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Full text of "Geschichte der Oper und des Königlichen Opernhauses in Berlin"

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COLLEGE 
LIBRARY 





MUSIC LIBRARY 


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GESCHICHTE DER OPER 



UNI) DES 



KÖNIGLICHEN OPERNHAUSES 



IN 



BERLIN 



L. SCHNEIDER 



KÖmOLICHKM HOFRATHB, RTTTRB DES HORENZOLLERKSCHEN nAUBOBDEKS 
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BERLIN 

VERLAG VON DÜNCKER UND HUMBLOT 
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HARVARD COLLEQC LIBRAfft 

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VOEWOET DEE VEELAGSHANDLUNG. 



Bei dem Interesse, welches die Folio Pracht-Ausgabe unserer Geschichte 
der Oper sowohl in künstlerischen und wissenschaftliehen Kreisen, als 
bei der Kritik gefunden, glauben wir einer Pflicht zu genügen, wenn 
wir dieses Werk auch in einer kleinern, handbaren Ausgabe dem grössern 
Publikum zugänglich machen. 

Nur die Benutzung des Satzes zur Folio-Ausgabe in anderer Form 
machte es möglich den Preis für die Oktav- Ausgabe auf Rthlr. 2^/^ fest 
zu setzen, natürlich ohne die artistischen und architektonischen Beilagen 
der Pracht -Ausgabe. — Sollten Liebhaber indessen wünschen, diese 
Beilagen auch neben der Oktav-Ausgabe zu besitzen, so sind wir bereit, 
dieselben (ur den Preis von Rthlr. 3 den Käufern dieser Ausgabe ab- 
zulassen. Der Preis fiir die Folio Pracht -Ausgabe bleibt unverändert 
wie früher Rthlr. 20. 

Die Beilagen bestehen aus 11 Blättern in Folio, nämlich: 

artiBtiBrlu Siilagni. . 

1. Innere Ansicht des Königl. Opernhauses zu Berlin nach dem Um- 
bau durch den Ober-Bau-Rath Langhans im Jahre 1844. 

2. Theater-Gostüme der italienischen Oper in Berlin aus den Jahren 
1700 bis 1775, nach Handzeichnungen von Eosander nxm Gö'the, Angelo 
Cori u. s. w. 

3. Theater-Gostüme der Oper in Berlin aus den Jahren 1777 bis 1844, 
nach Handzeichnungen von Meil^ Stürmer u. s. w. 

4. Zwei Decorationen der italienischen Oper in Berlin, 1) zur Oper 
Cleofide von Hasse, 2) zur Oper Orfeo von Graun, 

5. Facsimile eines Autographen König Friedrichs II. Ana delF Opera 
Cleofide del Sig. Hasse. 



Injittektnnklit 3JrilagBn. 

Taf. 1. Grundriss des Parterre des alten 1740 gebauten Opernhauses 
nach den Original-Planen des Freiherm von KnoheUdorff. 

Taf. 2. Grundriss des ersten Stockwerks desselben Gebäudes. 

Taf. 3. Vorder-, Hinter- und Seitenfa^ade desselben Gebäudes. 

Taf. 4. Querdurchschnitt durch den Redouten- und Goncertsaal, 
durch den Zuschauer-Raum; und Längendurchschnitt desselben Gebäudes. 

Taf. 5. Grundriss des Parterre des neuen, 1844 gebauten Opern- 
hauses nach den Plänen des Ober-Bau-Raths Langhans. 

Taf. 6. Grundriss des ersten Ranges desselben Gebäudes. 

Duncker und HumbloL 



REGISTER. 



(Die Seileauhl«n der Geschichte der Oper siAd nar darch Zahlen angegeben, bei denen der Beilage 
ist ein B, bei denen der Gapelle ein G and bei den Noieii ein n vorgesetzt.) 



Achille in Sciroe, Oper, 153. 
Adriani, Tänzer, 200. 218. 231. 
Adriano in Siria, Oper, 113. 
Agricola n88. nl36. 140. 143. 152. 

177. Unheil über ihn 152. 
— , Madame, s. Molteni. 
Albrecht, Markgraf, 7. 26. 30. 
Alceste, Oper, 269. 301. 
Alessandri, Feiice, Gomponist, 234. 

237. 241. 247, entlassen 250. 
Alessandro e Poro, Oper, 108. 
Alexanders und Roxanens Heiratb, 

Oper, 29. 
Alexis, Singspiel, 296. 
Aline, Königin von Golconda, Oper, 

302. 
d'Alican, Gatharina, 39. 
Amadori, Sänger, 145. 
Amalia, Prinzessin von Preussen, 38. 
Ambrosch, Tenorist, 246. 256. 260. 

265. 272. 289. 



Ariosti, Attilio, n5. 5. 11. 

Armida, Oper von Graun, 134; Oper 

von Righini, 271. 281.; von Gluck 

306. 
Arminio, Oper, 112. B. 49. 
Arnim, Baron von, Directeur des spec- 

tacles, 180; geht ab 196. Königliche 

Briefe etc. an ihn B. 82. 
Artaxerxes, Oper von Graun, 97. 106. 
Astrua, Sängerin, 119. 121. 139. 145, 

pensionirt 147, stirbt 148. 
Atalanta e Melagro, Oper von Righini, 

271. 
Athalia, Tragödie, 232. 
August, König von Polen, 44; in Ber- 
lin 1728, 49. 
August Wilhelm, Prinz von Preussen, 

seine Vermählung 72. 
Auguste, Prinzessin vonPreussen, 27 1 . 
Axur, Oper, 245. 

Rnhhini SflnffAr. 24f^ ^.i2. ^.^3. 



IV 



desselb. 158; unter Friedrich Wil- 
helm II 221. B. 116. Ballet in 
der Oper 265. Ballet als selbstän- 
diges Genre 261. 301. Kritik über 
das Ballet 280. «Preussische Bal- 
lette« 13. Balletrechnungen aus der 
Zeit des grossen Ghurfursten B. 24. 

Balletmeister^ s. Potier, Dubois, Lany, 
Sody, Denis, Salamon, Desplaces, 
Lauchery, Teile, Duquesnay, Lanz 
(beim Nationaltheater). 

Baranius, Mad., Sängerin, 233. 239. 
260. 

Barbarina 97. Engagement derselben 
99. Acten über dasselbe B. 37. 
Sie entzückt das Berliner Publicum 
1 1 1 . 1 18; ist der Liebling des Königs 
105; ihr Bild in den Zimmern des 
Königs 111; über ihr Yerhältniss 
zum Könige 111; ob sie mit dem 
Könige in Pyrmont gewesen 116; 
ihr Bildniss am Plafond des Schloss- 
theaters zu Potsdam 124; in Un- 
gnaden beim König nl22; geht 
nach England, nachdem sieverhaflet 
gewesen 125 ; Acten über ihre Ver- 
hältnisse B. 51 ; sie kehrt aus Eng- 
land zurück, um den Geh. Bath 
Gocceji zu heiratheu 130; Acten 
über ihr Yerhältniss zu demselben 
B. 53; mit Gocceji verheirathet 136; 
stirbt als Gräfin von Gampanini 138. 

der Barbier von Sevilla, Oper, 223. 

Bartoletti (Bartholdi, Batelotti), Sän- 
gerin, 151. 

Bedeschi, Paolo» 74. 89. 146. 176. 
198; stirbt 199. 

die beiden Savoyarden, Singspiel, 290. 

Bella Spica, Altist, 199. 

Bellavita, Innocente, Decorationsma- 
Icr, 121. 128. 132. 



Belmonte und Gonstanze, Oper, 223. 

Benda, die Familie, 51. 169. 212. 214. 
220. 

— der Sänger, 233; in der Oper Don 
Juan 240. 

Bergesche Truppe in Berlin 205. 

Bergier (Berger, Bergö] 151. 

Beschort 272. 295. 304. 

Besser, Horpoet, 28. 

Bethmann, Mad., 304. 

Bianchi, Antonio, Sänger, 255. 259. 
260. 270. 

Bibiena, Joseph Galli, Decorations- 
maler, 134. 

— , Garlo Galli, Decorationsmaler, 
152. 

Blaubart, Oper, 290. 

Biesendorf, Sängerin, 26. 

Bon s. Ruvinetti 128. 132. 

Bottarelli, Opemdichter, 65. 97. 

Brandel 239. 246. 

Brenno, musikalisches Drama vonRei- 
chardt, 230. 293. 

Britannico, Oper von Graun, 139. 

Bruscolini, Sänger, 96. 98, veriässt 
Berlin 141. 

Burgioni, Maria, s. Mantuanina. 

das Burgverliess, Oper, 289. 

Burnat, Signora, s. Lauchery. 

Gaesar auf Pharmacusa, Oper, 303. 

Galirrhoe, »thespisches Trauerspiel«, 
305. 

Gamal, Maria, auch Gamati (Farinella), 
62. 65. 70; ihre Tochter 161. 

Gampioli 31. 35. 

Gampolungo 65. 

Gantoni, Sängerin, 242. 247. 

Gapelle 2, unter Friedrich I 34, un- 
terFriedrich Wilhelm 1 42,Rheins- 
bcrger Gapelle 49. 51, nach Berlin 
übersiedelt 55. Vermehrung der 



Capelle 71. Verluste der Capelle 
im Jahre 1772, 169. Die Gapelle 
des Prinzen von Preussen mit der 
des italienischen Theaters vereinigt 
212, ihre Zusammensetzung n214. 

Capellmeister, s. Eccardt, Brade, Fin- 
ger, Graun, Agricola, Fasch, Rei- 
chardt, Alessandri, Righini, Weber 
(beim Nationaltheater). 

der Capellmeister, Intermezzo, 148. 

der Gapellmeister von Venedig 255. 

Capellordnung unter Joachim II G. % 
des Ghurfursten Johann George 
C. 11. 

Carara, Sängerin, 199. 

Carestini, Sänger, 132 139. 140, ver- 
abschiedet 144; B. 29. 33. 

la Gascina, komische Oper, 150. 

Gastor e Polluce, Oper, 222. 

Cataneo, Pr. Minister- Resident in 
Venedig, 74. 97. 100. 150. 153. 
173. 190. 

Gato in Utica, Oper von Graun, 97. 
99. 106. 107. 

Christian Ludwig, Markgraf, 7. 26. 

Gimarosa 250. 255. 

Ginna, Oper, 121. 

Gionnois, Tänzerin, 120 

Glaudine von Villa Bella, von Göthe, 
Musik von Reichardt, 233. 

la Glemenza di Tito, Oper, 91. 92. 94. 
106. 

Cleofide, Oper, 46. 143. 

Gochois, Marie, Tänzerin, 74. 114. 
122. 130. B. 32. 

— , Barba, Schauspielerin, mit dem 
Marquis d'Argens verheirathet 130. 

Coli, Gastrat, 151 ; singt die Iphigenia 
158; — 176. 180. B. 70. 

Concialini, Giov. Gario, 153. 176. 182. 
218. 229. 231. 247. 252; pensionirt 



266; sein Privatcharakter 266; stirbt 
268. — B. 68. 83. 

Gonradine, Sängerin, 26. 

Gori, Ange, 98; stirbt 179. B. 31. 

Goriolan, Oper, 129; Friedrichs Brief 
an Algarotti über diese Oper B. 53. 

Cosi fan tutte, Oper, 249. 307. 

Gosini, Buffo, nebst Frau 257. 270. 

Gricchi, Domenico, BuiTo, 123. 256. 

Grux, Tänzer, 243. 

la Dansomanie, Ballet, 297. 307. 

Decastelli, Signora, 242, verheirathet 
mit dem Balletmeister Teile n243« 

Decorationsmaler, s. Fabris, Bellavita, 
Bibiena, Fechhelm, Rosenberg, Fi- 
scher, Gagliari, Verona. 

Demofonte, Oper von Graun, 115. 

Denis, Tänzerfamilie, 128. 150. 151. 
1 57 ; Algarotti in Mlle Denis verliebt 
131. 

Deroche, Mad., Sängerin, 260. 

Desnoyers, Tänzer, 6. 

Desplaces, Tänzerfamilie, 146. 150. 
176. 196. 218. 231. n244. Despla- 
ces Balletmeister 200. Königliche 
Briefe an ihn B. 89. 

Didoue abbandonata, Oper, 140. 

Directeurs (maitres) des spectacles, 
s. (Markgraf Albrecht,) Suerts,Pöll- 
nitz, Golofkin, Zierotin-Lilgenau, 
Arnim (nach Arnims Abgang bleibt 
die Stelle unbesetzt 196), Reck. 

Di Scio 17. 

Dittersdorf228. 

Döbbelin 205, pensionirt 216; sein 
Theater zum Nationaltheater er-' 
klärt 211. 

der Doctor und der Apotheker, Oper, 
215. 

Dohna, Graf, Prcussischer Gesandter 
in Wien 101. 



VI 



Domitilla, TäDzerin, 120. 

die Donaunymphe, s. Nymphe. 

Dönhoff, Graf von, 41. 

Don Jaan, von Mozart, 239. 

der Dorfbarbier, Oper, 205. 277. 

Drei Freier auf einmal, Oper, 303. 

Dubois, Carl Sylvan, Balletmeister, 

29. 32. 
Duport,212.214R110. 
Duportail, Tänzerin, 120. 
Duquesney, Balletmeister, 284. 289. 

292. 
DuÄocher 18.27. 
Eichner, Adelheid, Sängerin, 196. 

197, gest 213. 
Eneanel Lazio, Oper von Righini, 252. 
Engel, dirigirt das Naiionaltheater 2 1 6. 

238. 
Eosander von Göthe 6. 9. 25. 30. 
Eunike, Hr., 291. 
Eunike, Mad., 272. 291. 
Europa galante, Oper, 123. 
Ezio, Oper von Graun, 146. 
Fabricio, Cajo, Oper von Graun, 117. 
Fahrig, Jacob, Decorationsmaler, 65. 
Fanchon, Singspiel, 302. 
Fantozzi, Angelo, 248. 253. 259. 269. 
Fantozzi, Marchetti-, 248. 252. 259. 

269. 289. 305. 308. 
Farinella, s. Camal. 
Fasch 178. 180. 

Fechhelm, Decorationsmaler, 155. 
Felix der Findling, Oper, 292. 
Ferdinand, Prinz von Preussen 107; 

seine Vermählung 146. 
la Festa del Himeneo, von Attilio 

Ariosti 4. 15. B. 1; von Graun, 

106. 



Filistri 215. 225; intriguirt gegen 
Alessandri 251; erhält den Titel 
Intendant der Königlichen Sdiau- 
spiele 271. 277. 

la Fille de Tair, Ballet, 271. 

il Filosofo di campagna, Intermezzo, 
148. 

Finger, Gapellmeister, 24. 

Fischer, Federico, Decorationsmaler, 
158. 

Fischer, Ludwig, Bassist, 231. 245. 
252. 261. 269. 277. 284. 

Franke in Halle gegen das Theater 111. 

Frankenberg, Sänger, 233. 

Franz, Sänger, 218. 231. 246. 252. 
258. 259. 261. 265. 269. 272. 277. 
284. 

i Fratelli nemici, Oper von Graun, 147. 

Friederike, Prinzessin von Preussen, 
236. 

Friedlin, Paolina, 7. 16. 

Friedrich I, Beginn der Oper unter 
ihm 4; Aufhören der Oper gegen 
Ende seiner Regierung 42. 

Friedrich II in Dresden bei König 
August im Jahre 1728, 46. Ge- 
schichte der Oper unter ihm 
55-210. Fr. hat wahrscheinlich 
die Pläne zum Opernhaus selbst 
entworfen 80. Ein Artikel von ihm 
in der Spenerschen Zeitung ge- 
gen den Balletmeister Potier 1743, 
92. Fr. nimmt selbst an der Be- 
doute Theil 96. Fr. lässt die Bar- 
barina engagiren 100; sein Ver- 
bal tniss zu ihr, s. Barbarina. Wie 
er gegen Franke in Halle verfährt 
111. Seine Theilnahme am Tbea- 



VII 



Januar 1747, 116; schrieb 1747 
die Ouvertüre zu dem Schäfer- 
spiel II r^ pastore 119; macht den 
Entwurf zur Oper Goriolan 1749, 
129; sein Brief an Algarotti über 
diese Oper B. 53. Fr. entwirft 1733 
den Text zur Oper Sulla, 141; 
componirt eine Arie zu dem Pasto- 
rale II Trionfo di fedeltä 1733, 143. 
Entwirft den Text zur Oper Moute- 
zuma 1754, 145, entwirft das Sing- 
spiel II Tempio d'amore 1755, 146; 
seine Lobschrift auf Knobelsdorff 
1753, 143; sein Bedauern über 
Grauns Tod 1759, 148; sein Ver- 
halten gegen seine Sänger 118. 
179; er bekümmert sich um die 
die grössten Kleinigkeiten der Oper 
170; begünstigt nach dem sieben- 
jährigen Kriege nicht mehr so die 
Oper 149. Wie er die Mara sich 
etwas vorsingen lässt 165;^ seine 
Nachgiebigkeit gegen sie 173; sein 
späteres Benehmen gegen sie 182. 
1 85. Fr. verbittet sich die Feier sei- 
nes Greburtstages 1775 durch eine 
Serenade, weil es nicht Gebrauch 
sei die Geburtstage zu feiern 178. 
Veränderung seines Greschmackes: 
die Musik Grauns und Hassens ge- 
fällt ihm nicht mehr 192. Fr. wen- 
det sich seit dem österreichischen 
Erbfolgekriege immer mehr vom 
Theater ab 193; betritt seit 1781 
nicht mehr das Opernhaus 195, 
will sich nur noch von seiner Opera 
buffa in Potsdam etwas vorspielen 
lassen 196. 
Friedrich Wilhelm I, als Kronprinz 3. 
5; sein Widerwille gegen die Oper 
12; Vorstellung bei seiner Vermäh- 



lung 23. Capelle und Oper unter 
ihm 42; Fr. W. in Dresden 40. Ob 
er ein Freund der Mu^ik war 50. 

Friedrich Wilhelm U, als Kronprinz, 
seine Vermählung mit Elisabeth 
von Braunschweig 154. Geschichte 
der Oper unter ihm 211. Fr. W. 
spielt in den Proben zur Oper das 
Violoncell 216; lässt das deutsche 
Theater an den Hof kommen 223; 
begünstigt die deutsche Oper 233; 
sein Aufwand bei der Vermäh- 
lung der Prinzessin Auguste 271. 
Trauercantate zu seiner Beisetzung 
272. Seine Verdienste um das Thea- 
ter und die Oper 273. Cabinets- 
ordres unter ihm B. 92. 

Friedrich Wilhelm III 276, kein 
Freund der italienischen Oper 276, 
lässt jedoch dieselbe auf dem 
früheren Fasse fortbestehen 278. 
Gabinetsordre vom 7. Febr. 1799, 
welche die Kosten einer Redoute 
den Armen Berlins bestimmt 283; 
seine Sparsamkeit 304. 

Frischmuth, Musikdirector beim Na- 
tionaltheater, 216. 

Frobese, Sänger, 27. 

Galatea und Acide 125. 

Gagliari (Galliari), Decorationsmaler, 
174; verlässt Berlin 175. 

Galiani, Angelo, Feuerwerker, 133. 

Gasparini, Giovanna, Sängerin, 65. 
70. 150. 176; pensionirt 177; singt 
noch in hohem Alter 197; stirbt 
182. — B. 79. 80. 

— , Sänger, B. 35. 

— , Tänzerin, 289. 

das Geheimniss, Oper, 300. 

die Greisterinsel, Oper von Rcichardt, 
277. 



vni 



Geistlichkeit gegen das Theater 20. 111. 

Gern, Bassist, 246. 291. 295. 

Gervasio, Sängerin, 195. 

Giusti, Thomas, Hannoverscher Bau- 
meister, 6. 

Glockengiesserin, Frau, 127. 

Glösch, Kammermusicus, 35. 

die Glückliche Rückkehr (1816) n243. 

die Glücksritter, Oper, 305. 303. 

Golofkin, directeur des spectacles, 1 56. 
162. 

Grassi, Bemardo Pasquino, 1. 3. 

— , Luigi, Sänger, 159. 161. 176. 218. 

Graun, Carl Heinrich, kommt 1735 
nach Rheinsberg 51; engagirt in 
Italien Sänger 60. 62. B. YIf;-65; 
dirigirt die erste Oper im Opern- 
hause 87; componirt die Opern 
Artaxerxes und Cato in Utica 97, 
einen Prolog la Festa del Hi- 
meneo 106, die Oper Alessandro 
e Poro 108, Lucio Papirio 111, 
Adriano in Siria 113, Demofonte 
115, Arminio 112, Gajo Fabricio 
117, le Feste galanti 118, il r^ 
pastore 119, Ginna 121, Europa ga- 
lante 123, Ifigenia in Aulide 126, 
Angelica e Medoro 128, Coriolano 
129, Fetonte 131, Mitridate 134, 
Armida 134, Britannico 139, Or- 
feo 139, Sylla 141, Montezuma 
145, Ezio 146, i Fratelli nemici 
147, seine letzte Oper Merope 147. 
Sein Tod 147. Sein Benehmen 
109; seine Lebensbeschreibung von 
Agricola 178. Grauns Zeit ver- 
gessen durch die Veränderung des 
Geschmacks 2^2. 

Graun, Job. Gottlieb, Goncertmeister, 
Bruder des Gapellmeisters, 169. 

i Greci in Tauride, Oper, 169. 171. 



Greibe260. 

Grugnanelli, Übersetzer, nll4. 

Grünewald, Darmstädtischer Yioe- 
Capellmeister, 31. 

Gulnare, Operette, 291. 

Gutjahr, Sophie, Sängerin, 7. 

Hammonsche Truppe in Berlin 205. 

Händel 37. 

Hasse 48. 113, nach Berlin eingela- 
den 141. 

Haydn 277; seine Schöpfung 285. 

die Heimliche Ehe, Oper, 307. 

Heinrich, Prinz von Preussen, ver- 
mählt 140; in der deutschen Oper 
264. 

Helene, Operette, 300. 

Hermann von Unna, Schauspiel mit 
Chören, 285. 

Hero, Melodram von Weber, 286. 

Himmel, Fr. Heinr., 263, Gapell- 
meister 264. 272; sein Tedeum 276, 
Yasco da Gama 287; leidenschaft- 
lich gegen Reichardt 288; seine 
Oper Fanchon 302. 

die Hochzeit des Figaro 239. 

Hubert! 88; s. Porporino. 

Hurka 227. 249. 242. 269. 277. 

Janitzsch, Kammermusicus, 96. 

Jery und Bätely, Singspiel, 290. 

Je toller je besser, Singspiel, 300. 

Ifliand, G^eneraldirector des National- 
theaters seit 1796, 270. 286. B. 126. 

Ifigenia in Aulide 126. 

— in Tauride, auf dem National- 
theater 264. 

Intermezzospiel 44. 123. 

Joly, Schauspielerin, 191. 

le Jugement de Paris, Ballet, 301. 

die Jungfrau von Orleans, Tragödie, 
292. 

der Kalif von Bagdad, Oper, 299. 



IX 



das Kästchen mit der Ghifire 254. 

Katharina (II von Russiand] in Ber- 
lin 98. 

Kauer 290. 294. 

Keiser, Reinhard, 13. 15. 

Kleopatra, Oper, 88. 90. 

Kneisel, Sängerin, s. Righini. 

Knobelsdorff 55. 61, Intendant des 
Spectacles 66; baut das Sehloss- 
theater zu Potsdam 124. 143. 

Koch, von der Opera buffa, 196. 256. 
B. 90. 

Koch, Mad., 150. 256. 

Koch, /uliane Caroline, 177. 182. 
186. 194, Madame Verona 196. 
197; st 197. 

Koch, Scbauspieldirector, 205. 

Kochius, Hofprediger, gegen die Bai- 
Iets4l. 

Kotzebue 293. 294. 304. 

Kreutzer 259. 

die Kreuzfahrer von Kotzebue 293. 

Kritik nl62. 181. 198. 200, über 
MozarU Don Juan n240; 248. 259. 
279. 290. 

das Labyrinth, oder der zweite Theil 
der Zauberflöte 300. 

Lampen, Buffo, 218. 257. 270. 

Landi, Operndichter, 155. 183. 197; 
gest. 213. 

Lange, Mad., Sängerin, 233. 

Langhans 215. 245. 

Lany, Balletmeister, 97. 

Lany, Mlie., 114. 

Lanz, Balletmeister beim National- 
theater, 216. 

Lauchery, Balletmeister, 218. 262. 
292. 297. 307; seine Tanzschule 
s. T. 

Lauchery, Caroline, 218. 231. 242. 
verehl. Bumat 252. 259. 277. 



Lauchery junior 223. 

Laura, Sängerin, 62. 65. 

der lebende Todte, Singspiel, 295. 

Lebrun, Francisca, Primadonna, 225. 

232. 234. 237, sL 241. 
Le Feuvre, Tänzer, 120. 
Le Kain, Schauspieler, 179. 
Leonardi, Sänger, 88. 
Le Riebe, FrauQois, Hautboist des 

Königs von Polen, nlO. 39. 
Le Roi, Tänzerin, 120. 
Leucippo, Schäferspiel, 152. 
Le Voir, Tänzer, 128. 130. 
Lichtenau, GräGn, 229. 247. 251. 

263; bestraft Concialini 267. 
Liebe und Treue, Liederspiel, 285. 
Liebhaber-Concert 220. 
Liebhaber-Theater 236. 
Lippert, Sänger, 233. 239. 260. Lip- 

pert, Mad., 260. 
Liverati, Buffo, 257. 270. 
Locatelli, Violinist, 44. 
Lucio Papirio, Oper, 111. 
Luini, Sänger, 146. 
der lustige Schulmeister, Singspiel, 

205. 
der lustige Schuster, Singspiel, 204. 
La Maestra di scuola, komische Oper, 

150. 
Maglio, Gio. Alberto, Sänger, 1. 
Mahomet, Trauerspiel von Voltaire, 

171. 
la Mantuanina, Tänzerin, eigentlich 

Maria Burgioni, 156. 176; ihr Con- 

tract B. 68; sie verlässt Berlin 192. 
Manzi, Nuntiata, Sängerin, 124. 256. 
Mara, Elisabeth, geb. Schmeling, 163; 

ihr Bild 164; wie der König sie 

zuerst hört 165; sie entzückt das 

Publicum 169; ihr Verhältniss zu 

ihrem Vater 1 76, B. 74; ihre Lieb- 



Schaft zum Kammermusicus Mara, 

171. 172; ihre unglückliche Ehe 
178. 185. B. 83; ihr Benehmen 
gegen den König 172. 185, ge- 
gen den Prinzen Heinrich B. 78. 
Sie entweicht aus Berlin 194. B. 
77; will nicht wieder nach Ber- 
lin kommen 215. 225; singt noch 
1803 in Berlin 299; lebt in hohem 
Alter in Reval 164. 

Mara, Ignatius, Kammermusicus, 171. 

172, nach Spandau geschickt 185. 
Marie Dorothee, Markgräfin, 91. 
Masi, Maria, Sängerin, 118. 
Mattausch 260. 

Mazzanti, 65. 89. 

Medea in Golchide, Oper, 222. 

M6hul, Gomponist, 299. 

Meil, W., Gostumier der Oper, 231. 

Melodram 286. 

Meroni, Tänzerin, 192. 196. n200. 
218.231. 

Merope, Oper von Graun, 147. 171. 

Mitridate, Oper von Graun, 134. 

Moiteni, verehl. Agricola, Sängerin, 
74. 88. 149. 155; pensionirt 179. 

Monodram 286. 

Montezuroa, Oper von Graun, 145. 

Monticelli, Sänger, 141. 

Morelli, Theatermaschinist, 177. 178. 
245. 

il Motti per amore, komische Oper, 
150. 

Mozarts Oper Belmonte o Constanze 
223, Hochzeit des Figaro 239, Don 
Juan 239, Gosi fan tutte 249. Zau- 
berflöte 259, Titus 291. 



Muttertreue, Operette, 300. 

National-Theater 211. 223. 238; im 
J. 1791, 245, im J. 1792, 249. 
Thätigkeit B. A. Webers seit 1793 
254. 259. 264; Direction IfHands 
270, unter Friedrich Wilhelm III 
277. etc.; günstige öconomische 
Verhältnisse desselben unter Iff- 
land 283. B. 95. 

Naumann, Gomponist, 222. 224. 252. 

Neubauer Schubert, Gatharine, 231. 

Nichelmann, Kammermusicus, 116. 

Nicias, Mlle., 218. 241. 252. 258. 

Nor^s, Tänzer, 243. 

die Nymphe der Donau 290; zweiter 
Theil294; dritter Theil 307. 

Oliviera, Tänzerin, 140. 

Oper, erste Anfänge einer Oper in 
Berlin: erste Berufung italienischer 
Sänger 1616, 1. Erwähnung von 
Opern vor dem J. 1 700, 40. Beginn 
der eigentlichen Geschichte der 
Berliner O. im J. 1700: La festa de! 
Himeneo 4, erste deutsche Ope- 
rette am churfurstlichen Hofe 10. 
Opern in Berlin nach der Rückkehr 
Friedrichs I von der Krönung 13; 
1702 i trionfi di Pamasso 15. Die 
Geistlichkeit gegen das Schauspiel- 
wesen überhaupt in den J. 1703- 
1705, 20. Oper im J. 1706, Sieg 
der Schönheit über die Helden 23. 
„Wirthschaften'^ und Masqueraden 
am Hofe im J. 1707, 28. Oper zur 
Feier der Vermählung Friedrichs 
mit seiner dritten Gemahlin 28. 
Oper im Dec. 1808, Alexanders 



XI 



44. AufiuhrungvoDHamburgischeD 
Opern um 1729, 45. Ursprung der 
grossen italienischen Oper unter 
Friedrich U 46. Geschichte der Oper 
unter Friedrich 55. Bau des Opern- 
hauses 55. fgg. Erste Oper unter 
ihm, Rodelinde im Schlosse aufge- 
führt 64. 68; Venus und Gupido 
1742, 72. Engagements italienischer 
Sänger 65. Erste Oper im Opern- 
hause: Caesar und Kleopatra 1742 
86; zweite Oper La Clemenza di 
Tito 1743, 91. Erste Graunsche 
Opern Artaxerxes im December 
1743, 97 und Goto in Utica im 
Januar 1744, 99. Engagement der 
Barbarina 1743, 99. Cari Hein- 
rich Grauns Gompositionen 106. 
Die Sängerin Astrua seit 1747, 121. 
Bedeutung der italienischen Oper 
entschieden 121. Erste Vorstellung 
des Intermezzotheaters 1747, aus 
dem die Opera buffa entstand 123. 
Die Oper verwaist, nachdem Graun 
und die Astrua zu krankein an- 
fingen seit 1 756, 1 47 ; löst sich wäh- 
rend des 7jährigen Krieges fast ganz 
auf 149; nach dem Kriege yom 
Könige nicht mehr so begünstigt 
149. Pöllnitz sucht sie zu reor- 
ganisiren 150. Urtheil über die 
damaligen Opern 151. Der König 
lässt nur Opern deutscher Gom- 
ponisten zur Aufführung bringen 
152; verliert das Interesse an der 
Oper 156; seine Oeconomie 157. 
168; die Oper ist nahe daran ver- 
pachtet zu werden 1770, 203; ge- 



ment der Mara 162. 163; durch 
Reichardt 160; doch altert die Oper 
191; während des Oesterreichi- 
schen Erbfolgekrieges in Unthätig- 
keit 193; sinkt seitdem immer mehr 
193; lässt das Opernhaus leer 197. 
Unterdessen entwickelt sich die 
deutsche Oper (seit 1767) immer 
freier 196. Uebersicht der Ge- 
schichte der deutschen Oper bis 
1786, 204. 206. — Geschichte der 
italienischen und deutschen Oper 
(letztere im Nationaltheater) unter 
Friedrich Wilhelm II 211. Die ita- 
lienische Oper verwaist 213; ge- 
hoben durch den König und die 
Thätigkeit des Barons von der Reck 
216. Die italienische O. verfällt 
immer mehr 247, hebt sich etwas 
durch Rigbini 251 und die Mar- 
chetti-Fantozzi 252; die unruhige 
Zeit ist ihr nicht günstig 259. Da- 
gegen Aufschwung der deutschen 
Oper durch Weber 254. 259. 264 
und Iffland 270. Versuche die grosse 
Oper mit der deutschen Oper zu 
verbinden 261. 273. Die deutsche 
O. unterstützt die italienische 293. 
Die italienische O. muss Gluck'sche 
Musik auffuhren 301. Die deutsche 
O. erreicht die italienische auch in 
Hinsicht der Ausstattung 294. 306; 
gewinnt selbst die Anerkennung 
der Franzosen 306. Aufhören der 
ital. O. 306. 

Opera buffa 123. 150. 194. 223. 238. 
256;imJ.1796,270;imJ.1797,272. 

Opernhaus, »neues« 25. n30. Ur- 



XII 



des Platzes zu dems. 57. Grand- 
steinlegung zu dems. 66. Original- 
zeichnungen der Pläne und Risse 
des Opernhauses von Knobelsdorff 
noch vorhanden 79; Friedrich hat 
wahrscheinlich die Pläne zum 
Operahause selbst entworfen 80. 
Fortsetzung des Baues 66. 68. Kos- 
ten dess. 73. Alte Beschreibung 
des Hauses 80. Ankündigung zur 
Eröffnung des Opernhauses 78; Er- 
öffnung dess. 86; alte Beschrei- 
bung der Aufführang einer Oper 
87. 108. Erste Redoute in dem 
Hause 95. Das Haus leidet durch 
das Bombardement der Russen 149; 
reparirt 150. Verbesserte Beleuch- 
tung und Einrichtung der Maschi- 
nerie B. 31. Einrichtungen we- 
gen Feuerlöschanstalten 192. B.87. 
Umbau und Renoyirung des Hau- 
ses 215, vollendet 216. Beschrei- 
bung des Innern des neu verschö- 
nerten Opernhauses B. 106. Seit 
dem Umbau soll die Musik nicht 
mehr so gut klingen wie früher 
250. Die Bühne und das her- 
aufgeschraubte Podium zum Malen 
der Decorationen gebraucht 224. 
Das Opernhaus zum ersten Male für 
Geld dem Publicum geöffnet, zu 
dem Oratorium Hiob, 230. Deut- 
sche Worte zum ersten Male im 
Opernhause 277. Das Opernhaus 
von den Franzosen zum Brodma- 
gazin benutzt 309. 

Orpheo e Euridice, O. von Graun, 1 39. 

Orpheus, Oper von Bertoni, 219; von 
Benda 220. 

Paganini, Intermezzospieler, 144; geht 
ab 148. 



Paiadini, Francesco, von der Opera 
buffa, 150. 

Pantomimenspieler, 151. 

Paolino, s. Bedeschi. 

Parthenope, Oper, 179. 

Paul Petrowitsch, Grossfiirst, in Berlin 
185. 186. 

Paul und Yirginie, Oper, 259. 

Peleus und Thetis, Gantate, 10. 

Pepusch, Gottfried und Johann Chri- 
stoph, 43. 

Petri, Signor, Tänzer, 241. 

Phädra, Trauerspiel, 171. 

Pinetti, Sänger, 65. 89. 

Poitier (Potier), Balletmeister, 27. 74. 
90; entlassen 92. B. 32. 

Polizei Verordnungen in Bezug auf das 
Opernhaus n217. 220. 

Pöllnitz, Baron von, 150; maitre des 
spectacles 152. 156. 162. Friedrichs 
Briefe an ihn B. 67. 

Porporino 74. 88. 1 12. 1 76. 187 ; stirbt 
197. B. 84. 

i portentosi effetti della madre natura, 
komische Oper, 150. 

der Portugiesicshe Gasthof, Operette, 
304. 

Potenza, Nina, Sängerin, 173. B. 80. 

„Preussische Ballette" 14. 

Prickerin, Sängerin, 60. 

Protesilao, Oper, 224. 

Quanz 48.50. 1 16. 1 19. 174; Nekrolog 
n 174; sein Einfluss 174. 

Ramler, mit Engel, Director des Na- 
tionaltheaters 216. 264; pensionirt 
270. 

Rau, Bassist, 291. 

Reck, Baron von, 215; mattre des 
spectacles 221. 225. 249. 262; ge- 
gen das komische Ballet, 262. B. 96. 

Redoute, erste im Opemhause, 95; 



xin 



Der Unterschied zwischen den ro- 
then und andersrarbigen Dominos 
aufgehoben 217. Beliebtheit der R. 
220. R. unter Fr. W. ffl 282. Erste 
R. im Schauspielhause 303. 

Red wein, Signora, 241. 

il Re pastore, Schäferspiel, 119. 

Rhadamiste u. Zenobie, Trauersp. 75. 

Rheinsberger Gapelle 49, üebersie- 
delung derselben nach Berlin 55. 

Reggiani, Signora, 139. 

Reichardt 180. 183. 186; seine Kri-r 
tik 199; nimmt 1785 Urlaub 201, 
kommt zurück 200; seine Trauer- 
cantate zum Leichenbegängnisse 
Friedrichs II 212; seine Streitig- 
keiten mit Duport 214. 221; er 
componirt die Oper Andromeda 
217, den ersten Act der Oper Pro- 
tesilao 224, die Oper Brenno 230, 
sein Tedeum 232, Glaudine von 
Villa Bella 233^ die Oper TOlym- 
piade 242. Intriguen gegen ihn 
242. R. componirt nichts mehr für 
die italienische Oper 244; von den 
revolutionären Ideen der Zeit an- 
gesteckt 253; Salzinspector 276; 
seine Creisterinsel 277; seine eigen- 
thümliche Stellung 278; sein Lie- 
derspiel Liebe und Treue 285, der 
Jubel 285, Tamerlan 286, Ros- 
monde 287; seine Eifersüchteleien 
mit Himmel 288; componirt Jery 
und Bätely 290, das Zauberschloss 
294; führt wieder den Titel Capell- 
meister294; componirt die Musik 
zu den Kreuzfahrern 294, den Tod 
des Hercules 295. 

der reisende Student, Singspiel, 295. 

Ricciarelli, Signor, 140, verabschiedet 
143. 



Rieck nß. 

Rietz, Mad., 229, s. Lichtenau. 

Righini 248, berufen 251 ; seine Oper 

Enea 252, Tincontro inaspetto 258, 

Tigranes 263. Atalante e Meleagro 

271, Armide 271. 276, Zauberwald 

297. 
Righini, Madame, 253. 270. 
Ritter Roland, Singspiel von Haydn, 

277. 
Rodelinde, Oper, 64. 68. 106. 
Romani, Antonio, Sanger, 97.99. 145, 

st 158, Anecdote von ihm nl58. 
Rosenberg, Decorationsmaler, 158. 
Rosmonde, Oper, 287. 289. 
Rowen, Walter, Bestallung G. 27, st. 

G.47. 
Rubinacci, Sängerin, 195. 222. 231. 

247. 252. 
Rütbling29i. 
Ruvinetti, Rosa, Primadonna, mit Bon 

verm. 123. 
Saint Luc 39. 
Salamon,Balletmeister, 156. 192; geht 

ab 196. 
Salimbeni, Feiice, 96. 107. 116. 121. 

130. 132. 
Santinina, Tänzerin, 140. 
der Schatzgräber, Oper, 300. 
Schauspielhaus auf dem Gensdarmen- 

markt 283, Siehe Theater. 
Schick, Mad., 258. 260. 265. 270. 272. 

277. 284. 285. B. 123. 
Schmalz, Amalie, 252. 277. 284. 
Schmeling, s. Mara. 
Schönemann, Theaterdirector, 204. 
die schöne Müllerin 255. 
Schönhans, Signora, 16. 
die Schöpfung von Haydn 285. 
Schubert, Tänzer, 218. 224. 231; ver- 
abschiedet 238. 



XIV 



Schulze, Joh. Peter Albrecht, däni- 
scher Gapellmcister, 232. 

die Schwestern von Prag, Oper, 285. 

Semiramis, Oper yon Graun, 144. 177. 
B. 80; Oper von Himmel, 263. 

Sempelina, Teresa, 139. 

Sidotti, Buffo, nebst Frau 150. 256. 

Sieg der Schönheit über die Helden 
23. B. 23. 

das Singspiel, Oper, 300. 

Sirley, Sängerin, 270. 

Sody, Balletmeister, 119. 121. 

il Sogno di Scipione, Oper, 1 16. 

Sommariva, Tänzerin, 284. 289. 

Sophie Charlotte, Königin, 18. 37; 
ihre musikalische Bibliothek 38. 

Spener gegen das Theaterwesen 20. 

Stallplatz, der, 4. n30. n45. 

Stefanino, Sänger, 74. 146. 

die Sternenkönigin, Oper, 303. 

Stiegel 168. 181, Schreiben von ihm 
187. B. 73. 

Streichel, Musikdirect. d. Ballets, 216. 

Stricker 24. 27. 30. 

Suerts, Baron, 92. st. 148. B. 31. 34. 

Sulmalle, lyrisches Drama, 294. 

Tagliazucchi 139. 141. 

Tamerlan, Oper, 286. 

Tanzschule 221. 

Teile, Balletmeister, 243. 289. 

il Tempio d'amore, Singspiel, 146. 

Tettau, von, 26. 30. 

Theater in der Poststrasse 17. 25. 

— in der Breiten Strasse über dem 
Königlichen Reitstall 4. n30. n45. 



Theater im Lichtenauschen Palais 266. 
274. 

— auf dem Gensdarroenmarkt für die 
Französisch. Schauspiele, zwischen 
dem jetzigen und der Seehandlung 
stehend 293, dem Nationaltheater 
eingeräumt 211, abgerissen 293; 
das neue Schauspielhaus erbaut 283. 
292; eröffnet im J. 1802, 293. Er- 
öffnung des Goncertsaales in dems. 
299. 

— im Gartensaale zu Oranienburg 9. 

— im Orangeriesaale zu Charlotten- 
bürg 76. 106. 227; Erbauung des 
jetzigen Theaters in Charlottenburg 
neben dem Schlosse 228, vollendet 
(1791) 245. 

— im neuen Palais zu Sanssouci 159. 
227. 

— Aufzählung der verschiedenen Kö- 
niglichen Theater 159. 

„Thespisches Trauerspiel^^ 305. 
Tigranes, Oper, 263, ihr Erfolg 284. 
Titus, Oper, 291. 

der Tod des Hercules, Melodrama, 295. 
Todi, Maria Francisca, Sängerin, 198. 

218.222.225.231.232. 
der Tollkopf, Oper, 303. 
Tombolini, 199. 231 ; bietet sich zur 

Primadonna an 238. 249. 252. 281. 

284. 289. 
Torcy, Tänzer, B. 77. 
Tosi, Sänger, 16. 
Tosoni, Giuseppe, Sänger, 146. 170. 

186. 218. B. 70. 



XV 



das Unterbrochene Opferfest 272. 
Unzeimann, Hr. und Mad., 239. 246. 

255. 260. 272. 290. 295. 300. 
Yachon, Goncertmeister, 214. 
Vanloo, Maler, 124. 
Vasco di Gama, Oper, 247. 287. 
Venturini, Primadonna, 97. 108. 
Venus und Cupido, Oper, 72. 
die verliebte Unschuld, Oper, 205. 
Verona, Decorationsmaler, 175. 177. 

192; mitderKoch Yerbeirathetl96, 

sein Einfluss 197;-211. 215. 238. 

249. 
Victor, Tänzer, 231, verabschiedet 238. 
Vigano, Tanzerpaar, 269. 271. 
Villati, Operndichter, 118. 123. 125. 

126. 128. 131. 139. 
Voglers Hermann von Unna 286. 
Volumier, Baptist, 25. 
Warsing, Geheime Rath, 264. 270. 
der Wasserträger, Oper, 295. 
Weber, Beruh. Anselm, seine Wirk- 



samkeit bei der deutschen Oper des 
Nationaltheaters 254. 259; com- 
ponirt seine Ataliba 260, Friedens- 
feier 265, Hero, Melodram 286, 
seine Oper Mudarra 284, das Vor- 
spiel: die Feier des Jahrhunderts 
289, Sulmalle 294, die Musik zur 
Jungfrau von Orleans 292, die 
Wette 307. 

Weidmann, Hofmaler, 25. 

Weidmann, Mlle., Sängerin, 26. 

Weisser Saal im Königl. Schlosse 57. 

Wessalius, Bestallung dess. G. 7, seine 
BittschriaG. 10; st. G. 19. 

Wessely 238. 

Zaire, Voltaire's, 135. 

Zauberflöte, Oper, 259; zweiter Theil 
300. 

das Zauberschloss, Oper, 294. 

Zierotin-Lilgenau, directeur desspec- 
tacles, 162; st. 179; Acten unter 
seiner Direction B. 70. 



EDUARD HANEL*8 BGCHDRCCKEREI IN BERLIN. 



GESCHICHTE DER OPER IIV BERLIN 

BIS 

1740. 

His ist schwer, genau die Zeit zu bestimmen, wann die 
erste Oper in Berlin gegeben wurde, wenn man die Benen- 
nung Oper nur auf das anwenden will, was ungefähr seit 
dem Ende des sechszehnten und Anfange des siebenzehnten 
Jahrhunderts darunter verstanden wirdi Wir werden indessen 
im Verlaufe dieses geschichtlichen Ueberblicks sehen, dass 
das Wesen der Oper sich schon früher unter anderen For- 
men Geltung verschafft, wenn auch die Worte: Musikalisches 
Schauspiel, Ballet und Wirthschaft etwas anderes zu bezeich- 
nen scheinen. Da wir hier keine Geschichte des Berliner 
Theaters in ihrer Vollständigkeit geben, sondern nur das 
musikalische Element der. verschiedenen Zeit-Erscheinungen 
aufsuchen wollen, so müssen wir Alles übergehen, was sich 
nicht für unsern bestinunten Zweck eignet, und verweisen 
für vollständigere Nachrichten auf die Geschichte des Ber- 
liner Theaters, welche später erscheinen wird. 

Die erste Spur, dass der Landesherr italienische Sänger 
nach Berlin oder vielmehr an seinen jedesmaligen Hofhalt 
kommen Hess, finden wir in den italienischen Sängern Ber- 
nardo Pasquino Grassi aus Mantua und Giovanni Alberto 
Maglio aus Florenz, welche beide im Jahre 1616 vom Chur- 
fürsten Johann Sigismund aus Italien berufen wurden, um 



in die schon seit dem Jahre 1574 existirende Churfürsdiche 
Uofcapelle und Kammermusik einzutreten. Ihre Bestallung 
soll nach damaliger Sitte in lateinischer Sprache abgefasst^ 
unterm 1. März 1616 ausgestellt und in ihr bestimmt worden 
sein, dass jedem dieser Sänger 360 Thaler jährlichen Gehal- 
tes verabreicht werden sollten. Diese BestalluQg, welche sich 
nach Nicolai's Behauptung im KönigL Archive befunden haben 
soll, wollte derselbe in einer umständlichen Nachricht von der 
Churiiirstl. Hofcapelle veröffentlichen, was aber unsers Wis- 
sens nicht geschehen ist, auch fanden wir dieselbe bei genauem 
Durchsuchen der vorhandenen Dokumente dort nicht vor. 

Plümike in seiner Geschichte des Berliner Theaters bis 
zum Jahre 1781 eifert gegen die Angabe des 1732 in Leipzig 
herausgekommenen musikalischen Lexicons von Walther, 
dass diese beiden Sänger Operisten gewesen seien, unserer 
Meinung nach mit Unrecht; denn wenn sie auch von dem 
Churfiirsten nicht als Operisten gebraucht wurden, weil eben 
alle anderen Bedingungen einer Oper nicht vorhanden waren, 
so war die Oper in Italien zu jener Zeit doch schon so aus- 
gebildet, dass man die von dort verschriebenen Sänger je- 
denfalls Operisten nennen kann. Für uns ist diese Meinungs- 
verschiedenheit in so fem von Wichtigkeit, als sich daraus 
vermuthen lässt, dass jene Sänger, wenn sie auch an dem 
Churfürstlichen Hofe nichts fanden, was einer Oper ähnlich 
sah, sie doch gewiss ihrem neuen Herrn möglichst das vor- 
getragen haben werden, was damals erwiesen in Italien 
bereits eine gewisse Blüthe und Vollendung erreicht hatte. 
Allerdings bleibt, was sie musikalisch geleistet, nur Yer- 
muthung, konnte aber hier nicht übergangen werden, wo es 
sich darum handelt, die ersten Anfänge einer Oper in Ber- 
lin zu ermitteln: Uebrigens blieben diese Sänger nicht lange 



— 3 — 

in Berlin und einer yon ihnen, Grassi war 1655 noch als 
Tenorist in der Capelle des Kaisers Ferdinand HI. in Wien. 
Nun fehlen, 84 Jahre lang, fast aUe bestimmten Nachrich- 
ten, auf die sich mit eimger Zuyerlässigkeit haxxea liesse, 
obgleich in den Jahren 1695 und 1696 von Lust- und alle- 
gorischen Balletten die Rede ist, welche bei Hofe getanzt 
wurden und in denen der Churprinz (nachmals König Frie- 
drich Wilhelm L) selbst als Cupido getanzt hat^) Dagegen 




1) Siehe die Schriften des Herrn v. Besser 1732, welche ein Ballet und 
Singspiel „Florens Frühlingsfest" aufgeführt im Mai 1696 enthalten. 



Es wurde aber nur hei und vom Hofe dargestellt. 



V 



— 4 — 

beginnt die eigentliche Geschichte der Berliner Oper mit 
dem Jahre 1700, wo am 1. Juni ein grosses mit Balletten 
venftischtes Singspiel: la Festa dd Hymeneo, gegeben wurde, 
das noch jetzt auf der Königl. Bibliothek in einem Exemplare 
Yorhanden ist und dort nachgesehen werden kann. Es war 
dies im vollen Sinne des Wortes eine Oper, natürlich in der 
eigenthümlichen, unyollkommeuen Form jener Zeit, aber 
sonst so weit ausgebildet^ als wir es bei den Hamburger und 
Dresdener Opern finden. Das festliche Beilager des Erb- 
prinzen von Hessen -Cassel mit der Brandenburgischen 
Prinzessin Louise Dorothee Sophie, gab die Gelegenheit zu 
dieser Aufliihrung, die in dem Theater geschah, welches zu 
diesem Zwecke über dem Königl. Reitstall in der breiten 
Strasse erbaut worden war. Von diesem Theater, das nach 
einem schriftlichen Nachweis noch im Jahre 1780 obwohl 
verfaDen, doch noch yorhanden gewesen sein soll, ist gegen- 
wärtig auch nicht die geringste Spur mehr zu erkennen. Um 
die eigentliche Lage, Grösse und Bauart desselben zu ermit- 
teln, erkundigten wir uns bei dem Königl. HofmarschaUamt, 
ob in den Acten nicht irgend etwas darüber vorhanden sei; 
es fand sich aber nichts. Dagegen erhielten wir die Erlaub- 
niss, bei dem Königl. Marstall anzufragen, fanden zwar auch 
hier nichts, was Licht geben konnte, durften aber unter Lei- 
tung eines Beamten, die ganze Räumlichkeit der weitläuftigen 
Gebäude durchsuchen, um uns selbst von der ehemaligen 
Lage dieses alten Theaters zu fiberzeugen. Bei genauer 
Besichtigung fand sich denn, dass das Theater im zweiten 
Stocke des Yordergebäudes und zwar so, dass das Audito- 
rium nach der Strasse hinaus, unter dem mit Holzbasreliefs 
verzierten Giebel, das Theater selbst aber auf dem Boden 
der bedeckten Reitbahn gelegen haben müsse. Der Trep- 



penflar und die Vorzimmer der jetzigea Privatwohnmig waren 
der Zuschauerraum, wie sich auch wohl noch an der unge- 
wöhnlichen Form und Räumlichkeit derselben ericennen lässt 
Dagegen zeigen sich unter dem Dache der Reitbahn, selbst 
bei der aufmerksamste Untersuchung keine Spuren, dass 
firüher hier Maschinerien angebracht gewesen wären, und 
doch weisen die Texte der auf diesem Theater gegebenen 
Opern nach, dass Glorien und Flugwerke damals angewendet 
wurden. Man kann sich überhaupt yon der Grösse dieses 
Theaters, auf dem doch nach bestimmten Nachrichten manch- 
mal 40 tanzende Personen erschienen sind,^) nach der jetzt 
zu übersehenden Räumlichkeit, gar keinen nur irgend ent- 
sprechenden Begriff machen, es miisste denn das Dach der 
jetzigen Reitbahn ein anderes sein als das damahge, was 
indessen nach der Ansicht Bauverständiger nicht der Fall 
sein soll. Uebrigens ist das Theater yiel gebraucht worden, 
bis 1708 zum letztenmale darin gespielt wurde. Später unter 
König Friedrich Wflhelm I.^ wurde es zu einem Montirungs- 
Magazin gebraucht und dann, als das Theater im Schlosse 
gebaut wurde, ganz abgerissen. Die Treppen, welche im 
Yorderhause zu dem ehemaligen Zuschauerraum fuhren, sind 
übrigens noch jetzt ausserordentlich geräumig und bequem 
für eine grosse Menge Menschen eingerichtet 

Auf diesem Theater nun, damals und später in mehreren 
Schriften, der Stallplatz genannt, wurde la Festa del Hyme- 
neo gegeben. Der Text ist von dem Abbate Mauro, die 
Musik aber von Äriosti und Rieck^ und zwar so, dass der 

1) Beilage No. L La Festa del Hymeneo. 

2) Nicolais Taschenbuch von Berlin und Potsdam, 1786. B. I. S. 17. 

^) Attilio Ariosti, ein ausgezeichneter Violoncellist und Componist, war 
in seiner Jugend in den Domioicaner Orden getreten, fühlte aber so 



Erstere die Symphonien, der Letztere aber die Arien und 
auch die Ouvertüre geschrieben. Die Tänze hatte der Chur- 
fürstliche Tanzmeister Desnoyers arangirt, während für die 
Malerei und das Maschinenwerk da* Hannoversche Bamneister 
Thomas Giusti express verschrieben worden war. Wie sich 
aus dem Exemplare welches sich auf der Königl. Bibliothek 
befindet, erkennen lässt, hat in dieser Oper eine selbst fär 
jene Zeit ausserordentliche Pracht geherrscht Es ist unter 
andern von 70 neuen prächtigen Kleidern die Rede, die von 
Eosander von Göthe gezeichnet waren und deren Abbildun- 
gen sich in Handzdchnungen in der Sammlung des Verfas- 
sers befinden. Offenbar sind diese Cosiüme nach damals 
schon vorhandenen französischen Mustern gezeichnet worden, 
das beweist ein Blick auf das in Paris heraus gekommene 
Werk „Costumes de TheÄtre de 1600 a 1820" von Lecomte. 
Die Aehnhchkeit zwischen einigen in diesem Werke enthal- 
tenen Costämen der grossen Pariser Opern mit den von 

grossen Beruf zur Musik, dass er sich vom Papste Dispensation ausbat 
und erhielt, in die Welt zurückkehren zu dürfen. Er stiidirte in Bo- 
logna das Violoncell und die Viola d'Amour, auf welcher er besonders 
in England grosses Aufsehen machte. 1696 trat er als Componist mit 
einer Oper in Bologna auf und kam dann 1698 als Capellmeister des 
Churfürsten von Brandenburg nach Berlin. Hier componirte er zuerst 
die Festa del Hymeneo und später auch die Oper Atis oder der be- 
strafte Betrug. Er blieb indessen nur bis 1705 in Berlin und kehrte dann 
nach Italien zurück, wo er 1706 in Venedig, dann aber 1708 in Wien eine 
neue Oper aufitkhrte. Weitere Nachrichten über ihn, namentlich sein spa- 
teres Wirken in England giebt das Gerber'sche Lexicon der Tonkünstler. 
Carl Friedrich Rieck war seit 1698 Director der Chufürstl. Kammer- 
Musik; Virtuose auf- Ciavier und Violine, aber auch Componist. Er 
componirte unter andern zu dieser Vermählung auch eine Cantate zur 
Tafel-Musik, den Triumph der Liebe, wie Besser in seinen Schriften 
erzählt. Uebrigens befand sich noch ein anderer Rieok als Kammer- 
Musikus in der Capelle, und auch noch ein Hautbois- Virtuose Fran^ois 
le Biche, der mit den beiden hier genannten nicht verwechselt werden darf. 



— 7 — 

Eosander von Göthe gezeichneten ist auffallend^ nur sind die 
Berliner nodi ungleich reicher und offenbar aus den schwer- 
sten und kostbarsten Stoffen angrfertigt') Dies war gewisser- 
massen schon dadurch geboten, weil nicht allein der Ckur- 
prinz, sondern auch die Markgrafen AWrecht und Christian 
Ludwig^ so wie viele Hofcavaliere und Damen in den Ballet- 
ten mittanzten/ Man kann sich nach dem, was jetzt auf dem 
Theater erscheint, fast gar keinen Begriff von dem Reichthum 
und der gediegenen Pracht dieser Costüme zur Zeit Frie- 
drichs I. machen, und die Kosten zu ihrer Herstellung müssen 
enorm gewesen sein. Dass auch die Decorationen in dieser 
Pracht nicht zurückgestanden, dafiir liegt zwar kein unmittel- 
barer Beweis vor, indessen lässt sich annähernd aus Allem 
darauf schliessen, was wir weiterhin von dem auf dem „Ham- 
burgischen Schauplätze^^ aufgeführten KönigL Preussischen 
Ballette sagen werden. Wenn das> Hamburgische Theater, 
eine Privat -Unternehmung, es wagen konnte, Abbildungen 
seiner Decorationen dem Könige Friedrich I. zu übersenden, 
so lässt sich fast mit Gewissheit annehmen, dass die für 
KönigL Feste des prachtliebenden Königs Friedrich bestimmte 
Bühne wenigstens eben so glänzende Decorationen gehabt 
habe. Auch konnten hier Eosander von Göthe und Schlüter 
unmittelbar einwirken. 

Ausgeführt wurde diese Oper von der Signora Sophia 
Gutfokr^ Signora Paoia FriedUn, Signor Valentino Urbani,^ 
welche sämtlich im Dienste des Churfursten standen, und dem 

') Unter den artistischen Beilagen befindet sich auch eine Auswahl von 
6 Theatercostümen dieser Zeit nach den Originaizeichnungen Eosander*s 
von Göthe. 

^) Das yoUstindigePersonalverzeichniss und die Namen der Herren und Da- 
men Yom Hofe, welche in dem Ballette getanzt, ßndet sich in den Beilagen. 



— 8 — 

Kaiserlichen Hofeanger Francesco Balarmij welcher beson- 
ders fiir die Dauer der Yemiählungsfeierlidikeit yerschrie- 
ben war. lieber die nähern Yerhältoisse dieser Sänger und 
Sängerinnen ist leider nichts bekannt Ob sie blos für diese 
Hoffestlichkeit engagirt oder in dauerndem Dienste des 
Churiursten, nun bald König Friedrichs!., gestanden, ist nicht 
zu ermitteln gewesen. Die Signora Friedlin konunt 1702 
noch einmal vor, die anderen Sänger aber nicht, so dass 
dies unentschieden bleiben muss. Der Anfang dieser Vor- 
stellung fand übrigens um 5 Uhr Nachmittags statt, wie 
Besser angiebt') 

>) Herr von Besser sagt über die Auflubruag dieser Oper: 

Zu dem Ende berief man auch zu unseren Opern unterschiedene 
dazu dienliche Ausländer, und unter anderen den berühmten Sänger 
Sr. Majestät des Römischen Königs Ballarini, wie auch den berühmten 
Hautboisten Sr. MajesUkt des Königs yon Polen le Riebe, und weil es 
sich eben traf, dass der vortreillicbe Theorbist und Lautenist aus Frank- 
reich de St. Luc, nach Wien gehend, durch Berlin zog, so hielt man 
denselben allhier bis zu dem Beilager auf, nebst den in unseren Dien- 
sten stehenden bekannten grossen Künstlern in der Musik, den beiden 
Riecks, Attilio, Volumier, und anderen, die Annehmlichkeit der Musik 
zu vermehren. Zu dem Ballet aber wurden lauter Gräfliche, Frei- 
herrliche und Adeliche Personen gewählet, und damit solches um so 
viel mehr Glantzes und Ansehens hatte, so wollten nicht allein Seine 
Churfürstliche Durchlaucht selbst und die beiden jungen Herren Mark- 
grafen zu Brandenburg Albrecht und Christian Ludwig den Däntzern 
und Däntzerinnen die Ehre thun, sich unter ihrer Zahl mit zu befinden, 
sondern seine Durchlaucht der Herr Markgraf Albrecht selbst Jassen 
sich auch, aus Liebe zu Seiner ChurfOrstlichen Durchlauchtigkeit und 
der durchlauchtigsten Braut, es nicht missfallen, von allem diesen die 
Aufsicht und Direktion zu übernehmen, als wodurch auch Alles her- 
nachmals so wohl von Statten gegangen und mit einem allgemeinen 
Ruhm vollführt worden. 

In den „M^moires pour servir ä FHistoire des quatres dernieis 
Souverains de la Maison de Brandebourg. PöUnitz, teme premier pag. 
280.'' heisst es: 



— 9 - 

Gegen den Schluss der glänzenden Yermählungsfeier be- 
gab sich der ganze Hof nach Oranienburg, Auch hier wurde 
eiQe kleine Oper aufgeführt und zwar eine Deutsche/) in 
welcher der allgemeine Triumph der Liebe über Götter, 
Menschen und Thiere geschildert war. Der Name dieser 
Operette, so wie der Dichter und Componist ist nicht bis auf 
uns gekommen. Wahrscheinlich ist es eine Nachahmung der 
in Hambui^ gegebenen Singe- Schauspiele dieser Art Der 
Churfurst hatte sich bei dieser Operette in Oranienburg eine 
besondere Ueberraschung ausgedacht Um nämlich den 
Triumph der Liebe vollständig und ad oculos zu demonstri* 
ren, war eine Stunde vor Anfang der Oper der Churiurstliche 
Kammerjunker und Capitain bei dem Churprinzlichen Regi- 
ment Herr von Grumbkaw der ältere mit dem Kammerfräu- 
lein von ChevaUerie, als längst bekannte Liebesleute, in der 
Stille getraut worden und wohnten nun der Aufführung als 
junge Eheleute bei. Bemerkenswerth ist indessen dass £b- 
sander von Göthe, damals Hauptmann und Hofarchitekt, liir 
die Darstellung derselben im Garten des Oranienburger 
Schlosses einen theatralischen Gartensaal ,,mit vielen Zier- 
rathen der Architektur und Malerei ^^ gebaut hatte, der von 

Les Hargraves Albert et Chretien Louis dansärent un ballet avec 
tout ce qu'il y avoit de jeunesse 4 la Cour. J'en ^tois (Pöllnitz) et je 
me souviens ä ce si]get que le preraier de ces princes, qui en avoit 
la direction et qui se faisoit naturellement une aflaire des plus belies 
choseSy eut avec le maltre des ballets, pour les präparatifs de ce di- 
vertissementy des alternatives de colere et de r^conciliatioDy qui furent 
pour nous une sorte de spectacle, plus amüsant encore que le diver- 
tissement m^me. 
■) Ein damals erschienener Bericht sagt: Dies geschehe sowohl zur Ab- 
wechselung mit dem Italienischen als auch um dadurch der eigenen 
Muttersprache an unserem Prinzessinnen* Feste einigen wenigen biUigen 
Antheil zu gönnen. 



— 10 - 

ausserordentlicher Schönheit gewesm sein solL^) Da nach 
Nicolai's Angabe in seinen Nachrichten von den Kiinstl^m 
Berlin's, der Hauptmann Eosander von Gothe mit der Direc- 
tion der Decorationen für die Opern bei Hofe beauftragt 
war, so lässt sidi vermuthen, dass er hier Alles geleistet, was 
seinem prachtliebenden Fürsten und Herrn in dieser Richtung 
gefallen konnte. Näheres über diese Operette, jedenfalls die 
erste Deutsche am Churfurstlichen Hofe, ist nicht voihanden, 
nur weiss man, dass nach beendigter Vorstellung derselben 
der Hof sich in diesen theatralischen Gartensaal zur Tafel 
setzte mid während derselben die Rieck'sche Cantate: Pdeus 
und Ihetis oder das Glück der Liebe „als eine Anspielung 
auf das Fest^^ vorgestdU wurde. Ob der Ausdruck vorgestdü 
in der Schreibart des Berichterstatters jener Zeit blos aufge- 
führt heisst oder andeuten soll, dass auch dies eine thea- 
tralische Vorstellung war, lässt sich nicht entscheiden.^ Die 

>) Die Yollständige Beschreibung dieses Schauplatzes findet sich in den 
Schriften des Herrn von Besser ^ der ihn nach seiner gewöhnlichen 
pomphaften Weise mit den elys&ischen Feldern vergleicht 

2) Ein Zeitgenosse sagt tdber die Aufibhrung'der Rieck'schen Cantate: 
Die Herrschaft setzte sich zur Tafel nebst einigen der Grössten des 
Casselischen Hofes und die Neuvertrauten bekamen die Oberstellea. 
Das Gesicht und Gemüth fand woran es sich weiden konnte und nicht 
weniger der Geschmack. Alibr indem sie die Frucht zu geniessen 
dachten, ward die vor der Tafel stehende Spiegelwand aufgehoben und 
die hellerleuchtete Grotte , mit einer so viel grössereii Befiremdung 
entdeckt, als man in derselben Peleus und Thetis auf einer stufenweis 
erhabenen Bühne, als Meergötter reich gekleidet, sitzen sähe, die sich 
auf einer sehr grossen Urne oder Wasserkruge mit den Armen gelehnt, 
und um sich herum auf den Stufen noch zehn andere gleichfalls reich 
gekleidete Flussgötter, bei dem Gesänge des Triumphs und des Zurufs 
das Chor zu halten. 

Aus der Urne schoss das Wasser mannsdick über die darunter nach 
Art eines Wasserfalles gesetzten Eisschollen in eherne Kessel herab 
und hörte mit seinem Geräusch nicht eher auf, als bis Peleus nach 



— 11 — 

Opervorstellangen mussten sidi wohl des Beifalls bei Hofe 
erfireuen, demi schon am 6. Joni desselben Jahres wurde auf 
dem Lostschloss Lützenburg, eigentlich Lietzenbürg (das 
jetzige Charlottenburg) eine zweite Oper vom Abbate Mauro, 
componirt von Ar%o$ti aufgefohrt^ die den Titel führte: der 
bestrafte Bodmuth des Schäfers ÄHs}) Wie die Festa del 
Hymeneo, war der Text italienisch, und in der Schilderung 
jener Yermählungsfeieiiichkeitoi wird gesagt, dass diesmal 
Herr AttHio ron Ariosti sich befleissigt habe mehr im ita- 
lienischen Musikgeschmack zuschreiben, dahingegen er in 
der ersten Oper mehr den französischen Geschmack beibe- 
hatten hätte* In der Darstellung gewann sich die Rolle des 
Atis vielen Beifall, weil sie meisterhaft dargestellt wurde, von 
wem aber ist nicht gesagt; wahrscheinlich doch von Balarini.^ 

geendigter Ouvertüre gleich zu Anfaug die Thetis ersucht, die Röhren 
dieses Wassergusses bei ihrem Lobgesange zu hemmen. 

Sie sangen bald umzecb, bald mit einander und bald *mit dem Chor 
zusammen, allemal unter Einstimmung der Hautbois oder der Theor- 
ben und Flöten oder auch des ganzen aus so viel grossen Virtuosen 
bestehenden Orchesters, denen der ChurfbrstlicheDirector der Kammer- 
musik, der junge Rieck, mit einer sehr glücklichen Compoaition diese 
Beschäftiguog gefertigt hatte. Man weiss, dass er neben der raren 
Wissenschaft, mit seiner Kunst der Natur zu folgen, zugleich die beiden 
Hauptquellen aller schönen Modulationen, nAmKch das Clavier und die 
Violine, fast in dem höchsten Grade besitzet, und war solches abson- 
derlich in dem Schlüsse dieser Operette zu spüren, da erstlich Peleus 
und Thetis mit unterschiedenen lieblichen Duetten die durchlauchtigsten 
Neuverehliehten ansangen und zuletzt mit dem ganzen Chor ihnen 
uiiterthaimgst Glückwunsch abstatteten, so bei der stillen Nacht und 
unter dem Geräusch der Cascade, die man wieder geöffnet, die Luft 
nicht anders als mit einem angenehmen Wiederschalle erfüllen konnte. 

*) Gerber in seinem Tonkünstler-Lexicon nennt sie den y,bestrafUn Bt^ug 
des AiiiJ' 

^) Ein Zeitgenosse berichtet darüber: 

Sonderlich in der letzten Soene bei der sogenannten Simphonie infer- 
nale, da der in Raserei und Verzwdflung gerathene Atis auf lauter 



— 12 — 

Wie damals gewöhnlich, wurden zwischen den Acten und 
am Schlüsse Ballette getanzt und zwar diesmal von Hofda- 
men und Cavalieren allein, ohne AGtwirkung der Prinzen. 

Dass überhaupt das Ballettanzen dem Churprinzen, nach- 
pials König Friedrich Wilhehnl., schon damals sehr zuwider 
war, und er nur durch die liebreichsten Vorstellungen seiner 
Mutter dazu gebracht werden konnte, ist bekannt In der 
That muss der von Jugend auf ernste und strenge Friedrich 
Wilhelm sich sonderbar genug in den Balletcostümen der 
Oper ausgenommen haben, und der bekannte Vorgang, 
dass er sich einst vor einem solchen Ballet von Lietzenburg 
heimlich nach Berlin geflüchtet und nirgends aufzufinden ge- 
wesen ist, gehört ungefähr in diese Zeit Es sollte nämlich 
der Geburtstag des Churfiirsten von seiner Gremalin durch 
eine Masquerade oder sogenannten Jahrmarkt, ganz nach der 
Art der damaligen Wirthschaften, gefeiert werden. Bei der 
Yertheilung* der Rollen, die durch das Loos gesdbah, damit 
sich keiner über den ihm zufallenden Charakter beschweren 
könne, fiel das Loos einer Quacksalberin auf die Churfiirstin 
selbst, eines Quacksalbers auf den geheimen Rath von Osten 
und eines Taschenspielers auf den Churprinzen. Als man 
diesem die dazu gehörigen buntscheckigen Kleider brachte, 
war er ausser sich, dass er sich vor den Augen des ganzen 
Hofes dazu hergeben sollte. Er zerriss in grösster Heftig- 
keit die Kleider und begab sich ohne Jemand etwas zu sagen 
nach Berlin, wo er sich versteckte, bis diese verfaasste Mas- 

fremde, und seinem Zustande gemäss, auf lauter ganz verwirrte und 
ungewöhnliche Töne verfiel, die nach der Kunst der Chromatimie 



- 13 - 

querade vorüber war* Daher die Abneigung des künftigen 
Königs gegen Alles was Oper oder Ballet hiess. ^ 

Die nächsten Nachrichten von Opern die in Beriin aufge- 
führt wurden, finden sich nun im Jahr 1701 und zwar nach 
der Bückkehr des nunmehrigen Königs Friedrich! von der 
feierlichen Krönung in Königsberg. Die sonst gewissenhafte 
und zuverlässige Theatergeschichte von Plumike sagt bei 
dieser Gelegenheit, dass 1701 drei Ballette aufgeführt wurden, 
betitelt: Endymion, Phaeton und Orpheus (L u. IL Theil), 
die sämmtlich der berühmte Reinhard Reiser componirt hatte, 
und fügt hinzu, dass diese auswärts „Preussische BaHette^^ 
genannt wurden. 

Die reichen litterarischen Schätze der KönigL Bibliothek 
verbreiten aber auch hierüber Licht, denn es findet sich dort 
unter den Manuscripten ein sehr merkwürdiges Dedications- 
exemplar des Hamburgischen Schauplatzes an den König, 
in welchem nicht allein der ganze Inhalt des sogenannten 
„Preussischen Ballets^^ sondern auch die für jene Zeit über- 
raschend sauber und reich gemalten Decorationen desselben 
dem Könige als eine ehrfurchtsvolle Huldigung zu seiner 
Krönung überreicht wurden. Es erscheint auffallend, dass 
man in Hamburg auf dem dortigen Opern- Theater ein Ballet 
(eigenthch Oper) au%efiihrt, welches in seiner ganzen An- 
lage und Ausfuhrung einen Character trägt, welcher ver- 
muthen lässt, dass dieses Ballet zuerst in Berlin aufgeführt 
worden ist, und obgleich auf dem Titel steht: ^^auf dem harn- 
burgischen Schauplätze^^ so hätte ja wohl die damals in Berlin 



— 14 — 

den alten Matthison'schen Yerzeiehnissen der in Hamburg ge- 
gebenen Opern, dass wvklich 1701 das Königl. Prenss. Ballet, 
die Worte vom Herrn Nothnagel und die Musik vom Herrn 
Eeiser, dort aufgeführt worden sei. Es war dies übrigens nicht 
der einzige Fall, dass das Opern-Theater der Republäc Ham- 
burg grosse Ereigmsse in anderen Staaten feierte ; so z. B. 1716 
eine Oper: das triumphirende Haus Oestreich^ 1722 die Krö- 
nung Ludovici XV. V. Frankreich, 1724 das frohlockende Gross- 
Brittanien u. s. w. sämmtlich dergleich^ Gelegenfaeitsstücke. 
Aus der prächtigen Ausstattung des Dedicationsexemplars 
geht hervor, dass entweder der damalige Director der Ham- 
burgischen Oper, Rathsherr 5cAo(r, vielleicht auf Veranlas- 
sung und mit Unterstützung des Senats oder auch der Senat 
selbst, eine Copie des Königlich Preussischen BaUets nach 
Berlin geschickt, um dem Könige eine Aufinerksamkeit 
zu erweisen. 

Sehr wahrscheinlich ist es nun, dass der König dieses ihm 
aus Hamburg zugesandte Ballet hier in Berlin auf dem Thea- 
ter des Stallplatzes auffuhren liess, wenigstens muss hier in 
Berlin etwas geschehen sein, dem Componisten den Dank 
des Königs fiir seine Oper zu bezeigen, denn schon im näch- 
sten Jahr 1702 finden wir in Hamburg ein zweites oder 
„Neues preussisches BaUet^^ von Reiser, diesmal mit Text 
von Htnsch aufgeführt Die Bemerkung Plümike's, dass die 
in Berlin 1701 aufgeführten Opern auswärts „Preussische 
Ballette ^^ genannt wurden, ist also gerade umgekehrt zu ver- 
stehen, nämUch auswärts aufgeführte Ballette wurden später 
auch in Berlin gegeben. Hätte der eifrige und mühsam sam- 
melnde Plümike das erwähnte Dedicationsexemplar in der 
KönigL Bibliothek gekannt, so würde er diese Angabe in 
seine Geschichte nicht aufgenommen haben. 



— 15 — 

Der ganze Vorgang mit dieser Oper oder Ballet, wie man 
es damals nannte, ist aber ein so eigenthümlicher, dass wir 
in den Beilagen eine genaue Copie derselben nach dem Ma- 
nuscript dieser Uebersicht beifügen, damit die Leser selbst 
vei^leichen und zugleich den ganzen Zustand dessen, was 
damals fiir eine Oper galt, erkennen können.^) Was den 
Preis betrifft, iur den damals Keiser, entschieden der erste 
und talentvollste deutsche Opemcomponist, eine Partitur lie- 
ferte, so betrug dieser nach den noch, vorhandenen Yerwal"- 
tungsrechnungen der Schott'schen Opemdirection 50 Rthfar», 
denn für das Jahr 1702, in welchem nicht weniger als zwölf 
neue Opern gegeben worden, ist das Honorar für säqamtliche 
zwölf auf 600 Rthlr. angegeben. Uebrigens befinden sich 
viele der Keiser'schen Opern -Gompositionen in der musi- 
kalischen Abtheilung der KönigL Bibliothek, und mit grosser 
Bereitwilligkeit gewährt und erleichtert der Gustos, Herr 
Dehn, dem Musikliebhaber die Ansicht derselben. 

Eine bestimmte Nachricht von weiteren Opern -Auffüh- 
rungen findet sich nun nicht eher als im Sommer des Jahres 
1702, obgleich sich wohl vermuthen lässt, dass der Winter 
von 1701 auf 1702, wo sich an dem neuen Königshofe in 
Berlin die ausgesuchteste und glänzendste Gesellschaft sam- 
melte , nicht ohne Opern und Ballette vorbeigegangen sein 
mag. Indessen hat sich etwas Bestimmtes nicht ermitteln 
lassen. Dagegen ist die am 12. Juli 1702 auf dem Lietzen- 
biurger (Charlottenburger) Schlosse gegebene Oper noch ge- 
druckt vorhanden. Sie fiihrt den Titel: ITrionß diPamasso, 

1) WenH eine Anttchl dieses Dedicationsexempl^, besonders die darin 
befindlichen Decorationen und Costüme, gewünscht werden sollte, so 
werden die stets bereitwilligen Herren Beamten der König!. Bibliothek 
dasselbe gewiss gern yorlegen. Es steht llanuscr. Bomss» in Quarto 142. 



— 16 — 

les trionfes du Pamasse, f6te c616br6e dans le jardin royal 
de Lützelbourg avec musique, Sinfonie et Ballets pour le 
jour dela naissance de S<M. Prüderie L, roi de Prasse, 61ecteur 
de Brandebourg, le Xu de Juillet MDCCII. Von dem Dichter 
und Componisten dieses ,,präehtigen Schauspiels mit Gesang 
und untermischten Tänzen/^ wie es der damalige Berichter- 
statter nennt, schweigt das Buch; dagegen giebt es die Sänger 
und Sängerinnen an , und zwar einen Signor Antonio Tosi 
eine Signora Schöneans^) und die schon 1700 erwähnte Sig- 
nora Paoltna Fridelin. Ihre Rollen waren die des Apollo, der 
Polynmia und der Calliope. Die Sänger und Sängerinnen 
befanden sich auch diesmal in vornehmer Gesellschaft, denn 
die Muse Euterpe stellte die verwiltwete Herzogin von Kur- 
land, geborne Markgräfin Elisabeth von Brandenburg, die 
Muse Erato Prinzessin Maria von Curland und den Liebes- 
gott der junge Herzog selbst dar, aber in französischer 
Sprache , wie denn überhaupt aller Gesang in dieser Oper 
italienisch, der Dialog aber französisch war. 

lieber den bei dieser Oper beschäftigten italienischen 
Sänger Antonio Tosi , der i^ Stelle des wieder nach Wien 
zurückgereisten Bdarmi verschrieben worden war, ist nichts 
Näheres bekannt Man hat ihn in einem Theater -Kalender 
des Jahres 1777 mit dem Sänger und Kastraten Pietro Fran- 
cesco Tosi verwechselt, dessen Werk: Opinioni di Cantori 
antichi e modemi 1723 erschien. Dieser aber war bis 1719 
in Drf^sden und m^s von dort nach London, w^ ihn Ouänz 



— 17 — 

Yerzeichniss der Sänger und dann nicht wieder. Vielleicht 
war es eine-Bürgerstochter, die ihrer schönen Stimme wegen 
für die Dauer dieser Oper zu einer Signora gemacht wurde. 

Dass zu diesen Hof- Opern nur das Publikum zugelassen 
wurde, welches dem Hofe so nahe stand, dass es eingeladen 
werden konnte, versteht sich von selbst ; indessen konnte es 
nicht fehlen, dass der Geschinack an dergleichen Schauspie- 
len sich auch in dem grossen Publikum verbreitete und dass 
allgemein gewünscht wurde, die Oper eben so wie das da- 
malige deutsche Schauspiel des Direclors dt Scto oder die 
Vorstellungen der französischen Truppe des Hofcomödianten 
und „Oberaufsehers der sämmtlichen Schauspielvergnügungen 
Sr. Majestät des Königs^^ für Geld besuchen zu könnep. Dazu 
war nun das Theater auf dem Stallplatze weder geräumig 
genug, noch wollte der König zugeben, dass die dort stattfin- 
denden Vorstellungen den Charakter einer Hoffesüichkeit 
verlieren sollten. Es wurde daher ein Theater in der Poststrasse 
und zwar in dem Hause gebaut, welches dem KönigL gehei- 
men Kammerdiener und spätem Bürgermeister von Berlin 
Joharm von Hessig gehörte. Welches Haus dies gewesen, 
vermochten wir früher nicht zu bestimmen, jedenfalls musste 
es eins der nächsten nach dem Eckhause No. 1 gewesen sein. 
Nicolai nennt es das Äschebom'sche, Douilhac'sche und Du- 
titre'sche Hans; Plümike nennt es das Douilhac'sche Haus, 
firüher ein Churiurstliches Besitzthum, dann den von Canitz- 
sch^n Erben gehörig, aus deren Händen es der eben erwähnte 
Hessig erhielt. Leider hatten wir da, wo eigentlich am sicher- 



— 18 - 

historischen Quellen im Allgemeinen übel bestellt, wenn sich 
die sonst Vertrauen verdienenden Nachrichten geradezu wi- 
dersprechen; so ist es hierbei der Fall. — Küster sagt in 
seinem ,, Alten und Neuen BerKn^^ S. 55 im HL Theil, dass 
die Königin zwar bei ihren Lebzeiten ange^gen, ein Opern- 
haus auf dem Hofe des Douilhac'schen Hauses zu bauen, 
dass aber nie darin gespielt worden sei, weil die Königin, 
erzürnt darüber, dass man die erste Opemvorstellung darin 
an einem Sonntage habe geben wollen, befohlen es wieder 
niederzureissen, worauf es in ein Seitengebäude verw^mdelt 
worden sei. So bestimmt dies von Küster ausgesprodien ist, 
so bestimmt widerspricht dem eine im Königl. Archiv befind- 
liche und von dem Verfasser eingesehene Supplik desduRocheTj 
der am 18. Februar 1707 dem Könige meldet, dass er mit dem 
Hauseigenthümer Hessig wegen des Theaters, „so derselbe 
in seinem Hause habe bauen lassen, im Handel stehe, jener 
aber 600 Rthlr. M iethe verlange,'^ so wie eine zweite Supplik 
(diese aber ohne Datum), dass der Mietfascontrakt nun ge- 
schlossen sei, bei welcher Gelegenheit du Recher den König 
um Erlass der befohlenen Armen -Abgabe bittet Dass also 
ein Theater in diesem Hause vorhanden gewesen und zu 
öffentlichen Vorstellungen benutzt worden sein muss, scheint 
wohl unleugbar, um so mehr als die Küstersche Angabe wohl 
in sich selbst den Stempel der Ungenauigkeit trägt Denn 
ein Opernhaus wieder niederreissen zu lassen, weU die erste 
Vorstellung an einem Sonntage statt finden sollte — setzt 
doch immer voraus, dass das Haus schon fertig war; wie 
hätte man sonst den Tag der Eroffiiung bestimmen können? 
oder wenn der Tag der Eroffiiung schon vor Beendigung des 
Hauses bestimmt war, so hätte sich dieser doch durch einen 
einfachen Königl. Befehl leicht auf einen andern Tag verle- 



— lo- 
gen lassen. So entschieden es also wohl ist, dass wirklich 
ein Opernlheater in dem Hessigschen Hause gebaut worden 
ist, so wenig ist bekannt, wer dasselbe gebaut; ob Königlich, 
ob Privatspekulation, und durch welche Umstände veranlasst 
es wieder niedergerissen worden ist 




- 20 ~ 

üebrigens verdanken wir der Gefälligkeit des Herrn Re- 
gistrators Fidicin, an den wir uns um genauere Feststellung? 
des Hauses gewandt^ die aus den Rathhäuslichen Acten der 
Freibäuser Berlins gezogene Nachricht, dass das Hessigsche 
Haus die jetzige No. 5 (Plettnersche Erben) ist Es braucht 
wohl kaum bemerkt zu werden, dass sich gegenwärtig auch 
nicht die gerings/;e Spur mehr dort vorfindet, aus welcher 
sich auf die frühere Lage und Beschaffenheit dieses alten 
Opernhauses in der Poststrasse schliessen lässt 

So unwahrscheinlich es nun auch klingt, dass die Königin 
das sofortige Äbreissen eines neugebauten Theaters befiehlt, 
weil darin an einem Sonntage zuerst gespielt werden sollte, 
so muss auf der andern Seite doch auch beachtet werden, 
dass allerdings die strengkirchliche Richtung jener Zeit we- 
nigstens Anlass gewesen sein kann, dass das neue Theater 
nicht so oft benutzt wurde, als es wohl bei dessen Erbauung 
in der Absicht des Hofes gelegen haben mag. Denn in den 
Jahren 1703 bis 1705 finden wir eine heftige Aufregung der 
Geistlichkeit gegen das Schauspiel überhaupt, eine Erschei- 
nung die sich fast überall wiederholte, wo das Theater anfing 
sich zu einiger Geltung zu erheben. Die vollständige Erör- 
terung dieser Thatsache gehört in eine allgemeine Geschichte 
des Theaters und würde uns hier jedenfalls zu weit fiiliren, 
wir begnügen uns daher nur folgendes anzuführen. 

Die Prediger Dr. Spener und M. Johann Caspar Schade 
predigten öffentlich gegen das überhand nehmende Unwesen 
des Opern- und Theaterwesens überhaupt, und der Cantor 
Martin Heinrich Fuhrmann liess mehrere Tractate drucken, 
die das Volk von dem Besuche dieses heidnischen Vergnü- 
gens abhalten sollten. Einige dieser Tractate sind bis auf 
unsere Zeit gekommen und wir beschränken uns darauf, nur 



- 21 — 

die Titel zu geben, weil in ihnen sich schon genügend aus- 
spricht, wes Geistes Kind die Verfasser und ihre Werke sind, 

1. Das in unseren Opern-Theatris und Comödien-Bühnen 
siechende Christenthum und siegende Heidenthum, getrukt 
zu Gölln a. d. Spree 1704. 

2. Die an die Kirche Gottes angebaute Satanscapelle, dar- 
innen dem Jehova Zebaoth zu Leid und Verdruss und dem 
Baal-Zebub zu Freud und Genuss 1) die Operisten und Co- 
mödianten mancher Orten ihren Zuschauem eine Theologiam 
Gentilium aus den griechischen und lateinischen Fabel-Mäzen 
und eine Moral aus des yerlorenen Sohnes Catechismo vor- 
bringen, und 2) die Menschliche, Welsche, Wallachen und 
Amadis-Sirenen aus dem hohen Lied Ovidii de arte amandi 
üebhcfae Yeous-Lieder dabei singen, 3) die Jubalisten mit 
Geigen und Pfeyffen nach des alten Adams Lust und Wust 
darzu klingen, und 4) Sylvester mit seiner Herodias Schwe- 
ster und Arlequin in einem französischen Kälber-Tanz herum- 
sprjngen; in einem Wald-Discours über des Autoris zwei 
letzte Tractällein wider die Hamburgischen Operisten und 
Herren Doctor Mayern. Betrachtet von Casper Melcher 
Balzer, und allen christlichen Seelen zur Anschau und Ab- 
scheu vorgestellet von Marco Hilario Frischmuth (der Autor- 
nahme des Cantor Fuhrmann). Getrukt zu Colin am Rhein 
und verlegt von der heiligen 3 Könige Erben. 

Eine Stelle aus diesem merkwürdigen Buche lautet, indem 
der Verfasser von der Veltheimschen Comödianten-Truppe 
spricht, die ebenfalls 1704 aach Berlin kam: 

„Als aber die versprochenen biblischen Historien sich in 
schwärmerische Masqueraden und Schwein-ygeleyen ver- 
wandelten, da hat der seel. D. Spener und M. Schade, als sie 
solches höreten, jene sauberen Burschen nicht etwa in Mi- 



- 22 — 

niatur und in Wasserfarben> sondern in omni latitudine mit 
Oehlfarben hässlich abgemaleL*^') 

Aus diesen Worten geht wohl deuüich hervor, welches 
Aergerniss das Theater den Geistlichen gegeben, und aller- 
dings mag diese Stimmung wohl auf das spatere Aufhören 

1) In dem ,,8iechenden Ghristenthum und siegenden Heidenthum'* findet 
sich auf Seite 26 und 27 auch folgende Stelle: 

,,0 hätten die unglücklichen Spectateurs, die Grandes und Dames, 
der Kern der vornehmsten Familien in der Stadt Copenhagen Anno 
1689, den 19. April, ihre Augen von dieser Eitelkeit abgewendet und 
wären vom Theatra geblieben, so wären sie nicht ein betrübtes Rauch- 
und Schmauch-Opfer des Vulcani und lebendig gebraten worden. Wer 
war fax et tuba dieses grossen Unglücks? Niemand als der liebe Mer- 
curius, der in einer Wolken aufs Theatrum geflogen kam und also 
das Auditorium begrüsste: Donner, Blitz, Hagel, und durch die in die 
Wachholdern gefallene Lampe ein solch entsetzliches Feuer im Au- 
genblick anzündete, dass über 260 Personen darin jämmerlich sterben 
und verderben mussten. (Achl wir wollen ihnen wünschen, dass dies 
Unglück nur allein ihren Leib möge betroffen haben* und ihre Seelen 
in den Flammen auf Elias Wagen roth alle gen Himmel gefahren seyn!) 
Diese Comödie hat sich in eine so klägliche Tragödie verwandelt, dass 
man sie schwerlich ohne Thränen im XllL Theil des Theatri Europsi 
' pag. 872 wird lesen können. 

Bei diesem grossen Unglück war noch dies grosse Glück, dass der 
König, Königinn, Printzen und Printzessinnen in diesem Leben nicht 
gegenwärtig gewesen. Man siehet daraus, wie des Höchsten Providentz 
ein special wachsames Auge auf seine Gesalbten hat und denselben 
wegen ihrer väterlichen, besonders schweren Landes-Sorgen (darvon 
die Unterthanen nichts wissen) auch gerne eine besondere Theatral-Lust 
(wenn nur dabey alle Cautelen gebraucht und nichts Anstössiges auf 
das Tapet kommt) voraus gönne. Maassen eben diese Opera 4 Tage 
zuvor, nemlich den 15. Aprill, in Gegenwart des Königs und seines 
gantzen Hauses sonder allem Unglück eben daselbst gespielet worden. 
Aber da solche darauf auf inständiges Anhalten so vieler vornehmen 
Geschlechter hat müssen wiederholet werden, so geschähe eben das 
Unglück und mussten sie ihre Curiosität in den Flammen mit Ach und 
Weh büssen. (Duo ergo cum faciunt idem, semper non est ideic-^ 



- 23 — 

der Opernyorstellungen bei Hofe sowohl, als öffentlich ein- 
gewirkt haben. 

Im Anfang des Jahres 1705 starb die Königin Sophie Char- 
lotte und gegen das Ende desselben die Erbprinzessin von 
Hessen-Cassel Tochter König Friedrichs I. Die eintretende 
aUgemeine Landestrauer war die Ursache, dass um diese 
Zeit fast 2 Jahr lang die Oper gänzlich ruhte. Erst im De- 
cember 1706 findet sich wieder Nachricht von einer solchen 
Auffährung und zwar bei Gelegenheit der Vermählung des 
Churprinzen Friedrich Wilhelm (I) mit der Braunschweigischen 
Prinzessin Sophie Dorothee. Zu jener Zeit war nicht allein 
deutsches Theater in Berlin, sondern auch französisches unter 
dem schon genannten du Rocher. Die bei dieser Gelegenheit 
angestellten Lustbarkeiten dauerten fast drei Wochen und 
schlössen mit der Darstellung eines Baüets und Singspieles^ in 
welchem der Sieg der Schönheit über die Helden celebrirt 
wurde; so sagt der Dichter Herr von Besser selbst, indem 
er das damals iibliche Argumento seiner Arbeit vorsetzt 

Mars nämUch, ob er gleich viel Königreiche bezwungen, 
wird von der Schönheit der Venus, Neptunus, nachdem er 
seinem Bruder, dem Jupiter, die Riesen demüthigen helfen, 
von der Schönheit der Amphitrite, und Apollo, nachdem er 
den ungeheuren Drachen Python erlegt, von der Schönheit 
der Daphnis besiegt und eingenommen.^) 

') Die französische Monatsschrift Yon de Viz^ sagt darOher im Januar- 
Heft 1707: 

Les vers ^toient en langue allemande et convenoient parfaitement 
bien au sujet, particuli^rement k cause du rapport qu'il y avoit entre 
les caract^res des acteurs et les personnages qu'ils repr^sentoient. On 
peut ajouter que quoyque Ton parloit toujours de Tamour et de la 
beaut^y OD y trouvoit toujours de la diff^rence, quand on les reprö- 
sentoit dans la personne d'un Dieu de la guerre, dans celle d'un 



— 24 — 

Ein Prolog ging der Oper voraus, in welchem ein Theil 
der Stadt Berlin vorgesteUet war. Hier trat nun eine Köni- 
gin auf, die das Königreich Preussen vorstellen sollte, umge- 
ben von zwölf Herolden, welche auf ihren Wappenröckeu 
die Wappen der zwölf königlichen Provinzen trugen. Auch 
ein Epilog war vorhanden, in dem das Theater den Tempel 
der Schönheit „unter sehr kostbarer Beleuchtung^^ vorstellte, 
welcher Tempel mit Bezug auf das Kronprinzliche Beilager 
die Inschrift trug: Venen Victrici! Auffallend ist, dass die 
alte Handschrift aus der diese Nachricht geschöpft ist sagt, 
wie „dieses um so mehr Bewunderung erregen musste, da 
diese Art von Lustbarkeit an unserem Hofe noch ziemlich 
neu war"^ und doch wurden bereits seit fünf Jahren Opern 
in Berlin gegeben. Wir müssen es dahin gestellt sein lassen, 
wie weit diese Notiz Beachtung verdient. Componirt war 
die Musik von dem Königl. Capellmeister Gottfried Finger^), 
dem KaimmermnsikusAugiistin Reinhard Stricker^ j die meisten 
Arien, Entreen und Tänze aber von dem Concertmeister Jean 

Dieu de la mer et dans celle d'un Dieu de la ^agesse, qui par leurs 
caract^res difT^rens, auxquels on s'ötoit fort soigaeusement attach^, 
rcndoit aussi ramour et les efiets toiis difTörens. 

1) Finger wird von Plümike fälschlich ein Schlesier genannt; er war aus 
Olmütz und ging schon in früher Jugend nach England, wo er 1685 
als Capellmeister Jacobs II angeführt wird. Er schrieb hier viel 
für das Theater und Kammermusik, kam 1700 nach Deutschland 
zurück und lebte unter dem Titel eines Pfalzgräflichen Musikus einige 
Zeit in Breslau. Von hier aus wurde er 1706 nach Berlin berufen 
um diese Oper zu schreiben, blieb auch bis 1708 hier, worauf er nach 
der Pfalz ging und dort als Kammerrath starb. Walther's Musikalisches 
Lexicon zählt seine zahlreichen Compositionen auf. 

2) Stricker blieb nur bis 1715 in Berlin. Ihn traf, wie alle Hitglieder der 
Königl. Capelle, das Loos, von Friedrich Wilhelm I verabschiedet zu wer- 
den, worauf er nach Cüthen ging und dort als Fürstlich Anhaitischer 
Capellmeister gestorben ist. 



- 25 - 

Baptiste VQhmer, der als Dirigent der KönigL Tanzmusik 
auch den Titel Hoftanzmeister führte'). Wo diese Oper 
aufgeführt wurde, ist nicht zu ermitteln gewesen. Die archiva- 
lische Nachricht des Ordensraths König sagt, dass der KönigL 
Obrist und General^Ingenieur Eosander von Göthe die Archi* 
tektur und das übrige Bauwesen des Neuen Opernhauses be- 
sorgt habe. Sollte dies das Theater im Hessigsdben Hause, 
Poststrasse No.5, gewesen sein? dem Küster in seinem alten 
und neuen Berlin die Existenz abspricht; oder ist vielleicht 
in einem Theile des damals eben in seiner jetzigen Gestalt 
entstehenden ScUgsses einer der grossen Säle zu einem 
provisorischen Opemtheater umgeschaffen worden? Es ist 
dies eben so möglich, als die spätere Erbauung eines eben- 
falls provisorischen Operntheaters im Schlosse 1741 gewiss 
ist Nur fehlt jeder Beweis dafür, was indessen die Sache 
selbst noch nicht unmöglich macht, da auch über die an- 
deren alten Theater jeder bestimmte Nachweis fehlte und 
erst neuere Forschungen ihre Lage und Bauart entschieden 
haben. 

Die Ausführung dieses Ballet-Singspiels oder Oper, denn 
es war eigentlich nichts anderes, muss äusserst prächtig ge- 
wesen sein. Die Decorationen halte der Königl. Hofmaler 
Weidmann gemalt, — die Costüme (in der Sammlung des 
Verfassers vorhanden) Eosander von Göthe^. Das Orchester 

^) Volumier soll schon zur Zeit des grossen ChurfQrsten nach Berlin ge- 
kommen sein und war hier für das Arrangement der sogenannten 
yyWirthschaften und Masqueraden '^ berühmt, bis er 1706 unmittelbar 
nach der Vermählung des Kronprinzen qach Dresden berufen wurde, 
wo er 1728 als Concertmeister gestorben ist. Er und Pisendel waren 
in Dresden Rivale im Yiolinspiel, — wie aus dem Vorfall mit dem 
Sänger Senesino (Gerber's Lexicon) bekannt ist. 

^) Siehe das Costüm der schönen Conradine auf der Tafel A. 



— 26 — 

dirigirte der Kammerherr und Königl Musikdireclor Herr 
von Tettau der Aeltere; ob dies ein wirklich musikalisches 
Dirigiren gewesen oder das Wort nur so viel heisst als gelei- 
tet, beaufsichtigt, muss dahin gestellt bleiben. Die Ober- 
Direction über das Ganze der Oper fährte Markgraf Albrechl^ 
also gewissennassen der erste General-Intendant der Königl. 
Schauspiele. Indessen war diese Stellung eine wesentlich 
verschiedene von der jetzigen, denn der damalige Fürstliche 
General-Intendant tanzte in den Balletten mit und zwar ein 
Pas de deux grand s6rieux mit dem Markgrafen Christian 
Ludwig und zwölf Hofcavalieren als Figuranten. 

Das Sänger-Personal dieser Oper bestand aus der be- 
rühmten Conradine\ einer JÄfe. Weidemann, MSle. Biesen- 

>J Mlle. Conradiy zu jener Zeit die berühmteste deutsche Sängerin, glänzte 
besonders in Hamburg und zwar von 1690 bis 1706 sowohl wegen 
ihrer grossen Schönheit als wegen ihrer schönen Stimme. Sie war die 
Tochter eines Barbiers in Dresden und starb als Gräfin Gruzewika 
gegen 1720. So schön sie und ihre Stimme war, so wenig konnte sie 
auf den Namen einer Virtuosin Anspruch machen, da ihr eigentlich 
adle musikalischen Kenntnisse abgingen, wie Mattheson, der ihr die 
Partien einstudiren musste, erzählt und es eine „gar verdriessüche 
Arbeit" nennt Dagegen war sie eine gute Schauspielerin. Gerber giebt 
folschlich an, dass sie 1709 nach Berlin berufen wurde. Dies geschah 
1706. Mehr von ihr findet sich in den Besserschen, Hätthesonschen 
und SchQtz'schen Schriften. Aus den erstgenannten führen wir das 
folgende Lobgedicht auf sie an, als der Verfasser den Sieg der Schönheit 
über die Helden verfertigt und dabei mit der schönen Conradine bekannt 
worden, welche in diesem Ballet die Göttin der Venus vorstellte: 
„Die Venus, die vorhin so dankbar sich bewiesen 
Als Paris ihr den Ruhm der Schönheit beigelegt. 
Fand sich nicht weniger in dem Bauet gepriesen 
Das von der Schönheit Sieg den stolzen Namen trägt. 
Sie sprach: für diese Schrift will ich den Dichter lohnen. 
Er soll, dem Paris gleich, der Schönsten Meister sein. 
Er wähle was er will, nur schon' er Thron und Kronen, 
Sonst alles Uebrige räum ich ihm willig ein. 



— 27 — 

dorp)y Hm. Frohese, Em. Stricker , beide aus der Capelle, und 
dem Landgräfl. Hessen-Cassebchen Kammermusikus Giovanni 
MicheliJHeri, welcher auch besonders zu dieser Oper nach Ber- 
lin berufen gewesen zu sein scheint Ausser diesen ist die Mit- 
wirkung eines vornehmen Dilettanten, des Königl. Schwedi- 
schen Gesandtschafts-Cavaliers Herrn von Huswedel zu er- 
wähnen, der im Epiloge die Rolle des Merkur spielte und sang, 
indessen nur auf besonderes Ersuchei\ Sr. Majestät des Königs, 
wie der Dichter des Textes ausdrücklich hinzufügt In dem 
Ballet finden wir die Namen PoUer^ Müe. Le Grand, Weide- 
mannj Lavenant, Bude und la Palm genannt, die obgleich sie 
bei Ho£b tanzten, eigentlich zu der französischen Truppe des 
du Rocher, die in der Stadt spielte, gehört zu haben schei- 
nen und dort 300 Rthlr. Gehalt jährlich bezogen, wie aus 
einer Vorstellung des du Rocher an den König hervorgeht, 
die im Frühjahr 1706 von Tournaj aus nach Berlin gelangte. 
Am Schlüsse dieser Eingabe bemerkt du Rocher: afin que 
la troupe soyt ici au mariage de Msgr, le Prince Royal. 

Der Dichter, höchst bestürzt ob dem so grosseo Glücke, 
Dass ihn der Venus Huld zu würdigen begehrt, 
Sprach zu ihr: Königin, ich bin nicht Deiner Blicke 
Und minder eines Lohns von solcher Hoheit werth. 
Du weisst, wie wenig sich mein Herz bei Dir erkühne, 
Doch soll ich Heister sein von einer in der Welt 
Die deiner Schönheit gleicht an Reiz, Gestalt und Miene, 
So sei es, die Dich jüngst so herrlich vorgestellt; 
So sei es, bitt' ich Dich, die schöne Conradine.^^ 

1) Eluaheth Biesendorf, eine Berlinerin, war die Schwester eines Malers und 
Kupferstechers dieses Namens (Nicolai). Auch spftter sang sie noch in 
Hof-Opern bei welcher Gelegenheit sie der Fürst MentschikofT kennen 
lernte und sie überredete, mit ihm nach Russland zu gehen, wo sie 
später in Petersburg gestorben ist Sie zeichnete sich auch als Schmelz- 
Malerin vortheilhaft aus. 



— 2& — 

Es kommen nun im Anfange 1707 und dann später im Mai 
desselben Jahres mehrere festliche Hof-Wirlhschaften und 
Masqueraden vor, in deren einer das Masqueraden-Schau- 
spiel ,,die vier WeUtheüe'', dann ,, Frühjahr ntid Herbst'^ und 
dergleichen mehr vorgestellt wurde. Die Poesie lieferte zu 
allen diesen Festlichkeiten der unermüdliche Hofpoet Herr 
von Besser, der einen bedeutenden Schatz von Lobeserhe- 
bungen und allerunterthänigster Devotion in seinem Dichter- 
gemüth vorräthig gehabt haben muss. In der Sanmüung des 
Verfassers befindet sich ein seltener Kupferstich aus jener 
Zeit, das Masqueradenspiel der vier Welttheile vorstellend. 
Ob es aber dasjenige gewesen, welches in Berlin bei Hofe 
gegeben worden, ist nicht zu ersehen. In einem festlich ge- 
schmückten Saale stehen vier ungeheure Menschenköpfe, 
aus deren geöffnetem Munde die Tanzenden hervortreten. 
Die äussere Verzierung und die Attribute jener vier Köpfe 
deuten Europa, Asien, Afrika und Amerika an, eben so ist 
das Ck>stüm der daraus hervorkommenden 4 Quadrillen nach 
den Welttheilen verschieden. 

Auch eines musikalischen Schauspiels, das am 16. Mai 
1707 während der Tafel vorgestellt wurde, wird erwähnt 
Es ist wie das vorige von Herrn von Bessers Erfindung und 
celebrirt das Frohlocken des Helicons und der Musen über 
das Geburtsfest der Kronprinzessin. 

Nun schweigen die Nachrichten über dergleichen wieder 
bis zum 20. August 1708^ wo bei Gelegenheit der Vermäh- 
lung König Friedrichs I rmi seiner dritten Gemahlin, der Mek- 
lenburgischen Prinzessin Sophie Louise, auch eine Oper dar- 
gestellt wurde. Ob dies aber eine ältere, wer der Dichter 
und Componist gewesen, wer darin mitgewirkt und wo die- 
selbe gegeben, ist in den vorhandenen Quellen nicht aufzu- 



- 29 - 

finden gewesen. Nur über den Balletmeister CarlSylvan Du- 
bois, der bei dieser Gelegenheit die Tänze arrangirte^ sich 
aber sonst nicht weiter erwähnt findet, sagt Nicolai, dass er 
1688 in Brüssel geboren, früher Soldat war und sich dann 
auf das Tanzen legte; 1707 kam er nach Berlin und starb 
1753 in Cöpenik, nachdem er beim Regierungsantritt Frie- 
drich Wilhelms I aus dem Hofdienst entlassen worden war 
und sich als Landschaftsmaler ernährt hatte. Gremälde von 
ihm hängen noch in den Schlössern zu Potsdam und Charlot- 
teuburg. Auflallend genug kommt dieser Name sonst nirgend 
weiter in Bezug auf das Theater vor, seine Stellung muss 
also, schön durch seine Jugend, eine ganz eigen thümliche 
gewesen sein. 

Nun kommen wir zu derjenigen Oper, über welche eigent- 
lich die meisten Details aus jener Zeit vorhanden sind. Es 
ist dies Alexanders und Roxanens HeiraA, grosse Oper mit 
Prolog und Epilog vom Herrn von Besser. Sie wurde im 
December 1708 gegeben und scheint den Reigen der Opem- 
auifiihrungen bis zum Jahre 1740 geschlossen zu haben, da 
sich später keine so grossartige Aufluhrung gestaltete, we- 
nigstens keine Nachricht davon bis auf unsere Zeit gekommen 
ist. Dass diese Oper im Schlosse selbst aufgefiihrt wurde, 
scheint aus der Bemerkung hervorzugehen, dass ziun völligen 
Beschluss der grosse bei Vermählungen übliche Fackeltanz 
ausgefiilut wurde, indessen strdtet das Datum der Aufluhrung 
im December wieder gegen diese Annahme. Der Fackeltanz 
ist allerdings am Preussischen Hofe ein integrirender Theil 
der Vermählungsfeierlichkeiten, aber am Tage der Vermäh- 
lung selbst und vor der üblichen Austheilung des Strumpf- 
bandes. Das Beilager fand indessen am ^0. August statt, 
so dass jener Schluss der Oper auch wohl nur eine Erinne- 



- 30 — 

rang daran gewesen sein kann.^) Die Musik hatte diesmal 
der schon erwähnte Kaminennusikus Stricker allein gemacht, 
die Architektur und Decorationen Obrist Eosander v. Göthe, 
die Malerei der Hof- Maler Wentzell. Die Direction der 
Capelle stand auch diesmal unter dem Königl. Kammerherrn 
von Tettau, und als Oberaufseher über das Ganze der Oper 
wird abermals Markgraf Albrecht genannt 

Von dieser Oper hat sich das Programm mit dem Perso- 
nenverzeichniss, wie es bei Hofe ausgetheilt wurde, noch er- 
halten, und zeigt, dass im Prolog 

1) Jupiter (Hr Frohese) in einer Wolke, 

2) Apoüo Hr Hoppenstedty 

3) die 9 Musen mit ihren Attributen 
und zwar Mlle Hubner die mittelste 

MUe Hubner die jüngste 

Mlle Camphausen 

Müe Rothin die älteste 

MUe Rothin die jüngste 

Müe Strickern (Schweslef des Componisten) 

Mtte Oehlenschlägem 

MUe lösten und 

MUß Seran, 

4) Cupido als Begleiter des Erato, der kleine Kronreich^ 
auftraten. 

Die Oper selbst bestand aus folgenden Personen: 



1) In dem Versuch einer historischen Schilderung etc. der Residenz- 
stadt Berlin 1795 giebt der Verfasser [König) ganz bestimmt an, dass 
diese Oper auf dem Theater des Stallplatzes gegeben worden sei. 
In wie fern dies mit andern Nachrichten übereinstimmt, nach denen 
für diese Oper ein ganz neuer Schauplatz erbaut worden sein soll, — 
müssen wir unentschieden lassen. 



— 31 — 

1) Alexander der Grosse König von Macedonien, Hr. Carl 
Heinrich Grunewald.^) 

2) Roxane eine Persianische Prinzessin, Verlobte des 
grossen Aleianders, MUe Conradine. 

3) Oxiartes ihr Vater, ein Fürst der Bactrianer, HrFrobese. 

4) Jeron6aze5 ein junger persischer Prinz, Hr BösewülehaUL 

5) Eleone der Roxane ihre Gespielin, MUe Biesendorf. 

6) Hephesiion Alexanders Vertrauter, Hr Campiogli.^ 
Zehn Macedonische und zehn Persismische Magnaten. 
Vier grosse Mooren, welche den Königl. Dais oder Himmel 

tragen, unter welchem die Veriobung geschieht 

Zween kleine Mooren, die den Schweif des Königl. Man- 
tels der Roxane tragen. 

Zween Pagen, die den Trauungstisch tragen. 

Sechs Combattanten. 

Die Entreen und Tänze zu den Ballets, die jeden Act be- 
schliessen, war^a von dem Tanzmeister de la Montagne. 

Eni Pas de deux grand s6rienx et Mac6donien wurde von 
den beiden Prinzen von Anhalt-Zerbst, 



1) Grunewald starb 1739 als Vice-CapeUmeister in Dannstadt Zuerst 
findet er sich in Hamburg erwähnt, wo er 1706 die Oper Germanieut 
componirte und zur AuS&hrung brachte. Plümike giebt falsch das Jahr 
1700 an. Er war ein vortrefHicher Sänger und ausserdem Virtuose 
auf dem Pantalon. 1717 reiste er von Darmstadt aus abermals nach 
Hamburg. Zu dieser Oper scheint er besonders nach Berlin verschrieben 
worden txi sein. Vielleicht hatte die schöne Conradine ihn empfohlen. 

2) Campioli, wie er anderweitig auch genannt wird, war Castrat und Al- 
tist Vor 1708 findet sich sein Name nirgend, wahrscheinlich ist er 
aus Italien direct nach Berlin gekommen. 1710 aus Berlin entlassen, 
ging er nach Braunschweig, wo er in Wolfenbüttel viel bei Hofe 
sang. 1728 ist er in Hamburg angeführt, wo er den Pharao in der 
Colcforaschen Oper dieses Namens, und 1731 in Dresden, wo er in der 
Qeofide von Basse sang. 



— 32 - 

ein anderes Pas de deox demi-caract^re et persiaque 
aber von den beiden Prinzen von Bernbni^, 

und das Corps de Ballet mit figurirenden Ooadrillen von 
dem Hofstaat getanzt 

unter den Tänzern von Profession, deren mehrere vom 
französischen Theater des du Rocher waren, sind genannt : 

1) Mr tÄvenant, mattre de danse de Tacad^mie royale. 

2) le Sieur Charles (vielleicht jener Charles Sylvan Dubois, 
den wir vorhin erwähnten?) mattre de danse de la cour de 
Bareuth. 

3) les deux Sieurs Baude. (Deren die genannten geistlichen 
Pamphlete unter dem Namen die kleinen Butkens erwähnen.) 

4) Mr Dorlu. 8) Herr Vetter. 

5) Herr Görtcke. 9) Herr Flbricke. 

6) Herr Bruneck. 10) Mr Charles le cadeL 

7) le Sieur de la: Palm. 11) Mr le Sevigny le cadeL 
Nach diesem Personale zu schliessen war damals eine 

Oper mit eben so zahlreichem Personale in Scene gesetzt, 
als im Anfange der Regierung Friedrichs des Grossen, wie 
schon eine Vergleichung der Personen- Verzeichnisse (siehe 
die Beilage) ergiebt^) 

1) Von den durch Hofherrn getanzten Quadrillen führen wir folgende an: 
Sechs Macedonische Helden, welche von sechs Hautbois angeführt wer- 
den: Graf V. Pückler der mittlere, Graf t. Morsleiriy die Herrn 
V, Rüdt, V. Greei, v. Münchhausen und t\ Orowsky, Sechs Persianische 
Helden, welche von sechs Waldhörnern angeführt werden: Graft?. Pück- 
ler der ältere, Graf r. Wariensleben, Baron i\ Thegener, die Herren 
u. Adrecasse, t\ Kupner, v. Ratzbach. Zwischen diesen tanzen die bei- 
den Prinzen von Anhalt -Zerbst Christian August und Christian Lud- 
wig, der junge Herr v. Wartemberg, der Herr v, Vollert und der Herr 
Starost t\ Prebentow, Tanzt jedweder ein Entr^e allein. Sechs Scy- 
thische Amazonen: die Fräuleins i\ Rindorf, v. Cansiein, t. Mardefeldl, 
t?. Leuenstädt, la Motte, Grotin. Sechs Persianische Hofdamen: die 



- 33 - 

Gleichzeitig mit dieser leteten grossen Oper wurde auch 
ein Ballet von le Sevigny gegeben^ der bei du Rocher enga- 
girt war und auf dem Programm den Titel Com^dien ordt- 
naire de Sa Majeste le Rot fiihrt; der Titel war: le Triomphe 
des amours et des Piaisirs, Ballet royal, mäi de rSciis et chants 
alligoriques sur le Mariage du Rot. Ein Beweis, dass die in 
neuester Zeit mit Glück versuchte Einführung des Gesanges 
bei Balletten schon in jener Zeit geschah. Uebrigens wurde 
dies Ballet in Gegenwart beider Majestäten aufgeführL Aber- 
mals kommt bei der musikalischen ComposUion des Ballets 
ein neuer Name vor, nämlich leMercier, über den sich sonst 
keine Notiz in den vorhandenen musikalischen Biographien 
vorfindet Auffallend ist überhaupt, dass in der damaligen 
Capelle schon so viele verschiedene Gomponisten vorhanden 
waren, als wir in dieser Uebersichl von 1701 bis 1708 bereits 
aufgeführt haben. Leider sind die Nachrichten über jeden ein- 
zelnen sehr sparsam, und namentlich ihr Wirken in Berlin 
selbst nur sehr oberflächlich berührt Die meisten der Na- 
men muss man in England, Hamburg, Dresden, Wien u. s. w. 



Fräuleins v. MombaU, v. Brandt die ältere, v. Perbandt, v. Schmettau, 
V. Cannitzefiy v. Boxhausen. In der Entr^e des Hymenäus, mit welchem 
zugleich die Amours ^ Plaisirs und (rraiien in einer Wolke herunter 
kommen, dantzen mit Fakkeln: der Herr Graf r. Dohna, Baron 
t\ Kaue, der Graf v> Pückler der jüngere, Herr t, Waldau, Herr 
V. Eyb. In der Entr^e der Amours und Plaisirs: der Prinz r. Cöthen 
der ältere, der Prinz v. Cöiken der jüngere, Graf v. Wartensleben der 
jüngere, Graf v. Barfuss, Graf r. Lenar, der jüngere v. Brandt, der 
jüngere t. Klitzing. In der Entr^e der Grazien und Annehmlichkeiten 
dantzen: die Gräfin v, Wartensleben die ältere, die Gräfin v. Wartens- 
Üben die jüngere, Fräulein v. Jlgen die jüngere, Fräulein v. Brandt 
die jüngere, Fräulein v. Steussen. Noch dantzen in einer Wolke: die 
beiden kleinen Fräuleins v. Grumbkau, der jüngste Graf v. Wartens- 
leben, der jüngste Graf v. Pückler, der jüngste Graf v. Wilknitz. 



— 34 - 

wieder aufeuchen und verfolgen, um von ihren Werken und 
Leistungen Kenntniss zu bekommen. 

Es scheint hier der geeignete Ort, ein Yerzeichniss der 
Personen anzuführen, welche die damalige Königl. Capelle 
bildeten. Es ist den Manuscripten des geheimen Archivs ent- 
nommen und auch in Königs schon mehrerwähnter histo- 
rischen Schilderung gedruckt Da die Gehalte und sonstigen 
Einkiinfte der Kammermusiker und Sängerinnen dabei ange- 
geben sind, so dürfte dies einen interessanten Vergleich des 
Damals mit dein Jetzt hervorrufen. Es lautet: 

1711 und 1712. 

Dron^ in des alten Carges Stelle ,450 rtl. 

Bodecker 352 ,, 

Rieck senior 352 „ 

Strebelau 300 „ 

Vogdsang. ....400 „ 

Pepusch') 300^, 

Fi'e^femann Violist") .300 „ 

Jourdain ....300 „ 

Martin Friedrick Marcks 100 „ 

Joh. George Linicke^ 100 „ 



1) Siehe über diesen die Bemerkung während der Regieningsperiode Fried- 
rich Wilhelms 1. 

2) Wüdemann (Michael) hat sich auch als Schriftsteller bekannt gemacht. 
1689 schrieb er 12 auserlesene Geschichten unter dem Titel: Historisch- 
poetische Gefangenschaften, unter denen »yFido der unbesorgte Musi- 
kant'^ besonders von musikalischem Interesse 4st Ob er derselbe Wiede- 
mann ist, den Quanx als Gapellmeister des Königs yon England 1727 in 
London fand, war nicht zu ermitteln. Möglich ist es, da er 1714 wie alle 
anderen Capellmusici plötzlich aus Preussisschen Diensten entlassen wurde. 

3) linieke war* Virtuose auf der Violine^ hatte den Titel Orchester -An- 
fUhrer und war aucli Liedercomponist. Ein Schüler Johann Theüt'M in 
Berlin, kam er gegen das Jahr 1696 in die ChurfÜrstliche Capelle. Bei 



— 35 — 

Joh. Christian Schulze 100 rlL 

Hans Ernst Giüdenmeister 100 „ 

Georg Friedrick Eciger 100 „ 

Saloman Lenz - 100 „ 

Peter Krause. 100 „ 

Gottfried Bünder (Violoncello) 100 „ 

Gottlieb Stein 100 „ 

Gotdieb Michael Kündel 100 „ 

Johann Stärk Bassiste 100 „ 

P^fer Giosck^) Hautboiste ....200 „ 

Kleidergelder ^ 30 „ 

Friedrich Schüler 100 „ 

Carl Fleischer.. 100 „ 

Kletdergelder 30 „ 

Ludwig Rose inclusive Kleidergelder 130 „ 

Christoph Torley Bassiste 130 „^ 

Hans Michael Schüler inclusive Kleidergelder 130 y, 

Antonio Cambiola^ Castratund AltisL 500 ,, 

Stricker Componist Und Tenoriste 300 „ 

Demselben iiir einen Copisten und Schreib-Materialien 100 ,, 

Joseph Spies Violist 150 „ 

Christian Huuhesee Reise-Cantor und. Bassiste 100 



» 



Gelegenheit des Todes der Königin, ersten Gemahlin König Friedrichs I, 
dirigirte er die ganze Capelle in der Nicolaikirche. Durch die Entlassung 
im Jahre 1713 hrodlos, ging er nach Weissenfeis, wo er in Herzogliche 
INenste trat, und auf Kosten des Hofes eine Reise nach England machte. 
Nachdem er sich 3 Jahr dort aufgehalten, kam er nach Hamburg, wo er 
als Vorspieler in das Opern-Orchester eintrat. (Mattheson, Gerber, Kö- 
nig.) Ein Verzeichniss seiner Compositionen giebt Gerber. 

>) Glösch war der Vater des Carl WiUielm Glösch, welcher 1779 Kam- 
mer-Musikus des Prinzen Ferdinand von Preussen, dann 1783 des 
Prinzen von Preussen war, und mehrere Compositionen drucken Hess. 

^) Cambiola ist kein anderer als der schon erwähnte Campiolu 

3» 



— 36 - 

Dem Domcantor Pi?fr67o vor das Ripieno 100 rlL 

Vor die Schüler 50 „ 

Dem Küster bei der Hof-Capelle PofiW 100 „ 

Mergener Calcant 50 „ 

Caspar Ziegeler Aufwärter 40 „ 

Heinrich Fiester 40 „ 

Deren sämmüichen PuIsaDten Besoldung 50 rd. 

Zu Schmiere 4 ,, 

Orgel-Bauer Mietke 70 ,, 

Orgel-Bauer Schnitger 150 „ 

Der reformirten Kirche sind die 2000 rtL so die Comö- 
dianten gehabt, auf 2 Jahr assignirt 

Ausserdem 24 Trompeter, jeder zu 223 rü. an Besol- 
dung, worunter auch Kostgeld auf sie und ihre Diener mit 

einbegriffen 5,350 rÜ. 

Zwei Pauker, dienen Trompetern gleich, jedem 223 rlL 446 „ 

Wegen Ueberziehung der Pauken 40 „ 

Futter auf 50 Pferde in Natura. (Woraus übrigens hervor- 
geht, dass auch die Diener der Trompeter beritten waren.) 

Und ein Kunstpfeiifer, der s die Obhegenheit hatte, Tom 
Schlossthurm herab jeden Morgen um 10 Uhr und Abends 
im Winter um 4, im Sommer um 5 Uhr ein zierliches Mu- 
sikstück zu blasen. Seine Bestallung schrieb ihm vor, zu 
jeder Zeit künstliche, gute und zierliche Musik, insonderheit 
allemal einen Psalm aus dem „Lobwasser^^ zu blasen und 
sich dabei allerlei Instrumente durch Abwechselung zu ge- 
brauchen, damit man spüren könne, „dass zwischen dem Ab- 
blasen, bei Hofe und dem so in der Stadt geschieht, ein Un- 
terschied sei/^ Auch musste der Kunstpfeiffer aufwarten, wenn 
bei Hofe getanzt wurde, und auch im Dome bei der Kirchen- 
musik mitwirken. 



— 37 — 

Man sieht, dass die KönigL Capelie schon damals zahlreich 
und wobibesetzt war; ja rechnet man die seit jener Zeit erst 
(hingeführten Instrumente und deren doppelte Besetzung ab, 
so hall sie wohl jeden billigen Vergleich aus. Als die eigent- 
liche Pflegerin und Beschützerin dieser Capelie muss indes- 
sen die Königin Sophie Charlotte betrachtet werden, da der 
König selbst keinen andern Geschmack an der Musik über- 
haupt hatte als den, sie bei- grossen Hoffesllichkeiten figurireu 
zu sehen. Die Königin aber war nicht allein Liebhaberin 
der Tonkunst, sondern übte sie selbst mit Fertigkeit und Ge- 
schmack aus. Daher überliess ihr der König auch so ziem- 
lich alles was darauf Bezug hatte, nur behielt er sich vor, 
dass die Capelie bei Tafel aufwarten, das heisst Musik machen 
musste. An dem einen Ende der Tafel stand dann gewöhn- 
lich das Orchester fiir die Capelie, an der andern eine Tri- 
büne für die KönigL „Blechpfeiffer^^^ wie die Hoftrompeter und 
Pauker damals genannt wurden. Die erstere niusste während 
der verschiedenen Gänge Harmoniemusik machen, die letz- 
teren Tusch blasen, wenn eine Gesundheil getrunken wurde. 

So wenig man sich, nach dem jetzigen Stande der Mu- 
sik, einen Begriff machen kann, wie die Ausführung der 
damaligen Compositionen durch jene Capelie beschaffen ge- 
wesen, so werden doch Namen wie Franz Änlon Moscateüi, 
Stricker, Rieck und Äriosti von ihren Zeitgenossen mit zu 
grosser Achtung genannt, als dass ihr Wirken nicht etwas 
Tüchtiges vermuthen Uesse. Eine Notiz in einer englischen 
Biographie Händeis giebt zwar an, dass auch dieser ausge- 
zeichnete Musiker sich bis zum Ableben des Königs in Ber- 
lin befunden und in der Capelie mitgespielt habe, indessen 
findet sich diese Nachricht nirgends bestätigt Händel war 
zwar in Berlin aber im Jahr 1698, wo er unter Attilio Ariosti, 



— 38 — 

die CompositioQ sUidirte. Damals war er vierzehn Jahr alt; er 
kann daher schwerlich irgendwie sich durch seine Mitwirkung 
oder gar Leitung der Capelle ausgezeichnet haben. Wahr- 
scheinlich hat er sich bei Hofe auf dem Klavier hören lassen. 
Dass er vom Churfürsten, nachmals König Friedrich Anerbie- 
tungen erhalten, in Berlin zubleiben, ist gewiss, eben so gewiss 
aber auch, dass Händel oder dessen Verwandte sie ablehnten. 

Ausser diesem Dienst bei .Tafel und bei den allerdings 
seltenen Opernvorstellungen, hatte die Capelle nur noch in 
den Abendconcerten der Königin zu thun, die meistentheils 
in Charlottenburg Statt fanden. Die Königin besass eine sehr 
ansehnliche und ausgewählte musikaUsche Bibliothek, in der 
die besten Werke der damals in Italien lebenden Meister 
sich befanden. Die Verzeichnisse dieser Sammlung, welche 
der Ordensrath König selbst durchgesehen haben will, enthiel- 
ten besonders CoreUi^ Abhate St^ani, ÄUüio AriosU, StradeUo^ 
Cesarini, Älessandro Mdani^ Scarlati, Bonaventura a Nardmiy 
Monza, Luigi diMantua, Pistochi Buononetni Gasparini, Gia- 
nettint u. s. w., und die Sammlung selbst kam, als Friedrich 
Wilhelm I den Thron bestieg, bei Gelegenheit einer Bevißion 
des Inhalts und Ameublements sämmtlicher Königl. Schlösser 
auf Befehl des Königs an die Königl. Bibliothek. Später liess 
sich die Prinzessin Ämaltaj Schwester Friedrichs des Grossen, 
dieselbe ausliefern und besass sie bis zu ihrem Tode, worauf 
sie, nach der ausdrücklichen Bestimmung des Testaments der 
Prinzessin, an die Bibliothek des Joachimsthalschen Gym- 
nasiums gelangte. ^) 

Wir haben schon erwähnt, dass fremde Sänger, beson- 
ders Italienische, nach Berlin berufen wurden, um bei Auf- 

^)K^ke, Geschichte der Bibliothek des Joachimsthalschen Gymnasiums. 



— 39 — 

(iihniDg der Opern mitzuwirken, indessen fanden sich auch 
andere berühmte Virtuosen ein, die sich bei Hofe hören 
liessen, so z. B. der berühmte k Richej Hautboist des Königs 
von Polen,') der Theorbist und Lautenist SL Luc aus Frank- 
reich.^) Auch eine Italienische Sängerin Catharina tJtAltcant 
wird erwähnt, die 1701 in die CapeUe aufgenommen worden 
sein soll (König, Historische Schilderung). Da aber dieser 
Name bei keiner Opernaufluhrung wieder genannt wird, so 
muss es dahingestellt bleiben, ob sie bei solchen Gelegen- 
heiten mitgewirkt hat^ — In Gepperts Chronik von Berlin 
findet sich die Angabe, dass die Königin fast täghch eine 
Stunde am Klavier zubrachte und sogar in den Hofconcerten 
selbst dirigirt habe, namentlich als der Componist Johann 
Baptist Buononcini 1703 in Beriin war und seine Oper PoK- 
femo von vornehmen Dilettanten, aber nur musikalisch, aus- 
geföhrt wurde. Die Königin sass am Klavier und dirigirte 
sowohl den Gesang, bei dem auch der Erbprinz von Hessen- 
Cassel mitwirkte, als die Intrumentalmusik, die bei dieser 
Gelegenheit von lauter Capell- und Concertmeistem ausge- 
führt wurde. Gerber macht hierzu die Bemerkung: „Yiel- 

>) FroMüis U Ricke muss 1716 noch gelebt haben, da Telemann ihm in 
diesem Jahre seine „kleine Kammer-Musik'' dedicirte. Er kam auf 
den Ruf der Königin zum Beilager der Prinzessin Louise Darothee mit 
dem Erbprinzen Friedrich von Hessen^Cassel nach Berlin. Wir be- 
merken noch, dass gegen 1700 die Oboe ein noch ziemlich neues In- 
strument war* 

^] Er gefiel dem Hofe so ausserordentlich, dass er am 6ten Juli 1700 
während der Hittagstafel die Herrschaft ganz allein auf seiner Theorbe, 
Laute und Guitarre unterhalten musste. 

^) Dass diese Had. Catharina d'AKcanl wirklich zur Königlichen Capelle 
gehörte, beweist ihr Name in dem 1704 von der Akademie der Wis- 
senschaften herausgegebenen Hof- und Staats-Kalendcr, wo sie hinter 
den übrigen Kanmier-Husikanten genannt wird. 



- 40 — 

leicht gerieth aber die Ausführung dieser Musik deswegen um 
desto schlechter/^ Unter dieser Elite von Capell- und Con- 
certmeistem befanden sich der Ober-Capellmeister Riech 
Rugtero Fedeli, Volumier, Contij le Ricke, Forstmeier etc. Wir 
können nicht unterlassen bei diesem Namenverzeichnisse 
darauf hinzuweisen, dass für ihre Richtigkeit nicht mit voll- 
ständiger Gewissheit eingestanden werden kann. Je mehr 
man die verschiedenen Quellen vergleicht, je weniger man 
nur abschreiben, sondern durch Critik das vorhandene Mate- 
rial sichten will, — je klarer stellt sich die Ueberzeugun^ 
heraus, dass die verschiedenen Schriftsteller entweder aus 
Unkenntniss oder Nachlässigkeit Lrrthämer begangen, die sich 
trotz aller Mühe jetzt noch nicht vollständig aufklären lassen. 
Wir geben in solchen Fällen daher das ganze vorhandene 
Material und müssen es einer spätem Zeit überlassen, durch 
vielleicht noch aufzufindende Documente das Wahre vom 
Falschen zu sondern. Eben so ist es mit den mancherlei An- 
gaben vor dem Jahre 1700, wo sich kurz angedeutet findet: 
„es wurde eine Oper aufgeführte^ So z. B. im Jahr. 1694 
bei dem Besuche der Prinzessin von Polen Therese Kunigunde^ 
welche durch Berlin reiste um sich zum Beilager mit dem 
Churfiirsten von Bayern -nach Brüssel zu begeben. 

Der Churfürst liess ihr zu Ehren eine grosse Oper auf- 
führen. Als man die Prinzessin an dem zur Vorstellung be- 
stimmten Tage fragte, um welche Stunde man anfangen sollte, 
antwortete sie: um 10 Uhr. Man wartete bis Mittemacht auf 
sie, allein vergebens; endlich liess sie sich durch ihren Hof- 
cavalier entschuldigen, weil ihr nicht wohl wäre. Am an- 
dern Morgen erfuhr man indessen, dass sie die ganze Nacht 
mit den Polnischeu Herren und Damen aus ihrem Gefolge 
9Ji der Tafel hingebracht 



— 41 — 

Ein anderes Mal wurde am Abende vor Pfingsten 1695 auf 
einem kleinen Theater ein Ballet aufgeführt, in welchem 
junge £delleute und HofTräulein mit vielem Beifall spielten. 
Am zweiten Pfingstfeiertage wollte die Churfiirstin diese Auf- 
Hihrong wiederholen lassen, als man ihr meldete, dass der 
Hofprediger Kochius auf der Kanzel heilig gegen diese sünd- 
lieben Spiele bei Hofe geeifert Die Churflirstin, die allen 
Streit vermeiden wollte, liess die Frau und die Tochter des 
Hofpredigers ^nladen, selbst dem Ballette beizuwohnen, da- 
mit sie dem strengen Vater berichten könnten, wie unschäd- 
lich ein solches Vergnügen sei. Ein anderer Umstand ver- 
hinderte indessen diese Auflfiihrung gänzlich. Unter den von 
der Ghurlurstm für das Ballet ausgesuchten Tänzern befand 
sich nämlich auch ein junger Graf von Dönhoff, der sich 
eben bei Kochius zur Communion vorbereitete, als der Tanz- 
meister ihm die Balletprobe ansagen liess. Der Vater des 
jungen Grafen, dem Kochius das Unziemliche der Sache vor- 
stellte, begab sich sogleich zum Churßirsten und bat ernst- 
lich, diesem Unwesen ein Ziel zu setzen. Der Churfiirst gab 
sofort den Befehl, d^ss in der Nacht noch das Theater abge- 
brochen werden sollte, und als die jungen Herren und Damen 
sich am andern Morgen zur Probe versammeln wollten, fan- 
den sie die leeren Wände, und die Aufliihrung unterblieb. 

Wir führen diese Anekdoten hier deswegen an, weü wir 
dadurch am besten beweisen, dass sich unsere Angabe des 
.Beginns einer Oper im Jahre 1700 eigentlich nur auf die 
historische Gewissheit und nähere Kenntniss der Umstände 
bezieht Allerdings scheint in diesen Anekdoten die Dar- 
stellung von Opern und Balletten schon in dem letzten Jahr- 
zehend des siebenzehnten Jahrhunderts nachgewiesen, aber 
da in den uns zugänglichen vorhandenen Quellen jede nähere 



— 42 - 

Bezeichnung über den Ort der Aufluhning^ das Personal, 
u. s. w. vei^ebens gesucht wird^ sie auch vollständig nur den 
Charakter einer Hoffestlichkeit trugen, so mussten wir uns 
begnügen, die Anekdoten als solche anzuführen. 

Mit der erwähnten letzten Heirath des Königs trat be- 
kanntlich nach und nach eine trübe Stimmung am Preussi- 
schen Hofe ein, die sich fiir unseren Zweck zunächst in dem 
gänzlichen Aufliören der Opern- und Ballet -Vorstellungen 
in Berlin kund giebt Der König, welcher die Oper als 
solche eigentlich nie geliebt, sondern nur als eine besonders 
prächtige und unterhaltende Hoffestlichkeit betrachtet hatte, 
that nichts mehr dafiir und entliess 1711 sogar die bisherige 
französische Hoftruppe, aus welcher die Tänzer fiir die 
Opern genommen worden waren. Dass diese Entlassung 
nicht plötzlich geschah, sondern nachdem die Truppe schon 
lange Zeit wenig oder fast gar nicht mehr gespielt hatte, 
geht aus einem im Königl. Archive vorhandenen KönigL Be- 
fehl de dato 27. Martis 1711 hervor, in welchem den französi- 
schen Comödianten 2000 Thlr. zur Abreise angewiesen 
werden und der König besonders erwähnt: „dass sie ja schon 
lange nicht mehr gespielt" 

In der Zeit bis zur Thronbesteigung Friedrich Wilhelms I 
bestand die Königl. Capelle zwar noch fort, die bedeutendsten 
Musiker aber fühlten sich in dieser Unthätigkeit nicht wohl, 
gingen ab und suchten ein anderweitiges Unterkommen. 
Sie mochten wohl ahnen, dass der künftige König dem 
prächtigen Hofhalte ein rasches Ende machen würde, und 
sie hatten sich nicht betrogen. Derselbe Federstrich durch 
die Etats, der unmittelbar nach dem Tode Friedrichs I Hun- 
derte von Hofbedienten verabschiedete, machte auch der 
ganzen, bisher so glänzenden Capelle des Königs ein 



— 43 — 

Ende. *) — Ohne alle Rücksicht auf ihre halflose Lage wurden 
die Musiker entlassen, zerstreuten sich entweder in das Aus- 
land oder geriethen in die elendesten Umstände, so dass ei- 
nige sogar Tagelöhnerarbeit thun mussten, um nur ihr Leben 
zu fristen. Nur einer von ihnen, Gottfried Pqfuscky^ ein Mann 
von riesenhaftem Wuchs, fand in. dieser Rücksicht Gnade 
vor den Augen des Königs und wurde als Stabshautboist zu 
dem Leib -Regiment der sogenannten rothen oder grossen 
Potsdamer Garde versetzt Wenn Musik bei Hofe statt fin- 
den sollte — was übrigens selten genug geschah — so 
mussten die Hautboisten der Regimenter^ diese Arbeit über- 

■) Wir erwähnea bei dieser Gelegenheit noch, dass sieh eine Abbildung 
der Hof- Uniform, in welcher die Eönigh Kammer -Musiker bei Tafel 
aufwarteten, in dem Bilde eines Flötenspielers {Flautiraversisten) im 
Königl. Schlosse zu Bertin yorfindet. Es hfthgt in den sogenannten 
Braunschweigschen Kammern im zweiten Stock der Wasserseite des al- 
ten Schlosses. 

^) Nicht mit dem berühmten Johann Christoph Pepusch, wahrscheinlich 
einem Bruder Gottfrieds, zu yerwechseln. Da indessen auch Johann 
Christoph eim'ge Zeit zar ChurfürstL Gapelle gehörte» so lassen wir hier 
einige Nachrichten aus seinem Leben folgen. Er war 1667 in Berlin 
geboren und Sohn eines protestantischen Geistlichen. Von Klingen" 
berg und Grosse unterrichtet, bildete er sich frühzeitig zu einem ge- 
schickten Organisten, Klavier- und Harfenspieler aus. Im Jahre 1681 
hatte er das Glück, einer bei Hofe singenden Dame accompagniren zu 
dürfen, und der Churfürst Friedrich Wilhelm der Grosse war so ent- 
zückt über seine Fertigkeit, dass er ihn sofort, obgleich erst 14 Jahr 
alt, zum Lehrer des Churprinzen machte, und der Unterricht noch 
an demselben Tage beginnen musste. Bis 1700 blieb Pepusch in Ber- 
lin als Mitglied der ChurfürstL Capelle und Lehrer des Churfürsten, 
dann ging er nach England, wo er bald seinen Ruhm fest begrün- 
dete. Seine weitere Geschichte steht in keiner Beziehung zu Berlin. 
Wir brechen sie daher hier ab, und verweisen auf seine ausführliche 
Biographie bei Gerber. 

^) Und zwar in Berlin die Trompeter des Regiments Gendarmen und in 
Potsdam die Hautboisten (12 Personen) von dem Regiment des Königs. 



— 44 — 

nehmen. Wie wenig diese im Stande waren, auch nur den 
geringsten Ansprüchen zu genügen, beweist wohl, dass bei 
dem Besuche König Augusts von Polen der berühmte Violin- 
spieler Locatellt, der im Gefolge des Königs von Dresden 
nach Berlin gekommen war, nicht dazu gelangen konnte, in 
einem Concerte bei Hofe zu spielen, weil die Hautboisten 
eben gänzlich ausser Stande waren, irgend etwas zu accom- 
pagniren. Dem König Friedrich Wilhelm war das grade 
reclit, weil er dadurch den Anforderungen der Königin und 
des Kronprinzen, wieder eine Capelle einzurichten, entging, 
und er war ausser sich, als man von ihm verlangte, dem Lo- 
catelli, trotzdem er nicht habe spielen können, ein königliches 
Geschenk zu reichen. Nur Jagdstückchen und Militarmärsche 
konnten sich seiner Gunst erfreuen, und um diese recht 
vollendet hören zu können, legte er in Potsdam eine Musik- 
schule an, in welcher Knaben des dortigen Waisenhauses zu 
Hautboisten ausgebildet werden sollten, wozu er 1736 sogar 
den Componisten Sydow aus England express verschrieb. 

Auch die 54 Hof- Trompeter und Pauker wurden gleich 
nach dem Leichenbegängnisse Friedrichs I, bei welchem sie 
noch einmal in ihrer glänzenden Uniform Dienste thun 
mussten, unter die Cavallerie-Regimenter gesteckt Geppert 
giebt an, dass dadurch 12000 Thlr. jährlich erspart wurden, 
welche Angabe aber mit dem weiter oben gegebenen Etat 
nicht übereinstimmt, es müssten denn die Ausgaben für die 
prachtvolle Uniform damit gemeint sein. Diese wurde aber 
nicht jährlich gegeben. 

Dass während der ganzen Regierungsperiode König Frie- 
drich Wilhelms 1 in Berlin von keiner Oper die Rede war, 
versteht sich bei dem bekannten Charakter des Königs von 
selbst Er hatte zwar eine Truppe lUüienischct^ Intermezzo- 



— 45 — 



Spieler in seinem Dienste; dies scheinen aber nur Pantomi- 
mislen gewesen zu sein, welche die bekannten Italienischen 




Maskenspiele ausführten'). Dagegen blieb das Beispiel des 
nahen Hamburg nicht ohne Wirkung auf Berlin, denn es fin- 
den sich bestimmte Spuren, dass gegen 1729 von verschiede- 
nen Truppen die Hamburgischen Opern: die verkehrte Welt, 
Miritvays und der Galan in der Kiste, sämmtlich von Tele- 
manns Composition, hier in Berlin aufgeführt worden sind 
und grossen Beifall geerntet haben. Nach allem was uns 

1] Sie bestanden aas dem Brigheüa und seiner Frau, Pantaltm, Anselmo 
dem Zahnarzt and Frau, Pierrot, Arlequin und Frau, und einem 
Theaterbedienten. Ihr Gehalt betrug zusammen monatlich 148 Rthlr. 
18 Gr. 8 Pf. Sie spielten auf dem Stallplatze, wahrscheinlich indessen 
auf einem andern Theater als dem früher von Friedrick I zu Opern- 
vorstellungen erbauten, da dieses schon gänzlich im Verfall und zu 
einer Montirungs-Kammer eingerichtet worden war. Möglich dass es 
in einem der langen Säle aufgeschlagen war, in denen sich jetzt die 
Rüstkammer befindet. 



— 4C — 

über das Yerhällniss des Theaters zu jener Zeit aufb^al- 
ten worden ist, kann aber die Aufliihning dieser Opern nar 
eine höchst ärmliche und ungenügende gewesen sein, denn 
kein Musiker, kein Capeilmeister, kein Sänger von irgend 
einiger Bedeutung lässt sich während dieser ganzen Periode, 
von 1714 bis 1740, in Berlin nachweisen. 

Wir müssen uns daher sofort der neuaufgehenden Sonne 
zuwenden, unter deren Strahlen die Kunst wie durch einen 
Zauberschlag zu einer Höhe erblühte, welche die Augen von 
ganz Europa auf sich zog. Wer könnte dies anders sein, 
als der in allen Richtungen grosse König Friedrick IL Um 
nun den eigentlichen Ursprung der grossen Italienischen 
Oper in Berlin und mit ihr des Opernhauses selbst festzu- 
stellen, müssen wir, so sonderbar dies klingt, mit Dresden 
beginnen, da der Eindruck, den der damalige Kronprinz in 
der Hauptstadt Sachsens empfing, ein so bleibender war, dass 
die Errichtung einer Italienischen Oper in Berlin gewiss 
schon früher als 1740 geschehen wäre, wenn die strenge 
Sparsamkeit seines königlichen Vaters dies zugegeben hätte. 
König Friedrich Wilhelm I machte im Jahre 1728 in Beglei- 
tung des Kronprinzen, des Fürsten Leopold von Dessau, de» 
Generals von der Schülenburg, so wie der Herren von Ilgen 
und Grumbkow einen Besuch in Dresden bei Kömg August II 
von Polen und Churfiirst von Sachsen. Hier war es, wo 
Friedrich der Grosse zum erstenmale eine Oper, imd zwar 
die ,,Cleofid^^ von Hasse sah, denn König August H bot aUes 
mögliche auf, um seinen erlauchten Gästen den Aufenthalt 
an seinem Hofe so angenehm als möglich zu machen; und 
was wäre dazu wohl geeigneter gewesen als die damals in 
höchster Blüthe stehende Italienische Oper? Erwiesen gab 
es in ganz Europa zu jener Zeit kein prächtigeres Schau- 



— 47 - 

spiel als die Dresdner Oper, fur welche der prachtliebende 
Friedrich August weder Kosten noch Mühe scheute. Der 
Schauspieler ilfi^^o CosUmtini, welcher vom Italienischen The- 
ater in Paris nach Dresden kam, dort in dem von ihm erfun- 
denen Charakter A^sMezzetin anfangs den grössten Beifall er- 
warb^ dann aber durch seine unsinnigen Liebesintriguen sich die 
Ungnade des Königs zuzog, so dass er beinah 20 Jahr auf dem 
Königstein sitzen musste, nennt die Dresdner Oper in seinen 
Memoiren ein durchweg besseres, prächtigeres und königliche- 
res Schauspiel als die grosse Oper in Paris. Dieses Urtheil 
erscheint als ein um so zuverlässigeres, als er es nicht 
in Dresden selbst und zur Zeit seiner Gunst, sondern 
nachdem er vom Königstein entlassen war, in Paris nie- 
derschrieb. 

In der That bestätigen die vorhandenen Abbildungen aus 
jener Zeit was Costantini ausgesprochen. In dem grossen ar- 
chitektonischen Werke, welches Josqph GaUi Bibiena zu Ve- 
nedig in 4 Heften herausgab, finden sich auch einige Decora- 
tionen, welche er für die Dresdner Oper gemalt, und zwar 
mit der bestimmten Bezeichnung: Scene deüa Festa teatrale^ 
in occasione deUi Spomalt dd Principe Reale di Pohnia ed 
Elettorale di Sassonia (gestochen von Pfeffel). Man kann 
nicht leicht etwas Grossartigeres und Imposanteres sehen 
als diese Decorationen, unter andern einen Saal im Styl der 
Renaissance darstellend. Auffallend ist, dass Friedrich der 
Grosse im Jahre 1754» zu welcher Zeit Bibiena in Berlin an- 
wesend war, dieselbe Decoration für die hiesige Oper ma- 
len liess. Ein Beweis, dass dem Könige, der im Jahr 1728 
empfangene Eindruck noch lebhaft im Gedächtnisse war. 
Unter den Beilagen befindet sich eine Copie dieser Deco- 
ration, deren Originalzeichung im Besitz des Verfassers ist, 



— 48 — 

und die eigenhändige Unterschrift des Königs trägt: Äpprouve 
— ä 600 Scus. 

PöUnitz erzählt in seinen Werken alles was während des 
Aurenthalte König Friedrich Wilhelms I in Dresden voi^e- 
fallen^ und der Genuss der Oper nahm unter den Festlich- 
keiten begreiflich den ersten Platz ein. So sehr der spar- 
same und haushälterische König auch über die dort herr- 
schende Verschwendung den Kopf geschüttelt haben mag, 
so glücklich iiihlte sich gewiss der Kronprinz im Anschauen 
dieses für ihn so ganz neuen Genusses. Umgeben von der 
ausgesuchtesten Gesellschaft, bezaubert von der feinen Ga- 
lanterie des sächsischen Hofes, gegenüber diesem feenartigen 
Schauspiele, berauscht von dem Zusammenwirken der be- 
rühmten Dresdner Capelle, in der ein Quanz wirkte und 
Hasse dirigirte, war es wohl natürlich, dass er mit ganzer 
Seele auch in Berlin ein solches Wunderwerk der Kunst 
und des gebildetsten Lebensgenusses entstehen zu sehen 
wünschte. Als Freund der Musik trat ihm hier zum ersten- 
male die vollendetste Wirkung derselben entgegen, und wir 
werden später sehen, dass der Entschluss, der hier nothwen- 
dig in ihm entstehen musste, 12 Jahre hindurch, selbst in den 
grössten Widerwärtigkeiten seines spätem Verhältnisses zu 
seinem Vater, nicht wankend gemacht wurde. Bei dem regen 
Geiste und der Lebendigkeit des Kronprinzen lässt sich ver- 
nrathen, dass er damals schon seinen Vater bestürmte, auch 
in Berlin eine Oper zu errichten ; aber eben so lässt sich die 
Antwort des Königs errathen, der ein für allemal kein Geld 
für dergleichen ,,Voluptuarienf^ hatte. 

Wichtig ist indessen, dass Friedrich der Grosse bei dieser 
Gelegenheit seinen spätem Lehrer auf der Flöte, Quanz^ und 
den Capellmeister Hasse persönlich kennen lernte. Wahr- 



— 40 — 

scheinltch hat er mit beiden die spätere Zusammensetzung 
der kleinen Rheinsberger Capelle und die Mittel besprochen, 
aus denen sich eine Oper für Berlin gestalten Hesse. 

Wir haben in diesen Dresdner Vorgängen den Entschluss 
Friedrichs des Grossen keimen sehen, auch seiner Haupt- 
stadt künftig eine Oper zu geben, und es finden sich viel- 
fache Spuren, dass er fortdauernd im Stillen daran arbeitete 
diesen Lieblingswunsch zu realisiren. Was ihn in dieser Be-- 
Ziehung in seiner Heimath umgab, hatte, wie wir schon er- 
wähnt, freilich nicht viel Ermunterndes fiir ihn* Die Jagd- 
und Feld-Musik von Hautboisten am Hofe seines Vaters war 
nicht nach seinem Geschmack, und selbst der König fühlte, 
dass sie emem an gute Musik gewöhnten Ohre nicht gefallen 
konnte, wie der folgende Vorfall beweist König August II 
von Polen besuchte m demselben Jahre (1728) auch Berlin, 
und der Hof war offenbar in Verlegenheit, wie er den erlauch- 
ten Gast unterhalten sollte. Mit Paraden, Jagden und sogar Bäl- 
len konnte man allenfalls aufwarten, aber ein Theater das nur 
irgend dem der Dresdner Oper entsprochen hätte war nicht 
vorhanden. König Friedrich Wilhelm hatte zwar die erwähnte 
Truppe Italienischer Intermezzospieler und Spatonschläger 
in seinem Dienst; aber diese dem königl Gaste vorzuführen 
ging doch nicht wohl an. Wenigstens geht dies aus einer 
Marginalbemerkung des Königs zu einem Berichte des Pol- 
nischen Gesandten Graf von Manteuflel hervor, welcher unter 
andern sagt: „Die Italienische Comedie bleibt nach Ew. 
Königl. Majestät Verlangen besser weg.^* Wozu der König 
am Rande bemerkte: „Ist sehr gut, ist mir auch am liebsten. ^^ 
Wenn man also am Preussischen Hofe vor der Reise nach 
Dresden mit diesen Italienischen Intermezzospielern zufrie- 
den gewesen war, so hatte das Anschauen der Prachtvor- 



— 50 — 

Stellungen am Sächsisdien Hofe diese gute Meinung von 
ihnen doch so weit heranter gestimmt, dass es dem Könige 
„auch lieber war", wenn er sie seinen Gästen nicht vor- 
zuführen brauchte* 

Nicolai giebt sich zwar in seinen Anekdot^i von Frie- 
drich II die ersinnlichste Mühe darzuthun, dass König Frie- 
drich Wilhelm I eigentlich ein Freund der Musik war, und 
giebt dafür folgende Gründe an. Er war von seiner Mutter 
zur Musik angehalten worden und wusste sie durch das häu- 
fige Hören am Hofe seines Vaters wohl zu schätzen und zu 
unterscheiden. Dies äusserte sich besonders, als er sich das 
Yerzeichniss der Mu^kalien der Königin Sophie Charlotte 
bringen liess und vor Ceberweisung an die Königl. Biblio- 
thek eigenhändig bei jedem Stücke bemerkte, ob es gut, mit- 
telmässig oder schlecht sei. Femer soll der König, besonders 
im Herbst und Winter, wöchentlich einigemale Musik in sei- 
nem Zimmer gehabt haben, wo besonders Arien und Chöre 
aus Händeischen Opern aufgeführt worden wären, welche 
der König so gut gekannt, dass er sie auswendig wusste. 
Auch erwähnt Nicolai eines Capellmeisters und einer Art 
yon Hof-Capelle, nennt aber weder Namen noch bringt er 
irgend einen Beweis für seine Behauptung bei. Dies reran- 
lasste auch schon den Ordensrath König in seiner „Histori- 
schen Schilderung^^ die ganze Angabe in Zweifel zu ziehen, 
welcher Meinung auch wir uns anschliessen, da sich nirgend 
eine nur einigermaassen zuverlässige Spur dafiir gefimden. 

