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Full text of "Geschichte der Renaissance in Italien"

Jacob Burckliardt 
Geschichte der Renaissance in Italien 



LtE SCHICHTE 



1»KR 



NEUEREN BAUKUNST 



VON 



JACOB BUROKHARDT 



INI) 



WILHELM LÜBKE. 



Mit zahlreichen Illustrationen in Holzschnitt. 



Erster Band. 




STUTTGART 

Paul Neff Verlag (Carl Büchle) 

1904. 



G-EöCHICHTK 






RENAISSANCE 



i\ 



ITALIEN 



VON 



JACOB BUECKHARDT. 



VIERTE AUFLAGE. 



Bearb eitel von 

Dr. Heinrich Holtzinger 

i ird. i der Techni 



Mit 310 Illustratio: 




STUTTGART 

Paul Vit Verlag (Carl Büchle) 

1904. 



Alle Rechte vorbehalten. 



R 










r 






1103201 



■ & Pfeiffer, Kgl. Bofbuchdrucker, Stuttgart. 



Vorwort zur zweiten Auflage. 



Das Werk, welches im Jahre 1867 als Teil und Fortsetzung von 
Franz Kugler's Geschichte der Baukunst erschien, tritt hier mannigfach 
berichtigt und mit einem sehr viel grösseren Reichtum von Illustrationen 
ans Licht. Der Verfasser glaubte, es sei wünschbar, dass ueben die er- 
zählende Kunstgeschichte auch eine Darstellung nach Sachen und Gattungen 
trete, gleichsam ein zweiter systematischer Teil, wie dies seit Winckel- 
maui) mit 'Im- Kunst des klassischen Altertums geschehen. Es ergeben sich 
bei einer solchen parallelen Behandlung '1'-- Zusammengehörenden manche 
Resultate, welche die nach Künstlern erzählende Geschichte nicht zu be- 
tonen i'il'^t. 1 mV Triebkräfte, welche das Ganze der Kunst beherrschten, 
die Präcedentien, von welchen 'Irr einzelne Meister Ihm seinem Schaffen be- 
dingt war, treten hier in den Vordergrund, während die Künstlergeschichte 
den grossen Vorzug behaupten wird, die [ndividualitäten in ihrer Macht 
und Falle schildern zu dürfen. Vielleicht liesse sich dm hier vorlieg 
Arbeit auch durch ihre Kürze rechtfertigen, indem sie den wesentlichen 
Kunstgehalt einer Periode in einen kleinem Umfang zusammendrängt als 
dies die Künstlergeschichte vermag. Dem Verfasser hat sich übrigens sehr 
klar die Wahrheit aufgedrängt, elass wer in der Kunst nicht einmal 
Dilettant i-t. diese Art von paralleler Forschung und Darstellung immer 
nur bis zu einem massigen Ziele rühren kann, und da>> Forscher, welche 
zugleich mit der Ausübung der Kunst vertraut sind, dieselbe mit 
anderm Erfolge fordern würden. 



Vorworl zur dritten Autlimv 



Bei der Ausgabe der vorliegenden dritten Auflage bedai 
Seiten des Unterzeichneten wohl nicht der besond i ■ \ 
er alle Kraft eingesetzt hat, der ehrenvollen Aufgabe, die ihm übertr 
war. einigermassen gerecht zu werden. Eine nicht unbeträchtlich« 1 I.' 



\'\\\ VurWOVt. 

Erweiterungen und Verbesserungen ist vom Herrn Verfasser selbst der 
neuen Auflage einverleibl worden; einen wertvollen Beitrag (im §57) ver- 
dankt dieselbe dem liebenswürdigen Entgegenkommen des Herrn Professor 
A. Thiersch in München, welcher die Herübernahme seiner Studie über 
Proportionen aus Durm's Handbuch der Architektur freundlichst gestattet 
hat: endlich gebührl dem Herrn Verleger auch hier der Dank für die Ver- 
mehrung des Illustrationsmateriales. Der bisherige Umfang des Werkes 
n B _ ozahl ist trotz der Erweiterungen an Text und Altbildungen, Dank 
:; Format, erhalten geblieben. 

H. Holtzinger. 



Vorwort zur vierten Auflage. 



Wie sich der unterzeichnete Herausgeber schon bei Bearbeitung 
der dritten Auflage zahlreicher Beiträge des Verfassers zu erfreuen hatte, 
so auch bei dieser, abermals erweiterten Neuausgabe. Bis in die Mitte 
leunziger Jahre hinein hat Jacob Burckhardt dies Buch, das ihm stets 
besonders am Herzen lag, durch Ergänzungen des Textes gefördert; nament- 
lich die neuen Paragraphen über die Baulichkeiten in den Gemälden und 
über die Brunnenanlagen rühren ganz vom Autor selber her. 

Durch verschiedene Umstände hat sich leider die Drucklegung in 
Länge gezogen, so dass die Forschung der letzten Zeit nicht mehr 
überall hat berücksichtig! werden können. Die Zahl der Blustrationen ist 
abermals erweitert worden. 

H a n n o v e r . Juni 190 1. 

H. Holtzinger. 



Inhalts -Verzeichnis. 



ERSTES BUCH. 
ARCHITEKTUR. 



I. K' ap itel 

Der monumentale Sinn der italienische!! Architektur. 

Seite 
i. Der Ruhmsinn and die Stiftungen ; 6 Romagna, Mark und Cmbrien 



der Frömmigkeit 1 ^ 7. Monumentaler Sinn Papst Nicolaus V 

•_!. Die Baugesinnung der Florentiner. •_! § 8. Die übrigen Päpste bis auf Julius II 

3. Die Baugesinnung der Sienesen . . 4 ?; 9. Gesinnung des Prh ■ . . 

l. Baugesinnung anderer Städte . . 5 i in. Die G rmation .... 

.".. I »enkw eise der • lewaltherrs» her . . 6 



1" 
12 



II. Kapitel. 
Bauherrn, Dilettanten nnd Baumeister. 

§ 11. Kunstgelehrte Bauherrn des KV. § 13. Beratungen und Behörden . . . 16 

Jahrhunderts 14 § 14. Vielseitigkeil der Architekten . . IT 

§ li'. Baudilettanten des XVI. Jahrhunderts 15 § 15. Leben der Architekten . . . 

IM. Kapitel. 
Die Protorenaissauce and das Gothische. 

; 16. Die Protorenaissance in IToscana and § 19. Charakter der italienischen Gothik . 28 

Born 20 § 20. Verhältnis zu den andern Küi 

ii 17. San Miniato and das Baptisterium 24 ; 21. Der italienisch-gothis 

g 18 Eindringen und Machtumfa ü •_''_'. I' 

thischen ......... -J7 > 23. Das Gothische zur Zeit d. R« 

I V. K a |i i i e I. 

Studium der antiken Bauten and des ntrur. 

g 24. Allgemeiner Charakter der Neuerung '7. Studien 4— \\i Jahrhui I 

Vernachlässigung d griech.Baui 28 Eiuflus.s les \nnn 

Studien des XV. Jahrhunderts nach 19. 1 
den römischen Ba ... 

V. K a pil 
I » i « • Theoretiker. 

• Leon Battista Alberti II ; :;•_'. Polifil ■ 

N • ■•• Die Baulii 



\ 



[nhalts -Verzeichnis. 














: - 





VI. K apit el. 
Die Formenbeliandlung der F 

TuvermeiiUichkeit des römischen 

l'etails 49 

Das Verhältnis zu den Zierformen .~>n 
- nie, der Bogen and das g< 

Ik "'1 

tiken Ordnungen im XV. Jahr- 
hundert 55 

[albsäulen und vortretenden 

n 58 

Der Pilaster und das Kranzgesimse 59 

- ide von Florenz und 
v iena ti'2 



§ 


40. 


§ 


41. 


§ 


42. 


s 


43. 


§ 


44. 


§ 


45. 


§ 


!<;. 


§ 


46 a 


§ 


17. 


< 


48. 



rülirenaissance. 

Seite 

Die Rustika mit Pilasterordnungen . 66 

Die Rustika ausserhalb Toscanas . 67 

\ enedig und die Inkrustation . . 70 
Verhältnis der Inkrustation zu den 

Formen 72 

Oberitalien und der Backsteinbau . 73 

l'ie Backsteinfassade 76 

Backsteinhöfe und Kirchenfassaden 77 
Die Fenster und Thüren der Frtih- 

renaissance 79 

Die Können des Innern .... 84 

Die Gewölbe der Frührenaissance . 86 



VII. Kapitel. 
Die Formenbehandlung des XVI. Jahrhunderts. 



in- des 1 »etails .... 88 ^ 53. 

50. Detailproben und Einwirkung der 
Festdekoration 89 § .".4. 

51. Verstärkung der Formen .... 89 ;i ">">. 

52. I'ie dorische und falsch etruskische ^ .'><>• 

Inung 92 § ~>~. 



Das Dorische bei Bramante und San- 

sovino . 93 

Vermehrung der Kontraste ... 94 
I fie < rewölbe der Hochrenaissance . 98 
Die Formen der Nachblüte . . . 100 
Die Verhältnisse 102 






VIII. Kapitel. 
Das llainiio.lell. 



Modelle 'Irr gothischen Z-ii . 114 
ilodelle der Frührenaissance . 115 



8 CO. l'ie Modelle der Hochrenaissance . 118 



1 \. K ap i t e 
Die Komposition der 

i i kirchlichen § 71 

119 § 12 

les Zentralbaues .... 120 § 7:< 

•II Zentralbauten der > 74 

122 

■ ralbauten des XV. Jahr- :: 75. 

hunderte 121 ^ 7(i 

Bramante and seine ersten Zentral- s 77 

128 § 7s 

•■ and St. Peter in Rom . 130 

/ itralbauten des XVI. § 79 

erts 135 

, i .1111-1- -n der § 80 

d 140 i 81 

I. B. Albert! ._ . . 142 § 82 
iis- § 83 
1 13 



1. 
Kirchen. 

Fassade der Oertosa bei Pavia . . 149 

Fassaden der Hochrenaissance . . 151 

Fassaden der Nachblüte .... 152 

, Innen? Anlagen der Langkirchen; 

Basiliken 153 

Flachgedeckte einschiff. Kirchen . 157 

Einschiffige Gewölbekirchen. . . 159 

Dreischiffige Gewölbekirchen . . 162 

, Der Glockenthurm der Frührenais- 
sance 107 

Der Glockenthurm <\cs XVI. Jahr- 
hunderts 169 

. Einzelne Kapellen and Sakristeien 171 

Das Äussere der Langkirchen . . 177 

Allgemeine Ansichl vom Kirchenbau 180 

, Die Symmetrie des Anblickes . . 182 



Inhalts -Verzeichnis. 



XI 



g 84 
§ 85. 



g öö. 

§ 89. 

§ 90. 

g 91. 
| 92 

S 97. 



X. K aj.it e I. 

Klöster und Bruderschaftsgebäude. 

Die Klöster im Norden and im § 86. Bischofshöfe and Universitäten. 

Süden 183 § 87. Bauten der geistlichen Bi 

Bbersichl des Hlosterbaues . . . 184 schatten 1*M 



XI. K .i 
Die Komposition 

Der frühere italienische Palastbau 192 
Entstehung gesi tzmässiger kubi 

Proportionen 193 

Wesen und Äjifang des Palastes 

der Renaissance 194 

Typus .... L96 
Einfluss des ti - □ Palast- 

L99 

l>cr Palasl von Urbino und die 

Bauten der Ron .... 199 

Der venezianische Typus .... 201 

Rom und seine Bauherrn .... 203 

Die römischen Fassadentypen . . 205 

Römische Palasthöfe 210 



p i t e 1. 

des Palastbaues. 



§ 99. 

§ Kid. 

§ 101. 

§ 102. 

S L03 



§ H)4. 
§ 105. 



Die anregelmässigen Grundpläne; 
die Zwischenstockwerke .... 
I de römischen Treppen .... 
Die Paläste bei Serlio . . . . 
< »ffentliche Paläste; ihn 3 i e 
I »er Ballenbau öffentlicl • 
Sansovino und Palladio, Ballen- 
bauten 

Die Familienloggien 

stbau der Nachblüte; das 
äussere 

ätban der Nachblüte; das 
Innere 



212 
215 
217 
218 









\ll. Kapitel. 
Spitäler. Festungsbauten und Brücken. 
g 107. Spitäler, Gasthöfe u. Vergnügungs- § 109. Die Thore der Rena • 

bauten 233 § 1 10. Die Brücken 

§ ins Der Festungsbau 2 






XI 11. K a ]. i t e 1. 

Korrektionen und neue Stadtanlagen. 

111. Nivellierung und Pflasterung . . -J4(i § 111. Der Platz im monumentalen Sinn 

112. Die Strassenkorrektionen . . . J 1J § 115. Neue Städte und Quartiere 

1 13. Schicksal der Gassenhalle . . . 243 



§ 116. 

g 117. 

§ 118. 

g 119 



Gattungen der Villen . . . . 
Weitere Theorie des Villenbaues 
Villen der Frührenaissance . , 
Villen der ÖAclirejaaisaajicj 



\l\ . K apitel 

Die Villen. 
. 247 



; 120. Villen der Nachblute 

g 121. Villen der Barockzeit 

Bäder . . . 







\\ . Kapil el. 
Die Gärten. 



§ 128. Gärten anter der Berrschafl des 

Botanisch« n 

§ i'ji. Findringen des architektonischen 265 
§ 12."). Antik. • Skulpturen und Ruinen 
§ 126. Volle Berrschafl der Architektin 



g 127. Mitwirkung der mächti i 
tation . . 






XII 



[nlialts-Verzeichnis. 



ZWEITES BUCH. 
DEKORATION. 



I. Kapitel. 
Wesen der Dekoration der Renaissance. 

rerhältnis zum Altertum 'und zur § 131. Das architektonische Element und 

; Dekoration .... 271 die Flächenverzierung . . . . 

S 132. Übersicht der Ausdrucksweisen . 



272 
273 









[I. Kapitel. 
Dekorative Skulptur in Stein. 

itung des weissen Marmors 274 § 1+0. Die wichtigsten Gräbertypen . . 297 

ske 27") § 141. Nebentypen der Grabmäler . . . 298 

and Florenz 277 § 142. Grabmäler des XVI. Jahrhunderts 300 

Das übrige Italien 281 § 143. Der isolierte Altar 302 

Dekorativer Geist des XVI. Jahr- §144. Der Wandaltar 302 

hunderts 286 § 145. Der Altar des XVI. Jahrhunderts 304 

Irabmal und der Ruhm . . 290 § 146. Lettner, Kanzeln, Weihbecken, 

Die Grabmäler der Reichen und Kamine etc 306 

'amen 296 § 146a. Die Brunnenverzierung . . . 308 



111. Kapitel. 
Dekoration in Erz. 

ad Lie grössten Güsse 316 § 149. Leuchter und verschiedene Gegen- 
. und Gitter 318 stände 321 

[V. K :. p i t el. 
Arbeiten in Holz. 

me der Bi seil dem § 155. Altareinfassungen 332 

XIV. Jahrhundert 323 § 156 Die Möbeln 335 

324 g 157. Das Prachtbetl und die Truhe . 336 

sia nach Gegenständen. 326 § 158. Die geschnitzte Flachdecke . . 339 
- bnitzwerk der Chorstühle . 329 ? I.V.». Die l-'ladidecke mit Malerei . . 341 
und Wandbeklei- 
330 



V. Kapitel. 
I nssböden : Kalligraphie. 

d -Steinen, g 161. Die Inscriptionen und die Schö'n- 
Marmor und Backstein .... ächreiber 345 



Inhalts -Verzeichnis. 



XIII 



u;-j. l'r-prnng und Ausdehnung. . 346 

163. Die Besteller 347 

L64. Darstellungsweisen der Fassaden- 
malerei 350 

165. Aussagen der Schriftsteller . . 352 



VI. Kapitel. 
Die Fassadenmalerei. 



Die • ade der I 

maierei 

§ 167. ! - der Fassadenm 

Skulptur und Malerei der Waj ■ 



§ 169. Friese und Wanddekorationen 
§ 170. Dekorative Bemalnng von Bau- 
teilen 360 

§ 171. Gewölbemalerei d. Frührenaissam 
§ 172. Gewölbemalerei der peruginischen 

Schule 

g 173. Di< : .... 



VII. Kapitel. 
Haierei und Stucchierung des Innern. 

358 



§ 174. Einwirkung der antiken < 

g 175. Etafael und Giovanni da l T du 

§ 17c. Giulio Romano and Perin de! i 

§ 177. Der weisse Stui co 

§ 178. Spätere Dekorationsmalerei und 

Stuccatur 

§ 179. Verfall der Gattung .... 



g 180. 
§ 181. 

g 182. 



Allgemeine Stellung dieser Kunst :;77 

Kirchliche Arbeiten der Früh- 

renaissance 378 

Weltliche Arbeiten der Früh- 
renaissance 



VIII. K apit el. 
Goldschmiedearbeil und Gefässe. 

Goldschmiedekunst derHochr 



g 185. 



sance 

ts Stein und Kristall 
Schmuck, Waffen und Sil g 
Majoliken u. ander.- irdem 



IX. K apit e 1. 
Dekorationen des Augenblickes« 



g 187. 
g 188. 

§ 191. 



tnd I • ätkünstler .... 38*3 
Festdekoration d. Frührenaissance 

\VI Jahrhunderts 
Der Triumphbogen 391 

Die Festskulptur 



192. Der Theaterbau .... 

193. Die Sc< na 

194. Küi!-" M'M.lit d 4ixi 

. und Tischauft ■• 



1 Llustrations-Verzeichnis. 



Seite 

Annunziata. (Gnauth.) . . 168, 169 

Halle an S. Maria 52 

- ttaria maggiore. 

328 

u Palladio 113 

: idonna di Galliera. (Nohl.) 111 

in Pal. Pepoli 201 

77 

Pal. Bevilacqua, Ansicht ~<> 

Hof. (Nohl.) 79 

Fantuzzi. (Nohl.) .... 202, 229 

Fava, Fassade. (Nohl.) .... 7(1 

Hof. (Nohl.) 79 

Pal. Malvezzi-Medici. (Nohl.) .... 229 

Pal. Pizzardi 202 

S Petronio, Modell 116 

Kapellenschranke 306 

Thürklopfer 321 

i, Kapital am Pal. Comunale . . 286 

S. Maria de' Miracoli. (Herdtle.) . . 128 

Pal. Comunale. (Nohl.) 226 

- los« 259 

lo, Villa Cavacchia 254 

Civitä . ■■ Fassade des Domes . 22 

Portal am Dom. (Nach Paravicini.) 285 
ina del Calcinajo. 

h Gnauth.) 160 

' idonna della Proce. 

ini.) 82 

3erli< .... 339, 341 

o 217. 210 

t 109, 110 

P Scrofa, Details 203 

Hol 80 

aus der Badia . . . 57 

Kapital. (J. Stadler.) . . 58 

. . 25 

Inneres 26 

/ eiter Thür . . . 317 

Bibl . I reppenhaus 99 

/.!. ' rrundriss. (Paulus.) . . 122 

/ ... jschnitt. (Nohl.) . . 122 



Seite 

Florenz, Cap. Pazzi, Querschnitt. (Paulus.) 123 

Vorhalle. (Nach Paulus.) .... 87 

Ansicht 54 

Dom 85 

Loggia degli Innocenti 234 

Museo nazionale (P>argello), Relief . . 281 

Pal. Bartolini 91, 108 

Pal. Gondi, Hof 196 

Pal. Guadagni 111 

Pal. Pandolfini 108, 206 

Pal. Pazzi (Quaratesi) 64 

Pal. Pitti 61, 110 

Gartenseite 102 

Pal. Riccardi (iO. 19:5. 194 

Pal. Rucellai 66 

Pal. Serristori. (Nohl.) 198 

Pal. Strozzi 62, 102, 111 

Fackelhalter 318 

Pal. Uguccioni 96 

Pal. Vecchio 30 

Ponte S. Trinitä. (A. Schill.) .... 239 

S. Croce 53 

Kanzel. (Nohl.) 280 

Thür von Michelozzo 84 

Teil des Sarkophages am Grabmal 

Marzuppini 279 

S. Francesco al Monte 158 

S. Lorenzo, Grundriss 154 

Inneres 156 

Längenschnitt 155 

Langseite 180 

Mediceische Kapelle 178 

Sakristei 173 

S. .Maria degli Angeli 123 

3, Maria Novella 112 

S. Miniato, Fassade 23 

Grabmal des Kard. v. Portugal . . 291 

S. Spirito, Grundriss 154 

Sakristei 175, 176 

tffitofassaden. (Herdtle.) 348, 349, .'551 

Uffizien, ursprüngl. Plan 101 

Entwurf zu einer Harfe 337 



Illustrations -Verzeichnis. 



XV 



Florenz, Villen bei Florenz 253 

Genua, Madonna « 1 i Carignano .... 139 

Pal. Doria. (Gauthier l 371 

Pal. Sauli 56 

Ehemaliger Hof 231 

- Maria delle Vigne 103 

Universität, Bof 188 

Klosterentwurf von Peruzzi. 

(Nach Redtenbacher.) 185 

Kuppel aus Polifilo 48 

Lucca, Dom: Grab der Ilaria del Carretto ~i~~ 

Pal. de! Pretorio 223 

o, Kathedrale, Fassade ..... 150 

Marmorornamenl 275 

Mailand, Pfeiler vom Monastero maggiore. 

(Lasius.) 359 

i ispedale maggiore 283 

istorgio, Kapelle 171 

- Maria delle Grazie 81 

8. Maria <1**1 1 e Passione 137 

S. Maurizio. Lasius.) 1< »1 

\! olika-Schalen. (Herdtle.) . . 384, 385 

Pila>t • - Satiro. i Lasius.) . . 287 

- Satiro, Sakristei 288 

Mantua, Pal. de! Te 177 

Loggia 255 

S. Andrea 159 

Vorhalle 141 

Montepulciano. Mad. <li S. Biagio, Grundriss 125 

Aut'riss . . 126 

Neapel. Onyxgefäss. (Herdtle.) .... 383 

Porta Capuana . . 236 

Triumphbogen des Alfona 237 

Orvieto, Dom, » horatuhl. (Nohl.) . 323 
Weihbecken. (Baldinger.) 

Padua, Carmine 162 

u>L r li" 222 

liustina 170, 171 

Wahlurne. (Herdtle.) 320 

Palermo, Chorstuhl aus S. Martino. (Nohl 

Parma, 8 Giovanni I*i7 

Chorsttthle. (Nohl.) 

Pavia, Cane] 129 

i erl de 149 



Bof 7^ 

Dom, Grundriss 165 

Modell 118 

Oktogon (Nohl.) 

Perugia, Dom, Kanzel 

lernardino. (Nohl.) , . 



Pesai Villa Monte [mpi rii 

(Herdtle.) . - 244 

Piacenza. Madonna della Campagna 135 

Pienza, I»"; (Nach Mayreder.) \\'.\ 

Dom und 

Pal. Piccolomini 

Pal. del Pretorio 

Plan. (Nach Mayreder.) 

Pisa, Dom, Chorstuhl. (Nohl.) . . . 

Passade - J1 

M idonna dell 1 ümilta, < rrundriss 127 
Durchschnitt. (J. Stadler.) .... 127 

Ospedale. (Nohl.) 

Prato, Iladonna delle « !ar< eri (J, Stadler.) 124 

Rimini, S. Francesco 14<» 

Riva, S. Croce 138 

Rom, Cancelleria, I 

Letarouilly.) 

iiut' 

Kapelle 

Wappen, päpstl 

ich Gurlitt.) 

Minerva, Orgel. (Nohl.) 

Navicella, Vorhalle. (Letarouilly.) . . 148 

Pal. Branconio d'Acquila •_!(><.< 

Pal. Farnese 112 

Halle . 

Bofarkaden 212 

Pal. Giraud-Torlonia 

Pal. Linotte Jl 4 

Pal. Massimi 107 

Decke 

Bauptsaal 113 

II. .i 

Pal. Sciarra 208 

Tal. Spada (Baldinger | . . . . 
Pal 'li Venezia .... 

Bof. (Nohl | 

Pal. Vidoni-Caffarelli . . . 210 

S, Lorenzo in I »amaso. i Nohl i . 17" 

ide von S. Marco 146 

- Maria de' Monti. 

■ irouilly.) 
1 .i - d ....... 

- Maria della Pa( e. (N ich Let rouilly I 181 
Grabmal Ponzetti tarouillj 

Boi 

- Maria del Popol 

Kapelle < higi (Nohl l TT 

Marmoi 

Prälatengrab 



XVI 



[llustrations -Verzeichnis. 



3l eter: Bramantes erster Grundriss 

elang - Grundriss 

rnzzis Grundriss • ■ 

- Grundriss 

Plan Bramantes. (Thiersch.) . . . 
- Entwurf. (Thiersch.) . 

Kuppel. (Büblinann.) 

Pietro in Montorio, Tempietto, 

Grundriss 92, 105, 

- Spirito, Thurm 

\ ich Gurlitt.) 

Bof. (Sohl.) 

Vatikan. Grosser Bof 

Loggien • 365, 

- :tina, Lettner 

za della Segnatura. (Nohl.) . . . 
Via Giulia, bemalte Fassade. 

i Letarouilly.) 

Via S. Lucia, Sgraffitofassade . . . 
Papa Giulio (III.)) runder 

Ballenhof 

Villa Madama 250, 

Villa Medici 

Villa Pia 

es Chi aters oach Serlio. 

Grundriss. 

Längenschnitt 

einer Komödie. Entwurf von Serlio 
- ,t\ r. I Warnas". Entwurf 

Serlio 

. r Tragödie 

■ »bili, Balustrade 

. Ciborium 



3. Giovanni 

Weihbecken 

Fahm :.- !• i Fackelhalter . . . . 

äta, Banptaltar 

degli l'niti 

Pal. Spannochi 

ith.) . . . . . 

Bof. 

8. M.r:,, delle N • • % i 

i 





130 
132 
131 
131 
105 
um 
133 

121 
173 

IST 
IST 
215 
368 

SO') 

363 

353 

351 

261 1 
251 
263 
249 



395 
396 

397 

399 
398 
278 
320 

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179 
308 
321 
303 
■IS, 

63 
145 
180 
145 
331 
157 



Seite 

Spoleto, Vorhalle des Pomes 147 

Thürumrahmungen 109, 113 

Todi, Consolazione "134 

Tivoli. Villa d'Este 261 

Truhe im Kunstgewerbemuseum zu Berlin. 

(Sues nach Photogr.) 332 

ürbino, Palast 199, 200 

Palast. Kamin 282 

S. Domenico, Portal 83 

Venedig, Biblioteca di S. Marco. 

(Herdtle gez.) 115 

Dogenpalast, Kamin 311 

Fahnenhalter 319 

Kandelaber .'519 

Pal. Corner-Spinelli 71 

Pal. Vendramin-Calergi 75 

S. Giovanni Crisostomo. Grundriss und 

Durchschnitt 128 

S. Giovanni e Paolo, Grabmal 

\. Vendramin. (Riess.) .... 293 

Grabmal Mocenigo. (Itiess.) . . . 295 

s. Marco, Ampel 379 

Kap. Zeno, Altar 301 

S. Maria de' Miracoli 74 

S. Salvatore 172 

S. Zaccaria 73, 157 

Scuola di S. Marco 7(> 

Scuola di S. Rocco 190 

Zecca 97 

Verona, Kap. Pellegrini 136 

Logyia (lol Consiglio. (Baidinger nach 

Phot.) 221 

Mad. di Campagna 137 

Pal. Bevilacqua. (Baidinger.) .... 204 

Pal. Pompei 205 

Porta S. Zeno 238 

S. Maria dell' Organo, Chorstuhl . . 325 

Vicenza, Basilika, Aufriss ...... 55 

Detail 113 

Pal. Porto Barbarano 226 

Pal. Chieregati 228 

Pal. Valmarana, Ansicht 227 

Bof 230 

Rotonda 106, 262 

Teatro olimpico Palladios, Grundriss . WA 

Scena 401 



Erstes Buch. 

A rcliitektur. 

I. Kapitel. 
Der monumentale Sinn der italienischen Architektur. 

§ l. 

Der I; u li in s i ii )i and die Stiftungen der Frömmigkeit 

Die italienische Baukunst wird seit dein Erwachen der hohem Kultur 
wesentlich bedingl durch den hier viel früher als anderswo entwickelten 
individuellen Geisl der Bauherrn wie der Künstler, [m Zusammenhang mit 
demselben erstarkt der moderne Ruhmsinn, welcher nicht nur mit seines- 
gleichen wetteifern, sondern sich unterscheiden will und von einer früh be- 
ginnenden Reihe von Aufzeichnungen begleitet ist, welche im Korden fehlen. 
Der Norden bat beinahe nur einzelne Rechnungen und Indulgenzbriefe, 
während in Italien Inschriften, Chronikangaben und Urkunden reich an ten- 
denziösen Ausdrücken sowohl die Thatsachen als die Gesinnungen übei iefern. 
Diese monumentale Baugesinnung, bald mehr auf das Mächtige, bald 
mehr auf das Schöne "der Zierliche gerichtet, bleibt eine der ersten, be- 
wusstesten Lebensregungen der ganzen Zeit vom XL bis ins XVI. Jahr- 
hundert, und begleitel den Versuch der Wiedererweckung der antiken Bau- 
kun>t im XII.. die V.ufhabme des Gothischen seit dem XIII. und di 
naissance seit dem XV. Jahrhundert fast gleichmässig, als höchste Triebkraft. 
Beim Kirchenbau natürlich nichl genau auszuscheiden vom B 
Frömmigkeit. Dei sichtbare Ausdruck der letztern, Ablass, Kollekten und 
Almosen auch für Kathedralen nichl entbehrlich und füi Bauten von Ordens- 
kirchen die wichtigste Geldquelle. Doch hatte der Ablass in Italien polil 
Grenzen; wenn die nordischen Kathedralen während ihres Baues i 
Gebiet dei andern kollektieren Hessen, so wären Pisaner, B 
Florentiner, Venezianei einander wohl sonderbar vorgekommen, wenn • 
Städte ihnlii hes versuch! hätte. 

Burckhard t, Italii • v 



I. Kapitel. Der monumentale Sinn der italienischen Architektur. 

Als ein Bischof von Fiesole seinem Klerus eine Beisteuer zum Florentiner 
Dombau auferlegte, beschwerten sich unzufriedene Priester soforl beim Papste; 
-•. S Maria del Fiore, p. 18, Dokumenl von 1299. 
Ablass Bonifaz' IX. für den Dombau zu Mailand 1391, den Besuch der 
dortigen fünf Hauptkirchen dem der römischen Patriarchalkirchen gleichstellend, 
höchst einträglich; Gorio, storia di Milano, Fol. 269. Ebenso die jährliche 
ition am Fronleichnamsfest; Petri Candidi Decembrii vita Phil. Mariae 
: Muratori, Her. iial. script., tom. XX, Gol. 998. 
Festa del perdono in Mailand, 1460 zum erstenmal gefeiert, warf 
ihren Ertrag, jährüch alternierend, für das grosse Spital und den Dombau ab; 
W. v. Öttingen, Über das Leben und di«- Werke des Antonio Averlino, genannt 
Filarete, S. 31. 

Ungeheure Kollekten an einzelnen Wallfahrtsstätten, Gaben einer bunt 

tischten Pilgerschaft; die alljährliche am Grab des h. Antonius zu Padua 

warf oft bis h'" Goldstücke ab; Mich. Savonarola, de laudibus Patavii, hei 

!. \\1\. im!. L148. (ieschrieben nach L445.) 

In Venedig S. Maria de' miracoli 1480 aus einer hloss örtlichen, raschen 

Kollekte von 30000 Dukaten erbaut; S. (iiovanni Crisostomo 1497 meist aus 

Ablassgeldern; Malipiero, ann. veneti, archiv. stör. VII, II, p. 705. 

Besonders zahlreiche Stiftungen und Herstellungen von Kirchen und Klöstern 
i Schreckenszeiten, z. B. zu Ende des XV. Jahrhunderts in Perugia; Mata- 
razzo, cronaca, archiv. stör. XVI, II, p. <>. 

Doch die Oblationen bisweilen nur scheinbar freiwillig; Diario Ferrarese, 
hei Murat. XXIV, Gol. 197, die für den Domthurm von Ferrara seit 1451 that- 
- blich vorgeschrieben. 

§ 2. 

Die 1! a u g e si n u u n g «1 e r F 1 o r e n t ine r. 

In den luden Städten will vor allem der municipale Stolz in einem 
mächtigen Dombau sich selber »'in Genüge thun und die Nachbarn über- 
treffen. Die blosse Devotion, dem Anschwellen und Abnehmen unterworfen, 
tritt zarück neben Staatsbeschlüssen und Steuern. 

Von Venedig und Pisa im XI. Jahrh. ist das Nähere hierüber nicht be- 
kannt. Aber 11">:'> werden die Kosten für das Baptisterium zu Pisa durch eine 
deckt und dann, der Saye nach, Saiden. Pfeiler imd Bogen 
binnen 15 Tagen aufgesetzt; Vasari I. |». 239 (Le M. I, p. 210), im Proemio, 
c. li. Arezzo, welches das für den Domhau bestimmte Legat Gregors X. 

1276 mit Kriegt jeben, beschloss, dem Unternehmen für alle Zu- 

kunft bestimmte Strafgeldei zuzuwenden; Vasari I. p. 364, Xota 3 (Le M. I. 
p. 305 s.), vita di Margaritone. 

Insbesondere ergreifl der florentinische Staat sowohl als jede einzelne 
rde desselben jeden Anlass, um ihren monumentalen Ruhmsinn auch 
schriftlich auszusprechen, sogar durch Lob der Künstler. 

l ) In den Zitaten aus Vasari bezieht Biet die erste Band- und Seitenzahl auf die 
Mülanesi (Florenz. Sansoni, 1878 85), die in Parenthese stehende 
e Le Monnier < Flon az l - 16 ff.). 



§ 2. Die Baugesinnung der Florentii 

Im März 1294 beschloss die Stadt, nachdem schon seit Monaten Stimmen 
laut geworden, dass die alte Kathedrale S. Reparata nicht mehr blos iriert, 

sondern durch einrn Neuhau ersetzt werden müsse, eine 
Ehre und zum Lobe Gottes und der seligen Jungfrau Maria und zui Ehr< 
Gemeinde und des Volkes von Florenz und zum Schmucke dieser Sl 
Diese Worte werden von da an stereotyp in den Geldbewilligungsurkui 
Beispiele bei Guasti, S. Maria de! Fiore, p. - ss. 

Arnolfo, nach dessen Plan das Werk 1296 begonnen war, wird in einei 
Urkunde vom I.April 1300, welche ihm Steuerfreiheit zusichert, gepriesen al- 
ein Meister, der berühmter und im Kirchenbau erfahrener sei als irgend ein 
anderer in der Nachbarschaft; durch seinen Fleiss, seine Kunstfertigkeil und 
sein Genie hoffe Florenz, nach dem schon sichtbaren herrlichen Anfang des 
Werkes, einen Tempel zu erhalten, der ehrwürdiger und herrliche] sei, als 
irgend einer sonst in Toscana. .Man verstand sich zu einer Abgabe vom Ver- 
kehr, zu einer alljährlichen Kopfsteuer und anderen Lasten; Guasti, a. 
!>. XL ss. Bei der Wiederaufnahme des Baues nach längerer Unterbrechung, 
in dem Glücksjahr 1331, wurde zu der Steuer eine Quote von '\<-\\ verpachteten 
Zöllen und Steuern hinzugefügt und in jeder Bude ein Kästchen für „das Gottes- 
geld" aufgestellt; »du Villani X. cap. 194. 

Weil der Dom ~--it vielen Generationen als Höchstes galt, konnte und 
musste -i'-.'i das mächtige Verlangen und Vermögen zu seiner Vollendung in 
einem Florentiner konzentrieren: in Brunellesco. „Zwei grosse Dinge trug ei 
von Anfang an in sich: die Wiedererweckung der guten Baukunst und den 
Kuppelbau von S. Maria del Fiore." Vasari II. p. ■'<■'<' Le M. III. p. 2 

itos Ernennung zum Dom- und Stadtbaumeistei 1334 mit feuriger An- 
erkennung desselben als ersten Künstlers der damaligen Welt; Gayi 
p. 181 : Guasti, a. a. I >. p. i:;. 

Dass '-in bisheriges Gebäude durch Unschönheil eine Schmach im- dir 
Stadl sei, '-in künftiges ihr zur Ehrt- und Zierde gereichen solle, wird gesagt u. a. 
bei Aula-- des Neubaues von Orsanmichele 1336; Gaye, carteggio I. p. U 

i. Villani XI, cap. 67 und 93. Die Nischen der einzelnen Pfeiler wurden den 
Zünften auszuschmücken übergeben. Ihr Gold- und Silbermünzen, dir man in 
den Grundstein legte, hatten dir Inschrift: ut magnificentia populi florent. artium 
et artificum ostendatur. 

Der Neubau einer Ordenskirche wird durch einen besonders verehrten 

I' i-tri||.lrdlL:r| dr|| Y ( I l'll r || 1 1 1 r 1 1 1 1 1 1 d Kri'hrll deS I "' I I r |1 r ndr 1 1 Sl . ld I ( | Hart l.T> ill- 

Gewissen geschoben. Antonio Manetti, vita di Brunellesco, ed. Holtzing« 
bei Anlass von S. Spirito, l 1-28. Wir zitieren diese noch ofl zu erwähnende 
Quellenschrift unter dem durch Milanesis Forschungen eingebürgerten Namen des 
Manetti, wenn des letzteren Autorschaft neuerdings auch in l stellt ist. 

In welchen Händen auch der Staal sich befinden mochte, immer blieb 
die höchste Ambition die Seele des öffentlichen Bauwesens, nur dass mit 
der Zeit weniger Worte davon gemacht werden, weil sich die Sache von 
selbsl verstand. 

Der ilurriiiinisrhe Theoretiker Leon Battista Alberti um 1 i r>* • 

und Macht des alten Rom - ils von dessen Bauten I i i 



I. Kapitel. Der monumentale Sinn der italienischen Architektur. 

Thucydides, welcher die Athener mit Rech! darob rühme, dass sie durch Be- 
stigungen viel mächtiger schienen, als sie waren. Arte edificatoria , Introd. 
Igari, vol. IV. p. l ,|v > 
Antonie Manetti . der nach 1171 seines Landsmannes Brunellesco Leben 
schrieb, meinte, im Altertum sei man an die Errichtung von Prachtbauten ge- 
gen, um Ruhm zu erwerben, Glanz zu entfalten und Bewunderung zu er- 
ben, daneben auch, um bequem und sieher zu wohnen und seine Sehätze 
zu behüten. Diese praktischen Zwecke sind charakteristisch jenen ersteren 
nachgestellt; Manetti. a. a. < '. p. l } <>. 

Qie gr en Medici, als sie ihre Personen der Staatsgewalt substituierten. 

ästen, dass sie damit eine allgemeine Baupflichi übernahmen. Cosimo (st. I t64) 
wollte vielen Leuten zu verdienen gehen, zahlte genau und reichlich, freute 
sich, dass das Geld in der Stadt blieb, und bereute nur, dass er nicht 10 Jahre 
früher zu hauen angefangen. Sein gesamter Aufwand an Bauten, Almosen und 

: i du Goldgulden, laut der authentischen Rechnung hei Fabroni, 

ent. Med. magnif. vita, Adnot. 2. u. 25. Höhere, aber übertriebene 

Schätzungen in Campani vita Pii II, bei Murat. 111. II, Gol. 976, und hei Vespa- 

siano Fiorentino, p. 332 bis 338; hier auch Gosimos Weissagung : in 50 Jahren 

werde von Besitz und Herrlichkeil dv< Hauses Medici nur übrig sein, was er 

aut habe. Vgl. auch Jovian. Pontan. de magnificentia. -- Das Wort seines 

Pietro über die Badia von Fiesole: so viel Geld wir hier verhauen, isl 

extra petulantiam ludumque fortunae gesichert; vgl. Matteo Bossi, hei Roscoe, 

vita di Lorenzo d. M. vol. IV. Beilage 5. Die Gesamt kosten der Badia beliefen 

sich auf 70000 Goldgulden (= etwa 'A\- Millionen Lire: Fabriczy, Fil. Brunel- 

i. S. 274 — Lorenzo magnifico, Pietros Sohn, freute sich beim Überschlag 

der gewaltigen Kosten, dass das Geld so gut ausgegeben sei: vgl. Kultur der 

Renaissance, III. Ami. I, S. 78 u. 139; IV. Aufl. 1, S. 7!» s. Dass die drei Genann- 

die Bauten von Kirchen und Klöstern vielleicht auch für ein politisch sichreres 

Kapital denn Geld gehalten, deutet Alessandro de' Pazzi an, Archiv, stör. I. 

p. 422. Der Ruhm der mediceischen Hauten unter Lorenzo. Matteo Bossi, 1. c. 

Di'- Venezianer wussten wohl, weshalb sie dem hei ihnen im Exil (1433) 

weilenden Cosimo verboten, die Fassade von S. Giorgio maggiore zu hauen. 

- asovino, Venezia, fol. Hl. 

In welchen Ausdrücken sich der Qorentinische Staat auch für andere 
i Künstler, /. B. für einen Bildhauer im .1. 1461 nach aussen verwendet. 
-. j,o I. p. 196. 

§ 3. 

I • i '• Ba ii g e s i ii n n ii g 'I e r S i e n e s en. 

Der Bau-Ehrgeiz Sienas nimm! in den offiziellen Äusserungen oft 
eine wahre Heftigkeil an und blickl unruhig Dach aussen. Kino eigene 
ihönerungsbehörde wacht namentlich über den Strassenkorrektionen. 
Petitionen von Bürgern in Bau- und Kunstsachen sind nichts Seltenes. 

Milanesi, documenti per i.i storia dell' arte Senese, bes. I, p. 1(51 — 164, 
]-- 193. II S. 39, 183, 301, :'>:'>/, 339, 345, :r>:{. III, S. 100 u. f.. 
■ 273 275 _'- i 310 u. ... a. 0. Allegretto, Diari Sanesi, bei Murat. XXIII, 
"7 i äs. 



§ l. Baugesinnung and< - Ite, ;, 

Das Stiilestehen des Dombaues heissl eine Schande; 1298 Weiterbau 
aus städtischen Mitteln; — der sog. neue Dom 1321 wird dek 
pulcra, magna et magnifica. — Die bisherige Domsakristei, . i 
kirche" passend wird 1407 für eine Schmach der Stadt erklärt. -Bürg tition 
von 1389 um Vollendung des Domes und Beifügung eines Campo santo in der 
Art des pisanischen, welches eine der vornehmsten geweihten Bauten der ganzen 
Christenheil sei. 

Schon 1286 verlangen dir Minoriten fasl trotzig - 1 : t < 1 1 i - . • f i . - Üciliilt- für eine 
Passade, weil es der Gemeinde von Siena nicht zur Ehre gereiche, wenn vornehme 
fremde Geistliche und Städteboten kämen und die provisorische, „das Ding von 
Backstein und Mörtel", sähen. Im Jahre 1329 >taatdiriiraL r an die Karmeliter 
für eine Tafel des Lorenzetti, welcher 'lal.fi urkundlich gerühmt wird. 

Der Staat befiehlt 1288 der Dombaubehörde, dem Sculptor Ramo 'li Pa- 
ganello «'inen grossen und schönen Auftrag zu geben, woran er könne suum 
magisterium ostendere et industrium suum opus. — Nach 1527 braucht die 
eifrige Bürgerpetition um Anstellung des von dem verwüsteten Rom hergeflüch- 
teten Baidassar Peruzzi u. a. den Ausdruck: 'las- Ehre und \. ■ der Stadt 

dadurch in andern Städten zunehmen würden; ausserdem hofft man. dass Siena 
durch ihn eine Kunstschule werde. 

Die Ufficiali dell' Ornato begutachten u. a. 1 169 eine Expropriation zur 
Bildung eines Platzes mit der Erwägung: Platz und Stadt müssten davon solche 
Würde gewinnen, dass jeder Bürger täglich mehr davon erbaut sein werde. 

Einer Landstadt des sienesischen Gebietes, Grosseto, wird 1540 für den 
Hau ihrer Kathedrale ein bestimmter Baumeister und ein approbierter Plan 
desselben vorgeschrieben. 

Bürgerbeschwerden gegen nur ungenügende Freskomadonna an Porta 
nuova; gegen das Feueranmachen in dem neu und herrlich gemalten 

--.•n Saal im Pal. de) Podestä . zum Teil au- betonter Rücksicht auf die 
Fremden 1316 . 

Im.- \ er2ögerte Vollendung der Fönte gaja heissl 1419 amtlich eine Schande 
der Stadt : Gaye, i arteggio I. p. '"i. 

Tili Beiträge zum Ausbau des Oratoriums dei Ortsheiligen Katharina 
wird 1469 der Staat angegangen im Hinblick auf die Ehre der Stadt, auf die 
Meinung der andächtigen Fremden, auf dir Verdienste der Patronin, auf den 
Ruhm Sirnas durch sie, auf die gegenwärtige Friedenszeit, endlich „weil wir 
eine dei wenigen Städte der Welt sind, welche noch dir Himmelsgabe der 
3sen Freiheit gemessen". 

Ein wahrer [nbegrifl des sienesichen Pathos i-t dir schöne Beschreibung 
der Zeremonie, mit welcher Duccios Altarwerk 1310 in den I >« >m geführt wurde. 
Milanesi I. p. 168 

Baugi - i ii ii n ii g a n '1 -• re r S t •• <\ i <-. 

Auch in halbfreien und fürstlichen Städten, sobald sie eigene städtische 
Bauentschlüsse fassen können, äussert sich ein ähnliches Gefühl in kl 
Worten. Venedig schweigt beinahe völlig; wo es spricht, tönen seine w 
am stolzesten. 



1. Kapitel. Der monumentale sinn der italienischen Architektur. 

Orvieto nennt 1420 seinen Dom eine herrliche Kirche ohngleichen in 
Welt; 1380 die Ambition, die grösste Orgel der Weli bauen zu lassen: 
Hella Valle. storia del Duomo di Orvieto, p. 118 und docum. 50 und 63. 

In Perugia ist es 1426 der päpstliche Governator, welcher die Bürger 
let, eine so vornehme Stadt brauche einen viel mächtigeren und schöneren 
i als der bisherige sei; die Kosten zwischen Papst, Bürgerschaft und Dom- 
kapitel geteilt. - Einem Neubau von S. Domenico zuliebe wurde eine Ver- 
kehrssteuer beschlossen; Graziani, cronaca, im Archiv, stör. XVI, I. p. 318, 
118 """ 620 

\ .: dem herabgekommenen Piacenza lastete aus besseren Zeiten, seit 
200 Jahren, das Gelübde, eine Madonnenkirche zu bauen: die merkwürdige 
Bei 1 mit besorglicher Einrede, der Herzog Galeazzo Sforza möchte 

Stadt plagen, wenn sie Geldmittel sehen lasse; che Ausführung hauptsächlich 
durch Kollekte mit Hilfe eines grossen Predigers Fra Giovanni da Lugo, 
Reitet von Wundem und Zeichen; Annales Piacentini, bei Murat. XX. 
Gol. 921, ss. 

In Venedig bekam Sanmicheli (gegen 1540) den Auftrag zum Bau der 
prächtigen Wasserfeste S. Andrea am Lido mit der Bemerkung: da er in 
weil die Festungen der Republik (auf Korfu, Kandia, Gypern) neu ge- 

baut habe, möge er nunmehr wohl erwägen, was seine neue grosse Ver- 
pflichtung mit sich bringe bei einem Bau, welcher ewig vor den Augen des 
Senates und so vieler Herren dastehen müsse. Vasari VI, p. 347 (Le M. XI. 
p. 1 15), v. di Sanmicheli. 

§ 5. 

Denkweise der G e w a 1 th e r r sehe r. 

Die Herrscher, fast alle illegitim und gewaltsam, waren kraft psycho- 
v i Notwendigkeit meist so baulustig als ihre Mittel es zuliessen. 
Bauten waren ein dauerndes Sinnbild der Macht und konnten für die Fort- 
dauer einer hvnastie und für ihre Wiederkehr, wenn sie vertrieben war. 
von hohem Worte sein. 

Über das Verhältnis des usurpierten Fürstentums zum Ruhm und zur 

/g Kultur d. Renaiss., IIb Aufl., I, S. s, Kit u . f.; IV. Aufl. I, 

S. 8 ! 13 i. i . das Verhältnis zur Kunst, bes. zum Bauwesen, umfasste beides. 

Vgl. d. Verf. Zeit Konstantins d. Gr., S. 164; II. Aufl. S. 113. — Die Bau- 

politik dei Medi< i -. i 2. 

Gleich der Anfang der ital. Tyrannis ist bezeichnet durch den Baugeisl 
schrecklichen Ezzelino da Romano (st. 1259), der Paläste über Paläste 
baute, um nie dann zu wohnen, und Bergschlösser und Stadtburgen, als er- 
wartete er täglich eine Belagerung; alles um Schrecken und Bewunderung ein- 
zuflössen und den Ruhm seines Namens jedem Gemüt so einzuprägen, dass für 
ihn k<-iii'- Vergessenheit mehr möglich wäre: Monachus Paduanus, in fine L 
II. u. .i. in der Sammlung des Urstisius; 

Bald nehmen die Herrscher von .Mailand, die Visconti wie die Sforza, 
mit Bewnsstsein die erste Stelle unter den bauenden bürsten ein. 

Giangaleazzo Visconti st. 1402 . mit seinem spezifischen Sinn für das 
Kol let „das wunderbarste aller Klösicr-. die Certosa bei Pavia, 



§ 6. Roinagna, Mark and Umbrien. 7 

und „die grösste und prächtigste Kirche dei Christenheit", den l 1 ■ 1 Mailand, 

„der gegen das ganze Altertum in die Schranken treten kann" l rkunde v. 
1490, bei Milanesi II. p. 138), und baute weiter an dem schon 
Oheim Bernabo begonnenen Kastell von Pavia §21 . der herrliche 
der damaligen Welt. — Fiüppo .Maria Visconti -t. Iii7 baute Lust* 
und richtete das Kastell von Mailand zu einer prachtvollen Wohnung ein. 

Von den Sforza i-i zunächst Francesco zu erwähnen, der ebensoviel That- 
kraft als künstlerisches Verständnis bewies durch die Gründung und energische 
Förderung des Riesenunternehmens, alle Spitäler Mailands in einem gewaltigen 
Neubau zu vereinen, der da- denkbar schönste Spital repräsentiere. Sodann 
i-t besonders wichtig Lodovico Moro gestürzl 1500), beraten von Bramante 
und Lionardo. Grosse Korrektionen von Mailand und Pavia; Neubau von 
Vigevano mit Gärten, Aquädukten und zierlicher Piazza. Cagnola, im Archiv. 
stör. III, p. 188; über Vigevano auch Decembrio vgl. §. 1 l»-i Muratori XX, 
Col. !>!»*. hei Moro ernannte li'" 1 Milanesi II. p. i'.l s.) die Meister für Er- 
richtung einer Domkuppel, „welche schön, würdig und ewig sein -"II. wenn sich 
auf dieser Well etwas Ewiges hervorbringen lässt". 

Auch dir Gonzagen von Mantua geben ihren Baugeisl deutlich kund. 
ausserdem etwa noch »du geldreicher Condottiere. 

Für Mantua besonders wichtig erst die Regierung des Hei _•- Federigo; 
Umbau von ganzen Quartieren 1526 bis 1546, Hau des Pal. de Te u. 
Vasari \'. p, 535 ss. (Le M. X. p. 109 ss.), v. di Giulio Romano. 

Bei Gaye, carteggio II. p. 326 ss. <U>- merkwürdigen Aktenstücke über 
dm Hau eines neuen Domes zu Mantua 1545 . welcher von der Herrscher- 
familie wesentlich als weltliche Ehrensache betrieben und den Unterthanen am' 
höchsl glimpfliche Weise zu einer uur massigen Beihilfe empfohlen wird. 

Der Feldherr Colleoni -t. 1475), im Bewusstsein, da-- ihn die Republik 
Venedig erben werde, baute drei Kirchen nebsl seiner prachtvollen Grabkapelle 
in Bergamo § 80 und da- schöne Landschloss Malpaga; Paul. Jovii elogia, 

sub Bartol. Coli i". Vgl. Kultur d. Renaiss. Hl. Aufl. I. S. 126, oben; 

IV. Aufl. I. S. 23. 

§ 6. 

i; i> in ;i «r 11 a . M a r k u ml U m b r i e 11. 

Südlich vom Po in der Romagna und Mark Ancona und weiter in 
Umbrien entwickelte sich in der relativ langen Friedenszeil von 146fi bis 
nach 1480 der fürstliche und zugleich der städtische Bausinn vorzüglich 
stark, offenbar durch Wetteifei . 

Um diese /aal mögen in Oberitalien die Riegelwände verschwunden sein, 
von welchen Lomazzo trattato dell' arte, ed. Milan. 1585, p. 649) als 
dort früher allgemeinen Bauweise spricht. 

In Faenza baute nach Kräften Fürs! Carlo Manfreddi, in Ravenna dir \ 
zianische Regierung, in F01 Li Fürs! Pino Ordelaffo, der auch den bauend« n Pi 
Leuten mit Hufe, Ral und Gunsl beistand und sein neues Palatium : 17-J dun 1 
feierlichen Ritterschlag einweihte; \\\u. Foroliviens. b< 1 M irat. XXII, 1 

In Bologna Annalen des Mönches Bursellis, bei M rat, XXIII 
damals, besonders 3eil 1460, um die Wette die Geisthchen, der p 



1. Kapitel. Der monumentale Sinn der italienischen Äjchitektur. 

.-. das halbfürstliche Haus der Bentivogli, die Stadtbehörde, die Zünfte, 
die Privatleute und namentlich die reichen Professoren; Privatpaläste ..eines 
Fürsten würdig"; der Palast der Bentivogli ^königlich"; die grossen und teuern 
ktionen s. § 1 12. 
In Pesaro tli.it Fürsl Costanzo Sforza (Vetter des Moro) das Mögliche für 
K. rrektion und Ausbau der Stadt und schuf die zierliche Veste daselbst per 
fantasia. 
Der Ruhmsinn verbunden mit einer entsetzlichen Gemütsart in Sigis- 
mondo Malatesta, Fürsten von Uiniini ist. L467), dem Zerstörer dessen, was 
andere gebaut, um das Material neu zu vernutzen und kein Andenken als das 
.eben zu lassen. Für sein S. Francesco (seil L447), das er eigent- 
lich sich seihst und der schönen [sotta zu Ehren haute, wurde der Hafen 
und viele andere Gebäude, Grabmäler, ein Stiftshaus und ein Glockenturm zu 
Rimini zerstört und zu Ravenna der Marmor aus drei alten Kirchen (S. Severo, 
- ^pollinare in Glasse und Galla Placidia) geraubt. Vasari II, p. 540, Nota 4 
1. M. IV, p. 56, Nota), v. di Alberti. Vgl. Kultur d. Renaiss. III. Auil. I, 
S. 271; IV. Aufl. 1. S. 255. tuten § 63. 

Auch die Kleinsten strengten sich an. Shnonetto Baglione, der das 
tchen Diruta verwaltete, liess wenigstens die Piazza pflastern und wollte 
auf kühnem I.o^en von Fels zu Fels Wasser herleiten, lauter Dinge ,.zu ewigem 
Andenken", als ihn (1500) sein Schicksal ereilte. Matarazzo, cronaca, archiv. 
stör. XVI. II. p. 107. Vgl. Kultur d. Renaiss. III. Aufl. I, S. 30; IV. Aufl. I. 
S. 30. 

Bei den Herzogen vom Haus Este zu Ferrara, Borso (st. 1471) und 
Ercole I. (st. 1505) sind die eigenen Bauten zahlreich, massig und zweck- 
mässig, da- letzte Ziel weniger monumental als politisch: eine reiche, feste, 
starkbevölkerte grosse Stadt zu schaffen. Sie bauten gerade so viel selbst 
und regierten dabei so. dass andere, auch eingewanderte Fremde, veran- 
tssl und wohl auch genötigt) wurden, ebenfalls und zwar nach der vor- 
geschriebenen Richtung zu hauen. 

Diario Ferrarese, bei Murat. XXIV, und Annales Estenses, bei Murat. XX, 

Einmal schau! bei Borso eine babylonische Denkart hervor, als er 

fronweise in seiner Po-Ebene den grossen künstlichen Monte santo aufschütten 

Die Korrektionen und Quartieranlagen § 112. - Um den herzoglichen 

- bifanoja berum entstand ein Palastquartier u. a. durch eingewanderte 

florentinische Verbannte. Für bestimmte Zwecke wurde bisweilen a furia, über 

Hals und Kopf gebaul und die Expropriation sehr teuer bezahlt. 

Der grosse Eederigo von Montefeltro, Herzog von Urbino (st. 1482), 
Kenner der Architektur, haute ausser vielen Festungen seinen berühmten 
Palast, welcher als einer der vollkommensten seiner Zeit galt. 

isiano fiorentino, p. 121 s., p. 146; weitere Aussagen von Zeit- 
bei 3chmarsow, Melozzo da Forli, S. 350 ff. Vgl. Kultur 
3S. III. Aufl. I. S. lö. 269; [V. Aufl. I. S. U>, 253. - An dem Palast 
Leichl selbei das Meiste gethan haben. 



§ (. Monumentaler Sinn Papsl Sicolaus' V. m 

§ T. 
monumentaler sinn Papsl Nicolaus' V. 

Jn dem zerrütteten Rom erhoben sich die ersten Päpste nach dein 
Schisma kaum über Reparaturen. In NJcolaus V. (4447 L455) aber war 
Hauen und Bücher sammeln zu Einer übermächtigen Leidenschaft gediehen, 
zu deren Gunsten der Papsl selber erhabene sowohl als praktisch.- Gesichts- 
punkte geltend machte. An Universalität der künstlerischen [nten 
hat es ihm keiner auf dein Stuhle Petri gleich gethan, an Grossartigkeil 
baulicher Intentionen komml er Julius II. nahe. 

Hin Nachfolger von ähnlicher Hoheit künstlerischen Sinn.'-. Pius II.. urteilte 
aber ihn: ..er hal Rom mil mächtigen Bauten in grosser Zahl wunderbai g 
schmückt; hätte er alle seine Projekte ausführen können, so wäre er hinter 
keinem der alten Kaiser zurückgeblieben;" Europa, cap. 58. 

Über 'lie zunächst auf Wiederherstellung äusserer Ordnung und ge- 
sicherter Zustände gerichtete Thätigkeit Martins Y. (1417 31) s. K. Müntz, 
Les art- ä la cour des papes. I. s. I ff.; [nfessura bei Muratori, Scriptores IM. 
2, p. 11l'2; seine Bulle von 1425 s. in Bullarum amphssima collectio III. 2, 
p. ir.L'. hei Theiner, Codex diplomaticus III. p. 290, hei Müntz, ... a. • ». p. 335 ff. 
Nicht umsonst forderte Martin seine Prälaten zu thätiger Mitwirkung auf 
[Muratori III. 2, p. s *>7. 858, s. bei Müntz. a. a. Ü. p. 2 ; seine eigene Thätig- 
keit durfte der Papst hoch genug schätzen, um sie durch eine Medaille dem 

Gedächtnis der Nachwelt einzuprägen (Venuti, Nuniismata romanorum | ti- 

licuin. p. 1: Müntz, a. a. 0. p. 3). — Auf «ler gleichen Bahn des Restaurieren^ 
schritt Eugen IV. (1431 17 fort (Müntz* nouvelles recherches, 1884, p. 33 ss. 
einen für Neuschöpfungen vorbereiteten Boden fand erst Nicolaus V. 1117 
bis 1455 vor. -■ Über seine Werke und Projekt. • s. Vitae Paparum, bei Mura- 
tori III. 2, Col. 925 it.. besonders 949 Testament); beide Quellen auch bei 
Müntz, a.a.O. I. p. 337 ff.; Piatina, in vita Nicol. V.; Müntz, a.a.O. p. 68 ff. 
über Albertis mutmasslichen Anteil an den IM. .neu des Papstes vgl. Dehio im 
Repertor. f. Kunstwissenschaft III. p. 241 ff. Aussei vielen Bauten in Land- 
städten die fünf grossen, nur geringstenteils ausgeführten Projekte für Koni 
Herstellung der Stadtmauern und der \0 Stationskirchen, Umbau des B 
zur Wohnung für die gesamte Kurie. Neuhau des Vatikans und der Peters- 
kirche; dazu Korrektionen der Strassen und Plätze und Verbindung dei l< tzteren 
durch schattige Kolonnaden, wie sie die antike und frühchristliche Zeil nach 
dem Vorbild hellenistische] Städte geliebt hatte. Vgl. auch Müntz, nouvelles 
rei herches, 1889, p. i 1 ' ss. 

Die Motive nach den Biographen: Ehre und Glanz des apostolischen 
stuhle-. Förderung der Devotion der Christenheit und Sorge füi den eig 
Kuhin durch unvergängliche Kaulen. 

Laut der eigenen Rede des Papstes an die um sein Sterbebette 
sammelten Kardinäle: das monumentale Bedürfnis der Kirche, nicht in b« 
der Gelehrten, welche Entwicklung und Notwendigkeil der Kirche auch 
Kauleu verständen, wohl aber gegenüber den turbae populorum, wel 
durch Grösse dessen, was sie sähen, in ihrem schwachen und bedrohten < 



l,i l. Kapitel. Der monumentale sinn der italienischen Architektur, 

bestärkt werden könnten. Dazu dienten besonders ewige Denkmäler, die von 

■ seihst erbaut schienen. Die Festungen im ganzen Staat habe er errichtet 

i Feinde von aussen und gefährliche Neuerer im Innern. (Vgl. Kultur d. 

dss. 1. S. 99, 227, 234; l\. \utl. I. S. h >:>. 204, 213.) „Hätten Wir alles, 

-Kirchen und andere Hauten, vollenden können, wahrlich. Unsere Nachfolger 

„würden mil er Verehrung aller Christenvölker angebetet werden und 

..sicherer vor innern und äussern Feinden in Rom wohnen. Also nicht aus 

„Ehrgeiz, aus Prachtliebe, aus leerer Ruhmsucht und Begier Unsern Namen 

„zu verewigen, haben Wir dieses grosse Ganze von Gebäuden angefangen, 

- i lern zur Erhöhung des Ansehens des apostolischen Stuhles bei der ganzen 

„Christenheit, und damit künftig die Päpste nicht mein- vertrieben, gefangen 

tommen, belagert und sonst bedrängt weiden möchten." Die letzte (ver- 

iche Hitte an die Kardinäle, man möge fortfahren und vollenden, prosequi, 

perficere, absolvere ' 

Nur das unermüdliche Streben nach gewaltigen Neuschöpfungen erklärt 
bei diesem Papste die sonst unbegreifliche Geringschätzung der antiken Trümmer, 
die er ohne Skrupel preisgab, wenn es galt, aus ihnen Baumaterial für die 
neuen Werke zu gewinnen. Forum, Kolosseum und Gircus maximus wurden 
unter seinem Pontifikat besonders geplündert. Wie wenig dieser Vandalismus 
dem Sinne einsichtsvoller Zeitgenossen eidsprach, bezeugen die Aussagen eines 
Manuel Chrysolaras, Alberto Averardi (der zudem die cose moderne als molto 
tristi bezeichnet), Flavio Biondo u. a. Vgl. des Letztern Roma instaurata I, 
cap. l ( >i: III. cap. s . und anilere Stellen, zum Teil bei Müntz, Les arts ä la 
, des papes, I. p. 106; Urlichs, Codex topograph. p. 234 f. — Vgl. § 26. 

§ 8. 
Die übrigen 1 ' ii p s t e b i s auf J u 1 i u s II. 

Von den nächstfolgenden Päpsten Calixt III. (bis 1458), Pius II. (bis 
. Faul II. (bis 1471), Sixtus IV. (bis 1484), Innocenz VIEL (bis 1492) 
und Alexander VI. (bis 1503) verrät keiner mehr diesen hohen Eifer für 
allgemeine. Wohl aber offenbart sich der Prachtsinn weltlicher Fürsten 
und die Rücksicht auf Rom als Residenz. Seit Pius II. beginnen die 
reicheren Kardinäle tun die Wette Paläste zu bauen, und sixtus [V. fordert 
sie sogar dazu auf; auch ihre Titularkirchen zu schmücken wird für sie 
Ehrensache. 

P ,- II. hatte Bausinn und edeln Geschmack, aber nicht so sehr für Rom, 

als flu seinen Geburtsort Gorsignano, den er zur Stadt, zum Bischofssitz, 

Amtsort und Festori erhob und nach seinem Namen Pientia nannte, wie 

(ander, die Diadochen und die Imperatoren so manche Städte nach ihrem 

Samen benannl hatten. 

Paul II.. dei hon als Kardinal (Barbo) durch den Bau des ersten 

laissancepalastea in Rom Palazzo di Venezia, begonnen vor 1455) hervor- 

gethan, unternahm die Fortführung des Neubaues von St. Peter und erweiterte 

vatikanischen Palast; vgl. die Dokumente bei Müntz, a. a. 0. Bd. II, und 

Grimaldi, Cod. Barberin. XXXIV, 50. - Auf den Palast bei S. Marco hatte 

Faul bereits als Kardinal 15000 Golddukaten aufgewendet und den Bau so 



; - Die übrigen Päpste bis auf Julias II. 11 

gefördert, dass er ihn im Beginn seines Pontifikata ei ihnen 

konnte; Muratori [II, 2, p. 1140. Mit diesem Neubau ging die Res l der 

Basilika S. Marco Hand in Hand. 

Sixtus IV. mit vorherrschend profanem Bausinn errichtete 
schwer entbehrte mittlere Tiberbrücke, den Ponte Sisto mit der naiven Inschrift, 
und gewann die Aqua virgo (Acqua di Trevi wieder für Rom. Doch stellte 
er, zumal bei Anlass des Jubiläums 1 17r>. auch mehrere Kirchen her. 

(her die Hauten der Päpste und Kardinäle: Müntz, Les arts etc. I III. 
Pii 11. Comment. I. VIII, p. 366, vgl. L. VI, p. 308. Vitae Papar. bei Murat. 
III. II. Col. mis. 1031, 1034 ss., 1046, 1064 >.. 1098. Ferner Platinae conti- 

nuator (Onuphr. Panvinius), passim. Albertini, de mirabilibus R ae, im III. 

Buch fol. 83 85: Herstellungen und Neuhauten der römischen Kirchen von 
sixtus IV. bis auf Julius II. fol. 99 die Hauten des Julius insbesondere, 
schon seit er Kardinal war. auch ausserhalb von Rom. fol. ss 91: die 
Paläste, Häuser, Gärten und Vignen von Kardinälen, Prälaten und Weltlichen. 
alles sich kaum über die blosse Aufzählung erhebend). Die Kardinäle und 
Prälaten hauten wohl auch vgl. § 95 weil sie wussten, die Kurie winde ihre 
bewegliche Habe gewaltsam erben. Mit ihren Prachtgräbern § 139 verhält es 
sich grösstenteils wohl ebenso. 

Der gewaltige Julius II. (1503 bis L513), schon als Kardinal bau- 
lustig bis zur höchsten Anstrengung seiner Kräfte, unternahm den Neubau 
von St. Peter (§66) und dem Vatikan in einem freien und grossen Sinne, 
wie ihn kaum je ein Bauherr gehabl hat. 

Onuphrius Panvinius, de vaticana basilica, hei Mai. spicileg. romanum, 
Tom. IX. p. 365 SS Vgl. Hauke. Päpste, I. S. tu». Folgend.- der Inhalt: 

Hohen Mutes, in Kampf und Krieg gegen die Feinde der Kirche uner- 
schütterlich und hartnäckig, pflegte Julius von allen Dingen, die ihn einmal 
ergriffen, dergestalt entflammt zu werden dass ei das kaum Erdachte auch 
gleich durchgeführt zu sehen erwartete. Unter andern grossen (iahen •• 

iuch eine wunderbare Begeisterung des Bauens, mochte sie auch die Schuld 
sein an mehr als einem Unterbau, der nicht weitergeführt wurde. Anspielung 
auf da- angefangene Gerichtsgebäude an der Via Giulia. Überdies hatte er 
Männer um sich wie Bramante, Rafael, Baidassar Peruzzi, Antonio da Sangallo, 
Michelangelo und andere. Bramante, damals als der grösste von allen geltend, 
hatte endlich an ihm .inen Papst gefunden, wie er ihn wünschte; beredt wie 
er war, gewann ei ihn für einen Neubau von St. Peter, welchi 
des päpstlichen Namens und der Majestät des Apostels würdig w lies? 

den Papst bald Ansichten, bald andere Zeichnungen für die künftige Kirche 
-.•Inn. kam immer von neuem darauf zurück, und schwur dem Papst, 
dieser Hau ihm «inen ewigen Ruhm sichern werde. Julius II. in seinem hohen 
und weiten Sinn, wo für kleine Dinge keine Stelle war. stets aut 
gerichtet magnarum semper molium avidus liess sich von dem M 
gewinnen und beschloss die Zerstörung der alten und den Authau einei 
waltigen neuen Peterskirche. Dabei halte er gegen sich die Leute I 

Stände, zumal die Kardinäle, welche auch gen ine prachtvoll. 

habt hatten, aber den l ntergang der alten, für den ganzen ' 
würdigen Basilika mit ihrer Menge von Heiligengräbern un 



1. Kapitel. Per monumentale Sinn der italienischen Architektur. 

ingen bejammerten. Der Papsl aber blieb beharrlich, warf die Hälfte der 

alten Kirche nieder und legte die Fundamente der neuen 1 18. April 1506). 

Mit diesem Bau, so schwankend dessen Schicksale einstweilen waren, 

stellte sich das Papsttum auf lange Zeit an die Spitze alles Monumentalen 

im ganzen Abendlande. Zur Zeit der Gegenreformation hatte dies nicht 

bloss formale, sondern auch weltgeschichtliche Folgen. 

Wogegen kaum in Betracht kommt, dass unter Leo X. der Bau einiges 
im Ausbruch der Reformation mit beigetragen hatte. 

Alt-St. Peter war schon um 1450 fast (i Fuss aus dem Lot gewichen 
l hielt schon nur noch durch die Verankerungen des Daches zusammen; 
Alberti, arte edificatoria , L. I (opere volgari, vol. IV, p. 242). Das nächste 
Erdbeben hätte die Kirche umgeworfen; ib. L. X. cap. 17. p. :*!H s., ed. Ticozzi 
ch bei Munt/., nein, recherches III. p. 52 s.), ein Vorschlag zur Wieder- 
stellung. 

§ 9. 

Gesinnn ng des Prival b a ue s. 

Audi bei Privatleuten zeigt sich in Italien frühe eine begeisterte 

Besinnung. Schöne und grosse Bauwerke sind eine natürliche Äusserung 

des veredelten italienischen Lehens, bei einigen Bauherrn wohl auch eine 

Vorstufe zur fürstlichen Macht. Venedig ist wiederum schweigsam, Florenz 

beinahe gesprächig. 

Der Venezianer, welcher Ambition an den Tag legte, war ein solcher, 
der lv>'in gutes Ende nahm (1457), der Doge Francesco Foscari. Auf den Palast, 
der fortan seinen Namen trug, haute er das obere Stockwerk, damit man 
denselben nicht mehr wie früher Gasa Giustiniana nenne; Sansovino, Venezia, 
toi. 149. 

Für Florenz ein frühes, lautes Bekenntnis in den Briefen des Niccolö 
ajuoU, «1er aus einem Kaufmann Grossseneschal von Neapel geworden und 
der Kerne seinen Bruder mit dem Bau der mächtigen Kartause bei Florenz 
iftragt, im J. 1356. Gaye, carteggio, I, p. 61, 64. Vgl. Matteo Villani III, 

Was mir Gott sonst Lie^ehen. geht an nieine Nachkommen über 

„und ich weiss nicht an wen, nur dieses Kloster mit seinem Schmuck gehört 

„mein auf alle Zeiten und wird meinen Namen in der Heimat grünen und 

„dauern machen. Lud wenn die Seele unsterblich ist, wie Monsignor der 

ji so wird meine Seele, wohin ihr auch befohlen werde zu gehen, 

- ■ ; i dieses Baues freuen." 

Der Name des in Kai-er Sigismunds Dienst als l!;il und Feldherr gegen 

die Türken viel geltenden Filippo Scolari oder Pippo Spano. der in Ungarn etc. 

jebüch 180 Kapellen baute, und den man für den Stifter der Polygonkirche 

Maria degli Angeli in Florenz ansah, ist aus diesem Zusammenhang zu 

itdem sich urkundlich heraos^estellt hat, dass Scolari nur die Erh- 

aft eines Bi iders und eines Vetters kurze Zeit verwaltet hat. welche später 

zum Bau jenes, von Brunellesco entworfenen, aber unvollendet gebliebenen 

:- verwendet wui 

Die höchste Ambition, die der Privatbau auf Erden an den Tag gelegt 

hat: Palazzo Pitti, füi Luca Pitti gebaut. 



; 10. 1 '!•• ' reg ition. 1 a 

Über Palazzo Strozzi, gegründet 1 i^' 1 von Filippo Strozzi, i glän- 

zenden Gestalten des damaligen Florenz, eine zum Teil apokryphe zui 
aber sehr bezeichnende Erzählung, Gaye, carteggio I. p. 354 3. Vgl.] 
Strozzi, bauverständig und mehr auf Ruhm als auf Besitz gerichtet hdem 

ei für die Seinen reichlich gesorgt, will durch einen B einem 

Geschlechl einen Namen machen auch über Italien hinaus. I>.-r thats.o hliche 
Staatsherrscher, Lorenzo magnifico, der ein gar zu majestätisches '• n der 

grossen Geschlechter nicht liebte, aber doch ein prachtvolles Florenz haben 
wollte, liess sich die Pläne vorlegen, nötigte jenen angeblich zu einer -allzu- 
vornehmen - ' Rustikafassade und verbot ihm die Buden im Erdgeschoss. Sl 
hätte dem Lorenzo gar nie glaubhaft machen können, dasa er die Rustika fürchte, 
per nun esser cosa civile, während so viele andere Florentinei sie anwandten, 
und voll. -nil- nicht, dass er unten Buden anbringen wolle. Der Bau sollte ohne 
Eingriff in das Kapital, aus den blossen Einkünften bestritten werden, was auch, 
trotz anderer Bauten und Überteurung beim Platzankauf, gelungen wäre, wenn 
nicht Strozzis Tod I UM ••in.- Stockung herbeigeführt hätte. Sein Testament 
verpflichtete die Sühne zum Ausbau, unter Bedrohung, dass sonst der Palast 
an Lorenzo magnifico und eventuell an die Zunft der Kaufleute oder an das 
Spital S. Maria nuova fallen sollt-. Sie dessen es sich gesagt sein, und der 
berühmte Filippo strozzi der Jüngere (Varchi, stör, ßorent. L. IV, p. 321) voll- 
endet».' ilen Bau I. ">;;. 

An einem anmutigen Privatbau zu Mailand ( !asa Frigerio bei San Sepolcro) 
steht geschrieben: elegantiae publicae, commoditati privatae. 

Die Sinnesweise des vornehmen Privatbaues wird gegen 1500 auch 
theoretisch besprochen und auf bestimmte Grundlagen und Ziele zurück- 
geführt. 

Die Schrift des Neapolitaners Jovianus Pontanus „de magnificentia" definiert 
den Prachthebenden, den magnificus besonders auch in Bezug aut das Hauen. 
mit Belegen ans Neapel und Sizilien. Vier Sachen bedingen die höhere Würde 
.-ine- Baues: der Schmink, den man ehei übertreiben, G se, in der man 
sich eher massigen soll, die Trefflichkeit des Materials als Beweis, dass keine 
Kosten gescheut worden, und die ewige Dauer, welche allein den von . 
■ Iniien unvergänglichen Ruhm sichert. Anekdote von einem Catam 
welcher sich an enormen Fundamenten arm haute und sich damit tröstete, 

seh laraus werde wenigstens die Nachwelt schliessen, dass er ein gl 

Ih-ii gewesen. Das Geld muss nicht bloss thatsächlich ausgegeben, sondern 
sichtbarlich gerne und mit der wahren Verachtung ausgegeben woi 
Nur von vollkommenen Gebäuden geht die Bewunderung auch auf die l 
über, man kommt aus fernen Ländern, um sie zu bestaunen, und Dichter und 
Geschichtsschreiber müssen deren Ruhm verbreiten. 

Die Gegenrel tion. 

Dein Kirchenbau komml um die Mitte des XVI. Jahrhunderts als neue 
Triebkraft die Gegenreformation zu statten, welche nicht viel w 
sich macht, aber gleich mit bedeutenden Hauten auftritt. 



14 [L Kapitel. Kauherrn. Dilettanten und Baumeister. 

Noch kurz vorher um 1540) die Klage des Serlio über das Erlöschen des 
kirchlichen Baueifers, im V. Buche. 

Ein besonders auffallendes Steigen desselben seil 1563, d. h. seit der 

Publikation der Beschlüsse des tridentinischen Konzils ; Armenini, de' veri pre- 

: della pittura, Ravenna 1587, p. 1": in der ganzen Christenheit wetteifere 

man seither im Bau von schönen und kostbaren Tempeln, Kapellen und Klöstern, 

ei nichts zu wünschen übrig bleibe als eine ebenso grosse und lebendige 

Malerei und Skulptur: d. h. die Schwesterkünste unter der Herrschaft des 

3 bienen der Baukunst nicht ebenbürtig. 



II. Kapitel. 
Bauherrn, Dilettanten und Baumeister. 

§ ii. 

Kunstgelehrte B a u h e r r n des X V. J ah r h u n <l e r t s. 

Bei dem so ganz persönlichen Verhältnis vieler Bauherrn zu ihren 
Bauten, welche bisweilen als Hauptlebenszwecke und als Garantieen des 
Nachruhms behandelt werden, musste sich eine eigene Kennerschaft oder 
ein Dilettantismus entwickeln, welcher hie und da die wahre Urheberschaft 
zweifelhaft macht. Der Bauherr wird stellenweise zum Baumeister. 

Nicolaus V. ^ 7) wird beim projektierten Neubau von St. Peter geradezu 
-' dei An hitekt genannt und deshalb nicht mit Salomo, sondern mit Hiram 
Abif verglichen, als wäre Bernardo Rossellino nur sein Exekutant gewesen; 
Vitae Papar., bei Mund. III, II. Col. 938. 

Pius II. verrät bei der Schilderung seiner Bauten in Pienza (§ 8) eine 
Ikenntnis, dass anzunehmen ist, es möchte manches daran nicht 
B imeister Bernardus, sondern vom Papste selbst angegeben sein; Pii II. 
'.. besonders L. IX. p. 425 ss.; über Bernardo (wohl Rossellino) p. 432. 
K' s in Urbino §6 erschien, wenn man ihn borte, als Baumeister 
von Hause aus, und nicht nur kein anderer Fürst, sondern auch kein Privat- 
mann war ihm si U. Nicht nur für seine Festungen, sondern auch für 
_ •: lie Maasse und alles (übrige) an"; Vespasiano fiorent. p. 121. 
Dagegen äpricht er in der Urkunde von 1468 bei Gaye, carteggio, I, p. 214 
zwar als Verehrei und stolzer Kennei der Architektur, ernennt aber doch für 
i zu »einem altei ego den Luciano da Laurana, einen Illyrier, da 
er i ■ der Quelle der Architekten, keinen geeigneten Mann gefunden habe. 
Wii aag der Anteil des Chorherm Timoteo MafFei an der Badia zu 
esen sein, «reiche Cosimo durch Hrnneilesco bauen Hess? Nach 
Veg 265 i die Hauptsache von Timoteo gewesen. Die Aussage 
irdine dell' architettura e della composizione fu tutta sua" möchte 
Brunellesco, p. 268 30 verstehen, dass nur für Disposition und Stil 



§ 12. Baudilettanteu des XVI. Jabrhnndi i;, 

die Wünsche des Timoteo massgebend _•••■. 

als praktischer Architekt keine Nachrichten vorliegen. 

Lorenzo magnifico (st. L492 mischte sich in das ganze Qorentini 
wesen (§ 9), führte so scharfe Urteile über die Architekten von 
Federigo -••in Brief an den Kronprinzen Alfonso von V ye I. p. 

verschaffte denselben dann wieder Aufträge in der I • 
präsidierte und entschied die Beratung über eine neue Don i l'U 

Vasari IV. p. 299 ss., Le M. VII, p. 238 ss., im Comment. zur v. di Giuliano 
da Sangallo . ja, er soll sogai dem Giuhano da Majano das „Modello «1. h. wohl 
die Zeichnung) für * l i • * Villa Poggio reale, welche Herzog Alfons bi 
erbauen liess, eigenhändig entworfen haben; Luca Pacioli, divina proportione, 
ed. <:. Winlerberg, p. 18; vgl. § II*. Doch isi es bedenklich, die Wort» 
Vasari, \'. p. 25 Le M. VIII, p. 267], \. di A. del Sarto, in betrefl der Schein- 
fassade des Domes beim Einzug Leos X. 1515, auf eine hinterlasse / tiung 
Lort-tiztis zu beziehen. ha-- er es sehr hebte und beförderte, wenn 
Adlige Kunst Kunstdilettanten wurden, kam wohl schwerhch daher, dass 

dem edeln Geblüt ••in.- höhere Begabung zutraute (Vasari IV. p. jr»7 [Le 
M. VII, p. 203 s.], \. <li Torrigiano ; eher mochte er wünschen, dass dii \ 
den Einfluss im Staat vergässen, die Stadt verschönerten und sich gelegentlich 
dabei verbluteten. 

In Siena beweisen mehrere, schon einer frühen Zi-it angehörende, auf- 
fallend genaue Kontrakte für Palastbauten eine genaue Kennerschaft dei Be- 
treffenden; Milanesi I. p. -2'>-2 (für Pal. Sansedoni, schon 1339 , II. 
(für Pal. Marsigli, 1 i" 

Für Arezzo ebenda I. p. 200 der Kontrakt zum Hau der Pieve ! 

Für Pistoja ebenda I. p.229 der Kontrakt zum Bau des Baptisteriums I 

I- ranj •■-• - Sforza bemühte sich auf das eifrigste für das von ihm I 
gründete grosse Spital zu Mailand. Filarete wurde an Giovanni de' M 
empfohlen, um Aufnahmen eines Florentiner Spitals anzufertigen, das man 
viril, •ich! noch irgendwie verbessern könne, um den bestmöglichen Bau zu 
ilten; vgl. Sforzas Brief bei Corio im Poütecnico, anno XXI. und hei 
v. < »ettingen, Antonio Averlino, S 

g 12. 
Ba adilettanl en d e - XVI. J a h rh d ad erl s. 

Im XVI. Jahrhunderl wird die Baukunst von manchen vo 
Dilettanten fortwährend mit Ernst und Eifer betrieben. Publikationen 
Abbildungen erleichtem bald auch Unberufenen die Teilnahme. 1 ntei 
weltlichen Fürsten zeigt Cosimo I. (1537 bis 1574), Herzog, dann G 
herzog \"n Toscana, am meisten Absicht and Verständnis, wenn auch ein- 
seitiges; bei den Päpsten isi viel Baugeist, eigene] Dilettantismus 
wohl nur bei Julius 1 1 1. 

Luigi Gornaro, der Verfasser der vita sobria (Kultur «1 

S. 335, vgl. 319 l\ . Aufl. I. - 272 M - 55 ff.), nah' 

liehen Studien teil, hatte den berühmten Falconetto ! 

Jahre bis zu dessen Tode bei sich im Hause und nahm ihi 



11. Kapitel. Bauherrn, Dilettanten und Baumeister. 

mit. Die Frucht hievon waren die beiden Ziergebäude im Hof des jetzigen 
Pal. Giustiniani beim Santo zu Padua, datiert L524. Vasari V. p. 321, 325 
M. 1\. p. 205, 208), \. di Fra Giocondo; - Marcantonio Michiel (der ..Ano- 
nimo di Moielli" . Notizie d'opere di disegno, ed. Frimmel, p. 10; — vgl. auch 
die Dedication zum vierten Buche des Serlio (1544), wo dem Gornaro an seiner 
- dtwohnung sowohl als an seinen Villen ein eigener Anteil vindiziert wird. 
Patriarch Giovanni Grimani von Venedig hess seinen Palast hei S. Maria 
Formosa durch Sanmicheli hauen, half aber ..als trefflicher Architekt- durch 
..Anw - Vionimo di Morelli. 

Francesco Zeno machte seihst das „Modello" für den Palasl seiner Familie; 
Anonimo di Mor., und: Sansovino, Venezia, fol. 143. 

Der Dichter Trissino, Verfasser der Italia liberata da" Goti (Kultur d. Renaiss., 
I. Aufl., S. 323 und 306, Anm.; [V. Aufl. II, S. t3) baute seine Villa zu Gricoli(§ 119) 
er. Seine Studienzeii in Mailand muss mit dem Aufenthalt Bramantes und 
Lionardos zusammengefallen sein. Roscoe, Leone X, ed. Bossi, VII, p. 341. 
Fr sowohl als Gornaro schrieben auch über die Architektur. 
- rlios Werk (seit 1540): veramente ha fatto piü mazzacani architetti che 
nun haveva egli peli in barba, sagt Lomazzo, trattato dell' arte, p. 407, vgl. 
• 10. Auch die sich rasch drängenden Ausgaben des Vitruv (s. untern weckten 
ohne Zweifel den Dilettantismus. Als ein Opfer desselben erscheint jener ferra- 
Krämer, welcher sich in Rücher von Bausachen vertiefte, zu pfuschen 
anfing und sich als den nächsten, den ..Dritten- nach Bramante und Ant. Sangallo 
betrachtete; man nannte ihn daher Messer Terzo; — vgl. Benv. Cellini. Trattato 
- blusskapitel. 
Michelangelos Huhn gegen einen vornehmen römischen Dilettanten. 
Vasari VII. p. 280 Le M. XII. p. 280), v. di Michelangelo. 

Von den Vitruvianern ist weiter unten die Rede, ehenso vom Kunstsinn 
des I [erzogs < losimo 1. 

Die Baugrillen .Julius' 111., der bei Anlass seiner Villa täglich die Fnt- 
schlüsse wechselte, Vasari VII, p. 694 (Le M. I, p. i-»») in seinem eigenen Lehen, 
sserdem in der vita di Taddeo Zucchero. 

Palladio, welcher zwar verlangt, dass der Architekt vor allem auf die 

rfnisse des Bauherrn Rücksicht nehme und haue, wie es für diesen passe, 

nicht wie seine Mittel es allenfalls erlauben würden, klagt doch, dass leider 

häufig •: Baumeister sich mehr nach dem Willen des Bauherrn, als nach seinen 

.•• : Regeln ruhten müsse; i quattro lihri dell' architettura, II, cap. 1. 

§ 13. 
Berat u n g e n n n d Beh ö rd e n. 

Unsere Kunde von der Sinnesweise der damaligen Architektur wird 

auch vermehrt durch Beratungen und Abstimmungen von Behörden sowohl 

als von Versammlungen der B'achleute, von welchen eine mehr oder weniger 

le Rechenschaft auf uns gekommen ist. während im Norden ähnliche 

Aufzeichnungen fehlen. 

Dei Kongress der fremden Architekten wegen der Domkuppel in Florenz 
M. so wie ihn Vasari, v. di Brunellesco II. p. 343 ss. (Fe M. III. p. 206 ss.i 



§ 14. Vielseitigkeit der Architekten. 17 

nach ungenauen Berichten des Manetti vgl. § 2) schildert, ni 
Allegorie vom Siege des Genius über die Besserwiss 

Beratungen i.linr nähere Angabe der Behörden: Vasari l\ . p. 155 (Le 
M. VII. p. 130), v. di Bramante : resoluzione, consiglio, deliber; 
der Gancelleria in Rom und zweier Kirchen. 

Abstimmungen der Fachleute über Baufragen, nach der Kopfzahl, u. 
Florenz i486, Gaye, carteggio II. p. 1-50, bei Anlass der Bestimmun 
zahl in der Fassade von S. Spirito, über die man bereits viei Jahre la 
- Protokolle von Sitzungen und Beschlüssen verschiedener Art bei Mi 
Ein besonders instruktives über einen Konkurs zu einer neuen Domfi 
Florenz 1490, Vasari IV, p. 299 ss. Le M. VII, p. 243 s.) im Kommentar zu 
v. di Giul. Sangallo ; unter den Mi Konkurrenten, fasl lauter Florentiner, linden 
sich Main-. Goldschmiede, Holzschnitzer, Schmiede, ein Herold und ein Stadtpfeifer. 

§ 14. 
Vielseitigkeit '1 >• r A rc hitekl e n. 

Die Vielseitigkeil der meisten damaligen Künstler, welche uns 
Jahrhundert der Arbeitsteilung wie ein Rätsel vorkommt, war für die 
Baukunst von besonderm Werte. 

Ghiberti sag! bei Aula-- Giottos Komment p. Will): quando la nal 
vuole concedere aleuna cosa, la concede senza veruna avarizia. 

Die schön frische Erscheinung der Renaissancebauten hängl wesentlich 
davon ab, dass die Meister nicht bloss die Reissfeder führten, sondern als Bild- 
hauer, Maler und Holzarbeiter jeden Stofl und jede Ari von Formen in ihrer 
Wirkung kannten. Sir vermochten einen ganzen Hau und d( nzen 

Schmuck zusammen zu empfinden und zu berechnen. 

Im Mittelalter wai die Vielseitigkeil um so viel leichter zu erreichen als 
die Aufgaben in allen Künsten homogener und einfacher, und besonders in 
Skulptur und Malerei konventionelle Ausdrucksweisen herrschend waren. 

serordentliche beginnt, sobald ein Meister mehrere in gewaltigen \ I wung 
begriffene, auf neue Probleme gerichtete Künste umfasst, d. h. mit den be- 
rühmten Toscanern des XIV. Jahrhunderts, welche eine neue Well der male- 

,■■11 Darstellung, eine Skulptur von zartester Vollendung, einen gan 
Stil des grossartigsten Kirchenbaues und dann noch eine bisher unerl 
wicklung des Nutzbaues, der Hydraulik und Mechanik in ihrer I' 
einigten. Dies gill mein- oder weniger von Giotto, von Agostin 
\ .'a-ari I, p. I 17 Le M. II p. 8, Taddeo Gaddi Vasari I. p. 5 7 M. II. 

113 - Maestro Land,. (Milanesi I, p. 228 bis 232). Mit dem XV. Jahrhui 
tritt dann ein Brunellesco auf, zuerst als Goldschmied, dann als Med miker, 
Bildhauer, Architekt, Perspektiviker, Meister kolossaler Kriegsbauti 
ausleger. Er rechnete dem Dichter die Räume seines Je 

nach. Neben ihm L< Battista Alberti, vgl. Kultur d. Renaiss. III Aufl. I, 

S. 168 IV. Aufl. I. s. 151, und bald darauf Bartolommeo R 
gen. Aristoteles, aus l • schon unter \ 

Gualandi in den Atti <• memorie della R. I ne di sl 

provincie di Romagna, 1870 . 

Hu rc k li .1 rdl 4 Vuil. 



]v 11. Kapitel. Bauherrn, Dilettanten und Baumeister. 

Merkwürdig bleibt, dass noch spät sich niemand von Anfang an speziell 

Baukunst widmete. Vasari sagt von seiner eigenen Zeil (V, p. 349 [Le 

M. IX. p. 223], v. di Baccio d'Agnolo : meisl von der Bildhauerei, Malerei oder. 

- e lange man jetzt zur Architektur, und zwar löblicher als gewisse 

frühere Künstler, welche vom Ornamentmeissein «'der von der Perspektivik aus 

zu Architekten wurden. Dies im ganzen der Sinn.) 

Giulio Romano bildete sich zum Architekten über der Ausführung der 

t Hintergründe in Rafaels vatikanischen Fresken. Vasari V, p. 525 

Le M. \. p. s " . v. di Giulio. - Über die gewaltige Lücke, welche durch 

Giulios Tod 1546 im mantuanischen Kunstleben entstand, s. den schönen Brief 

linals Kreole Gonzaga, bei Gaye. earteggio II, p. 501. hau ganz be- 

- glänzendes Beispiel von Vielseitigkeit bietet bei Vasari VI, p. 315 ss. 

Le M. XI, i'. 86 ss. . das Leben des Giml. Genga dar, welcher von der Malerei 

nend, sich aller wesentlichen Zweige der Kunst bemächtigte. 

ss Bildhauer, „müde von den Schwierigkeiten ihrer Kunst-, oft Bau- 
ster wurden, saut Doni, Disegno, fol. 14, vgl. fol. 34, wahrscheinlich nicht 
3 ott. Vielleicht zogen die Bildhauer, wenn sie älter wurden, einfach das 
• Geschäft vor. wie z. B. Tribolo. 

Besonders nahe war die Verwandtschaft des Architekten mit dem legnaiuolo 

den beiden Bedeutungen dieses Namens; Zinnnermeister sowohl, als: Holz- 

nitzer und Meister in eingelegter Arbeit (Intarsia); beides letztere konnte 

auch wieder in einer Person vereinigt sein. Die beiden da Majano z. B. begannen 

als Holzdekoratoren, Vasari II. p. t68 (Le M. IV, p. 1) und IM. p. 333 (Le M. V, 

p. 128). Eb- - l ronaca; Vasari IV. p. 442 (Le M. VIII, p. 116), v. diCronaca; 

und Gio. de' Dolci aus Florenz, unter Nicolaus V. in Rom als maestro di legname 

bäftigt, später Erbauer der sixtinischen Kapelle. Baccio Pontelli unter- 

:;ii'-t sich 1 i s l in seinem Brief an Lorenzo de' Medici als lignaiolo und 

des Francione; Gaye, Garteggio I, p. 275. 

Ein trefflicher dorischer Klosterhof bei S. Pietro in Gremona ist oder war von 

Intarsiator Filippo dal Sa reo erbaut; Marcant. Michiel. Notizie d'opere di disegno 

m. di Morellii. ed. Frimmel, p. 12. Ks gab jedoch auch Unberufene dieser Art. 

