zu Chur, der in acht Feldern mit 
durchbrochenen Ranken und vier darüber sitzenden Evangelistengestalten 
geschmückt ist, ist das Werk eines Meisters Azzo (Rahn a. a. 0. 
S. 278 f.). 

Nur wenige Beispiele ganz in Bronze gegossener ReliquienkästAii 
aus dem 12. Jahrhundert sind in Deutschland bekannt. (Auf die köst- 
lichen in Kupfer gegossenen Zierate an einigen der großen rheinischen 
Reliquienschreine sei hier nur hingewiesen.) Das hemerkenswertest« 
darunter befindet sich in Xanten, ist bausförmig mit gewalmtem Dache, 
und scheint ehemals eine Kreuzigungsgruppe getragen zu haben (Fig. 230, 
S. 303). Die Wände sind in durchbrochenem Grunde mit Reliefbildem 
und sitzenden Figuren auf den Ecken des Daches verziert (Christus in 



Deutschland. 303 

Mandorla nod EvaDgelistensymbole, Verkündigung und Apostel). Ein 
ähnliches ßeliquiar besitzt das Nationalmuseum in München (Katalog 
Bd. V Nr. 254). 

Unter den in Bronze gegossenen Reliquiartjpen anderer Art sind 
Ton besonderem Interesse die btlsten- und kopfförmigen, die vergoldet 
und mit Bemalung vorkommen. Das am reichsten ausgestattete unter 



Flg. tso. Kastenrellquiar in Xanten, Dom. S. 30i, 

diesen ist das in Cappenberg i. W. Andere befinden sich im Kestner- 
Museum in Hannover (aus Fischbeck, Fig. 231, S. 304), im Stifte Melk 
(Niederösterreich) und im Dome zu Erfurt; ein in Kupfer getriebenes 
and vergoldetes Kopfreliquiar aus der Lambertskirche in Düsseldorf be> 
sitzt der FUrst von Eohenzollern in Sigmaringen. 

Solche Köpfe wurden im 12. Jahrhundert auch biiuSger als Gieß- 
gefäße (Aquamanilen) verwendet, wie eine Keihe erhaltener Stücke beweist, 
von denen die wichtigsten sich im Nationalmuseum in Budapest, in der 
Marienkirche zu Stendal und im Münster zu Aachen befinden. 

Im allgemeinen bevorzugte man fUr Gießgefäße, mit deren künst- 
lerischer Ausgestaltung man anscheinend im S. Jahrhundert begann, phan- 



304 ^on der Antike bia zum 18. Jahrhanderi 

tastische Tierformen. Aus dem 12. Jahrhundert sind Aquamanilen in 
Greifenform, in Form von Löwen, in Hahnform, in Art von Centauren 
gestaltete u. a. m. in größerer Zahl erhalten. 

Ueberaus kunstreich verziert wurden auch in Deutschland damals 
die Räucherbecken. Wie solch ein Werk aufs beste zu gestalten und 
in Bronzeguß auszuführen sei, lehrt in ausführlicher Beschreibung der um 
das Jahr 1100 in Nieder deutschland lebende Mönch Theopbilus in seiner 

bekannten Schedula 

(TJebersetzung von I 

fQr Eunstgesch. B< 

Annales arcb^olog. ] 

eine Rekonstruktion ( 
In ihren Hauptb 

zeit im wesentlicher 

kommen R'äucherb« 

christlicher Zeit vo 

antiquarium in Man 

spiel beweist (Roi 

werbeblfttt 1892, S. 

zum Stehen eingericl 

napfartigen Untertei 

reich ausgeschmückt 

sind verschiebbar a 

die durch Oesen g< 
Fig. 111. Koprreiiquiur ans Fiachbcck. einer Tragplatte be 

a«««r, ff«<«r.Jf-™™. S.HflS. j^ Q^^^^ ^^jj^ g^^^ 

Das schönste deutsche in Bronze (Kupfer?) geg< 
des 12. Jahrhunderts beiludet sich jetzt im Dome zu 
i. d. Eifel, Fig. 232, S. 305). Es zeigt im Quersc 

Kreuzform und ist turmartig aufgebaut. Unten finden sich zwischen 
Rankendurchbrechungen vier unbekleidete Gestalten, fiber diesen die Halb- 
figuren von Aron, Moses, Isaak und Jeremias. Auf den Dächern der 
Kreuzarme haben Abel, Melchisedek, Abraham mit Isaak und Isaak 
mit Jakob ihren Platz gefunden. Inmitten der vier Nebentürme thront 
oben in der Mitte Salomo auf einem Löwensessel. Die Tragplatte ist 
mit den Halbfiguren der Evangelisten geziert. Schriftbänder beziehen 
sich auf die Darstellungen; am Fuße nennt der Meister (?) seinen Namen 
Gozbertus. 

Auch einige in Bronze gegossene eimerförmige Weihwassergefaße 
(Sprengkessel) sind in Deutschland aus dem 12. Jahrhundert erhalten; 
angeführt seien die Beispiele in Sigmaringen, aus der Abteikirche von 
Reickenau, im Dome zu Speier und in der Stiftskirche zu Berchtesgaden. 



Niederlande. 305 

VieEeicht geliört das in der Kirche zu WaUenhorst bei Osnabrück noch 
m diese Zeit. 

Hinjfewiesen sei schließlich noch auf eine Gruppe in verschiedenen 
Teilen Deutschlands und auch in den Nachbarländern Torkommender 
runder BronzescbUsseln, auf denen sich verschiedenartige allegorische und 



Fig. lai. Bancherbeckfn aus Bnchholz i. d. Eifel. Trier, Dom. S. Ml. 

mythologische Darstellungen, zumeist aber die Personifikationen der 
Tugenden und Laster eingraviert finden. (Näheres bei G r e m p 1 e r, 
Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift Bd. V S. 271 ff.) 

Niederlande. 

Zweifellos in engem Zusammenhange mit den niederdeutschen Gieß- 
htttten gelangte die ErzguBtechnik in den Niederlanden seit dem 11. Jahr- 
hundert auf eine hohe Stufe der Entwicklung. Kleinere, fUr den 
täglichen Gebrauch bestimmte GuBwaren beschäftigten wohl die nieder- 

Lner, Dnedle Metalle. 20 



306 Von der Antike bis zum 13. Jahrhundert 



ländischen Gießer in erster Linie (Dinant war für diese Gegenstände der 
Herstelluugsmittelpunkt, daher die Bezeichnung Dinanterie), doch fehlen 
schon aus dem 12. Jahrhundert einige, auch künstlerisch sehr bedeutsame 
größere Guß werke nicht. 

Das älteste und schönste unter diesen Monumenten ist das Tauf- 
hecken in der Bartholomäuskirche zu Lüttich (ursprünglich ebenda in der 
Frauenkirche; Abb. in: Heibig, La sculpture ... au pays de Liege . . . 
Taf. 7 und 8). 

Auf dem walzenförmigen, oben und unten durch Profile begrenzten 
Kessel sind in kräftigem Relief biblische und legendarische Taufszenen 
in bewundernswürdiger Einfachheit dargestellt. 

Das Gefäß ruht auf einem Unterteile, aus dem 12 Rinder mit ihrer 
vorderen Hälfte herausragen, die der Inschrift nach die Nachfolger der 
Apostel darstellen, durch deren Vermittlung sich in die Stadt Gottes der 
Strom ergießt, der die glücklichen Bewohner reinigt. 

Ueber Zeit und Verfertiger dieses vortrefflichen Werkes geben In- 
schriften keine Auskunft, aber schriftliche Nachrichten lassen keinerlei 
Zweifel darüber, daß es unter Abt Helinus von Lambert Patras, einem 
Gießer in Dinant, im Jahre 1112 ausgeführt wurde (Cahier et Martin, 
Melanges d'archeologie Bd. IV S. 99 ff.). 

Ein zweiter Bronzetaufkessel aus St. Germain in Tirlemont (fläni. 
Thienen) befindet sich jetzt im Museum zu Brüssel, er trägt die Jahres- 
zahl 1149. 

Der Kessel mit vierzehn heiligen Figuren und Gruppen in einer 
Arkadenreihe, ruht auf einem von vier liegenden Löwen getragenen Fuße, 
aus dessen pfeilerartigem Mittelschaft zwei Vorderkörper von Löwen mit 
darauf reitenden Figuren herausragen* 



Frankreich. 

In Frankreich sind größere Bronzewerke noch früher als in Deutsch- 
land nachweisbar, dennoch ist die Gießtechnik, wenn man von den letzten 
Jahrhunderten absieht, niemals auch nur annähernd so umfangreich künst- 
lerisch verwertet wie gerade bei uns. 

In St. Hilaire in Poitiers befand sich bereits im 7. Jahrhundert ein 
allem Anscheine nach als Lesepult benutztes Gerät, dessen Oberteil ein 
vergoldeter Adler bildete, der auf einer Stütze befestigt war, deren Fuß 
die Evangelisten und andere Figuren schmückten. 

Im 10. und 11. Jahrhundert werden gleichartige Geräte erwähnt, 
doch erst aus späteren Jahrhunderten sind sie in größerer Anzahl er- 
halten (vergl. S. 359). 



Frankreich. 307 

Der bekannte, in Paris (Bibl. nat.) verwahrte bronzene sogen. D^obert- 
stuhl (Fif^. 233, S. 307) wird in seinem unteren Teile auf den Bischof 
Eligius von A^oyon (588 — 659) zurückgeführt; die BUcklehne wurde durch 
den Äbt Suger von St. Denis im 12. Jahrhundert hinzugeftigt. 

In einem Inventare von Fontenelle in der Normandie aus dem 



Fig. «as, DBgobertstnhI. r»r(t, Bibl. nai. S. aoj. 

Jahre 806 wird ein siebenarmiger Leuchter erwähnt, der mutmaßlich 
auch in Erz gegossen war. 

Bronzene TUrringe in Löwenmasken wurden im 11. Jahrhundert 
!- B. fUr die Kirche in Puy-en-Velay und die Kathedrale von Noyon 
au^efilhrt. 

Ginige Hauptdenkmale der Erzgießkunst entstanden im 12. Jahr- 
bundert in Frankreich. Der schon genannte Abt Suger ließ im Jahre 
lUO für die Kirche von St. Denis große Türflügel in Bronze gießen. 



308 Von der Antike bis zum 13. Jahrhundert. 

auf denen in Relief die Leidensgeschichte, die Auferstehung und die 
Himmelfahrt Christi dargestellt waren; im Jahre 1706 waren die Flügel 
noch erhalten. Auch Bronzegitter ließ derselbe Abt für St. Denis an- 
fei'tigen, die erst im Anfange des 10. Jahrhunderts zerstört sein sollen. 
Das großartigste französische Oußwerk des 12. Jahrhunderts dürfte 



Flg. S34. PuÜteil von einem Biebenarmigen Kandelaber in Reims. St. Remy. S. S09. 

der siebenarmige Leuchter in St. Remj zu Heims gewesen sein, von Aem 
leider auch nur ein überaus schönes Bruchstück erhalten ist (Fig. 234, 
S. 308). 

Der Kandelaber fiel, wie zahllose edelste alte französische Kunst- 
werke, den Stürmen der Revolution zum Opfer, nur eine Beschreibung 
aus dem 17. Jahrhundert vervollständigt das erhaltene Drittel des Fußes 



Pronkreicb, Eagland. 



ZU einem Gesamtbilde. Nach dieser BeschreibuDg war der Leuchter 
13 Fuß hoch und 15 hreit, er bestand aus acht Teilen, lieber dem drei- 
seidgen Fuße verzweigte sich der Mittelschaft symmetrisch jederseits in 
drei Arme, die, wie der Mittelschafl, oben einen Kerzenteller trugen, und 
an deren Schnittpunkten auf Knäufen und auf Vasen, die von geflügelten 
Gestalten getragen wurden, Kristalle funkelten. Nach Didron (Manuel 
des Oeuvres de bronze etc.) sollen 
sich ähnliche Kandelaber in der 
Abteikirche von Chtny und in der 
Kathedrale von Bat/eux befunden 
iiaben. Ein roh modellierter in 
Bronze gegossener Taufkessel, an- 
geblich aus dem 12. Jahrhundert, 
ist (nach Fortnum) in der Kirche 
von Sf. Evrouet in der Normandie 
erhalten. 

Auch kleinere Altarleuchter, 
Rsuchergefäße u. dei^l. in Bronze- 
guß kommen in Frankreich in ähn- 
hchen Formen vor, wie sie die 
deutschen Meister des 12. Jahrhun- 
derts bildeten, doch stehen die fran- 
zösischen Werke den deutschen, so- 
weit die erhaltenen Beispiele einen 
Schluß gestatten, im allgemeinen an 
Erfindungsreichtum nach. 

Schließlich sei eines flachen 
in Bronze gegossenen Buchdeckels 
gedacht, der in durchbrochenem 
Grunde das Lamm Gottes und die 
vier Paradiesströme mit gravierter 
Innenzeichnung aufweist und als 
eine französische Arbeit des 12. Jahr- 
hunderts gilt. (Zeitschr. f. christl. 
Kunst 1890, Sp. 181.) 



England. 

In England ist der Erzguß nie- 
mals zu einer nur annähernd äbn- 
hchen Entfaltung gekommen, wie 
auf dem europäischen Festlande, die 



310 13. Jahrhundert. 



Mehrzahl der dort erhaltenen Bronzewerke ist nicht von einheimischen 
Meistern ausgeführt. 

Das älteste anzuführende Werk, der künstlerisch für seine Zeit sehr 
hoch stehende Gloucester-Leuchter im South Kens.-Museum in London 
(Fig. 235, S. 309), scheint als eine englische Arbeit des 12. Jahrhunderts 
angesehen werden zu müssen, obschon sonst keine Spuren verraten, daß 
man damals in England die schwierige Technik des Erzgusses in einiger 
Vollkommenheit gepflegt hat. Der etwa ein halbes Meter hohe Glou- 
cester-Leuchter gleicht im Aufbau und in der Symbolik der Darstellung 
besonders den Bernwards-Leuchtern, ist aber noch reicher und freier 
in den Einzelformen. Den ursprünglichen Bestimmungsort des schon früh 
nach Frankreich gelangten Leuchters bekundet eine Inschrift auf dem 
Spiralbande des Schaftes, die zugleich mit einiger Sicherheit auf seine 
Entstehungszeit schließen läßt, sie lautet: „Abbatis Petri gregis et devotio 
mitis me dedit ecclesie sei Petri Gloecestre". Es ist festgestellt, daß ein 
Abt Petrus zu Anfang des 12. Jahrhunderts dort regierte, vermutlich bis 
1112, in dieser Zeit dürfte also der Leuchter angefertigt sein, der Form- 
charakter kann diese Annahme nur bestätigen. 



Spanien. 

Maurische Künstler scheinen die Technik des Bronzegusses im 
Mittelalter nach Spanien gebracht zu haben, eine bescheidene Reihe dort 
erhaltener Erzarbeiten läßt über diesen Ursprung keinen Zweifel. 

Unter anderem ist im Museum zu Gordova ein Hirsch erhalten^ der 
als eine maurische Arbeit des 10. Jahrhunderts gilt und der mutmaßlich 
zu einem Brunnen gehörte. 

Als eine um das Jahr 1000 entstandene spanisch-maurische Arbeit 
vrird zumeist auch der große in Erz gegossene Greif angesehen, der 
sich im Campo Santo zu Pisa befindet (nach Prisse d'Avennes ist es 
eine in Aegypten gefertigte arabische Arbeit aus dem Anfange des 
11. Jahrhunderts). 



Dreizelmtes Jalirlumdert. 

Das 13. Jahrhundert ist für die Bronzekunst nicht in gleichem 
Maße eine Periode des Fortschritts, wie es die vorhergehenden Jahr- 
hunderte gewesen waren. Es möchte fast scheinen, als ob einerseits die 
Erkenntnis, die älteren Meisterwerke an künstlerischer Kraft nicht über- 



Deutschland. 311 



bieten zu können, zu einer Schlaffheit im Streben geführt hätte und als 
ob anderseits die jetzt -überall ohne Schwierigkeit beherrschte Gußtechnik 
und vielleicht auch der jetzt geringer veranschlagte Wert der Bronze 
den Reiz in den Gemeinden abschwächte, bedeutsame Bronzewerke in 
ihren Kirchen aufzustellen. 

Die Anzahl der im Vergleich zu den älteren, wirklich bedeutenden 
Erzarbeiten des 13. Jahrhunderts ist nicht sehr groß. 



Deutschland. 

Eine Reihe deutscher Gußwerke gehören wiederum zu den besten, die 
damals in Europa geschaffen wurden, insbesondere einige große Tauf- 
kessel, die, wie hier erwähnt sein möge, in Niederdeutschland oft als 
Fünte bezeichnet werden. Das schönste unter diesen Taufbecken, vielleicht 
das schönste seiner Art überhaupt, schmückt noch heute den Dom der 
Bemwardsstadt (Fig. 236, S. 312 und Fig. 237, S. 313). Das Entstehungs- 
jahr dieses köstlichen Hildesheimer Werkes ist unbekannt und war auch 
nach dem inschriftlich genannten Stifter Wilbernus bisher nicht zu er- 
mitteln. (Ein Stifter gleichen Namens nennt sich auf dem oben ange- 
ftlhrten Tauf kessel in Osnabrück.) Seiner Gestaltungsweise und der Form 
der Buchstaben nach, ist es dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts 
zuzuweisen. 

Das auf vier knieenden Gestalten ruhende, mit Reliefs geschmückte 
Becken schließt ein ebenfalls relifierter kegelförmiger Deckel mit reichem 
Knauf. 

Das Abflußrohr mit den vier kugelhaltenden Adlerklauen ist in Blei 
gegossen. Die Höhe des ganzen Werkes beträgt 1,80 m, der größte 
Durchmesser 1,03 m. 

Die tragenden Gestalten sind als Paradiesflüsse gekennzeichnet. In 
den durch Säulen und Eleeblattbögen begrenzten vier Hauptfeldern des 
Kessels ist dargestellt die Taufe Christi, der Zug der Juden durch den 
Jordan, das Wappen des Hildesheimischen Hochstiftes mit den Bischöfen 
Godehard und Epiphanius und dem Schenkgeber Wilbernus, im vierten 
Felde der Zug der Juden durch das Rote Meer. 

Die gleichartig begrenzten vier Felder des Deckels sind mit Relief- 
bildern des bethlehemitischen Kindermords, der büßenden Magdalena, der 
Werke der Barmherzigkeit und Aarons Bestätigung im Priestertume ge- 
schmückt. Alle Darstellungen sind durch Beischriften gekennzeichnet 
und in ihrer sinnbildlichen Verwendung erläutert. (Näheres über die 
Darstellungen in Bertrams Aufsatz in Zeitschr. für christl. Kunst 1900, 
S. 129 u. 161.) 



312 13. Johrbundert. 

Diesem Hildesheimer Taufbecken gegenüber ein bescheidenes Werk 
ist im Bremer Dome erhalten. Bemerkenswert ist daran weniger der 
Schmuck des Kessels (zwei Ärkadenreihen von je 26 Feldern mit zum 
Teil wiederholten Helieffiguren und Brustbildern) als die vier Träger. 



Fig. 93a. Taufbeckeb. Hililesbeim, Dom. 8. 111. 

Das Gefäß ruht hier auf vier im ganzen gleichen, auf liegenden Löwen 
reitenden Gestalten, die an sich vortrefflich sind, besonders in ihren Größen- 
Verhältnissen zum Ganzen gut abgewogen erscheinen. (Das Motiv findet 
sich in anderer Form auch an dem erwähnten Taufkessel aus Tirlemont, 
siehe S. 306.) 



Deutschland. 313 

Aas dem Ende des 13. Jahrhunderts befinden sich in Niederdeutschland 
einige ausgezeichnete Bronzetauf becken in der Martinskirche in Halber- 
stadt nnd in der Marienkirche zu Hostock i. M. ; vielleicht gehört auch der 
Taufkessel von St. Marien in Wismar noch dem 13. Jahrhundert an. 



Fig. IST. TaafbeckeQ. Hildeaheini, Dom. 6. sll. 

Der Halberstädter Taufkessel ruht, wie der Hildesheimer, auf vier 
die Paradiesströme verkörpernden Gestalten. Das Becken ist unter Spitz- 
bc^enarkaden , deren immer zwei und zwei durch eine Säule getrennt 
sind, mit Reliefs aus der Jugendgeschicbte Christi bis zur Taufe ge- 
schmfickt. Das Oanze ist jetzt buntfarbig bemalt; ob eine alte Bemalung 
vorhanden war, ist nicht ermittelt. 



314 13. Jahrhundert. 

Auch das Taufbecken in Rostock (Fig. 238, S. 314) wird von vier 
männlichen Figuren getragen, die umgewendete schlanke Gefäße halten, 
aber auffallenderweise durch Aufschriften nicht als die ParadiesstrSme, 
sondern als die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde bezeichnet 
sind. Ein hoher kegelför- 
miger Deckel, der in einem 
kräftigen Knauf endigt, auf 
dem eine Taube (?) mit aus- 
gebreiteten Flügeln steht, 
schließt den Kessel ab. Die 
volle Höhe beträgt an- 
nähernd 3 m. Entstehungs- 
zeit und Herkunft gibt 
genau die Inschrift an; zum 
Osterfeste 1290 wurde das 
Werk in Rostock vollendet. 
Am Gefäß sind zwischen 
InschriftVändern in zwei 
Bogenreihen von je 16 Fel- 
dern, Szenen aus dem Leben 
Christi derart dargestellt, 
daß zumeist nur eine Halb- 
reÜeffigur in jedes Feld 
gebracht ist. Der Deckel 
ist ebenfalb durch Inschrifl- 
bänder gegliedert und in 
drei Beiben Übereinander 
mit Figuren geschmückt, die 
künstlerisch höher stehen 
wie die am Gefäß und auch 
im Gegensatz zu diesen 
einzeln gegossen und be- 
festigt sind. 

Dargestellt sind unten 

auf dem Deckel die Taufe 

und die Himmelfahrt Christi 

und heilige Figuren, im 

Fig. 288. Tanniecken in Kontock i, H., MoricDkirehe. Mittelbande Christus zwi- 

^ ^'*' sehen den klugen und 

törichten Jungfrauen, oben noch drei heilige Frauen. 

Die verschiedenartige Behandlung der Figuren auf Gefäß und Deckel 
läßt annehmen, daß verschiedene Meisterhände, vermutlich derselben Werk- 



DeuUchland. 315 

statt, an diesem schönen Werbe gearbeitet haben. (Vei^l. Schlies, Ab- 
handlung in Zeitschr. fUr christl. Kunst. 1804, Sp. 129 ff.) 

Die künstlerisch in manchen Teilen höher stehende Taufe in Wismar 
ruht auf drei besonders schönen £ngebgestalten , um den unteren Rand 
zieht sich ein dichter Weinlaubkranz mit Trauben. Das Becken ist wie 
bei dem Rostocker Werke in zwei Reihen mit Reliefdarstellungen aus dem 



Flg. 339. Taufbecken in Brandenburg a. d. H., Gndebardikircbe. S. 31«, 

Leben und Leiden Christi geschmückt; ein Deckel ist nicht vorhanden. 
(Zeitschr. für christl. Kunst 1898, Sp. 85 ff., mit Abb.) 

Eine Reihe weiterer niederdeutscher Taufkessel des 13. Jahrhunderts 
ist wesentlich einfacher; hingewiesen sei auf die zu Büsum (gleiche in 
Kellinghtisen, Rendsburg und Bramstedt), die in Halberstadt in der 
Johanniskirche im Westendorfe und in Oslerwiech bei Halberstadt und 
schUeßhch auf eine Gruppe in Nord-Hannover, von denen der von sechs 
Figuren getragene Kessel aus dem Jahre 1284 in Imsum der reichste ist, 
während die in Nordleda und Twistringen ohne figürlichen Schmuck sind. 



316 13. Jahrhundert. 

Im östlichen Deutschland haben sich Bronzetaufkessel aus dem 
13. Jahrhundert in der Godehardikirche zu Brandenburg a. d. Harel 
(Fig. 239, S. 315) und in der Peter-Paulskirche zu Liegnitz erhalten, die 
jedoch den angeführten reichsten Beispielen dieser Zeit gegenüber auch 
von geringerer Bedeutung sind. 

Von einem ehemals in Tilleda befindlichen Taufbecken, anscheinend 
aus dieser Zeit, ist nur eine der höchst eigenartigen Tragefiguren, der 
^PUsterich* in Sondershausen erhalten. 

Das einzige größere Erzgußwerk des 13. Jahrhunderts, das in Süd- 



Fig. S40. Tuafbecken in Würzborg, Dom. S. Sls. 

deutschland anzuführen ist, ist der Taufkessel im Dome zu Würzhitrg 
(Fig. 240, S. 316), eine Arbeit des Meisters Eckhard von Worms aus 
dem Jahre 1279. In acht, durch kräftig vortretende Strebepfeiler ge- 
trennten Feldern, die oben mit je zwei Maßwerkgiebeln abgeschlossen 
sind, hat der Künstler wiederum zumeist Szenen aus dem Leben Christi 
in kräftigem Belief dargestellt, nämhch die VerkUnd^ung, die Geburt, 
die Taufe im Jordan, die Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt, das 
Abendmahl und das Jüngste Gericht. In dem Auferstehungshilde haben 
auch die Gestalten des Stifters Waltherus und des Meisters Eckhard ihren 
Platz gefunden. 

Die Reihe der größeren deutschen plastisch dekorierten Bronzewerke 



Deutochlaud. 3X7 

des 13. Jahrhunderts ist damit einigermaßen erschöpft, einige Grabplatten 
aber, die sich in St. Andreas zu Verden a. d. Aller und im Dome zu 
Hildesheim befinden, sind als aur in der Fläche durch eingetiefte Linien 
gemusterte Werke besonders deshalb von nicht geringerem Interesse, weil 
sie die ältesten Beispiele solcher, in der Folgezeit überaus zahlreich ge- 
fertigten gravierten Grabmonumente in 
Deutschland sind. Innerhalb eines Schrift- 
randes ist in Verden die Gestalt des Bischofs 
Yso von Welpe, t 1231, und in Hildes- 
hfiim die Figur des Bischofs Otto von 
Braunschweig, f 1279 (Fig. 241, S. 317), 
in kräftiger schöner Zeichnung eingraviert. 
Beide halten als Symbole ihrer Stiftungen 
Eirchenmodelle in den Händen. (Abb. in 
Creeny, Fac-similes of monumental 
brasses, London 1884, Taf. 1.) 

Große Erztüren entstanden nach dem 
12. Jahrhundert in Deutschland nicht 
mehr (wenn man von der neuesten Zeit 
absieht), soweit Bronzegußzierate über- 
haupt an den Türen Verwendung fanden, 
beschränkte man sich zumeist auf Klopf- 
ringe in Form von Löwenmasken oder 
Köpfen anderer Bestien in mehr oder 
minder reicher, oft durchbrochener Grund- 
platte. Von solchen Beachlagteilen ist 
auch aus dem 13. Jahrhundert eine Reihe 
schönster Beispiele erhalten, erwähnt 
seien nur diejenigen an der Petrikircbe 
in LabeeTi (am Eingange der Sakristei), 
an St. Stephani in Helmstedt, am Dome 
zu Paderborn und an der Elisabethkirche 
in Marburg. 

Daß die Herstellung von gegossenen 
Altarleuchtern (Fig. 242, S. 318), von 
Raucherbecken , Aquamanilen (Fig. 243, 
S. 318 und Fig. 244, S. 319), Kruzifixen und anderen kleinen kirchlichen 
Getuten auch im 13. Jahrhundert in weitem Umfange gepflegt wurde, 
bedarf kaum der besonderen Erwähnung, Zwar neue Typen wurden kaum 
geschaffen und auch hier mag gesagt sein, daß es besonders bei diesen 
Kleinarbeiten nicht immer leicht ist, sie der Formbildung nach dem 
12. oder 13. Jahrhundert zuzuweisen. 



Fig. 94t. Leuchter. KOnd-i*. Nal.-M-i. S- SIT. 

Niederlande. 

In den Niederlanden sind aus dem 13. Jahrhundert neben Kleingerät, 
wie dem schönen Uäucherbecken des Meisters Keinenis im Museum ru 
Lille, nur die bereits ira Jahre 1566 zerstörten in Bronze gegossenen Bilder 
auf den Gräbern der Bischöfe Walter de Marvis (f 1252) und Walter 



de Croix (f 1254) von Tournay anzuführen. Näheres ist Ober diese Werke 
nicht bekannt; die Gestalt des Bischofs Walter soll auf einer von sechs 
Löwen getragenen Platte dargestellt gewesen sein. 



Frankreich. 

In Frankreich nahm die Entwicklung der Bronzekunst im 13. Jahr- 
hundert einen ähnlichen Lauf wie in Deutschland, von einer Steigerung 
des Bedürfnisses oder der Schaffenslust kann im ganzen auch dort nicht 
gesprochen werden. 

Erhalten sind in Frankreich noch weniger Qußwerke aus dieser Zeit 
als bei uns; daß sehr viel mutwillig zerstört ist, darüber lassen ältere 
Berichte keinen Zweifel. 

Zu den bedeutendsten Leistungen der französischen Meister gehören 
jedenfalls die Grabplatten, die in Deutschland im 13. Jahrhundert kaum 



Fig. Ml. AqunmaDilen. Kopmhagen, XbI.-Hui. 8.317. 

in größerem Umfange gefertigt wurden, in Frankreich aber, zum Teil 
reich mit Grubenschmelz verziert, ganz besonders bevorzugt gewesen zu 
sein scheinen. Ein paar ausgezeichnete in Bronze gegossene Grab- 
monumente dieser Zeit sind die der Bischöfe Eberhard {tl223) und Gott- 
fried (t 1237) in der Kathedrale von Arnims (Fig. 245, S. 320). Die 
gleichartig komponierten Platten werden von sechs kleinen Löwen ge- 
tragen. Die in kräftigem Belief vortretenden Gestalten sind segnend in 
vollem Ornat dargestellt unter einer Kleeblattbogennische mit TUrmchen 
und Giebeln. Kleine Engelsfiguren zur Seite halten Kerzen und schwingen 
Bauchfässer. Eine Inschrift ist über den Bogen und den größten Teil 
des Randes geführt. Ein Vergleich dieser Platten mit jüngeren flandri- 
schen Arbeiten führt zu der Annahme, daß auch sie nicht in Frankreich 
entstanden sind, vielmehr in einer der alten belgischen Gießerstädte. 



320 13. Jahrhundert. 

Von den mit Schmelz verzierten ReHefgrabmälem, die im allgemeinen 
aus einzelnen in Kupfer getriebenen Teilen Über einem Holzkeme be- 
standen, seien die noch erhaltenen des Jean de France {tl247), des Sohnes 
des heiligen Ludwig in St. Denis 
und der Blanche, Gemahlin Jo- 
hanns I., Herzogs von Britan- 
nien, jetzt im Louvre zu Paris, 
angefahrt. 

Als das Werk eines deut- 
schen Meisters, des Johann 
Ton Köln, sei das Bronzegrab- 
mal des Bonifazius von Sa- 
voyen, Erzbischofs von Canter- 
bury, in der Abtei Hautecombe 
erwähnt. (Näheres Über die 
Werke dieser Art in Frankreich 
bei Texier, Dictionnaire d'or- 
ffevrerie Sp. 1597 ff.) 

Einige vortreffUche Aqua- 
manilen in Form von Rittern 
zu Pferde, die im BargcUo zu 
Florenz und im Museo cirico 
zu Bologna verwahrt werden, 
gelten als französische Arbeiten 
des 13. Jahrhunderts. Ein ähn- 
liches Gerät wurde in England 
im Tyne gefunden und mag 
gleichen Ursprungs sein. 

England. 

Von einer durch einhei- 
mische Meister ausgeübten Erz- 
gießkunst ist in England im 
13. Jahrhundert anscheinend 
nur in geringem Umfange zu 
sprechen. 

Von den schönsten engli- 
schen Brouzegrabmälem, dem 
der Königin Eleanor und König 
Heinrichs HI. in der Wcstminsterahtei , ist bekannt, daß die Figuren im 
Jahre 1291 von Meister William Torel gegossen wurden, der zwar 



England. 321 

Goldschmied und Borger zu London genannt, aber als zugewandert an- 
gesehen wird. Die vergoldeten Figuren ruhen mit ihren Grundplatten, 
die auf der Schrägkante die Inschrift tragen, auf Marmorunterbauten. 

Derselbe Meister führte die nicht mehr erhaltenen Bilder jener 
Königin für die Kathedrale in Lincoln und für die Kirche der Schwarzen 



Fig. ue. St. Petrus Id Rom, Petetskirch«. S. Sil. 

Brüder in London aus. Einige der kleinen Seitenfiguren am Monument in 
der letztgenannten Kirche wurden modelliert und gegossen von William 
of Suffolk, andere von Meister Alexander of Abingdon, und die 
Wachsmodelle einiger wurden von Dennjnge de Kejns, wahrschein- 
lich einem Franzosen, angefertigt (Fortnum, Descriptive Catalogue of 
the bronzes ... in the South Kens.-Mus. London 1876. S. CXCI). 

Auch reich mit Grubenschmelz verzierte Grabmäler, Arbeiten fran- 
zösischer Meister, sind aus dem 13. Jahrhundert in Fingland bekannt, 
Liter, Unedle HetoUe. 21 



322 14. Jahrhundert. 



insbesondere zu nennen ist das Grabmal des William de Yalence, £arl 
of Pembroke (f 1296), in der Westminsterabtei. 

Auf die Einführung der in England zahlreich vorkommenden grayierten 
Grabplatten aus Deutschland oder den Niederlanden läßt die Bezeichnung' 
«CuUen plate*' (Köln) schließen. Die älteste gravierte Platte war in 
England anscheinend die des Simon de Beauchamp (f 1208) in der Pauls- 
kirche zu Bedword; von den erhaltenen Werken dieser Art soll das 
Epitaph des John d'Aubernoun (t 1277) in Stoke d^Äbemon in Surrey 
das höchste Alter besitzen, jedoch jünger sein als die auf S. 317 ange- 
führte Platte in Verden. 

Italien. 

In Italien ist erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts ein Wiederauf- 
leben der Bronzekunst feststellbar. Nicht unbeteiligt an diesem Auf- 
schwünge war der größte italienische Bildner jener Zeit, Nicolo Pisano. 
Nach dem Entwürfe dieses Künstlers soll von Maestro Rosso die be- 
krönende Gruppe der drei mit dem Rücken gegeneinander stehenden 
lebensgroßen weiblichen Figuren mit Greifen über den Köpfen am großen 
Brunnen in Perugia in Bronzeguß ausgeführt sein, der um das Jahr 1280 
vollendet wurde. 

In Venedig regten die an der Markuskirche vorhandenen alten byzan- 
tinischen Erztüren zu neuem Schaffen an. Magister Bertucius aurifex 
venetus nennt sich als der Verfertiger der im Jahre 1300 vollendeten 
Türen für dieselbe Kirche, die im Schuppenmuster durchbrochen und auf 
den Rahmenteilen mit Köpfen u. dergl. in Hochrelief geschmückt sind. 

Als das plastisch bedeutendste italienische Guß werk des 13. Jahr- 
hunderts ist die sitzende überlebensgroße Statue St. Petri in der Peters- 
kirche zu Rom (Fig. 246, S. 321) anzusehen, wenn die Entstehungszeit, 
•die viel umstritten ist, richtig angesetzt ist (vergl. W ick hoff, Zeitschr. 
f. bild. Kunst 1890, S. 109). 



Vierzehntes Jahrhundert. 

Mit dem 14. Jahrhundert beginnt die Bronzekunst in Deutschland 
und den Niederlanden einen erneuten Aufschwung zu nehmen, auch in 
Italien bereitet sich langsam aber stetig die Glanzperiode vor, in der das 
Erz zu Werken gestaltet wurde, wie sie seit dem Altertume nicht mehr 
entstanden waren. In Frankreich scheinen damals Erzwerke von einiger 



Dentschlancl. 323 



Bedeutung nicht entstanden zu sein und England deckte seinen Bedarf, 
in vielleicht noch höherem Maße wie vorher, durch Bezug aus den Nieder- 
landen. 

Deutschland und Niederlande. 

Das wichtigste Erzguß werk, das in Deutschland im 14. Jahrhundert 
entstand, ist zweifellos das in etwa Dreiviertel natürlicher Größe ausgeführte 
Reiterbild des Drachentöters St. Georg, das im Auftrage Kaiser Karls IV. 
im Jahre 1373 von den ihrer Herkunft und Schule nach unbekannten 
Künstlern Martin und Georg von Clussenbach vollendet und auf 
einem Sockel frei auf dem Hradschin in Frag aufgestellt wurde (Fig. 247, 
S. 325). Die ehemals vorhandene Inschrift lautete: Anno 1373 hoc opus 
immaginis St. Georgi per Martinum et Georgium de Clussenbach con- 
flatum est. 

Wenn man von diesem einzig dastehenden Glanzwerke absieht, ist 
leicht ersichtlich, daß Niederdeutschland mit seinen Leistungen auf dem 
Gebiete der Bronzekunst das Schaffen des deutschen Südens auch ferner- 
hin überragt. 

Neben den selbst in kleineren Kirchen kaum noch fehlenden mehr 
oder minder kunstreich verzierten Glocken, die als vielfach bearbeitetes 
Sondergebiet auch ferner hier unberücksichtigt bleiben sollen, waren die 
Bronzekünstler ähnlich wie früher in erster Linie mit der Herstellung 
von Taufkesseln und anderer großer und kleiner Kirchengeräte beschäf- 
tigt. Meisterbezeichnungen finden sich häufig an den Tauf kesseln, doch 
leider sind es nur Namen, die uns die Inschriften verraten, über die 
Persönlichkeiten der Künstler wissen wir aus dieser Zeit so gut wie nichts. 

Gleiche, an Gußwerken derselben Zeit aber an fern liegenden Orten 
wiederkehrende Meisterbezeichnungen haben zu den verschiedensten An- 
nahmen geführt (vergl. Schnaase, Gesch. d. bild. K. Bd. VI, 2. Aufl., 
S. 499); jetzt dürfte feststehen, daß verschiedene tüchtige Erzgießer da- 
mals, vielleicht auf bestimmte Aufträge hin, häufiger die Stätten ihrer 
Tätigkeit wechselten. 

Wahrscheinlich gemacht ist dieses unter anderen durch die Unter- 
suchung Hachs (Repertorium für Kunstwissenschaft 1881, S. 177 ff.) bei 
einem der tüchtigsten Künstler jener Zeit, dem Hans Apengeter „van 
Sassenlant^. Das älteste mit diesem Namen bezeichnete Werk ist ein 
großer siebenarmiger Leuchter im Dome zu Kolberg aus dem Jahre 1327, 
das nächste ein Tauf kessel vom Jahre 1337 in der Marienkirche zu Lübeck 
und weiter in der Nikolaikirche in Kiel ebenfalls ein Taufkessel mit der 
Jahreszahl 1344. Hach spricht die begründete Vermutung aus, daß der 
Meister nacheinander in diesen Orten und vielleicht darauf noch in Halber- 
Stadt tätig war. 



324 14. Jahrhundert. 



Mit den älteren siebenarmigen Leuchtern oder den Taufkesseln in 
Lüttich oder Hildesheim sind zwar diese Werke des Meisters Hans 
künstlerisch nicht auf eine Stufe zu stellen, dennoch sind es treffliche 
Leistungen, deren figürlicher Schmuck nicht einwandfrei, aber, wie in 
jeder Kritik anerkannt wurde, durch „ungewöhnlich würdige* Gewand- 
behandlung ausgezeichnet ist. 

Der Kolherger Leuchter ruht mit seinem schlichten runden Fuße 
auf dem Rücken dreier Löwen. Die durch Knäufe gegliederten großen 
Arme sind in der üblichen Art angebracht, der ebenfalls durch Wülste 
unterbrochene Mittelschaft ist zwischen diesen mit Apostelfiguren in Relief 
verziert. 

Das Lübecker Taufbecken wird von drei knieenden Engelsgestalten 
getragen und gleicht hierin ebenso wie in seiner ganzen übrigen Aus- 
gestaltung sehr dem oben erwähnten Tauf kessel in Wismar, und zweifellos 
mit Recht nimmt Schlie (a. a. 0.) an, daß Apengeter dieses als Vor- 
bild benutzte. 

Bei der Kieler Fünte ruht das Becken auf vier sitzenden Löwen, 
auf der Wandung sind außer vielen ringsum angeordneten kleinen Wappen- 
schildern wiederum in zwei Arkadenreihen Szenen aus der Geschichte 
Christi von der Verkündigung bis zur Kreuzigung in Relief dargestellt. 

Von den übrigen im nördlichen Deutschland aus dem 14. Jahr- 
hundert erhaltenen Tauf kesseln, die von höherem künstlerischen Interesse 
im allgemeinen nicht sind, sei nur das Notwendigste, besonders über die 
datierten Beispiele angegeben. 

In Wittenburg i. M, befindet sich ein Taufbecken vom Jahre 1342, 
von Meister Wilkinus gefertigt. Vier Gestalten in Gewand mit Ka- 
puze tragen das Gefäß, das mit Christus und den Aposteln in fast voU- 
runden Einzelfiguren und rundlaufenden Inschriften verziert ist. 

Diesem nahe verwandt im Aufbau und figürlichen Schmuck ist die 
Fünte vom Jahre 1365 in Parchim, eine Arbeit des Meisters Hermann, 
der sich mit folgenden Worten nennt: „Leven Lude wetted dat, Mest. 
Herm. gud did vad" (Liebe Leute wisset das, Meister Hermann goß dies 
Faß). Der Kessel ist durch schöne Schrift und eine naturalistische Blatt- 
borte ausgezeichnet. 

Vielleicht bereits dem Anfange des 15. Jahrhunderts gehört der 
Taufkessel im Dome zu Schwerin an. Er ist achtseitig und wird von 
acht gepanzerten Rittern getragen. Auf jeder Seite sind unter einer 
Doppelbogennische biblische Szenen und Figuren in Relief dargestellt 
(vergl. Schlie a. a. 0. Sp. 90). 

Von geringerer Bedeutung sind die Taufbecken im Dome zu Kolberg 
vom Jahre 1355, die in St. Marien zu Ängermünde (von Meister Jo- 
hannes Justus), in der Marienkirche z\x Frankfurt a. 0. (von Meister 



Deutachluid. 325 

Arnold), beide vom Jahre 1376, und das aus dem Jahre 1398 ia der 
Nikolaikircbe zu Spandau. Bemerkenswert ist aber die ehemals ver- 
goldete Taufe in S. Nikolaus zu Elbing, die 1387 von Meister Bern- 




St. Qearg io Frag, Hradscbln. 



liuser gegossen wurde. Dieses Taufbecken ist achtseitig, am Fuße stehen 
zwischen acht liegenden Löwen unter Spitzbögen Prophetenfigiiren. Am 
GefUß sind in reicher Architekturumrahmung Szenen aus der Geschichte 
Christi und eine thronende Maria in Belief dargestellt. 



326 14. Jahrhundert. 



Zu den kunstvolleren Tauf kesseln des 14. Jahrhunderts gehören einig& 
ira hannoverschen Lande. Der beste darunter befindet sich in St. BlasieD 
in Münden, er ist ein Werk des Meisters Nikolaus von Stettin 
vom Jahre 1392. Eigenartig ist besonders der Fußteil. Vier liegende 
Löwen tragen Stützen mit je einem geflügelten Drachen und einer männ- 
lichen Gestalt auf dessen vorgestreckten Eopfe. Am Becken stehen auf 
Konsolen unter einer reizvoll gestalteten Wimpergenreihe 13 Heilige und 
Märtyrer in Relief. 

Verwandt untereinander im Aufbau sind die Fünten im Dome zu 
Bardowieck vom Jahre 1367 (Fig. 248, S. 327) und in Beetzendorf vom 
Jahre 1368. Die erstere ist mit Christus und den Aposteln in Relief und 
darunter mit gravierten Köpfen und Wappen in kleinen Runden verziert. 
An der anderen Fünte sind Christus am Kreuz, S. Petrus, S. Mauritius^ 
Maria, Adler, Löwen und in ebenfalls darunter gereihten Rimden Szenen 
aus dem Leben Christi dargestellt. 

Einen ungewöhnHchen Schmuck zeigte ein von Figuren getragener, 
ehemals in St. Michael zu Lüneburg vorhandener Taufkessel. Die Wan- 
dung des Gefäßes war hier mit 60 kleinen Reliefs in grundmusterartig 
aneinander gereihten Vierpässen verziert. 

In Thüringen ist ein unbedeutendes Taufbecken zu Sangerhausen^ 
in der Ulrichskirche aus dem Jahre 1369 erhalten. 

Ein kunstreiches, aber in seiner Ausgestaltung merkwürdig rückstän- 
diges Taufbecken ist das allein in Süddeutschland im Dome zu Salzburg 
vom Jahre 1321 erhaltene. Das mäßig hohe Gefäß wird von vier liegen- 
den Löwen getragen und in der flachbogigen Arkadenreihe der Wandung 
umschließt jedes Feld die Figur eines heiligen Bischofs in Hochrelief. 

Wenn die deutliche Inschrift nicht unzweifelhaft zur Zeit der Ent- 
stehung des Beckens eingefügt wäre, so würde man überzeugt sein, ein 
Werk des 12. Jahrhunderts vor sich zu haben. Die Löwen und das Ge- 
fäß sind aus wesentlich in der Farbe verschiedener Bronze gegossen, das 
hat die Annahme bekräftigt, daß die Löwen die Ueberreste eines Werkes 
aus dem 12. Jahrhundert seien, und das Becken eine Kopie des vielleicht 
zu Schaden gekommenen, ursprünglich zu den Löwen gehörigen (vergL 
Heider, Mittelalterl. Kunstdenkm. d. österr. K.-St. L, S. 166 Taf. 27). 

Im Anschluß an die Tauf brunnen sei auch eines der ältesten deutschen 
auf unsere Tage geretteten Marktbrunnens gedacht. Dieses treffliche in 
der alten Kaiserstadt Goslar befindliche Werk, das um das Jahr 1300 ent- 
standen sein dürfte, besteht aus zwei runden in Erz gegossenen schlichten 
Becken ungleicher Größe, die durch einen kräftigen Mittelschaft verbunden 
sind, der in seiner oberen Verlängerung durch einen vergoldeten Adler 
bekrönt ist. (Näheres in: Kunstdenkmäler der Prov. Hannover Bd. II 
S. 306 mit Abb.) 



Deatschluid. 327 

In der Art des erwlhnten großen Eolberger Leuchters ist aus dem 
14. Jahrhundert noch eine größere Anzahl erhalten. Bald ist nur ein 
gerader Schaft zum Tragen einer großen Kerze eingerichtet, bald tr^ 
ein Mittelschaft symmetrisch daraus hervorwachsende Zweige; neben den 
siebenarraigen Leuchtern kommen fünf- und dreiarmige Tor. Der aus- 



Fig. SM, TiLafbecken in Bardowieck, Dom, S. Sit. 

ladende, runde oder Tierseitige Fuß ruht zumeist auf liegenden Löwen, 
mehr oder weniger kräftige Wülste gliedern den Schaft und die Arme, 
der Fuß und die kapitälartigen Lichtteller sind durch reichere Profiliening 
ausgezeichnet. Andere schmückende plastische Zutaten kommen nur in 
einzelnen Fällen vor. 

Vermutlich ein Werk des schon genannten Meisters Arnold, dem 



328 14. Jahrhundert. 



Verfertiger des Taufkessels in der Marienkirche zu Frankfurt a. 0., ist 
der in derselben Kirche erhaltene siebenarmige Leuchter. Dieses 4,68 m 
hohe Lichtgerät ruht auf vier Adlern. Fuß und Schaft schmücken viele 
figürliche, biblische Darstellungen, die gebogenen Arme Wappenschilde,, 
zum Teil mit dem märkischen Adler. 

Ein siebenarmiger Leuchter von fast 2^/2 m Höhe mit der Jahres- 
zahl 1400 befand sich (nach Mithoff) ehemals in der Nikolaikirche zu 
Lüneburg. 

Einen jetzt nur noch fUnfarmigen Kandelaber besitzt die Stiftskirche 
in Gandersheim. 

Drei große dreiarmige Leuchter des 14. Jahrhunderts haben sich im 
Dome zu Halberstadt erhalten. 

Der siebenarmige Leuchter in der Königinklosterkirche zu Älibrünn 
ist als ein vermutlich süddeutsches Gußwerk dieser Zeit zu erwähnen. 

Drei große Standleuchter für eine Kerze, Arbeiten des Meisters 
Joh. Jos^s von Dinant aus dem Jahre 1360, befinden sich schließlich 
noch in der Frauenkirche zu Tongern bei Lüttich. Die schlichte Schönheit 
dieser wiederum von Löwen getragenen Kandelaber beruht vor allem auf 
einer äußerst feinen Profilierung des Fußes, der gliedernden Wulste und 
des Kerzentellers, der überdies durch aufliegende Blätter kapitälartig aus- 
gestaltet ist. 

Von demselben Meister hat sich in jener Kirche aus dem Jahre 1372 
auch eines der im 14. Jahrhundert anscheinend noch selten gefertigten Chor- 
pulte erhalten, bei denen der Rücken eines großen Adlers oder auch eines 
Pelikans mit einer Vorrichtung zur Buchauflage versehen ist. In diesem 
Falle bekrönt ein Adler einen von drei liegenden Löwen getragenen archi- 
tektonischen Unterbau. 

Ueber verschiedene Gußarbeiten, die ein Neffe dieses Meisters, Nicolas 
Jos^s, in den Jahren 1386 und 1390 für die Kirche im Champmol bei 
Dijon lieferte, geben erhaltene Rechnungsnotizen Auskunft; nach diesen 
handelte es sich um zwei große Bronzesäulen mit Blattwerk und oben mit 
Engelfiguren nach Modellen des Pierre Beauneveu und um ein reiches 
Adlerlesepult. Außerdem führte der Meister im Jahre 1392 vier Bronze- 
engel ftlr den Altar der Schloßkapelle von Argilly bei Nuyts aus. (MarchaU 
La sculpture et les chefs-d'oeuvre d'orfevrerie Beiges. Bruxelles 1895 
S. 270 und Pit, Le travail du cuivre dans les Pays-Bas aux XIV* et XV* 
siöcles in: Revue de l'art chr^tien 1890, S. 456.) 

Eine oft bedeutende Monumentalität zeichnet die immer mehr in 
Aufnahme kommenden ehernen Grabmäler des 14. Jahrhunderts aus. 
Zwar tritt daran die Arbeit des Bildhauers in den Hintergrund, um so 
großartiger ist aber bei der Mehrzahl die zeichnerische Leistung. 

Als eines der wichtigsten und schönsten, auch im Beiwerk plastisch 



Deutschland. 329^ 



gearbeiteten Grabmäler ist das nur teilweise erhaltene, in der Johannis- 
kapelle des Kölner Domes befindliche, des Erzbischofs Eonrad von Hoch- 
staden (f 1261) zu nennen, das seinem Formcharakter nach im 14. Jahr- 
hundert ausgeführt wurde. (Abb. und Beschreibung in Boisser^e,. 
Ansichten etc. des Domes von Köln. S. 128. Taf. IX.) 

Die Mehrzahl der Grabplatten ist völlig eben und das Bild de& 
Verstorbenen und der umrahmende Plattengrund ist nach Art der schoa 
angefahrten ältesten Beispiele in Verden und Hildesheim, durch mäßig 
starkes Ausheben des Grundes oder durch vertiefte Zeichnungslinien zur 
Darstellung gebracht. Das Material dieser „gravierten'' Platten scheint 
selten Bronze im engeren Sinne zu sein, Kupfer oder seine Mischung mit 
Galmei (Zink), das Messing ist für die Bearbeitung mit Meißeln und Grab- 
sticheln geeigneter. 

Diese „Messingsteine**, wie ihre alte niederdeutsche Bezeichnung' 
wohl wegen ihrer Befestigung auf einer Kalksteinplatte war, kommen 
schon im 14. Jahrhundert besonders in zweierlei Arten vor. Entweder ist 
die große, aus einer Reihe dicht aneinander schließender rechteckiger 
Teile gebildete Tafel ziemlich gleichmäßig mit Gravierung bedeckt oder 
das durch gravierte Innenzeichnung ausgeführte Bild des Verstorbenen 
ist für sich im Umriß ausgeschnitten, in eine Steinplatte bis zur Ober- 
kante eingelassen, und in einem gewissen Abstände bilden Plattenstreifen 
mit Schrift und den Evangelistenzeichen oder anderen Gebilden auf den 
Ecken die Umrahmung. Selten ist auf der sonst ebenen gravierten Tafel 
die Gestalt des Verstorbenen plastisch hervorgehoben. (Zahlreiche gute Ab- 
bildungen mit Text in Creeny, Fac-similes of monumental brasses in 
the Continent of Europe. 1884.) 

Die großartigsten Grabmäler dieser Art sind aus dem 14. Jahr- 
hundert in Deutschland erhalten, und wenn nicht einige, aber unzweideutige 
Hinweise erkennen ließen, daß diese schon damals über das ganze nörd- 
liche Deutschland verteilten Kunstwerke zu allermeist flandrischer Herkunft 
sind, würde man schwerlich darauf gekommen sein, eine Entstehung 
außerhalb Deutschlands anzunehmen. Die Untersuchung über ihren Ur- 
sprung und über die Zusammengehörigkeit der unbekannten Meister ging 
aus von den noch jetzt in größerer Anzahl in Lübeck erhaltenen Monu- 
menten. (Vergl. Wilh. Brehmer, Lübecks messingene Grabplatten aus 
dem 14. Jahrhundert in Hanseat. Gesch.-Blätter 1883, S. 13 ff. Siehe auch 
Lisch, Messingschnitt und Kupferstich des Mittelalters in: Deutsches Kunst- 
blatt 1851 und 1852 und Pit, a. a. 0., S. 459 ff.) 

Die Quellen, auf die sich die Verweisung nach Flandern stützt, 
sind besonders die Testamente des Lübeckischen Bürgermeisters Her- 
mann Gallin und des Lübeckischen Ratsherrn Wedekin Warendorp, 
von denen das des letzteren im Jahre 1350 errichtet wurde. Gallin 



330 U. Jahrhundert. 



verfügt: „Ibidem in ecclesia (sancte Marie) eligo sepeliri, ubi proyi- 
sores mei comparabunt et poni facient super meum sepulcrum unum 
flamingicum auricalcium figurationibus bene factum lapidem 
funebralem/ Daß aber nicht etwa nur die unbearbeiteten Platten 
von Flandern bezogen wurden, läßt Warendorps Bestimmung ersehen: 
,Item Yolo, quod lapis bonus in Flandria factus ponatur in sepulcrum 
meum.* 

Von anderen Gründen spricht für die Verweisung der Platten an 
flandrische Meister noch die Tatsache, daß im nördlichen Frankreich und 
in Flandern mehr als anderswo schon seit dem 12. Jahrhundert kunstreich 
in Steinplatten gravierte Darstellungen auf eine dauerhaftere Ausführung 
in Metall hinweisen mußte. 

üeber dreizehn ehemals in Lübecker Kirchen vorhandene gravierte 
Grabplatten des 14. Jahrhunderts geben Nachrichten Auskunft, erhalten 
haben sich aber nur fünf davon. 

Die älteste darunter bedeckt in der Domkirche das Grab des im Jahre 
1341 gestorbenen Bischofs Heinrich von Bockholt (Fig. 249, S. 331). Die 
Gestalt des Bischofs ruht in diesem Falle voUrund in Lebensgröße auf der 
völlig mit Gravierung bedeckten Tafel, und zeigt selbst auf der Kleidung 
reiche gravierte Musterung. 

Nur wenig jünger ist in derselben Kirche die Platte mit den neben- 
einander darauf eingravierten Bildern der Lübeckischen Bischöfe Burchard 
von Serken (1276—1318) und Johann von Mul (1341—1350) (Fig. 250, 
S. 333). 

Plastische Zutaten fehlen an diesem Denkmal, das auch durch seine 
bedeutende Größe (3,64 X 1,89 m gegenüber der Platte des Bischofs 
Bockholt, 2,75 X 1,32 m) und die sehr viel reichere Ausschmückung des 
Grundes einen wesentlich anderen Eindruck weckt. Vt^ährend auf der 
ersten Platte zur Seite des Verstorbenen nur vier Engelsfiguren mit Kerzen 
und Rauchfässern in den verhältnismäßig einfach in der Mitte mit einem 
Lilien- und umrahmenden Giebelnischen- und Maßwerkmuster gefllllten 
Grund hineinkomponiert sind (also die gleiche Komposition wie bei den 
erwähnten Reliefplatten in Amiens s. S. 319), zeigt die größere Tafel 
reichste Komposition im Ornament und viele Figuren, die zum Teil in 
zusammenhängenden Bildern vereinigt sind. Auch der stark hervortretende 
fensterartige Grund, der jede der Hauptfiguren umschließt, verleiht der 
Doppelplatte ein besonderes Gepräge. 

Wiederum ein wenig jünger ist eine Platte über der Grabstätte des 
Ratsherrn Johann Klingenberg (f im Jahre 1356) in der Petrikirche. 
Diese Platte mißt 3 m in der Höhe und 1,71 m in der Breite, in allen 
Einzelheiten läßt sie die Hand des Meisters der Doppelplatte erkennen. 

Die beiden anderen noch in Lübeck aus dem 14. Jahrhundert er- 



haltenen Platten, die des Bürgermeisters Bruno Wareodorp (t 1369), die 
jetzt im Chontmg&nge der Marienkirche aufgestellt ist, und die des Bischofs 



Fig. MS. Grabplatte ita Bischofs Heinrich von Bockholt In Labeok, Dom. S. S3o. 

Bertram Cremon (f 1377) in der Domkirche, weichen Ton den erstge- 
nannten in der Ausftlhrungsweise wesentlich ab und gehören der Art an, 



332 14. Jahrhundert. 



bei welcher das Bild des Verstorbenen, im Umriß ausgeschnitten, und nur 
mit einem umrahmenden Streifen umgeben, in die Steinplatte eingelassen ist. 

Ein genaues Studium dieser verschiedenen Grabplatten hat (Brehmer) 
durch Vergleich mit anderen noch erhaltenen, zur Aufstellung einer Meister- 
reihe geführt, über deren einzelne Persönlichkeiten zwar Näheres nicht 
bekannt ist, deren Künstlerschaft in den mutmaßlich von ihnen geschaflfenen 
Werken jedoch einigermaßen lebendig hervortritt. 

Der erste Meister, der messingene Grabplatten fertigte, bei denen 
•das Bild des Verstorbenen innerhalb eines durch gravierte Muster ge- 
füllten Grundes gebettet erscheint, dürfte der Künstler der Bockholtplatte 
gewesen sein. Andere Werke derselben Art, d. h. mit Rundfigur, sind 
von ihm nicht nachweisbar, Brehmer (a. a. 0. S. 28) hält es jedoch nicht 
für ausgeschlossen, daß eine nur in Abbildung bekannte Platte, die 
ehemals das Grab Herzog Ottos des Strengen von Braunschweig-Lüne- 
burg (t 1330) und seiner Gemahlin Mechtildis (f 1319) in der Michaelis- 
kirche zu Lüneburg bedeckte, von ihm herrühren könnte, und neuerdings 
ist dem Meister die Grabplatte eines jungen Geistlichen im Dome zu 
Erfurt zugewiesen. (Buchner, Zeitschr. f. christl. Kunst 1903, S. 161 f.) 
Der Bockholtplatte verwandt erscheint Brehmer auch die auf dem Grabe 
einer Frau Ramborg von Wiik (f 1327) in der Kirche zu Aker in Schweden. 

Von einem Vorläufer dieses Künstlers war nach Brehmer vermutlich 
eine nicht erhaltene Platte, die das Grab des Ratsherrn Arnold Wlome 
^u Lübeck zierte. „Ihre Eigentümlichkeit bestand darin, daß Gesicht und 
Hände der dargestellten Figur aus Holz gebildet waren und erhaben aus 
•dem Untergründe hervortraten, und daß die (im übrigen wahrscheinlich 
in Gravierung ausgeführte) Figur des Ratsherrn an beiden Seiten von 
einer größeren Zahl kleinerer Bilder umgeben war, deren jedes ein 
eigenes Spruchband besaß." (Brehmer a. a. 0. S. 26.) 

Deutlich kenntlich sind die Arbeiten des Meisters, der dem der 
Bockholtplatte folgte und als dessen Werk die des Ratsherrn Klingenberg 
und der Bischöfe Serken und Mul in Lübeck anzusehen sind. Als seine 
früheste und in gewisser Hinsicht schönste Schöpfung dieser Art darf 
"die Platte des im Jahre 1319 gestorbenen Königs Erich Menved und seiner 
im selben Jahre gestorbenen Gemahlin Ingeborg in der Kirche zu Ring' 
Medt in Dänemark gelten. Gegen die Zuschreibung kann nicht die Tat- 
sache angeführt werden, daß die Platte erst viele Jahre nach dem Tode 
^er beiden ausgeführt sein kann. 

Dieselbe Hand verraten die Platten der Bischöfe Ludolf und Hein- 
rich von Bülow (t 1329 und f 1347) im Dome zu Schwerin i. M. (Doppel- 
platte), die des Abtes Thomas in der Abteikirche zu St. Albnns (England), 
•die Platte des Bürgermeisters Albert Hoevener in der Nikolaikirche zu 
ßtralsimd^ und die des Bürgermeisters Joh. von Soest und seiner Ge- 



334 H. Jahrhundert. 



mahlin zu Thorn in der Johanniskirche. (Zwei gleichartige Platten sollen 
sich dort in der Marienkirche befunden haben.) Vermutlich sind auch die 
für die Grabstätten Lübecker Ratsherren in den Fünfziger- und Sechziger- 
jahren angefertigten, nicht erhaltenen Platten, Arbeiten dieses Künstlers 
gewesen und schließlich noch eine Platte, von der in England nur ein 
Bruchstück erhalten ist. 

Der Meister scheint gegen 1365 gestorben zu sein, aber ein Schüler, 
vielleicht sein Sohn, übertraf ihn noch im Reichtume der Erfindung aller 
zierenden Einzelheiten. In Lübeck sind Arbeiten dieses Künstlers nicht 
erhalten. Brehmer schreibt ihm zu die Platte des Bürgermeisters Andr. 
Bundison und Frau (f 1363 und f 1360) in Ripen in Dänemark, die 
Platte der Bischöfe Gottfried und Friedrich von Bülow (f 1314 und f 1375) 
im Schweriner Dom und die ehemals in der Abteikirche zu AUenberg 
bei Köln vorhandene, nur im Abdruck erhaltene Platte des Bischofs 
Wiebold von Culm (f 1398), und erwähnt andere, die ihm in England zu- 
gesprochen werden (a. a. 0. S. 33. Anm. 2). 

Es möchte scheinen, daß auch die jetzt im Museum zu Brüssel ver- 
wahrte (von Brehmer nicht erwähnte) Platte des Johann und Qerard 
de Heere (f 1332 und f 1398) eine Arbeit dieses Künstlers ist, und vielleicht 
war auch die ehemals auf dem Grabe des Bischofs Niels Jepsen (f 1395) 
im Dome zu Boskilde in Dänemark vorhandene Platte sein Werk. 

Mit dem Tode dieser Meister erlosch diese eigenartige und schöne 
Kunstübung nicht, wie später zu zeigen sein wird, es sei nur noch einmal 
darauf hingewiesen, daß es flandrische Künstler waren, die solch Großes 
ungenannt vollbrachten. 

Hier möge noch der Ansicht Brehmers Raum vergönnt sein, daß 
die erwähnten Platten des Bürgermeisters Warendorp und des Bischofs 
Cremon in Anlehnung an die weit vollkommeneren flandrischen Vorbilder, 
von Lübecker Meistern gefertigt seien. 

Verschiedene bisher nicht angeführte, in gleicher Technik hergestellte 
Platten lassen erkennen, daß nicht die wenigen Künstler, deren Werke 
zum Teil in Gruppen zusammenstellbar waren, die einzigen waren, die im 
14. Jahrhundert mit solchem Werk beschäftigt waren, doch bei dem 
Mangel jeglicher bestimmten Nachrichten sind die angestellten Unter- 
suchungen über weitergehende Werkstattbeziehungen bisher nicht weit 
gediehen. 

Angeführt seien nur die Platte des Bischofs Heinrich von Leslau 
(t 1398) im Dome zu Breslau^ bei der die Gestalt des Toten in reicher 
Architekturumrahmung „in getriebener Arbeit als Flachbild* dargestellt 
ist (Kunstdenkm. d. Prov. Schlesien I. S. 171), die Platte des Kunz von 
Liebenstein (tl391) in der katholischen Pfarrkirche zu Neumark (West.-Pr.), 
bei der die Ritterfigur in einfach diagonal gestreiftem Grunde, mit Wappen- 



Deutschland. 335 

haitendea Engeln zur Seite und von einem Inschrifbrande umschlossen, 
dargestellt ist, und schließlicli einige Platten, bei denen im Umriß aus- 
{i^eschnitteiie Gestalten nur durch einen davon getrennten Schriftrand mit 
Eckninden umrahmt sind, und die sich in Leubus i. Schi, und im Dome 
ZQ Paderborn befinden. 

Auf das eigenartige, künstlerisch zwar nicht sehr hoch stehende Orab- 
mal König Christophs 11. (t 1333) und der Königin Euphemia (f 1330) in 
Soröe (Oänem.) sei hier schließlich noch hingewiesen. Auf altarartigem, 
mit gegossenen Hochreliefs geschmücktem Unterbau ruhen die lebens- 



Fig. 951. TOrrlDK in Stettin, SchloSkirche. S. 3>S. 

großen vollrunden GuSfiguren der beiden Verstorbenen. Es ist das einzige 
größere Gußwerk, von dem man annehmen möchte, daß es im 14. oder 
zu Anfang des 15. Jahrhunderts in Dänemark selbst und nicht in Deutsch- 
land oder den Niederlanden entstand, 

Unter den Bronzekleinarbeiten des 14. Jahrhunderts finden sich 
ebensowenig wie in anderen Ländern auch in Deutschland und den 
Niederlanden kaum solche, die mit den schönen Werken des 12. Jahr- 
hunderts etwa auf eine Stufe zu stellen wären. Zu erwähnen sind aber 
etliche Beschlagteile von KirchtQren, Klopfringe auf großen Unterl^^- 
platten, die in ihrer phantasievollen Ausgestaltung die Uehrzahl der an- 
gefOhrten Beispiele des vorhergehenden Jahrhunderts hinter sich lassen. 

Au erster Stelle zu nennen ist der jedenfalls um das Jahr 1400 



336 14. Jahrhundert. 

entstandene Beschlag an der Schloßbirclie in Stettin, bei dem ein ring- 
trf^;;ei)der Greifenkopf aus einer großen durchbrochenen Grundplatte her- 
Torragt, die gebildet ist aus Weinlaub und vier Runden mit der Darstellung 
des Stammbaumes der Maria in flachem Relief (Fig. 251, S. 335). 

Verwandter Art ist der Beschlag an der Marienkirche in Colherg. 
Bei diesem ist eine Löwenmaske von acht Runden umgeben, deren 



Fig. iM. TUrbeachlae in LQbeck, Bathaas. S. 3S«. 

Zwickel gleichfalls mit Weinranken gefüllt sind, und in denen oben der 
thronende Christus, unten Christus am Kreuze, dann zwei Propheten und 
die vier Evangelistensymbole in Relief dargestellt sind. 

Die gleiche Anordnung zeigt eine TUrplatte im Rathause in Lübeck, 
auch aus der Zeit um 1400 (Fig. 252, S. 336). Hier ist eine thronende 
Kaiserfigur umschlossen von sieben Kurfürsten in Runden, deren Zwickel 
ähnlich wie in Stettin und Colberg mit Blättern und Trauben gefüllt sind- 



Frankteich, Euj^laad, 337 

Ein weiteres vortreffliches Beschlagbeispiel befindet sicli an der 
Petrikirche in Hamburg. In der außen rundlaufenden Majuskelinschrift 
ist als das Jahr der Grundsteinlegung des Turmes 1342 angegeben und 
der Beschlag dürfte selbst nicht wesentlich später entstanden sein. Eine 
LSwenmasbe mit Ring bildet das MittelstUck der aus einei- rundgelegten 
zwölfblätterigen Weinranke in durchbrochenem Grunde von schlicht rundem 
Schriftrande umschlossenen Grundplatte. Einfacher ist die wohl um 
dieselbe Zeit entstandene LöwenkopftUrptatte an der Lorenzkirche in 
Nümherg (Fig. 253, S. 337). 

Endlich sei die Ringplatte 
am Dome in Güstrow i, M, er- 
wähnt, bei der ein menschlicher 
Kopf innerhalb eines Blattkranzes 
einen Ring aus anscheinend vor- 
geschichtlicher Zeit ti^t. 

Frankreich. 

Nennenswerte französische 
ErzguBwerke des 14. Jahrhunderts 
sind nicht bekannt. Bei figürlichen 
Arbeiten kam damals in Frank- 
reich die Treibtechnik in Kupfer 
wieder in gesteigerte Aufnahme 
und wurde mit großem Geschick 
gettbt, wie unter anderen einige 

Madonnenstatuetten in etwa ein Fig. tu. Tttrrine m Knmberg, LoienzkirciKi. 
riertel Lebensgröße beweisen, deren 

eine von besonderer Schönheit sich z. B. in der Sammlung Lippmann 
in Berlin befindet. 

England. 

In England ist wiederum der metallene Schmuck der Grabmäler des 
14. Jahrhunderts von höherer künstlerischer Bedeutung. Neben den aus 
Flandern bezogenen gravierten Platten {vergl. Boutell, The monumental 
brasses of England, London 1849) sind auch einige kunstreiche Monu- 
mente von englischen Künstlern aus jener Zeit erhalten. 

Mutmaßlich das Werk eines Schülers des früher genannten William 
Torel war das Grabmal König Eduards III. (f 1377) in der Westminster- 
abtei mit in Erz gegossener Hauptfigur in einer Baldacbinumrahmung, 
mit Engelfiguren in den seitlichen Strebepfeilemischen und mit vergoldeten 
Bronzefiguren und emaillierten Wappenschildern am Unterbau. 
Lüer, Unedle Metalle. 22 



338 14. Jahrhundert. 



In derselben Kirche befindet sich das ganz ähnliche Grabmal 
Richards IL (f 1460) und der Königin Anna, das zu Lebzeiten des Königs 
von den Londoner Meistern Nickolas Broker und Geoffery Prest 
ausgeführt wurde. 

Als das Werk eines nicht englischen Künstlers gilt jedoch das Grab- 
monument des Schwarzen Prinzen (f 1376) in der Kathedrale von Canter- 
hury mit der vollrund gegossenen Gestalt des Fürsten und ebenfalls mit 
Schmelzzieraten. 

Italien. 

Italien besitzt aus dem 14. Jahrhundert neben kleineren ein -weit- 
berühmtes in Erz gegossenes Monumentalwerk, die Tür des Andrea 
Pisano am Florentiner Baptisterium. 

Diese köstlichen Türflügel sind das einzige bezeichnete Werk dieses 
ersten der großen Florentiner Bildner, man liest darauf: Andreas Ugolini 
Nini me fecit. A. D. MCCCXXX. Im Jahre 1330 wurden also die Mo- 
delle der Tür vollendet. Die Gußausführung nahm darauf noch sechs 
Jahre in Anspruch. 

In 28 kräftig umrahmten Feldern sind auf den beiden Flügeln in 
je zwei Reihen nebeneinander, in den oberen 20 Füllungen das Leben 
Johannes des Täufers und darunter acht Tugendgestalten in hohem Relief 
dargestellt. Die reiche Umrahmung der Tür ist wesentlich jünger, sie 
wurde vonVittorio Ghiberti, einem Sohne Lorenzo Ghibertis, in den 
Jahren 1452 bis 1464 ausgeführt (Fig. 300, S. 396). 

Andrea Pisanos Tür war das erste große Bronzewerk in Florenz 
und war auch als solches dort von allergrößter Bedeutung. Wo Maestro 
Rosso , der Gießer der Bekrönungsgruppe am Brunnen zu Perugia (s. S. 322), 
seine technische Ausbildung erfahren hatte, ist nicht bekannt, daß aber 
um das Jahr 1300 der Erzguß auch im großen in Venedig geübt wurde, 
lehrt die Tür des Bertucius. Wenn auch aus den folgenden Jahrzehnten 
erhaltene Werke von dem Weiterblühen der Gießkunst in Venedig kein 
Zeugnis ablegen, so scheinen die Fertigkeiten sich doch vererbt zu haben, 
denn auch die Türflügel für das Florentiner Bapstisterium wurden von 
Venezianer Gießern ausgeführt, deren Kunst vielleicht den Meister Andrea 
bei seinem Aufenthalte in der Lagunenstadt erst dazu angeregt hatte, 
selbst ein Erzwerk zu schaffen. 

Größere figürliche Bronzewerke der Zeit um 1340 zieren die Fassade 
des Domes von Orvieto. Die vier etwa IV« m hohen vollrunden Evan- 
gelistensymbole und die beiden einen Baldachin tragenden Engel zur 
Seite einer Andrea Pisano zugeschriebenen Madonna über dem Haupt- 
portal sollen von Lorenzo Maitani gegossen sein. Der Guß der Madonna 
soll vom Meister Buzio di Biaggio ausgeführt sein. 



Italien, Spanien. 



Äußer diesen Bronzewerken sind nur noch ein paar große Licht- 
geräte von besonderer Schönheit aus dem 14. Jahrhundert in Itahen er- 
balten, eine etwa 1 m hohe vergoldete Hängelaterne im Falazzo Pubblico 
zu Siena und ein Oster- 
kerzenständer in S. Petro- 
nio in Bolofftia (Fig. 254, 
S. 339). 

Die Laterne ist ein 
vierseitiger Turmbau mit 
Wimpergen und Maß- 
werkfenstem an den Sei- 
ten und Baldachinen mit 
Figuren auf den abge- 
stumpften senkrechten 
Kanten. Der Kerzenteller 
mit Lichtdom bildet zwi- 
schen dem Aufhänge- 
bQgel die BekrÖnung. 

Der Kandelaber wird, 
nach Art der gleichzeiti- 
gen deutschen Arbeiten 
derselben Bestimmung, 
von drei Löwen getragen. 
Der ausladende Pußteil 
ist kuppelartig gewölbt 
und an den rundbogig 
ausgeschnittenen Seiten 
mit Maßwerk verziert. 
Der unten kantige Schaft 
ist dort ebenfalls mitMaß- 
werk blenden geschmückt 
und durch stark vortre- 
tende fein profilierte 
Wulste gegliedert. Der 
Lichtteller ist kapitäll- 
artig mit krausem Blatt- 
werk belegt. 

Spanien. 

In Bronze ausge- 
führte TUrbescblagwerke 

Fig. 261. Osterkerzenetllnder in Bologna, S. Fetronia. S. i3». 



340 14, Jahrhundert. 

sind in Spanien als Arbeiten des 14. Jahrhunderts zu erwähnen. Auch 
damals waren es dort, so weit erhaltene Arbeiten ein Urteil gestatten, 
die Araber allein, die befähigt waren, das Erz kOnsÜerisch, wenn auch 
ohne besondere gußtechnische Leistung, zu behandeln. 



Fig. 286, THr (Teil) mit Klopfer in ConJova. S. a«. 

An den Kathedralen von Toledo, Cordova und Sevilla sind große 
Türflügel erhalten, deren Holzwerk teils beiderseits mit reich ornamen- 
tierten Bronzeplatten und schönen Klopfringen beschlagen ist. Die Be- 
schlagplatten sind mit geometrischem Bandwerk, Inschriften und VPappen 
gemustert (Fig. 255, S. 340). 



Spanien, Rußland. 341 



Die Tür in Toledo wurde der Inschrift nach im Jahre 1337, eine 
der Türen in Cordova im Jahre 1377 gefertigt. 

In Cordova sollen ehemals 21 solcher mit reichen Bronzezieraten 
versehenen Türen vorhanden gewesen sein. 

Gleichartige Türen befinden sich, wie erwähnt sein möge, aus der- 
selben Zeit neben älteren und jüngeren in größerer Anzahl in Kairo, 
Ranfeenmuster, geometrisches Bandwerk und Inschriften bekleiden auch 
bei diesen ganz oder zum Teil die Holzflächen. (Vergl. Prisse d'Avennes, 
L^art arabe, Paris 1877, Textband S. 270 ff. u. Tafeln.) 

BuBland. 

In Rußland griff man in der Dekoration einiger mit Bronzeplatten 
beschlagenen Türen im 14. Jahrhundert auf die von byzantinischen Künst- 
lern besonders an den italienischen Türen im 11. Jahrhundert geübte 
Tauschiertechnik zurück. Bei einer im Jahre 1336 unter dem Erzbischof 
Basilius für Nowgorod ausgeführten Tür sind die Darstellungen in Gold- 
linien eingelegt, bei einer gleichzeitig gefertigten Tür in Älexandrotva 
ist die Zeichnung in Silber tauschiert. Gleichartige Türen befinden sich 
in Susdal und Moskau, (Abb. in Antiquitäes de Tempire Russe Bd. VI 
Taf. 32 ff.) 



Ftinfzeliiites Jahrhundert. 

Die Bronzekunst hat im 15. Jahrhundert in Deutschland und in den 
Niederlanden künstlerisch und technisch wesentliche Fortschritte nicht zu 
verzeichnen, mit einer verfeinerten und bereicherten Gestaltung der Werke 
nahm aber die Kunst zugleich an Ausdehnung wiederum zu. Rückständig 
in der Ausübung des Erzgusses blieb auch jetzt noch das südliche Deutsch- 
land, nur wenige Werke wurden südwärts einer Linie gefertigt, die von 
den Niederlanden nach Ungarn hinüberzuziehen ist. Nur Nürnberg nimmt 
eine Sonderstellung ein, hier entstanden schon bald nach der Mitte des 
15. Jahrhunderts zahlreiche schöne Bronzegußarbeiten in der Werkstatt 
der berühmtesten deutschen Gießerfamilie Vischer. Nur wenige Werke, 
die im 15. Jahrhundert aus dieser Gießerei hervorgingen, blieben aber 
im südlichen Deutschland, die Mehrzahl wurde nordwärts gesandt, auch 
ein beredtes Zeichen dafür, daß damals im deutschen Süden der Geschmack 
an edlen Erzschöpfungen noch schlummerte. In Frankreich, Spanien und 
England blieb im 15. Jahrhundert der Erzguß von geringer Bedeutung, 
die Treibarbeit in Kupfer wurde aber in Frankreich weiter entwickelt. 



342 IS* Jahrhundert. 



Alle Länder überflügelte mit seinen zahlreichen großartigsten Guß- 
werken Italien. Mit einem Schlage erscheinen dort alle technischen 
Schwierigkeiten überwunden, sobald das künstlerische Bedürfnis vorlag. 

Deutschland und Niederlande. 

Die Mehrzahl und die schönsten der von deutschen und flandrischen 
Meistern in Bronze und Kupfer gefertigten Werke entstanden auch im 
15. Jahrhundert für die Gotteshäuser, und wenn auch im einzelnen die 
Aufgaben annähernd die gleichen blieben wie früher, so fehlte es doch 
auch an neuen nicht, und zu den für die Kirchen ausgeführten Werken 
kamen mehr wie vorher Gußaufträge für die Stadthäuser und die Häuser 
der wohlhabenden Bürger. 

Von den größeren Werken stehen der Zahl nach wieder die Tauf- 
kessel mit in erster Reihe, und etliche darunter sind auch zu den künst- 
lerisch wertvollsten Bronze werken zu rechnen. 

Die meisten deutschen Taufkessel des 15. Jahrhunderts überragt an 
Reichtum und an Trefflichkeit der Modellierung ein niederländischer, in 
der Kathedrale von Herzogenbusch (Bois-le-Duc) erhaltener. Dieses schone 
Guß werk wurde nach dem Entwurf des Baumeisters Duhamel im Jahre 1492 
von Jan Aert (oder Arnt) aus MaestricM ausgeführt, der auch für die 
Frauenkirche dieser Stadt ein Taufbecken und für die Franziskanerkirche 
einen siebenarmigen Leuchter goß. 

üeber einem reich profilierten Rosettensockel tragen sechs auf 
Stäbe gestützte Männer in der Zeittracht das mäßig tiefe Becken, das 
von einem ebenfalls gegossenen, hohen, turmartig in Bauformen aufgeführten 
Deckel verschlossen wird, in dessen Stockwerken übereinander die Taufe 
Christi durch Johannes, dann der Evangelist Johannes und ein heiliger 
Bischof, zwischen beiden ehemals die Madonna, schließlich Gott- Vater 
unter einem Baldachin plastisch dargestellt sind und der in seinem Auf- 
hängepunkte von einem Pelikan bekrönt ist. 

Künstlerisch gleichwertig ist das Taufbecken der Frauenkirche in 
Hal^ ein Werk des Meisters Will au me Lef^bvre, Gießers inToumayy 
vom Jahre 1446 (Fig. 75, S. 97). Der auf acht liegenden Löwen 
ruhende, unten achtseitige, reich gegliederte, oben in vier Maßwerk- 
nischen mit sitzenden Figuren geschmückte Fuß trägt ein im Vergleich 
zu den älteren Beispielen kleines Becken. Der eigenartig in zwei walzen- 
förmigen Absätzen aufsteigende hohe Bronzedeckel ist an seinem unteren 
Hauptteile mit den vollrunden Figürchen der zwölf Apostel in Doppelgiebel- 
nischen geschmückt. Auf dem ersten Absätze sind als Freifigürchen die 
Heiligen Hubert, Martin und Georg zu Pferde und die Figur des Stifters 
dargestellt, die Gruppe der Taufe Christi im Jordan bildet die Bekrönung. 



Niederlande, Deutschland. 343 



Nur erwähnt sei das wenig verzierte Taufbecken in St. Martin zu 
WycJc bei Maestricht, das im Jahre 1482 von Jan van Venloo ge- 
gossen wurde. 

In Westfalen befindet sich das bemerkenswerteste eherne Taufbecken 
des 15. Jahrhunderts in der Reinoldikirche zu Dortmund. Der Meister 
Johannes Winnenbrock hat es im Jahre 1469 gegossen. Das halb- 
kugelige, mit Ornament- und Schriftbändern umzogene Gefäß ruht mit 
einem gedrungenen Mittelschafte auf einer geraden, weit ausladenden, auf 
sechs liegenden Löwen ruhenden Fußplatte mit schrägem Schriftrande. 
Als ein reizvolles neues Motiv kommen sechs zierliche Strebepfeiler hinzu, 
die die Fußplatte mit dem Beckenrande verbinden. 

Von demselben Meister ist noch ein Taufbecken in der Lamberti- 
kirche zu Kösfeld i. W. erhalten, das er, wie die Inschrift vermeldet, 
gemeinsam mit Claes Potgeiter in Dortmund im Jahre 1504 
ausführte. 

In Hannover mit Ostfriesland sind zahlreiche Bronzetaufbecken aus 
dem 15. Jahrhundert erhalten, die wichtigsten in den alten Kirchen der 
Stadt Hannover, Der Entstehungszeit und Gestaltung nach an erster 
Stelle anzuführen ist der Kessel in der Kreuzkirche. Drei knieende 
Männer in Zeittracht tragen das Becken, auf dessen Wandung in Maß- 
werkarkaden, die durch kräftig vortretende Strebepfeiler getrennt sind, 
eine Kreuzigungsgruppe und einzelne Heiligenfiguren in Relief dargestellt 
sind. Um die Mitte des Jahrhunderts scheinen die Taufen in der 
Aegidienkirche und Marktkirche entstanden zu sein. Beide zeigen poly- 
gone Kelchform mit schöner Profilierung. Der Fußrand ruht auf liegen- 
den Löwen, die Oefäßwandung zieren Heiligenfiguren. 

In Nordhannover wurden die meisten, zwar künstlerisch nicht her- 
vorragenden Fünten von der im Bremischen ansässigen Oießerfamilie 
Klinge ausgeführt (vergl. Hach im Repertor. für Kunstwissensch. 1881. 
S. 160 ff.). 

Zwei ansehnliche Taufkessel haben sich auch aus dem 15. Jahr- 
hundert in Lübeck erhalten. Der eine im Dome ist ein Werk des Meisters 
Laurenz Groven vom Jahre 1455, der andere im Aufbau jenem 
gleichende in der Jakobikirche (Fig. 256 , S. 344) wurde im Jahre 1466 
gegossen. 

Beide Fünten werden von einem Mittelschafte und drei knieenden 
Engeln getragen. Auf der Wandung stehen bei beiden unter einem oben 
rund laufenden Schriftbande in zwölf durch Strebepfeiler getrennten 
Feldern unter reich mit Maßwerk, Krabben u. dergl. in durchbrochener 
Ausführung vemerten, geschweift-spitzbogigen Baldachinen die fast voll- 
rund vortretenden Apostel auf Konsolen. Die in Holz geschnitzten Deckel 
entstammen dem 17. Jahrhundert. 



344 15- Jahrhundert. 

In Meckleobui^ gehört derselben Gruppe das Taufbecken vom Jahre 
1450 in der Jakobs- und Dionysiuskirclie iD Gadcbusch an. 