Bald nach der Dresdener Reise begann der Unterricht, 
den der Kronprinz bei Quanz im Flötenspiel nahm. Quanz 
kam zu diesem Zwecke durch Yermittelung der Königin 
anch Berlin, und zwar zweimal im Jahre, durfte seinen Un- 
terricht aber nur heimlich geben, weil der König eine solche 



— 51 — 

Beschäftigung seines Sohnes niemals gelitten haben würde. 
Die Anekdote von dem rothen Rocke des Virtuosen, dem ver- 
brannten Schlafrocke Friedrichs und der Ueberraschung einer 
solchen Unterrichtsstunde durch den König sind aus den 
mannigfachen Biographien des grossen Königs bekannt, und 
beweisen nur aufs Neue, mit welcher Ausdauer Friedrich 
der einmal gefassten Neigung treu blieb. Die späteren ernsten 
Zerwürfnisse zwischen Vater und Sohn hinderten den letzte- 
ren zwar irgend etwas fiir diesen Zweck zu thun, aber kaum 
waren diese ausgeglichen und der Kronprinz auf dem Schlosse 
RAeinsberg in so weit sein eigener Herr, dass er sich in ge- 
schäftiger Ruhe auf seine künftige grosse Bestimmung vor- 
bereiten konnte, als auch die kleine Kronprinzliche Capelle 
entstand, die sich von jener Zeit an bis auf die jetzige stets 
weiter vermehrt und entwickelt hat, so dass sie gegenwärtig 
entschieden die zahlreichste fürstliche Capelle in Europa ist 

Leider ist ein genaues Verzeichniss der Musiker, welche 
von dem Kronprinzen bei der ersten Zusammensetzung seiner 
Capelle berufen worden, nicht mehr vorhanden ; nur von dem 
spätem Capellmeister Carl Heinrich Graun weiss man, dass 
er 1735 als Kammersänger aus Braunschweig nach Rheinsberg 
berufen wurde. Schon früher waren die Brüder Franz und 
Johann Benda^) für die Violine zu^eich mit Schart^ Blume^ 

>) Die Familie Benda hat einen so guten Namen in der Geschichte un- 
serer Capelle, dass wir hier gleich eine kurze Uebersicbi Yon ihrem 
Leben und Wirken geben wollen. 

1. Franz Benda, König]. Concertmetster und berühmter Violinist, 
wurde 1709 zu Alt-Benatka in Böhmen geboren. Sein Vater war ein 
Leinweber, der indessen Oboe, Schalmey und Hackebrett zu seinem Ver- 
gnügen spielte. Er, Georg, Johann und Joseph waren BriMer. 1718 kam 
er als Sopranslnger an die Nicolaikirche zu Prag. Seine schöne Stimme 
fiel so sehr auf, dass man ihn überredete, nach Dresden zu gehen, 
wohin er gegen den Willen der Prager Priester entwich. Als er durch 

4* 



— 52 — 

Grüner^ Gock iiir das Violoncelly Janisch für das Lauten-Yio- 
lon (Viola di Gamba), Petrini für die Harfe, Baroni für die 

Mutation seine Stimme verloren hatte, lernte er Violine, schloss sich 
einer herumziehenden M usikbadde an, wo ihn ein blinder Jude, Namens 
Löbel, der Ausgezeichnetes auf der Violine geleistet haben soll, unter- 
richtete. Bald des liederlichen Lebens überdrüssig, ging er nach Prag 
zurück und studirte bei dem Violinisten Kanyczek, dann nach Wien, wo 
er bei dem berühmten Francischello studirte. 2 Jahr blieb er in Wien, 
worauf er nach Polen ging, und der Starost Szaniawsky ihn zum Ga- 
pellmeister seiner Capelle ernannte, so dass er später in die Capelle des 
Königs von Polen nach Dresden kam. 1732 empfahl ihn Quanz dem Kron- 
prinzen von Preussen in Rheinsberg, wohin er sich sofort begab. Hier 
studirte er unter dem Concertmeister Johann Gottlieb Graun den Vortrag 
des Adagio und bei dessen Bruder^ dem Capellmeister, Harmonie und Com- 
Position. 1738 reiste er auf kurze Zeit nach Dresden zurück, um seinen 
Freund Pisendel wieder zu sehen. 1771 wurde er an Grauns Stelle 
zum Goncertmeister ernannt. HiUer sagt von ihm, dass er dem Könige 
nahe an 50,000 Flöten-Goncerte accompagnirt habe, und der Stifter 
einer ganz neuen Art des Violinspiels gewesen sei. Er starb am 7ten 
März 1786 in Potsdam an Entkräftung im 76ten Jahre seines Alters. 

2. Georg Benda^ Bruder des vorigen, kam als Violinist in die Königl. 
Gapelle, verliess diese aber 1748, um Gapellmeister in Gotha zu wer- 
den. Von ihm sind die Melodramen Ariadne auf Naxos, Medea und Pyg- 
malion, Da er seine eigentliche Wirksamkeit nicht in Berlin, sondern 
in Gotha und Italien gehabt, so übergehen wir seine weiteren Lebens- 
umstände und verweisen auf seine ausführliche Biographie bei Gerber. 

3. Johann Benda, zweiter Bruder des Franz, Königl. Preuss. Kammer- 
Musikus und Violinist, war 1733 in der Dresdener Gapelle, als sein 
Bruder ihn von dort mit nach Rheinsberg nahm. Er ist auch als Gom- 
ponist für die Violine bekannt. 1752 starb er in Berlin. 

4. Joseph Benda, dritter Bruder des Franz, folgte diesem in der Stelle 
eines Goncertmeisters. — 1742 war er in die Gapelle gekommen. 1787 
wurde er vom Könige Friedrich Wilhelm II mit 800 rtl. pensionirt, von 
dieser Pension aber 1798 200 rtl. gestrichen. Er starb 1804 im 79sten Jahre. 

5. Friedrich Wilhelm Heinrich Benda, ältester Sohn des Franz Benda, 
wurde 1745 in Berlin geboren und war nicht allein als ausgezeichne- 
ter Schüler seines Vaters auf der Violine, sondern auch als Gomponist 
und Glavier- Virtuos berühmt. Gedruckt ist von ihm die Gantate Pyg- 
malion und eine Oper Orpheus 1787. Er lebte 1812 noch, und ist 
pensionirt gestorben. 



— 53 — 

Theorbe, Reich für die Bratsche, Schaffrath für den Flügel 
(Spinett) und Horschitzky für das Waldhorn vorhanden. Vor 
1735 wurden in den Abend-Goncerten nur Instrumental-Mu- 
siken aufgeführt, und zwar meist Opern von Händel, Tele- 
mann, Hasse u. s. w., die den Kronprinzen indessen nur um 
so begieriger machten, auch Gesang dabei einzuführen. Die- 
ser Wunsch war die Ursache von Grauns Berufung, obgleich 
dieser damals berühmte Sänger sich nur vorübergehend in 
Rheinsberg aufhielt Ueberhaupt weiss man nicht genau, 
wie stark eigentlich diese Kronprinzliche Capelle gewesen, 
da die meisten Musiker als Laquaien in dem Etat des Hof- 
haltes aufgeführt waren, andere als Hautboisten des Kron- 
prinzlichen Regiments galten, weü der König in dem, jährlich 
von ihm revidirten Etat des Rheinsberger Hofhalts gewiss 
keinen Groschen für einen Sänger oder Theorbenspieler 
sich würde haben gefallen lassen, dagegen nichts dawider 
hatte, wenn die Laquaien zu ihrer Erholung vom Dienste ein 
Instrument bliesen oder die Regimentshautboisten zum Dien- 
ste bei dem Kronprinzen commandirt wurden. In den vollzo- 
genen Etats, die der Ordensrath König aufbewahrt hat, finden 
sich sechs solcher Laquaien „vor musikalische Amüsements". 
Die übrigen wurden also sorgfältig verborgen gehalten, wenn 
der König seinen Sohn in Rheinsberg besuchte. Geschah 
diess, so hörte der König auch ganz gern Abends Musik, und 
fand besonderen Geschmack an den Opern Alessandro und 
Siroe von Handdy aus denen einzelne Musikstücke jeden Abend 
gespielt werden mussten. Dagegen litt er durchaus nicht, dass 
auch Musik von Telemann gemacht wurde, weU dieser sich 
unterstanden, Poesien von Erdmann Neumetster zu componi- 
ren, welcher bekanntlich heftig gegen die Reformirten pre- 
digte und deshalb vom Könige „der Pfaffe^^ genannt wurdo. 



— 54 — 

So sehr der Kronprinz auch wünschte^ Sängerinnen in sei- 
ner kleinen Capelle zu besitzen, so heftigen Widerstand fand er 
iiir diesen Plan bei seinem Vater, der sich wohl dabei an die 
schöne Primadonna Formertna^) in Dresden erinnern mochte 
mid sich dergleichen Zumuthungen ein fiir allemal verbat 

1) Siebe Geschichte Friedrichs des Grossen, geschrieben von F. Kugler^ 
gezeichnet von A. Menzel. Seite 46. 



GESCHICHTE DER OPER IN BERLIN 

VON 

VVenige Tage nach der Thronbesteigung König Fried- 
richs II wurde in Berlin schon von der Erbauung eines 
grossen Opernhauses gesprochen, in welchem der musiklie- 
bende junge König Opern nach Art der Dresdener, Braun- 
schweiger, Wiener und Hamburger aufführen lassen wollte. 
Da die Uebersiedelung der ehemaligen Kronprinzlichen Ca- 
pelle nach Berlin unmittelbar nach dem feierlichen Leichenbe- 
gängniss Friedrich Wilhelms I geschah, so ist es sehr wahr- 
scheinlich, dass die einer besseren Zeit entgegensehenden Kam- 
mer-Musiker dies Gerücht ausgestreut, denn in Rheinsberg mag 
bereits viel von einem solchen Projekte gesprochen worden 
sein und ohne Zweifel waren Graun so wie der Freiherr von 
Knobeisdorf, als Vertraute des Kronprinzen, schon damals in 
die Pläne des künftigen Königs eingeweiht gewesen. Wann 
der König den bestimmten Befehl zur Errichtung einer Oper 
und zum Bau eines Opernhauses gegeben, lässt sich nicht 
mit Bestimmtheit angeben. Das Opernhaus theilt in dieser 
Beziehung das Schicksal mehrerer anderen bedeutenden und 
massgebenden Einrichtungen, die Friedrich U unmittelbar 
nach seiner Thronbesteigung machte ; so z. B. ist selbst von 
dem umsichtigen und eifrigen Historiographen der Preuss. 
Armee, dem Hofmarschall Herrn von Schöning, das Datum 



— 5Ö — 

der ersten Errichtung des Regiments Garde du Corps nicht 
aufgefunden worden. Der König gab seine Befehle mündlich 
und sah persönlich auf deren Ausführung, was mit Bezug 
auf alle Gegenstände die einem spätem Vergnügen angehö- 
ren sollten um so begreiflicher ist, als während der Trauer- 
zeit schriftliche Ordres, die sich auf die Oper bezogen, wohl 
nicht erlassen wurden. 

Schon früher hat sich der Verfasser vielfach bemüht^ ge- 
naue Nachrichten über den Bau des Opernhauses einzuziehen, 
wozu besonders eine Aeusserung des Hochseligen Königs 
Veranlassung gab. Im Jahre 1838 nämlich, bei Gelegenheit 
einer theatrahschen VorsteUung im Palais der Königl Prin- 
zessinnen, hatte er die Ehre, Seiner Majestät den Plan zu 
einer Festauflührung vorzulegen, welche dazu bestimmt sein 
sollte, das damals bevorstehende hundertjährige Jubiläum des 
Opernhauses zu feiern, ganz in der Art, wie dieselbe später 
am 7 December 1841 wirklich stattgefunden hat Als Seine 
Majestät sich beifällig über die Idee äusserten, erlaubte 
sich der Verfasser die Frage, welcher Zeitpunkt eigentlich als 
derjenige anzunehmen wäre, von welchem das Entstehen 
des Opernhauses sich datire? die Grundsteinlegung im 
Jahre 1741, die Aufiuhrung der ersten Oper in dem noch 
nicht vollendeten Gebäude im Jahre 1742, oder endlich die 
vollständige Beendigung desselben im Jahre 1743? 

Worauf seine Majestät antworteten: 

„Das Datum der Cabinetsordre, in welcher der Bau des 
Opernhauses befohlen wird." 

So richtig diese Königl. Entscheidung auch war, da sie in 
der That die Feier auf ihre eigentliche Bedeutung zurückge- 
führt haben würde, so wenig war eine Ausführung derselben 
möglich; da eine dahin lautende Cabinetsordre nicht vor- 



— 57 — 

banden ist, und nach dem obenangeliihrten Grunde auch 
nicht vorhanden sein kann. 

Schwerlich ist vor dem Frühling 1741 irgend ein bestimm- 
ter Anfang mit dem Baue des Opernhauses gemacht worden, 
da aus mehreren Nachrichten hervorgeht, dass der König un- 
gewiss war, auf welchem Platze es gebaut werden sollte. Die 
erste Spur findet sich in der Yossischen Zeitung vom 27 Oc- 
tober 1740, wo es heisst: „Dem Vernehmen nach wird ein 
grosser Saal in der oberen Etage des Schlosses zurecht ge- 
macht, um in demselben so lange Opern zu halten, bis ein 
eigenes Gebäude, wovon bereits der Entwurf gemacht sein 
soll, dazu wird erbaut sein.^^ Dass mit dieser Notiz nicht das 
eigentliche Schloss-Theater oder der „Comödiensaal" auf dem 
Schlosse gemeint, über den wir zunächst berichten werden, 
geht aus den Worten „in der oberen Etage" hervor. Im 
GegentheU war damals die Rede davon, den weissen Saal 
dazu einzurichten. Bald darauf, am 18 November 1740, heisst 
es in derselben Zeitung: 

„Diejenigen Häuser, so zwischen der langen Brücke und 
der breiten Strasse dem Königl. Schlosse gegenüber stehen, 
sollen abgenommen und an deren Statt ein ansehnliches Ge- 
bäude aufgeführt werden, wovon die unterste Etage zu einer 
Schloss-Wacht und die oberste zu theatralischen Spielen 
eingerichtet werden soll" 

Hieraus geht deutlich hervor, dass der König noch keine 
bestimmte Wahl getroffen, obgleich die Entwürfe zu dem 
jetzt noch stehenden Hause erweislich schon damals fertig 
waren. Es ist auch sehr begreiflich, dass die Häuser an der 
langen Brücke, jetzt No. 8 bis 16, damals unansehnliche Ge- 
bäude, dem Könige als nächste Nachbarn nicht besonders 
gefielen und die Lage der beiden alten Opemtheater, in dem 



— 58 - 

Marstalle und in der Poststradse, gewissermassen auf diese 
Stelle für ein neues hinwies. Indessen wurde diese Idee bald 
aufgegeben, und der König wählte den Platz auf den alten 
Festungswerken, den er oft aus seinen Fenstern übersehen 
hatte. Denn das Palais des Hochseligen Königs war damals 
das Kronprinzliche Palais und der erst später angebaute Flü- 
gel das Palais der Königlichen Prinzessinnen noch ntcht 
vorhanden. 

Wir geben hier zunächst den Grundriss des Platzes, auf 
dem das Opernhaus steht, in den Jahren 1658 bis 1736, um zu 
zeigen, wie vollständig AUes verändert werden musste um 
dem Platze die jetzige Gestalt zu geben. Von der jetzt über- 




wölbten Brücke des alten Festungsgrabens in der Jägerstrasse 
an bis zur Singe- Akademie, ist der Lauf des Festungsgrabens 
mehrmals veräadert worden. Er bog da, wo jetzt die fran- 
losische Strasse hinter der katholischen Kirche endet, nach 
dem Operoplatse hinein bis zur Ecke der Behrenstrasse (dem 
rechten Flügel der Kbliothek), ging von dort bis in die Ge- 
gend der kleinen eisernen Brücke zurüdc, und umfloss so ein 
grosses Bastion, weldies sich rechts an die Courtine anlegte, 



— 59 — 

durch welche das „Neue Thor" zur Dorotheenstadt führte, 
ungefähr in der Mitte zwischen demOpemhause und dem Uni- 
versitätsgebäude. Da der Wall schon im Jahre 1736 abgetragen 
i^orden war, so hatte der ganze Platz bis zum Anfange der 
Behrenslrasse und der Linden-Allee ein ungemein wüstes und 
verwildertes Ansehen. Dem Könige war diese Aussicht aus 
seinem Palais, das er als Kronprinz bewohnte, schon längst 
unangendbüm gewesen, und so mag der Wunsch entstanden 
sein, das künftige Opernhaus hieriier zu bauen. Dazu war 




zunächst erforderlich, dass der Oraben zurückverlegt wurde, 
und es ward im Frühjahr 1741 wirklieh der Anfang damit ge- 
macht Diese Arbeit an dem Zudämmen des alten und Ziehen 
des neuen Grabens muss mehrere Monate gedauert haben, 
denn erst am 22 luli 1741 meldet die Berlinische Zeitung: 
„Yorgest^n^) ist allhier mit dw Arbeit zu einem grossen und 
ansehnlidien Opemhause der Anfang gemacht wordea.^^ Ob 
diese Notiz sich indessen auf den ersten Spatenstich oder den 
Beginn des Fundaments bezieht, ist nidit zu ersehen. Dass 

1) Rödeiibeck giebt den 17 Juli an, ohne die Quelle dieser Angabe zu 
nennen. 



— 60 - 

aber rüstig fortgebaut und das angefangene Werk möglichst 
beschleunigt wurde, ist gewiss. Unterdessen erhielt Gram 
den Auftrag nach Italien zu reisen und dort gute Sänger zu 
engagiren, während gleichzeitig der Preussische Gresandte in 
Paris den Auftrag empfing, dort Tänzer für Berlin zu gewin- 
nen. Indessen zog schon der Ruf Sänger und Virtuosen nach 
Berlin, die bei der neu zu gründenden Oper eine Anstellung 
hofften« So melden die Zeitungen vom 18 October 1740: 
„Es ist unlängst eine berühmte Sängerin nebst verschiedenea 
Instrumental -Virtuosen hier angelangt, die sich Sonntag den 
19^ dieses in dem Schlippenbachschen Hause in der breiteo 
Strasse zum erstenmale mit Italienischen Cantaten und Cod- 
certen werden hören lassen,^^ und bald darauf, am 29 Octo- 
ber: „Ausser der jüngstgedachten Sängerin hat sich noch 
eine andere Namens Prtckerinn mit vielem Beifall auf dem 
Königl. Schlosse hören lassen. Sie ist nur 23 Jahr alt, ihr 
Gesang soll aber so ausnehmend schön sein, dass auch die 
beiden Italienerinnen, welche der KönigL Capellmeister Graun 
mitbringen wird, derselben kaum gleichkommen dürften.'' 

Es muss aber mit diesem „ausnehmend schönen Gesänge" 
doch nicht ganz richtig gewesen sein, da der König weiter 
keine Notiz Yon der Prickerinn nahm und lieber die Rück- 
kehr Grauns abwartete. Uebrigens beschäftigte den König 
das Theater gerade damals sehr lebhaft;, wie aus einem 
Schreiben vom 26 October an Voltaire hervorgeht, in 
welchem er diesen beauftragt, den Comödianten LaNoue 
als Director einer fi^anzösischen Truppe zu engagiren, die 
er nach Berlin bringen soll. Sie sollte gut för das Tragische, 
und für das Komische vollständig sein, auch doppelte Be- 
setzung für die ersten Rollen haben. Bald nachher am 13 De- 
cember reiste der König zur Armee nach Schlesien ab und 



— 61 — 

Knohekdorf hatte den Auftrag, unterdessen den Bau des 
neuen Opernhauses zu fördern. 

Mit dem Jahre 1741, in dessen Anfangsmonaten der König 
grösstentheils nicht in Berlin war, beginnt eigentlich die 
Thätigkeit fiir die künftige Open Obgleich von Knobebdorf 
alles Mögliche that, um den Bau zu beeilen, so war doch die 
Planirung des Platzes und die Verlegung des alten Festungs- 
grabens mit so vielen Schwierigkeiten verknüpft gewesen, 
dass, wie schon erwähnt, erst im Juli die eigentliche Bau- 
arbeit beginnen konnte. In dem geheimen Ministerial-Archiv 
befinden sich noch jetzt die Bauakten des Opernhauses, wo 
wir sie einsehen durften, und auffallender Weise ist unterm 
12 August die folgende Eingabe Knobeisdorfs vorhanden: 

„Weilen des Königs Majestät den Bau des Opernhauses 
sehr pressiren und AUergnädigst befohlen haben, dass selbi- 
ges binnen 2 Monaten zur Perfection gebracht werden soll, 
es aber bei diesem Bau hauptsächlich auf das dazu erforder- 
liche extraordinair starke, so wohl Kiehnen- als Eichenholz 
ankommt, so überreiche Einem Hohen General Ober Finantz 
Kriegs und Domainen Directorio hierbei den Anschlag. 

An Eichen zu den Uängesäulen: 110 Stück 40 Fuss lang, 
160 Sl von 24 F., 220 St von 22 F. Jede Eiche muss 2 Fuss 
3 Zoll stark sein. An Kiehnen: 240 Stück Balken 60 Fuss 
lang, 160 Sl von 44 F., 220 St von 43 F. (2 Fuss stark) 
120 Sl von 36 F., 160 SL von 36 F., 120 Sl von 24 F., 
120 SL von 36 F., 50 SL von 40 F."') 

Man sieht, dass nach diesem ersten Anschlage schon 
ein ganzer Wald in diesem Gebäude verbaut werden sollte^ 
>} iDteressaDt möchte es auch sein, im Vergleich mit der jetzigen Art zu 

bauen, folgenden Anschlag für die nöthigen Steine kennen zu lernen: 
2,994000 Rathenauer Mauer-Steine, 126000 schwarze Dachsteine, 
46000 Klinker, 3800 Winspel Kalk, 1600 Werkstücke. 



- 62 - 

und das General*Directoriam wurde durch denselben er- 
sichtlich in Verlegenheit gesetzt, da dergleichen H^er 
weder auf den KönigL Holzhöfen, noch, nach sofort eingefor- 
dertem Bericht der Oberförster, in den Königl. Forsten Tor- 
handen waren. Es musste daher der Holzschreiber Krüger 
und der Zimmenneister Buring mit einem besonderen König!. 
Pass und Zwangs-Yorspann die adeligen Heiden bereiscD. 
um das nothwendige Holz aufzusuchen. Indessen fandeD 
auch diese nur wenig, und ein anderer Holzschreiber West- 
phal wurde nun nach Sachsen und bis an die Polnische 
Grenze geschickt, um dort Rath zu schaffen. Auch ihm muss 
es schwer geworden sein, denn erst unterm 9 November 
meldet er, dass er eine Quantität dazu geeigneten Holzes 
gefunden, und macht den Anschlag auf 14,820 rlL so wie 
der Transportkosten auf 11,521 rtl., die auch sofort angewiesen 
wurden; doch kam das Holz nicht eher als im Mai des näch- 
sten Jahres nach Berlin. 

Unterdessen waren schon Anfangs April die Sängerinnen 
Farineüa und Laura aus Italien angekommen, deren Engage- 
ments der Capellmeister Graun auf seiner Reise abgeschlos- 
sen, und am 6 April Hessen sich dieselben bei Hofe hören. Da 
der König an diesem Tage zu Friedland in Schlesien war, *} 
so meinen die Zeitungen wahrscheinhch den Hof der Köni- 
gin Mutter, wo später am 10 Mai auch ein grosses Concert 
stattfand. — Die Berichte Knobeisdorfs an den König nach 
Schlesien, namentlich die Unmöglichkeit das Holz zu schaffen, 
veranlassten nun den Befehl, „da die Sängerinnen nun doch 
einmal da wären, einstweilen ein Thealrum im Schlosse zu 
bauen, damit ahsolutemerU nach der Rückkehr Sr. Maje- 

I) Rödenbecks Tagebuch oder Gesckiditskalender aus Friedrichs dos 
Grossen Regentcnleben, Berlin 1840. 



— 63 — 



stät im December schon Opera gespielt werden könnte.^^ 
Dieser Befehl mag allerdings fär Knobelsdorf unerwartet ge- 
kommen sein, es musste aber sofort, bei dem bestimmt aus- 
gesprochenen Willen des Königs, zur Ausluhrung geschritten 
werden, und nachdem das Hofmarschall-Amt den sogenann- 
ten Churfürsten-Saal dazu angewiesen, begann der Bau nach 
dem Muster des kleinen Theaters in Versailles. 

Da gegenwärtig dieses Theater nicht mehr vorhanden und 
kaum noch einige Spuren desselben bemerkbar sind, so ver- 
danken wir der Erlaubniss des Königl. Hofmarschall-Amles 
die Copie des hier folgenden Planes, seite weh dem Lustgarten 
^'1 



Hof 

mit der Schlosswache 




Hof 
vor der Wendeltreppe 



Eingang znr 
Kastellanwohnung 



— 64 — 

Das Theater lag io dem mittelsten (^uergebäude des 
Schlosses, gerade über dem gewölbten Durchgänge, welcher 
aus dem ersten Hof in den zweiten führt, der Zuschauerraum 
nach der Seite des Lustgartens, die Bühne nach der Seite der 
breiten Strasse hin. Die hinter der Bühne angedeutete Treppe 
ist dieselbe, welche noch jetzt zu der Wohnung des Castellans 
Herrn Gebenroth führt, so wie dessen jetzige Wohnzimmer 
damals zu den Garderoben der Sänger und Sängerinnen 
dienten. Zwar wohnte der Königl. Kammerdiener Alfieri dar- 
in, dieser musste aber jedesmal, wenn gespielt wurde, seine 
Wohnung räumen. Das ganze Theater ist seit 1805 abge- 
rissen, und der leere Raum wird gegenwärtig in zwei Etagen 
zur Möbelkammer benutzt Es war nur klein, hatte 
aber doch zwei Reihen Logen, die sehr weit hinter das 
Parterre zurücktraten. Nur 8 Banken hatten ausser den 
für den König bestimmten Yorderplätzen im Parterre 
Raum, während eine grosse Mittelloge für die Königin und 
die Prinzessinnen, 10 Seitenlogen für den Adel, und der 
zweite Rang für Eingeladene aus der Stadt bestimmt war. 
Gewöhnlich findet sich dieses Schloss-Theaier unter dem 
Namen des „Comödiensaals auf dem Schlosse" erwähnt 
Hier wurde die erste Oper Rodelinde und später gewöhnlich 
französische Schauspiele mit Solotanz gegeben, dann aber 
das Theater häufig zu den Proben der Carnavals-Opern 
benutzt, weil der ungeheure Raum des grossen Opern- 
hauses zu viel Kosten für die Heizung verursachte. Ausser 
diesem Grundrisse, der sich in den Akten des Hofmarschall- 
Amtes befindet, ist weder eine Abbildung noch eine ge- 
nauere Beschreibung dieses provisorischen Opemtheaters 
vorhanden, wenigstens uns, trotz des eifrigsten Forschens, 
nicht vorgekommen. 



- 65 — 

In der Mitte des Sommers waren mit dem Capellmei* 
ster Graun sämmdiche für die Oper bestimmte Sänger und 
Sängerinnen angekommen. Es waren: (riavanna Gasparini 
aus Bologna, Maria Camal detta la Farineüa^) aus Venedig, 
Arma Lorio Campchmgo, Criuseppe SantareBi aus Rom, Gio- 
vanni Drivhi aus Mailand, Maria MarioUi ans Neapel, Gae- 
tano PinetH aus Brescia und Ferdinando MazzanÜ aus Pescia. 
Die schon im April angekommene Sängerin Laura ist in 
diesem Yerzeichniss nicht mit erwähnt, wahrscheinlich soll es 
Anna Lorio heissen, wie denn die Zeitungen jener Zeit die 
Italienischen Namen oft auf das Unkenntlichste verstellen; 
z. B. Solibene für Salmbeni. Mit diesen Sängern kam auch 
der Opemdichter Giovanni Gualberto BottareRi ans Siena, der 
sich sofort an die Arbeit madite und die O^erßodelinde von 
NoUi umarbeitete, was er indessen auf dem Titel des noch 
vorhandenen gedruckten Textbuchs anzugeben vergessen^ 
wo sein Name als Dichter der Oper prangt, was auch seine 
Nachfolger ViUati^ Tagliazucchi und FiUstri nachahmten. 
Eben so beschäftigte sich der CapeUmeister Grami auf das An- 
gelegentlichste mit der Composition; und gleichzeitig mit dem 
Bau des Opernhauses, so wie der Herstdlung des Theaters 
im Schlosse, wurde die Oper gedichtet, componirl^ einstudirt 
und die Decorationen von dem Yenetianischen Decorations* 
maier Giacomo Fabris gemalt Von Balletten und Tänzen 
findet sich indessen in dieser ersten Oper noch nichts. Alles 
erwartete mit Sehnsucht die Rückkehr des Königs aus Schle- 
sien, um diesem übereUten Treiben ein bestimmtes Ziel zu 

>) Maria Camal kommt auch unter dem Namen Comaii yor. Sie gefiel 
dem Könige nicht besonders» der sie auch schon nach dem Carnaval 
Anfangs 1742 ni^ieder entliess, worauf sie sich nach Wien wandte, wo 
sie bis 1756 blieb, und dann nach Petersburg berufen wurde, wo sie 
bis zu ihrem Tode in Diensten der GrossfQrstin stand. 

5 



_ 66 — 

geben, und bei den verschiedenen Interessen, die hier za för- 
dern und zu sondern waren, muss von Knobeisdorf, der um 
diese Zeit schon den Titel eines Intendant des Spectizcks 
fährt, genug zu thun gehabt haben, um Alles nach dem 
Wunsche seines Königlichen Herrn zu gestalten. Im Anfang 
Septembers war die Fundamentirung des Opernhauses so 
weit gediehen, dass der Grundstein gelegt werden konnte. 
Da der König noch immer in Schlesien war, so geschah dies 
ohne besondere Feierlichkeit, aber doch in Gegenwart von 
Prinzen des Königl. Hauses. Die historischen Angaben dar- 
über sind leider nicht übereinstimmend. Preuss, als die zu- 
verlässigste Quelle für dergleichen, sagt in seiner Lebens- 
geschichte Friedrichs des Gr. Bd.l S.268 mit Berufung 
auf die Haudesche Zeitung 1741, No. 107, dass Prinz Heinrich 
den Grundstein gelegt; — König in seiner historischen Schil- 
derung der Residenzstadt Berlin Bd. 5 S.27, dass die Prinzen 
Heinrich und Ferdinand im Namen ihres Herrn Bruders den 
Grundstein gelegt Dieser Ang£d)e folgt auch Rödenbeck in 
seinen Werken. Plümicke aber weicht S. 117 seiner Theater- 
geschichte ganz hiervon ab und nennt den Markgrafen von 
Schwedt als denjenigen Prinzen, welcher dieser Grundstein- 
legung beigewohnt Entscheidend sollte hier eigentlich die 
Angabe der Zeitungen von jenem Tage sein, indessen ent- 
halten selbst diese fast unerklärlidbe Inihümer. So z. B. 
soll nach der Haude und Spenerschen Zeitung die Oper 
Rodelinde am I2ten December zum ersten Male gegeben 
worden sein. Nach der Yossischen ist es aber am 13ten 
December gewesen, und diese letztere Angabe wird von 
den meisten Zutrauen verdienenden Schriftstellern wieder- 
holt Es ist also bei dergleichen Daten nur mit grosser Vor- 
sicht zu verfahren. 



— 67 — 

Der Grundstein liegt unter der Mitte des Concertsaales 
und ist mit einer metallenen Platte versehen, welche folgende 
Inschrift trägt: 

FRTOEWCÜS n 
REX BORUSSORUM 
LÜDIS 
THALIAE ET MELPOMENES 
SORORÜM 
SACRA HAEC FUISDAMINA 
PONIT 
ANNO MDCCXLI DDE OÜINTO 
SEPTEMBRIS. 
Auffallend ist es, dass der König in dieser Inschrift die 
Schwester-Musen der Musik und des Tanzes gar nicht er- 
wähnt, und schwerlich hat bei dem allgemeinen Zustand des 
deutschen Theaters damals jemand geahnet, dass die Wei- 
hung des Königs erst im Anfange des )9ten Jahrhunderts in 
vollständige Erfüllung gehen würde; denn wirklich war es 
erst der Zeit nach dem Befreiungskriege vorbehalten, auch 
Melpomene und Thalia in diesen Räumen zu sehen. 

Erst am Uten November 1741 kam der König nach Berlin 
zurück und zwar gegen 12 Uhr Mittags. Man mag sich einen 
Begriff von seiner Ungeduld machen, wenn man hört, dass 
um 7 Uhr Abends bereits sämmtliche Italienische Sänger in 
einem Concerte vor ihm auftreten mussten. Sie hatten alle 
das Glück, dem Könige zu gefallen, bis auf Signora Anna 
Lorio dt Campolungo^ welche auch keine Rolle in der neuen 
Oper erhalten durfte. An ein Fertigwerden des Opernhauses 
war nicht zu denken, da ja noch nicht einmal das Holz an- 
gefahren werden konnte; es wurde also die Herstellung des 
provisorischen Comödiensaales auf dem Schlosse von Knebels- 



— 68 - 

dorf möglichst betrieben. Am Tten December 1741, also durch 
einen merkinirdigen Zufall gerade an demselben Tage, wo 
1742 die erste Vorstellung in dem neuen Hause statt finden 
soUte, besuchte der König den Bau und zeigte sich sehr unzu- 
firieden, dass noch nicht mehr geleistet worden sei; von Kno- 
belsdorf entschuldigte sich damit, dass die Behörden, von denen 
sowol die Anweisung der Gelder als der Materialien abhinge, 
auf die Eile Sr. Majestät keine Rücksicht nähmen; aber trotz 
der Unzufriedenheit des Königs blieb es in dieser Rücksicht 
beim Alten, und wir werden sehen, dass erst im nächsten 
Jahre Anstalt gemacht wurde, diesem Uebelstande abzuhelfen. 

Dagegen war das provisorische Theater im Schlosse schon 
in den ersten Tagen des Decembers fertig geworden, und es 
wurde nun fleissig probirt, bis am 13ten endlich die Auf- 
führung der Rodelinda, Regina dei Longobardi Dramma per 
Musica da rappresentarsi neinuovo Regio Teatro detta Corte per 
Ordine deüa Sacra Maestä üRk diPrussta, erfolgte. Das vor uns 
liegende, bei Haude und Spener gedruckte, Textbuch enthält 
gleichzeitig mit dem italienischen Texte eine deutsche Ueber- 
setzung, welche Herr Johann Christoph Rost in Leipzig ange- 
fertigt hatte. Nebst dem Titel folgt die mit überschweng- 
licher Devotion geschriebene Zueignung BottareUis an den 
König, dann das Argomento, welches bekanntlich jedem 
italienischen Stücke vorgedruckt zu werden pflegte und fol- 
gendermassen in der Uebersetzung lautet: 

„Der Longobardische König Aribert Hess zweene Söhne, 
den Bertarid und den Gundebert zurück, wovon der erste 
nach seinem Tode in Meiland, der andere aber in Pavia re- 
gierte. Gundebert wurde in einem Kriege, den er wider sei- 
nen Bruder erregte, gefährlich verwundet und ruft Grimoal- 
den^ den Hertzog von Benevent, zu Hülfe, welchem er seine 



Schwester Edwiga^ jedoch mit der BedingoDg zur Ehe ver- 
sprochen, dass die Yermählung nicht eher sollte vollzogen 
werden, bis Bertarid überwunden und er für den König der 
ganzen Lombardej erkannt worden. GrimoM liess sich den 
Vorschlag gefallen, allein Gundtbert starb unter den ersten 
Krieges-Bewegungen; Bertarid wurde bis auf das Haupt ge- 
schlagen und genöthigt, nicht nur seine Gemahlin und Sohn 
nebst seinem Throne zu verlassen, sondern auch selbst nach 
Ungarn zu flüchten um seine eigene Person in Sicherheit zu 
setzen. Daselbst liess er aus List das Greriicht von seinem 
Tode aussprengen, welches durch einen Brief, den der Un- 
garische König selbst Grimoalden uberschickte, so wahr- 
scheinlich gemacht wurde, dass es ihm nicht schwer fiel, sich 
unbekannter Weise nach Meiland zu begeben, in der einzi- 
gen Absicht, seine Gemahlin und seinen Sohn aus den Händen 
seines Feindes zu retten. 

Diese Begebenheit ist theils aus den Geschichten des 
Paulus Btaconus genommen, theils aber nach eigener Erfin- 
dung in diesem Singespiele abgehandelt worden. 

Die Vorstellung nimmt von Bertaridens Ankunft in Mei- 
land ihren Anfang. 

Der Schauplatz ist im Königl. Schlosse. 

In der dritten Handlung werden die Verse, welche mit „ 
bezeichnet sind, in der Musik wegen der Kürze weggelassen. 

Die Erfindung und Malerei der Scenen ist vom Herrn Ja- 
cob Fabris aus Venedig. 

Die Veränderungen der Scenen sind: In der ersten Hand* 
lung, im ersten Auftritt: Die Zimmer der Rodehnde. Im 6ten 
Auftritt: Ein Cypressenwald, worinnen die Grabmale der 
Longobardischen Könige, nebst der Urne, welche dem Ber- 
tartd vor kurzem aufgesteUet worden, zu sehen sind. In der 



- 70 — 

zwoten Handlung^ im ersten Auftritt: Ein Königlicher SaaL 
Im siebenden Auftritt: Eine annehmliche Gegend mit Q wel- 
len und Wasserkünsten. Im achten Auftritt: Eine Gallerie 
in den Zimmern der Rodelinde In der dritten Handlung, im 
ersten Auftritt: Ein Königliches Vorzimmer prächtig ausge- 
zieret Im dritten Auftritt: Ein sehr dankeles Geföngniss. Im 
fünften Auftritt: Der Königliche Garten. Also acht neue 
Decorationen. 

Die Personen werden von den Kammer -Virtuosen Sr. 
Königl Majestät vorgestellet 
Rodelinde, Königin der Longo- Frau Johanna Gasparina 

barden und Gewalin des aus Bologna. 

Bertarid, welcher von Grimoalden 

vom Throne gestossen worden Herr Santarelli aus Rom. 
Unu^j ein longobardischer Herr 

und Minister des Grimoald, 

aber ein geheimer Freund von 

Bertariden Herr Mariotti aus Neapolis. 

Edviga.Bertaridens Schwester und Jungfer Comati, oder Fari- 

Grimoaldens Versprochene neüa genannt, aus Venedig. 
Garibaldi Hertzog von Turin, 

Bertaridens Rebell und Gri- 
moaldens Vertrauter Herr Pinetti aus Brescia. 
FlaviOj Bertaridens und Rodelin- Herr Ferdinando aus Pe- 

dens Sohn scia. 

Grimoaldy Hertzog von Benevent, 

welcher Bertariden vom Thron 

gestossen Herr Triulzi aus Meiland.^"^ 

Die Oper hat nun gegen 2000 Verse und nicht weniger 
als 24 Arien für die Hauptpersonen, dagegen fast gar keinen 



— 71 — 

Chor, mit dem ei auch in den nächsten Jahren noch nicht 
zum Besten besteDt war. Die Schüler der Gymnasien wurden 
in Frauenkleider gesteckt und mussten diese Chöre mitsingen. 
Von der Wirkung, welche diese Oper auf das Publikum 
machte, enthalten die „Briefe zur Erinnerung an merkwür- 
dige Zeiten und rühmliche Personen aus dem Zeitlaufe von 
1740 bis 1778^^ folgende Schilderung eines Augenzeugen: 

„Eine feurige mit sanften Abwechselungen ertönende Sym- 
phonie machte den Anfang. Es Hess sich in diesem Meister- 
stücke der Tonkunst eine so volle, reine Harmonie, ein so 
mannigfaltiges kunstreiches Gemisch von Tönen hören, dass 
es schien, als wenn die Musen und Grazien sich vereinigt hät- 
ten, den Geist unseres Friederich aus seiner Heldensphäre an 
sich zu ziehen und ihn von den rauhen Beschwerden des Krie- 
ges abzuhalten. Die reizenden Stimmen der Sänger und Zau- 
berkehlen der Sängerinnen, das Natürliche und Schöne in 
den Actionen — Alles war für das Auge und Ohr einnehmend. 
Der Monarch würdigte dieses mit so vieler Kunst ausgear- 
beitete, mit so grosser Geschicklichkeit ausgeführte Schauspiel 
seines hohen Beifalls, und das Publicum ging in Entzückung 
verloren vom Schauplatze." 

lieber die Stärke und Besetzung des Orchesters durch 
die im Laufe des Jahres sehr vermehrte CapeUe sagt ein 
altes Manuscript, dass sie bestand aus 

2 Flügehi, 12 Violinen, 4 Violen, 4 ViolonceUos, 3 Con- 
tre-Violons, 4 Flöten, 2 Bassons, 2 Waldhörnern, 4 Haut- 
bois, 1 Theorbe und 1 Harffe. 

Unter diesen Instrumenten finden wir folgende Na- 
men von Kammer -Musikern: Violinisten: Franz Benda, 
George Benda, Johann Benda^ Joseph Benda, Ehms^ Schardt, 



— 72 - 

Blume, Se^arA ond Iwan. Flügel: Schaale* Flöte: lindener, 
Ried}) und Quantz. Harfe: Petrini. Yioloncell: Hock, Janisch, 
Mara und GraueL Hautbois: Gleschy DöberL Waldhorn: üm- 
gis. Die Uebrigen sind nicht genannt 

Am lOten December wurde RodeUnde wiederhol!, weil 
die Markgräfin Friederike Louise von Anspach zum Carnaval 
nach Berlin gekommen war. Am Tage darauf überraschte 
den König auch Friederike Sophie Wilhelmine, Markgräfin 
von Bayreuth, seine Lieblingsschwester, und so schloss un- 
ter Festen und Vergnügungen das Jahr 1741. 

Zu der am 6 Januar 1742 statt findenden Vermählung des 
Prinzen August Wilhelm, nachmaligen Prinzen Yon Preussen^ 
mit der Prinzessin Louise Amalia von Braunschweig hatten 
BotiareUi und Graun den Auftrag erhalten noch eine zweite 
Oper zu componiren. Dies war aber wegen Kürze der Zeit 
und besonders wegen der wiederholten Aufiührungen der 
Rodelinde ganz unmöglich. Es wurde daher nur ein Prolog 
fertig, der am 8ten Januar Yor der Oper Rodelinde aufge- 
führt wurde. Der Titel war Venus und Cupido, und das Ganze 
bestand in zwei Arien, einigen Recitativen und einem Duett 
JUazzanti sang den Cupido, und die Signora Anna Lorio dt 
Campolungo, welche der König in der Oper selbst nicht hatte 
haben wollen, die Venus. Bei dieser Gelegenheit (iihlte der 
König lebhaft den Mangel eines Ballets, und es ergingen er-* 
neuerte Befehle nach Paris, sobald als möglich Tänzer zu 
engagiren. Bald nach dieser Vermählung reiste der König 
nach Böhmen, nachdem er am löten noch einige Tage Char- 

1) Ried war mit dem Könige an demselben Tage geboren und anch ge- 
tauft worden. Dieser Zufall richtete xlie Aufinerksamkeit seines König- 
lichen Herrn auf ihn, und er erfreute sich bis zu seinem Tode einer 
besonderen Gunst. 



— 73 — 

lottenbui^ besucht hatte, wohin ihm die besten seiner Sänger 
und Instrumentalisten folgen mussten. 

In Berlin ging unterdessen der Bau des Opernhauses un- 
unterbrochen fort; leider aber ßng es an, an Geld zu fehlen, 
namentlich als die grossen Holzvorräthe im April und Mai 
eintrafen. Der Sur- Intendant von Knobeisdorf will nichts 
aus seiner Baukasse zahlen und die vorhandenen Acten des 
Geheimen Ministerial-ArchiTs weisen manche Streitigkeit 
unter den verschiedenen Behörden deshalb nacL Endlich 
schreibt der Minister von Happe an Knobeisdorf: 

,Jch weiss bei dieser Sache nichts anderes zu thun, als 
dass man alles dem Könige schreiben muss: es wäre kein 
Geld zur Bezahlung fiirhanden und mfisste der Bau wegen 
diesem Mangel cessiren.^' 

Dies muss nun auch wohl geschehen sein, denn es erfolgte 
die Ueberweisung zweier bedeutender Geldposten mittelst Be- 
fehles aus Schlesien an Knobeisdorf. Sie bestanden in 11000 rtL 
jährlicher Einkünfte, welche König Friedrich Wilhelm I zur 
Verbesserung der neumärldschen, und 11781 rtL 16 gr. 10 pC 
welche er zur Verbesserung der pommerschen Städte aus- 
gesetzt hatte; zusammen ako in 22781 rd., welche audi 
später 22 Jahre lang bis zum Jahre 1763 ausschliesslich iur 
den Ausbau und die Erhaltung des Opernhauses verwen- 
det wurden. In dem letztgenannten Jahre vnirden beide 
Summen auf den Antrag des GeL Finanzrathes v. Brencken- 
hoff wieder zu ihrer firiiheren Bestimmung auf den Etat der 
Domainen- Verwaltung gesetzt Es sind also nach dieser 
actenmässig fest stehenden Angabe 501182 rtl. nach und nach 
für das Opernhaus verausgabt worden^ ohne die allgemeinen 
Baukosten der ersten Jahre zu rechna[i, die nach Penihers 
Versicherung und Abschätzung in seiner bürgerUchen Bau- 



— 74 — 

kuQst Th.4 S.97 auf eine Million sich belaufen haben soUen, 
welche der König aus dem nachgelassenen Schatze seines 
Vaters genommen. 

Während die Italienischen Sänger in Berlin gute Tage 
und nichts zu thun hatten, dachte der König im Felde viel 
an die Verbesserung seiner Oper, denn obgleich das Berliner 
Publikum entzückt über die Rodelinde gewesen, so hatte 
der König doch die gelungenen Opem-Auffuhrungen in Dres- 
den und Braunschweig noch zu lebhaft im Gedächtnisse, als 
dass dieser erste Versuch ihn hätte befriedigen können. Am 
18ten April schreibt Friedrich an Älgarotti und trägt ihm auf, 
sich Mühe zu geben, den Sänger Pinti zu engagiren, und 
ihm bis zu 4000 rd. Gehalt zu offeriren. Gleichzeitig wird der 
Cabinets-Courier Piertno Spary nach Italien geschickt, um 
dort gute Engagements zu vermitteln, und auch der Graf 
CataneOj Preussischer Minister -Resident in Venedig, muss 
sich dafür Mühe geben. In den Beilagen findet sich eine 
Reihe von Berichten und Correspondenzen aus Italien an den 
König, welche deutlich beweisen, mit wie grosser Vorliebe 
Friedrich der Grosse alles betrieb, was auf die Bildung sei- 
ner Oper Bezug hatte. Es wurden neue Engagements abge- 
schlossen, da nur wenige der Sänger des Carnavals vom vo- 
rigen Jahre beibehalten waren, namentlich mit PorpormOj 
Stefantno^ Paulino und der Sängerin MoUeni. Anfangs August 
langte die in Paris engagirte Truppe französischer Schau- 
spieler und zusammen mit ihnen auch die Tänzer für die 
grosse Oper, namentlich der Balletmeister Michel Poitier, 
Mlle Roland und die Mlles Cockots an« Der König war kurz 
vorher aus dem Felde nach Berlin zurück gekommen, und 
wollte am 20ten August ins Bad nach Achen reisen, vorher 
aber noch die französischen Schauspieler und Tänzer sehen. 



— 75 — 

Es fand daher am 9ten die erste Vorstellung des Trauerspie- 
les Bhadamiste et Zenobte auf dem Schlosstheater statt, wor- 
auf sämmüiche Tänzer nach einander tanzen mussten und 
sich den Beifall ihres neuen Herrn gewannen. Oper konnte 
nicht sein, da nur noch drei der früheren Sänger in Berlin 
waren, diese aber hatten jeden Abend während der Anwe- 
senheit des Königs in Berlin Dienst bei dem Abendconcerte. 
Wir können uns bei dieser Gelegenheit nicht versagen, die 
Ansichten des damaligen Referenten der Haude und Spener- 
schen Zeitung in No. CXVI über das deutsche Theater jener 
Zeit mit dessen eigenen Worten wieder zu geben. Er berich- 
tet nämlich über die stattgefiindene Aufführung der Bhadamtste 
und Zenobte: „Der Abscheu war gerecht, welchen man bisher 
für der Schaubühne und fiir den sogenannten Comedianten ge- 
habt hat Wie wäre es möglich, dass ein vernünftiger Mann sich 
entschliessen könnte, einen Ort mehr als einmal zu besuchen, 
wo lauter Thorheit und Niederträchtigkeit herschet und wo man 
öfters in zehn Minuten zwanzig Zoten höret Solche Schau- 
bühnen würden gewiss in England und Frankreich, wo man 
die Schauspiele so sehr verehret, ein noch weit jämmerliche- 
res Schicksal erfahren, als sie bei uns gehabt haben, wenn es 
möglich wäre, dass man in diesen klugen Ländern solche 
Anstalten auch nur einen Tag dulden könnte. Bisher hat 
die Schaubühne in Deutschland noch keinen Ort gefunden, 
wo sie durch einen wahren Bejstand ihre Vollkommenheit 
erreichen können, und es scheinet, dass auch dieser Vorzug 
dem glücklichen Berlin vorbehalten worden. ^^ 

Während das Opernhaus immer mehr seiner Vollendung 
entgegen rückte, das heisst, nur der Theil, welcher die Bühne 
und den Zuschauerraum enthält, während der Weiterbau 
des Saales, der Treppenlaube und der ganzen Aussenseite 



- 76 - 

unterblieb, um die Möglichkeit einer baldigen ersten Auf- 
fuhrung zu beschleunigen, musste sich der König mit seinem 
französichen Theater, den Pariser Tänzern und dem Gesänge 
seiner ItaUenischcn Sänger in den Hofconcerten begnügen; 
namentlich war dies während des Monats October der Fall, 
wo theils in Berlin auf dem Schloss-Theater, theils in Char- 
lottenburg auf einem im Orangerie-Saale gebauten Theater 
gespielt, getanzt und gesungen wurde. Crraun componirte 
unterdessen fleissig an der zur Einweihung bestimmten Oper, 
und es wurde nichts yemachlässigt, um sofort in dem neuen 
Opemhause spielen zu können, sobald dieses nur zur Noth 
fertig sein würde. Am 14ten November war es endlidbi so 
weit, dass die Prinzessin Amalia es bereits in Augenschein 
nehmen konnte, was die Zeitung mit der besonderen Ver- 
sicherung mittheilt, dass „vermuthlich künftigen Monath De- 
cember die erste Opera darinnen aufgeHihrt werden wird^^ 
Am 20ten November wurde zum letzten Male vor Eröffiiung 
des Opernhauses auf dem Schloss-Theater ges[Helt, und zwar 
bei Gelegenheit der feierlichen Audienz des Köni^ Ungari- 
schen Ministers Grafen von RichecourL Es war französische 
Gomödie und Ballet der Solotänzer, während in den Zwi- 
schenacten „etzliche Sänger von der Capelle^^ ihre Geschick- 
lichkeit zeigten. Am Tage darauf hielt der König beim Vor- 
beifahren nach Charlottenburg unvermuthet beim Opemhause 
an, und überraschte die Arbeiter im Innern, um sich sdbst zu 
überzeugen, ob auch alles Mögliche für die rasche Beendi- 
gung gethan werde. 

Wir müssen bei dieser Gelegenheit einschalten, dass sich 
im Staats-Archive eine Eingabe des Zimmermeisters Schöne- 
mann findet, nach welcher der König auch die Absicht gehabt 
hat, ein grosses deutsches Theater zu bauen. Diesear (ur jene 



— 77 — 

Zeit merkwürdige Umstand fioidet sich bis jetzt nirgend er- 
wähnt, mid wir halten es daher (lir unsere Pflicht, hier den 
Inhalt jenes Schreibens so wie das darunter befindliche De* 
cret des Königs vollständig mitzutheilen.^) 
,,Allerdurchlauchtigster, etc. 

Ew. Königl Majestät haben mir durch Dero Obersten, den 
Grafen von Hacke ^ allergnädigst anbefehlen lassen, an der 
sogenannten Cavallier Brücke^ ein grosses deutsches Comö- 
dienhaus zu bauen. 

Ich ersuche deswegen unterthänigst, dass Ew. K. M. für 
mich die Gnade haben und mir durch jemand die Grösse 
des Platzes anweisen lassen, damit ich meinen Abriss danach 
verfertigen kann; für die Allergnädigste Mittheilung des Hol- 
tzes danke ich in tiefster Dehmuth etc. etc. 

Berlin den 22 Novemb. 1742. 

Johann Friedrich Schönemann.^^ 
Decret des Königs darunter: 

„Knobeisdorf soll den Platz anweisen.^^ 

Zunächst fällt das Datum dieser Eingabe auf, welches be- 
weist, dass gerade in der Zeit, wo der König voller Unge- 
duld den Bau des Opernhauses betrieb, auch die Erbauung 
eines deutschen ComÖdienhauses, und zwar eines grossen, in 
seiner Absicht lag. Welche Umstände diesen Bau verhindert, 
zu dem doch bereits das Holz geliefert worden war, haben 
wir nicht ermitteln können, so wie bei dem Zustande des 

>) Eine Gopie desselben beGndet sich auch in den Königschen Manu- 

scripten ^^Zur Theatergeschichte Berlins^' auf der Königl. Bibliothek. 
2) Später Commandant von Berlin. 
^) Diese Brücke lag fast an derselben Stelle^ wo jetzt zwischen dem Dom 

und der Hof-Apotheke die Laufbrücke zur kleinen Burgstrasse führt. 

Wahrscheinlich ist hier also dieselbe Stelle gemeint, wo jetzt der Dom 

steht, der bekanntlich erst 1750 gebaut wurde. 



— 78 - 

deutschen Theaters jener Zeit der ganze Plan etwas so Un- 
gewöhnliches hat, dass wir die Angabe für unglaubwürdig 
gehalten haben würden, wenn der Beweis für dieselbe nicht 
vorläge. 

Am 26ten November erschien das nachfolgende König^. 
Mandat, welches die Polizei an den Strassenecken anschla- 
gen liess, und von dem ein Original-Exemplar uns vorliegt 

,J)emnach nächstkommenden Monath December in dem 
neuen Opern-Hause die Opern ihren Anfang nehmen wer- 
den ; als wird allen und jeden, insbesondere aber denen Be- 
dienten der Herrschaften, hiermit alles Ernstes anbefohlen, 
sich wegen der noch darum stehenden hölzernen Gerüste, 
und daher zu besorgenden Feuer -Schadens, keinesweges 
mit brennenden Fackeln gedachtem Opern-Hause zu nähern, 
vielweniger aber mit denenselben in dasselbe zu gehen, oder 
mit Kohlen angefiillete Feuer- Stübgens, oder andere der- 
gleichen Feuer fangende Sachen auf einige Art in selbiges 
zu bringen, widrigenfals solche, nebst Abnehmung der Fackel, 
sofort in Arrest gebracht zu werden, und einer nachdrückh- 
chen Beahndung zu gewärtigen haben. Wobey jedoch de- 
nenselben unbenommen bleibet, ihre Herrschaften mit zuge- 
gemachten und wohlverwahrten Laternen vor dem Opern- 
Hause zu erwarten, und solchergestalt nach Hause zu beglei- 
ten. Geben Berlin, den 26 Nov. 1742. 

Auf Sr. Königl. Majestät allergnädigsten Special -Befehl. 
(L. S.) Königl. Preuss. Hof -Marschall -Amt 

Gustav Adolph Graf von Gotter'). 

>) Das Verbot der sogenannten Feuer-Stübgen scheint, me aus einer 
Nachricht in der Vossischen Zeitung vom 6 Jannar 1740 hervorgeht, 
durch einen Vorfall in Brüssel veranlasst worden zu sein. Dort naini- 



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Am 20ten November zeigten die Zeitungen an: ,,yon der 
Opera, so zu Anfange künftigen Monats im hiesigen Königl. 
Opemhause aufgeführt wird, sind die Bücher bei der Wittwe 
Simon in der Königsstrasse, bei Herrn Richard am Schlosse 
und bei Herrn Coumon, Lehrer der italienischen Sprache, 
in der Kronenstrasse, das Stück auf Druckpapier zu 8 gr. und 
auf Schreibpapier zu 12 gr. zu haben/^ 

Wir erwähnen nur noch, dass der König am Iten Decem- 
ber der ersten Probe im Opernhause beiwohnte und zusah, 
„wie sich die Hof-Virtuosen übten^V und dass an demselben 
Tage eine Compagnie der Garde zu Fuss aus Potsdam in 
Berlin einrückte, um den Dienst während der Camavalsvor- 
stellungen zu thun, geben aber erst einige Details über das 
Opernhaus selbst, ehe wir die Eröffiiung und Einweihung 
durch die erste Oper erzählen. 

Die Originalzeichnungen der Pläne und Risse des Opern- 
hauses von Knobeisdorf, nach welchen die bekannten, in 
Kupfer gestochenen, mehrfach vorhandenen Platten „La Mai- 
son de l'Op^ra** verfertigt sind, befinden sich in der Samm- 
lung des Verfassers und wurden den Abbildungen zum Grunde 
gelegt, welche unter den artistischen Beilagen nachzusehen 
sind. Diese Handzeichnungen sind in einem Foliobande ver- 
einigt, welcher die eigenhändige Dedication Knobeisdorfs 
an den König enthält, in welcher deutlich ausgesprochen ist, 

lieh stieg während einer Vorstellung plötzlich mitten im Parterre ein 
branstiger, übelriechender Qualm auf. Feuer I war der allgemeine Schrei 
und im wildesten Tumult stürzte Alles den Ausgängen zu. Draussen 
endUch klärte sich's auf. Eine Dame hatte sich ein zu stark bekohl- 
tes Feuerbecken (Feuersorge, Feuerstübchen) untergestellt und das 
Kleid Feuer gefangen. Es geschah zwar kein Unglück, aber da es 
bei solcher Veranlassung eben so leicht hätte geschehen können, so 
mag wohl der dortige Vorfall hier ebenfalls das Verbot veranlasst haben. 



— so- 
dass der König selbst die Pläne entworfen/) Fände sich 
diese Dedication nur in dem gestochenen, später veröffent- 
lichten Exemplar, so würde man versucht sein, an eine in 
jener Zeit so gewöhnliche Schmeichelei zu glauben; Kno- 
belsdorf würde sich aber nicht unterstanden haben, dies in 
dem nur für den König selbst bestimmten handschriftlichen 
Exemplar auszusprechen, wenn dem nicht wirklich so ge- 
wesen wäre, und da sich vielfach architectonische Zeichnun- 
gen des Königs erhalten haben, so ist es sehr wahrscheinlich, 
dass auch diese vom Könige herrühren. 

Lassen wir in der Beschreibung des alten Opernhauses 
den Baumeister selbst sprechen, welcher auf Befehl des Kö- 
nigs in der Berlinischen Zeitung vom 27ten November Fol- 
gendes von seinem Werke sagt: 

„Das hiesige Opern -Haus ist nunmehro, unter der Direc- 
tion des Frejherm von Knobeisdorf, in so weit fertig, dass 
den isten December^ die erste Opera kann vorgestellet 
werden. Die Vollendung der äussern Decorationen aber soll 

>] Diese Dedication lautet: 
SIRE 
J'ai rhonneur de präsenter k Votre MajeslS les Plans de la Maison 
de rOp^ra qu'Elle a form^ EUe m^m«, et dont 11 Lui a plu de me con- 
fier rExöcution* Je La supplie tr^s-humblement de les receyolr comme 
un t^moignage de mon empressement k remplir, autant qu'il est en moi, 
les grandes Id^es de Votre MajestSy et d'^tre persuad^e que cette fa(on 
de penser sera toujours unie au träs-profond respect arec lequel je 
suis Sire 

de Votre Majestd 

le träs-humble, trös-soumis et tr^s-ob^issant Serviteur 
Knobeisdorf. 
Auflaliend ist, dass Enobelsdorf sich hier nur mit einem f schreibt, 
da die Familie sich stets mit ff geschrieben. 

2) Die erste Auflbhrung der Cleopatra fand trotz dieser Ankündigung 
doch erst am 7ten December statt. 



— 81 — 

künftiges Jahr geschehen. Selbiges beträgt in der Länge 300 
und in der Breite 106 RheinL Fuss. Es gleicht einem prächti- 
gen Pallaste, stehet von allen Seiten frei und hat von aussen so 
viel Platz um sich herum, dass 1000 Kutschen gemächlich 
alda halten können^). Das Hängewerk ist sehr flach, und von 
unten nicht zu sehen, auch ganz mit Kupfer bedeckt. Durch 
eine jede von den 7 Pforten können 5 Personen en front 
hinein gehen, und inwendig findet man alle Bequemlichkeiten. 
Dieser jetzt erwehnten grossen Oeffiiungen ungeachtet ist doch 
solche Disposition gemacht, dass kein Zug weder das Parterre 
noch das Orchester incommodiren kann. Ein gewölbter Canal, 
der 9 Fuss hoch ist, gehet queer durch das ganze Gebäude, 
aus selbigem wird vermittelst 2 Wassermaschinen das Wasser 
bis unter das Dach in grosse Behältnisse gebracht, auch 
durch Röhren dergestalt wieder auf das Theater geleitet, 
dass nicht allein natürliche Cascaden und Wasserstrahle kön- 
nen vorgestellet werden, sondern dass man auch bey vor- 
kommendem Feuer fast das ganze Theater unter Wasser 
setzen kann. Dieses Theater ist eins von den längsten und 
breitesten in der Weit Die Logen sind so räumlich und be- 
quem, dass sie rechten Zimmern gleichen, und doch allent- 
halben eine ungehinderte Aussicht auf das Theater haben. 
Die Treppen hat man so gross und so gemächlich verfertiget, 
dass man sich bis in den vierten Rang der Logen mit Porteurs 
kann tragen lassen. Hinter den Logen befinden sich solche 
geraume Gänge, dass sieben bis acht Personen Platz ge- 
nug haben, neben einander zu gdben. Bei allen jetzt ge- 
dachten Vorzügen ist zwar der Zweiffei erregt worden, ob 
sie auch zur Avantage der Musik seyn möchtCD, aber man 

9) Weder die Bibliothek, die Universität, die katholische Kirche, noch dieHäu- 
ser der Behrenstrasse bis xur Markgrafenstrasse waren damals Torhanden. 



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bemerkt mit nicht geringer Bewunderung, dass die Musik 
darin einen vortrefflichen Effect thut Wenn nemlich der 
Sänger ganz hinten im Fond des Theatri stehet, höret man 
ihn nicht nur in den äussersten Logen und im Parterre gar 
deutlich die allersachtesten Töne singen, sondern der Sänger 
hört sich auch immer selbst wieder, welches in wenigen 
Theatern zu finden, und doch dem Singenden zu einer grossen 
Erleichterung dienet Nach beschlossener Opera kann in die- 
sem Hause Redoute gehalten werden. Am Ende der Logen 
siehet man einen weidäuftigen Saal, wo die Herrschalten spei- 
sen können. Währender Zeit wird der Boden des Parterre 
dem Theater gleich erhoben, das Theater selbst aber in einen 
Corinthischen Saal verwandelt Die Scenen gehen hinter den 
Colonaden weg und in den Nischen sind natüriiche Casca- 
den angebracht, welche einige Najaden von weissem Marmor 
aus ihren Krügen formiren. Das Haus ist in drei Säle ge- 
theilet: I) der Corinthische, 2) der vom Parterre, wo an den 
Logen und an dem Portal die verguldeten Decorationes, so 
aus einem gebrochenen weisslichen Grunde und von einem 
besonderen Gout sind, einen sehr schönen Effect thun, und 
3) der Apollonische Saal, in welchem rings herum vor die Zu- 
schauer ein Entablement von lauter Satyren getragen wird," 

Von den äusseren Verzierungen sagt Penther in seiner 
,3ürgerlichen Baukunst^^* 

„lieber die Colonade soll ein Fronton angebracht werden, 
in dessen Tympano ein Basrelief angebracht sein wird, das 
das Opfern des ApoUinis vorstellt Oben auf werden die Sta- 
tuen des Apollinis in der Mitte, der Thalia und Melpomene 
zu beiden Seiten zu stehen kommen. Unten sollen vier Bas- 
reliefs 1) die Verwandlung der Daphne, 2) Apollo, die Hir- 
ten unterrichtend, 3) Apollo, den Marsyas schindend, 4) die 



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Bestrafung des Midas vorstellen. In den vier Nischen sollen 
die stärksten griechischen tragischen und comischen Poeten 
aufgesteUet werden^ und zwar Sophocies, Aristophanes, Me- 
nander und Euripides. 

Auf der hintern Seite sind die Tier Corinthischen Wand- 
pfeiler schon beendet Im Tympano befindet sich ein Bas- 
relief mit dem Orpheus, der durch seine Lejer-Musik allerhand 
Thiere und leblose Wesen an sich ziehet Oben auf dem 
Fronton sind die Statuen derer drei Grauen. In den darunter 
befindlichen vier Basreliefs aber Orpheus, 1) die Euridice aus 
der Hölle holend, 2) den Cerberum einschläfernd, 3) durch 
seine Leyer-Musik die Steine derer Bachantinnen abhaltend. 
4) Mercurius, den Argum einschläfernd, abgebildet In den 
yier Nischen stehen die berühmtesten römischen tragischen 
und comischen Poeten. Varus (Varius), Seneca, Plutarchns 
(Plautus) und Terentius. 

Auf der Seite nach der Linden-Promenade befindet sich in 
der Mitte eine grosse Freitreppe. An der Mauer sind sechs 
Gorinthische Wandpfeiler, nach solchen Intercolumniis wie 
die künftige Colonade. lieber diesen Wandpfeilem stehen 
sechs Statuen derer Musen Euterpe, Terpsichore, Calliope, 
Glio, Erato und Polhymnia. Darunter sind vier Basreliefs an- 
gebracht, welche vorstellen: 1) Pan, die Hirten unterweisend, 
2) Pan und Syrinx, 3) die Bestrafung der Pieriden, 4) die 
Yerwandelung der Nymphe Echo. 

Die andere Seite, so nach dem Festungsgraben gekehret 
ist, ist von gleicher Auszierung. Durch die sechs Statuen 
werden aber sechs grosse alte Poeten versinnlicht, als: Ho- 
merus, Virgilius, Horatius, Ovidius, Anacreon und Pindarus. 
In den darunter befindlichen Basreliefs sind 1) Amphion, durch 
seinen Leyerklang die Mauern zu Theben aufführend; 2) Arion, 



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durch einen Delphin vom Schiffbruch gerettet, 3) Achilles, 
auf seiner Leyer spielend zum Dienste seines Kriegs-Trans- 
ports; (?) 4) Sappho, so wegen besonderer Leyer-Geschick- 
lichkeit unter die neun Musen genommen. 

Die Säulen so wohl an der künftigen Colonade^ als sämmt- 
liche Wandpfeiler sind canellirt, welches zwar ganz artig lässt, 
da sie aber dem Wetter exponiret, dürfte wohl mit der Zeit 
der Dauer, insbesondere denen scharfen Kanten, etzlicher 
Abbruch geschehen." 

So weit die Beschreibung des Aeusseren, welches bis zu 
dem Brande 1844 unverändert dasselbe gebUeben ist Für 
die innere Einrichtung ist die Copie der v. Knobelsdorfschen 
Risse Tafel 4 zur Hand zu nehmen. Der Längendurchschnitt 
zeigt den Zuschauerraum in Verbindung mit der Bühne zu 
einem Redoutensaal eingerichtet. Das ganze Podium des Par- 
terre wurde zu diesem Zwecke, vermittelst eines unter demsel- 
ben angebrachten, aus zwölf grossen Schrauben bestehenden 
Windewerkes, bis zu der Höhe der Bühne heraufgeschraubt 
Diese Arbeit geschah bis zum Jahre 1825 nach der beendeten 
Vorstellung durch eine grosse Zahl von Arbeitern, die gleich- 
zeitig bei den zwölf verschiedenen Winden angestellt waren. ') 
Der Eingang zu dem Räume unter dem Podium des Parterre 
befand sich in dem Parterregange dicht neben dem Eingange 
zum Orchester, und ist jetzt nicht mehr vorhanden. Bemer- 
kenswerth ist vorzüglich die Form des Prosceniums, welche 
ganz von derjenigen abweicht, die ihm bei dem Umbau unter 
König Friedrich Wilhelm H gegeben wurde. Die Bühne trat 

^) Im Jahre 1823 wurde ein Arbeiter durch das Zurückschlagen des hef- 
tig angesträngten Winde-Hebels so schwer verletzt, dass er sofort sei- 
nen Geist aufgab und die Leiche während der bald darauf beginnen- 
den Redoute in dem KeUerraum liegen bleiben musste. 



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damals nicht so weit in den Zuschauerraum vor als später. 
In den Wänden des Prosceniums befanden sich keine Logen 
und von der Bühne bis zu den ersten Logen war das Portal 
in concaver Form ausgeschweift und mit sieben Corinthischen 
Säulen auf jeder Seile verziert Die Karyatiden, welche später 
den zweiten Rang trugen, waren noch nicht vorhanden und 
sänuntliche drei Ränge gleichmässig verziert; auch erscheint 
der Zuschauerraum bedeutend höher .als nach dem Umbau. 
Die übrigen Verhältnisse ergeben sich aus der Anschauung imd 
dem Vergleich mit den Rissen des Umbaus so wie des Neu- 
baus im Jahre 1844. Die Treppe zu der Säulenlaube an der 
vordem Front hatte ebenfalls eine andere Gestalt; sie wendete 
sich nicht, wie später, in einen Abschnitt nach vorn, sondern 
rechts und links von den Ecken der Seitenfronten zurück, so 
dass der Aufgang zu ihnen dort lag, wo gegenwärtig der vor- 
dere Eingang zu dem Kassenflur sich befindet. 

Mit der grössten Spannung hatte ganz Berlin den Tag er- 
wartet, an welchem endlich die erste Oper aufgeführt werden 
sollte. Die Baugerüste standen noch um das ganze Opern- 
haus; ja der vordere Theil, welcher den Assembl6e- (Concert-) 
Saal enthielt, war noch nicht einmal im Rohbau vollendet; 
Treppe und Treppenlaube waren noch nicht angefangen, und 
das Ganze gewährte den Anblick des Unfertigen, wozu noch 
der mit Baustücken und Materialien aller Art bedeckte wüste 
Platz ringsumher und bis zum Anfange der Lmden-Promenade 
kam. Aus diesem Grunde konnten bei der Eröffnung auch 
nur die beiden Seiteneingänge benutzt werden, und im Innern 
war es nicht möglich gewesen, die Malerei der Decke im Zu- 
schauerräume zu vollenden, so dass eine zeltartige Verhüllung 
von Leinwand provisorisch als Decke diente. Ueberall trat 
dem Auge das Unvollradete, übereilt Hergestellte entgegen. 



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Roh gezimmerte Bänke standen statt der späteren Stühle in 
den Logen; die Gänge waren nur weiss übertüncht, die Ma- 
lerei und Vergoldung der Logenbrüstungen nicht fertig. Alle 
diese Mängel deckte indessen eine ausserordentlich glänzende 
Beleuchtung zu, die in den beiden ersten Jahren an jedem 
Abende nicht weniger als 2771 rtL kostete, und für den Zu- 
schauerraum, so wie überall wo das Publikum Zutritt hatte, 
aus dicken Wachslichten bestand. Diese Wachslichte wa- 
ren auf drei Kronenleuchtem an der Decke des Prosceniums, 
fünf Kronenleuchtern an der Decke des Zuschauerraums und 
auf Wandleuchten! in den Logen so wie an den Brüstungen 
vor denselben vertfieilt. Die Bühne selbst wurde an der Rampe 
mit Talgkasten erleuchtet, und an jeder Coulisse standen, den 
Zuschauern sichtbar, kleine Kasten auf dem Fussboden, in 
denen ebenfalls Talgnäpfe brannten. Die Garderoben der Sän- 
ger und Tänzer waren ebenfalls durch Wachslichte erleuchtet 
Am 7ten December, Abends 6 Uhr, fand nun bei heftigem 
Schneegestöber die erste Aufführung der Graunschen Oper 
Cäsar und Cleopatra statt Der König hatte bestimmt, dass 
die ganze Generalität und alle Kriegsbediente das Parterre 
besuchen sollten, in welchem nur vom, dicht hinter dem Or- 
chester, zwei Reihen Lehnsessel fiir den König und den Hof 
standen. Alle übrigen Personen im Parterre mussten der Vor- 
stellung stehend zusehen. In den beiden Rängen waren die 
Logen, deren übrigens nur drei, höchstens vier auf jeder Seite 
waren, für das Ministerium und das Beamten-Personal be- 
stimmt, während im dritten Range Einwohner der Stadt zuge- 
lassen wurden. Die Parterrelogen waren vorzugsweise für 
die in Berlin anwesenden Fremden bestimmt, und die Königl. 
Hoffburiere mussten sich in allen Gasthöfen erkundigen, wie 
viele solcher Fremden gerade in Berlin anwesend waren, um 



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ihnen Billets zukommen zu lassen. Ein Gebrauch, der sich 
auch unter den spätem Regierungen erhalten hat In den aus- 
sersten Logen des dritten Ranges zunächst der Bühne waren 
die Trompeter und Pauker der Garde du Corps und des Re- 
giments Gensd'armes aufgestellt, welche beim Eintritt des 
Königs und am Ende der Oper Tusch bliesen« Auf dem Pro- 
scenium, rechts und links zu beiden Seiten der Bühne, stan- 
den zwei Grenadiere der Potsdamer Garde mit Gewehr bei 
Fuss, welche jedesmal im Zwischenacte abgelöst wurden und 
der ganzen Vorstellung vor den Augen des Publikums zusa- 
hen; welcher Gebrauch aber nach dem siebenjährigen Kriege 
ganz abkam. Um 5 Uhr wurde das Publikum eingelassen; 
die Militärpersonen im Paradeanzuge, die Civilbeamten und 
Damen im Couranzuge. Selbst bei dem Publikum des dritten 
Ranges wurde auf eine sorgfältige Toilette gesehen. 

Der König trat durch die Parterrethür links neben dem 
Orchester ein, grüsste bei dem Tusch das Publikum und setzte 
sich sofort auf seinen Armsessel Graf v. Gotter, als Inten- 
dant des Spectacles, stand hinter dem Stuhle des Königs und 
gab dem wartenden Capellmeister das Zeichen zum Beginn 
der Ouvertüre, sobald Seine Majestät sich gesetzt hatte. Die 
Königin und die Prinzessinnen befanden sich in der Königl. 
Mittelloge und zwar schon vor der Ankunft des Königs. Alles 
empfing Seine Majestät stehend und setzte sich erst mit dem 
Beginn der Ouvertüre. 

Im Orchester dirigirte Capellmeister Graun in einer 
weissen Allongenperücke und rothem Mantel am Flügel. 
Eben solchen Mantel trug auch der Concertmeister Benda.^) 
Um den Flügel her sassen zunächst zwei Theorbisten, der 

1) Siehe Briefe eines aufmerksamen Reisenden, die Musik betreffend, von 
Reichardt Frankfurt und Leipzig, 1774. 



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Harfenist und zwei Violoncelli, welche zusammen nach 
damaliger Sitte die Recitative begleiteten» Dann folgten im 
Halbkreise die übrigen Instrumente, ungefähr in derselben 
Ordnung wie sie später gestanden, bis SpowUni die Verthei- 
lung der Instrumente vollständig änderte. 

Da die geschriebene Partitur der Oper Cäsar und Cleo- 
patra noch jietzt in der musikalischen Abtheilung der Königl. 
BibUothek vorhanden ist, so lässt sich der Eindruck, den diese 
vortreffliche Composition bei ihrer ersten Aufführung gemacht, 
leicht beurtheilen. Die Ouvertüre beginnt mit einem Largo, 
geht dann in eine Fuge über, und schliesst mit einem feurigen 
Allegro. Unter den Sängern nennen wir zunächst die Signora 
Benedetta Emäia MoÜeni, ') dann ArUonio Uberi (auch Hubert 
und Uberti) mit dem Beinamen Porporino^^ Stefano Leonardi 

>) Später Gattin des Eönigl. Hof-Componisten Agricola; sie war 1722 in 
Modena geboren, hatte unter Porpora^ Hasse und Salimbeni den Ge- 
sang studirt und blieb bis an ihr Lebensende in Diensten des Königs. 
Noch in ihrem SOten Jahre soll sie sowohl deutsch als italienisch mit 
ausserordentlicher Fertigkeit, besonders Bravour-Arien, gesungen ha- 
ben« Bumey in seinen musikalischen Reisen rühmt ihre Intonation, 
ihren Umfang vom ungestrichenen a bis zum dreigestrichenen d und 
namentlich ihren Triller. 

2) Porparino war 1719 zu Verona geboren. Sein Vater war Daniel Hu^ 
her, Yon Geburt ein Deutscher, der erst in Kaiserlichen Diensten un- 
ter einem Gavallerie-Regiment wider die Türken focht und das Unglück 
hatte, gefangen und in die Sklaverei geführt zu werden. In dieser blieb 
er drei Jahre, und nachdem er wegen angemutheter Aenderung seines 
Glaubens viel ausgestanden hatte, fand er Gelegenheit zu entweichen 
und in eine östreichische Grenzfestung zu entkommen, von welcher er 
sich nach Verona begab, und in VeneUanischen Diensten die Charge 
eines Wachtmeisters bei der Reiterei bekleidete. Seine ausserliche Ge- 
stalt und seine vielfältigen Kenntnisse, besonders in den militärischen 
Wissenschaften, Hessen vermuthen, dass er von keiner niedrigen Ab- 
kunft gewesen, welches dadurch bestärkt wurde, dass der vornehmste 
Adel von Verona mit ihm umging. Er heirathete im SOsten Jahre eine 
Veroneserin von 13 Jahren, mit der er 12 Kinder zeugte, von denen iln- 



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und Paolo ßedescht mit dem Beinamen Paulino. ^) Auch Triulziy 
Mazzanti und Pinetti waren beschäftigt; verliessen aber im 
Jahre darauf zusammen mit Leonardi Berlin^ da sie dem Kö- 
nige nicht gefielen. Ausser der Ouvertüre, welche der König 
und nach seinem Beispiel das ganze Publikum beklatschte, 
gefiel besonders die Arie „Sentir, che me chiama^^ (^Tact) 
von der MoUeni, die sich überhaupt von ihrem ersten Erschei- 
nen an die ganze Gunst des Königs errang, und diese bis zu 
ihrem Tode besass. Der Tanz in dieser ersten grossen Oper 
bestand ausser den schon genannten Solotänzern nur aus 
drei Paaren Figuranten, bei denen sogar auch einige Solo- 

ton der Jüngste war. Seine Eltern erzogen ihn mit vieler Sorgfalt, 
weit entfernt aus ihm einen S&nger zu machen, wozu ihn aber folgen- 
der Vorfall bestimmte. Im 13ten Jahre seines Alters spielte er mit 
mehreren Kindern, und übte sich besonders über Pßihle zu springen* 
Ein Sprung war unglücklich und zog ihm eine gefährliche Quetschung 
zu. Aus Furcht verschwieg er es seinen Eltern, wodurch Hülfe un- 
möglich wurde; er musste operirt und castrirt werden. Die Eltern 
waren sehr betrübt darüber, als ein Bekannter vom Hause, Capell- 
meister und Priester, an dem Sohne eine gute Stimme bemerkte, und 
ihn im Singen unterrichtete. Nachdem er Fertigkeit erlangt und sich 
bei der Kirchen-Musik in Verona ausgezeichnet, ging er nach Neapel 
zum Capellmeister Porpora^ von welchem er den Namen Porporino 
erhielt. Er sang in Rom, Messina, Palermo u. s. w., bis ihn der König 
Friedrich 11 1740 in Dienst nahm. Er hatte eine schöne volle Stimme, 
sang sehr richtig, und seine Hauptstarke bestand in dem edlen Vor- 
trage des Adagio, wozu auch noch ein damals ungewöhnliches Talent 
der Darstellung kam, wodurch er sich vortheilhaft vor seinen übrigen 
CoUegen auszeichnete. Er starb am 20sten Januar 1783. 

Der König veränderte selbst eine Arie aus der Cleofide von Hasse 
fi'u- Porporino mit Verzierungen. Das Autograph davon befindet sich 
in der Pölchausschen Sammlung auf der Königl. Bibliothek, eine Copie 
desselben unter den Beilagen. 
^) Paulino, ebenfalls Castrat, 1727 zu Bologna geboren, studirte unter 
dem berühmten Perti daselbst die Gesangskunst. Er blieb 42 Jahre im 
Dienste des Königs, erhielt noch besonderen Unterricht von Franz 
Benday und starb allgemein geachtet am 12ten Februar 1784. 



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tänzer mit tanzen mussten. Der Balletmeister Poitier ver- 
langte wiederholt, dass ihm verstattet würde, ein vollständiges 
Corps de Ballet aus Paris zu verschreiben; der Kostenan- 
schlag schien dem Könige aber zu theuer, besonders da die 
Decorationen und Costüme für die beiden ersten Opern nicht 
weniger als 210,000 rtl. gekostet hatten.^) Da der Chor aus 
den Schülern der Gymnasien gebildet worden war, wobei die 
Hälfte der Knaben Frauenkleider tragen mussten, so glaubte 
der König nach diesem Beispiele auch Tänzer iiir das Corps de 
Ballet aus hübschen Bürgermädchen und jungen Leuten erhal- 
ten zu können. Poitier aber weigerte sich ganz bestimmt, seine 
Kunst so zu profaniren, und dies war der erste Grund zu der Un- 
gnade, in welche dieser Balletmeister im nächsten Jahre verfiel. 

Nach dieser ersten Aufführung im Opemhause schien ganz 
Berlin von der ungekannten Grossartigkeit und dem Reiz die- 
ses Schauspiels electrisirt Obgleich die Zeitungen ganz dar- 
über schweigen und nur in wenig Worten erwähnen, dass 
die Aufführung überhaupt statt gefunden, so findet man doch 
in einigen Büchern jener Zeit weitläuftige Schüderungen des 
Eindrucks, den die in dem neuen Opemhause aufgefiihrte 
Oper gemacht 

Die Oper Cleopatra wurde nun wöchentlich zweimal, und 
zwar Montags und Freitags bis zum Januar 1743 gegeben. 
Die Anwesenheit des Markgrafen von Schwedt und des Für- 
sten von Anhalt-Bemburg verUehen diesem ersten Camaval 
in Berlin noch ein besonderes Interesse, und der König, damals 
ungleich prachtliebender als später^ gefiel sich in dem ausser- 
ordentlichen Glanz, den namentlich die neu eröf&ete Oper 
den Hofiestlichkeiten verlieh. 

1) Schranii Europäisches Reise-Leiicon. FOr Decorationen 150000 rtl. 
und für Costüme 60000 rÜ. 



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Gleich in der zweiten Woche des Januar 1743, am Uten, 
wurde die zweite neue Oper La Clemenza dt Tito, von Metor 
stasto und Hasse, gegeben. Es war dem Könige zwar unlieb, 
dass er eine Oper wählen musste, die schon 1737 in Dresden 
aufgeführt worden war, aber da es unmöglich gewesen wäre, 
von Graun eine zweite Oper in so kurzer Zeit zu erhalten, 
so verschrieb der Baron v. Knobeisdorf die Partitur und liess 
sie in der Zeit nach der ersten Aufführung der Cleopatra ein- 
studiren. Rödenbeck giebt zwar an, dass bereits am 3ten 
December 1742 die Oper Titus gegeben worden sei, was 
doch jedenfalls nur auf dem Theater im Schlosse statt gefun- 
den haben könnte, indess wird dies wahrscheinlich eine Probe 
gewesen sein, wenn die ganze Angabe nicht vielleicht eine 
Verwechselung ist, da diese Oper am 3ten December 1743 
gegeben wurde; denn wie hätte am 3ten die Oper Titus 
probirt werden können, wenn am 7ten Cleopatra zum er- 
sten male gegeben wurde? — 

Capellmeister Graun studirte diese Oper mit vielem Fleisse 
ein, und spielte in d^ Auffiihrungen selbst den Flügel, wo- 
mit er zeigte, „dass er nicht blos in seine eigenen Arbeiten 
verliebet sei", wie die Briefe zur Erinnerung u. s. w., Berhn 
1778, besonders hervor heben. Dieselben Sänger, welche in 
der Cleopatra gesungen, sangen auch im Titus; das Publikum 
schien aber mit der Hasseschen Musik nicht so zufrieden als 
mit der Graunschen, obgleich die Kenner behaupteten, man 
müsse die Hassesche Musik überhaupt öfter hören, um sie 
recht zu verstehen. Dazu war in diesem Camaval aber keine 
Zeit mehr, weil die Oper nur noch einmal, am 14ten, wieder- 
holt wurde, denn am 17ten starb auf dem Schlosse in Berlin 
die Markgräfm Marie Dorothee, geb. Prinzessin von Curland 
und Wittwe des Markgrafen Albrecht Friedrich, die den Kö- 



— 92 — 

nig über die Taufe gehalten hatte. Durch diesen Todesfall 
wurde das Carnaval unterbrochen und die Oper hatte vor 
der Hand ein Ende. 

Es fand zwar am 20sten Februar und 6ten März franzö- 
sisches Schauspiel auf dem Schlosstheater statt; die Oper 
ruhte aber bis zum October, wo das Namensfest der Prin- 
zessin Amalia am 8ten mit einer Wiederholung der Oper La 
Clemenza dt Tito gefeiert wurde. 

Der König reiste im März nach Breslau, und die Beilage 
No. XYI enthält einen Plan in Bezug auf diese Reise, der 
darauf hinaus ging, einen Theil der Oper für die Zeit des 
Aufenthalts des Königs nach Breslau überzusiedeln. Da in- 
dessen nichts aus dieser Unternehmung wurde, so übergehen 
wir die näheren Details hier und verweisen auf die genannte 
Beilage. Dagegen muss die im August geschehene Entlas- 
sung des Balletmeisters Poitiery in Bezug auf den Antheil den 
der König selbst öffentlich daran genommen, hier erwähnt 
werden. Wie schon angedeutet, hatte Poitier sich geradezu 
dem Willen des Königs widersetzt, und die Beilage No. XID 
beweist weiter, wie tyrannisch er gegen die ihm untergebe- 
nen Tänzer verfuhr. Obgleich sich über die unmittelbare 
Veranlassung zu seiner Entlassung keine genauere Notiz hat 
auffinden lassen, so scheint doch nach der zweiten Reise des 
Königs durch Schlesien das Maass gerüttelt voll gewesen zu 
sein, denn am 22ten August erschien in No. 101 der Spener- 
schen Zeitung folgender Artikel: 

„Dieser Tage sind der Herr Graf von Gotter und der 
Herr Baron von Schwertz, Directores der Opera, genöthiget 
gewesen, den Balletmeister Herrn Poitier, welcher sich einer 
recht übermässigen Botmässigkeit über die Täntzer anmassle, 
und dessen Hochmuth sich so weit vergmg, dass er gegen be- 



— 93 — 

sagte Directores tausend InsolentieiiYerübte^ fortzujagen. Man 
will hier keine umständliche Nachricht von allen Arten sei- 
ner üblen Aufführung mittheflen, indem deren Erzehlung bloss 
dazu dienen würde, bei dem Publico Yerdruss und Eckel zu 
erwecken. Indessen bedauret man nichts mehr, als die De- 
moiselle Roland, eine sehr geschickte Täntzerinn, welche 
durch ihren stillen und angenehmen Character das unbe- 
scheidene Betragen ihres Compagnons einigermassen wieder 
gut machte. Ohne hier genau zu untersuchen, in was vor Ver- 
bindungen die Demoiselle Roland mit dem Herrn Poitier 
sich etwa befinden möchte, so ist man doch bisher nicht im 
Stande gewesen, sie von einander zu trennen, und man kann 
den Besitz einer der grösten Täntzerinnen von Europa nicht 
anders wieder erkaufen, man mäste sich denn zu gleicher 
Zeit mit dem allerärgsten Thoren und dem allergröbsten 
Gesellen, den Terpsicore jemahls in ihrer Rolle gehabt hat, 
belästigen. Es ist also kein Gold ohne Zusatz, und keine 
Rose ohne Domen.^^ 

Dieser merkwürdige Artikel ist vom Könige selbst geschrie- 
ben und durch Jordan der Zeitung eingesandt wordeü. Man 
hat dies bezweifelt, indessen giebt folgender Auszug aus ei- 
nem Briefe an Jordan, den wir der gefälligen MittheUung des 
Herrn Historiographen und Dr.Preuss verdanken, bestimmten 
Aufschluss. Es heisst in demselben : 

„J'ai fait un article de Gazette pour Berlin, oüi Poitier est 
tjmpanis6 de la belle mani^re. J'ai d4jä 6crit pour avoir un 
autre maitre de ballet, et j'en aurois assur6ment un moins 
fon, car il est impossible de l'^tre plus que Poitier. Je suis 
bien aise d'^tre d6fait de cet es:travagant, et flicht que la 
Roland ait quitt6 avec lui, mais nous vivrons sans Poitiers 
et Rolands et nous ne nous en divertirons pas moins. Ta 



— 94 — 

Philosophie dit que j'ai raison^ et moi j'en condus que j'ai 
tr^-fort raison, puisqu'im sage m'approuye. Yal^I 

A Potsdam ce 20 AoAt 1743. 

Der König moss sehr erzürnt gewesen sein, da er gleich- 
zeitig befahl, diesen Artikel anch in die Pariser und Lon- 
doner Zeitungen einrücken zu lassen. Wahrscheinlich glaubte 
er gleich im Anfange dem Personal seiner Oper ein Beispiel 
der Strenge geben zu müssen, mit welcher er das Ganze 
geführt sehen wollte, und eine nachdrücklichere Strafe 
möchte allerdings in den Annalen des Theaters selten auf- 
zuweisen sein. 

Nachdem die Oper also den Sonuner über geruht, fanden 
am 8ten und lOten October zwei Auffuhrungen der Oper La 
Clemenza dt Tito statt, während schon seit dem August an 
den beiden neuen Opern studirt wurde, welche zum Cama- 
ral 1743 — 1744 gegeben werden soUten. Die Wiederholung 
dieser Oper auch am lOten October verdient hier eine beson- 
dere Erwähnung, weil nach dieser zum ersten Male eine Re- 
doute in dem seit September nun ganz fertigen Opemhause 
gehalten wurde. Der Köm*g hatte befohlen, dass die sämmt- 
lichen Zuschauer schon zur Oper in Masken erscheinen, und 
dann in dem grossen Yordersaale und den Gängen sich auf- 
halten sollten, bis das Podium des Parterre heraufgeschraubt 
wäre. Die Sänger und Tänzer mussten in ihrem Costüme 
bleiben und sich später unter das Publikum mischen. Hin- 
sichtlich der sonstigen, für diese Redoute erlassenen Vor- 
schriften, fähren wir die in der Zeitung erschienene Bekannt- 
machung hier an, welche vom Hofinarschall-Amte erlassen 
wurde. 

„Die Logen sind so abgetheilt, dass die ersten für die 
Dames und Gavalliers so bei Hofe erscheinen; die zweiten 



— 95 — 

für den Adel, der daselbst keinen Zatritt hat, wie auch für 
andere in K. Diensten stehende Personen; die dritten für 
diejenigen so büi^erlichen Standes sind, bestimmt bleiben» 
Bei denen Bällen hat sich der Adel beiderlei Geschlechts in 
rosafarbenen Dominos einzustellen, denen von bürgerlichem 
Stande steht es aber frei, sich nach Gutdünken, jedoch sau- 
ber zu masquiren. Selbigen Tages werden auch im grossen 
Saale 5 Tafeln, jede von 30 Couverts, für den Adel servirt 
werden. Da übrigens auf L IL Maj. Befehl zu denen Opern 
weder in Ansehung der Kleider, noch derer Decorations das 
Geringste hat dürfen gespart werden, so kann man ohne 
Ruhmredigkeit versichern, dass nunmehro diese, wo nicht 
alle anderen, die man gegenwärtig in Europa findet, an Pracht 
und Kostbariceit übertreffen, doch gewiss keiner in etwas 
nachgeben werden." 

Der Eindruck, den diese erste Redoute durch ihre Pracht 
und Grossartigkeit machte, war ein ausserordentlicher. Al- 
les was bei der Eröfihung des Hauses im vorigen Jahre noch 
den Stempel des Unfertigen und Provisorischen trug, war 
verschwunden; die Baugerüste rings umher fortgenommen. 




— 96 — 

der grosse Saal vollendet, imd das Innere durchweg mit so- 
lider Pracht geschmückt Die Berliner glaubten sich in ei- 
nen Feeupallast yersetzt ond trauten kaum ihren Augen, als 
sie den König selbst in einem Rosa-Domino, aber ohne Maske, 
nicht allein sich unter das Publikum mischen, sondern an 
dem Tanze Theil nehmen sahen. Von dieser Zeit an gehör- 
ten die Redouten jährlich mit zu den Gamavalsfesllichkeiten, 
und wir bemerken hier ein für alle Mal, dass der Kammer- 
musikus Janüschj, dem der König besonders wohl wollte, stets 
die Musik zu diesen Redouten componiren musste, bis er 
1763 starb. 

Die Sänger für den nächsten Carnaval trafen im Septem- 
ber in Berlin ein. Es waren Pasqualtno Bruscolini, ^) Castrat 
und Altist; Felke SaUmbeni,^ Castrat und Sopranist; Antonio 

>} Von den früheren Lebensverhältnissen dieses Sängers ist nichts bekannt 
Er blieb bis zum Jahre 1753 in Berlin und ging dann nach Dresden, 
yfo er unter Hasses Direction bis 1763 in der italienischen Oper sang. 
Dann ging er nach Italien zurück. 

^) Salimbeni war unstreitig einer der grössten Sänger seiner Zeit 1712 
in Mailand geboren, studirte auch er unter Ntcolo Porpora gleichzeitig 
mit Äppiani, mit dem er stets wetteiferte. Aus den Beilagen ersieht 
man» dass der EOnig bei seinen Engagements in Italien besonders dem 
Rathe und der Empfehlung Porporas folgte, und da Salimbeni 1731 in 
Rom, 1733 in Wien und 1742 in Venedig Alles enthusiasmirt hatte, 
so engagirte ihn Cataneo für Berlin. Salimbeni hatte in Italien und 
Wien vorzugsweise Hassesche Musik gesungen und Metcutasio mehrere 
seiner Opern besonders für ihn gedichtet, das heisst, seine Rollen so 
eingerichtet, dass sie wenig Spiel erforderten, denn als Darsteller war 
er steif und unbeweglich, was man aber gern vergass, so bald er an- 
fing zu singen. Metastasio war so für Salimbeni eingenommen, dass 
er in seiner Oper Olympiade der Ärgere in der Beschreibung der Person 
ihres Geliebten Megacle seine ganze Persönlichkeit schildert Der König 
war von seinem ersten Auftreten an sehr für ihn eingenommen, und 
das Publikum erklärte ihn zu seinem Liebling. Er sang nach und nach 
in vierzehn Graunschen Opern jedes Mal die Hauptrolle, und studirte 
auf den Wunsch des Königs bei dem Kammermusikus Schaffarth die 



— 97 — 

Romani^) und die Primadonna Vei^urini. Obgleich Triulzi, 
Mazzanti PineUi und Leonardi schon nach Beendigung des 
Garnavals im Januar entlassen worden waren, so mussten 
sie dessen ungeachtet bis zur Ankunft der oben genannten 
Sänger in Berlin bleiben, und erhielten daiiir eine karge Ent- 
schädigung, die zu vielen Redamationen, sogar in französi- 
schen Zeitungen, Anlass gab« Der König wollte sie aber 
nicht eher fort lassen, bis die von Cataneo in Italien enga- 
girten nenen Sänger angekommen wären, um fiir den näch- 
sten Carnaval nicht in Verlegenheit zu kommen. 

Graun hatte den Frühling und Sommer dieses Jahres zur 
Composition der beiden Opern Jrtaxerxes und Cato in Ulica 
verwendet. Die Texte hatte Metastasio geliefert, weil der 
König mit BoUarellis ersten Arbeiten nicht besonders zufrie- 
den gewesen war, und begann gleich nach Ankunft der neuen 
Sänger das Einstudiren. In Poitiers Stelle war der Ballet- 
meister Zany in Paris engagirt worden, welcher seine Schwester 
und noch eine andere Tänzerin mit nach Berlin brachte. Auch 
von dem Engagement der Barharina sprechen die Zeitungen 
schon, und nach Abfassung der darüber erschienenen Artikel 
zu schliessen, waren sie auf Befehl des Königs, vielleicht so- 
gar von ihm selbst eingerückt 

Der Carnaval begann im December und Artaxerxes war 
die erste der beiden Opern, welche zur Aufführung kam. Die 

Composition. 1750 verliess er Berlin, in Folge von Streitigkeiten mit 
dem Könige, und ging nach Dresden, wo er indessen nur ein Jahr 
hlieb, und auf der Rückreise nach Italien zu Laibach starb, allgemein 
bedauert. Sein Bildniss erschien auf Kosten des Grafen Algarotti in 
Berlin. Die Musikyerständigen jener Zeit nennen ihn einstimmig einen 
der grössten Sänger, die je gelebt haben. 
")Von diesem Romani erzählt die „Musicalische Correspondenz" vom 
Jahre 1790, Seite 191, eine lustige Anekdote. 

7 



- 98 - 

Anwesenheit des Landgrafen von Hessen-Cassel, der Fürstin 
von Anhalt-Zerbst und deren Tochter Sophie Auguste, nach- 
herigen Kaiserin Katharina n von Russland, liess den König 
wünschen, diese Oper besonders prächtig auszustatten. Es 
wurden daher abermals ganz neue Decorationen gemalt und 
die äusserste Pracht auf die Costüme verwendet PasquaUno 
hatte die Hauptrolle und gefiel, da man SaUmbeni noch nicht 
gehört hatte, welcher erst in der zweiten Oper auftrat Ar- 
, taxerxes ist eine der wem'ger guten Opern von Graun, und 
man sieht ihr die Eile an, mit der sie componirt werden 
musste. Uebrigens besteht sie fast ausschliesslich aus Arien. 
Nachträglich bemerken wir noch, in Bezug auf die Beilage 
No. XU, dass Angdo Cori^ gewöhnUch Ange Cori genannt, aus 




England nach Berlin kam und dem Könige seine Dienste bei 
der Verwaltung der Oper anbot Der Englische Minister Lord 



— 99 — 

Garteret empüaLhi ihn auf das dringendste, weil er, wie die 
Chronique scandaleuse jener Zeit erzählt, eine sehr schöne 
Frau hatte. Änge Cori war ein auffallend hässlicher Mensch, 
so hasslich, dass sein Gesicht zam Sprichwort in B^in wurde 
und Gestenreich sein Portrait unter die yon ihm herausgege- 
benen Carricaturen aufnahm. Carteret galt seines politischen 
Einflusses wegen viel bei Hofe und setzte das Engagement 
Coris durcL Er bekam die Aufeidit über die Garderobe, die 
Requisiten und die Comparserie, und leitete bis zu seinem 
Tode das ganze Material der Opernyorstellungen. Sein in- 
triganter Character machte ihn gefürchtet, und es finden 
sich viele Beweise, dass er seinen Einfluss oft missbrauchte. 

1744, im Januar, erschien die zweite für diesen Camaval 
componirte Oper^ Cato m Utica, mit SaUnibmi (Cäsar) und 
Ramani (Cato). Beide machten ausserordentliches Glück, 
der letztere auch als Darsteller. Der König applaudirte die 
Arie „Ya, ritoma al tuo tirannol^' des Jlomani, und die 
Arie „0 nel sea di quel che Stella^' des SaUmhenu Pasquor 
Uno hatte einen schweren Stand neben diesen beiden, ge- 
nügte aber doch im Adagio. Mit dem Ballet war es diesmal 
schlecht bestellt, namentlich yermisste der König die Roland 
sdimerzltch. 

Dies fuhrt uns auf das Engagement der berühmten Bar- 
harina, welches mit ganz besondere Umständen begleitet 
war. Durch die Benutzung des im Geheimen Cabinets-Ar- 
dttve vorhandenen Materials ist es möglich, hier zum ersten- 
male eine durchaus richtige Darstellung der merkwürdigen 
Verhältnisse zu geben, unter denen diese, als Gräfin y. Cam- 
panini und geschiedene v. Cocceji gestorbene, eben so schöne 
als geistreiche Frau nach Beriin kam, hier lebte und Veran- 



- 100 — 

lassuDg zu den sonderbarsten und widersprechendsten Nach- 
richten der verschiedenen Biographen des grossen Königs gab. 

Die bisher bekannten Angaben über die Barharina sind 
fast sämmtlich auf irrihiimliche Voraussetzungen gegründet, 
und selbst die bestimmten Daten sind häufig verfälscht, so 
dass ohne eine Uebersicht des in den Beilagen hier zum er- 
stenmale veröffentlichten Materials eine richtige Schilderung 
der Vorfalle unmöglich gewesen wäre. 

Gleich nach der Entlassung Poitiers befahl der König, 
eine Tänzerin ersten Ranges in Italien zu engagiren. Zwar 
erbot sich der Balletmeister Zany, der durch den Preussischen 
Gesandten in Paris engagirt wurde, eine erste Tänzerin von 
dort mitzubringen, der König aber leimte dies Anerbieten 
ab, weil er fürchtete, dass sich dadurch wieder ein zu ver- 
trauliches Verhältniss zwischen dem Balletmeister und der 
ersten Tänzerin gestalten könne. Auf den Bericht Cataneos 
aus Venedig über die in ganz Italien berühmte Barharina^ 
befahl ihm der König, dieselbe sofort zu engagiren, was auch 
schriftlich in Venedig im November 1743 geschah. Ehe die 
Vollziehung des Contractes durch KÖnigL Cabinetsordre aber 
in Venedig anlangte, hatte die Barbarina die Bekanntschaft 
des jungen Lords Stuart de Mackenzie gemacht und erklärte 
nun plötzlich, sie habe keine Lust nach Berlin zu gehen, 
sondern wolle nach Paris und von dort nach London. Als 
Graf Cataneo ihr erklärte, dass der König sein Herr in der- 
gleichen keinen Scherz verstehe und sie allenfalls mit Gewalt 
zur Erfüllung ihres schriftlichen Contractes zwingen würde, 
schützte sie vor, dass die Ratification des Königs ja noch gar 
nicht da und sie überhaupt mit dem Lord Stuart verheirathet 
sei, so dass sie ohne den Consens desselben keinen Contract 
schUessen dürfe (Beilage XVII, I). 



— 101 ~ 

Der König erhielt diesen Bericht unmittelbar nach Been- 
digung des Camavals, wo er den Mangel einer guten ersten 
Tänzerin lebhaft empfunden. Sehr aufgebracht darüber, dass 
die Barbarina unter anscheinend nichtigen Umständen ihren 
Contract brechen wollte, schrieb er an den Preussischen Ge- 
sandten in Wien, Grafen Dohna, er solle dem dortigen Ye- 
netianischen Gesandten Contarini andeuten, dass der Kö- 
nig von der Republik Venedig sofort die Auslieferung der 
Tänzerin verlange. Graf Cataneo in Venedig hatte keinen 
offiziellen Character als Preussischer Gesandter, daher gingen 
diese Verhandlungen durch die beiderseitigen Gesandtschaften 
in Wien. Die Republik weigerte sich, in dieser Angelegen- 
heit etwas zu thun, da sie es unter ihrer Wurde hielt, sich 
mit dem Engagement einer Tänzerin abzugeben; Der König 
gerieth hierüber in den heftigsten Zorn, und Hess die Equi- 
pagen des Venetianischen Gesandten Capello, welcher von 
London über Hamburg durch Preussen reisen wollte, mit 
Beschlag belegen, bis die Republik ihm den Willen thun 
würda Dieser Vorgang machte ausserordentliches Aufsehen 
unter den Diplomaten, und in Wien rieth man dem Gesandten 
Contarini, den König, der schon Proben seines festen Cha- 
racters gegeben, nicht zu reizen. Dieser hatte nichts eiligeres 
zu thun, als seinem Senate zu schreiben, dass mit dem jungen 
Könige von Preussen nicht zu spassen sei, und rieth zu au- 
genblicklicher Verhaftung und Auslieferung der Barbarina. 
Der Senat war zwar in Veriegenheit, fugte sich aber und 
liess durch Contarini an Dohna berichten, dass die Republik 
sich ein Vergnügen daraus mache, den Wünschen Sr. Maje- 
stät zu entsprechen, und dass zu diesism Zwecke die Barba- 
rina bereits verhaftet sei. Auf den Bericht des Grafen Dohna 
an den König und die darin ausgesprochene Besorgniss, dass 



— 102 — 

die Beschlagnahme der Equipagen des Gesandten Gapello 
wohl zu imangendimen Folgen fiifarea könne, antwortete d^ 
König aus Breslau, dass das Ganze ein Miss?erstandntss sei, 
er aber hoffe, dass ihn die Republik zufrieden stdlen würde. 
Aus der desfallsigen Cabmetsordre (XVII, 2) geht aber hertor, 
dass die Beschlagnahme der Equipagen wirklidi statt gefimdea 
und nur dann erst aufgehoben worden, als die Republik sititi 
willfährig gezeigt Gleichzeitig ergingen bestimmte Befehle 
(Xyn, 3) an den Grafen Dohna in Wien über die Art und 
Weise, wie die widerspänstige Tänzerin nach Berlin geschafit 
werden sollte; ja, der König schrid) noch im Augenblick 
der Abrdse von Neisse ^enhändig darunter, „que le Comle 
de Dohna devoit se concerter avec FAmbassadeor de Yenise 
sur les moyens de faire venir cette CrScüure sArement^ 

Die so befohlenen Unterhandlungen ergaben, dass die 
Republik sie bei Nachtzeit aus Venedig fortbringen lassen 
und unter militärischer Bedeckung, einer Gompagnie Cavalle- 
rie, bis an die Oestreichische Grenze liefern wollte, wohin 
Graf Dohna jemand schicken sollte, der französisch und ita- 
lienisch spräche. Der Gesandte Venedigs stellte nur eine 
Bedingung, dass nämlich die Barbarina keinen AugenUick 
länger in Berhn zurück gehalten werden sollte, als ihr Gon- 
tract dauerte. Graf Dohna wählte nun seinen Haushofmeister, 
einen gewissen Mayer, der früher mit dem Genial der In- 
fanterie V. Wunnb ganz Europa durchreist, ein entschlossener 
Mann und besonders zu dergleichen geschickt war. Dieser 
erhielt 50 Ducaten Reisegeld und eine Vollmacht vom Ve- 
netianischen Gesandten (XVD, 4), die er dem Militär-€om- 
mando an der Grenze vorzeigen sollte. Gleichzeitig gab ihm 
Graf Dohna die Instruction (XVII, 5), welche ihm sein Be- 
nehmen vorschrieb. So versehen machte sich Mayer auf den 



— 103 — 

Weg und iibemahm in Palma noya auf der Oestreichischen 
Grenze die Barbarina, welche in einer yerschlossenen Kut- 
sche an ihn abgeliefert wurde. Mayer musste vorsichtig ver- 
fahren, wie aus seinem Berichte (XYII, 5) hervor geht, denn 
Lord Stuart de Mackenzie und der Graf Calenberg waren mit 
zadikeicher Dienerschaft schon vor der Yenetianisehen Es- 
Corte in Pahna eingetroflfen und versuchten es, den Agenten 
m bestechen. Dieser aber wendete sich kraft seiner Voll- 
macht an die Behörden, und diese zwängen die beiden jungen 
Edelleute, voran bis Wien zu reisen. Mayer brachte indessen 
seine „vor Liebe und Chagrin kranke Tänzerin'^ bis Wien, 
wo er sie in dem H6tel des Preussischen Gesandten ablie- 
ferte. Lord Mackenzie wandte sidi nun an den Grafen Dohna, 
und schilderte diesem, dass die heftigste Liebe ihn an die 
Barbarina fessele, er überdem wirklich mit ihr verheiratbet 
sei und nach Berlin wolle, um seine Gattin von der Gnade des 
Königs wieder zurück zu erhalten. Er erbot sich, 100000 rtl. 
Caution zu stellen, und Graf Dohna glaubte ihm Pässe nach 
Berlin nicht verweigern zu können, doch schickte er, ohne 
dass Lord Mackenzie es merkte, die Barbarina auf einem 
anderen Wege nach Berlin als dem, welchen ihr Liebhaber 
nahm. Die beiden Briefe 7 und 8 sprechen über den Ein- 
druck, den der junge Lord Mackeoizie auf den Grafen Dohna 
gemacht, und die ausgesprochenen Wünsche desselben. 

Auf verschiedenen Wegen kamen nun die Barfoarina und 
der Lord Mackenzie am 8ten Mai in Berlin an. Der Englische 
Gesandte am Preussischen Hofe, Lord Hyndford, ein Yetter des 
jungen Lord Stuart de Mackenzie, hatte schon vor der Ankunft 
desselben sich mit aller Kraft der angeblichen Heirath mit der 
Barbarina widersetzt Hyndford war Tory und Mackenzie ein 
Whig, als solche also Opponenten im Parlamente und über- 



— 104 — 

dies in Familienverhältnissen gespannt Die sofort in Berlin 
eingezogenen Erkundigungen sagten dem Liebenden bald ge^ 
nugy dass er keine andere Hoffnung habe als die Gnade des 
Königs, und er schrieb nun den Brief XVII, 9, in welchem 
er die Barbarina seine angetraute Frau nennt 

Was auf diesen Brief des jungen Lord Stuart erfolgte, ist 
allen Forschungen zum Trotz nicht zu ermitteln gewesen, 
alle Nachrichten aus jener Zeit schweigen darüber; aber es 
lässt sich aus den späteren Briefen des Lords ahnen, dass 
eine gewaltsame Trennung der Liebenden statt gefunden, 
und Lord Mackenzie auf Befehl des Königs Berlin verlassen 
musste* Der Polizei-Präsident v. Kircheisen berichtete näm- 
lich an den König, dass er dem Lohnlaquai, welcher den 
Lord nach Hamburg begleitet, die beiliegenden Briefe abge- 
nommen und für seine Pflicht gehalten, unterthänigst Sn Maje- 
stät einzusenden (XYII, 10). Da diese Briefe noch gegenwärtig 
in dem Gabinets-Archive vorhanden sind (10 a b c), so lässt 
sich annehmen, dass dieselben nie in die Hände der Barba- 
rina gekommen sind. Sie werfen ein eigenthümliches Licht auf 
das ganze Yerhältniss und sind vom höchsten Interesse für 
die Sittengeschichte jener Zeit überhaupt 

Am 13ten Mai nun, also kaum einige Tage nach ihrer 
Ankunft, befahl der König, dass die mit so vielen Schwierig- 
keiten endlich errungene Tänzerin vor ihm erscheinen sollte. 
Es fand Französische Comödie auf dem Sdilosstheater statt, 
und die B^rbarina musste in den Zwischenacten tanzen. 
Ihre ausserordentliche Schönheit, von der die noch jetzt in 
den KönigL Schlössern vorhandenen Gemälde zeugen, frap- 
pirte den König. Er unterhielt sich mit ihr, und ihre geist- 
reiche Unterhaltung fesselte ihn so sehr, dass alles Vorgefal- 
lene vergeben und vergessen wurde. Von diesem Augenblicke 



— 105 




war sie der erklärte Liebling des Königs, und der ganze Hof 
erschöpfte sich in Lobeserhebungen über ihre Schönheit und 
Talente. Einige Tage darauf erschien sogar das folgende 
lateinische Gedicht in der Zeitung: 



n 



,In Donnam BarberinamI 



In Te naturae rarum est certamen et artis: 
Dotibus ista suis se probat, illa suis. 

HicPhrjgius, tribuat judex cui praemia pahnae, 
Haeret, et arbitrii defugit usque capuL 

Juno gradu placuit, specie Venus^ arte Minerva: 
Barbara divarum singula sola tenet. 



- 10« — 

Perpetua Superi servent Tibi lege raventam, 
NU Te nobüius vel Venas ipsa dabit^^ 

Ausserdem fehlte es weder an deutschen noch französischen 
Gedichten, und wie durch einen Zauberschlag war die gleich- 
sam eroberte Tänzerin der Mittelpunkt des feinen gesell- 
schaftlichen Lebens in Berlin geworden. Anbeter aus allen 
Ständen drängten sich um sie her, und sie hielt eine Art Yon 
kleinem Hof in ihrer Wohnung, in der Behrenstrasse. Der 
König reiste einige Tage darauf nach Pyrmont, von wo er 
erst am 16ten Juni wieder in Berlin ankam und Abends 
sofort französisches Theater und den Tanz der Barbarina 
befahl. 

Zur Vermählung der Prinzessin Ulrike mit dem Kronprin- 
zen Adolph Friedrich von Schweden fanden im Juli dieses 
Jahres ausserordentliche Festlichkeiten statt, bei denen die 
Opern und Redouten eine Haupb*olIe spielten. Da Graun 
bereits mit der Composition der Oper zum nächsten Cama- 
val beschäftigt war, so konnte er zu dieser Gelegenheit nur 
einen musikalischen Prolog La Festa del Imeneo^) componi- 
ren, welcher am löten Juli vor der Oper CaJlo in Utica auf- 
geführt wurde. Das Ganze war nur eine Unterredung der 
Venus mit dem Amor und bestand ausser den Recitativen 
nur aus einem Chor und zwei Arien. Die Opern, welche 
am löten, 21ten, 22ten und 24ten Juli gegeben wurden, 
waren: Cato mit dem Prolog, Artaxerxes^ Qemenza di lito 
und RodeUnde^ zu welcher neue Decorationen gemacht wer- 
den mussten, da die aus dem Schlosstheater im Opemhause 
nicht passten. Während dieser Zeit fand auch in Charlotten- 
burg auf einem in dem Orangeriesaale erbauten Theater die 

1) Prologo per le Nozze Reali della Prtneipessa Ulderica di Pruisia con 
el Principe ereditario di Suezia. 



Auflfäbntng einer Oper statte die indessen m dtesem Zwecke 
sehr abgekürzt war und . in welcher der ,,unTergleiddiche 
SaUmbeni'^ sang. Die am 22ten gegebene Oper La Qemenza 
di Tito masste auf besonderen Befehl des Königs schon nm 
5 Uhr anfangen, weil nach derselben ein grosser Ball im 
H6tel des Schwedischen Gesandten statt fand. Am Tage der 
Abrdse der Prinzessin, den 26ten, wurde die RodeUnde wie- 
derholt, und der König hatte den Grafen Gotter beauftragt, 
dafiir zu sorgen, dass gleich nach Beendigung der Oper die 
Prinzessin nur rasch noch etwas gemessen, dann sich in den 
Wagen werfen und so schneli wie möglicfa die Stadt redaasen 
sollte. Während des zwdten Actes der Oper trat aber pl6t&- 
lieh Prinz Ferdinand in die grosse Loge, wo die Prinzessin 
sass, fiel ihr um den Hals uiui rief ganz laut unter Hyänen: 
„Meine liebe Ulrike, so muss es denn sein, ich soll Dich nicht 
mehr wieder sehen I^ Die Prinzessin fing an zu weinen und 
hidt ihren Brnder fest umarmt, auch die beiden Königinnen 
konnten ihre Thränen nicht zurnckhahen, und das Publikum 
war tief ei^riflen Ton diesem Vorgänge. Niemand sah mehr 
auf die Oper, und selten ist wohl eine Vorstellung in so tnor 
riger Stimmung zu Ende gegangen als diese. 

Bemerkt zu werdra verdient noch, dass bei der Redoute, 
die am 23ten statt fand, auf Befehl des Königs die adeligen 
Personen in dem Parterreraume und die bürgerfachen auf 
der Bühne sich aufhalten mussten, so wie, dass bei AuflRih^ 
mng der Oper Cato im Zwischenacte sich plötzlich die Vor^ 
dergardine durch Versdien erhob, so dass die Fasse der 
sich einübenden Tänzer auf kurze Zeit zu sehen waren. Der 
König sass zwischen dem Englischen und Französischen Ge- 
sandten und wendete sich bei dieser Gelegenheit zu dem 
ersteren: „Sehen Sie da, Mjlord, ein vollkommenes Bild 



— 108 — 
des Französischen Munsteriums^ laatw Beine ohne Kopf!^' 




Dies sagte er so laut, dass der Französische Gesandte es 
dentUch hören konnte und nur kluger Weise that, als ob er 
es nicht gehört hätte. 

Bald nach diesen Festlichkeiten brach der zweite schle- 
sische Kri^ aus, und der König kam nicht eher als zum 
14ten December nach Berlin zurück, worauf auch sofort der 
Caamaval am 20ten begann. Trotz des Krieges litt der König 
nicht, dass in dem Einstudiren der zum Camaval bestimmten 
Opern auch nur die geringste Verzögerung eintrat, und es 
ging in Berlin bei der Oper zu, als ob tiefer Friede wäre. 
Signora Venturm war schon nach den Yermählungsfestlich- 
keiten verabschiedet worden und nach Italien zurück gegangen. 

Die erste neue Oper, die am 21ten December aufgeführt 
wurde, war Messandro e Poro von Metastasio und Graun. 
Wir schliessen den Bericht über dies Jahr mit folgendem 
Auszuge aus einem Briefe jener Zeit, der eine Opemaufiuh- 
rang ziemlich deuthch veranschaulicht 

„Sie waren beinahe eine Stunde vor dem wiridichen An- 
fange der Oper in das Opernhaus gekommen, und B**^ 
konnte sich nun von jeder Anstalt, von jedem Erforderniss zu 
diesem Königlichen Schauspiele einen ausfiibrlichen Begriff 



— 109 — 

machen. Noch yerhüDete ihm ein Vorhang den Platz^ auf 
welchen seine ganze Neubegierde gerichtet war. Nur hie raid 
da brannten einige Lichter und nur wenige Logen waren be- 
setzt Bald aber sah man das ganze Haus mit Zuschauern 
angefüllt Vor dem Eingange zum Parterre ordneten sich 
einige Gardes 4lu Corps; die Pracht vermehrte sich. — Die 
Yollgedrängten Logen schimmerten von geschmückten und 
geschminkten Damen, die mit ihren Bändern, mit ihren Blu- 
men, mit ihren Augen und Oebehrden manches Auge auf 
sich zogen, und von deren funkelnden Sternen die Strahlen 
derer Lichter, welche jetzt alle angezündet wurden, zurück- 
blitzten. 

„Jetzt fing man an zu stimmen, und nun hätte hinter dem 
B *** Feuer entstehen können, w wurde sich desselben nicht 
bewusst geworden sein. Seine Augen waren auf das Orche- 
stOT wie auf eine Microscopnadel geheftet Zwey Männer 
in rothen Mantek unterschieden sich in demselben vor allen 
übrigen Tonkünsllem. Es waren die beiden Grauns. Der 
Capellmeister sass vor dem erstm Flügel und der Concert- 
meister auf dem ersten Plätze der Violinisten. Die neben 
ihnen ankommenden Prinzen und Grossen machten sich das 
Yei^ügen, mit dem Capettmeister zu sprechen, und der 
sanfte angenehme Mann wusste ihrer leutseligen Herablas- 
sung mit so vielem Anstände zu geniigen, dass er den An- 
wesenden in seiner eigenen Würde immer sichtbar blieb. 

,3ald darauf erschien der Hof in den Kcmiglichen Logen. 
Ein lebhaftes Geräusche erhob sich unter den Zuschauem. 
Die auf dem Parterre stehenden Gardes du Corps rückte 
ihr Gewehr. Der König kam. Mit entblösstem Haupte tnt 
der huldreiche Monarch durch die über seine Ankunft er- 
freute Menge wie eine Sonne, über •deren Aufgang sich die 



— 110 — 

Erde freiiL Er stellete sich auf dem Parterre gerade tot die 
beiden Graiiiis^ nttd sähe diircb ein Fernes am sicL Un- 
terdessen worde die ankommende Mntier des Königs dnrdi 
zwei abwechselnde Chore von Pauken empfangen. Kaom 
schwieg der letzte Ton derselboi^ als das Graonsdie Chor 
— lAe mit einem Strich zugleich — anfing; und schon nach 
wenigen Tacten war B^*'' nidit mehr in dieser Welt 

,,Der Anfang der Symphonie deutete mit seinem lebhaftea 
Heldentone sdir veroefamlich auf den Inhalt des Schauspiels, 
welches den Alexander als dea Ueberwinder des Perus yor* 
stellete. Beac Vorhang worde aufgezogen^ und was B*** 
hier empfand als er die Figuren auf dem Theater erblickte, 
das lässt sich eben äo wesig in Worte einkleiden als die 
Empfindung einer Yerlobtrai bei dem ersten Kusse ihres 
Auserwähken.') 

,,Wenn die Sänger und Sängerinnen in der Stunde ihrer 
Action Sympathie verstuaden (1)^ so müssten sie es ^npfim- 
den haben, wie sie mit dem künstlich harmonischen S^gen 
und Fallen ihrer Stimmen seine Seele einschlürften. Und 
die dazwischen kommenden Ballels, die Solotänzerinnen Bar- 
barina und Cochois und die noch in der ersten Bläthe ihrw 
Jugend stehende Lanj — wie sie in ätherischen Wendungen 
nach Sübertönen emher schwammen. — Erde ood Himmel 
vergass er unter dem Hupfen der Barbarina. Sein Freund 
bemerkte es, er stöhrete ihn aber mit seinen Fragen nicht 
eher, als bis die Oper sidi endigte und mit dem letzten Pas 
des Schluss-Bafletsder Hof unter dem Schalle der Pauken und 
Trompeten den Opemsaal verfiess; dann aber fragte er ihn, 
was ihm in der Oper am besten gefallen habe. — „Die un- 
verweichliche, die götdiche Barbarina !^^ war B*^*s Antwort^^ 
>) Man sieht, dass schon danals Enthusiasten existirten. 



— 111 — 

1745, gleich im Jamiar, wurde die zweite neue Oper dieses 
Gamavals, Xuctb Papkio Ton Apostoio Zeno mit Musik von 
Graun, gegeben, wdche besonders wegen der vortrefflichen 
Decorationen gefiel; ,, Abschilderungen mehrerer Plätze des al^ 
ten Roms^^ nennt sie die Nachricht aus der wir schöpfen. Graun 
hatte statt der Ouvertüre diesmal eine ungemein künstlich ge- 
arbeitete Fuge geschrieben; dem Könige gefiel diese Neuerung 
aber nicht, und er befahl, dass künftig 5tatt derselben eine 
Symphonie gewählt werden sollte. Auch in diwer Oper ent* 
zückte die Barbarina wieder Alles, und der König zeidmete 
sie so sehr aus, dass als er am Oten Januar bei seinem Lieb* 
linge dem General v. Rothenburg soupirte, die Barbarina 
ausdrücklich dazu eingeladen werden musste. Sie wurde 
in Lebensgrösse gemalt, und ifieses Bild hängt noch jetzt 
in den Zimmern des. KönigL Schlosses, und zwar in der 
zweiten Etage nach der breiten Strasse heraus. Am Iten 
März erhielt sie sogar einen neuen Gontract mit 7000 rtL 
Gehalt auf drei Jahre, jedes Jahr iunf Monat Urlaub, doch mit 
der Bedingung, dass sie während der Dauer dieses Gontractes 
nicht heirathen dürfe. Aus allem diesem scheint allerdings 
hervorzugehen, dass ein von mehreren SchrifUtellem* be- 
hauptetes näheres Yeriiältniss zwischen dieser Tänzerin und 
dem Könige statt gefunden, woran indessen die späteren Vor- 
gänge, so wie die darauf bezüglichen in den Beilagen mitge- 
theUten Actenstücke auch wieder zweifeln lassen. 

Bemerkenswerth für die Ansicht des Königs vom Theater 
und dem Stande des Schauspielers ist die Antwort, welche er 
unterm 14ten Februar auf einen Bericht des General-Direc- 
torii über die Wegschaflimg der Comödianten aus HaDe in 
Folge des Antrages der Universität gab. „Da ist das geist- 
liche Muckerpack daran schuld. Sie sollen spielen, und Herr 



— 112 — 

Franke, oder wie der Schurke heisst, soll dabei sein, um den 
Studenten wegm seiner närrischen Vorstellung eine öSent- 
üdke Reparation zu thun, und nur soll das Attest vom Com- 
mandanten geschickt werden, dass er da gewesen ist — ^ 
Das Erscheinen im Theater wurde nun zwar später dem 
Franke erlassen, dafür müsste er aber eine Geldstrafe an die 
Armenkasse zahlen. 

Am löten März verliess der König Berlin, um nach Schle- 
sien zur Armee zu gehen. Die Vorbereitungen für die neuen 
Opern des nächsten Gamavals durften auf keine Weise un- 
terbrochen werden, und sdbst kn Felde beschäftigte er sich 
mit den Details derselben. Das beweist unter andern ein 
Cabinetsschreiben im Geheimen Staats-Archive, welches un- 
term löten Juni, also wenige Tage nach der Schlacht bei 
Hohenfriedberg, an den Preussischen Residenten Grafen Ca- 
taneo in Venediggerichtetistund diesem befiehlt, Erkundigung 
über den Sänger Porporino einzuziehen, welcher seit März 
von Berlin auf Urlaub nach Italien gegangen war und nidits 
von sich hör^oi üess. Er sollte zurück kommen, um die Rolle 
des Hadrian in der neuen Graunschen Oper zu studiren. 
Ueberhaupt findet sich dieser lebhafte Antheil, den der König 
an seiner Oper nahm, vielfach dadurch bestätigt, dass er so- 
gar im heftigsten Drange seiner Feldzüge stets die oberste 
Leitung der Theaterangelegenheiten in seiner Hand behielt 
Ein schlagender Reweis für dieses Interesse ist wohl der 
neuntägige Aufenthalt des Königs in Dresden kurz nach der 
Schlacht von Kesselsdorf; kaum in der eroberten Stadt an- 
gekommen, befahl er, dass am folgenden Tage (19ten De- 
cember) die Oper Armimo von Hasse „mit allen Verzierungen 
und Rallets^^ auf dem grossen Königl. Theater gegeben wer- 
den sollte. Trotz der allgemeinen Restiirzung^ die in Dresden 



— 113 — 

herrschte^ musste dieser Befehl des Siegers ausgeführt wer- 
den, und der König hatte eine Gelegenheit, das, was er in 
Berlin geschaffen, mit dem zu vergleichen, was in Dresden 
schon lange einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht 
hatte. Er sprach sich besonders günstig über die Sängerin 
Faustina und das vortreffliche Zusammenspiel des Orchesters 
unter Hasses Leitung aus, liess dem letzteren einen BrO- 
lantring und ausserdem 1000 rü. reichen und befahl ihm, 
jeden Abend bei seinem Kammer-Concerte den Flügel 
zu spielen. 

Unmittelbar von Dresden kam der König nach Berlin 
zurück, wo ein ausserordentlich feierlicher Empfang den 
glorreichen Sieger begrüsste. In Wusterhausen am 28ten 
December angekommen, befahl er, dass am 29ten der Car- 
naval mit der Oper Ädriano in Siria eröffiiet werden solle. 
Der ersten Probe dieser neuen Graunschen Oper hatte der 
König bereits am 9ten November auf dem Theater im 
Schlosse beigewohnt, als er nach der Schlacht von Soor 
auf einige Tage nach Berhn gekommen war, und sei- 
nen Wunsch ausgesprochen, dass in der Ausstattung nichts 
gespart werden möge. Dies war auch geschehen, und so 
gewann diese Oper, welche die Thaten eines siegreichen 
Fürsten verherrlicht, diesmal dieselbe Bedeutung, welche 
die Yestalin von Spontini in Paris zur Zeit der Rückkehr 
Napoleons aus den deutschen Feldzügen hatte. Gleich die 
Introduction gab dem Publikum Gelegenheit, seine Liebe 
und Anhänglichkeit für den Königlichen Helden auszuspre- 
chen, denn Kaiser Hadrian erscheint auf einem Triumphwagen 
in Antiochien und empfangt die Huldigung des Volkes. ' 

„Lebe uns und dem Reiche zum Besten, grosser Kaiser! 

Und Dein Scheitel trage nunmehro 

8 



— 114 -:- 

An dem unter Deine BoUunässigkeit gelnraditen Fkiss 

Orontes 

Die geweihte Lorbeerkrone. 

Hier ist der Anffilurer der Krieges-Heere^ 

Hier ist der Vater des Vaterlandes^ 

Auf welchen sieh die ganze Welt verlässt, 

Auf welchen unsre Liebe bofft^^') 
Sowohl dieser Chor als ein späterer riefen einen ausser- 
ordentlidben JFubel bei dem Publikum hervor, so dass dff 
Eindruck, den diese Oper unter solchen Umständen madite, 
alles bisher schon gesehene übertrat Besetzt war sie fbl- 
gendermasaen: Adriano — Porporino, Fanaspe — S&Mnh 
heni, Emirena — Signora Gaspanni, Sabina — Signora Jfo/- 
teni^ Qsroa — Bxmamy Aquilio — PmüuK Die BaUetn tod 
Ijmif bestanden am Ende des ^^sten Actes aus einem Tanz 
von sechs Römern und sechs Rövierimiai, statt dess^i bei 
der Wiederholung aber ein Ballet von Zwei|[en eingeschaltet 
wurde; dann im Zwischenacfce dn Divertissenient zwischen 
PjgmaltOQ {Lomy), einer Statue (MUe* Barbarma) und Amor 
(Mlle. Lanjf). Am Ende des zweiten Actes ein Tanz ron 
Parthem; im Zwischenacte ein DivertisseoMot aut Flora 
(Mlle. Cocho%s)y Gärtnern und Gärtnerinnen. Am Ende des 
dritten Actes La Festa del Hymeneo. Ausser den schon ge- 
nannten Tänzern und T&izerinnen sind in dem Opemtext- 
buch noch angefahrt Urs. Noverre, le Gerq, Giraud, Coduns, 

1) Diese deutsche Uebersetzung ist von einem gewissen Fi^mcwon Grugna" 
neUiy welcher zur Zeit Friedrich Wilhelms I in der grossen Potsdamer 
Garde gedient und bei AufN^song dieses Riesen-Regimeuts entlassen 
word^ war. £r lebte in Potsdam, und besorgte sltannitliche Ueber- 
Setzungen der sp&teren Opera buffa. 1752 übersetzte er auch die 
,,Bi*andenburgischen DenkwQrdigkeiten'' des Königs ins Italienische 
^imd gab sie bei Haude und Spener heraus. 



— IIa — 

du Bois, Josset und Neveu^ so wie die Damen Mlle. Sauvage, 
Coekois die jüngere, Tessier^ Dasnoncour, Artus und Auguste. 
Die Cböre hatte Musikdirector Bochholtz einstndirt Sieben 
neue Decorationen von FcAris, so wie besonders prächtige 
Costnme von Ange Cori trugen zu dem ausserordentfichen 
Erfolge dieser Oper bei. Dazu gehörten nach dem Textbuch: 
,,Einige vor die Emirena bestimmte Zimmer, eine GaDerie 
mit einem Stuhle und ein Saal an der EMIe mit Stühlen^^, 
wie demi überhaupt die Anwesenheit eines StuUes auf der 
Biäme immer besonders angekündigt wurde. 

1746. Als zweite Oper des Camavals erschien Demofonte, 
lÜ di Tracta, ebenfafls mit Musik von Graun. Der Dichter 
ad&r Tiehnehr Bearb^ter ist unsers Wissens nirgend genannt, 
überhaupt war von dieser Oper wenig die Rede. Wahr- 
scheinlich hatte der ausserordentliche Erfolg des Hadrian das 
Publikum erkältet Das Ballet war es vorzugsweise, was 
in dieser Oper gefiel Viel daron mag freflich auf Rech- 
nung der Barbarina zu schreiben sein, die noch immer alle 
Herzen gefesselt hielt 

Kaum war der Carnaval zu Ende, so befahl der König 
seinem Capettmeister Grmm, eine neue Oper für den näch- 
sten Camayri zu componiren, und bemerkte dabei, dass er 
diesmal als zweite Oper den Hasseschen Arminto einstudirt 
wissen woUe, den er vor Kurzem in Dresden gesehen* Wahr- 
scheinlich hatte der König bemerkt^ dass die Aufgabe, zwei 
Opern in einer bestimmten Zeit zu componiren, nolhwendig 
dem Werthe der Composition Eintrag thun müsse, weshalb 
er Grtmn mehr Zeit und Hasse ein Zeichen seiner Gunst 
zukommen lassen wollte. 

Am 27ten März, dem Geburtstage der Königin Mutter, 



~ 116 — 

wurde die Oper // Sogno dt Scipione nach. Mdastasio von 
dem Kammermusikus iVicAß/maW)^ aber nur auf dem Theater 
im Schlosse und nur einmal gegeben. Nach dem Textbuch 
weiss man nicht, ob man es eine Oper, ein Singspiel oder 
eine Serenade (Plümicke nennt sie so) nennen soll; dass sie 
indessen nicht wiederholt wurde, ist gewiss* Im Mai reiste 
der König nach Pyrmont, und nahm dahin nicht allein wie 
gewöhnlich 0uanz, sondern diesmal auch die Gebrüder £^fu2a 
und den Sänger SaUmbeni mit In wie fem die Angabe Glau- 
ben verdient, dass auch die Barharina sich dort eingefunden, 
lässt sich, Yon uns wenigstens, nicht nachweisen. Im Juni 
(27 bis 20) fanden zu Charlottenburg zu Ehren der Königin 
Mutter grosse Festlichkeiten statt, da aber die Sänger und 
Tänzer auf Urlaub waren, so musste man sich mit Concerten, 
Französischer Comödie und Feuerwerk begnügen. Im Au- 
gust (12) erliess der König ein Circdar an alle Regierungen 
und Consistorien, dafür zu sorgen, dass die Singekunst in 
den Schulen und Gymnasien besser tractirt werde; ein Be- 

2) Christoph Nichelmann^ 1717 geboren, widmete sich auf der Thomas- 
schule in Leipzig unter Anweisung Seb. BachSf damals Kantor der- 
selben, der Musik, .ging dann nach Hamburg, wo er unter Kayser, 
Telemann und Mattheson die Opern -Composition studirte, und kam 
1738 nach Berlin, wo er Unterricht gab. Seine Hoffnung, bei der neu- 
gebildeten Königl. Capelle angestellt zu werden, ging nicht in Erfüllung, 
obgleich Quanz sein Lehrer war, und schon hatte er im Jahre 1744 
aus Verdruss Berlin verlassen, als ihn in Hamburg ein Befehl des 
Königs erreichte, zurück zu kehren, und in die Capelle als zweiter 
Cembalist einzutreten. In dieser Stellung componirte er den Sogno di 
Scipione so wie den ihm aufgetragenen Theil am R^ Pastore (1747). 
Er scheint trotz seines Talents, vielleicht auch wegen seines Talents, 
nicht in dem besten Yerhftltniss mit Graun und denBendas gestanden 
zu haben und bat den König 1756 sogar um seinen Abschied, den er 
auch sofort erhielt Bis 1761 lebte er von Stundengeben. Sein Werk 
über die Melodie machte seiner Zeit grosses Aufsehen. 



— IIT — 

fehl, der wahrscheinlich aus den Klagen Grauns über den 
damals noch sehr mangelhaften Opemchor hervorgegangen 
war, da zu diesem nur Schüler der Berlinischen Gymnasien 
verwendet wurden'). 

Im December begann diesmal der Carnayal schon am 2ten 
und zwar mit der neuen Graunsdien Oper Cajo Fabrido, 
deren Text Apostolo Zeno geliefert Sie wurde acht mal hinter 
einander gegeben, gefid aber dem Könige wemger als die 
firüheren Arbeiten Grauns, woran wohl auch die unerträglich 
langweilige Handlung Antheil haben mochte. 

1747. Der König hatte seinem Graun den Vorrang in diesem 
Gamaval gelassra und die Hassesche Oper erst für den Januar 
bestimmt. Nach der Versidienmg der „historischen Schilde- 
rung von Berlin^^ hatte der König selbst die Rollen vertheilt, 
den Proben beigewohnt und sogar die kleinsten Details an- 
geordnet Diese besondere Sorgfalt für die Oper von Hasse 
rührte wohl daher, wefl der Sächsische Hof yor dem zweiten 
Schlesischen Kriege sieh darin gefallen, mehrere Stellen auf 
die zwischen Sachsen und Preussen obwaltenden politischen 
Verhältnisse zu beziehen; z. B. 

„Hört! Rom, das mein Femd war, hab ich als Freund 

bezwungen, 
Nur Hermann thut noch stohc, der noch von Hoffnung 

träumt, 

>) Büsching erwähnt in seinem y,Leben und Nachrichten von Friedrich ir' 
mehrerer solcher Verordnungen. Wenn der Singechor oder die Gur- 
rende des Cölnischen Gymnasiums vor den Hdusem des Schlossplatzes 
sang, so trat der König gewöhnlich an das Fenster um aufmerksam 
zuzuhören. In den Opern selbst Hess er oft den einen oder den andern 
der Schüler, der ihm besonders gefiel, rufen, sprach mit ihm und liess 
ihn auch wohl, wenn er Lust dazu bezeigte, in der Musik unterrichten 



— 118 ^ 

Dass er das Sdiidcsal Roms mit seinem Jocbe zäumt. 
Wie thörigt ist er nicht I man thut ihm noch die Ehre, 
Dass er den Antrag höre^ 
Wozu Yom Yanis er heut eingeladen ist 
In die Zusammedkunft; doch ich befeU Eudi, wisst^ 
Ihr sdlt beständig ihn als meinen Feind ansehen/^ 
Die Schladit von Kesselsdorf und die Einnahme von Dres- 
den kehrte aber das Spiel um, und der Kön^ sdiien ein 
besonderes Vergnügen darüber zu enq)finden, dass er jetzt die- 
selbe Oper in Berlin geben liess^ wddie angeblich Beziehungen 
gegen ihn enthalten sollte. Signora Maria Mast, la Marsarola 
genannt, erschien hierin als Thusnelda zum erstenmaie vor 
dem Könige, gefiel aber nicht Dessen ungeachtet musste 
sie bis zu den Märzfestlichkeiten in Berlin bleiben uftd wurde 
dann entlassen. Den Text des Armmio hatte ein gewisser 
Abb^ Püsquini in Wien gemacht, und der König Hess ihm em 
Honorar von 100 Ducaten anweisen, um ihm zu beweieen, 
wie gleichgültig ihm jene angeblidien Beziehungen gegen 
ihn wären. Im Ballet waren keine Aenderungen eingetreten. 
Die Barbarina herrschte noch immer unbesdiränkL 

Zum Geburtsfeste der Königin Mutter, 27 März, wurde 
zuerst auf dem Schlosstheater und am 6 April auch im Opem- 
hause die Oper Le feste galaanä, eigentlich ein Intermezzo, 
gegeben. Die Dichtung war nach dem Französischen des 
Duchi von Leopold di ViUcUi^), und die Musik abermals von 

^) YiUaÜ war zu Anfang dieses Jahres an die Stelle des entlassenen Mfoi'- 
iareUi nach Berlin berufen worden. Wenn man dem giftigen Boche 
,,Geheime Nachrichten zum Leben des Herrn v. Voltaire, von ihm sdibst 
geschrieben" trauen darf, so erfolgte BottareUu Entlassung nicht allein 
wegen seiner Unfähigkeit, s<Midern weil er in der SchlosseapeHe die 
alten goldenen Tressen aus der Zeit Friedridis I abgetrennt. Das Ge- 
halt des Theaterdichters war übrigens nur 400 rti. Yülaü» Arbeiten 



— 119 — 

Grwm. Zum erstenmale versachte hier der König vtm dem 
dassacfaen Openistyle d» Hekleii und Götter abziiweichen. 
Der Yersudi gelang so gut, dass die feste gakaili im Deoem- 
her d. J. wiederholt wurden. Das Ballet nahm begrdfficfa einen 
bedeutenden Thefl dieser gdanten Feste für sich in Anspruch, 
und der neu angdcommene Balletaneisler Sodg arrängute darin 
eme Auswahl der besten Tanze aus der Pariser Oper. 

Im August fenden vom 3(» bis 8ten bei Anwesenheit der 
beiden Königinnen und des ganzen Hofes in CharlMtenburg 
abermab gianzende Feste statt, bei denen auch M Ri Fastore, 
«in Sdiäferspiel, gegeben wurde, zu dem der König sebst £e 
Ouvertüre^) und zwei Arien, Graun^ Quans und Nich^mann 
aber dasUebrige compooirt Der T«it war von ViUatii ist aber 
nidht gedruckt ersdbtenen. Die berühmte S&igerin Astrua^ 
trat darin zum erstenmale vor dem Hofe auf. Säe war schon 
im Mai in Berlin angekommen und sogleich nadi Sanssouci 
berufen worden, in wddiem Lustschioss der König am 19ten 
zum erstenmale geschlafen. Hier fend ein Goncert statt, dem 
auch Seb. Back aus Leqnig beiwohnte, wddier die Aufgabe 
des Königs, sofort eine sechsstimmige Fuge zu improvisiren, 

fotiden auch keine besondere Gnade tor den Augen der Kunstkenner; 
sie warfen ihm lauter abgeturaüchte EinfUIe, versdiwormie Operngleich- 
Disse und eine unpoetische Schreibart vor. 

>) Ist in neuester Zeit mehrfach in Concerten aufgeführt worden und ele- 
gant gestochen bei Trautwein erschienen. 

3) GuptamM Agtrua betrat 1740 in ihrer Geburtsstadt Turin xnm erstenmale 
das Theater. Auf Cataneos Empfehlung Hess sie der König nach Berlin 
kommen und engagirte sie sofort nach der ersten in Sanssouci abge- 
legten Probe mit 6000 rtl. Sie war bis zum Jahre 1756 ausschliesslich 
Primadonna» dann aber verlor sie ihre Stimme und bat den König 
um ihren Abschied. Dieser setzte ihr eine Pension von 1000 rtl. aus 
und fQgte hinzu, dass sie augenblicklich wieder in ihre Stelle eintreten 
könne, wenn sie sich besser fühle. Sie ging darauf nach Italien, wo sie 
Wiederherstellung hoffte, aber 1758 in den besten Jahren starb. 



— 120 — 

auf eine stannenswerthe Art löste. Dass von diesem Re Pastore 
mehr gesprochen und geschrieben wurde als von der grossten 
Oper, versteht sich von selbst, da ja der König selbst daran 
mitgearbeitet hatte. 

Wie übrigens der König unter dem lebendigen Yö&chen 
seines Theaters Ordnung zu erhalten wusste, davon giebt eine 
Cabinetsordre vom 3ten October dieses Jahres Zeugniss, nach 
welcher die Figurantin Mlle. Auguste sofort entlassen wurde; 
sie lautet: 

,,Sa Majest6 le roi ayant regu la lettre de la danseuse de 
rOp6ra Auguste du 30 du mois pass6, touchant ses appointe- 
ments, a ordonn6 d'y r^pondre qu'Elle ne fait pas payer des 
appointements a des gens qui ne fönt pas leur service, et 
qui ne fönt que courir d'un endroit ^ l'autre, sans qu'on sache 
ce qu'ils sont devenus. 

Potsdam 3 Octobre 1747." 

Für den am lOten December beginnenden Camaval wurde 
diesmal eine Aenderung in so fem gemacht, als zwei andere 
Wochentage, Montag und Freitag, für die Oper und Dinstag 
imd Freitag (nach der Oper) zur Redoute bestimmt wurden. 
Da Graun mit seiner Oper erst sehr spät fertig geworden 
war, so begann man mit den feste gdanü^ welche nun zum 
erstenmale vom Publikum gesehen wurden. Balletmeister 
Sody hatte es beim Könige dahin zu bringen gewusst, dass 
er aus Paris die Tänzerinnen (riraud, Ciofmois^)^ Le Roi, Do- 
mitiüa, Dourdet und Duportail, so wie die Tänzer Raucher, 
Giraud, du Rots und le Feuvre hatte kommen lassen, durch 
welche das Ballet allerdmgs sehr gewann. Von der Geduld 
des damaligen Opernpublikums geben wohl neun in dieser 
Oper hinter einander getanzte Pas de deux den besten Begriff. 

I) Rödenbeck hält diese Cicnnois irrthümlich für die Cochois. 



— 121 - 

Besonders gefiel Mr. Sody^ der BaUetmeister, durch seine 
Stärke im Springen. Die Ästrua entziidrte durch ihren herr- 
lichen Gesang Alles und getvann nicht allein mit einem Schlage 
die Gunst des Publikums, sondern wusste sie auch fast 10 Jahre 
hindurdi sich zu erhalten. 

1748. Die Proben und Vorbereitungen zu der neuen 
Graunschen Oper waren miterdessen beendet, und nun er- 
schien am 2ten Januar Cimia, Text nach dem gleichnamigen 
Trauerspiele von Comeäk, Ballets von Sody, Decorationen 
von Itmocente Beüavüa^). Salimbent (Cinna), der während 
des Sommers auf Urlaub in Italien gewesen war^ hatte keine 
Rolle in den feste galanti nun aber konnte er mit der Astrua 
als Emilia wetteifern. Sowohl auf den König als auf Graun 
mid das ganze Publikum machte dieser Wetteifer zweier in 
der That ausserordentlichen Künstler einen tiefen Eindruck, 
und nun erst schien in Hinsidit grosser Talente die Bedeutung 
der Italienischen Oper in Berlin entschieden. Der König war 
ungemein zufrieden und äusserte dies nachmals ganz laut. 
Um diese Zeit scheint das bekannte Gedicht, ,,Epitre XIV, k 
Schwerts, sur les plaisirs^^ geschriebjen zu sein: 

„Cherchez, me dites-vous, un spectade nouveaul 

Allez k ce palais enchanteur et magique 

Oh Foptique, la danse et l'art de la musique 

De Cent plaisirs divers ne forment qu'un plaisir. 

Ce spectacle est de tous celui qu'il faut choisir; 

C'est \k que T Astrua par son gosier agile 

Enchante 6galement et la cour et la ville 

•) SchMer Simon Brentanos^ bei dem er 1718 in Verona arbeitete. Er 
wurde an Fabris Stelle nach Berlin berufen, und ging spater nach Co- 
penhagen. 



— 122 — 



Et que Fdicino ') par des soas plus touchans 
Salt ^ouYoir les coeurs au gr6 de ses accens; 
C'est la que ]ikriMrme% ^ale k Terpsichore, 




Eutend tous ces bravo dont le public l'honore: 

Ses pas ^tudi^Sy &es airs kxurieux, 

Tout iucite aux d^&irs mos sens vokiptueux/^ 



^) Felicino Salimbenu 

2) Maritume Cochais. Dass der König nicht die Bw'bari$w erwähnt, be- 
weist seine damals schon ausgesprochene Ungnade gegen seinen frü- 
heren Liebling. 



— 123 — 

was wraigrtens aus folgender Stdle weiterhin wahrscheinlich 
wird, wo der KöHigMche Dichter von leidensc^füichen Jägern 
spricht, deren „esprk aulien de voir€iima,r6vaitaiixievriers.^^ 

Zu dem Getmrtsfeste der £öntgin Mutter erschien <}as 
l^i^piel: Europa ^/akmle ttadi ia Motte eben£äU$ von ViüaU 
und mit Mwik von Grwm. Eben so wie die feste galanüy be- 
wegte es sich auf dem Fdde des Sdiäferspieles, scheint aber 
nadi einem Spanischen Or^male angdegt zu sein. Es hatte 
fünf Acte, deren erster,, mit der Venus, der Zwietracht, so 
wie einem Chor von Annehmlichketten und Grazien, als Pro- 
log gilt; der zweite Act ist ein Scfaäferspiel; der dritte q)ielt 
in Spanira; der vierte in Venedig und der fünfte in der 
Türkei. Das Ganze ist so lose, flüchtig und unzusammen- 
hängend wie die meisten Canevas des Italienischen Theaters 
in Paris. Der Konig schien indessm von dieser damals neuen 
Gattung drami^cber Uaterhaltnng sehr befriedigt zu werden, 
and wohnte sowoM am iSten wie am 26ten März den Proben des 
galanten Emropa bei, welche im Sdibsse Monbijou statt fanden. 