Eine ganze Anzahl von berühmten Meistern jedes Faches (vgl. § 180t 

- Goldschmiede, z. B. Brunellesco. 
In Vi -ich oft um kostbare, schwer zu bearbeitende Stein- 

elte, blieb während des ganzen XV. Jahrb. der Name Steinhauer, 
ipiera tagliapietra genügend ehrenvoll für die Architekten; Malipiero, 
annali veneti, arch. stör. VII, II. p. »>74, 689. 

lieli empfahlen sieb die Architekten den Mächtigen oft vorzüglich als 
ind Ingenieure (§ 108 ff.), mehr denn als Künstler. 
Bei Rafael und Michelangelo war die Baukunst das Späteste; Lionardo (§ 198) 
•a.u von Anfang an ein Tausendkünstler und seine Bestimmung mag ihm 
Rätsel geblieben sein. — In auffallendem Gegensatz: Tizian und Gor- 
u Maler. 
Während die Macht des künstlerischen Individuums seit Niccolö Pisano 
und schon vor ihm alle Schranken zwischen den Künsten niederreisst, hält 
die zünftische Einrichtung sie auf ihre Weise wieder aufrecht, doch nicht 
ohne Zugeständnis 



§ 15. Leben der Arckitekl I . , 

Bei Milanesi I. p. L22 das merkwürdige Abkommen zu - 
sischen Architekten und Holzarbeitern 1447, worin sie einand« 
Eingriffe erlauben. 

§ 15. 

1. 1 ben de r A rc hitekt e d. 

Örtlich.' Schranken hatte es für die Architektur ni >en; lom- 

bardische Maurer, zumal Com asken, wanderten seil unvordenklichen Zeiten 
durch ganz Italien und verwandelten sich später ofl in berühmte 
meister; die grossen Florentiner des XV. Jahrhunderts, die unentbehrlichen 
• •r des ueuen Stiles, arbeiteten in ganz [talien und sandten auch Zeich- 
nungen in die Ferne. 

Antonio Manetti vita di Brunellesco, ed. Holtzinger, p. 22 sagt: die 
Architekten wandern und lassen sich rufen dahin, wo Reichtum und Machl i-t 
und wo man etwas ausgeben mag. 

Da- Glück, generöse Bauherren gefunden zu haben, wird beredl geschildert 
von Palladio 1 libri dell 1 archit. II. cap. 3): Ich werde ein glückliche] Mensch 
heissen, da ich edle Leute von nobler und generöser Gesinnung und vortreff- 
lichem Urteil gefunden habe, die meinen Vorstellungen Glauben schenken, 
er könne Gotl nicht genug danken für die Gunst, jetzt vieles von dem praktisch 
verwerten zu können, was er untei - Mühen auf weiten Reisen gearbeitet 

und mit gr — em Fleiss erlernt habe. 

Michelozzo arbeitete u. a. in Mailand und übersandte Zeichnungen zu 
Kirchenfenstern nach Rom, Vasari II. p. 143 Li M. III. p. 281 ; Filarete in 
Mailand; Alberti in Rimini; Agostino di Duccio in Perugia; die drei Sangallo 
in Rom; Giuliano da Majano in Neapel; Mormandi ebenda; um nur einige der 
bekanntesten Beispiele zu wählen. 

Die Gomasken und Tessiner treten im XVI. Jahrhundert in den Vorder- 
grund und herrschen vollends zur Zeit des Barockstiles. 

Mit den wärmsten Ausdrücken der Anerkennung und Bewunderung • 
pfählen einandei Regierungen und Behörden einzelne Architekten; Milanesi II. 
1-30, 131, i-!' 1 . 443, bei Aula-- des Francesco di Giorgio. 

I bei die Besoldung der Architekten am päpstlichen Hofe im W. Jahr- 
hundert vgl. die zahlreichen Rechnungsurkunden bei Muni/. Les arts ä la 
des papes, I -III. Vielfach erfolgte tägliche Auszahlung des Lohnes, entwi 
direkt aus der Kasse des Bauherrn, oder es unterstand >\.\- Ganze in Bausch 
und Bogen einem Unternehmer. Der Gomaske Beltramo di Martino 

Varese, einer der Hauptbauführer unter Nicolaus V., gebot über eine ga 
Armee von Arbeitern und Ziegeleien und Kalköfen in R 

-••in. ■ jährliche Forderung an die päpstliche Kasse betrug gegen 30000 G 
dukaten ; Müntz, a. a. < >. I. p. i"i -. 

Manchem vielbeschäftigten Meiste] war es unmöglich, die Ausführt! 
aller Aufträge persönlich zu überwachen; doch hal auch mai 

druss vom unbefugten Selbständigkeitstrieb und der Verl rungssucht 

Werkmeister gehabt. So verdarb dem Brunellesco Antonio Manetti nichl 
seinem Biographen gleichen Namens zu verwechseln die I 
degli Innocenti u. a. m.; vgl. bei Manetti, v. di Brunelles 



11. Kapitel. Bauherrn, Dilettanten und Baumeister. 

Pilarete berechnet in seinem Traktat, dass auf je s:> Mauerleute ein Auf- 
seher soprastante kommen müsse, und in dem Idealentwurf zur Erbauung der 

Sforzinda schlägt er das Engagement von 103200 Arbeitern vor; Trattato 
dell' architettura, Cod. Palat. 372 der Bibl. Magliab. zu Florenz: Müntz, a. a. 0. I. 

-1. n. 3. 

Us liebenswürdigste Ergänzung zu dein kosmopolitischen Leben der 
Baumeister mögen die Häuser gelten, welche sie in spätem Jahren für 
sich selbst in der Heimat bauen. 

Es würde der .Mühe lohnen, alle Reste und Nachrichten von sämtlichen 
Künstlerhäusern in Italien überhaupt zu sammeln. 

Vasari III. p. 107 Le M. V, p. 167, Nota und 179, Nota), v. di Mantegna, 
-- . von ihm selbst gebautes und ausu-enialtes Maus zu Mantua und 
über seine Kapelle. 

Vasari IV. p. 521 (Le M. VIII, p. 17b. v. di Andrea Sansnvino, welcher 
in seinem Alter zu Monte Sansovino sein eigenes Haus haute und den Lands- 
leuten -"ii-t gefällig war. 

Vasari VII, p. 685 (Le M. I. p. 33) in seinem eigenen Leben: sein ziemlich 
wohl erhaltenes II. ms zu Arezzo, jetzt Casa Montauti; der Saal mit reichem 
Kamin enthält mythologische und allegorische Gemälde; in andern Zimmern 
üi Porträts der mit ihm bekannten Künstler, auch weibliche Genre- 
figuren, welche besser sind als alle idealen, die V. malte. Ferner: II, p. 558 s. 
Le M. IV. p. 71 s. , v. di Lazzaro Vasari: die Familienkapelle und das 
Familiengrab. 

Das noch vorhandene Haus des Giulio Romano in Mantua, Vasari V. p. .Vi!» 
!.•■ M. \. p. 109), v. di Giulio. Aussen und innen stuckiert und bemalt und 
lemals) voll von Altertümern. 

D - II i is des Bildhauers Leone Leoni in Mailand, von ihm erbaut, aussen 
mit Hermen den sog. Omenoni), innen damals mit schön angeordneten Abgüssen 
nach Antiken; Vasari VII, p. 540 s. (Le M. XIII, p. 115). 

Antonio da Sangallos von ihm selbst erbautes Maus in Rom, später Pal. 
chetti; Vasari V, p. i'iii. v. di A. da Sangallo giov. Die Skizzen dazu unter 
Handzeichnungen der Uffizien No. 920, 928, " s l u. a. : vgl. Vasari V. p. i89 s. 



III. Kapitel. 
Die Protorenaissance und das Gothische. 

§ 16. 
Protorenaissance in T o s c a n ;i an d R om. 

Die italienischen Städte, welche sich im XII. Jahrhundert beinahe 
als Republiken fühlen, sind frühe überschattet von dem Rüde des alten 
Rom. Hu stark geweckter Ortsstolz sucht nach monumentaler Äusserung. 
Allein zur sofortigen Nachbildung der römischen Formenwelt war in den 



- 16. Die Protorenaissam •• i und Rom. 



1*1 



meisten Gegenden [taliens teils die eben überwundene B -h zu 

nah-', teils der eigene Formentrieb zu stark. 

Oberitalien ist ein Hauptland des mitteleuropäischen roraan 
un d ihm verdankt man vielleicht die Schöpfung des geglied 




Fig 

Frühestes, obwohl bestrittenes Beispiel, vom Ende des IX. Jahrhunde 
der Halle des Atriums von S. Vmbrogio zu Mailand). 
Italien halten noch wesentlich am byzantinischen Stil fest. 

Vereinzelte Nachahmungen antiker Gebäude kommen hie und d 
S. Fe tele in Como /. B. wäre nicht denkbar ohi - 






111. Kapitel. Die Protorenaissance nnd das Gothische. 



In Rom und in Toscana dagegen zeigen sich denkwürdige frühe Ver- 
suche zur Wiedererweckung der Bauformen des alten Rom, nur immer mit 
derjenigen Selbständigkeit, welche dem modernen italienischen Geiste dann 
seinem Bündnis mit dem Altertum stets eigen geblieben ist. 

Das Wort rinascita vielleicht zum erstenmal bei Nasan (I, p. 243: Le 
M. 111. p. 10 im Proemio des zweiten Teiles, und zwar in einem chronologisch 
zu bestimmenden Sinne und zufällig nur bei Anlass der Skulptur; doch 
,:.. Zweifel die grosse Kunstbewegung seit dein XII. Jahrhundert im all- 
gemeinen darunter verstanden. 




iadi 'les Domes ron Civitä Castellana. 



Der Ausdruck i-l seither über alle Gebiete des Lebens ausgedehnt worden. 

bleib! aber in - i < • 1 1 einseitig, weil er nur die eine Hälfte der Thatsache betont. 

Di« freie Originalität, womit das wiedergewonnene Altertum aufgenommen und 

rbeitel wird, die Fülle ganz eigentümlichen modernen Geistes, welche bei 

der j sich mit offenbart. Iminmen dabei nicht zu ihrem [{echte. 

Rom und Toscana bleiben zunächsl der altchristlichen llarhgedeckten 

enkirche, dei Basilika, treu sie vernutzen viel mehr antike Bauteile oder 

-••ii dieselben, wo sie fehlen, genauer nachbilden. So stirbt besonders die 

i ing für 5 de nie aus; die Fassaden der toscanischen Kirchen 

■ ken sich mit m< Lulenreihen übereinander oder mit deren Nach- 

BUndgalerien von Halbsäulen (Fig. 1). Am Thurm von Pisa die 

-■•■ Verklärung, deren seine cylindrische Form fähig war: sechs lichte 

nhallen übereinander. 



§ 16. Die Protorenaissance in Toscana and B 23 

Die römischen Basiliken des XII. Jahrhunderts nehmen statt des 
IJ.^tMis wieder das gerade Gebälk au: andere Bauten und kleinere Zier- 
arbeiten zeigen »■in«' wahre Renaissance bis ins Einzelnst 




Fie. 8 Fasa <■!■ ■. on - 



Die Kirchen: S. Maria in Tri S. Crisogono, das m I 

von s. Lorenzo fuori. 

An den Bauten dei Cosmaten um 1200: den Klosterhöfen beim Lateran 
und bei St. Paul und der Vorhalle des Domes von Civitä Castellana >V\. 2 
Detail teilweise ganz getreu nach dem Altertum, anderes stark abwei< hend. 
Hof v^ii st. Paul der anmutigste Zusammenklang von Streng« u I P 

Der kannelierte korinthische Pilaster .tl- Absch 
an der Vorhalle des Domes von Givita Castellana. 
einer Kai hon in manchen Bogenlaibungei 



24 111- Kapitel. Die Protorenaissance und das G-othische. 

§ 17. 

S a i! Min ial o und das ü a p t i > r e r i u m. 

Für die Florentiner, welche sich hätten der allgemeinen romanischen 
Formenwelt anschliessen können, war es Sache eines sehr bewussten, von 
einem geschichtlichen Vorurteil getragenen Entschlusses, als sie sieh den 
altrömischen Formeo zuwandten. 

glaubten sich als ehemalige stets getreue Kolonie dem alten Rom 

- ^pflichtet. Vgl Kultur d. Renaiss. III. Aufl. I, S. 327. IV. Aufl. I, 
- 1 

betreffenden Denkmäler sind : 

Die Säulenstellungen und Bogen in Ss. Apostoli, wohl aus dem XI. Jahr- 
nderl die attischen Basen and Archivoltenprofile abgebildet in Lübkes Reise- 
bericht in den Mitteilungen der Zentr.-Komm. 1860, S. 170); 

Die Fassade der Badia bei Fiesole; 

Die Kirche S. Miniato (Fig. 3), wo die Form der Basilika eine letzte und 
Weihe erhall durch melodische Raumeinteilung und Proportionen; die mit 
Mass angewandten antiken Einzelformen geben sich wie von selbst zur Ausdeu- 
tung - schönen Baues her. Für die Entstehungszeit dieser Bauten kommt 
der allein mit einer inschriftlichen Datierung versehene, ähnlich behandelte untere 
Teil der Kathedrale von Empoli, von I093j in Betracht. Das Datum 1207 im 
Paviment von S. MJnjato bezieht sich nur auf die Bodenausschmückung, und 
die Erwähnung eines Neubaues im Jahre loi:i in einer Urkunde des Bischofs 
Hildebrand zielt noch nicht auf die jetzige Gestalt der Kirche, geschweige die 
Fassade, ab; vgl. Genni storico-artistici di S. Miniato al monte. Firenze 1850. 

Das Bapti sterium s. Giovanni, dem Dom gegenüber 1 ), erbauten sie, 
wohl um y_50, formell abhängig, konstruktiv unabhängig vom Pantheon 
zu Rom. In der Entwickelungsreihe der grossen Kuppeln mit doppelter 
Schale, welche im Florentiner Dom konstruktiv ihren Höhepunkt, in St. 
dann auch formell ihren Glanzpunkt erreicht, bildet S. Giovanni, 
,; heute der Denkmälervorrat erkennen lässt, die erste und gleich 
bedeutende Stufe. 

Der Bau, nach Art der mittelalterlichen Taufkirchen als Achteck auf- 
i mit einem innern Durchmesser von 25,5 Metern alle Kuppelbauten 
ächstvergangenen Jahrhunderte weit hinter sich. Acht Eckpfeiler fangen 
hub des Gewölbes auf, während ..l<i Sporen oder Zungen, die mit 
ihn-n Überwölbui steigenden Tonnengewölben) zugleich das äussere Dach 

bilden und das marmorne Deckmaterial tragen, das (Jcwölho mit der Umfassungs- 
mauer zu einem festen Körper \ erbinden". I )urm, die I >omkuppel von Florenz etc., 
ratabdruck aus der Zeitschrift für Bauwesen 1887). Die Wölbungs- 
linii ihr Spitzbogen beträgt reichlich ein Fünftel des zugehörigen Kreis- 

uml . die ähnliche Konstruktion der (angeblich etwas spätem) Kuppel 

zu weil führen, die nach langem streit noch heute nicht abgeschlossene 
I»i-kn- Alter dieses and der im vorhergehenden genannten Bauten zu erörtern, 

iiur ■: • Ihnt, dasa S. Giovanni sicherlich nur als Baptisterium der ecclesia 

- I rata, ber selbst als Kathedrale erbaul ist. 



§ 17. San Miuiato and d.i~ Baptisteriura. 






des Baptisteriums von Cremona. Die Mauermasse untei lei K el konnte 
leicht durch untere und obere Galerien verringert werden. Letztere sind wesentlich 
nur für das Auge da, ein Zugeständnis an den schönen - 




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nur dei spätantike und der moderne Stil kennen. Die Trifolien noi 
gothischer Kirchen haben ihre praktische Bedeutung. (1 

Später, als man das wahre Datum di< 
doch das Weiterleben der antiken Formen daran i 
Ansicht: das Baptisterium sei ein antiker Tempel S'asari I, M. I. 



111. Kapitel. Die Protorenaissance und das Gothische. 

_ 6 ss P mio; -- ib. p. 332 [Le M. p. 282], v. di Tafi) und sogar einsi 

i offen gewesen wie das Pantheon (Gio. Villani l. 60); Ss. Apostoli habe 

Karl dei der mythische Neugründer von Florenz erbaut: Manetti, vita 

,li Bruni ed. Holtzinger, p. 23 meint: als Karl Italien reinigte von den 

Langobarden und von den Kollegien d. h. wohl den Zünften lombardischer 

irer nd sieh mit den Päpsten und dem liest römischer Republik ins Ein- 








Fig. 5. Baptisterium zu Florenz. Inneres. 



vernehmen setzte, habe er Architekten von Rom mitgebracht, welche zwar keine 
abei .in den antiken Formen gebildet gewesen, und daher sehe 
man einen Abglanz des edlen Rom an Ss. Apostoli und (dem seither zerstörten) 
-. P j:m. Das Gegenteil war der Fall: Papsl Eladrian I. wandte 

sich Rom Bauleute zu finden, mit der Bitte um magistri 

d. h. wohl Comacini] an Karl den Grossen). 



§ 18. Eindringen und Mach! 27 

g 18. 
Bindringen and Mach tum fang 

Mit dem XIII. Jahrhundert drang der neue, in Frankreich entsl 
Baustil, welchen man den gothischen nennt, auch in [talien ein. Sein Er- 
folg beruhte nirgends and auch hier nicht auf den Vorzügen leko- 
rativen Erscheinung; er siegte als gewaltigste Form des gewölbten H 
baues mit möglichst wenig Material. 

Das Dekorative war Einfangs in Frankreich selbst wenig entwickelt, un I 
frühesten Boten brachten nicht einmal dies Wenige nach dem Ausland. 
die Kathedrale von Ghartres und die ältesten gothischen Teile des Freil 
Münsters, mit beinahe irar keinem oder noch romanischem Detail.) Italien hätte 
für die blosse Pracht ohnehin schon Mosaiken und Marmor voraus gehabt. 

Ob zuerst ein Deuts» 1er und nicht an andern Orten ziemlich gl 
zeitig auch Franzosen das Gothische nach Italien gebracht, ist nicht mehr zu 
entscheiden. 

Die Herrschaft des Gothischen in Italien traf zusammen mit dei 
höchsten monumentalen Begeisterung, als nicht nur Kathedralen, sondern 
auch Bettelordenskirchen im Begritf waren, den grössten Massstab anzu- 
nehmen; da aber jede Stadt und jeder Architekt etwas Besonderes, Eigen- 
tümliches wollte und niemand sich prinzipiell an den neuen Stil gebunden 
fühlte, so nahm derselbe hier viele einzelne Gestalten an, welche allen 
Zusammenhang mit der ebenfalls aus dem N T orden überlieferten Sprache 
der Detailformen verloren. Es wird eine gärende, nirgends ganz har- 
monische Übergangsepoche. 

St. Kranz und St. Dominicus hatten es noch erlebt, dass trotz i 
tes ihre Orden von dem allgemeinen Bausinn mit. wurden. Hierübei 

die fast neidische Klage eines Benediktiners, Matth. Paris ad a. 1: 

Jetzt erst beginnt in Italien die Zeit di ; man nimmt 

den Meistern von S. Frances o in ^ssisi seil 1228 und den übrigen di- 
■ n konstruktiven Prinzipien aus den Händen, um etu lamit 

ifangen. 
Das gothische Detail wird ohm Respek ro seinem eigentlichen Sinn 
:it oder weggelassen; es muss sieb mit seinem Todfeind, der In- 
krustation, vertragen. Die ergötzliche Geschichte, wie die P bei einei 
Fehde 1335 den Aretinern die für deren Dom fertig liegenden Inkrustations- 
platten raubten und auf festlich geschmückten Wagen mit nach II 

lieselben angeblich für die Inkrustation ihre- eigenen Domes verwai 
Vrchiv. stör. Wl. I. p. 618 Mariotti, lettere pittoriche perugin« 

Nota). Was von gothischem Detail in Italien schön ist V> - und 

ignas ist es aus andern Gründen als im Norden. Die Aüsdi 
selbe sind italienisch oder lal höchstens mit Ausnahme von a u 

d. h. gargouilles, Wa r, bei Milanesi I. p. 20fl Urk. 

Terminologie /. B. ebenda p. U, p. - 

Niccolö Pisano und Arnolfo hauten nach Beheben im 
neuen Stil. Wenn es die Vrchiti hielten, 



III. Kapitel. Die Protorenaissance and das Gothische. 

volleiids unsicher in ihrem Urteil; die Kapelle am Pal. pubblico zu Siena wurde 

viermal nied q, bis sie 1 : > 7" * i befriedigend ausfiel; Milanesi I, p. 268. 

i Andringen der Renaissance verlauten dann wahrhaft komische Klagen, 

.-■ bei An] ss gai itergeordneter Hauten; Milanesi II, p. 105, vom ,1. 1421: 

die initiatur et til uua opera, et alio die destruitur, et quolibet die datur 

aova forma . . . quod quis eorum vellel sequi uno modo, alter alia forma, et 

im concordiam habent ... et etiam cives variis modis loquantur . . .; 

schliesslich wird eine Bürgerkommission von 1."« Mann ad hoc vorgeschlagen. 

g 19. 
t harakter der italienischen Gothik. 

(»hin- genauer scheiden zu wollen, was durch das Gothische und was 

trotz desselben in die Kunst hineiukam, darf demselben doch wohl der 

neue Sieg des Longitudinalbaues an den Kirchen zugeschrieben werden. 

Kr erneuerte jenes Abkommen mit dem Zentralhau. welches schon beim 

schlössen worden war: die Kuppel über der Vierung. 

Im Longitudinalbau aber wird das eben übernommene konstruktive 
.nun soforl nach allen Seiten hin verändert, ja völlig gesprengt, und 
weite Spannungen, geringe Zahl der stützen, oblonge Einteilung der Neben- 
schiffe, geringe Eöhe der Obermauern des Mittelschiffes treten an die Stelle 
obedingten Eochbaues, der Vielheil der Stützen. tU^ hohen Mittel- 
schiffes und der quadratischen Einteilung der Nebenschiffe. Statt der Ent- 
wicklung der Form nach oben wird die Schönheit der Räume, Flächen 
und Massen das Ziel der italienischen Gothik und dann der italienischen 
Architektur überhaupt. 

I las sichtbare < lerüstwesen der nordischen Gothik, Strebepfeiler und Strebe- 
wird kaum angedeutet, ja eher versleckt und damit ein Hauptanlass 
ir Entwicklung des Details abgeschnitten, l'ber den breiten Mauerteilen hätten 
bei, über den kaum vortretenden Strebepfeilern die Pyramiden keinen 
i mehr; statt ersterer starke horizontale Kranzgesimse, statt letzterer 
auch Tiere. Auf den Dom von Florenz sollten gigantische Heilige 
zu stehen kommen s. die Urkunden <ia\e. c.arteggio, II. \k 15t s., 466 und 
• Domes in der Cappella degli Spagnuoli, Fresko der rechten 
die Ecken des Signorenpalastes kamen vergoldete Löwen, (Vasari 1, 
i 10; Le M. II. p. 135, v. di Orcagna). Freilich auch auf Spitz thürmchen an 
äch-gothischen Bauten, z. B. am Dom von Mailand, war man 
stall der Kreuzblumen gewohnt. Im Innern wurde der nordische 
i und das j.<\,v Gurtwesen der Gewölbe völlig umgestaltet. 

Der Kuppelbau als stärkster Ausdruck politisch-monumentalen Hoch- 
gefühls versuchte sich in riesigen Dimensionen und machte eine grosse 

hüb- durch, allerdings jetzt in Verbindung mit dem Langschiff, nicht 
für sich allein. Als höchste Potenz, welche die Architektur kennt, machte 
er die Mitherrschaft des Thurmbaues unmöglich, so dass die Fassaden frei 
und für jede Art von Schmuck zur Verfügung blieben. 



0. Verhältnis zu den andern Kuh- jm 

Über den Ausbau der Kuppel des neuen I 1 
Arnolf'o sich genaue Rechenschaft durch ein Modell 
spätem, nach Erweiterung des Grundrisses 1367 von Benci 
di Fioravante entworfenen hat dann Brunellesco 1420 das ' 
arbeitet, mit dessen Hilfe er die Riesenaufgabe löste; vgl. § 17 und 

Der Thurm bleib! getrennt oder wird bloss an die Kirche angelehnt. 
Eine so ernste Konkurrenz wie am Florentiner Dom wird ihm sonst nii 
mehr gegönnt. 

Die Fassade, wegen hoher Ansprüche Siena, Orvieto) nur zu häufig im 
Rohbau gelassen, hat wie in der vorhergehenden Epoche den Charakter einer 
vorgesetzten Prachtdekoration. 

§ 20. 

V e r li ä Itnia /. u 'I e d a n 'I e r n K ü nste d. 

Die italienische Gothik wird von Anfang an genötigt, den beiden 
Schwesterkünsten eine viel freiere und g Mitwirkung zu gestatten 

als die nordische, weniger wegen eines höheren Stilwertes der italienischen 
Malerei lind Skulptur, als weil deren Sachinhall deutlich und bequem zu 
Worte kommen sollte. 

Vgl. die Skulpturen und Mosaiken der Fassaden. Dass das lnn< 
jetzt wieder der historischen und sinnbildlichen Wandmalerei gehören solle, ent- 
schied sich vielleicht wesentlich bei Anlass von S. Francesco zu Assisi seit I 
auch der neue Dom von Florenz war ohne Zweifel auf Fresken von Anfang 
an berechnet. Auf mühsam erzählende Glasgemälde wollte man sich dun 
nicht verlassen. Die Zugabe von Kapellenreihen neben dem Langhaus, mit 
dem strengen nordisch-gotischen System unverträglich, wird hier zu einer w 
baulichen Schönheil (z. B. an S. Petronio in Bologna und zugleich zu 
Heimatstätte für Skulptur und Malerei. 

Au.h .in kleineren dekorativen Bauten, Grabmälern, Altären, Kanzeln 
darf in Italien das Architektonische sich nicht so einseitig geltend machen und 
das Bildliche auf einen Notteil beschränken wie im Norden. 

§ 21. 
Der italienisch-gothische Pro fa n b a u. 

Dem gothischen Profanbau in Italien fehlt das liebliche phantasti 
Formenspiel einiger Gordischen Bauten. 

Den Dachzieraten, Erkern, Wendeltreppen etc. deutscher und ni< 
ländischer Rathäuser und französische) : >er wird mau kaum I • 

etwas entgegenzustellen haben, wie etwa die Porta della l I 

\ • ni Venedig l i ; - i-i von Giovanni und Bartolommeo Buon), wo der in 
duften begriffene Stil seine volle Freiheit und weltliche Munlerkeil 

Dafür ist er auch frei von >\<r partiellen Einschleppung kirchlicher 
Formen und stehl im vollen Gegensatz zum Norden durch die rati« 
Anlage. \m italienischen Palast entwickeln sich am frühest 
mit der Regelmässigkeit die Schönheit und Bequemlichkeit. Vgl- 






111. Kapitel. Die Protorenaissance und das Gothische. 



Das XIII. und XI\". Jahrhundert bereits eine Zeit der herrlichsten Stadt- 
1281 mitten in den Parteifehden, und zugleich sehr ansehn- 




Palazzo vecchio in Floi i nz 



lieber fürstlicher und Privatpaläste. Schlösser Friedrichs II. in Unteritalien 

ieto. 
Arno:!', empfand es schmerzlich, dass er den Signorenpalast in Florenz 

metrisch anlegen konnte wie das von seinem Vater irich- 



§ 22. Der spätere Bass gegen das G • ;;i 

tiger: Kollegen Lapo erbaute Schloss der Grafen von Poppi 
(Le M. 1. p. 25 i . v. di Ai nolfo. 

In Florenz der äussere Charakter trotzig und bui 
Gemächer als leitendes Prinzip zugestanden von Acciajuoli ; 9) in beti 
eigenen Wohnung in dei Gertosa: „die Gewölbe können nicht hoch un . 
genug sein, denn «'ins der herrlichsten Dinge im Bauwesen isl 
Stockwerke". 

In dem vor Überfall und Bürgerzwisl gesicherten Venedig di 
Häuserfassaden im höhern Sinn, mit wohlgefällige] Abstufung der Stockx 
und schöner Gruppierung der bohen Rosettenfenster, in der Mitte 
Loggia, auf den Flanken einzeln oder zu zweien. (Dass in den Li 
Säule statt eines Intervalls auf dir Mitte kommt, wird dann noch sp 

incezeil von Daniele Barbaro, ad Vitruv. IV. 2, als vulg 
tadelt.) Vgl. g i-_\ 1 3 94. 

Das Kastell der Visconti zu Pavia, begonnen 1360 i 5), nie vollendet 
und übel entstellt, eine völlig symmetrische Anlage von gleichmässiger, nicht 
ilbergrosser Pracht ; domus cui nulla in Italia par est, sag! Decembrio (vgl. § 1 

bei Murat. XX, Col. I i; il primo delT universo, sag! Corio, fol. ->7. Und 

doch -"11 Francesco Sforza das Schloss Ezzelins in Padua vgl. § 5 noch vor- 
igen haben; Savonarola, bei Murat. XXIV, • ol. 1171 nda Col. l!7i 
eine weitläufige Beschreibung der Residenz der Fürstenfamilii 

Dif viscontinische Residenz in Mailand bei S. Giovanni in Conca, mit 
weiten Hallenhöfen zu Turnieren, isl nicht mehr vorhanden. Corio 
Die Säulen bestanden zum Teil aus schwarzen und weissen Marmorschichten, 
Decembrio vgl. § 1 1 Col. 

Den Palast der avignonesischen Päpste zu Montefiascone rühml Pius II. 
(comment. I . IV, p. _" »i 

Auch Bauten des öffentlichen Nutzens erhalten in [talien frühe eine 
rationelle Anlage. 

Der erste Kasernenbau in Florenz 1394, nachdem bisher das \ 
in den Kirchen einquartiert worden war: Gaye, io I. p. 

Unter den Spitälern galt das von Siena als unvergleichlich: reisi 
rsten besuchten es, und Kaiser Sigismund erbat sich eine genaue Vul 
Uberti, U Dittamondo L. III, c. B; Gaye, I. p. 92 Milanesi II. , 

Diari sanesi bei Murat. Will. Col. 7''- Das Spital von Fabriano 

d'Agincourt, Archit., Taf. 72. 

()h bereits am ital. gothischen Zivilbau der Symmetri« 
Fenster und Thüren vorkommen? Da fi Ihste mir bekannt« 

i aus der Zeit der Renaissance, um 1460. Vgl. Pii II. comment. L. IX, 

p. 136. 

■ 

Der sp ät ere H i G 

Das spätere Bewnsstsein der Italiener von diesei ihrei gothis 
Bauperiode wurde vod allen Seiten verwirrt und getrübt, und die mai 
hafte historische Kenntnis des wahren Herganges verband sich mit 

-tat ksten Voi urteilen. 



111. Kapitel. Die Protorenaissance und das Gothische. 

\ ■ h Aeneas Sylvius spricht liii bewundernd von der Baukunsl in 

Deutschland \ i e Sylvii opera, ed. Basil. 1551, p. 740, vgl. p. 718; ein 

: des Fra Ambrogio über den Palast von (Heu, p. 8:50), und rühmt das 

und neue Ansehen der deutsehen Städte (Apol. ad Marlinuni Mayer. 

Das deutsehe Element an der Kirche von Pienza, § 77. 

- nst war es dei Renaissance ein lästiger Gedanke, dass dieser Stil aus 

I gekommen sei, sie kehrte daher an den gothisehen Bauten der 
en Landsleute immer die Seiten hervor, welche sieh der „guten", nämlich 
der antiken Architektur genähert hätten. Vgl. Vasari I, p. 448 (Le M. 11, p. 16), 
v. di Stefano, u. a. a. < >. 

Am Hau und an der Ausschmückung des Domes von Orvieto (Della Valle, 

a del duomo di Orv. p. lis ss., Documm. 54, .">."). .">!>. 61) waren noch zu 

Anfang des X\ Jahrh. eine Anzahl Deutseher beschäftigt, und es ergingen 

noch Briefe durch das ganze Abendland, dass treffliche Künstler sich hier für 

Arbeit melden könnten. Nach dem Siege des neuen Stiles dagegen heisst es 

70, 71 1 hei dei' Anstellung eines Franzosen bereits: ..es fehle an 

Inländern nicht", und ein zu Ausbesserungen verurteilter Glasmaler, Gasparre 

da Volterra, appelliert schon nur noch ad quemeunque magistrum ytalicum 

expertum in dieta art Ein Deutscher in der zweiten Generation wie Vito 

di Marco Tedesco, Milanesi II. p. 271, t29, mochte schon als Italiener gelten. 

Um 1460 in Filaretes Baulehre die feierliche Verwünschung: „Verflucht 

hese Pfuscherei (pratieuccia) erfand! Ich glaube, nur Barharenvolk konnte 

lach Italien bringen." Gaye, carteggio I, p. 204. — S. jedoch unten § li. 

Umständliche Erörterungen, auf sehr wunderliche Ansichten gebaut, doch 

noch immer unter der Voraussetzung, dass man es mit einem deutschen Stil 

zu thnn habe, finden sich in Manettis vita di Brunellesco (ed. Holtzinger, p. 23 s.) 

und in dem berühmten Briefe (angeblich und wahrscheinlich) von Rafael an 

V abgedruckt u. a. bei (Juatremere, storia di Raffaello, trad. Longhena, 

531 ss.; vgl. ?i 27. In Mailand, wo wegen des Dombaues seil 1386 ein 

kehr deutscher Meister stattfand, bekam der „Anonymus des Morelli 1- , 

Marcantonio Michiel, dir in ?; 23 zu erwähnenden Notizen; ein feiner Kenner, 

. nordischen und italienischen Spitzbogenstil unterscheidet und ersteren 

ponentino nennt. (Bei Anlass des Hintergrundes eines Ilandrischen Madonnen- 

bil 3 Gesamturteil über den Stil des Mailänder Domes : „Er wurde 

all.i begonnen, weshalb er viele Irrtümer enthält" (von denen dann 

zähl! werden . 

Die Konfusion stieg auf das höchste, als auf einem weitem Gebiet, 

dem der Kultur überhaupt, sich dm- Ausdruck „gothisch" festsetzte und von 

da aus auch in die Baugeschichte eindrang. 

- hon Blondus meinte, die Zerstörungen wenigstens in Rom seien erfolgt 
h das Altei und durch die < rrausamkeil der Goten ; und Laurentius Valla legt 

Verachtung an den Tag, indem er „Codices gothice scriptos" anführt und damit 

iit. (Vgl. Paul Hoflfmann, Studien zu L.B. Alberti, S. 33 s.) 

Umständlich* rl sich dann Hector Boelhius. Scot.orum Historia Mie 

.Kation d, diert I526j, fol. 382: . . . meliores literae quae Gothorum immani- 

iiuul cum romano imperio perierant, per totum paene terrarum orbem 

culo XV. ml. 



§ 2 I. Das ( rothische zur Zeit der Re 

I üe Gothen als Zerstörer der edeln L 
Unglücks: Rabelais, Pantagruel II. c. s und im ! 
dieselbe Ansicht masslos erweitert um 1550 b< 
antiquitate, in Graevii thesaur. VI, III. p. 259, 295; — unverzeihl 
erwägt, dass schon r>"' : '- Gassiodors Briefsammlung 2 
man den irrossi'ii ' ».-1 i_ r < ■) m ■ -i 1 Tlieodorich anders kennen lernen koi 

Das Entscheidende für Übertragung des Ausdr 
ilia! dann Vasari in den heftigen Stellen I. p. 136 ss. Le M. I. p. 121 ?.), 
p 229 201), 232 - 203 ss.), Proemio und Introduzione, und II. p. 328 Le 
M. lll. |i. 194 . v. di Brunellesco. Nach einer langen und höhnisch 
derung des Stiles des XIV. Jahrhunderts heisst es D ier wurde 

den Gothen erfunden etc. 

- , Hass v. - - hlimmste was er von Bauten gewisse] Zeit- 

genossen sagt, ist: „schlechter als die I en". Womit zu vergl. V, 

p. in? \. p. 17), v. di Ant. Sangallo, wo d( — n Modell von S kri- 

tisiert wird. 

Wie Vasari schon frühe 1544 mit einem spitzbogigen Klosterrefektorium 
umging, - \ II. p. 674 (Le M. I. p. 23 in sei 

Ihm redete nacl Sans Fol. 140, . gl. fol. 17. 

lii. der das Eindringen des vermeintlichen Gothenstiles in Venedig bejammert 
und nur zaghaft entschuldigt. 

Mit der Z--il bestärkte dann einer den and. tu in iI<t Erbith 
die gestürzt« 

§ 23. 
1 1 is Gothische zur Zeit der R enaiss a a 

Der gothische Stil arbeitete eine Zeitlang in gewissen Gegendei 
neben der Renaissance freiwillig weiter, obwohl müde und im ganzen ohne 
die heitere dekorative Ausartung der späten nordischen Gothik. (Vgl. § 130.) 
In Venedig 1 r>7 der Chorbau von S. Zaccaria; in Loreto 1468 
Dom von dem Dalmatiner Marino di Marco begonnen, l i7 M -■ dann 

da Sangallo weitergeführt, dreischiffige Hallenkirche mit dreischiffip 
haus und Vierungskuppel; letztere 1500 von Giuliano d - ndet; 

— in Bologna lii 11 S. Giovanni in monte neu gebaut ..nach dem Vorbild \«>n 

- Petr< < . vgl. Bursellis, ann. B n. bei Murat. Will. Col. 8 

Annunziata ebenda, nach 1480, vielleicht ste freiwillig . 

Italiens; m Mailand : S. Maria < 1 von den Dominik 

1 ji,:» ^j erbaut ; ferner die ln< 8 tut; - 

Siena 1459 zwischen den herrlichen Palästen dei 

neu verdungen, vielleicht durch Wunderlichkeit des Bauherrn Nanni M 

der eine Fassade mit Details haben wollte genau wi< 

altern Gebäude; Milanesi I!. p in Citta I L82 - 

Maggiore, dreis< uiffig, die I letails I 

ausserdem wind.- unfreiwillig gothisch weitergebaut an unvollen 
Kirchen, und Architekten ersten Ranges versetzten sich so ohj< 
es vermochten, in einen für sie widrigen Stil zurück. 



111. Kapitel. Die Protorenaissance und das Gothische. 

In Frankreich, welches von den gothischen Durchschnittstypen einen ge- 
wall - \ rrat besass, war es L601 1ms 1790 viel leichter, die Kathedrale von 
bisch zu bauen (Kugler, Gesch. d. Baukunst III. S. 1 1 i ff.), da man 
nicht innerhalb des Gothischen selbsl anarchisch herumgeworfen wurde, wie in 
Italien. 

Für S. Petronio zu Bologna verzichtete mau zwar auf die riesige Anlage 
von Querschiflf, Kuppel und Chor, allein die gothisch angefangene Fassade war 
ein Gegenstand täglicher Parteiung. Der hart angegriffene IJaumeister Ariguzzi 
klagt 151 te von jeder Art, Priester, Mönche, Handwerker, Bauern, Schul- 

meister, Weibel, Geschirrmacher, Spindelmacher, Facchine und seihst Wasser- 
thun >i'h als Baukünstler auf und sagen ihre Meinung . . . Aber noch 
i-t keiner auf den Kampfplatz getreten mit Modellen oder Zeichnungen, deren 
i mit Sehnsucht gewärtig bin." Gaye, carteggio II, p. 140 s. (Vgl. § ls. 
über Siena. 

In der Folge blieb die Fassade unvollendet, vielleicht weniger wegen 
ler Mittel, als weil man /.wischen einer wachsenden Menge von Ent- 
würfen allmählich bei 30, jet/.l im Bauarchiv der Kirche) in der That nicht 
mehr zu einem Entschluss kommen konnte , darunter zwei gothische Projekte 
von Baidassar Peruzzi der auch uoch Zeichnungen für den Kuppelausbau lieferte) 
Giulio Romano. Vgl. Gaye, carteggio II, p. 152; Milanesi III, p. 311; 
ri IV, p. 597 (he M. VIII, p. 225, Nota. \. di Peruzzi. Peruzzis Entwurf 
h in der Sakristei bewahrt . s. J. (i. Müller, Memoria sul compimento del 
duomo di Firenze, 1847 uach dem Urteil des Dombaumeisters Seccadinari 
" prächtig gezeichnet, schön und gross, aber im Widerspruch mit den 
Grundformen des Baues ; vgl. Springer, Bilder aus der neueren Kunstgeschichte, 
S !•"'''. - • Laut Vasari IV, p. 597 (Le M. Will. p. 225) schuf Peruzzi sogar 
: Entwürfe in verschiedenen Stilen, uno alla moderna ed un altro alla tedesca. 
hie wichtigste Leistung dieser Art ist die Kuppel des Domes von 
Mailand, ein Weihegeschenk des Renaissance-Humors am Grabe der ver- 
blichenen Gothik, welche einer solchen Lösung - von sich aus kaum fähig 
_. esen war-. 

:i vielen vergeblichen Entwürfen, und nach Bauanfängen, die man 

musste, erbaut im Beginne des XVI. Jahrhunderts von Omodeo 

und Dolcebuono, vielleicht nach dem 1490 entworfenen Plane des eigens nach 

Mailand berufenen Francesco di Giorgio (Gaye, carteggio I, p. 289; Lettere 

-i IIb p. H ."i : Milanesi II. p. 129 bis t39; Girol. Calvi, Notizie de' profes- 

di belle ,ii ti eh.- fiorivano in Milano sotto il governo de' Visconti e degli 

parte II. p. 159 s.). Vielleicht ist auch die geistreiche und prächtige 

rönung der Kuppel in der Folge nach Francescos Entwurf aus- 

ihrt. Marcantonio Michiel (der „Anonymus des Morelli u , £ 22) sah sie um 

1525 ooeh unvollendet, als sie sogar von einer Umgestaltung im modernen Stil 

roht war: der „Deutsche" aber, dem man wunderlicherweise das schon 

fertigte Modell übergab, „verlor' dasselbe (zum Glück). An den obern 

Teil« m interes Detail, /.. B. Genien, welche an dein gothischen Masswerk 

hnlich wie .in der Porta della Garta (§ 21). 

ie höchst wahrscheinlich i-i , das von Mongeri publizierte, etwa 

rebene Gutachten von Bramante herrührt, gibt es einen 



§ _' l. Allgemeiner I harakter der 

interessanten Beleg dafür, wie tief dieser Meister in 
gedrungen; s. Archiv, stör, lombardo \. 1877, und II. , 
sprünglichen Entwürfe für St. Peter, S. 11". vgl. ebenda : 

die von ihm an Filaretes Ospedale maggion thrten 9 B 

fenster im ersten Stockwerk, zwischen dem Bau des Richini und 
gen Mittelloggia. 
An der Fassade des Domes sind dir Renaissancebestandteile von !'• 
grino Tibaldi (Pellegrini das Älteste und alles Gothisch« 
im Palazzo Litta beweist, wo die I lIs Rohbau bloss mit den A I 

von Pellegrinos Prachtbekleidung dargestelH ist. 

Gothisches M 3werk um 1500 in eigentümlich genialer Verwildei 
goldfarbig auf Dunkelblau gemalt, am Gewölbe vom Monastero magg ■ 
Mailand (von Dolcebuono, vgl. i t8, 76). 



IV. Kapitel. 
Studium der antiken Bauten und des Vitruv. 

; 24. 
Allgemeiner Charakter der Neuerung. 

In Italien gehl die Kultur der bildenden Kunsl zeitlich voran, i 
tere besinnt um! rüstet sich lange, ehe sie dasjenige /um Ausdruck bringt, 
was Bildung und Poesie schon vorher auf ihre Weise an- Licht .• 
So war auch das Altertum längst ein [deal alles Daseins, bevor man ••> 
in der Baukunst ernstlich und durchgreifend ergründete uml reprodu; 
Vgl. Kultur d. Renaiss. III. Ami.. I. s. 224 ff.; IV. Ami. I. s. 20t 
einer blossen Bewunderung der antiken Bauten (woran es nie gefehlt hatte), 
vor einer bloss ästhetischen Opposition wäre überdies der gothische Stil nicht 
gewichen; es bedurfte dazu einer ausserordentlichen Stadt und ein 
Menschen, welche >\.\< Neue thatsächlich einführten. 

Zu Florenz, in einer Z<it hohen Gedeihens, wird zuerst das Gefühl 
lebendig, dass die grosse Kunst des XIII. und XIV. Jahrhunderts ihre 
Lebenskräfte aufgebraucht habe und dass etwas Neues kommen musste. 
Florenz am Anfang d. XV. Jahrh., Macchiavelli, storie fiorent., l 
des IV. Buches; Poggius, lli-t. (lor. populi, I.. V. a<\ a 142 

Jenes Gefühl Bebr deutlich 1435 ausgesprochen bei L< i Bat! 
geb. 1404) in der Schrift della pittura opi i 

sei ihm früher vorgekommen, ,als "I' die Natur alt und 
war-' mal keine grossen Geister wie k< I en mehi hervorbrii 

i aus langer Verbanni : Florenz zurückgekehi 

in Brunellesco, dem er diese Schrift widmet, in Doi 
Robbia, Masac» io eine neue Kraft zu finden, die den • 



IV. Kapitel. Studium der antiken Bauten und des Vitniv. 

nichts nachgebe. - (Um 1460, als der Stil der Renaissance «las Gothische 
- seinen letzten Zufluchtsorten vertrieb, durfte Filarete sagen: wenn 
unser Stil nicht schöner und zweckmässiger wäre, so winde man ihn in Florenz 
nicht brauchen, a Firenze non s'usaria.) 

ueui Kunsl tritt grleicli auf mit «lern Bewusstsein , dass sie mit 
: radition breche und dass au>ser der Freiheil die höchste Anspannung 
aller Kräfte, aber auch der höchste Ruhm ihre Bestimmung sei. 

Alberti fahrt an obiger Stelle fort: „Ich sehe nun auch, dass alles Grosse 

nicht bh>>- Gabe der Natur und der Zeiten ist, sondern von unserm Streben, 

inserei Unermüdlichkeit abhängt. Mir Allen hallen es leichter, gross zu werden, 

Schultradition sie erzog zu jenen höchsten Künsten, die uns jetzt so 

Mühe kosten, aber um so viel grösser soll auch unser Name werden, 

wir ohne Lehrer, ohne Vorbild Künste und Wissenschaften finden, von denen 

lan früher nichts gehör! noch gesehen hatte." Über die Vielseitigkeit s. § 14. 

Die Entscheidung zu Gunsten des Neuen konnte nur kommen durch 

eine grosse Thal eines ausserordentlichen Mannes, welcher mit dieser That 

auch für sein und seiner Genossen sonstiges Stichen die Bahn öffnete. 

Filippo Brunellesco von Florenz 1 1-377 bis 1446) und die Domkuppel, seine 

von Jugend auf erkannte Aufgabe (§ 2). Mit dieser wesentlich konstruktiven 

Leistung und mit seiner sonstigen Meisterschaft in aller Mechanik siegt zugleich 

formale, stilistische Neuerung, zu welcher ihn die wohl schon lü>:i 

in Rom begonnenen Studien befähigten. Dazu noch sein Ruhm als Bildhauer 

und Dekorator. Schon eines seiner frühesten Werke, die Sakristei von 

S. Lorenzo zwischen 1419 und 1428) „setzte alle Leute in der Stadt und aus 

Fremde in Erstaunen durch seine neue und schöne Art- (Manetti, vita di 

Brun., ed. Holtzinger, p. i s >. Hier sogleich überraschte der Meister durch die 

.Musik der Verhältnisse", durch neue Motive und neue Details. Dann folgten 

h Cappella Paz/.i und die anderen Werke. 

§ 25. 
Vernachlässigung der griechischen Baureste. 

Griechenland existierte im XV. Jahrhundert nur für Sammler, nicht 
für di-- Architekten. Auffallender erscheint es, dass auch die griechischen 
Tempel auf italischem Boden, in Pästum, Selinunt, Agrigent etc. ignoriert 

Wllldeli. 

Unter den Sammlern rag! Cyriacus von Ancona 1390 bis um 1457) hervor, 

etagebüchern Architeki Iren kopiert hat; s. Giuliano 

/' nach irrierliisrheii Bauten und t\cr Sophienkirche in 

Skizzenbuch auf der Biblioteca Barberini (Cod. XLIX, 33) in Rom; die 

Vpollotempels in Athen" isl Phantasie; vgl. E. Heisch in den Mit- 

i des kaiserl. deutsch, archäolog. Instituts, athen. Abteilung, Bd. 14 

- 217 ff. ■- Originalzeichnungen <\<^ Cyriacus befinden sich in den 

Petrus Donatus in der Hamilton- Sammlung des Berliner 

Kupferstichkabinetts; vgl. darüber Mommsen in den Jahrbb. der preuss. Kunst- 

; 73 ff. und Mi' laelis in der Archäol. Zeitung Bd. 40 1 1882;, 



§ 25. Vernachlässigung dei griechischen B 37 

S. 368 11. I ber Cyriacus überhaupl besonders De Rossi, [i - 

i.Dii. II. p. 356 ss., und im Archivio della R. Societä Romana di sl \ 

p. 16 s. 

Der paduanische Maler Squarcione brachte von 
viel Merkwürdiges tum mente, tum chartis mit, aber wahrscheinlich our Skulptur- 
• : Si irdeonius, ap. Graev. thes. VI, III. p. W < >h Polifilo i 32 in 

1 rriechenland zeichnete? 

Später schickte Rafael, lau! Vasari IV. p. 361 (Le M. VIII, p. il . v. di 
Rafaelle, Zeichner hi> nach Griechenland, mit welchem Erfolg, wird nichl ge 

Der Hundertsäulenbau „aus Griechenland" im III. Buche des S 
isl wohl reine Fabel. Eine ägyptische Pyramide und eine palästinensi; 
Grotte, nach Aufnahmen des Patriarchen Grimani, ibid. Pol. 93 -. . 

Ob die Renaissance etwas mit den echten dorischen Formen Gl en- 

Lands, wo ja kein Gewölbe vorkam, hätte anfangen können? Immerhin « 
die Griechenbauten, wenn sie schon kein Gewölbe lehrten, des Studiums würdig 
gewesen, so gul wie Vitruv, der es auch oichl lehrt. Die Vernachlässigung 
derselben kam aber überhaupl nicht von einem ästhetischen Bedenken her. 

Das viel stärkere Vorurteil redete zu Gunsten von Rom, als 
schichtlicher .Macht, als alter .Mutt.T der italischen Städte, als _■ sster 
Erinnerung der Nation, welche mau durch die Kunsf erneuern musste. 
Auch diesseits der Alpen wurde «las wahrt- Verhältnis der griechisi 
Kunst und Kultur zur römischen ersl seil Winckelmann erkannt. 

Merkwürdigerweise war doch Serlio Architettura, ed. Venez. 1584, p. <;:• 
um r>i" durch einen blossen historischen Schluss zu der Annahm'- gelangt, 
dass die Griechenbauten die römischen weil übertreffen haben müssten. — 
Dagegen urteilte Manetti vita di Brunellescö, ed. Holtzinger, p. 22 s.) noch 
naiv. dass das alte Rom, weil es Griechenland an Macht und Reichtum 
troffen habe, auch der Architektur zu höherer Blüte als dieses müsse ver- 
holfen haben. 

Rom, welches selber kaum Einen grossen Künstler liefert, wird seil 
XV. Jahrhunderts von allen namhaften Architekten einstweilen 
des Studiums wegen besucht; unter den Päpsten von Xicolaus V. an 
wird es dann eine Hauptstätte der ausübenden Baukunst. 

Dass Rom auf allen geistigen Gebieten beinahe keil inheimischei Z 

täten aufzuweisen hat, lieg! zum Teil an der Malaria und an dei 
wankungen dei Bevölkerung gerade in den entscheidenden Kunstzeiten 
issten Teile aber an dem von Jugend auf gewohnten Anblick des hil 
Parvenierens durch Protektion. Florenz hatte eine gesunde, nicht einschläft 
Lufl und eine grosse Stetigkeil gerade in denjenigen Familien, welch* 
grossen Künstler erzeugten; auch war man von Jugend auf gewohnt, 
Genius und die Willenskraft siegen zu sehen. 

ausserdem kommt, wenn man billig sein will, 
kräftige XTV. Jahrh., welches im übrigen Italien den Grund zu d< 
herigen Kultur legte, für Rom nicht vorhanden war. Ohne 

Exil winde H lamals ein öden Stelle im • • 

eingenommen haben, und zwar dauernd. Von Urban IV. bis 



5 



IV. Kapitel. Studium der antiken Bauten and des Vitruv. 



war in Rom eine sehr bedeutende künstlerische Thätigkeil gewesen; merk- 
würdig rweisi ssen dann auch die avignonesischen Päpste, obwohl Fran- 
. italienische Künstler und Kunstwerke kommen; Vasari 1. p. 604 s. 
(Le M. II. p. 131 , v. di ( Ircagna, n. a. a. ' >. 

§ 26. 
ätndi - XV. Jahrhunderts nach den römischen Bauresten. 

Gleichzeitig mit den gelehrten Antiquaren Poggio, Blondus, Aeneas 
Sylvius u. a. und wohl nicht ohne Berührung mit denselben beginnen die 
Aufnahmen der Architekten in Rom und der Umgegend. 

Dei g< meine Ruinenkultus, vgl. Kultur d. Renaiss., 111. Aufl. I, S. 224 ff. 
IV. Aufl. I. S. 200 ff. 

Brunelli messungen, anfangs in Gesellschaft Donatellos, wohl schon 

1403, wobei sie als Schatzgräber galten und als Goldschmiede sich durch- 
bra Sein Studium sowohl die römische Bautechnik, der struktive Organis- 

mus, zumal der Gewölbe, als auch „die musikalischen Proportionen'- der antiken 
ten und. wie der Erfolg zeigt, die ganze Formensprache, die er gross und 
iffasste. 

I.. 11. Albertis Aufenthalt in Rom, schon vor 1434, dann besonders in den 

vierziger Jahren. Auch er grub bis zu den Fundamenten hinab; de re aeditica- 

toria. L. VI, c. 1 : ausserhalb Roms hat er u. a. Antium und etrurische Ruinen 

i. 0. L. IV, c. 3. 

Filarete in Rom unter Eugen IV. (1431 bis 1447); seine Baulehre (vgl. 

1»gio I. p. 200 bis 206) möchte in ihren Abbildungen ausser den 
. aen Phantasien auch Aufnahmen enthalten. 
Nicolaus V. beschäftigte vorzüglich den Bernardo Rossellino, dessen Thätig- 
keit ohne Aufnahmen nicht zu denken ist. 

Francesco di Giorgio rühmt sieh bereits, die meisten antiken Reste in 
[tauen untersuchl und mit Vitruv verglichen zu haben. Bei Della Valle, 
lettere sanesi, III, p. 108. 

Domenico Ghirlandajo (geb. 1449) zeichnete in Koni nur von Auge, aber 
btig, dass beim Nachmessen nichts fehlte; Vasari III, p. 271 (Le M. V, 
p. 81 Treffliche bauliche Hintergründe in seinen Gemälden. 

b. 1 i">7 in. iss genau und kehrte nach Florenz heim als lebendige 
„Chronik" der Wunder von Rom; Vasari IV, p. S42 (Le M. VIII, p. 116). 

liano da Sangallo begann 1465 sein Skizzenbuch (jetzt in der Bibliot. 
Barberini, vgl. § 25 „con molti disegni misurati e tratti dallo anticho", wie der 
bändige Titel 9agt. Es enthäll eigene Aufnahmen antiker Hauten aus 
Italien und Südfrankreich letztere teilweise willkürlich restauriert, vgl. Müntz 
riere in den Memoires de la societe nat. <]>'> antiqu. de France, t. XLV . 
er mittelalterliche Denkmäler (Dom und Haptistcriuni von Florenz, Torre 
Asinelli zi Bologna), Kopien nach Cyriäcus' von Ancona griechischen Skizzen 
endlich Skizzen zeitgenössischer Werke Bi unellescos Polygon der 
Bramantes Tempietto . von eigenen Werken dagegen nur einen Ent- 
wurf zum Königspalast in Neapel und einen plan für St. Peter. Ein anderer 
Siena, enthält gleichfalls sowohl Skizzen eigener und 



§ 26. Studien des XV. Jahrhum 

fremder Entwürfe aufgezählt von Jahn in v. Zahns Jahrbb. 
Ml V. s. 172 ff.), als auch Aufnahmen nach der Antik» 
Müntz in den Memoires etc. s. oben . 

Bramantino Bartol. Suardi aus Mailand) vermass und zei 
Roms, aber daneben auch romanische Bauten aus Mailand und Pavia. Si 
Vasari erwähntes Skizzenbuch isl neuerdings publizier! von Mongeri Mailand 

Venezianische Miniatoren machten aus solchen frühen Aufnahmen, die 
ihnen in die füi alles geübten Hände gerieten, zierliche Zeichnungen in Silber- 
stift. Sammlungen solcher in venez. Kabinetten, s. Marcantonio Michiel den 
„Anonymus des Morelli", bei Aula-- des Kabinetts Vendramin (Notizie d' 
di disegno, ed. Frimmel, p. H |s . 

Im übrigen [talien bilden besonders die Ruinen von Verona eine \n 
von Schule um sich her. 

Die Reste von Verona, Theater, Amphitheater, Prachtthore etc. zwar her- 
sgegeben von Giov. Carotto Holzschnittwerk von 1540 i I I - tinas, vgl. 
Vasari V, p. l m "> Le M. IV p. 179, Nota], v. di Giocondo . aber uach den '/. 
nungen des berühmten Gio. Mana Falconetto geb. 1458, starb 1534 vgl.\ - 

! I 203, 206, 207 . Dieser hatte ausserdem die Reste von Pol 
uommen und zuerst das Prinzip der römischen Schaubauten ergründet; er hatte 
12 Jahre lang in Rom die Altertümer studiert, indem er je die halbe w 
bei Malern arbeitete, um seinen Unterhalt zu gewinnen; auch «li.- Campa{ 
das Neapolitanische und Qmbrien hatte er durchsucht. Ihm zu< 
überzeugende Restaurationen. Später besuchte er R . oft, auch ii 

sellschafl Gornaros § 12). Seine Praxis betraf nur kleinere Bauten, i 
sich alier Luft durch das Entwerfen kolossaler Phantasiepläne, welche seinen 
römischen Bindrücken entsprachen. 

IV. i Giocondo von Verona geb. 1435 ging ebenfalls von den dortigen 
Resten zu denjenigen von Rom über. Sein Jammer über die hier noch immer 
fortlaufende Zerstörung, selbst zum Behuf des Kalkbrennens, in einem I 
Lorenzo magnifico ; Fabroni, Laur. Med. vita. Adnot. 1 i p 

ist anbegreiflich erscheint der Vandalisinns, den die kunst- und alter tumsfr 
liehen Päpste von .Martin V. bis anl Leo \. in der Bereitwilligkeit offenbaren, n 
sie die antiken Banten ihres Marmors and Travertins berauben lassen, um Bausteine und 
K.ilk zu gewinnen. L. B. Albertis Klage darüber: de re aedificat. L VI., c. 1; I.. V. 
c 1. — VgL Kultur der Renaissance, III. Aufl. I. - _"-•» ff.; !\. Aufl. I - 
rovius, Geschichte Roms im Mittelalter, VII. S. 557: E. Munt/. Les monni 
de Rome an I5 m< siecle, in der Revue i 1876 ff. und 1884 ff. . i 

auch kirchliche Bauten, welche in der Zeit des Exils verfallen waren, i 
um Material für ein oeues Pavimenl im Lateran zu gewinnen; s, das Bi 
bei Reumoni Gesch. der Stadt R Hl. l - Vgl 

•■-. welche Unverletzlichkeit dei antiken Banten vorschrieben, wie da.' ins' II. 

von 1462 (Müntz, Les irte I 852 s Theiner, Cod. diplomat III 
hii-r nicht helfen. Pins II. klagte: Impia ter centnm si tinllum 

indicinm oobilitatis erit (Mabillon I. 1. p. \ 

■ - später Sixtns V., der das 8 -. and Panl \ .. 

m . 



4n IV. Kapitel. Studium der antiken Hauten und des \ itruv. 



Studien des XVI. J ahrhunderl 



Mit dem XVI. Jahrhundert steigt der Eifer auf das höchste; es ge- 
scliieht ein Versuch zur vollständigen idealen Restauration des alten Rom, 
rindung mit Aufnahmen in allen Gegenden. Die Abnahme dieses 
Strebens trifft zusammen mit dem neuen aktiven Bautrieb der Gegen- 
ition (§ LO). Keinem Architekten war das eigene Messen erspart, 
was auf ihre Kunstübung den grössten Einfluss hatte: spät und unvoll- 
ständig melden sich die Abbildungswerke. 

Braniante in Rom (vgl. § t9) unter Alexander VI. (seit Ende 1499), schon 
ihrt, ..einsam und gedankenvoll"; Vasari IV, p. L55 i^Le M. VII, p. 129), 
\. di Braniante; in Florenz Aufnahmen von ihm, einiges mit genauer Mass- 
\ Lomazzo, tratt. dell' arte. p. HO wies er besonders die ver- 
schiedenen Behandlungsweisen an den römischen Gebäuden, d. h. die wahre 
leit innerhalb des Normalen durch genaue Vermessung nach, und der ihm 
lürtige Peruzzi teilte dies Streben. -- Vgl. vor allem die grundlegende 
grraphie des Meisters in II. v. Geymüllers Text zu den „Ursprüngl. Ent- 
würfen für St. Peter", Wien. 1875. 

Auch Rafael erweist sich als wahren Mensehen der Renaissance, indem 

on der kostbaren Zeit seiner letzten Jahre einen Teil dem alten Rom widmet. 

Leider stehen uns über diesen Punkt nur wenige sicher datierte Aussagen zu 

ote. Zunächst sind in heu- \. Breve vom 27. August 1515 (Bottari VI, 25; 

Pass ' Raphael, I, S. 537) noch keine auf die graphische Restauration der 

intiken Stadt abzielenden Gesichtspunkte ins Auge gefasst, sondern nur die 

antik. *n Marmortrümmer der Aufsicht Rafaels unterstellt, um sie entweder zum 

St. Peter zu verwenden oder, soweit sie Inschriften und „monumenta" 

,1. enthielten, „ad cultum Literarum romanique sermonis elegantiam 

im" aufzubewahren. Erst Gelio Galcagnini spricht lölii in einem Brief 

an Jakob Ziegler (Goelii Galcagnini opera, ed. Basil. 1544, p. 101; ühersetzt 

savant, Raphael. 1, S. 244 ff.; über die Abfassungszeit s. Passavant 

0. - _'i r > und Tiraboschi, Storia della letteratura ital. VI, p. 67) von 

umfassenden Ausgrabungen und restaurierter Darstellung des antiken Rom, wie 

• 1 unter Benutzung der alten Autoren und unter Beihilfe des Fabio 

i von Ravenna ausführe. Über das innige Verhältnis des Künstlers zu 

di. -ein wahren Humanisten giebt der Brief wertvollen Aufschluss; vgl. auch 

Kultur der Renaissance, III. Aufl. I, S. 318; IV. Aufl. I, S. 308. Jedenfalls 

tzt Calvi, dei füi Rafael den Vitruv übersetzte, grössere Ansprüche, als sein 

Ratgeber in archäologn* len Kraben zu selten, als Andreas Kuh ins, wenn dieser 

in der Vorrede 3einer l.">i J 7 erschienenen Anü< juitates urbis behauptet, 

Zeil im ingsstifl geleitet zu hahen ; s. dir Siehe hei l'assavant S. 306, Nota. 

Dass Rafael mitten im Vermessen und Resta urieren starh (1520), meldet 

Giovio (Eli Raphaehs, hei Tiraboschi, Stör, äellä letteratura. ital., 

1796 Tom. VII, parte IV, p. Kit:',: auch hei Passavant I. S. 553 f. 

und - ringet Rafael und Michelangelo, II. Aufl. I, S. 302) und Marcantonio 

Michiel m seinem Brief vom 11. April 1520 (im „Anonimo di Morelli", p. 210). 



Studieu des XVI. Jahrhun 



II 



Vgl. dazu Gajus Silvanus Germanicus, in statuam Leonia \ 1524: 

von dei Aufgabe, das alte Rom bis zu den Fundamenten I 
zuzeichnen, sei Rafael „in limine primo" durcb den Tod 
Ob die 1532 beabsichtigte Publikation einer Ansicht des alten R 
fael und wohl vollende! von seinen Schülern), von welche] 
„bellissinia cosa e tnolto copiosa" der Gesandte Peregrino an den Herzog von 
Mantua berichtet, wirkUch ausgeführt wurde? Einen andern 1532 
lichten Plan von Rom „secondo che antichamente era edificata a temj 
l'antichi romani" erwähn! der gleiche Gewährsmann in einem kurz vor jenem 
ersten abgefassten Briefe; Archivio storico dell' arte, II. p. 251. Ob dieser letz- 
tere Plan identisch ist mit dem 1532 publizierten „Simulachrum antiquae urbis 
Romae cum regionibus" des Fabio Calvi: Vgl. ilbei letzteres Werk Munt/. 
Raphael, p. <H \. 

Der berühmte, bald Gastiglione, bald Rafael zugeschrieben! Berichl an 
den Papsi ist, auch wenn er Rafael nicht angehören sollte, für die archäologis 
Richtung und Methode jener Zeil von bedeutendem Wert. Er beklagl die Zer- 
störungen, schreib! sie nicht bloss den Barbaren sondern auch den Päpsten zu, 
beschwör! Leu um Schutz füi das noch Vorhandene, mahn! ihn zu eigenen, 
römerwürdigen Bauten, und stell! dann als Ziel die Restauration auf „nach den 
Resten, die man heute noch sieht, mi! den Gebäuden, von welchen noch so viel 
erhalten ist, dass man sie infallibilmente so restaurieren kann, wi< 
-«■in müssen". Es folg! eine Andeutung über einen hiefür angeblich wichtigen 
Autor, den Publius Victor; endlich wird die Methode des Aufnehm« 

eil! und zum erstenmal Plan, Aufriss und Durchschnitl gesondert verlangt. 

Über die Frage nach dem Autoi nur so viel, dass, falls das vielleicht von 

tiglione in der Form redigierte Schriftstück dem Inhalte nach Rafael ange- 
hört, dieser es ers! kurz vor seinem Ende verfassl haben kann, da er seinen 
nthall in Rom als bereits zwölfjährig (nach der Vatikan. Handschrifl elf- 
jährig bezeichnet Für Rafael i-t besonders E. Muni/ Rapl ael ( 
mit vielfach überzeugender Wärme eingetreten. 

Rafael schickte Zeichner durch ganz Italien, Winckelmann Anmerkungen 
üb. d. Baukunsl d. Allen, s. 35 i. kannte Aufnahmen des Tempels von < 
die er 'lern R. selber zuschrieb und wusste von einem Band ähnliche) /• 
nungen bei Lord Leicester. Wahrscheinlich waren auch die Aufnahi 
Rom, Neapel, Pozzuoli und der Campagna, welche Giulio Romano 1544 dem 
Vasari (V, p. 552 [Le M. X, p. 112], v. di Giulio) in Mantua vorwies, ii 
Auftrag „von Giulio und andern*' gemach! worden; die Zeichner werden sich in 
die Aufgabe geteilt und dann Kopien unter einander ausgetauscht haben. 
Mit Serlios Werk beginnen um l">i" Publikationen von dauernde' 
deutung; in der Widmung des III. Buches behält er sich auch die \ 
lichung der ihm noch unbekannten I berreste in Südfrankreich vor. 

In «Ich Aufnahmen des jungem Ant. da Sangallo, die sich noch in 
Qorentinischen Sammlung vorfinden, bemerkt man bereits P 
besserung einzelner Fehler der Uten, z B. 
Pantheon i\ asari \ . p. i' 1 -' Le M. \ . p. k3 . im Komn 
da Sangallo). Das zu Durchschnittsregeln durchgedrungene Studiu 
Kritik an den I Denkmälern seil 



_^.) iv. Kapitel. Studium der antiken Bauten and des Vitruv. 

die Mitte des Jahrhunderts wandten namhafte Architekten noch 
immer eine Reihe von Jahren auf die römischen Ruinen, so Uartol. Umga 
Vasari VI, p. 326 Le M. XI, p. 96], \. di Genga) und Andrea Palladio. 

g 28. 
Einfluss lies V i t ruv. 

Mit dem XVI. Jahrhunderl erreichl auch der Einfluss des Baulehrers 

o-oldenen augusteischen /.'it. M. Vitruvius Pollio seinen Höhepunkt. 

tan glaubte mau vor allem das Altertum nach seinen eigenen Aussagen 

richten zu können; Vitruv nahm in der Baukunst bald eine ähnliche stelle 

ein wie schon vorher Cicero in der Latinität, und es bildete sich eine höchst 

eifrige Partei in seinem Namen. 

Vitruv war nie ganz vergessen, aber zur Zeit der Frührenaissance schadete 
ihm vor der Hand die schlechte Beschaffenheil des Textes, die schwierige Aus- 
ng und die innere Mangelhaftigkeit, da er z. B. keine Lehre vom Gewölbe- 
bau oder nur vom falschen, VII, :5> enthält. Alberti, de re aedificatoria benutzt 
ihn ohne ihm irgend eine Ehre anzuthun und überbietet ihn sehr an Vielseitigkeit. 
Francesco di Giorgio, der zuerst die Ruinen mit Vitruv verglich (§ 26) 
und in seinem Traktat die Säulenordnungen nach Vitruv behandelte, fügte doch 
.•in Wort hei, welches für die ganze Renaissance gilt: seine Regeln seien müh- 
san Alten gezogen, die Kompositionen aber, welche er mitteilt, sein 

Eigentum. I >ie Renaissance hat das Altertum nie anders denn als Ausdrucks- 
mittel für ihre eigenen Bauideen behandelt. 

Antonio Manetti (vita di Brunellesco, ed. Holtzinger, p. 18) meint, wenn 

wie zu seiner Zeit Alberti, so im Altertum „aleuno autore" Regeln für 

die Baukunst aufgestelll habe, so könnten sich diese doch immer nur auf das 

ine beziehen; nur indem man den Resten des Altertums selbst nach- 

rkenne mau die „invenzioni", die jedes Künstlers Eigentum seien, eine 

Natu] oder der Lohn des Fleisses. 
tncesco und sein damaliger Herr, Federigo von Urbino, berieten alle 
■ ii über die Erklärung Vitruvs. 

Die erste Ausgabe 1511 die d^> Fra Giocondo, welcher damit bis in sein 

hohe gewartet hatte; Vasari V, p. 265, Nota 1 (LeM.IX, p. 158 s. und Nota), 

v. di Giocondo, wo auch seine übrigen archäologischen Arbeiten verzeichnet sind. 

eb 151 i oder 1515 in einem unbezweifelten Briefe: ..Ich möchte 

honen Können der antiken Gebäude wieder finden, weiss aber nicht, 

nein Flug nicht ein Icarus-Flug sein wird: Vitruv gibt mir viel Licht, aber 

wäre." Lettere pittoriche I. 52; II, 5. 

i i letzten Zeil hatte er eine freie Ansicht gewonnen und verteidigte 

,,,,,: _■.. den Vitruv mit Gründen, im liebenswürdigsten Eifer. Coel. Cal- 

s 1544, p. 101. 

jar Peruzzi entwarf den Dom von Garpi „nach Vitruvs liebeln- 

h 1527 fortlaufende Illustrationen zu diesem Autor. Vasari IV, 

(504 (Le M. VIII, p. 226, vgl. 231 1, v. di Peruzzi. 

Höchst fanatisch redel Serlio in seiner Architettura (ed. Venez. in L, 1584, 

►9, 112, lö'ib. wozu aus der venez. Folioausgabe lö'ii die, stelle S. 155 



D Yitruvi. . j;; 

nachzutragen ist). I».i- hochheilige und unanb 
auch gegen Römerbauten; diese sind nach Vitru\ zu I 
widerhandelnden sind Ketzer etc. Am Schluss des III. B 
aller eifrigen Vitruvianer. 

Di( sich allgemach ansammelnde Vitruvliteratur musste sich dei 
lienischen Sprache bedienen, weil lateinische Erklärungen die Sache nui 
noch mehr erschwert hätten. 

Übersetzungen des Vitruv mit Erklärungen und mi • >bil- 

dungen : 

Eine handschriftlich in der Biblioti hiana zu Floi ihrte 

Übersetzung ist nach Milanesi Note zu Vasari III. p. "•_' „zweifellos - von i 
i di Giorgio geschrieben und vielleicht auch von ihm angefertigt. 
Pabio Galvi, Manuskript in München, Vasari IV. p. :*7''. Nota 2 Le M. VIII, 
p. '->*'<. Nota : angefertigt für Rafael, vgl. § 27. 

äariani 1521, Vasari IV. p. 150 Le M. VII, p. 126), v. inte, 

mit der stark berichtigenden Nota; 

porali 153 ri III. p. 598, Nota I. M. VI, p. .~>7 Nota, 58 N 

v. <li Perugino; ebenda p. 694 p. 145 Nota, v. di Signorelli; 

Daniel. • Barbaro 1567, unter den spätem die li.Tiiliiiit.--t.-; manche ricl 
und geistreiche Idee findet sich hier zuerst, vgl. ad. Vitr. III, 2 und IV, _\ wo 
• - !i\\.-lhiii!_ r und von den Konsolen in den Giebelschi 
l'ht'i' einzeln.- schwierige Partien schrieb Gio. Batt. Bertano 15; - -ich 

h / H. um die Theorie der ionischen Volute bemühte; Vasari VI, ] 
Nota 3 l.e M. XI. p. 248, Nota), v. di Garofalo. 

Battista da Sangallo, Bruder des im ?: _'7 genannten, hinterliess 
rungen, deren Herausgabe unterblieb; Manuskript in der Bibliot. Corsini zu 
Rom: Vasari V, p. iTi'. Nota I Le M. X, p. 21 . v. di Ant. 
die Bemühungen 'I.-- Qorent. Chorherrn »ü". Norchiati -. \ isari VII. p. 227 
•J (L. M. XII. p. 234, Nota . v. di Michelangelo. 

1 1 i ■ a Vitra vi an 

Im Jahre 1542 trat in Rom die vitruvianische Akademie zusammen, 
welch.- es indes nicht weit über ein kolossales Programm hinaus brachte. 
hie in dieser Richtung eifrigsten Bauherrn waren damals reiche Venei 
Zu der Abnahme dieses Fanatismus trugen die Werke und auch die W 
Michelangelos nicht Weniges hei. 

Der Verein und das Programm: Lettere di Claudio Tolomei 
fol. l" 3 -- Lettere pittoriche II . I samt Bot! 

Kardinal Marcello Gervini, s| llus II. ein Hauptmitj 

Ranke, Päpste I. S. 281, 5 tri VII, p. 106 Le M XII 

Zucchero, und Y. p. 518 (Le M. X p. 81), im Komi 

gallo, welcher ein Bad im antiken Stil für den Kardinal 
Den besten Gewinn 
dei im I >ienst der Akadi mie 



^4 IV. Kapitel. Stadium der antiken Bauten und des Vitrav. 

In Yen. seitigte Jacopo Sansovino die Frührenaissance als angeb- 

licher Vertreter der strengern vitruvischen Richtung; diese wurde gerühml so- 
wohl an seinen Privatpalästen als an seiner Biblioteca. Bei Anlass der Ecke. 
_. g 53 der untern dorischen Ordnung der Letztern geriet aber 
mtiquarische [tahen in Bewegung; Kardinal Bembo schickte die 
- _ : verschiedener Baukenner ein, und auch Tolomei, der Sekretär der 
vitruvianischen Akademie, gab im Namen derselben eine Meinung ab; allein 
- 5 >,, hatte schon eine Lösung bereit, durch welche er alles zufrieden stellte. 
-,, VII, p. 502 Le M. XIII, p. 84 . \. di Jac. Sansovino; — Franc. San- 
ä Meisters . Nene/., fol. 44 und 113, wo die Geschichte nicht 
ohne Übertreibung erzählt wird. 

Michelangelos Bestreben, die „Ketten und Schlingen wieder zu zerreissen", 
che die Baukunst sieh anlegen Hess: man wurde Lnne, dass er sich über- 
.. weder auf ein antikes noch auf ein modernes architektonisches Gesetz 
verpflichtet halte". Bei Anlass seines schönsten Entwurfes von fünfen für 
S Giovanni de' Fiorentini in Rom sagte er selbst: ..Weder Römer noch Griechen 
aben in ihren Tempeln etwas Ahnliches erreicht." Vasari VII, p. 193, 23:5, 263 
Le M. XII. p. 205, 239, 265), v. di Michelangelo; sein Hohn über einen vor- 
nehmen Vitruvianer i p. 280). 

Er befreite die Kunst mehr als gut war. Sie hatte vielleicht keine ein- 

wahrhafl grosse Kombination eingebüssl gehabt aus Rücksicht auf ein 

Buch, das keinen Bogen wölben lehrte und seihst für das im XVI. Jahrhundert 

Alltägliche keine Vorschrift enthielt, wohl aher \or Verwilderung der Einzel- 

formen warnt. . 

Ein verspätetes Bedauern, dass nicht auch für die Malerei ein solches 
antikes Regelbuch erhalten geblieben, bei Armenini. de' veri precelli della pit- 
tura. p. 22. 



V. Kapitel. 
Die Theoretiker. 

§ 30. 
Leon Battista Alberti. 

Da nach einem allgemeinen Gesetz jener Zeiten die Bildung der Kunst 

vorangehl (§ 24), so befremdel es nicht, wenn ihre Botin, die literarische 

Stellung, auch -'hon an der Wiege der neugeborenen Architektur zu 

linden ist. Schon erhebl sie sich von der Beobachtung zur Regel und zur 

Theorie bei dem grossen Leon Battista Alberti. 

:■ ind: Kultur d. Renaiss., [IL Aufl. I, S. L68; IV. Aufl. I, S. 151. 

»endschrifl über die Malerei folgte sein Hauptwerk über das Bau- 

D ■ • i'j'-nhüiidi'j \orhandene ilal. Bearbeitung, arte edilicatoria 

(in den opei i di L. B. Alberti, ed. Bonucci, Tom. IV) reicht his ins 



30. I 






III. Buch, und so weit glaube ich diese zitien 
den ebenfalls von ihm redigierten latein. Texl de i 
scheine nach isl das Werk zwischen 1450 ind 1452 
zeiten (t 1172 aber wohl nur einem kleinen Kreis 
bekannt gegeben und uoch oichl in Abschriften verbreitet 

• Mattia Palmieri (Opus de temporibus suis, in Rer. il.il. script 
I. p. l'ü . dass Alberti sein Buch dem Papsl Nikolaus \ 
dit), i-t nicht von ei itlichen Überreichung Widmung 

stehen; vgl. Paul Hoffmann, Studien zu I.. I;. \ 

. h dem Tode Albertis hat «-in Vett< i \ 
das Manuskripl kopiert und diese Abschrift mit einem Empfehl 
zianos (den Tiraboschi in das Jahr 1480 setzt Lorenzo de' '' : 
Diese Kopie i-! wohl mit dem Exemplar dei Biblipt. Laurenziana IAWIY 
I 13, identisch. Eine andere Abschrift von 1 t83 befindet sich im der Bibl. 
Vaticana, in die Urbino gelangte; vgl. Mancini, Yit.i di 1.. B. Alberti. 

p. 392, Not - ■■ Druck 1 t85 in Floren z. Die italienischen 

Au-:_ r iil"'ii seit dem \\ I. Jahrhundert sind ing Späl 

Die betreffenden Hauptstellen: arte edificatoria , !38, 2 

I. Buche) und de re aedificatoria, I.. VI, cap. 2 und 5, I.. I\ .1 .">. 

Die gothische Baukunsl war lauter Rhythmus der Bewegung, di< 
I» fii;ii>>aii<-«- ist Rhythmus der Massen; dort sprach sich der Kunstgehalt 
im Organismus au-. Iiit-i liegt er wesentlich in den geometrischen und 
kubischen Verhältnissen. Alberti beruft sich daher nichl auf Triebk 
die im einzelnen ausgedrückt sein müssten, sondern auf 4a- Bild, welches 
der Bau gewährt, und auf das Auge, da- dieses Bild betrachtet und 
In der genannten Jugendschrift della pittura op. volgari IV. p. il 
on einer präexistierenden Malerei ab: der Baume - 
von dem Maler - - den und Gebälke gelernt; di< 
tiir den malerischen Standpunkt der Frührenaiss 

Im Hauptwerk: da- Gesetz der ^bw< anmutig« 

in Verbindung mit der Symmetri tä und parilitä delle < • 

achl der Abwechselung geht ei sehr weit, vielleicht im llinl>li<k an: i 
Kaiserthermen, Paläste etc. I — »11 z. B. nicht Eine Linie 
da gewisse Teile schi einen, wenn - 

bildet sind, die einen, wenn sie in geraden, di.' andern, wenn 

Linien laufen, u. s. w. Von der Schönheit er S A. w 

Tl etiker B. Serlio, p. '•- zum lauten Enthus 

Die Hauptschilderung trefflichen Komposition im \l B 

wiegend eher negativ ; am 1 
quanda, was \ erschiedene I >eul 
Festsetzung der kubis 

\ ersui b eim i i lästhetik im l\. ; 

Einmischung all. h in. ht nnw 

dru« innitas, d. h. wohl das völlig Harmonie 

<\a- Schlussurteil lu . will 

•in unergründlii i • 



V. Kapitel. Die Theoretiker. 

requiro. Doch hatte er sich VI, c. i> sehr gegen die Ignoranten verwahrt, die 

da meinten, »las Urteil über Bauschönheil beruhe nur auf einer soluta et vaga 

10 und die Bauformen seien gesetzlos und wandelbar, wie es jedem beliebe. 

§ 31. 

Die N .1 ■■ li i' o 1 g e r Ms auf S e r 1 i o. 

Die Dächsten Theoretiker nach Albert i scheinen, soweit sich urteilen 
sst, ihn benutzt zuhaben. Aufzeichnungen über Mechanik und Konstruk- 
tion, über Wasserbauten und den mathematischen Teil der Kunst überhaupt 
mehren sich gegen Ende des XV. Jahrhunderts. Später absorbiert eine 
Zeitlang die Bearbeitung des Vitiuv (§ 28) diese Kräfte, worauf wiederum 
leue Sammelwerke sowohl als Bauencyklopädien entstehen. 
Das reichillustrierte Manuskript der Baulehre des Antonio Averulino, ge- 
nannt Filarete, begonnen 1460, beendet Anfang l'Ki'r. in der Bibliot. Maglia- 
chiana zu Florenz Cod. 130, Klasse XVII); eine für Matthias Corvinus be- 
rufe Kopie auf der Markusbibliothek zu Venedig; die Textproben bei Gaye, 
o I. i». 200 206 enthalten ausser jenem Fluch über das Gothische (§ ±J) 
einen S gensspruch über die Renaissance, sodann ein merkwürdiges Verzeichnis 
• damaligen berühmten Künstler der neuen Richtung-. Vgl. § 91. - - Ein- 
Charakteristik und Inhaltsangabe des Werkes in der Abhandlung von 
me: Filaretes Traktat etc. (Jahrbuch der Kgl. preuss. Kunstsammlungen I, 
S. 225 ff., und hei W. von Oettingen . Antonio Averlino, genannt Filarete. 
Leipzig l^ s . Dazu die Publikation durch W. von Oettingen in den Wiener 
lenschriften zur Kunstgeschichte, 1890. 

Der um 1 i s ' » verfasste Trattato d' architettura civile e militare des Francesco 

riorgio i -^ isl nach dein Turiner Kodex (andere Handschriften in der Bibl. 

iabecchiana zu Florenz und in Siena) publiziert von Carlo Promis Turin 1841; 

Della Valle, Lettere sanesi, III, p. 108; die etwas vorgerücktere Zeit 

erkennbar durch das seitherige Erwachen verschiedener Richtung, wovon nur das 

Wenigste die Billigung des Autors hat : er findet lauter „Irrtümer, schlechte Pro- 

I >i rtionen und Fehler gegen die Symmetrie". — Ein anderer Kodex mit Skizzen 

• •! Kriegshaukunst und Kriegsmaschinen beiludet sich gleichfalls in 

Bibl. Magliabecchiana, ein weiterer in Siena: vgl. auch Ant. Pantanelli, Di 

G rgio Martini pittore, scultore e architetto senese. Siena. Gati, 1870. 

In Lionardos Papieren vieles über Mechanik; sein Mühlenbuch etc.; vgl. 

Pubükation von J. P. Richter, The literary works of L. da Vinci. 

: Im Giocondo, seinen Wasser- und Brückenbau und seine theo- 
retische und allseitige Gelehrsamkeil vgl. Vasari V, p. 262, 266 ss., 273. (Le 
M. IX, p. 156, 160, 162, 165), v. di Fra Giocondo, Text und Noten. 

Pi ichteten an der Baukunst überhaupt mehr die mathe- 

ätlerische Seite. Federigo von Urbino (§ 11) schreibt 1468: 

Architektur i-l gegründet auf Arithmetik und (Jeoinetrie, welche zu den 

untei den äieben freien Künsten gehören, weil sie den höchsten 

heil in 3ich haben- (htye, earle^-io i. p. Uli, vgl. 276). 

Serlio von Bologna und sein Sammelwerk dell' architettura 

mit lenen Titeln der einzelnen Bücher); die erste Ausgabe in Folio, 



§ 32. Polifilo. ]T 

Venedig seil 1540; wir zitieren die verbreiteten 

Nicht in theoretischer, sondern mehr in zufälliger Ordnui 

Altertum und eine grosse Anzahl von Bauten und Kntv. 

Teil von der Erfindung des Autors, zum Teil nach Zeichnui 

Peruzzi, den er mehrmals dankbar nennt. Die Wirkung 

ungünstigen Seite § 12. 

Polifilo. 

Neben der Theorie and der mathematischen Begründung hat auch dei 
enpol, die bauliche Phantastik, in der Literatur ein Denkmal hinter! 

Der architektonisi h-allegorische Roman Hypnerotomachia des Polifilo, d. h. 

des im Orient gereisten Dominikaners Fra l ma von Vem 

boren um [4 torben ersl 1527. Die Abfassung des Werkes nach 1485 

der erste Druck 1499; seither mehrere Ausgaben, mit den Originalholzstöcken 
gedruckt, ohne Seitenzahlen; Auszüge bei Temanza, vita de' piü celebri archi- 
tetti e scultori veneziani. Vgl. Kultur d. Renaiss., [II. Aufl. S. 233; IV. Aufl. I. 
S _'ll f. und A. Ilg, Über den kunsthistor. Wert der Hypner. Polifili. Wien 187:2 
ist eine Liebesgeschichte in mythologischem und märchenhaftem Kostüm, 
welche wesentlich als Aula— dient zur Beschreibung und Abbildung 
laude und Räumlichkeiten. Vgl. § 25, 64 Fig. 7. 
Indes werden weder Theoretiker noch Poeten so klar, als wii 
wünschen möchten, von dem grossen l bergang reden, der sich unter ihren 
Augen and zum Teil durch sie selber vollzieht. Teils sind sie sich der 
Ding-' nicht bewusst, teils verstehen sich diese für sie von selbst. Eine 
spätere Zeit erst könnt.' die Renaissance als den Stil der Verhältnisse in 
Raum und Flächen im Gegensatz zu allem früheren erkennen. 

Dei Raumstil, der das neue Weltalter in der Baukunst mit sich führt, 
i-t ein exkludierender Gegensatz der organischen Stile, was ihn nicht hindert, 
die von diesen hervorgebrachten Formen auf seine Weisi chen. 

Die organischen Stile haben immer nur Einen Haupttypus, der griechis 
den oblongen rechtwinkligen Peripteraltempel, der gothische die mehrschil 
Kathedrale mit Fronttürmen. Sobald sie zur abgeleiteten Anwendung, nament- 
lich zu kombinierten Grundplänen übergehen, bereiten sie sich vor, Raum- 
stile umzuschlagen. Der spätrömische Stil i-t schon nahe an diesem I 

g und entwickelt eine bedeutende Raumschönheit, <li<- dann im byzantini- 
schen, romanischen und italienisch-gotbischen Stil i 19) in ungleichem G 
weiter lebt, in dei Ri laissance aber ihre volle Höhe erreicht. 

I » i i- Baulichkeiten in >1 en <; e m äl d< 

Eine weitere Kunde des Baugeistes der Renaissance in ihren jeweili 
Wandlungen isl zu gewinnen aus den in der Malerei dargestellten \ 

'i I'ni für die l ■ 
Buches vertraut sind, eil 
vermeiden, wurde dieser neue § m 



V. Kapitel. Die Theoretiker. 



tekturen, indem dieselben ungehemmt auch solche Gedanken verwirklichen, 

welchen die Ausführung versagl war. 

spekth ische Idealansichten sei Brunellesco, welcher laul \ asan (II p. ■»•>- 

Le M in , 197 vita di Brunellesco) zunächst vorhandene Gebäudegruppen, 

,'i; die Umgebung des Baptisteriums und des Signorenpalastes vollkommen 

üniemichtig aufnahm, daneben aber den [ntarsiatoren (§ 151. 152) die Ihn- 




Kuppel au, Polifilo. 



uden beibrachte, und diese waren and blieben p,Tsprkt ; ivisch 
, lealbauten. Verzeichnis bis ins XVI. Jahrhundert a. a. 0. ; vgl. Abbildung 

152. 

In ürbino (Belle arti) das Tafelbild eines fasl symmetrischen menschen- 
»latzes mit Prachtbauten, von Piero della Francesca oder Luciano da 
wahrscheinlich zur Staffierung mit einer Historie bestimmt. 



Unvermeidlichkeit des rörni 

In: ganzen X\ . Jahrhunderl reichlicher Gebraui 
ersonnenen Bauhchkeiten in Fresken und auf Tafelbi 

hen . teils als Räumlichkeil für den dai 
eine sehr wesenthche Ergänzung des wirklich ihrten. I 

Cicerone, \ III. Aufl. S. 109 ss. 

Mit dem XVI. Jahrhunderl soforl bei Rafael die berühmte R 
der Schule von Athen, nach einer Skizze des Bramante; bei sei • 
die der Taufe Konstantins, der Schenkung von Rom. 

Zugleich an Wänden von Sälen gemalte Hallenpi 
rangen des Raumes, ja mit der Absicht auf Täuschung. Bald i/./.i 

im ersten ohern Saal der Farnesina; schon bei ihm dieselbe Kunsl in 
saramenhang mit der SzenenmaleTei für die Theatei . § 193 
welche zwar der Sitte des Behängens der Wandflächen mit gewirkt« ' 
nachstehen musste und bisweilen in geringe Hände geriet § lG9i, dennoch 
sich bis in die Spätzeil des Barocco behauptete, teils bloss mit baulichen und 
dekorativen Formen, teils belebt mit Figuren und etwa auch mit Historien. 
Durch den fortdauernden Zusammenhang mit der allmählich sehr wichl 
Theatermalerei blieb auch der Prospekt in Fresk ch immer in einei 
Höhe und ergänzt nun für die geschichtliche Betrachtung das alk 



VI. Kapitel. 
Die Formenbehandlung der Frührenaissance. 

U n v e r in eidlichkeit des r ö mischen D< tail s. 

Die Komposition nach Verhältnissen und für das Auge, welche die !? 
der Renaissance (§ 30, 32) ist, hatte schon im XII. Jahrhundert und dann in 
der gothischen Zeil sich geregt. v m wurde damals ganz besonders liarl be- 
troffen durch das gothische Detail, welches einer entgegengesetzten Gedanken- 
welt entstammte; dagegen hätte sie sich von der Forineusprache d 
schon deshalb angezogen finden müssen, weil diese ihr Detail bereits als I 
dekoratives Gewand gehandhabt hatten. Mit aller Anstrengung suchte man 
sich nun \ ml jenem schweren formalen Widerspruch zu befreien. 
Dazu kam aber noch das stärkste allgemeine Vorurteil I 

Es ist ganz unnütz, zu fragen, ob die Italiener ein 

hätten schaffen sollen oder können. I B lung, di 

Kunst, drängte längs! aul den allgemein! 

war im Grossen völlig entschieden laukunsl irgend um 

Stimmung f] 

1 Mittelitalien handelte es sich zugleich um i 

den Stoff: eine bunt< M 

r. i .. 



VI. Kapitel. Die Formenbehandlung der Frührenaissance. 

an den wichtigsten Kirchenfassaden Qiusste weichen vor der ernsten Plastik 
- ■ is en Details, mochte auch letzteres thatsächlich ebenfalls nur äusser- 
lich einem Kernbau aus anderem Stoffe angefügt werden, wie schon hei den 
i Römern selbst. 

Ausserdem adoptierte man nach Kräften auch die Gesetze der römi- 
schen Konstruktion. Dabei wusste man jedoch nichts Anderes, als dass 
Anlage, Hauptformen und Verhältnisse gemäss dem jedesmaligen Zweck 
und der Schönheit erfunden werden müssten. 

Die Renaissance kennt beinahe gar keine Nachahmungen bestimmter 
einzelner Römerbauten. Sie hat /.. 1>. trotz aller Bewunderung keinen einzigen 
! repetiert und überhaupt das Antike nur im Sinn der freisten Kom- 
bination verwertet. Vgl. § 28 das Wort des Franc, di Giorgio. Die Proportionen 
sind vollends ohne Ausnahme frei gewählt und der Einfluss der antiken Ord- 
nungen auf sie nur ein scheinbarer. In Thal und Wahrheit hängt die Behand- 
lung der Ordnungen eher von den Proportionen ab. 

84 
Das Verhältnis /.\\ den Zierformen. 

Anfangs schied man nicht, was der guten oder der gesunkenen Römer- 
zeit, s Gebäuden höchsten Ranges oder blossen Verkehrsbauten etc. an- 
gehörte; auch vergrösserte und verkleinerte man nach Belieben das für 
••inen bestimmten Massstab Geschaffene. 

Ein in Fiesole gefundenes wunderliches ionisches Kapital wird von Giu- 
liani da Sangallo zum durchgehenden Muster genommen für die Kolonnade des 
Hofes S. M. Ma. Malen;, de' I'azzi in Florenz; Vasari IV, p. 270 (Le M. VII, 

p. Uli . v. di Giul. da Sangallo. Vieles dergleichen namentlich in den Kranz- 
inten. Formen des römischen Dekprationsstiles, von Altären, Sarko- 
phagen, Kandelabern etc. wurden anfangs in die Architektur verschleppt. 