Tüchtige Gießer waren in jener Zeit auch in Bratmschtceig tätig'. 



Fig. iM. Taufkessel in LQbeck, Jakobibircbe. S. MS. 

wie besonders eine Reihe dort und an anderen Orten erhaltener Taufkessel 
erkennen lassen. 

Im Aufbau wiederum den Lübecker Werken ähnlich sind die Tauf- 
kessel in der Barfüßerkirche und Martinikirche (Fig. 257, S. 345) zu 



Deutschland. 345 

SrauHSchiceig, der letztere trägt die Jahreszahl 1441, der andere dürfte 
um dieselbe Zelt entstanden sein; der Meister ist bei beiden Taufen 
unbeliannt. 

Ein Meister Ludwig Gropengheter in Sraunschtveig nennt sich 



Fig. tG7. Tanrbecken 1d Braunachweig, Unrlinikirche. S. 3U. |Ueb«r das Elaengitter vcrgl. 8. 163.) 

als den Verfertiger des Taufkessels vom Jahre 1421 in der Eatharinen- 
tirche zu Sahwedel. Ein Heinrich Qrashere (oder GrawereV) von 
JBraunschweig goß 148ö die Taufe in Laiscn (Provinz Brandenburg). 

Die beiden fast gleichen Taufbecken in der Frauenkirche und Ulrichs- 



346 IS. Jahrhundert. 

kirche in Halle goß zu Magtlehurg im Jahre 1430 Meister Ludolf von 
Bramischueig mit seinem Sohne Heinrich (Kunstdenkm. d. ProT. Sachsen. 
N. r. Bd. I, S. 67 u. S. 188. Mit Abb.)- Ihr Werk scheint auch der im 
Jahre 1437 gegossene Taufkessel der Marienkirche in Berlin zu sein. 

Von den zahlreichen in märkischen Kirchen aus dem 15. Jahrhundert 
noch erhaltenen Taiifkesseln sind am bemerkenswertesten die in der 
Marienkirche zu Stendal vom Jahre 1464 (Fig. 258, S. 346) (ein großes 



Fig. «68. Tuarbecken In Stendal, Uarienklrcho. ä. su. 

und reiches Taufbecken, das sich [nach Lotz] ehemals dort in der Nikolai- 
kirche befand, ist verloren) und in der Eatharinenkirche zu Brandenbarg 
(Fig. 259, S. 347). 

Der Kessel in Brandenburg ist ein Werk des Meisters Tjterich 
Molner von Erfurt. Vor anderen deutschen Taufen des 15. Jahrhunderts 
ist er ausgezeichnet durch einen schönen, ebenfalls gegossenen Deckel in 
Turmform. 

Der im Aufbau eigenartigste und schönste deutsche Taufkesset hat 
sich in Sachsen erhalten, in der Marienkirche zu Wittenberg. Ein er- 



Fig. MB. Tftufbecken in BrandfiDbarg a. ä. H., Katharinenkirche. S. w«, 

höhtes Interesse gewinnt dieses vortreflfliche Werk noch dadurch, daß 
Hermann Vischer, der Vater des großen Nürnberger Meisters Peter 



348 1^- Jahrhundert. 



Vi seh er, ihn im Jahre 1457 vollendete. Ein reiches, auf vier Lö\ven 
ruhendes, aus frei behandelten Baugliedern gestaltetes, mit allerhand 
Getier und vier Apostelfiguren geschmücktes Fußgerüst trägt ein gerades, 
mäßig hohes, achtseitiges Becken mit Apostelfiguren, die durch Strebe- 
pfeiler getrennt sind , auf den Wandungsflächen (Abb. in S c h a d o \v , 
Wittenbergs Denkmäler). 

Ein sehr verwandtes, etwas einfacheres Taufbecken, das sich vor 
etlichen Jahren im Kunsthandel befand, mag etwas später in derselben 
Nürnberger Werkstatt entstanden sein. 

Von den in Schlesien aus dem 15. Jahrhundert erhaltenen Tauf- 
kesseln gehört der in der Elisabethkirche zu Breslau zu den am eigen- 
artigsten und reichst gestalteten in Deutschland. Er ruht auf kauernden 
Gestalten und in den Bogenfeldern des Gefäßes sind Scenen aus der 
Leidensgeschichte Christi dargestellt. 

Von den aus dieser Zeit in Polen (z. B. Krakau, Kreuzkirche) und 
Ungarn (z. B. Schäßburg) erhaltenen Bronzetaufen sind zum Teil deutsche 
Gießemamen in den Inschriften überliefert. 

In Süddeutschland ist außer einem (von Sighart als rohe Arbeit be- 
zeichneten) Taufkessel in der Martinskirche zu Amberg (aus Straubing 
dorthin gebracht), als ein treffliches Werk nur das eherne Taufbecken in 
der Sebalduskirche in Nürnberg (Fig. 260, S. 349) anzuführen , das mut- 
maßlich noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand. 

Das Becken ruht mit einem gedrungenen Schafte, der mit einer Heiz- 
vorrichtung zur Erwärmung des Taufwassers ausgestattet ist, auf einem 
profilierten Fußrande, an dem auf vorgekröpften Sockeln die Figuren der 
vier Evangelisten stehen. Am Schaft sind in zwölf mit Maßwerk ver- 
zierten Bogennischen Heiligenfiguren in Flachrelief angebracht, am Becken 
in 21 gleichen Nischen die Apostelfiguren und die anderer Heiliger. 

Als eine fast allen diesen angeführten Taufbecken im 15. Jahr- 
hundert gemeinsame Eigenart tritt im Gegensatz zu denen des vorher- 
gehenden Jahrhunderts die kräftige Horizontalgliederung durch starke 
Profile und zumeist eine ebenso energische Vertikalteilung durch Strebe- 
pfeiler hervor. Auch Freifiguren sind in weiterem Umfange daran zur 
Ausschmückung verwendet, überhaupt ist auf eine lebendigere Licht- und 
Schattenwirkung hingearbeitet. 

Eine größere Mannigfaltigkeit der Ausführung und Erfindung und 
daneben eine sehr gesteigerte Verbreitung ist den metallenen Grabmälern 
in Deutschland im 15. Jahrhundert nachzurühmen. (Viele der im folgen- 
den erwähnten Platten sind abgebildet in Creeny, Monumental brasses.) 

In Flandern, den nordischen Ländern und in Niederdeutschland sind 
aus diesem Jahrhundert eher weniger denn mehr erhalten, die meisten 
und schönsten Werke finden sich jetzt in Sachsen, Schlesien und Posen. 



Deutschland. 349 

Die Berorzugung der gravierten Platten dauerte fort, aber weDii 
ancli die besten älteren in der Schönheit der Zeichnung und im Reich- 
tum der Erfindung nicht übertrofTen wurden, so kommt doch bei etlichen 
Platten aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine, nur bei einem 
älteren Beispiele in Braunschii:eig nachweisbare, äußerst flache Relief- 
granerung zu hochkUnstleri scher Entwicklung. 



Fig. ä«(i. Tantbechen in Xarnl>erg, Hebaliiuskirche. ä. 3te. 

Auch in der Komposition zeigen sich bei den gravierten Platten 
Nenerungen. Einige der größten und schönsten lassen zwar wesentliche 
Aendenmgen in der Hinsicht, gegenüber den Hauptwerken des 14. Jahr- 
hunderts kaum erkennen; eine reiche Nischen- und Wimpergarchitektur 
schmflckt auch bei ihnen die das Mittelfeld mit der Figur umrahmende 
Plattenäsche. Am meisten fallt eine neuartige Behandlung des Grundes 



350 15. Jahrhundert. 



um die Hauptfigur auf; war dieser früher bei den besten Beispielen mit 
einem oft sehr zarten Grundmuster gleichmäßig gefüllt, so wurde es im 
15. Jahrhundert zur Regel, das Mittelfeld als eine vertiefte Nische deut- 
licher zu kennzeichnen durch einen hinter der Figur, gewöhnlich bis zur 
Schulterhöhe aufgehängten, mit großem Granatapfelmuster bedeckten 
Teppich und einen auch zumeist perspektivisch eingezeichneten Fliesen- 
fußboden. 

Bei den weniger reichen Platten begnügte man sich jetzt damit, 
die Figuren der Verstorbenen innerhalb des im allgemeinen nicht fehlen- 
den Schriftrandes unter einem von zwei schlanken Säulchen getragenen 
Baldachin aufzustellen, die architektonische Musterung zu seiten der Figur 
aber fortzulassen. In dieser Art sind auch die aus dem 15. Jahrhundert 
zahlreicher erhaltenen reliefierten Grabplatten komponiert. 

Ein im 15. Jahrhundert häufiger vorkommender Grabplattentjpus 
ist noch der, bei dem entweder die ganze oder der Oberteil der Fläche 
eine bildmäßige Darstellung mit einer größeren Anzahl Figuren aufweist; 
die Inschrift pflegt dann in mehreren Zeilen unter dieser DarsteUung an- 
geordnet zu sein. 

Neben den auf schlichten Steintafeln angebrachten Platten ent- 
standen im 15. Jahrhundert auch einige Hochgräber, bei denen die Platten 
mit den rund gearbeiteten Gestalten der Toten auf reichst gestalteten, 
aus Stein oder ebenfalls aus Erz gegossenen altarartigen Aufbauten ge- 
lagert sind. 

In Flandern ist die Mehrzahl der metallenen Grabmonumente in 
Brügge erhalten. In der Frauenkirche befindet sich das Grabmal der 
Maria von Burgund, deren fast vollrunde, in den Jahren 1495 — 1501 von 
Piter de Beckere in Brüssel (f 1527) gegossene Gestalt auf einem 
kunstvoll mit emailliertem Wappen geschmückten Marmorunterbau ruht. 

Die schönsten gravierten Platten des 15. Jahrhunderts sind dort die 
des Joris de Munter (f 1439) und seiner Gemahlin (f 1423), die der 
Cateline Colaert (1465) und ihres Bruders und die des Martin de Visch 
(t 1452), alle drei in Brügge. 

Als Beispiele einer bildmäßig gravierten Platte sei die des Jakob 
Schielewaerts (f 1483), ebenfalls in Brügge^ erwähnt. Der Verstorbene 
ist hier innerhalb eines Schriftrandes im Kreise seiner Schüler dargestellt. 

Noch ein im Jahre 1830 zerstörtes Hochgrab mit zahlreichen kleinen 
Figuren der Evangelisten und von vierundzwanzig Fürsten und Fürstinnen 
an den Seiten, und den drei lebensgroßen erzenen Rundfiguren des Grafen 
Ludwig III. von Flandern (f 1342) mit seiner Gemahlin und Tochter 
befand sich ehemals in der Eollegiatkirche S. Pierre in Lille. 

Jakob de Gerines hat es im Auftrage Philipps des Kühnen im 
Jahre 1455 vollendet (Pit a. a. 0. S. 457). Derselbe Meister führte im 



Niederlande, Deutschland. 351 



Auftrage jenes Fürsten auch ein Orabmal für die Herzogin Johanna von 
Flandern aus, das bereits im 16. Jahrhundert wieder zerstört wurde. 
Endlich sei an dieser Stelle erwähnt, daß zehn von diesem Künstler im 
Jabre 1462 oder 1463 ausgeführte Bronzefiguren von etwa 50 cm Höhe, 
forstliche Herren und Damen in Zeittracht, die sich ehemals am Burgun- 
dischen Hause in Amsterdam befanden, jetzt im dortigen Museum ver- 
^wahrt werden. (Six, Gazette des Beaux Arts 1896. S. 388 mit Abb.) 

Bei den deutschen Metallgrabplatten sind im 15. Jahrhundert 
'wenigstens einige Namen einheimischer Meister nachweisbar, daß aber 
noch ein großer Teil der erhaltenen Denkmäler aus Flandern bezogen 
iw-urde, wird anzunehmen sein, ob zwar die in Schlesien noch zu Ende 
des 15. Jahrhunderts vorkommende Bezeichnung „flandrese magisterium" 
als entscheidend für einen Bezug der Platten von Flandern nach dorthin 
gelten darf, bleibe dahingestellt. Fest steht, daß in Schlesien damals 
iv^enigstens ein Meister, Jodocus Tauchen, mit der Anfertigung gravierter 
Messinggrabplatten beschäftigt war. 

Eine wichtige Rolle begann in der Grabmalkunst der zweiten Hälfte 
des 15. Jahrhunderts die Familie Vischer zu spielen. Zwar sind aus 
diesem Zeiträume nur zwei bezeichnete Werke vom bedeutendsten Träger 
dieses Namens erhalten; einige andere sind der Werkstatt mit Sicherheit 
und noch andere sind ihr mit einiger Wahrscheinlichkeit zuzuschreiben. 
Unter den rheinischen Metallgrabmälern des 15. Jahrhunderts be- 
finden sich auch einige Hochgräber, unter denen das des Erzbischofs 
Friedrich von Saarwerden (f 1414) im Dome zu Köln vielleicht das be- 
deutendste ist. Das auf dem reich mit Figuren geschmückten Sandstein- 
sockel ruhende Bild des Toten ist vollrund gegossen, wie man wohl an- 
nehmen darf, in Köln selbst. Von einem Kölner Meister scheinen auch 
ein paar Hochgräber gefertigt zu sein, bei denen sowohl die Deckplatte, 
wie die kleinen Platten an den Seiten der Steinaufbauten in Gravierung 
ausgeführt sind. Das eine dieser Gräber ist das der Katharina von 
Bourbon (t 1469) in Nymwegen, Nach alter Ueberlieferung ist es von 
William Leomansz von Köln geschaffen, und die Verwandtschaft mit 
diesem Werk hat (Greeny) zu der Annahme geführt, daß auch das im 
Aufbau gleichartige Grabmal des Herzogs Johann I. von Cleve (f 1481) 
und seiner Gemahlin in Cleve von demselben Künstler gefertigt sei. 

Von anderen gravierten Platten sind die des Herzogs Gerhard II. 
von Jülich (t 1475) in Altenherg^ die des Kardinals Cusano (t 1464) in 
Cues und die des Herzogs Johann II. mit Gemahlin in Cleve noch an- 
zuführen. 

In Hannover haben sich im Dome zu Hildesheim zwei einfachere 
gravierte Platten mit den Gestalten der Dompröbste Eckhard von Hanensee I. 
und II. (t 1406 und f 1460) erhalten. Die vortreffliche Reliefgußplatte 



352 15- Jahrhundert. 

des Bischofs Bartholdus (t 1502) im Dome zu Verden gehört auch an- 
scheinend noch dem 15. Jahrhundert an. 

Von den noch in Lübeck erhaltenen gravierten Platten ist die 



3 John LUneborch ii 



des Bürgermeisters John LUneborch (f 1474) ein ausgezeichnetes Werk 
des 15. Jahrhunderts (Fig. 2Ö1, S. 352). 

In Sachsen befinden sich die wichtigeren Metallgrabmäler dieser Zeit 



DenUchland, 35g 

in Halherstadt, Nordhausen, Magdeburg, Erfurt, Naumburg, Weimar, 
Altenburg, Rfimhild und Meißen. Die an diesen Orten erhaltenen Platten 
sind zum Teil in der üblichen Weise graviert, teils sind die Tertieften 
Zeichnungslinien offenkundig beim Quß der Platten mit entstanden und 
nur nachgearbeitet; das gilt insbesondere von der Mehrzahl ier Meißener 
^Verke. Aus getriebenen TeilstUcken zusammengesetzt ist (nach Qurlitt, 
Bau- und Kunstdenkm. d. Kgr. Sachsen, Bd. 17) die Flachreliefplatte der 
KurfUrstin Elisabeth (f 1484) in der Faulinerkirche in Leipzig, und in 
derselben Technik soll die Platte des Bischofs Dietrich IV. (f 1494) im 
Dome zu Naumburg ausgeführt sein. In Relief oder vollrund gegossen 



Fie. asa. Grabmal des Erzbiachots Ernst yod Sachsen in Magdeburg, Dom. 8. SB3. 

sind die Platte auf dem Hochgrabe Friedrichs des Streitbaren (f 1428) 
und die Grabplatte des Bischofs Sigismund von WUrzburg (f 1457), beide 
im Dome zu Meißen, die Grabplatte des Kanonikus Konrad Stein (t 1499) 
im Erfurter Dome, das Hochgrab des Erzbischofs Ernst von Sachsen 
(t 1513) im Dome zu Magdeburg und die Grabgestalt des Grafen Otto IV. 
von Henneberg in der Stiftskirche zu Römhild. 

Das Grabmal in Magdeburg (Fig. 262, S. 353) ist ein bezeichnetes 
Werk Peter Vischers yon Nürnberg (, Gemacht zu Nurmberg von mir 
Peter Fischer rotgieszer und ist vollbracht worden do man zalt 1495 jar.'), 
mit Sicherheit demselben Künstler zuzuschreiben ist das Grabmal in Röm- 
hild, die Platte des Konrad Stein in Erfurt (Bucbner, Zeitschr. für 
Christi. Kunst 1903, Sp. 173 ff.) und ein Teil der Meißener Platten, deren 
LOer, Unedle UetuUe. 23 



354 1^' Jahrhundert. 



andere man, mit Ausnahme der ältesten des Herzogs Friedrich des Streite- 
baren, als Arbeiten Hermann Vischers, Peters Vater, des Meisters des 
Wittenberger Tauf kesseis, ansieht, von dessen Hand vielleicht auch die 
Grabplatte Hunolds von Plettenberg (f 1475) und der Schriftrand der 
Platte Heinrichs von Gerbstädt (f 1451), beide im Kreuzgange des Domes 
zu Erfurt, herrühren. (Buchner, a. a. 0. Sp. 167 fF.). 

Das bei weitem großartigste unter allen diesen Werken ist das 
Monument des Erzbischofs Ernst in Magdeburg. Schon die Abmessungen 
des ehernen Aufbaues sind ungewöhnliche, es hat eine Länge von 3,20 m, 
eine Breite von 1,45 m und eine Höhe von 1,10 m. Die Gestalt des 
Kirchenfürsten lagert, angetan mit dem bischöflichen Ornat, in Lebens- 
größe in fast voller Rundung auf der Deckplatte unter einem reichen 
Baldachin. Der Bischof stützt seine Füße auf einen wappenhaltenden 
liegenden Löwen, sein Haupt ruht auf Kissen. Auf den Ecken der Platte 
tragen zierliche Postamente die vollrund dargestellten Evangelistenzeichen. 
Der Unterbau des Denkmals ist durch Säulchen in abwechselnd breitere 
und schmälere Nischen mit Kielbogengiebeln geteilt. In den schmäleren 
Nischen stehen auf voi*tretenden Sockeln, an den Langseiten die zwölf 
Apostel, an den Schmalseiten die Heiligen Stephanus und Mauritius. In 
den breiteren Nischen sind Wappen angebracht, unter jedem ein Fabel- 
tierchen. 

Von allen anderen Metallgrabmälern im Aufbau durchaus abweichend 
gebildet ist das Römhilder. Dieses vermutlich noch bei dem im Jahre 1487 
gestorbenen Hermann Vi scher in Auftrag gegebene Monument ist im. 
Anschluß an ältere Steindenkmäler Hennebergischer Grafen in derselben 
Kirche ausgeführt. Graf Otto IV. ist als Freifigur in Lebensgröße auf 
einem Löwen aufrecht stehend dargestellt. Hinter der Rittergestalt sind 
in Art einer rechteckigen Umrahmung Bronzestreifen mit Inschrift und 
Wappenschilde in die Wand eingefügt. Die Inschrift gibt das Todesjahr 
(1502) des Grafen in der auffallenden Schreibweise: „Anno domini MCCCC 
und in dem LXXXXXII Jar ..." an; die letzten Zeichen der Jahreszahl 
sind durch nachträgliche Gravierung hinzugefügt, nur der Teil MCCCCLXXX 
ist von dem Meister, der den Guß ausführte, in der Annahme, daß der 
Besteller noch vor Ablauf des 15. Jahrhunderts sterben werde, in der 
Form, wie angegeben ist, mit eingegossen (Do ebner, Die ehernen Denk- 
male Hennebergscher Grafen von Peter Vischer, München 1840 S. 13 ff. 
mit Abb.). 

Man darf mit einiger Sicherheit dieses Grabmal als eins der ersten 
selbständigen Werke Peter Vischers betrachten. 

Im ganzen östlichen Deutschland finden sich nun aus dem 15. Jahr- 
hundert weitere Grabplatten, die ihren Ursprung in der Vischerschen 
Gießhütte zu Nürnberg vermuten lassen. 



Deutachland. 355 

In der Mark BrandeDburg ist nur ein bedeutenderes Werk aus dieser 
Zeit erbalten, die in flachem Relief mit Tertieflen ZeichnunjirBlinieii ge- 
arbeitete Platte des Bischofs Johannes VII. von Deher (t 1455) im Dome 



Fig. iM. Grabplatte des Bischors Johann IV. Roth in Breslau, Dom. S. 36«. 

ZU Färstenwalde (Abb. in Bau- und Kunstdenkm. d. Prov. Brandenburg). 
In Erfindung und Ausführung zeigt diese Platte eine nahe Verwandt- 
schaft; mit einer Breslauer Platte, der des Bischofs Peter Nowag (f 1456) 



356 1^- Jahrhundert. 



im dortigen Dome, die man als eine Arbeit Hermann Vischers an- 
gesprochen hat. 

Mit Sicherheit ist die Tätigkeit der Vischerschen Werkstatt in 
dieser Zeit für Schlesien noch nicht nachweisbar, wohl aber wissen 'wir, 
daß ein anderer Künstler, Jodocus Tauchen, damals sich eines nicht 
unbedeutenden Rufes in solcher Arbeit erfreute (Schulz, Schlesiens 
Kunstleben im 15. bis 18. Jahrhundert, S. 2). Meister Jodocus wurde 
wahrscheinlich zu Anfang des 15. Jahrhunderts in Liegnitz geboren, 1451 
wird er zuerst in Breslau genannt. Er war als Steinmetz und Bau- 
künstler tätig und war überdies städtischer Büchsengießer. Wir wissen, 
daß der Erzbischof von Gnesen, Johann VI. von Sprowa (f 1464), im 
Jahre 1462 eine eherne gravierte Grabplatte bei ihm in Auftrag gab, 
für die ihm als Muster empfohlen wurden die Grabtafeln der Erzbischöfe 
Nikolaus von Tramba (t 1421) und Albert I. Jastrzembice (t 1436) in 
Gnesen. 

Von diesen Grabmälern ist leider nicht eines erhalten, und nur die 
zeitliche und örtliche Nähe könnte vermuten lassen, daß einige der in 
Breslau damals aufgestellten Grabplatten von Tauchen ausgeführt sein 
möchten. 

Außer der Grabplatte des Bischofs Peter kommt noch in Betracht 
die ebenfalls in sehr flachem Relief gearbeitete Platte des Bischofs Rudolf 
von Rüdesheim (t 1482) im Dome und die jetzt im Museum Schles. 
Altertümer in Breslau verwahrte Platte Herzog Wenzels von Sagan 
(tl488), die sich ehemals in der Barbarakirche zw Breslau befand; auch 
diese letztere hat man der Vischerschen Werkstatt zugeschrieben. 

Aus dem Jahre 1496 befindet sich endlich auch eine Grabplatte im 
Breslauer Dom (Fig. 263, S. 355), die für den Bischof Johann IV. Roth 
(t 1506) angefertigt wurde, mit der Bezeichnung „gemacht zu nurinberg 
fon mir peter fischer im 1496 jar.** Diese Platte ist nicht, wie die vorher 
genannten, in der Art der älteren gravierten Platten gegossen, sondern 
völlig als Reliefplatte ausgeführt. 

Die Tätigkeit der Vischerschen Gießhütte ist noch im 15. Jahr- 
hundert weiter in der Provinz Posen zu verfolgen, wenn auch hier die 
Zuteilung der einzelnen Grabplatten, die teils flach „nur in eingegrabener 
Zeichnung", teils in flachem Relief gegossen sind, nicht mit voller Sicher- 
heit feststeht. 

In Frage kommen hier zunächst als Werke des 15. Jahrhunderts 
in Posen die Platten des Woiwoden von Posen, Lucas de Gorka (t 1475), 
(Fig. 264, S. 357) des Bischofs Andreas IV. Opalinski (f 1479), des Bischofs 
Uriel de Gorka (t 1498) — diese drei Platten im Dome — , des Felix 
Paniewski, Kastellans von Lemberg (t 1488), in der Dominikanerkirche und 
im Dome zu Gnesen die Platte des Erzbischofs Jacob de Sienno (f 1480). 



Deatochland. 357 

Ehrenberg (Qeschiclite d. Kunst im Gebiete der ProT. Posen) nimmt 
an , daß die Platten des Bischofs Andreas und des Lucas Qorka der 
Vischerschen Werkstatt entstammen «und zwar entweder aus den 
letzten Jahren der Tätigkeit des Hermann Yischer oder der Frtlbzeit 
des Peter Viacher*. 

Ebenfalls als Arbeiten Peter Vischers gelten ihm die Platten des 
TIriel Gorka und des Felix Paniewski. Die Platte des Jacob de Sienno 
ist nacb £brenberg möglicher- 
■weise eine Breslatier Arbeit. 

Justi (Repertorium ftlrKunst- 
'wissenscbaft, 1901) siebt in der 
Platte des Lucas Gorka mit zu- 
verlässiger Begründung ein Werk 
Feter Yischers aus dem Anfange 
der Neunzigerjabre , das in An- 
lehnung an die ältere, mögUcher- 
weise tod Hermann Yischer 
herrQbrende Platte des Bischofs 
Andreas entstand. Yon den an- 
deren angeführten Tafeln betrach- 
tet Justi nur noch die des Uriel 
Gorka als eine Arbeit Peters aus 
dem Ende der Neunzigerjabre, 
ohne ihm die Übrigen abzusprechen. 

Im Anschluß an die Grab- 
platten in Posen sei ein Denkmal 
in der Kathsrinenkirche zaBrauns- 
herg in Ostpreußen erwähnt, das 
iHr das Grab des im Jabre 1467 
gestorbenen Bischofs Paul Stange 
Ton Legendorf im Jahre 1494 von 

seinem Nachfolger gestiftet wurde. Fig.«««. orabpiatta dsa ldcm de uurn» 

Die im Umriß ausgeschnittene Ge- 
stalt mit gravierter Innenzeichnung ist innerhalb eines umrahmenden 
Schriftrandes dargestellt und scheint in keiner Beziehung zu den vorher 
^nannten Werken zu stehen. 

Auch im sDdUchen Deutschland ist aus dem 15. Jahrhundert eine 
größere Reihe metallener Grabmäler erhalten, unter denen sich zwar den 
besten in Norddeutschland vorhandenen Monumenten ebenbürtige kaum 
befinden, von denen aber etliche wiederum der Yischerschen Werk- 
statt zuzuweisen sind, und schon als solche eine besondere Aufmerk- 
samkeit verdienen. 



358 1^* Jahrhundert. 



Besonders zahlreich sind erzene Grabplatten von Domherrn und 
Bischöfen in verschiedenartiger Ausführung im Dome zu Bamberg er- 
halten (sämtlich beschrieben in M. Landgraf, Der Dom in Bambergt 
Bamberg 1836). Die älteste, anscheinend noch im 14. Jahrhundert ent- 
standene, in Gravierung ausgeführte Platte ist die des Fürstbischofs Lam- 
bert von Brunn (f 1399). Platten von Domherren teils erhaben gegossen, 
teils eben mit vertiefter Liniendarstellung, folgen in den nächsten Jahr- 
zehnten. Als die erste aus der Vischerschen Werkstatt gelieferte Platte 
gilt die des Fürstbischofs Georg von Schaumberg (f 1475). Erhaltene 
Rechnungen geben weiter über die Arbeiten dieser Gießhütte für Bamberg 
Aufschluß. Verzeichnet ist neben Zahlungen an Meister Peter Vischer 
auch ein Betrag von sechs Gulden, der dem Maler Eatzheimer „für die 
Visierung zum Guß** ausgehändigt wurde. In welchem Umfange solche 
Zeichnungen dem Meister Peter als Vorbild bei der Ausführung zu 
dienen hatten, ist nicht unzweifelhaft feststehend, möglicherweise handelte 
es sich nur um Porträts, die im übrigen volle Freiheit ließen. 

Justi sagt (a. a. 0, S. 40 Anm. 9) im Hinblick auf die von Peter 
Vischer für Bamberg ausgeführten Domherrenplatten: „Sie wurden meist 
nach einem festen Schema, ohne wesentliche Beteiligung des Meisters, 
gearbeitet und stehen deshalb teilweise auf einer tieferen Stufe der Ent- 
wicklung als die gleichzeitigen eigenen Arbeiten des Meisters." 

Mit Sicherheit als Arbeiten der Vischerschen Gießhütte be- 
stimmbar sind in Bamberg noch die Platten des Fürstbischofs Heinrich Groft 
von Trockau (t 1501), des Fürstbischofs Veit I. (t 1503), des Domherrn 
Eberhard von Rabenstein (f 1505) und des Fürstbischofs Georg H. (t 1508). 

Die Platte des Fürstbischofs Heinrich wurde bereits im Jahre 1489 
geliefert, auch die anderen werden zu Lebzeiten der dargestellten Personen, 
doch wohl erst im 16. Jahrhundert ausgeführt sein. 

Nur noch zwei vortreffliche Reliefplatten des 15. Jahrhunderts sind 
im südlichen Deutschland und zwar in der Stiftskirche zu Ellwangen i. W* 
erhalten, die mit einiger Gewißheit als Arbeiten der Vischerschen Werk- 
statt zu betrachten sind. Die eine dieser Platten mit den Gestalten der 
Stifter Hariolf und Erlolf scheint zum Jubiläum des Klosters im Jahre 
1464 für das Grab jener ausgeführt zu sein, wie man annimmt von 
Hermann Vischer. Die andere Platte, auf der die beiden Pröbste Joh. 
V. Hirnheim (f 1460) und Albr. v. Rechberg (f 1502) vor einer Retas 
knieend dargestellt sind, ist jedenfalls eine Arbeit Meister Peters aus 
dem Ende des 15. Jahrhunderts. 

Von anderen Erzgrabmälern Süddeutschlands aus jener Zeit ist zu 
erwähnen die in der Komposition von allen deutschen Werken der Art 
wesentlich abweichende Platte des Erzbischofs Robert Hallun von Salis- 
bury (tl417) im Münster zu Konstanz. Die im Umriß ausgeschnittene 



DeuUchlaad, Niederlande. 359 

Fifi^ur wird umralmit ron einer ebenfalls ausgescbnitteneu Kischenarchi- 
tehtur, und das Ganze umsctilieBt ein schmales Scbriftband. Die Metall- 
teile sind eben und nur durch eingravierte Linien gemustert. Möglich 
ist (wie Otte annimmt), daß diese Platte in England angefertigt ist. 

Ebenfalls eine Sonderstellung nimmt das Grabmal des Konrad v. Weins- 
berg und seiner Gemahlin am Westportal der Kirche des ehemaligen 
Zisterzienserklosters zu Sckönthü i. W. ein. Bei diesem um die Mitte 
des 15. Jahrhunderts ent- 
standenen Monumente sind 
die beiden Verstorbenen in 
fast Lebensgroße, ähnlich 
wie bei dem vorher genann- 
ten Grabmal in Römhild, als 
Freifiguren vollmnd darge- 
stellt. 

Fast allein in den Nie- 
derlanden und im westlichen 
Deutschland ist ans dem 
15, Jahrhundert eine Gruppe 
der vortrefflichen Ghorpulte 
mit einem bekrönenden Adler 
oder Pelikan erhalten. Aus 
dem vorbeigehenden Jahr- 
hundert wurde das besonders 
schSne Werk dieser Art vom 
Meister Johann Jos&s bereits 
angeftlhrt, im Aufbau sind 
die jüngeren Werke jenem 
sehr verwandt. 

Der gewöhnlich auf ■- 
Löwen ruhende Unterteil ist 
bald ein aus Strebepfeilern, 

MaBwerk und anderen Archi- ^'b- '«s- LBsepnit in Aachen, MUnswr (nach 

tekturformen gestalteter Bal- 
dachinbau, bald sind Glieder der angegebenen Art um einen mehr oder 
minder reich gegliederten, gedrehten Mittelschaft angeordnet. 

Vier solcher Adlerpulte befinden sich noch in Tottmai, und zwar in 
den Kirchen Saint-Nicolas aus dem Jahre 1383, in Saint-Piat vom Jahre 
1403, in Saint-Jacques vom Jahre 1411 und in Saint-Brice aus der Zeit 
um 1480. 

Man muß annehmen, daß alle diese Werke in Toumai selbst gegossen 
wurden, vermuthch zum Teil von dem schon genannten Quillaume 



360 IS- Jabrbnndert. 

LeffebTre, der aolcbe Pulte aucb fUr die Kirchen in Leiiee uuA AveJgbt^n 
gegossen haben soll. 

Das AdlerpuU in Sainti-Etienne zu Freeren wurde im Jabre 1428 vom 
Meister Louis de Hamale gegossen, das Pult in Saint-Donatien zu Brügge 
wurde dort von Thomas Huppyn im Jahre 1431 ausgeführt, und 62 Livres 
wurden ihm dafür gezahlt. Das Ädlerpult in St. Peter und Paul in Leuze 
wurde vor 1449 gegossen, das Pult mit 
dem Pelikan in St. Martin zu Chietres 
wurde im Jahre 1484 zu Brügge ge- 
fertigt. Nichts Näheres Ober die Ent- 
stebungszeit bekannt ist bei den Pulten 
in St. Martin zu Saint-Gkislain, in 
St. Martin zu Hai, in St. Germain zu 
Tirlemont, in Andennes und bei dem 
als besonders scbQn gerühmten, nicht er- 
haltenen Pulte in St. Lambert zu LütUch. 
Von zwei ehemals in St. Peter in Löireti 
vorhandenen Pulten, von denen eines im 
Jabre 1798 nach Oscott bei Birmingham 
verkauft wurde, nimmt man an (Pin- 
chart), daß sie von Meister Renier 
van Thienen wohl in der zweiten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts gegossen 
wurden. 

Von den in Deutschland erhaltenen 
Adlerpulten ist keines seiner Herkunft 
nach und nur wenige sind der Zeit nach 
bestimmt festlegbar, aber sie gehören 
wohl sämtlich dem 15. Jahrhundert an. 
Ob es Arbeiten deutscher Meister sind, 
wird schwer zu entscheiden sein, die An- 
nahme liegt nahe, daß sie wenigsteos 
in der Mehrzahl von Flandern bezogen 

PiB- S9». Lea«|inlt in Dortmund, WUrden. 

Roinoldikirche. S. sao. . ,. fi . t mn 

In die Zeit um 1400 setzt man das 

Adlerpult im Aachener MUnster (Fig. 265, S. 359). Diesem ähnlich, aber 

reicher und mit Figuren in dem Baldachinunterbau ist das in der kathol. 

Pfarrkirche zu Erkelenz, das im Jabre 1440 vollendet sein soll. Und 

wiederum beiden verwandt ist das aus Altenherg stammende Adlerpult 

in der Maxkircbe zu Düsseldorf, das im Jahre 1449 gefertigt sein soll. 

Eine andere Gruppe bilden die Adlerputte in der Reinoldikirche zu 

Dortmund (Fig. 266, S. 360), das weniger reiche, aus einem Adler auf 



Niederlande, Deutschland. f)6I 

Steiusockel gebildete dort in der Marienkirche erhaltene und das in der 
Kirclie zu Marienfeld bei Gütersloh. Möglich ist, wie man vermutet hat, 
daß das Pult in der Reinoldikirche , und vielleicht auch die beiden an- 
deren, Arbeiten der Dortmunder, bereits früher genannten Meister, Joh. 
Winnenbrock und Claes Pot- 
geiter sind. 

Bei dem einzigen in Köln in 
St. Severin erhaltenen Pulte wird der 
Bronzeadler von einem HolzgerUst 
getragen und im Dome zu Halberstadt 
ist von einem solchen Pulte nur noch 
der auf einer Halbkugel stehende 
Adler vorhanden. 

Außerhalb Deutschlands und der 
Niederlande befindliehe, doch mut- 
maßlich dort entstandene Adlerpulte 
sind die im Münster zu Sem, in der 
Markuskirche und im Museo Correr 
zu Venedig (Fig. 2G7, S. 301), im 
Mus^e Cluny in Paris etc. 

In keinem anderen Lande wurde 
im 15. Jahrhundert auch die Bronze 
oder das Messing in ähnlich großem 
Umfange zu Beleuchtungsgeräten ver- 
arbeitet wie in Deutschland und den 
Niederlanden. 

Große und kunstreich gestaltete 
Lichtkronen und Kandelaber sind be- 
sonders dort noch an zahlreichen 
Orten erhalten. 

Den Lichtkronen wandte man 
wie schon in früheren Jahrhunderten 
auch jetzt wieder vor allem in Deutsch- 
land ganz besondere Sorgfalt zu. 

Vereinzelt taucht das alte Motiv 
der Reifkrone mit Zinnenkranz und 

Türmen wieder auf. Die Formen ^'«-""' i-e-epuit tajen.dig. mu.. cor«r. 
sind in den Einzelteilen andere ge- 
worden, ebenso die AusFUhrungsweise. Qold und Silber und zarte Gold- 
schmiedetechniken wird man vergeblich an den Lichtkronen dieser Zeit 
suchen. In den Einzelheiten war alles derber geworden, wie der Guß, 
der auch für alle Zierteile jetzt fast ausschließlich angewendet wurde, es 



362 1^' Jahrhundert 



ohne besondere Schwierigkeiten zuließ. Allein als auch bei Tage wirk- 
same Schmuckstücke in den großen Räumen sind die besten Kronleuchter 
des 15. Jahrhunderts würdige Denkmäler des Könnens ihrer Meister. 

Weit mehr als in den wenigen Reif krönen zeigt sich die Erfindungs- 
kraft jener Zeit in den Armkronleuchtern. Bei den stattlichsten unter 
diesen ist das Mittelstück turmartig in den Bauformen jener Zeit aufs 
reichste gestaltet und nicht selten mit Figuren ausgestattet. Und in einem 
oder auch mehreren Kreisen übereinander von oben geringerem Durch- 
messer wachsen entsprechend reiche Rankenarme, die vorn einen Teller 
und Kerzendorn tragen, von diesem Mittelstück aus. 

Der kurz gekennzeichnete Typus des Armkronleuchters kommt in 
einigen sehr reizvollen Abarten vor, auf die bei Aufzählung der wich- 
tigsten Werke hinzuweisen sein wird. 

In mannigfacher Gestalt kommen die Kandelaber vor. Bisweilen sind 
sie nur zum Tragen einer Kerze bestimmt, dann kommen aber auch 
Leuchter für drei, fünf, sieben und neun Kerzen vor. Im Reichtum ihres 
Schmuckes bleiben sie ebenso wie die Kronleuchter weit hinter den Glanz- 
werken des 12. und 13. Jahrhunderts zurück, doch sind etliche höchst 
achtenswerte Werke darunter. 

In den Niederlanden sind nur wenige Kronleuchter aus dem 15. Jahr- 
hundert erhalten und zwar nur solche mit strahlig angeordneten Armen. 

Wohl der reichste und schönste unter ihnen befindet sich in der 
Kathedrale von Herzogenhusch^ er wurde im Jahre 1424 den Bürgern 
dieser Stadt für ihre Tapferkeit bei der Belagerung von Braine-le-Comte 
gestiftet. In dem mittleren Turmbau, der gebildet ist aus schlanken 
Strebepfeilern mit zierlich durchbrochenen Maßwerkgiebeln, steht eine 
kampfbereite Ritterfigur und kleine Lanzenträger stehen außen am Fuße 
des Tuimes. Zwölf blattbesetzte Rankenarme tragen je einen Kerzen- 
teUer mit Tülle. 

Eine Lichtkrone mit Madonnenfigur befindet sich im Johannesspital 
zu Brügge^ eine ähnliche in St. Jakob im Haag ging in Privatbesitz über. 
Erwähnt sei hier auch eine im Dom zu Lübeck erhaltene Lichtampel, 
die im Jahre 1461 vom Bischof Albert von Brügge dorthin geschenkt 
wurde. 

In größerer Anzahl erhalten und künstlerisch bedeutender sind die 
großen flandrischen Standleuchter des 15. Jahrhunderts. 

Der vorzüglichste unter ihnen ist der siebenarmige Leuchter in 
St. Leonard in Leau (Fig. 268, S. 363). Dieses 5,68 m hohe Gerät wird 
von drei sitzenden Löwen und drei Hunden getragen. In etwa halber 
Höhe des Mittelschaftes zweigen sich die sechs kerzentragenden Neben- 
arme in radialer Anordnung ab. Etwas höher am Schaft wachsen drei 
weitere Arme heraus, die oben die Figuren der Maria, St. Johannis und 



der Maria Magdalena tragen. Am Mittelschaft des Leuchters ist als Haupt- 
figur der Gruppe Christus am Kreuze dargestellt Unten ist am Leuchter 
in geeigneter Höhe ein Lesepult mit kleinem Lichtarm darOber angebracht. 



Dieses in allen Einzelheiten Überaus geschmackvoll durchgebildete 
Prachtwerk wird dem Meister Renier van Thienen in Brüssel zuge- 
schrieben, über den einiges Kähere bekannt ist. Er bekleidete verschiedene 
städtische Ehrenämter und war in den Jahren 1485 und 1490 sogar Bürger- 
meister. Man weiß auch, daß der Künstler mehrfach Kandelaber fertigte, 



-364 15- Jabrbimdert 

darunter im Jahre 1482 noch einen für die Kirche in Leau, der einem 
anderen ähnlich werden sollte, den er für St. Qudula in Brüssel ausgefilhit 
hatte. Angegeben wurde bereits, daß man zwei ehemals in St. Peter in 
Lötcen Torhandene Adlerpulte als seine Arbeiten ansieht, bekannt ist, daß 

er auch einen 
Kandelaber ftlr 
diese Kirche fer- 
tigte. 

Auch über 
einige Aufti^e, 
die der Meister 
zu Anfang des 
16. Jahrhunderts 
erhielt, sind wir 
unterrichtet. Im 
Jahre 1509 hatte 
er für Margarete 
von Oesterreich 
Bekrön ungsfigu- 
ren ftlr Pfeiler 
im Schloßhofe zu 
Brflsse/ zugießen, 
und schließlich ist 
als sein Werk das 
Grabmal Adolphs, 
Herrn von Raven- 
stein, in der Do- 
minik anerkir ch e 
zu Brflssel anzu- 
fahren. 

Koch andere 
flandrische Mei- 
ster sind bekannt, 
die in jener Zeit 
vortreffliche Kan- 
delaber ausge- 
führt haben. 
Fig. »S9. Kandelaber in Gaaria. Kirche (nach Oailhaband). 8. 8»». ,^ . . , 

Willaume 
Leffebvre von Toumai, der bereits als Verfertiger des schönen Tauf- 
kessels in Hai und verschiedener Adlerpulte genannt wurde, goß im 
Jahre 1442 einen Osterleuchter mit der bekrönenden Gestalt der heiligen 
Katharina, der auch zugleich als Lesepult eingerichtet ist, für St Catherine 



in Toumai, jetzt in der Kirche von St. Gliislain. Derselbe Meister goß 
auch Leuchter filr St. Piere in Antoinif und für St. Jacques in Löwen. 

Henry Hubert tob Dinant fertigte im Jsbre 1435 einen Kan- 
delaber von 625 Pfund Gewicht für die Marienkapelle der Abteikirche 



366 15. Jahrhundert. 



von SainUVaast. Für dieselbe Kirche goß auch Michel Le Maire^ 
genannt Miquiel de Gand (f 1446), Gießer in Tournai, verschiedenes 
Lichtgerät und andere Gegenstände. 

Ueber den Meister des großen dreiaimigen Pultleuchters in der 
Kirche zu Gaurin (Fig. 269, S. 364) ist nichts bekannt. 

Ueber eine Reihe großer Kandelaber des 15. Jahrhunderts sind nur 
kurze Nachrichten erhalten. In der Kathedrale zu Lüttich sollen vor und 
hinter dem Schreine des heiligen Lambertus Kandelaber von gewaltigen 
Abmessungen gestanden haben, der eine mit sieben, der andere mit neun 
konsolförmig geschwungenen Armen, 

Im Jahre 1499 stand, wie angegeben wird, ein großer Osterleuchter 
in der Abteikirche von Val-des-Ecoliers in Mons. 

Ein um das Jahr 1500 in Brüssel gegossener, sehr großer Kande- 
laber befand sich in der Frauenkirche zu Namur. 

Dem Lichtgerät beizurechnen sind auch einige zur Aufnahme großer 
Kerzen eingerichtete, in Messing gegossene Gitter, die als „Herse* be- 
zeichnet werden und von denen schon beim Schmiedeisen verschiedentlich 
gesprochen wurde. 

Nur wenige solcher in Flandern gefertigten Gitterleuchter sind be- 
kannt. Erhalten ist solch ein besonders stattliches, oben mit 24 Kerzen- 
dornen ausgestattetes Werk in St. Victor zu Xanten (Fig. 270, S. 365), es 
wurde laut Inschrift im Jahre 1501 in Mastricht gegossen und gilt als 
ein Werk des Meisters Aert, der im Jahre 1492 das Taufbecken filr 
Herzogenbusch goß. (Vergl. Helbing, La sculpture ... au pays de Liege* 
Bruges 1890, S. 148 ff.) 

Ein gleichwertiger kleinerer Gitterleuchter befand sich ehemals in 
der Abteikirche zu Gembloux^ nur eine gute Zeichnung ist von ihm er- 
halten. (Abb. in Ysendyck, Documents classes de Part dans les Pays- 
Bas H. 4.) 

Beim deutschen Messinglichtgerät des 15. Jahrhunderts sind, wie 
schon hervorgehoben wurde, die Lichtkronen in erster Linie von Interesse. 

Vermutlich einer der ersten größeren Reif kronleuchter, die nach dem 
12. Jahrhundert wieder gefertigt wurden, ist der im Münster zu Einbeck 
(Hannover), der gestiftet wurde von dem im Jahre 1429 gestorbenen 
Kanonikus Degenhard Ree. 

Der etwa 2,50 m in der Weite messende Reif dieses Leuchters ist 
mit Zinnen bekrönt und in Maßwerkmustern durchbrochen. 24 gegossene 
Figuren — Apostel und Propheten, die Apostel in nischenartiger Um- 
rahmung — schmücken die Außenseite des Reifes (vergl. Mithoff, Kunst- 
denkm. und Altertümer im Hannoverschen II, S. 38). 

Aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts haben sich mehrere Messing- 
reifkronen in Halberstadt erhalten. An dem einen dieser Kronleuchter 



Niederlande, Deutochland. 3S7 

iD der Moritzkirche vom Jahre 1488 treten sechs TUrmcfaen als Leuchter- 
träger vor, zwischen diesen sind immer je drei, oben mit Kerzendomen 
ausgerüstete Giebelfelder angeordnet, zwischen denen wieder zwei kleine 
übereck gestellte TUrmchen Platz gefunden haben. Zarte Maßwerkmuster 
bereichern den nicht ganz 2 m weiten Kronleuchter in allen Teilen (vergl. 
Bau- und Kunstdenkm. d. Prov. Sachsen, Bd. 23, S. 385). 

Ein im Jahre 1494 vom Dechanten Dr. Jordan Heyne gestifteter 



Fig. iTi. Kronteacbter in Kalberg, Uftrlenkirche, S. sst. 

Kronleuchter in der Liebfrauenkirche ist aus vier übereinander angeord- 
neten, oben enger werdenden Reifen gebildet, die mit TUrmchen geschmückt 
sind und einen größeren Mittelturm umschließen (ebend. S. 345). 

Noch ein reich gestalteter, in Messing gegossener Keifkronleuchter der 
Zeit um 1500 befindet sich im Dome zu Münster i. W. Der aus dicht 
gereihten, sieh kreuzenden, mit MaSwerkformen gefüllten Eielbogengliedem 
gebildete Reif ist mit vier Türmen geschmückt, in denen geflügelte Engel- 
figuren stehen. {Abb. im Kunstgewerbeblatt 1897, Tafel S. 64—65). 



868 15. Jabrbundert. 

Nur im nordwestlicben Deutschland sdieiDen im 15. Jahrhundert solclie 
messingene Beifkronleuchter gefertigt zu sein, sonst finden sie sich nicht. 
Im nordöstlichen Deutschland hat der Messiu^^ßkronleuchter damals 
eine andere eigenartige Ausbildung 
erfahren. Die schönsten Beispiele 
dieses Typus befinden sich in der 
Marienkirche zu Colherg (Fig. 271, 
S. 367), in der Marienkii-che zu 
Danziff und in der Pfarrkirche zu 
Braunsberg in Ostpreußen, 

Bei allen diesen Leuchtern bil- 
den beblätterte BUgel, aus denen 
je ein Arm mit Kerzenteller hervor- 
w'ächst, eine eiförmige Hülle um 
eine in der Mitte aufgestellte Marien- 
figur; die Zahl der Arme ist ver- 
schieden. Nur der Colberger Leuch- 
ter ist zeithch bestimmter festlegbar; 
es ist die sogenannte Holkenkrone, 
und von dieser wird schon im Jahre 
1424 angegeben, daß acht Motten 
Land zur Beschaffung der Kerzen 
dazu gestiftet seien. 

Noch eine in Messingguß aus- 
geführte Lichtkrone , die sich im 
Dome zu Lübeck befindet (Fig. 272, 
S. 3Ö8), ist ihrer von dem gewöhn- 
lichen Kronleuchtertypus abweichen- 
den Gestalt wegen besonders her- 
vorzuheben. Dieses über 2 m hohe, 
als „Müllerkrone" bezeichnete bunt- 
farbig bemalte Licht^eriit ist ab 
reicher Baldachinbau über einer als 
Mauerkranz mit Zinnen und aus- 
gekragten Türmchen gestalteten 
Grundplatte errichtet Unter dem 
Fig, 87a. „Mauerkrone" in LUheck, Dom. Mittelbaldachin sitzen zwei Bischofs- 

^- *'^' gestalten. Johannes der Täufer und 

eine gekrönte Figur mit Palmenzweig und Turm stehen unter den kleinen 
spitztürmigen Seitenbaldachinen. Die Kerzen werden an den Ecken von 
je einer knieenden Diakonengestalt auf einer Stange getragen, abgebogene 
Arme sind nicht vorhanden. 



Dentschland. 369 

Ein ebenfalls in Messing massir gegossener und auch farbig be- 
malter, ebendort erhaltener und zum Aufhängen eingerichteter, auf Wolken 
knieender, geflügelter Engel, der vor sich einen Stableuchter zur Auf- 



Fig, in. Eronle achter in Ooslar, Ratbaus, S. stsi, 

nähme einer Kerze trägt , wird bisweilen als das Gegengewicht der 
.Müllerkrone' bezeichnet, scheint aber als selbständiges Licbtgerät be- 
stimmt zu sein. 

Yon messingenen Armkronleuchtem des 15. Jahrhunderts ist in Nord- 
deutschland nur der im Rathause zu Goslar von einiger Bedeutung (Fig. 273, 
S. 369). Eine Marienügur steht in dem von einer Bischofsgestalt be- 
LOer, ÜnedlB SetaU«. 24 



370 



15. Jahrhundert. 




krönten Mittelbau, um den in zwei Kreisen Qbereinantier die Ranken&rme 

angeordnet sind. 

Als die schönsten deutschen Ärmkronleuchter jener Zeit sind wohl 

die im Bathaiise zu Breslau und die im Dome zu Augsburg anzusehen. 
Andere gute Beispiele sind er- 
halten in den Rathäusern zu 
liegenshurg und München, dieser 
von Jörg dem Rotgießer, auf 
Schloß Laxenburg, für Oel und 
Kerzen, im Jahre 1404 von 
den Gesellen der Rotschmiede- 
zunft der Nicolaikirche in Eger 
gestiftet, in der Klosterkirche 
zu Sekau, in Murau in Steier- 
mark und in verschiedenen 
Museen. 

Besonders kunstreich ge- 
staltete Messingkandelaber sind 
aus dem 15. Jahrhundert in 
Deutschland nicht erhalten, die 
irgendwie bemerkenswerten mö- 
gen jedoch nicht unerwähnt 
bleiben. 

Beziehungen zu den gleich- 
artigen flandrischen Arbeiten 
verraten die dreiarmigen Kan- 
delaber in St. Victor zu Xanten 
(Fig. 274, S. 370) und in der 
Kirche zu Cappenberg i. W. 

In St. Cunibert zu Köln 
ist ein großer fönfarmiger Pas- 
sionsteuchter anzuftkhren. 

Im Dome zu Münster sollen 
sich außer zwei großen, von je 
drei Löwen getr^enen Stand- 

leuchtem, die Reste eines fUnfarmigen und eines Teneberleuchters befinden. 
Im Dome zu Osnahrürk ist ein Messingosterleuchter erhalten. 
Ein siebenarmiger Leuchter vom Jahre 1436 befindet sich in der 

Kirche zu Mölln; er ist annähernd 2 m hoch und wird von drei Löwen 

getragen. 

Aus dem Jahre 1475 ist ein 3 m hoher dreiarmiger Leuchter in der 

Lieb Frauenkirche zu HallH'rstadt anzuführen. 



Fig.i 



Deutachland. 371 

In demselben Jsbre goß Meister Hermann Bonstede den fünf- 
armigen Leuchter mit einer Marienfigur fllr die Kirche in Perleberg bei 
Stendal. Für die Johanneskirche in Werben bei Havelberg goß derselbe 
Meister im Jahre 1487 einen solchen Leuchter. 

Ein großer siebenarmiger Leuchter in der Erzbischof-Ernst-Kapelle 
des Magdeburger Domes aus dem Jahre 1494 ist möglicherweise von 
Peter Vischer in Nürnberg gegossen. 



Fig. a75. Siebenanniger Leuchter in Viborg, Dom. B. 9T1, 

Aus dem Jahre 1496 endlich ist ein großer siebenarmiger Leuchter 
im Dome zu Viborg in Dänemark erhalten (Fig. 275, S. 371). Stifter 
und Künstler sind darauf verzeichnet; DirckRop zu Lübeck war sein 
Verfertiger. Von einem siebenarmigen Leuchter in der Kirche zu Lund 
in Dänemark (Fig. 276, S. 372), der wohl um dieselbe Zeit entstand, darf 
jedenfalls auch deutscher Ursprung angenommen werden, er ist dann der 
reichst geschmückte unter allen deutschen Werken dieser Art. Ein zierlich 



372 IS. Jahrhundert. 

durchbrochener Maßwerksteg verbindet die Eerzecteller und auf vier Ober 
dem Fuße kreuzweise hervorwachsenden konsolförmig aufgebogenen Armen 
sind die vollrund gegossenen Evangetistenzeichen aufgestellt. 

In Sdddeutschland kann als einziger großer Messingkandelaber aus 
dieser Zeit nur ein siebenarmiger Leuchter in Brunn genannt werden. 

Kleinere Ältarleuchter des 
15. Jahrhunderts ohne bemerkens- 
werte Eigenart finden sieb vieler- 
orten in Deutschland. Bisweilen 
ruht ibr Fuß auf Löwen, zumeist 
sind einige profilierte Wulste am 
runden Schaft der wichtigste 
Schmuck. 

Neben diesen Hauptgnippen 
entstanden in Deutschland und den 
Niederlanden im 15. Jahrhundert 
noch eine Reihe bedeutsamer Ein- 
zelwerke und in reicher Uenge ver- 
schiedenstes mehr oder minder 
kunstreich gestaltetes Kleingerät. 
Ueber diese Arbeiten ist noch kurz 
zu berichten. 

Eines der eigenartigsten fland- 
lischen Gußwerke dieser Zeit scheint 
der gP^ron" in Lüttich gewesen zu 
sein. Es war dieses eine im Jahre 
1449 auf einem Marmor unterbau 
errichtete Säule, auf deren Kapital 
drei unbekleidete Frauengestalten 
eine Strahlenkrone mit Pinienzapfen 
und Blutenkreuz trugen. Dieses 
Lutticher Freiheitsdenkmal wurde 
im Jahre 1467 im Auftrage Karls 
des Kühnen nach Brügge geschafft, 
nach weiteren zehn Jahren der Stadt 
Lflttich zurückgegeben und im Jahre 
1693 zerstört. 

Ein Meister Martin van Rode oder van Tetrode führte in Kupfer- 
treibarbeit eine 5 m hohe Figur St. Michaels aus für den Turm des Stadt- 
hauses in Brüssel, der im Jahre 1454 vollendet wurde. Im Louvre in 
Paris befindet sich das seltene Beispiel einer weiblichen Porträtfigur, die als 
ein flandrisches Werk des 15. Jahrhunderts gilt (Fig. 277 und 278, S. 373). 



Niederlaode, Deutechland. 373 

Zu den reizvollsten und größten deutschen Gußwerken gebSrt das in 
den Jahren 1476 bis 1479 vom Goldschmied Nikolaus Rughesee und 
dem Erzgießer Nikolaus Gruden gegossene Tabernakel in der Marien- 
kirche zu Lübeck (im Jabre 1855 restauriert) (Fig. 279, S. 374). Das in 
zierlichen Bauformen gestaltete, schlank aufragende (9,(34 m hoch) Monu- 



RUckunaicbt. 



ment ruht auf Löwen. Enget mit den Leidensgeräten knieen am Sockel 
und heilige Figuren sind am ganzen oberen Aufbau verteilt. 

Bei ein paar anderen niederdeutschen Sakramentshäuscben sind nur 
die in den meisten Fällen kunstreich in Scbmiedeisen gearbeiteten TOren 
in Bronzeguß ausgeführt. 



374 15' Jahrhundert 

•*■ Besonders glUcklicli im Entwurf ist die Tür am Tabernakel der Stifts- 
kirche zu Osnairück. Durchbrochene MaBwerkmuster mit Baldachin- 
abs c hl Ussen bilden den 
Grund fllr eine Figur 
Johannes des Täufers 
und eine VerkUndigungs- 
darstellung. An den 
Ecken sind in Vierpässen 
die Evangelistenzeichen 
angebracht. 

Figuren reicher ist 
die TabernakeltQr in 
St. Blasien zu Münden. 
In leicht umrahmten, 
nicht durchbrochenen 
Feldern ist in der Mitte 
das Lamm Gottes und 
in den vier Hauptfeldern 
eine Majestas Domini, 
eine Kreuzigungsgruppe, 
die Auferstehung Christi 
und das Jüngste Gericht 
dai^estellt. Oben und 
unten schließen Schrift- 
bänder die Platte ab 
(Abb.inMithoff,Kunst- 
denkm. u. Altert. II, 
Taf. 5). 

Eine nur mit Maß- 
werk gemusterte in 
Bronze gegossene Taber- 
nakeltfir befindet sich 
in Wien in der Maria- 
Stiegenkirche. 

An den AußentOren 
wurde auch im 15. Jahr- 
hundert die Bronze nur 
zu Klopfern, zumeist in 

der schon früher Üblichen 
Pig. »J». Tabernttkel in Lübeck, Mariankirche. 8. 373. _ , t - . 

b orm der iiowenmaske 

mit Ring, verarbeitet. Beispiele, die als damals entstanden gelten, befinden 

sich an der Marktkirche in Hannover, am Dome in Posen, am Dome 



DeutBcbland. 375 

in Beval (Fig. 280, S. 375), in Bleicherode in S-, am Münster in Konstanz 
und an anderen Orten. 

Im Dome zu Augsburg ist ein Bronzealtar vom Jahre 1447 an- 
zuführen, bei dem unter drei von Säulen getrt^enen Maßwerkgiebeln drei 
Figuren stehen; ein ähnlicher Altar, auch vermutlich Augsburger Arbeit 
(nach Sighart), soll sich in der Markuskirche in Venedig befinden. 

Ein ansprechender kleiner Brunnen mit flachrundem Becken und turm- 
&hnljchem Mittelteil in Erzguß steht in der Sakristei des Klosters Lütte 
(Fig. 281, S. 376). 



In Bronze gegossene Sprengkessel aus dem 15. Jahrhundert sind 
z. B. in St. Cunibert in Köln und in der Pfarrkirche zu Straelen erhalten. 
Ein besonders zierlich mit Maßwerkdurchbrechungen geschmücktes Bronze- 
rauchfaß besitzt der Dom in Paderborn. 

GieSgefäße, fUr die auch im 15. Jahrhundert phantastische Tierformen 
bevorzugt wurden, sind in Kirchen und Sammlungen in größerer Anzahl 
erhalten. 

Schließlich möge als eine besonders zarte Bronzegußarbeit der sehr 
schöne Beschlag eines Antiphonariums im Dome zu Saab erwähnt werden 
(Fig. 282, S. 377) 



15. JahrhuQilert. 



Frankreich. 

Ueber die französische BronzekuQst des 15. Jahrhunderts ist nicht 
allzuviel Rühmliches zu berichten, auch wenn man wieder berücksichtigt, 
daß in Frankreich mehr als in anderen Ländern der Zerstörungswut zum 
Opfer gefallen ist. Im nördlichen Frankreich wurde jedenfalls der Be- 
darf an Bronzegußarbeiten vorzugsweise aus flandrischen Werkstätten ge- 



Pig. 181. Brnnaen im Kloster LQne. S. 9TS. 

deckt, und wenn man Vasari Glauben schenken darf, hat auch ein 
Italiener Simone Ghini (1407 — 1491) zahlreiche Erzgrabmaler in fran- 
zösischem Auftrage ausgeführt. 

Das bedeutendste französische Bronzewerk des 15. Jahrhunderts dürfte 
das „Monument de la Pucelle" bei Orleans gewesen sein. Auf großem 
Steinunterbau knieten vor einer Pieta die Jeanne d'Arc und Karl VII., 
und diese fast lebensgroßen Gestalten waren von einem Ereuz überragt 
Das Denkmal war 1458 errichtet; im Jahre 1567 wurde es zerstört bis 
auf die Gestalt des Königs, im Jahre 1571 wurde es von Hector Lescot 



Frankreich. 377 

wieder beigestellt (Abb. und näbere Angaben in Miliin, Antiquitäes 
natimiales. Paris 1791, Bd. II, p^. 2). 

Ein französischer Meister Pierre Crosnier von Tours soll im Jabre 
1482 Bronzeleuchter fUr die Kirche in Bunl gegossen haben. 

Ein Meister Henrion Costerel hat zwischen 1495 und 1505 eine 



Fig. ist. Beschlag eines Antiphonariums in Baab, Dom. S. S7G. 

knieende Statue Heinrichs von Lotbringen, Bischofs von Mets fUr dessen 
Grabmal in der Kapelle des Schlosses Joinville gegossen. 

Urkundliche Beweise liegen daftlr vor, daß im 15. Jahrhundert in 
Frankreich auch Adlerlesepulte gegossen wurden (Gay, Gilossaire arcb^ol. 
S. 13). Erhalten sind zwei solcher Pulte in den Kirchen zu Hosnay und 
Honfleur, beide auf runden profilierten Ständern. 

Eine vortreffliche, in Kupfer getriebene, 1,12 m hohe Engelsfigur 



378 IS. Jahrhundert. 

uus dem 15. Jahrhundert ist auf dem Chäteau du Lude (Sarthe) als 
Wetterfahne aufgebracht. — Französischen Ursprungs scheint weiter eine 
Reihe ausgezeichneter figürlicher Kleinbronzen zu sein. Erwähnt sei eine 
Reiterstatuette der Jeanne d'Arc im Clunjmuseum (Fig. 283, S. 378). 



Fig. JM. Jeottue d'Arc. Pari; auuy-MiH. 8. »'S. 

eine Gruppe, der heilige Hubertus vor dem Hirsche knieend, in der 
Sammlung des Baron Arthur Schickler, und der schöne als heilige 
Portunada bezeichnete Reliquienkopf in der Kirche von S. Fortunade 
(Correze). 

England. 
In England ist aus dem 15. Jahrhundert nur ein wichtigeres Bronze- 
werk anzuführen, das Grabmal des Grafen Richard Beauchamp (f 1439) 
in Wanckk. 



380 15. Jahrhundert. 



Im Jahre 1453 wurden zur Ausführung dieses Hochgrabes der Gießer 
William Austin, der Kupferschmied Thomas Stevens und der 
Marmorarbeiter John Essex verpflichtet. Die Ritterfigur sollte in bestem 
Messing gegossen werden und 14 Figuren für den Unterbau sollten in 
getriebener Arbeit ausgeführt werden. 

Italien. 

Die Bronzearbeiten aller Länder werden überstrahlt von den Guß- 
werken der italienischen Meister des 15. Jahrhunderts. 

Volkstümlich in dem Sinne, wie man in den Niederlanden und 
Deutschland die Erzgießkunst jener Zeit nennen darf, wurde zwar der 
Bronzeguß in Italien nicht, er blieb hier beschränkt auf wenige Orte und 
nicht allzuviele Meister, und dementsprechend ist die Menge der geschaffenen 
Werke sehr viel geringer als im Norden. Allein den besten italienischen 
Gußwerken vermögen wir künstlerisch Gleichwertiges nicht gegenüber zu 
stellen, so hoch man auch einige unserer schönsten Bronzegrabmäler ein- 
schätzen mag, und auch technisch wurden im Norden nicht annähernd 
solch hohe Aufgaben bewältigt, wie sie die italienischen Gießer glanzvoll 
gelöst haben. 

Die Hauptguß werke Italiens im 15. Jahrhundert waren eine Reihe 
großer Reiterdenkmäler und Türen, daneben Figuren und Gruppen ver- 
schiedener Größe, Porträtbüsten, Grabmäler, und die Bronzeausstattung 
einiger Kanzeln, Altäre und Taufbrunnen. 

In Florenz begann mit einem Türenpaar das ruhmvolle Schaffen. 

Von den drei großen Toren des Florentiner Baptisteriums sollte im 
Anschluß an die Tür Andrea Pisanos ein zweites Flügelpaar geschaffen 
werden. Im Jahre 1401 wurde eine Konkurrenz ausgeschrieben, an der 
sich Lorenzo Ghiberti (1378—1455), Filippo Brunellescho (1377 
bis 1446), Jacopo della Quercia (1374? — 1438) und vier andere 
Künstler beteiligten. Die von Ghiberti und Brunellescho zur Preis- 
bewerbung eingesandten, in Erz gegossenen Reliefs je eines Türfeldes, 
darstellend die Opferung Isaaks, werden noch im Bargello zu Florenz 
verwahrt. Sie bestätigen die Angabe Vasaris, daß Brunelleschos Modell 
in mehreren Teilen und Ghibertis in eins gegossen sei. 

Ghiberti erhielt einstimmig den Auftrag, die Tür auszuführen, und 
mit Beihilfe zum Teil auch berühmter Meister vollendete er sie in den 
Jahren von 1403 — 1424. Unter den Mitarbeitern ist besonders Michelozzo 
(1391 — 1472) zu nennen, dessen Tätigkeit als Gießer zumeist dabei hervor- 
gehoben wird ; wie weit das mit Recht geschieht, ist nicht völlig festgestellt. 

Dargestellt sind auf zwanzig Feldern dieser (nördlichen) Tür, Szenen 
AUS dem Leben Christi, und darunter in acht Feldern die vier Evangelisten 



und vier Kirchenväter (Fig. 284, S. 379). Ein ebenfalls in Erz gegossenes, 
mit reichen Laub- und Frueh^owinden geziertes Oewände umrahmt die 
Flügel. 

Während Ghiberti mit der Tür beschäftigt war, schuf er noch große 



382 15. JahrhuDdert, 

Erzstatuen für Außenni sehen der Kirche Orsanmichele in Florenz und zwar 
als die erste große frei aufgestellte Bronzefigur in Florenz Oberhaupt, im 
Jahre 1414 die Gestalt Johannes d. T. und im Jahre 1422 den hl. Matthäus, 
dessen Guß zuerst mißlang und vom Künstler, um seinen Ruf zu wahren, 
auf eigene Kosten mit glücklichem Erfolg wiederholt wurde. Eine dritte 
Figur, die des hl. Stephanus, die bis dahin an jener Kirche in Marmor- 
ausftlhrung vorhanden gewesen war, wurde im Jahre 1428 durch eine 
Erzfigur Ghibertis ersetzt. 

Nach Vollendung des zweiten TOren- 
paares am Baptisterium sollte auch die 
dritte (östliche) Tür solch einen erzenen 
Schluß erhalten , und wiederum erhielt 
Ghiberti den Auftrag. In den Jahren 
1425—1452 modellierte und goß Ghi- 
berti die beiden letzten Flügel, die in 
der Gliederung von der Tür Pisanos 
imd der ersten Tür Ghibertis abweichen 
und in allen Teilen noch reicher aus- 
gestaltet sind (Fig. 285, S.381). In zehn 
größeren Feldern sind alttestamentari- 
sche Szenen dargestellt, in die Nischen 
und Runde der ringsum laufenden Rand- 
streifen beider Flügel sind Einzelfiguren 
und Brustbilder, darunter ein Selbst- 
bildnis des Künstlers, schmückend ein- 
gefügt, zarter und lebendiger ist auch 
der naturalistische Schmuck des Ge- 
wändes. 

Von anderen Bronzewerken Ghi- 
bertis sind anzuftthren zwei im Jahre 
Fig. asfl. Donateiio Amor. 1427 vollendete Reliefs ftlr den Tauf- 

nort-i. Kai-gtiio. ,88s. bruHneH in S. Giovanni zu Siena, dar- 

stellend Johannes vor Herodes und die Taufe Christi, dann die Reliefs 
am Schrein des hl. Zenobius im Florentiner Dome, die Grabplatte des 
Lionardo Dati (f 1423) mit der Flachrelieffigur des Verstorbenen in 
S. Maria Novella zu Floretts und das Türchen am Marmortabemakel von 
S. Maria Nuova (1450) mit dem ßeliefbilde des thronenden Christus, 

Die Gußwerke Ghibertis, insbesondere die Türen, hatten zahlreichen 
Künstlern zur Ausbildung ihres technischen Könnens Gelegenheit geboten, 
die meisten der erzgießenden Bildner des 15. Jahrhunderts gingen aus 
dieser Schule hervor. 

Der größte unter allen Donateiio (138ö — 1466) schuf, soweit mit 



Sicherheit nachweisbar ist, sein erstes Bronzewerk, die Figur des Papstes 
Johann XXIII. an dessen gemeinsam mit Michelozzo gefertigtem Girabmale 
im Baptisterium zu Florenz, erst um das Jahr 1425. Wie angenommen 
wird, entstammt derselben Zeit eine Statuette Johannes d. T. von fast einem 
Meter Höhe, die wahrscheinlich als Bekrönungsfigur des Taufbeckens im 
Dome zu Orvteto bestimmt war, und Donatello im Jahre 1423 in Auftrag 
gegeben war. Im Jahre 1427 vollendete 
auch er ein Relief fDr den Taufbrunnen 
in Siena, die Uebergabe des Hauptes 
Johannes d. T. an Herodes, und im fol- 
genden Jahre drei EinzelfigUrchen für 
diesen Brunnen, auch diese Werke in 
Gemeinschaft mit Michelozzo. 

Gegen die Mitte der dreißiger Jahre 
entstanden zwei der berühmtesten Bronze- 
äguren des Meisters, der Amor (Fig. 286, 
S. 382) und die unendlich schöne Gestalt 
des David (Fig. 287, S. 383), beide für 
Gosimo de Medici. Mutmaßlich um das 
Jahr 1440 führte Donatello auch zwei 
mäßig große zweiflügelige ErztUren für 
die Sakristei von S. Lorenzo in Florenz 
aus. In einfacher Umrahmung sind die 
fünf Felder jedes Flügels in flachem Re- 
lief mit je zwei stehenden Heiligen- 
figuren geschmückt (Fig. 288, S. 384). 

Um dieselbe Zeit scheint die jetzt 
in der L(^gia dei Lanzi in Florenz auf- 
gestellte Bronzegruppe der Judith über 
dem Leichnam des Holofemes gegossen 
zu sein (Fig. 289, S. 385). 

Im Jahre 1443 wurde Donatello Fig.asT. Don.teiio Da^id jt«™, 
nach Padua berufen, und neben um- 
fangreichen Bronzearbeiten für den Santo entstand hier sein großartigstes 
Qußwerk, das Reiterstandbild des venezianischen Söldnerfilhrers Gatta- 
melata (Fig. 290, S. 386). 

Für den Hochaltar des Domes modellierte der Meister zuerst einen 
Kruzifixus. 

Im Jahre 1446 erhielt er den Auftrag, das Keiterdenkmal auszuführen. 
Der Gattamelata, das erste erzene Reiterstandbild seit der Zeit der 
byzantinischen Kaiser, wenn man absieht von dem wesentlich kleineren Bilde 
des St. Georg in Prag, wurde im Jahre 1453 vor dem Santo aufgestellt. 



384 15. Jahrhundert. 

Gleichzeitig mit dem Gattamelsta begann der Meister seine Arbeiten 
ftlr den Bronzealtar des Domes, der den älteren ersetzen sollte, für den 
der Kruzifixus geschaffen war. Im Jahre 1448 konnten auf einem vor- 



Fig, JSS. Donatello. Tür in di 



läu6g in Holz errichteten Altare die Statuen der Madonna und sechs Heiliger 
aufgestellt und vier figurenreiche Reliefs mit Wunderdarstellungen des 
hl, Antonius, die Evangelistensymbole und zwölf Reliefs musizierender 



Italien. 385 

Engel (Fig. 291, S. 387) angebracht werden. In den beiden folgenden 
Jabren kamen noch zwei Engelreliefs und eine Pietas hinzu. Eine Reihe 
von Schülern waren bei 
diesem großen Werke mit 
tätig, deren Mitarbeit bald 
mehr, bald minder hervor- 
tritt. Ueber die Beteiligung 
des Meisters an der Guß- 
ausfnhrung ist Sicheres nicht 
bekannt; PomponiusOau- 
rikus (um 1500) gibt an, 
daß Donatello niemals 
selbst gegossen habe; in 
Padua soll ein dort an- 
sässiger OlockengieSer die 
Modelle des Künstlers in 
Erz gegossen haben, auch 
sollen die Pisaner Meister 
Giovanni und Antonio 
Gelino dort für Donatello 
als Gießer und Ziseleure 
tätig ge-rresen sein. 

Noch während Dona- 
tello in Padua beschäftigt 
-war, traten neue große Auf- 
gaben an ihn heran, zu 
deren Ausführung er je- 
doch zumeist nicht kam. 
Für Modena sollte er eine 
Statue des Borso d'Este 
schaffen, die aber gar nicht 
begonnen zu sein scheint. 
Auch fUr Mantua scheint 
ihm ein Reiterbüd Ludo- 
vicos III. GoDzaga Über- 
tr^en zu sein, fSr das 
als Vorarbeiten einige er- 
haltene BrottzebUsten dieses 
Fürsten entstanden se 
mögen. 

Im Jahre 1457 erhielt der Meister große Aufträge fUr die Stadt und 
den Dom zu Siena, von denen insbesondere eine Bronzestatue Johannes d. T. 
Laer, fDedle HeUUe. 2.} 



386 1^- Jahrhundert 

für die Tau fka pelle des Domes damals Tollend et wurde. Die letzten 
Jahre seines Lebens verbrachte der Meister wieder in Florenz, um die 
beiden freistehenden Bronzekanzeln für S. Lorenzo im Auftrage Cosimos 
de Medici auszuführen. Von seinen Schülern Bertoldo und Bellano 
wurden diese letzten großen Werke des Meisters nach seinem Tode nicht 



Fig. zso. Uanateno. OaCtameluta in Padaa. S. SBs. 

ganz in seinem Sinue vollendet und ziseliert. Erst im 16. Jahrhundert 
erfolgte die ungeschickte Zusammenstellung. 

Zu diesen großen in Erzguß ausgeführten Arbeiten Donatellos 
kommen noch zahlreichere kleine, vor allem Reliefs, zum Teil in kleinstem 
Maßstabe. Besonders angeführt sei noch als ein bezeichnetes Werk der 
überaus schöne Degengriff im Museum zu Turin, und schließlich sei auch 
erwähnt, daß der große bronzene Pferdekopf im Museum zu Neapel, 



Italien. 387 

den man wobl für ein antikes Werk gehalten hat, Donatello zuge- 
schrieben wird. 

Nächst Ghiberti und Donatello hat Ton den großen italienischen 
Bildhauern des 15. Jahrhunderts die zahlreichsten und größten Erzguß- 
werke Andrea del Verrocchio (1435 — 1488) geschaffen. Zum ersten Male 
tritt dieser in der Schule eines Ooldschmiedes herangebildete Meister als 



Fig. Ml. Donatflla. Reliefs vom Hochaltar des BantO in Padna. 8. 986. 

ErzgieBer bei der SakristeitUr im Dome zu Florenz hervor ; er lieferte fUr 
diese im Jahre 1467 die Bronze und den Guß zweier Felder. Sein erstes 
selbständiges Erzgußwerk war das Grabmal des Piero und Giovanni de 
Medici in der Sakristei von S. Lorenzo in Florenz^ das er im Jahre 1472 
vollendete (Fig. 292, S. 388). Dieses höchst eigenartige Monument steht 
in einer TUmische vor einem in Bronze gegossenen Geflechtgitter; ein 
Porph^rsarkophag bildet den Kern itir reichste Bronzeauflagen. 

Seine ersten freiflgilrlichen Bronzen sind die ebenso wie jenes Grab- 



15. Jabibundert 



mal im Auftrage Lorenzo de Medicis fi^escliafFene köstliche jugeßdliche 
Gestalt des David (1476) im Bargello (Fig. 293, S. 389) und die Bnitmeo- 
figur de3 EDaben mit dem Fisch, jetzt im Palazzo Tecchio zu Florenz 
(Fig. 294, S. 390). 



Itaüen. 386 

Im Jahre 1483 vollendete der Meister „die großartigste Gruppe der 
FrDlireDaissance", Christus und Thomas, fUr eine Nische von Orsanmichele 
(Fig. 295, S. 301). 

Von der Republik Venedig hatte Yerrocchio im Jahre 1479 sein 
gewaltigstes Erzgußwerk in Auftrag erhalten, das Reiterstandbild des 
Condottiere Bartolomeo Colleoni, das in Venedig im Jahre 1496 vor S. Gio- 
vanni e Paolo aufgestellt 
wurde (Fig. 296, S. 392). 
Der Meister hat dessen 
Vollendung nicht mehr 
erlebt, es wird ausdrück- 
lich berichtet, daß er in- 
folge einer Erkältung, die 
er sich beim Ouß des 
Denkmals zugezogen hatte, 
starb; AI. Leopardi, 
der im Jahre 1490 mit 
der Fertigstellung betraut 
wurde, hat es vergeblich 
versucht, durch große An- 
bringung seines Namens 
den Ruhm dieser Schöp- 
fung ftlr sich allein in 
Anspruch zu nehmen. 

Von der Hand des 
ebenfalls als Goldschmied 
gebildeten Antonio Pol- 
laiuolo (1429—1498) 
sind besonders einige 
große , in vollendeter 
Technik ausgeführte Erz- 
grabmäler und eine Reihe 
figOrlicher Eleinbronzen 
erhalten. Erst im Jahre 
1489 kam der Künstler 
zur Ausführung der in 
der Peterskirche zu Rom 
aufgestellten Grabmonu- 

•* Flg. 8»». VeiTochio, David in Florenz, Bargello. 8. aas, 

mente der Päpste Sixtus I V . 

und Innocenz Vin. Das im Jahre 1493 vollendete Grabmal Sixtus IV. ist 
ein Bodengrab von eigenartiger Anlage (Fig. 297, S. 393). Die Relief- 
figur des Papstes mit vollrund gearbeitetem, auf ein Kissen gebettetem 



15. Jahrhundert. 



Fig. 11*4. VeiTaccbiD, Brunnenflgur i 



Kopfe ruht, umgeben von sieben Relieffiguren der Tugenden, auf einem 
am Boden verbreiterten mäßig hohen Unterbau, dessen breite Eehlung 
durch strebenartig anliegende Ähanthusvoluten in Felder geteilt ist, die 
mit zehn Getitalten von Wissenschaften und Etlasten in Relief geschmQckt 



Fig. i«fi. Verrocchia, Christus nnJ Thomas iD Florenz, Orsanmichele. 8. BN. 



sind. Ein nied- 
riges einfaches 
Gitter umf^bt das 
Qrabmal. Das 
Grabmal Inno- 
cenz VIII. ist an 
einem Pfeiler als 
Wandgrab , nacb 
dem Neubau der 
Peterskircbe nicht 
ganz der Absicht 
des Künstlers ent- 
sprechend, aufge- 
steUt (Fig. 298, 
S.S94). Ueberder 
auf einem Parade- 
bette ruhenden 
Gestalt des Pap- 
stes ist an der 
Wand noch ein- 
mal die ToUrunde 
Kolossalfigur des- 
selben auf dem 
Throne sitzend 
dargestellt. Zwi- 
schen reichen 
Pilastem ihm zur 
Seite sind je zwei 
Beliefgestalten 
der Kardinal- 
tugenden ange- 
bracht, und das 
obere Halbrund 
über einem weit 
vortretenden, von 
Eonsolen getra- 
genen Gesims, das 
wohl ursprüng- 
lich zur Auf- 
nahme der Sar- 
kophagfigur be- 
stimmt war, füllen 



Fig. a»». VeiToochio, Colleonl in YensdiB- 



894 1^- Jahrhimaert 

drei theologische Tugenden in Eehef. — Noch einer Erztür ist zu (ge- 
denken, als deren Mitarbeiter Verrocchio bereits genannt wurde, die 
aber in der Hauptsache von Lucca della Robbia (1400 — 1482) unter 
Beihilfe von Michelozzo und den Gießern Maso und Giovanni di Bar- 
tolomeo ausgeführt wurde. 
Diese zur alten Sakristei des 
Domes in Florenz fahrende 
Tür war bereits im Jahre 1437 
Donatello in Äuilr^ ge- 
geben, der zu ihrer Ausfüh- 
rung nicht kam, im Jahre 1446 
wurde Lucca della Robbia 
die Herstellung überwiesen. 

Jeder Flügel der Tür ist 
in fltnf Felder geteilt, auf deren 
schlichter Umrahmung Kdpfe 
hervorragen. Die Felder sind 
in hohem Relief gleichartig mit 
einer sitzenden Gestalt zwi- 
schen zwei Engeln gefüllt, 
oben die Madonna und Christus 
auf dem Grabe sitzend, dar- 
unter die Evangelisten und 
unten die Kirchenväter. 

Man nimmt im allgemeinen 
an, daß Michelozzo nur als 
technischer Leiter bei diesen 
Türflügeln beteiligt gewesen 
ist, doch hat man ihm auch 
die Modelle zu den vier unte- 
ren Feldern der Tür zuge- 
schrieben. 

Die weiteren bedeutenden 
Erzgußwerke des 15. Jahr- 
hunderts mögen nach den 
Städten, ftlr die sie ausgeftthrt 
wurden, noch kurz betrachtet 
werden. 

In Itom entstanden außer 

den Grabmälem Pollaiuolos 

nur wenige größere Gußwerke, 

Fie-Ms. APoiininoio, örabmai des Papst«. ^[j^^^ darunter, ein Bodenerab 

Innocenz VIII. in Kom, Peterekirche. 8.39*. o 



auf niedriger Marmorbasis mit der Rclieffigur Papst Martins V. vor dem 
Hauptaltare in S. GioTanni in Laterano, ist eine Arbeit des Florentinern 



Fig. im. Bmno di aer Lupo nnd Pssquiiio da Hontspalciano, Gitter. Prnto, Dom. S. 3ftS- 

Simone Gbini (1407—1491), der zahlreiche Eragußgrabmäler filr Frank- 
reich ausgefllhrt haben soll. 



396 IS. Jahrhundert 

Ein künstlerisch nicht sehr hervorr^endes Erzgufiwerk ist die Hanpt- 
tÜT der Peterskirche in Rom, die von Antonio Filarete, ebenfalls einem 
Florentiner, in den Jabren 1439 — 1445 ausgeführt wurde (vergl. Tschudi 
im Repertoriam fUr Kunstwissenschaft 1884, S. 291 ff.)- 

Von Filarete sind auch einige kleinere Bronzen erhalten, unter 
anderem eine Nachbildung des Marc Äurel vom Jahre 14G5 in Dresden. 

Ais Mitarbeiter am Taufbrunnen in S. Giovaani zu Sicna wurden 



bereits Qhiberti und Donatello genannt; den Entwurf dieses Bruanens 
hatte im Jahre 1416 der größte Sieneser Bildner Jacopo della Quercia 
(1371—1438) in Auftrag erhalten, dessen AusfDhrung dann seiner Leitung 
unterstellt wurde. Von den Bronzebildwerken des in Marmor aufgeführten 
Brunnens wurde von ihm das gegen 1430 vollendete Relief mit der Aus- 
weisung des Zacharias aus dem Tempel modelliert. Die beiden Reliefs 
mit Darstellungen der Qeburt und Predigt des Johannes und drei der 
Jugendgestalten zwischen den Reliefs sind Arbeiten des Goldschmiedes 
Turino di Sano und seiner Söhne, insbesondere des Giov. di Turino. 



Italien. 397 

Von diesen Künstlern wurde im Jabre 1429 aucli die bronzene Wölfin 
■vor dem Palazzo Publico in Siena vollendet. Eine Arbeit Giovannis ist 
der Bronzeengel, der als Tr^er des Weihbeckeus im Dome aufgestellt ist. 