In diese Zeit fiUlt auch die erste Vorstellung d^ sogenann- 
ten Intermezzothcoters, aus welchem jpäter die Opera buffii 
hervor ging. Der König war zwar von dem Zustande seiner 
grossen Op» sehr befriedigt, wünschte aber während der fönf- 
monatlichen Ruhe derselben eine dieser ähdtiehe theatralische 
Untwhaltung. Die feste gcdanä hatten die Bahn zu einer komi- 
schen Oper gebrochen, und so wurde denn zu Ende des Jahres 
1747 „wne Truppe von Intermezzosfnelern^^ aus Italien ver- 
sdbrieben, welche am 15ten und I7ten März auf dem Schloss- 
theater in Potsdam La serva padrona aufführten. Signor 
Domenico CWceAt war zugleich Director und erster Bassobuffo, 
während Signora Rosa RuvineUV\ genannt J?on, als Prima- 
1) Rddeobeck schreibt diesen Namen Aüncmefi'^ aber wahrscheinlich falsch, 



— 124 — 

donna excellirte. Später kam Signora Nvmtiata Manzi dazu. 
So oft sie spielten, hatte die KönigL Capelle und das Ballet 
Dienst dabei, und während des €amayals musste die Truppe 
nach Berlin kommen, wo sie Mittwochs im Schlosstheater 
spielte. Ihren Wohnort hatten die Sänger und Sängerinnen 
fortdauernd in Potsdam, und überhaupt gar keine Verbin- 
dung mit der eigentUchen Italienischen Oper in Berlin. Die 
meisten dieser Intermezzos erschienen italienisch und deutsch 
(durch GrugnaneUi) gedruckt, und sind in Gottscheds „dra- 
matischem Vorrath^^ aufgeführt. 

Das Schlosstheater in Potsdam, auf welchem diese Inter- 
mezzos aufgeführt wurden, auch die Französischen Schau- 
spieler spielten, wenn der König sie nach Potsdam berief, 
wurde 1745 yon v. Knohelsdorf erbaut, und lag in dem Eck- 
Risalit des KönigL Schlosses an der Seite der Schlofsstrasse 
aber der jetzigen Castellanswohnung. Es ging bis in das 
dritte Stock hinauf, wo auch der Eingang zu der Gallerie 
oder Emporbühne sich befand. Da das später 1763 bis 1769 
im neuen Palais erbaute Theater genau nach dem Muster 
dieses Schlosstheaters, nur etwas grösser und bequemer, 
eingerichtet wurde, so kanh man aus diesem die inneren Ein- 
richtungen jenes erkennen. Das Parterre war in Form eines 
Amphitheaters gebaut und wurde von einer Gallerie oder 
Emporbühne eingeschlossen, deren Pfeiler zehn vergoldete 
Palmbäume bildeten. Das Proscenium bestand aus acht ver- 
goldeten Thermen von Ghime. Das Plafondbild war von 
Amadeus Vanloo gemalt und stellte Apollo mit den neun 

da Gerber, Plümicke, König und andere Rutin^i angeben. Die ausge- 
zeichnete komische Sängerin war in Bologna geboren und kam 1735 nach 
Petersburg, von wo sie durch Gricchi nach Berlin verschrieben wurde. 
Sie sang bis 1750; dann aber verlieren sich alle Nachrichten über si^. 



— 125 — 

Musen dar, unter denen Terpsichore das Portrait der Barba- 
rina war. Die Maschinerien und Decorationen fertigten Bdla- 
vita und Höder an. Im Winter konnte das Theater durch 
Terborgene Oefen geheizt werden« Dies Theater bestand 
bis 1800, wo es auf Befehl König Friedrich Wilhelms m 
abgebrochen und heraus geschafft wurde, um Raum fiir 
Wohnzimmer zu gewinnen. Die Kosten dieses Abbruchs, 
8296 rtl., wurden aus der ChatuUe bezahlt; dagegen sollten 
die Couhssen, Decorationen, vergoldeten Thermen und Palm- 
bäume verauctionirt werden. Es kamen aber bei dieser 
Auction nur 211 rtl. heraus. Das Plafondgemälde von Vanloo, 
wurde vorsichtig abgenommen und in die Decke des in 
Berlin neu erbauten Schauspielhauses eingesetzt, wo es spä- 
ter mit verbrannte. Auch die Thermen sollten erst bei dem 
Bau in Berlin verwendet werden, wollten aber nirgends pas- 
sen, so dass sie später auch für 41 rtl. verauctionirt wurden^). 

Auf diesem Theater nun wurde am 28ten Juli eine kleine 
Italienische Oper Galatea und Acide gegeben, die Vülatt zu 
schon vorhandenen Arien Hasses geschrieben hatte, weil 
Graun indessen schon mit der Composition seiner nächsten 
Carnavalsoper beschäftigt war. Am 30ten war ebenfalls da- 
selbst die erste Vorstellung des Intermezzos Don Taberano. 
Am Uten August wurde Acts und GakUhee im Opernhause 
und am 12ten in Charlottenburg in der Orangerie zusammen 
mit dem Intermezzo II matrimomo per forza wiederholt 

Am 5ten Juli verliess die berühmte Barharina Berlin, um 
mit ihrer Schwester nach England zu gehen. Die ausser- 

') Siehe Baogeschichte von Potsdam, v. Manger, 1789; Potsdams Merk- 
würdigkeiten, beschrieben und durch Plans und Prospecte erläutert, 
1798 bei Horvath, und die Bauacten des König]. Hofmarschallamtes 
in Berlin, deren Einsicht uns verstattet wurde. 



- 12« — 

ordentliche Gunst, in welcher sie bei d^n Könige gestanden, 
scheint sie durch leichtsimiiges Betragen rerschwzt zu haben. 
Der Baron Swerts berichtete unterm 8ten Juni, dass sie ihre 
Schulden nicht bezahlen wolle, die sie bei den Schwestern 
Vincent gemacht, worauf der König ad mai^nem decretirt: 
„Muss dafiir sorgen, dass die Leuthe bezahlet werden — 
seine Sache — oder muss sie arretiren lassen.^^ In Folge 
dieses Decrets liess der Geheimeratli y. Kircheisen, Polizei- 
Präsident von Berlin, sie durch einen Pdizei-Bearatea in 
ihrem Hause bewachen* Sie reichte eine Klage beim Kam- 
mergericht ein, leistete einen Eid, dass sie weder den Schwe- 
stern Vincent noch einem gewissen Mongoubert ii^end etwas 
schuldig sei, deponirte das streitige Gdd bis zu dem späteren 
Urthdsspruch und verlangte frei abreisen zu können, da sie 
allen Ansprüchen des Gesetzes genügt Dessen ungeachtet 
blieb sie bis zum 3ten Juli verhafkiet, wo sie endlich, unge- 
duldig über den Zwang, den sie erlitt, sich zur Bezahlung 
verstand und darauf Berfan verÜMs. 

Der Camavai begann am 8ten December und zwar 
mit der Oper €mna, in welcher indessen (fie Barbarina 
schmerzlich v^misst wurde. Der König hatte zwar gleich 
nach der Abreise der Barbarina zwei Tänzer aus Paris, Mr. 
und MHe. GtaeinAe, verschrieben, diese konnten aber die 
Barbarina nicht ersetzen und wurden nach dem Camaval 
wied^ entlassen. 

1749. Die neue Graunsche Oper ^genia in AuUde, nach 
dem Französischen Trauerspiele gleiches Namens von Racine 
durch Villati zusammen gestellt, ist, was die Handlung und 
Scenenfolge betrifft, fast ganz dieselbe wie Gluck sie später 
componirt hat Graun war während er sie componkte in 



- 127 — 

die reiche Doctorwittwe Frau Glockengiesserin reriiebt, 
wdche Yerbinduog der König sehr beförderte ond einem 
angesehenen Offizier, der ihr ebenfaUs den Hof machte, ge- 
radezu die Partie rerbot Diese Liebe Grauns geben die 
damaligen Kritik^ als den Grund an, warum der Componist 
so vortreffliches in dieser Oper geleistet, und in der That 
zeichnen sich die Arien imd Duette, in denen von Liebe die 
Rede ist, durch ungemeine Lieblichkeit und FVische der 
Empfindung aus. Die Decorationen zu dieser Oper wurden 
wegen des ausserordentlich kalten Winters im Königlichen 
Schlosse und zwar in dem grossen Saale über dem Portale 
gegen die breite Strasse gemalt 15 Haufen Holz wurden 
zur Heizung dieses Saales während des Malens angewiesen, 
und da eben durch die heftige Kälte eine Verzögerung der 
Arbeit eingetreten war, so erlaubte der König ausdrücklich, 
dass auch Sonntags gemalt werden durfte. Das Malen der 
Decorationen Csuid sonst im Opernhause auf der Bühne, oder 
wenn die Proben anfingen, auf dem zur Redoute herauf 
geschraubten Podium des Parterre statt. 

Bei der letzten Aufführung der Oper Ifigenia, am 23ten 
Januar, war das Opernhaus gewissermass^i Schuld an einem 
Vorfalle, den der König selbst als einen der unangenehmsten 
während seiner ganzen Regierung bezeichnete. Es war 
nämlich Gebrauch, dass die Bedienten in den Logen und 
Parterregängen ihre Herrschaften mit Mänteln und Laternen 
erwarteten. Der König bemerkte wiederholt unter diesen 
auffallend gut gewachsene, grosse und hübsche Menschen, 
und erkundigte sich, wem sie angehörte. Da ihm grösstea- 
theils Damrai der vornehmen Wdt genannt wurden, so äusserte 
er: „Es ist Schade, dass so hübsche Kerls Weibern aufwarten 
sollen und nicht lieber Soldat werden.^^ Man antwortete, dass. 



— 128 — 

wenn es Sr« Majestät Wille wäre, man die Leute wohl dazu 
bewegen könnte. Der König erwiderte, wie er später ver- 
sichert, ohne alle Intention und vielleicht an etwas ganz an- 
deres denkend : ,,Das soll mir lieb sein! — ^^ Kaum hatte der 
König das Opernhaus verlassen, als nicht allein die Bedienten 
in den Logengängen sofort von Soldaten aufgegriffen, sondern 
in den Strassen von den Wagen ihrer Herrschaften herunter 
gerissen und aus den Häusern geholt wurden. Auch Kauf- 
diener, Barbiergesellen u. s. w. wurden in diese gewaltsame 
Recrutirung mit eingeschlossen. Da der König kurz zuvor 
erst der Stadt Berlin Cantonfreiheit bewilligt hatte, so ge- 
rieth Alles über diesen Vorgang in die grösste Bestürzung, 
bis der König davon erfuhr und sofort befahl, die Leute so- 
gleich wieder zu entlassen. 

Am 27ten März erschien die Oper AngeUca e Medoro, nach 
Quinaull von VäkUi und Musik von Graun, die Decorationen 
von ßellavitüy welcher den Titel KönigL Decorateur erhalten 
hatte, und eine Maschine „mit der KönigL Burg der Yenus'^ 
von dem KönigL Theatral-Architecten, Maler, Ingenieur und 
Maschinenmeister (rirolamo Bon, welcher mit der Potsdam- 
schen Intermezzotruppe in den KönigL Dienst gekommen 
war. Obgleich sich in dem Yerzeichniss der Tänzer in 
dieser Oper der Name eines Mr. fe Voir zum erstenmale 
findet, so scheint dem Ballet doch kein besonderer Zuwachs 
an diesem Tänzer geschehen zu sein, wenigstens findet 
er sich später .nur in untergeordneter Stellung. Dagegen 
kamen endlich im April der Solotänzer Denis mit seiner Frau, 
einer Yenetianerin, nach Berlin, um den Abgang der Barba- 
rina zu ersetzen. Nach einer handschriftlichen Notiz in der 
KönigL Bibliothek tanzten sie auf dem Schlosstheater zum 
erstenmale am 27ten April, wahrscheinlich bei einer Yorstel- 



— 129 — 

lung des Französischen Schauspiels. Angelica e Medoro wurde 
übrigens nur ein Singespiel genannt, während die grossen 
Camavalsopern sämmtlich ^^musikalische Trauerspiele^^ ge- 
nannt wurden. 

Während des Sommers liess der König viel auf dem In-- 
termezzotheater in Potsdam spielen, und beschäftigte sich 
auch mit dem Entwurf (Canevas) zu der Oper Coriolan. Am 
6ten September übersandte er diesen Entwurf an Algarotti, 
aus dessen Antwort her>'or geht, dass der König die Oper 
grösstentheils selbst entworfen und zusammen gestellt hat') 
und dass AlgaroUi und VilUUi den Entwurf nur weiter aus- 
geführt haben. Es fällt indessen auf, dass die Uebersendung 
des Entwurfs erst Anfang Septembers geschehen, so dass 
Graun die ganze Oper in unglaublich kurzer Zeit componirt 
haben muss, da man doch für die Dichtung der Verse vorher 
und das Einstudiren der Oper nachher einige Zeit in An- 
schlag bringen muss. Denn am 3ten December wurde sie 
bereits gegeben. Es lässt sich nun wohl annehmen, dass 
alle Kräfte aufgeboten wurden, gerade diese Oper, bei wel- 
cher der König selbst interessirt war, zu fördern, indessen 
erscheint doch bei alle dem die Zeit ausserordentlich kurz. 
Dies erklärt aber auch, dass in diesem Carnaval nur eine 
neue Oper gegeben wurde. Obgleich der König selbst eine 
Arie im Coriolan componirt, die das Publikum so schön fand, 
dass sie durch häufige Wiederholung zu einem Gassenhauer^) 
wurde, so scheint doch gerade diese Oper nicht besonders 
gefallen zu haben'), was den König veranlasste, die Schuld 

^) Worte Algarottis: „Votre M^est6 a trouv6 la plus süre m^thode d*a- 
voir les plus beaux Optras du monde, c'est de les faire Elle-m^me." 
^) König, Historische Schilderung von Berlin, V Tbeil, Seite 127. 
') Briefe zur Erinnerung an merkwürdige Zeiten etc. Berlin 1778, Seite 211. 





— 130 — 

dayon dem Sänger Salimheni zuzuschreiben, der, sehr em- 
pfindlich darüber, sofort um seinen Abschied bat, aber nicht 
erhielt Uebrigens erschienen Mr. und Mlle. Denis (so nannten 
sie sich, obgleich sie verheirathet waren) in dieser Oper zum 
erstenmale und fanden Beifall, dagegen missfiel der neu enga- 
girte Hr. le Yoir und Mlle. Cochots, die es gewagt hatten, das 
Divertissement aus der Oper ITac/ruin^ in welchem früher Sody 
als Pygmalion und die Barbarina als Statue das Publikum ent- 
zückt, zu wiederholen. Gegen Mlle. Cochois war der König 
überdiess damals sehr eingenommen, weil ihre Schwester, die 
Französische Schauspielerin Barbe Cochois, am 21ten Januar 
heimlich und ohne seine Genehmigung den Marquis d'Axgens 
geheirathet hatte. 

Dieser Unwille des Königs war besonders durch die un- 
vermuthete Rückkehr der Barbarina aus England im Anfange 
dieses Jahres veranlasst worden, da es allgemein verlaut^e, 
sie wäre nur zurück gekehrt, um den Geheimenrath Coccgi, 
Sohn des Grosskanzlers, zu heirathen. In den Beilagen 
findet sich die ganze auf dies Yerhältniss bezügliche Corte- 
spondenz aus dem Geheimen Cabinets-Archiv, die einen 
nur zu deutlichen Ueberblick über jene Vorgänge gewährt. 
Der Grosskanzler und seine Gattin wendeten sich an den 
König, und dieser liess den Geheimenrath von Cocceji ver- 
haften und auf das Schloss in Alt-Landsberg bringen, indem 
er hofile, dass dadurch die beabsichtigte Heirath verhindert 
werden würde, v. Cocceji hatte der Barbarina, welche der 
König selbst wiederholt „eine verführerische Creatur*^ nennt, 
schon früher seine Liebe erklärt; welches aber die Verhält- 
nisse waren, die jene Beise nach England so wie die un- 
erwartete Rückkehr von dort veranlasst, ist nicht zu ermit- 
teln gewesen. Mündlicher Miltheilung aus der Familie des 



— 131 — 

ehemaligen Decorationsmalers Verona zufolge, soll Herr 
V. Cocceji sich so weit vergessen haben, bei einer Vorstellung, 
in welcher die Barbarina getanzt, auf die Bühne zu springen, 
um ihr eine Liebeserklärung zu machen. Eine so auflallende 
Begebenheit würde aber wohl auch durch anderweitiges 
Zeugniss bestätigt werden müssen, ehe sie unbedingt ange- 
nommen wird, indessen muss allerdings etwas sehr Unge- 
wöhnliches geschehen sein, da der Brief des Grosskanzlers 
Cocceji vom 4ten Mai d. J. aus Cleve von „neuen Ausschwei- 
fungen^' spricht, zu denen die unglückliche Passion seinen 
Sohn verleitet Wir werden im Jahre 1751 den Faden dieser 
interessanten, fast romanhaften Begebenheit wieder auiheh- 
men und verweisen einstweilen auf die bezüglichen Beilagen, 
bemerken aber noch, dass die Tänzerinnen zu jener Zeit 
eben so viel Eroberungen gemacht als später, denn auch 
Algarotti war in Mlle. Denis verliebt, wie aus einem Briefe 
des Königs an diesen vom 25ten September d. J. hervor geht 

1750. In der zweiten Hälfte des Carnavals wurde nur 
Angeltca und Medoro wiederholt, da die eigentlich zum 
Carnaval bestimmte zweite neue Oper Fefonfe (Pluiethon) nicht 
fertig geworden war. Der Eindruck, den dieser Camaval 
daher auf das Publikum machte, war kein besonders gün- 
stiger, sowohl durch den geringen Beifall, den Coriolan er- 
halten, als durch den Nothbehelf, eine kleine Oper, eigent- 
lich Singespiel, wie Angßlica und Medoro zu geben. Diesen 
Eindruck zu verwischen, befahl der König, dass diesmal das 
Geburtsfest der Königin Mutter mit einer grossen Oper im 
Opemhause und nicht wie bisher mit einem Singespiel auf 
dem Schlosstheater gefeiert werden solle. Felonie, nach Qui- 
nault von Vtäaii, Musik von Graun, Decoralionen von Bella- 



— 132 — 

vita, Ballets von Denisy wurde demnach am 29len März zur 
Nachfeier des eigentlichea Geburlstages gegeben. SaUmbem, 
der bereits seinen Abschied erhalten hatte, strengte sich io 
dieser Oper neben der Astrua ausserordentlich an^ um dem 
Könige zu beweisen, was die Berliner Oper aji ihm verliere, 
und es gelang ihm, das Publikum zu den lebhaftesten Bei- 
fallsbezeugungen hinzureissen. Weit entfernt, dadurch den 
König zur Zurücknahme seiner Entlassung zu bewegen, nahm 
dieser es übel, dass das Publikum sich so lebhaft für ihn 
aussprach, und Salimbeni verliess Anfangs April Berlin, um 
nach Dresden zu gehen. Dort trat er in der Oper Soliman 
auf, übernahm sich aber im Gesänge, weil man, wie er sagte, 
seine Stimme bis Berlin hören und seine Entlassung bereuen 
sollte, so dass er krank wurde, nach Italien zurück reiste und 
dort starb '). Die Oper PhaeAon zeichnete sich übrigens durch 
eine ganz besondere Pracht aus. Bellavtta hatte unter andern 
einen Tempel der Isis gemalt, dessen Säulen aus Glasstäben 
zusammen gesetzt waren und von hinten brillant beleuchtet 
wurden. Was also beinahe hundert Jahre später in der Oper 
Alcidor von Spontini als etwas ganz Ausserordentliches ge- 
priesen wurde, findet sich schon in jener Zeit Auch in der 
Maschinerie, namentlich dem Sonnenwagen, von welchem 
Phaethon herab stürzte, hatte der schon erwähnte Bon Aus- 
gezeichnetes geleistet, und was dem Chor und Ballet an Zahl 
fehlte, war durch endlose Züge prächtig gekleideter Com- 
parsen verdeckt 

An die Stelle Salimbenis wurde übrigens sofort der Castrat 
Carestini^ aus Dresden verschrieben, der aber als AlUst 

') Andere Nachrichten geben an, dass Salimbeni aus Neid gegen den 
Beifally den die Ästrua vom Könige und vom Publikum empfing, Ber- 
lin verliess. 

2) Giovanni Carestini ist auch unter dem Namen Cusanino in der Thea- 



— 133 — 

seioen Vorgänger nicht ersetzen konnte, obgleich er seine 
Rollen singen musste. 

Wegen der im Monat August statt findenden grossen Hof- 
feste erhielten in diesem Jahre die Sänger keinen Urlaub, 
sondern mussten sämmtlich in Berlin bleiben. Ueberhaupt 
ist dieses Jahr reich an theatralischen Belustigungen, wie 
sich denn in dem Ueberblick über das was damals geschehen 
wohl der Ausspruch vieler Schriftsteller rechtfertigt, dass das 
Jahr 1750 das ruhigste, glücklichste und zufriedenste der 
Regierung des grossen Königs gewesen. Im August waren 
viele hohe Gäste in Berlin anwesend'). Die Markgräfin von 
Bayreuth und der Köm'g schienen sich besonders darüber 
zu freuen, dass sie den Gästen ein gut besetztes Theater 
vorführen konnten, denn am 15ten war in der Orangerie zu 
Charlottenburg das Intermezzo Don Taharano, am 16ten ein 
Concert' sämmtlicher Italienischen Sänger und der Capell- 
Virtuosen in Berlin, am ITten Französisches Theater im 
Schlosse (fc mauvais r%che\ am ISten Feuerwerk, am 19ten 
das Intermezzo il Conte imaginario, am 20ten abermals Con- 
cert, am 21ten Intermezzo Theater und Ballet, am 22ten Oper 
Phaeihon, am 24ten Phaethon^ am 25ten Redoute, am 26ten 

terwelt bekannt, und führte diesen Beinamen zur Erinnerung an die 
Familie Cusani, welche ihn als zwölfjährigen Knaben in Mailand die 
Musik Studiren Hess. Er war zu Monte Fitatrana in der Mark Ancona 
gehören, sang von 1733 bis 35 in London unter Händeis Leitung, 
dann bis 1746 in Parma, dann bis 1750 in Dresden, von wo er nach 
Berlin kam. Hier konnte er aber den Vergleich mit seinem Vorgän- 
ger Salimbeni nicht aushalten, und ging nach Petersburg, wo er bis 
1758 sang, dann in sein Vaterland zurück ging und dort starb. Er 
hat über 40 Jahre lang gesungen. Quanz sagt von ihm, dass er eine 
der schönsten und stärksten Contraaltstimmen besessen, die er je gehört. 
*) Siehe Rödenbeck, welcher das vollständige Verzeichniss derselben S. 205 
Th. 1 giebt. 



— 134 — 

Oper Ißgenia, die auch noch am 28ten und 30ten wieder- 
holt wurde. Man sieht, dass das Theater schon damals den 
Mittelpunkt der Hoffeste bildete. Bemerkenswerth ist auch^. 
dass am 28ten September in den Zimmern der Prinzessin 
Amalia Voltaires Ul mort de Cesar {Rome sauvh) aufgeliihri 
wurde, worin Voltaire selbst den Cicero spielte^). Diese Auf- 
führung scheint so grosses Glück gemacht zu haben, dass 
dasselbe Stück am 15ten October auf dem Schlosstheater io 
Potsdam wiederholt wurde, diesmal aber ausser Voltaire und 
der Lady Tyrconnel^ nur Prinzen und Prinzessinnen des 
Königlichen Hauses darin spielten. 

Bis zum Camaval hatten die Sänger und Tänzer nun 
Ruhe. Als dieser am löten December begann, wurde zaersl 
Phaelhon wiederholt und dann Mithridaie, nach Racine von 
yiüati, Musik von Graun^ Ballets von Denis, gegeben* Gram 
hatte zwar hierin Rücksicht auf die Altstimme Carestinis ge- 
nommen, dessen ungeachtet konnte dieser Sänger namentlich 
neben der Astrua keinen Beifall erlangen. Auch das Baflei 
hatte ausser dem Tanz der Mlle. Denis nichts Ausgezeichneies. 

1751. Der Camaval schloss mit der Oper MHkridak, da- 
gegen begannen sofort die Proben zu der Oper Armida, nach 
der aus dem Tasso gezogenen Französischen Oper gleiches 
Namens von Viüati (der diesmal im Textbuche sagt; „Ge- 
genwärtiges Singespiel ist zum musikalischen Gebrauch von 
mir verfertigt worden"), Musik abermals von Graun, Ballels 
von Denis und Decorationen von Bibiena^^ den der König 

1) Oeuvres compL de Voltaire (Basle) Tome 83 p. 4. 
^) Der Gattin des Englischen Gesandten. 

») Bihiena (Joiepk GaUiJ^ 1696 lu Parma geboren, war ein Enkel des 
Job. Maria Galti, der von seiner Geburtsstadt den Namen Bibiena an- 



— 133 - 

aus Dresden hatte kommen lassen, da ihm die vortrefHichen 
Decorationen desselben von früher her noch im Gedächtnisse 
waren. Diese Oper nun wurde am 27ten März mit grosser 
Pracht gegeben, die sich diesmal vorzugsweise in dem glän- 
zenden Feuerwerke kund gab, mit welchem der Pallast der 
Armide in Flammen aufging. Ein gewisser Angela Galiani, 
berühmter Feuerwerker aus Bologna, war ausdrücklich deshalb 
verschrieben worden, und löste die ihm gestellte Aufgabe so 
voUkoumien, dass der König ihn auch später bei vielen Hof- 
festen beschäftigte. Am 28ten als Nachfeier des Geburtsfestes 
der Königin führten die Kammerpagen des Prinzen von 
Preussen und des Prinzen Heinrich in den Zimmern der 
Prinzessin Amalia eine Pantomime, Arlequin Linghe, 'm Ge- 
genwart des ganzen Hofes auf. Ueberhaupt zeigte der Hof 
in dieser Zeit eine grosse Vorliebe für theatralische Unter- 
haltung. So wurde Anfangs Januar schon Voltaires Zaire 
aufgeführt, worin die Prinzessin Amalia die Hauptrolle, Vol- 
taire den Lusignan und Ladj Tjrconnel die Vertraute spielte. 
Voltaire sagt in einem seiner Briefe an Madame Denis dar- 
über, dass Prinzessin Amalia die Hermione besser spiele 
als die Zaire. Am 30ten März wurde Nachmittags gleich nach 
dem Diner das Schauspiel Flmpattent im Schlosstheater, am 

nahm, den alle seine Nachkommen beibehalten haben. Joseph ging 
mit seinem Vater Ferdinand, der auch ein berühmter Theatermaler 
war, nach Spanien und kam später als Baumeister und Theatermaler 
nach Wien. 1750 war er noch in Dresden und kam 1751 nach Berlin 
(Nicolai giebt fälschlich 1754 an); 1757 starb er hier. Sein Sohn Carlo 
Galli wurde 1728 in Dresden geboren. Schon 1746 kam er als ge- 
schickter Schüler seines Vaters an den Bayreuthischen Hof, wo er 
Decorationen malte. Später war er in Braunschweig und ging dann 
nach London, wo er bis 1763 blieb. Zu dieser Zeit wurde er nach 
Berlin berufen, erhielt aber 1766 seinen Abschied, weil seine Arbeiten 
nur mittelmässig waren. 1784 soll er gestorben sein. 



— 136 — 

12ten April in Potsdam Italienisches Intermezzo und Ballet 
am 14ten auf dem Schlosstheater in Berlin tAoare, am 19teD 
in Potsdam Intermezzo und Ballet, am 25ten Juni eben so 
und zwar mit der neu angekommenen Buffa-Sängerin Manst) 
am löten September in Berlin George Dandin und le con- 
sentement force, am löten und 20ten October in Potsdam 
Intermezzo il Giocalore, am 24ten grosse Probe der Oper 
Britannicus, zu welcher die Sänger aus der Capelle von Ber- 
lin nach Potsdam berufen wurden, am Iten November Inter- 
mezzo la Ricamatrice divenuta Dama von Agricola gegeben. 
Auffallend ist, dass fast jedesmal wenn der König von einer 
Reise zurück kam, am Tage darauf irgend eine theatralische 
Auffuhrung statt fand, was sich bis zum Ausbruche des sie- 
benjährigen Krieges nachweisen lässt'). 

Die Tänzerin Barharina hatte sich seit dem Anfange des 
Jahres 1749 ununterbrochen in Berlin aufgehalten und ein 
ungemein glänzendes Haus gemacht. Die Yerhaftung des 
Geheimenraths v. Cocceji, welche nur einige Monate gedauert, 
scheint keinen Einfluss auf seinen Entschluss, sie zu heirathen, 
gehabt zu haben, da beide trotz aller Bewachung Anfangs 
1751 Berlin verliessen und sich auswärts trauen Hessen. Nach 
der Rückkehr der Barbarina nannte sie sich ganz öffentlich 
Freifrau von Cocceji zum grössten Verdruss der mächtigen 
und einflussreichen Familie ihres Gatten. Die wiederholten 
Klagen derselben riefen nun einen Befehl des Königs an den 
General-Fiscal Uhden (11 November) hervor, nach welchem 
dieser strenge Untersuchungen anstellen sollte, mit welchem 
Rechte die „Barbarina es wage, sich den Namen v. Cocceji 

*) Der Musikdirector Agricola heirathet in diesem Jahre die SäDgcrin 
MoUenu 



— 137 — 

beizulegen.^^ In den Beilagen sind die ganzen hierauf beziig- 
liehen Correspondenzen so wie die sonstigen Actenstücke 
enthalten und zu vergleichen. Die Barbarina schrieb hierauf 
an den König und beklagte sich über die Verfolgungen, de- 
nen sie ausgesetzt worden, erklärte, dass sie in der That 
rechtmässig verheirathet sei, und unterzeichnet sich „Bar- 
barina de Cocceji". Die weiteren Untersuchungen scheinen 
nun kein anderes Resultat gewährt zu haben, denn der Ge- 
heimerath v. Cocceji wurde nach Glogau versetzt, wohin seine 
Gattin ihm folgte. Sie kam von jener Zeit an nie wieder 
nach Berlin und soll in einer sehr glücklichen Ehe gelebt 




- 138 - 

haben. Sie besass drei schöne Güter in Schlesien und über 
100000 rtl. baares Vermögen, welches sie zur Gründung 
eines adeligen Fräuleinstiftes für achtzehn Personen ver- 
wendete. In Anerkennung dieser Stiftung erhob König 
Friedrich Wilhelm IE sie unterm 6ten November 1789 in 
den Grafenstand und erlaubte ihr sowohl als den adeligen 
Fräuleins ihres Stifts ein solches Kreuz und Band zu tragen 
wie es in ihrem Wappen enthalten war. So starb Barbara 
Gräfin v. Campanini am 7ten Juni 1799, 75 Jahr alt, zu Bar- 
schau in Schlesien^). 

Im Carnaval, welcher den 5len December anfing, wurde 

>) Wir können die Mittheilungen über diese merkwürdige Frau nicht 
schliessen, ohne auch anzuführen, was Denina in seinem Essai sur 
la vie et le rfegne de Fr^d^ric 11 Seite 113 über ihr früheres Ver- 
hftltniss zum Könige sagt: 

„Dans le temps que le roi envoyoit Cagnoni en Espagne et qu*Al- 
garotti ^toit encore k Berlin, le roi philosophe parut avoir de Tattache- 
ment pour une danseuse italienne nomm^e Barberini. C'est la seule 
femme qu'on dit avoir 6i6 aim^e de lui, au moins depuis qu*il fut 
roi. Cette danseuse, k qui heaucoup de personnes de distinction et 
surtout des ^trangers qui ^toient a Berlin, fran^ois, italiens, anglois, 
russes, polonois faisoient la cour, plut au roi comme aux autres hommes. 
Cependant eile quitta Berlin pour retourner ä Venise, mais le roi la 
fit engager de nouveau pour son th^&tre. 11 alloit la trouver dans son 
cabinet apres qu'elle avoit dans^, et il prenoit le th^ avec eile. Quelque- 
fois il la faisoit souper chez lui avec deux ou trois dames et quelques 
gentilhommes. Le comte de Rothenburg, le comte Algarotti et 
le Chevalier Chazot ^toient ordinairement de la partie, et le roi 
feignoit de croire qu*ils en ^toient amoureux. Chazot r^pondit qull 
ne jouoit aupr^s de cette belle que le rAle de Mercure. ün Anglois 
Tenleva et le roi la fit enlever k son tour. Enfin un des fils du grand- 
chancelier Cocceji voulut T^pouser. Le roi le permit et la laissa partir 
pour aller vivre dans une terre qu*elle avoit acquise moyennant les 
lib^ralit^s du roi et les produits de son talent Elle vit encore (1786) 
dans le temps que j'^cris, mais eile n'a jamais reparu ä Berlin." 



— 139 — 

zuerst Armida wiederholt, da diese Oper im März nur einmal 
gegeben worden war*), dann aber wurde 

1752 im Januar Britanntco von Villatt^ aus dem Franzö- 
sischen des RacinSj Musik von Graun, Ballets von Denis, 
Decorationen von Bibiena^ gegeben. Abermals machte sich 
der Abgang Salimbenis durch die Unfähigkeit Carestinis, ihn 
zu ersetzen, bemerklich, und obgleich der König seinen 
Agenten in Italien erlaubte, guten Sängern bis zu 5000 rtl. 
Gehalt zu bieten, so wollte doch keiner nach Berlin, so dass 
nur die Ästnia, Porporino und Romani um diese Zeit als be- 
deutende Erscheinungen zu nennen sind. Graun sah ein, dass 
Carestini, für den vor der Hand kein Ersatz zu hoffen war, 
jedenfalls angemessen beschäftigt werden müsse, und schrieb 
daher in der Oper Orpheus (Orfeo e Euridice), nach dem 
Französischen des Boulais von Villati, Ballets von Denis, De- 
coralionen von Bibiena, die Rolle des Orfeo ganz für die 
Stimme eines Contraaltisten, so dass, als die Oper am 27ten 
März aufgeführt wurde, auch Carestini zum erstenmale allge- 
mein befriedigle. Es war dies übrigens die letzte grosse Oper 
oder musikalisches Trauerspiel von VtUati, der am Oten Juli, ^ 
51 Jahr alt, starb, und in Signor Tagliazucchi sofort, im Sep* * 
tember, einen Nachfolger erhielt Für das Ballet reichte auch 
die Denis als erste Tänzerin nicht aus, und es kamen daher 
Signora Teresa Sempelina, Signora Reggiani Anfangs April 
aus Wien an. Am 7len April mussten beide in Potsdam nach 



') In musikalischer Hinsicht muss hier erwähnt werden, dass der Kam- 
mermusikus Schaale in diesem Jahre das erste Liebhaber-Concert unter 

' dem Namen „Die musikübende Gesellschaft'' stiftete, von welcher im 
Hause des Dom-Organisten Sack die besten damals vorhandenen Instru- 
mental-Compositionen aufgeführt wurden. 



— 140 — 

dem Intermezzo I Birhi Probe tanzen und wurden sofort 
engagirt. Auch liess sich ein Sänger^ Signor Lutrci hören, 
verschwand aber bald darauf wieder aus Potsdam. Carestini 
erhielt sechs Monat Urlaub nach Italien. 

Am 25tenJuni wurde zur Vermählung des Prinzen Heinrich 
das Arcadische Schäferspiel oder Operelle II Giudizio di Pa- 
ride von ViUati, der die Aufiiihrung seines Werkes nicht mehr 
erlebte, in Charlottenburg gegeben. König giebt an, dass die 
Musik zu dieser Operette von Agricola gewesen; Gerber 
fiihrt sie aber nicht unter den Compositionen Agricolas auf, 
und das Leben Grauns nennt sie geradezu als von diesem 
Componisten geschrieben. Wahrscheinlich hat König diese 
Operette mit dem Tempto ctAmore verwechselt, welcher 1755 
von Agricola gegeben wurde, üebrigens hatte diese Operette 
nicht den Beifall des Königs und sie wurde daher auch nicht 
wieder aufgeführt 

Am 20ten August traten die aus Rom verschriebenen Tän- 
zerinnen Santinina und Olimera in Potsdam nach einem In- 
termezzo zum erslenmale auf und wurden engagirt. Zu der- 
selben Zeit wurde auch der Sänger RicciareUi engagirt, der 
aber erst im nächsten Jahre aullraL Die Proben zu der 
neuen Carnavalsoper Didone abhandonaia begannen an dem- 
selben Tage (26len Oclober), wo Carestini aus Italien zurück 
gekehrt war, und die ganze Oper musste zu diesem Behufe 
nach Potsdam kommen, was sich auch am 6ten November 
wiederholte. Der König nahm ein ganz besonderes Interesse 
an dieser Oper, theils weil er dem Componisten Hasse in 
Dresden zeigen wollte, dass er seine Musik schätze, theils 
um Graun, der bereits an der Oper Sylla arbeitete, anzu- 
feuern, theils weil schon von mehreren Seiten Klagen darüber 
gehört worden, dass man in Berlin nur Graunsche Musik zu 



— 141 - 

hören bekomme. Die Proben dieser Oper nahmen so viel 
Zeit in Anspruch, dass nach der Eröffnung des Carnayals am 
8len December zuerst Orfeo e Euridice so lange wiederholt 
wurde, bis im Januar 

1753 die Didone abbandonata aufgeführt werden konnte. 
PasquaUno (Bruscolint) hatte in dieser Oper die Hauptrolle, 
da sie für den Contrealt Carestinis nicht passte. Es geschah 
dies auch deshalb, weil Pasqualino sich vernachlässigt glaubte 
und schon mehrfach geäussert hatte, dass er nach Dresden 
gehen wurde. Als der König ihn durch diese Hauptrolle an 
Berlin fesseln wollte, war es schon zu spät, und Bruscolint 
hatte mit dem Capellmeister Basse in Dresden schon abge- 
schlossen, so dass er gleich nach dem Camaval Berlin auf 
immer verliess. Auffallend ist es, dass trotzdem der König 
vier neue Tänzerinnen engagirt hatte, doch nur eine derselben 
und zwar die Reggiana in dieser Oper tanzte. Uebrigens wa- 
ren die Decorationen von Beüavita, die Ballets von Denis. 
Basse erhielt in Folge des Beifalls, den seine Oper gefun- 
den, eine Einladung nach Berlin zu kommen, was auch im 
März geschah, so dass er der Auffährung der Oper SyUa 
zum Geburtsfeste der Königin Mutter beiwohnte und den 
Sänger Monticeüi aus Dresden mitbrachte. Als Beweis der 
Zufriedenheit des Königs erhielt er einen kostbaren Ring und 
eine Tabatiere zum Geschenk. 

Die Oper Syüa war vom Könige selbst vollständig ent- 
worfen und in Französischer Sprache (in Prosa) ausgefiihrt 
worden. Tagliazucckiy der im September des vorigen Jahres 
in Berlin angekommen war, hatte die Italienischen Verse dazu 
gemacht, welche sich möglichst treu an das Französische Ori- 
ginal hielten. Es erschien gleichzeitig mit dem gewöhnlichen 



- 142 — 

Teitbuch, welches in Italienisdier und Deutscher Sprache 
gedruckt war, ein Französisches Textbuch, aber nicht wie ge- 
wöhnlich bei Haude und Spener, sondern mit ausdrücklichem 
Königlichen Privilegio bei Etienne de Bourdon. Das Vorwort 
Tagliazucchis lässt über die eigentliche Entstehung dieser 
Dichtung keinen Zweifel, denn es lautet: 

,,Dieses Singespiel ist die glüdcselige Geburt eines sowohl 
in den ernsthaften Ueberlegungen, kriegerischen Unterneh- 
mungen und philosophischen Betrachtungen als in den ange- 
nehmen Gedanken der schönen Musen mit gleicher Stärke 
geübten, erhabenen und grossen Geistes. Gedachtes Singespiel 
wurde noiir in einer vortrefflichen Schreibart eingehändigt, und 
meine Schuldigkeit erforderte es, selbigem die Zierde der 
Italienischen theatralischen Dichtkunst zu geben, damit es füg- 
lich der Musik fähig sein möchte. Wollte der Hinunel, dass 
meine wenige Geschicklichkeit dem unendlichen Verdienste 
des Entwurfes und der Stärke meiner lebhaften Begierde nur 
einigermaassen gleich käme. 

Giampetro Tagliazucchi, 
Sr- K. Maj. Hof-Poete und unter den 
Arcadiem Alidauro Pentalide genannt." 

Begreiflich wurde für die Ausstattung dieser Oper Alles 
angewendet, um ihre scenische Darstellung zu einer ausser- 
ordentlichen zu machen. Eben so begreiflich fehlte es auch 
nicht an Lobeserhebungen aller Art, die indessen, besonders 
was die Graunsche Musik belrifll, verdient waren, denn die 
Gunst, welche der König dem Nebenbuhler Grauns, Hasse, 
zuwendete, spornte ihn an, etwas Ausserordentliches zu leisten. 

Im August wurde in Potsdam ein Pastorale, // Trionfo 
della Fedeüä, gegeben. Der Dichter ist nicht bekannt; wahr- 
scheinlich war es nur eine Uebersetzung aus dem Franzö- 



— 143 — 

sischen. Was aber die Composition betrifft, so hatte der 
König selbst eine Arie, die Churprinzessin von Sachsen eben- 
falls eine Arie, Hasse, Graun und Georg Benda in Gotha das 
Uebrige gemacht, so dass man dieser Operette wohl den in 
neuester Zeit gebräuchlichen Titel „Musikalisches Quodlibet^^ 
(Musik von mehreren Componisten) hätte geben können. 
RicciareUi (Giuseppe) sang in diesem Pastorale, erhielt aber 
sofort seinen Abschied und verliess Preussen. 

Im October, zu einer damals ganz ungewöhnlichen Zeit, 
wurde am 13ten die Oper Syüa aufgeführt, wahrscheinlich, 
um sie der am 4ten angekonunenen Schwester des Königs, 
der Markgräfm von Bayreuth vorzuführen, und eben so er* 
öilhete Syüa den Carnaval, welcher indessen erst am 27ten 
December begann. Anzuführen ist noch, dass der Erbauer 
des Opernhauses, Baron von Knohelsdorf^ am löten Septem- 
ber d. J. gestorben war. Der König verfasste selbst eine 
Lobrede auf ihn, die am 24ten Januar des folgenden Jahres 
in der Academie vorgelesen wurde. 

1754. Die zweite Oper dieses Carnavals war Cleoßde von 
iktastasio, mit Musik wonAgricola. Der König, welchem diese 
Oper mit Hassescher Composition schon im Jahr 1728 in Dres- 
den sehr gefallen, hatte seinem Hofcomponislen dieses Sujet 
zugewiesen. Agricola hatte bereits die Intermezzos La Ricama- 
trice divenuta Dama und H Füosofo convinto zur Zufriedenheit 
des Königs componirt, so dass ihm auch die Composition 
einer grossen Oper anvertraut wurde. Die Tänze waren von 
Denis, die Decoralionen von Bihiena und Beüavita, der Er- 
folg aber kein besonders günstiger, weil man es fär eine An- 
massung von Agricola hielt, eine Oper componirt zu haben, 
die schon Hasse componirt 



— 144 — 

Dagegen erschien im März zum Geburlsfeste der Königin 
Mutter Semiramisy nach dem gleichnamigen Trauerspiele von 
Voltaire durch Tagliazucchi in Italienische Verse gebracht, von 
Graun componirt und mit Tanz von Denis, Decorationen aber 
von Bibiena allein. — Die Italienischen Intermezzos, an denen 
der König viel Vergnügen fand, hatten dadurch, dass sie immer 
nur von zwei, höchstens drei Personen ausgeführt wurden, et- 
was einförmiges; es wurden daher vier andere aus Italien ver- 
schrieben, unter denen Paganini und dessen Frau sich befan- 
den. Sie kamen über Amsterdam und traten am 30ten März in 
Potsdam auf dem Schlosstheater in dem Intermezzo Berthai- 
dino zuerst vor dem Könige auf. Aus einem Briefe des Kö- 
nigs an Algarotti, in welchem er sagt: „Mon op6ra comique 
qui vient de d6barquer, m'assure que votre sant6 se remet", 
scheint hervorzugehen, dass Algarotti das Engagement dieser 
Leute in Italien vermittelt 

Im April schreibt der König an Darget: „Ich brauche 
noch ein drittes Paar Tänzer. Sollte nicht in Paris irgend 
ein Freudentöchterchen niit schelmischen Augen, einem arti- 
gen Gesichlchen und einem feinen Wüchse zu finden sein, die 
wohl Lust hätte, auf unserm Theater in Berlin Cabriolen zu 
machen ?^^ Dieser Mangel an Tänzern (Figuranten) war theils 
durch Abgang, theils durch Tod herbeigeführt, so dass der 
Ballelmeisler Denis in Berlin die Jungfern Erahnen und 
Götzen so wie eine gewisse Gobbert so rasch als möglich 
für den Tanz abrichtete. Dem Könige gefielen aber diese 
Deutschen Surrogate nicht, daher dieser Auftrag an Darget 
in Paris'). 

Im Juni erhielt Caresttni endlich seinen Abschied, die 

^) Hierauf bezieht sich auch der Bericht des Baron Suerts an den König 
Beilage XXII. 



— 145 — 

Ästrua aber und Romani durch Cabinetsordre die Erlaub- 
nisse in Prag zu singen. 

Am 23ten October begannen in Potsdam die Proben der 
Oper Montezuma, zu welcher der König, ermuntert durch 
den guten Erfolg der Oper Syüa^ abermals den Text selbst 
französisch entworfen und Tagliazucchi die Italienischen Verse 
gemacht'). Diese Dichtung des Königs bietet viele einzelne 
Schönheiten dar und ist offenbar dem späteren Dichter des 
Cortez, Musik von Spontini, bekannt gewesen, da einige Si- 
tuationen ganz dieselben sind. Die ,,lardons läch6s^^ gegen 
die Bekehrungswuth der Spanier in der neuen Welt sind al- 
lerdings mitunter sehr leidenschaftlich, und mögen zu jener 
Zeit Aufsehen genug gemacht haben. 

Zum Beginn des Camavals (20ten December) wurde erst 
Semiramis wiederholt und dann im Januar 

1755 Montezuma von Graun^ Ballets von Denis^ Decora- 
tionen von Bibiena^ gegeben. Die Hauptrolle sang Ämadort] 
welcher an die Stelle Carestinis in Dienst des Königs getre- 
ten war. Auch er genügte dem Könige nicht, und musste 
schon im Sommer darauf Berlin wieder verlassen. Eben so 
ging es einem gewissen Martinigo , der sich ebenfalls nur 
einmal erwähnt findet Diesmal erschien der Französische 
Originaltext des Königs nicht wie bei der Oper Syüa, sondern 

') Der König schreibt darüber an Algarotti unterm 26ten Mai: 

,^on op^ra attend votre retour; vous lui servirez de Lucine^ pour 
que les Sieurs Taillez et Gui (I ?) en accouchent heureusement. J'y ai 
mis toute la chaleur dont je suis capable/' 
Und früher schon (ohne Datum): 

„J'ai choisi le sujet de Montezuma et je Taccomode a präsent. Vous 
sentez bien que je m'int^resserai pour Montözuma^ que Cortez sera le 
tyran, et que par cons^quent on pourra 14cher en musique m^me 
quelques lardons contre la barbarie de la r. c. (religiou catholique)/* 

10 



— 146 — 

nur das gewöhnliche Italienische und Deutsche Textbuch, 
auch ist in dem Vorworte die Mitwirkung des Königs auf 
keine Weise angedeutet Merkwürdig erscheint jedenfaDs, 
dass Friedrich der Grosse durch die Oper Montezuma den 
ersten Versuch machte, das romantische und moderne Ele- 
ment in die Oper einzufuhren, obgleich die äussere Form 
sich noch ganz der älteren mythologischen und classischen 
Heldenoper fugte, und doch war das berühmte Wort: „Qui 
nous d61iyre donc des Grecs et des Romains ?^^ damals noch 
nicht gesprochen. 

Zum Geburtsfesle der Königin Mutter erschien die grosse 
Oper Ezio von Tagliazuccht, Musik von Graun^ Decorationen 
von Bibiena und Ballets von Denis, und dies war die erste 
Oper, deren Aufführung der König nicht beiwohnte. Der 
Twaev Desplaces, aus Paris verschrieben, tanzte hierin sowohl 
wie er schon in Montezuma getanzt hatte, und wurde engagirt. 
Dagegen wirkte der Sänger Paolino Bedeschi nicht darin mit, 
weil er ein halbes Jahr Urlaub nach Italien und auffallender 
Weise gleichzeitig 1000 rtl. Zulage erhalten hatte. 

Im September (27) fand die Vermählung des Prinzen Fer- 
dinand statt, bei welcher Gelegenheit das Singspiel R Tempio 
dAmore, nach einem Entwürfe des Königs selbst, Musik von 
AgricoUiy in Charlottenburg gegeben wurde. Da Paolino noch 
nicht zurück gekehrt war, so sang ein gewisser Stefanino 
die Hauptrolle und auch Luini kam zu dieser Zeit aus dem 
Dienste des Markgrafen von Bayreuth nach Berlin. Bei Plü- 
micke findet sich die Angabe, dass Tosoni (Giuseppe) in die- 
ser Oper gesungen. Dem widerspricht aber Gerber, der 
Tosonis Anwesenheit in Berlin erst nach dem siebenjährigen 
Kriege beginnen lässt, und diese Angabe ist die wahrschein- 
lichere, da Tosoni noch 1786 sang. Luini verliess zwar Ber- 



- 147 - 

lin nach Aufführung des Tempio ctAmore wieder, wurde aber 
nach einigen Monaten dessenungeachtet engagirt und ging 
{757 im Juli als Kammermusikus nach Italien, von wo er 
nicht wieder zurück gekehrt ist. 

Im December wurde zu Anfang des Carnavals erst die 
Oper Ezto wiederholt und dann im Januar 

1756 / FratelU nemici, nach dem Französischen von Taglta- 
zucchi Musik von Grauriy Decorationen von Bibiena und Bal- 
lets von Denis, gegeben. Sie wurde erst ganz zu Ende des 
Camavals und nur zweimal aufgeführt, da sie dem Könige 
nicht besonders gefiel. Die Aslrua, bis dahin unbestritten 
die erste Sängerin, fing an zu kränkeln und verlor ihre 
Stimme, was wohl mit zu dem geringen Erfolge der Fra- 
leüi nemici beigetragen haben mag. Unter den Solotän- 
zerinnen findet sich hierbei zum erstenmale MUe. Favier 
erwähnt 

Am 27ten März wurde die letzte Oper Grauns, Merape, 
von Tagliazuccki Decorationen von Bibiena, Ballets von Denis, 
gegeben. Es war zu gleicher Zeit die letzte Oper, welche 
vor dem Ausbruche des siebenjährigen Krieges heraus kam, 
denn von nun an verdunkelte sich der politische Horizont 
immer mehr, und der König hatte an andre Dinge zu denken, 
als an das Theater. Die Astrua war so schlecht bei Stimme, 
dass ihr der König erlaubte, auf dem Lande zu leben. Als 
aber auch das nichts half, pensionirte er sie mit 1000 rtl. 
Auch Graun wurde so leidend, dass er von nun an nichts 
mehr componirte, bis er 1759 ') starb. Als der König seinen 

') Bei Anführung dieser Jahreszahl müssen wir die auf dem Facsimile 
der Notenschrift Friedrichs des Grossen (artistische Beilage) versprochene 
Beglaubigung einschalten. Das Original, welches gegenwärtig in der 

10* 



— 148 — 

Tod in Dresden erfuhr, soll er geweint und ausgerufen ha- 
ben: ,,Einen solchen Mann bekomme ich nie wieder !^^ Da 
die grosse Oper auf diese Art immer mehr verwaiste, so 
wandte sich der König, um sich zu zerstreuen, dem Inter- 
mezzo in Potsdam zu. Für dieses kamen im Juni über Am- 
sterdam fünf neue Sänger an, um die Stelle des abgegange- 
nen Paganini und seiner Frau zu ersetzen. Sie traten in dem 
Intermezzo Der Capellmeisler zum erstenmale vor dem Kö- 
nige auf und wurden engagirt 

Im August verliess der König Berlin um den Feldzug in 
Sachsen zu eröffnen, und von dieser Zeit an bis nach been- 
detem Kriege können wir die Ordnung nach Jahren verlas- 
sen und die ganze siebenjährige Periode während des Krieges 
zusammen fassen. 

Die Astrua starb 1758 in Italien und Baron Suerls 1757 
in Berlin, ohne sofort einen Nachfolger zu erhalten. Im März 
1757 fand ebenfalls zum letzten Geburtsfeste der Königin 
Mutter die Auiiührung eines Intermezzos 11 Füosofo dt Cam- 
pagna statt Auffallend ist, dass Rödenbeck angiebt, dies 
sei in Dresden geschehen, König aber in Berlin. Gleichzeitig 
mussten Porporino und einige Kammermusiker auf Befehl 

musikalischen Abtheilung der Königlichen Bibliothek aufbewahrt wird, 
stammt aus dem Nachlass Carl Philipp Emanuel Bachs in Ham- 
burg, dessen vom Kdnigl. Dänischen Conferenz-Rathe J. J. Glhhler in 
Altona beglaubigte Handschrift auf dem Notenblatt selbst folgendes 
angiebt: 

„NB. Die Veränderungen über diese Arie, welche in einem raren 
Originale in diesem Bogen eingeschlagen sind, sind von Fridrico Magno, 
König Yon Preussen, eigenhändig fQr Porporini aufgesetzt.^' 

Gähler erstand diese Seltenheit auf der Auction des Bachschen 
Nachlasses, dann kam sie in die berühmte Pölchausdie Sammlung, 
und mit dieser an die Königliehe Bibliothek. 



— 149 — 

des Königs nach Dresden kommen, wo sie unter Hasses 
Leitung bei den Abendconcerten des Königs mitwirkten. 
Während des Krieges löste sich nun fast die ganze Oper auf, 
so dass am Ende desselben nur die schon bejahrte Gasparini 
und die Molleni (^dA. Ägricold) übrig waren. Das Gehalt 
war in den letzten Jahren nicht mehr gezahlt worden, und 
selbst die Kammermusiker zerstreuten sich grösstentheils, 
indem viele nach England oder Russland gingen. Die Tän- 
zer, Decorationsmaler, die Unterbeamten, Alle glaubten sich 
de facto entlassen und wendeten sich, namentlich als die 
Russen und Oestreicher sich Rerlin näherten, anderswo hin. 
Es war sehr natürlich, dass die allgemeine Noth sich auch 
auf alles zum Theater Gehörige erstreckte. Die Decoratio- 
nen, welche auf dem Boden des Opernhauses aufbewahrt 
wurden, verdarben durch den eindringenden Regen, da das 
Bombardement der Russen Löcher in das Dach geschlagen, 
um die sich niemand bekümmerte. Kurz, es war, als sollte 
nach so bedrängter Zeit nie wieder eine Oper in Berlin auf- 
geführt werden können, bis mit dem Hubertsburger Frieden 
eine neue und bessere Zeit für Preussen und seine Haupt- 
stadt begann. 

1763. Der König kehrte nach beendetem Kriege am 21ten 
Juni nach Potsdam und später nach Berlin zurück. Obgleich 
ihn seine Flöte und seine Vorliebe für Musik in der schweren 
Zeit des siebenjährigen Krieges nicht verlassen hatte, so war 
er doch älter geworden und warf sich nicht mehr mit so aus- 
serordentlichem Nachdruck auf seine frühere Lieblingsunter- 
haltung, die Oper, als in den ersten Jahren seiner Regierung. 
Mit den noch vorhandenen Mitteln konnte überdies nichts 
irgend Befriedigendes geleistet werden, und es bedurfte des 



— 150 — 

ganzen Eifers des Baron von Pöllnitz om für den nächsten 
Carnaval nur die Opera buffa so weit zu organisiren, dass 
sie auf dem Schlosstheater spielen konnte. Baron von Pöü-- 
nitz wurde zwar erst am 28ten October 1764 zum Nachfolger 
Suerts ernannt, aber schon im November 1763 mit der Zu- 
sanunensetzung eines neuen Opern- und Ballet-Personals 
beauftragt Mit den wenigen während des Krieges in Berlin 
gebliebenen Französischen Schauspielern begann am 9ten 
November wieder Theater in Berlin, und zwar wurde le Che- 
votier ä la mode und hinterher einige Tänze von Denis und Bes- 
places zusanunen mit ihren Frauen ausgeführt Baron von Pöll- 
nitz hatte sogleich an Cataneo in Venedig geschrieben, um wo 
möglich schon fiir den nächsten Camaval neue Sänger nach 
Berlin zu bekommen. Dieser aber antwortete, dass so spät im 
Jahre keine Sänger mehr zu bekommen und alle guten schon 
anderweitig engagirt wären. In Berlin befanden sich nur noch 
die Gasparini und die MoUeni (Mad. Agricola), beide zu be- 
jahrt, um noch als prime donne auftreten zu können. Da- 
gegen waren von der Opera buffa noch Mad. Coch^ Herr 
und Mad. Sidotti (Wittwe Angeli) und Francesco Pdadtni 
vorhanden, mit denen sofort vier kleine komische Opern, 
I portentosi Ejfetti della Madre Natura^ La Maestra dt Scuola, 
La Cascinay Li Motti per Amore, einstudirt und im December 
1763 so wie im Januar 1764 auf dem Schlosstheater gege- 
ben wurden, da das Opernhaus bedeutender Beparaturen 
bedurfte, zu denen der König nur mit Widerstreben das nöthig- 
ste Geld bewilligte, damit wenigstens Bedoute darin gehalten 
werden konnte. Dadurch wurde auch die bisherige Ordnung 
der Camavalslustbarkeiten verändert, und zwar war am Sonn- 
lage Cour bei der Königin, Montag und Freitag komische 
Oper mit Ballet auf dem Schlosstheater, Dinstag eben daselbst 



— 151 - 

Französisches Theater, Mittwoch Apartement bei der Prin- 
zessin von Preussen, Donnerstag Redoute im Opemhause 
und Sonnabend Ruhe. Gleichzeitig erhielt übrigens der 
Franzose Bergier {Berger, BergS) die Erlaubnisse in Berlin 
mit seiner Gesellschaft Pantomimenspieler Vorstellungen zu 
geben, und wurde später sogar nach Potsdam berufen, wo 
die Prinzen sein Theater besuchten. 

1764 Während Baron von PöUnitz eifrig mit der Reorga- 
nisation der Oper beschäftigt war, begnügte sich der König 
in Potsdam (5 Mai) mit der Opera buffa, bestimmte indessen, 
dass der Carnaval mit derselben Oper Grauns, Merope, er- 
öffiiet werden sollte, mit welcher im Jahre 1756 das Opern- 
haus geschlossen wurde. Besonders musste das Ballet re- 
crutirt werden, denn die Zahl der Figuranten war bei den 
komischen Opern auf drei herabgesunken. Balletmeister De- 
nis erhielt den Auftrag, dergleichen anzuschaffen, und der Etat 
wurde auf 3 bis 400 rü. für jeden festgesetzt. Im August 
kamen aus Italien die Sängerinnen ^arto/o/// (Bartholdi, Ba- 
telotti) und der Castrat Coli aus Siena in Berlin an, um die 
Merope einzustudiren. Bei der am 20ten Dccember statt 
geiundenen Vorstellung dieser Oper bemerkte man aber den 
Unterschied zwischen dem was man früher gehabt und jetzt 
hatte, nur zu deutlich, und der König war sehr unzufrieden 
mit dem was Baron PöUnitz geleistet, worauf dieser sich aber 
damit entschuldigte, dass Seine Majestät jetzt nicht mehr so 
viel Geld fiir die Oper bewilligen wollten als vor dem Kriege. 
Namendich war Salimbeni nicht ohne bedeutende Opfer zu 
ersetzen, und der Mangel eines guten Tenors der Hauptgrund 
Für die Unzulänglichkeit der Vorstellungen. Der König sah 
dies ein, und bevollmächtigle den nun bereits zum Maltre des 



— 152 — 

Spectades ernannten Baron von Pöllnitz, bis zur völligen Wie- 
derbesetzung des Personals keine Kosten zu scheuen. 

1765. Die zweite Oper dieses Camavals war das Sdiafer- 
spiel Leuctppo von Hasse, welches dieser bereits 1751 in Dres- 
den componirt hatte. Das für eine grosse Oper zu schwache 
Personal hatte den König wahrscheinlich veranlasst, gerade 
diese frühere Arbeit Hasses auszuwählen, und obgleich Pöll- 
nitz mehrere Opern von Italienischen Componisten vorschlug, 
indem man sie leicht mit den zu erwartenden neuen Sängern 
von dorther kommen lassen konnte, so blieb doch der König 
der Ansicht treu, nur Opern Deutscher Componisten auf sei- 
nem Theater zur AufTührung zu bringen, weshalb auch der 
jetzt zum Hofcomponisten ernannte und die Capellmeister- 
stelle vertretende Agricola den Auftrag erhielt, fiir die Ver- 
heirathung des Prinzen von Preussen eine grosse Oper zu 
schreiben. Uebrigens gefiel auch Leuctppo nicht besonders, 
und das Ballet erinnerte ebenfalls an den Verlust der \ßar6a- 
rina. Ausser den Solotänzern Denis (Balletmeister), Desplaces 
und deren Frauen waren Blache, Gohhert, le Fhre^ du ßois, 
dHervieux und Louis dAtury Figuranten. Zu den drei Fran- 
zösischen Figurantinnen Demonville, le Moyne und de Lou- 
vieres, die Lany aus Paris hatte kommen lassen, bildeten 
aber die drei Berlinerinnen Jungfer Krohnen, Jungfer Götzen 
und Jungfer Enkinn^ welche von dem friiheren Ballet übrig 
geblieben waren, das ganze Corps de ballet, welches sich in 
jedem Acte umziehen musste. Die Decorationen waren von 
Carlo Galli Bibiena^) gemalt, welcher schon 1764 aus London 
nach Berlin berufen wurde. 

^) Sohn des 1757 in Berlin verstorbenen Joseph Galli Bibiena (S. p. 134 
Note 3). In seinen Arbeiten erreichte er das Genie seines Vaters nicht. 
Eine grosse Zahl seiner Entwürfe zu Decorationen befindet sich in der 
Sammlung des Verfassers. 



— 153 — 

Mit der Oper Leucippo war nun aber auch die Periode 
der Dürftigkeit fiir die Italienische Oper des Königs vorüber, 
denn Concidltni^) kam, von Cataneo in Venedig engagirt, im 
Mai in Berlin an und wurde sogleich an Agrtcola gewiesen, 
um den Achilles in dessen neuer Oper einzustudiren, wozu 
sich ConciaUni nur ungern verstand, da Agrtcola wohl ein 
tüchtiger Instrumenlal-Componist war, aber zu einem Ge- 
sangslehrer weder Talent noch Erfahrung besass. Obgleich 
die Oper ÄchiUe in Sciroe eigentlich für den nächsten Car- 

^) Giovanni Carlo Condalinif 1745 in Siena geboren, war bereits bei 
einem Apotheker in der Lehre, als seine Verwandten ihn castriren 
Hessen, um Vortheil aus seiner wunderschönen Stimme zu ziehen. 
Er war, ehe er nach Berlin kam, schon in MQnchen der Liebling des 
Publikums gewesen, und wurde es auch von seinem ersten Auftreten 
an in Berlin. Seine Stimme war nach Aller Urtheil eben so voll als 
geschmeidig, stark und von ausserordentlichem Umfange; im Adagio 
soll er sogar seinen Vorgänger Saltmheni übertrofien haben. Eine be- 
sondere EigenthQmlichkeit war sein langer Athem, durch den er alle 
Welt in Erstaunen setzte. Seine schönste Periode war vom Jahre 1771 
bis 1775, wo die Mara mit ihm sang. Zwischen beiden herrschte 
grosse Zuneigung und Freundschaft, und in der Oper Pyramo und Thisbe 
feierten beide in den Hauptrollen wahre Triumphe der Gesangskunst. 
Sie lernte von ihm das Adagio, er von ihr die Passaggien. Im Jahre 
1784 errichtete er in der Freimaurerloge ein Concert zum Besten der 
Armen, welches in kurzer Zeit Mode wurde und grosse Summen ein- 
brachte, weshalb ihm die Loge aus Dankbarkeit eine kostbare Porzel- 
lanvase mit seinem wohlgetroflenen Bildnisse verehrte. Es erschien ein 
Kupferstich von ihm, dessen Embleme mit vielen Blumen verziert ist, 
um seine Liebhaberei für die Botanik anzudeuten. Auch besass er 
eine vorzügliche Kupferstichsaihmlung, welche er der Prinzessin von 
Carolath vermachte. 1786 machte er eine Reise nach Italien, und trat 
dort verschiedene male auf, gefiel aber nicht, weil der Geschmack sich 
dort sehr geändert hatte. Als er nach Berlin zurück kam, baute König 
Friedrich Wilhelm II ihm ein schönes Haus in Gharlottenburg, wo er 
bis 1796 in behaglicher Zurückgezogenheit lebte. Die eigenthümlichen 
Umstände, welche seine in diesem Jahre erfolgte Pensionirung begleiten, 
sowie weitere Nachrichten über ihn werden wir bei dem Jahre 1796 
mittheilen. 



— 154 — 

naval bestimmt worden war, so musste Ägricola doch die 
Composition beeilen, da die Vermählung des Prinzen von 
Preussen mit der Prinzessin Elisabeth von Braunschweig 
schon im Juli gefeiert werden sollte und der König bei die- 
ser Gelegenheit seine Oper wieder in ihrem alten Glänze 
sehen wollte. Trotz der nach dem Kriege aufs Aeusserste 
erschöpften Kasse wurden doch acht neue Decorationen von 
Bibiena gemalt, die Costüme durchweg neu und auf das 
Prachtvollste angefertigt, und so am lOten Juli die Oper ge- 
geben, nach Beendigung derselben das Theater aber zu ei- 
ner Redoute eingerichtet Am 20ten wurde Oper und Re- 
doute wiederholt. Obgleich die übrigen Sänger und Sänge- 
rinnen noch die alten, oder die wenigen neuen doch nur un- 
bedeutend waren, so gelang es doch dem ausserordentlichen 
Talente Condalinis, den unbedingten Beifall des Königs und 
des Publicums zu erhalten, so dass er am andern Tage schon 
mit 3000 rtl. Gehalt engagirt wurde und die Versicherung 
erhielt, dass, wenn er Zeitlebens in Berlin bliebe, fiir ihn 
gesorgt werden solle. Ägricola war zwar weder ein Graun 
noch ein Hasse, dessen ungeachtet fand seine Musik Aner- 
kennung und Beifall. Wollte man die damaligen Opern nach 
dem jetzigen Standpunkte der Kunst beurtheilen, so würden 
nur wenige derselben Gnade, aufgeführt aber sogar Zurück- 
weisung finden, auch lässt sich gar nicht sagen, dass irgend 
eine Oper damals mehr gefallen habe als die andere. Mochte 
sie gut oder schlecht sein, so wurde sie unabänderlich die 
vorher bestimmten Male gegeben und nur selten später wie- 
der einmal, und dann nur aus Noth, hervorgesucht Uebri- 
gens wurde bei Gelegenheit dieser Vermählung auch Opera 
buffa und zwar am 18len // Füosofo dt Campagna gegeben 
und am 21ten wiederholt 



— 155 — 

Der Mangel eines tüchtigen Operndichters hatte sich auch 
fühlbar gemacht, und es wurde daher der Abb6 Landi aus 
Italien verschrieben, der im December ankam und zwei 
Sängerinnen, Signora Gireüa und Signora Grandis mitbrachte, 
welche Graf Cataneo für den König engagirt hatte. Der Tod 
der Markgräfin von Schwedt verhinderte indessen ihr Auftre- 
ten so wie den Beginn des Camavals im Monat December 
überhaupt, und erst 

1766 am 17ten Januar wurde AchiUe in Sctroe mit der alten 
Besetzung, im Februar aber die schon 1745 gegebene Hassi- 
sche Oper Lucio Papirio mit den genannten beiden Sänge- 
rinnen gegeben. Beide missfielen dem Könige durchaus und 
zwar so sehr, dass Signora Gireüa gleich nach dem ersten 
Auftreten entlassen wurde und die Moüeni (Agricola) für sie 
eintreten musste, die andere aber bis zum Ende des Cama- 
vals dreimal sang, dann jedoch ebenfalls nach Italien zurück 
geschickt wurde. Durch Alles dies war der König verstimmt, 
und bestellte sogar keine neue Oper, ein Beweis, dass die 
Agricolasche Musik es doch nicht vermocht, ihn auf die Länge 
za befriedigen. Als daher im September bei Anwesenheil 
des Markgrafen von Anspach Oper gegeben werden sollte, 
wurde die 1746 gehörte Oper Cajo Fahrido von Graun mit 
den von C. Fechhelm^) neu aufgemalten Decorationen wieder 
hervor gesucht, und als auch diese in der Ausführung ausser 

') Carl Friedrich Fechhelm^ 1723 in Dresden geboren, kam mit Joseph 
Galli Bibiena nach Berlin, verliess aber i 756 seinen Meister und stu- 
dirte bei Bellavita. Er wurde beauftragt, die während des siebenjährigen 
Krieges verdorbenen Decorationen neu aufzumalen, bewarb sich dann um 
Stelle eines König!. Decorationsmalers, der KOnig aber schlug es am 
25ten März 1767 ab. „Pour ce qui est du peintre Fechhelm, je ne 
saurois lui accorder une pension, jusqu'ä ce qu'il ait fait quelque nou- 



— 166 — 

Concialini dem Könige nicht besonders gefiel, am 23ten und 
24ten die Opera buffa H Conte Caramella in Sanssouci gege- 
ben. Es scheint überhaupt, als habe der König um diese 
Zeit seine Freude an der Italienischen Oper verloren, wozu 
die Verwaltung des Barons von Pöllnitz auch wohl beigetra- 
gen haben mag. Ueberhaupt ist das Yerhältniss, in welchem 
Baron von Pöllnitz sowohl zum Könige als zu der Oper stand, 
nicht recht klar, denn 1765 im April ernannte der König 
plötzlich den Grafen Alexander von Golofktn zum Directeur 
des Spectacles^), und dieser schloss die Contracte ab (Bei- 
lage XXY), so dass Pöllnitz eigentlich das Amt eines Unter- 
directors gehabt zu haben scheint Uebrigens ist von der 
sonstigen Wirksamkeit des Grafen von Golofkin nicht yiel 
zu sagen, ausser, dass in diesem Jahre ein Reglement heraus 
kam, welches bestimmte, wie es mit den Plätzen im Opern- 
hause gehalten werden sollte, und für 1 gr. verkauft wurde. 
Es finden sich in demselben alle Logen, welche die verschie- 
denen Behörden beanspruchen konnten, verzeichnet, und 
sonst Vieles, was einen interessanten Rückblick auf die 
Standesverhällnisse jener Zeit gewährt 

Im December wurde zum Camaval die Oper Cajo Fabrizio 
wiederholt, worin die bereits im Mai nach Berlin gekommene 
Tänzerin la Mantuanina (Maria Burgioni) sich zum ersten 
male sehen Hess und sehr gefiel, so dass wenigstens das 
BaUet sich der Könighchen Zufriedenheit erfreute, besonders 
da der Balletmeister Franz Salamon^ genannt di Viena, um 
diese Zeit nach Berlin kam, und durch seine geschickten 

velle däcoration^ ne pouvant juger de son habilet^ par les raccommodages 
qu'il a faits jusqu'ici/' Von da ab legte er sich auf Fresco-Malerei in 
den Pallästen von Berlin und Potsdam. £r starb 1785. 
*) Berlinische Zeitung No. 45. 



— 157 — 

Arrangements ein neues Leben in diesen seit Abgang der 
Barbarina in Verfall gerathenen Theil des Opemwesens 
brachte. Er und die ifantoonina* ersetzten den abgehenden 
Denis und seine Frau vollkommen. 

1767. Auch in diesem Camaval kam keine neue Oper, 
sondern die Graunschen Feste galanti als Wiederholung an 
die Reihe. Die Unzufriedenheit des Königs mit dem Zu- 
stande seiner Oper, über den Mangel an guten Deutschen 
Componisten und die verfehlten Debüts, äusserte sich in 
einer grossen Oeconomie, die von dieser Zeit an sich ganz 
im Gegensatze gegen die Zeit vor dem siebenjährigen Kriege 
bemerklich machte. Die eigenhändige Nachschrift zu der Bei- 
lage XXIX ,,Faites des amours k bon march6, car k Mon 
^e on ne les paye plus cher^^ giebt Aufschluss über diese 
Erscheinung. Der König war kälter geworden und glaubte 
sich von seinen Dienern bei jeder Gelegenheit übervortheilt 
Daher sein Misstrauen gegen jeden Kosten-Anschlag, und 
seine strenge ControUe über alle Rechnungen. Doch fühlte 
er wohl, dass es mit den Wiederholungen schon früher gege- 
bener Opern doch nicht lange mehr gehen würde, und Agri- 
cola erhielt den Auftrag, die vom Abb6 Landi gedichtete Oper 
Amor und Psycho zur Vermählung der Prinzessin Wilhelmine 
mit dem Erbstatthalter von Holland zu componiren. Diese 
fand im October statt, und die Oper wurde am 5ten gegeben. 
Die Decorationen waren von Fechhelm und die Ballets von 
Salamon. Auch diese Oper scheint dem König nicht beson- 
ders gefallen zu haben (Beilage XXX), wenigstens nennt 
er die Recitative „mauvais d'un bout a l'autre^^ Dessen 
ungeachtet wurde sie zur Wiederholung für den Camaval 
im December bestimmt, zugleich aber die Wiedereinstudi- 



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rang der Oper Ifigema in AuUde yon Graun (1749 componirt) 
befohlen'). 

1768. Die Besetzung der Iphigenia hatte indessen bei 
dem gänzlichen Maugel einer tüchtigen ersten Sängerin ihre 
Schwierigkeiten, denn wer hätte die Astrua ersetzen können? 
Da kam der König auf den Gedanken, die Iphigenia von dem 
Castraten Coli und die Deidamia ebenfalls von einem Ca- 
straten singen zu lassen, was unendliches Gespött unter dem 
Publicum hervor rief, sich aber dessen ungeachtet als das 
beste Auskunftsmittel erwies, weil eben keine Sängerinnen 
zu haben waren. Die Decorationen zu dieser Oper hatten 
Giavan Carlo Gnglielmo Rosenberg und Federico Fischer 
(ambidue compagni, wie das Opernbuch sie nennt) gemall, 
weil der König von Fechhelm nichts wissen wollte. Da beide 
Namen nadiher nicht wieder vorkommen, so scheinen auch 
ihre Arbeitai dem Kömge nicht besonders gefallen zn haben. 
Für das Ballet wollte der König noch einige Tänzerinnen; 
aus dem Berichte von Pöllnitz geht aber hervor, dass dies 
(ur den Gehalt, der dafiir bestimmt wurde, unmöglich war. 
Im Herbste dieses Jahres starb der Sänger Romani, 
welcher 1744 nach Berlin gekommen war und sich sehr 
beliebt gemacht hatte. Auf den Bericht über seiaea Tod 
antwortete der König dem Baron PöUnitz^: „J'ai regu 
votre lettre de notification du 11 de ce mois du d6c^s de 
Romani, et n'ai k vous dire en r6ponse que Mes chapons et 
ponlardes en porteront le deuil"^. An seine Stelle wurde 

*) Eine aasftahrliche Recension der Oper Amor und Psyche befindet sich im 
8.StQ<k, Septb. 1769, der „WöchenU. Nachrichten die Munk betreffend*'. 

«) 12ten November 1768. 

3) Die musikaiische Correspondenz (Zeitschrift) 1790 erzählt folgende Anec- 
dote von diesem Romani: 



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Grassi^) aus Dresden verschrieben, welcher zum Camaval 
nach Berlin kam und nach dem ersten Auftreten fest enga- 
girt wurde. 

Im Juli dieses Jahres wurde das neue Palais im Park von 
Sanssouci so weit fertig, dass der König es beziehen konnte. 
Es enthielt auch ein Theater, welches, wie schon erwähnt, 
ganz nach dem im Schlosse zu Potsdam befindlichen gebaut, 
nur grösser war und noch gegenwärtig in seiner ursprüng- 
lichen Gestalt vorhanden ist. Am IQten wurde für das Ora- 
torium La conversione dt San Ägostino von Hasse durch die 
Capelle und die Sänger der grossen Oper ausgeführt, am 
21ten und 22ten Französisches Theater und am 29ten Opera 
buffa La Statua gegeben. Der König hatte also nun vier 
Theater (Opernhaus, den Comödiensaal in Berlin und die 
beiden Theater im Potsdamer und neuen Palais), auf denen 

, yDer Opernsänger Romani liebte sehr den Trunk und beging oft im 
Rausche Unanständigkeiten und Ausschweifungen. In einer General- 
probe fiel es dem Könige einmal ein, auf die Rühne zu gehen, um 
den Sängern etwas zu sagen. Dies that er auch und zwar laut und 
heftig, so dass der in einer Garderobe bei einer Flasche Pontak und 
einem Kapaun sitzende Romani fürchtete, er werde in das Zimmer 
kommen. Voller Angst flüchtet er sich in einen leeren Garderoben- 
schrank. Kaum ist er aber mit seinem Wein und seinem Kapaun in 
demselben, als der Schrank umstürzt und so auf die Thür fällt, dass 
Romani nicht heraus kann. Hülflos bleibt er so liegen, bis man ihn 
auf der Rühne vermisst. Er wird überall gesucht und endlich über 
und über mit Wein roth gefärbt und mit Fett -beschmutzt aufgefunden. 
Friedrich II befiehlt, dass er sich nicht umziehe, sondern in diesem 
Zustande zu seiner Scene auf der Rühne erscheinen musste. Als er 
verlegen und bestürzt hervortrat, rief ihm der König lachend zu: „Aha, 
Signor Romanil womit man sündigt, damit wird man auch gestraft^' 
1) Luigi Grassi (in dem Gerberschen Lexicon von 1790 irrthümlich Af^ 
ianio genannt) war ein Römer und blieb von 1768 bis 1788 in Berlin, 
worauf er mit 500 Thalern pensionirt wurde, nach Italien zurück ging 
und 1789 zu Pisa starb. 



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er abwechsehd spielen Hess. Ausser diesen befanden sich 
auch in Charlottenburg, Monbijou, Schönhausen und Sans- 
souci Ideine practicable Bühnen, auf denen bei besonderen 



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Veranlassungen gespielt wurde, so dass an geeigneten Lo- 
calen wahrlich kein Mangel war. Bei Gelegenheit der Ver- 
mählung des Prinzen Friedrich von Braunschweig mit der 
Prinzessin Auguste von Würlemberg Oels, welche am 5ten 
September in Breslau statt fand, Hess der König seine Opera 
buffa und einige Sänger der Oper dorthin kommen, von de- 
nen die Opern ilRatto deUaSposa und il Contadino aufgeführt 
wurden, so dass sich die 1743 schon von dem Sänger Gas- 
parini angeregte Idee einer Reise des Opempersönals im 
Gefolge des Königs nach Breslau, 26 Jahre später realisirte. 
Zum Camaval wurden für den December Calo in Utica 
von Hasse mit dem neuen Tenoristen Grassi^ fiir den Januar 

1769 aber Orfeo von Graun bestimmt, weil der Kömg sich 
immer noch nicht entschliessen konnte, bei einem andern 
Componisten eine Oper zu bestellen. Grasst wurde zwar 
nicht so gut als Romani gefunden, musste aber doch engagirt 
werden. So war denn ausser Conctaltni kein Talent von er- 
stem Range in Berlin, und das Interesse des Königs an seiner 
Oper nahm ersichtlich ab. Wir begnügen uns daher, hier 
anzuführen, dass Ende October Cato in Utica wiederholt, im 
December Didone abbondonata und 

1770 im Januar Phaethon und il R^ Pastore, die letzte Oper 
mit der Sängerin Farineüa (wahrscheinlich eine Tochter der 
früheren Maria Camal), gegeben wurde; im Juli (26) auf 
dem Theater des neuen Palais die Opera buffa Lavaro pu- 
nitOy am Iten October ebenda der Re Paslore beim Besuch 
der verwittweten Churfiirstin von Sachsen'). Im December 

') Diese ungemein gebildete FOrstin hatte selbst einige Opern geschrieben, 
in Musik gesetzt und unter den vier Buchstaben E. T. P. A. gedruckt, 

11 



- 162 ~ 

(23) begann der Carnaval mit der abermaligen Wiederholung 
des R^ Pastorcj und 

1771 wurde im Januar die Oper Montezuma von Gfraun 
wieder hervorgesucht, zu welcher, wie schon erwähnt, der 
König ebenfalls den Text entworfen^). Von diesem Jahre 
an gewinnt das ganze Opernwesen Berlins eine andere Ge- 
stalt, und das Interregnum, welches seit Beendigung des sie- 
benjährigen Krieges geherrscht, hört auf. Die nächste Ur- 
sache davon scheint die im Februar erfolgte Anstellung des 
Grafen von Zierotin-Lügenau als Directeur des Spectacks 
gewesen zu sein, nachdem Pöllnitz und Graf Golofkin ab- 
gegangen waren. Das Verhällniss, in welchem beide zum 
Könige, zu der Oper und besonders zu einander gestan- 
den haben, ist leider aus den vorhandenen Documenten 



erscheinen lassen. Diese Buchstaben zeigten ihren Namen als Mit- 
glied der arcadischen Gesellschaft in Rom an. Ermelinda Talia Pa$- 
torella Arcada f 1780. Wahrscheinlich wollte der König ihr durch 
AufTührung seines Re Pastore eine Aufmerksamkeit erweisen, da sie 
selbst auch Opern componirt. 

1) Einen BegrifT von dem, was man damals eine Recension der Oper 
nannte, gicbt wohl der 43te Brief der Briefe zur Erinnerung an merk- 
würdige Zeiten und rühmliche Personen. Dort heisst es : „Bei dem An- 
schauen dieser Oper wird sich wohl mancher Zuschauer an das un- 
glückliche Verhängniss des Montezuma erinnert haben, wie jämmerlich 
dieser letzte dasige Regent und mit ihm eine ganze unschuldige Na- 
tion von den Spaniern unterdrücket worden. Eine Oper hat doch immer 
ihr Gutes an sich und es werden öfters durch ihre Vorstellung die 
Gedanken auf Dinge gezogen, welche man sonst unerwogen gelassen 
haben würde. Aus der Abhandlung der Oper lernt man erkennen, wie 
nothwendig es sei, dass ein Staat sich in einem wehrhaften Zustande 
befinde. Man bemerket auch die Folgen einer zu grossen Treuherzig- 
keit und ziehet daraus die Lehre, dass man ganz unbekannten Menschen 
nicht sogleich weiter trauen müsse, als man sie vor den Augen hat.^' 



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nicht genau zu erkennen. Nur ist die Yollständige Unlhätig- 
keil Graf Goloftins und seine Unwirksamkeit auf alles Künst- 
lerische wohl nicht zu bezweifeln, da alle Befehle des Königs 
nur an PöUuitz gingen. Dieser letztere scheint also eine 
Art von technischer Director gewesen zu sein^). Jedenfalls 
hat der König das ünzweckmässige der Theilung des Direc- 
torats unter einen Hofmann und einen Geschäftsmann erkannt, 
und ernannte daher den Grafen von Zierotin Lilgenau zum 
alleinigen Director mit dem Gehält und dem ganzen Geschäfts- 
kreise des verstorbenen Baron Suerts. Das Glück kam die- 
ser neuen Verwaltung durch das Engagement der Mara 
(damals noch Schmelmg'^) entgegen, und mit dem Eintritt 
dieser ausserordentlichen Sängerin in den schon alt gewor- 
denen Kreis der Italienischen Opernsänger gewann das 
Ganze der Berliner Oper einen neuen Aufschwung. Da der 
König nichts von Deutschen Sängern hielt, so war es schwer, 
ihn dazu zu bringen, die damals schon berühmte Schmeling 
zu hören. Graf Zierotin erkannte indessen sehr bald, dass er 
seine Verwaltung nicht besser beginnen könne als mit dem 
Engagement einer solchen Künstlerin, und protegirte ,9Jung- 
fer Schmelingen", wie sie in den Berichten jener Zeit ge- 
nannt wird, gegen die Intriguen der Italienischen Sänger, 

>) Carl Ludwig Freiherr v. PöUnüz geb. 1692, starb 1775 am 23 Juni. 
Ueber seine Schriften und sonst merkwürdigen Lebensverhältnisse sind 
genaue Nachrichten in verschiedenen Werken jener Zeit leicht zugäng- 
lich. Sein Verhältniss zur Italienischen Oper ist aber wenig bekannt. 

2) Elisabeth Mara, geb. Schnieling, wurde 1750 in Cassel geboren, war 
schon im lOten Jahr ein Virtuosin auf der Violine, studirte die Ge- 
sangskunst in London bei dem Castraten Parasidi, und kam 1766 als 
Concertsängerin nach Leipzig, sang 1767 zum ersten Male, von der 
Churffirstin Maria Antonia selbst unterrichtet, in Dresden auf dem 
Theater und kam, als sie noch 2 Jahr in Leipzig geblieben war, nach 
Berlin. 

11* 



164 



welche sich auf alle mögliche Weise dem Deutschen Ein- 
dringling widersetzten. Der König äusserte zwar auf den 




ersten Vorschlag seines neuen Direcleur des Spectades: 
,^Das sollte mir fehlen, heber möchte ich mir ja von einem 
Pferde eine Arie vorwiehern lassen als eine Deutsche in 
nxeiner Oper zur Primadonna zu haben." Indessen gelang es 
doch, den König zu einem Versuche, nicht auf dem Theater 
sondern im Zimmer, zu bewegen, und oft hat die in hohem 
Alter zu Reval lebende Künstlerin dem dort bei Kotzebues 
Theater -Unternehmung angestellten Capellmeister G. A. 
Schneider, dem Vater des Verfassers dieser Geschichte der 
Oper, die folgende Scene erzählt, welche in weiterer Aus- 
führung in der Spenerschen Zeitung 1843 No. 14 gedruckt 
erschien. 



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,,Iii einen 5aal geführt, stand sie lange auf die Ankunft 
des Königs harrend, und sich räuspernd, ob sie auch noch 
bei Stimme sei. Ja, sie schlug auch versuchend einige 
Töne an. Was sie hörte beruhigte sie, und vertrauensvoll 
sah sie endlich die Cabinetslhür des Königs sich öffnen. 
Friedrich II trat ein, sah die sich tief Verneigende starr und 
mit jenen wunderbar leuchtenden Augen an, die so grosse 
Wirkung auszuüben gewohnt waren. Ohne ein Wort zu 
sagen, ging er zum Flügel, und schien wohl eine Viertelstunde 
lang gar keine Notiz von ihr zu nehmen. Dies weckte den 
Stolz des damals einundzwanzigjährigen Mädchens, sie dachte 
an das „i?ferdegewieher" und sehnte den Augenblick herbei, 
wo sie überzeugt war die ungünstige Meinung des gefürch- 
teten Königlichen Kunstrichters zu ihren Gunsten zu ändern. 
Als das Spielen auf dem Flügel aber gar kein Ende nehmen 
wollte, fing sie an, mit grosser Unbefangenheit die Gemälde 
an den Wänden zu betrachten, und unterstand sich sogar, 
dem Könige den Rücken zuzukehren. Hatte der König das 
bemerkt, oder war die Flügelphantasie zu Ende, plötzlich 
winkte er der Harrenden; sie trat ehrfurchtsvoll an das In- 
strument und hörte erschreckt die kurze, nichts weniger als 
freundliche Frage: „Sie will mir also was vorsingen?" — 
„Wenn Eure Majestät die Gnade haben es zu erlauben" 
stotterte sie, und setzte sich dann auf denselben Stuhl, den 
der König, aufstehend, ihr anwies. Jetzt fühlte sie sich in 
ihrem Elemente, und sang eine längst eingeübte Italienische 
Arie, die eigentlich für die berühmte Astrua componirt wor- 
den war. Schon bei den ersten Tönen wurde der König 
aufmerksam, näherte sich ilir, und sprach unzweideutig sei- 
nen Beifall aus, als sie geendet halte. Sie wollte aufstehen, 
aber die Prüfung war noch nicht vorüber. 



— 166 — 

,,KanQ Sie vom Blatt singen?^^ 

„Ja, Ew. Majestät" 

„Na, höre Sie mal, das ist schwer!" 

„Mein Vater hat mich darin unterrichtet." 

„So ! Getraut Sie sich Alles zu singen, was Ich Ihr vorlege?" 

„Zu singen, und auch auf dem Clavicembel zu begleiten, 
Ew. Majestät" 

Kopfschüttelnd holte der König aus seinem Cabinet die 
Partitur der Oper Piramo e Tisbe von Hasse, legte sie selbst 
auf das Pult und stellte sich hinter sie, um zu sehen, wie sie 
diese Aufgabe lösen würde. Elisabeth sah erst Blatt für 
Blatt durch, um den Text kennen zu lernen. Der König 
wurde ungeduldig und sagte: „Sieht Sie wohl, Sie muss sich 
die Noten doch erst vorher ansehen." 

„Nicht der Noten wegen, Ew. Majestät, sondern der Worte 
wegen, damit ich doch weiss, mit welchem Ausdruck ich sie 
zu singen habe." 

„Sol — Also deswegen? — Na, nun fange sie aber anl" 

Und Elisabeth fing an. — Gleich das Recitativ sang sie 
mit ausserordentlicher Bravour, als hätten sich ihre Kräfte 
auf das Doppelle gesteigert Dabei gab sie besonders den 
Worten ihr volles Gewicht und erreichte gerade dadurch 
eine Wirkung, die der König bis dahin an Italienischem Ge- 
sänge nicht gekannt. Freundlich klopfte der König ihr auf 
die Schulter und sagte einmal über das andere, ja fast nach 
ieder Phrasft! hraval Nun frinfr ps zum AHaain. Flip innfirA 



- 167 — 

und sang die ersle Hälfte des Adagio so schlecht, tonlos und 
mit erzwungener Rauhigkeit, dass der König unwillig mit 
den Händen auf die Stuhllehne klopfte und sich umdrehte. 
Das hatte sie eben gewollt. 

.,y erzeihen Ew. Majestät, es ist mir etwas in den Hals 
gekommen, darum habe ich so schlecht gesungen, dass man . 
es fast für das Wiehern eines Pferdes halten musste. Haben 
Ew. Majestät die Gnade, ein Da capo zu erlauben. 

Und ohne die Erlaubniss weiter abzuwarten, sang sie 
mit dem ganzen Schmelz ihrer Wunderstimnie noch einmal, 
gmg dann zum Allegro über, stand mit der letzten Note auf, 
und machte lächelnd eine tiefe Verbeugung vor dem Könige. 

Erfreut sagte dieser: „Höre Sie mal, Sie kann singen; 
will Sie in Berlin bleiben, so kann Sie bei meiner Oper an- 
gestellt werden. Wenn Sie raus geht, so sage Sie doch dem 
Kammerlakaien, er soll mir gleich den Zierotin herschicken, 
will mit ihm wegen Ihr reden. Adieu^^ 

In Folge dieser Prüfung wurde sie sofort mit 3000 rtl. 
Gehalt engagirt, Porporino und Concialmt angewiesen, sich 
mit ihr wegen der Vortragsweise des Italienischen Gesanges 
zu beschäftigen, und so trat sie im März ^) (der Tag ist nicht 
zu ermitteln gewesen) in Potsdam zuerst in der Oper Piramo e 
Tishe von Hasse (1769 in Wien componirt, und in einem Ciavier- 
Auszuge Yon Rellstab d. Y. gedruckt) auf. Concialini hatte 
neben ihr die Hauptrolle und beide gefielen so ausserordent- 
lich, dass von diesem Augenblicke eine andere uod bessere 
Periode für die Oper begann, wie sie nach dem Engagement 
der Barbarina früher fiir das Ballet begonnen. 



— 168 — 

Der König war io diesem Jahre viel voo Potsdam und 
Berlin abwesend^ und es fand daher trotz der neuen glänzen- 
den Acquisition für seine Oper kein musikalisches Schauspiel 
bis zum Camaval statt Der neue Directeur wollte die allen 
verjährten Missbräuche reformiren^ und namentlich in Hin- 
sicht der Kosten wo möglich Alles wieder auf den Fuss 
bringen, wo es in den ersten Jahren der Regierung Friedrichs 
gewesen. Er stiess aber hierbei auf den entschiedenen Wi- 
derstand des Königs, der, älter geworden, sich nicht mehr 
zu so grossen Ausgaben verstehen wollte und Alles in be- 
stimmte Etats gebracht hatte, die unter keiner Bedingung 
überschritten werden durften. Dabei (man sehe Beilage XXXII 
No. 4) behielt er sich ausschliesslich die oberste Leitung 
seiner Sänger und Capelle vor, so dass selbst in den grössten 
Kleinigkeiten an ihn berichtet und sein Wille eingeholt w^er- 
den musste. Aus den eben erwähnten Beilagen geht nun 
hervor, dass der König bei jeder neuen Oper 3000 rtL für 
die Decorationen, 2500 für die Kostüme, 1200 für ein neues 
Corps de Ballet und 500 rtl. für die Beleuchtung bestimmte, bei 
welcher letzteren Summe er sich immer noch übervortheilt 
glaubte, was wahrscheinlich darin seinen Grund hatte, dass 
1743 und 1744 die Beleuchtung jeden Abend 2771 rtl. kostete 
und der König vielleicht mancher Betrügerei dabei auf die 
Spur gekommen sein mochte. Ueberhaupt glaubte er sich von 
jedem Ouvrier,derfiirdas Theater arbeitete, betrogen. Diesem 
Misstrauen entsprang wahrscheinlich die Anstellung eines 
besondern Conlroleurs fiir die Opemverwaltung, eines ge- 
wissen Secretairs Sliegel, welcher jeder Ausgabe die von 
dem Directeur des Spectacles gemacht wurde genau auf die 
Finger sah und dadurch im fortwährenden Streite mit dem 
Grafen Zierolin und später v. Arnim lag. — Die darauf bezog- 



— 169 — 

UcheD Beilagen XXXU und XXXIIl geben darüber näheren 
und interessanten Au&chluss. 

Im Carnayal wurde zuerst Britanniens von Graun gegeben, 
in welcher die Schmeling jene durch sie berühmt gewordene 
Arie ,,Mi paventi^^ sang und das Publicum so entzückte, dass 
alle früheren Sängerinnen vergessen wurden. Im Orchester 
dirigirte zuerst Franz Benda als Concertmeister, da der Con- 
certmeister Johann Gottlieb Graun, der Bruder des Compo- 
nisten, am 27 October gestorben war. 

1772. Die zweite Oper dieses Camavals war: Oresle e 
Pyladey Text von Landi^ Musik von Agricola. Diese Oper 
hatte der König zwar bestellt, aber in den Proben hatte 
sie so wenig seinen Beifall, dass er bei der Aufluhrung gar 
nicht erschien und diese vielleicht gar nicht erlaubt hätte, 
wenn nicht noch eine neue Oper gewünscht worden wäre. 
Kaum war sie gegeben, so erhielten Landi und Agricola den 
Befehl sie vollständig umzuarbeiten und es entstand nun die 
Oper / Greci in Tauride^ welche am 24 März im neuen 
Palais gegeben oder eigentlich wiederholt wurde, wodurch, 
wie eine Notiz aus jener Zeit sagt, „beide durch eine bessere 
Ausarbeitung den erwünschten Beifall erhielten." — Da die 
Oper zu Ehren der Königin von Schweden und der Her- 
zogin von Braunschweig aufgeführt wurde, so eröffnete ein 
besonders dazu geschriebener Prolog das Schauspiel. Die 
Capelle hatte indessen bedeutende Verluste erlitten. Georg 
Benda war als Capellmeisler nach Gotha gegangen, Johann 
Benda^ Petrini^ Czart und Bach fehlten, so dass auf Ersatz 
gedacht werden musste, der zwar eintrat, aber die Abgegan- 
genen nicht gleich vergessen machen konnte. 

Kaum in der Gunst des Hofes und des Publicums befestigt. 



— 170 - 

begannen von Seiten der Schmeling jene Kette von Unannehm- 
lichkeiten und Störungen in ihren Familienverhältnissen, die 
dem Könige später so viel zu schaffen machten. Sie fühlte 
sich selbstständig und wollte der Abhängigkeit von ihrem 
Vater, welcher sie durch seine Strenge und seinen Eifer zu 
dem gemacht was sie war, entgehen. Beide veruneinigten 
sich so sehr, dass die Tochter es wagte den König durch den 
Grafen Zierotin um die Verweisung ihres Vaters aus Berlin 
zu bitten. Wie der König darüber entschied, ist in der Bei- 
lage XXXII No. 16 nachzulesen. 

Ueberhaupt scheint in dieser Beziehung, was nämlich die 
Familien- und häuslichen Verhältnisse der Sänger und Sän- 
gerinnen betrifft, ein wahrhaft patriarchaliches Verhältniss zu 
dem Könige geherrscht zu haben, und da auch der kleinste 
Umstand damals zur Kenntnissdes Königs kam, so durften diese 
eigentlich keinen Schritt thun, ohne sich unmittelbar control- 
lirt zu sehen. So schreibt der König unter andern am 
4 October aus Potsdam an den Grafen Zierotin, dass er aus 
dem Rapport der Berliner Thorwache ersehen, wie der Sän- 
ger Tosoni nach Dresden abgereist sei, wozu er doch keine 
Erlaubniss gehabt Zierotin solle sich erkundigen, aufweiche 
Art er es möglich gemacht, Postpferde zu erhalten, worauf 
Zierotin berichtet, dass es nicht der Sänger Tosoni sondern 
dessen Bruder gewesen sei, der nach Italien zurückkehre, 
was den König zu einem abermaligen Schreiben unterm 
6 October veranlasste, worin er sich zufirieden gestellt erklärt 
(Beilage XXXn No. 21 und 22). Ueberhaupt ergeben die 
Beilagen aus dieser Zeit, dass der König sich um die gross- 
ten Kleinigkeiten bei seiner Oper bekümmerte^ und sich bei 
Allem die Entscheidung vorbehielt^ obgleich er wiederholt 
aussprach, dass er mit den Details nicht belästigt sein woUte. 



- 171 — 

Geschah indessen irgend etwas ohne seinen Befehl oder 
Kenntniss, so war der Verweis gleich da, und die Stellung 
des Intendanten muss durch dieses eigenthümliche Verhält- 
niss eine sehr schwierige gewesen sein. 

Anzuführen dürfte noch sein, dass Rödenbeck angiebt, am 
4 Juli sei im neuen Palais die Oper Phädra und am 6 eben 
da die Oper Mahomet gegeben worden. Beides waren keine 
Opern, sondern die französischen Trauerspiele dieses Namens. 

Zum Carnayal wurde die Oper / Greci in Tauride wieder- 
holt, ein Beweis, dass der König mit der befohlenen Umar- 
beitung zufrieden gewesen war, und 

1773 im Januar die wieder einstudirte Oper Merope von 
Graun (1756 componirt). Der diesjährige Carnayal zeichnete 
sich durch besondere Pracht aus, indem eine grosse Zahl 
berühmter Personen, unter andern der Bischof von Ermeland, 
Fürst Krasinskj demselben beiwohnten. Auch das Französi- 
sche Theater trug dazu bei, es gab die Athdlie von Racine 
und hatte darauf gerechnet, dass der König für die dazu 
nöthigen Chöre die Chorsänger der Oper bewilligen würde; 
der König äusserte indessen, dass die Französische Musik 
nichts tauge, und die Chöre gesprochen werden sollten, wobei 
es denn auch sein Bewenden hatte. — Die Schmelinghaite wäh- 
rend der Veruneinigung mit ihrem Vater die Bekanntschaft 
des Violoncellisten Ignatius Mara, eines Böhmen von Geburt, 
gemacht und ein Liebesverhältniss mit ihm angeknüpft, wel- 
ches zu ihrer späteren so unglücklichen Ehe mit demselben 
führte. Der König sah dies sehr ungern, theils weil ihm der 
liederhche Charakter seines Kammermusikus bekannt war, 
theils weil er flirchtele, dadurch die erst so kurze Zeit ge- 
wonnene vortreffliche Sängerin zu verlieren; denn da er 



— 172 — 

die Erlaubniss zur Heirath rundweg abschlug, so dachte 
Jungfer Schmeltngen nur darauf, aus Berlin fortzukommen^ 
um der Abhängigkeit von ihrem Vater zu entgehen und 
ihren Geliebten heirathen zu können. Dazu wurden denn 
auch allerlei Vorbereitungen gemacht, die wie gewöhnlich 
nicht verschwiegen blieben, auch wohl nicht verschwiegen 
bleiben sollten. 

Doch glaubte sie erst nach Beendigung des Camavals 
einen so gewagten Schritt thun zu können, wo eine längere 
Zeit der Ruhe eintrat, obgleich ihr doch wohl bei dem be- 
kannten Character des Königs und dem Nachdruck, mit dem 
er seinem Willen in Europa Anerkennung zu verschaffen 
wusste, einige Zweifel aufgestiegen sein mögen. Jeder ihrer 
Schritte wurde auf besonderen Befehl des Königs beobachtet, 
und so das später so beliebt gewordene „Durchgehn" der 
Sängerin allerdings verhindert — Mara, der nur zu gut 
erkannte, welchen Vortheil ihm die Heirath bringen werde, 
redete ihr zu, sich auf alle Weise dem Willen des Königs zu 
widersetzen, und so wo möglich dessen Einwilligung zu er- 
zwingen. Unter diesen Umständen kam es dem Könige ge- 
rade erwünscht, dass Mara sich ungezogen gegen den Prinzen 
Heinrich benahm. Worin diese Ungezogenheit (indigne con- 
duite) bestanden, ist nicht zu ermitteln gewesen, dagegen die 
sofortige Verhaftung und Abführung des „mauvais sujet** nach 
Spandau unbezweifelt festgestellt. Natürlich war Jungfer 
Schmeltngen ausser sich und bestürmte den König sowohl 
direkt als indirekt um Freilassung ihres Geliebten und Wie- 
dereinsetzung in seine Stelle als Kammermusikus. Dies wäre 
indessen alles vergebens gewesen, wenn der Contract der 
Sängerin nicht um dieselbe Zeit zu Ende gelaufen wäre, 
was der König nicht wusste, indem er sie, gleich den Italic- 



— 173 — 

Dischen Sängeni, auf unbestimmte Zeit an seinen Dienst ge- 
fesselt glaubte. — Die Yorsichtsmaassregel, welche der Graf 
Zierotin der Deutschen Fünsäerin gegenüber gebraucht, schlug 
hier zum Nachtheile desselben aus; denn sie wollte nun 
durchaus fort, da man sie schlecht behandle, und setzte auf 
ihr ferneres Bleiben nicht allein die Freilassung ihres Ge* 
liebten, die Erlaubniss zur Heirath, sondern auch eine be- 
deutende Zulage. Es gab natürlich Unterhandlungen aller 
Art, und der König gab endlich nach; vollzog indessen den 
neuen lebenslänglichen Contract nicht eher, bis er sich bei 
einem Hofconcert in Potsdam Ende März persönlich über- 
zeugt, dass ihre Stimme nichts durch die„Catastrophes qu'elle 
ayait essuy^es depuis quelque temps'^ verloren habe. Dass 
der König nur sehr ungern nachgegeben, weil dergleichen 
ganz gegen seine sonstige Gewohnheit war, beweist, dass er, 
als die Unannehmlichkeiten mit seinem Lieblinge begannen, 
er sich sofort nach einer andern Sängerin umsah und die 
Nina Potenza aus Italien verschrieb, die wo möglich die 
Schmeling ersetzen sollte. — 

Im Juli fanden in Potsdam bei Gelegenheit der Anwesen- 
heit vieler hohen Herrschaften, besonders der Erbstatthalterin 
Prinzessin von Oranien, grosse Festlichkeiten statt; so am 
9ten Opera buffa RMarchese viUano, am löten Oper Merope, am 
18 und 20 Oper FEroe Ctnese yon Hasse und nach der Auf- 
führung jedesmal Ball. — Der König zeigte bei solchen Ge- 
legenheiten gern die Pracht seines neuen Palais, und von 
jetzt an wurde nur selten auf dem Theater des Schlosses in 
der Stadt selbst gespielt. 

Die bisherigen Decorationsmaler hatten dem Könige nicht 
genügt, und er engagirte daher durch Cataneo den berühmten 



— 174 ^ 

Gagl%ari^\ welcher in diesem Jahr in Berlin eintraf und so- 
fort 6 Decorationen für die grosse Oper malte und mit nicht 
weniger als 12000 rtl. bezahlt würde. Gleich bei seinem 
Eintreffen, und nachdem er sich über seine Stellung unter- 
richtet, kam er beim König ein, dass ihm die Oberaufsicht 
über das grose Decorations-Magazin übertragen würde, weil 
es vorzüglich auf die gute Aufbewahrung der Decoralionen 
ankäme, damit diese nicht vor der Zeit unbrauchbar würden. 
Zugleich verlangte er die Anstellung eines geschickten Ma- 
schinen-Meisters, der gelernter Tischler sein musste. Beides 
wurde gewährt 

Im Juli (12) starb der Hofcomponist Ouanz"^) im 77ten Jahr 
seines Alters. Er war zwar nicht Capellmeister, sein Einfluss 

') Bernardtno Gagliari (oft Galliari geschrieben), 1709 in Turin geboren, 
war Königl. Sardinischer Theatermaler, als der König ihn nach 
Berlin berief. Ausser den Theater-Decorationen malte er auch, und 
zwar auf eigene Kosten, die Kuppel der Katholischen (St Hedwigs) 
Kirche, so wie das Altarbild der heiligen Hedwig vor einem Cnicifixe. 
Er blieb nicht lange in Berlin, sondern kehrte unzufrieden mit den 
hiesigen Verhältnissen nach Italien zurück. 

a) Quanz war 1697 zu Oberscheden bei Göttingen geboren und von sei- 
nem Vater zum Hufschmiede bestimmt, kam aber nach dem Tode des- 
selben, seiner ursprünglichen Neigung folgend, zu seinem Onkel, dem 
Stadtpfeifer in Merseburg, in die Lehre; 1714 wurde er Kunstpfeifer- 
Geselle, ging nach Dresden und als er hier kein Unterkommen fand, 
nach Radeberg, wo er lange Gesell blieb, bis die sogenannte „Pol- 
nische Capelle*' in Dresden organisirt wurde. — Hier zeichnete 
er sich so sehr aus, dass der Churfürst und König ihm erlaubte, im 
Gefolge des Polnischen Gesandten nach Italien zu gehen. Drei Jahre 
blieb er dort, ging dann nach England und kehrte 1728 mit 250 rtl. 
Gehalt nach Dresden zurück, lieber sein Engagement in Berlin siehe 
Seite 50 und 51 dieser Geschichte. Er stand sich auf 2000 rÜ. Ge- 
halt, erhielt seine Compositionen besonders bezahlt und auch für jede 
Flöte, die er für den König verfertigt, 100 Dukaten. Das ihm ge- 
setzte Denkmal stellt die Muse der Musik dar, die ihr Haupt träumend 
auf die Hand stützt. Mit der linken Hand hält sie die rechte Hand 



- 176 — 

auf die Oper und Capelle aber durch den fast täglichen Um- 
gang mit dem Könige so bedeutend, dass eigentlich ohne 
seinen Willen und die Anwendung seines Einflusses nichts 
geschah. Er hatte es verstanden sich bis zu seinem Tode in 
der unwandelbaren Gunst seines Herrn, Königs udd Schülers 
zu erhalten und war vorsichtig genug gewesen, diese Gunst 
nie zu missbrauchen. Vor dem Ausbruch des siebenjährigen 
Krieges erzählte man sich in Berlin folgendes Witzwort über 
ihn; „Wer regiert eigentlich den Preussischen Staat? Ant- 
wort: Das Schoosshündchen der Madame Quanz, denn der 
König lässt sich von Quanz, Quanz von seiner Frau und Ma- 
dame Quanz von ihrem Schooshunde regieren.^^ In aufrichti- 
ger Trauer um den Verlust des langjährigen treuen Dieners 
Hess ihm der König auf dem Kirchhofe vor dem Nauenschen 
Thore in Potsdam ein sinniges Denkmal errichten. 

Der Carnaval bagann am 24 December mit der Oper Arminius 
von Basscj welche diesmal durch die Mitwirkung der Mara-^ 
Schmeling einen ausserordentlichen Erfolg hatte, und auch 
durch die prachtvollen Decorationen Gagliaris das Publikum 
entzückte. So zufrieden der König mit den Decorationen 
selbst war, so ungnädig sprach er sich über die in Schlacht- 
ordnung aufgestellten Römischen Legionen aus, welche Ga- 
gliari auf Pappe gemalt hatte, so dass ihr Vorschieben den 
lächerlichen Eindruck eines Puppenspiels machte. Da der Kö- 
nig sich in dem Aussprechen seiner Unzufriedenheit nicht ge- 
nirte, so fand sich Gagliari dadurch beleidigt und verliess bald 
darauf Berlin, glücklicher Weise nicht ohne seinen Schüler udn 
Verwandten Verona hier zurückzulassen. Die während der 
Uneinigkeit mit der Mara engagirte Nina Potenza sang in 

eines Jünglings umschlossen, der eine gesenkte Fakel trägt — Eine 
Doppclflöte, ein Notenbuch, Lorbeerkranz und Flöte zieren das Postament. 



— 176 — 

dieser Oper zuerst, und obgleich nur als secunda donna, miss- 
fiel sie doch dem Könige so vollständig, dass sie augenblidc- 
lich entlassen werden sollte^ was indessen ihres Contrects 
wegen nicht so rasch ging, sondern erst im Herbst dieses 
Jahres geschah. — 

1T74. Zum Schluss des Camavals die Graunsche Oper 
Demofoontej in welcher man nach dem Opembuche ,,bei der 
diesjährigen Vorstellung eimge Stellen verändert, auch die 
berühmte Poesie des Herrn Abtes Metastasio zur Bequem- 
hchkeit des hiesigen Theaters abgekürzt, auch hier und da 
verbessert hatte." — Das Ballet von Salomon dt Viena, die 
„gemalten Auszierungen der Bühne" (Decorationen) von Ga- 
gliari. Die Besetzung war: 

Demofoonte Sig. Lutgt Grassi 

Timante Carlo Concialini 

Discea la Signora Schmeltng 

Creusa Sig. Giov. Gasperini 

Cherinto Sig. Giov. Coli 

Maturio Porporino 

Adraste Paolo Bedeschi. 

Das Ballet wie gewöhnlich nur 6 Paare Figuranten, die Solo- 
tänze durch Solomon Desplaces, die Mantuanina und Madame 
Desplaces. 

Noch immer konnte der König sich nicht entschliessen, 
einem andern Componisten die Composition einer neuen Ita- 
lienischen Oper aufzutragen, und er zog es vor lieber die 
alten schon früher gesehenen neu einzustudiren. Vergebens 
schlug Graf Zierotin vor, eine oder die andere der vielen 
Opern kommen zulassen, welche in jedem Jahre in Italien neu 
erscheinen. Der König blieb bei seinem Grundsatz, dass auf 



— 177 — 

seinem Theater nur Deutsche Conopositionen zugelassen wer- 
den sollten, und obgleich er einige Jahre früher gewiss den Vor- 
schlag, Deutsche Sänger singen zu lassen, mit Entrüstung zu- 
rückgewiesen hätte, so hatte ihn das Beispiel der Mara Schme- 
ling doch so umgestimmt, dass er sogar einwilligte die Jungfer 
Koch vom Intermezzo-Theater in der Europa galante, welche 
Oper im Monat Juli in Potsdam gegeben wurde, die Rolle 
der Venus singen zu lassen. Dies war den Italienern doch 
fast zu viel, und es begann eine Reihe von Intriguen und 
Erbärmlichkeiten gegen das Eindringen des Deutschen Ele- 
mentes, die indessen alle an den Erfolgen der Mara und der 
Koch scheiterten. Die Europa galante wurde dem Prinzen 
von Württemberg, nachmaligen Könige, zu Ehren im neuen 
Palais aufgeführt und gab der Jungfer Koch Gelegenheit, dem 
Könige so zu gefallen, dass sie sofort zur grossen Oper über- 
gehen und an die Stelle der Signora Gasperini treten musste, 
welche pensionirt wurde. Für das Ballet wurden Mr. und Mad. 
Moreüi neuengagirt, und unter den 6 Figuranten waren 5 Ber- 
linerinnen, Kroon, Weher, Buchholz, Varlet und eine Jung- 
fer NN. die ihren Namen nicht drucken lassen, aber doch 
mittanzen wollte. 

Kaum waren diese Festlichkeiten vorüber, als der König 
auch schon an die nächste Carnavals - Oper dachte und dazu 
Semiramis bestimmte, die er selbst neu besetzte (Beil. XXXII 
No. 42). Die Mara und Koch sollten auch hier die Hauptrollen 
singen und Verona die Decorationen als sein Probestück nach 
den hinterlassenen Entwürfen Gagliaris malen. Ehe es zur 
Aufführung dieser Oper kam, starb Ägricola, den 1 December, 
nachdem er bis dahin Grauns Stelle versehen, ohne jedoch 
den Titel eines Capellmeisters erhalten zu haben. Von ihm 
ist die Lebensbeschreibung seines Freundes und Collegen 

12 



- 178 — 

Graun, die dessen in Kupfer gestochenen Duetten, Arien und 
Terzetten vorgesetzt ist An seine Stelle kam nun Fasch^ Die 
Aufluhrung der Semiramis machte diesmal einen ungleich 
grösseren Eindruck als früher, was vorzüglich der durchgängig 
guten Besetzung zuzuschreiben war, und auch die Decoratio- 
nen Veronas trugen zu diesem Erfolge wesentlich bei. 

1775. Die zweite Oper dieses Carnavals war Europa ga- 
lante^ welche Fasch bereits im rothen Mantel und am Flügel 
sitzend dirigirte. Mit jeder neuen Rolle stieg auch die Be- 
liebtheit der Marüy welche im vorigen Jahre endlich wirklich 
ihren liederlichen Violoncellisten geheirathel hatte und schon 
damals ein sehr unglückliches Leben führte. In der Zeitung 
erschien folgendes Lobgedicht auf sie : 

„Aus der Semiramis gekommen 

Und ganz vom seligsten Entzücken eingenommen. 

Sank Lottchen an der Schwester Brust, 

Ach Schwester, rief sie aus, lass mich zu Grabe bringen, 

Wenn Salems Engel dort wie unsre Schmeling singen, 

Ol dann ist Sterben eine Lust/^ 

MoreUi und seine Frau tanzten zwar hierin noch mit, er- 
hielten aber sofort nach dem Carnaval ihren Abschied und 200 
Thaler Gratification. Zum Geburtstage des Königs hatte der 
Graf Zierotin schon im September des vorigen Jahres eine 
Serenade dichten lassen und dem Könige eingereicht Dieser 
aber sandte das Gedicht zurück und verbat sich diese Neue- 

^)Carl Friedrich Christian Fasch, der Stiller der Berliner Singe -Aka- 
demie^ war 1736 zu Zerbst geboren, wo sein Vater Capelimeister war. 
In Strelitz studirte er bei Häriel die Musik, kam 1756 als Clavicem- 
baiist in die Capelle Friedrichs II, und starb 1800. — Näheres über 
sein Wirken findet sich in der 1801 von Zelter herausgegebenen 
Biographie. 



— 179 — 

rung, weil es weder hier noch in Wien Gebrauch sei, die Ge- 
burtstage zu feiern. Uebrigens erkannte er die Aufmerksam- 
keit Zierolins an, machte ihn aber auch aufmerksam, dass 
es besser sei, die Kosten fiir dergleichen zu sparen. 

Gleich nach Beendigung der Camavals -Oper wurde Mad. 
Agricola (MoUeni) pensionirt, und eine maasslose Ungezogen- 
heit der Opern -Sänger gab dem Könige Gelegenheit, einmal 
ernsthaft einzuschreiten. Die Königin wollte nämlich im 
Februar einige Concerte in ihren Appartements geben und trug 
dem Grafen Zierotin auf, für die Sänger zu sorgen. Diese 
waren daran gewöhnt, nach dem Camaval eine lange Zeit 
gar nichts zu thun, und glaubten in dem Yerhältniss der Köni- 
gin zum Könige Entschuldigung für eine Dienstverweigerung 
zu finden, schlugen es also rundweg ab, irgend wo anders 
als beim Könige selbst zu singen. Der König nahm das aber 
so übel, dass er die Cabinetsordre Beilage XXXU No. 47 
erliess, und die widerspenstigen Sänger unzweifelhaft nach 
Spandau geschickt haben würde, wenn sie nicht bei Zeiten 
zu Kreuze gekrochen wären. 

Im Juli hatte der König abermals vielen und glänzenden 
Besuch in Sanssouci, und ein Brief an Voltaire vom 12 d. M. 
sagt darüber: „Ich habe das ganze Haus voll Nichten und 
Neffen, und muss ihnen Schauspiele geben, damit ich sie für 
die Langeweile entschädige, die ihnen die Gesellschaft eines 
alten Mannes vielleicht verursacht." — Bei dieser Gelegen- 
heit vrarde die Oper Parthenope am 18ten und 20ten auf- 
geführt, während der berühmte Französische Schauspieler Le 
Kain Voltairische Trauerspiele spielte. Es war dies die letzte 
Wirksamkeit des Grafen Zierotin, der im Herbste dieses Jahres 
starb, nachdem kurz vorher auch der berühmte Garderoben- 
Inspector ÄngeCori gestorben war. Diese rasch hinter einan- 

12* 



— 180 — 

der folgenden Todesfalle Agricolas und Zierotins scheinen den 
König doch veranlasst zu haben, an eine Regeneration seines 
ganzen Opernwesens zu denken. Fasck war ein grosser 
Kirchencomponist, eine Oper wollte Friedrich ihm aber nicht 
anvertrauen, und so wurde denn Reichardt berufen, mit dessen 
Eintritt als Capellmeister in die ganze Stelle und den ganzen 
Gehalt Grauns allerdings ein regeres Leben in die Berliner 
Oper kam ^). Obgleich Reichardt schon in Berlin war, so war 
doch keine Zeit gewesen, eine neue Oper bei ihm zu bestellen, 
und es wurde daher im December AUäio Regolo von Hasse 
wiederholt Besetzt war diese Oper durch Concialini, Grassi, 
Porportno^ Coli Paolino und die Damen Mara und Koch, die 
Decoralionen theils neu, theils „angeordnet" von Verona, die 
Ballets von Salamon. 

1776. Die andere Oper des Camavals war Orpheus, von 
Graun, welche abwechselnd mit der vorigen gegeben wurde. 
Die Leitung beider Opern hatte der Köm'g dem frühem 
Preussischen Gesandten in Kopenhagen Baron von Arnim 
anvertraut, und war so zufrieden mit ihm, daiss er ihn gleich 
nach Beendigung des Caraavals zum Directeur des Specla- 
des ernannte. Diese Ernennung und die des Capellmeisters 
Reichardt gaben einem gleichzeitigen Schriftstdler Gelegen- 
heit zu folgenden, fiir jene Zeit, die Alles bewunderte was 
Friedrich U that, merkwürdigen Bemerkungen: 

^) Johann JFHedrich Reichardt^ 1751 zu Königsberg geboren , Hess sich 
schon im löten Jahre als Virtuose auf der Geige und dem Pianoforte 
hören. £r studirte 1769 — 70 unter der Leitung Kants auf der Rö- 
nigsberger Universität, dann 1771 — 72 in Leipzig, mächte dann eine 
Reise durch Deutschland, und kam 1774 nach Preussen zurück, wo er 
zuerst als Secretair bei der Domainen- Kammer angestellt wurde. — 
Seine weitere Wirksamkeit findet sich im Verlauf dieser Geschichte der Oper. 



— 181 — 

,yOhne diesen Männern die gute Absicht^ bei ihren Aemtern 
die bestmögh'chste Wirksamkeit anzuwenden und in so einge- 
schränkter Lage, als worin sich das Königliche Schauspiel damals 
befand, etwas zu leisten, abzusprechen, so muss man doch ge- 
stehn,dass wenig geschehen konnte; denn zu einem solchen Ge- 
schäfte sind nicht aliein besondere und ausgebreitete Kenntnisse 
mancherlei Art erforderlich, nach deren Dasejn man eben nickt 
fragte^ sondern es legte auch der Mangel an Geld, um solche 
anwendbar zu machen, überall Hindemisse in den Weg, ohne 
welche keine vorzügliche Vorstellungen auf die Bühne zu 
bringen waren. Demohnerachtet musste alles gehen, wie es 
der Monarch haben wollte, der sich nicht gerne fremden Rath 
gefallen liess, und ob es gleich an Tadlem nicht fehlte, so 
ward doch darauf nichts geachtet, und blos die Anwesenheit 
Desselben und seines Hofes machte das schön, was andere 
äusserst miltelmässig fanden.^^ 

Die erste Spur einer opponirenden Kritik der Berliner 
Oper, die sich seit jener Zeit erweislich glänzend entwickelt 
und ausgebildet hat 

Dieöconomischen Verhältnisse der Oper scheinen beimDi- 
rections - Antritt des Barons v. Arnim nicht in der besten Ordnung 
gewesen zu sein, trotzdem der ^yiiomm^Stiegel^^ überall auf Er- 
sparnissedrang. Es erfolgte daher am 29 Januar ein Königlicher 
Befehl, eine genaue Liste von allen „Acteurs und Leuten, die von 
Arnim bei seiner jetzigen Charge unter sich hatte,^^ einzusen- 
den, wobei zugleich das Versprechen gegeben ward, den neuen 
Directeur mit einer besonderen schrifllichen Instruction hin- 
sichtlich dessen, was er auf seinem Posten zu beobachten 
hatte, zu versehen. Die turbulentesten unter diesen „Acteurs 
und Leuten^^ waren nun offenbar die Jfara mit ihrem Manne« 
Weit entfernt, mit ihrer wahrhaft glänzenden Stellung zufrie- 



— 182 — 

den zu sein, missfiel es ihr in Berlin, und sie strebte auf alle 
mögliche Weise danach, aus den ihr unerträglich erscheinen- 
den Berliner Fesseln herauszukommen. Der Hauptgrund dazu 
war ihr sich immer mehr ausbreitender Ruhm und die glän- 
zenden Hoffnungen, welche ihr Mann an eine Reise nach Eng- 
land knüpfte, von wo ihr allerdings ausserordentliche Aner- 
bietungen gemacht worden waren. Obgleich sie einen jähr- 
lichen Urlaub von 4 Monaten hatte, so schlug ihr der Kömg 
denselben doch in diesem Jahre ab, weil er wohl furchten 
mochte, dass seine erste Sängerin ihm schwerlich wieder 
kommen würde, und brauchte dazu den Verwand, dass er 
nicht Lust habe, ihr den Gehalt für 4 Monate als Vorschuss 
zu geben, wodurch die durch die Ausschweifungen ihres Man- 
nes von allem Geide entblösste Mara von selbst in Berlin 
zurück gehalten wurde. Ausser sich vor Äerger, that sie 
alles Mögliche um den Wünschen des Königs entgegen zu 
sein, erreichte damit aber nur, dass dieser ihr seine ganze 
Strenge zeigte. 

Concialini, dessen Contract zu Ende ging, verlangte zu 
seinem bisherigen Gehalte von 3600 Thalern eine enorme 
Zulage, liess sich aber doch bereden seinen Contract auf dem 
alten Fusse fortzusetzen. 

Am 20 April starb 69 Jahr alt und nach 36 Dienstjahren 
die Sängerin Gasperini, wodurch ihre Pension erledigt wurde? 
aus welcher die Jungfer Koch sofort eine bedeutende Zu- 
lage erhielt 

Zu der im Juli, der gewöhnlichen Besuchszeit des Kömgs, 
erwarteten Ankunft des Grossfiirsten PaulPetrowitsck von Russ- 
land befahl Friedrich zwei Opern bereit zu halten, zu denen 
jReichardl als Probestück einen musikalischen Prolog compo- 
niren sollte. — Als die eine wurde Angelica und Medoro be- 



— 183 — 

stimmt, zu welcher jener beabsichtigte Prolog am besten zu 
passen schien, und der Hof - Poet Abb6 Landi erhielt den Be- 
fehl, sowohl den Prolog zu dichten, als die Oper selbst so zu 
kürzen, dass sie unterhaltender als früher erschiene. Reichardt 
aber sollte den Prolog componiren, und eine Arie^), welche 
Graun für die Astrua compouirt hatte, so umändern, dass 
sie fiir die Mara passe. Landi schreibt darüber unterm 25 Mai 
einen Brief ^ an den Baron von Arnim, in welchem er auf 
die Schwierigkeiten hinweist, die eine Vorstellung der Oper 
auf dem kleinen Potsdamer Theater haben müsse. In Folge 
dieses Briefes änderte der König seinen Entschluss, und be- 
fahl, die Oper in Berlin zu geben. Landi lieferte seine Ab- 
änderung der Oper und den Prolog, in welchem der Genius 
Russlands und der Genius Preussens sich gegenseitig be- 
grüssen, in einem Duette verbinden und mit einer innigen Um- 
armung enden sollten. Kaum hatte Reichardt das Gedicht in 
der Tasche, als er auch nach Potsdam fuhr, um die weiteren 

J) „Neil' orror d'atra foresta. " 

2) Je prends la libert^ de yous supplier instamment, Monsieur, de faire 
avertir le Sr. Reichardt qu1l suspende la copiature des r6les d'Angelica 
et Medoro, car il faut indispensablement y faire des changements 
consid^rables. Plus je lis et relis le livre, plus j'aper^ois Fimpossi- 
bilit^ de repräsenter cet opära a Potsdam dans Tätat oü 11 est Com- 
ment y faire paroltre la mer en temp^e et un vaisseau? Comment y 
placer des tours, des ponts levis, des grottes et tant d'autres däcora* 
tions dont cet opära fourmille? Dans la näcessitä de les retrancher,' 
il faut que je fasse les plus grands changements dans le livre, et ce 
sera tant mieux, car par ce moyen je le raccourcirai de fagon que le 
tont ne durera pas deux heures. Gependant je ferai en sorte qu'en 
cas que le m^me opöra doi?e ^tre repräsentä ä Berlin dans le camaTal, 
il soit susceptible de ddcorations et de magnificence ordinaire. Ce trayail 
sera difficile; mais c'est a quoi je m'engage. Au reste travaillant avec 
ma rapiditä ordinaire, je serai en 6tat, Monsieur, de vous envoyer mon 
manuscrit k la fin de la semaine prochaine. LandiJ 



— 184 — 

Berehle des Königs einzuholeiL Sein Bericht von 20ten Juoi 
an den Baroo von Arnim gewährt einen interessanten Blick 
in die Verhältnisse jener Zeit, und wir lassen ihn daher hier 
ganz folgen. 

,,[ch habe die Ehre Ew. Excellenz zu berichten, wie ich 
sogleich bei meiner Ankunft, bald nach 3 Uhr, eine sehr 
gnädige Audienz bei Sr. Majestät dem Könige gehabt, darauf 
die gnädige Erlaubniss erhielt, zum Solo Seiner Majestät blei- 
ben zu dürfen, wobei Ihre Majestät drei Solos bliesen, unter 
welchen Höchstdieselben besonders, wie Sie sagten, eines 
von Ihrer eignen Composition wählten. Ich mussle nach dem . 
Solo wieder bei Sr. Majestät bleiben, wo Se. Majestät sagten, 
ich möchte den Prolog hier componiren, und sobald ich nur 
etwas fertig hätte, zu ihm herauf kommen und es vorspielen. 
Ich fange also morgen gleich an zu arbeiten, und denke wohl 
in 3 Tagen fertig zu sein. Bis dahin werden also die Proben 
bleiben müssen. Ich will aufs Möglichste eilen. Die Personen 
des Prologs werden Sr. Tosoni und Madame Koch sein. Ich 
schlug, ehe Se. Majestät die letzte nannte, den Sgr. Porporino 
vor, Se. Majestät meinten auch, er würde sich recht gut dazu 
schicken, allein da er in der Oper selbst zu Ihun hätte, so 
wäre es nicht recht schicklich. Ich habe auch aus dem Dis- 
curse Sr. Majestät bemerkt, dass wir die Oper zuerst in Berlin 
haben werden; dort werden Se. Majestät auch den Gross- 
fursten empfangen und zwar Angelica und Medoro zuerst 
Mit der u. s. w." ReichacdL 

Reichardt componirte nun wirklich in Potsdam sowohl den 
Prolog als die befohlene Arie für die Mara, welche dem 
Könige auch so wohl gefiel, dass er sie sofort der Sängerin 
zusandte und ihr befahl sie einzustudiren. Ganz glücklich, 
eine Gelegenheit zu haben, wo sie dem Könige widersprechen 



— 185 — 

und ihn ärgern konnte, unterstand sich die Mara, die Arie 
mit einem Briefe, den ihr Mann schreiben musste, zurückzu- 
schicken, indem sie äusserte, dass sie solche Musik nicht 
singen könne. Dergleichen war Friedrich aber nicht gewohnt, 
es erfolgte die Cabinetsordre Beilage XXXIII No. 7 mit dem 
bedeutungsschweren Nachsatze : ,,Elle est pay6e pour chanter 
et non pour 6crire", so wie der Befehl, den Herrn Gemahl 
der Donna zu verhaften und nach Spandau zu schicken. 

Baron von Arnim musste gehorchen, fürchtete aber, dass 
die eigensinnige Sängerin die ganze beabsichtigte Opern- 
Aufliihrung stören würde, erlaubte sich daher, dem Könige 
Vorstellungen gegen diese Maassregel zu machen, worauf aber 
die Cabinetsordre Beil. XXXED No. 8 erfolgte, die ausnahms- 
weise deutsch geschrieben war, und den in seiner Stellung noch 
jungen Directeur des Spectacles darauf aufmerksam machte, 
dass der König „ihn nicht zu seinem Geheimen -Rathe ange- 
nommen, sondern dass er sich besser befleissigen sollte, seinen 
Ordres parition zu leisten, wenn er wolle, dass Friedrich auch 
femer bleiben solle — sein gnädiger König." Dieses jeden- 
falls sehr merkwürdige Cabinetsschreiben existirt in verschie- 
denen Abschriften, und in einigen heisst es statt: „die Mara 
soll die Arie singen": — die H*** soll die Arie singen. Da 
es uns aber nicht gelungen ist, das Original selbst zu Gesicht 
zu bekommen, so muss es dahin gestellt bleiben^ welche Les- 
art die richtige ist Deutlich sind sie jedenfalls beide, und 
müssen wohl auch dem Baron von Arnim sowohl, als der 
Sängerin so geschienen haben, denn der erstere schrieb nicht 
wieder und die letztere sang die Arie, obgleich ihr Mann 
unterdess in Spandau privatisirte.^) 

>) Cramer erzählt noch folgendes: Sie wurde nur durch die Gefangen- 
setzung ihres Mannes zum Singen bewogen, sang aber die Reichardt- 



- 186 — 

Eine Schwierigkeit war glücklich beseitigt, aber als die 
Proben des Prologs anBngeo, stellte sich eine andere ein, 
die noch schwieriger zu überwinden schien. Tosoni nämlidi, 
der den Genius Preussens darstellen sollte, war ein sehr 
grosser starker Mann, die Koch aber, zum Genius Russlands 
bestimmt, sehr klein und überhaupt von unbedeutender Per- 
sönlichkeit; der Grossfurst Paul, nachmals Kaiser Paul, warbe* 
kanntlich heilig, misstrauisch, und leicht zu beleidigen. Wer 
konnte wissen, ob er es nicht übel nehmen würde, dass Russ- 
land von einem kleinen und Preussen von einem sehr grossen 
Genius dargestellt wurde. Das Schlimmste dabei aber war, das& 
man nicht wusste, ob der König, der die Rollen doch selbst 
vertheilt und den vorgeschlagenen Porporino zurückgewiesen, 
nicht im Stillen sich darauf etwas zu Gute thue, das grosse 
Russland durch einen kleinen und das kleine Preussen durch 
einen grossen Genius dargestellt zu sehen. War dies der Fall, 
und zu dergleichen kleinen Satyren neigte der König sehr hin, 
so hätte Baron von Arnim leicht ein noch deutlicheres Cabi- 
netsschreiben als das vorige erhalten können. Guter Rath war 
also theuer, da half der junge unternehmende Capellmeister 
Reichardt aus der Noth; er erbot sich, den König bei einem 
seiner Kammer-Concerte darauf aufmerksam zu machen, dass 
der Grossfurst die Genien übel nehmen könnte. Glücklicher- 
weise hatte der Scherz nicht in der Absicht des Königs gele- 
gen, und es erfolgten in dieser Angelegenheit die 3 Cabinets- 

scbe Arie ohne alle Kunst, verschwendete dahingegen alle Künsteleien 
an der folgenden, von Graun componirten, und in der Cadenz variirte 
sie das Thema von Reichardts Arie und machte es lächerlich, so viel 
sie konnte. Weder sie noch ihr Mann hatte diese Variationen machen 
können, allein die Missverständnisse zwischen Reichardt und gewissen 
andern Kritikern lassen vermuthen, dass die Cadenz von einem der- 
selben herrührte. 



— 187 — 

schreiben Beilage XXXIIl No. 9, 10 und 11, aus welchen her- 
vorgeht, dass Porporino an die Stelle der Koch treten, und 
im Falle er die Musik nicht mehr lernen könne, die Koch als 
Knabe verkleidet neben ihm stehen und singen sollte, während 
er selbst nur die Bewegungen dazu mache. — So war denn 
auch diese Schwierigkeit gehoben, um so mehr als Porporino 
die ganze Musik lernte und die Koch nur für den Nothfall 
neben ihm figurirte. 

Da wir indess die Aufführung dieser Fest - Oper schon so 
ausführlich besprochen, so scheint es am Orte, diese Gele- 
genheit zu benutzen, um gleichzeitig einen Blick in die Ad- 
ministrations- Verhältnisse der Italienischen Oper zu werfen, 
und theilen zu diesem Zwecke hier zwei merkwürdige Briefe 
jenes Herrn Stiegel mit, die in jeder Beziehung interessant 
für die Beurtheilung der Personen und Dinge sind, welche in 
jener Zeit Einfluss auf die Ojier des Königs hatten. 

„Ich bin mit Sr. Königlichen Majestät wegen der Oper fer- 
tig*), sowohl in Ansehung der Oper, als wegen des Ballets, 
und dieser Anschlag ist dergestalt eingerichtet, dass nicht für 
einen Dreier Unkosten für die Decorationen mitbegriffen sind, 
und Se. KönigL Majestät haben expresse allergnädigst be- 
fohlen, keine Decorations machen zu lassen, und also wer- 
den E. H. geneigt einsehen, dass ich hierinnen nun nichts 
abändern kann. E. H. werden nunmehr zu befehlen geruhen, 
dass die erste Decoration die Coulissen von dem Garten des 
Gaäiari und dazu der Horizont genommen werde, oder 
auch die Gardinen vom Meerhafen. Zur vierten Decoratiou 
ist der Berg Rhodope aus dem Orpheo. Endlich bei der 
letzten als einer Reggia bin ich ganz wohl zufrieden, dass 

>) Man muss gestehen» dass der ,ynomin^ Stiege]'' einen ziemlich unge- 
zwungenen Styl schrieb. 



— 188 — 

man die gläsernen Colonnen-Coulissen emplojire, wenn die 
Herstellung dieser Decoration nicht zu hoch ins Geld liefe, 
weswegen ich E. H. unterlhänig bitte, solche Unkosten über- 
schlagen zu lassen und mir es gnädigst zu melden. Die 
Decoration des Verona ist, unter uns gesagt, ein bischen 
\jeckelick^^ und der Feuersgefahr abscheulich unterworfen. 
Den Prolog betreffend, brauchen wir weiter nichts wie zwei 
Kleider für den Tosoni und Madame Koch. Wie sie geklei- 
det sein müssen als Genii von Russland und Preussen, das 
verstehe ich nicht, und überlasse solches E. H., und hier- 
zu glaube ich das Kleid des Tosoni als Cupido in der 
Psyche würde gute Dienste leisten, und für Mad.Koch würde 
sich als Mannsperson oder als Frauensperson, welches der 
Herr Capellmeister noch erst entscheiden muss, auch wohl 
was finden. 

Die Maschinen zur Verwandlung der Bäume sind Kleinig- 
keiten, und befehlen E. H. dass solche gemacht werden. Die 
Ballets betreffend, haben wir ja im Opemhause ausgesucht 
und fest beschlossen, welche Kleider genommen werden sollen, 
und nun kommt der Herr Hermann (Opernschneider, siehe 
BeUage XXXVI No. 1) mit zwei neuen Kleidern für Salamon 
und Deplace, für 200 Thaler. Dieses kann ich unmöglich 
acceptiren, denn da ich mit ferneren Unkosten bei Sr. Maje- 
stät nicht kommen kann noch darf, auch es nunmehr gar 
nicht mehr angeht, so weiss ich gar nicht, was ich E. H. 
hierauf antworten kann, als: sie müssen tanzen mit denen 
besten und propersten Kleidern, so im Magazine sind, sie 
mögen sich passen oder nicht/^ 

Dieser Brief ist vom 22 Juni, also kurz darauf als der Ca- 
pellmeister Reichardt in Potsdam war. Baron von Arnim wollte 
sich bei dieser öconomischen Beschränkung nicht beruhigen 



- 189 — 

und verlangte ungestüm^ denn er hatte ja das Cabinetsschreiben 
vom 5 Juli noch nicht erhalten^ Geld von dem unerbittlichen 
nomm6 Stiege!. Dieser aber antwortete am 24ten Juni : 

,,£. H. werden mir erlauben, sogleich auf Dero gnädiges 
Schreiben, welches mir ungemein empGndlich ist, nicht anders 
antworten zu können als ich durch mein letztes unterthäniges 
Schreiben gethan. Sagen Sie mir, wo soll ich nach des Verona 
Schreiben 910 Thaler herkriegen, wenn ich sie nicht einnehme? 
Würde ich nicht in die grössteVerlegenheit kommen? die Herren 
haben mir schon das Herz aus dem Leibe gequält, wenn idi 
80, 90 bis 100 Thaler schuldig geblieben bin, und ich habe 
in 16 Jahren, da ich diese fatale Commission gehabt, keine 
Schulden gemacht, und bin es auch noch nicht in Willens; 
da Se. K. Majestät expresse allergnädigst befohlen, keine De- 
pense vor Decorations zu machen, so weiss ich kein andres 
Mittel, als die Decorations zu nehmen, so ich vorgeschlagen 
habe, oder £. H. schreiben dieserwegen selbst an Se. König- 
liche Majestät. Wenn Monsieur Verona schreibt, der Berg 
Rhodope ist en mauvats Staty so ist es ja selbst seine Schuld, 
er hat ihn ja erst gemacht. Wegen deren Ballets ist mir bei- 
gefalleo, es könnte das schöne neue Couleur de rose Ballet in 
der Angelica gebraucht und getanzt werden. 

£. H. habe zu vermelden, dass ich alldieweilen Ordre 
von Sr. Königl. Majestät erhalten habe , dass Madame Koch 
als Genius von Russland in Mannskleidern zum Prologe er- 
scheinen soll, und Allerhöchstdieselben verlangen, die beiden 
Desseins von denen Kleidern und den Anschlag Allerhöchst 
selbst zu sehen.^^ 

Aus diesen Briefen des Herrn Stiegel ersieht sich deutlich, 
wie wenig selbstständig damals der Director der Oper war, 
und wie wenig angenehm diese Stellung sein konnte, die Gas- 



— 190 — 

binetsschreiben mit Winken wie das vom 5 Juli noch gar nidit 
mitgerechnet 

Trotz aller dieser Hindemisse und Schwierigkeiten fand 
am 24 Juli die Aufführung der abgekürzten Oper Angelica 
und Medoro von Graun mit dem Prologe von Reichardt statte 
und erwarb sich die Zufriedenheit des Königs. Am Tage dar- 
auf war Redoute im Opernhause; am 26ten im neuen Palais 
zu Potsdam Opera bufia: y^La Ritoma dt Londra/' und am 
30ten grosses Hof-Concert in Berlin, bei welchem alle Sänger 
der Oper unter Reichardts Leitung mitwirkten. 

Nun trat wieder die halbjährige Ruhe ein, welche den 
Sängern zu Reisen Gelegenheit gab. Vergebens wartete dw 
feurige Reichardt, dessen Musik dem Könige doch so sehr 
gefiel, darauf, dass er den Auftrag erhalten würde, nun auch 
eine Oper zu componiren. Abermals befahl der König, zum 
Camaval die Oper Angelica und Medoro und die Hassesche 
Qeofide einzustudiren. — Denmach wurde am 20December 
die erstere und 

1777 im Januar die letztere wiederholt aufgeführt. Obgleich 
die Mara in beiden Opern Ausserordentliches leistete, und 
gerade um diese Zeit die Höhe ihrer Künstlerschaft erreicht 
zu haben schien, so konnte der König ihr sonstiges wider- 
spenstiges Betragen nicht vergessen, und sah sich im Stillen 
nach einem Ersatz für sie um, wenigstens musste Cataneo in 
Venedig der damals hochberühmten Ferrandini Anerhieiungea 
machen, welche diese aber inwanig respectvoUen Ausdrücken 
für Friedrich den Grossen zurückwies, weil er in ganz Itali^i 
in dem Rufe eines Despoten stehe, der die Künstler wie seine 
Soldaten behandle. Die Festung Spandau war zu jener Zeit 
eben so berühmt unter den Sängern und Tänzern als die 



— 191 — 

Pariser Bastille und der Popanz, welcher viele Berühmtheiten 
abschreckte nach Berlin zu kommen. — Baron von Arnim dachte 
darauf, den König durch irgend etwas Neues zu unterhalten 
und ihn wieder dem Theater zuzuwenden, das mit jedem Jahre 
für ihn an Interesse zu verlieren schien. Neue Opern wollte 
Friedrich nicht, also glaubte Baron von Arnim, durch ein an- 
deres Personal wieder neues Leben in den mit jedem Jahre 
älter werdenden Körper der Berliner Oper zu bringen. In 
Italien waren zu jener Zeit einige komische Tänzer und Pan- 
tomimisten sehr berühmt, und man glaubte, sie würden auch 
dem Könige Vergnügen niachen. Ein dahin gerichteter Vor- 
schlag, der zugleich auf die komische Tänzerin Totnefle VuU 
cani in Wien aufmerksam machte, wurde aber kurz abge- 
wiesen, weil „Berlin schon genug Schauspiele und mehr 
als es zu einem vernünftigen Amüsement braucht, habe.'^ 
Die beiden Beilagen XXXTIT No. 17 und 18 erwähnen die 
Rückkehr einer aus dem Dienst entlassenen Französischen 
Schauspielerin Joly nach Berlin, und regen die Neugier an, 
was es wohl mit dieser MUe-Jo/y für eineBewandtniss gehabt 
haben müsse? Leider ergeben die Papiere des Geheimen Ca- 
binets-Archivs, aus welchem es dem Verfasser vergönnt war die 
Beilagen zu entnehmai, keinen Aufschluss, indessen erzählen 
die „M6moires de Fleury, de la Com^die frangaise^ Paris, 
1835,'^ dass ungefähr um diese Zeit eine Französische Schau- 
spielerin den König in einer Inunediat- Eingabe um Zulage 
gebeten habe, welche dieser, unwillig über cHe Kühnheit der 
Französin, mit der Randbemerkung abgefertigt: „Allez vous 
faire p****«. Der Theaterdirector nahm diesen Ausspruch in 
seinem gewöhnlichen Sinn und entliess sie augenblicklich; 
die Schauspielerin aber in seinem buchstäblichen Sinn und 
kam nach einem Jahre mit ein^n Kinde zurück, welches sie 



— 192 — 

dem Könige imterthänigst meldete, mid da sie den allerhöch- 
sten Befehl nun befolgt, um Wiederanstellung und Zulage 
bat — Ob die beiden erwähnten Schreiben irgend einen 
Zusammenhang mit dieser von Fleurj erzählten Anecdote 
haben, muss dahin gestellt bleiben, hat jedoch einige Wahr- 
scheinlichkeit. 

Im April verliess die Tänzerin La Mantuantna Berlin, und 
an ihre Stelle wurde Signora Meroni in Italien engagirt 
Ueberall sollten aber die Etats verkleinert und Ersparungen 
gemacht werden, daher erhielt sie statt 2000 nur 1500 Rthlr. 
Grehalt, und auch nicht eher, bis sie im nächsten Carnaval 
getanzt hatte (Beil. XXXIH No. 19, 21, 22 und 23). 

lieber die Baulichkeiten des Opernhauses und die aus- 
gedehnten Feuerlösch -Anstalten in demselben giebt die Bei- 
lage XXXm No. 20 Aufschluss. 

Zum Carnaval wurde die Oper Rodelinde (1741) gegeben, 
worin die Tänzerin Meroni zuerst als Flora in einem Pas de 
deuxmitdemBalletmeister5a/amon erschien. — Die Decora- 
tionenwaren vonVerona^da von den alten, die zu dieser Oper 
1741 gemalt worden waren, nichts mehr vorhanden war. 

1778. Im Januar Ärtemisia, von Hasse 1754 — 1755 com- 
ponirL Das Opembuch enthält die Notiz, dass die Rollen 
der Artemisia und des Nicander auf ausdrücklichen Befehl 
des Königs von dessen jetzigem Capellmeister Hm. Reichardt 
ganz neu componirt worden'). Ein Beweis, dass dem Könige 
selbst die früher so gern gehörte Musik seiner Lieblinge 
Graun und Hasse nicht mehr gefiel. Um so auffallendw ist 
es, dass er sich nicht entschliessen konnte, Reichardt die 

>) Irrthümlich ist in verschiedenen Biographien Reichardts die ganze 
Oper Artemisia als von seiner Composition angeführt 



- 193 — 

Composition einer neuen Oper aufzutragen^ und dieser trotz 
seines Feuereifers erst viel später Gelegenheit erhielt^ sein 
Talent zu entwickeln. Die Oper Artemisia hatte Hasse wäh- 
rend seines Aufenthaltes in Dresden componirt^ und Signor 
Mtgliavaccay Legationsrath des Königs von Polen^ den Text 
gedichtet. Besetzt war sie mit der Jlfara und Kochy Conctaltni 
Tosoni CoK, Gram und Porportno. Von der Mara sagt der 
erste Jahrgang der Berliner Literatur- und Theater- Zeitung: 
„Wer von Madame Mara die erste Arie als Artemisia gehört, 
und sein Herz ist nicht vor Wollust aufgeschwollen^ dass er ein 
Deutscher sei, von dem könnten wir den Zweifel nicht gut 
unterdrücken, er verdiene keiner zu sein." 

Der Ausbruch des Baierischen Erbfolgekrieges wendete 
den König gänzlich von dem Theater ab, und von dieser Zeit 
an sank die Italienische Oper, sonst eine der grössten Zierden 
Berlins, immer mehr, so dass die Aufgabe, ihre Geschichte 
zu schreiben, für diesen Zeitraum eine sehr peinliche wird. 
Unterm 30 März d. J. entliess Friedrich plötzlich sein ganzes 
Französisches Theater mit dem kurzen Cabinetsschreiben an 
Baron von Arnim: 

„Les conjonctures actuelles pr6parent k des seines plus 
serieuses, on peut tr^s bien se passer de comiques, et c'est 
pourquoi je viens de retrancher ä tous les acteurs et actrices 
frangaises leurs appointements et pensions. Je vous ordonne 
en cons6quence de les cong6dier. Sur ce etc, 

Fr6d6ric.« 

Diese Ordre fuhr wie ein Donnerschlag aus heiteren Höhen 
nicht allein unter das Personal des Französischen Theaters, 
sondern auch unter das der Italienischen Oper und Opera 
buffa, weil es sehr wahrscheinlich war, dass man auch sie 
ohne Weiteres verabschieden würde. Die bedrängte Lage 

13 



- 194 — 

der Französischen Schauspieler, und die Rechte, auf denea 
sie fussen konnten, schildert die Beilage XXX f TT No. 25, 
eine Eingabe an den König, welche sich im Originale im 
KönigL Geheimen Cabinets- Archive befindet, und unsers 
Wissens hier zum erstenmale gedruckt erscheint Der König 
blieb unerbittlich bei seinem einmal ausgesprochenen Befehle, 
der Oper aber geschah nichts und sie blieb bis zum Deoem- 
ber des Jahres 

1T79 in vollständiger Unthätigkeit. Als der König nadi 
geschlossenem Frieden, Ende Mai, nach Berlin zurück kam, 
Hess er zwar einige komische Opern in Potsdam auffuhrt 
und befahl seine gewöhnlichen Concerte, nahm aber diesmal 
gar keine Notiz von seinen Italienischen Sängern. Die Mara, 
welche nun in anderthalb Jahren nicht mehr auf der Bühne 
erschienen war, konnte diese Unthätigkeit nicht mehr ertragen 
und entwich im August mit ihrem Manne zunächst nach Leip- 
zig und Wien, dann aber nach Paris. Mochte dem Könige 
überhaupt jetzt weniger an seiner Oper gelegen sein oder 
wollte er der übermüthigen Künstlerin beweise, dass er ihre 
Undankbarkeit gegen ihn durch Verachtung bestrafe, — kurz 
es geschah nichts zu ihrer Verfolgung, und die grösste Sän- 
gerin ihrer Zeit war auf immer für Berlin verloren. — Im 
December wurde abermals die Rodelinde aufgeführt, in wel- 
eher Mlle. Koch die Rolle der Mara sang und auch im Januar 

1780 die Dido singen sollte. Es kam aber nicht dazu, denn 
als am I3ten während der Generalprobe die Prinzessin Louise 
Amalie von Preussen, Mutter König Friedrich Wilhelms II, 
starb, ward der Carnaval geschlossen und die Vorstellung 
der Oper ausgesetzt. Obgleich man sich nach dem Abgange 



- 195 - 

der Mara mit Mlle. Koch beholfen hatte^ so konnte es docli 
so nicht bleiben und eine Signora Gervasio wurde aus War- 
schau verschrieben, um fiir den nächsten Camaval als Prima 
Donna einzutreten. Mit ihr wurde im December Armide 
(1751 componirt) gegeben, in welcher Oper der Castrat Coli 
wieder eine Frauenrolle sang, die Prima Donna aber voll- 
ständig durchfiel, um so mehr, als sie die Mara ersetzen sollte. 
Für Decoratiönen und Costüme hatte der König diesmal 
keinen Groschen bewilligt, und Alles erschien so zerlumpt 
und abgeblasst, dass endlich in auswärtigen Zeitungen die 
Critik anfing, sich gegen dieses Treiben aufzulehnen. 