Eine grössere Gefahr lag in der plötzlichen und sehr hohen Wert- 
ssischen Zierformen überhaupt. Dass dieselben nicht die 
Architektur überwucherten, verdankt man einzig den grossartigen Bau- 
absichten und der hohen Mässigung der Florentiner. 

Man erwäge die allgemeine Zierlust und Prachtliebe des XV. Jahrhun- 

isch wachsende Zahl behender Dekoratoren und die Hingebung der 

elbst an die Dekoration, sobald es ihnen die strenge Kunst 

ibte. 

Michelozzo meisselte selber Kapitale, wenn ihn der Eifer ergriff; so z. B. 

Thür im Signorenpalast zu Florenz; Vasari II. p. i'->7 (Le M. III, p. 275), 

li Micheloz; - hön gearbeitete Kapitale führten bisweilen zu grösseren 

Aut - insovino bekam darauf hin die Durchgangshalle zwischen 

tei und Kirche in S. Spirito zu bauen; Vasari IV. p. iis fhe M. VIII, 

p. 121), v. di i ■ und p. 511 162), \. di A. Sansovino. 

In rie weist /.. li. um 150 > der Neapolitaner Gioviario Pontano (§ 9) 

rste Stelle an und gestattet selbst dessen Übertreibung: et 

in ornatu quidem, cum hie maxime opus commendet, modum excessisse etiam 



^ 35 Die Säule, der Bogen and das gerad ;,] 

laudabi] t; der Florentiner Alberti dage Bauten 

liebte, weist ihm doch in seinem Lehrbuch schon 50 Jahr» nur 

sekundären Rang an. !.. VI, c. 2: Die Schönheil liege in .-in.' 

monie aller Teile, die bei jedem Hinzufügen oder VV( 

weil «•> aber thatsächlich noch immei scheine, als müsse etwas In 

weggelassen werden, und doch das Vollkommenere schwer anzugi 

habe man die Zierformen eingeführt, als eine subsidiaria lux, als complementum 

der Schönheit. Lct/driv müsse dem Ganzen eingeboren sein und i 

strömen während das Ornamenl die Natur von etwas äusserlich Angehefl 

behalte. L. IX, c. B s, nochmalige Ermahnung, den Schmuck zu 

und weise abzustufen. 

§ 35. 

Die Sä ule, d e r B o ge n d nd d i] k. 

Die Säule war in [tauen niemals ernstlich durch den gegliederten 
Pfeiler verdrängt worden; jetzt wind»' sie ihrer echten Bildung zurück- 
ben und wieder mir ihrer alten Zubehör von Basen und Gebälken in 
Vei bindung gebracht. 

Die Begeisterung für die Säule als solche §30. Von den Gesetzen ihrei 
optischen Erscheinung weiss Alberti u. a.: Dass Säulen, wenn -i-- siel 
der Lufl abheben, schlanker erscheinen als vor einer Wand, und di 
deshalb die Ecksäule entweder dicker gebildet werden oder mehr Kaunelüren 
erhalten müsse, was optisch denselben Dienst thue. Letzteresaus Vitruv IV. I. 
aber in neuer Anwendung. 

Gegen das Kannelieren überhaupt zeigt die Frührenaissance eher Wider- 
willen (§ l'ü . Kntselii'idendcs Beispiel : die vier glatten Portalsäulen an der 

Lchtigen Fassade der Certosa bei Pavia. Am ehesten kannelierte ma 
Venedig (obere Hallen der alten Prokurazien; Säulenordnung am Mit 
werk von Pal. Vendramin-Calergi). Auch i-t kannelliert der zierliche Pi 
S. Giacomo maggiore zu Bologna, 1477 81, von einem Meister, welchem 
auch die ähnlich behandelte Hofhalle des Pal. Bevilacqua angehört. Di« 
dische Renaissance dagegen kannelierte später gerne ihre Säulen und Pila 
Brunellesi o hat, wo er den Säulen Pilaster entsprechen liess (Im eres 
S. Lorenzo in Florenz, Vorhalle der Cappella Pazzi), d • kanneliert, um die 

Belebung der Wand zu steigern, die ersteren dagegen glatt _• 
die als Träger grosser Obermauern ihre lediglich struktive Bedi itung 

dekoratn wirkenden Pilastern gegenüber bei n sollen, tragkräftigi 

Mil Anspielung auf ein Motto des I S ildete Bi in 

den Schaft einzelner Säulen in dei Ci nica von S. Ambrogio zu Mailand 

Art von Baumstämmen mit hart am Stamm abgeschnittene \ I 
müller, ursprüngliche Entwürfe für St. Pelei S. i"> i. 

Glücklicherweise liess sich rtalien seine Bogen aul Säulen nicht 
nehmen, obwohl es an Einwendungen dagegen nicht fehlte. \m I' i 
der Kirchen sowohl als an der fortlaufenden Halle des Klosterhofes 
des städtischen Platzes, wird dei Bogen ohne Vergleich ha 
wandt als das gerade < Gebälk. 



Vi. Kapitel. Die Fornienbehandhrog der Frührenaissance. 



S ioh Brunellesco gab bekanntlich dem Bogen seine antike Archivolte 
wieder, glaubte sieh indes doch an feierlichem Bauten (S. Lorenzo, S. Spirito 
in F zu einer Art von Gebälkstück zwischen Kapital und Bogenansatz 

Qichtet Es sollte »lein Eindruck begegnel weiden, als könnten die \ ei- 
len starken Glieder der zwei auf demselben Kapital zusammentreffenden 
i sich verschieben und einen verschieden starken Druck ausüben, es galt, 
_,lei. lenartigen Teilen erst eine gemeinsame Teste Unterlage zu geben, 

von der tragenden Säule antuen. Hinnen werden" (Bühlmann, die Archi- 
tektur de- kla-<. Altertums u. der Renaiss., S. 30). Man erreichte hiermit zu- 
h noch etwas Weiteres: dir schlankere Erscheinung der Bogen. — Alberti 
ngi um der letztern willen eine Überhöhung der Bogen bis zu ' des Radius, 
: . weil für dir Untensichl durch den Kämpfer etwas verloren gehe. 
Vgl. das Gebälkstück über Säulen, welche 
die spätrömische Zeit den die Gewölbe 
tragenden Pfeilern vorsetzte (Konstantins- 
basilika, Diokletiansthermen und sonst), 
sowie die „Kämpfer" der altchristlichen 
Architektur (Rom, Ravenna etc.) und noch 
in der gothischen Zeil, hier recht zum 
Zwecke der Überhöhung der Bogen, die 
Aufsätze über den Pfeilerkapitellen, z. B. 
in der Loggia de' Lanzi zu Florenz : ähn- 
lich im XV. Jahrhundert im gothischen In- 
nenbau >\i'< Domes von Pienza (Abbildung 
in § 77). In Florenz selbst bot ein Vor- 
bild ans der Zeit der Protorenaissance der 
Kapitälaufsatz in ilcn Blendarkaden am 
Äussern des Baptisteriums (Fig. i). früher 
noch an der Fassade der Badia bei Fiesole. 
Brunellescos Anwendung des Gebälk- 
stückes bat nur vereinzelte Nachahmung 
gefunden: an der Vorhalle von S. Maria 
Arezzo (Fig. 8), nach Vasari von Benedetto da Majaiio: in den Servi zu 

; ig. 13 . an Dom von Gortona, an der Vorhalle der A mziata zu Florenz 

B _■• n von Ant. da Sangallo, die seitlichen erst 1601 lt. von Gac- 
; in richtiger Erkenntnis, dass man so den Arkaden dieser Vorhalle am 
ine aini.il,' ei he S< heitelhöhe wie denen der stufenerhöhten 

twinkelig anstossenden Loggia degli [nnocenti dos Brunellesco liehen konnte. 
. Abbildg. in § 1"7 . ferner in Giuliano da Majanos Dom von Faenza, Ü7'i : 
3. Abbildung in v. Lützows Zeitschr. f. bild. Kunst. XXIV, S. 167), in S. Maria 
Camerino m 
Allein L. VI, c. 15 verlangl Alberti für die Säule immer das gerade Ge- 
bälk, indem der Bogen nui auf Pfeiler passe. Auch das Einschieben eines 
lern Säulenkapitäl versöhnt den Mann nicht, welcher im 
italienische Hexameter und Pentameter zu konstruieren. Von seinen 
ten haben die Halle am Pal. Stiozzi und die Kapelle <\c^ hl. Grabes 
zio es Gi Seine schlaue Insinuation L. IX, c. 4: für 




- tfa i Arezzo. 



§ 35. 1 »ie 3 iule, der Bogen and 






Loggien sehr vornehmer Bürger § UM gezieme si< 
von mittelmässigen Familien Bogen. 

Es half Dichts; Bogen auf Säulen sind bei richtig 
kommen entsündigt und werden herrschen bis ans Ende dei 
die Halle wölbte (wie Alberti a. a. 0. doch auch verlang! . hat! 
Gebälk keinen Wert mehr; es machte das Gewölbe uur dunkel und 
riichl tragfähig. Denn auf die Weite der Intervalle könnt. • man doch 
zieht. ml Es blieb beschränk! auf oberste Stockwerke von Hallen, wo es dann 
meisl von Holz konstruier! wurde und eine hölzerne Flachdecke trug 

Die Unterbrechung einer horizontal gedeckten Säulenhalle durch einen 
Bogen in der Mitte, welcher einer Hauptpforte entspricht, schon in der 

j ^_L-_, 




l'i_- g Hol ■ Florenz 



Antike (Spalato etc.) und in der altchristlichen und mittelalterlichen Archi- 
tektur vorkommend, wird nunmehr öfter zu einem Element der Schönheit. 
Edles frühes Beispiel: die Vorhalle der Kathedrale von Civil 
ein Werk <\r- Kosmatenstils, etwa vom \n\ JC1II. Jahrhunderts 

Brunellesco unterbrich! an der \ orhalle der Cappella de' Pazzi bei - 
in Florenz (Fig. 1«'. Giuliano da Sangallo am Klosterhol von S. M i M 
lena de' Pazzi höchsl wirkungs - g rade Gebälk durch t 

Bogen in der Mitte. 

Dekorativ is! dies Motiv lossenen I 

bälk und Archivolte wiederhol! an der Madonna di P 
um 1450, von Brunellescos Scli ei Adoptivsohn und Ei N 
< :.iv, il, .inli s. Abbildung bei l die Kir 

Italien, Fig. 58 



54 



VI. Kapitel. Die Formenbehandlung der Frührenaissance. 



S r im Grossen und majestätisch wirksam: an Vasaris Uffizien das Ver- 
des Bogens auf den hintern Durchgang s. Abbildung in § 56). 

Bramantes (nicht ausgeführtes drittes Stockwerk um den grossen vati- 
kanischen Hof, eine offene Säulenhalle mit geradem Gebälk und oblongen Mauer- 
flächen darüber, als Kontrast gedacht zu den Bogen und Pfeilermassen der zwei 
unteren Stockwerke. d'Agincourt, Archit. T. 57. 

In kleinen Dimensionen, wo die antiken Intervalle leicht zu behaupten 
waren, tindet sieh bisweilen eine anmutige und strenge Anwendung des geraden 




I i i 1 l'.tz/i zu Florenz. (J. Stadler.! 



Ikes; Hof des Pal. Massimi in Rom, von Peruzzi; das Tonnengewölbe er- 
helll durch Öffnungen, welche nach der Lichtseite durchgebrochen sind (s. Ab- 
bildung in i 

Dass halbrunde Hallen ein gerades Gebälk forderten, versteht sich von 
selbst, vgl. den Hol der Vigna di Papa Giulio (s. Abbildung in § 120). 

Michelangelos Konservatorenpalast auf dem Ivipilol : die Hallen mit geradem 
Pfeilern, welche zur Versüssung des Eindruckes Säulen hart neben 
sich haben; ein wunderliches Kompromiss verschiedener Elemente. 

le II m-'Ii.iii ,|c- (/Luiden Gebälkes in der Schule Palladios. Man ver- 

bis nach 1585 in Rom noch das Septizonium des Severus vor- 

'If-i offene Hallen übereinander, alle korinthisch und mit geradem 

älk. Palladios Pal. Ghieregati in Vicenza (s. § I""" i~l sichtbar d;ivon in- 



S 36. Die antiken Ordnungen im XV. Jahrhundert. 






spiriert. Unter den Werken der Nachfolger das i 
Höfe des Gollegio elvetico jetziger Palazzo de! - 
von Fabio Mangone. 

Schöne neue Motive des XVI. Jahrhunderts: Zu 
auf Säulen ruhend, nehmen einen Bogen in die Mitte (schon in - 
Zeit. Spalato etc.: — dann von Bramante angewandt in 




|^pfc|j#, 



■ 

Fig. 11. Basilica zu Vicenza. 

st. Peter, von Rafael an S. Ehgio degh Orefici in Rom und schon 1303 von 
Dolcebuono in der oberen Halle des Innern vom Monastero M;il_ Mai- 

land (s. Abbildung in § 76 ; später als Hauptmotiv an Palladios Basi 
Vicenza (Fig. 11); — oder: gerade Gebälkstücke auf zwei Säulen wechseln mit 
Bogen ab Lieblingsform des Galeazzo Alessi und seiner Schule; iibei 
bälkstücken verzierte runde und ovale Vertiefungen mit Büsten, Fig. !•_' . 



Die antiken Ordnungen im XV. Jahrhundert. 

Unter den Säulenordnungen der Römer nahm die häufigste, in 
Art freiste und reichste, die korinthische, auch jetzt die erste Stelle ein. 
Doch wurde sie nur ausnahmsweise den feierlichem Mustern nachgebildet. 
Seltener erscheinl einstweilen die ionische und die Komposita < Fig. 13 u. 
ersl im XVI. Jahrhundert wird die dorische ernstlich angewandt, unter 
beständiger Konkurrenz einer vermeintlichen toskanischen. 

Alberti in seinem Hauptwerk, de re aediticatoria L. VII, und IV 

kenn! das dorische, ionische, korinthische und 

kapital. — Über die n > i Ansicht aus in ihm 

sprechende, ersl in uns« rm Jahrh 

tettonici einzige Handschrift in V 






VI. Kapitel. Die Formeubehandlung der Frührenaissance. 



Bonucci in den opere volgari di Alberti, Tora. IV, und von Janitschek in 
Albertis kleinen Schriften, S. l'i'7 ff. . vgl. I'. Hoffmann, Studien zu Alberti, 
5. 5:2 n Verfasser aus Serlios Zeil vermutel wird. 

Alberti gibt, unabhängig von Vitruv, das Resultat selbständiger Vermes : 

»enen Nachdenkens. Der dorische Echinus ist ihm eine lanx 

: die ionische Volute erschein! ihm wie eine Rolle von Baumbast, 






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Li zu Genua. Nach Gauthiel gez. v. Baidinger. 



iber eine solche lanx herabhängt. (Gewiss dem wahren Ursprung ge- 
ile Vitruvs bung mit Weiberlocken.) Das Stylobat oder Piedeshd 
--' bei ihm /. B. I.. IX. c. I .mihi. Altärchen; ein falsches Bild, das sich 
wohl formal, durch falsche Ausbildung des betreffenden Stück. ss rächen 
ind doch hätte jede andere Ableitung vielleicht noch mehr irre geführt. 
Beim ionischen Kapital mit kanneliertem Hypotrachelion schmiegi sich häufig 
von den Voluten aus ein Blatt eng .im Hai- herunter. So schon hei Brunellescos 
Cd. Pazzi Quaratesi an den Teilungssäulen il-v Fenster; Hof bei S.Croce 



§ 36. Die antiken Ordnungen im XV. Jahrhundert. 



■ 



I Fig. 9 : im Hof und der Gartenloggia der Badia bei F 

und Benedetto di BenedeUi ;ms der Schule i 

Beispiele: Dom von Pienza; Dom zu Faenza; S.Maria M 

Florenz; Certosa bei Florenz; Servi zu Siena (Fig. 13 ; S. Pii i 

Die Komposita zuerst bei Michelozzo im Hof von Pal. Medici I 
und etwas früher schon (nach 1427 an dem von Michelozzo in I'.- 
Grabmal Brancacci für S. Angelo in Nilo zu Neapel ($ 141). Dann in 




'"■'■ - - - 











Fig 13. Details aus den S 

Gondi. Albert i nennl sie die italische, „damit wir nicht gar all 
von aussen gelten lassen". 

Die schönsten korinthischen Kapitale sind in der Regel die floreniinis 
einblättrigen, mit Delphinen u. a. Phantasieformen Fig. 15, aus dem Hol 
Pal. Pazzi . 

in den Hallenhöfen wird durchaus nicht immer a 
dieselbe Ordnung durch zwei, drei Stockwerke beibehalten. 




Fig. 14 D 



Karyatiden sind nur erst aus dem W I. Jahrhundert bekannt 
Giulio Romano entworfenen Grabmal des Pietro Strozzi (■}■ 152!) in S \ 
zu Mantua. Es sind \ iei , wel< he 
phag mit der Statue folgt den Sims mil 

gestellt in eigentümlich schräger Verschiebui ite, mit • 

tektur zusammenhängende Ulanten seit dem XVI. Jahrhundert in i 
nicht selten; Michelang am Juliusdenkmal 

hierher, weil sie nicht ein i n.) 



- 



VI. Kapitel. Die Formenbehandlnog der Frührenaissance. 



§ 87 
Die Halbsänlen und vortretenden Säulen. 

Halbsäulenordnungeu auf Stylobaten, als Einfassung von Pfeilern mit 
i. hauptsächlich in grössern Palasthöfen, auch im Innern von Kirchen, 
hatten ihr Vorbild an den untern Stockwerken der römischen Schaubauten, 
hauptsächlich des Kolosseums und des Marcellustheaters. Vortretende Säulen, 
mit vorgekröpften Gebälken, wie man sie an den Triumphbogen vorfand, 
wurden vorderhand nur an Portalen angebracht. 

Eine der frühesten Halbsäulenordnungen diejenige an Albertis Fassade 
von S. Francesco zu Rimini (1447 Abbildung in sj <>!*': das Motiv des drei- 
thorigen Triumphbogens war hier das Vorbild; da aber zu Seiten des Portals 

keine Nebeneingänge angebracht sind, 
die Bogen vielmehr nur Mauernischen 
umrahmen, so konnten die Halbsäulen 
hier auf ein forllaufendes Basament statt 
auf isolierte Postamente gestellt werden, 
gleichwie z. B. am Titushogen in Rom 
die Halbsäulen auf einer Bank ruhen; — 
dann die ziemlich schlanke im Hofe des 
Pal. di Venezia zu Rom (seit 1455); in 
missverständlicher Nachbildung der Ver- 
knüpfungen an den Attiken des Kolos- 
seums sind hier auch den Halbsäulen 
der untern Halle Piedestale gegeben; 
dagegen fehlen diese an der gleichzeitigen 
Vorhalle von S. Marco (s. Abbildung in 
>, 7(i> und in der ehemaligen Bene- 
diktionsloggia hei St. Peter (1463). - 
Das berühmteste Beispiel: Pal. Farnese, 
s. unten. 

Von römischen Kirchen : S.Maria 
de! Popolo, das Innere (1472 — 77; und 
S. Agostino (1479 83 von Giacomo da Pietrasanta). 

Selten wurde die Halbsäulenordnung auch für Palastfassaden angewendet ; 
rst mit Bramante und Rafael und dann besonders um 1550 mit Alessi und 
Palladio mehren sich die Beispiele. Vgl. § 54. 

Die erste Kirchenfassade mit frei vortretenden Säulen wäre (erst 1514) die- 

S. Lorenzo in Florenz nach dem Plane Michelangelos geworden; die 

ehi weil gediehenen Vorbereitungen dazu Vasari I . p. 119 (Le M. I, p. 106), 

Die vortretenden Säulen neben oberitalischen Kirchenportalen 

cht, weil sie nur Umdeutung eines mittelalterlichen Motives sind und 

1 »rdnung bilden. 




• Kapital '-i Stadler.) 



§ 38. Der Pilaster and das Kram 

Dei Pilaster und das Kranzgesi in s. 

Wie für die Pfeilerhöfe die untern Stockwerke der 
bauten, so wurde für die Fassaden das oberste Stockwerk jener zum 
flussreichen Vorbild. Vom Obergeschoss des Kolosseums hauptsächlich 
stammen die Pilasterordnungen. 

Der römische Pilaster, eine in Flachdarstellung iibertr; 
die griechische Ante nicht war), hatte vortretende Säulen akkompagnii n 
sich zu jedem Mauerabschluss, zur Ecke hergegeben, auch wohl die Hall 

oder vortretende Säule schlechthin ersetz! z. !'.. an Prachtth n . Reihet 

hatten ihn die Römer an jenen Schaubauten angewandt, um. nach Abschluss 
der untern Hallenstockwerke mit Halbsäulen, das Auge über die geschlos 
Wandmasse des obersten Stockwerkes aufwärts zu leiten und letzterer ihre 
Schwere zu benehmen. 

Amphitheater in der Provinz (Pola, Nimes) hatten auch wohl bloss Pilastei 
von unten auf. 

Ausser dem Kolosseum kommt auch das Amphitheatrum castrense in Be- 
tracht, dessen obere Ordnung damals laut alten Abbildungen viel 
halten war. 

Endlich halte auch das Mittelalter und nicht bloss in Italien die Gewöhnung 
an jede Art vertikaler Wandgliederung durch Mauerstreifen wach erhalten. 

Die Renaissance verwandle nun den Pilaster im Innern wie an. 
der Gebäude ohne alle- Bedenken und massenhaft; -w schätzte ihn schon als 
Repräsentanten ihrer geliebten Säule. — (Wenn Palladio bisweilen auch Schwellung 
und Verjüngung von der Säule auf den Pilaster übertrug, so gab es auch 
Vorbilder; Propyläen von Baalbek etc.) 

Der Pilastei' wird der Ausdruck de- Strebenden und Überleitenden. S 
Einfluss auf die Stockwerkhöhen i-t viel geringer als ler der letztern auf ihn. 
Über Kirchen- und Palastfassaden wird er bald einzeln, bald zu zweien 
verteilt, und diese können sich naher oder ferner stehen. Alberti erwähn! 
(L. VI, c. 1l'' den Pilaster, aber nicht die Pilasterordnung, die er doch anv 
Der Pilaster tritt in verschiedene Verhältnisse zu dm- toskanischen 
Rustika, der venezianischen Inkrustation und dem oberitalienischen Back- 
steinbau, sowohl an Kirchen- als an Palastfassaden. In jeder dei 
Richtungen verlangl dann insbesondere die BYage der Gesimse, / 
obersten Kranzgesimses, eine i igene Lösung. 

Es ist eine Sache des feinsten Taktes, die G he sich • 

Flachdarstellung umsetzen lassen, wie die zum Pilaster umgedeutet 
richtig zu den Pilastern und zugleich zum Ganzen zu -tun: 

Für die Kranzgesimse tritt die Frage <-u\- oh es mehi • 
obersten Stockwerkes oder des I ■ 

gemeine Voraussetzung in Betracht, welche wahrend d< 
periode herrschte: dass i >imse eins sein müssi iml k 

brechung vertrage. Piinzipielle • lv 

und zwar mit Berufu 



60 



VI. Kapitel. Die Foraienbehandlung der Frührenaissance. 




[j zu Florenz (Herdtle gez.) 



lem verlangen in die allgemeine Harmonie verschmolzen zu werden: die 

Wucht des Sockels, dieMassigki il di Erdgeschosses, die Nuancierung der Fenster 

31 kwerken u.a.m.; namentlich bedingen sich Fenster und Pilasterin hohem 



- Der Pilastei , 



'•-1 



Grade - Aus diesen und andern Element 

^tail aus dem Altertum entlehnt, in der^ 




Architektin der Proportionen b< werdend 

Zeit, welche das Individuell. hste ent« . 

eme freie Vielgestaltig^ ■ i,. l,.-. V oi 

1 ber ''"■ Formei 



62 



VI. Kapitel. Die Formenbehandlung der Frührenaissance. 



39. 
Die Rustikafassade von Florenz und sie na. 

Der florentinische Burgenbau aus Quadern wird von jeher die Vorder- 
seite der letztern in der Regel roh gelassen haben; es genügte die genaue 
und scharfe Arbeit an den Kanten. Als die Burgen zu Palästen wurden, 
behielt man diese sog. Rustika bei, und das Gebäude war damit als ein 
adliges oder öffentliches bezeichnet (Fig. L6). Mit der Zeit gesellte sich 
biezu Absicht und künstlerisches Bewusstsein , und so wurde der florenti- 




- , iö£3 




Palazzo Strozzi zu Florenz. (Nach Lübke.) 



nische Palast ein gewaltiges Steinhaus, dessen Eindruck auf Wenigkeit 
und Mächtigkeit der einzelnen Kiemente beruht. 

Die stolze Festierkeil dieser Fassaden und ihre Wirkung auf die Phantasie. 
Ihr«- Vornehmheit: non es ei cosa civile, vgl. § 9, bei Anlas- des Pal. Strozzi. 
Nach einei Rechtfertigung aus unfertigen, irrig für vollendet gehaltenen 
Porta maggiore in Rom, Amphitheater von Pola und Verona etc.) 
-i. i, erst das XVI. Jahrh. um; die Frührenaissance behandelte die Rustika 
ohne all«- kümmerliche Rücksicht auf Rom als Hauptausdrucksmittel des mäch- 
tigsten monumentalen Willens und machte damit ersl recht einen wahrhaft 
Eindruck. 



Die Rustikal 






Echte Rustika gewährten übrigens schon römisi 
nicht bloss Sockelbauten, Stadtmauern und dgl.: an d< 
stdien hier und da zwei, drei scheinbare Rustikaqua 
dass die ästhetische Absicht offenbar ist. Vgl. D 
und Römer, S. 128 ff. 

Die wichtigsten florentinischen und sienesischen Paläste sind 

jenigen mit Rustika ohne l'ihister. Di«' l.nstika in ihren 
Abstufungen, je nach den Stockwerken und auf andere Weise, ist bier ein 
freies, nach Beliehen verwendbares Element der Kunst geworden. Den 



' %'A, 4Ä » a A 




Fig 19 Pal. Spannoc« hi zu S 



einzigen grossen Gegensatz bildet das Kranzgesimse, neben welchem ji 
ein weil vortretendes Sparrendach sich noch lange behauptet. Vgl. ; 

Ein Verzeichnis von 30 zwischen 1450 und 117^ erbauten P 
Varchi III. p. I' 1 ". worauf noch ein Nachtrag folgt, beweis! die allgem 
breitung des B iugi tes. 

Von Brunellesco: Pal. Pitti, anfangs nach einer wohl um II' 1 ' 
Ansicht von Florenz, deren i nplar I lolzsi In :' : 

liner Kupferstichkabinett, 1 anderen Zeugnissen, s. Conti, 

mit nur siebenfenstrigei I auch nach seiner l-'.rw 

völlig regelmässige Vnlagi 

Ausdehnung des obersten Stockwerkes ist; höchst n 

Bild der höchsten Willens rzichtung 

\ on Michelozzo : Dei Riccardi il 

mit Abstufung der Rustik 
weniger markant. md prachtvol 






Vi. Kapitel. Die Formenbehandlung der Frühreiiaissance. 



Benedetto da Majano undGronaca: Pal. Strozzi (begonnen lisiii. leichter 
und schwungvoller mit schönstem Verhältnis der Stockwerke und einem glatten 
Fries unter dem berühmten Kranzgesimse (Fig. l s >. 




i . zzi Quai atesi zu Florenz. 



Giuliano da Sangallo: Pal. Gondi und vielleicht Pal. Antinori u. a. rh. 

a: Pal. Nerucci, entworfen von Bern. Rossellino, ausgeführl von 
Ant. Federighi; vielleichl nach einem Plane Rossellinos Pal. Piccolomini; ferner 
i 19). 



S 39. I"ie Rustikal 






mmmmtmmfi 




Siena hatte bis jetzt sehr am Backsti 
ersten grossen Steinpaläste. Anderes, wii 
lomini und die kleinen Kirchen diese] Zeit, zeigl .1 
Gliederungen. 

Die Steinschichthöhen sind anfangs dun I 
Quadern von beliebiger Länge, so dass die Stossfugen nichl iib< n 
reycliniissii:- sind letztere /.. B. schon am Pal. Piccolomini zu P 
>. unten . 

Nuancen der Rustika: Das Weglassen der vertikalen Fugen; das Glatt- 
bleiben des obersten Stockwerkes oder auch Beschränkung der Rustika 
das Erdgeschoss schon an Brunellescos Pal. Pazzi Quaratesi zu l 
(Fig. 20); Cronaca gib! gerne bloss 
den Ecken die volle Rustika, den 8 ^ Fl fH D J | 
Flächen aber eine gedämpfte, "der 
überhaupt nur Rustika an den Ecken 
-. g Quaderketten, /.. B. am Pal. 
Guadagni zu Fl >i enz). 

Das florentinische Krai 
simse halle /.Hin Vorgänger gehabt 
einen Zinnenkranz über weit vor- 
ragenden Konsolen (s. Fig. 6; so 
noch im XV. Jahrh. am Pal.di Venezia 
zu Rom. Fig. -1 : daher war das Auge 
schon an «'im' mächtige Bildung und 
starke Schattenwirkung gewöhnt. 
Vollendet und unübertrefflich das- 
jenige an Pal.Strozzi ; < Ironaca ahmte 
■ ■in in Moni hetindliches Gesimsstück 
in richtiger \ ergrösserung nach; Va- 
sari IV. p. i I I Le M. VIII, p. 117 s.), 
v. di ( Ironaca, wo er deshalb auf das 
Ihm hste gerühmt. Baccio d' Agnolo 
aber wegen seines kranziresimses an 
Pal. Bartolini bitter eehidell wird: 
letzteres war ebenfalls aus Rom, aber 
in unrichtiger Proportion entlehnt. 
Vgl. § 57. 

Neben diesen vorherrschend korinthischen, sehr kostspie 
behauptet sieb das vorragende Dach auf hölzernen, oft reich und s 
bildeten Sparren. Dieselben setzen fast unmittelbar über dem M 
etwa über einem Eierstab an (Pal, 1 i, Antinori etc. . Merkv 

Wirkung in Stein: Die Vorhalle von S. Maria delli Gl 
hängenden verzierten Steinplatten, die drei Braccien weit 
p. 343 Le M. V, p. 136 M 

Durch diesen Zwiespalt kam in die Bildung allei h 
ein starkes Schwanken. D 
fehlen die Teile von Zahns hnitl und Eierstab 
Burekh ardt . ttalii ■ ''I- 







rr 

TL 







Fig 21 



- 









\ 1. Kapitel. Die Fonuenbehandlung der Frührenaissauce. 



• '•nie plötzlich andere Details verlangte als die, welche der Meister, 
stino von Florenz, wollte: Mariotti Lettere pittoriche perugine, p. 98. 

§ 40. 
Die Rustika mit Pilasterordnungeu. 

Von Florenz ging dann auch der erste Versuch aus. die Rustika- 
• ss de durch Pilasterordnungen , und /.war mehrere übereinander, samt 
ihren Gesimsen und Sockeln, auf neue Weise zu beleben. Zu völliger Reife 
eredieh das Motiv erst gegen Ende des Jahrhunderts. 





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Fig. 22. Pal. Rucellai zu Florenz 



ob dies die frühsten Pilasterordnungen überhaupt sind, oder ob es etwa 
frühere .1:1 Palästen mil glatten Mauern gab? 

Bi mellesco ging auch hier bahnbrechend voran; er versah in den zwan- 
ziger Jahren am Pal. di Parte Guelfa in Florenz das Ilanpluesrhoss (mit re^el- 
s glattem Quaderwerk) mit breiten, unkannelierten PiJastern, die mit 
attischen Basen von einem vollständigen Gebälk, statt von blossen schmalen 
< rurtgesimsen aufsteigen. 

L. U. Alberti: Pal. Rucellai zu Florenz (Fig. 22), angeblich bis 11-")! 

unter Bernado Rossellinos Leitung ausgeführt; die Rustika sehr gemässigt, um 

• laster nicht zu übertönen. 

Bernardo Rossellino in den Urkunden, z. B. Pii II. commentar., meist nur 

tinus genannt : Palast Pins' II. Piccolomini, in Pienza, gegen 1462 

Vgl. die Publikation von K. Mayreder und K. Pender, mit Text 

II. Holtzinger, in der Wiener Allgem. Bauzeitung 1882. 

beiden ebei ten Palästen stehen die Pilaster der oberen Ge- 

direkt auf dem Gebälk der untern Ordnung, welches so zugleich die 
rtreten muss; das gleiche ist heim obersten Geschoss des 



§ 11. Die Rustika ausserhalb Tos 






Pal. Vendramin-Calergi § i:i der Fall, während Braman 
vermieden hat. 

Bramante, von seiner oberitalischen Zeil her sehr an di 
Pilaster gewöhnt, gab in Rom an den Fassaden der Gancelleri 
Pal. Giraud (Torlonia Fig. 25) das Vollendet« 
an den Obergeschossen die Pilaster zu zweien gruppier! und zur Rustika und 




Fig. 23. Palazzo Piccolomini zu I Nach ülayn 

zu den Fenstern auf das Feinste gestimmt; das Kranzgesimse das uzen 

Gebäudes, und doch mit den Pilastern des obersten Geschosses in völliger Hai 
monie; ein Problem, zu dessen Lösung einstweilen nur Bramante hefähigl v. 



Die R ustik a a us s e r li a 1 b T o - ca ua s. 

Im XV. Jahrhunderl tritt die Rustika ausserhalb Toscanas unsicher 
and nur wie eine florentinische Mode auf und mischt sich gerne mit 
artigen Elementen. 

Neapel: Pal. Golobrano jetzt Santangelo) 1466, mit zaghafter Ziel 
des Gebälkes und des Porta Pal. Gomo jetzt Museo i 



i Betreffs des Fortschrittes, welchen Pal. Giraud nun 151 • 
leria (die Passade inschriftlich von 1 195) hinsichtlich des schönem u 
der besseren Verhältnisse aufweist, uau< Interpretation 

Die Architektur des klass. Mtertuins und 

arsprüngl. Entwürfe für St. Peter, S. 52 i 70 I 1 eine km 

mautes in Rom 1493 inzunehmen, in welchem 
Lodovico Moro in Florenz und ' 
zusprechen Gnoli im Arch. stör. ■■• II' 



= 



VI. Kapitel. Die Fornienbehandhvng der Frührenaissance. 







di i>i Cancelleria. (Nach Letarouilly.) 



bis 1488, im Hauptgescho igte Rustika und Fenster ähnlich deneri im 

Pal. <li Venezia zu Rom; -. Abbildung im Archivio storico dell' arte, II. p. 294; 
- Pal. Gravina Post). 1513 begonnen, von dem Neapolitaner Gabriele 

•: Agnolo : Rustika mir im Erdgi 5choss. 



§ 41. Die Rustika aassei i 






Bologna : Erdgeschoss des Pal. del Po lestä i [So 
in modum rosarum und Halbsäulen dazwischen; Bursellis, bei Murat. Will. 
Col. 906, - Pal. Bevilacqua, mit diamantierter Rustika 

Ferrara: aoch preziöser, Pal. de' Diamanti (jetzt Ateneo 14! 
Rossetti, die einzelnen Quader gespitzt, an den Ecken dei 
widersinnigen] Reichtum von Arabesken. 




•J5. Palazzo Qiraud-Torlonia zu R>u 



[mola: Pal. Sforza, Bau der Caterina Riario, \"i 1500, jel 
popolare, unten streng florentinisch in Quadern beginnend, obrti ii B 
und in zierlichen bolognesischen Formen ausgehend. 

Cremona: Pal. Trecchi, von sehr willkürlicher Rustika. 

Rom: einzelne gute und auch schon mit Pilastern versel rbr« 

tinische Bauten wie /. B. Einiges an der via del hio. 

Venedig: die unglücklü de \>>n S. Michele, seil i. 

geschoss des edlen Palazzo 



70 



\ 1. Kapitel. Die Foruaenbehandlung dei' Frühreuaissance. 



g 42. 

V e ii<' '1 ig u ad die inkrustatio u. 

S wir Florenz die Stadt der Rustika, ^>> ist das sichere und ruhige, 
am enge Pracht und daher auf kostbares Material angewiesene, selbsl an 
- ik gewöhnte Venedig dir Stadt der Inkrustation. 




Pal Be\ ilacqua zu Bologna 



sich der Kirchenbau derselben lange Zeit massig und der Pro- 
fit Ausnahme d<- niarjiif.riif n 'l'cjipieliiMiistors am Do.iCfiipalast i nur 
ent, sondern den Backstein gezeigl hatte, brachen mit einer letzter 
and höchsten St( _ - s Luxus alle Schleusen der Stoffverschwendung auf. 

' J 'i II. comment. L. III. p. 148, etwa 1460: Urbs tota latericia pulcher- 
edifieiis exornata; verum -i stabil iraperiura, brevi marmorea fiet ; etiam 
ium patriciorura aedes marmore undique incrustatae plurimo fulgenl auro. 



§ !'_'. \ ledie an l di .: - 



71 



" "". 7" '""'"'"T^T^TW-ETTT""^.'""** *"""• '''' 



— Die Vergoldung des Helmes am Markusthurm h tl 
Dukaten gekostet. 

Sabellicos Besuch in der Bauhütti 
wahrscheinlich für die Fassade fertig lagen, um 1490: li 
aus verschiedenen li ml in i am Fuss der Alpen, wetteifernd rai 
synnadischen, thasischen, Dumidischen, augua 

Sabellicus, de situ venetae urbis, L. III. fol. 92 ed. Venez. 1502). i 
Namen, deren richtige Anwendung der Autor verantworten m _ Ottfr. 

Müller. Archäologie, § 268. Ausserdem aber bezog man noch imm< 
Marmor von Paros und Steine verschiedener Ali von andern Inseln des An hi| 
Sabellicus, 1. c. fol. 86, -7: San- 
sovino, Venezia, fol. 141. _--.-*■-- 

Auch Lieferungen von In- 
krustationen für andere Städte 
gingen über Venedig; so Gaye, 
carteggio. I, p. 166 für S. Pe- 
tronio in Bologna im Jahre 1 156. 

Es bildete sich bei den vor- 
nehmen Venezianern eine Stein- 
kennerschaft aus. Die sonst so 
kunstsinnigen venezianischen Ge- 
sandten bei Hadrian VI. 1523) 
kommen doch in die grösste Ek- 
stase beim Anblick von Porphyr, 
Serpentin u. a. römischen Pracht- 
steinen; Tommaso Gar, relazioni 
etc. I. p. 104 s. 

An Kenner dieser Art dachte 
vielleicht Serlio bei seinem Pro- 
jekt einer mit bunten Inkru- 
stationsfragmenten zu verzieren- 
den Loggia: L. VII. \k KKi. 

Im damaügen Rom isl die 
Inkrustation an Bauten, zumal profanen , schon eine fasi unerhörte An-:. 
und nur 1 »ei einem nahen päpstlichen Verwandten möglich; Lettere pittoi 
I. 33 über einen inkrustierten Palasthof des Lorenzo Medici. I 1 
von Porphyr, Serpentin, Giallo etto, Breccia etc. aus den R 

sonst bereits für den Schmuck von Altären u. dgl. 
brauchte 1532 eine Spezialerlaubnis, um nur 4 Saumtierlasten \' 
nach Siena bringen zu dürfen, für d III, 

p. 114. 

Florenz hatte die Inkrustation gehabt und sie überwundi 
eher L. VI, c. 1". vgl. c. 5, die Technik angibt, li.it I • 
S. Maria novella angewandt, nur weil schon das XIII. Jahr! 
gönnen hatte. 

In Vene lig wollti - 
gebraucht, auch der I' ss 




Fig. 27 



12 VI. Kapitel. Die Formenbehandlung der Frührenaissance. 

- Sabellicus, 1. c. L. 11. fol. 90. Gomines fand 1494 am Dogenpalasi wenig- 
stens den Rand der stome zollbreit vergolde! L. VII, chap. 15, oder n. a. 
Zählung Charles VIII, chap. 21). Vgl. § 162. -- Flüchtige Vergoldung einzelner 
iteile bei Festen kommt auch sonsl vor. z. B. an Fenstern. Konsolen und 
rs wellen bei einer fürstlichen Hochzeit zu Bologna. Ende des XV. Jahrh. ; 
ddi orationes fol. -J7. Nuptiae Bentivolorum ; an Säulen, Simsen und Pforten 
- p Mi lici in Florenz 1536 beim Empfang Karls V.; Keltere pittoriche III. 
12. Das schönste Privathaus von Ferrara war 1452 tutta mettuda, d. h. messa 
ro di ducato, doch wohl nur im Innern. Diario ferrar., bei Mural. XXIV, 

An und für sich war manche Inkrustation so teuer als eine ganz solide 
»oldung, und 'las Verbot der letztern hatte wohl nur den Zweck, den Neid 
lig nicht zu steigern. 

§ 13. 

\ erhältnis der Inkrustation zu den Formen. 

Die Inkrustation neigt sich unvermeidlich dem Dekorativen zu auf 
Kosten dos Architektonischen. Der Stil der Frührenaissance in Venedig 
verdient sogar kaum noch den Namen eines Baustiles. 

Es fehlte an eigentlichen Architekten, oder wenn sie vorhanden waren, so 
konnten sie nicht aufkommen. Auch hei der höchsten Stoffpracht hätte man edler 
und kräftiger komponieren können. Die Architekturen auf den Bildern Manteg- 
nas und seiner Schule, auch auf den Kegendenbildchen, welche man jetzt in der 
Pinacoteca von Perugia dem Benedetto Bonfigli zuschreibt, hie und da auch in 
Miniaturen, stellen öfter Inkrustationsbauten dar, wie sie Venedig nicht hat. 
Die richtige Anwendung der Inkrustation an der Gertosa bei Pavia, £ 71. 
Alles geht aus von der schönen, polierten Erscheinung- der einzelnen 
Platte von Marmor irgend einer Farbe, von Phorphyr, Serpentin etc. Sie 
werden symmetrisch gruppiert und mit Streifen kontrastierender Farben 
umgeben. Der Pilaster als Ordnung fände liier keine Gunst; er dient nur 
als Abschluss der verzierten Massen, als Ecke, und wenn man die hori- 
zontalen Gesimse und Sockel dazurechnet, als Einrahmung - . Die pracht- 
vollen Arabesken, womit man ihn häutig anfüllt, sind deshalb auch oft 
identisch mit denjenigen der Friese, das vertikale Ziermotiv mit dem hori- 
zontalen. Immer erhält der Pilaster ein eigenes Rahmenprofil und oft in 
seinei Mitte eine runde Scheibe aus irgend einem farbigen Steine, deren 
Stelle auch wohl ein Relief einnimmt. 

Der Ruhm der Gebäude hängl mehr von diesen Arabesken ab als von 
lulichen Gehalt; ihre Urheber werden gerne genannt, z. B. Sansovino, 
Venezia, fol. 86 bei Anlass der Pforte von S. Michele, deren Zieraten von Am- 
brogio da Urbino herrührten. 

Tullio Lombardo seine Friese (für welchen Bau wird nicht gesagt) in 
endel hatte, wurden sie im Triumph durch die Stadt geführt; 
Iptura, bei Jac. Gronov. thesaur. graecc. anti*j*j. Tom. 
IX. Col. 77.;. 



§ 44. < Iberitalien and i 






Der Stil dieser Arabesken i-i von dei D . 
lehnt. Oft geht unter dem Fries Doch ein z 

Die eigentliche Gesimsbildung bleibt vei 
zur Pracht gehört. Zwischen Pilasti rer und unten - 

Unterschied. 

Die einzelnen Gebäude: S. Zaccaria (Fig. 28 S. M 
Fig. 29), s. Giovanni Crisostomo ü. a. Kirchen dess 

Trevisan, Malipiero, Manzoni-Angarani, Dario, Corner-Spinelli nani 

.i San Polo u. a. ; die altern Scuole. l>i<- Paläste 

Schönheil des aus der gothischen Zeit ererbten Kompositionsmotives 5; 21 
Wo dieses nicht vorhält, wie z. I!. im Hof des Dogen] 
Prachtsinn in seiner vollen Ratlosigkeit. Dei 
einzige Palast mit ernsterer Durchführung 
der antiken Ordnungen, und zwar zum Teil 
in Halbsäulen, lässl bei allem Luxus und G 
schmack die florentinische Schule schmerz- 
lich entbehren: Pal. Vendramin-i I 181 
von Pietro Lombardo (Fig. 30). 

An den Fronten der Kirchen S. /. 
caria) und der Scuole bes.Scuola diS. Marco, 
Fig. 31) wird unbedenklich der ganze Vorral 
von Inkrustationen, Pilastern u. a. Zierformen 
im Dienst von kindlich spielenden Kompo- 
sitionen aufgebraucht; halbrunde oder sonsl 
geschwungene Mauerahschlüsse, bisweilen 
prächtig durchbrochen als Freibogen. An der 
Scuola di S. Rocco (1517 wurde das neue 
Motiv frei vortretender Säulen aufgegriffen 
§ 37) und dieselben gleich mit Blumen um- 
wunden. (Vgl. Abbildung zu § 87.) 

Wo wäre die moderne Baukunst g 
blieben, wenn sie dem venezianischen Kunstschreinergeist und Juwi 
dauernd in die Hände gefallen wäre? Wie sehr wind'' man in Venedig - 
die Bauten des Florentiners Jacopo Sansovino und seiner Schule v< 
durch welche ersl die ausgebildete llMrlnni.ii--.iiP'- sich hier Bahn bi 




^ 



I f 111 




Fi g _ 



g II 



Ob eritalien u n 'I 4 e r B ackatei n ba u. 



Der Backstein hal seil Anbeginn aller Kunsl wohl Die selbst« 
seine eigenen Formen geschaffen. Seil Ägypten für Steinbalken ü 
pfeilern eine bestimmte Ausdrui - hervorbracht» 

im Ganzen iiberhaupl die Formen an. Der Backstein, durch 
Präzedentien befangen und Jahrtausende hindurch 
Meines gebraucht und nach hehlt, sprii 

römischen Beispielen, wo ei : itt 



74 



vi. Kapitel. Die Fonnenbehandluiig der Frührenaissance. 



Rom wendet den Backstein bei seinen riesigsten Bauten wie bei seinen 

Privathäusern Pompeji) an, aber dort mit einer marmornen, hier mit einei 

co-Hülle. Monumental behandelt und offen zugestanden findet man ihn 

fast nur am Amphitheatrum Castrense § 38), an dem Denkmal beim Tavolato, 




s Maria de' Miracoli in Vem dig 



Tempio del Dio redicolo, an der sog. Sedia de! diavolo und ähnlichen 
lälern in der Campagna. Hier sind die reichern klassischen Formen auf 
spielige Weise hei cht, dass man annehmen darf, der Back- 

en worden, nur um künftige Grabschänder durch Unwert des 
bzuhalten. Die bei Vitruv und Pausanias erwähnten Backsteinbauten 



§ 44. < iberitalien und di 






waren teils erweislich, teils wahrscheinlich mit M . 
bedeckt; am Philippeion zu Olympia, das Pausanias 
schildert, waren, wie die Ausgrabungen erwies 
Innern unmittelbar aus den Wandquadern Porös her; 
und Sima aber aus Marmor. 

Vielleicht den höchsten Grad von relativer Unabhängigkeit • 
zur gothischen Zeil der Backsteinbau in Oberitalien, sowohl südlich vom 
Po i Via Aemilia von Piacenza bis Ajicoiia), als auch im Mailändischen und 
Venezianischen, obwohl hier mit stärkerer Zuthal steinerner Gliederungen. 




d n 



SF 



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^r^pjti3^^r 



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-i — I — I 1 — 1 — I — I — 1 — (- 



Fig. 30. Pal Vendramin-Calergi / Nach Bühlmann.) 



Man begann wohl anfänglich mit Backstein, weil der S 
fuhr aber dann mit eigener Lust und in hoher Vollendung der rechnik 
Der Verpflichtung auf Spitzthürmchen, Giebel und Strebebogen so 
gestaltete man Fenster, Gesimse und Portale im Geist des - 
Prachtvollste um. Der Sl 
hau so einige I letalis an dei Mai des D 

Das stolze Vorurteil für diese Prachtform 
Eindringen der Renaissam i ern und selbsl 

trotz >. dm mii Fluch üb( am < >spi 

spitzbogigen Fni-i.M'n zu i 
seinem geschmackvollen !.'■ 






VI Kapitel. Die Formenbehandlung der Frührenaissance. 




- M \ 



nannter Nachfolger an einem höchst zierlichen 
Privatpalast (Marliani), der im XVIII. Jahr- 
hundert demoliert wurde, aber in einer Ab-' 
bildung bei Verri, Storia di Milano, weilerlebt. 
\ h bei Müntz, La Renaissance en ltalie 
etc., p. 239.) 

§ 45. 

Die Backstein fa s b b d e. 

Allein auch die Renaissance wird in 
diesen Gegenden und in diesem Stoffe mit 
einem freien Sinn auf höchsl eigentümliche 
Weise gehandhabt . so dass das Auge von 
dem, was sie hier nicht gibt, nichts ver- 
misst. Dem grossen Reicht um an Kompo- 
sitionsgedanken entspricht ein feiner und 
heiterer Schönheitssinn im einzelnen. 
Man muss sich hier immer von Neuem sagen, dass ohne die •»rossen Floren- 
tiner auch die Bolognesen und Lombarden doch nicht aus ihrer zwar reichen, 
hon zweifelhaft gewordenen Gothik herausgekommen wären. 
An den Palastfassaden war eine 
Einschränkung der antiken Formen 
schon vorgeschrieben durch die not- 
wendig zarte, aus kleinen Teilen be- 
stehende i resimsbildung. AufPilaster, 
deren < Jrösse sich doch hätte nach der 
Höhe der Stückwerke richten müssen, 
verzichtete man gerne l Fig. 32). 

l iberhaupt wäre jede strengere 
I larische Logik hier vom I "bei ge- 
sen. 

Bei den Palästen von Bologna 
,,. Erdgeschosse zu den fort- 
enden Strassenhallen ; für ihre 
^steinernen Säulen mil den reichen, 
fröhlichen Sandsteinkapitälen irgend 
Limmte dorische oder korin- 
: tion zu vei langen, wäre 
schon das Auge würde bei 
jse dei Intervalle durch eine 
inke Bildung nur beunruhigt 
len. 

Man musste ohnehin solche 
insäulen später oft zu Pfeilern 

Stärken; SerliO L. VII, p. 156 be- Fig.:« I'al. Kava in Bologna, Fassade. Wohl.) 




-rrrrrrnrrrrrrrrrrnnnnnnnr; 

I - (MV • 




§ 4»'.. Backsteinhöfe und Kirchen! 

S( iii.-il.t das Verfahren. Wo die Mittel reit lue 

im Laufe der Zeil durch Marmorsäulen, so 1 t95 in einem . 

Diario ferrar. bei Murat. XXIV, I ol. 31 

hie Archivolten der Bogen sind reich, abei nie! 
lierl Fig. 33 ; über einem Sims folgen die im Backstein s< 
rundbogigen Prachtfenster mit ihrem Palmettenschmuck oben und a 
über einem zweiten Sims in der Regel ein Fries mit kleinen Fenstern und 
das Kranzgesimse aus lauter kleinen und dichtstehenden K 




Mm 




Fig. 33 Palast /;i i'. Nohl.) 

So ist über eine meist glücklich eingeteilte l an den _■ 

Stellen und mit weiser Ökonomie ein gleich. irtiirer lieichtum von Zierformen 
m-uebreitet, alles innerhalb Eines liebevoll behandelten monumentalen Sl 

Pilasterordnungen würden hier einen unerträglichen Zwiespalt 
den untern Hallen und dem Kranzgesims hervorgerufen haben. W< - inter 
besondern rnistanden. doch vorkommen, da mein! der Stadtchronisl zum Jahre 
1496 'Murat. Will. Gol. 913), da- sei more romano gebaut. 

Graziös und reich, aber -ein- unharmonisch durch Pilaster ui 
Schmuck: Pal. Roverella in Ferrara, l">i |v: . mit einem vorgekragten Erk< 
der Mitte de- obern Stockwerkes wie ei sonsl in Italien kaum vorkommt. 



B .i -■ k - 1 e inhüfi a a <1 K i rc h <■ n t ;i - 

In den Muten der I und Klöster sind die Formen m( 

tektonisch reicher, auch wohl mit eigentlicher Dekoratioi . inis 
s-iiileii fasl iiiiiner von Stein. 

Die zwei berühmten der C( 

Medaillen- und vortretende] - tid kräftigst titum 



VI. Kapitel. Die Formenbehandlung der Frührenaissance. 



Diese Höfe sind älter als die Marmorfassade, so dass diese Gertosa die 
Frührenaissance in zweierlei Stoffen und Stilnuancen, beidemal durch Arbeiten 
ersten Ranges, repräsentiert. 

In Mailand nicht sowohl die Höfe der öffentlichen Gebäude (Broletto, 
altere Höfe des Ospedal rnaggiore) und der Klöster des XV. Jahrhunderts wichtig 
als vielmehr diejenigen einiger Privatpaläste, /.. 1!. Gasa Friij-erio Ihm S. Sepolcro: 

über »Km - Säulenhalle die Backstein- 



•\ 



^^ i 



bogen mit Medaillons dazwischen; die 
Fenster, obwohl Backstein, doch bis- 
weilen schon geradlinig geschlossen; 
Simse und Kranzgesimse sehr schön 
zum Ganzen komponiert. 

Ausserdem im Kastell von Mai- 
land die erhaltenen Reste zweier 
Hallenhöfe aus der Zeit des Fran- 
cesco Sforza. (Beltrami, 11 Castello 
di Milano.) 

In Pavia: ein herrlicher, nur 
teilweise erhaltener Palasthof gegen- 
über vom Garmine. 

In Bologna : über der I [ofhalle 
stall des geschlossenen Stockwerkes 
gerne eine Oberhalle von doppelter 
Säulenzahl, i Fig. 35 u. 36.) 

Das edelste und zierlichste Bei- 
spiel: der Hof von Pal. Bevilacqua, 
nach 1484 (Fig. 36), vom Meister der 
Malle bei S. Giacomo (1477— 81), wo 
das Motiv des Erdgeschosses fast ge- 
nau wiederholt ist. Von Klosterhöfen : 
der bei S. Martino niaggiore. 

In Ferrara : Fragment des Hof- 
baues am Pal. della Scrofa, 1502, von 
Biagio Rossetti (Fig. 37.) 
Die Pilasterordnungen wurden einstweilen für die Kirchen verspart, 
hier aber nicht selten von stein aufgesetzt. 

Über die Komposition der Kirchenl'assaden i- 70. ISraniente in den ihm 

riebenen mailändischen Hauten schwankt: am Äussern der Kirche S. 

Satiro die schöne und ziemlich strenge korinth. l'ilasternrdnun^ rein in Back- 

.uii Chorbau alle Grazie (Fig. 38) sind Pilaster, Wandkandelaber, Ge- 

nd M »n Stein aufgesetzt. Am Vorhof von S. Maria presso 

einer klassisch reinen Backsteinhalle, die Halbsäulen doch von Stein. 

ihre Kapitale von Erz 1514, von einem unbekannten Meister). 

rebgeführte ganze Kirchenbauten in reichern Backsteinformen: die 
Karthause S. Cristoforo zu Ferrara, I t98— 1553, die phantastisch zierliche Rund- 
- Maria della Croce bei Crema (Fig. 39 von Giov. Battagio, 1493, die 
•i Pietro in Modena etc. 




i [ofe der < Sertosa bei Pavia. 



§ t6 a 1 >ie Fenster and Thüren 






§ 46a. 
Die Fenster und Thüren der Friihrenaissance. 

In der Bildung der Fenster und Thüren schwankl das W 
bei kirchlichen wie bei profanen Bauten zwischen der rechtwink 
der rundbogigen Form; dazu i ritl für 
bestimmte Fenster im Kirchenbau die 
volle Kreisform. 

liier die \ erhältnisse dei I i ri- 
ster nach Albei tis I .ehre vgl. § 89. 

BrUlleilesco u;ih meinen K t f* 1 H 1 1- 

bauten (mii Ausnahme der Badia bei 
Fiesole) stets ein langgestrecktes Rund- 
bogenfenster. Vereinzelt herrschl dii se 
Form bis gegen Ende des Jahrhunderts. 

Die Laibungen wurden mit 
Flechtwerk und Girlanden verziert (be- 
sonders reich in der Cappella Pazzi ; 
nach aussen umziehl das Fenster viel- 
fach ein profiliertes Rahmenwerk, zu 
dem heim Backsteinbau noch Pal- 
metten treten. 

Ähnlich wurden in der Palast- 
architektur die Fenster in glatl ver- 
putzten Fassaden behandelt, während 
bei der Rustika eine einlach kräftige 
Umrahmung- am Platze war. Die 
mittelalterliche Teihmgssäule wurde 
fast ausnahmslos beibehalten (beim 
Pal. Pitti war sie beabsichtigt); an 
den Fenstergewänden entsprechen ihr 

meist Pilaster oder Halbsäulen. Unter die beiden Halbkreisbögen, welche diese 
vertikalen Stützen verbinden, schieben Alberti Pal. Rucellai und Bernard 
sellino (Pal. Piccolomini in Pienza und Siena noch ein 
Gehalk. wie es schon lirunellesco am Pal. Pitti offenbar 
projektiert hatte, da die Pilaster der Laibungen hier nur 
bis an die letzte Qua srschichi unter den Bogenkämpfern 
reichen (vgl. Fabriczy, Fil. Brunelle • S. 

Das rechtwinkelige Fenster i-l bisweilen von ge- 
drückter Form und mil -~chwereiiiSleinki.il/ versehen; 
so am Pal. di Venezia Fig. 21 i und an einem 1 1 i 
bei S. Gesareo in Koni, am Pal. vescovile, Pal. Newton 
u. a. in Pienza, am Pal. dei Tribunali in Perugia etc. 

( »line Teilungspfosten tritt ' '■ nsterforn 

gegen das Ende dieser Periode vereinzelt auf ; 30 
I iso im Hof des Pal 1 Urbino, desgleichen 

Pal. Strozzi, < iondi et< , 




II. ■! im Pal. ! 







= 



VI. Kapitel. Die Formenbehandlung der Frührenaissance. 



Häufiger verstand sich zur Aufnahme des ungeteilten Oblongfensters de] 

Kirchenbau. Es hatte hier die Protorenaissance mit Erfolg vorgearbeitet (Fassade 

von S. Miniato, Baptisterium von Florenz etc. . ja sie hatte auch die ganze herrliche 

antikisierende Umrahmung mit Halbsäulen resp. Pilastern und Giebel schon vor- 

sl die freilich oft spielend wirkenden Konsolen unter der Fensterbank. 

S Aediculae an Fenstern sind dann für die Praxis des \IY. Jahr- 

hunderts durch die Wiedergabe aut Gemälden zur Genüge hezeugl , /.. I>. von 
Taddeo Gaddi in der Capp. Baroncelli in S. Groce (zwischen L352 und 56) und 




i 1 * des Palazzo Scrofa in Ferrara. 



Am Dom von Pienza um 1460; Abbild, im §70) sind Aediculae als 
Nischenumrahmung verwendet, desgl. an der Gonfraternitä in Arezzo. 

Den Giebel über dem Sturz zeigen die Fenster des Spedale degli Inno- 
und des Altarraumes der Gapp. Pazzi von Brunellesco, der Madonna delle 
Prato 1485 -91 von Giuliano da Sangallo), der Sakristei von S. Spi- 
rito in Florenj ich von Giuliano da Sangallo entworfen und von Cronaca 

1496 ausgeführt, 3. Abbildung in § 64) und an Cronacas S. Francesco 
I monte, hier abwechselnd dreiseitige und segmentförmige Giebel (s. Abbil- 
dung in ; 75). Letztere, auf Säulen ruhend, auch in der Baulehre <\^.s Fila- 
einem Palastbau -. Abbildung bei Müntz, La renaissance I. p. 485) 
und bei Mantegna, Triumphzug des Cäsar. 



§ 46 a. Die Fenster uml Thüren der Frührenaiss 



81 



Eine lombardische, durch die Gomaski l (s. § 15 
lität sind die gekuppelten Rundbogenfenster mit gemein 
Umrahmung; schon im XIV. Jahrhunderl mil Rund- m 
Vitellescln zu ( lorneto, dann am Pal. < lapranica zu Rom, Pal. Pozzi ni ; 

Obenan stehen unter ihnen die vier höchsl pracht\ 
sade der Certosa von Pavia; eigentlich als Pforten gedacht; ohne Pfosten und 
Oberschwelk'ii antiken Tliüivinfassun^ni iia<li-i-l dl. I.t : über dem reichen I 




Fig. 88 S M.ii ia delle I Mailand. 



und Gesims die Giebel in Gestall von Voluten mil Figuren und anderem Schni 
innerhalb der Pfosten, als Stützen der eingesetzten je 
rühmten marmornen Kandelabei . Abbildung in § 138). 

Etwas früher und im Einzelnen bescheidener die vier Fenster 
condos Pal. del Consiglio zu Verona; über den Friesen Stichbog 
mit Relieffüllung (s. Abbildung in § 102 

Ähnliche lombardische Fenstei z. B. in S. Mari 
land, in Bergamo, an Biagi R« ;sel Loggia del Consig 
bildung in § 102 ; weiter 3il v. | ;. in Perug 

nali), in Sulmona (Pal. della Nunzial inst. 

Burck h a rd i . Etalii ' ■''• 



V 



VT. Kapitel. Die Formenbehandlung der Frührenaissance, 



Das Rundfenster endlich herrsch! im Tambour der Kuppeln (so schon 

am Florentiner Dom nach dem Model] von 1367 . im obern Teil der Kirchen- 

S. Maria Novella zu Florenz. Dom von Pienza, S. Pietro in Montorio 

zu Rom etc., sowie in den Seitenschiffen über den Kapelleneingängen (z. B. 

S. Lorenzo in Florenz. Penn von Gortona etc.). 




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3 



. Ci i I ■ ■ Vi. h l'.n.iv i.ini i 



Hinsichtlich der Thüren gill im Ganzen Folgendes: 

Di( in Rustikafassaden werden meisl mit einlach kräftiger Gliede- 

. umsäumt, den rundbogigen Absch'luss biMen Keilsleim: mit boL!onl'onni<mm 

die nach dem Scheitel hin sich massig verlängern (Pal. Pazzi-Quara- 

■l,i etc. . Am Pal. Gondi sind diese Bogensteine mil vertikalen 

.•ii und horizontalen Lagerfugen in das Rustikamauerwerk eingefügt. 



§ 46 a. Die Fenster und Thüren der Frührenai 









Bei glatten Mauern und im Innern der l; 5ura 

mindesten mit einem Rahmen umzogen, dessen Profil« 
gerne uach innen hin verkröpfen, so dass eine Arl B 
steht, wir vielfach auch bei den Fenstern; letzteren sind auch li 
der Thürlaibungen nachgebildet; besonders reich u. a. an dei i 
am Thürsturz hier das von geflügelten Putten gehaltene Wappenschild 
ters, wohl in Nachbildung der 
Medaillonporträts mit < renien 
.in römischen Sarkophagen, 
wie /.. I!. an dem von Bru- 
nellesci) so bewunderten in 
S. I >omenico zu Gortona. 

Bald wurden dann die 
wichtigern Thüren an Kirchen 
und weltlichen Gebäuden, 
nach innen sowohl als nach 
aussen, an ihren Pfosten regel- 
mässig mit Pilastern beklei- 
det , welchen man reiche 
Füllungen mit Arabesken, 
auch wohl sehr sorgfältige 
Kanneluren und bisweilen ein 
kostbares Material (Paona- 
zetto und dergleichen) gönnte. 

Über die Ordnungen 
solcher Pilaster: Alberti, de 
arte aedif., L. IX.. c. 3: fene- 
stras ornabis opere corinthio, 
primarium ostium ionico, fo- 
res fcricliniorum ei cellarum 
ei eiusmodi dorico, was im 
XV. Jahrhundert nur von 
Pilastern zu verstehen ist. 
Nach der Vorschrift richtete 
sieh kaum jemand. 

Die si'hi'insli'ii diimali- 
gen Pforten von Rom : an der 

Kirche S. Maren beim Pal. di Venezia, und vor allem am Hospital S. Spirito, mit 
kannelierten Pilastern. 

(Die frei und ziemlich weil vortretenden Säulen neben dem II. u.; 
der Gertosa, neben demjenigen von S. Maria delle Gl nd, an S. 

menico zu Urbino (Fig. K) etc. sind eine oberitalienische Tradition di 
alters, § 37. 

Über der ( (berschwelle der Thür folgte die altgewohnt! 
aus dem Entlastungsbogen si lion seil Römerzeiten entwickell hatte 
durch Skulptur oder Malerei; bereits nichl immei 
gedrückt, mit Palmetten an und über dei Mit! 




bino. 



84 



VI. Kapitel. Die Formenbehandlung der Frührenaissance. 



Die Lombarden umrahmen diese Lünette gern noch nül einer zweiten, 

obern Pilasterstellung nebst Gebälk und Giebel; so überall auch südwärts, wo 

tarden resp. Comasken thätig waren: unter ihrem Einfluss auch das Portal 

von s. Domenico in Urbino (Fig. K) : hier das Ornamentale von Maso tli Bar- 

mmeo aus Florenz, «1er Lünettenschmuck von Luca della Robbia, 1 1 ü' i Fig. 10 . 

Indem man dann 
dem gothischen Spitz- 
giebel eilig den Abschied 
gab, trat an Kirchen und 
andern geistlichen Ge- 
bäuden des XV. Jahrhun- 
derts auch schon der nied- 
riLie antike Giebel an die 
Stelle der Lünette. Als 
frühster Thürgiebel der 
Renaissance gilt derjenige 
am Eingange zum Novi- 
ziat von 8. Croce in Flo- 
renz (rechtes Querschiff : 
Vasari 11. p. 442 (Le M. 
III. |>. 279), v. di Miche- 
lozzo (Fig. 41 ). 

§ 47. 

Die Formen des 
I ii nern. 

Voii dem Innern 
antiker Gebäude war, 
als die Studien der Flo- 
rentint'rb<'uannen,zwar 
sehr viel mehr als jetzt, 
doch ausser dem Pan- 
theon kaum mehr ein 
unverletztes Beispiel 
erhalten , und ohnehin 
war die antike Iniien- 
baukunst wesentlich 
eine nach innen ge- 
wandte Aussenbaukunsl gewesen. Den einzigen sehr wesentlichen Einfluss 
hui— reu jetzt die antiken Gewölbe üben. 

Vgl Kultur dei Renaiss., III. Aufl. I. S. 225 u. 236; IV. Aufl. I. S. 201 f. 
■ die Erhaltung der Thermen. 

sims- und Pilasterbildung des Innern, für Wandeinteilung u. dergl. 
p (theon in seinem d.mi.iliuen liestande hei weitem die Haupturkunde. 




41. Thiir in S. Croce zu Florenz. 



§ IT Di( Formen des [nnern. 



85 



Für die Tonnengewölbe kam die bessere Erhaltung des Venus- und Roraatem] 

in Betracht. 

Die grösste konstruktive Aufgabe nimmt Brunellesco mit seiner flor< ntinischen 
Domkuppel deich vorweg; ueben di( inl alles andere leicht und komml 

als teurer»' oder wohlfeilere, dauerhaftere oder fluchtigere Praxis in I 

Nachdem schon seil 1405 Brunellesco9 Rat zu verschiedenen M 
geholt und der junge Meister sogar eine Zeitlang als consiliarius operis ständig 




Fig. -»_'. Der Dom « i n 



besoldel worden, beginni seine Hauptthätigkeil 1420, als man, getreu nach dem 

1367 von Benci <li Cione und Neri di Fioravante entworfenen Modell, <!<•■ 

bour vollendel hatte. Brunellesco trug mit seinem Gerüstmodell zum Ku| 

bau. welches er in einem ausführlichen (noch vorhandenen l 

den Sieg über alle Konkurrenten davon und vollendete sein« Vufg-al» . 

sechzehn Jahren, anfangs untei Mitarbeiterschaft des «iliilirrti u di 

Banco. - Über die Details der Konstruktion und den vom 

weilen abweichenden Gang der Arbeil vgl. die eingehend« 

Dünn in Erbkams Zeitschrift für Bauwesen l^ s 7. sowie di 

Dokumente bei Guasti, S, M 

chivio stori( i ital. 1*^7 und im 

(vita di Brunell. schöpft wesi ntlii li 



VI. Kapitel. Die Formenbehandlung der Frührenaissance. 

Frühste schriftliche Theorie des Wölbens bei L. B. Alberti, de re aedifica- 
toria L. 111. c. 14, vgl. V. c. 18 und VII, c. 11. nach «Ion Kategorien: fomix 
Tonnen-' a camera (Kreuzgewölbe und recta sphaerica, seil, testudo 

(Kuppel : er verlangt das Wölben für die Kirchen wegen der dignitas und 
Dauer und auch für die Erdgeschosse der Paläste. 

^ 18. 
Die Gewölbe «1er Frührenaissance. 

ha- Erste und Bezeichnendste isl der Widerwille der Eenaissance gegen 
- [renzgewölbe, dessen wesentlichster Vorteil jetzt allerdings wegfiel, da 
-Idoiiuv Räume, für deren harmonische Bedeckung es so wesentlich ist, ent- 
weder nicht mehr gebildet «'der mit andern Gewölben bedeckt wurden. 

l>,is Gothische des Nordens hatte seine eigentümlichste Schönheit in oh- 
»ngen Raumeinteilungen entwickelt. Vielleicht isl das oblonge Kreuzgewölbe 
an sich schöner als das quadratische. 

Nun brauchl man das Kreuzgewölbe fortwährend, aber verhehlt. Wo man es. 

wie in einzelnen römischen Kirchen (§§ 7»i. 77), offen anwendet, gerät man damit in 

teil gegen die Gothik, schon weil man das kräftig sprechende Gurtwerk entbehrt. 

Der Letzte, welcher mit Gurtwerk und mit uhlongen, quer üher ein Kirchen- 

: laufenden Kreuzgewölben eine leichte und edle Wirkung erzielt, ist Dolce- 

buono, im Monastero maggiore zu Mailand. 1503, vgl. §§ 2:3. 70. 

te Kreuzgewölbe derselben Zeit (?) auch noch im Appartamento Borgia, 
Vatikan. 

Der eigentliche Lebensausdruck des gothischen Gewölbes waren die 
aus den Pfeilern emporsteigenden Gurte und Kippen, zwischen welchen die 
Kappen nm als leichte Füllungen eingespannt wurden. Für die Renaissance 
gegen, welche über den Stützen ein antikes Gebälk herrschen lässt und 
Oberhaupt alle schwebenden Teile in der Regel durch starke Horizontalen von 
ihren Trägern trennt, ist das Gewölbe eine deckende Masse. Der strengere 
ilausdruck derselben ist die römische Kassette ; den reichern Ausdruck 
übernimmt eine rasch und hoch entwickelte dekorative Kunst (§ 171). 

Letztere i-t eine besondere Todfeindin des Kreuzgewölbes in seiner stren- 
Form; d.tLi'-L r '-n kann sie sich in das verhehlte, in der Mitte zur sphärischen 

bildete, sehr L r ul schicken. 
Die frühesten mir bekannten Ka-setten der neuern Zeit schon in den Lai- 
bungen des Klosterhofes von S. Paolo fuori le mura hei Rom (zwischen ll!»"» 
und 1241 ; dann an ••nein gothischen Gebäude: S. Maria maggiore in Ber- 
.... Laibung des Portals der Nordseite : es sind ohlomre l!ai den mit Rosetten, 
• •lirl weiss, braunrol und schwarz. 
In- Kassetten jedei Art, auch die -ich konzentrisch verjüngenden, rechnete 
Alberti l. c. L. VII, c. ll auf dem Papier aus, selbsl für sechsseitige und achtseitige 
rne, und ermittelte deren Ausführung in Ziegeln und Stucco. — Vgl. § 173. 
inten Kassetten in der Bogenlaibung der Thür von S. Maria 
— Die Darstellung der Kassetten in Sluce«. scheint dann liramimte he- 
illkommnet zu haben; Vasari IV. p. 162, 165 !->• M. VII. p. 136, 139 



S 48. I >ie der Frührenaiss 



-7 



v. di Bramai Statl aller Gurten und Rippen jetzt bald n 

abgestumpft und mit Festons bemalt. 

Indes hat die Frührenaissance, die Kreuzgewölbe abgerechnet, »och 
durchgängig die konstruktive [Torrn des Gewölbes zu Tage treten ' 

Vorherrschende Formen: Das Tonnengewölbe von halbrundem 
ptischem Durchschnitt, hie und da bereits mit einschneidenden Kappen von 
beiden Seiten ; 

Das kuppelichte, sogen, böhmische Gewölbe, ebenfalls oft mit einschneiden- 
den Kappen; 

Die Reihenfolge von flachern oder böhern Kuppeln oder kuppelichten 
Gewölben ; 

Das Tonnengewölbe, in seiner Mitte durch Eine Kuppel unterbrochen; un- 
gemein schön im Kleinen, /. ß. (Fig. \S an den Vorhallen der Gapp. de' Pazzi 
in Florenz (Brunellesco) und 
der Umiltä in Pistpja (Vitoni ; 
grösser imHauptschiff einzelner 
oberitalischer Kirchen (§ 74). 

(Das Tonnengewölbe in 
Oberitalien schon zur romani- 
schen Zeit heimisch : S. Babila, 
S. Gelso, d. h. die alte Kirche, 
S. Sepolcro, sämtlich zu Mai- 
land, anderes a. a. < >. i 

Kupoletten verschiedener 
Art, auch backofenförmige 
KlostergeM ölbe. 

Eigentümlich eine \i 
zahl kleinerer Kuppeln des 
XV. Jahrhunderts in der \if 

stark aufgewehter Regenschirm ler an die Muschelgewölbe gothischei I 

erinnernd, mit kleinen Rundfenstern ringsum, sogen. „Kuppeln mit Rippen und 
Segeln'' (Munetti, vita di Brunellesco, p. 29 . von Brunellesco angewendet in 
einer (später umgebauten) Kapelle in S. Jacopo zu Florenz, in der alten Sakristei 
von S. Lorenzo und in der I iapp. Pazzi ; bei Späteren öfter « iederholt 
in § 63 und 80. — Antike Vorbilder: Darstellung einer Ruine heim P 
(Templum Matidiae?) in einem Stich des Giovannoli, 1619 vgl. Lanciani R 
and excavations of ancient Rome, p. 505 ; Tor' de' Schiavi Ganina VI. tav. 107 
Kutschuk Aja Sophia (Ss. Sergius und Bacchus) in Konstantinopel, u. s. w 

Die wesentlichen Detailformen des modernen Kuppelbaus I 
Profile der Hauptbogen, Pendentifs, Kranzgesimse über den Hauptbo 
teilung oder Güederung des Cylinders, oberes Gesimse desselben, Gliederung 
der Kuppeli schon jetzt bei den Toscanern ausgebildet, vgl. Madonna 
Garceri in Prato; für die Lanterna war bereits auf der Domkuppel von l 
im XV. Jahrhundert ein Vorbild aufgestellt. 

Dagegen bleiben «lii \ issenformen der Kuppi 

konstant, vgl. § 63 65 







Vorhalle -\<t < !appella Pazzi t i 

i 



g8 \11. Kapitel. Die Formenbehandlung des XVI. Jahrhunderts. 

VII. Kapitel. 
Die Formenbehandlung des XVI. Jahrhunderts. 

g 49. 
V e r e i 11 1 a c h u ng dos Detail s. 

.Mit dem Eintritt des XVI. Jahrhunderts vereinfacht und verstärkt 
sich das bauliche Detail. Ks war ein neuer Sieg des florentinischen Kunst- 
_ istes über das übrige Italien. 

Das auss irtoscanische Italien der Frührenaissance war mehr von den orna- 
mentalen Arbeiten der Florentiner als von der einfachen Grösse ihrer Bauten 
berührl worden; jetzl ersi sieg! nichl die Einzelform, sondern der Geist eines 
Pal. Pitti, Pal. Gondi, Pal. Strozzi (§ 39) überall. Bramante (1444—1514), von 
welchem nun das Meiste abhing, war allerdings ein Urbinate, und die grosse 
Veränderung, die um 1500 in ihm vorging, wird hei Vasari mit seinen Ver- 
ssungen in Rom (§ 27) u. a. a. 0. in Verbindung gebracht, allein dies schliesst 
die unvermeidliche Einwirkung der florentinischen Bauten auf ihn nicht aus. 
Das gesteigerte Stadium des Vitruv (§ 28) ist von dieser neuen Richtung 
teils Wirkung, teils Ursache, je nach dem einzelnen Fall. 

Die Vereinfachung der Form wurde teils aus bestimmten Römer- 
bauten, teils aus allgemeinen Gesichtspunkten gerechtfertigt. Damit war 
untrennbar verbunden ein stärkeres plastisches Hervortreten, um sich an 
den zum Teil gewaltigen neuen Bauten vernehmbar zu machen, vermöge 
des starkem Schattenschlages. 

Serlio, architettura, L. III, fol. 104, vgl. L. VII, fol. 120, 126. Er beruft 
sich auf das Colosseum, auf den Bogen von Ancona und selbst auf das Pan- 
theon, dessen korinthische Ordnung nur sehr weniges, aber wohlverteiltes Detail 
habe, und polemisierl gegen die „dem Geschmack der Menge huldigenden" Bau- 
bie die ornamentalen Glieder vollständig nach den reichern Bei- 
••II gäben. Durch das viele „Gemeisselte" (intagli) würden die Fassaden 
nur verwirr! und affektiert. 

In dei Thal gab man die vegetabilische Ausdeutung, welche die reichere 
antike Baukunsl ihren Profilen verliehen (Blattreihen, Perlstab etc.) und welche 
rj die Früh reu, üssancf nur -ehr ungleich (und vielleicht nur am Triumphbogen 
Ufona im Castello quovo zu Neapel, § 103, vollständig) angewandt hatte, jetzt 
völlig preis und beschränkte auch die Kapitälformen auf das Notwendige. (Das 
neueren, vgl. i ■ '>■<. Ja man fand den Heichlum, auch wo man ihn ausdrück- 
suchte hauptsächlich im Innern.i, doch nichl in den reichern römischen For- 
idern in g( malten Füllungen, stuckierten Pilastern, am Äussern in Guir- 
landen, Masken, Bandwerk u. dergl. an Fenstern und Thüren. Seihst an kleinern 
rarbeiten (Grabmälern, Altären) mochte man dann nichl mehr auf die ent- 
henden vollständigen römischen Prachtbauten zurückgehen. Her Barockstil 
fand endlich jenen Rückwi ds nichl mehr und vervielfachte lieher seine 

ngen, als dass ei sie in ji ei ganz erlaubten Weise bereichert hätte. 



§ 50. Detailproben and Einwirkung der Pestdekoration. 

§ 50. 
Detailproben und Einwirkung der Pestdekoration. 

Auf jede Weise suchte man sich des wahrhaft Wirksamen zu 
sichern. Ausser den Probemodellen einzelner Bauteile in wirklicher 
nicht viel geringerer Grösse war auch die bauliche Dekoration bei I 
jetzt eine sehr wichtige Quelle der Belehrung. 

Michelangelos sechs Braccien hohes Modell einer Ecke des Ki 
für Pal. Farnese; Vasari VII, p. 223 (Le M. XII, p. 231), \. di Michelai 
Auch Fenster, Säulen, Bogen etc. modellierte er seinen Bauführern und Stein- 
metzen gerne aus Thon vor, ohne Zweifel in einige] Gl Lettere pittoriche I. 15, 

Ben\-. Cellini al Varchi 1546. Seine Gebäude scheinen dieses Verfahren durch 
eigenen Formenausdruck zu verraten. 

Dir wichtigste Seite der Festdekoration lag darin, dass man sich in Holz, 
Gips und Karton rasche Rechenschaft von dem gab, was auch in Stein und in 
demselhen Massstab wirken könne. Vgl. i; 189. 

Sichthar ist aus derselhen in die Architektur herübergenommen u. a. der 
sogen. Cartoocio, ein versteinertes, geschwundenes, auch wohl verschlungenes 
Band oder Blatt von Karton. Vgl. Serlio. L. VII, p. 78, s. und Lamozzo, lr.it- 
tato dell' arte, L. VI. p. 421, wo die namhaften Arbeiter des XVI. Jahrhunderts 
für Cartocci, Guirlanden, Masken etc. aufgezähll sind. 

Mit dem Werl der Festdekoration als Bauprobe hängt dann auch zu- 
sammen, dass man sie bald mit mehr als gebührlicher Strenge architektonisierte 
und ihre Freiheit nicht auf die wahre Weise achtete, vgl. i; r>t; und 190. 

§ 51. 
Vera i ;'i r k u n g d e r F nrme n. 

Zu den neuen Wirkungsmitteln i\<-^ XVI. Jahrhunderts gehört die 
Nische an den Fassaden sowohl als an Pfeilern und Mauermassen des [nnern, 
und die kräftigere Einfassung von Fenstern und Thüren mit Pilastern, Halb- 
säulen, vortretenden Säulen and Giebeln, letztere im stumpfen Winkel 
im Kreissegment. 

Hier ist nicht von der Nische al- wesentlichem Teil eines Grundplans die 
Rede, also nicht von Apsiden, auch nicht von jenen Nischen- oder Kapellen- 
reihen, in welche bisweilen die ganze Langwand einer Küche aufgelös wird 
ii; 74, ~ii'. -Mildern von der Nische für das Auge. Sie wechseil fortan ^erne 

an Palastfassaden mit den Fenstern ah. gleichviel oh ihr «'ine Statue geg t 

sei oder nicht. Wie die stärkere Plastik der vortretenden Teile, so wii 
zurücktretend; ihr Schalten i-t wie der aller Rundflächen dei 

Schon das t iolhi-ciie hatte in Italien hie und da eine echte, I 
hervorgebracht (die Tabernakel für die berühmten Statuen an Orsann 
Florenz ; allein an den Kirchenfassaden der Frührenaiss 
plastischen Schmuck erhielten, stehen die Statuen 
dachen Nischen (I lertosa von Pa> i, ; 71 
die durch Balda< hin ■ eh ch immer vom l lalbrui 






VII. Kapitel. Die Formenbehandlung des Wl. Jahrhunderts. 



sind S. Bernardino zu Perugia, Fig. 14; - etwas tiefer die zwei Nischen am 
ss der Misericordia zu \ Ers1 das XVI. Jahrhundert schaff! 

die vollständige halbzylindrische Nische. 

Im Innern der Kirchen, an geraden wie an zylindrischen Mauerflächen, 

b sich die Anlage von Nischen von selbst, um der Erweiterung des Raumes 

und der Materialersparnis willen, wie zur Aufnahme von Statuen und Altären. 




Fig. 41 S. Bernardino zu Perugia. (Nohl.) 



Pfeilei des Schiffes mit zwei Pilastern bekleidel werden, kommen zwischen 

ine oder auch zwei Nischen übereinander. Die frühste vollständige 

hführung des Nischenwesens bei Bramante (Tempietto von S. Pietro in 

rio, Entwürfe für St. Peter) und bei Rafael (Villa Madama). 

Da; Konkurrenzentwürfe Giuliano da Sanirallos und Mirhfdangelos 

: assade von S. Lorenzo in Florenz und. ebendort, das einzige dort aus- 

piel: die Fassadi des Pal. Bartolini von Baccio d' Agnolo (Fig. J5). 



§ 51. Verstärkung der ! 



'.'1 



Dem in § 16a über Fenster und Thüren Gesagten gegenüber sind Fol- 
gendes die Neuerungen der Hochrenaissance: 

Das Rundbogenfenster weichl im Ganzen dem rechtwinkligen, und w 
sich behauptet, erhält es doch eine rechtwinklig« Einfassung Bramante: 
celleria s. Fig 24, hier in Nachbildung der Porta de 1 Borsari zu Verona). 
Aus dem rechtwinkligen Fenster verschwindel das Steinkreuz ; unter 
kenntlichen Einfluss der Altartabernakel im Innern des Pantheon wird das Fenster 
zu einer ernsten, mächtigen Erscheinung; die Pfosten erhalten regeli 
Pilaster oder Halbsäulen, ja vortretende Säulen; jetzl ersl wird auch di< 




Fig. 45. Pal. Bartolini zu I- 1 



bank ausgebildet; in den Fensterfriesen behaupten sich die (schon früh« 
gekommenen) Inschriften. 

An den Thürpfosten der Kirchen --wühl als der Paläste weichl dii 
Dekoration einer Ausdrucksweise, welche auf das Einfach-M 
ist; stati der Zieraten sind jetzl die Profile das Sprechende, häufig vortrel 
Säulen oder Halbsäulen namentlich dorischer Ordnung; als '. 
Beispiele: Vasari IV, p. 521 (Le M. VIII, p. 171 . v. di \. - 
p. 596 (p. 224), v. di Peruzzi; V, p. 322 I.. M. IX. p - " di Fn 

«■und.). Der angeblich Bramai Entwurf für 

bei Letarouillj III. Tab. 351, isl die Reproduktion einer Z 



.,.) 



VII. Kapitel. Die Formenhehandlung des XVI. Jahrhunderts. 




'TTTTTJ1 



da Sangallo in den Offizien; s. 11. \. Geymüller, Ursprüngliche Entwürfe für 
St Peter, S. 72. 

S muh wird jetzt der Giebel nicht mehr «Ion geistlichen Gebäuden vor- 
behalten, sondern auch auf Fenstern und Thüren der Paläste angebracht. Als 
Haitis >!' Agnolo dies in Florenz an Pal. Bartolini (Fig. tö) einführte (nach 
Milanesi, im Prosp. cronol. zu Vasari, \. di B. d 1 A.. V, p. 365, angbj. L520), 
gab es Spottsonette und man hängte Laubgewinde daran wie an Kirchenpforten 
bei hohen Festen: Vasari V, p. 351 (Le M. IX, |>. liiiö). v. di Baccio d' Agnolo. 
Bald aber wurde es allgemeine Sitte, wobei man zwischen dem stumpfen Winkel 

und dem Kreissegmente abwech- 
selte, wie schon auf einer Zeich- 
nimg Bramantes (bei H. v. Gey- 
müller, Raffaello Sanzio studiato 
come architetto, p. 50). Auf das 
mit fiele Fenster von dreien oder 
fünfen komm! bald der stumpfe 
Winkel, bald das Kreissegment; 
für beides stehen sich die Autori- 
täten ziemlich gleich. 

Die Aediculae der Fenster 
sind dabei, wie z. B. auch an Ra- 
faels Pal. Pandolfini und ehedem 
am Pal. Branconio d' Aqnila (§ !Mi), 
unter sich und mit den Pilaster- 
lisenen an den Ecken durch flache 
I Sander verbunden. „Hierdurch ent- 
steht Ruhe und Einheit, indem 
die Aediculae nicht auf die Mauer- 
fläche aufgesetzt, sondern mit der- 
selben verwachsen erscheinen" 
i Bühlmann, Architektur des klassi- 
schen Altertums und der Renais- 
sance. S. 38). So auch schon am 
antiken Vorbild, den Aediculae im 
Pantheon. 
§ 52. 

ln<- dorische und falschetruskieche Ordnung. 

.Mit der jetzl herrschenden Neigung zur Vereinfachung der Formen 
endlich auch die dorische Ordnung zu ihrem Rechte, allerdings in 
nachteiliger Vermischung sowohl als Konkurrenz mit einer vermeintlichen 
tischen. 

Die echte griechisch-dorische kannte man nicht und hätte sie schwerlich 
zu brauchen verstanden, § 25. 

die Römer hatten eine Umgestaltung derselben nicht entbehren 
können, zumal als sie das Dorische als Bekleidungsordnung ihrer grossen Bogen- 
hten. Hauptbeispiel : das Erdgeschoss des Mairelliistheaters. 




, S. Pietro in Montorio 

/ i Rom. 



§ 53. Das Dorische bei Bramante and Sau gg 

Ganz besonders kommt in Betrachi ein damals noch erhall 
scheinlich der Basilica ^.emilia am Forum, welcher durch die Behandlung von 
Halbsäulen, Pilastern und Gebälk erweislich auf beide ältere - i auf 

Bramante Einfluss geübl hat. Nach alten Zeichnungen heraus und 

restituiert von Christian Hülsen, Annali deü" Instituto archeolog., 18g 

Schon den Römern war dabei auch das Vorhandensein einer etruskischen 
Ordnung verhängnisvoll geworden, welche einsl wohl unter Einfluss tiisch- 

dorischen entstanden war, und nun die römisch-dorische mit ihrem unschönen 
Gebälk und Säulenhals, unkanneliertem Schaf! und eigenei Basis gleichsam an- 
steckte, daneben auch selber noch für sakrale Zwecke fortdauerte. 

Das XVI. Jahrhundert nahm nicht nur die römisch-dorische wird. 1 
sondern restaurierte auch (z. B. Serlio) nach dem Rezept Vitruvs IV. 7 die 
etruskische als online toscano, was den Florentinern angenehm klingen mochte. 
Das hölzerne Gebälk mit seinen peinlichen primitiven Formen blieb w.- ; viel- 
mehr sieht der ordine toscano dem römisch-dorischen ähnlich; nur schv 
und ohne Triglyphen, Metopen und Mutuli; beliebt an rustizierten Erd- und 
Sockelgeschossen, Festungsbauten u. dgl.; im Bewusstsein der Künstler selbst 
nie rein Mim Dorischen ausgeschieden. 

§ 53. 

Das Doris'-he liei I! r a m an t e und Sansovino. 

Vereinzelte frühere Anwendungen abgerechnet, hat vor allen Bra- 
mante die dorische Ordnung als Werkzeug der hohen Strenge seiner letzten 
Jahre mit Vorliebe gebraucht und die grössten seiner Kunstgenüssen mit 
sich gezogen. 

Die dorische Pilasterordnung am Erdgeschoss des Pal. Rucellai zu Flo- 
renz, 1451, und des Pal. Piccolomini zu Pienza, um 1460, s, 1" 

Giuhano \\\u\ der aller. • Antonio da Sangallo, welchen Vasari l\'. j>. *_"'"- 
(Le M. VII, p. 228) besondere Verdienste um die dorische < Irdnung zusi hreibt, 
mögen bei ihren Festungsbäuten sich damit befreundet haben. Antonios Kirche 
zu Montepulciano aber, mit sehr eigentümlicher Behandlung des h-m-. !.■ . 
erst 15ls begonnen, ibid. p. 288, Nota 3 226 Nota). Abb. in S 

Bramante: die dorischen Pilaster des Erdgesch — - im grossen \. 
sehen Hauptbau seit 1503 

die beiden untern Säulenordnungen um den Hof der Cancellerii 
darüber ein geschlossenes Obergeschoss mit korinthischen Pilastern; — 

der runde Tempietto bei S. Pietro in Montorio (§ 66 . dei 
Zierbau ohne ein Laub von Vegetation, die Rosetten in den Kassetten des Ui 
gangs ausgenommen Fig. \ß ; ''in Ted der unteren Halle des Pal. 
am Domplatz zu Loreto acht Arkaden). 

In der ( '.uiisolaziiine zu Todi (vgl. über Bramantes eventuellen \ 
sind die vier mächtigen Hauptpfeiler unter der Kuppel als d 
staltet, als Ausdruck der Stärke, wahrscheinlich aber noch mehr, 
mante zuerst die Unschönheit ionischer und korinthiscl 
betreffenden grossen Massstal tilte. Man vergl 

S. Maria di • iarignano in Genua »01 das P 



VII. Kapitel. Die Formenbehandlung des XVI. Jahrhunderts. 

fläche durchlöchert gleichsam jede Komposition. Oder ahnte er sogar, dass 
bei einer gewissen Grösse jede ursprüngliche Verpflichtung des Pilasters auf 
stimmte Ordnungen erlischt? war er auf dem Wege zu einer echten, und 
.war auf den Gewölbebau berechneten Ante- Jedenfalls wird durch ihn das 
Dorische am längere /eil die Pilasterordnung im vorzugsweisen Sinne. 

Rafaels (nach anderer Ansieht Peruzzis) dorische Pilaster 1509 an beiden 

rken der Farnesina. Vgl. £ 119. 
Giulio Romano bringt über einem Hauptstockwerk mit dorischen Pilastern 
- ein i>1hm_ . welches in einfach umrahmte i|uadralisehe Flächen 

teilt i-t. 

Bei dei 5 ">l erwähnten Ausstattung der Portale wurde die dorische Ord- 
nung jetzt mit Vorliebe angewandt. 

Seil 1536 erbaute Jacopo Saüsovino zu Venedig die Biblioteca, das 
prächtigste profane Werk des modernen Europa (Fig. 47), als wahre Ex- 
hibitiou der ionischeu und besonders der dorischen Ordnung. 

Das M<>ti\ i-t bekanntlich eine Doppelhalle von Rogenpfeilern mit llalb- 
säulen; in der obern Halle ruht der Bogen auf einer besondem kleinern kanne- 
lierten ionischen Ordnung. Die Venezianer wollten sieh endlieh an der echten 
römischen Formenbildung ersättigen, nachdem sie bis dahin eine Renaissance 
mehr auf Hörensagen gehabt. 

Die Wirkung ist so schön, >las> Sansovino auch für gewisse Freiheiten 
Recht behält, z. 11. für dir Vergrösserung der Metopen auf Kosten des Durch- 
?sers lei Triglyphen und des Architravs. 

Dei berühmte Streu über die Ecke £ 29. Sansovino traf das einzig Rich- 
tige. Die feirnrn Freiheiten des echten Griechisch-Dorischen - gleichviel oh 
optischen oder konstruktiven Ursprunges seien wozu auch das Vorrücken 
etzten Triglyphe auf die Ecke gehört, finden auf eine blosse Bekleidungs- 
ordnung, die ihrer Pfeilerhalle gehorchen mnss. gar keine Anwendung; hier ge- 
hört die Triglyphe auf die Mitte ihrer Stütze, ob sie die letzte sei oder nicht 
und ob Vitruv etwas von Halbmetopen berichte oder nicht. Sansovino brauchte 
mindestens den Raum einer halhen Metope. wegen der unvermeidlichen Stärke 
s mit Pilastern bekleideten Ei kpfeilers, und hog also seine Metope in der 
Mitte um dr Vitruv hatte wohl mit -einen Semimetopia nur irgend ein 

- ; eiit einer Metope überhaupt gemeint, die fanatischen Vitruvianer aber, 
weli - sovino umringten, gaben sich glücklicherweise mit seiner buchstäb- 
lichen Deutung zufrieden. 

g 54. 