In weiterem Umfange als Erzbildner 
tätig war auch der Sieneser Meister Lorenzo 
Veccbietta (um 1412— 1480). Sein Haupt- 
werk ist das Bronzetabemakel auf dem Hoch- 
altar des Domes in Siena, das er in den 
Jahren 146&— 1472 ausführte. In der Spital- 
kirche befindet sieb eine von dem Künstler 
im Jabre 1466 geschenkte Bronzestatue 
Christi. Andere QuB arbeiten des Meisters 
sind die Grabfigur des Marino Soccino (jetzt 
im Bargello), die Statuetten Maria und 
Jobannis zur Seite des Kreuzes in der Kirche 
S, Pietro a Ovile zu Siena und eine Auf- 
erstehung Christi im Palazzo Cbigi. 

Als Arbeiten des Francesco di Gior- 
gio (1439 — 1502) seien noch einige große, 
neben Vecchiettas Tabernakel aufgestellte 
Bronzeengel und zwei ebendort befindliche 
leucbter tragen de Engel von Giovanni di 
Stefano erwähnt. 

In Ferrara sind die beiden bedeutend- 
sten Erzgußwerke, die Reiterstatue Nico- 
las ni. und eine Figur des Borso d'Este, 
die in den Jahren 1451 und 1454 von Nic- 
colo und Giovanni Baroncelli voll- 
endet wurden, nicht erhalten. 

Dieselben Künstler begannen für den 
Hauptaltar der dortigen Kathedrale die Aua- 
fOhrung fünf überlebensgroßer Erzfiguren, 
eines EJiizifixus mit Johannes, Maria und 
den heiligen Mauritius und Georg, die von 
dem Donatelloscbüler D o m e n i c o di Paris 
vollendet wurden. 

Ein großes für Mailand geplantes 
erzenes Reiterdenkmal des Francesco Sforza, 
zu dem der auf allen Gebieten der Kunst und 
Technik gleich erfahrene große Leonardo 
da Vinci Modelle gefertigt hatte, kam leider 
nicht zur Ausführung, nur erhaltene Skizzen Fig. aoi- Kandelaber, bez. ues. 



398 15- JahrbuDdert 

des Meisters lassen uns die Art des Werkes ahnen. (MülIer-Waide, 
Jahrbuch der preuß. Kunstsammlungen 1897, Bd. XVIII, S. 92 £F.) 

In Prato sei scbließlicli noch das schöne Gitter vor der Capella della. 
Cintola im Dome erwähnt, das im Jahre 144+ von Bruno di ser Lapo 
begonnen und im Jahre 1464 von Pasquino da MontepuIcianOf 
einem Mitarbeiter an Füaretes BronzetUr in Rom, vollendet wurde 
(Fig. 299, S. 395). 

Das Gitter gleicht in der Komposition den in Eisen geschmiedeten 



Fig. SOI. Normer, Italien, 16. Johrh. Parte, Limeri. 8, SM. 

derselben Zeit. Senkrechte Felder sind mit je fönf von Ringen um- 
schlossenen Vierpaß bildungen gefüllt, ein reicher Rankenfries zwischen 
Profilstäben bildet mit einer Bekrönung von Leuchtern und Palmebten den 
oberen Abschluß. 

Auf die fast Überreiche Umrahmung der TUr Andrea Pisanos am 
Florentiner Baptisterium, die in den Jahren 1452 — 1464 von Vittori» 
Ghiberti, einem Sohne des Lorenzo Ghiberti, ausgeftlhrt wurde, ist 
schon früher hingewiesen (Fig. 300, S. 396). 

Aus der Reihe der nicht allzuzahlreich erhaltenen Bronzegeräte des 



Italien. 399 

15. Jahrhunderts seien angeführt der überaus schöne Kandelaber vom 
Jahre 1468 im Kunstgewerbemuseum zu Berlin (Fig. 301, S. 397) 
und der ebenfalls vortreffliche Mörser im Louvre zu Paris (Fig. 302, 
S. 898). 

Auf die in großer Menge verstreut erhaltenen kleineren figürlichen 
Bronzen, Büsten, Plaketten u. dergl. näher einzugehen, würde hier zu weit 
führen. (Wichtige Mitteilungen darüber von allgemeinem Interesse gibt 
Bode im ,Pan« 1896, S. 250ff.) 



Seclizelmtes Jahrhimdert 

Das 16. Jahrhundert läßt die Entwickelung der Bronzekunst besonders 
in Deutschland auf das lebhafteste bewegt erscheinen. Starke Wandlungen 
sind nach jeder Richtung hin wahrnehmbar. 

Hatte noch im 15. Jahrhundert der deutsche Norden einschließlich 
der Niederlande der Zahl der geschaffenen Werke nach das südliche 
Deutschland unendlich überwogen, und war er mit seinen besten Leistungen 
künstlerisch nicht dahinter zurückgeblieben, so ist von nun an für Jahr- 
hunderte ein Niedergang der Erzgießkunst im Norden unverkennbar, in 
Süddeutschland, und nicht in Nürnberg allein, wurden fortan die zahl- 
reichsten und schönsten Bronzewerke geschaffen. Zwar stärker noch als 
im 16. trat im folgenden Jahrhundert diese Wandlung hervor, doch Schritt 
zu halten vermögen die tüchtigen nieder- und mitteldeutschen Gießer 
schon im 16. Jahrhundert nicht mehr mit ihren Werkgenossen südwärts 
des Maines. 

Allgemein läßt sich sagen, daß ähnlich wie in Italien bereits im 
15. Jahrhundert die Persönlichkeiten der Bildner in der Bronzekunst in 
den Vordergrund treten, in Deutschland im 16. Jahrhundert die Gießer 
mit ihrem zumeist technisch und künstlerisch gleichwertigen Schaffen die 
Mittelpunkte der Entwickelung in den einzelnen Landesteilen bilden. 

Im ganzen waren die einzelnen Gießerwerkstätten mit sachlich ver- 
wandten Aufgaben beschäftigt, und unter diesen überwogen mehr wie je 
vorher die Grabmäler. 

Den Grabmonumenten zunächst stehen an künstlerischer und tech- 
nischer Bedeutung die öffentlich aufgestellten Brunnen, die zu allermeist 
von süddeutschen Künstlern geschaffen wurden, dann die Taufbecken, deren 
beste im nördlichen Deutschland und den Niederlanden entstanden. 

Werke aller Art, Einzelfiguren und Reliefs, Gitter, Türen und Tür- 
beschlagteile, Beleuchtungskörper und Kleingerät für kirchlichen und 



400 16. Jahrhundert. 



weltlichen Gebrauch vervollständigen das schöne Gesamtbild der deutschen 
Erzgießkunst des 16. Jahrhunderts. 

In Italien folgte auf die gewaltige Blüte der Bronzekunst des 
15. Jahrhunderts im 16. zunächst ein gelinder Rückschlag. An tech- 
nischer Leistungsfähigkeit blieben aber die Meister des 16. Jahrhunderts 
nicht hinter ihren Vorgängern zurück, wie zahlreiche großartigste Gußwerke 
bekunden. Von besonderem Interesse ist die italienische Erzgießkunst 
des 16. Jahrhunderts dadurch, daß über die Ausführung einiger erhaltener 
Werke eingehende schriftliche Nachrichten zum ersten Male allen wün- 
schenswerten Bescheid erteilen. 

In Spanien sind im 16. Jahrhundert die Guß werke italienischer und 
niederländischer Meister von größerer Bedeutung. 

In Frankreich haben neben itaUenischen Künstlern auch einheimische 
Meister eine Reihe ausgezeichneter Gußwerke geschaffen. 

Deutschland und Niederlande. 

Zeitlich und dem Werte ihres Schaffens nach steht an der Spitze der 
deutschen Erzgießereien des 16. Jahrhunderts die Vischersche Werk- 
statt in Nürnberg. Die von dem Begründer dieser Gießhütte, Hermann 
Vi scher, und seinem Sohne Peter in der zweiten Hälfte des 15. Jahr- 
hunderts ausgeführten Werke wurden bereits besprochen (S. 347 ff.), hier 
soll das, was über sie und die jüngeren Glieder der Familie bekannt ist, 
nachgetragen und das gemeinsame Schaffen der Werkstatt im 16. Jahr- 
hundert zusammenhängend in möglichster Kürze behandelt werden. 

Die Nachrichten über die Persönlichkeiten der Familie Vi seh er, über 
ihre Arbeitsweise und über den Anteil der verschiedenen Mitglieder an 
den ausgeführten Arbeiten sind äußerst unzureichend, lieber Lobpreisungen 
ihres Könnens und kurze Angaben gehen die üeberlieferungen der zeit- 
genössischen Schriftsteller kaum hinaus, die Beurteilung der künstlerischen 
Stellung der Vischerwerkstatt ist infolgedessen in neuerer Zeit eine sehr 
verschiedene gewesen. Man war so weit gegangen, der Werkstatt die 
Erfindung, den eigentlich künstlerischen Anteil an den Gußwerken im 
großen und ganzen abzusprechen. Beweiskräftige Unterlagen für diese 
Annahme fehlen, wenn man von einigen der früher erwähnten un- 
wichtigen Bamberger Grabplatten absieht. Jede unbefangene Beurteilung 
der Vischerschen Werke im Rahmen der gesamten Kunst ihrer Zeit läßt 
aber über das erfindende Schaffen der ebenso gießkundigen Meister einen 
Zweifel kaum aufkommen. 

Erst nach dem im Jahre 1487 erfolgten Tode Hermann Vischers, 
der als Fremder im Jahre 1453 das Bürgerrecht in Nürnberg erwarb, 
fertigte sein berühmter, vermutlich im Jahre 1460 geborener Sohn Peter, 



Deutschland. 401 



der bis dahin nur Gehilfe des Vaters gewesen war, sein Meisterstück, 
und wurde im selben Jahre als Meister in die Gilde aufgenommen. 

Aus Peter Vischers erster Ehe mit Margareta Groß sind drei 
Söhne entsprossen, Hermann (geb. 1486? f 1516), Peter (geb. 1487, 
t 1528) und Hans (geb. gegen 1490, f nach 1549). Nach dem Tode 
der Frau Margareta heiratete der Meister seine zweite Frau, Dorothea, die 
ihm die einzige Tochter Margareta schenkte, und auch bereits im Jahre 1493 
starb. Eine dritte Ehe ging dann der Meister wiederum mit einer 
Margareta ein, der die künstlerisch nicht hervorgetretenen Söhne Jakob 
und Paul entsprossen sind. Auch diese Frau ging dem Meister im Tode 
voran, der selbst im Jahre 1529 starb. 

Hans Vischer führte nach des Vaters Tode noch eine Reihe von 
Jahren die Werkstatt weiter; gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts stellte 
sich aus nicht klar ersichtlichen Ursachen ein schneller Niedergang ein. 
Im Jahre 1549 sah sich Hans Vischer genötigt, Nürnberg zu ver- 
lassen und in Eichstätt Arbeit zu suchen. 

Der künstlerisch begabteste unter den Söhnen scheint Peter gewesen 
zu sein, doch ist nur sehr wenig Sicheres über seine Arbeiten bekannt, so 
sehr man sich auch bereits bemüht hat, seinen Anteil an den Werken der 
Hütte auszusondern. (Vergl. über die Familie Vischer und ihre Werke: 
Bergan, Peter Vischer und seine Söhne. In Dohme, Kunst und Künstler 
Bd. I, Nr. XXXVII; Bode, Geschichte der deutschen Plastik, Berlin 1887, 
S. 139 ff.; Seeger, Peter Vischer der Jüngere, Leipzig 1897; Weiz- 
säcker, Peter Vischer, Vater und Sohn, im: Repertorium für Kunst- 
wissenschaft 1900, S. 299 — 312 und L. Justi, Vischerstudien , ebendort 
1901, S. 36—54.) 

Wie bei der Mehrzahl der bereits angeführten Werke, die bis um 
das Jahr 1500 aus der Vischerwerkstatt hervorgingen, nur auf 
Grund der Vergleichung mit der entschieden ausgesprochenen Eigen- 
art der wenigen mit voller Bestimmtheit dort entstandenen Arbeiten, der 
Ursprung zu erkennen war, so ist es auch bei einem Teile der zahlreichen 
Werke, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dort geschaffen 
wurden. Hier soll weiter versucht werden, das Verzeichnis in möglichster 
Vollständigkeit zu ergänzen. 

Aehnlich wie für die Dome in Meißen und Barnberg dieVischersche 
Gießhütte in fortlaufender Reihe Erzgrabplatten für geistliche Herren 
und Fürsten lieferte, so geschah es auch, wie mit Sicherheit angenommen 
werden darf, anfangend bald nach dem Jahre 1500, für den Dom in 
Würzhurg. 

Von den zahlreichen dort erhaltenen Platten gelten insbesondere 
als Arbeiten der Vischerwerkstatt die des Georg v. Giech (f 1501), 
des Lorenz v. Bibra (f 1519), deren Entwurf Bode dem Tilman Riemen- 

L tt e r , Unedle Metalle. 26 



402 16- Jtthihnndert. 

Schneider zuschreiben zu dürfen glaubt, des Peter t. Aufseß (j 1522) 
und des Joh. v. Guttenberg {f 1583). 

Nach Peter Vischers d. Ae- Tode (1529) hat, wie man glaubt, 
Hans Vischer die Arbeiten fUr Wärzburg fortgesetzt; urkundliche Be- 
lege, wie sie flir die Bamberger Platten vorhanden sind, oder Bezeich- 
nungen fehlen jedoch Überhaupt. 
Die für Meißen im ersten 
Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts 
mutmaßlich von Peter Vischer 
gefertigten, zum Teil besonders 
schönen Platten sind die des 
Herzogs Albrecht (t 1500), der 
Herzogin Amalje (t 1502), der 
HerzoginSidome(tl510)(Fig.303, 
S. 402) und die des Herzogs 
Friedrich HI-, die wahrscheinlich 
kurz nach 1510 ausgeführt wurde. 
Um dieselbe Zeit entstan- 
den von des Meisters Hand die 
Überaus großartig gezeichnete 
Tafel des Jobann v. Heringen 
und die Platte des Johann 
v. Lasphe im Kreuzgange und 
im Dome zu Erfurt (Buchner, 
Zeitschr. f. chrisÜ. Kunst. 1903. 
Sp. 178-183). 

Nach Torgau wurde vou 
Peter Viseber im Jahre 1504 
eine Platte für das Grab der 
Herzogin Sophie (t 1503) ge- 
liefert, an der, wie nachgewiesen 
ist, der Maler Jacopo de' Barbari 
einen jedenfalls nicht hoch an- 
riß, soa. pBterViHcher, GrabiilMte der Henogin zuschlaitenden Anteil &m Ent- 
SMonle in Meiflen, Dom. 8. *oa. " , - ,- , 

würfe hat. Wahrscneinlicb um 

das Jahr 1505 entstand wieder in der Vischerwerkstatt eine Platte 
ftlr den Dom in Posen, die des Propstes Bemh. Lubranski (t 1499) 
(Fig. 304, S. 403). 

Weiter wurden etwa in der Zeit von 1505—1510 einige bedeutende 
Grabmonumente von Peter Vischer nach Kralaii geliefert und zwar die 
Platte des Filippus Gallimachus Buonacorsi (tl497) [Dominikanerkirche], 
die Platten des Peter Salomon (t 1506) und des Peter Kmity (t 1505) 



Detttachland. 403 

[Marienkirche] und schließlicti das aus Terschiedeoen , kaum gleichzeitig 
entstandenen Teilen bestehende Grabmal des im Jahre 1503 verstorbenen 
Kardinals Friedrich Cazmiri (Domkirche.) 

Die drei ersten dieser Krakau^ Denkmäler sind Reliefplatten , am 
Grabmal des Kardinals Friedrich ist die Deckplatte mit dessen über- 
lebensgroßer Gestalt in 
vertiefter Zeichnung aus- 
geführt, vielleicht noch zu 
seinen Lebzeiten. An den 
Seiten des Monumentes 
finden sich in Relief Engel 
mit Wappen und auf Del- 
phinen reitende Amoretten, 
auf einer grofien Vorder- 
platte ist ebenfalls in Relief 
die Madonna vor einem von 
zwei Engeln gehaltenen 
Vorhange dargestellt, vor 
ihr kniet der Kardinal, dem 
St. Stanislaus zur Seite den 
Tod zuführt; diese Tafel 
ist 1510 datiert. 

Vermutlich auch noch 
im ersten Jahrzehnt des 
16. Jahrhunderts wurden 
von Peter Viseher zwei 
in der Fonngebung ver- 
wandte umfangreiche Dop- 
pelgrabmäler für die Stifts- 
kirche in JRömhild, wo 
damals bereits ein Vischer- 
werk aufgestellt war, und 
für die Stadtkirche in 
^ec/i/nt^en geschafiFen. Beide 
sind als Hochgräber ange- 
legt, und das Römhilder 
folgt im Aufbau im ganzen dem Magdeburger Orabmal, dessen Modelle 
zum Teil dabei verwendet wurden. 

Das ältere scheint das Römhilder Monument (Fig. 305, S. 404) mit 
den etwa in Halbrelief vortretenden, dreiviertel lebensgroßen Gestalten 
des Grafen Hermann Vin. von Henneberg und seiner Gemahlin Elisabeth, 
Tochter des Albrecht Achilles von Brandenburg, zu sein. 



404 16- Jahrhundert. 

Mit der Entstehung des Hechingcr Grabmales fGr den Qrafen Eitel 
Friedrieb II. von Hohenzollern und seiner Oemablin Magdalena, Mark- 
gräfin von Brandenburg, deren Gestalten den beiden Römbilder Figuren 

annähernd gleichen, hat 
man eine Hand Zeichnung 
Dürers , angebHch vom 
Jahre 1517, als Entwurf 
in Verbindung gebracht, 
wie es scheint, mit Un- 
recht. Da von der Jahres- 
zahl dieser Platte nur die 
Ziffern MCCCCC gegossen 
sind, so ist anzunehmen, 
daß sie vor dem Jahre 
1510 entstand, da sonst 
auch die X sogleich im Guß 
hinzugeftlgt sein würde. 
Das Hechinger Grab- 
mal ist nicht mehr als 
Hochgrab erhalten , es 
wurde im Jahre 1782 bis 
auf die Platt« einge- 
schmolzen. Spuren lassen 
aber darauf schließen, da6 
diese nicht wie die R^m- 
hilder Platte auf vollen 
Seitenwänden ruhte, son- 
dern vielleicht nur von 
vier Engeln getragen 
wurde. 

Bei beiden Monumen- 
ten ist offenkundig eine 
Bildnisähnlichkeit nicht 
angestrebt. 

Während diese GuB- 
II. werke in der Vischer- 
hütte vollendet wurden, 
war auch bereits mit der größten und berühmtesten Schöpfung Peter 
Vischers und s^ner Söhne, dem Grabmal des heiligen Sebaldus für die 
Sebalduskirche in Nürnberg, begonnen worden (Fig. 306, S. 405). 

Schon aus dem Jahre 1488 ist ein Entwurf zu einem Gehäuse fllr 
den Silbersarg des Heiligen von unbekannter Hand, wie man jetzt an- 



nimmt von Peter Vischer, erhalten. Doch erst als man im Jahre 1507 
durch Sammlungen größere Geldmittel gewonnen hatte, erfolgte der Auf- 



Pig. SM. Feter Viacher, Orobmat dea heiligEn Bebsidas in Kflmberg, Sebaldnskitche. 8. tot, 

trag an Meister Peter, der am 7. Juni dieses Jahres eine Anzahlung von 
100 fl. erhielt. Inschriften an dem in zwei Teilen gegossenen Sockel 



406 16. Jahrhundert 



lassen die rüstige Arbeit erkennen: «ein Anfang gießt mich Peter Vischer 
1508* und , gemacht von mir Peter Vischer 1509**. 

Kurz vor 1512 schrieb ein Augenzeuge (Cocleus) über das Grrabmal: 
„Quis vero solertior Petro Fischer in celandis fundendisque metallis? 
Vidi egum totum sacellum ab eo in aes fusum, imaginibusque celatum ..-*', 
danach muß damals bereits ein größerer Teil vollendet gewesen sein. 
Doch scheint darauf die Arbeit ins Stocken geraten zu sein, denn im 
Jahre 1514 wurde der Meister zur Vollendung aufgefordert, die, wie eine 
weitere Inschrift besagt, erst fünf Jahre später erfolgte: »Petter Vischer 
purger zu Nurmberg machet das werk mit seinen Sunnen und ward 
folbracht im jar 1519 und ist allein got dem allmechtigen zu lob und 
sanct Sebolt dem himelfürsten zu eren mit hilff frummer leut von dem 
allmossen bezalt/ 

Neue Sammlungen waren notwendig, um dem Meister den Rest 
seiner Forderungen bezahlen zu können, im ganzen erhielt er 3145 fl. 
und 16 Schilling. 

Peter Vischer hat, wie die Inschrift besagt, das Werk mit seinen 
Söhnen ausgeführt, ob aber den Söhnen, wie Seeger a. a. 0. annimmt, 
insbesondere Peter dem Jüngeren, die Erfindung vorzugsweise zu 
danken ist, darüber ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen. 

Das Gehäuse zeigt eine seltsame Mischung von Baumotiven, wie sie 
im 15. Jahrhundert in Deutschland vorherrschten, und von Bildungen, 
die aus der italienischen Zierformenwelt jener Zeit übernommen sind, 
doch das ganze Werk ist in einem entschieden einheitlichen Formcharakter 
gestaltet. 

Der Aufbau erhebt sich über einer auf großen Schnecken ruhenden 
Platte. Acht Hauptpfeiler tragen drei Gewölbekappen, jede mit eigen- 
artig gegliedertem, mäßig hohen Turmdache. Den Hauptpfeilem sind 
Dienste mit reichst gestalteten Basen vorgelegt, die auf Kapitalen in 
etwa halber Höhe des Denkmals die Apostelfiguren tragen. 

Schlanke Säulchen ragen auch zwischen den Pfeilern bis zu den 
Gewölbeöffnungen auf; sie wachsen ebenfalls aus einem aufs kunstreichste 
gebildeten Sockel heraus und verbreitern sich stark in Höhe des bis 
zwischen die Pfeiler vortretenden sargtragenden Innensockel-Gesimses- 
Zahllose Gestalten, Tiere und Fabelwesen, allegorische und mythologische 
Darstellungen sind über den ganzen Aufbau verteilt. Der innere Unter- 
satz für den Sarg S. Sebalds ist an den Langseiten mit je zwei Reliefs 
aus dem Leben des Heiligen verziert, an der einen Schmalseite steht die 
Figur S. Sebalds und als deren Gegenstück an der anderen Meister Peter 
Vischer selbst in seinem Arbeitskleide (Fig. 307, S. 407). 

Eine Reihe weiterer, in der Zeit von 1510 — 1520 entstandener Figuren 
und Platten für Grabmonumente sind der Vischerwerkstatt mit mehr oder 



DeutBcHand. 407 

minder sicherer Begründung zuzuschreiben. Ganz zu Anfang dieses Zeit- 
rsumes wird die in vertiefter, durch Striehlagen schattierter Zeichnung 
ausgeführte Platte ftlr das Grabmal des Andreas Szamotulski, Woiwoden 
von Posen (t 1511) für Samter gegossen sein. 

Im Jahre 1513 entstanden die nächst dem Sebaldusgrab berühmtesten 



Fig. 307. Peter Viacher, Bildnisflgor des Meistera am Sebaldusgrab in NUrnlicrg. S. 40« 

Werke Peter Vischers, die beiden überlebensgroßen Rittergestatten 
Arthur und Theoderich für das Grabmal des Kaisers Maximilian in der 
Hofkirche zu Innsbruck (Fig. 308, S. 408 und Fig. 309, S. 409) (vergl. 
S. 418). Der Nachweis, daß diese beiden köstlichsten Statuen an jenem 
Grabmale im Modell und Ausführung Peter Vischer mit Recht zuge- 
schrieben werden, obschon sie, abgesehen von der Jahreszahl 1513, nicht 



408 16' Jahrhaudert. 

signiert sind und aucb in Urkunden nicht näher bezeichnet werden, ist 
mit untrüglicher Sicherheit erbracht (vergl. D. Schönherr, Gesammelte 
Schriften S. 178 ff.). Ob die zweifellos edelste Gestalt von beiden, die des 
Königs Arthur, wie Seeger (a. a. 0. S. 123) will, dem jüngeren Peter 
Yischer angehört, das muß vorläufig dahingestellt bleiben. 

Wahrscheinlich ebenfalls im Jahre 1513 wurde bei Peter Vischer 
ein großartiges Werk anderer Art in Auftrag gegeben, ein Gitter vor die 
Grabkapelle der Fugger in der 
Annakirehe zu Augsburg. In- 
folge eines Zerwürfnisses mit 
dem Auftraggeber kam das Gitter 
nicht an seinen Bestimmungsort 
und blieb viele Jahre unvollendet 
liegen. Der Nürnberger Rat 
beauftragte schließlich Hans 
Vischer mit der Anpassung 
und Vollendung fUr den großen 
Saal des Rathauses, in dem es 
im Jahre 1540 aufgestellt wurde 
{Fig. 310, S. 410). Aber leider 
wurde es im Jahre 1806 von 
dort entfernt und in frevelhaftem 
Unverstände der Zerstörung über- 
geben; nur Zeichnungen sind 
davon noch erhalten (vergl. 
Mummenhof, Das Rathaus in 
Nürnberg. Nüraberg 1891. 
S. 97 ff.). 

Etwa gleichzeitig mit diesen 
Arbeiten wurde in der Vischer* 
hütte auch die Gedäcbtnistafel 
des Propstes Anton Kreß (f läl3) 
für die Lorenzkirche in Nürnberg 
gegossen; man hat diese aus- 
gezeichnete kleine flachreliefierte 
Tafel , auf der der Verstorbene 
vor einem Kruzifizus knieend 
dargestellt ist, dem jüngeren 
Hermann Vi scher zuge- 
schrieben. 

Nur wenig später wird das 
Pig. soa. Pet«r Vischer,' König Arthur /i l i i ti ■ » 

in Innsbruck, Hofkirche. s. »07. Urabmal der üerzogin Anna 



Deutschland. 409 

(f 1514), mit den lebensgroßen, vollrunden Gestalten der Fürstin und 
ihres Gemahls, des späteren Könißs Friedrich I. von Dänemark, in der 
Klosterkirche zu Bordesholm entstanden sein, bei der ebenfalls ,an Peter 
Vischer als Urheber" gedacht ist; ein künstlerisch besonders hoch- 
stehendes Werk ist es nicht. 

Allgemein als ein Werk Peter Vischers anerkannt ist eine zweite, 
in jene Gegend gelieferte Grabplatte, die des Gotthard Wigerinck (f 1518) 
in der Marienkirche in Lübeck (Fig. 311, S. 411); bei dieser überaus 
schönen Reliefplatte, deren Mitte ein Wappen einnimmt, wird auch eine 
weitgehende Mitarbeit der Söhne 
Peters vermutet. 

Schließlich sind in neuerer 
Zeit auch die Grabplatten des 
Markgrafen Friedrich 11. (f 1517) 
und der Markgräfin Ottilie 
(t 1517) in der katholischen 
Stiftskirche zu Baden im 
Schwarzwald der Werkstatt 
Peter Vischers zugeschrieben 
(Vischer, Jahrb. d. pr. Eunsts., 
Bd. X, S. 166 £F.). 

Soweit bis jetzt festgestellt 
■st, bewahrte die Vis eher Werk- 
statt im dritten Jahrzehnt des 
16. Säkulums bei weitem nicht 
den Schaffensumfang, wie im 
vorhergehenden, dennoch sind 
wieder eine Reihe bedeutsamer 
dort gefertigter Grabmonumente 
aus diesem Zeiträume erhalten. 

An erster Stelle muß die 
Platte der Margarete Tucher 
(f 1521) im Dome zu Regens- 
burg genannt werden, die be- 
zeichnet ist mit den Buchstaben 
P und V, zwischen die eine an 
späteren Arbeiten der Familie 
öfter wiederkehrende Werkstatt- 
marke gesetzt ist und darunter: 
Normberge 1521. Es ist ein 

kleineres Epitaph, bei dem über „,,„„.,-, ^ „, . ™. , , v 

^ '^ ' Fig. so». Peter Vischer, KSiiig Theoderich 

der Schriftfläche in Relief die in Innsbruck, Hotkirche. 8, 107. 



DenUchluid. 411 

BegegnDDg Christi mit dem kananäischen Weibe, deren Tochter er heilen 
soll, d&i^estellt ist, nach Evangelium Matth. Kap. 15, wie nach Angabe 
auf einer jUngeren Wiederholung der Platte (im Nationalmuseum in 



ifünchen) angenommen wird, die im Jahre 1543 fUr den Pfalzgrafen Otto 
Heinrich von Hans Vischer ausgeführt wurde. 

Diesem Epitaph steht künstlerisch die Grabplatte der Familie Eißen 
in der Äegidienkirche zu ^ärn&m/ nahe; sie ist auch gleichartig signiert. 
Im Bildfelde ist eine Beweinung des Leichnams Christi dargestellt; zu 
Seiten des Kreuzes steht die Jahreszahl 1522. Als Meister dieser Platte 



412 16. Jahrhundert. 



sowohl wie des Tucherepitaphs hat man Peter Vischer den Jüngeren 
vermutet. 

Derselben Gruppe gehören die beiden gleichen Gedenktafeln des 
Rechtsgelehrten Henning Göde (f 1521) im Dome zu Erfurt und in der 
Schloßkirche zu Wittenberg an. Die beiden Platten, auf denen in Relief 
die Krönung der Maria dargestellt ist, wurden vermutlich erst von den 
Testamentsvollstreckern Gödes in Auftrag gegeben. 

In der Stadtkirche zu Weimar scheint die sehr schöne, nicht voll- 
ständig erhaltene Reliefgrabplatte der Kurfürstin Margarete (f 1521), 
der zweiten Gemahlin Johanns des Beständigen, in Peter Vischers 
Werkstatt entstanden zu sein (Abb. in Bau- und Kunstdenkmäler Thü- 
ringens, Bd. P, S. 338). 

Im Jahre 1524 erhielt der Meister, wie man annimmt, wieder einen 
Auftrag von Polen her; die Grabplatte des Nikolaus Tomicki, Bischofs 
von Krakau und Posen, in der katholischen Pfarrkirche zu Tomice ^ die 
damals als Ersatz einer vorher in Stein ausgeführten Platte bestellt wurde, 
gilt als sein Werk. 

Einige bezeichnete Werke der Vischerwerkstatt, von denen eines 
bereits im Jahre 1525 vollendet war, während die anderen später ent- 
standen und über die in jüngster Zeit auch interessante urkundliche 
Nachrichten zutage gefördert sind (Redlich, Kardinal Albrecht von Bran- 
denburg und das neue Stift zu Halle. Mainz 1900. S. 146 flF.)i befinden 
sich in der Stiftskirche zu Äschaffenburg. Es sind dieses die Gedenk- 
tafel des Kardinals Albrecht von Brandenburg, eine dieser als Gegen- 
stück aufgerichtete Platte mit der Madonna und der sogen. Altar der 
heiligen Margareta. Die Werke stehen in solch nahem historischem Zu- 
sammenhange, daß auch die beiden jüngeren schon hier mit besprochen 
werden müssen. 

Wir wissen, daß Kardinal Albrecht im Jahre 1523 einen Sohn 
Peter Vischers zu sich entbot, um mit ihm die Ausführung eines Guß- 
werkes, jedenfalls der Gedenkplatte, zu besprechen. Schon ein Viertel- 
jahr später wurde dem Kardinal berichtet, daß das Werk in Arbeit sei 
und er zahlte 100 fl. Vorschuß darauf. 

Weitere Auskunft über die Tafel gibt die Inschrift darauf: „Op. M. 
Petri Fischers Normberge 1525." Das „M" ist (nach Redlich) sicher- 
lich als „meum** zu lesen, und es ist bemerkenswert, daß der Meister 
ein Werk ausdrücklich als das seinige bezeichnet, bei dem einer der 
Söhne, wahrscheinlich Peter, gewiß künstlerisch in weiterem Umfange 
beteiligt war; z. B. wird der Kopf des Kardinals von dem Sohne, den 
er zu sich bestellt hatte, während dessen Anwesenheit nach der Natur 
modelliert sein. 

Aufgestellt war die Platte ursprünglich an einem Pfeiler im hohen 



Deutschland. 413 



Chor der Stiftskirche zu Halle^ deren Begründer Kardinal Albrecht war, 
und ihr gegenüber befand sich damals, ebenso wie später in Aschaffenbtirg^ 
die zweite Tafel mit dem Marienbilde (vergl. Redlich a. a. 0. S. 154 f.). 
Diese Tafel wurde im Jahre 1529, kurz nach Meister Peters Tode, 
bei seinem Sohne Hans in Auftrag gegeben und schon im folgenden 
Jahre vollendet, wie die Inschrift besagt: »Johannes Vischer Noric. 
Faciebat MDXXX.« 

Schließlich das dritte Werk, der sogen. Altar der heiligen Marga- 
reta, ein Baldachinaufbau in Gestalt einer großen, an den Seiten mit 
Wappen und unten reich gravierten, von vier schlanken, vierkantigen 
Pfeilern getragenen Platte, wurde im Jahre 1536 vollendet. Auch dieses 
Gußwerk, das jetzt einen Sarg, angeblich den der heiligen Margareta, trägt, 
dient allem Anscheine nach nicht seiner ursprünglichen Bestimmung. 
Vielmehr hat Redlich überzeugend nachgewiesen, daß dieser Aufbau 
ebenfalls für die Stiftskirche in Halle ausgeführt wurde, um den Sarg 
des Kardinals Albrecht zu tragen und von ihm selbst im Jahre 1540 als 
«das messing gegossen gehewss umb meyn grabe" bezeichnet wurde. 

Ein urkundlicher Nachweis, daß der Baldachin in der Vischer- 
werkstatt, d. h. von Hans Vischer, ausgeführt wurde, ist nicht er- 
bracht, doch darf man daran nicht zweifeln. 

Noch einige zum Teil bedeutende Erzgrabmäler der Vischerwerk- 
statt sind aus der Zeit gegen 1530 erhalten. 

Schon im Jahre 1524 zu einem Teil vollendet war das Grabmal der 
Kurfürsten Joachim L und Johann Ciceros von Brandenburg, das nach 
seiner Fertigstellung im Jahre 1530 in der Klosterkirche zu Lehnin und 
später (im Jahre 1545) im Dome zu Berlin aufgestellt wurde (Fig. 312, 
S. 414). 

Dieses eigenartige Doppelgrabmal mit zwei Figurenplatten über- 
einander gilt bald als das Grab der beiden genannten Fürsten, bald nur 
als das Johann Ciceros (vergl. Rabe, Das Grabmal des Kurfürsten 
Johann Cicero von Brandenburg. Berlin 1843). 

Man nimmt jetzt im allgemeinen an, daß Joachim zunächst für sich 
die untere Platte gießen ließ und daß er im Jahre 1524 bei seiner An- 
wesenheit in Nürnberg, gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kardinal 
Albrecht, den oberen Aufbau mit der Bildnisplatte als Denkmal für den 
Vater bestellte. Die Kurfürsten sind auf beiden Platten in Lebensgröße 
dargestellt, unten in flachem Relief, fast vollrund auf der oberen Platte, 
die auf sechs kurzen Pfeilern ruht, neben denen je ein Löwe sitzt. 

lieber die Entstehungszeit der unteren Platte ist näheres nicht be- 
kannt, die obere wurde im Jahre 1524 bei Peter Vischer in Auftrag 
gegeben und von seinem Sohne Hans vollendet, dieser setzte auch seinen 
Namen darauf -Johannes Vischer Noric. Facieb. 1530". 



414 I(^- Jahrhundert, 

Ohne besonderen künstlerischen Wert ist die nachweisbar in der 
VischerhOtte gegossene Grabplatte der Herzogin Helene von Mecklen- 
burg (t 1524) im Dome zu Schwerin, die im Jahre 1527 vollendet war. 

Eine ähnliche Tafel in der Kirche des Klosters Heilsbronn, die zum 
Gedächtnis der Familie Haydeck gestiftet wurde, wird ebenfalls der Werk- 
statt zugeschrieben. 

Ein künstlerisch hervorragendes Werk ist endlich aas dieser Zeit die 
Grabplatte des Kurfürsten Friedrich des Weisen (f 1525) in der Schloß- 



kirche zu Wittenbei^, mit der Inschrift .Opvs. M(eum) Petri. Fischer. 
Norimbergensis. 1527". Diese Grabtafel ist in der Geschichte der Fa- 
milie Vischer auch dadurch von besonderem Interesse, daß sie das 
einzige gröflere Gufiwerk ist, das in der Hauptsache als ein Werk des 
jüngeren Peter Vischer urkundlich beglaubigt ist, denn er beruft sich 
darauf bei seinem Gesuch um Aufnahme als Meister in die Nümberf^r 
Gilde. 

Nur wenige Grabmaler aus den Dreißiger- und Vierzigerjahren sind 
noch auf die Vischerwerkstatt zurückzuführen. 

Durchaus im Anschluß an die Torhei^enannte Grabplatte Friedrichs 



Deutschland. 415 



des Weisen schuf im Jahre 1534 Hans Vischer ebenfalls für die Witten-- 
berger Schloßkirche das Denkmal des Kurfürsten Johann des Beständigen, 
das mit der Jahreszahl und dem Monogramme des Künstlers bezeichnet 
ist, und über deren Ausführung die Rechnungen erhalten sind. 

Im Dome zu Gnesen wird die Grabplatte des Domherrn Joh. Groth 
(t 1532) als ein Werk Hans Vischers angesehen, ebenso gilt das Grab- 
mal Walters v. Kronberg, ehemals in der Deutschordenskirche zu 
Mergentheim ^ von dem angegeben wird, daß es vor 1543 entstand, als 
sein Werk. 

Als Gegenstück der um das Jahr 1513 gegossenen Platte des Anton 
Kreß goß Hans Vischer die Denktafel für Hektor Pömer (f 1541), den 
letzten Propst der Lorenzkirche in Nürnberg. 

Um dieselbe Zeit entstanden auch die Epitaphien für den Bischof 
von Augsburg, Christoph v. Stadion (f 1543), die jetzt hinter dem 
Hochaltare der Aegidienkirche zu Nürnberg aufgestellt sind. 

Ein bezeichnetes Werk Hans Vischers ist wieder das Grabmal des 
Bischofs Sigismund v. Lindenau (f 1544) im Dome zu Merseburg, 

Die letzte Grabplatte der Vischerhütte scheint endlich die des 
Andreas Grodzicki (f 1550) im Posener Dome zu sein. 

Schon zu Ende des 15. Jahrhunderts scheint man sich in der Vischer- 
werkstatt nicht ausschließlich auf die Ausführung von Grabmonumenten 
beschränkt zu haben, in größerer Anzahl sind jedoch meist kleinere 
Guß werke anderer Art erst seit dem zweiten Jahrzehnt des 16. Jahr- 
hunderts nachweisbar, und dann, wie es scheint, nur Arbeiten der Söhne 
Peter Vischers. 

Eine mit der Jahreszahl 1490 bezeichnete einzelne Figur, ein knieender 
Mann mit einem Ast in den Händen, im Nationalmuseum in München^ 
darf mit Sicherheit als eine Arbeit Peter Vischers betrachtet werden. 
Die Bestimmung ist nicht klar ersichtlich, vielleicht war sie als Trage- 
figur gedacht. 

Eine Wiederholung der Figur des heiligen Mauritius am Grabmal des 
Erzbischofs Ernst in Magdeburg schenkte Peter Vischer dem Peter Imhof 
„für seinen Vorschub bei des heiligen Schalt Sarggehäuß**. Als Brunnen- 
figur ist sie zu Nürnberg im Hofe des Hauses Therienstr. 7 aufgestellt. 

Aus den Jahren 1507, 1509 und 1511 sind Bildnismedaillen erhalten, 
wahrscheinlich alle drei von der Hand Peter Vischers d. J. (vergl. Seeger 
a. a. 0. S. 7 ff.). Auf der vom Jahre 1509 gibt der Künstler sein Selbst- 
bildnis, auf den beiden anderen das seines Bruders Hermann. 

Vielleicht darf auch die Plakette mit dem Profilbildnis des älteren 
Peter Vischer im South-Kensington-Museum zu London als eine Arbeit 
des jüngeren Peter aus derselben Zeit angesehen werden. 

Mit der Jahreszahl 1515 und der schon erwähnten Werkstattmarke 



416 16. Jahrhundert. 



bezeichnet ist eine Plakette mit dem Salvator mundi im Gothaer Museum , 
auch diese ist möglicherweise vom jüngeren Peter Vischer modelliert. 

Als eine Arbeit desselben oder Hermann Vischers aus der Zeit um 
1514 galt bisher die Madonnenfigur in etwa halber Lebensgröße in der 
Sebalduskirche zu Nürnberg^ die neuerdings Stefan Godl zugeschrieben 
ist (Daun, Zeitschr. für BUd. Kunst 1901. S. 283). 

Mit Sicherheit sind dem jüngeren Peter ferner vier Plaketten mit 
Orpheus und Eurydice zuzuschreiben, von denen sich die wahrscheinlicli 
älteste in der Sammlung Dreyfuß in Pam befindet, während die drei 
anderen, vermutlich um 1520 entstandenen, im Kgl. Museum in Berlin^ 
im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg und im Stift S. 
Faul in Kärnten verwahrt werden. Sie sind bezeichnet mit einer Marke, 
die gebildet ist aus zwei gebogenen, mit einem Pfeil durchbohrten Fischen. 

Als Werke des jüngeren Peter sind ferner noch die beiden schönen 
Tintenfässer zu erwähnen, die sich bei DrurvFortnum in Sanmore 
(Fig. 314, S. 417) und im Ashmole-Museum zu Oxford befinden. Bei 
beiden ist eine unbekleidete Figur neben einem Gefäß dargestellt, doch 
ist die Haltung der Figur, die Form des Gefäßes und das Beiwerk nicht 
in beiden Fällen gleich. Beide sind ähnlich wie die Plaketten bezeichnet ; 
das Beispiel in Oxford zeigt außerdem die Buchstaben P. V. und die 
Jahreszahl 1525. 

Schließlich ist Peter Vischer d. J. noch die Figur einer Eva (0,47 m 
hoch) in der Sammlung Hainauer in Berlin zugeschrieben (Abb. in: Die 
Sammlung Oskar Hainauer, herausgegeben von W. Bode. Berlin 1897. 
S. 23). 

Sehr wenig bekannt ist über das selbständige Schaffen von Peter 
Vischers ältestem Sohne Hermann (hingewiesen sei auf die genannten 
Schriften und auf die Abhandlung im Jahrb. d. preuß. Kunsts. 1891. 
S. 50 ff.). 

Als Werke Hans Vischers sind endlich noch anzuführen der große, 
vielleicht noch bei Peter Vischer bestellte Wenzelleuchter im Dome zu 
Prag^ der bogenschießende Apollo in fast halber Lebensgröße, auf reichem 
Sockel im Germanischen Museum zu Nürnberg^ beide im Jahre 1 532 
vollendet, und vielleicht auch die Figur eines schreitenden Jünglings im 
Nationalmuseum zu München. 

Der Leuchter wurde von den Brauern der Altstadt Prag zum An- 
denken an die Errettung von feindlicher Bedrängnis gestiftet. Auf einem 
Unterbau mit wappenhaltenden sitzenden Löwen steht unter einem Bal- 
dachin die fast lebensgroße Gestalt S. Wenzels, ihm zur Seite Kinder- 
figuren, üeber dem Baldachin bildet in der Mitte ein großer, angeblich 
später hinzugefügter Kerzenteller die Bekrönung. 

Die Figur des Apollo ist für die Gesellschaft der Bogenschützen ent- 



Deutacbland. 417 

standen, man hat iliD wohl aLs Arbeit des jüngeren Peter angesehen, da 
aber die Gestalt mit dem Sockel zugleich gefertigt zu sein scheint und 
dieser nur von Hans gegossen sein kann, wird für beide Teile nur an 
ihn zu denken sein. Daß die Figur in Anlehnung an einen Stich des 
Jacopo de' Barbari modelliert zu sein scheint, sei auch hier erwähnt. 



Fig. 313, Peter Viacber d. J., TintenraS, Sammlung Dniry Fortuum ia Sanmore. 8. «IB. 

Angegeben wurde schon oben, dafi Hans Vischer im Jahre 1549 
Nürnberg verließ, um in Eichstätt Arbeit zu suchen. Schon im Jahre 1544 
hatte er sein Haus verkaufen müssen. 

Man hat gesagt, daß der Wandel des Geschmackes am Niedergange 
der VischerhOtte Schuld gewesen sei, da man gegen die Mitte des 
16. Jahrhunderts große farbige Marmorgrabraäler den erzenen voi^ezogen 
LQer, Cnedle Uet&lle. 37 



418 16. Jahrhundert 



habe. Mit ebensoviel Berechtigung kann man auch sagen, daß zahl- 
reiche andere damals in Süddeutschland aufblühende Gießereien der 
Yischerwerkstatt die Aufträge, die ihr bis dahin allein zuflössen, ent- 
zogen. 

In der Ausdehnung des Schaffens blieben zwar sämtliche deutsche 
Erzgießereien des 16. Jahrhunderts hinter der Vischerschen weit zurück, 
doch leisteten etliche technisch und künstlerisch fast Gleichwertiges. 

In der ersten Hälfte des Jahrhunderts gilt das z. B. von einigen der 
Künstler, die bei dem Gusse des überaus großartigen Grabmals Kaiser 
Maximilians (f 1519) in der Hofkirche in Innsbruck außer Peter Vischer 
beteiligt waren. 

Dieses Grabmal (Fig. 314, S. 419, Fig. 308, S. 408, Fig. 309, S. 409 
und Fig. 96, S. 129) nimmt in der Geschichte der deutschen Erzgießkunst 
eine so wichtige Stellung ein, daß etwas näher darauf einzugehen ist 
(ausführliche Darstellung der Geschichte dieses Monumentes in D. Schön- 
herr, Gesammelte Schriften, Innsbruck 1900. S. 149—299). 

Im Jahre 1502 scheinen die Vorarbeiten für das Grabmal begonnen 
zu sein. Ursprünglich sollten nicht nur Erzgestalten um das Grab 
und oben darauf aufgestellt werden, auch dieses selbst sollte in 
Bronze gegossen und mit 24 Erzreliefs geschmückt werden. Alles 
war noch großartiger geplant, als es zur Ausführung kam. Um den 
Mittelbau, mit der knieenden Gestalt des Kaisers darauf, sollten 40 
überlebensgroße Gestalten, darstellend hervorragende Habsburger, dann 
100 kleine Bronzefiguren „seiner kais. majestet sippschafflt heiligen* 
und 32 Brustbilder angeordnet werden. Das Gesamtgewicht des für das 
Grabmal nötigen Erzes wurde auf über 1026 Zentner berechnet, und alle 
Bilder sollten vergoldet werden. 

Der Mittelbau wurde schließlich in Marmor ausgeführt mit der 
knieenden Gestalt des Kaisers oben darauf und umschlossen von einem 
reichen Schmiedeeisengitter (siehe S. 128). Ringsherum wurden nur 28 
große Figuren aufgestellt, von den weiter geplanten kamen nur 23, jetzt 
in der Silbernen Kapelle verwahrte kleine Figuren und die 32 nicht er- 
haltenen Brustbilder zur Ausführung. 

Den Auftrag zum Entwurf und zur Ausführung des ganzen Monu- 
mentes hatte der Maler Gilg Sesselschreiber erhalten. Im Jahre 1508 
begann dieser in Innsbruck mit den Ausführungsarbeiten, und fast zugleich 
mit ihm kam von Nürnberg als Gießer Stephan Godl mit drei Gesellen, 
dem die Leitung einer der schon in Mühlau bestehenden Stückgießereien 
tibertragen wurde; ein Versuch des Kaisers, Peter Vischer nach dort zu 
ziehen, war fehlgeschlagen. Godl erhielt zunächst insbesondere den Auf- 
trag, die erwähnten 100 kleinen Figuren zu gießen. Für den Guß der 
großen Figuren hatte der Kaiser den Gießer und Büchsenmeister Peter 



Leimioger oder Löffler bestimmt. Dieser Peter Löffler gofi das 
erste BUd für das Grabmal, die durch ihren tadellosen GuB und Torztlgliche 



Ziselierung hervorragende Statue König Ferdinands von Portugal, die im 
wesentlichen im Jahre 1511 vollendet wurde. 

Die Arbeiten in Innsbruck gingen trotz aller Mahnungen äußerst 
langsam von statten, der Kaiser entschloß sich deshalb, die Brustbilder 



420 16. Jahrhundert. 



in Augsburg gießen zu lassen, und wie schon früher berichtet ist, er- 
hielt auch Peter Vischer im Jahre 1513 den Auftrag auf zwei der 
großen Figuren, für die ihm noch in demselben Jahre 1000 Gulden be* 
zahlt wurden, d. h. 28 Gulden für den Zentner (s. S. 407). Im Jahre 1514 
wurde auch in Landshut eine der Statuen bestellt, doch ist von dort 
keine Arbeit nach Innsbruck gekommen. 

Ueber den Stand der Arbeiten in Innsbruck war schon im Jahre 1513 
ein Inventar aufgenommen (abgedruckt bei Schönherr a. a. 0. S. 173), 
das dem Kaiser vorgelegt wurde, der dazu bemerkt, daß er für den Preis 
des bis dahin noch einzig vollendeten Bildes (König Ferdinand) in Nürn- 
berg sechs oder sieben hätte gießen lassen können. 

Aus dem Jahre 1516 ist wiederum ein Inventar erhalten, aus dem 
zu ersehen ist, daß damals sechs der großen Figuren ganz oder teilweise 
vollendet waren, sieben andere teils erst im Modell, teils bereits in der 
Porm vorhanden waren. 

Trotz der schlechten Fortschritte, die die Arbeiten unter Sessel- 
schreibers Leitung nahmen, konnte sich der Kaiser nicht entschließen, 
ihn durch einen zuverlässigeren Künstler zu ersetzen. Erst im Jahre 1518 
kam es dazu. StephanGodl, der bis dahin 19 kleine Bilder gegossen 
hatte, sein tüchtiges Können insbesondere aber durch den Guß der Statue 
Albrechts von Habsburg (später als Rudolf von Habsburg bezeichnet), 
erwiesen hatte, wurde zum Nachfolger bestimmt. 

Durch den Tod des Kaisers (1519) traten Verzögerungen in den 
Arbeiten ein, als tatkräftiger Förderer erwies sich Erzherzog Ferdinand, 
der im Jahre 1522 zum Gubemator von Tirol ernannt wurde. Godl goß 
nun alle Jahr wenigstens eine Statue. 

Im Jahre 1525 beauftragte der Erzherzog den Meister, das Bild eines 
nackten Mannes, einen Ellenbogen hoch, zu gießen und „all sein kunst, 
wie hoch er die herfürzu bringen vermag*, darauf zu verwenden, «also, 
daß der guß wol fall und man dem mit aus feilen oder in ander weg 
nit zu helfen bedürft. Der Künstler sollte damit bekunden, daß er das- 
selbe zu leisten vermöge, wie irgend ein anderer deutscher Gießer. 

Dreiundzwanzig große Statuen waren im Jahre 1528 vollendet, dann 
traten wiederum Stockungen ein, doch als Stephan Godl im Jahre 1534 
starb, fehlte von den heute vorhandenen großen Bildern nur noch eines. 

Der Meister hatte im ganzen 17 große und 23 kleine Figuren ftir 
das Grabmal gegossen. 

Bernhard Godl, wahrscheinlich ein Neffe Stephans, setzte die 
Arbeiten, ohne sie wesentlich zu fördern, fort, bis auch er im Jahre 1539 
starb. 

Als dann im folgenden Jahre auch der vielseitig gebildete Meister 
Jörg Kölderer starb, der die Zeichnungen zu den kleinen Figuren her- 



Deutschland. 421 



gestellt hatte und damit beauftragt gewesen war, einen geeigneten Auf- 
stellungsplatz für das Grabmal in Wien oder Wiener-Neustadt zu erkunden, 
und der auch sonst den Arbeiten vielfach beratend zur Seite gestanden 
hatte, da trat für Jahre hinaus ein Stillstand dabei ein. 

Erst im Jahre 1548 wurden vom Kaiser der Gießer Gregor Löffler 
und der Maler Christoph Amberger zur Vollendung bestellt. Nach 
Ambergers Entwurf wurde jetzt die Statue Chlodwicbs gegossen und zwar, 
wie Löffler versprochen hatte, in »einem Stuck* und »ganz und rein, 
sauber und zierlich". 

Dieses war dann das letzte der für die Umgebung des Grabmals 
gegossenen Bilder; für den Guß vorbereitet war noch im Jahre 1560 die 
Statue Karls des Großen, zur Ausführung kam sie aber nicht mehr. 

Inzwischen, im Jahre 1553, hatte man mit der Errichtung der Hof- 
kirche zum heiligen Kreuz in Innsbruck begonnen, die von Kaiser Fer- 
dinand zur Aufnahme des Monumentes bestimmt war, und es mußte nun 
auch an die Ausführung des Grabes selbst gedacht werden. 

Erst im Jahre 1559 kommen aber die Arbeiten für das Grabmal 
wieder in Fluß. Während man bis dahin noch nicht vom ursprünglichen 
Plane abgewichen war, beschloß man nun, den Mittelbau statt in Bronze 
in Marmor auszuführen, die knieende Gestalt des Kaisers, die Tugenden, 
die „Kindlen*^, Adler und Wappen oben darauf aber, wie beabsichtigt, 
in Bronze zu gießen. 

Die Gebrüder Abel, zwei Bildhauer und ein Maler, wurden mit der 
Ausführung betraut, kamen aber über Vorarbeiten nicht hinaus. Durch 
ihr Bemühen kam aber der Niederländer Alexander Colin nach Inns- 
bruck und mit ihm neues Leben. 

Neben der Ausführung der vom Maler Florian Abel entworfenen 
Marmorreliefs war Colin auch mit den Modellen für die letzten Guß werke 
beschäftigt. Im Jahre 1569 waren die Tugenden im Modell vollendet, 
zu ihrem Guß war man genötigt, Hans Lendenstreich von München 
heranzuziehen, der sie noch im Jahre 1570 fertigstellte. 

Die Tätigkeit Lendenstreichs für das Denkmal währte nicht lange, 
andere Gußwerke lieferte er nicht mehr. 

Die bekrönende knieende Gestalt des Kaisers Maximilian wurde 
wiederum erst nach einer langen Frist gegossen. Im Jahre 1582 tauchte 
in Innsbruck der welsche Gießer Ludwig de Duca auf, mit diesem ward 
1583 der Vertrag zum Guß des Bildes abgeschlossen mit der Verpflich- 
tung, es im Falle des Mißiingens auf eigene Kosten durch Alexander 
Colin aufs neue schneiden zu lassen. Der Guß scheint ohne Zwischen- 
fälle von statten gegangen zu sein; im Jahre 1584 war auch diese Figur 
endlich auf dem Monumente aufgestellt und das in der Geschichte der 
deutschen Gießkunst ganz besonders auch durch die vielen noch darüber 



422 16. Jahrhundert 



bekannten Einzelheiten so außerordentlich interessante Denkmal voll* 
endet. 

Der einstige Wunsch Kaiser Maximilians, in Innsbruck durch Heran* 
Ziehung eines tüchtigen Meisters eine Bildungsstätte für Tiroler Erzgießer 
erstehen zu lassen, ging nur unvollkommen in Erfüllung. Neben den 
Arbeiten für das Eaisergrab und in der Folge sind nur noch wenige 
bedeutendere Gußwerke in Innsbruck entstanden. 

An erster Stelle zu nennen ist ein Brunnen, der im Auftrage des 
Erzherzogs Ferdinand im Jahre 1564 für den Tiergarten bei Innsbruck 
gegossen wurde. Der Entwurf dieses mit einer kleinen Figur des AktäoD 
bekrönten Brunnens war in Prag angefertigt, die Ausführung wurde 
Gregor Lö ff 1er übertragen. Dieser setzte sich zur Herstellung des Modelles 
mit Colin in Verbindung und überließ mit Genehmigung der Regierung 
^seiner langjährigen Schwachheit^ wegen den Guß seinem Sohne Han& 
Christoph Löffler. Der mit Aktäon und anderen Figuren gezierte Aufsatz, 
dieses Brunnens ist in der Ambraser Sammlung erhalten (vergl. Schön* 
herr, Ges. Sehr. S. 509 ff. und J. v. Schlosser, Album ausgewählter 
Gegenstände der Eunstindusfcr. Samml. d. allerh. Kaiserh. Wien 1901» 
Taf. 24). 

Als Arbeiten derselben Künstler erwähnt seien noch die Grabtafela 
Gregor Löfflers und seiner Gattin (um 1566), ehemals in der Kirche zu 
Hötting bei Innsbruck (jetzt im Museum zu Innsbruck)^ eine im Jahre 1568- 
gegossene Gedenktafel auf dem Haller Salzberge^ das Epitaph der Familie 
Dreyling in der Pfarrkirche zu Schwaz (1578) mit der Bezeichnung: 
„Mir gab Alexander Colin den Possen, Hans Christoph Löffler hat 
mich gegossen 1578^, und endlich das Grabmal der Freifrau Benigna v.. 
Wolkenstein (f 1586) in 3Ieran. 

In Nürnberg gelangten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts- 
insbesonders die Namen der Erzgießer Labenwolf und Wurzelbauer 
zu höchstem Ansehen. Nachrichten über diese Künstler sind nur spärlich 
erhalten, zusammengestellt sind sie zuerst von Bergan in der Zeitschrift 
für Büdende Kunst 1879/80, Bd. 15, S. 16 ff. und S. 52 ff'. Weiter vergl. 
die Aufsätze von Bergan, Kunstgewerbeblatt 1885, S. 139, von Boschs 
Mitteilungen aus dem Germ. Museum, Nürnberg 1886, Bd. 1, S. 164, von 
Friis, Tidsskrift for Kunstindustri, Kopenhagen 1889, S. 19, von Drach,. 
Bayer. Gew.-Zeitung 1888, S. 291 und die Schrift von Chytil, Der Prager 
Venusbrunnen, Prag 1902. 

Pankraz Labenwolf wurde im Jahre 1492 in Nürnberg geboren,, 
und man glaubt, daß er in Peter Vischers Werkstatt seine Kunst 
erlernt hat. Im Jahre 1519 fertigte er als Meisterstück einen Weihkessel,, 
und im Jahre 1539 soll er Hans Vi sc her bei der Fertigstellung des 
Fuggergitters behilflich gewesen sein. In den Fünfzigerjahren goß er 



Deutschland. 428 

einige Orabplatten, unter denen die TorzDglichete, die des Grafen Weraher 
T. Zimbern (f 1554), sich in der Stsdtkirche zu Meßkirch bei Sigmaringen 
befindet. In dem umrahmenden Omamentbande findet sich die Jahres- 
zahl 1551, bezeichnet ist die Tafel: .Bancracz Labenwolf, zu NOmbei^ 



Fig. S15. Pankroz Labenwolf, BraaneD In NOniberg, B&tbanshof. 6. *H. 

auf der SchmelczhQtten gos mich." (Abb. in Eunstdenkmäler d. Groß- 
herzogt. Baden, Bd. I., Taf. IV). Im selben Jabre goß der Meister ein 
Grabmal des Starosten Odnoflsky in Lemberg auf Bestellung des Joachim 
Fraischlich in Krakau. 

Als sein Werk gilt femer die große Grabplatte des Alexius MUnzer 



424 16. Jahrhundert. 



von Bamberg (f 1537) und seiner Gemahlin (f 1552) auf dem Johannis- 
friedhofe in Nürnberg. 

Vor allem berühmt geworden ist aber der Künstler durch seine in 
Erz gegossenen Brunnen, von denen der eine mit der Inschrift: „Anno 
Domini MDL VII. P. L." sich noch im Hofe des Rathauses zu Nürnberg 
befindet (Fig. 315, S. 423\ der andere, weit bekanntere, mit dem „Ganse- 
männchen** ebendort auf dem Markte hinter der Frauenkirche steht 
(Fig. 316, S. 425). 

Beide Brunnen sind nur von bescheidenen Abmessungen. Aeußerst 
glücklich im Aufbau ist aber der ßathausbrunnen, und vortreflElich in der 
Auffassung ist die volkstümliche Figur des anderen. Im Jahre 1562 hatte 
Pankraz Labenwolf gemeinsam mit dem Goldschmied Wenzel Jam- 
nitzer auch Entwürfe zu einem offenbar sehr kunstreichen Brunnen fQr 
Kaiser Ferdinand I. gefertigt, von denen leider keiner zur Ausführung 
kam (Bosch a. a. 0.). Pankraz Labenwolf starb im Jahre 1563; auf 
einer Medaille vom Jahre 1543 und in einem Kupferstiche vom Jahre 
1554 ist uns das Bildnis des Künstlers überliefert. 

Sein Sohn Georg Labenwolf führte die väterliche Werkstatt weiter. 
Genaueres bekannt ist über dieses Meisters Hauptwerk, einen großen 
Brunnen, den er im Jahre 1576 von König Friedrich II. von Dänemark 
für das damals im Bau begriffene Schloß Kronborg in Auftrag erhielt. 
Ende des Jahres 1582 wurde der Brunnen vollendet, der Künstler stellte 
ihn mit Hilfe seines Sohnes Lienhard und zweier Gesellen selbst in 
Kronborg auf. Der gegen 200 Zentner schwere Brunnen soll im ganzen 
über 5000 Taler gekostet haben. 

Der Brunnen stand bis zum Jahre 1659 an seinem Bestimmungs- 
platze und ist seitdem nicht mehr nachweisbar. Erhalten sind von ihm 
nur einige Abbildungen in Doppelmayrs ^Nachrichten von Nümbergi- 
schen Künstlern'* auf Tafel 11 und in dem Skizzenbuche des Nürnberger 
Baumeisters W. J. Stromer. 

Nur wenige alte Angaben geben uns Bescheid über ein Brunnen- 
werk, das Georg Labenwolf im Jahre 1570 oder 1571 für den Landgrafen 
Wilhelm IV. von Hessen-Kassel gegossen hat (vergl. Drach a. a. O.). 
Dieser Brunnen, der für das Bad- und Lusthaus in der Aue zu Kassel 
bestimmt war, war mit zehn Bildern (Figuren ?) geschmückt, deren Modelle 
von Paul Kremer zu Nürnberg in Holz geschnitten waren. 

Aus derselben Quelle erfahren wir auch, daß gleichzeitig ein Meister 
Markus Labenwolf zu Augsburg einen „springenden Brunnen* mit der 
Darstellung des Parisurteils für die Anlagen jenes Lusthauses geliefert 
hat. In welchem verwandtschaftlichen Verhältnis dieser Markus zu den 
Nürnberger Labenwolfs stand, ist bisher nicht bekannt, auch sind andere 
Werke von ihm noch nicht nachgewiesen. 



DentBcbland. 425 

Ob diese EOnstler such mit der AusfQhrung der Brunnen betraut 
wurden, über die der Landgraf im Jabre 1579 unterhandelte, tmd zu 
denen er bestimmte Wünsche äußerte (Dracb a. a. 0. S. 294 f.), ist nicht 
ermittelt. 

Vennutlicb bei seinem Besuche am Hofe Wilhelms IV. wurde der 



Fig. SIS. FanbraE Labenwolt, QKnsemADncben-BruDnen in Nnraberg, 8. «14. 

berühmte Astronom Tycho Brake mit den Brunnen der Labenwolf be- 
kannt, und auf die Empfehlung des Landgrafen bin wird Georg Laben- 
wolf die Äufli^e ftlr den Eronborgbrunnen und den für die Sternwarte 
üraniborg gelieferten erhalten haben, der (nach Zedlers Eonvers.- 



426 16. Jahrhundert. 



Lexikon) ausgestattet war „mit unzählbaren vielen und schonen In- 
ventionen von Röhren, Bildern, Tieren, Vögeln*. 

Der einzige noch erhaltene Brunnen Georg Labenwolfs — von un- 
sicheren Werken abgesehen — befindet sich im Hofe des Seminargebäudes 
in Altdorf bei Nürnberg, wo er im Jahre 1576 aufgestellt wurde. In der 
Mitte einer in Kupfer getriebenen Schale erhebt sich ein sehr zierlicher, 
2 m hoher, in Bronze gegossener Aufsatz, der von einer Minerva 
bekrönt wird. Nicht mit voller Sicherheit sind dem Meister die Bronze- 
reliefs an dem im Jahre 1560 errichteten Grabmale des Wolfgang Münzer 
auf dem Johannisfriedhofe in Nürnberg zuzuschreiben. Ebensowenig sind 
eine Brunnengruppe mit Herkules und Antäus im Hofe des Hauses 
Potzelgasse 37 und ein kleiner Brunnenaufsatz aus einem Hause in der 
Winklerstraße in Nürnberg mit Bestimmtheit auf den Künstler zurück- 
zuführen. 

Schließlich sei die auf Grund der bekannten Beziehungen des Pankraz 
Labenwolf zu Wenzel Jamnitzer ausgesprochene Vermutung angeführt, 
daß vier nach Modellen dieses Goldschmiedes in Bronze ausgeführte Figuren 
der Jahreszeiten (71cm hoch) von Georg Labenwolf gegossen wurden. 
Diese Figuren sind allein übrig geblieben (in der k. k. Schatzkammer 
in Wien) von einem sehr berühmten großen Tafelaufsatze, den Jamnitzer 
im Auftrage Kaiser Maximilians H. fertigte und dessen Edelmetallteile im 
18. Jahrhundert eingeschmolzen wurden (vergl. v. Schlosser, a. a. 0. 
Tafel 25 mit Text). 

In nahen verwandtschaftlichen und Lehrbeziehungen zu den Laben- 
wolf stand Benedikt Wurzelbauer, der im Jahre 1548 in Nürnberg 
geboren wurde. Er war ein Großsohn des Pankraz und erlernte die 
Gießerei bei seinem Onkel Georg Labenwolf. Auch Wurzelbauer ist 
durch seine Brunnen berühmt geworden und sein bekanntestes Werk ist 
der „Tugendbrunnen** neben der Lorenzkirche in Nürnberg ^ den er im 
Jahre 1589 voUendete (Fig. 317, S. 427). 

Aehnlich dem Kronborgbrunnen Labenwolfs ist auch bei diesem ein 
inmitten eines steinernen Beckens aufgestellter Rundpfeiler in drei Stock- 
werken mit Figuren geschmückt und zwar unten mit sechs allegorischen 
weiblichen Gestalten (Glaube, Geduld, Hoffnung, Liebe, Großmut, Tapfer- 
keit), darüber mit sechs posaunenblasenden Knaben und oben mit einer 
Gestalt der Gerechtigkeit. Dünne Wasserstrahlen entsprießen den Po- 
saunen, den Brüsten der Tugenden und anderen OefiFnungen. Der Brunnen 
ist bezeichnet: Benedict Wurzelbauer. Anno Domini MDLXXXIX. 

Ein etwas jüngeres Gußwerk des Meisters, das bereits verloren schien, 
ist zum wenigsten in seinen Teilen nach mancherlei Abenteuern wieder 
am Orte seiner Bestimmung angekommen, der im Jahre 1599 für Christoph 
Popel V. Lobkovic in Prag gefertigte Brunnen. 



Fig. B17. Benedikt Wurzelbauer, Tugendbranuen in Nürnberg, S.iae. 

Die BekrönuDgsfigur dieses Brunnens, eine Venus mit Amor, wurde- 
j Dreißigjährigen Kriege von den Schweden nach Stockholm entfUhrt und 
t vor etlichen Jahren Tom Kunstgewerbemuseum in Prag erworben. 



428 ^6* Jahrhundert. 



Der Sockel der Figur mit dem großen Becken hatte sich mit einigen 
Abänderungen im Waldsteinschen Garten in Frag erhalten. Die Zusammen- 
gehörigkeit der Teile war nachweisbar durch eine in dem schon erwähnten 
Studienbuche Stromers und eine andere jüngst im Eunsthandel aufge- 
tauchte Zeichnung des Brunnens (vergl. Chytil a. a. 0., mit Lichdruck- 
tafeln). 

Nichts erhalten ist von einem umfangreichen Erzbrunnen, den Wurzel- 
bauer im Auftrage des Markgrafen von Baden-Durlach fiir das Schloß 
Durlach im Jahre 1605 goß. Bekannt ist nur, daß die Gestalten Herkules, 
Pallas, Venus, Diana und Ceres ihn schmückten. 

Auch kleinere Gußarbeiten, wie einige Epitaphien auf dem Johannis- 
friedhofe in Nürnberg werden ohne sicheren Anhalt auf den Meister 
zurückgeführt. Im Jahre 1618 goß er etliche OfenfQße fttr das neue 
Rathaus seiner Heimatstadt. Er starb im Jahre 1620, sein Bildnis ist 
uns in zwei Kupferstichen überliefert. Wiederum führte ein Sohn, der im 
Jahre 1595 geborene Johann Wurzelbauer, die Gießerei des Vaters 
weiter, von ihm wird noch an anderer Stelle zu reden sein. 

Zu glänzendster Entfaltung gelangte die Bronzekunst noch in der 
zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in München, Drei Künstler waren 
es vornehmlich, mit denen die noch in der ersten Hälfte des 17. Jahr- 
hunderts fortdauernde Blütezeit des Erzgusses in München kam und 
verlosch, Peter Candid, Hubert Gerhard und Hans Krumper. 

Das Schaffen dieser und anderer mit ihnen wirkenden Künstler soll, 
soweit es sich um Werke der Gießkunst handelt, kurz im Zusanunenhange 
betrachtet werden. Daß viele auf die Urheberschaft der anzuführenden 
Werke bezügliche Fragen noch ungelöst sind, mag im voraus erwähnt 
werden. 

Peter Candid auch Candido, eigentlich Pieter de Witte, war 
um 1548 in Brügge geboren, war längere Zeit in Italien und kam im 
Jahre 1586 (nicht schon 1578) nach München^ wo er 1628 gestorben ist 
(vergl. ßee, Peter Candid, Leipzig 1885). 

Hubert Gerhard war ebenfalls Niederländer und etwa von 1584 bis 
1609 in bayerischen Diensten. 

Hans Krumper war in Weilheim in Oberbayem geboren, in den 
Hofzahlamtsrechnungen findet sich sein Name zuerst im Jahre 1587, er 
starb im Jahre 1634. 

Alle drei werden bald als Maler, bald als Bildhauer bezeichnet, doch 
scheinen Gerhard und besonders Krumper bei den Erzgußarbeiten 
weniger die erfindenden als die ausführenden Meister gewesen zu sein. 

Die meisten Gußwerke dieser Künstler sind erhalten, teils nicht mehr 
an ihrem ersten Bestimmungsplatze. Sie befinden sich in München^ in 
und an der Residenz, in und an der Michaelskirche, in der Frauenkirche, 



. Ferse asbrunnen in MUncbcn, Residenz (GrotteoliofJ. S. «30. 



430 16. Jahrhundert. 



auf dem Marienplatze und im Nationalmuseum. Besonders schlecht unter- 
richtet sind wir über die zahlreichen Bronzeskulpturen der Residenz. 

Erhalten sind dort aus der Zeit um 1600 zwei Brunnen; von einer 
anscheinend großartigen Brunnenanlage mit vielen Bronzefiguren ist nur 
eine Beschreibung des bekannten Augsburger Patriziers Philipp Hain- 
hofer vom Jahre 1611 erhalten (Haeutle, Gesch. d. Residenz in München. 
Leipzig 1883. S. 21—22). 

Im Grottenhofe befanden sich ehemals außer dem jetzt dort stehenden 
Perseusbrunnen (Fig. 318, S. 429) und den acht Knabenfiguren noch vier 
kleine Brunnen mit den erzenen Figuren der Jahreszeiten. Diese Figuren 
befinden sich jetzt anscheinend im Nationalmuseum in München und 
gelten dort als Arbeiten Candids und Krumpers. Nach einer ver- 
mutlich darauf bezüglichen Rechnungsnotiz (Haeutle S. 43) soll der 
Goldschmied Georg Mair die Modelle geschnitten und der Guß von Dionys 
Frey und Bartholomäus Wenglein besorgt sein (R^e nimmt an, daß 
Mair die Gußstücke verschnitten, d. h. ziseliert habe). 

Der Perseusbrunnen, der jezt noch in der Mitte des reizvollen Grotten- 
hofes steht, galt stets als ein Werk Hubert Gerhards nach einer Zeich- 
nung des Christoph Schwarz. R ä e (S. 93) glaubt an eine starke Teilnahme 
Candids beim Perseus, den er geradezu den Kanon seiner Kunstweise 
nennen möchte. Ueber den Meister der Knabenfiguren dieses Hofes ist 
nichts bekannt. 

Ueber Meister und Entstehungszeit des großen und schönen Wittels- 
bacherbrunnens im Brunnenhofe der Residenz (Fig. 319, S. 431) weiß man 
auch nichts Bestimmtes. Er gilt als ein gemeinsames Werk Candids und 
Krumpers; R^e glaubt, daß auf Candid nur die Figuren der „Elemente*" 
auf dem Rande des Beckens zurückgehen. Fest steht, daß bereits im Jahre 
1576 au dem Brunnen gearbeitet wurde, und zwar soll als Gießer damals 
Hans Reissinger von Augsburg daran beschäftigt gewesen seio. Später 
hat der Brunnen Umwandlungen erfahren, und bei dieser Gelegenheit mögen 
die „Elemente** hinzugekommen sein. In der Mitte des Brunnenbeckens 
auf reichem Postamente steht die geharnischte Figur Ottos von Witteis- 
bach, auf dem Becken sind die vier „Elemente" (Neptun, Vulkan, Juno^ 
Ceres) stehend dargestellt, als liegende bärtige Männer sind die vier 
bayrischen Hauptflüsse (Donau, Lech, Isar, Inn) dargestellt, und zwischen 
diesen Figuren zieren Tritonen und Seeungeheuer die Brüstung des 
Brunnens. 

Auf der Kuppel eines kleinen Rundtempels im Hofgarten steht eine 
etwa lebensgroße weibliche Figur (Fig. 320, S. 432), eine etwas eigenartige 
Darstellung der Bavaria, die schon Hainhof er (1611) in Verbindung mit 
dem erwähnten Brunnenwerke beschreibt. Das Rundtempelchen wurde im 
Jahre 1615 errichtet, und wohl etwa gleichzeitig wird die Figur dort auf- 



Deatscbland. 431 

gestellt sein. Angenommen wird, daß sie von Erumper nscli Candids 
Entwurf ausgefDhrt ist. 

Mit einer Reite vor trefflicher Erzguß werke ist endlicb noch di» 



Westfassade der Residenz ausgestattet. Auf den Giehelflächen der beiden 
Portale lagern links die Gestalt der Prudentia und Justitia, rechts die 



16. Jahrbnndert 



Fortitudo und Temperontiu. Zu den Seiten der Tore sitzen auf Sockeln 
wappenbaltende Löwen. Zwischen den Portalen steht in einer großen, 
ebenfalls in Erz gegossenen Nische die gekrönte Madonna mit dem Kinde 



Fig. am. Bavariu in HUncli«)), Hofgartea. S- «30. 

als Patrona Bavariae (Fig. 321, S. 433), und darunter ist eine reiche La- 
terne für ein ewiges Licht angebracht. 

ßee nimmt jedenfalls mit Recht an, daß alle diese Werke, mit Aus- 
schluß zweier Löwen, die nach Gerhards Modellen von Carlo Peltagio 
(noch unter Herzog Wilhelm V.) für die S. Michaelskirche gegossen wurden (im 



Deutschlftna. 433 

Jahre 1615 wurden sie an der Residenz aufgestellt), nach Candids Ent- 
würfen oder Modellen von Erumper ausgeführt sind, und daß wahrschein- 
lich der Goldschmied Georg Mair die feine Ziselierarbeit besorgt hat. 
Im Gegensatz dazu gibt Haeutle (a. a. 0. S. 59) an, daß diese Bild- 



Ftg. 33t. Patrooa Bavariiie in Jinncben, Residenz (Weatfussade). S. 131. 

werke (mit Ausschluß der Löwen) nach Mairs Modellen von Bartho- 
lomäus Wenglein gegossen seien, nur die Laterne nach dem Modelle 
eines Sohnes des Bauamtsverwalters Schön, 

Die Bionzewerke der Michaelskirche sind noch im 16. Jahrhundert 
entstanden. Weit berühmt ist die große Gestalt des Erzengels Michael 
an der Hauptfassade. Martin Frey erhielt im Jahre 1588 für den Guß 
mar, Dnedla Metalle. 28 



434 16. Jahrhundert. 

des Bildes 300 fl. und ,fUr St. Michaelbild zu foi-mieren und zu ver- 
schuaitten" erhielt Hubert Gerhard im Jahre 1592 800 fi. Ree hält 
den Haler Christ. Schwarz fOr den „künstlerischen Urheber" der Gruppe. 
In der Kirche sind als bedeutsame ErzguBwerke aus dieser Zeit zu 
nennen ein großer geflügelter Engel (Fig. 322, S. 434) neben einem 
schwarzmarmomen Taufbecken, eine knie ende Magdalena am Kreuze mit 
der Gestalt Christi, vier Kandelaber und die Grabplatte und eine Büst« 
Herzogs Wilhelms Y. Die figürlichen Werke und die Grabplatte befinden 



sich nicht mehr am ursprünglichen Standorte. (Gmelin, Die St. Michaels- 
kirche in München. Bamberg 1890, S. 62.) 

Der Taufengel, der Kruzifixus mit Magdalena und die vier Kande- 
laber scheinen nach Peter Candids Entwürfen von Gerhard oder 
Krumper ausgeführt zu sein, auch Pellagio wird als beteiligt genannt. 
Das Modell der Magdalena fertigte Hans Keichel, er erhielt im Jahre 
1595 , wegen der Magdalena zu Possiren 100 fl." 

Eines der großartigsten deutschen Gußwerke aus dieser Zeit ist das 
Grabmal Kaiser Ludwigs in der Frauenkirche in 3filnchen (Fig. 323, 
S. 435); es wurde im Jahre 1622 errichtet. Klarheit Über die Beteihgung 
der verschiedenen Künstler haben bisher die Untersuchungen auch noch 
nicht zu bringen vermocht. Anscheinend stammt der Entwurf von Peter 



Candid, die Ausführung teils Ton Hans Erumper, teils tob Dio- 
njsius Frey, der einige der Hauptfiguren goß. 



Die auf den Mitten der Langseiten des Monumentes stehenden 
Gestalten sind die Herzöge Albrecht V. und Wilhelm IV. Die knieenden 



436 16. Jahrhundert. 



geharniscliten Männer auf den Ecken tragen Standarten mit Inschriften, 
die auf die vier mit dem bayrischen Herrschershause zusammen- 
hängenden Kaiser und deren Gemahlinnen Bezug haben. Oben auf 
den Schmalseiten des Aufbaues thronen zwei Tugendgestalten, die 
Weisheit und Tapferkeit. Die Länge des Monumentes ist 4,80 m, die 
Breite 3,20 m, die Höhe 3,80 m (vergl. Eunstdenkmäler Bayerns von 
Bezold und Riehl, Bd. I, Lieferung 13, S. 974 flf.; Zeitschrift d. Münch. 
Kunstgewerbevereins 1893, S. 35 ff. und S. 41. ff. und R^e, Peter Candid, 
S. 85 ff. und S. 229). 

ursprünglich in der Frauenkirche auf dem Hochaltare stand auch 
die Madonnenfigur, die seit dem Jahre 1638 auf dem Marienplatze 
hoch oben auf der bekannten Säule steht. Die Figur dürfte auch nach 
Candids Entwurf von Krumper ausgeführt sein, die übrigen Teile 
der Säule sind jedoch erst nach Candids Tode von anderen Künstlern 
geschaffen. Fest steht, daß die Kindergruppen von Bernhard Ernst 
gegossen sind, doch weiß man nicht, ob auch die Modelle dazu von ihm 
herrühren. Man hat auch als Mitarbeiter an der Säule den Bildhauer 
König und den Glockengießer Küstler genannt, doch sind urkundliche 
Belege dafür nicht zu erbringen. 

Die Säule erhebt sich auf einem Unterbau, auf dessen Ecken Engel 
mit Ungeheuern kämpfen, die den Aberglauben, die Pest, den Krieg und 
die Hungersnot darstellen sollen. Diese Gruppen, die Zierate in der 
Kehle unter der Säulenbasis, das Kapital der Säule und die Ecklatemen 
auf der das Monument umschließenden Balustrade sind wie die Madonna 
oben in Erz gegossen, die übrigen Teile sind in Marmor ausgeführt. 

Im Nationalmuseum in München sind außer den früher genannten 
Figuren der Jahreszeiten zwei etwa halblebensgroße Bronzegestalten der- 
selben Zeit, eine Virtus und eine Venus erhalten, die auch als Arbeiten 
Krumpers nach Candid gelten (R^e glaubt, daß nur die Virtus auf 
Candid zurückgeht). Das Museum besitzt ferner eine bronzene Kolossal- 
gruppe von Mann, Frau und Kind auf hohem Postament, die als Werk 
Hubert Gerhards angesehen wird und für die als Mitarbeiter Carlo 
Pellagio und die Gießer Pietro di Neve, Kornel Anton Man, Martin 
Frey in München und Peter Wagner zu Augsburg genannt werden. 
Diese ursprünglich im Schloßhofe zu Kirchheim, später in Augsburg auf- 
gestellte Gruppe, deren Bedeutung nicht feststeht, wurde im Jahre 1590 
in Hans Fuggers Auftrage ausgeführt. 

Endlich sei von den in München befindlichen Werken noch das im 
Jahre 1589 errichtete Bronzeepitaph mit der lebensgroßen Relieffigur des 
Herzogs Ferdinand von Bayern angeführt, das jetzt in der Heiliggeist- 
kirche aufgestellt und nur seiner Entstehungszeit wegen dem Gerhard 
zugeschrieben ist. 



Deutschland. 437 

Hubert Gerhards Hauptwerk, von dem Bee auch annimmt, daß 
der Entwurf auf Gandid zurückgeht, ist der große Augustusbrunnen in 
Augsburg (Fig. 324, S. 437). In den Jahren 1590 und 1591 erhielt 
Gerhard Zahlungen für seine Arbeiten an diesem Brunnen, im ganzen 
etwa 3000 fl. 

B^e glaubt, daß Gerhard auch die Ziselierung der Figuren im wesent- 



Fig. 82t. Hnbert Gerhard, Augoatasbrunnen In Augsburg. 8. 137. 

lichea selbst ausgeführt habe, und daß Ton den Goldschmieden Gregor 
Mair, der im Jahre 1591 fUr «die großen Bilder zum rörpronnen zu ver- 
schneiden" 470 fl. erhält, und Jakob Schönerer, der in den Jahren 1591 
und 1593 fUr seine Mitarbeit 204 Q. empfängt, nur die feine Ziselierung 
der Haare, Gewänder, Schmuckteile etc. besorgt wurde. Die 2'/» m hohe 
Figur des Augustus goß Peter Wagner, ein tüchtiger Äugshurger Gießer, 
und erhielt 270 fl. dafür. 

Die großen Figuren auf dem Beckenrande sollen die einst bei Augs- 
burg zusammenfließenden Flüsse Singold, Wertach, Lech und Brunnenbach 
darstellen. Das hohe mittlere Steinpostament für die Augustusfigur ist 



16. Jahrhondert. 



Fig. 3SG. BnmneDstiule in Kempteu, 



mit Ausnahme der Kinder- 
figuren mit den wasser- 
speienden Delphinen und der 
Bocksköpfe im 18. Jahr- 
hundert erneuert. 

Ein höchst anmutiges, 
weniger umfangreiches Guß- 
■werk, die bronzene Brunnen- 
s&ule auf dem Marktplatze 
in Kempten in Bayern 
(Fig. 325, S. 438), steht in 
seiner Formgebung den 
Candid-Krumperschen 
Arbeiten so nahe, daß man 
sie diesen Künstlern zu- 
schreiben würde, auch wenn 
nicht bekannt wäre, daß sie 
im Jahre 1601 in Wdlhetm, 
der nahe bei München ge- 
legenen Heimat Krumpers, 
gegossen ist. 

Den Werken der her- 
vorragendsten süddeutschen 
Erzkflnstler sollen in grup- 
penweiser Betrachtung die 
wichtigeren, noch im Laufe 
des 16. Jahrhunderts in 
Erzguß ausgeführten Brun- 
nen, Grabmäler, Taufkessel 
etc. anreiht werden. 

Die Erfindung und Guß- 
ausfUhruQg kunstreich ge- 
stalteter Erzbrunnen zeich- 
net die süddeutschen Gießer 
des 16. Jahrhunderts ganz 
besonders vor denen des 
übrigen Deutschland aus — 
in Norddeutschland ist aus 
jener Zeit nur in Lüneburff 
von einem Marktbrunnen 
der nicht sehr bedeutende 
Schaft mit bekrönender 



Deutacbland. 439 

Diana aus Bronze erhalten; Über die süddeutschen Arbeiten dieser Art 
möge zuerst weiteres berichtet werden. 