1781 im Januar wurde die Oper IFraieüi nemici, von Graun 
(1756 componirt), gegeben. Auch hierin vermochte die Ger- 
vasio sich weder die Zufriedenheit des Königs noch des Pu- 
blicuttis zu erringen und verliess sofort nach dem Carnaval 
Berlin. Der König war sehr unzufrieden mit seiner Oper und 
suchte die Ursachen davon nicht in seiner Kränklichkeit und 
hohem Alter, sondern in den altgewordenen Sängern, so dass 
er von diesem Jahre an bis zu seinem Tode das Opernhaus 
gar nicht mehr betrat. Er war zwar zur Zeit des Carnavals 
noch in Berlin anwesend, gab aber an den Operntagen kleine 
Gesellschaften bei sich, zu denen er die Generale Möllendorf 
und Schwerin so wie die Gelehrten Formey, Minan und andere 
einlud. Noch einen Versuch machte man in Italien, von wo- 
her der Marquis Luchesini unterm 26 October berichtet: „II 
est impossible d'avoir pour le carnaval prochain une voix pas- 
sable avec une figure non rebutante.^' Er schlägt zwar eine 
gewisse Ruhinacci^ eine Schülerin Paesiellos, vor, welcher 
der Yenetianische Sänger PanchiaroUi ein vertreffliches Zeug- 
niss giebt, — aber die ,/igure rebutante" schreckte den König 

13* 



— 196 - 

zurück, und es geschah nichts. Unterdessen entfaltete das 
Deutsche Theater und mit ihm die Deutsche Oper die Flügel 
immer freier, und wir werden beim Jahre 1786 eine allgemeine 
üebersicht ihrer Wirksamkeit geben. 

Zum Camaval wurden abermals die FrateUinemici und dann 

1782 Coriolan wiederholt. In beiden Opern sang eine 
MademoiselleJEt'cAner^) und Signora Verona^ das heisst Jungfer 
Juliane Caroline Kochinn^ welche den Decorationsmaler Bar- 
tolomeo Verona geheirathet hatte. Von neuen Decorationeir 
und Costümen war auch diesmal keine Rede, und die Etats 
wurden auf das Aeusserste eingeschränkt. Der Balietmeister 
Salamon war abgegangen, und nur die Familie Desplaces 
(p^re, ßlle et neveu) mit MUe. Meroni die einzigen Tänzer. 
Der König hatte keine Freude mehr an seiner Oper und 
wollte nur noch von seiner Opera buffa in Potsdam sich et- 
was vorspielen lassen. Deshalb wurde KocV) nach Italien 
geschickt, um diese neu zu recruliren. Die Beilage XXXV 
No.l enthält hierüber Ausführliches. Zu bemerken ist noch, 
dass seit dem Abgange des Barons von Arnim als Directeur 
des Spectacles^) diese Stelle unbesetzt blieb, und der Abbe 

1) Adelheid Eichner^ Tochter des Fagottisten in der Capelle des Prinzen 
von Prcussen, wurde 1762 zu Mannheim geboren. 1773 kam sie mit 
ihrem Vater nach Berlin und wurde als Sängerin der Capelle des 
Prinzen von Preussen angestellt. Sie war eine eben so tüchtige Glavier- 
virtuosin als Passagensängerin, componirte auch und gab besonders 
Lieder heraus. Sie starb 5 April 1787. 

2) Johann Äugtet Christoph Koch, Vater der Sängerin Juliane Caroline ver- 
ehlichten Verona, war aus Zerbst und nicht allein Bassbufibsänger, 
sondern auch Violinist, Componist und Director der Opera bufla zu 
Potsdam. 

. 3) Welcher in Folge der Entlassung des Französischen Theaters im Jahre 
1778 stett fand. 



— 197 — 

Landi so wie der immer mehr Einfluss gewinnende Verona 
eigentlich die Angelegenheiten der Italienischen Oper leiteten, 
während Reichardt sich in seiner Lust zur Thätigkeit diesem 
Treiben gegenüber fast verzehrte. Dass ein solcher Zustand 
von den damaligen Zeitungen und Journalen endlich gerügt 
werden musste, war natürlich, — aber ein Königlicher Befehl 
verbot sofort jede öffentliche Besprechung der Italienischen 
Oper. Mit vieler Mühe wurde im December die Oper Arta- 
xerxes (1744) und 

1783^) im Januar Sylla (1753) mit den beiden Primadonnen 
Eichner und Verona aufgeHihrt, und obgleich die letztere 
Oper das Interesse des Königs besonders hätte anregen sollen, 
da sie von ihm selbst gedichtet war, so bekümmerte er sich 
doch nicht darum, und sein Platz hinter dem Orchester blieb 
leer. Wo der König nicht mehr war, da drängte sich auch 
das Publicum nicht mehr hin, und so kam es denn, dass das 
Opernhaus oft leer war, trotzdem die Billets umsonst ausge- 
geben wurden. 

Am 27 und 28 März wurde in Potsdam zu Ehren des Prin- 
zen Heinrich Opera buffa „Z^ Gelöste viUane'^ aufgeführt, 
in welcher Koch sich als Bassbuffo besonders auszeichnete. 

Am 20 Juni starb Madame Verona^ geb. Koch, im 25ten 
Jahre ihres Alters an einem hitzigen Fieber, nachdem auch 
Porporino (siehe 1743) ihr vorangegangen war. Da er 43 
Jahre lang in allen Opern gesungen, so genügt dies schon 
im Allgemeinen, um einen Begriff von dem zu geben, womit 
man damals zufrieden war. Burney erzählt in seinen „Musi- 
kalischen Reisen", dass er 1772 die Signora Gasparini noch 

^) Ein Etat der Capelle und der Sänger aus diesem Jahre findet sich in 
Cramers „Magazin der Husik'S Jahrgang 1783, Seite 605. 



— 198 — 

im 72sten Jahre ihres Alters in der Oper singen hörte: ,,ein 
Alter, in welchem die Natur uns selten eine andere Stioune 
hören lässt, als Töne des Klagens oder einer zwoten Kind- 
heit/^ Signora Gasparini war nun freilich damals noch nicht 
72 Jahre alt, denn sie starb erst 1776 im 69sten Jahre, — aber 
sie war doch nach gerade alt genug geworden, um überhaupt 
gar nicht mehr zu singen. 

Dass es so aber doch nicht mehr ging> sah der König nwi 
wohl ein, und es wurde daher für den nächsten Camaval die 
berühmte Todt ') engagirt Sie sollte nicht auf ein Jahr, son- 
dern blos für die Dauer des Carnavals 200Q r|l. Gehalt be- 
kommen; auch eine Neuerung, die aus dem stets steigenden 
Misstrauen des Königs hervorging. Sie sang gleich uach ihrer 
Ankunft in den Concerten des Königs und studierte dann mit 
Reichardt die beiden Opern, in denen sie singen sollte. Diese 
waren im December Älessandro e Poro von Graun (1744) und 

1784 im Januar Lucio Papirio von Hctsse (1745). Die erste 
Oper war mit der Todi, Eichner und Concialini, Chrassi und 
Paolino, die zweite ausser den genannten auch noch mit To- 
som und Coli besetzt« G9AZ gegen alle Erwartung gefiel die 
berühmte und mit vielem Pomp angekündigte Jodi^ nicht 

^) Maria Francisca Todt, 1748 in Portugal geboren, wurde von Perez 
unterrichtet, erschien 1777 in London mit Beifall als Contra -Altistin 
und ging 1780 nach Paris, wo 9ie mit der Mara rivalisirte und dit 
Gunst des Publicums gewaD^n. Anfangs 1783 gab sie am Main und 
Rhein Concerte und gefiel namentlich in Carlsruhe so sehr, dass sie 
Engagements-Anträge von Berlin erhielt. Als sie Berlin yerliess, ging sie 
nach Petersburg, wo sie auisserordentliches Glück macbte und 1787 wieder 
nach Berlin kam. 1789 verliess sie es wieder, sang 1790 ooch ia Hao- 
nover und kehrte sehr reich nach Italien zurück, wo sie 1812 gestorben ist 

^) Einen ausführlichen Vergleich der Sängerinnen Mara und 7«4r entbält 
* der Jahrg. 1783 der Bertramschen Ltteratur- ui^d Theat^-JEeitung Seite 695. 



— 199 — 

und blieb sogar hiuter der Eichner zurück. Dazu kam^ dass 
Concialini sich auf einer Jagdparthie so erkältet hatte^ dass 
er statt zehn mal nur fünf mal singen konnte und auch diese 
Male kaum h&rbar und schlecht Ueber die Musik selbst sagt 
ein damalige Critiker: ^^Die erste ist unter Grauns Opern 
die schlechteste und die zweite unter Hassens Opern nicht 
die beste.^^ Ueberhaupt brach jetzt der lang veriialtene Un- 
wille der Critik gegen die alt gewordene Berliner Oper los, 
und namentlich erschien in Hamburg eine heftige Diatribe 
in dem ^Musikalischen Magazin^^, Jahrgang 1784 S. 75, welche 
eine nur zu wahre Schilderung des trostlosen Zustandes ent- 
hält, in dem sich damals die Italienische Oper trotz der in 
Frankreich und England so gefeierten Todi befand. Nur das 
Ballet unter der Leitung Desplaces des Jüngern findet Aner- 
kennung, namentlich wegen dornen eingefährten Pantomimen, 
obgleich auch Mlles. Meroni und Desplaces^ die beiden einzigen 
Solotänzerinnen, nicht zum Besten wegkommen. Wir ver- 
weisen auf den oben erwähnten Bericht aus Berlin, um so 
mehr, als er wahrscheinlich von dem schreiblustigen Capell- 
meister Reichardt selbst herrührt, wenigstens sein Styl sich 
leicht erk^men lässt 

Unzufrieden reiste die Todi ab, und da nun am 12 Februar 
auch Paolmo Bedeschi nachdem er 42 Jahr in Beiün ge-* 
sungen, starb, so half es nichts, der Widerwille des Königs 
gegen neue Engagements wurde durch die Nothwendigkeit 
besiegt, und Signora Carara aus Mailand mit 2000 rtl. auf 
drei Jahre, Signor BeUa Spica, Altist, ebenfalls aus Mailand, 
für Porporino, und Signor Tomhotini% Sopranist, engagirt. 

1) Rafmlk Tombolimy geboren 1766 ia Fermo, kam ato Tienehnjähriger 
Knabe nach Berlin and wurde von Concialini ausgebildet. Sein Stimme 
war von auaserordentlichem Umfange und hatte etwas ungemein Lieb- 



— 200 — 

Desplaces ward Balletmeister uod an seine Stelle der Solo- 
tänzer Ädriani engagirL TomboKni kam am 15 November in 
Berlin an, wo er sogleich dem Könige eine Graunsche Arie 
vorsingen musste, bei welcher Fasch accompagnirte. 
Im December wurde nun Cajo Fabrtcio (1746) und 

1785 im Januar Orpheus (1752), beide von Graun, gegeben. 
Der König erschien auch in diesem Jahre nicht im Theater, 
das Publicum fand aber an den neuen Sängern Gefallen und 
glaubte schon, eine bessere Zeit für die Oper sei gekommen. 
Dagegen war die äussere Erscheinung an Decorationen und 
Costümen bis zur Aermlichkeit herabgesunken. Ein gleich- 
zeitiger Schriftsteller sagt darüber: „Es war zu bewundem, 
dass mit den geringen Fonds, welche für diese Königlichen 
Schauspieler ausgesetzt waren, dasjenige bestritten wurde, 
was man auf der Bühne sah. Man behaif sich so gut man 
konnte, und da kein besseres Opemtheater in den Preussi- 
schen Staaten vorhanden war, so nahm man damit vorlieb, 
besonders da Niemand dafür bezahlen durfte. Freüich machten 
Fremde, welche die grossen und glänzenden Hauptstädte 
Europas und die darin eingerichteten prächtigeren und bes- 
seren Schauspiele gesehen hatten, darüber ihre besonderen 
Anmerkungen.^' Dergleichen Anmerkungen^), die auch der 

liches. Er wurde 1806 pensloDirt und lebte in hohem Alter bis zum 
27 October 1839. Er und die Tänzerin Meroniy welche auch mit ihm 
zusammen wohnte, waren um diese Zeit noch die einzigen Ueberbleibsel 
der alten Italienischen Oper in Berlin. Er war als Knabe ein Schi^er 
Gibellis in Bologna gewesen. 
^) Ein Pröbchen der musikalischen Critik mdge hier einen Platz finden. 
„Da ein Castrat nun einmal kein Schauspieler sein darf, so sollte 
er doch wenigstens keine gemeine Manieren zeigen, denn ein Sänger, 
der von seiner Jugend auf so fetirt wird, der mit dem Hofe umgeht, 
mit Prinzen öfters spricht, sollte doch nicht wie ein Hökerweib die 



— 201 — 

König zu hören bekam, machten ihn so unwillig anfalle seine 
Castraten, denn diese waren es, die sich so sehr vernach- 
lässigten, seil der König die Oper nicht mehr selbst besuchte, 
dass er dachte, sie alle zu verabschieden und künftig jedes 
mal zum Carnaval eine ganz neue Truppe aus Italien zu 
verschreiben. Der Capellmeister Reichardt konnte diesen 
Zustand der Dinge nicht länger ertragen, und da keine Aus- 
sicht auf Besserung vorhanden war, so bat er um einen Ur- 
laub, den er auch erhieß, und zu einer Reise nach England 
und Frankreich benutzte. Gleich nach dem Camaval in 
Berlin reiste er ab und erhielt in Paris die Versprechung, 
zwei Opern für die dortige grosse Oper zu componiren. Es 
blieb indessen vor der Hand bei dem Versprechen und er 
musste im October nach Berlin zurückkehren, um, wie er 
selbst in seiner Denkschrift*) sagt, „inBerlin sein altes Italie- 
nisches Opemflickwerk fiir den Carnaval zu besorgen. Dies- 
mal flickte und verstümmelte ich eine alte Hassesche Oper 
und meine eigene alte Arbeit an der Artemisia fiir neue Sänger." 
Einschalten müssen wir hier noch, dass am 9 September 
der König zum letzten male in Berlin war, dass am löten des- 
Anne in die Seite setzen, wenn er seiner Geliebten Vorwürfe aus 
Eifersucht macht, oder wenn man ihn entwaffnen will, seinen Gegnern 
wie ein Schuhknecht entgegenlaufen, der auf Prügelei ausgeht. Ich 
bedauere, dass ich dieses vom Signor Tosoni sagen muss, der im übrigen 
nach Concialini der beste Sänger ist In der Rolle des Cominio war 
er ein gewöhnlicher Opemheld. Signor Paolino glaubt das Heroische 
besonders dadurch zu erreichen, wenn er den Mund recht voll nimmt, 
den rechten Fuss vorstellt, mit zurückgelegtem wackelnden Haupte und 
vollen Backen etwas hervorsprudelt Wenn man den Lucio Papirio so 
verkerlen sieht und dazu den quäkenden Froschgesang hört'' — I!l 
1) „Johann Friedrich Reichardt an das Musikalische Publicum, seine Fran- 
zösischen Opern Tamerlan und Panth^e betreffend''. Erschien Hamburg 
bei Hoffmann. 



- 202 — 

selben Monats ganz ausnahmsweise im Opernhause eine Re- 
doute für den Herzog von York und den Herzog von Curkuid 
gegeben wurde, und dass am 19ten und 20ten in Potsdam 
Opera buffa R Mercato und FAIbergatrice aufgeführt wurde. 

Der Camaval begann mit Ärtemisia von Hasse, zu der 
endlich einmal Verona eme neue Decoration hatte malen 
müssen, und endigte 

1786 im Januar mit Oreste e Pilade von Agiicola, womit 
die lange Reihe von Opemvorstellungen unter der Regie- 
rung Friedrichs des Grossen in Berlin beschlossen wurde. 
Kaum war der Camaval vorüber, als Reichardt audb wieder 
um Urlaub bat, um nach Paris zu eUen, und dort seine so lange 
verzögerten Opern zur Aufführung zu bringen. In seinem Ge- 
sudbe an den König hatte er angeführt, dass er wohl 30000 
Livres damit verdienen könnte; der König hatte dies für 
3000 Livres gelesen, und erliess folgende Cabinetsordre an 
Reichardt: „Se. Königl. Majestät von Preussen, Unser Ah&r- 
gnädigster Herr, ertheilen dem Capellmeister Reidbardt^ auf 
seine Anzeige vom 10 d., die gnädige Erlauboiss, auf 6 Monate 
nach Paris zu gehen, jedoch muss er wohl wissen, dass drei- 
tausaid Liifres nur ungefähr 800 rtl. unseres Greldes machen, 
davon wird er eben niefat reich werden, mid hat er dieses 
wohl zu überlegen. 

Potsdam, den IL Januar 1786. Friedrich.'' 

Am 28 Januar spielte die Opera bofla m Potsdam zum letz- 
tenmale vor dem Könige, der am 17 August nach 46jähriger 
Regierung zu seinen Yätem versamm.elt wurde und das Land 
in tiefiß Trauer versetzte. 



- 203 - 

Uebersehen wir das Mitgetheilte, so stellen sich fiir die Ge- 
schichte der Italienischen Oper mehrere Perioden heraus, die 
sich wesentlich von einander unterscheiden. Der verschwen- 
derische Glanz der Stiftung im ersten Jahrzehend, — das 
beginnende Misstrauen des Königs gegen Uebervortheilung 
und die Stetigkeit im Geschmack des Königs hinsichtlich der 
Gomponisten, — • die vollständige Auflösung während des sie- 
benjährigen Krieges,—^ der mit dem &igagement der üara er- 
neuerte Glanz, — und die nach und nach bis zur Aermhchkeit 
herabsinkende Verschlechterung. — Reichardt sagt in seinen 
Schriften : ,,Jedermann weiss es, dass die Berlinische Italienische 
Oper, die ich seit 12 Jahren dirigire^ in den letzten Jahren 
der vorigen Regierung zu einer solchen Schlechtigkeit herab- 
sank, dass sie auch von keiner einzigen Seite mehr fiir den 
Künstler wahren Werth hatte; der König sah sie gar nicht 
mehrl^^ — Eigentlich kann man den Zeitpunkt nach dem sie- 
benjährigen Kriege als denjenigen bezeichnen, wo Friedrich 
kälter und gleichgültiger gegen seine Oper gewordra, und 
wenn auch die Mara ihn aU Künstlerin erfreute, so war doch 
ihr Ungehorsam und der Trotz, den sie, vielleicht die Einzige 
in ganz Preussen die das wagte,, ihm entgegensetzte, Ursadie 
zu mancher unwilligen Laune gegen seine eigene Schq>liuig. 
Ja, es war sogar im Jahre 1770 einmal nahe daran, dass die 
ga»ze Oper verpachtet wurde. Es hatte sidi nämlich ein Graf 
CdteUni in Potsdam eingefundeo^ wdchear dem König ein 
Project überreichte, nach w^bem er nicht aHein die Italie- 
nische Oper erhalten, sondern auch noch eineu ansehi^chea 
Ueberschuss abliefern woUte^ wenn man sie ihm verpachtete. 
Der König, dem jede Art von Ersparaiss willkommen v^^ar, hatte 
grosse Lust dem Speculanten das Haus, die Sänger und Tänzer 
zu überlassen, nur die Capelle wollte er sich selbst vorbehaUenu 



— 204 - 

Als dies bekannt wurde, herrschte die grösste Bestürzung unter 
den Sängern, da sie mit Recht fürchteten, von einem Pächter 
schlecht behandelt, oder gar, und das musste ihnen bei der lang- 
gewohnten Bequemlichkeit besonders unangenehm sein, zu 
grösserer Thätigkeit gezwungen zu werden. Voll Angst wandten 
sie sich an Quanz, der beim Könige für sie sprechen soUte, und 
es auch versprach. Bei einem Abendconcerte wusste Quanz 
das Gespräch auf den Grafen Coltelini zu bringen, und der 
König theilte ihm mit, wie er entschlossen sei, das ganze Opem- 
wesen zu verpachten. „Ew. Majestät sind Herr und Meister,^' 
erwiderte Quanz, „allein dann wäre es auch wohl gut, wenn 
die Inschrift des Opernhauses Frtdericus Rex Apollint et Musis 
abgenommen würde, denn die passt dann wohl nicht mehr/^ 
Der König schwieg, die Oper wurde aber nicht verpachtet 

lieber den Ge^schmack und die Musikübung des Königs, 
den Zustand der Musik in Berlin überhaupt geben Burnej, 
Marpurg, Cramer, Reichardt, König, Nicolai und Preuss in 
ihren Werken die vollständigsten Anschlüsse, auf die wir 
statt weiterer Ausführung dieses Gegenstandes verweisen, 
und diesen Abschnitt mit einem Rückblick auf die Entwicke- 
lung der Deutschen Oper neben ihrer mächtigen und glän- 
zenden Italienischen Schwester schliessen. 

Die erste Oper in Deutscher Sprache, welche in Berlin auf- 
gefithrt wurde, war die von dem Königl. Gesandten in London 
Geheimenrath v. Borck gemachte üebersetzung des Devil to 
pay, der Teufel ist loSj die später unter dem Titel : der lustige 
Schuster oder die verwandelten Weiber bekannte komische 
Oper. Der Theaterdirector Schönemann fährte sie 1743 mit 
seiner Gesellschaft auf, fiel aber mit dem Versuch so glänzend 
durch, dass bis zum Jahre 1767 kein musikalisches Schauspiel 
wieder zum Vorschein kam. In diesem Jahre componirte der 



~ 205 - 

Berlinische Advokat Krause ein Singspiel^ der lustige Schul- 
meisler, welches Nicolai (1766) gedichtet hatte. Die Chrono- 
logie des Deutschen Theaters, überhaupt ein sehr unzuverläs- 
siges Buch, giebt zwar an, dass dieses Singspiel vor Ihrer 
Majestät der Königin aufgeführt worden sei; Plümicke aber be- 
streitet diese Angabe. — Döbbelin, der Theaterdirector, war 
zu jener Zeit noch sehr gegen „das Opemunwesen ", wie es 
die Kritiker nannten, eingenommen, als aber die Bergesche 
und Hammonsche und Fiervillesche Französische Truppe nach 
Berlin kam, und jene artigen kleinen Singspiele mitbrachte, 
welche damals schon einen vollständig ausgeprägten Charac- 
ter trugen, sah auch er sich gezwungen, dem Geschmacke, den 
die Berliner daran fanden, zu huldigen. Er begann mit einer 
Operette: Die verliebte Unschuld^ in der sich eine gewisse MUe. 
Felbrig als Sängerin auszeichnete. Den niedlichen Operetten 
von Weisse und Hiller, von denen sogar zwei Bände gedruckt 
erschienen, wandte sich bald die Gunst des Publicums zu, und 
rasch nacheinander erschienen: der Dorßarhier, das Gärtner- 
mädcheUj Jochen TröbSj die Apotheke^ der Erntekranz und der 
Deserteur. — Da es zu jener Zeit noch keine deutschen Sänger 
gab, so mussten alle Schauspieler singen, die nur irgend einen 
Ton hervorbringen konnten, eben so wie jeder tanzen musste, 
wenn es etwas zu tanzen gab. Der Director Koch (nicht zu 
verwechseln mit dem Director der Opera buffa in Potsdam) 
führte deswegen die Sitte ein, denjenigen Schauspielern, 
welche die Hauptrollen sangen, bei der ersten Vorstellung 
einer Operette einen Louisd'or, bei der zweiten einen Duca- 
ten und bei jeder folgenden zwei Gulden zu bezahlen. Eine 
Einrichtung, die nicht wenig dazu beitrug, dass die Schau- 
spieler gerne in der Operette mitwirkten. Wir geben hier ein 
Verzeichniss der vom Jahre 1771 an aufgeführten Opern. 



- 206 — 

1771. LoUchen am Hofe. Oper in 3 Acten yon Weisse« Moslk von Hiller. 
Die Jagd. Op. in 3 A. v. Weisse u. Hiller. (40 male in kurzer 

Zeit gegeben.) 
Das Rosenfest. Op. In 3 A. Aus dem Französischen des Favart 

übersetzt y. Hermann. Musik v. Wolf. (38 mal gegeb.) 
Du vertßandelten Weiber^ oder der Teufel ist los! Op. in 3 A. 

von Weisse nach dem Engl. Musik von Hiller und Standfuss. 
Der lustige Schuster. Zweiter Theil der verwandelten Weiber. Op. 

in 3 A. Musik von Hiller und Standfuss. 
Lesuart und Dariolettej oder Frage und Antwort. Op. in 3 A. von 

Schiebeier. Musik von Hiller. 
Der Dorfharhier. Op. in 2 A. von Weisse und Hiller. 
Die liehe auf dem Lande. Op. in 3 A. von Weisse und Hiller. 
Das Gärtnermädchen. Op. in 3 A. von Musäus und Wolf. 
Der stolze Bauer Jochen Tröbsy oder der vergnügte Bauernstand. 

Op. in 3 A. von Osten. 
Die Muse. Op. in 1 A. von Schiebeier und Hiller. 

1772. Der Erntekranz. Op. in 3 A. von Weisse und Hiller. 

Der Deserteur. Op. in 3. A. von Sedaine. Debersetzer nicht ge- 
nannt. Musik von Monsigny. 
Die Dorfdeputirten. Op. in 2 A. Musik von Wolf. 
Die Apotheke. Op. in 2 A. Musik von Neefe. 
Das Milchmädchen und die beiden Jäger. Op. in 1 A. Musik v. DQni. 
Der Krieg, Op. in 3 A. nach Goldoni. Musik v. Hiller. 

1773. Das Jubelfest Op. in 3 A. von Weisse und Hiller. 
Erast und Lucinde. Op. in 1 A. 

Sancho Pansa. Op. in 2 A. von Pointsinet. Musik von Philidor. 
Die Einsprüche. Op. in 2 A. von Michaelis. Musik von Neefe. 
Der Zauberer. Op. in 1 A. Musik von Holly. 

1774. Der Bassa von Tunis. Op. in 1 A. Musik von Holly. 

Der hinkende Teufel. Op. in 2 A. (In kurzer Zeit 12ma] wiederholt) 

Der Holzhauer. Op. in 1 A. Aus dem Französischen. Musik von 
George Benda. 

Der kluge Mann. Op. aus dem Französischen. 

Dc^ redende Gemälde. Op. in 1 A. von Anseaume und Gretry. 

Das Schnupftuch. Op. in 2 A. von Hanisch. 

Megära, die fürchterliche Hexe, oder das bezauberte Schloss. Op. 
in 3 A. von Hofner. (Wurde 11 mal wiederholt, und ist die 
erste Oper in der Gattung der Donauüymphe u. s. w.) 



- 207 - 

Das Gespemt Op. in 1 A. von Holly. 

Die NachL Op. in 3 A. Musik von Piccini. 

Das grosse Laos. Op. in 2 A. aus dem Französ. Musik v. Wolf. 

1775. Der Töpfer. Op. in 1 A. Text und Musik von Andr^. 

Robert und Calliste, Op. in 3 A. aus dem Italienischen. Musik von 

Guglielmi. 
Soliman 11 oder die drei Sulianinnen, Schauspiel mit Gesang und 

Ballet in 3 A. von Favart. (Die berühmten les trois StUtanes.) 
Die herrschaftliche Küche auf dem Lande. Op. in 1 A., a. d. Italien. 
Ciarisse, das unbekannte Dienstmädchen. Op. in 3 A. von Bock. 
Der alte Freier. Op. in 1 A. Text und Musik von Andrä. 

1776. Ariadne aufNaxos. Musikalisches Duodrama von Brandes. Musik 

von George Benda. (35 mal gegeben.) 
Die Liebe auf dem Lande. Op. in 3 A. von Weisse und Hiller. 

1777. Medea. Musikal. Duodrama von Gotter. Musik von George Benda. 
Pierre und Narcis^ oder Betrug für Betrug. Komische Op. nach 

Italienischer Art, in 3 Theilen. Musik von Laube. 

Erast und Lucinde. Op. in 1 A.. 

Matz und Anncj oder Wurst mder Wurst Musikal. Farce nach 
Italienischer Art, in 2 A. Musik von Laube. 

Brautj Friseur^ Hexe und Advocat. Verkleidungsop. in 2 Theilen. 

Der Spieler %md die Betschwester. Op. in 3 Theilen nach Italien. Art. 

Der Capellmeister und die Schülerin. Op. in 2 Theilen nach Italie- 
nischer Art Musik von Laube. 

DetJuilion und Pyrrha, oder die belebte Bildsäule. Op. in 2 Tbl. 
nach dem Französischen des St. Foix. 

Das adeliche Fräulein^ od. der bürgerliche Freier Paphnutz. Op. 2 A. 

Der studirte Jäger^ oder das Bauermädchen. Op. in 2 Theilen. 

Der Italienische Garkoch zu Genua. Op. in 1 A. Musik v. Laube. 

Ynkle und Yariko. Duodrama in 2 A. yon Schink. Musik v. Rost. 

Das gute Mädchen. Op. in 3 A. von Piccini. (Wurde in 14 Tagen 
7 mal gegeben.) 

Die Bezauberten. Op. in 3 A. nach Favart. Musik von Andr6. 

Die Nacht, Op. in 3 A. von Capacelli. (Nicht die 1774 gegebene 
Oper gleiches Namens.) 

1778. Cephalus und Procris. Melodrama v. Ramler. Musik v. Reichardt. 
Der Alchimist. Op. in 2 A. von Meissner. Musik von Andr^. 



- 206 - 

Der Jahrmarkt. Op. in 2 A. yon Gotter. Mittik von George Bend«. 
Der Freund deutscher Säte. Op. in 3 A. von Barmann. Musik todi 

Baron Ton Kospoth. (Wurde zum Geburtsfest des Prinzen Ton 

Preussen gegeben.) 
Zemire und Äzar. Op. in 5 A. nach Marmontel. Musik y. Gretry . 

1779. Romeo und Julie. Op. in 3 A. Ton Gotter. Musik von Geoi^ Benda. 
Die Colonie. Op. in 2 A. aus dem Französischen. Musik von Anton 

Sachini. 
Das tartarische Gesetz. Op. in 3 A. von Gotter. Musik von Andr^. 
Die schöne Arsene. Op. in 4 A. aus dem Französischen des Favart 

Musik von Monsigny. (Wurde 42 mal gegeben.] 
Ädrast und Isidore, oder die Serenate. Op. in 2 A. nach Moli^re 

von Bretzner. Musik vom Baron Kospoth. 
Antonius und Kleopatra. Duodrama in 2 A. von d'Arien. Musik 

von Kafka. 

1780. Die Freundschaft auf der Probe. Op. in 2 A. von Favart. Musik 

von Gretry. 
Alceste. Gr. Op. in 5 A. von Wieland. Musik von Schweitzer. 
Der Apfeldieb. Op. in 1 A. von Bretzner. Musik von Kafka. 
Das Grab des Mufti und die beiden Geizigen. Op. in 2 A. v. 

Meissner. Musik von Hiller. 
Der Irunsch, oder Endlich fand er sie. Op» in 3 A. v. Bretzner. 

Musik vom Baron v. Kospoth. 
Der Freund vom Hause. Op. in 3 A. aus dem Französischen. Musik 

von Gretry. 
Das unithende Heer^ oder das Mädchen im Thurm. Op. in 3 A. 

von Bretzner. Musik von Andr^. 

1781. Der Zauberspiegel. Op. in 2 A. 

Die Eifersucht auf der Probe. Op. in 3 A. von Eschenburg. Musik 
von Anfossi. 

Belmonte und Constanze. Op. in 4 Aufzügen von Bretzner. Musik 
von Andr6. 

Das ürtheü des Midas. Operette in 3 A. aus dem Französischen. 
Musik von Gretry. 

Der Fassbinder. Op. in 1 A. aus dem Franz. Musik v. Audinot. 

Die Frascatanerin. Op. in 3 A. aus dem Italienischen von Livigni. 
Musik von Paesiello. 

Die Missverständnisse. Singspiel in 3 Aufzügen aus dem Franzö- 
sischen (l'Amant jaloux). 



— 209 — 

In diesem Jahre fanden überhaupt 117 Operettenvorstellungen 
statt; ein Beweis, wie beliebt sich diese Gattung gemacht hatte. 

1782. Adelheid und Veltheim. Singspiel in 3 A. v. Grossmann. Musik 

von Neefe. 

Eins wird doch helfen, oder Die Werbung aus Liebe. Op. in 2 A. 
von Lesage und Orneval. Musik von Andr^. 

Elwin. Op. in 3 A. Ton Drais. Musik y. Andr6. 

Erwin und Elmire in 2 A. y. Göthe. Musik y. Andr^. (22 mal gegeb.) 

Der Capellmeisiery oder Tsts nicht die eine, so ists die andere. 
Op. in 2 A. nach dem Italienischen v. Rock. Musik v. Lorazi. 

Der Liebhaher als Automat, oder Die redenden Maschinen. Op. in 
1 A. nach dem Französischen y. Cuinet Orbeil. Musik y. Andrö. 

Die Sanmitische Vermählungsfeier. Op. in 3 A. yon Gretry. 

Der Sturm, oder Die bezauberte Insel. Op. in 1 A. yon dem Pre- 
diger Patzke. Musik yon Rolle. 

Unverhofft kommt oft. Op. in 3 A. yon Gretry (les ^yönemens 
impr^yus.) 141 Opernyorstellungen in diesem Jahre. 

1783. Der Barbier von Bagdad. O. in 2 A. nach Palissot. Musik v. Andr^. 
Die eingebildeten Philosophen. Op. in 2 A. aus dem Französischen. 

Musik yon Paesiello. 

Die Liebe unter den Handwerksleuten. Singspiel in 3 A. nach 
Goldoni. Musik yon Gassmann. 

Die Rauchfangkehrer. Op. in 3 A. Musik yon Salieri. 

Diesmal hat der Mann seinen Willen. Originalsingspiel. Musik 
yon Ordonez. 

Die Pilgrime von Mecca. Op. in 3 A. Musik yon Gluck. 

Der betrogene Cadi. Op. in 2 A. Von Andr^ aus dem Franzö- 
sischen übersetzt. Musik yon Gluck. 151 Opernyorstellungen. 

1784. Felix, oder Der Findling. Op. in 3 A. yon Sedaine, üebersetzt 

yon Andr^. MusiK yon Monsigni. 
Der Hypochondrist. Op. in 3 A. nach dem Italienischen y. Andrö. 

Musik von Naumann. 
Das Dorfgala. Op. in 1 A. von Gotter. Musik yon Schweitzer. 
93 Opernyorstellungen. 

1785. Die Wäschermädchen. Der zaubernde Soldat, Die schöne Schusterin. 

Sämmtlich Italienische Opere buffe, und 11 kleine Französische 
Opern yon der Kindertruppe des Directors Pinsart de la Cour. 
105 Opernyorstellungen. 

14 



— 210 - 

1786. Känig Theodor in Venedig. 

Die Sclaven, od. Der groamiUhige Seefahrer. 81 OpernYorstelloDgen. 

Aus diesem Verzeichniss geht hervor, dass sich das Deut- 
sche Theater hauptsächlich von den Brosamen nähren musste, 
welche ihm das Italienische und Französische zuwarfen. Ob- 
gleich Hiller^ Baron v. Kospoth, Benda, ÄndrS, RoUe u. s. w. 
selbststandig zu wirken suchten, so waren die Stoffe, mit denen 
sie arbeiteten, doch stets fremden Ursprunges, und die gra- 
cieuse Leichtigkeit der Französischen Operette, so wie die 
derbe aber immer noch schickliche Lustigkeit der Italieni- 
schen Intermezzen fand auf diese Weise leider damals noch 
keine Deutschen Vertreter. Doch strebte die Deutsche Bühne 
nach Selbstständigkeit, und je tiefer die Italienische Oper in 
der Meinung des Publikums sank, je mehr Kräfte wandten 
sich ihrer jungen Deutschen Nebenbuhlerin zu. Trotzdem 
wurde das Deutsche oder Deutsch gesungene Singspiel immer 
noch wie eine untergeordnete Kunstleistung betrachtet, und 
vornehm lächelnd sah der Hof, so wie die grosse Welt, dem 
Beispiele des Königs folgend, auf die Bestrebungen der Deut- 
schen Directoren, Künstler und Kritiker herab. 

Die Deutsche Operette war und blieb vor der Hand noch 
ein Stiefkind. Ihre Entwickelung gehört auch mehr in die all- 
gemeine Theatergeschichte von Berlin, als in die der Oper ins- 
besondere, und wir dürfen, wollen wir von dem vorgesteckten 
Ziele nicht zu weit abweichen, nicht eher ausführlicher da- 
von sprechen, bis die Gnade und der Kunstsinn Friedrich 
Wilhelms IH ihr die würdige Stätte, das Opernhaus, öffiiete. ') 

*) Ceber den Geschmack Friedrichs des Grossen in der Musik, so wie den 
Zustand der Musik im Allgemeinen unter seiner Regierung , enthält 
das vortreffliche Werk unseres J. D. E. Preuss Friedrichs des Grossen 
Lebensgeschichtc 111 Bd. S. 310 ff. einen beachtenswerthen Aufsatz. 



GESCHICHTE DER OPER IN BERLIIN 

VON 

1986 - 1999. 

IM ach dem Tode Friedrichs des Grossen blickte Alles mit 
gespannter Erwartung und der grösste Theil des Volkes mit 
froher Holfoung auf Friedrich Wilhelm II, dessen ritterlicher 
Charakter, gewinnende Persönlichkeit und wohlwollendes Ge- 
miith eine vollständige Umwandlung der in den letzten Jahren 
starr gewordenen Formen versprach. Für das Theater be- 
gann eine Epoche der Erhebung, denn der König erklärte am 
I October 1786 das bisherige Döbbelinsche Theater in der 
Behrenstrasse zu einem Nationaltheater, räumte ihm das auf 
dem Gensd'armenmarkt für die Französischen Schauspiele er- 
baute Schauspielhaus ') ein, sicherte eine Unterstützung von 
6000 rthi. zu, liess von Verona Decorationen malen, und er- 
laubte, dass die Statistenkleider der grossen Italienischen Oper 
beim Deutschen Theater gebraucht werden könnten» Am 
3 December 1786 ward zum letztenmale im dem alten Thea- 

1) Dieses Theater stand in der Mitte des Gensd'armenmarktes zwischen 
beiden ThQrmen, ungeföhr da wo gegenwärtig die Freitreppe des neuen 
Schauspielhauses anfängt bis zu dem Droschken-Halteplatze. Es war 
1774 erbaut, fasste 1200 Personen, hatte 50 Fuss Theatertiefe, ein Par- 
terre, 2 Ränge Logen und eine Gallerie. Die Garderoben der Schau- 
spieler lagen merkwürdiger Weise nicht hinter der Bühne, sondern vor 
dem Zuschauerräume, so dass die angekleideten Schauspieler durch 
den Parterregang und beim Büffet vorbei mussten, um auf die Bühne 
zu kommen. 

14* 



— 212 -- 

ter der Behrenslrasse gespielt, und dann am 5 December das 
Nationaltheater in dem neuen Hause mit einem Prologe, alle- 
gorischen Ballet und einem Lustspiel von Jünger in Gegen- 
wart des Königs eröfftiet. — Wir werden von jetzt an der 
Entwickelung der Oper im Allgemeinen und der Deutschen 
insbesondere auch auf dieser Bühne folgen müssen, um ein 
nur einigermassen vollständiges Bild des künstlerischen Ge- 
sammtwirkens zu geben. 

Der Capellmeister Reichardt war, nach vergebenen Ver- 
suchen seine Compositionen in Paris zur Aufliihrung zu brin- 
gen, im August in Hamburg, als die Nachricht vom Tode 
Friedrichs des Grossen dort eintraf. Mit Courierpferden eilte 
er nach Berlin, um die Befehle seines neuen Herrn zu em- 
pfangen, wurde sehr gnädig aufgenommen, und erhielt den 
Befehl^ zum Leichenbegängniss eine Trauercantate zu com- 
poniren, zu der Marquis v. Lucchesini einen lateinischen Text 
schrieb. Reichardt beendete die Composition in nur 7 Tagen, 
und begann sofort die Proben, zu denen der König seine bishe- 
rige Capelle (die Capelle des Prinzen von Preussen) mit der 
des Italienischen Theaters zu vereinigen befahl, so dass mit 
den Musikern mehrerer Liebhaberconcerte über 100 Instru- 
mentisten und 50 Sänger zusammenkamen, ein für die dama- 
lige Zeit unerhörte Zahl. Die Vereinigung beider Capellen 
fand am 5 September statt, und Reichardt, welcher wegen 
der schwierigen Rangverhältnisse beim Könige anfragte, er- 
hielt folgendes eigenhändige Cabinetsschreiben : 

„Als mein Capellmeister haben Sie die Direction über alle 
meine Musici, Benda bleibt bei der ersten Violine, Duport 
beim, ersten Violoncell, alle Uebrigen rangiren Sie nach 
ihrem Talent. Berlin, den 5 September 1786. 

Friedrich Wilhelm.^' 



— 213 — 

So wurde denn diese Trauermusik am 9 September in 
Potsdam beim LeicheDbegängniss des Königs aufgerührt, und 
machte einen tiefen Eindruck auf die Versammelten ^). Rei- 
chardt erhielt 100 Friedrichsd'or dafiir und den Auftrag, zum 
Februar des nächsten Jahres noch eine Oper zu componiren, 
was er wegen der fiir Paris eingegangenen Verbindlichkeiten 
nicht übernehmen konnte. Der König bestand auch nicht 
weiter darauf, weil es wohl zu kurz nach kaum geendeter 
Landes- und Familientrauer gewesen wäre, und gab Reichardt 
aufs neue Urlaub nach Paris. 

Die Vereinigung der beiden Capellen so wie die Ernen- 
nung des Deutschen Theaters zu einem Nationaltheater mit 
Königlicher Unterstützung liess damals Viele befürchten, dass 
der neue König die Italienische Oper ganz abschaffen würde, 
und der allerdings tief gesunkene Zustand derselben gab die- 
ser Befürchtung einige Wahrscheinlichkeit; Niemand war da, 
der das Interesse der Italienischen Sänger vertreten konnte, 
weder Directeur noch Hofpoet, denn Landi war gestorben. 
Reichardt meist abwesend, und sich selbst empfahlen die Sän- 
ger auch nicht mehr besonders. Eine Primadonna war gar 
nicht mehr vorhanden, da M lle. Eichner ebenfalls 1786 gestor- 
ben war, so dass die Oper sich eigentlich in vollständiger Auf- 
lösung befand. Dass es so nicht bleiben konnte, iühlte Jeder- 
mann, wie es sich aber gestalten würde, darüber sah Alles 
der nächsten Zeit mit banger Neugierde entgegen. 

Ein interessanter Beitrag zu der Geschichte jener erwar- 
tungsvollen Zeit ist unstreitig der Brief des schon erwähnten 
Opernschneiders Hermann (Beilage XXXVI No. 1), der um 

*) Sie ist gestochen vorhanden, und wurde später auch in Hamburg, 
München, Hannover u. s. w. aufgeführt. Eine Recension darüber befindet 
sich in Cramers Magazin der Musik 1786. 



— 214 — 

SO mehr hierher gehört, als der Köaig wirklich die nach- 
trägliche Forderung von 5126 rtl. für angeblich erliltenen 
Schaden bei Bezahlung der Opernkleider bewilligte. 

Das Yerhältniss der jetzt bedeutend vergrösserten Capelle 
gestaltete sich in so fem eigenthümlich, als der berühaite 
Violoncellist Duport^) bis dahin Director der Prinzlichen Ca- 
pelle und Lehrer des jetzigen Königs gewesen; nun wurde 
er zwar durch die bereits mitgetheilte Cabinetaordre unter 
Reichardt gestellt, da dieser aber lange abwesend blieb und 
er in den Unterrichtsstunden und bei den iLanunerconcerten 
das Ohr des Königs hatte, so erhidt er den Titel ,,Sur-Inten- 
dant de la musique du roi'^ und wurde in den Etats Yor 
Reichardt geführt, was Anlass zu manchen Streitigkeiten gab 
(siehe die Beilagen XXXVI No. 15 und 16). Die jetzige Zu- 
sammensetzung der Königl. Capelle siehe in der Anmerkung^. 

^)JeQn Pierre Duparl der ältere, 1741 zu Paris geboren, war einer der 
grössten Violoncellisten, die je gelebt. Aus der Capelle des Prinzen 
von Conti kam er 1773 in die Dienste des damaligen Prinzen von 
Preussen, dessen Lehrer er zugleich wurde. 

Sein jüngerer Bruder Louis trat 1789 ebenfalls in die Königl. Preuss. 
Capelle und leistete fast eben so Bedeutendes auf dem Violoncell als 
sein Bruder. 
^) Intendant der Musik: Herr Duport der altere. 
Capellmeister: Hr. Joh. Friedr. Reichardt. 
Concertmeister: Hr. Joseph Benda, Hr. Vachon. 
ClaTicinisten: Faschj Schramm. 
Harfenist: Bren/nesseL 
Violinisten: Hak, F.Bendoy Kroll, C.Benda, Eannegiesser, BötÜeheTf 

Steffani, Bemard, Reichenberg, Bachmann jun., Maurer, Thiele, AnL 

Zika, Franz Kolhe, Müller, F Zika, Moser, Kühne, Seyfferl^ Hesse. 
Bratschisten: Bachmann, Göz, Ferd. Zika, Fagal, Franx, Steffani, 

Tannenberg. 
Violoncellisten: Duport '}uu., Herwig^ Hansmann, Braun, Grata, Schotte, 

Franz Zika, Fleischmann. 
Contrebassisten: Kalla, Gürlich, Stolze, Ramhach. 



— 215 — 

1787. In diesem Jabre haben wir zunächst den inneren 
Umbau und die Renovirung des Opernhauses zu erwähnen^ 
von welcher die Beilage XXXVI No. 18 die vollständigsten 
Nachrichten giebt Die genaue Beschreibung dieser Verän- 
derungen hier aufzunehmen schien um so nöthiger, als das 
Opernhaus in seiner neuen Gestalt unverändert bis zum 
Brande 1843 verblieb. Verona machte die Entwürfe für die 
Ausschmückung. Langerhans leitete den Umbau. An die 
Stelle des Hofpoeten kam der Signor Fäistri de Caramondani, 
welcher sich im Frühjahre als Improvisator in Potsdam hören 
Hess und sofort angestellt wurde. Dieser Mann übte durch 
seine spätere vertraute Bekanntschaft mit der Gräfin Lichtenau 
einen wesentlichen Einfluss auf das Theaterwesen aus^ und 
wurde so neben dem später ernannten Baron v. Reck eigent- 
licher technischer Director des Ganzen. Reichardt wurde 
beauftragt, neue Sänger zu engagiren, und sollte vorzüglich 
die Mara bewegen, wieder nach Berlin zu kommen, was 
aber misslang. 

Das Nationaltheater hatte zwar keine eigentlichen Sänger, 
fuhr aber doch rüstig fort, das Singspiel und die Operette zu 
geben, und brachte namentlich (25 Juni) den Doclor und Apo- 
theker von Dittensdorf heraus, die das Publicum auf ausser- 
ordentliche Weise anzog und gleich neun mal hinter einander 
gegeben wurde. Ausserdem kam auch der Hufschmidt mit 
Musik von Philidor und das Narrenhaus oder die Schule der 
E^ersüchtigm von Salieri zur Aufführung. Im Ganzen wurden 
an 112 Tagen Operetten gegeben. Das Orchester war ein 

Flauttraversisten: Krause^ ITraw^e jun., Aschenhrenner , Neuf, 
Hoboisten: Ehding, Fischer^ Grunertj Grosse , Müller. 
Fagottisten: Ritter, Knoblauch, Kreisvatis, Weisse, Schwarz, 
Waldhornisten: Thürschmidt, Neumann, Schaler, Zelenka, Zelenha jun. 
Clarinettisten: Kunze, Kühne. 



— 216 - 

durchaus selbststäodiges und wurde von dem Musikdirector 
Frischmuth^) geleitet , dem Streiche! als Musikdirector des 
Ballets mit dem Titel Chorrepetitor beistand. Der König 
besuchte das Deutsche Theater sehr oft, als aber die ersten 
Vorstellungen des neuen Nationaltheaters seinen Erwartungen 
nicht entsprachen, wurde Döbbelin anständig pensionirt und 
die Professoren Engel und Ramler zu Directoren ernannt, 
der Finanzrath Beyer ihnen in öconomischer und Censur- 
hinsicht vorgesetzt, der Kriegsrath Bertram und der Kam- 
mersecretair Jacobi ihnen für die öconomische Verwaltung 
beigegeben. Das bei diesem Theater engagirte Ballet war 
zahlreicher als das der grossen Oper und stand unter dem 
Balletmeister Lanz. 

1788. Der Umbau des Opernhauses war im November 
des vorigen Jahres fertig geworden und sofort hatten auch 
die Proben zu den Camavalsopem begonnen. In vielen dieser 
Proben war der König gegenwärtig und spielte, wenn keine 
Zuschauer zugegen waren, das Violoncell im Orchester neben 
seinem Lehrer Duport. Nach dem still verflossenen Trauer- 
jahre schien es, als sollte mit einem Schlage der ganze Glanz 
der Italienischen Oper aus dem ersten Jahrzehent der Regie- 
rung Friedrichs des Grossen wieder erstehen, und die Summe 
von 14492 rtl., welche die erste dieser Oper kostete (Beilage 
XXXVI No. 14), beweist, dass der König nichts sparte, um 
dem alt gewordenen Institute wieder frisches Leben einzu- 
flössen. Viel trug dazu die Thätigkeit des Kammerherm 
Baron von Reck bei, welchem interimistisch das Arrangement 

*) Johann Christian Frischmuthy 1741 geboren, war erst Schauspieler, und 
kam 1785 zum Döbbelinischen Theater; seine Gattin war lange Zeit die 
einzige Kassirerin des Nationaltheaters. 



— 217 - 

des ganzen Camavals aufgetragen worden war, und der mit 
grossem Eifer für eine grossartige AusHihrung der Königlichen 
Befehle sorgte. Der Carnaval begann am 8 Januar mit einer 
Redoute, für welche der frühere Unterschied zwischen den 
rothen (Adlichen und Hofpersonen) und andersfarbigen (bür- 
gerlichen) Dominos aufgehoben und jeder anständig geklei- 
deten Maske der Zutritt gestattet werden sollte. Gleichzeitig 
waren Unterofficiere der Garde zum Abnehmen der Billels 
angestellt worden. 

Am Uten wurde nun, nach fast zweijähriger Unterbrechung, 
die erste Oper Andromeda von Füistri, componirt von Ret- 
chardty gegeben, nachdem am Tage vorher um 4 Uhr Nach- 
mittags die Generalprobe gehalten worden war, zu welcher 
das Publicum Zutritt erhalten^). Um 6 Uhr klopfte Baron 

') Von dem Polizei-Directorium erschien am 5 Jan. folgende Verordnung. 

y,Da nach der von Sr. Königl. M^j. Allerhöchst verordneten Verthei- 
lung der Logen und des Parterre im Opernhause für alle Stände nach 
Möglichkeit und so weit es der Raum gestattet gesorgt und die wenigen 
für einige Logen und das Parterre zu ertheilenden Billets, welche 
jedoch beständig nur für eine Oper gelten, bereits vertheilt worden, 
so wird solches und dass die emstlichsten Massregeln getroffen, dass 
keine Plätze verkauft werden können, hiermit zu Jedermanns Wissen- 
schaft bekannt gemacht. Da auch durch das Debersteigen von einer 
Loge zur anderen oder von den unteren Logen in das Parterre die 
beabsichtigte Ordnung gänzlich vereitelt werden würde, so wird jeder- 
mann ernstlich ermahnt und gewarnt sich dessen zu enthalten, widri- 
genfalls aber die unausbleiblich unangenehme Folgen sich selbst zu- 
zuschreiben." 

In sonderbarem Gegensatze dazu publicirte das Königl. Hof- und 
Kammergericht zwei Tage vorher eine Verordnung vom 4 Febr. 1784 
folgenden Inhalts. 

„Dem Publice wird die schon öfters bekannt gemachte Verordnung: 
denen bei der Oper und Comödie stehenden Personen weder an Gelde 
oder Waaren nicht das Geringste zu borgen oder zu leihen, wieder- 
holentlich in Erinnerung gebracht, und haben Diejenigen, welche gegen 
diese Verordnung handeln, zu gewärtigen, dass sie ihres Credits gänzlich 



— 218 — 

von Reck mit seinem Stocke auf, um den Eintritt des Königs 
anzukündigen, den sofort der Beginn der Ouvertüre begrüsste, 
da die Trompeten- und Pauken-Intrade der früheren Zeit ab- 
geschafft worden wrt. Der König setzte sich, wie Friedrich 
der Grosse, bei dieser ersten Aufliihrung noch hinter das 
Orchester, neben ihn die Prinzen des Hauses und hinter ihn 
die GeneraKtät Alles war durch den erneuten Glanz des 
Zuschauerraumes, die glänzende Beleuchtung, die Anwesen- 
heit des lange entbehrten Königs aufs Höchste gespannt und 
erwartete Ausserordentliches. Glücklicherweise gelang es 
dem vereinten Aufschwung aller Kräfte diese Erwartung zu 
befriedigen. Reichardts Musik, die Besetzung der Rollen, 
die zum erstenmale mit in die Handlung verwebten und aus 
dieser hervorgehenden Ballets, die glänzenden Decorationen 
und Costume, sowie die in allen Theilen auf das Doppelte 
vermehrte Personenzahl in Chor und Comparsen — Alles 
gefiel, und der Erfolg war ein vollständiger. Als Prima Donna 
erschien Madame Todi, die aus Petersburg berufen worden 
war, und gefiel mehr als bei ihrer ersten Anwesenheit. Neben 
ihr sang Mlle. Nidas die zweite Rolle, war aber nur als M. NN. 
angekündigt. Grasst, ConcicUtnty Tosoni^ Lamperi und Franz 
(Bassist und Schuld Concialinis) sangen die Männerrollen. 
Die Ballets waren von dem neu engagirten Balletmeister 
Lauchery. Solotänzer Hr. Ädrtani, Schubert und Fiortüo. 
Die Solotänzerinnen Mad. Deplaces^ Mlle. Meroni und Mlle. 
Lauchery. Das Corps de ballet bestand aus 12 Paaren, von 
denen 6 zum Nationaltheater gehörten und auch Schauspieler 

verlustig gehen, indem diejenigen Kläger, von dergleichen Schuldforde- 
rungen angeklagt werden, bei keinem Judicio angenommen, sondern 
die Gläubiger mit ihren Forderungen abgewiesen werden sollen, wonach 
sich jedermann zu richten und ftkr Schade und Nachtheil zu httten hat'* 



— 219 — 

desselben waren. Männer: Duponceüe^ Torcy, Gohert, St. 
Amanda Schulze, Rehfdd, NN., Engsty Lufty ^langer, Bessel 
und Cordemann. Die Damen: Cron, DuprSj Weher ^ Joyeuse, 
Peronna, BecastelU, Lanz, Engst, Gödel, Giran, Messet und 
Alean. — Das Opernbuch bemerkt ausdrücklich, dass die 
Deutsche Uebersetzung in Versen diesmal nicht von dem 
bisherigen üebersetzer der mehrsten vorhergehenden Opern 
sei und dass bei der Aufluhrung wahrscheinlich mehrere 
Details des Ballet -Programms wegbleiben würden. Sieb^ 
Tage vor der Aufführung war in der Spenerschen Zeitung 
eine Beschreibung der Oper, der Decorationen und Ballets 
erschienen, die des überschwänglichen Lobes yoll, glücklicher- 
weise von dem Erfolge übertroffen wurde. Sie wurde bis 
zum 28ten 6 mal gegeben und stellte Reichardts Ruhm für 
Berlin fest Am 3lten folgte hierauf die erste Vorstellung 
der Oper Orpheus von Ccdsiabtgi und Musik yon Bertont, 
Capellmeister der Republik Venedig, der dieselbe 1776 com- 
ponirt hatte. Auffallend genug wählte der König nicht die 
Glucksche Oper gleiches Namens, sondern die des verhältniss- 
massig unbekannten Bertonty von welcher der Componist 
selbst sagt, dass er seinen grössten Ruhm darin setze, dem 
grossen Gluck nachgeahmt zu haben, üebrigens war diese 
Oper so kurz, dass Reichardt sie durch Einschaltungen bis 
zu der nöthigen Dauer verlängern musste, von denen aus- 
drücklich bemerkt wird: „dass diese Einschaltungen auch 
neben der yortrefiOichen Gluckschen Composition dieser Oper 
nichts verlieren würden.^^ Indessen scheinen diese Einschal- 
tungen doch' nicht viel geholfen zu haben, denn die Oper 
gefiel nicht besonders, hauptsächlich weil sie durch ihre Lang- 
weiligkeit gegen die Andromeda abstach, auch bedeutend 
weniger an ihre Ausstattung gewendet worden war. 



- 220 — 

Zu bemerken dürfte sein, dass der Kammermusikus Frie- 
drich Benda ebenfalls eine Oper Orpheus componirt hatte, die 
später im Clavierauszuge herausgegeben wurde und die er 
vorzugsweise eine Deutsche Oper nannte. Er wollte sie wäh- 
rend des Carnavals und gewissermassen als Opposition gegen 
die Bertonische in dem damaligen Liebhaberconcert der Stadt 
Paris zur Aufführung bringen, was aber der König verbot, 
so dass dies erst nach Beendigung des Carnavals unter 
grossem Zulauf und Beifall geschehen könnte* Der Concert- 
roeister Carl Benda dirigirte diese Aufführung. Ueberhaupt 
finden sich in jener Zeit mannigfache Spuren von Eifersüch- 
teleien und Intriguen zwischen Reichardt, Filistri, den Deut- 
schen Musik-Kritikern und den Italienern, die in Reichardts 
heiligem, enthusiastischem Character stets neue Nahrung 
fanden. 

Im Ganzen fand aber der neubelebte Camaval so viel 
Beifall, dass der König ihn um eine Woche verlängerte, be- 
sonders um noch eine Redoute geben zu können , denn die 
Redouten waren in dieser Zeit ausserordentlich beliebt ADe 
Zeitungen und Flugschriften') sind voll von Beschreibung der 
Maskenzüge und Vorfälle auf diesen Redouten, die nach 
dieser Beschreibung allerdings einen ungewöhnlichen Reiz dar- 
geboten haben müssen. Ein näheres Eingehen in diesen Gegen- 
stand verbietet uns der Raum; doch müssen wir zwei Verord- 
nungen erwähnen, deren erste dem Publicum ankündigt, 
dass beim geringsten Anschein einer Feuersgefahr, und ob- 
gleich hinreichende Löschanstalten vorhanden wären, alle 
Ausgangsthüren geöffiiet werden sollten; und dicT zweite, dass 
jedes liederliche öffentliche Weibsbild, diesich auf der Redoute 

>) Namentlich ,,der Lauf der Welt 'S eine populäre periodische Schrift 
Zweites Vierteljahr. 



~ 221 — 

sehen lassen würde^ auf ein Jahr ins Zuchthaus nach Spandau 
gebracht werden solle. 

Der König war ungemein erfreut über den Erfolg des ersten 
Carnavals unter seiner Regierung, liess alle Rechnungen ohne 
den früher von dem ,,nomm6 StiegeP^ erzwungenen Abzug 
auszahlen, machte viele Geschenke^), und ernannte am 8 März 
den Kammerherrn Baron von Reck definitiv zum Mattre des 
Spectacles mit 3000 rtl. Gehalt und 1000 Ducaten Cadeau 
fiir die beim Camaval gehabte Mühe. 

Die Beilagen XXXYI geben einen deutlichen Ueberblick 
über die inneren und administrativen Verhältnisse des Opem- 
wesens, unter denen sich besonders die Stiftung einer Tanz- 
schule, das eigenthümliche Doppelverhältniss von 6 Paar 
Tänzern des Nationaltheaters, die Streitigkeiten des Baron 
von Reck mit dem Balletmeister Lauchery, Duports und 
Reichardts u. s. w. hervorheben. 

Reichardl wurde nach dem Carnaval abermals beurlaubt 
und ging mit Engagements -Aufträgen nach Italien. Der ge- 
schickte Maschinist Eck aus Braunschweig wurde im Mai 
angestellt, und Filtstrt beauftragt, sofort eine neue Oper für 

1) OefTentliche Bekanntmachung vom 12 Februar: 

„Se. Maj. der König haben dem Capitain des Braunschweigischen 
Infanterie-Regiments Hrn. v. Rüts, welcher bei der letzten Redoute am 
Mardi gras die Wache im Opernhause hatte, darüber, dass des ausser- 
ordentlichen Zusammenflusses von Masken und des Zudrängens von 
Menschen ausserhalb des Opernhauses ungeachtet, dennoch eine so 
gute Ordnung geherrscht hat und dieses Fest ohne die geringste Störung 
und Schaden abgelaufen ist, Höchstdero besondere Zufriedenheit schrift- 
lich zu erkennen gegeben und demselben zum Beweise Dero vorzüg- 
lichen Wohlgefallens ein Geschenk von 80 Stück Friedrichsd'or bei- 
zufügen, auch den übrigen bei dieser Gelegenheit wachthabenden Officiers, 
jedem ein ansehnliches Geschenk an baarem Gelde reichen zu lassen 
geruht." (Folgen die Namen der übrigen Officiere, so dass zusammen 
1100 Thaler an Geld verschenkt wurden.) 



— 222 — 

den nächsten Carnaval zu dichten. Da Reicbardt dem Könige 
viel von der prächtigen Oper Castor und PoUux erzählt hatte^ 
die er in Paris gesehen, so soUte Filistri diese für Berfin bear- 
beiten, was der Italiraische Hofpoet unter dem Yorwande Ton 
sich ablehnte, dass eine Französische Oper nicht für Italic- 
sehe Musik und auch umgekehrt sich eigne. Ja er erklärt, dass 
er überhaupt lieber ein ganz neues Sujet machen als ein Yor- 
handenes umarbeiten wolle. Gegen Castor und Pollux führt 
er weiter an : 

„SaMajest6youdroit-£lle faire abattre et reb&tir son th6Mre 
pour faire jouer les machines n6cessaires k cette pi^ce? — 
pour faire voir le cours du soleil sur le zodiaque, pour faire 
descendre d'en haut I'Olympe entier portant une soixantaine 
de personnes et tant d'autres choses? 

Est-ce l'opinion de S. M. de donner un op6ra, pour lequel 
il faut plus delOOchoristes et choristes-acteurs qui se trouvent 
k Paris, mais pas ici? 

Est-ce la volonte du Roi de voir k jamais sur son th^^tre 
le tombeau, les diahles et les champs-äis^es?^' 

Dagegen schlägt Filistri folgende Sujets zur Bearbeitung 
vor: Massinissa, Brennus, Gustav Wasa, la döfaite de Darius, 
Polixene und le retour d'ülysse. 

Die frühere Sitte, den Geburtstag des regierenden Königs 
durch Aufführung einer grossen Oper zu feiern, wurde wieder 
eingeführt, und am 16 October Medea tn Colckide von FiUshn 
mit Musik von dem Sächsischen Capellmeister Naumann ge- 
geben, der den Auftrug dazu bereits 1787 erhalten, aber mit 
seiner Composition bis zum Camaval nicht fertig geword^i 
war. In dieser Oper trat neben der Todi die Signora Antonia 
Rubinacci von der comischen Oper zum erstenmale auf. Im 
Ballet Signor BaUistOy Victor und ein Grotesk-Tänzer Giuseppe 



- 223 - 

Silani; ausserdem mosste auch schon die kaum gestiftete 
Tanzschule, 16 Eleyen stark, mitwirken, unter denen sich der 
Sohn des Balletmeisters Lauchery befand, welcher im Jahre 
1846 sein 50jähriges Dienst -Jubiläum feierte. Die Ballets 
fanden durchgängig mehr Beifall als früher, und Filistri liess 
es nie an der besonderen Ankündigung „Composto con li 
balli analoghi^^ feUen. 

Die Opera huffa in Potsdam spielte häufig wenn der König 
dort oder hohe Gäste anwesend waren; man fing aber an 
zu fühlen, dass die auf dem Nationaltheater gegebenen Ope- 
retten, welche allerdings häufig nur üebersetzungen der 
Italienischen waren, auch gut dargestellt wurden, was der 
Wirkung der Königlichen Buffosänger Eintrag that. 

Im Nationaltheater wurden in diesem Jahre folgende Sing- 
spiele, meist französischen Ursprungs, gegeben: Der kluge 
Jacob, Nina oder Wahnsinn am Liehe, Der gleichgültige Ehe- 
mann, Die Reue vor der That, Im Trüben ist gut fischen, LiUa 
oder Schönheit und Tugend, Der Barbier von SeviUen von 
Faesiello'), und Belmonte und Constanze. Von allen diesen hat 
nur die letzte Oper sich bis jetzt erhalten, nachdem vor 
der Mozartschen die Andr6sche Composition bereits 1781 ge- 
geben worden war. Zu bemerken ist, dass der König am 
21ten und 22ten September die Schauspieler des National- 
theaters nach Potsdam kommen liess, wo sie am ersten Tage 
die Operette Nina auf dem Theater des Neuen Palais spielen 
mussten, der König also zum erstenmale das Deutsche Schau- 
spiel gewissermassen für hoffähig erklärte. Der Erfolg war 
so günstig für die Deutschen, dass der König seine ganz be- 
sondere Zufriedenheit mit ihren Leistungen aussprach. Wäh- 

") Die früher schon gegebene Oper dieses Namens war ron Andr6 com- 
ponirt und eigentlich nur ein Lustspiel mit Gesang. 



- 224 - 

rend die Deutschen Schauspieler in Potsdam spielten, ward 
in Berlin das Theater geschlossen. 

1789. Der Camaval wurde in diesem Jahre am 5 Januar 
mit der Wiederholung der Oper Medea in Colchide, welche 
im vorigen bereits einmal gegeben worden war, eröfiheL 
Die Proben zu derselben hatten schon im November 1788 
und zwar im Ritter-Saale des Königlichen Schlosses begonnen, 
*weil bei dem Mangel eines Malersaales Verona die Biihne 
und den herau%eschraubten Boden des Zuschauerraumes 
zum Malen der Decorationen benutzte. Diese Proben dauerten 
gewöhnlich 5 bis 6 Stunden, und der König pflegte sie zu- 
weilen zu besuchen. Medea wurde 6 mal gegeben und dann 
am 26 Januar zum erstenmale Protesüao^\ vom Abbate Sertor 
in Venedig, aufgeführt, zu welcher Oper Reichardt den ersten 
Act und Naumann den zweiten componirte. Das Loos hatte 
zwischen beiden Componisten entschieden, welchen Act jeder 
componiren sollte, und der König versprach beiden es solle 
jeder künftig die ganze Oper componiren — dann aber beide 
Opern gegeben werden. Naumann erhielt für seine Arbeit eine 
mit Brillanten besetzte Tabati^re und 400 Friedrichsd'or. 
Unter den Solotänzern finden sich Herr und Madame Schubert^ 
welche bis jetzt beim Markgräflichen Hoftheater in Schwedt 
mit 1200 rd. angestellt waren. Was die Musik beider Com- 
ponisten betrifft, so zeichnete sich die Arbeit Reichardts durch 
Pracht, Schwung und Fülle aus. Naumann aber gefiel gerade 
durch Milde, Melodienreichthum und Sangbarkeit. Der Text 

') Weitläuftige Besprechungen über die Musik-Ausfbhrang und Ausstattung 
dieser Oper finden sich im Journal des Luxus und der Moden, März 
und Mai 1789, in Tlantlaquantlapatlis Chronik Ton Berlin, erster Band, 
und im Berlinischen Kalender für 1847 S. 46. 



~ 225 — 

des Abbate Sertor zur Oper gefiel indess^i nichts weil er eine 
Nachahmung des Orfeus war^ und man Hess dem Ho^oeten 
Filistri in so fem Gerechtigkeit wiederfahren , als er in der 
That durch seine Opemdichtungen ein liir damalige Zeiten 
ganz neues Feld betreten. Dessenungeachtet wollte der König 
ihm nicht den Gehalt seines Vorgängers Landi (1200 rtl.) 
geben, und es bedurfte vieler demüthigen Bitten und der ausser- 
ordentlich lebhaften Befürwortung des Baron von Reck, bis 
er sie erhielt. Baron von Reck setzte dies auch nur deshalb 
durch, weil er am Schlüsse des Carnavals dem j[önige melden 
konnte, dass er 1900 rtl. gespart, die nun disponibel seien. 
Er sagt dabei : „Ich schlage Ew. Maj. den armen Teufel Filistri, 
Hofpoet, Theatermeister und Inspector verschiedener nütz- 
licher Dinge, wegen seines „z^le inexprimable^^ zu dieser 
Zulage von 500 rtl. yor.^^ Doch scheint der König nicht recht 
daran gewollt zu haben, denn auf dem Briefe befindet sich 
mit Bleistift von seiner Hand die Zahl 400 vermerkt, dann 
diese ausgestrichen und „Accord^^^ dabei geschrieben. 

Kaum war der Camaval vorüber, so machte Baron von 
Reck eine Eingabe, in welcher er den König flehentlichst bat 
und beschwor, zu befehlen, welche Opern 1790 gegeben 
werden sollten, da „keine Zeit wegen der "pr6parätifs im- 
menses" zu verlieren wäre." — Dies geschah am 24 Februar 
1789. Man denke 1 — 

Das Hauptpr6paratif wäre nun allerdings eine Prima Donna 
gewesen, denn Signora Todi hatte nicht Lust zu bleiben und 
niemand Lust sie zu halten. Reichardt sollte wieder mit 
der Mara unterhandeln und ihr 4000 rtl. für einen Carnaval 
bieten. Die launenhafte Sängerin wollte aber auch dieses 
mal nicht. Die Todi blieb nun noch bis zum Herbste und 
wurde dann durch Madame Lebrun ersetzt 

15 



— 226 - 

Unter den Tänzern hatten dem Könige diesmal Adriani 
und Fiorillo so missfallen, dass er sie nach beendetem Car- 
naval augenblicklich zu entlassen befahl. Baron von Reck 
remonstrirte dagegen und führte an, dass Adriani schon yon 
Friedrich dem Grossen an die Stelle des Ballelmeisters Des- 
places mit 900 rtl. engagirt worden sei, aber eigentlich nie 
mehr als 700 bekommen habe, und dass Fiorillo auf unbe- 
stimmte Zeit engagirt worden. Weiter sagt er; 

„H est d'usage dans toutes les cours et k tous les spec- 
tacles, qu'ä moins €[u'un sujet n'ait m6rit6 par sa mauvaise 
conduite un renvoi subit, on lui annonce sa d6mission 6 ou 
au moins 3 mois d'avance, k moins que l'engagement ne 
porte une stipulation contraire: alors le sujet est Obligo de 
rester jusqu' ^ la fin de ce terme, ou on convient avec lui 
d'un d6dit de 3, 4 ^ 5 mois, qu'on lui paye avec la Iibert6 
d'aller sur-le-champ chercher fortune ailleurs/' Uebrigens 
meint der Baron, dass der König lieber den Fiorillo als den 
Adriani fortschicken möge, weil Adriani zugleich ein ge- 
schickter Balletmeister sei, der den Lauchery einst ersetzen 
könne. Ein Contrecoup der Streitigkeiten, die der Directeur 
des Spectacles mit seinem Balletmeister Lauchery hatte. 
Dies ganze Schreiben ist auch deswegen merkwürdig, weil 
der Baron einen festen Etat für Sänger, Orchester und Ballet 
verlangt, „da die jetzigen Opern sich mit dem alten Etat aus 
der vorigen Regierung gar nicht mehr bestreiten lassen/^ 
Schliesslich bittet er: „Si Y. M. daignerait ajouter k cette 
grace celle de ne plus faire des engagements que par le 
difecteur des Spectacles, comme cela est usit6 dans tous les 
pays, ce d6partement prendroit avec le temps Fordre et la 
consistence qu'il devroit avoir, vu l'importance des sommes 
qu'il coüte." 



— 227 — 

Dieses seinem Königlicheo Herrn gegenüber allerdings 
etwas anmassende Verlangen war durch die Aufträge hervor 
gerufen worden, welche der König seinem Capellmeister 
Reichardt, so wie durch den Minister der auswärtigen Ange- 
legenheiten seinen Gesandten direct zukommen liess. Der 
König liess sich aber auch durch die Beschwerde des Baron 
Yon Reck nicht abhalten , selbst die Einleitungen zu Engage- 
ments zu treffen, in denen er freilich nicht besonders glücklich 
war, und wies eine erneuerte Anfrage, welche Sängerin an 
die Stelle der Todi kommen werde, mit der einfachen Be- 
merkung am Rande ab: „Wird schon kommen !^^ — Sonst 
war der König mit dem Eifer in der Verwaltung des Baron 
y. Reck so zufrieden, dass er ihn sogar von der für alle 
Verwaltungszweige geltenden Bestimmung entband, der 
Ober -Rechen -Kammer über die Verwendung der „grosse 
somme^^, welche lur den Carnaval dieses Jahres bestimmt 
worden war, Rechnung zu legen. Reck aber bittet den 
König, ihn mit diesem gefährlichen Vorrecht zu verschonen, 
weil sonst das Publicum darüber reden könnte. 

Im Juli war die Erbstatthalterin von Holland zum Besuche 
in Berlin anwesend, und es wurde im Opemhause sowohl 
Medea in Colchide als Protestiao jede Oper zwei mal wieder- 
holt Das Personal war noch dasselbe wie im Camayal, nur 
Hurka, früher in Dresden und Schwedt, kam als Tenorist 
mit 1000 rtl. Gehalt dazu. Auch in Potsdam und Charlotten- 
burg war Opera buffa, namentlich // falegname; Redouten, 
Feuerwerke, Concerte wechselten mit einander ab und 
machten Berlin um diese Zeit sehr glänzend. Zu dem in der 
Orangerie zu Charlottenburg aufgeschlagenen Theater musste 
Verona für 3760 rtl. neun kleine Decorationen malen, die 
auch für das Theater im neuen Palais zu Potsdam gebraucht 

15* 



— 228 — 

uiid danach eingerichtet werden sollten. Trotz dieser Aus- 
schmückung zeigte sich doch das Orangerietheater in jeder 
Beziehung ungenügend, und der König hatte schon im vori- 
gen Jahre beschlossen, ein eigenes Theater neben dem 
Schlosse bauen zu lassen, für welches in diesem Jahre der 
Anfang gemacht worden war. Es ist dasselbe, welches noch 
jetzt unverändert für die Vorstellungen der Königlichen Bühne 
in Charlottenburg gebraucht wird. Am 8 Juli, wo der Baron 
V. Reck die Generalprobe der Oper Protestiao angesetzt 
hatte, befahl der König plötzlich ein Concert bei Hofe, und 
Hess eine grosse Gesellschaft dazu einladen. Reck war ausser 
sich, seine Arrangements gestört zu sehen und schrieb sofort: 

„II n'est douteux, Sire, que Vos ordres pour le concert de 
demain ne doivent avoir leur effeL 

Mais je crois de mon devoir de prevenir Votre Majest6 
qu'il est impossible de contre-mander dans cette grande 
ville plus de 150 ouvriers, 70 comparses et 48 coristes, tous 
command^s pour la r6p6tition de demain, et qu'il faudra par 
cons^quent les payer tout inutilement/^ 

Der König liess sich aber dadurch nicht irre machen, 
sondern entschied in einem Handbillet 

„Comme la cour est invit^e k demain pour le concert, je 
ne puis le faire d6dire, il faut donc vous arranger de fa^on 
que la r6p6tition se tienne apr^s demain/^ Und so geschah 
es denn auch. 

Während dieser Festlichkeiten war der Opemcomponist 
Freiherr von Dittersdorf in Berlin anwesend, und giebt in 
seiner „Lebensbeschreibung^^ (I^^ipzig 1801, bei Breitkopf 
und Härtel) eine interessante Schilderung der damaligen 
Theater- und musikalischen Zustande Berlins. Er sagt, die 
Opera buffa Ilfalegname sei so elend aufgeiiihrt worden, dass 



— 229 - 

er die Geduld nicht genug bewundern konnte, mit welcher 
der Hof dieses abenteuerliche und von den Sängern über- 
dies schlecht vorgetragene Machwerk drei Stunden lang mit 
anhören konnte, — rühmt die Capelle und besonders den Con- 
certmeister Vachon^ und erzählt manche interessante Anec- 
dote, für welche wir den Leser indessen auf das Buch selbst 
verweisen müssen. Die Medea dauerte nicht weniger als 
sechs Stunden und ging in den letzten zwei Stunden so 
matt und abgespannt, dass es ihm eine Qual war zuzusehen. 
Er befand sich in der Loge der Madame Rietz, und giebt 
folgende Schilderung von der scenischen Ausstattung. Das 
Ballet war vortrefflich, dagegen aber einige Vorstellungen, 
z. B. die Stiere, die das Feld pflügten und Feuer aus den 
Nasenlöchern sprühten, so albern und läppisch, dass sie nicht 
einmal fiir ein Marionettentheater getaugt hätten. Eine beson- 
ders jämmerliche Personage aber war der Drache, der das 
goldene Vliess bewachte. Ueberdem beging noch Conctalinty 
der den Jason spielte, den Unverstand, dass er diesen mise- 
rablen Drachen, den er erlegen sollte, mit der Fläche sei- 
nes Schwertes auf den von Pappdeckel gemachten Ranzen 
schlug, welches lächerlich klatschte. Mein Ekel hierüber war 
so gross, dass ich mich vergass und „pfui^'^ rief. Madame Rtetz 
sah sich um und sagte: „Ooch ich finde diese Action sehr 
jarstigl — Ick werde dem Concialini aber morgenden Tages 
sagen, dass een Kunstrichter von Jewicht diese Bemerkung 
jemacht, und ich repondire Ihnen, dass er janz jewiss 
seine Action ändern wird; denn er ist mein Hausfreind un 
nimmt jeme juten Rath von mir anl" 

Der Aufenthalt Dittersdorfs ist deshalb merkwürdig, weil 
er Veranlassung gab, das Opernhaus zum erstenmale für 
Geld dem Publicum zu öffnen. Der anspruchslose Compo- 



— 230 — 

nist hatte dem Könige, von Reichardt vorgestelit, so ge- 
fallen, dass er iho aufforderte, sein grosses Oratorium Hiob 
aufzuführen, und Diltersdorf wagte es, das Opernhaus (ur 
diesen Zweck zu erbitten. Es wurde gewährt, aber mit dw 
ausdrücklichen Bedingung, dass dies das erste und letzte 
mal sein sollte, und am 5 August fand die Aufführung bei 
einer furchtbaren Hitze statt. Die Preise waren 2 rtl. im 
ersten Rang, 1 rtl. im zweiten und auf allen übrigen Plätzen 
I rtl. Ganze Logen ffir zwanzig Personen kosteten 32 rü. 
Das Orchester befand sidi auf dem Theater in der Redou- 
ten -Decoration und war mit 234 Musikern besetzt Die 
Kosten beliefen sich auf 1290 Kaiserliche Gulden; die Ein- 
nahme aber auf die ausserordentliche Summe von 4750 
Gulden, wozu allerdings die Geschenke des Königlichen 
Hauses viel beitrugen. Der König schenkte ihm ausserdem 
eine goldene Tabati^re mit 200 Stück Ducaten. 

Am 16 October wurde zum Geburtsfest der Königin zum 
erstenmale Brenne, ein musikalisches Drama, von Füistri 
und von Reichardt in Musik gesetzt, gegeben und fand aus- 
serordentlichen Beifall. Filistri hatte mit grosser Schlauheit 
seiner Dichtung ein patriotisches Interesse zu geben ge- 
wusst, indem er in seinem, dem Opernbuche vorgedruckten 
Argomento ungemein naiv behauptet, Brennus habe eigentlich 
die Altstadt Brandenbui^ gestiftet, daselbst residirt und daher 
Brenniburg genannt Drei kleine junge Prinzen, Herlunge 
genannt (soll ein Diminutiv von Herr sein), hätten dem Har- 
lunger Berge den Namen gegeben u* s. w. — Niemand fragte 
danach, ob dies wahr sei — Alle aber lobten die patrio* 
tische Tendenz!! Reichardt hatte in dieser Oper offenbar das 
Beste geleistet, was er vermochte, und noch jetzt ist die Arie 
„Roma superba^^ berühmt Viel trug zu dem Glücke, welches 



— 231 - 

diese Oper machte, der Darsteller der Hauptrolle bei. Es war 
Ludwig Fischer^), der ein Jahr vorher bei seiner Durchreise 
in einem Concerte gesungen und auf die lebhafte Verwendung 
Reichardts für die Italienische Oper engagirt wurde. Gleich 
nach der ersten Vorstellung nahm ihn der König mit 2000 rtL 
Gehalt lebenslänglich in seine Dienste. Es war den Berli- 
nern etwas durchaus Neues, eine solche wirkliche Bassstimme 
auf der Bühne zu hören, und des Beifalls war kein Ende. — 
Das übrige Personal bestand aus der Todt und Rubinacci 
und den Männern Conctaltm, Tombolini und Franz, Das 
Ballet aus den Damen Meroni^ Desplaces-Trial^ Caroline 
lamchery, und den Männern Adriani^ Victor und Schubert. 
Ausserdem tanzte Grotesk Silvani und Madame Catkarina 
Neubaur- Schubert. Die Decorationen, deren Originakeich- 
nungen sich ebenfalls in der Sammlung des Verfassers befin- 
den, waren ungemein prächtig, während die Inscenesetzung, 
nach dem Urtheile damaliger Journale an denselben Mängeln 
litt, als die der Medea, wie denn überhaupt die Kunst des 
Scenirens erst einer viel späteren Zeit angehört. Hinsichtlich 
der Costüme ist zu bemerken, dass schon seit dem Jahre 1786 
der Rector der Academie der Künste, W. Meil, die Figurin^i 
fär die Oper gezeichnet und, in Folge seiner Leistungen fiir die 
Oper Brenno^ am 8 März 1790 auf Recks Vorschlag ab Costu- 
mier der Oper mit 60 rtl. Gehalt angestellt wurde. Die Origi- 

1} 1745 zu Mainz geboren , trat er seiner wirklich ausserordentlichen 
Bassstimme wegen schon jung in die dortige Churfürstliche Capelle, 
betrat in Manheim das Theater, wo er 11 Jahre blieb, ging dann auf 
4 Jahre nach Wien, 1783 nach Paris , 1784 nach Italien » wo er auf 
den ersten Operntheatern mit allgemeinem Beifall sang. In allen musi- 
kalischen Journalen jener Zeit wird der Umfang seiner Stimme vom Con- 
tra D bis zum eingestrichenen A gerühmt, auch sein Vortrag ebenso wie 
seine Darstellungsfähigkeit anerkannt. Er starb in Berlin am 11 JuU 1825. 



— 232 — 

nalzeichnungeD zu den OperDCostümen befinden sich gross- 
tentheils in dem Königlichen Kupferstichcabinet in Monbijou, 
doch sind auch einige im Besitz des Verfassers und auf den 
Costiimtafeln dieser Geschichte der Oper copirt worden. Im 
Grossen und Ganzen lässt sich wohl behaupten, dass mit dem 
Erscheinen dieser Oper der Musikgeschmack in Berlin eine 
ganz andere Richtung nahm und die Zeit Grauns und Hasses 
vergessen machte. 

Erwähnt muss noch werden, dass am 20 December in der 
Domkirche ein Te deum von Reichardt aufgeführt wurde, 
welches derselbe schon früher zur Huldigung componirt, und 
welches nur deswegen nicht schon damals aufgeführt wurde, 
weil der König eine solche öffentliche Manifestation zu seinem 
Ruhme nicht wünschte. Daher wurde es zur Genesung des 
Kronprinzen und dessen erstem Kirchgange gegeben; es 
sangen darin die Opernsänger, unter ihnen zum ersten 
male Madame Lehrun, die aus München angekommen war, 
um fiir den nächsten Camaval die Stelle der unterdess abge- 
gangenen Todi zu ersetzen. 

Was die Deutsche Oper betrifft, so war in diesem Jahre 
neu: die Fee Urgele, oder was den Damen gefäUt, in 4 Acten, 
aus dem Französischen, mit Musik von dem Dänischen Ca- 
pellmeister Schulze^). Der König schätzte diesen Componist^i 
sehr hoch und war auch die Veranlassung, dass er zu der 
Tragödie Athalia statt der schon von Friedrich dem Grossen 
langweilig gefundenen Französischen Musik eine neue com- 



>) Johann Albrecht Peter Schulze , 1740 in Lüneburg geboren , studirle 
bei Kirnberger in Berlin Musik, war 1774 Musikdirector des KönigL 
Französischen Theaters, kam 1780 nach Rheinsberg als Capellmeister 
des Prinzen Heinrich und wurde 1787 in gleicher Eigenschaft nach 
Copenhagen berufen. 



— 233 — 

ponirte, die noch jetzt geschätzt wird. Aufgeführt wurde die- 
ses Werk im Nationaltheater zum Geburtstage des Königs^ 
und verdient dieser Versuch einer ersten Deutschen Opern- 
musik, vom Könige selbst heryorgerufen und begünstigt, jeden- 
falls einen ehrenvollen Platz in der Entwickelungsgeschichte 
der Deutschen Oper, Ausserdem wurde die Operette Betrug 
durch Aberglauben, in zwei Acten von Ebert, Musik von Dit- 
tersdorC mit sehr grossem Beifall und Der Baum der Diana, 
nach dem Französischen von Neefe mit der Martinschen 
Musik ebenfalls unter lang anhaltendem Zulaufe gegeben. 
Während der Anwesenheit Dittersdorfs dirigirte dieser damals 
ungemein beliebte Componist seinen Doclor und Apotheker in 
der Stadt und bei Hofe, was Gelegenheit zu besonderen Ehren- 
bezeigungen für ihn gab. 

Vorzugsweise wichtig scheint aber die Erscheinung der 
Ooetheschen Oper Claudinevon ViUaBeüa^ vonReichardt com- 
ponirt, nicht wegen des durchgreifenden Erfolges^ denn sie 
liess das Publikum kalt, sondern weil der Capellmeister des 
Königs, ein bis dahin unerhörtes Ereigniss, eine Oper für die 
Deutsche Bühne componirte; ein Beweis, wie rüstig sich die, 
neben ihrer reich dotirten Italienischen Schwester stiefmütter- 
lich behandelte Deutsche Oper zu regen begann. Qaudine 
von Viüa Bella wurde im Juli in Charlottenburg und später 
auf dem Nationaltheater gegeben. 

Als Sänger werden in dieser Oper Mad. Baranius, Mad. 
Lange aus Wien, die grosses Aufsehen erregte, Hr. Lippert, Benda 
and Frankenberg^) vorzugsweise genannt Dass die Deut- 

1) Frankenberg starb noch in diesem Jahre , und die Chronik von Berlin 
von Tlantlaquantlapatli enthält eine sehr ausführliche Biographie dieses 
nach übereinstimmendem Urtheil alUr damaligen Kritiker höchst bedeu- 
tenden Sängers. 



— 234 — 

sehen Sänger mehrmals bei Hofe in Potsdam und Charlotten* 
bürg spielten, dabei jedesmal die Opera buffa aus dem Felde 
schlugen, so wiedass der König überhaupt das Deutsche Thea- 
ter fast regelmässig besuchte, was jedesmal in den Zeitungen 
angekündigt wurde, Döbbelin aber durch Pensionirung jeder 
Verbindung mit der Direction des Nationaltheaters überhoben 
wurde, muss noch zum Schlüsse dieses Jahres erwähnt werden. 

1790. Im Camaval, welcher mit dem 3 Januar begann und 
mit dem 14 Februar endete, wurde zuerst sechs mal die Oper 
Brennus gegeben, in welcher diesmal Signora Lebrun}) statt 
der Todi sang. Sie gefiel dem Könige schon in der General- 
probe so sehr, dass er aus dem Orchester herauf, in welchem 
er mitspielte, wiederholt „bravo, bravo Madame Lebrun" auf 
die Bühne rief. Besetzung und Ausführung war fast dieselbe 
wie im October vorigen Jahres. Als zweite Oper wurde am 
25 Januar zum ersten male H Ritomo d Ulysse a Penehpe von 
Filistri, componirt von Alessandri*), aufgeHihrt Dieser Com- 
ponist war im Herbste vorigen Jahres nach Berlin gekommen 
und hatte das Glück gehabt, durch Filistris und der Ita- 
lienischen Sänger Bemühung als zweiter Capellmeister des 
Königs auf drei Jahre mit 3000 rtl. Gehalt angestellt zu wer- 
den. Oif(^ar lag es in der Absicht seiner Landsleute, durch 
dies Engagement dem Wirken Reichardts und der sich immer 

1) F\rancUca Lebrun^ Tochter des VioloncellisteDy wurde 1756 ia Manheim 
geboren y machte sich frOh durch ihre ausserordentliche Stimme und 
Kunstfertigkeit im Gesänge berühmt. I77t sang sie in Manheim, 1778 
in Mailand, 1783 in London, dann in Neapel und München, von wo 
sie durch Reichardt nach Berlin engagirt wurde. 

2) Älessandri (Feliee), 1742 in Rom geboren, hatte in London, Italien 
und Petersburg schon 16, jetzt vergessene, ernste und komische Opern 
componirt, als er zuftillig nach Berlin kam. 



— 235 - 

mehr emaocipirenden Deutschen Oper ein Gegengewicht zu 
bereiten ; aber die Leistungen des Signor Alessandri standen 
glücklicherweise in keinem Yerhältniss zu den von ihnen ge- 
hegten Hoffnungen^ und statt ihre Fortschritte zu hindern, 
diente er nur dazu, das Deutsche Element in dem musika- 
lischen Geschmack der Zeit zu fordern. Wir werden sehen, 
dass sein Reich nicht von langer Dauer war. Ausser der Le- 
hrun und Rubinacci sangen Concialinij Fischer, Tombolini, 
Tosoni und Franz in dieser Oper, und Mad. Lebrun war be- 
sonders als ,,erste Sängerin des Kurfürsten von Pfalz-Bayern^^ 
angekündigt Die Oper begann wegen ihrer grossen Länge 
schon um 1 6 Uhr und doch musste bei der zweiten Vorstel- 
lung fast noch ein Drittel weggelassen werden'). Nach der 
feurigen pomphaften Musik des Brennus wollte die matte 
Arbeit Alessandris nicht recht munden, und wäre das En- 
gagement des Italieners nicht schon vor Aufluhrung der Oper 
abgeschlossen gewesen, nach derselben hätten es seine Pro- 
tectoren schwerlich durchgesetzt. Beifall oder Missfallen 
hatte aber zu jener Zeit nicht den geringsten Einfluss auf die 
Wiederholung der Oper; sie wurde sechs mal gegebm, 
gleichviel, ob sich jemand daran erfreute oder nicht. Dass 
überhaupt Alessandri sich nicht beliebt zu machen wusste, 
beweisst schon, dass er bald nach seiner Anstellung mit sei- 
nem Gönner Filistri in Streitigkeiten gerieth. Ernst sagte 
er zu ihm, als Filistri ihm Verse zur Oper Ulysses brachte: 
„Mais, Monsieur, ces vers ne tombent pas", worauf diesw 
witzig erwiederte: „c'est k vous, Monsieur Alessandri, de 
les faire tomber". Eben so hatte er die Capelle gegen sich. 

9 Die yorgenommenea Kürzungen waren so bedeutend ^ dass besondere 
Blätter zu dem Textbuche gedruckt und im Opernhause ausgegeben 
werden mussten, um dasselbe nur einigermassen versttndlich zu machen. 



— 236 - 

Bei der ersten Probe des Ulysses verlangte er, dass zwei 
Homer auf die linke Seite des Orchesters placirt werden 
sollten, wogegen Reichardt, der sich auf seine Eintheilung 
des Orchesters etwas zu Gute that, remonstrirte. Der Con- 
certmeister Yachon machte aber dem Streite durch Lachen 
ein Ende, indem er sagte: „Si Monsieur Alessandri a com- 
pos6 les cors de chasse h gauche, il faut bien les placer a 
gauche^^ Filistri musste, da die Oper nicht gefiel, den gröss- 
ten Theil der Schuld auf sich nehmen und fühlte sich so ge- 
kränkt, dass er noch während des Carnavals plötzlich seinen 
Abschied forderte, aber nicht erhielt. Nach Beendigung des 
Camavals ging Reichardt wieder auf Reisen, correspon- 
dirte stets, zum grössten Aerger Recks, direct mit dem Kö- 
nige und vermittelte das Engagement der Mad. Lebrun auch 
für den nächsten Carnaval, so wie er den Münchner Inten- 
danten, Grafen Seeau, bewog, dem Könige zwei Solotänzer 
abzulassen, wogegen Baron v. Reck, als er es endlich erfuhr, 
vergebens Einspruch that, da eine gewisse Mlle. Rose^ eine 
Berlinerin, die schönsten Hoifiiungen gäbe. 

Der Hof zeigte überhaupt in dieser Zeit eine grosse Vor- 
liebe fiir theatralische Unterhaltung aller Art Grosse Oper, 
Opera buffa, Deutsches Theater wechselten mit einander ab, 
und auch Französisches Theater wurde bei Hofe wieder be- 
liebt. Die Veranlassung dazu war ein gewisser Graf Nug^it, 
Cavalier des Prinzen Heinrich in Rheinsberg, welcher zum 
Carnaval nach Berlin kam, und da er auf dem Theater des 
Prinzen mitgespielt, den Ruf eines geschickten Schauspielers 
mitbrachte. Dieser wusste die Prinzessin Friederike dahin 
zu bringen, dass sie selbst das Directorat einer Französischen 
Liebhabercomödie übemahm, bei welcher nur Personen vom 
Hofe spielten und die Billets von der Oberhofmeisterin nur 



- 237 — 

an die ,,haute vol6e" verlheilt wurden. Wir würden diese Hof- 
comödie hier nicht erwähnt haben, wenn die Vorstellungen 
nicht auf dem kleinen Opemtheater im Königlichen Schlosse 
statt gefunden und später das Publikum, natürlich unentgelt- 
lich, zugelassen wurde ^). 

Die Abreise der Sängerin Lebrun machte es unmöglich, 
während des Jahres an eine Auliuhrung grosser Italienischer 
Opern zu denken, dagegen musste die Opera buffa in Pots- 
dam häufig Vorstellungen geben, unter andern die Operette: 
t Ouvertüre du grand opSra itaJien ä Nankin von Alessandri. 
Ein Biograph dieses Componisten nennt die Oper: ^,La Com- 
pagnia dOpera a Nanchino^^, und bemerkt dabei, dass der 
Stoff dazu blos eine Satyre auf das seit 1788 engagirfe Ber- 
liner Opernpersonal gewesen sei^ und die Cabalen und In- 
triguen der Italienischen Sänger schildere* Die Vorstellung 
scheint indessen spurlos vorübergegangen zu sein, nur be- 
merken wir, dass dieselbe nicht weniger als 2000 rtl. Ko- 
sten verursacht hat, eine allerdings ausser allem Verhältniss 
zu den Leistungen dieser „triste op6ra comique^^ stehende 
Summe! Doch wollte der König nichts fiir die Verbesserung 

1] Das Journal des Luxus und der Moden erzählt im fünften Bande Seite 
222 folgende Anecdote hierüber: 

,,Das Parterre war für Generäle, Minister und Ofliciere; die Logen 
für den Adel und die Gallerie für Geheime Räthe und Kriegs -Rathe 
bestimmt. Ein Holländischer Banquier, jüdischer Religion, bat ebenfalls 
um Billets und erhielt dergleichen zur Gallerie, fühlte sich dadurch 
beleidigt und schickte die Billets zurück. Der Vorfall wurde viel be- 
sprochen und erzeugte das folgende Epigramm: 

Du si^cle ^clair^, nous nous croyons les sages; 
Nous taxons d'insolent un bon et riebe h^breux 

Qui renvoit un billet pour 6tre placö mieux 
De la m^disance arr^tons les ravages. 

Qui aura donc la faute? — pardon, si je le dis: 
Ma foi, c'est bien celui, qui place un juif au paradis. 



— 238 — 

des Personals thun^ und als die vortreffliche Braunschwei- 
gische Opera buffa sich auflöste und die besten Sänger ihre 
Dienste anboten, liess der König sie durch den Kämmerer 
Rietz kurz abschläglich bescheiden. 

Hierher gehören die beiden Beilagen XXXVI No. 21 o. 22, 
in denen der Kastrat Tombolini sich bei dem Mangel einer 
Sängerin für den nächsten Carnaval als Prima Donna an- 
bietet Das scheint dem Könige denn doch zu stark gewesen 
zu sein, und es wurde dem Tombolini sogar die Rolle der 
Marcelline in dem Paesielloschen Barbier von Sevilla abge- 
nommen, die er bis dahin bei der Opera buffa gespielt. Ue- 
brigens verlangte Baron von Reck für die beiden nächsten 
Opern 2>ano xmAF Olympiade, die vorbereitet werden sollten, 
schon am 30 Oclober nicht weniger als 40,000 rtl. Vor- 
schuss aus der Ho&taatskasse, die er auch sofort erhielt 
Man sieht, dass damals die Geschäfte in runden Summen 
abgemacht wurden. Vom Balletpersonal erhielten Herr und 
Mad. Schubert, so wie Herr Victor im Frühjahr plötzlich den 
Abschied durch Cabalen des Balletmeisters Lauchery wie die 
„Berlinische Correspondenz, historisch -politisch-literarischen 
Inhalts 1790" angiebt. 

Im Nationaltheater, welches jetzt ausschliesslich unter der 
Direction von Engel und Rammler stand, wurden in diesem 
Jahre folgende neue Opern gegeben, die der Musikdirector 
Wessely, welcher nach Frischmuths Tode diese Stelle er- 
halten, einstudirte. Zunächst am 9 Februar die Gretrysche 
Oper Richard Löwenherz, zu welcher der König für 980 rü. 
Decorationen von Verona hatte malen lassen und welche 
ausserordentlich gefiel. Wahrscheinlich um der grossen Oper 
nachzuahmen, wurde am Tage vorher nicht gespielt, aber 
eine Generalprobe mit Beleuchtung gehalten, welcher die 



— 239 - 

haute vol6e beiwohnte, die es immer noch unter ihrer Würde 
hielt, eine Deutsch gegebene Oper mit anzusehen. Die 
Oper gefiel ausserordentlich und man sprach es unverholen 
aus, dass sie besser in Scene gesetzt sei als Brennus. Auch dem 
Könige muss sie sehr gefallen haben, denn er besuchte sie 
einige male hinter einander. Dann die Wilden und Ferdinand 
und Nicolette von Dalajrac, endlich aber am 14 September 
die Hochzeit des Figaro von Mozart, welche einen ganz 
ausserordentlichen Eindruck auf das musikverstehende Pu- 
blikum machte. Die Zeit war für Berlin schon vorbei, wo 
von einem hiesigen Kritiker „dem jungen Menschen, dem 
Mozart, bei Gelegenheit von Belmonte und Constanze ge- 
rathen wurde, er möchte erst bei Dittersdorf in die Schule 
gehen, ehe er es unternähme, eine komische Oper zu com- 
poniren^^ Mit siegender Grewalt schlug dieses wunderbare 
Tonwerk für den Kenner ein; das grosse Publikum wollte 
jedoch nichts davon wissen und schon die zweite Vorstellung 
war leer. Die Besetzung war: Graf Almaviva Hr. Lippert^ die 
Gräfin Mad. Unzelmanny Figaro Hr. Unzelmannj Susanne Mad. 
Barantus, Page MUe. Helmuth, Bartholo Hr. Kaselitz, Basil 
Hr. Greibcj Marcelline Mad.jBöAm, Gänsekopf Hr. jBöA^im^ An- 
tonio Hr. Brandel, Bärbchen Wi^.Altßist Wenn man erwägt, 
dass nicht ein einziger unter den hier genannten Personen 
eigentlich kunstgerecht singen konnte, so begreift man den 
geringen Antheil^ den dieses Meisterwerk im Vergleich zu den 
Dittersdorfschen, Andr6schen und Französischen Operetten 
fand (sie wurde in vier Monaten nur 6 mal wiederholt). Eine 
Operette von Martin, das Herrenrecht (le droit du Seigneur), 
fiel durch. Dagegen machte der am 20 December zum er- 
stenmale gegebene Don Juan oder der steinerne Gasty von 
Mozart, volle Häuser und wurde in 10 Tagen 5 mal gegeben. 



— 240 — 

Der Eindruck, den diese wunderbare Oper auf das Publikum 
machte, war gerade dem von Figaros Hochzeit entgegen ge- 
setzt Sie gefiel der Masse und missfiel den Kritikern'). Mit 
diesen beiden Opern war der Grundstein für den Sieg gelegt^ 
den Deutsche Musik in Berhn über die fi-emdländische zu 
erkämpfen hatte und wirklich erkämpfte. Die musikalische 
Ausführung muss übrigens eben so mangelhaft gewesen sein 
als die der Hochzeit des FigarOj da sämmtliche RoUen nur 
mit Schauspielern besetzt waren, die nebenher sangen so gut 
es gehen wollte. Nur der Tenorist Benda, Don Octavio, 
machte davon eine Ausnahme, war aber dagegen wieder so 
wenig Schauspieler, dass er noch weniger gefiel, als die 
Nichtsänger. 

i)So sagt unter andern die Chronik von Berlin 9ter Band, Seite 133 
über den Don Juan: „dass Mozart, ein vortreflliclier, ein grosser Com- 
ponist ist, wird alle Welt gestehen; ob aber nie was grösseres yon 
ihm sei geschrieben worden und nach ihm wird geschrieben werden, 
als diese Oper quaestionis, daran erlaube man uns zu zweifeln. Nicht 
Kunst in Ceberladung der Instrumente, sondern das Herz, Empfindung 
und Leidenschaften muss der Tonkünstler sprechen lassen, dann schreibt 
er gross, dann kommt sein Name auf die Nachwelt. Gretry, Monsigny, 
V. Philidor sind und werden davon Beweise sein. Mozart wollte in 
seinem Don Juan etwas Ausserordentliches schreiben, so viel ist ge- 
wiss, das Ausserordentliche ist auch da, aber nicht das Unnachahm- 
liche und Grossei Grille, Laune, Stolz, aber nicht das Herz war Don 
Juans Schöpfer und wir wünschen lieber in einem Oratorium oder 
sonst einer feierlichen Kirchenmusik die hohen Möglichkeiten in der 
Tonkunst von ihm bewundern zu können als in seinem Don Juan, 
dessen Ausgang so ziemlich analog ist mit einer Schilderung des jüng- 
sten Gerichtes, wo, wie Seifenblasen, die Gräber aufspringen. Berge 
platzen und der Würgengel mit der Schreckenstrompete zum Aufbruch 
bläst. Bei allem dem hat diese Oper der Direction gute Einnahmen 
geschafft und die Gallerie, die Logen und das Parket werden in der 
Folge nicht leer sein, denn ein geharnischter Geist und feuerspeiende 
Furien sind ein sehr starker Magnet!^' — O über den Verstand der 
Abderiten! 



— 241 — 

1791. Der Carnaval begann ara 6 Januar; es erschien aber 
in den Zeitungen eine Bekanntmachung, dass künftig aus bewe- 
genden Ursachen nur eine Oper wöchentlich und zwar Freitags 
gegeben werden solle. Diesmal gehörte die Ehre des Carna- 
vals dem Capellmeister Älessandri allein, denn vom 7 Januar 
bis zum 14 Februar wurde sein Ulysses 4 mal und dann seine 
neue Oper Dario, ebenfalls von Filistri gedichtet, 4 mal gegeben. 
Ob vielleicht diese Alleinherrschaft Alessandris jene ^^bewe- 
genden Ursachen'' gegeben haben, lässt sich nicht übersehen, 
hat aber allerdings einige Wahrscheinlichkeit Mad. Lebrun 
war aus München schon im December vorigen Jahres hier 
eingetroffen, ihr Mann erkrankte aber von der angestrengten 
Reise und starb während des Januars, so dass die unglückliche 
Frau sich Gewalt anthun musste, um nur noch die beiden 
letzten Male in der Oper Ulysses zu singen. Die Qual aber, 
die sie dabei empfinden musste, die Angst, den Camaval zu 
stören, und die angestrengten Proben der Oper Darius warfen 
auch sie aufs Krankenlager, von dem sie nicht wieder auf- 
stand und am 10 März starb. — Die Aufführung der neuen 
Oper wäre nun unmöglich gewesen, wenn MUe. Niclas 
sich nicht bereitwillig gefunden, die Rolle mit den Noten 
in der Hand zu singen. Es ging zwar, aber wäre die Oper 
Alessandri's auch besser gewesen als sie wirklich war, so 
würde sie unter solchen Umständen doch nicht gefallen ha- 
ben*). Im Ballet war neu: La Signora Redtwetn und il Signor 
Petri, beide „primi ballerini all' attuale servizio di S. A. S. E. 

»)Eine UDgemein herabwürdigende Schilderung dieser Oper und ihrer 
Ausführung befindet sich im Journal des Luxus und der Moden 1791, 
Seite 221, welche besonders gegen Filistri und dessen Wirksamkeit in 
Berlin gerichtet ist. Uebrigens wohnte der damalige Türkische Ge- 
sandte in Berlin, Asmi- Achmet Efendi, von dem alle Zeitungen y^l 
waren, wiederholt dieser Oper bei. 

16 



— 242 — 

di Baviera^^, ausserdem debutirten Mlle. Caroline Lauchery 
als Solotänzerin und eine Signora Maria Deca$tdb\ Das 
Yerhältniss der vom Nationallheater überlassenen sechs Paare 
Tänzer hörte in diesem Jahre auf und einige derselben 
gingen ganz in den Opemdieust über, auch hatte die von 
Lauchery geleitete Tanzschule bereits brauchbare Subjecte 
geliefert. 

Reichardt war ebenfalls während des Camavals erkrankt 
und erhielt vom Könige den Auftrag, seine Oper f Olympiade^ 
die eigentlich statt des Dario hatte gegeben werden soDen, 
nun um so bestimmter zurVermählungsfeier des Herzogs tod 
YcMrk und des Prinzen von Oranien zu vollenden. Intriguen 
mancherlei Art erschwerten dem feurigen Reichardt damals 
seine Stellung in Berlin ungemein. Seine unmittdbare Corre- 
spondenz mit dem Könige beleidigte den Baron von Redf* 
Filistri war gegen ihn, weil er diesmal eine Oper von Me- 
tastasio zur Composition gewählt und ihn übergangen. Ales- 
sandri und die Italiener waren schon längst seine erklärteji 
Widersacher. Nur der König blieb sein Freund und that 
Alles, um durch die Olympiade den schlechten Eindruck des 
Carnavals wieder zu verwischen. Nur eine Prima Donna war 
nicht zu bekommen. Es kam zwar im August eine Signora 
CarUoni^) aus Italien an, war aber so schlecht*), dass Reichardt 
den König flehentlichst bat, die Hauptrolle lieber von Mlle. 
Niclas singen zu lassen, was denn auch bewilligt wurda Dage- 
gen zeichnete sich Muschietti^ Castrat und Contrealtist, der aus 
Paris verschrieben worden war, als tüchtiger Sänger aus, so 

^)AlM8&ndrx war nach dem Carnaval nach Italien gereist und schickte 

diese Sängerin von dort nach Berlin. 
^) Sie ging darauf zur Opera bulTa i'iber. 



— 243 - 

dass man ihn mit Porporino verglich'). Eben so sollte für 
das Ballet mehr als bisher geschehen und es wurde Signor 
Crux aus München, so wie die Herren Telle'^) (später Ballet- 
meister) und Norh aus Paris verschrieben, wo der Graf von 

>) Er wurde auf drei Jahre engagirt, aber Ende 1793 plötzlich entlassen, 
weil er sich heftiger revolutionairer Gesinnungen und Handlungen ver- 
dächtig gemacht hatte. Er musste Preussen verlassen, erhielt aber 
seinen ganzen Gehalt für das dritte Jahr ausgezahlt. 

2] Comlant Michel Teile aus Ath in Flandern kam als achtjähriger Knabe 
nach Paris in die Tanzschule der grossen Oper, wo er zusammen mit 
VestrU, Dupart und Gardel unter Deshayes sich ausbildete. Er debu- 
tirte zuerst aJs Solotänzer auf dem Theater Audinot und half 1789 die 
Bastille stürmen. Später tanzte er mit Beifall in Nantes, bis er 1791 
nach Berlin kam und in der Olympiade debutirte. Von diesem Au- 
genblicke an verliess er das Engagement in Berlin nicht mehr und ver- 
heirathete sich mit der Tänzerin Maria Decastelli. Er zeichnete sich 
bald aus, indem er sich seine Tänze selbst und später auch Ballette 
erfand. Als er fühlte, dass er Fähigkeiten zu der Wirksamkeit eines 
Balletmeisters hatte, kehrte er auf einige Zeit nach Paris zurück und 
benutzte seinen Urlaub, um sich dort als Choregraph auszubilden. Auf 
der Reise dahin tanzte er in Hamburg, Frankfurt a. M., und Manheim. 
Zurückgekehrt montirte er ein Ballet „das Opfer der Liebe", welches 
zuerst in Potsdam aufgeführt wurde und sehr gefiel. Später wurde esr 
zum Hof- Tanzmeister ernanut, was er besonders seiner Leitung der 
zur Carnavalszeit bei Hofe gegebenen Quadrillen verdankte, bei denen 
die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften mittanzten. Es gehörte 
in jener Zeit in Berlin zum guten Ton, bei Teile Tanz -Unterricht zu 
nehmen. Im Jahre 1816 componirte er das Ballet „die glückliche 
Rückkehr", welches, sehr glänzend ausgestattet, viel gegeben wurde, 
da sein Inhalt und seine Arrangements die Rückkehr der siegreichen 
Armeen aus Frankreich verherrlichten. Nach Laucherys Tode wurde er 
zum Balletoieister ernannt und als solcher pensionirt, bei welcher Ge- 
legenheit ihm das Personal des Königlichen Ballets einen kostbaren 
silbernefi Pokal verehrte. Er war ein ungemein liebenswürdiger Mensch, 
streng rechtlich uad so sparsam, dass er bei seinem Tode, 1 Februar 
1846, seinen beiden Söhnen Wilhelm, Musikdirector und Componist, 
so wie Co^stant, Tänzer und Balletmei^ter in Hamburg, eine sorglose 
Existenz sicbern konnte. Seine persönliche Erscheinung blieb bis in 
sein hohes Alter elegant, graziös und gewinnend, 

16* 



— 244 — 

Goltz sie für Berlin engagirt halte*). Mit diesem Materia) nun 
gab Reichardt im Oclober während der Vermählongsfeier- 
lichkeiten seine Olympiade, machte aber kein besonderes 
Glück damit. Ein Bericht darüber sagt: „Diese Oper hatte 
von ihrem Anbeginn an Unglück und hat es noch. Die Musik 
ist schön, das beleidigte eine Menge Menschen. Der Text 
ist von Metastasio, das beleidigte Herrn Filistri. Gemein- 
schaftliche Beleidigung, gemeinschaftliche Rache. Es fehlte 
der Oper hier und da. Das schönste Adagio wurde gestrichen, 
weil es — zu lang wäre, Und statt gute Ballets von dem be- 
rühmten Crux zu sehen, musste man sich mit Divertissements 
von Lauchery abfertigen lassen, bei denen man ohne Rei- 
chardts Musik eingeschlafen wäre." — Reichardt (lihlte sich 
sehr unglücklich darüber und wollte seine Stelle nieder- 
legen, ein EnlscWuss, den er auch später ausführte. We- 
nigstens hat er nichts mehr fiir die Italienische Oper 
componirt. Nach der Olympiade wurde Alessandri's unglück- 
licher Dario aufgeführt und sonst während der glänzenden 
Vermählungsfeierlichkeiten Opera bufla und Redoute gege- 
ben, die zusammen dem Könige 14,732 rtl. kosteten (siehe 
die Beilage XXXVI, 28). Am Tage der Vermählung mussten 
acht Blase-Inslrumente aus der Königlichen Capelle Tafel- 
musik machen, eine Verwendung der Capelle, die damals ganz 
neu war und viel in den Künstlerkreisen besprochen wurde. 
Auch spielte die Capelle zum ersten male zu dem Fackel- 
tanze, was sich seit jener Zeit im Gebrauch erhalten hat. 

') Die Tänzeria Mad. Desplaces-Dupori war im Januar gestorben, und es 
ist auffallend, ihre Todesanzeige mitten unter den officielUn Artikeln 
zu lesen. Es heisst unter andern darin: „eine Frau, die ihres Talentes, 
ihrer Sittsamkeit und anderer liebenswürdigen Eigenschaften wegen 
den Beifall des Hofes und die Wcrthschätzung des Publikums genoss 
und beides von einer ihr ahnlichen Mutter geerbt hatte." 



— 245 — 

Das neue Schlosstheater in Charlotlenburg wurde im Juli 
dieses Jahres fertig. Unter der Aufsicht und Oberleitung des 
Ministers Wöllner hatten Langhans und Boumann das Haus 
gebaut, Cuningham die Malerei und Ausschmückung und der 
Theatermaschinist Morelli aus Cassel die Maschinerien aus- 
geführt. Der letztere richtete es so ein, dass die grössten 
Opern gegeben werden konnten, und nach seiner Aussage 
besser als im Opernhause. Da es noch jetzt unverändert steht, 
so bedarf es keiner Beschreibung, doch sind die im König- 
lichen Hofinarschall-Amte aufbewahrten Bauacten dieses 
Theaters wegen der mancherlei dabei vorgefallenen Streitig- 
keiten sehr merkwürdig. Dem Verfasser wurde die Einsicht 
derselben gestattet und wird ein Auszug daraus später in der 
beabsichtigten Allgemeinen Theatergeschichte Berlins einen 
Platz finden. Ueber den von Kimpfel gemallen, noch jetzt 
im Gebrauch befindlichen Vorhang, erschien eine eigene Bro- 
chure von Ribbe bei Wegener^). Auf dieser Bühne spielte 
die Opera buffa und die Schauspieler des Nationaltheaters, 
wenn der König es befahl. Der Eintritt war wie bei allen 
Königlichen Schauspielen frei. 

Das Nationallheater gab in diesem Jahre am 3 Februar 
jyen dreifachen Liebhaber^ eine Operette in 2 Acten von dem 
hiesigen Schauspieler Zep/)^/ mit Musik von Wranüzki, welche 
ausgepfiffen wurde; 16 Mai Die Liebe im ^arrenkause von Dit- 
tersdorf, die sehr gefiel. Vi^ichlig ist indessen die erste Auffüh- 
rung des Salierischen Aamr, welche Oper am 23 September 
auf dem Theater des Neuen Palais in Potsdam gegeben wurde 
und in welcher der Bassist Fischer von der grossen Oper den 
Axur sang. Als die Oper am 24 Oclober auch in Berlin ge- 

1) Ueber den Theater-Vorhang im Charlottenburger Schauspielhause. Ein 
Sendschreiben an meinen Freund Gröger in Lübek. 



— 246 — 

geben wurde, sang Herr Brandet den Axur. Der König 
schenkte dem Nationaltheater die für die Potsdamer Aufliih- 
rung bei Hofe angefertigten Decorationen und Costüme, so dass 
sich auf dem bisher in dieser Beziehung so sehr beschränk- 
ten Nationaltheater auch Pracht und Glanz zu entwickeln 
begann. Am 9 November Die beiden kleinen Savoyarden von 
d'Alayrac, welche Operette ganz ausserordentlich gefiel und 
oft wiederholt wurde. Vorzüglich gewann sich Mad. Unzel- 
mann darin die Gunst des Publikums. Am 20 December 
endlich Das rothe Käppchen^ Musik von Dittersdorf, eine 
Operette^ die nicht munden wollte. 

Dabei wurden die früheren Opern fleissig gegeben und so 
hatte sich denn in kurzer Zeit ein Deutsches Opern -Reper- 
toir in Berlin gestaltet, das nicht ohne den entschiedensten 
Einfluss auf den Geschmack des Publikums bleiben konnta 
Auch die Ausführung hatte in diesem Jahre gewonnen, da man 
einzusehen begann, dass Mozart, Gretry, Salieri durch kunst- 
gebildete Sänger gesungen werden müssten. So trat der Teno- 
rist Ambrosch^) am 29 März als Belmonte, der Bassist Getm^ 
am 23 Mai als Leporello und am 13 November Hr. Franz^^ 

^) Joseph Carl Ambrosch, 1759 in Böhmen geboren, studirte bei Roze- 
luch in Prag die Musik, betrat 1784 in Baireutli das Theater, sang 
später in Hamburg, Hannover und Wien. Er galt als einer der besten 
Deutschen Sänger jener Zeit und machte sich auch als Lieder -Com- 
ponist bekannt. 

2) Gern war schon längst in Manheim als Sänger berOhmt, ehe er nach 
Berlin kam, wo er lange eine sehr geachtete Stellung einnahm. Alberi 
Gern, der vortreffliche Komiker, ist sein Sohn. 

^) Johann Christian Franz, 1762 zu Havelberg geboren, studirte anfangs 
Theologie, wurde 1783 Unter-Bibliothekar bei der Königlichen Biblio- 
thek und sang als Dilettant in Oratorien und Concerten mit Sein 
Umgang mit den Sängern der Italienischen Oper machte ihn bekannt 
mit Reichardt, und der König stellte ihn 1787 als Opernsänger für 
serio und buffo an, was zu vielfachen Eifersüchteleien und Intriguen 



— 247 — 

welcher bisher bei der Italienischen Oper war, als Axur auf, 
weil Hn Brandet in dieser Rolle nicht genügte. So gewann die 
Deutsche Oper Grestalt und Leben; der König besuchte sie 
oft, liess die Nationalschauspieler in Potsdam und Charlotten- 
burg spielen und schätzte sie vor den Intriguen der Italiener. 

1792. Der Carnaval begann am 9 Januar mit der Oper 
DariuSj welcher am 20ten Vdsco dt Gama von Filistri mit 
Musik von mehreren Componisten folgte. So weit war es 
nun schon mit der einst so berühmten Italienischen Oper in 
Berlin gekommen, dass eine 011a potrida von Musik gegeben 
werden musste. Dass Alessandri nichts leistete, war dem 
Könige klar geworden, doch wurde er von Filistri, dem 
Hausfreunde der allmächtigen Lichtenau, noch in seinem 
Amte erhalten. Reichardt wollte nichts mehr componiren, 
und gegen Glucks Meisterwerke, deren Einstudirung doch so 
nahe lag, rebellirten die Sänger. Sonderbar genug hat sich 
aus dem vorhandenen Material nicht ermitteln lassen, wer 
denn diese „vari autori" waren. Die Ausführung aber muss 
eine höchst erbärmUche gewesen sein, da jene Signora Can- 
tont) die Reichardt für zu schlecht bei der Opera buffa er- 
klärte, die Hauptrolle sang und Mad. Ruhinacci ihr als se- 
cunda donna dabei half. Concialim war krank und Muscktettt 
sang für ihn. Nur Fischer behauptete den alten Ruhm. Da- 
gegen erging es einem gewissen Tenoristen Signor Matteo 

der Italiener Veranlassung gab. Franz widmete sich nun ganz der 
Bohne, und da er die Unthätigkeit bei der Oper nicht ertragen konnte, 
so engagirte er sich mit Erlaubniss des Königs beim Nationaltheater, 
musste aber die Verpflichtung für den Carnaval beibehalten. Er war 
ein Yortrefiflicher Basssanger und zeichnete sich auch als Componist 
aus. Lieder und eine Oper: „Edelmuth und Liebe" sind von ihm be- 
kannt. Der jetzige König!. Schauspieler Emil Franz ist sein Sohn. 



— 248 — 

Babbini, dem Lehrer der Cantoni, der auf Reichardts Em- 
pfehlung aus Venedig kam, sehr übel Der gute Mann begann 
seine hiesige Laufbahn damit, dass er in den Proben das 
Orchester von der Bühne herab hofmeisterte und sich über- 
haupt betrug, als sei er der Director des Ganzen. Seine 
Leistung entsprach aber seiner Anmaassung nicht, und er 
musste nach einem einjährigen Aufenthalte, der ihm sehr 
verbittert wurde, Berlin wieder verlassen. 

Dass es auf diese Art nicht weiter ging, sah jederman 
ein, namentlich da die Deutsche Oper gewaltsam zur Ver- 
gleichung aufforderte. Vor allen Dingen musste ein Com- 
ponist und eine Prima Donna herbei geschafft werden, 
Filistri wurde beauftragt, die damals in Italien berühmte 
MarcheUi-Fantozzi für 3000 rtl. und 100 Louisd'ors Reise- 
geld zu engagiren, auch musste man ihren Mann ^) mit in den 
Kauf nehmen um sie nur zu bekommen. Die neue Oper für 
den nächsten Carnaval war bei dem Churfürstlich Mainzi- 
schen Capellmeister Righini bestellt, dessen Musik der König 
gern in seinen Concerten spielte. In den Königschen Hand- 
schriften auf der Königlichen Bibliothek finden sich noch 
werthvolle Notizen über das Künstler- und Vemaltungs- 
Personal dieser Zeit, die sich freilich oft in schneidender 
Kürze gefallen; z. B. „die Cantoni ist ein elendes Weib. Fi- 
listri stoppelt in seinen Opern Dinge zusammen, wofür er am 
jüngsten Tage wird Rechenschaft geben müssen, ist ein slol- 

^)Ängelo Fanlozzi war Baritonist, sang 1783 in Venedig, 1789 in Ge- 
nua, Mailand, wo er die Marchetti heirathete. Er sang mittelmässig, 
war aber ein guter Schauspieler. Seine Gattin, Maria Marchetti, 1767 
geboren, war Prima Donna in Mailand, Padua, Brescia gewesen, hatte 
eine ausserordentlich starke aber etwas schwerföllige Stimme, statt- 
liche Figur und gutes Spiel. Sie blieb zehn Jahre in Beriin und kehrte 
dann nach Italien zurQck. 



— 249 — 

zer Mann^ der sich sogar für einen Edelmann ausgiebt. Der 
Spectakelmeister Baron v. Reck hat vom Theaterwesen wenig 
oder gar keine Kenntnisse und ist grob. Er disgustirt auf Ko- 
sten des Königlichen Ansehens das Opernpersonal, wodurch 
viel Gährung entsteht und das Ganze leidet. Muschietti ist 
so dreist, dass er sich untersteht bravo! zu rufen, wenn der 
König ein Violoncell-Solo spielt Herr Hurka wird wenig 
gebraucht, überwirft sich stets mit Herrn v. Reck und muss 
dafür auf der Hausvoigtei sitzen. Verona ist ein Mann von 
200,000 rtl., der äusserst kärglich lebt, aber sich unter den 
Linden einen Palast gebaut hat (das Haus No. 17 und 18). 
Seine Decorationen sind übertrieben, er nimmt keine Rück- 
sicht auf die Erfordernisse des Stücks, indessen hat er solches 
auch gar nicht nöthig, weil unter 1000 Berlinern nicht zwei 
wahre Kenner auszumitteln sind und das Publikum im Gan- 
zen genommen zu einfältig ist.^"^ (I) Am schlimmsten kommt 
das Personal der Opera buffa fort, deren Characlerislik uns 
hier aber zu weit fuhren würde. Der einzige, der unbedingt 
gelobt wird, ist Tombolini, welcher in diesem Jahre 800 rll. 
Zulage und Urlaub nach Italien erhielt. 

Wenden wir den Blick von dem traurigen Zustande der 
grossen Oper zu dem Nationaltheater, welches am 15 Februar 
zum ersten male Oberon^ König der Elfen, von Wranitzky, 
gab. Die Oper hatte einen schweren Stand gegen den Aocur, 
um so mehr, als diesmal des Krieges wegen der König nichts 
dafür gethan hatte. Dann am 16 Juli Hironymus Knicker, von 
Dittersdorf, die auch nicht besonders gefiel. Am 3 August 
wurde Mozarts Cosi fan tutte unter dem Titel : ^^Eine machts 
wie die Andere oder die Schule der Liebhaber" zum ersten 
male gegeben. Die Musikkenner waren entzückt, das Publi- 
kum blieb kalt, alle aber tadelten das erbärmliche Sujet. 



— 250 — 

Die am 3 November zum ersten male aufgeführte Oper yoq 
Cimarosa: Die heimlich Vermählten (II Matrimonio secreto) 
gefiel weit mehr als Mozarts, an ein schlechtes Buch ver- 
schwendetes Meisterwerk. Doch war das Ergebniss dieses 
Jahres ein Gewinn für das Nationaltheater. Nur war der 
Antheil des Publikums im Allgemeinen sehr geringe, da die 
politischen Begebenheiten alles Interesse in Anspruch nah- 
men. — Die geistige Erregung der Zeit durchdrang alle 
Klassen der Gesellschaft und gestaltete das sociale Leben 
ernst und leidenschaftlich, so dass die Kunst auf unempfäng- 
lichen Boden säete. 

1793. Der König und die Prinzen des Königlichen Hauses 
hatten schon Ende des vorigen Jahres Berlin verlassen, um sich 
zur Armee zu begeben. Dessen ungeachtet sollte Berlin seinen 
Camaval nicht entbehren und der König hatte durch die 
Entlassung des Capellmeisters Alessandri so wie durch Be- 
rufung Righinis an dessen Stelle den entschiedenen Willen 
ausgesprochen, den Klagen über die Italienische Oper abzu- 
helfen. Diese Klagen waren in der damaligen Kritik nach 
und nach immer selbstständiger und lauter geworden und 
hatten sich besonders gegen Alessandri und Filistri gerichtet, 
namentlich machte es sich das musikalische Wochenblatt zum 
Geschäfte, beide, wie Gerber sich ausdrückt, „zu Boden zu 
recensiren" und es ist leider nicht unwahrscheinlich, dass 
Reichardt grossen Antheil daran hatte*). Der König mochte 
sich auch wohl nach dem Erfolge des Vasco di Gama von 
der Unfähigkeit seines Capellmeisters überzeugt haben, und 

') Auch wurde viel darüber geschrieben, dass seit dem Umbau des Opern- 
hauses die Musik nicht mehr so gut in demselben klänge als früher. 
Berlin, Musikalische Zeitung 1793 zweites und drittes Stück. 



— 251 — 

liess ihm schon im Sommer 1792 das Buch der Oper Älhoin 
wieder abfordern, welche zum Carnaval 1793 bestimmt worden 
war. Diesem Zeichen der Königlichen Ungnade folgte bald 
darauf auch die Entlassung vor der Zeit, und Alessandri ver- 
liess Berlin, um nach Italien zurückzugehen, wo sein Name 
später nicht mehr erwähnt wird. Aller Wahrscheinlichkeit 
nach fiel der sonst ganz geschickte Alessandri einer Intrigue 
zum Opfer, zu welcher Filistri, die Gräfin Lichtenau und die 
Sänger der Oper sich verbunden. Filistri sah ein, dass er 
eines bessern Componisten bedürfe, um der Kritik nicht zu 
viele Blossen zu geben, und die Italienischen Sänger konnten 
ihm nicht vergessen, in der Opera bufia La compagnia ctopera 
a Nanchino ihre Streitigkeiten lächerlich gemacht zu haben. 
Kurz, Alessandri verliess sein Engagement mit 3000 rtl. und 
Berlin auf immer. 

Statt seiner wurde Righini^) aus Mainz nach Berlin berufen, 
ohne ihm indessen sofort die erledigte Gapellmeisterstelle 
anzutragen. Dies sollte von dem Erfolge der Oper abhängen, 
welche ihm im Herbste 1794 überschickt wurde und abermals 
Herrn Filistri zum Verfasser hatte. Righini arbeitete fleissig, 

>) Yincenzo Righini^ 1758 zu Bologna geboren, studirte unter Martini 
Musik und erscheint 1776 zuerst in Deutschland und zwar in Prag, 
Yio er bei der fiustellischen Opera bufTa als Sänger debutirte. Hier 
blieb 'er drei Jahre und ging dann nach Wien, wo er sich der Gunst 
Kaiser Josephs II erfreute, der ihn als Singelehrer der Prinzessin 
Elisabeth von Würtenberg anstellte. 1788 ernannte ihn der Churfürst 
von Mainz zu seinem Capellmeister, von wo er nach Berlin berufen 
wurde. 1794 heirathete er die Sängerin MUe. Kneisel aus Frankfurt, 
welche als Mad. Righini bei der Opera buffa in Potsdam engagirt 
wurde. Righini blieb bis 1812 Capellmeister, wo er auf einer Reise 
nach seiner Vaterstadt dort in Folge einer Operation am 19 August 
starb. Vollständige Nachrichten über seine Werke, liebenswürdige 
Persönlichkeit und eheliche Verhältnisse giebt Gerber in seinem Ton- 
künstler- Lexicon und das Brockhausische Conversations-Lexicon. 



— 252 — 

und die Oper, welche vier Stunden spielte, wurde am 7 Ja- 
nuar gegeben. Es war Enea nel Lazio^ Dramma eroi-tragico. 
Die Besetzung war dem damals ziemlich zahlreichen Perso- 
nale angemessen, und bestand aus Concialtnij Bahini, Fischer^ 
Tomholini (welcher zwei Rollen zu singen hatte), Hurka und 
Franz, so wie aus den Damen Marchetti-Fantozzi, Rubinacct^), 
Niclds und Schmalz^. Die BaUets wurden von acht Solo- 
tänzern : Adrianiy Nor^s, Telle^ SiUmi, und den Damen Meroni, 
Redwein, Bumat und Decastelliy so wie 16 Paar Figuranten 
und 10 Tanzeleven ausgeführt, welche letzteren indessen dem 
Publikum nicht gefallen wollten. Bei den kriegerischen Ver- 
hältnissen machten die Amazonentänze, von M lle. Meroni und 
jß^{i2(7em angeführt, besonders Glück. Signora i/arcÄ^Äi-Fan- 
tozzi^ wurde als eine würdige Nachfolgerin der Mara and 
Todi anerkannt, so dass trotz der sich immer mehr trübenden 
Zeitumstände und der allgemeinen Trauer, die sich über die 
Hinrichtung Ludwigs XYI in allen Ständen kund gab, für 
die Italienische Oper in Berlin eine bessere Zeit gekommen 
schien. Als zweite Oper dieses Carnavals wurde Protesilao 
von Naumann ebenso wie Enea vier mal wiederholt Nau- 

i)Signora Rubinacci wurde nach dem Carnaval zusammen mit Signora 
Canloni verabschiedet. 

^)Am€Uie Schmalz, geb. 1771, war die Tochter des Organisten an der 
Französischen und später Garnison -Kirche in Berlin. Sie erhielt den 
ersten Unterricht bei dem Kammermusiker Kannengiesser, bis der 
König, dem ihre Stimme (vom ungestrichenen bis dreigestrichenen g) 
sehr gefiel, sie 1789 nach Dresden zum Capellmeister Naumann schickte, 
der sie zu einer bedeutenden Sängerin ausbildete. In der Oper Enea 
nel Lazio erschien sie zuerst als Iris auf der Berliner Bühne, der sie 
bis zu ihrer Pensionirung angehörte. Sie war eine ausgezeichnete 
Bravoursängerin und zeichnete sich späterhin auch als vortreffliche 
Singelehrerin aus. 

3) Eine Beurtheilung dieser Sängerin findet sich in der Berliner musika- 
lischen Zeitung 1793 erstes Stück. 



— 253 — 

mann hatte dazu den ersten Act nachcomponirt^ den früher 
Reichardt geschrieben, und erhielt dafür 2000 rtl. 

Bis zum December dieses Jahres blieb die Italienische 
Oper wegen Abwesenheit des Hofes unthätig, dann aber kam 
nach der Wiederkehr des Königs vom Rhein die zweite Oper 
Righinis: // Trionfo d Artanne zur Aufführung, in welcher 
Mlle. Kneisel\ später Mad. Righini als Arzema auftrat. Statt 
des im November erkrankten Btzbtni^ musste Herr Fantozzi^ 
Gatte der Sängerin, die Rolle des Osiris übernehmen. Die 
Oper Hess kalt und wird in den Zeitungen und Journalen nur 
erwähnt, dass sie überhaupt gegeben worden. 

Reichardt schmollte in Hamburg und Stockholm, dass ihm 
nach dem Abgange seines Nebenbuhlers Alessandri nicht die 
Direction der Oper anvertraut worden war, und angesteckt 
von den revolutionairen Ideen der Zeit, vergass er sich einst 
so sehr, beim Kartenspielen sämmtlichen Königen im Spiele 
die Köpfe abzuschneiden, indem er dabei ausrief: »„So müsste 

^) Rosine Eleonore Elisabeth Henriette Kneisel, geboren zu Stettin 1767, 
war die Tochter eines dortigen Flötisten, betrat schon 1782 die Deutsche 
Bühne in Berlin. 1787 finden wir sie in Hanover, von wo sie nach 
England ging und dort den Gesang weiter studirte. 1793 sang sie in 
Frankfurt a. M. die schöne Müllerin von Paesiello und kam von dort 
nach Berlin. Capellmeister Righini verliebte sich in sie und heirathete 
sie 1794, von welcher Zeit an sie der Opera buffa angehörte. Als 
diese aufgelöst wurde, ging sie 1798 nach Hamburg, wo sie bis 1800 
als erste Sängerin blieb. Nach Berlin zurück gekehrt, wollte Righini 
nicht zugeben, dass sie beim Theater bliebe, weil sie zu schwächlich 
war. Sie aber hing mit ganzer Seele an ihrer Kunst und die Ehe 
wurde in Folge dieser verschiedenen Neigungen getrennt. Der Erfolg 
bewies, wie Recht ihr Gatte gehabt, denn sie starb am 25 Januar 1801 
in Berlin an der Auszehrung. 

2) Bahini scheint aus Zorn über die Verabschiedung der Signora Cantoni 
krank geworden zu sein. Er ging mit Urlaub nach Italien, kam aber 
von dort nicht zurück und wurde auch nicht geholt. 



— 254 — 

man es mit allen Königen machen!^' Natürlich blieb eine 
solche Aeusserung nicht verschwiegen: geschäftige Zuträger 
entstellten sein ganzes Treiben und bereiteten so seinen Sturz 
vor, an dem er selbst unläugbar die meiste Schuld trug. 

Wie Righini bei der Italienischen Oper, so begann Bern- 
hardt Anselm Weber ^) in diesem Jahre seine Wirksamkeit 
bei der Deutschen Oper des National theaters und zwar mit 
Einstudirung der Operette Das Kästchen mit der Chiffre von 
Salieri, die er kurz vorher auf einer Reise nach Wien dort 
gesehen. Die Operette gefiel so sehr, dass sie 26 mal fast 
hinter einander gegeben wurde. Seine Art und Weise, den 
Sängern ihre RoU^oi einzustudiren, und seine energische Lei- 
tung des Orchesters fand allgemeine Anerkennung. Unstreitig 
ist es Weber, dem die Oper in Berlin bis zum Eintritt Spon- 
tinis die bedeutendsten Resultate verdankt, namentlich für 
die Werke Glucks, Mozarts und Salieris, die er stets mit der 
grössten Vorliebe und Thätigkeit pflegte. Er componirte ein 
Festspiel: Das Opfer der Treue von Herklots, welches am 
9 November gegeben wurde, als der König nach seiner Rück- 
kehr zum ersten male wieder im Nationaltheater erschien. 
Wie alle dergleichen Compositionen fand indessen auch diese 

^) Bernhardt Anstlm Weber, 1766 in Manheim geboren, war Yon seinen 
Eltern dem geistlichen Stande bestimmt und genoss schon als Knabe 
yon sieben Jahren den Musikunterricht des Abb^ Vogler. 15 Jahre 
alt, bezog der lernbegierige und bereits sehr ausgebildete Weber die 
Universität Heidelberg. Statt aber dort Theologie zu studiren, studirte 
er Philosophie und Rechtsgelehrsamkeit, an denen er auf die Länge 
auch keinen Geschmack fand, und von seinem Lehrer angefeuert, sich 
ganz der Musik zu widmen beschloss. 1787 wurde er Musikdirector 
des Grossmannschen Orchesters zu Hanover, wo er drei Jahre Wieb 
und dann mit dem Abb6 Vogler Holland, Dänemarik, Schweden und 
Norwegen bereiste. 1792 kam er nach Berlin und wurde hier neben 
Wessely als Musikdirector angestellt. 



— 255 — 

keine besonders günstige Aufnahme, da sie, fiir den Augen* 
blick berechnet, auch mit diesem verschwand. Sonst erschien 
in diesem Jahre an neuen Opern Die unruhige Nacht, ko- 
mische Oper, nach Gokloni, componirt von Lasser in Mün- 
chen, in welcher Unzelmann wegen unpassenden Extempo- 
rirens mannigfachen Tadel erfuhr. Die Gei$lerheschwörung. 
Op. in 1 Act von Cantelieri. Das gerauhte Landmädchen (la 
villaneUa rapita), Op. in 2 Acten von Cimarosa. Die schöne 
Müllerin von Cimarosa und die unzufriedenen Eheleute, Op. in 
2 Acten von Horace. Zu bemerken ist, dass die Viüaneüa 
rapita in Italienischer Sprache aufgeführt wurde, wozu das 
Engagement des Sängers Bianchi^) die nächste Veranlassung 
gab. Dieser tüchtige BassbufTo kam nach Berlin mit der 
Absicht, bei der Opera buffa ein Engagement zu fmden, 
was aber der Zeitumstände wegen sich nicht realisirte. Aus 
Noth sang er im Nationaltheater in den Zwischenacten drei 
Intermezzos: tAvaro, ü Maestro di Capeüa, angeblich von 
Hajdn und il Calzolaro von Cimarosa, von denen das eine, 
E Maestro di Capella, sich in der bekannten Buifoarie, welche 
Bassafino in dem musikalischen Quodlibet Der Capellmeister 
aus Venedig singt, bis jetzt erhalten hat. Diese Intermezzos 
gefielen sehr und wurden oft wiederholt, führten auch endhch, 
da Bianchi sich erbot, Deutsch zu singen, zu seinem Enga- 
gement Er sang nun den Tita in der Oper Lilla und den 

^) Antonio Bianchi, 1758 zu Mailand geboren, sang früher in Genua, 
Paris, Hanover, war dann Nassau- Weilburgscher Hofsänger, bis er nach 
Berlin kam, wo er bis 1797 beim Nationaitheater engagirt blieb, dann 
nach Hamburg, Breslau, Dresden und Leipzig ging, und allein mit 
seiner Frau Intermezzo -Vorstellungen gab. Zuletzt war er bei der 
Kri^erschen Gesellschaft engagirt, mit der er umherzog, bis er gegen 
1802 gänzlich aus Deutschland verscholl, üeber seine in Berlin com- 
ponirten Opern siehe das Jahr 1794. 



— 256 — 

Leporello im Don Jua% wo seine Sprache aber nicht aus- 
reichte und er nun zum Italienischen zurückkehrte. Ausser 
ihm wirkte in der ViUaneUa rapita auch Ambrosch und Mad. 
MüUer^J mit, die damals BerKns beste Deutsche Sängerin 
war. Mit dieser Vorstellung errangen die Deutschen aber- 
mals einen Sieg über die Italiener, wozu bei dem traurigen 
Zustande der Opera buffa keine besonderen Anstrengungen 
gehörten. Wir fugen hier einige Notizen über diese Opera 
buffa aus jener Zeit ein, welche sich in den Königschen 
Handschriften auf der Königlichen Bibliothek befinden und 
einen Ueberblick über die Verhältnisse geben. 

„Ausser der grossen Oper waren die Intermezzospiele be- 
sonders auf dem Schlosse zu Potsdam eine Belustigung des 
Königs. Die Personen waren der berühmte Crichi, Madame 
Manzi, verehelichte Bonn, Frau des Theatermalers. Sie star- 
ben und verliefen sich während des siebenjährigen Krieges. 
Nach demselben führte der König die Opera buffa ein. Dazu 
gehörte der 1790 verstorbene Goch nebst seiner Frau (NB. 
seine Tochter war am Ende Opernsängerin und an Verona 
verehelicht), Sidotti nebst Frau und einer Namens Paladini. 
Auch diese Truppe verlor sich; Sidotti war alt, halte sich 

>) Marianne Müller^ geb. Hellmuthy zu Mainz 1772 geboren, betrat 1780 
in Bonn als Gretchen in der Dorfgala zuerst die Bühne, kam 1785 
nach Schwedt an das dortige Markgräfliche Theater und 1789 nach 
Berlin, wo sie bis zum Eintritt der Schick als erste Sängerin ausser- 
ordentlich gefiel. 1792 verheirathete sie sich mit dem Hofrath Möller, 
mit dem sie lange in glücklicher Ehe lebte. 1844, in hohem Alter, 
wohnte sie noch der Jubelvorstellung der Zauberflöte im Schauspiel- 
hause bei, und der Verfasser, welcher an diesem Tage den Papageno 
spielte, machte das Publikum darauf aufmerksam, dass dieselbe Pamina, 
welche vor 50 Jahren bereits diese Rolle in Berlin gespielt, in der 
Loge des General -Intendanten anwesend sei, was eine allgemeine 
freudige Anerkennung für diese verdiente Künstlerin hervor rief. 



— 257 — 

etwas erspart und begab sich nach Italien, wo er starb. Coch 
musste darauf aufs neue nach Italien reisen und eine Truppe 
zusammensuchen. Diese bestand 1790 aus H. Liverati und 
seiner Frau. Er ist ein Juwelier gewesen und hat bereits in 
vorgerückten Jahren das Theater betreten. — Er macht den 
Bufib, übertreibt solches aber so, dass es beinahe unleidlich 
war, seine Possen, woran übrigens der gemeine Mann viel 
Behagen fand, zu ertragen. Sonst hatte er aber anderweitige 
Verdienste. Er hat besonders den Seidenbau zu Potsdam 
sehr angelegentlich betrieben, einmal deswegen eine Prämie 
vom Könige und ein besonders erbautes Seidenhaus erhalten. 
Seine Schriften über den Seidenbau sind bekannt, sie wollten 
erst nicht abgehen, als ihm das Commerz -Departement seine 
vorräthigen Exemplare abnahm und an die Provinzen ver- 
theilte. Er verfertigte auch Italienische Würste. Sein äusserer 
Character ist ehrbar und angenehm. Seine Frau singt gut 
AU; sie ist eine Schwester des berühmten Lolli, hat viel 
Action und eine angenehme Figur. H. Benati ist ein eigent- 
licher Acteur, welches man ihm auch gleich ansieht, singt den 
Tenor gut und hat auch Action. Seine Frau ist eine Tochter 
des folgenden Cosini, ist aber unbedeutend und singt auch 
sehr schwach. Beide haben 1500 rtl. Gehalt. 

Cosini und dessen Frau, zwey bejahrte Leute, aus denen 
nicht viel zu machen ist, indess ist der Mann in komischen 
Rollen nach Vermögen thätig. Sie dienten lange Zeit umsonst 
auf dem Theater, wodurch sie in Schulden und klägliche 
Umstände geriethen, bis ihnen endlich der König 400 rtl. 
Besoldung gab. 

Lamperi macht die Liebhaberrollen, er soll ein gebomer 
Edelmann sein, der von seiner Familie verlassen worden und 
das Theater gewählt hat. Weder seine Figur noch elende 

17 



— 258 — 

Stimme qaalificireo ihn dazu. Alle diese Leute haben gar 
keine oder nur sehr wenige musikalische Kenntnisse, daher 
es auch sehr schwer ist, ihnen eine Oper einstudiren zo 
helfen; sie singen meistens nach dem Gehör und also auch 
grösstentheils unrichtig. 

Uebrigens haben die DUe. Niclas und der K. Kammersän- 
ger H. Franz 1790 in den beiden Opern: die Operistenin 
Nanking (Musik von Älessandri), eine Satyre aufs Op^m- 
theater, und Figaro's Hochzeit (Mozart) Rollen übernommen. 
Sie singt gut aber schwach; er den Bass. Beiden fehlt 
die Action." 

1794. Der Carnaval dieses Jahres begann mit der Wieder- 
holung des Trionfo dAriannOy worauf die Oper Enea nd 
Lazio, diesmal aber in der Hauptrolle mit Mad. Schick be- 
setzt, folgte. Diese ausgezeichnete Sängerin hatte der König 
während des Feldzuges 1792 in Frankfurt gehört und ihr so- 
fort Engagementsanträge machen lassen. Ihr Gatte, ein tüch- 
tiger Violinist, forderte fär sich Eintritt in die K. Capelle als 
erster Violinist und fiir seine Frau 2500 rtl. Gehalt, wofür sie 
indess, wie er in seinem Briefe besonders bemerkte, dem 
Könige in der grossen Italienischen Oper, der Opera Baffii 
und dem deutschen Nationaltheater nutzen könne. Sie kam 
Ende 1793 nach Berlin und trat zuerst am 8 December dieses 
Jahres auf dem Schlosstheater in einer komischen Oper von 

Rifirkifii /T.Vti/»nti/rn ««/ven^///y/n 1 auf WAraiif cia cAfnrf Ala 



— 259 — 

Beifall einige Gastrollen gab; denn bei ihrer Liebe zur Kunst 
und ihrer Jugend schien es ihr unerträglich, blos im Car- 
naval einige Male jährlich beschäftigt zu sein. 

Die unruhige kriegerische Zeit war überhaupt der Italieni- 
schen Oper in diesem Jahre nicht günstig, und wenn wir an- 
fuhren, dass Signor Fantozzt und seine Gattin Signora 
Marchetti Fantozzt ein verlängertes Engagement erhielten, die 
Tänzerin Bumat geb. Lauchery, den 21 April starb und ihr 
Gehalt aufMIle. Rose Decasteüi überging, dass die nach Baron 
Reck's Worten : „hungernden Eleven der Tanzschule, welche 
vor Angst nicht wissen wohin^^ 200 rtl. im Ganzen bekamen, 
dass der Etat für die Italienische Oper in diesem Jahre 
43,500 rll. betrug, die 5 Vorstellungen AerArianna 19,040 rü. 
und die 5 Vorstellungen des Enea nel Lazio 5824 rtl. kosteten, 
so haben wir ziemlich alles angeführt, was die Italienische 
Oper in diesem Jahre angeht 

Dagegen gewann die Oper beim Nationaltheater immer 
grössere Bedeutung, weil Bernhard Anselm Weber mit nach- 
haltigem Eifer dafür wirkte. So kam am 21 Januar Paul und 
Tirginie, Singspiel in 3 Acten, Musik von Kreutzer, zur Auf- 
führung, und gefiel sehr; am 16 Februar die Insel der Alcina, 
kom. Singspiel aus dem Italienischen von Bertati^ übersetzt 
von Herclots und von dem Sänger Bianchi componirt, welcher 
die Oper auch zu seinem Benefiz gab. Sie hatte von der 
Kritik viel zu leiden, wurde aber oft gegeben. Am 21 Febr. 
gab der Sänger Franz zu seinem Benefiz ein grosses Con- 
cert im Nationaltheater, bei welchem auch — eine für Berlin 
unerhörte Neuerung — die Sänger der Italienischen Oper mit- 



— 260 — 

bis zwei Male gegeben wurde. Der Erfolg war ein ausser- 
ordentlicher, wie er in Berlin bisher noch nie statt gefunden 
und trug wesentlich dazu bei, der Deutschen Oper, ihrer 
Italienischen Schwester gegenüber, die rechte Stelle anzu- 
weisen. Die Besetzung war: Sarastro: Lippert, Tamino: Am^ 
hrosch, Königin der Nacht: Mad. Lippert, Pamina: Mad. ifö/- 
ler, Papageno: Unzelmann, Papagena: Mad. Baranius^ Mo- 
nostatos : Mattausch, Sprecher: Greibe. Die Zauberflöte gefiel 
so nachhaltig, dass den ganzen Sommer über keine neue Oper 
herausgebracht zu werden brauchte und nur Salieri's Käst- 
chen mit der Chiffre^ so wie die schöne Müllerin, in welcher 
Bianchi den Pistofolus sang, auf dem Repertoir abwechselten. 
Am 4 September kam auch die bestrafte Eifersucht, Oper in 
2 Aufzügen v. Cimarosa, in welcher eine Mad. Derocke die 
Clara sang, zur Aufiiihrung und gefiel ebenfalls sehr. Ueber 
diese Mad. Deroche^ deren Engagement Streitigkeiten zwischen 
der General - Direction und dem Pubhkum veranlasste, enthält 
die Zeitschrift: „Der Zuschauer und Mocqueur von Berlin, 
1794, bei Gottfr. Schöne", interessante Mittheilungen. Ausser 
diesen Opern kamen auch grosse Schauspiele mit besonders 
dazu componirter Musik auf die Bühne; z. B. die Sanuen- 
Jungfrau mit Musik von Wessely; Ataliba mit Musik von 
Bernhard Anselm Weber. Das wichtigste Ereigniss neben dem 
beispiellosen Erfolge der Zauberflöte war aber unstreitig das 
Engagement der Sängerin Schick, mit welcher eine neue 
Epoche für die Deutsche Oper in Berlin beginnt Professor 
Engel, der sie bei ihrem Debüt in der Italienischen Oper 
kennen gelernt und ihr Talent richtig erkannt hatte, suchte 
es beim Könige dahin zu bringen, dass sie von Hamburg 
zurück berufen und gleichzeitig für die Italienische Oper und 
das Nationaltheater engagirt wurde. Der König bewilligte es 



— 261 — 

und so trat Mad. Schick am 11 October zuerst in der Oper 
Axur, dann als Constanze in Belmonte und Constanze und als 
Clärchen in die Liebe im Narrenhause auf. Von ihrem ersten 
Erscheinen an bis zu ihrem Tode 1809 war diese Künstlerin 
der erklärte Liebling des Publikums, welche Gunst sie nach 
dem Urtheil aller Kenner vollkommen und in jeder Bezie- 
hung verdiente. Mit ihr entstand fiir Berlin die würdige Aus- 
führung ernster Opern, deren unübertroffene Darstellerin 
sie blieb. 