V e r in eli 111 ng <1 '■ r K n 1 r a s t e. 

In diesei Periode geschieht es häufiger, dass man statt der Pilaster- 
ordnungen Halbsäulen, and zwar stark vortretend, ja verdoppelt anwendet, 
und zwar über einem Erdgeschoss in Rustika. 

Rom: Bramantes Pal. Caprini seit 1ÖI7 Rafaels Haus, gegen 1580 stark 

rt, jetzt Pal. de' Gonvertendi an Piazza Scossacavalli). Rafaels l'al. Vidoni 

Abbild, in § 96 ; in Florenz Pal. Uguccioni, von Mariotto di Zanobi Kolli 

-. Vgl. Michelangelos Entwurf für die Fassade von S. Lorenzo, § 37.) 



§ 54. Vermehrung der Konti 







Fig. 47. Ecke der Bil 






VII. Kapitel. Die Formenbehandlung des XVI. Jahrhunderts 



An einigen Palastfronten wird schon eine ganze Fülle von Kontrasten 
um des höhern Reizes willen zusammengestellt. Die dazwischen befindlichen 
Flächen beginnen der einfachen Ühermörtelung anheimzufallen (§ 56). 

ten§96 bei Anlass der Paläste. Schon Bramante gib! zu den kräftigsten 

Fensterformen ^ 51 und den doppelten Halbsäulen gerne das eben erwähnte Erd- 

ss von derber Rustika, Rafael lässl dann auch schon Fenster mit Nischen 

§51) und mit eigentümlich eingerahmten quadratischen Feldern abwechseln, u. s. \v. 








Fig. 48. Pal. Uguccioni zu Florenz. 



Die Rustika jetzl überhaupl mit sehr geschärftem Bewusstsein ihrer Wir- 
kung angewandt, häufig vermisch! not den Formen der dorischen und der tos- 
canischen < Ordnung. 

Vorzügüch in Rom wird mil der Rustika an Frdge.-M hossen, welche Kauf- 
laden enthalten und daher des eigentlichen Schmuckes ledig sein sollten, mein 
als lau*- Neuerung versucht; quadratische Fenster, horizontale Keilsteinwölbung, 
lene Nuancierung der Rustika u. s. w., alles aus Travertinblöcken (bis- 
weilen freilich nur scheinbaren, au- Mörtel nachgeahmtem. 

Anderswo: Beschränkung der Rustika auf die Ecken, Weglassung der 
Vertikalfugen etc. 

' Verständnis, das sich an den Namen hängte, brauchte man 
irtenarchitekturen § 125 . wo das Zierlichste und Schmuckreichste eher 
• hätte. Serlio, F. IV. 



§ 54. Vermehrung der Kontraste. 



'.'7 



Die Rustika des Palazzo de] Te in Mantua §119 _i 1( |, 

nur als Stuterei des Herzogs Fi • ;,.,„! 

für Verbreitung der Rustika überhaupt, für ihi 
bäuden und für ihre Falschdarstellung (in Ziegelbrocken mil M 
Kernbau). Doch hat Giulio Romano wenigstens die Halbsäulenordn 
Mauern glatt gelassen und nur die Flächen, Pforten und Fenster rustiz 

Berechtigte Anwendung an den Festungsarchitekturen (§ 108, f. und an 
Bauten ernsten Charakters überhaupt, z. B. an Sansovinos Zec< M 
in Venedig (Fig. 49 . wo die Rustika beinahe et* war; Vasari VII, 

p. 504 s. (Le M. XIII. p. 86), v. di Jacopo Sansovino; Frai - »vinoi 

Venezia, fol. 115. Der Gegensatz von rustica ist (ebenda gentile. 




" ; "~ ; P^F'T 




Fig. 49. Zecca 



Auch Vignola behandelt die Rustika meist noch sehr besonnen; Sei 
gegen zieht in einem späteren, besonders herausgegebenen Hefte alle Sc 
der Willkür und dei Spielerei auf, wobei er sich seiner Neuerungen 
Weise rühmt: Sei). Serlii extra ordinem liber: portarura triginta quae 
appellantur descriptio (lateinische I ing Venedig 1568). r sind PI 

für Paläste. Gärten (?), Festungen, einige auch als Triumphbögen zun.:- 1 
in den verschiedensten Kombinationen der Rustika mit Säulenordnungen, l 
Hermen, Füllungen und oberen Aufsätzen. Der \ntai. . 
Sammlungen von sog. Portoni, welche dann die ganze Kui 
begleitet haben. 

Der Mörtel tritt an wichtigen Bauten des XV. Jahrhunderts wohl nur n 
dekorativer Bemalung auf. Im XVI. Jahrhundert dagi . 
oft alles, was Fläche bleibt (§ 96), ohne ihn zu bemalen. 

Burckliarilt. Italien. R< Lufl. 



\ 11. Kapitel. Hie Foraenbehandlung des XVI. Jahrhunderts. 

§ 55. 
Die Gewöl b e de r Ho c li r e uaissa n c e. 

l»as schöne, von Brunellesco in der Vorhalle der Cappella Pazzi (§48) 
_ - laffene Motiv der Unterbrechung des Tonnengewölbes durch eine Kuppel 
i>i nur von Bramante aufgenommen und weiter entwickell werden. 

Zwei Tonnengewölbe nehmen eine Flachkuppe] zwischen sich : S. Lorenzo 
in Damaso zu Rom ehemals, s. Abbildung in § 77), oder ein Kreuzgewölbe: Chor 
von S. Maria de! I 'opolo ; vgl. einzelne Skizzen zu St. Peter. Ueymüller TU. 20 u. 22. 

Die vielleicht grösste Neuerung, welche das Detail des Innern erleidet. 
liegt in den schönen Scheinformen der Gewölbe, welche mit Hilfe der 
Stnekatur und zum Zweck derselben sowie der Bemalung eingeführt werden. 
lissance gibl jetzt das Gewölbe rein in den Dienst des Schönen. 
ha- Nähere s. unten bei Anlass der Dekoration. - Erst mit der Vervoll- 
kommnung des Stucco § 17 i) werden die grossen, reich kassettierten Gewölbe 
mit voller altrömischer Pracht der Profilierung möglich. 

Das Tonnengewölbe mit vollem Radius, ja überhöht (§48), wird zugestanden 
und als solches dekoriert besonders in Mittelschiffen von Langkirchen (§ 76, 77). 
Das niedrigere, halbelliptische dagegen, wie es zumal in Sälen und Galerien 
vorkommt, wird jetzt oft einer Scheinform unterthan: es erhält in der Mitte eine 
Fläche i Specchio i oder eine Aufeinanderfolge von Flachen; die Enden der von 
allen vier Seiten her einschneidenden Kappen berühren den Rahmen derselben. 
In der Sixtinischen Kapelle, einem Hau des XV. Jahrhunderts, ist die kon- 
struktiv.- Form des Tonnengewölbes noch völlig sichtbar, und die scheinbaren 
Specchi gehören wie die ganze übrige Einteilung dem Maler (Michelangelo) an. 
Ebendies gilt von der berühmten Halle im Erdgeschoss der Farnesina 
1509) mit den Malereien Hahu-ls und seiner Schule. 

Mit der Zeil aber wird der Specchio gerne zur Fläche ausgeebnet, während 
seine Ränder sowohl als die der Kappen durch Stuckatur ein (oft sehr starkes) 
Relief erhalten. 

Am schönsten wirkt der Specchio natürlich als Mitte des Gewölbes von 
Raum. -ii gleichseitigen Quadrates, wo er zugleich den Abschluss einer gemalten 
stuckierten Dekoration bildet (Rafaels Loggien). 
i ber die Formen des [nnern der Kuppeln s. § 65 u. ff. 
Ausserdem aber beginnen bereits verschalte Gewölbe, deren Kon- 
struktion überhaupt nur Schein ist und über welchen eine Balkendecke 
hingeht. Sie kommen vor entweder in breiten Räumen, in welchen die 
Ansätze echter Gewölbe zu weit hatten herabgerückl werden müssen, oder 
wenn Ökonomie und Bequemlichkeit es vorschrieben, oder wenn eine grosse 
mittlere Flach.- verlangl wurde, um welche die Gewölbeansätze dann nur 
als Zierde herumgehen. 

Diese Ansätze sind in Holz konstruiert und mit aufgenageltem Rohr zum 
Halt : rsehen. Serlio (L. VII, p. 98 rühmt sie bereits; VasariVII, 

Le M. I. p. il in -einem eigenen Leben entschuldig! sie noch. Ähn- 
- - lon bei Vitruv VII 3. 



§ 55. Die l rewölbe der 







ihaua der I 



VII. Kapital. Die Formeubehandlung des XVI. Jahrhunderts. 

Manche dieser Gewölbe sind schwor von den echten zu unterscheiden, s. 
Decken in Pal. Doria zu Genua, von Perino de] Vaga und seiner Schule, 
meist nur verschalt. 

Endlich wird jetzt ersl im Innern der Paläste das System der IMlaster 
und Gesimse vollständiger durchgeführt. 

Das XV. Jahrhundert hatte sich noch gerne mil blossen Wandkonselen 
egnügt, auf welchen die Gewölbekappen ruhten. Jetzt erhalten namentlich 
Korridore und Treppen eine strengere Gliederung durch Pilaster. Prachtbeispiel: 
Loggien. 

§ 56 

Die V o r m e n de r N ;i ch l> 1 ii t e. 

Das Detail der Zeil von 1540 bis 1580 ist im ganzen wieder um 
einen merklichen Grad derber, aber schon ohne Liehe, wesentlich nur auf 
die Wirkung im Grossen hin gebildet. 

Michelangelos verhängnisvolle Freiheiten, worunter das Vorrücken der 
Mauermassen zwischen den Säulen in der Vorhalle der Laurenziana zu Florenz, 
so dass die Saiden, zu zweien gruppiert, in Kasten zu stehen scheinen; ein 
offener Hohn gegen die Formen (Fig. 50). - Vasari meint von M.s neuerfun- 
denen Formen freilich, sie seien nicht nur schön, sondern maravigliose ; I, p. L'i<> 
Le M. I. i'. 120), tntroduzione. Vgl. s, 29. 

Da- bekannte Werk des Vignola verhreitete überall diejenige Redaktion 
der antiken Ordnungen, welche fortan die konventionelle wurde; daneben Palladio 
und später Scamozzi u. a. 

Späte vereinzelte Eiferer für die echten Formen des tonischen: Gio. 
Battista Bertano, Vasari VI, p. 488 (Le M. XI. p. 248), v. di Garofalo, -- und 
Giuseppe Porta, Vasari VII, p. 47, Nota 1 (Le M. XII, p. 83, Nota), v. di Sal- 
\iati. Die spätem Vitruvianer s, 28. 

Die Allgemeinheil und (Heichgültigkeit der Formen stand im Zusammen- 
hang mit der Notwendigkeit, rasch, viel und monumental mit beschränkten 
Mitteln zu hauen. 

Einfache Formen bei guten Proportionen können noch spät eine sehr edle 
Wirkung erreichen. Ammanatis Hallenhof des Colle.^io romano; ferner die schöne 
ältere Benediktionshalle am Lateran (gegen die Obelisken hin), unten mit dorischen, 
i ii, it korinthischen Pilastern, datiert aus der Zeit Sixtus' V, und doch schwer- 
lich von dessen Haupt. u-chileklen Domenico Fontana, welcher im Hallenhof des 
ans! — enden Palastes und in der Fron! der nahen Scala santa viel lebloser ist. 
Der Baek-teiu. noch in Bramantes spätem Bauten herrlich wirkend auch 
wo die Gliederungen von Stein sind (Seitenfront der Gancelleria, ursprüngliche 
hosses um den vatikanischen Giardino della Pigna) und 
noch in Bald. i--. n Peruzzis kleinern Bauten zu Siena, wird jetzt als 
meintücb unedlere] Stofl in der Regel übermörtelt. Palladio fugt sich sogar 
in I '• te Backsteinsäulen. Anderswo in Oberitalien aber lässl man den 

kstein Doch bis ins X YIL.Iahrhunderl an einigen trefflichen Bauten offen sehen.) 
Vasari darf in äeinei Introduktion, wo er das Baumaterial bespricht, den 
kstein schon völlig beschweigen. 



rmen der Nachblute. 



Der Charakter freudloser Grossartigkeit, welcher d izeil im 

gleich mit der frühem eigen ist, kam zum Teil auch voi 
zelner Fürster 

Der Herzog spätere Gl i osimo I. (1537 bis 1574 

dorische Ordnung vor. „weil sie sicherer und feste] die andei 




Fie 51 



(nrlitt. 



halb Vasari sie an den Uffizien (loüO) anwenden mussti Vi 

aber bekam die dreiseitige dreistockige Hofhalle des Pal. Pitti i it lautei R 
Ordnungen zu verzieren Fig. 52). 

Gosimos Einmischung in 
und zahlreiche andere Ausj ts rrespondenzen. 






\ 11. Kapitel, l'ie Formenbehandlung des XVI. Jahrhunderts. 



- in sinn für Regelmässigkeil § 83. Selbsl die Girandola entsagte unter 
ihm den phantastischen Spielformen and Lernte einen klassischen achteckigen 
Tempel in Feuerwerk darstellen; Vasari VI, p. 93 (Le M. X. p. 275), v. df 
Tribolo. Vgl. § L95. 

Rustika galt jetzt als Ausdruck des höhern Ernstes überhaupt. Ver- 
suche, ihr ein freies, sprechendes eigenes Detail zu schaffen, im Hof des erz- 
- höflichen Palastes zu Mailand, von Pellegrini; zaghafter an den Prigioni zu 
Venedig. 

Die schönen neuen Motive des Säulenbaues durch Abwechselung von 
2 '.hin Gebälken, § 35. 



=M 




t " 







Gartenseite des Pal. I'itti zu Florenz. (Nach Gurlitt.) 



Fernei jetzl häufiger die Kuppelung (enge Zusammenstellung) von zwei 
Säulen, sobald Verstärkung etwa wegen Weite der Bogen) nötig und doch der 
Pfeiler nichl erwünschi ist. So zumal in der genuesischen Schule, duneres 
- Siro und Madonna delle Vigne in Genua. (Fig. 53.) 



§ 57. 
Die Ve rh ä Itnise e. 

.Mit Anwendung der bisher betrachteten Formen samt den eigentlichen 
Zierformen komponierl die Renaissance ihre Bauten nach einem besondem 
/. dem der Verhältnisse (§ 30, 33, ■> ). 

Man wird zwar auf rein mathematischem Wege nie zu durchgreifenden Regeln 
i ausser den Proportionen auch die stärkere oder schwächere Plastik 



§57. Die ■ •-• : li 




\ iL' Im 



der Formen, ja auch der Wechsel der Farbe die Wirkung entscheiden hilft, s< 
bei denselben Verhältnissen i n Bau schlanker oder schwei i nn." 

Doch isi es m neuester Zeil gelungen, ein Proportii 
welches sich unter sehr verschiedenartigen Bedingungen bewährt. D< 
i i 
hältnisse (worunti t man _ e ähnlich bloss II 
zugleich amfa8ste. 



] i >4 VII. Kapitel. Die Formenbehandlung des XVI. Jahrhunderts. 

dem wir die Auffindung dieses Gesetzes verdanken. Augusl Thiersch, hat in 
liebenswürdigster Zuvorkommenheil gestattet, aus seinen Forschungen 1 ) den 
auf die Renaissance bezüglichen Passus in dieses Buch herüberzunehmen. Ihm 
iren die folgenden Ausführungen bis Seite 113 an. 

Es ist zur Auffindung des oben bezeichneten Gesetzes ein erster 
Schritt durch A. Zeising (Neue Lehre von den Proportionen des mensch- 
lichen Körpers etc.) getlian, weit hei' auf den goldenen Schnitt hinwies, 
jene stetige Proportion, die Euklid finden leint, bei welcher der kleinere 
- Iinitt einer Geraden sich zum grösseren verhält, wie dieser zum Ganzen. 
Wir heissen dies willkommen und gehen noch einen Schritt weiter. 

Es isl die stetige Proportion überhaupt und die Ähnlichkeit 

Figuren, wie sie Euklid im VJ. Buch seiner Elemente behandelt. 
Wir finden durch Betrachtim«; der gelungensten Werke aller Zeiten, dass 
in jedem Bauwerk eine Grundform sich wiederholt, dass die einzelnen Teile 
durch ihre Anordnung und Form stets einander ähnliche Figuren bilden. 

; >t unendlich viele verschiedene Figuren, die an und für sich weder 
schön noch hässlich genannt werden können. Das Harmonische entstellt 
erst durch Wiederholung- der Eauptfigur des Werkes in seinen Unter- 
abteilungen. 

Diese innige Beziehung der einzelnen Glieder zum Ganzen ist be- 
sonders bei den Werken der klassischen Architektur beobachtet, und auf 
ihr beruht ihre einheitliche und harmonische Erscheinung. 

Wie jenes Grundgesetz der architektonischen Verhältnisse zunächst 
in den griechischen und römischen Bauten zur Erscheinung kam, so lebte 
es im Beginn der Renaissance auch mit diesen wieder auf und kam zu 
neuer Geltung. 

Ob zuerst in der Praxis, dann in der Theorie oder umgekehrt, ob 
überhaupt mit klarem Bewusstsein die Baumeister dasselbe befolgten, mag 
fürs erste dahingestellt bleiben. Dass sie es innehielten, ist gewiss; denn 
es 1» mlitet aus den schönsten Monumenten der italienischen Renaissance 
hervor. Dieselben schönen Verhältnisse, wie im Altertum, tauchen wieder 
auf, indem die Übereinstimmung nicht mehr von ungefähr, sondern im 
geometrischen strengen sinne zu AVege gebracht wird; ja in ihrer reichen 
Entfaltung gewahrt die Baukunst der Renaissance eine noch grössere Fülle 
von Beispielen und Belegen, als die Beste des Altertums. Die Beispiele 
sich, auf jedem Schritte dar, den man an der Hand eines Führers 
wie Bühlmann 2 ) tut. 

Im Kirchenbau führt Brunellesco das gleiche Verhältnis von Breite 
zu Höhe für Mittel- und Seitenschiffe ein (San Lorenzo und Santo Spirito 
in Florenz); Florentiner Meister bringen diese Übereinstimmung auch an 
den Kirchenfassaden in Rom zum Ausdruck und dehnen sie auf die Thüren 

l ) Im Bandbuch der Architektur, IV. Teil, 1. Halbband, S. 38—77. 

■ ar des klassischen Altertum- uml m-r l,vmii--.im-i-. Stuttgart 1872—77. 



D 



H'.'i 



derselben aus. Bei einschiffigen Kirchen, für welche Albert] in Sant' \jidrea 
zu Mantua das Muster gab, wiederholen die Kapellen des Widerlagers die 
Figur des Querschiffes and verhalten sich zu diesem, wie die kleii 




Fig. 54. Bramantes Plan für S. Peter in Rom. Nach 



Nischen zu den Kapellen selbst. Noch entschiedener ist dies bei der Kirche 
Santa Maria de' Monti in Rom der Fall (s. Abb. in § 76). 

Die Einteilung- der römischen Triumphbogen (Aufbau der Seitenteile 
analog dem Mittelteile) kehrt wieder am Grabmal des Dogen Vendramin 
in Venedig, sowie in den 
Prälatengräbern in Santa 
Maria del Popolo in Rom 
(Abb. in § 141 ). Am ein- 
fachsten ist diese Unterord- 
nung der Seitenbogen unter 
den Hauptbogen am i}\wv- 
schnitt der Kirche San Sal- 
vatore in Venedig l Abb. in 
i; 77 1: sie wiederholt sich 
an den Allaren und Wand- 
gräbern der Kirche. 

Bei den Zentralkirchen 
folgen die Nebenkuppeln im 
Grundriss und Aufriss der 
Hauptkuppe] (vergl. Bra- 
mantes Plan zur Peterskirche 
in Köm. Fig. 54). Ferner 
bildet sich der Tambour unter 
der Kuppel zu einem oberen 
Stockwerk aus und erhält im 
Ausseren dasselbe \ ernaltnis 








106 



VII. Kapitel. Die Formenbehandlung des XVI. Jahrhunderts. 



von Bfeite zu Höhe, wie der ganze darunter liegende Hau der Kirche. 

Beispiele sind San Pietro in Montorio zu Rom (Fig. 55), die Consolazione 

,di sodann die Peterskirche in Rom in der von Michelangelo beab- 




;: . Rom nach Michelangelos Entwurf. Nach A.. Thiersch im Handb. d. Archil i 

sichtigten Form (Fig. 56). Es ist nicht das geringst.' Verdienst Michel- 
angelos, dass es ihm gelang, beim Hau der Peterskirche diese Überein- 




, bei Vicenza. Nach A Thiersch im Handb. d. Archit.) 



stimmnng zu retten, indem er das Äussere der Kirche mit einer einzigen 

äsen Pilasterordnung versah und das Verhältnis dieser zur Attika bei 

: lulenordnung des Tambours wiederholte. (Vergl. die Analogie im Auf- 

bau des oberen und unteren Stockwerkes der römischen Triumphbogen.) 






107 




Wenden wir uns zu den vielgestaltigen Privatbautew, t uns 

dasselbe Gesetz in allen ihren Teilen, im Grossen wie auch im Kleinen. 

Ein dem Bauptkörper aufgesetzter sowie ein ihm vorjs 
bäudeteil muss mit jenem in den Proportionen übereinstim- 
men. Das Obergeschoss des Palastes Pitti in Florenz ent- 
spricht dem ganzen unteren Bau (ist halb so lang, weil 
halb >u hoch); die vorspringenden Hallen der Villa rotonda 
i Kiir. :.; i wiederholen die Figur des Hauses etc. 

Für die Gliederung der Fassade bildet sich zuerst in 
Florenz die Regel: Was das Gurtgesims für das einzelne 
Stockwerk, ist das Hauptgesims für den gesamten Palast. 
Am Palast Strozzi (Fig. 58) wurde dieser Grundsatz zuerst, 
und zwar mit grossem Erfolg, durchgeführt. 

Die Gesamthöhe zerfällt in drei fast gleich hohe Teile. 
Jedes '1er beiden unteren Stockwerke schliesst mit einem Gurt- 
gesimse ah. das mit der darunter liegenden Quaderschichl den 
achten Teil der Stockwerkshöhe ausmacht. Dem ents 
hat das Kranzgesims als Bekrönung für alle drei Stockwerke die 
dreifache Höhe eines Gurtgesimses erhalten und geht mit sei- 
nem Fries ebenfalls achtmal in die Gesamthöhe auf. 

Dasselhe gilt für den Palast Piccolomini in Siena. Am 
Palast Gondi in Florenz i>t das Erdgeschoss durch kräftigere 
Rustika als Unterbau abgesondert und das Hauptgesims 
hall» nur zu den beiden oberen Stockwerken ins Verhältnis u--- 
bracht, indem es die doppelte Höhe des Gurtgesimses erhielt. 
Dies ist auch dir Gliederung di ten römischen 

Paläste. Das (;<>iiii<. welches das Erdgeschoss krönt und als 
Unterbau abtrennt, verhält sich zu diesem, wie das Ki 
gesims zu dem übrigen Teil der Fassade beim Palast Negroni 
wie 1 : 12). Es fehlt jedoch diesen Fassaden die Einfachheil und Entschieden 
lieit . welche die florentinischen auszeichnet. Pala 
wieder Effekt, weil er der einfachen Teilung des 
Palastes Strozzi folgt und mit einem Kranzgesimse 
und einem Friese abschliesst, die sich zum Ganzen 
verhalten, wie die Gurtgesimse mit ihren Friesen 
zu den einzelnen Stockwerken, Das Hauptgesims 
hat hier wieder die dreifache Mole- des Gurt- 
gesimses, wenn man oicht die lotrechten Höhen 
miteinander vergleicht, sondern die wirklichen Ab- 
stände von I nler- und ( Iberkante, alsoj< ne Dimen- 
sionen, dir bei der perspekti hl sieh 
am wenigsten verkürzen. 

Für die Fenster- und Thürumrahmungen bilden sich Regeln, 
die Antike zurückzuführen sind. Sobald eine Fensterötfnunj 
höher als breit ist, hat ein in gleicher Breite herumgeführte] Rann 



Vom r. 



irnese macht • 




\ 



108 



V 1 1. Kapitel. Die Formenbehandlung des XVI, Jahrhunderts. 




m Pal. Bartolini zu Florenz. 
im Handb. d. Archit 



Unbefriedigendes. \Hr>r l ngereimtheit 
isl bei breiten Umrahmungen sowie bei 
schlanken Öffnungen fühlbarer als 1mm 
schmalen Rahmen und gedrückten Ott- 
nungen. Der Rahmen stehender Figuren 
fordert oben oder unten oder an beiden 
Stellen zugleich einen Zusatz, welcher 
den äusseren l'mriss dem inneren ähn- 
lich macht. Bei Offnungen, die ein lie- 
gendes Rechteck bilden, ist hingegen 
eine Verstärkung des Rahmens an den 
Seiten am Platz (Fig. 59). Wie die 
Cella des antiken Tempels von den 
Säulen und ihren Gebälken so umgeben 
wird, dass der äussere l'mriss dem in- 
neren ähnlich wird, so ist es auch bei 
den Fenstern und Portalen der Renais- 



sance. 
Wo ein einfacher Fensterrahmen sich unmittelbar auf ein Gurtgesims 
stützt, nimmt dieses Anteil au der Bildung der Einfassung, und es besteht 




lolfini zu Fl i nz. (Nach A. Thiersch im Eandb. «ler Archit.) 



in de Konformität zwischen dem inneren und äusseren l'mriss 

(Fenster vom Palasl A. Massimi in Rom). 

röhnlich sind Breite und Höhe der Einfassung einfach nach den 



: 57. Dil Verhall 



L09 




ThQrnmrahmung. 



Diagonalen der Öfihung geordnet. Dies ist ferner der Fall, wenn zu dem 
gleichmässigen Rahmen noch Pilaster oder Halbsäulen hinzutreten, wie 
am Palasl Farnese, Bartolini (Fig. 60), Pandolfini l Fig. 61 , etc. nach 
dem Vorbild der Aediculae des Pantheon. 
Bei diesen Beispielen ist darauf Rück- 
sicht genommen, dass ein Teil der Fenster- 
öffnung durch die Brüstung verdeckt wird. 
(Man vergleiche damit auch die Beispiele in 
Bühlmanns Architektur des klassischen Alter- 
tums und der Renaissance. II. Abt. Stutt- 
gart 1875. Tat'. 41.i 

Peruzzi und Vignola bedienten sich der 
Diagonalen hauptsächlich für die Thüreinfas- 
sungen , obwohl hier ein Untersatz, wie bei 
den Fenstern, unpraktikabel war. 

Geht zum Beispiel die Breite der Thür- 
einfassung dreimal in die Weite auf, so misst 
auch der Sturz mit seiner Krönung ein Drittel 
der lichten Thürhöhe l Fig. 62 1. I »der wenn die 
Thüröfihung doppelt so hoch als weit ist. hat 
der Sturz die doppelte Breite des Gewändes 

Von besonderer Wichtigkeit isl ferner das Verhältnis dereine Mauer- 
öffhung umgebenden Wandflächen. Florenz geht hier \\ iedermit mustergültigen 
Beispielen voran. Die Verhältnisse stellen sich am einfachsten dar. wenn man 
die rundbogigen Fensteröffnungen zu Recht- 
ecken ergänzt und die Diagonalen zieht. Als- 
dann ergibt sich entweder, dass die I diagonalen 
zweier Nachbarfenster unter der oberen Be- 
grenzungslinie der Wandfläche zusammenstos- 
sen (Fig. 63), oder dass die verlängerte Di; 
nale einer unteren« iffhung mit der einer obei en 
zusammenfallt (Fig. 64). Cm ersten Fall wird 
das Wandfeld durch die Pfeilerachsen so ge- 
teilt, dass es der Fensteröffnung zur verhältnis- 
mässig gleichen Umrahmung dient ; im anderen 
Fall umgibt die gesamte Mauermasse die Öff- 
nung in verhältnismässig gleicher starke. 

Den ersten Modus befolgen der Palasl Pitti in Flon tebr 

oder weniger genau die meisten römischen Paläste mil >Vand- 

flächen, dann hauptsächlich die Bartolini und Pandolfini in Fl 

(Fig. 60 u. <il). Der zweite Modus dei l bereinstimmung isl b< 
Riccardi, Strozzi, Gondi und Gu eingehalten. Sind 

gleich den Fensterweiten. - ch die Obermauerungshöhi 

höhe (oberstes ( res 5ti ozzi in i 




110 



Vll. Kapitel. Die Formenbehandlung des W 1. Jahrhunderts. 









• 



schmäler als die Öffnungen, wie am Palast Guadagni (Fig. 67), so sind auch 
die Mauerhöhen über den Bogenscheiteln in demselben Verhältnis niedriger als 
die Fenster. Bei diesem Beispiel ist gleichzeitig auch die eiste Art der Über- 
einstimmung erfüllt. 

Die Beobachtung, dass die glatte Wandfläche zwischen den Fenstern und 
oberhalb derselben gleiche Breite haben muss, ist auf 
, - den ersten Fall der Übereinstimmung zurückzuführen 

und gill unter der Voraussetzung, dass die Fensterhöhe 
das Doppelte der Weite beträgt (Paläste Pitti, Bartolini, 
Pandolfini). 

Bei der Gliederung der Fassaden durch Pilaster- 
ordnungen sind dieselben Rücksichten befolgt. Das 
Pilastergestell steht zu dem Fenstergestell, welches 
\ . »ii ihm umschlossen wird, in engster Beziehung. Ent- 
weder bilden beide einander ähnliche Figuren, oder 
die Pilasterordnung umgibt das Fenster an den Seiten 
und oben nach Massgabe seiner Diagonalen in ver- 
hältnismässig gleichem Abstand, nimmt also teil an 
der Umrahmung. Beispiele der ersten Art geben das 
untere Geschoss der Farnesina (Fig. 68), die Paläste Stoppani und l'guc- 
cioni, sowie der Palast Porto in Vicenza; Beispiele der anderen Art das 

obere Stockwerk der Farnesina, die Hof- 
fassade des Palastes Massimi und das Haupt- 
geschoss des Palastes Ossoli, sämtlich von 
Peruzzi. Die Übereinstimmung der Fenster 
und Pilastergestelle im Sinne geometrischer 
Ähnlichkeit ist ferner von Michelangelo (Sena- 
torenpalast), Galeazzo Alessi, Sansovino und 
Palladio, wo nur irgend möglich, durchgeführt 
winden und dabei der Grundsatz befolgt, dass 
die Stützenpaare sonst möglichst verschieden 
gebildet sind. Profilierten Fenstergewänden 
sieben glatte Pilaster gegenüber; diese kon- 
trastieren wieder mit Halbsäulen oder Hermen 
oder Rustika-Säulen. 

Auch die venezianische Friihrenaissance 
gibt schöne Beispiele (Scuola di San Marco). 
Dieselben Verhältnisse sind auch mass- 
gebend für die Pilaster- und Säulenordnun- 
gen, die siel] mit Arkaden verbinden. Wie 
am Theater des fllarcellus und an den römi- 
schen Triumphthoren sollte das Säulen- oder Pilasterpaar dieselbe Figur 
einschliessen, wie das Pfeilerpaar (Bogenstellungen von Peruzzi, Palladio 
(Fig. 69) etc.). Dieser Übereinstimmung verdankl Palladios Basilica trotz 
































' 








































. 








d. Archit.) 



§ 57. Die ■ • rhältnisse. 



11 1 



der ungünstigen Gespreiztheil der Stellung ihre harmonische nung 

(Fig. 70); die kleinen Säulen haben hier eine Fussbildung, welch« 
Analogon zu den Postamenten der grossen Ordnung abgibt. 

Die Einteilung «In- Wandflächen forderl ebenfalls Beachtung 
Gesetzes, dass die Teile der Figur des Ganzen entsprechen sollen. 
gilt vor allem für das durch Grösse oder Dekoration hervorgehobene Haupt- 
feld der Wandfläche. .Man bemerkl diese Übereinstimmung häufig an 
pompejanischen Wandmalereien; sie Lässl sich durch die Renaissance ver- 
folgen und gelangt im Rokoko-Stil zu allgemeiner Anwendung. Beispiele 




_JL-^UJE^J_^ 



Fig. 66. Vom Pal. Strozzi 
zu Floren/. (Nach A. Thierscb 

im Hainlli. d. Archit. 



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\ >: I ' G tda 
\ Tili, rech, Handb. 



zeigen der Eauptsaal des Palastes Massimi (Fig. 71), die Säle im P 
Caprarola und der Sitzungssaal des grossen Rates im Dogenpalasl zu 
Venedig. Sehr gewöhnlich ist die Anordnung, dass die Thür einer S 
wand nahe der Ecke steht und verhältnismässig ebensoviel von dei I 
der Wand wegnimmt, als die Lamperie von der Höhe. 

Für Fassaden gill dasselbe, wenn die Fenster in Gruppen zusammen- 
rücken eilcr Anschnitte von verschiedener Breite entstehen. 

Am Palast de! consiglio in Padua (Abb. in § ! die miti 

Fenstergruppe des oberen Stockwerkes dem Hauptfeld und dei 
fassade ähnlich, an der Sapienza in Neapel die I 
der K.ddeiviiiteilmi-' der Thürflügel werden solche Fijruren bevorzugt, vvi I 



L12 



VII. Kapitel. Die Formenbehandlung des XVI. Jahrhunderts. 



• 




- 


IV; 




(ganzen Thtir entsprechen, und mit Profilen umgeben, welche die Gliede- 
rung des Thürrahniens Dachahmen (Thüren des Vatikan etc.). So besonders 
in der Rokokozeit. 

Bndlich i>t auch die Detailgliederung dem Gesetz der Analogie unter- 
q. Fensterumrahmungen mi1 Verdachungen bilden schon ihrer Struktur 
nach Analoga des Bauses. Die Fensterbekrönungen entsprechen dem llaupt- 
- mse; ihre Ausladung und Höhe ist durch dieses vorgezeichnet. 

Auch die Profilierung selbsj 
lässt das Streben erkennen, die klei- 
neren Teile mit den grossen in Ein- 
klang zu bringen. Die Kranzgesims- 
platte, die sie st ritzenden und tinter 
ihrem Schatten liegenden Glieder, 
sowie der glatte Streiten (Fries) da- 
runter bilden eine Gruppe*, die sich 
in der Profilierung des Architravs 
(im oberen Teil derselben oder in 
der ganzen) wiederholt. Peruzzi und 
Vignola befolgen diese Teilung mit 
Vorliebe und ordnen die Absätze des 
Rahmens nach einer stetig abnehmen- 
den Reihe (Fig. 72). 

Auch die in der Antike be- 
folgte Übereinstimmung zwischen den 
Profilen von Kapital und Gebälk 
wird wieder aufgenommen. Höhe und 
Ausladung der J Matten sind einan- 
der proportional, die Halsverzierung 
des Pilasterkapitäls analog dem Fries- 
ornament. Rosetten am Säulenhals 
entsprechen der intermittierenden De- 
koration des Triglyphenfrieses, das 
Blattwerk des Kapitals einem Lanb- 
i'ries. Schöne Beispiele bietet die 
venezianische Frührenaissance und 
die Ordnungen von Alberti, Bramante etc. 

Bis auf die Gliederung des Ornaments erstreckt sich das wohl be- 
kannt.- Gesetz. Das Akanthusblatt teilt sich in einzelne Partien, und diese 
ihrerseits in ähnlich geformte Blattzacken. Das arabische Flächenornament 
wiederholt die durchgehenden Hauptiörinen in den eingewebten zarten Ele- 
menten etc. 

Überblicken wir noch einmal das Gebiel <\*'r Renaissance, so erneut 
sich die Frage, ob nicht die Baumeister jener Zeit das Gesetz, das sie so 



.:. dei I ii 11 asina in Born. 

im Handb. d. Arcb.it.) 



§57. Die ei 



113 



treu in der Praxis befolgten, auch in der Theorie deutlich i iisgesprochen 
haben? Wie nun für das Altertum Vitruv, so tritt für das XV. Jahr- 




Fig. 69. Bogenstellung von PaUadio. 
(Nach A. Thiersch im Handb. d. Archit. 



Fig. 70, Vonfder Basilica in V ii 
\. Thiersch im Handh 



hundert L. B. Alberti als Gewährsmann ein. Er spricht den Leitenden Ge- 
danken in einer anderen Wendung, doch verständlich genug aus. 




Fig. 71. Hauptsaal des Pal U .-- 
Nach A. Thiersch im Handb. d. ii 







I 



Den Eingang seines W< De ] a u bilde! ein Kapitel 

die „lineamenta". Durch diese 3oll bewirkl wei I 
in Winkeln und Linien sieb entsprechen 

Burckhar«! t . Italien. Renaissance. 4 Aufl. 






114 VIII. Kapitt-1. Pas Baumodell. 

que lineis . Dies solJ erreichl werden durch Feststellen von Winkeln und Linien 
von bestimmter Richtung und mit bestimmter Verknüpfung (adnotando et prae- 
finiendo angulos ei lineas certa directione ei certa connexione). Im IV. Buch 
5 wird eine Beschreibung einer guten Komposition gegeben, welche mit den 
Werten schli Omnia ad certos angulos paribus lineis adaequanda." (Man 

vgl. ferner die oben § 30) zitierten Stellen L. VI, cap. l } ; L. IX. cap. -'5 u. 5.) 

Die von vornherein gezogenen Linien und Winkel sind also «las Hilfs- 
mittel, um proportionierte Figuren zu gewinnen. 

AJberti hat dann bei Anlass seiner Fassade an S. Francesco zu Bimini 

für tue geheimnisvolle Harmonie der Teile zum Ganzen bereits das Wort „tutta 

Li musica" gebraucht. Lettera sulla cupola etc., opere volgari, Tom. [V.) 

Die „musikalischen Proportionen" (§ 26) auch hei dem Biographen Brunellescos, 

mio Manetti ed. Holtzinger }>. 16). 

bältnisangaben für bestimmte ein/eine Lalle teilt z. IL Serlio häufig 
mit. lässt sieh aber auf keine prinzipiellen Erörterungen ein. 

Scbon damals fehlte es nichi an Leuten, welche der Sache auf spekula- 
tivem Wege beizukommen suchten. Dem Jac. Sansovino korrigierte 1534 ein 
Moni ii Franc esco Giorgi die Proportionen seiner Kirche S. Francesco della Vigna 
zu Venedig nach einer platonischen Zahlentheorie, wovon ein kleines Muster 
Vasari VII, p. 504, Nota l Le M. XIII. p. 85, Nota), \. di Jac. Sansovino. 

Die Verhältnisse in ihrer Beziehung zu den Formen und diese zu jenen 
bleiben Sache des höchsten und feinsten künstlerischen Vermögens. Es handeil 
sich um einen Stil, bei welchem das wirkliche Lehen nicht in der (wenn auch 
an sich sehr schönen) Einzelbildung der Formen, sondern in ihrer Proportionalität 
zum Ganzen liegt. Wer diese- Gesetz nicht wenigstens nachempfinden kann, 
der wende sich vom Stil der Renaissance ab und suche sein Ergötzen anderswo. 



VIII. Kapitel. 
Das Baumodell. 

§ 58. 
Die Modelle der gothischen Zeit. 

Während im übrigen Europa der Bauriss (off in kühner Abwechse- 
lung von rein geometrischer und perspektivischer Darstellung) genügt, tritt 
in der italienischen Baukunsl das Modell in den Vordergrund. 

Im Altertum müssen komplizierte Anlagen wie /. B. die Thermen wohl 

M en Anlass gegeben haben. — Die silbernen Tempelchen der 

epl en Artemis? vgl. Acta Apost. XIX. v. 24 ss. Im Mittelalter häutig 

flüchtige .Modell einer Kirche in der linken Hand der Statue eines Stif- 

äilberne Modell einei ganzen Stadl als Votivstück, ohne Zweifel 

mit deutlicher Angabe der Hauptgebäude : Parma 1248 | Raumer, Hohenstaufen, IV, 

S. 182 : Fen 1441 Diario ferrarese, bei Mural. XXIV, Loh 161). 



§ 58. Die Modelle der gothischen Zeit li;, 

Modello bedeutel freilich ofl auch Zeichnung, mid wir dürfen nur \ 
sagen benüt/.cn. welche deutlich in anderem Sinn.- gemein! sind rseits 

kann disegno auch wohl ein wahres Modell bedeuten, wie /.. B. Milanesi II. 
p. 272 disegno de la cera, für einen Prachtaltar, womil doch wohl ein \\ 
modeil gemeinl ist. 

Der nordisch-gothische Aufriss auf Pergamenl gibt «li-- Entwicklung 
in die Höhe, und auch dn dazu gehörende Grundriss zeig! stenographisch 
zusammengedrängt, wie sich lud wachsender Höhe die einzelnen Teile vom 
Kern ablösen werden. Das Modell der Italiener dagegen zeigt kubisch, wie 
die Räume sich innen und aussen gestalten, teilen und folgen sollen und wel- 
ches ihre grosse plastische Gesamterscheinung in Luft und Licht sein wird. 

Es ist eine llerhensrhall, die der Künstler ni< ht si< h selber, sondern den, 
Hauherrn gibt, um der Phantasie desselben oachzuhelfen in einer Zeit, da 
bei jedem grossen Kau nach dem Originellen, Abweichenden und selbst nach 
dem Ungeheuern gesln-bi wird; unentbehrlich zumal bei Kuppelbauten und beim 
Zentralbau überhaupt. 

In Italien zur gothischen Zeil genügt für einfachere Kirchen und für Paläst« 
einstweilen die blosse Zeichnung; Milanesi I. p. 227 -.. 232, 246, und selbst 
z. B. beim neuen Dem von Siena werden mir Pergamentzeichnungen erwähnt. 

Für den florentinischen Domkuppelbau dagegen war nur durch ein Modell 
die nötige Überzeugung und Begeisterung hervorzubringen, l bei Arnolfos M 
und die davon vorhandenen Reste Vasari I. p. 292, Nota 2 Le M. I. p. 267 
Nota. v. di Arnolfo Nachdem 1367 definitiv das Modell des Benci di t 
und Neri di Fioravante acceptiert wurden war, beschloss nun. alle früheren 
Modelle (omne aliud designum factum et muratum et laboratum in dicla • 
sia) zu zerstören; vereinzelt tauchten gleichwohl noch später 1379 und 
ältere Modelle auf; vgl. Guasti, S. Maria del Fiore, p. 248 u. 2l Dil \ 

bildung in dem Freske der rechten Wand in der Capp. degli Spagnuoü, bei 
S. Maria novella, stellt vielleichl einen der Bauanschläge um die Mitt< 
\l\'. Jahrhunderts oder das Projekt des Arnolfo dar. 

Ausser aller Linie steht, was in Bologna um 1390 für S. Petron 
schab, weil man sich der Ausführbarkeil und ektes vorher versichern 

wollte; im Palasl des Giacoino Fepuli wurde ein Med. -II m ' . ■ der « 
Grösse, also 53 Fuss lang, aus stein und Gips errichtet und dieses 1406 wie- 
der abgebrochen, nachdem ein ander.- von l 11 Fuss aus Holz und Papiei 
fertigt worden war: erst auf letzteres, welches ebenfalls zugrunde gi 

1514 das jetzt ü im Bauarchh § 23 vorhandene, von ^rduino \i 

(Fig. 73). Vgl. (Bianconi) Guida per la cittä di Bologna 1845, p. 91, II 

Ganz spät, zu Anfang des XVI. Jahrb., gibt es auch im Norden hie und 
da Modelle, wie z. B. im Stadthaus zu Löwen dasjenige für den Turmbau von 
St. Pierre. 

Die Modelle de r F r ü li r e aais 

Im XV. Jahrhundert gleich mit Brunellesco wird das Modell zur i 
genieinen Regel, weil der neue Stil seine ungewohnt 



L16 



\ '111. Kapitel. Das Baumodell. 



fertigen muss und kratt seiner innera Gesetze sich zu einer Darstellung 
ä i Art vorzugsweise eignet. Es kam hinzu, dass viele Architekten (§ 14) 
als Eolzdekoratoren begonnen hatten und leicht Modelle arbeiteten. Für 
Pestungsbauten wurden wohl von jeher Miodelle verlangt. 

Brunellesco modellier! beständig im Grossen wie im Kleinen und schneidet 
seinen Steinmetzen die Muster für die schwierig zu messenden Quader der Dom- 
kuppel nötigenfalls aus Rüben zurecht. 

Für die ganze Domkuppel machte er mehrere Modelle, von dem kleinen, 
das er unter dein Mantel trauen konnte, his zu dem grüssten in Backstein, 




Fig. T:i. Modell von S. Petronio in Bologna. 



und Reste von verschiedenen sind noch erhalten; Vasari II, vita di Brun., pas- 
im: A. Manetti, vita di Brun., p. 24 ss.; Guasti, La cupola di S. Maria del 
passim. 

Bei S. Lorenzo genügten 3eine Aufsichl und seine Zeichnungen; dagegen 

i Modelle für die Gapp. de' Pazzi, für S. Spirito, für das Polygon bei 

Angeli, für de-, l'.da-t d>-- <.<>-imo Medici welches er selbst in Stücke 

; • I urchl voi dem Bürgerneid, von dem Bau abstand); 

Entwürfe in Thon and Holz für Festungsbauten. Manetti, vita 

di Brunell., p. il. o, - . 57; Vasari II, \>. :;m; ,... ::7I -. -I,r M. III. \>. 221, 

v. di Brunell. Füi die Halle bei den Innocenli machte er laut Manetti 

Modell, nur eine genaue Zeichnung mil Massangaben; dasjenige, 

welche i sah, mochte die Arbeit eine- Spätem sein. 



•'.*. Modelle d> r Frührenai<sanee. 1 ] j 

Seine Modelle gaben alles Wesentliche, aber keine Zierformen an, „damit 
ihm Unberufene dieselben nicht vorwegnähmen-, eher wohl, um nicht durch 
die Niedlichkeit, die man solchen Arbeiten geben kann. die Augen zu i ■ 

So dachte wenigstens Alberti arte edificatoria I.. II, opere l\". 

p. 261), welcher jedermann vor MM.l--ii.-ii warnt, welche mit Malerei, Flitter- 
gold und andern Zierlichkeiten aufgeputzt seien, eine Sache eitli i 
Ignoranten, welche auf andere Ignoranten rechneten; nur modelli midi e - 
plici gäben den Beweis \<>n dem Genius des Erfinders. Auch bei I 
nungen verbitte! ei sich alles Malen und sogar das Schattieren, indem si< 
Architekt durch den Grundplan auszuweisen habe. 

Wenn hiemit Unwürd n werden sollten, so luch 

Milche Dekoratoren, welche grosse, wenigstens geachtete Baumeister wurden 
und dann ihre Modellfertigkeit nach Kräften anwandten. 

Giuliano da Sangallos Modelle für die Villa Pogg ijano, für ein 

Prachtschloss des Kronprinzen von Neapel, für einen Palasl des Lodo\ 
für den Anbau an S. Pietro in vincoli zu Rom und für einen Palasl in Savona; 
letzteres, in reich ornamentierter Ausarbeitung, tnusste er in Person nach Lyon 
zu Karl VI11. bringen, dem es der Besteller Kardinal Giuliano della R 
später Julius II. g< schenkt hatte: auch nach Neapel und Mailand hatte er jene 
Modelle selber begleitet. Antonio da Sangallos d. \. Modelle für die Madonnen- 
kirche in Cortona (nicht ausgeführt) und in Montepulciano. Vasari IV. p. 288 - 
Le M. VII, p. 209 ss. . v. di Giuliano da Sangallo. 

Filarete müsste, als er für den Umbau der Kathedrale von Bergamo 1457 
Pläne entworfen, auch noch ein Holzmodell anfertigen, bevor ihm die Ausfüh- 
rung des Baues übertragen wurde: v. Oettingen, Antonio Averlino, S. 34, und 
die dort verzeichneten Dokumente. 

Vecchietta nahm 1460 ein hölzernes Modell für die Loggia del Papa von 
Siena nach Rom mit. erhielt aber die Bestellung nicht: Milanesi II. p. 

Francione. „lignarius", Architekt und Lehrer des Baccio PonteUi, li' I 
beim Konkurs von 1491 für eine neue Domfassade in Florenz § 7" . wo alle 
i"> andern nur Zeichnungen brachten, ein Modell; ebenso tili- die Kuppel der 
Sakristei bei S. Spirito 1493, welche jedoch einfiel, als mau die Baustützen 
wegnahm; Gaye, carteggio I. p. 276; Vasari IV. p. 117. Nota 3 (Le M. VIII, 
p. 121, Nota), v. 'li Cronaca. - Ein Kirchenmodell Pontellis, Vasari II, ; 
Le M. IV. p. 136), v. di Paolo Romano. 

Für die Domkuppel in Mailand §2 ten um 1490 vi M 

Modelle ein, Milanesi II. p. t30, und auch l'i di Giorgio wird kaum 

ohne ein solches aufgetreten sein. Er hatte bereits i IM bei dei Madonnen- 
kirche zu Cortona mit einem Modell gesiegt; Lettere sanesi III, p. Bfi 

Im Dom von Pavia das wohl erhaltene und restauriert« 
Modell diesei Kirche, wahrscheinlich von Cristoforo Rocchi 11-'. I 

Über ein Holzmodell Bramantes für das Kloster S. Ambi qM 

vgl. v. Geymüller, die urspr. Entwürfe für St. Pel S. 54. 



L18 



VIII. Kapitel. Pas Baumodell. 



§ 60. 

Die Moil die der Hochrenaissance. 

Im XVI. Jahrhundert scheint sich das Modellieren mehr auf grosse 

und komplizierte Bauten, auf wichtige Neuerungen und Konkurse beschränkt 

zu haben, indem für die gewöhnlichen Durchschnittsformen der Renaissance 

jetzt schon die Zeichnungen genügten. Festungsbauten wurden, wie ge- 

t, immer modelliert. 

Julius 11.. der Sage nach umdrängt von Holzarbeitern mit lauter Modellen 
für St. Peter, die wie Scheunen anzusehen waren, antwortet Lachend: Wir 
habend nit mehr dann ein Kirchen zu bawen, darzu ist l'ns ein Model genug- 
sam, ein sollichen habend wir zum 
volkomnesten, was wolt ihr dann 
inii disen ewern ! [üttlexi machen ? 
(So die alle Übersetzung von Ber- 
nardini Ochini Apologen, Buch I. 
Apol. 23; «las italienische Original 
ist kaum mehr aufzufinden.) 

Auf das unvollendete Mo- 
dell für St. Peter, welches Bra- 
mante hinlerliess, folgten diejeni- 
gen des Rafael, Peruzzi, Ant. da 
Sangallo d. J. und Michelangelo; 
Vasari V, p. 1(57 ss. (Le M. X, 
|i. 17 ss.i. v. di Ant. Sangallo; 
VII, p. 218, 249 (Le M. XII, p. 227, 
252), v. di Michelangelo. 

Bramante hatte auch fin- 
den vatikanischen Hauptbau ein 
..wnnderhaivs'- Modell geliefert; Va- 
sari IV. p. 158 (LeM. VII, p. 133), 
v. di Bramante; Panvinio 1. c. § 8), p. 365 s. Rafaels hölzernes Modell 

für den Hof der Loggien; Vasari IV, p. 362 (LeM. VIII, p. 11 s v. di Raffaello. 
Vitonis Holzmodell für die Kirche dell' t'milta, womit er die Pistojesen 

ir.'üi : V.i-.im IV. |>. n;r> i Le M. VII, p. 139), v. di Bramante. 
Unter Leo X. konkurrierten die Künstler für die Fassaden '\^^ Domes und 
der Kirche S. Lorenzo in Florenz mit Modellen und Zeichnungen; Vasari VII, 
- Le M. XII, p. 201), v. di Michelangelo; VII, p. i95 s. (Le M. XIII, 
p. 77 b. . v. di Jacopo Sanso^ ino. 

Michelangelos beständiges Modellieren § 50. Das Modell des reichsten 

! fünf Entwürfe für S. Giovanni de' Fiorentini in Rom hinnen zehn Tagen 

von Tih. Calcagni unter Aufsieht des *."> jährigen Meisters in Thon modelliert; 

verf il <i'-v Holzkopie danach und den übrigen Entwürfen; Vasari VII, 

I 3 Le M. XII, p. 265 \. di Michelangelo. 

Modell dei Treppe für die Laurenziana 1559 kam „in einem Schäch- 
telchen" von Rom nach Floren/: Gaye, carteggio III. p. I-J. Vgl. Fig. 50. 
Sein Entwurf bedurfte in der Thal einer solchen Verdeutlichung. 




Dom-ModeU zu Pavia. 1 1. 



§ 61. Mangel eines besondern kirchlichen Formt MQ 

Vasari musste ein hölzernes Modell seiner Umbauten am Signorenpalasl 

auf Befehl des präzisen Llosimo I. nach Rom mil sich nehmen, damil Michel- 
angelo darüber 1 1 r t • ■ i I « - 1 1 konnte; Vasari VII, p. 698 - Le M. I. p. 14), sein 
eigenes Leben: II. p. i:;:t (Le M. IM. p. 277 . v. di Michelozzo; VII, p 
(Le M. XII, p. 261 . v. di Michelangelo. 

Die Festungsmodelle des Sanmicheli; Vasari VI, p. :'>».l Le M. XI, p. I 
v. di Sanmicheli. 

Das grosse Korkmodell von ganz Florenz, vielleicht 'las frühste in seiner 
Art; Varchi, stör. fior. III. p. :>'. ss; Vasari VI, p. '._' Le M. \ p. \ 
v. di Tribolo. 



IX. Kapitel. 
Die Komposition der Kirchen. 

§ 61. 
Mangel eines besondern kirchlichen Formensystems. 

Die Renaissance konnte keinen eigenen organischen and auch keinen 
eigenen sakralen Stil ausbilden im Sinne des griechischen Tempelstils und 
des nordisch-gothisrlieii Kirchenstils. Sit- wendet im Kirchenbau die antiken 
Formen and Anlagen an aus Bewunderung, weil sie dieselben für das Voll- 
kommenste hält, braucht sie dann aber ohne Bedenken auch im Profanbau. 
Die Schöpfung eines organischen Stiles häng! von In. Ihm- Anlage und 
hohem Glück ah, namentlich von einem bestimmten Grade unbefangener Naivität 
und frischer Naturnähe, und es hat seine Gründe, dass das Phänomen nui 
mal in der Kunstgeschichte vorgekommen ist. 

Kinen blossen sakralen Baustil aber haben auch die rohem Urvölker, und 
es ist ein Aberglaube, dass ein solcher einem Volke oder einer Kulturepoche 
grössere Khre bringe als ein abgeleiteter Stil, welcher ja im Dienst einer nicht 
minder starken religiösen Absicht stehen und in entlehnten Einzelforrai 
und neue Gesamtgedanken ausdrücken kann. So hatte die altchristliche 
kunst nicht bloss die Einzelformen, sondern sogar die Baustücke von profanen 
wie von heiligen Römerbauten entlehnt und damit ihi Neu .den. 

Nun hat alier der abgeleitete SM! seine eigenen und grossen \xx\ iben, 
welche ein organischer Stil gar nicht würde innerhalb seiner I 
können. 

Er hat zunächst als I! a umstil Recht aut 

der vor ihm daevwe-eii'ii organischen u. a. Stile und soll sie na< h 
innern Bedürfnis aufbrauchen, wobei ihn sein l führen wird. Er kann 

vielleicht einzelne dieser Formen noch für h sakral halten, und auch 

die Renaissance hat einige !• ind Thürformen anfangs wirk!; 

angesehen, bis der Pala Kirchenbau diese Formen und sog 

Palladio den Frontgi ' ■ i rakter in 



I ->, | i\. Kapitel. Pie Komposition der Kirchen. 

liier nur in der Gesamtform ausgedrückt; das Detail ist dem Heiligen und dem 
Profanen gemeinsam. 

Sehr bedenklich aber ist es, sich auf die geringere Religiosität des da- 
maligen Italiens im Vergleich mit der gothischen Blülhezeit des Nordens zu 
berufen, ganz als ob man Religiosität und kirchliche Rechtgläubigkeit unserer 
nordischen Baumeister des XIII. und XIV. Jahrhunderts genau messen könnte. 
Auf der andern Seite haben auch die sehr frommen Italiener der Renaissance 
nicht heiliger gebaut als ihre Zeit- und Kunstgenossen. 

Im Süden ist das Grosse und Schöne von selber heilig. Jeder mag ent- 
eiden, ob dabei der Begriff des Heiligen niedrig oder der der Kunst hoch 
• mnien sei. (Vgl. das Wort Michelangelos in der Relation des Francesco 
d' Olanda r> rnski, les arts en Portugal, p. 14: ..Die wahre Malerei 

ist edel und fromm von seihst, denn schon das Ringen uach der Vollkommen- 
heit erhebt die Seele zur Andacht, indem es sieh Gott nähert und vereinigt-' — 
im Sinn.' des Sprechenden gewiss für die Kunst überhaupt geltend.' 

Wenn dann irgend etwas die religiöse Unsicherheit unserer Zeit heweist. 
s die ungemeine Empfindlichkeit gegen angeblich nicht heilige Formen. 

§ 62. 
W e s e n des Z e ntr a lb a u e s. 

Wohl aber hat die Renaissance die höchste, allem Gothischen wesent- 
lich überlegene kirchliche Bauform, den Zentralbau, bis nahe an die ab- 
solute Vollendung ausgebildet und einer künftigen Religiosität zum Ver- 
mächtnis hinterlassen. 

Der Zentralbau ist das Letzte im Reich der absoluten Bauformen wie der 
bische Tempel das Erste. Seine Möglichkeiten sind noch lange nicht er- 
ipft; •■- ma!_ r Zwischenperioden geben wie den grösseren Teil des XIX. Jahr- 
hunderts, welches das Pensum des XIII. noch einmal aufsahen musste — immer 
von neuem wird jene grosse Aufgabe auftauchen, wobei die Versuche der 
- ince als unentbehrliche Vorstufen glänzend in ihr Recht eintreten 
werden. 

Im Norden schuf die spätromanische Phantasie in denselben Jahren (bald 

nach 1200 das Zehneck von St. Gereon zu Köln und das Idealbild des Gral- 

tempels, und bald folgte der fast einzige grossartige gothische Versuch, die 

Frauenkirche z i Trier. -- Ein reines, mächtig grosses Achteck mit Stern- 

Hbe, die Karlshof er Kirche zu l'rau. s. bei Lülike, Gesch. d. Architektur, 

VI. Aufl., II. S. 141. 

Für Italien ist wichtig di<- Bewunderung und der mythische Ruhm, welche 

Pantheon genoss s. die Mirabilia Romae in den verschiedenen Redaktionen) 

und noch mehr die hohe Stellung, welche man S. Lorenzo in Mailand anwies. 

Uba im XI. Jahrh. 3agt ad Heinr. IV. ap. Pertz XIII. p. 680) von 

. im Verfall begriffenen (Jrbau: numquid est in toto mundo aula tarn mira- 

- Arnulf von Mailand (gesta archiepp. Med. III. 24, ap. Pertz X) bei 

Ani Brandes: templum cui nulluni in mundo simile. — Fazio 

_.; Uberti, um 1360 Dittamondo, L. III. e. i), glaubt sich in dem „grossen 

Bau" nach Rom versetzt. Auch der wahrste Beweis der Bewunde- 



§ 62. Wesen des Zentralba !«.>] 

rung, die Nachahmung, fehlt nicht (§ 16). Der Eindruck beruhte auf der geist- 
vollen und imposanten Anordnung des obern und untern Umga 
Kuppelraum. (S. Lorenz... zwis. ben 1573 und 1591 umfassend restauriei 
scheint uns, trotz entgegenstehender, vor allem von Hübsch nichl ohne Willkür 
verfochtener Ansicht, im Grundriss durchaus ausserkirchüchen U\ . ein 

ursprünglich.!' Palast- idei Thermensaal aus dem Beginn oder vielleichl 
zweiten Hälfte des [V. Jahrhunderts; vgl. neuerdings vor allem die Unter- 
suchungen Dehios und von Bezolds, Kirchliche Baukunst des Abendlandes, 
S. 19— 57, sowie die Forschungen von J. Kohte [Zeitschr. f. Bauwesen, : ■■ 
welcher den Urbau der Kirche erst in die Zeil oach Mitte des VI. Jahrhui 
verlegt, da nach dem Sturz der Ostgothen Narses die im Krieg zerstörten 
Städte, zumal Mailand, herstellte.) 

Die Baptisterien, zum Teil mil Umgängen, hielten die Übung des Zentral- 
baues wach. Vgl. den „alten Dom" zu Brescia. Ersl das Gothische l-.i1> dem 
Langbau wieder das Übergewicht- 

Im Zentralhau herrscht der Mittelraum, womöglich in Gestalt einei 
hohen Kuppel, gleichmässig über alles übrige, mögen es vier gleiche Kreuz- 
anne oder ein Kranz von Kapellen oder von Umgängen sein. Er soll innen 
schön ober dem lichten Unterbau schweben, aussen mächtig darüber ragen. 
Bei der Anordnung von vier gleichen Kreuzarmen, welche mit der Zeit 
die vorherrschende wurde. Bei auch jedes Bedenken weg in betreff des Hoch- 
altars, dem man auf diese Weise einen verschliessbaren, besonders geweihten 
Raum ersten Hanges, den hintern Kreuzarm geben konnte. In der Mitte des 
Baues wollte man ihn nämlich niemals anbringen und eine Stelle innerhalb 
eines blossen Umganges von Hallen u. dgl. war nicht ehrenvoll genug. Bei 
achteckigen Kirchen widmete man ihm daher einen besondern Ausbau, opferte 
aber die Einheit des Planes, die man beim griechischen Kreuz retten konnte. 

Mit dem Zentralbau Ist das Wölben wesentlich und unvermeidlich 
verbunden. 

Alle runden und polygonen Räume verlangen einen obern Abschluss, der 
ihrem Grundplan analog ist. Die oft überaus zusammengesetzten Zentralbauten 
enthalten bisweilen alle möglichen echten und gemischten Wölbungsarten, welche 
in der Hauptkuppel gleichsam ihre Herrin finden. Doch erhält dii äpäl 

den hohen, lichtbringenden Zylinder und im Äussern die Kalottenform. 

Diese Bauweise in ihrer Vollkommenheit verwirklicht alle Ideale der 
Renaissance: absolute Einheit und Symmetrie, vollendet schöne Gliederung 
und Steigerung dr> Raumes, harmonische Durchbildung im Innern und 
Äussern ohne müssige Passaden, und die herrlichste Anordnung des Lichtes. 
Wir nehmen bei unserer Betrachtung auch solche Hauten mit, wel 
zwar den Chorbau einer Langkirche bilden, aber offenbar eher im Sinne von 
Zentralanlagen und mit dem Wunsche danach komponiert sind. Letzere waren 
und blieben die höchste Angelegenheit diese] grossen Bauepoch« welche alle 
ihre Kräfte dafür aufwandte, sobald sie irgend durfte. Ihre 
beginnen erst ^\^ ■ wo ihr dies hohe Ziel 



122 



1\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 






Die frühesten Zentralbauten der Renaissam 



JI 



^ ♦ •* 



. . • • • • 

-i zu Florenz. 
N'ach Paulus.) 



Anereli in Florenz. 1434, S 9. 



1 >ie Phantasie des W. Jalirhunderts war schon mit Rund- und Polygon- 
bauten erfüllt, als Brunellesco an zwei nur untergeordneten Kirchen den 
Zentralbau in ganz neuer Gestalt zur Erscheinung brachte. 

Bauten dieser Art auf Hintergründen der Altar- 
gemälde und Reliefs: Vasari II. p. 241 (Le M. III. 
p. 117 . \. di Ghiberti; II. p. 676 (Le M. IV, p. 1 17 . 
v. di Gastagno. Mann besonders in peruginischen Bil- 
dern, in Intarsien an Ghorstühlen (§ 161) etc. 

Oft wiederkehrend zumal ein achteckiger Kuppel- 
bau, einfache Reminiszenz der schüchteren Baptisterien 
des Mittelalters. 

Ein solcher wirklich im XV. Jahrhundert aus- 
geführt: S. Giacomo in Yicovaro oberhalb Tivoli, mit 
dem bekannten, noch überwiegend gotbischen Pracht- 
portal (um 1450, von Domenico da Gapodistria). (Vgl. 
Vasari II. p. 385, n. i u. 5 (Le M. III. p. 241 u. Nota), 
vita di Brunellesco.) 
Dann die neuen .Motive: Brunellescos nur angefangenes Polygon bei den 
Manetti, vita di Brunell., p. W>: Vasari II, p. .'572 
(Le M. III. p. 229 s., 242), v. di Brunellesco. — 
Eine flüchtige Skizze des Durchschnitts in 
Giuliano da Sangallos Skizzenbuch auf der 
Biblioteca Barberini in Rom; Vasari besass 
Brunellescos Originalskizzen; — über eine 
von d'Agincourt, Archit. T. r>0, entstellt 
wiedergegebene Zeichnung aus dem Besitze 
des Klosters selbst (später beim Marchese 
G. Pucci) s. Vasari, a. a. 0., p. :572, n. 6, 
und über andere Skizzen der Renaissancezeit 
vgl. Fabriczy, Brunellesco, S. 241, Anm. 1. - 
Es ist ein achlseitiger Kuppelraum mit ebenso 
vielen hochgeöffneten Kapellen, wovon sechs 
der Verehrung der zwölf Apostel geweiht 
sein sollten; reines Oberlicht durch acht Fen- 
ster; in den Mauerdicken die ersten Nischen 
der modernen Baukunst, gewiss nicht bloss 
zur Stoffersparnis, sondern damit das Prinzip 
d»-s Kuppelbaues auch im einzelnen ausklinge. 
In der Sakristei von S. Lorenzo bildete 
Brunellesco als Krsb-r segineiitlVirmiire Ni- 
hm hierin u. a. Bramante, in S. Maria presso S. Satiro 
/i Mailand, im Chor von S. Maria de! Popolo zu Bom und in mehreren Ent- 
würfen für St. Peter; vgl. bei v. Geymüller. 




■ i] Pazz 

Itt. rN'olil.i 



Die frühesten Zentralbauten der R 



123 




1 







Fig. 



Capp. l 



Wirklich ausgeführt : die 
Cappella de' Pazzi im i 
Klosterhof bei S. < !roce i früh« - 
stens 1 4-2i>, wahrscheinlich erst 
nach 1 &30 begonnen), wo eine 
leichte, niedrige Kuppel auf 
zwei Seitenbogen ruht. Fig. 7."« 
bis 77.) Die Vorhalle vgl. § 35. 

Auch die alte Sakristei, 
von S. Lorenzo (spätesh us I 129 
im Bau vollendel ) darf als un- 
mittelbare Vorstufe der Capp. 
Pazzi hier genannt werden i Ab- 
bildung im § 80). 

Alberti förderl die wahre 

Aufgabe einer über lichtem 

rnterbau schwebenden Kuppel 

nicht; seine zwei Kuppeln, we- 
sentlich als Denkmäler eines 

Gewaltherrschers und eines Con- 

dottiere entworfen, sollten in 

römischer Weise auf heruntergehenden Stockmauern ruhen. 

Die für S. Francesco in Rimini 1447), den Hau des Sigismondo Malal 
§ 6), ist nur aus einer Denkmünze bei d'Agincourt, T. 51) und aus der Lettera 
sulla cupola (opere volgari, Tom. IV) be- 
kannt, aber nicht ausgeführt. A. muss 
einen Vorderbau, und /.war .•inen gothi- 
schen mit Kapellen beibehalten und neu 
dekorieren; auf diesen wäre eine Kuppel 
von den Proportionen des Pantheon oder 
der Thermenrundsäle gefolgt; umsonst 
stellte A.s Bauführer Manetti die Theorie 
auf, eine Kuppel sollte doppell so hoch al- 
breit sein. 

Der Kuppelhau an de) Vnnunziata 
zu Floren/, gestiftet 1451 von dem Feld- 
herrn des Staates, Lodovico Gonzaga von 
Mantua, welcher darin Beute, Waffen und 
Fahnen seiner Kriegszüge anbringen wollte; 
eine Nische oder Kapelle sehte wahrschein- 
lich sein Grab enthalten. Es ist i N ^ ich- 
bildung des Thermenraumes dei M ei va 

medica- zu Rom, rings oben mil Fenstern, unten tnil Nischen, gegen die 
Kirche mit einem gro !: ''■'• innei 

Vasari II, p. 544, Nota Le M. IV, p. •"•' , . Nota), v. di Alberti. und G 
teggio 1. p. 225 ss. Der \ Wunderlichkeiten nicht fr< 




" 



124 



l\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



während der Ausführung heftigen Widerspruch; vgl. Braghirolli im Repertor. 
für Kunstw. 11. S. 59 ff. Im Nachlass Manettis, welcher auch hier Bauführer 
war. kommt das Modell eines „Rundtempels" vor, Gaye, 1. c. I. p. 171. ohne 
Zweifel von einem dieser beiden Bauten. Auch im Lehrbuch de re aedi- 
oria 1.. VII. c 10, vgl. \'\ übergeht Alberti den wahren Zentralbau; höch- 
stens dass er von runden Basiliken, d. h. Bauten wie S. Stefano rotondo redet. 
Kr vermischt absichtlich christliche und heidnische Rundbauten und gibt die 
Proportionen der Höhe zum Durchmesser nach seinen Vermessungen an. 

Auch das griechische Kreuz wurde von Alberti einem Kirchenbau zu- 
_ : gi eg\ s. Sebastiano in Mantua, 1460 begonnen, unvollendet. 



§ 64. 
Spätere Zentral 1) a n t e n d e s X Y. .' a h r h u n d er 1 s. 

In der /.weiten Hälfte des \V. Jahrhunderts kommen Versuche, Nach- 
richten und Edealpläne, doch auch bedeutende noch vorhandene Lösungen 
s Problems vor. 

Bei Polifilo (§ 32) der Durchschnitt eines runden, innen auf einem Kreis 

von Pfeilern mit vortretenden Säulen ruhenden Kuppelbaues mit Umgang; 

d Pfeiler mit Halbsäulen und von diesen gegen die Kuppel hinauf reiche 

Strebebögen. S. oben 
S. 48, Fig. 7. — Eine 
zweite Beschreibung gilt 
einer Ruine in der Art 
der Minerva medica. 

Was ist aus der 
herülnnten Kotunde Man- 
tegnas geworden ? Va- 
sari III, p. 452 (Le M. V, 
p. 231), im Kommentar 
zur v. di Mantegna. 

Auf Bildern Man- 
tegnas öfter ein Bundhau 
mit Pilasterbekleidung 
und eingezogenen oberen 
Stockwerken; so in der 
Camera degli sposi im 
Gastello di Corte zu Man- 
tua (als Oberbau einer 
Art Mausoleum) und im 
Triumphzug des Cäsar. 

Francesco di Gior- 
gio in seinem Traktat 
(g ::] i. Keltere sanesi III, 
p. 117: „Es gibt drei 
Hauptgestalten der Kir- 
Yrj 79 •'. le i i eri z Prato (J Stadler.) chen, auf welche man 




>j 64. Spätere Zentralbauten des XV. Jahrhunderts. 



1 LT. 



die unzählig vielen vorhandenen zurückführen kann: Die vollkommenste ist die 
runde, die zweite ist die viereckige oder mit einzelnen Passaden, die dritl 
aus beiden zusammengesetzt." Jedenfalls gilt der Zentralb 
das Höchste. 

Höchst eigenartig im XV. Jahrhundert: Filaretes Entwurf eine) Zentral- 
kirche mit oktogonem. ungleichseitigem Mittelraum und vier oblongen, 
vier polygonen, diagonal um das Zentrum gruppierten Nebenräumen; dazu vier 
schlanke Thürme am Mittelraum; vgl. die Grundrissskizze, reproduziert von 
Dohme, im Jahrb. der preuss. Kunstsamml., III. S. 121. 
Das ältere Brü- 
derpaar Sangallo reicht 
in der Form des grie- 
chischen Kreuzes hei 
kleinerem Massstabe 
bereits nahe an die 
Vollkommenheit. 

Madonna delle 
carceri zu Prato (Fig. 
79) , 1485 begonnen, 
1491 vollendet, von 
Giuliano; über den kur- 
zen Kreuzarmen mit 
geraden Abschlüssen 
schwebt auf niedrigem 
Gylinder die leichte 
Kuppel mit 12 kleinen 
Rundt'enstern: böchster 
Zauber des Raumes 
und edelgemassiLite 
Dekoration. 

Madonna di San 
Biagio zu Montepul- 
ciano (Fig. 80—81), 
1518 erbaut von An- 
tonio, ein ähnliche] 
Grundplan, aber stark 

in die Hübe getrieben und mit der derben Plastik des XVI. Jahrhunderts. \ 
Ein schöner Zentralbau über griechischem Kien/ in Siena K i 
Innocenti. angeblich l-"><>7 von Girolamo di Domenico Ponsi; die Kreuzarme 
apsidal erweitert und mil Kreuzgewölben bedeckt, über der Vierung eine fei 
lose, ummantelte Kuppel. 

Auch die den Baptisterien nachgebildete Form des Oktogons, welche 
bei den Zentralbauten der Lombardei so stark bevorzug! wurde (vgl. g 
hat gegen Ende des XV. Jahrhunderts in Toscana Eingang gefunden. 
Beispiele: Sakristei von S. Spirito in Florenz und M 
in Pistoja. 







Madonna di S d Hontep I 

. h Laspi j i 



Grundrisi 



126 



IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen, 



Wenn, wie neuerlich ohne urkundliche Beweise behaupte! wird (Vasari- 

silV, p. 274, Nota), wirklich Giuliano da Sangallo 1489 im Auftrage des 

';■■' Medici das Modell zur genannten Sakristei entworfen hat, so wäre 

es nicht unmöglich, dass er zur Aufnahme der bis dahin in Florenz bei Sakri- 

Tgl diejenigen an S. Lorenzo, S. Marco, S. Felicitä) und auch bei 

ipp. Pazzi. Medici an S. Croce, die des A. Pollajuolo an 

s. Miniato etc. nicht üblichen oktogonen Form inspiriert worden sei durch den 

Anblick der im Entstehen begriffenen lombardischen Oktogonbauten (Sakristei 

von s. Satiro in Mailand, 
Incoronata zu Lodi), falls 
seine Reise nach Mailand, 
wohin er im Auftrage des 
Lorenzo de' Medici ein Pa- 
lastmodell überbrachte, 
1489 oder früher fiel. An- 
dererseits mag ihm leicht 
selbständig durch das 
Florentiner Baptisterium 
der Gedanke an eine 
achtseitige Grundform 
gekommen sein, wie ja 
auch die zwischen Pila- 
stern leer bleibenden 
Ecken, die Kuppelbildung 
mit Lünetten, der An- 
schluss der kleinen Ka- 
pelle mit kuppelichtem 
Gewölbe gerade auf Flo- 
rentiner Vorbilder (Bap- 
tisterium, Brunellescos 
Angeli und Gapp. Pazzi 
etc. hinweisen. — Nähe- 
res über den 1496 durch 
Gronaca vollendeten Bau 
Vgl. in der Publikation 
vonMavreder und Holt zin- 
ger in der Allgemeinen 
l: . /■• ; !,. l--:.. Vgl. Abbildungen in § 80. 

unter dem Einfiusa diesei Sakristei, und nichl unter demjenigen Bra- 
man ti . entstand Ventura Vitonis Madonna delT Umiltä zu Pistoja 

Vorhalle und Chol waren seit 1494 im Lau, mit dem etwas be- 
Mittelbau wurd< 1509 begonnen (die Kuppel, der man die Unlust an- 
tri ausgebaut . Die Vorhalle mit ihrem unvergleichlichen 
[nnei i app. Pazzi. Im Oktogon die oben gerügte 

■ n. 
alle Weise misslungen: das Oktogon in S. Maria della Pace zu Rom, 
von einem unbekannten Meister. 




Madonna di S. Biagio zu Montepulciano Aufriss. 
(Nach Laspeyres.) 



§ 64. Spätere Zentralbauten des KV. Jahrhunderts. 



12 



Venedig hilft wenigstens die Erinnerung an den lichtbringenden Cylinder 
und an die Kalottenform der Kuppel wach halten, bis sich dii Bau- 

bewegung dieses byzantinischen Elementes bemächtigt. 
Es sind die vielen kleinen Kirchen quadratischer 
Anlage mit einer Kuppel über den viei Mittelpfeilern 
gemeint. Für die Anlage das Hauptbeispiel: - 
vanni Crisostomo (1497, von Moro Coducci , Fig 
und S5: doch fehl! hier im Aufbau der Cylinder. wel- 
cher an den späteren Kirchen dieser Gattung vorhanden 
ist. Für die konstruktiven Fragen eines grossen zen- 
tralen Hochbaues war hier nichts zu lernen und für 
die formalen nicht viel, aber das einzige Vermacht 
des Byzantinismus an die Renaissance, welches über 
Venedig kommt, isl an sich höchsl wichtig. 

Von einem der betreffenden venezianischen Bau- 
meister (Pietro Lombardo? oderScarpagnino? rührt auch 
das tolle Prachtstück s. Maria de' Miracoli zu Brescia 
her (ausgeführt von Giovanni da Verona 36—87, welches man scherz- 

weise einen Zentrifugalbau nennen könnte, indem die Kuppeln zwei unter sich 




U , dell' 

I i:.. 






i 



«=,-, 













Fig. 83. Madonna deU 1 (Jmiltä z 



ungleiche grössere und zwei b ler Mitte 

Im Geiste der byzantinischen Vorbilder sei i Baccio Pontelli 14-92 die 
tetrastyle Anlage der S. Maria Maggiore zu Orciano hei Sinigaglia l 
die Kirchen dei Renaissance in Miltelitalien, Fig. 15U 15 



- 



l\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



§ 65. 

B r a in a n t e u n .1 sei n e er s 1 e n /. e n tr al b a n t en. 

Für Bramante wird der Zentralbau schon in seiner frühem Zeit die 
wesentlichste Lebensaufgabe, Er hatte das erhabene Glück, die höchste 
Bauidee seinerzeit zuersl (in Oberitalien) in reichen und heiteren Formen 
und später in majestätischer Würde und Grösse zu verwirklichen. 1 ) 

Während seiner Mailänder 
Zeil war Bramante die volle Aus- 
führung nur bei zwei Zentral- 
bauten vergönnt, der Sakristei von 
S. Maria presso S. Satire und 
dem Ghorbau von S. Maria delle 
Grazie; zu anderen aber hat er 
der Tradition nach (die ihn zu 
einem G attungsbegriff macht) seine 
neuen Ideen hergeliehen (Incoro- 
nata zu Lodi, Canepanova zu 
Pavia, S.Maria zu Busto Arsizio und andere). 8 ) 

Di»- Anregung kam Bramante beim Chor von S. Maria delle Grazie mit 
seinem Quadral und halbrund geschlossenen Kreuzarmen (die zum Teil des 





S Giovanni Crisostomo in Venedig 




Nach Herdtle.) 



jen kurz gehalten werden mussten) durch Hauten wie S. Fedele 



aufnahmen der meisten hier genannten Bauten bei ff. Strack, Zentral- 
iin<] Kuppelkirchen d i Renaiss. in [tauen. Berlin l v *2 (aus d. Zeitschr. f. Bauw. 1877 ff.). 

Oktogon der Madonna del riscatto vov Urhania am Metaurus 
(1464) ist nicht al- Werk Bi / ngt 



Bramante mi'l seine ersten Zentralbauten. 



129 



Fi 



M 



j. 89. Canepanova 
zu l ',i \ da. (L.) 


















in Gomo und dessen Abkömmlinge, bei S. Salm, durch die Baptisl 

Mittelalters (Novara, Cremona und ähnliche). 

Der Chor von S. Maria delle Grazie isl aussen von originell schönen 

bau und reicher, leider nichl ganz vollständig 

_______ hohem Zauber des Raumes. Nur der Unterbau 

wurde noch unter Bramantes Leitung l 1-92 

_w ausgeführt; die obere Hälfte isl ihm von Nach- 

folgern in Einzelheiten und in den Verhältnissi 
verdorben. 

I >ie Sakristei \ on S. Satiro und die anderen 
Oktogonbauten jener Zeil im Mailändischen, im 
Unterbau teilweise zum Quadral ergänzt, zeigen 
eine Reihe gemeinsamer Charakteristika: die 
ausgesparten, gern abwechselnd halbkreisförmigen und recht- 
winkeligen Nischen; einen obern Umgang, der sich in Ar- 
kaden nach dem Innern öffnel (vgl. unter den mittelalter- 
lichen Baptisterien /.. B. S. Giovanni zu Florenz, Fig 5, 
S. 26; an Stelle dieses Umganges bisweilen eine Reihe kleiner 
Nischen zur Aufnahme von Statuen; die polygone Kuppel (das 
Klostergewölbe), später die Halbkugel, im äussern meisl roh, 
mit Zeltdach; lauter Reminiszenzen an die älteren Taufkirchen. \ui 
eine alte Zeil (S. Lorenzo in Mailand, vgl. §62) weisen endlich auch die 
Thürme hin: zu vieren in Tabernakel- 
gestalt schon bei Michelozzos Kapelle 
an S.Eustorgio; dann an der < !anepanova 
(vgl. auch §64 über Filaretes Entwurf); 
oder zu zweien: [ncoronata zu Lodi. 

Über S. Satiro vgl. Näheres im § 80. 
[ncoronata zu Lodi, l i-88 angeblich 
nach Bramantes Plänen ausgeführl von 
Giov. Battagio Batacchio), der i i^7 bei 
S. Satiro in Mailand beschäftig! war; 
fortgeführt von Dolcebuono; Achteck mit 
eigentümlich schräg vertieften Nischen 
und oberm Umgang, prächtig dek 
( ihor und Vorhalle als besondi re Vn 
bauten. 

Die Kirche Ganepanova zu Pavia 
(Fig. 89 u. 90), fasl dasselbe Motiv, ver- 
edelt uml gereinigt ; angeblich seil l i' 1 - 
nach Bramantes Entwurf. 

S. Maria in Piazza zu Busto 
unweit Mailand, < iktogon mit Kuppel, aussen im I 
o-estaltet, während im Innern Nischen in di< ~ !: 

Bramantes Plänen von Lonati. 

Hu vc k h a r.l t . [talii N " ! - 










IX. Kapitel. I >ie Komposition der Kirchen. 




Dieselbe Form grösser und entwickelter: S. Magno in Legnano. 
Die genannten Hauten zum Teil klein und versteckt; wo das Äussere 
»gebildet i<t : ein Zeltdach über einer offenen polygonen Malle, aus welcher 
durch Rundfenster Lieht in die Kuppel dringt. 

Diese polygone Halle mit Zeltdach wurde dann auch auf Kuppeln von 

Langkirchen angewandt, /.. B. 
an S. Maria presso S. Gelso, 
von I »olcebuono i£ 77), und an 
der Kirche von Saronno, einem 
in seinen älteren Teilen wert- 
vollen Hau, zum Teil aus 
Hackst,. in. 

An der Kuppel der Cer : 
tosa bei Pa\ ia eine Abstufung 
von drei (ialerien. Dagegen 
nirgends eine Kalotte. 

Gleichzeitig mil Bra- 
nianle i I isu der Beginn von 
S. Maria della Groce bei Crema, 
innen achteckig, aussen rund 
mil Ausbauten in sehr wirk- 
samen Backsteinformen, von 
Giov. Hall. Battagio Fig. -VK 
S. 82). 

Hübsche achteckige Ka- 

pelle(zu Ehren des Gristo risorto) 

neben dem Portal von S. Luca 

zu Cremona, innen zweistöckig, aussen dreistöckig, indem die oberste äussere 

dem Gewölbe ents] rieht. Fasl ganz Backstein, in strengen Formen. 

1503. 

Di Pobygontempel auf Rafaels Sposalizio i 1504) ist hier wenigstens 

>vähnen. 

§ 66. 
B r a m a ii t i- ii n il St. Pel i' r in I.' in. 

.Mit dem Weckst 1 des Jahrhunderts offenbarte Bramante in Rom nichl 

mr ein.- Wandlung seines Stiles (§ 27, 49), sondern er thal auch in dm' 

Aula-.- seiner Kirchen die grossen Schritte, deren tTolgen sich bis in die 

Zukunft der Kunsl erstrecken werden. Vom Achteck gehl er 

zu der Kuppel mit Cylinder, über griechischem Kreuz mit halbrunden 

blüssen. 

Heim Achteck mil Nischen und Umgängen geräl die Kuppel bald -ehr breil 

nd i-f dabei unmöglich hoch in die Lufl zu bringen. Schon die Kuppel delle 

. Mailand ruhl thatsächlich auf vier Bogen. 

Dei Tempietto bei s. Pietro in Montorio zu Rom (§ 53) saml der (nicht 

bei d'A a.a.O. nach Serlio L. III abgebildeten) Hof- 



l-'ig 92. £ tes erster Gl ndriss 



Braraante and St, Peter Ln 



i:il 






halle d'iu. 91 , alles in 
Rundformen; die Mauer- 
■ ■ durchgängig mit 
Nischen helebl . deren 
Einschneiden in die 
sern cylindris« hen Wand- 
en « 1 * - 1 1 1 IJ. gar keine 
machte. Dei 
II- s. i ig. !'• S. 92. 
Der Bau \ 
\ - Neuere 
Literatur: 

• rrosse Publikation 
von II. \ . Gej müller: Die 
ursprünglichen Entwürfe 
für St. Peter in Rom, 
und Paris, l s 7"> 
1880. I . A. Jo- 
vanovits: Forsch 

i den Bau der St. 
Peterskirche zu Rom, 

Wien, 1877. Mehrere Aufsätze von R. Redtenbacher. Letarouillj et Simil: 
Li Vatican ei St. Pierre. — Über Michelangelos Aul Garnier, in dem 

aux 
arts 1874. 

Bei der Unmöglichkeit, eine sehr 
schwierig und streitig gewordene 1 
suchung ; i nur im kürzesten 

ii wir 
uns mit i lern: 

lern Zweifel steht, dass 

Zentralb i 
der hen liehe Grundriss 
u, T. i und hier Fig 
Werk isl : I >ie v ier Arme d 

mit \| 

i Abschlü 
is lautei ! 
end, mit Nischen durch 






'i Einen Entwurf in der l i 

inante anch i 
and I 

blongo qaadratuni fecit". Dil 




1-C 


X. 


VC 


X 


X 


W 



X 



X 






132 



1\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



und durch belebt; die vier Ecken mit mächtigen Kapellen und Thürmen aus- 
sen Entwurf stellt auch eine Schaumünze Julius II. (mit der lui- 
rift: Ternpli Petri Instauracio, samt ihren Repetitionen abgebildet bei Geym. 
_ - er möchte demnach wenigstens einige Zeil als der angenom- 

»olten liaben. Mann rührt ebenfalls von Bramante derjenige um- 
'lan her, welcher die vier Kreuzarme abgerundet und von mäch- 
ten umgeben darstellt, ohne Zweifel mit Erd- und Obergeschoss 
:i. T. 12 : vielleicht eine Erinnerung an s. Lorenzo in Mailand, vielleicht 
Iwendig erkannte Verstärkung der vier grossen Kuppelpfeile] 
und ihn- Für diesen Entwurf erfand Bramante diejenige Gestalt der 

Kuppel . welche Serlio (L. III mit- 
teilt : der » lylinder aussen mit einer 
prachh ollen freien Säulenhalle um- 
geben. Bei dem ersten Entwurf 
Fig. 92) schliesst die Form der 
Kuppelpfeiler einen Säulenumlauf 
um den Tambour aus Geymüller 
S. 167). 

Mine I marbeitung dieses Ent- 
wurfes stellt dann ein von Serlio 
lali. III. danach hier Fig. "•'!) mit- 
geteilter Grundriss von der Hand 
Peruzzis, der seil 1505 in Bramantes 
Bureau zeichnete, dar; die halb- 
runden Abschlüsse mit Umgängen 
sind hier ebenso \\ i<' auf dem angeb- 
lich Rafaelischen Grundriss (Fig. 94 
verstümmelt ; vgl. < teymüller S. 229. 
Wirklich ausgeführt wurden noch 
von Bramante selbst die vier Kuppel- 
pfeiler und die sie verbindenden 
Bogen, welche noch jetzt wenig 
modifiziert \ orhanden sind. ' 

l)a<s sieh Michelangelo später 
Bramantes Plan nannte Vasari l\. p. 162 [Le M. VII, p. 137], 
v. di Bramanl eht sieh am ungezwungensten auf die Zentralanlage, die 

ihm mit Bramante gemeinsam war. 

I; ■ ir.ii die Oberleitung de- Baues erhielt, entschied siedi 

; beeinfl I ir den Aushau der Kirche /.um lateinischen 

/ mit ein. -m Lang ledeutender Länge mit mächtigen Pfeilern und 

mit Nischen ; endlich eine Vorhalle mit drei- 

-i 3chein1 du- Anlage de- < ranzen sehr ver- 

mit Pilastern würden dasselbe (mit Aus- 




• • • • 






Kig '• '•] ichelangelos Grundriss. 



: Bernardo Etossellino begonnenen Chor ba1 Bramante 
benutzt, teilweise zu einem nur scheinbar defini- 
eitigl wurde. 



§ 66. Bramante und St. Peter in Rom. 



133 



nähme der drei Ap- 
siden) abgeschlos- 
senhaben. — LeoX. 
in seinem Ernen- 
nungsbreve an Ra- 
ta. '1 vom 1. August 
1514 (bei Ouatre- 
mere, ed. Longhena, 
p. 529, — s. auch 
Lettere pittoriche 
VI, 2 appelliert: 
alla propria stima 
e al vostro buon 
nome . . . e final- 
mente alla dignitä e 
alla fama di questc 
tempio. Vgl. die 
Ende 151 toder 1 r> l r. 
abgefasste Denk- 
schrifl des Auf. da 
Sangallo; erläu- 
tert bei Geymüller 
S. 293 ff. 

Hinsichtlich der 
verschiedenen Mög- 
lichkeiten, Rafaels 
Idee in ein Verhält- 
nis zu den erhal- 
tenen Plänen Giu- 
liani* da Sangallos 
zu setzen . verwei- 
sen wir auf die ein- 
gehenden Ausfüh- 
i mgen bei Geymül- 
ler s. 318 ff. 

Der angebliche 
Plan des Fra < H 
condo Geym.T. i l i, 

welcher uns früher als ein Hohn des jüngeren Antonio da Sangallo, als Kari- 
katur oberitalienischer Eigentümlichkeiten, welche dem Frate ankleben mochten, 
erschienen ist, i-i vielleicht schon 1505 in der von Geymüller Raffaello studiato 
come architetto, p. \S angenommenen Weise entworfen, welche einige Schwie- 
rigkeiten beseitigen würde. 

Nach Rafaels Tode waltete über dem Bau Antonio da Sangallo *) (bis 1546 




Kuppel von St. Peter in Rom. (Nach Bühlmann i 



') Pernzzi li.n unter ihm zumeist mir als Gehilfe gearbeitet und ist ihm erst im 
letzten Jahre seines Lebens L:iei<-harestellt. 






IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



welcher die Kirche nach vom mit einem enormen Prunkbau verlängern wollte. 
Fast die Hälfte des Raumes wäre nun mit völlig abgetrennten Vor- und Neben- 
räumen vergeudet wurden, wo sieh, wie Michelangelo Lettere pittoriche VI, 9) 
r Falschmünzer hatten festsetzen können. Das erhaltene hölzerne 
II und ein grosser Kupferstich der Vorderansichl beweisen ausserdem eine 
ebe für Einteilung in viele kleine Teile und für ein hie und da schon 
s Detail. Nur Weniges ist von Antonio ausgeführt. 

Endlich über- 
nahm Michelangelo 
1547 in seinem 72. 
Lebensjahre denBau, 
weil ihn Gott dazu 
bestell! halte (Let- 
tere pittor. VI, 10), 
aus Liehe zu Gott 
und Andacht zum 
Fürsten der Apostel 
Breve Pauls III.) und 
behiell denselben bis 
au sein Ende i L564), 
damit niclil durch 
seinen Rücktritt eini- 
gen Schurken ein 
Gefallen geschehe, 
ja der Bau völlig 
liegen bleibe (Lett. 
pittor. I, 6). Nur ein 
hereils errungener 
höchster und alter 
Ruhm dies Meisters 
machte es möglich, 
dass Paul III. ihm 
eine absolute Voll- 
macht gab und dass 
^enden Päpste bei Michelangelos Lebzeiten sowohl als nach seinem Tode 
95 schützten und weiterführten, bis Sixtus V. 1590 die Kuppel 
Die Anlage des Ganzen zeig! die schönste und wirkungsvollste 
hung der Zentralpläne desBramante undPeruzzi; die Kassade mil pracht- 
- ilenstellung winde sieh der Kuppel völlig untergeordnel haben, 
gebildet, so wie sie werden sollte, u. a. auf den Kupferstichen des Jubiläums 
1600. I 1 Bi düng der ganzen übrigen Kirche nicht durchaus 

is .letzt auch dadurch beeinträchtigt, dass die so wesentlich 
• Balustrade nur an wenigen stellen ausgeführt 
• i Allem ragt die in ihrer nunmehrigen Gestalt dem Meister 
alleii Kuppe), n, den Grundgedanken de] Konstruktion (Tambour, 

doppelte : auf byzantinische und florentiner Vorbilder zurück- 

"■ ~ inübert reff" bar in formaler Hinsicht, vor allem in der 




Fig. ''7 un'l 98. Consolazione zu Todi. 



§ 67. Ä.ndere Zentralbauten des XVI. Jahrhunderts. 