Zu den bedeutendsten Bronzebrunnen des 16. Jahrhunderts gehört der 



Fig. Bifl, Brunnen In Prag, Belveder« garten. S. 140. 

im Belrederegarten zu Pray. Mit dein Entwurf dieses Gußwerkes wurde 
im Jahre 1562 TOm Kaiser Ferdinand sein Hofmaler Franz de Tertio 



440 16- Jahrhundert. 



beauftragt. Das Holzmodell schnitzte Hans Preysser, der Bildhauer 
Erzherzogs Ferdinand in Prag, und den Erzguß führte Thomas Jarosch 
aus Brunn ^ kaiserlicher Büchsenmacher auf der Prager Burg, aus mit 
Beihilfe von Laurenz Klicka (Kricka) und Wolf Hofprugger 
(Fig. 32(5, S. 439). 

Ein in Erz gegossenes Brunnenwerk eigener Art, das in den Jahren 
1589 — 1590 von Marx Wennig und Thomas Auer gegossen wurde, 
befindet sich im Hofe des Landhauses in Graz in Steiermark (Fig. 327, 
S. 441). 

Der metallene Schmuck dieses Brunnens hat die in jener Zeit gerade 
im südöstlichen Deutschland so vielfach in Schmiedeisen ausgeführte Form 
einer Laube. Das mit Meerjungfrauen, Delphinen und Genien ausgezierte 
Laubendach ruht auf fünf reich gegliederten Säulen, die unten an den 
Ecken der Steinbrüstung als Satyrkaryatiden gestaltet sind. 

Bezahlt wurden für den Brunnen insgesamt 860 fl. 24 kr. 

Die beiden Meister waren in Graz ansässig, über Auer weiß man 
näheres nicht, wohl aber über Wennig. 

Marx Wennig war der Sohn des Regensburger Büchsenmeisters 
QeorgWennig, erlernte bei diesem, wie er selbst angibt, die Gießerei 
und lebte bis 1575 ebenfalls in Regensburg. In diesem Jahre bewarb er sich 
um die Stelle eines „Füchsen- und Glockengießers" in Graz^ doch erst auf 
ein zweites Gesuch hin hatte seine Bewerbung Erfolg, und seine Tätig- 
keit als solcher ist zu verfolgen (vergL Mitteilungen der k. k. Zentral- 
kommission 1889, N. F. 15, S. 8 und Repertorium für Kunstwissenschaft 
1886, Bd. 9, S. 189). 

Ueber einen verlorenen Brunnen, den der schon bei Gelegenheit des 
Witteisbacherbrunnens in der Münchener Residenz genannte Augsburger 
Meister Hieronymus Reissinger für das Schloß Velthums in Tirol goß, 
sind nur kurze Notizen überliefert (Schönherr, Ges. Sehr. S. 639). Wir 
wissen, daß der Brunnen im Jahre 1584 vollendet war, vom Meister selbst 
aufgestellt wurde, und daß er 581 fl. 55 kr. dafür erhielt. 

Zu Ende des Jahrhunderts begann man in Süddeutschland auch bei 
sonst aus Stein gefertigten Brunnen die Wasserausflußöffiiungen mit gro- 
tesken Bronzemasken zu schmücken, insbesondere geschah dieses in Ulm. 

Die bronzenen Grabmäler Süddeutschlands aus dem 16. Jahrhundert 
sind, soweit sie nicht bereits angeführt wurden, im allgemeinen künstlerisch 
und technisch nicht besonders hervorragend, nur weniges ist darüber noch 
zu sagen. 

Ganz besonders zahlreich sind Epitaphien in Franken entstanden und 
erhalten. 

Auf die in Nürnberg, besonders auf dem Johannisfriedhof, erhaltenen 
Arbeiten dieser Art wurde verschiedentlich hingewiesen; zahlreiche Ab- 



Fig. iiJ. BruDDenlmilie 



bilduDgen finden sich in dem Tafelwerk von Gerl&ch und Bosch, Die 
BroDzeepitaphien der Friedhöfe zu Nürnberg, Wien, 1896, In welchen 
Gießhntten außer der Vischerschen noch die Erzgrahplatten im Würz- 
burger Dome und in der NeumUnsterkirche gegossen sind, ist nicht bekannt. 



442 16. Jahrhundert. 



Einige Bronzeepitaphien der Stiftskirche in Aschaffenburg ^ z. B. das 
des Melchior von Grönroth vom Jahre 1584, wurden von Hieronymus 
Hack aus Mainz gegossen. 

Verschiedene Gießernamen haben uns die Epitaphien im Bamherger 
Dome und der Michaelskirche überliefert. Hans Krebs in Bamberg goß 
die Platte des Domdechanten Georg Stiber (f 1515), Kunz Müllig in 
Bamberg goß die Tafeln des Andreas Tockler (f 1535) und Reimers von 
Streitberg (f 1541), Sebastian Roth in Forchheim goß die Platten Kaspars 
von Würzburg (f 1571) und Philipps von Seckendorf (f 1573), Balthasar 
Lichten felser in Bamberg goß die Grabtafel Joachims von Rotenhan 
(t 1593) und für die Pfarrkirche in Weismain die Tafel des Peter Schrötz 
(t 1594). 

Ueber die Gießer der Qrabtafeln in der Pfarrkirche in Lichte^ifels 
ist nichts bekannt. 

Einige bemerkenswerte Grabplatten sind noch im südlichen Baden 
in Meßkirch^ Badolßell und Villingen erhalten. Die Platte des Pankraz 
Labenwolf in Meßkirch wurde bereits erwähnt, noch ein anderer zu 
großem Ansehen gelangter Gießer hat dorthin ein schönes Werk geliefert, 
Wolfgang Neidhardt aus Ulm. 

Neidhardt goß das Epitaph des Grafen Wilhelm von Zimbern. In 
einer reichen mit Wappen ausgestatteten Umrahmung ist im Mittelrelief 
der Ritter vor einem Kruzifix knieend dargestellt, ihm zu Füßen liegt ein 
Löwe, hinter ihm steht sein Pferd, die Stadt Jerusalem bildet den Hinter- 
grund. Das Werk ist bezeichnet „Aus dem feur bin ich geflossen Wolf- 
gang Neidhardt in Ulm hat mich gössen 1599". 

Das dort befindliche Epitaph des Herrn Jakob Freiherrn von Wald- 
burg und Wolfegg (f 1589) ist in gleicher Weise wie das Zimbemsche 
Epitaph von Jonas Gesus zu Konstanz bezeichnet. 

Ein vortreffliches Werk ist auch die etwas ältere Gedächtnisplatte 
des Wolfif von Honburg in Badolfzell^ sie ist bezeichnet: »Aus dem Feir 
flos ich Hans Algeer gos mich zu Ulm Got sei mit uns allen 1568." 

Die Bronzegedenktafel des „erenhafft und from jeronymus baldter* 
in Villingen ist H. K. bezeichnet, was man als Hans Krauth gedeutet 
hat, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts dort als tüchtiger 
Hafner ansässig war; wer den Guß der Platte besorgte, ist nicht bekannt. 

Im nördlichen Deutschland entstand die umfangreichste, mit lebens- 
großen vergoldeten Bronzefiguren ausgestattete Grabmalanlage des 16. Jahr- 
hunderts in dem als Grabkapelle Herzogs Heinrich des Frommen (t 1541) 
und seiner Nachkommen ausgestatteten Chorraume des Domes zu Frei- 
berg in Sachsen. 

Der erste Plan zu diesem großartigen Werke wurde im Auftrage 
des Kurfürsten August im Jahre 1585 von dem Architekten Nosseni aus- 



Fig. S18. Fieav dar Karfdrstin Anna In FreiberK, Dom. S. tu. 



444 16. Jahrhundert. 



gearbeitet. Seit dem Jahre 1590 war der Bildgießer Carlo de Cesare 
aus Florenz in Freiberg damit beschäftigt, die zwischen der reichen Säulen- 
und Pilasterbekleidung der Wände aufgestellten Figuren zu gießen (Fig. 328, 
S. 443). 

Nur eines der acht erzenen Fürstenbilder, die Statue Johann Georgs I., 
wurde von dem Venezianer Pietro Boselli gegossen und erst im 18. Jahr- 
hundert aufgestellt. 

Den Boden dieser Grabkapelle und der angrenzenden Kapellen bedecken 
28 gravierte Bildplatten, die zum Teil dem 17. Jahrhundert angehören. 

Die Mehrzahl dieser Tafeln, vielleicht alle, wurden in den Werk- 
stätten der zu bedeutendem Ansehen gelangten Freiherger Erzgießer- 
familie Hilliger oder Hilger nach gelieferten Entwürfen ausgeführt. 

Die Todesdaten dieser Platten umfassen einen Zeitraum von hundert 
Jahren. (Nähere Angaben über die Grabkapelle etc. in Bau- und Eunst- 
denkmäler d. Kgr. Sachsen, Bd. III, S. 46 ff.) 

Das bedeutendste Glied jener Gießerfamilie (vergl. Schmidt, Die 
Glocken- und Stückgießerfamilie Hilliger, Mitt. d. Freiberger Altert.-Ver- 
eins, Heft 4, S. 341) und der Begründer ihres hohen Rufes war der im 
Jahre 1576 gestorbene Wolf Hilger. Er soll von den Freiberger Platten 
die der Herzogin Katharina, Gemahlin Herzog Heinrichs (f 1561), und die 
Tafeln für «mindestens sieben der meist in zartem Alter verstorbenen 
Kinder des KurfUrsten August" gefertigt haben. 

Für das Marmorgrabmal des Kurfürsten Moritz im Freiberger Dome, 
das ursprünglich auch als Erzgußwerk geplant war, goß er das Kruzifix, 
vor dem der Fürst kniet. 

Gemeinsam mit Oswald Hilger goß Wolf im Jahre 1545 eine zum 
Teil bemalte Stiftungstafel mit den Brustbildern des Kurfürsten Johann 
Friedrich, Luthers und der Prinzen Johann Wilhelm und Johann Friedrich 
für die Schloßkirche in Torgau. 

Für die Petrikirche in Wolgast goß Wolf Hilger das Epitaph Herzog 
Philipps I. von Pommern (f 1560) (Kugler, Kl. Schriften I, S. 819). 

Als teilweise emailliert wird das von dem Meister um 1580 gegossene 
Epitaph des Sebastian Hilger (f 1570) in der Thomaskirche in Leipzig 
bezeichnet (Bau- u. Kunstdenkm. d. Kgr. Sachsen, Bd. 17, S. 75, Taf. XV). 
In derselben Kirche wird dem Meister das Epitaph des Nikolaus Seleneccer 
(t 1592) zugeschrieben (ebend. S. 76). 

Der älteste im Jahre 1538 geborene Sohn Wolf Hilgers war Martin 
Hilger (f 1601). Er fertigte ebenfalls mehrere der Freiberger gravierten 
Grabplatten (aus den Jahren 1593 und 1594). 

In den Jahren 1577 — 1588 lebte der Meister in Graz und entfaltete 
dort als Stück- und Glockengießer eine umfangreiche Tätigkeit (Mitt. d. 
Zentralkommission 1889, Bd. 15, S. 2). 



Deutschland. 445 



Nach des Vaters Tode hatte er die Freiherger Werkstatt und auch 
die Leitung der kurfürstlichen Gießstätte in Dresden übernommen. 

In Dresden goß er 53 messingene „Säulen mit Kapitalen, Postamenten, 
Bild- und Laubwerk^ für die Schranken im Hofe des neuen Stallgebäudes. 

Martin Hilger starb im Jahre 1601; er hinterließ mehrere Söhne, 
die ebenfalls als Gießer Tüchtiges leisteten (s. S. 491). 

In Sachsen tat sich im 16. Jahrhundert noch ein Gießer hervor, der 
vordem in Nürnberg ansässig und mit Peter Vischer nahe verwandt war, 
Meister Peter Mül ich. Der Vater dieses Erzgießers, ebenfalls Peter ge- 
heißen und auch Gießer, war verheiratet mit der Schwester Martha des 
älteren Peter Vischer. Der jüngere Peter Mülich scheint um 1490 in 
Nürnberg geboren zu sein ; nachdem er sein Meisterrecht erlangt hatte, 
wanderte er im Jahre 1523 nach Zwickau aus, wo er gegen ein Gehalt 
von 50 fl. und ein Winterhofkleid in den Dienst des Kurfürsten Friedrich 
des Weisen trat. 

Er goß vornehmlich Geschütze, doch sind auch einige Epitaphien 
von ihm bekannt. 

In der Stadtkirche zu Weimar sind die Grabplatten der Margareta 
Johanna, Tochter Johanns des Beständigen (f 1535), und Johann Fried- 
richs I. Sohn Johann Ernst (geboren und gestorben 1536) von ihm im 
Jahre 1536 gegossen und beide voll bezeichnet. Vom Jahre 1539 be- 
findet sich eine von ihm gegossene Denktafel des Anarck Herrn zu Wilden- 
fels-Schönkirchen und Ronneburg auf dem Schloß zu Ältenburg. 

Man nimmt an, daß der früher genannte Kunz Müllig (Mülich, 
Müh lieh), von dem zwei Epitaphien in Bamberg erhalten sind, der 
Bruder Peters gewesen ist (Berg au, Die Stückgießer Mülich, Wart- 
burg 1882, S. 9). 

Sachsen und Thüringen ist verhältnismäßig reich an zum Teil tüchtigen 
bronzenen Grabmälem aus dem 16. Jahrhundert, deren Bezeichnungen 
uns noch verschiedene Meister nennen, über die jedoch bisher Näheres 
nicht bekannt ist. 

Bemerkenswerte Gußwerke befinden sich außer den bereits angeführten 
aus dieser Zeit noch im Dom und in der Liebfrauenkirche zu Halberstadt 
(darunter aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Platten von Hans 
Meisner und Hans Wilken in Braunschweig und von Georg Wolgast 
in Halle) ^ in der Marienkirche zu Wittenberg (Denkmal Lindemann von 
Ulrich Grebel in Leipzig 1536 gegossen), m Eisleben (Grabmal des Grafen 
Hoyer von Mansfeld vom Jahre 1541), im 3ferseburger Dome (Grabmal des 
Thilo von Trotha, erste Hälfte des 16. Jahrhunderts, des Sigismund von 
Lindenau [f 1544] u. a.), in Leipzig ehemals in der Johanniskirche und 
Johanniskirchhof, in der Thomaskirche und in der Paulinerkirche (darunter 
Platten der Meister Christoff Grosse und Joh. Behem), im Dome zu 



446 1^' Jahrhundert. 



Erfurt (gravierte Grabplatte des Kanonikus Herrn. Schindeleyb [f 1427] 
und Reliefgußplatte des Konrad von Breitenbach [f 1579] mit der Signatur 
des Melchior Möringk, der 1584 — 1636 in Erfurt als Gießer ansässig 
war), in der Stadtkirche zu Weimar (darunter die Platten Johann Friedrichs I. 
des Großmütigen und seiner Gemahlin; die „Visierung** dazu wurde von 
Peter Maler geliefert, die „Muster zu den Messingtafifeln** von Bildschnitzer 
Hermann zw Er fürt und der Guß wurde besorgt von Jakob Schlaf in 
Eisleben) und in der Stadtkirche zu Jena (Grabplatte Dr. Martin Luthers, 
die ursprünglich für sein Grab in Wittenberg bestimmt war). (Näheres 
über alle diese Werke in Bau- und Kunstdenkmälern der Provinz Sachsen, 
des Königreichs Sachsen und Thüringens.) 

Schlesien ist arm an bronzenen Grabdenkmälern aus dem 16. Jahr- 
hundert. 

In Breslau befinden sich einige Platten in der Magdalenenkirche und 
eine Platte vom Jahre 1540 (bez. V. A. G. H.), ganz ähnlich der Grab- 
platte des Bischofs Johann IV. Roth im Dome von Peter Vi scher, an 
der Südseite der Elisabethkirche. Einige Grabplatten aus der ersten Hälfte 
des Jahrhunderts sind in Anrtaherg^ eine aus dem Ende des Jahrhunderts 
in Nieder-Planitz erhalten. Vielleicht entstanden auch die Platten Konrads 
von Sagan und des Boleslaus Altus in Leubus erst im 16. Jahrhundert. 

Auch im nördlichen Westdeutschland sind nicht viele Erzgrabmaler 
aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Doch sind einige ausgezeichnete Werke 
darunter. 

In der Martinskirche in Kassel befindet sich aus der ersten Hälfte des 
16. Jahrhunderts die trefiFliche Relief grabplatte der Christina von Sachsen, 
Gemahlin Philipps des Großmütigen, über deren Meister wir Genaueres 
wissen. Zum wenigsten ist zweifellos festgestellt, daß das Modell von 
Philipp Soldan von Frankenberg in Hessen herrührt, einem Meister, 
der besonders zahlreiche Modelle für gußeiserne Ofenplatten gefertigt hat 
(B ick eil, Die Eisenhütten des Klosters Haina und der dafür tätige Form- 
schneider Philipp Soldan von Frankenberg. Marburg, Elvert 1889). 

Im Rheinlande befindet sich eines der köstlichsten Erzgußwerke aus 
dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts überhaupt, in der Schatzkammer 
des Domes zu Köln,, Es ist dieses das vergoldete Epitaph des Fürst- 
bischofs von Cambray, Jakob von Croy (f 1516), das jedenfalls kurz nach 
dessen Tode entstand. Ueber die Herkunft oder gar über den Meister 
ist nichts bekannt, man nimmt an, daß ein flandrischer Künstler dies zier- 
liche Werk schuf. 

In Anlehnung an italienische Formen jener Zeit ist eine reiche Nische 
gebildet, in der in vollrunden Figuren die Anbetung der heiligen drei 
Könige dargestellt ist. Die Höhe des Epitaphs beträgt nur 1 Meter, die 
Breite 0,88 Meter und die Tiefe 0,31 Meter. 



Deutsclilaiid. 447 



Zwei gravierte Grabplatten der AebtissiDnen Agnes von Beichlingen 
(t 1533) und Katharina von Tecklenburg (f 1560) befinden sich im Dome 
zu Essen, 

Die wenigen westfälischen Grabplatten des 16. Jahrhunderts in den 
Domen zu Münster und Paderborn sind von höherer Bedeutung nicht. 

Im Hannoverschen ist insbesondere die große gravierte Grabplatte 
in der Großen Kirche zu Emden anzuführen, die ehemals das Grab des 
Magister Hermann Wessels (f 1507) deckte, jetzt an der Wand des 
Abendmahlschores angebracht ist (Beschreibung in Mit hoff, Kunstdenkm. 
und Altertümer im Hannoverschen, Bd. VIII, S. 66). Ueber die Her- 
kunft der Platte ist nichts bekannt, doch ist hier wohl an Flandern zu 
denken. 

Tüchtige Gießer waren im 16. Jahrhundert in Südhannover und im 
Braunschweigischen ansässig, insbesondere sind die Familien Mente, auch 
Menten oder Menthen, in Braunschweig und Pelckinck, auch 
Pellckinck oder Pelckin, in Hildesheim zu nennen. 

Von den in diesen Landen erhaltenen bronzenen Grabmälern sind 
nur wenige mit Bestimmtheit auf einzelne Meister zurückführbar. Von 
den im Kreuzgange des Domes in Hildesheim befindlichen Platten wurde 
die des Kanonikus von Veitheim (+ 1531) von Cort Mente gegossen 
(Mithoff, Kunstdenkm. und Altert., Bd. III, S. 117 fi^.). Derselbe Meister 
goß im Jahre 1541 die Grabplatte Herzog Erichs des Aelteren in St. Blasien 
in Münden (Mithoff a. a. 0., Bd. II, S. 140). 

Ueber die Meister einiger vortrefflicher gravierter Grabplatten des 
16. Jahrhunderts in Lübeck ist wiederum nichts bekannt, bei der Mehr- 
zahl wird flandrische Herkunft anzunehmen sein. In der Marienkirche 
befinden sich die Platten des Bürgermeisters Tidemann Berck (f 1521) 
und Frau, des Hermann Hutterock (f 1505) und Frau, des Bartholomäus 
Heisegger (f 1517), des Gotthard von Hoveln (f 1555), des Senators 
gleichen Namens (f 1571) und Frau, und der Eheleute Gruber „gemaket 
unde gelecht Anno 1557 **. 

In der Jakobikirche ist die jetzt an einem Pfeiler angebrachte Grab- 
platte des Erzpriesters Karsten Middeldorp (f 1562) und Frau anzuführen, 
im Dome die Platte des Bischofs Johann Tidemann (t 1561). 

Ein Meister TileBruick oder Bruith (vermutlich in Flandern) fertigte 
die ausgezeichnete Grabplatte der Herzogin Sophie von Mecklenburg 
(t 1504) mit deren Relieffigur vor einem Granatapfelteppich und in einer 
Umrahmung mit Schrift und Wappen in der Marienkirche zu Wismar 
(Crull, Zeitschr. für christl. Kunst I [1888], S. 351 mit Abb.). 

In Pommern wurde die Hilgersche Grabplatte in Wolgast bereits 
erwähnt, anzuführen ist außerdem eine Flachrelieftafel Reimers vom Wolde 
und seiner Frau vom Jahre 1559 in der Marienkirche zu ÄnJclam (Kugler, 



448 16- Jabrbandert 

Kl. Schriften I, S, 818) und eiu vermutlich von demselben unbekannten 
Meister gefertigtes Reliefepitaph in Polzin. 

Das hervorragendste Grabmal, das in den Niederlanden aus dem 
16. Jahrhundert hier in Betracht kommt, befindet sich als Gegenstück 
des früher erwähnten Monumentes der Maria von Burgund in der Frauen- 
kirche zu Sritgge. Dieses im Auftrage Philipps IL von Jacques Jonghe- 
linck in Antwerpen (1530 — 1606) ausgeführte Grabmal Karls des Kühnen 
(Fig. 329, S. 448J besteht ebenso wie jenes aus einem reich ornamentierten 



Fig. m. Jacques Jongbelinck, Ornbmal Karla des KUhnen ia BrOgge. Fraaeakirche. E. 44B. 

Marmoninterbau, auf dem die in Bronze gegossene Figur des Toten ruht, 
Jongbelinck hatte im Jahre 1558 den Auftrag erhalten; er modellierte 
und goß die Figur, die Wappen und sonstigen Zierate nach Entwürfen 
des Marc Gheeraerts. Die Figur allein kostete 10500 Livree. 

Von Jongbelinck n-urden, wie hier erwähnt werden mag, auch 
noch eine Reihe anderer größerer Erzarbeiten ausgeführt. 

Mai^arete von Parma beauftragte ihn im Jahre 1566, einen Gupido, 
einen Neptun und zwei Maskarons fUr ,1a nouvelle fontaine de la 
Feuill^e' im Park des Palastes der Herzöge von Brabant zu gießen. 
Ein zweiter Gupido, wiederum als Fontiinenfigur bestimmt, wurde ihm 



Niedertaade. 449 

im Jahre 1597 Obertragen, außerdem andere Figuren, ftlr die er 500 Florins 
erliielt. 

Im Jabre 1570 erhielt er mit seinem Bruder Nikolas den Auftrag 
auf acht Bronzestatuen: Apollo, Bac- 
chus, Diana, Saturn, Jupiter, Mars, 
Merkur und Venus. 

Sein Werk war femer die im 
Jahre 1571 in der Zitadelle von Ant- 
icerpen errichtete, aber bald darauf 
zerstörte, 15 Fuß hohe erzene Denk- 
malfigur (Reiterstatue ?) des Herzogs 
Alba. 

Einen vom Antwerpener Magistrat 
bei ihm im Jahre 1605 bestellten 
Kruzifixus f[lr die Place de Meir konnte 
er nicht mehr rollenden (Marchai, 
La sculpture et les chefs-d'oeurre 
d'orf^vrerie Beiges, Bruxelles 1895, 
S. 329 ff.). 

Bronzeue Taufkessel finden sich 
ebenso wie früher auch im 16. Jahr- 
hundert am zahlreichsten im nördlichen 
Deutschland und in den Niederlanden, 
hier verwendet man auch weiterhin 
auf diese Gußwerke alle Sorgfalt und 
bestes Können. 

In den Niederlanden haben sich 
besonders schfine Beispiele in Zutphen, 
in Tpem und in Breda erhalten (Abb. 
in Ysendyck unter Fonts baptimaux). 

Der Taufkessel in der Walpurgis- 
kirche in Zutphen (Fig. 330, S. 449) 
ist der einzige, Qber dessen Entstehungs- 
zeit und Meister wir etwas wissen, 
Qilles Tan den Eynde in Mechetn 
goß ihn im Jahre 1527. Der Kessel 
ist in Form eines Kelchglases gebildet, 

der breite, auf sechs Löwen ruhende Fib sao oüies van den Evnde 

Fuß und das Gefäß sind reich pro- Taufbecken in Zntphen, Walparglaklrcbe. 
filiert, sonst ohne besonderen Schmuck. 

Reicfagestaltet und mit Figuren geschmUckt ist der Deckel; er ist 
turmartig aufgebaut mit Strebepfeilern und Fialen und in den Einzelheiten 
Lflei, Unedle HeUlle. 29 



450 16. Jahrhundert. 



mit den von Italien übernommenen Formen ausgeziert. Jünger, wohl eret 
um das Jahr 1600 entstanden, ist das Taufbecken in St. Martin zu Ypem, 
(Ysendyck gibt an, daß es seinem Formcharakter nach ein Werk des 
Bildhauers Taillebert sein könnte.) Ein gedrücktkugeliges Becken wird 
von einem runden Schaft und vier Hermen getragen, denen auf dem 
mäßig hohen Deckel vier Karyatiden entsprechen, die eine profilierte 
Platte tragen. 

Das reizvollst erfundene Werk ist aber der Taufkessel in der Großen 
Kirche zu Breda. Der Beckenteil ist wiederum kelchförmig, doch im 
Querschnitt vierpaßartig. Die Wülste und Kehlen an Gefäß und Fuß 
sind mit Pfeifen und Blattborten geschmückt, am Gefäß sind außerdem 
Köpfe mit Ringen im Maule rundlaufend angeordnet. Der Deckel ist 
turmartig ausgestaltet; vier schlanke vierkantige, allseitig mit Kandelaber- 
ornament bedeckte schlanke Pfeiler, die oben durch durchbrochenes Orna- 
ment verbunden sind, und ein rundes Mittelsäulchen tragen eine quadratische 
profilierte Platte. Auch diese Platte ist ringsum mit Ornamentfüllungen 
bereichert. Auf den Ecken ragen fialenartige Glieder auf und in der 
Mitte ein kräftiger profilierter Schaft. 

Den niederländischen Tauf kesseln, besonders dem in Breda, im Aufbau 
nahe verwandt sind die Taufen in Emmerich (Aus'm Weerth, Taf. 11 ^) 
und in der Martinikirche zu Minden^ diese mit Hausmarke, Wappen und 
Jahreszahl 1583 (Blätter für Archit. u. Kunsthandw. Bd. 14, Taf. 119). 

In Kölner Kirchen sind drei Bronzetaufbecken des 16. Jahrhunderts 
anzuführen, die dort entstanden sein werden. Der Taufkessel in St. Maria 
im Kapitol mit dem Reiterbilde des heiligen Martin ist im Jahre 1594 
vom Meister H. Weck rat gegossen, üeber den Taufkessel in St. Peter, 
der ebenfalls mit einem Reiterbilde geschmückt ist, ist nur das Ent- 
stehungsjahr 1569 durch die Inschrift bekannt. Nur dem Formcharakter 
nach dem 16. Jahrhundert zuzuweisen ist das pokalförmige Taufbecken 
in St. Kolumba, auf dessen Deckel als Bekrönung die Taufe Christi durch 
Johannes dargestellt ist (siehe Fig. 76 auf S. 99). 

Ein vortrefflicher pokalförmiger Bronzetauf kessel, wohl noch aus dem 
Ende des 16. Jahrhunderts, ist in der Elisabethkirche zu Marburg erhalten 
und laut Inschrift ein Werk des JakobRottenberger. Am zierlichen 
Fuße ist in vollrunden Figuren die Taufe Christi durch Johannes dargestellt. 
Das Gefäß umziehen oben Schriftbänder und ein erhabener Rankenfries 
mit Engelsköpfen. Den flachen Deckel bekrönt die Halbfigur Gottvaters. 

Ein reicheres Werk ist auch das von einem unbekannten Meister 
im Jahre 1568 vollendete Taufbecken in der Stadtkirche zu Stadthagen 
(Beschreib. Darst. d. älteren Bau- und Kunstdenkm. d. Fürstent. Schaum- 
burg-Lippe S. 65). 

In Hannover und Braunschweig ist eine Gruppe von untereinander 



DeuUchland. 451 

fast gleichen, reich geschmückten T&uf kesseln besonders bemerkenswert, 
die von verschiedenen bekannten Qießern zu verschiedenen Zeiten bus- 
gefohrt wurden Und sich in Hildesheim, Peine, Goslar und Helmstedt 



Alle sind pokalartig gegliedert und mit einem Deckel versehen. Die 
breite Fuflplatte wird gewöhn- 
lich von Kinderfiguren getragen, 
an dem durch einen starken 
Wulst unterbrochenen Schaft 
sind die Figuren der Apostel an- 
gebracht und flache biblische 
Reliefs mit vielen Figuren be- 
kleiden die Wandung. Am flach- 
runden Deckel sind ringsum an- 
einander gereihte , flach klee- 
blattbogige Felder ebenfalls mit 
figürlichen Reliefs gefallt. In der 
Mitte des Deckels erhebt sich 
ein starker profilierter Schaft, 
dessen BekrÖnung eine Dar- 
stellung der Dreieinigkeit bildet. 

Das älteste Beispiel dieser 
Gruppe ist der Taufkessel des 
Hans Sievers vom Jahre 1547 
in S. Andreas in Hildeskeim; er 
ist bezeichnet in lateinischen 
Majuskeln: Gotis unser Hoffnung. 
Hans Sivvercz hat mich gegossen 
Anno MCCCCCXXXXVn (Mit- 
hoff, Kunstdenkm. u. Altert. 
Bd. m, S. 152). 

Hans Pelkinck in Hildes- 
heim goß im Jahre 1561 das 
Taufbecken fUr die Jakobikirche 
in Feine (Mithoff a. a. 0. 
S. 213). Magnus Karsten in 
Goslar goß im Jahre 1573 den 
Taufkessel fUr die dortige Markt- 
kirche (Mithoff a. a. 0. S. 55). Fig-asi. Dietrich Mente, Taufbecken in HiWas- 
1.^ - ,r . ''*'"■ Miehaelskirche. 8. »6». 

Mante Pelkinck in Hildesheim 

goß im Jahre 1590 den Taufkessel fDr S. Stephani in Helmstedt (Bau- 

und Kunstdenkm. d. Herzt. Braunschweig, I, S. 64, Taf. XI) und im Jahre 



452 16. Jahrhundert. 



1592 das Taufbecken in der heiligen Kreuzkirche in Hildesheim (Mit- 
hoff a. a. 0. S. 140). Das jüngste Beispiel der Gruppe endlich goß erst 
im Jahre 1618 Dietrich Mente in Hildesheim für die dortige Michaels- 
kirche (Fig. 331, S. 451). 

Ein Meister Heinrich Mente zu Braunschweig nennt sich schon auf 
dem Taufbecken vom Jahre 1508 in der Stephanskirche zu Tangemiünde, 
und mit dem Zusatz „der Jüngere*^ bezeichnet sich offenbar derselbe 
Meister auf dem Taufkessel vom Jahre 1510 in Northeim (Mithoff a. a. 0. 
Bd. II, S. 159). 

Der schon früher (S. 447) genannte Meister Cord Mente goß im 
Jahre 1571 die mit sechs Relief bildem geschmückte sogen. Juliustaufe 
für die Marienkirche in Wolfenbüttel, (üeber die Gießerfamilie Mente 
finden sich ausführh'chere Nachrichten in: Mithoff, Mittelalterl. Künstler 
u. Werkmeister Niedersachsens etc. Hannover 1883. S. 222 ff.) 

Den Deckel zu der Taufe in der Lambertikirche zu Hildesheim vom 
Jahre 1504 goß nach der Mitte des Jahrhunderts Hans Meißner zu 
Braunschweig ^ von dem auch andere Werke erhalten sind, und der, wie 
man weiß, unter dem Namen Hans von Nürnberg im Jahre 1551 auf 
zehn Jahre vom Rate zu Braunschweig als Zeug- und Schützenmeister 
angestellt wurde. 

Die ehernen Tauf kessel des 16. Jahrhunderts in Holstein und Mecklen- 
burg sind künstlerisch von höherem Interesse nicht, die bezeichneten Werke 
mögen nur aufgezählt werden. 

Den Taufkessel in Mölln goß im Jahre 1509 Peter Wulf. Meister 
Reumer goß im Jahre 1515 den in Flintheck, Die Taufen zu Kröpelin 
vom Jahre 1508 und in der Petrikirche zu Rostock vom Jahre 1512 goß 
Andreas Ribe (Zeitschr. f. ehr. Kunst 1894, S. 378). Evert Wichten- 
dahl goß im Jahre 1570 den Taufkessel in Flau (Schlie, Kunst- und 
Gesch.-Denkm. i, Großhzt. Mecklenb. Bd. IV, S. 591 mit Abb.). 

Der Taufkessel in der Marienkirche zu JDanzig soll ebenso wie das 
schöne ihn umgebende Messinggitter in den Jahren 1551 — 1555 in Utrecht 
gegossen sein (Lübke, Deutsche Renaiss. Bd. II, S. 236). 

Eine durch reichen, turmartig durchbrochenen und mit Figuren aus- 
gestatteten Deckel bemerkenswerte eherne Taufe in der Marienkirche zu 
Salzwedel goß mit dem umschließenden Gitter in den Jahren 1520 — 1522 
Meister Hans von Colin zu Nürnberg (Fig. 332, S. 453). Andere be- 
merkenswerte Bronzetauf kessel süddeutscher Meister sind aus dem 16. Jahr- 
hundert kaum anzuführen. 

Um Taufkessel und Sakramentshäuschen aufgestellte oder auch als 
Chorschranken verwendete Messinggitter sind aus dem 16. Jahrhundert 
verschiedentlich in reicherer Ausführung besonders in Deutschland und 
den Niederlanden erhalten. Bisweilen sind bei diesen Gittern alle Teile 



Deutachlaud. Niederlande. 453 

iD Metall gegossen, bisweilen ist auch das allein gegossene dünnere Stab- 
werk in ein aiis Stein und Holz gebildetes Gerüst eingefUgt, so ist es 
z. B. bei dem großen Ghorgitter in St. Bavo zu Hartem. Bei diesem zu 



1, Hurienkirche. 8, 4< 



Anfang des 16. Jahrhunderts gefertigten Gitter sind in rhythmischem Wech- 
sel verschiedenartig gestaltete Stäbe oben durch ein reich verschlungenes 
Bogen- und Rankenwerk verbunden, und ein gleichartiges, durchbrochenes 
Ornament bildet Ober der oberen Rabraenleiste die BekrÖnung. 



454 16. Jahrhundert. 



Das Tabemakelgitter in der Jakobikirche zu Löwen ist bezeichnet: 
Dit Werck heft ghegote Jan Veldener A° 1568. Gruppenweise, zwischen 
stärkeren, mit Hermen ausgestatteten Pfeilern angeordnete, kannelierte 
Säulchen tragen ein Gebälk, auf dem über den Pfeilern die Evangelisten- 
figuren stehen, und auf dem zwischen den Figuren eine reiche durch- 
brochene Rollwerkbekrönung mit Fruchtbündeln, Masken und einer weib- 
lichen Mittelherme, fünf Kerzendorne trägt. 

Ein künstlerisch vielleicht noch höher stehendes Gitter umgibt das 
Tabernakel in S. Leonard zu Leau^ es soll nach dem Entwürfe des Comelis 
de Vriendt (Floris) in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ausgeführt 
sein. Zwischen kannelierten Pfeilern sind schlanke Baluster gruppen- 
weise vereinigt, darüber sind auf dem Gebälk zwischen je zwei Leuchtern 
reiche durchbrochene, aus Bandwerk, Figuren und Fruchtbündeln gebildete 
Bekrönungen angebracht, aus denen in der Mitte auch ein Kerzenhalter 
herauswächst (diese drei Gitter sind abgebildet bei Ysendyck). 

Bereits erwähnt wurde, daß das Taufbeckengitter in der Marien- 
kirche zu Danzig eine niederländische Arbeit kurz nach der Mitte des 
16. Jahrhunderts ist. Zierliche korinthische Säulen, die im unteren Teile 
mit Ornament umkleidet sind, tragen ein Gebälk mit verziertem Fries. 

In der Marienkirche in Lübeck ist ein messingenes Chorgitter er- 
halten, als dessen Entstehungsjahr 1518 angegeben wird. In seiner Aus- 
gestaltung ist es dem Harlemer Gitter verwandt, und man ist auch bei 
dem Lübecker Gitter geneigt, an niederländische Herkunft zu denken (siehe 
d. Abb. auf S. 374). 

In demselben Formkreise und noch unbeeinflußt von italienischen 
Vorbildern ist auch das oben angeführte Sdlzwedeler Taufgitter ge- 
staltet. 

Im Aufbau dem Löwener Gitter verwandt ist das in der Marien- 
kirche zu BostocJc. Dieses nicht mehr vollständige, jetzt die Taufe um- 
gebende Gitter war ehemals als Schranke vor dem Altar im Chore auf- 
gestellt (Schlie a. a. 0. Bd. I, S. 26 mit Abb.). 

Eines der bedeutendsten Messinggitter des 16. Jahrhunderts, bei dem 
wohl deutsche Künstler nicht unbeteiligt sind, schließt die Jagellonen- 
kapelle im Dome zu Krakau ab. Angeblich wurde es in den Jahren 
1525—1527 von einem Gießer Servacius nach der Zeichnung eines 
Meisters Sebald ausgeführt (Odrzywolski, Die Renaissance in Polen, 
Taf. 15). Aus schlanken Pfeilern, die durch ein Gebälk und schmälere 
Gesimse verbunden sind, ist ein Geinist gebildet, das in drei Reihen über- 
einander mit schlanken profilierten Stäben gefüllt ist. Eine Tür mit 
Giebelbekrönung unterbricht den Aufbau bis zur Höhe des Gebälkes. 

Kunstreicher noch als alle diese Werke war das früher angeführte, 
vernichtete Gitter, das in Peter Vi schers Werkstatt für die Grabkapelle 



Ntederlaade. Deutachland. 455 

der Fu^ger gefertigt und später im Rathause zu Nürnberg aufgestellt 
wurde (s. S. 412). 

Abgesehen von den in diesen Gittern angebrachten Türen, kommen 
auch einzelne in Bronze gegossene Türen im 16. Jahrhundert in Deutsch- 
land bisweilen vor, z. B. in der Magdalenenkirche in Breslau und in 
Sehroda in Posen. 

Bronzene Türbeschläge von höherer künstlerischer Bedeutung sind in 
Deutschland im 16. Jahrhundert nicht viele entstanden. Die besten er- 
haltenen Werke der Art sind wohl der „Türzieher" mit der Figur der 
Lukrezia aus Schloß Ambras, jetzt in den Kaiserl. Sammlungen in 
Wien, der vor wenigen Jahren 
vom Kunstgewerbemuseum 
in Berlin erworbene schöne 
vergoldete Klopfring {Fig. 333. 
S. 455), und die im Besitze 
dieses Museums und im Ham- 
burger Museum für Kunst 
und Gewerbe befindlichen 
Türklopfer und Griffe, die von 
Hubert Gerhard und seinen 
Mitarbeitern fQr das Schloß 
Kirchheim ausgeführt wurden 
(Fig. 334, S. 456). 

MessingenesBeleuchtungs- 
gerät aus dem 16. Jahrhundert 
ist in Deutschland nicht selten, 
doch bieten diese Arbeiten zu- 
meist künstlerisch wenig Hervorragendes. Die Kronleuchter bestehen, 
wie schon in der Regel im 15. Jahrhundert, aus Armen, die in einem 
oder mehreren Kreisen um einen profilierten Schaft angeordnet sind. 
Sofern man nicht, wie beinahe in den meisten Fällen, auch die Einzel- 
formen in Anlehnung an die älteren Vorbilder gestaltete, erhielt jetzt 
der Schaft unten zur Zier eine kräftige Kugel und die Arme verloren 
den rankenartigen Charakter, sie wurden strenger C/>-förmig gebildet 
mit grotesken Endigungen und Verstärkungen. In den Formen der Kron- 
leuchter sind auch die Wandleuchter ausgeführt. 

Größere Standleuchter kommen verschiedentlich in Anlehnung an 
italienische Vorbilder gestaltet vor, selten sind aber große siebenarmige 
Leuchter aus dem 16. Jahrhundert. 

Nur in selteneren Fällen sind die Beleuchtungsgeräte jener Zeit genau 
datierbar oder gar auf bestimmte Meister zurückzuführen. 

Von dem bereits vorher erwähnten Hans Meißner in Braun schweig 



456 1(>- Jahrhundert 

wurden für den Dom in Salberstadt eine Lampe in Laternenform und för 

die M artin skircbe in Braunschweig Ärmleucliter an der Kanzel geflossen. 

Zu den schönsten Messingkronleuchtem des Id. Jahrhunderts werden 

die in der Ändreaskirche zu Eislehen und in der Stadtkirche zu Schmal- 

kalden gerechnet (Lübke, Deutsche Renaiss. II, S. 371 und S. 478). 

Gute Lichtkronen und Wandleucbter dieser Zeit haben sich auch in 

der Oeorgenkirche in Wismar 

und in der Petri- und Jakobi- 

kirche zu Rostock erhalten. 

In der Marienkirche zu 
Danzig befinden sich Arm- 
leuchter vom Jahre 1517. 

In der ebenfalls sn schö- 
nem alten Lichtgerät reichen 
Nikolaikircbe in Reval tragen 
einige Wandleuchter die Jahres- 
zahlen 1557 und 1558; ein 
großer siebenarmiger Leuchter 
in dieser Kirche wurde im 
Jahre 1519 gestütet. 

Zwei Kronleuchter in der 
Johanneskirche zu Thom, die 
den früher angeführten Leuch- 
tern in Kolberg, Braunsberg 
etc. sehr verwandt sind, wurden 
pjjj ,„ im Jahre 1580 von Andres 

Leim ausgetuhrt, Kwgelhan in Thom gegossen. 

Von dem Üblichen Schema 
weicht ein wenig der von Alexander Colin für die Kirche in Seef'eld 
entworfene Kronleuchter ab, dessen Originalzeichnung erhalten ist (Schön- 
herr, Ges. Schriften, S. 554). 

Die Werke der deutschen BronzekUnstler des 16. Jahrhunderts sind 
im Vorstehenden nicht annähernd erschöpfend aufgezählt, insbesondere 
sind die Kleinwerke so gut wie unberücksichtigt geblieben; die TJhren 
und wissenschaftlichen Instrumente verdienten insbesondere eine eingehendere 
Betrachtung, als sie hier gegeben werden kann. Angeführt seien als eine 
interessante Qruppe noch die Schweizer Fasteten dosen, die auch aus dem 
17. Jahrhundert in trefflichen Beispielen erhalten sind. 

Die Treibte chnik in Kupfer und Messing hat in Deutschland im 
16, Jahrhundert eine höhere Bedeutung noch nicht gewonnen; als hervor- 
ragender Künstler auf diesem Gebiete wird nur Sebastian Lindenast 
in NUmherg genannt. 



Deutschland, Italien. 457 



In zahllosen Exemplaren erhalten sind besonders aus dem 16. Jahr- 
hundert die in Nürnberg mit Hilfe von Stempeln geschlagenen Messing- 
schOsseln, die gewöhnlich ein figürliches Mittelrelief und auf dem Rande 
rein omamentale Schriftzeichen aufweisen. Diese Schüsseln finden sich 
oftmals als Taufbecken verwendet, künstlerische Bedeutung haben sie nur 
selten (vergl. Stegmann, Zur Geschichte der Herstellung und Verzierung 
der geschlagenen Messingschüsseln, Mitt. aus dem Germ. Nat.-Mus. 1899, 
S. 11 f. u. 17 f.). 

Italien. 

In Italien folgte auf die großartige Entfaltung der Erzgießkunst im 
15. Jahrhundert zunächst eine Zeit, in der verhältnismäßig wenige be- 
deutende Bronzewerke entstanden. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts wendet sich der Geschmack wieder in weitgehendstem Maße dem 
Erz zu, die Meister Benvenuto Cellini, Leone und Pompeo Leoni 
und Giovanni da Bologna zählen zu den gerühmtesten in der Ge- 
schichte der Bronzekunst. 

Von dem größten Bildner des 16. Jahrhunderts, von Michelangelo, 
sind Modelle für die Ausführung in Bronzeguß nur vereinzelt geschafl'en 
worden. Die Statue Papst Julius II, für das Portal von San Petronio in 
Bologna^ die im Jahre 1508 von Bernardino d'Antonio gegossen wurde, 
wurde schon bald nach ihrer Entstehung wieder vernichtet. Die Figur 
eines jetzt verschollenen, als Geschenk für den Marschall Gi^, den Günst- 
ling am Hofe Ludwigs XIII. von Frankreich, bestimmten David, goß nach 
des Meisters Modell Benedetto da Rovezzano (Gaz. archeol. 1885, 
S. 77 ff., Taf. 9). 

Dieser Meister Benedetto (ca. 1480 — 1560) führte auch im Auftrage 
Ludwigs Xn. das Grabmal Ludwigs von Orleans für die Kapelle der 
Gölestinerinnen in Paris aus; das für die Kapelle in Windsor bestimmte 
Grabmal des Kardinals Wolsey, dessen Bronzeteile im Jahre 1646 als 
altes Metall verkauft wurden, vollendete der Künstler nicht. 

Auch Bernardino d^Antonio hat sich noch anderweitig als Gießer 
hervorgetan, er führte die große Gruppe der Predigt Johannis des Täufers 
am Baptisterium in Florenz nach dem Modelle des Giov. Francesco 
Rustici (1474 — 1554) im Jahre 1511 in Bronze aus. 

Rusticis Modelle für ein großes Reiterbild König Franz I. von Frank- 
reich kamen nicht zur Ausführung. 

Ein Reiterdenkmal Heinrichs II. von Frankreich erhielt ebenfalls ein 
italienischer Künstler, ein Schüler Michelangelos, Daniele da Volterra 
(1509 — 1566) in Auftrag, doch vollendete er in Bronzeguß nur das Pferd. 

Ein Florentiner Bildhauer Piero Torrigiano (1472 — 1528) war zu 
Anfang des 16. Jahrhunderts besonders in England tätig; einige treff- 



15. Jahrhundert 



Fig. 3S5. Jacopo !>ansovino, Sakristeilftr in Venedig, Markaskirche. S. 4 



Italien. 459 

liehe Grabmonumente mit großen Bronzefiguren sind von ihm in der 
Westrainsterabtei in London erhalten (s. S. 482). 

Einige grSßere Erzguß werke ttlhrte im ersten Drittel des Jahr- 
hunderts auch Baccio da Montelupo (1469 — 1583?) aus; sein Haupt- 
werk ist die Statue des Jo- 
hannes Ev. an Or San Michele 
in Florenz. 

Die Bronzegruppe der Ent- 
hauptung des Täufers am Flo- 
rentiner Baptisterium ist ein 
Werk des Vincenzo Danti 
(1530—1576), der auch die 
sitzend« Statue Papst Pauls IIl. 
für den Domplatz in Perugia 
ausführte. 

Die sitzende Bronzefigur 
desselben Papstes für sein Grab- 
mal im Chor der Peterskirebe 
in Itom schuf um die Mitte des 
16. Jahrhunderts der Lombarde 
Guglielmo della Porta, nach 
dessen Modellen auch für die 
Cap. Cesi in Santa Maria Mag- 
giore in Rom die Statuen der 
Kardinäle Paolo und Federigo 
G«5i gegossen wurden. 

Für das Grabmal Papst 
Pauls IV. in der Minerva in Rom 
modellierten und gössen Jacopo 
und Thomaso Casignola 
gegen 1560 die Bildnisstatue. 

Eine große vor der Santa 
Gasa in der Kirche zu Loreto 
aufgestellte, sitzende Statue des 
Papstes Sixtus V. goß nach 
dem Modelle des Bernardino 

Calcagni ein Meister An chise Flg ssa. Alessandro Leopsrdi, FuB eines Fahnan- 

_ . xT I 1-1 I mastes in Venedig. S. *»i. 

Censori. ^aeh Ualcagnis 

Modell wurde für dieselbe Kirche auch eine Bronzetür ausgeführt, die 
nach seinem Tode (1593) von Tarqu. Giacometfci und Bastiano 
Sebastiani im Jahre 1600 vollendet wurde. 

FOr das Grabmal des Kardinals Gaetani de Sermoneto in Loreto wurde 



460 16. Jahrhundert. 

nach Calcagnis Modell in den Achtzigerjahren die Figur des Geistlichen 
in Bronze ausgeführt (Gharapeaux, Dict. des fondeurs etc.). 

Eine Keihe bedeutender Gußwerke schuf der in Florenz gebildete, 
aber seit 1527 in Venedig tätige Jacopo Sansorino (1486 — 1570) 
für Bauten der Lagunenstadt. Vor allem zu nennen sind die vier um 
1550 vollendeten Figuren (Apollo, Minerva, Pallas, Pai) an der nun zer- 
störten Loggietta. Eine sitzende Statue des Gelehrten Thomas von 
Barenna ist über dem Portal von San Giuliano aufgestellt. Berühmt ist 
die kleine eherne Sakristeitür des Meisters in der Markuskirche (Fig. 335, 
3. 458), wo auch sechs Reliefs des Meisters mit Darstellungen der Wunder 



Fig. 33?. Brnnnenrand in Venedig, Dogenpalast, 8. «». 

des heiligen Markus an der Chorbalustrade und die Statuetten der sitzenden 
Evangelisten erhalten sind. Für die Frarikirche führte endlich der Meister 
noch eine kleine sitzende Johannesfigur, die über dem Taufbecken auf- 
gestellt ist, aus. 

Lazzaro da Lorenzo, gen. Calamech oder Calamecca 
<t nach 1576), fUhrte für Messina eine Bronzestatue des Don Juan 
d'Austria zur Erinnerung au dessen Sieg bei Lepanto aus (Champeaux, 
Dict. des fondeurs, Bd. I, S. 220). 

In Venedig erfuhr die ErzgieSkunst überhaupt während des ganzen 
16. Jahrhunderts eine besondere Pflege. Zahlreiche tüchtige, wenn auch 
vielfach kleinere oder mehr ornamentale Bronzewerke entstanden dort und 
besonders auch im nahen Padua damals in großer Menge. 

Der Vollender des CoUeoni-Monumentes , Alessandro Leopsrdi, 



Italien. 461 

fahrte in den Jahren 150] — 1505 die drei schönen BronzefUße der Fahnen- 
masten vor der Markuskircbe aus (Fig. 336, S. 459), Sein Werk sind 
auch die drei jetzt in der Akademie befindlichen Kandelaber, die zu den 
Wahlurnen des Großen Rates gehören. Auch ein Teil des reichen Bronze- 
schmuckes der Grabkapelle des Kardinals Zeno (f 1500) in San Marco, 



Fig. 399. Olialamo Campagna, Hocholtaigruppe in Venedig, San Olorglo Hagglore. S. *ti, 

die in den Jahren 1505 — 1515 errichtet wurde, scheint auf ihn zurück- 
zugehen. Diese reiche Orabanlage ist ein Werk verschiedener Meister. 
Der künstlerische Hauptanteil daran wird den Lombardi zugesprochen, 
nach ihren Modellen sollen Giov. Alberghetti und Pietro Giovanni 
delle Gampane in Bronze gegossen haben, von denen sich der letztere 
am Sockel der Madonna auf dem Altare allein bezeichnete. 



16. Jahrhundert. 



Weit berUlimt sind in 
Venedig die beiden bronzenen 
Bninneni^nder im Hofe des 
Dogenpalastes. Der eine der- 
selben wurde im Jahre 1556 
von Nicola de' Conti, der 
andere im Jahre 1559 von 
Älfonso Alberghetti aus- 
geführt (Fig. 337, S. 460). 

Aus der Schule Sansorinos 
ging Alessandro Vittoria 
aus Trient (1525—1608) her- 
vor , der auch eine Anzahl 
nicht unbedeutender Bronze- 
werke geschaffen hat. Er fer- 
tigte für die Kirche San 
Francesco della Vigna zwei 
Statuetten am Weihwasser- 
becken und drei große Altar- 
statuen in Bronze. Für die 
Cap. del Rosario in San Gio- 
vanni e Paolo fertigte er die 
beiden Kandelaber (jetzt im 
Mus. Correr, siehe Fig. 351, 
S. 475) und sechs ovale Reliefs 
mit Propheten und Sibyllen. 
Einige fUr seine Darstellungs- 
weise bezeichnende Bronze- 
figuren besitzt auch das Kgl. 
Museum in Berlin. 

Künstlerisch dem Vittoria 
fiberlegen ist der ebenfalls als 
Bronzebildner tätige Schfiler 
Sansovinos Girolamo Cam- 
pagna. Sein Hauptwerk ist 
die eigenartige Hochaltar- 
gruppe in San Giorgio Mag- 
giore in Venedig (Fig. 338, 
S. 4Ö1); die Evangelisten 
tr^en halbknieend eine große 
Weltkugel mit der Gestalt 
Christi oben darauf. Für den 



Italie 



4m 



Hochaltar von San Kedentore schuf er die Bronzestatuen des hl. Markus 
und Franziskus zu Seiten des Gekreuzi^n, fiir San Tommaso die Statuen 
des hl. Petrus und Thomas, fUr S. Maria de' Miracoli die Gestalten des 
hl. Franz und der hl. Klara vor der Choibalustrade. Andere Gußwerke 
des Künstlers befinden sich in Verona und Fadua. 

Von Tiziano Äspetti (1552 — 1Ö07) seien die großen Bronzefif^uren 
S. Pauli und Mosis an 
derFassade von S.Fran- 
cesco della Vigna in 
Venedig angeführt. 

Als der bedeu- 
tendste Meister der Pa- 
duaner GießhUtte 
ist Andrea Briosco, 
genannt Biccio (1470 
bis 1532), zu nennen, 
er hat insbesondere 
als Dekor ationsktlnstler 
Ausgezeichnetes gelei- 
stet. Sein berühmtestes 
Werk ist der große 
Kandelaber im Santo 
zu Fadua, der ira Jahre 
1516 vollendet wurde 
(siehe Fig. 350, S. 474). 
Hobel und Geräte in 
BronzeguB für die Be- 
dürfnisse von Küche Flg. SM, Benvenuto CeUlni. Cnaimo I. Tod Medid. 
, TT ■ j ■ in Floreni, Bargello. S, 488. 

und Haus sind in 

größter Mannigfaltigkeit in seiner Werkstatt geschaffen und zumeist jetzt 

in Museen verwahrt. 

Acht Erzreliefs vom Grabmal der Torriani in San Fermo in Verona 
gelangten in den Louvre in Paris, eine treffliche Bildnisbilste von seiner 
Hand befindet sieh am Grabmal des Ant. Trombetta im Santo zu l'adua. 

Zu einer Über seine künstlerische Leistungsfähigkeit hinausgehenden 
Berühmtheit gelangte von den italienischen Bronzebildnern des 16. Jahr- 
hunderts Benvenuto Cellini, der im Jahre 1500 in 7'Vo;ck2 geboren wurde 
[Plön, Benvenuto Cellini. Paris 1883), Doch wenn auch das Schaffen 
dieses Meisters nicht ganz dem Bilde entspricht, das eine gläubige Phan- 
tasie auf Grund seiner eigenen Ruhmredigkeit von ihm entwarf, so danken 
wir ihm doch eine Reihe bedeutender Werke und för die Geschichte der 
Technik und insbesondere der Gußtechnik unschätzbare Dokumente. 



464 16. Jahrhundert 

In der tod Cellini verfaßten Abhandlung Über die Goldschmiedekunst 
und die Bildnerei (Uebersetzung von Justus Brinckmann, Leipzig, See- 
mann, 1SIJ7) beschreibt er aufs genaueste die Einformung, den Guß und 
alle bei der Ausführung von Gußwerken zu beachtenden Maßnahmen. 
Diese Mitteilungen enthalten noch einen gesteigerten Wert dadurch, dass 
die Werke, deren Ausführung er beschreibt, erbalten sind. 

Das erste große Bronzewerk des EUnsUers entstand in Frankreich, 



Fig. a*l. Pompeo Leoni, Figuren vom Grabmal KwIb V., in Msdrid, Eseorial. S. MJ. 

WO er sich während der Jahre 1540 — 1545 im Dienste König Franz I. 
aufhielt, es ist das in einem Halbrund komponierte Relief der Nymphe von 
Fontainebleau, das als Tympnnon Über einer TOr jenes Schlosses bestimmt 
war; das Relief befindet sich jetzt im Louvre. 

Bekannter noch als dieses Werk ist die in der Loggia dei Lanid in 
Florenz auf reichstem Bronzesockel aufgestellte Gruppe des Perseus und 
der Medusa, die Cellini im Auftrage Cosimos I. ron Medici um 1550 
ausführte (Fig. 339, S. 4G2). 



Fig. Ml. OiO». da Bologn», Keptuasbronnen io Bologna. 
LUer, Cnadle Mctsll«. 



466 16- Jahrhondert. 

Ehe er an den Quß dieser groBen, in einem StDck gegossenen Qruppe 
ging, versuchte er an hleineren Bronzewerken die zur Verfügung stehenden 
Formmaterialien. Das Relief mit dem Hunde und die Büste Cosimos 
(Fig. 340, S. 463), beide im Bargello in Florenz, entstanden damals. 

Außerdem geht 

eine Reihe erhaltener 
kleinerer Bronzen, dar- 
unter ein Modell des 
Perseus (im Bargello) 
auf Gellini zurück, auch 
das Kgl. Museum in 
Berlin besitzt einige 
Werke dieser Axt, 
die ihm zugeschrieben 
werden. 

Eine äußerst um- 
fangreiche Tätigkeit als 
Erzbildner im großen 
und kleinen entfalteten 
in der zweiten Hälfte 
des 16. Jahrhunderts 
der Paduaner Leone 
Leoni (1509—1590) 
und sein Sohn Pom- 
peo Leoni in zum 

Teil gemeinsamem 
Schaffen {vei^l. Plön, 
Leone Leoni et Pompeo 
Leoni. Paris 1887). 

Die großen Bronze- 
werke dieser Künstler 
entstanden zu aller- 
meist für das Ausland, 
besonders für Karl V, 
und Philipp U. Neben 
J zahlreichen Büsten die- 

i ser Fürsten und ihrer 

Verwandtschaft sind an 
I großen Werken Leone 

I Leonis besonders zu 

nennen : die allegorische 

Fie Bi». Olov. da Bologna, Figur der Badenden anf Fontane ,, 'j. j n 

Tribolos in Floram, VUIa Petra]«. 8. *fl». Umppe mit der «C- 



Italien. 467 

stalt Karls Y., derea Aufschrift „Gaesaris virtute domitus furor" auf dessen 
kriegerische Erfolge hinweist, dann die Statuen Philipps II., der Kaiserin 
Isabella und der Königin Marie von Ungarn, die alle in den FQnfz^er- 
jahren in Mailand gegossen wurden und sich jetzt im Prado in Madrid 
befinden. 

Für die Piazza maggiore in Guastalla entstand in den Sechzigerjahren 
die Statue des Ferrante Oonzaga. Eine sitzende Bronzefignr des Vincenzo 
Oonzaga ist Ober dessen Grabmal im Palast zu Sahionetta aufgestellt. 

In der Kathedrale zu 
Mailand befindet sich von 
Leone Leoni das groß- 
artige Grabmal des Her- 
zogs von Marignan mit 
Reliefs und lebensgroßen 
Bronzestatuen, darunter 
die Gestalt des Herzogs; 
auch zwei große dazu 
gehörige Kandelaber sind 
Leonis Werk. 

Von Leone Leoni 
wurdeninJIfaiJancJ schließ- 
lich noch die meisten 
Statuen für den grofien 
Ältar von San Lorenzo 
im Escurisl zu Mailand 
gegossen , der im Jahre 
1579 seinem Sohne Pom- 
peo gemeinsam mit dem 
Architekten Herrera u. a. 
in Auftrag gegeben und 
im Jahre 1590 vollendet 
wurde. 

Pompeo Leonis 
Hauptwerke waren die 
Grabmäler Karls V. und 
Philipps n. in der Capilla 
Major von San Lorenzo 
im Escurial mit den 
lebensgroßen vergoldeten 
BroDze^uren dieser Für- 
sten und ihrer nächsten 
Anverwandten, in Grup- ^'e-S"- Giov. da B<,logn»,^MBrkl.r in Florenz, Bargello. 



468 IS. Jahrhnndert 

p«n ZU je fünf knieenden Gestalten vereiniKt (Fig. 341, S. 464). Pompeo 
Leoni modellierte auch die Statuen des Herzc^ und der Herzogin von 
Lerma (Valladolid, Museum), die in Madrid von dem spanischea 
Gießer Juan de Arfe gegossen wurden. 



, Denkmal PerdiDanda I, 



Künstlerisch jenen Meistern überlegen und in der Fnichtharkeit des 
Schaffens ihnen nicht nachstehend war der durch seine in Italien ge- 
schaffenen Werke zu höchstem Ruhm gelangte vlämische Bildhauer, der 



Italien. 469 

anter dem Xamen Gioyanni da Bologna (1524 — 1608) bekannt ist 
^Tergl. Desjardins, Jean de Bologne. Paris, Quantin 1883). 

Der in Douay geborene Meister erlernte seine Kunst in Antwerpen. 
Im Jahre 1550 kam er 
nach Born, dann nach 
Florenz. Sein erstes 
großes Bronzewerk war 
der schöne Neptunsbrun- 
nen in Bologna (Fig. 342, 
S. 465), den er im Jahre 
1563 von Papst Pius IV. 
in Auftrag erhielt und im 
Jahre 1567 vollendete. 
Die Figuren und alle de- 
korativen Teile sind daran 
von Zanobi Portigiani 
in Bronzeguß ausgeführt. 

Die Brunnen Skulp- 
turen des Meisters zählen 
-überhaupt zu seinen be- 
sten Schöpfungen. Von 
hoher Anmut ist die 
Bronzefigur der Badenden 
auf der Fontäne Tribo- 
los, die fDr die Villa di 
<;astello bei Florenz ent- 
stand und später in die 
VillaPetrajakam(Fig.343, 
S. 466). Die völlig un- 
bekleidete Gestalt ist dai-- 
f^estellt, wie sie das 
Wasser aus ihren langen 
Haaren herausdrOckt ; ein 
'geistvolles Motiv, das auf 
Tribolo zurückgehen soll. 
Wahrscheinlich als Brun- 
nenfigur gedacht war auch 
die köstliche Bronzege- 
stalt des Merkur auf 
dem Windhauch (jetzt im Bargello in Florenz, Fig. 344, S. 467). 

Nächst den Brunnen sind des Künstlers bedeutendste Werke mehrere 
große erzene Keitermonumente, deren zwei in Florenz stehen; das Denk- 



470 16. Jahrhundert. 



mal Cosimos I. auf der Piazza della Signoria, das im Jahre 1594 yon 
Giov. Alberghetti im Guß vollendet wurde, und das im Jahre 1608 
aufgestellte, von Pietro Tacca gegossene Reiterbild Ferdinands I. auf der 
Piazza dell' Annunziata (Fig. 345, S. 468). Nicht vollenden konnte der 
Meister das im Jahre 1604 begonnene Reiterbild König Heinrichs IV. fQr 
Paris und das im Jahre 1606 begonnene, für Madrid bestimmte Denkmal 

PhiKpps m. 

Von anderen größeren Bronze werken des Giovanni da Bologna 
sind besonders anzuführen sechs Statuen der Tugenden (Fig. 346, S. 469), 
Reliefs und Einderfiguren für die Gap. Grimaldi in Gentia, die im Jahre 
1580 vollendet wurde (die Bildwerke befinden sich jetzt in der Universitats- 
kapelle), die Statue des hl. Lukas für Or San Michele in Florenz^ die in 
den Jahren 1600 — 1602 entstand und von Alberghetti gegossen wurde, 
und eine Statue des Mars in der Eingangshalle derUffizien in Florenz. 
Hervorragend sind ferner verschiedene in Bronze gegossene Kruzifixe des 
Meisters (in Florenz, Pisa^ Dresden etc.) In großer Menge erhalten (be- 
sonders im Bargello in Florenz) sind kleinere Bronzen des Meisters, Sta- 
tuetten, Gruppen, Tierfiguren, teils Nachbildungen größerer Werke und 
vielfach von Schülern ausgeführt, insbesondere von Antonio Susini. 

Die Aufzählung der für die Erzgießkunst des 16. Jahrhimderts in 
Italien in Betracht kommenden Hauptmeister und ihrer wichtigsten Werke 
bedarf noch einer Ergänzung; besonders über die Brunnen, die Türen und 
ihre Beschläge und das Beleuchtungsgerät sei noch einiges hier nach- 
getragen. 

Künstlerisch ausgestaltete Brunnen entstanden in Italien schon seit 
Jahrhunderten, für ihre Form und Anlage war aber vor dem 16. Jahr- 
hundert der praktische Zweck in erster Linie entscheidend. Dann aber 
begann man die belebende Wirkung des fließenden oder strahlenden 
Wassers in der umgebenden Landschaft rein künstlerisch zu schätzen, mit 
Vorliebe wurden jetzt Brunnen auch in Gärten aufgestellt. Der Charakter 
der Brunnen des 16. Jahrhunderts erscheint dem der älteren gegenüber 
wesentlich verändert, dem flüssigen Elemente wird die Bewegung im Auf- 
bau mehr und mehr angepaßt und die Linien der Wasserstrahlen ver- 
vollständigen erst das Bild eines jeden Brunnens, ihre Mitwirkung am 
künstlerischen Eindruck ist von vornherein mitberechnet. 

Gilt das im hohen Maße von den Brunnen des Giovanni da Bologna, 
so trifft es auch zu für diejenigen anderer Meister, insbesondere für die 
des schon genannten Tribolo, dessen zweite große für die Villa di CasteUo 
geschaffene Fontäne mit einer Bronzegruppe des Herkules und Antaus 
von Bartolommeo Ammanati (1511 — 1592) bekrönt ist. Im Wettbewerb 
mit Giov. da Bologna und anderen Meistern erhielt Ammanati auch den 
Auftrag für den mit großen Bronzefiguren ausgestatteten Neptunsbrunnen 



Italien. 471 

(mit Marmormittelgruppe) auf der Piazza della Signoria in Florenz, der 
im Jahre 1571 vollendet wurde (Fig. 347, S. 471). 

Fnr üom entstand (1585) von der Hand des Taddeo Landini (t 1594) 
die treffliche Fontana delle Tartarughe auf der Piazza Tartarugha mit 
vier bronzenen JUnglingsgestalten und ebensoviel bronzenen Schildkröten 
oben auf dem Beckeurande (Fig. 348, S. 472). 

Die ErztOren, die in der Geschichte der italienischen GieSkunst solch 
wichtige Elolle spielen, bescl^ftigten auch verschiedene Meister des 16. J^hr- 



Fig. SIT. Bartolomnif Ammanatl, Neptonsbianneii in Florenz. S. I7i. 

bunderts. Eine Reihe bedeutender Werke der Art ist erhalten, von 
größerem allgemeinen Interesse sind aber vielleicht die vielfach köstlich 
erfundenen TOrklopfer, die besonders in diesem Jahrhundert mit Vorliebe 
in Bronze gegossen wurden. 

Einer BronzetQr, die Jacopo Sansovino ftlr die Markuskirche in 
Venedig ausführte, wurde bereits gedacht, ebenso der Tür Calcagnis 
fUr die Kirche in Loreto. 

Zahlreiche Künstler wirkten mit an den drei großen Türen der Fassade 
des Domes in Pisa, die an Stelle der durch Feuer zerstörten Türen des 
12. Jahrhunderts traten. Die jetzigen Pisaner TUren gelten im allgemeinen 
als Werke des Giov. da Bologna; neuerdings hat man den künstlerischen 



472 16. Jahrhundert 

Hauptanteil daran deniGioT.Batt.Gaccini(1562 — 1612) und demNiedei^ 
länder Pietro Francavilla {1548 — 1618) zugesprochen; der Guß dieser 
Türen wurde von Domenico Portigiani au^efilhrt (Beschreibung und 
Abbildungen in Desjardins, Jean de Bologne. S. 101 ff.). 

Die nicht selten 40 — 50 cm hohen bronzenen Türklopfer haben zu- 
meist eine Lyraform, die mit Blattwerk, Füllhörnern, Delphinen, Muscheln, 
und besonders Figuren oft aufs reichste ausgestaltet ist. 



Fig. 3is. Taddeo LsDdini. Fontane delle Tartarughe in Rom. 3. l'l 

Besonders zahlreich entstanden solche Klopfer für die Paläste der 
oberitalienischen Städte, und Beispiele des 16. Jahrhunderts finden sich 
noch häufiger an ihrem ursprünglichen Bestimmungsplatze (Fig. 349, 
S. 473). Die Mehrzahl der besten Klopfer jener Zeit findet sich in allen 
größeren Museen Europas zerstreut, ausgezeichnete Beispiele besonders 
auch im Berliner Kunstgewerbemuseum. 

Unter dem italienischen Beleuchtungsgerät in Bronze nimmt im 



16, Jahrhundert der Kandelaber die wichtigste Stellung ein, und die 

größten und reichsten Beispiele entstanden wiederum im nördlichen Italien. 

Vor allen berühmt ist der fast 4 m hohe, überaus reich auch mit 



Fig. at». TOrklopfev in Venedie. Pal. Trevisan. S. 4JS. 

Floren geschmückte Erzkandelaber des Andrea Briosco (Riccio) aus 
der Zeit um 1510 im Santo zu Padim (Fig. 350, S. 474). .Dieses Werk 
resümiert das ganze ornamentale Wissen und Können der damaligen Pa- 
duaner; an Fleiß, Gediegenheit, Detailgeschmack hat es kaum seines- 



gleichen. AlleiD es ist des Gaten 
zu viel; die GliedeniDg hat wohl 
doppelt so viele Absätze oder 
Stockwerke, als ein antiker Leuch- 
ter bei gleicher Größe haben 
wdrde, und diese einzelnen Ab- 
teilungen sind untereinander zu 
gleichartig im Maßstab* (Burck- 
hsrdt, Cicerone). 

Venedig ist besonders reich 
e.a trefflichen Beispielen, die alle 
mehr oder minder Riccios Torbilde 
folgen. In der Uarkuskirche sind 
vor dem Altar der Madonna zwei 
Kandelaber des Camillo Alberti 
vom Jahre 1520 aufgestellt, vor 
dem Sakramentsaltare stehen zwei 
Kandelaber des Maffeo Oliviere, 
die im Jahre 1527 gestiftet wur- 
den. Die Kandelaber des Ales- 
sandro Vittoria, die im Jahre 
1571 för S. Giovanni e Paolo ge- 
fertigt wurden und jetzt im 
Museo Correr aufgestellt sind, 
wurden bereits erwähnt (Fig. 351, 
S. 475). Der Zeit um 1600 ent- 
stammen die reichen Über 2 m 
hohen Kandelaber des Andrea 
d' A lessandro von Brescia neben 
dem Hochaltar in Sa. Maria della 
Salute (Fig. 352, S. 476); Werke 
desselben Meisters sind wahrschein- 
lich der Kandelaber und sechs 
Leuchter in Santo Spirito. 

Vier schöne Kandelaber in 
der Certosa von Pavia wurden 
nach den Modellen des Annibale 
Fontana (1540—1587) von 
Francesco Brambilla gegossen. 
Ku nstreiche italienische Bron ze- 
kandelaber des 16. Jahrhunderts 
gelangten anscheinend schon frUh 



auch in deutsche Kirchen, z. B. 
in die Martinskirche zu Freßburg. 

In Erz gegossene große Kron- 
leuchter scheinen in Italien auch 
im 16. Jahrhundert nur wenige 
entstanden zu sein. 

Ein außerordentlich schönes 
und eigenartig erfundenes Werk 
ist der durch die Pendelver- 
suche Galiläis berühmt gewordene 
Hängeleuchter im Dome zu Fisa, 
eine Arbeit des Battista Lo- 
renzi, 1527—1594 (Fig. 353, 
S. 477). 

Ein fast 3 m hober Krön- 
leuchter in Form eines Palm- 
baumes mit Figuren und Orna- 
menten in der Kirche von Yal 
ä'Elsa soll auf Giovanni da 
Bologna zurückgehen, als dessen 
Werk an dieser Stelle auch der 
bronzene Fackelhalter an einer 
Ecke zwischen Pal. Strozzi und 
dem Mercato vecchio in Florenz 
erwähnt sei. 

An dieser Stelle zu erwähnen 
ist auch der äußerst geschmack- 
volle Fackel- oder Fahnenhalter 
am Pal. Magnißco in Siena, der 
von 6iacomo Cozzarelli im 
Jahre 1508 in Bronze gegossen 
wurde (Fig. 354, S. 478). 

Der Ueberblick über das 
reiche Schaffen der italienischen 
BronzekUnstler darf nicht abge- 
schlossen werden , ohne einer 
Gruppe reichst und zierlich de- 
korierter Bronze- und Messing- 
arbeiten zu gedenken, die ganz 
besonders in Venedig im 16. Jahr- 
hundert angefertigt wurden. Die 
zumeist gravierten, bisweilen in 



16. Jahibondert, 



den HaupÜinien durch. 
Silberauflagen bereicher- 
ten Ornamente dieser 
Schüsseln, Leuchter, Dosen 
etc., sind vielfach in offen- 
kundiger Anlehnung an 
Vorbilder mohammedani- 
scher Künstler entstanden, 
teils auch vielleicht von 
solchen in Venedig aus- 
geführt. 

Die großen Schflsseln, 
zu denen vielfach Kannen 
gehören, kommen auch 
nicht selten mit dem 
italienischen Ornament des 
16. Jahrhunderts bedeckt 
vor, auch bei diesen sind 
neben der Gravierung 
Silbereinlt^^en nicht un- 
gewöhnlich. Zahlreiche 
Beispiele dieser zum Teil 
bezeichneten Arbeiten sind 
in den großen Museen 
erhalten, ganz besonders 
in London. 




Spanien. 

In Spanien ist die 
Bronzekunst niemals zu 
einer ähnlich bedeutenden 
Entfaltung gelangt wie in 
den Kachbarländem , die 
besten und größten der 
dort erhaltenen Werke 
sind Schöpfungen auslän- 
discher Meister, besonders 
der vorher genannten 
Leoni. Doch im 16. Jahr- 
hundert sind zum wenig- 
sten einige einheimische 



Italien. 477 

tachtige Erzgießer in Spanien tätig, Ton denen Werke nachweisbar sind 
^vergl. Riaiio, The industrial arts in Spain, London, Ghapman and Hall 
1890, Bd. I S. 74 ff.). Als Gießer nach Modellen Pompeo Leonis 
wurde bereits Juan de Arfe, ein auch als Goldschmied bekannter 
Meister, genannt. 



Flg. SKS. BattisU Lorenzi, HSngeleucIiter In Pisa, Dam. S. 475. 

Einige vortreffliche Bronzewerke in Sevilla sind Arbeiten des Barto- 
lom^ Morel. 

Eine als «Giralda* bezeichnete Statue ist am Turm der Eathedrale 
aufgestellt, für die von ihm noch ein Chorpult und ein Teneberleuchter 
(Fig. 355, S. 479) ausgeführt wurden. Der Leuchter, ein reich mit Figuren 



478 18. Jahrhundert. 

(^ziertes, großartiges Werk, soll im Jahre 1562 entstanden sein unter Bei- 
hilfe des Juan Giralte, eines Niederländers, des Juan BitaYasquez 
und des Pedro Delgado. 

Zur selben Zeit arbeitete ein Meister Vlllalpando für die Kathedrale 
in Toledo. Sein Werk ist das Gitter der Capilla Major mit den ver- 
goldeten Kanzeln, Arbeiten, für die sonst in jener Zeit in Spanien das 
Eisen bevorzugt wurde. Von ihm wurden auch das Taufbecken, das 
BrUstungsgitter am Altar der 
Madonna im Chor und die Re- 
liefs am sogen. Löwentor in 
Erz ausgefUhrt. 

Als noch bessere Arbeiten 
bezeichnet Ri an o (a. a. O. 
S. 76) die in vei^oldeter Bronze 
gefertigten Chorpulte in der- 
selben Kathedrale, die im Jahre 
1562 von Juan Navarro 
modelliert wurden. Die mit 
Büsten und Reliefs verwerte 
Bronzekanzel der Kathedrale 
von Santiago ist bezeichnet: 
Joannes Baptista Gelma, 
Äragonensis patria pingendi 
artifex salutis anno 1563. Com- 
postelle faciebafc,' 

Ein Meister fast gleichen 
Namens, Cela, fertigte in den 
Jahren 1574—1579 ein bron- 
zenes Chorgitter fUr Saragossa. 

Für das Grabmal des Kar- 

iena, dinals Cisneros in San Rdefonso 
zu Älcala begann im Jahre 
1566 Nie. de Vergara eine Bronzebalustrade, die im Jahre 1574 von 
seinem Sohne vollendet wurde (Faber, Konv.-Lex. Bd. V S. 56). 

Werke mehr dekorativer Art sind es also, die von spanischen KOnst- 
lem im 16. Jahrhundert in Bronze ausgeführt wurden, größere figürliche 
Monumente, Grabmäler und Brunnen scheinen damals in Spanien nicht 
entstanden zu sein. 

Frankreich. 

In Frankreich sind während des 14. und 15. Jahrhunderts grdßere 
Bronzewerke nur in geringer Zahl entstanden, erst im 16. Jahrhundert 



Frankreich. 479 

tritt FraDkreicb in den Kreis der im Erzguß besonders hervorragenden 
Länder. 

Die ersten bedeutenderen GuBwerke, von denen wir wissen, wurden 
im Änilrage des Kardinals Georg von Amboise fUr Schloß Gaillon bei 
Ronen ausgeführt. Insbesondere wurde 
im Jahre 1509 eine Statue des hl. 
Geoi^ nach dem Modelle des Jeban 
de Bonny von Nie. Manger mit 
Hilfe von Jacques Billon und Jean 
Helot gegossen; der letzte Meister 
goß für dasselbe Schloß schon im 
Jahre 1508 eine Statue des hl. Jo- 
hannes. 

In Paris fertigte im Jabre 1516 
Jacques Bronchet ein großes 
Kruzifix mit Johannes und Maria zur 
Seite, das später Über der HaupttUr 
des Hotel Dieu bei Nötre-Dame auf- 
gestellt wurde. 

Vor allem ist aber dem eifrigen 
Bemflhen des kunstsinnigen Königs 
Franz I. der erneute Aufschwung der 
französischen ßießkunst zu danken. 
Aufträge fUr die königlichen Schlösser 
boten Gelegenheit, den Bronzeguß im 
großen zu Üben. Bekannt ist, daß 
der König um 154U Abgüsse von 
antiken Bildwerken aus Italien kom- 
men ließ, die unter der Leitung des 
italienischen Malers Primaticcio in 
Fontainebleau in Bronze nachgegossen 
wurden. V a s a r i , der bekannte 
KOnsÜerbiograph , schreibt, er wolle 
nicht verschweigen, daß Primaticcio 
zur Ausftlhrung jener Statuen so vor- 
treffhche Gießer hatte, daß die Güsse 
nicht nur genau ausfielen, sondern 
auch mit einer so reinen Oberfläche, daß sie des Ausputzens gar nicht 
bedurften. Die bei diesen, zum Teil erhaltenen Arbeiten, beteiligten 
Meister waren insbesondere Pierre Bontemps, Francisque Rjbon, 
Pierre Beauchesne und Benoist le Bouchet (vergi. De Laborde, 
Comptes des batimens, Bd. I S. 191, 200 ff.). 



480 16- Jahrhundert. 

Auch Benvenuto Cellini war damals fUr Frana I. ia Fofäainebleau 
tätig, wie bereits frOher gesagt ist, und in seiner Lebensbeschreibiug 
spricht er auch von französischen Erzgießem, doch nur um diesen gegen- 
über sein überlegenes Können zu betonen. 

Für das Schloß Ckenonceau bei Blois erteilte der König im Jahre 1553 
dem Meister Cardin Chantelon, genannt Valence, in Tours deo 
Auftrag auf eine bronzene Fontäne. 

Ausgezeichnete Erzbildwerke entstanden als Schöpfungen der großen 
französischen Bildhauer der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. J e a a 



Fig. 96S. O. Pilon, Figui des Runzlers de Birague in Farlt, Laitert. B. ISO. 

Qoujon, der tüchtigste unter ihnen, hat nur filr dasChäteau d'Anet 
einige Modelle fUr die Ausführung in Bronze geschaffen. 

Eifriger als Erzbildner tätig war Germain Pilon (f 1590). Von seiner 
Hand sind an dem 1583 vollendeten Grabmal Heinrichs II. und seiner 
Gemahlin Katharina von Medici in der Kathedrale von Saint-Denis die 
beiden knieenden Gestalten des Königspaares oben auf dem Marmoraufbau; 
von den vier großen Tugendgestalten an den Ecken des Grabmales sind 
zwei Werke des Ponce Jacquino (Abb. in Palustre, La Renaissance 
en France. Bd. H S. 111 ff.). 

Eine große knieende Bronzegestalt des Kanzlers de Birague schuf 
Pilon für dessen im Jahre 1585 in der Kirche Sainte-Catherine du Val 
des Ecoliers errichtetes Grabmal (Fig. 356, S. 480) ; die Figur befindet 



Frankreich. 481 



sich jetzt im Louvre in Paris (vergl. Courajod, Germ. Pilon et le 
tombeau de Birague, Paris 1878). 

Für das Grabmal des Prälaten Jean de MorviUiers in Blois model- 
lierte Pilon dessen in Bronze gegossene Büste (jetzt in OrUans), Eine 
Bronzebüste Karls IX. von Frankreich, die als ein Werk Pilons gilt, be- 
findet sich in der Wallace-Collection in London. Auch Medaillen 
Pilons sind bekannt. 

Die Hauptwerke des Pierre Biard (1559 — 1609) sind ebenfalls 
einige mit großen Bronzefiguren geschmückte Grabmäler. 

Er schuf am Grabmal des Fran^ois de Foix in der Augustinerkirche 
zu Bordeaux im Jahre 1597 die großen Tugendgestalten. Erhalten ist 
von seinen Bronzewerken nur die köstlich bewegte Gestalt „La Renommee*" 
von dem im übrigen auch zerstörten Grabmonument der Marguerite de 
Foix, der Gemahlin des Duc d'Epernon, das ehemals in der Kirche zu 
Cadillac stand. Die genannte Bekrönungsfigur befindet sich jetzt im 
Louvre, eine Wiederholung befand sich im Schloß JRichelieu in Poitou. 

Bartheiemi Prieur (geb. gegen 1550, gest. 1611) war der Meister 
des Monumentes mit der Urne, die das Herz des Connetable Anne de Mont- 
morenci aufnahm und in der Kirche der Cölestiner zu Paris im Jahre 1573 
errichtet wurde. Neben der Säule mit der Urne standen drei Bronze- 
figuren, die Frieden, Gerechtigkeit und Mäßigkeit darstellten (Abb. in 
Miliin, Antiquitdes nationales I. S. 71). 

Bei einem ähnlichen Denkmal des Künstlers, das für das Herz 
Heinrichs IH. im Jahre 1594 in Saint-Cloud aufgestellt wurde (jetzt in 
Saint'Denis) war nur die Urne in Bronze gegossen. 

Im Auftrage Heinrichs IV. führte Prieur für Fontainebleau eine 
Fontäne in Bronze aus, auf deren Mittelsockel eine nach antikem Vor- 
bilde modellierte Diana mit Hirschkuh stand. Vier Hunde saßen neben 
dem Sockel und aus vier Hirschköpfen an der Basis floß das Wasser. 
Die in Malmaison wieder aufgefundene Diana ist bezeichnet: B. P. 1602, 
auch die Hunde sind erhalten und im Louvre ausgestellt (Abb. des ganzen 
Brunnens in: Pierre Dan, Le Tresor des merveilles de . . . Fontainebleau, 
Paris 1642, S. 174). 

Im Louvre befinden sich weiter zwei Bronzebüsten des Meisters, die 
Heinrichs IV. mit Lorbeerkranz und die des Jean d' Alesso. 

Auch zwei dort verwahrte Bronzefiguren vom Grabmal des Christophe 
de Thou (ehemals in Saint- Andr^-des-Arts in Paris\ die in Nachbildung 
der liegenden Gestalten Michelangelos in der Mediceerkapelle entstanden 
sind, werden Prieur zugeschrieben. 