Das Doppel -Engagement einer ersten Sängerin, dieErlaub- 
niss rüT Fischer und Fran^, in der Deutschen Oper mitzuwirken, 
das Aushelfen mit Figuranten von Seiten des Nationaltheaters 
bereitete jetzt schon die spätere Vereinigung der Deutschen 
und Italienischen Oper vor, obgleich diese und ihr Director, 
der Baron v. Reck immer noch mit Vornehmheit auf die 
Deutsche herabsahen. Die Direction des Nationaltheaters 
wurde dadurch ermuthigt, den König zu bitten, dass den un- 
beschäftigten Figuranten der Italienischen Oper erlaubt wer- 
den möchte, auf dem Nationaltheater gegen ganz besondere 
Remuneration zu tanzen. Kaum war dies unterm 8 Nov. be- 
willigt, als auch die Solotänzer und der Balletmeister erbeten 
wurden. Auch dies wurde unterm 15 Nov. bewilligt und zu- 
gleich ein Reglement (BeilageXXXVI No.33) deshalb erlassen. 
Auch die Eleven der Tanzschule wurden bewiUigt und zwar 
mit der Bemerkung des Königs: „cpie cela serait tr^s utile 
aux 61öves, qui d'ailleurs deviendraient des f6n6ans." 

So entstand das Ballet als ein selbstständiges Kunstgenre ^) 
beim Berliner Theater, und am 28 November wurde zum 
erstenmale Cortez und Thelaire, heroisch pantomimisches 

■) Die früheren Arlequinaden und Prügel -DiyertissemeDts unter Döbbelin 
konnten nicht füglich Baliets genannt werden. 



— 262 — 

Ballet von Lauchery, Musik von Cannabich^ gegeben. Die 
Neuheit der Sache gefiel, brachte aber nichts ein, da die 
Kosten zu bedeutend wurden (80 rtL jeden Abend). Die 
Directoren Ramler und Warsing suchten daher diese erhal- 
tene Begünstigung wieder los zu werden, erhielten aber Yon 
dem Baron v. Reck die Antwort, dass Sr. Majestät die Baiiets 
sehr wohl gefielen und dass künftig jede Woche wenigstens 
eins gegeben werden solle. Man musste nun an den Kosten 
zu ersparen suchen und bat Se. Majestät, wenigstens das Fah* 
ren der Tänzer durch den Königl. Marstall besorgen zu lassen, 
was aber abgeschlagen wurde, so wie anderen Ersparungea 
sich der Balletmeister Lauchery entschieden widersetzte. 
Ueberhaupt scheint sich durch diese Einführung des Balles 
auf dem Nationaltheater eine sehr gereizte Stinmiung bei 
dem Baron v. Reck und der ganzen Italienischen Oper ^a* 
gefunden zu haben, wofiir mehrere in den Acten des Königl. 
Theaters aufbewahrte Actenstücke den Beweis liefern, weil 
Lauchery sich den Anordnungen der Directoren Ramler und 
Warsing nicht fugen wollte. Am 23 December besuchte der 
König das Theater und war erstaunt, trotz der BalletYorstel- 
lung Cortez und Thelmre das Haus so leer zu sehen, und 
liess den Regisseur Fleck rufen, um diesen nach der Ursadie 
zu fragen. Fleck antwortete, dass das Berliner Pubhkum nur 
komische Ballets liebe, der Balletmeister Lauchery aber dw- 
gleichen nicht geben woUe, auch dem Wunsche der Direction 
beharrlich Widerstand entgegensetze, da er angeblich nicht 
unter ihr, sondern nur unter dem Baron v. Red: stände. In 
Folge dieser Erklärung ward der Balletmeister Lauchery durch 
Cabinetsordre vom 25 December d. J. hinsichdich der Ballets, 
die auf dem Nationaltheater gegeben würden, unter die Be- 
fehle der Direction gestellt und musste komische Ballets 



— 263 — 

geben. Wie sehr dies den Baron v. Reck verdross, zeigt ein 
Antwortschreiben vom 29 December, in welchem er auf die 
Bitte der Direction um passende Kleider zu einem komischen 
Ballet aus der Operngarderobe erwidert : 

,,Nur habe ich zu solchen Balleten, wo Perrückenmacher 
sich mit Puder bestreuen und Bassgeigen auf dem Kopfe 
entzweigeschlagen werden, nicht rathen können, weil ich 
immer das gute Zutrauen zum Geschmack des Berliner Pubh- 
kums hege, dass ausser einigen Dienstboten auf der GaUerie 
keiner hieran Freude finden dürfte, wobei ich nur noch 
bemerken muss, dass ausser dem BaUet ähnlicher Art, welches 
einst in Charlottenburg gegeben wurde, sich dazu keine 
Kleider im Opernmagazin befinden. 

1795. Der Camaval dieses Jahres ging ohne eine neue 
Oper vorüber, obgleich Righini eigentlich seinen Tigranes 
und Himmd seine Semiramis dazu hatte componiren sollen. 
Righini wurde durch die Abwesenheit des Poeten Filistri 
der mit der Gräfin Lichtenau eine Reise nach Italien machte, 
gehindert, und HimmeP), der sich der besonderen Protection 

") Friedrich Heinrich Himmel, geb. den 20 November 1765 in Treuen- 
brietzen, studirte in Halle Theologie. Seine Neigung zur Musik machte 
ihn zu einem ausgezeichneten Klavierspieler; als solchen hörte ihn zu- 
fällig der König Friedrich Wilhelm II, welcher ihm sofort einen Gehalt 
aussetzte, ihn nach Dresden zu Naumann schickte und dort Com Posi- 
tion Studiren liess. 1792 kam Himmel nach Berlin und führte hier 
sein Oratorium Isacco auf, worauf ihn der König zum Hofcomponisten 
ernannte, 100 Frdsd'or. schenkte und mit einem bedeutenden Gehalte 
nach Italien schickte, wo er einige Jahre blieb. In Venedig brachte 
er 1794 sein Pastorale: 11 primo Navigator e, aufs Theater und com- 
ponirte die Semiramis für den Berliner Carnaval. 1795 kam er nach 
Potsdam, wo er seine Thätigkeit mit einem grossen Concerte für die 
Abgebrannten begann. 



— 264 — 

der Königin erfreute, wollte seine Oper nicht eher geben, 
bis er sie selbst einstudiren könnte. Er befand sich zu jener 
Zeit noch in Italien, wo er das Patent als Preuss. Capell- 
meister an Reichardts Stelle erhielt und erst im Frühling dieses 
Jahres nach Potsdam kam. Es wurde also der Trionfo d Art- 
anna abermals wiederholt 

Dagegen nahm die Deutsche Oper des Nationaltheaters 
durch die am 24 Februar erfolgte AufTührung der Gluckschen 
Ipktgenta in Tauris einen so bedeutenden Aufschwung, dass 
sich von dieser Zeit an die gleiche Berechtigung derselben 
mit der Italienischen Oper herausstellte. Der Eifer Webers 
als Musikdirector gab unstreitig die Veranlassung, das Enga- 
gement der Schick die Möglichkeit zu dieser Darstellung der 
Iphigenia^ welche einen eigenthümlichen Erfolg hatte. Der 
König hatte dazu Kleider und Ballet bewilligt und die Direc- 
toren Ramler und Warsing hatten sogar (Beil. XXXVI No. 39) 
im Januar gebeten, die AufKihrung im Opemhause statt finden 
zu lassen, was aber nicht gestattet wurde, weil Baron v. Reck 
darin einen Eingriff in seine Vorrechte erkannte. Es fehlte 
auch sonst nicht an Hindernissen aller Art, die man dem 
ernslen Streben Webers in den Weg legte; sein Eifer aber 
und seine redliche Begeisterung besiegte endlich alle jene 
kleinlichen Chicanen, und Gluck wurde auf der Berliner Bühne 
heimisch. Das Haus war übervoll, weil der Versuch, eine 
tragische Oper mit Deutschen Sängern darstellen zu wollen, 
in allen Gesellschaften besprochen und meistens getadelt 
wurde. Selbst Prinz Heinrich von Preussen, dessen Rheins- 
berger Theater diese Oper französisch aufführte, und der nie 
vorher das Deutsche Theater besucht, kam zum ersten male 
in das Nationaltheater und hatte vorher gesagt : „Da will ich 
doch heute hineingehen, um mich einmal recht satt zu 



— 265 — 

lachen/^ Aber Prinz Heinrich lachte nicht Das Publikum 
blieb zwar während der ganzen Auffuhrung still, kein Zeichen 
von Beifall liess sich hören, obgleich die Schick als Iphigenia^ 
Ambrosch als Pylades und Franz als Thoas Vorzügliches lei- 
steten, aber der Eindruck, den die ruhige Würde dieses un- 
sterblichen Tonwerkes machte, war ein nachhaltiger. Zum 
Erstaunen Aller liess Prinz Heinrich demMusikdirector Weber 
danken und ihn zugleich fragen, wie lange er in Paris ge- 
wesen sei, was dieser mit: „Noch gar nicht 1" beantwortete. — 
Jedenfalls war die ganze Aufführung eine durchaus würdige, 
obgleich heut zu Tage die willkührliche HinzuHigung von Bal- 
letten, wie sie damals bei den Opferscenen und am Ende der 
Oper geschah, nicht mehr Entschuldigung finden würde. Lei- 
der bheben die ersten Wiederholungen leer und es bedurfte 
der ganzen Begeisterung Webers für den schönen Zweck, um 
die Direction dahin zu vermögen, dass sie es nicht bei dem 
einen Versuche bewenden liess. 

Ausser der Iphigenia erschien in diesem Jahre noch RaotU 
von Crequiy Oper in 3 Acten von d'Alayrac (16 März); die Frie- 
densfeier, ein lyrisches Vorspiel von Herklots, Musik von We- 
ber, Ballets von Lauchery (10 Mai) ; Verwirrung durch Aehn- 
lichkeit (Les m6prises par ressemblance), K. 0. in 2 Acten, 
Musik von Portogallo (3 August), dasselbe Sujet, welches in 
neuester Zeit Lortzing in seinen beiden Schützen componirte, 
und das Sonnenfest der Braminen^ Oper in 2 Acten, Musik 
von Müller (16 Oct.). In alle diese Opern wurden Ballets ein- 
geschoben, es mochte passen oder nicht, und ausserdem das 
Urtheil des Paris^ Pygmalion, die Lustbarkeiten im Wirths- 
garten, und der ländliche Morgen^ alles Ballets von Lauchery, 
gegeben. Mancherlei Streitigkeiten zwischen demBalletmeister, 
der sich immer noch nicht daran gewöhnen konnte, von dem 



— 266 — 

Willen der Direction des Nationaltheaters abzuhäogen, dem 
Garderobe-InspeclorGasparini, dem der Gebrauch der Opern- 
kleider von Deutschen Sängern ein besonderer Gräuel war, 
heftige RecensionenReichardts gegen das ganze musikalische 
Treiben in Berlin, fortwährende Bitten des Baron v. Reck um 
Unterstützung liir die ,,fast verhungernden Eleven der Tanz- 
schule, die immer auf bessere Zeiten vertröstet werden^^^ sind 
als Ergebniss der aus jener Zeit noch vorhandenen Theater- 
acten zu erwähnen« 

1706. Durch die Feldzüge am Rhem und in Polen war 
der König gleichgültiger gegen seine Oper geworden und die 
Etats zeigen eine wesentliche Verringerung gegen früher. 
Offenbar hatte hierauf die Erfahrung eingewirkt, dass, mit 
geeigneter Unterstützung, auch das Deutsche Theater wohl 
im Stande sei^ die ernste grosse Oper würdig darzustellen. 
Dazu kamen unangenehme Verhältnisse bei dem Personale 
der Italienische Oper, namentlich fühlte der König sich 
durch die Undankbarkeit Concialini's, seines sonstigen Lieb- 
lings, ungemein verletzt Dieser Sänger, über dessen Lebeo 
wir beim Jahre 1765 bereits Notizen gegeben, bezog einen 
Grehalt von 4000 rd.; der König hatte ihm ein Haus m Char- 
lottenburg bauen lassen und ihn sonst bei jeder Gelegenheit 
ausgezeichnet Er war ein Hausfreund der damals allmächti- 
gen Gräfin Lichtenau und leitete die Concerte derselben so 
wie die Opemaufführungen, welche auf dem kleinen Haus- 
theater des Lichtenauschen Palais (jetzt Palais Ihrer Majestät 
der Königin der Niederlande) gegeben wurden. Um so mehr 
musste es auffallen, als der König ihn in diesem Jahre plötz- 
lich pensionirte und zwar nur mit 600 rtl Mancheriei Ge- 
rüchte wurden zu jener Zeit darüber im Publikum laut. 



— 267 — 

Niemand wusste aber den genauen Zusammenhang. Acten 
des Geh« Staats-Archives ergaben aber bei genauer Forschung 
für den Zweck unserer Geschichte der Oper und Vergleich 
mit den Angaben in dem selten gewordenen Werke „Apologie 
derGräGn v. Lichtenau^^ folgendes eigenthümlicheVerhältniss« 
Concialini hatte einst gegen die Gräfin Lichtenau geäus- 
sert, dass er arme Verwandte in Siena habe, die er jährlich 
mit 600 rtl. unterstütze. Als nun die Gräfin in Begleitung 
Filistri's 1705 ihre bekannte Reise nach Italien machte und 
nach Siena kam, fiel ihr ein, dort die Verwandten ihres Haus- 
freundes kennen zulernen; sie erkundigte sich nach ihnen und 
fand arme Leute, die in der höchsten Dürftigkeit lebten, 
ihren Sohn und Bruder in Berlin aber anklagten, dass er, 
der in Pracht und Aeichthum lebe, so gar nichts für sie 
thue. Die Gräfin wollte dies nicht glauben und fragte, ob 
er denn nicht jährlich 600 rtl nach Siena sende? Nun zeig- 
ten Concialini's Verwandte ihr Briefe, in denen nicht allein 
den Bittenden jede Hülfe abgeschlagen, sondern auch die 
Gräfin mit Titeln beehrt wurde, die sie hier vielleicht zum 
ersten male von sich kennen lernte. Empört über diese 
Falschheit ihres Lieblings, theilte sie dem Könige das Ergeb- 
niss ihres Besuches in Siena brieflich mit und ein Vergleich 
mit dem Datum ihres Aufenthaltes dort und der nachfolgenden 
Cabinetsordre an Concialini zeigt den unmittelbaren Einflnss, 
den diese Mittheilung der Gräfin hatte. In der Ordre heisst es: 
„Mein lieber Getreuer! Da Ich mit Vergnügen in Erfahrung 
gebracht, dass Ihr Euren armen Verwandten in Siena jähr- 
lich 600 rtl. Unterstützung gebet, so will Ich Euch als einen 
Beweis Meines Wohlgefallens künftig die Kosten und Weit- 
läuftigkeiten der Uebersendung ersparen und habe Befehl 
gegeben, dass Euch von jetzt an diese 600 rtl. von Eureot 



— 268 — 

Gehalt abgezogen und direct durch Meinen Gesandten dorthin 
geschickt werden sollen/^ An dieser geistreichen Strafe hätte 
der gütige König es gewiss bewenden lassen; die Rückkehr 
der Gräfin 1796 scheint aber durch den mündlichen Bericht 
über das, was Concialini in jenem Briefe von ihr gesagt, den 
Unwillen des Königs in so hohem Grade erregt zu haben, dass 
er sofort und zwar einen Tag nach der Ankunft der Gräfin 
Lichtenau in Berlin mit 1200 rtl. pensionirt wurde, es aber 
bei dem Abzug von 600 rtl. zu Gunsten seiner armen Anver- 
wandten in Siena sein Bewenden hatte, Concialini also plötz- 
lich von 4000 rtl auf 600 rtl. herabgesetzt wurde. Der stolze, 
an alle Freuden des Lebens gewöhnte Sänger sah sich nun 
in Dürftigkeit und flehte vergebens um Gnade. Briefe des 
Baron y. Reck aus dieser Zeit zeigen, dass man ihn jetzt weg- 
werfend behandelte, während ihm früher geschmeichelt wurde. 
Zwar erhöhte König Friedrich Wilhelm III die Pension von 
600 rtl. auf 800 rtl., weil Concialini die Gräfin Lichtenau als 
Urheberin seines Unglüd<:s nannte, aber mit seinen kostbaren 
Liebhabereien (einer ausgezeichneten Kupferstichsammlung 
und Blumenzucht) war es vorbei. Er lebte bis zum Jahre 
1812, wo er bei einem Besuche, den er dem Grafen v. Pück- 
1er auf Muskau machte, vom Schlagfluss getroflen wurde und 
am 28 October dieses Jahres starb. Rellstab setzte in No.l36, 
1812, der Yossischen Zeitung seinen künstlerischen Leistun- 
gen ein ehrendes Denkmal. Concialini war ein zwar liebens- 
würdiger Gesellschafter, aber doch jähzornig und rachsüch- 
tig im hohen Grade. So hatte er ein schönes Windspiel, 
das er sehr liebte. Ein Freund besuchte ihn, schmeichelt dem 
Thiere, und als es diesem vertraulich auf den Schooss springt, 
geräth Concialini darüber so in Wuth, dass er dem freund- 
lichen Thiere augenblicklich die Füsse zerbrach und es aus 



— 269 — 

dem Fenster warf. Eid Zug von Grausamkeit, der damals viel 
Aufsehen machte und von einer Zeitung in die andere ging. 
Der Carnaval brachte auch in diesem Jahre nichts Neues. 
Dagegen hatte der Erfolg, den Glucks Iphigenia in Tauris 
auf dem Nationaltheater gehabt, den Baron v. Reck veran- 
lasst, dem Könige die Außiihrung der Alceste durch Italieni- 
sche Sänger vorzuschlagen, was auch genehmigt wurde. Die 
Italienische Uebersetzung von Calzabigi wurde aus Wien 
verschrieben, und die Oper, in welcher merkwürdiger Weise 
die Rolle des Hercules ganz ausgelassen ist, im März gege- 
ben. Besetzt war sie mit den beiden Fantozzi Signora Mus- 
sinij Signora Bumat und den Deutschen Sängern Franzy Fi- 
scher und Burka. Der Versuch fiel aber nicht so günstig aus, 
als man erwartet hatte, da die Italiener sich nicht in die 
Glucksche Musik zu finden wussten. Ausserdem fanden im 
Sommer in Charloltenburg mehrere Vorstellungen komischer 
Opern statt; so am 19 Juni laprincipessa dAmalß, mit dem 
Ballet Apoüo und Daphne^ und am 3 Juli Democrito e Era- 
clilOy mit dem Ballet Pyramo e Ihtsbcy später im October am 2ten 
// Matrtmonio secrelo, welche Vorstellung am 9ten wiederholt 
wurde und am 23ten GiulieUa e Pierrotto^ mit dem Ballet die 
Müller. Dann ging der Hof nach Potsdam, wo das Tänzerpaar 
Vigano eintraf, die Deutschen National - Schauspieler eine 
ganze Reihe von Vorstellungen mit kleinen Balleten gaben 
und zu den Tanzvorbereilungsproben für den Camaval das 
ganze Balletpersonal vom 1 bis 24 November nach Potsdam 
beordert wurde. Die Vigano' s waren von dem Marquis Luche- 
sini in Italien für Berlin mit 5000 rtl. Gold engagirt worden 
und führten eine neue Periode fiir das Ballet der Italienischen 
Oper herbei, denn sie richteten selbstständig grosse Ballete 
ein, die sowohl den Beifall des Hofes als des Publikums hatten. 



— 270 — 

Die komische Oper war in diesem Jahre besonders thatig 
mid besser besetzt als je früher; sie bestand aus den Män- 
nern Benatty Liberatij Lamperi, Cosmi und Bianchij welcher 
letztere vom Nationaltheater abgegangen war und den Gehalt 
des verstorbenen Sängers Gentüini erhalten hatte, und aus 
den Damen Benötig LibereUt) RoUa, Sirley, Schick und Rigkim\ 
so dass es den Deutschen schwer wurde, mit ihnen zu wett- 
eifern. Als Beweis für diese grössere Beachtung, welche die 
Opera buffa durch das bessere Personal fand, dient der An- 
kauf von 78 komischen Opern in Wien und 80 dergleichen 
in Dresden, deren Verzeichniss sich unter den Theateracten 
des Geheimen Staats-Archives vorfindet 

Die Deutsche Oper brachte in diesem Jahre das neue Sonn- 
tagskind, den Talisman, Kindliche Liehe^ das ürtheil des Midas; 
also Unbedeutendes im Vergleich zu dem Aufschwünge, den 
das Nationaltheater im vorigen Jahre mit der fphigenia in 
Tauris genommen. Von Wichtigkeit war die Ernennung 
Ifflands zum Generaldirector am 16 December, nachdem der 
König ihm bereits im Jahre 1704 Engagementsanträge hatte 
machen lassen. Ramler wurde ehrenvoll pensionirt und 
Geheimrath v. Warsing trat in den Staatsdienst zurück, da 
Iffland erklärte, mit keinem andern das Directorat theilen 
zu wollen. So war dies Jahr ein unergiebiges für die Oper 
in Berlin. 

1707. Zum Camaval waren schon im Herbste des vori- 
gen Jahres ausserordentliche Vorbereitungen gemacht wor- 
den. Der Friede und der nun ruhigere Verlauf der Franzö- 
sischen Revolution brachte neues Leben in die Vergnügun- 
gen des Hofes und gestattete wieder die frühere Pracht, 
welche diesmal besonders bei Gelegenheit der Vermählung 



- 271 - 

der Prinzessin Auguste von Preussen mit dem Erbprinzen 
von Hessen- Cassel entwickelt wurde. Die verwittwete Kö- 
nigin starb Anfangs Januar, so dass der Camayal verscho- 
ben werden musste und sämmtliche dazu vorbereiteten Feste 
erst im Februar gefeiert werden konnten, doch kam die Ver- 
mählung so nahe auf den Todesfall, dass die Trauer am 
12 Februar für die Dauer der Festlichkeit abgelegt und erst 
später wieder angelegt wurde. 

Am 15 Februar nun fand die Aufführung der Righinischen 
Gelegenheitsoper ^^ilto/bnte e Meleagro, festa teatrale, che intro- 
duce ad un Ballo allegorico" vonFilistri, welcher auf Verwen- 
dung der Gräfin Lichtenau den Titel .^Intendant der Königl. 
Schauspiele^^ erhalten hatte, statt — Gleichzeitige Berichte er- 
klären diese Oper fiir die beste Righints und nennen die Aus- 
führung eine vollendete. Doch erscheint sie nur als ein Vor- 
spiel für das Ballet, in welchem das Tänzerpaar Vigano das 
Publikum entzückte, weswegen sie sich auch mehrfach nur 
als eine Cantate erwähnt findet. Am ISten folgte darauf die 
Semtramts von Himmel, welche mit ausserordentlicher Pracht 
in Scene gesetzt war, da die Königin sich vorzugsweise fiir 
den Componisten interessirte. Am 21sten machte Armida von 
Righini, Text von Coltellini, den Beschluss der neuen Opern. 
Die letztere ist eine andere Bearbeitung des Textes als die 
Glucksche und wurde später von Righini mehrfach umgear- 
beitet Ausser diesen Opern wurden auch zwei grosse neue 
Ballette /a fiUe de fair und Raoul Crequi mit den Vtgan&$ und 
vier Redouten gegeben, so dass dieser verspätete Camaval 
jedenfaUs der glänzendste und reichhaltigste seit Errichtung 
der Italienischen Oper in Berlin war. Das Ballet la fiUe de fair 
nannte Vigano ein tragisches Ballet, und behandelte auffallen- 
der Weise denselben Stoff wie die Himmeische Oper Semi- 



— 272 — 

ramts. Der König sah bei so froher Veranlassung nidit auf 
die Kosten und bezahlte 35,500 rtl über den vorjährigen 
Etat, welche Summe theils durch die enormen Diäten des 
Balletpersonals in Potsdam (der Balletmeister allein erhielt 
566 rtl. Diäten), theils durch die vielen neuen Decorationen 
von Verona und Bumat, so wie die von Meil gezeichneten 
prachtvollen Costüme veranlasst worden war. 

Auch die Opera buffa spielte viel in Charlottenburg und 
Potsdam; zuletzt am 7 Oclober wurde luUo per Amore und 
ein Ballet, der Mai, gegeben, wobei der schon kranke König 
aber zum letzten Male im Theater war. Der bald darauf er- 
folgende Tod Friedrich Wilhelm's II (16 November) unter- 
brach die Vorbereitungen, welche bereits auf eben so glän- 
zenden Fuss als im vorigen Jahre für den nächsten CarDaval 
gemacht worden waren, und statt in einer Oper wirkte das 
ganze Sänger- und Capellenpersonal in der Trauer -Cantate 
mit, welche Himmel fiir das am 11 December statt findende 
Begräbniss componirt hatte. Sie wurde in der Domkirche von 
252 Sängern und Instrumentisten aufgeführt und einige Tage 
darauf am lOten im Opemhause (iir das Publikum wiederholt, 
wobei 1386 rtl. für die Armen einkamen, der König aber 
die Beleuchtung bezahlte. 

Das Nationall heater brachte in diesem Jahre als bedeu- 
tendste Erscheinung das unterbrochene Opferfest, welche Oper 
sowohl durch Ifflands Inscenesetzung, als durch die Sänger 
ausserordentlich gefiel Beschort als Inca, Schwadke als Rocca, 
Mad. Schick als Myrrha, Ambrosch als Mumey, Mad. Eunike 
geb. Schwachhofer als Elvira, Franz als Yillacumu, Hübsd 
als Mafferu und ünzelmann als Pedrillo. Die Oper hatte 
einen fast eben so nachhaltigen Erfolg als die Zauberflöte, 
während Helena und PartSy Singspiel in 1 Act, Tohem, oder 



— 273 — 

der schwedische Fischer, der kleine Mairosey das Scfdangenfest 
in Sangora, Toffel und Dorchen, das Incogniio kein beson- 
deres Glück machteD. Dagegen brachte Ißland Lodoiska und 
Oedip zu Cohnnos heraus, theils von Webers Eifer für Mu- 
sik angeregt, theils um den Vorwurf zu entkräften, den da- 
malige Kritiker ihm machten, dass er seinen Schauspielen zu 
Liebe die Oper vernachlässige. Man muss gestehen, dass er 
durch die Zahl der Neuigkeiten. das Gegentheil bewies. Auch 
in diesem Jahre wurde der Versuch gemacht, das Opernhaus 
für die Deutsche Oper zu gewinnen und zwar durch Mad« 
Schick und den Capellmeister Weber. Wie aber Iffland die 
Vermittelung dieses Gesuches ablehnte, geht aus Beilage 
XXXVI No. 44 hervor. 

Als König Friedrich Wilhelm 11 starb, befand sich die Ber- 
liner Oper, sowohl die beiden Italienischen als die Deutsche 
auf einer bedeutenden Stufe und übersieht man, was während 
der zehnjährigen Regierung dieses wahrhaft kunstsinnigen 
Monarchen geschehen ist, so lässt sich die Anerkennung nicht 
zurückhalten, dass Berlin seiner Förderung des guten Ge- 
schmackes vieles verdankt Er baute die Theater in Pots- 
dam und Charlottenburg, dotirte das Nationaltheater, berief 
Righini^ Himmel, Weher, Iffland, vermehrte Capellen-, Sänger-, 
Tanz-Personal und erhob das Deutsche Theater aus seiner 
früheren Missachtung zu einem Standpunkt, aus dem sich 
die spätere Blüthe leicht entwickeln konnte. Die Oper zählte 
zu jener Zeit viele und bedeutende Kräfte: die Marchetti- 
Fantozzi, Schick, Schmalz, Righini, Sirley, Bachmann, MüUer, 
Unzelmann, Eunike und Baranius als Sängerinnen; MarcheUi, 
Musini, Bianchi, Tomholini, Concialini, Fischer, Ambroschy 
Franz, Hurka und Eunike als Sänger. Die Capelle und das 
Orchester des Nationaltheaters so wie ein für damalige Zeit 

18 



— 274 - 

sehr zahlreiches Ballet Mit solchen Kräflm hätte sich aller- 
dings noch mehr leisten lassai, wenn die Italienische Oper 
nicht % Jahre Ferien gehabt und damals schon eine Vereini- 
gung stalt gefunden hätte, wie sie später doch dntraL Ob- 
gleich zwischen dem Baron v. Reck, als Directeur des Spec- 
tacles und der Direction des Nationaltheaters mancherlei 
Reibungen stalt fanden, so muss man beiden doch die €ie- 
rechtigkeit widerfahren lassen, dass sie das Kunstinteresse 
gefördert und namentlich Baron v. Reck die ItaKenische Oper 
in guter Ordnung erhielt. — Wir können diese Periode nicht 
schliessen, ohne noch des Theaters der Gräfin v. Lichtenau 
zu erwähnen, auf welchem einige male in Gegenwart des 
Hofes gespielt wurde. Der König hatte das jetzige Palais der 
Königin der Niederiande unter den Linden seinem natürlichen 
Sohne mit der Gräfin y. Lichtenau, dem Grafen Alexandw 
Y. d. Mark gesdienkL Als dies&r starb, übe^ahm es die 
Mutter, und der König liess das Hinterhaus nach der Behr^n- 
strasse und in diesem ein kleines Theater bauen, welches 
wie die Apologie der Gräfin y. Lichtenau Yersichert, nur drei 
mal benutzt wurde. Das erste mal mit einem Concart, in wel- 
chem die Gräfin mit Condalini sang; das zweite mal wurde 
die Oper: „die Wilden^^ Yon den weiblichen Zöglingra der 
Hauchecomeschen Pensions -Anstalt aufgefiihrL Diese Vor- 
stellung gab Veranlassung zu dea übertriebensten Gerächten. 
Man machte die Hauchecomesche Pensions-Anstalt zu einem 
Parcs aux Cerfs und erzählte Wunderdinge Yon dem Costiim, 
in dem die jungen Mädchen vor dem König erschienen wären. 
Das dritte mal führten die Sänger der Italienischen Oper dort 
eine Oper: „Cleopatra you Nasolini^^ auf, weil der König 
damals schon (März 1797) krank war und sidi der Zugluft im 
Opemhause nicht aussetzen wollte. Das Textbuch dieser 



— 275 — 

Oper fuhrt die Bezeichnung: Da Rappresentarsi nel Teatro 
della Nobile Donna la Signora Contessa di Lichtenau. Später 
ist diese Bühne nicht wieder benutzt worden. Nasolini's 
Musik, vonFilistri besonders empfohlen, gefiel dem König 
aber nicht und kam auch später nicht mehr zur Auffuhrung. 



18* 



GESCHICHTE DER OPER IN BERLIIV 

VON 

in»® - 190«. 

liic Trauerzeit setzte die Italienische Oper für den Camaval 
des Jahres 1798 ausser Thätigkeit und man sah mit Spannung 
den Massregeln entgegen, die der junge König Friedrich Wil- 
helm III für das Fortbestehen derselben treffen würde. Viel 
Gutes liess sich davon nicht prophezeien, da der König strenge 
Sparsamkeit zeigte, grosse Festlichkeiten vermied und schon 
als Kronprinz kein Freund der Italienischen Oper gewesen 
war. Righini war mit seiner Frau nach Hamburg gereist, wo 
diese ein Engagement angenommen hatte. Himmel hatte zur 
Huldigungsfeier im August 1798 ein Te deum componirt, 
welches im Opernhause aufgeführt wurde, worauf er Urlaub 
nahm und nach Stockholm und Petersburg ging, wo er bis 
Ende 1799 blieb. Dagegen hatte sich bald nach dem Tode 
Friedrich Wilhelm U Reichardt in Berlin eingefunden, nach- 
dem er 1796 die Stelle eines Salz-Inspectors in Schönebeck 
erhalten. Er drapirte sich als Märtyrer der vorigen Regie- 
rung und erreichte durch sein SoUicitiren, dass Friedrich Wil- 
heim ni ihm gestattete, am 24sten Januar seine Oper Brennus 
ohne Costüm und Decoration als Concertmusik aufzuführen. 
Reichardt hatte diese für die Trauerzeit ungewöhnliche Er- 
laubniss besonders deswegen erhalten, weil er eine Ode von 
Ramler an Friedrich U componirt, die nach dem Brennus 



— 277 — 

aufgeführt wurde und sich auf den Geburtstag des grossen 
Königs, bekanntlich den 24sten Januar, bezog. Er hatte die 
Oper ins Deutsche übersetzen lassen und die Rollen nur an 
Deutsche Sänger vertheilt: Fischer, Burka, Franz^ und die 
Damen : Schick, Schmalz und Bumat. So ertönten zum ersten 
male Deutsche Worte einer Oper im Opernhause, wenn auch 
noch ohne den Reiz der theatralischen Auffuhrung. Der König 
wohnte diesem Concerte zwar nicht bei, bezeigte aber dem 
Componisten seine Zufriedenheit, bestätigte ihn in seinem 
Posten als Salz-Inspector mit 1500 rtl. und gestattete ihm 
auch Einwirkung auf die Oper, ohne ihn sofort wieder zum 
Capellmeister zu ernennen. Die Italienischen Sänger machten 
Urlaubsreisen. Filistri, der in der Gräfin Lichtenau seine 
mächtige Schützerin verloren hatte, verhielt sich sehr ruhig 
und das Jahr ging, bis auf einige Concerte, die von durch- 
reisenden Künstlern im Opemhause gegeben wurden, still 
vorüber, bis der König im Herbste befahl, Vorbereitungen zum 
Camaval des nächsten Jahres in gewohnter Weise zu treffen. 
Das Nationaltheater war vom löten bis 24sten Novem- 
ber 1797 geschlossen worden und brachte am lOten Januar 
1798 Palmyra, Prinzessin von Persien, in 3 Akten, von Salieri 
1796 in Wien componirt, worin Mad. Schick die Hauptrolle 
mit grossem Beifall sang und welche viele Wiederholungen 
erlebte ; dann am 13ten März den Dorßarhier von Schenk, 
eines der wenigen komischen Singspiele, das sich aus jener 
Zeit bis jetzt erhalten hat; am 22sten April Ritter Roland^ 
heroisch -komisches Singspiel in 3 Acten von Haydn. Zur 
Uuldigungsfeier am 6ten Juli die Reichardtsche Oper, die 
Geisterinsel, mit Text von Gotter, welche dem Tage ange- 
messen, sehr glänzend ausgestattet wurde. Das Sujet ist aus 
Shakespeare's Sturm entlehnt und hatte dem Componisten Ge- 



- 278 - 

legenheit zu grossartiger Auffassung gegeben , aber auch die 
einzelnen Gesänge fanden so viel Beifall, dass bald nachher 
ein Clavierauszug erschien. Reichardts Stellung in Berlin 
war um diese Zeit eine ganz eigenthümliche. Rehabilitirt 
durch die Gunst des Königs und doch zurückgehalten Ton 
dem Misstrauen gegen ihn, stark durch die Erfolge des 
Brennus und der Geisterinsel und doch ohne Einfluss, Him- 
mel und Righini abwesend und doch keine andere Stellung, 
keinen anderen Titel, als den eines Salz-Inspectors. Wieder 
warf er sich mit Schärfe auf die musikaUsche Kritik und 
vermehrte dadurch die Zahl seiner Widersacher. Weder mit 
dem Baron v. Reck, noch mit Iffland wusste er sich zu std- 
len, und Webers erfolgreiche Wirksamkeit stand seinen Aus- 
sichten im Wege. Am 3 August, zum Geburtstage des Königs, 
wurde die Regatta zu Venedig oder die Liebe unter den Gan- 
dotieren, Singspiel in 2 Acten vom Kammersecretair Bürde, 
Musik von D. Fliess gegeben, die indessen spurlos vorüber 
ging. Ebenso erging es dem Singspiel Palmer, Musik von 
Bruni, welches am 16 October zum ersten male gegeben, 
zwar einige male wiederholt wurde, aber bald vom Reper- 
toir verschwand. 

1799. Die Befürchtung, dass Friedrich Wilhelm III die 
Italienische Oper ganz auflösen und statt deren die Deutsche 
Oper in das Opernhaus einführen würde, zeigte sich unge- 
gründet, denn schon im Juni 1798 wurde der Baron v. Reck 
beauftragt, alle Vorbereitungen zum nächsten Carnaval zu 
treffen. Zwar folgte diesem Auftrage am 27 Juli eine Cabi- 
netsordre, in welcher die Verwaltung sämmtlicher Opem- 
gelder der Hofstaatskasse übertragen werden sollte, indessen 
sagt der König darin: „doch würde auch für den entgegen- 



— 279 - 

gesetzten Wunsch eines Mannes, der mit so seltener Red* 
lichkeit und Uneigennützigkeit, wie Ihr, sein Amt verwaltet, 
sich willfährig beweisen Ew. gnädiger Fr. Wilhelm/' — Diese 
wohlwollende Aeusserung des Königs liess Baron von Reck 
nicht unbeachtet und bat, Alles beim Alten, die Opemgelder 
aber unter seiner Disposition zu lassen, was auch durch Ca- 
binetsordre vom 31 July bewilligt wurde. Gleichzeitig wurde 
der Etat fiir das laufende Jahr auf 27,200 rtl. festgesetzt. — 
Unter den vorgeschlagenen Opern wählte der König Alalante 
und Armide, fiir welche zunächst alle Vorbereitungen getrof- 
fen wurden. Ohne etwas dafür zu thun, that doch der König 
auch nichts dagegen, dass die Italienische Oper auf dem frü- 
heren Fusse fortbestand; denn obgleich der König selbst keine 
Neigung zur Pracht, zu glänzenden Hoffestlichkeiten oder 
Theater überhaupt zeigte, so leuchtete doch aus allen seinen 
Maassregeln und Beschlüssen der Wunsch hervor, die Einrich- 
tungen Friedrichs des Grossen unversehrt aufrecht zu erhalten. 

Die schon 1797 gegebene Oper AtalatUe e Meleagro von 
Righini wurde am 14 Januar zur Eröffnung des Carnavals 
gegeben, weil man alle Kräfte für die zweite Oper Armide 
aufsparen wollte. Die Besetzung war dieselbe, wie vor zwei 
Jahren. Das Publikum , verwöhnt durch die Erfolge des Na* 
tionaltheaters, scheint sehr unbefriedigt aus dieser ersten Oper 
gegangen zu sein und alle Berichte aus jener Zeit finden nur 
zu tadeln, namentlich spricht sich ein längerer Aufsatz in den 
Jahrbüchern der Preussischen Monarchie, Aprilheft 1799 Seite 
399, weitläuftig und zwar von deutschem Standpunkte über 
dieselbe aus : lieber Costüm und Ballet sagt die Zeitschrift : 
Berlin I Band Seite 114: 

„Die Scene ist in Griechenland und die Spielenden sind 
Griechen und Griechinnen; aber, lieber Himmel, wie gehen 



— 280 — 

diese Griechen einher! Die Manner tragen eine moderne 
pohlische Mütze, mit einem eben so modernen Federbusch 
an der Seite, lieber die linke Schulter hängt ihnen ein lich- 
tes, mit Tressen besetztes Gewand , das gleich einem Schurz 
um die Hüften zusammengegürtet ist. Auch hängt ihnen von 
der hnken Schulter nach der rechten Hüfte zu, ein kleines 
festgegürtetes Mäntelchen. Arme, Brust und die rechte Schul- 
ter sind völlig nackt. Atalanta geht modern frisirt, mit einem 
grossen Rosenkranz im Haare und in einem aufgeschürzten 
französischen Kleide. Die einzige Schick als Diana erschien 
in einer Art von antiker Tracht 

„Die Hälfte der Zeit, da das Stück spielt, nehmen die Bal- 

lets ein, und diese sind von der Erfindung des Herrn 

Laucherj. Anfangs tanzen Griechen und Griechinnen, dann 
mischen sich Genien, Feld-, Wald-, Fluss- und Meergötter dar- 
unter, Venus und Amor tanzen zusammen. Pan springt wild 
umher. Merkur läuft mit seinem Stabe dazwischen und Apollo 
spielt mit seiner Lejer. Zuletzt tanzt eine hellblonde Juno in 
einer Robe von Goldstoff, und einen eben so blonden Jupiter 
charakterisirt ein modernes Scepter. Alles ist bis dahin zu 
Fuss erschienen, aber plötzlich konunt Diana in einem Wolken- 
wagen, an zwei stattlichen Stricken hangend, von oben herab. 
Sobald sie dem Boden nahe ist, eilt Jupiter hinzu und hilft 
ihr aus dem zerbrechlichen Fuhrwerk auf festen Boden, tritt 
aber augenblicklich mit seinem ganzen Hofstaate in den 
Rang der Statisten zurück und hört aufmerksam der langen 
Unterhaltung zwischen Dianen, Meleager und Atalanta zu, 
die während dieser ganzen Scene den Vater der Götter kei- 
nes Blickes würdigen. Sobald indessen der Gesang geendet 
hat, nimmt er seine Herrschaft zurück, tanzt ein Solo; und 
so folgt ihm denn ein Paar des himmlischen Heeres nach 



— 281 — 

dem andern, während die übrigen himmlischen Herrschaften 
nach Belieben ab- und zugehen/^ 

Ausgeführt wurden diese Ballets von Mad. Clauce (Red- 
wem)^ Wie. Engelj Mad. Zanini und Mlle. Schulz^ so wie von 
den Herren Duponcel jun., Mosern Scaksi und Lauchery jun. 
Man sehe über diese Oper auch die Beilage XXXIV No. 45 
und 46. 

Dagegen gefiel die zweite, ebenfalls viermal aufgeführte 
Oper Armida von Righim sehr. Righini hatte sie schon frü- 
her für Aschafienburg componirt, änderte aber fiir die Auf- 
führung in Berlin so viel daran, dass sie fast neu war. Den 
Text von Coltellini bearbeitete Filistri, und Lauchery machte 
die Ballets, welche aber wieder eine übermässige Länge hat- 
tea. In den Hauptscenen zwar der Gluckschen Armide ähn- 
lich, aber in ganz anderer Folge, begreift man nicht, wie nach 
dem Erfolge, den Glucks Iphigenia im Nationaltheater gefun- 
den, man eine andere als die Glucksche Composition der Ar- 
mide wählen konnte und nur die Eifersucht der Italienischen 
Sänger gegen alles Deutsche macht diese Wahl erklärlich. 
Auch über diese Oper finden sich wieder viel Klagen hinsichtlich 
des Costüms und der unerträglichen Länge des Ballets, so 
wie über die Miltelmässigkeit der musikalischen Ausführung, 
namentlich Tombolini's, der schon alt wurde. Die Ungeheuer, 
welche den Ubald bedrohen, sahen aus wie Schornsteinfeger- 
bursche, die Furien wie gekochte Krebse u. s. w. u. s. w. 

Nur die Decorationen Verona's in beiden Opern wurden 
allgemein gelobt 

Wie früher fanden auch in diesem Jahre Redouten statt, 
die glänzend aber nicht lustig waren. Als charakteristisches 
Zeichen der Zeit und der noch aus der vorigen Regierung 
überkommenen Sitten verdient wohl erwähnt zu werden, dass 



— 282 — 

an den Redouten-Abenden auch in den vomehmstoi Bordells 
(Schubitz) maskirt getanzt und gespeist wurde. Dorthin gin- 
gen ganz ungenirt Herren und Damen — welche (so sagt 
die Zeitschrift Berlin I S. 207) neugierig waren, diese Wirth- 
schaft einmal zu sehen und die Gelegenheit benutzten^ sie 
unerkannt und ohne Verdacht zu besudien. 

Die letzte dieser Redouten am Mardi gras fand nicht statt, 
und bestimmte der König die dazu ausgesetzten 4000 rtl. 
den Armen Berlins. Wir können es uns nicht versagen, die 
darauf bezügliche, wenig bekannte Cabinetsordre hier an- 
zuschalten: 

An den Stadt-Präsidenten Eisenberg. 

„Ich hatte einen Augenblick den Gedanken, dem hiesigen 
Publikum eine mit Büffets besetzte Redoute zum Beschluss 
des Camavals zu geben. Bei diesem anhaltenden strengen Win- 
ter aber, der fiir die Armuth so äusserst drückend ist, kann ich 
jedoch nicht balanciren und halte es im Gegentheil fiir Pflicht, 
die zu einer solchen Föte ausgesetzte Summe lieber dieser 
bedürftigen Klasse Berlins direct zufliessen zu lassen, und 
hoffe ich hierdurch dem wohldenkenden grossem Theil des 
Publikums gefälliger zu sein, als durch Anstellung eines 
Festes, dessen Genuss nur einige Augenblicke gedauert haben 
würde, und welches in der That nur wenigen hätte zu Gute 
kommen können. Ich habe das gerechte Zutrauen zu Euch, 
dass Ihr die Vertheilung der beikommenden 4000 rü. auf 
das Beste und Zweckmässigste verfügen werdet 

Berlin, den 7 Febraar 1799. Friedrich Wiihelm.'' 

Im Nationaltheater war neu: Graf Albert^ Oper in 3 Acten 
von Gretry (2 Januar), die vollständig durchfiel. Der Jahr- 
markt zu Venedig, Oper in 3 Acten von Salieri (25 Februar), 
die nur massigen Beifall erhielL Dido, Oper in 3 Akten von 



— 283 - 

Piccini (18 März), in der besonders die Chöre gefielen. Wei- 
herUst, Oper in 2 Acten von Cmarosa (9 September). Die Mit- 
temachtsstunde^ Oper in 3 Acten yon Datizy (1 October). Elvire^ 
Oper in 2 Acten von Cherubini (16 October). Faktaff, Oper 
in 2 Acten von SaUeri (16 December), also Fleiss aber kein 
Erfolg. Nicht eine der in diesem Jahre gegebenen Opern hat 
sich auch nur kurze Zeit auf dem Repertoir erhalten, und 
das Deutsche Element fand sich auf keine Weise vertreten, 
da nur Uebersetzungen gegeben wurden, die der eben so 
fleissige, als schlecht bezahlte Theaterdichter Herklots be- 
sorgte. Sonst wurden Wiederholungen der Mozartschen Opern, 
der Pidmyra, Geisterinsel und der Iphigenia in Tauris viel ge* 
geben, so dass sich der gesteigerte Geschmack des Publikums 
an guter Opemmusik wohl erkennen lässt. — Auch das Bal- 
let entfaltete einige Thätigkeit, aber mit keinem besondem 
Glück, auch that liiland nichts dafür, weU er mannigfache 
Hinderungen seiner Absichten fiir das Deutsche Schauspiel 
durch dasselbe erfuhr. Ende dieses Jahres wurden die Ein- 
leitungen zu den öffentlichen Vorstellungen des Deutschen 
Theaters für Geld im Schauspielhause zu Potsdam getroffen. 
Die Einnahmen des Nationaltheaters betrugen in diesem Jahre 
nahe an 100,000 rtl. Die Ausgaben circa 80,000 rtl., so dass 
Iffland das bis jetzt Unerhörte leistete, bei der Theaterver- 
waltung etwas zurücklegen zu können. Dieser Umstand trug 
vorzüglich dazu bei, den Bau des neuen Schauspielhauses 
auf dem Gensd'armen- Markt zu veranlassen und zu be- 
schleunigen. 

1800. Das Carnaval begann am 5 Januar mit der Oper 
Semramis von Himmel welche bedeutend abgekürzt wurde, 
um noch ein Ballet von Lauchery: Marpesia und Ärgabyses 
oder der Triumph der Liebe am Thermodon nach derselben 



— 284 — 

geben zu können. In der Oper sang diesmal die Schick, statt 
der Marchetti Fantozzi, ausser ihr noch die Deutschen Sän- 
ger Fischer und Franz, so wie Mlle. Schmalz. Von Italienern 
waren nur Tombolini und Fantozzi übrig geblieben. Auch im 
Ballette fingen Deutsche Tänzer an die Französischen zu er- 
setzen. Neu war dagegen Tigranes, Opera seria yon Righini, 
zu welcher die Confer^izen und Proben schon im Juni 1799 
begonnen hatten. Sie wurde am 20 Januar gegeben und 
hatte einen ungemeinen Erfolg, besonders deswegen weil 
das Ballet wesentlich mit in die Handlung eingriff und einige 
Hauptrollen nur pantomimisch ton Tänzern ausgeführt wur- 
den. Auch tanzte zwischen den Acten Mr. Dusquenet und 
Mad. Sommariva, die für den Gamayal verschrieben worden 
waren und grossen Beifall erhielten. Decorationen und Co- 
stüme waren glänzend und so schien denn auch bei der 
neuen Regierung die Italienische Oper wieder in ihre alt- 
hergebrachten Rechte eingesetzt zu sein, obgleich der König 
selbst wenig Interesse dafür zeigte, sondern sie nur wie einen 
nothwendigen Theil der Hoßestlichkeiten betrachtete. Im 
Personal gingen keine Veränderungen vor und die bequem^i 
Ferien begannen in gewohnter Art 

Das Nationaltheater machte in diesem Jahre bedeutende 
Anstrengungen, um noch den möglichsten Yortheil aus dem 
bisherigen Schauspielhause zu ziehen und sich der Gnade 
des Königs immer würdiger zu machen, welchem Berlin nun 
bald eine würdigere Stätte fär das Deutsche Theater verdan- 
ken sollte. Neu erschienen am 17 Februar: Medea, Oper in 
3 Acten von Cherubini, in welcher Mad. Schick aufs Neue 
ihr Talent für Darstellung antücer Charakter bekundete. Die 
Oper selbst erfreute sich indessen keines besondem Beifalls. 
Am 10 März zur Geburtsfeier der Königin: Mudarra, Oper 



- 285 — 

in 4 Acten Ton Herklots^ Musik vom Musikdirector B. A. Weber, 
das bedeutendste Werk dieses verdienstvollen Mannes, wel- 
ches sich indessen merkwürdiger Weise nicht unter dem Yer- 
zeichniss seiner Compositionen im Tonkünstler -Lexicon auf- 
geführt findet Sie gefiel, ohne indessen entschiedenes Glück 
zu machen 9 obgleich IfHand aus persönlicher Freundschaft 
und Achtung für das Werk des Componisten beim Deutschen 
Theater Alles gethan, was sich in Besetzung und Austattung für 
die Oper nur wünschen liess. Am 24 März: Die Schwestern 
von Prag, Singspiel in 2 Acten, Musik von Maller^ die in dem 
Beifall, den sie fanden, freilich die Mudarra weit überholten, 
aber schon damals der Kritik viel Gelegenheit gaben, über 
den „tief gesunkenen Zustand des Deutschen Theaters^^ zu 
klagen. Am 31 März: Liebe und Treue, Liederspiel in 1 Act, 
Text und Musik von Reichardt, der immer noch nicht wusste, 
welche Stelle er denn eigentlich in Berlin einnahm. Ganz 
selbstständig als Dichter und Componist auftretend, hatte 
er auch den geringen Erfolg dieses Liederspiels allein zu 
vertreten. — Am 15 April Soliman II oder die drei SuUanin- 
neUy Singspiel in 2 Acten, Musik von Süssmayer in Wien, 
welcher das Sujet der bekannten französischen Oper neu 
componirt hatte, sich aber keinen besonderen Beifall damit 
errang. Am 7 Mai (Bettag) führte der Musikdirector Weber 
zu seinem Benefize die Schöpfung von Haydn im National- 
theater auf, und machte bald darauf eine Reise mit Herrn 
und Madame Schick nach Breslau. Am 21 Juni der Jubel, 
Liederspiel in 1 Act von Reichardt. Am 5 September iSTermann 
von Unna, Schauspiel in 5 Acten mit Chören und Tänzen, 
Musik vom Abt Vogler. Ein Versuch, dem Schauspiel auch 
den Reiz der Oper zu geben — und eine Vereinigung des 
Schauspiels, der Oper und des Ballets zu einer damals ganz 



— 286 - 

neuen Gattung. Das Stück gefiel so sehr, dass es kurz hin- 
tereinander siebenmal und fortdauernd gegeben werden 
musste. Die Musik des Abt Vogler hatte einen grossen An- 
theil an diesem Erfolge. Am 16 October zum Geburtsfest der 
Königin Mutter Tamerlan^ grosse Oper mit Ballets in 4 Aden, 
Musik von ReichardL Reichardt hatte diese Oper eigentlich 
fiir Paris componirt und ihr ganz den Zuschnitt einer gross^i 
französischen Oper gegeben. Recitative, grosse Ballets, 
Schlachten, Au&üge, wie im Brennus, so dass nun schon 
Deutsche grosse Opern in Berlin entstanden und der Karnj^ 
des Deutschen Elements in der Musik gegen das Italienisdie 
dem erstem immer mächtigere Waffen in die Hand gab. — 
Iffland hatte auch diesmal, obgleich er sonst mit Reichardt 
nidit besonders harmonirte, durch sorgfaltige Scenirung und 
sogar Pracht, die sonst seine Sache nicht war, so viel als in 
seiner Krafl stand für den Erfolg gethan, der allwdings ein 
für den Augenblick bedeutender aber dessenungeachtet nicht 
nachhaltiger war. Besonders riyalisirte diesmal das Ballet mit 
dem der grossen Italienischen Oper und fing von dieser Zdt 
an einen unabweislichen Theil des Ganzen für sich zu bean- 
spruchen. Der König, welcher diese Oper bei der dritten 
Wiederholung sah, sprach seine allseitige Zufriedenheit aus 
und schon wurde von Seiten Reichardts, Iffiands und der 
Deutschen Sänger Hofihungen von Seiten des Barons von Rede 
und der immer mehr erschütterten Italienischen Oper Be- 
fiirchtungen laut, die sich aber erst nach gewaltigen politi- 
schen Stürmen verwirklichen sollten. 

Am 18 November erschien HerOy ein Melodram von Her- 
Idots mit Musik von Weber^ nicht mit den Melodramen dama- 
liger Zeit zu verwechseln, in denen die Musik den Dialog 
begleitete, sondern eine musikalische Scene fiir Mad. Schick 



— 287 — 

eine bis zur SituatioD, bis zur dramatischen Handlung ver- 
längerte Arie. Der Versuch gefiel nicht allein als Neuigkeit, 
sondern auch seines musikalischen Werthes halber und es ist 
in der That auffallend, diese Gattung des musikalischen Dra- 
mas ganz aus dem Bereich der künstlerischen Behandlung yer- 
schwunden zu sehen. Für Sängerinnen der neuen Zeit, die 
gern allein briUiren und während ihres Stagione-Engagements 
absolut das Repertoir beherrsdien, könnte die Wiederbele- 
bung des musikalischen Monodrams eine Quelle neuer und 
ausschliesslicher Triumphe werden. — Den Schluss der Neu- 
heiten in diesem Jahre machte Marie von Montatban^ Oper 
in 4 Acten von Reger, Musik von Winter^ dem Componisten 
des unterbrochenen Opferfestes. Er hatte diese Oper für 
München componirt, von wo sie Iffland sofort verschrieb, 
da er ehien zweiten Erfolg wie den des unterbrochenen Opfer- 
festes erwartete, welche Erwartung sich indessen nicht eriull- 
te^ obgleich die Oper eicht missfiel. 

180L Bei der Italienischen Oper aitwickelte sich in diesem 
Carnaval ein eigenthümliches Leben und es zeigt sich deut- 
lich, dass die mit jedem Jahre bedeutenderen Erfolge der deut- 
schen Oper im Nationaltheater hier anregend gewirkt Der 
König hatte Himmel und Reichardt beauftragt, zwei neue 
Opern zu componiren und bei den Eifersüchteleien zwischen 
diesen beiden Componisten gehofft, beide zufrieden zu stellen. 
Vasco dt GatHüj grosse Oper in 3 Acten von FtUstri und Him- 
mel eröflGaet am 12 Januar den Reigen und ihr folgte nach 
4maliger Auffuhrung Rosmonde, in 3 Acten, ebenfalls von Fi- 
listrij componirt von Reichardt. Fast hätte sich in Berlin durch 
diese beiden Opern der Kampf der Gluckisten und Piccinisten 
erneut, der einst ganz Paris in Bewegung setzte, denn das 



— 288 — 

Berliner Publikum nahm zum erslenmale bei Italienischen 
Opern Parlhei für oder gegen eine derselben. Schon in den 
Proben hatte sich Eifersucht zwischen den beiden Compo- 
nisten gezeigt, von denen der eine ein wirklicher, der andere 
ein „gewesener^^ Capellmeister war, so nannten ihn die Zei- 
tungen. Keiner wollte nachstehen, jeder verlangte dasselbe, 
was sein Nebenbuhler brauchte, und Baron y. d. Reck hatte 
alles Mögliche zu thun, offenen Zank zu verhindern. Capelle 
und Sänger nahmen Parthei, erhoben die eine Oper und 
setzten die andere herab, wobei persönliche Neigung oder 
Gereiztheit gegen den Componisten natürlich vieles beitrug. 
So war das Publikum schon vor der Auffiihrung in seiner Mei- 
nung getheilt, und, als sie aufgeführt waren, wurden die Zei- 
tungen zum Kampfplatz der streitigen Ansichten. Himmel 
beging die Unvorsichtigkeit und liess einen Aufsatz in die Zei- 
tung einrücken, der leidenschaftlich abgefasst, grosse Arroganz 
verrieth und, was das schlimmste war, ungerechte Ausfälle 
gegen den „Salzinspeclor Reichardt^^ enthielt Dieser, sonst 
so schreibelustig und stets zu litterarischem Kampfe bereit, 
schwieg diesmal und gewann sich dadurch das Publikum, 
welches über die Leidenschaftlichkeit Himmels den Stab brach. 
Eine Flut von Recensionen über beide Opern überschwemmte 
die Zeitungen, bis endlich der witzige Einfall eines Beriditer- 
statters den Streit durch Lächerlichkeit tödtete. Himmel hatte 
nämlich in seinem Vasco dt Gama eine vollständige Janitscha- 
renmusik auf dem Theater und Reichardt, um diesem Effect 
nichts nachzugeben, einen Trompetenmarsch angebracht. 
Nun hiess es, Himmel habe für die Infanterie und Reichardt 
für die CavaUerie geschrieben. 

Nach beendetem Carnaval wurden auf Befehl des Königs 
noch zwei Vorstellungen dieser Opern für 6r^&? gegeben, deren 



— 289 — 

Ertrag den Armen bestimmt war. Das Publikum nahm diese 
Neuerung mit Enthusiasmus auf, und gleich die erste Vorstel- 
lung der Rosmonda brachte 2800 rtl. ein. Man glaubte aus 
dieser Theilnahme des Publikums einen noch grösseren Yor- 
theil fiir die Armen erlangen zu können und erhöhte die Preise 
bei der zweiten Aufluhrung um die HälRe, so dass die Ein- 
nahme 4000 rtl. betragen haben würde, wenn es voll gewesen 
wäre. Die Speculation schlug aber fehl, und es gingen nur 
2000 rtl. ein. Jedenfalls war damit abermals ein Schritt wei- 
ter für die Popularität der Oper im Allgemeinen gethan, und 
ein ganz anderes , in seinem Urtheil unabhängiges Publikum 
stand plötzlich dem alternden Institute gegeoüber. 

In Vasco dt Gama hatte die Marchelli-Fantozzi wieder ihren 
Platz als Prima donna assoluta eingenommen. Neben ihr sang 
nur noch ihr Mann und Tombolini, alle übrigen waren bereits 
deutsche Sänger. Im Ballette werden die Damen Engel, De- 
-coury Teile, Clauce, Zamni und Gasparinty sowie die Männer 
Moser, Riebe, Teile, Duponcelle und Scalesi genannt. Ausser 
ihnen tanzten der seit dem vorigen Carnaval engagirte Ballet- 
meister Duquesney und Mlle Sommariva. Von ersterem waren 
auch die Ballels componirt worden, die der Oper folgten und 
den pomphaften Titel führten : Heroisch-Analogisch-Pantomi- 
mische Ballette. 

Das Nationaltheater brachte am 1 Januar ein Vorspiel mit 
Gesang und Tanz: Die Feier des Jahrhunderts, dessen Musik 
B. A. Weber componirt hatte. Es fand so grossen Beifall, dass, 
obgleich nur Gelegenheitsstück, eine dreimalige Wiederholung 
nöthig wurde. Die zweite Neuigkeit war (11 Februar) Camiüa 
oder dds Burgverliess, Oper in 3 Acten von Paer, welche die- 
ser Componist bereits 1799 für Wien geschrieben. Ambrosch 
hatte sie zu seinem Benefize gewählt und gefiel als Graf Ubaldo 

10 



— 290 — 

sehr. Was würde man nach heutigem Maasstabe einem erst» 
Tenoristen bieten müssen , der das Publikum heut als Graf 
Ubaldo und am andern Tage als Adam im Dorfbarbier ent- 
zückte? — Und doch war es zu jener Zeit nichts Ungewöhn- 
liches, die erste Sängerin für tragische Opern auch in den 
possenhaftesten Rollen zu sehen. Am 9 März : Adolph und 
QarOj Operette in einem Act von dAIayraCy und Frohsinn und 
Schwärmerei^ Liederspiel in 1 Act von Himmel. Beide gefielen 
ausserordentlich, doch nur Adolph und Clara auf die Dauer, 
während das Himmeische Liederspiel an Empfindelei krän- 
kelte. Am 23 März : Fürst Blaubart^ Oper in 3 Acten mit 
Tanz, von Gretry, in welcher Mad. Schick den \ergj und 
Mad. JmUler^ welche die Oper zu ihrem Benefiz gab, die Marie 
spielte. Der Erfolg dieser Oper war ein entschieden gunsti- 
ger, was hauptsächlich in dem allbekannten durchaus drama- 
tischen Sujet seinen Grund hatte. Bekanntlich hat sie sich 
über 50 Jahre auf dem Repertoir erhalten. Auffallend ist, 
dass zu dieser langen 3 actigen Oper noch das Singspid: die 
beiden Savoyarden gegeben wurde, in dem Mad. Müller aller- 
dings die Hauptrolle hatte und in dieser sehr beliebt war. 
Am 30 März : Jery und Bätely, Singspiel in 1 Act von Gothe, 
mit Musik von Reichardt, der aber ebenso wenig wie sein 
Vorgänger und seine Nachfolger diesem, wie es scheint, un- 
möglichen Singspiel Leben einzuhauchen wusste. Dagegen 
wurde am 13 April zum Benefiz für Unzelmann die Nymphe 
der Donau, romantisch-komisches Volksmährchen mit Gresang 
in 3 Acten, Musik von Kauer gegeben. Der Erfolg war ein 
eben so glänzender wie bei der Zauberflöte und die Wieder- 
holungen wollten kein Ende nehmen. Obgleich sich die Kri- 
tik mit wegwerfender Geringschätzung, ja mit Erbitterung 
gegen diese Nymphe der Donau aussprach, so verhinderte 



~ 291 - 

sie doch nicht, dass Berlin von einem förmlichen Schwindel 
für dieselbe ergriffen wurde. Fast einen Tag um den andern 
musste sie gegeben werden, ohne dass der Zulauf enden 
wollte, und Unzelmann als Larifari sowohl, wie Mad. Eunike 
geb. Schwachhofer wurden die erklärten Lieblinge des Publi- 
kums, ja der erstere so übermüthig, dass Iffland ihm ernst 
gegenüber treten musste. Zu erwähnen ist noch, dass der 
später so beliebte Komiker Rüthling die Lilli als Kind spielte. 
Hätte Mad. Eunike die Anstrengung ertragen können, so würde 
man gut gethan haben, das ganze übrige Personal zu beur- 
lauben und einige Monate täglich nur die Nymphe der Donau 
zu geben. Der Andrang währte ununterbrochen 4 Monate, 
so dass lifland es gar nicht wagte, eine andere Oper nur zu 
geben, weil sie jedenfalls diesem Erfolge gegenüber im Nach- 
theil gestanden haben würde. Am 12 August wurde Gulnare 
oder die Persische Sklavin^ Operetle in 1 Act von dtAlayrac, 
gegeben, die neben der Donaunymphe freilich kaum beachtet 
wurde, aber durch die Darstellung des Bassisten Gern gefiel. 
Dieser war nach mehrmaligen Gastrollen für den abgehenden 
Bassisten Rau engagirt worden und am 11 Maj als Sarastro 
aufgetreten. Er wurde ein ebenso redlicher Gehülfe des stre- 
benden B. A. Weber, wie er ein vertrauter Freund IfFlands 
war, ein Verhältniss, das sich noch aus Manheim herschrieb, 
aber selbst durch Ifflands Berufung zum Director des Berliner 
Nationaltheaters in Nichts gestört wurde. Am 16 October zur 
Geburtsfeier der Königin Mutter: Ttlus von Mozart^ damals 
Operette und Singspiel genannt. Mlle. Jagemann aus Weimar 
sang bei der ersten Auffuhrung den Sextus, den später Mad. 
Eunike übernahm. Vitellia: Mad. Schick , Titus: Hr. Eunike. 
Dem succ^s de vogue der Donaunjmphe konnte freilich der 
sncc^s d'estime des Titus nicht die Spitze bieten. Er wurde 

19* 



— 292 - 

zwar im Laufe der nächsten Monate mehrere Male wieder- 
holt, wurde aber dann bei Seite gd^t Am 2 Norember: 
Felix der Findling, Oper in 3 Acten von JUonsigny, wurde 
nur einmal gegeben, und es zeigte sich deutlidi, wie rasch 
die derbe Kost der Mode -Oper den Geschmack des Publi- 
kums an der französischen Komischen und Situalions-Oper 
verdorben. 

Noch ist für dieses Jahr die erste Vorstellung der Jungfrau 
von Orleans (23 November) zu erwähnen^ weil die damals 
von B. A. Weber dazu componirte Musik sich bis jetzt theil- 
weise erhalten. Sie wurde unter ungeheurem Zulauf in 
5 Wochen 11 mal gegeben und das alte Theater am SlstenDe- 
cember 1801 mit einer Vorstellung derselben, welcher eiue 
Rede folgte^ die Iflland selbst sprach, geschlossen, so dass 
mit dem neuen Jahre die Vorstellungen in dem unterdessen 
fertig gewordenen neuen Schauspielhause begonnen. 

1802. Die Itah'enische Oper brachte für den Camaval dieses 
Jahres nichts Neues, ausser einigen Balletten, die nun schon 
als selbständige Werke jedesmal der Oper folgten und die 
Dauer der Vorstellungen unverhältnissmässig verlängerten. 
Reichardts Brennus mit Abänderungen, oder vielmehr das 
darauf folgende Ballet Akont und Sirla (der älteren fabel- 
haften Geschichte Irlands entlehnt) mit Abkürzungen, wurde 
fünfmal, Righinis Tigranes und das Ballet Florenzio und Car- 
lesia ebenfalls mit Righinischer Musik wurde sechsmal und 
Reichardts Rosamunde mit dem Ballet der Triumph der Qetisia 
einmal gegeben. Die beiden erstgenannten Ballette waren 
von dem Balletmeisler Duquesne}^ und das letztere von Lau- 
chery, der über die Bevorzugung seines Collegen sich gewallig 
eifersüchtig gebehrdete, dem Baron v. d. Reck aber mit seinen 



— 293 — 

Klagen und Beschwerden nicht kommen durfte ^ da dieser 
wie wir bereits aus frühem Vorgängen wissen, kein besonderer 
Freund des turbulenten und eigensinnigen Lauchery war. 
Die Verhältnisse mit dem Nationaltheater waren, seit dieses 
einen so bedeutenden Aufschwung genommen, hinsichtlich des 
Chors, des Ballets und der Doubluren flir die Opernsänger 
immer schwieriger geworden und die grosse Italienische Oper 
musste bereits ihre deutsche Stiefschwester hin und wieder 
um Unterstützung bitten. Es geschah zwar immer noch in 
sehr hochtrabender, vornehmer und ofticieller Form, aber es 
geschah doch. Die meisten Sänger des Nationaltheaters 
mussten gleichzeitig mit denen der Italienischen Oper die 
Rollen einüben, damit eine Krankheit den Carnaval nicht 
unterbrechen könne. Wir schalten hier eine solche Reserve- 
Basetzung der Oper Brennus ein. 

Hoslilia Md. Marchetli Md. Schick 

Fabius Hr. Fantozzi Hr. Hurka 

Zelinda Mlle Schmalz Mlle Schmalz d. jün. 

Sulpicius Hr. Tombolini Mlle Schmalz d. älL 

Brennus Hr. Fischer Hr. Gern 

Cleant Hr. Franz Hr. Gasperini 

So unergiebig der Carnaval dieses Jahr für die grosse Oper 
war, so wichtig wurde für das deutsche Theater die Eröflnung 
des neuen Schauspielhauses auf dem Gensd*armen Markte, 
welches auf derselben Stelle des jetzigen steht, nur eine, mehr 
dem Opemhause ähnliche Form hatte. Das alte, zwischen 
dem neuen und der Seehandlung stehende Theater wurde 
sofort abgerissen. Die Eröflnung geschah am Isten Januar 
und zwar mit der ersten Vorstellung der Kreuzfahrer von 
Kotzebue, welche mit einer Rede von Herklols durch Iffland 
eingeleitet wurde. Das Gedränge vor dem Hause war so 



— 2M — 

gross, dass mehrere ohnmächtig und zertreten weggetragen 
werden mussten, dass bei dem kalten Wetter ein formlicher 
Dampf aus dem seit der Mittagsstunde harrenden Menschai- 
knäuel aufstieg, der Schnee unter ihnen thaute, und sowohl 
die aufgezogene Wache als einige herbeigeholte Husaren die 
Ordnung in dem lebensgefahrlichen Gewirr aufrecht erhalten 
mussten. Es existirt eine Abbildung des Schauspielhauses 
am Tage der Eröffnung, nach welcher das Gedränge allerdings 
beispiellos gewesen sein muss. 

Am Tage nach der Eröffnung wurde das Zauberschloss, eine 
„natürlichem^ Zauberoper nach le chdteau du diable von Kotze- 
bue, componirt von Reichardt, gegeben und abwechsdnd 
mit den Kreuzfahrern dreimal hintereinander wiederholt — 
Auch zu den Kreuzfahrern halte Reichardt, der nun wieder 
den Titel CapeDmeister führte, eine Ouvertüre, Märsche und 
Chöre componirt; so war Reichardt im Januar dieses Jahres 
sowohl durch seine Opern Brennus und Rosamunde, als durch 
seine Leistungen für das Nationaltheater der Mann des Tages, 
ohne dass er dadurch den alten Einfluss wieder vollständig 
hätte gewinnen können. Gern, Eunike und Mad. Schick 
brillirten im Zauberschloss, und Veronas Decorationen stellten 
die deutsche Oper mit einem Schlage der bisher so bevorzugten 
Italienischen auch in Hinsicht der Pracht und Ausstattung zur 
Seite. Am 2lsten Januar zum ersten Male SulmaUe, lyrisches 
Drama mit Chören von Herklots, componirt von B. A. Weber, 
ein Duodrama fiir Mad. Schick, das indessen mehr den Cha- 
rakter einer Cantate, als den eines Dramas trug und keine 
so gute Aufnahme als die früheren Melo-, Mono- und Duo- 
dramen fand. 

Am 3ten Februar die Nymphe der Donau, 2ter Theil in 
3 Acten von Kauer, der fast eben so einschlug als der erste 



— 295 — 

Theil. Es fehlte zwar nicht an abweisenden, höhnenden und 
persiflirenden Stimmen in der Kritik, namentlich in den gleich- 
zeitig mit der Eröffnung des neuen Schauspielhauses erschei- 
nenden ,yAnnalen der Neuen Nationalschaubühne zu Berlin^^, 
einer selten gewordenen Zeitschrift — das Publikum Hess sich 
aber dadurch nicht abhalten, das lustige Zeug mit anzu- 
sehen und dem ausgelassenen Unzelmann als Larifari Beifall 
zu klatschen. 

Am 15 März zum erstenmale: ^^der Wasserträger^^, Oper 
in 3 Acten von Cherubini (les deux journ6es), welche sehr ge- 
fiel, aber dem ausserordentlichen Zulauf des Publikums zur 
Nymphe der Donau gegenüber anfangs nicht oft gegeben 
werden konnte. Gern, schon als Sänger beliebt, wurde in der 
Rolle des Micheli der erklärte Liebling des Berliner Publikums, 
und auch Beschort, so wie Mad. Unzelmann, obgleich beide 
eigentlich keine Sänger, gefielen ausserordentlich. 

Am 25 März ,,Der lebende Todtef^, komisches Singspiel in 
1 Act von Paer (il morto vivo) 1800 für Wien componirt, wurde 
so heftig ausgepocht, dass es nicht ausgespielt werden konnte 
und auch nicht wieder zum Vorschein gekommen ist. 

Am 10 April ,,Der Tod des Hercules^^, Melodrama mit 
Chören, von Reichardt nach Sophocies; welches sich ebenfalls 
nur geringen Beifalls erfreute und bald bei Seite gelegt wurde, 
obgleich Iffland selbst den Hercules spielte. 

Am 23 Juni ,,Der reisende Student, oder das Donner- 
wetter^'y komisches Singspiel in 2 Acten mit Musik von Win- 
ter, obgleich dasselbe Sujet mit dem Titel „der Bettelstudent^^ 
bereits in Wien 1796 von Schenk, dem Componisten des Dorf- 
barbiers, in Musik gesetzt worden war. — Ursprünglich ein 
Fastnachtspiel von Hans Sachs, dem aber in neuester Zeit 
ein noch älteres spanisches Original nachgewiesen worden ist. 



— 296 - 

findet der Stoff sich fast bei allen Nationen, freilich sehr von 
einander abweichend benutzt In der französischen Operette 
ist es ein Soldat, der den Liebhaber der Frau seines Wirthes 
durch eine Teufelsbeschwörung aus dem Hause schafll, in 
der englischen ,,broad farce'^ ein Matrose u. s. w. — In Ber- 
lin gefiel das Singspiel ausserordentlich und erhielt sich bis auf 
die neueste Zeit; seit 1835 namentlich durch die Bearbeitung 
von Comet und Methfessel, welcher indess viele MusikstiicJ^e 
von Winter, Schenk und dann Lieder mehrerer Componisten 
beigefiigt wurden. So gehört dies Singspiel zu den wenigen, 
welche in Berlin die Zahl von 150 Aufluhrungen erreicht haben. 

Am 27 September „Das Schloss Monlenero'\ Oper in 3 Ak- 
ten von d'Allayrac; am 16 OoXoh&c ,,Elfriede*% Oper in 2 Akten 
von Paesiello: welche beide Opern jede nur 3 Aufführungen 
erlebten, und endlich am 26 October das einaktige Singspiel 
yyAlexts'^ von d'Allayrac^ welches sich bis zum J. 1817 erhielt 

Nach diesem Verzeichniss kann man nicht sagen, dass in 
dem neuen Schauspielhause Besseres und Dauernderes zur 
Aufführung gebracht worden wäre als im alten. Glücklicher- 
weise war das Mozarische und Glucksche Repertoir schon 
errungen, so dass die ,,Nymphe der Donau^^ mit ihren beiden 
Theilen, „das neue Sonntagskind^^ und „die Schwestern von 
Prag^^ wenigstens dem guten Geschmack nicht mehr schaden 
und ihn zurückdrängen konnten. 

Auch das Ballet regte sich nach langer Unterbrechung wie- 
der und der Solotänzer Teile brachte ein einaktiges Divertis- 
sement, „das Opfer vor der Bildsäule des Amor'^^ mit Musik von 
Gürlich, welches zuerst in Potsdam aufgeführt wurde. — 

1803. Der mit dem 17ten Januar beginnende Carnaval 
dieses Jahres war ein vorzugsweise glänzender; — die politi- 



- 297 - 

sehen Yerhältoisse hatten sich noch nicht getrübt, und noch 
sah man in der sich befestigenden Macht Bonapartes die Ga- 
rantie iiir die Ruhe Europas. Viele hohe Herrschaften und 
sonst ausgezeichnete Fremde fanden sich in Berlin ein, wie denn 
überhaupt bis zum Entstehen der Eisenbahnen Berlin fast nur 
zum Carnaval und zur Zeit der sogenannten grossen Herbst- 
Manöver von Fremden besucht wurde. Die Italienische 
Oper brachte j,Epponia^^ von Sarti und dazu das Ballet ^^P^ycÄ^*^ 
von Gardel, welche Vorstellung am 2lten Januar wiederholt 
und dann abwechselnd mit der zweiten Camavals-Oper, ,^der 
Zauberwald und das befreite Jerusalemf^ von Righini, gegeben 
wurde. Filistri hatte nach Torquato Tasso darin eine Oper 
aus zwei verschiedenen, aber auf einander folgenden Theilen 
zusammengestellt und dadurch etwas ganz Ausserordentliches 
zu machen geglaubt, aber der immer unerbittlicher gegen ihn 
gehandhabten Kritik nur neuen Anlass zum Tadel gegeben. 
Zugleich mit dieser Oper wurde das Ballet ,,La Damotnanie'' 
gegeben, bei dessen Scenirung sich Balletmeister Lauchery 
ungemeine Mühe gab. Beide Opern wurden bis zum Uten 
Februar zusammen 12 Mal gegeben., hatten aber so viele 
aussergewöhnliche Kosten verursacht, dass der König drin- 
gend Sparsamkeit anempfahl, diesmal die verlangten 20,000 
Thaler noch zahlte, für die Zukunft aber bestimmte Kosten- 
anschläge vorher verlangte. Unmittelbar nach dem glänzen- 
den Erfolge des Ballets j,La Dansomanie^^ hatte Baron von 
der Reck den Balletmeister Lauchery zu einer Gratification 
vorgeschlagen, was seiner Unparteilichkeit Ehre macht, da 
sonst Lauchery sein Freund nicht war. Der König bewiHigte 
ihm, in Betracht seiner guten Dienste und des zweijährigen 
Aufenthalles seines Sohnes in Paris, 500 Thlr. Gold. Auch 
die Eleven der Tanzschule erhielten am 12ten April eine Gra* 



— 298 — 

tification yon 575 Thalera, weil sie nach dem Berichte — 
^wiridich huDgerten^'; dayon erhielten die Knaben 170, die 
Mädchen 405 Thaler. 

Merkwiirdig ist, dass der König onterm 5ten Febmar, also 
bald nach der ersten AoflRihmng des „ZauherwaUesI^ von Ri- 
ghini, in einem Cabinetsschrdben an den Baron von der Rede 
sagt: ,,Auch will Ich Endi nicht übereilen Euer geprüftes Ur- 
theil über die Idee einer deutschen Oper zu gewärtigen.'^ Es 
muss nehmlich, in Folge der Eröflhung des Neuen Sdiauspid- 
hauses, ein Plan eingereidit word^i sein, wie man das grosse 
Opernhaus mit dem Nationaltheater verbinden könne, und 
zwar, wie es scheint, schon unter der General -Direction 
Ifflands. Ob dieser letztere ii^end einen Antheil an diesem 
Projecte gehabt, lässt sich aus den vorhand^ien Akt^i nicht 
ersehen; von der Reck antwortete unterm Iten Februar: 

„Was den mir Allergnädigst communidrten Plan zu einer 
deutschen Oper betrifil, so muss ich zu dessen Beantwortung 
um einige Tage Frist bitten; vorläufig sei es mir erlaubt zu 
bemerken: dass dessen Ausfuhrung mit dem zum Grunde ge- 
legten Zweck, dem Nationaltheater Vortheil zu verschaffen, 
unter den voi^eschlagenen Modalitäten mir ganz unmöglich 
und unerreidibar scheint und es daher zu wünsdien gewesen, 
dass solche vor Erbauung in Anregung gebracht wordra 
wäre." Von dem Plane selbst, oder einer weitem Verfolgung 
desselb^ habe ich nichts ermitteln können. Jedenfalls kam 
er noch zu fiiih, obgleich sein Kommen überhaupt Zeugniss 
giebt von der Anerkennung, welche die deutsche Oper sich 
bereits errungen, und der immer deutlicher hervortretenden 
Altersschwäche der Italienischen Oper. Auch in die Oeffent- 
lichkeit scheint diese Idee schon gedrungen zu sein, denn in 
der Spenerschen Zeitung vom lOten Februar war bweits 



— 299. — 

ganz bestimmt ausgesprochen, dass im nächsten Camaval. 
deutsche Opern im Opemhause gegeben würden. Die Vermu- 
thung, dass Reichardt auf irgend eine Art bei diesem Plane be- 
theiligt gewesen, Hegt allerdings nahe, lässt sich aber nicht 
begründen. 

Zum Schlüsse des Camavals gab die KÖnigL Capelle ein 
Concert fiir die Wittwen und Waisen der Capelle, in welchem 
gegen die Hälfte der Einnahme die Sängerin Mara sang. Sie 
hatte sich nun doch entschlossen noch einmal nach Berlin 
zurückzukehren, und setzte das Publikum, wenn auch nicht in 
Entzücken wie früher, so doch in Erstaunen, wie ihre Stimme 
sich in so langen Jahren erhalten. Die Habsucht, bei einem 
Wohlthätigkeits- Concert die Hälfte der Einnahme für sich in 
Anspruch zu nehmen, fand indessen so allgemeine Missbilli- 
gung, dass sie nicht lange in Berlin blieb. Auch wurde am 
24ten Februar der Concertsaal in dem neuen Schauspielhause 
mit der Schöpfung eröffnet. 

Das Nationaltheater war in diesem Jahre eben so fleissig 
als früher. Es brachte am 18ten März den ,,K<dtfen von Bog- 
dadf% Operette von Bojeldieu, die sich bekanntlich lange auf 
dem Repertoir erhalten hat, dann aber 3 Opern von Mehul, 
der gerade um diese Zeit in Deutschland anfing bestimmte 
Geltung zu gewinnen. Obgleich diese Opern schon mehrere 
Jahre früher componirt waren, so hatte doch der Ruf Mehuls, 
der zu den heftigsten Anhängern der französischen Repu- 
blik gerechnet wurde, verhindert, seine Werke in Deutsch- 
land auf die Bühne zu bringen. Nun aber hatte die Abnei- 
gung gegen die Revolution durch die Rückkehr zur Ordnung 
und Stetigkeit abgenommen, und Reichardt schon früher 
unermüdlich daran gearbeitet, den Werken des Gleichgesinnt 
ten Eingang in Deutschland zu verschaffen. So wurden demi 



— 300 - 

,^€ toüer je besser!^' in 2 Akten, „die SchtUzgräber^^ in 1 Akt 
und „Helene!'' in 3 Akten am 28ten März, 7ten October und 
14ten November g^eben. Die letztere hatte den wenigst^i 
Erfolg, dagegen die beiden ersten einen allgemeinen. Ausser- 
dem kam am 7ten Juni „Lehmann oder der Ihurm zu Neu- 
stadlf' in 3 Akten von d'AIlajrac, am 18ten Juli „das La- 
byrinth oder der 2te Theü der Zauber flöte'' in 2 Akten 
von Winter, am 23sten September „das Geheimniss" in 1 
Akt von Soli6, am 15ten October „das Singspiel" in 1 Akt 
Yon Della Maria, am 16ten October ^^Angiolina oder die Hei- 
rath durch Getöse^' in 2 Akten von Salieri und am 28ten 
November ,jMutterfreu^^ in 1 Akt von d'AIlayrac, zur Auf- 
führung; die zuletzt genannte missfiel dermassen, dass man 
es nicht wagte, sie zu wiederholen. Auffallend ist der Fleiss 
der Bühne im October, wo in 7 Tagen 3 neue Opern gege- 
ben wurden. Der Komiker Unzelmann war durch die Gunst, 
in welcher er beim Publico stand, so übermüthig geworden, 
dass er sich in einer Auffuhrung des Neusonntagskindes gera- 
dezu weigerte, ein Lied da capo zu singen und auf keine 
Weise dazu zu bewegen war. So gern das Publikum ihn 
hatte, so bereitete sich doch eine exemplarische Züchtigung 
fiir ihn vor, und als er an einem der nächsten Abende (5ten 
Februar) auftrat, empfing ihn heftiges Pochen und Zischen. 
Ganz verwundert fragte er, was das bedeuten solle, und als 
man ihm zurief, er solle sich entschuldigen, dass erden Willen 
des Publikums nicht erfüllt, sagte er: er begreife gar nicht, 
wie man ihm das übel nehmen könne: da er als Hausmeister 
im Neusonntagskinde taub sein müsse, so habe er sich so 
in seine Rolle hineinversenkt, dass er den da capo Ruf gar 
nicht gehört — Natürlich lachte Alles, und wer lacht, kann 



— 301 — 

nicht pfeifen, also war das verzogene Kind wieder zu Gna- 
den angenommen. 

1804. Die Italienische Oper musste sich diesmal beque- 
men, Gluck'sche Musik zu singen. Die Sänger hatten noch 
immer so vornehm auf die glücklichen Versuche des Na- 
tional -Theaters mit klassischer Opern -Musik herabgesehen, 
dass die musikalische Kritik darauf drang, sie möchten doch 
zeigen, dass sie wirklich gute Musik besser sängen als die 
Deutschen. Auch bei Hofe wandte man sich dem reineren 
Geschmack zu, und so mussten denn die Sänger wohl oder 
übel die Alceste einstudiren. Dies war ein Ereigniss für das 
alternde Institut und von solcher Bedeutung, dass schon am 
23sten November 1803 eine grosse Vorbereitungs- und Ver- 
ständigungs-Conferenz für alle Betheiligten angeordnet wurde. 
Alles Protestiren, alles Schwierigkeitenmachen half nichts, 
denn der Befehl des Königs war gegeben und es musste ge- 
horcht werden; so kam denn im Januar die Alceste von 
Gluck mit Italienischen Versen des unvermeidlichen Filistri 
zur AuiTührung, Hess aber kalt, wass die Sänger der Musik, 
die Kenner der Ausfuhrung zuschrieben. Hiemach wurde 
das Ballet „fe Jugement de Paris^' von Gardel mit einer Pas- 
liccio-Musik von Haydn, Pleyel, Mekul u. s. w. gegeben, wel- 
ches ganz ausserordentlich gefiel, wie sich denn überhaupt 
seit dieser Zeit der Geschmack des Publikums in Berlin für 
selbständige Ballette feststellte. Man langweilte sich in der 
Alceste und amüsirte sich im Ballette. Zur zweiten Oper wurde 
,,Ginevra dt Scozia'% Musik von Mayr, aufgeführt, die zwar 
vollständig missfiel, dessenungeachtet aber doch eben so gut 
6 Mal wie die Alceste gegeben wurde, weil es einmal so Her- 
kommens war. Zu dieser Oper erschien das Ballet ^^fisycA^^ 



— 302 — 

welches bei der letzten Vorstellung der im vorigen Camaval 
gegebenen ^^Dan^omamy'^PIalz machte, weil der Hof eine Wie- 
derholung desselben wünschte. — Im Ganzen war der Erfolg 
dieses Camavals kein glänzender gewesen, und wären selbst 
die Ereignisse des Jahres 1806 nicht gekommen, so wäre eine 
Aenderang in der ganzen Stellung des Instituts doch unver- 
meidlich gewesen, denn dass es so nicht fortgehen konnte, 
fiihlte man eben so allgemein, als es die Kritik überall und 
sogar mit grosser Bitterkeit aussprach. 

Im National -Theater war diesmal Fandion von Kotzebue 
mit Musik von Himmel (I6ten März) das Ereigniss des Jahres. 
Der glückliche, seit jener Zeit nicht zum zweitenmale ge- 
lungene Wurf, das Couplet — allerdings in grosserer musika- 
lischer Bedeutung, als es in Frankreich beanspracht, — auf der 
deutschen Bühne einzuführen, enthusiasmirte das Publikum 
auf eine Weise und Dauer, die in der Theater- Geschichte 
Berlins selten sind. Bis zum Jahre 1840 hatte diese Oper — 
so nannte sie freilich mit Unrecht der Componist — 127 
Wiederholungen erlebt, steht also mit den bedeutendsten 
tonkünstlerischra Werken, die in Berlin Glück gemacht, auf 
einer Stufe. Grossen Antheil daran hatte allerdings das 
Sujet und die vortreffliche Ausführung, in welcher dessenun- 
geachtet nur wenig „wirkliche^^ Sänger mitwirkten. Sang doch 
die erste tragische Schauspielerin Mad. Bethmann die Fanchon, 
Beschort den Saint Val, und so fort. — Der Erfolg war, wie 
gesagt, ein ausserordentlicher und paralysirte fast alle an- 
dern in diesem Jahre gegebenen neuen Opern. Nur die^^ii/m^, 
Königin von Golconda^^ in 3 Akten von Berton (3ten April) 
erhielt sich neben der Fanchon. ^^Der Portugiesische Gast- 
hof'^ in 1 Akt von Cherabini wurde am 16ten April zum 
ersten und letzten Male g^eben. Ihm folgte am löten März 



yjFanchon^^; am 22sten Juni y^der ToUkopf^^ in 1 Akt von Me- 
bul; am 26sten September y^die Glücksritter^^ in 1 Akt von 
d'AIlayrac; am 16ten October yjCäsar auf Pharmacusa^' in 
2 Akten von Salieri; am 29sten October y^drei Freier aufein^ 
mal!^' in 1 Akt von Lemoyne, und am Hten December yydie 
Stemenkönigin^^ in 3 Akten von Kauer, ein würdiges Sei- 
tenstuck zur Donaunymphe, das zwar nicht so glänzend als 
diese einschlug, den Geschmack für dergleichen aber doch 
nicht erkalten Hess. 

In diesem Jahre gab der Hof zum erstenmale im Schau- 
spielhause eine glänzende Redoute, die reich an sinnigen Auf- 
zügen und Maskenscherzen war, und von der das Journal des 
Luxus und der Mode Seite 469 eine ausführliche Beschrei- 
bung giebt Auch Bälle wurden im Concertsaal des Schau- 
spielhauses vielfach arrangirt. 

1805. Der diesjährige Carnaval wurde durch den Tod der 
verwittweten Königin unterbrochen* Er sollte am 28sten Fe- 
bruar mit der Oper JUedea in Colchis von Naumann und dem 
Ballet das Urtkeü des Paris beginnen, und am ISten Februar 
die zweite Oper Rosamunda von Reichardt abwechsebd mit 
den Balletten La Dansomanie lind Psycho gegeben werden. 
Der Lauf dieser Vorstellungen wurde indessen durch den To- 
desfall in der Königlichen Familie mit dem 25sten Februar 
unterbrochen, so dass vom ISten März an nur noch die 2 
Vorstellungen fiir die Armen gegeben wurden. In keinem 
Jahre waren die neuen Opern des Carnavals mit solcher 
Gleichgültigkeit aufgenommen worden als in diesem; selbst 
die Zeitungen, welche sonst gerade um diese Zeit dem Theater 
überhaupt einen grossen Raum anwiesen, bemerken nur im 
Allgemeinen, dass überhaupt 2 Opern im Carnaval aufgeführt 



- 304 - 

Worden wären, ohne es der Mühe werth zu halten, viele 
Worte darüber zu verlieren. Ersichtlich war das Publikum 
über die getäuschte Hoffnung, endlich deutsche Opern im 
Opernhause zu sehen, erzürnt, und obgleich die erste neue 
Oper aus Neugier besucht v^urde, so war es doch auffallend, 
die spätem Aufführungen nur von denen besucht zu sehen, 
die eben hingehen mussten, weil der Hof dort erschien. Auch 
die Armen -Vorstellungen erwiesen sich aus diesem Grunde 
sehr wenig einträglich, wozu auch wohl die sich trübenden 
politischen Verhältnisse beigetragen haben mögen. War der 
König schon darüber missgestimmt, so wurde er es noch mehr, 
als, trotz der im vorigen Jahre empfohlenen Sparsamkeit, die 
Kosten des früheren Etats um 9000 Thaler überschritten wor- 
den waren, welche Baron von der Reck sich am 29sten April 
in einem de- und wehmüthigen Bittschreiben erbat. Es wurde 
ihm zwar eingewendet, dass doch vier Opern -Vorstellungeo 
und zwei Redouten des Todesfalls wegen ausgefallen wären, 
er entschuldigte die Mehrausgabe aber durch die vielen Diäten, 
die hätten ausgezahlt werden müssen, den hohen Preis des 
Oels und dergleichen. Aus seinem Briefe ersah man auch die 
Kosten jeder Oper und zwar: 

1) Medea 15017 rll. 

2) Ballet Unheil des Paris 1469 „ 

3) Vorbereitungen zur Oper Rosamunda 6635 „ 

4) Ballet Dansomanie 1067 „ 

5) Psycho 273 „ 

6) Die nachverlangten 9000 „ 

7) Der feste Opern -Etat (ur die Gehalte der 

Sänger, Tänzer und Capelle mit 37594 „ 

Summa 71055111 



— 305 — 

Dies war ein Resultat, das Niemanden zufrieden stellte, und 
man begreift die Missstimmung des Königs nur zu wohl. 

Der Beifall, den die Monodramen auf der deutschen Bühne 
gefunden, hatte bei der Sängerin Marchettt- Fantozzi den 
Wunsch erweckt, in einem ähnlichen Werke aufzutreten und 
zwar zu einem Abschieds-Benefize, da ihr Contract beendet 
war und sie Berlin verlassen wollte, woraus indessen nichts 
wurde. Die Vorstellung fand am Sonntage den Slsten März 
statt, und waren die Eintrittspreise vom ersten Rang mit 
I Thlr. 8 Groschen bis zur Gallerie mit 16 Groschen festge- 
setzt Der Zettel dieser Vorstellung lautet: 
„Mit allergnädigster Bewilligung Sn Majestät des Königs. 

Auf dem grossen Königlichen Theater wird die mit Musik, 
Chören und Tänzen begleitete Darstellung des in der Manier 
des ältesten griechischen tragischen Dichters Thespis geschrie- 
benen Trauerspiels (Thespisches Trauerspiel) von Filislri 

C al i r r h o e 
zum ersten und letzten Male stattfinden, in welchem Mad. 
Marchetti-Fantozzi die Calirrhoe spielen und singen wird. Die 
Musik ist grösstentheils neu componirt und zum Theil für 
das Stück arrangirt von IL Gürrlich, Königl Kammer-Musikus 
und ComponisL 

Die ganze Königl Kapelle sowohl, als die Solotänzer wer- 
den die Freundschaft haben, sie bei dieser Darstellung zu 
unterstützen/^ 

Dieses sonderbare „Thespische^^ Trauerspiel war gewisser- 
massen das letzte Aufathmen der schon dem Tode verfallenen 
Italienischen Oper in Berlin. Die Kritik fiel auf das unbarm- 
herzigste, schon aus Antipathie gegen Filistri, darüber her, und 
deutete darauf hin, dass selbst in einer Nachahmung deutscher 
Kunst, trotz der hohen Phrasen der thespischen Traurigkeit, 

20 



— 306 — 

die italienische Sängeria ihr deutsches Vorbild nicht za et- 
reichen vermochte. Im Jahre 1807 kam es während der An- 
wesenheit der Franzosen auch auf dem Nationaltheater zur 
Aufführung, wo es mehr als im Opemhause geßel. 

Der grösste Schlag, welcher der Italienischen Oper beige- 
bracht wurde, war der grosse Erfolg, den die Aufiiihniiig der 
Gluck'schen Armtde im Mai dieses Jahres auf dem National- 
theater hatte. — Der Zauberwald und das befreite Jerusalem, 
noch im frischen Andenken beim Publikum vom Jahre 1803, 
so wie der verfehlte Versuch, die Alceste von Gluck von 
Italienern singen zu lassen, diente nur dazu, diesen Erfolg der 
Armide in noch glänzenderem Lichte erscheinen zu lassen, 
und in der That verdiente diese Vorstellung den Beifall, den 
sie allseitig erhielt. Der für Gluck'sche Musik unermüdlitsh 
wirkende Weber hatte das Werk auf das sorgTältigste «ö- 
studirt, und Iffland keine Kosten gespart, um gegen die Aus- 
stattung der Italienischen Oper nicht zurückzustehen. Die 
Schick als Armide stellte sich mit dieser Rolle auf den Gipfiri- 
punkt ihrer Leistungen und zeigte sich in jeder Beziehung 
der grossen Aufgabe würdig. Als im October 1806 die Fran- 
zosen in Berlin einrückten, gestanden sie, eine solche Oper 
auf einem deutschen Theater nicht erwartet zu haben, und 
es finden sich in französischen Blättern jener Zeil Verglei- 
chungen mit der Pariser Oper, die nicht zum Nachtheil der 
Berliner ausschlagen. So war das Ziel denn erreicht, der 
Kampf mit den Italienern ausgekämpft, und es hätte kaum 
noch des allgemeinen, über Preussen hereinbrechenden ü»- 
glücks bedurft, um die Frucht des Sieges — das Aufhören der 
Italienischen Oper in Berlin — zu ernten. 

Aber auch in anderer Richtung war das Nationaltheater 
fleissig, denn am 21sten lanuar gab es 2 neue einaktige Opern, 



— 3»7 — 

^dte Wett^^yon Weber, and ^^JUickelAngdo'^ von Nicolo Isoaard ; 
am l^en Febrtiar ebenfalls an einem Abend zwei einaktige 
Opern ^ „Philipp und Georgettef^ und „die Heirath auf eine 
Stunde^% beide von d'Ällayrac; dann am lOten März ^^die zwölf 
schlafenden Jungfrauen''^ von Wenzel Müller; am 25sten April 
^^den Sten Iheil der Donaunymphe^^ von Bierej, beide aber 
nicht oft, und der Geschmack des Publikums zeigte sich 
nach gerade abgestumpft für dergleichen. 

Nun folgte am 20ten Mai ^^Armide'^y dann am 16ten Juli 
„(ftV heimliche Eh^^ von Cimarosa, und am 19ten September 
Co^ fan tutte^^ {Mädchentreue) von Mozart, beides neue Be- 
arbeitungen der schon 1702 gegebenen Opern, von dem die 
Mozartsche aber eben so wenig Glück machte als das erste- 
mal; am 24sten September „(fer vertraute Nebenbuhler^^ in 
2 Akten von Isouard; am löten October ^^Pachter Robert^^ 
in 1 Akt von Lebrun, und am 9ten December ^^die Uniformf^ 
in 2 Akten von Weigl. 

Zu erwähnen ist noch, dass auch das Ballet des National- 
theaters den Kampf mit dem der grossen Oper einging und 
das Ballet ,,/a Dansomani^^ (die Tanzsucht) von Gardel gab, 
welches bereits in 3 Camavals hintereinander das Publikum er- 
freut hatte. Allerdings traten hierin auch Xänzer der grossen 
Oper auf, aber das Yorurtheil war doch besiegt, dass das 
deutsche Theater dergleichen gar nicht unternehmen könne« 
An kleinen Ballets lieferte Lauchery noch die ^^Einschiffung 
nach Cgthera^^ und den „gntmüthigen Corsar'\ beide in 1 Akte 
und mit Musik von Gürlich. 

1806. Da in diesem Jahre wegen des Ablebms des Mark- 
grafen von Anspach- Bayreuth gar kein Camaval statt fand, 
so schliesst eigentlich die Geschichte der italienischen Oper 

20* 



- 308 — 

in Berlin schon mit dem vorigen Jahre. Man muss gestehen^ 
dass sie keines plötzlichen Todes starb, sondern nach und 
nach an Altersschwäche verschied. Der Tenorist Brtzzi war 
zwar aus Bayern verschrieben worden, um in diesem Car* 
naval zu singen, aber eine neue Oper war nicht vorbereitet 
worden; denn der König, durch das immer drohender herauf- 
ziehende Unwetter des Kriegs, durch die Abtretung Anspach- 
Bajreuths und Neufchatels gegen Hannover in hohem Grade 
missmuthig gestimmt, wollte keinen Groschen mehr geben, 
als der Etat besagte, und daiiir erklärte Baron v. d. Reck es 
durchaus unmöglich etwas Neues in Scene zu setzen. „Nun 
so können die Berliner das Alte noch einmal sehen'^ lautete 
die Antwort des Königs, und da dies doch ein zu offenes Be- 
kenntniss der Armuth gewesen wäre, so brachte es Baron 
V. d. Reck dahin, dass gar keine Oper, sondern nur 2 Re- 
douten gegeben wurden. Dagegen iiberfluthele eine wahre 
Unzahl von Concerten das Publikum, und auch die ^yCctUrrhoe'^ 
dieses curiose thespiscbe Trauerspiel, kam für Geld noch 
einmal zum Vorschein. Ausser der Marchetti-Fantozzi war 
kein Italiener mehr bei der Oper in Thätigkeit und das 
Engagement Brizzis zerschlug sich natürlich durch die poli- 
tischen Ereignisse. Beim Ballet war ebenfalls fast Alles 
deutsch geworden und der Uebergang zu Balletvorstellungen 
auf dem Nationaltheater dadurch schon geschehen. Doch hätte 
sich das schwerfällige Institut wohl noch einige Jahre hin- 
geschleppt, wenn die Schlacht bei Jena nicht eine vollständige 
Auflösung herbeigeführt hätte. Die Gehalte hörten auf, das 
Ballet wusste sich hier hin und wieder durch Ißlands Fürsorge 
so viel zu verdienen, um darbend das Leben zu fristen, und 
in der That enthalten die beim Ministerium des Innern, so 
wie in der Registratur des Königl. Theaters vorhandenen 



- 309 - 

Akten aus jener Zeit, wahrhaft herzzerreissende Schilderungen 
der Noth und des Jammers bei den von aller Welt ver- 
lassenen Mitgliedern der alten italienischen Oper. Wer fort 
konnte^ suchte sich im Auslande ein Unterkommen, und wurde 
auch nicht zurückgehalten. Das prächtige Opernhaus stand 
leer und wurde nach dem Einmarsch der Franzosen zu einem 
Brod-Magazin benutzt. — Es wurden zwar Vorschläge ge- 
macht^ die grossen Räume zu einem Lazareth einzurichten, 
was aber unterblieb. 

Von dem Augenblick an, wo das Opernhaus nach der 
Unglücksperiode dem Publikum wieder eröffnet wurde, ge- 
hört seine weitere Geschichte dem deutschen Theater an 
und muss selbstredend mit diesem Hand in Hand gehen. 
Es wurde zwar auch später noch bei Anwesenheit berühmter 
italienischer Sänger hin und vneder italienisch in demselben 
gesungen — eine wirklich italienische Oper aber hatte Berlin 
nicht, bis das Königstädtische Theater ihr ein gasthches 
Asyl eröffnete. 

So schliessen wir denn die Geschichte der italienischen 
und deutschen Oper in Berlin mit einem Zeitpunkt ab, wo 
rings umher das Alte zusammenbrach und Neues entstand. 
Von jetzt an liegt für einen künftigen Geschichtschreiber 
der Berliner Bühne das Material reichhaltig und fast geordnet 
vor, und die historische Darstellung gestaltet sich um so 
leichter, als die Erinnerung noch Lebender das Zweifelhafte 
aufklären kann. 

L. Schneider. 



Eduard H«nel'i BvehdruelL««! In Berlin. 



BEILAGEN 



ZUR 



GESCHICHTE DER OPER UV BERLIN. 



BEIU6EL 

LA FESTA DEL HIMENEO 

BALLETTO 

RAPPBESnTATO PIR U lOUE SKLU LORO 

ALTEZZE SERENISSIME 

Dl 

FEDEBICO CABLO LANDGBAinO D'HASftlA 

PRINCIPE HEREDITARIO 

COIf 

LVieiA DOBOTHEA SOFFIA PBINCIPESSA Bl BBAWBEMBIJBCIO 

SÜL NUOVO TEATRO DI BERLINO 
PER ORDINE DI S. A. E. POSTO IN MUSICA DA 

ATTILIO ARIOSTI 

MAESTRO DELLA MUSICA DI S. A. E. MADAMA Ll^LLETRICE 

U 6 JIUGNO 1700. 

IN COLONIA AI SPREE 

APPRESSO ULRICO LIEPPERT STAMPATORE ELETTORALE. 



Peps^iiBBBi d«l Pp«1«bb* 

Scena boscarecda con Machina di Vencre. 

Venere Signora Sofßa Gvtiahr \ -,._^ • j- c a i? 
1^1 c- n f i^ jf. Virtuosi dl S. A. E. 

Flora Signora Paola Frtdltn ,. , „,, . . 

„. c- TT t s- TT L • Madama reiletnce. 

Himeneo Signor Valenttno ürbant 

Fama Signor Francesco Ballarini Virtuoso di S. M. C. 

A 



— 2 — 

BiUo di Piaceri. 

U Serenissimo Margravio Mllede Schlaberendorff'. 

Chrisiiano Ludavico. » • Mam^, 
II Barone di Cnyphawen. • • Jocaurt. 

Mr de Gromiau {Grumbkou)). » • Besser. 

Mr de MandeuffeL Mr de Foullert halh solo, 

Ballo d'Anori e Gruie. 
II Sereoissimo Principe Elettorale balla solo. 
Mr de Hauwüz. La Sigra Gontessa Donna di Dana, 

II Sigr Ck>nte de Haubert. Mlle de AlfeldL 

lir de BannevaL Mlle de BrarU. 

Ballano li Piaceri Amori e Grazie e finisce il Prologo. 



Pers^itaml ehe eantaMe nel Balletf«« 

Himeneo 

Clori Ninfa 

Fama I Li stessi che cantano 

Iris Ninfa [ nel Prologo. 

Dämon Pastore 

Tirsi Pastore 

CaaslameMtl dl Ummmm. 

I. Giardino con il Tempio del Himeneo e sua statua in Prospetlo. 
n. Nubilosa con la Machina di Venere. 
HL II Tempio d'Amore. 

Pastorelle. Giardinierl Giardimare. 

Mlle de Busch. Mr de Grapendorf. Mlle de Lotium. 

• de Chevallerie. * > Sansfeldt. • » Paimewitx. 

Contessa Ämelia di Dana, • » Schlippenbach. • • Oppen. 

Mlle de Schlippenbach, » > Tetiau, * • Mambail. 

Pastorella. 

Mlle de Bemartre balla sola. 

CaetaatorL OacdatrieL 

Serenissimo Margravio Mlle de SeUaberendarf. 

Christiane Ludavica. Mlle de MamL 

Mr Barone de Cnyphausen. Mlle de Besser. 

Mr de MandeuffeL Mlle de Jocaurt. 
Mr de Gramkau. 



- 3 — 

Sortiia di Ptstori con Coro e uo Goncerto d'Haubois e Flauti. 
Mr de Marrevväz. Mr de Alfeldt. 

• » Faullert. » » Brant. 

• » Svverin. • • Mombail. 

II Serenissimo Margravio Alberto baÜa solo. 



PtstereUe 


e Pastori. 


Mr*de Marrevvüz. 


BUIe de Busch. 


• • Foullert. 


• > Chevallerie. 


• » Swertfi. 


La Contessa Amelia dtDotiß. 


. . Alfeldt. 


Mlle de Schlippenbach, 


» » BrarU. 


» » LoUutn. 


• » Mombail. 


• • Pannewitx. 



Mr Denoiers Maestro di Ballo balla solo in habito di Giardiniero. 

Mr de Grapendorf Mlle de Mombail. 

» » Sonsfeldt. • » Oppen. 

» » Schlippenbach. 

BtUo di TiIlAiie e TUbnL 

Mr de Fuchs. Mlle de Kreutz. 

• • Bredau. » » Jaucourt. 

• » Steinlands. 

II Serenissimo Margravio Alberto e Mlle Bemartre. 

BtUo di Giardinieri com le pale. 

Mr de Grapendorf. Mr de Schlippenbach. 

• • Sonsfelt. » » Tettau. 

Sortita di otto Ptstoralle con incensieri e torcie in mano per far il 

sacriOzio. 
Mlle de Busch. Mlle la Contessa Amelia di Dona. 

> • Chevallerie. » de Schlippenbach. 

• » Mombail. • » Pannewitz. 

• » Lottum. • • Oppen. 

BaUo di Giocittori. 

II Serenissimo Margravio Christiano Ludovico. 
Mr Barone de Giyphausen. 
• de Gromkau. 
» » Mandeuffel. 
II Serenissimo Bbrgravio Alberto balla solo. 



— 4 — 

Bilfo tf fiiirtfneri. 

Hr de Grapendorf. Hr de Schltppenbach. 

» • Sansfeli. » • Tettau, 

• » Marrevmtz balla solo. 

Hr. Woulumier Yiolonista di S. A. E. balla solo. 

Tutti si uniscono e con il gran ballo finisce la Festa del Himeoeo. 

La Sinfonia avanti, e le Arie de Balli fa compositione del Sigr Rick 
Direttore del Concerto di S. A. E. L'inyeDtione de Balli fu di Modst 
Denoiers, Maestro di Ballo di S. A. E. L'architettora e pittura hx del 
Sigr Tomaso Gtusti. 



BEILAfiEa 

ResoDMtia looge 
Littora misceri et Demorom iocrebescer« 
Et viridi in campo templom de mannore 
Propter aquam. 

Das Höchst-preissliche Crönungsfesl 
Ihr. KSnlgl. Blaystftt In Preussen 

und 

Ihr« Chnrfurstl« Dnrelil« su Brandenliiirs 

wurde mit einem Ballet and Feoerwerck 

allerunterthänigst yerehrei auf dem 

Htmbugischeii Sehmplttx. 







BaUette. 


Neptunus. 




Nymphen. 


Brandaltni 


Nymphe der Spree. 


Aeolus und Zephyren. 


Sartnio 


Genius der Pregel. 


Scythen und Amazonen. 


Albine 


Nymphe der Elbe. 


Wenden und Wendinnen. 


Rapato 


CreQius des Rheins. 


Schäffer und Schäfferinnen. 


Visurgia 


Nymphe der Weser. 


Damen und Cavalliers. 


Theuto 


Genius der Oder. 


Amours. 


Thetis 


Nereiden. 


Flussgötter. 


Ifianassse 




Gracien. 



Bei der allgemeinen Freude über die höchstpreissliche Cröhnung des Al- 
lerdurchlauchtigsten GrossrnSichtigsten Fürsten und Herrn^ Herrn Friedrichs, 



— 5 — 

Königs in Preussen etc. etc. Churfilrsten 2u Brandenburg etc. etc. hat auch 
der Hamburgische Schauplatz nicht leer stehen, sondern in Ermangelung 
der Zeit mit einem geringen Ballet und Feuerwerck die allerunterthänigste 
Devotion, so man vor Ihro Königl. Maystät trägt, bezeugen wollen. Gleich 
wie aber dieses Ballet bloss darauf gehet, zu bezeugen die Freude so 
man über die heilige Salbung Ihro Königl. Maystät empfindet, und dass 
man die beglückte Zeit allerdehmühtigst ehren wollen, in dehren nicht 
nur Ihro Maystät sondern auch Teutschland mit Ehr und Herrlichkeit 
gecröhnet wird. So hat man hier vornehmlich die grösten Flüsse, welche 
verschiedene Haupt Provincien Ihro Königl. Maystät durchschwärmen, als 
von Neptuno berufen, Glückwünschend aufführen wollen. Wir wissen zwar, 
dass viele andere Ströhme mehr seyn, welche den Scepter des Gross- 
mächtigsteh Friederichs ehren, und dass die Saale und die Havel viel von 
dessen Güte und Schutz zu rühmen wissen.* Allein, wann man alle die- 
sem Monarchen unterthänige Flüsse durch Nymphen und Genios auf den 
Schauplatz stellen wolte, dürfte uns wohl der Platz zu klein sein. Die 
eingemischte Intrigue zwischen Sarmio dem Genio der Pregel, an dehren 
Yfer nicht nur die Vorsehung Gottes uns diesen theuren Helden ge- 
schenket, sondern auch nunmehro Cröhnet, und zwischen Brandalme, der 
Nymphe des Spree-Flusses, dessen Gestade allezeit durch die Gegenwart 
Ihro Königl. Maystät beehret wird, hat nichts als eine Belustigung der 
Zuschauenden vor ihren Endzweck; Slntemahlen ein Gedicht ohne etwas 
Sittenlehriges, einer Uhrglocken gleich ist, die sonder Zeiger schlaget, und 
dehren gegebene Zahl so vergänglich ist als derselben lohn und Schall. 

ERSTER AUFTRITT. 

Der Schauplatz stellet vor einen Wald mit verschiedenen FlQssen und Quellen, in wel- 
chem Bapato, der Genius des Rheins, auf einem Nachen erscheinet 

RapcUo. 
Ana. 
Grosser Tag! beglückte Zeiten! 
Ihr werdt stets mir heilig seyn. 
Da mir neuen Glanz bereiten 
Eurer Sternen gütger Schein, 
Da ihr mich last jauchzend sehen 
Friederich gecrönet gehen, 
Dessen Klugheit, dessen Schwerdt 
Meine Noht oft abgekehrt. 
Grosser Tag! beglückte Zeiten! 
Ihr werdt stets mir heilig sein. 



— 6 - 

Es hat mich heut Neptun, 
Den ich nur auf dem Ocean 
Crewohnt bin zu begrussen. 
Nach der beeisten Ostsee hingeladen, 
Umb seiner Freude zu gemessen 
Die ihm der Himmel richtet an 
Da er die Grohne sieht 

Auf des Grossmächtgen Friedrichs Haupte ruhn, 
Durch dessen Bfacht, durch dessen treues Rahten 
Das längst mir angedreute Joch 
Der Himmel gleichfals hat verhüt. 
Und dass auch mein Gestade noch 
Die tapfre Adler schaut. 

Denn meine Wohlfahrt von dem Himmel anvertraut 

Aria. 
Silberne Quellen 
Die ihr den glänzenden Kiesel durchrollt, 

Bauschende Wellen 
Oefters bestemet durch leuchtendes Gold, 
Eylet und treibt mich 
Dass ich vergnüglich 
Mög zu Neptunus mich heute gesellen. 
Silberne Quellen 
Rauschende Wellen, 
Eylet, sonst bleibt mir Neptunus nicht hold. 

(fahret ab] 

Ballet 

von Nymphen. 

ZWEYTER AUFTRITT. 

Der Schauplatz verwandelt sich in ein lustiges Feld mit durchfliessenden Bächen ood 
siehet man in demselben Älbin9f Nymphe von der Elbe, in einer Jolle. 

Albine. 

Aria. 
Beschneyete Felder und Wiesen 
Die meine rieslende Bäche durchfliesen 
Gönnt dass ich bey frostigem Schnee 
Mit Bösen und Nelken beschmücket eudi seh. 



Das heyige Fest 

Das heut der Himmel hat im Osten angericht, 

Wozu Neptunus mich berufen last, 



- 7 - 

Macht dass ich meinen Lauf zurück genommen 
Und nach der Ost-See fliesse. 
Erwündschte Zeiten, 
Seid tausendmahl willkommen! 
Die angenehme Freuden 
Die ich durch euren Schein geniesse 
Erinnern mich zugleich der Pflicht 
Die ich dem Grossen Friedrich schuldig bin; 
Er ists durch welchen €k>tt mir manche Gnad erwiesen, 
Er ists der meine Qvellen oft beschützt 
Das sie in sanftem Frieden fliessen, 
Er ists der neben andern meine Wohlfahrt stützt. 
Drum eil ich jauchzend zu desselben Crdhnung hin. 
Aria. 
Westliche Winde 
Traget geschwinde 
Nach dem frolockenden Osten mich hin, 
Damit der Grossmächtige Friedrich befinde 
Dass ich an Ehrfurcht die letzte nicht bin. 
Westliche Winde 
Traget geschwinde 
Nach dem frolockenden Osten mich hin. 

{JiMne wird von Zephyren durah die Luft weggetragen) 

Ballet 
yoD Aeolus und vier Zephyren. 

DRITTER AUFTRITT. 

Der Schauplatz stellet vor eine Landschaft, und siehet man in der Ferne die Ost-See. 

Brandaliney Nymphe der Spree. Sarmio, Genius der Pregel. 
Sarmio. Wie werd ich heut vergnüget können seyn, 

Wann mich dein Kalt-Sinn so empfindlich quahlt 

Und deine harte Brust 

Kein Seufzer kann zur Gegenlieb bewegen! 
Brandaline. Fällt dir es wiederum ein 

Die alten Grillen aufzuregen? 

Ich dacht, du hättst sie längst vergessen. 
Sarmio. O! weit gefehlt! 

Mein Leiden bleibt mir ewiglich bewust 
Brandaline. Es ist dein Leid dir Selbsten beizumessen, 

Weil niemand besser dir, 

Als du selbst, helfen kan. 



— 8 — 



Sarmio. 
Brandaline. 



Sarmio. 

Brandaline. 

Sarmio. 



Brandaline. 

Samtio. 

Brandaline. 

Sarmio. 



Brandaline. 



Sarmio. 

Brandaline. 

Sarmio. 

Brandaline. 

Sarmio. 



Brandaline. 

Sarmio. 

Brandaline. 

Sarmio. 

Brandaline. 



Wie stünde das zu fangen an? 
Fleuch ewiglich vor mir. 
So wird Zeit und Vergessenheit 
Dir deine Wunden heilen. 
Welch eine GrausahmkeitI 
Es ist kein bessrer Raht dir mitzutheilen. 
Ana. 

Lass doch endlich meine Trähneu 

.Ein vergnügtes Ja becröhnen 

Schönste Nymphe! holdes Kindl 

Fang mein Seuftzen an zu stöhren^ 

Lass die süsse Wort mich hören 

Dass sich mir dein Hertz verbind. 
War ich gesinnt dich anzuhören, 
Hätt ich dich biss auf jetzt nicht seufieen lassen. 
Was machet mich dann so veracht, 
Dass mich dein Geist will ewig hassen? 
Nichts als ^er Schluss 
Den kein Geschick wird stöhren: 
Dass ich, so lang ich kann, will Jungfer bleiben. 
Diss ist die Ursach nicht 
Die dir vor mir ein solches Grauen madit 
Vielleicht steht dir ein andrer besser an, 
Du schätzest höher seinen Kuss 
Und sein Gesicht 
Als meine demuhtsvolle Treu! 
Glaub was du wilt, 
Ich habe dir nichts vorzuschreiben. 
Fahr wohl! — (will abgeheo) 

— — — Göttin zürne nicht! 
Fahr wohl! — 

— — — Du weist, wie leicht man sich verspricht 
Fahr wohl! — 

— — — O Göttin, ach verzeih! 
Ich glaub dir, was ich soll, und' kann. 
Jedoch anehmlichs Bild — 

Was dann? — 
Lass deinen Zorn doch fahren! — 
Dein Freundin will ich zwar, nicht deine Liebste sein. 
Lass meine Quellen sich mit deinen paaren I 
nein! diss geh ich nimmer ein. 



— 9 



Sarmio. 

Brandaline. 

Sarmio. 

Brandaline. 

Sarmio. 



Brandaline. 

Sarmio. 

Brandaline. 



Sarmio. 
Brandaline. 



Sarmio. 
Brandaline. 



Sarmio. 

Brandaline. 

Sarmio. 

Brandaline. 

Sarmio. 

Brandaline. 

Sarmio. 



Ana» 

So lang man Jungfer heiset 

In seiner Jugend-Blüht^ 

Wird mau geehrt» gepreiset» 

Hat kaum vor Dienern Fried. 

So bald man sich verbunden, 

Ist alle Lust verschwunden 

Ynd die sich vorhero so sau^r getabn 

Die sehen uns über die Achsel nicht an. 
Anmuhtge Brandaline! 
Halsstarriger Sarmio I 

Ich wollte mich nicht gern versprechen. — 
Was hättest du mir dan zu sagen? — 
Ich furcht ich sey zu kühne. 
Kein Feuer dient bei Stroh, 
Ich mögt durch Widerrede — — — 
Mich der Gedult entbrechen? 
Du darfst dein Hertz nur fragen. 
Denckst du vielleicht 

Dass unsre Schönheit mit den Jahren weicht, 
Und dass wir kauffen sollen 
Noch in der Zeit, da andre kauffen wollen? — 
Gedanken die sind frey. 
Oft eine albre Phantasey! 
Schlag deine Liebe aus dem Sinn 
Und dencke wie du heut 

Durch Jauchzen wilt die Lust des Fests. vermehren. 
Da mit beglückten Königs Grohnen 
Der Himel dich durch Friedrich prächtig macht 
Und dieses Glück kan nicht dein Hertz bewegen» 
Dass deine Liebe Sarmio erfreut?. 
Denck, wie du wilt den Grossen Friedrich ehren» 
Und sey vielmehr auf einen Wunsch bedacht 
Als mir Verdruss durch deine Klagen zu erregen. 
So wilt du meine Treue nicht belohnen? — 

Nein! 
So will ich auch nicht bei dem Feste sein! 
Wilt du Neptun nicht ferner huldigen? 
Wer ist zur Lust geschickt den herbe Wehmuht quählt? 
Diss wird dich nicht entschuldigen. 
Ich werd durch deinen Schluss entseelt! — 



— 10 — 

Brandaltne. Ana. 

Aendre deinen Eigensinn, 

Qvähl dich nicht mit eitlem Hoffen, 

Mach dir selbst die Augen offen 

Das ich unerweichlich bin. 
Sarmio. Aria. 

Trucknet aus ihr klahren Flüsse, 

Werdet eine Wtislcney 

Damit künftig niemand wisse 

Dass ich so verachtet sey. 
Brandaline. Eyl fort mit mir, die Sehnsucht wird sich schon rerliehreD. 
Sarmio. Auf ewig werd ich keine Lindrung spüren. 

Ballet 
von Scythen und Amazonen. 

VIERDTER AUFTRITT. 

Man siebet Rapato und Albine an dem Ufer der Ostsee aussteigen. 

Rapato. Albine. 
Aria a 2. 
Unbekannt, doch schöne Gegend 
Nim uns gütig auf und an. 
Wolbetrachtend und erwegend 
Was uns Friedrich guts getahn, 
Haben wir uns eingefunden, 
Seiner Gröhnung hohes Fest 
Als in Dehmuht ihm verbunden 
Auch zu feyren auf das Best! — 
Rapato. Hey diesem theuren Glück 

Mit dem Neptunus heut mich zu ergötzen 
Muss deiner Augen Strahl und Blick 
Ich doch noch höher schätzen. 
Wie lange hab ich mich gesehnet 
Albine, dich recht innig zu umbfangen. 
Albine. Mein treuer Rapato! mein alter Freund! 
Ein gleiches hab ich auch getahn. 
Und bin vergnügt dass mein Verlangen 
Der Himmel heut durch deine Ankunft cröhnet. 
Gott tilge deine Feind! 
Und stürtze die so böses stiften an. — 
Rapato. Ein gleiches wünsch ich dir 
Geliebteste Albin! 



— 11 — 

Der Himinel lass dich nie erfahren 
Was mir, ach Unbeglückten mir 
Bei Yorger Jahr-Zahl zugestossen 
Ynd mich riss ins Verderben hin. 
Älbme. Glaub, das mir deine Wunden schmerzlich waren. 

Das ich viel Trähnen hab umb dich vergossen. 
Rapato, Noch sind die Wunden mir nicht zugeheilt, 

Da mir der Himmel schon mit neuen Striemen dräut 
Älbine. Glaub dass er auch zu deiner Bettung eilt 

Und hat den Wunden schon ein Pflaster zubereit 
Ana. 
Wann alle Hofnung ist verschwunden, 
Wann Mast, wann Thau, wann Ancker bricht, 
Verlasse nicht die Zuversicht, 
Der Himmel hat bald Bäht gefunden. 
Wer keine Bettung mehr kan sehn, 
Hat schon die Hülf zur Seiten stehn 



Rapato. 



Älbine. 
Rapato. 
Älbine, 



Rapato. 



Ich hof auch noch. 

So lang die rohten Adler mir 

Getreuen Schutz versprechen. 

Sie kämpfen stets vor dich; 

Sie retten mich; 

Und lassen dir 

Kein frembdes Joch 

Die Schultern schwächen. 
Aria. 
Schöner Trost aus schönen Lippen 
Du solt stets mein Kleinod seyn. 
Ich scheu künftig keine Klippen 
Auch bei trOben Wolken Schein, 
Wann der Trost von diesen Lippen 
Mir zur Freud wird fallen ein. 



Indess wünsch ich Albine dir 
Dass deine reine Wellen 
Kein Blut beflecke 
Und dass kein Donner aus Metall 
Denselben hemme ihre Zier 



12 — 





Da sie im Fried mit so yiel Seegel prangeD, 




Dass Gott bei deinen Quellen 




Beständge Einigkeit erwecke, 




Dass alle Friedrich die du griisest 




Dir mögen lauter Friedrich sep. 


Albitu. 


Auch Gott veriiüte deinen Fall 




Ynd lass dich deinen Wunsdi eriangen 




Dass deinen alten Ehrenschein 




Du ewiglich und ungekranckt geniessest 




Albme. Bapaio. 




Aria a 2. 


Rofoto. 


Bleib ewig gewogen. 


Albme. 


Bleib ewig geneigt, 


2 


Biss dass der besteraete himmlische Bogen 
Sich Selbsten zum Untei^nge beugt. 


Rapato. 


Bleib ewig geneigt. 


Albitu. 


Bleib ewig gewogen. 




(sehen ab) 




Ballet 







FÜNFTER AUFTRITT. 

Zwey Nereiden auf DelQnen anschwimmend, steigen aus der Ost-See. 

Tetis. Ißanasse. 
Tetit. Aria. 

Schimmrende silberne Flammen 
Die ihr den Abgrand der Lüfte durchhellt, 

Samlet und tragt hie zusammen 
Was euch im Himmel vors Schönste gefällt, 

Die güldene Zeiten 

Mit Pracht zu begleiten 
Die uns der Himmel aufs neue bestellt 
Ifianatse, Aria. 

Verwandelt euch, begraute Wälder, 

Heut in Elysens schöne Felder, 
Zieht aus das unbeliebte Winterkleid, 

Weil heut in euren kalten Gräntzen 

Viel tausend Freuden-Feuer gläntzen, 
Die man dem König Friedrich zubereit 



— 13 — 



Sarmio. 



Tetis. 

Sarmio. 

Ifianasse. 

Sarmio. 

Tetü. 

Sarmio. 

Ifianasse, 

Sarmio. 

Tetis. 

Sarmio. 

Ifianasse. 

Tetis. 



Sarmio. 



Ifianasse. 

Sarmio. 

Tetis. 



SECHSTER AUFTRITT. 

Sarmio. Vorige. 
Ana. 
Gedancken weicht die ihr mich quahlet 
Und -mir stets ihre Schönheit zeigt, 
Sie hat was anders sich erwehlet 
Das ihrer Tugend besser gleicht. 



Ist doch wohl eh aus Liebe 

Ein Mensch zum Schatten worden 

Und eine Nymph zu einem leeren Schall. 

Was quählt der Himmel mich? 

Dass er auch nicht beschleunigt meinen Fall, 

Macht meine Quell durch einen Bergfall trübe 

Und setzt mich in der Götter Orden, 

Dass Brandaline selbst Yor mir müst beugen sich. 

Doch nein! — 

Wie stehts um Sarmio? 
Ich soll als andrer Tantalus mich quühlen! 
Wie so? — 

Ja» jal Mein Leiden soll unendlich sein. 
Was ist dann dass dir fehlet? 

Zufriedenheit 

Worin? — 

In meines Unglücks Schein I 
Welch Unglück hat dich überfallen? 
Ists nicht genug 

Dass Brandaline stats will unerbittlich sein? 
Fällt Sarmio jetzt dieses ein? 
Da man an nichts als Freude soll gedenken, 
Und sein Gemühte dahin lenken 
Wie man lass ausserlich erschallen 
Dass was die Seel in ihren innern Schranken hägt 
Wer liebet ist nicht allzeit klug, 
Und der so schwehre Bande trügt 
Als ich, dem stehts nicht frey 
Das er heut auf dem Feste sey. 
Wie wird Neptunus dass empfinden? 
Wer selbst geliebt, der weiss wie mir zu Hertzen ist. 
Es stehet Brandaline noch zu überwinden, 
Dir schadet diss, das du so blöde bist. 



14 



tfianasse. 



Sarmio. 



Teds. 

Ifianasse, 
Surmio. 



Sarmio. Hab ich doch alles das gewagt, 

Wozu ich dörflen mich erkühnen. 
Wer aber gleich verzagt 
Wann ihm der erste Sturm nicht will gelingen 
Pflegt selten Palmen aus der Schlacht* zu bringen. 
Beredet ihr nicht Brandalinen 
So geh ich meine Sach verlohren, 
Weil sie zu reden ferner mir yerboten hat 
Sey nur getrost! Ein Ja erfreut noch deine Ohren. 
Sey nur beherat, der Himmel schafft dir Bäht — 
Ana. 
Ist es müglich 
Das vergnüglich 
Ich die Nymphe küssen mag, 
Nun so folg ich 
Und erfreu mich 
Auch auf diesen Cröhnungstag. 
Teds. Ifianasse. Aria a 2. 

Von einem Streich 
Fällt nicht ein Baum so gleich, 
Man muss oft hauen. 
Aufs erste Wort 
Muss man so fort 
Nicht gleich den Nymphen trauen. 

(^en ab)' 

Ballet 
von Wenden und Wendinnen. 



SIEBENDER AUFTRITT. 

Brandaline. Albme. Rapato. 
Rapaio. Wird nicht Neptunus bald erscheinen? 

Brandaline. Uns fehlt noch Sarmio der in der Irre geht 
Älbine. Und warumb mag ersieh verweilen? 

Brandaline. Vielleicht dass er gar aussen bleibet 

Und mit verliebten Grillen seine Zeit vertreibet - 
Rapato. Was kann ihm dann verhindrend sein. — 

Brandaline. Sein eigen Sinn, in dem er will vermeinen 

Wie dass mein Hertz dadurch zu zwingen steht 

Ihm meine Neigung zu ertheilen 

Wan er sich stellt, dass meine Gunst 

Dass einge Sonnen-Licht an seinem Himmel sey. 



15 — 



Rapato. 

Aibinc. 

Brandalme. 



Vielleicht ist sie sein einger Freuden-Schein! — 
Hat Brandaline vor der Liebe solche Scheu? — 
Ich hasse alle Liebes Brunst — 
Aria. 

Eyfersucht und Dienstbahrkeit 

Würkt die Liebe allezeit, 

Ich wil sie stehts fliehen 

Und dagegen ins gemein 

Allen angenehm zu sein 
mich bemühen« 



Albine. 

Brandaline. 

Rapato. 

Albine. 

Brandaline. 

Albine. 

Albine. 



So hüte dich, die Liebe nicht zu kennen. 
Ich werd mich nicht an ihr verbrennen. 
Sie ist ein schleichend Gift, 
Das ins geheim die Hertzen trift. 
Drum hab ich sie Terflucht 

O man verschwehre nichts, was man noch nie Tersucht. 
Ana 

Wie ist mirs so süsse 

Wann ich im Abgrund Atlantischer Wellen 

Rapatos schöne, Gold-schäomende Quellen 

Aufs lieblichste küsse, 

Wie ist mirs so süsse 

Wann wir uns heimlich zusammen gesellen. 

Lass dir die Lieb nur Zucker sein. 
Ich halte sie vor Gallen. 
Du sprichst ins künftig nein. 
Sie wird dir noch gefallen. 

Aria. • 

Die Nymphen sagen oflft 

Diss geh ich nimmer ein, 

Da sie doch unverhofil 

Bald andrer Meinung seyn. 

(p^ehen ab) 

Ballet 
▼on Damen und Cavalliers. 



ACHTE» AUFTRITT. 

Brandaline. Albine. Teti$. Ifianasse. Sarmio. Rapato. 
Brandaline* Schau 1 Sarmio ist annoch unverlohren, 

Vielleicht dass er sich besser hat bedacht — 



Alhine. 
Brandaline. 
Rapato. 
Alhine. 



'0. 



16 



Ifianasse. Tetis (zu 
Sarmio (za Rapato). 
Ifianasse. Tetis. 
Sarmio. 

Brandaline. Albine. 
Rapato. 
Brandaline. 

Albine. 

Rapato. 

Sarmio 



Ifianasse. Tetis. 
Sarmio. 
Brandaline. j 
Albine. \ 
Sarmio. 



Ifianasse. 
Tetis. 
Sarmio. 
Albine. 

Rapato. 

Brandaline. 



Ifianasse. 



ÄSb. u. Brand.) Seyd willkommen werthste Seelen 1 
Alter Brader sey gegriist! — 
Gott hat diesen Tag erkohren — 
Zn erwünschter Lost und Pracht! — 
Eben diss will uns befehlen 
Dass wir hier seynd angelangt 
Um zu sehen was Tor Freud 
Uns Neptunus zugerüst 
Da der Grosse Friederich 
Heut in Königs Purpur prangt 
Und uns sämptlich 
Gröhnet mit Vergnüglichkeit 

Aria. 

Alles schwhnmet heut in Lüsten 
Alles will vergnüget sein, 
Ich nur allein 
Muss erwehlen öde Wüsten 
Zu betrachten meine Pein, 
(will abgehen und wird von den Nereiden aufgehalten.) 

Wo wilt du hin? — 

In öde Wüsteneyen. 
Wilt du dich heut nicht mit uns freuen? 
Bleib hier! 

Soll etwa ich dazwischen weinen. 
Wenn ihr frolockend eure Stirn erhebet? 
Wer so als ich im Jammer lebt 
Der kann auf keinem Fest erscheinen. 
Schau, Brandaline, diesen Zustand an 
Lass dieses Schau-Spiel dich bewegen. 
Schau Sarmio sich hier zu deinen Füssen legen. — 
Wilt unter allen Nymphen du allein 
Unüberwindlich sein? 

Yerstöhre nicht des heutgen Festes Freud, 
Durch ungeziemte HärtigkeitI 
Macht erst dass ich ihn lieben kann. 

Aria. 

Lass in zwei gleichen Schalen wiegen 
Der Freyheit und der Lieb Vergnügen, 
Ich weiss, du findst sie ungleich schwer, 
Die Lieb wird einen Gentner wegen, 



— J7 — 



Die Freyheit aber hält dagegen 
EiQ QYintlein eingebildter Ehr. 
Brandaline. Freyheit solte ein Vergnügen 

Doch wohl können überwiegen? 
Albine. Aria. 

Was nützt der Schödieit Schein, 
Was nützt das Lob der Tugend, 
Was nützt der Gfontz der Jugend, 
Wan sie ohn Liebe sein. 

Brandaline. Ist uns die Schönheit nur darum gegeben, 

Dass wir ia Lieb Terknüpffet sollen leben? 
Tetis. Axia. 

Die Lieb ist kßine Pein, 
Sie ist ein Salti der Seelen. 
Wer ihr denkt Ceifid zu sein, 
Dem pflegt ein Sinn zu fehlen. 
Brandaline. So ist das auch ein klüglich Stück, 

Wann man sich völlig bindt mit Liebes-Strick? 

Rapato. Aria. 

Die werthe Flammen 

Der Liebe stammen 

Selbsten ursprünglich vom Himmel herein, 

Vnd die sich üben 

Treulich zu lieben, 

Trachten gleich Göttern belustigt zu sein. 

Brandaline. Weich, Freyheit, weich! 

Durch Liebe wird man Göttern gleich! 
Alle anderen. O rühmliches Euttchliessenl 
Brandaline. Mir ists bisher als einem Kind gegangen, 

Das nur darum die Thaler hasst 

Weil es nicht weiss wozu sie. nützen 

Vnd sie betracht als eine Last 

Dieweil es solche sorgsam. soll bewahren, 

Will es der Eltern SdieitWort nicht erfahren. 

Ist in der Liebe so viel guts umfangen. 

Und kann man sich vor ihr doch endlich nicht beschützen. 

So komme Sarmio I ich bleibe dein, 

Und du hingegeü ewig mein. 
Sarmio. O Güte, der nichts zu vergleichen! 



— 18 — 



Alb. Tet. 
Ifkuu Rap, 



O Lust, wvm Wiiiisdie ihren Zweck eireiclieo! 



Ana a 2. BrandaKne. Sanmo. 

Brandalme. Ich man deine Trea belohnen, 

Satmio. Ich theil dir mit meine Crohnen, 

Brandaline. Weil da so beständig | , . 

Sarmio. Weil da so gewogen ( 

Brandaiine. Mich soll nichtes von dir trennen, 

Sarmio. Ich werd stets mit Dank erkennen, 

Brandaline. Weilj , . „_, .^ . . ^ 

Tetis. Ifianasse. Liebt ench ewig and beständig. 

AUnne. Rapato. Der Himmel madie Ton euch alles Dngläck wendig! 

Brandaline A Dass Band das ans vereint, 

Sarmio. i Soll der 'Grosse Friedridi seyn. 

Teiis. Ifiana$$e. Eylt dann, dass ihr erscheint 

Vor dem Neptan and bei dem Fest euch Bndet ein. 

(gehen ab) 

Ballet 
von Liebes Göttern. 



MEUNDXER AUFTfilTT. 

Visurgia. Theuto. 

Theuto. Wir kommen nicht zu späht, 

Lass nur die andern eilen. 
Vüurgia. kt es wohl Raht 

Sich allzulange zu verweilen? 
Theuto. Wir kommen firüh genug, 

Wann wir nur treue Hertzen bringen. 
Vigurgia. Ich will das meine wohl zum Opffer geben, 

Dass unser Friedrich stets vergnüget möge leben. 
Theuto. Er kennt mein Hertz und meine Onterthänigkeit 

Und dass zu semer Lust nur meine i}uellen springen, 

Da seiner Adler Flug 

Yeriierrliebet stets meine Gräntzen. 
Viturgia. Es müsse deren FUigel allezeit 

Die Sonn des Glucks beglSntzen. 
Aria. 
Gleichwie bei diesen Jahres Zeiten 
Die Sonn am Glanz und Licht sich mehrt, 



Theuio. 



- 19 — 

So woll sich auch das GKick erbreiten 
Auf Friedrich, den mein Ufer ehrt 

Aria. 
So viel Tropffen nur zu quellen 
In der Berge düstren Schlund, 
So viel reine Perleu- Wellen 
Bauschen über meinen Grund, 
So viel Siege, so viel Glück 
Gönne Friedrich das Geschick. 



Visurgia. Es scheint der Tag hab sich zum End geneiget, 

Die andern Gäste wird Neptunus schon empfangen. 
Tkeuto. Wie trägst du ein Verlangen 

Zu sehen wie Neptunus seine Freud bezeigt! 
Viturgia. Ich wolt nicht gern die letzte sein. 
Theuio. Wir finden uns genugsahm zeitlich ein. 

Viturgia. Theuto. Aria a 2. 

Eyle zum Jauchtzen mein treues Gemühte, 
Eyle zur Freude ermunterter Geist, 
Schaue wie Friedrichs grossmühtiger Güte 
Heute der Himmel Vergeltung erweist 

(gehen ab) 
Ballet 

1) Von See -Gittern. 

2) Von Gracieo. 

LETZTER AUFTRITT. 

Der ganze Sohao-Platz yerwandelt sich in Wasser, und prssentiret sich Neptani Pallast 

und in selben der N^tun, Zwey Nereiden auf Delphinen. Brandaline, Albine auf 

Muscheln« VUurgia und ThmUo auf gecrOhnteo Schwanen. Sarmio an einem von 

Edlen Steinen schimmrenden GebOrge. tUgpato an zwei Gold-Klippen. 

Neptunus^ Ihr wilde Fluhten 

Ist euch ein Fühlniss süsser Freude mitgetheilt, 

So wird euch Äolus anmuhten 

Das ihr heut seine Stürme nicht begehrt 

Und ich befehle, dass ihr diesen Tag beehrt. 

Das ihr^ als wie Crystallne Wiesen 

Die kein unebner Hügel steilt, 

Ganz sanft solt fliessen. 

Aria. 
Stille, stille! 
Mir ist heilig dieser Tag. 



- 20 - 

Stille, stille! 
Das iefa ihn recht feyrea mag. 
Da zu meiner Freuden Fülle 
Ich aufs neue Grohnen trag. 

Stille, stille! 
Mir ist heilig dieser Tag. 

(wird getanzt) 

Ich habe Theuto dich und Rapato, 
Visurgia nebst der Albino, 
Dich Sarmio und Brandaline 
Hieher beruffen lassen. 

Um meiner Freuden theilhaft euch zu machen. 
Euch ist vorhin bekandt, 
Dass unserm theuren Friederich 
Der Himmel hat becröhnte Purpur angezogen. 
Was Er bei eurem Ufer bat getahn, 
Last sich nicht leichtlich in gemessne Worte fassen. 
Und so belohnen rühmliche Verdienste sich 
Die Gott nicht unvergolten lassen kann. 
Diss ist der Tugend Preiss, den ihr Gott zugewandt. 
Visurgia. Theuto. Aria a 2. 

Grosse Tugend pflegt mit Grohnen, 

Und mit Ruhm der nicht vergeht 

Als so lang der Himmel steht. 

Das Greschicke zu belohnen. 

(wird getaozt) 

NepHsnus, Wer Göttern ist an Güte gleich, 

An Tapferkeit den grossen Helden, 
Dem thürmt der Sternen Reich 

Selbst Sieges Zeichen auf, um seinen Ruhm zu melden. 
Brandaline. Älbine. Aria a 2. 

Fürst der unerscböpfilen Quellen 
Lass uns bald dasselbe sehn. 
Was du denkest vorzustellen 
Auf das Fest so beut geschehn. 

(wird getanzt) 

Neptunus. Ich hab Prometheus berufen lassen, 

Ihn hat Yulcan von seinem Felsen losgemacht 
An welchem er des Jovis eyfirig hassen 
Bisher gefühlet Tag und Nacht. 



— 21 — 



Um meiner Fluhten hellen Diamant 
Durch einen Blitz und Wunder-Brand, 
Durch Praslen und Krachen 
Prachtig zu machen, 

Dass es auch werde im Himmel bekannt 
Wie Friedrich ich seye mit Dehmuth verwandt. 
Sarmio. Rapato. Äria a 2. 

Helden die von Purpur gläntzen 
Müssen nur die Stern umcrantzen, 
Weil sie halbe Götter sein. 
Was der Himmel guts beschlossen 
Wird durch ihre Hand genossen, 
Sie sind unsers Schicksals Schein. 

(wird geiiaozt) 

Nepiunus. Prometheus wird sich in mein Gestalt 
Verwandlen und euch zeugen 
Wie dass mein Hertz dem Friederich zu Fusse fallt 
Und neben mir sich die Nereiden beugen. 
Ifianasse. Tetis. Ari« a 2. 

Was wir in den tiefsten Gründen 
Kostbahrs finden, 
Soll allein 
König Friedrich heilig sein. 

(wird g;etanzt) 



ffq>tuniu. 



Nereiden. 
Nymphen. 
Genien. 



Doch eh ihr meiner Freude wolt geniessen, 

So lasset einen Wunsch aus euren Lippen fliessen. 
Aria. 
Grossmächtiger Friedrich du Kleinod der Erden, 
Dein Purpur sey ewig mit Siegen besternt. 
Dir müsse die Missgunst selbst unterthan werden 
Und alles was schädlich, auf ewig entfernt. 

(wird getanzt) 

^ So stimmen wir mit ein 

I Und diss soll unser Wünschen sein. 

Chorus 
der Nymphen, Nereiden und Genien. 

Friederich lebe! 
Er grüne wie nimmer verwelkende Palmen, 
Es müsse der Himmel die Feinde zermalmen. 
Er müsse die Kräfte der Sternen zerstreuen 



- 22 — 

Die BraDdenbu]^ etwas Unglückliches dreuen. 
Friederich lebe! 

(wird gelaoxt) 

Neptuniu. Er lass der Königin Sophien 

Vergnügen immerwahrend blähen; 
Nereiden. Und des Crohn-Printeen Friedrich Wilhelms Zeiten 

Woll er mit Sieg und Glück begleiten; 
Nymphen. Ihr Hoheit der Durchlauchtigsten Louisen 

Geh er bestandig seine Güte zu gemessen. 
Genien* Die Fürsten so Brandenburgs Purpur umhüllet 

Seyen mit Seegen und Wohlfabrt erfüllet 

(wird getanzt) 

Chorus. 
Über diss Königlich Preussische Haus 
Strecke der Himmel die Gnaden-Hand aus. 
Friederich lebe! 



decobahonen und costüme. 

1) Kapaio in der RQstung eines Römisohen Kriegen mit einem Speer and langeD 
Degen. 4 Damtn, grOne ROcke, Rosa Leibchen, Kränze und Spitzen. 

2) Sarmio und BTandaiine, Er, polnisches CostOm, rothen langen Rock mit Gold, 
grOnen Kaftan mit Pelz, rothe Motze mit Pelz and Reiherfedem, gelbe Stiefeln. 
Äßhu mit 4 Zephyren mit Guirlanden und FlQgeln. GHoriM von Wolken in 
welcher die Zephyre Brandalinen entführen. 

3) Dieselbe Decoration. Tanz yon 4 Scythen und 4 Amazonen. Die Scythen wie 
Sarmio, die Amazonen mit Helm, Schild und Speer bewaflbet; sehr pr&cfatige 
Kleider. 

4) Dieselbe Decoration. Ballet von 4 SohSfern und SchAferinnen. Auf dem Wasser 
2 Nereiden auf Delphinen. Links die Gruppe aller Nymphen und Genien, die 
redend eingeführt sind. 

5) Andere Deooration mit Nadelholz, sonst dieselbe Anordnung. Ballet von 4 Lie- 
besgffttern, 4 Damen mit Kränzen und 2 Wilden. 

6) Pallast des Neptun, Qberall mit Fontainen, höchst prächtig. Wasser bis yome. 
Ein Goldfelsen und ein Felsen mit Edelsteben, sonst wie es im Sceoarium 
beschrieben. 

7) Wald wie f^Qher, aber hinten der Pallast des Neptun Terkleinert in der Aus- 
sicht Zwanzig tanzende Personen, nämlich alle frikheren Quadrillen zusammen. 

8) Das Feuerwerk. Sechs Säulen mit Sinnbildern. In der Mitte der rolhe und 
schwarze Adler. Rechts und links steinerne Gruppen» £b /kis eC oUmptM. — 
Bx amare et fortUudiine. — Hine nostra ftiieUas. — 



— 23 - 
BBEAGfl m. 

Sieg der Schönheit über die Helden. 

Diejenigen, die in diesem Ballet getanzt, sind folgende: 
In der Entr^e Yon Mars haben S. Königl. Hoheit Markgraf Albrecht 
als Mars und neben ihm 8 Helden getantzet: 
der Herr Hof- mid Cammerberr t;. Truchs, 
der Herr Oberst v. Eosander, 

die Herren v. Milhldarfy t?. Kleisif v. Leigewangy v. Laos, v. Denckau, 
V. Blankenstem. 

b der Entarte der Venm 
Fniulein Mambal als Venus und die Fräulein Bemartre, Barfms die 
ältere, Brand die ältere, Brand die jüngere, Tettau, Besser^ Canstein und 
GrtUian. 

In der Entr^e der Amours 
Der junge Graf v. Wartemberg, der jüngere Graf v. Wartensleben, der 
jüngste Graf v. Wartensleben, der junge Baron v. Aspachf der jüngere 
17. Brandy der v, Röbel, v. Rosey und v. Klitzing. 

In der Entr6e der Gratien und Annehmlichkeiten 
Die Gräfin Wartensleben, die Fräulein llgen, Sonsfeld die ältere und 
die jüngere, Brand, Bltsdotosky^ Haxhatuen, Heidekampf. 
In der Entr6e des Neptuns 
Seine Hoheit Markgraf Christian Ludung in der Mitte yon 8 Tritons 
oder Meeres-Göttem. 

Herr v. Stens^ v. Münchhauseny v. Fink, v. Amimj v, Falkenhagen, 
V. Grellen, v, Luttemau, v, Seheffsky. 

In der Entr^e der AmphUrite 
Fräulein Grothen, Barfuss die jüngere, Tauben, Perband, Lippen, Bilen, 
^Alangon die ältere, ^Alangan die jüngere. 

In der Entree von Apollo 
Herr Volumier Königl. Hof Tantz Meister, Herr v. Sehönberg der ältere 
und der jüngere, v. Adrecasse, v. Bestucci, v. Wattewille, v. Plessis. 

In der Entree von Jägern 
Herr Baron v. Thinger, Herr v. Brost, Herr Baron Vi Rosenhayn, Herr 
V. Münchau der ältere und der jüngere, r. Clothe, de Chevalier, v. Blu- 
dowskffy V. Einsiedel. 

In der Entree Ton Daphnis 
Fräulein Waltersee, Steissen, Counitzen, Schmettau die ältere und die 
jüngere» la Motte. 



— 24 — 

In der Entr^e von Bacchus 
Graf V. Barghatisen als Bacchus mit seiner Suite, Herr v. Grot, v. Reckenr- 
berg, v. Tetiau, v. Wittgenstein^ v, Pellnitz, v. Stanislawsky. 

Ingleichen ein Indianer Herr Potier und eine Indianerin Jungfer le Grand 
und 4 Satyrs, welche 4 Tantzmeister waren. 
Herr Weidmann^ Lavenant^ Bttde^ la Polm. 
Nebst 6 P/it//em. 

Zusa^iDpD 92 Personen. 



BBILiGEIV. 
Ballet - Rechnungen 

aus der Zeit des Churfiirsten Friedrich Wilhelm. 

Aus dcDi geheimen Staats -Archiv. 



Memoire de ce que jay fait et foumy pour roademoiselle du coudray 

pour le ballet 

pour auoir preste trois jours vne jgrande coiffure bonde auec 
des grande et petite bloucle et des nate et lavoir coiffee trois 

fois : .: 12 rtl. 

Magdeleine Margas 
la femme de gorju 
(sign.) Des Coudrais. 



Liur6 a Mad"*' des Coudrais Les marchandises qui En suiuent 

Premierem* 
Octobre 1684. rtl. gr. 

3| dit Pour des Menches de dentelles de montagne 

de prix Cait La somme de 4 18i 

dit Pour des Menchettes de la dite dentelle 4 21^ 

dit Pour deux Tours de George de dentelle de 

Maligne aussy de prix fait , 5 

13i 50i Gaze blanche a 8« Laune 1 20 

16 llj 
Michau. 



— 25 — 

Die Madamesell Kudere hat bei mir auss genommen 

8 Ellen rotten stof zum untter roch mit gülden blumen 1 rtl. 8 gr. 

20 Ellen grün und gülden stof zum ober roch 1 rtl. 8 gr. 

4 Ellen gelb und silber stof. , 1 rtl. 8 gr. 

der Schneider ^j lot seide '.. ....' 2 gr. 

suma^4l rtl. 2 gr. 
noch vor federn vor der mamsel 2 rtl. 

Memoire De Ge que je ay fait pour mademoisell, de ^Cotidräis. 
premierement pour avoir fait un habit Ghammare gise du - 1 

dantel 2 rtl. 6 gr. 

plus fait une jupp de Sus avec du dantel. ,. 22 gr. 

pour le Gannefa, trilli et Ballaine ^, .^^ 22 gr. 