L35 




I . 99. Madonna di Campagna zu Piacenza. (L.) 



wunderbar feinen Zeichnung des Um- 
risses Fig. 96). Über 'las Konstruk- 
tive vgl. Dm in in der Zeitschrift für 
Bauwesen, 1887 Zwei Grosskonstruk- 
tionen der Renaissance). 

Die Ausführung der Kuppel, 
„welche -»'hon mehreren Päpsten zu 
denken gegeben hatte", erfolgte unter 
dem unerbittlichen Sixtus V. (1585 bis 
1590) durch Giacomo della Porta. Ba- 
glione, vite de' pittori, p. 33 u. 7<>; an 
letztererstelle auch die Sagen über die 
Konstruktion.) 

Die welthistorische Stellung Mi- 
chelangelos beruh! auf den verschie- 
densten Thätigkeiten , sein Grösstes 
aber isl doch wohl, dass er die Sehn- 
sucht der ganzen Renaissance erfüllte 
durch den Bau lieser vollendet herr- 
lichen Riesenkuppel mit dem licht- 
strömenden < '.\ linder. 

So war dmvh den Genius und die Willenskraft der grössten Meister die 
Kirche als Zentralbau nahezu vollendet und wirkte als solcher vierzig Jahre 
lang auf das Abendland. Erst Paul V. lies- seil 1606 das jetzige unglückliche 
Langhaus davor hauen. 

§ 67. 

Andere Zentralbauten des XVI. Jahrhunderts. 

Während dieses Baues entstanden überall in Italien vorherrschend 
zentrale Kirchenanlagen im grössten wie im kleinsten Massstabe, einige in 
ihrer An sehr vollkommen, andere merkwürdig als Zeugnisse einer starken 
künstlerischen I rährung. 

Die Madonna della Consolazione zu Todi (Fig. 97 u. 98), 1508 begonnen, 
beruht im Entwurf auf Bramanteschen Ideen (wenn Bramante nicht etwa selbsl 
ein Modell gelieferl hat); ausführende Meister waren Cola da Gaprarola u. a.; 
vgl. die von A. Rossi publizierten Dokumente im Giornale di Erudiz. artist. I III. 
und von Geymüller, Entwürfe für St. Peter, S. 96 ff. I her den vier Haupt- 
bogen ein bedeutender lichtbringender Gylinder und eine echte Galottenkuppel 
mit Lanterna, auch die hier noch polygonen Kreuzarme mil halbkuppelartiger 
Bedeckung; innen von grossartigster Wirkung durch Höhe, Einheit des Raumes 
und Oberlicht; unten rings Nischen für Altäre. Fassaden bedarf diese Kirche 
keine. Vgl. § 53, 

Auch der Plan zur Madonna di Macereto bei Visso schein! Bramante ent- 
lehnt: ausgeführt von Battista Lucano u. A.; vgl. Laspeyres, die Kirchen der 
Renaissance in Mittelitalien, Fig. H' s ff.; v. Geymüller, Entwürfe, S. 98 

Rafael, der sich seil L508 unter Bramante zum Architekten ausgebildet, 
begann 1509, nach einer den Plänen seines Lehrer- für St. Peter entlehnten 






l\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



\ 100 
IVllesrini in 
ernardino 
zu Verona. 




S. Eligio degli orefici zu Rom, ein griechisches Kreuz mit kurzen Armen 
und Kuppel; vgl. v. Geymüller, Raffaello studiato come architetto, p. 1!' 24. 
iz/.i ein Entwurf mit Anlehnung an S. Vitale in Ravenna und ein 
inter dem Einfluss von S. Lorenzo in Mailand; beide bei Redtenbacher, 
Bald. Peruzzi und seine Werke. Tfl. III. Fig. I und 2. 
Ebendaselbst ein Versuch Peruzzis, das Pantheon zu über- 
bieten, ein Rundbau von fast u Meter mehr lichter Weite, 
- las Vorbild 1-2 Meter) aufweist; ausser dem Opäon auch 
Tambourfenster oberhalb der Wandnischen ; aussen ein Säulen- 
umlauf. 

Auch beschäftigte Peruzzis Phantasie ein (jetzt ver- 
schwundenes Oktogon neben dem lateranensischen Bapti- 
sterium, das auch andere Meister, /.. 15. Giul. da Sangallo und 
.l.i. . Sansovino skizzierten. 

Antonio da Sangallos des Alteren Madonna di S. Biagio 
bei Montepulciano s. § 64. 
Dei üngere Ant. da Sangallo pflegte bei -einen zahlreichen Kirchenbauten 
die zentrale Form: S. .Maria di Loreto in Rom (schon 1506 begonnen) 

als Achteck, der Unterbau im Äussern 
Quadrat, die beiden Tempietti im Bolsener 
See (nur einer erhalten, Oktogon mit Ni- 
schen i, zwei I 'rojekte für S. Giacomo degli 
Incurabili zu Rom, Kirchen in Foligno 
und Montefiascone . ein Entwurf für S. 
Giovanni de' Fiorenlini zu Itmn, ein llund- 
bau mit 16 Kapellen, jede mit Kuppel etc. ; 
Vasari V, p. 1-50, t55 s., t84, 191, 506, 
507 (Le M. X, ]». 3, 7. 35, ii, 64, 66), 
v. di Ant. da Sangallo, samt Kommentar: 
dazu die mit Reproduktionen der Studien- 
blätter versehene Abhandlung von Redten- 
bacher in der Alle. Bauzeitung 1883. 

Jacopo Sansovino, der 60 Kirchen- 
entwürfe fertig liegen hatte, konnte 'loch 
nur eine ovale und eine quadratische 
Kirche (S. Martino in Venedig) mit zen- 
traler Anlage ausführen; Vasari VII, 
p. 7)117 Le M. XIII. p. 88), v. di Jacopo 
SansoA ino; Francesco Sansovino, Vene- 
zia, fol. "7. Sem Plan für S. Giovanni 
de' Fiorentini zu Rom, mit einer grossen 
Mittelkuppel und vier halben (oder gan- 
zen?) Kuppeln auf den Armen des grie- 
o \. ausdrücklich um dieser Form willen den 
zogen, aber nicht ausgeführt ; Vasari 1. c, p. t98 
• ihrten Kin hen äind sonst lauter Langbauten. (Von den 
*elo für die «-hen gern te Kirche entwarf [vgl. 







-rini in S. Bernardino 



S CT. Andere Zentralbauteu des XVI. Jahrhunderts. 



137 



§ 60], glaubt Letarouilly, edifices de Rome moderne, Texte p. 541, einen er- 
mittelt zu haben, und zwar «•inen grossen Kuppelbau.) 

Bernardino Zaccagni 1521: la Steccata in Parma, griechisches Kreuz mit 
runden Abschlüssen, Kuppel und niedrigen Eckkapellen, als Masse von schöner 
Wirkung. 

Rocco da Vicenza, 1524 ff.: Madonna zu Mongiovino, tetrastyle Anlage 
mit Kuppel über dem Mittelquadrat, kurze Arme mit Tonnengewölbe, über den 
Eckquadraten kleine Kuppeln; der Chor springt heraus. 

Angeblich um 1522 begonnen: Madonna di Gampagnazu Piacenza (Fig. 99), 
niil achteckiger Kuppel über griechischem Kreuz, über den vier Eckräumen 
kleinere achteckige Kuppeln. 

Sanmicheli: die runde Cappella Pellegrini an S. Bernardino zu Vei 





Fig. 102. 

Madonna di Campagna 

bei Verona, i L.) 



Fig. 103. Madonna 

di Campagna bei 

Verona. (L.) 




Fig. 104. 



S. Maria della Passione 
zu Mailand. 



Fig. loii u. im . innen die antiken Formen geistvoll und prächtig durchgeführt 
bis in die Kassetten der sphärischen Kuppel; — 

Madonna di Campagna, vor Verona gelegen Fi-. H>2 und 103), ersl nach 
Sanmichelis Tode 1559 und ungenau ausgeführt, grosse Rundkirche von sehr 
eigentümlicher Anordnung; Vasari VI, p. 354 s. (Le M. XI. p. 121), v. di San- 
micheli. Vgl. p. 357, Nota 1 p. 123, Nota . die achteckige Hauskapelle einer Villa. 

Cristoforo Solari, gen. il Gobbo: S. Maria della Passione zu Mailand 1530, 
-ewalii-r> < »kto^on nhl unteren Ausbauten und Zeltdachkuppel, bis 1692 reiner 
Zentralbau (Fig. L04); die unteren Teile so edel und einfach, dass sie einem 
früheren Bauanfang von li s -'! angehören könnten; — 

von demselben Solari mach anderer Ansicht von Pellegrini) der zierliche 
achteckige Hochbau bei Riva Tessin), aussen unvollendet Fig. 105 und 106), im 
Grundriss mil der Ganepanova zu Pavia s. Fig. 89 verwandt, wie auf die In- 



• 



IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



i.tt.i zu Lodi s. ebendas.) die Inviolata bei Riva am Gardasee zurückgeht; 

»lieh 1601 i- Strack, Zentral- und Kuppelkirchen, Taf. 30, Fig. 15. 

In der einfacheren, auf die Taufkirchen zurückgehenden Form (s. S. Il'üi: 

sa della Manna d' oro zu Spoleto, aussen Quadrat, innen Oktogon, in den 

i, begonnen angeblich \7r27. verändert laut Inschrift) lusi ; Strack 

\ - S. Maria di Carignano zu Genua 1552, von hoher Raum- 




Fig. 105 und 106. S. < Iroee bei Riva. 



iheit des Innern; das Motn von St. Peter in völlig freier und neuer An- 
I ig. 107 und 108 . 
Eine Vereinfachung des Motives von St. Peter griechisches Kreuz, in dm 
en Kapellen, über der Vierung Kuppel projektiert): S. Maria di Loreto bei 
blieb -'-il 1572. 



Gü ri höchlich gerühmter Bau S. Giovanni Battista in 

543 laut [nschrifl begonnen) gehört, wie sein Vorbild, S. Bernardino bei Orbino 

■r vom Ende dea XV. Jahrhunderts, in einzelnen Details dem Bofe des Palastes von 

Urbim «rar in die Reihe der einschiffigen Langhausbanten, verdient aber seinei 

(Oktogon mit [ehemals] 'Ina Apsiden and Klostergewölbe, 
mit sphärischer Knppel, aebsl den Apsiden) hier Erwähnung. 



§ 67. Andere Zentralbauten des \V1. rahrhunderts. 



139 



Im V. Buche des Serlio 13 Idealpläne von Kirchen, darunter 11 Zentral- 
bauten, meisl weihelose Phantasien seiner Reissfeder und seines Zirkels, profan 
und wunderlich, z.B. ein Fünfeck und zwei Ovale. *) Der Cylinder gering oder 
ganz weggelassen, doch fasl lauter Oberlicht, das Serlio auch sonst (z. I). I.. 111. 
fol. 50) hoch zu schätzen wusste; du- Kuppelhöhe kaum gleich dem Halbdurch- 
messer, wie fasl überall vor der wundervollen, mehr parabolischen St. Peters- 
kuppel. — Serlios Klage über die unfromme Zeit, um 1540 (§ 1<> : er selber 
war andächtig; Gaye, carteggio II. p. 170. 2 




Fig. 107 und i"8. Madonna <li Carignano in G 



Campanella, gegen Ende des Jahrhunderts, beschreib! in seiner Sonnen- 
stadl einen prächtigen, auf Säulen ruhenden Rundtempel; der einzige Altar, 

niil Kid- und Himmelsglobus, sieht in dei Mitte. 



M Schon l»i Peruzzi 'las Projekl einer ovalen Kirche für das Spital der [ncurabili 
-"i Rom; bei Redtenbacher, B. Peruzzi und seine Werke, TM. \lll. Fig. 1. 

'-) Die Ovale des Serlio sind oichl etwa rechtwinklige Tonnengewölbe mit halbrunden 
Abschlüssen, - lern wirkliche Ellipsen. 



14i» 



1\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



1>. stil hielt nicht nur das griechische Kreuz, oft mit Eckkapellen, 

lern auch die Rundkirche mit Nischen, leider auch die Ovalkirche durch 
ilich häufige Anwendung am Lehen, und noch aus seinen spätesten Zentral- 
hauten würde sich manches lernen lassen, wenn mau lernen wollte, 

Erst dei Barockstil drang hier zu übereinkömmlichen Durchschnittsformen 

lurch, wobei nur die grösseren oder geringeren Baumittel über das Einzelne 

- hieden. Äussere und innere Ausstattung des Cylinders mit Pilastern, 

Saiden etc.; Überhöhung durch eine Attika; Vorzug der Rundform vor dem 

der Kalotte vor dem Zeltdach; geistvolle Behandlung der unteren 




Fi». 109. S. Francesco zu Rimini. 



en, zumal in Gestalt von Schrägpfeilern mit Pilastern oder vortreten- 
Ganze womöglich ein Hochbau auf relatü geringer Grund- 
nil reinem Oberlicht aus Kuppel, Kreuzarmen und Fenstern des Ghor- 
Reihe von kühnen Kombinationen des Zentralbaues beim Pater 
irini im XVII. Jahrh. 

i g b aues zu Gunsl e n d e r !•' a s s a 'I e n. 

Die Macht der Gewohnheit seit dem Mittelalter und der Wunsch, im 
Anbau von Kapellen und Nebenräumen nichl genierl zu sein, sicherten, trotz 
aller Sehnsucht der wahren Kunst, dem Langbau doch das Übergewicht 
über den Zentralbau, dessen äusseres gegen jede Störung höchst empfindlich 
Man benützte fortwährend das System des Zentralbaues für Chorbau 
und Kuppel, befreite aber die Fassade von jeder Rücksicht auf das Ganze. 

ei als es beim ersten Anblick scheint. Im Be- 
eine Harmonie zwischen einem solchen Chorbau und der Fas- 




Fig. 110. Vorhalle von S. Andrea in Mantua. 



]_••> l\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 

unmöglich sei, grab man die Durchbildung des Äusseren am Langhaus 
rhaupt preis: Kunst und Mittel konzentrieren sich auf zwei voneinander ent- 
Stücke, Kuppel und Fassade. Der Zentralbau hatte entweder 
: . Z u entbehren (durch halbrunde Abschlüsse) oder vermöge der 
Kuppel die sämtlichen Krönten so zu beherrschen gewusst, dass deren fassaden- 

selbsl ergab und von aller müssigen Formenschau- 
und isolierten Verherrlichung frei blieb. 

§ 69. 

- a de n (1 es I.. B. & 1 1>< > i . 

Wie in der gothischen Zeit, so blieben auch im \\. Jahrhundert die 
Fassaden der wichtigsten Kirchen vor lauter grossen Absichten provisori- 
scher Rohbau. 

Mit Ausnahme Venedigs, dessen Fassaden (§ 1-3) nichl massgebend sind. 
1_, tende ausgeführte Fassade von Brunellesco, Michelozzo, 

Rossellino, beiden alleren Sangallo, 

t Ironaca etc. Dass die Fassade, 

w esentlich jetzl nur eine I fmdeu- 

,.,'t ^^< tung der mittelalterlichen, so wenig 

wie diese dem wirkhchen Durch- 
schnitt des Langhauses entsprach, 
sondern beüebig über die 1 lächei 
empoi ragte, versteh! sich von selbst. 

Durch L. B. Alberti stelll 
sich der Typus im allgemeinen 
fesl : eine oder zwei Ordnungen, 
in Halbsäulen oder Pilastern, da- 
zu ischen die Thüren und Ebenster; 
bisweilen ein < riebe] nach antikem 

- Blaria Novella zu Florenz. Tempel Vorhild : die Vermittlung 

des schmälern oberen Stockwerkes 
mit dem unteren öfter durch grosse Seitenvoluten statt durch einfachen 
Ansatz der Pultdächer. 

Alberti fassl a. a. 0. ; 57 bei Anlass von S. Francesco (1447) die Fas- 
- ■ -ii prinzipiell als besonderes, maskierendes Prachtstück (Fig. 109); wer 
_...n etwas ändern wollte winde tutta quella musica ver- 
stimmen. Ausgeführt isl jene Fassade nut bis etwas über das Erdgeschoss. 
prächtige korinthische Halbsäulen Ordnung , dem nahen Augustus- 
I. enthält. Auch die Medaillons in den /wickeln sind diesem 
entlehnt. 

HO), erstes Beispiel einer erzwungenen schein- 
i . , Pilastei fassen eine mächtige Thüröffnung und aui 

i und kleinere Nischen ein; darüber ein Giebel. 
Gii bei: de re aedificatoria L. VII . c. 11.) - 




§ 70. Andere Fassaden der Frührenaiss 



14:; 



Die Fassade saml Vorhalle niedriger als der Hauptbau, welcher mil einer grossen 

Lii^-iit. die das grosse Rundfenster enthält, darüber hinausragt. 

An S. Maria Novella in Florenz (Fig. 111 inkrustierte Alberti über dem 
mittelalterhchen Erdgeschoss den oberen Teil der Kassade und gab das erste 
Beispiel der vielleicht nur im Stil der Inkrustation erlaubten Seitenvoluti 
Unten ist die schöne Einfassung der Hauptthüre (vgl. § t8 von ihm. 




Fig. 112. I idin von I'ifii/.a. Fassade (Nach M; 



Eine Vorschrift, welcher A. selber nie oachgelebl hat: de re aedif, L. VII, 
c i. wo er einen vor der ganzen Fronte hinlaufenden Portikus mit einem grössern 
und irgendwie auszuzeichnenden mittlem Intervall verlangt. Vgl. § 7»'. 



>' 7<>. 
Andere Fassaden der Frührenaissance. 

Die Gesamtbehandlung dieser Fassaden des XV. Jahrhunderts hat 
meist etwas Zaghaftes und Spielendes, da man sich noch auf den vermeint- 



bleiben. 



' Wie weil hier der Bauführer Giovanni Bettini beteilig! ist, muss dahingi 



144 



1\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



liehen absoluten Wert der antiken Einzelformen verliess und sie aoeh nicht 
aui <lie Wirkung hin gestaltete und kombinierte. Die kleinsten sind in 
ler Regel die besten. 

sweilen hilft der Stoff und das schöne Detail. In Rom hat der ernste 

Travertin immer Würde; S. Maria del Popolo, die Fassade Ii77 die Voluten 

später . von einem unbekannten Meister; S. Agostino, 1479 83, von Giacomo 

isanta, berüchtigt durch die Hässlichkeit der Voluten, die auch Meo 

del Caprinas Kathedrale von Turin 1492 98 verunzieren. 




Fig. LI a di ( ralliera in Bologna. ' Noh] i 



ries von Pienza, um 1460 von dem Florentiner Ber- 
I; .. einem Langhaus von drei gleich hohen Schiffen ent- 

Formen kräftig gegliedert; hier zum erstenmal 
i durch den Giebel zwei Pilaster hindurch, welche eine Furtsetzung der 
pilastei sind. Fig. 112.) 
■ :i Mittelaltei durch zahlreiche Beispiele zumal in Mittel- und l'nter- 
efert: eine quadratische Wand, in zwei oder drei Geschossen, meist 
»rizontalem Abschluss, doch auch mil flachem Giebel; Portale, Rosen- 
ind anderer Schmuck oft in reicher Einzelbildung über 
teilt. 



8 70. Andere Fassaden der Frührenaissam e> 



145 



In Frührenaissance umgesetzt: Madonna tli Galliera in Bologna (Fig. 113). 
— An Madonna della Quercia bei Viterbo die Fassade völlig in Rustika; im 
Giebel dekorative Skulpturen. 

Aus dem XVI. Jahrhundert: Fassade von S. Maria dell' Anima zu Rom 




(1514 : der Urheber streitig; mit feiner und edler Einzelbildung der Pforten 
und der drei Pilasterordnungen, doch in der Wirkung etwas mag 

Mit voller Plastik der Formen, in Quadern ausgeführt, mit dorischen, 
jonischen und korinthischen Halbsäulensystemen und Nischen: die Fronte von 
S. Bernardino in Aquila, vielleicht das mächtigste Beispiel des Typus. (Eben- 
dort noch mehrere iiiLnhaii-rlie Fassaden .ms dem Mittelalter. 

Burckhardt, [tauen. Renaissance. 4. Aull. 1*1 



U-; 



l\. Kapitel, Die Komposition der Kirchen. 



Für einschiffige Kirchen im XV. Jahrhundert vielfach massgebend die 
-einfache Fassade der Madonna del Calcinajo bei Cortona, von Francesco 
di Giorgio 1485 begonnen . -. Abbildung in § 76. Vgl u. a. S. Pietro in 

Montorio zu Rom 1472 ss.), eine schlichte Travertinmauer mit Giebel, Gurt- 
ilastern; dazu nur eine Thür und tun Rundfenster. Ähn- 
I i" da Lugano S. Maria de' Miracoli in Castel Rigone; 
Portal und Rundfenster hier 131:2 von hörnernen Hort ini aus Sctti^mino. 

In \ en Inkrustation und verzierte Friese und Pilaster immer 

festiva et hilaris facies; vgl. Sabellicus, de situ ven. urbis, fol. 84, S7; selbst 
ireth heisst es fol. 92: usus tristis, sed frons loci laetissima. 

In den Backsteingegen- 
den (§ I i 1. 1 bald mehr ori- 
ginelle und freie Umdeutung 
der klassischen Können (S. 
Fietro in Modena, Madonna 
diGalliera in Bologna Fig. 1 13, 
117(1. mit lombardischer Be- 
handlung der Ecken und des 
Portals von Donato da C.er- 
nohhio. 1510- IS. bald liebe- 
volle und solide Übertragung 
derselben i Fassade von S. Sa- 
tire, in Mailand. § HS). 

Kleine Fassaden wer- 
den geradezu zu Prachtpfor- 
ten: die originelle Miseri- 
cordia zu Arezzo (die untere 
Hälfte noch gothisch, 1375, 
die obere von Bernardo Itos- 
sellino); die Confraternitä di 
s. Bernardino zu Perugia, 
lau! Inschrift 1 1<>1 von Ago- 
stinodiDuccio(Fig.44,S.90); 
S. Spirito in Bologna. 

Anspruchslos anmutig: 

zwei kleine Fassaden zu 

S i terina, 1 i ' • » '■'>. von Antonio Federighi und Corso di Basliano, «las 

.i Mariano di Tingo, und S. Maria delle m\ i. von 1171 i Fig. 1 1 1 und 1 15). 

In Perugia noch: Madonna della Luce, laut Inschrift von 1519, und in der 

Lombardei die Kirche von Conigo bei Binasca, 1505 (Paravicini Tafel 24). 

e Fassaden haben immer etwas Mageres und Schwächliches, z.B. 

; ii Kirche ener Zeil in Neapel, Ferrara etc., selbst an S. Maria delT 

Anim a (1514, nicht von Giuliano da Sangalln... obgleich hier die Back- 

die steinernen Pilaster und andere Gliederungen und die schöne 

ai zusammen gestimmt sind. 
g Konkurs 1491) für eine neue Domfassade in Florenz (§59) ist 
»koll erhalten; Vasari IV. p. 299 - -. Le M. VII, |». 238 ss.), im 







6 Tu. Andere Fassaden der Frührenaissance. 



147 



Kommentar zur v. di Giul. da Sangallo. Florenz biell es mit diesem Hau wie 
mit seinen Verfassungen; im XIV. Jahrhunderl hatte Arnolfo's Entwurf wegen 
zu grosser Einfachheit der Fassade des Giotto weichen müssen: jetzt, zu Ende 
des XV. Jahrhunderts, hiess letztere ..regelwidrig", sine aliqua ratione aut iure 
architecturae, doeh riss man, was davon vollendel war. noch nicht ah, wie dies 
1586 bei einem ähnlichen Konkurs geschah. 

Teils das Vorbild altchristlicher Basiliken, teils wohl eigene Ratlosig- 
keit, teils Alberti's Vorschrift (§ 69) mag gewisse Architekten vermocht 




Fig. 117. Von der Vorhalle iles Domes zu Spoleto. (Nach Bühlmann i 



haben, Vorhallen vor die Kirchen zu legen. Doch benehmen dieselben, 
zumal wenn sie ein ( »hergeselmss erhalten, dem ( Jobäude leicht den kirch- 
lichen Charakter. 

In Rom: S. Marco (Fig. L16 , die untere Vorhalle mich li"). die obere 
nach L466; biermil ist zu vergleichen die L463 von Giacomo da Pietrasanta 
erbaute, unter Julius II. abgetragene dreigeschossige Benediktionsloggia am 
Vatikan (Abbildung mich einer alten Skizze hei Müntz, les arts ä la cour des 
papes, Uli. — S. Pietro in vincoli und Ss. Apostoli, beide aus dem letzten Viertel 
<\r< XV. Jahrhunderts, von unbekannten Meistern; für Ss. Apostoli vermute! 
Janitschek Repertor. für Kunstw. 1881, S. 214 die Autorschaft des Gia 
da Pietrasanta. 

In Bologna: S. Bartolommeo a Porta ravegnana, von Formigine 



9 



IV Kapitel. Die Komposition der Kirchen 



An der kleinen Carmeliterkirche S. Maria bei Arezzo tritt die Vorhalle, 
ein schöner Bau des Benedetto da Majano (?), auf beiden Seiten zwei Boiren 
weit über die Passade vor s. oben Fig. s aut S. :>l> . desgleichen an der Chiesa 
del t - - in Marciano bei Monte Sansovino. 

Bei Verdoppelung der Halle wird die Fassade leicht zur profanen Loggia, 
was das Mittelalter (an S. Ambrogio zu Mailand und später sogar der Barock- 
stil a S Maria Maggiore und an S. Maria in via lata zu Rom) recht wohl zu 
vermeiden wussten, während die Doppelhalle am Querbau des Laterans, sonst 
ein schöner Hau des beginnenden Barockstiles, von Domenico Fontana, gegen 
-Ken hin, etwas Profaneres hat. 




Vorhalle der Xavicella zu Rom. (Nach Letarouilly.) 



Kirchen erhielten überhaupt jetzt neue Vorhallen: der Dom 

Narni 1497 der Dom von Spoleto (diese \ sdler Pracht, erbaut seit 1491 

d'Antonio a is Mailand und Pippo d'Antonio aus Florenz iFig. 117), 
S Maria in riavicella zu Rom (Fig. 118, einfach schön, dem 
ohne urkundliche aussage, bloss um ihres Wobilautes 
ö . 

i die laut Inschrift 1477 1497 ?) begonnene und wohl 

richtete Fassade von S. Maria in Abbiate Grasso 

Hauptmotiv eine rundbogige Flachnische von der llr.be des 

n dei Seitenmauern je zwei gekuppelte Säulen über- 

e AM Vorstufe zur grandiosen Schlussnische des 

m Vatika 



§ 71. Die Fassade der Certosa l»ei Pavia. 



141» 



§ 71. 
Die Fassade der Certosa bei Pavia. 

Ausser aller Analogie .steht die Kassade derCertosa von Pavia | Fig. 1 19), 
weltberühmt durch ihren überreichen Schmuck (§51 und § 136), und abgesehen 
von demselben vielleicht die bestgedachte des XV. Jahrhunderts. Ihr Motiv, 




unabhängig von den antiken Ordnungen, isl das der romanisch-lombardi- 
schen, abgestuften Kirchenfronten mit vortretenden Pfeilern und querdurch- 
laufenden Bogengalerien ; innerhalb dieser festgeschlossenen Formen beher- 
bergt sie allen erdenklichen Reichtum in weiser Abstufung des Ausdruckes. 






IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 




Kathedrali von Lugan< 



Annahme gaU als Urheber der Maler Ambrogio 

: D i\ ■ i Bau wirklich begonnen, vielleichl nach einem 

i -i i i'M durch Giovanni Antonio ( »modeo, fortgeführl 



§ 12. Fassaden der Hochrenaissance. 151 

mittlere Galerie) 1500 -1507 von Benedetto da Briosco u. a. und beendet von 
Cristoforo Solari. Die Pfeiler lösen sich wie schon in der lombardischen Gothik 
z. B. am Dom von Gomo, in lauter Nischen mit Statuen § 51) auf. Die Ab- 
stufung des Schmuckes ist folgende: am Erdgeschoss, dem Auge am nächsten, 
Skulptur und gemeisselte Dekoration in weissem Marmor; im mittlem ijetzt ober- 
sten) Stockwerk Flächen und Einfassungen mit Marmor verschiedener Farben 
inkrustiert, hier ganz am rechten Orte; ein oberster Aufsatz sollte konsequenter 
Weise ein grosses Mosaikbild enthalten. Eine alte Zeichnung zeigt wenigstens 
als obern Abschluss ein reich gefasstes, ins Halbrund ausgehendes Mauerfeld, 
welches man sich nur mit Malerei ausgefülll denken kann: ein späterer Entwurf 
(Palazzi diversi neh' alma cittä di Roma, ed Giov. Batt. de 1 ßossi, X>tir>> gib! 
dort wirklich ein Gemälde, aber in einer derbem, giebelgekrönten Einfassui _ 
In ähnlichem Prachtsinn, aber viel massiger in Mitteln und Massstab: die 
quadratische (vgl. § 70) Marmorfassade der Kathedrale von Lugano Fig. 120), 
wahrscheinlich von Tommaso Rodari. 

§ 72. 

Fassaden der Hochrenaissance. 

Im XVI. Jahrhundert ist die Kirchenfassade ein Hauptgegenstand der 
verstärkten, wirksam gemachten Formensprache (§ 49). Nur wurden die 
besten Kräfte zunächst wiederum ausgegeben an Entwürfe, welche nicht 
zu Stande kamen und an Dekorationsfassaden hei Festen (§ 50 . 

Konkurs v. 1514 im Auftrage Kens X. für die Fassade von S. Lorenzo 
in Florenz; unter den Entwürfen des Rafael, des einen Sangallo, der beiden 
Sansovino und des Michelangelo muss der des letztern einige Zeit sieher als 
der auszuführende gegolten haben: die früheste Fassade mit vortretenden Säulen 
wenigstens im Erdgeschoss ii;:;7. vgl. i-'l und mit bisher unerhört starker Mit- 
wirkung von Reliefs und Statuen (laui der unvollständigen Skizze im Palast 
Buonarroti). Vgl. Vasari VII, p. 188, Nota 1 (Le M. XII, p. 201, Nota . v. di 
Michelangelo; VII, p. 1-95 s. Le M. XIII, p. 77 s.), v. di Jac. Sansovino. - Beide 
Motive, vortretende Säulen und Zuthal von Skulpturen, längsl vorbereitet /.. 1!. 
in den Architekturen paduanischer und ferraresischer Gemälde und in den Fest- 
bauten, zumal Triumphbogen. 

Wichtig die durch Redtenhacher \ilgemeine liauzeitung 1^7üi veröffent- 
lichten sechs Ent würte des greisen Giuliano da Sangallo, deren letzter und 
schönster demjenigen des Michelangelo in der Mitwirkung der Skulptur gleich- 
steht und Um in der Gesamterscheinung wohl würde übertroffen baben. 

Eine analoge, noch viel grössere Pracht muss gewaltet baben in der Dekora- 
tionsfassade am Dom, bei demselben Besuch LeosX. 1514, einem riesigen Triumph- 
bogen mit einer Masse von Scheinreliefs und Statuen. 

Ms die herrlichste Arbeit diesei Zeh bezeichnet Vasari anderswo den nicht 
ausgeführten Entwurf de- Girol. Genga für den Dom von Mantua VI, p. 321 
Le M. XI. p. 91 . \. di Genga; vgl. oben § .">. 67). 

Über die Fassaden, welche die verschiedenen Meister für St. Peter in Rom 
ausgedacht hatten, i-t auf das Werk \. Geymüllers zu verweisen. 



1\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 

S rlios damalige Theorie über die Ordnungen an Fassaden (L. IV): die 

dorische für Kirchen heldenmütiger und ritterlicher Heiligen, die korinthische 

für Kirchen der Madonna und heiliger Jungfrauen, die ionische für Heilige fra 

busto et il teuer.-. . . I>. für heil. Matronen. 

Seid" gibt den Gliederungen gerne ein starkes Relief, wie /.. B. der Auf- 

riss L. VII, p. 11" mit Dreiviertelsäulen und vorije kröpften Gebalken beweist. 

Die Obelisken, Kandelaber, Statuen u. s. w., welche Ecken und Mitte der 

. krönen und gleichsam eine überschüssige Kraft derselben in die Luft 

. werden besonders reichlich in dieser /eil angewandt; s. die 

mit Obelisken beladene Fassade von S. Maria dell' Orto zu Koni (Giuüo Romano ?) 

und des jüngeren Sangallo Projekt für St. Peter, wo man freilich in den vielen 

iglie" «in gothisches Giemen! erkannte; Vasari Y. p. M37 (Le M. X., p. 17), 

v. d \ . S gallo. In der That hatte schon die Frührenaissance solchen Schmuck, 

zum Teil als Erbstück aus dem Gothischen, hie und da gebraucht (§ 19). 

§ 73. 
K assa '1 e □ '1 e r X a c li b 1 ü i e. 

In der Periode von 1540 bis 1580 (vgl. § 56) stellt sieh hauptsäch- 
lich in Rom derjenige Durchschnittstypus der Fassaden fest, welcher dann 
auf den Flügeln der Gegenreformation in alle Well getragen wurde. In all 
seinen verschiedenen Srliattiermiuvn strebt derselbe jedesmal nach einer 
konventionellen Harmonie, welche für jene Zeit eine vollkommene Wirk- 
lichkeil hatte. 

Die wi e der Renaissance, der Zentralbau, konnte, wie hier 

. ritlich wiederholt werden muss, entweder die Fassaden entbehren oder er 
lern Ganzen, zumal der Kuppel, unter. Die einseitige Ausbildung 
hievon emanzipierten Fassade war ein Unglück. Allein sie bildet nun ein- 
wie Alberti ominöserweise schon 1447 gesagl hatte, eine musica, und man 
nst wieder von ihr lernen, wenn gewisse Täuschungen aus der Archi- 
tekt ihrhunderts geschwunden sein werden. 

Kiner Ordnung, wie si< .jetzt besonders Palladio liebte, ist 

der Bauwahrheil um einen Schritt weiter entfernt als die von zwei Ord- 

.1 -:•• auf den Breitenunterschied von Oberbau (Mittelschiff) und 

L'nti ler Kapellenreihen) keine Rücksicht nimmt; dazu ist 

hw-T'-n Disharmonien des Einzelnen unterworfen. Palladio selber leistete 

lies darin: Fassade von S. Giorgio Maggiore und besonders 

\ enedig. 

n Elemente der Fassade von zwei Ordnungen, wie sie sich 
jtsetzen und bis tief in die Barockzeit behaupten, sind folgende: 

unten meist korinthisch oder dorisch, oben Gomposita, 

veise in blossen Pilastern, seltener in Halb- oder Drei- 

ulen mit Begleitung von Pilastern; ihre Grup- 

enl daz zu gliedern; Friese und Architrave schmuck- 

- Vortreten des mittleren Teiles der Fassadenfläche und folgerichtig 

Bildung der Hauptpforte, etwa mit vortretenden 



§ l'A. Fassaden der Nachblute. 



153 



Säulen, wenn sonst die Wandordnungen nur aus Pilastern bestehen; Nischen; 
— vertiefte quadratische Felder, welche als Andeutung von Reliefs gelten 
mögen; — mächtige Bildung des Hauptfensters; — Schmuck von Laubwerk 
und Kartuschen, etwa von Kapital zu Kapital gehend : - - hie und da der Dach- 
rand mit Balustraden, Statuen und Akroterien geschmückt: -- die Voluten derb 
gebildet; — dies alles proportional zusammengestimmt sowohl in Beziehung auf 
die Grösse als auf die stärkere oder massigere Plastik der sämtlichen Teile. 

Besonders einflussreich: die Fassaden von S. Spirito in Rom (von Masche- 
rini): — 

S. Gaterina de' Funari 
und S. .Maria de' Monti 
(Fig. 121. von Giacomo della 
Porta, der unter Michelange- 
los Einfluss stand) ; - 

S. Maria traspontina 
von Salustio Peruzzi, dem 
Sohn des Baidassar ; - lauter 
mittlere und seihst kleine 
Bauten, und desto brauch- 
barer als Vorbilder. 

I läufig hat. zumal an 
kleineren Kirchen, das Ober- 
geschoss der Fassa.de die 
volle Breite des unteren, so 
dass grosse Teile davon in 
der Luft stehen. Es ist die 
nunmehrige Neu-estall der 
quadratischen Wand § 70). 
Hiefür wirkte wohl vor- 
bildlich jenes Projekt Michel- 
angelos für S. Lorenzo in 
Florenz § 72); eine der be- 
kanntesten Fassaden dieser 
Art : S. Luigi de' Francesi 
in Rom. 

Das XVII. Jahrhunderl vervielfachte dann die Glieder, 
und begann sie endlich zu brechen und zu schwingen. 





Fig. 1-1. S. Maria de' Monti. (Nach Letarouillv.i 



betonte sie stärker 



§ 7 1. 
Innere Anlage der Langkirchen; Basiliken. 

Unter den longitudinalen A.nlagen schien zu A.nfang der Renaissance 
die Basilika oder flachgedeckte Säulenkirche die erste Stelle einnehmen zu 
wollen, sie trat indes bald zurück, weil sie sich nur schwer an einen 
Chorbau mit Kuppel, die begünstigte Form, anschliessen liess. 

Italien besass damals noch die gewaltigen Basiliken der christlichen I r- 
zeit, alt st. Peter und st. Paul in Rom, den Dum von Ravenna etc. Man er- 



154 



IX. Kapitel. l>ie Komposition der Kirchen. 



kannte auch den Wort di - Bauweise wohl. Die venezianischen Gesandten 
523 i \- nennen S. Maria Maggiore in Rom die schönste der sieben 
Patriarchalkirchen, chiesa molto allegra. Julius II.. der als Kardinal die Kirche 
SS \ -• Rom herstellte, fand einen Stolz darin, die Tribuna riesig gross 

neu z : Vitae Papar., bei Mural 111. II. Gol. 1064. 

Alte Basiliken erhielten jetzt bisweilen herrliche kassetleudecken. so S. Marco 

: 'in durch Marco de' Dolci, 1467 71), S. Maria Maggiore (1493 98, durch 

n unbekannten Meister). Vgl. § 15S. 

Auf Brunellesco sollen Vasari 1. p. 332, v. di Andrea Tafi) die floren- 

tinischen Basiliken der Protorenaissance (§ 17 grossen Eindruck gemacht haben. 

ibar hielt er die Basilika für die angemessenste Gestall der Langkirche. 




azo zu Florenz. Grundriss. Fig. L23. S. Spirito zu Florenz. Grundriss. 



Der bei S. Lorenzo Fig. 122, 12k 12.")! überraschende Gisterziensertypus 

bildung, wie ihn de- Bettelordenkirchen besonders eingebürgert hatten, 

war hier bereits, bevor Brunellesco den Hau übernahm, seil Min nach einem 

• des Kanonikers Dolphini in der Ausführung begriffen und isl wohl nicht, 

M etti vita di Brunell., ed. Holtzinger, p. i7i meint . wieder ahiMdrairen. 

! ' ksichi auf die damals beschränkten Mittel von Brunellesco bei- 

Fabriczy, Brunellesco, S. 159). Das Langhaus entwarf 

doch wurden dieselben auf seine Antraue bei 

Medici n< n Beginn <\>-^ Baues beschlossen. In der Ausfüh- 

ilmi der Bauführer A. Manetti Ciacheri die Kapellenanlage und 

. 



§ 74. [nnere Anlage der Langkirchen; Basiliken. 



1 55 



In S. Spirito nach Brunellescos L435 gefertigten Modell, L445 im Bau 
schon ziemlich vorgeschritten, später mit einzelnen Abweichungen gebaut) ist 
die Säulenhalle um Querschiff und Chor herumgeführt, mit reichem Durchblick, 
aber profan wirkenden zweiteiligen Abschlüssen; die sämtlichen Wände hier 
in halbrunde Nischen aufgelöst, die erst später aussen geradlinig abgi -< h • 
wurden. Die Aufstellung des in seiner jetzigen Gestalt späteren) Hochaltars 
inmitten der Vierung mildert den Eindruck der zweiteiligen Abschlüsse der 
Kreuzarme und bekundet in Verbindung mit der nach Brunellescos Modell er- 
richteten Kuppel über der Vierung die Tendenz, den Langhausbau hier mit 
einer zentralisierenden Anlage der Ghorpartie zu verschmelzen Fig. 123 . 

Vorzüglich an S. Lorenzo entwickelt Brunelleseo die ganze Macht und 
Bedeutung seines Säulenbaues mit I>ne.en i .'>."> und die volle Reife des Raum- 
gefühls. (Das Intervall von Säule zu Säule dem von der Säule zum ent- 
sprechenden Wandpfeiler und — der Hallte <\>-~ Mittelschiffes. Aussen hat 




Fig. 1-4. S. Lorenzo zu Florenz. Längenschnitt. 



S. Lorenzo römisches Gebälk mit Konsolen über der glatten Mauer (s. Abbil- 
dung in § 81); sonst heide Kirchen ganz schlicht, die Fassaden Rohbau. 

In Toscana sonsl aus dem KV. Jahrh. nur noch: der Dom von Cörtona 
mit i falschem oder echtem?) Tonnengewölbe, angeblich von Ant. da Sangallo 
dem Alteren. 

Alberti L. VII), der auch hier Heidnisches und Christliches vermengt, 
rühmt doch deutlich an der Basilika gegenüber der gewölbten Bauweise die 
bessere Akustik, gestattet gegen sein sonstiges Vorurteil (§ 35 hier Bogen 
über den Säulen, redel sogar von Basiliken mit Obergeschoss und g] 
Fenstern in der Mauer darüber, verlangt für letztere metallenes Gitterwerk und 
beschreib! Profilierung und Zierat der Deckenkassetten und deren wohlthätige 
Abwechselung mit Rundfeldern. Doch zieht er das Wölben voi wegen gross 
dignitas und Sicherheit gegen Brände. 

[n Oberitalien gibl es eine bedeutende Menge von Säulenkirchen mit 

Tonnengewölben, welche von niedrigen Kuppeln unterbrochen werden oder 

damit beginnen und schliessen. 






IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



Vgl. hierüber Lübke, Gesch. der Architektur, VI. Aufl., Bd. II. S. 299 ff. 
S. Francesco in Ferrara, lH'l. von Biagio Rossetti; 
S Benedetto ebenda, begonnen 1496 von Girolanm da Mroscia, vollendet 
1550 von Battista und Alberto Tristani; — 
S Sisto in Piacenza, 1499—1511, vermutlich von Bern. Zaccagni. (Vgl.§80.) 
litt»-, mit lauter Kupoletten bedeckt, olt'nen sich i^e^en Keilien 
en Kapellen; reiche Rundschlüsse des Chores und der Querarme, üppige 
ttion, aber t .t-t gänzlicher Mangel an Oberlicht. 

Einfachere Basiliken mit Tonnengewölbe: S.Maria in Organo zu Verona, 
M^l. — und s. Bartolommeo a Porta ravegnana zu Bologna. 




Fig I- ä I. azo zu Floren/.. Inneres. 



>lich '-in bedeutsamer Ausläufer der Florentiner Schule: der Dom 

,/„i von Giuliano da Majano. begonnen 1474, dreischiffige Basilika mit 

chirT und mittelalterlicher Ghorbildung Ghorquadrat mil 

'. snahme der kuppelüberdeckten Vierung alle Räume mil kuppe- 

lichti G wobei als Stützen derjenigen im Mittelschiff je die zweite 

Pfeiler ersetz! wird: über den Arkaden ein fortlaufendes Ge- 

m den Schildbögen dai osse Rundfenster. (Vgl. die Publikation 

.. Lutz Zeitschrifl f. bild. Kunst. 1889, S. 64 ff. 

Basiliken: - Maria in Vado zu Ferrara, 1495 von Biagio 
rristani, Michele zu Venedig, 1469 von Moro Goducci 

Paolo ..öl Murano, 1509. 
/ in Venedig, I 156 von Martino Lombardo (oder Ant. di Marco?) 



§ 75. Flachgedeckte einschiffige Kirchen. 



15" 



(Fig. 126), noch halbgothisch, 
mit weiten Spannungen , wel- 
chen zwei Kreuzgewölbe und 
eine Kuppel entsprechen: der 
Chor mit Umgang in zwei Ge- 
schossen. 

Servi (oder Concezione) 
in Siena (Fig. 127 und 128), 
Säulenkirche mit Kreuzgewöl- 
ben, in den Seitenschiffen so- 
gar noch spitzbogig (nicht von 
Peruzzi), das Querschiff mit 
den polygonen Abschlüssen von 
einem Oberitaliener, Domenico 
di Pietro (vgl. Milanesi bei Pan- 
tanelli, Fr. di Giorgio e l'arte 
in Siena, p. 74). Zu den Details 
des Langhauses vgl. Fig. 13, 
S. 57. 

Später nahm sich (in 
Genua und Neapel) der begin- 
nende Barockstil wieder der 
Basilika an. Die in ihrer Art 
grossartige Annunziata zu Ge- 
nua, von Giacomo della Porta; 
S. Filippo in Neapel etc. 




Fig. 126. S. Zaccaria in Venedig. (Nohl.) 



§ 75. 



F 1 a ,c h g e d e c k t e einschiffige Kirchen. 

Viel häufiger tritt die flachgedeckte einschiffige Kirche mit Kapellen- 
reihen zu beiden Seiten auf. Es wird dies die wesentliche Form dw meisten 





. 



Fig. 127. Servi zu Siena. Grundriss. Fig. 128. Servi zu Sil schnitt. (L.) 



158 



IN.. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



. nskirchen, welche in Italien von jeher einschiffig und anfangs wie es 
der Zufall brachte, in der Folge aber symmetrisch mit angebauten Seiten- 
kapellen versehen wurden. 

So s. Francesco und S. Domenico in Siena etc. Jetzt öffnete man die 
Mauer reg ssig in lauter Kapellen, verstärkte aber die ['feiler dazwischen 




Fig. '; te bei Florenz. (Nach Schill gez. von Etiess.) 



aufenden Mauern, welche die Balkendreiecke des Daches 
. Man erreichte dabei ein Hauptziel der Renaissance: die 
Mittelschiffes, und gewöhnte das Auge so daran, dass es die- 
:,n auch in d< rcl en verlangte. 

■ Problem lii i ntlich in dem Verhältnis der Breite 

und in der < restall der Kapellenem-rui^e. 



§ 7."). Flachgedeckte einschiffige Kirchen. 



159 



Albertis Annahmen de re aedific. L. VII. c. i. die Kapellen müssten in un- 
gerader Zahl und von dieser und jener bestimmten Öffnungsweite sein, sind 
ganz willkürlich.' Letztere von einfachster Pilasterordnung bis zu triumph- 
bogenartigem Reichtum. Die Kapellen seihst können kleiner und zahlreich.] 
oder grösser und weniger sein, — grössere oder geringere Tiefe besitzen; 
der Altar kann jedesmal an der Ostwand stehen und dann das volle Lieht eines 
Seitenfensters gemessen, — oder die Mitte der Kapelle, sei es eine Dache Hinter- 
wand oder eine halbrunde Nische einnehmen, wobei er kein eigen.-- Lii hl oder 
das von zwei Seitenfenstern hat. Die Kapellen sind bisweilen Schatzkammern 
der Malerei und Skulptur, während sieb 
hier die Baukunst auf ein Notteil beschrankt, 
wenn ihr nicht besondere Ausbauten, Kapel- 
len mit eigenen Kuppeln und dergleichen 
bewilligt werden. 

Die Obermauern erhalten eine zweite 
Pilasterordnung oder dekorative Malereien. 
Der Eingang zum Chor geschieht gerne 
durch einen grossen Bogen. Den l-'.i—ad.n 
i-t diese Anlage günstiger als die Basilika, 
wegen Breite des Mittelschiffes. 

Einige grosse Baumeister haben auch 
diesem bescheidenen Typus einen unver- 
gänglichen Wert verliehen. 

Giul. da Sangallo: S. Maria Maddalena 
de' Pazzi in Florenz, etwa 147<) — 1480. 

Gronaca nach 1489: S. Francesco al 
monte ebenda, „la bella villanella" Fig. 129). 
— Heisst auch S. Salvatore del monte. 

Im Langhaussystem sehr ähnlich der 
Dom von Cittä di Castello, 1 182 begonnen. 
1540 vollendet; Baumeister (oder Bauführer? 
war Elia di Bartolommeo Lombardo. 

Jacopo Sansovino: S. Marcello in Rom 
1519) und spater, vielleicht unter dem 
Einfluss eines Pedanten § 57), S. Francesco della Vigna in Venedig, 1534. 

Ant. da Sangallo d. J.: S. Spirito in Kein § 73 . 

[n Neapel ist dies die vorherrschende Kirchenform der guten Zeit : Kirche 
M'Hiteoliveto etc.: — in S. Maria delle Grazie (1517 i'i triumphbogenartige 
Kapelleneingänge. In Neapel die Kassetten der Flachdecke durchgängig durch 
grössere Felder mit Malereien auf Tuchflächen verdrängt. 




Fis 



mtua. 



§ 76. 
E inschi t'i i ge G e w ö 1 1> e k i r c li e d. 

Einschlüge Gewölbekirchen mit Kapellenreiherj eiTeichen im XV. Jahr- 
hundert selten eine genügende Ausbildung, werden ahn- um die Mitte des 






1\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



XVI. Jahrhunderts in einer glücklichen Umgestaltung zum vorherrschenden 
und bald in der ganzen katholischen Well gültigen Typus. 

Alles hing hier von den Schicksalen des Gewölbes ab. Das reine Tonnen- 
gewölbe, welches eigentlich nur dann schön ist. wenn es als dunkler Durch- 
gang zwischen zwei liebten Räumen wirkt (s. die Halle in Rafaels Schule von 
Athen), bleibt entweder zu dunkel oder es erhall ein fatales Unterlicht. Bru- 
nelles - Badia bei Fiesole, mit Tonnengewölbe über Haupt- und Querschiff 
und kuppelichtem Gewölbe über der Kreuzung, gibt als Bau der höchsten Ein- 
fachheit keinen Massstab; selbst die Kapellen öffnen sieh einzeln gegen das 
Schiff", ohne einfassende Ordnimg. Vgl. §81. 




Madonna del Calcinajo bei Cortona. (Nach Gnauth.) 



Langha S Andrea in Mantua (Fig. 130), d'Agincourt, T. 52, 

mit kassi Tonnengewölbe von 53 Fuss Diametei und 95 Fuss Höhe, 

über ächiedenen Kapellen, die durch reiche Pilaster 

t sind; dei ursprünglichen Dekoration gehören an: die gemalte Kasset- 
- Hauptgesimse und die Gesimse der Nebenkapellen. 
-t mächtig und von sichtbarer Einwirkung auf das Motiv der 
- P i ■ m. I >as Langhaus nui mil l Interlichl durch die 

i dei Kapellen und klein.- Rundfenster über den letzteren; um 
■ wirkt dei Lichteinfall durch die (neuere) Kuppel. 
In ..mit i-t Francesco di Giorgios Madonna de! Gal- 

en 1485, die Kuppel 1514) von Pietro di Dianenico 
Fig. 131 133. 



i(i. Einschiffige Gewölbekirchen. 



l.il 



S. Giorgio in Verona, von Sanmicheli. Das schmucklose Tonnengewölbe 
über je vier, zu zweien gruppierten Kapellen; der lichtbringende Kuppelraum 
ohne Querarme; die Formengebung einfach elegant. 

Kreuzgewölbe, welche Oberfenster gestatteten § 18), in S. Pietro in Mon- 
torio zu Rom, wo auf je eine Abteilung derselben unten je zwei Rundnischen 
hinaustreten, — im Langhaus von s. .Marin della Pace nur je eine. 

Der geistreichste Bau: Monastero maggiore zu Mailand (Fig. 134 . von 
Dolcebuono , 1503—19 § 23, i8), für lauter Fresken und Dekoration gebaut 
und doch schon ohne Rücksicht darauf schön. Über den Nischen des Erd- 
geschosses läufl ein oberer Gang ringsum, der nach aussen durch die Fenster- 
wand, nach innen durch eine 
graziöse Säulenstellung einge- 
fassl ist : darüber die leicht. 
gespannten, oblongen, bemal- 
ten (§ 23) Kreuzgewölbe. Ähn- 
liche Kreuzgewölbe mit reichem 
Arabeskenschmuck, angeblich 
von Borgognone, in der Sakri- 
stei von S. Maria della passione 
in .Mailand; in den Lünetten 
Halbfiguren von Heiligen. 

Der Umbau von S. Gia- 
como maggiore zu Bologna 
1493 — 1 öl II»: zwischen die nach 
innen vortretenden Wandpfei- 
ler wurden je drei zierliche 
Kapellennischen gelegt und das 
Schiff mit einer Folge von kup- 
pelichten Gewölben bedeckt. 

Zwei Entwürfe Peruzzis 
für S. Domenico zu Siena ; 
im einen Langhaus und Quer- 
schiff, im anderen nur ersteres 
mit drei Kuppeln; die Pfeiler 
nach innen eineezOffen und ' '^ ' U ' ^- Maurizio (monastero maggiore) zu Mailand. Lasius.) 

wie dir Mauern, mit Nischen 

versehen; -. bei Redtenbacher, 11. Peruzzi und sein.' Werke Tafel 9 u. 10. 

Der wesentlichste Schritt zu einer Normalform war, d;is> man zwar 

das Tonnengewölbe wieder vorzog, dasselbe aber mil Fenstern durchschnitl 

und die so entstehenden irrationellen Formen durch reiche Stukkaturen in 

Harmonie brachte. 

Noch .m- dem XV. Jahrhundert: il Garmine zu Padua, Tonnengewölbe 
mit Reihen von Stichkappen und Halbrundfenstern Fig. 135 u. 136). 

Mit dem Beginn der Gegenreformation vollende! sich jener höchsl ein- 
flussreiche Bautypus, welcher ein nur massig langes, ahn' möglichst breites und 
hohes Mittelschiff (erhelll durch Fenster im Tonnengewölbe, begleite! von gros 

Hurckhar.lt. Italien. Renaissance. 1. Aufl. 11 







1\. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



nicht tiefen Kapellen in die innigste Verbindung setzt mit derjenigen Kuppel- 
anlage, welche oben §67) als die des Zentralbaues der Barockzeit geschildert 

e ist l 1 K arme treten im Grundriss kaum oder gar nicht über die 
Kapellen des Hauptschiffs vor. 

Dei entscheidende Bau als Vorbild für grössere Kirchen : il Gesü in Rom, 

Kirchen: S. Maria de' Monti (Fig. 138 u. 139), von Giac. 
«lella Porta, mit bes schön stucchiertem Tonnengewölbe. 

Einschnitte der Fenster bilden auf der cylindrischen Fläche des Ge- 
- - Audi die Halbkuppe] des Chores erhalt jetzt gerne Fenster. 





rmine. (L.) 



Fig. L36. Padua. Garmine. (L.) 



Samt ' rewölbe jetzt nur noch selten rein konstruiert und gleichartig kasset- 

tiert, vielmehr einer freieren Konstruktion und Dekoration anheimgegeben. 

Palladio: II Hedentore zu Venedig, mit glatt und weiss gelassenen Ge- 
wölben, durch Anlage, Raumverhältnisse und Gliederung (mit Halbsäulen und 
der höchsten Meisterwerke der Spätrenaissance; die Fassade 
vielleicht dii ichste von Einer Ordnung. 

n dauern auch in einzelnen einschiffigen Kirchen die Reihen von 
kuppelichten Gewölben fort; S. Fedele zu Mailand, von Pellegrini, und dessen 

- von s. Gaudenzio zu Novara. 



§ 77. 
Drei si bif fige Gewölbeki rc li e n. 



I»j ( - dreischiffigen gewölbten Kirchen zeigen alle möglichen Formen, 
Ausschmückung*- und Beleuchtungsweisen. Die schönsten darunter sind 



S t (■ 



Dreischiffige Gewölbekirchen. 



163 



solche, die aus relativ wenigen, den Formen des Zentralbaues sich nähernden 

Teilen bestellen. 

Der Neubau von St. Peter, wie ihn Nikolaus V. haben wollte (um 1450), 
wäre eine riesige drei-, oder mil den Kapellenreihen fünfschiffige Kirche ge- 
worden, mit Kreuzgewölben und Rundfenstern an den Obermauern. Vitae Papar., 
bei Mund. III. II. Gol. 933 ss. 

Unter dem gewiss nicht glückliche» Eindruck dieses Entwurfes -eheint 
Giacomo da Pietrasanta 1479 S. Agostino in Rom und ein anderer Meister I i 7J 
S. Maria del Popolo komponier! zu haben: Kreuzgewölbe; Oberlicht; die Pfeiler 





Fig. 137. II Gesü in Rom. (Nach Gurlitt.) 



Fig. 138. S. Maria de' Sfonti. 
\ ich Letarouilh .1 



mit Halbsäulen. Vgl. £ 48. Ausserdem Einwirkung der Konstantinsbasilika ? 
Von Serlios Entwürfen im V.Buch gehört der 11. hieher. der 12. zum vorigen 
Paragraphen. 

Der mächtigste Hau dieser Art, der 1 i-si; von Cristotbm Rocchi, wohl 
unter Mithilfe des Bramante (vgl. Milanesi II. t35 und v. Geymüller, Ursprüng- 
liche Entwürfe, S. 36) entworfene Dom von Pavia (Fig. 140 u. 141), dreischiffig 
mit Kreuzgewölben und einem achteckigen Kuppelraum muh Durchmesser de- 
ganzen Langhauses, blieb Fragment und ist in seiner Vollständigkeil nur durch 
das erhaltene Modell § 59) bekannt. 

S. Giovanni in Parma iKi<j-. t \~2 lii . dreischiftig mit Kreuzgewölben, 
von Bernardino Zaccagni 1510), mil polygonen Kapellen am Langhaus; reiche 
Bemalung der Bauglieder. 






IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



Drei Schiffe von gleicher Höhe mit Kreuzgewölben gab Pius II. seiner 
Kirche zu Pienza, weil er diese Anordnung in einei österreichischen Kirche 
len und schöner und der Beleuchtung günstiger gefunden halle: l'ii II. 
Coninient., L. IX, p. 430. Vgl. § 8, 22 

Damals war auch der gothische Dom von Perugia noch im Bau?) 
S Maria «1.11' Aniina zu Rom 1500, «las Innere von einem nordischen 
Baumeister; auch hier gleiche Schiffhöhen, Kreuzgewölbe und hohe, miss- 
Vandnischen. 




Fig. 139 S Maria de' Monti. (Nach Letarouillj I 



iche Schiffhöhen amh hei der inil Kreuzgewölben versehenen Fonte- 

1484) I hei S. Maria Aiiiinn/iala zu Camerino, wo in einen 

h 1 i ' • 'i korinthische Säulen mit Gebälkstücken und 

jetzt äind. 

Kirchen mil Tonnengewölben isl die Annunziata zu Arezzo 

3chön; <-i wagte es, zwischen die Pfeiler- 

!.<■ eine Mauer mit Fenstern zu setzen. Dazu die 

■.'.II angeordnete Vorhalle, die zierliche, niedrige Kuppel, die Eleganz und 

es S Fig. I i<; u. I 17. 



77. Dreischiffige Gewölbekirchen 



L65 



Dagegen verliert jedes Tonnengewölbe, das bloss aus den Nebenschiffen 

Lieh! empfängt, die kirchliche Weihe, so edel die Formen gebildet sein mögen : 
S. Maria presso S. Gelso zu Mailand, von Dolcelmono, 1490 begonnen 

(vgl. Dokumente bei Galvi Notizie II. 180; die Fassade von Gal. Alessi, der 

Vorhof 1514 von einem unbekannten Meiste] : — 

auch llal'ael mit seinem Tonnengewölbe über dem Mittelschiff von St. Peter 

(§ 66) würde diesem Übelstand nicht entgangen sein: der jüngere Ant. da San- 

gallo kritisierte dies Schiff 

als lang, eng, hoch und 

überaus dunkel: Vasari Y. 

p. 177 (Le M. X, p. 25), 

im Comment. zu v. di 

Ant. da Sangallo. Auch 

würden Rafaels Pfeiler, als 

Stützen eines so hohen 

Tonnengewölbes, schon 

ziemlich tiefe Kulissen ge- 
bildet . d. h. kaum mehr 

einen Schrägeinblick in 

die Seitenschiffe gestattet 

haben. 

Die glücklichen Lö- 
sungen beginnen da, wo 
dieLongitudinalbewegung 
des Gewölbes (die Auf- 
gabe des ( rothischen i im 
wesentlichen aufgegeben 
wird und das Langhaus 
sich in lauter ein/eine kup- 
pelartige Räume gliedert. 
Zuerst ein Unikum 

des Bramante: die in seine 

Cancelleria y.n Rom ein- 
geschlossene Kirche S. Lo- 

renzoinDamaso Fig. I 18 ; 

ein länglicher Mittelraum, 

an beiden Enden mit Ton- 
nengewölben, in dei Mille 

mit einer runden Flachkuppe] bedeckt, welcher links das einzige Hauptlicht 
grosses Halbrundfenster) entspricht; unten auf drei Seilen Mallen: der 

Schluss eine Apsis. (Seil der neuesten Restauration ha! der Mittelraum eine 

Flachdecke. 

S. Giustina in Padua, 1521 1532 von AI. Leopardi und Andrea Moroni. 

vollendet von Andrea Riccio (Fig. I ü» u. 150 ; Vasari II. p. 609 (Le M. IV. p. 11:;. 

Nota), v. di Vellano. Das Langhaus: die von Kapellenreihen begleiteten Seiten- 
schiffe tragen quer gestellte Tonnengewölbe, diese ahn die drei Flachkuppeln 




1 1 im zu l'.iv i i 






IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



— Mittelschiff Querbau und Chor: in reichster Anordnung, mii runden 

ilüssen aller Räume und viei Hochkuppeln. Grossartigste Raum- und 

Lichtwirkung. Die Kapitale § 53.) Über die Ähnlichkeit mii Fra Giocondos 

" entworfenem Plane zur Peterskirche s. des Verf. Cicerone VIII. Aufl. II. I. 

- S vatore zu Venedig von Giorgio Spavento, 1506 entworfen, voll- 
endet 1534 Fig. 151 u. 152 . ausserordentlich schön, ohne eine solche pomp- 
hafte Chorpartie; das Motiv von S. Marco, die Kuppeln (hier drei nacheinander) 
je vier breiten Bogen ruhend, die Eckräume als freie Durchgänge auf 
schlanken Pfeilern; die Kuppeln mii selbständigem Lichl durch Laternen. 








i 



Fig. 142. S. Giovanni in Parma. (L.) 



Dasselbe Hauptmotiv, aber mit drei Kreuzgewölben stall Kuppeln, schon 
um 1500 an S. Fantino zu Venedig.) 

Ähnlich an S. Sepolcro zu Piacenza, li ss .i 

Das [nnere des Domes von Mantua von Giulio Romano, ein originelles und 
hes Werk, entstanden unter hemmenden Bedingungen verschiedener Art. 
Dei Dom von Padua, 1551 77 von Righetto und della Valle, beruhl auf 
Inspirationen von diesen Gebäuden, von den § 74 genannten oberitalischen Säulen- 
kirchen und von Michelangelo her. 

hiffige Benediktinerkirchen von verschiedener Anlage dieser und 

Zeit: s. Benedetto zu Mantua, S. Giorgio maggiore zu Venedig, 

Palladio, — ta Badia de' Cassinensi zu Arezzo, von Vasari, eine originelle, 



§ 78. Der GHockenthurm der Frührenaissance. 



IGT 



\i- kolossaler Wallfahrtsdom für die wieder katholisch werdende Welt: 
Madonna degli Angeli bei Assisi, dreischiffig mit Tonnengewölbe und mit mäch- 
tiger Kuppel über der Steinhütte des hl. Franz: von Galeazzo Alessi unter Mit- 
wirkung des Vignola?). Auf das gewaltige dunkle Tonnengewölbe folgt der 
Lichtstrom dieser Kuppel.) 

§ 78. 
Der Glock enthur m der Fr ü li r en ai ss an e e. 

Der Glockenthurm, im Mittelalter meist getrennt von der Kirche, aber 
bisweilen als mächtiges Prachtstück behandelt, ist für die Renaissance im 
Ganzen nur ein notwendiges ('bei. 



k 





Fig. 14'! und 144. S. Giovanni in Parma. Quer- und Längenschnitt. (L.) 



Giottos Gampanile zu Florenz und der Thurm von Pisa genossen dauern- 
der Bewunderung. — Der in mythischer Zeil begonnene Torrazzo von Gremona, 
der höchste Thurm Italiens; auf einer oberen Galerie waren im XVI. Jahrhunderl 
Linien angegeben, welche nach allen Ortschaften in der Runde zielten (Anonimo 
di Morelli). 

Der 1902 zusammengestürzte Markusthurm zu Venedig, last formlos, 

kostete 1498 schon über .">< Dukaten (Malipiero). Sein vergoldeter Helm 

strahlte dem heimkehrenden Venezianer viele Meilen weit über 'las Meer ent- 
gegen \elut -aluherrinnun sidus; Sabellicus, de situ Ven. urbis, fol. 89. 

hoch gab es Fälle, wo der kiivhthurm zugleich als Stadtthurm eine 
edlere Gestall verlangte, und jedenfalls durfte er mit der Kirche nicht in 
allzuarosser Disharmonie stehen. Die Renaissance suchte auch ihn mit 



- 



IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



antiken Ordnungen, und zwar mit mehreren übereinander zu bekleiden, be- 
- aber grosse Ratlosigkeit, zumal in Betrefl des oberen Abschlusses. 
Hier erschein! das nordisch Gothische, dessen Thurm lauter organisches 
en und das Vorbild der ganzen Formenwell ist, im unvergleichlichen Vor- 
teil. Die antiken Ordnungen, schön abgestuft und mit wirksamer Abwechse- 
lung \<<u Pilastern, Halbsäulen und Freisäulen, können zwar einen relativ schönen 
Thurm hervorbringen helfen, obwohl man immer fühlen wird, dass der Thurm- 
cht auf diese Weise entstanden ist. Aber auch dieses massige Ziel wurde 
kaum erreicht. 

Albertis Thurmtheorie , de re aedificatoria , L. VIII, c. 5, ein neutrales 

lukt seiner Phantasie: viereckige Thürme sollen ü, runde 4 Diameter Höhe 

mindestens 4. diese 3; der schönste Thurm aber (turris de- 

centissima ist aus beiden Formen so zu mischen, dass über einem quadrati- 

S »ekel und Erdgeschoss ■"> Rundgeschosse, dann ein Quadrat von i lichten 

und endlich ein runder Monopteros mil sphärischem Kuppelchen folgt; 

für alles werden Proportionen 
und Details angegeben. 

Natürlich folgte ihm nie- 
mand. 1 )ie runden oder poly- 
gonen Formen kamen höchstens 
am oberen Abschluss vor, so 
an zwei profanen Thürmen zu 
Bologna : liinsellis. anal, lionon. 
bei Mmat. Will. Gol. 909, 911. 

I'.Im in l.i. ( !ol. 888, die Nachricht. 

wie 1 155 ein Kirchthurm vier 
Klafter von der stelle gerückl 
wurde, i 

Phantasieformen thurm- 
Prachtbauten in '}en Fresken des Benozzo (Gampo Santo von Pisa) 
. in. 

Der !»• attete Thurm des XV. Jahrh. (Halbsäulenordnungen mit 

. kräftige Eckpilaster, alles Marmor von Schichten verschiedener Farbe) 
Dom von Ferrara 1 1 151 —93 . 
z armsi nigen Thürme, welche nur magere Eckpilaster zur 

rahm iverke haben. Einer der bessern derjenige neben Madonna 

zu V'iterl 
Das Beste v i man die Pilaster entweder ganz aufgab und Wand- 

• Verpflichtung auf anderswoher gebotene Proportionen anwandle. 
Thürmen von Venedig (deren lotrechte Stellung Sabellico, 
1 '■■ L. II. fol. zu früh rühml ; 

lan die Pilastei frei behandelte, ie z. B. zweien Stock- 

■ ine mächtigere Bildung erhalten. 
B :ksteinthurm von S. Spirito in Rom, welcher in seiner 
Einfachheit vielleicht der edelste Thurm der Frührenaissance ist 
1"..;. 




•. inunziata zu Arezzo. Grundriss. 6 



§ 79. Der Glockenturm des KVT. Jahrhunderts. 



169 



§ 79. 
Der Grloi benthurm des XVI. Jahrhunderts. 
Das XVI. Jahrhundert gab den Thürmen seine kräftigere Formen- 
sprache und nahm sie bisweilen zu zweien oder zu vieren in die Kom- 




P~-V 'l*^f- -J**^w ■ 




Fig L46. A.nnunziata zu Arezzo. Inneres. (Loesti nach Onauth.) 



Position des Kirchenbaues auf, mit dessen Ordnungen nunmehr die ihrigen 
in strengerer Harmonie stehen. 

Einzelne damals bewunderte Thürme: Vasari V, p. 353, Nota l Le M. IX. 

p. 226, Nota . v. di Baccio d' Agnolo; — VI, p. 356, Nota I Le M. XI, p. 122 s. . 

v. di Sanmicheli. 



j-q IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 

eilen scheute man sich doch vor den Thürmen, die man in die Kom- 






sition aufnahm, wie vor fremden Gästen. An der Kirche zu Montepulciano 





1 Li — 1 1 1 1 — \W\ 


' " ~-~Xr '"-.■.,■ :, 




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Fig. 147. Rom. S. Lorenzo in Damaso. (Nohl.J 



; • io sie in den vorderen Ecken des griechischen Kreuzes ' stehen und 

den Ordnungen des Hauptbaues völlig gehorchen, bleiben sie doch durch 
- hen von demselben getrennt. (Nur der eine isl ausgeführt, s. oben S. L25f.; 
Fig. 80 und 81. 



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1 


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- ..-■; 







', J- _ . _ I. I ' , 



tina / . Padua. M. ) 



§ 80. Einzelne Kapellen und Sakristeien. 



171 



Bei Geymüller, T. \-. der Entwurf einer Fassade für St. Peter (jetzt in 
der Albertina zu Wien), angeblich von Rafael, eher von Perin de) Vaga; die 
Thürme würden zu den geistreichern der Renaissance gehören. 

Dagegen der Entwurf des jungem Ant. da Sangallo § 66 für St. Peter 
im speculum romanae magnificentiae) mit Thürmen, an welchen Säulen, Halb- 
säulen und < »belisken auf das Thörichteste gehäufi sind. 

Von Serlios Kirchenplänen im V. Buche gehören hierher der 11. und 12. 
Vgl. § 67. 

Der obere Abschluss gehörl bisweilen einer ganz anarchischen Phantasie 
an. welche sich auch jeder Beschreibung entzieht. Ist aber das oberste Stock- 
werk viereckig, so folgt doch meist nur ein vierseitiges, ziemlich tladie> Dach, 
wie auf den Thürmen römischer Basiliken; und so auch an S. Spirito, ii 78, — 
oder ein Spitzhelm von Stein oder von Zimmerwerk mit bleierner Bedachung. 
Dan. Barbaro, der seinen Markusthurm vor Augen hatte, verlang! (ad Vitruv. 
L. IV. c. 8) für die Hohe solcher Helme das Anderthalbfache der Basis. 




Fig. 14V«. S. Giustina zu Padua. (L.) 

Wie an der Fassade so weiss dann auch am Tliurm der Barockstil seine 
guten und schlechten Mittel viel wirksamer zu brauchen. Mächtige Fenster, 
Rustika an den Ecken, derbe Konsolen unter den Gängen, starke plastische Zu- 
thaten (Guirlanden, Löwenköpfe etc.), gebrochene und geschmückte <nebel. 
Abwechselung von Stein und Backstein etc. 

Der unvollendete, einfach tüchtige Thurm neben S. Ghiara in Neapel, 
früher als Werk des XIV. Jahrh. für die Priorität Neapels in der Renaissance 
geltend gemacht, ist notorisch ersi nach 1600 erbaut. D'Agincourl T. 54. 



Einzelne Kapellen and Sakristeien. 

Die einzelnen an Kirchen angebauten Kapellen und Sakristeien ge- 
hören zum Teil zu den besten Leistungen der Renaissance, schon weil die- 
selbe hier innerhalb ihres wahrsten Elementes arbeitet, indem es nämlich 
grösstenteils zentrale Anlagen sind. Im XV. Jahrhundert herrscht be- 



IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 




Fig. 150. S. Salvatore zu Venedig. 



sonders ein von Florenz ausgehender Typus: ein grösserer viereckiger Raum 
mir Kuppel, dahinter ein kleinerer mit Kupolette; daneben komml auch 
Vchteck vor. 




I S. Salv: tore zu Venedk 



§ 80. Einzelne Kapellen und Sakristi ,--. 

Die Sakristei isl thatsächlich zugleich Kapelle durch ihren Altar. 

Von berühmtem Kapellen isl nur die des hl. Antonius im Santo zu Padua 
ein Langbau, und zwar an der einen Langseite geöffnet. 

,, '' 1 Aorentinische Typus am einfachsten in Michelozzos Sakristei von 
S. Marco 1437, wo der Hauptraum sogar nur ein Kreuzgewölbe, und in 
selben Gapp. Medici am Novizial von s. Croce; — 




Fig. 152. Thurm an S. Spirito. 




Fi -- 1; - AI ' ron S. Lorenzo zu Florenz. (Becker.) 



reicher und grossartiger, mit eigentlicher, sogar lichtbringender Kuppel- 

in Brunellescos alter Sakristei bei S. Lorenzo Fig. 153 ; auf dem Plan Fig 122) 

,| " 1 ' hinterste Raum links, während der entsprechende Raum rechts ersl das 

Werk des Michelangelo isl § 80 und dessen mediceische Gräber enthält; - 

Brunellescos Cappella de' Pazzi bei S. Croce § 63 ; - 

Michelozzos Schlusskapelle hinter S. Eustorgio zu Mailand laut Inschrift 

onnen 1462; vgl. §65), wo der kleinere Ausbau mit Cupolette den Pracht- 



174 



IN.. Kapitel. Die Komposition <ler Kirchen. 




Kapelle an S. Eustorgio zu Mailand. Nach Paravicini. 



- Pietro martire enthält; das Äussere ein beachtenswerter Backstein- 
5 i . 
radation di rdem üblichsten Formen: viereckige Kapelle mit hin- 

kten Wandnischen und kuppelichtem Gewölbe (so die des Kardinals 



§ 80. Einzelne Kapellen und Saki 



IT. - » 



.Kl q sie 



von Portugal an S. Miniato bei Florenz, 1461 66 erbaui von Antonio Ros 
lino, geschmückt von den Robbia und Aul. Pollajuolo); 

ähnüch die Sakristei von S. Felicitä, 1470, zierliche Pilaster und 
simse; — 

desgleichen zwei Kapellen an S. Pietro dei Gassinensi zu Perugia mit 
reicher Wandgliederung; wahrscheinlich von dem Florentiner Francesi <» di Guido, 
um 1500 (Laspeyres, Fig. 207 u. 208); — 

oder mit einer Qachen Kuppel; - 

oder derselbe Raum mit einem lichtbringenden Ausbau, welcher dann ein 
Kuppelchen trägt (so einige Kapellen an bolognesischen Kirchen; 

oder man vermag dem Hauptraum selber halbrunde, sogen. Lünetten- 
fenster zu geben; — 

oder der Kuppel d^-selben einen Kreis kleiner Rundfenster; 

oder sogar einen Zylin- 
der mit Fenstern i-o die Cap- 
pella S. Biagio in SS. Nazaro 
e Gelso zu Verona ; 

oder es entsteht, in- 
dem man dir Wunde hinaus- 
rückt, ein griechisches Kreuz; 
so ruht in der graziösen 
Johanneskapelle des Domes 
von Genua der C\ linder auf 
3 Tonnengewölben und einem 
vordem, triumphbogenähn- 
lichen, noch halbgothischen 
Eingang. 

Das Zierlirliste inVene- 
dig: der Chorbau von S. 
Maria de' Miracoli, 1480—89 

von Pietro Lombardo : — die Kapellchen des Guglielmo Bergamasco, sowohl 
das viereckige mit Ecksäulen und Kuppel an SS. Apostoli, als das sechseckige 
bei S. Michele 1527 34, ein geistlicher Pavillon. 

Die Capp. Colleoni zu Bergamo (_§ 5 aussen reich inkrustiert, innen stark 
verändert. 

In den zwei Ehiirangskapellen in S. Sistu zu Piacenza (§ 7i i-t eine 
grosse Zentralkoni})osition auf einem Raum zusammengepresst, der mindi 
dreimal so gross sein müsste. 

Achtecke: die Sakristei Cronacas § '<\ Fig. 155 u. r>*i>. — und die des 
Bramante bei S. Satiro zu Mailand (Fig. 157), auf engem, rings eingeschlossenem 
Raum, mit Nischen unten, einem herrlichen Fries in der Mitte, einem zierlichen 

obern Umgang und dem schönsten Oberlicht. „E perche veniva ad esse scura, 

come quella che era triplicata, escogitö luminarla d'alto." Anonimo di Morelli 
§ 136), 

Im X\"i. Jahrhundert wird das griechische Kreuz oder wenigstens «'in 
System von vier l>oyen mit I lochkuppe] die beliebteste Form für Prachtkapellen. 
Rafael gab ihr die höchste Vollendung in der Capp. Chigi Fig. r> s > an S. Maria 




Fig. I.V. 



Sakristei von S. Sjiirito in Florenz. Grundriss. 
(Nach Mayreder.) 






IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



del popolo zu Rom (die schräglaufenden Pfeiler mit ihren Nischen und den tra- 
- hen Pendentifs sind bereits ein st. Peter im Kleinen). Auch der Barock- 
stil offenbart an solchen Bauten seinen besten Schönheitssinn: Kapellen SixtusV. 
und Pauls Y. an S. Maria Maggiore, L.app. Corsini .im Lateran. 

Iielangelos Sagrestia nuova oder inediceische Kapelle) an s. Lorenzo 
in Floren 159 schliessi sich dagegen in der Anlage wieder an das Moth 




_i i i_ 



10 ;•',!-,• 
H 



S. Spirito in Florenz. Durchschnitt. (Nach Mayreder.) 



und Michelozzos an. erreich! aber in den kubischen Verhältnissen 

und in di n Wirkung trotz schwerer Willkür des Details) die aller- 

iheit. Architektur und Skulptur sind -•- /.iisaininennedarht . als 

m und demselben Thon Sarkophage, Statuen, Pilaster, 

n, Thüren und Fenster vormodelliert. Höchste Einheil von II. nun. 

' und Formen. Doch sind eine ganze An/ald von Nischen, für Statuen 

Vasari VII, p. 203, Nut.! _' I,- M. XII. p. 214, Nota], 

M id du- Madonna und du' beiden Heiligen waren Ursprung- 



§ 81. Das Ä.ussere der Langkirchen. -[-- 

lieh für eine andere Stelle bestimmt. Und sogar für die Sarkophag' isl durch 
H. Grimm eine ursprünglich andere Form und Anordnung wahrscheinlich ge- 
macht; doch möchte Michelangelo auch die jetzige wohl selber vorgezeichnet 
oder wenigstens gutgeheissen haben.) 

Ausserdem kommen auch einige Rundkapellen aus dem Anfang 
XVI. Jahrh. vor: Capp. S. Giovanni im Dom von Siena (Fig. 160), Capp. Carac- 





Fig. 157. Sakristei von S. Satixo 
zu Kailand. I.asius.) 



Fig. 158. Cap. l'higi in S. Maria del Popolo. 
(Nohl.) 



cioli in S. Gio. a Garbonara zu Neapel (1516, sehr hübsch); dann die schon 
genannte Kapelle Sanmichelis an S. Bernardino zu Verona, da- Meisterwerk 
dieser Art. vgl. § "i7, Fig. 100 u. 101. 



§ 81. 

Das Ussere d e r L a n gk i rc li e n. 

Die Durchbildung il^s äussern an den Langkirchen, abgesehen von 
der Fassade und vom Chor- und Kuppelbau, der vom Zentralbau entlehnt 
wird, blieb im Ganzen ziemlich vernachlässigt. 

Burckliar.lt. Italien. Renaissance, i Autl. 12 






1\ Kapitel. I»u- Komposition der Kirchen. 




— , . 



^_J 



^ 







". Kapelle b<i S. Loi enz i 



§ 81. Das Äussere der Langkirchen. 



IT'.» 



Neben dem in § 68 erwähnten Grunde kam sehr in Betracht: die häufige 
Durchbrechung der Langseiten durch Anbau von Kapellen; auch wirkte das 
Nicht vollenden der Vassaden ühel auf die Langseiten zurück. 

Brunellesco gab der Basilika S. Lorenzo Fig. 161 eine einfach schöne 
Bekleidung von Pilastern (an den Kapellenreihen . Wandbändern und Konsolen, 
letztere vielleicht auf Anregung von S. Frediano in Lucca hin; ähnlich an der 
Badia bei Fiesole. 

S.iust i<t die Bekleidung mit Pilasterordnungen an den Mauern der Neben- 
schiffe und auch wohl noch des Oberbaues nur in sehr wenigen Beispielen des 
XV. Jahrhunderts vorhanden: S. Severino zu Neapel (von Mormandi, 1490), 
das Kirchlein des Pontanus ebenda (1492), einige oberitalienische Backstein- 
kirchen u. s. w. Seihst in Venedig hat nur S. .Maria de' miracoli auch an den 
Seiten die volle Prachtinkrustation mit Pilastern. 

Von hohem und einzigem Werte : die we 
marmorne Kathedrale von (Intim. Die musterhaft 
vollständige Inschrift am äussern Chorende: Cum 
hoc templum vetustate confectum esset, a populo 
Gomensi renovari coeplum est MGCGLXXXXVI. 
Huius vero posterioris partis iaeta sunt fundamenta 
MDXIII, XXII. Decembris, frontis et laterum iam 
opere perfecto. Thomas de Rodariis faciebat. 
Gothisch begonnen und langsam von der Fassade 
her gebaut, bleibt das Langhaus im Innern 
gothisch, doch so. dass die anfangs engen Inter- 
valle weiter und schönräumiger werden: aussen 
Umdeutung in einen prachtvollen Renaissancebau, 
teilweise uach Angabe Bramantes Südportal, 
datiert 1491, drei benachbarte Fenster und Ge- 
simse!, vgl. v. Geymüller. Entwürfe, S. 39ff. Die 
vortretender Streben erhalten Sockel und Kranz- 
gesimse m freier antiker Bildung, darüber statt 
der Spitzthürmchen kandelaberartige Prachtzierden 

von sehr viel sehe rer Form als alle ähnlichen französischen Übersetzungen 

aus dem Gothischen; die Wandflächen mit Rahmenprofilen umfasst. Querbau 
und Clmr. der Bau Rodaris seil 1513, mit polygonen Abschlüssen, eines der 
schönsten Bauwerke Italiens, aussen mit den Formen des Langhauses in 
gereinigter und veredelter Gestalt (die Kuppel modern). Vgl. v. Bezold, 

Deutsche Bauzeitung 1885. 

Im Verlauf '\r< XVI. Jahrhunderts wird die Pilasterbekleidung der Lang- 
seiten zwar zur Regel, aber meist in kalter und gleichgültiger Form. Seil 
Michelangelos korinthischer « »rdnung und oberer Attika am Äussern von St. Peter 
feinem Motiv von streitigem Werte) halle der Barockstil ein Vorbild für Eine 
Pilasterordnung, sowie seit S. Fedele in Mailand (von Pellegrini) für zwei Halb- 
säulen- oder Pilasterordnungen übereinander. 

Häufig jetzt statt dei Pilastei etwas vortretende Streben, auf welche 
dann vom Oberschiff ähnliche Voluten niederrollen wie die der Fass 
(§ 69, 70). 




: 



IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 



Einzelne besonders reiche Anlagen halten am Dachrand eine durchgehende 
Balustrade. An St. Peter war eine solche schon von Michelangelo beabsichtigt, 
und die wenigen Stellen, wo sie wirklich ausgeführt ist, zeigen, wie sehr auf ihre 
Wirkung net war (§ 66 . 

§ 82. 
Allgemeine Ansicht vom Kirchenbau. 

1 >ir Renaissance verlässt sich beim Kirchenbau darauf, dass durch 
Hoheit und Schönheit des architektonischen Eindruckes ein wahres Gefühl 

« ■ «p ro - -- -- ; :ill<- Höchsten hei \ nr/.uhl'illlZ'cll sei. Sie be- 

darf keines sakralen Stiles (§ 61, 62); ihr 
souveränes Werk zumal, der Zentralbau, wäre 
ein Heiligtum in ihrem Sinne auch abgesehen 
\Mii allem /weck und auch ohne kiivhweihc 
Alberti, de re aedificatoria L. VII, c. 3, 5, 
10, 12. 13, 15, gibl dies Gefühl stärker heidnisch 
gefärbt als ein anderer. In den Tempel steigt 
das Göttliche (superi) nieder, um unsere Opfer 
und Gebete in Empfang zu nehmen. Sollte aber 
auch das Göttliche sich um der Menschen hin- 
fälliges Bauwesen nicht kümmern, so tragt es 
doch viel (üv die Frömmigkeit aus, dass die 
Tempel Etwas an sich haben, was das Gemüt 
erfreut und durch Bewunderung fesselt. Der Ein- 
tretende soll vnii Erstaunen und Schauer hinge- 
i n -ein. da-s er laut ausrufen möchte: Dieser 
< »rt ist Gottes würdig! -- Die Wirkung soll eine 
solche sein, dass man ungewiss bleibe, ob die 
Kunsl oder «1er Verewigungssinn grösser gewesen. 
- Die Lage verlangt er isoliert, in der Mitte eines 
Platzes oder breiter Strassen, auf hohem Unter- 
halt. Im Innern redet er dem Einen Altar das 
Wort . -internal das Sakrament von den Liebes- 
mahlen der ersten Christen abstamme und erst 
die spätere Zeit ..Alles mit Altären vollgepfropft" 
habe. Auch seine Lobrede auf nächtliche Be- 
leuchtung ist vielleicht eine iirchrislliche lieniinis- 
obgleich er dabei von den Alten redet, welche ..in den Schalen ihrer 
Kandelaber grosse wohlduftende Flammen anzündeten". 

Höi st bezeichnend für die Herrschaft der Bauform ist seine Polemik 
Fresken, welche höchstens in die Vorhalle gehören; statt derselben ver- 
Tafelbilder und noch lieber Statuen für das Innere. Zweimal empfiehlt 
■ Inkrustation , vielleicht nur, um den Fresken zu entgehen (vgl. § 265). 
I ster verlangt er m Lssig gross und in der Höhe, so dass man durch 
elben nur den Himmel erblicke. Ja dei Schauer eines gewissen Dunkels 
die Andacht. (Vgl. Thom. Monis, Utopia, ed. Basil. L563, p. 146.) 




- i. renzo in Florenz 
Theilaufriss «1er Lang*' 
h Bühlmaiin. 



§ 83. Die Symmetrie des Anblickes. 



181 



Gleichzeitig, gegen 1450, sprichl M. Savonarola sogar von einem Ver- 
hältnis der dunkeln Gassenhallen zur andächtigen Stimmung, und zwar bei An- 
lass von Padua; bei Mural. XXIV, Gol. 1179. Dagegen rühmt Pius II.. Com- 
ment. L. IX. p. i:ü. an -einer Kirche zu Pienza die Helligkeit.) 



S 33. 



Die Symmetrie des Anblickes. 

Zu dem beabsichtigten Eindruck gehört vor Allein, dass die Symmetrie 
des Anblickes (§ 30) wenigstens im Innern nicht gestörl werde. Das XV. und 







Fig. i' - M it della Pace. Nach Letarouillv.) 



XVI. Jahrhundert bringen derselben sowohl in schon bestehenden Kirchen 

als auch in Neubauten sehr namhafte Opfer. Die Schwesterkünste sollen 

sich zwar einfinden, aber der architektonischen Gesamtwirkung unterordnen. 

Die bisherigen Kirchen waren voller Einbauten, /.. B. vortretender Grab- 

mäler und Altäre; man „repurgierte" sie und stellte für die Neubauten sti 

l resetze auf. 



IX. Kapitel. Die Komposition der Kirchen. 

Schon 1391 wurde im Dom von Florenz die Errichtung eines Prachtaltars 
am zweiten Pfeiler rechts nur gestattet, wenn der Altar nicht breiter werde 
als der Pfeiler und keine Wappen daneben aufgehängt winden: Gaye, car- 
I 

Im XV. Jahrh. sind namentlich die Päpste streng hierin. Nikolaus V. 
1447 1455 verl q Voraus für seinen Neubau von St. Peter, dass keine 

•er. auch nicht von Päpsten und Prälaten, diesen Tempel beflecken sollten; 
Vitae Papar., hei Murat. 111. II. Gol. 935. 

Pius II. 1458 li»>h liess /war den alten Bau stehen, demolierte aber 
sehr ungleichen Kapellen und haute sie nach der Schnur um, wodurch der 
Anblick des Innern augustior et patentior wurde. Als er für den Schädel des 
hl. Andreas eine »rosse Kapelle anhaute, mussle rings Alles weichen, auch 
Papst- und Kardinalsgräber, welche dm Raum der Kirche „willkürlich in Be- 
schlag genommen hatten"; Piatina, de vitis pontiff., p. 312; Vitae Papar., 
1. i . 985. 

In der Kirche seiner neuen Stadl Pienza (§ 8) sollte man gleich heim 
Eintritt den ganzen dreischiffigen Bau (§ 77) mit allen Kapellen und Altären, 
wohl beleuchtet und trefflich ausgestattet, wie er war, überblicken; Alles, mit 
\ snahme dei bunten Gewölbe, hatte entweder die Steinfarbe oder einen ganz 
hellen Ton: auch hier waren die Fresken ausgeschlossen (vgl. si 82) und die 
Malerei a il die Tafeln der Altäre, Werke sienesischer Meister beschränkt, und 
dabei hatten die ziemlich grossen Fenster mir weisses Glas. In Pienza selbsl 
erliess Pius 1 i. September L462 eine Bulle im Zwölftafelstil: Niemand solle 
hier, abgesehen von der Kapitelsgruft, einen Todten begraben, Niemand die helle 
Farbe "er Wände und Pfeiler verletzen, Malereien anbringen, Tatein aufhängen, 
Kapellen anbauen oder mein- Altäre errichten als die. welche da seien etc. Vgl. 
uhiL r e Stellen und: l'ii II. Gomment. L. IX. p. i-30 ss. 

Sixtus IV. 1171 1 \S4 „reinigte" nochmals St. Peter und den Lateran 
nnd macht.« st. Peter heller durch Erneuerung der Fenster aus dünnen Marmor- 
platten und <das: Vitae Papar., I. c. Col. 1064. 

1 >h si ' der Regelmässigkeil wurde namentlich in Toscana zur 

Zeil des Herzogs Cosimo I. und zum Teil durch ihn vielen alten Kunst- 
werken verderblich i ?; 56). 

Dei I '"in von Pisa, bis 1540 voll alter Altarwerke verschiedener Her- 
kunft und <> etzl lautei Altäre von gleichmässiger Marmoreinfas- 
_. m deren Gemälden von meist untergeordneten Leuten) nur dieselben 
Hei : zukommen brauchten wie auf den entsprechenden frühern Bildern: 
tri V. p. 1l'7 Le M. IX. p. !">>. \. di Sogliani. 

Befehl mussten auch die neuen Altäre in S. Maria novella 
len Pfeilerintervallen entsprechen. Kr liess den Dom austünchen. 
. ii7 I..- M. I. p. .Vi in seinem eigenen Lehen: VI, p. I i 1 

M. X. p. 299), v. di Bandinelli. 

ireformation war der „Purifikation" der Kirchen 

sein fand in -einem Erzbistum .Mailand manche Kirche 

pomphafte Denkmäler ragten hoch empoi über den Altären, 

den Häuptern der Andächtigen (auf Konsolen oder 



Die Symmetrie des \ii> 



1-:; 



untergestützten Säulen); dazu die Masse der aufgehängten Waffen und Fahnen; 
dies Alles wurde entfernt, damit die Kirchen nur noch dem Gottesdienst ge- 
hörten. Ripamonti, bei Graevius, Thesaurus Ital. II. II. Gol. 892. 

Bei diesem Aula— i-t noch der schon früh vorkommenden Scheinerweite- 
rung des Raumes durch perspektivisch einwärts vertiefte Verzierung der Wand 
zu gedenken. Bramante ging dieser Grille zweimal nach, in der Scheinhalle 
über «lern Hochaltar in S. Satiro zu .Mailand und in den Nischen der Incoronata 
zu Lodi, wenn er hier an dem Entwürfe des Battagio beteiligt war vgl. S 65 . 



X. Kapitel. 
Klöster und Bruderschaftsgebäude. 

^ 84. 
I'ie Klöster im Norden und im Süden. 

In den Klosteranlagen hatte schon das Mittelalter eine ziemlich hohe 
Vollkommenheit erreicht. Auch haben dieselben im Norden nicht selten 
eine grössere monumentale Ausbildung aufzuweisen als irgendwo in hauen 
vor der Renaissance. 

Die bekannte Gesamtheit von Räumen: Kapitelhaus, Dormitorium, Re- 
fektorium, Scriptorium, Wohnung des Abtes oder Priors, Kreuzgänge, Vorrats- 
gebäude, Krankenwohnung, Gastwohnung, Ställe u. s. w., — im Klosterplan 
von St. Gallen 820 noch über ein grosses Quadral hin verzettelt; — 

sehen eine mein- geschlossene, von römischen Villen i te Anlage 

hatten vielleicht im IX. Jahrhundert die stattlichsten Klöster Italiens : Farfa und 
Nonantula; Historia Farfens., bei Pertz, Monum. XIII, p. 530, 533, 546; 

im XII. Jahrhundert dagegen war bereits der Norden im Vorsprung für 
die Grösse der Anlage sowohl als für die monumentale Durchführung. Vgl. i 
moiit. Abecedaire und die Publikationen des Gomite historique des arts et monu- 
ments. Eine belgische Abtei hatte z. B. schon bleiche Scheitelhöhen für den 
ganzen Hauptbau; Gesta abbatum Trudonens., bei Pertz, Monum. XII, heim 
Umbau seit 1 160. 