Noch eines Bronzewerkes, das jedenfalls nicht französischen Ursprungs 
war, mag, seiner einstigen Aufstellung in Besangon wegen, hier gedacht 
werden. Patte gibt in seinem Werke: Monuments erig^s en France ä la 

Lfler, unedle Metalle. 31 



482 16- Jahrhundert. 

gloire de Louis XV, Paris 1765 uuf Seite 91 einige Angäbet) über eine in 
Besan^on in einer Nische am Rathaase aufgestellte Statue Kaiser Karls V. 
Der Kaiser war danach sitzend in römischer Tracht dargestellt, mit 
Schwert in der rechten, dem Reichsapfel in der linken Hand. Zu seinen 
Fußen saß ein ebenfalls bronzener Adler, aus dessen beiden Köpfen sich 



Fig. SM. Grubmal Heinrichs VII. UDd seiner Qemahlin in LondoD, Westmlnaterabtai. S. 4U. 

Wasser in ein Brunnenbecken ergoß. Ueber die Entstehung gibt Patte 
uns an, daß man das Standbild errichtete, als die Franche-Comt^ zu 
Spanien gehörte, also wahrscheinlich noch im 16. Jahrhundert. 

England. 

In England sind die wenigen aus dem 16. Jahrhundert erhaltenen 
bedeutenderen Erzgußwerke zumeist von italienischen Künstlern ausgeführt. 
Pietro Torregiano vor allem ist der Meister des Grabmals Heinrichs VII. 



England. 483 

und seiner Gemahlin Elisabeth von York, das im Jahre 1519 vollendet 
und in der großen, 1502 — 1520 erbauten Chorkapelle der Westminster- 
dbtei aufgestellt wurde (Fig. 357, S. 482). Die lebensgroßen, vergoldeten 
Bronzegestalten des Königspaares ruhen auf einem durch vergoldete 
Bronzereliefs ausgezierten altarartigen Unterbau aus schwarzem Marmor. 
Umgeben ist das Monument von einem großartigen, etwa 3 m hohen, in 
Maßwerkformen durchbrochenen Bronzegitter, das mit jetzt zumeist ver- 
lorenen Figuren von etwa 50 cm Höhe und oben mit kräftigen Kerzen- 
armen ausgestattet ist. Dieses Gitterwerk soll noch zu Lebzeiten des 
Königs (t 1509) begonnen sein und ist ein Werk der englischen Meister 
Humfray Walker und Nicholas Even. Dieselben Künstler scheinen 
auch die drei großen bronzenen Gittertore ausgeführt zu haben, die die 
Eingänge zur Kapelle abschließen. 

Von Torregiano ist auch das Grabmal der Mutter Heinrichs VII., 
der Margarete von Bichmond (f 1509), im Seitenschiff derselben Kapelle. 
Bei diesem Monument ruht die zum Teil mit Lackfarben bemalte lebens- 
große Bronzegestalt in einer ebenfalls in Bronze gegossenen durchbrochenen 
Baldachinnische auf schwarzem Marmorunterbau mit vergoldeten Bronze- 
Wappenschildern. 

Endlich soll von Torregiano noch ein Bronzebildnis des Earl of 
Derby für die Kirche von Ormskirh^ Lancashire, ausgeführt sein. 



Siebzelmtes Jalirliimdert. 

Im 17. Jahrhundert wurden die bis dahin in der Geschichte der neueren 
Erzplastik hervorragendsten Länder, Deutschland und Italien, überflügelt 
von Frankreich. Die politischen Verhältnisse und die durch sie bedingte 
gesamte wirtschaftliche Lage dürften damals, wie in früheren Zeiten, das 
Ansteigen und Sinken der Bronzekunst in erster Linie herbeigeführt haben, 
nebenher werden auch rein äußere Geschmackswandlungen in gleichem 
Sinne mitgewirkt haben. 

Neuartige Aufgaben traten weder in Italien noch in Deutschland an 
die Erzkünstler heran. Brunnen und Grabmäler beschäftigten auch jetzt 
noch ab und zu die Schaffenskraft der Bildner, aber die Aufträge reichten 
nicht aus, um dauernd leistungsfähige Gießer zu erhalten. 

In Frankreich aber wurden zur Verherrlichung des Königtums Guß- 
leistungen vollbracht, wie sie kaum je vorher in gleicher technischer Voll- 
kommenheit zustande gebracht wurden. 



484 17. Jahrhundert. 



Deutschland nnd Niederlande. 

In Deutschland behielten Nürnberg und Augsburg auch jetzt noch 
eine Vorrangstellung als Gießerstädte. 

In Nürnberg erhielt insbesondere Johann Wurzelbauer, der im 
Jahre 1595 als Sohn Benedikt Wurzelbauers (s. S. 426) geboren wurde, die 
Ueberlieferungen der Vergangenheit lebendig. Von ihni ist bekannt, daß 
er für den im Jahre 1624 gestifteten Hauptaltar des Domes in Krdkau 
zwölf große Heiligenfiguren, acht Engelgestalten, die vier Hauptstützen 
und die Kuppel darüber gefertigt hat. Er führte weiter den im Jahre 1624 
von Johannes und Georg Starck gestifteten Krucifizus für die Sebaldus- 
kirche in Nürnberg aus. Für das Grab des schwedischen Obersten Klaus 
Hastfer, der im Jahre 1634 bei Nürnberg gefallen war, goß er die nicht 
mehr erhaltene Platte, deren Holzmodell sich im German. Museum in 
Nürnberg befindet. Eine größere Anzahl der Epitaphien des Johannes- 
friedhofes sollen sein Werk sein, besonders das des Martin Preller und 
Frau (1630) und der Familie Schuhknecht (1643). Ein großes Chorpult 
mit 24 Domhermwappen und den Figuren des hl. Kilian und der Maria 
im Dome zu Würzburg ist bezeichnet: ^ Hanns Wurtzelbauer in Würtz- 
burg goß mich 1644.** Er wurde auch mit der Lieferung von Bronzegrab- 
mälem nach Wehnar betraut und im Jahre 1653 soll er einige große 
und reichgeschmückte Kronleuchter für Moskau gegossen haben. Im 
Jahre 1656 ist er gestorben und auf dem Johannisfriedhofe bestattet. 

Einer alten, aber wenig bekannt gewordenen Nürnberger Gießerfamilie 
gehört auch Meister Jakob Weinmann an, von dem eine Reihe be- 
zeichneter Epitaphien auf dem Johannisfriedhofe in Nürnberg imd im 
Dome zu Bamberg erhalten sind. 

In Bamberg ist die Platte des Domkustos Michael Groß von Trockau 
bezeichnet: „Jacob Weinmann 1614**. Auch die Platte des Domherrn 
Wolfgang Albert von Würzburg (f 1610) trs^t seine Signatur. In Nürn- 
berg ist die dem Andenken des Doktors der Rechte Georg Rem (t 1625) 
gewidmete Platte mit dem vollen Namen des Meisters bezeichnet, andere 
weniger bedeutende Platten zeigen nur die eingeschlagenen Buchstaben I. W. 
(vergl. Bosch, Mitt. aus d. Germ. Mus. 1892, S. 102). 

Das einzige große und künstlerisch hochbedeutende Erzgußwerk, das 
im 17. Jahrhundert in Nürnberg entstand, ereilte das überaus traurige 
Geschick, in Deutschland nie seiner Bestimmung zugeführt zu werden, 
nämlich der Neptun- oder Peuntbrunnen (vergL E. Mummenhof, Der 
Neptunbrunnen zu Nürnberg, seine Entstehung und Geschichte. Nürn- 
berg 1902). 

Die Ausführung dieses Brunnens wird auf einen dem Rat der Stadt 



486 17. Jahrhundert. 



gegenüber von Ofctavio Piccolomini, Herzog von Amalfi, geäußerten Wunsch 
zurückgeführt, zur Erinnerung an das von ihm auf dem Schießplatze zu 
St. Johannis am 4. Juli 1650 veranstaltete Bankett, ein Monument zu 
errichten. Im Jahre 1660 hatte der Plan des Brunnens bereits festere 
Form gewonnen. Aus diesem Jahre sind bereits Kostenanschläge des 
Georg Schweigger gemeinsam mit Christoph Ritter und des Wolf 
Hieronymus Herold (1627 — 1693) erhalten. Im Jahre 1668 scheint 
das großartige Werk in der Hauptsache vollendet gewesen zu sein. 

Als der eigentliche künstlerische Schöpfer des Brunnens scheint (nach 
Mummenhof) Georg Schweigger gelten zu müssen. 

Mit ihm arbeitete sein Lehrer Christoph Bitter. Der Gießer des 
Ganzen war Herold, und als weitere Mitarbeiter sind Johann Jakob 
Wolrab und Jeremias Eisler bekannt. 

Aufgestellt wurde der Brunnen nicht; nachdem er bereits jahrelang' 
in der Werkstatt gelagert hatte, wurde er im Jahre 1702 in ein eigens 
dafür errichtetes Haus auf der Peunt gebracht. 

Welche Gründe diese betrübliche Tatsache notwendig erscheinen 
ließen, ist nicht völlig aufgeklärt. 

Schon im Jahre 1680 hatte man sich mit dem Gedanken eines Ver- 
kaufs getragen, erst über 100 Jahre später, im Jahre 1797 kam es 
wirklich dazu. Zar Paul I. erwarb damals den Brunnen für 66000 fl., 
um ihn in etwas vereinfachtem Aufbau in dem Parke von Peterhof bei 
St. Petersburg aufzustellen (Fig. 358, S. 485). 

In jüngster Zeit (1902) hat man den schweren Verlust dieses her- 
vorragenden Werkes dadurch wieder auszugleichen versucht, daß man 
einen getreuen Nachguß nach dem Original herstellte, der nun den Haupt- 
markt Nürnbergs schmückt. 

Für Frag goß Herold die überlebensgroße Figur des heiligen Nepomuk 
in Bronze. Nach einem kleinen Tonmodell des Matthias Rauchmüller 
schnitzte der Bildhauer Bokoff zu Bonsperg eine »acht Schuch* hohe 
Statue in Holz. Diese wurde nach Nürnberg gebracht und dort von 
Herold gegossen. Im Jahre 1683 erhielt sie ihren Platz auf der Brücke 
in Prag, Die Figur kostete über 7000 Gulden. 

Ein Bruder des Wolf Hieronymus Herold war Balthasar Herold 
(geb. 1625 in Nürnberg, f 1683 in Wien). Dieser wurde im Jahre 1667 
damit betraut, die Mariensäule am Hof in Wien in Bronze zu gießen. 
Dieses Werk wurde in Anlehnung an die früher erwähnte Münchener 
Mariensäule von dem Hofarchitekten und Theatermaler Ludwig Burnaccini 
entworfen. 

Nicht bekannt ist, in welchem näheren verwandtschaftlichen Ver- 
hältnis zu diesen Meistern der Erzgießer Georg Herold stand, der die 
Bronzearbeiten für das Grabmal des Markgrafen Joachim Ernst (f 1625) 



Deutficbland. 487 

in der Elosterkirclie in Heilsbronn ausfQhrte. Das Wachsmodell zur 
Statue fertigte laut Kontrakt vom 6. Mai 1625 nach einem ihm zuge- 
stellten .Contrefait" Meister Abraham Gross in Kulmbach für den Be- 
trag von 3200 Beicbsthalern. Herold erhielt für den &uß 500 Reichs- 
thaler. (Vergl. F. H. Hofmaon, Die Kunst am Hofe der Markgrafen 
von Brandenburg-Fränkische Linie. Straßburg 1901. S. 83.) 



Fig. M». A. de Vrtes nad W. Neldtaud, Uerknrbniiinaii in Aagsborg, 8. *9». 

Als tüchtige Gießer von Epitaphien in Nürnberg verzeichnet Doppel- 
mayr noch Sebastian Denn er (f 1691), Friedrich Hinter- 
häusel et 1708) und Johann Georg Ramstek (f 1176). 

Ramsteck goß unter anderem auch für das vorhergenannte Grabmal 
in Heilshronn im Jahre 1712 die Inschrifttafeln. Einige tUcbtige Epi- 
taphien Denners mit voller Bezeichnung befinden sich z. B. im Histo- 
rischen Museum in Frankfurt a. M. 

In Augsburg, der neben Nürnberg bedeutendsten deutschen Gießer- 



488 17. Jahrhundert. 



Stadt des 17. Jahrhunderts, war um die Wende dieses und des 16. Jahr- 
hunderts Meister Wolfgang Neidhard von Ulm als Erzgießer hoch- 
geachtet. Ein Werk des Künstlers, das Epitaph des Grafen Wilhelm v. 
Zimbem in Meßkirch in Baden, wurde bereits früher erwähnt. Weit groß- 
artigere Gußwerke sind von ihm in Augsburg erhalten, insbesondere führte 
er nach den Modellen des Niederländers Adriaen deVries den Merkur- 
brunnen und den Herkulesbrunnen aus (Buchwald, Adriaen de Vries, 
Leipzig 1899, S. 14 flF.). 

Der Merkurbrunnen (Fig. 359, S. 487) wurde im Jahre 1599 , der 
Herkulesbninnen im Jahre 1602 vollendet. Der Guß des Herkules (Fig. 360, 
S. 489) mißlang zunächst (1597), „des sculptoris Mantel und Form nvar 
gebrochen und das Zeug teils ausgelaufen'', und Adriaen de Yries 
mußte ein zweites Modell herstellen. Aehnliches Mißgeschick hat die 
tüchtigsten Gießer aller Zeiten und trotz aller Vorsicht betroffen. 

Bei beiden Brunnen sind die mittleren marmornen Figurensockel 
erneuert, ohne dass ihre ursprüngliche Form wesentlich verändert ist. 
Am Herkulesbrunnen wurde zuletzt (1828) die Mittelsäule nach einem zu 
dem Zwecke ausgeführten genauen Holzmodell in Eisen nachgegossen. 
Die sämtlich in Bronze ausgeführten figürlichen Teile der Brunnen haben 
bisher allen Einflüssen der Witterung standgehalten (Beschreibung der 
Brunnen in Zeitschrift für bild. Kunst 1881/82, S. 1 flF. u. 37 flF.). 

Wolf gang Neidhard war Äugsburger Stadtstück- und Glocken- 
gießer und hat als solcher auch die zahlreichen Bronzegußarbeiten für das 
zu Anfang des 17. Jahrhunderts erbaute Bathaus ausgeführt. Erwähnt sei 
der Adler für den vorderen Giebel, dessen Form von Christ. Murmann 
geschnitten wurde, und der alles in allem 2000 fl. kostete, weiter goß er 
Wappen, Postamente und Kapitale korinthischer Säulen, Büsten römischer 
Kaiser, Oberlichtgitter, Wandleuchter und Deckenzierate (Buff, Zeitschr. 
d. bist. Vereins für Schwaben u. Neuburg 1887, S. 230 f., 248 f.). 

Bemerkt zu werden verdient, daß Wolfgang Neidhard sogar mit 
dem Rate der Stadt Danzig über den Guß eines Brunnenbildes verhandelte; 
der geplante Brunnen wurde auch ausgeführt, doch ist aus den Akten 
nicht ersichtlich, ob die Ausführung in Neidhards Werkstatt geschah 
(Buchwald a. a. 0. S. 81). 

Ein anderer, zur selben Zeit in Augsburg tätiger, ausgezeichneter 
Bildhauer und Erzgießer war Hans Reichel aus Rain, Sein Werk ist 
besonders die Kolossalgruppe des Erzengels Michael am Augsburger 
Zeughause, die im Jahre 1607 vollendet wurde. Für die Ulrichskirche 
schuf er im Jahre 1605 den Bronzealtar mit den vier großen Gestalten: 
Christus am Kreuz, Magdalena am Kreuze knieend, und Maria und Johannes 
zur Seite des Kreuzes stehend. Möglicherweise ist Reichel auch der 
Meister der beiden trefflichen erzenen Kinderfiguren, die als Träger des 



'Weihwasserbeckens in der ülricbskircbe neben einer vierseitigen Mittel- 
stütze stehen. 

Als Bildner nicht herTOrrageod war der Meister des im Jahre 1638 
vollendeten Neptunbrunnens, Johannes Gerold. Man bat die Vermutung 
ausgesprochen, daß die Augsburger Meister mit ihrem Kate unzufrieden 
waren, als dieser zu wiederholten Malen große Aufliröige an ausländische 
Künstler statt an einheimische erteilte, und daß der Bat nur, um an- 



Fig. 3»0. Ä. de Vries und W. Neidhard, H erhole Bbtnnnen in Angaburg. 8, IM. 

scbaulicb das fUr solche Werke nicht geschulte Können der Augsburger 
Bildbauer zu beweisen, den Neptunbrunnen von Gerold als abschrecken- 
des Beispiel ausführen ließ. Wie dem auch sei, mit den älteren Brunnen 
ist er nicht auf eine Stufe zu stellen. Er soll ursprünglich in einem 
Garten gestanden haben und erst nach mancherlei Umstellungen auf den 
Fischmarkt gelangt sein. Auch hier wird die Figur von einer gußeisernen 
Säule (von 1840) getragen. 

Nicht ohne Bedeutung war auch noch im 17. Jahrhundert die von 
Sebald Kopp geleitete ForchTieimcr Gießhütte, auf die besonders einige 



490 17. Jahrhundert. 



Grabplatten im Bamberger Dome zurückzuführen sind, und in der, -wie 
aus Rechnungsnotizen zu ersehen ist, in den Fünfzigerjahren auch größere 
Erzgußarbeiten für den Peters- und Georgenaltar in jener Kirche aus- 
geführt wurden, die im 19. Jahrhundert zerstört worden sind. Von den 
Bronzeepitaphien ist besonders das des Fürstbischofs Philipp Valentin 
Y. Bineck im Jahre 1671 von Sebald Kopp gegossen. 

Wie es scheint, entstanden auch in München noch in der zweiten Hälfte 
des 17. Jahrhunderts einige große in Bronze gegossene Gestalten. Berichtet 
wird sehr unzureichend über ein Brunnen werk im Residenzgarten, das 
zur Zeit des Kurfürsten Max Emanuel ausgeführt sein soll, und dessen 
Hauptfigur ein Neptun war (Haeutle, Gesch. d. Residenz in München, 
S. 94.). 

Endlich wurde auch in dem erzberühmten Innsbruck die Gießkunst 
im 17. Jahrhundert noch gepflegt, es entstand dort damals sogar eines 
der ausgezeichnetsten deutschen Werke überhaupt. Erzherzog Leopold V., 
der damalige Landesfürst von Tirol, beauftragte den Bildhauer Kaspar Gras 
damit, das Modell für einen großen Brunnen mit Nymphen, Tritonen, Kinder- 
figuren und einem etwa zwei Drittel lebensgroßen Reiterbilde des Herzogs 
in der Mitte auszuführen. Das Werk kam auch zustande, Meister Heinrich 
Reinhardt besorgte im Jahre 1627 den Guß. Doch wegen der unruhigen 
Zeiten scheint der Brunnen damals nicht im Zusammenhange aufgestellt 
zu sein, zerstreut erhielten die Figuren ihre Plätze im Hofgarten und 
vor dem alten Theater, ein Teil kam später nach Schloß Ambras. Erst 
in jüngster Zeit, im Jahre 1893, hat man sich der ursprünglichen Be- 
stimmung der Figuren erinnert und sie nun wieder vereinigt als Brunnen 
vor den Innsbrucker Stadtsälen aufgestellt. 

Künstlerisch bedeutsam ist dieses Werk noch dadurch, daß bei ihm 
zum ersten Male bei einem so großen Bronzemonumente der Reiter auf 
springendem Pferde dargestellt wurde, ein Motiv, das in der Folgezeit noch 
mehrfach von Bildhauern in größerem Maßstabe behandelt worden ist. 

Noch andere Werke des Kaspar Gras, die wohl ebenfalls mit Hilfe 
Reinhardts in Bronze gegossen wurden, sind in Tirol erhalten (Atz, 
Kunstgesch. in Tirol u. Vorarlberg, S. 396). Nicht mehr vollständig und 
in seinem ursprünglichen Aufbau befindet sich das Grabmal des Erz- 
herzogs Max in der Pfarrkirche in Innsbruck. Im Kloster Wüten sind 
ein Kruzifix und der Riese Haimon Arbeiten des Künstlers. 

Ein größeres süddeutsches Erzgußwerk des 17. Jahrhunderts, dessen 
Meister bisher nicht bekannt geworden ist, ist die Brunnenfigur des 
heiligen Willibald in Eichstätt i. B. Der Brunnen wurde im Jahre 1695 im 
Auftrage des Fürstbischofs Job. Euchar Schenk von Kastell ausgeführt; 
die bekrönende Bronzefigur mag in Nürnberg oder Forchheini gegossen 
sein (Abb. in Eichstätts Kunst, Festschrift. München 1901, S. 58). 



Deutscliland. 491 



Im nördlichen Deutschland waren im 17. Jahrhundert nur wenige 
Gießer befähigt, einen künstlerischen Auftrag auszuführen. 

In Sachsen bewahrte die Familie Hilger (Hilliger) noch einige 
Jahrzehnte ihren Ruf (s. S. 444), doch über den Guß einfacher Grabplatten 
ging die Leistungsfähigkeit kaum noch hinaus. Im Jahre 1624 wurde 
der Dresdener Bürgermeister und kurfürstliche Stückgießer Hans Hilger^ 
der zweite im Jahre 1567 in Freiberg getaufte Sohn des früher genannten 
Martin Hilger, beauftragt, die lebensgroße Statue der Sophie Ton Branden- 
burg, Gemahlin Christians L, für die Grabkapelle in Freiberg in Bronze 
zu gießen, allein der Meister berichtet über die großen damit verbundenen 
Schwierigkeiten, deren er sich nicht gewachsen fühlte. Er sagt, daß 
zuerst das „Conterfet" in Wachs bossiert werden müsse, dann sei das* 
Formen, Brennen und Binden der Form, das Verschneiden und Aus- 
bereiten des Bildes so mühsam und «ein so ungewöhnlich Tun% daß der 
gewünschte Kostenanschlag nicht vorher aufstellbar sei, doch möchte das 
Bild ohne das Metall wohl auf 1500 fl. zu stehen kommen. Im Jahre 
1628 wird berichtet, daß mit dem Bossieren ein Anfang gemacht sei 
und mit allem Fleiß fortgefahren werde, dann aber fehlen alle Nachrichten 
über die Vollendung der Statue, man muß deshalb annehmen, daß der 
Guß mißlang. An dem für jene Figur vorgesehenen Platze steht jetzt 
die Bronzestatue Johann Georgs I. von dem Venezianer Erzgießer Pietro- 
Boselli (Schmidt, Archiv für sächs. Gesch. 1873, S. 151). 

Wir wissen, daß Hans Hilger außer zahlreichen Glocken und Ge- 
schützen ein großes bronzenes Kruzifix goß, das für die Eibbrücke in 
Dresden bestimmt war, dort aber nicht aufgerichtet wurde, vielmehr nach 
Prag gelangte, wo es auf der Karlsbrücke seinen Platz fand. Hans Hilger 
starb im Jahre 1640. Sein ältester Sohn Hans Wilhelm Hilger über- 
nahm dann die Leitung der kurfürstlichen Gießhütte in Dresden^ er goft 
die letzte der zahlreichen Bronzeplatten des Freiberger Domes vom Jahre 
1643. Auch darüber ist die Rechnung erhalten, und wir ersehen daraus^ 
daß „die Tafel zu formen und gießen, blank auszubereiten und polieren, 
das Conterfet, die Wappen, Compartamenta und Schriften einwärts zu 
hauen, schwarz einzulassen und gänzlich fertig zu machen, für den Zentner 
fertigen Guß 21 fl.** bezahlt wurde. 

Auf die teils mehr, teils minder kunstreichen Grabplatten in Alten- 
burg (Museum), Neuhaus (Kirche), Weimar (Stadtkirche) und in Leipzig 
(Thomaskirche) sei nur hingewiesen; die Gießer dieser Platten sind nicht 
bekannt. 

In der Nikolaikirche in Zerbst befindet sich ein in Bronze gegossener 
Taufkessel, der als „etwas stumpf im Guß, aber von ansprechender Kom- 
position* bezeichnet wird, „namentlich der Deckel reich mit Engelfigür- 
chen, Engelköpfen, Masken und Volutenwerk geschmückt" (Lübke). 



492 17. Jahrhundert. 



In der Liebfrauenkirche zu Halberstadt befindet sich ein im Jahre 1614 
von Mathias Eippmann in Halberstadt gegossener Taufkessel mit 
Deckel, der von einer Madonna gekrönt ist. 

In Schlesien sind aus dem 17. Jahrhundert sehr wenige Bronzeguß- 
arbeiten vorhanden, unter denen nur das Bronzeepitaph des Kanonikus 
Friedr. Bergh (f 1625) mit dessen lebensgroßer Bronzebüste im Dome 
zu Breslau und einige Werke des Adriaen de Vries von Bedeutung 
sind (s. S. 495). 

Im nordöstlichen Deutschland befindet sich in der Neuen Kirche 
der Altstadt Königsberg hinter dem Altar ein Bronzeepitaph vom Jahre 
1639, an dessen Ohrmuschelomamentumrahmung zwei Statuetten (Moses 
und Johannes der Täufer) angebracht sind. 

Das einzige hervorragende Gußwerk, die Gestalt des Neptun auf dem 
Brunnen vor dem Arthushof in Danzig (Fig. 361, S. 493), ist jedenfalls 
nicht von einem einheimischen Meister ausgeführt (s. S. 498). 

Sehr spärlich ist auch die Zahl der im 17. Jahrhundert im nord- 
westlichen Deutschland entstandenen Bronzeskulpturen, deren Reihe aber 
wiederum durch Werke des Adriaen de Vries (in Bückeburg und 
Stadthagen) bereichert wird (s. S. 496). 

In St. Michael in Hildesheim befindet sich der schon früher (S. 452) 
erwähnte Taufkessel des Meisters Diderich Mente vom Jahre 1618. 

Eine „Metall "-Relief platte vom Jahre 1675 in der Stadtkirche zu 
Celle erwähnt Mithoff. 

Ein bronzenes Balustergitter im Dome zu Münster soll unter Bischof 
Bernhard v. Galen aus Kanonen gegossen sein, die den Niederländern 
abgenommen wurden. 

In St. Alban in Köln wird der Taufkessel vom Jahre 1642 als ein 
einheimisches Gußwerk angesehen (Bock). 

Am lebendigsten blieb während des 17. Jahrhunderts im nördlichen 
Deutschland die Gußtechnik in Lübeck und Holstein. 

In Lübeck sind als die hervorragendsten Gußleistungen die Gitter 
in der Marienkirche (vor der Bremerkapelle) vom Jahre 1636 und in 
der Petrikirche aus den Jahren 1621, 1639 und 1644 zu nennen, die 
jedenfalls als einheimische Arbeiten angesehen werden dürfen. 

Eine Bronzetaufe in der Kirche zu Husum vom Jahre 1643 und eine 
fast gleiche in der Kirche zu Hattstedt (Kreis Husum) vom Jahre 1(547 
goß Lorenz Karstensen, im Anschluß an die alten in jener Gegend 
vorhandenen Werke; nur die Einzelheiten sind dem Zeitgeschmack an- 
gepasst. Die vier Evangelisten tragen das Becken, dessen Wandung noch 
durch sechs vollrunde Apostelfiguren gegliedert wird. 

Ueberaus mannigfaltig nach Form und Bestimmung ist aber das in 
allen Teilen Deutschlands im Laufe des 17. Jahrhunderts entstandene 



DeataeUand. 493 

MessingkleiDgerät, unter dem Leuchter aller Art den weitesten Raum 
einnehmen. 

Große, mit zahlreichen strahlig angeordneten Armen ausgestattete. 



Flg. Stl, }I«ptDnbruiiiicn in Danzig. S. 4SI. 

am profilierten Schaft unten mit einer Kugel oder mit anderen auf die 
Sonderbestimmimg bezugnehmenden Gebilden beschwerte Kronleuchter 



494 1''- Jahrhundert. 

fehlten im 17. Jahrhundert kaum in einer größeren Kirche. Vielleicht 
darf man si^n, daß die schönsten Beispiele in den deutschen Kflsten- 
ländem entstanden sind. 

Hingewiesen sei besonders auf die Wand- und Kronleuchter in Lübeck 
(Fig. 362, S. 494) (Katharinenkirclie , Jakobikirche , Petrikirche et«.), in 
Wismar (St. Jürgen, Kronleuchter von 1608 und 1649; Wandleuchter Ton 



Fig. s«i. Kronicacbter in Lflbeck, EatbarlnenkJrcb«. S. tM. 

1616, 1696 etc. etc.), in Bostock (Jakobikirche, Kronleuchter von 1602 
und 1603, beide nachweisbar Nürnberger Arbeiten; Wandleuchter von 
1614, 1617 etc.) und in Eeval (Nikolaikirche, Kronleuchter von 1615, 
1645, 1648, 1652, 1691, 1692 etc.). 

Ein ansprechender Ältarleuchter mit zwei c^-förmigen Armen vom 
Jahre 1G23 befindet sich in der Neuen Kirche von Pelltvorm (Holstein). 
Zwei Altarleuchter der Kirche in Amau (Ostpreußen) goß in Anlehnung 
an italienische Vorbilder im Jahre 1690 Daniel Klein. 



Deutschland. 405 

Scbon mehrfacli geaannt wurde der Name des niederländischen Bild- 
hauers Adriaen de Vries, dessen zuallermeist in Prag ausgeführte 
Werke hier im Zusammenhange noch kurz betrachtet werden mögen. 
(Buchwald, Ädriaen de Vries, Leipzig 1899. Ilg, Adriaen de Vries, 
Jahrb. der kunstbistorischen Sammlungen des allerb. Kaiserhauses. Wien 
1883. S. 118 und 1887, S. 89.) 

Adriaen de Vries stammte aus dem Haag, er scheint dort um das 
Jahr 1560 geboren zu sein, 
üeber seine Jugend- und Lehr- 
jahre ist so gut wie nichts be- 
kannt, zweifellos fest steht nur, 
daß Giovanni da Bologna ent- 
scheidenden Einfluß auf sein 
Schaffen gewann. 

Im Jahre 1594 fertigte er 
im Auftrage Rudolfs IL in Prag 
die große Bronzegruppe: Merkur 
und Psyche {jetzt im Louvre 
in Paris) und wohl kurz dar- 
auf die Gruppe : Psyche von drei 
Amoren zum Olymp getragen 
(jetzt Stockholm, Museum). 

Weitere bedeutende Ar- 
beiten für Deutschland folj^en 
kurz darauf. Zunächst die bei- 
den schönen Brunnen für Augs- 
burg (s. S. 488). Bucbwald 
(a. a. 0., S. 31) glaubt dem 
Meister noch die in Augsburg 
(Maximiliansmuseum) be- 
findliche Bronzefigur eines Tri- 
tonen (0,Ö0 m hoch) zuschreiben 
zu dürfen, als deren ehemaliger 
Standort „die neyeZeyl im obem Fig. s»». 

Tir „xi. •! r 1 1. 111 ' 1 Adriaen de Vries, Kaiser Radolt II. In Wien. 8. WS. 

Wassertnurm lest^estelit ist. 

Zu Anfang des 17. Jahrhunderts ist de Vries wieder fWr Kaiser 
Rudolf II. tätig, er liefert zwei kunstreiche bronzene Tischfüße, zwei 
Btlsten des Kaisers (Fig. 363, S. 495), eine Gruppe „Herkules, Dejanira 
und der Gentaur' und andere zumeist kleinere Bronzewerke. 

Wahrscheinlich bald nach 1607 entstand die sehr bemerkenswerte 
springend dai^estellte Reiterstatuette des Herzogs Heinrich Julius Ton 
Braunschweig {Braunschweig, Museum). 



496 17. Jahrhundert 



Im Jahre 1604 vollendete der Künstler eine GeiBelungsgruppe, von 
der die Christusgestalt allein sich in der Kirche zu Bothsürben i. Schles. 
befindet. Aus dem Jahre 1607 ist die fast lebensgroße Gestalt des 
Schmerzensmann in der Liechtensteingalerie in Wien erhalten. 

In JEdinburg (Nationalgallery) befindet sich eine bronzene Simson- 
gruppe vom Jahre 1612, die deVries nach einem Vorbilde des Giovanni 
da Bologna ausführte. 

Aus dem Jahre 1614 ist eine kleine freie Bronzekopie des Meisters 
nach dem Farnesischen Stier erhalten {Gotha^ Museum). In demselben 
Jahre entstand das große ßelief mit dem Martyrium des hl. Vinzenz im 
Dome zu Breslau. 

Eine Reihe ausgezeichneter Bronzewerke entstanden dann für den 
Fürsten Ernst von Schaumburg. Im Jahre 1615 vollendete der Künstler 
das Taufbecken für die kurz vorher erbaute lutherische Kirche in Bücke- 
bürg, und er verstand es, für das im Laufe der vorausgehenden Jahr- 
hunderte so wenig abwechslungsreich gestaltete Gerät eine eigenartige, 
höchst künstlerische Form zu finden. (Ueber die Darstellungen im einzelnen 
siehe Buchwald a. a. 0., S. 64flF.) 

Mit über lebensgroßen Bronzefiguren und mit Reliefs stattete der 
Meister das Grabmal des Fürsten (f 1622) in dem von ihm um das Jahr 
1620 erbauten Mausoleum an der Martinskirche in Stadthagen aus. Der 
Künstler hat den Marmorsarkophag des Fürsten als das Grab Christi dar- 
gestellt mit vier erzenen Kriegergestalten zur Seite und der ebenfalls 
in Bronze gegossenen Gestalt des auferstehenden Heilandes oben darauf 
(Buchwald, S. 66—72). 

Im Jahre 1621 modellierte deVries zwei große Bronzegruppen für 
den Schloßgarten in BücJceburg, darstellend den Raub der Proserpina 
(Fig. 364, S. 497) und Venus und Adonis (oder Diana und Aktäon). End- 
lich werden einige bronzene Pferdestatuetten und die 40 cm hohen Figuren 
von Adam und Eva auf der Ahrensburg bei Bückeburg dem Künstler zu- 
geschrieben. Noch während dieser Arbeiten für den Fürsten Ernst hatte 
Adriaen deVries im Jahre 1616 einen Vertrag unterzeichnet, der ihn 
verpflichtete, dem Könige Christian IV. von Dänemark für einen Hof des 
Schlosses Frederiksborg auf Seeland einen Brunnen zu liefern (Friis, Fre- 
deriksborgfontaenerne, Tidsskrift for Kunstindustri 1890, S. 141 flF.). 

Ueber diesen nicht mehr an seinem Bestimmungsplatze erhaltenen^ 
zum Teil von Schülern des Meisters ausgeführten Brunnen schrieb am 
7. März des Jahres 1623 der Prinz Christian der Jüngere von Anhalt in 
sein Tagebuch: „in Mitten des Platzes ist ein schöner Brunnen mit 
9 Metallenen Bildern lebensgroße gezieret und zu Pra{f gegossen, welche 
mit 10000 Rthir. ist gezahlt worden«. 

Diese Notiz ist auch für die Geschichte der Gießtechnik von be- 



Deutschland. 407 

sonderem Interesse, denn wir Temehmen daraus ausdrücklich, daS in 
Prag damals Oießer vorhanden waren, die solch bedeutenden Aufgaben 
gewachsen waren. Auch die Bronzegußwerke für den Fürsten Ernst 



Fig. 38J. Adrinen de Vries, Raqb der Ptoserpinn in BUckeburg, S. *M. 

kamen von Prag, doch fehlen Über ihre Ausftlhrung bestimmte Angaben, 
und leider ist der Käme des Gießers ja auch in jenem Tagebuche nicht 
genannt. In einem Briefe des Künstlers vom Jahre 1626 wird aber bei 
Gelegenheit der Ausitihrung von Bronzewerken ein Meseran Sehliger 

LDer, Unedle »etiUe. 32 



498 17. Jahrhundert. 



genannt, der vermutlich der Gießer jener Arbeiten und vielleicht auch der 
älteren war. Daß Adriaen de Vries sich mit der Gußausfährung seiner 
Werke nicht abgab, darf aus einem Briefe des Augsburger Gießers Wolf- 
gang Neidhard an den Rat in JDanzig geschlossen werden, in dem er 
sagt: „Dan der Aderian (Adriaen de Yries) nempt sie das güssen nit An, 
dann er bossir num Ins wax**. 

Die Bronzen des Frederiksborger Brunnens, der bekrönende Neptun, 
drei Tritonen, drei Genien mit schreitenden Löwen, drei Nymphen auf 
Delphinen, drei Putti und drei Gestalten der Lebensalter, kamen während 
des Krieges mit Schweden um das Jahr 1660 nach Drottninglwlm und 
von dort eine der Figuren nach Heleneborg. 

Nach Drottningholm gelangten auch noch Gruppen und Figuren, die 
Adriaen de Vries im Auftrage Wallensteins für dessen in Prag erbauten 
Palast modellierte, und von denen fünf Figuren zu einem Brunnen vereinigt 
waren. Bei der Einnahme Prags durch die Schweden im Jahre 1648 
wurden diese Erzfiguren mit anderen Kunstschätzen von den Eroberem 
in die Heimat mitgenommen. 

Eine ursprünglich zur Bekrönung dieses Brunnens bestimmte Laokoon- 
gruppe trägt die Jahreszahl 1623. An ihre Stelle trat auf Wunsch 
Wallensteins ein Neptun, der mit der Jahreszahl 1627 versehen ist. Die 
um die Mittelfigur aufgestellten Gestalten zweier Flußgötter und zweier 
Nymphen entstanden in den Jahren 1624 und 1625. 

Die übrigen Figuren und Gruppen waren Venus und Adonis (1624), 
ein Bacchus (1624), die Ringer (1625) und ein Apollo aus derselben Zeit. 
Wahrscheinlich ebenfalls aus Wallensteins Besitz stammt ein in Drottning- 
holm befindliches bronzenes Pferd in halber Lebensgröße (1622). 

Von zwei anderen dort vorhandenen Bronzegruppen (beide von 1622) 
des Adriaen de Vries, einer allegorischen Darstellung (nackte Frau auf 
einem am Boden liegenden Manne stehend) und Herkules, Nessus und 
Dejanira, sind die Auftraggeber nicht bekannt. (Boettiger, Bronsarbeten 
i Swerge af Adrian de Fries, Stockholm 1864, mit vielen Lichtdruck- 
tafeln, und Buchwald a. a. 0. S. 74 ff.) 

Von einer großen Erzfigur, dem Neptun auf dem Brunnen am Langen 
Markte in Danzig^ ist die Urheberschaft des Adriaen de Vries mit größter 
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Fest steht, daß diese Figur im Modell 
im Jahre 1620 vollendet war; die Wasser des Brunnens sprangen zuerst 
im Jahre 1633 (Fig. 361, S. 493). 

Bemerkt sei endlich, daß die angeführten Werke des Meisters zumeist 
bezeichnet sind „Adrianvs Fries Hagiensis**, die jüngeren mit dem Zu- 
sätze „Bataws** und auch fast sämtlich ihr Entstehungsjahr tragen. Der 
Künstler starb am 11. Mai des Jahres 1627 in Prag. 

Eine Reihe hervorragender Erzgußarbeiten wurden im 17. Jahr- 



Niederlande. 499 



hundert auch von Niederländer Künstlern in der Heimat und für diese 
ausgeführt. 

Hendrik de Keyser von Utrecht (geb. 1565 oder 1567) vollendete 
im Jahre 1620 das 1616 begonnene Grabmal Wilhelms des Schweigsamen 
in der Neuen Kirche zu Delft An diesem großartigen, in schwarzem und 
weißem Marmor aufgeführten Monumente ist zu Häupten der liegenden, 
aus weißem Marmor gebildeten Grabfigur des Statthalters noch eine 
sitzende Figur des Prinzen in Bronze aufgestellt, und zu Füßen der Marmor- 
figur sitzt eine große eherne ßuhmesgöttin mit ausgebreiteten Flügeln 
(Abb. in Marchai a. a. 0., Taf. VII, S, 351). 

Demselben Meister wird auch die vortreffliche Denkmalstatue des 
Erasmus vom Jahre 1622 auf dem Großen Markte zu Rotterdam zuge- 
schrieben. 

Martin van Calster, von dem bekannt ist, daß er im Jahre 1595 
heiratete und im Jahre 1628 starb, modellierte in den Jahren 1602 — 1603 
für einen Brunnen in Mecheln einen Neptun mit Dreizack, auf einem See- 
ungeheuer reitend; diese Gruppe wurde von Pierre de Clercq in Bronze 
gegossen. 

Ein großer 600 Pfund schwerer Bronzechristus, der ehemals auf 
dem Pont N^ron in Valenciennes aufgerichtet war, und sich jetzt dort in 
Saint-Gery befindet, wurde dort im Jahre 1604 von Jacques Perdry 
gegossen. 

Gaspard de Turkelsteyn goß im Jahre 1610 einen 6000 Pfund 
schweren wappenhaltenden Löwen nach dem Modelle des Jean de 
Montfort für das sonst aus schwarzem Marmor gefertigte Grabmal 
Johanns II. von Brabant und seiner Gemahlin Margareta von York in 
S. Gudula in Brüssel. 

Von dem im Jahre 1602 in Brüssel geborenen und im Jahre 1654 
in Gent lebend verbrannten Jeröme du Quesnoy d. J. wurde im Jahre 
1619 die höchst anmutige Brunnenfigur des Manneken-pis in Brüssel im 
Auftrage der Steuereinnehmer der Stadt für 50 Gulden in Bronze ausgeführt. 

Jean Cauthals, Gießer in Mecheln^ goß im Jahre 1635, angeblich 
aus der Bronze des Standbildes Albas von Jonghelinck, einen Kruzifixus 
für den „Meir* in Mecheln. Schon in den Jahren 1594 — 1595 hatte der 
Meister einen Bronzechristus für die Große Brücke in Mecheln gegossen. 

Von einem unbekannten Künstler, vielleicht von Jean Thonon, wurde 
wahrscheinlich in Dinant im Jahre 1631 auf Kosten der zweiunddreißig 
Zünfte der Stadt Lüttich eine Denkmalstatue des Bürgermeisters Guillaume 
Beeckraan gegossen und in der Vorhalle des Stadthauses zu Lüttich auf- 
gestellt. Im Jahre 1638 erhielt die Figur ihren Platz auf einem Straßen- 
brunnen, und im Jahre 1649 wurde sie zerstört. 

Kolossale Bronzefiguren (12 Fuß hoch), Werke des Arthur Quellinus 



500 17. Jahrhundert. 



d. Aelt. von Antwerpen (getauft 1609, f lö68), bekrönen die beiden 
Hauptgiebel des Stadthauses, des jetzigen königlichen Palastes, in Amster- 
dam, Auf dem Vordergiebel stehen die Gestalten: Friede, Gerechtigkeit 
und Weisheit, auf dem Giebel der Rückseite die Gestalten: Mäßigkeit, 
Wachsamkeit und diese überragend in der Mitte die Figur des Atlas mit 
einer riesigen Weltkugel. 

Von bronzenen oder messingenen Geräten u. dergl., die im 17. Jahr- 
hundert in den Niederlanden entstanden, seien erwähnt ein Lesepult vom 
Jahre 1605 in S. Sauveur zu Brügge^ ein ehemals in Nötre-Dame in 
Brügge vorhandener, im Jahre 1625 von Gregor van Halle ausgeführter 
Kronleuchter (von dem zwölf Statuetten erhalten sind), ein im Auftrage 
des Rates von Valenciennes von Meister Mathieu du Moulin de Soignies 
für Nötre-Dame la Grande in Valenciennes ausgeführter vierundzwanzig- 
armiger Kronleuchter, dann die von Nicolas Bello, „batteur" in Dinanty 
im Jahre 1629 für die dortige Kirche ausgeführten noch erhaltenen 
Kandelaber, ein Adlerpult in Saint-Quentin ^ das 1638 wahrscheinlich in 
Toumai gegossen wurde, und die Chorabschlußtüren in S. Jacques in 
Brügge^ die bezeichnet sind „Gillis Moerman Fe. 1683", 

Nur wenige größere Bronzewerke, außer den bereits angeführten des 
Adriaen de Vries, sind in den skandinavischen Ländern aus dem 17. Jahr- 
hundert erhalten. 

Im Jahre 1608 entstand die nicht unbedeutende Gestalt einer Caritas 
für den Marktbrunnen in Kopenhagen^ sie wurde von dem Nürnberger 
Meister Peter Hoff mann in Helsingör gegossen nach dem Modelle des 
Stadtzios Otte oder Otto (Tidsskr. for Kunstind. 1892, S. 161flF. mit Abb.). 
Ein pokalformiges Taufbecken vom Jahre 1619 mit kleinen Evangelisten- 
figuren am Deckel, einer Taufe Christi in Relief und einem Wappen an 
der Gefäßwandung befindet sich in der Frauenkirche zu Aalberg in 
Dänemark. 

England. 

Einige nicht unbedeutende Erzgußmonumente sind aus dem 17. Jahr- 
hundert in England erhalten. Das hervorragendste darunter, die Reiterstatue 
König Karls I. auf Charing-Cross in London^ ist allerdings das Werk eines 
zugewanderten Künstlers, des Franzosen Hubert le Sueur, doch soll dieses 
ein wenig überlebensgroße Standbild in London im Jahre 1633 gegossen 
sein. Das Denkmal entstand im Auftrage des Earl of Portland und war 
für dessen Park in Rohampton bestimmt. In der englischen Revolution 
sollte es zerstört werden und war einem gewissen John Rivett zum Ein- 
schmelzen übergeben, doch dieser verbarg das Kunstwerk, und im Jahre 
1675 konnte es seinen jetzigen Standort auf öfi'entlichem Platze erhalten. 
(Näheres und Abb. im Art Journal 1901, S. 35 ff.) Von le Sueur, der um 



England, Italien. 501 



das Jahr 1652 in London starb, sind noch eine Reihe anderer in England 
ausgeführter Bronzewerke nachweisbar, die nicht mehr sämtlich vorhanden 
sind. In der Gemäldegalerie in Oxford befindet sich von ihm eine 
Bronzestatue Williams, Earl of Pembroke. Laut erhaltener Rechnungen 
yom Jahre 1640 führte er auch eine Statue und eine Büste Jakobs I. und 
noch eine Figur Karls I. in Bronze aus. Auch wird als Bronzewerk des 
Künstlers noch die Brunnenfigur eines Merkur (für Sommerset House?) 
genannt. 

Aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts sind auch zwei Grab- 
mäler in der Westminsterabtei in London erhalten, deren Figuren in 
Erzguß ausgeführt sind; beide sind Werke des Nicholas Stone. Bei 
dem Grabmal des Herzogs von Richmond und seiner Gemahlin vom 
Jahre 1623 ruhen die lebensgroßen, vergoldeten Figuren der Ver- 
storbenen auf marmornem Unterbau, unter einem von vier lebensgroßen 
weiblichen Gestalten getragenen Bronzebaldachin, der von einem Genius des 
Ruhmes bekrönt ist. Beim Grabmal des Georges Villiers, Herzogs von 
Buckingham, und Gemahlin sitzen neben dem Marmoraufbau, auf dem 
wieder die Figuren der Verstorbenen in vergoldeter Bronze liegen, vier 
lebensgroße klagende Erzgestalten und der Genius des Ruhmes steht leb- 
haft bewegt zu Füßen der Toten. 

Aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts dürfte in England nur 
noch die im Jahre 1685 aufgestellte Bronzestatue König Jakobs I., ein 
Werk des Grinling Gibbons (1648—1721) in den Whitehall-Gardens in 
London anzuführen sein. 

Italien. 

In Italien entstanden besonders in der ersten Hälfte des 17. Jahr- 
hunderts noch eine Reihe höchst bedeutsamer Erzgußwerke, insbesondere 
zeichnen sich die in der Schule des Giovanni da Bologna gebildeten 
Künstler aus, denen auch die Aufgabe zufiel, mehrere vom Meister be- 
gonnene Werke zu Ende zu führen. 

An der Vollendung der beiden großen, bei Giovanni da Bologna 
in Auftrag gegebenen Denkmäler, dem im Jahre 1604 begonnenen Reiter- 
bilde König Heinrichs IV. von Frankreich und dem im Jahre 1606 be- 
gonnenen gleichartigen Monumente König Philipps III. von Spanien, war 
vor allem Pietro Tacca (1577—1640) beteiligt. 

Sein Werk ist in der Hauptsache das für den Pont Neuf in Paris 
ausgeführte, in der großen Revolution zum größten Teil zerstörte Denk- 
mal Heinrichs IV. Pferd und Reiter, die zusammen fast sechs Meter 
hoch waren, vollendete der auch im Gießen erfahrene Tacca im Jahre 1610, 
doch erst im Jahre 1614 kamen Pferd und Reiter nach mancherlei Gefahren 
in Paris an. Am Sockel des Denkmals saßen vier Sklavenfiguren, die 



502 1'- Jahrhundert. 

nacb einem Modelle des Pietro Francavilla (1548 — 1618), einem 
Nieder^nder von Geburt, von Francesco Bordoni in Paris aus- 
geführt wurden und sich jetzt im Leu vre befinden. 



P. Tm.ch, Denkmal Philip; 



Das Reiterbild Philipps III. wurde ebenfalls von Tacca im Modell 
vollendet und in Bronze i^e^ossen. Im Jahre 1615 wurde es nach Spanien 
abgesandt, und im Sommer des folgenden Jahres konnte das Denkmal im 
Schloßgarten zu Madrid aufgestellt werden. Im Jahre 1848 wurde das 



Italien . 503 

Honument auf dem Großen Plotize von Madrid aufgestellt (Justi, Zeit- 
schrift f. bild. Kunst 18. 1882/83. S. 308ff.). 

Für Spanien schuf Tacca einige Jahrzehnte später noch ein großes 
künstlerisch und technisch dem ersten überlegenes Reiterdenknial, bei dem 
König PhUipp IV. auf springendem Pferde dargestellt ist (Fig. 365, S. 502). 
Dieses letzte Werk Taccas wurde im Jahre 1640 vollendet, und noch 
bevor es in Spanien eintraf, starb der Meister. Auch dieses Monument 



Fig. Mt. P. T*GCa, Brnanen in Floreoz, Piazza del Annanziata. 8. 6DS, 

wurde verschiedentlich umgesetzt, seine jetzige Aufstellung auf der Plaza 
de Oriente in Madrid wurde im Jahre 1844 bewerkstelligt. 

Der Gedanke, Pferde auf den Hinterbeinen stehend bildnerisch dar- 
zustellen, war nicht ganz neu und war in kleinerem Maßstabe auch bereits 
früher zur Ausitlhrung gebracht (z. B. auch in Innsbruck, s. S. 490), in 
dem gewattigen Maßstäbe der Statue Philipps IV. war die Ueberwindung 
der technischen Schwierigkeiten aber etwas unerhörtes (die Geschichte 
des Denkmals behandelt eingehend Justi a. a. 0., S. 312f. und 387f.). 



1?. JahrhniideTt. 



P. Taccft, Kami 




Tacca selbst hatte sich mit der Ausfuhrung eines großen Reiter- 
monumentes mit kurbettierendem Pferde auch bereits eingehend beschäftigt, 
ehe er den Auftrag für das Denkmal Philipps IV. erhielt. In der Löwen- 
burg bei Kassel ist das Bronzemodell des Denkmals erhalten, das Herzog 



Italien. 505 

Karl Emanuel tod Savoyeti im Jahre 1619 bei dem Künstler fUr Turin 
bestellte, das aber nicht zur Ausführung im ji^oQen gelangte. Pferd und 
Reiter zeigen bei diesem Weik eine gleichartige Haltung wie bei dem 
Denkmal Philipps IV. (Justi a. a. 0. 1886, S. 815). 

Yon den in Italien gebliebenen Erzgußwerken Pietro Taccas sind 
von besonderem künstlerischen Werte die beiden Bninuen auf der Piazza 



Fig. 3t8. Denbmul iea Runuccio Funese in Fiscenzn. S. bUt. 

del Annunziata in Florenz (Fig. 36Ö, S. 503) und die -vier Sklavenfiguren 
am Sockel des Marmorstandbildes Ferdinands I. am Hafen von Livomo. 
Außerdem sind von Tacca in Bronze ausgeführt mehrere Kruzifixe, der 
Eber im Mercato Nuovo in Florenz, einige Vögel, zwei Kaminböcke 
(Fig. 367, S. 504) und zwei Türklopfer im Bargello zu Florenz u. a. m. 
Zwei große Reiterdenkmäler sind aus dem 17, Jahrhundert auch in 
ItaUen erhalten, die Standbilder der Alessandro und Banuccio Farnese 



506 17. Jahrhundert. 



auf dem Großen Platze in Piacenza^ die nach den Modellen des Fran- 
cesco Mocchi (1580 — 1646) im Jahre 1625 von dem römischen Gießer 
Marcello, wie es heißt, jede „in einem Guß", vollendet wurden (Fig. 368, 
S. 505). 

Die sitzende Statue des Papstes Alexander VIT. für ein in Ferrara 
im Jahre 1675 aufgestelltes Denkmal wurde im Jahre 1660 von Lorenz o 
Caprioli in Venedig gegossen. Die Figur wurde im Jahre 1796 zerstört, 
nur der Kopf und einige kleine Teile sind davon erhalten (Champeaux, 
Dict. des fondeurs etc. S. 232). 

Einige Erzgußwerke größten Maßstabes entstanden nach Entwürfen 
des Lorenzo Bernini (1598 — 1680) fQr die Peterskirche in Rom 
(Stanislao Fraschetti, II Bernini, Milano 1900). Vor allem berühmt, fast 
berüchtigt, ist das gewaltige, 29 Meter hohe eherne Tabernakel, das im 
Jahre 1633 in der Vierung jener größten christlichen Kirche aufgestellt 
wurde. Vier gewundene, geblümte Säulen tragen einen Baldachin, auf 
dessen Ecken kolossale Engelgestalten gestellt sind. Säulen und Figuren 
sind nach den Modellen des Niederländers Fran^ois du Quesnoy von 
den Erzgießern Gregorio de ßossi und Ambrosio Lucenti ge- 
gossen. Das Metall, im Gewichte von 186392 Pfund, wurde zum Teil 
vom Pantheon des Agrippa in Rom genommen. 

In gleichem Maßstabe ist die „Catedra" im Chor derselben Kirche 
gehalten. Dieses kolossale, im Auftrage des Papstes Alexander VIL aus- 
geführte Bronze werk mit dem Throne des Apostelfürsten, beginnt imten 
mit den vier Freifiguren der Kirchenväter und wächst um ein ovales 
Fenster herum zur üppigsten Wanddekoration mit Engelscharen in Wolken 
und Strahlen aus. Ein Gießer Giovanni Pescina goß alles nach den 
Modellen Berninis. Das Gesamtgewicht der Bronzeteile wird auf 
219060 Pfund angegeben. 

Eine sitzende überlebensgroße eherne Porträtfigur des Papstes 
Urban VIII. schmückt dessen von Bernini geschaffenes Grabmal in der 
Peterskirche. 

Endlich ist in der Sakramentskapelle der Peterskirche noch die Erz- 
dekoration des Tabernakels und Altars Berninis Werk. 

Von anderen Bronzewerken des Meisters seien angeführt eine Büste 
Papst Urbans VIII., ein Kruzifix im Escurial zu Madrid und eine Kopie 
des Borghesischen Fechters. 

Zahlreiche, zum Teil auch sehr große Erzgußwerke entstanden nach 
Modellen des Bologneser Meisters Alessandro Algardi (1583 — 1654). In 
der Sala grande des Konservatorenpalastes in Rom ist die überlebensgroße 
sitzende Gestalt des Papstes Innocenz X., eines der vorzüglichsten Werke des 
Künstlers; auch eine Bronzebüste desselben Papstes von Algardi ist er- 
halten. Von einer Bronzegruppe des Erzengels Michael befindet sich das 



Italien. 507 

Modell im Museo civico in Bologna. In Gemüt wurde der reiche, be- 
sonders aus BQsten bestehende Bronzeschmuck der Capella de Franzoni 
in der Kirche San Carlo unter der Leitung Algardis ausgeführt. 

Verkleinerte Nachbildungen von Figuren und Gruppen Algardis 
sind außerdem zahlreich erhalten. 

Von den vielen weniger bekannten italienischen Künstlern des 17. Jahr- 
himderts, die Modelle für den Erzguß lieferten oder als Gießer tätig waren, 
mögen nur noch einige genannt werden. 

Zu Ende des 16. und zu Anfang des 17. Jahrhunderts sind eine Reihe 
bedeutender Bronzewerke Ton Fran- 
cesco Brambilla und Andrea Biffi 
gemeinsam mit dem Gießer Giovanni 
Busca ftlr den Dom in Mailand aus- 
geführt. Der Bronzeschmuck der Kan- 
zeln im Chor und das Tabernakel des 
Hauptaltars waren gemeinsame Arbeiten 
dieser Künstler. Von Biffi allein wur- 
den (1602) zwei Tugendfiguren für das 
Grabmal des Carlo Borromeo und (1603) 
die Büste dieses Heiligen über dessen 
Epitaph ausgeführt (Champeaux, Dict. 
des fondeurs, S. 17Ö u. 125). 

Für die Kathedrale in Bergamo 
modellierte und goß Capo dal Camillo 
im Jahre 1603 zwei Bronzekanzeln. 
Desselben Künstlers Werk sind zwei 
Kandelaber in Sa. Maria maggiore zu 
Bergamo. 

Zu Ende des 17. Jahrhunderts Fi8»«9 Turkiopto m itaiie», Ende de« 

17. Jahrb. Btrtln, Kuntffftie.-Miit. S. bOS. 

fertigte Antonio Calegari mit seinem 

Vater Santo Calegari und dem Gießer Doraenico Filiberti ver- 
schiedene Bronzearbeiten fflr den Dom in Bergamo (.Champeaux a. a, 0., 
S. 226 u. 223). 

Hieronimo Castelli in Mailand goß das reiche Bronzegitter auf 
dem Altar der Kapelle der heiligen Reliquien in der Certosa von Paiia. 

Der Franzose Ouillaume Berthelot (f 1648 in Paris) führte in 
Born einige größere Bronzearbeiten aus. Sein Werk ist die Madonna auf 
der nach Modemos Entwurf errichteten Säule vor Sa. Maria maggiore. 
Für den Altar der Capella San Paolo dieser Kirche schuf er die Bronze- 
statue des Apostels Paulus und zwei große Engelfiguren, fUr die Villa 
Borghese eine Bronzefigur des Narclssus. 

Ein ausgezeichnetes italienisches TOrbeschlagstUck, wie angenommen 



508 17. Jahrhundert. 



wird, aus dem Ende des 17. Jahrhunderts (nicht des 18. Jahrhunderts!), 
besitzt das Berliner Kunstf?ewerbe-Museum (Fig. 369, S. 507). 

Schließlich sei hier der bis auf Einzelheiten in Kupfer getriebenen 
Eolossalfigur des heiligen Carlo Borromeo in Ärona am Lago maggiore 
gedacht, die nach einem Modell des Bildhauers Cerano von Bernardo 
Falcone und SiroZanella zu Ende des 17. Jahrhunderts (1674?) er- 
richtet wurde. 

Frankreich. 

Die französischen Erzbildner des 17. Jahrhunderts waren fast aus- 
schließlich mit Arbeiten zur Verherrlichung ihrer Könige beschäftigt. 
Neben einer Reihe öffentlich aufgestellter Denkmäler entstanden in größter 
Menge Erzfiguren zur Ausschmückung der königlichen Gäi-ten, besonders 
in Versailles und Marly, und für die Schlösser selbst Türen, Treppen- 
geländer, Beschläge an Fenstern und Türen, Kamingerät und Ausstattungs- 
teile aller Art. 

Die notwendigsten Angaben über die sämtlich zerstörten Denkmäler 
und verwandte Werke mögen im Zusammenhange hier vorangestellt 
werden. 

Das älteste große Reitermonument, das in Frankreich entstand, scheint 
das des Connetable Anne de Montmorency (1493 — 1567) gewesen zu sein, 
wie es scheint, wurde es um das Jahr 1600 in Chantilly aufgestellt. Doch 
nach den wenigen Nachrichten, die darüber erhalten sind, war dieses 
Werk nicht gegossen, sondern in Kupfer getrieben. Ein zuverlässiger 
Berichterstatter, dem zweifellos das Denkmal aus eigener Anschauung 
wohl bekannt war, Patte, schreibt in seinem Werke, „Monuments ^rig<$s 
en France ä la gloire de Louis XV. Paris 1765*, darüber folgendermaßen: 
„Die erzene Reiterstatue des letzten Connetable von Montmorency, die 
man dem Schlosse von Chantilly gegenüber siehi, ist eines der ersten 
Monumente dieser Art, deren in Frankreich Erwähnung geschieht. Der 
Connetable ist in antiker Rüstung dargestellt, mit dem gezogenen Schwerte 
in der Hand; sein auf dem Boden liegender Helm stützt einen Fuß des 
Pferdes. Diese Statue, die in Kupfer getrieben ist, in der Art der Alten, 
wird von Kennern geschätzt.** 

lieber die Künstler dieses Reiterbildes ist nichts bekannt. 

Von dem Denkmale Heinrichs IV., das von Pietro Tacca vollendet 
und im Jahre 1615 in Paris aufgestellt wurde, war früher die Rede. 
Auch wurde bereits von dem Reiterbilde Karls I. gesprochen, das 
Hubert le Sueur im Jahre 1633 vollendete. 

Ein für Nancy begonnenes erzenes Reitermonument Herzog Hein- 
richs n. von Lothringen wurde nur zum Teil vollendet. Die Brüder 
David und Antoine Chaligny in Nancy wurden um das Jahr 1621 



Frankreich. 509 

damit beauftragt, und in Anlehnung an das Denkmal Cosimos I. in 
Florenz sollen sie ihre Arbeit begonnen haben. Nach dem Tode Davids 
(1631) wurde das Pferd von Antoine fertig gestellt. Der Krieg mit Frank- 
reich verhinderte dann die Vollendung; das Pferd wurde nach Paris ent- 
ftthrt. Ein Bronzemodell der ganzen Denkmalanlage befindet sich im 
Museum zu Nancy- 

Schon der Vater der Künstler, Jean Ghalignj, hatte sich im 
BronzeguS hervorgetan, und Antoine wurde unter Ludwig XIV. Com- 
missaire g^n^ral des fontes 
de l'artillerie de France; er 
starb im Jahre 1666 (Cham- 
peaux, Dict. des fondeurs, 
S. 266). 

Im Jahre 1639 voll- 
endete Pierre Biard d. J. 
(1592—1661) im Auftrage 
Richelieus eine Bildnisfigur 
König Ludwigs XIII. zu dem 
BroDzepferde, das bereits im 
Jahre 1564 von Daniele da 
Volterra für ein Reiter- 
denhmal Känig Heinrichs IL 
ausgeführt war. Dieses Reiter- 
bild Ludwigs XIII. wurde in- 
mitten der Place Boyale in 
Paris errichtet. 

In demselben Jahre voll- 
endete Biard noch ein sehr FiB.sTo. jesn v»riD, Ludwig xiii. j-orü, to»..«. 
großes Bronzewerk , eine 

Galatea von 12 Fuß Höhe, mit einem Seeungeheuer zu den FUßen von 
8 Fuß Länge (Ghampeaux a. a. 0., S. 123). 

Ein Denkmal in Art eines Triumphbogens mit den Bronzestatuen 
des zehnjährigen Ludwig XIV. inmitten seiner Eltern wurde im Jahre 1647 
Ton Simon Guillain für den Pont au Ghange in Paris ausgeführt. 
Die Figuren dieses Monumentes sind im Louvre erhalten. 

Michel Anguier (1614 — 1690) modellierte im Jahre 1651 eine 
Figur Ludwigs XIII. in etwa halber Lebensgröße, die in Narbonne in 
großem Maßstabe in Erz gegossen wurde, um dort auf einem Platze auf- 
gestellt zu werden. 

Von demselben Künstler sind zahlreiche kleine Bronzewerke erhalten 
(Ghampeaux a. a. 0., S. 27). 

Schon in der ersten Hälfte des Jahrhunders scheint auch der Vlame 



510 17. Jahrhundert. 



Jean Varin (geb. gegen 1599, gest. 1672) in Paris als Poitratbildner 
tätig gewesen zu sein. Außer erhaltenen Büsten König Ludwigs XIII. 
(Fig. 370, S. 509) und des Kardinals Richelieu soll er auch eine große 
Bronzestatue Ludwigs XIV. geschaffen haben (vergl. L'Art 1881, Bd. 26, 
S. 289 ff.). 

Im Jahre 1686 wurde in Paris ein 13 Fuß hohes Standbild Lud- 
wigs XIV. auf der Place des Victoires aufgestellt, das von dem Nieder- 
länder Martin Desjardins (Van den Bogaerts) modelliert und un- 
geteilt gegossen wurde. 

In allen älteren Beschreibungen wird dieses Denkmal als ein Bronze- 
werk bezeichnet, nach Gonse (Sculpt. fran^.) soll es in vergoldetem Blei 
ausgeführt gewesen sein. 

Desjardins führte auch ein großes erzenes Reiterbild Ludwigs XIV. 
für die Place Bellecour in Lyon aus, für dessen Sockel die Brüder 
Nicolas (1656—1733) und Guillaume Coustou (1677—1746) um das 
Jahr 1715 die beiden großen liegenden Gestalten der Saöne und Rhone 
ausführten, die allein von dem Denkmal im Hotel de ville zu Lyon er- 
halten sind. 

Mehrere Denkmäler Ludwigs XIV. modellierte und goß Charles 
Antoine Coyzevox (1640 — 1720) (vergl. Jouin, Ant. Coyzevox. Paris 
1883). 

Im Jahre 1689 vollendete der Künstler ein jetzt im Garten des 
Musee Carnavalet in Paris aufgestelltes Standbild des Königs für das 
Hotel de ville in Paris^ mit der Bezeichnung: »Fait et fondu par Ant. 
Coyzevox, sculpteur ord. du Roy". 

Sein Hauptwerk war das große im Jahre 1689 vollendete, für Nantes 
bestimmte, aber im Jahre 1726 in Bennes errichtete Reitermonument des 
Königs, dessen beide großen Sockelreliefs sich jetzt im Museum zu 
Bennes befinden. 

Coyzevox führte auch mehrere Bronzebüsten Ludwigs XIV., des 
jugendlichen Ludwig XV., Cond^s, Turennes u, a. aus. Drei Bronze- 
figuren in annähernd Lebensgröße, Klugheit, Treue und Friede darstellend, 
befinden sich an dem von ihm geschaffenen Grabmale des Kardinals 
Mazarin, früher in der Kapelle des ehemaligen College Mazarin in Paris. 
Die jetzt im Louvre befindlichen Figuren sind bezeichnet: A. Coyzevox, 
f. 1692 (Fig. 371, S. 511). 

Neben Girardon arbeitete Coyzevox am Grabmal des Marquis 
Louvois in der Kapuzinerkirche zu Paris; von den beiden Bronzefiguren 
an diesem Monumente, darstellend die Wachsamkeit und die Klugheit, 
war die erstere von Coyzevox, die andere von Girardon. 

Im Jahre 1687 erhielt Pierre Füget (1622—1694) den Auftrag 
für ein bronzenes Reiterdenkmal, das in Marseille aufgestellt werden 



sollte. Das Monument kam nicht zur Ausführung, docli die Verhandlungen 
darüber sind erhalten und zum Teil von hohem Interesse (Lagrange, 
Pierre Puget. Paris 1868. S. 221 S.). 

Etienoe Lehongre {1628 — 1690) modellierte und goß eine Reiter- 
statue Ludwigs XIV., die, wie angegeben wird, im Jahre 1690 vollendet 



Fig. 311. Antoine Cofzevoi, arabmal des KoFdinula Mozarin, J'an 



war, aber erst im Jahre 1725 in Dijon aufgestellt wurde. Ob, wie es 
heißt, das Pferd dieses Denkmals das von den Brüdern Chaligny ftlr 
Nancy ausgeführte ist (siehe oben), wurde bisher nicht mit Bestimmtheit 



Eia 21 Fu0 hohes Reiterbild des Königs, das nach dem Modelle 



512 1'- Jahrhundert. 

Franfois Girardons (1628 — 1715) tob dem berühmtesten Gießer 
Frankreichs, dem Schweizer Johann Balthasar Keller, unjfeteilt ge- 
gossen wurde, wurde im Jahre 1699 auf dem Yendömeplatze in Paris 
aufgestellt (Fig. 372. S. 512). Im Jahre 1686 war Girardon bereits am 
Modelle beschäftigt, in den Jahren 1691 und 1692 geschah die Ein- 
formung und der Guß. 

Ueber die GußausfUhrung dieses Denkmales finden sich genaue, durch 
zahlreiche Kupfertafeln 
veranschaulichte Angaben 
in: Boffrand,Description 
de ce qui a 6ti pratique 
pour fonder en bronze 
d'un seul Jet In figure 
^questre de Louis XIV. 
Paris 1743. 

Keller war im Jahre 
1683 zum Commissaire 
g^n^ral des fontes de 
France ernannt, und hatte 
in dieser Stellung den 
Guß zahlreicher groß- 
artiger, besonders fiQr das 
Schloß und den Park 
von Versailles bestimmter 
Werke zu leiten. Er war 
laut Vertrag vom 22. De- 
zember 1683 verpflichtet, 
alle ihm vom Marquis de 
Louvois für den König in 
Auftrag gegebenen Sta- 
tuen im Wacbsausschmelz- 
verfahren — ä cire perdue 
— zu gießen. Für jede Statue in der Höhe zwischen 6 und 8 Fuß erhielt 
er 1200 Franken, doch sollte er dafUr die Wachsmodelle von den ge- 
schicktesten Bildhauern nacharbeiten und alles für die Herstellung der 
Form Notwendige auf eij^ene Kosten beschaffen, nur das Gußmetall wurde 
ihm geliefert. Für jede Statue, die die Höhe von 8 Fuß überschritt, 
sollten ihm 300 Franken mehr gezahlt werden, und für jede Figur, die 
nicht die Größe von 5^* Fuß erreichte, 300 Franken weniger. 

Job. Baltb. Keller arbeitete gemeinsam mit seinem älteren Bruder 
Joh. Jakob Keller, der schon vor ihm in Paris ansässig war, und 
auf dessen Veranlassung er nach dort kam, um die Gießerei zu erlernen. 



Fnuikreicb. 513 

In den königlichen Rechnungen findet sich der Name Keller 
(.Kellair*) zuerst im Jahre 1669, erst seit dem Jahre 1683 kommt er 
häufiger vor. Bis zum Jahre 1681 wurden die filr VersMÜes ausgeführten 
Bronzen von Ambroise Duval grossen. 

Die Ton diesen und anderen KUustlern fUr Versailles gegosseuen, 
wenigstens zum Teil erhaltenen Werke sind zahllos, und ungeheure Summen 
wurden von Ludwig XIV. dafDr ausgegeben. Nur die hauptsächlichsten 
Werke mSgen hier erwähnt werden. 

Auf der „Terrasse" vor dem Mittelbau des Schlosses waren vier von 



Flg. il3. AntoiDe CoyiGTOx and J. B, KeUer, „La Dordogne" in Vera>ill«B. 8. fiis. 

Keller g^ossene Bronzestatuen, Bacchus, Apollo von Belvedere, Mer- 
kur, genannt Äntinous Ton Belvedere, und Silen mit Bacchus, aufgestellt. 

Das im Jahre 1684 angelegte ^Parterre d'Eau" zierten vier von 
Keller in Bronze gegossene Gruppen der Hauptströme Frankreichs; 
Seine und Uame waren von Lehongre modelliert, Garonne und Dor- 
dogne von Coyzevoi (Fig. 373, S. 513), Loire und Loiret von Regnau- 
din und Rhone und Saöne von Tuby. 

Außerdem waren dort erzene Kindergruppen und Nymphen aufgestellt. 
Die Kinder waren nach Modellen von Legros, Poultier, van Clfeve 
und Lespignola von Aubry, Roger, Bonvallet und Taubin ge- 
gossen. Die Nymphen modellierten Raon, Lehongre, Magnier und 
Legros. 

An das Parterre d'Eau grenzten rechts und links zwei ,cabiuets de 
Lflet, DDsdIe Metalle. S3 



514 17. Jahrhundert. 



verdure a Titalienne**, die ^cabinets de Diane et du Point-du-jour*, die 
ebenfalls 1684 angelegt wurden. In beiden waren von Keller im Jahre 
1687 in Bronze gegossene Tiergruppen nach den Modellen von Tan 
Cl^ve und Houzeau aufgestellt. 

Das „Parterre du Nord" (1664) war mit 14 nach Modellen Ballins 
von Duval gegossenen Bronzevasen geschmückt. 

In der „All^e d'Eau** (1668—1669), die von Ludwig XIV. nach den 
22 dort aufgestellten Eindergruppen als „L^all^e d^enfants*^ bezeichnet 
wurde, waren die zu je dreien vereinigten Einderfiguren (nach den Mo- 
dellen Languedocs?) von Duval, Warin, Monnier und Langlois 
gegossen. 

Reich mit Bronze werken ausgestattet war endlich auch das «Parterre 
du midi''. Am Eingang lagen zwei Marmorsphinxe mit je einem Amor, 
die von Duval nach Modellen Leramberts gegossen waren. Weiter 
waren dort zahlreiche Bronzevasen aufgestellt, die zum Teil nach Mo- 
dellen Ballins und Bert ins ebenfalls von Duval gegossen waren. 

Im „Cour de marbre** des Versailler Schlosses wurde im Jahre 1673 
eine Fontäne aufgestellt mit einer vergoldeten Bronzegruppe, ein Triton 
mit zwei Amoren, die von Duval gegossen wurde; diese Fontäne wurde 
bereits im Jahre 1684 wieder zerstört, als der Hof neu ausgeschmückt 
wurde. 

Eöstlichste vergoldete Bronzearbeiten wurden auch zur Ausstattung 
des Schlosses selbst ausgefUhrt. Eleine Brunnen, Türen, Balustraden, 
Eamineinrichtungen, Wand- und Eronleuchter, Tür-, Fenster- und Möbel- 
beschläge und sonstige Geräte aller Art wurden in Bronze gegossen und 
aufs feinste ziseliert. 

Einer der vorzüglichsten Eünstler war für diese Arbeiten in den 
letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts Domenico Cucci, der in 
Todi bei Rom geboren war, um 1664 nach Frankreich kam und dort um 
1700 gestorben ist. 

Eines der Hauptwerke Cuccis war die im Jahre 1679 vollendete 
Bronzebalustrade der großen Schloßtreppe, für die er 31 200 Franken er- 
hielt. Für die Bronzeeinfassungen der Türen in jenem Treppenhause 
erhielt er (1680) 5200 Franken. Im Jahre 1672 wurden ihm für Tür- 
und Fensterbeschläge der „Grands appartements'' 13100 Franken gezahlt, 
im Jahre 1681 für gleichartige Arbeiten 20500 Franken. 

Von bronzebeschlagenen und mit Figuren ausgestatteten Möbeln, die 
Cucci ausführte, waren die hervorragendsten die mit der Darstellung 
des Triumphes Apollos und der Diana. Für diese Arbeiten, die im Jahre 
1667 vollendet waren, erhielt er 30500 Franken. 

Das alles sind nur aus der Gesamtheit gegriffene Beispiele, die An- 
gaben ließen sich unendlich vermehren. Verwiesen sei auf: Guiffrey, 



Frankreich. 515 



Comptes des Bätiments; Dussieux, Le chäteau de Versailles, und für 
Abbildungen: Baldus, Palais de Versailles, und die Kupferstiche des 
Israel Silvestre. 

Gegenüber den zahlreichen besten Bronzewerken, die in königlichem 
Auftrage entstanden, treten die wenigen im 17. Jahrhundert für französische 
Kirchen geschaffenen Erzarbeiten ganz und gar zurück, nur einige Werke 
dieser Art mögen angeführt werden. 

Pierre Puget modellierte f\lr Saint-Cyr einen in Bronze gegossenen 
Altar, der zu den Hauptwerken dieses Künstlers gerechnet wird (La- 
grange, Pierre Puget, S. 90). 

Für die Karmeliterkirche in Lyon wurde nach dem Entwürfe Berninis 
in vergoldetem Kupfer ein Tabernakel ausgeführt mit der Figur des auf- 
erstandenen Christus zwischen zwei Engeln, den Evangelisten und Engeln 
mit Rauchfässern. 

Ein auf der Pariser Weltausstellung 1889 ausgestelltes Adlerlesepult 
des 17. Jahrhunderts wurde, wie die Inschrift besagt, in Bauen gegossen. 

Zwei Erzgießer in Toulon, Fran^ois Bärage und Joseph Bar- 
baroux, verpflichteten sich im Jahre 1635 zwei Kandelaber von über 
1^,'2 Meter Höhe für die dortige Kathedrale zu gießen. 

Für die Kirche der Cölestinerinnen in Paris goß ein Meister Bernard 
le Bei in Abbeville im Jahre 1618 einen Hängeleuchter in Kronenform 
(Abb. in Miliin, Antiquit^s nationales I, PL 21). 



Achtzehntes Jahrhundert. 

Während des 18. Jahrhunderts bewahrte Frankreich unbedingt die 
einmal gewonnene Vorrangstellung auf dem Gebiete der Bronzekunst; 
neben einer Reihe größter Werke, die wiederum sämtlich zerstört sind, 
entstanden köstlichste Kleinwerke in vergoldeter Bronze, in einer sonst 
nirgends erreichten Feinheit der Ausführung. 

Die deutsche Erzgießkunst stand seit dem Ende des 17. Jahrhunderts 
nicht mehr ganz auf eigenen Füßen, die lebensvolle Pflege überlieferten 
Könnens war gestört. Die Meister, die die wenigen großen künstlerisch 
bedeutenden Bronzewerke um das Jahr 1700 in Deutschland gössen, waren 
Ausländer oder hatten ihre Erfahrungen im Auslande gesammelt. 

Künstlerisch und technisch war Paris die Hohe Schule für alle Ge- 
biete der Bronzekunst geworden und mit dem Sinken der Fähigkeiten in 
den übrigen europäischen Ländern steigerte sich der französische Einfluß, 
und französische Meister fanden überallhin ihren Weg. 



516 18* Jahrhundert. 



Deutschland. 

Die in dem Entwicklungsabschnitte der deutschen Gießkunst yom 
Ausgange des 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts glanzTollsten Namen 
sind Andreas Schlüter, der Bildhauer, und Johann Jacobi, der Gießer. 

Gemeinsame Werke dieser Meister waren das im Jahre 1697 in Berlin 
gegossene eherne Standbild des Kurfürsten Friedrich III., das über hundert 
Jahre später, im Jahre 1803 in Königsberg aufgestellt wurde, und das im 
Jahre 1700 in Berlin ungeteilt gegossene Reiterbild Friedrich Wilhelms 
des Großen Kurfürsten (Fig. 374, S. 517). 

Andreas Schlüter wurde in Hamburg im Jahre 1664 geboren, er 
trat im Jahre 1694 in den Dienst des Kurfürsten Friedrich HL in Berlin 
und starb im Jahre 1714 in Petersburg, wo er das letzte Jahr seines 
Lebens verbracht hatte (Dohme, Andreas Schlüter. In Dohme, Kunst 
und Künstler. Bd. I). 

Johann Jacobi wurde im Jahre 1664 in Hotnburg v. d. H. ge- 
boren, erlernte das Schmiedehandwerk und in Paris die Erzgießkunst in 
der von Keller geleiteten Gießerei. Er starb im Jahre 1725. 

Genaueres bekannt ist über die Entstehung des Reitermonumentes 
(vergl. insbesondere Paul Seidel, Der Große Kurfürst in der Plastik 
seiner Zeit. HohenzoUem-Jahrbuch 1898, S. 101 flf.). 

Das große, für den Guß bestimmte Modell des Denkmals entstand 
im Jahre 1698. Als Vorbild für das Denkmalpferd diente ein besonders 
schönes Pferd aus dem Besitze des Markgrafen Philipp Wilhelm von 
Schwedt. Den Kopf des Fürsten modellierte der Künstler naturwahr nach 
zahlreich vorhandenen gemalten und plastischen Porträtbildnissen. 

Als wichtigste Gehilfen Schlüters bei diesem Denkmal scheinen 
Nahl, Herfort, Henzi und Backer gelten zu dürfen, von denen be- 
kannt ist, daß sie im Jahre 1703 nach Schlüters Skizzen die vier 
Sklavenfiguren am Sockel modellierten; Nahl und Back er modellier^ 
ten außerdem nach den Entwürfen des Malers Wentzel die Reliefs am 
Sockel. 

Da von einem Augenzeugen des Gusses angegeben wird, daß: «Reuter 
und Pferd in einem Stück und nicht jedes ä parte gegossen'' wurde, darf 
man annehmen, daß von Johann Jacobi das in Paris damals übliche 
und von Boffrand (s. S. 512) beschriebene Verfahren der Einformung 
angewendet wurde. Zur Herstellung des Gußmodells wurden 966 Pfund 
Gelbwachs gebraucht und den Bedarf an Metall veranschlagte Jacobi anf 
500 Zentner, von denen aber 200 Zentner als für den Guß notwendiger 
üeberschuß zu rechnen wBren. Er schlug deshalb vor, 230 Zentner 
Kupfer, 40 Zentner gelbes Messing und 30 Zentner gutes Zinn zu kaufen. 



die übrigen 200 Zentner aber leibveise dem Zeoghause zu entaehmen; 
aus den Rechnungen gebt jedoch hervor, daß im ganzen etwa 524 Zentner 



rig. »4. Andreu Schlüter nad Jobum Jacobl, Der QraSe Kuifarat in Berlin. S. 6IA. 

Kupfer nnd Messing und 50 Zentner Zinn gekauft wurden. Am 2. No- 
Tember 1700 war alles fßr den Guß vorbereitet, der in Gegenwart der 



518 18. Jahrhundert. 



vornehmen Gesellschaft mit dem Markgrafen Christian Ludwig an der 
Spitze glücklich von statten ging. 

Im Jahre 1703 wurde das noch auf einem provisorischen Sockel auf- 
gestellte Reiterbild feierlichst enthüllt. Im Jahre 1709 scheinen erst die 
vier Sklavenfiguren und im folgenden Jahre auch die Reliefs in Bronze- 
guß vollendet zu sein. Die Gesamtausgaben für die Ausführung des Denk- 
mals ohne die Kosten für den Bildhauer betrugen rund 47500 Taler. 

Besonders bemerkenswert ist, daß damals und für lange Zeit Jacob i 
als der eigentliche Schöpfer des Denkmals galt, er wurde mit Ehren über- 
häuft, er erhielt eine goldene Kette mit dem Bilde des Kurfürsten und 
sein Bildnis wurde auf öffentliche Kosten in Kupfer gestochen; selbst auf 
die Gehilfen wurden die Gnadenbeweise ausgedehnt. Von irgend welchen 
Auszeichnungen Schlüters verlautet nichts, und erst in neuerer Zeit ist 
ihm die Anerkennung zu teil geworden, die ihm als Bildner eines der 
edelsten Monumente aller Zeiten gebührt. 

Erwähnt sei noch, daß sich eine kleine von Jacobi gegossene Bronze- 
nachbildung des Denkmals in der Abteilung der deutschen Skulpturen der 
Kgl. Museen in Berlin befindet. 

Wenige Jahre später, im Jahre 1711, wurde auch im Rheinlande ein 
großes in Bronze gegossenes Reiterbild errichtet, das Denkmal des Kur^ 
fürsten Johann Wilhelm in Düsseldorf (Fig. 375, S. 519), ein tüchtiges 
Werk des Niederländer Meisters Gabriel de Grupello (geb. 1644 in 
Grammont, f 1730 auf Schloß Ehrenstein bei Aachen). 

Grupello war im Jahre 1695 von jenem Fürsten nach Düsseldorf 
berufen und hat dort neben dem im Jahre 1703 begonnenen Reitermonu- 
mente andere größere Werke geschaffen, darunter auch noch einige in 
Bronzeguß. In einer Reisebescbreibung des Freiherrn v. Vohenstein 
aus dem Jahre 1709 heißt es bei den Mitteilungen über Düsseldorf: 
„Folgenden Tags besahen wir das Gießhaus und traffen daselbst neben 
vielen trefflichen Statuen, daß jetzmahligen ChurfÜrsten Johann Wilhelm 
in marmorstein gehauenes Bildnüß an. Es wäre auch ein dessein von 
einer Pyramide projectirt, und dessen Ober- und untertheil bereits ver- 
fertiget, welche in bronce gegossen werden solle . . .* (Ann. d. bist. Ver. 
für d. Niederrhein, Heft 18, S. 170). 

Ein in Bronze gegossener Erucifixus des Künstlers soll sich in der 
Sakristei von St. Andreas in Düsseldorf befinden. 

Ein Werk Grupellos soll auch das Bronzemonument auf dem Parade- 
platz in 3Iannheim sein, das im Jahre 1741 von Düsseldorf nach Mann- 
heim gebracht wurde und im Jahre 1893 zu einer Brunnenanlage er- 
weitert wurde. Es gilt als ein Erinnerungsdenkmal der pfälzischen 
Kriege gegen Frankreich oder nach anderer Auffassung als eine Allegorie 
auf den Wechsel der Zeiten. 