Somma 4 r^l. 2 gr. 
Jf. Peter Dammendorff'. 
(sign.) Des Caudrais, . ' . 

Zu dem gehaltenen . Ballet ist erfordert wordeü. 

1) An Wahren besage Hr. Yerstorfhers Rechnung 1263 rtl. 21 gr. 

21 Noch wegen Mite, de Coudrais zur Kleidung.. 62 ,, 
3] Vor Masquen dem Bildhauer Döbeln worauf 

bereits 25 rtl. gezahlet worden..,.. i.. 43 „ 

4) Vor Bomöhl und Lampen.: 6 ,» 10 ,, 

5) Wachslicht zum Ballet so aus der Silber- 

Kaminer genommen; 80 ,, 23 ,, 

6) An Zimmer- Arbeith und andern Materialien <. 

besage beiliegender Rechnung ..1479 „ 14 5, 2 

2936 „ 16 „ 2 
siehe auch vorhandene Rechnung fiir du Coudrais. 

Eine andere Rechnung. 

Specification 

was zum Behuf des Ballets von dem Ober-Licent-Einnehmer Läpp auf 

Rechnung bezahlt worden ist 

Sechs Tantzmeister ä 60 rtl 360 rtj. 

Dem Tantzmeister Romain 177 „ 

Noch 2 Tantzmeister 90 „ 

Dem Kaufmann yor gelieferte Wajbren ,.,...397 ,,, 9 ^r. . 6 pf. 

Dem Bildhauer Döbeln vor Masquen 25 .y, ' ^ 

1049 „ 9 „ 6 ^ 
Ohne Datum. 



?• 



« 



— 26 - 
BUUfiE V. 

Aus dem geheimen Staats-Archiv. 
Sire! 

Ew. Königl. Majestät befahlen allergnadigst, die, denen Comcedianten 
bereits ratificirte wöchentliche Gage, in Monatliche Auszahlmig za brin— 
gen, betrifft also 



rU. 


«r. 


pf. 




34 


16 





Brighello und seine Frau monathlich. 


23 


2 


8 


der Pantalon. 


17 


8 


— 


der Anselmo. 


26 


— 


— 


der Zahnartzt, mit seiner Frau. 


8 


16 


— 


der Pierrot 


4 


8 


— . 


der Theater-Bediente. 


34 


16 


— 


der Arleqnin und seine Frau. 


148 


18 


Ö 




Welches denn uomaassTorschreiblich mit jetzt kommenden Monath A^l 



seinen Anfang nimmt, exchisive derer 2 bereits verfliessenden 2 Wochen 
Gage, id est Tom 19. bis ultimo Marüj, beträgt: 
68 rü. 16 gr. 

wozu noch kommt, fiir die aus denen Partitoren 
abgeschriebenen Stimmen derer alfaier zu execu- 
tirenden Arien 

2 rtl. so mit obiger 14 tagiger Gage betrift 

70 rtl. 16 gr. 

Ew. KOnigi. Majestät haben auch allei^ädigst bewiHiget, alhier in 
Potsdam Quartier frey zu seyn; Terlanget also der Rathsmann Wendd» 
für den Brighello und seine Frau 12 gr. täglich für Zimmer und Bett 
Die Wittwe Matthesin für alle die übrigen 1 rtl. 18 gr. täglidi, eben— 
fidls fiir Zimmer und Betten, Welche wir denn befiriedigen zu lassen« 
allerunterthänigst bitten; die wir uns denn unterwerfen 
Sire! 

Ew. Königl. Majestät 

Aller unterthänigst gehorsamste 
den 30. März 1734 Knechte dero 

Hoff Clomcedianten. 

Der König bewilligte diese Gesuche, und befdil, dass sie Dienstags 
und Donnerstags spielen sollten. 



- 27 - 
BEIUfiE VL 

Auszug aus emem Schreiben Cataneo's au den König im Mai 1742. 

Non obstant la gracieuse d^mission que je tiens de Yotre Majest6 
je erois de mon deToir de Finformer, 

1) que j'ai retir^ de la poste la lettre de Y. M. h son Cammer- 
Courier Perini, k qui je la ferai yenir, d'abord qu'il m'ait 6crit oü il se 
trouve. 

2) que le petit chastr^ Toscan >) qui a 616 cong6di6 de ia Cour de 
y . M. a pasfl^ par ici, et que Porpora Tayant entendu, il lui a trou?6 
une Toix tout k fait r6tablie et tous les talens pour en feire un nou-* 
▼eau Farinello. En eflTet il a r^solu d'y travailler apr^s que cet enfant 
aura 6t6 faire un tour ohez ses parens. Porpora hii mftme m'en a dit 
des menreilles et se flatte d'en retirer un profit consid^rable. 

3] Carestini qui Gut aujourd'hui Tadmiration de tout ce pais-d, 
auroit pass^ fort volontiers le mois d'Aoüt et de Septembre prochain 
k la Coor de Y. M. car il est engag6 ici pour Tautomne suiTant et pour 
le Camaval k Müan, mais comnie Spary n'est point ici, je lui ai r6pondu 
qu'il ne m'6toit permis que d'en faire le rapport ji Y. M. saus aucun 
engagement de part et d'autre. J'avois cependant menag6 cet oflte yolon- 
taire de ce Musicien si renomm6 tout expr^s pour Thonneur du Boyal 
Senrice de Y. M. en fait de musique, qui souffre beaucoup de contra- 
dictions. 

Decret des Königs ad marginem: 

Leuthe auf 2 Monat su engagiren 
Wäre meine Sache nicht — 
Geheimes Cabinets-Archiv. 



BEOAeE m 

Bericht des Gabinets«<-Couriers Pierino Spary aus Yenedig an den König 

in Schlesien. 

Havendo scoperto la mala volonta del Agente Cataneo di Yostra 
Maesta e quella del Comissario parimente ehe essi non si adopprano 
seeondo il suo Obligo ehe hanno di senrire Y. ML per essere troppo im- 
pegnati e amici del Maestro Crraun, che vogliono far credere die la Com- 
pagnia del Sgr. &aun non ai sy altro, e non mi asaistono ne Tuno ne Pal«« 

Nach Faseb's Heinang ist dies MauumH gawetai»« der in der Rodelinde saog« 



— 28 — 

trOj beendo da per me stesso it tolto, si ritrova im braYissimo Yirinoso 
Soprano che canta bene assai e di tutta perfetione bellissima voce, e 
questo h il SaKmbeni e pretaide qoalro mille taleri, parimeDte il Egi- 
ziello bravo Soprano, cosi il Gafirielo bFavissimo. che questo sarebbe boono 
molto e Yuole havere molto. per altri poi in Itaiia noo ve De soao altri 
ecceterati questi che nomino a Yostra Maesta per contralto come di 
voce haveva il Mariotti De ho cercalo udo che ha bellissima voce meglio 
del Mariotti e attendo si ordim' accio li possa fermare, quando la Mrata 
Vostra fara lare e donarc l'ordine al Monsieur Fredersloiff per il denaro. 
Maesta, vi h ancora un povero figlio castrato d'anni sei, et un altro d'amu 
quatro, et udo d'annilU ^ Yostra Maesta commanda io li eoedaro 
mentre preodenumo anwre al paese. e resteramo per sem|»^ MaesU 
il Pierinoi fedellissimo servitore umiliandosi a bacciar li piedi di Yostra 
Maesta col chieder perdono. 

Yenezia li 4 CÜugnio 1742 Pierino Spary. 

Decret des Königs zur AntwcNrt: 

Soll nur [die Leute annehmen und Goutract machen. 
Geheimes . Cabinets-Archiv« 



BKIL&6E Vm. 

Bericht des Pierino Spary aus Yenedig. 
Sire! 
Con piu profonda somissione alli piedi di Yostra Maesta il Pierino sin- 
china di ringratiare la Maesta Yostra» che* mi habia fatto sortire dal Gas- 
tello di Milano havendo ricevuto un passa porto, che adesso puotro an- 
dare dounque io voglio. essendo stato in Bologna la dove ho fermato un 
soprano giovine d'anni 21. la sua voce h assai bella, e ha bisogno di 
Studiare, sperando che la Maesta vostra col tempo fara la caritä al detto 
giovine, io Io fermato mentre connoscendo il detto di havere buona abi- 
Ulky e per soo honorario esso vuole havere mille taleri per tre anni cosi 
hmvendosi aecordati,> come pure un altro oontnilto di bellissima voce, ma 
esso Tuole havere due; mille taten, in Botogna si ritrova il Carestini bravo 
soprano» la dove i disimpegnato, che quando h Maesta Yostra Io volesse 
havere, priaiia che si impegna altrove, ni facia forte di puoterio fiire ve- 
nirOy ma solo pur un anno, non h solo che la Maesta Yostra possa fare 
a dare i ordini a chi si aspetta per il denaro. che al mese di settembre 



- 29 — 

io saro U cowihrtiere la .condurjyi aiBerliDo dalia Maesta Vostra e con 
gran Umiliazione il Pierino baccia le Heal. vQsti etc. 
Venczia il 29 Giugnio 1742. ; _ 

Pierino Spary. 

Decret des Königs. Wenn er nicht gute Leuthe hätte so soll der Gor- 
respondent von Splittgerber den Leuthen nach den Gontracten ein 
Quartal und Pierini die Reise bezahlen, aber nicht eher Geld geben 
als bis die Leuthe wirklich hieber abreisen. , 



BEEAfiSIX. 

Bericht des Pierino Spary aus Venedig an den König in Schlesien« 
an demselben Tage mit dem vorigen geschrieben und buchstäblich copirt. 

Meine er. Libe £hinig Maestet 

Ich petang mich meine er Libe Ghinig Mqestet ich ghissen iseine fiis. 

ich frey raus fop feston di Meiland ich pin in Bologna, ich abe ingagirt 

2 gute Gastrat er al di stimm guti, dar, er ist iung alle 2 Gastrat eine 

Ulli aben tausen taler fon trei iar, uill pleiben ander mit 2 tausen taler. er 

ist fil. uaa Ghinig Majestet uil gbebeh si uill comen. ich uill nid ghebep. 

di and^ gute Gastarat Appianino und Egiziello muss ghen in Roma dt Opera 

spilen. di Appianino uill aben 2 tausen Ducaten. aug di Salimbeni uill 

aben. Or tausen. taler. und uill pleiben bis en iar in Itälia di ander iar in 

Mopat Martij uill comen in Berün. Egiziello aug er. ist in Bologna di 

gute Gastrat Garestini. er ist gut. si uill comen in Berlin nid mer fon 

eine iaruan Ghinig iAIaestet uill aben ich uill acoordirt muss. lassend 

jEinduort meine • er Übe Ghim'g ich aben kein Pezal mute Besteid fon an-* 

der castrat muss ghd^ea. un fon seine und meine reisen ich ghissen di 

seine rock und seine üs 

«Tl. • « 1. der Genaden 

Venedig er ist screyben /^l l 

föü29junij 1742. iSÄl 

Decret Ordre an Splittgerber und Graun. Durch ihren Goirespondenten 
das Geld gedachter massen zahlen zu lassen. 

Dem jPi^ini zu notiGziren. 

Ordre an Gataneo. Er solle cKe. Leuthe selbst :spreehea und wenn al- 
les richtig, alsdann solchen durch den dortigen Kaufinann Streit 
ein Quartal ihres Engagements bezahlen lassen^ der schon Ordre 



— 30 - 

habe, doch muss das Geld nicht eher gezahlet werden, als Ins dasa 
die Leuthe wirklich abreisen. 
Geheimes Cabinets-Archiy. 



BEILAGE X. 



Bericht des Kaufmanns mid Agenten des Königs an den Geh. Kämmerer 
Fredersdorf. 29 Jmii 1742 aus Yenedig. 

Wohlgebomer, Jnsonders hochgeehrter Herr, Vornehmer Gönner! 

Meine Vorige, so ich mir die Ehre gegeben Ew. W. über Prag zu 
senden, sind Ihnen zweifelsohne richtig zu Händen gekommen. Eben 
diesen Augenblick erscheint Sig. Pierino von Bologna, und recommandiret 
mir die Einlage eyffirigst Er sagt dass Jhme schleuniger Befehl und 
Geld-Vorschuss nöhtig sey, wenn seine geleistete Verpflichtungen mit 
Musicis nicht yei^eblich sein sollen. Wollen E. W. also anzuordnen ge- 
ruhen, wie mich verhalten solle. Hier ist Alles in Freuden über getrofle- 
nen Frieden Unsers theuresten Königs mit Jhro Majestät von Ungani. 
Es ist bekannt dass Ihro Maj ein herrliches Theatrum in dero Residenee 
erbauen lassen und wäre dahero zu wünschen dass es auch yon extraor— 
dinairen Musicis eingeweihet würde. Solches dörfite nun bei erfolgtem 
Frieden was leichter &llen. Dann ein Ansuchen bei Ihro Maj. von Sar- 
dinien, weil SaKmbeni (ein Mayländer) zum künftigen Camaval in Toriii 
obligirt ist, und ein Verlangen an Ihro Excellenz den Heirn Grafen ton 
Traun, Gouverneur von Mayland, (glaubte ich) würde diesen Sänger, so 
einer mit von den Vornehmsten, oblign'en, unsern Monardien diesmal xii 
bedienen. Desgleichen ein schleuniges Ersuchen (damit die Interessentan 
des hiesigen Theatri a St Chrisostomo sich noch anderweitig provedkuA 
könnten) durch eine Persohn von Consideration mödite au<^ den A^ 
pianino (der ein am Wienerischen Hoff in Sold stehender BedBenter ist) 
nach Berlin zu kommen obligiren, der sich in Venedig auf bevorstehenden 
Gamaval zu singen verbunden hat Und auf dergleidien Arth, sonder- 
lich wenn keine Unkosten angesehen werden, liesse sich auch auf Egi— 
zielo Hofnung machen. Doch länger als etwa auf einen Gamaval blie- 
ben diese Leuthe zu BerUn nicht, und ist daher recht gut, wenn auch 
die von Signor Pierino engagirte jetzo schon hinaus kommen, damit 
es hinfuhro nicht fehlet, denn man kann sie nicht allemahl haben und 
am schwersten in Friedens-Zeiten. Ew. W. empfehle ich göttlicher Ob- 
sorge und verharre mit allem ersinnlichen Respecte etc. 

Venedig den 29 Junij 1742. Sigi$mtmd Strek. 



- 31 — 
BDLAfiB XL 

Eingabe des Baron y. Sueits über die erste Attflührang eines Stäekes 
aus dem „Th^Atre italien^* von Gberardi, bei welchem die firantösischen 
Schauspieler, einige Italienische Sänger und TSnser der grossen Oper mit- 
wirken sollten. Baron y. Snerts wollte das Stock auf dem grossen Thea- 
ter des neuen Opernhauses geben, was der König indessen nicht bewilb'gte. 

Sire. 

Le Baron de Pölbitz m'a mandö que Yostre Majest6 vouloit pour 
mecredi prochain une Gom^die oü Arlequin fit beaucoup de jeu, celle 
qui se nomme Empereur de la Lune ou Apprentif Philosophe ou une 
autre. J'ai d'abord tAchi de mettre tout en ordre, pour ob6ir k Yostre 
Majestd, mais comme la Representation de celle qui est la plus diyer- 
lissante ne se peut donner sur le petit Th^atre et qne la d^pense du 
memoire cy-joint se monte k phis de 150 ^cus, j'ai trony^ n^cessaire 
de Ten informer avant de rien entreprendre. Gouchoy m'a assur6 que 
dans celle qu'il youdroit donner mecredi prochain, il y ayoit beaucoup 
plus de jeu que dans TArlequin Apprentif Philosophe, dout les rAles ne 
peuyent 6tre oopi6s et appris jusqu'ä ce teras-Mt; cette pi^ s'appelle 
l'Embarras de Richesses ou d'un Tresor que Phitus donne k garder k Ar- 
lequin. II esp^re m^me qu'elle amuMra Yostre Majest6 et j'attends ses 
ordres dans les sentimens etc. etc. 

Berlin ce 28 de febyrier 1743. 

Baron de Suerts. 

Hiebet ein weitläuftiges Yeneichniss yon Requisiten u. s. w. 

Des Kömgs mündüches Decret zur Antwort 

Ich bäte ihn recht sehr, er möchte mich do^ mit solchen Sac^ra 
jetzo nicht belästigen, sondern in Ruhe lassen. Ich wüsste selbst 
nicht einmal ob ich den Mittwoch da wäre. 



BEILASB m 

Eingabe des Baron y. Suerts, die yerbesserte Beleuchtung und Einrichtung 
der Maschinerie des Opernhauses durch Ange Cori betreffend. 

Yoicy la Minute que Cori m'a donn^e pour expliquer le Ghangement 
n^eessaire au grand Th^tre afin que l'Ülumination y üsse beaucoup 



_ |i2 - 

plus d'effet II est vrai que les R^es de l'Optiqae y soDt mieux ob- 
serv^es qu'auparayant, et je suis silur que Yotre Uajest^ en yerra la diffi^ 
rence, si eile pennet que nous eo fissions Tessai, et que personne n'en 
puisse emp^her i'ex^cutioQ. 

Pour ce qu'il dit k Tartide 3 des poutres k placer entre les scenes, 
outre que le tems ne le pennet plus, je crois qu'on parviendra presque 
au Ri^me but en rapprochant les Echelles auxquelles les Ghandeliers sont 
attach^s. 

J'attends les ordres de Y M pour faire une Epreuve, car quoique Gori 
me paraisse un homme entendu, j'aime mieax 6tre sär de la chose. 
k Berlin, 4 May 1743. Baron Swerls. 

Beeret des Königs: An Knobelsdoii er möchte es mit Cor! und Schwertz 
-überlegen und sie es alsdann unter einander machen, wie sie wollen 
. und «s am Besten fänden. 



BEEACM! Zm. 

Beschwerde der französischen Tänzer Marie Cochois und Teuier gegen 
di^n Balletmeister Paitier^ welche die Entlassung des PoUier und den 
vom 'Könige selbst verfassten Artikel in der Berlitu^chen Zeituqg No. 

GL 1743 zur Folge hatte. 
Nous somm'es n^cessit^s de nous jetter aux pieds de Yotre Majest^ et 
d'implorer sa protection contre le Maitre de Ballet, qui nous a emp^ch^ 
hier, outre mille mauvais traitements que nous avons essuy^s depois que 
nous sommes icy, de dancer un pas de' dteux'-beaucoup plus brillant qae 
celuy que nous avons danc^,, .elt.<cQ9iro€^ npus, Favons repr^ent^ hier pr 
une lettre k Yotre. Hajest^ >^voy6 ik^JAr de Fredersdorff, nous ne nous 
opposons point de dancer dan^ \eß g/rainds Ballets de TOp^ra les Airs 
de notre genre qu'il y aura pla^, ;ip^^s il devroit 6tre indifl(§rent k Mon- 
sieur Poitier quel pas de deux nous dansons k la Com^die. Cet homme 
agit avec une teile tyrannie sur nous qu'il viole tous les jours nos 
engagements, disant qu'il ne les considfere en aucune fa^on, nous veut 
faire quitter le service de Y M, il npus y forcera k la fin et nous sommes 
mime n^cessit^s de supplier Y M de nous permettre de nous retirer, 
nous et nos, familles, si Yotre Majest^ permet plus long tems que nous 
soyons expos^s k voir violer ho^ engagements par uti homme qui abäse 
de son titre deMattre de Ballet et qu*il nous emp^che de remplir notre 
devoir selon le lAh avec lequel np.\^ sommes etc. 

... Marie Coqhoy et Tessier. 



- 33 - 

Dieser Eingabe war folgendes Gutachten des Baron v. Suerts beigefügt, 
in welchem die Beschwerde der Tänzer unterstützt wird. 
La cy-jointe Requ^te m'a 6i6 rendue pour Ätre prösentie i V. M. 
et je ne Tai pu diffiSrer, puisque les suppliants ont tr^s-grand sujet de 
se plaindre de l'injustice dont j'6tois toujours tömoin sans pouvoir par- 
venir k y remedier. Potier les a forc^s enfin a faire cette d^marche, et 
je Taurois peut-^tre emp6ch6 si le Baron de PoelJnitz ne le poussoit k 
Yioler leurs Engagemens et qui, cn sacriflant ces bons sujets, youdroit 
nie perdre dans TEsprit de Yotre Majestö, comme si c'6toit moi qui 
nourrissoit la dissension, en m'opposant k Tauthorit^ despotique de cet 
homme, qui refuse absolument de döpendre de moi. Je mis ma t^te 
aux pieds de V. M. pour Tassurer tres-humblement que je n'ai tichö 
jusqu'ä cette heure que de conserver tous les sujets k Son Service, et 
que je puis soutenir contre tous ceux qui auroient fait quelque mauvais 
rapporty que je n'ai agi en tout que selon ses ordres. k Berlin ce 14 d'Aoüt 
1 743. Sveerts. 

Mündl. Decret des Königs zur Antwort. 

Ich melire mich nicht von allen diesen Sachen. Ich will das Plaisir 
haben sie tantzen zu sehen» das übrige kann er machen, wie er 
es gut findet ohne mich davon zu meliren. 

Trotz dieses ablehnenden Decrets erfolgte doch sofort die Entlassung des 
Potier und 10 Tage nachher, am 24'^'' August, jener vom Könige selbst 
▼erfassto Zeitungs-Artikel, welcher an der entsprechenden Stelle in der 
Geschichte selbst mitgetheilt ist. 



BEIU6E UV. 

Cataneo aus Venedig an den König über das vorgeschlagene Engagement 
des Gastraten Garestini. 

Sire. 
Tai rhonneur de mettre aux pieds de Y. M. le contract sign6 du 
Musicien Garestini, qui va passer quelques semaines k Milan d'oü il 
in'^criva, et tdchera de persuader le Cammer-Courier Spary de faire pour 
V. M. un choix plus convenable que celui qu'il vient de faire k präsent. 
Tai tout Heu d'esp6rer que si on laissera agir Garestini, il formera une 
compagnie pour un an qui n'aura jamais eu la meilleure en Italic. Du 
moins voilä ce qu'il promet, et je crois qu'il tiendra sa parole, pour se 
concilier les graces et la protection Roiale de V. M. Le Gapel-Mester 



— 34 - 

Porpora me voit tres-souvent pour savoir si V. IL a daign6 donim des 

ordres par rapport k liii, sur le diff(6rend qu'il a avee Spary et sur leqael j'ai 

eu rbonneur de mettre k ses pieds an trte-humble memoire. Je suis eie. 

A Yenise, ce 6"® de Septembre 1743. Cataneo. 

Decret des Königs« 

Die Gonditiones seynd mir zu onereux und zu kosibahr als dass ich 
darauf entriren könnte. — 



BlfllfiB ZV. 

Bericht des Baron Ton Suerts über zwei Tänzer der Oper, welche bei 
einer Landparthie Händel mit den Bauern bekommen und mehrere der- 
selben mit dem Degen verwundet hatten. Sie waren arretirt worden 
und entsprungen. Aus Furcht vor Strafe, und namentlich yor der Festung 
Spandau, hielten sie sich lange versteckt und man glaubte sie ent- 
flohen. Das Decret des Königs über ihre Bestrafung ist eben so be- 
zeichnend als merkwürdig. 

Selon les Ordres de Y. M. du 10"* du courant, j'ai envoy6 encore le 
mftme joür les deux danseurs k la Conciergerie de la Cour. J*ai communiqai 
au Hoffgericht le lendemain les points ou articies sur lesquels Ss de- 
voient 6tre cxamin6s, et quaud les ordres de ril'^*^ me sont venus, il n'y 
avoit phis que l'article, de s^ttre d^fendus T^p^e k la main, qui restAt 
k £tre ^clairci, comme Y. M. le verra par les Referats m^mes de ce dit 
HoffgerichL II se trouve dans l'Examen que j'ai rbonneur de präsenter 
& Y. M. que leur gite dessous le S<^witz-Banck et la crainte d'^tre en— 
voy^s k Spandau les k d^terrain^s de prendre la fiiite, qu'aucun autre 
de la troupe n'a tremp6 dans cette affaire, puisque le billet dont 3 est 
parl6 dans leurs d^positions est le mftme que Gouehoy le fils m'a[^rla 
le lendemain de leur Evasion en voulant m'en avertir, comme j'en ai 
parl6 dans mon tr^s-humble rapport 

Quant k Tarticle de leur r^ästance, ils ont d£pos6 ne Tavoir lait 
que pour 6viter d'Atre trait^s par les paysans comme des ddserteurs, qui 
les menaQoient de les rouer de coups, tout comme ils n'avoient pas oa* 
bli6 de faire, d'abord que les d^posans leur avoient remis leurs 6p6es 
de hon gr£, Tun et Tautre parti n'ayant pu se faire entendre que par 
des signes, on est incertain si Tlntention des arr^t^s a 6t^ teile qu'ih 
rinterpritent k präsent, mais ils tdmoignent par leur trfes-humble requMe, 



— 35 — 

qa'fls De peufent attendre de la Justice de Y. M. qu'une bonne puaitioD, 

et de sa CI6meace (qu'ils implorent} que leur grace. 
Berlin ce 13 Novembre 1743. 

SwetrU* 

Resolution des Königs. Sie sollen diesmahl perdoniret seyn, aber unter 
der expressen Gondition, dass sie in 2 Monath durchaus keine De- 
gen$ tragen, noch sich damit sehen lassen sollen, gegen welche 
Gondition er sie gegen beyliegende Ordre loss lassen soll. Ordre 
an das HolDTgericht, dass sie loss gelassen werden, mit der Gondition 
so der Gammerherr v. Schweeris ihnen bekandt machen wird. 



BEILAGE XVI. 

Berieht des Baron v. Suerts über einen Vorschlag des Sängers Gasperini, 
während des Aufenthalts des Königs in Breslau eine Italienische Oper 
dorthin zu fuhren, welche aus den Sängern der Berliner Oper gebildet 

werden sollte. 
Sire. 

Dans rintention de divertir Yostre Majest^ pendant Son s^jour de 
la (oire h Breslau, J'ai ajustö avec J'Entrepreneur Gasperini TOp^ra de 
Lucio YerOy de fagon qu'il se charge de toutes les d^penses sans en 
excepter aucune, pounru que Yostre Majest^ y fasse venir les six voix 
dont il a besoin et les pourvoir de logement par le Magistrat, il s'ac- 
cordera avec eux sur tout le reste, et que le d^corateur Fabris y aille 
au plus tAt pour racconunoder le Th^atre, en faisant ajouter une Gallerie 
aux Loges, dont toute la d^pense (d'autant que les seines n'ont qu'ä 
£tre retouch^es un peu) ne s^uroit aller bien loin. II souhaiteroit en- 
core d'obtenir la permission pour la du Buissan et Artus, pour attirer 
du monde par quelques danses comiques. Je supplie Yostre Majest^ de 
me donner ses ordres li-dessus et je suis avec le plus profond respect etc. 

Berlin ce 21 de Fevrier 1743. 

Baron de Sweerts. 

Eingabe des Baron y. Suerts über den Plan einer Reise der Berliner 

Sänger nach Breslau. 
Sire. 
Selon les ordres de Yostre Majestö Elle trouvera cy-joint tout le de- 
tail du Projet pour rOp6ra, et afin que si Yostre Majest^ en voulut encore 
examiner quelque circonstance, Gasparini s'est rendu k Potsdam pour N- 



— 36 - 

claircir. S'il obtient Tagr^ment de cette entreprisei il ne demande plus qa'on 
ordre pour le Gouverneur de Breslau afin que celui-cy iui assiste dans 
ses besoinsy et nomm^ment pour ayoir le Th^atre les trois jours des repr6- 
sentations par semaine, qui pourroient ^tre le dimanche, le lundi et le 
jeudi, les autres restant pour la Gom^die. 

Je me flatte d'ayoir ob^i exactement aux Intentions de ¥• M. et je suis eic. 
k Berlin ce 24 f6vrier 1743. de Sveerts. 

Dieser Eingabe waren die folgenden Details in Form eines Pro memoria 

beigegeben. 

Par rapport aux d^carations* Gomme Yostre Majest6 ordonne k Fa~ 
bris d'y aller et que les seines y sont en assez bon ^tat, n'ayant besoin 
que d'^tre retouch6es, la d^pense n'en pourra aller au dessus de cent 6cas, 
Elle pourra m6me la bomer k cette somme; outre que le Blagistrat est 
obIig6 de faire faire la galleric, puisque le Tb^atre iui appartient 

Pour les Habits Y. M. donnera ordre au Magistrat de les pr^r k 
l'Entrepreneur que le demier leur a donn6 en gage, faute de pouToir 
s'aoquitter de ses dettes. 

Par rapport aux Voix que Y. M. envoye d'ici, Gasperini s'engage 
de fournir le besoin des Representations en Poudre, Gants, Epingles, 
etc. il s'agit seulement d'unc gratification pour eux afin de les d^don»- 
mager des frais qu'ils sont obligös de faire au-delä de leur d^pensc 
icy. II s'engage de les contenter avec uu 6cu par jour, ce qui feroit 
pour tout le tcmps 168 ecus. Geux-cy ajout^s aux 100 6cus pour les 
D6corations, la döpense de Y. M. iroit k 268 icus. 

D^pense de TEntrepreneun 

1) L'Illumination Iui coAtera chaque soir^e 30 £cus 

2) Pour rOrchestre 35 . 

3) Toutes Sortes de besoins pour les acteurs 10 » 

4) Payement de ceux qui servent de Pages, guardes etc 4 • 

5) Pour les Garrosses qui m^nent les acteurs au Tb^atre et 

quelques ouvriers 6 » 

Somme 85 > 

II tirera environ 

du Parterre 60 Personnes a 12 gr. par tftte 30 6cus 

de la Galerie 30 — ä 1 rlL 8gr. par tÄte 40 » 

du Paradis 5 gr, 10 * 

80 > 



— 37 — 

De Sorte qu'il revient pour ie profit de rEntrepreneur iout co qu'il 
iire des deux Rangs de Loges, dont il fera payer le premier Rang k 
1 6e\k par t6te et Ie second k an florin. 

II esp^re enfin, que Y. M. se trouvera pendant les trois semaines 
de la foire aux trois Repr^sentations, puisque Sa Pr^sence seule y attire 
Ie plus de Monde et que pour divertir ceux qui ne s'amusent pas assez 
de la Musique, il r^pke sa demande pour les deux Danseurs La du 
Buisson et Artus, d'ailleurs il s'est engag6 k ne rien demander de plus 
par auGun motif quel qu'il puisse Atre. 



Distributioi 


1 des Voix. 


Lucio Vero 


. Stephanino 


Berenice 


Gasperina 


Yologeso 


Porporino 


Lucilla 


Molteni 


Aniceto 


Bedeseht 


Flavio 


Pineiti. 


BEEifiBXm 



Actenstücke, das Engagement und die späteren Verhältnisse der Tänzerin 
Barharina betreffend. Aus dem Geheimen Gabinets-Archiv. 

No. 1. Bericht des Grafen Gataneo an den Minister von Podewils, 
Venedig ^m 22ten Januar 1744, aber das beabsichtigte Engagement 
der Tänzerin Barharina. 

Ayant re^u les ordres supr^mes de S. M. du 31 demier pour ne 
me pas rebuter des obstacles k Tengagement de la Barharina, j'ai I'hon- 
neur de suppiier V. E. de faire savoir k S. M. que ne trouvant point 
de disposition jusqu'ici dans Ie Gouvernement pour se m61er dans cette 
affaire, je m'adressai aux deux Ambassadeurs de France et d'Espagne. 

Le premier a donc fait dire k la dite Barbarina de venir dtner chez 
lui dimanche prochain, et nous y serons aussi pour la persuader par la 
douceur. Si son Anglois persiste k s'opposer, nous la fairons enlever 
pour la mettre chez les Ambassadeurs et Fenvoyer sous bonne escorte 
aux pieds du Roi, car j'ai entre mes mains un papier signö de sa propre 
main, par lequcl eile s'engage de passer au Service du Roi, et sa bonne 
mfere est trfes-ferme dans ses r^solutions, qu'elle tienne parole. Ainsi nous 
avons le droit pour nous et la convenance aussi, car la pauvre Tille se 
perdroit absolument en s'attachant k FAnglois. 



- 38 - 

Mais il faut que S. M. m'envoye aussitAt un Diplome sign^ de Sa 
Main pour Tengagement de la dite Barbarina, qni contienne les condi— 
tions tDarqu^es par ma trfes-humble d^pAche 223 — 13 Noy. poisqae je 
r6ponds que d'abord que cette fille sera k Berlin^ S. M. r^ussira trfes-ais6- 
ment k Tengager pour toute sa vie. 

Hierauf verrdgte der Minister v. Podewils die Absendung der schrift- 
lichen Befehle unterm 2ten Februar 1744. 

No. 2. Gabinetsordre des Königs an den Grafen Dohna in Wien 
vom 17ten März 1744. 

Le bruit dont yous Me parlez dans la D^p6che du 7 courant, qoe 
J'avois fait arr^ter les ^quipages de TAmbassadeur de Yenise Gapello, 
est tellement faux que ces ^quipages ont m^me pass£ par Mes ^tats 
sans payer aucun droit, les ordres que J'avois donn^s pour les exiger, 
ayaut 616 revoqu^s au premier avis que la R^publique de Venise pro— 
mettoit de Me donner satisfaction sur Tafiaire de la Barbarina. Tesp&re 
qu'elle n'oubliera pas de satisfaire k la promesse, sur quoi aussi je prie 

J>'«^ '^'' R-ederic. 

No. 3. Gabinetsordre des Kön^s an den Grafen Dohna in Wien. 

Je vous 6cris la präsente pour yous faire savoir mes intentions au 
sujet de la Barberim', en r^ponse au rapport que yous m'ayez fiiit le 
24*"« du mois pass£. 

Je souhaite donc que le S^nat de Yenise fasse conduire cette fille 
k Yienne par une couple d'hommes, charg^s de röpondre d'elle, afin qu'y 
6tant arriv^e, yous puissiez la faire partir pour Berlin par la voye de 
Sil^sie de la mani^re la plus conyenable pour sa suret^, ce que yous 
aurez alors aussi soin d'ex6cuter. 

Yous ne manquerez pas d'insinuer tout cela k TAmbassadeur de 
Yenise, et j'esp^re que la R^publique me donnera cette I6g^re marque 
d'attention que je lui demande. 

Au Gomte de Dohna k Yienne, Frederic 

Ge qu'il doit d^clarer k TAmbassadeur 
de Yenise au sujet de la Barbarina. 
Berlin 4Ayril 1744. 

No. 4. Yollmacht des Yenetianischen Gesandten Gontarini für den 
Agenten Mayer. 

SarJi ben consegnata la Femina nominata Barbera (di Professione 
Ballerina) k chi presenterji al Yeneto confine del Friuli con l'Austriaca 



— 39 — 

fra Palmada e Gorizia la presente laita: In fede di che 

Yiena 4 Aprile 1744. Marco CotUartni Ambass. Veneto. 

No. 5. Instruction des Grafen Dohna für den Transport der Barbartna. 

Wird der Mayer allen Fleiss anwenden, um seine Hinreise nach 
Palma zu beschleunigen, zumalen das Frauentzimmer heut über 8 Tagen 
dort eintreffen wird. 

2) Daselbst des hiesigen Yenetianischen Hrn. Botschafters Exellenz 
Schreiben nebst anliegendem Kästchen sogleich an des General-Prove- 
ditores Exellenz in Palma überreichen und von ihm seine Nachricht 
erwarten, was er zu thun hat 

3) Femer demjenigen Hr. OfBzier von der Republik, welcher ihm die 
Täntzerinn Barharina auf der K. Hungarichen und Böheimbschen Granitz 
in Friaul richtig überliefern wird, den habenden Schein über den rich- 
tigen Empfang extradiren. 

5) Wann er auch etwa Postpferde bedörffen solfte, wird er des Hr. 
Botschafters Exellenz Schreiben an den Postmeister in Palmada über- 
reichen können. 

6) Wird Hr. Mayer alle Sorge anwenden^ dass die Täntzerinn ihm 
nicht weggenommen oder entfuhrt werde, oder heimlich weggehe, auch 
benöthigten falls yon den K. Hungarischen und Böheimbschen Gouver- 
neurs oder Commandanten oder Magistraten der Städte und Dörffer, im 
Falle etwas zu befürchten, um eine kleine Escorte von Ort zu Ort er- 
suchen, wobei ihm der Pass von der Königin Majestät helffen wird. 

7) Seine Zurückreise hin nach Wien, so viel als es ohne die Tän- 
tzeiin Barberina zu sehr zu fatiguiren geschehen kann, zu beschleunigen 
suchen. 

8) Das ihm zur Beise mitgegebene Geld richtig zu berechnen und 
so viel thunlich zu menagiren. 

Zusatz von Graf Dohnas Hand: 

„Als welche Barberina er auf alle Weise zu flattiren, ihr die Beise 
bequem machen und sie in guten Humeur zu setzen suchen, auch ihr 
versichern wird, dass sie in eine schöne Stadt, an einen grossen Hof 
und in eines gnädigen Königs Dienste käme, worin sie alle Ursache 
vergnügt und zufrieden zu seyn, haben wird.'' 

No. 6. Bericht des Mayer. 

Beichshochgebomer Graf, 

Gnädiger und hochgebietender Herr! 
Ew Exellenz habe nach meiner Schuldigkeit unterthänigst zu berich- 
ten sollen wegen meiner Beise, wie das den 16ten dieses zu Pahna 



— 40 — 

nova glücklich angelaDget, auch seihten Tag gleidi wiedemm mit 
hetriibten Frauentzimmer zurück nacher Goritzia und hei dem schwarzen 
Adler alda eioli^et, alwo zu meiner grössten Bestürtzung unter einem 
Cngirten Namen und andern ang^ebenes Landes als St Andrea der 
Lord schon in die 5 Tage aldar logiret, mithin bei meiner Zurückdcunft 
von Palma mir ein Billet wie die Copia hierbei lautet zugeschicket, dass 
ich ihme erlauben möchte mit ihr zu reden, alleine ich gäbe kein Gehör, so 
bittet erMilord noch einmal, er wollte sidi Hände und Fasse binden lassen, 
und mir ein schönes Recompens geben, ich möchte ihm eine Viertelstunde 
erlauben mit ihr zu reden, es konnte abermals nicht geschehen» alsdann 
ist es auf das Todtschiessen meiner und des Kutschers ausgebrochen, mit- 
hin habe die Pferdte ihme arretiren lassen, bis ich ihm bezwungen und 
den änderten Millord mir schriftlich mit Hand und Pettschaft zu geben, 
dass er mir sambt meiner Suite nichts in den Weg legen wollte, bis 
ich zu Wien. Der Änderte aber hat seinen Weg nachher Wenedig ndb- 
men müssen, und gehet der Mylord mir auf der Strasse vor. Das Frauen- 
tzimmer und ihre Mutter sambt einem Domestiquen, welcher vermeinter 
Domestique aber des Mylords sein Gammerdiener war. Ich werde also 
übermorgen, wann kein Unglück begegnet, zu Gratz sein. Meine Tan- 
tzerin ist etzliche Tage vor Liebe und Ghagrin krank gewesen. Nun 
habe ich zu besorgen und mich in Adit zu nehmen glücklich mit ihr 
durchzukommen. Ew Exellenz haben wohl die Gnade und thun sich bei 
dem Gesandten Mylord Robinson befragen nach der Ankunft des Stuarts, 
denn er ist völlig Rabiat, womit mich zu Ew Exellenz hohen Gnaden 
unterthänigst empfehle 

Ew Ex. 

unterthänig gehorsambster Knecht 
Granitz d. 21ten Aprill 44 E. L. Mayer. 

in Steyermark a. Windisch Land. 

Copia. 

Monsieur le Gomte de Caienberg et Mr. de St AndrS fönt bien 
leurs Gomplimens h Madcmoiselle Barberina, et si eile veut nous per- 
mettre, nous aurons rhonneur de lui rendre visite avant que de partir, 
en grand d^shabiil^. 

A Goritzia le 17 Avrill 1744. 

Monsieur Stouardt de Machinzie promet de s'en aller tout droit i 

Yienne en poste, et de partir aujourd'hui sans molester ni faire aucun 

insulte k Mcllle. Barbarina Gampanini ni aucun de sa Suite, en foy de quoy 

je mets ma Signatare avec la Gachette de mes Armes. 

( L. S. ) Stouardt de Machinzie. 



— 41 — 

No, 7. Schreiben des Grafen y. Dobna aus Wien an den Minister 
Y. Podewils in Berlin, vom 25ten April 1744. 

Gomme Y. E. est entiferement inform^e des circonstances de l'Arr^t, 
ainsi que de Tengagement de la Barbarina, par mes rapports et les ordres 
qui m'ont 6t6 exp^di^s h cette occasion, je croirois superflu de Tennuyer 
par un long detail, d'autant plus que j'ignore moi-mime les circonstances 
de Tengagement et piusieurs autres qui concement Taffaire, et cette lettre 
n'est que pour procurer k Mr Stuart de Makenzie, ainsi qu'il m'a priä 
instamment, Tabord aupr^s de Y. E., ce que je lui ai d'autant moins pu 
refuser que je le vois rempli de sentimens de consid^ration pour Elle 
et de confiance en son 6quit6, politesse et douceur reconnues et de y^- 
n^ration pour S. M. le Roi notre auguste mattre et malgr^ la force 
surprenante de sa passion dans les dispositions de la plus parfaite mo- 
d^ration et saus aucun autre dessein que d'implorer la grace et, k ce qu'il 
dit, la Mis^ricorde de S. M. pour couronner sa flamme. 

Je suis persuad^ que s'il I'obtient, il fera Yolontiers raYoir une autre 
danseuse k sa place et remboursera les frais dont j'enYerrais le Gompte. 

II ne me reste qn'k ajouter la pri^re que Y. E. Yeuille bien aYoir 
la bont6 de procurer au nomm6 Mayer mon ci-deYant Mattre-d'h6tel 
une r^compense proportionn^e k ce qu'il Ta ^t6 querir sur' les fronti^res 
de l'Etat de Yenise et Ta menöe ayec assez de peine et de difScult^s 
jusqu'ji Berlin. , 

No. 8. Bericht des Grafen Dohna an den König. 

Yienne le 29 AYril 1744. 

Quoique Thomme que j'ai euYoyö pour receyoir la Barbarina se 
soit comporte ayec toute la prudence et fennet^ requise k Goritz, y ayant 
demandö et obtenu k propos Tassistance du Gommandant en Yertu de 
ses Passeports de cette Cour, ainsi que rejett6 le pr6sent consid6rable 
que l'amoureux Mylord Anglois lui a oSert pour la pouYoir entretenir 
un quart d'heure en sa pr^sence, j'ai toutefois estim^ plus conYenable 
de la faire äyiter Yienne et passer le Danube k Pressbourg, d'oü ils 
tomberont sur Ratibor et Neustadt, et le Sr. de Hammerstein ayant juste- 
ment youIu se rendre k Berlin» je n'ai point trouYÖ de meilleure occasion 
pour mettre en cx^cution ces arrangemens que de Tengager d'aller au 
deyant jusqu'ä Gratz et de se joindre k mon homme pour la mener k 
Berlin. 

Get Anglois m'est Yenu Yoir deux fois et me paroit un homme d'nn 
caract^rß bien singulier. II est fort doux et fort poli, ayant du monde, 
de l'intelligence, des manieres nobles, et parlant bien fran^ois, except^ ses 
extraYagantes amours le jugement fort bon et sain; et si tant est qu'on 



— 42 — 

puisse dire que quelqu'im parle raisonnablement sor une extraTagaoce, 
il faut lui rendre le t^moignage qu'il le fait lui sur ses amours. 

II d^sire passioDn6ment de se jetter aux pieds de Y. Maj. et de lui 
demander en grace sa promise, de la vertu de laquelie il veat 6tre caa- 
tion, et dit qu'il avoit offert de coostituer 100,000 ^cos d'assuraDce poor 
ia lirrer lui-m^me k Berlin et y attendre le sort de sa yie oa de sa 
mort de la Grace de Y. M. 

II a SU toucher le Sn de Cataneo de mani^re k interc6der trte-son- 
misement pour lui, et dit que son fröre ain6 est trös-content de ce pr6- 
tendu Mariage, qu'il est maitre absolu de ses actions ainsi que de son 
bien, que ces sortes de mariages ^töient trös-usit^s dans son pays, et 
que Mylord Hyndfort son parent de loin a surpris la G16mence de Y. M. 
sur de mauvaises informationSy de sorte qu'il pourroit faire un beau cook- 
mencement de Roman. 

No. 9. Schreiben des Lord Stuart-Mackenzie an den König. 
Sire. 

Je n'ignore pas, avec combien de d^savantage je prends la liberte 
de m'adresser aujourd'hui k Yotre Majest^. L'affaire dont il s'agit est de 
Celles que le monde est sujet k condamner comme foiblesse; peutp-Atre 
m^me que, par un effet ordinaire de l'^loignement, eile aura it6 repr^ 
sent^e k Y. M. dans un faux jour, et je sgais que quelques-uns de nies 
parens (quoiqu'ils n'ayent pas la moindre autorit^ sur rooi) ont fait jouer 
tous leurs ressorts pour Ücher d'obtenir de Y. SL qu'EUe soit contraire 
k un dessein d'oü dopend la tranquillit6 de ma yie. 

J'avoue que joilk beaucoup plus qu'il n'en faudroit pour me faire 
perdre courage, surtout consid^rant la distance infinie qu'il y a d'on 
Trone aussi ileyi que celui de Y. H. ji la condition d'un simple parti- 
culier, si je ne faisois reflexion en mftme tems que j'ai l'honneur de 
parier k un Roi qui par un amour aussi extraordinaire qu'admirable 
pour la T^ritö a daign^ permettre cette yoye jusqu'au moindre de ses 
sujets, k un Roi qui, par la force de son esprit et de ses connoissances 
sup^rieures aux prejug^ communs du reste des hommes, s'est acqnis une 
^levation plus glorieuse encore (s'il est possible) que par le Rang sublime 
ou la nature l'a plac^. 

Rassurö par des motifs aussi justes et bien fondfe, j'ose prendre 
la hardiesse de Yous repr^senter, Sire! que jamais il ne m'est yenu en 
t6te de m'opposer k la YoIont6 de Y. M. (comme j'ai entendu depuis 
que je suis arriy^ ici que j'en suis accus^), et je crois que la lettre que 
j'ai Äcrite k Mylord Hyndford, prouye assez clairement mes sentimens Ü- 
dessus, car dans cette lettre je lui ai dit qu'en cas que Y. M. (apres 



— 43 — 

avoir 6i6 infonn^ des eDgagemens de mariage qu'il y ayoit entre la De- 
moiseile Barbarina et moi) continuAt ioajours dans la r^soiution qa'elie 
se rendit ici k Berlin, j'^tois pr6t moi-mAme k la mener aux pieds de 
Y. M. A r6gard de ceux qui se sont oppos^s si hantement k mon ma- 
nage, je pois assurer Y. M. sur ma parole d'honneur que ies loix de 
mon pays ne leur donnent aucun droit imaginable de m'en empteher 
ny de me gener en quoi que ce soit, y ayant dijk cinq ans que je suis 
enti^rement k ma disposition, et tout le monde chez nous a vu combien 
j'^tois independant et de mes parens et de la Cour, puisque je Ies op- 
posois toujours au Parlem^t, peut-£tre, si je ne Tavois pas fait, qu'ils 
s'empresseroient moins k me chagriner dans cette occasion, qu'ils savent 
m'^tre des plus sensibles; d'ailleurs il n'y a rien de plus commun en An- 
gleterre que de voir un homme de la premiäre qualit6 ^pouser une 
femme de la naissance la plus basse, parce que, comme Ies femmes pren- 
n^t d'abord le rang de leurs maris, cela ne fait aucun tort aux enfans 
qui en peuvent naitre; et je pnis dire avec T^rit^ que ce n'est qu'apr^s 
y avoir pens6 et r^flöchi pendant fort long-tems que je me suis d^ter- 
min6 sur cette affaire, k la quelle je me trouYe tellement engag6 que 
je ne s^aurois plus m'en d^dire avec honneur quand m^me je le voudrois. 

Je demande tr^s-bumblement pardon k Y. M. si pour dissiper Ies 
impressions peu favorables qu'EUe pourroit avoir prises de mes intentions 
et de ma conduite dans cette affaire, je me suis cm oblig^ de Timpor- 
tuner de ce d6tail et d'exposer la v^rit^ dans son juste point de vue 
aux pieds de Y. SL, afin que Yous puissiez juger, Sire, que ce n'est pas 
Sans raison que je souhaitrois que cette personne püt 6tre dispensäe de 
paroitre encore sur le Th6atre apr^s que Ies engagemens qui subsistent 
entre neos sont devenus publiques. II n'y a pas besoin d'en dire da- 
vantage pour faire sentir k Y.M. jusqu'ä quel point de reconnoissance 
une teile grace m'obligeroit La chose du monde qui me tient le plus 
au coeur» ne dopend que de Sa C16mence. Ten attends Tarr^t avec la 
soumission que je dois, et qui m'oblige d'^tre pour toujours inviolable- 
ment avec un tr^s-profond respect etc. 

A Berlin ce 9*«« May 1744. Stuart de Machmzie. 

Reponatur. 

No. 10. Bericht des Polizei-Präsidenten v. Kircheisen an den König. 

Berlin 4««» Juli 1744. 
AH. 

Es ist der Lohn Laquay» welchen der Makinzie mit sich von hier 
genommen, gestern Abend aus Hamburg zurückgekommen. 



— 44 — 

Ich habe ihin sofort die ihm an die Barbarina anvertrauten Briefe, 
unter welchen er den ohne Aufschrift in derselben eigene Hände zu 
geben befehh'gt gewesen, abgefordert und Ew. K. Maj. solche sämmtlich 
unterthanigst einsenden sollen. 

Der Makensie hat sich in Hamburg auf einem Schiffe nadi London 
embarquirt 

Die folgenden Originalbriefe liegen hierbei: 

a. 
A Hambourg ce Lundi 29 Juin 1744. 
Mon amour! 

Je suis arriv^ ici et je dois m'embarquer demain pour aller en An- 
gleterre, je n'ai pas pu m'emp6cher de Yous ^crire une ligne par mon 
domestique qui retoume k Berlin. J'^tois si frapp6 du Message que S. 
Maj. m'a envoy6, que je n'ai pas bien compris s'il disoit que je ne 
devrois avoir aucun commerce de lettres avec yous pendant que j'^tois 
dans les ^tats du Roi, ou pendant que Yous y 6tiez; je croLs que c'6toit 
pendant que moi j'y ^tois, de fa^on que comme je n*y suis plus» je me 
risque k vous ^crire ces lignes. Que n'ai-je pas souffert en vous quit- 
tanti Mais vous le devinez: c'est pourquoi je ne veux pas'^vous affliger 
en YOUS faisant le detail; mon d6part, je crois, vous aura assez coAt^ 
Sans cela. O Dieu! que notre sort est malheureux, ma charmante Bab- 
byii, si j'avois eu une occasion de voir Sa Maj. je ne crois pas que cela 
m'auroit arriv^, mais quelquuns se sont bien gardösTde me laisser ap- 
procher le trone, de peur que je ne disois des v^rit6s qu'ils n'auroient 
nullement souhait6 que S. M. en füt mis au fait Je laisse ma chaise 
ici pour vous, cela ne vous coütera pas grande chose de la faire vcnir 
par eau k Berlin, mais il faut avoir un Passeport pour qu'elle ne 
paye point de droit, autrement cela vous coütera trop; mon domestique 
pourra vous dire oü eile est la chaise et puis vous pourrez Tenvoyer 
chercher; cela pourra vous 6tre utile; quoique nous sommes separ^s et 
bien loin Fun de Tautre, vous pouvez conter cnti^rement sur moi comme 
si j'etois pr6sent; je suis trop d^termin^ et nous sommes trop fortement 
li^s ensemble, pour que le temps puisse nous faire oublier l'un l'autre. 
Une passion passe souvent avec le temps, mais des engagemens sacr^s 
qui sont soutenus par Thonneur^ aucun temps ne peut les rompre, et 
je crois de pouvoir röpondre pour moi-m^me, que quand nous nous 
revcrrons, si ce fät ä bien long-tems d'ici, je serois tout-ä-fait dans les 
m6mes sentimens que je suis k cettc heure. 

Je conte sur vous, mon ame, autant que sur moi-m6me, et je suis 
persuad^ que vous ne me manquerez pas s'il vous est permis de m'c- 



— 45 — 

crire, j'espire d'avoir souvent de vos nouYelles. Gontez sur moi en tout 
Adieu monamoor. Anima mia carissima adio! 

Je suis tout k vous 
L'infartun^. 
b. 
An den Abb6 Colman. 

Hamborough 29 Juni 44. 
My dear Sir! 
1 take this opportunity of writing you two lines to let you know 
what is become of me. I am got to this place after having made the 
most painful journey I ever made in my life. I shall embark to night 
to go to England, and if you have a mind to let me hear from you, 
direct your letter to George Pitt Esq. Member of Parliament to be left 
at the Cocoa-tree in Pall-Mall, London, and it will come to me just 
as if it had been addressed to me. If you say any thing to me about 
my dear little woman, you may call her the Doctor, or Gapt or any 
diing of that kind and let me know, how she does, and if there is any 
hopes of her having her liberty. Pray remember to speak to the Counts 
brother that he may beg of bis Hajesty to be a little favourable to us, 
since we have met with such hard usage. I am extremely dejected and 
confiised, so I hope you will excuse this stupid scrawl. Pray let me 
bear from you, if possible, and be assured that I am most sincerely, 

My dear Sir, 

Your most faithfol 

L'infcTtuni. 



My ever dearest Wife, my lovely sweet Molly, 
avec quelles expressions pourrai-je vous signiGer mes souffrances, 
^tant s^par^ de yous de la fa^on que j'^tois; je ne doute pas que vous 
n'ayez beaucoup souffert, mon ame, quand vous Ates sortie de la com^die 
et que vous avez entendu la nouvelle, mais si vous avez souffert, jugez 
ce que j'ai souffert moi, 6tant seul et n'ayant personne avec moi k me 
consoler. O Dieu! la pens^e me fait geler le sang; je vous ai ^crit une 
petite lettre, je ne s^ais si on vous I'a donn^e, oü je vous ai marqu^ ma dis- 
grace, mais je n'osois pas vous dire tout, comme je ne s^vois si on 
vous la remettroit; mais ä cette heure je puis vous parier librement, car 
mon domestique qui retoume k Berlin, vous donnera ceci en propres 
mains. Suis-je donc s^par6 pour long-tems de celle qui m'est si ch^re? 
oa est-ce un songe? O! ce n'est que trop vrai, jugez, mon ame, k prä- 
sent ce que votre infortun6 man doit sentir; mon coeur va crever, je 



- 46 — 

n'en puis plus; que donnerois-je k präsent pour yous voir un «piart 
d'heure! O Babby, j'ai peur que nous sommes s^parfe pour ioujours; 
toute ma consolation est de baiser votre ober portrait et de penser k 
Celle qui m'est plus que mon Paradis. Nous n'avons pas pens^, quand 
je vous ai quitt^e apres-dlner, que nous ne devions plus nous revoir, du 
moins pour bien long-tems. O Dieu! oü suis-je? falioit-il ajouter en- 
core ceci k toutes nos peines? n'avions-nous pas assez souffert aupara- 
vant? O my Dear Babby, souvenez-yous bien de tous les conseils que 
je YOUS ai donn^s, et de tout ce que je yous ai dit. Je suis arriYä ici 
k Hambourgh pour m'embarquer pour TAngleterre^ car je n'ai pas pu 
Yoyager plus par terre; c'est un passage de plus de cinq oent de nos 
milles, et Dieu s^it quand nous y anrihrerons, car le Yent est extr^me- 
ment contrairc. Je dois partir ce soir dans une barque pour aller au 
Yaisseau, qui est k cent' milles d'ici; pensez donc k moi, quand yous en- 
tendez siffler le yent, et pensez que peuWAtre alors je yous enYoie 
mes derni^res b^n^dictions; si ce n'6toit que pour yous mon idole, la 
mort ne me pourroit jamais Yenir plus k propos. II y a bien des arma- 
teurs Fran^ois alentour, et qui Yiennent quelques fois jusqu'i Fembouchure 
de cette riYifere; mais j'esp^re de trouYer li-bas un Yaisseau de gaerre 
dont le Gapitaine est de mes amis. Je yous ai promis, mon amour, de 
YOUS ^crire une lettre de consdl aYant que je suis parti; absi je yous 
en dirai quelque chose k präsent, quoique je ne pourrai pas le faire 
comme il faut, je suis si troubl^ et chagrin6. Je crois qu'il n'y aura pas be- 
soin de yous dire de prendre garde k toutes les politesses qu'on yous fait, 
et tous les agr^mens qu'on yous promet; ils yous ont dijk montre 
la fausset^ de tout cela, en me chassant loin de yous; ne yous payez 
pas des belles paroles, contez lä-dessus qu'ils tAcberont de yous tenir 
Ik toujours, si yous n'6tes pas ferme dans yos r^solutions. A T^gard de 
Yotre conduiie, j'espire que yous en aur6s plus soin que jamais, yous 
s^Yez dijk le pourquoi, je yous ai fait Yoir en quoi yous ^s sujette k 
manquer; ainsi je te supplie d'en prendre garde. Mettez yous pour une 
r^Ie de ne pas jamais manger dehors cbez qui ce soit, et de ne jamais 
rester seule un moment ayec aucun bomme; ne yoiez pas Je mftme 
bomme trop souYcnt, de peur qu*on ne le mette sur YOtre conte; quoique 
faussement, cela yous fera toujours beaucoup de mal, et k präsent sur- 
tout on chercfaera a aggrandir tout ce que yous faites. Si yous yous 
sentez prendre trop de plaisir dans la compagnie de qui ce soit, ^Yitez- 
le dans le commencement; autrement yous courir^s risque d'6tre ingrate 
k celui qui yous a montr^ tant d'amour, et qui yous a et6 en tout un 
Yrai et fid^le ami. Ne touchez personne, et ne souffrez que personne 
YOUS touche, YOUS s^aYez ce que je yous ai d6}k dit l^dessus. Montrez 



— 47 — 

en toute occasion la peine qu'on vous a fait en m'arrachant de yos eher» 
bras; ne yous fiez k personne lä^ honnis k mon ami en cas que yous 
Yenez k le connottre. Par rapport k Yotre sant^, quand yous yous trou- 
Yez malade, ne Yoiez personne au lit; ce n'^toit pas Yotre fa^on aupa- 
raYant, et pour Tamour de moi ne le commencez pas k cette heure. 
Je ne yous donne aucon conseil que je ne suis pr6t k suiYre moi-rnftme; 
c'est k dire, faisant la distinction entre un homme et une femme, et si 
aprfes que yous regagner6s Yotre libertä, yous ne me souhaitez plus, je 
YOUS prie de suiYre toujours mes conseils, car je yous les donne pour 
Yotre bien, car si je ne deYois plus yous reYoir (dont Dieu me pr6- 
senre) je yous donnerois toujours les m^mes conseils. 

]khis je n'ai nullement peur que nous nous oublions; nous aYons 
trop de liens pour nous tenir ensemble, malgr6 notre Separation et nos 
malheurs. Nous aYons des liens plus forts que le mariage k nous unir 
ensemble: Pamour, Tamitiö et Fhonneur; nos engagemens sont all^s trop 
loin pour que le tems les casse, et pour moi, my dearest sweet wife, 
je YOUS regarde pr^cis^ment comme si yous 6tiez mon öpouse dijk et 
que nous ötions Obligos de nous s^parer pour quelque tems, et si yous 
YOUS comport^s bien, comme je ne crains pas que yous ne le faites, 
yous ser6s toujours la m£me que yous m'aYez ^t^, et je yous receYrai 
les bras ouYerts, d'abord que l'occasion se präsente. Üs ont cm, en 
nous s^parant» de nous rendre indiff6rens Tun de Tautre, ainsi tenons 
nous fermes ensemble, c'est le seul moyen de Yaincre k la Gn toutes 
les difficuttez qui s'opposent k notre fi^licit^. 

SouYonez, mon ame, que si je commence k yous Atre moins eher, que 
quand nous nous reYerrons, Yotre amour pour moi pourra bien se ral- 
lumer, et ne regardez pas nos engagemens comme une simple passion, 
maiff comme un Etablissement heureux pour nous dem, pour toute notre 
Yie. Yoilä de la fa^on que je le consid^re moi, et tel je le considerai 
toujours. Soyei k moi tocgours, mon ange, et moi je ne yous man-- 
querai pas. 

J'ai oubliE de yous aYertir d'une chose, c'est que si on yous Ecrit 
des lettres en yous faisant Tamour, yous doYiez les recacheter et les 
renYoyer sans aucune r^ponse. Croiez moi que si yous yous 6tiez tou- 
jours comporte Selon ces r^les, on n'auroit jamais mis personne sur 
Yotre compte, comme yous s^ycz qu'on a fait, quoique aYOC grande 
injustice. Je crois que yous fer^s mieux, mon amour, de bruler ceci, 
car Bun pourroit le trouYcr, et yous s^aYez ce qu'en arriYera. Au nom 
de Dieu, prenez garde que personne n'en sache la moindre chose de 
cette lettre, car notre bonheur en dopend enti^rement, car on croira 
alors que tout ce que yous faites, est par mes conseils. Souvenez-Yous 



— 48 — 

aussi ce que je tous ai dit de fiüre k toutes mes lettres; vous nCenieniez, 
et prenez bien garde d'^tre seule, qoand yoas m'^crivez, car si une fois 
cela est d^couvert, nous sommes perdos pour toujours. Yous pouTez 
demander la permission de nous 6crire oüTertementy k präsent qae je 
serai tant öloign^ de vous; si yons ne trouvez pas Toccasion de le de- 
mander de yiYe voiz, öcriyez le une lettre; mais prenez bien garde, et 
dites qae yous Tavez seulement entendu que nous n'ayions pas la per- 
mission de tenir une correspondence ensemble, et que yous souhaitez i 
präsent que cela nous sera accord6» puisque je suis si ^loign6 de yous. 
Mais ne dites pas que moi je yous ai dit qu'il nous 6toit d^fendu de 
nous ^crire, parce quil faut faire semblant de ne s^aYoir rien de moi, 
depuis qae je suis parti, et que yous souhaitez beaucoup d*aYoir de mes 
nouYelles. 

Yous trouYer^s tont ceci extr^mement confus, mais c'est ayec 
peine que j'6cris du tout, car je suis dans une Situation Yraiment 
digne de piti^. Je crois que yous Ates assez persuad^e de ma Mi- 
lit^ enyers Yotre chfere personne; au moins, mon amour, yous deviez 
r^tre. Yous pouYez d^pendre enti^rement sur ma constance, mon 
amiti6 et mon amour, et si jamais je yous manque dans la moindre 
chose, j'esp^re que yous me hair^s, et c'est la plus grande mal^diction 
qui pourra tomber sur ma malheureuse t6te. O quand reyerrai-je ma 
chire petite Pitti; qu'elle seit k moi toujours, je prie Dieu. O my sweet 
Babby, que je suis abtrn^ k cette heure, quand je pense combien noos 
ayons ^t^ heureux ensemble. O ne m'oubliez donc pas, my loyely mo- 
man, car yous 6tes ä moi, et j'espire que yous le ser^s encore daYan- 
tage. O pens^s k quelques discours que nous ayons eus ensemble, et je 
YOUS d^fie de m'^tre infidäle, de quelque fa^on que ce soit Rappelez 
YOUS bien des choses qui sont pass^es entre nous, et puis pensez r^- 
li^rement depuis onze heures jusqu'ji midi tous les jours, et alors nos 
ames se rencontreront ensemble, car moi, je ne fais autre chose que de 
penser k ta ch^re figure. Si encore nous nous retrouyons pour toujours 
ensemble, nous deyons bien nous aimer, apr^s tant de malheurs qae 
nous ayons ^prouY^s. O suiyez tous mes conseils au pied de la lettre, 
et pensez tous les soirs, si yous aYez manqu6 en quelque chose de ce 
que je yous ai dit, pendant le jour. Ne yous faites pas yoir souyent avec 
des hommes, car on dira alors que yous ne yous souyenez plus de moi, 
comportez-YOUS en tout ayec plus de soin que pendant que j'6tois avec 
yous; car ils ont cru que quand je serai une fois parti, yous feriez tout 
ce qu'on yous demanderoit, et que je yous genois pendant que j'^tois 
anpräs de yous. A cette heure, mon ame, pensez k tout, et soyez per- 
suad^e que yous pouyez conter sur moi autant comme si j'^tois aupr^ 



— 49 — 

de vous. Aajourd'hui en huit nous 4tions ensemblo, et nous pensions 

peu k £tre s^parös si tot; est-ce quo nous ne pouvons plus nous revoir 

donc? Ah Dieul quelle pens^e, suis-je ^loign6 de mon aimable äpouse; 

des mers vastes vont bientöt nous söparer. O Dieu! faut-il que je souffre 

tout cela? oui, il le faut, pour ne pas abandonner celle qui m'est si ch^rel 

Je ferai donc mon possibie pour me soutenir, mais ne me manquez pas, 

apris que j'ai fait des efforts uniquement pour vous. O mon ame, pensez 

souvent k moi et k tout ce que je vous ai dit Que je vous rappelle en- 

core une fois d'avoir soin que Bun ne voie pas ceci, brulez-la, mais 

copiez premi^rement de certains conseils que je vous ai donn6s, et yoiez 

tous ies jours, si vous les observez; et prenez grande garde que Bun 

n'en voie pas la moindre chose. A cette heure, my dearest dearest wife, 

je te fais mes adieux, grands Dieux! mais quels adieux? contez sur 

moi, et moi je conterai sur toi, mon aimable enfant; s6par^ de vous ou 

avec vous, je serai toujours k toi. S'il vous rend la lettre bien comme 

il faut, donnez lui un ducat, pour avoir Hre fidäle. Adieu ch^re 

ch^re et trfes^ch^re ^pouse, souvenez-vous de votre mari, quoique il est 

6Ioign6 de vous. Adieu, ame de mon ame, vie de ma vie, my dearest 

Babby, farewell. Souvenez-vous k cette heure de quelque chose, vous 

tnentendez. 

L'infortunL 



BEILAGE ZVm. 

Programm der Besetzung und Ausstattung einer Oper, wie dasselbe Seinem 
Majestät dem Köm'ge zur Bestätigung vorgelegt wurde. 

1940. 

ARMINIO. 

DRAMMA PER MUSICA. 

DA RAPPRESENTARSI 

NEL REGIO TEATRO DI BERLINO 

PER ORDINE 

DI SÜA MAESTA. 



ATTORI. 

Varo, Governatore della Germania per Augusto. 
Armtmoj Principe de' Gherusci, Amante di Tusnelda. 



— 50 — 

Segestet Principe de* Catti, Amieo di Yaro. 

Tusnelda, Figliaola di Segeste, promessa Sposa di Anninio. 

Marziat Sorella di Yaro, Amante di Segimiro. 

Segimiro^ Fratello di Tusnelda, Amico di Arminio. 

TuUo^ Legato Legiooario, Gonfidente di Yaro. 

COMPARSE. 

Di Littorty UlGciali e Soldati Romani con Yaro 
Di Soldati Gatti, con Segeste. 
Di Soldati Cherusci, con Arminio. 
Di Paggii e Dame, con Tosnelda. 
Di Paggif con Marzia. 

YERAENDERUNGEN DER SCENEN. 

Ergte Handlung. 
Ein prächtiges Zelt, so von allen Seiten offen steht Im Prospect ist eine weite Ebene, 
welche von Römischen in Ordnung gestellten Legionen bezogen wird. Man sieht zu- 
gleich einen Theil des Schlosses Teuteburg. 

Ein Wald. 



Zweite Handlung. 
Lust-Garten des Varus. 

Amphitheatrum, so an die GefSngnisse stdsst, mit Gattern und versohiedenen Treppen, 
welche zu unterirdischen Behältnissen abführen. 



Dritte Handlung. 
Des Segests Cabinet. 

Der Prospect des Schlosses Teuteburg, an dessen Fusse die Ems vorbei fliesst, wor- 
über eine Brücke im Prospect zu sehen, woran eine ZugbrOoke stOsst, von welcher 
man in gemeldetes Schloss kommen kann. Von der einen Seite fängt sich der daran 
gelegene Wald an. Alles ist erleuchtet. 



BALLETS. 

ACTE I. 

Sacrifice k Teuto, 
Entr^e seule. Pas de deux. 

Mr Tessier. Mad*"« Barharina et Mr Lany. 

Entr^e seule. 

Mad«"« Lany. 



Ol — 



Mssrs 



Figiirants. 

le Clerc. 

Giraut. 

Cochais. 
j Naverre. 

du Bois. 

Neveu. 



Mad^"« 



Figurantes. 
Cochois. 
Temer, 
Campaninu 
Auguste, 
Artus, 
du PortaiL 



ACTE II. 
R6jouissance du Peuple Romain. 



Pas de deux. 
Mr Artus et Mr Josset. 

Figurants. 



(wie oben) 



Entr6e seule. 
Mad*»« Cochois. 

Figurantes. 



ACTE ffl. 
Ballets des H6ros. 



Entr^e seule. 

Mr Artus. 

Pas de deux. 

Mad*"« Cochois et Mr Tessier. 

Figurants. 
Guerriers. 



Entr^e seule. 

Mad«"« Lany. 

Pas de deux. 

Had^** Barbarina et Mr Lany. 

Figurantes. 
Amazones. 



BEHAGE ZEL 

Die Verhältnisse der Tänzerin Barbarina betreffend. 

a. 
Sire. 
y. M. m'a ordoun^ en date du 22"^® du pass6 de faire retenir sur 
les appointemens de ]a Barbarina la somme qu'elle doit aux Soeurs Vin- 
cent; j'ai agi en cons^quence, et on Ta not6 k la caisse, mais comme 
eile a son cong^, que par-Iili ses appointemens cessent, et qu'eile me 
dit de partir incessamment, les dites Soeurs Vincent fönt actuellement 
de nouvelles instances pour empAcher qu'elle ne parte avant de les payer. 



- 52 — 

Dans cette circonstance je me suis adress6 k Mr. Kircheyseo pour rem- 
plir les ordres de Y. M. et l'obliger k acquitter cette dette avec quel- 
qu'autre avant qu'elle quitte Ses ^tats. J'ai cru £tre de mon devoir d'en 
faire le rapport k Y. M. et d'en attendre les ordres ult^rieores. 
Berlin 8 Juin 1748. Suei-ts. 

Decret des Königs. Muss dafür sorgen, dass die Leuthe bezahlet wer- 
den, seine Sache — oder muss sie arretiren lassen. 



Allerdurchlauchtigster, etc. 

Der Baron v. Swerts hat gestern Abend nut Yorzeigung Ew Maj. 
Allergnädigster Ordre von mir verlanget, die Barbarina, falls sie Mon- 
gouberts Forderung nicht bezahle, zu arretiren. Ich habe dieses befo^et, 
und einen Polizey-Beamten ihr im Hause gelassen, auch ihr gesaget, 
dass mein Yerfahren lediglich auf des B. v. Swerts requisition und auf 
das Ansuchen Mongouberts geschehe. 

Sie hat hierauf geantwortet, dass sie Niemanden allhier etwas schul- 
dig sey. Wegen der Mongoubertschen Post wäre die Sache yor dem 
Gammergericht anhängig, das Geld alle haar depom'rt, und nachdem sie 
den ihr deferirten Eyd abgeleget, hoffe sie täglich, von dieser Schuld 
durch eine Sentenz absolvirt zu werden, mithin habe der Mongoubert et- 
was an ihr nicht zu fordern. 

Ew K. M. allerhöchste Befehle zu meinem Yerhalten erbittend, er- 
warte ich in Submission etc. 

Berlin U^ Juny 1748. v. Kircheysen. 



c. 
Sirel 

Comme la Barbarina a refusä de payer les Soeurs Yincent apr^s 
toutes sortes de propositions et de r^monstrances qu'on lui k faites, et 
qu'elle attend la Sentence du Cammergericht, oü eile a pr6t6 serment, 
quoique trop 16g^rement, de ne leur rien devoir. Le Conseiller priv6 de 
Kircheysen la fait garder de vue en attendant que la Sentence füt rendue. 

Mais comme on pourroit Tabsoüdre et que Y. M. m'a ordonnö de 
faire acquitter cette pr^tension; il n'y a plus qu'un moment dimpatience 
ä attendre, qui la d^termine k payer plut6t que de rester k la maison. 

Berlin 11 Juin 1748. Suerts. 



— 53 — 

BEILAGE ZZ. 

Brief des Königs an Algarotti über die Oper Cariolano. 

Potsdam 6 Septembre L749. 

Yoici un canevas tr^s en abr6g6 de Top^ra de Coriolan. Je me suis 
assujetti k la yolx de nos chanteurs, au caprice des d^corateurs, et aux 
rfegles de la musique. La Scfene la plus paUi^tique est celle de Paulino 
avec son p^re; mais comme le röcitatif n'est pas son fort, il faut metlre 
ce qu'il y a de plus touchant dans la bouche de TAstnia; ce qui pourra 
fournir un r^citatif avec accompagnement Yous verrez que je n'ai pas 
voulu faire un long op^ra; s'il dure trois heures et un quart avec les 
ballets, cela sufBt — Je vous prie de le faire ^tendre par Filati, mais 
d'avoir Toeil qu'il n'ait de longs r^citatifs que dans la scfene cinquiöme 
du troisi^me acte. Le r^citatif de TAstrua du premier acte n'a pas besoin 
d'^tre trop long« Le r^cit du s^nateur Benedette, k la fin de TOp^ra, 
doit Atre touchant sans accompagnement, parce que ce s6nateur le fait 
sans passions, mais cependant il faut que le poete touche tous les points 
que j'indique. 

Quant aux pens^es, je vous prie de les lui fournir et de faire que 
cette pi^ce tienne un peu de la trag^die fran^aise. Au poäte il est 
permis de piller tous les beaux endroits applicables au sujet; et lorsque 
le po^te n'aura plus besoin de mon brouillon, il faut le remettre k Gra- 
ven (Graun}, parcequ'il y a toutes sortes de choses pour les airs dont 
le detail le regarde n^cessairement Soyez le Prom^th^e de notre pohie, 
soufliez lui ce feu divin que vous avez pris dans les cieux, et que votre 
inspection suflise k produire d'aussi belles choses que les grands talens 
en ont pu mettre au jour. Le public et moi vous aurons Fobligation 
d'avoir illuströ notre spectacle et de nous avoir foumi des plaisirs rai- 
sonnables. 



BEHAGE ZU. 

Die Verhältnisse der Tänzerin Barbarina, und deren Heiralh mit dem 
Geheimenrath v. Cocceji betreffend. 

a. 
Brief des Gross-Kanzler v. Cocceji an den König. 

Gleve, den 4 May 1749. 
Ich bedaure von Herzen, dass mein Sohn durch eine unglückliche 
Passion sich zu neuen Ausschweifungen hat verieiten lassen. 



— 54 — 

Ich \verde alle Mühe anwenden, denselben durch vernünftige Vor- 
Stetlungen aus dem Precipice, worinncn er sich zu werfen scheinet, 
zu retten. 

Wenn aber dieser Mensch zu weit gehen sollte, werde ich die Frei- 
heit nehmen, bei Ew K. Maj. Hülfe zu suchen. 

Coccefi. 

b. 
Brief der Frau v. Gocceji an den König. 

Sire! 

Sy quelque chose dans le mondc ötoit capable de m'apporter de la 
consolation, c'est la gracieuse lettre dont Y. M. m'a honor^e; je n'aurois 
pas manqu6 de Luy en temoigner plus tot ma rcconnaissance, sy la honte 
de la response que mon fils a falte auMinistre d'Etat Gomte de Pode- 
wils et dont il m'a dit avoir fait le rapport k Y. M., n'avoit pour ainsi 
dire confondu toutes mes idöes et mise dans une incertitude afireuse. 

Cependant j'ai appris hier que Y. M. nous a fait une nouvelle fa- 
veur, en faisant dire ä la Barbarina par le Tr6sorier Fredersdorf que 
jamais Elle ne consentiroit au mariage de mon fils avec eile et qu'elle 
ne pouYoit pas se flatter de sa royale Protection, mais quitter un pais 
oü eile ne causoit que du trouble. 

Cette nouvelle m'a si fort remplie de rcconnaissance, que tant que 
je vivray eile sera grav^e dans mon coeur; sy j'avois mille vies et que je 
fusse d'un autre sexe, je les croirois bien employ^es au Service d'un 
Monarque sy benin qui est le vrai pfere de ses sujets. 

S'abaissant jusqu'ä voulloir bien entrer dans des affaires de famille, 
Sire, que votre bont6 ne se lasse point, et s'y il a moyen de sauvcr 
mon malheureux fils, tout iudigne qu'il en est, sauvez-le. — Peut-Ätre 
que sy Y. M. luy faisoit (crire par un de ses Secretaires que la Bar- 
barina est venue demander sa protection royale pour pouvoir Tespouser, 
mais que, ne le pouvant croire assez lache pour avoir cette pens^e ny 
qu'il voulüt donner la mort k son Pfere par cette indigne action. Yotre 
M. luy a ordonn6 de sortir de ses 6tats, et Ten avertir afin qu'il ne soit 
pas assez d^sesp^r^ pour la suivre, puisque sy il s*oublioit jusque lä, 
Y. M. s'auroit bien le reclamer, comme son sujet, dans quelque endroit 
de TEurope oü il se retirät, mais que sy ce n'^toit pas son dcssein et 
qu'il Youlüt s'appliquer k son devoir, puisqu'il cn avoit les tallents, eile 
luy feroit la grace d'oublicr le pass^ et de bien remettre avec son Piire. 

Cependant, Sire, ma main trcmble en vous faisant cette pricrc; la 
tcndresse d'une Mere m'aveugle, comment ai-jc la hardiesse de proposer 
une parcille chose ä mon Roy? Mais Sire, tout ce que je posscde me 



— 55 — 

vient de la Beneficence de Son auguste Maison. G'est le feu Roi qui a 
fait la fortane de mon P^re. G'est Y. M. qui a fait celle de mon Mary 
et qui nous a combl^s de graces. Gelle de sauver mon GIs de sa folle 
passion, Temportera sur toutes. 

Yoicy deux postes que je n'ay point de lettres de mou maij, luy 
qui n'en laissoit poiot passer sans m'escrire. S'il n'est pas malade; Y. M. 
recevra surement demain quelque lettre dict^e par la colfere. 

Sire, pardonnez les premiers mouYementSy malgr^ eux on reste tou- 
jours Pfere. 

G'est avec le etc. 

Berlin, 1 Aoüt 1749. de Gocceji, nie de Beschefer. 

c. 

Schreiben des Geheimenraths v. Gocceji an den König. 
Sire! 

Le comte de Haack, entre autres ordres qu'il m'a donn^s de la part 
de Y. Haj., m'a d^fendu de quitter en secret Son pais et Son Service. 
Je puis protester k Yotre Maj. que je n'ai seulement pas eu Tid^e, con^ 
naissant trop les Obligations oü me mettent les sermens que je Lui ai 
prftt^s. Si Yotre Maj. ne veut point m'en croire» qu'Elle daigne se faire 
r6v6Ier celle de mes demarches qui a d6not^ que je songeois k m*6- 
cbapper, et Elle sera convaincue qu'il n'y a que des Crens mal intentionnös 
ou Galomniateurs qui puissent Lui avoir donn6 de pareils soup^ons contre 
moy. J'ose me flatter qu'Elle Youdra bien alors m'accorder sa gracieuse 
protection contre eux, que je tdche de möriter en quelque fagon par le 
D6vouement inviolable avec lequel je suis etc. 

Berlin 12 Aoüt 1749. Ä. de Cocceji. 

d. 

Schreiben des Königs an den Grosskanzler v. Gocceji. 

Mein Lieber. Es ist mir sehr angenehm gewesen, aus Eurem Schrei- 
ben vom 4^*^ dieses zu ersehen, dass Ihr Euch wegen des Egarements, 
worin Euer ältester Sohn abermals zu verfallen scheinet, auf eine so 
gute Art fassen wollet, und will ich noch zur Zeit hoffen, dass die gu- 
ten Yorstellungen, so Ihr deshalb thun lassen werdet, denselben von 
allem weiteren Uebel abhalten sollen. 

Dafeme aber diese wider alles Yermuthen nichts fruchten und er 
in seiner Passion zu weit gehen sollte, so werde ich Euch mit Meiner 
Assistence darunter nicht entstehen. Ich hoffe aber annoch, dass es nicht 
dahin kommen werde, zu solcher Extremität zu schreiten. Ich bin etc. 

Potsdam I2ten August 1749. 



— 56 - 

e. 

Schreiben des Königs an den Gcheimenrath v. Cocceji. 

Je veux bien croire ce que Yous Me yauI6s persuader par Yotre 
Lettre du 12 de ce Mois, que Yous n'aves point cu intention de 
quitter Mon Service ny Mes Etats, aussi n'cst ce point cela qui m'a 
donn6 sujet d'6tre indispos6 contre Yous, mais plutöt la conduite d^r6- 
gl^e que Yous av6s tenue jusqu'ä präsent en Yous aitachant k une per- 
sonne sans aveu, et qui si Yous ne Tabandonn^s Yous couvrira de honte. 
Le chagrin mortel que Yous caus6s par-lji k Yotre famille, que J'ai 
jusqu'ä präsent distinguöe trfes-particulierement, ne peut que m'itre sen- 
sible et Yous attirera mon enti^ro Indignation si Yous ne changte de 
vie, et ne dev^s-Yous point reflechir de combien de Malödictions Yous 
Yous charg^s de la part de Yotre Pere, dont Yotre genre de Yie est 
capable d'abr^ger les jours, et qui, si Yous rentr6s une fois en Yous 
m^me, Yous remplirera de vains remords et repentirs. Song^s donc bien 
a tout cecy, changez de Yie, conduisez Yous en homme d'honneur et sage, 
soyez alors persuade de Ma grace et entiere Protection. 

A Potsdam le 18 Avril 1749. 

Frederic. 

f. 

Ordre des Königs an den General-Lieutenant v. Haacke. 

Mein lieber G. L. Graf v. Hacke! Euch i^ird nicht unbekannt sein, 
dass, nachdem die bekannte Barbarina sich unvermuthet wiederumb in 
Berlin eingefunden, der älteste Sohn des Gross-Cantzlers v. Cocceji sich 
von neuen wiederumb dergestalt vergessen hat, dass derselbe mit ge- 
dachter Barbarina nicht nur den genausten Umgang hat, sondern auch 
die Absicht haben soll, sich mit derselben verheirathen zu wollen. 

Nun habe Ich ihr zwar bereits darüber durch den Etats Minister 
Gr. y. Podewils sehr serieuse Remonstrationen thun, auch ihn so wohl 
als die Barbarina besonders bedeuten lassen, dass ich nimmermehr zu- 
geben würde, dass diese Heirath geschähe, wobei der letzteren insonders 
insinuirct worden, dass, da sie sich Meiner Protection durch ihre Conduite 
ganz unwürdig gemacht, sie wohl thun würde, so wohl Berlin als Meine 
Lande gäntzlich zu quittiren. 

Derweile ich aber besorgt bin, dass diese verführerische Greatur 
den jungen Cocceji dergestalt einnehmen und den Kopf verdrehen möchte, 
dass derselbe heimlich von Berlin weg gehe, um der Barbarina anders 
wohin ausserhalb Landes zu folgen, wo er vermeynct, sich mit ihr trauen 
lassen zu können. Ich aber seinen würdigen Eltern dergleichen Chagrin 
und seiner Familie sothane Prostitution sehr gerne ersparen möchte, so 



— 57 — 

ist Mein Wille, dass Ihr gedachten jungen y. Cocceji, und zwar unter 
guter Aufsicht, zu Euch oder auch nach seiner Mutter Hause kommen 
lasset und demselben alsdann zuförderst sein ohnvemünftiges und unbe- 
sonnenes Betragen, auch wie sehr er seine Eltern dadurch molestire, 
vorstellig machen, demnächst aber denselben ohne dass es einiges Auf- 
sehen gebe arretiren, und solchen sodann, es sei in ein anderes Haus 
zu Berlin oder auch an einem andern Ortho ausserhalb Berlins, bringen 
zu lassen, wo derselbe nicht echappiren oder einigen Connex mit der 
Barbarina haben kann. Auch soll niemand so yiel es möglich ist seinen 
Auffenthalt erfahren, noch dass er überhaupt arretirt sei, woselbst er 
alsdann so lange bleiben, auch wohl verwahrt gehalten werden muss, 
bis die Barbarina von Berlin weg sei und meine Lande quittirt hat, der 
pp. Cocceji aber sein ohnvemünftiges Betragen erkennen und der ihm 
so sehr unanständigen Passion entschlagen haben wird. Ihr habt Euch 
also hienach zu achten, und nach Erforderniss mit dem v. Cocceji deshalb 
zu concertiren, jedoch auch Eure Mesures dergestalt zu nehmen, dass 
der junge Cocceji derer Execution nicht etwa heimlich ausweichen kann, 
und übrigens aber alles was Ihr darunter thun werdet, dergestalt einzu- 
richten, dass kein Mensch, er sei wer er wolle, weiter etwas davon er- 
fahren noch wissen kann, wohin eigentlich derselbe gebracht und wo 
er geblieben sei. Ihr sollet übrigens der Mutter die Versicherung geben, 
dass Ich lediglich aus Egard vor Sie und ihres Eheherrn zu gedachter 
Resolution geschritten sei, inzwischen solches ihrem Sohn im geringsten 
nicht präjudiciren, sondern demselben seine Bedienung völlig conservirt 
bleiben, er auch sobald er wieder zu sich selbst gekommen und sich der 
Passion gegen obgedachte verführerische Creatur entschlagen haben würde, 
wiederumb auf freien Fuss gestellt werde und seine functiones nach als 
vor continuiren solle. Ich bin etc. 
Potsdam S'^i' August 1749. 

g- 
Bericht des General-Lieutenants v. Haacke an den König. 

Auf die von Ew K. Maj. mir wegen des ältesten Sohnes des Gross- 
Cantzlers v. Cocceji allergnädigst gegebene Ordre habe ich ihn von 
Stunde an in solche Aufsicht genommen, dass er aus Berlin nicht ent- 
kommen soll; hiemächst aber sogleich mich mit dessen Mutter weitläuftig 
besprochen, wie man ihn, ohne Aufsehen zu machen, am fuglichsten in 
Verwahrung halten kann. 

Sie danket Ew K. Maj. allemnterthänigst vor diese gnädige Vorsorge. 
Weil es aber in einem Particulier Hause zu Berlin fast nicht möglich 
sein würde, ihn so genau zu verwahren, dass er weder echappiren noch 



— 58 — 

einige Correspondenz mit der Barbarina haben könne, so habe idi zofördersi 
Ew K. Maj. aUernnterthanigst Yorschlagea wollen, ob man ihn entweder 
bei dem Gommendanten im Invaliden Hanse hinbringen oder nadi alten 
Landsberg anf das Schloss unter der Aufsicht des Gapitain t. Demcke 
hinliefem solle. 

Wann Ew K. Haj. einen oder den anderen Vorschlag appndiiren, so 
bitte nur um die nötÜge Ordre an den Gommendanten zur Annehmung 
und will hiemädist besolden, dass er sofort inr der Stille und ohne Auf- 
sehen weg gebracht werde, auch nionand erfahre, wo er eigentlidi 
hin gekommen. 

Die Barbarina betreffende, so muss Ew. K. Maj. allerunterthänigst 
melden, dass sie gar nicht daran denket, ausser Berlin zu gehen und 
Ew Maj. Königl. Lande zu quittiren, sondern ich gewisse Nachriehten 
habe, dass sie nodi gestern sich verlauten lass^i, dass sie den Winter 
hier bleiben und die Lustbarkeiten abwarten wolle. 

Berlin i^ August 1749. Hadte. 

h. 

Ordre des Königs an den General-Lieutenant y. Haacke. 

Mein Lieber etc. Ich habe mit Mehreren ersehen, was Ihr unter 
dem 4^° dieses Monats bei Gelegenheit der Euch zugesandten Ordre, 
den ältesten Sohn des Gross-Cantzlers v. Cocceji betreffend, melden wol- 
len. Worauf Ich Eudi denn hierauf in Antwort ertheile, dass Ich allemal 
lieber sehen werde, wenn es nicht nöthig sein wird dass gedachter jun- 
ger Cocceji arretirt und weggebracht werden dörffe, um den davon nicht 
zu vermeydenden eclat zu evitiren und der Familie den Chagrin zu 
evitiren. 

Sollte aber derselbe so unsinnig sein und echappiren wollen, um 
sich mit der Barbarina zu veriieirathen, wovon Ihr doch mit eimger Zu- 
verlässigkeit informiret sein müsset, so ist alsdann nichts anderes zu 
thun, als dass Ihr denselben gantz in der Stille arretiren und weg bringen 
lasset, auf welchen falles Ich alsdann das Schloss zu Alten-Landsberg 
am convenablesten finde, um ihn daselbst verwahren zu lassen, bis er 
sich die Thorheit aus dem Kopfe geschlagen haben wird; zu dem Ende 
ich Euch die verlangte Ordre an den Capt v. Demke von des Pr. von 
Preuss. Regt Infanterie hierbei unter einem Cachet volant übersende, von 
welcher Ihr aber nicht eher Gebrauch machen sollet, bis Ihr versichert 
seid, dass es die unumgängliche Nothwendigkeit erfordert mehrgedachten 
V. Cocceji dahin zu schicken. Ihr habt also in der Sache mit sehr guter 
Leberlegung zu Werke zu gehen. 

Potsdam ü'*" August 1 741). Friedrich. 



— 59 — 

i. 

Ordre des Königs an den Gapitain y. Daembke in Landsberg. 

Mein Lieber! — Wann Euch der Gen.-Lieut Gr. v. Haacke mit dieser 
Meiner Ordre den 'ältesten Sohn des Gross-Cantzlers v. Cocceji zusenden 
wird, so ist es Mein Wille, dass Ihr denselben als einen Arrestanten 
annehmen und ihn auf das Schloss zu Alt-Landsbei^ in eine verschlos- 
sene aber dennoch gute und gesunde Kammer bringen und ihn daselbst 
dergestalt halten lassen sollet, wie Euch gedachter G. L. v. H. solches 
schreiben und Euch deshalb nach Meiner ihm bekannt gemachten Inten- 
tion mit umständlicher Instruction versehen wird, welcher Ihr dann in 
allen Stücken ein eiactes Genüge thun müsst. Ich befehle Euch alsdann 
auf das angelegentlichste, dass Ihr so wohl selbst von diesem Arrestanten 
Niemanden auf der Welt, er sej wer er wolle, etwas sagen, zugleich 
aber auch Eure Anstalten dergestalt machen müsst, dass aller Eclat aut 
dass Menschenmüglichste verhütet werde. Ihr habt Euch hiernach auf 
das genaueste zu richten. Ich bin etc. 

Potsdam 6*^ August 1749. 

k. 
Ordre des Ministers v. Bismark an den General-Fiscal Uhden. 
Da sicher verlauten will, ob führe die sich hier aufhaltende ehemahlige 
Täntzerin Barbarini so wohl in der Stadt öffentlich als in ihren Briefen 
den Nahmen von Cocceji: So wird dem Königl. Geheimten Rath und Gene- 
ral Fiscal Uhden hiermit aufgegeben, dieselbe vor sich zu fodem und sie 
zu vernehmen, mit was vor Befugnüs Sie sich dessen unterstehe? 

Inmittelst keinen ^clat davon zu machen, und von der Aussage zu 
meiner des Geheimten Etats Ministri von Bismark Erbrechung zu berichten. 
Berlin den ll»«»NoYb. 1751. 

Auf Königl: Special Befehl, 
Bismark. Danckelmann. 

l. 
Schreiben des General-Fiscal Uhden an die Barbarina, 

Mademoiselle, 
C'est par une ordre Roiale qve j'ai k Vous faire qvelqve proposition. 
Vous aimerez sans doute mieux k Tentendre chez moi demain matin 
k onze heurc, qve de vous voir cit6c juridiqvement. Je suis du reste 

Mademoiselle 
a Berlin votre trös-humble 

Ic lüme du Obre et trcs-ob^issant serviteur 

1751. Uhden. 



— 60 — 

m. 

Schreiben der Barharina an den König. 
Sire. 

Les noovelles afliictions qae je crains qae mes ennemis ne nue pr^ 
parent, m'enhardissent» Sire, k me jeter k Yos pieds pour implorer Votre 
puissante protection. Yotre Majestö sede peut me soutenir. Que je serois 
donc malheureuse, si Elle ne Todoit point par une continuation d^ graces 
dont Elle m'a toujours combl^e ayoir pitii de moi. 

Le Fiscal-G^n^ral Uhden m'a fiiit citer ponr comparoitre demain 
devant Im; n'ayant aucmi reproche k me Cure sur ce qni regarde h 
personne sacröe de Y. M. ni k l'^gard de Ses ^tats ou de Ses sujets, je 
pr^Yois qa'il ne peut £tre qaestion que des engagemens que j'ai pris icL 

Permettez moi donc, Sire, d'oser Yous ouvrir mon Coeur k cet ^rd, 
dans rhumble confiance que je mets en Yotre Gl^mence infinie. L-ne 
inclination invincible nous unit, le Conseiller privö de Cocceji et moi, 
depuis bien long-temps; sa fid^lit^ au senrice de Y. M. dont il a Thon- 
neur d'^tre n6 sujet, TempAche de songer k le qdtter, et d'nn autre 
cAt^, la bont6 sans £gale que Y. M. m'a toujours tömoignöe m'encoura- 
geant k revenir dans Ses ^tats, je n'ai point h^itä k me rendre ici, et 
mon retour k Berlin y a ^t^ suivi du mariage qm m'a occasionn^ jusqu'a 
cette heure tant de traverses que je serois heureuse, Sire, si cet avea 
de mon £tat präsent ne m'attire point Yotre col^re. Mes intentions ^toient 
de m'6tabiir entiferement dans les 6tats de Y. M.; j'ai pour cet effet d^ji 
£t6 en march^ avec le Conseiller priv£ Buchholtz pour sa maison, et 
n'ayant pu nous accorder, je pensais pr^sentement k un autre achat 
Plus de deux ann^es que j'ai pass6es avec assez de tranquillitö me lai- 
soient esp^rer que personne ne me disputeroit le bonheur de Yivre sous 
les lois de Y. M. Qu'il me seroit donc sensible de voir le contraire, 
surtout deyant dans peu faire naltre un sqet aux ^tats de Y. M. 

Dans ces circonstances si embarrassantes, pardonnez moi, Sire, d'oser 
recourir k Yotre Cl^mence et de Yous demander en grace un Ordre 
pour le Fiscal-Gen^ral, qu'il cesse toutes poursuites k l'^gard de mon 
mariage et de mon s^jour ici. Les intentions patemelles de Y. l/L, qui 
abhorrc les contraintes des Coeurs, me fönt tout esp^rer, mais ce que 
j'ai contre moi et que par respect je dois taire me donne tout k craindre. 
Qu'un ordre gratieux et conforme a ma humble priere termine donc l'af- 
fliction de cellc qui a l'honneur d'ötre avec le plus profoud respect, 
Sire, 

de Yotre Majest^ 
Berlin la tri^s-humble et tres-soumise servantc 

IG™* Novembre 1751. Barbarina de Cocceji. 



— 61 — 

n. 

Ordre des Königs an den General-Fiscal Geheimen Rath Uhden. 

Hochgelahrter etc. Da die bekante Barberina an Mich geschrieben 
und angezeiget hat, wie Ihr dieselbe vermittelst eines Schreibens vom 
16 dieses citiret hattet, um Tages darauf vor Euch zu erscheinen und 
von Euch einige propositiones zufolge Meiner an Euch gelangten Königl. 
Ordre zu gewärtigen; Mir aber nicht erinnerhch ist^ dass Euch deshalb 
von Meinetwegen etwas aufgetragen wäre, und Ich also fast vermuthe, 
dass solches ihre bekante Heyrath, so sie heimlich getroffen, angehen 
musste. 

So habe ich bewegender Ursachen halber resolviret und befehle 
Euch hierdurch, dass Ihr ohne einigen eclat davon zu machen, desfals 
nicht wieder gedachte Barberina agiren, sondern die Sache nur gäntzlich 
fallen lassen sollet, ohne erstere weiter deshalb zu beunruhigen. 

Was Ich aber hiemechst herbey verlange, ist, dass Ihr auf eine 
gute Arth von derselben zu erfahren und herauszubringen suchen sollet, 
wer eigentlich derjenige Geistliche gewesen, welcher dieselbe mit dem 
jungen v. Gocceji getrauet hat. Wovon Ihr Mir dann Euren Bericht mit 
aller Zuverlässigkeit erstatten sollet. Ich bin etc. 

Potedam 18 Nov. 1751. 

o. 

Bericht des General-Fiscal Uhden an den König. 

Ew Königl. Majestet geruhen allergnädigst aus der beyliegenden 
Ordre Dero Ministerii sich vortragen zu lassen, dass ich die Barberini 
darüber vernehmen sollen, mit was vor Befugnis sie sich den Nahmen 
V. Cocceji XU fuhren unterstehe. Ich habe sie darauf nicht so wohl recht- 
lich citiret um wieder sie zu agiren, als durch ein Billet eingeladen, um 
ihre Antwort zu hören und befohlener maassen davon zu berichten. 

Wenn Ew Königl. Majestät nicht noch anders allergnädigst befehlen, 
werde auch dieses unterlassen; jedoch nach Dero höchsten Ordre, den 
Geistlichen der sie getrauet, wovon jedoch noch zur Zeit nichts öffentlich 
bekandt worden, so viel möglich zu erforschen suchen. 

Berlin 18 Novbr. 1751. J. C. Uhden. 

P- 
Ordre des Königs an den Geheimenrath und General-Fiscal Uhden. 

Hochgelahrter etc. Ich habe ersehen, was Ihr in Eurem Berichte 
vom 18^° dieses von der eigentlichen Ursache, warum Ihr die sogenannte 
Barberini vor Euch fordern lassen, gemeldet habet, und lasse es dabey 
bewenden, dass, soviel deren Heyrath mit dem v. Cocceji anlanget, die 



- 62 — 

Sache nur ruhen lassen sollet, nachdem solche einmahl geschehen ist und 
ohne viele inconvenientzien nicht wohl wieder redressiret werden kann. 
Weilen aber nicht zu zweiffein, dass die Trauung gedachter Bar- 
berina mit dem v. Cocoeji durch einen Gatholischen Geistlichen heimlich 
geschehen sein muss, und Ich fast vermuthe, dass solches durch den 
alten Pater Torck oder einigen von seinen Geistlichen zu Berlin unt^- 
nommen worden; So will ich, dass Ihr ersteren krafil Eures Amtes 
recht scharf zu Habe gehen und k la rigueur untersuchen sollet, ob ge- 
dachte Trauung von ihm gesdiehen, oder aber wer solche sonst Yon 
seiner Geistlichkeit verrichtet hat. 

Wenn Ihr nun solches ausgemachet haben werdet, so habet Ihr 
mir Euren Bericht davon zu erstatten, weil ich intentioniret bin, denen 
Gatholischen Geistlichen zu Berlin sodann nachdrücklich declariren zu 
lassen, dass derjenige unter ihnen, welcher sich zumahlen weiter unter- 
langen wird ohne vorgängige approbation Leuthe heimlich zu trauen, 
sodann davor auf das schärfste angesehen und auf seine Lebens Zeit 
nach einer Yestung gebracht und bey Wasser und Brodt gehalten wer- 
den soll. Ich bin etc. 

Potsdam den 20 November 1751. 

q- 

Bericht des General-Fiscal Uhden an den König. 

Zu Erfüllung Ew K. Maj. allergnadigster Ordre, welcher Geistliche 
den Geheimen Rath v. Gocceji mit der Barbarina getraut, habe allen 
mir möglichen Fleiss angewandt 

Weder der Pater Torck noch die andern beiden Gatholischen Geist- 
lichen, welche ich bis zum Eide getrieben, wollen die Trauung an sich 
kommen lassen. Ich habe mich sonst auf Kundschaft gelegt und endlich 
dem V. Gocceji selbst ernstlich zugeredet, der sich aber damit beholfen, 
dass er dem Geistlichen, so ihn getraut, einen Eyd gethan, es nicht 
auszusagen. Sollte Ew K. Majestät allergnädigst gefallen, dass der v. Goc- 
ceji allenrals das vom Prediger ohne Zweifel erhaltene Gertificat über 
die Trauung produciren müsste, so werde sich vielleicht dadurch die 
Wahrheit zu Tage legen. 

Berlin den (5^^" Dec. 1751. Joh. Christ. Uhden. 



Antwort des Königs auf diesen Bericht 

Hochgelahrter etc. Da Ich aus Eurem Bericht vom 6*^ dieses ersehen 
habt*, wie Ihr bis dato noch nicht ausfindig machen können, weldier 



— 63 — 

von denen Gatholischen Geistlichen eigentlich den jungen Gocceji mit der 
Barbarina heimlich und verbothener Weise copuliret hat; So erachte ich 
vor der Hand am convenablesten zu sein» dass Ihr unter der Hand und 
mit einer guten Arth, allenfalls auch durch dessen zu der Zeit gehabten 
Domestiquen solches zu erfahren suchen sollet Ich bin etc. 

Berlin den 8^ Dec. 1751. Friedrich. 

s. 

Brief des Grosskanzlers v. Gocceji an den König. 

Ew K. M. haben mich nicht allein unterm 12 August 1749 Aller- 
gnädigst versichert, 

Dassy wann die Passion meines unglücklichen Sohnes mit der be- 
rüchtigten Barbarina zu weit gehen sollte, Hödistdieselben mir Dero 
Assistenz angedeyhen hissen wollten, 

Sondern Ew K. IL haben auch meinen Sohn selbst durch mehr als 
väterliches Schreiben unterm 18^ August c. a. Dero Indignation über 
seiner üblen Gonduite mit folgenden Expressions bezeigt: 

qu'il s'attadioit k une personne sans aveu qui le couvre de honte 
et cause un mortel chagrin k sa fiunille, que Y. BL avoit jusqu'i präsent 
distingu^e* 

Da ich nun die gewisse Nachricht habe erhalten, dass mein Sohn 
mit der berüchtigten Barbarina sich wirklich, aw^er Landes von Einem 
catholischen Priester, ohne ProclamaHcn und wider das Verbot seiner 
Eltern^ folglich wider die Landesgesetxe trauen lassen, so bin ich ge- 
zwungen, die von Ew K. Maj. mir versicherte Assistenz zu imploriren. 

Ew Königl. Maj. geruhen selbst zu ermessen, dass da Ew K. H. 
mich zu denen hohen Ehrenämtern erhoben, mir nicht zu verdenken 
steht, wenn ich meine durch Ew K. Maj. fundirte Familie vor Schaden 
zu sichern suche. 

Wer vermag aber solches zu hoffen, wann die Barbarina des Gross- 
Cantzlers Schwiegertochter heisst, und welche Familie wird sich mit 
der Meinigen alliiren, wenn dieses lüderliche Weibsstück k la tMe ist? 

Ich werfe mich also zu Ew K. M. Füssen und bitte, mir zu er- 
lauben: 

Dass ich die Sache durch den Weg Rechtens (welches Ew K. M. 
auch dem geringsten Unterthanen nicht versagen) ausmachen darff. 

Wann aber Ew K. M. ja besondere Ursachen haben, meinem Ge- 
such hierüber nicht zu deferiren, so will ich mir wenigstens die Gnade 
ausbitten, 

Dass Ew Bu M. geruhen mögten, diese Leuthe an einen anderen 
Ort zu versetzen. 



— Gl- 
ich habe diesen Sohn alle Tage vor Augen, wann ich in den ge- 
heimbden Bath gehe, und ohne Alteration kann ich ihn nicht ansehen. 
Ew K. H. werden also nicht zugeben, dass ich meine grauen Haare mit 
Hertzeleid in die Grube trage. 

Ew K. Maj. erbarme sich über den rechtmässigen Schmertz eines 
betrübten Vaters, welcher sich lediglich in Ew Maj. Arme wirft. 
Berlin, S**» May od. März 1752. 

Cocceji, 

t 

Antwort des Königs an den Grosskanzler v. Ck)cceji. 

M. L. G. Ich habe den Inhalt Eurer Vorstellung, die Versetzung Eures 
ältesten Sohnes von seinem jetzigen Posten nach einem anderen Orthe 
betreffend, mit mehreren ersehen. Ob ich nun schon resolviret bin, in 
solche Versetzung zu condescendiren, so ist doch Meine Intention zu- 
gleich, dass solches auf eine billige Art und dergestalt geschehen müsse, 
dass gedachter Euer Sohn so wenig dabei verliere als gewinne. Zu wel- 
chem Ende Ich dann zuförderst von Euch zu wissen verlange, wieviel 
erwehnter Euer Sohn bisher an Tractament hat, dass Ihr Mir dann zu- 
gleich solche Vorschläge wegen seiner Versetzung aus Berlin thun müsst 
dass er dasselbe Tractament und gleichen Gharacter wieder bekomme als 
er hier bisher gehabt hat. Ihr werdet leicht einsehen, dass Alles was 
Ich hierunter thuhe, aus einer foiblesse von Mir gegen Euch geschiehet, 
indem sonstcn mehr angeführter Euer Sohn, so lange er in Meinen 
Diensten nichts versiehet, auch nicht von Mir zu bestrafen sein würde, 
da dessen unbesonnene Heirath eigentlich Meinen Dienst nicht aiSciret. 
Ich werde demnach Eure weiteren Vorschläge deshalb Vorstehender- 
massen erwarten und bin übrigens 

Ew wohlaffecüonirter 

Berlin, 29*«» May 1752. Friedrich. 

u. 

Brief des Geheimenraths v. Gocceji an den König. 
Sire! 

Mes parens non Contents de m'avoir attir6 par des plamtes pea 
fond^es la disgrace de V. M. sont encore r^solus de Lui demander mon 
^loignement J'y perdrois infiniment, vu la maison que ma femme vient 
d'acheter icy avec la Permission de V. M., et les arrangemens que j'ai 
pris pour placer le reste de ses capitaux. Cette consid^ration me force 
k supplier tr^s-humblement V. M. de m'accorder en grace Sa haute pro- 
tection contre cette nouvelle pers^cution, suitc de taut d'autres qui ne 



— 65 — 

Lui sont point inconnues, et de me laisser Temploy qa'ElIe a daignö ine 
confier icj et que je m'efforce de remplir ainsi que je le dois. J'ai 
rhonneur d'Mre arec la plus profonde soamission 

h Potsdam, 31 May 1752. de Cocceji. 

V. 

Schreiben des Königs an den Geheimenrath v. Cocceji. 

Yotre lettre du 31 de Mois demier m'a ^te rendue. Souvenez vous 
que c*est de la mani^re la plus grassiere que Yous avez oflTens^ Yotre 
Päre en ^pousant sans son consentement et contre sa volonte une fille 
qui ne Yous convenoit en point d'^ard. Mais conime de son cAt^ il Yous 
a fait subir la peine que Yous m^ritez justement en Yous d^sh^ritant 
et en Yous excluant de sa succession et de sa famille, Tun peut yaloir 
Tautre. C'est d'ailleurs contre les lois du pays que Yous avez directement 
agi, en contractant un mariage clandestin d^fendu absolument par elles, 
m^rne d£clar6 de nulle valeur. 

II faut Yous faire ressouyenir encore que c'est möme Moy que Yous 
avez tromp6 grossi^rement sur le mensonge que Yous avez dit envers 
le Comte de Podewils en l'assurant de la maniire la plus forte et en 
engageant Yotre foy d'bonneur que Yous n'^tiez point mari^, ni intentionn^ 
de le faire. 

Yous avez mis le comble k Toffense de Yos parents en ^crivant 
k Yotre Möre une lettre insolente et contraire au respect et k la v^- 
n^ration que tonte bonn^te homme doit k ses parents, en sorte que cette 
mauvaise action seule auroit mörit^ que Yotre P^re Yous eüt fait en- 
cofirer dans quelque forteresse. 

Pour toute cette conduite inconsid6r6e Yous aurez pu tirer Yous- 
mftme la conclusion que ce seroit en vain que Yous imploriez ma Pro- 
tection contre Yos parents et que je ne Yous metterois jamais cn com- 
paraison avec Yotre Pore, Ministre aussi respectable et qui a illustr^ sa 
vie par des grands et signak^s Services qu'il a rendus k Moy et k Mes 
etats. 

Gependant comme Yotre P^re a eu assez d'indulgence k Yotre ^gard 
pour ne point Yous faire encoffrer dans quelque forteresse, comme il 
auroit du le faire, que d'ailleurs il ne m'a point priö de Yous charger k 
r^pudier et cbasser la personne que Yous avez ^pous^e, contre les lois, 
mais a mod^r^ sa juste indignation contre Yous au point qu'il ne sou- 
haite que de n'avoir plus devant ses yeux un sujet qui fait l'opprobre de 
sa famille, et d'^tre d^livr^ de la vue d'un fils rebelle qui pour surcroit 
de son crime ose le braver encore en se mettant vis k vis de lui k ses 
promenades et qui d'ailleurs s'est aussi grossi^^remeot oubli au respect 



— «6 — 

qo'il doit k sa Ufere, comme» db-je, Yotre P^ ne demande rien aolre 
diose de Moy qne de Vous pbcer pendanl le peu de joon qni hn 
resteroDt k viYre, dans qaelque autre Gollige, j'aj tont liea de m'Moii- 
ner que Yoqs osez Vous plaindre contre ses arrangeiiieiis k VoCre ^gard, 
au Heu que Yous deviez le remeraer et Yous looer de sa grande mo- 
d^ration, ses bont^ allani au point qu'il ne Teut pas m^iiie qne Yotre 
^loignement affecte ni Yos appointemens ni le earacßre que je Yoos ay 
conf(6r6 en ^ard de ses m^rites. En eons^eooe de tout ced fl n'y a 
d'autre conseil k Yous donner que de lentrer en bonne fois en Yous- 
m^me, de devenir raiscmnabley de reoonnottre le tort que Yous arez 
fait k Yos parents et d'effacer par une conduite sage, iionnite et irr^- 
prochable les sottises que Yous a?ez oommises par le pass6. C'est le seni 
parti qui Yous reste k prendre pour faire oublier aux honn^tes gens les 
Pearls de Yotre jeunesse. 

Fait k Potsdam le 1 Juin 1752. 

w. 

Schreiben des Königs an den Grosskanzler v. Cocceji, l'^ Juli 1732. 

M. L. G. Nachdem ich den Inhalt Eurer Yorstellung vom 29*^ vori- 
ges, die Yersetzung Eures Utesten Sohnes betreffend, mit mehreren 
ersehen habe, so dient Euch deshalb als Antwort: dass, da ich gerne da- 
rin condescendiren will, dass solche Yersetzung auf eine convenable Weise 
geschehen müge, es Mir dagegen auch angendim sein wird, wenn Ihr 
Euch in Euren etwa weiter zu thuhenden Yorschlägen seinetwegen nicht 
so gar hart über sein Sujet ausdnid^en werdet, da derselbe doch eigent- 
lich nichts in seinem Dienste versehen hat, und das Gantze so Idi we- 
gen seiner Yersetzung thun will, lediglich zu Eurer mehrem Beruhigung 
von Biir geschiehet Demnächst werde idi den von Euch gethanen 
Yorschlag, ihn in den zu Königsberg vacanten Posten zu setzen, nicht 
fiiglich agreiren können, da solcher Posten durch einen Minister beklei- 
det worden und ich solchen verschiedener Ursachen halber mit dergieidien 
zu besetzen intentioniret bin. Meine Willensmeinung wegen Yersetzung 
Eures Sohnes geht demnach dahin, dass soldier entweder nadi Stettin 
oder nach Güstrin oder aber nach Glogau versetzt werden soll, jedenfalls 
dergestalt, dass ihm von seinem jetzigen Tractamente dadurch nidits 
abgehen möchte. 

Potsdam 1 Juni 1752. Friedrich, 



— 67 — 
BEILAGE ^TTll 

Sire, 

J'ai communiquä au Maitre de Ballets les ordres de Y. M. qu'Elle 
ne yeut absolument rien payer pour les r^p^titions, et voici la lettre 
qu'il m'^cfit: Les Ghoristes et les Comparses ne viennent jamais au 
Th^atre qu'on ne les paye. II m'est impossible de rien rabattre sur les 
d^penses des reprösentations que j'ai dijk r^daites par mon ^conomie de 
700 6cuSy oü eile ^toient» k 400 ecus. Je me mets aux pieds de Y. M. pour 
lui repr^senter que le bien de la chose exige qu*Elle paye les r6p4titions 
g^n^rales et particuli^res ä part, sans lesqueiles nous ne pouyons ni de- 
vons risquer de donner un Op^ra. 

Berlin le 1 Janvier 1754. Sveerts. 



BEILAGE ^Tm 

An PöIInitz. 

Gomme il y a une somme destin^e pour les danseurs et danseuses, 
il Taut s'y tenir. Denys peut faire venir les figurantes qui auront cha- 
cune 300 ^cus par an et un figurant qui aura trois k quatre cents £cus. 
Dervieux et du Bois doivent rester, je ne veux point de second danseur 
et de seconde danseuse, il faut que D^nis dise le sujet des trois corps 
de ballet dans Sacehico(?), j'en ferai un tout nouveau. Si vous devez con- 
tiouer de diriger la com6die et la danse? et qui ponrroit mieux s*en 
aoqnitter que vous Monsieur ie Baron? Sur ce etc. 

k Potedam, ce 28 Octobre 1764. 



BEILAGE IXN. 

An PöIInitz. 

Je suis bien aise, Monsieur le Baron, que vous ayez accommodö 
tous les diff^rends. J'esp^re que Ton Me laissera tranquille dans la suite 
au sujet de ces affaires thöatrales, et qu'en Yous m6nageant bien, vous 
vous remettrez enti^rement Je le souhaite et je prie Dieu etc. 

k Potsdam, ce 13Novembre 1764. 



E* 



— 68 — 

BEIUaZXV. 

CoDtract mit der Tänzerin Burgumi genannt la Maniuanma. 

Venise le 19 d'Avril 1766. 
Le soussigni, Gomte de Gattaneo, Conseiller de Sa Majest^ le Roi 
de Prusse et sou Ministre chai^£ d'affaires auprte de S^r^nissime B6- 
publique de Venise, d'Ordre de S. Excellence Air. le Comte de Golofkin, 
Chambellan et Directeur des Spectacles de Sa Majest6, engage Mlle. Marie 
Borgioni sumommee la Mantuanina au Service de Sa Maj. le Roi de 
Pmsse pour danser dans ses Thiatres en s^rieox et en demi-caract^re. 
Sa Majest6 en röcompense lui accorde deux mille 6cas de pension an- 
nuelle, comme aussi cent sequin (ducats) pour son Toyage en Allemagne 
et Cent sequins (ducats) en retoumant La m^me Bladlle. Burgioni, en 
yigueur de contrat, deTra se mettre en route au commencement du May 
prochain 1766, afin qu'elle puisse se rendre au plus t6t au Service de ce 
Monarque. 

Le Gomte de Caianeo. 



BEILA6RZZVL 

An Pöllnitz. 

J'ai fait dire, sur votre lettre du 21 de ce mois, k Concialini, qui est 
ici depuis quelques jours, que vous aviez ordre de renouveller son en- 
gagement pour trois ans. Je crois donc qu*il viendra vous trouver poor 
terminer cette affaire. Ne pensez pas au reste, que sur Mes vieux jours 
je suis assez fou que de donner 5000 fl. k un com^dien, et je ne com- 
prends pas seulement, comment vous pouvez M'en faire la propositioiL 
Vous savez ce que je donne k ces sortes de gens-li, et je ne crois pas 
que les talens du nornm^ Fierville vaillent davantage. 

k Potedam le 22F«vrier 1767. 



BEILAGE XXVn. 

An Pöllnitz. 

Vous pouvez aller le 22 i Berlin, dites au Sieur Cori, qu'il est bien 

affam6 pour me präsenter k präsent uu compte pour un Op^ra qui ne 

doit pas encore avoir Heu. J'aurois soin d'ordonner pour cela un devis, 

comme je Tai fait les autres ann^es. II faut que le d^corateur fasse des 



— 69 — 

desseiDs de deux ou trois d^coratious et qu'il les apporie quand elles 
serout finies. Ce qu'il y a de plus pressant est la composition de TO- 
p^ra. U doit £tre pr£t le plus t6t possible, la Gasparini chantera et 
lAgricola descendra des nuesen divinit^. Sans doute qu'il doit y avoir 
une danse au flambeau. Quant a rilluminateur il faut que je sache ce 
qu'il peut faire et ce qu'il demande, avant que de d^cider k son sujet. 
Sur ce etc, 

k Potsdam ce 20 Juillet 1767. 



BEILAGE ZXVm. 

An Pöllnitz. 

Fechheim est reparti avec les desseins qui ne valent pas grands 
choses, il en r£f(§ra d'autres. Je ne veux poiot de ce ballet des dieux 
marinsy on doit en faire un autre, celui de la Böse doit £tre le dernier. 
Sur ce etc. 

k Potsdam ce 31 Juillet 1747. 



BEILAGE ZUZ. 

An Pöllnitz. 

Je Yous enyoie ci-joint une lettre de FAbb^ Landi et je Yous dirai 
sur son contenu, que Mon intention est que Yous arrangiez tout ce qui 
a du rapport k l'op^ra en question, avec la meilleure 6conomie que 
Yous pourrez. Sur ce etc. 

k Potsdam 22 Septembre 1767. 

(Eigenhändig hinzugefügt:) Faites des amours a bon march^, car a Mon 
Age on ne les paye plus eher. 



BEHAGE IZX. 

An Pöllnitz. 

II est vraiy cette troupe comique est bien inquiete. Batiste peut aller 

en Su^de tant qu'il lui plaira. La Groisette et la Lemoine peuvent rester 

jusqu'ä Piques, puis s'en aller k Lyon, oü Ton leur offre plus. Ce qu'a 

Henrieux, est fort honn^te, vous pouvez en avoir un ä sa place pour 



— 70 — 

400 öcus. Quant k vos recherdies pour ime daoseuse dans le goAi de 
Ja D^nysy vous pouvez les contiDuer. Sur ce etc. 

k Potsdam ce 19 Octobre 1767. 

(Eigenhändig hinzugefügt:) Yous direz a Agrioola qu'il faut qu'il 
change tout les airs de Coli qui ne yalent rien, eeux de Romani et le 
recitatif qui est mauvais d'un bout a l'autre; pour second Opera on 
jouera llfigenie de Graun. Coli fera le Bole de TAstnia. 



BEEA6E UXL 

An Pöllnitz. Schluss eines Briefes in andern Angelegenheiten. 

Pour cc qui est de Tosoni, il Me semble qu'il pourra bien se con- 
tenter des appointemens que Je lui donne. II n'aura jamais autant en 
Italie. Yous ferez bien de le lui faire comprendre, et qu'il pourroit bien 
se tromper, quand il pense de trouver mieux. 

k Potsdam ce 17 Septembre 1770. 



BEIU6E XZm 

Cabinets-Ordres, Königliche Briefe und sonstige Documente während der 
Direction des Grafen von Zierotin-Lilgenau in den Jahren 1771 bis 1775. 

N6. \. 

Je suis bien aise de yoir par Totre lettre du 16 de ce mois, que 
vous acceptez la Direction des Spectacles, que Je vous ai fait proposer. 
Yous ayant destin^ cette place avec les appointements et dans la mteie 
qualit6 que feu le Baron de Schweertz l'a occup^e ci-devant» J'ai donn^ 
Mes ordres en cons6quence pour Texp^dition du Brcvet <) Sur ce etc, 

k Potsdam, le 17F*vrier 1771. 

No. 2. 

Eigenhändige Randbemerkungen des Königs zu einem Briefe des 
Grafen von Zierotin vom 13 Jun. 1771. 

Les balets sont Trop Tristes, il faut quelque chose qui rejouisse 
et qui ne Coute pas, je ne Depense rien qu'un habit pour La Nouvelle 
Acctrisse, rien pour Les ballets. 

je ne Sai qui est La bournonvile eile peut Danssör, mais Comme 
Elle n'a aucune Cellebritä Certes je ne La garderai pas. JF. 

1) Die Bestallung ist den 18 Februar vollzogen. 



— TI- 
NO. 3. 
Eigenhändige Randbemerkungen des Königs zu einem Briefe des 
Grafen von Zierotin v. 21 Jun. 1771. 

il ne faut que des ballets ordinaires 

TisM doit estre habillie en Ninfe Pastoralle Satin Coulleur de Gher 
et Gaze d'argent avec des fleurs. F. 



No. 4. 

J'ai re^u avec votre rapport du 22 de ce mois le tableau general 
de tous Mes Spectacles. Les appointements y enoncös sous A. B. et G. 
sont eiTectivement ceux approuvös par l'^tat Les voix et les gens qui 
composent l'Orchestre, d6pendent absolument de Mon choix, de m6me 
que bien d'autres objets du Th6atre, que Je commande et fais payer 
Moi-m6me. Pour ce qui est des babillements et des d^corations, il y 
en a une si grande quantit^, qu'en les changeant selon que les repr^- 
sentations Texigent, il en faut rarement du neuf» de sorte que le total 
de la d^pense ne va pas ä beaucoup pris aussi loin que Vous Testimez. 
Au reste J'ai d6}k pens^ Moi-m£me k la construction d'un bätiment pour 
la Gom^die fran^oise, mais les places propres k cet objet sont si rares 
k Berlin que jusqu'i präsent Je n'ai stk comment lever cette diflicult^. 
Sur ce etc. 

k PoUdam, le 23 Juillet 1771. 



No. 5. 
Eigenhändig. 

Je vous Montrerai apres Le Depart de ma Soeur Tont TEtat de 
Depensse de Spectacles, et allors nous arangerons Le Tout Definitive- 
menL 

Pour les Opera, quant il S'en joue de tout Nouveaux allors, j'accorde 
pour Les Decorations, ce qui Ya apeupres a 3000 Ecus, ensuite pour 
Les habits des acteurs ce qui fait apeupres 2500. 

un Nouveau Gorps de ballet 1200 ecus, chaque repressentation 
D'opera est Evaluöe a 500 ecus mais on me volle sur L'Illumination 
et Le Tailleur volle ce quil peut, chaque representation de Gomedie me 
Goute 100 ecus, Llntermetzo de meme, et pour la Gomedie ou il faut 
avoir un Nouvel Entrepreneur, ou bien je tacherai de me Gontent^r 
d'ane Troupe k Moy qui poura jou^r devans Le public pourvü qu*on 
peye ases pour Defray^r ces gens des frais des repressentations. 

Potsdam, ce 26 Juillet 1771. F. 



— 72 — 

No. 6. 

Tel habile que puisse Atre le Sieur Duclos, que Vous Me proposez 
par irotre repr^sentation du 11 de ce mois, en qualit^ de madinisie 
pour le Theatre, Je ne saurois cependant accepCer ses Services, T^tat, 
comme Yous safez, ne pennettant pas d'augmenter les d^penses par 
Celles des appointements que cet homme demande. Sur ce eie. 

k Potsdam, le 12 Aoüt 1771. 

No. 7. 

Comme Je vois par votre rapport du 12 de ce mois, que le dan- 
seur FierYiNe refuse d'accepter Tengagement que Yous lui afez offert de 
Ma pari; Yous n'avez que lui dire, qu'il ne dopend que de lui d'aller 
trouver mieux ailieurs, n'^tant pas intentionu£ de lui accorder au-deli de 
cc que le dit cngagement porte. Sur ce etc. 

a Potsdam, le 13 Aoüt 1771. 

No. 8. 

J'ai re^u avec votre lettre du 6 de ce mois les Optras Iphig^nie 
en Tauride et Sevenato, de m£me que les sp^cifications des d^corations 
n^cessaires pour ceux d'Iphig^nie et de Britanicus, que Je Yous renvoie 
ci-jointes; et J*ai k Yous dire en reponse qu'en fait des d^corations Je 
ne veux rien de neuf: les vieilles peuvent et doivent £tre employto 
malgr6 ce que le peintre-d^corateur en dise, et dont Yous n'avez que 
Yous d^fier. J*eutends cependant que les röparations y u^cessaires se 
fassent avec cette Economic que Je pr^tends qu'on mette dans toute 
chose et pr6r<6rablemcnt dans les Spectacles. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 7 Septembre 1771. 

No. 9. 

Je vois par votre rapport du 9 de ce mois les propositions que 
Yous Me faites au sujet d'une chanteuse et de la danseuse Scaroet. 
Ayant r^solu de ne faire pour cette ann^e aucune d^pense k cet 6gard~ 
Iky Yous n'avez, pour Yous y conformer, que renvoyer Tengagement de 
ces deux femmes k Tann^e prochaine. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 9 Septembre 1771. 

No. 10. 

Pour r^pondre au rapport que Yous Bfavez fait sous le 9 de ce 

mois au sujet des menuisiers Millnet et Ladewig, qui se disputent l'ou- 

vrage pour les Optras, Je vous dirai, que Yous d^ciderez entre ces 

gens-l^ Selon le principe que Je vous rccommande d'observer avec tous 



— 73 — 

les ouvriers et dont Yoiu yous trouverez assuremeut bien, c'est k dire 
de donner toujoiirs la pr6fi6renee k celui qui fait le meilleur ounnge 
au mAme prix.. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 10 Septembre 1771. 

No. 11. 

Je vois par Totre lettre du 24 de ce mois qu'on Yous pense d^- 
pensier. Quoique J'ignore ce que peut Yous ayoir occasionnä ce renom, 
Je veux cependant, poor tous tranquilliser de ce cötk-lk et en pr6venir 
tout sujety faire examiner les comptes des Optras sur rancieo pied. Le 
porteur de celle-ci qui connott depuis bien des ann^es r^conomie que 
J'obsenre pour les Spectacles, en est charg^ et de M'apporter les dits 
comptes, d^s qu'il les aura revus et r^gl^s comme de coutume. Yous au- 
rez soiD de les lui faire remettre k cet effet Sur ce etc. 

k Potodam, le 25 Septembre 1771. 

No. 12. 

Je suis bien aise de voir par votre lettre du 28 de ce mois, que 
Yous avez remis au nomm^ Stiegel les comptes pour les Optras du 
Cameval prochain. Cet homme sachant depuis bien des ann^es, et 
mftme du temps de feu le Baron de Schweertz, comment se prendre 
avec les ouvriers accoutumös k surfaire et tromper, ne leur accordera su- 
rement que ce qui leur faut, de sorte que Je puis 6tre tranquille de ce 
cAt^-Iä et esp^rer que les frais seront r^gl^s avec cette ^conomie que 
Je pretends d*y Atre observ^e. Sur ce etc. 

a Potsdam, le 29 Septembre 1771. 

No. 13. 

Je Yois par votre lettre du 27 de ce mois les plaintes que Yous 
Me portez contre le nommä Stiegel. Ayant ordonn6 k cet homme, 
comme Je vous en ai averti, de r6gler les comptes des op^ras comme de 
coutume, il est naturel qu'il proc^dAt, comme il a fait par le pass6, en 
examinant tout ce qui y est relatif. Yous concevez par-U qu'en tout 
qu'il s'en est tenu k la simple partie de T^conomie pour les op^ras il 
n'a fait que son devoir, n'^tant point autoris6 d'empi^ter sur les droits 
de votre charge pour tout ce qui conceme Tordre et Tex^cution dans 
les op6ras, dont au surplus il se gardera bien de se m^ler n'y euten- 
dant goutte. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 28 Septembre 1771. 



— 74 — 

No. 14. 

Je voiB par votre rapport aans date, qae ie danseur Fierfille, poor 
^tre sAr de son bitj demande un engagement par teriU oomme Je ne 
trouye rien de d6raisonnable dans cctte demande, Voos n'avez que pas- 
ser un contrat avec loi en conformitö des ordres que Je Yous ai don- 
n68 pröc^demment k son sujet Et sur ce etc. 

k Potsdam, le ONovembre 1771. 

No. 15. 

J'ai YU par yotre lettre du 17 de ce mois et celle du danseur Ie 
Picq, que Je vous renvoie ci-jointe, les pr6tentions exorbitantes de deux 
mille ducats et autres, sous lesquelles il offre ses Services pour une an- 
n^e avec la danseuse Binety. N'^tant du tout dispos^ k lui accorder 
des conditions si outr^es; Yous n'avez que le refuser, de m£me que 
tous ceux qui dans la suite en pourroient fiiire des pareilles. Et 
sur ce etc. 

k Potsdam, le 18 Novembre 1771. 

No. 16. 

Je suis bien fAch6 de voir par votre rapport du 2 de ce mois la 
disharmonie dans la quelle la chanteuse Schmeling et son p^re vivent 
ensemble; et quoique Je sois bien £loign6 d'approuver les mauvais pro- 
c6d6s dont le pöre use envers sa fiUe, Je ne saurois cependant lui d^ 
fendre la ville, n'ayant fait aucune action qui m^rite pareil bannisse- 
ment Le plus court k Mon avis sera, que la fiUe en laissant au p^re 
la Pension tr6s-honndte qu'elle lui donne, se s^pare entiirement de lui, 
en prenant un logement oü il n'ose venir, et finisse ainsi tonte la dis- 
pute. Yoil^ aussi tout le conseil que Yous n'avez que lui donner de 
Ma part. Et sur ce etc. 

k Berlin, le 3 Janvier 1772. 

' No. 17. 

La prötention de six mille ^cus par an, que seien votre rapport du 
13 de ce mois le danseur Picq demande pour lui et sa compagne 
nomm^e Binetti est exorbitante, Je n'en suis pas £tonn£: ces sortes de 
gens-U n'en fönt point d'autres. Les appointements de Mon Th6atre de 
Berlin sontbonndtes: en Italie, quoiqu'ils en disent, ils n'ont effectivement 
pas davantage, et Je ne crois pas que le dit danseur Picq refuse les 
trois mille öcus que Je lui offre. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 14 Fövrier 1772. 



— 75 — 

No. la 

Gouune Je ferai veDir ici les ehaateun le 20 ou le 25 de ce niois, 
faites leur r^p^ter riphig^nie en Tauride, qu'ib n'anront pas eneore o«^ 
bli6e j'espäre. En les exer^ant pendant 15 jours, Je pense qu'ib seront 
en 6tat de jouer cette pi^ce, lorsque Je leur ordonnerai de se rendre 
ici. Sur ce etc. 

Potsdam, ce 5 Mars 1772. 

No. 19. 

Les dansenses que J'ai yues k Neustadt, n'6toient point de cette ha- 
bileti que Je puisse d^sirer k faire acquisition pour le Th6atre de Ber- 
lin de Celles que Yous BTen proposez: il vaudrä donc mieux, Je pense, 
d'en faire yenir de Pltalie et de Vous en adresser k cet Italien dont 
Vous M'ayez fait mention. Et sur ce etc. 

k Potsdam, le 16Juin 1772. 

No. 20. 

Je Vous fais cette lettre pour Vous dire, de Vous rendre ici Ven- 
dredi prochain et d'amener en mftme tems les chanteuses et dianteurs 
Porporino, Gonchiolino et Tossoni et tout ce qu'il faut pour les Ballets, 
de mönie que les comediens qui joueront d'abord Samedi-ci. N'y fai- 
tes faute, Dieu Vous ait en Sa sainte et digne garde. 

k Potsdam, le SOJuin 1772. 

No. 21. 

J'ai yu par le rapport de portes de Berlin du 3 de ce mois, que 
le chanteur Tossoni est parti pour Dresde; ce gargon n'ayant aucune 
pennission pour faire ce yoyage, Vous Vous informerez comment il a 
fait pour ayoir des cheyaux de poste, et JMTen ferez yotre rapport. 
Sur ce etc. 

k Potsdam, le 4 Octobre 1772. 

• No. 22. 

J'ai re^u la r^ponse que Vous Mayez faite au sujet du chanteur 
Tossoni, et en suis d'autant plus satisfait, que Je Yois que ce n'est pas 
lui, mais son fr^re qui youlant s'en retoumer en Italie, est parti ces 
jours passes pour Dresde. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 6 d'Octobre 1772. 

No. 23. 
En Vous renvoyant Tengagement du peintre-d6corateur Galliari, 
que Vous H'ayez fait tenir ayec Votre lettre du 30 de ce mois; Je 



— 76 — 

Yous dirai qu'il n'est rien de plus juste que cet engagement soit exac- 
tement suivi, et c'est en cons^qaence que Je vais parier Moi-m^me au 
dit peintre et ordonner les d^corations qu'il doit ex^cater. Yous aorez 
seolement soin qu'elles soient achev^es k tems. Et snr ce etc. 
k Potsdam, le 31 d'Octobre 1772. 

No. 24. 

Quatre cents 6cus sont un peu trop pour les frais de voyage ac- 
Cordts au Sieur Trancart et son ^pouse; et ci-devant Je n'en donnois 
que Cent ducats. Quoiqu'il en soit. Je Yous les passerai cette fois-ci, 
et J'aurai soin de Yous faire payer la sonune de 465 ^cus 12 gros, 
que Yous yenez de liquider k la suite de Yotre lettre d'hier. Sur ce ete. 

k Potsdam, le 28 de Novembre 1772. 

No. 25. 

N'ayant nulle envie d'ajouter de nouvelles d^penses k Celles que 
J'ai d6j^ faites pour rOp6ra de ce Cameval, Je ne saurois non plus 
ordonner de nouveaux habits pour le Sieur Trancart et son ^pouse. II 
faut plutAt y suppiger par ceux qui se trouvent dans la garderobe de 
rOp^ra, oü il y en aura bien encore qu'on pourra faire ajuster; et 
sur ce etc. 

k Potsdam, ce 7 de D^cembre 1772. 

Xo. 26. 

Ne Yoyant aucun motif qui düt M'engager k priver Mes Gonseillers 
priv^s de Finances, tant au Grand Directoire qn'k la Rögie, du plaisir 
des spectacles du Garneval, Je veux aussi qu'ils y jouissent des m^mes 
Prärogatives que Mes autres Gonseillers priv6s, et que pour cet effet la 
m6me löge leur soit incessamment rendue k la maison de l'Op^ra qu'ils 
ont occupöe autrefois. Sur co etc. 

k Berlin, ce 28 de D^cembre 1772.» 

No. 27. 
Yotre repr^sentation d'hier n'apporte point d'alt^ration essentielle a 
Mes demiers ordres sur les loges dans Ma maison d'Op^ra. Elle ne 
demande qu'une petite modification de ceux qui regardent la löge de la 
R^gie et k T^gard de laquelle Je veux bien Yous dire pour votre di- 
rection que la R6gie ne doit la cöder que dans le seul cas qu'il y ait 
desGours ^trang^res ici, et que Yous en ayez besoin pour y placer les 
Cavaliers qui se trouvent k leur suite. Dans tout autre tems au con- 



— 77 — 

traire, eile doit la conserver comme ci-devant, de sorte que Yous n'ayez 
qa'k YOUS arranger en cons^quence et en informer la R6gie. Sur ce etc. 
k Berlin, le 31 D^cembre 1772. 

No. 28. 

Quoique les choeurs fassent une des priDcipales parties de la tra- 
gödie d'Atalie, Je veux cependant IMTen passer, et Yous n'ayez qu'en in- 
struire Ma troupe en cons^quence. Sur ce etc. 

k Berlin, ce 10 de Janvier 1773. 

Eigenhändig : 

La Musique firan^oise ne vaut rien il faut faire declam^r Le Coeur 

allors cela revient au MAme. 

No. 29. 

En Yous adressant k la suite de cette lettre celle que le danseur 
Trancart vient de M'^crire, Je Yous dirai, que n'ayant pas lieu d'Atre 
content des talents de cet homme, Yous n'avez que le renvoyer et Me 
dire pour cet effet, combien il lui faudra pour son retour. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 1 de F^vrier 1773. 



ce Dansseur et sa ferne ne vallent pas 6 sous, il faut les renvoyer 
au plus vite et par le plus court 

No. 30. 

Le manage du danseur de Mon Op6ra Torcy IMTest k la y^rit^ fort 
indifferent, et Je ne yois pas m6me qu'il ait besoin de Mon consente- 
ment. Cependant comme il yient de Me le demander par sa requAte 
ci-jointe en original, Je yeux bien le lui accorder, k condition qu'il 
obserye les formalit^s que les lois exigent de tout frangois ^tranger qui 
se marie dans Mes 6tats. Yous aurez soin de Ten informer pour sa 
direction, et sur ce Je prie Dieu etc. 

h Potsdam, le 10 de Mars 1773. 

No. 31. 

Je Yous fais cette lettre pour Yous dire, qu'^tant ayerti que la 
chanteuse Schmeling pourroit bien faire un trou k la lune, c'est.i dire 
s'^chapper clandestinement, Yous la fassiez observer un peu de pris, 
pour en Atre ayerti et y mettre ordre k tems. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 11 Mars 1773. 



— 78 — 

No. 32. 

L'indigne condoite qu6 le nornm^ Mura a obserr^e envers Mon 
Friire le Prince Henri, BTayant obligß de le faire arr^ter et ^loigner; 
Yous jugerez ais^ment que malgr^ toutes les sollicitations que la Schme- 
ling Wen pourroit faire, eile ne Me disposera jamais k le faire revenir 
et eocore moins k le jH^endre a Moa service en Pemployant parmi Mes 
musicieiiSi comme eile le d^re, ses talents d'ailleurs ne r6pondant du 
tout k pareille place. Sur ce ete. 

k Potsdam, le 13 Mars 1773. 

No. 33. 

L'engagement de la Schmeling, que J'ai cm fait pour nn tems in- 
d6termin6, tirant & sa fin selon le rapport que Yous venez de lITen 
faire, Yous tAcherez de le renouveller et de Yous en entendre en con- 
siquence avec la dite chanteuse. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 25 Mars 1773. 

No. 34. 

Je veux bien, en cons6quence de votre rapport d'hier, faire un nou- 
yel essai de persuader la Schmeling k rester dans Mon serrice et pour 
oei effet yous n'avez qa'k lui permettre de se rendre ici un des demiers 
jours de cette semaine. Sur ce etc 

k Potsdam, le 29 de Mars 1773. 

No. 35. 

Je yois par votre lettre du 1 de ce mois, que la chanteuse Schme- 
ling yiendra aujourd'hui id, et que sa yoix n'a rien perdu par les cata- 
strophes qu'elle a essuy^es depuis quelque tems« Et 6tant bien aise de 
Tun et de Tautre, Je prie Dieu etc. 

k Potsdam, le 2AYril 1773. 

No. 36. 

L'engagement pour la chanteuse Nina Potenza, que Yous N'avez 
adress6 sous le 2 de ce mois, portant payement en or contre Tordre 
Teqjx dans Mes Gaisses, qui n'acquittent qu'en argent blanc; il faudra chao- 
ger le dit engagement en cons6quence, lequel toujours ne pounra avoir 
lieu que quand, aprös avoir entendu la dite chanteuse, Je Taurai effectt- 
vement agr46e k Mon Service. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 3 May 1773. 



- 79 - 

No. 37. 

Poor remplir le seoond r61e de fOp^n Eroe Chinese, qoi selon 
Votre rappori du 22 de ce mois n'est pas encore disbribu^ Voos n'aTez 
que preiidre la Gasparini» le chanteur Colli pouiant ais^meDt 6tre pourvu 
d'un autre rftle, en ayant de reale dans oet Opira. Sur ee 9tc. 

k Potsdam, le 23 May 1773. 

No. 38. 

Le cas de la chanteuse Gasparini est bien diff^rent des dettes or- 
dinaires des gens de yotre d^partement II s'y agit d'im priocipe de 
droit contest^» el doDt la dMdoD appartieDt natorellement k Mes Got- 
l^es de Justice. Cest ausai le motir de la denüte« rösolotioD que Fü 
douxuie k la susdite chanteuse et dont, malgrö toot ce que Yous yenei 
de Me repr^soiter dans Votre lettre dliier. Je ne Me retracterai point. 
Je Tcux pfait6t» que toute cette affaire seit examin^e et dMMe parMa 
justice ordinaire» et Je Tiens de donner en cons^quence les ordres n^ 
cessaires, tant au Departement de Justice k Berlin qu'ä Mon Conseiller 
de Guerre et des Domaines Buchholtz, en quaHti de Tr^sorier de Ma 
Cour; de sorte que Yous n'ayez qa'k en informer 6galemenl le mar- 
chand Sala Tarone, en r^ponse k la lettre ct-jointe de retour, qu*il Yous 
a adress^e. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 15 Juillet 1773. 

No. 39. 

Je yeux bien agr^er la proposition que Yous Itfayez faite sous le 
25 de ce mois, et Yous autoriser de remettre au peintre-d^corateur le 
Magazin des d6corations: c'est une disposition essentielle pour la con- 
seryation de cet objet, auqnel le peintre-d^corateur doit 6tre employ^ 
et yeiller pref(6rablement Au reste il faudra toujours un menuisier pour 
la conduite des machines: ainsi Yous ne n^gligerez point de pouryoir 
cette place d'un bon et habile sujet Et sur ce etc. 

k Potsdam, Je 26 Juillet 1773. 

No. 40. 

Yos pr^d^cesseurs n'out eu de Mes öqnipages pour se rendre ici, 
que lorsque Je n'en ayois pas besoin ailleurs. Yous jouirez donc du 
m£me priyil^e, et on Yous les foumira ^alement aussi souyent qu'on 
pourra s'en passer et qu'il y en anra qui ne soyent dijk commandös 
pour d'autres Officiers de Ma Cour. Je suis bien aise de Yous eu in- 
Tormer pour yotre direction, en röponse k yotre lettre d'bier; et sur ce etc. 

k Potsdam, ce 14 d'Octobre 1773. 



— 80 — 

No. 41. 

Gomme Je vois par votre lettre du 13 de ce mois, que la chan- 
tense Potenza, que Je ne pensois engagto que pour ^preuve pendant ce 
Garneyaly l'est malheureusement pour toute une annie; il faudra bien 
la garder jusqu'ä i'expiration de ce tenne, lequel arriv^ Yous n'oublierez 
pas de la renvoyer etMe döbairasser de cette mauvaise acquisition bien 
yite. Sur ce etc. 

k Berlin, le 14 Janyier 1774. 

No 42. 
En Yous renyoyant ci-joint la distribution des roles de TOp^ra 
Sömiramis teile que Je Tai iijk ditennin^e sous le 29 Juillet dernier et 
k laquelle Je yeux bien encore BTen tenir; Je vous dirai pour ce qui 
est du second Op^ra que Yous Me demandez, que Je suis d6termin^ 
pour celui qui a 6\A reprteent6 en dernier lieu au Nouveau Palais de 
Sans-Souci, et que Yous ferez Yos arrangements en cons^quenee. 
Sur ce etc. 

k Potsdam, le 27 Sept 1774. 
Beilage. 

Ancien £tat de la distribution des roles k la repr6sentation de 
rOp^ra de S^miramis; re(^u le 29 Juillet 1774. 

S^miramide. Sra Ästroa — Mara 

Arsace Sr Paolino — Concchiolini 

Assuro Sr Carestini — Porporini 

Azema Sra Gasparini — Coch 

Osroa Sr Romani^Tenor 

Mitrane Sr Porporino — Coli 

L'ombra di Nino....Un Bassista dei Goristi. 
Anm. Die 1. Reihe der Sänger und Sängerinnen: Sr Ästroa etc. ist 
von Zierotin's Hand : die 2. Reihe: Mara etc. hat der König geschrieben. 

No. 43. 

Je Yois par votre rapport du 7 de ce mois et la isp^ciGcation y 
jointe des d^coratious n^cessaires pour les Optras du Cameval prochain 
Celles qui Yous paroissent manquer pour cet usage. Gomme J'ai fait 
faire Tann^e passöe plusieurs d^corations toutes ueuves, et qu'il y a une 
quantitö prodigieuse de vieilles; Je suis persuad6 que si Yous faites bien 
chercher et choisir, Yous trouverez de quoi foumir amplement aux deux 
Optras, Sans qu'il soit besoin de faire de neuve, pour laquelle Je ne 
donnerai d^k pas un liard. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 8 d'Octobre 1774. 



— 81 — 

No. 44. 

Pour r^pondre k Yotre lettre du 23 de ce mois, Je Vous dirai que 
la figurante Duquenoi 6tant sans doute cette grosse rcplette danseuse 
qui n'a jaroais eu Mon approbation ; Vous n'ayez que ia cong^ier, ne 
meritant point d'Aire conserv^e. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 24 d'Octobre 1774. 

No. 45. 

En Vous renvoyant Ia lettre que Je viens de recevoir du danseur 
Morelli et sa femme, Je Vous dirai, que quoique Je n'aie pas demande 
ces gens-li, Je yeux cependant bien les gratifier de quelque chose de 
leur peine: mais comme il n'y a pas de pension de reste sur T^tat, Je 
ne saurois les garder. Sur ce etc. 

k Potsdam, le 28 Janvier 1775. 

No. 46. 

Vous recevrez k la suite de cette lettre deux cents ecus, savoir 1 12 
^cus 12 gros en argent blanc, et 87 6cus 12 gros en Fröderics d'or, 
lesquels 200 <^cus Vous ne manquerez pas de remettre au danseur 
Morelli et sa femme, en les remerciant de leur peine. Et sur ce etc. 

k Potsdam, le 3 Fövrier 1775. 

No. 47. 

Ce n'esi quavec surprise que Je viens d'apprendre que Mes chan- 
teurs et chanteuses sont assez arrogants de refuser k la Reine leurs 
Services. II faut avouer que c'est pousser Timpertinence bien loin, et 
Je ne puis qu'en 6tre indign^. Aussi n'aurez-vous rieu de plus presse 
que de faire connoitre k tous, sans en excepter la Mara, Ma juste in- 
dignation de leur conduite insolente, et de leur d^clarer vertement, que 
Ma volonte expresse est, qu'ils doivent se rendre aux ordres de Sa 
Majest^, chaque fois qu'Elle les demanderoit, aGn de neMe point obli- 
ger d'avoir recours k des mesures plus s^rieuses, pour les faire repentir 
de leur arrogance extravagante et ridicule. Sur ce etc. 

Potsdam, le 22 de F^vrier 1775. 

No. 48. 

Je suis tres-satisfait de la promptitude que vous avez mise dans 
l'exöcution de Mes ordres au sujet du Service que J'exige de Mes chan- 
teurs et de Mes chanteuses, aupr^s de la Reine, et Je ne doute pas 
que n'ayez l'oeil k les faire observer scrupuleusement, sans qu'il soit plus 
besoin de Mon intervention. Sur ce etc. 

Potsdam, ce 24 de F6vrier 1775. 



— 82 — 

BEEA6E XXXm. 

Gabinetsordres, Königliche Briefe und sonstige Documente während der 
Direciion des Barons von Arnim in den Jahren 1776 bis 1778. 

No. 1. 

Pour Yous metire h ni6me de Me continuer vos Gd^Ies Services, Je 
veux bien Yous ouvrir une nouvelle carri^re et Yous conGer le poste 
de Directeur de Mes Spectacles, vacant par la mort de Mon Chambellan 
Gomte de Zierotin. Les ordres pour Texp^dition des patentes et de Fas- 
signation des appointements y attach^s, sont d^jji donn^s h Mon De- 
partement des Affaires ötrang^res; et Je M'attends de Yotre zfele, que 
Yous ferez tous vos efforts pour Yous aequitter des devoirs de cette 
Charge k Ma satisfaction. Sur ce etc. 

k Potsdam, ce 19 de Janvier 1776. 

No. 2, 
Yester Besonders Lieber Getreuer I 

Ich habe Euch hiedurch aufgeben wollen, dass Ihr mir eine na- 
mentliche Liste von allen Acteurs und Leuten, die Ihr bei Eurer jetzigen 
Gharge unter Euch habt, fordersamst einsenden sollet: hiernächst mache 
Euch vorläufig bekannt, wie Ich, so balde Ich wieder etwas besser bin. 
Euch eine besondere schridliche Instruction geben werde, damit Ihr 
daraus ersehen könnet, was Ihr bei Eurem Posten alles zu beobachten 
und worauf Ihr zu sehen habt Ich bin Euer gnädiger König. 

Potsdam, den 29 Januarii 1776. 

No. 3. 
Gomme diffi^rentes consid^rations STont engag6 de revoquer, sur la 
demande ci-jointe en original de la chanteuse Mara n^e Schmeling, la 
permission que Je lui avois accord^e, de se rendre pour quatre mois 
dans Tetranger; Je n'ai pas voulu diff^rer de Yous en pr6venir» pour 
votre direction; et sur ce etc. 

k Potsdam, ce 1 de Fevrier 1776. 

Sire, Selon les augustcs bont^s de Yotre Majest^, par lesquellcs il 
m'est permis de faire un voyage pour quatre mois, j'ose humbleroent 
Lui demander mon prochain d^part, en La suppliant de vouloir daigner 
m*accorder Tavance de mes gages pour le temps prescrit 
Je suis avec la plus grande d^votion 

de Yotre Majest6 
la plus humble et la plus ob^issante servante 
a Berlin, ce 31 de Janvier 1776. Mara nie Schmeling. 



- 83 — 

No. 4. 

L'engagement de ConcialiDi expire au mois de Juillet prochaioy 
ainsi que Yous le verrez par rinchise. Je Yous auiorise de la renoaveller 
aTec lui sur le mftine pied; et sur ce etc. 

ä Potsdam, ce 21 Fövrier 177& 

No. 5. 

Le chanteur Goncialini pousse, selon votre rapport d'hier, ses prö- 
tentions bien loin; et il Me semble que 3600 4cu8 d'appointemeiits par 
an, sont un revenu assez honnAte, doDt il peut £tre bien content Yous 
n'avez donc qu'k faire une nouvelle tentaüve pour Tengager k rester 
dans llon service, et sur ce etc. 

k Potsdam, ce 29 de F6vrier 1776. 

No. 6. 

Je vois par Yotre rapport du 4 courant que le chanteur Concialini 
Yeut prolonger son engagement pour une ann^e seulement sur l'ancien 
pied, ce qui est tr^s-bien. Yous trouverez ci-joint celui qui avoit 6X6 
fiiit pr^c6demment avec lui, et d^ que le nonveau sera en rögle, Yous 
aurez soin de Me le renvoyer, afin de le conserver parmi ceux qui re- 
stent ici. Sur ce etc. 

k Potsdam, ce 5 de Mars 1776. 