In Italien wird aus dem XII. bis XIV. Jahrhundert kaum ein Klosterbau 
vom Rang der reichern nordischen Abteien nachzuweisen sein. Eine catonische 
Stimme für Einfachheil der Klöster und selbsl ihrer Kirchen Matteo Villani 
L. VIII, c 10. 

Indes besass <lcv italienische Klosterbau ein Element, welches ihm 
mit der Zeit jede grosse und freie Kombination sehr erleichterte, nämlich 

die Säulenhalle statt des geschl neu. bloss mit Fenstern und Thüren 

nach aussen geöffneten Kreuzganj 

Audi bei geschlossenen Gängen mit Brustwehrmauern, wie /. B. 
Klosterhöfen am Lateran und an St. Paul (§ 16), und sogar bi ichen 






\. Kapitel. Klöster und Bruderschaftsgebäude. 



Mauern mit Fenstern, /.. B. dem Camposanto zu Pisa hleihl der Einfall von 
Licht und Luft beträchtlich stärker als im Norden. 

Weit ilas häutigste aber siiul seil der Römerzeit die offenen Bogenhallen ; 
mit antiken Säulen z. B. die prächtigen Atrien der Dome von Gapua und Salerno, 
welche wir wohl hier mit anführen »hüten (XL Jahrh. . In Klosterhöfen von 

sind hie und da antike Säulen vernutzt; so bei Araceli. 

Der Charakter der offenen Halle, von Säulen oder Pfeilern, häufig in zwei, 
^werken, liegt hier wesentlich darin, dass sie, wie die Hof halle eines 
weltlieh-- G les, als lebendig geöffnete Gestalt des Klosterbaues, sich 

gleichsam von selber verstand, 

während der nordische Kreuzgang (stets nur Erdgeschloss mit keinem 
: .-in. -in bescheidenen, geschlossenen Obergeschoss einen besonderen, abge- 
schlo — nen Raum bildete; 




Fig. 163. Hof i della Pace. (Nach Letarouilly.) 

dass sie ferner bei geringerem Aufwand eine sehr viel grössere Freiheit 

Anordnung, namentlich der Intervalle gestattete, und dass iler Inhalt der 

Fresken, Grabmäler) auch vom Hofe aus sichtbar war. 

Während ferner das nordische Kloster bloss Einen Kreuzgang hat, wird 

in Italien die Halle um alle Höfe herumgeführt und dient als Ausdruck auch 

für einzelne G in allen Teilen und Stockwerken des Klosters. Haupt- 

beispiele der gothischen Zeit: die Höfe <U'* Santo zu Padua; die Höfe und 

ien etc. an S. Francesco zu Assisi. Alla Quercia zu Viterbo über 

»thischen Erdgeschoss cum- schöne obere jonische Halle von Danese di 

- Viterbo um 15l H > . 



i bi r sieht <1 e a Klosl e r b am - 



Die Renaissance bekam in Italien wieder grössere und prächtigere 
Klöster zu bauen als die nordischen des XV. Jahrhunderts sind. Die treff- 
rationelle Anlage und die Schönheil und Vielgestaltigkeil ihres Hallen- 



; 85. Übersicht des Klosterbaues. 



185 



baues geben denselben eine lmhe Bedeutung. Einzelne Haupträunie des 
Innern erreichten hie und da eine Ausbildung, welche schon damals als 

klassisch galt. 

Die damalige Zerrüttung des Benediktinerordens im Norden ist bekannt. - 
Für Italien kommen ausser den grossen Garthausen, Camaldulenser- und l 
nenserklöstern wahrscheinlich auch in künstlen-der Beziehung \ allombrosa 
und Alla Vernia in Betracht, die dem Verf. nicht bekannt sind. 

Der Hallenbau, auf Siiulen oder Pfeilern, schallt aus dem Kontrast der 
Stockwerke — mag das < »bergeschoss eine Mauer mit Fenstern oder wiedei 
eine Halle sein — . aus dem Längen- und Breitenverhältnis zur Höhe, aus den 
dichten oder weiten Intervallen, aus der Behandlung der Bogen. Simse und 
Füllungsmedaillons mit beständig neuer Begeisterung ein edles und zierliches 




Fig. l'U. Entwurf zu einem Ki >stei yon B. Peruzzi. (Nach ELedtenbacher.) 



Werk nach dem andern. — Viele einzelne Klosterhöfe aufgezählt in des Verf. 
Cicerone, a. m. 0. Eine niedrige Brustwehrmauer wurde oft noch beibehalten, 
etwa um das Eindringen der Nässe vom Hofe oder Garten her zu verhindern. 

Besondere Motive: § 35 (Giul. da Sangallo . § M5 Certosa von Pavia). 
Für ländliche Chorherrnresidenzen war Brunellescos Badia bei Fiesole ein un- 
übertreffliches Muster ; für Dominikanerklöster dasjenige von S. Marc, zu 
renz. 1437—1443 erbaut von Michelozzo ; Vasari II. p. t39 ss. Le M. III, p. 277 
und i27'.i. Nota), v. di Michelozzo „das am besten entworfene, schönste und be- 
quemste Kloster in Italien-; die Lobsprüche sind relativ, als von einem Mendi- 
kantenkloster zu verstehen, denn die höhern Orden bauten viel prächtiger). 

Unter Brunellescos Säulenhöfen der schönste: der zweite in S. Groce. 

Von Pfeilerhöfen sind unübertrefflich schön und dabei sehr einfach: das 
Atrium von S. Maria presso S. Gelso in Mailand (§ 16), von einem unbekannten 
Meister, 1514; ferner der Hof des Bramante im Chorhermstifl bei S.Maria 



: 



X. Kapitel. Klöster and Brnderschaftsgebäude. 



della i Rom Fig. Itii' u. IG3 ; zwischen die viel niedrigem Pfeiler dos 

»es sses iomml je eine Säule, also über die Mitte des untern Bogens 
wie in einigen bolognesischen Palästen, § t-6) Pedanten verurteilten das rei- 
Motiv, und Serlio, L. IV, fol. 176, bring! es nur mit schüchternen Ent- 
schuldigungen wieder vor. Vielleicht von einem nahen Vorgänger Bramantes 
der ehemalige Klosterhof der Humiliaten in Cremona, jetzl Pfarrwohnung: bei- 
nahe dieselbe schöne Anlage, nur als Säulenhof, und vorherrschend in Backstein). 
\ - en früheren Säulenhöfen, wenigstens an zweien Ihm s. Ambrogio zu 

Mailand (jetzl Militärhospital), hatte 
Bramante dem obern, geschlossenen 
Stockwerk eine Pilasterordnung ge- 
geben, wo ebenfalls zwei Intervalle auf 
eines der untern Säulenhalle kommen. 
Von achtseitigen Hallenhöfen 
(Fig. Hü' ist wirklich ausgeführt der- 
jenige in S. Michele in Bosch hei 
Bologna, noch aus der guten Zeil des 
XVI. Jahrh. ; in den Ecken Pfeiler 
mit umgebrochenen korinthischen Pi- 
lastern; in den Intervallen tragen je 
zwei Säulen in der Mitte einen Bogen, 
auf den Seilen gerade Gebälke. (Rings 
halb erloschene Fresken dn- Schule 
der t laracci. 

Schöne I tofzisternen: der Pozzo 
von S. Pietro in Vincoli zu Rom, 1512; 
ehemals auch der des Jesuatenklostei s 
bei Florenz. 

Berühmte Bibliothekräume: die 
von < losimo im Exil gestiftete Biblio- 
thek in S. < riorgio maggiore zu Venedig 
I 1-33 und <lie gewölbte dreischiffige 
von S. Marco in Florenz (I i-37 1 i i I i, 
beide von Michelozzo (letztere unver- 
ändert \ orhanden . 

Vgl. den Einblick in die vati- 
kanische Bibliothek, und zwar den unter Sixtus IV. ausgeführten Bau als Hinter- 
ekannten Fresko von Melozzo da Forli in der vatikanischen Gemälde- 
sammlung, wo Piatina knieend vor dem Papste dargestelH ist. 

Ein berühmtes Refektorium: <\.<^ von Eugen IV. 1442 in S. Salvatore zu 
il reichskulpiertem Kreuzgang ; Sansovino, Venezia, fol. i s . 
zl nicht mehr vorhanden ? 

I Dieser merkwürdige Ban, ein grosser dreischiffiger Saal, das Mittelschiff mit einem 

Übe, die (1 ischiffe mit Kreuzgewölben bedeckt, findet sich bald dar- 

ziemfich genau, nur mit einer andern Säulenordnung wiederholt in der Biblio- 

ftung eine- Mal o Etimrni. Die Anlage könnte für Biblio- 

ei n und sich auch anderswo h iederfinden ? 










Sapir-: 

(Nach Gurlitt. 



( rrundriss. 



§ 86. Bischofshöfe und Universitäten. 



187 



Klöster höheren Ranges, zumal auf dem Lande oder in bequemen 
Städten gelegene, erhielten bisweilen eine gewaltige bauliche Ausdehnung 
aebsl weiten Gartenanlagen. 

S. Giustina in Padua, mit seinen fünf Höfen, hatte einst mil seinen Gärten, 
Wiesen und Fischereien eine Miglie Umfang; ganz von Mauern und \\ 
umgeben, mein- castrum als claustrum zu nennen. M. Savonarola, bei Mural. 

xxiv. Gol. n i.;. 

Gewaltig gross: S. Severino zu Neapel; S. Ambrogio zu Mailand: 
Monte Gassino (mit imposantem Atrium) etc. 

Sehr vollständig: die Certosen bei 
i'.ivia und bei Florenz, letztere mit Aus- 
nahme der Kirche fasl ganz Renaissance; 
der Grundriss bei Grandjean und Famin, 
archit. toscane, willkürlich verändert. 
Die Diokletiansthermen von Rom, S. Maria 
degli Angeli, umgebaut zur Gertosa von 
Michelangelo, mil seinem (jetzt zum Museum 
eingerichteten) I [undertsäulenhof. 

Von den 1529 zerstörten Klöstern 
bei Florenz begeisterte Schilderungen bei 
Vasari 111. p. 570 ss. (Le M. VI, p. 33 ss.), 
v. di Perugino das Kloster der kunstlieben- 
den Jesuaten, mit einem Durchblick durch 
alle Hallen bis in den Garten), und bei 
Varchi, stör, fiorent. III. p. s 'i Kloster S. 
Gallo). 

Bibliotheken. Refektorien und Haupt- 
treppen sind nicht selten im XVII. Jahr- 
hundert dem Kolossalgeschmack des Barock- 
stils zu Liebe umgebaut worden. 

Unter den KntwürlVn I'eruzzis in den 
Uffizien drei schöne Projekte grosser Kloster- 
anlauen, welche u. a. enthalten sollten: 
Kirche, Sakristei. Beichtraum, Oratorium, 
Kapitelsaal, Parlatorium, Refektorien, Kreuz- 
gänge mit Brunnen, Krankenhaus, Herberge, 
Bibliothek. Wohnung des Wirtschaftsver- 
walters, Küchen. Speisekammern, Bäckerei, Korn- und Ölspeicher, Wasch- 
küche etc., sowie grosse Gärten und Hallen für Sommer- und Winteraufenthalt; 
vgl. Fig. I'ü mich der Reproduktion von Redtenbacher, Bald. Peruzzi und 
Werke, T. 13. 

i; i seh o fsh ö fe n ad Uni v e rsil ä t e n. 

Von bischöflichen Residenzen, die sich wohl einigermassen den klöster- 
lichen Anlagen nähern mochten, isl aus dem XV. Jahrhundert wenig, aus 
dem XVI. einiges Treffliche erhalten. 




Qza zu Rom. 
Ansicht, i Nol 



188 



X. Kapitel. Klöster und Bruderschaftsgebäude. 



lhe von Padua, 1445 vom Bischof Pietro Donato erbaut, übertraf sogar 
die damaligen päpstlichen Wohnungen ; sie enthieli zwei sehr grosse Säle, zwei 
Kapellen, eine Menge reicher Zimmer, grosse Vorratsräume, Ställe für 50 Pferde, 
einen prächtigen Garten; Savonarola, 1. c. Gol. 1171. 

I 1 i Bischofshof zu Pienza vielleicht normal für jene Zeit? (Vgl. den 
Grundriss in § !'l und dazu Allg. Bauzeitung 1882. 

Im erzbischöflichen Palast zu Pisa die Hofhalle in der Art von Brunel- 

- s Klosterhallen, nur in grössern Verhältnissen und weissem Marmor. (Ende 

XV. Jahrh. Am Vescovato zu Vicenza im Hof eine zierliehe Halle vom Jahre 1 t94. 

Aus der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts das einfach gute Vescovato 

via. 

Aus der Zeil von 1540 1580 die Arcivescovati zu Mailand und Bologna. 
Pellegrini, -- und zu Florenz, von Gio. Ant. Dosio; ersteres düster, im- 




~. Hof der Universität zu Genua. 



posanl §56), in letzterem der bescheidene Hof, nur mit sieben Säulen und ein 

abei geistreich und anmutig. (Vgl. Sprüche Salom. 9, l.) 

Von den weltlichen Palästen unterscheid. -n sirh snklu: (iehliude auch aussen 

ch eine kenntliche, abei schwer zu bestimmende Nuance. Die Bureaux um 

Hof herum geben ihnen zum Teil einen Charakter von Verwaltungsgebäuden. 

1. >enso nähern sich dem Kloster die Baulichkeiten von Schulen und 

Universitäten, indem sowohl Konvikte als Komplexe von Hörsälen sich am 

• a um einen Hallenhof gruppierten. 

im W. Jahrhundert der Hof der Universitäl Pisa, den Klosterhöfen 
Brun tiend. Vom Gollegio de) Gardinale zu Padua eine un- 

klare Beschreibung bei Savonarola, I. c. Col. 1182. Spanien und England he- 
: res. 



Bischofshöfe und Universitäten. 



189 



Aus dem XVI. Jahrhundert Sansovinos schöner jetziger II<>t' der Universität 
zu Padua 1552, Doppelhalle mit geradem Gebälk: - und der maj» Hof 

der Sapienza zu Rom (Fig. 165 u. 166), vielleicht nach einem Entwurf des 




Fig. L68. Hof bei S. Caterina in Siena. Loesti nach Gnauth.J 



Miehelangelo; nach der Strasse zu ist «las Gebäude charakterisier! durch die 
geschlossene fensterlose Mauer des Erdgeschosses. 

In den Jesuitenkollegien, und zwar schon in den frühesten, sind die Höfe 
wahre Schulhöfe, und ihre hohen Hallen führen deutlich in Klassen, nicht in 
Mönchszellen. 






X. Kapitel. Klöster und Bruderschaftsgebäude. 




■ und 1 ro. Si uo] i di S Roi co zu Vi nii i i 



!>■ im Gollegio romano, von Ammanati; die schönsten 

XVII. Jahrhunderts die der Brera in Mailand und der Universität zu Genua 
107 . beides ehern itenkollegien. 



§ 87. Bauten der geistlichen Bruderschaften. 191 

§ 87. 
Bauten der geistlichen Bruderschaften. 

Die Konfraternitäten oder Scuole, gestiftel für zünftische Gemein- 
schaft, für Pflege der Landsmannschaft in einer fremden Stadt, für ge- 
meinsame menschenfreundliche Thätigkeit oder für Zwecke der Andacht, 
oft sehr reich durch regelmässige Beiträge wie durch Vermächtnisse, zeigten 
sich nicht nur in prächtigen Aufzügen, sondern auch in monumentaler Ge- 
staltung ihrer Vereinsgebäude. 

.Man bedurfte irgend einen grossen Hauptraum sei es geschlossen oder 
als Hof zur Versammlung, Beratung, Aufstellung von Prozessionen u. s. w., 
einen Altar in diesem Raum oder in einer angebauten Kapelle, eine I 
robe für Gewänder und Gonfaloni (Fahnen), — bei grösserem Reichtum auch 
Schreibstuben, Kassenstuben u. s. w. 

Unter den Kunstformen für diese Requisite sind zu nennen: 
Kine blosse Kapelle, die zugleich als Versammlungsraum dient; über- 
schüssige Mittel z. B. auf eine edelprächtige Fassade verwendel an der Miseri- 
cordia zu Arezzo, an der Gonfrat. di S. Bernardino zu Perugia § 70), vgl. § 51 
und Fig. 44, S. 90). 

Oder zwei Oratorien übereinander, in reicher Ausstattung; so S. Bernar- 
dino und S. Gaterina inSiena; -- daneben kleine oder auch mittelgrosse Hallen- 
höfe; so Peruzzis einfach schönes Höfchen bei S. Caterina (Fig. 168). 

Durchschnittsform für Mittelitalien: ein Oratorium und ein Säulenhof; recht 
schön in S. Giovanni decollato zu Rom und in mehreren Konfraternitäten zu 
Florenz, besonders lo Scalzo, wo ausser A. del Sartos Fresken auch die geist- 
reiche Anordnung des kleinen Saulenhofes Beachtung verdient: - oder der 
Verein haut seine Kapelle an einen schon vorhandenen Klosterhof, z. B. die 
Gapp. de' Pittori im Kloster der Annunziata daselbst. 

In Venedig früher nur einfache grosse Säle, angefüllt mit den Tafelbildern 
der altvenezian. Schule; Sabellicus, de situ venetae urbis, L. 1. fol. 84; L. II. 
fol. 87. Später wird A(M Hau zum geschlossenen Palast, der. abgesehen von 
Nebenräumen und Treppe, aus einer grossen unteren Halle und einem ebenso 
grossen oberen Saal mit Altar besteht: Scuola di S. Maren I 1-85, unten Säulen- 
halle mit Holzdecke; - Scuola di S. Rocco seil 1517 Fig. 169 u. 170), unten 
ein mächtiger Saal wie oben, höchste Pracht der Dekoration, mit einer Fülle 
von Tuchbildern auch an den Decken; bei S.Giovanni Evangelista ei 
licher Vorhof von 1481; die übrigen Scuole fast alle erst aus der Ilareckzeit. 
In Scuola di s. Rocco die schönste Treppe. 

Die korporative Einrichtung und Bedeutung der venez. Scuole: Sansovino, 
Venezia, fol. 99 ss., eine Hauptstelle, die wir ungern übergehen. Vgl. fol. ~>7 
die Konfraternität der Lucchesen, welche ihr Lokal schon im X.1V. Jahrhunderl 
bestmöglich ausgestattet hatte. 

Ausserdem stifteten die Scuole noch oft Kunstwerke aller Art in die Stadt- 
kirchen, ganz wie die Zünfte; etwa ein heiliges Grab in den Dom der be- 
treffenden Stadt Diario ferrarese, bei Murat. XXIV, Col. 390, zum Jahre 1500 
oder ein Gemälde oder Relief, aul welchem die oft zahlreichen Vorsteher der 



\1. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 

rschaft knieen unter dera von Engeln ausgespannten Mantel der Gnaden- 

mutter (Vasari 1. p. 682 Le M. II. p. l^' 1 . v. di Spinello; V. p. L65 (Le M. IX, 

di Rosso . oder vor einer thronenden .Madonna mit Schutzheiligen, 

zu beiden Seiten eines leidenden Christus (Fresko des Luini in der Am- 

siana zu Mailand . 



. Kapitel. 
Die Komposition des Palastbaues. 

§ 88. 
Rückblick aui den früheren Palastbau Italiens. 

hie Zivilbaukunsl der Renaissance, welche bis heute diejenige aller 
nichtbarbarischen Völker thatsächlich beherrscht, besass ihre wichtigste 
ischaft, die regelmässige Anlage, als Erbschaft aus der italienisch- 
gothischen Zeil i § i'l |. 

- heutige Bauen regelmässiger Häuser und Paläste mit nordisch- 
gothischem Detail ist reiner Undank ge^en die italienische Baukunst, ohne 
welche es gar keine symmetrische Anlage gäbe. 

Verpflanzl man aber schon venezianische Gothik nach dem Norden, welche 
mit der Regelmässigkeil allerdings in Harmonie steht, so bleibt man damit 
nicht deutsch-nationaler als wenn man die reifere Gestaltung derselben Trieb- 
kraft, die Renaissance, wieder adoptierte. 

In nordisch-gothischen Formen möge man unsymmetrisch hauen, wozu 

wir (ilück. Geld und den wahren Humor wünschen, sowie gänzliche Freiheit 

von englisch -gothischem Detail, da auf dem Kontinent die anmutigere und 

Lusdrucksweise für dieselhen (ledanken an manchen spätgothischen 

Zivilbauten, freilich zerstreut, zu linden i-t. 

Der italienisch-gothische Palastbau hatte von vornherein mit dem Berg- 
schloss und seinem meist unvermeidlich unreuehnässigen (Jrundplan nichts zu 
thun gehabt, da seit dem XI. Jahrh. die Hauptwohnungen des Adels immer in 
- dten gewesen waren. 

Er zuersl halle die Fronten gerade gezogen und nicht beliebig ge- 
hen; hatte für alle Räume eines Geschosses dasselbe Niveau fest- 
38 man nicht aus einem Zimmer iiher halshrechen.de Stufen in 
indere gelangen musste; er hatte regelmässige Korridore an den Ge- 
. herumgeführt und sieh nicht aui 3chmale, winklige Gänge und auf 
Aushelfen mit Wendeltreppen verlassen. Bereits war die Einheil 
l des Grundplans die Mutier aller andern Minheil, und Uaulo^ik. 
den vornehmen Privatbau galt bereits ein gewisses Mass höherer 
. und Ausstattung als unerlässlich , wenn auch im XIV. Jahrh. der Name 
iz den fürstlichen und öffentlichen Gebäuden vorbehalten ist. 
tun fester, füi ganz Italien gültiger Sprachgebrauch existierte auch im 
XV. Jahrh. und später nicht, wohl aber für ein/eine Städte. Im Diario ferra- 



§ 89. Entstehung gesetzmässiger kubischer Proportionen. 



193 



rese, bei Murat. XXIV., lies. Gol. 220, 337, 390 wird durchgängig scharf unter- 
schieden zwischen palazzi, palazzotti und case. In Venedig hiess offiziell alles, 
mit Ausnahme des Dogenpalastes, mir casa, thatsächlich aber nannte man sehr 
viele Privatgebäude palazzi; Sansovino, Venezia, fol. 139 

§ 89. 
E n t s t e h u n g gesetzmässiger kubischer l'roportio n e n. 

Der Theoretiker Alberti gibt statt des ästhetischen Gesetzes für den 
Palastbau nur ein Programm für den Inhalt desselben. Ausserdem aber 
stellt er nach eigenen Beobachtungen die eisten Gesetze für die kubischen 
Verhältnisse der einzelnen Binnen- 
räume auf. 

Das Gemeingut der Palast- 
anlage, das sich schon seit dem 
XIV. Jahrh. von selbsl verstand, 
mochte ihm nicht des Milteilens wert 
erscheinen. Er selber baute wenig- 
stens Pal. Ruccellai. Vgl. § 30, M). 
Die Hauptstellen : de re aedific. 
L. V. c 2, 3, 18; L. IX. c. 2, 3, i. 
Es scheint mehr ein Bauherr als ein 
Baumeister zu sprechen. (Vgl. Kul- 
tur «1er Renaiss. S. 135, 140, 398 
u. Anm.i Er verlangt mancherlei, 
sowohl Zweckmässiges als Schick- 
liches, aber er gibt keine Lösung 
und mi'iclde am Heilsten alle- zu 
ebener Erde bauen, da die Treppen 
die Gebäude nur störten, scalas esse 
aedificiorum perturbatrices. Gegen- 
über der tlorenf mischen Sitte und Notwendigkeil des Hochbaues blieben dies 
natürlich blosse Wünsche. 

Die kubischen Raumgesetze besprich! er nicht hei Anlass des Palästi s, 
sondern bei der Vorstadtvilla (IX, 3 1, was für unsere Betrachtung keinen Unter- 
schied macht. Wenn auch er und andere sich thatsächlich kaum daran banden, 
ja wenn es sich um ein blosses Postulal oder Gedankenbild handeln sollte, so 
wird sich doch hier die Renaissance zum erstenmal ganz deutlich bewusst als 
die Architektur des Raumes und der Massen. Aus einer Menge von Angaben 
mögen einige Proben folgen. Alberti gibl die Proportionen litiziert. je nach- 
dem die Räume rund oder quadratisch, flachgedeckl oder gewölbl sind. Grössere 
oblonge, rechtwinklige Räume erhalten, wenn gewölbt, i Diam. Höhe, wenn 
flachgedeckt, Diam. Höhe beide Male unter Voraussetzung, dass die Bi 
zur Länge sei wie I zu 2, denn bei I zu •"> träten wieder andere Verhältnisse 
ein. Bei grossen Dimensionen gelten überdies andere Proportionen als bei kleinen. 
weil der Gesichtswinkel ein anderer ist. Höfe sollen höchstens doppelt Milane 
als breit -ein. Zimmer am besten schmaler als lang. Proportionen wie 

Burckhardt, [talien. Renaissance. 4. Aufl. 




Fiff. lil. Pal. Biccardj zu Florenz. Gruntin ss. 



194 



XI. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 



3 oder \ zu 1 geben schon nur noch Hallen (porticus und auch da werde man 
das Verhältnis von 6 zu 1 kaum überschreiten dürfen. An die Schmalseite 
- Hamm- gehör! Ein Fenster, welches entweder entschieden breiter als 
hoch oder entschieden höher als breit sein ums.-. (In der Thal blieb das gleich- 
seitig kige Fenster aus den Hauptstockwerken verbann! und wurde nur 
- Luke im Fries oder als Gitterfenster eines absichtlich sehr strengen Erd- 
it Rustika angewandt. Ist das Fenster höher als breit, so soll 
Öffnung V .■ mal so hoch als brei! sein und nicht über ' i und nicht unter 
1 i der ganzen innern Wandfläche betragen; sie soll beginnen zwischen '•.•und 
Ziramerhöhe über dem Hoden. Isl das Fenster breiter als hoch und also 
auf zwei Säulchen gestüzt, so muss seine Öffnung zwischen ' • und a /a der 
Breite der Wand betragen. An die Langwand gehör! womöglich eine ungerade 
Zahl von Fenstern, etwa •". wie bei den Alten, man teile die Wand in 5 oder 




Fig. 172. I'al. Riccardi zu Florenz. Durchschnitt. 



7 Teile und setze in '■> derselben die Fenster, deren Hohe 7 /* oder'', der Breite 
u. s. w. 
Verglichen mit den dürft igt-n ähnlichen Angaben hei Vitruv iL. VI, c. i bis 6), 
■; Gewölbe noch Fenster mit in Rechnung zieht, zeig! sich hier ein un- 
■ itt. 

g 90. 
Wesen nnd Anfang des Palastes der Renaissance. 

Die ideale, allgemeine Aufgabe des Zivilbaues spricht sich weniger 
klar lenzen und öffentlichen Gebäuden aus, welche ihre besondern 

and verschiedenartigen Zwecke zu verwirklichen haben, als an den Privat- 
sten, welche die Einheil des Willens und des Zweckes an der Stirne 
i und durch ihre Gleichartigkeit untereinander bestimmte Stilgruppen 
bilden können 

Dei Palazzo in diesem bestimmten Sinuc isl ein monumentaler Bau, an 
-tcii- die Hauptfronte nur Einen Gedanken, diesen aber 
mit der vollsten Krafl ausspricht, und dessen Grundplan in einer regelmässigen 
| ..im beschlossen ist. 



§ 90. Wesen und Anfang des Palastes der Renaissance. 



195 



Die.-ci Ginheil fügen sich auch die einzelnen Zweckej die unter Einem 
Dache erreicht werden sollen, mindestens ebenso gul als einer verzettelten An- 
lage: auch lohnte es bei der Gleichartigkeil der Aufgabe der .Mühe, die günsti- 
gem Arten der innern Anordnung immer zweckmässiger und schöner auszu- 
bilden und zum Gemeingui zu machen. 

Einen Organismus im strengern Sinne kann mau von dem Palazzo nicht 
verlangen, da das Viele und Verschiedene, das er umt'asst, sich eben nicht als 




Fig. 173. Dom und Paläste in Pienza. Grundriss. (Nach Mayi 



Vieles, als Kongregal ausdrücken darf, sondern einer grossen künstlerischen 
Fiktion unterthan wird. 

Bald nach Anfang des XV. Jahrhunderts, oocli unabhängig von dem 
Formalen der Renaissance, zeigt sich eine Bewegung im Palastbau, welche 
wesentlich auf einen Fortschritt im Zweckmässigen und Bequemen hinstrebte. 
Vgl. bei Milanesi II. p. 144 den wichtigen Brief des in Bologna weilen- 
den Jacopo della Quercia L428 an die Behörden seiner Heimat Siena, welche 
sich bedeutender Bauten halber um einen Meiste] erkundigte: der Betreffende, 
Giovanni da Siena, sei heim Marchese (Nicolö) von Este in Fei rara mit 300 Dukaten 
jährlich und freie] Station für N Personen zum Bau ein n und sti 

Schlosses in der Stadt angestellt, ..kein Meister mil der Kelle in der Hand, 
sondern ein chonponit ■ giengiero, d. h. Ingenieur"; in Bologna selbs 



1% 



XI. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 



der treffliche Fioravante, der den zierlichen Palasl des Legaten und in Perugia 
3 Si ss - Braccio da Montone gebaul habe; in der Form neige er sich 
mehr als der andere dem pelegrino zu, d. h. dem damals Fremden. Neuen, der 
Renaissance wie es auch gebraucht wird von Manetti. vita di Brunellesco, ed. 
Holtzinger, p. 13 ; auch er -rede weder Kelle noch eine andere Handarbeil an. 
S ir namhafte Paläste dieser Zeit: derjenige der Golonnesen in Gennaz- 
zano; vgl. Pii 11. Gomment. L. VI. p. 308, und besonders der des Patriarchen 
Vitelleschi st. 1440 I »] etzt Pal. Soderini), als Absteurquartier grosser 




Fie. 174. 



';tl ( iondi zu 



Herren, auch der Päpste, errichtet, mit dichl schattigen und wasserreichen Gärten ; 

Paul. Jovii ib Jo. Vitellio, Jac. Volaterran., bei .Mural. Will. I lol. 152. 

Es kommt für die Geschichte der Frührenaissance sehr in Betracht, dass 

Könige verschwunden, die der Päpste und der 

.„ml und alle übrigen Reste der damaligen Fürstenbauten, mit Aus- 

nahi rbino und Mantua, noch nicht im Zusammenhang untersucht sind. 



§ 91. 
Der toscani sehe Ty pus. 

Unter den entschiedener ausgebildeten Palasttypen nimmt der floren- 
tinisch-sienesische , der früheste, zugleich für lange Zeit den ersten Rang 
.du und wiid für ganz Italien zugleich mit der von Florenz ausgehenden 
• •!i Formensprache das wesentlich Massgebende. 



§ 91. Der toscanische Typus. 1Q7 

Die Ausbildung der Fassaden vgl. § 39, tO, wo die Hauptbauten auf- 
gezählt sind. 

Der bestimmende Bau war der wohl ersl um 1440 und nach dem schon 
angefangenen Pal. Pitti begonnene Palasl des Gosimo Medici später Pal. 
Riccardi, jetzt Präfektur) an der Via larga Gavour) zu Florenz, von 
Michelozzo (Fig. 171 u. 172); später innen stark umgebaul und zugleich ver- 
grössert, doch sind u. a. noch vorhanden die wohlangelegten Treppen neben 
dem Hallenhof. 

(Francesco Sforza hatte dem Gosimo einen Palasl in Mailand ---.henkt: 
dieser sandte Michelozzo hin und liess einen neuen Bau, bloss Erdgeschoss und 
Obergeschoss errichten, der an geschickter Aufeinanderfolge, richtiger Anlage 
und Schmuck der Räume als ein Wunder galt. Umständliche, aber nicht an- 
schauliche Beschreibung aus dem XXI. Buch des Filarete (§ 31), abgedruckl 
in den Beilagen zum Anonimo di Morelli. Jetzl Gasa Vismara in Via de' Bossi; 
erhalten isl nur das Portal mit der spielenden Prachl seiner Skulpturen (jetzt 
übertragen nach dem Museo archeologico im Kastell, Corte ducale) und die 
untere Halle des ersten Hofes, Rundbogen auf achteckigen Pfeilern. 

Das Lebensprinzip der toscanischen Fassade ist die völlig gleichmässige 
Behandlung, das Verschmähen jeder besondern Charakteristik der Mittel- 
partie oder der Ecken, des sogen. Gruppierens. 

Beweis einer hohen Anlage der florentinischen Kunst, die in einem schmuck- 
liebenden Zeitalter auf alles, was irgend die Aufmerksamkeit teilen konnte, auch 
auf Prachtpforten verzichtete, und die Mittel gleichmassio- auf das Eine Ganze 
verwandte. 

Seihst wo etwa die Fenster prächtiger gestaltet sind, wie z. 11. am Palasl 
Pius II. zu Pienza, sind sie doch inner sich gleich. 

Von der Anlage des Innern und den dabei waltenden Absichten gibt 
Pius IL bei Anlass seines Palastes zu Pienza (Fig. 173) die wichtigste 
Rechenschaft. 

I'ii II. C lent. L. IX, p. t25 ss. Andere Stellen über Pienza II. p. 7^ 

IV. p. -Jon. VIII, p. 377, 394. IX. p. 396. Vgl. §8, 11. K); dazu die Publi- 
kation von Mayreder, Bender und Holtzinger in der Allgem. Bauzeitung 1882 
Säle jeder Bestimmung, darunter Speisesäle für drei verschiedene Jahres- 
zeiten, hegen bequem um den Hallenhof, teils in dem gewölbten Erdgeschoss, 
teils darüber. - ■ Rechts an der Halle liegl wie im Pal. Medici' die sachte 
Haupttreppe; 20 breite Stufen, jede aus Einem Stein von 9 Fuss Länge, führen 
zu einem Absatz mit eigenem Fensler. und l'd von da rückwärts in den 
Korridor; dasselbe -ill auch von der Treppe des zweiten Geschosses. Wendel- 
treppen, damals ein Hauptanlass zur Pracht in nordischen Königsburgen, -allen 
den Toscanern nur noch für erlaub! in den Diensträumen, wie jene Schilderung 
von Gasa Vismara andeutet, und als geheime Hilfstreppen.) Der erste Stock 
hat nach dem Hof zu keine Halle mehr, sondern einen geschlossenen Korridor 
mit viereckigen Fenstern und Qacher Kassettendecke; von ihm aus führen Thüren 
rechts in einen Saal, zu welchem zwei Zimmer und ein Kabinetl gehören, links 
in den Sommerspeisesaal, an welchen die Kapelle stösst. An der hintern Seite 
welche nach aussen der schönen Aussicht zu Liebe in drei Hallen übereinander 



e 



XI. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 



st, findet sich jener grosse Saal mit mehreren (hier sechs) sym- 
metrischen Thüren, welcher seither in den italienischen Palästen gewöhnlich 
als Wartosaal. festlich mit Teppichen geschmückt aber als Zeremoniensaal 
dient: die Thüren der Schmalseiten führten hier in zwei Prunkzimmer. Das 
5t< G - 5s Matte dieselbe Anlage wie das initiiere, nur in weniger reichen 
Formen. Der Bau voller Lieht und Bequemlichkeit (nur für die Küchen ein 
erei Ausbau hinten); überall Gleichheit des Niveaus und nirgends eine 
■ zu steigen. Der Blick der Hauptaxe gehl durch Vestibül, Hallenhof, 
Hinterbau und Aussenhalle bis aus Ende des Gartens. (Vgl. § 97. 

In den Höfen büeb die toscanische Schule im Ganzen der Säule getreu, 

bis tief in die Zeiten des Barockstyles ; ein l'rbild besonnener Kleganz /.. 1!. der 

von Pal. Gondi in Florenz von Giul. da Sangallo). Der Charakter des 

Steines, pietra serena, passte 
trefflich zu der einfachen 
Zierlichkeit sämtlicher For- 
men solcher Höfe (Fig. L74). 
Wohl einzig in seiner 
Art ist ein um 1 i!»<) ent- 
worfenes Projekt Giuliano 
da Sangallos zu einem Medi- 
ceerpalast an Via Laura in 
Florenz (Skizze in den 
Offizien, reproduziert von 
Redtenbacher in der Allgem. 
Bauzeitung 1879, S. 2 . ein 
Lau halb Stadtpalast, halb 
Villa, frei inmitten von Gär- 
Ifii gelegen, dreiseitig einen 
I Inf mit amphitheatralischen 
Sitzreihen umschliessend, 
durch Risalite und Flügel- 
bauten mächtig gegliedert; 
im Einzelnen alles streng 
symmetrisch. Line Vorstudie hierzu scheinl der I t88 datierte Plan im Skizzen- 
buch des Giuliano auf dei Biblioteca Barberini in Rom. — Ob nicht der aus 
flüchtigen Skizze des Serlio wenigstens in den Grundzügen bekannte 
zum Palast von Poggio reale bei Neapel, den Lorenzo de' Medici dem 
Giuliano da Majano entworfen haben soll (§ 118), auf dieser neuen Idee de< 

3St? 







Sa 



Pal. Serristori zu Floren/. (Nohl.) 



i) Diese Öffnung eines Palastes nach der Gartenseite hin ist noch bis in die neuere 

i italienischen Palästen nicht selten gewesen, nur hal man hie and da das schon 

gemauert, um : ene Räume zu gewinnen. Am Pal. Farnese in 

B ei Gartenseite grosse offene Ballen, allein die des 

rt, als die Galeria des ^.nnibale Caracci an dieser Stelle 
hönes Beispiel: die Gartenseite des Pal. di Firenze in Rom. 
■ . 



S 92. Einfluss des toscanischen Palastbaues. 



199 



§ 92. 
Einfluss des toscanischen Palastbai • 

Es bildete sich eine allgemeine Voraussetzung zu Gunsten toscanischer 
Palastbaumeister. Gegen Ende des XV. Jahrhunderts erhielt auch das 
florentinische Hans durch Bacci<> d'Agnolo diejenige Weihe der Form, welche 
Grösse und Pracht des Palastes vergessen lässt. 

Die Verbreitung der toscanischen Meister und der Rustika durch Italien 
§ lö und § i<>. Die LJngenügsamkeit des Federigo von Urbino und Lorenzo 
magnifico § 11. Giuliano da Sangallos vielseitige Thätigkeil § 59. Offenbar 
verlangte man weniger die toscanische Fassade als vielmehr dir treffliche An- 
ordnung des Innern. 

Wer in Franc. Maria Grapaldus, de partibus aedium, über die Kunstform 
des Hauses Belehrunir erwartet, wird sich getäuscht finden. 

Über Baccio d'Agnolo (1460 l">i"> . den Vater zweier nicht unwürdiger 
Söhne, s. Vasari Y. p. 351, 354 (Le M. IX. p. 225, 227 1 und s, 102. ("'her seine 




Fig. 176. Palast von (Jrbino. Grundriss. 

seither zum Namen Palazzi emporgedrungenen Häuser: Bartohni Fig. i"> S. 91 . 
Serristori (Fig. 17ö), Levi, Roselli etc. vgl. den Cicerone d. Verf. II. S. 287. 
In Siena eine besonders edle Hausfassade: Pal. della Giaja (jetzt Constantini) 
ebenda II S. 1 iiT>. - Im Ganzen isl wohl das Wegbleiben der Rustika 
für das Haus im Gegensatze zum Palazzo bezeichnend, doch durchaus nicht 
immer. Die Beschränkung des Umfanges und der Formen zugleich war und 
blieb in jedem einzelnen Falle Sache des feinem künstlerischen Gefühls. 



§ 93. 
Der Palasl von ürbiuo and die Bauten der Ro magna. 

Neben Palazzo Ätedici gall im XV. Jahrhunderl besonders der Palast 
von Urbino als in seine]- An klassisch; später gesellte sich als dritter 
hinzu der gewaltige Backsteinpalasl der Bentivogli zu Bologna. 






\1. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 



Über den Palast von Urbino s. Vasari II. p. 661 s., im Kommentar zur 

vit. di Baccio Pontelli, und III. p. 70, Nota I Le M. IV. p. 205, Nota), v. di 

Francesco di Giorgio; dazu Antonio di Francesco da Mercatello (1480), im Cod. 

Vat. Urb. lat. 785 i scerpierl bei Schmarsow, Melozzo da Forli, S. 353 11'.. sowie 

»He weitere dort zitierte Literatur und die Analyse des Baues und endlich »las 

Prachtwerk von Arnold, der herzogl. Palast von Urbino, 1857. -- Der grosse 

son Montefeltro baute und schmückte an dem Palast seil 1447; seil 

ist Luciano da Lauranas Thätigkeit am Baue nachweisbar; ein Patent 

. s von 1468 bestätigt ihn offiziell als Oberleiter des Baues, den er in 

allen wesentlichen Teilen zu Ende geführt hat (Fig. 176); von ihm, nicht von 

Baccio Pontelli, rührt nach Mer- 
catello der herrliche Hallenhot' 
her (Fig. 177), sowie die Biblio- 
thek, das Studio und die Prunk- 
säle. An der inneren Aus- 
schmückung nahm (doch nicht 
vor 1 179; vgl. Vasari II, p.669ss.; 
Müntz, Les arts ä la cour des 
papes III. p. 75 s.) Baccio Pon- 
telli als lignaiolo Teil, der auch 
dein Lorenzo magnifico auf ein 
ihm durch Giuliano da Majano 
überbrachtes Ersuchen eine ge- 
naue Aufnahme des Palastes 
1481 übersandte; Gaye, car- 
teggio I. p. 274. Überhaupt 
genoss der Palast . obwohl 
auf schroffem und ungleichem 
Grund gelegen und daher aussen 
unregelmässig, den höchsten 
Ruhm durch seine vollkommen 
zweckmässige Anlage und fürst- 
liche Pracht. Die Haupttreppe, 
laut Vasari die trefflichste, die 

es Ins damals galt, ist doch auf 

; i>- noch sehr das in Treppen bescheidene XV. Jahrhundert bezeich- 

Von Laurana rührt wohl auch der schöne Hallenhof 

in dem kleinen herzoglichen Palast zu Gubbio her (1474 80), ..einem der 

,. die man gehen könne", wie die in § i- erwähnten venezianischen 

n urteilten. (Vgl. die Publikation von Laspeyres in der Zeitschrift 

Neben dem P m Urbino und dem Pal. di Venezia zu Rom rühmt 

Filippo de Lignamine (sehr. 1474, abgedr. bei Eccard, scriptores I. Gol. 1312) 

( trafen Tagliacozzo in Bracciano und <\t^ 
von Trani, in Vicovaro, welche an Pracht, Gartenanlagen, 
• ; , und Grösse der Säle miteinander welteiferten. 
Dei Pa igna, -'hon 1506 zerstört, nicht Vorbild, 







Hof im Palast zu Urbino. 



§ 94. Der venezianische Typus. 



201 



aber vermutlich höchste Blüte des romagnolischen Backsteinbaues; Paul Jovii 
elogia, sub Jo. Bentivolo; vgl. Kultur der Renaiss. S. 509. — Mehrere Mit - 
glieder dieses halbfürstlichen Hauses hatten noch ihre besondern Paläste. 

Über Bologna und die Romagna überhaupt § 6, 1-5. Die bolognesischen 
Fassaden bilden in ihrer Längenrichtung keine geschlossenen Kompositionen, 
da ihre Erdgeschosse den fortlaufenden Strassenhallen gehören. In Ermange- 
lung einer bestimmten Mitte kann dann auch die Pforte, ohnehin im Schatten 
der Halle und >l.t I i«t kein Gegenstand des Schmuckes, angebracht werden, wie 
es bequem ist. Höfe und Treppen, auch abgesehen von der oft grossen Schön- 
heit der Formen, meist glücklich auf nicht grossem Raum angeordnet, und zwar 
bis spät in die Barockzeit hinein, i Die Höfe vgl. § t6, Fig. 17s. 17!» u. 180. 

In Ferrara der unvollendete und halb verfallene Pal. Scrofa , von l>i 
l.ussetti, 1502, mit prachtvollem Hallenhof, an welchem nach dem Garten eine 
Säulenloggia und ein quadratischer, mit trefflichen Fresken ausgemalter Saal 
stösst (Fig. 181; vgl. Fig. 37 S. 80). 



§ 94. 
Der venezianische Typus. 



Venedig, welches in Betreff der Palast- 
koniposition eine fertige gothische Erbschaft 
antrat, ist die Heimat des Gruppierens und 
auch in diesem Sinne Gegensatz und Er- 
gänzung von Florenz. 

Für das Folgende Sansovino, Venezia, 
fol. 139 ss. und Serlio, L. III, fol. 7ü. auch L. IV. 
passim. Sabellico ist nur für die Dekoration, 
nicht für die Anlage ergiebig, l'her die gothi- 
schen Paläste § 21, über die Inkrustation der 
Sequenzen § t2, \->. 

Ein grosse] Raum mit zwei Reihen von Nebenräumen geht durch die üb- 
lichen drei Stockwerke hindurch und öffnet sich ziemlich gleichartig nach einer 
Kanalseite und einer Gassen- oder Platzseite. Im Erdgeschoss eine Thür, resp. 
Wusserpforte und kleinere Fenster; die Nebenräume zum Teil als Keller dienend. 
In den zwei obern Geschossen ist der Hauptraum ein durchgehender Said mit 
jenen grossen Loggien oder Fenstergruppen an beiden Enden und symmetri- 
schen Thüren zu beiden Seiten; daneben auf beiden Seiten Zimmer mit je 
zwei Fenstern. 

Die Fenster haben meist Balkone. (Die strengere Architektur verwarf 
die auf Konsolen schwebenden Balkone, vgl. § 102, und Serlio gib! im IV. Buch 
deshalb eine schöne venezianisch.- Fassade, an welcher die Balkone durch das 
Zurücktreten der obern Mauer ganz sicher und fest auf die Mauer de- Erd- 
geschosses zu ruhen kommen.) (So schon am Pal. de! Podesta zu Bologna, 
1 1,92 3S. 

Die Treppen, meist in den Nebenräumen, bedeuten hier nicht viel, um 
-i' mehr wurden einige nicht in Privatpalästen befindliche bewundert: die in 




Fi:,'. 17s. Maus zu Bologna 
(neben Pal. Pepoli. X.i 



Fassaden und deren Kon- 



2 



XI. Kapitel, l'ie Komposition des Palastbaues. 




i s. Mar.,, und die glücklich angelegte und würdevoll verzierte in 
Scuola di S. R< i ^ 87), sowie die Scala d'oro im Dogenpalast. 
Höf( a sie vorhanden sind, gewinnen lange Zeil keine selbständige Be- 
deutung und dienen nur dazu, einiges Lieh! zu schaffen für «las Gebäude so- 

____________ wohl als für die Zisterne, 

deren Wasser nur dann 
für gesund gilt, wenn ladt 
und Luid Zutritt haben. 
Zu Anfang des XVI. 
Jahrhunderts, seit der 
letzten grossen Steigerung 
des Bauaufwandes <i; 12 1, 
wurde auch der kostbare 
Raum weniger gespart, 
und Sansovino und San- 
micheli durften Höfe mit 
Pfeilerhallen anlegen und 
auch am Äusseren die 
klassischen Können im 
grössten Massstab auf das 
gegebene Kompositions- 
motiv anwenden. 

I »iese Höfe hiessen 
alla romana gebaut.— Jac. 
Sansovino baute „nach 
den Regeln Vit ruvs- Pal. 
Deltino, Pal. Cornaro etc. 
Sanmicheli, noch 
freier, öffnete am Palazzo 
( rrimani diet Ibergeschosse 
zu Riesenfenstern gleich 
Triumphbogen. Auch an 
seinem Palast lie\ ilacqua 
zu Verona i Fig. L82) gab 
erdemObergeschöss, über 
einemRustikaerdgeschoss, 
den < lharakter hoher Fest- 
lichkeit ; am Palast. I'om- 
pei ebenda den ( lharakter 
ernster Pracht (Fig. 183). 
Mailand hat bei einer Fülle trefflicher Bauten doch keinen besondern 
Palasttypus, und Genua erhalt den seinigen erst später. Neapel ist auf- 
fallend arm an Palästen der guten Zeit, 
mailändisi hen Backsteinhöfe etc. 



Fig. 179. Pal. Pizzardi zu Bologna. (L.) 







■ - / I 



S i(i. Über Genua S 105. 



In 



im W. Jahrhundert die Vorliebe für grosse Einfahrten be- 



§ 95. Rom and s.ine Bauherren. 



203 



merklich; das einzig wahrhaft klassische Gebäude, Pal. Gravina von Gabriele 
d'Agnolo, ist so umgebaut, dass es besser nicht mehr vorhanden wäre. 

Rom und seine Bauherren. 

Rom, welches sich die Kräfte von ganz Italien aneignet. ha1 nichl 
nur wegen verschiedener Herkunft der Künstler, sondern wegen sehr ver- 






Fig. 181 Pal Scrofa zu Ferrara. (L.) 



schiedener Absichten der BauheiTen anfangs keinen herrschenden Palast- 
typus. Es ist in den Jahren 1500 1540 die Stadl des stets Neuen und 
Abweichenden, der grösste Tauschplatz architektonischer [deen. 

Letarouilly, 6difices de Rome moderne, III T s. 

Die Bauherren : die vornehmen Häuser, welche sich früher mit dem I 
wesen von Landbaronen begnüg! hatten; ihr Massstab steig! seil l i7<». da z. I!. 
ein Orsini den Palasl zu Bracciano baute non tarn ad frugalitatem romani pro- 






XI. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 




Pal In \ Llacqua zu Verona, i Baidinger.) 



q Uam ad roraanor. pontificum dignitatem; Jac. Volaterran. bei 
Will. Gol. 147. 

ehern Kardinäle und ihr wachsender Bauluxus seil Pius II. vgl. § 8. 

-.,, verschwenderischer Nepol Kardinal Pietro Riario; 

bei einem fürstlichen Empfang in dessen Palasl die früheste bekannte Venti- 



§ 95. Rom and seine Bauherren. 



205 



lation, freilich nur als Vorrichtung des Augenblicks, mit Blasebälgen '117.;. 
vgl. Corio, storia di Milano. fol. i\7 ss. Vyl. unten § 1^8.) 

Gegen res]«, seit 1 .">< » ) : Palazzo della Gancelleria, erbaul füi Kardinal 
Rafael Riario (vgl. S. (17. Anm.), — Pal. Giraud-Torlonia (für Kardinal Hadrian 
von Gorneto), — dann Pal. Farnese (für Paul 111. als Kardinal), u. a. m. 

Von Prälaten jeden Ranges, Schreibern der päpstlichen Kurie u. -. \\. 
sind mehrere der wichtigsten kleinern Paläste und Häuser gebaut. Zum Teil 
wohl, weil es keine sichere Anlage des Yerni("«v.en< u;d« und weil man keine 
Leibeserben hatte. Dazu die Baulusl und die Sorge für Unvergänglichkeil des 
Namens, den man -eine in allen Friesen wiederholte. 








Fig. 183. Pal. Porapei zu Verona. 



Der Bauwetteifer welllicher Familien sucht einen bestimmten Rang gleich- 
artig auszudrücken: derjenige geistlicher Neuen isl frei der Originalität hin- 
gegeben. 

Auch wer sein Erdgeschoss zu Buden vermietete, wollte doch einen Palasi 
haben, so dass die Miete den grössern Bauaufwand decken half. So an Bra 
mantes Pal. Caprini (später Rafaels Haus), an Pal. Vidoni-Caflfarelli und am 
Hause des Branconio d'Aquila (Rafael, s. unten), an Pal. Maccarani und Ciccia- 
porci iGiulio Romano), an Pal. Niccolini (Jacopo Sansovino ; meisl Prälaten- 
bauten. 

Die bedeutenden Palastbauten der Päpste wirkten natürlich in manchen 
Punkten auch auf den Stil der Privatpaläste ein. 



Die r ö in isch »• n F assa d e n t y p e o. 

Rom besitzl zunächst die edelsten Rustikafassaden mit Pilastem an 
Palästen Bramantes. 






XI. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues, 



Pal. Giraud-Torlonia und die Gancelleria, § U), ö»;. !>,">: Fig. 24 u. 25, 
3 • B Die vorbramantesken Fassaden § II. 

Den geraden Gegensatz hiezu bilden eine Anzahl Kassaden mit kon- 
sequenter Scheidung von Stein und Mauerwerk, so dass Sockel, Fenster, 
Thüren, Simse und Ecken, sämtlich aus Stein in kräftigster plastischer Bil- 
dung (§54), aus einer Mörtelfläche vortreten, die Ordnungen von Pilastern 
und PTalbsäulen aber wegbleiben. 

Wenn man von einem römischen Palasttypus sprechen will, so ist es am 
< -tri) dieser. 

- früheste Beispiel grosser Mörtelflächen, aus welchen nur Simse, Fenster 

und Portale vortreten noch ohne Rustika an den Ecken : die West- und Nord- 

om Hauptbau des Palazzo di Venezia (unter Paul IL, 1464 — 1471), al> 

Bekrönung noch ein Zinnengang über Konsolen (Fig. 21, S. 65). 

Dann die völlige Ausbildung des Typus: Pal. di Sora, mit Unrecht dem 

uante zugeschrieben. 

Das vorzüglichste Beispiel nicht in Rom selbst, sondern in Fluren/.: Pal. 




I 



■■ ■■ -!- . 



;: 







Fig. ISJ Pal. Pandolfini zu Floren/.. (Nach Bühlmann.) 



Pandolfini, 1516 L530 Dach Rafaels Plänen von Francesco da San^allo erbaut 
_ 184), mit schönster Krafl des Detail- und edlen Verhältnissen. 

Dagegen das »rösste und einflussreichste Beispiel: Pal. Farnese in Rom, 
■._■■ :••!! Antonio da Sangallo begonnen vor 1534 (Fig. 185). 

Pal. Sciarra Fig. 186 ; Pal. Ruspoli u. a. m. 
Als man den Fenstern kräftige Einfassungen und selbsl vortretende Säulen 
51), konnte das Auge die Pilasterordnungen sehr wohl entbehren. 
Neben diesem Typus, welcher dann lange der herrschende blieb, wai 
Doch eine andere, ruhmvolle Gruppe von Gebäuden entstanden, deren 
Hauptcharakter, bei grossen Unterschieden, in einem sehr starken Gegen- 
den Erdgeschoss und Oberbau lag. Seitdem l'.ramante eine starke 
plastische Ausdrucksweise vertritt, fügl er gern Ealbsäulenordnungen, sogar 
verdoppelte, sein Schüler Rafael dann auch noch Nischen hinzu; das Erd- 
gescl • -t in mächtiger Rustika (bisweilen freilich nur aus Gussmauer- 

werk); die übrig bleibenden Flächen oft als quadratische Maueifelder ein- 
gerahmt. 



§ 96. I'ie römischen Fassadentypen. 



207 




Hf 



Die massgebenden Bauten waren Bramantes Pal. di S. Biagio an Via 
Giulia (das von Julius II. projektierte Justizgebäude) und Pal. Caprini (jetzt 
Pal. de' Gonvertendi au Piazza Scossacavalli). Der erstere Bau, nur im Erd- 
geschoss ausgeführt, war mit 
einer Fassadenlänge von reich- 
lich !»7 Metern entworfen, über 
der Mitte und an den vier 
Ecken sollten sich Thürme 
erheben; Pal. Caprini, 1517 
von Rafael erworben, i-t gegen 
löso im Äussern gänzlich ver- 
ändert; vgl. den Stich des 
Lafrerio Fig. l s 7) und dazu 
Gnoli im Archivio stör, dell' 
arte, II, p. 145 - 

Von Rafael: Pal. Vidoni- 
< iaffarelli in Rom, später teil- 
weiseverbaut andvergrössert ' 
(Fig. 188 . Ohne Rustikaerd- 
geschoss und Halbsäulen, aber 
ebenfalls majestätisch kräftig 
in der Bildung der Fenster, 
Ecken . Simse etc. : l'ai. Pan- 
dolfini in Florenz. 1516 30 
nach Rafaels Plänen von Fr. 
da Sangallo erbaul (s. oben). 

Kiu Inbegriff aller For- 
men, welche Rafael nach den 
Gesetzen des Schönen in Eine 
Fassade zusammenzudrä ngen 
sich getraute: das im Jahr 1667 
zerstörte, durch einen Kupfei - 
stich und durch ein Aquarell 
des Parmigianino in den Uf- 
tizien) bekannte 1 laus des Bran- 
coniod'Aquila, eines päpstlichen 
Camerlengo. sonsl fälschlich 
als llafaels eigenes Hau- be- 
zeichnet - Fig. 189 : Vasari IV. 
p. 364, Nota 2 (Le M. Uli 
p. i:'». Nota), v. di Raffaello. 
Unten, in fünf grossen Bogen 

mit dorischen Halbsäulen, die linden nebst den Fenstern eines kleinen Halb- 
stockwerkes darüber; im Mittelstockwerk fünf Fenster mit kräftigen Giebeln 





Fie. 185. Pal. l-'.e 



l ) Pal. Qguccioni in Florenz, mil doppeltem Obi früher 

i zugeschrieben, isl gegen 1550 von Mariotto >li Zanohi Folfi erbaut. 



208 



XI. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 



und Halbsäulen, dazwischen Nischen für Statuen: über den Giebeln liefen 
prächtige Stuccoguirlanden hin, zwischen welchen sich die Luken eines zweiten 
Halbstockwerkes befanden; endlich die fünf Fenster des Obergeschosses mit 
oblongen, besonders eingerahmten Mauerfeldern dazwischen. 




: 



Fig. 187. Pal. < laprini in Rom, 



Füi dies Gebäude und die sonstigen Paläste Rafaels vgl. hei v. Gey- 
müller, Rafl izio studiato come architetto, den wichtigen Abschnitt 

p. .".1 59. 

Die ade des Pal. Spada Vasari VII, p. 70 Le .M. XII. p. 102), 

v. di Dan. da Volterra . von Mazzoni ("Fig. 190), isl trotz ihrem Effekt nur eine 
Nachahmung des Palastes d'Aquila; doch die Hoffassade be- 
trächtlich . 



§ 96. I 'i' - römischen Fassadentypen. 



209 



Im Gegensatz zu diesem Allem zeigen die in § 95 genannten Fassaden 
des Giulio und Sansovino eine kräftige und angenehme Wirkung durch die ein- 
fachsten Mittel; oben meisl eingerahmte Mauerfelder. 

Die möglichste Einheil des Kranzgesimses (§ 38) wird in Rom an 
den verschiedensten Fassaden aach Kräften behauptet. 




Fig. I ss . Ehemaliger r I inio d'Aquila in E) tnüller. 



Au der hinteren Fronte des Pal. Farnese nimml die grosse dreiboj 
Loggia i\<-- Giacomo della Porta die Mitte ein, ohne vor- oder zurückzutreten; 
sie erhiell ein besonderes, leichteres Kranzgesimse, dessen oberster Rand je- 
doch mit dem des ganzes Palastes (von Michelangelo, § 50) in Einer Linie 
fortläuft. 

Der Barockstil h.it erst um die Mitte des WM. Jahrhunderts diese Sitte 
völlig sprengen können. 



Burckhardt, Ualie B 



II 



210 



XI. Kapitel. l>ie Komposition des Palastbaues 



g 97. 
B ömische Palas thö i e. 

Die Palasthöfe Roms umfassen alle innerhalb dieses Stiles denkbaren 
Kombinationen, den erhabensten Pfeilerbau mit Halbsäulen, die schönsten 
Säulenhallen, die geistvollsten Fiktionen, welche grosse Motive in einen 
kleinen Raum zaubern, endlich die genialsten Hilfsmittel, um mit wenigem 
Stoff und Kaum einen noch immer monumentalen Eindruck hervorzubringen. 
Es sind zum Teil Triumphe des Proportional-Wohlthuenden und des Optisch- 
Schönen. 

Pfeilerhallen mii Halbsäulen: Das wichtigste Beispiel aus dem XV. Jahr- 
hundert: die nur teilweise ausgeführte Halle im grössern Hole des Palazzo di 
Ven § 37); dann aus dem XVI, Jahrhundert und höchst vollkommen: 




■"im 3mI . ÄiiÖi 




;.«.-. 



Fig. 189. J'al Vidoni-Caffarelli in Rom. Nach Geymüller. 



der Hof von Pal. Farnese (Fig. 191) von Antonio da Sangallo d. J., wohl nicht 

ohne Einfluss des Bramanteschen Entwurfes für das Gerichlsgchäude an der 

Via Giulia § 96 ; die zwei untern Stockwerke in nahem Anschluss an das 

ellustlit-af'-r. d.i- oht-rste (von Michelangelo geschlossen, mit Fenstern. 

Dei Säulenhol dei Cancelleria (Fig. 192) , von den besten Verhältnissen 

■ I Breite und Hohe, mit zwei Bogenhallen auf dorischen Säulen 

ringsum; darüber ein geschlossenes Obergeschoss mit korinthischen Pilastern; 

die Säulen wahrscheinlich aus der anstossenden Kirche S. Lorenzo in Damaso, 

welche dafür Pfeiler und eine neue Gestalt erhiell (§ 77). 

Der achteckige Pfeiler, welcher um die Mitte des XV. Jahrhunderts öfter 
(Fig. \'.):>). hatte, seil Bramante sich nirgendwo mehr blicken 

■ ■ ! I . 

A> Säulenhöfe der goldenen Zeit: in Pal. della Valle, in Pal. 

LS der Spätrenaissance : Pal. Lancelotti. 



§ '.!,. Römische Palasthöfe. 



211 



In mehreren Höfen, zum Teil von kaum bekannten Architekten, ist die 
Pfeilerhalle zwar bloss auf einer oder zwei Seiten wirklich geöffnet . auf den 
andern Seiten aber als Abbild wiederholt und mit Wänden ausgefüllt, welche 
Fenster (zum Teil nur falsche) 
enthalten ; auch das obere Stock- 
werk wird auf dieselbe Weise 
ringsum geführt; erst durch 
diese schönste und erlaubteste 
aller Täuschungen kommt eine 
strengere Harmonie in die «.ranze 
Anlage. Vielleicht das früheste 
Beispiel Pal. Linotte Regis) in 
Rom (Fig. L94), dem Ant. da 
Sangallo d. J. oder dem Peruzzi 
zugeschrieben; begonn sn 1523 
für einen französischen Prälaten. 

Auch in ganz kleinen Di- 
mensionen wird bereits in dieser 
Zeit durch weise Benützung 
eines Durchblickes und Licht- 
einfalles, mit Hilfe weniger 
Säulen, eines Brunnens oder 
Garteneinganges ein höherer 
Eindruck hervorgebracht. 

(Wie vieles hievon beim 
jetzigen Umbau von Rom erhal- 
ten bleiben wird, steht dahin.) 

Grosse, wenigstens be- 
absichtigte Perspektive : Laut 
Mi« helangelo sollte man im Pal. 
Farnese durch die Einfahrts- 
halle mit ihren dorischen Säulen. 
durch den Hof und die hintere 
Halle den farnesischen Stier als 
Brunnengruppe erblicken ; in der- 
selben Achse sollte eine Brücke 
über die Tiber in die Gärten 
der Farnesina führen; Vasari 
VII. p.224s.(Le M. XII, p.232), 
v. di Michelangelo. \>A. >• !M 
den Palast von Pienza. 

Ausser aller Linie stellen 
die beiden I taupthöfe des Vati- 
kan: Cortile di S. Damaso \,m Hramante und Rafael (Hof der Loggien, vgl. 
§ 60), und der ungeheure Haupthof (§ 35, begonnen 1503), leider nie ganz 
zur Ausführung -relangt; ein unterer Hof und ein oberer Ziergarten, Giardino 
della pigna . durch gewaltige doppelte Rampentreppen (§ 117, 126, Fig. 195) 




Fig. 190, Pal. Spada zu Born. (Baidinger, nach Letarouilly.) 






XI. Kapitel. I >ie Komposition des Palastbaues. 



inander verbunden, an deren Stelle sich jetzt Biblioteca, Braccio nuovo etc. 

welcher den Giardino della 
pigna umgibt, bildel eine 
kolossale Apsis, bekrönt 
von einem halbkreisförmigen 
Säulengang. 



den letzten Abschluss des Hallenbaues 









§ 98. 

Die n n re g e 1 ra ässige o 

Gm n dpi an e; die Zw i sehr n- 

stock w c rk c 

Rom ist feiner die 
Stätte, wo die Architekten 
aui engem und unregel- 
mässigem< rrundplan edel und 
monumental bauen lernten. 
Florenz hatte von je- 
her zu viele gerade Strassen, 
als dass wertvolle Bauten 
sich hätten in hoffnungslos 
schiefe und krumme Bau- 
plätze schicken müssen. In 
leim drängte sich unter 
Julius 11. und Leo X. alles 
auf das Marsfeld, Via Giulia, 
Umgegend des Pantheon, der 
Piazza navonaetc, mit einem 
Worte, in das Strassengewirr 
i\*'< verkümmerten mittel- 
alterlichen Roms. 

Baidassar Peruzzi wandte 
alle Schätze des reifsten 
Studiums auf den in krum- 
mer und (bis 1888) enger 
Strasse gelegenen Pal. Mas- 
simi (alle colonne, seit 1535), 
gab die Fassade als Ganzes 
preis, erhob aber deren Krüm- 
„„„._ Motiv des höchsten Reizes in dei Halle des Erdgeschosses 

rreppen, Säle und einen nur kleinen, aber einzig 

Hol § 35 auf den unregelmässigen Grundplan in bewundernswerter 

. Einzelformen sind von, Besten der goldenen Zeit. 

[ n Fig. 194) hat Ant. da Sangallo d. J. (?) auf ge- 

,, n ichl unregelmässige] Grundfläche einen höchst edeln Bau 

,|,.- Höfchens und der Treppe errichtet (§ 97). 
L. vil, p. 128 die früheste Anweisung, wie man sich bei un- 









• (rkaden. 
(Nach Bühln 



§ 98. Die unregelmässigen Grandpläne; die Zwis :werke. 



213 



regelmässig! Grundplan überhaupt zu helfen habe, wahrscheinlich nach 
spielen ans Rom. 

In Rom kommen um diese Zeit die Zwischenstockwerke oder Mezza- 
nine mehr in Gebrauch, ohne doch bei den bessern Architekten nach a 
den Charakter eines wirklichen Stockwerkes zu erhalten. 








Fig. 192. Der Säulenl, i elleria. 



Kleiner Pal. • 1 i Vem 
II, .r. (Nohl i 



Oberste kleinere Geschosse für die Dienerschaft, mit kleinen Fenstern, 
welche dann gerne den obersten Fries einnehmen, sind längs! und überall vor- 
handen. 

Die römische Neuerung besteht darin, dass auch «li' 1 Herrschaft in der 
Mitte des Hauses niedrigere Räume verlangt, und zwar für leichtere Heizbar- 
keit im Winter, wie Serlio ausdrücklich bez< 

Wenn ferner irgend ein Stockwerk grosse und kleine Räume i 
ander enthielt, so musste in letzteren, oft weit unter der wahrei D 
falsche eingesetzt werden und es entstand ein leerei Raum (ein sogen. \ i 



14 



XI. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 



den man sonst häufig den Mäusen und dem Dunkel iiberliess, nunmehr abei 
■ zu Zwischenwohnungen benützte. Serlio, L. VII, p. 28: Tutti li luoghi 
rnediocri et piccoli si ammezzaranno per piu commodita, d. h. sobald ein Raum 
zu klein ist für die allgemeine Stockwerkhöhe, halbier! man ihn. 




Fie-. 1!'4. Pal. Linotte zu Rom 



Einstweilen aber werden die betreffenden Fenster nach aussen immer nur 

in einem Fries, oder im Sockel der nächstobern Qrdnung, 

innerhalb derselben Fläche mit dem darunter befindlichen Hauptfenster (so 

in di i von Bramantes Gancelleria (Fig. 24) und Pal. Giraud 

Fig 21 r in der Füllung eines Bogens. Seil L540 proklamiert sich das 

Mezzanin nach au besonderes Stockwerk, nichl zum Vorteil der Kom- 

he in der guten Zeil möglichst wenige und grosse Abteilungen liebte. 



s, ( .U). I'ie römischen Treppen. 



215 



Au Sanmichelis Palästen zu Venedig und Verona, § 94, kommen sehr 
kühne Einteilungen vor: doch hat er das Mezzanin einstweilen nur im Hof des 
Pal. Ganossa zu Verona als besonderes Zwischengeschoss gegebi 

§ 99. 
Die r ö m isch e n T r e p p e n. 

Auch die Treppen (vgl. § 91) verdanken Rom einen bedeutenden 
Fortschritt in das Bequeme und Emposante, wie dies in der Stadt der 
Zeremonien nicht anders sein konnte. 




i 










» 




Fig. 195. Querdurchschnitl durch den grossen Eof des Vatikans in seinem arsprüngUchen /- ■ 

oben der Giardino della Pigna. 



Alle Treppen des XV. Jahrhunderts kamen dem XVI. Jahrhundert steil 
vor; z. B. auch noch die des Gronaca im Pal. Strozzi und im Signorenpalast 
zu Florenz; Vasari IV. p. ii7. i r> 1 (Le M. VIII, p. 1:2<>. 124), \. di Cronaca. 

Bramante in verschiedenen (jetzt meist veränderten Räumen seines vati- 
kanischen Baues soll sich mit Stiegen jeder Art recht wühl zu helfen gewusst 
haben: Vasari IV. p. 148 Le M. VII, p. 133 . v. di Bramante, und doch sind 
die Treppen der Gancelleria noch relativ steil, ebenso die der Farnesina von 
Peruzzi oder Rafael ? . 

Die erste ganz bequeme, breite und mit durchgeführter Pilasterbekleidung 
versehene Treppe ist die des Pal. Farnese, vom jungem \nt. da Sangallo. 

Von da an wird keine tadelhafte Treppe mehr gebaut, sobald nur irgend 
die Mittel reichen. 

Auch die für die Bedienung, den Transport u. s. w. bestimmten Wendel- 
treppen, bisweilen ohne Stufen, für Maultiere gangbar, erhielten jetzt eine monu- 






XI. Kapitel. IMc Komposition <lt>> Palastbaues. 



tuent A sstattung; so die des Bramante im Vatikan (d'Agincourt, T. 57), mit 

iselnden l i i der Säulen des innern Randes. Andere berühmte Wendel- 

die des Giulio im Palast von Mantua, die des Genga in Monte I m- 

periale : ; Vasari V, p. 544 Le M. X, p. 106), v. di Giulio; VI, p. 319 

M. XI. p. 90 . v. di Genga; nicht viel später: die des Vignola in 

irola. 

In I ■ Entwurf zur Villa Belcaro bei Sieiia finde! sich eine scala 




Fie 19 !. II >t des Pal. Massimi zu Rom 



equitabilis mil breiten Stufen; ebenso in drei Skizzen zum Pal. Ricci in Monte- 

iano; vgl. Redtenbacher , B. Peruzzi und seine Werke Taf. 15 u. 17—19. 

Mi( _ is in Rom komponierte Treppe für die Vorhalle zur Biblio- 

! renz el he 30 \ iel Aufsehen machte, ist v\ ie die Vor- 

legreiflicher Scherz des grossen Meisters (Fig. 50, 

ii VI, p. 92 (Le M. X. p. 27:;. \. di Tribolo); VII, 

Le M. XII, p. 242). v. di Michelangelo ; Gaye, carteggio III, p. 12; 

e I, 5; en § 60. 



§ LOO. Die Paläste bei Serlio. 



21 












-ZT- 



§ 100. 

I> i .• Paläst e be i Serli o. 

Neben ilt'ii ausgeführten Hauten kommt vorzüglich Serlios Sammel- 
werk (§ 31) in Betracht, welches nicht sowohl eine vielseitige Rechenschaft 
über den ganzen damaligen Palastbau, als vielmehr zahlreiche teils eigene, 
teils von Baidassar Peruzzi erhaltene Zeichnungen, oft von sehr hohem 
Werte, enthält. 

Hauptsächlich zu Ende des III.. sowie im IV. und VII. Buche. Die Wir- 
kung dieser Publikation § li'. 31. Wir citieren nach der Quartausgabe. 

Serlio wendet bereits jene stärkern Ausdrucksmittel an, welche haupt- 
sächlich seit Rafael in Gebrauch' gekommen, § 51, 54, 96. Von Mezzaninen 
machl er reichlichen Gebrauch, doch 
ohne sie je aussen als eigenes Stock- 
werk anzuerkennen. 

Einige Idealfassaden des VII. Bu- 
ches S. I20ff. sollen insbesondere den 
Unterschied lehren zwischen: im' archi- 
tettura soda, semplice, schietta, dolce e 
morbida, und: una debole, gracile, 
delicata, affetiata, cruda, anzi oscura e 
confusa. 

Sehr schön und zum Teil wahr- 
haft endgültige Lösungen: die Hallen- 
fassaden etwa in bolognesischer Weise 
Fig. 197 oder für die Umgebung von 
grossen Plätzen L. 1\ ; Säulen mit 
geradem Gebälk (Fig. 198 - je zwei 
Säulen mit geradem Gebälk, dir Dogen 
tragend Fig. 199 ; einfache Pfeiler mit 
Bogen: Uo^eiipfeilei' mit rinn Halb- 
säulenordnung (Fig. 200) Pfeiler- 

massen mit je zwei Halbsäulen und 
einer Nische dazwischen; ja Gebäude, 
die zu seinen vorhandenen allzukurzen 

o ler allzuschlanken Säulen eigens erfunden sind. Zu all diesem komp 
er den Oberbau jedesmal neu. teils wiederum als (wahre oder scheinbare Halle. 
teils als geschlossenen Bau mit '"Irr ohne Ordnungen. Auch im VII. B 

einige Hallenfassaden. 

Unter den Fassaden venezianischer Art L. IV sind ebenfalls einige 
treffliche. 

Im VII. Buche ferne] Aufgaben auf unregelmässigem Grundplan S. 
Palastbau an Abhängen (S. 160, so ziemlich das genuesische Prinzip: der P 
vorn, an der Strasse, der Hof gegen den Abhang, der hier eine Mauerwand 
bildet; über dieser der Wasserbehälter). Wie ungleiche Fensterini 

durch symmetrische Wiederholung das Störende verlieren können gleicl 




Fie. 197 



:. Serlii 



21! 



\l. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 



rdia concordante eines mehrstimmigen Gesanges, lehrt er S. L68 ff. — 
Leider ist bei der Besprechung des Innern seine Definition von Sala, Salotto 
und Saletta S. l 18) durch Druckfehler unrettbar entstellt. 

3 neu französischen Patronen zu Ehren rede! er auch von grossen präch- 
. Dachschlöten und Dachfenstern, dergleichen die französische Renaissance, 
d. h. die mil nceformen bekleidete Gothik, aus dem Mittelalter über- 

nommen hatte. In Italien hatte man allenfalls die flüchtig verzierten vene- 
zianischen Schlote oder solche in GestaH von bemalten Zinnenthürmchen , wie 
auf »lern Palast von Pienza, aber ohne dass irgend ein Gewicht darauf 
_t worden wäre. Ein Anblick wie Chambord, wo die wichtigsten charakte- 



wrrniPig 




i — nr 



— - -^=p^f — ^ 



5 I 





Fassade nach Serlio. 



Fig. 199. Fassade nach Serlio. 



ristischen Bauformen auf das Dach verlegt sind, hatte in Italien durchaus nur 
Heiterkeil erregt. 

Alherti, de re aedificatoria , L. VI, c. 11: L. IX, c. i lässl als einzig 
wünschenswert" I lach/.ii-nlen Ohelisken. Laubakroterien und Statuen gelten, und 
auch dazu isl es im XV. Jahrhundert an weltlichen Gebäuden fast nie und im 
XVI. nur selten gekommen, zum Teil aus Ehrfurchl vor der Herrschaft des 
Kra 

§ 101. 
Öffentl [che Paläste; i h re Sä 1 e. 

Paläste für öffentliche Zwecke weiden besonders charakterisiert durch 
Säle und hallenmässige Öffnung nach aussen. Das Mittelalter mit 
seinem wirklichen politischen Leöen hatte die Gestalten solcher "Bauten 
eits im < Crossen festgestelll l § 21 ). 

Wir abstrahieren hier von den verschiedenen Namen und Bestimmungen: 

Palazzo del comune, -- della ragione, de! consiglio, de' tribunali, - de] 

de! prefetto etc. Die Bestimmungen haben ohnehin oft gewechselt. 



5 lul. Öffentliche Palast.-: ihre Säle. 



219 




Von den grossen Sälen ist kaum einer mehr in o Gestalt er- 

halten, welche ihm <lie goldene Zeit gab: auch die Sala de] gran consiglio im 
Dogenpalast und der obere Saal der Seuola di S. Rocco zu Venedig sind he- 
herrscht von spät-venezianischen Malereien ; dei 3aal im Signorenpalast 

zu Florenz war. so wie man ihn las in unsere Zeiten sah. erst das Werk 
Vasaris, der ihm indes doch einen reichen hinteren Abschluss zu geben wusste. 
Von demjenigen im Pal. comunale zu _____ — ^— — _ 
Brescia, sowie von dem im Innern des 
Pal. del Podestä zu Bologna befind- 
lichen (170 auf 74 Fuss, einst zum 
Konklave Johanns Will., später zum 
Theater und zuletzt zum Ballspiel ge- 
braucht) weiss Verfasser nichts in Be- 
treff des Innern anzugehen. — Die 
Decken, innen kassettiert oder bemalt, 
hängen am Dachgerüste. 

Den Salone in Padua erreicht 
keines dieser Gebäude an Umfang. 1 >as 
Verhältnis der Grösse zur Höhe und die 
Beleuchtung ist kaum irgendwo ange- 
nehm, so dass solche Säle neben den 
grossen Sälen namhafterer Privatpaläste 
(§ 91), sowie neben grossartigen Kloster- 
refektorien und Kapitelhäusern mit < »hel- 
licht, zumal gewölbten, zurückstehen 
müssen . 

Der schönste grosse Saal der 
Renaissance, freilich schon auf der Neige des Stile.-, ist nach meinem Dafür- 
halten die Sala regia des Vatikans mit ihrem von Perino und Daniele da 
Volterra mach Ant. da Sangallo, herrlich stucchierten Tonnengewölbe (§ 177 . 
ihren fünf Pforten und ihrem einzigen, mächtigen, in der Höhe angebrachten 
Fenster. 

Vasari zähll die grossen Säle auf bei Anlass des florentinischen , den er 
selber umhaute. IV, p. 151 iLe M. VIII, p. 123 . v. di Gronaca: einer im Pal. 
di Venezia zu Rom (?), ein von I 'ins II. und Innocenz VIII. erbauter im Vatikan 
verhaut), einer im Gasteil (nuovo zu Neapel ? . dann die Säle des Pa 
von Mailand (jedenfalls verbaut), der Pal. von Urbino wo sich kein besonders 
grosser Saal befindet . nebst den bekannten von Venedig und Padua. 




Fi». 200. Fassade nach Serlio. 



§ 102. 
Der Eallenbau öffentlicher Paläste. 

Der offene Hallenbau ist der sprechende Ausdruck dafür, dass das betref- 
ende Gebäude das Eigentum Aller sei. Nichl nur wurde ihm das Erdgeschoss 
fortwährend fasl ganz oder zum grosseu Teile überlassen, sondern auch das 
Obergeschoss nahm, wenigstens dem Scheine nach, die Formen desselben an. 



220 



XI. Kapitel. Die Komposition des Palastbnues. 



- an schon vorhandene Amtsgebäude wurde wohl eine Halle hinge- 

. Annale- Piacentini, bei Mural. \V Col. '''s. 960, zum Jahre L479. 

Schon im Mittelalter bildel an den Palazzi pubblici, Pal. della Ragione 

{d. h. Gerichtsgebäude^, Broletti etc. von Oberitalien das Erdgeschoss unter dem 

lezu einen öffentlichen Durchgang. Idealbild eines solchen 

- - in den Fresken des Benozzo, Gampo saute von l'isa. Geschichte Josephs. 

her Pal. -tä. früher unten geschlossen Florenz, Pistoja), erhall nun 

hie und da ebenfalls eine offene Halle: seine allgemeinen Requisite bei M. Savo- 

uarola, ap. Mural. XXIV. Col. 1174: Säle, Kapelle, Kanzlei. Räume aller Art, 

. ingen der Beamten, Ställe etc. Die wichtigeren Gebäude sind folgende: 



' 



!1IIE 





il. Pal. Comunale zu Brescia. (Nohl.) 



uunale zu Brescia (Fig. 201), erhaul 1 ü>2 1508 von Fornienlnne 
mit mächtiger unterer Halle, innen auf Säulen, aussen auf Pfeilern, und mit 
dekoriertem Äussern. (Das Dachgeschoss später.) 

Der zierliche Pal. de! Gonsiglio zu Verona (Fig. 202 . erbau! seit 1476 
I i G condo, luden wenigstens nach vorn völlig eilen, mit einer Balustrade 
und zwei kleinen Treppen. 

Die Doch schöner komponierte Loggia del Gonsiglio zu Padua (Fi#. 20:$i. 

ssetti; im Erdgeschoss sieben Säulenintervalle, deren drei mittlere 

l reppe öffnen. 

Dei Pal. del Podesta zu Bologna, 1492 94 umgebaut, wahrscheinlich von 

.niii di Pietro da Brensa und Francesco Fossi da Dozza; das Erdgeschoss 

■ tig< Pfeilerhalle mil geblümter Rustika ii 21 i und llalhsäulenurdnunjj : 

I, mil Pilasterordnung tu\>\ mächtig grossen 



§ lii2. Der llallciil.au öffentlicher Paläste. 



221 



Fenstern oder Pforten, welche zusammen dem Anblick einer offenen Halle nahe 

kommen. I fber den Saal vgl. § 101. 

Der Pal. Prefettizio zu Pesaro, vor 1465 begonnen von Luciano da Lau- 

rana; unten eine Pfeilerhalle von sechs Ai ; darüber ein - mit 

fünf grossen Fenstern. 

Pal. del Pretorio zu Lucca, mit geschlossenem oberem Stockwerk i Fig. 204 
Pal. del Pretorio zu Pienza, um 1460 Fig. 205), ebenfalls oben geschlo* 

mit charaktervollem Zinnenthurm. 




Fig. 202 Loggia del Consiglio zu Verona Baidinger nach Phot.) 



Das Zurücktreten der oberen Stockwerke an mehreren dieser Gebäude 
lial seinen sehr guten Grund darin, dass man sich uichl auf schwebende Bal- 
kone über Konsolen verlassen wollte, wenn die Behörden bei feierlichem Anlass 
sich oben zeigen mussten. Vgl. § 94. Auffallendes Zurücktreten des Ober- 
Geschosses ohne solchen Grund .in Rafaels Pal. Pandolfini, ü 96; desglei 
um Pal. Uguccioni Fig. tö, S. 96 ; auf einer Skizze dieses Palastes Samm- 
lung der Offizien) bemerkl Giorgio Vasari 'I. .1. zu dieser baulichen Ei • itüm- 
lichkeit: fa bellissimo vedere '■! un grandissimo comodo.) 






\1. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 



Am Dogenpalast zu Venedig gehör! noch das ganze Äussere und die An- 
[iberhaupt der gothischen Zeil an, der Hof aber, soweit er vollendel wurde, 
in den reichsten Formen der Renaissance und in weissem Marmor ausgeführt 
(von Breg S ° dno, Guglielmo Bergamasco) ist für den Charakter eines 

itlichen Gebäudes von diesem Range nicht bezeichnend gestaltet und sein 
• liegt mehr in den glänzenden Einzelheiten (Riesentreppe, Hallen, Fenster- 
gruppen; im Innern die Scala d'oro und einige wenige Räume, welche noch 
ihre Ausstattung aus dein XV. und beginnenden XVI. Jahrhundert erhalten 
en). 

Die alten Prokurazien in Venedig, für lauter Bureaux und Amtswohnungen, 

2 - den, nach der Platzseite ein fortlaufender Bau offener Hallen 

(unten Pf zwei oberen Ordnungen Säulen), wahrscheinlich weil die fest- 




Fig 2) I Loggia del Consiglio zu Padua. (Nach Bühlmann.) 



iiche Bedeutung d.-< Markusplatzes keine geschlossenen Fassaden geduldet hätte. 
neuen Prokurazien wiederholen dann das Motiv der Biblioteca, § 103, mit 
/ chosses. — Vgl. auch § 114.) 

h die Börsen, loggie de' mercanti, nebst den Zunftgebäuden, schliessen 

ich in kleinerem Massstab, dem Motiv der Stadtpaläste an, indem 

hier eine untere Halle mit Treppe, und Xehenraunien und ein oberer Saal 

Versammlungen vorgeschrieben waren. Vgl. das Projekt bei Serlio, L. VII, 

p. 116, und aus der gothischen Zeit die Loggia de' mercanti zu Bologna. Bis- 

■ii gehörte auch eine Kapelle dazu, wo jeden Morgen ad devotionem et com- 

modum mercatorum eine Mes e gelesen winde. So im Palazzo della Mercanzia 

i rkunde v. 1416 bei Milanesi II, p. 82, 
vgl. p. 93 die Piazza hin schaut; auf der Rückseite gegen eine höher 



§ 103. Sansovino uml Palladio, Hallenbauten. 



223 



liegende Strasse wurde diejenige Loggia angebaut, welche sino degb' Uniti 

(früher de' Nobili ist >. § 104 

§ 103. 

Sansovino und Palladio, Hallenbauten. 

Wie schon in einigen der genannten Paläste das Längenverhältnis 
und die Zahl der Ballenbogen willkürlich ist, so wurde an zwei ganz ex- 




Fie. 204. Palazzo de] Pretorio zu Lucca. 



ceptionellen Gebäuden, an Jacopo Sansovinos Biblioteca zu Venedig und 
an Andn-a Palladios Basilika zu Vicenza dn Doppelhalle als solcher, 
freilich in ihrer höchsten monumentalen Ausbildung, die Herrschaft völlig 
überlassen. 

Die Biblioteca § 53 Fig. 17. Es war eine ungerechte Kritik, wenn 
man dem Gebäude vorwarf, es sei zu niedrig für seine Länge, da das* 






\1. Kapitel. Die Komposition des Palastbai - 




.i'h. m keine bestimmte Länge haben will. Der \.rchiteki aber gab bei 
r Verantwortung statt dieses wahren G Scheingründe an, voraus- 

\ eichnung des Sohnes (Franc. Sansovino, Venezia, fol. L15) 
- vom Vatei Vorgebrachte genau wiedergebe. Derselbe gab z. B. ohne Not 
ss sei B ua Vergleich mit dem Dogenpalasl niedrig, aber ohne Rück- 
sicht auf denselben entworfen 
sei : denn der I >ogenpalast, wel- 
cher die Majestäl der Republik 
darstellte, verlangte eine solche 
Rücksicht allerdings, und zwar 
in Gestall einer Unterordnung 
der Biblioteca. Dass die ge- 
ringe Höhe durch die geringe 
Tiefe entschuldigt wird, ist 
ebenfalls eine Ausrede; die ge- 
ringe Tiefe hätte einen mächtig 
gruppierten Hochbau nichi aus- 
geschlossen . und die Schmal- 
seite gegen die Riva hätte sich 

^ : ; . r\. ,i schon maskieren lassen. Vene- 

^■'' j! : ;-=; r "\'" •;.':- dig wollte ein Meisterwerk nichl 

; :7 q der Komposition . sondern der 

— ~ : 'f- — -—;■-;---. =r^ Durchführung. 

'■"- Während des Baues pub- 

liziei te 15 1 I Serlio i L. IV. fol. 
L54 oder L55) . angeblich nur 
für ein raumsparendes vene- 
zianisches Wohnhaus mit Bu- 
den in der unteren Halle, einen 
Knlw urf, der Sans<>\ in<»s Idee 
sehr schön in das Einfache, 
Schlankere und Edlere um- 
deutet. Vgl. Fig. 200. 

Palladio umhaute seil 

1549 den alten Palazzo della 

Ragione seiner Vaterstadt Vi- 

cenza, ein nichl ganz regel- 

mässiges < iblongum, rings mit 

en und eine)- oberen ionischen Halle Fig. II, Seite 55); 

Male ist zwischen den Halbsäulen der Hauptordnung ein Bogen auf 

nden klei len derselben Ordnung eingesetzt. So entstand die 

lika", d tliche Gebäude als solches, wie man es in ganz Italien 

_ habl hätte, ganz in Hallen aufgelöst, gleich 'lern Marmorthurm von Pisa. 

die I nerleichheiten auf das Geschickteste verdeckt. 




'al. del Preiorio zu Pienza. (Nach Mayreder. 



§ 104. Die Familienloggien. 



225 



§ 104. 
Die Familienloggien. 

Endlich musste das XV. Jahrhunderl einer eigentümlichen Sitte ge- 
nügen, dem Bau dreibogiger offener Loggien, wo sich bei feierlichen An- 
lässen Korporationen oder bestimmte Familien versammelten öder Auf- 
wartung annahmen. 
l'ni L450 er- 
wähnt M. Savona- 
rola (1. c. col. 1179) 
zu Padua die präch- 
tige, verzierte, auf 
vier Marmorsäulen 
gestützte „Lodia, 
welche der Sitz der 
Rektoren und der 
Adlichen ist-. 

SclmndasXVI. 
Jahrhundert ver- 
stand den Brauch 
offenbar nichtmehr; 
Vasari XIII, p. 249 
Le M.X1. p.306), \. 
di l'dine: „die Log- 
gia Medici sei er- 
baut zur Bequem- 
lichkeil undziii \ er- 
sammlung der Bür- 
ger, wie es die vor- 
nehmsten Bürger 
damals zu halten 
pflegten". Laul Let- 
tere s.mesi III. p. 7.~> 
baute Fius II. die 
seinige. damit die 
Piccolomini sich da- 
selbst versammeln 
könnten, ..per eser- 
eizi pubblici di let- 
tere di alfari". La- 
teinisch heissl sie urkundlich theatrum; Milanesi II, p. 322. Laul Vitae Papar., 
Murat. III. II. Col. 985 hülle uoch ein Palasl daran gebaul werden sollen. 

Florenz hatte l 17^ schon 21 solcher Familienloggien, wobei noch ein halbes 
Dutzend vergessen -ein sollen; Varchi III, p. 107 ss. 

Als formales Urbild mochte die gewaltige Loggia de' Lanzi in Florenz 
gelten, wo die feierlichster Akte der Republik vollzogen wurden: erbau! 1376 

Burckhardt, Italien. Renaissance. *. Autl. 1 5 




Fig. 206. Loggia degli I niii zu Siena. 



1'lV, 



\1. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 




von » >rcagna, nach- 
dem man noch 1356 
gemeini halte, dass. 
eine Loggia sieh 
für einen Tyrannen 
und niehl für einen 
Freistaal schicke 
Matleo Villani, L. 
VII, c. iL 

Doch mussten 
die Familienloggien 
des KV. Jahrhun- 
derts, meist gegen- 
über dem Palast 
deshetrefl'endenlie- 

schlechtes, sich mit 
dem Charakter eines 
artigen Zierbaues 
begnügen. 

Erhalten : die 
Loggia der Rucellai 
in Fluren/, bei deren 
Palast, erbaut 1468 
von Guidotti, wohl 
kaum nach einem 
Entwurf des Alberti. 

In Siena: die 
Loggia de' Nobili 
jetzt degli Inilii 
als Rückseite des 
Pal. della Mercanzia 
(§ L02), auf vier Pfei- 
lern! 1 1 17, derOber- 
bau später), einfach 
zierlich (Fig. 206); 

ferner die ehen 
erwähnte ho<^iadel 
Papa, 1460 von 
Antonio Federighi 
erhaut. inil dünnen 
weitgespannten Bo- 
gen auf Säulen, 
mit der Inschrift : 
Pins II. (hm Mit- 
gliedern seines Ge- 
schlechtes, 'len Pic- 
colomini. 



I'al Porto Barbarano /.u V; 



§ 105. Palastbau der Kachblüte; 'las Äussere. ■>■>- 

Manches Hallenfragmenl in italienischen Städten mag eine solche I. 
gewesen sein, die ihren Charakter eingebüssl hat. 



§ 105. 

Palastbau d e r 

N ;i c li li 1 ü te; <1 a s 
Ausser e. 

Seine defini- 
tive Ausbildung er- 
hielt der Palastbau 
erst durch die Mei- 
ster der Zeit von 
L540 80, in einer 
Zeit der stillge- 
stellten Politik, 
der Gegenrefor- 
mation und der zu- 
nehmenden Vor- 
nehmheit auf spa- 
nische Weise. 

Die Meister: 
Giulio Romano; 
Giacomo Barozzi, 
genannl Vignola; 
Giorgio Vasari; 
Bartolommeo Am- 
manati ; Galeazzo 
Vlessi; Pellegrino 
Til)aldi,.u-tm. IVIle- 
grini; Andrea Pal- 
ladio ii. a. m. 

Florenz unter 
Gosimo [., Genua 
seil Andrea Doria 
künstlich in Ruhe 
gehalten und we- 
sentlich der spani- 
schen Politik un- 
terthan ; \ enedig 
durchaus auf 

kluge Heliaiipliin«: 
des Erworbener 
angewiesen. 

Cosimo I. be- 
förderte systema- 




l'.il. Valmarana zu V 



- 



\1. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 



tisch den Müssiggang der Reichen, und auch dem (»eist der Gegenreformation 

war es angenehm, wenn bisher thätige Klassen sich in eine vornehme Ruhe 

_i)>en. In Rom vollendete sich diese Lebensweise, indem die älteren Häuser 

und die sieli beständig neu bildenden Nepotenfamilien darin förmlich wetteiferten. 

1 >ie nächste bauliche Folge der Vornehmheil ist der zunehmende Weit- 
ind Hochbau, mit noch weiterer Vereinfachung sowohl als Derbheil des Details, 
jetzt oft sehen bis ins Flüchtige und Rohe. 

Galeazzo Alessi hält am längsten eine reiche und gediegene Einzeldurch- 
führung 

Vom den Fassadentypen gewinnl der römische im engem sinne (§ 96), 
wesentlich abgeleitel von Pal. Farnese, jetzt eine sehr grosse Ausdehnung. 

Hieher gehört die Masse der spätem römischen Paläste; etwa von Amma- 
natis Pal. Ruspoli an. 