Deutacbland. 519 

Die außer den wenigen genannten im Laufe des 18. Jahrhunderts auf 
deutschem Boden noch entstandenen größeren Gußwerke wurden nicht 
mehr in Bronze ausgeführt. Ein veränderter Geschmack, die bedeutenden 
Kosten und sicherlich nicht zuletzt die technischen Schwierigkeiten wirkten 
gemeinsam darauf hin, ein bis dabin in Deutschland ftlr öffentlich auf- 



Pig. an. Onbriel de Orapello, Kqrfatat Johknn Wilbelm in Daassidorf. S. HS. 

gestellte Bildwerke kaum verwendetes Material, das Blei, in weiterem 
Umfange durch den Guß künstlerisch zu gestalten ; darüber wird an anderer 
Stelle zu sprechen sein. Gleicherweise führten in Deutschland Sparsam- 
keitsrOcksichten und die immer mehr verringerte Erfahrung im Guß um- 
fangreicher Bronzewerke dazu, große Figuren auf kaltem Wege aus dünnen 
Kupfertafeln zu treiben. 

Noch in den Neunzigerjahren des 17. Jahrhunderts wurde die große 



520 18. JahrhuDdert. 



Dreifaltigkeitsgruppe auf der Pestsäule in Wien nach dem Modelle Paul 
Strudels von dem »kais. Jubellier von Augsburg Herrn Christonen 
Radt und dem hiesigen (Wien) bürgl. Goldschmied Emanuel Bau- 
hof .. .* in Kupfer getrieben. 

Die Reihe der großen in Kupfer getriebenen Werke des 18. Jahr- 
hunderts eröffnet die im Jahre 1717 aufgestellte Kolossalfigur des Herkules 
auf der Wilhelmshöhe bei Kassel^ die von dem Atigsburger Goldschmied 
Joh. Jakob Anthoni in den Jahren 1714 — 1717 über einem Holz- 
modelle geformt wurde. 

Eine Kolossalfigur der Madonna wurde im Jahre 1726 yon den Gold- 
schmieden Christ. Hennick imd Joh. Breinniger in Cinselsau fbr 
den First der ehemaligen Cisterzienserkirche in Schönthal i. W. in Kupfer 
getrieben. 

Das bedeutsamste in Kupfer getriebene deutsche Bildwerk des 18. Jahr- 
hunderts ist jedenfalls die Reiterstatue Augusts des Starken in Dresden- 
Neustadt (Fig. 376, S. 521). Die Verhandlungen über die Ausführung 
dieses Denkmals, das ursprünglich in Bronze gegossen werden sollte, sind 
durch mehrere Jahrzehnte zu verfolgen, dennoch ist der Bildhauer des 
schließlich ausgeführten Modells nicht mit Sicherheit anzugeben. Die Treib- 
arbeit wurde, besonders weil ein zuverlässiger Gießer nicht gefunden 
werden konnte, zuletzt dem Augsburger „Kunstkanonenschmied^ Ludwig 
Wiedemann übertragen, der im Jahre 1733 an August III. berichtet, 
daß die Statue vollendet sei und mit der Vergoldung begonnen werden 
könne. Im Jahre 1736 wurde das Reiterbild endlich enthüllt. (AusftUir- 
liche Angaben über die Geschichte des Denkmals gibt Sponsel im: Neuen 
Archiv für Sachs. Gesch. u. Altertumsk., Bd. XXII, S. 102—150.) 

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in Eichstätt u JB. 
eine Mariensäule errichtet, die von einer Madonnenfigur bekrönt ist, welche 
nach dem Modelle Moritz Pedettis im Jahre 1777 von den Eichstatter 
Gürtlermeistern Thomas und Franz Xaver Conrad, Vater und Sohn, 
in Kupfer getrieben wurde. 

Um das Jahr 1770 errichtete Friedrich d. Gr. in Potsdam eine Werk- 
statt für Kupfertreiberei, aus der eine Reihe bedeutsamer Werke hervorging. 

Außer kleineren Arbeiten entstand hier die kolossale, eine Krone hoch- 
haltende Gruppe der drei Grazien auf der Kuppel des Neuen Palais bei 
Potsdam. 

Auch die große Gestalt des Atlas mit der Weltkugel auf der Kuppel 
des Potsdamer Rathauses wurde dort von Jury im Jahre 1776 in Kupfer 
getrieben. Eine schon im Jahre 1754 an dieser Stelle aufgerichtete Atlas- 
gruppe in Bleiguß war vom Sturme herabgeweht. 

Von Jury und dem Klempner Gerike wurde auch um das Jahr 
1800 nach Schadows Modell die Quadriga für das Brandenburger Tor 



Flg. fr«. Denkmal Angnata des Starken in Dresden-Nenatadt. B. 610, 

in Berlin in Kupfer getrieben. Die Viktoria wie die Pferde worden fllr 
dieses große Werk zunächst in voller Größe in Eichenholz geschnitten, 
und nach diesen Vorbildern, wie Schndow selbst angibt, nicht über 
diesen Holzmodellen, wurden Pferde und Siegesgöttin getrieben. 



522 18. Jahrhundert. 



Als bedeutsamer Abschluß der monumentalen deutschen Kupfer* und 
Bronzebildnerei des 18. Jahrhunderts entstand endlich im Südosten des 
Reiches, in dem Gebiete wo wenigstens der Bleiguß fortlaufend im großen 
geübt war, ein großes Reiterstandbild, das Denkmal Josephs IL in Wteti 
von Franz Zauner, Edlem v. Felpatan (geb. 1746 in Felpatan, 
t 1822 in Wien), Fig. 377, S. 523, 

Der Künstler kam im Jahre 1768 nach Wien an die Akademie und 
wurde nebenher von Melchior Hefel aus Kaltenbrunn in der Gießerei 
unterwiesen. In dieser Zeit fertigte er bereits ein Bronzewerk, die 
2 Fuß hohe Büste des Arztes Brambilla. In den Jahren 1776—1781 bei 
seinem Aufenthalte in Rom hatte er weiter Gelegenheit, Erfahrungen im 
Erzguß zu sammeln und endlich studierte er das auf S. 535 erwähnte Werk 
von Mariette über den Guß des Denkmals Ludwigs XV. So vorbereitet, 
konnte er den ehrenvollen Auftrag für das genannte große Reiterbild 
übernehmen. In den Jahren 1795 — 1797 führte er einen Versuchsguß aus, 
dann ging er an die Einformung der Reiterfigur, die im Jahre 1800 
fehlerfrei aus der Form kam, und endlich an den Guß des Pferdes, das im 
Jahre 1803 glücklich vollendet wurde (Ellmaurer, Le monument de 
Joseph II, Vienne 1807). 

Von den kleineren figürlichen Bronzegußarbeiten, die während des 
18. Jahrhunderts in Deutschland entstanden, sind von besonderem Interesse 
die Werke zweier besonders in Wien tätiger Künstler, deren meiste und 
berühmteste Schöpfungen in Blei gegossen wurden, des Raphael Donner 
(1693—1741) und Balthasar Moll (1717—1785), vergL S. 622. 

Von Raphael Donner sind zu nennen ein Satyr mit Amor, Christi 
Abnahme vom Kreuz, mehrere Relief darstellungen, darunter Thetis und 
Vulkan, das Urteil des Paris, die Taufe Christi, eine Szene aus dem Leben 
Davids, der Feldmarschall Dann u. a. m. Die beiden im Hofmuseum in 
Wien befindlichen Bronzebüsten der Maria Theresia und Franz I. sollen 
im Jahre 1750 von Matthäus Donner, einem jüngeren Bruder Ra- 
phaels, ausgeführt sein (Stolz, üeber die Bildhauer G. R. Donner und 
Franz Zauner in: Der Kirchenschmuck, 1889, S. 129 flF.). 

Spärlicher sind die Bronze werke Balthasar Molls. Eine Büste 
Franz I. (1766) befindet sich im Botanischen Garten des Parkes von 
Schönbrunn ^ eine andere in der Amhraser Sammlung in Wien. Ein 
großes Relief medaillon des Feldmarschalls Anton v. CoUoredo (ca. 1777) 
ist als Gegenstück von Donners Medaillon des Feldmarschalls Daun in 
der Militärakademie zu Wiener - Neustadt angebracht, und auf Schloß 
Ambras befindet sich ein gleichzeitiger Bronzenachguß nach dem von 
Moll für Mariazell in Silber ausgeführten Antependium mit Brustbildern 
der kaiserlichen Familie (II g. Der Bildhauer Moll in Ber. u. Mitt. d. 
Altertums- Ver. zu Wien, 1889, S. 129 flF.). 



Nichts bekannt ist Qber die Entstehung einiger aus der Zeit um 
1700 erhaltener kleiner in Bronze gegossener Reiterbilder deutscher Fürsten. 



Fig. 377. Franz Zauner, Kaiser Joaeph II. i« Wien. S. BM. 

Eine Statuette des Kurfilrsten Maximilian Emanuel von Bayern zu 
Pferde im Nationalmuseum in München gilt als das Modell eines Denk- 
mals, das diesem Fürsten in München errichtet werden sollte. 



524 IB. Jahrhundert. 



Die Beiterstaiuette Augusts des Starken im Grünen Gewölbe zu 
Dresden wird zumeist als Arbeit des Dresdener Stückgießers Michael 
Weinhold bezeichnet. Sponsel (a. a. 0.) zweifelt nicht daran, daß 
dieses Modell in Paris entstanden ist. 

In Krautheim i. Bad. befindet sich eine Bronzegruppe, der heilige 
Antonius mit dem Christkinde, die als „eine Augsburger oder Münchener 
Arbeit ersten Ranges*^ aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts bezeichnet 
wird (Kraus, Kunstdenkm. d. Grhzgt. Baden, Kreis Mosbach, S. 95, Taf. XII). 

Hingewiesen sei auch auf eine Reihe Bronzestatuetten (30 — 80 cm 
hoch) aus dem 18. Jahrhundert, die sich im Leipziger Gewandhause be- 
finden, über deren Herkunft jedoch bisher Näheres nicht ermittelt wurde. 

Ueberwiegend wohl in Anlehnung an französische Vorbilder begann 
man im 18. Jahrhundert auch in Deutschland fürstliche Wohnungen mit 
mannigfachen Geräten und Beschlägen in vergoldeter Bronze auszustatten. 

Wohl die vorzüglichsten Arbeiten dieser Art wurden im Auftrage 
Friedrichs des Großen für das Potsdamer Stadtschloß und für Sanssouci 
hergestellt. 

Durch die Untersuchungen Paul Seidels (Jahrbuch der Kgl. Preuß. 
Kunstsammlungen 1895, S. 48 fi^.) sind die ausgezeichneten Künstler be- 
kannt geworden, denen die überaus geschmackvolle und reiche Ausstattung 
besonders der Bibliothek in Sanssouci und des Bronzesaales im Potsdamer 
Stadtschlosse zu danken sind. 

Der Entwurf der Bibliothek (Fig. 378, S. 525) scheint auf Johann 
August Nahl d. A. (1710—1781) zurückzugehen. Nach dessen Entwürfen 
scheinen die Bildhauer Becker und Giese, die sonst kaum bekannt sind, 
gearbeitet zu haben. Die Beschläge mit Ausnahme der vier Reliefs, die 
Giese auch in Bronze ausführte, wurden von dem Goldschmied Kelly 
gegossen und ziseliert. 

Eine Balustrade aus vergoldeter Bronze trennte ehemals auch den 
Alkoven im Schlafzimmer des Königs in Sanssouci von dem Hauptraume. 
Die mit vier Kinderfiguren geschmückte Brüstung wurde urkundlich nach 
Nahls Entwurf von dem Goldschmied Ludwig Siegmund Wiedemann 
in Messing gegossen und vergoldet. 

Der Bronzesaal im Stadtschloß bildet den Höhepunkt dieser Kunst- 
weise in Deutschland überhaupt. Er entstand in den Jahren 1754 und 
1755. Die beiden vornehmlich daran beteiligten Künstler waren die 
Modelleure Kambly und Schwitzer. Kambly hatte die Modelle f&r 
die Beschläge der Türen und Wandschränke mit ihren Sopraporten, der 
Pilaster, Fenterwände etc. herzustellen. Schwitzer die Modelle f&r die 
Tische und Spiegelrahmen. Kambly übernahm auch die Ausführung, 
Vergoldung und Befestigung der Bronzen; als Ziseleur stand ihm dabei 
Geoffroy zur Seite und als Vei^folder Morel. 



Deutacblsad. 525 

Johann Melchior Eambly war in Deutschland der zweifellos be- 
deutendste Meister seiner Art, er war Schweizer und kam um 1748 als 
35jähriger Mann nach Berlin; Über seine Ausbildung ist nur bekannt, daß 



Bibliothek Friedrlchi d. Or, in Scblofi Sanssouci. 8. 5 



er in Schaffhausen die Bildhauerkunst erlernt hat, und daß er nebenher 
auch Goldschmiede- und Tischlerarbeiten gefertigt hat. 

In Berlin erwarb er durch seine Arbeiten bald das Vertrauen des 



526 18. Jahrhundert. 



Königs, schon im Jahre 1752 erhielt er eine Eonzession, laut der er 
„eine Fabrik von Bronze-Dor^e- Arbeit in Potsdam anlegen und die darin 
verfertigten Waren sowohl inner- als außerhalb Landes verkaufen dürfe *- 

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren lieferte Kambly noch zahl- 
reiche mit Bronze beschlagene Möbel, Uhren u. dergl. auch für das Neue 
Palais, über die Seidel a. a. 0. ausführlich berichtet. 

Schon bevor der Bronzesaal entstand, wurden für das Stadtschloß noch 
eine Reihe nicht unbedeutender Bronzearbeiten ausgeführt, deren Meister 
bekannt sind. 

Im Treppenhause wurde nach dem Modelle des Johann Peter 
Benkert ein Geländer in Bronze gegossen und von Goldschmied V erdeil 
in Beruft vergoldet; es wurde im Jahre 1746 aufgestellt. Kelly fertigte 
für denselben Raum Troph'äengehänge und ähnliche für den großen 
Marmorsaal. Andere Bronzezierate für diesen Saal führte der Goldschmied 
Habermann aus, drei Reliefs der schon genannte Giese und 18 Kapi- 
tale fertigte Kambly. 

Anfang der Fünfzigerjahre wurden auch, wie erwähnt sein möge, 
noch mehrere Pariser Bronzekünstler nach Potsdam gezogen, der Gießer 
Daniel Valy, der Vergolder Jean Audibert, der Modelleur Coussinet 
und der schon genannte Vergolder Morel und Ziseleur Geoffroy, die 
jedoch im allgemeinen nur Gehilfen Kamblys waren. Als ihre selb- 
ständigen Arbeiten werden vier Kronleuchter im Neuen Palais und einer 
im Japanischen Häuschen genannt. 

Im übrigen fließen die Nachrichten über Künstler, die im 18. Jahr- 
hundert in Deutschland Goldbronzearbeiten geschaffen haben, sehr spär- 
lich. Einiges bekannt ist noch über einen in München tätigen Bildhauer 
und Gießer Wilhelm deGroff, der seine Ausbildung in Paris erhielt und 
im Jahre 1715 vom Kurfürsten Maximilian Emanuel nach der bayrischen 
Hauptstadt berufen wurde. Er führte neben zahlreichen größeren Bild- 
werken in Stein und Blei für die Münchener Residenz und die Schlösser 
in Nymphenburg und Schleißheim auch Dekorationsgegenstände in ver- 
goldeter Bronze aus. Bis zum Jahre 1740 bezog er für seine Leistungen 
sehr beträchtliche Summen, für die Ausstattung der Reichen Zimmer in 
der Münchener Residenz erhielt er allein 7500 Gulden. 

Für das Schloß in Ansbach waren um die Mitte des Jahrhunderts 
als „Mössing- Gießer" tätig Joseph Bianchini und Ange Guillard, 
als „Ciselier" bis 1746 Houdan, später Scheider. üeber die von 
diesen Künstlern ausgeführten Arbeiten ist Näheres nicht bekannt. (VergL 
F. H. Hof mann. Die Kunst am Hofe der Markgrafen von Brandenburg, 
Fränkische Linie. Straßburg 1901.) 



Deutschland, Niederlande. 527 



Niederlande. 

Unter den wenigen großen figürlichen Bronze werken, die in den 
Niederlanden im 18. Jahrhundert entstanden, sind einige Porträtstatuen 
an erster Stelle anzuführen. 

Auf dem Hause der Brauergilde am Großen Platz in Brüssel wurde 
im Jahre 1697 eine Steinstatue des Statthalters Maximilian Emanuel von 
Bayern von dem Bildhauer Marc Devos in Brüssel (1650 — 1717) auf- 
gestellt; sie wurde vom Sturme herabgeworfen und durch eine in Bronze 
gegossene ersetzt. 

Diese Statue scheint im Jahre 1751 zerstört zu sein, jedenfalls wurde 
in diesem Jahre dem Goldschmied Simon in Brüssel für denselben Platz 
eine Reiterstatue des Prinzen Karl Alexander von Lothringen in Auftrag 
gegeben, die von ihm in Kupfer getrieben und vergoldet wurde und 
schon im folgenden Jahre aufgestellt wurde. Im Jahre 1795 wurde auch 
dieses Werk zerstört. (De man et, Note sur la statue de Maximilien- 
Emanuel . . .; Bull, des comm. roy. d'art et d'archeol. 1879, S. 42, und 
Marchai a. a. 0. S. 507.) 

Eine Denkmalstatue Karl Alexanders war in Brüssel auch auf der 
Place Royale nach dem Modelle des Pierre Antoine Verschaffelt 
(1710—1793) errichtet. 

Von demselben Künstler wurde in Born im Jahre 1740 die kolossale 
Bronzestatue des Erzengels Michael für die Engelsburg ausgeführt, und 
in der Hofkirche in Mannheim ist der Bronzeschmuck des Hauptaltars 
sein Werk; auch für den Lustgarten in Schwetzingen soll Vers chaf feit 
Bronzewerke geschaffen haben. 

Für eine zu Anfang des 18. Jahrhunderts im Hofe des Hotel de ville 
in Brüssel aufgestellte Fontäne führte der Bildhauer Pierre Denis 
Plumier (getauft 1688, f 1721) vier Kinderfiguren und Ornamente in 
Bronze aus. 

Einige hervorragende Kupfer- und Bronzearbeiten entstanden auch 
in diesem Jahrhundert noch für niederländische Kirchen, vor allem Türen 
und Gitter. 

Besonders reich ausgestaltete Türen in „cuivre dorä" fertigte Guil. 
de Vos in den Jahren 1708 und 1711 für S. Bavo in Gent. 

In Nötre-Dame in Tongern befindet sich eine Tür mit der Bezeich- 
nung „Christian Schwertfeeger Leodius me fecit A° 1711**. 

In der Großen Kirche in Bordrecht schließt ein in den Jahren 
1711 — 1715 gefertigtes Messinggitter den Chor ab, und eine dort erhaltene 
reiche bronzene Gittertür wurde im Jahre 1758 gestiftet. 

Michel van der Voort führte im Jahre 1725 für das große Kupfer- 



528 IS. Jahrhundert 

lesepult der Michaelstirclie in Gent die des Teufel besiegende Oesitslt des 
Erzengels MicKael im Gewichte von 800 Pfiiod aus. 

In der Kathedrale zu Tpem befindet sich ein kunstreiches in Bronze 
gegossenes Lesepult, das hezeichnet ist: W. Pompe sculpsit, J. Ferrier 
fecit Äntv. 1752. 

Frankreich. 

In Frankreich wurde die R«ihe der Bronzedenkmäler Ludwigs XIV. 
im 18. Jahrhundert noch yermehrt. 

Nach dem Modelle des Vlamen Simon Hurtrelle (1648—1742), 
von dem im Louvre eine Pieta von eigenartiger AufTassung erhalten ist 



Fig. 378. Simon Hnrtrel, PieU. Parit, i»»>r*. 8. Bis. 

(Fig. 379, S. 528), wurde in Paris die Reiterstatue des Königs gegossen, 
die im Jahre 1718 in Montpellier errichtet wurde. 

Im Jahre 1732 erhielten die Brüder Guillaume und Nicolas 
Goustou, die bereits am Reiterdenkmale Ludwigs XIV. von Desjardins 
in Lifon mitgearbeitet hatten, den Auftrag f^r ein zweites gleichartiges 
Denkmal, das ebenfalls dort aufgestellt werden sollte; dieses Monument 
scheint jedoch Über das Modell nicht hinausgelangt zu sein. 



Frankreich. 529 

Gegen die Mitte des Jahrhunderts begann man mit der Errichtung 
von Benbmälern Ludwigs XV. Im Zusammenhange finden sich deren Be- 
schreibungen und Abbildungen in Patte, Monuments ärig^es en France 
k la gloire de Louis XV., Paris 1707. 



Fig. oao. Lemoyoe and Varin. Ludwig XV., ehrmaU in Bordesax (nach Patlc). S. M». 

Im Jahre 1743 wurde in Bordeaux ein Reiterbild dieses Königs ent- 
hüllt, das nach dem Modelle des Bildhauers Jean Baptiste Lemoyne 
(1704—1778) Ton dem Gießer Varin in Erz gegossen wurde (Fig. 379, 
Liier, DnedlB Metalle. 84 



g30 18' Jahrhundert 

S. 529). Der Guß miQlan}^ zunächst, nor die untere Hälfte der Form 
wurde mit Metall gefüllt, doch der Gießer soll sich eines auch in anderen 



Fig. 381- Leiaoyne uii<] Gor, Ladwig XV.. ehemals in Reanes (nach Patte), S. &3i. 

ähnlichen Fällen mit Erfolg angewendeten Verfahrens bedient haben, den 
Guß zu vollenden, ohne den gelungenen Teil unbenutzt zu lassen. Es 



wurde zu dem Zwecke die Form Ober der mißlungenen oberen Hälfte des 
Bildwerkes noch einmal ausgeführt und mit Metall gefüllt. 



11 zum Denkmal Liiilifiea XV., TUr Rouen bestimmt. 



Nach Lemoynes Modell entstand im Jahre 1754 ein Bronzestand- 
bild Ludwigs XV. für Rennes, das der berühmteste französische 6ießer 
jener Zeit, Pierre Gor, Commissaire g^neral des fontes ä l'arsenal de 



18. Jahrhundert. 



Paris, ausfllhrte (Fig. 381, S. 530). Im Jahre 1757 erhielt LemoyDe 
noch den Auftrag auf ein Denkmal des Königs fUr Mouen, das nicht aus- 




HUnMIi 

<l P. L. Cyin^, Ludwig XV., ebemala in Nancy (nncb Putte). 8. tu. 

geführt wurde, Ton dem sich aber ein Bronzemodell im Louvre befindet 
(Fig. 382, S. 531). Ludwig XY. ist hier auf einem von drei Eriegem ge- 
tragenen Schilde stehend dargestellt. 



Fig. SM. BoDCbardon und Gor, Ludwig W., eheniBls in Paris |nach Patte). B. BS«. 

Barth^lemi Guibal (1699—1757) und Paul Louis CyffU 
(1724 — 1806) führten gemeinsam die Statue Ludwigs XV. tü.T Nancy aus, 
die TOR ihnen im Jahre 1755 in Lunevilh auch gegossen wurde (Fig. 383, 



534 IS- Jahrhundert. 

S, 532). Die großen Sockelfiguren dieses Denkmals waren wie eine Reihe 
anderer großer, von diesen KünsÜem für Nancy geschaffener Bildwerke 
in Blei gegossen. 

Nach dem Modelle des Bildhauers Edmonde Bouchardon (1698 



Fig. SB5. Pigalle und Gor, Ludwig XV., ehemals iu Reims (nach Palt»). 8. 53«. 

bis 1762) wurde im Jahre 1758, nachdem der zuerst damit beauftragte 
Gießer Varin im Jahre 17ö3 gestorben war, von Pierre Gor die Keiter- 
atatue des Königs für die Place de Louis XV. (Place de la Concorde) 
in Faris gegossen (Fig. 384, S. 533). Ueber die Gußausfllhrung wird 



eingehend berichtet in dem mit zahlreichen Kupfertafeln ausgestatteten 
"Werke von Mariette, Description des traTaux qui ont preeöd^, accom- 



Fig. ass. LwehevSque und Meier. Gustav Wbso in Stockholm. 8. 687. 

paf^n^ et suivi la fönte en bronze d'un seul jet de la statue ^questre de 
Lonis XV. Paris 1768. Die Geschichte des Werkes behandelt ausftlhr- 



536 18. Jafarhttndeit. 

lieh Roserot in Gazette des beaux-arts 1897 (Bd. I, S. 195 ff., 377 9,, 
Bd. II, S. 159 ff.). 

Jeaa Baptiste Pigalle (1714—1785), der nach Bouchardons 
Tode dessen fUr Paris geschaffenes Denkmal, insbesondere den mit Eck- 
figuren geschmückten Sockel vollendete, erhielt im Jahre 1756 den Auf- 



Fig. 3S7. Lurche vtrqiie und Me)er, liiisUv A<loir in Btockbalm. S. E3I. 

trag auf ein Standbild Ludwigs fUr die Stadt Reims, das in den Jahren 
1762—1763 von Gor gegossen wurde (Fig. 385, S. 534). (Tarbe, La 
vie et les oeuvres de Jean Baptiste Pigalle. Paris 1859, S. 101 ff.) 

Mehrere große erzene Monumente wurden von französischen Meistern 
auch für das Ausland geschaffen. 

Der schon genannte Saly modellierte das Reiterdenkmal Friedrichs V. 



Frank reicb. 



5S7 



4 i 



auf dem Großen Platze ia Kopenhagen, das von Gor im Jahre 1771 ge- 
gossen wurde. 

Etienne Maurice Falconet (171 6— 1791) wurde im Jahre 1766 von 
Katharina II. nach Petersburg berufen, um ein Reiterbild Peters des 
Großen auszuführen. Der Künst- 
ler stellte den Zaren auf einem 
unregelmäßig behauen en gewal- 
tigen Pelssockel auf springen- 
dem Pferde dar. Die Ausfüh- 
rung nahm acht Jahre in An- 
spruch; dem Künstler gelang 
zunächst nur der Guß der un- 
teren Hälfte, der obere Teil 
wurde in der von Varin beim 
Denkmal Ludwigs XV. für Bor- 
deaux angewendeten Art nach- 
gegossen. 

Pierre Hubert Larche- 
vfeque (1721—1778) model- 
lierte das Standbild Gustav 
Wasas (Fig. 386, S. 535) und 
die Reiterfigur Gustav Adolfs 
(Fig. 387, S. 536) für Stock- 
holm; beide Werke wurden in 
den Siehenziger Jahren von dem 
Gießer Meier in Bronze aus- 
geführt. 

Für die königlichen Gär- 
ten wurden in Frankreich im 
18. Jahrhundert größere Bronze- 
figuren seltener ausgeführt, die 
Arbeiten waren besonders in 
Versailles im wesentlichen ab- 
geschlossen, und man bevor- 
zugte Blei- und Marmorskulp- 
turen. 

Zu den mit Recht berühm- 
testen französischen Bronzebüdwerken des 18. Jahrhunderts gehört die 
Diana des Jean Aatoine Houdon (1740—1828) im Louvre (Fig. 388, 
S. 537). Der Künstler gilt auch als ausgezeichneter Gießer , und insbe- 
sondere soll er diese etwa lebensgroße, überaus schöne weibliche Gestalt 
seihst gegossen haben. Von anderen Bronzewerken des Künstlers seien 



538 18- Jahrhundert. 

erwähnt die Bttsten Rousseaus und Voltaires im Louvre und die BOste 
des Prinzen Heinrich, des Bruders Friedrichs des GroSen, im Xeuen 
Palais in Totsdam. 

Ein überwältigendes Bild Tomehmsten Oeschmackes und hödisten 
Könnens gewähren die noch in reichster Mannigfaltigkeit erhaltenen k5st- 



Fig. SS». Chiuesbche Porzellanvaae In rr&nzUsischer Bronze russung, Zeit LndviK' ^V. 
Farli, LoHvrm. S. Ml. 

liehen französischen Goldbronzearheiten, besonders die Beleuchtungsgeräte 
aller Art, Uhren, Möbel-, Tür- und Fensterbeschläge der Zeit Ludwigs XV. 
und Ludwigs XVL 

Die Oberflächenbehandlung, die Feinheit der Ziselierung ist es zum 
guten Teil, die den Dekorationsbronzen jener Epoche solch einen unend- 
lich pikanten Reiz verleiht. Als die vorzüglichsten Ziseleure, die auch 



18. Jahrhundert. 



Fig. s»i. K&minbock, Zeit Ludwige XV, r,iru, Itut. <l 



für die kfiniglicheo Schlösser zahlreiche Arbeiten ausftihrten, seiea beson- 
ders genannt der schon in den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts 
tätige Boulle, Cauvet, Jacques Caffieri, Philippe Caffieri d. J-, 
Gouthifere, Forestier, Gobert und Thomire. 



Kommode von Chr. Cressenl. Lenion. üammiimj W^laa 



Frankreich. 



541 



Besonders hingewiesen sei noch auf die nach Modellen Falconets 
und Claude Michels, genannt Clodion, ausgeführten Goldbronzen, 
die auch rein bildhauerisch den besten Werken ihrer Zeit beizurechnen sind. 

Die größten öffent- 
lichen Sammlungen von 
Werken dieser Art befin- 
den sich im Louvre in 
Paris und im Hertford 
H o u s e (Wallace CoUection) 
in London. Die beigegebe- 
nen Abbildungen {Fig. 389 
bis398,S. 538— 545) ver- 
anschaulichen das franzö- 
sische Schaffen dieser Art 
in typischen Beispielen. 
(Näheres und zahlreiche 
Tafeln in Molinier, Le 
mobilier royal fran^is. 
Paris 1902; Molinier, 
La collecfcion Wallace; 
und Williamson, Les 
meubles d'art du mobilier 
national. Paris 1883.) 

Ausgezeichnete, zum 
Teil erhaltene Bronzearbei- 
ten wurden in reichem 
Maße währenddes IS.Jahr- 
hunderts auch ftlr fran- 
zösische Kirchen ausge- 
führt. 

Die Altäre selbst 
wurden mit Bronzefiguren 
und Omameuten ausge- 
stattet, und kunstvolle 
Bronzeleuchter und Kruzi- 
fixe vervollständigten den 
glänzenden Schmuck. Un- 
ter anderem weiß man, 
daß Philippe Caffieri 
für Nötre-Dame in Paris 
um 1760 mehrere Leuch- 
tei^p^ppen und andere 




18. JabrbandeTt. 




Fig. 3' 



er, Zeil Ludwigs XVI., 



Gegenstände in vergoldeter Bronze fertigte, die sämtUcli zerstört zu sein 
scheinen. In den Kathedralen von Baijeux und Clennont sind aber Arbeiten 
desselben Meisters aus der Zeit um 1770 erhalten. 

Für den Hauptaltar von S. Siilpice in Faris modellierte Edmonde 



BouchardoQ zwei knteende Enf^lfiguren , die is Bronze gegossen und 
vergoldet wurden. 





J?^. 



Fig-a 

Im J&lire 1778 wurde zur Ausführung des auch mit reichem Bronze- 
schmuck versehenen Hauptaltars der Kathedrale in Noyon mit vier EUnst- 
lera ein Vertrag abgeschlossen (Champeaux a. a. 0., S. 328). 



544 IS- Jabrhundert, 

Aus Marmor und Bronze wurde im 18. Jahrhundert femer der 
70 Fuß hohe Altar der Kathedrale zu Sens gefertigt (Rev. des arts decor. 
1880—1881, S. 432). 

Vier lebensgroße Engel mit den 
Leidensgeräteu goß um das Jahr 1700 
ein Meister Roger Schabol (+ 1720) 



LQer, Dnedle Hetalle. 



546 18. Jahrhundert. 



für den Chor von Nötre-Dame in Paris. — Ein Lesepult aus vergoldeter 
Bronze in S. Roch in Paris ist bezeichnet: „Fait par Pierre Leclair, 
fondeur, quay Pelletier ä Paris 1741.* 



England. 

Nur eine bescheidene Anzahl größerer Bronzewerke, zum Teil von 
Niederländer Künstlern, entstand im 18. Jahrhundert in England. 

Sir Henry Cheere (1648—1721) führte für das All-Souls-College 
in Oxford 24 Bronzebüsten von Leitern dieses Instituts aus, die dort im 
großen Saale der Bibliothek aufgestellt wurden, und ebendort eine Statue 
des Begründers dieser Bibliothek, des Christophe Codrington. 

Von Francis Bird (1667 — 1731) befand sich eine Bronzefigur Hein- 
richs VL im Eton-College, 

Eine Bronzestatue Eduards VL vom Jahre 1737 im Guyspital in 
London ist das Werk des Antwerpener Meisters Pieter Schee- 
maecker d. J. (1691—1770). 

Dessen Landsmann Jean Michel Rysbrack (1692 — 1770) schuf 
die bronzene Reiterstatue Wilhelms HI. in Bristol. 

Ein Werk John Bacons (1740 — 1799) ist endlich eine Bronzegruppe 
im Somerset-House in London, bei der eine Statue Georgs IH. mit einer 
liegenden Gestalt „of father Thames" vereinigt ist. 



Italien. 

In stärkerem Grade noch als in Deutschland sank in Italien die 
Bronzekunst im 18. Jahrhundert von ihrer einstigen Höhe herab. Ins- 
besondere mit kleinen Bronzenachbildungen antiker Bildwerke und mit 
der Ausführung kleiner Figuren und Reliefs nach eigenen Modellen be- 
schäftigten sich die Florentiner Meister Maximilian Soldani (f 1740), 
Giovanni Zoffoli und G. Boschi in Born. Beschläge für Möbel sollen 
Francesco Ladetto in Turin und Giovanni Paolo Venasca an- 
gefertigt haben (Fortnum, descriptive catalogue of the Bronzes . . . 
London 1876. S. CXXXV f.). 

Pietro Bracci in Bom modellierte eine sitzende Statue des Papstes 
Clemens XII. für dessen Grabmal in der Cap, Corsini in S. Giovanni in 
Laterano zu JBöm, die von Francesco Giardoni gegossen wurde. Auch 
eine in Bronze gegossene Büste Benedikts XIV. modellierte er und außer- 
dem Kinderfiguren für den Hauptaltar von S. Maria maggiore, die von 
Torrigiani gegossen und vergoldet wurden (Champeaux, Dict. des 
fond. S. 174.). 



Die im Jalire 1750 entstandene VortQr der jetzt zerstörten Lo^^etta 
in Venedig ist eine Arbeit des Antonio Gai (Fig. 399, S. 547). 

Benincasa da Gubbio goß das Tabernakel und zwei Engeläguren 
nach den Modellen des Giro Ferri für den Hauptaltar von S. Maria 



548 IS- Jahrhundert. 



della Navicella in Born (Champeaux a. a. 0. S. 98), — Eine in Bronze 
gegossene und vergoldete Madonnenstatue, die von Matte o Bottiglieri 
und Francesco Pagano ausgeführt und auf einem in Neapel im Jahre 
1748 errichteten Obelisken aufgestellt wurde, war, soweit bekannt ist, 
eines der wenigen größeren italienischen Gußwerke der Zeit, 

Spanien und Portugal. 

Ueber die Ausführung größerer figürlicher Erzgußwerke in Spanien 
während des 18, Jahrhunderts ist bisher nichts bekannt geworden. 

In Portugal wurde das einzige ältere dort entstandene Reitermonument 
Josephs L im Jahre 1774 nach dem Modelle des Bildhauers Machado 
de Castro von Bartolomeo de Costa in Bronze gegossen, 

Skandinavien. 

Für die skandinavischen Länder und für Rußland führten im 18. Jahr- 
hundert, wie schon erwähnt wurde, französische Meister mehrere große 
Erzmonumente aus. 

Das Reiterbild Friedrichs V, in Kopenhagen goß im Jahre 1771 nach 
dem Modelle Saly's Pierre Gor. 

Die Statue Gustav Wasas in StocTcholm goß im Jahre 1770 der 
Gießer Meier nach dem Modelle des Franzosen Larchev^que (Fig. 386, 
S. 535); im Jahre 1777 führten dieselben Künstler dort das Reitermonu- 
ment Gustav Adolfs aus (Fig. 387, S. 536). 

Der Schwede S er gel, ein Schüler Larchev^ques, modellierte das 
Standbild Gustavs IIL und leitete dessen Ausführung in Bronzeguß im 
Jahre 1796. 

Rußland. 

In Petersburg befindet sich angeblich noch ein bronzenes Reiterstand- 
bild Peters des Großen, das zur Regierungszeit der Kaiserin Elisabeth 
(1741 — 1765) von dem Italiener Rastrelli in Bronze gegossen sein soll, 
aber erst durch Paul I. im Jahre 1800 aufgestellt wurde. 

Weitberühmt ist das schon früher angeführte Reiterdenkmal des- 
selben Fürsten, das von dem Franzosen Falconet in den Jahren 1766 
bis 1774 in Petersburg ausgeführt wurde. 

Seitdem wurde in Rußland der Erzguß im großen gepflegt, und eine 
Reihe nicht unbedeutender Werke entstand von der Hand einheimischer 
Künstler. 



19. Jahrhundert, Überblick. 549 



Nennzelmtes Jahrhundert. 

Eine neue Glanzperiode der Bronzekunst, die sich fast gleichmäßig 
über sämtliche Kulturländer erstreckte, begann mit dem 19. Jahrhundert. 

In einer von Jahrzehnt zu Jahrzehnt zunehmenden Menge ist insbe- 
sondere die Zahl der Bronzedenkmäler fast ins Unendliche gewachsen. 
In früheren Zeiten war die Ausführung eines Monumentes in Erz ein 
Ereignis, und nur Modelle weniger bester Künstler wurden auserwählt, 
in diesem edelsten Materiale der Nachwelt überliefert zu werden. Im 
yerflossenen Jahrhundert wurde das wesentlich anders, technische Schwie- 
rigkeiten lernte man spielend zu überwinden, und der Quß, auch der 
größten Werke, findet heutzutage überhaupt keinerlei Beachtung mehr. 
Durch die vervollkommneten technischen Hilfsmittel und neue Formver- 
fahren wurde schließlich auch die GußausfQhrung verbilligt. So kam 
man vielfach dazu, wahllos die Modelle den Gießereien zu überliefern. 

In den letzten Jahrzehnten wuchs neben den Denkmälern auch die 
Zahl der mit Bronzefiguren geschmückten Brunnen. 

Auch figürliche Kleinbronzen und in Bronze und Messing gegossene 
Geräte, besonders im Anschluß oder in Nachbildung alter Werke, wurden 
in größter Menge gefertigt. 

Hervorzuheben ist, daß das bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts 
faßt ausschließlich für die Herstellung der Gußformen angewendete Wachs- 
ausschmelzverfahren dann durch eine Formweise ersetzt wurde, die durch 
die Entwicklung der Eisengußtechnik am Ende des 18. Jahrhunderts zu 
hoher Bedeutung gelangt war, die Teilformerei in Sand. 

Erst in den letzten Jahrzehnten wandte man sich dem altbewährten 
Wachsverfahren beim Bildsäulenguß fast allgemein wieder zu. (Näheres 
darüber in Lüer, Technik der Bronzeplastik. Leigzig, Seemann 1902. 
S. 86 ff.) 

Neben den verschiedenen Gußverfahren behauptete die Treibtechnik 
im 19. Jahrhundert eine wichtige Stellung, insbesondere bei Werken, bei 
denen möglichste Leichtigkeit aus praktischen Rücksichten erwünscht 
war, doch wurde sie auch bei Denkmälern und Brunnenskulpturen ange- 
wendet. 

In beschränktem Maße bediente man sich zur Ausführung von Kupfer*- 
figuren auch des elektrolytischen Reproduktionsverfahrens. 

Endlich spielten zu Anfang des Jahrhunderts auch für größere 
plastische Monumente das Gußeisen und später das Zink als billigere 
Surrogate neben der Bronze eine nicht unwichtige Rolle. 



550 19. Jahrhundert 



Deutschland. 

Die deutsche Bildgießerei des 19. Jahrhunderts nahm in Berlin ihren 
Ausgang. Die wichtigsten Förderer waren zunächst Gottfried Scha- 
dow (1764—1850) und Christian Rauch (1777—1857) (vergl. be- 
sonders Eggers, Chr. Dan. Rauch. 3 Bde. Berlin 1873—1881). 

Schadow, der anfänglich mit der Ausführung eines Erzdenkmals 
Friedrichs des Großen für Berlin beauftragt war, bemühte sich vor allem, 
im Auslande die Form- und Gießtechnik gründlich kennen zu lernen, er 
war zu dem Zwecke in Kopenhagen, Stockholm und Petersburg. 

Als es sich aber darum handelte, im Jahre 1818 die erste große 
Denkmaliigur, den Blücher für Rostock, in Bronze zu gießen, wagte doch 
Schadow nicht, den Guß deutschen, damals bereits im statuarischen 
Eisenguß wohlgeschulten Meistern anzuvertrauen, sondern veranlaßte die 
Berufung des Gießers Lequine und des Ziseleurs Cou^ aus Paris. So 
erhielt der Held der Freiheitskriege ein Denkmal von der Hand fran- 
zösischer Meister. Nicht unerwähnt bleibe, daß Goethe vorgeschlagen 
hatte, die Statue von Pflug&Sohn in Gera in Kupfer treiben zu lassen. 

Schadows Lutherstandbild für Wittetiberg wurde im Jahre 1819 
ebenfalls von Lequine und Co\i6 ausgeführt. 

Ueber den Gießer von Schadow's Bronzestatuette Friedrichs d. Gr. 
mit den beiden Windspielen in Sanssouci (0,88 m hoch) ist Näheres nicht 
bekannt (Fig. 400, S. 551). 

Rauch wollte bei seinem ersten großen, in Breslau aufgestellten 
Blücherstandbilde zuerst die Hilfe der Franzosen beim Guß der Figur 
umgehen und wandte sich, wie Eggers a. a. 0. angibt, an den deutschen, 
in Rom lebenden Gießer Hopfgarten. Doch dieser übte noch das alte 
Wachsausschmelzverfahren, dem Rauch seltsamerweise mißtraute, weil er 
aus eigener Erfahrung nur das in Berlin beim Eisenguß und auch von 
Lequine angewendete Formverfahren in Sand kannte. So mußte sich 
Rauch entschließen, auch seine Blüchergestalt im Jahre 1820 von Le- 
quine mit Beihilfe Georg Reisingers, des Leiters der Berliner Stück'^ 
gießereiy gießen zu lassen. Mit der Ziselierung wurde der Franzose 
Vuarin betraut. Guß und Nacharbeiten des Sockels sollten von Cou^ 
ausgeführt werden. 

Weitere große Gußarbeiten standen bevor, und die Frage, welches 
Formverfahren dabei zur Anwendung kommen sollte, beschäftigte Rauch 
aufs lebhafteste, da ihn die Leistungen der Franzosen durchaus nicht voll 
befriedigten. Fast scheint es, als ob von vornherein die Ziselierung, in 
der die Franzosen unbestritten Meister waren, auch stets der Anlaß 
wurde, die Herstellung der Form und den Guß nur ihnen anzuvertrauen. 



Dentschland. 551 

Zwar verankßte Kauch im Jahre 1824 Anfragen nach Petersburg und 
erhielt den Bescheid, daß man dort und in Moskau noch im WachsTer- 
fahren arbeite und weiter dabei zu bleiben gedächte. Zur gründlichen 
Prüfung dieses Verfahrens scheint es trotzdem deutscherseits damals nicht 
gekommen zu sein. 

Auch die Berliner Königliche Gießerei übte schließlich den Bronze- 
guß nach der beim Eisenguß seit Jahrzehnten angewendeten Methode 
L e q u i n e s , der im Jahre 
1824 sogar als Lehrer einer 
neugegrUndeten Kunstguß- 
schule angestellt, und dem 
dann auch die Ausfuhrung 
des Berliner BlOcherdenb- 
males nach Bauchs Modell 
übertragen wurde. 

Auch eine Ziselierschule 
wurde eingerichtet mit Cou^ 
als Lehrer. Beide Anstalten 
standen unter der Oberauf- 
sicht Rauchs. Die Erfolge 
blieben jedoch aus, und 
Rauch äußerte im Jahre 
1827, daß es ihm zweck- 
mäßiger schiene, Qießeleven 
in Paris selbst bilden zu 
lassen bei Crozatier und 
Carbonneaux, deren her- 
Torr^ende Leistungen der 
Künstler selbst im Jahre 
1826 an Ort und Stelle 
kennen gelernt hatte. 

Veranlaßt war diese 
entschiedene Meinungsäuße- 
rung Bauchs besonders 
durch die Mißerfolge L e- 
quines. Zwar war der 

Breslauer Blücher besser aus "'« *^ ^''"^'"'' ^'^''^^^ "" ""'■ '" ^'""""'"'■ 

der Form gekommen , als 

seine ersten nach Schadows Modellen gegossenen Arbeiten, doch umso 
grSflere NachUissigkeit in jeder Beziehung brachte hei den nun folgenden 
Gußwerken das Vertrauen zu seinen Fähigkeiten ins Wanken. 

Als der Franzose schließlich hei der Statue Friedrich Wilhelms I. 



552 19. Jahrhundert. 



für Gumbinnen einen völligen Fehlguß geliefert hatte , wurde er plötzlich 
im Jahre 1828 angewiesen, die ihm seit elf Jahren überlassene Werkstatt 
in der Königlichen Gießerei zu räumen, und sein auch Ton Rauch unter- 
stützter Protest vermochte nichts gegen diese Verordnung auszurichten. 
Die Berliner Gießereischule hörte damit auf, weiter zu bestehen. 

Indessen sollten die mit Hopfgarten in Born angeknüpften Ver- 
handlungen Erfolg haben. bschon dieser vollauf beschäftigt war, hatte 
ihn doch nie der Wunsch verlassen, nach Berlin überzusiedeln (Eggers, 
Rauch). 

Um Rauchs Wünschen entgegen zu kommen, hatte Hopf garten 
schon im Jahre 1823, nachdem sein Mitarbeiter Jollage in Paris die 
neue Teilformerei in Sand studiert hatte, einen Versuch in diesem Ver- 
fahren gemacht, und nach den Mißerfolgen Lequines entschloß er sich 
endlich, eine Eunstgießerei in Berlin einzurichten. 

Im Jahre 1828 war er dort bereits in reger Tätigkeit. Von ihm 
oder nach anderen Angaben von einem älteren Bruder dieses römischen 
Hopfgarten wurde nach Rauchs Modell das Franckedenkmal für 
Halle, nach Tiecks ModeU die Statue Friedrich Wilhelms H. für Buppin 
u. a. m. gegossen. 

Gleichzeitig hatte ein anderer deutscher Meister, Chr. Heinrich 
Fischer, eine eigene Gießerei in Berlin eröffnet, die ebenfalls durch 
Rauch und Tieck mit allen Mitteln gefördert wurde (Eggers, Rauch, 
Bd. III, S. 101 ff.). 

Fischer goß nach Rietschels Modellen die Nebenfiguren zu dem 
für Dresden bestimmten Denkmale Friedrich Augusts in den Jahren 1833 
bis 1836. 

Im Jahre 1836 goß er das Standbild Justus Mosers für Osnabrück, 
dann die vor dem Alten Museum in Berlin aufgestellte Amazone nach 
Kiß' Modell. 

Von seinen anderen, teils bereits früher ausgeführten Guß werken 
seien noch genannt zwei kolossale Hirsche und eine Viktoria nach Rauch, 
eine 7 Fuß hohe Venus für Charlottenhof, nach Tiecks Modellen die 
Genien auf Löwe und Panther auf der Treppe des Berliner Schauspiel- 
hauses und das Standbild des Eopernikus u. a. für die Stadt Thom. 

Die Fi scher sehe Gießerei bestand bis zum Jahre 1845. 

Von großer Wichtigkeit für die Berliner Gießkunst wurden die Be- 
ziehungen, die Rauch im Jahre 1838 mit dem Eisenhüttenwerk Lauch- 
hammer anknüpfte. Für den Dom in Posen sollten die großen von Rauch 
modellierten Statuen der Polenkönige Boleslaw und Mieczyslaw in Bronze 
gegossen werden. Für die Ausführung kamen die Gießereien von Hopf- 
garten, Fischer und die Königliche Eisengießerei zunächst in 
Betracht. Mit der letzteren, als der mindestfordernden, wurde der Ver- 



Fig. 401. Rauch und Friebel, Denkmal Friedrichs d. Gr. in Berlin. S. Ml. 

trag abgeschlossen, doch da die AusfUhruDgsbedinguDgen Rauchs Wün- 
schen durchaus nicht entsprachen, wieder gelöst. Nun wandte man sich 



554 19. Jahrhundert. 



nach Lauchhammer, wo man dem Künstler das Recht der Oberaufsicht 
zugestand. 

Lauchhammer hatte bis dahin nur den Kunstguß in Eisen geübt, 
in dem es schon seit reichlich einem halben Jahrhundert Vorzügliches 
leistete. Das Vertrauen, auch in Bronzeguß etwas Tüchtiges schaffen zu 
können , hätte man besonders dieser Gießerei , aber auch der Königlichen 
Berliner Eisengießerei bereits zwanzig Jahre früher entgegenbringen können, 
die trüben Erfahrungen mit den französischen Gießern wären dann erspart 
geblieben; diese Angelegenheit bleibt unerklärt in der Geschichte der 
neuen deutschen Erzgießkunst. 

Der Guß der Bronzestatuen gelang unter Leitung des vortrefflichen 
Friebel aufs beste. Rauch selbst kam nach Lauchhammer und war 

I 

freudig überrascht über die Leistung. 

In seinem Tagebuche schreibt er, daß er nie vorher einen solch 
dünnen und an der Oberfläche so schönen Guß gesehen habe, und daß 
er sich entschloß, die Figuren nicht zu ziselieren, sondern nur das Nötigste 
daran mit den Punzen und der Feile zu tun und im übrigen nur mit 
Scheide Wasser abzubrennen. 

Dieser gute Erfolg veranlaßte Rauch, dem Werke weitere Modelle 
zur Gußausführung zu übergeben, und andere Künstler, zunächst Kiß 
und Rietschel, der selbst eine Zeitlang auf dem Werke angestellt war, 
folgten seinem Beispiele. 

Für Berlin wurde Lauchhammer von besonderer Bedeutung durch 
den genannten Gießmeister und Ziseleur Karl Ludwig Friebel. Friebel 
siedelte als Nachfolger Fischers im Jahre 1845 nach Berlin über mit 
dem ehrenvollen Auftrage, Rauchs Denkmal Friedrichs des Großen in 
Bronzeguß auszufahren (Fig. 401, S. 553). Schon rechtzeitig vorher waren 
große Werkstätten für die Modell- und Ziselierarbeiten und ebenfalls eine 
neue Gießerei errichtet. 

Im Jahre 1851 waren alle Teile, Nebenfiguren und Reliefs gegossen 
und wurden noch vor der Zusammenfligung ausgestellt ; noch am 31, Mai 
desselben Jahres wurde das großartige. Unter den Linden errichtete 
Monument enthüllt. 

Von Friebel wurden weiter nach Rauchs Modellen die Denkmalstatuen 
Yorks und Gneisenaus für Berlin gegossen u. a. m. Er starb im Jahre 1856. 

Die Gießerei wurde fortgeführt von Gladenbeck, der die Baulich- 
keiten, später gemeinsam mit seinem Sohne, bis zu ihrem Abbruche im 
Jahre 1887 inne hatte. Die Gladenbecksche Gießerei wurde dann 
in erweiterter Form nach Friedrichshagen bei Berlin verlegt, wo sie 
schließlich in die noch blühende Aktiengesellschaft vorm. Gladen- 
beck & Sohn umgewandelt wurde. 

Auch der Ruf der Gladenbeckschen Gießerei wurde durch Werke 



begründet, die nach Modellen Rauchs gegossen wurden: die Thaerstatue 
fllr Berlin (185Ö) und die Kantstatue für Königsberg (1857). 

Neben Berlin und Lauchhammer hatten sich indessen auch in anderen 



Fig. 101, Bauch und Stiglmuicr, Denkmal Uai Jaaephs 1. in München. S. ekb. 
deutschen Städten einige Gießereien zu hoher Leistungsfähigkeit auf- 



Der Zeit der Begründung und dem Umfange ihres Schaffens nach 
an der Spitze steht unter diesen die Königliche Erzgießerei in 
München (v. Miller, Zeitschr. d. Münchener Kunstgewerbevereins 1875 



556 19* Jahrhundert. 



u. Eggers, Rauch, Bd. II u. III). Auch für das Entstehen und Ge- 
deihen dieser Kunstwerkstätte war Bauch als erfahrener Praküker und 
schaflPender Meister von größtem Einfluß. 

Der erste Leiter dieser Gießerei war Stiglmaier. Bei einem Auf- 
enthalte in Berlin zur Erlei-nung des dort geübten Formyerfahrens kam 
er bald in enge Beziehungen zu Rauch. — Die erste große Aufgabe, die 
Stiglmaier bewältigen sollte, war der Guß des Max- Joseph-Denkmals 
nach Rauchs Modell für München (Fig. 402, S. 555). 

Im September des Jahres 1830 wurde mit dem Einformen des Löwen- 
sockels begonnen. Der Guß gelang in mehreren Teilen sogleich voll- 
kommen. Ein schweres Mißgeschick traf jedoch den für seine Arbeit 
begeisterten Stiglmaier beim Guß der Königsfigur, die er entgegen 
Rauchs Rat ungeteilt eingeformt hatte. Das flüssige Metall durchbrach 
die Form und nichts war von diesem ersten Guß zu retten. 

Ungesäumt machte sich der Meister daran, die Arbeit aufs neue auf- 
zunehmen. Dieses Mal trennte er aber Ober- und Unterkörper, Kopf und 
Arme voneinander. Im Jahre 1833 wurden die Gußarbeiten glücklich zu 
Ende geführt. Zur Ziselierung zog man zunächst den Franzosen Yuar in 
herbei, der auch die Nacharbeit an der Breslauer Blücherstatue besorgt 
hatte, doch dessen nachlässiges Verhalten zwang bald dazu, ihn durch 
deutsche Meister zu ersetzen, die ihre Aufgabe zur Zufriedenheit erfüllten. 

Nach Stiglmaiers Tode übernahm dessen auch bildhauerisch ver- 
anlagter und in Paris als Ziseleur ausgebildeter Neffe Ferd. v. Miller 
die Leitung der Gießerei (vergl. Fritz v. Miller, Ferdinand v. Miller sen. 
der Erzgießer. München 1904 — nicht im Buchhandel), die im Jahre 
1871 in den Besitz der Familie v. Miller überging und seit des Vaters 
Tode im Jahre 1887 von seinen Söhnen unter dem Namen Königliche 
Erzgießerei weitergeführt wird. 

Die wohl sonst unerreichte Leistungsfähigkeit dieser Gießerei mögen 
einige auf zuverlässigen Angaben beruhende Zahlen verdeutlichen. 

Außer den Kolossalfiguren und Gruppen der Bavaria in München, 
der Germania auf dem Niederwald, den Quadrigen auf dem Siegestor in 
München und auf dem Hoftheater in Dresden wurden in der Gießerei 
in dem Zeiträume von 1824 — 1904 gegossen: 22 Reiterstatuen, 163 Stand- 
bilder und Denkmalgruppen mit zusammen 187 Figuren, 28 Brunnen mit 
zusammen 73 Figuren, 10 Tore, 15 Kriegerdenkmäler, 65 Grabdenkmäler, 
viele Büsten, Figuren, Gruppen, Reliefs u. a. m. 

Noch eine bayrische Kunstgießerei gewann schon in der ersten 
Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutenden Ruf, die Gießerei Daniel 
Burgschmiets in Nürnberg, Auch zu deren Aufblühen trug Rauch 
nicht unwesentlich bei, und ihr erstes großes Erzgußwerk wurde nach 
seinem Modelle ausgeführt. 



In Nürnberg sollte ein Dürerdenkiual errichtet werden, und König 
Ludwig versprach einen namhaften Beitrag, wenn man auf seinen Wunsch 



Fig. 403. Rauch und Burgschmiet, DOreidenkaiiil In Nllniberg. S. SES. 

einginge, das Modell Rauch zu übertragen und den Ouß in München aus- 
ftlhren zu lassen. Rauch erhielt auch, obschon man io Nürnberg einen 



558 19. Jahrhundert. 



einheimischen Bildhauer vorgezogen hätte, im Jahre 1827 den Aufkrag 
für das Denkmal; als es sich jedoch um die Frage des Gießers handelte, 
wollte die Stadt Peter Vischers nicht nachgeben. Der zweite Bürger- 
meister Nürnbergs schrieb unter anderem in dieser Angelegenheit an 
Rauch: „Wenn jeder Kunstfreund als entschieden annehmen muß, daß 
der Entwurf des Denkmals und das Modell des Standbildes nur dem 
größten Bildhauer Deutschlands gebührt, so ist es doch für den noch 
nicht erloschenen Kunstruhm und noch mehr für den wiedererwachten 
Kunstsinn der hiesigen Stadt ebenso wichtig als wünschenswert, daß das 
Denkmal hier ausgeführt und vollendet werde. . . . Unsere ßotgießer 
haben zwar von der Kunst ihres alten Gewerbsgenossen, des Verfertigers 
des Grabmales Sebaldi, kein großes Erbteil übrig behalten, aber hinsicht- 
lich des Technischen der Gießerei dürfte man ihnen ausgezeichnete Kennt- 
nisse und Erfahrungen nicht absprechen können. . . . Das neueste Kunst- 
werk des erfahrenen Rotgießers Rupprecht, ein Standbild von Erz, 
6^2 Fuß hoch, zirka 2000 Pfd. Berl. schwer, ist aus der Form makellos 
hervorgegangen und ist bestimmt, in dem Dome zu Bamberg aufgestellt 
zu werden. Es befindet sich jetzt unter dem Meißel eines genialen jungen 
Mannes, des Bildhauers Burgschmiet../ (Dieses Werk ist die Statue 
des letzten Fürstbischofs Georg Karl v. Fechenbach von Bamberg und 
Würzburg an dessen Grabmal im Dome zu Bamberg.) 

Als Rauch auf jenes Schreiben hin selbst in Nürnberg gewesen 
war, erreichte er beim Könige die Genehmigung, daß die Dürerstatue 
dort gegossen wurde. 

Im Jahre 1837 erhielt Burgschmiet das Modell der Figur, und 
nachdem einige Probestücke vortrefflich im Guß gelungen waren, begann 
er mit der Einformung des Oberkörpers, der im folgenden Jahre wohl- 
gelungen aus der Form kam. König Ludwig selbst sah den Guß und 
war höchst befriedigt. Im Jahre 1840 war der Guß der ganzen Statue 
aufs beste vollendet (Fig. 403, S. 557). 

Burgschmiet führte dann noch zahlreiche große Modelle in 
Bronze aus. 

Im Jahre 1855 trat Burgschmiets Schwiegersohn Chr. Lenz in die 
Firma ein; im Jahre 1858 starb der Begründer. 

Die von Lenz und dem Stiefsohne Burgschmiets fortgeftthrte Gießerei 
hieß hinfort: Gebrüder Lenz-Herold. Seit 1871 besteht die Gießerei 
unter der Firma Chr. Lenz. 

Die angeführten Gießereien wurden die Lehrwerkstätten für eine Reihe 
anderer, ebenfalls zum Teil zu hohem Ansehen gelangter Gießer in ver- 
schiedenen deutschen Städten. 

Ein ausgezeichneter Schüler Burgschmiets war insbesondere Georg 
Howaldt, der in Braimschiveig eine Werkstatt für Erzguß und Treib- 



DeutBchl&nd. 559 

arbeiten in Kupfer begründete (H. Riegel, Eunstgescb. Vortrüge und 
Aufsätze. BrauDschweig 1877. S. 352 ff.). 

Der Ruf dieser Anstalt wurde begrOodet durch den treffücb gelun- 



Fig. 404. BieUcbel und Howuldt, Denkmal Leasings in Braunschneiic. S. Kt. 

genen Guß des Braunschweiger Lessingdenkmals nach Rietschels 
Modeü im Jahre 1852 (Fig. 404, S. 559). 

Weitere ehrenvotle Gußaufträge folgten sogleich, die alle aufs beste 
auageftthrt wurden. Ihre besondere Berühmtheit verdankt aber die 



560 19- Jahrhundert. 



Howaldtsche Werkstatt weniger den Guß werken, als yielmehr den 
großartigen in Kupfer getriebenen Arbeiten, von denen besonders an- 
geführt seien die auf dem Braunschweiger Schloß aufgestellte Brunonia 
mit dem Viergespann, zum ersten Male ausgeführt in den Jahren 1858 
bis 1863, zum zweiten Male nach dem Brande des Schlosses in den Jahren 
1865—1868, und die Reiterdenkmäler der Herzöge Karl Wilhelm Ferdi- 
nand und Friedrich Wilhelm von Braunschweig aus den Jahren 1870 bis 
1874 (Fig. 405, S. 561). 

Georg Howaldt starb im Jahre 1883, sein Sohn führte die Werk- 
statt fort bis zu seinem Tode im Jahre 1891; mit ihm erlosch die Firma. 

Ein anderer Schüler Burgschmiets, Wilhelm Pelargus, richtete 
in Stuttgart eine Erzgießerei ein, aus der auch etliche größere Werke 
hervorgingen. 

In Wien begann um die Mitte des Jahrhunderts Anton Pernkorn 
aus Erfurt, ein Schüler Stigimaiers, als erster wieder seit Entstehung des 
Reiterdenkmals Josephs IL, den Erzguß im großen auszuüben (Eitel- 
b erger, Zeitschr. f. bild. Kunst 1879, Beibl. S. 51 f.). 

Das erste bedeutende Werk des Künstlers war eine elf Fuß hohe 
Reitergruppe des Ritters Georg im Kampfe mit dem Drachen, das in der 
fürstlich Salmschen Gießerei in Bronze gegossen und im Palais 
Montenuovo in der Bankgasse zu Wien aufgestellt wurde. 

In den Jahren 1853 — 1859 goß Fernkorn im k. k. Artilleriegieß- 
hause, das nun wieder in eine Kunstgießerei umgewandelt wurde, die 
Reiterstatue des Erzherzogs Karl, andere große Gußwerke folgten. 

Fernkorn standen beim Guß zur Seite Franz Pönninger und 
Röhlich, die nach des Meisters Ausscheiden die Leitung der k. k. Kunst- 
erzgießerei übernahmen. 

Von großer Bedeutung war in Wien während des ganzen 19. Jahr- 
hunderts die Gießerei kleiner figürlicher Bronzen und von bronzenen Geraten 
aller Art (Folnesics, Kunstgewerbeblatt 1885, S. 147 ff.). Der Be- 
gründer dieser Industrie war Jos. Georg Danninge r. Er eröffiiete 
seine Werkstatt bereits im Jahre 1795 und blieb bis zum Jahre 1835 fast 
ohne Wettbewerb. 

Im Jahre 1831 errichtete „ein Preuße* Jos. Glanz in Wiett eine 
Eisengießerei, im Jahre 1838 ging er zur Bronzefabrikation über, und aus 
seiner Schule ging der Erzgießer Turbain hervor, der in den Siebziger- 
jahren in Wien mit dem Guß großer Modelle begann. 

Einige weniger bedeutende Bronzegießereien waren schon um oder 
bald nach der Mitte des Jahrhunderts auch in anderen deutschen Städten, 
z. B. in Hannover, mit größeren Gußaufgaben beschäftigt, und in jüngster 
Zeit haben neben den alten, weiter bestehenden Werkstätten unter anderen 
die Gießereien von Alb. Bierling in Dresden, Paul Stotz in Stuttgart, 



DeDtscUand. 561 

Schäffer & Walcker in Berlin und die Gießerei und Treibwerkstätte 
Ton Martin & Piltztng in Serlin ihre Leistungsrähigkeit an monumen- 
talen Werken bewiesen. 

In der folgenden Liste, die auf Vollsfändigkeit noch durchaus keinen 
Anspruch erheben kann, die aber tlber die Leistungsfähigkeit der deutschen 



Pig. 405. Q. HowBidt, Denkmal Heizoga Friedrich Wilhelm in BraDnacbweig, 8. Bio. 

Gießereien beredteste Auskunft gibt, sind die größeren, im Id. Jahrhundert 
entstandenen Bronzebild werke der deutschen Städte zusammengestellt. 

Daß eine große Keihe bedeutsamer Bronzedenkmäler von deutschen 
Meistern im 19. Jahrhundert auch fUr das Ausland geschaffen wurde, sei 
hier nur erwähnt, in der Liste sind diese Werke unberücksichtigt geblieben. 

Die in der nachstehenden Liste hauptsächlich angeftlhrten Literatur- 
nachweise sind al^ekOrzt: 

Lil«r, Un«dlfl Metalle. 36 



562 19* Jahrhundert. 



Zeitschrift für bildende Kunst — Z. f. b. E. (B. = Beiblatt). 

Faber, Konversationslexikon für bildende Kunst — Faber. 

Maertens, Deutsche Bildsäulen (Tafeln mit Beschreibung) — Maertens. 

Deutsche Bauzeitung — D. Bauz. 

(Nur die Namen der Gießer sind gesperrt gedruckt; die fehlenden Namen der 

Gießer und Gießereien waren bisher nicht zu ermitteln). 
Aachen. Kriegerdenkmal von Friedr. Drake, Guß von Gladenbeck in Berlin um 

1870. (Z. f. b. K. 1869/70, V. B. S. 198.) 
Äibling. Denkmal : Zur Erinnerung an den Abschied der Königin Therese von ihrem 

Sohn Otto, König der Griechen (mit einer Maria), nach eigenem Modell von 

Sti gl maier gegossen. Anfang Dreißigerjahre. (Faber V, S. 67.) 
Altenburg. Siegesdenkmal von 0. Fritzsche, Berlin, Guß von Lenz in Nürnberg. 

17. Juni 1880 enthüllt. (D. Bauz. 1880, S. 313.) 
Angermünde. Denkmal: Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. von Alb. Manthe. (Z. f. 

b. K. 1890/91, B. S. 346.) 
AnnOfberg, Standbild: Barbara Uttmann von Rob. Henze in Dresden, enthüllt 

16. Nov. 1886. (Z. f. b. K. 1887/88, B. S. 92.) 
Ansbach. Standbild: Platen von Halbig, Guß von der KgL Erzgießerei München 

1858. 
Arad. Märtyrerdenkmal von Hussar, vollendet von Zala, Guß von Turbain in Wien. 

(Z. f. b. K. 1888/89, B. S. 536.) 
Arolsen, Standbild: Kaiser Wilhelm I. von Wödtke, Guß in Lauchhammer 1899. 
Augsburg. Denkmal: Fugger von Brugger, Guß von der KgL Erzgießerei 

München 1857. 

— Siegesdenkmal von Zumbusch, Guß von Lenz in Nürnberg, enthüllt 2. Sept. 1876. 

(Z. f. b. K. 1875/76. B. S. 823.) 

— Denkmal : L. A. v. Riedinger von Gedon , Guß von Riedinger in Augsburg um 

1880. (Z. f. b. K. 1880/81, B. S. 643.) 

Babelsberg. Figur des Erzengels Michael von Kiß, Guß von Friebel in Berlin 1851. 

Bamberg, Dom. Standbild am Grabmal des Fürstbischofs Karl v. Fechenbach von Bam- 
berg und Würzburg, Modell und Guß von Rupprecht, Nürnberg, ziseliert von 
Burgschmiet 1827. (Faber V, S. 69.) 

— Standbild: Bischof Erthal von Widemann, Guß von der Kgl. Erzgießerei 

München 1865. 

— Brunnen mit Figur König Max* I., Modell und Guß von Miller, München 

(Kgl. Erzgießerei) 1880. (Z. f. b. K. 1877/78, B. S. 562, 742. Maertens.) 

— Standbild: Luitpold von Bayern, Modell und Guß von Ferd. v. Miller (KgL Erz- 

gießerei München) 1899. 
Bayreuth. Standbild: Jean Paul von Schwanthaler, Guß von Stiglmaier, enthüllt 
14. Nov. 1841. (Faber V, S. 67, 69.) 

— Standbild: König Maximilian IL von Brugger, Guß von der Kgl. Erzgießerei 

München, enthüllt 30. Juni 1861. 

Beigard a. Pers. Standbild: Kaiser Wilhelm I. von G. Meyer, Guß in Lauch- 
hammer 1898. 

Berchtesgadetu Standbild: Prinzregent Luitpold, Modell und Guß von Ferd. v. Miller 
(KgL Erzgießerei München) 1893. 

Berlin. Standbild; Blücher von Rauch, Guß und Ziselierung von Lequine, Rei- 
singer undVuarin in Berlin 1826. (Berlin und seine Bauten 1877, S. 108 
und Maertens.) 

— Amazone von Kiß. Guß von Fischer in Berlin, Ziselierung von Bötticher 1839. 

— Viktoria im Schloßgarten in Cbarlottenburg von Rauch, Guß von Fischer 1840. 



Deutschland. 553 



Berlin. Viktoria aaf Friedenssäule auf dem Belle- Allianceplatz, Modell nach Rauch» 
von Schivelbein, Guß in Lauchhammer 1843. 

— Zwei Rossebändiger von Peter Klodt von Jürgensberg in Petersburg, 1844 auf- 

gestellt. (Faber V, S. 77.) 

— Denkmal: Friedrich der Große von Rauch, Guß von Friebel in Berlin, 1851 

enthüllt. 

— Reitergruppe : St. Georg im Schloßhof von Eiß, Guß in Lauchhammer, 1865 auf- 

gestellt. 

— Standbild: York von Rauch, Guß von Friebel 1855. (Berlin und seine Bauten, 

S. 108.) 

— Standbild : Gneisenau von Rauch, Guß von Friebel 1855. (Berlin und seine Bauten, 

S. 108.) 

— Standbild: Thaer von Rauch und Hagen, Guß von Gladenbeck, Berlin 1860. 

(Berlin und seine Bauten, S. 109.) 

— Standbild: Zieten (1791, Marmor, von Schadow), Modell für den Bronzeguß von 

Kiß 1857. 

— Standbild: JKeith (1786, Marmor), ModeU für den Bronzeguß von Kiß 1857. 

— Löwentöter vor dem Alten Museum von A. Wolff, Fünfzigerjahre. 

— Standbild: Winterfeld (1777. Marmor), Modell für den Bronzeguß von Kiß 1860. 

— Standbild: Seidlitz (1778, Marmor), Modell für den Bronzeguß von Kiß 1861. 

— Standbild: Schwerin (1771, Marmor), Modell für den Bronzeguß von Kiß, Guß im 

Kgl. Gewerbeinstitut in Berlin 1861. 

— Standbild : Leopold von Dessau (1800, Marmor), Modell für den Bronzeguß von Kiß. 

(Berlin und seine Bauten, S. 104.) 

— Standbild: Beuth von Kiß, Reliefs von Drake 1861. (Berlin und seine Bauten, 

S. 109.) 

— Grabdenkmal : Ravene auf dem Friedhof vor dem Oranienburger Tor von Bläser, 

1867 vollendet. (Z. f. b. K. 1867/68, B. S. 187.) 

— Standbild: Jahn von Encke, 10. Aug. 1872 enthüllt. 

— Standbild: Schinkel von Drake, Guß von Gladenbeck in Berlin, 15. Nov. 1869 

enthüllt. (Z. f. b. K. 1869/70, V. B. S. 46 und Maertens.) 

— Reiterdenkmal: Friedrich Wilhelm IlL von Alb. WolflF, Guß in Lauchhammer, 

16. Juni 1871 enthüllt. (Maertens.) 

— Standbilder am Rathaus: Kurfürst Friedrich I. von Encke und Kaiser Wilhelm I. 

von Keil, Guß von Gladenbeck in Berlin, 1871 vollendet. (L. A. Meyer, Das 
neue Rathaus zu Berlin, 1886, S. 9.) 

— Siegessäule auf dem Königsplatz mit Borussia von Drake, Guß von Gladenbeck 

in Berlin mit Reliefs von Wolff (Guß von Eichwede, Hannover), von Schulz, 
Guß in der Kgl. Eisengießerei Berlin), von Calandrelli und von Keil, am 
2. Sept. 1873 enthüllt. (Z. f. b. K. 1872/73, B. S. 809—817.) 

— Denkmal: Freiherr v. Stein von Schievelbein und Hagen, Guß von Gladen- 

beck in Berlin, am 26. Okt. 1875 enthüllt. (D. Bauz. 1875, S. 451. Z. f. b. K. 
1875/76, B. S. 169-173 und Maertens.) 

— Wrangelbrunnen, ehemals auf dem Kemperplatz von Hagen,. Guß von Gladen- 

beck, 1877 enthüllt, (Z. f. b. K. 1876/77, B. S. 422.) 

— Standbild: Graf Brandenburg von Hagen, 1862 aufgestellt. (Z. f. b. K. 1877/78, 

B. S. 246. Berlin und seine Bauten, S. 109.) 

— Kriegerdenkmal für 1864, 1866, 1870/71 im Friedrichshain, Gruppe von Calandrelli, 

Siebzigerjahre. 

— Standbild: Wrangel von Keil, Guß von Gladenbeck, 1. Nov. 1880 enthüllt. 

(D. Bauz. 1880, S. 503.) 



564 19. Jahrhundert. 



Berlin. Standbild : Alb. y. Graefe von Siemering, Gaß von Gladenbeck, am 22. Mai 
1882 enthüllt. (Z. f. b. K. 1881/82, S. 533. D. Bauz. 1882, S. 262.) 

— Reiterdenkmal : Friedrich Wilhelm IV. von Calandrelli, Guß von Gladenbeck, 

am 10. Juni 1886 enthüllt. (D. Bauz. 1886, S. 290 ff. Maertens.) 

— Statuen in der Ruhmeshalle im Zeughaus: 

Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst von Encke. 

Friedrich I. von Brunow. 

Friedrich Wilhelm I. von Hilgers. 

Friedrich IL von Encke. 

Friedrich Wilhelm IL von Brunow, Guß in Lauchhammer. 

Friedrich Wilhelm III. von Hundrieser, Guß in Lauchhammer. 

Friedrich Wilhelm IV. von Schüler, Guß in Lauchhammer. 

Wilhelm I. von Siemering und viele Feldherrenbüsten. (Führer durch die Bnhmes- 

halle und die Sammlungen, Berlin 1903.) 

— Standbild: Kaiser Wilhelm I. in SchOneberg bei Berlin von F. Görling, Guß von 

Gladenbeck. (Z. f. b. K. 1891/92, B. S. 848.) 

— Schloßbrunnen von R. Begas, Guß von Gladenbeck, am 1. Nov. 1891 enthüllt 

(Fig. 406, S. 565). (D. Bauz. 1891, S. 697 ff. Z. f. b. K. 1888/89, B. S. 77. 
1889/90, B. S. 500. 1891/92, B. S. 76.) 

— Standbild: Mitscherlich von Hartzer, enthüllt am 1. Dez. 1894. (Z. f. b. K. 1894.'95. 

B. S. 121.) 

— Wandbrunnen an der Gabelung der Rosenthaler* und Gormannstraße von Uechtritz. 

Guß in Lauchhammer, um 1895. (Z. f. b. K. 1893/94, B. S. 150.) 

— Amazone zu Pferde (neben der Nationalgalerie aufgestellt) von Louis Tuaillon. 

(Z. f. b. K. 1895/96, S. 25.) 

— Standbild: Markgraf Waldemar auf der Mühlendammbrücke von ünger, Guß in 

Lauchhammer, um 1893. 

— Denkmal: Luther von M. P. Otto, [vollendet von Toberentz am 11. Juni 1895. 

(Z. f. b, K. 1894/95, B. S. 475.) 

— Gertraudengruppe von Siemering, Guß in Lauchhammer 1896. 

— Nationaldenkmal: Kaiser Wilhelm L, Reiterbild mit Postament und LGwensockel, 

Guß von Walter und Paul Gladenbeck, Friedrichshagen, Figuren Krieg 
und Fri eden , Guß von Martin u. Piltzin g. In Kupfer getrieben : die beiden 
Viergespanne von Martin u. Piltzing und Gustav Lind, Berlin, die 
Adler auf Halle von K n o d t in Bockenheim bei Frankfurt a. M. Am 22. Mätz 
1897 enthüllt. (Zentrbl. d. Bauverw. 1897, S. 137. Z. f. b. K. 1896/97, S. 140.) 

— Vier Gruppen auf der Potsdamerbrücke: Siemens von J. Moser, Helmholtz von 

M. Klein, Gauß von Janensch, Röntgen von Felderhoff. Guß inLauchhammer 
1898. (Z. f. b. K. 1897/98, B. S. 268.) 

— Figuren im Reichstagsgebäude : Deutsche Kaiser von Wiedemann, Baumbach, Brütt, 

Breuer, Manzel, Vogel und Maison, teils gegossen in Lauchhammer, 1898 
enthüllt (Z. f. b. K. 1898/99, B. S. 108.) 

— Denkmal: Schulze-Delitzsch von Hans Arnold, am 4. Aug. 1899 enthüllt Haupt- 

figur Marmor. (D. Bauz. 1899, S. 399. Z. f. b. K. 1896/97, B. S. 186.) 

— Sechs große Tierfiguren im Tiergarten von Siemering, Guß in Lauchhammer 1900. 

— Denkmal: Bismarck von Begas, Guß von Martin u. Piltzing in Berlin, am 

16. Juni 1901 enthüllt. (Z. f. b. K. 1896/97, B. S. 37—41. 1900/01, B. S. 489.) 

— Kupfertreibarbeiten. Gruppen auf dem Schauspielhaus : Auf dem Westgiebel 

Pegasus, auf dem Ostgiebel Apollo auf Greifenwagen von Rauch und Tieck. 

— Standbild der Berolina v. Hundrieser, von Peters in Kupfer getrieben, am 17. Dez. 

1895 enthüllt (Z. f. b. K. 1895/96, B. S. 160.) 



Deutschland. 



Berlin. Figuren anf dem Reich gtagagebäu de : Berittene Herolde von Maüon, von 
G. Enodt in Frankfurt a. H., in Kupfer getrieben, Neunzigeijabre. 



566 Id- Jahrhundert. 



Berfi. Standbild: Berchtold V. von Zähringen von Tscharmer, Guß von der K gl. Erz- 
gießerei München (Miller), 1849. (Faber V, S. 69— 70.) 

— Brunnenfigur von Christen, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 1863. 
Bernburg. Standbild : Wolfgang v. Anhalt von Robert Henze, 1880 enthüllt. (D. Bauz. 

1880, S. 503.) 
Bielefeld. Standbild : Der Große Kurfürst von Fritz Schaper, 1899. (Z. f. b. K. 1898/^9, 

B. S. 488.) 
Bochum. Standbild: Bismarck von Hundrieser, Guß in Lauchhammer 1896. 
Bonn. Standbild : Beethoven von Hähnel, Guß von ßurgschmiet in Nürnberg 1845. 

— Standbild: Arndt von Affinger, Guß von Howaldt in Braunschweig 1865. 
Braunau. Standbild : Palm von C. EnoU, Guß in der Kgl.ErzgießereiMünchen 

(Miller), 1866 enthüllt. (Z. f. b. K. 1866/67, B. S. 126.) 
Braunschweig. Standbild: Lessing von Rietschel, Guß von Howaldtin Braunschweig 
1853. (Maertens.) 

— Brunnen mit Figur Heinr. d. Löwen von A. Breymann (oder Winter?), Guß von 

Howaldt. (Maertens.) 

— Standbild: Gauß von Schaper, Guß von Howaldt 1880. 

— Siegesdenkmal von Breymann, vollendet von Diez, Guß von Howaldt 1881 ent- 

hüllt. (D. Bauz. 1881, S. 209. Maertens.) 

— Vier liegende Löwen und vier Tugendgestalten auf der Okerbrücke von Müller, 

Charlottenburg. (Z. f. b. K. 1898/99, B. S. 397.) 

— Kupfertreibarbeiten. Gruppe auf dem Schlosse: Brunonia von Rietschel. 

Zum ersten Male ausgeführt 1858—1863, zum zweiten Male 1865—1868, getrieben 
von Howaldt. 

— Reiterbild: Herzog Friedrich Wilhelm von H&hnel, getrieben von Howaldt jl874. 

— Reiterbild: Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Pönninger, getrieben von HJo- 

waldt. 
Bremen. Standbild: Gustav Adolf von Fogelberg, Guß in der Kgl. Erzgießerei 
München (Miller), 1853. 

— Standbild: Kömer von Deneys, 1867. 

— Kriegerdenkmal 1870/71 von Keil, 1875 enthüllt. 

— Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm L von Bärwald, 18. Okt. 1893 enthüllt. (Z. f. b. K. 

1893/94, B. S. 113 ff. mit Abb.) 

— Standbild: Kolumbus von Habich, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

1896. 

— Teichmannbrunnen von Maison, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 1899. 

— Domtüren von K. Meurer. (Kunst unserer Zeit 1899, S. 73.) 

— Gildemeisterbrunnen, Bronzegruppe von A. Sommer. 

Bremerhaven. Standbild : Smidt von Wem. Stein. (Z. f. b. K. 1886/87, B. S. 461.) 
Breslau. Standbild: Blücher von Rauch, Guß von Lequine 1827. 

— Reiterdenkmal: Friedrich der Große von Kiß, Guß von Klagemann in Breslau 

1847. 

(Faber Konv.-Lex. V, S. 64 und 70.) 

— Reiterdenkmal: Friedrich Wilhelm IIL von Kiß, Guß in Lauchhammer 186L 

— Standbild: K. G. Suarez von Peter Breuer. (Z. f. b. K. 1896/97, B. S. 90—91.) 

— Reiterdenkmal : Kaiser Wilhelm L von Chr. Behrens, Guß in der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller), am 6. Sept. 1896 enthüllt. (D. Bauz. 1896. S. 543.) 

— Standbild: Bismarck von Breuer, Guß in Lauchhammer 1900. 

— Standbild: Moltke von üechtritz, Guß in Lauchhammer 1900. 

Brieg. Standbild : Friedrich der Große von Sußmann-Hellbom. (Z. f. b. K. 1875/76,. 
B. S. 232 und 1894 S. 186.) 



Deutschland. 567 



Bromberg. Reiterbild: Kaiser Wilhelm I. von Calandrelli, am 1. April 1894 (?) enthüllt. 

(Z. f. b. K. 1890/91, B. S. 519.) 
BHlckenau. Standbild: König Ludwig I., Modell und Guß von Ferd. v. Miller 

(Kgl. Erzgießerei München) 1897. 
Budapest. Standbild: Erzherzog Joseph von Halbig, Guß in der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller), am 25. April 1869 enthüllt. (Z. f. b. K. 1869, B. S. 134—135.) 

— Denkmal: EötvGs von Haszar, Guß in der Kgl. Kunst-Erzgießerei Wien. 

(Z. f. b. K. 1878/79, B. S. 566.) 

— Denkmal: Szechenyi von Jos. Engel, Guß von Röhlich und Pönninger 

(Kgl. Kunst-Erzgießerei in Wien), am 28. Mai 1880 enthüllt. (Z. f. b. K. 
1879/80, B. S. 566.) 

— Standbild: Andrassy von Kiß, Guß in Lauchhammer 1896. 

Burg bei Magdeburg. Denkmal: Kaiser Wilhelm L von Habs, Guß von Martin 
und Piltzing in Berlin, am 2. September 1892 enthüllt. (Z. f. b. K. 1891/92, 
B. S. 595.) 

Cannstatt Reiterdenkmal: König Wilhelm von Württemberg von Halbig, Guß in 
der Kgl. Gießerei München (Miller), am 27. Sept. 1875 enthüllt. (D. Bauz. 
1875, S. 471.) 

Charlottenburg. Standbild: Werner v. Siemens von Wandschneider, Guß in Lauch- 
hammer 1899. 

Chemnitz. Reiterdenkmal : Kaiser Wilhelm I. von Rümann, Guß inLauchhammer 1899. 

— Standbild: Bismarck von Rümann, Guß in Lauchhammer 1899. 

— Standbild: Moltke von Rümann, Guß in Lauchhammer 1899. 

Darmstadt. Standbild: Großherzog Ludwig L von Schwanthaler , Guß von Stigl- 
maier in München, 1843. (Faber V, S. 70.) 

— Kriegerdenkmal von A. Herzig, am 18. Aug. 1879 enthüllt. (D. Bauzeitung 1879, 

S. 354.) 

— Denkmal: Aug. Metz, Büste und Knabenfiguren von B. König, Guß von Pelargus 

in Stuttgart, am 28. Nov. 1879 enthüllt. (D. Bauz. 1879, S. 524.) 
Debrezin. Statue: Csokonay von Izzo, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

1871. 
Dessau. Brunnendenkmal : Moses Mendelssohn von Heinr. Hoffmeister. (Z. f. b. K. 1890, 

S. 276.) 

— Denkmal: Kaiser Wilhelm L von Alezander Tondeur, Guß von Martin und Pilt- 

zing in Berlin. (Z. f. b. K. 1892, S. 191.) 

Detmold. Kupfertreibarbeit: Hermannsdenkmal, Modell und Ausführung von Bändel, 
1875 enthüllt. (Thorbecke. Zur Gesch. d. Hermannsdenkmals, Detmold 1875 
und Z. f. b. K. 1874/75, B. S. 737—740.) 

DinkelsbiihL Standbild: Christoph v. Schmid von Widemann, Guß von der Kgl. Erz- 
gießerei München. 

Dortmund. Denkmal: Kaiser Wilhelm I. von Schilling, Guß in Lauchhammer 
1894. 