No, 7. 

Yous pourrez dire k la chanteuse Mara en r6ponse k la lettre 
qu'elle vient de M'adresser, que Je Yous renvoye ci-inciuse, que Je la 
payois pour chanter et non pour 6crire, que les airs ötoient tr^s-bien, 
tels qu'ils ^toient, et qu'elle devoit s'en accommoder, sans tant de ver-* 
biage et de difficult^. Sur ce etc. 

k Potsdam, ce 30 de Juin 1776. 

Eigenhändig. 

eile est pey^e pour chanter et non pour ecrire. 

Federic. 

No. a 

Yester, besonders lieber Getreuer 1 
Ich werde aus Eurer Yorstellung vom 4 dieses gewahr, dass Ihr 
sehr sanftmüthig, und ein grosser Freund seyd von der Mara und ihrem 
Mann, weil Ihr Euch derselben so sehr annehmet, und vor sie das Wort 
führet. Ich muss Euch aber nur sagen, dass Eure Sanftmuth hier schlecht 
angebracht ist, und dass Ihr weit klüger handeln werdet, wenn Ihr das- 
jenige thut, was Ich Euch befehle, und Euch nicht angewöhnet zu rai- 



- 84 — 

sonniren; denn das leide ich durchaus nicht, und müsset ihr Euch der- 
gleichen nicht in Sinn kommen lassen. Die Mara soll die Arien singen, 
wie Ich es verlange, und nicht wiederspeiistig seyn, wo sie nicht will, 
dass es ihr ebenso, wie ihrem Mann, ergehen soll, und er soll sitzen, 
bis auf weitere Ordre: darnach kann sie sich nur richten: Ihr hingegen 
müsset Euch nicht einbilden, dass Ihr Mein Geheimer Rath seyd, dazu 
habe Euch nicht angenommen, sondern Ihr habt Euch besser zu befleis- 
sigen, Meinen Ordres parition zu leisten, wenn Ihr wollet, dass Ich fer- 
ner sey Euer gnädiger König. 
Potsdam, den 5 July 1776. 

No. 9. 

C'est par des raisons raisonnantes que Je viens d'ordonner au Maitre 
de Ma Chapelle Reichardt, de donner dans le prologue de TOp^ra pro- 
chain, le r6le de la Koch k Porporini et de faire prendre ä la pre- 
mi^re le rAle de celui-ci. Yous aurez soin que cet 6change se fasse 
Sans le moindre d^lai, mais sans bruit et sous quelque pr^texte plausible; 
pr^caution que J'ai ^galement fortement recommand^e au Sr. Reichardt: 
et sur ce etc. 

h Potsdam, ce 16 de Juillet 1776. 

No. 10. 

Dans r^change du rAle de la Koch, que J'ai ordonnö hier, il ne 
s*agit que de faire repr^senter le Genie de la Russic par un chanteur 
de grande taille. Si donc Porporini ne peut pas Tapprendre cn si peu 
de tems, il faut choisir un autre de sa taille, pour faire le G^nie de la 
Russie dans la Gomparse, et travestir la Koch en enfant de choeur, pour 
chanter son rAle dans le yoisinage de son reprösentant, et de mani^re 
qu'on ne puisse pas remarquer que le G^nie, et celle qui chante, sont 
deux personnes difierentes. Je Yous abandonne donc le soin d'arranger 
tout cela, de concert avec le Maitre de Ma Chapelle, et de fa^on que 
Mes vues soicnt remplies sans pröjudicier au prologue. Sur ce etc, 

h Potsdam, ce 17 de Juillet 1776. 

No. II. 

II est bien que le chanteur Porporino {'tudie avec soin son nouveau 
rAle dans le prologue; c'est tout ce qu*il faut; le temps ^tant trop court 
pour y ajouter encore un air qu'il seroit oblig^ d'apprcndre, cela n*est 
pas du tout nöcessaire. J'en ai 6crit au Maitre de la Chapelle le Sr. 
Reichardt, et Je veux bien 6galement Yous en instruire en r^ponse Jk 
Yotre rapport du 18. Sur ce etc. 

h Potsdam, ce 18 Juillet 1776. 



— 83 — 

No. 12. 

Gelle -ci n'est que pour Vous avertir d'avoir soin que toute la 
suite du Grand Duc soit bien placöe aux Speclacles qui se donneront 
pendant le s^jour de Son Altesse Imperiale k Ma Cour, et que ses do- 
mestiques m^me y ayent Tentröe libre toutcs les fois qu'ils voudront y 
assister. 

D'ailleurs ii y aura le 21 grandc Cour, Goncert et Souper chez la 
Reine; de sorte que Vous ne manquerez pas non plus, d'en pr6venir le 
Maitre de Ma Ghapelle, pour qu'il commande une musique convenable 
Sur ce etc. 

k Potsdam, ce 18 de Juillet 1776. 

No. 13. 

Vous saurez en r^ponse k Yotre rapport d*hier, que Je ne suis pas 
dispos6 d'accorder la moindre augmenlation aux Musiciens de Ma Gha- 
pelle les fröres Zelencka; ils pourront toujours avoir leur cong6 quand 
iis ne voudront pas rester sur le pied d'aujourd'hui, et dans ce cas Vous 
n'aurez qu'^ en choisir d'autres pour les remplacer. Sur ce etc. 

k Potsdam, ce 23 Sept. 1776. 

Eigenhändig. 

je ne donne pas un Sol davantage et Si ces geus veullcnt partir, 

j'en trouverai bien d'autres pour Les memes gages. 

No. 14. 

Si c'est dans la danse comique que la Toinette Yulcani i) k Vienue 
excelle, eile conviendra point k mon th^atre, vu que dans ce genre Je 
ne veux pas faire de nouveaux engagements. G'est donc en cons^quence 
que Vous r^pondrez k son offre; et sur ce etc. 

Potsdam, ce 11 de F6vrier 1777. 

No. 13. 

Non; Je ne saurois agr6er les pantomimes que Vous Me proposez 
dans Votre rapport d'hier. II y a d6ji trop de spectacles k Berlin, et 
plus qu'il n'en faut pour un amusement raisonnable. Sur ce etc. 

k Potsdam, ce 1 de Mars 1777. 

No. 16. 
Si Selon Votre rapport du 1 de ce mois, la danscuse Bourgioni 
dite la Mantuanina insiste dans la demande de son congö, il Taudra bien 

*) Sie sagt in ihrem Schreiben an den König, Wien, den 24 Decemlier 1776: „.Yoierre 
Maitre de Ballets m'a mise au rang des premi^res danseuses.'* 



- 86 — 

le lui donner et chercher k la remplacer par quelqu'autre, que Je Yoos 
auiorise par la präsente d'engager en sa place. Sur ce eic. 
k Potsdam, ce 3 Mars 1777. 

No. 17. 
Sire! 

C'est en cons^quence des Ordres de Yotre Majestö en date dliier 
que je dois avoir Thonneur de Lui mander en soumise r^ponse, qu'ayant 
consult6 le contrat original de la danseuse Bui^oni surnommie la Man- 
tuanina, dont je joins ici la copie, il se trouve effectivement que les 
Cent ducats argent de Yoyage pour son retour y sont stipulös en sa 
faveur par le Gomte de Gataneo, Ministre Gharg6 d* Affaires de Y. M. ^ 
Yenise, de sorte que j'ose attendre les ordres ult6rieurs de Yotre Sfaj. 
qui autorisent la Gaisse de les lui payer. 

Daignez, Sire, qa'k cette occasion j'ose, par le principe invariable de 
ma profonde soumission aux ordres et aux intenttons de Yotre M. ei 
pour me mettre k couvert de tout reproche, L'informer qu'une certaine 
actrice fran^oise, nommöe la Jelly, que Y. M. daignera se rappeller ayoir 
^t^ congedi6e et renvoy^e il y a un an sur Ses gracieux Ordres exprfes, 
ötant revenue depuis quelques jours k Berlin dans Tintention (k ce que 
j'apprends) de söjoumer ici, j'ose attendre ce que Y. M. jugera k propos 
d^ordonner k ce sujet, afin que je sois k m^nie, en ex^cntant Ses ordres 
et Ses intentions, je Lui prouve que ma plus grande f6licit6 consiste de 
Lui ob6ir. Le Gmt i4mtfii. 

Beriin, 25 Avril 1777. 

No. 18. 

Yous avez bien fait de M'informer du retour inattendu de Tactrice 
Joly; et J'ai donn6 Mes ordres, pour la faire transporter sur ia Gron- 
iihre de Mes ötats, et lui enjoindre de n'y plus paroitre du tout 
Sur ce etc. 

k Potsdam, ce 26 d'Avril 1777. 

No. 19. 

Je Yous observe k Yotre rapport d'hier, que si Yous pouvez en- 
gager vers Tautomne prochain une premi^re danseuse. Je Yous autorise 
k le faire. Mais Yous prendrez soin de mänager Mes int£r6ts, et de 
ne pas accorder 2000 öcus de pension par an. 1500 £cus en suffisent, 
vu qu'elles regoivent encore moins ailleurs. Yous prendrez donc Yos 
mesures en consöquence. Sur ce etc, 

k Potsdam, ce 22 Juin 1777. 



— 87 — 

No. 20. 

Eingabe. 

Da mir das Opern-Haus wegen abzuwendender Feuersgefahr in 
meiner Instruction mit anbefohlen worden und anjetzo die gantzen In- 
strumente nicht mehr tauglich seind, und muss alles neu gemacht werden, 
habe also Ew K. Maj. diesen Anschlag allerunterthänigst vorlegen wollen. 

4 Reservoirs 136 rtl. 

641 Fuss neue Röhren 854 „ 

5 neue Hähne 80 „ 

Messingene Werksei, um die Hähne und Röhren zusammenzusetzen 80 „ 

4 neue Maschinen-Züge 16 „. 

Die eisernen Reifen 20 „ 

Die 2 Grotten im Speisesaal neu zu machen 50 „ 

4 neue Kasten für die Spritzen mit Kupfer beschlagen 92 „ 

u- s. w. 1365 ,, 

Bitte also E. K. M. unterthänigst, mir die dazu erforderlichen Gelder 
allergnädigst zu assigniren, indem es höchst nöthig ist, dass ich es vollends 
fertig mache; ich kann kein Wasser auf der Seite mehr erhalten und 
muss befürchten, das Gantze fällt auf das Theater und macht die Deco- 
rations zu Schanden. 

SOtenJuny 1777. Köhler. 

Der König will nicht, und glaubt, dass der Anschlag zu hoch. Da- 
her zum Bericht an die Ghurmärkische Kriegs- und Domainen-Kammer. 
Desfalsige Ordre: 

Unmöglich scheint es Seiner Königl. Maj. v. Preussen, dass die 
Feuer-Geräthschaften in Dero Opern-Haus zu Berlin dergestalt verfallen 
sein sollten, dass nach der in Originali angeschlossenen Anzeige des 
Köhler alles neu anzuschafTen und dazu die geforderte Summe nöthig 
sein dürfte. Es ist vielmehr so lange nidit her, dass Alles in Dero ge- 
dachtem Opern-Hause in gehörigen Stand gesetzt worden, und daher 
scheint es unbegreiflich, dass dazu schon wieder 1365 rtl. erfordert werden 
sollten. Wenn es noch höchstens 4 bis 500 rtl. wären, würden Höchst- 
dieselben solche allenfalls noch billig Gnden; die solche aber weitüberstei- 
gende Reparatur-Summe hingegen veranlasst Höchstdieselben, der Chur- 
märkischen Kammer biemit aufzugeben, mit dem fördersamsten alles 
genau nachsehen und die Reparaturen in einen nähern und billigern 
Anschlag bringen zu lassei , Fodaun aber solche zu Dero anderweitigen 
EntscUiessung vorzulegen. 

Isten July 1777. Friedrich. 



— 88 — 

Xo. 21. 

La danseuse Meroni itaot arriYee a Berlin seloo Votre rapport 
ifbier, Voos voulez que Je Iiii fiisse pajer pension, sans Pavoör Tue; 
quelle folie! II faat avant tonte chose qae Je la voie et qoe Je sache 
ai eile danse bien oa non. Son engagemeDt peoi Atre diff(6r£ josqaes- 
li. Snr ce etc. 

k Potsdam, ce 12 Octobre 1777. 

Xo. 22. 

Le maitre de ballets Sallamon ITayant icrii au sujel de la nourelle 
danseuse, Yous pouvez lui dire que peut-^tre Je la ferai venir ici la 
semaine prochaine. Apres Tavoir vue danser, Je Yous donnerai a cod- 
noitre Mes intentions k son ^gard. Sur ce eic. 

k Potsdam, ce 25 Octobre 1777. 

Xo. 23. 
Yester besonders Lieber Getreuer! 
Da Ich nunmehro Meinem Kriegsrath Buchholtz die Ordre erthetlet, 
an die neue Tdnzerinn Meroni das Reisegeld, so wie auch hiemächst 
die derselben accordirte Pension von 1500 Thaler jährlich, in den ge- 
ordneten ratis, zu bezahlen; So habe Euch solches zu Eurer Achtung 
bekannt machen wollen. Ich bin etc. 
Potsdam, den 7 Xovember 1777. 

Xo. 24. 

Je veux bien deförer k la demande ci-jointe en original de la Teure 
Töpfer, et Yous autorise par la präsente, de conf(6rer k son fils ain^ la 
Charge de son p^re d^funt, pour ayoir soin des illuminations dans la 
maison de TOpdra. Sur ce etc. 

k Potsdam, ce 15 de Mars 1778. 

Xo.25. 
Sire. 

Pleins de confiance dans T^quitö et la justice de Yolre Majest^ 
les acteurs de la Com6die fran^ise osent en r6clamer les effets. 

Les Ordres de Yotre Majestä pour le renvöi du spectacle fran^s 
nous ont ^t^ signiG^s hier premier Avril par une circulaire de M. d'Ar- 
nim en date du 31 Mars; mais, Sire, nous nous trouvons dans la pl^ 
nitude de nos engagemens. Xous avons ii6 appell^s par les Ordres de 
Y. BL ä Son Service par Ses m6mes Ordres, ainsi que les portent nos 
contrats; nous avons 6tö r£-engag^s^ les uns pour un an^ d'autres poui 



— 89 - 

deux ou trois ann^es. Le nom de Y. M. nous a servi de garant et T^tat 
Ic plus affreux va devenir le fruit d'une confiance si l^gitiiAe. 

L'ann^e th^atrale commen^ant imm^diatement ä p^ques, nous ne 
pouvoDS esp6rer aucune place dans notre patrie oü presque tous nous 
avons refusö de retourner d'apräs Tassurance de notre sort au Service 
de V. M. Notre ruine est in6yitable. Nous allons perdre le fruit de nos 
travaux en ce qu'on nous renvoie sans les d^dommagemens que nous 
assurent nos eiigagemens, nos droits et les usages, sur la foi desquels 
nous nous expatrions. 

Nous n'osons point supplier Yotre Majest6 de daigner ordonner la 
r^vocation de Ses Ordres pour le cours de cette ann^e th^atrale, ce 
qui ferait notre bonheur, mais nous prendrons la libertö d'exposer sous 
Ses yeux ce qui s'est pratiqu^ dans toutes les cours, ce qui se pratique 
partout oü dans de pareilles circonstances on donne ä chaque acteur la 
moitiö de son engagement quand il Ta pour plus d'une ann^e et son 
emnie d'appointemens lorsque son engagement ne renferme que ce terrae. 

Serions-nous les premiers et les seuls 6trangers k qui le nom sacre 
de Fr6d6ric auroit caus6 des larmes? Non, Sire, nous osons Tesp^rer, 
¥• M. n'avait pas connu nos droits, Elle les connoit et Elle ne souffrira 
pas que nos g^missemens se fassent attendre au milieu des acciamations 
et des dioges de TEurope. 

Berlin 2 Avril 1778. 

Laubertie et sa femme. Mlle. Fleury. Caurcelle. DorivaL ChSri- 
court et sa femme. Oyez. Mlle. Henneguy. Mlle. Sauvage. Julien, Le 
Bauld de Nans. l'Amani. Tissot. D. Montroze Ols. Mlle. Petrin. 



BEIU6E ZXZIV. 

Königliche Briefe an den Balletmeister Desplaces aus den Jahren 

1782 — 1784. 
No. 1. 
Le Boi n'^tant pas ^loignö de prendre k son service le danseur 
Desplaces le neveu; Sa Majestö lui demande seulement un repit, pour 
disposer d'une place en sa faveur. 
Potsdam, ce 23 de F^vrier 1782. 

No. 2. 
La demande de la danseuse Desplaces, n^e Gochois k Berlin, en 
date d'hier, ne rencontre aucune difficult^. Son mari 6tant convalescent 
d'une gri^vc maladie, le Boi consent qu'il se fasse aider par son neveu 



— 90 — 

daos PeitoitioD des balleis des Optras «u Carnefal proGhaio, et Sa 
Majesi6 lui ea accorde la permission par la präsente. 
Potsdam, ce 27 d-Odobre 1783. 

No. 3. 

Le Boi £tant trts-satisfait des ballets composes par le jeune Des- 
phces k Berlin; Sa Hajestö Teilt bien hii confi^rer par la präsente le poste 
Yacant de Sod maitre des ballets 0» avec les appoiDtemeots j attacb^ et 
nommer k sa place le danseur Italien Adriaoi k son th^tre k Berlin; et 
Gomme Sil Majest^ Yient de lui assigner ces demiers sur la Caisse de 
Sa Conr, Elle S'attend aussi, qa'il continaera ses eSbrts pour remplir les 
fonctions de sa nonvelle charge k l'enti^re satisfaction de Sa Majest^. 

Potsdam, ce 25 de Joillet 1784. 

No. 4. 

Le Boi ne sait rien ni de la dimission du danseur de TOp^ 
Donral ni de son absence de Beriin, et le maitre des ballets Desplaces 
aura soin d'en faire sitftt son rapport k Sa Majest^ k Toccasion des 
danseurs Klotsdi et Scbabe, qui, däns leurs requ^tes ci-jointes, deman— 
dent sa place. 

Potsdam, ce 6 d'AoAt 1784. 

No. 5. 

Le Boi ignore parfailementy si, par Tabsence de Durral k Lübeck, 
il existe effediYement une yacanee aux figurants de TOp^ra, et si le 
jeune Toumeau, selon la requAte ci-jointe de son p^re, est capable de 
le remplacer. Cest au maitre des baiieis Desplaces, k Berlin, k en ja- 
ger, et c'est k cet eflet que Sa Majest^ lui fait adresser cette demande. 

Potsdam, ce 4 Seplembre 1784. 

No. 6. 

Le Boi agree, sur le rapport de son maitre des ballets, Desplaces, 
k Berlin, que le danseur Schultz succMe i Tabsent danseur Duval, et 
Sa Majest^ lui a d^jk assign^ les appointements attach^s ä ce posle. 

Potsdam, ce 31 d'Octobre 1784. 



BEUGE XZXV. 

No. I. 
AuT Ew Königl. BlajesUit allergnadigsten Befehl habe ich in ver- 
schiedenen Städten Italiens nachstehende Personen so gut und wohlfeil 
>) de feil Mr. Salanoo. 



— 91 — 

als mir möglich gewesen, in Höchst Dero Dienste unter folgenden Be- 
dingungen engagirt 

In Ferrara: ClemetUine Baglioni für 1100 rtl. 

In Bologna: Luigia MeneHni für 850 rtl. 

In Venedig: Domenico Poggi für 1025 rtl. 

In Florentz: Fra ncesco Bennaii für 900 rtl. 
Alle 4 zusammen 3875 rtl. 
Sie legen sich unterthanigst Ew Majestät zu Füssen, und jeder bittet 
um die Gnade eines schriftlichen Engagements mit Höchst Dero Unter- 
schrift und Siegel durch mich zu erhalten. Darinnen freie Theater-Klei- 
dung, Musik, piccolo vestiario und die gewöhnlichen 100 Ducaten zur 
Hinreise und eben so viel bei etwaniger Verabschiedung zur Rückreise 
für jeden zu bestimmen. Da sie Anverwandten mit sich bringen, so habe 
keinen unter diesem Preis finden können. Ein jeder erwartet zu Ausgange 
dieses Monats den Vorschuss der 100 Ducaten nebst schriftliches Enga- 
gement, dagegen wird er von seinem Orte sogleich abreisen um im Mo- 
nat May in Potsdam eintreffen zu können, dehmüthigst bittend, den monat- 
lichen Gehalt aus der Hofstaats-Gasse den 13ten April haben zu können. 
Bessere Acteurs und um geringeren Preis habe ich nicht finden 
können. Die meisten sind elend; gute und passable sind entweder schon 
auf 1 Jahr engagirt oder fordern erschrecklich viel. 

Bologna, 1 März 1782. Coch. 

Darauf erfolgte die nachstehende Gabinetsordre. 

Seine Königl. Majestät von Preussen, unser allergnädigster Herr, 
finden Dero Musici Goch nach seinem Rapport vom 1 März mit einigen 
Italienischen Sängern und Sängerinnen zur Opera Buffo eingegangene 
Engagements viel zu hoch. 5 bis 600 rtl. jährlich wären genug für 
jeden solcher Leute. Ueberhaupt wollen Hochdieselben allen vier drei 
tausend rü. bewilligen, mehr aber nicht, — und deren Eintheilung über- 
lassen Höchstdieselben bemeldetem Koch. Das Reisegeld von 100 Du- 
caten erhalten sie immer und ihr Tractament fangt von dem Tage an, 
wo sie engagirt worden sind. Ist solches den Isten dieses Monats ge- 
schehen, so erhalten sie solches von dem Isten desselben. Dies ist Al- 
les, was Höchstgedachte Seine Königl. Maj. bemeldetem p. Goch auf 
seine Anfrage zur Achtung ohnyerhalten haben wollen. 

Potsdam lOten März 1782. 

. No. 2. 
Julie Hauchecome, Putzmacherin der Hofdamen, klagt 1782 im De- 
cember beim Könige, dass ihr der Baron Sveerts 1747 von einer Rech- 



- 92 — 

nung von 499 rtl. 21 gr. nicht weniger als 199 ril. 21 gr. abgezogen unJ 
dabei gesagt, den Rest würde der König später bezahlen. Darüber ver- 
gingen 35 Jahre. Nun dringt sie auf Bezahlung und schickt ihre Rech- 
nungen aus den Jahren 1745 — 46 ein. 

Daraus ergiebt sich 
Mlle. Barbarina pour la danse de Statue 18 rtl. 

• » pour la danse de Jardiniere 36 • 22 gr. 

• Marxanne Cochois pour la danse de Flore 28 • 6 • 

t > > pour la danse de Bergfere 29 • 20 • 

» DMs pour la danse de Bergfere 25 • 4 • 

• Sauvage pour la danse de Bergere 20 • 2 » 

» Babei Cochois pour la danse de Statue 48 • 

• Cochois pour la danse de Flore 35 » 16 • 

» Artus pour la danse de Jardinifere 46 • 

» » pour la danse de Bei^tre 28 • 16 • 

» Babel Cochois pour la danse de Bergere 40 > 

• du Buisson pour la danse de Bergere 7 > 4 • 

Diff(§rents articies 19 » 

Mlle. Barbarina pour la danse de Bergere 47 • 

• Marianne Cochois pour la danse de Yestale 49 • 13 • 

Six ßgurantes 21 » 

499 . 21 . 
Die alten Opern-Rechnungen von 1745 waren nicht auEeuGnden, 
da der Baron von Swertz sie behalten hat 

Wurde übrigens ab- und zur Ruhe verwiesen. 



BBOAGE ZIXVL 

Gabinetsordres, Königliche Briefe und sonstige Documente unter der 
Regierung König Friedrich Wilhelm IL 

No. 1. 
Allerdurchlauchtigster Grossmächtigster König, 
Allergnadigster König und Herr! 
Wahrend der Zeit, dass der Hofstaats-Secretair Stiegel die Besor- 
gung des Königl. Hof-Opern-Theaters hatte und die Auszahlung dafiir 
besorgte, wurde mir in jedem Jahre ein Ansehnliches von der veran- 
schlagten Summe abgezogen unter dem Yorwande, dass Se. Hochselige 



- 93 — 

Königl. Majestät ein Mebreres nicht assigniret hätten. Die Anschläge 
waren indessen immer so genau als möglich angefertigt, und die Ar- 
beiten darnach gemacht, so dass der geringste Abzug um so mehr baarer 
Verlust für mich war, da ich jederzeit als ein alter treuer Knecht be-^ 
müht gewesen bin, den Beifall meines Allergnädigsten Königs zu er- 
halten, und daher eher noch bessere Zeuger und Zuthaten genommen 
habe, als veranschlagt waren. Mein Vorstellen und Bitten half nichts, 
ich musste Abzug leiden. Hierdurch bin ich bei meiner ziemlich star- 
ken Familie zum armen Manne worden, wobei ich noch das Unglück 
gehabt habe, vor kurzem meinen einzigen Sohn zu verlieren, welcher 
die Stütze der Familie war, und eine meiner Töchter liegt seit vielen 
Jahren sehr elend krank darnieder. 

Meine Forderung beträgt nach den Bückstanden, die mir bekannt 
sind, nach der Anlage 5126 rtl., und wenn ich diese erhalte, so ist dies 
noch das einzige, worauf meine arme Familie sicher rechnen kann, da 
ich sonst nichts habe. 

Ew Königl. Majestät sind mir immer mit der höchsten Huld 
und Gnade zugethan gewesen, geruhen Allerhöchstdicselben mir meine 
billige Fordemng auszahlen zu lassen, und dadurch meine Familie zu 
beglücken, deren Hoffnung schon längst auf die durchaus anerkannte 
Milde des menschenfreundlichen Monarchen gegründet war und auch 
sicher gerechtfertigt werden wird. 

Ich bin bis an das Ende meines Lebens Ew Königl. Maj. unter- 
thänigster Knecht 

Berlin, 18ten Nov. 1786. der Opernschneider Hermann. 

No. 2. 
Beim Königl. Gapell-Etat sind noch vacant: 
Von des verstorbenen Violoncellisten Mara Tractament 

nach Abzug der 400 rtl. an den Hausmann noch 200 rtl. 

Von einem Contraviolonccllisten 200 » 

Wegen dem Hofpoelen 750 • 

Vom Souffleur bei der ehemaligen französischen Gomödie 160 > 

Noch sind nach dem Etat übrig geblieben: 

Bei denen Musicis 760 rtl. 

Bei denen Italiänischen Sängern 5445 • 14 gr. 

Bei andern Bedienten 2000 » 

Bei denen Tänzern 1500 » 

Bei denen Tänzerinnen 500 » 

10205 rtl. 14 gr. 



— 94 - 

Davon haben aber S. Majestät bereits anzuweisen geraht: 

Dem Avertisseur Jean Jean 60rU. 

Dem Tänzer Rehfeldt 200 • 

Dem Inspector Gasparini 600 • 

Denen Hof-Staats-Cassen-Bedienten Zulage 600 • 

Dem Fagottisten Damm Zulage 100 > 

Für die hiesige Polizei Zuschuss 243 » 

1803 itl. 
Bleiben noch davon 8402 > 14 gr. 
Summa was bei der Gapelle überhaupt vacant ist 9712 > 14 • 
20^» Dec. 1786. Buchhoh. 

No. 3. 
Da mir der Hofpoet Filistri heute den Anfang der Oper Perseo e 
Andromeda gegebeo und ich nun anfangen kann zu arbeiten, so lege 
ich hiemit Ew Königl. Majestät die Personenliste zur gnädigen Appro- 
bation vor. Eine Bafsstimme wird mehr Verschiedenheit in den Charao- 
teren und auch grösseren Theatereffect gewähren, deshalb wage ich Ew 
Majestät unterthänigst zu bitten, allergnädigst zu bestimmen, ob ich den 
Sänger Lamperi oder Franz zu der wüthenden Rolle des Fm6o nehmen 
soll, so wie ich auch für die Rolle der zweiten Sängerinn die Befehle 
Ew Majestät erwarte. 

Ich ersterbe in tiefster Verehrung E. K. M. unterthänigster Knecht 
Berlin den 8^° August 1787. ReichardC. 

Anlage. 

Andromeda Signora Todi. 

Cassiope laMadre d'Andromeda ? 

Perseo Amante d'Andromeda Signor Cancialini. 
Fin^o Principe del sangue reale Lamperi 6 Franz? 
Cef6o Padre d'Andromeda Grasst. 

Arsace Gonfidente de Fin^o Tosoni. 

Minerva Tombolino. 

Una voce Celeste Tombolino. 

Bemerkung des Königs darunter mit Bleistift: Die Sängerin wird noch 
kommen; Frantz kann den Finöo machen. 

No. 4. 
Sire! 
Ew K. Maj. erlauben gnädigst vorzustellen, dass die Oper Perseo e 
Andromeda gleich mit einer Festlichkeit anfängt, bei der gesungen und 
getanzet wird. Da ich mich nun hierüber bei der Arbeit mit dem Ballet- 



— 95 — 

meister verabreden nrass, so bitte icb untertbänigst anzubefehlen, ob der 
erste Tänzer Adriani, der seit Despiaces Tode Balletmeisterdienste yerse- 
hen, solche auch bei der grossen Oper zu versehen haben wird und ob 
ich mich deshalb mit ihm zu besprechen habe. 

Auch bitte ich Ew Majestät zu erlauben, dass ich aus allen hiesigen 
Chören die besten Stimmen aussuchen darf, und mir wenigstens einen 
Chor von 48 Stimmen verschaffen. Der Dichter hat 6 besondere Chöre 
von verschiedenen Characteren angebracht, deren Wirkung ganz von einer 
starken Besetzung abhängt 

Ich ersterbe mit tiefster Yerehrunf E. K. M. allerunterthänigster Knecht 

Berlin 11'«" August 1787. Reichardi. 

Bemerkung des Königs mit Bleistill: 

Dieses ist sehr gut und ganz meiner Intention gemäss. 

Wegen des Balletmeisters wird geantwortet: er könne sich mit 
Adriani concertiren. 

No. 5. 
Ewr. Königliche Majestät sehe ich mich gemiissiget, alleruntertänigst 
anzuzeigen, dass 

das National Theater einen Theil seiner Tänzer und Tänzerinnen 

bereits verabschiedet, die andern aber desgleichen verabschieden wird. 

Die Folge hiervon würde also die sein, dass Ewr. Königliche Majestät 

Opern Theater zu künftigen Winter nur 6 par Tänzer haben wurde, mit 

welchen kein gutes Ballett aufzufuhren möglich ist 

So bald ich solches in Erfahrung gebracht, habe ich mich bei der 
Direction des National Theaters erkundiget, 

ob nicht die Verbindlichkeit, 6 par Tänzer zur Opera zu stellen, 
eine ihnen von Ewr. Königl. Majestät aufgelegte Schuldigkeit sey? 
Sie haben mir hierauf erwiedert, dass Ewr. Königliche Majestät sol- 
ches blos vor diesen Winter begehrt, dass die Wiedertierstellung eines 
Balletts ihnen das erste Jahr circa 4328, die folgenden Jahre aber die 
Erhaltung 3500 rtl. kosten würde, wozu ihre Fonds für jetzt noch nicht 
hinreichend wären. 

Um aber Ewr. Königlichen Majestät ihre alleruntertänigste Bereit- 
willigkeit zu bezeigen, 
wären sie erbötig, die 6 par Tänzer zu jeder Oper Zeit zu stellen, wenn 
Allerhöchst Dieselben geruhen wollten, ihnen 

jährlich ein Fixum von 1500 rtl. zu bewilligen. 
Wann Ewr. Königl. Majestät gnädigst erwägen wollen, dass, wenn 
die nun fehlende 6 par Tänzer bey der Oper ergänzt werden sollen, 
solche nicht unter 4000 rtl. jährlich erhalten werden können, so werden 



- 96 — 

Allerhöchst Dieselben diese Forderang des National Sdiauspiels nicht 
unbillig finden, zumal Allerhöchst Dieselben hierbey jährlich 2500 itl. 
ersparen würden. 

Ich meines Theils muss allenintertanigst Anraten diesen Vorschlag 
einige Jahre, wenigstens so lange zu genehmigen, bis das Opern Theater 
durch die von den Ballettmeister Lauchery zu errichtende Tanz Schule 
selbst tüchtige Subjecte erhalten könne. 

Wobej ich jedoch auf den Fall allenintertanigst anheim stellen 
muss, ob Ewr. Königl. IHajestat alsdenn nicht dem National Theater zur 
Pflicht zu machen geruhen möchten, das ganze Jahr hindurch ein gutes 
Ballett von 6 par Tänzern zu unterhalten. Hierdurch würde dasselbe 
selbst an Glanz und Einnahme gewinnen, weil ein Schauspiel ohne 
Ballett immer ein höchst unyollkommnes und das Gepräge der Annsee- 
ligkeit führendes Ding ist, andern Theils aber Ewr. Königl. Majestät 
grosse Opera zu allen Zeiten ein vollständiges Ballet aufzuführen im 
Stande gesetzt würde. 

Auch habe Ewr. Königl. Majestät allenintertanigst zu bitten nicht 
unterlassen wollen, mir auf meinen unter den 1 7ten hujus eingereichten 
allenintertänigsten Bericht und beigefugten Pro Memoria mit gnädiger 
Resolution, 

vorzüglich wegen der von den Lauchery einzurichtenden Tanz-Schule, 

zu versehen, 
weil sonst zu besorgen, dass die darin zu erziehende Eleven für diesen 
kommenden Winter nicht mehr brauchbar werden können. 

Berlin, den 27ten März 1788. 

(gez.) Frh. von der Reck 
No. 6. 
Sire! 

Dans mon tr^s-humble rapport du 17*"* Mars j'ai eu Thonneur de 
marquer k Yotre Majest^ que j'avois ecrit k Paris, Dresde et Bronsuic 
pour un Machiniste, qui manque absolument au Th^atre de TOp^ra. 

Je suis maintenant en 6tat de marquer k Yotre Majest^ 

1, que le Sr. Olivi Machiniste aux Italiens k Paris viendra ict, 
si on lui fait de bonnes conditions. 

2, que le Sr. Querci Machiniste au Thtetre de Lyon, a ofiTert 
Iui-m6me ses Services. 

3, que le Sr. Eck Machiniste du Th^tre du fameux Micolini i 
Bronsuic, passera dgalement et du consentement du Duc ici,, 
si Votre Majest6 le d^sire. 

4, que le Machiniste de Cassel Moretti a ^alement ofTert scs 
Services. 



— 97 — 

Mais comme avant toutes autres choses il faut des machines au 
th^atre, je me suis adressä au plus habile constructeur, savoir le Sr. 
Reussy charpeutier de la cour de Dresde. Ge vieillard, dg6 de 72 ans, 
est pr^t k se rendre ici pour quelque temps, pour donner ses modales 
et ses coDseils pour la constniction des machinesy et les faire ex^cuter 
sous sa direction. 

J'ose maintenant supplier Yotre Majestö de daigner me faire savoir 
Ses intentions. 

1. Si Elle veut que je fasse venir le Sr. Reuss, charpentier de 
la cour^ pour qu'il fasse les dessins et les plans des machines; 
car comme cette esp^ce de constniction n'a pas 6t& fort cul- 
tiv6e dans ce pays, il sera absolument n^cessaire de consulter 
queiqu'un qui, comme le Sr. Reuss, s'en occupe uniquement 
depuis 50 ans. 

2. Si Yotre Majest6 veut qu'on engage un des machinistes sus- 
mentionn^s. Je n'en connois aucun; mais celui de Bronsyic 
ayant M au th^atre de Nicolini, si fameux par les prestiges 
qu'il a produites, et qu'on pourroit le faire venir lui parier 
avant de l'engager, au moyen d'une 50"« d'^us en payant 
son voyage, il m^rite, k ce que je crois, d'autant plus la pr^- 
fi^rence qu'on pourroit Tavoir au meilleur marchö. 

J'ose encore supplier träs-humblement Yotre Majest^ de daigner 
me faire savoir Ses intentions, touchant le plan de T^coie de danse du 
maitre de ballet Lauchery^ de m^me, si Elle approuve la proposition de 
la direction du th^atre allemand, que j'ai eu Thonneur de mettre aux 
pieds de Yotre Majest^ le 27"* Mars. 

Cest avec la soumission la plus respectueuse que je serai toute 

ma vie, 

Sire, 

k Berlin de Yotre Majest^ 

ce 4"* Avril le trfes-humble et tr^s-soumis 

1788. (s«gn6) de Reck. 

No. 7. 
Sire! 
Le d^corateur Yerona dösirant beaucoup de pouvoir de ce moment 
se mettre k peindre les d^corations n6cessaires pour l'Op^ra de Jason 
et de M6d^e, pour leur donner tout T^clat et l'achev^ possible, 

j'ose mettre k Yos pieds, Sire! le devis des d^corations n^cessaires 
pour Pex6cution de cet op^ra. 



— 98 — 

En me rtfefant h mon memoire da 17"* Man, je dob 
ä la gradeuse dMskm de Volre Majestf , a Elle Teuft paiser au iitco- 
raleor le prix de 1000 ^cus pour one decoratk» neaTe. 

OHnme il raste, Sire, an nombra de choses tm-pressanles, sar 
leaqaelies je dois d^sirer aToir Yolie gracieose approbation« je deoMade 
tres-homblement la permissioD d'oser Teoir k Potsdam la prendre. Yotre 
Majeat^ pourroit dana an instant me domm- toas Ses Ofdres, et me 
faire connoitre Ses intentions sar toos les cAjets qoe j'ai os^ m^tre 
soos les yeax de Yotre Majest6. 

Cest aTec la soumission la phis respectnease qoe je serai toute 
roa Tie, 

Sira, 

ä Berlin de Yotre Majest^ 

ce 10 Anil le tr^s-homble et tr^s-soumis 

1788. (sign«) de Reck. 

No. 8. 
Resolotionen des Königs auf ferscfaiedene Yorseblage des Baron t. Reek. 

Je Yiens de donner des ordres k la caisse de ma eoor ponr que les 
iOj^ 6cas soient ä yotre disposition k commencer da 1 Join prochain. 
Art 2. je yous accorde la direetion de mes deox spectacles, comme Yoas 

le d^irez. 
Art. 3. je voos aecorde aussi 400 rtl. per an poor les appointemens d'un 

secr^taire. 
Art 4. j'accorde «galement 100 pour Tayertissear de rorchestre. 
Art 5. une seconde cbanteuse est engagöe pour le grand op6ra et pour 

jouer aussi dans le besoin dans l'op^ra Bouffon. 
Art. 6. j'approuye le z^le de mon maltre de ballet Lauchery d'6tablir 

une «cole de danse de 8 paires; j'accorde pour cet efiTet 650 Rixd. 

sous les conditions que ces jeunes ilhyes se trouvcnt en 6tat de 

figurer le camayal prochain. 
Art 7. j'accorde 100 Rixd. pour Fayertisseur du ballet 
Art. 8. Yous proposerez k Yerona une sonmie moindre pour chaque 

grande d^coration et Yous arrangerez cela le plus conyenablement 
Art. 9. I'op^ra comique ne sera point augmentö de sujets. Benati est 

encore en «tat de jouer, et d'ailleur il y a Frantz qui peut y 

suppiger. 
ArtlO. le conseiller des bttimens Bouman continoera son inspection sor 

le bttiment de l'op^ra. 
Art. 11. toucbant le machiniste Milnet «tant incapable de remplir oe poste, 

YOUS le renyerrez. J'accorde que Yous fassiez yenir le nommi 



— 99 — 

Reuss poar qu'il donne des modales et des dessins pour la con- 
struction des machines. Yous ferez venir ^galement le nomin^ 
Eck k la place de Milnet et aux conditioos que yous proposez. — 
J'ai re^u le devis des d^corations pour Top^ra de M^d^e. Yous 
pouvez YOUS arranger avec Yerona et qu'il commence k bonne 
heure. 

Toutes ces sommes ici accord^es pour difi%rens objets seront 
prises sur le foud ici mentionn^. Je me repose sur votre z^le 
pour Tex^cution de tous ces articles. Sur ce je prie Dieu 
M — d qu'il YOUS ait en sa sainte et digne garde. 
Potsdam ce UAytiI 1788. 



No. 9. 
Sire! 

Ed remerciant Yotre Majest^ tr^s-humblement de ce qu'Elle a daign6 
d^f(6rer k mes tr^s-bumbles propositions par Sa lettre trfes--gnicieuse du 
14 couranty je crois de mon doYoir de rappeller cependant k Yotre Majest^ 
qu'il reste un point bien pressant k rdgler. 

La direction allemande a cong^di^ tous ses danseurs et n'en repren- 
dra point, k moins que Yotre Majest^ ne daigne Tassister. 

L'op^ra de Y. Maj. se trouye par cons^quent r^duit k 6 paires de 
figurans, aYec lesquelles il est impossible d'ex^cuter l'opdra de Midie. 

L'6cole de danse que le Sieur Lauchery ya ^tablir incessamment, ne 
peut pour le moment prendre que des enfants de 10 k 13 ans; ceux--ci 
peuyent et doiyent k la rigueur figurer dans les ballets de l'hiyer prochain 
comme enfants, amours ou g^nies; mais il est impossible d'en faire des 
figurans danseurs. 

Or la direction allemande s^est Offerte k en entretenir six paires, 
comme j'ai eu Thonneur de le marquer k Y. Haj. k raison de 1500 ^cus 
par an. 

II n'existe, Sire, aucun moyen au monde de Yous en proeurer k meil- 
leur marcb6, et je crois mon dcYoir de supplier Y. M. d'approuYer au 
moins cet engagement depuis le 1*' de Join pour un an ou deux. 

Gette somme pourroit 6tre pr6leY^e sur le fond de 40000 6cus, et 
en attendant les ^I^ycs du Sr. Lauchery prendroient la taille et les talens 
pour Atre figurans k Top^ra de Y. Maj., et alors Tengagement aYec k 
direction allemande finiroit * 

Comme le Sieur Lauchery doit au moins commencer ses r^p^titions 
au mois de Juiliet et que la direction allemande aura d6}k toutes les peines 
du monde k foumir les 6 paires de figurans yers ce temps, j'ose supplier 



- 100 — 

V. Maj. trös-humblement de daigner me donner bieatöt Sa gracieuse 
r^solution sur ce point. 

C'est avec la soumission etc. 

Berlin, 17Avril 1788. de Reek. 

No. 10. 
Sire! 

En coDs6quence des ordres de Y. M. qu'EIIe a daignä me dooner h 
diff^rentes reprises de faire faire au Sr. Naumann d'autre musique pour ies 
trois ballets de M6d^e et d'enjoindre au Sr. Lauchery de Ies raccourcir, je 
n'ai pas manqu^ de ieur faire connoitre d^s lors Ies ordres de Y. M. 

Mr. Naumann s'est transportö sur-le-champ chez le demier, pour 
concerter amicalement avec lui sur Ies moyens de remplir Yos Ordres, 
mais lä le Sr. Lauchery, non content de d^clarer tous ces changemens 
pour des intrigues, d6clara en outre, ne rien vouloir changer au troisieme 
ballet, attendu qu'il savoit que Y. M. en ötoit tr^s-^ontente, toutes fois 
il promit de donner dans une couple de jours Ies ^claircissemens n^ces- 
saires pour Ies dcux premiers ballets. 

Ce ne fut qu'apr^s six jours d'une vaine attente que Mr. Naumann 
vint se plaindrc ä moi de tout cela et du retard qui Tempöchoit k la 
fois ou de travailler ou de s'en retoumer k Dresde. 

J'6crivis sur-le-champ un bitlet au Sr. Lauchery pour le prier de 
passer chez moi; non seulement il ne vint point, mais il ne se fit pas mime 
excuser, et ce ne fut qu'aprös avoir renvoy6 yers le soir chez lui et 
apr^s Tavoir attendu vainement toute la journöe, qu'il me fit dire qu'il 
avoit pris m^decine et qu'il ne viendroit chez moi que dans une couple 
de jours, ne se portant pas trop bien. 

Si je me vois forc6 d*ennuyer Y. M. de ces miserables d^tails, ce 
n'est que pour Yous faire voir, Sire, que, tout comme le Sr. Lauchery 
avoit attendu jusqu'ä la fin de Juillet pour donner ses avis au Sr. Nau- 
mann uniqu^ment dans le dessein de l'empicher d'achevcr sa composition 
k temps, malgr6 Ies ordres que je lui en avois donnös au printemps, 
^galement et de mime il cherchoit dans ce moment de tralner Ies choses 
au point, afin que Mr. Naumann se trouvAt dans une igale impossibilite. 

Comme je n'ai pas 6ti un instant la dupe des menies que Sicur 
Lauchery a faites et J6t6 passi et k prisent^ je lui ai riitiri, mais bien 
sirieusement, Yos ordres par icrit, et ce n'est que d'hier qu'il a donne 
finalement ses idies sur Ies deux premiers ballets au Sr. Naumann, qui 
Sans Ies attendre en avoit achevö la musiquf d'apr^s la connoissance bien 
intime du poeme et de ce qui est nicessaire pour faire de beaux ballets. 

En attendant le Sr. Lauchery, qui sous pritexte d'une ligire indis- 
Position ne sort pas, m'a diciarö par icrit ne pouvoir absolument faire le 



— 101 — 

deroier ballet sur le programme du poeme, atteadu qu'il etoit tout-ä-fait 
d^nuö de l'action chaude et rapide convenante au sujet. 

Or c'est justement de ce d^faut d'aciiou chaude et rapide du ballet 
de Hr. Lauchery que tout le public impartial et ^clairä se plaint k juste 
titre. Car, sans faire mention de la longueur ^uorme de ce ballet, qui sur- 
passe de beaucoup une demi-heure, le Sr. Lauchery, au lieu de faire voir 
tout uniment k la v^ritable M6d^e le sort qui Tattend si eile suit Jason 
k Gorinthe, comme le demande le pol^me, lui fait voir une fiU dans un 
jardio, un cwnbat de gladiateursy un bcd d'mfanis^ une Höcate traver- 
sant les nues et combien d'autres choses qui prises s^par6ment pourroient 
6tre assez jolies, mais qui dans ce ballet-ci deviennent tout-ä-fait 6tran- 
g^res, si non ridicules^ et qui, comme le ballet doit 6tre plus court, 
doivent 6tre de pr^f6rence 4t^es. 

Si k la place de tout cela le Sr. Lauchery, suivant les conseils de 
gens bien intentionn^s, eüt mis les enfants dans le premier ballet k la 
suite de Junon, ou comme Sr. Naumann lui a conseill^ depuis k la suite 
de TAmour en gönies Celestes, c'eüt-6t^ ou ce seroit pour Favenir la chose 
du monde la plus jolie et on auroit vu ou on verroit avec plaisir en plein 
et sans gaze les progr^s vraiment louables de ses jeunes ^l^ves. 

Mais au lieu de suivre de si bons conseils il a mieux aim^ gAter 
tout, et voudroit le gftter encore. 

G'est maintenant k Yotre Maj. k d^cider, si Tent^tement punissable de 
cet bomme ou les ordres qu'Elle a daign6 me donner doivent pr6valoir. 

Quant k moi, Sire, il est de mon devoir de Yous pr^venir, que 
comoM cet homme n'est qu'un intriguant qui sous de sp^cieux pr6textes 
et de faux d^hors cherche toujours ä minder ce qu'on lui ordonne, qui 
veut faire tout k sa t£te et qui m'a Ak}k manqu6 en difi%rentes occasions, 
je me verrai obligö de Tenvoyer au premier jour aux arr^ts, ne pouvant 
absolument faire compromettre, par qui que ce soit, Tautoritä dont Y. M. 
a daign^ me rev^tir et dont je n'abuserai certamement jamais. 

Dans peu de jours j'aurai Thonneur de mettre aux pieds de Yotre 
3Iaj. le plan pour PAcad^mic du chant. 

Je serai etc. 

Berlin, 1 Nov. 1788. de Reck. 

No. 11. 

Sire! 

Pour satisfaire aux ordres que Yotre Majestö vient me donner tou- 

chant l'op^ra de F^dre, je ne manquerai pas de faire venir sur-le-champ 

les deux maitres de chapelle pour concerter avec eux les airs qui se- 

roient k changer, et pour pr^venir tout sujet de Jalousie, je t^cherai de 



— 1«2 — 

distribuer le nombre des airs k faire de mani^re que chaeun en lasse 
une partie ^ale. 

Berlin, 1 NoYembre 1788. Redk. 

>ü. 12. 

J'ai eu rhonneur de marquer k Y. Maj. ea date du premier de ce 
mois tout ce qui s'est pass6 k I'^gard da Sr. Laodhery et comment Yos 
ordres, Sire, restoient jusqu'ici sans effet 

Gomme Y. M. n'a pas daign6 me r^pondre I&— dessus et que le 
Sr. Laucbery a depois refus^ k M. Naumaoii d'entrer ayec lui en mauere 
poor la composition du troisiäme ballet, celui-ci est yenu me d^darer bier 
que comme de cette maui^re le Sr. Laucbery rempftcboit de faire la 
musique du troisi^me ballet, il esp^roit que Y. Maj. daigoeroit ne pas trouYer 
mauyais, s'il ne donnoit que la musique des deoL premiers» atteudu qull 
parattroit dans l'^tranger d'uoe manifere d^Tantageuae k sa r^putatioD, 
qu'ayaut fait les deux ballets les plus ais^s, le plus important et le plus 
diffidle resta d'une composition ^trangere. 

Tout le public 6tant informe des ordres que Y. M. a donn^ et 
pour la composition d'autre musique et pour le raccourcissemeDt des ballets, 
il m'est impossible de croire que Yotre Maj. puisse 6tre indifferente de Toir 
Ses ordres si publiquement intervertis par les men^es du Sr. Laucbery, 
et je dois par cons^quent pr^sumer que mon rapport tr^s-respectueux 
du 1^ n'est pas panrenu k la connoissance de Yotre Majest^. 

Quant k mon particulier, Sire, il m'est impossible de laisser intro- 
duire dans ce d^partement, d€jk si ^pmeux, une anarcbie pareille, et de me 
Toir rendre, m^me Ik oü j'agis par Tordre expr^ de Y. M., le jouet des 
intrigues de M. Laucbery et consorts. 

Berlin, 6 Not. 1788. de Beck. 

Bemerbmg des Königs: J'ai d'autres affSaiires actuellement qui m'emp^ent 
de m'occuper de mes ballets; tout ce qu'il y a, c*est que les deux 
Premiers ballets sont trop longs et qu'ils doiyent 6tre raccourcis, 
comme je Tai dit k la repr^ntation et k la r^p^tition. Ce que M. 
de Beck conune directeur ordonnera de ma part au Sr. Lau<^ry. 

No. 13. 
Sire! 

J'ai rbonneur d'annoncer k Yotre Majeste mon arriY^ k Berlin 

Je me crois bien beureux d'^tre destin^ k contribuer quelque cbose au 

plaisir du plus grand monarque, qui se plait d'6tre aussi le plus grand 

protecteur des beaux arts, mais je serois bien malheureux et trks peu 

en ^tat d'employer mes faibles talens, si Yotre Maj. ne rae daigneroit 



— 103 — 

• 

pas confier I'arrangement des ballete d'un op^ra. Mr. Reichard m'a r6- 
serv6 sa musique pour les ballets de Top^ra Olimpiade, et je supplie 
y. M. de donner Tordre qu'on me confie la composition de ces ballets 
je tflcherai au possible de möriter la conGance avec laquelle Sa Majestä 
a daign6 m^appelor, et je me mets aux pieds de Yotre Majestä eii me 
souscrivant etc. 

Berlin, 9D6c. Crux. 

Randbemerkung des Königs mit Bleistift: Je Tai engag4 pour danser et 

non comme mattre de ballet 

Ein späterer Brief des Grux bittet um Verzeihung, dass er die Bitte 
gewagt, da er nicht gewusst^ dass Lauchery bereits den Auftrag erhalten, 
die Ballets zu machen. Er spricht sehr bescheiden, und bietet gleichzeitig 
seine Tochter als Violinistin und Sängerin an. Der Kömg will sie hören. 

No. 14. 
Sire! 

Comme il pourroit intiresser Votre Maj. de savoir pr6alablement ce 
qu'a coüt6 la premi^re repr^sentation de Fopöra de M6d^e> je prends la 
Iibert6 de mettre k Ses pieds le compte g6n^ral de toutes les d^penses. 

Si Votre Majest^ daigne considörer le nombre de beaux habits et 
maints faux-frais qui n'appartiennent pas proprement k cette repr^sen*- 
tation, j'ose esp^rer qu' Elle trouvera que jamais nulle autre part on a mis 
k si peu de frais un op^ra aussi brillant en scöne. Les repr6sentations 
suiyantes coüteront entre 3 et 400 ^cus. 

La premi^re repr^sentation de Top^ra d'Androm^de coüta Tann^e 
pass^e 14492 £cus. 

Berlin, 19 D^cembre 1788. (U Reck. 

Summarische Berechnung der Kosten. 
Dem Decorateur Verona laut Allerhöchst appro- 

birtem Anschlage 4500 rtl. 

Die revidirte und moderirte Rechnung des Schneider 

Hermann - 4290 • 

Die Rechnung des Tischlermeisters Millenet 631 > 6 gr. 

Die Rechnung des Dluminateurs Toepfer 128 • 18 ■ 

Die Rechnung des Inspecteurs Gasparini 4325 » 17 » 9 pf. 

13875 . 17 . 9 . 
No. 15. 
Sirel 

Einige Unordnungen und Widersprüche, mit deren Auseinander- 
setzung ich Ew K. Maj. nicht beschwerlich werden mag, durch die aber 
der Königliche Dienst und das Orchester leidet, machen es mir zur 



— 104 — 

• 

Pflicht, Ew Maj. unterthäDigst zu bitteD, gnädigst ni bestimmeii, ob die 
gänzliche Direction der Musik bei der grossen Italienischen Oper ferner 
wie bisher von mir als Gapellmeister abhangen soll, und auf diese Weise 
die Direction des Mr. Duport sich nur auf die Gammer-Musik Ew Maj. 
erstrecke. Ich bitte unterthänigst, mir und Herrn Duport hierüber be- 
stimmte Befehle zu ertheilen. Was auch Ew Maj. hierüber zu befehlen 
geruhen, so werde ich dem Befehle mit der Unterthänigkeit und Ter- 
ehrung willig gehorchen, mit der ich ersterbe etc. 

Berlin, 27 Dec. 1788. ReichardL 

No. 16. 
Sire! 

Le titre de Sur-Intendant de la musique de Yotre Majest6 m'aroit 
d'autant plus flattö, que j'^tois le premier qui eüt obtenu cet honneur 
dans ce pays-ci. Getto place me mettroit au-dessus de Monsieur 
Reichardt et k la tftte de tous les habiles gens qui composent Forchestre; 
j'ose assurer Y. M. que tous ces Messieurs ont 6t6 charm6s d'£tre sons 
ma direction, avant que l'ingratitude et Tambition de Mr. Reichardt 
fussent panrenues it leur comble; il avoit reconnu lui-m6me que la mu- 
sique me regardoit uniquement; les maitres de chapelle ont dirigi 
Torchestre lorsqu'il n'avoit point de sur-intendant Mr. le Baron de 
Reck m*a 6crit de c^der mes droits k Mr. Reichardt. Plus j'examine ma 
conduite, moins je peux concevoir un pareil traitement Yotre Maj. sait 
que je suis mille fois plus sensible it l'honneur qu'i l'int^r^t, il me seroit 
impossible. de souffrir une humiliation qui me d^graderoit k mes yeux 
et k ceux de tous mes camarades. 

Je mourrai de chagrin de quitter le Service de Yotre Majest^ k la- 
quelle je suis si fortement attach^, mais au moins je ne donnerai pas 
it mes ennemis le plaisir de contempler leur ouvrage; il ne me manquoit 
plus que la disgrace de Yotre Maj. pour mettre le comble a tous les 
malheurs que j'ai 6prouv6s dans ma famille. 

Sirel 

Berlin, 31 D6c 1788. Duport. 

Randbemerkung des Königs mit Bleistift: II dirige l'orchestre de Top^ra 
et non d'autre, puisque Pon ne dirige pas l'orchestre d'une löge. 

No. 17. 

Projet d'une Acad^mie Royale de d'anse k Tinstar de celle de Mann- 
heim et dont Lauchery, actuellement maitre de ballet de sa Majest^, a 
eu la direction depuis Tannöe 1772 jusqu'en 1782. 

1. On la formera pour le commencement de seize enfans, dont 
huit gargon et autant de filles. Ils seront choisis depuis VAge de dix ans 



— 105 - 

jusqu'jt quatorze, bien laits, d'une figure agr^able et dont les parenis 
^tablis h Berlin» soient connus pour avoir de bonnes moeurs. 

2. Les parents des enfans seront Obligos de passer un contrat par 
deyant notaire, par lequel ils s'obligeront de c^der leurs enfans it Taca- 
d^fflie royale de danse, pour y. apprendre leur mutier; ce qui les inettra k 
mAme par la suite d'entrer dans les ballets du Roi et jouir du bonheur 
d'appartenir ä Sa Majest^. 

3. Si au beut de deux ou trois mois T^colier ne se trouve point avoir 
les dispositions n^cessaires, ou qu'il manque tout-4-iait d'oreille, ce qui est 
indispensable pour la danse, il sera cong6di6 et remplacö par un autre. 

4. Quand les enfans seront en ^tat de paraStre dans les ballets du 
Roiy ils receyront it la fin de Tann^e qu'ils auront pam une gratiGcation 
proportionn^e k leur capacit^; et lorsqu'ils seront panrenus au point de 
remplir une place de figurant ou de figurante, et que leur conduite 6ga-* 
lera leurs talens, ce qui doit £tre attest6 par le maitre de ballet, ils 
entreront alors dans les ballets du Roi, aux appointemens qu'il plaira k 
Sa Majest^ de fixer. 

5. Si quelques-uns des Ühyes annoncent des dispositions k former 
des Premiers sujets, le maitre de ballets leur donnera en cons6quence 
des le^ons particuli^res, et par la suite ils pourront panrenir it occuper 
des premiferes places et avoir des appointemens plus cons^quents. 

6. Tous les ^läves seront tenus de se trouver röguli^rement aux 
heures qui leur seront indiqu^es pour les le^ons, ce qui n'empAchera 
point leur p^re et m^re de leur procurer en m6me temps d'autres talens. 
Hais s*il8 montrent de la paresse, ou de la n^gligence it remplir leur de- 
voir, ils seront punis en cons^quence, et au cas que cela arrive fr^quemment, 
ils seront renvoy^s de Tacad^mie et remplac6s par d'autres. 

7. On leur foumira pour leurs exercices une paire de bas de fil et une 
paire de souliers tous les mois; k cbacun des gar^ons deux paires de 
culottes et deux yestes par an; aux filles un corps, deux paires de cale- 
^ns, deux jupes et deux corsets de bazin par an. Ils auront soin de faire 
laver le tout, afin de le tenir dans un £tat de propret^; et leur parents 
seront tenus d'y avoir l'oeil. 

8. Si Sa Majest^ daigne accepter ce projet et que par la suite eile 
paroisse contente du succ^s des enfans, et qu'elle juge k propos d'en 
augmenter le nombre, on pourra le porter jusqu'ä celui de vingt-quatre, 
sans que cela entrafne de grandes d^penses. 

D^pense pour Tentretien des ilkyes de l'acadömie. 
16 paires de souliers par mois, k 1 icn la paire, fait par an 192 6cus 
16 paires de bas de fil, it 16 gros la paire, fait par an 128 > 



— 106 — 

8 corpf par an, i 1 6ca 18 gros la püoe, &it 14 teas 

pour deox cale^ons am filles, den oonets k mandies 

et deux jupes de bazin, it 6 tois 19 gros par persoime, 

bit par an 54 • 8 gros 

pour 16 paires de culottes des gar^ons, ä 1 6ca 4 gros 

et 6 pheniog^ fait par an « 19 » 12 » 

pour 16 vestes de bazin avec des manches poor les 

gar^onSy k 1 6cu 12 gros, fiiit par an. ^.„^ 24 » 

total des fournitnres 431 • 20 • 



pour un r^p^iiteur qai sache danser et qui soit oblig6 
de faire r^p6ter aux ^l^yes Tapres-dlner la le^on du 
matin, et en m6me temps en £tat de fignrer au besoin 
dans les ballets du Roi, k raison de 12 icas 12 gros 

par mois, fait par an ^ 150 

pour un domestique qui soit oblig6 d'avertir les enfans, 
de les aller chercher pour la le^on et les ramener 
chez eux, ainsi que de faire du feu dans la salle, la 
balayer, allumer les chandelles et faire toutes les 
commissions relatives it Tacad^mie, k raison de 8 6cus 

8 gros par mois, fait par an 100 

pour deux häufen de bois, pour chauffer la salle 40 

pour 8 toume-pies qui senrent k faire plier les enfans 8 
pour le luminaire de la salle pour six mois k raison 
d'une livre par jour. 36 



total des d^penses 334 • 

431 » 20 » 
Total gineral 765 > 20 • 
Quand le ballet aura premiärement son 
propre avertisseur, le domestique notö ici 
avec 100 6cus pourra £tre ^pargn^. 

(sig.) de RecL 

18. 
Beschreibung des Innern des neu verschönerten Königlichen Opernhauses. 
(Aus den Berlinischen Jahrbüchern von 1788.) 
So schön das Aeussere des Opernhauses in Berlin nach der Angabe 
des Barons v. Snohehdorf gleich beim Antritt der Regierung Friedridis 
des Zweiten vom Jahre 1740 an ausgeführt worden, so sehr unbequem 
und zweckwidrig war zum Theil das Innere desselben. Der itzige König 
fand es für nöthig, mit der wesentlichen Verbesserung, deren es in vielen 



— 107 - 

Stücken ohnehin bednrftey lugleich die möglichste YervoUkoounung des 
Ganzen anzuordnen. 

Der itzige Operndekorations-Maler Herr Verona machte hiezu die Vor- 
schläge, und der Kriegs- und Oberbaurath Herr Langhans aus Breslau er- 
hielt den Auftrag, diese mit Zuziehung anderer Sachverständigen zu prüfen, 
und das Resultat zur allerhöchsten Genehiüigung yorzulegen. Hieraus ent- 
stand denn die so bald zu Stande gebrachte Abänderung des ganzen Innern. 

Die fehlerhafte Einrichtung des Innern war sowoi Kennern als 
Nichtkennern auffallend. Indessen, da das Aeussere, als ein wahres Denk- 
mal edler Schönheit, unberührt erhalten zu werden verdiente, so bedurfte 
es wol der genauen Erfahrung mehrerer einsichtsvoller Männer, und es 
gereicht dem Herrn Langhans zur Ehre, dass er die sehr manigfaltigen 
Angaben anderer nicht allein ruhig prüfte, sondern sie auch mit den An- 
lagen der berühmtesten und vollkommensten Opernhäuser von Europa^ 
als dem zu Turin und dem von dem bekannten Süfliot zu Uon erbauten, 
welche er als gute Muster studirt hatte, verglich. 

Der Hauptplan des übrigens geräumigen Parterre war gegen das 
Theater zu dergestalt ausgedehnt, dass jede Seite über 6 Fuss vor dem 
Vordergründe des Theaters (Proscenium, der Zwischenraum vom Orche- 
ster bis zur ersten Goulisse der eigentlichen Schaubühne) versteckt lag, 
und daher die Zuschauer in den Seitenlogen nahe am Theater nicht 
viel sehen konnten. Itzt ist der Vordergrund erweitert und die Logen 
sind vorgerückt Durch den einfachen Cmriss, der den Logen, von der 
Hofloge an bis zum Vordergrunde, gegeben ist, entsteht ein runiges und 
angenehmes Ganze, und jeder Zuschauer sieht, selbst in der nächsten 
Loge, die Haupthandlung des Theaters. 

Der Vordergrund, so wie das ganze Theater, ist an 5 Fuss erweitert, 
und verhältnissmässig erhöhet Daher erhielt es mehrere Grösse, deren 
es wirklich bedurfte, und die Einsicht in dasselbe ist freier geworden. 
Der Vordergrund besteht aus 4 geriefelten und reich vergoldeten Säulen, 
zwischen welchen sich ein Balkon mit rothen Vorhängen befindet 

Das nunmehr erweiterte Theater bedurfte, gleich dem Vordergrunde, 
einer grossem Höhe; denn bis jetzt musste der Mahler grosse Ideen, wo- 
zu Höhe nöthig war, entweder ganz vermeiden, oder sie nach der vor- 
handenen Höhe einschränken. Es wurde deswegen der Fussboden des 
Theaters um zwey Fuss erniedrigt und die Decke desselben um andert- 
halb Fuss erhöhet, das Ganze also um viertehalb Fuss höher gemacht 
Um inzwischen auch dem Maschinenwerke mehr Freiheit, Sicherheit und 
Bequemlichkeit zu verschaffen, ist ein grosser TheU des ohnehin so holz- 
reich verbundenen Dachwerkes herausgenommen, und der herausgenom- 
mene Holzverband durch klug angebrachte Mechanik ersetzt 



— 108 — 

Mil wenigerer Mühe ist die Länge des llieaten Tergrössert worden, 
so dass grosse Gegenstände non auch in ihrer Grösse Torgestellt wer- 
den können. 

Unter dem Orchester ist ein veiiehrtes Gewölbe angelegt Dieses 
ist wegen der niedrigen Lage des Gebäades zementirt, um es wasserÜBst 
za erhalten. 

Dies Gewölbe soll der Resonanzboden seyn, und die Erfidining wird 
es jedem g^ildeten Ohre bestätigen, was man sich, nach der Theorie, 
zum Yortheii der Musik und des Sängers davon Terspricht Dieser Gedanke 
ist zwar nicht neu, allein wenn auf manchen sonst prächtigen Theatern bis 
jetzt noch so oft Klagen geführt werden müssen, dass die Musik unrein und 
dumpGg klinge, und dies doch ein wesentlidier Fehler ist, so bleibt es 
immer ein Versehen des Baumeisters, der nicht auf alle Umstände, welche 
die Wirkung des Ganzen vei^ssem können, gehörige Rücksicht nahm. 

Aus eben dem Grunde sind auch im hintern Theile des Amphi- 
theaters zwey mit Sdiiebem versehene Zugröhren angebracht, wodurch 
nicht nur überhaupt die Bewegung der Luft, gegen das Amphitheater hin, 
bewirkt, sondern audi der Grad und die Stärke dieser Bewegung be- 
stimmt werden kann. 

Das Parterre war sonst wagerecht, jetzt aber erhebt es sich um 
zwey Fuss vom Theater an gegen das Ende zu, welches den hinter 
einander stehenden oder sitzenden Zuschauem zum grossen Yortheii ge- 
reichet ttebrigens ist es, wie sonst, zum Aufschrauben für die Redouten 
eingerichtet, und es ist noch viel Hoffnung, dass, nach der Idee des Herrn 
Verona, aus dem Theater, wovon das Modell auf der hiesigen Akademie, 
bey der letzten Ausstellung, zu sehen war, ein Redoutenseal werde ge- 
macht werden können, der denn jedesmal nach geendigter Oper aufge- 
baut vrürde. 

Der Bange der Logen sind, wie ehemals, viere gemacht, nur 

1) ist in der Mitte, dem Theater gegenüber, eine hervorstehende 
Loge für die Königliche Familie angelegt, welche durch zwey Range der 
andern Logen geht, und durch ihre Anlage und Verzierung gehörig un- 
terschieden ist Sie ist in Form eines ovalen Saales gebaut, und mit 
einer Koiqpel, auf deren Gipfel die Königliche Krone ruhet, gedeckt, 
welche von acht geriefelten korinthischen Säulen getragen wird. Die 
Decken, welche auf den Seiten und von der Brüstung herabhängen, 
gleichen einem mit Hermelin verbrämten Purpurmantel. 

2) Im Vordergrunde sind Logen angelegt, die ehemals nidit sep 
konnten. Sie sind dem König und dessen Disposition bestimmt und gleich- 
falls vorzüglich verziert 



— 109 - 

3) Die sämtlichen Logen, welche ehemals von senkrechtslehenden 
Säulen, die auf der Brüstung standen und mit Tragsteinen verziert waren, 
getragen wurden, werden jezt von Säulen, welche fünf Fuss eingerückt^ 
und mit Tragsteinen und Kariatiden von weissem Gipsmarmor abwech- 
selnd verziert sind, getragen. Der oberste Rang aber erscheint in Gestalt 
einer Gallerie. Der wesentliche hiedurch erhaltene Yortheil ist, dass die 
drey ersten Range in jeder Loge nicht an der freien Aussicht gehindert 
werden, da ehedem die dicken Säulen die vordem, also die Hauptplätze 
einschränkten und die Aussicht verdarben. 

4) Die Scheidungen der Logen sind mehrentheils konzentrisch und 
gewähren also deshalb gleichfalls mehr Vergnügen. Endlich 

5) ist die Anzahl der Hauptlogen geblieben, durch ihre bessere An- 
ordnung aber entstand mehr zwekmässiger Raum. Alan konnte daher 
um so eher Rücksicht darauf nehmeu, dass jedes Königliche Dikasterium 
eine eigne Loge bekam. Rechnet man dazu, dass auch das Parterre ge- 
hörig eingetheilt ist, so ist es ausgemacht, dass an diesem Königlichen 
Schauspiele weit mehr Menschen, als sonsf^ Theil haben können« Also 
ist auch hierinn der Wunsch unsers menschenfreundlichen Königs, dass 
jeder sich unter seiner Regierung glücklich fühlen mögte, erreicht 

Sollten manche, der guten Meinung und des besten Willens aller 
derer, welche die gnädige Absicht des Königs auszuführen hatten, ohn- 
geachtet, noch hie und da einiges der Verbesserung Tahig achten (obgleich 
insgemein diejenigen am meisten tadeln, welche die Sache am wenigsten 
verstehen) so werden folgende Bemerkungen auf das Urtheil der Kenner 
und billig denkender Männer überhaupt gewiss sehr vielen Einfluss haben. 

1) Diese ganze Arbeit wurde in einem Jahre vollendet 

2) Bey Bestimmung der Höhen, Breiten und Tiefen der ganzen neuen 
Einrichtung war man zu sehr durch das stehende Gebäude gebunden. 

3) Es ist nicht immer des Baumeisters Schuld, wenn manche Ar- 
beiten, ohnerachtet alles seines Fleisses und seiner Voi*sicht, nicht so 
ausfallen, als er es selbst wünschte und nöthig erachtete. 

Was die Pracht betrifl, welche von der ganzen Anordnung wohl 
zu unterscheiden ist, so ist zwar nichts vergessen worden, was dem 
Auge einen bewundernden Anblik verschaffen kann, man hat sich aber 
auch gehütet, den Glanz der Vorstellungen auf dem Theater nicht durch 
das Prächtige des Aufenthalts der Zuschauer zu verdunkeln. Um indessen 
auch diesen so viel als möglich zu heben, so ist oben in der Decke ein 
grosser Reverbereur, ein reflektirender Spiegel, angebracht, welcher die 
Lichtstrahlen auf die Zuschauer des Parterre herabwirft und das Ganze 
mit einem funkelnden Glänze erleuchtet, und der neue prächtige Vor- 
hang macht dem H. Director Rode, H. Rosenberg und H. Verona alle 



— 110 — 

Ehre. Die Masdiiiierie sowol des Tlieaten ab auch tat Erfaebang des 
Parterre gdiört für den Mathematiker. Udbrigens besUxt aodi das llieater 
eine yerborgene Wasserkonsty dordi welche jeder nngläckiiche Zabli 
sogleich abgewendet werden kann. 

Na 19. 

Lieber Getreuer! ihr müsset Ench einrichten, zom künftigen Car- 
neTal zur Oper i'Oi jmpiade die Mnsiqoe zu componiren. Ihr mtisst aber 
mit den Proben die Vorkehrong treffen, dass das Gantze indosiTe der 
Ballets nidit über 3 Standen danere. Andi wollte ich wissen, wie es 
mit der Mara steht, ob sie kömmt oder nicht? Im Falle sie aber nicht 
kömmt, müsset Ihr bei Zeiten Ench nadi einer andern umsehen. Da der 
Allessandri ebenfalls zu einem Poeme die Mosiqoe componirt, so dienet 
Euch zur Nachridit, dass die Eorige zu erst gegeben wird. Idi bm Euer 
gnädiger König 

Schönwalde, den 28 Juli 1790. Fr. W. 

No. 20. 

Je Yous ai express^ment dit dans la lettre du 5 de ce mois que 
Top^ra bouffa qui se troure entre les mains du Sr. Alessandri, et qui 
est intitulö le Festin de Pierre, sera repr^sent^ ie 16 Octobre. Cette pi^ 
doit 6tre achevte, pnisque ie Sr. Duport m'a 6crit en date du 8 Juillet, 
oü il dit, Alessandri trayaille k foroe k I'op^ra bouffa nomm^ ci-dessus, 
ainsi je ne con^ois qui & pris i'idte de Pourainre de Top^ de Nan- 
kin. U est donc dit et fixi que le Festin de Pierre sera donni Ie 16 Oc- 
tobre et point d'autre. 

Eigenhändiger Entwurf des Köm'gs ohne Datum. 

No. 21. 
Sirel 

Ayant appris que Y. Maj. a donn6 Ses ordres augustes pour les 
grands Optras du camaval prochain, et que Md. Mara n'aura point Thonneur 
d'appartenir pour cette ann^e ä Son th^tre royal, et doutant que Y. 
Maj. puisse trouver quelque difficuK^ pour avoir quelque bonne dianteuse; 
lesquelles dans ia Saison, qui est fort avanc^ seront peut-^tre enga- 
g^; j'ose m'oflßrir ä Y. M. pour Ia sernr en qualit6 de premiire chan- 
teuse pour les grands op^ras, et j'ose me flatter de ne point hii d^plairer 
dans Tespoir aussi que lorsque je dusse soutenir un tei rolle, je pour- 
rois avoir de Ia musique et que mon faible talent pourra Mre une fois 
entendu de Y. Maj. 

Berlin, 7 Sept 1790. Ie chanteur Jomio/mt. 



— 111 — 

No. 22. 

Yielleicht in Bezug auf Obiges. 

0es 6. Cabinetsrathes H. Laspeyres Wohlgeboren möchten in fran- 
zösischer Sprache eine Ordre an den Gapellmeister Allessandri aufsetzen, 
dass der Sänger Tombolini in der Opera buffa Figaro nicht femer die 
Rolle der alten Frau behalten, sondern er hierzu ein Frauenzimmer von 
den jungen Mädchens aus den Chören nehmen sollte und hiemächst zu 
des Königs Unterschrift schicken. 

1 November 1790. Ritx. 

No. 23. 

Gabinetsordre an von Beck. 

En röponse k Yotre lettre i) je veux que TOIympiade soit repr6- 
sent^e V6tA prochain, en suite le carnaval comroencera par le m^me 
op^ra, pour le second j'ai choisi un sujet indien, Yasque de Gama, la 
musique sera compos^e par le Sr. Allessandri, il faut que le po^te ne 
perde pas de temps jiachever le po^me k la fin d'Octobre au plus tard 
et que le compositeur ne re^oive la pi^ce par mor^eaux tel qa*k Darius. 
Je vous Charge d'avoir soin que le tout aille suivant Mes ordres. Sur 
ce je prie etc. 

Potsdam, 26 Avril 1791. 

P. S. Le poeme de Yasque de Gama doit Atre achev^ au plus tard 
vers la fin d'Octobre. L'op6rette la Molinara sera jou6e en ville k Pots- 
dam. Point de d^corations neuves. 

F. W. 

No. 24. 
Sirel 

Dienstpflicht und Autoreifer zwingen mich, Ew K. M. unterthänigst 
zu melden, dass die neue Sängerin Gantoni von der ersten Rolle der 
Olympiade nicht ein Stück zu singen vermag. Ich müsste alles, selbst 
die durchaus accompagnirten Recitative, Duette, Quartette und Sextette 
Air sie neu machen. 

Ich finde aber, dass die Sängerin Nicias die Rolle mit grossem Eifer 
studiert hat und bereits auswendig weiss, und wage es, Ew Majestät 
unterthänigst zu bitten, anzubefehlen, dass die Nicias die erste Rolle in 
der Olympiade singe, wenn Ew Maj. nicht noch die Mara kommen lassen 
wollen, die sehr bereit ist herzukommen. 

Für die Opera buffa wäre von der Gantoni guter Gebrauch zu 
macheD» und wenn Ew Majestät befehlen wollten, dass ich noch zum 

1) vom 1 April, worin von der Reck den König ums Himmels willen bittet, seine Be- 
fehle zo geben, da bis zum nXchsten Carnaval keine Zeit mehr zu vertieren sei. 



— 112 - 

October eine ganz neue Opera buffa und darinnen dem Tenor Babini 
und der Gantoni eine ganz angemessene Rolle schreiben sollte, so würde 
ich mit dem grössten Eifer arbeiten, um zu zeigen, dass mir nichts mehr 
am Herzen liegt, als mich des gnädigen Beifalls Ew M. würdig zu machen. 

Berlin, 11 August 1791. Reichardt. 

Randbemerkung des Königs: Die Nicias kann die Rolle in der Olym- 
piade singen. An die Mara ihre Ankunft habe keinen Glauben. 

No. 25. 

Je crois que les deux mariages du duc de York et du prince d'Orange, 
que yous souhaitez de sayoir, suivant Yotre lettre du 30 d'Aoüt, se sui- 
vront de si pr^s qu'une ^pilogue sur les deux en m6me temps sera le 
plus convenable. L'ordre des ffttes sera r6gl6 selon la liste ci-jointe et 
apräs laquelle vous pouvez faire vos arrangements. Outre le Sr. Nor^s 
et Teile, premiers danseurs, que le comte de Goltz a engag^s, et qoi 
Tiennent d'arriver de Paris, viendra encore dans peu un danseur. 

Au reste (pour ne pas vous faire ignorer absolument — diese Stelle 
hat der König wieder ausgestrichen) le Sr. Reichardt est comme tou- 
jours k Mon service, et je viens de lui donner les ordres n6cessaires de 
se rendre sur-Ie-champ it Berlin. Sur ce etc. 

Potsdam, 1 Sept 1791. 

(Reck hatte sich nämlich mehrfach beklagt, dass Reichhardt in der 
Welt herum reise und gar nicht mehr thuc, als gehöre er in den Kö- 
niglichen Dienst, unter andern am 30 August: Ignorant au reste abso- 
lument si et comment le Sr. Reichardt est encore au senrice de Y. M.] 

No. 26. 
Su-el 
Yotre Maj. n'ayant pas daign^ me r^pondre sur le sujet de la De- 
moiselle Ruhdorf, eile partira en cons^quence de son engagement ponr 
Weimar, et Yotre Maj. perd de son pays une chant^use qui ä coup 
sür vaut dix fois mieux que tout ce qui compose ce triste Op^ra bouffa. 
Elle n'aurait d6sir^ que d'ötre connue de Y. Maj. afin qu*elle eAt 
pu se flatter d'Mre rappelige quand Y. M. aura une yacance. 
Berlin, 10 Sept. 1791. de Reck. 

RAfldhAmArlriinir rlA« ITKnicre« T'ai nr/lnnni^ A AllAfiCSinrIri Ha l'Anfon/Iro il 



— 113 — 

I 

rOlyiDpiade machen sollte, und dass der Gapellmeisier Reichardt bereits 
Ordre erhalten hätte, die Musik hierzu sofort anzufertigen, auch dass der 
erste Tänzer Crui aus München in diesen Tagen ankommen würde; der- 
selbe sollte mit der Mlle. Bedewein tanzen, und die Tochter des pp. Lau- 
chery und die Mlle. Rose mit die beiden angekommenen Franzosen. Dem 
pp Adriani und der Meroni sollte er so wenig als möglich in die Rallets 
zu thun geben, und wenn solches sie nicht gefallen sollte, könnte sie 
ihren Abschied bekommen. 

6 Oct. 91. Räx. 

No. 28. 

1) Die erste Vorstellung der Oper l'Olympiade.... 7624 rtl. 

2) Die Operette le Gelosic villane 983 » 

3) Die zweite Vorstellung der Olympiade 800 » 

4) Die Operette I. Zingari in nera 1233 > 

5) Die erste Vorstellung des Darius 1817 » 

6) Die Redoute 264 » 

7) Die Operette Nankin 946 . 

8) Die zweite Vorstellung des Darius 677 • 

9) Die eitraordinaire Rechnung des Gasparini 374 » 

Decorations- Anschlag zu der Oper Vasco de Gama: 

1) Temple du Brama 500 rtl. 

2) Ayant^cour du palais imperial 200 » 

3) Grande salle magnifique du palais imperial 40 > 

4) Suite des chambres du palais imperial 250 ■ 

5) Vue int^rieure de la ville de Galicut 300 » 

6) Rue de la dite yille 150 • 

7) Souterrain (eine alte auszubessern) 10 « 

8) Port de mer vue de la flotte illumin^e 500 » 

2000 . 
No. 29. 
Erinnerungen des 1847 pensionirten Königl. Tänzers und Pantomi- 
misten Rehfeldt aus seinen Jugendjahren; dem Herausgeber handschriftlich 
mitgetheilt. 

„In meiner Jugend war oft empfindlicher Mangel an Figurantinnen 
bei der grossen Italienischen Oper, und wir Knaben aus der Tanzschule 
mussten hin und wieder Frauenkleider anziehen, um die Paare zu ver- 



3gr. 


6pr 


• 


6 . 


15 . 


6 > 


18 . 


6 . 


8 . 


6 . 


11 » 




4 . 


11 > 


12 . 


6 . 


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— 114 — 

um mir zu sagen, dass mich jemand zu sprechen wünsche. Neugierig 
und unbefangen folgte ich im Costüme dem Boten in den ersten Rang 
Logen, was damals gar nicht auffiel, da unsere Garderobe sich im ersten 
Bange befand, und zwar dem Eingange der Königlichen Loge gegenüber, 
rechts iur die Damen und links für die Herren, so dass wir uns am 
Schlüsse jeder Vorstellung durch das herausströmende Publicum drängen 
mussten. Der Gonditor führte mich zu dem Yor einer Loge sitzenden 
Türkischen Gesandten, der auf grossen Kissen eine lange Pfeife rauchte, 
und neben sich zwei andere Türken stehen hatte. Der Gesandte be- 
trachtete mich wohlgefällig, fasste meine Hand und reichte mir nidit 
allein selbst zwei Apfelsinen, sondern liess mir auch von dem Bedienten 
Gefrornes prasentiren, was ich so hastig verschluckte, dass mir der grösste 
Theil in der Kehle stecken blieb. Unterdessen wurden mehrere Fragen 
an mich gerichtet, von denen ich aber nicht mehr weiss, ob sie Fran- 
zösisch oder Türkisch waren. Dann fragte mich der Dolmetscher, wie 
ich heisse und wie alt ich sei. „Carl Friedrich Rehfeldt, 12 Jahr alt,'^ 
war meine Antwort Kaum hatte der Gesandte dies vom Dolmetscher 
vernommen, so stellte er die Pfeife bei Seite, würdigte mich keines 
Blickes weiter und ging in seine Loge. Der Gonditor sah ihn und midi 
verwundert an, und meinte, ich könne jetzt gehen, der Herr Türke 
werde mich wohl ein andres mal rufen lassen, was aber bis auf den 
heutigen Tag nicht geschehen ist 

Um dieselbe Zeit ungefähr wurde in Potsdam ein Festspiel ein- 
studirt, dessen Bestimmung ich mich nicht mehr erinnere. Die Proben 
wurden Nachts und zwar nicht auf der Bühne, sondern auf dem Boden 
unter dem Dache des Schauspielhauses gehalten, wahrscheinlich, damit 
Niemand etwas davon erfahre. Ich habe dies Local später nie wieder 
gesehen, es steht aber noch lebhaft vor meinen Augen. Nur wenige 
Herren und Damen waren gegenwärtig, und ich erinnere mich nur, dass 
ich mit einer Fackel und einer Trinkschale hinter einem Altare stehen 
musste. Deutlich erinnere ich mich, wie qualvoll jene Zeit für uns Kind^ 
war. Wir wurden alle in einem grossen Wagen nach Potsdam gesdiaSt, 
fuhren sieben Stunden im tiefsten Sande den sogenannten alten Königsweg 
entlang, und wussten nie, wann wir wieder zurückkehren würden, da 
wir oft 3 — 4 Wochen dort blieben. Das Jetzt vorhandene Wohnhaus 



— 115 — 

Nachts zu Fuss nach Berlin, weil er dort am andern Morgen euiige 
Stunden zu geben hatte, und ich begleitete ihn, weil ich gerade zum 
Prediger Mehring ging um eingesegnet zu werden. Auch für den Tag 
der Einsegnung ward ich Nachts nach Berlin spedirt, und kehrte gleich 
nach derselben zum Dienst nach Potsdam zurück, ja ich erinnere mich 
noch ganz deutlich, dass ich am Abende dieses Tages einen Affen vor- 
stellte, der auf einem Brunnen sass und allerlei Mannerchen machte, 
wobei ich ganz stolz erzählte, dass ich heute in Berlin eingesegnet worden 
sei. Unsere Diäten betrugen 18^ gr. ohne Unterschied der Person. Die 
Hälfte der Gapelle war aber dort ansässig und kam nur zum Garnayal 
nach Berlin herüber.^^ 

No. 30. 

15 Jan. 1793. Eigenhändiger Entwurf zu einer Gabinets- Ordre an 
die Marchetti Fantozzi. 

Ayant appris par la voie du public combien eile a 6t& applaudie k 
Berlin, je me fglicite d'avoir fait une si bonne acquisition, et que je me 
fais une fäte de Tentendre, quand les circonstances le permettent, qu'en 
attendant je d^sire qu'elle se plaise chez nous, et que je serois bien aise 
de pouYoir contribuer k lui rendre ce s^jour agr^able. 

31. 
Liste der Proben 1793. December. 

Donnerstag, den 28 Nov. Die Musik des ersten und zweiten Acts auf 

dem heraufgeschrobenen Parterre des Opern- 
hauses mit ganzem Orchester. 

Freitag, den 29 Nov. Erster Act auf dem Theater. 

Sonnabend, den 30 Nov. Musik des zweiten Actes im Parterre des Opern- 
hauses mit ganzem Orchester. 

Sonntag, den 1 Dec Kleine Probe vom zweiten Acte. Ghoristen, 

Gomparsen, Ballet und einige Rollen bei Cia- 
vier und Yiolin um 2 Uhr Nachmittags auf 
dem Opemtheater. 

Mnntair Hah 9 l\ap. flm ^ flhr Rnllpt Thnrifit^n Und GomDaTSetl. 



— 116 — 



Freitag, den 6 Dec. Kleine Probe der Choristen und Ck>mparsen 

yom dritten Acte um 2 Uhr am Ciavier. 

Sonnabend, den 7 Dec. Probe der Musik mit dem ganzen Orchester 

vom dritten Acte um 4 Uhr Nachmittags im 
Parterre des Opernhauses. 

8 Dec. (^ . , 

9 Dec. r^'^^'^6^- 
den 10 Dec. Kleine Probe vom dritten Acte mit Sängern, 

Ballet, Choristen und Comparsen auf dem Theater 
am Ciavier und mit Violine. 
Mittwoch, den 1 1 Dec. Probe vom dritten Acte. Alles um 4 Uhr Abends 

auf dem Theater. 



Sonntag, 
Montag, 
Dienstag, 



den 
den 



No. 31 
Der Zustand des Ballets erfordert Ew. Maj. Allergnädigste und ge- 
rechteste Attention. Es befinden sich unter denen in der nunmehro seit 
sieben Jahren subsistirenden Tanzschule gebildeten Scholaren eine Menge 
Personen, die alle nur erforderlichen Talente erworben haben, gleichwohl 
bis jetzt entweder gar nicht oder doch mit so geringen Gehalten versehen 
sind, dass es ganz unmöglich ist, dass sie davon leben können. Die durdi 
deren Erhaltung ganz erschöpften Eltern liegen mir taglich an, für ihrer 
Kinder Unterhaltung zu sorgen, und die jungen Leute, ganz muthlos und 
verkümmert, verlieren entweder alle Lust zur weiteren Application, oder 
werden gemüssigt, sich anderweitig zu versorgen. 

Bei dem bei Ew. Königl. Majestät Hof-Etats-Kasse befindlichen Etat 
für das Ballet sind noch vacant: 

1) Von dem Gehalt der verstorbenen Solo-Tänzerinn Trial-Duport 500 rtl. 

2) Das Gehalt des verstorbenen Tänzers Gobert 500 » 

3) Geniesst die nun schon seit sechs Jahren auf dem Theater nicht 
mehr erscheinende alte Figurantinn Croon ein Gehalt von 400 rü. 
Da die Invaliden aller Stände sich mit noch weniger als der 
Hälfte Gehaltes begnügen müssen, so wäre es nicht mehr 

als bilUg, dass auch sie die Hälflie abtrete 200 • 

1200 rll. 
Wenn Ew. Königl. Majestät geruhen wollten, diese 1200 rtl. zu 
bewilligen, so könnte den gerechten Klagen dieser Leute abgeholfen 
werden. Der Etat würde mit keiner neuen Pension belastet, und ich 
würde die Bepartition gedachter Summen Ew. Königl. Majestät zu Aller- 
Höchster Approbation zu Füssen legen. 

Beriin, 3 Juli 1795. de Reck. 



— 117 - 

No. 33. 

Reglement für den Gebrauch der Operntanzer beim Nationaltbeater. 

Alle 6 Vorstellungen Ein Paar Schuhe und Ein Paar Strümpre an 
jeden Tänzer und Tanzerinn nach der Bestimmung des Balletmeisters, 
es sey Solo-Tänzer oder Figurant. Die Frauenzimmer ihre von Seyde 
und der Herren ihre Schuhe von Leder. 

Die ersten Tänzerinnen haben für ihren Kopfputz, welcher in Per- 
len, Federn, Steinen, Schleier und Schminke besteht, für 6 Vorstel- 
lungen 25 rtl. 

Die Figurantinnen 12 rtl. 12 gr. 

Die Solo -Tänzer und Figuranten werden mit Schminke und was 
zu dem Kopfputz gehöret, versehen. NB. die Schminke wird nur den- 
jenigen gegeben, welche nicht in Pension stehen. 

Der Balletmeister erhält für jede Opera Ein Paar seidene Strümpfe, 
Ein Paar Schuhe, Ein Paar Handschuhe und Wagen. 

Die ersten Tänzer, Tänzerinnen und Figurantinnen bekommen Wagens, 
sowohl für die Proben als die Vorstellung selbsten, wegen des schlim- 
men Wetters wie auch der Entfernung der Wohnungen. 

Der Balletmeister ist nicht verbunden, die Musique weder zur 
Opera noch detachirter Ballets zu geben und muss also die Direction 
dafür sorgen. 

Es muss dem Balletmeister ein wohl geheizter und gut erleuchteter 
Saal nebst einem guten Repetiteur zu den Proben und zum Anziehen 
ein Zimmer Abends gegeben werden. 

1794, 15 November. 

No. 34. 
Ohnerachtet wir denen Tänzern nichts bezahlen, auch die Garderobe 
der Oper gebrauchen dürfen, so wird uns das Ballet doch zu kostbar, 
um die damit verbundenen Kosten, welche sich für jedes Ballet bis an 
80 rtl. belaufen, aus unserer Einnahme bestreiten zu können. Um den 
Etat erfüllen zu können, haben wir schon die Vorstellungen der Frei- 
tage zu Hülfe nehmen müssen und stellen Ew. Hochwohlgeb. daher ganz 
ergebenst anheim, wie Dieselben die diesfallsigen Kosten von des Königs 
Maj. zu erbitten im Stande sind. Es leidet keinen Zweifel, dass die 
Ballets uns etwas einbringen, unser Einnahme- Journal zeigt aber ganz 
klar, dass, wenn wir die Kosten des Ballets fortlaufend aus unserer 
Einnahme bestreiten sollten, wir die Gagen der Milglicder zu bezahlen 
um so eher ausser Stand gesetzt werden dürften, da zu obengenannten 
Kosten der Ballets auch die Kosten kommen, welche zu den Ballet- 
Decorationen erfordert werden. 



— 118 — 

Die Sacbkenntniss, welche Ew. Hochwohlgeb. von der Sache selbst 
haben, wird uns gewiss von allem Verdachte eines Eigensinnes oder 
eines besondem Benehmens gänzlich befreien. 

1794, 4 December. Ramler. Warsing. 

No. 35. 

Auf das von Einer geehrten General-Direction des Königl. Natio- 
nal-Theaters an mich unterm gestrigen dato erlassene Schreiben erwidere 
ich, wie es mir schwer wird zu begreifen, dass die Kosten des ersten 
Ballets sich auf 80 rtl. belaufen können. Wahr ist es, dass hierunter 
mancherlei für die Zukunfit zu erspahrende Ausgaben begriffen sind, und 
endlich, da die Tänzer und Tänzerinnen 6 mal mit den nämlichen Schu- 
hen und Strümpfen wie auch Kopfputz tanzen müssen, so können diese 
Kosten nicht füglich auf das Eine Ballet gerechnet werden. 

Wenn aber dieses alles auch nicht wäre, so muss ich dennoch 
dafür halten, dass die Ausgabe der 80 rtl. durch den mehreren Zulauf 
des Publikums reichlich ersetzt werde, wenigstens dabei kein Ver- 
lust gewesen. 

Diess kann zwar nicht bestimmt ausgemittelt werden. Bei dieser 
Lage der Sache aber kann ich nicht anrathen, das Ballet bei Sr. Königi. 
Majestät zu depreciren, wenigstens finde ich für meine Person um so 
weniger eine Veranlassung, Sr. Königl. Majestät darüber etwas vor- 
zustellen, da ich mich schwerlich davon überzeugen kann, dass gut 
angeordnete Ballets nicht die Einnahme an der Thür beinahe verdop- 
peln sollten. 

Sollte demohnerachtet die Gasse des National-Theaters unter diesen 
Umständen die Gagen der Mitglieder nicht bezahlen können, so würde 
bei Weglassung des Ballets ihr Untergang meines Dafikhaltens um so 
schneller sein müssen. Jedoch stelle ich Alles dem besseren Ermessen 
Einer geehrten General-Direction anheim. 

Schliesslich muss ich noch bemerken, dass Tür die Zukunft man- 
cherlei unnütze Ausgaben vermieden werden könnten. 

So habe ich z. B. vernommen, dass der Balletmeisier sich beigebmi 
lassen, auf die Anfertigung von gemahlten Federn auf Carton zu be- 
stehen, obwohl wollene Federn genug im Opern-Magazin voriianden sind 

Eben so bin ich überzeugt, dass bei Durchsicht der Rubriipien 
jener Rechnungen noch manche andere Ausgaben für die Zukunft er- 
spart werden können. 

1794, 6 December. v. d. Reck 



— 119 — 

No. 36. 

1794, 7 December verlangen die Directoren Ramler und Warsing, 
-weil die Ballets zu theuer sind, dass die Fuhren der Tänzer vom Marstall 
besorgt werden möchten, und erhalten folgende Antwort 

S. IL Maj. y. Preussen, unser allergnädigster Herr, glauben, dass 
die Direction des National^Theaters eine hinlänglich gute Einnahme habe, 
die Fuhren für die Solo-Tänzer nach dem Theater, zu den Proben 
und zum Ballet selbst bestreiten zu können, und sind dahero nicht ver- 
meint, das Ansuchen der Direction, diese Fuhren aus Dero Marstall 
besorgen zu lassen, zu bewilligen. 

9 December 1794. F. Wilhelm. 

No. 37. 

In Gemässheit unserer neulichen Verabredung hatte ich dem Herrn 
Silani sofort aufgegeben, falls Ew. Hochw. es begehren würden: „seinen 
englischen Tanz in ein Pas de deux mit Pantomimen zu verwandeln." 

Ich gestehe Ew. Hochw. aufrichtig, dass in Hinsicht alles dessen, 
was Se. K. Majestät über die auf dem National-Theater zu haltenden 
Ballets verordnet, ich wünschen muss, dass Herr Silani sein Pas de 
deux auf seinen Matrosen-Tanz einschränkt. 

Denn einmal werden Se. Majestät ein dergleichen Pas de deux nicht 
für ein auf jede Woche anbefohlenes Ballet gelten lassen, anderntheils 
haben Ihro Majestät dem Balletmeister Lauchery ja unmittelbar befohlen, 
diese Ballets zu machen. Wenn also der Silani, ausser seinem Matrosen- 
Pas, Ballets auch noch so klein machte, so würde der Lauchery nicht 
ermangeln, hierüber Beschwerde zu fuhren und Ew. Hochw. Yerdruss 
zuzuziehen. 

Ich kann also nicht anders, als Ew. Hochw. freundschaftlich zu 
rathen, sich nicht der Malice dieser Leute auszusetzen, vielmehr sich 
pünktlich an die Königl. Ordre zu binden, und in Gemässheit derselben 
dem Balletmeister aufzugeben, mit Vermeidung alles grossen Aufwandes 
verschiedene kleine Ballets und Divertissements, in welchem jedem etwa 
1 Paar Solo-Tänzer und 4 Paar oder 6 Paar Figuranten erscheinen, 
zuzubereiten. 

In diesem Sinne habe ich gleich Anfangs den Balletmeister schrift- 
lich und mündlich instruirt, und ich glaube, dass es auch der sicherste 
Weg ist, die Gasse zu bereichern und Sr. K. Majestät Allerhöchsten 
Befehl zu erfüllen. 

Ich habe schon neulich die Ehre gehabt zu bemerken, dass sich in 
den Zwiaehenacten gewisser Pffecen die herrlichsten und wohlfeilsten 
Balletter von Schäfern, Gärtnern, Bauern, Jägern, Fischern u. s. w. 



— 120 — 

anbringen lassen. Zu allen diesen sind Kleider im Magazin vorräthig. 
Es werden keine besonderen Decorationen, noch weniger viel Gerätbe 
dazu erfordert, und mit 1 oder 2 Paar Solo-Tänzer und 4 Paar Figa- 
ranten können auf diesem kleinen Theater die niedlichsten Sachen aus- 
geführt werden. 

1794, 16 December. B. v. d. Reck. 

No. 38. 

Des Königs Majestät haben bei der AufTdhrung des Lustspiels: 
Maske für Maske, den 23. d., gegen unsern Regisseur Allerhöchst Dero 
Befremden darüber geäussert, dass das auf Allerhöchsten Befehl gegebene 
erste Ballet so wenige Zuschauer nach sich ziehe, und haben den Re- 
gisseur Fleck um die Ursache gefragt; auf die Anzeige des Regisseurs, 
dass das Publikum nur komische Ballets liebe, die Direction aber, ausser 
wenn das Ballet mit dem Stücke verwebt sei, dem Ballctmeister nicht 
vorschreiben dürfe, welches Ballet er geben solle, befohlen, dass die 
Direction deshalb augenblicklich einkommen solle. 

Dieses ist noch an selbigem Abend geschehen und haben wir zugleich 
gebeten, dass uns die Bestimmung der Ballets blos nach dem Geschmacke 
des Publikums anzuordnen überlassen werden möchte. 

Des Königs Majestät haben nach umstehender abschriftlicher Cabinets- 
Ordre solches nicht allein zu genehmigen geruht, sondern auch zugleidi 
erlaubt, dass wir uns der Kleider für die handelnden Personen in der 
Oper Iphigenia aus dem Opemmagazin bedienen können. 

26 Dec. 1794. 

Ramler. Warnng. 
An Reck. (Abschrift.) 

Se. K. M. V. Preussen, Uns. All. H. ertheilen der Direction des 
National-Theaters auf ihre beiden Anfragen vom 23sten dieses zur Re- 
solution, dass es ihr erlaubt sein soll, nicht nur von dem Balletmeister 
Lauchery diejenigen Ballets zu verlangen, welche sie dem Geschmack 
des Public! angemessen hält, sondern auch zur Oper Iphigenia für alle 
handelnden Personen sich die Kleider aus der Operngarderobe zu er- 
bitten; sie muss aber auch sorgfältig dahin sehen, dass diese Kleider 
gehörig in Acht genommen werden. 

Berlin, 25 Dec. 1794. 

Friedrich Wilhelm. 
No. 39. 

Ew. K. Majestät haben die Gnade gehabt, uns zur Oper Iphigenia 
für die handelnden Personen den Gebrauch der Opemgarderobe aller- 
gnädigst zu erlauben. Von denen uns vorgezeigten Kleidern aber haben 



— 121 — 

wir nur eine geringe Anzahl brauchbar gefunden , deren Umänderung 
überdem beträchtliche Kosten verursachen dürfte. Wir sind daher nicht 
im Stande, ohne grosse Kosten diese Oper aufzufuhren, die unsere Kräfte 
bei der gegenwärtigen Verfassung des deutschen Theaters übersteigen. 

Wenn indess Ew. K. Biaj. allergnädigst erlauben wollten, dass unsere 
vaterländischen Schauspieler die Oper Iphigenia in dem Opemhause auf- 
führen dürften, so würden wir durch ein leidliches Entr6e in den Stand 
gesetzet werden, sammtliche Kosten, sowohl der fehlenden Decorationen 
als Garderobe zu bestreiten, nur müssen wir allerunterthänigst bitten, 
dass uns erlaubt werden möchte, von denen im Opernhause befindlichen 
Utensilien Gebrauch machen zu dürfen. 

(Das Theater selbst würde zwar um etwas verkleinert werden müssen, 
dieses aber würde mit wenigen Kosten von Seiten Allerhöchst Dero 
Ober-Hof-Bauamt und ohne dass das Operntheater im Allergeringsten 
darunter litte, bewirkt werden können.) 

Da unsere ganze Absicht dahin geht, nach dem einstimmigen Wunsche 
des ganzen Publikums, das deutsche Talent und den deutschen Geist zu 
heben und aufzumuntern, um fremden Nationen wenigstens gleichzu- 
kommen, dieses aber in jetzigem Falle nicht anders geschehen kann, als 
wenn wir bei Aufführung dieser ersten Oper in jedem Verhältnisse die 
Zufriedenheit des ganzen Publikums zu erreichen suchen, so bitten Ew. 
K. Majestät wir Alle unterthänigst um gnädige Verzeihung, wenn unsere 
Bitte nicht sollte Statt finden können. 

Wir ersterben in tiefster Submission 

Berlin, 10 Januar 1795. Ramler. Warsing. 

No. 40. 
Etat der Italienischen Oper 1795. 
Directeur des Spectacles Freih. v. d. Reck, Königl. Kammerherr. 
Intendant der Musik Hr. DuporL 
Hof-Poet Hr. Filistri de Caramondani. 

Decorateurs Hr. Verona^ Hr. Prof. Bumat und Hr. Bumat d. J. 

Garderobe-Inspector Hr. Gasparinü 

Sänger und Sängerinnen. 
Hr. Concialini Sopran. Mad. Marchetti Fantozzi. 
Fantozzi Tenor. » Schick. 

Fischer Bassist » Righini geb. Kneisel 

Toscni Altist. • Bumat 

Coli Sopran. Mlle. Niclas (pensionirt). 

Tombolino Sopran. 
Franz Bassist 



— 1-22 — 

Sänger^ SäDgerianen der Komischen Oper. 
Hr. Benati. Mad. Benati. 
» Liberati, • LiheraH. 
» Lamperi, 
» Coemi, 
V Bianchi. 
Capelimeister Hr. Righini, Hr. Himmel. 

Goncertnieister > Benda, Hr. Vachon 

und 62 Musiker. 
Balletmeister Hr. Lauchery. 

Solo-Tänzer » Adriani^ Nores^ Teile* 

Solo-Tänzerinnen Mlle. Meroniy Redwein^ De Caetelli. 
12 Paar Figuranten. 
Eleven der Tanzschule. 
Der Tanzer Silani ist gestorben. 

No. 41. 

Ew. Hochwohlgeboren habe die Ehre, in ergebenster Antwort auT 
Dero Zuschrift vom 17ten d. zu erwidern, dass es allerdings Denen- 
selben zur Ehre gereicht, die Deutsche Bühne auf einen Grad zu pou»- 
siren, wo sie bis jetzo noch nicht war; 

In Betreff der Oper Aiceste, so dieselben sich proponiren zum künf- 
tigen Winter zu geben, sehe ich folgende Schwürigkeiten: Istens ist 
es nicht der Zeitpunkt, wo der König! — für diese Oper die verlangten 
4000 rtl. geben wird; 2tens werden Sie dazu gewiss Sujets aus der 
grossen Oper nöthig haben, und diese werden Ihnen nicht bewilligt 
werden, weil der König sie selbst gebraucht. Diesen zwey Hauptursachen 
dünkt mich werden Sie schwerlich ausweichen können; könnten Sie sich 
jedoch allein helfen, ohne Schulden zu machen, so zweifle idi nicht, 
dass es sowohl Sr. Majestät dem Könige! als auch das publicum grosse 
Freude machen würde. 

Was denn Ew. Hw. selbst betrifft, so würde beim Schluss des 
Etatsjahres diese Sache nach Befinden der Gasse wohl in Erwägung zu 
bringen seyn. 

Potsdam 19 April 1795. RUz. 

No. 42. 



— 123 — 

YoQS poarez Monsieor par cons^quent leurs arranger celui pour 
Bandet, et je donnerai des ordres pour qu'on yous d^liyre les effets 
n6ces8aires de la gard^robe. 

k Berlin, 18 d'Aodt 1795. (An Gasperini.) de Reck. 

Sirel No. 43. 

Pour retrancher les d^corations inutiles de l'op^ra de Tigrane il 
n'est nnllenient n^cessaire que Yotre Majest6 fasse ^crire au po^te. Je 
m'y serais ^galement vu forci, et je n'ai pour cet effet nul besoin de 
Pintenrention de cet homme. 

Je n'en ai fait mention que pour prouver k Yotre Majest^ ou en 
Tont les choses, quand chaque subalterne se croit un Seigneur ind^pen- 
dent pouTant se soustraire aux ordres et faire tout k sa t^te. 

Du reste, Sire, il m'est impossible de mettre plus d'^conomie, que 
je ne mets, mais pour la mAme raison, et par la crainte de ne pas 
suffire avec ce fond, que Yotre Majest6 veut encore diminuer, mon 
poste derient d'une difiicult^ k laquelle mes forces et ma santö suc- 
combent 

Berlin, 19 Mars 1796. de Reck. 

No. 44. 

Iffland an den Musikdirector Weber über die Forderung der Sän- 
gerin Schick, ihr Benefiz im Opemhause zu geben. 
Mem lieber Herr Weberl 

Sie entschuldigen mich darüber, dass ich Ihren Antrag, den Sie 
Namens der Madame Schick gethan haben: 

dass dieselbe ihr zu gebendes Benefiz im K. Opemhause geben möchte, 
schriftlich zu beantworten, mir durchaus vorbehalten musste, indem ich 
Geschäfte absolut schriftlich behandeln muss. 

An und (ür sich ist ein Benefiz im Opemhause lediglich eine Gnade, 
welche von Sr. Majestät abhängt Was Allerhöchstdieselben über einen 
solchen Yortrag beschliessen würden, kann ich nicht wissen, da bis jetzt 
noch Niemand weder darum gebeten, noch den Gedanken dazu gehabt hat 

Gewiss wünsche ich Mad. Schick jeden Yortheil, den eine so grosse 
Künstlerin verdient. Ich schmeichle mir auch, derselben meine Achtang, 



— 124 — 

»Dass Höchstdieselben alsdann die zur Vorstellung der Oper Palmyra 
nöthigen Decorationen und im Opemhause nöthigen mehreren Kleider 
auf dero Kosten machen lassen. 

Femer: dass Höchstderselbe gestatte, dass die Oper Palmyra allezeit 
im Opernhause gegeben werde. So wie das ins Opernhaus gehörige 
zahlreiche Orchester bey jeder Vorstellung yon Ihro Maj. Gapelle besetzt 
und ergänzt werden muss.c 

Schlagen Ihro Maj. dieses ab, so müsste ich gegen die Vorstellung 
der Palmyra im Opemhause protestiren, denn 

1) Wer wird sie im National-Theater sehen wollen, wenn 2500 Men- 
schen sie besser im Opemhause gesehen haben. 

2) Wie sollen sich alsdann die betrachtlichen Kosten ersetzen, welche 
an Decorationen zur Palmyra in unserem Schauspielhause bereits gemacht 
sind. Denn das blosse Gerüst zur letzten Decoration kommt über 300 Thir. 
zu stehen. 

Ich erwähne nicht der Folgen, dass Mehrere dieses fordern würden. 
Ich frage nicht, ob die ganze Forderung Sr. Maj. dem Könige gefallen wird. 

Aber jene Vorstellung müsste ich machen, so gewiss die Kasse nicht 
einige 1000 Thaler verlieren kann. 

Ich gab mein Benefiz im Sommer, um Niemand im Wege zu sein, 
wählte eine 2te Vorstellung, um zu beweisen, dass ich nichts Ausschliess- 
liches verlange. Damit habe ich wenigstens die Freyheit erworben, für 
die unläugbaren Rechte der Kasse reden zu dürfen, und dies werde ich auch. 

Uebrigens ist das Benefiz der Mad. Schick das Erste, was jetzt ge- 
geben wird. Stellen Sie ihr diess vor, und überbringen derselben die 
Versichemng meiner Hochachtung. 

B. 15 Dec. 1797. Iffland. 

Nachschrill: Thäte Mad. Schick nicht besser, sich ein Goncert im 
Opernhause zu erbitten? 

No, 45. 

Baron v. Reck an Righini in Hamburg. 

Gleich nach Ew. Hochedelgeboren Abreise fanden wir, dass die 
Oper Atalante obzwar nach der gemachten Abänderung dennoch zu ein- 
fach bleiben würde, und dass vorzüglich das Ballet mit derselben in 
keiner schicklichen Verbindung stand. 

Dies hat mich veranlasst, dem Poeten H. v. Filistri aufzugeben, die 
erforderlichen Abänderungen und Zusätze in der Piöce zu machen. 

Ich übersende Ew. Hochedelgeboren hierbey diese Zusätze und 
Dieselben werden daraus ersehen, dass noch ein Redtativ, eine Arie 
und ein Quartetto für Sic zu componiren übrig bleibt 



— 125 — 

Wäre die Md. Righini hier, so würde die Rolle der GöUid Diana 
sich ganz vorzüglich in aller Hinsicht für sie gepasst haben, so aber habe 
ich sie der Mad. Schick übertragen müssen. Diese lasst Ew. Hochedel- 
geboren inständigst bitten, ihr ja eine recht hübsche Arie zu componiren 
und ich fuge meine Bitte hinzu, und ich bedarf wohl nicht Ew. Hoch- 
edelgeboren bemerklich zu machen, dass nach dieser Abänderung gerade 
diese Scene die brillanteste und wichtigste der ganzen Pifece wird, da- 
hero ich nochmals bitte, auf das Recitativ, die Arie und das Quartetto 
allen Fleiss zu verwenden. 

Dem Balletmeister Lauchery habe ich aufgetragen, sich mit Ew. U. 
wegen des Nöthigen in gehörige Correspendenz zu setzen, und ersuche 
ich Dieselben, ihn nach Möglichkeit zu befördern. 

Als historische Nachricht habe ich E. U. bekannt machen wollen, 
dass der Capellmeister Himmel die Erlaubniss erhalten hat, diesen Winter 
in Petersburg zu bleiben, da er vom dortigen Hofe requirirt worden ist, 
eine Oper zu componiren. 

Ob seine Oper Semiramis diesen Winter gegeben wird, ist ungewiss. 
Ich verbleibe \l s. w. 

Beriin, 23 October 1798. v. d. Reck. 

No. 46. 

Righini an Baron v. Reck. 

Gnädiger Herr Baron! — 

Ich habe die Ehre gehabt, Ihren mir so schätzbaren Brief zu er- 
halten, doch erwartete ich nicht, noch eine so schwere Arbeit zu be- 
kommen, und ich bewundere sehr, dass Herr von Filistri in meiner 
Abwesenheit es zu benutzen suchte, meine Oper durch unnöthige Ver- 
änderungen zu verlängern und einen Neuen Part einzurücken. Da, wie 
Ew. Hochwohlgeboren belieben zu sagen, dass das Ballet in keiner 
schicklichen Verbindung mit der Oper steht, so habe ich die Ehre zu 
bemerken, dass in der Gene, wo Atalanta die Lorbeeren* Kräntze erhält, 
Ende der Gene (viva Atalanta, wo Mamsell Meroni, Engel und Herr 
Moser Solo tanzten) hätte können ein grosses Ballet angebracht werden, 
ohne eine Neue Rolle zu machen und zu diesem Ballet ich schon längst 
die Musik hätte machen können. Nach dem neuen Ghor, welches ich 
hier componirt und nach Berlin geschickt habe, folgt ein Pandomim- 
Ballet, welches, wie ich glaube, zu lang und sehr langweilig sein wird, 
wenn Ew. Hochwohlgeboren die Güte hätten, die Pandomim zu unter- 
suchen und ein wenig abkürzen zu lassen«, würde nicht allein fiir die 
Zuschauer, sondern auch für mich eine kleine Erleichterung sein, um 
so mehr, da ich mich jetzt in schlechten Gesundheitsumstftnden befinde. 



- 126 — 

Doch aber werde ich mir alle nur mögliche Mühe geben, die neue Rolle 
mit allem Fleisse zu componiren und jedes einzelndes Stück sobald es 
fertig ist, sogleich nach Berlin absenden. Mit einer grossen Empfehlung 
von meiner Frau an Ew. Hochwohlgeboren und der Frau Baronesse 
verbleibe ich mit aller nur möglichen Hochachtung 

Hamburg, den 30 October 1798. RtghüU. 

No. 47. 

Gehorsamstes Pro Memoria Ifllands an den Baron y. d. Reck. 

Ew. Excellenz danke ich mit herzlichster Ergebenheit fiir das Ver- 
trauen und die Güte, womit Hochdieselben jetzt und von jeher midi zu 
behandeln die Gewogenheit gehabt haben. 

Wegen der verlangten freien Entr^e der Tänzer lege ich meine 
Meinung und meinen anderweiten Vorschlag gehorsamst bei. In diesem 
Expose versuche ich zugleich, den von der besonderen Lage des Natio— 
naI-Theaters entstehenden eigentlichen Standpunkt in näheres Licht zu 
setzen, wie es mit den Yortbeilen sich verhalte, welche diesem Theater 
durch die Ballete werden*. Wenn ich darin etwas weitläuftig worden 
bin, so wird es Ihnen nicht entgehen, dass ich dem Kenner und dem 
Mann, den ich hochachte, jede Gründlichkeit darzulegen mich schuldig 
halte, auf welcher meine Ueberzeugung beruht 

Man kann aber nicht wohl in das Detail einer Sache ganz eingehen, 
ohne eben in Offenheit und Deutlichkeit den Anschein einer Verletzung 
der Feinheit zu haben. Allein ich bin gewiss, durch jede Geradheit bei 
Ew. Excellenz niemals zu verlieren. Uebrigens lege ich dieses Expose 
nur als einen Maassstab vor, meine individuelle Lage bei künftigen ^wtigen 
Vorkommenheiten danach gefällig zu beurtheilen. Keineswegs aber er- 
warte ich darauf eine Antwort Nur wenn die angegebenen Berech- 
nungen Hochdenenselben oberflächlich oder gar illusorisch scheinen können 
sollten, so erbiete ich mich in der Folge zu jedem Beweise. Eben so 
werde ich, wenn dier Erfolg meine B/»ecbnupgen beträehtlich übertreffen 
sollte, von selbst auf die ehrlichste Weise und mit Freuden noch Yor- 
theilhaftere Bedingungen für das Corps de Ballet anbieten. 

In Ansehung der Ballets, so bin ich, wie idi hoffe, dass Ew. Ex- 
cellenz mir es zutrauen, sehr und entschieden für die ernste Gattung» 
welche der eigentliche Gegenstand der wahren Kunst ist Ich hoffe, 
die Mehrheit des Publikums oder doch ein bedeutender Theil desselben 
werde sich auch dafür entscheiden. 

Freilich scheint es oft bei Schauspiel, Oper und Ballet, dass der 
Ton des Forschens, der Spekulation und mehr unji schlimmer noch, der 
G^ukeley, welche seit dem letzten Jahrzehend unser Zeitalter charakteri- 



— 127 - 

sirty die Unbefangenheit genommen, den Genuss gestört, und die Fröh- 
lichkeit entfernt habe, auf welche allein die Annehmlichkeit dieser Künste 
eben so schnell wirken kann, als ihre Darstellung schnell vorübergehend 
ist Es ist zur Sitte geworden, von jeder grazieusen Kleinigkeit mit 
Kälte ein logisches Wanun zu fordern, ohne deshalb bei dieser Forderung 
etwas oder mehr zu denken, als dass es philosophischen Beobachtungs- 
geist vefrathe, wenn man statt zu gemessen, die Bestandtheile zergliedert. 

Dies raubt allen darstellenden Künsten Schöpfuogskrafl und Lohn. 
Dabei wird man wankend gemacht; ob es unter solchen Umstanden nicht 
lohnender sei, der lachenden Menge, indem sie entschieden froh sein 
will, doch mindestens weiss und sagt, was sie will, zu Gefallen zu leben, 
als dem kalten Zergliederer und Zerschneider die höchsten Kräfte der 
Brust- und Körperzerstörenden Kunst hinzustellen. Besonders wenn das 
erstere höheren Ortes vorgezogen zu werden erwiesen ist, und wenn am 
Ende von der Mehrheit das Geld, von diesem aber die Erhaltung des 
Ganzen abhängt 

Indess ich strebe nach dem „Medium tenuere beati'* und hoffe, die 
Zunge der Wageschale soll merklich nach der guten Seite sich hin- 
unter senken. 

Was ich dabei an Achtung der verschwisterten Kunst darbieten 
kann in den engen Grenzen, die mich von allen Seiten beschränken, 
darauf belieben Hochdieselben zu rechnen und darüber zu entscheiden. 

Mit Verehrung 

Berlin, 12 Febr. 1798. gehorsamster Iffland. 

Dabei liegt folgendes Pro Memoria: 

Das Ballet la Guinguette als eines der grösseren kostete ehemals 
mit Inbegriff der Wagen 65 rtl. 20 gr. 6 pf. 

Kostet nun, ohne Wagen, nach dem, der Ueber- 

einkunft gemäss herabgesetzten Foumiturenpreise 61 • 12 • 6* 

Also in Allem weniger 4 » 8 • — » 

Nehmen wir in runder Summe an, dass jedes 
Ballet 5 rtl. weniger koste, als sonst, dass monat- 
lich 4 Ballets gegeben werden, so ist das Ersparniss 
an Foumituren und Wagengeldern monatlich 20 rtl., 

jährlich also 240 » — • — » 

Die Guinguette hat die grössten Schneiderkosten mit 70 » — » — » 

Rechnen wir alle zwei Monate ein neues Ballet, so 

machen die Schneiderkosten das Jahr 420 » — » — « 

Diese, da die Köoigl. Opemkasse sie übernom- 
men, sind Gewinn. 



— 128 — 

Die sämmtlichen Ersparnisse, welche nach der 
neuen Uebereinkunft das Nationaltheater jährlich 
macht, bestehen also 

1) An Schneiderkosten 420 rtl. — gr, — p(. 

2) An herabgesetzten Foomituren und auf- 
gehobenen Wagengeldem 240 » — » — » 

660 rü. 
Diese Summe möchte in den vermehrten Be- 
leuchtungs-, Arbeitslohnes- und anderen Neben- 
kosten, gegen den gewöhnlichen Etat gerechnet, sich 
wieder verlieren. Die unvermeidlichen Unkosten 
des kleinsten Baliets, ohne die etwa erforderlichen 
Decorationen, in Anschlag zu bringen, belaufen 

sich auf. 50 rtl. — gr« — pf> 

dies macht das Jahr, den Monat 4 Baliets gerechnet.. 2400 • — • — • 

Der Gewinn an jedem neuen Ballet, nach Abzug 
dor Kosten von 50 rtl. lässt sich im Durchschnitt 
nach bisherigen Einnahmen bei jeder ersten Vor- 
stellung berechnen mit 100 rtl., macht zu 6 neuen 
Ballete jährlich 600 . — • — . 

Der Gewinn von jeder Wiederholung eins in's 
andere gerechnet, nach Abzug der Kosten auf 50 rtl. 
Also von 42 Baliets im Jahre, nach Abzug der sechs 
ersten Vorstellungen der neuen Ballete auf 2100 » — ■ — • 

Der baare Gewinn ist mithin zu rechnen auf 

1) von 6 neuen Baliets 600 » — ■ — t 

2) von 42 Wiederholungen .2100 . — . — . 

2700 rtl. 

Mithin wäre gegen die entschiedene Ausgabe 
von 2400 rtl. in der Einnahme von 2700 rtl. ein jähr- 
liches Plus von 300 rtl., da dieses in den Decora- 
tionen und kleinen Nebenkosten von Schminke und 
Copialien nicht nur darauf gehen wird, sondern da 
diese Artikel in Ausgabe höher kommen werden, 
so ist wenigstens das sehr entschieden, dass Ein- 
nahme und Ausgabe sich hebt 

Dass aber der Gewinn , vei^lichen mit alten 
Stücken nicht grösser, als er hier angegeben wird, 
sich verhalte, können die Einnahme-Belege beweisen. 



— 129 — 

Die 18te Yorstellang des Essigmannes trug 
289 rtl. und die erste des Orage impr^vu trug 
302 rll. ein. 

Der Gewinn, den demnach die Direction an 
dem Ballete hat, besteht eigentlich darin, dass sie 
I) als Zugabo zu neuen oder beliebten Ballets oft 
gesehene Stücke geben darf, 2) das Einstudiren 
der Nachspiele erspart und mehr Zeit hat, ihr Per- 
sonal auf Stücke zu verwenden, welche einen ganzen 
Abend ausfüllen. 

Diesen Grewinn könnte man fuglich jährlich auf 1200 rtl. — gr. — pf. 
veranschlagen. Sehr gern will ich das durch Ab- 
wechslung erhöhte Yei^nügen des Publikums und 
dessen daher entstehende öftere Besuche des Hauses 

jährlich veranschlagen auf. ...1000 » — » — » 

da wäre also ein reiner Gewinn von jährlich ...2200 rtl. 

Dies alles ist reich gerechnet Allein dieser Ueberschlag ist gänzlich 
darauf bemessen und nur dann als möglich anzunehmen, wenn die Ein- 
richtung zwischen dem Ballet und dem Nationaltheater Jahr aus, Jahr 
ein so bleibt, wie sie jetzt ist. 

Wie nun aber, wenn 

1) das Corps de Ballet künftig, wie sonst, auch vom 1 November 
bis Ende Februar mit den Proben und Aufiuhrungen der Ballets zu der 
Königl. grossen Oper beschäftigt ist und für uns nicht, oder nur mit 
grosser Mühe etwa Imal den Monat existirt; 

2) wenn Se. Maj. der König das Ballet zu Ihrem Hoflager nach 
Potsdam oder Gharlottenburg hin- und hier wegberufen? 

Dann ist 

1) das Publikum an eine Unterhaltung gewöhnt worden, die ihm 
alsdann auf einmal fehlt, 

2) dem Nationaltheater mangeln die kleinen Stücke, welche es vorher 
statt der Ballete gab, 

3) ist angenommen, dass Ballete die Leute anziehen, so ist die Folge 
richtig, dass deren Mangel sie erkaltet und abzieht, 

4) ist der Yortheil erwiesen, so erfolgt der Defekt richtig. 

In dieser Ungewissheit über die auswärtige Sommerbeschäftigung 

des Ballets, worüber jetzt noch wahrscheinlich die K. Intendanz selbst 

in Ansehung dessen, was und wie es damit werden wird, noch nicht 

entschieden bestimmen kann, muss die Dbektion des Nationaltheaters 

darauf bedacht sein 

1) Alle Maassregeln nicht nur im Voraus zu nehmen, sondern an- 

1 



— 130 — 

zustreDgeD, damit das KönigL Ballet darch seiD niögUcbes Wiedenorack- 
ziehen vom NatioDaltheater dies nie zu tief derangiren köDoe. 

2) Mithin ist» so lange diese Ungewissheit dauern wird^ die Arbeit 
des Nationaltheaters nicht nur nicht erleichtert» sondern 

3) Eben deshalb mehr bedrängt, damit die Proben der Opemstücke, 
Ballets, die Arbeiten der Theaterleute in dem kleinen 'ängstlidien Lokale 
bei täglichem Spiele sich nicht contrecariren» eines das andere störe» 
sondern in noch rascherem Gange fortgehe. Die Direktion der Königl. 
Spectacles, welche jährlich nur 8 grosse Opern -Vorstellungen und etliche 
Operetten geben lässt, wird aus der Mühe, welche schon dieses Arran- 
gement veranlasst, die Sorge und Aengstlichkeit richtig ermessen, welche 
auf dem Nationaltheater bei verhältnissmässig geringeren Kräften Zeit 
und Raum» womit sich sonst Möglichkeiten erzwingen lassen, 362 Vor- 
stellungen machen müssen. 

4) Die vermehrte Arbeit an Orchesterproben und Nachtarbeiten der 
Theaterleute, vermehrt die von diesen theils jämmerlich bezahlten Leuten» 
die Morgens und Abends fast täglich in's Schauspielhaus gebannt sind, 
mit Recht geforderten GratiGcationen. 

5) Die Direktion kann, ungewiss ob, wann, wie sie auf das Ballet 
beständig rechnen können wird, dieses Anfordern in kein System geringer 
fixirter Verbesserungen bringen, welche allerdings moralisch und ökono- 
misch den abgebettelten oder von der Unentbehrlichkeit abgetrotzten 
Gratificationen vorzuziehen sind. 

Unter diesen Umständen ist es eine entschiedene Unmöglichkeit» jetzt 
schon den Nutzen des Ballets für das Nationaltheater zu bestimmen. Das 
aber ist wohl anzunehmen, dass, wenn das Ballet wieder zurückgenommen 
werden sollte, es schädlich sein wird, dass es jetzt da ist 

Der so grosse tiberwiegende Vortheil, von dem die Königl. Intendanz 
überzeugt ist, dass es der Kasse des Nationaltbeaters briqge, ist nach 
dem Eingangs Gesagten richtiger zu bemessen. 

Unter diesen Umständen ist das sonst etwa begreifliche Gesuch des 
Corps de Ballet um tägliche freye Entree allerdings ein äusserst besckwer- 
licher Artikel. 

Beliebe Ew. Excellenz im Blick auf die Einkünfte des Naticaii- 
theaters zu bemerken: 

1) dass der Zuschuss von des Königs Majestät jährlich nicht mehr 
beträgt als 5900 rtl., 

2) dass 2 Freilogen kontraktmässig an Particuliers gegeben w^tien. 
Eine aus Convenienz, die ich nicht heben kann, an Hrn. v. Warsin^; 

3) dass gegen 40 Personen von Hof-OfBzianten in der besten Zeit, 



— 131 — 

den WintennonateD, das Parquet monatlidi lu 1 lil. 12 gr. Abonne- 
ment besuchen; 

4) dass 15 Personen aus dem Palaw gratis einiugehn bedungen sind; 

5) dass ich gegen 50 Freibillets accordirt vorgefunden habe an Ge- 
lehrte, Künstler u. s. w.; 

6) dass theik mit Nutzen, theils mit Yorwand» welcher letzlere aber 
mit ersterem eng verbunden ist^ gegen 8 Personen von der Potisei freien 
Eintritt haben; 

7) die Bedienten des Königs und der Prinzlichen Höfe zwei Frei- 
logen im Amphitheater jede zu 20 Personen; 

8) dass wir das Onus tragen, wenn um 12 Uhr der Ferdinandsche 
Hof seine Erscheinung mit 8 Personen ansagen lässt, welche k 1 rtl. 
hereingehen, alsdann den ganzen Balkon, welcher sonst 10 rtl. einträgt, 
leer lassen zu müssen; 

9) dass ich aus Discretion bisher, namentlich an das Corps de Ballet 
geg^ 30 BiUets auggetheilt habe; 

10) dass wir die ehemaligen heträditlichen Yeigütigungsgelder fbr 
die Vorstellungen zu Potsdam, 

11) so wie die Anüuigs des Nationaltheaters Allerhöchst gnädigst 
zugesagten Dekorationsgelder schon unter des Hochseligen Königs Maj. 
im ganzen letzten Etatsjahre verloren haben; 

12) dass Herr Balletmeister Lauchery bereits längst freies Entree, 
so wie Herr Gasperini und Mad. Glauce monatliche EntreebUlets haben« 

So werden Sie der Mühseligkeit, womit ich die zeither gewachsene 
Einnahme dennoch erkünstelt habe, Gerechtigkeit gewähren. 

Es wifd Ew. Excellenz einleuchtend sein, dass es unmöglich ist, 
das nach dem Bericht von Herrn Balletmeister Lauchery, mit Inbegriff 
des Herrn Inspectors Gasparini, aus 51 Personen bestehende Corps de 
Ballet täglich hineingehen zu lassen. 

Die täglichen Pmrquet-Freibillets für 50 Personen machen das Jahr 
16,800 Billets, zu Gelde gerechnet 8400 rtl. Und wollte ich jeder Person 
noaaUidb nur 6 Billets bewilligen, so betrüge das im Jahre 3600 Billets. 

Beides ist ein Baum und ein Kapital, welches wir, die wir den stei- 
genden Aufwand nur durch — so viel es im Tumult möglich ist — 
innere Wirthschaft und steigende Erkünstelung erzwingen — nicht ent- 
behren können. 

Da aber Ew. Excellenz ich so g^ne meine Yerehrung und dem 
Corps de Ballet meine Willfährigkeit beweisen möchte, so erbiete ich 
mich — jedoch unter gänzlicher Ablehnung aller freien Entreen, zu Fü- 
gendem und bitte, dass Hochdieselben es als ein Auskunftsmittel betrach- 
ten und annehmen lassen wolle. 



— 132 — 

Es ist dieses nämlich eine im Ganzen nicht nnbeträditliche Erhdhwig 
der Fournitorengelden 
Die Solotänzerinnen erhielten nach der 

letzten Uebereinkunft 2 rtl. 16 gr. künftig 3 rtl. 12 gr. 

die Solotänzer 1 . 12 . » 2.8» 

die Figurantinnen 1 » 8 » » 1 • 20 • 

die Figuranten ^ - » 20 » » 1 » 8 » 

die Eleven - » 16 » ■ 1 . — • 

"rrtT nrrtT 

Oder falls die Figurantinnen auf 2 rtl. gesetzt werden sollten, ginge 
ich es ebenfalls gern ein. 

Diese Einrichtung könnte vom nächsten Ballet anfangen. 

Mur bitte ich das Nationaltheater mit der freien Entree zu ver- 
schonen, welche ausser dem haaren Verluste noch unzählige Unordnun- 
gen ohne Schuld des Ballets nothwendig veranlassen müssen. 

Natürlich werden die Herren und Damen ihre Billets nicht zu schlech- 
ten Stücken aufsparen, sondern die guten Vorstellungen besuchen, wo 
mit dem Gelde in der Hand oft Hundert weggehen. 

Wir würden durch diese freie Entree einen monatlichen Ausfall 
von 150 rtl. haben, ohne dass uns dieser Schaden von irgend einem 
Theile angerechnet werden würde. 

Die Erhöhung, zu der ich mich erbiete, beträgt das Jahr über 
700 rtl. 

Ich hoffe, damit zu beweisen, dass ich, indem ich ein Kapital von 
zu grossem Belange nicht verlieren kann und darf, doch Billigkeit über 
Alles ehre und von schmutzigem Geiz so fem bin, als von leichtsinm'ger 
Verwilligung. 

Ew. Excellenz, so gütig und zuvorkommend Sie sind, werden den- 
noch bei Auffahrung der grossen Opern, wo von €reldeinnahroe gar die 
Bede nicht ist, von den Umständen gedrungen, dass Sie dem National- 
theater zu jeder Vorstellung mehr nicht als 12 Parquetbillets gewähren 
kann. Ihnen kann die Lage nicht fremd sein, welche ich Hochdenen- 
selben zu entwickeln die Ehre habe und welche meine Antwort bestimmt 

Sollten die Zeiten es verstatten, dass des Königs Majestät des 
Publikums und unsem, vom ängstlichsten Bedürfniss erpressten Wunsch 
erfüllen wollten, ein grösseres Schauspielhaus zu bauen, wie man sich 
sehr damit schmeichelt, so habe ich zu viel Achtung für diese so nahe 
verwandte Kunst, als dass ich nicht, das Ballet möge auf dem National- 
theater Vorstellungen künftig geben oder nicht, darauf unterthänigst an- 
tragen sollte, dass das Corps de Ballet alsdann eine eigene geräumige 
Freiloge habe. 



- 133 - 

Auch jetzt werde ich an den Tagen, wo die Gonkurrenz nicht zu 
gross zu erwarten ist, sehr gerne, besonders im Sommer, ferner wie 
bisher, denjenigen Mitgliedern des Ballets, welche mich darum beschicken 
lassen, Freibillets zustellen. Aber da ich auf ein gänzlich freies Entree 
mich nicht einlassen kann, bitte ich, dass Hochdieselben, wenn Sie von 
meinen Gründen überzeugt waren, und was ich nach Möglichkeit da- 
gegen biete, in der Antwort bemerken wollten, welche Sie dem Gorps 
de Ballet ertheilen werden. Ich bitte auch die Versicherung der wahren 
Hochachtung anzunehmen, womit ich beharre. 

12 Februar 1798. 

Iffland. 

Am 23 März erklärt Baron v. d. Reck von dem freien Entree ab- 
stehen, die Erhöhung der Foumiturgelder aber annehmen zu wollen. 



8®|^f«#- 



Bdoacd Hm«]*« Bodidraekerel In Berlin. 



GESCHICHTE 

DER 

CHURFtRSTLICH BRANDENBURGISCHEN UND KÖNIGLICH 
PREUSSISCHEN 

CAPELLE. 



Oei den maiiiiigraltigen Forschungen zur Geschichte der Oper und 
des Opernhauses in Berlin bot sich in den verschiedenen Königh'chen 
Archiven, den Manuscriptensammlungen der Königlichen Bibliothek, 
aus selten gewordenen Büchern und Privat-Mittheilungen dem Ver- 
fasser ein so reiches, bis jetzt grösstenlheils ungenutztes Material dar, 
dass sich die Nothwendigkeit herausstellte, diesen wesentlichen Theil 
der Kunstgeschichte — die Entwickelung und Fortbildung der In- 
strumental-Musik — besonders zusammenzustellen, da eine Einfügung 
in die Geschichtserzählung der Oper selbst, diese unverhältnissmässig 
verlängert und den Leser von der Hauptsache abgezogen haben würde. 
Wir geben daher in dem Folgenden eine Reihe von Original- Do- 
cumenten und chronologisch geordneten Daten, aus denen die früheren 
Verhältnisse, das Personal, die Verwaltungsformen der Königlichen 
Gapelle so weit hervorgehen, als das Material reicht, ohne das In- 
teresse an den Studien jener alten Documcute durch eine nur wieder- 
holende Erzählung zu schwächen, und nur da durch einen allgemeinen 
historischen Ueberblick verbindend, wo das archivalische Material selbst 
Lücken lässt und die allgemeine Kunstgeschichte ergänzen kann. Wir 
dürfen indessen diese Arbeit nicht beginnen ohne einer werthvollen 
Vorarbeit des Doctors G. Friedländer^ Gustos der Königlichen Biblio- 



— 2 - 

thek und Bibliothekar der Allgemeinen Kriegsschale, za erwähnen, 
welche in dem zweiten Hefte der «^Beiträge zur Geschichte Berlins^ 
von G. Gropius Seite 51 abgedruckt ist und aus den Handschriften 
des Ordensrathes König viel Interessantes über die ChurfürsÜich Bran- 
denburgische Capelle im 16ten Jahrhundert mittheilt Da indessen 
die erwähnten Rönigschen Handschriften nur Copien und Excerpte 
aus den Documenten des KöniglicfaeQ Geheimen Staats-Archivs sind, 
und wir die Erlaubniss hatten, dort die Originalien einsehen und co- 
piren zu dürfen, so geben wir vollständig was dort nur theilweis oder 
erzählend aufgeführt wurde. Jedenfalls verdient jener Aufsatz als der 
erste und einzige, welcher sich mit der früheren Geschichte der Kö- 
niglichen Capelle befasst, den Dank jedes Geschichtsfreundes, und wenn 
es am Schlüsse desselben heisst: „So viel als skizzenhafte Mittheilong 
aus dem reichen Material, welches einer dereinstigen Darstellung der 
kunsthistorischen Verhältnisse unserer Mark zu Nutz und Frommen 
gereichen möge,'' so glauben wir in dem Folgenden die dort gewünschte 
Darstellung so weit geben zu können, als sie die Geschichte der vom 
landesherrlichen Hofe beschützten und geförderten Musik betrifiL 



Churfarst Joachim II. 

1585 — 1571. 

flft04 kam Antonio Bontempi, ein italienischer Musikus „^uf aller- 
lei Instrumenten'^ nach Berlin, hielt sich anderthalb Jahre hier auf, spielte 
in dieser Zeit auf der Laute, Theorbe und dem Zinken mehrmals bei 
Hofe, wofiir er unterm 1. Januar 1565 ein für allemal 100 Thir. bekam. 
Gleichzeitig erhielt er eine Art von Bestallung, in welcher aber von kei- 
nem Gehalte die Rede ist, sondern ihm nur verstattet wird, mit „allerlei 
Instrumenten" bei Hofe aufzuwarten. Er gerieth dadurch in so grosse 



- 3 — 

Vnsers gnedigsten Herren des Churfursten zu Brandenburgk Ver- 
ordnung, womach sich der Capellmeister, Senger vnd Instru- 
mentisten vermuge jrer Pflichten richten vnd vorhalten soHen» 

1) Ersüich soUen sieb Ynsere Musici semptlich aUer Godttsehelikeit vnd 
ErbarkeitI befleissigen vnd sich des fluechens, yolsauffens vnd anderer 
leichtfertigen vngebuhr gentzlich enthalten. 

2) sollen sich Ynsere Musici christlich ynd einmuetiglich vnter einander 
vertragen, einer dem andern zv keines Widderwillen oder Vnfreundt- 
schafli yrsach geben, vnd do einer oder mehr anders erfunden werden, 
sollen sie danrber Churfürstlicher G. Straff vnd Vngnad gewertig sein. 

3) sollen sonderlich vnsere Instrumentisten einander nicht vnbillich nach- 
eiffern, heimlich hinder hassen oder vbel nachreden, besonder einan- 
der für gleiche gefellen halten, lieben und fordern. 

4) Nacbdehm alle vnsere Mosici vnd Instrumentisten an vnsereu Gapell- 
meister gewiesen, Sollen sie semptlich vnd ein ieder in Sonderheit 
ihm auch gebührlichen gehorsam leisten. Sich auch auff sein erfor- 
dern zum auffwarten oder zum exerciren alsbaltt an orte vnd stelle, 
dahin sie beschieden werden , einstellen vnd solchs bey straff eines 
Orts fl. auff iede vormerckung nicht anders halten. 

5) Auch soll vnnser Capellmeister schuldig sein, vnsere Musicos vnd 
Instrumentisten alle Wochen zween, wenigstens einmahl zw sich zw 
fordern vnd sich mit ibne zw exerciren, damit sie sich wegen dem 
auffwarten im Musiciren so viel besser gefast machen können. 

6) Wann wir in vnnser Hofflager wesentlich sein, soll vnser Capellmei- 
ster iederzeit sich bei vnserm Marschalk angeben vnd bescheits bey 
ihme einhohlen op er vor Tisch auffwarten vnd musiciren solle« 

7) Wenn wir nicht die Musica zu bohren willens, soll der Capellmei- 
ster mit seinen Husicis vnd Instrumentisten alsbaltt nach gehaltenen 
Tischgebeth zur stell vnd gefast sein die Musicam anzuefahen, die- 
selbe auch Mittages bei vnsemi essen, abents, aber halt beim nidder- 
setzen anfahen. 

8) Do sie im Musiciren ein stueck zue ende bracht^ sollen sie stille zuechtig 
vnd heimlich sein vnd bei Tisch kein Geschwetz oder geseuff treiben. 

9) Auch sollen sie mit sonderen vieis darob sein das sie im Musiciren 
keine saw machen, da es aber* geschieht, soll ein ieder schuldiger teil 
ein ortsgulden verfallen sein. 

10) Do auch einer oder mehr in Zeit wen man auffwarten soll betruncken 
gefunden wirt, soll er iedes mahll einen halben Gulden verfallen sein. 

11) Es sollen auch vnsere Musici und Gantores, als baltt das Tischtuech 
auflTgehoben wird, mit weiteren Musiciren einhalten vnd alle zw gleich 



— 4 — 

still vnd zuechtig abgehen, Ez wehre den daz sie yon ynss zw wei- 
teren auflTwarten befehlich erlangten, als den sollen sie sich dessen 
gemess vorhalten. 

12] Auch sollen vnsere Musici vnd Instrumentisten^ so offle man die woche 
in vnsere Hoff Gapeil predigett, daselbst auffvvarten vnd musiciren. 

13) Wenn wir in Vnser Ilofflager sein vnd ihres Musiciren in vnser 
Thuembkirchen bedürfen werden, sollen sie daselbst sich auch finden 
vnd gebrauchen lassen. 

14} Do sie aber in vnser Thuembkirchen nicht auffwarten dürfen, so sol- 
len sie einen sontag vnd feiertag vmb den andern in den andern 
kirchen zw Berlin vnd Goln godtlicher almacht zw verehren vnnach- 
leslich auffwarten vnd musiziren. 

« « « 

Zum 10. sollen die beiden Geiger, je nach (Gelegenheit, einer vmb den 
andern (do einer dem andern sonst nicht gerne Jn deme wiche) den 
discant vnd andere stime, welche Jedem der Gapellmeißter wirdt fiir- 
legen, vnweigerlich geigen. 

1 1. Was von frembden herrschaften oder aus der gleichen gelegenheit zu 
Tranckgelder gefallet, es sej jnnerhalb od' ausserhalb des Hoffla- 
gers, do die gantze Musica aufgewartet, solle der Gapellmeister sol- 
ches vntter sie zu. gleich theilen. Also das er der Gapellmeister zum 
ersten vor sich von wegen der Knaben zwej iheil davon nehmen 
vnd darnach die vberrest solches gefallenen tranckgeldes allein vntter 
die andern Senger, Organisten, Geiger, harpfenisten vnd Gzincken- 
bleser gleich ausstheilen soll, das eine Person souil als die andere 
bekomme vnd jn der Gleichheit gehalten werde. 

^2. Begebe sich, das sonderlich ausserhalb hofes allein die.Instrumcn- 
tisten eins theilss oder alle einzögen vnd aufwartteten, so sollen 
die jenigen die also aufwarten, wie den auch jn solchen fall Jeder 
Zeit der Gapellmeister mit ausziehen vnd aufwarten soll, was also 
ausserhalb an trinckgelt gefallen, dasselbige alleine vor sich zu be- 
halten vnd wie obgemelt gleichmessig vnnter sich zu theilen macht 
haben, vnd die andern so ihn zur Seit noch aufwarten desfalss auss- 
geschlossen sein. 

15. Yber das, wenn sich frembde herrschafil kcgen den Musici mit gne- 
diger Verehrung erzeigen, sollen sie sich jegelich und sonderlich 
ferneres anlauffens vnd bettelns dessfallss genzlich enthalten, bei Ver- 
meidung GhurTürstl. g. straffe auch ganzen Verlust des jenigen so er 
etwa hiedurch bekommen. 

IG. So sollen sie sich auch weder jn noch ausserhalb Hofflagers hin— 
furo mehr vnderstehen, wenn fremde Herrn Gesantten oder dcrglei- 



— 5 — 

eben ankommen» sich bei jnen anzugeben ynd jren Dienst anzubiedcn, 
welcbs Ghurf. g. vnd jhnen selbst zw scbimpflich nachreden ge- 
reichet, Sondern jn deme der ehren erwarten biss man sie erfor- 
dere. Alssdenn was zu trinckgelde gefallen, das behalten die jenigen 
so aufgewartet vor sich alleine vnd theilens zw gleich oder wie sie 
sich desfalss vntter sich selbigen können vereinigen. 

17. Welche Instrumentisten auch von Junckern oder andern zurfrolig- 
keit erfordert vnd gebrauchet werden, was alssdenn zu Trinckgelde 
gefallen, das behalden die jenigen vnd theilens vnntter sich. 

18. Ymb einigkeit vnd Verhüttung gezencks willen, wenn allein die Geiger 
vnd harffenisten erfordert werden, so sollen sie daruntter Jn gesampt 
gemeinet sein, Alss lohannes der Franzose vnd Eiiass, desgleichen 
der Harffenist vnd andere die man zum Geigen gebrauchet, Vnd da 
sie erfordert vnd es jrer einem angesaget wirdt, so soll der jenige 
es den andern, bej Verlust seines antheilss des gewartenden trinck- 
geldes, auch zw wissen thun, vnd sie also zugleich semptlich sich 
einstellen, bette aber einer oder der ander vff ehafile Verhinderung 
(vorsetzlicbe vnd mutwillige Verweigerung vnd aussenbleibcn sollen 
jm zum Verlust sein] so sollen jme dennoch sein Antheil gleich 
oder folgends auf ein andermal es aber wieder einzubringen schul- 
digk sein, vnd es also jn allem gleich zugehen vnd gehalten werden, 
Wurde auch von denselbigen Hern oder Junckern ein Organist darzu 
begeret, so soll einer vmb den andern jn solchen feilen erfordert 
und darzu gebrauchet vnd in solcher gelegenheit sie beide jedesmal 
gleichen Theil haben. 

Nota 1] oder ob die Organisten, sie werden begeret oder nicht, allemal 
mit vntter obige Instrumentisten geeinet vnd one Befehl zu er- 
fordern sein solten, Alssden gienge es obigen nach alle zugleich. 

N: 2) Oder ob die ganze Musica one vnderscheid die gantze gefelle vf 
1 jar samlen vnd alssdenss gleich theilen. 



Churforst Johann George. 

15» - 1598. 

1599 zu Reminiscere. Personal der Ghurfiirstlichen Gapeile. Ur- 
kunde aus den Metzendorfschen Extracten aus der Registratur der 
General-Domainen-Gasse. 



6 — 



doartal GeM den Hofgesinde aof Reniniseere 1572. 

Trtm^peiem und MimeL 
Diterich Stolm Trumpter 
Jacob Schott 
Peter SiAert 
Hemrieh ZinkenbUber 
Jetigen Hapfmg 
Michel Meier 
Jörgen Prenuenikaier 
Hans SciuUg 
Hans Jordm 
Qaeker 

Johann Hornharg Oiiganisl 
Jacdb Mar$ — 

JcAannes Bettel — 

GapeUmeister 
Stei^ian Cotfrüdi 
Johans Einer 
Peter Schlemmer 
Andreas Sckubari 
Mattis Caemger 
Lamperiut de Flätin 
Geslkins Rameriue 



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146 


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15 


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15 


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15 









dem Ho%esiDde auf ReoiDiseere 1572. 

Trvmmeter und Musici. 
Diteridi Stöhn 

idem auf einen Jungen 
Beinrich Zinkenbläser 

idem auf 1 Jungen 
Jacob Schultz 
Peter Siebert 
Jörgen Premsenthaler 
Jorge Hopfmgk 
Michel Ueyer 
dem Pauker 
denen Gantoribus uf 8 Personen Vierteljahr jedem die 

Woche 1 rtl. 
Johann Hameburg Organist uf 2 Perfanen 
Jacob übrj O^nisl 
Johann Rettet Ofganist 



_ 7 — 

lAM* Johannes WessaUus wird zum Cbmrfürstlichen Capeilmei- 
ster bestellt Urkunde aus dem Geheimen Staats-Archiv. 

Wir Johans Görge von €rottes gnaden, Markgraf zu Brandenburgk, des 
Heil. Rom. Reiches Erz-Cämmerer und Churiurst, Jn Preussen, zu 
Stettin, Pommern, der Gassuben, Wenden und in Schlesien, zu Crossen 
Hertzog, Burggraf zu Nürnbergk und Fürst zu Rügen, 

Bekennen und thun kund öffentlich mit diesem Briefe vor Jeder- 
männigiichen, das wir zu Anrichtung und Bestellung einer Cantorey Yn*- 
sern lieben getrewen Johannes Wisealiuseen iurder zu Ynserm obersten 
Gapeilmeister und neben und mit jme sieben Gesellen als zu Gantoressen 
und dartzu drey Jungen, Discantisten, Desgleichen und über das zweene 
mit Nhamen Elias Göüingen und Hans Langen neben einem ihrer Jun- 
gen als Inslrumentisten bestellet, auf und angenommen und gedachtem 
Wessaltussen als obersten Gapellmeister alle Jhar ein hundert und fünfzig 
Gulden Herkischer Wehrung zur Besoldung und jeder Wochen einen 
Thaler zu Gostgeidt, und dann den andern seinen sieben Cresellen und 
Gantoress obgemeü jedem jehriich ein hundert gülden Merkisch zur Be- 
soldung und imgleichen jeder Wochen einen Thaler zu Gostgeldt, und uf 
die gemeldte 3 Jungens als Discantisten jedem wöchentlich einen hal- 
ben Thaler zu Gostgeldt und uf sie und die drey Jungens die gewöhn- 
liche Hofikleidung, wie anderen unseren Dieneren, und inmassen sie die 
bisher gehabt, Dergleichen den gemeldten beiden Instrumentisten jedem 
jehriich 40 Thaler zu Besoldung und auch wöchentlich einen Thaler zu 
Gostgeldt und für ihre Jungen auch wöchentlich einen halben Thaler zu 
Gostgeldt neben der Kleidung, gleich den anderen obgemeldt, gnediglich 
zu geben, vorreichen und folgen zu lassen, zugesagt und verschrieben 
haben. Ynd thun solches hiemit kegenwertiglich In Graft und Macht 
dieses unseres Briefes und also dass huiwiederumb und dagegen obge- 
nannter Johannes WessaUus als uns^r Oberst Gapellmeister und gedachte 
Gantoress und Instrumentisten sampt den Jungen Yns gehorsam getrew 
und gewärtig sei und hinfiiro Zeit ires Dienstes, oder so offl es von 
Noten und die Gelegenheit erfordert, zu unserm Iloflager in der Sehloss- 
Capelle und wohin wir sie sonsten zu gebrauchen, vornehmblich auch wenn 
wir Taffeil halten oder frembde Herren bei Yns sein und sonsten zu 
jeder Zeit, wenn und wohin sie erfordert werden, fleissig aufzuwarten und 
sich mit singen und ihren Instrumenten, wie kunstreichen Musicis, 
Gantoressen und Instrumentisten zustehet, getreulich gebrauchen zu lassen 
und zu erzeigen und sich daneben gutes Kunstreiches gesangs zu be- 
fleissigen, hiemit schuldigk und verpfficht sein sollen und wollen. 