Diese freieste Form musste die beliebteste werden für <\vn Barockstil, 
welcher Fenster, Thüren, Ecken und Simse ganz nach Belieben phantastisch 




? ; .ffpj! 



| m m 



— t— , — t— 

Kijr. Ju'.i pal. Chieresrati zu Yii-cn/a. 



: ilden konnte, sie ist und bleibt jedoch noch sehr empfindlich in Betreff 
der Verhältnisse. Vignolas riesiger farnesischer Palast zu Piacenza, fast ohne 
Details, bloss durch die Proportionen existierend.) 

I>i>- quadratischen Fenster der Mezzanine werden ohne Scheu ziemlich 
Fenstern des betreffenden Hauptstockwerkes angebracht sodass 
das Mezzanin formal schon als Zwischenstockwerk wirkt. 

I >er T;. ji i- ist lei iszubilden, dass <t der mürrisclien. ahgeschlossenen 

< rrandezza z isagt. 

Auch das Motiv einer oder zweier Halbsäulenordnungen (seltener 
Pilaster), aber einem Kid- oder Sockelgeschoss in Rustika, kommt mehr- 
fach vor, alier nur selten in ganz sorgfältiger und edler Ausführung. 

Von Bramante (% 96 ging dii 3ei Typus auf Rafael und Giulio Romano und 

! Palladio über, welche -ah aber auch für Halbsäulen und Säulen meist 

mit stucchierti elbau begnügen mussten. (Pal. del Te zu Mantua, § 119.) 

Eine völlig gediegene und reiche Durchführung in gehauenem Stein wird 



§ 105. Palastbau der Nachblüte; das Äussere. 



229 




man auch hiefür hauptsächlich bei Galeazzo Alessi und seinen mailändischen 
Nachfolgern suchen müssen. (Pal. .Mann" zu Mailand, jetzt Municipio, mit 
Hernien am ( »ber^esdioss. einer damals nicht seltenen Form; vgl. 'ii.- sog 
Omenoni, d. h. Riesen, am Hause des Bildhauers Lioni in Mailand.) 

Über den Einfluss, welchen Bramantes Fassadenmotiv am Pal. Caprini 
auf Palladio übte s. dessen Skizze in Chiswick-Castle . vgl. von Geymüller, 
Raffaello studiato com« architetto, p. 99. Palladio verwendete dies Motiv des 
rusticierten Erdgeschosses und der Halbsäulenordnung (bei ihm öfter Pilaster im 
Obergeschoss am Pal. Marcantonio Tiene (einem seiner frühesten Bauten, be- 
gonnen 1556 . au Pal. Trissini dal Vello d'oro, 
Pal. l »la/.io Porto und Pal. Schio-Franceschini. 
— An andern Palästen gib! er auch dem Erd- 

ucschdss.'ine Halbsäulen- 
ordnung, so am Pal. Poi to- 

Barbarano i Fig. 207) und 

Adrian Tiene. Endlich 

setzt er der Fassade eine 

einzige mächtigeOrdnung 

auf hohen Postamenten 

vor am Pal. Valmarana 

(Fig.208),Giulio Porto und 

del Capitano. Ein Mezza- 

ningeschoss wird dabei 

gerne alsAttika ausgebil- 
det. — Mit dem Ernst dieser 

Grundmolive kontrastiei I 

l'i-w eilen seltsam die Auf- 
lösung der Wandflächen 

in lauter I h namentskulp- 

tur i Pal. de! Capitano um 

I 'orto-Barbarano . 

Einige reichere Paläste von Venedig behaupten auch noch die Öffnung 
der Fassade, jetzt in Gestalt von grossartigen Hallen. 

Pal. 1 1< «ii la rin i. von Scamozzi; wozu aus 'hau \\ II. Jahrhunderl Longhenas 
l'rai-bll);iut.en Pal. I'esaro und Pal. Rezzonico. 

Palladio gab seinem Meisterwerk im Privatbau, dem Pal. Chieregati 
§ :;.") zu Vicenza (Fig. 209 . sogar unten und oben fast lauter offene Hallen 
nhl geradem Gebälke. 

In dem Engbau Genuas werden die Proportionen der Fassaden im 
Ulgemeinen preisgegeben und die letztere irgend einer gefälligen Dekoration 
überlassen. 

LrlztiTe Lieht von i li-r 1,'u-lika (auch in phantastische! Anwendung bis 
zu der durchgeführten Bemalung. Mehrere Fassaden Alessis verzichten indes 
durchaus nichl auf die Schönheil der Proportionen. 

In Bologna fügl sich der dort heimische Hallenbau ebenfalls in die Formen 
der florentinisch-römischen Schule. So an Pal. Malvezzi-Mediei von Bart. Tria- 




Fig.210. Pal. Mahe/zi- 
M."lici zu Bologna. (Nohl 




( | Fig. 211. Pal. Fantuzzizu Bologna. (N 






XI. Kapitel. 1*1*- Komposition des Palastbaues. 



chini, von vortrefflicher Wirkung und tüchtigen Verhältnissen (Fig. 210). Mit 
- rker Hinneigung zum Barockstil Pal. Fantuzzi von Formigine (Fig. 211). 

Qtliche Gebäude mit Hallen im Krdgeschoss gelingen auch dieser 
Zeit bisweilen noch auf 'las Herrlichste. 

Palladios Basilika 1549, 5 103: - mit einfachen Mitteln höchsl wirksam: 
Vasaris 1 ffi ien, § 35; reich und edel das Collegio de' Nobili und andere 




Fig. 212. Hof des Palazzo Valmarana. Vicen/.a. 



Bauten um Piazza de' Mercanti zu Mailand, von Vinc. Seregno, nach dem Motiv 
: Höfe des Alessi, i 35, 106. 

§ 106. 

Palastbau <1 e r N a c h b 1 ü t e ; >1 a 8 I u n <■ r e. 

Im [nnern gewinnl vor allem das Vestibül, jetzt für eine zahlreiche 
wartende Dienerschaft der Besuchenden, eine grosse Ausdehnung. 

Schon die Pforte jetzt als Einfahrl gross und weit. Das Vestibül, bei 

• in und noch bei Bramante selten mehr als ein Gang mit Tonnen- 

e, wird ein grosser, hoher, gewölbter Raum, meist mit einschneidenden 



§ 106. Palastbau der Nachblüte; das Innere. 



23] 



Lünetten. - Die Einfahrtshalle von Palazzo Famese, mit ihrem Tonnengewölbe 
über dorischen Kolonnaden wurde freilich nicht wieder erreicht. 

Das Vestibül gedeiht zu einer der höchsten Aufgaben, indem der 
Treppenbau (§ 99), bisher nur ersl stattlich und bequem, nunmehr als 
Elemenl der Schönheil dem Auge und der Phantasie absichtlich dargeboten 
und an das Vestibül unmittelbar angeschlossen wird. 

Hauptneuerung: die Verdoppelung der Treppen um der Symmetrie willen. 

nachdem man sich in Gärten und Höfen sc] seil Bramante daran gewöhnt 

hatte § 126, vgl. Fig. 195). Entweder begann man gleich unten mit. zwei 
schiedenen Treppen oder Hess Eine Treppe sich vom ersten Absatz an in zwei 
teilen: Absätze Podeste . Geländer, Säulenstellungen , Überwölbungen et 
hielten jetzt erst ihr besonderes ästhetisch« - Gesetz; dazu die Poesie des Lichtes 
und der Durchblicke, welche nicht ruhte, bis sie aller ihrer Mittel sicher war. 




Fig. 213. Ehemaliger Hot' von Pal. Sauli in ' 



Ein begeistertes und gewiss einflussreiches Programm dieses veredelten 
Treppenbaues: Vasari I. p. 147 (Le M. I. p. 130 . Introduzione. Im. i 

quattro libri dell' archit., I. cap. 28: Auf die Anlage der Treppen isl ■_: 
Sorgfalt zu verwenden, denn es isl durchaus nicht leicht, einen passenden Platz 
für dieselben zu finden, ohne das übrige Gebäude zu behindern; ihnen g bührt 
vor allem ein eigener Raum; sie bedürfen dreier Öffnungen: einer dem das 
Hans Betretenden möglichst sichtbaren Eingangsthür , grosser Fenster in der 
Mitte und der Ausgangsthür am obern Ende. Gute Treppen sollen hell, wenigstens 
vier Fuss breit und bequem zu ersteigen sein, so dass sie gleichsam zum Hin- 
aufsteigen einladen. Die Stufen sollen nicht über einen halben Fuss hoch sein, 
bei hohen Treppen niedriger, aber nicht unter vier Zoll. Die Breite betrage 
mindestens einen Fuss, höchstens aha- I . Nach II oder 13 Stufen die un- 
gleiche Zahl, um mit dem rechten Fuss den Aufstieg zu beginnen und zu be- 
enden) ist ein Podest (requie, Ruhe, genannt einzuschalten. Gerade Treppen 
sind in zwei oder vier Armen anzulegen; in letzterem Fall dient ein qua« 



XI. Kapitel. Die Komposition des Palastbaues. 

Zwischenraum als Lichtschacht. Wendeltreppen sind im Gruhdriss bald kreis- 
rund, bald oval, bisweilen mit einer Säule in der Mille. 

Das vorzüglichste Verdienst hat indes die steile Treppenstadt Genua, wo 
man von jeher darauf halte denken müssen, dem vielen Steigen eine gute und 
Seite abzugewinnen; die Treppe im dortigen Dogenpalasl (nach 1550) 
und in allen folgenden Palästen. 

Die Höfe haben liichl mehr die feine Eleganz der besten unter den 
frühem, dafür aber bisweilen eine ernste Grösse "der eine geistvolle Pracht. 
Der Ernst der Pfeiler- und Säulenhallen Ammanatis und Palladios. 
Letzterer wechselt, wie an seinen Fassaden, mit einer und zwei Ordnungen, 
die er, nach dem Vorbild der antiken gesäulteri korinthischen) Atrien, auf allen 
3 len herumführt oder nur an der Vorder- und Rückseite anbringt. Zur letztern 
Art gehört der H>>t des Pal. Valmarana (Fig. 212); für den von den Säulen ge- 
lang ist hier die ivtuitiiuiil.il dadurch hergestellt, dass er an 
Seiten auf einem breiten Gesimse entlang läuft. Im Pal. Marc- 
rnio Tiene ist der Hof im Anklang- an die Fassade mit Rustikaarkaden im 
Erdg ind Pfeilerarkaden mit Pilastern im Hauptgeschoss ausgestattet. 

Pfeilerhallen mit Halbsäulen, nach römischem Vorbilde (§97), zeigt der (leider 
unvollendete /.weite Hof im Kloster della Caritä jetzige Accademia) in Venedig, 
wo für den vordem Hof an zwei Seiten eine mächtige, zwei Stockwerke hohe 
- ilenstellung projektiert war; eine solche wirklich ausgeführt am Pal. Orazio 
Porto zu Vicenza. 

Der originelle und prächtige Hof in Alessis Pal. Marino (Municipio) zu 
Mailand: sein schönster Hof ehemals der in Pal. Sauli zu Genua (Fig. 213); 
- Motiv § 35. 

Geistvoll angeordnete Säulenhöfe namentlich auch in liolognn (£!>:{: aus 

spätem Zeit u. a. Pal. Zucchini), — in Florenz (Pal. non tinito. von 

1 _ oli); — in Genua; die meisten Paläste des sinkenden XVI. Jahrhunderts, 

vorz e mit gekuppelten Säulen an Höfen und Treppen. (Vgl. § 56, Ende.) 

Von Pfeilerhöfen der Paläste ist viel weniger Gutes zu sagen; der kolos- 

Hoi des Pal. Pitti in Florenz mit seiner Rustikahalle in drei Stockwerken, 

Ammanati Fig. 52, S. 102), reicht als Kunstwerk hei weitem nicht an Pelle- 

grinis erzbischöflichen Palast in Mailand. 

Mit dei Zeit aber werden die Höfe gleichgültiger behandelt und der Auf- 
wand überhaupt mehr auf grosse Dimensionen als auf feinere künstlerische 
Durchbildun II. 

Die Korridore, jetzt hoch, weit und durchgängig gewölbt, behaupten 
ihre meist einfachen Pilasterordnungen. — Im Innern bleibt wesentlich die 
frühere Disposition herrschend, nur dem grössern Massstab angepasst. 

Einige Veränderung brachte der Hoch- und Weitbau des Vestibüls mit 
Von den neuen Räumen ist nur etwa die „Galeria" zu erwähnen, ein 
nd verhi hmaler Saal, nach Scamozzis Aussage aus dem 

Norden importiert. 



§ li)7. Spitäler, Gasthöfe and Vergnügungsbauten. 23' 



XII. Kapitel. 
Spitäler, Festungsbauten und Brücken. 

§ 107. 
Spitäler, Gasl b ö fe au d Vergn ü gu u gs ba u t e u. 

Spitäler und andere Bauten öffentlicher Mildthätigkeit, welches auch 
ihre innere Einrichtung sei, öffnen sich nach aussen in einer grossen Halle, 
als Sinnbild des einladenden Empfanges und als Warteort, mit einem ge- 
schlossenen < dierbau. 

Alberti de re . i - • - 1 i l i . . L. Y. . c. s -iht nur die umständlichen Requisite, 
aher nicht die Kunstform der Spitäler. 

Brunellescos schöne Halle der Innocenti in Florenz, welche auch die Kirche 
de- Findelhauses verdeckl Fig. 214 . 

Die Spitalhalle auf Piazza S. Maria novella isl ersl 1489—96 erbaut.) 

Ospedale del Geppo zu Pistoja, mit dem Friese farbige] Reliefs über der 
Halli (Fig. 215). 

Ospedale vecchio zu Foligno; erhalten ist die Fronte mit oberer und 
unterer Halle: in ersterer kommen zwei Intervalle auf eines der letzteren: 
zwischen beiden ein niedriges Zwischenstockwerk inil kleinen Baldachinfenstern; 
XV. Jahrhundert. 

Portikus der Putte di Baracano zu Bologna. 

Bei den Bädern von Viterbo liess Nikolaus \. 1447 — L455 mehrere Kur- 
gebäude aufführen, von „fürstlicher" Bequemlichkeit und Schönheit. Yikte Pa- 
parum, bei Mural. III. II. Gol. 929. Von der Form wird nichts gemeldet. 

Sehr bedeutend und noch in grossen Partien erhalten: das Hospital 
S, Spirito zu Rom, der Hauptbau aus der Zeil Sixtus' IV. begonnen 1471, 
vollendei 1482), mil ehemals offener, ersl in neuern Zeiten geschlossener Fa« 
sadenhalle; Kuppel in der Mitte der zwei langen Hauptsäle, zwei von den vier 
1 föfen ursprünglich. 

Ospedale maggiore zu .Mailand hat eine geschlossene, freilich nach Nord- 
westen ^ele^ene Prachttassade. duch war es von Filarete mil offenen uni 
Hallen projektiert, ; 14. Innen nur die Nebenhöfe alt; der berühmte Haupthut' 
ersl von Richini. - Über den Entwurf zur inneren Einrichtung vgl. Filai 
Traktat, Buch XI. 

Für S. Giacomo degli ineurabili in Rom zeichnete Peruzzi zw 
mentierl erhaltene) Projekte ; beim einen ein Pfeilerhof, Gartenhalle etc. ; andere 
Entwürfe von Aul. da Sangallo d. J. (anscheinend unter Einwirkung der erst- 
genannten . reproduziert von Redtenbacher, Peruzzi, Taf. s und Allg 
zeitung 1883, S. 52 t. 

Einzelne Gasthöfe und Wirtshäuser waren schön genug, um begeisterte 
Erwähnung zu veranlassen. 






Ml. Kapitel. Spitäler. Festimgsbauten nntl Brücken. 



G sthof zum Ochsen in Padua um 1450) mit Hof, Sälen, zahllosen 
Kammern und Ställen für 200 Pferde, vollkommen „herrenmässig". Savona- 
rola, bei Murat. XXIV, Col. 1 175. 



" . 




Die schönste und grössti Osterie vor Porta S. Gallo zu Florenz, für die 
Gewerbsleute, zerstört 1529. Varchi, ed. Milan. III, p. st;. 

Ein eigener Kreis von Malereien, <!<-r sich in und an solchen Gebäuden 
entwickelte, teils lustiger und leichtfertiger Art, teils Wappen von Fürsten. 
Lomazzo, h.iit.itd dell' arte, p. 349. 



§ 108. Der Festiins 



235 



Gebäude zu Zwecken des öffentlichen Vergnügens hatten nach a 
wahrscheinlich noch keine ausgeprägte Kunstform, oder es waren I 
Bauten des Augenblickes, oder sie sind, wenn sie schön waren, sonsl unter- 
; gangen. 

Über das ganze Bau- und Dekorationswesen des Theaters dei I; 
sance s. unten § 192 ff. 

Herzog Galeazzo Maria Sforza von Mailand 1466—76 ii 

spiel „weite, grosse Säle bauen und ebenso für 
die Musik-, i lorio, storia di Milano, fol. 1-26. 
Falconetto (vgl. § 26 baute in Padua 
eine Rotunde für Musikaufführungen, „klein, 
aber hübsch". Eine Nachahmung dl 
mehr vorhandenen Gebäudes glaubl Milizia me- 
morie degli archit. I . p. 269 zu erkennen in 
Palladios Rotonda (eigentlich Villa Capra, bei 
Vicenza i. 

In dem Hause des musikliebenden Luigi 
Cornaro zu Padua (jetzt Pal. Giustiniani), wel- 
cher den Falconetto viele Jahre hindurch bei 
sich hatte, enthält der zierliche Anbau im Hofe rechts ein Achteck mit Nischen, 
welches ebenfalls zu solchem Zweck gedient haben soll. Willkürlich veränderl 
bei Serlio, L. VII, p. 218, 223. Vgl. § 119. 




Fig. Jlö. Ospedale zu Pistoja. (Nohl. 



Per Festuugs b u u. 

In einer Zeit, da selbst der Krieg oft eine Sache der Kunst und der 
Eleganz wurde, musste auch der Festungsbau, so viel als möglich war. in 
den Kreis des Schönen gezogen werden. l>azu kam. dass einzelne Fürsten 
und ganze Dynastien, auf langes Wohnen in testen Schlössern angewiesen, 
für dieselben Bequemlichkeit und Schönheit verlangten, hie Zinnen des 
.Mittelalters fallen weg: derbe «Jesimse, bisweilen mit Konsolen, Rustika 
an den Flächen oder wenigstens an den Kanten werden die durchgehende 
Ausdrucksweise sowohl für die Mauern der Bastionen und Schanzen als für 
die Tlnirnie und andere Freibauten, sobald die Mittel ausreichen. 

Die italienische Zinne, oben eingezackt, gibt zum letztenmal die durch- 
gehende Beklemm^; aii an den prachtvoll malerischen Festungsbauten von Bellin- 
zona, dem Werk des letzten Visconti (lili' i7 . 

Statt der ..hohen- Festungen führte Federigo von Urbino § *<. II die 
..niederen- ein. welchen da- Geschütz weniger anhaben konnte. Vespasiano 
fiorent., p. 121. 

Die Bustika in zugespitzte! diamantiertei Gestalt an den zwei ries 
vorderen Thürmen des Kastells von Mailand; ■ mit aufgemeisselten Kugeln 
als medieeischem Emblem an der Fortezza da basso zu Florenz. 

Grosse, ueben dem kriegerischen Zweck auf den höchsten Phantasie- 
eindruck berechnete Festungsbauten der guten Zeit: die Burg von <'.i\ilä C 






XI 1. Kapitel. Spitäler, Festungsbauten und Brücken. 




.puana zu 



lana, von Antonio 
.1,1 Sangallo d. A.. 
das] [afenkastell von 
Givitä Vecchia, von 
Bramante 1508 be- 
gonnen, von Michel- 
angelo vollendet. 

Francesco Sfor- 
za durfte den Wie- 
deraufbau des zer- 
störten Kastells der 
\ i-. ..hü in Mailand 
nur wagen . nach- 
dem er versprochen, 
der Stadt durch das- 
selbe nicht nur Si- 
cherung gegenFein- 
de, sondern auch 
i-inc haulichc Zierde 
zu schaffen; vgl. 
Beltrami, il Gastello 
di Milano und v. 
i lettingen,Ant. Fila- 
rete, S. 17. 

I »asKastellvon 
Palo i nicht, wie frü- 
her angenommen 
wurde, von Bra- 
mante). Schöneein- 
zelne Festungspar- 
tien in Nepi I I&9, 
von Antonio da San- 
gallo d. Ä.. und 
Grotta ferrata mach 
! iSi,. 

Fasl alle nam- 
haften Architekten 
warm zugleich Ke- 
slun^shaumeister 
und Ingenieure und 
empfahlen sich der 
Grossen als solche 
oft mehr denn durch 
ihre Kunst im en- 
ge] ii Sinn(s. dieBio- 
graphien der drei 
Sangallo, des San- 



§ 109. I'ie Thore der Renaissance. 



23' 



micheli u. a. bei Vasari, und über Franc, di Giorgio sowohl Vasari als Mila- 
nesi II. p. il(i bis Ende, sowie G. Promis und A. Pantanelli in den § 31 er- 
wähnten Schriften). Der berühmte Brief, mit welchem sich Lionardo da Vinci 
bei Lodovico Moro einführt, zeigt 
dies klar. Lottere pittoriche I. 
Append. 1 ; — Facsimile und 
umständliche Erläuterung bei 
Müller-Walde, Leonardo da Vinci, 
S. 158 ff. — Doch machte Giro- 
1. Uno Genga (147(5 — 1551) kein 
Hehl daraus, dass ihm die 
Festungsbaukunst, in der er 
Meister war, „ziemtich wert- 
und würdelos- erscheine. Va- 
sari VI, p.319 (Le M. XI, p. 90), 
v. di Genga. 

Die Festungsbauten der 
Papste des XV. Jahrhunderts: 
Vitae Paparum . Murat. 111. 11. 
Gol. 929 (Nikolaus V.), 985 
(Pius IL), 1018 (Paul IL) etc. - 
Müntz, Les arts ä l.i cour des 
papes, 1 — 111. 

Über das Kastellvon l Istia, 
I 183—86 von Baccio Pontelli, 
vgl. den Gicerone des Verfas- 
sers, IL 1. S. 134. 



§ 109. 
Die T li o re d e r R enaiss anc e. 

Pas Prachtstück des Fe- 
stungsbaues ist dasThoran Aus- 
senwerken sowohl als im Innern. 
Das XV. Jahrhundert hatte noch 
bisweilen den vollen Reichtum 
der korinthischen und Kompo- 
sita-< Ordnung an den Pilastem 
und andern» rliederungen dessel- 
ben walten lassen. Das nahe- 
liegende Vorbild, der römische 
Triumphbogen, winde doch nir- 
gends ängstlich nachgeahmt. 




17. Triumphbogen des Alfoni zu 



Porta Gapuana in Neapel, seil li s .>. von dem Florentiner Giuliano da 
Majano; zwischen zwei Thürmen dei Bogen mit Komposita-Pilastern eingel 
mit hohem Fries, die Attika neuei \ fsatz modern Fig. 216). 



j 



XII. Kapitel. Spitäler, Festuugsbauten and Brücken. 



Vorzüglich schön: Porta S, Pietro zu Perugia, schon 1448 begonnen, aber 
117."> ueu verdungen an Agostino di Duccio von Florenz, 1 i*l unterbrochen 
; >' und daher ohne Krai se. Mariotti, lettere pittoriche perugine, p. 98. 

Graziani, cronaca di Perugia, archiv. stör. XVI, I. p. 605 und Matarazzo, ib. XVI, 
11. p. 8, Nota. Zu den Seiten des Thores vortretende Flügel mil Nischen; 
alle Ecken mit korinthischen Pilastern. 

Ein Hau von völlig einziger Art isl der prächtige marmorne Triumph- 
des Alfons, ein weisser Hochbau zwischen zwei dunkeln Thürmen des 
ello nuovo in Neapel (Fig. 217), von dem Mailänder Pietro di Martino, an- 
der plastische Schmuck 1456 71. Es isl fasl das einzige Ge- 
bäude der Renaissance, welches die antiken Ordnungen im vollen Reichtum 
ihrer Formen prangen lässt. Von den beiden Thürmen isl der eine neuerlich 
mriert. Vgl. Miniero Riccio, Gli artisti ed arteiiei ehe lavorarono in Gastel- 
tempo di Alfonso I e Ferrante 1. Napoli ls7<;. 




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".r ' 




l 
Fig. 218. Porta S. Zeno zu Verona. 



Im XVI. Jahrhunderl wird dem Thor eine strengere, selbst düstere 
Haltung gegeben und die dorische und toscanische Ordnung in ihrer oben 
§*52) angedeuteten Verbindung mit <\n Rustika angewandt. Sanmicheli 
<!!-( 1559) vollendet die konventionelle Formensprache des Festungs- 
baues. Der Thorthurm des Mittelalters verschwindel gänzlich. 

I >ie Thore von Padua 1015 u. f.) bilden den l Ibergang von <\n zierlicheren 

in di«- strengere Art : von (higlielnin lierii.nna^eo nnueblieh Porta Portello, 1518; 

I ■ rad Porta S. Giovanni (1528, Qach dem Motiv eines einthorigen 

■ii mil Halbsäulen, innen mil rohgelassenen Pilastern) und 

Poi i.i Savonarola 1 531 1 

Sanmicheli, als Festungsbaumeister der Republik Venedig, errichtete dorl 
das Fori S. Andrea di Lido mil der schönen Wasserpforte (vgl. § 'e. und in 



S 109. Die Thore der i 











Verona die Pinta nuova, Porta 8 
Zeno I Fig. 218) und Porta stuppa odei 
del Palio. l»i<' Komposition jedesmal 
»entümlich, die Ausdrucksweise mit 
grosser Energie dazu gestimmt. Die 
Halbsäulen und Pilaster bisweilen in 
ecl all . meisl aber nach dem I 

unrichtig verstandenen Vorbilde un- i 
fertiger Römerbauten rusticiert, wäh- 
rend Kapital und Fuss saml dein Ge- 
l>alke regelrecht gebildet sind. Ein- 
mischung kräftiger plastischer Ele- 
mente, Masken, Löwenköpfe etc., zu- 
mal an den Schlusssteinen; mächtige 
Bildung der einzelnen Keilsteine der 
Bogen: hie und da horizontal ge- 
wölbte < Iberschwellen. Es ist diejenige 
Ausdrucksweise des monumentalen 
Festungsbaues, welche seither auf das 
_ mze Abendland mehr oder weni- 
eingewirkt und als klassisch ge- 
golten hat. 

Eigentliche Missformen erst im 
IV. Buche des Serlio, z. 1!. Säulen, 
an welchen glatte und rusticierte Teile 
abwechseln. Dann später sein Pfor- 
tenbuch, § 54.) 

— Thor am Molo vecchio 
zu Genua auf der Stadtseite mit mas- 
sigen Pilastern, nach aussen höchst 
derb. Du- späteren Hafenthore vol- 
lends in übertriebener Rustika. 

Bisweilen wird dem Thor eine 
1 »ekoration vorgesetzl . welche mit 
diesem Festungsstil nichts gemein hat. 
Porta S. Spirito zu Rom, im 
Grundriss ein Kreissegment <h\< frü- 
heste Beispiel dii — spätei so viel 
i mchten Reizmittels . mit \ ier vor- 
setzten Hälbsäulen . vom jüngi 
Aul. <\.i Sangallo, unvollendet; Porta 
del Popolo, angeblich von Vignola, 
triumphbogenartig; — Porta Pia. von 
Michelangelo, der um 1559 Entwürfe 
für viele andere Thore von Rom machte (Vasari XII. 
der Absicht, die plastisch höchst wirksam durchgeführte Thoröffnung durch 




^t 



240 XIII. Kapitel. Korrektionen und neue Stadtanlagen. 

mg mit kleinen Nebenfenstern, Scheinzinnen etc. möglichst gewaltig 
•inen zu lassen. Die Bildung der Formen an sich völlig willkürlich und 
nur Zwecke unterthan. 

§ 110. 
Die Brü c k e n. 

Brücken von anabhängiger künstlerischer Bedeutung hat erst die 
Zeit von 1540 x " geschaffen. 

Aus tlt-iii XV. Jahrh.: Ponte Sisto zu Koni, bereits mil Aneignung der 
Formen antiker Brücken. 

Palladios prachtvolle Entwürfe für eine dreibogige Rialtobrücke zu Venedig. 

Ammanatis Ponte della Trinitä zu Florenz; die Formen der drei Bogen mit 

freiest- r Genialität dem Ansteigen gegen die Mitte zu anbequemt: statt dei 

Stichbogen Halbellipsen für das Auge; die Brücke bildet Ein belebtes Ganzes 

Fig. 219 . 

Bedeckte Brücken werden im XV. Jahrh. wenigstens verlangt von Alberti 
edif. L. VIII, c. 6 . der auch über die Engelsbrücke zu Rom im Auf- 
Nikolaus V. wirklich ein Dach soll erbaut haben. (Vasari II. p. 546 (Le 
M. IV, p. 61), v. di Alberti). -- Eine stattliche, ziemlich frühe Bedachung hat 
»ehwärtig noch die Brücke des Ticino zu Pavia. 



XIII. Kapitel. 

Korrektionen und neue Stadtanlagen. 

§ in. 

Nivellierung und Pflasterung. 

Die Renaissance ist die Zeil der Korrektionen im weitesten sinne 
schon weil ihre ganze Richtung auf das Regelmässige geht, sodann weil 
ihre monumentale Architektur ein bestimmtes .Mass freien Raumes und 
einiL r '' Harmonie mit den umgebenden Baulichkeiten verlangt. 

Die nordische Gothik in Städten, deren Verteidigungsfähigkeil mit der 

mersparnis stieg, stellte auf enge, «rationelle Plätze selbst Kirchen ersten 

deren organische Vollkommenheit sich um die I mgebung gar nicht 

kümmern scheint. Die italienische Theorie /.. B. Serlio, L VII ei passim) 

mgt dagegen vor jedei Fassade womöglich einen Platz, dessen vier Seiten 

Länge derselben entsprechen. 

Da jede symmetrisch angelegte Fronte auch einen ebenen Raum vor 
sich voraussetzt, und da bereits im XIV. Jahrhunderl in Italien nicht bloss 
Paläste, sondern mich Häuser eine regelmässige Gestall annehmen, so mussten 
die besseren Strassen nivelliert weiden. Die Behauptung des Niveaus ahoi- 



§ 111. Nivellierung und Pflasterung. 241 

ist nur zu erreichen durch die Pflasterung, welche ausserdem oichl bloss 
dem Reinlichkeitsinn der damaligen Italiener, sondern womöglich durch 
Stoff und Anordnung auch ihrem Kunstsinn entsprach. 

Zahlreiche Aussagen in allen Stadt- und Fürstengeschicht - iare 

oder salegare das Besetzen mil Flusskieseln, ammattonare mil s Zie- 

geln; lastricare das Belegen mil Steinplatten. Florenz war am frühesten durch- 
«jängiir mit stehenden Ziegeln und an allen bevorzugten Stellen mil Platt« 
pflastert. Sein Pflaster lial sogai eine mythische l rgeschichte: Gio. Villani I. :i s . 
Das Belegen mit Platten schon vor L250 in Strassen, wo man früher bi 
Ziegel gebraucht. Vasari 1. p. 249, v. di Arnolfo. eine ziemlich übertriebene 
Aussage. Der Platz, am Baptisterium mit Ziegeln, Via nuova mit Platten 1289, 
Gaye, carteggio I. p. il s s. Den Mönchen von S. Spirito wird L297 gegen «'in 
Geschenk ein Plattenweg längs ihrer Kirche auferlegt, p. i-'Si. Plattenwege um 
alle öffentlichen Gebäude und Thore beschlossen [3'3'.i. [>. 17s. Der Platz am 
Baptisterium 1339 mit Platten belegl (Della Tosa, Annali. bei Guasti, S. Maria 
del Fiore, p. 53). Der Signorenplatz doch erst 1.551 ganz gepflastert, und zwai 
mit Ziegeln. Gaye, 1. c, p. 502, mit urkundlicher Angabe derZwecke: Schön- 
heit, Verhütung des Schlammes und des Staubes. Die Mönche von S. Annun- 
ziata bitten 1421 um einen Beitrag zur Pflasterung des Platzes vor der Kirche, 
damit der Kirchenbesuch sich steigere, p. 549; 1437 Pflasterung der Sti - 
von S. Maria Novella bis zum Dom. p. 553; 1449 Pflasterung des Lungarno 
von Ponte della Trinila bis Ponte Garraja, L460 desgleichen auf Piazza S. Apol- 
linare, ih. p. 558 s. , 564 etc. — In Siena erhielt der halbrunde, mit Ziegeln 
gepflasterte Platz 1513 die konzentrisch zusammenlaufenden Linien von Tra- 
vertinplatten , Lettere sanesi III. p. 12. - - In Piacenza winde die Piazza 1469 
gepflastert mit Marmor und Ziegeln in einer Zeichnung von Vierecken, Annal. 
Piacent, ab Mural. XX. Gol. 927. ■ Die Pflasterung von Rom begann untei 
Eugen IV. 1431 17 auf dem Marsfeld ; Flaminio Vacca bei Fea, Miscellanea I, 
p. 70; fortgeführt unter Xikolaus V., Piatina, vitae Pontiff., p. i ,(|V : gründ- 
licher durchgeführt, und zwar mit Ziegeln, unter Sixtus l\ .. [nfessura, bei Ei 
scriptores II, Col. 18U7: Gorio, fol. 146; Julius II. liess viele Strassen mit Zie- 
gelnpflastern, Albertini, L. III, fol. 95 (ed. Schmarsow, p. 1-2 ss.). In Venedig 
erhielt der Markusplatz erst 1382 oder 1394 ein Ziegelpflaster; das jetzige 
Marmorpflaster jedenfalls nicht vor dem Kode <\r-. XVI. Jahrhunderts; Sanso- 
vino, Venezia, fol. 105; die Strassen waren lange nicht gepflastert und sehr 
schmutzig, fol. 172. Mailand bekam sein Pflaster seit Uli'. Decembi 
Mural. XX. Gol. 998, und wiederum seit 1469, Gorio Historia di Milano, fol. ili. 
Lodovico Moro liess ganz Vigevano pflastern, Cagnola, archiv. stör. III. p. l vv v 

— Die Gremonesen Hessen die Pflasterung ihres Domplatzes 1454 durch Fila- 
rete besorgen, Colin im Politecnico XXI und W. v. Oettingen, Filarete, S. 20. 

— In Ferrara begann man 1117 mit <\<'v Piazza, welche, wie in der Folge die 
Strassen, ein Kieselpflaster erhielt, Diario ferrarese, ap. Murat. XXIV, Gol. 183, 
■Juli, i2iT> s. Ebenso Bologna bei der grossen Korrektion von 1470. wo nur be- 
vorzugte Stellen Ziegelpflaster bekamen, Bursellis ap. Murat. Will. G. 897. 

In Perugia wurde seit 1425 Ziegelpflaster gelegt, Graziani cronaca, archiv. 
stör. XVI, I. p. M8. -- In Assisi pflasterte man im Auftrage Gosimos de' Medici 
die Landstrasse bis zur S. Maria degli Angeli hinaus. Vasari II, p. Mi. v. di 
Burokhardt, Italien. Renaissance- ' Aufl. 



242 Xlll. Kapitel. Korrektionen and neue Stadtanlagen. 

Michel-. In Neapel führte erst der Vizekönig l'ietro di Toledo seit 1032 die 

Pflasterung, und zwar mit Ziegeln, durch, vgl. dessen Lehen, arch. stör. IX. p. 22. 

§ 112. 
1» i .- Strass e n k o r re ktio n. 

Schon vor dem Eintritt der Renaissance und Doch mehr seither werden 
sse Strassenkorrektionen, oft mit bedeutenden Opfern durchgeführt, teils 
um der Zweckmässigkeit, teils zugestandenermassen um der Schönheit 
willen, als deren Vorbedingung bereits die Geradlinigkeit betont wird. 

- hr auffallende Ausnahme: L. I!. Alherti. de re aedificatoria L. IV, c. 5, 
und L. VIII, c. ti. wo zwar für Hauptstrassen die Geradlinigkeit mit Häusern 
von gleicher Hohe und gleichen Portiken verlangt, sonst aber aus ästhetischen 
wie aus praktischen eirunden der Schlangenwindung der Vorzug zuerkannt wird. 
Stadt werde grösser scheinen, die Häuser sich allmählich und abwechselnd 
dem Auge darbieten, der Schatten nie ganz fehlen, der Wind gebrochen, die 
teidigung gegen Feindr leichter sein.) 

In Florenz wird 1339 auf Anregung der Dombaubehörde beschlossen, 
einzelne Strassen am Dum und Baptisterium tiefer zu legen, um den schönen 
Anblick dieser Hauten zu erhöhen (Dokumente bei Guasti, S. Maria del Fiore, 
p. 51), und 1349 wird S. Romolo demoliert, damit ein freier Platz entstehe, für 
welchen gerade Fronten einbedungen werden. Gaye, carteggio I, p. 1!»!». 
Schon 1319 teure Häuser zum Abbruch wegen Vergrösserung des Signoren- 
palastes angekauft, ib. p. 156. 

Vorzüglich im XV. Jahrhunderl wetteifern die wichtigeren Städte, ihre 
engen und krummen Strassen breit und gerade zu machen. Hemmende 
Vorbauten, Erker, Holzgerüste für das beliebte Arbeiten im Freien werden 
beinahe durchgängig abgeschafft. 

In Siena eine eigene Verschönerungsbehörde, die ufficiali delT ornato, 
lie betreffenden Korrektionen und Expropriationen begutachten. Mila- 
nesi II. p. 337 s., :ü:.. Vgl. 353. 

In Bologna li-2S die Erweiterung und Verschönerung der Piazza, 1470 die 
Wegräumung der hölzernen Vorbauten; 1 i - »f i wird eine Hauptstrasse, die der 
„Rompilg auch in andern Städten. /.. II. in Piacenza gab), 

mit grossen Demolitionen gerade gelegt; 1407 eine andere ebenso, Bursellis, 
ann. Bonon. ap. Murat. XXIII, zu den betreffenden Jahren. Die Ode des Codrus 
Urceus Opera, p. 303) de renovatione Bononiae. 

In Ferrara etwa 1480 90 gerade Strassen vomPalasI zum alten Kastell etc. 

■ ^gebrochen, Tito Strozza, Aeolosticha, p. 188, 191). In den neuen Teilen eine 

Meng 5 _■!. eine schon mit Pappeln auf beiden Seiten 1457, 

ap. Murat. XXIV, Gol. 202. 

Wegnahme aller Vorbauten in Perugia 1426; in Mailand und Pavia 

unl ico Moro i um i 190, vgl. § 163). 

Fü] - G errscher wird dieselbe als unvermeidlich darge- 

stellt von Alberti, de re aedificatoria L. V, c. 1, weh von Erkern u. dgl. aus 
! die Soldaten zu leicht, wäre. Hippias der Pisistratide 



§ L13. Schicksal der Gassenhalle. 243 

nahm zwar den Athenern die Vorbauten weg, aber um ihnen dieselben wieder 
teuer zu verkaufen. 

Der Umbau von ganzen Quartieren in Mantua 1526—1546 unter Leitung 
des mit grösster Vollmacht ausgerüsteten Giulio Romano, Vasari VI, 1 
(Le M. X. p. 109 s. . v. di Giulio. 

Beiläufig: ein frühes florentinisches Staatsverbol gegen Strohdächer in 
einem Landstädtchen 1367; Gaye, carteggio I. p. 518. 

§ 113. 
S c h icksal d er Gas s e d h al 1 e. 

Den Gewaltherrschern, die in den Strassen bisweilen Kämpfe liefern 
mussten oder wenigstens häufig ihre Soldaten durchmarschieren Hessen, 
waren ausser den Vorbauten aller Art besonders die Strassenhallen zu- 
wider, welche früher in mehreren Städten vorgeherrscht haben müssen, 
wo sie jetzt nicht mehr sind. Rom und Neapel haben aus politischem 
Grunde keinen Hallenbau. 

Als König Ferrante von Neapel 1475 Sixtus IV. besuchte, machte er dem 
Papst begreiflich, er könne sich nie wahrhaft als Herrn von Rom fühlen, so- 
lange die engen Strassen, die Erker und die Portiken vorhanden seien. Indes 
hatte der Papst schon kurz zuvor, am Neujahrstage 1 i7.">. ans eigener Initiative 
eine auf die instauratio der Stadt bezügliche Bulle erlassen. Die Demolition 
der Maeniana und anderer Vorbauten begann 1480, nicht, wie Infessura (bei 
Eccard, scriptores II, Gol. 1897, 1900) meint, unter dem Vorwand der Pflaste- 
rung, sondern laut der Bulle (bei Müntz, les arts etc., III. p. 182 ss. mit der 
Begründung, dass jene Ilauten dem Verkehre, besonders bei Jubiläen, hinder- 
lich seien. Wie sich die Befriedigung der Römer über diese Arbeiten aussprach, 
zeigt ein Epigramm des Bandolini, bei Müntz III. p. 189; daselbsl auch Lob- 
gesänge auf die einzelnen Strassenkorrektionen. 

Sixtus widmete der Sache den grössten persönlichen Eifer und sparte auch 
die Gewalttaten nicht. Jac. Volaterran. bei Mural. XXIV, Gol. 166, 185. S 
rega, bei Murat. XXIV. 

Allgemeine Aussage: Albertini, fol. s _' : Sixtus IV. zuerst zerstörte die 
dunkeln Portiken, erweiterte die Strassen und Plätze der Stadl und Liess sie 
mit Ziegeln pflastern; viele baufällige Kuchen haute er von Grund auf neu 
nach der alten Form. Worin ihm die seitherigen Päpste aachgefolgl seien. 
Verzeichnis der betreffenden Strassen und Platze von Sixtus bis Julius IL. 
fol. 94. 

Frühere Korrektionen von Rom unter Nikolaus V., der u. a. durch De - 

litionen den Platz an ^In Engelsbrücke schuf, nachdem beim Jubiläum von l iö' 1 
Hunderte von Menschen darauf erdrück! worden waren. Sixtus IV. baute Ponte 
Sisto u. a., um bei Jubiläen den Rückstrom der Pilger auf diesen Weg zu 
leiten. Vitae Paparum, hei Mural. III. II. Gol. 924, 1064; Müntz, 1. c. Pius II. 
benützte in Viterbo 1 t62 den Anlass seiner prächtigen Fronleichnam 1^7 . 

um in der Hauptstrasse alle Vorbauten und Erker zu zerstören, ...lern öffent- 
lichen Besitz, was ihm entzogen war. zurückzuerstatten". 



044 XIII. Kapitel. Korrektionen und neue Stadtanlagen. 

Alexander VI. liess l 1' 1 ". in Erwartung des Pilgerzuges im folgenden 
Jubiläumsjahr, parallel dem Borgo (vecchio die Via Alessandrina Borgo nuovo) 
anlegen, in »1er die Häuser nicht unter 7 canne Höhe besitzen durften ; D. Gnoli 
in ■ N a Antologia 1887. 

5 iter korrigierte Clemens VII. in Rom sehr rücksichtslos und ohne Ver- 
gütung an die Beeinträchtigten; Varchi, stör, fiorent. 1. p. H>. Paul. Jovii vita 
ilumnae. 
In Neapel waren auch nach Ferrante noch manche Portiken übrig, dar- 
r antike, grottenähnliche, wo sich Räuber und Mörder aufhielten. Dieses 
Alles, samt den noch vorhandenen, ebenfalls polizeilich gefährlichen Vorbauten 
Vizekönig Toledo seil 1532 zerstören. S. dessen Leben, archiv. stör. IX, 
p, is. _ Wie zur Schadloshaltung thürml der neapolitanische Philosoph Cam- 
panella in seiner „Sonnenstadt" Hallen auf Hallen. 

Landstädte mochten ihre Portiken behaupten, während Residenzen sie ver- 
loren. Und Bologna mit seinen Hallen i-I noch heute in gewissem Sinne die 
nste St.nit von Italien. 

§ 114. 

Der Platz im monumentalen Sinne. 

Von grösseren neuen Gesamtanlagen oder umbauten kommen zunächst 
Piazze in Betracht, welche vielleicht seit dem Altertum die Stelle des 
Forums der betreffenden Stadt eingenommen und sowohl durch ihre Hallen 
al> durch die anstossende Kirche (oder Hauptkirche) an dessen Portiken 
und Tempel erinnert hatten. Auch für Plätze /weiten Ranges und für 
Märkte wind.' eim- schöne und regelmässige Ausstattung wenigstens er- 
strebt. Das Vermieten der Lokale hinter den Hallen galt auch für den 
Staat, wenn er Eigentümer war, nicht als etwas unehrenhaftes. 

In Venedig hatte der Markusplatz um 1490 gegenüber den alten Pro- 

kurazien ein ähnliches Hallengebäude, und in beiden waren die Erdgeschosse 

als Buden vermietet. An der Piazzetta ging, dem Dogenpalast gegenüber, eben- 

falis ein,' Halle hin. welche das Erdgeschoss von Buden und Gasthöfen bildete. 

: y.n entschuldigen ist, dass auch die obere Halle <]>■* Dugenpalastes 

.. Kram überlassen war: Sabellicus, die situ venetae urbis, fol. 89 s. Selbst 

um dir beiden Säulen herum hatten sich Buden und Ärgeres angenistet; erst 

1529 wurde dies Alle- entfeml und der Blick gegen das Wasser frei gemacht. 

ri VII, p. 501 Le M. XIII, p. 83), v. di Jac. Sansovino; Sansovino, Venezia, 

116. 

Projekt eine- prachtvollen Hallenplatzea als Zentrum des grossen, 

tisch neu anzulegender Handelsquartiers am Rialto, Vasari V, p. 269 ss. 

Le M. IX. 162 . di Fra Giocondo; statt seines Plans später die einfachem 

rpagnino und Sansovino. 

Wie sehr die Piazza als Verkaufsorl aufgefassl wird, zeigt Savonarola, 

bei . Mural. XXIV, Col. 117!». welcher die Plätze von Padua nach der Zahl ihrer 

-lli/.iert. 

In I h dei Annunziatenplatz ersi im Lauf der Zeit 

indem zu Brunellescos Halle der Innneenli ein Gegenstück durch 



§ 115. Neue Städte und Quartiere. 245 

Antonio da Sangallo d. Ä. erbaut wurde; die äussere Vorhalle der Kirche selbst, 
welche die Hauptfronte des Platzes bildet, ist ersl seil 1601 hinzugefügt. Die 
Breite der einmündenden Strassen nötigte hier zur Errichtung von lauter einzelnen 
Hallen (Fig. 214). 

Anders mag Michelangelo gedacht haben, als er Gosimo 1. anriet, das 
riesige Motiv der Loggia de' Lanzi um <\i'n ganzen Signorenplatz herumzu- 
führen. Vasari I, p. 603, Nota 1 (Le M. II, 130, Nota . v. di Man 
hatte damit alle Strassenzugänge ebenfalls überwölbt. 

Die Anlage eines Platzes zu Gunsten des Anblickes eines Gebäudes wurde 
in Florenz wenigstens frühe erstrebt; Vasari II. p. 381 Le M. III. p. 237), v. di 

Brunellesco, welcher zwischen dem Chor von S. Spirito und dem An inen 

Platz verlangte. (Ähnliches vgl. bei Milanesi II. p. 225 für eine Kapelle zu 
Siena 1444.) 

Der Florentiner Alberti nimmt iL. VIII, c. <> das liezept zu seinem Forum 
aus Vitruv und verlangt für dessen Eingänge Triumphbogen. 

Die von Nikolaus Y. 1451 durch Bernardo Rossellino schön umgebaute 
Piazza von Fabriano, Vitae Papar., bei Murat. III. II, Gol. 929. - Die Piazza 
von Pienza, Fig. 173, S. 195. liier, wie später aucb bei Michelangelos Ent- 
wurf des Kapitolplatzes und ähnlich bei Berninis Platz vor St. Peter, diver- 
gieren die Plätze gegen den Dom hin, ein Kunstgriff des liaumeisters, um dem 
kleinen Platz für das Auge eine genügende Tiefe zu geben; zugleich wird hier 
dadurch zu Seiten des Domes der Blick in die herrliche Landschaft frei. 

Die Piazza von Parma, wo in bürgerlichen Unruhen derjenige als Sil 
galt, welcher sie inne hatte, wird deshalb 1478 von dem mailändischen Gouver- 
neur von Neuem mit Mauern, Thoren und Wachen versehen. Diarium Par- 
mense, bei Murat. XXII, Gol. 282, 296. 

In Siena wollte man 1508 die halbrunde Piazza mit einer ringsum lau- 
fenden Halle versehen, Gaye II, p. 4-82. Milanesi III, p. 307. 

Unter den Bauten des Lodovico moro wird die bella et ornata piazza zu 
Vigevano gerühmt. Gagnola, archiv. stör. III, p. lss. Der sehr grosse Platz 
hat noch heute seine vollständigen Säulenhallen mit Buden und an einer Seit- 
die Fassade der Hauptkirche. 

Merkwürdige und in ihrer Art schöne Versuche, einen gleichmässigen 
Hallenbad mit meist geschlossenem Obergeschoss für Verkaufsbuden, Geschäfts- 
bureaux und auch Amtslokale au einem Platze, wenigstens auf einer Seite hin- 
zuführen: in Bologna der Portico delle Fioraje von Vignola hei s. Petronio; 
- inBrescia: der betreffende Bau an Piazza vecchia; - in Faenza: la Loggia 
del Gomune. — Am Hau Vignolas in Bologna ist sogar ein kleines Mezzanin- 
stockwerk ühei- den Pfeilerhallen eingeschaltet. 

§ 115. 
\ e n e S tädt e un d Qua r t i .■ re. 

Neue Anlagen von Städten kamen zwar selten vor beschäftigten abei 
doch als Gedankenbilder die berühmtesten Theoretiker. 

Alberti. he-, de re aedificatoria, I.. IV. c. 5 ss., I.. VIII, — Fran- 

cesco di Giorgio. Trattato, ed. Promis, und im Auszug bei Della \ alle, lettere 






XIII. Kapitel. Korrektionen und neue Stadtanlagen. 



sanesi 111. p. 11:2: Idealbild einer neu zu gründenden Stadt (Sforzinda) bei Ant. 

Filarete, Trattato; vgl. bei v. Oettingen, Filarete, S. 11 ff. — Das sehr ge- 

Phantasiebild einer Stadt: Fresken des Benozzö im Gampo santo zu 

Thurmbau zu Babel. 

Das durcb Pius 11. 1458 62 zur Stadl Pienza umgebaute Gorsignano 

-t als wesentlichste Errungenschafl dieser kurzen Blütezeil die von 

Palästen und Dom begrenzte Piazza; weitet.' Paläste in der Nähe am Corso; 

die Stadt, schmal auf einem Hügelrücken hingestreckt, in einer Ausdehnung 

von etwa 350 Metern, bedeck! einen Flächenraum von nur 670 Ar: vgl. Mav- 

. . Bender und Holtzinger in der AUg. Bauzeitung 1882. 

Der Neubau von Ostia durch Kardinal Estouteville unter Sixtus [V., ..mit 
neuen Strassen und Häusern zu Zier und Nutzen", vitae Papar., I. c. Gol. 1064. 

In den sehr bedeutenden neuen Quartieren von Ferrara (§ 112), welche 
unter Herzog Ercole I. st. 1505) entstanden, herrscht, der geradlinige Bau, wo 
möglich mit Schneidungen in rechten Winkeln. Zum Jahre 1 497 wird ange- 




Kig. 220. Plan von Pienza. (Nach Mayreder.) 



meikt. dass die Bauten hinler dem Anwachsen der Bevölkerung zurückblieben, 
dass keine Häuser mehr zu vermieten waren. 

Die bedeutendste Gesamtanlage von künstlerischem Werl im XVI. Jahr- 
hundert war die Feste Castro, welche der Sohn Pauls III.. Pierluigi Farnese, 
durch Ant. da Sangallo d. .J. (st. 1546) ausführen Hess. Bei der Demolition 
Ortes 1649 ging zwar Alles zu Grunde, allein die Zeichnungen des Meisters 
sind noch in Florenz vorhanden. Deren Verzeichnis: Vasari V, p. 500 ss. (Le 
M. X. p. 55 -. . v. di Sangallo, commentario; eine herzogliche Behausung losteria), 
Wohnungen und Paläste für Gefolge und Hauptleute, wie es scheint, meisl, mil 
Hallen; eine Kirche mit Kloster; ein Münzgebäude etc. < >h von damaligen 

ngen irgendwo die ganze Anlage kenntlich erhalten? 1'a.hna nuova, ein 
völlig metrisches Achteck, isl ersl von 1593. 

Von dem gewaltigen Plan Nikolaus' \ '.. welcher in Rom den ganzen Borgo 
von d*-r Engelsbrücke an saml St. Peter und dem Vatikan völlig neu hauen 
wollte 7 :-' nui eine gleichzeitige Beschreibung erhalten: Vitae Papar., bei 



§ in;. Gattungen der Villen. iM", 

Mural. III. II. Gol. 931 ss. (Leben des Nikolaus, von Giannozzo Mannetti), wo- 
von Vasari IM. p. 100 ss. Le M. IV. p. 222 s.), v. * 1 i Rossellino, nur ein Aus- 
zug ist. Der neue Borgo. als Wohnung aller derer, welche irgend zur Kurie 
gehörten, sollte aus drei parallelen Hallengassen bestehen, sämtlich auf einen 
-rossen Platz vor Sl. IYU r ausmündend: die mittlere sollte auf die Hauptpforte 
der Kirche gerichtet sein, diejenige links auf die Gegend des 'damals noch seit- 
wärts stehenden) Obelisken, diejenige rechts auf die Porta palatina des Vatikan. 
Letzterer, sowie die Vorhauten von St. Peter verraten eine -ich steigernde Pracht, 
von welcher hier Rechenschaft zu gehen unmöglich ist. Für einen Architekten 
von Phantasie ein lohnendes Thema zum Restaurieren. (Theatrum bedeutel 
liiir eine Loggia oder offene Halle, coenaculum einen Saal überhaupt. 
einer andern Ansicht sollte der Obelisk bereits auf die Hauptachse von St. Petei 
versetzt werden.) 



XIV. Kapitel. 
Die Villen. 

§ 116. 
Gattungen der V i 1 1 en. 

Die Villen haben in Italien eine frühere und stets grössere Bedeu- 
tung gehabt als im übrigen Europa, und Klormiz neht wiederum dem ganzen 
übrigen Italien voran. 

Vgl. Kultur d. Renaiss. S. 399. — Giov. Villani XI, c. 93 zum Jahre I 
auf dem Lande haute, wer es irgend vermochte, die Villen auf einmal reicher 
und schöner als selbsl die Wohnungen in der Stadt, so dass Fremde schon drei 
Miglien vorher glaubten, sie seien in Florenz angelangt. Man hiell allerdings 
solche Verschwender einstweilen „für thörichte Leute". I regen Ende de- \\ . Jahr- 
hunderts hatten auch die Peruginer schönere Villen als Stadtwohnungen, Mata- 
razzo, arch. stör. XVI, II, p. 8. 

Frühe werden unterschieden das eigentliche Landhaus zum langem 
Aufenthalt und zur Ökonomie, und die villa suburbana, das Lusthaus 
vor der Stadt oder in der Vorstadt, zu flüchtigerem Aufenthalt, doch in 
der Kegel mich zum Übernachten eingerichtet, über beide äusserl sieh die 
Theorie. Wenn aber auch ihre Requisite verschieden waren, so m 
sie sich doch in den Kunstformeu mannigfach begegnen. 

Leon Battista Alberti, vielleicht der wahre Verfasse] jenes Traktates vom 
Hauswesen, welcher unter Pandolfinis Namen u. a. das Landleben so -ehr preist, 
gibt de re aedificatoria L. V, c. 15 17 das Bild der Villa und L l\ 
das der villa suburbana. Für erstere bleib! es indes heim blossen Programm, 
hei der Aufzählung der Räume, die sieh um einen allgemeinen sinus oder Mittel- 
raum herumgruppieren sollen. Da auf dem Lande kein Grund für den Hoch- 



\1Y Kapitel. Die Villen. 

bau vorhanden, so ist Alles als Ein Erdgeschoss gedacht. Das Einzelne zum 

. nach Vitruv und den scriptores rei rusticae. 

Das vorstädtische Lusthaus, dessen wesentlicher Wert nur auf der Kunst; 
tonn beruhen kann, soll laut Alberti heiter und einladend gestaltel und auf 
sanftem Abhang gelegen sein; Durchsichtigkeit, Alles voll Lieht und Luft; arri- 

::t omnia: Abwechselung von quadratischen Räumen mit runden und wiederum 
mit eckigen und mit gemischten aus runden und geraden Linien; eine innere 
Verbindungshalle, sinus interior, um welche Alles herumgruppierl zu denken 
ist, Alles mit Einem Niveau, bloss Erdgeschoss; conclavia = Zimmer, coena- 
cula = Säle. Als malerischer Wandschmuck werden Landschaften mit buko- 
lischer oder Genrestaffage empfohlen. 

Die Abwechselung der Räume auch bei Sannazar. eleg. L. III, 3, de ex- 
struenda domo (1496 — 1501 : Jungantur longis quadrata, obliqua rotundis. Den 
mittlem sinus denkt er sieh bereits oval oder auch rund: 

Aedibus in mediis parvi sinus amphitheatri 
Visendas regum praebeat historias. 1 ) 

Die Villenprojekte im VII. Buche de- Serlio, soweit sie als villae subur- 
banae zu fassen sind, zeigen lauter abgeschlossene Einzelräume, deren Ver- 
bindung last nur durch diesen mittlem Sinus oder Saal geschieht ; dieser rund, 
oval, achteckig oder viereckig, bereits mit einer Lanternina auf der Mitte. Ist 
der Saal oblong, so stehen sich an den beiden Langseiten in der Mitte Büffet 
und Kamin gegenüber. Was zur Bedienung gehört, im Kellergeschoss ; Vorräte 
etwa in einem verhehlten Obergeschoss mit Luken; die Einstöckigkeit dem 
3 ine nach immer noch streng durchgeführt, thatsächlich die kleinern Räume 
häufig halbiert. I iisweilen die einzelnen Teile sehr absichtlich voneinander iso- 
liert und selbst mit dem mittlem Saal nur durch (iänge etc. zusammenhängend. 

Noch Palladio und Scamozzi (architettura, L. Uli halten den grossen Mittel- 
raura fesl und charakterisieren ihn nach aussen bisweilen als Kuppel; Steige- 
rung der Aufgabe durch Zweistöckigkeit und Treppen. Dagegen die römischen 
Baumeister der besten sowohl als der sinkenden Zeit komponieren den Bau 
ohne Mittelsaal. etwa in zwei parallel laufenden Hauptsälen oder Hallen, mit 
oräumen an beiden Planken und einem Obergeschoss. welches dem Erd- 
?choss völlig oder nur teilweise in leichterem Aufbau entspricht. 

§ 117. 
VV eit e r e Theorie des V i 1 1 e n b aues, 

[m Ganzen wird besonders die villa suburbana als wesentlicher Phan- 
tasiebau die verschiedensten Formen annehmen. Ihr*' Räume haben nur den 
i; . ein? angenehme oder hohe Stimmung zu erregen; unvermeidlich 



Villa, welche Sannazaro dann wirklich am iv-ilippo baute, wurde während 

Spaniern unter Philibert von Oranien verwüstet. Sannazar, 

darob rkrankt, hatte 1530 noch die Kreml.- . zu vernehmen, dasa Philibert nmge- 

i, und erklärte, dass er nunmehr gerne sterbe, da der den Musen feindliche 

Barbar seinen Lohn erhalten habe. Paul Jov. Elogia, sub Sannazario. 



1 17. Wi'itt-re Theorie des Villenl 



249 



wird sich sowohl beim Bauherrn als beim Architekten neben dem Origi- 
nellen auch das Grillenhafte und Extravagante einfinden. 

Im VII. Buche des Serlio p. 28 der berüchtigte Plan einer Villa in Ge- 
stalt einer Windmühle; p. 12 das Geständnis, man müsse sich vor dem allge- 
meinen Brauch durch neue Erfindungen zu retten suchen; runde, ovale 
Villenhöfe mit Pfeilerhallen p. 27, 250. (Vgl. § 120 die Caprarola. Andere 
Thorheiten p. 38 etc. Die Überzeugung, dass auf dem Lande überhaupl Licenzen 
gestattet seien, die man sich in luogo civile e nobile nichl erlauben würde, p. 16. 
Den äussern Anblick charakterisiert vorzüglich, im Gegensatz zur 
Stadtwohnung, die Öffnung nach aussen in Gestall von Hallen, als sicht- 
barer Ausdruck der Liehe zum Freien, des Einladenden und Luftigen; zu- 
gleich der stärkste Gegensatz zu nordischen Landsitzen. 










*m 



Vi". 221. Villa Pia im vatikanischen Garten. 



Serlio VII, p. i<i: „Auf dem Lande sind Hallen sein- viel schöner anzu- 
sehen als (geschlossene) Fassaden: es li< stärkerer Reiz (piü diletto 
..darin, das Auge in das Dunkel zwischen den Bogen eindringen zu lassen, als 
..eine Wand zu bewundern, wo der Blick nicht weiter kann." 

Den stärksten Eindruck des Einladenden erreich! die Architektur auch 
mit einem ohne Zweifel von Thermen entlehnten Motiv: der grossen einwärts- 
tretenden halbrunden Nische. Bramante allem gebrauchte dasselbe, und zwai 
nicht an einer Villa, sondern als hintere Schlussform -eine- grossen vatikani- 
schen Hofes und Gartens Giardino della Pigna). Aber Pietro da Cortona ent- 
lehnte dasselbe mil vidier Absicht anderthalb Jahrhunderte später für di< 
sade seiner Villa Sacchetti, genannt il Pigneto. 

Von seihst fällt nun amh die Einheil des Motives hinweg, welche an 
den Stadtpalästen wenigstens der altern toscanischen Schule das höchste 
Gesetz ist. Selbst die Symmetrie wird bisweilen preisgegeben. 






XIV. Kapitel. Die Villen. 



Die Villa hat keine eigentliche Hauptlassade, da sie frei zu stehen zen- 
ist ; an jeder ihrer Seiten oder an irgend einer derselben wird die Halle 
entweder die Mitte zwischen zwei vortretenden Flanken einnehmen, oder sogar 
anter Aufhebung der Symmetrie mit verschiedenen Baukörpern zusammen- 
rt sein. Sehr frühe muss schon der Thurm, als Überbleibsel des Schloss- 
baues und seiner Zwecke, sich an der Villa festgesetzt haben; er bleibt ein 
irrationelle- Element, wenn man ihn nicht verdoppeil oder vervierfacht. 

[ndes hat dir Renaissance niemals mit dem Unsymmetrischen als mit 
einem malerischen Element kokettiert . sondern dessen immer nur so viel 
mitgegeben, als unvermeidlich war. 

Weshalb es denn auch immer richtig wirkt. Den höchsten Entscheid hier- 

: gibt nieht die Theorie, welche in diesen Dingen gänzlich schweigt, sondern 

ein Denkmal der höchsten Zierlichkeit wie die Villa Pia (von Pirro Ligorio, im 




. 







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IIa Madarna zu Rum: Durchschnitt des Gebäudes und des halbrunden hintern Hofes 



vatikanischen Garten). Diesem sonst streng symmetrischen Bau ist der Thurm 
hinten link- ben, als hätte es mir noch eines letzten Klanges bedurft, 

um den Eindruck holder Zufälligkeit über das Ganze zu verbreiten (Fig. 221). 
Rechts ein besonderer Anbau für die Treppe, dom Auge heinahe entzogen. 

Bisweilen werden die hesondern liediiiLnm^en der Lage auch die l'n- 
symmetrie zur Fo ibt haben. Vgl. die unklare, aher vielversprechende 

Beschreibung der in den Gomersee hin ausgebauten (jetzt unseres Wissens ver- 
Villa des Giovio, Paul. Jov. Elogia literaria, Musei descriptio. 
Hauptsaal, mit Oberlicht von allen Seiten, enthielt seine berühmte Porträt- 
-.1111111111111-. 

§ 118. 

Villen 'I •■ r V r ü li re n a i - b a d i e. 

Wie zeitlich, so werden auch im Stil die Florentiner allen übrigen 
Erbauern von Villen vorangegangen sein. 



g 118. Villen der Frührenaiss 



LT. 1 



Die freiwilligen Demolitionen von l r>ii; » . vor der spanischen Belagerung, 
haben in weitem Umkreis das Beste zernichtet. Vielleicht ergeben die bau- 
lichen Hintergründe der Fresken des Benozzo Gozzoli (Campo santo zu Pisa 
einige ergänzende Ideen, hie und da auch die Intarsien dei Chorstühle, welche 
so viele Ansichten von Phantasiegebäuden enthalten. 

Das Wenige aus dem X\'. Jahrhundert noch Vorhandene tnehi odei 
umgebaut; Villa Michelozzi oder Bellosguardo ba1 noch die untere Halle und 
den Thurni; über andere Bauten Michelozzos, Villa Mozzi, Villa Ricasoli zu 
Fiesole, sowie über die medieeischen Villen GafTaggiuoli (noch schlossartig), 
Trebbio und Gareggi, vgl. Vasari 11. p. 142 (Le M. III, p. 280, Note . v. di Mi 
lozzo, und VI, p. 281 (Le M. XI, p. 60), v. di Puntormo und den Cicerom 




Fig. 223. Villa Madama zu Rom: clor Garten, links sich an das Gebäude anschliessend 



Verl'. II, 1. S. 116 u. 118. Villa Mozzi, an steilem Abhang, enthielt unten tue 
Ökonomieräume, oben die Säle, Wohngemächer und besondere Räume für Bücher 
und Musik. 

In grösserm und freierm Stil, für Lorenzo magnifico: Poggio a Gajano, 
von Giuliano da Sangallo, mil einem grossen Saal, dessen Tonnengewölbi 
dann gestattet wurde, als der Architekt in seinem eigenen Hause zu Florenz 
ein ähnliches errichtet halte. Vasari IV, p. 270 s. Le M. VII, p. 212 . v. di 
G-iul. da Sangallo. 

Das einfach schöne, für Alfonso, Kronprinzen von Neapel, l i v 7 von Giu- 
liano da Majano 1 erbaute Lustschloss Poggio reale, welches besonders auch 

l ) Vasari II. p ITC iL- M. IV. p 3] and IX. p. 2S6; auch Luca Pacioli (Divina 
proporziime. eil. f. Winterberg, p 11"» sprichl von einem Modell, das Lorenzo magnifico 



XIV. Kapitel. Die Villen. 

durch die Vexierwasser im Hof berühmt war. ist jetzt von der Erde ver- 
sehwunden und nur noch durch die fluchtige Abbildung bei Serlio, L. 111, p. 121 
nach Berichten des Marcantonio Michiel bekannt, wo Grundriss, Durchschnitt 
und Aufriss nicht ganz stimmen und die Aussenhallen hinzugedichtei sind. Das 
-fand bloss aus zwei Stockwerken von Hallen um einen quadrati- 
d \\o( und aus ~2\ kleinen Zimmern, welche an den Ecken, je 3 oben und 
3 unten, angebracht waren: ein sehr durchsichtiges, auf Schatten und Zugluft 
tes G 

V"ii Villen nichtflorentinischer Baumeister dos XV. und beginnenden 
W 1. Jahrhunderts ist das Meiste untergegangen oder schwer entstellt. 

Die Mediana bei Rom, schon unter Sixtus IV. vorhanden, von Innocenz VIII. 
gebaut und ausgeschmückt, Infessura. hei Eccard. scriptores II, (lol. 11)48, 
2007, 2010. Es war das gewöhnliche Ziel der Landpartien des Innocenz. — 
Derselbe Hess Belvedere am Vatikan als einen Erholungsort mit Aufwand von 
60000 Dukaten bauen (ib. Gol. 2007); Müntz, les arts etc., III, p. 74 (wo als 
Architekt Giacomo da Pietrasanta vermutet wird . Die Villa ist später stark 
verändert, sowohl die jetzige Galleria delle statu» 1 'ehemals voller Fresken des 
Mantegna und Pinturicchio) und die östlichen Zimmer, als auch besonders der 
Hof, der anfangs vierseitig und von einfachen hohen Mauern umgrenzt war. 
Julius II. liess hier Bäume pflanzen und die Ecken mit Nischen schmücken, 
welche die Hauptschätze des neu gegründeten vatikanischen Museums auf- 
nahmen. Clemens XIV. gab dann dem Hof eine achtseitige Säulenhalle, deren 
Ecken l s( >-~ in geschlossene Gemächer umgewandelt wurden. Vgl. A. Michaelis 
im Jahrb. des kaiserl. deutsch, archäolog. Instituts. V, 1890, S. 5 — 72. 

In Ferrara scheint schon Herzog Borso (1450 71 1 mehrere kleine Land- 
häuser gebaut zu haben, deren Abbildung in den Fresken des Pal. Schifanoja 
zu erkennen sein dürfte. Alfonso I. (1505 :U haute auf einer Insel des Po 
Belvedere mit dichtschattigem Park und Gehegen fremder Tiere, und auf der 
andi Si der Stadt, an die mit mächtigen Bäumen besetzten Wälle gelehnt, 
tana mit Malereien und springenden Wassern, beides medioeria aedificia, 
die hei jedem Krieg aufgeopfert werden konnten. 

Der Palazzino della Viola in Bologna, mit Loggien, erbaut von Giovanni II. 
Bentivoglio um 1 197, später von Innocenzo da Imola mit mythologischen Fresken 
Bchmückt jetzt landwirtschaftliche Schule). 

§ 119. 
V i 1 1 en der Hochrenaissance. 

Im XVI. Jahrhundert wird vorzüglich die Villa suburbana ein Ge- 
genstand dei en und edelsten künstlerischen Anstrengung; es ent- 



dem Giul. da Hajano für den degno palazzo detto dogliuolo (doch wohl korrumpiert aus 

le) alla citta di Napoli entworfen habe (vgl. §11). Vgl. auch § 91. — Die 

:idi (um 1585) zurückgehende Notiz, die Villa stamme von Luciano da Laurana, ist 

lediglich Hypoth« Lie Urteilslosigkeit in architektonischen Dingen kennzeichnet sich 

dureb seine Vermutung, am Palasl von Urbino habe Bruneüesco mitgewirkt! 



§ 1 L9. Villen der Eochi 



253 



stehl eine Reihe von Denkmälern voll der anmutigsten Phantasie ohne 
Phantastik. 

Für die Vignen der Kardinäle um 1500, gewiss i 
Kunsl massgebend wurden, haben wir nicht viel mehr als rflächliche 




Fig. 224. Villa bei Florenz. (J. Stadler. 



Aufzählung hei Alhertini (de mirabilibus urbis Romae, L. III. fol. B9 - . wo 
sie mit den Palästen zusammengeworfen sind. 

Die Farnesina (1509 für Agostino Ghigi erbaut), non murato, ma ■ 




■ 

Fig. 225. Villa bei Fl Stadli t 



; 



mente nato; Vasari IV. p. 593 (Le M. VIII, p. 22 v. di Peruzzi. Noch ohne 
Rafaels Fresken in einer Schrift vom Januar 1512 gepriesen: Suburbanum 
Augustini Clusü. p.-r Blosium Palladium, citiert in den Anecdota literaria II. 
p. 172. Die einfachste Anlage, unten vorherrschend Hallen verschiedenen Cha- 






XIV. Kapitel. Die Villen. 



rakters, oben Säle; das Äussert' auf einfarbige Bemalung berechnel und auch 
ohne dieselbe vollkommen. Dass nichl Peruzzi, sondern Rafael den Hau ent- 
fen habe, wird wahrscheinlich gemacht durch v. Geymüller, Raffaello Sanzio 
studiato come architetto, p. 24 rJ 

Villa Madama am Fuss des Monte Mario bei Rom, eigentlich la vigna 

Me 222 u. 223 . entworfen von Rafael in seinen letzten Jahren für 

Kardinal Giulio Medici spätei Papsl Clemens VII.), fragmentarisch ausgeführl 

von Giulio Romano; die echte Fassade samt Grundriss bei Serlio, L. III. fol. 120, 

: •;. 131, dem ausgeführten Bau unendlich überlegen (unten neben der drei- 

I lalle nur noch eine Nische auf jeder Seite ; ein Obergeschoss von drei 

ätern und zwei Nischen: du- Pilaster unten ionisch, oben korinthisch). In 

■ lein jetzt vorhandenen Bau das Innere der Halle, seihst abgesehen von den 

.rationell, von wunderbar reichem Anblick durch grosse .Nischen und Ab- 

weehselung aller Gewölbegattungen; auf der Rückseite eines sonderbaren runden 

- die Restauration des Ganzen zweifelhaft. 







Fig. 236. Villa Cavacchia bei Castollo. i.l. Stadler.) 



Die ganze reiche Vorgeschichte des jetzigen Baues sowohl als der be- 
htigten Gartenanlagen jetzt bei v. Geymüller, Raffaello etc., p. 59 ss., !>1 ss., 
Gl indrissen der Zeichner Rafaela auch die vermutlichen Aufrisse 
und Durchschnitte entwickell sind; ein reicher Wechsel von Entschlüssen. 

Nah«- mit dem echter Fassadenentwurf dieser Villa verwandt: Falconettos 
iit Saal darüber, im Hof des Pal. < Üiistiniani zu Padua, erbaut 
für Luigi Cornaro, zu dem ? 107 erwähnten Hau im rechten Winkel stehend 
datierl 1524 . Unten fünf offene Bogen, oben fünf Fenster, das Äussere wie 
reiche Dekoration des Innern (§ 176) durchaus edel. 
In Florenz, Via Gualfonda 83, das Lusthaus Stiozzi-Ridolfi, jetzt Giuntini, 
io d'Agnolo, dem Meister der edlern Häuser-Baukunsl (§ 92), absicht- 
lich unregelmässig, mit Säulenhof, Nebenhof, Gartenhalle und Thurm. 

In ig« and damil grossen malerischen Reiz haben 

denn auch die kleinen Vignen und Bauernhäuser bei Florenz i Fig. 224, 225 u. 22h). 



§ 119. Villen der Eochrenais: 



255 



Eine nach Süden schauende Loggia, die zum Trocknen der Früchte bestimmt 
ist : ein als Taubenhaus dienender Thurm, von welchem man zugleich die Ai 
beiten am dem Felde übersehen kann, in Verbindung mit wei 
Wohnräumen sind die Elemente dieser oft durch die Anmut der Lage und die 
naive Benutzung des Terrains anziehenden Gebäude. 




»J » 






Fig. 227. Loggia im Pal del Te eu ttantua. (Nach Gurlitt. 



Villa Lante in Rom, aul einem Vorsprung des Janiculus, von Giulio Ro- 
mano vor 1524 . gegenwärtig unzugänglich und durch Abbildungen nur un- 
genügend bekannt. Vasari V, p. 5 \A Le M \. p. 97 . v. di t 






XIV. Kapitel, l'ie Villen. 



Pal. del Te in Mantua, begonnen von demselben vor 1527 für Herzog 

. welcher zuerst nur ein Absteigequartier in der Nähe seiner 

hmten Stuterei verlangte; nur ein Erdgeschoss mit Mezzanin, mil dorischer 

Ordnung und starker Anwendung von Rustika (§ 54), wodurch ohne Zweifel 

der Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Institut charakterisiert werden 
qs in Ermanglung di i Steine Alles Backsteinbau mit Bewurf. In 

Folge winde der Herzog 
bewogen, das ( rebäude vierseitig 
uni einen I tof herumführen zu 
lassen; gegen diesen Hof hin 
eine offene Lo^ia auf gekup- 
pelten Säulen . zum Schönsten 
der ganzen Renaissance ge- 
hörend Fig. 227) ; in den übri- 
gen Räumen, von der verschie- 
densten Grösse und Bestim- 
mung, reich durchgeführter 
Schmuck von Fresken und Stuk- 
katuren (§ 17<; . Verhängnisvoll 
als erster ninnumenlaler Hau in 
unechtem Stoff, während der 
reine Backstein zu Gebote ge- 
standen hätte, - und als Bei- 
spiel der Anwendung der Ru- 
stika als vermeintlichen Aus- 
druckes (U-^ Ländlichen. 

Marmirolo, welches Giulio 
ebenfalls baute , nachdem be- 
reits 1523 ein Plan von Michel- 
angelo eingereicht worden war 
(Vasari VII, p. 364 (Le M. XII, 
j). 361) im Kommentar zu v. di 
Michelangelo, und Gaye, car- 
teggio II, p. 154) , ist von der 
Erde verschwunden. Man rühmte 
die Menge von Räumen, um 
grosse fürstliche Gefolge zu 

logieren, dann die vielen Vexierwasser, die prachtvollen Gärten und die reichen 
nge an Pfeilern. Leandro Alberti, Descrizione di tutta l'Italia, ed. 

ir,77. fol. 

Ebenso die - Sanmichele, unweit < '.a>lell'ranco, welche da- 

vollkommenste Villa weit und breit galt. Vasari V, p. -!!»1 (Le 
M. XI. p. 12»; . v. di Sanmicheü. 

In den Offizien der Entwurf einer /um Badeaufenthall eingerichteten Villa 
Kardinals von S. Croce auf dem Monte Amiata, von Aul. da Sangallo d. J., 
Redtenbacher, Allg. Bauzeitung 1883, S. 58. 
Villa Monte Imperiale bei I Fig. 228 231), erbaut von Girol. Genga 




■ 



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I. . . .1 I 

If V ¥ w V 4 





Kig. 228. Monte Imperiale bei Pesaro. 



§ 1 19. Villen der Hoch] 



257 



(wohl 1529 oder 1530) für Herzog Francesco Maria de rbino. 

Nie vollendet, aber noch in dem jetzigen ruinösen Zustand von m a Wir- 
kung; das Gebäude folg! dem steilen Abhang in dreifacher Absl il ing; unten 
ein bedeutendes Hallengeschoss mit einer geschlossenen Pilasb 
„Piena di camere, ili colonnati e di cortili, di I fontane e di arai 

simi giardini", ehemals von allen 
reisenden Fürsten besucht. Va- 
sari VI, p. 319 (Le M. XI. p. 90), 
v. di Genga. 

Zu Cricoli bei Vicenza die 
Villa des 1 langes Trissino , nach 
dem Plan des Gründers Giov. 
Giorgio Trissino (§ 12); eine Fas- 
sade wiederum (wie die Garten- 
halle Gornaros zu Padua) ganz 
ähnlich der erbten von Villa Ma- 
dama, aber zwischen zwei vor- 
tretende lällere? Thürme ein- 
geschlossen, dl forestiere istruito 
etc. di Vicenza, Tav. 33. 

In Pauli Jovii Elogia lite- 
raria als Einleitung die lateinisch 
verfasste Beschreibung »1er von 
Giovio nahe bei Gomo in den 
See hinausgebauten jetzt nicht, 
mehr vorhandenen) Villa, ausser- 
ordentlich anziehend, aber kaum 
deutlich genug für eine hypothe- 
tische Rekonstruktion. 

Das ästhetische Gesetz der 
Villenbaukunst der goldenen Zeit 
wird sich erst dann vollständig 
erkennen lassen, wenn die be- 
treffenden Reste in ganz Italien 
aufgesucht nnd im Zusammen- 
hang studiert sein werden. Eine 
Aufnahme /. 15. der um Siena 
zerstreuten Villen, welche ganz 
oder teilweise von Peruzzi herrühren, fehlt unsere 
Gartenfassade der Villa Colomba bei Schätz 




Fi, 



[mperiali 



Wissens noch. I de schöne 
Bl. 103 kaum von Peruzzi. 

Hin Plan der Villa lielcam von [Vruzzis Hand in den Offizien repi von 

Redtenbacher, Peruzzi nnd -eine Werke, Taf. 15). 



Bure k h a nl t . Italien. Renaissance. 4. Aufl. 



17 



\1\. Kapitel. Die Villen. 

§ LS 

V i 1 1 e n (1 e r N a c h b 1 ii t e. 

Unter den Villen der Zeit von L540 80 sind die namhaftesten eigent- 
liche Landsitze und daher für zahlreiche Dienerschaft eingerichtet. Schon 




Fig. 230. Monte Imperiale bei Pesaro. 




Imperiale Lei Pesaro. (Fig. 228 230 aus dem Archiv des Munieipio von Pesaro, 
• durch II. Kerdtle 

Z eigi sich hie und da öde Weitläufigkeil oder auch der Stil von Stadt- 
palästen statt freier ländlicher Anmut. Einzelne kleinere Kasinos gehören 
jedoch noch zum Besten. 



§ 120. Villen der Nachblute. 



259 



Das riesige Fünfeck Gaprarola, die Burg Stunden nörd- 

lich von Rom, von Vignola, der sich hier einer Form dei modernen Fortifikation 




fügte. Mächtige Rampentreppen, Grähen, fünf Basteien, darüber der H 
von zwei Ordnungen mit gewaltig i Pfeiler] I der eii 






XIV 7 . Kapitel. Die Villen. 



Innen ein s - runder Hof mit Pfeilerhallen, eine der imposantesten Schöp- 

»anzen Profanbaukunst. Vasari VII, p. 107 (Le M. Ml. p. 133). v. di 

T. Zucchero. Fig. 232 Ein älteres Projekl von Peruzzi, für Ser Silvestro 




trola, mit fünfseitigem Pfeilerhof, 3. bei Redtenbacher, a. a. 0. Taf. 16.) 
Wohlerhalten: Villa Lante alla Bagnaja bei Viterbo, von Vignola, von 
istei Abstufung bei massigen Mitteln, die Hauptachse durch Brunnen und 
penwerk vorzüglich charakterisiert. 



8 120. Villen der Nachblüte. 



IV.I 



Demselben Vignola wird die bedeutendste erhaltene Villa suburbana, die 
Vigna di Papa Giulio (III.) bei Rom jetzt Museum . um 1550, zugeschrie 
Anteil Vasaris, Michelangelos, Ammanatis und des Papsl 
der Vorderbau wertlos; die halbrunde Hofhalle Fig. 233) von zweifelha 
Effekt : die jenseits des 1 [ofes folgende zweite Halle und der das I i 
vertiefte Brunnenhof mit uoch tieferem Grottenbau von zierlicher, m 
Wirkung, doch schon mit gesuchter Abwechslung der Motive. Der hintere 
Abschluss nicht völlig ausgeführt.) 

An Villa d'Este zu Tivob' 1549 der Palast gross, abei unbedeutend und 
spätei (Fig. 234 . 

Von den Villen des Herzogs Gosimo I. Medici die von Gastello Im i Flo- 
renz laut allgemeinem Urteil uoch jetzl bedeutend (von Tribolo) ; Pratolino im 
Apennin hauptsächlich durch Gärten und Wasser berühmt. 




Fig. 234 Villa d'Est< bei Tivoli. 



In und hin Genua i-i oder war dss Beste \ ■ >i i Galeazzo Alessi (1512 7_' 
dei abscheulich umgebaute Pal. Sauli (Fig. 213) war eine Art vorstädtischei 
Villa mit dem schönsten Hallenhofe davor und in dieser Anlage an den fran- 
zösischen Typus entre cour et jardin erinnernd ; <V\<- übrigen Villen (alle be- 
wohn! und nicht leicht zugänglich) sind vierseitige Paläste (mit oberer und 

unterer Ordnung von Pilaster ler Halbsäulen . deren ländlicher Charakter 

aber durch Hallenöffnung de- Erdgeschosses oder des ( »bergeschosses sich aus- 
spricht und deren Formengebung immer noch zum Besten dieser Zeit gehört 
Villa Pallavicini delle peschier» Villa Gambiaso mit sehr edler Halle im 

Erdgeschoss Villa Scassi jetzt in den Rangierbahnhof von Sampierdarena 

hineingeraten ; von einem Späteren: Villa Podenas, i. r ''ii. il Paradiso, wo eine 
durchgehende grosse Säulenhalle das ganze mittlere Stockwerk nach vorn ein- 






XIV. Kapitel. Die Villen. 



nimmt, u.a.m. Andere Villen dieser Zeit verfallen oder umgebaut. Von 
\ ssi auch das Schloss Gastiglione im See von Perugia. 

Von den Villen Palladios ist eine villa suburbana die berühmte Rotonda 
Capra bei Vicenza (vgl. § 1 Iti. Fig. 235); die meisten übrigen sind grosse, regel- 
ssige Landsitze, in der Mitte ihrer Ökonomiebauten emporragend und off von 
sehr schöner Anlage, überall mit grossem Mittelsaal; nur darin verkannte Pal- 
i 'He wahre Kunstform der Villa, da<s er nicht immer die Fassade selbst 
Is Loggia öffnete, sondern vor die geschlossene Mauer einen Tempelportikus. 
■ mit Giebel, treten liess; und auch wo die Fassade selbsl sich öffnet, ent- 
steht statt einer echten Loggienform meist durch Bekleidung mit Halbsäulen 
wieder eine Tempelhalle, sogar zweistöckig mit Giebel. 

Von den Gasinos dieser Zeit hat die Palazzina in Ferrara (1559) noch 
einen Schimmer der ehemaligen Grazie, dagegen ist die Villa Pia (§ 117. Fig. 221 i 
im grossen vatikanischen Garten, von Pirro Ligorio um 1560, vollständig er- 



- • 




Fig. 233. La Rotonda bei Vicenza. 

halten: an einei ovalen Terrasse hinten das Gebäude seihst, vorn ein Vor- 
pavillon mit Unterbau, an den beiden Rundenden kleine Eingangshallen: das 
• ■ berechnel auf Stukkaturen, Brunnen und bestimmte vegetabilische Um- 
ing; letztere allein jetzl ungenügend. 

§ 121. 
Villen 'I fr I; a ro ckzeit. 

In der Barockzeil von 1580 an wurde Rom und Umgebung die wich- 
tigste Stätte t'iii- die weitere Ausbildung der Landvilla sowohl als der Villa 
suburbana. Die erstere fugt sich im Detail den mürrischen Formen des 
iligen Stadtpalastes, leitet sich jedoch die Loggia als Eauptmotiv 
(Fig. 234). I he letztere, im Grundplan jetzt oft vorzüglich schön und als 
iigensaufenthalt mit luftigen Hallen und bequemen Treppen muster 
lt i "i 1 t i ^r . dringt doch ebenfalls nirgends mehr zu einem reinen Ausdruck in 
den Formen durch. Rustika und gleichgültige Mauere in i'assun gen aller Art 



§ 122. Bäder. 



263 



kontrastieren mir den eingesetzten antiken Reliefs, dem speziellen Luxus 
von Rom. — Grossem Villen entsprechen jetzt besondere kleine Kasinos 
auf anderm Niveau, aber derselben Achse. 

Einflussreiche Landvillen: V. Aldobrandini und V. Mondragone bei Fra- 
scati. Für die Villa suburbana: V. Montalto-Negroni seit Sixtus V. mit Haupt- 
bau und Kasiiu». letzteres von Domenichino ; V. Borghese, V. Mattei u. s. w.; 
vielleicht das Wirkungsvollste die Gartenseite der Villa Medici auf Monte I 
(Fig. 236). 

§ 122. 

B ä d e r. 

In den Villen gewannen auch die Vorrichtungen zum Baden hie und 
da eine künstlerische Gestalt. 

Dahin gehört wohl die stufa in der Villa Lante zu Rom, Vasari \. p. ■■'•! 
(Le ML X. p. 97), v. di Giulio Romano, mit den Fresken der Liebschaften der 




■ li Villa M( 



Götter. Der jüngere Sangallo entwarf für Kardinal Marcello Cervini, spätem 
Papst Marcellus II. § 29) einen Plan tür ein Bad antiker Art, mit frigidarium, 
tepidarium, calidarium, welches in einer Villa zu Vivo errichtet werden sollte. 
Vasari Y. p. r>|s |.,. \f. \. p, s| mi Kommentar zu \. di Ant. Sangallo. 

In der Villa Grimaldi zu Bissagno bei Genua baute Alessi ein rundes 
Badgemach mit Kuppel, dessen Becken das beisse Wasser aus den R 
von Meerwundern, das kalte aus Froschmäulern empfing; ringsum ein < 
mit acht Nischen, wovon vier durch besondere Badewannen und vier durch 
Fenster und Thüren in Anspruch genommen waren: dazwisi hen Hermen 
das Kranzeesimse trueren vom Gewölbe hin-- ein sinnreicher Leuchte] ni 



\ v. Kapitel. Die Gärten. 

- Iiale das Firmament darstellte; die Vorräume und Nebenräume 
nfalls auf das Zierlicliste durchgeführt. Vasari VIII, p. 544 (Le M. XIII, 
p. 1l'" . \ . di Leoni. 

Über die „Stufetta** des Kardinals Bibiena (das sog. Bagno di Giulio II. 
11 Vatikan isl auf die Briefe Bembos vom Jahr 1516 (Lettere pittor. V, 57, 58 
zu verweisen, woraus nur so viel erhellt, dass Rafael die Sujets zu den Wand- 
malereien von Bibiena erhielt, für eine kleine, marmorne Venusstatue aber keine 
Stelle wusste. 



XV. Kapitel. 
Die Gärten. 

§ 123. 
Gärten anter der Herrschafl des Botanischen. 

Die Gärten der Paläste und besonders der Villen waren ohne Zweifel 
frühe in regelmässigen Linien, vielleicht in strengem Bezug auf das be- 
ide Gebäude angeordnet. Wenn ihrer künstlerischen Behandlung an- 
_~ etwas im Wege stand, so war es das botanische Interesse oder die 
Absicht auf Nutzbarkeit. 

Vgl Kultur der Renaissance. S. 287. Der Garten der mediceischen Villa 
zur Zeit des Lorenzo magnifico als Sammlung zahlloser einzelner Gat- 
tungen von B sn und Sträuchern geschildert. 

Der prächtige Garten von Poggio reale bei Neapel, vom Kronprinzen Alfons 
; 118 angelegt, der 1495 noch als fliehender König der Botanik huldigte, in- 
dem er nach seinem Asyl Sizilien „toutes sortes de graines pour faire jardins" 
mitnahm, Comines, l>. VII, eh. 11 oder Charles VIII, eh. 17. Die Hauptschilde- 
em Vergier d'honneur, wörtlich bei Roscoe , Leone X, ed. Bossi, 
i. IV. p. J2»i s. und bei Müntz, La renaissance, p. 435. Aussen' dem Palast 
Menge kleinerer Zierbauten, kleine Wiesen, Quellen, Bäche, antike Statuen; 
: Park mit allen Fruchtbäumen, die das Klima erlaubt, mit 
Lorl Blumen und endlosen Rosenpflanzungen ; dann ein besonderes Wild- 

Ställe Meiereien, Weinpflanz un neu mit lieben aller Sorten und riesigen 
Kellern. Offenbar überwog die Ökonomie für den Bedarf des Hofes 
und für den Blumenverbrauch bei Festen nebst der botanischen Liebhaberei das 
bei Weilen,. 
b im Vorgarten des vatikanischen Palastes, wie ihn Nikolaus V. um 
liön haben wollte, sollten herbae ei fruetus aller Art nebst Wasserwerken ihren 
tz linden: Vitae Papar. b« i Murat. III, II. Col. 932. 

Im Palastgarten zu Ferrara, welchen Ercole I. (st. 1505) wahrscheinlich 

den 1480er Jahren eilig anlegen liess, fehlte zwischen den regelmässigen 

len Weinlauben auf Marmorsäulen, den gemallen und vergoldeten 

i , ; Mündungen doch kein schöner und kein 



§ 124. Eindringen des Architektonischen. 265 

fruchtbarer Baum, so dass sich auch hier der Nutzgarten zu erkennen gibt. 
Titi Strozzae Aeolostichon L. II. p. 209 

Ein anderer Lustgarten in der Stadt, mil einem Absteigequartier 1497), 
enthiell u. a. einen Fischteich mil Brücken darüber. Diario ferra 
Murat. XXIV, Gol. 346. Über Belvedere und Montana s. § 118. 

Die grossen Parke mil Wildgehegen wird man vollends kaum zu den 
Gärten rechnen dürfen. 

Ein Park für die fremden Tiere, welche eine Liebhaberei jene] Zeil waren 
(Kultur der Renaissance, S. 28s.. von [Irr/o» Krcule 1 4-7 1 unmittelbar vor der 
Stadl mil teuren Expropriationen angelegt, Diario, I.e., Col. 236. Auch Poggio 
reale enthiell eine Menagerie. Für Palermo erwähnt schon Otto de S. Blasio 
ad a. 1194: hortum regalem amplissimum ... omni bestiarum gen ere delei 
liter refertum. 

§ 124. 

Eindringen des Architektonischen. 

Indes wird frühe auch die Erzielung eines hohem Phantasieeindruckes 
sich geltend gemachl haben, wie schon aus der Begeisterung zu schliessen 
ist, mit welcher von Gärten überhaupt geredet wird. Dieser Eindruck 
kann ebensogut auf architektonischer Strenge der Anlage als auf besonders 
schönen Einzelheiten beruhen. Die Wasserwerke darf man sieh jedoch n«»cii 
bis tief ins X\ I. Jahrhundert relativ gering vorstellen, da der grosse römische 
Wasserluxus, Vorbild des europäischen, erst mit Sixtus V. beginnt. 

Frühe unbestimmte Erwähnungen ausgezeichneter Gärten hie und da, 
z. B. Matteo Villani IV. c. ii ein famoso giardino beim Pal. Gambacorti in 
Pisa, wo Kaisei' Karl IV.. selber ein grosser Gartenfreund, 1354 abstieg. 

Phantasiebilder, zum Teil von anregender Schönheit, bei ineas Sylvius 

Epistola ins. p. tili' der Garten der Fortuna) und bei Polifilo ll\| rotomachia, 

vgl. § ■'>2. im Auszug bei Temanza, p. ^ s . die Insel Cythera). 

Einiges in den Fresken des Benozzo Gozzoli (Gamposanto zu Pisa und 
auf Tafelbildern des XV. Jahrhunderts. 