— Statue: Kaiser Friedrich III. von Wandschneider, Guß in Lauchhammer 1898. 
Dresden. Denkmal: Friedrich August I. von Rietschel, Guß der Hauptfigur bei 

Schrödtel in Dresden mißlungen, in Lauchhammer vollendet, Guß der 
Nebenfiguren von Fischer in Berlin 1843 (Maertens). 

— Standbild: Maria v. Weber von Rietschel 1860. 

— Standbild: Friedrich August II. von Hähnel, Guß von Lenz u. Herold in Nürn- 

berg 1867. (Z. f. b. K. 1866/67, B. S. 181 und Maertens.) 

— Nymphenbrunnen von Broßmann 1865. (Z. f. b. K. 1866/67, B. S. 26.) 

— Annenbrunnen von Henze 1870. 



568 19. Jahrhundert. 



Dresden. Standbild: Kömer von Hähnel, Guß von Lenz, Nürnberg. (Z. f. b. K. 
1870/71, B. S. 93 und Maertens.) 

— Denkmal: Rietschel von Schilling, Guß in Lauchhammer» am 21. Febr. 1876 

enthüllt. (Z. f. b. K. 1875/76, B. S. 372—373.) 

— Quadriga vor dem Hoftheater (Bacchus und Ariadne auf Pantherwagen) von Schilling, 

Guß von der Egl. Erzgießerei München 1877. 

— Gänsediebbrunnen von Diez, Guß von Bierling, Dresden 1880. 

— Siegesdenkmal von Rob. Henze, am 2. Sept. 1880 enthüllt. (D. Bauz. 1880, 

S. 263.) 

— Denkmal: Julius Otto von G. Eietz, Guß von Bierling, Dresden. (Z. f. b. E. 1885/86, 

B. S. 753.) 

— St. Georgsbrunnen von Hähnel, Guß von Pirner u. Franz, Dresden, Juli 1887 

enthüllt. (Z. f. b. E. 1886/87, B. S. 684.) 

— Wettin-Obelisk: Figuren von Schilling, Guß in Lauchhammer, Obelisk in Eupfer 

getrieben, 1889 enthüllt. (D. Bauz. 1896, S. 223 f.) 

— Beiterdenkmal : Eönig Johann von Schilling, Guß in Lauchhammer und von 

Bierling, Dresden 1889. (Z. f. b. E. 1888/89, B. S. 406 u. 524 und Maertens.) 

— Standbild: Gottfried Semper von Schilling, Guß in Lauchhammer, am 1. Sept. 

1892 enthüllt. (D. Bauz. 1890, S. 260; Z. f. b. E. 1891/92, B. S. 596.) 

— 2 Brunnen: , Stürmende Wogen* und „Stille Wasser" von Robert Dietz, Guß von 

Bierling, Dresden, am 1. Sept. 1894 enihüUt. (Z. f. b. E. 1892./93, B. S. 412 
u. 1895/96, S. 89 ff. und B. S. 29.) 

— Denkmal: Ludwig Richter von Eircheisen, Guß von Rin ekle ben. Braunschweig, 

am 28. Sept 1898 enthüllt. (Z. f. b. E. 1898/99, B. S. 56.) 

— Denkmal : Bismarck von Robert Diez. (Z. f. b. E. 1898/99, B. S. 280.) 

— Gruppen auf der EarolabrÜcke von H. Hartmann und Oskar Rühm, Guß von Bier- 

ling und Pirner u. Franz, Dresden. (Z. f. b. E. 1898/99, B. S. 524.) 
Duisburg. Reiterdenkmal: Eaiser Wilhelm I. von Reusch, Guß von Seh äff er und 

Walcker. Berlin, am 2. Sept. 1898 enthüllt. (D. Bauz. 1898, S. 544 und 

Z. f. b. E. 1897/98, B. S. 522.) 
Düren. Denkmal: Eaiser Wilhelm L von üphues, am 22. März 1891 enthüllt 

(Z. f. b. E. 1890/91, B. S. 892.) 
Düsseldorf. Denkmal: P. v. Cornelius von Donndorf, Guß von Bierling, Dresden. 

(Z. f. b. E. 1878/79, B. S. 699, Maertens.) 

— Erinnerungsdenkmal an den Besuch des Eaiserpaares 1884, von E. Janssen and 

Jos. Tüshans. (Z. f. b. E. 1887/88, B. S. 340.) 

— Reiterdenkmal: Eaiser Wilhelm L von E. Janssen, am 18. Okt. 1896 enthüllt 

(D. Bauz. 1896, S. 542 und Z. f. b. E. 1896/97, B. S. 48, 56.) 

— Standbild: Bismarck von Röttger u. Bauer, Guß in Lauchhammer 1899. 
Ehemhurg bei Ereuznach. Denkmal: Hutten-Sickingen, von Cauer, am 11. Juni 1889 

enthüllt, Guß in Lauchhammer. 
Eisenach. Standbild: Bach von Donndorf, Guß von Howaldt in Braunschweig, am 

28. Sept. 1884 enthüllt. (Z. f. b. E. 1882/83, B. S. 596 u. 1884/85, B. S. 60.) 
Eisleben. Standbild: Luther von Siemering, Guß von Gladenbeck in Berlin, 

10. Nov. 1883 enthüllt. (Z. f. b. E. 1882/83, B. S. 660 und 1888/84, B. S. 95.) 
Elberfeld. Eriegerdenkmal von Albermann, Guß in Lauchhammer, am 30. Juni 1881 

enthüllt. (D. Bauz. 1881, S. 411.) 

— Standbild: Eaiser Friedrich III. von Eberlein, Guß von Gladenbeck, Berlin- 

Friedrichshagen, am 18. Okt. 1893 enthüllt (Maertens.) 

— Reiterdenkmal: Eaiser Wilhelm I. von Eberlein, Guß von Schaff er u. Walcker, 

Berlin, am 18. Okt. 1893 enthüllt (Z. f. b. E. 1893/94, B. S. 40 und Maertens.) 



Deutschland. 569 



Elberfeld, Standbild: Bismarck von Lud. Bruno w, am 1. April 1898 enthüllt. 

(Z. f. b. K. 1897/98. B. S. 263.) 
Elbing, Kriegerdenkmal , Modell und Guß von der Kg 1. Erzgießerei München 

1887. 
Erfurt. Monumentalbrunnen von Architekt Stockhardt und Bildhauer H. Hoffmeister, 

Treibarbeit und Guß von Howaldt, Braunschweig, einige Teile getrieben von 

F. Peters, Berlin, am 6. Sept. 1890 enthüllt. (D. Bauz. 1890, S. 469 und 

Z. f. b. K. 1889/90, B. S. 500.) 

— Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm I. von Lud. Brunow 1898. (Z. f. b. K. 1897/98, 

B. S. 828.) 
Erlangen. Standbild: Markgraf Friedrich Alezander von Schwanthaler, Guß in der 
Kgl. Erzgießerei München, am 25. Aug. 1843 enthüllt. (Faber III, 
S. 533—34.) 

— Standbild: Herz von Zumbusch, Guß von Lenz, Nürnberg, am 5. Mai 1875 ent- 

hüllt. (Z. f. b. K. 1874/75, B. S. 508.) 

— Pauli-Brunnen: Entwurf von Fr. Wandeijer, Figuren von Schwabe, Guß von Lenz 

in Nürnberg (Z. f. b. K. 1890/91, S. 76—78.) 
Essen. Standbild: A. Krupp (an der Limbecker Chaussee) von Aloys Mayer und 
Joseph Menges, Guß von Rupp, München. (Z. f. b. K. 1891/92, B. S. 596.) 

— Standbild: A. Krupp (Marktplatz) von F. Schaper. 

— Grabmal: Krupp von Otto Lang, Guß in der Kgl. Erzgießerei München (Miller), 

1890 enthüllt. (D. Bauz. 1899, S. 121.) 

— Reiterbild: Kaiser Wilhelm I. von Yolz, Guß von Stotz, Stuttgart. 

Eutin. Denkmal: K. M. v. Weber von Peterich, Guß von Gladenbeck in Berlin- 
Friedrichshagen, 1890 enthüllt. (Z. f. b. K. 1888/89, B. S. 659 und Maertens.) 

Falkenstein. Standbild: Bismarck von Starke, Guß in Lauchhammer 1900. 

Forst i. L. Standbild: Bismarck von M. Unger, Guß in Lauchhammer 1896. 

Frankfurt a. M. Denkmal: Goethe von Schwanthaler, Guß von der Kgl. Erz- 
gießerei München 1844. (Kaber V, S. 311.) 

— Denkmal: Schiller von Dillemann, Guß in der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller), 1864 aufgestellt. 

— Denkmal : Bismarck von Siemering. (D. Bauz. 1898, S. 65.) 

— Galvano plastische Werke. Denkmal: Gutenberg von Ed. v. d. Launitz 1840. 

Die drei Hauptfiguren sind sogleich galvanisch ausgeführt, die Nebenfiguren 
zuerst Zinkguß, später (1892) auch galvanisch hergestellt. 

— Kriegerdenkmal von Rud. Eckhardt, galvanoplastische Ausführung von G. v. Kreß 

und Sohn. (Z. f. b. K. 1872/73, B. S. 772.) 

— Kupfertreibarbeit. Atlasgruppe auf dem Bahnhofsgebäude von Herold, ge- 

trieben von Howaldt in Braunschweig 1889. (Z. f. b. K. 1888/89, B. S. 508.) 
Frankfurt a. 0. Reiterdenkmal : Kaiser Wilhelm I., 18. Juni 1900 enthüllt. 
Framensbad. Standbild: Kaiser Franz von Schwanthaler, Guß von der Kgl. Erz- 
gießerei München (Miller) 1853. 
Freiburg i. B. Siegesdenkmal von Moest, Guß von Lenz, Nürnberg 1876. 

— Brunnen: Modell und Guß von Miller (Kgl. Erzgießerei München) 1894. 
Friesack. Denkmal: Kurfürst Friedrich v. Brandenburg von Calandrelli, Guß von 

Schäffer u. Walcker in Berlin, am 13. Okt. 1894 enthüllt. (Z. f. b. K. 1894/95, 

B. S. 25.) 
Fulda. Standbild: Bonifacius von Henschel 1842. 
Fürth. Kriegerdenkmal von Hirth, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1888. 

— Brunnen von Maison, Guß von der Kgl. Erzgießerei München (Miller) 1890. 



570 19- Jahrhundert. 



Gera. Standbild: Fürst Reuß Heinrich Posthumus von A. v. Ereling, Guß von Lenz 
in Nürnberg 1870 (?) 

— Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm I. von Eberlein, Guß von Schaff er u. Walcker, 

Berlin, am 22. März 1894 enthüllt. (Z. f. b. K. 1893/94, B. S. 319.) 
Görlitz, Brunnen von Roh. Toberentz, Guß in Lauchhammer. (Z. f. b. E. 1882/83, 

B. S. 87 ff.) 

— Denkmal: Prinz Friedrich Karl, Guß in Lauchhammer. 

— Standbild: Jakob Böhme von Pfuhl, Guß in Lauchhammer 1898. 

— Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm L von Joh. Pfuhl, Guß in Lauchhammer. 

(Z. f. b. K. 1892/93, B. S. 428—429.) 
Göttingen, Standbild : Friedrich Wohler von Hartzer. (Z. f. b. K. 1889/90. B. S. 545.) 
Graz, Standbild: Weiden von Hans Graßer, 1859 errichtet 

— Standbild: Erzherzog Johann von Franz Pönninger, Guß in der k. k. Kunst-Erz- 

gießerei Wien, am 8. Sept. 1878 enthüllt. (Z. f. b. K. 1877/78, B. S. 774.) 

— Standbild: Franz IL von Marchesi, in Mailand gegossen um 1840. 
Großwardein. Denkmal : Die Himmelfahrt Maria darstellend, von Georg Ruß. (Z. f. 

b. K. 1888/89, B. S. 628.) 
Gtimbinnen. Denkmal: Friedrich Wilhelm L von Rauch, Guß von Lequinein Berlin, 

1835 aufgestellt. 
Halle, Standbild: Franke von Rauch, Guß von Hopfgarten in Berlin, um 1828. 

— Standbild: Händel von Heide!, 1859 enthüllt. (Z. f. b. K. 1867/68, S. 79.) 

— Brunnendenkmal mit Landsknecht von Schaper, Guß in Lauchhammer. 

— Siegesdenkmal mit Figur der Borussia von Schaper. (Z. f. b. K. 1876/77, B. 

S. 277.) 

— Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm L von Architekt Bruno Schmitz und Bildhauer 

Peter Breuer, Guß in Lauchhammer, am 26. Aug. 1901 enthüllt. (D. Bans. 
1901, S. 422 f. Abb. S. 493.) 
Hamburg. Denkmal : Lessing von Schaper, Guß von Gladenbeck, am 8. Sept. 1881 
enthüllt (Fig. 407, S. 571). (D. Bauz. 1881, S. 443.) 

— 20 Statuen deutscher Kaiser am Rathaus von B. Kruse, W. Giesecke, W. Komm, 

K. Garbe, Fr. Pfannschmidt, R. Thiele, H. Küsthardt, Rob. Ockelmann, £. Pfeiffer, 

C. Echtermayer, C. Hilgers, Aug. Herzig, Jos. v. Kramer, J. Ungerer, F. Hartzer, 
C. Börner, A. Vogel. 4 Bürgertugenden von Thiele, Hamburg und Grarbers, 
Dresden, 2 Rednerfiguren von Ungerer, Justitia von Offermann, Dresden, Adam 
und Eva von Ungerer. Guß sämtlicher am und im Ratbause aufgestellter 
Figuren in Lauchhammer. 

— Rathausbrunnen von v. Kramer, Guß in Lauchhammer 1896. 

— Kriegerdenkmal von Schilling. 

— Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm I. von Joh. Schilling, enthüllt am 20. Juni 1903. 

(Z. f. b. K. 1897/98, B. S. 289—92 und D. Bauz. 1900, S. 331 f.) 

— Kupfertreibarbeiten. Karlsbrunnen von Volmer, Figur und vier Löwen in 

Kupfer getrieben von Jos. Bauer. 

— für das Rathaus: 4 Wächterfiguren und 4 wappenhaltende Figuren von Bömer. 

Hamburg und von Kramer, München, 9 Namensheilige der alten Hamburger 
Kirchspiele von Denoth, Pfeiffer, Thiele, Kruse , Kumm, Vogel, Ockelmann und 
Offermann. Treibarbeit von Knodt, Frankfurt, Seitz, München, Hjgin 
Kiene, Holzkirchen, Peters, Berlin und von der Karlshütte. 

Hanau, Denkmal : Gebr. Grimm von Eberle, Guß von Klement(K gl. Erzgießerei?) 
München, am 18. Okt 1896 enthüllt (Z. f. b. K. 1896/97, B. S. 43.) 

Hannover. Standbild: v. Alten von Kümmel, Guß von Bernstorff u. Eichwede 
in Hannover 1847. 



Hannover. Reiterdenknial : KSnig Enut August von A. Wolff, Guß -n 
Q. Eichwede 1860. 



Fig. W7. F. Scfaaper, Les^singdenbrnal in Hamburg, SuB von Gludenbecb. S. SJD. 
Hannover. Sttudbild: Schiller von Engelhard, GuB von Bernfitorff u. Eichwede 



572 19. Jahrhundert. 



Hannover, Sachsenroß von A. Wolff, Guß von Bernstorffu. Eichwede um 1865. 

— StÄndbild: Marschner von Hartzer, Guß von Gladenbeck in Berlin 1877. 

— Standbild: Bödeker von Dopmeyer, Guß von Howaldt, Braunschweig 1880. 

— Rathausbrunnen von C.W. Hase und Engelhard, Guß von Gladenbeck 1881. 

— Standbild: Karraarsch von Rassau, Guß vonBierling, Dresden, am 17. Okt. 188S 

enthüllt. (Z. f. b. K. 1883/84, B. S. 44 und 53 ff.) 

— Kriegerdenkmal von Volz, Karlsruhe, Guß von Gladenbeck, 1884 enthüllt. (Z. f. 

b. K. 1879/80, B. S. 470.) 

— Figur der Hannovera von Waegener, Guß in Lauchhammer, Neunzigerjahre. 

— Holzmarktbrunnen, Entwurf von 0. Lüer, Figur von Gundelach, Guß in Lauch- 

hammer, 1896 enthüllt. (D. Bauz. 1897, S. 100 f. m. Abb.) 

— Brunnen an der Wasserkunst von Gundelach, Guß von Gladenbeck 1900. 

— Standbild: Luther von Dopmeyer, Guß von Gladenbeck 1900. 

— Denkmal: Hölty, Entwurf von 0. Lüer, Modell von Gundelach, Guß von Gladen- 

beck 1900. 
Hartenstein. Standbild: Flemming von Meißner, Guß in Lauch hammer 1896. 
Heidelberg, Standbild: Karl v, Wrede von Brugger, Guß in der Kg 1. Erzgießerei 

München, 1860 errichtet. 

— Standbild: Scheffel von Adolf Heer, Guß von Gladenbeck. (Z. f. b. K. 1890/91, 

B. S. 26.) 
Heilbronn, Standbild: Rob. v. Mayer von Rümann, am 25. Nov. 1892 enthüllt 
(D. Bauz. 1892, S. 607.) 

— Denkmal : Kaiser Wilhelm I. von W. Rümann, am 2. Sept. 1903 enthüllt (Z. f. b. K 

1892/93, S. 555-556.) 

Hietzing. Standbild: Kaiser Max von Mexiko von Meixner, um 1870. 

Hildesheim, Standbild: Bischof Bemward von Ferd. Hartzer, am 28. Sept. 1893 ent- 
hüllt. (Z. f. b. K. 1893/94, B. S. 7.) 

— Denkmal: Kaiser Wilhelm I. von 0. Lessing. (Z. f. b. K. 1897/98, B. S. 506.) 
Hohensyburg, Denkmal; Kaiser Wilhelm I. von H. Stier. Figuren von A. u. K. Donn- 
dorf. 1901. 

Jena. Bismarckbrunnen von Hildebrand, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 
(Miller) 1894. 

Insterburg, Kriegerdenkmal von Zitzmann, Guß von Gladenbeck in Berlin. (Z. f. b. K. 
1888/89, B. S. 708.) 

Iserlohn. Siegesdenkmal mit Statue Kaiser Wilhelm I. von Geyer, Guß von Gladen- 
beck, 1883 enthüllt 

Itzehoe. Standbild : Kaiser Wilhelm I. von Karl Günther. (Z. f. b. K. 1889/90, B. S. 464.) 

Karlsruhe, Denkmal : Großherzog Karl Friedrich von Schwanthaler, Guß in der Kgl. 
Erzgießerei München 1843. 

— Standbild: Minister Winter von Reich, Guß von Burgschmiet 1851. 

— Grabdenkmal: Scheffel von Heer, Guß von Stotz, Stuttgart (Z. f. b. K. 1888/89, 

B. S. 675.) 

— Nymphengruppe von Weltring, Guß in Lauchhammer. (Z. f. b. K. 1890,^91, S. 29 

und 522, 1891/92, S. 20.) 

— Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm I. von Ad. Heer, Guß von Schaff er u. Walker, 

Berlin. (D. Bauz. 1897, S. 548.) 
Kelheim. Tor an der Befreiungshalle von Gärtner, Guß in der Kgl. Erzgießerei 

Hünchen (Miller). 
Kassel Denkmal: Spohr von Hartzer, 1883 enthüllt. (?) (Z. f. b. K. 1881/82, B. S. 158.) 
Kiel, Prinz Heinrich-Brunnen von V..Lürßen, Guß von Schäffer u. Walker, 

Berlin. (Z. f. b. K. 1889/90, S. 54.) 



Deutschland. 573 



Kiel, Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm I. von Brütt. 

— Denkmal : Bismarck von Harro Magnussen, am 10. Nov. 1897 enthüllt. (Z. f. b. K. 

1897/98, B. S. 89.) 

— Denkmal: Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein von Christensen, Guß in Lauch- 

hammer 1900. 
Kissingen. Standbild: Bismarck von Manger, am 29. April 1877 enthüllt. 
Klagenfuri. Denkmal: Maria Theresia von Pönninger, Guß in der k. k. Kunst- £r z- 

gießerei, Wien (Röhlich), 1873 enthüllt. (Z. f. b. K. 1872/73, B. S. 141 f.) 
Kohurg. Standbild: Herzog Ernst I. von Schwanthaler, Guß in der Kgl. Gießerei 

München (Miller), vor 1848. 

— Standbild: Prinz Albert, Guß von Lenz in Nürnberg. 

Köhlern. Kupfertreib ar bei t. Reiterfigur : Kaiser Wilhelm L von Hundrieser, 
in Kupfer getrieben von Rinkleben, Braunschweig, am 31. Aug. 1897 enthüllt. 
(D. Bauz. 1897, S. 441 und 581 m. Abb.) 

Köln, Reiterdenkmal: Friedrich Wilhelm IV. von Bläser, Guß von Gladenbeck in 
Beriin. (Z. f. b. K. 1865/66, B. S. 147. Maertens.) 

— Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm I. von Drake, Guß von Gladenbeck 1867. (Z. f. 

b. K. 1865/66, B. S. 147. Maertens.) 

— Denkmal: Friedrich Wilhelm IIL von Bläser u.a., Guß in Lauchhammer, am 

26. Sept. 1878 enthüllt. (Z. f. b. K. 1876/77, B. S. 677, 1877/78, B. S. 741 und 
1878/79, B. S. 21—28.) 

— Standbild: Bismarck von Schaper, Guß von Gladenbeck, am 1. April 1879 ent- 

hüllt. (D. Bauz. 1879, S. 213 und Z. f. b. K. 1878/79, B. S. 438 und 464.) 

— Standbild: Moltke von Schaper, Guß in Lauchhammer, am 26. Okt. 1881 enthüllt. 

(Z. f. b. K. 1881/82, B. S. 44.) 

— Domtüren, nach Hugo Schneiders Entwurf in Kassel ausgeführt. (Zeitschr. für 

Christi. Kunst, Bd. H, S. 241 und Bd. IV. S. 233. 

— Denkmal: Richartz von Albermann, Guß von der Akt.-Ges. Gladenbeck 1900. 
Königsberg. Reiterdenkmal: Friedrich Wilhelm III. von Kiß, Guß in Lauchhammer 

1851. (Bau- und Kunstdenkmäler, Ostpreußen, Bd. VU, S. 120.) 

— Standbild: Kant von Rauch, Guß von Gladenbeck, 1864 aufgestellt. (Bau- und 

Kunstdenkmäler, Ostpreußen, Bd. VII, S. 120.) 

— Standbild: Herzog Albrecht v. Preußen von Reusch, Guß von Schaeffer u. 

Walker, Berlin. (Z. f. b. K. 1888/89, B. S. 254 und 1890/91, B. S. 45 und 414.) 

— Standbild: Kaiser Wilhelm! von Reusch, Guß von Schäffer u. Walker, Berlin, 

am 4. Sept. 1894 enthüllt. (D. Bauz. 1893, S. 363 und Z. f. b. K. 1894/95, B. 
S. 25.) 

Konitz. Statue: Kaiser Wilhelm I. von Künne, Guß in Lauchhammer 1899. 

Konstanz. Kaiserbrunnen von H. Baur, am 30. Okt. 1897 enthüllt (Z. f. b. K. 1897/98, 
S. 76.) 

Krefeld. Kriegerdenkmal von H. Walger, am 19. Juni 1875 enthüllt. (Z. f. b. K. 1874/75, 
B. S. 636.) 

Kreuznach. Hutten-Sickingen-Denkmal von Gauer. Guß in Lauchhammer 1889. 
(Maertens.) 

Kyffhäuser, Kupfertreib arbeit. Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm I. von Hund- 
rieser, in Kupfer getrieben von H. Seitz, München. Figur der Geschichte 
von Hundrieser, getrieben von Kiene, München. 

Landau. Reiterstatue: Luitpold von Bayern von Rümann, Guß von der Kgl. Erz- 
gießerei München (Miller) 1892. 

Landsberg a. W. Brunnenfiguren von Uechtritz, Guß in Lauchhammer 1897. 

Landshut Denkmal: Ludwig der Reiche von Brugger 1858. 



574 19. Jahrhundert. 



Landshut Denkmal: König Maximilian II. von Bernhard 1868. 

Laumgefi, Statue Albertus Magnus, Modell und Guß von der Egl. Erzgießerei 

München (Miller) 1881. 
Leipzig. Denkmal: Hahnemann von E. Steinhäuser 1849 (?). 

— Denkmal: Thaer von Rietschel 1850. 

— Denkmal: Leibniz auf dem Thomaskirchhof von Hähne! , Guß von Lenz, Nürnberg, 

am 25. Okt. 1883 enthüllt. (Z. f. b. E. 1882/83. B. S. 733 und 1883/84, B. S. 44.) 

— Reformationsdenkmal von Schilling, Guß in Lauchhammer, am 10. Nov. 1883 

enthüllt. (Z. f. b. E. 1883/84, B. S. 71.) 

— Mende-Brunnen von Gnauth und Ungerer, Guß in der Egl. Erzgießerei München 

(Miller), am 1. Sept. 1886 enthüllt. (Z. f. b. E. 1885/86, B. S. 715 ff. Maertena.) 

— Siegesdenkmal von Siemering, Guß von Gladenbeck, Berlin und in Lauch- 

hammer, Germania, in Eupfer getrieben von Howaldt, Braunschweig, 
am 18. Aug. 1888 enthüllt. (Z. f. b. E. 1887/88, B. S. 645 und 676. Maertens.) 

— Denkmal: Mendelssohn von W. Stein, Guß von Howaldt. (Z. f. b. E. 1891/92, B. 

S. 476.) 

— Denkmal: Bismarck von Lehnert und Joseph Mayr, Guß von Rupp, München, am 

18. Okt. 1897. (Z. f. b. E. 1897/98, B. S. 11.) 

Lemberg. Denkmal: Graf Alexander Fredo von Leonard Manconi, Guß von Erupp, 
Wien, am 25. Okt 1897 enthüllt. (Z. f. b. E. 1897/98, B. S. 55.) 

Liboch bei Prag. Standbilder in der böhmischen Ehrenhalle: Märchenprinzessin 
Libussa, Eönig Ottokar, Held Ziska etc. etc. von Schwanthaler, Guß in der 
Egl. Erzgießerei München (Miller) 1850. (Faber V, S. 75.) 

Lichtenthai. Eriegerdenkmal , Modell und Guß von Ferd. v. Miller (Egl. Erz- 
gießerei München) 1879. 

Lichterfelde. Standbild: Eaiser Wilhelm I. von Franz Eeil. 

Liegnitz. Standbild : Eaiser Wilhelm I. von Bärwald. (Z. f. b. E. 1895/96, B. S. 304.) 

Lindau. Standbild: Eönig Max II. von Halbig, Guß von der Egl. Erzgießerei 
München (Miller) 1859. 

— Brunnen von Rümann, Guß in der Egl. Erzgießerei München (Miller) 1884. 
Lübeck. Denkmal: Geibel von Volz, Guß von Gladenbeck. (Z. f. b. K. 1888/89, B. 

S. 397.) 

Magdeburg. Denkmal: Bürgermeister Franke von Bläser, Guß von Howaldt in 
Braunschweig 1853. 

— Reiterdenkmal: Eaiser Wilhelm I. von Siemering, Guß in Lauchhammer, am 

25. Aug. 1897 enthüllt. (Z. f. b. E. 1896/97, B. S. 526 und D. Bauz. 1897, S. 458 f.) 

— Eupfer treibarbeit. Standbild: Bismarck von Echtermeier und Pfeifer, in 

Eupfer getrieben, von Rinckleben, Howaldts Nachfolger in Braunschweig, 
am 1. April 1899 enthüllt (D. Bauz. 1899, S. 197.) 

Maikammer. Standbild: General Hartmann, Modell und Guß von Ferd. v. Miller 
(Egl. Erzgießerei München) 1900. 

Mainz. Denkmal: Gutenberg von Thorwaldsen, Guß von Grozatier, Paris, 1837 er- 
richtet. (Faber V, S. 71.) 

— Denkmal: Schiller von Scholl, Guß von Lenz, 1862 aufgestellt 

Mannheim. Standbild: Schiller von Causer, Guß von der Egl. Erzgießerei 
München (Miller) 1862. 

— Standbild: Iffland von Widemann, Guß in der Egl. Erzgießerei München 

1864. 

— Standbild: v. Dalberg von Widnmann, Guß in der Egl. Erzgießerei München 

(Miller), 1866 enthüllt (Z. f. b. E. 1866/67, B. S. 29 und 96.) 

— Reiterdenkmal: Eaiser Wilhelm I. von Eberlein, Guß von Schaffet u. Walker 



Deutschland. 5 75 



in Berlin, am 14. Okt. 1894 enthüllt. (D. Bauz. 1894. S. 524 und Z. f. b. K. 
1894/95, B. S. 25.) 
Mannheim, Brunnen von HofFart, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 
(Miller) 1893. 

— Denkmal: Bismarck von Hundrieser, Guß in Lauchhammer 1899. 

Marbach. Denkmal: Schiller von E. Rau, Guß von Pelargus, Stuttgart. (Z. f. b. K. 

1874/75, B. S. 318.) 
Marienberg. Statue: Heinrich der Fromme von Offermann, Guß in Lauchhammer 

1900. 
Meißen. Standbild: Albrecht der Beherzte von Hultzsch. 

— Denkmal: Böttger von Andresen, Guß von Pirneru. Franz, Dresden, am 17. Okt. 

1892 enthüllt (Z. f. b. K. 1891/92. B. S. 60.) 
Merseburg. Denkmal: Kaiser Friedrich III. von Hundrieser, Guß in Lauchhammer. 

— Statue: Kaiser Wilhelm L von Wödtke, Guß in Lauchhammer 1897. 
Meßkirch. Standbild: Kreutzer von Baur, 1883 errichtet. 

Metz. Reiterstatue: Kaiser Wilhelm I., Modell und Guß von Ferd. v. Miller (Kgl. Erz- 
gießerei München) 1892. 

— Standbild: Prinz Friedrich Karl, Modell und Guß von Ferd. v. Miller (Kgl. Erz- 

gießerei München) 1898. 
Mittemcald. Standbild : Klotz, Modell und Guß von Ferd. v. Miller (Kgl. Erzgießerei 

München) 1890. 
Möhra. Denkmal: Luther von Ferd. Müller, Guß von Burgschmiet 1861. 
MiMheim a. Rhein. Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm I. von Clemens Buscher, Guß 

von Schäffer u. Walker, Berlin 1898. (Z. f. b. K. 1897/98, B. S. 522.) 
München, Denkmal: Kurfürst Maxi, von Thorwaldsen, Guß von Stiglmaier 1839. 

— Grabstatue: General Becker von Schwanthaler , Guß von Stiglmaier, Ende der 

Zwanzigerjahre. (Faber V, S. 67 und 72 (?). 

— Grabmal: Karoline v. Mannlich, nach eigenem Modell gegossen von Stiglmaier. 

Zwanzigerjahre. (Faber V, S. 67 (?). 

— Tor für die Glyptothek von Klenze, Guß von Stiglmaier 1834. 

— Denkmal: König Max I. Joseph von Rauch, Guß von Stiglmaier 1835. (Faber V, 

S. 72.) 

— Zwölf Witteisbacher Statuen in der Residenz (Thronsaal) von Schwanthaler, Guß 

und Feuervergoldung von Stiglmaier, 1836 begonnen, 1844 vollendet. (Faber 
V, S. 67 und 72.) 

— Standbild: Tilly in der Feldherrnhalle von Schwanthaler (Brugger?), Guß von 

Stiglmaier, 1844 aufgestellt. (Faber V, S. 73.) 

— Standbild: Wrede in der Feldherrnhalle von Schwanthaler (Brugger?), Guß von 

Stiglmaier, 1844 aufgestellt. (Faber V, S. 73.) 

— Grabstatue: v. Keßling von Halbig, Guß in der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller, vormals Stiglmaier), um 1845. (Faber V, S. 73.) 

— Denkmal: Kreitmayr von Schwanthaler, Guß in der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1845 aufgestellt. (Faber V, S. 73.) 

— Tor für die Kunstausstellung von Gärtner, Guß von der Kgl. Erzgießerei 

München (Müler) 1845. 

— Quadriga auf dem Siegestor von Brugger (Wagner?), Guß in der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller) 1847. (Faber V, S. 73.) 

— Standbild: Gluck von Brugger, Guß in der Kgl. Erzgießerei München (Miller) 

1848—49. (Faber V, S. 73 und 225.) 

— Standbild: Orlando di Lasso von Widnmann, Guß in der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller) 1848—49. (Faber V, S. 73.) 



576 19* Jahrhundert. 



München, Bavaria von Schwanthaler, Guß in der Kgl. Erzgießerei München 
(Miller), um 1850. (Faber V, S. 73.) 

— Brunnen von Schwanthaler, Guß von der Kgl. Erzgießerei München (Miller) 

1853. 

— Standbild: Graf Deroy von Halbig, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1856. 

— Denkmal: Westenrieder von Widnmann, Guß in der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1854. 

— Denkmal: Schiller von Widnmann, Guß in der Kgl. Erzgießerei München 

(Müler) 1863. 

— Denkmal: Ludwig I. von Widnmann, Guß in der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1862. 

— Denkmal: Kurfürst Max Emanuel von Brugger, Guß in der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller) 1861. 

— Standbild: Schelling von Brugger, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1861. 

— Standbild: Fraunhofer von Halbig, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1868. (Z. f. b. K. 1866/67, B. S. 52.) 

— Fischbrunnen von Knoll, Guß von der Kgl. Erzgießerei München (Miller), am 

19. Sept. 1866 enthüllt. (Z. f. b. K. 1866/67, B. S. 125, 140 und 153.) 

— Standbild: Rumford von Zumbusch von der Kgl. Erzgießerei München (Miller) 

1868. (Z. f. b. K. 1865/66, S. 219.) 

— Standbild: Klenze von Brugger, Guß von der Kgl. ErzgießereiMünchen (Miller) 

am 27. Mai 1867 enthüllt. (Z. f. b. K. 1866/67, B. S. 130.) 

— Standbild: Gärtner von Widnmann, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller), am 27. Mai 1867 enthüllt. (Z. f. b. K. 1866/67, B. S. 130.) 

— Standbild: Goethe von Widnmann, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller), am 28. Aug. 1869 enthüllt. (Z. f. b. K. 1868/69, B. S. 215.) 

— Kriegerdenkmal: Feldhermhalle, Modell und Guß von Fe r d. v. Miller (Kgl. Erz- 

gießerei München), am 12. März 1892 enthüllt. (D. Bauz. 1892, S. 143.) 

— Denkmal: König Max II. von Zumbusch, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller), 1875 enthüllt. (Z. f. b. K. 1866/67, S. 53 ff. und D. Bauz. 1875, S. 451.) 

— Reiterdenkmal: Castor und Polluz von Widnmann, Guß von der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller) 1888. 

— Standbild: St. Georgius von Eberle, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1889. 

— Denkmal: Gabelsberger von Eberle, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1890. (Z. f. b. K. 1888/89, B. S. 523.) 

— Tor an der Bennokirche von Romeis u. Miller, Guß von der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller) 1895. 

— Germanenbrunnen von Bemauer, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Milller) 1896. 

— Standbild: Prinzregent Luitpold von Rümann, Guß von der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller) 1898. 

— Denkmal: Genius und Amoretten von Bemauer, Guß von der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller) 1898. 

— Friedensdenkmal von Petzold, Düll u. Heilmayr, Guß von der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller) 1899. 

— Standbild: König Max II. von Pruska, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1900. 
Magister. Denkmal : v. Fürstenberg von Fleige 1875. 



Deutschland. 577 



Kaugard t. P. Statue: Bismarck von G. Meyer, Guß in Lauchhammer 1897. 
Keuhrandenhurg, Standbild: Reuter, Guß in Lauchhammer. (Z. f. b. E. 1889/90, 
B. S. 325.) 

— Viktoria Ton M. WolfF, Guß in Lauchhammer 1895. 

Neuruppin, Standbild: Friedrich Wilhelm IL nach Tieck, Guß von Hopfgarten in 
Berlin 1829. 

— Standbild: Schinkel von M. Wiese, Guß von Gladenbeck. (D. Bauz. 1883, 

S. 530 und Z. f. b. K. 1881/82, B. S. 637.) 

Neustadt a. d. H. Germania, Modell und Guß von Ferd. v. Miller (Kgl. Erzgießerei 
München) 1899. 

Xeustettin i. P. Standbild: Kaiser Wilhelm I. von Wandschneider, Guß in Lauch- 
hammer 1898. 

Nettstrelüz. Kriegerdenkmal: Gruppe von M. Wolff, Guß in Lauchhammer 1899. 

Niederwald. Nationaldenkmal von Schilling, Guß der Germania von der Kgl. Erz- 
gießerei München, Guß der Reliefs, Adler und Wappen in Lauchhammer 
1877—1883. (Z. f. b. K. 1874/75, B. S. 302 u. 334, 1878/79, B. S. 699 u. 1883/84, 
B. S. 44 und 45.) 

Nordhauaen. Standbild: Luther von Karl Schuler, Guß in Lauchhammer. (Z. f. 
b. K. 1884/85, B. S. 79.) 

Nürnberg. Denkmal: Dürer von Rauch, Guß von Burgschmiet in Nürnberg 1837 
bis 1840 (Maertens). 

— Denkmal: Hans Sachs von Kraußer, Guß von Lenz in Nürnberg. (Z. f. b. K. 

1872/73, B. S. 726.) 

— Kriegerdenkmal von Fr. Wanderer, 1876 enthüllt. (Z. f. b. K. 1876/77, B. S. 26.) 

— Brunnendenk mal : Grübel, Entwurf von Wanderer, Modell von Roßner, Guß von 

Lenz, am 3. Juni 1881 enthüllt. (Z. f. b. K. 1880/81, B. S, 606.) 

— Plerrerbrunn^n von Schwabe, Guß von Lenz, am 16. Okt. 1890 enthüllt. (Z. f. 

b. K. 1890/91, S. 56.) 

— Denkmal: Martin Behaim von Rösner, Guß von Lenz, am 12. Sept. 1890 enthüllt. 

(Z. f. b. K. 1890/91, B. S. 26.) 

— Nachguß des Peuntbrunnen (s. S. 484), Guß von Lenz, 1902 enthüllt. 
Ohligs. Kriegerdenkmal von Manthe, Guß von Martin u.Piltzing in Berlin. 
Osnabrück. Denkmal: J. Moser von Drake, Guß von Fischer, Berlin 1836. 

— Kriegerdenkmal: Germania von Henze, Guß in Lauchhammer, Reliefbild des 

Kaisers von Schuler, Guß von Gladenbeck, 1880 enthüllt. (D. Bauz. 1881, S.29.) 

— Standbild: Stüve von Pohlmann, Guß von Gladenbeck. (D. Bauz. 1882, S. 449.) 

— Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm L von Ad. Heer, Guß von Seh äff er u. Walker, 

Berlin 1898. (Z. f. b. K. 1897/98, S. 522.) 
Ostrowo. Standbild: Kaiser Wilhelm L von G. Meyer, Guß in Lauchhammer 1900. 
Parchim. Denkmal: Moltke von Brunow 1876. 
Partenkirchen. Figur des heiligen Florian auf Brunnen von E. Seidl, von Miller 

in Kupfer getrieben (?) 1899. (Z. f. b. K. 1898/99, B. S. 397.) 
Passau. Standbild: König Max L Joseph von Jorhan 1824. 
Pforzheim, Kriegerdenkmal von Moest, Guß von Lenz in Nürnberg, am 18. Mai 

1879 enthüUt. (D. Bauz. 1879, S. 222.) 

— Denkmal: Bismarck von Dittler. 

— Denkmal: Kaiser Wilhelm L von Baerwald. 

Pola. Standbild: Tegetthoff von Kundtmann. (Z. f. b. K. 1872/73, B. S. 238.) 

Porta Westfalika. Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm L von Zumbusch, Guß von der 

Kgl. Kunst-Erzgießerei Wien, am 18. Okt. 1896 enthüllt. (Z. f. b. K. 

1896/97, B. S. 43 und D. Bauz. 1898, S. 1 ff. und 1896, S. 542.) 
L ü e r , unedle Metalle 37 



578 lö- Jahrhundert. 



Posen. Standbilder im Dom: Boleslaw und Mieczyalaw von Rauch, Guß in Lauch- 
hammer um 1840. 

— Kriegerdenkmal mit Standbild Kaiser Wilhelms I. von R. Bärwald, am 10. Mai 

1888 enthüllt. (Z. f. b. K. 1886/87, B. S. 668.) 

— Brunnen mit Perseus und Andromeda von Job. Pfuhl. (Z. f b. K. 1887 88, B. S. 600.) 
PoUdmn. Standbild: Friedrich Wilhelm III. von Kiß 1851 (?). 

— Denkmal: Friedrich Wilhelm I. von Hilgers 1885. 

Prag. Denkmal: Karl IV. von Jul. Hähnel, Guß von Burgschmiet, 1848 enthüllt 

— Reiterdenkmal : Kaiser Franz, Entwurf von Jos. Kranner, Modell von Max, (4uß von 

der Kgl. Erzgießerei München (Miller) 1848/49. (Faber V, S. 73.) 

— Denkmal: Radetzky von Jos. u. Em. Max, Goß von Lenz, Nürnberg 1861. 

— Standbild: Jungmann von Lud. Schimeck. 

Premlau. Reiterstatue : Kaiser Wilhelm I. von Schilliug, Guß in Lauchhammer 1898. 

— Statue: Moltke von Schilling, Guß in Lauchhammer 1899. 

— Statue: Bismarck von Schilling, Guß in Lauchhammer 1899. 

Preßburg. Denkmal : Maria Theresia von Fadruß, 1896 (?) enthüllt. (Z. f. b. K. 1894/'9o. 

B. S. 107.) 
Rawitzsch. Standbild: Kaiser Wilhelm I. von G. Meyer, Guß in Lauchhammer 189b. 
Regensburg. Der innere Giebel der Walhalla mit nordischen Gottheiten von Stigl- 

maier. (Faber V, S. 67.) 

— Tor für die Walhalla von Klenze, Guß von Stiglraaier 1842. 

— Standbild: Bischof Sailer von Widnmann, Guß von der Kgl. Erzgießerei 

München 1868. (Z. f. b. K. 1867/68, B. S. 7.) 
Reiclienbadi. Statue: Kaiser Wilhelm I. von Calandrelli, Guß in Lauch ha mmer 

1897. 
Reichenhall. Standbilder: S. Ruppert und S. Benno am Brunnen nach Schwanthaler. 

Guß von Stiglmaier. (Faber V, S. 73.) 
Repten. Standbild: Herkules von Wadere, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 

(Miller) 1894. 
Reutlingen. Denkmal: Nat.-Ök. List von Kietz, Guß von Howaldt in Braunschweig 

1854. 
Rostock. Denkmal: Blücher von Schadow, Guß von Lcquine in Berlin 1818. 
Ruhrort. Standbild: Kaiser Wilhelm I. von Eberlein, Guß von Akt.- Ges. vorm. 

Gladenbecku. Sohn in Berlin-Friedrichshagen , 1896 enthüllt (D. Bauz. 

1896, S. 543.) 
Saarlouis. Kriegerdenkmal von G. Meyer. Guß in Lauchhammer 1900. 
Salzburg. Denkmal : Mozart von Schwanthaler, Guß von Stiglmaierl 841 . (Faber T, 

S. 67.) 

— Standbild: Schiller von Meißner, Guß in der K. K. Kunsterzgießerei Wien 

(Femkom). (Z. f. b. K. 1867/G8. B. S. 16.) 
Schmölln. Standbild: Kaiser Wilhelm I. von Habs, Guß in Lauchhammer 1895. 
Schwerin. Standbild: Großherzog Paul Friedrich von Rauch, Guß in Lauchhammer. 

1849 aufgestellt. 

— Kriegerdenkmal: Statue der Megalopolis von Willgohs, Guß in Lauchhammer. 

am 2. Dez. 1874 enthüllt. (Z. f. b. K. 1872/73, B. S. 404 und 1874/75. B. S. 31.» 

— Reiterdenkmal: Großherzog Friedrich Franz II. von L. Brunow, am 24. Aug. 1893 

enthüllt. (Z. f. b. K. 1892/93, B. S. 555.) 
Siegen. Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm I. von Reusch, am 18. Okt. 1892 enthüllt 

(Z. f. b. K. 1892/93, B. S. 42.) 
Sigmaringen. Standbild : Fürst Anton von Hohenzollern von Donndorf, am 21. Okt. 

1890 enthüllt. (Z. f. b. K. 1891, B. S. 61.) 



Deutschland. 579 



Spandau. Standbild : Kurfürst Joachim IL, von £. Encke, Guß in Lauchhammer, 
am 1. Nov. 1890 enthüllt. (Z. f. b. K. 1889/90, B. S. 75.) 

— Standbild: Kaiser Friedrich IIL von Manthe, am 18. Okt. 1892 enthüllt. (Z. f. b. K. 

1892/93, B. S. 42.) 
Pr. Stargard. Standbild: Kaiser Wilhelm L von Habs, Guß in Lauchhammer 1895. 
Siamberg. Tor am Mausoleum des Prinzen Karl von Klenze, Guß von Stiglmaier 

1837. 
Stettin. Reiterfigur: Kaiser Wilhelm I. von Hilgers, Guß von Schaff er u. Walker 

in Berlin, am 1. Nov. 1894 enthüllt. (D. Bauz. 1894, S. 552.) 

— Denkmal: Löwe von GlÜmer, Guß in Lauchhammer 1897. 

— Brunnenfiguren von Felderhoff, Guß in Lauchhammer 1900. 

— Kupfertreibarbeit. Brunnen von Manzel , am 23. Sept. 1898 enthüllt. (Z. f. 

b. K. 1898,/99. B. S. 8.) 
Ste^yr. Denkmal : Wemdl von Tilgner, am 10. Nov. 1894 enthüllt. (Z. f. b. K. 1894/95, 

B. S. 88.) 
Straßburg. Denkmal: Gutenberg von David d' Angers, Guß von Soyer in Paris 1840. 

— Denkmal : Kleber von Filippe Graß, 1840 errichtet. (Faber V, S. 61 und 493 und 

Z. f. b. K. 1872/73, B. S. 774.) 

— Denkmal: Lezay-Mamesia von F. Graß 1857. 

— Statuen : Bismarck und Moltke von Karl Gauer u. Sohn. (Z. f. b. K. 1882/83 , B. 

S. 733.) 
Stuttgart. Denkmal: Schiller von Thorwaldsen, Guß von Stiglmaier 1838 (Maertens). 

— Wilhelmsdenkmal von Martin Wagner, Guß von Stiglmaier in München 1842. 

(Faber V, S. 74.) 

— Reiterdenkmal: Eberhard i. Bart von L. v. Hofer, Guß in der KgL Erzgießerei 

München (Miller) 1859. 

— Standbild: Konkordia von Hof er u, Wagner, Guß von der KgL Erzgießerei 

München (Miller) 1863. 

— Reiterdenkmal: König Wilhelm von Württemberg von Hofer, Guß in der Kgl. 

Erzgießerei München (Miller), am 25. Okt. 1884 enthüllt. (Z. f. b. K. 
1884/85, B. S. 111.) 

— Denkmal: Herzog Christoph von Paul Müller, Guß von Pelargus d. J. in Stuttgart. 

(Z. f. b. K. 1888/89, B. S. 585.) 

— Eugensbrunnen von 0. Rieth, Guß von Stotz in Stuttgart, 27. April 1890 enthüllt 

— Reiterdenkmal: Kaiser Wilhelm I. von Thiersch u. Rümann, Guß von Stotz, Stutt- 

gart, 1898 enthüllt. (Z. f. b. K. 1892/93, B. S. 530 u. 1896/97, B. S. 55.) 
Swinemünde. Denkmal : Kaiser Wilhelm I. von Calandrelli, Guß in Lauchhammer 

um 1894. 
Tetschen. Statue: Joseph IL von 0. Rassau, Guß von Bierling, Dresden, am 14. Mai 

1885 vollendet. (Z. f. b. K. 1884/85, B. S. 526.) 
Thorn. Standbild: Kopemikus von Tieck, Guß von F. W. Fischer, Berlin 1850. 
Tölz. Kriegerdenkmal von Müller u. Schwarzgruber, Guß von der Kgl. Erzgießere: 

München (Miller) 1887. 

— Standbild: Winzerer von Schwarzgruber, Guß von der Kgl. Erzgießere 

München (Miller) 1887. 
Trier. Standbild: Kaiser Wilhelm L, Modell und Guß von Ferd. v. Miller (Kgl. Erz 
gießerei München) 1893. 

— Balduinbrunnen , Modell und Guß von Ferd. v. Miller (Kgl. Erzgießere: 

München) 1896. 
Tübingen. Denkmal: Uhland von Kietz, Guß von Pelargus in Stuttgart. (Z. f. b. K 
1874/75, B. S. 318.) 



580 Id* Jahrhandert. 



JJnnai.W. Kriegerdenkmal von Flügge, Guß von der K gl. Erzgieße reiMünchen 

(Miller) 1884. 
Warschau. Denkmal: Eopemikus von Thorwaldsen 1880. (Faber V, S. 77.) 
Weil die Stadt. Denkmal: Kepler von Kreling, Guß von Lenz u. Herold, Ende 

Juni 1870 enthüllt. (Z. f. b. K. 1869/70, B. S. 182.) 
Weimar, Denkmal : Herder von Schaller, Guß von der Kgl. ErzgießereiMünchen 

(Miller) 1850. 

— Denkmal: Goethe-Schiller von Rietschel, Guß von der Kgl. Erzgießerei Mün. 

eben (Miller) 1857. 

— Standbild: Wieland von Gaseer, Guß von der Kgl. Erzgießerei München 1859. 

— Denkmal: Karl August von Donndorf, Guß in Lauchhammer 1875. 

— Kriegerdenkmal von Härtel, Guß (?) von Howaldt 1886 (?). 

— Brunnen von Donndorf, am 20. Okt. 1895 enthüllt. (Z. f. b. K. 1895/96, B. S. 56.) 
Werden. Statue: Kaiser Friedrich HL von Albermann, Guß in Lauchhammer 

1900. 
Wien. Denkmal: Kaiser Franz II. von Marchesi, in Mailand gegossen, 1846 errichtet 

— Austriabrunnen von Schwanthaler, Guß von der Kgl. Erzgießerei in München 

(Miller), 1846 errichtet. (Z. f. b. K. 1878/79, B. S. 70.) 

— Reiterbil4 : St. Georg mit Drachen, Palais Montenuovo, von Femkorn, Guß in der 

Fürstlich Salmschen Erzgießerei, ausgeführt um 1850. 

— Reiterdenkmal: Erzherzog Karl, Modell und Guß von Fernkorn, am 22. Mai 1860 

enthüllt. 

— Resselmonument : Modell und Guß von Fernkorn 1863. 

— Reiterdenkmal: Prinz Eugen von Fernkorn, Guß in der K. K. Kunsterzgießerei 

Wien (Fernkorn) 1865 (Fig. 408, S. 581). 

— Reiterdenkmal: Schwarzenberg von Hähnel, Guß in der K. K. Kunsterzgießerei 

Wien (Femkom), am 20. Okt. 1867 enthüllt. (Z. f. b. K. 1867/68, B. S. 3— 4.) 

— Bronzefignrenschmuck des neuen Opernhauses von Hähnel, Guß in der K. K. Kunst- 

erzgießerei Wien 1864—68. 

— Denkmal: Schiller von Schilling, Guß in der K. K. Kunsterzgießerei Wien. 

(Z. f. b. K. 1872/78, S. 288.) 

— Denkmal: Beethoven von Zumbusch, Guß von C. Turbain in Wien, am 1. Mai 

1880 enthüllt (Fig. 409, S. 582). (Z. f. b. K. 1879/80, B. S. 265 u. 483.) 

— 4 Greifen für die Stephanienbrücke von Haefner, Guß von Hollenbach, Wien. 

(Z. f. b. K. 1885/86, B. S. 119.) 

— Tegetthofiinonument von Kundmann, Guß von der K. K. Kunsterzgießerei 

Wien (Röhlich u. Pönninger), 1886 enthüllt. (Z. f. b. K. 1885/86, B. S. 119 und 
1886/87, B. S. 49, Abb. S. 89.) 

— Maria Theresia-Monument von Zumbusch, Guß teils in der K. K. Kunst erz- 

gießerei Wien (Röhlich u. Pönninger), teils von Turbain, Wien, am 
13. Mai 1888 enthüllt (Fig. 410, S. 583). (Z. f. b. K. 1882/83, B. S. 246, 1885;B5. 
B. S. 118 und 1887/88, B. S. 422.) 

— Engelbrunnen von A. P. Wagner. (Z. f. b. K. 1895/96, B. S. 10.) 

— 4 Bronzeviktorien vor Mittelbauten der Museen von Kundmann. (Z. f. b. K. 1 889/90, 

S. 263.) 

— Denkmal: Liebenberg von Fr. S. Silbemagel. (Z. f. b. K. 1890/91, S. 27.) 

— Denkmal: Radetzky von Zumbusch. am 24. April 1892 enthüllt. (Z. f. b. K. 1891/92, 

S. 454.) 

— Centaurengruppen an der Akademie der Künste von E. v. Hofmann, Guß von 

Turbain 1895 (?). (Z. f. b. K. 1888/89, B. S. 446.) 

— Denkmal : Erzherzog Albrecht von Zumbusch 1899. (Z. f. b. K. 1898/99, B. S. 424.) 



mesbaden. Standbild; Kaiser Friedrich von Uphuea, Guß von Martin u. Filtzing 

in Berlin, am 18. Okt. 1897 enthüllt (Z. f. b. K. lö97/^8, B. S. 43.) 
— Denkmali BiBmarck von E. Herter, am 9.0kt.]898 enthflUt. (Z.f.b.K. lag&SS. S. 9.) 



582 19- Jahrhundert. 



Wühelmsltafen. Statue: Prinz Ädalbert von Preußen von Schuler, Guß in Lauch- 
haminer, am Iß. Sept. 1882 enthüllt (D, Bauz. 1833. S. 449 und Z. f. b. E. 
1881/82, B. S. 26.) 

Wittenberg. Denkmal: Lutber von Schadow, GuB von Lequine in Berlin, 1819. 



Fig. 40». Znialiuacli und Turbatn, BcEtbOVendenlimäl in Wien. S. i>eo. 

Wittenberg. Standbild: Meianclithoa von Drake 1866. 
Wonns. Denkmal Luther von Rietschel, Guß in Laachhammer 1868. 
Wört/i. Bayerndenkmal von BOmann u. Thiersch, Goß in der Kgl. Erzgieß. 
München (Miller), am 6. Aug. 1889 enthflllt. (D. Bauz. 1889, S. 413 f.) 



ll'örfh. R«iterdeukmEil : Eaiser Friedrieb 111. von Baumbacb, GuS in Laucbbamroer 
und von Gladenbeck. Berlin, am 18. Okt. 1895 eutbUllt. (D. Bauz. 1895, 
S. 536.) 

Wfirsburg. Standbild: BiBcliof Julius von WidnmanD, Guß von der Kgl. Erzgießerci 
Manchen. (Faber T, S. 74.) 



Wilrzbjtrg. Franconiabrunnen; Modell und Guß von der Kgl. Erzgieflere 

München (Miller) 1899. 
— Eilianebninnen von Balthasar Schmitt, Guß in der Kgl. Erzgießerei Manche] 

(Miller), am 8. Juli 1895 enthüllt. (Z. f. b. K. I894;95, B. S. 508.) 
ZitUm. Statue: Bi^marck von Hüttig, GuQ in Laucbhammer 1900. 
Zirickau i. S. Statue: Bismarck von Drisohler. Guß in Lauchbammer 1898. 



584 Id. Jahrhundert. 



Frankreich. 

In keinem Lande ist die Bronzekunst im 19. Jahrhundert zu einer 
glanzvolleren Entfaltung gelangt, wie in Frankreich. Auch Deutschland 
steht, wenn man die künstlerischen Gesamtleistungen beider Länder 
gegeneinander abwägt, erst an zweiter Stelle. Paris blieb wie in den 
vorhergehenden Jahrhunderten der Mittelpunkt der französischen Erz- 
plastik, hier allein gab es in Frankreich Gießereien von Weltruf. Als die 
bedeutendsten sind zu nennen die Gießereien von A. J. M. Carbonneaux 
(1789—1843), (Champeaux, Dict. des fondeurs, S. 234 f.), von Ch. Cro- 
zatier (1795 — 1855), (Champeaux a. a. 0., S. 347 f.), von N. Soyer, 
von Richard Eck und Durand, von Fr. Barbedienne (1810— 1892), 
(Champeaux a. a. 0., S. 59 fiF.) und von Süsse fr^res (Le Roy de 
Sainte Croix, L'art industr. et omam. fran<;ais au XIX® si^cle. La 
maison Süsse freres de Paris. Paris, Plön et Cie.). 

Die Zahl der in Paris selbst aufgestellten Bronzewerke ist überaus 
groß, nur einige der bedeutenderen können hier angeführt werden. 

Das erste großartige Bronzemonument, das im 19. Jahrhundert in 
Paris errichtet wurde, war die am 10. Aug. 1810 enthüllte, mit Bronze- 
reliefs umhüllte Colonne de la Grande Arm^e auf dem Vendöme-Platz, 
die zuerst eine Statue Napoleons von Chaudet trug, die im Jahre 1814 
eingeschmolzen wurde. Eine zweite Statue des Kaisers von Seurre wurde 
im Jahre 1833 auf der Säule errichtet, an deren Stelle im Jahre 1863 
eine der ersten nachgebildete Napoleonsstatue von Dumont trat. (Inven- 
taire g^n^ral des Richesses d'art de la France. Paris. Monuments civils. 
Bd. L 1879, S. 343—365.) 

Ein ähnliches Werk ist die im Jahre 1840 vollendete Colonne de 
Juillet auf dem Bastilleplatz (Fig. 411, S. 585). Die Säule, ein gewaltiges 
Bronzeguß werk von Soyer und Ing^, ist bekrönt von einem vergoldeten 
Bronzegenius der Freiheit nach dem Modelle Dumonts. (Invent. g^n^ral 
a. a. 0., S. 329—338 und Faber, Konv.-Lex., Bd. V, S. 61.) 

Zur Gruppe der unpersönlichen Nationaldenkmäler gehört auch die 
Quadriga auf dem Triumphbogen des Carrousel-Platzes , die nach dem 
Modelle Fr. J. Bosios von Crozatier in Bronze gegossen und im Jahre 
1828 an Stelle einer unter Napoleon I. in Blei gegossenen aufgestellt 
wurde. (Inv. g^n^ral a. a. 0., S. 258.) 

Im Anschluß daran sei endlich das am 19. Nov. 1899 enthüllte Denk- 
mal „Triumph der Republik" auf der Place de la Republic erwähnt, das 
nach den Modellen der Brüder Morice und Dalous in Bronze ge- 
gossen wurde. (Deutsche Bauzeitung 1883, S. 350, 1899, S. 601 und 
Zeitschr. f. bild. Kunst 1889, Beibl. S. 197.) 



Von den weni- 
gen ehernen Königs- 
denkmälem in Paris 
wurde das Reiterbild 
Heinrichs IV. auf 
dem Pont Neuf, das 
nach dem Modelle 
Lemots von Pig- 
giani (in dem für 
die Zeit ungewöhn- 
lichen Wachsaus- 

schmelzverfahreo) 
gegossen wurde, im 
Jahre 1818 aufge- 
stellt. Zum Guß war 
verwendet das Me- 
tall einer Bronze- 
statue Napoleons von 
Houdon, der Statue 
Napoleons von der 
Vendömesäule und 
einer Statue Desaixs 
von Dejoui.(InveEt. 
g^nör. a.a.O., S. 348 
und Paber a. a. 0., 
S. 61.) 

Im Jahre 1822 
wurde auf der 
Place des Victoires 
ein Reiterbild Lud- 
wigs XIV. nach 
Bosios Modell, ge- 
gossen vonCarbon- 
neaus, errichtet. 

BroQzestatuen 
Ludwigs des Heili- 
gen und Philipp 
Augusts , die erste 
von Dumont, die 
andere von E t e x, 
wurden im Jahre 
1843 auf Säulen an 




'. Jahrhundert. 



der Place du Tröne aufgestellt. Bei Notie-Dame endlich ist das jüngste 
der Pariser Königsmonumente, das Reiterbild Karls des Großen mit seinen 
Paladinen Roland und Olivier, von Röchet errichtet. 



i and Baibedlenne, Gambe tiamoaunient it 



588 19- Jahrhundert. 



Nur wenige von den in Paris Staatsmännern, Feldherren, Gelehrten, 
Künstlern und anderen Persönlichkeiten gewidmeten Denkmälern können 
hier erwähnt werden. 

Zu den ältesten Bronzebildwerken des 19. Jahrhunderts dieser Art 
gehören in Paris einige Werke des trefflichen David d'Angers, das 
Standbild des Anatomen Bichat (Guß von Eck & Durand) und des 
Kriegsarztes Larray, das im Jahre 1850 enthüllt wurde. (Inv. g^n^r. 
Paris, Monura. civ. II, S. 65.) 

Im Jahre 1873 wurde das Reiterbild der Jeanne d'Arc von Frdmiet 
auf der Place de Rivoli enthüllt (Fig. 412, S. 586). (Inv. gen^r. a. a. O., 
S. 45.) 

Um 1880 entstand die ßeiterstatue des Etienne Marcel neben dem 
Hotel de Ville, deren Modell von Idrac begonnen und von Marqueste 
vollendet wurde, und deren Guß von Thiebaut fr eres ausgeführt wurde. 
(Inv. g^n^r. Bd. III, S. 20 und Rev. d. arts dec. 1887/88, S. 223.) 

Das Gambettadenkmal im Louvrehofe, dessen Modell eine gemein- 
same Arbeit des Architekten Boileau d. J. und des Bildhauers Paul 
Aub^ ist, und dessen Bronzeteile von Barbedienne gegossen wurden, 
wurde am 18. Juli 1888 enthüllt (Fig. 413, S. 487). (Zeitschr. für bUd. 
Kunst 1887/88, Beibl. S. 706.) 

Eine große Reihe künstlerisch bedeutsamer, mit Erzskulpturen ge- 
schmückter Monumentalbrunnen entstand in Paris im Verlaufe des 19. Jahr- 
hunderts, deren wichtigste der Zeitfolge nach angeführt seien. 

Fontaines du march^ Saint-Martin mit drei Bronzefiguren von Geis 
(1806). (Inv. g^n^r. Paris. Mon. civ. I, S. 208.) 

Zwei Brunnen auf der Place de la Concorde mit Bronzestatuen von 
Gechter, Husson, Lanno, Debay, Valois, Moine, Elshoecht, 
Merlieux, Teuch^res und Brion aus den Jahren 1838 und 1839. 
(Inv. g^n^r. a. a. 0., S. 215 f.) Nach anderen Angaben sollen diese 
Figuren in Eisen gegossen und mit einem galvanischen Kupfemiederschlag 
überzogen sein; ein in Paris vielfach angewendetes Verfahren. 

Fontaine Molifere mit der sitzenden Bronzestatue Moli^res von 
Seurre d. Aelt., Guß von Soyer (1841). (Inv. g^n^r. a. a. 0., S. 220.) 

Fontaines des arts et m^tiers mit Bronzefiguren von Ott in und 
Gumery (1860). (Inv. gener. a. a. 0., S. 228.) 

Fontaine Saint-Michel mit Bronzefiguren von Barre, Guillaume, 
Robert und Gumery, der Gruppe St. Michael mit dem Teufel kämp* 
fend von Duret und geflügelten Drachen von Jacquemart (1860 bis 
1861). (Inv. g^n^r. a. a. 0., S. 227.) 

Fontaines du Th^ätre-Fran^ais mit Kinderfiguren von Hoch und 
Ende und Nymphen von Moreau und Carrier-Belleuse (1874). (Inv. 
göndr. a. a. 0., S. 232 f.) 



500 19. Jahrhundert. 

Fontaine de TObservatoire mit den Figuren der vier Weltteile von 
Garpeaux, der von diesen getragenen Weltkugel von Legrin und See- 
pferden und Schildkröten von Fr^niiet (1874), (Fig. 4U, S. 589). (Inv. 
g^nör. a. a. 0., S. 233 f. und Zeitschr. f. bild. Kunst 1889, Beibl. S. 198.) 
Ueberaus zahlreich sind weiter 
in Paris die zur Zierde der öffent- 
lichen Gärten und Schmuckplätze, 
zumeist in den letzten Jahrzehnten 
aufgestellten Bronzefiguren und Grup- 
pen , Über die alle näheren Angaben 
im Inv. göner. Paris Monum. civ. 
Bd. II und Bd. III gegeben werden. 
Solche Werke finden sich besonders 
im Jardin du Luxembourg (hier allein 
Über zwanzig), im Parc Monceau und 
im Jardin des Plantes (Fig. 4 1 5, 
8. 590, Fig. 416, S. 591 und Fig. 417, 
S. 592). 

Von noch größerer Bedeutung 
fflr die Geschichte der französischen 
Erzplastik des 19. Jahrhunderts sind 
die Grabmonumeute , vor allem die 
auf dem berühmtesten Pariser Fried- 
hofe, dem Pfere Lachaise. 

Nach Bosios Modell wurden 
(1830) die Statuen und Reliefs am 
Grabmal der Gräfin Demidoff von 
Soyer gegossen. (Taber a. a. O., 
S. 60.) 

Am häufigsten findet sich an 
Büsten und Medaillons aus der Zeit 
um 1840 der Name David d'Angers'. 
Im Jahre 1837 entstand die Grab- 
statue Casimir Perriers von Gortot. 
Aus jüngerer Zeit sei erwähnt das 
Grabmal Baudry mit Büste von D u- 
bois und zwei Statuen von Mercier (,1889). Der Guß wurde von 
Barbedienne ausgeführt. (Zeitschr. für bild. Kunst 1889/90, Beibl. 
S. 308.) Das Grabmal des Erzgießers Barbedienne (f 1892) ist mit einer 
Büste von Chapu und drei Gestalten von Boucher geschmückt. Dalou 
modellierte die Büste am Grabmal Jouy (1899 enthüllt) und die Büste 
und Statue am Grabmal Floquet (1899 enthüllt). 



19. Jahrhundert. 



Auf dem Montmartre-Friedhofe seien genannt das Grabmal Gavaignac 
mit einer liegenden Bronzefigur von Rüde, Guß von Eck & Durand 1847, 
und das Grabmal Castagnary mit Büste von Bodin (1888). 



Fig. tu. »erci«, .,Q]ari& victis" <I873) in P&ris, Hü(«l de Ville (ehem. Square MontholoD). S. SM. 

Alle näheren Angaben über die Pariser Grabmäler finden sich in 
dem Invent. gen^ral. Paris. Monum. civ. Bd. 111. 

Hingewiesen sei weiter auf den umfangreichen Schmuck von Bronze- 
figuren und Gruppen an und in einigen neueren Pariser Monumentalbauten, 
insbesondere an der Oper und dem Hotel de ViUe, deren Modelle ron 



Flg. 118. Buboia, Denkmal Anne da Montmorency in Chantilly. S. ss». 

den bedeutendsten französischen Bildhauern geschaffen wurden. (Alles 
Nähere im Inv. g4n^ral. Paris. Monuin. civ. Bd. I.) 

Laer, Unedle Metall«. 38 





Fig. 41«. Debay und Carlionaeanx, Denkmal Ludvlgs XIY. In Hontpellier. S. S 



Frankreicb, 



595 



Endlich dUrfen von den ftir Pariser Kirchen ausgeführten großen 
BronzetUren die der Madelaine-Kirche nicht unerwähnt bleiben, die nach 
Triquettis Modell im Jahre 1839 von Richard, Eck & Durand ge- 
gossen wurde. (Gonse, Sculpture fran^., S. 269.) 

Von den zahlreichen für andere französische Städte im Laufe des 
19. Jahrhunderts geschaffenen Bronze monumenten mögen hier wenigstens 
einige der wichtigeren genannt werden. 

Bordeaux. Reiterstatue Ludwigs XVI. von Pierre Cortot (1787—1843), Guß von 

Crozatier in Pai-JB. (Champeaux. Dict. d. fond., 8.325 u. 348.) 
Boulogne. Bronzeatatue Napoleons I. von J.A.Hou- 

don , wurde zum UuB der Reiterfigur Hein- 
richs IV. in Paria verwendet. 
Crt«'H. Standbild Ludwiga XIV. von Petitot, ttufl 

von Crozatier (um 1327). (Rt-un. boc. d. 

beam-arta des dep. 189ß, XX, S. 470.) 
ChüHtilly, Beiterstatue des Connetablo Anne de 

Montmorency von Duboia (Fig. 418, S, 593). 
Dampierre, Chäienu <le. Standbild Ludwig» XIH. 

von Fr. Rade, 1840 in Auftrag gegeben. 

(Bulletin de l'art anc. et mod. 1900, S. 5.) 
Gr&ioble. Standbild Bayard von Baggi. Guß von 

Crozatier, 1823 nufgeatellt. 
Lai'at. Standbild Ambros Par^ von David d'Angere, 

Guß von Soyer. 
Lyon. Reiteratatue Ludwigs XIV. von F. F. Lemot, 

Guß in der .Fonderie du Roule" zu Paris, 

1825 voltendet. {Rev. d. I'art fr. anc. et mod. 

1896, S. 2S.) 
Mömpelgard. Standbild Cuvier von David d'Angers. 
Montdidier. Standbild Parmentier von Moldecchi, 

Guß von Calla d. J. 1846. 
Montpellier. Reiteratatue Ludwige XIV. von J. B. 

J. De Bay (1 1863), Guß von Carbonneau. 

Dict. d. fond-, S. 234). 
Nancy. Standbild EOnig Stanislaua von G. Jacquot, Gui 
Nerac. SUndbild Heinrichs IV. von De Bay, Guß von Carbonneaux. 
Rennes. ReiterBtatue Ludwigs XIV. von Raggi. 
Reims. Beiterstatue der Jeanne d'Arc von Duboia. (Zeilschr. f. bild. Kunat 1895/96, 

S. 94 mit Tafel.) 
Ronen. Standbild: Corneille von David d'Angera. 
SMan. Standbild: Tureune von Fran;. Ooia. 



I (Fig. 419. S. 594), (Champeaux, 
1 Soyer 1831. 



Versailles. Bciterslatue : Ludwigs XIV. 

(Pferd), 1P32 (?) aufgeatellt, Guß von 

S. 241.) 
— Standbild: Jeanne d'Arc von Fran?. Go 



Petitot (Kenigsfigur) und Cartellier 
ozatier. (Cfaampeaui, Dict. d. fond., 



(Nagler, KUnstl.-Lex.) 



Yon einigen zu Anfang des Jahrhunderts entstandenen Bronzereiter- 
bildem Napoleons I. ist nicht bekannt, wo sie sich befinden oder ob sie 



596 



19. Jahrhundert. 



überhaupt erhalten sind. Die eine wurde 1801 von Fran^. Gois ausge- 
führt (Faber, Konv.-Lex. V, S. 245), eine zweite von J. G. Moitte (1746 
bis 1810) (Michaud, Biogr. univ.) und eine dritte von J. H. Brunot 
(Champeaux, Dict. d. fond., S. 194). 

Nicht näher einzugehen ist hier auf die hochbedeutende französische 
Eleinrelief- (Plaketten, Medaillons und Medaillen) und Büstenplastik des 
19. Jahrhunderts, die vornehmlich, soweit die Bronze als Ausführungs- 
material in Betracht kommt, an die Namen David d'Angers, Chap- 
lain, Charpentier und Rodin (Fig. 420, S. 595), geknüpft ist. 

Als ein in Kupfer getriebenes französisches Eolossalwerk sei die 




Fig. 421. R. Lalique, Gitter ans einem Ausstellnngsschranke, Paris 1900. 

Berlin, Kunaigetoerhtmu9eum, S. 696. 

Figur der .Freiheit« von Bartholdi im Hafen von New York genannt 
(Centralbl. d. Bauverw. 1887 und Deutsche Bauz. 1884, S. 285.) 

Auf die zahllosen französischen Eleinbronzen des 19. Jahrhunderts 
kann nur hingewiesen werden, mancherlei wertvolle Nachrichten darüber 
finden sich besonders in den Berichten über die Pariser Ausstellungen. 

In Abbildung (Fig. 421, S. 596) beigefügt ist der vom Kunst- 
gewerbe-Museum in Berlin angekaufte Teil eines Ziergitters von dem 
bekannten Pariser Bildhauer und Goldschmiede Ren^ Lalique, das in 
dessen Schauschranke auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 
seinen Platz hatte. 



Schweiz. 

In Pariser Gießereien ausgeführt wurden auch, wie hier erwähnt 
werden mag, einige der bedeutendsten Bronzedenkmäler der Schweiz; das 
Reiterdenkmal des Herzogs Karl von Braunschweig (1879 enthüllt) wurde 



Frankreich, Schweiz, Niederlande. 597 



Dach Galns Modell von Barbedienne gegossen. (Zeitschr. f. b. 
Kunst 1878/79, Beibl. S. 24 u. 710 und Champeaux, Dict. d. fond.) Die 
Reiterstatue des Generals Dufour wurde nach dem Modelle Alfred 
Lanz' Ton Thiäbaut gegossen (Zeiischr. f. b. Kunst 1883/84, Beibl. 
S. 520) und von Crozatier wurde die ebenso wie jene beiden Denk- 
mäler in Genf aufgestellte Statue J. J. Rousseaus gegossen. (Champeaux, 
Dict. d. fond.) 

Von dem Schweizer Geschütz- und Glockengießer Rütschi in Aarau 
wurde die Reiterstatue Rudolfs von Erlach in Bern gegossen, die im 
Jahre 1849 aufgestellt wurde. 

Der Gießer des von R. Kißling modellierten Escherdenkmals in 
Zürich ist nicht ermittelt. (Zeitschr. f. b. Kunst 1883/84, Beibl. S. 466.) 

Der Stadtbrunnen in Genf wurde nach dem Modelle des Bildhauers 
Leb in der Kgl. Erzgießerei in München gegossen. 



Niederlande. 

In den Niederlanden entstanden seit den Vierzigerjahren des 19. Jahr- 
hunderts zahlreiche große Bronzegußwerke, deren wichtigste genannt wer- 
den mögen (vergl. besonders Marchai, La sculpture et les chefs-d'oeuvre 
de Porf^Trerie Beiges, Brüssel 1895.) 

Amsterdam, Standbild: Rembrandt von Rojer, 1852 vollendet. 

— Standbild: Vondel von Royer, 1867 vollendet. 

— Standbild: Thorbecke von Leenhoff, um 1876 vollendet. 
Antwerpen, Standbild: Rubens von Wilh. Geefs, 1840 (1843?) vollendet. 

— Standbild: Teniers d. J. von J. J. du Caju, 1867 vollendet. 

— Reiterdenkmal : Leopold I. von Jos. Geef, 1868 vollendet. 

— Brunnen mit Figur der Salvius Brabo von Lambeaux, 1887 vollendet. 

— Standbild: H. Gonscience von Fr. Joris. 

Brügge, Standbild: Simon Stevin, von £. L. Simonis, 1846 vollendet 

— Standbild : Jean van Eyck von Pickery, um 1878 vollendet. (Galvanisch ausgeführt 

in Brüssel) 
BrüsseL Standbild: Andre Vesale von J. G. Geefs, 1844 vollendet. 

— Reiterdenkmal: Karl Alexander von Lothringen von Louis Jehotte, 1848 vollendet. 

— Reiterstatue (auf dem Gildehaus der Brauer am Großen Platz) : Karl Alezander von 

Lothringen von J. Jacquet» 1853 vollendet. 

— Reiterstatue : Gottfried von Bouillon von L. E. Simonis, Ausführung von W. de 

Groot, 1848 vollendet (Fig. 422, S. 598). 

— Figur (im Akademiegarten): Kain von L. Jehotte 1851. 

— Congreßsäule , 1859 vollendet, mit Bronzestandbild Leopold I. von G. Geefs, zwei 

allegorischen Bronzestatuen (Freiheit der Presse und Freiheit des Unterrichts) 
von Jos. Geefs, zwei Bronzestatuen (freies Vereinsrecht und Freiheit des Kultus) 
und zwei BronzelOwen von Ch. A. Fraikin. 

— Gruppe: Egmont und Hoom von Ch. A. Fraikin, 1864 vollendet. 

— Standbild: Theod. Verhaegen, von G. Geefs, 1865 vollendet. 



19. Jahrhundert. 



Brüssel. Vier allegOTÜcbe Koloaa&IGgaren an der Kuppel des JusLitpalastea ( 

vollendet) von Dutrieux, Desenrans, Vin^^tte und Detombay. 
— Gruppe (in Anlagen der Avenue Louise): Pferdebändiger von Viofotte. 



Brüssel. Figur (Patais des beauz-arU): Die Malerei, von G. H. Melot. 

— Figur (Akademiegarten): Sieger, von J, Geefs, 

Delfl. Standbüd: Hugo de Groot (Grotins) von Stracke, 1886 voUendet. 



Haag. Reiteretatue : Wilhelm I. von v. NieuTlterk, 1845 vollendet. 

— Standbild: Wilhelm I. von Royer, 1848 vollendet. 

— Standbild: Wilhelm IL von Georges, 1S53 vollendet. 

— Denkmal zur Erinnerang an die Wiederhentellung der niederländischen Unab- 

hängigkeit (1813) mit großen Bronzeflguren von J. Jebotte, 1869 vollendet. 

— Standbild: Spinoza von Heiamer, Guß von Thiebaut in Paris, 1880 vollendet. 
Hu}/. Standbild: Joa. Lebeau von G. Geefs, 1868 vollendet. 



Ixelles bei BrOasel. Denkmal (Gruppe): Wiertz von Jaequet, 1881 (?) vollendet. 
LÜilkh. Standbild : Gr^try von G. Geefs, 1840 vollendet. 

— Standbild: Andre Dumont von A. E. Simonis, 186G vollendet. 

— Reiterstatue: Kar! der Große von L. Jehotte, 1868 vollendet. 

— Tiergruppen im Parc d'Avruy von Mignon u. Halkin. 
Mona. Standbild: Leopold I. von L. E. Simonia, 1877 vollendet. 
Rotterdam. Standbild: van Hogendorp von Jos. Geefs, 1867 vollendet. 
Termotuie. Standbild: de Smet von Chr. A. Fraikin. 

Tongern. Kolosaalfigur dea Amhiorix von J. Bertin. 1866 vollendet. 

Die belgische Bronze-Kleinplastik ist in neuerer Zeit zu hohem An- 
sehen gelangt, besonders durch Const&ntin Meunier in Brüssel, 
zu dessen besten Werken die kleine in Abbildung (Fig. 423, S. 599) 
beigeftlgte Gruppe zu rechnen ist. 



Italien. 

In Italien wurde bis weit in das 10. Jahrhundert hinein im Wachs- 
ausschmelzverfahren gegossen, überhaupt scheint sich die Sandformerei 
dort nie im gleichen Maße eingebürgert zu haben wie in Deutschland und 



G. Montevcdere, Viktor Emunuel in Bologna. B. tat. 



Italien. 601 

Frankreich. Die zahllosen KacbgUsse besonders nach antiken Bronzen 
wurden zumeist im Wachs verfahren gegossen, aber auch die meisten Mo- 
nuraentalwerke des 19. JahrhuBderts wurden nach verbtlrgten KachricbteD 
im gleichen Verfahren ausgeführt. 

Unter den italienischen Gießern des letztverflossenen Jahrhunderts 
waren die hervorragendsten Francesco Bighetti {f 1820) und sein Sohn 
Luigi Righetti in Rom und Neapel tätig, Manfredini ia Mailand, 
Papi in Florenz und in neuerer Zeit besonders Alessandro Nelli in 
Eom. (Z. f. b. K. 1882,83, Bd. 18, B. S. 276.) 

Von Righetti wurden fllr Neapel gegossen: Eine Reiterstatue 
Napoleons I, nach Canovas Modell, deren Pferd i. J. 1814 vollendet war, 



Fig. t!5. Bnrzagbi, Viktor Emannel In Qenna. S. SD!, 

und die Reiterstatuen Karls III., ebenfalls nach Ganova, um 1820 und 
Ferdinand I. nach Ant. Call i. J. 1828. 

Die Friedensgöttin auf dem von sechs Rossen gezogenen Wagen des 
in Mailand 1838 vollendeten Ärco della Pace wurde nach dem Modelle 
Abondio Sangiorgios von Manfredini in Mailand gegossen. 

Im Jahre 1845 wurde in Messina nach Teneranis Modell eine Statne 



602 19. Jahrhundert. 



Ferdinands IL von Neapel aufgestellt, die in der Kg 1. Erzgießerei in 
München gegossen war. Von derselben Gießerei wurde im Jahre 1875 
für Venedig das Standbild Manin ausgeführt. 

Noch vor der Mitte des Jahrhunderts entstand weiter die Bronze- 
reiterstatue des Herzogs Emanuel Filibert von Savoyen in Turin von 
Marocchetti. 

Die Mehrzahl der italienischen Bronzedenkmäler des 19. Jahrhunderts 
entstand in den drei letzten Jahrzehnten, etliche davon mögen noch ge- 
nannt sein. 

Alessandria. Standbild : Urbano Rattazzi von Giulio Montevedere, in Florenz gegossen. 

(Z. f. b. K. 1882/83, B. S. 549.) 
Bologna. Reiteretatue : Viktor Emanuel von Montevedere 1888 (Fig. 424, S. 600). 
Brescia. Standbild: Amoldo da Brescia von Tabacchi, Guß von Nelli, 1882 aufgestellt. 
Cadore. Standbild: Tizian von Dal Zotto, Guß von De Poli in Ceneda. (Z. f. b. K. 

1879/80, B. S. 724.) 
Chiaveri. Standbild: Gius. Mazzini von A. ßivalta, Guß von Conversini in Pistoja. 

(Z. f. b. K. 1887/88, B. S. 580.) 
Florenz. Standbild: Garibaldi von Zocchi 1890. 

— Reiterstatue: Viktor Emanuel von Zocchi 1890. 

Genua. Reiterstatue: Viktor Emanuel von Barzaghi 1886 (Fig. 425, S. 601). 
Mailand. Standbild : AI. Manzoni von Barzaghi, gegossen in Mailand 1882. (Z. f. b. K. 
1882/83, B. S. 596.) 

— Reiterstatue: Garibaldi von Dimenes 1896. 

— Reiterstatue: Viktor Emanuel von Ercole Rosa 1896. (Z. f. b. K. 1895/96, B. S. 508.) 

— Standbild: Cavour von Tabacchi. 

Pavia. Denkmal: Garibaldi von Eg. Pozzi. (Z. f. b. K. 1888/89, B. S. 219.) 
Rom. Denkmal: Gebrüder Cairoli von Ercole Rosa, Guß von Nelli 1883. (Z. f. b. K. 
1882/88, B. S. 614.) 

— Denkmal: Garibaldi von Gallori 1895. (Z. f. b. K. 1895/96, B. S. 28.) 

— Standbild: Minghetti von Gangeri 1895. (Z. f. b. K. 1895/96, B. S, 29.) 
Turin. Denkmal: Amadeo VI. von Palagi 1853. 

— Reiterstatue: Carlo Alberto von Marocchetti 1861. 

— Standbild: Massimo d*Azeglio von Balzio 1873. 

— Reiterstatue: La Marmora, Guß von Papi in Florenz. 

— Reiterstatue: Viktor Emanuel von Costa, Guß von Nelli. (Z. f . b. K. 1884. 85, B. 

S. 258 und 433.) 
Venedig. Standbild: Goldoni von Dal Zotto, Guß von Argnati in Venedig. (Z. f. b. K. 
1883/84, B. S. 240.) 

— Reiterstatue: Viktor Emanuel von E. Ferrari, Guß in der Hauptsache von Nelli 

in Rom (Fig. 426, S. 603). (Z. f. b. K. 1884/85. B. S. 433 und 1886/87, B. S. 505.) 

— Standbild: Garibaldi von Micheli 1887. 

Verona. Reiterstatue: Viktor Emanuel von Borghi 1885. 

England. 

üeber die englischen Gießereien des 19. Jahrhunderts ist bisher wenig 
bekannt, die Zahl der größeren Bronzewerke ist aber nicht unbeträchtlich. 



Fig. IM. Ferrari und Nelll, Viktor Emanuel In Venedig. 



604 Id. Jahrhundert. 

besonders in London. Von den dort errichteten Erzdenkn^ern seien er- 
wähnt: die Reiterbilder Williams IIL (1808) von John Bacon (1777 bis 
1859), Georgs III. (1836), Modell und Guß von Matthew Coats Wyatt, 
Georgs IV. von Fr. Chantrey (1781—1842), Richard!., Löwenhera (1855) 
von Marocchetti, des Herzogs von Wellington (1840—1846) von Wyatt, 



Flg. tiT. Foley, Lord Hardinge. OuB von Elkington In London. 8. «oG. 

eine zweite Reiterstatue des Herzogs von Chantrey (1844 enthüllt) und 
weiter die Standbilder des Herzogs von Bedford (1819), George Cannings 
(t 1827) und des Heraogs von York (1833) auf der YorksäuJe errichtet, 
diese drei von Westmacott, des Herzogs von Kent (um 1830) von 
Seh. Gashagan, William Pitts (f 1806) von Chantrey, John Frank- 
lins von Noble (1847—1848), des Heraogs von Portland (f 1848) von 



England, Skandinavien, Rußland. 605 



Thom. Campbell, der Königin Viktoria (sitzend, Fünfzigerjahre) von 
Bell, Sidney-Herberts von Foley (Z. f. b. K. 1867, B. S. 130), Lord 
Clydes (f 1863) von Marocchetti, des Herzogs von Derby (1874 errichtet) 
von Noble, des John Fox Burgoyne (f 1871) von Boehm, des Prinzen 
Albert (sitzend) von Foley (Z. f. b. K. 1874/75, B. S. 350), des Lord 
Beaconsfield (1883 enthüllt) von Raggi etc. etc. 