- 8 - 

Also sollen aach alle obgemelte Ynsere Gaatoress und Instrumen- 
tistcn und nicht weniger auch unsere Hoff- Organisten schuldigk sein, 
ernannten Johannes Wessaliussen also Ynserem Obersten Gapellmeister an 
Ynser Stadt in allen billichen Dingen zu gehorsamen und sich seines 
Befehlichs zu verhalten, und sonsten auch unter sich selbst Yneinigkeit, 
Hader und Zangk höchstes Yermögens vermeiden und vielmehr mit ein- 
ander in guter Einigkeit leben, und der eine oder mehr sich über und 
wieder den andern zu beschwehren, erhebliche und billige Yrsache ge- 
wönne, solches erstlich an den Gapellmeister gelangen und da es der 
nicht entscheiden könnte, alsdann solches ferner ordentlicher weise klagen 
und gebührlichs Auslrages gewärtigen. 

Yielgenannter Ynser Gapellmeistw soll auch auf alle Quartall neben 
seiner Besoldung und Gostgeldt aller der anderen Gantoress und Instra- 
mentisten sowohl der Knaben Besoldung und Gostgeldt kegen seiner 
Quittung aus unserer Renthey empfahen und solches unter sie vor einem 
jeden vermöge dieser Ynser Bestallung gebuurlich distribuiren und aus- 
theilen. Ynd sie sollen und wollen semptlich und sonderlich in Allem 
Ynser als Herrschaft Bestes wissen und fortsetzen und dagegen Sdiaden 
und Nachtheil abwenden und vorkommen, nach jrem höchsten Yermö— 
gen, und sonsten Alles das thun und leisten das getrewen und ehriie— 
benden Gapellmeistem, Gantoressen, Instrumentisten und Dienern kegen 
Ihrem Herrn zuthun woll anstehet, eigent und gebuuret, Inmassen sie Uns 
dessen besondere Eydspflicht geschworen und jhren Reuerss gegeben haben. 
Alles getreulich und unweigerlich. 

Des zu Yrkundt mit Ynserem, hierunter aufgedruckten Daumringe 
besiegelt. Geschehen und gegeben uf Ynserm Jagthause Letzlingen am 
Tage Martini Anno fünfzehnhundert und zween und siebentzig. 

Manu ppria 

+ + + 

flft98« Am 3ten Januar. Bestallung für Johann Homburgk zum 
Hoforganisten mit 100 Gulden Besoldung und 50 Thir. Kostgeld, der Hof- 
kleidung und jahrlich 2 Stein Talg, um die Kirche mit Licht zu versorgen. 

Am Tage Yisitationis Mariae Bestallung des Johann Retthel zum 
Organisten. 

Zu Reminiscere. 

Verzeichniss semptlicher Churliirstlichen Cantoress 
und Instrumentisten: 

Gappelineister Joan Wessalius. 
Petrus Schlammer \ ^ . 
Andreas Schvbarl \ 



— 9 — 

Johanns Fulner \ 

Matthias Bastmeier | Altisten. 

Anthanius vom Dar ff) 

Lamprecht de Fleim ) -, 

c* f ^ ^ L j- ) Tenoristen. 

Stephan Gutschmtdt ( 

Item 4 Discantisten. 

Instrumentisten. 

Johan de Vaülx Geiger und Instrunientist 

Helias Gottling Geiger 

Thomas Kaltenbacher Zinkenbläser 

David Uvpping Zinkenblaser 

Hanns Lang Harpfenist 

Item ein Jung der Zitterist 

JlftV4« Schreiben des Ghurfursten Johann George an den Admi^ 
nistrator des Erzstiftes Magdeburg Joachim Friedrich. Aus dem Ge- 
heimen Staats- Archiv. 

rlochgeborner Fürst, freundlicher lieber Sohn und Gefatter. Nachdem 
wir unsere Hoff-Gantorey etwas gesterket und ihr ziemlich damit 
versehen, wir aber an vornehmen sonderlich blasenden Instrumenten 
Mangel haben und sonsten so halt nicht darzu zu kommen wissen und 
wir dann berichtet, dass E.Liebden etzlich Quart- Zinken, Bommartenund 
dergleichen blasende vornehme und ansehnliche Instrumente haben, 
welche wie wir berichtet eine lange Zeit her ungebraucht gelegen, und 
nach und vor es freundlich daher achten, das denselbigen besser sey, 
das sie gebraucht werden, denn also liegen, So jst hiemit an E. L. Ynser 
vaterliches und freundliches Gesinnen, E. L. wollen Yns zu sönlichen 
und freundlichen gefallen ob berührte Instrumente auf eine Zeit langk zu 
besserer Staffirung Ynserer Musica und Exerzirung der Instrumente leihen 
und zum förderlichsten zukommen lassen. Sollen E. L. zu Ihrer Gelegen- 
heit desselben jederzeit widder berechtigt sein und wir seindt solches hin- 
widderumb mit besonderen väterlichen Willen freundlich zu beschulden 
erbötigk und geneigt. 

Datum Grimnitz den 20^ Aprilis 1574. 

Hanns Görge. 

Mittwochs nach dem heiligen Pfingstfest stellt der Gapellmeister 
Wessalius fiir sich so wie fiir seine ihm untergebenen Gantores, Instrumen- 
tisten, Gesellen, Jungen und Diener einen feierlichen Revers an Eides- 
statt aus, der eine fast wörtliche Wiederholung der oben gegebenen Bestal- 
lung desselben vom Tage Martini lä72 ist Urkunde im GeL Staats-Archiv. 



— 10 - 

IftW« Bittsdirift des Capellmeisten Johann Wes$tUiu$. 

Uurchlauchtigster, Hochgeborner Churfiiret und Herr. Ew. Churfiirst^ 
liehen Gnaden seindt meine Ynderdbenigste willige und gehorsambste 
Dienste jederzeit zu vorne. 

Gnedigster Herr. Ew. Ghurfiirsti. Gnaden kann ich erheischender 
meiner Notturft nach underdhenigst nicht vorenthalten. Das mir vor 
einem halben Jhare meine geliebte Haussfrau abgestorben. Nue ist mir 
zum höchsten beschwerlich, sonderlich wann ich Ew. Churf. Gnaden folgenn 
muss und also in meiner Abwesenheit mit frömbden Gesinde, das mehr 
auf das seine als seines Herren Frommen siebet, hausszuhalten. Wie ich 
denn seit meiner lieben Haussfrauen Absterben mit meinem grossen 
Schaden haussgehalten. Wehre derohalben vermittelst Göttlicher gnedi- 
ger Verleihung wohl entsdilossen, mich anderwat zu verehlichen. Weill 
ich aber auss dem, das meine lieben Elttern das Ihre im Niederlande 
vor etlichen Jharen zu sich genommen und also ich also ein gutter 
armer Cresell, und mich meines patrimonij im Geringsten nicht zu ge- 
lüsten, Mir auch meine Freunde ghar weit abgesessen und ich also in 
solcher Gelegenheit zu Niemand als zu Gott und Ew. Churfiirstlichen 
Gnaden meme Zuflucht habe, Yndt damit ich dennoch wissen möchte, 
wann ich heute oder Morgen mit AJter oder sonst mit einem anderen 
Unglück, da mich doch Gott gnedigiich vor behnete, sollte überfallen 
werden, dass ich nicht mehr fort könnte, wes idi mich zu erholen und 
zu getrösten, 

Abo will ich uf dea Fall Ew. Ghurfiirsti. Gnaden hiemit underdhe- 
nigst ersucht und gebeten haben, Ew. Gh. Gnaden wollen mir uf Zeitt 
meines Lebens meine Besoldung und Costgeld gnedigiich verschreiben. 
Dargegen bin ich erbötigk, Ew. Ch. Gnad. und dem Hausse Branden- 
burgk Zeit meines Lebens nach bestem Vermögen getrewlich zu dienen. 

Vndt als auch, Gnedigster Churfiirst und Herr, ich zum Berlinn ein 
Heusslein erkauft, darauf etwa 30 und mehr Thaler Schoss von meinen 
Vorfahren vorstanden, welche ich einem Rathe zum Berlinn von meinem 
Erbgelde erlegen soll und zudem auch von solchem Heusslem jehrlich sechs 
Thaler und 15 silbergroschen Schoss geben muss, weil ich dann Ew. Gh. 
Gnaden Discantisten nun ins siebendte Jhar bey mir in meiner Woh- 
nung gehabt und ausserhalb des blossen Costgeldes vor ihnen nichts 
bekommen, Jch aber, als wenn sie mir zustünden, die Zeit über den 
Stuben Zins vor sie bezhalt, da doch bey anderen Herren, so die Musica 
halten, die knaben desshalb auch versorget und frey gehalten werden. 
Also bitte ich auch gleicherjestalt hiemit underdhenigst, Ew. Ch. G. wollen 
mir in dieser meiner Angelegenheit nicht allein die von meinen Vor- 



— 11 — 

fahren yorgesessenen und hinterstelligen Sdiosse gnedigst erlassen^ son- 
dern mich auch des jherlidien Schosses wegen meines Heussleins uf Zeit 
meines Lebens gnedigst befreyhen, Jn Betrachtung dass Jch Ew. Ch. G. 
Discantisten, wo sie anders woll abgerichtet werden sollen, jederzeit bey 
mir haben mus. Das will umb Ew. Gh. Gnad. jch Zeit meines Lebens 
bestes getrewes Fleisses underdhem'gst zu verdienen geflissen seindt 
Ew. Ghurf. Gnaden 

Underdhenigster und Gehorsambster 

Johannes Wessalius. 

Gapelmeister. 

MAO« Capellordnung des Churiursten Johann Gearge yom S^** Ja- 
nuar dieses Jahres. Urkunde im Geh. Staats-Archiye, auch abschrift- 
lich m den Ms. Boruss. der K. Bibliothek vorhanden und theilweis auch 
schon in dem erwähnten Aufsatz des Dr. Friedländer abgedruckt 

Ynsem Gruss zuvor! — Lieber Getrewer. Nachdem wir aus bewegen- 
den Yrsachen und zu mehrer und besserer Vorsehung und Bestallung 
unserer Hoff-Gantorey Ynserm Gapelmeister und Cantoressen sowohl 
Organisten und anderen Instrumentisten eine Ordnung lurschreiben und 
betreffen lassen, auch besiegelt und vollzogen, jnmassen du hierbeige- 
fligt zu befindenn, 

Ynd Wir aus Eracht der Nothdurft dich an Unserer Statt zum In- 
spectori furgesetzet und verordent, Also ist unser gnediges Begehren an 
dich, du wollest wie gemeldt Unsertwegen hinfiihro die Inspection auf und 
übernehmen, gedachte unsere Hoff-Gantorey, Instrumentisten und was 
denen Angehörige, mit Yleiss haben und über solcher Ynserer Ordnunge, 
dass dero durchauss in allen Punkten und Artikuln unverbrüchlich ge- 
lebet und nachgesetzt werde, mit Ernst halten, und auch vor deine Person, 
so viel dir darinnen auferleget wirdt, getrewlich erfolgen und darnach fer- 
ner gebührliche Anordnung thun. 

Wollest auch daran sein, dar zum aller förderlichsten unsere In- 
strumente, wie die Nahmen haben, zum Gesänge und Tabulatur Bücher 
und sonderlich auch die, so unser Herr Yater sehliger gedechtniss vom 
Hansen Kellers Erben erkauft und bekommen, allenthalben mit Yleiss 
zusammengebracht, richtig inventirt und in guter Verwahrung und würden 
gehalten Verden. 

Datum Goln an der Sprew den 3ten Januari Anno 1580. 

An den Ehrenvesten Dietrich van Haltzendarffi 



— 12 — 

Des Churforsten tzu Brandenborgk etc. vürordenuDg, deren sich 
hinfuro der Gapelmeister vnd die Cantores, so wol die Hoff- 
Organisten vnd andere Jnstrumen(is(en, zn besserer vnd zier- 
licher bestellung solcher Jrer Churfurstlichen gnaden Hoff- 
Cantorey^ auff und vormuge jrer pflichte gemes vorhaltenn 
sollenn. 

Jbirstlicb, spuren ihre Ghurf. etc. Jm aufwarten vnnd vorrichtong Jres 
Diensts dahero nicht weinigk vnfleis vnd vnrtchtigkeit, das sie sich dess 
vbermessigen Trinnkens vnd vollerey mehr denn des Trinnkenns zur 
Leibes noturffl vnd vbung Jhrer Kunst der Musica, gebrauchen vnnd 
vhast gemein beuleissigen, welches ein vbelstandt vnd Ihnen selbst schimpf- 
lich, Darumb ihrer Churf. 6. ernster wille vnd meinunge, dass sich ein 
Jederr neben der Goteslesterung vnd leichtfertigen Fluchens und schwe— 
rens, nachmale des vbermessigen trinckens vnnd vollerey, sonderlich zur 
Zeit des aufwartens in anwesenheit frembder Herschafil oder Gesantten, 
vnd sonsten, zuuorhuetung vngebuer vnd schimpfs, eussem vnnd end— 
halten, vnnd vielmehr in allewege sich der nuchterkeit vnnd stetiger 
vbung Jhrer Kunst der Musica zu desto besserer vnd vieissiger leistung 
vnd vorrichtunge Jhres diensts beuleissigen sollen, bey straff, 

Zum andern^ Weill in der Kirchenn oder Gapelle vnnd vor der 
Tafel aufwartten ein grosser Ynderscheidt ist. Also das die Musica vor 
der Tafell, zu mehrer liebligkeit, so stark nicht, als in der Kirchen oderr 
Capeile, bestimmet sein darf, So soll der Gapelmeister hinfuro in deme 
den Ynderschiede auch haltenn, das vor der Tafell oder Cremechern ie~ 
dessmal nur eine Personn zu. ieder Stimme vnnd niche mehr, wie biss- 
hero nicht mit weniger vnlieblicheit geschehen, gebraucht werden, damit 
es nicht zustarck, noch vberstimmet, vnnd also die Musica desto heimb- 
lieber vnnd lieblicher sey, 

Zum Drittenrif Soll sich der Gapellmeister gueter Knaben, Discan- 
tisten, so guete reine stimmen haben, beuleissigen, Also das vnter den 
vier Knaben stetigs derselben zweene im singen perfcct vnnd woll ab- 
gericht seinn, vnnd die andern zweene, als Junger oder Kleiner, kegenn 
deme, das etwa die andern beide Mutirenn möchten, auch mit ganzem 
vieis abgerichtet werden. 

Zum Vierten, Wenn die ersten Knaben, einer oder beide, Mutiren, 
So soll ehr sie dem vorordenten Inspectori anzeigenn vnd vorstellen, 
Ynnd wenn der es also, dass sie vor Discantisten nicht mehr fugtich 
bestehen noch zugebrauchen, befindet, vorordnen, Dass der Gapelmeister 
derselbigenn stelle aus oder mit den beiden Jüngsten abgerichten Knaben 



- 13 — 

ersetze und an dero stedt alsobalt vnnd vnnorseumblich wiederamb nach 
andern tuchtigenn Knaben trachte, Vnnd wenn ehr die erlangt, die glei- 
chergestalt dem Inspectori vorstelle, Ynnd sie Tolgents auch, damit sie 
anir künftige Mutation zugebrauchen, wie obgemelt, mit vieis abrichte, 
vnnd stetigs also frische Knaben zueziehe. 

Zum Fünfflen, Jdesmall, wenn also wie obgemelt Knabenn Mutiren 
vnd abgcstellet, vnnd wiederumb an der Yorleddigten stedte andere an- 
genommen werden, Soll der Gapelmeister dessen einen Zettel an den 
Bendtmeister machen, vnnd der Inspector denselben mitt eigener 
Hanndt ynderschreiben, Damit sich der Rentmeister in aussgebung des 
vorordenten Ynderhalts vnnd Kostgeldes der Knaben nach aussgebung 
oder anfahung der Zeit darnach zurichten vnnd in deme vngebuer ver- 
huetet werde, 

Zum Sechstenfiy Soll der Gapelmeister die Knaben Discantistenn, wenn 
sie aufwartens halben vnnd sonsten abkommen können. Jederzeit mit 
vIeis zur Schule halten. Damit sie daneben etwaz studiren vnd lernen 
mögen, Sye aber sonstenn in allewege zuförderst zu der Musica vnd 
allen Ghristlichenn Tugenden vnnd Künsten vnderrichten, vnnd mit ernst 
vnnd vIeis darzu halten, Auch sonderlich darauf sehen, Das sich diesel- 
benn, zu erhaltunge gueter reiner stimmen vnd zuchtiges erbares lebens 
vnd wandeis, im essen vnnd tringken fein messigk halten. 

Zum Siebenden y Weill Jhre Ghurf. G. gewilligt vnd vorordenet. 
Das allewege zwene Knaben, wenn sie wie obgemelt Mutiren vnnd 
nicht mehr vor Discantisten zugebrauchen, so ferne sie zum studirenn 
oder sonsten ehrlichen Künsten geneigt, vnnd darinnen fortfahren wer- 
den (vnnd sonsten nicht,) auf Zwei Jharlangk vnderhalten vnd Jedem 
Jedes Jhar dreissigk thaler aus der hofrentey gegeben werden sollen, So 
soll der Gapelmeister vormuge seiner Pflicht schuldigk sein darauf zu 
sehen, das in deme gemelte maas gehalten vnd vnrichtigkeit vnd ander 
vngebuer vnd vorgeblicher Kosten, sonderlich wenn solche Mutirende 
Knaben zum Studiren oder andern Künsten kein Lust, noch demselben 
in solchen zweyen Jharen obliegen, vorhuetet werde. Auch sollen 
solche Knaben, oder Jhre Eltern oder Freunde sich dagegen reuersiren 
und obligiren, wenn sie sich in Diensten Sr. Ghurf. G. brauchen zu las- 
sen tuchtigk. Das sie sich erstlich in allewege bey hochgedachter Jhrer 
Ghiu'f. G. angeben vnnd derselben vor andern, Do Jhre Ghurf. G. sie 
ihrer geschicklichkeit vnnd Jhrer Ghurf. G. gelegenheit nach bedurffen 
wurden, kegen zimblicher vnd geburlicher vnderhaltung dienen sollen, 
welche Beuers er doch iedessroal mit vorwissen vnnd rath des Inspec- 
toris nehmen, Vnnd alssdann dieselbenn zur vorwarunge dem Gammer 
Secretario zustellen soll, 



— 14 — 

Zum Achten^ Jhre Ghurf. G. seind berichtet^ Dass die Jennigen Ynter 
den Cantorn, auch JnstrumentisteDny so auf andern vnd mehr Jnstru- 
menten können, sich dartzu und dannit gebrauchen zulassenn yorwie— 
dem, vnnd allein ein Jeder auf ynnd bey seiner stimme Ynd JnsbrumeDt 
seines gefallens zu pleiben gemeinet seinn, oder do ehr sich vf den an-- 
dern Jnstrumenten auch solle gebrauchen lassen, dauon eine sonderliche 
Besoldung ?nd vnderhalt zubegeren sich vnderstehenn solle, Welches 
ihren Churf. G. nicht weinigk befrembdiich, Sintemall Ihre Ghurf. G. 
sie semptlich vnd einen Jeden insbesonder nicht alleine zu einer stimme 
oder Jnstrument, sondern zu besserer Vorsehung, staffirunge vnd rhum 
solcher Jrer Churf. G. Gantorey, vomemblich vnnd in gemein zu allen 
Instrumenten vnd kunsten der Musica, die ein ieder kann vnd vormagk, 
bestellet vnnd angenommen, vnnd sie mit zimbiichen vnderiialt, dessen 
sie sich mit fuege nicht zubeclagen, vorsehenn, Derhalbenn ist Jhrer 
Churf. G. endlicher Wille vnnd befehl, das sich die Cantores vnnd Jn— 
strumentisten in gemein zu vnnd auf allen Jnstrumenten, es sein bla- 
sende oder andere, keine aussgeschiossen, die ein Jeder gelernt hat vnd 
kann, iederzeit auf anzeigen des Capefaneisters, vnndt wenn es die no- 
turfft erfördert, vnwiedersetztich vnndt ohne Weigerung, bey Vermeidung 
Jhrer Churf. Gnaden ernsten straffe, mit gantzen trewen vnnd vieiss ge- 
brauchen lassen sollen, 

Zum Neuf^efi, Jst Jhrer Churf. G. ernste meinung vnnd befehl, das 
Jhrer Churf. G. Trommeter, Welche Musici sein, vnnd auf einem oder 
mehreren Musikalischen Instrument können. Jederzeit wenn es vonnöten, 
auf antzeige des Capelmeisters, gieichergestalt mit vnnd neben obgeroel- 
ten Jhrer Churf. G. Cantorey vnnd Jnstrumentisten in der Kirchen oder 
Capelle vnnd vor der Tafel mit trewen vnnd vieiss, ohne einigs verwei- 
gern, bei straffe aufwarten. 

Zum Zekenden^ Soll es der Capelmeister huifuro dahin richten vnnd 
daran sein, welches bisshero nicht oder weinigk geschehen, das Jedess- 
mal in aufwartten im Gemach oder vor der Tafel, es sein frembde Her- 
schafften vnd 'Gesanten zur stedte od' nicht, mit dem singen vnd Jnstru- 
menten vmbgewecbselt, vnnd allerlei blasende instrumenta, so sonder- 
lich zur heimblichen und lieblichen Musica alss vor der Tafell oder Jm 
Gemach dienlich, in allewege mit vnnd nach gelegenheit umbs ander, 
gebraucht werdenn, Auch wenn blasende oder andere Instrumenten vor 
sich alleine wie obgemelt vmbwechselsweise gebraucht werden, das alle- 
wege oder Je nach gelegenheit zu mehrer Zierde vnnd lieblichkeit ein 
Knabe den Discant mit dareinsinge, vnnd sich also in allewege einer 
gueten Kunstreichenn vnnd lieblichenn Musica vor der Tafel vnnd in 
der Kirchenn oder Capelle, wie es die notturft erfördert, zuforderst 



- 15 — 

Jhren Ghurf. G. vnd d&nn jhnenn selbst zu nunblichein nachsagen, 
beuleissigen. 

Zum Eilfften^ Weiil sie die Cantorey vnnd gantze Musica voraemb- 
lieh auf ynnd zu Ihrer Ghurf. G. Dienst bestellet ynnd angenommen, 
Auch vonn derselben vnderhalten Ynnd besoldet werdenn. So sollen sie 
auch demselben, vonnuege Jhrer Yorwantnus ynnd Pflichtt, wie billich, 
vnnd sie zuthun schuldigk, mit gantzen trewen ynnd yleiss iederzite 
vnnd ynuorseumblich obliegen und nachkommen, Ynnd sich sembtlich 
ynd Jn besond', wie nicht zu weinigem schimpflichen nachredenn biss- 
hero zum theill geschehen sein soll, hinfuro der Betteley ynnd daneben 
endhalten, sonderlich im hoflager, ohne sonderlichen beruef oder erfor- 
dern, Jederman mit Ihrem aufwartten sich gemeinn zumachen, Auch 
ohne Irer Ghurf. G. oder des yorordenten Inspectoris besondern yor- 
wissen, yorlaub ynnd nachlassunge, aufm Lande, yonn ynd bey denen 
vom Adell, noch sonsten zu Kinteuffen, Hochtzeiten ynnd dergleichen 
gebrauchen zulassen, Yiell weiniger auf erlangeten yorlaub sich in sol* 
eher gelegenheit, noch sonsten ausser Ihrer Ghurfl G. Dienst ynd Ihrem 
exercitio, Ihrer Ghurf. G. Instrumenta, zu dero yorterb ynd schaden, 
gebrauchenn, bei straffe, 

Zum Zwöljflm^ Ihre Ghurf. G. kommen in erfarung. Das die In- 
strumenta nicht ordentlich beisammenn in gueter yorwahrunge gehalten, 
Sondern einer hie, der ander da ein stuck haben ynnd seines geial- 
lens yast hin ynnd wieder gebrauchen, auch einstheils darueber yon 
Abhanden kommen ynnd yerlohren werden sollen, Darob Ihre Ghurf. G. 
nicht weinigk missfallen tragen, Derowegen ist Ihrer Ghurf. G. ernster 
beubell, das der Gapelmeister, neben Ihrer Ghurf. Gnaden Hofforganisten 
Jacob Marssen ynnd Johann Reieln^ so woll Philippen dem Zincken- 
bleser (welcher yornemblich auf die blasenden Instrumenta mit zusehenn 
ynnd die in yorsorge zuhaben bestellet) ynnd den beiden Discant Gey- 
gern Johammn de Vaulx ynnd Elicu Göüingen, yornemblich darauf mit 
yleiss sehen, ynd daran sein sollen, dass alle Jhrer Ghurf. G. zustehende 
Instrumenta, Es sein Posatif, Zimphonien, Geygen, Zinckenn, Qwer- 
pfeiffen, Schalmeyenn, Krumbhörner, Dultzian, Trummeten, Posaunen, 
Bombarten, Auch Gesenge, Partes ynnd Tabulatur Bucher ynd derglei- 
chenn, wie das Nahmen haben magk, jederzeit, etwa an gewissen orten 
(daselbst auch, do jmmer der ort dartzu beqweme oder gelegen, die 
gantze Gantorey, gemeiniglich zusammen zukommen ynnd sich mehr, 
denn hiebeuor gescheh^i, mit yleis zuuben ynnd zuexerciren schuldigk 
sein sollen) treulich ynd ynuorruckt beisammen ynd in gueten wirden 
Ynndt yerwahrunge gehalten, Inmassen auch Ihre Ghurf. G. yorordenun- 
ge thun wollen. Das solches alless schirsten ordentlich ynd riditigk in- 



— 16 — 

uentirt werden, vnnd der Yorwahronge halben weitere vorordenunge 
geschehen soll» 

Zum DreyzehendeUy Sollen alle solche Ihrer Churf. G. Jnstrumenta, 
wie die Nahmen haben, sonderlich zum aufwartten jhnen den Jnstru- 
mentisten allerseits, nach deme ein ieder darauf kann, oder gelemet, vnad 
damit bestehet, sonderlich auch vnter den hoff Organisten die Posatief, 
Zimphonigen, oder dergleichenn Instrumenta, gemein, frey vnnd vnge- 
hindert zugebrauchen sein. Doch das auch ein jeder dieselben mit vieis 
Yorwahre, in acht habe, vnnd in gueten wirden erhalte, damit daran kein 
schaden geschehe, oder zugefuegt werde. 

Zum Vierzehenderif So soll auch der Capelmeistcr, iedessmal, wenn 
Ihrer Churf. G. an Instrumentenn, Gesengen, oder Partessen vnnd der- 
gleichen von andern örtern etwas zukompt, oder Ihre Churf. G. sonsten 
erlangen, vnnd Jhme vberandwortet wirde, dasselbe alsobalde dem Yor- 
ordenten Inspectori antzeigen vnnd auch richtigk ins Inuentanum vor- 
tzeichenen vnnd setzen, vnnd nichtes dauon noch von den andern stucken, 
wie obgemelt, etwas vorrucken vnd von abhanden kommen lassenn, 

Zum FunffzehendeHy Nachdeme Ihre Churf. G. hiebeuore solcher 
Jhrcr Churf. G. hoff Cantorey zu besondem gnaden, welchs sonst an 
and'n höefenn, wie Ihnen zum theil selbst bcwust, weinigk gebreuchlich, 
vbcr das vorordente Costgelt, jeder Zeit, wenn sie semptlich oder vnder- 
schiedlich vor Ihrer Churf. G. Tafell im hoflager aufwarten, vnd sonsten 
auch ausserhalb hoflagers gefördert werden vnd sein, bei höefe noturff- 
tigk Essen vnnd Trinckenn zuhaben vnnd zuerlangen gewilligt, Wer- 
denn Jhrc Churf. G. berichtet. Das sie sich, sonderlich vber Tische, ziemb- 
lich vngeburlich halten, Auch zur Zeiten vbrige Personen, an lungcn 
vnd sonsten, mit sich hinnauf vnnd zutische ziehen, Ynnd vber das sich 
des abschleppens vnderstehen sollen, welches Ihren Churf. G. zum 
höchsten misfelligk vnnd Inen selbst nicht weinigk schimpflich, Derwege 
wollen Ihre Churf. G. jhnen hiemit erstlich auferlegt habenn. Das sie 
sich hinfuro mehr solcher vntzimblichkeit vnnd vngebuer, bey vorlust 
solches Tisches, oder sonsten Ihrer Churf. G. straffe, gentzlich eussem 
vnnd vielmehr, wie ehrlichen Dienern vnnd kunstreichen Musicis woll 
zustehet vnd geburet, Gotfurchtigk, Zuchtigk, friedlich, vnnd erbar- 
lich vorhaltenn. 

Zum Sechtzehenden, Do vorfiele, das eine oder mehr Personen vnter 
jhnen Ihrer Churf. G. weiter zudienen vngelegen Ynnd Ihre Churf. G. 
also in Ihrer hoff Cantorey damit zur gebuer vnd noturfft nicht vor- 
sehen vnnd stafGret, So soll der Capelmeistcr, doch mit vorgehender 
Ihrer Churf. G. oder derselben vorordenten Jnspectoris wissenschaSl vnnd 
bewilligung, den oder dieselben zuuorleuben, vnnd hergegen dieselben 



— 17 — 

mit andern woltnchtigen Tnnd in der Musica sond'Iich auch auf allerley 
Instrumenten erbrnen, Kunstreidien Yund geschickten personen. Damit 
ihrer Ghurf. G. Gantorey so yiel mehr ynnd besser vorsorget und staf- 
firet, zuersetzenn, Ynnd in deme auch Ihrer Ghurf. G. vnnd derselben 
hoff Gantorey bestes wolfarth vnd rhum, ohne ansehen der personen 
noch einiges Torteils oder genusses, zuwissenn vnnd zubefördernn pflich- 
tigk seinn. 

Zum Siehenizekendeny Jrer Ghurfurst G. gemuet vnnd meinung ist, 
Das zu souiel mehrem vnnd besserm ansehen, sonderlich in anwesenheit 
firembder herrschafilen oder Gesauten , hinfuro die Hoff Gantorey an 
Sengem, Organisten vnnd Jnstrumentisten einerley Kleidung an Menteln 
oder Röcken habenn vnd tragen, Darumb wollen Ihre Ghurf. G. desfals 
besondere vorordenunge thun, Ynnd sie sollen semptlich, vnd ein jeder 
vor seinen Mantel! das Blacherlohn von seiner Besoldung jnnebehalten, 
vnd dem Schneider zur befiriedigung zustellen. 

Zum Achtzehenden, Was die Yier Knaben Discantisten anlanget, die- 
selben sollen auch auf einerley Mönir Röcke in zimblicher lenge, als 
bis vber die Knie, vnnd mit engen Ermein haben vnd tragen, vnnd jnen 
dieselbenn jedessmall, so woll sonsten die Wintter vnd Sommer Klei- 
dünge durchaus hinfuro durch Irer Ghurf. G. Hoffschneider gemacht 
vnndt verfertigt werdenn. 

Zum NeufUzehendefiy Sollen Gapelmeister, Gantores, Organistenn vnnd 
Instrumentisten durchaus hinfuro vnter vnnd mit einander, wie an Ihme 
selbst Christlich vnd billich, einigk vnd friedlich leben vnd wandeln, Denn 
Ihre Ghurf. G., bey vormeidung derselben ernsten straffe, vnter jhnen 
kein Yneinigkeit, getzencke oder gebeis noch rauffen od' schlagen habenn 
vnnd duldenn wollen. Da aber ihe zu Zeitenn vnter jhnen missuor- 
standt einfiele, Soll der Gapelmeister dieselbe in der guete zuendschei- 
den vnnd zuuortragen vieis haben, jm fall ehr aber dartzu bei einem oder 
dem andern theill keine folge bette, Soll er es dem Inspectori oder sei- 
nes Abwesenns deme, so er mittlerweile an seine statt vorordenet, an- 
tzeigen, vnd derselbe durch fernere vorhör, oder sonsten nach gelegenheit, 
deme geburliche maass geben vnd aUielffenn, 

Zum Zioentzigstefmy Sollen die Organisten, Instrumentisten vnnd Gan- 
tores, bey straffe, dem Gapelmeister auf sein antzeige hinfuro mehr denn 
bisshero je zu zeiten geschehen, auch wenn ehr etwa Leibesschwacheit 
oder anderer ehafflten gescheffte halben selbst nicht zur stedte sein kann, 
alssdann dem jennigen, weme ehr mittler weil seine stelle zuuorwalten 
befehl geben wirdt, zu rumblicher, guetter vnnd vnuorseumblicher be- 
stellung Ihrer Ghurf. G. diensts vnnd Musica, geburlichen vnndt vn- 
weigerlichen gehorsam leisten, 

ß 



— 18 — 

Zum ein vnd ztornUzigsten, Haben ihre Chmil G. joen, dmn Capei-^ 
meister, Cantoren, Oi^nisten Tond Jnstmmeiitisten in gemein^ Jlirer 
Churf. G. Bath vnnd Oberheuptman, Ditterichen Ton Holtzendorf^ mm 
Jnspectorn gnediglich yorordent vnnd furgesetzt, Vnnd ist hiemit Jlirer 
Gburf. G. ernster Wille vnnd befebll, das sie semptlich ynnd sonderiidi 
gedachtem hm. OberheupUnan, dem von Holtzendorf, audi nach dem 
selbigen dem jennigen weme er seines abwesens befehl thunn wirdt, 
annstadt vnndt von wegen Jrer Churfl G. in allen billichen dingen, was 
ehr, von Jrer Ghurf. G. wegen, jnen, jrem Ampt gemess, heisseru 
schaffen« befehlen, gebieten oder vorhieten wirdt, vnweigerlichen gdior— 
samb vnnd folge leistenn, Ynnd solches alles wie obstehet bej vormei- 
dmig Jrer Ghurf. G« ernsten straffe vnnd vngnade nicht anders halten 
sollenn, Wie sich ohne das Jhre Ghurf. G. dessenn zu jnen semptlich 
vnnd sonderlich, als getrewenn vnd vleissigen Dienern, mit gnaden vor- 
sehen vnnd vorlassenn. 

Zum zwei vnnd zwentzigsten, Jst Jrer Ghurf. G. befehl, Weldie 
personen in oberwenter Jrer Ghurf. G. hoff Gantorey vnnd Musica Jli- 
renn Churfl G. mit Pflichten albereit vorwanndt, das dieselben sollen 
auf diese Ordenung, derselben durchaus gehorsamblich zugeleben, handt- 
gelubdt thmi, Welche aber noch nicht geschworen, dieselben nachmaln 
so woll auch alle, die jennigen, so folgigk angenommen Ynnd bestellet 
werden, Jhren Ghurf G. ai^ diese Jhrer Ghurf. G. Ordenung schweren, 
Ynnd der Eidt von jhnen durch den Jnspectorn und Gapelmeister ge- 
nommen werden, Auch sie sich kegen solcher jrer Bestallunge geburlich 
Reuersiren sollen, 

Zum drey vnd zwentxigstenn^ Wollen Jhre Ghurf. G., Das gedaditer 
Jrer Ghurf. G. vorordenter Jnspector Ditterich von Holtzendorff, von Jhrer 
Ghurf. G. wegen vhestiglich vnnd mit ernst vber dieser jhrer Ghurf. G. 
ordenung ohne vnderscheit vnnd ansehen der personen halte, damit der- 
selben durchaus allendhalben gehorsamblich vnnd vnuorbruchlich gelebt 
vnd nachgesetzt werde, Ynnd die Ybertredter ernstlich von Jhrer Ghurf. 
G. wegen straffen, auch auf vnnd vormuege dieser Jhrer Ghurf. G. or- 
denung alle halbe jhar, oder zum weinigsten alle jhar auf die personen, 
Jnstrumenta vnnd anders, wie obstehet, vnnd sonsten jedessmall wenn 
vnnd wie es die noturfil erfördert, Yiaitation anstellen, Ynnd mit vieiss 
darauf sehen, dass derselben gemess, vnd sonsten zur gebuer, alles or- 
dentlich vnnd richtigk erfolge, Ynnd hergegen alle vnordenung vnnd 
vDgebuer, Jhrer Ghurf. G. zum besten, ernstlich abgeschafil vnd ge- 
straffet werde, Daran geschidit Jhrer Ghurf G. endliche zuuorlessige 
meinung, 



— 19 — 

Des zuurkniit» habeim hoefaerwente Jhre Chmfintlicbe gnaden der- 
selben Daomseqret wissendlich hieronten aufdrucken lassen, Geschehen 
vnd g^eben zu Cöin an der Sprew» Sontags nach dem Newen jhars- 
tage» Nach Christi vnsers hernn ynnd eriösers gehurt, Jm Eintausenden 
Fünfniundert Tnnd Achtzigsten Jhare, 

(L. S.) Manu ppria. 

IftSIV stirbt im Juni der Gapellmeister Weaalius. Er scheint aber 
nicht zum Besten Hiit dem ihm tom Ghurfursten anTertrauten Gute haus- 
gehalten zu haben, denn einige Tage nach seinem Tode erlässt der Ghur- 
fürst ein Schreiben, in welchem er den Beamten der Benihey befiehlt, 
ein genaues Inventarium yon allen Instrumenten und Musikalien aufzu- 
nehmen, die sich sowohl in dem Hause des yerstorbenen Gapellmeisters, 
als bei den einzelnen Musikern oder sonst wo vorfinden möchten. Es 
heisst unter andern darin: 

„Als wir auch in Erfahrung bekommen, dass Vnsere Instrumenta fast 
ungebührlich in Ynordnung. und weder in Acht noch Wartung erhalten, 
sondern einer hier und der andere da ein solches haben und seins Ge- 
fallens brauchen thut, darüber sehen unterschiedliche abhanden gekommen 
und verlohren, welches Yns nicht wenig aufgefallen und befrembdet hat/' 

Hierauf erfolgte nun eine ungemein schwerfällige und weitlüuftige 
Inventur, bei welcher jeder einzelne Gantor und Instrumentist eidlich 
vernommen wurde. Es füllt die dabei statt gefundene Yerhandlung ein 
voluminöses Actenstück in dem Geheimen Staats-Archiv. Auszüge dar- 
aus hat König in seinen Manuscripten gemacht, und aus diesen ist das 
Wesentlichste in dem Aufsatze des Dr. Friedländer abgedruckt, wesshalb 
wir uns hier begnügen, darauf zu verweisen. 

Ift98 wird am 11 April Johann Janniy Ghurfurstlicher Fiedler 
zu St Nicolai, begraben. Da sich dieser Name in dem officiellen Yer- 
zeichniss der damaligen Churfurstlichen Kammer-Musikanten nicht findet, 
so bleibt dahin gestellt, ob diese emem alten Manuscript entlehnte Notiz 
Glauben verdient. 

Am 19. Januar wird der Capellmeister Johann Fabritius mit Jung- 
fer Gatharina Berischem von Brandenburg getraut Auch dieser Name 
kommt nicht wieder vor, nämlich nicht als Gapellmeister. 

In diesem Jahre empfiehlt mittelst besondem Handschreibens Ghur- 
fürst August von Sachsen den George Francke^ „den er auf etlichen 
Instrumenten lernen lassen*S an den Ghurfursten Johann George mit 
dem Ersuchen, ihn in seine Gantorey anzunehmen. 



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BeMMoDg. 

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Hflof Jcrdwü 
Midiel Meyer 
JoadiiiD Premsemikal 
Siegmundi 
Hanns Sdkf&s 
Dieterich Siokm 
Gabriel Lau 
Geoige WaUom 
Greger Sieberi 
Andres Baienäx 
fbrnSMeri 
Ckri$i€ph 
Bartd, Pauker 
Jacob Mer$ 
Hans Hameburg 
Hans Bettel 
Joachim Mor$ 
CapeDineister and 
seine GeseUen 
Philip Uoieart 
Hans Limge 
Hans Eckstein 
Elias Göüing 
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HansJbnfaa. 

IGcfaeljreycr 
Harfe/, Puikcr 
Bätm Bonuiartk 
M&DohMbr$ 
HansAeCie/ 
Elias Gofttiyft 
HansXiMfe 
Hans EdsHeiM 
WSMm Masten 
CbuieAüemmd 
EJSm% Fiedlers ivBSi 



Schuhgeld« Drompter. 
Hans Jarden 
HansSdhiAx 
Dietridi SleJm 
&eger 5&&tfrl 
Jörgen Waldow 
Hans Sieben 
Gabriel Lassow 
Joachim Premsenäial 
SiegqmndPremsenM 
Andreas BatemU 
Christoph Schtbert 



18 


.-- 


18 





18 





18 


— . 


18 





18 


— 


18 





18 





18 





18 





18 






ArchiT. 



Chorf&rst Joachim Friedrich. 

U98 - 1608« 

Anschlag auf die Gapelle. Aus dem geheimen Staats- 



Anscblagk auf die Capelle« 

Capellmeister auf sich und 3 Knaben, den Tisdi bej 
Hofe haben oder das Deputat auf 3 Personen, be- 
kommen 



80 rtl. Besoldung. 



65rti. 


Besoldung. 


65,. 


>» 


30„ 


» 


65 „ 


•1 


65 „ 


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65 „ 


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60„ 


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60 „ 


» 


30 „ 


n 



— 21 — 

Organist Joachim llorfs soll den Tisch oder das De- 

patat haben 
Oi^anist Carl Horuburgk dito 
Johann Homburgk Organist im Thumb dito 

weil er SO fl. aus dem Thmnb wie auch die Panes 

bekommt 
Lautonist Johann Eckstein den Tisch oder das Deputat 
Zinkenbläser Wilh. Masser — — — 

Senger Johann Schmidt — — — 

Jnstrumentist George Hohzke 

— Peter Gabriel 

— Hanns Harsse 

— Gabriel Loss Trumbter hat ohne das den 
Tisdi und Besoldung bei Hoff» der wegen soll er 
der Aufwartung wegen bei den Jnstrumentisten 
haben 25 

Senger Johann Zuriss hat auch den Tisch bei Hofe 

und ein Yicariat im Thumb» bekämt yber das 20 

Senger Johann Meissner den Tisdi oder das Deputat 25 



Der Gantor an Besoldung 

Des Tages ein Stiebichen Bier 

Jährlichen einBJeydt 
Sechs Knaben des Tages 4 wann Essen zu 4 sgr. 

Des Tages 3 Stiebichen Bier 

Uf jeden Knaben ein Kleydt zu 6 rtl. 

Zwölf Kubichen Brot des Tages 

237 rti. 1 gr. 8 pf. 
Diesen Anschlag begleitet das folgende Schreiben. 

iVleinem gnädigsten Ghurfiirsten und Herrn ist bei Jhrer Ghuriurstlichen 
Gnaden Regierung auf die gantze Musica aufgegangen 1975 Thaler» wie 
Torlieget 

Erstlich hat der Gapelkneister Tor sich und 3 Knaben emp&i^en 264 rtl. 

Joachim Morss Organist 142 »» 

Johannes Schmidt Senger 131 », 

Johann Eckstein Lautenist 118 »» 

Peter Gabriel Jnstrumentalist 112 ,» 

Jürge Holtze dito 112 ,» 







655 rtl. 












20rtL 














20 rtl. 


6 


8r. 


8 


pf. 






6 „ 










zn 4 


>gr. 


.60 rtl. 
60 „ 
36 „ 
33 „ 


20 
20 

3 


ff' 

99 







Carl Hornburgk Oiiganisl I^ rd. 

Hans n>nibiirgk Organist im Thnmb 142 „ 

und 50 Gulden Tom Thmnb ond Dooceon. 
Wilhelm Messrel Zinkenbläser 175 „ 

Hans Ehrsse Jntromentalisl 112 „ 

Hans Pole Geiger 112 ^ 

und seinen Tisdu 
Wilhelm Brandt Geiger 150 „ 

Hans Meissner Senger 87 „ 

Hans Zuriss Senger 87 „ 

Gabriel! Lose Jntrumentalist 87 „ 

Wenn nun J. Chnrfiirstliche G. einen fineyen Tisch, wie man die 
Gantzley speiset, geben und eine Tafel-lfaisica, die gott ist, ycd guten 
aussbündigen Gesellen behalten woDen, so konnte man Chuil Gnaden 
an der Musica ersparen 1158 Ihaler. 

Weil] aber in der Churfiirstl. Verordnung audi gedadit wird, dass 
der Cantor zu Collen 3. woU erfahrene Knaben in der Musica halten fioB, 
welche zu Hoffe teglich neben dem Gantore alle Mallzeit ihr Brot und 
Bier, 2 warm Essen, jehrliche Kleidung und der Cantor 20 rtl. haben 
sollen, die in der Capelle neben den Musicanten aufwarten, Jst sokhes 
nicht möglich, denn der Cantor solches nicht verstehet. 

Und wenn man rechnet, was J. Churfiirstl. G. ansehen wird, als 
wenn man auslegt gantz geringe 1 Kulicfaen Brot 2 pf., 1 Qoarter Bier 
4 pf., 1 Mahheit 2 gr., macht es neben des Cantoris 20 rtl. ohae die 
Kleidung 210 rtl. 

Wollen nun J. Churfiirstl. Gnaden die 200 rtl. hinzu legen, so will 
ich neben dem Gapellmeister Jh. Churfiirstl. Gnaden Musica in der Cap- 
pelle also bestellen, dass J. Ch. Gnaden ein gnedigst Gefidlen daran 
tragen sollen. 

Und wenn dann J. C. D. noch einen guten Geiger und Zioken- 
bläser hinzugeben, so sollen Ihre Churfiirstl. G. bestehen als ein Fürst 
im Reich yon so einer kleinen Musica, da so wenig aufgehalten, da man 
sich dann kann umbthun und man 2 gute Gesellen bekommt 

J. Ch. G. dürfim nicht alle einen Tisch speisen. Der Capelmei^r 
hält die 3 Jungen, wie ich Jhr Ch. G. dann, wenn es dieselben begeh- 
ren wird, den A^scJilag' scfarifUich äbergeben will. 

1975 rtl. ist bis Anhero jahrlich aufgewendet 

Nunmehr soll gegeben werden 

415 rtl. Besoldung und Tisch bei Hoffe, 
210 „ dem Cantor wegen des Tisches. 

625 rU. 



— 23 - 

Hiertzü noch 

200 rti., wenn solche noch zu erhalten. Mächenns 

825 rtl. 

1S04« Schreiben des Ghurfiirsien Joachim Friedrich an den Chri- 
stoph von Wellenfelss auf Lichtenbergk. 

Ehrenyester Rath und L. G. 

IjS sind uns die überschickten Austem wohl zugekommen, haben Vns 
auch gar wohl geschmeckt, Ynd thun Vns dessentwegen gegen Euch 
gantz gnediglich bedanken. 

Sonsten mögen Wir Euch nicht bergen, dass sich Vnser Capelmei- 
ster fast alt und verdrossen madit. Derowegen Wir gerne eine an- 
dere qualificirte Persohn zu solchem Ambte haben möchten. Ob Wir 
es nun gleich Janeh ^) unterschiedlich haben antragen lassen, so will 
er es doch nicht auf sich nehmem. Begehren demnach gnediglicb, 
Wolltet den Burzenheusser dahin behandeln, dass er sich zu solchem 
Ambte bringen lasse, Ynd sich aufs eheste bei uns unterthenigst anstel- 
len möge. Wollen jhm solchen Undeihald machen lassen, dass er dabei 
herkommen und damit aller Dinges wohl zufrieden sein solle. Mochten 
wir auch nicht bergen, dass wir Euch mit allen Gnaden wohl gewo- 
gen sind. 

Datum Yestung Güstrin 10. Januarii 1604. 
An Christoph von Wellenfelss auf Lichtenbergk. 

1009« Anstellung des Gapellmeisters Johann EccardL Aus dem 
Geheimen Staats-Archiv. 

Von Gottes Gnaden Joachim Friedrich etc. 

Ynsem Grus zuvor. Lieber getrewer. Es hatt Yns Ynser Gammer Mei- 
ster Hans Fritze unterthenigst berichtet, was er auf Ynseren gnedigsten 
Geheiss deiner Bestallung halber mit dir geredet und darauf femer ver- 
handelt, dass du mit 200 rtl. Besoldunge, ein Gewisses zum Kleide, 2 
Winspell Roggen, 2 Winspell Gerste, 12 Scheffdl Hopfen, 1 Ochsen, 2 
feiste Schweine, Va Thonn Butter, 1 Thonn Kehse, 3 Hammel, 2 Schef- 
fel Erbsen, 2 Scheffel Buchweitzengrütze, 1 Thonn Salz und ein Stein 
Tailich zum Deputat unterthänigst zufrieden. 

Welches wir dir auch nebst Einiger Wohnunge in dem Hause, dar- 
in Herr Johann Btusenius sich bisherr aufgehalten, gnedigst verwilligt 
und deine Bestallung förderlichst darauf zu verfertigen verordenen, dar- 
in auch gnädigst verfahren lassen zu wollen, dass dir solcher unter- 
undeaUioh geschrieben. 



— 24 — 

hak genzlich ad litam bleiben und deine Hausfinni nach demem Abbll 
gleidifalls mit einem nothdürftigen Deputat Tern^en werden soll. 

Die sechs Capell Knaben anreichende, halten wir geneigtest dafür, 
was wir dir Eins for Alles auf dieselben Einhundert und zwantzig Tha— 
ler nebenst zwey Winspell Boggen jehriichen entriditen lassen, das da 
damit unterthänigst woll friedlich sein könnest Wollen Jhnen hierOber 
auch jehriich eine BJeidung, damit sie sich behelffen können, durch un- 
seren Hoffschneider verfertigen lassen. Den andern Persohnen so zur 
Musica nöthigy Seind wir ein Mehreres nicht dann jedem fünf und adit- 
zig Thaler zur Besoldunge, 1 Winq^ell Boggen, 1 Winspell Gersten und 
fiinf und zwantzig gute Gulden zum Deputat, wie sie bis anhero gehabt, 
zu geben gemeint 

Begehren derowegen in gnedigem Befehl an dich, wollest mit denen 
so im Hofflager allbereit Torhanden, dafem sie zur Musica genugsamb, 
dergestallt hierauff schliessen, und die anderen, so du aus Preussen mit 
zu bringen gemeint, also unsertwegen behandeln, Ynd können wir hier 
hienebenst geschehen lassen, dass eben dem Johann Krokem^ weil er 
Vice Gapeli-Meister sein und auf der Beysse bei uns aufwarten, auch 
die Knaben mit unterrichten helffen soll, hierüber etwas, wie du dich 
mit ihm aufs genaueste zu vergleichen, zugeleget werden möge. 

Sonsten haben Wir dir für deine bis Anher geleiste Dienste in 
Preussen so woll, auch zum jetzigen Anzüge und bis anhero beschehene 
Aufwartung, auch dass du dein Anher ziehen desto besser zu bestellen, 
eins vor Alles ein Gewisses zur Begnadigung gewilligt, Welches dir Ynser 
Oberräthe, Inhalts beigefügten Schreibens, in Preussen itzo haar entridi- 
ten lassen werden. 

Versehen Yns hieigegen zu dir, du wirst an deinem Fleis Jns künf- 
tige nichts yermindem lassen, und die Musica, das es Yns zur Zier und 
dir selbst zum Buhm gereichet, anrichten, auch beyde in und ausser 
Hofflagers unterthenigst gebürlich aufgewartet werden möge. Daran be* 
steht Ynsere zuverlässige Meinung. Sind dir mit Gnaden geneiget. 
Datum TangerMünde, 4ten July 1608. 

manu propria 
Ynserm Capelmeister und lieben Getreuen Johann Eccarten. 

Ohne Datum, die Anstellung des Johann Kroker als Yice-Capell- 
meister betreffend. Aus Königs Manuscripten. 

Post Scriptum. 

Uamit du auch desto ehe mit Johan Krokem auf das Yice Capebnei- 
ster Ambt kanst zur handlung kommenn, lassenn wir in gnaden gesche- 



— 25 — 

hen, da» du Am hundert tbaler besoidung Tnd dan das Deputat vnd 
dischgeldt, wie es die andeni Jüstnunentisten haben» versprechen mögest, 
Soli er darauff zu seiner wiederherauskunflt schrifiUiche bestallung er- 
langen, Seindt aber Tor deiner abreise deines vnterthenigstenn schrifiUi- 
chen berichts, wie du Jhn vnd andere behandelt hast, inn gnaden ge- 
wertigk. Es hadt auch zwarr ermelter Kroker an Ynns irnterthenigst 
Supplicirety Jhn in Preussen an deine stadt zum Gapelmeister zubestellen, 
Können aber noch zur Zeit derselben Capell halb, weill es auch ohne 
das in der trawerzeit, nichts gewisses verordenen, Derwegen wollestu 
Jhn nurt alhier zu Ynsem diensten auf obbemelte mass behandeln. Si- 
gnatum ut in litteris. 



Churfbrst J<Aaiiii Sigismimd. 

1609 - 1619« 

ltt09« Eigenhändiges Goncept des Churfiirsten zu einem Schrei- 
ben an die Hof-Renthey vom Uten September, also unmittelbar nach 
dem Tode Ghurfurst Joachim Friedrichs. Aus dem Geheimen Staats- 
Archiv. 

£iS hat uns der Alte Gapellmeister Ynderdhenigste Anzeige gemacht, wel- 
cher gestalt er sich mit unserem gnädigen Vielgeliebten Herrn Vatter, 
Ghristmilden Gedechtnisses, underdhenigst in Bestallung eingelassen, wie 
Jhr solches aus einliegenden Gopien ersehet 

Wie dass wir nicht vorbey können, Sehliggedachten Unseres Herrn 
Yatters handlung zu halten, Wir auch einigen Gapeli Meister haben und 
halten müssen, und er von menniglich gerühmet wird, dass Wir so 
leicht seines gleichen nicht haben können, und ein alter friedsamer stil- 
ler Mann sei, — die Bestallung, auch seinen Qualitäten nach nicht so 
gar hoch, — also haben Wir ihm zusagen lassen. 

Wie Jhr aber aus dem aufgerichten Gontracte ersehet, ist ihm 
freie Wohnung sugesaget worden. So wollet Jhr berichten, dass solches 
Haus alsobald gereumet werde, damit er zu unserer glücklichen Wie- 
derkunft mit seinen Sachen fertig sey und gebührend aufwarten könne, 
Und seindt Wir Euch mit gnedigsten geneigten Willen wol zugethan. 

lOOO 14. Juli. Datum Königsberg. Der Ghurfurst empfiehlt dem 
Churfiirsten von Sachsen Johann Spencer, einen englischen Musicum, 
den der Herzog Franz von Stettin an ihn empfohlen, der sich eine Zeit- 
lang am Hofe aufgehalten, und dessen Musica dem Ghurflirsten ziemli- 
cher maassen Wohlgefallen. 



- 26 - 

lOU wird ein PreusHscker Capellmeister Johann Kroker erwähnt, 
wahrscheinlich derselbe Kroker, den Cburfürst Joadiim Friedrich 1606 
zum Brandenburgischen Yice-Capellmeister bestellte. 

Bestallung des Johann Stenzell, Edlen von Pflichten, zum Rittmei- 
ster und Violisten. Aus dem Geheimen Staats-Ardiiy. Auch in Ab- 
schrift unter den Ms. Boruss. auf der Kön. Bibliothek. 

Nachdem bey dem Ghurfursten zu Brandenburgk, Dnserm gnedigsten 
Herren, der Edle und Hanhaflte Johann Stenzell Edler Herr von Pfiieh- 
ien^ Ritter, der Römisch Keysserlichen Haystät gewesener Fenderich in 
Ober und Unter Ungarn, auch der gnedigen Stadt Dantzig durch der 
gnedigen 72 Hansestädte Jntercession bestallter Rittmeister über 100 
Pferde, sich unlängst in der Person angeben, J. Ghurf. g. seine unter- 
thänigste Dienste anprssentiret, haben Jhr Churfiirstl. Gn., indem der- 
selben itztermelter Her Ton Pflichten von hohen und niedem Standes 
Persohnen, seiner hocherleuchten qualiteten und beywohnenden Geschick- 
lichkeit halber nidit allein mannigfaltig geruhmet und commendiret, 
sondern dasselbe sich so wohl aus denen ansehnlichen Testimonien und 
Zeugnissen, welche er seiner Manlichen Thaten und ruhmblichen Vor- 
richtungen halber vorzulegen gehabt, alss auch seinen teglichen Werken 
gnugsam erwiesen, Yrsach genommen, weil Sie befunden dass er dess- 
wegen, wie Jngleichen dahero dass von Menniglich er vor den furtreff- 
liehsten Fiolisten und Geiger in gantz Europa geachtet und gehalten 
wurde, sehr nutzlich beide zu ernst und zu schimpf zu gebraudien, zu 
dero vornehmen Offidrem und Dienern aufnehmen und bestellen las- 
sen, dergestalt und also, dass er zuforderst J. Ghurf. Gnaden getrew, 
gehorsam und gewertig sein, darnach in denen Sachen, so J. Ghurf. G. 
ihm anvertrauen werden lassen und seines raths darinnen bedurfBg, nach 
bestem und tiefsten Verstände rathen, auch seiner rittermessigen Manhaf- 
tigkeit auch Thaten vorters zur J. Ghurf. G. sonderbahren ErgetzUg- 
keit und Lust sich sowohl bei dero bestallten Hofi* Music insgesarobt 
dieselbe dadurch zu stercken, als auch absonderlich allein (vff J. Churt 
Gnaden Begdiren] mit seiner Kunst aufs lieblichste boren lassen, und in 
Summa alles dasjenige so J. Ghurf. D. zue Nutz und Frommen, Ehren, 
Wohlgefallen, Lust und Freude gereichen mag, mit allem willen und 
ohne Vordruss thun und vorrichten soll. 

Darentgegen und vor solche seine Dienste haben Höchstgedachte 
J. Ghurf. G. Jhme gemeldtem Rittern Herrn Johann Stenzelb von Pflich- 
ten zur jhärlichen Besoldung verordenen lassen, Nemblicben jedes Jhar, 
so lang er in dieser J. Ghurf. g. Bestallung sein und bleiben wird, zwey und 
fünfzig ganzer vollgeschlagener Wochen und jede Wodie sieben Tag, von 



- 27 - 

einem zum andern gerechnet, das Schrot nnd Korn wie dieselbe hun 
Tiele Jhar hero im heyligcai Reiche genge gewest, doch dass er dieselbe 
nicht in emer Summa, sondern uff yier Quartahle wie breuchlidi ein- 
nehmen und fordern mag, über dies einen freyen Tisch bey Hoffe,. es 
sey in der kleynen oder grossen Hoffstuben, wo es ihm am besten ge- 
geJEeJIen wird, {jederzeit vor oder nach der malzeii) Auch do er in Ghurf. 
g. oder yt erlangeten Urlaub in seinen eigenen Sachen! verreysen wurde, 
frey Futter, Mahl und Amlösung m Such, Keller und Stall vor Gelt, 
jedes orts in der ganzen Ghur und Mark zu Brandenburgk durch und 
durdh, die gewohnliche Hofkleidung, so oft die vber Hoff geschieht, soll 
ihme uff. seine Person und seinen Jungen (wenn er sie bekommen wird) 
jedesmal gefolget werden» Saiten kieki und gross, so Yiel er der doch 
notturftig bedorffen wird, sollen Jhm gleichfalls nebenst güthen Golophon 
gereichet werden, und deshalb, wie auch an allem vorgeschriebenen, 
kein Mangel erscheinen. 

Und letztlich, so wollen J. Ghurf. Gnaden sich gegen ihm zu kei^ 
nm Ungnaden, wan ers darnach macht, durdiaus Ton niemanden be- 
wegen lassen, sondern ihm vielmehr alle Gnade und Beförderung erweisen. 

Alles getrewiich und sonder gefehrde zu mehrer Yrkund und Yer^ 
sidierubg dieses allesjJiaben J. Ghurf. g. undt zwar aus sondern Gnaden, 
damit Sie Ihrem Herrn Rittern gewogen, Dero zu dergleichen Briefe 
nicht gewöhnliches Secreth auf diese Bestallung drucken lassen, gesche- 
hen in J. Ghurf. g. Hofflager zue Göln an der Sprew den 4ten Monats- 
tag Februarij des Jhares 1611. 

(L. S.) Hanns Sigismund Ghurfurst ete. 

1014« Des Musici Walter Rowens Bestallung und Eydes Notul. 
Aus dem Geheimen Staats-Archiv. 

Wir Johann Sigismundt ete. 

Yhrkunden und bekennen hiemit, dass wir gegenwertigen Walter Rowen 
zu unserm Musico gnedigst bestellet und angenommen, derge^It und 
also, dass er Yns getrew, gehorsamb und gewärtig sein, Ynsem Nutz 
und Frommen tiberall suchen, Schaden und Nachtheil aber abwenden und 
verhüten soll. 

Insonderheit aber soll er in und ausser Ynserm Hofflager, wohin 
wir ihn etwa Selbsten oder durch Ynsem Gapelhneister zur Auffwartong 
erfordern lassen werden, sich allezeit unterthänigst gestellen und in der 
Musica bester seiner Qualität nach, und wie es zu Ynserem gnedigsten 
Gefallen gereichet, nebst andern seinen Adjuncten fleissig gebrauchen 
lassen, auch sonsten insgemein alles dasjenige verrichten, was einem 
getrewen Musico und Diener gegen seyner Herrschaft zu thun eignet 



- 28 - 

und woli anstellt^ welchem allem er gebührlidi nachzukommen angelo- 
bety und Yqs darauf seine Pflicht abgeleget hat 

Dagegen haben Wir Jhme eins vor Alles zur Järlichen Besoldung 
Tersprochen und zugesaget 400 rtl., jeden zu 24 sgr., dieselbe quarüuh- 
liter aus Ynserer Cammer zu en^fangen, welche Jhme auch hierauf 
richtig also ausgezahlet werden sollen, Sonder Gefehrde Yhrkundlidi mit 
Ynserem Secret Siegel besiegelt und eigen Händen unterschrieben. Ge- 
ben Colin an der Sprew am Tage Johannis des Jhares 1614. 

Eydt. 

Jch Walter Rowe gelobe und schwere zu Gott dem Almächtigoi, 
dem C!hurfursten zu Brandenburgk, in Preussen, zu Gülich, CloTe und 
Berge Herzog, m. g. Herren, als ein Musicus getrew, gewertig und ge- 
horsamb zu sein, Jh. Ghurt Gnaden Nutz und Frommen zu befördern 
und dargegen Schaden und Nachtheil zuvorhuten, Jnsonderheit J. Gh. 
Gnaden bey der Taffel, oder wohin Sie solchs sonst begehren werden, 
nach meinem besten Yermugen, in der Music willig yficuwarten und son- 
sten alles das zu thun was meine Bestallung mit mehrem besaget und 
einem ehrliebenden Musico und Diener gegen seyner Herrschaft gebührt 
und wol anstehet, so war mir Gott helfe. 

Dieser Eydt ist abgeleget zu Colin an der Spr^v im Beisein des Gs- 
pell Meisters. 

1019« Yerzeichniss der Musicanten Ghurfiirst Johann Sigismunds, 
deren Besoldung und Zeit des Dienst -Eintritts. Aus dem Geheimen 
Staats Archiv. 

Verzeichniss der Musicanten Johann Sigismunds, Jhre besoldung und 

wann sie angenommen. 



NieoUau Jungius Capellmeister 


Anno 1612 auf Trinitat. 


1000 rtl. 


Alhreekt Kott Dolcianist 


— 1613 — Trinitat. 


500 — 


Bernhardin Yiolist und Lautenist 


— 1612 — Michaelis 


480 — 


Adam der Pohlniscbe Yiulist 


— 1612 — Michaelis 


400 — 




— 1612 — Trinitat 


300 — 


Nieolttut Siertlehen 


— 1612 — Trinitat 


300 — 


Candllo Cvtharltit 


— 1ß1<2— Micha«!!« 


102 — 



- 29 - 

Jacob Schmidt Fabetist — 1612 — Trinitat 1^2 

Martin Altist — 1612 — Michaelis 96 

Caipar Zengell Tenorist — 1612 — Weihnachten 144 

Martmus Widemarm Bassist — 1612 — Michaelis 192 

nomat Baltx Bassist — 1612 — Trinitat 192 

Baltxer Kirehhoff — 1612 — Weihnachten 164 

^amu Pohl — 1612 — Weihnachten 144 

Barthohmeui Sekuiz Gometist — 1613 — Reminiscero 192 

Zaeharitu HerteU Gometist — 1613 — Reminisoere 200 

Mdehior RostMcr — 1612 — Weihnachten 144 







5716 - 


Auf 12 Capeli Knaben kömbt jheriicben Kostgeld ( 


ohne Korn und 


1 


Bier 




288 — 


Auf die Hemde jberlichen 




24 — 


Auf die Wäsche jberlichen 




24 — 


Auf Scbulgeldt jheriicben 




56 — 


Diese sein Anno 1612 auf Trinitatis angenommen 


1 worden. 




Trommeter und Musicanten so abgefertiget worden. 




Den 4 Trommetem von Prag zur Abfertigung 




242 - 


Matiheus Rolt zur Abfertigung 




300- 


Mauritius Dehne zur Abfertigung 




108 — 


Jürgen Chadansky zur Abfertigung 




144- 




Sumnu 


i794 — 


An die Alten Musicanten Jhr Besoldunge 






Hans van Pflichten Yiolist 




192 — 


Johannes FabriUus Bassist 




192 — 


Christianus Amoldus Altist 




192 — 


Elias Dannenfeld Falsetist 




192 — 


Curitius Tenorist 




192 — 


TThUemann Trommeter und Musicus 




192 — 



Summa 1020 — 
Summa Summarum 7128 — 

JLOIO« Bestalhing des Gapellmeisters Wühelm Brade. Aus einer 
Copie des OriginaUDocuments in den Ms. Boruss. der Kön. Bibliothek. 

Von Gottes gnaden Johan Sigissmundt, Marggraff Zu Brandenbui^k» des 
Heyl. Rom. Reichs Ertz-Gämmerer vnd Ghiufiirst, in Preussen, zu Jü- 
lich, Cleue» Berge, Stetin, der Gassuben, Wenden, auch in Schlesien zu 
Crossen ynd Jägemdorff Hertzogk, Burggraff zu Nürnberg, Fürst zu Rü- 
gen, Graff zu der Marck vnd Rauenspergk, Herr zu Rauenstein etc. Be- 



— 30 — 

kennen hiemidt öffentlich. Das Wir ITtZAe/m Bradm, nachdem Wir gese- 
hen, das o* der Mnsic gewachsen, Ynd Yns daninter m Ynsenn gne- 
digsten geCülen bedient sein kan, für einen Capelhneister anf- Tod an- 
genommen haben, Thnn das, fnd bestellen Jim auch dartxo, in Cnft 
dieses Ynsers brieffes, dergestalt ndt also: Das er Yns gehonam, Trew 
vnd gewertig sein, Ynsem Wolbtand befördern, schaden Tod naditlieii 
aber eusserates semes Termogens abwenden helffen solle. 

insonderheit soll er sidi, da Wir Jhme soldies werden andeoteD 
lassen, so woll im Hofliager als auf Reisen in der aufwaitang allemal 
TOoerdrossen erfinden, Ynd nidits Torbeygdien lassen, wodordi Yw vf 
allerhand Instrumenten Tnd Seitenspiel, benorab bey anwesenden fremb- 
den Herrschafllen, Ehr, lost Tnd ergetzligkeit angerichtet werden bon, 
Jnmassen Wir zu dem behoeff die sambtiiche Jnstrumentisten vnd Ih- 
sicanten an Jhn wollen gewiesen haben, mit befehUch, Das sie sich dem- 
selben nidit allein in diesem, sondern aach wann zoaorhero, ehe dino 
sie sich zur aufwartong einstellen, etwas za probieren were, gebären- 
der massen aocommodiren md mit einander in einigkeit lebefi soDeo, 
damit nicht etwan durch missvorstandt oder Zwist in der aufwartnng 
zn Ynserm schimpff, lauten oder mängell mit ynterlauffen mögen. Da- 
fem aber emer oder der ander hiertzo sidi nicht verstehen wohe, md 
er wüste deren steUen in ander wege znersetzen, hat er Yns zu vei- 
terer Ordnung znberichten. Die Capellknaben aber haben Wir Ynsenn 
Yice Capellmeistem Jacob Schmieden zugegeben, sich auT eifodem da- 
mit zu vnterthenigster aufwartung einzustellen. Jedoch hat es damit diese 
Meinung nicht, das sie gesdieiden, sondern sie schuldig sein sollen, 
nach wie vor, mit denselben, do es von nöthen thut, einstimmen, Das 
übrige, so er zu Ynser Inst Tnd aufinunterung des gemuts mehr er- 
spriesslich zu sein finden wird, stellen Wir seinen qoaliteten anhennb, 
Nicht zweiffeinde, Er werde sich in einem vnd dem andern also Tor- 
halten, als einem Capellmeister gegen seinem Herrn zu thun oblieget 
vnd gebüret, Jnmassen er noch hiemebst auT die itzo Torfaandenen Jn- 
Strumenten nicht allein fleissige achtung haben, damit dieselben wie 
sichs geburet gcdialten vnd Torwaret werden, sondern Yns aodi bey 
seiner antretong ein richtig Jnventarium darüber zustellen solle, 

Dahingegen haben Wir Jhme, eines Tor alles, zur Jähriichen besol- 
duDg FunShundert Thaler, Jeden zu 24 sg., dieselbe von Ynsenn Cam- 
mer Secretario Jokan Strabawen qnartaliter zuempfangoi, vnd do ^ir 
in Ynserm gewöhnlichen Hofliager sein, wochendlich einen Reieb Tha- 
ler Kostgeld, vf der Reise aber Sechs Essen, alle Mahlzeiten, nebest 
nothdnrffligem hier vnd alle tage einen Stoff wein, Frey Losament vnd 
auslösunge, Jtem Zwey Ehren Kleid, so Wir Jhme alle Jahr selbsteo 



— 31 — 

wollen reichen lassen, Jngleichen seinem Sohn Christian Braden drey- 
hundert Thaler za 24 sg., gleich nebest seinem Vater vom gemelten Se- 
cretario zuempfangen, dan auch Kleidung, Stieffein, Schuch vnd andern 
ynterhalt gleich unsem Edel Knaben, gnedigst versprochen vnd zugesagt, 

Befehlen auch hiermit zugleich erwehnten Strabowen, ihnen Wil- 
helm Braden vnd seinem Sohn Christian Braden sothane obbeschriebene 
vnd Specificirte gelder, von Ynsem Gammergefällen berürter massen, 
gegen ihrer quitung, so lange sie in Ynsem diensten sein werden, rich- 
tig zu machen, 

Yhrkundlich haben Wir diesen bestalhmgsbrieff mit eignen banden 
vnterschrieben vnd mit Ynserm Churfurstlichen Secret wissendlich be- 
drucken lassen. 

Signatum Morungen am Tage Reminiscere den f | Februarij Anno 
1619. 



Choritürst George Wilhelm. 

lew - 1640. 

1B90« Die Besoldung der Churfurstlichen Trompeter und Musi- 
kanten betreffend. Aus den Hofstaats Excerpten in den König'schen 
Manuscripten. 

iliese nachfolgende Yertzeichnus der Ghurf. Räthe, Officieren vndt Die- 
ner ist nach dem Modo vndt Ordnung wie sie bisshero bei der Churf. 
Hofrentey in Observanz gehalten, gemacht worden. 

« « « 

Trommeter. 

Denen Trommetem sindt Ao» 1617 ihre Besoldungen zum Theill 

gebessert worden, vndt hatt Ein ieder bisshero gehabt 21 rtl. 21 Sgl. 

Deputatgeldt, 1 W. Bogken, 1 W. Gersten, vndt die gewöhnliche Hoff- 

kieydung. 

NB. Derer noch drey umb diese Besoldung vndt Deputatt itzo vn- 

terhaltten werden. 
Den Sechs reitenden Trommetem 60 rtl. einem ieden an Besoldung, 
vf ein Pferdt Futter vor den Bennen, 27 rtl. 18 sgr. 8 pf. vf ein Pferdt 
Ausslösung. 

Die andern Trommeter, denen keine Pferde gehalten, haben 50 rtl. 
zum Theill, Meistenteils aber nur 40 rtl. zur Besoldung gehabt, vndt 
ist mitt ihnen Oftmals enderung Wegen ihrer Yndterhaldt vorgangen. 



— 32 — 

Musikantm. 

Hans Hamhurgkj Organist in der Kirdien zur heiligen Dreyfaitig- 
keitt, hat 142 rtL 16 sgr. an Besoldung aus der Hoff Bentej, vndt eine 
Hoffkleydung. 

Johann Carüius hatt biss Tf weitere Verordnung, yermüge ChurIL 
Dchl. gdsten Bewilligung» so den 24 Decemb. Ao. 1619 datirt, JährlidieD 
50 rtl. auss der Hoff-Bentey. 

Bald nach dem Begierungsantritt des Ghurfiirsten ergeht der Befehl 
zu einem Bericht über die Verhältnisse der Capelle, Yon dem der oben 
mitgetheilte über die Trompeter ein Theil gewesen zu sein scheint Jacob 
Schmidij kommt diesem Befehl in folgender Supplik nach. 

iJurchlauchtigster Hochgebomer Churiurst, gnädigster Herr. Es ist mir 
anbefohlen worden, Ew Churfurstlidien D. in Unterthämgkeit wahrfaalRen 
Bericht zu thun, was die vorigen Capelhneister an Deputat und Gelde 
wegen der Giqpellknaben gehabt haben, Berichte dero wegen dieselbigen 
mit gründlicher Wahrheit, dass Eccardus, audi Nicolaus Zangius [Wilhelm 
Brade aber nidit, weil er die Knaben nicht habe unterikalten duiffeo] 
Yor ihre Persohn jährlidi zum Deputat gehabt haben, wie folget 

2 Winspel Boggen, 2 Winspel Gerste, 12 Scheffel Hopfen, 1 Ochsen, 

2 feiste Schweine, 1 Thonne Kebse, | Thonne Butler, 3 HamiDel, 

2 Scheffel Erbsen, 2 Scheffel Buchweitzen Grütze, 1 Thonne Sdz, 

2 Nurten (?) Holz. 
Auf 8 Gapell Knaben hatt Eceartus [Zangius aber, weil er 12 Knaben 
gehalten, noch so yiel mehr) gehabtt: 

2 Winspell Boggen, \ Thonne Butter. 

Alle Woche eine Thonne Bier Tom MüUenhofl 

Jmgleichen auf einen Jungen 2 {^. Tischgelt, thut jehrlich auf 8 
Jungen 120 rtl. 

Alle 6 Wochen jedem Jungen 1 Paar Schuhe oder 12 ^., thot 
jährlich auf 8 Jungen 24 rtl. 

Bücher und Pappier Tom Hofe. 

Jedem Jungen des Jahrs 4 Hembden, oder Yor jedes Hemde 20 gr., 
thut Tor 6 Jungens jährlich 24 rtl. 

Wäschegeld vor die Jungens jährlich 10 rtl. 

Schullgeldt, einen prsceptorem daTor zu halten, die Knaben zu in- 
stituiren 24 rtl. 

Freie Wohnung oder zur Haus Miethe 60 rtl. 

Jedem Jungen jährlich 2 Kleider. 
Bitte also gantz unterthäm'gst E. Gh. Durchlaucht, solchs obgemeldtes 
auch zu bekommen. 



— 33 - 

Wann aber Ew Ghnrf. Durchlaucht in Preussen sein werden und 
ich denenselben zur unterthänigsten Auffwartung werde gehorsambst fol- 
gen müssen, so begehre ich in Unterthanigkeit an Statt des Deputats 
wöchentlich auT meine Persohn 2 rtl., Tor jeden Knaben aber 1 rtl. 
Kostgeldt 

Meine Besoldung belangendt, weil die sehr schlecht und nur 200 rtl. 
ist, bitte Ew Churf. D. in Unterthanigkeit, Sie wollen mir dieselbe 
Jhrer gnädigsten Discretion nach, benebenst einem jährlichen Ehrenkleide, 
in Gnaden verbessern, wofür ich dann unterthänigst werde obligiret sein 
denselben bei Tages und Nacht gehorsambst aulzuwarten, auch die Kna- 
ben de^estalt abzurichten, dass Ew. Gh. Dchl. gnedigst soll Wohlgefallen 
und rühmlich sein. Jacob Schmidt. 

Hierauf bewilligt der Ghurfürst 40 rtl. Zulage. 

flOM« Finanzielle Bedrängnisse in Folge der politischen Verhältnisse 
scheinen den Ghurfursten veranlasst zu haben auf Ersparnisse in seinem 
Hofhalte zu denken. Es wurden zu diesem Behufe alle Hofdiener zu 
Protokoll genommen und unter diesen auch sämmtliche Hof-Musikanten. 
Folgende Auszüge aus diesen Protokollen scheinen besonders geeignet 
einen deutlichen Überblick über die zunftartigen Verhältnisse der Chur- 
fiirstlichen Capelle zu geben. 
Dn. Bar. Wedigo de PiOÜitz. 

WalUr Roe. 

Jst ihme Jh. Churf. Durchl. meinung angezeiget, das er fiir alles 
900 rtl. haben solte, doch solte Jh. Ghurf. Durchl. frey stehen, ob sie 
ihme auss der Cammer etwas mehr zulegen wollten. 

Antwortet, es were jetzt eine geschwinde Zeit. Seyen ihme 7 Hü- 
ben Landes im Seihistischen verheissen, aber die nicht erfolgt, dargegen 
ihme essen, trincken, Zwey Kleidung auff ihme vnd einen Jungen ver- 
sprochen, Seye auch damit zufrieden gewesen. Verhoffe, J. Churf. D. 
werde ihme nichts abbrechen. Könne ohne Jungen nicht sein, der ihme 
seine Jnstrumente trage, wenn er kleine Jnstrumente, pand. viol di gamba 
gebrauchte, bedürffe er keinen Jungen, Habe auch einen Jungen auff J. 
Ghurf. Durchl. hochseeliger gedechtnüs begehrentt angefangen zu lernen, 
davor er nichts bekommen. Begehret an Gelde nicht mehr als 900 rtl., 
nur das er Kleider und Tisch behalten müge, wolle sich in der auffwar* 
dtung also bezeigen, dz man mit ihme solte zufrieden sein. 
Laurentius Redamts Lautenist. 

Jst ihme angezeiget, Jh. Ghurf. D. wollen ihme 300 rtl. geben. -^ 
Seye von Jh. Ghurf. Durchl. auss seiner guten gelegenheit erfordert vndt 
verschrieben, habe bey denenselben umb keinen Dienst angesuchet; hoffe, 



- 34 — 

J. Gharf. D. werde das nicht begehren, vnd ihme xum armeD Manne 
machen, habe d* eine grosse mengk nachgezogen» könne darum nidit die- 
nen, verhoffe vieiimehr eine zuIage, weil die mtintze gestiegen, vnd er 
an der Besoldung ein grosses verlieren müsse. 

Koste ihme die Laute viel! zu unterhalten; könne die ohne 46rtL 
jährlich nicht unterhalten. 

Christojfer Sude Ghiterist 
Das er mit 200 rtL in alles zufrieden sein wolte. Könnte darauf 
nicht dienen, begehret seine vorige besoldung. Habe zehen Jahre gedienet. 
Bittet vieiimehr ausszahlung vnd erlaubniss das er wieder in seine hei- 
math ziehen möge, habe seine hausshaltung. 

Joachim Äugustin. 

Ist mit den 200 rti. zufrieden, bittet aber, dass er die 160 rtl. die 
ihm noch wegen Zangy nachstehen mügen gezahlet werden, habe etz- 
liehe vor deme nur 120 rtl. bekommen, wie er deswegen auch hiebeuore 
suppliciret 

Basfista. 

ist nicht zugegen gewesen, wirtt aber auch mit 200 rtl. zufrieden 
sein, weill ihme 40 rtl. zugelegt werden. Damach ist er nicht gekommen, 
Jh. Ghurf. Durchl. meinung angezeigett; seye ein alter Diener, verhoffe 
Verbesserung, könne die Kost auff die Weise sich nicht verschaffen, 
habe auf 1% Quartal also 60 rtl. ^infangs keine Besoldung, wie auch 
nicht das grüne Kleid, so die andere Musicanten zu Königsberg Ao. 1617 
gegeben, wie auch nicht die jetzige Trauerkleidnng nicht bekonunen. bit- 
tet das ihme solcher rest an besoldung vnd Kleidung müge gezahlet werden. 

Christoff Ha$elbergk posaunist 
Jst auch mit den 200 rtl. für alles zufrieden. Doch, dass ihme ver- 
möge übergebener Supplication an Kostgeld zu Berlin restirte, als vom 
7 Decbr. A. 1619 biss den 22 Octobr. 1620. 

Moritz Wend Jnstnimentist. 
Seind ihme in Alles angeboten 300 rtl, bittet um Gontinuirung sei- 
nes vorigen Gehalts, weil es nur 60 rtl., von Hauss konte er von denen 
nichts haben, [ad marg.) 360 rtl. 

Martin Krüger Dulcianist. 
Sein ihme 270 rtl. gebotten. Sagt, ihme unmöglich. Auff den reisen 
vnd auff den Ampten sich selbst Speise zu verschaffen Seye nicht ge- 
bräuchliche, Bey Hoffe vnt gewöhnlidien Hofflager hatte es eine andere 
Beschaffenheit. Wolle im HoflUager umb 300 rtl. dienen, vnd also 30 rtL 
zulegen. 



— 86 — 

MaUhäuss Krüger Violist 
Wohe J. Ghurf. Durchl. ihme jährlich 200 rtl. geben, bittet noch 
umb eine Liyerey Kleidung, dodi ist er mitt den 200 rtl. zufrieden, ver- 
hoffet J. Ghnif. DurchL werde ihme seine besoldung hemachen Teitessem. 

Ambrosim Sckerle. 
Deme auch in alles angebotten — 270 rtl. dz er sich eine Zeitlang 
damit contentiren wolte. Bittet noch Zulage 30 rtl., weill die speisung 
wwe, doch, wen es nidit sein könne, wolle er J. Ghurf. Durchl. nicht 
auss Händen gehen, (ad marg.) Auch 300 rtl. 

Hermann Grimme Gomettiste. 
Jst nicht zugegen, wegen seines entleibten Brüdern des Trompetern. 
Aber Martin Krügern und Ambrosiuss Scherlen gleich zu halten. 
Jacob Schmidt Gapellmeister abfuit. 
Albrecht Koss etiam abfuit 
Brandenburg 1 Febr. 1621 post prandium. 

Do. Barone Wedigone 

presente et proponente. 

Caepar Henschell Trompeter. 

Seindt diesem als Glarinbläser gebotten 2E20 11. vnd den wegen dess 
Lehijungens der auch mitt blasen kann wöchentlich kostgeldt Jähr- 
lich 52 fl. Seindt in allem 272 fl. 

Sagt, J. Ghurf. Durchl. haben ihme alss er angenommen 100 rtl. ver- 
heissen, wolle nicht verhoffen so einen grossen abschlag: habe wegen 
J. Ghurf. Durchl. allerhandt schimpff erleiden müssen. Bittet auch auss- 
Zahlung seines nachstandes auf Bekleidung des Lehr Jungens. Könne 
sich Ton den 220 fl. nicht kleiden, müsse zum weinigsten Jehrlich sich 
machen lassen zwey Kleyder, dz J. Ghurf. Durchl. er ehrlich auffwarten 
könte. Habe vier kleine Kinder, seye ihme unmüglich ausszukommen, 
wolte thun wass ihme immer müglich. 

Fg. her wcdigo etc. Solte es ein Jahr versuchen, darnach könne 
ihm mehr zugelegt werden, wen er nicht könne ausskommen. 

Gaspar: wass einmahll geschrieben, bleibe woll. Wan ihme 300 fl. 
Jährlich geben werden, seye er zufrieden, doch auff zwey Pferde, darun- 
ter dess Jungen dess seinige, futter für den Rennen. Alss den wolte er 
es versuchen auf ein Jahr. Von diesen 300 fl. solte er auch den Jungen 
beköstigen. 

Simon Trompeter. 

Dz ihme Ghurf. Durchl. in allem Jährlich geben weiten 200 fl. Seye 
in den 30 Jahr an Ghurf. Brandenb. Hoffe in Dienst gewesen. Fraget, 
ob er auch ein pferdt darauff haben soke: Ja: darauf ihme Haffer solte 

r* 



gegeben werden. AndtwcHiel: Er teje alt, kdnne nidit woll za pferde 
Tort koonnen. Hr. Wedigo: weide nidil mll rehten. ErUeret sich, e^ 
wolle mit den 200 fl. zufrieden sein, md es ein Jahr yennclien. Bittet 
Ymb ansszahlnng seines Testes, der sich auf 170 rtL belanffen moAle. 
Bittet andi das es 200 rtL fuur die 200 fl. sein mocbtat Jst aber, aiss 
wen er es mit den 200 fl. lenaAen wolte, we^^gangen. 

Hanass Clarin Bläser. 
Solte liir besoldong, bekleidnng, essen md trincken jähiliA haben 
220 fl. vnd auff ein pferdt hafer für den Rennen. Habe in Gnirf. Doichl. 
hochseelig Dienste fast alle das seme ▼o'ldiren. Andi grosse Kranckheit 
aasgestanden, da ihme gar keine zolage geschdien. Seye in scholden ge- 
rathen, wenn er soosten keine ergetzlicfakeit liaben solte, wüste er nidit 
wie er darauss gerathen sohte. Bittet auch nmb Aosszahfamg seines nach- 
stehenden Deputats, auch seines restes, welcher fast 350 rtl. wo nicht 
mehr, habe in drey Jahren keine kleider bekommen, bittet audi dass 
er w^en seiner versprochenen begnadigung Siebenhundert Thaler in das 
Kloster Lindow möchte angewiesen werden. Were ihme auch Yertrö- 
stung geschehen dz er sohe ein primarium haben. Stehen ihme auch tod 
dreyen Jahren 6 Kleidung yndt Ein Trawer Kleidung, bittet, dass die 
besoldung 300 fl. sein muge. Erbietet sich, wen andere mit den 220 zu- 
frieden, wolle er auch zufrieden sein. 

Zachariass Karge» Trompeter. 
J. Ghurf. Durchl. wolle ihme jährlich in allem geben 200 fl. vndt 
futter auff ein pferdt Sey ein alter Diener, habe in die 27 Jahr gedie- 
net, hoffe nicht, dass er solle zurück dienen. Wie doch ein Trompeter 
mit 200 fl. zurecht kommen könte. Er wisse sich darauf m'cht zu halten. 
Er blase eine schwere Stimme. Wenn es 200 rtl. sein milchten, wolte 
er sehen wie ers machte. Signaten Bläser würden an allen hoffen an- 
dern vorgezogen, nach deme müsten sich die andern alle reguliren. Seye 
nicht eines Jeden Ding, Signaten bläser zu sein. — Jst ihme so weit Vertrö- 
stung geschehen, dz man dieses J. Ghurf. Durchl. zum besten eingedenck 
sein wolte, Ob J. Ghurf. Durchl. ihme auss der Gammer etwas mehr, 
doch dass die andern Trompter davon nichts erfuhren, zu legen werde. 

Lambert Bhme Garin Bläser. 
Jn allen 220 fl. vnd auff em pferd futter für den Rennen, habe seio 
Weib wieder inss landt, müste die unterhalten. Habe vntersdiiedlidie 
reisen in diess Land gethan, verhoffe, man werde ihme bey seiner vo- 
rigen besoldung lassen. Wolte an J. Ghurf. Durchl. suppliciren vnd deme 
seine notturft selbst zuerkennen geben. Seye ihme nidit zu thun dz er 
weinig wie zuvom an besoldung haben solte. 



- 37 — 

Zachariass glynich. 
Jh. Gharr. Durclil. wolle ihme 200 fl. flir alles geben. Diene Jetzt 
dem Tierten Ghurfiirsten. Er seye Signat bläser, habe die principall stimme. 
Solle mit dem andern Signat blSser Zachariassen Karges gleich gehalten 
werden. Sagen, wen sie reiten solten, were es Jhr vermögen nicht selbst 
Pferde zu kauffen. Verhoffe Jh. Ghurf. Durchl. werde sie beritten machen. 

Bartoldt Jordan ] . »r« • l i 
Michael Mümicherr'' ™ Königsbergk. 

Peter Lehfnann\ -, 

Hanns Reimar i " 

Jedem über Futter auff ein pferdt für den Rennen, jedem 200 fl. 
haben mit deme was zuvom gehabt nicht zurecht kommen können: doch, 
weill es J. Ghurf. Durdil. also begehre ynd andere Jhre Gesellen also 
angenommen, wollen Sie damit zufrieden sein, der güntzlichen Hoffnung, 
wen sie darbey schaden haben solten. So werde J. Ghurf. Durchl. die 
besoldung yerbessem. 

Heerpaucker Balthasar parkell. 
Jst mit seiner vorigen gemachten besoldung zufrieden, alss 90 rtl. 
2 Kleidung, frey losement vndt tisch bei Hoffe. 

Jacob Schmidt Capellmeister. 

Jn p. Herr Wedigo etc. selbigem J. Ghurf. Durchl. meinung zu sa- 
gen. Wolte J. Ghurf. Durchl. auff ein Jahr ihme 900 rtl. in alles auch 
zu Unterhaltung zweyer Gapell Knaben geben; wan das Jahr umb, vnd 
er J. Ghurf. Durchl. ersuchen werde, sich dieselben weiter zu erkleren. 

Sagt: Er habe 20 Jahr gedienet; verhoffe Verbesserung, verspüre 
dieselbe auch, nur das wegen der Gapell Knaben essen, trincken, Klei- 
dung müge ein vberschlag gemacht werden. Für sich begehre er die 
angebottene Summe zwar nicht Aber die Gapell Knaben dauon zu 
unterhalten seye Jhme unmöglich, möchte bei andern die nach ihme 
kommen, verweisslich sein, dz er sich also eingelassen, vberreichet einen 
vngefehrlichen vberschlag wass auff die Gapellknaben gehen möchte. 

Hr. Wedigo: habe die meinung nicht, dass es allzeit also wehren 
solte, nur biss dz die Rentey etwas wieder in besseren stände kommen. 

Jacob: wenn er den vorlag bette, bette es seine wege, vnd könte 
er zufrieden sein; Aber were in schulden gerathen, wegen geringer ge- 
habter besoldung vnd langsamer Zahlung. Bittet solches in Consideration 
zu ziehen. 

flow wird Valentin Flood, ein MusUlus aus England, als Ghur- 
fiirstlicher Violist erwähnt 



— 38 - 

1099 spielt John Stanley, ein Theorbist, am Tage Michaelis 
bei Hofe. 

IGÜS« Am 6ten October wird Johann Davide ein Musikus aus 
Uambm'gy als Yiolist in der Churfurstlichen Capelle angestellt 

In demselben Jahre findet sich ein Caspar Rose oder Kose als Mu- 
sikus am Hofe erwähnt Das alte Manuscript ist jedoch so undeuUidi, 
dass der Name sich nicht mit Bestimmtheit angeben iSsst 

tG80* Befehl des Churfursten, wie es mit den Gapellknaben ge- 
halten werden soll, die damals nach Art der Stadtmusiker, Lehri>ursche 
und Gesellen, in einem bestimmten Zunftv^bande zu ihren Meistern lebten. 

INachdem Jhro Ghurf. Durchl. zu Brandenborg Ynser gnädigster Hen 
vor diesem Dero Musiko und Jnstrumentisten Marüz Wendenn d»i Ga- 
pell-Knaben HoSbecker, dass er denselben in seiner Kunst unterrichten 
solle, untergeben lassen, yor welche Institution dann Jhro Ghurf. Durchl. 
itzt bemeldten Jnstrumentisten 100 rtl. und 1 Winspel Roghen gnädigst 
bewilligt, undt aber dieses dahin genommen undt verstanden werden 
wollen, ob solte der Jnstrumentist vor solche 100 rtl. und den Winspel 
Roghen den vorgemeldten Knaben selbst zu unteihalten und zu bekös- 
tigen schuldig sein, welches doch Jhro Gurfiirstlichen Durchlaucht Meinung 
nicht gewesen. 

Also haben dieselben hiemit anderweit verordent und dem Hoff- 
Marschalk und Hoff Benthmeistem gnädigst befehlen wollen, des Yer- 
fligung zu thun, dass dem Gapell-Knaben die Zeit über, als er in der 
Lehre sein wird, täglich das gewöhnliche Brot und Bier uff seine ein- 
zelne Persohn wie auch zum wöchentlichen Kostgelde 20 gr. gerechnet 

und abgefolget werden. 

Signat Göln a. d. Spree 21ten May 1630. 

Interessant dürfte es auch sein, die Supplik des Gapellknaben Mar- 
tin Hoffbecker hier aufgeführt zu finden, in deren Folge wahrscheinlich 
der obige Befehl ergangen ist. 

Lihurfurstlicher Brandenburgischer Wolverordenter Hr. geheimbter Rahtt, 
Wollcdler, Gestrenger, vnd Yester, insonders grossginstiger Hochgeehr- 
ter Juncker, mechtiger patron, vnd Forrderer, E. G. seindt meine 
willige Dinste, vnd freindlicher gross in vnterthämgkeitt jeder-zeit zu- 
vor bereitt, vnd kan ich armer Knab E. G. wehemuhtigiichen zu ent- 
decken nicht vmbgang haben, wie dz mein lehrprintz Herr Moritz Wendt 
Mihr berichtet, sampt *) er bei hofe wegen meines Kost geldes, Kleidung, 
Wesche vnd schu anregungk gethan, darauf vom Herren Secretario Stripen 
>) sam = als oh 



— 39 — 

die resdution erfolgeil, sampft Jiiie Ghurfl. Ihirchl. nicht anders wüssten, 
ab dl DBÜir sofches genanter mein Lefcrprintz cooreriren vnd darreichen solte. 

Wan dan die 100 Reisthaler, vod der W. Rogken nur auf die Jn- 
sütalion gemeiiiety MaMen Höchst gemalter Jhro Ghurfl. Durchl. Ynter- 
schriebene YeTgleichongspuDctatmi gantz förmlichen besagtt, vnd auch 
gantz vnfreindlichen sein woke, wen man soihane ein mahl bewilligte 
gnade also eourctiren vnd meinem lehrprintzen wieder oberwente gne- 
digste Yo^leichung vnd Musicalischen gebrauch Solches alles aufbürden 
wolte, beforens weil ich solches alles bey meinem vorigen herren dem 
Standaly bekommen, da doch mehrerwehnter itziger mein lehrprintz in 
der Institution viel ein mehres an mihr wird thun müssen, den dz arti- 
ficium Organicinis Yiel mehr mühe, geschickligkeitt, vnd schwere den 
andere Instrumenta auT sich hatt, vnd dahero ein Jahr 2 oder 3 woU 
mit mihr möchten zugebracht werden, ehe ich mihr selber recht rahten 
möchte können, da den jnmittelst weit ein höhers auf meine Perschon 
gehen, als sich dz gelt für die Jnstution erstrecken würde etc. 

Demnach gelanget an Eure G. mein vnterthaniges hochfleissiges 
Bitten, EL 6. geruhen mihr armen Knaben grossgunstiglichen, gleich wie 
die selben yor diesem in meinem besten vnd nutzen gewesen, dz E. G. 
mich grossgönstigliehen zu dicker Wentem ^] meinem lehrprintz befordertt, 
Also wolten E. G. solches grossgönstigliehen mitt meinem jnädigsten 
herren an derr Weitt^) wiederumb communiciren, vnd die vorgleichungs- 
punctation gönstiglichen ansehen, dz die selbe nicht weiter, als auf die 
Institution gemeinet, meinem gnedigslen herren grossgönstigliehen be- 
richten, vnd die Sach grossgönstigliehen dahin dnrigiren helfen, damit ich 
itemp(»re mone mein Kostgeldt, Kleidung, Wesch vnd schugeldt Zeitt 
meiner lehr würoklichen nach wie vor richtig bekommen, vnd hirin an 
meiner woll angefieingenen Institution nicht behindert werden möge, dz 
kegen E. 6. hin wiederumb mitt meinen getreuwen Dinsten in Ynter- 
thenigkeit zu erwiedrigen erken ich mich in der Zeitt so woll willig 
als schuldig ^ q 

Yntertehnigst williger alle Zeit 
Martin Hoffhecker Capelknabe. 

ICSI entlässt am 18ten October der Ghurfiirst seinen Musicum 
John Stanley^ den sich der Landgraf Wilhelm von Hessen zum Kam- 
merdiener erbeten hat. 



wird am 2ten August die Hof bestellung für Johann Boldt 
zum Cometisten ausgefertigt 
1) dick (d. t. oft) erweniem >} anderweit 



— 40 - 

t0S9« 26tiHi September. BegUUimg des Eduard Adams \ 
mer-Mosikas und HarfemsteiL Er stirbt einer Angabe in Küsten Altem 
and Nenem Berlin zufolge im Jafare 1659. 

Bestallung des Walter Rawe junior, wahrsdieinlidi ein Sohn des Wal- 
ter Roe [Rowe) im Jabre 1621 zum Yiolisten und Kammer-lbisiker. Die 
Bestallung ist aus Tilsit in Preussen Tom 4ten October datirt 

Iten November. Bestallung des Dukianisten Morüx Netänmer zum 
Kammer-Musikus. 

Gleichzeitig wird Eliae Gatilmg als Instrumentalist und Geiger in 
der Cantorey erwähnt 



Der ^osse Chorfbrst 

1640 — 1688. 

schreibt der Ghurfurst unterm 31ten December einen be- 
sonders dringenden Recommandationsbrief an den Rath der Altstadt Kö- 
nigsbei^ für seinen Hof-Musikanten Caspar Hase um ihm die Stelle eines 
Gantors dort zu verschaffen. Seine guten Dienste werden in diesem 
Schreiben besonders gerühmt 

Gleichzeitig findet sich Moritz Wendi als Schloss-Organist erwShnt 

flIMIl kommen die Kunstpfeiffer der beiden Städte BerGn and 
Colin mit der Bitte beim Churfürsten ein, dass ihnen doch vergönnt 
sein möchte, auch auf Hochzeiten, Kindtaufen und andern Zusammen- 
künften mit Musik aufwarten zu dürfen, weil sie bei so langem Einhalten 
(vermuthlich wegen der Landes-Trauer) gar verderben mtissten, weil sie 
doch gezwungen wären, Gesinde auf den Thürmen zur Wacht zu halten. 
Unterm 6ten December befiehlt der Ghurfurst, dass seine sämmt- 
liehen Musikanten künftig zum Hofstaat gerechnet werden sollen, woraus 
hervorzugehen scheint, dass die im Jahre 1621 von Geoi^e Wilhelm 
beabsichtigte Reduction vielleicht Einfluss auf das frühere Yerhältniss 
der Hof-Musikanten gehabt 

. Am 14ten desselben Monats ergeht ein Befehl an die Kammer-Mu- 
sici Christaphel Hasselberg^ Caspar Kose und Walter Rowe den jungem, 
sich wieder bei Hofe einzufinden und mit ihrer Musik aufi^uwarten. 

1049 wird Dietrich Stösch als Musikant erwähnt, mit der Be- 
merkung, dass Ghurfurst George Wilhelm ihn habe in der Musik unter- 
richten lassen. 



— 41 — 

Untenn 14ten Mai effaaUen CkrxHophel Hasselberg der Posaunist 
und Caspar Kose der Gytharist erneute Bestallungen als Kammer-Mu- 
siker, da die frühem Bestallungen in denen Zeit- und Kriegsläuften ab- 
handen gekommen sind. 

Unterm 12ten Juli wird Marüz Belitz als Instrumentist und Kam- 
mer-Musikus auf ein Jahr lang angestellt 



Bestallung des gewesenen Fürstlichen Kammerdieners 
Moriix Neubauer zum Oiuriiirstl. Kammerdiener und Kammer-Musikus. 
Er stirbt 1666 als Kammerrath zu Golberg. 

fl044« Am SOsten August wird Johasm Peters zum Musikanten 
und Yiol di Gambisten bei Hofe bestellt 

Am 24sten October eben so Ambrasius Schiele. 

fl04G« Der Ghurfürst empfiehft seinen Harfenisten Wolff' Teubener 
an den Herzog August von Braunschweig. Er eriiält dort sofort Dienste, 
weil der Herzog wirklich ein grosses Wohlgefallen an dessen Musika findet 

28ten Januar. Bestallung des WUkelm Karges zum Kammer-Musi- 
kanten und Componisten. 

Am 3ten März wird die Besoldung des Musikanten und Vioiisten 
Ämbrosius Schalen auf anderthalbhundert Thaler yerbessert 

Am 22ten September soll Caspar Cuse (wahrscheinlich der schon 
mehriach erwähnte Kose oder Rose) zum Gäpelkneister an der Schloss- 
kirche zu Königsberg in Preussen bestellt werden. Es scheint ihm in- 
dessen dort nicht gefallen zu haben, denn 1647 tritt er wieder mit der 
alten Besoldung in die Ghurfurstliche Capelle zu Berlin. 

1049 verlangt der Ghurfürst Vorschläge zur Bestellung der Yo- 
cal-Musik im Dome von dem berühmten Cantor Johann Crüger an der 
Nicolaikirche. 

Unterm 7ten März wird Walter Rou>e der ältere, der bereits dem 
Grossvater und Vater des Ghurfürsten 33 Jahr gedient, sonderbarerweise 
abermals zum Kammer-Musikus ernannt Als Gehalt bezog er 300 rtl. 
und an Materialien 1 Ochsen, 3 Hammel, 1 Schwein, ^ Tonne Butter, 
^ Tonne Käse, 2 Scheffel Eri)sen, 2 Scheffel Buchweizen-Grütze, 1 Gent- 
ner Talg, 8 Scheffel Roggen und 8 Tonnen gutes Bier. Walter Rowe 
wird übrigens in der „Kürbs-Htttte von Heinridi Albert^', einem selten 
gewordenen musikalischen Buch, als ein bedeutender Künstler gerühmt 

Am 23ten December wird Hans Peter Hertner als Kammer-Musikus 
angestellt, dessen Vater Kupferstecher zu Königsberg in der Neumark war. 



— 48 — 

IMM»* Aonog «tt daa BefloUhmgs^tet ntanintlidier Chatfirsl- 
Uehen HolbedieDlen unter Ghurfünt Friedrieb "H^heim dem Gtomiu 
SeUam Kücken Camiarey* 

1) Capellmeister Johann Böse [Lose) (hier ist der Name abennals mt^ 
dm geschriebeD) bekonml 1000 Bfaarfc, 132 Mark KaabeiikleidiiDg, 56 
Scheffel Malz, 7 Sdiodt grosse lichte, 2 Achtel Butter, 6 Achtel Holz, 
30 Scheffel Roggeu, 1 Odisea oder 40 Mark, und 60 Mark zum Haosziiis. 

2) CapelM)i«Must JMafm Vu^rims 269 Mark 48 SchilUng, 26 Schef- 
fel Roggen, 1 Schock Bawhfisch, 1 Tonne Banch, 6 Tonnen Bieiv 2 Ach- 
tel Holz, 1 Holkleid oder SOMarL 

3} Capell-yorsinger 334 MarL 

4) Saai-Oi^anisti) 234 Mark nnd 1 Achtel Holz. 

5) Saal-Yorsinger 309 Mark, 1 Aditel Holz. 

Am 6ten Febniar wird Patä Pretmt (Geh. Archir-Rath Riedel 
nennt ihn in seinem Ao&atz über die Chatulle des Grossen Giarfiirsten 
Prero) zum Kammer-Mosikus bestellt Er war Sänger. Ob aus Italien 
oder Belgien, darüber streiten Ycrschiedene Angaben. Er erhielt 400 rtl. 
und 4 Jahr später noch 200 rtl. Zulage (siehe weiter unten), dann 1659 
den Abschied und 1660 am 9ten NoTember eine Empfehlung vom Chur- 
fursten an den Churfursten von Sadisen. 

Der Eid desseften lautet: 
xuisque qu'il a pleu ftu Serenisshne Prince et Seigneur, le Seignetir 
Frederic GuiUeaume Maiquis da Bnndebouig et Elecieur du Saint Em- 
pire etc. etc. Mon Prince el Seigneur tres dement, de me (Prevost) eii- 
ployer en leur seniice en qualiti de MoaieieB, je promets et jure sur 
mon ame que je veux:estre loyal k nndre hnmbles est tres fideles 
seruices k sa Serenit6 electorale aekrn mon pouToir et comme il appar- 
tient k un fidMe serviteur et Musicien tant et quant des fois il plaira 
et sera agr^able k Sa dite Ser^ Alt Electorale. Ainsi que je desire 
que Nostre bon Dieu me seit en aide et sa saincte Parol. 

Ad marginem: Diesen Eydt hatt der Musikant den ^ Februar zu 
Petershagen geteislet und abgelegt 

Am 5ten September wird Zacharias Madra zum Kammer-Musikus 
undViolisten bestellt In einer besonderen Bemerkung wird ihm Torge- 
halten, dass der Churfiirst ihn habe die Musik lernen lassen, er also 
nicht viel verlangen könne. 

flOttfl befiehlt der Ghurfurst von Cleye aus, dass sein Musikus 
und Yiolist Ambrosius Scherte sofort aus Berlin nach Cleve kommen soll, 
um dort aufzuwarten. 

t) Es war auf der Ost-Seite des Schlosses ein Saal zom Gottesdienst fdr die Landes- 
hemohaft yorbanden» wo dieser Saal^Organist Dienst kalte. 



- 48 - 

t65«. Am 18len JuU erkilt Blarius Markmmk den Befehl, ver- 
schiedene musikalische Instrumente für die Hofcapelle anzufertigen. 

flSJM« Der Sänger und Kammer--Blusikns Prevosi erhält eine 
Gehalts-Yerbesserung. (Aus dem Geheimen Staats-Archiv.) 

JMachdem Sr. Ghurfurstlichen Durchlaucht Unserm gnädigsten Herrn der 
bestallter Sänger und Gammer Musikant P. Prevost in aller Unterthä- 
nigkeit gehorsambst zu erkennen gegeben, welcher gestalt bey anderen 
Potentaten und Hoffen ein weit Mehreres, als ihm bishero von Höchst- 
gemeldter Sr. Ghurf. Durchlaucht zugeordent worden, zu seiner Bestal- 
hing und Unterhalt erlangen konnte, auch sonderlich weil die Stimme 
veränderlich werde, er darauf keine gewisse Hofihung zu bauen noch 
zu fussen hätte, sich bei Zeiten imd weyl sie noch wehrete darumb umb- 
tbun müste, wie er anietzo etwas vor sich bringen und zu seinem künf- 
tigen Nutzen bei herannahendem Alter deponiren möge, Also haben 
höchstgemeldte S. Ghurfurstliche Gnaden solches Alles in gnädigste Gon- 
sideration gezogen und ihm nicht allein zu vorigen 400 rtl. noch 200 in 
Gnaden zugelegt, sondern auch den Tisch bei Hoff in der Küchenstube 
zugestanden und versprochen. Erklähren sich auch hiemit gnädigst, dass 
so baldt ihm ein anstehendes gutes Schultzengerii^t sieh öffnen würde, 
solches ihm in Gnaden zugewandt und er liarin Allen andern pr»feriret 
und vorgetzogen werden soIL Urkundlich 21ten May 1654. 

O. V. Schwerin. 

Nachgetragen. Im Übrigen auch, wenn er inskünftige w^en Ab- 
gang seiner Stimme die jetzige Aufwartung nicht lange versdien könnte, 
dennoch des&lls von S. GhHrf. Gnaden nidit Verstössen werden, sondern 
allezeit mit einem guten Unterhalt versehen werden solle. Wie denn 
auch S. Ghurf. Gnaden, wenn sie nur die Gapell-liusik recht bestellt 
finden, ihm vor allen anderen zum Capellmeister gebrauchen wollen. 
Inmittelst aber soll er, so oft es begehrt vnrd, auch in der Kirche zur 
heiligen Dreifaltigkeit mit aufwarten. 

Am 2ten Januar. Bestallung für Johann Friedrich Eklmg zum Yiol 
di Gambisten. Auch diesen hatte der Ghurfiirst unterrichten lassen. 

Am 6ten Juni lässt sich Pasquale de Bianchiy „ein Italiener aus 
Italien *, der ganz blind geboren, auf verschiedenen Instrumenten bei 
Hofe hören. Er war nach Berlin gekommen und hatte Empfehhingnin des 
Kaiserlichen Hofes, mehrerer Ghurfiirsten und Fürsten, bei denen os 5id{ 
bereits hören lassen, mitgebracht. 

flO&V« Schreiben des Ghurfursten an die Joachimstfaalschen Sehul- 
directoren. (Aus dem Geheimen Staats-Archiv.) 



- 44 — 

Ynsere yeste Hochgelahrte Bätfae and Liebe Yeitraate. 

Demnach wir gerne sehen möchten, dass Künftiger Zeit gegen un- 
sere Wiederkunft in die Ghur Mark Brandenburg die Musica in der 
Thumb-Kircbe zu Colin an der Spre dei^estalt möchte angeordent werden, 
dass die Psalmen und Gesänge auf 4 Stimmen gesungen und darunter 
neben der Orgel Yon unsem Musikanten gespielet und von der gantzen 
Gemeinde mitgesungen werde, Yndt aber ein Gappel Meister dazu yon 
nöthen sein wirdt. Also wollet Jhr mit unserm Musikanten Haselberg 
deswegen reden undt benehmen ob er sich wohl unterstehen wollte die 
Direction dieses Werkes auf sich zu nehmen und zu föhren. Dafem er 
aber sich dessen weigere oder nach Eurem Gutfinden noch nicht bequem 
dazu sein sollte, so könnt Jhr mit dem Gantor Krüger desshalben Euch 
besprechen Yndt sehen wie man aufs genaueste mit ihm handle, damit 
er die Direction der Musique annehme, Ynd etzliche Jungen aus der 
Schule dazu zu gebrauchen undt zu dem Ende fleissig zu vermögen. 
26ten Februar 1657. 0. v. Schwerifu 

Wilhelm Caroy Hof-Musikaut wird in den Besoldungslisten des 
Hofstaats erwähnt 

MaUhäus Strebelow erhält den Befehl, Walter Rawen und JqH. PeU 
Gertner auf der Yiol di Gamba und andern Instrumenten zu unterrich- 
ten. Dies ist um so aufhllender, als Walter Bowe der jüngere» der hier 
doch nur gemeint sein kann, bereits 20 Jahr in der Capelle diente. 

1059 kommt ein Christian Paschke als Kanuner-Musikant Tor. 

ISftO^ 20ten April, erfolgt die Bestimmung, dass dem Kammer- 
Musiker Prevost seine Assignation yon 450 rtl. 'auf die Accise ausgeziAlt 
werden soll. 

30ten Juni befiehlt der Ghurfurst, dass der Orgelmacher (sein Name 
wird nicht genannt) die schadhaften musikalischen Instrumente der Ga- 
pelle repariren soll. 

Am 19ten October erhält Prevost seinen Abschied, nachträglich aber 
am 7ten November noch 200 rtl. als Geschenk. Es wird in dem des- 
falsigen Schreiben gesagt: »»wegen gegenwärtig noch verheerenden lei- 
digen Kriegs^S und weiterhin: ^Wenn er wiederkommt, soll er wieder 
angestellt werden'^ 

lOOO« Supplik des Sängers Paul Prevost an den Gburfiirsten. 
Aus dem geheimen Staats-Archiv. 

Mon Seigneur! 
Ayans eu l'honneur de seruire Yostre Altesse Serenissime HEspasse 
d'onse ans et que sa dite Altesse m'ayans promis toutes les helles dioses 



— 45 — 

que gar^OD pouToit esperer de ma profession, fai 6i6 contraint, ne les 
pouYans obtenir, de demander la Gmse d'un Conger, lequel estant ob- 
tenu, j'ose de surplis demander une lettre de Recommandatioii et an 
Pasport pour aller vers I'Electeor de Saxe, comm estant le plus proce 
des Pays de Y. A. S. et lay rendre mes seruices, sy luy peuuent estre 
agr^ables, Ce que faisant ie serois oblig^ de prier Dieu tous les jours de 
ma Yie pour le Salut de Yos Altesses Serenissimes 

Me dire en toute humilit^ 

le trto humble et tr^s ob^issant seruiteur 
P. Prevost Musicien. 

Darauf erhielt er folgende Empfehlung an den Ghurfursten von Sachsen. 

Vnser Durchlauchtigster Fürst, Freundlicher lieber Herr Yetter, Bruder 
und Gevatter. Nachdem bei Uns Übeihringer dieses Dnser Gammer- 
Musicant Paul Prevost eine geraume Zeit aufgewartet, und sich wegen 
seiner sonderbahren Manier xumahl in der Yocal Musik sehr beliebt ge- 
macht, also dass Wir denselben längere Zeit in Ynseren Diensten con- 
tinuiren mögen, wann er nicht selbst auch bei Anderen Potintaten undt 
Herrn Hoffe sein Fortun zu suchen und sich mit seiner Kunst berühmt 
zu machen yerlangt habe, derogestalt Er uns denn absonderlich zur Er- 
reidraag solcher Intention Ew Liebden sothane Person zu Dero Diensten 
freundvetterlichst zu recommandiren unterihänigst ersucht, 

Alss haben Wir Jhme solches, Zmnahl «bey gegenwärtiger noch ver- 
hängter Trauer, nicht verweigern mögen. Ersuchen demnach Ew Liebden 
Freund Yetterlichst, Sie wolle Obengenannten Prevost nicht alieine nach 
der guten Gelegenheit hören, sondern auch in Dero Dienst auf und an- 
nehmen Jhro gefallen lassen. Yndt wie wir nidit zweiffeb, dass Ew Lieb- 
den an seiner Aufwartung ein sondeihahres Yergnügen tragen werden, 
also wollen Wir nicht unterlassen — Deroselben bei allen Occasionen 
hinwiederumb angenehm Freund Yetterlich Dienst zu erweis^i, wozu 
Wir Ew Liebden jederzeit geflissen bleiben. 

Golln 9ten November 1660. 

In diesem Jahr erschien am 27ten September Herr Johann Talcisky, 
ein „vornehmer Musikus aus Polen" in Berlin, spielte bei Hofe und ver- 
heirathete sich später in der Marien-Kirche mit einer hiesigen Bürgers- 
tochter. 

lOOl erhält David Adams, der älteste Sohn des Harfenisten 
Eduard Adams, jährlich 100 rtl. und die Erlaubniss, 3 Jahre auf Reisen 
zu gehen um sich auf der Yiol de Jambe und Harfe zu perfectiontren. 
Sein Schwager war der Kammer-Musikus Strebelow. 1670 wurde er bei 



- 4« - 

seiner Btickkehr zum Kaouner-BfusOnis bestellt, und erhielt 1672 die 
Eriaubniss zu einer Reise nacb England. 

lOSS^ am 19ten November, wird MaUhias Strebelau, der bis jetzt 
eine Art von Probezeit bestanden zu haben scheint, definitiv zum Kam- 
mer-Musikus ernannt 

Gleichzeitig erfolgt auch die Bestallung des Johann Gohl, eines Sohnes 
des Churfurstlichen Tafetdeckers Peter Gohl, zum Kammer-Musikus. Auch 
hier fehlt die Bemerkung nicht, dass der Churfürst ihn habe die Music 
lernen lassen, weshalb er sich mit Wenigem contentiren müsse. 

1BB4« Ghurfürstlicher Befehl vom 2ten Mai, dass des seligen Ca- 
pellmeisters Wittwe die Besoldungsreste ihres Blannes erhalten solle. 

lOSA findet sich ein Harfenist Adam K(mpf als Kammer-Mo- 
sikus zum erstenmale erwähnt 

lOAV« Am 3ten Januar. Bestallung des Heinrich Bödeker zum 
Kammer-Musikanten und Organisten. 

Unter den in der Gapelle damals gebräuchlichen Instrumenten wer- 
den folgende besonders genannt: Bass-Yiol-di-Gamba, Discant-YioI-di- 
Gamba, Bandor, Duician, Discant, Violin und Harfe. 

flOVi« lieber den 1657 schon erwähnten Johann ErUger, Caator 
und Musikdirector der Nicolaikirch^ giebt eine Notiz in der Königschen 
Manuscripten- Sammlung auf der KönigL Bibliothek folgende nähere 
Nachricht 

„Dieser voiirefflicfae Musikus und Componist, mein ehemaliger ge- 
treuer Präceptor, hätte seiner Geschicklichkeit und Tugenden wegen, wenn 
es der Höchste mcht besser gefunden, mehr Glück und gute Tage ha- 
ben sollen. 

Wie aber Frömmigkeit und beständiges Aushalten bey der göttlichen 
Wahrheit auf Erden gar selten belohnt wird, sondern dermaleins vor die 
Angesichte Gottes seinen Buhm haben soll, also hat der seelige Hr. Crii- 
ger auch dahin sein meistes Absehen gehabt und bei solchem Mühseli- 
gen Schul- und Kirchendienst bis in die Grube es an treuen Fleiss nicht 
ermangeln lassen. 

Es wollten ihm zwar S. Ghurfurstliche Durchlaucht zu Brandenburg 
Friedrich Wilhelm der Grosse zum Gapellmeister an Dero Hofi'-Kirche 
zur heiligen Dreifaltigkeit haben, allein einige hofiarthige Musicanten hin- 
derten solches auf Mancherlei Weise und wollten ihn pro Directore Mu- 
sic® Electoralis nicht annehmen, weil er ein stiller und ihnen ein alkn 
dehmütfaiger Mann war, welcher sich vor den Augen der Stoltsen nicht 
stadtlich genug halten wollte. Einige bei HoflPe hielten dafür, dass er 



— 47 — 

gar m Luthers und der Reformirten Kircke unanständltich wac, Miob dan- 
nenher unter solchen Beneider und fiirwitzigen Richter fai seinem Pul- 
vere Scholastico sitzen und starb darüber hin in gloris. 

Sein Schwiegersohn, der berühmte Anspadische Hofmaler Joh. Michael 
EirtCy dessen Eheliebste er in primo matrimonio mit einer Aschenbrenner 
erzeuget, hat ihm zu Ehren ein recht kiinsttiches und ähnliches Bild mit 
eigenen Händen gemalt, welches seine hinterlassene Wittwe oder letate 
Ehefrau in der St Nicolai Kirche bei dem fordersten Altar an einem 
Pfeiler hat aufrichten lassen." — 

Ueber das Leben dieses merkwürdigen Mannes siehe auch Lang- 
becker, Joban Crügers Choral lUelodien. Berlin 1835, Eichler, wo dieses 
Document mitgetheilt ist 

Im April stirbt der KamoMr-^usikanft Walter R^^Mj an seine Stelle 
kommt am 6ten Juli Jacoh HeiäckkaL 

flOVtV erhält unterm 12ten März der 'Capellmefster Johann Seha^ 
sUani die nachgesuchte Auszahlung seiner restirenden Besoldung. Ueber 
seine Anstellung findet sich nichts. Wahrscheinlich ist sie 1665 erfolgt 
Er war auch Gomponist und hat die geistlichen und weltlichen Lieder 
der Frau Gertraud Müllerin geborenen Eifflerin in Mudik gesetzt Sie sind 
1675 zu Hamburg in Folio erschienen. tJebrigens erhielt er in diesem 
Jahr auch noch einen erbetenen Zilsdiuss bei seiner Yerheirathung. 

Am 13ten Juli erlasst der Ghurfätst einen strengen Befehl an den 
Kammer-Musikanten SehwartMt^ der dem Kammer-Musikus Joh GM 
Geld schuldig ist, wonach er diesen nach und nach befriedigen soll. 

Am 16ten Juli lässt sich die jiM$che Sängerin Preimchm bei 
Hofe hören und erhält dafür eine AssignatiOn TOn 20 rtL auf die GhatuUe. 

1GV4I« 5ten Februar. Bestallung des Lautenmeisters Esaias Reuse- 
ner zum Kammer-Musikanten. 

flOVIk 7ten Februar. Bestallung dos Joha$m Lösmiitz^ zum Chur- 
fiirstlichen Yiolisten. Er stirbt 1706. 

IGW« Uten Januar. Bestallung für WUhehn Ludwig Vogelsang, 
der zu seiner Perfection grosse Reisen nach England und anderen Lan- 
dern gethan, zum Kammer-Musikus und Yiol di Gambisten. Er erhält 
200 rtl. Besoldung. 

1GV9^ lOteu Juni, wird Samuel Peter Sydow als Musikant an- 
gestellt und gleichzeitig zum Director bei der Musik ernannt 

IBSOft 15ten Blai. Bestallung des Peter Grünawer zum Kam- 
mer-Musikus. 



— 48 — 

lest. Christum Ermt Bieck tritt als Kammer-Musikant in die 
Ghuriürstliche Capelle ein. Siehe über ihn den Absdmitt der Geschidite 
der Oper in Berlin unter König Friedrich I. 

Am 22ten Decembw. Bestaihmg von Pierre Potot zum Hautboisten 
und Kammer-Musikanten. 

An demselben Tage wird audi Fran/gcis Baaregar (wahrscheinlich 
Beauregard) angestellt 

flOSS» 20sten Januar. Bestallung für Bans Caspar Cantius und 
Carl Friedrich Rieek als Kammer-Musikanten. 

flOStt befiehlt der Ghurfürst unterm 2ten Januar» dass der Mu- 
sikus Ludwig Besemann die Paukerkunst erlernen solle. 

IIISO erlässt der Ghurfürst ein Decret fiir die Handhabung der 
Direction sämmtlicher Schloss-Instrumentisten. Es ist an Peter Sydaw 
gerichtet und enthält fast nur Sitten-Yorschriften. Dieses ist das letzte 
Documenta welches sich aus der Zeit des grossen Ghurfiirsten erhalten 
hat Wir können diesen Absdmitt aber nicht schliessen, ohne das anzu- 
führen, was der um die Vaterländische Geschichtsforschung so verdiente 
Hof-Archivrath Riedel in seinen Aufisätzen über die Ghatullen-Einrichtung 
des grossen Ghurfürsten in Bezug auf die Gapelle sagt: 

»besonderen Werth legte der Ghurfürst auf seine Gapelle. Unter 
den Kammer-Mus&anten waren besonders der Lautenist Elias Reussner 
(andere Documente nennen ihn Esaias Beusener) beim Ghurfürsten sehr 
beliebt, auch galt der Musikus Johann Jacob Heuskel für einen grossen 
Virtuosen. Beide bezogen das damals sehr hohe Gehalt von 300 rtl. 

Im Jahre 1654 kam bei der damahgen Reduction des Kammer-Per- 
sonals auch eine Einschränkung der Ghurfürstlichen Gapelle in Vorschlag, 
wobei man dem Ghurfürst vorstellte, dass er nur wenig in seinem Hof- 
lager sei, daher auch von seinen Kammer-Musikanten sehr wenig Ge- 
brauch mache. Doch der Ghurfürst erklärte, er möge seine Musiker m'cht 
Verstössen, und traf daher, um sie mehr zu beschäftigen, folgende An- 
ordnung. Die Kammer-Musiker sollten alle Sonntage und Donnerstage 
unter Christoph Hasselbergs Leitung in der Domkirche aufwarten. Die 
Psalmen und andere Gesänge solh;en von ihnen (wie bereits unter des 
Ghurfürsten Augen früher ein Versuch damit angestellt worden] vier- 
stimmig gesungen und mit Instrumental-Musik begleitet, zum Gesänge 
aber einzuübende Knaben aus den Gymnasien zu Hülfe genonmien wer- 
den. (Wir haben das Original-Document beim Jahre 1637 mitgetheilt) 
Würde ein Kammer-Musiker sich dieses ihm aufgelegten Kirchendienstes 
weigern, dann sollte man denselben entlassen. Indessen blieben alle Hu- 



— 49 — 

siker im Dienste, da sie sich sämmtlich bereitwillig der ihnen auferleg- 
ten Verpflichtung unterzogen, und ausserdem musste noch der Gantor 
an der Nicolai-Kirche, der bekannte Choral-Gomponist Krüger unter 
dieselben aufgenommen werden, um die Stelle eines der Gburfiirstiichen 
Capelle mangelnden Bassisten zu vertreten. 

Uebrigens bestanden die Kammer-Musikanten vorzüglich in Sangern, 
Harfenisten, Lautenisten und Organisten. (Dieser Angabe widerspricht das 
weiter oben gegebene Yerzeichniss der damals gebräuchlichen Instrumente 
vom Jahre 1667.) 

Von den Ghurfurstlichen Trompetern wird gesagt, dass sie aus 
15 Mann bestanden hätten, die vorzüglich dazu dienten, um bei Hoffesten 
nach alter Sitte die ankommenden und abgehenden Glüste „em und aus 
zu blasen**' (pax intrantibus, salus exeuntibus}. Ausserdem wurden sie bei 
Tamieren, öffentlichen Aufzügen und dergleichen Gelegenheiten gebraucht 



Chnrf. Friedrich m, von 1701 König Friedrich I. 

1688 - ms. 

10S9« Am ISten März conGrmirt und bestätigt der Ghurfurst 
den Peter Sydoto als Director der Gapelle, so wie die in dem Decret 
seines Vaters 1686 gegebenen Vorschriften Tür Handhabung der Disciplin 
und des Anstandes unter den Kammer-Musikanten. 

ft090^ Uten November. Bestallung des Ephraim Linigke zum 
Kammer-Musikanten an die Stelle des verstorbenen Peter GohL 

JIO9I9 Iten Mai. Gottlieb August Petzoldus und Christian Leh- 
mann werden Kammer-Musiker. 

Im November engagirt der Ghurfiirst den Gomponisten Ruggiero Fe-- 
deli mit 500 rtl. und Niccoto Orio mit 400 rtl. für die Gapelle. Der er- 
stere wird 1701 als Gapellmeister in Berlin erwähnt. 1705 componirte 
er die grosse solenne Trauermusik bei dem Leichenbegängnisse der Kö- 
nigin. Man hat auch ein Magnificat und den HO Psalm von seiner Gom- 
position und zwar beide für damalige Zeit ungemein stark instrumentirt. 
(Gerber.) Von Niccolo Orio ist nichts weiter bekannt; vielleicht war er 
mit dem 1667 in Italien berühmten gleichnamigen Sanger verwandt. 

Zusammen mit diesen beiden kam auch ein andrer Italienischer Mu- 
sicus Niccolo lohann Quivatte nach Berlin, und sang bei Hofe, scheint 
aber wieder abgereist zu sein, da sich weiter keine Notiz über ihn findet. 

s 



— 50 — 

1^ 2teii April, tritt Gcäfried P^msek in die Capelle. Siehe 
die AnmeriniDg zur Seite 43 der Geschichte der Oper. 

22teo NovembOT Volumier eben so. — 

Gleichzeitig (im NoTember) stellte der Chnrfiirst den berühmten Anio- 
nio Francesco MoscaUUi aus Mantua als Theorbist mit 500 rtl. Gehalt ao. 

109S wird Raddeut zum Capellmeister m Preuuen emaDot, 
wahrscheinlich der Titel des ersten Cantors und Organisten an einer 
Kirche in Königsberg. 

fl09A wird ein Churfiirstlicher Singer Baron erwähnt 

109S^ 7ten Februar. Bestallung des Tramp zum Kammer-Mo- 

SiCUS. 

lOten Juli. Decret des Churfiirsten, dass die Capellmeister bei der 
Schlosskirche, freien Tisch in dem Kammer-Etat haben sollen. 

14ten September. Die Ernennung des bisherigen Kammer-Musikao- 
ten Carl Friedrich Riech zum Director der Churiiirstl. Kammer-Mosik. 

30ten November. Ordre des Cburfürsten für den eben erwähnten 
Kammer-Husicus Tromp wegen der Truppe Hautboisten, die er für den 
Kron-Schatzmeister Fürsten Lubomirski informirt 



König FViedrieh L 

Als Einleitung in die glänzendste Zeit der alten Ghur-Brandenbur- 
gischen und Königlich Preussischen Gapelle geben wir folgende aus einer 
alten Handschrift vom Jahre 1707 entlehnte allgemeine Noüz. 

„Diesen ehrlichen Husicis ist es öfters schlimm gegangen, denn 
unter Chnrfiirst Friedrich Wilhelms Regierung erhielten sie besonders 
zur Kriegszeit keinen Gehalt, wesshalb diese armen Leute oft sehr ge- 
klagt, und ihrenthalben von Zeit zu Zeit viel wegen ihrer Berriedigaog 
geschrieben worden, die aber nicht erfolgte. Unter König Friedrid 1 
sind die Musici zum öftem reducirt und dann wieder angenommen wor- 
den, und finden sich im Archive häufige Klagen wegen ihrer rückstän- 
digen Gehälter. Ausserdem mussten sie dem Hofe auf Reisen folgen, 
welches sehr beschwerlich war." 

IVOO erlässt der König ein sehr strenges Schreiben an den Hu- 
sik-Director Riech, wegen des Kammer-Husicus Latuisei^e, der ohne 
Erlaubniss in fremde Dienste getreten ist. 

Iten Mai wird Anton Baltzer König zum Kammer-Musicos an die 
Stelle des verstorbenen Grunaver bestellt Er hatte übrigens bereits 
12 Jahre umsonst in der Capelle gedient, ehe er diese Anstellung erreichle. 



— 51 — 

IVOl« Supplik der SängeriD Catharina D'Alican und Bescheid des 
Königs darauf. Aus dem Geheimen Staats-Archiv. 

Allerdurchlauchtigster Grossmächligster König, 
Allergnädigster Herr, 

JÜjvf. Königl. Majestät wird sich allergnadigsten erinnern wie Sie mir 
die Hohe gnaden gethan, mir ein jahrlicher Unterhaltung oder pension 
zu versprechen, Weill ich aber nicht weise an wem ich mich deswegen 
angeben soll, zudem Ich von einen zum andern gewiesen und schon 
über 9 Monaht auffgehalten worden, so dass ich bis dato nicht weis 
woran ich bin, Alss ergehen an Ew. Königl. Majestät nochmals mein 
allerunterthänigst Bitte, Sie wollen allergnadigsten geruhen, ernstlichen 
Befehl zu crtheilen, dass ich auff Einerleyweise möge kurz und aller- 
gnädige resolution erhalten. Getröste mich allergnädigster erhörrung und 
verharre lebenslang, 

Allerdurchlauchtigster Grossmächtigster König, 
Allergnädigster Herr, 

Ew. Königl. Majestät 

unterthänigste 
Catharina Daltcan. 

Demnach Seine Königl. Maj. in Preussen, Unser allergnädigster Herr, 
Catharmen tTAHcan wegen ihrer guten Stimme und erfahrung in der 
Yocal-Music zu dero Sängerin dergestalt allergnädigst angenommen, 
dass dieselbe so wohl in dero Hof-Capelle alss auch sonst, wann und 
wo es Seine Königl. Maj. allergnädigst verlangen werden, bei der Gam- 
mer Music mit aufwarlten und singen soll; Alss haben Sie in gnaden 
resolviret, dass ihr fiir solche ihre Dienste undt aufwarttung jährlich 
dreyhundert Thlr. aus der Hofstaats-Casse gereichet werden sollen, undt 
befehlen solchem nach dero Geheimbten Gammer Bath und Hof Benth- 
meistern Matthias genant van Berchem hiermit in Gnaden, ihr diesse 
Besoldung quartaliter mit 75 rtl. gegen Quittung zu bezahlen, auch 
von Crucis dieses Jahrs den anfang damit zu machen. 

Signatum Oranienburg, 28 Aug. 1701. 
300 rtl. sollen d'Alican aus der Hofstaats 
Gasse jährlich gezahlt werden. 

IVOl« Etat der Königlichen Kammer-Musikanten. 
Jobann Friedrich Bodecker, Besoldung und anstatt des Deputats 352 rtl. 

Wilhelm Karges 300 « 

Matthias Strebelow , 300 - 

Johann Gobeh 300 • 



— 52 — 

Johann Geoi^e Lössnitzer 300 itl. 

Ludwig Wilhelm Yogelsang 300 • 

Samuel Peter Sydow 400 • 

Peter Grunacker 300 • 

Christian Friedrich Riek 300 • 

Carl Friedrich Riek 300 • 

Pierre Potot j ^^^^^.^ ^^ ^ 

Reauregard ) 

Fakelmann 100 • 

Der Orgelbauer Christoph Werner 70 • 

Uinfiihro sollen 24 Trompetter und zween Pauker sein, 
deren jeder nebst der Liver^ an Besoldung und Kostgeld auf 
sich und einen Knecht jährlichen bekommt 223 Thaler 5798 • 

Und dazu jeder auf 2 Pferde Futter und Rationen k 52 Thaler 
zusammen 275 • 

Die Pauker werden denen Trompettem in allem gleich 
geachtet und gehalten« 

Johann Schobert der altere bekömbt noch über den ordi- 
nairen Trompetter-Gehalt aus Churfiirstlicher Gnade jährlich 300 • 

1V09 erhielten am 24 Februar Nathan Christian Lüders und 
Reinhard Stricker die Bestallung als Cammer-Husici und Capellisten. 

1V08 wird am 2 August Johann Friedrich Leeix zum Bassisten 
bei der Uof-Capelle bestellt 

IVOft^ 16ten Januar. Verdians und Wiedemanns Bestallungen als 
Cammer-Musikanten. 

Wir Friedrich von Gottes Gnaden König von Preussen u. s. w. 

Thun kund und fugen hiemit zu wissen dass wir den Yerdion zu 
unserem Cammer-Musikanten Allergnädigst bestellt und angenommen, 
dergestalt und also dass uns derselbe getreu, gehorsam und gewärtig sein, 
auf unser Allerhöchst Erfordern jedesmal sich zur Aufwartung gehor- 
samst gestellen und so wohl bei der Taifel als auch in der Camm^ 
und wo wir es sonsten befehlen werden mit seinen Instrumenten nach 
seinem besten Wissen und Erfahrenheit ^ich hören und gebrauchen 
lassen und in allem sich also wie einem Cammer-Musico und getreuen 
Diener wohl anstehet, eignet und gebühret, bezeigen und verhalten solle. 

Dahingegen haben Wir ihm für solche sein allerunterthänigste Auf- 
wartung jährlich 300 Thaler zur Besoldung in gnaden versprochen und 
zugesaget, gestalt Wir denn Unserem Matthias von Berchem hiemit Aller- 
gnädigst befehlen sich hienach gehorsambst zu achten und ihm solch 



— 53 - 

quartaliter an 75 rtl. hierauf und gegen Quittung auszuzahlen auch mit 

der Zahlung von Grucis nächstverwichenen Jahres den Anfang zu machen. 

Urkundlich Colin den 16ten Januar 1705. 

6ten Mai. Bestallung Hir den Hof-Kunst~Pfeiffer Heinrich Christoph 
Reinhardten, 

Wir Friedrich von Gottes Gnaden König von Preussen u. s. w. 

Thun kund und fugen hiemit zu wissen, dass wir nach Absterben 
unseres Hof-Kunst-Pfeiffers Paul Zimmermanns an dessen Stelle Heinrich 
Christoph Reinhardt zu unserm Hof-Kunst-Pfeiffer hinwieder bestellet 
und angenommen, dergestalt dass er alle Tage Morgens umb 10 Uhr 
und Abends umb 5 Uhr, in Winterszeit aber umb 4 Uhr auf unserm 
Schlosse selbt sechse vom Thurm abblasen und nicht allein zu jeder- 
zeit künstliche und zierliche gute Stücke, sondern auch insondert allemal 
einen Psalm aus dem Lobwasser blasen und sich allerley Instrumenten 
durch Abwechslung gebrauchen solle, damit man spühren könne dass 
zwischen dem Abblasen so zu Hoffe und dem so in der Stadt ge- 
schieht ein Unterschied sey, wie er da zu seinem eigenen Ruhm sich 
der Zier und Annehmlichkeit befleissigen wird. 

Nebenbei soll er auch sonsten, so oft Wir es oder unsere jungen 
Herrschallen befehlen, oder fremde Herrschaft empfangen wird, es seye 
auf dem Thurm oder in den Gemächern, auf Hochzeitten und bey 
Tantzen so bei Hofe geschehen, unweigerlich mit seinen Gesellen er- 
scheinen und aufs zierlichste Er vermag, sich allemahls auf was In- 
strumente es erfordert wird, hören lassen, gestalt des Er auch auf Un- 
seren Befehl Unss ausser dem Hoflager zu folgen schuldig sein soll. 
Überdies soll und will Er auch bei allen Fest-Tagen in unserer Kirche 
zur heiligen Dreifaltigkeit allemal des Musicirens der Psalmen und an- 
derer Stücke abwarten und in summa sich allenthalben also bezeigen 
wie einem ehrliebenden Kunst-Pfeiffer wohl ansteht und er mit ge- 
treuem Fleiss zu verrichten versprochen hat. 

Dahingegen und für solche seine Aufwartung haben wir ihm nach- 
folgenden Unterhalt hiemit jährlich versprochen. 

130 Thaler an Gelde, solche quartaliter mit 32 rtl. 12 gr. aus 
unserer Hoff-Renlhey zu empfangen. 

Siebenzig Thaler noch an Gelde, dieselben quartaliter wegen der 
Aufwartung in der Kirche mit 17 rtl. 12 gr. bei dem Kirchen-Ver- 
walter zu haben. 

Noch soll er auch eine Hoff-Kleidung, so oft unser Hoff ge- 
kleidet wird, haben, welches alles er jährlich am gehörigen Orth for- 
dern kann, wie Wir denn unsern Hoff- und Ambts-Cammer-Leuthen, 



— 54 — 

Hoff-Renthmeisiern und Verwaltern zur Kirche der heiligen Drei- 
faltigkeit hiedurch allergnädigst anbefehlen sich hienach gehoi^mbst 
zu achten und ihren vorspecificirten Gehalt allemal zu rechter Zeit 
folgen zu lassen. 

Wir lassen auch geschehen, dass Er gleich andern Kunstpfeiffem 
das Accidenz, so bei der Lutherschen Gemeinde alle Neue Jahr zu 
fallen pfleget, auch bei denen reformirten geniessen möge, wie denn 
nicht allein dieselbe sondern auch alle Unsere Rathe und Rediente 
Ihn vor andern erfordern nach Unsern Freiheyten, aber keine andern 
Kunstpfeiffer und Spiell-Leuthe geduldet noch gelitten sondern ihm 
die Redienung daselbst gelassen und gegönnt werden soll. 

Colin den 6ten May 1705. Jf. L. v. Printzen. 

Quittung über die sogenannte Restallungssteuer fiir alle König- 
lichen Diener. 

„Vermöge Sr. Königl. Majestät in Preussen, publicirten Edicti hat 
Herr Otto Gerhard Verdion wegen der erhaltenen Restallung als Königl. 
Gammer-Musicus von 300 rtl. Gehald vermittelst einer Quittung an die 
Hoff-Rentey auff das Quartal 1704 nach dem Reglement die verordnete 
Jura mit Fünff und Siebentzig Thalcr an die Königl. General-Charge- 
Cassa allbier entrichtet 

Signatum Colin an der Spree, den 5ten February. 

Anno 1705. Matth. Müller.'' 

6ten Sept. Restallung des Forstmeyer zum Cammer-Musicus und 
Capellist. 

IVOG^ 20sten Nov., wird der Cammer-Musicus Rieck zum Sur- 
intendant des Orgues ernannt. 

28sten Oct. Restallung des Christian Bernhard Linigke^ bisher 
Cammer-Musicus des Printzen Philipp Wilhelm, zum Königlichen Gam- 
mer-Musicus. 

IVU« Etat der Königlichen Capelle. 
s. in der Geschichte der Oper Seite 34. 

1V19« Seiner Königl. Majestät in Preussen u. s. w. Unserm alier- 
gnädigsten Herrn ist der Etat Dero Gapeil und Gammer Music und der 
gesamten dazu gehörigen Redienten allerunterthänigst vorgetragen worden, 
wie hiernach folget: 

Wiedemann | 400 rtl. 

Jourdain / i. Violini 300 - 

Pepusch ) 300 - 



— 55 — 



Spiess 

Marx 

Lienicke aus Schwed. 

Lienicke jun 

Schuhze 

Hagar 

Rück juo 

Schlesing 

Krause 

Lentx 

Kräuserj Copiist 

Haine 

Küknel 

Dümler ) Violoncelli 

Güldenmeister.. 
Lienicke senior 

Glösch 

Schüler jun 

Fleischer 

Rose 

Tramp 

Starcke 

Schüler sen 




Hautbois 



100 

100 

300 

400 

150 

150 

150 

450 

Bassons 200 

150 

150 



2. Hautbois 



Torley 

Strycker 300 

Campioli, 500 

Frobesey zugleich Reise Gantor 150 

Rieck bey der Orgel und Glavesin 352 

Zwei Musiquen Aufwärther 100 

Ein Calcant bey der Gapelle 50 

Pustar so Discantiste gewesen nun aber auf der Violin lernet 52 

Der Gantor Petreus vors Ripieno * 50 

Bodecker 352 

Emeriti. 

Strebelau 300 rtl. 

Der Glavier Stimmer Mietkc 70 » 

Der Orgel Bauer 350 » 

Summa 8138 rtl. 

Allerfaöchstgedachte Seine Königl Mayst. approbiren auch denselben 
hiermit und krafft dieses, und befehlen Dero Geheimen Gammer Bath 



— 56 — 

und General Domainen Empfänger dem von Bercbem, sieb danach aller- 
unterthanigst zu achten und die Besoldungen dergestalt, wie angesetzet, 
auszahlen zu lassen. Signatum Charlottenburg den 8. Julii 1712. 

Bis dato geben Se. Königl. Majestät vermöge der hier beiliegeDd 
Specification zu Unterhaltung der gesamten Capell und Kammer Musik 
alles mitgerechnet 6718 rtl. 

Weilen aber einige der Gammer Musikanten noch gar nicht, andere 
aber sehr schlecht bis daher gagiret gewesen, also werden, umb nicht 
die besten derselben zu verlieren, solche insgesamt auf den obspecificirteD 
Fuss zu setzen sein und dazu noch erfordert werden 1520 rll. 

Hiergegen kommen die 300 rtl. so Strebelau und die 352 rtl. so 
Bodecker hat und also insgesamt 652 rtl. bei ihrem nahe seienden Ende 
eingezogen werden, wäre also die ganze Zaiung 868 rtl. 

Und dann schliesslich werden dem ältesten Linicke vor das ver- 
flossene Jahr von Trinitatis 1711 bis Trinit 1712, also von welcher Zeit 
an er wieder angenommen und von ihm bei der Musik aufgewartet 
worden, 300 rtl. ein vor allemals auszuzahlen sein. 

Gleichwie aber um eine vollständige Gammer Musik za haben 
wenigstens 2 Gastrater erfordert werden, diese aber schwärlich unter 
2000 rtl. zu bekommen sein dürfilen. Also wird auch hierzu ein Fonds 
nöthig sein, wobei jedennoch dieses zu bemerken, dass man alsdan dem 
CampioU wird congedyren können, mithin nur 1500 rtl. nöthig haben. 

Braunsberg, 

Dass mit demselben Federstrich, der bei der Thronbesteigung Frie- 
drich Wilhelms 1 den ganzen glänzenden Hofhalt seines Vaters veraichtetef 
auch die Gapclle fiel, verstand sich von selbst. Von hier an verweisen 
wir auf die Geschichte der Oper selbst, mit welcher die der Capelle 
Hand in Hand geht; fügen aber noch das Original-Aktenstück über die 
Stiftung der Orchester -Wiltwen -Kasse aus dem Jahre 1800 hier bei, 
welches zwar in mehreren, durch die Zeit gebotenen Punkten vor 
einigen Jahren abgeändert wurde, in seiner wohlthätigen Wirksamkeit 
aber noch gegenwärtig fortbesteht. 



— 57 — 



REGLEMENT 

betreffend die Stiilung eines Fonds zur Unterstützung der Wiltwen 

und Waisen verstorbener Mitglieder des Königl. Orchesters. 

De Dato Berlin, den Iten September 1800. 

oe. Königl. Majestät von Preussen, Unser Allergnädigster Herr, haben 
beschlossen, zur Unterstützung der Wittwen und Waisen der Mitglieder 
Allerhöchstdero Orchesters einen Fond stiften zu lassen, um sowohl 
Sich selbst von dem Sollicitiren solcher Personen zu befreyen, als auch 
dieselben gegen die dringendsten Bedürfnisse zu schützen, als wozu der 
gewöhnliche Pensions-Etat sonst nicht zuzureichen vermögend ist. 

§1. 

Se. Königl. Majestät wollen und verordnen jedoch hiermit aus- 
drücklich, dass keins von den Mitgliedern des Orchesters, zur Errichtung 
dieses Fonds, nach dem Beyspiele ahnlicher milden Stiftungen, zu Geld- 
Bey trägen angehalten oder verpflichtet werden solle. Dagegen wollen 
A llerhöchstdieselben : 

§2. 

Dass zur bessern Erhaltung der ausgezeichneten Talente des Or- 
chesters, als auch um dieselben für dessen Mitglieder selbst nützlich 
und flir das Publicum angenehm zu machen, jährlich zwei bis drei 
grosse Goncerte, es sey im Königl. Opernhause, oder in Kirchen, oder 
wo es sonst sey, in sofern der dazu gewählte Ort von Sr. KönigL 
Majestät höchstselbst und höchstdero Behörden abhängen möchte, ohne 
dass deshalb ein Miethe, Zins oder eine sonstige Entschädigung verlangt 
werden könne, gegeben werden, zu welchen der Zutritt ohne Aus- 
nahme nur für die jedesmal zu bestimmenden Preise gestattet werden soll. 

§3. 

Aus den nach Abzug aller Kosten von diesen Goncerts aufkommen- 
den Geldern soll nach den naher zu bestimmenden Modalitäten, unter 
der speciellen Aufsicht des zeitigen Directeur des Spectacles, als Ghefs 
des Orchesters, und der Verwaltung einer zu ernennenden Gomit^, die- 
ser Fond errichtet werden. 

§4. 
Um diesem Fond desto mehrere Zuflüsse zu verschaffen, verordnen 
Se. Königl. Majestät femer, dass auch von allen in Königl. Gebäuden 



— 58 — 

und Kirchen zum Besten der Armen deutscher und französisdier Nation 
und des Bürger -Rettungs- oder eines ähnlichen Instituts vom ganzen 
Orchester gegeben werdenden Goncerten Ein Sechstheil des reinen Er- 
trages zum gedachten Fond abgeliefert werde. Auch soll jeder zum 
Orchester gehörige oder nicht gehörige einheimische, so wie jeder fremde 
Musicus, sobald er ein öffentliches Goncert giebt, wobei die Entr^e be- 
zahlt wird, und wobey sich mehrere von den Orchester-Mitgliedern 
besonders hören lassen, von der Einnahme Fünf Reichsthaler zu diesem 
Fond abgeben, als welche bei Ertheilung des zu einem solchen Gonc€rte 
erforderlichen Erlaubnissscheines der Gomit^ an diese zu entrichten sind. 

§5. 
Da schon eine beträchtliche Summe aus dem Ertrage der im ver- 
gangenen Jahre flir die Armen gegebenen Goncerte, zu diesem Fond 
geflossen ist; so wird diese Stiftung angesehen, als ob sie mit dem 
Jahre 1799 ihren Anfang genommen hätte, und alle Wittwen und Waisen 
der damals auf dem Königl. Orchester-Etat gestandenen activen und 
pensionirten Personen sind ein Gegenstand dieser Stiftung. 

§6. 
Alle auf dem Orchester-Etat befindliche Personen sind gehalten, 
durch ihre Talente, oder durch andere Verrichtungen, zur Aufführung 
ähnlicher Goncerte beizutragen. 

§7. 
Wittwen und Waisen der vor 1799 verstorbenen Personen können 
auf keine Unterstützung aus diesem Fond einen Anspruch machen, es 
sey denn dass dieselben bereits von Sr. Königl. Majestät zu diesem 
Ende besonders empfohlen worden. 

§ 8. 
Zur Vorbeugung aller Missdeutung, soll von allen sich solchergestalt 
jetzt zur Unterstützung qualificirenden Wittwen und Waisen, diesem 
Reglement ein Verzeichniss beigefügt werden. 

§9. 

Dagegen versteht es sich von selbst, dass alle Wittwen und Waisen 
der künftig in das Orchester eintretenden Personen ein Gegenstand der 
Unterstützung werden, jedoch müssen die Ehemänner oder Altem sol- 
eher Wittwen und Waisen wenigstens Ein Jahr im Königl. Dienste 
des Orchesters gewesen seyn. 

§ 10. 

Da die Billigkeit erheischt, dass unter den Wittwen und Waisen 
der jetzt activen Mitglieder des Orchesters, die ihre Talente zur Auf- 
bringung des Fonds widmen, und den Wittwen und Waisen der jetzi- 
gen Emeritorum, die seit geraumer Zeit ausser Activität getreten sind, 



— 59 -- 

mithin za dieser Stiftung wenig oder gar nichts beytragen können, ein 
Unterschied gemacht werde; so wird es zwar der Gomit6 überlassen, 
diese Pensionen festzusetzen, jedoch dergestalt, dass die Wittwe eines 
activ gewesenen Mitglieds nie über Hundert, dagegen die Wittwe 
eines Emeriti nie mehr, wohl aber weniger als Achtzig Reichsthaler 
erhalten kann. Wobei es sich von selbst versteht, dass die übrigen 
Verhältnisse einer Wittwe, und ob sie bereits auf andere Art versorgt 
oder pensionirt ist, oder Einnahme hat, sie im Ganzen nicht von der 
Pensions-Fähigkeit ausschliessen können. Und wird die Bestimmung 
etwaniger Fälle, wo dergleichen Wittwen keine so starke Pension, als