Von den in anderen Städten Großbritanniens errichteten Erzdenkmälem 
seien erwähnt in Belfast die Statue des Herzogs von Belfast (1856) von 
Patrick Mac Dowell, in BolUm die Statue Cromptons von Marshall, 
in Dublin die Statuen Oliver Goldsmiths und Burkes von Foley, in Lime' 
rieh die Statue des Grafen Fitzgibbon (1758) von Mac Dowell, in 
Liverpool die Statuen Huskissons von Gibson (Guß der Kgl. Erzgießerei 
in München) und Lord Beaconsfields von Birch, in Manchester die 
Statue Sir Rob. Peels von Marshall und in Windsor Castle die Reiter- 
statue Georgs IV. von William Theed. (?) (Vergl. Fortnum, Catal. of 
bronzes in South Kens. Mus. und Faber, Konversationslexikon, Bd. Y, 
S. 75 f.) 

Auf der Londoner Weltausstellung des Jahres 1862 war die im 
Jahre 1856 vollendete Reiterstatue des Lord Hardinge, die nach Foleys 
Modell von Elkington in London gegossen war, ausgestellt (Fig. 427, 
S. 604). 

Skandinavien und Rußland. 

Die Bronzekunst der skandinavischen Länder gewann auch im 19. Jahr- 
hundert noch nicht völlige Unabhängigkeit von Deutschland und Frank- 
reich. Zuverlässige Nachrichten über die dortigen Gießereien fehlen eben- 
so wie über die russischen. In den Gießereien zu Petersburg und Moskau 
wurden in der ersten Hälfte des Jahrhunderts eine Reihe großer Gußwerke 
im Wachsausschmelzverfahren hergestellt. Als Bildhauer und Erzgießer 
ist besonders zu nennen: der Deutschrusse Clodt von Jürgensburg. 

Von ausgeführten Werken in jenen Ländern sind in der nachstehenden 
Liste einige der wichtigeren genannt. 

Christiania, Reiterstatue: Karl XIV. von Johann von Bergsliens 1875. 
Oothenburg, Standbild: Gustav Adolf von Fogelberg, Guß der Kgl. Erzgießerei 

München (Miller), gegen 1850. 
Kopenhagen, Reiterstatue: Friedrich VII. von Wilhelm Bissen 1878 (Champeauz, Biet. 

d. fond.). 

— Standbild: Holberg von Th. Stein 1878. 

— Standbild : Bischof Münster von Th. Stein. 

— Standbild: Oersted von Jerichau, Guß von Conradsen. 

Stockholm. Standbild: Karl XIII. von E. G. Goethe, Guß von Carbonneaux in 
Paris 1888. 



606 19- Jahrhundert. 



Stockholm, Standbild: Karl XII. von Molin; soll von dem Nürnberger Georg 
Herold i. J. 1867 in Stockholm gegossen sein. (Z. f. b. £. 1866/67, B. S. 123. 
1868/69, B. S. 52.) 

— Standbild: Berzelius von Ovarnstrom (?), Guß der Egl. ErzgiefiereiinMünchen 

(Miller). 
Kiew. Standbild: Fürst Wladimir von Clodt. 
Kronstadt. Standbild: Peter der Große von Jacques, um 1836. (Dussieux, Lesartistes 

fran^. ä T^trang.) 
Petersburg. Standbild: (?) Suworow von Koslowsky 1801. 

— Standbild: (?) Barclay de Tolly 1834. 

— Zwei Gruppen: Bossebändiger auf der Anitschobrücke von Clodt 1839. 

— Standbild : Krylow von Clodt. 

— Reiterstatue: Nikolaus I. von Clodt 1859. 

Warschau. Standbild : Paskiewitsch von N. S. Pimenhoff, 1870 enthüllt, in Petersburg 
gegossen. (Z. f. b. K. 1869/70, B. S. 184.) 



♦♦► 



Blei-, Zinn- und Zinkkunst. 




>ie verhältnismäßig weichen und leicht schmelzbaren Metalle Zinn 
und Blei haben in der Kunst eine ähnliche Verwendung ge- 
funden wie die Bronze. Das Zinn wurde insbesondere zu Ge- 
räten und Gefäßen verarbeitet und das Blei hat zeitweise in der großen 
Plastik eine sehr bedeutende Rolle gespielt. Obschon aber beide Metalle 
seit Jahrtausenden wohlbekannt sind, scheint man mit ihrer im höheren 
Sinne künstlerischen Gestaltung erst im zweiten nachchristlichen Jahr- 
tausend begonnen zu haben. 

Für die Entfaltung der Zinnkunst Im mittleren Europa war vor allem 
die Erschließung der Zinngruben im böhmisch-sächsischen Erzgebirge von 
höchster Bedeutung. Die Gewinnung des Zinns soll dort im 12. Jahr- 
hundert begonnen haben, bis dahin war besonders das englische Zinn in 
alle Welt versandt, das bis heute seiner Vortrefiflichkeit wegen hoch ge- 
schätzt ist. 

Die ältesten größeren kunstreich verzierten Zinngußwerke, die bekannt 
sind, entstammen anscheinend zum Teil noch dem 13. Jahrhundert, es 
sind Tauf kessel ganz in der Art der damals zumeist in Bronze gegossenen. 

Solche Zinntaufbecken scheinen damals in allen Teilen des Deutschen 
Reiches gefertigt zu sein, am zahlreichsten erhalten haben sie sich, be- 
sonders aus der Zeit vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, in den östlichen 
Ländern, vornehmlich in Böhmen. 

Ueber die Entstehung der ältesten Werke dieser Art geben nur selten 
Inschriften einige Auskünfte. 

Ihren Formen nach dem 13. Jahrhundert zuzuweisen sind der von 
Figuren getragene Kessel in der Nikolaikirche zu EostocJc (Schlie, Kunst- 
denkm. Mecklenburgs I. S. 140), die Taufe in der Ev. Oberkirche in Lieg- 
nitz (Kunstdenkm. d. Prov. Schlesien III. S. 223), und diejenige in Helle- 
feld /. W. (Mitteil. d. k. k. Zentr.-Komm. XI. S. LXXXI. Fig. 3). Ein 
Zinntaufbecken in Benatek bei Prag scheint (nach Lotz, Topogr.) die 
Jahreszahl 1289 zu tragen. 

Unter einigen im nördlichen Hannover erhaltenen Taufkesseln ist 
besonders anzuführen der ehemals in Siegelsum befindliche, der laut In- 
schrift vom Meister Hermannus im Jahre 1317 gegossen wurde. 

Lüer, Unedle Metalle. 89 



610 



14. und 15. Jahrhundert 



Nur wenig jQnger ist der jetzt im Dome zu Mainz aufgestellte 
Taufkessel, der im Jahre 1323 vom Meister Johannes von Mainz 
för die dortige Liebfrauentaufkirche im Auftrage des Domstifles ge- 
fertigt wurde. 

Vermutlich ebenfalls noch dem 14. Jahrhundert gehören die auf drei 
schlanken FuSen ruhenden Taufkessel in der Kirche zu Raigem, Mähren 

(Fig. 428, S. 610), 
und in der hl. Kreuz- 
kapelle zu Karlstein 
bei Pr^ an. 

Von Zinn werken 
anderer Art aus die- 
ser Zeit seien er- 
wähnt an einem 
Brunnen in Käls- 
hcim in Baden des- 
sen mit Tierköpfen 
geschmücktes Bek- 
ken (Eunstdenkm. 
Badens (IV. S. 146. 
Abb. S. 148), ein 
2 '/: m hoher Kande- 
laber in der Elisa- 
bethkirche in Mar- 
burg, und ein eben- 
solches Gerät in der 
Pfarrkirche zu Geln- 
hausen , als dessen 

Entstehungszeit 
Otte das 13. Jahr- 
hundert angibt. 

Aus dem 15. Jahr- 
hundert ist im west- 
lichen Deutschland 
nur ein Taufbecken 
(Kessel ?) in TÄenti«*- 
umso zahlreicher sind 



Taarb ecken in Raigern I. S 



bronn in Baden bekannt (Kunstdenkm. 11. S. 62) 
fast durchgehends von drei schlanken Fußeu getr^ene Zinutaufbecken 
aus dieser Zeit in Böhmen anzutreffen, mit zum Teil slawischen inschrift- 
licben Bezeichnungen. 

Hingewiesen sei auf die Taufen in Prag in der Domkirche vom Jahre 
1406 und in der Teynkirche vom Jahre 1414, in Mies bei Eger, in 



Zinn und B]ei. 611 

Tabor , in Schlau, ia Beckin und in Ninümrg bei Podiebrad, die von 
Andreas Staczek in Kuttenberg gegossen wurde. 



Fig. 42». Harktbrunnen Id BrauDschweig. 6. flu. 

Diese Taufkessel Überragt weit an kUnsUerisclier Bedeutung ein 
noch zu Anfang des 15. Jahrhunderte geschaffenes Monumeatalwerk , der 
Brunnen auf dem Markte in Braunsckwäg (Fig. 429, S. 611). 



612 15. und 16. Jahrhundert. 



Dieser höchst eigenartige und schöne Brunnen, der im Jahre 1408 
von einem unbekannten Meister gefertigt wurde, ist im Jahre 1847 wieder 
hergestellt worden. Eine inmitten eines steinernen Beckens stehende Säule 
aus Stein trägt drei übereinander angeordnete, nach oben kleiner werdende, 
reich mit Figuren geschmückte Becken, und ist von einem zierlich durch- 
brochenen Helme bekrönt. 

lieber Form und Ausschmückung des in Zinn gegossenen Gebrauchs- 
gerätes geben erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts gefertigte, erhaltene 
Arbeiten eine deutliche Vorstellung, üeber ältere Arbeiten der Art ist 
wenig bekannt. 

Angegeben wird aber z. B. , daß bereits im 13. Jahrhundert in 
Nürnberg die Zinngießer ein Handwerk betrieben hätten. Im 14. Jahr- 
hundert soll ein Meister Sebald Ruprecht in Augsburg Zinnarbeiten 
gefertigt haben, die ein silbergleiches Ansehen gehabt hätten. Aehnliches 
wird berichtet von Martin Harscher (1439 — 1523) in Nürnberg. 

In den Jahren 1314 und 1344 werden zu Rostock und Wismar Zinn- 
gießer angeführt, die im Gegensatz zu den in Bronze gießenden ,Apen- 
ghetern", „Kannengheter** genannt werden. 

Unter Karl IV. sollen sich zahlreiche italienische Zinngießer in Böhmen 
angesiedelt haben. In Prag insbesondere wurden in der städtischen Schmelz- 
hütte im Teinhof Schüsseln, Teller, Löffel u. a. m. in Zinn gegossen 
(Macht in Mitteil. d. k. k. österr. Mus. 1893, S. 409 u. 428). 

Von den wenigen bemerkenswerten aus dem 15. Jahrhundert erhal- 
tenen Gefäßen ist ein 70 cm hoher Krug der Breslauer Bäckerinnung mit 
der Jahreszahl 1497 und seinem gravierten Schmuck als ein besonders 
typisches Werk für die Eigenart der Zinnkunst um das Jahr 1500 zu 
betrachten (Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift Bd. I. S. 195 mit Abb.)- 

Neben solchen einfach geformten und auf kaltem Wege verzierten 
Trinkgeräten scheint man auch bereits im 15. Jahrhundert Gefäße von 
lebendig bewegter Gestalt gefertigt zu haben, wie sie z. B. in Wismar 
in mehreren Trinkkrügen mutmaßlich aus jener Zeit erhalten sind, die 
die Form von sitzenden Löwen mit zwei großen seitlichen Henkeln zeigen 
(Bau- und Eunstdenkm. Mecklenburgs IL S. 216). 

Das 16, Jahrhundert und das erste Viertel des 17. Jahrhunderts war 
die Glanzperiode des Zinngerätes. Doch auch an größeren, wohl zumeist 
in Blei gegossenen Werken fehlt es aus dieser Zeit nicht. 

Die weitaus besten Humpen und Kannen der ersten Hälfte des 
16. Jahrhunderts entstanden wiederum in ostdeutschen Gebieten, vornehm- 
lich in Schlesien. 

Die Verzierungsweise blieb die gleiche wie bei dem schon angefalirten 
Breslauer Kruge. Die im Querschnitt oben und unten zumeist runde 
und im mittleren Hauptteile vieleckige Wandung der Gefäße wurde ge- 



Zürn uod Blei. 613 

wohnlich mit einfp^vierton , in Giebelnischen stehenden Heiligenfijpiren 
und biblischen Szenen, z. B. der Kreuzigung Christi, geschtnUckt. 

Beispiele dieser Art sind der Humpea der Schwiebuaer Tuchmacher- 
innung vom Jahre 1503 im Berliner Kunstgewerbemuseum, die Kanne der 
Breslauer Seiler vom Jahre 1511 im Museum Schlesischer Altertümer in 
Breslau , die Kanne der Löwenberger Tuchkoappen vom Jahre 1523 
(Fig. 430, S. 013), die Abendmahlakanne in Dürrenmungenau (über die 
beiden letzteren vei^l. Schles. Yorz. in Bild und Schrift Bd. III, S. 53, 
mit Tafeln), ein Innungshumpen in Sagan i. S., der in Breslau im Jahre 
1542 gefertigt wurde (bezeichnet: W(ratislavia) , die Kanne der Schuh- 
macher in Göllnitz in Ungarn rom Jahre 1527 u. a. m. 

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Ausschmückung der 
Zinngeräte und Oefäße mit Zieraten, die in der Gußform Torgebildet waren 
und mit dem Gefäßkgrper zu- 
gleich entstanden, die Regel. 
Selten finden sich Schüsseln 
und Teller , bei denen der 
Grund der Ornamente durch 
Aetzung auf den sonst fertig 
bearbeiteten Stücken nach- 
träglich leicht vertieft wurde. 
Die Zinngeräte mit einge- 
gossenem Ornament könnte 
man in zwei Gruppen teilen, 
die äußerlich wesentlich von- 
einander abweichen und in 
der Regel auch durch die 
mutmaßlich bei Herstellung 
der Guß form angewendete 
Technik verschieden zu sein 
scheinen. 

Bei der einen Gruppe 
findet sich als fast ausschließ- 
licher Dekor das während des 

ganzen 16. Jahrhunderts so 

_, 1 1- 1 j ir 1 Pie *^- Kanne der Tuchmacher »u LSttenlierg 

überaus behebte Mauresken- vom Jahre i6zs. s. sia. 

Ornament, das in den Mo- 
tiven und in der Ausführung — ebene Muster und vertiefter Grund — 
in Anlehnung an die Vorbilder der Moslem gebildet vnirde. So verzierte 
Zinngeräte machen in der Regel den Eindruck, als ob ihre Musterung in 
der metallenen Gußform durch Aetzung entstanden sei. 

Bei der zweiten, wichtigeren Gruppe sind die Reliefomsmente flach 



614 16. Jahrhundert. 

gerundet, reiche Blattrankenmuster im Geschmack der Zeit wechseln mit 
umgrenzten Feldern, die mit den mannigfaltigsten figürlichen Darstellungen 
gefüllt sind. Daß die vertiefte Herstellung des Musters in der Gußform 
durch Gravierung ge.schah, darüber kann bei dieser Gruppe ein Zweifel 
nicht bestehen. 



Fig. «ai. TeiiiperaDtia-Schüas«! van C. Enderleln. 8. tu. 

Grundlegende Untersuchungen Über die Zinnkunst und ihre Meister 
während des 16. und 17. Jahrhunderts sind Hans Demiani zu danken 
in seinem Werke: Fran^ois Briot, Caspar Enderlein und das Edelzinn, 
Leipzig, Htersemann 1897. Ergänzende Aufsätze desselben Verfassers in: 
Zeitschrift für bild. Kunst 1899, S. 205, und im: Bepertorium fßr Kunst- 
wissenschaft 1899, S. 307. 

Fran^ois Briot und Caspar Enderlein sind die Meister, aus 
deren Hand die edelsten Werke der ZinngieBerkunst hervorgingen , zu- 
meist große runde Schüsseln mit zugehörigen Kannen, die nach dem 



Zinn und Blei. 615 

Mittelbilde auf den SchQsseln benannt werden, und deren berOhmteste die 
«TeroperKntia'-SchUssel und -Kanne ist (Fig. 431 und 432). 

Fran^ois Briot lebte um das Jabr 1600 in Montbeliard , er war 
der kUnstleriscbe Vorbildner des von Basel gebürtigen und in Nürnberg 
tätigen Caspar Enderlein (1560—1633). (Vergl. aucb Tuetey, Le 
graveur lorrain Fran^ois Briot. Paris 1887, und J, Lessing im Jahrb. 
d. preuß. Eunstsamml. Bd. X, S. 171.) 

Nürnberg war um das Jahr 1600 der Mittelpunkt der deutschen 
Zinngießerkunst, und die Zahl der erhaltenen, damals dort gefertigten 
Werke ist sehr groß. Die Meister sind 
nur in seltenen Fällen feststellbar; eine 
Gruppe TortreiFlicher Teller und Schüs- 
seln mit der Bezeichnung : NH zu Seiten 
einer Kanne sind von Demiani auf 
Nicolaus Horchhairaer zurückge- 
führt. 

Die örtliche Entstehung ist bei den 
Zinngeräten aus dem 16. und den folgen- 
den Jahrhunderten zumeist aus einge- 
schlagenen Stempeln erkennbar, deren 
Verwendung bereits im 14. Jahrhundert 
nachweisbar ist. 

Zweck der Stempelung war es, ein- 
mal die Beschaffe nheit des Materiales, 
die von geschworenen Meistern des Zinn- 
gießeramtes festgestellt wurde , durch 
Einschlagen des entsprechenden Zeichens 
(, Gehaltsmarke " oder , Beschauzeichen ") 
dem Käufer kenntlich zu machen. In 
Nürnberg wurden z. B. die Arbeiten aus 
.gemeinem Zinn", d. h. Zinn, dem ein Fi) 
Zehntel Blei zugesetzt war, mit dem 
Stadtwappen gezeichnet. Die aus englischem Zinn gefertigten Arbeiten 
wurden mit Adler und Krone und was „auf englische Art gemacht und 
bunziert' war, mit Adler, Krone und Rose gezeichnet. 

Neben diesem Beschauzeichen , dessen Motiv wohl allerorten das 
Stadtwappen oder ein Teil desselben war, schlug in der Regel auch der 
Qießer seine Werkstattmarke ein, die zu deuten heute nur selten gelingt 
(vergl. Zoellner, Zinnstempel und Zinnmarken in: Zeitschrift für bild. 
Kunst 1897— 1898, S. 159, 1898—1899, S, 97, 122, und Berling, Stadt- 
marken der Zinngießer von Dresden, Leipzig und Chemnitz in: Neues 
Archiv für sächs. Gesch. etc. 1895, S. 123). 



616 16- Jahrhundert. 



In welchem Maße die Zinngießer jener Zeit auch zugleich an der 
Herstellung der Gußformen beteiligt waren, ist bisher nur ungenügend 
aufgeklärt. Sicherlich wurden gleiche Gußformen vielfach in verschiedenen 
Gießereien benutzt. 

Mannigfaltiger wird im 16. Jahrhundert auch die Herstellung größerer 
Werke in Blei- oder Zinnguß. 

Ein Tauf kessel in der Trinitatiskirche in Frag wurde im Jahre 1502 
von Meister Wenzel gegossen (Lotz, Topogr.). 

In Leitmeritz befinden sich (nach Lübke) zwei «vorzüglich schön 
ornamentierte" Taufbecken aus dem Jahre 1521. Meister Stephan 
Lichtenhahn goß im Jahre 1563 den bemalten Zinntauf kessel der 
Nikolaikirche zu Berlin (Lotz, Topogr.). Vom Jahre 1567 endlich ist 
ein Taufkessel in der Bartholomäuskirche in Zerbst erhalten. 

Ein besonders anmutiges Werk ist der ganz aus Blei gegossene, etwa 
2 m hohe Brunnen hinter der Kirche in St Wolf gang (von dem Sighart 
und Lotz angeben, daß er in Bronze gegossen sei). Inmitten eines 
flachen, von kräftiger Mittelstütze getragenen Beckens steht auf zierlich 
ausgestalteter Säule die Gestalt St. Wolfgangs. Ueber die Entstehung 
geben die reizvollen Inschriften Genaueres an: »Got hab uns all in seiner 
Acht, maister lienhard hat mich gemacht. Dorch maister lienhard 
rannmacher, stat prunnenmaister czu passau**, und weiter: »Ich pin zu 
den eren sankt Wolfgang gemacht abt Wolfgang Haberl zu mansee hat 
mich petracht zu nucz und zu framen den armen pilgrumb dye nit haben 
gelt umb wein dye sollen pey dissen wasser frehlich sein. Anno den 
1515 jar ist das werk volpracht gott sey gelobt.* (Mitteil. d. k. k. 
Zentr.-Komm. 1869, S. LXX, mit 3 Abb.). 

Ueber einige nicht erhaltene größere deutsche Bleigußwerke geben 
schriftliche Nachrichten kurze Auskunft. 

Hans von Schweinichen berichtete um die Mitte des Jahrhunderts 
von Figuren der Tugenden und Laster, von Kronleuchtern u. a. m. , die 
im Harze in Blei gegossen seien (Beck, Gesch. d. Eisens Bd. ü, S. 782). 

„Vier zinnerne Weiblein** wurden für die Badestube des Landgrafen 
Wilhelm IV. in der Aue zu Kassel von Kasseler Goldarbeitem ausgeführt 
(Drach, Bayr. Gew.-Ztng. 1888, S. 297). 

Im Hofgarten zu München sollen sich (nach R6e, Peter Gandid, S. 15) 
im 16. Jahrhundert die in Blei gegossenen Figuren der neun Musen be- 
funden haben. 

Auch in jüngerer Zeit sehr häufig gefertigte Zinn- oder Bleisärge 
sind aus dem 16. Jahrhundert erhalten, z. B. in Krakau. 

Im Verlaufe des 17. Jahrhunderts verlor die Zinngerätgießerei immer 
mehr an künstlerischer Bedeutung, der Geschmack der Wohlhabenden 
wandte sich mehr und mehr dem weiß glasierten und buntfarbig bemalten 



Zinn und Blei. 617 



Tone, der Fayence zu. Für Trinkgeräte blieb zwar das Zinn immer noch 
bevorzugt, und besonders in den Innungsstuben haben sich auch aus dieser 
Zeit trefflich gestaltete und verzierte Humpen und Pokale erhalten, doch 
vielleicht von höherem Interesse ist die überaus umfangreiche Verwendung 
des Bleies in der Großplastik, wie sie ganz besonders in Frankreich da- 
mals in Aufnahme kam. 

Man hat heute fast vergessen, welch vorzügliches Material das Blei 
in gewissen Fällen auch für großplastische Werke ist, umso nachdrück- 
licher ist auf die noch zahlreich erhaltenen alten Bleibildwerke hinzu- 
weisen. 

Ueber die aus dem 17. Jahrhundert in Versailles erhaltenen, noch 
näher zu besprechenden Bleiguß werke hat der Bildhauer P. Roche Unter- 
suchungen angestellt, über die er in Art et D^coration 1902 S. 172 ff. 
schreibt. Es heißt dort: „Ces statues d'un gris dälicat, d^une mati^re 
souple et de reäets assortis, se sont couvertes graduellement d^une patine 
blanchissante et veloutee qui prend, sous l'ombre verte de sous-bois, une 
valeur unique et une finesse d^licieuse * 

Die Versailler Bleiskulpturen waren ursprünglich zu allermeist ver- 
goldet, aber mit Recht hebt Roche hervor, daß das Blei dieser Bereiche- 
rung durchaus nicht bedarf. Die Naturpatina jener Skulpturen ist jetzt, 
nachdem das Gold zumeist vergangen ist, von einer Schönheit, die in 
ihrer Eigenart der Patina der Bronze gleichzuachten ist. Analysen haben 
ergeben, daß bei den besterhaltenen Werken Blei mit sehr geringen un- 
absichtlichen Beimengungen anderer Metalle verwendet wurde. Die Blei- 
skulpturen mit einem Zusätze von etwa 20 ®/o Zinn haben den Witterungs- 
einflüssen viel weniger gut standgehalten, obschon sie eine größere Härte 
besitzen. 

Daß man ursprünglich bei den ungeheuren Bedürfnissen für die 
königlichen Gärten in Frankreich das Blei auch nur der geringeren Kosten 
wegen anwandte, ist nicht zu bezweifeln. Es geht das schon daraus her- 
vor, daß man es nicht in seiner natürlichen Farbe stehen ließ. 

Es fehlte damals an Erfahrungen über Bleiskulpturen, die allen 
Witterungsunbilden lange Zeit ausgesetzt gewesen waren. Uns lehren die 
erhaltenen Werke, daß immer da, wo nicht mechanische Zerstörung in 
besonderem Maße zu befürchten ist, also z. B. bei Brunnengruppen, die 
von Wasser rings umgeben sind, reines Blei im höchsten Maße bildhauerisch 
verwendbar ist. 

Die erste Bleigruppe, die für den Versailler Schloßpark gefertigt 
wurde, scheint ein für eine Fontäne bestimmter Amor mit Schwan, ein 
Werk des „Plombier" Pierre de la Haye vom Jahre 1665 gewesen zu 
sein (Nolhac, Gazette des beaux-arts 1899, S. 89). 

Bald darauf, in den Jahren 1667 — 1674, entstanden die zahlreichen 



618 IT. Jabrbundert. 

Bleigußarbeiten für das ,Lab7rinth' in Versailles. Die nach Modellen 
von Mazeline, Masson, Legeret und anderen gegossenen Tiere waren 
in äiesem Falle naturfarben bemalt. 

Gleichzeitig entstanden die Bleiskulpturen für das , Bassin d'ApolIon* 
(1668 — 1670) und wenig später die Bleigruppen für die „Pyramide", das 
, Bassin du Dragon', das „Bassin de Cörfes et de Flore" (Fig. 433, S. 618), 
das „Bassin des Latone', das .Parterre du I^ord", das „Bassin de Bacchus 



Fig. l»3. Taby. BasilD de Flore in Vsrsaillea. S. <1B. 

et de Saturne* etc. etc. Die namhaftesten Künstler (die im zweiten Haupt- 
teile dieses Buches angeführt sind) waren an diesen Arbeiten beteiligt. 
(Näheres über diese Arbeiten in Dussieuz, Le chäteau de Versailles 

Bd. n.) 

Selbst für die Aufstellung im Schlosse von Versailles verschmähte 
man damals vergoldete Bleifiguren nicht. So wurden z. B. im Jahre 1672 
filr vermutlich vier Figuren der Jahreszeiten im „grand cabinet de l'ap- 
partement bas" 4800 Franken bezahlt (Guiffrey, Gomptes des bäL I, 
S. 587). 

Auch jtlr den Schloßpark in MarJy entstanden damals in Blei ge- 



Zina und Blei. 619 

f(ossene Gruppen und Reliefs. Hier scheint besonders Antoine Coyzevoz 
die Modelle geschaffen zu haben, unter anderem für die Kaskade acht 
Kindergruppen mit Schalen. 

In Paris selbst wurde, wie mau weiß, nach dem Modelle des Pierre 
Oranier im Jahre 1691 eine Bleifigur für die .Laterne" des Invaliden- 
hauses ausgeführt und zu Ende des 17. oder zu Beginn des 18. Jahr- 



Fig. Mi. Lamoareni. Denkmal Cbristlans V. in KopenbagCD. S- *1*. 

hunderts fertigte Ph. Bertrand die vergoldete Gestalt eines sitzenden 
Christus ftlr den Pont Neuf. 

In den Jahren 1681 — 1688 schuf ein französischer Meister, Abr, C. 
Lamoureux, sogar ein großes Reiterstandbild in Bleiguß, nämlich das 
Denkmal König Christians V. in Kopenhagen (Fig. 434, S. 619). 

Mf^lich ist es, daß die Anregung, große Bildwerke in Blei zu 
gießen, von den Niederlanden ausging. Bekannt ist nämlich, daß J^rome 



620 17. und 18. Jahrhundert. 



du Quesnoy d. J. schon im Jahre 1653 für den Garten des alten Palastes 
der Herzöge von Brabant in Brüssel einen Adler und einen Herkules in 
vergoldetem Blei ausführte. 

Angegeben wird weiter, daß ein holländischer Bildhauer Larson im 
Jahre 1654 in Berlin zwölf Kinderfiguren modellierte, die, in Blei ge- 
gossen, dort im Lustgarten aufgestellt sein sollen. 

Im 18. Jahrhundert nahm die Verwendung des Bleies in der Groß- 
plastik einen noch wesentlich größeren Umfang an, und auch in Deutsch- 
land, ganz besonders in Oesterreich, lernte man den Wert des zunächst 
häßlichen und scheinbar zu weichen Metalles immer mehr schätzen. 

In Frankreich setzte man die Bleigußarbeiten für die großen Spring- 
brunnenanlagen in Versailles weiter fort. Der Bildhauer Rousseau 
lieferte noch im Jahre 1738 Bleiskulpturen für das schon im Jahre 1676 
begonnene „Nouveau bosquet du Dauphin". In den Jahren 1739 und 
1740 scheinen die letzten großen Bleigruppen für das auch bereits gegen 
1680 begonnene „Bassin de Neptune" gefertigt zu sein. Insbesondere 
schufen Sigisbert und Nicolas Adam im Jahre 1739 das Modell der 
großen Mittelgruppe „Neptun und Amphitrite**, die von Montheau (?) 
gegossen wurde (Fig. 435, S. 621). (Dussieux a. a. 0. und Thirion, 
Les Adam et Clodion. Paris 1885. S. 109). 

Von Bleigußwerken, die im 18. Jahrhundert in Paris aufgestellt 
wurden, seien angeführt ein Wandbrunnen im Hofe der Polizeipräfektur 
(Abb. in Daly, Motifs histor.), eine Fontäne nach dem Modelle des Bild- 
hauers Slodtz im Garten des Msr. Jannel bei der Barri^re-Blanche, eine 
Reihe massiv gegossener Gruppen des Bildhauers de Fernex, die im Palais 
Royal als Eerzenträger dienten, und besonders die im Jahre 1783 im Park 
Monceau aufgestellte (in der Revolution zerstörte) Figur einer Negerin, 
ein Werk Houdons. Von dieser Figur wird angegeben, daß sie natur- 
farben bemalt war und in der einen Hand eine weiße Marmordraperie, 
in der anderen eine goldene Kanne hielt (Gonse, Sculpt. fran9. S. 241). 

Großartige Bleibrunnen mit vielen großen und kleinen Figuren zieren 
noch heute den Stanislausplatz in Nancy ^ von dessen schmiedeisemen 
Gitterwerken, innerhalb deren die Bleibrunnen aufgestellt sind, früher 
(S. 236) gesprochen wurde. In den Rechnungsberichten des Königs Stanis- 
laus vom Jahre 1761 sind Zahlungen über die Bleigruppen an den Bild- 
hauer Barth^lemy Guibal verzeichnet. Nicht unerwähnt bleibe, daß 
auch die großen Sockelfiguren an dem im Jahre 1755 gegossenen Denk- 
male Ludwigs XV. auf demselben Platze in Nancy, ein gemeinsames Werk 
B. Guibals und P. L. Cyffl^s, in Blei ausgeführt waren (s. S. 532, 
Abb. 383). Der Gießer jener Werke war vielleicht Louis Briey, der 
damals als „Maitre plombier ** fQr König Stanislaus tätig war (Cham- 
peaux, Dict. d. fond.). 



Zinn und Blei. 



Die bei weitem tu eisten und berühmtesten Bleibildwerke , die im 
18. Jahrhundert von deutschen Künstlern geschaffen wurden, entstanden, 
wie schon gesagt wurde, in Oesterreich. 



622 18. Jahrhundert. 



Die Bildhauer Rafael Donner (1693— 1741) und Balthasar Moll 
(1717 — 1785) sind es, deren Leistungen als Bleiplastiker in erster Reihe 
von Bedeutung sind. Die großartigste Schöpfung Donners ist der im 
Jahre 1739 vollendete Brunnen auf dem Neumarkte in Wien (Fig. 436, 
S. 623), dessen bleierne Bildwerke, um sie nicht einem drohenden Ver- 
derben anheimfallen zu lassen, vor etlichen Jahren getreu in Bronze 
nachgegossen worden sind. 

Ein zweiter, etwa um dieselbe Zeit entstandener, in Blei gegossener 
Wandbrunnen mit Perseus und Andromeda ziert den Hof des alten Rat- 
hauses in Wien (Fig. 437, S. 624). 

Ein in Preßburg erhaltenes großes Bleigußwerk Donners ist die 
Reitergruppe des heiligen Martin (Fig. 438, S. 625). (Vergl. Ilg, Allgeni. 
Kunstchronik 1884.) 

Im Dome zu Gurk befindet sich eine lebensgroße Pieta des Künstlers 
in Bleiguß (Abb. in List, Bildhauerarbeiten in Oesterreich-Ungam • . . . 
Wien 1896 — 1901, Taf. 54). Von anderen Bleigußwerken Donners 
seien angefQhrt zwei Kruzifixe für die Burgkapelle in Wten^ eine 
Merkurstatue in Klosterneuburg (Fig. 439, S. 626) und eine Madonna 
für den Kirchhof an demselben Orte. (Näheres über Raf. Donner schreibt 
Dernjac in der Oesterr.-ungar. Revue 1889, und Stolz im „Kirchen- 
schmuck" 1889.) 

Balthasar Moll schuf für Klagenfurt das im Jahre 1765 ent- 
hüllte Denkmal der Maria Theresia, mit der Statue der Kaiserin in 
Bleiguß. Ein in Blei gegossenes, im Jahre 1781 vollendetes Reiter- 
bild Kaiser Franz I. von Moll, das ehemals im Paradiesgärtchen auf- 
gestellt war, befindet sich seit dem Jahre 1819 im Kaisergarten der Hof- 
burg in Wien. 

Teilweise früher entstanden von Balthasar Molls Hand eine Reihe 
in Wien erhaltener Bleisärge österreichischer Fürsten und Fürstinnen, 
unter denen einige durch höchste Prachtentfaltung ausgezeichnet sind. 
Besonders gilt das von dem im Jahre 1751 vollendeten Sarkophage der 
im Jahre 1750 gestorbenen Kaiserin Elisabeth Christina, der Gemahlin 
Karls VI. und dem Doppelsarkophage der Kaiserin Maria Theresia (f 1780) 
und Franz I. von Lothringen (f 1765), der noch zu Lebzeiten beider im 
Jahre 1754 von Moll geschaflfen wurde (Abbildungen dieser und anderer 
von B. Moll gefertigten Sarkophage in List, Bildhauerarbeiten in Oester- 
reich-Ungam, Wien 1896—1901. Taf. 27 ff. üeber das Leben und SchafiTen 
B. Molls schreibt Näheres Ilg in Berichte und Mitteilungen des Alter- 
tumsvereins zu Wien, Bd. 25 und 26, Jahrgang 1889 und 1890). 

Von anderen österreichischen Künstlern zeichneten sich als Blei- 
plastiker noch besonders aus Joh. H agenauer (1732 — 1810) und Franz 
Xaver Messerschmidt (1732 — 1783). Hagenauers Werk ist die 



Zinn und Blei. 



18. Jahrhundert. 



Fig. 131, S. Donner, 



Uarieosäule, die im Jahre 1771 vor dem Dome in Sahburg aufgestellt 
wurde, dann eine ansprechende, 41 cm hohe Gruppe: der gefesselte 
Prometheus, aus dem Jahre 1759. Messerschmidt schuf um das Jahr 



Zinn und Blei. 



Fig. 133. R. Donner, S. Martin in Preßbur^. 
LQcr. Unedle Metolie. 



626 18- Jabrhundert. 

1760 eine Bieistatue der Kaiserin Maria Theresia im ungaHüclien Krönungs- 
omat (in Laxenburg bei Wien), dann für die Fassade des Savoy. Damen- 
stiftes in Wien um das Jahr 1768 eine Gruppe der unbefleckten Empfäng- 
nis Maria. Weiter sei von des Künstlers Bleigußwerken genannt die BOsie 



Flg. 43«. R. Donner. Uerkur ia Klosteraeubarg. 8. <«. 

des , Kapuziners" im Städtischen Museum in Preßburg (Abbildungen bei 
List, a. a. 0. Taf. 47 und 55. Vergl. Ilg, F. Messerschmidts Leben und 
Werke. Prag 1885). 

Schließlich seien noch angeführt Tobias Kracker, der Bildner der 
Bleisarkophage Kaiser Leopolds I. (t 1705) und Kaiser Josephs I. (t 1711) 



Zinn und Blei. 627 



und Franz Kohl, der um 1750 die Bleifigurengruppen über dem Portal 
der Peterskirche in Wien arbeitete (Abb. dieser Werke bei List, a. a. 0. 
Taf. 25, 26 und 15). 

Nur weniges kann über die Bleiplastik des 18. Jahrhunderts im west- 
lichen Süddeutschland mitgeteilt werden. 

Für das Schloß Schleißheim bei München goß ein Franzose Jacques 
Villemotte Anfang der Zwanzigerjahre zwei Gartenvasen von 15 Fuß 
Höhe ,mit erhebten Figuren oder Historien reich mit Laubwerk geziert** 
in Blei, für die über 5000 Gulden bezahlt wurden (Mayerhofen). 

Für Schloß Nymphenburg haben Wilhelm de Groff und dessen 
Sohn Karl de Groff wenig später Bleigruppen geschaflfen. Im Jahre 
1737 hatte Wilhelm de Groff dorthin „bereits 12 Gruppen in Blei 
gefertigt, diejenigen abgerechnet, die um die große Kaskade standen*' 
(Nagler, Künstl. Lex.). 

Von nicht geringem Interesse ist es, daß man für die Residenz in 
Würzburg an Stelle der sonst üblichen Goldbronzebeschläge, z. B. auf den 
Türen Beschläge aus „feuervergoldetem ** Blei anbrachte (R^nard). 

Zu größerer Bedeutung gelangte die Bleiplastik noch in Berlin. Zu 
den prachtvollsten Leistungen gehören auch hier etliche Sarkophage preus- 
sischer Fürsten und Fürstinnen. Sie wurden zum Teil nach Modellen 
Andreas Schüters von Johann Jacobi (s. S. 516) zu Anfang des 
Jahrhunderts gegossen. 

Die hervorragendsten unter diesen Särgen sind die des Großen Kur- 
fürsten und seiner zweiten Gemahlin Dorothea, dann nach Schlüters 
Modell die Särge der Königin Sophie Charlotte (f 1705), Fig. 440, 
S. 628, König Friedrichs L (f 1713), Fig. 441, S. 629, und des Prinzen 
Friedrich Ludwig (f 1708), des ältesten Sohnes des späteren Königs 
Friedrich Wilhelm L; der letztere wird dem Künstler von Nicolai zu^ 
geschrieben. 

Eine reichere Arbeit ist auch der Sarg des Markgrafen Philipp 
Wilhelm von Schwedt (f 1711). (Nähere Angaben in: Borrmann, Bau- 
und Kunstdenkmäler von Berlin. Berlin 1893, S. 165 fiF.) 

Für Potsdam entstanden um die Mitte des Jahrhunderts auch einige 
große frei aufgestellte Bleiguß werke, unter denen das bedeutendste die 
Neptunsgruppe im Springbrunnen des Lustgartens am Stadtschlosse ist. 
Sie soll nach einem Entwürfe Knobeisdorfs von Nahl, Benkert und 
Heymüller modelliert und von Benjamin Giese gegossen sein, von 
dem Nicolai angibt, daß er «in Potsdam und Sanssouci verschiedene 
bleyeme und metallne (d. h. bronzene) Bildsäulen verfertigt*^ habe. 

Ueber eine in Blei gegossene „Glücksgöttin" im Potsdamer Lust- 
garten ist Näheres nicht bekannt, ebenso über einen im Jahre 1754 auf 
dem Potsdamer Rathause aufgestellten Atlas mit der Weltkugel, der vom 



g28 13. Jahrhundert. 

Sturme herabge werfen und 1776 durch einen in Kupfer getriebenen er- 
Betzt wurde. 

Nichts erhalten ist auch von den Bleiguß werken des in Bariin im 
Jahre 1756 gestorbenen englischen Bildbauers Earl King, von dem 
Nicolai angibt, daß er verschiedene bleierne Statuen geschaffen habe. 

Nur wenige große Bleigußwerke entstanden während des 18. Jahr- 
hunderts in England und Irland. Der Bildhauer Henry Cheere schuf 



Fig. MO. Schlüter uDd Jacobi, Sarkophug der KönigiD Sophie Charlotte von PrenSen 

um das Jahr 1700 eine Statue Shakespeares für das Theater Drury-Lane 
und nach dem Modelle Peter Scbeemakers eine Figur für den Hyde- 
Park-Comer in ioM(/on (Champeaui, Dict. d. fond.). Eine in Blei ge- 
gossene Reiterstatue Geoi^s III., die unter Leitung Joseph Wiltons 
nach einem Modelle von Beaupr^ gegossen wurde, befand sich ehemals 
auf dem Berkely-Square in London (Fortnum). In Dublin goß John van 
Most, der in den Jahren 1750 — 1787 in Irland tätig war, die Bleistatuen 
Williams III. und Georgs IL ftlr CoUege und Stephens Green (Fortnum). 



Fast scheint es, als ob im 18. Jahrhundert die Verarbeitung des 
Zinnes zu häuslichem Kleiogerät, insbesondere zu Speisegeschirr, wieder 
einen erneuten Aufschwung genommen hat. 

Der Verwendbarkeit von Zinngerät im Hause kam jedenfalls der 
Formgeschmack und die Dekorationsweise dieser Zeit besonders ent- 

Während in den Jahrhunderten vorher die z. B. für Speiseteller be- 



s Königs Friedrich 1. von PrenBcn 

sonders ungeeignete Gravierung oder Reliefverzierung Üblich war, be- 
schränkte man im 18. Jahrhundert den Schmuck der Geschirre fast allein 
auf geschmackvolle Führung der TJmriSlinien und eine eigenartige, viel- 
fach in gewundener Linie geführte flache Faltung oder Berippung (Fig. 442, 
S. 630 und Fig. 443, S. 631). 

Seit dem Beginne des 19. Jahrhunderts wurden Zinngeräte fOr den 
häuslichen Bedarf zunächst künstlerisch immer mehr vernachlässigt. Erst 
allmählich mit der steigenden Wertschätzung der alten Geräte des 16. und 



630 Id. Jahrhundert. 

17. Jahrhunderts nahm di« Zinngußtechnik einen erneuten Aufschwung. 
Man begann in Anl^nang an alte Modelle besonders den neuzeitlichea 
Bedürfnissen angepaßte TrinkgefaSe herzustellen. Die Firmen Lichtinger 
in München, Pruckner in Landshut, Ertel in Eger und Zampoai in 
Graz taten sich durch Arbeiten dieser Art hervor. 

Neue Wege ging auf diesem Eunstgebiete mit großem Erfolge be- 



Flg. ta. Ziangeachlrr d«9 18. Juhrhanderta (In FrivatbeslU). S. ti», 

sonders die Firma E. Eajser in Köln a. Rh. (vetgl. Deutsche Kunst 
und Dekoration 1898/1899, S. 245 ff.). 

In Frankreich ist der Hauptrepräsentant für die in gleichen Bahnen 
wie bei uns Über alte Motive zu neuartigem Schaffen in jüngster Zeit 
fortgeschrittene Entwicklung der Pariser Zinngießer Jules Brateau. 

Mehr in das eigentliche Qebiet der Plastik greifen zumeist die Zinn- 
guSarbeiten des Bildhauers R. Lärche hinüber, deren bedeutendes Gewicht 
schon ihrer Bestimmung als Tafelaufsätze u. dergl. ein wenig hinder- 
lich ist (Fig. 444, S. 632). 

FOr große bildnerische Werke hat man im 19. Jahrhundert das Blei 
nur selten verwendet. 



Zinn und Blei. 631 

Das größte französische BleiguSverh dürft« die irohl gegen 1810 
entstandene, im Jahre 1828 durch einen Bronzegufi ersetzte Quadriga 
nach dem Modelle von Franij. Fred. Lemot (1773—1827) mit Pferden 
nach Modellen von S. Marcus auf dem Are de triomphe du Garrousel 
im Hofe des Louvre zu IPans gewesen sein, deren Höhe auf 3,20 m und 
deren Länge auf 4,70 m angegeben wird (Inv. G^n^ral, Paris, Moniun. civ. 
Bd. I, 1879, S. 258). 



Fig. m. ZinngeacbiiT des is. Jahihanderts (in Privatbesitz). S. »i». 

Im Jahre 1807 wurde auf der Säule der Place de Chätelet in Paris 
die in Blei gegossene Gestalt einer Viktoria nach dem Modelle von Louis 
Simon Boizot (1743—1809) errichtet (Champeaui, Dict. d. fond.; 
nach dem Invent. g^n^ral ist die Figur in Bronze gegossen). 

In Nanct/ soll die dort befindlii^e, nach einem Modelle von Nie. Lepy 
ausgeführte Reiterstatue lUn^s U. in Blei gegossen sein (Faber, Koot.- 
Lex. Bd. V, S. 61). — Ein durch seine Verbindung von Marmor und Zinn 
bemerkenswertes neueres Werk ist das Watteaumonument im Jardin du 
Luxembourg in Paris. Die fast ein Meter hohe Zinnbüste an diesem 
Denkmale nach dem Modelle von Gauguin und Guillaume aus dem 
Jahre 1896 wurde von Coupierre-Drouard gegossen. 



632 19' Jahrhundert. 

Unter den deutschen Künstlern tat sich zu Anfang des 19. Jahr- 
hunderts wiederum ein Wiener Bildhauer, Martin Fischer, der schon 
im Jahre 1798 ein Brunnenmonument , den Mosesbruimen in Wien, in 
Bleiguß ausgeführt hatte, auf demselben Gebiete hervor; noch vier weitere 
Brunnen sollen nach seinen Modellen in Blei gegossen sein (Folnesics, 
Kunstgewerbeblatt 1885, S. U7). 

In größerer Menge wurden nach Modellen verschiedener Bildhauer 
für die Schlösser und Parks Ludwigs 11, von Bayern in Linderhof und 
Herrenchiemsec Figuren, Brunnen u. dergl. außer in Zink auch in ,Hart- 



Flg. Ui. R. Larcbe, Tafelanfsatz. Farli, Muiti if« Lunrnbourg. S. «30. 

blei" von der Eönigl. Erzgießerei in München gegossen (Mitteilung 
der Gießerei). 

Nur eine der deutschen Denkmalstatuen, die K, v. Blüchers in Altona, 
ist nach dem Modelle des Bildhauers Schiller im Jahre 1852 von Howaldt 
in Braunschweig in BleiguQ ausgeführt. 



Eine umfangreichere Verwendung als Zinn und Blei hat in der Plastik 
des 19. Jahrhunderts das Zinkmetall gefunden. 

Man überschätzte bei diesem bis dahin fast unbekannten Metalle 
einige sehr hervortretende vorteilhafte Eigenschaften, insbesondere die 
gute und leichte Gießbarkeit und die Billigkeit, übersah aber, daß 
dem Zink doch im Grunde alle die künstlerisch bedeutsamen Vorzüge 
mangeln, die es für die Bildnerei dauernd geeignet erscheinen lassen 



Zink. 633 

könnteo und deren Vorhandensein wir in höchstem Maße an der Bronze 
schätzen. 

Den wenig beneidenswerten Ruhm, das Zink in die Plastik eingeführt 
iD haben, gem^t Berlin. In der KSniglichen Eisengießerei wurden 
im Jahre 1832 die ersten Gießversuche damit angestellt, die bald auch 
bei Modellen größten Maßstabes Erfolg hatten. 



Fiff. Hi- R. Larcbe. MlUelgnippe des TarelaufantEes Fig. in. 

Auf der Allgemeinen Ausstellung deutscher Gewerbeerzeugnisse des 
.Jahres 1844 in Berlin waren bereits von der Königlichen Eisengießerei 
und von der Berliner Gießereifirma Devaranne große Zinkgußarbeiten 
ausgestellt. 

Der Guß geschab, wie damals auch ausschließlich bei der Bronze, in 
Sand. Man goß die Modelle in vielen Teilen, da ja deren Vereinigung 
durch Zinnlot äußerst leicht zu bewerkstelligen war. 



634 Id* Jahrhundert. 



Um die in der Farbe besonders unschöne und gegen Witterungs- 
einflüsse sehr empfindliche Oberfläche zu verhüllen und zu schützen, be- 
diente man sich schon damals galyanisch hergestellter üeberzüge. Man 
verkupferte, versilberte, ja vergoldete sogar die ZinkguBmonumente, allen- 
falls begnügte man sich aber auch mit einem Oelfarbeanstrich. 

In der Folgezeit taten sich im Guß großer Zinkbildwerke in Berlin 
besonders hervor der „Akademische Künstler** Moritz Geiß und die 
Gießereien von A. Castner & Gie. und Gladenbeck & Sohn. 

Von größeren Berliner Zinkgußwerken seien als Beispiele angeführt 
zwei um die Mitte des Jahrhunderts von 6. Genschow modellierte kolos- 
sale Obotriten für die Schloßbrücke in Schwerin i. Jf., das nach Modellen 
von H. und F. Schubert von Geiß in Berlin gegossene, im Jahre 1867 
enthüllte Jubeldenkmal des Herzogs Leopold Friedrich in Dessau^ die 
Viktoria nach Chr. Rauch am Kriegerdenkmal in Lyck aus dem Jahre 
1875 und die Germania nach Neumanns Modell an dem im Jahre 1880 
enthüllten Kriegerdenkmal in Moabit-Berlin, 

Auch die süddeutschen Gießereien konnten sich dem Bedürfnisse nach 
billigen Monumentalbildwerken nicht entziehen. Schon um die Mitte des 
Jahrhunderts entstanden auch in Wien, Stuttgart und München große 
Zinkskulpturen. 

Erwähnt seien von älteren süddeutschen Werken dieser Art eine in 
der Fürstlich Salmschen Gießerei in Wien gegossene Gruppe ,Der 
Kampf mit dena Drachen* nach Fernkorns Modell (Münchener Aus- 
stellung 1854), die Kolossalstatuen Heinrich der Löwe und Ludwig von 
Bayern nach dem Modelle Konr. Knolls am alten Bathause in München 
(Gießer unbekannt) und vier Musen auf dem Theater in Stuttgart^ die 
nach dem Modelle W. Brauns (f 1863) von Pelargus in Stuttgart in 
Zink gegossen wurden. 

In Frankreich und den übrigen europäischen Kulturländern hat man 
es ebenfalls an Versuchen nicht fehlen lassen, das Zink der Monumental- 
skulptur dienstbar zu machen, doch man scheint nirgends so weit gegangen 
zu sein, wie bei uns. 

Erfreulicherweise wird auch in Deutschland das Zink für künstlerische 
Zwecke immer seltener verwendet, eine den Geschmack zersetzende Gefahr 
bildet es heute vielleicht nur noch in der traurig minderwertigen Bazar- 
plastik, doch damit steht es auch in den Nachbarländern nicht besser, 
wie ein Blick in Pariser und Londoner Schaufenster lehrt. 



Ortsverzeichnis. 



B =. Bronze, Kupfer, Messing. E — Schmiedeisen, Gußeisen. Z = Zinn, Zink, Blei. 



A. 



Aachen. Adlerpalt B 360 

Denkmäler B 276. 562 

Gitter ^ 208 ; B 279 

Eopfreliquiar B 808 

Licbtkrone B 288 

Türflügel B 279 

Wölfin B 280 
Aalborg. Gitter E 154 
Ahrensburg b. Bückeburg. Statuetten B 496 
Aibling. Denkmal B 562 
St Albans. Gitter E 22 

Türbescblag E 10 
Alcala. Balustrade B 478 
Alessandria. Denkmal B 602 
Alezandrowa. Tür B 841 
Allerheiligen. Kanzel E 197 
Alpirsbach. Türbeschlag E 6 
Alsen. Türbeschlag E 5 
Altbrünn. Leuchter B 828 
Altdorf b. Nürnberg. Brunnen B 426 

Grabkreuz E 128 
Altenberg. Adlerpult B 860 

Gitter ^117 

Grabplatten B 884. 851 
Altenburg. Denkmal B 562 

Gedenk- und Grabplatten 853. 445. 491 
Altena. Denkmal Z 682 
Altpenig. Türbeschlag E 5 
Amalfi. Türflügel B 276 
Amberg. Taufkessel B 848 
Ambras (Schloß). Antependium B 522 

Brunnenfiguren B 490 
Amiens. Gitter E 286 

Grabm&ler B 819 



Amsterdam. Denkmäler B 597 

Figuren ^ 351. 500 
Amorbach. Gitter E 228 
Anclam. Grabplatte B 447 
Andennes. Adlerpult B 860 
Anet, Ch&teau d\ Bronzearbeiten 480 
Angermünde. Denkmal B 562 

Taufbecken B 824 
Angers. Türbeschlag E 13 
Annaberg. Denkmal B 562 

Grabplatten ^ 446 
Ansbach. Messingarbeiten 526 

Denkmal B 562 
Antoing. Leuchter B 865 
Antwerpen. Brunnenlaube E 101 

Denkmäler B 449. 597 
Apollonia. Statue B 268 
Arad. Denkmal B 562 
Arborfield. Gitter ^ 86 
Argilly. Engelfigur B 828 
Arles. Türbeschlag E 16 
Aman. Leuchter B 494 
Aiiistein. Türbeschlag E 6 
Arolsen. Denkmal B 562 
Arona. Kolossalfigur B 508 
Arundel. Gitter E 59 
Aschaffenburg. Grabplatten B 412. 442 
Athen. Athenafiguren B 269 
Atrani. Tür B 276 
' Au, Kloster. Leuchter B 801 
Augsburg. Altäre B 875. 488 

Bronzearbeiten für das Rathaus 488 

Brunnen B 487. 488. 489. 495 

Denkmäler B 562 

Figuren und Gruppen B 488 

Gitter E 54. 120 ff. 204. 212. 228. 282 



636 



OrtsTerzeichnis. 



Augsburg. Gitter B 408 

Kronleuchter B 870 

Tür B 291 

Tflrbeschl&ge E 186 f. 

Wandarm E 249 
Auzerre. Türklopfer E 88 
Avelghem. Adlerpult B 860 
SainirAventin. Gitter E 19 
Avüa. Gitter E 21. 158 
Ayen. Türbescblag E 27 

B. 

Babelsberg. Figur B 562 
Baden. Grabplatten B 409 
Bamberg. Brunnen B 562 

Denkmäler B 562 

Grabmäler B 358.442.445.484.490.558 

Gußarbeiten für Altar B 490 

Wandleuchter B 298 
Barcelona. Gitter E 62. 64 

Standleuchter E 98 

Türring E 81 
Bardowieck. Taufbecken B 326 
Barletta. Denkmal i? 276 
Bartfeld. Hängeleuchter E 88 
Basel. Gitter E 226 
Bastonges. Kronleuchter E 89 
Bayeux. Bronzearbeiten 542 

Lichtgeräte B 289. 809 

Türbeschlag E 74 
Bayreuth. Aufsatz f. d. Rezeptiertisch J^258 

Standbilder B 562 
Beaune. Brunnenhaube E 103 

Sprechgitter E 83 

Türklopfer E 83 
Beauvais. Gitter £ 286 
Bechin. Taufbecken ^611 
Bedword. Grabplatte B 822 
Beetzendorf. Taufbecken B 326 
Beiersdorf. Türbeschlag E 8 
Belfast Denkmal B 605 
Beigard a. P. Denkmal B 562 
Benatek. Taufbecken Z 609 
Benevent. Tür B 279 
Berchtesgaden. Weihwassergefäß B 304 

Denkmal B 562 
Bergamo. Kandelaber, Kanzeln B 507 
Berlin. Kgl. Eisengießerei E 258. 259- 260 

Kgl. Eisengießerei B 551. 552. 568 

Kgl. Eisengießerei Z 638 



Berlin. Kgl. Gewerbeinstitut 563 

Aufsatz f. d. Rezeptiertisch E 253 

Brückenbrüstung E 259 

Denkmäler, Brunnen und Figuren und 
Grappen an öffentlichen Bauten B 
516 ff. 521. 551. 552. 554. 555. 562 ff. 

Denkmal Z 634 

Denkmal E 259 

Falkenbauer ^196 

Figuren und Reliefs in Sammlungen 
B 265. 271. 416 

Figuren Z 620 

Gitter B 596 

Gitter E 152. 155. 221. 232. 255 

Grabdenkmäler B 413. 563 

Grabkreuz J^ 251 

Humpen Z 613 

Kandelaber B 399 

Kassette E 201 

Kreuzfuß B 302 

Laterne E 252 

Reiterstatuette E 200 

Särge Z 627 

Taufkessel B 846 

Taufkessel Z 616 

Truhenbeschlag E 35. 248 

Türbeschläge E 78. 185 

Türklopfer B 455. 472. 508 

Wandarm E 249 
Bern. Adlerpult J9 861 

Brunnenfigur B 566 

Denkmäler B 566. 597 
Bernburg. Denkmal B 566 
Bemkastel. Gitter ^119 
Besannen. Statue B 481 f. 
Bielefeld. Denkmal B 566 
Bleicherode. Türklopfer B 875 
Blois. Brunnen B 480 
Bochum. Denkmal B 566 
Bologna. Aquamanilen B 820 

Brunnen B 469 

Denkmal B 602 

Fackelhalter E 44. 173 

Figuren und Gruppen B 457. 507 

Kerzenständer B 839 
Bolton. Denkmal B 605 
Bonlanden. Wandarm E 249 
Bonn. Denkmäler J3 566 
Boppard a. Rh. Türbeschlag E 6 
Bordeaux. Grabfiguren B 481 

Denkmal 529. 595 



Ortaverzeichnifl. 



637 



Bordesbolm. Grabmal B 409 
Boskowitz. Kanzel 1^ 197 
Boulogne. Denkmal B 595 
Bourges. Gitter E 62 

Türklopfer E 83 
Braine. Gitter E 87 
Bramstedt. Taufkessel B 315 
Brandenburg a. d. H. Kronleuchter E 192 

Taufbecken B 316. 846 
Braunau. Denkmal B 566 
Braunsberg. Kronleuchter B 868 
Braunschweig. Altar B 295 

Brunnen Z 611 

Brunnen B 566 

Denkmäler B 293 f. 559. 560. 566 

Gitter E 152 f. 

Grabplatte B 349. 357 

Leuchter B 295. 456 

Quadriga B 560 

Reiterstatuette B 495 

Taufbecken B 344. 345 

Tflrbeschlag E 4 
Braunweiler. Gitter ^116 
Breda. Gitter E 57 

Taufkessel B 450 

Taufkesselarm E 194 
Breitenburg, Schloß. Brunnenhaube E 

153 
Bremen. Denkmäler B 566 

Brunnen B 566 

Taufbecken jB 312 

Türen B 566 
Bremerhaven. Denkmal B 566 
Brescia. Denkmal B 602 
Breslau. Denkmal 550. 566 

Gitter E 144 f. 206. 221 

Grabplatten B 334. 356. 446. 492 

Kronleuchter B 370 

Relief B 496 

Taufbecken B 848 

Tür -B 455 

Türbeschlag E 73. 244 

Zinngefäße Z 612. 613 
Brieg. Standbild B 566 
Brioude. Türbeschlag i^ 13 
Bristol. Denkmal B 546 
Bromberg. Denkmal B 566 
Brück a. d. Mur. Brunnenlaube E 135. 
187. 188 

Türbeschlag E 72. 78 
Brückenau. Denkmal B 567 



Brügge. Adleipult B 860 

Denkmäler B 872. 597 

Gitter E 22 

Grabmonumente ^ 850. 448 

Kronleuchter B 362. 500 

Lesepult B 500 

Türen B 500 

Wandarm E 194. 195 
Brühl, Schloß. Gitter E 224 
Brunn. Kandelaber B 372 

Türbeschlag E 73 
Brüssel. Brunnenfiguren ^ 499. 527 

Brunnenhaube E 102 

Denkmäler B 527. 597. 598 

Figuren Z 620 

Figuren u. Gruppen B 372. 597. 598 

Grabplatte B 334 

Kandelaber ^ 364 

Statuen B 527 

Taufkessel B 306 
Budapest. Denkmäler B 567 

Kopfreliquiar B 308 
Bückeburg. Figuren und Gruppen B 496 

Taufbecken B 496 
Bueil. Leuchter B 377 
Büsum. Taufkessel B 815 
Burford. Gitter E 179 
Burg. Denkmal B 566 
Burgos. Gitter ^64. 161 

Kanzel E 101 

Teneberleuchter E 193 
Burleigh. Gitter E 180 

C. 

Cadiac. Türbeschlag E 16 
Cadillac. Grabmalfigur B 481 
Cadore. Denkmal i^ 602 
Ga^n. Denkmal B 595 
Galcar. Kronleuchter E 85 
Cambridge. Gitter E 59. 180 
Cannstatt. Denkmal B 567 
Canosa. Tür B 279 
Canterbury. Grabmal B 838 

Gitter E 22. 58. 59. 179 
Cappenberg i. W. Kandelaber B 70 

ReUquiar B 308 
Carrouges (Schloß). Gitter E 167 
Celle. ReUefplatte B 492 
Gerisy-la-For^t. Lesepult E 101 
Chablis. Türbeschlag ^11 



638 



OrtsTerzeichnis. 



Chalons sur Marne. Tflrbeschlag E 74 
Champmol. Adlerpult, Säulen B 328 
Chanteheuz. Gitter E 238 
Ghantilly. Denkmäler B 508. 595 
Ghapelle-ä- Wattine. KerzensiAnder E 95 
Charlottenburg. Denkmal B 567 
Charlottenhof. Figuren, Hirsche B 552 
Chäteaudun. Türklopfer E 83 
Chatsworth. Gitter E 180 
Chemnitz. Denkmäler B 567 
ehester. Türbeschlag E 28 
Chiaveri. Denkmal B 602 
Chichester. Gitter E 22. 59 
Chi^yres. Adlerpult B 360 
Christchurch. Gitter E 59 
Christiania. Denkmal B 605 
Chur. Ereuzfuß B 302 
Clagny. Gitter ^171 
Clermont. Bronzearbeiten 542 
Cleve. Grabmal B 351 
St. Cloud. Gitter E 171 
Cluny. Gitter E 20 

Kandelaber B 309 
Coalbrock - dale - Company. Eisengießerei 

262 
Colberg. Kronleuchter B 368 

Türbeschlag B 336 
Colchester. Türbeschlag E 28 
Commercy. Gitter E 238 
Compidgne. Gitter J^ 241 
Conques. Gitter E 19 
Corbach i. N. Grabplatte E 256 
Cordova. Hirsch B 310 

Tür B 340. 341 
Cortona. Hängelampe B 272 
Corvey. Säulen B 281. 282 
Coutances. Türbeschlag E 74 
Crombach. Schioßblech E 185 
Cuenca. Gitter E 161 
Cues. Grabplatte B 351 
Currey Rivell. Gitter E 179 

D. 

Dampierre, Chätean de. Standbild B 595 
Danzig. Brunnenfigur B 488. 492. 498 

Gitter E 155. 156 

Gitter B 454 

Lichtgei^t B 368. 456 

Tauf kessel B 452 
Darmstadt. Denkmäler B 567 



Debrezin. Statue B 567 
Delft. Denkmal B 598 

Grabmal B 499 
Delphi. Wagenlenker B 267 

Denkmal ^ 271 
Dessau. Denkmäler B 567 

Denkmal Z 634 
Detmold. Denkmal ^ 567 
Diessen. Gitter E 212 
Dijon. Denkmal jB 511 

Gitter E \n 
Dinant. Kandelaber B 500 
Dinkelsbühl. Denkmal B 567 

Türring E 78 
Dion. Denkmal B 211 
Dixmunde. Wandarm E 194 
Dobris (Schloß). Gitter E 231 
Dordrecht. Gitter, Gittertür B 527 
Dortmund. Adlerpult B 360 

Denkmäler B 567 

Kronleuchter E 84 

Taufbecken ^ 343 
Dresden. Kurfürstliche Gießhütte B 491 

Denkmäler, Brunnen etc. B 520. 552. 
567 f. 

Gitter E 150. 221 

Reiterstatuetten B 396. 524 

Reiterstatuette E 200 

Säulen B 445 

Schloßblech ^ 187 

Werkzeuge E 199 
Drottningholm. Brunnen B 498 

Figuren und Gruppen B 498 
Dülken. Lichtständer E 93 
Düsseldorf. Adlerpult ^ 360 

Denkmäler B 518. 568 

Kopfreliquiar B 303 

Kruzifix B 518 

Schloßblech E 11 
Düren. Denkmal B 568 
Dürrenmungenau. Abendmahlskanne Z 618 
Dublin. Denkmäler B 605 

Denkmäler Z 628 
Duisburg. Denkmal B 568 
Durham. Türbeschlag E 8 
Durlach. Brunnen B 428 



E. 



Eastwood. Türbeschlag E 7. 10. 11 
Eaton Bray. Türbeschlag E 28 



Ortsrerzeichnis. 



639 



Eberbacb. Tflrbeschlag E 6. 10. 11 
Ebernbnrg. Denkmal B 568 
Ebraeil. Türbeschlag E 12 
Edinburg. Gruppe B 496 
Eger. Kronleuchter B 870 
Eichstätt i. B. Brunnenfigur B 490 

Mariensänle B 520 
Einbeck. Kronleuchter B 866 
Einaiedeln. Gitter E 118 
Eisdorf. Tflrbeschlag E 8 
Eisenach. Denkmal B 568 
Eisgrub. Gitter E 141 
Eisleben. Denkmal B 568 

Grabmal B 445 

Kronleuchter B 456 
Elberfeld. Denkmäler B 568. 569 
Elbing. Denkmal B 569 

Taufbecken B 825 
Ellwangen. Gitter E 204 

Grabplatten B 858 
Ely. Gitter ^ 59. 179 
Embrun. Tflrbeschlag E 27 
Emden. Grabplatte B i/^1 
Emmerich. Tauf kessel B 450 
Ephesos. Figur B 269 
Erfurt Brunnen und Denkmal B 569 

Grabplatten B 858. 854. 402. 412. 446 

Lichtger&t B 298 

Reliquiar B 808 

Tflrbeschlag E 66 f. 
Erkelenz. Adlerpult B 860 
Erlangen. Brunnen und Denkmftler 569 
Essen. Denkmäler B 569 

Grabplatten B 447 

Leuchter B 281 
Eßlingen. Gitter E 54 
Esterhazy. Schloßgitter E 219 
Eton-GoUege. Figur B 546 
Eutin. Denkmal B 569 
Evreuz. Tflrbeschläge E 80 



F. 

Falkenstein. Denkmal B 569 
Feldberg. Gitter E 54 
Ferrara. Altarfiguren B 897 

Denkmäler B 897 

Statue B 506 
Füby. Gitter E 86 
Flintbeck. Taufkessel B 452 



Florenz. Aquamanilen B 820 
Baubeechlagteile E 48 f. 
Brunnen und Brunnenfiguren B 888. 

469. 471. 505 
Denkmäler B 469. 470. 602 
Figuren, Tiere und Gruppen B 270. 271. 

882. 888. 888. 889. 457. 459. 464. 469. 

470. 505 
Gitter E 46. 206 
Kamingei^t E 198 
Kanzeln B 886 
Klein-Bronzen 466. 470 

Licht- und Feuerungsgerät B 272. 475. 

505 
Reliefs B 882. 466 
Tflren und Beschläge B 838. 380. 882. 

883. 894. 898. 505 
Tflrklopfer E 88 

Fontainebleau. Brunnen B 481 

Figuren B 479 

Gitter E 168. 167 
Fontenelle. Leuchter B 807 
Forst i. L. Denkmal B 569 
Frankfurt a. M. Denkmäler und Gruppen 

B 569 

Gitter E 53. 116. 118. 119. 208 

Grabplatten B 487 
Frankfurt a. 0. Denkmal B 569 

Leuchter B 828 

Taufbecken B 824 
Franzensbad. Standbild B 869 
Frederiksborg (Schloß). Brunnen B 496. 

498 
Freeren. Adlerpult B 860 
Freiberg. Gitter E 147. 148 

Grabmäler B 442. 444. 491 

Kruzifix B 444 
Freiburg i.B. Brunnen B 569 

Gitter E 106 

Grabkreuz E 250 
Freising. Erzgießerei B 290 
Friedberg. Gitter E 58 

Leuchter E 89 
Friesach. Türbeschlag E 6 

Denkmal B 569 
Fritzlar. Leuchter B 801 
Fflrstenfeld. Gitter E 281 
Fürstenfeldbruck. Gitter E 229 
Fflrstenwalde. Grabplatte B 855 
Fürth. Brunnen und Denkmal B 569 
Fulda. Denkmal B 569 



640 



Orttivisrzeichnis. 



9. 



Gadebusch. Taufbecken B 844 
Gaeadonk. Leuchter E 93 
Gaülon. Statuen B 479 
Gandersheim. Kandelaber B 328 
Gargano (Berg). Tür B 276 
Garmisch. Grabkreuz E 251 
Gaurin. Leuchter B 866 
Gehren (Schloß). Reliefplatte E 257 
Geisenheim. Gitterleuchter E 198 
Gelnhausen. Kandelaber Z 610 
Gembloux. Gitterleuchter B 366 
Genf. Brunnen B 597 

Denkmäler B 597 
Gent. Kronleuchter E 192 

Lesepult B 528 

Türen B 527 
Genua. Denkmal B 602 

Figuren u. Reliefs B 470 

Kapellenschmuck B 507 
Gera. Denkmäler ^ 570 
Gerona. Gitter E 65 
Glatz. Gitter E 145 
Gleiwitz. Eisengießerei E 258 
Gnesen. Grabplatten B 856. 415 

Tür ß 294 
GöUnitz. Kanne Z 618 
Görlitz. Denkmäler u. Brunnen B 570 

Gitter E 145 

Türbeschlag E 245 
Gothenburg. Denkmal B 605 
Göttingen. Denkmal B 570 
Goslar. Brunnen B 826 

Crodoaltar B 801 

Kaiserstnhl ^ 284 

Kronleuchter B 869 

Taufbecken ß 451 
Gotha. Gruppe B 496 

Plakette B 416 
Grabow. Taufbeckenständer E 258 
Grafendorf. Türbeschlag J^ 6 . 
Grafenegg (Schloß). Brunnenlaube E 135 
Granada. Gitter i; 161 
Gransec. Denkmal E 259 
Graudenz. Denkmal E 259 
Graz. Brunnenhaube B 440 

Denkmäler B 570 

Gitter E 189. 140. 220 

Kronleuchter E 251 
Great Casterton. Türbeschlag E 74 



Gr^noble. Denkmal B 595 
Großwardein. Denkmal B 570 
Großweikersdorf. Gitter E 219 
Guadalnpe. Gitter E 160 
Gnastalla. Denkmal B 467 
Güstrow i. M. Türring B 337 
Gumbinnen. Denkmal B 552. 570 
Gurk. Figur Z 620 



U. 



Haag. Denkmäler B 599 

Kronleuchter ß 862 
Haddiscoe. Türbeschlag E 8 
Hagenau i. Schi. Gitter E 144 

Standleuchter E 94 
Hai. Adlerpult B 860 

Kronleuchter i? 89 

Taufbecken B 842 

Türbeschlag E 68 

Wandarm ^ 98. 99 
Halberstadt. Adlerpult B 861 

Gitter E 158 

Grabmäler B 853. 445 

Kronleuchter E 85. 192 

Lichtgerät B 828. 366. 867. 870. 456 

Taufbecken B 813. 815. 492 
Hall i. Tirol. Gitter E 127 

Schloßblech E 76 
Hall, Schwäbisch. Gitter E 209 
Halle. Baldachinaufbau B 412 

Denkmäler B 552. 570 

Gedenkplatten B 413 

Taufbecken ^ 846 
Haller Salzberg. Gedenktafel B 422 
Hamburg. Brunnen, Denkmäler etc. B 570 

Gartenpyramide ^196 

Gitter E 232 

Plakette B 416 

Schloßbleche E 185. 189 

Türringe B 887. 455 

Wandarm E 249 
Hampton Court. Gitter E 179. 180 
Hanau. Denkmal B 570 
Hannover. Brunnen B 572 

Denkmäler B 570 fP. 

Gitter ^ 153. 232 

Kopfreliquiar B 303 

Kronleuchter E 87 

Figur B 801 

Taufbecken B 843 



Ortsverzeichnis. 



641 



Hannover. Türklopfer B 374 

Truhenbeschlag E 35 
Hants. Gitter E 59 
Harlem. Gitter B 453 
Hartenstein. Denkmal 572 
Hattenheim. TOrbeschlag E 68 
Hattstedt. Taufbecken B 492 
Hecbingen. Grabmal B 403 
Heidelberg. Denkmäler B 572 
Heilbronn. Denkmäler B 572 
Heiligenblut. Gitter E 56 
Heilsbronn (Kloster). Grabmäler B 414. 487 
Heleneborg. Brunnenfigur B 498 
Hellefeld i. W. Taufbecken Z 609 
Helmstedt. Grabplatte E 256 

Taufkessel B 451 

Türbeschlag B 317 
Herrenchiemsee. Brunnen, Figuren Z 682 
Herrnsheim. Standleuchter E 94 
Herzogenbusch. Gitter E 57 

Kronleuchter B 362 

Taufbecken B 342 
Heves. Gitter E 231 
Hietzing. Denkmal B 572 
Hildesheim. Christussäule ^ 284 

Denkmäler B 572 

Gitter E 22 

Gittertür ^ 153 

Grabplatten B 317. 351. 447 

Lichtgerät B 285 ff. 301 

Taufbecken B 311. 451. 452. 492 

Tür B 284 
Hötting. Grabtafeln B 422 
Hohensyburg. Denkmal B 572 
Honfleur. Adlerpult B 377 
Hormead. Türbeschlag E 7 
Horowitz. Eisengießerei 258 
Husum. Taufbecken B 492 
Huy. Denkmal B 599 



1. 



Icklingworth. Gitter E 36 
Ilsenburg. Eisengießerei 261 
Imsum. Taufkessel i^ 315 
Ingelheim. Tür B 279 
Ingolstadt. Gitter E 119 
Innsbruck. Brunnen B 422. 490 

Gitter E 128. 131 

Grabskulpturen B 407. 418—422. 490 
Lüer, Unedle Metalle. 



Innsbruck. Sargbeschlag E 35 
Insterburg. Denkmal B 572 
Iserlohn. Denkmal B 572 
Itzehoe. Denkmal B 572 
Ixelles. Denkmal B 599 

J. 

Jena. Brunnen B 572 

Grabplatte B 446 
Joinville. Grabfigur ß 377 

Kairo. Türen B 341 
Kaiserslautern. Eisengießerei 261 
Karlshütte B 570. 
Karlsruhe. Denkmäler B 572 

Gitter E 225 
Karlstein. Gitter E 50 

Taufkesscl Z 610. 

Türbeschlag ^ 73 
Kassel. Brunnen B 424 

Denkmal B 572 

Figuren Z 616 

Grabplatte B 446 

Reiterstatuette P 504 

Relief E 201 
Kelheim. Tor B 572 
Kellinghusen. Taufkessel B 315 
Kempen. Gitter £^ 52 

Kronleuchter E 85 
Kempten. Brunnensäule B 488 
Kidrich. Standleuchter E 93 

Türbeschlag J5; 68 
Kiel. Brunnen B 572 

Denkmäler B 573 

Tauf kessel ^ 323. 324 
Kiew. Denkmal B 606 
Kirchheim. Gruppe B 436 
Kissingen. Denkmal B 573 
Klagenfurt. Denkmal B 573 

Denkmal Z 622 

Schloßblech E Ih 
Kleve. Standleuchter E 93 
Klostemeuburg. Gitter £ 219 

Leuchter B 298 

Statuen Z 622 
Koblenz. Denkmal B 573 
Koburg. Denkmäler B 573 

41 



642 



Ortsverzeichnis. 



Eoburg. Ofenplatten E 256 
Köln. Adlerpult B 861 

Denkmäler B 573 

Gitter E 53. 117 

Gitterleuchter E 89 

Grabmäler B 329. 851. 446 

Handtuchhalter E 101 

Eerzenständer E 94 

Lichtgerat B 289. 298. 370 

Sprengkessel B 875 

Taufkessel B 450. 492 

Türen B 573 

Wandanne E 101. 109 

Wandleuchter E 89 
Eöniggrätz. Gitter E 56 
Königsberg. Epitaph B 492 

Gitter E 152. 232 

Denkmäler B 516. 555. 573 
Königshütte i. H. Eisengießerei 258 
Kösfeld i. W. Taufbecken B 348 
Kolberg. Leuchter B 328. 324 

Taufbecken B 824 
Komburg. Kronleuchter B 288 
Konitz. Denkmal B 573 
Konstanz. Brunnen B 573 

Gitter E 53. 106. 110. 113. 208 

Grabplatte B 858 

Medaillons B 290 

Türklopfer B 875 
Kopenhagen. Brunnenfigur B 500 

Denkmäler B 587. 548. 605 

Denkmal Z 619 

Gitter E 154 

Innungsschlüssel ^196 

Reiterstatuette E 199 
Kostl. Gitter ^ 141 
Krakau. Altarschmuck B 484 

Gitter B 454 

Grabplatten B 402 

Särge Z 616 

Türbeschlag E 78 
Krautheim i. Bad. Gruppe B 524 
Krefeld. Denkmal B 578 
Krems a. D. Türbeschlag E 78. 74 
Kremsmünster (Stift). Leuchter B 289 
Kreuznach. Denkmal B 573 
Kröpelin. Taufbecken B 452 
Kronborg. Brunnen i? 424 
Kronstadt. Denkmal B 606 
Külsheim i. B. Brunnen Z 610 
Kyffhäuser. Denkmal B 578 



L. 



Lahneck. Türbeschlag E 68 
Lambacb. Gitter E 140 
Landau. Denkmal B 573 
Landsberg a. W. Brunnen B 578 
Landshut. Denkmäler B 578. 574 
Landstraße. Gitter E 283 
Langeac. Gitter ^ 60 
Laon. Türbeschlag E 27 
Lauchhammer. Eisen- und Erzg^eßerei E 

258. 261. B 552. 554. 562 flf. 567 ff. 

572 ff. 577 ff. 582. 583 
Lauenstein. Gitter E 147 
Lauingen. Denkmal B 574 
Laval. Denkmal B 595 
Laxenburg. Eronleuchter B 370 

Statue Z 626 
Leau. Gitter B 454 

Leuchter J9 862. 364 
Le Dorat. Türbeschlag E 12 
Leighton-Buzzard. Türbeschlag E 27 
Leipzig. Brunnen B 574 

Denkmäler B 574 

Gitter ^ 150. 231. 232 

Grabplatten E 257. B 353. 444. 445. 
491 

Statuetten B 524 
Leitmei-itz. Taufbecken Z 616 
Le Maus. Schloßblech E 78 
Lemberg. Denkmal ^ 574 

Grabmal B 423 
Lemgo. Tauf kesselarm ^194 
Lenzen. Taufbecken B 845 
Leon. Gitter E 64 
Le Puy. Gitter E 18 

Türbeschlag E 11 
Leubus. Gitter E 145 

Gi-abplatteu J9 335. 446 
Leuze. Adlerpult B 360 
Levroux. Türbeschlag E 12 
Liboch b. Prag. Standbilder B 574 
Lichfield. Türbeschlag E 28 
Lichtenfels. Grabtafeln B 442 
Lichtenthai. Denkmal B 574 
Lichterfelde. Denkmal B 574 
Liegnitz. Denkmal B 574 

Gitter E 147 

Taufbecken B 816 

Taufbecken Z 609 

Türbeschlag A' 244 



Ortsverzeichnis. 



643 



Lier. Kerzenständer E 96 
Lille. Grabmal B 350 

Käucherbecken B 318 
Limerick. Denkmal B 605 
Lincoln. Gitter E 21 

Grabfiguren B 321 
Lindau. Brunnen B 574 

Denkmal B 574 
Linderhof. Brunnen und Figuren Z 632 
Linz a. D. Laterne E 252 
Liverpool. Denkmäler B 605 
Livorno. Denkmalfiguren B 505 
Lochtum. Kronleuchter E 87 
Lo6se. Türbeschlag E 73 
Löwen. Adlerpulte B 360. 364 

Gitter B 454 

Kronleuchter E 88 

Leuchter B 364. 365 

Wandarm E 98. 99 
Löwenberg. Krug Z 613 
London. Büste Z^ 481 

Denkmäler B 500. 604. 605 

Denkmäler Z 628 

Feinarbeiten in Eisen 201 

Figuren und Gruppen i^ 501. 546 

Gitter E 36. 57. 83. 179. 191 

Goldbronzearbeiten B 541 

Grabmäler B 320 ff, 337. 459. 483. 501 

Kreuzfuß B 302 

Leuchter -B 310 

Lichtstander E 96 

Plakette B 415 

Schüsseln etc. B 476 

Türbeschlag E 74 

Truhenbeschlag E 35 
Loreto. Brunnenlaube E 135 

Statue B 459 

Tür 5 459. 460. 471 
Louderville. Türbeschlag E 16 
Lucca. Gitter E 178 
Lude, Chäteau du. Figur B 378 
Ludlow. Gitter E 179 
Ludwiglust. Tauf beckenständer E 253 
Lübeck. Denkmal B 574 

Gitter B 454. 492 

Grabplatten -B 329 ff. 334. 352. 409. 447 

Grabplatte E 256 

Hängeleuchter E 88 

Lichtgerat B 362. 368. 494 

Tabernakel B 373 

Tauf kessel B 323. 324. 843 



Lübeck. Türklopfer B 317. 386 
Lüne, Kloster. Brunnen B 375 
Lüneburg. Brunnen B 438 

Gitter E 22. 150 

Kandelaber 1^ 295. 328 

Kreuzfuß B 302 

Lichtgerät E 85. 86. 88 

Taufkessel B 326 

Türgriff A' 79 
Lüttich. Adlerpult B 360 

Denkmäler B 499. 599 

Gruppe B 599 

Lichtgerät ^ 289. 366 

.Peron- B 372 

Taufbecken B 306 

Türbeschlag i? 29 
Lund. Leuchter B 371 
Luzern. Gitter ^113 
Lyck. Denkmal Z 634 
Lyon. Denkmäler B 510. 528. 595 

Tabernakel ß 515 

Madrid. Denkmäler B 502. 503 

Figuren B 467 
Mägdesprung i. H. Eisengießerei 258 
Maestricht. Leuchter und Taufbecken B 

342 
Magdeburg. Denkmäler B 574 

Gitter J5; 50. 51 

Grabmäler B 294. 353. 354 

Leuchter B 371 

Kronleuchter E 85 

Türbeschlag E 30 
Maikammer. Denkmal B 574 
Mailand. Denkmäler B 397. 602 

Feinarbeiten in Eisen 201 

Figuren und Gruppen B 467. 507. 601 

Gitter E 262 

Kandelaber B 279. 298. 467 

Kanzelschmuck B 507 

Tabernakel B 507 
Mainz. Denkmäler B 574 

Gitter E 208 

Taufkessel ^610 

Tür B 284 

Zunftschlüssel E 196 
Maison-sur-Seine. Gitter E 164 
Malmaison. Figur B 481 
Malpas. Gitter E 36. 224 



644 



Ortsverzeichnis. 



Mannheim. Altarschmuck B 527 

Brunnen B 518. 575 

Denkmaler B 618. 574. 575 

Räucberbecken B 304 
Manchester. Denkmal B 605 
Mantua. Denkmal B 385 
Marbach. Denkmal B 575 
Marburg. Gitter E 109 

Kandelaber Z 610 

Taufkessel B 450 

Türbeschlag E 30. 68 

Türbeschlag B 317 
Marcevols. Türbeschlag ^15 
Maria-Einsiedeln. Gitter ^114 
Marienberg. Denkmal B hlb 
Marienfeld. Adlerpult B 361 
Marienstadt. Grabplatten E 256 
Market Deeping. Türbeschlag E 28 
Markgröningen. Türbeschlag E 69 
Marly. Gitter E 171. 236 

Gruppen und Reliefs Z 618 
Marseille. Denkmal ^510 
Mauerskirchen. Figur B 289 
Maulbronn. Türbeschlag E 6. 10. 11 
Mecheln. Brunnenfigur B 499 

Gitter E 57 

Kruzifix B 499 
Meißen. Denkmäler B 575 

Grabmäler B 353. 402 
Melk. Kopfreliquiar B 803 
Meran. Grabmal B 422 
Mergentheim. Grabplatte J9 415 
Merseburg. Denkmäler B 575 

Grabmäler B