Einfluss der Gartenbeschreibungen in Jeu Briefen des Plinius, oder w 
diese noch nicht bekannt waren, in andern Schriften des Altertums: der Hippo- 
dromus in den Gärten des Kastells von Mailand vor 1 i 17. vita Phil. Mariae Vici - 
comitis. auet. Decembrio, bei Murat. XX, Gol. 1008. Vgl. Plin. L. V, Ep. 6. 
Leon Battista Alberti 1450 stellt zuerst einige derjenigen Züg< fest, 
welche seither für den italienischen Prachtgarten bezeichend gewordi n sind, de 
re aedificatoria , !.. I\. c. i: Grotten von Tuffstein, welche man bereits dem 
Altertum nachahmte, wobei ungeduldige Besitzer das moosige Grün durch grünes 
Wachs ersetzten; eine Quellgrotte mit Muscheln ausgelegt; ein Gartenportikus, 
wo man je nach Jahres- und Tageszeit Sonne oder Schallen sucht; ein freier 
Platz (area ; Vexierwasser; immergrüne Alleen von Bux, Myrthen und Lorbeer; 
die Gypressen mit Epheu bekleidet ; die einzelnen Felder des Gartens rund, halb- 
rund und überhaupt in solchen Umrissen, welche auch einen Bauplan 
schön machen i? cycli et hemicycli, '-t quae descriptiones in areis ae- 
dificiorum probentur), eingefasst von dichten Hecken; aus dem Altertum werden 



\\ . Kapitel. Die Gärten. 

hinzugenommen: die korinthischen Säulen als Stützen der Weinlauben, die In- 
schriften in Buxbeeten, das Pflanzen der Baumreihen in der Quincunx; für 
Hecken werden besonders Rosen empfohlen; von den Eichen heissl es noch, 
gehörten eher in Nutzvillen als in Gärten. Schon damals kamen komische 
tuen in Gärten vor, Alberti erlaubl sie, sobald sie nicht obscön seien. 
Von altern Brunnen kaum einer erhalten. Die ganze KunstgestaU dei 
Brunnen, Anordnung wie Skulptur, bleibt für das \\. und selbsl für den An- 
fang di - Wl. Jahrhunderts trotz zahlreicher Nachrichten so viel als hypo- 
S :-t bei der besten Ausführung unterliegen stein. Kill und Metall- 
verbindung endlich der Feuchtigkeit; auch hatten diese frühem Werke einem 
viel sparsameren Wasseraufwand entsprochen und konnten wertlos erscheinen, 
als der Wasserluxus eintrat. Villa d'Este zu Tivoli, seit etwa 1550 nach An- 
gabt Pirro Ligorio angelegt, mit freier Verfügung über die Wasser des 
Ulfbau in Terrassen, und mit Rücksichi auf die umgebende Land- 
;t vgl. Fig. 234 S. 261). Genaue Schilderung und ästhetische Würdigung 
von E. Paulus, Allg. Bauzeitung, 1863, mi1 Aufnahmen von E. Gnauth. 

^ 125. 

A n t i k e S k u 1 p t u r e n u ml Etui n e n. 

her italienische Garten schloss frühe ein doppeltes Bündnis mit den 
römischen Altertümern: Skulpturfragmente und Inschriften, welche für das 
Innere von Gebäuden nicht als Schmuck gelten konnten, machten an Garten- 
mauern zwischen dem Grün eine grosse und. ( wie man wohl bald gefühlt 
i wird, elegische Wirkung; auch an den Gartenfronten der Villen- 
gebäude wurden römische Reliefs ofl in Menge angebracht. Sodann ge- 
wann man den baulichen Ruinen nicht nur ihre poetische Schönheil ah. 
-indem ahmte sie in Gärten nach. Ohne Zweifel gaben hiezu römische 
Gärten den Anlass, welche in echten Ruinen angelegl waren. 

Poggio im Dialog de nobilitate, den er vor 1440 verlegl (Poggii opera 
Argentin. Pol. 25) lässl sich noch damit ausspotten, dass er .-ein Gärtlein 
Terranuova bei Florenz) mit kleinen und fragmentarischen Marmorresten 
- hmückt halie. uin durch dieNeuheil der Sache einigen Ruhm hei der 
hwell zu gewinnen. - De] kleine, mit Antiken damals ganz angefüllte 
G Pal. Medici (Riccardi), die Stätte der Studien des Michelangelo, 

iri [V, ji. 256 Le M. VII, p. 203), v. di Torrigiano. 

Anwendung im Grossen: an der Gartenseite des Pal. della Valle zu Rom, 

_■.::;/• J'.i - -- . i < 1 • • Miller Reliefs und himt zusammengesetzter Skulplurfragmente, 

uch Statuen in Nischen, Vasari IV. p. 579 (Le M. VIII, p. 213), v. di Lorenzetto, 

zui / eis. Eben damals in Rom das giardinetto des Erzbischofs von 

Statuen u. a. Altertümern", darunter ein Bacchus, Vasari V, 

597 Le M. X. p. 145 . v. di Perino, welcher an den Wänden bacchische 

; § 128. - Giulio Romano brachte -eine Antiken lieber im 

Ha ti, Vasari V, p. 549 (Le M. X, p. 109), v. di Giulio. 

wurden auch in besondern Lauben aufgestellt, welchen man die 
Form von Tempeln etc. gab. Als glücklicher Erfinder der für das empor- 



§ 125. Antike Skulpturen and Ruinen. 267 

wachsende Grün besonders geeigneten Holzgerüste war gegen 1550 Girolamo 
da Garpi berühmt, der den quirinalischen Garten des Kardinals von Este zu- 
gleich Gründers der Villa d'Este zu Tivoü) damil versah. Vasari VI, p. 177 
Le .M. XI. p. 238 , v. di Garofalo. 

Über die Ruinensentimentalitäl vgl. Kultur der Renaissance [V. Aufl. I. 
S. 211. Die erste ideale Ruinenansichl mit Beschreibung bei PolifUo, im 
zug aber ohne das Bild bei Teraanza p. 12; Trümmer mächtiger Gewölbe und 
Kolonnaden, durchwachsen von alten Platanen, Lorbeeren und Z}'pressen 
wildem Buschwerk. \ul. dir Palastruinen in den Bildern des XV. Jahrh. von 
der Anbetung dv^ Ghristuskindes. Blosse Landschaften mit Ruinen, Vasari VI, 
p. 551 Le M. XI, p. 31 . \ . di Gio. da Udine. 

Die erste bedeutende künstliche Ruine im Park (barchetto bei dei R< 
sidenz zu Pesaro: ein Haus, welches eine Ruine sehr schön vorstellte, darin 
eine treffliche Wendeltreppe ähnlich der vatikanischen de- Bramante); Vasari VI, 
p. 319 (Le M. XI, p. 90), v. «li Genga (um L530). 

Der Ausdruck schwankt bisweilen zwischen dem Ruinenhaften, dem 
Gro.ttenhaften und der anderweitig längsl ausgebildeten Rustika. 

Ein Bild dieser Konfusion in dem Briefe des Annihale Garo 1538, Lettere 
pittoriche V, 91, wo wahrscheinlich von den farnesichen Gärten auf dem Palatin 
die Rede ist, bevor Vignola denselben ihre spätere Gestall gab. Am Abschluss 
eines grossen Laubenganges erhebt sich eine .Mauer von dunkelm porösem Tuff 
in absichtlich unordentlichen Blöcken mit beliebigen Erhöhungen und Ver- 
tiefungen, in welchen letztern sich Pflanzen ansetzen sollen; das Ganze stellt 
vor un pezzo d'anticaglia rosa (d.h. verwittert) e scantonata; in der Mitte eine 
Thür, zu den Seiten mit rohen Blöcken, oben mit hängenden Steinmassen wie 
ein Höhleneingang; rechts und links in ruhen Rustika-Nischen Brunnen mit 
Sarkophagen als Trögen und mit Statuen liegender Wassergötter darüber; die 
Laube mit Epheu und Jasmin an den Seitenmauern, oben mit Weinlaul 
Pfeilern bedeckt: der Charaktei des Ganzen: ritirato, venerando. 

Eigentliche künstliche Ruinen blieben doch selten; im Ganzen herrsch! 
teils vollständige Architektur und /.war. /.. I!. in den einzelnen Triumphbogen, 
Quelllassaden etc. der Villa d'Este in ziemlich reichen Formen, anderswo ver- 
meintlich ländliche Rustika), teils blosser Tuffsteinbau ohne Prätension, teils 
Belegung mit Muscheln, wie sie die Alten Liebten. Schon Alberti a. 
spricht davon. 

§ VI'': 

\ olle Herrsch a t't <\ >■ r \ rc h i i e b t u r. 

Im XVI. Jahrhundert wird die Herrschaft der Architektur über die 
Gartenkunst nicht bloss thatsächlich durch Überlassung der letztem an 
die Baumeister, sondern auch prinzipiell ausgesprochen. 

Bandinelli an Guidi 1551, Lettere pittoriche I. .;- murano, 

debbono essere guida e superiori a quelle ehe sj piantano. 

Serlios Pläne von Gartenbeeten, Ende des IV. Buches, ..welche auch per 
altre cose dienen könnten", sind in der Thal angelegl wie ein regelmäs 
architektonisches < >rnamentenfeld. 



W. Kapitel. Die Gärten. 

Bei wechselndem Niveau, sobald die Abstufung in ihr Rechl trat, ge- 
wannen ohnehin streng symmetrische Anlagen von Terrassen, Balustraden 
und Treppen die » überhand. 

Entscheidend wirkten vielleicht die prächtigen Rampentreppen, welche in 
liminair n vatikanischen Hauptbau (§ 97, 1 17. Fig. 195) aus dem untern 

Hof in den obern Garten giardino della pigna) führten, dessen letzten Abschluss 
Nische mit oberer Säulenhalle bildet. Dei obere Garten enthiell 
pratelli e fontane, welche Bandinelli (ibid.) als Muster auf- 
Dass die Rampen wirklich ausgeführt waren, beweisen alte Abbildungen 
im Speculum romanae magnificentiae. An ihre stelle traten später Zeughaus. 
Bibliothek und Braccio nuovo, so dass die majestätische Längenperspektive des 
es und Gartens verloren gegangen ist. Bandinelli erwähnt weiter Anlagen, 
tie Rafael für Leo X. und für Clemens VII. gemach] habe; letzteres indem 
el in Villa Madama für den Kardinal Giulio Medici, spätem Papst Clemens, 
aucl i irten angelegt hätte; ausser dem Vorhandenen die wechselnden Ent- 

schlüsse viel ; - i Anlagenj § 1 19. 

Die Treppe, welche bald auch in den Palästen um des symmetrischen 
Anblickes willen sich zur Doppeltreppe ausbildel (§ L06), wird in Gärten 
höheren Stiles schon früher verdoppelt. Die mittlem Absätze, womöglich 
in der Hauptachse der ganzen Villa liegend, verlangen nun eine besondere 
Ausstattung, hauptsächlich durch Grotten mit Brunnen. 

Zwei Doppelrampen übereinander, mit einer Art von Grotten, in dem eben 

innten grossen Hof Bramantes. 

Früher symmetrischer Treppenbau mit Marmorbalustraden und sogar mit 

Hallen im untern Garten des Pal. Doria zu Genua, von Montorsoli seit 1529. 

Hauptbeispiel auch hiefür: Villa d'Kste zu Tivoli (§ 120, 124), wo indes 

die Doppeltreppen und deren mittlere Nischen etc. schwerlich alle der ersten 

Anlage von 1549 angehören mögen. 

Von Alessis Villen: V. Pallavicini; diese Partien der Anlage nach alt, 
aber erneuert. 

Die kleinern. mehr zierlichen Kleineiite. wie Bliinienheete, Orangen- 
pflanzungen, Statuen, kleinere, schmuckreiche Fontänen, früher durch den 
ganzen Garten zerstreut, werden gegen Mitte des XVI. Jahrhunderts aus- 
ieden zu einem sog. Prunkgarten (auch giardinetto) , d. h. zu einem 



Es is1 ansicher, ob auch von diesem Garten oder nur von dem belvederischen 
mischen Gesandten des Jahres 1523 reden (bei Tommaso Gar, relazione 
della corte di Roma, p. in s.). Damals war «lie eine Hälfte des Gartens (der jetzige 
Giardino della pigna?) mil Rosen, Lorbeeren, Maulbeeren und Cypressen bepflanzt, die 
andere (der Hol des Belvedere) mil Backsteinplatten gepflastert, zwischen welchen, regel- 
schönsten Orangenbäume emporstiegen; in der Mitte Lagen, ein- 
nüber, Tiber und Nil mil Brunnen verbunden; in Nischen stunden der Apoll 
und der Laokoon, in der Nähe des letztern die vatikanische Venus; an einer Halle war 
•.". welche die Pflanzen des Gartens tränkte. Vgl. A.Michaelis, <lrv Statuerihof 
re, im Jahrb. d. archäol. Instituts, 1890. S. :> \)'. Ihiter Julius 
und Leo war die eugänglich; Hadrian VI. beschloss schon in Spanien, Alles zn 

tte ■• di prineipi I 



§ 127. Mitwirkung der mächtigen] Vegetation. 

besonders regelmässigen Parterre in der Nahe des betreffenden Palastes 
oder Villengebäudes. Die Lage isl womöglich vertieft, windstill und g 
Süden, die Wege sind mil Steinplatten belegt. Der Stil ist nahe verwandt, 
ja fast identisch mit dem der Gärten in Palasthöfen. 

Bereits vorhanden in dem grossen Garten hinter dem Vatikan, offenbar 
als sonniger Spazierort in den kältern Jahreszeiten. Später allgemeines Requisit 
der grössern Villen. Ob dieser äussere vatikanische Garten, welcher u. a. die 
Villa Pia. § 117. 120 enthält, eine Anlage des jungem Aul. da Sangallo sein 
mag? Ein Plan „per la vignia del Papa" ist noch von ihm vorhanden, Vasari V, 
\S2 I e M. V p. -!1 . Komment, zu der v. di Sangallo. Der oben genannte 
innere vatikanische Garten (Bramantes) wahrscheinliches Vorbild. 



§ 127. 
M i t wirk u u g «1 e r m ;i «■ li t i g e rn Vegetatio q. 

Wie frühe die mächtigern Bäume als Massen geordnet in die Kom- 
position aufgenommen wurden, ist nicht auszumitteln ; einzeln und in Alleen 
und kleinern Gruppen hatten sie nie gefehlt; aber ihr ernstes und gl 
Zusammenwirken mit Terrassen, Treppen u. s. w. kann erst eingetreten 
sein, als die Gärten überhaupt gross und die architektonischen Prinzipien 
ihrer Anlage völlig ausgebildet waren. 

Leider sind die hiefür entscheidenden Anlagen entweder nie ganz aus- 
geführt oder wieder zernichtet worden; Giulios "der Rafaels Garten bei Villa 
Madama Vaäari, V, p. 526 Le M. X . p. 90), v. di Giulio . Vigna di Papa 
Giulio 111. und Orti farnesiani von Vignola; Michelangelos Entwurf für Mar- 
mirolo (§ 119), und zwar „sowohl für den Garten als für die Wohnung darin" 
(1553), musste wahrscheinlich zurückgelegt werden, weil die Hofkasse von 
Mantua durch eine prächtige Theatervorstellung in Anspruch genommen war. 
- Auf Sangallos Plan für A^w hintern vatikanischen Garten ist u.a. bezeichnet 
ein „Ort für Tannen und Kastanien". In Gastello bei Florenz wird als Ab- 
schluss de- Fruchtgartens ein Tannendickicht angelegt, welches die Wohnungen 
der Arbeiter und Gärtner maskiert, in der Mitte des Hauptgartens aber ein 
Dickicht salvatico von hohen Gypressen, Lorbeeren und Strauchwerk, mit Laby- 
rinth und Fontäne in der Mitte, anderswo ein dritte- Dickicht von Cypn 
Tannen, Lorbeeren und Steineichen mit einem Becken in der Mitte, Vasari VI, 
p. 7:> ss. Le M. X. p. 258 ss. . v. di Tribolo. (In Villa Madama führte eine 
besondere Pforte in ein solches salvatico; sie war flankiert von zwei Giganten 
Bandinellis ; Vasari VI, p. lii (Le M. V p. 302 v. di Bandinelli. Die 

grossen Eiche assen aber lassen noch einige Zeit auf sich warten. istello 

a. a. beschrieben nicht sowohl wie es war und ist, sondern wie es Tribolo 
entwarf seit 1540?). Ausser >\< l u Wasserwerken (s. unten auch Scherze in 
der Gartenanlage selbst, /.. l'>. mehrere Labyrinthe. Eines winde damals 
zu Gareggi in einem runden Hof angelegt, Vasari VI, p. '' x " s. Le M. XI. 
p, 60), v. di Puntormo. Die hier gewiss uralt und in Schloss- und Kl 
gärten von jeher bekannt. 



27l ' XV. Kapitel. Die Gärten. 

g L28 

n V e n e '1 i l:- 

In Venedig, wo Enge und Meerluft die Anlage grosser Pflanzungen 
!. Brunnen nur durch Pumpen möglich waren und Treppen wegen 
Einheit des Niveaus nichl vorkamen, entschädigte man sich durch Zierlich- 
keit und durch Zuthat von Malereien und Skulpturen. Der Sinn gereister 
Kaufleute blieb auch dem botanischen Sammeln hier länger getreu. 

Sansovino, Venezia, fol. 137, wo alle wichtigern Gärten aufgezählt sind. 
Ii solche mit Brunnen. - Dei Garten Tizians, in allgemeinen Ausdrücken ge- 
rühmt in einem Briefe des Priscianese bei Ticozzi, vite de' pittori Vecelli, p. so. 
< »hu»' Zweifel wirkte dieser venezianische Gartenstil auf manchen giardi- 
netto im übrigen Italien ein. Wo ein kleinei Hof im Innern eines Palastes zum 
iltet wurde, mochte bisweilen die Vegetation der geringere Teil sein 
u dem übrigen Schmuck. Da sehr Weniges dieser Art erhalten ist, muss 
\ bildung, den kleinen Hofgarten in der Residenz zu München, ver- 
werden. 

künstlerische Ausbildung des Holzgerüstes der Lauben, die be- 
■ auch in kleinern Gärten vorkamen, vgl. § li'ö. 

Über die Malereien an <\vw Mauere. Ln^men. Ilruunennischen ete. solcher 
kleinen Gärten einige späte Notizen bei Armenini, de' veri preeelli della pittura, 
p. 197 ss. Er verlangl besonders Landschaften mit reicher Staffage und Mässi- 
gung des Tones und nennt von den damals erhaltenen Gartenmalereien : die im 

•Im des Hauses Pozzo zu Piacenza, von Porde te, und die schon ij in.") 

geführten des Perino de] Vaga im Garten des Erzbischofs von Gypern zu 

: WO die Fresken (bacchischen Inhalts) auf die daselbst aufgestellten Statuen 

1 waren. Einfarbige mythologische Malereien Vasari VI, p. 237 s. 

I.'- M. XI. p. ■_'_! . v. di Gherardi. Übrigens redet schon L. 1>. Alberti, de 

edific. I.. IX, c. i- auch von Gartenmalereien: amoenitates regionum, et 

port 3 ifen), et piscationes, el venationes, ei natationes, ei agrestium ludos, 

et florida <-\ frondosa. 

§ 129. 

Gärl e n <1 e r B a r oc K z e i t. 

Mit den frühsten grossen Villen der Barockzeit (§ L20, L 21) erst voll- 
endet sich der italienische Gartenstil, nicht ohne bestimmenden Einfluss 
von ' astello u. a. medieeischen Villen, sowie von Villa d'Este. 

heidung des Botanischen; die Fruchtbäume und Spaliere 

ädern, verborgenen Abteilungen; das Nutzbare überhaupt dem Auge nach 

ften entzogen, doch ki verabsäumt ; hinter den dichten Lorbeer- und 

Inden der Alleen vermietbare Gemüsefelder u. dgl.; Ausbildung der 

Wasserkünste ins Grossartige, die Scherze mein und mein' beseitigt; grosse, 

rchitektonische Komposition; alle Absätze arehiteklunisiert ; die Bäume, 

wirkend; die Treppen und Balustraden als sehr 

••ntlich behandelt: der Prunkgarten in scharfem Gegensatz zum Übrigen; 

bei Prospekte auf Brunnen, Grotten, Gruppen etc. 



Zweites Buch. 

Dekorati o n. 

I. Kapitel. 
Wesen der Dekoration der Renaissance. 

§ 130. 
V e rh ältnis zu m A Ltert um u n d z u r gothis ch e n Dek oratio n. 

Die Renaissance wurde von den dekorativen Arbeiten des römischen 
Altertunis nicht viel weniger angezogen als von dessen Bauten. Auf jenen 
beruht die Welt von Zierformen, welche sie teils an monumentalen, teils 
an beweglichen Geräten, teils an den Gebäuden selbst zu entwickeln 
begann. 

Bei dem hohen und kräftigen Sinn der neuen Kunst schadete es nicht 
viel, dass man die Werke der guten und der gesunkenen rörais .1 an- 

fangs wenig unterschied. Die Hauptvorbilder waren anfangs eschränkte 

Anzahl prächtiger Thüreinfassungen, dann Altäre, dreifüssige Unti . Kande- 

laber, Vasen, Sarkophage u. s. w. Erst spät kamen die Stuccaturen und 
reien der Titusthermen hinzu. 

Die Architektur, mehr als einmal von der Obei herrschaf! eines 1 »ekora- 
tionsstiles bedroht, behauptete durch das Verdienst der grossen Floren- 
tiner den Pfad ihrer hohen Bestimmung (vgl. § 34). Eher konnte sich im 
XV. Jahrhundert die Skulptur beschweren, dass ihr die Dekoration ■ 
Teil ihrer Aufgabe \ irwegnehme. 

Pompon. Gauricus, De sculptura liber (vor 1505), bei Jac. Gronov. 
graecar. antiquitatum, Toni. I\. Gol. 738, in dei \ von Brockhaus S. ll N 

die Hauptaufgabe des Skulptors sei dei Mensch, ut hominem ponat, quo tan- 
quam ad scopum tota eius et mens et manus dirigenda, quanquam - 
hydris, chimaeris, monstris denique, quae nusquam unquam viderint, fingendis 
(es sind die figürlichen Bestandteile der Arabesken und diese Uberhaup 

meint} ita pn ccupantur, ut nihil praeterea reliquum esse videatur. D 

que omnes! neminem unum esse qui, <|"" sihi proficiscendum -il. videat! <|in 
ad finem respiciat ! et< . 



212 11- Buch. '• Kapitel. Wesen der Dekoration der Renaissance. 

Von der starken Übertreibung abgesehen, hat in der Thal das einfassende, 
einrahmende Element einen Grad der Entwicklung erreicht und Mittel in An- 
spruch genommen, \vi'' in keiner andern Kunstepoche, und doch nichl so, dass 
man dir-; ungeschehen wünschen möchte; das Verhältnis zu dein Eingefassten, 
mag es Skulptur oder Malerei betreffen, i-t ein konsequentes und in sich har- 
- 

Auf keinem andern Gebiete der Kunst und der Kultur überhaupt zeigt 
sich die Renaissance dem römischen Altertum so völlig geistesverwandt 
als hier. Sie bildet an dem Überlieferten ganz unbefangen weiter, als 
-•v ihr Eigentum, kombiniert es immer von Neuem und erreicht stellen- 
die höchste Schönheit. 
Schon die Gosmaten § 16 sind in ihren Dekorationsarbeiten wahre Vor- 
läufer der Renaissan« e. 

Das gothische Detail muss die Italiener des XIV. Jahrhunderts in der 
Dekoration noch mehr unglücklich gemacht Indien als in der Architektur; um- 
st hatten sie es mit römischen Horizontalen und Gesimsen, mit antikem 
ibwerk u. -. w. versetzt, wodurch es nur noch irrationeller wurde. Ihre 
- .-ueiii nach etwas Anderm muss auf <\;\< Höchste gestiegen sein schon 
hundert Jahre bevor im Norden «las Gothische seinen letzten prachtvoll leben- 
digen Sprössling, den Dekorationsstil des sinkenden KV. Jahrhunderts trieb. 
Während nun in der italienischen Baukunst sich das Gothische noch neben der 
Renaissance behauptete i 23), erlosch es in der Dekoration sogleich und last 
vollständig, als dir ersten Arbeiten des neuen Stiles da waren. (Die sehr wenigen 
Ausnahmen in Venedig, s. Cicerone II. S. 1*1 und in Genua, S. 159, bestätigen 
nur die Regel. 

Der höchste Aufwand wird jetzt der neuen Dekoration sofort gegönnt, in 
_ stigei wie in materieller Beziehung. 

§ 131. 
Das tekt oni sehe Element and die Flächen Verzierung. 

Indes war die Dekoration der Renaissance durch unsichtbar mit- 
wirkende Präzedentien verhindert, einen rein von der Architektur ausge- 
schiedenen, prinzipiell in sich abgeschlossener Stil zu entwickeln, wie die 
Utertum9 dies vermocht hatte. 

Die wichtigsten Aufgaben, Grabmäler und Altäre, seit dem Mittelalter 
sentlich als Architekturen gestaltet, blieben es auch jetzt bis zu einem hohen 
i ei behauptet sich schon die architektonische (iehälk- und Sockel- 
bildung statl dei verzierten Wellenprofile des dekorativen römischen Stiles; so- 
dann der Pilaster mit seinem Kapital. Auch bei bewegtem Kennen, wie /.. I». 
.in Kandelabern und Weihbecken, erreichte man dann die antike Freiheit und 
Flüssigkeit nicht völlig; es fehlt der Blätterumschlag der obern Ränder, die 
irtigkeil der vegetabilischen Simse, sowie der Hohlkehlen. Allerdings wäre 
man bei der Absicht auf Ungeheuern Reichtum nicht wohl zum Ziele gelangt 
ohne ein stärkeres architektonisches Element. 



g 132. Übersicht der lusdrucksweisen. 273 

Anders im nordisch Gothischen, dessen Dekorationsstil geradezu eil 
erleichterte und belebte Architektur ist. 

Gegenüber vom Altertum Ist es etwas wesentlich Nrn.-. dass die 
Renaissancedekoration Flächen jeder Art mit Zierformen auf das Wohl- 
gefälligste auszufüllen verstand. 

Das Altertum schmückte die Flächen oder Felder mit figürlicher Darstel- 
lung Reliefs oder einzelne Relieffiguren an Altären, an den Seiten der Kande- 
laber, an Grabcippen etc., Wandmalereien) oder es überliess sie (an den Mauer- 
wänden) der Inkrustation, d. h. es liess den Stoff sprechen. Neutrale ! 
formen kannte nur die Teppichwirkerei mit ihren Dessins, d. h. sich wieder- 
holenden Motiven. 

Ausserdem mussten die deckenden Teile von jeher durch Schmuck nach 
dem Ausdruck der Leichtigkeit streben. Die Römer gingen hierin ohne Zweifel 
noch weiter, als wir es aus den vorhandenen Resten Soffitten zwischen Tempel- 
säulen, Kassetten an Flachdecken und Gewölben) nachweisen können; ihre sprich- 
wörtlich gewordenen Lacunaris waren gewiss ofl mit Prachl überladen. Allein 
es war hei Weitem nicht genug davon erhalten oder bek n die I.'' 

sance für die Flächenverzierung im Allgemeinen zu fördern. 

Im Mittelalter begnügte sich der romanische sowohl als der gothische Stil. 
wo sie die Flüchen nichl den Figuren überliessen, mit aufgemalten Teppichmotiven. 

Die Gothik zerschneidet ohnehin ihre Flächen mit den von den Fenstern 
entlehnten Formen ihres Mass- und Stahwerkes. 

Die Dekoration des Islam-, gemalt, glasiert oder mosaiziert, ist lauter fort- 
laufender Teppichstoff ohne Rücksicht auf eine bestimmte, begrenzte Fläche. 
Das Ungenügende des Prinzips wird besonders an den ii< sichtbar. 

Von der byzantinischen Flächenverzierung gilt heinahe dasselbe. 

Das einzige Präcedens für das, was die Renaissance zu leisten sich an- 
schickte, waren spätrömische Pilaster zumal aus diokletianischer /eh. w 
Arabesken, von einem Rahmenprofil umgeben, enthalten. (Pilaster .im Arco 
de' Leoni und andere Pforten zu Verona; - am Bogen der Goldschmiede zu 
Rom enthalten die Pilaster nur reich geschmückte Feldzeichen. Ferner einzelne 
erhaltene Soffitten, d. h. verzierte rechteckige Felder an der Untensichl von 
Architraven (Rom, Tempel des Gastor und Pollux). 

Die Renaissance zuerst respektierte und verherrlichte eine bestimmte Fläche 
als solche. Die Verteilung oder Spannung des Ziermotives im Kaum. -ein. Be- 
ziehung zum umgebenden Rahmen "der Kand. dei Grad seines Reliefs oder 
seiner Farhe. die richtige Behandlung jedes Stoffes schaffen zusammen ofl ein 
in seiner Art Vollkommenes. 

Da.ss man jedoch im Ganzen die Allen nicht erreicht habe, i-l <\.i~ 
fühl Vasaris; VI. p. -J!»7 l.e M. XI, p. 74), v. di Mosca. 

Übersichl '1 e r Vus '1 r acks w eise n. 

Die Formensprache der Renaissancedekoration ist ungeheuer reich und 
redet fast an jedem einzelnen Wmk aus verschiedenen Tönen zu gleicher 

Burckta ardt, [talien. K '• ul. 



274 11- Bu°h. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

Zeit. Das Hauptelemenl ist ein ideal-vegetabilisches* auf allen Stufen von 
dem beinahe Wirklichen bis zur traumhafl spielenden Verflüchtigung und 
andererseits bis nahe an die mathematische Versteinerung. Dazu kommen 
figürliche Darstellungen, welchen die Dekoration nur als Einfassung dient: 
dann figürliche Zuthaten innerhalb der Dekoration selbst, sowohl Manschen 
und Tiere als leblose Gegenstände; endlich Übergänge aus dem Vegeta- 
bilischen in das Menschliche und Tierische. Dies Alles kann im flachsten 
wie im stärksten Relief, ja in blosser Linearzeichnung, einfach oder viel- 
farbig, mit idealer oder fasl wirklichkeitsgemässer Bemalung dargestellt 
sein, ja in einzelnen Stuccaturwerken können sich fast alle denkbaren Aus- 
drucksweisen miteinander vereinigen. 

Die mehr als hundertjährige Blüte dieser grossen und komplizierten Kunst- 
gattung verdankt man wesentlich dem Umstände, dass die grössten Baumeister, 
Bildhauer und Main- sieh derselben unaufhörlich annahmen und ihr <>i'l einen 
ssen Teil ihres Lebens widmeten. Vgl. § 1 i. Die Bildhauer behandelten 
lange Zeil förmlich das Dekorative und das Figürliche als gleichberechtigt 
- 130), <\[<- Maler wurden bei Anlass des Gewölbemalens unvermeidlich in die 
;oration hineingezogen; die grossen Baumeister aber liebten fast alle die 
ornamentalen Arbeiten, und wenn sie ihre Bauten dennoch einfach und gross 
komponierten, so isl ihnen die-, und /.war von Brunellesco an. desto höher an- 
zurechnen. 

l>a- Zusammenmünden fast sämtlicher dekorativer Ausdrucksweisen er- 
_; dann in Rafaels Loggien. Der Anstoss, welchen die Titusthermen und 
andere gemalte und stucchierte Räume des Altertums gegeben haben mochten, 
i<t hier in jeder Beziehung gewaltig überboten. 



II. Kapitel. 
Dekorative Skulptur in Stein. 

§ 133. 
Bedeutung des weissen Marmors. 

Obgleich jedem Stoff seine wahren Bedingungen abgesehen und keine 
Surrogate gestattel winden, war es doch von Wichtigkeit, dass in dem 
tonangebenden Lande, Toscana, der weisse Marino]' das Hauptmaterial der 
Dekoratoren war und blieb. 

hon in der ganzen pisanischen Skulptorenschule. Nur der weisse 
oor fordert zu beständiger Veredlung der Formen auf, nur er konnte mit 
antiken Marmorsachen in Wetteifei treten. 



8 134. Die Arabeske. 



275 



Andere Steingattungen, gebrannter Thon (auch mit Glasierung 
Erz, edle Metalle, Holz und selbst dekorative Malerei empfanden nur wohl- 
thätige Folgen von der Führerschaft 
dies«- unvergleichlichen Stoffes. 

Im stärksten Gegensatz hiezu isl 
der spätgothische Dekorationsstil des 
Nordens wesentlich Holzschnitzerei, 
auch wenn die Ausführung in Stein 
hiehl und wenn die Formen alle 
ursprünglich vom Stein abgeleitet sind. 

Die A ra b e - k e. 

Wenn auch jede Gattung ihr 
eigenes < resetz hat and wenn selbst 
jedes einzelne \\ erk von höherer Be- 
deutung rincn besondern Massstab 
des Urteils verlangt, so wird doch 
die Erkenntnis der Geschichte des 
t Irnamentes sich speziell an das in 
Stein, zumal in Marmor Gemeisselte 
halten müssen, und innerhalb des- 
selben vorzüglich an die Arabeske. 
Rabeschi im engern Sinne sind 

nur die aufsteigenden Füllungszieraten 

der Pilastei . wie aus dem Zusammen- 
hang bei Lomazzo, trattato dell' arte, 

p. iJl \ gl. § 137 hervorgeht, wo sie 

vun den Friesen fregi unterschieden 

werden. Doch bezeichnen schon die 

Italiener damit jede Art von aus! 

dem, zusammenhängendem Zierat, \ on 

Vei herrlichung der Fläche. 

Die Aufgabe war: die mehr 

idealen oder mehr realen Pflanzen 

-"wohl in Betreff der Blätter als <\r\ 

\ erschlingungen und Windungen edel 

zu bilden, sie mit belebten sowohl 

als leblosen Gegenständen richtig zu 

vermischen, oder wenn das Grund- 

moti\ statt einer Pflanze mehr eine 

Trophäe ist, dieselbe aus schönen und unter sich anmutig zusammenhängenden 
«ständen zu komponieren. 
Die Pflanzen, die idealen meist dem Akanthus und dem Weinlaub sich 

nähernd (Fig. 237), die realistischen allen möglichen Blättern und Früchten 







Marmor-Oma hedrale 

KU l.i'. 






11. Bn ':.. U. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 



ginnen unten gerne mit einem Kandelaberfuss oder Gefäss, ja 

bildet der Kandelaber mit Zwischenschalen und andern reichen Ab- 

- beu den stamm, um welchen die Blätter spielen. An Kirchen- 

rklärt sich das Gefäss als ideales Nachbild der Wassereimer, in welchen 

n au die Thürpfosten gelehnten Baumzweige zu stehen pflegen. 

\ äl und pickende Vögel beleben oft das Ganze. (Benv. Cellini I. 31 be- 

i der lombardischen Dekoration Epheu und Zaunrübe, in der tos- 

Lind römischen der Bärenklau, «I. h. der Akanthus herrsche.) 

ir trophäenartigen Arabesken bestehen zum Teil aus Waffen, die 

stigl sind (so vorherrschend an den Thürpfosten im Pal. 

.ui- einer originellen Mischung aller möglichen be- 




- Maria de! Popolo zu Rom. CSues gez.) 



■ 1 toten Gegenstände. Auch an heiligster Stätte, in den Arabesken 

war m. in über das Sachliche ganz unbedenklich; es kommen 

Cherubim u.dgl. vor, aber meisl ganz Profanes und 

• Wiederum verwanden sich der Träger des Ganzen in einen 

Gliedern zusammengesetzten Prachtkörper, an welchem 

Löpfe, menschliche Gestalten, ja kleine Gruppen als 

Wappenschilde, Waffen, Bänder, Kränze mit 

I illhorner und andere anmutige Sachen angebrachl sind. — Das 

i batl siner Übung in Trophäenfriesen aus. auch wohl einmal 

rzierung gebracht, wie /.. 15. an zwei Pfeilern 

misslungen genug -md: es hatte auch wohl 

: lii '.en in seine Pilaster aufgenommen; — allein von der Viel- 



8 135. Siena und Florenz. 



277 



artigkeil des Reichtums und \<>u der sichern Behandlung', welche die aufsteigende 
Verzierung jetzl erreichte, rinden sich im Altertum kaum die ersten Anklänge. 
— Wesentlich hängt damit zusammen, dass die Renaissance das Kannelieren 
von Anfang an verschmähte (ij 35). 

Im XV. Jahrhundert ist die Arabeske meisl symmetrisch, d.h. die Tiere 
und Gegenstände sind entweder verdoppelt oder gerade vorwärts gerichtet dar- 
gestellt; im XVI. Jahrhundert findet man sie malerisch verschoben, in Schräg- 
ansicht, oft ziemlich unruhig in der Wirkung. 

Ausserdem leistet die Marmorskulptur das Höchste und Zierlichste 
auch in Friesen, in leichten, schwungvollen Aufsätzen und Bekrönungen, 




Fig. 239. Grab der tlaria del Carretto im Dom zu Lucca. 

in Füllungen aller Art. wozu dann noch die Formen der Sarkophage, Urnen, 
und anderer monumentaler Geräte kommen. 

Neben und zwischen dem leichten Phantasieornament, wie es in der .V 

beske herrscht, tritt ein stärker plastisches, auch der Wirklichkeit -ich mehr 

näherndes Ornamenl auf in Gestall von Fruchtschnüren (Fig. 238), Voluten. 

Masken, Tieren. Tierfüssen, Tierköpfen, Muscheln u. s. \\\. nebsl menschlichen 

Gestalten in höherm Relief ode] Freiskulptur. 



g 135. 

S i <■ ii ;i U u il V I i'e n z. 

Florenz und Siena sind von Anfang an die wichtigsten Werkstätten, 
von wo aus der neue Dekorationsstil des Marmors sich über Italien ver- 






11. Buch. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 



breitet Rom, welches die grösste Menge von ausgezeichneten Arbeiten 

t, ist darin ganz von den Toscanern abhängig. 

Siena hat die Priorität mit Jacopo della Quercia, welcher «las Grab der 

Ilaria del Carretlo im Dom von Lucca 1406 fertigte, 'las frühste Werk der ent- 

edenen Renais mit Genien und Festons; Vasari II, p. II — - Nota I 

M. 111. p. 21, Nota . v. di Quercia (Fig. 239). 

■ Wichtigkeit, welche siena den Marmorarbeiten beilegte, wobei 

. sich durchaus nicht an Stadtkinder, wie . B. Vecchietta (1412 80), band, 

s len genauen Kontrakten mit dem Florentiner Bern. Rossellino über 

p :. Pubblico 1446 Milanesi II. p. 235), sodann mit Urbano da 

einen Prachtaltar im Dom ibid. p. 271) u. s. w. Der Mailänder 




- ,■,:- fljffif 

Bai istrade am Casino de' Nobili zu Siena 



ete 1481 x "> den grossen Wandaltar des Kardinals Picco- 

n ibid. p. 376, vgl. § lii. Michelangelo schuf für denselben 

seit 1501 Benedetto da Majano meisselte das herr- 

iiniii \'i\y den Hochaltar in S. Doincnico. lud uv^cn Kndc 

■ mnderts 1"- Siena in Lorenzo Marinna einen der grössten Meister 

- und einen sehr bedeutenden Bildhauer. Ihm gehört die Marmor- 

- Eingangs zur Libreria im Dom muh 1497) und der Hochaltar 

1509 19), dag vielleicht allerschönste Werk der ganzen Gat- 

iirlichen als de.« Dekorativen. (Vasari III, p. "»17 

M. V, |. j- i di Pinturicchio ; Milanesi III. p. 7<; -. Bald. Peruzzi 

schönen Marmorsitz vor, den er für die Halle am 

Fig 240) arbeitete; ibid. p. 137. 



§ 135. Siena and Florenz. 



279 



Eine ununterbrochene Übung dieses Zweiges aus eigenen Kräften hal je- 
doch nur Florenz, wo im Jahr 1478 sich 54 Werkstätten befanden „für Arbeiten 
in Marmor und Sandstein, in Relief, Halbrelief und Laubwerk"; Fabroni Laurent. 
Med. Magnif. vita, Adnot. 200. Ohne Zweifel wurde Vieles auswärts versandt. 

Schön und sehr gemässigt die Zierarbeiten in der Badia zu Fiesole: die 
Lesekanzel im Refektorium von Piero di Cecco; der Brunnen in dessen Vor- 
raum von Francesco di Sim i Ferrucci; beide aus der Schul.' des Desiderio 

da SettiiiiiaiK» nun 11-60). Der Sakristeibrunnen in S. Lorenzo, ein Werk von 



-ryrT— 




Fig. 241. Teil des Sarkophages am Grabmal Uarzuppini in S. Croce zu Floren/ 



einfach genialer Erfindung, von Verocchio drüber dein Antonio Itossellinu oder 
auch Donatello zugeschrieben; Vasari II. p. H4 (Le M. III. p. 259, v. di Dona- 
tello). Die sonstigen Arbeiten des letztern, nicht frei von Wunderlichkeiten. 
haben wenig Einfluss auf die Gattung als solche gehabt; schon mehr die- 

jenigen des Michelozzo, <\<i sich (Gaye I. p. 1 1 ~ als Dunahdlos ..C.ompagno" 
zur arte dell' intaglio bekennt, nämlich die Dekoration der Kapelle im Pal. 
Medici (Riccardi), seine Altartabernakel in S. Miniato und der Annunziata 
vgl. ^.">i: — wiederum weniger die des Bern. Rossellino Grabmal des Lionardo 
Aretino in S. < Iroce). 



- 



II. Buch. U. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 



;'\ 






Der vollendete Reichtum und Geschmack in der Anordnung und Abstufung: 

da Settignano Grabmal des Carlo Marzuppini in S. Groce, Fig. 241, 

Wandtabernakel im Querschiff von S. Loren Sein Schüler Mino da Fie- 

von hoher Bedeutung als Dekorator überhaupt und insbesondere als der, 

welcher die vollendete Marmordekoration nach Rom brachte; Vasari III, p. L16 

,li Mino, mit einer unbilligen Polemik gegen denselben; 

- en erhaltenen Werke die Grabmäler in der Badia zu Florenz; in Rom 

einigen Originalarbeiten die Nachwirkung Minos sichtbar an .Ion sehr 

ddreichen \ Pi latengräbern und Sakramentbehältern etc., zumal in 

Ein g rwerkvon schönster Harmonie: die Kanzel in s. Croce 

zu Florenz, von Bened. da 
Majano (Fig. 242). Den 
Gipfelpunkt bilden dann die 
zwei berühmten Prälaten- 
gräber im Chor von S. Maria 
del Popolo zu Rom. Werke 
dos Florentiners Andrea San- 
sovino (§ 1 i 1 ). 

Viele römische Arbeit 
isl namenlos; der Einfluss 
der andauernden Thätigkeit 
des Mino da Fiesole und 
anderer Fremder war hier 
entscheidend. Einen Cristo- 
l'oio da Roma rühmt der 
Anoiiinio di Morelli wegen 
seines zarten Laubwerkes, 
bei Anlass von S. Yincenzo 
in Gremona. (Vgl.§ 136.) Im 
Jahr 1506 lioissen (Lettere 
pittoriche III. 196) Giovan 
Angelo Romano und Michel 
Gristofano aus Florenz i 
primi scultori di Roma. 

Die spätesten Floren- 

tiner, welche noch berühmte 

I lecoratoren und Bildhauer 

! iesole Vasari IV. p. t75 ss. !><• M. VIII, p. 137 ss.) 

to da Rovezzano (ibid. p. ~>lüi ss. (Le M. p. L76ss.), 

beitete z. B. Kamine, Handbecken, Wappen mit 

und <-in Heiligengrab, welches jetzt stückweise 

-.•na- Arabeske ist schon derber als dir der Vor- 

ibernakel in der Pinacoteca zu Spoleto. 

Maso Boscoli und Silvio Cosini (beide von 
X .! Executant bei Michelangelo \uu\ dann 
caturen. 



<]■ 







NohL) 



§ 136. Das übrige [tauen. 



281 



In den glasierten Thonarbeiten der Schule der Robbia ist die Arabeske, 
im Bewusstsein des weniger feinen Stoffes, bescheidener als in .Marmor, allein 
die k ruft ine Komposition drs (ianzen, die herrlichen Fruchtschnüre und die weisi 
Abwechslung von bloss Plastischem, farbig Plastischem und bloss Gemaltem 
gehen diesen Sachen einen sehr hohen Wert. (Altäre, Heiligennischen ; dei 
Sakristeibrunnen in S. Maria novella zu Florenz etc.) Ihre Farben bloss gelb, 
grün, blau, violett und weis- (Fig. 243). 



SHflWMHfiMi^fir^^^^^ 




Fig. 243 sdmle der Robbia; Relief im Museo nazionale (Bargello) zu Florenz. (Herdtle.) 



§ 136. 

1 1 a s übrige Italic d. 

Die Decoration des Palastes von ürbino erscheint als eine zwischen 
toscanischer und obei-italienischcr Einwirkung geteilte. Neapel und Genua 
besitzen wenig Einheimisches von höherm Werte. Oberitalien bildel ein 
Gebiet für sich. 

Im Palasl von Urbino prachtvolle Thüreinfassungen (§ 134), Kamine 
Fig. 244), Simse u. s. w., zum Teil an Bolognesisches erinnernd. Einiges mit 
Gold und Blau bemalt. 

Neapel zehrt im KV. Jahrhundert vuii Florenz (irahmäler von Rossellino 
Donatello etc.) und erhall ersl 3pä1 im XVI. Jahrhundert mil Giovanni da Nola. 
Girolamo Santacroce, Domenico di Auria eine selbständige Schule von Decoratoren- 
Sculptoren, als im übrigen Italien die Gattungen sich bereits schieden. (Grab- 
mäler in vielen Kirchen. Brunnen des Auria bei S. Lucia. 

Genua nimmt im XV. Jahrhunderl wesentlich am oberitalienischen Stil 
Teil; das Beste eine Anzahl Thüreinfassungen, worunter die prachtvoll- 



- 



II. Buch. II. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 



\ entlehnte in einem Hause aul Pia 8 Fossatello. Eine der 

>. Pforten gegenwärtig im South Kensington Museum zu 

Ion. — Im XVI. Jahrhundert die Arbeiten des Montorsoli und mehr klassi- 

kel der Johanneskapelle im Dom ü 80), von Giac. della 

In . war die Inkrustation £ i_. i"- eine Rivalin der Dekoration; 

itlich auf möglichst reiche Ausfüllung der Pilaster, Friese, 




Kamin im F i bino. 



den beschränkt (S. Maria de' Miracoli, aussen und 

■ di S. Marco, hintere Teile des Dogenpalastes), während die Altäre 

Gebrauch davon machen und vom Anfang des 

VI. Jahrhui zlich darauf verzichten, um sich rein in figürlich 

i Pormen zu bewegen. So ist hier durch- 

ativer und die Dekoration architektonisi her 

einigen phantastisch reichen Kaminen im 



§ 136. Das übrige Italien. 



283 



Dogenpalast s. unten) die Arbeiten des Alessandro Leopardo wahre Wunder 
des von den herrschenden Manieren unbeirrten Schönheitssinnes: die Basis der 
Reiterstatue des Golleoni L495, das Grabmal des Dogen Vendramin in S. Gio- 



In der venezianischen Arabeske 
ungemein viel bessere Bildunff, 



hat 

als 



vanni e Paolo etc. (s. unten § 141). 
alles sich schlängelnde Rankenwerk 
die senkrecht aufspriessenden vege- 
tabilischen Motive und vollends die 
trophäenartigen. 

Im übrigen Oberitalien scheiden 
sich ein .Marmorstil und ein Stil in 
Backstein, Stucco u. a. weniger edlem 
Material. Der letztere hat seinen 
Hauptanhalt an Bologna: hier das 
Beste dieser Art von Formigine und 
Properzia de' Rossi: vom Ersteren die 
ganze Anordnung und Verzierung der 
ersten Kapelle rechts in S. Martine 
(Die daneben vorhandenen Marmor- 
sachen, ( rräber etc. sind weniger eigen- 
tümlich und hängen direkt von Florenz 
ab; es wird jedoch auch ein Marmor- 
arbeiter, Jacopo Duca, um seines 
Laubwerks willen besonders gerühmt; 
Vasari III, p. 146 (Le M. IV. p. 251), 
v. di Ercole Ferrarese.) Sein origi- 
nell das prächtige Stuccograbmal Goz- 
zadini (f 1536), in der Servitenkirche, 
von t !io. Zacchi als Triumphbogen mit 
Nischen und Statuen um das Innere 
einer Pforte herumgeführt. — Die 
bedeutendste Backsteindekoration ist 
wohl diejenige an der Fassade des ( >-- 
pedale maggiore zu Mailand (5: i i. L07, 
Fig. 245) und an den Hofhallen der 
Certosa von P&via ;j 46). Im ganzen 
ist das Dekorative in diesen unedlem 
Stoffen bei aller Kraft und Fülle weni- 
ger fein empfunden und wird bi 
ders im Stucco mit der Zeit ziemlich 
schwülstig. 1 ) 

Der Marmorstil hat -eine w ich- 
tigste Stätte an der Fassade der Certosa von Pavia § 71), wo sehr namhafte 




Fig. 245. <K]ie<l;ile maggiore zu Mailand. 



l ) Dem Verfasser nur aus einer Teilphotographie bekannt: der köstliche Backstein- 
hol des jetzigen Monte < 1 1 Pietä inCremona; die Halle des Erdgeschosses (ehemals) offen, 
das Obergeschoss geschlossen mit einer Ordnung von Bogen ober Halbsäulen in Kand< 
form und zierlichen Fenstern; Friese mil reichen Historien in kleinerem Massstab. 






II. Bach. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in stein. 



ition als Bildwerke übernahmen: Gio. Ant. Omodeo, Bene- 

Üristoforo da Roma (§ 135), Andrea Bregno (§ 135), Gristoforo 

genannt il Gobb ^ 67 \_.'-tnu> Busti, genannl lo Zarabaja (Zarabaglia, 

- ri IV. p. 542, \.'i,i l'i u. a. in. Von einziger Prachl 

und Schönheii sind 
besonders die Kande- 
laber als Fenster- 
stützen und die Aus- 
stattung der Fenster 
überhaupt (von Omo- 
deo) (Fig. 246). 

Da/u kommt noch 
manches von der De- 
koration des Innern: 
— ferner eine Anzahl 
von Altären und Grab- 
mälern in mailändi- 
schen Kirchen (S.Maria 
delle Grazie etc.), Ar- 
beiten im und am Dom 
von Gomo, an der 
Kassade von Lugano, 
die Kapelle Golleoni 
zu Bergamo, Altarein- 
fassungen in den Kir- 
chen vonVicenza, aucb 
zu Verona; ferner 
ehemals in Cremona 
(jetzt im Louvre) das 
iiIm rreiche Portal vom 
Palast Sansecondn, 
mit kandelaberartigen 
Halbsäulen; in Pia- 
cenza das Portal des 
ehemaligen Pala/./.o 
Landi, jetzt Tribunali, 
ebenfalls auf das 
reichste mit Schmuck 
beladen, oben mit 
I Joppelvoluten als Gie- 
II") mit sehr anmutigen Resten in Backstein); 
anto zu Padua die Dekoration der Pfeilerhalle, welche 
;apelle bildet, der linke Eckpilaster von Girol. Pironi, 
und Tommaso Allio aus Mailand rechts ein Gegen- 
■i Pironi und den Giovanni von Vicenza, 
eitel haben, Vasari VII, p. 526 s. (Le M. XIII, 




I '.! \ I , 



136. Das übrige Italien. 



285 



Da.s Gemeinsame dieses oberitalischen Marmorstiles. ^e^enübt-r dem lloren- 
tinischen, liegl in seiner reichen, unbedenklichen Fülle, welche sich auch auf 
die Umdeutung gothischer Formen einlässt. Die Pyramiden des Domes zu Gomo 
£ 81 ; die vortretenden 
Portalsäulen §37, 51, 
jetzt bisweilen zu 
prachtvollen, selbst mit 
Figuren reich besetz- 
ten Kandelabern um- 
gestaltet, z. B. am 
Seitenportal des Domes 
zu Gomo (sog. Porta 
delle Sirene, Fig. 247), 
an jenem Portal aus 
i Iremona (im Louvre), 
und an der oben er- 
wähnten Tliiir auf 
Piazza Fossatello zu 
Genua. Das Relief der 
Zierformen ist stärker, 
die Grundfläche mehr 
angefüllt, ja mit Sachen 
überfüllt (vgl. Fig. 2 18 , 
Der Stil des Einzelnen 
aber ist in den bessern 
Werken so edel, fein 
und ideal, als an den 
bessern tlorentinischen. 

Die unedlem Stoffe 
gerieten eben durch 
Mitmachen dieses vol- 
len Reichtums in Nach- 
teil; ihre Schönheit 
würde viel eher in einer 
gewissen Strenge, na- 
mentlich in massiger 
Anwendung der unbe- 
leliten Gegenstände zu 
linden gewesen sein, 
wie das wundervolle 
Ranken werk der l'i- 
laster in der Sakristei 
von S. Satiro zu Mai- 
land iFig. 249 u. 250) 

deutlich zeigt. (Wahrscheinlich mit dem Gebäude von Bramante, vgl. § v ". 
Hier vermissl man den weissen Marmoi nicht, so wenig als bei den Robbia 
S 135 . 




Fig. 247. Portal am Dom von Como. (Nach Paravicini.) 






II. Buch. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 



r die Anfange dieses ganzen oberitalischen Dekorationsstiles müsste 
- in das noch von Lomazzo trattato dell' arte, p. 1-23) zitierte inhalts- 
Grotteskenbuclr des Troso von Monza, eines Malers um 1 VöQ. 



§ 137. 
Dekorativ I des XVI. J a h rh im de rl s. 

n beinahe vom Beginn des XVI. Jahrhunderts an absorbierl an 
Grabinälern und Altären die zum Lebensgrossen und Halbkolossalen fort- 
3 irittene Skulptur die Mittel und die Aufmerksamkeit. Das architek- 
tonische Gerüste verliert mehr und mein die Arabesken und andern Zier- 
den und wird wieder zur blossen Architektur. Die Dekoration verwendet 
bald ihre wesentlichsten Kräfte auf die Gewölbe. 

Michelangelo^ Feindschaft gegen die 

Arabeske an Skulpturwerken: gli intagli . . . 

se heue arrichiscono hopere, confondono Le 

^SSES^5^2S ; ' ■iBSr^ liirure: Vasari VI. p. -ios (Le M. XI. p. *:{,. 

v. di Mosca. (Von seinem Mörser und dem 
Salzfass für den Herzog von LJrbino ist 
leider jede Spur verloren; Vasari VII, p. 282, 
Nota 2, p. 383 (Le M. XII. p. 282, Nota, 
p. 385 . Gomment., v. di Michelangelo. Vgl. 
g 177., Die Arbeiten Mosca's selbst bei 
aller Geschicklichkeit, welche Vasari a. a. 0. 
so sehr überschätzt, stehen im Stil den 
frühern hessein Sachen weit nach und ge- 
winnen durch die starken Unterhöhlungen 
einen Schattenschlag, welcher der wirk- 
_ ler Arabeske zuwider ist. Bekleidung einer Kapelle in 
S.Maria Rom etc.) Ahnliches gilt von den Leistungen des Stagi 

Vortrefflich sind Arbeiten dieser Zeit am ehesten an den- 
ine mehr wirklichkeitsgemässe Behandlung am Platze ist. 
rlanden, Teilen von Tieren, Stierschädeln (Bandinellis Basis bei 
i] • uz . auch in Wappen § 168). 

Sinnesweise der Zeit zeigt sich sehr deutlich an der Santa 

m Loreto, deren bauliches Gerüste (von Bramante, der 

1510 M twarl eine Menge Teile architektonisierl zeigt, welche einige 

iher durchaus der Dekoration anheimgefallen wären. (Inkrustation 

Kannelierung der Säulen, 3trengere Antikisierung aller Formen. > 

■■in schönen Festons. 

enannte < !oro unter der Kuppel im Dom von Florenz, 

blich nach dem Vorbild >\i^ hölzernen, von Brunel- 

_■• v.i-,- im XV. Jahrhundert viel schmuck- 

VI, p. 17»: (Le M \. p 328 3.), v. di Bandinelli. 

All fnis nacl ern Formen ächlug dann doch wieder durch, 

Da wo die echte Renaissance noch eigene Zier- 




Brescia. 



§ 137. Dekorativer Geisl dea XVI. Jahrhunderts 



287 



formen angewandl hatte, brauchte der 
Barockstil nun zwar Bauformen, aber 
in widersinniger Verkleinerung, Häu- 
fung und Brechung. Der theoretische 
Ausdruck hiefür in Axmenini's Schil- 
derung eines isolierten Hochaltars il>e" 
veri precetti della pittura, Ravenna 
1587, p. Hü : derselbe muss rund 
oder achteckig sein, um von allen 
Seiten einen gleich günstigen Anblick 
zu gewähren, mit tribune, mensole, 
partimenti, nicchie, risalti, rompimenti 
di cornice, con diversi ordini variati, 
cosi finestre, figurine et maschere di 
rilievo, festoni, balaustri, piramidi etc., 
alles Womöglich mit bunten Steinen 
eingelegt, mil Gold eingefassl u.s.w. 
— Ein noch gemässigtes Beispiel der 
materiell so kostbare Hochaltar in S. 
Spirito zu Florenz, von Giov. Gaccini 
(1600 L604 . 

Die namhaften Dekoratoren etwa 
der Zeit von lö^ö bis 1Ö50 zählt 
Lomazzo auf, leider ohne irgend die 
Gattungen zu scheiden, und ohne weil 
über die Lombardei hinaus zu blicken; 
Trattato Meli' arte, p. iiil : In den 
Friesen der Kapellengewölbe (also 
Stucco und .Malerei i und der Fassaden 
(Stein), mit Kinderfiguren und Masken, 
zeichneten sich zu unsern Zeiten he- 
sonders aus Ferrari (ohne Zweifel 
Gaudenzioi, Pernio idel Vaga . liosso, 
(Giulio) Romano, der Fattore Permi . 
Parmigiano, < lorreggio, (Gio. da) Udine, 
Pordenone: — in sonderhareu Masken 
und in Laubwerk: Soncino; in 

Laubwerk allein: Niccolö Picinino und 
Vincenzn da Ihvscia (diese letztem 
wahrst heinlich Stuccatoren); — und 
der das Laubwerk am trefflichsten, 
ausser dem Altertum meisselte, isl 
Marco Antonio (?) gewesen. Das Bis- 
herige bezieh! sich alles auf die Friese 
oder horizontalen Glieder.) - In Be- 
treff der Arabesken (§ 134) wäre viel 
ohne Zweifel der ausgezeichnetste war, 




Fig. 249. Pilaster von S. Satiro /u Mailand. 1 1 

ZU sagen; wenn auch Stefano Scotto 
so hat ihn doch hierin Gaudenzio über- 






loch. II. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 



.. sein erster Schüler und zugleich dei des Lovino (Bern. Luini) 

_ Nun kommt er nochmals auf die Friese zurück, insofern dieselben in 

trteten Weise gemalte Historien, eingefassi von stucchierten 




s Satiro in Mailand 



. Ki n M. Schilden, Masken, Fruchtschnüren, 

ten, on diesen einfassenden Zuthaten:) Hierin 

^entliehen Grotteskenverfertigern , besonders er- 



§ 137. Dekorativer Geist des XVI. fahrhunderts. 



289 




Fig. 251. Römisches Prälatengrab in s. Maria ilel Popolo. 



findungsreich Gio. Batt. Berga und Evangelista Lovini, Bruder des Aurelio, 

welcher (letztere?) in dieser und in andern Beziehungen ausgezeichnet ist, ferner 
Lazaro und Pantaleo Calvi, Ottavio Semino, Bruder des Andrea, Vincenzo 



Burckliar.lt. [talien. Renaissance. 4. Aufl. 



1!» 



11. Buch. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

. und im Altertum aus Plin. II. V WM. :i7» Serapion. Sp.if or 

wird Silvio Cosini nur beiläufig genannt. 

Der Abschnitt über Lampen, Kandelaber, Brunnen etc., p. i_(i. behandell 

mir die spate Zeit, in welcher I.. schrieb; der für seme Gefässe, Geräte 

und Wagen berühmte Ambrogio Maggiore z. I>. gehörl in die Zeit des Buches 

§ 138. 
1 1 a v Grab m a 1 uu d <\ e r R u h m. 

ha- Prachtgrab der Renaissance, ohne Vergleich die wichtigste Auf- 

mit der Skulptur verschmolzenen dekorativen Kunst, entsteht 

Dtlich unter Einwirkung des Ruhmsinnes. Die Sehnsuchl des Einzelnen 

nach l"n\ 2 chkeil seines Namens, und der Kiter einer Stadt, oder 

oii im die Ehre eines berühmten Angehörigen bedürfen gleich- 
es e der Kunst. 

Das Heiligengrab, im XIII. und XIV. Jahrhundert eine besondere Gatt um; 

Skulptur, nimmt im XV. Jahrhundert nur eine untergeordnete Stelle ein. 

der Beschreibung zu urteilen, ist nur das Grab des heiligen Savinus im 

nza, von Benedetto da Majano, ein Werk hohem Ranges; Vasari III. 

p. :;.;7 - Le M. V, p. 132 und Nota . v. di Ben. da Maji Ein hübsches 

Werk i-t die Area di S. Apollonia im Dom von Brescia, ein Sarkophag mit drei 
• :, Reüefs, darüber ein Tabernakel im! Figuren und einer Madonna 
in Lunette. — In der Krypta de- Domes (ehemals S. Tommaso) zu Gremona 
indet sich das Grab des S. Pietro e Marcellino, angeblich von Ben. Briosco, 
1507, - and in S. Lorenzo ebenda dasjenige des s. Mauro (richtiger SS. Mario 
.• Marta . li^ii. von dem berühmten (de. Ant. Omodeo ($ 136), — beide von 
nimo di Morelli gerühmt. (Die Reliefs von dem letztern Grabe in 
i, di" beiden Kanzeln des Domes versetzt.) I>as Gemeinsame 
aller arbeiten sind die vom mittelalterlichen Heiligengrab her über- 

erzählenden Reliefs, in welchen das XV. Jahrhundert sehr redselig 
andern Grabmälern unterscheiden sie sich auch durch Abwesenheit 
tue, indem der Heilige viel eher stehend oder thronend über 
largestelll -ein wird. -- An der Area i\r^ hl. Donünikus in 
ist der obere Aufsatz eigentlich nur die Umdeutung 
Ziermoti Aus dem beginnenden XVI. Jahrhundert (um 

I. Johannes Gualbertus, von Rovezzano, der Absichl nach 
von dem was vollendet wurde, sind nur einige Reliefs 
Ltet; Vasari IV, p. ■"•:;-! (Le M. VIII, p. 177), v. di Rovez- 
D i iel im Dom von Pisa, unbedeutend. -- Das mittel- 

Mol - :ophag durch Statuen tragen zu lassen, kommt an 

mehi Mir. 
di«- Stelle der Heiligkeil waren andere Ideale des Lebens getreten, 
Verherrlichung verlangten. Theologische und praktische Be- 
das Begraben in Kirchen blieben ohne Folgen, 
im XIV. ! Grab zur Verherrlichung der poli- 

n Ruhmes gedient. Abgesehen von den Gräbern 




\ STuRi 



Fig. 252. Grabmal des Kardinals von Portugal in S. U Florenz. 






11. Bach. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 



\ as Grabmal des lido Tarlati im Dum von 

verk; Vasari I. p. 395 (Le M. I. p. 330), 

Le M. Ii. p. ö\ v. <li Agostino e Agnolo; dann die 




' ilella Pai e zu Rom. i Letarouilly.) 



thischen Tabernakeln mit den Gräbern 

Familie d< Verona. Giangaleazzo Visconti (st. 1402) 

ronend über sieben Stufen dargestellt sein, 



§ 138. Das Grabmal and <ler Ruin 







Fig. 254 



mal iles Dogen A. Vendramin im Chor v. 

>< nach PI: 



s. Giovanni e Paolo zu Venedig. 



II. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

ersten Frau mit ihren Kindern, links eines der zweiten 
Der Typus der Gl i iihmter furisten, irzte, 

im \l\. .Ialirlmiitl.il heissl monumento rilevato, sepultura 
Villani, vite, p. 19, - is1 der frei auf untergestützten 

t schwebende Sarkophag gemeint. 
.1 einen wahren Kultus der Gräber berühmter Mitbürgei 
i den Tag (Kult. d. Renaiss., 111. Aufl. S. 173 ff.), und 
wo der Staal grosse Denkmäler wenigstens zu 
Im Jahr 13% der Beschluss, im Dom für Accorso, haute. 
id Zanobi della Strada „hohe und prächtige, mit Marmor- 
ier Zier geschmückte Grabmäler" zu errichten, und zwar, 
nicht zu erhalten wären, auch als blosse Kenotaphien. 
i i 10 wurde dei Beschluss für Dante und Petrarca 
• und bli( ii j*en; * raye, carteggio I. p. 123. 

von Anwartschaft, indem man ein Prachlgrab wenigstens 
einfarbig an die Wand malen liess, so die noch sit hl hären des Theologen 
nd des Kardinals Corsini nach 1405) bereits im Stil der Renaissance, 
: 5i Le M. II. p. 231 ; v. di Bicci. 

igentümlich verfuhr man mit den Gondottieren. Für den schreck- 

i Ilawkw 1 wurde 1393, als er noch lebte, ein marmornes l'rachl- 

wo ''i begraben werden solle quando morietur; Gaye, carteg- 

. p. 536; man begnügte sich aber später doch damit, ihn im Dom durch 

_■ — zu Pferde in Ghiaroscuro an die Wand malen zu lassen, 

i ondottiere Piero Farnese; Vasari II, p. 211 und Nota 

M. III. p. Mi und Nota . \. di Uccello. Wahrscheinlich musste dieser Far- 

1455 •: _■ n gemalten Reiterfigur des Nie. da Tolentino (st. 1434) 

etzl das Gegenstück zu der des Hawkwood ausmächt; der 
.ml sich dabei etwas kühl -einer Gewohnheil gegen verdiente Sold- 

: aliquid sie ad eorum I orem et gloriam retribuere; Gaye, 1. c. 

Lbroni, magni Gosmi vita, Adnot. 52 hätte zu dem Fresko 

faches Marmorgrab unten in der K in he e-vliüren -ollen, welches 

gemalten Reiterdenkmals in Siena, Vasari II, p. 110, 

I III. p. 20, Nota), v. di Quercia; — desgleichen auf der Piazza 

bei Anlass der Picinino; ja König Matthias 

i war zu Rom als Reiterbild in Fresko gemalt am Gampo 

fortwährend darauf, dass Gelebritäten im Dom be- 

. B Bi ellesco, obschon dessen Familiengruft in S. Marco 

. (Le M. III. p. 239 Ulein sein und einiger anderer 

Gräbei der beiden Staatssekretäre in S. Groce 

larzuppini i Fig. 241 i. 

bestimmte Kategorien *\*'> Denkmalsetzens 

[< m Reiterbild für 3eine < londottieren wirklich 

Zeno in S. Marco sind der Dank des 

es Kardini Batt. Zeno; Sansovino, 

beb ug lau! Malipiero 200,000 I »ukaten. 



Das Grabmal und der Huhn, 



295 




Fig . 255. Grab des Dogen Mocenigo 



r i KM.-ss Dach Pbo 
. Paolo /u Venedig. tRiess 



11. Buch. 11 Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

rtwährend blieb in Italien das Denkmal die sichtbare Gestall irgend 

\. R ihm; zahlreiche Gräber von Dichtern, Gelehrten, grossen Beamten 

und Juristen, namhaften Soldaten etc. Selbsl das Prachtgrab einer berühmten 

12 Le M. X. p 166), \. di Perino.) 

I>. chen Verbote der Gräber in Kirchen vgl. £ 83. Aus sittlichen 

nd thi in Gründen ereiferte sich ein spanischer Bischof dagegen, Ves- 

entino, ms sanitarischen Alberti, de re aedific. 1>. VIII, 

i- dem Leichenverbrennen das Worl redet. 



§ I 
abmäler der Reichen und Vornehmen. 

- : frühe nehmeD auch Reichtum und Rang die Kunst in Anspruch, 
um an geweihter Städte dem Ruhme gleichzustehen. Namentlich drängt 
zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts der steigende Prachtsinn auf 
_ $se Verallgemeinerung des Gräberluxus hin. 

Peb i.i klag! um 1350, dass der Reichtum den Ruhm verdränge; 

liis utriusque fortunae, p. 39: fuere aliquando statuae insignia virtutum, 

nunc sunt illecebrae oculorum; ponebantur his quae magna gessissent, aut 

mortem pro republica obiissenl . . . ponebantur ingeniosis ac doctis viris . . . 

nuntur divitibus, magno pretio marmora peregrina mercantibus. 

In Padua und in Bologna scheinen die gothischen Professorengräber, auf 

'. "hl auch gesticheil -«'in könnte, in der Regel durch testamentarisi he 

_ [es Betreffenden und kaum je durch Staatsbeschluss entstanden zu 

Aufzählungen bei Mich. Savonarola, Mural. XXIV, Col. 1151 ss. , bes. 

. 1 165 da- prächtige Grab eines Arztes, an welchem seine Ahnen, eine ganze 

denfamilie, mit verewigt wurden; - und bei Bursellis, annal. Bonon.. 

it. XXIII, passim. Letzterer sagl es mehrmals (z. B. Col. 877) ausdrücklich 

\\. Jahrhunderts. - Von den adligen Gräbern versteht es 

■;. dass sie Sache der Familie waren. — Wohl aber war das Grab- 

Mariano Socino (wovon die Iironzestatue, ein Werk 

/i im liargello zu Florenz befindet) eine Stiftung seiner 

\ -Mi III. p. 79, Nota (Le M. IV, p. 212, Nota), v. di Franc. 

Mi* / I wurde es Standessache und von Seiten der Erben oder der 

etc. Sache der Pflicht, dei Ergebenheit, der Höflichkeit, 

D etzen; mancher sorgte testamentarisch für sich, und 

illte, liess da.- (irabnial bei Lebzeiten anfertigen und 

I e Prälat, an dessen < trabe man liest: 
lli est, m i] - i erta ; incerta sequentum 
tumulum, qui sapit, ante sibi. 

Pra htgi ab vi ie der Palastbau (§ 8) 
ein Mi _ Teil ihres Erbes dei Konfiskation zu entziehen. - 

jegen 1500 hin auf besonders ängstliche 

I lharon : „man sei mehr um da - ( Irab als 

lio Epigrammata, de Vetustino) spottet 



Ü 14<>. Die wichtigsten Gräbertyj 297 

eines solchen, der das kümmerlichste Leiten führt, alter für seine Grabkapelle 
spart, früh morgens schon mit Architekten und Marmorarbeitern bei allen an- 
tiken Ruinen herumzieht, sie ersl nachmittags todmüde entlässt, und nun über 
Gesimse, Friese, Säulen etc. schimpft und beständig ändert. „Lass doch die 
Leute ruhig essen, und wenn du durchaus mit deinem Begräbnis dich abgeben 
willst, so lass dich an den gemonischen Stufen begraben." 

Ein Glückssoldat, Ramazzotto, der sich um 1526 durch Alfonsö Lombardi 
sein Grabmal in S. Michele in Bosco bei Bologna errichten Hess, aber viel 
später anderswo arm und versessen starb: Vasari V, p. 85 und Nota I (Le 
M. IX. p. 10 und Nota), v. di A. Lombardi. Vgl. § 256. (Über dem Sarg die 
schlafend lehnende, geharnischte Gestalt; dahinter steig! ein Pfeiler empor mit 
einer Madonna in kleinerem Massstab.) 

§ 14i). 
Die wichtigsten Grab er typen. 

Die Gräbertypen des XIII. und XIV. Jahrhunderts wurden grössten- 
teils aufgegeben und die übrig bleibenden im sinne der Renaissance auf 
das Schönste umgestaltet. 

Sie hatten bei einer off grossen Schönheil der Ausführung meist bedeutende 
Übelstände gehabt : 

Der auf Konsolen an einer Wand angebrachte Sarkophag 'las sepolcro 
in aria; Sansovino, Venezia, fol. 5, 6 etc., auch sepultura rilevata) hatte zwar 
den Vorzug, die Kommunikation nicht zu hemmen, allein die darauf liegende 
Statue blieb entweder unsichtbar oder musste, schräg vorwärts gelehnt, einen 
sonderbaren Effekt machen. 

Varietäten: die bolognesische. mit Statuetten neben und über der Porträt- 
statue, auch wohl an Avn Ecken des mit Relief- geschmückten Sarkophages 
selbst. — 

Die paduanisch-veronesische , mit einem ebenfalls aus der Wand vor- 
tretenden, auf Konsolen ruhenden Spitzbogen, welcher über dem Sarkophag 
schwebt, mit Malereien. 

hie christliche Demut hoher Geistlichen verlangte wenigstens, dass die 
Leiche in die Erde zu liegen komme, so dass der oben dargestellte Sarkophag 
ein blosser Scheinsarg wurde; Benedikt XL, st. L304 zu Perugia, wird in 
s. Domenico begraben sub terra, sicut ipse mandavit dum adhuc viveret, ne 
in alto poneretur, sed sub terra, ex magna humilitate quam habebat. Brevis 
hist. ord. praedic. ap. Martene, coli, ampliss. VI, Gol. 373. 

In Neapel war der Typus des Heiligengrabes, nämlich der von drei oder 
vier Statuen getragene Sarkophag auch für grosse und fürstliche Personen 
üblich geworden : über demselben eine Nische mit Baldachin und mit Vorhängen, 
welche von Engeln weggezogen werden. 

Ganz erlöschen in der Renaissance auch diese Typen nicht: sogar der 
letztgenannte kommt vor. 

Den ersten Rang aber nimmt nunmehr derjenige Typus ein, bei welchem 
der Sarkophag mit der liegenden Statue in massiger Höhe in eine mehr oder 



II. Buch. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

. nur wenig vertiefte Nische zu stehen kommt; sehr schön 

ern aus der Schule der Gosmaten um 1300 (Grabmal 

S Maria mag Grabmal Durantis in S. Marin sopra Minerva), 

; Häupten und Füssen des Verstorbenen das Leichentuch halten; 

\ - he mit M lälden ausgefüllt. 

i zunächst dem Sarkophag eine freier bewegte Ge- 
ll Anmut und Pracht, mit dem schönsten Pflanzenschmuck; sie er- 
\om Hoden; sie stellt über denselben eine besondere 
mit Teppich, auf welcher der Verstorbene liegt. In der portalartigen 
>nt\veder ein Rundrelief oder ''in Lunettenrelief mit der 1 lullt- 
begleitel von Schutzheiligen und Engeln, an- 
\\ . Jahrhundert behauptet sieh auch der Vorhang, welchen 
tzenden oder stehenden Engel (jetzt als nackte Kinder- 
oder ziehen; die Pfosten der Nische erhalten bisweilen 
- Heiligen; bisweilen bleibt auch die Nische übei 
tinl das Madonnenrelief kommt erst in einen obern Auf- 
er überdies mit Kandelabern oder Figuren gekrönt wird. 
Dies ist diejenige Gräberform, welche vielleicht am meisten zu der langen 
- aus Dekoration und Skulptur gemischten Stile- beigetragen bat. 
immenklang freier und bloss halberhabener Gestalten des verschiedensten 
it einer edelprächtigen Nische und den schönsten Einzelformen der 
- . . ai '-in Ziel würdig *\w höchsten Anslren^iimr. Kein früherer Stil 

fgabe von diesem Weile aufzuweisen. 
Dies dei vorherrschende Typus der römischen Prachtgräber vom Ende 
XV. Jahrhunderts, zumal derjenigen in S. Maria de] l'opnlo iFig. 251 1. Sie 
im- die Stelle der mit All St. Peter untergegangenen (Panvinio, vgl. 
, 287 3s., 361 ss. vertreten. 

Berühmte Vorbilder: das Grabmal des Kardinals von Portugal, von An- 
rio, in S. Miniato bei Florenz (Fig. 2.~>_! ; (sogleich eine Wieder- 
bestellt; Vasari III. p. 95 Le M. IV. p. 218 s.), \- di Ant. 
Sarkophag in beiden Exemplaren ausnahmsweise nicht ein 
-Mildem Nachbildung eines strengen Porphyrsarko- 
Piazza della Rotonda zu Rom ; — 

- Lionardo Aretino und Carlo Marzuppini (letzteres von 
Settignano) in S. i roce, ?; 135 (vgl. Fig. 241 S. 279); — 
i da Fiesole m der Itadia zu Florenz. 

§ 141. 
b e n t y p e n <1 er ' i r a b m ä i er. 

Auch einfachere Grabanlagen enthalten oft Herrliches, während grosse 

eiten bisweilen nur einen gothischen Gedanken wiedergeben. 

■ muh selten, bilden keinen eigenen Typus. 

hÖ] I der Vielleicht \,,|l SilllOlIC (di <UH\,ll|lll 

ii. hl als Portal, sondern nur als halbrunde, 
rtiefung gegeben ist, in welcher der Sarko- 



141. Nebentypen der Grabmäler, 



299 



phag steht; Gräber des Giannozzo Pandolfino st. 1 i.">7 in der Badia zu Florenz, 
in s. Trinitä ebenda (von Giul. da Sangallo?) u. s. w. 

Sehr häufig kommen auch blosse Grabtafeln sog. Memorien) mit Relief 
und [nschrifl vor, und manches dieser Art, wie /.. B. die Grabmäler Ponzetti 
(1505 und 1509) in S. .Marin della Pace zu Rom Fig. 253), auch einiges in 
Mailand, gehörl zum Besten dieser Zeit. 

[n Venedig behaupten sich mehrere Klemente »los mit tflalt« rlirhen Grabes 
in den Formen des neuen 
Stiles; derSarkophag bleib! 
ein rechtwinkliges Oblon- 
gum mil Statuetten an 
»len Ecken oder an der 
Vorderseite I rrab \ endra- 
min in S. Gio. e Paolo 
Fig. 254 . I rrab Zeno in S. 
Marco); er ruht auf Statuen 
von , Helden (Dogengrab 
Mocenigo 1 t~ii in S. Gio 
e Paolo, von den Loni- 
bardi, mit reichen Zuthaten, 
Fig. 255 . u. a. m. i ; bei 
der meist hohen Lage 
desselben wird statt der 
liegenden Statue öfter 
eine stehende, von kriege- 
rischen Pagen oder Tu- 
genden begleitet, darauf 
angebracht. — Vgl. A. G. 
Meyer im Jahrbuch der 
preussischen Kunstsamm- 
lungen 1889. 

Auch der auf Kon- 
solen schwellende Sarko- 
phag behauptet sich hier 
wie in < ilieritalien ühei 
haupt. i Mailand : schöne 
Beispiele in S. Maria delle 
Grazie, das I rrabmal Brivio 
in S. Eustorgio etc.) 

Über solchen Sarko- 
phagen in Venedig mehrmals die hölzernen Reiterstatuen von Condottieren. 

In Neapel isl das Grab des Kardinal Brancacci (in S. Angelo a Nilo von 
Michelozzo und üonatello noch eine fasl vollständige l bertragung aus »lern 
dortigen gothischen Typus (§ 140) in den neuen Stil. Sonst finden sich die 
verschiedensten Kombinationen an den Gräbern von Kriegern, Staatsmännern 
und Adligen, welche hier über die Prälatengräber das I bergewichl haben. 

Das Höchste, was durch das Bündnis von Dekoration und Skulptur zu- 




Fig. 256. Grabmal in S. Maria de! Popolo zu Rom. x - 



11. Buch. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

amen ist, bleiben immer die beiden Gräber im Chor von S. Maria 

. Rom Fig. 256 , von Andrea Sansovino, begonnen 1505; Um- 

deutung der Nis e zu einer Triumphbogenarchitektur mit den schönsten Friesen 

und n und mit unvergleichlichen Grabstatuen und Nebenskulpturen. 

1> kommt in Italien nur in einzelnen Beispielen vor; das- 

Martins V. im Lateran mit Simone (di Giovanni Ghini?) Bronzefigur 

lief; - das des Kardinal Zeno in S. Marc.» zu Wmi.m1i-. 

mit Statuetten am Sarkophag etc.; — endlich das vom Motiv 

«gehende prachtvolle eherne Grabmal Sixtus IV. in St. Peter 

Das Grabmal Turriani in S. Fermo zu Verona ist nur noch als Fragment 
eherne Sphinxe, welche den Sarkophag trugen, von Andrea Riccio). 
Ein let: - s Werk im Geist der Frührenaissance, wenngleich ersl 

XVI. Jahrhundert; das Grabmal des 1512 gefallenen französischen 
Gaston de Foix. Von verschiedenen phantastisch prächtigen Ur 
länen sind nur Zeichnungen erhalten; nach einem bereits reduzierten Plan 
. • . i -ti. genannt Zarabaja, wurde (offenbar von ihm und Gehilfen) 
»mal in S. Maria zu Mailand ausgeführt, dessen /.erstreute Reste sich 
h in Mailand Museo arcl i im Kastell), teils in Turin und im 

v - igton-Museum befinden; darunter, in zartester Marmorarbeit, unter- 
höhlt skulpierte Trophäen und ganze Historien. 



§ 142. 

Cr r a b in ä 1 e r d e s XVI. .1 a h r h u u <1 e r t s. 

Bald nach Beginn de> XVI. Jahrhunderts beginnt die oben (§ 137) 
bezeichnete Absorption der Dekoration auch an den Grabmälern, wenngleich 
nur allmählich. 

Mi. »i os Stellung zur Dekoration a. a. < >. Von seinen gewiss sehr 

i Grabmäler-Ideen für Dante - 1 ~> 1 * > > und für das Wunderkind 
ino Bracci (1544 isl nicht- erhalten: das Grab des Marchese di Marignano 
Mailand, seine letzte Komposition dieser Art (1560), ist eine gleich- 
sten Skulpturen des Leone Leoni. (Vasari VII, p. 257, 
18 Le M. XII, p. 260, 357, 391, W>1 . v. di Michelangelo samt 

Her Linie stand freilich die grosse Phantasieaufgabe, die das 

hätte weiden sollen, das Grab Julius II. Vgl. darüber 

im Jahrb. der preuss. Kunstsammlungen V, S. 63 77. — - Über 

i bei S. Lorenzo in Florenz, s. ölten § 80. 

hi i wirkten bald als Vorbilder, sowohl in Betreff 

Bedeutung der Gestalten als ihres Lehnens aul 

l'i, Glementi, welcher zwei klagende Figuren 

oder Denkmals äitzend zu bilden plle^te. 

1 1 ii ies zu Parma . und besonders das ein- 

ea -i in S. Andrea zu Mantua ; hier die 



§ 142. Grabmäler des XVI. Jahrhuuderts. 



;oi 



beiden Allegorien sitzend aeben einer Ära, welche die später so beliebte Urne 
.■ I i iinl an ihrer Vorderseite die Büste des Verstorbenen in runder Vertiefung 
enthält: am Untersatz ein eherner Schwan.) 

Die mit Rafaels „maravigliosa sepultura" des Agostino Ghigi in S. Maria 
de! Popolo zu Köm s. Fig. 158, S. 177) inaugurierte Pyramidenform des Grab- 
mals verdank! ihre Entstehung lediglich dem antiquarischen Zuge der Zeit. - 
Der Nachweis, dass der Entwurf dieses Grabmals auf Rafael. die Ausführung, 
abzüglich weniger Änderungen unter Alexander VII., auf Lorenzetto zurück 
ist kürzlich überzeugend geführl worden von D. Gnoli im Archivio stör, deh" 
arte II, p. 317 ss. Daselbst auch der Hinweis auf die Vorliebe der Zeit für 
die Pyramide, die auf Hintergründen der Gemälde sowie in Ant. da Sangallos, 
Peruzzis u. a. iiekunstrnktionen der Gräber des Mausolus, Porsena etc. erscheint. 
Schon L. B. Alberti hatte unter seinen 
durchaus nur dem Altertum entlehnten 
Gräberformen auch die Pyramide aufge- 
führt, de re aedific. VIII, c. '■'•>. 

An den zum Teil riesigen Gräbern 
des Jac. Sansovino und -einer Schule in 
Venedig und Padua hat die Architektur 
weniger dekoratives Detail als /.. li. selbsi 
an seiner Biblioteca. Er teilte ohne Zweifel 
die Ansicht Michelangelos. 

Unter dem Einfluss nordischer Fürsten- 
gräber mit symmetrisch knienden Figuren 
oben entstand das künstlerisch unbedeu- 
tende Prunkgrab des Pietro di Toledo in 
S. Giacomo degli Spagnuoli zu Neapel, 
von Gio. da Nola. 

Die grössten Typen der Zeit von 
1540—1580, zum Teil auch der folgenden 
Barockzeit: der Sarkophag mit grossen 
darauf, daran, daneben sitzenden, lehnen- 
den oder stehenden Statuen in einer jetzt 
tiefen, womöglich halbrunden Nische: 
und die mit Reliefs überzogene Wand- 
architektur mit der sitzenden oder stehenden Porträtstatue in der Mitte. 

Auch für die Grabmäler werden nicht bloss Zeichnungen, sondern 
wie für die Bauten Modelle verlangt, meist aus Holz und Wachs. 

[Herüber zahlreiche Aussagen; eine Konkurrenz von Modellen, Vasari 111. 
p. .')»■!>. N'ota I l.e M. V. p. lü'. Nota . \. di Verrocchio; andere Er- 

wähnungen: VI, p. <i" (Le M. X. p. 246), v. di Tribolo; ib. p. 125 cNi . v. di 
Pierino; ib. I ii. L64, 165 302, 318, 319 . v. di Bandinelli. 

Von profanen Denkmälern kommen Statuen von Fürsten, Reiterstatuen 
von Feldherrn auf öffentlichen Platzen vor. 

Kür die Dekoration sind schon erwähnt: die Basis des Leopardo § 136) 
und die de- Bandinelli (§ KS7 letztere bestimm! für eine Statue des Giovanni, 




Fig. 257. Altar Zeno in S. Marco zu Venedig 



11. Buch. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

org i osimo I. - Bei der französischen Invasion 1797 unter- 
. ._. lie statueu der Fürsten des Hauses Este zu Ferrara, die der Doria 
I iei 

Charakteristisch für den Geis! der Renaissance ist, dass die Bolognesert 

'. ihre neuberichtigte Grenze gegen das Ferraresische hin nichl nach der 

[ters niil einem Kreuz oder Kapellchen bezeichneten, sondern mit 

P lie ihr Wappen trug. Bursellis, anri. Bonon., bei Murat. XXIII, 

§ 1 13. 
\ 1 1 ;t r und die an die Wand angelehnte idicula. 

Y<>n Jen reichern Altarformen des Mittelalters hat die Renaissance mehr- 

oder angelehnte Ädicula auf Säulen schön wiedergegeben, 

in den erhaltenen Beispielen selten mit vollem Aufwand der Mittel. 

Vorbilder aus der frühern Zeit: in den altern Basiliken; - aus dei 

Zeit: in St. Paul und im Lateran zu Kein. 

idicula in der Annunziata zu Florenz, für das Gnadenbild 

rhür, von unsicherm Reichtum (ausgeführt von Pagno di Lapo 1448 bis 

einfacher und schöner diejenige über dem vordem Altar in S. Minialu. 

g ein nach vorn geöffnetes Tonnengewölbe, innen mit glasierten 

: 

Die ehr prächtigen Allan' dieser Art (1460 -1500) in Alt-St. 

• Panvinius (§ 8) aufzählt, sind alle untergegangen. Ebenso die 
bei Albertini (de mirabilibus urbis 1!.. L. III. fol. 86 s.) aufgezählten. Vgl. 
Skizzen in Grimaldis Codex auf der Bibliot. Barberini in Rom. Der 
.'._. Hauptaltar v. S. Maria maggiore (1483) hypothetisch hergestellt bei 
ly III. Tab. 311. 
Der Hochaltar im Dom von Spello, einfach gut in der Anlage, zierlich 
:• ! Ausführung. 
Adicula von Erz, als Bedachung einer Bronzegruppe: Kapelle Zeno 
- " - i Venedig i Fig. 257 . 

mi Prachthumoi . dessen die Renaissance fähig war und der sich 
dich in den Aufsätzen hätte zeigen müssen, gibl kaum ein vorhandenes 
Begriff, auch der Tempietto mit dem Volto santo im Dom von 
I ler isolierte I »arockaltar § 137. 

§144. 
Der Wandaltar. 

die Wand gelehnten Altären Latte, was Italien betrifft, 

ithischen Zeil die Malerei das Übergewicht und behauptete 

i «-Hiebt sich auch der aus Marmor und andern plastischen 

Wandaltar zu einer der höchsten Aufgaben der verbündeten 

Skulptur. Die Einfassung sowohl der gemalten als der 

skulpierten \ sichern Beispielen gerne, aber mit genialer 

ild antiker Prachtthore und Triumphbogen. 



§144. Der Wandaltar. 



303 



Der Norden hielt bekanntlieh den Schrein mit geschnitzten Figuren lange 
fesl und wies der Malerei dann bloss die Flügel zu. während sie in Italien das 
Hauptbild liefern durfte. 

Dass in Italien neben den gemalten Altarblättern eine eigene Gattung 
plastischer Altäre aufkommen konnte, mau wesentlich einer ästhetischen Über- 
zeugung von der besonders hohen Würde der Skulptur seil den Leistungen 
der pisanischen Schule zu- 
zuschreiben sein. 

Die ersten bedeu- 
tenden plastischen Wand- 
altäre der Renaissance 
sind wohl die glasierten 
Thonrehefs des Luca della 
Ilohhia und seiner Schule, 
im Dom von Arezzo und 
in mehrern Qorentinischen 
Kirchen 'S. Groce, SS. 
\[ ostoli eic.i. meist mit 
bescheidener dekorativer 
Einfassung. 

Dann weiden bis- 
weilen grosse aus Malerei 
und bemaltemStucco, auch 
wohl gebrannter Erde ge- 
mischte Wandtabernakel 
versucht, z. B. derjenige 
in S. Domenico zu Peru- 
gia, 1459 von dem Floren- 
tiner Agostino di I Miccio. 
- Zu Padua in der Ere- 
mitanerkirche zwei solche, 
zwar ohne Altartische, 
aber sicher dafür bestimmt, 
151 l. Bei der Entschlos- 
senheil dieser Kunstepoche 
in farbiger Skulptur und 
( rewölbestuccatur liesse 
sich wohl eine häufige ;An 
wendung dieser Zierweise 
auf die Altäre erwarten. 




Fig. 258. Hauptaltar in Fontegiusta zu Siena. 



Der Marmorwandaltar, oft mit den herrlichsten Arabesken in - 
dekorativen Teilen, nimmt die verschiedensten < restalten an, von dem blossen 
umrahmten Relief bis zur Triumphbogenform, wobei das mittlere Feld einem 
besonders verehrten Eeiligtura (Sakramenthäuschen, Madonnenbild), oder 
einer Relieffigur, oder einer Statue gewidmel -ein kann. Eine obere Lunette 
enthält bisweilen ein Relief von höchstem Werte. 



ich. 11. Kapitel Dekorative Skulptur in stein. 

VI r sole und seiner Schule, in der Badia zu Florenz, 

S M.uia del Popolo zu Rom tu s. w. 
Im XV. Jahrhundert ist die Skulptur, zumal der Seitenfiguren, in der 
. B. auch Freiskulptur au Givitalis St. Regulusaltaf 

Mamma in Fontegiusta zu Siena (Fig. 258), § 135. 
\ : Pii ilomini, 1485, von Andrea Bregno aus Mailand; 
.: Skulpturen ringsum, in deren Tiefe sich dei eigentliche 
Prachtaufsatz befindet. 
M.l da die Unart eines kleinern Sacellums innerhalb eines 
no in un altro scatolino", vielleicht nachdem Vorbild von 
mnkenen Zeit, wie Porta de' Borsari in Verona (Fenster 
Auch in der italienischen Gothik findet sich dies Einschachteln 
inrahmuugsform in eine ähnliche grössere, /. 1>. an mehreren Pracht- 
i in den Kirchen von Neapel sowie in S. Domenico zu 
lern Grabmal Benedikts XI. f 1304 . welches irrig dem Giovanni 
. wird, 
del und mit den schönsten Engeln in den Füllungen neben 
mittlem Bogen: der Altar des Kardinal Borgia, spätem Alexanders VI. in 
- .n-tei von S. Maria del Popolo zu Rom. 
Im Dom von Gomo Rodari's Marmoraltar 1492), und ein prachtvoller 
itzaltar, farbig und vergoldet. 

Vnzahl von reichdekorierten Marmoraltären zu Neapel, besonders in 

i u. a. die durch ihre Skulpturen berühmten, aber auch in der 

lekorativen Einfassung vorzüglichen Altäre der Florentiner 

— lliuo und Benedetto da Majano; dann die späteren des Giovanni 

lere prachtvolle Altäre und Gräber in der marmorreichen Kirche 

- G onara. Vgl. Vasari V, p. 93 Le M. IX. p. 19), v. di 

da Siena, wo es von Neapel heisst: quella cittä, duve molto si 

cappelle e le tavole di marmo . . . 

In Palermo die Werke dei Luganesen Antonio und Domenico Gagini, 

- zierlichsten lombardischen Stiles im Geist der Gertosa von 

\itar in s. Gita; eine Nische mit Madonnenstatue im 

rdentlich reiche- Weihbecken im Dom u. a. in. 

um Gemälde, besonders in Venedig, bisweilen reich und 

berechnete Fortsetzung der im Bilde dargestellten 

II. s. 182. 

§ 14... 

\ \ I. Ja b r h u n '1 - i t -. 

[.Jahrhundert vereinfacht sich auch in den Altären die Deko- 
• d zur blossen architektonischen Einfassung, sei es Hir eine jetzt lebens- 

oder für ein Altargemälde, letzteres schon 

- ••■IIa im Pantheon vorbildlich zu wirken. 



§ II.".. Der Altar des XVI. Jahrhunderts. 



305 




In Venedig behaupteten mil Jacopo Sansovino und seiner Schule ;die 
lebensgrossen Statuen, einzeln oderzu mehrern an eine ziemlich kalte Architektur 
verteilt, .las Feld neben den ruhmvollsten Gemälden Tizians. 

Vielleichl die letzten ganz reich ornamentierten Altäre: die I" 
Mosca im Dom von Orvieto. 

Burekhar.lt, Italien Renaissance. 4. Aufl. 20 






11. Buch. II. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 



Die Altar.- in Neu-S. Peter zu Rom, laut Panvinius (§8), p. '■'■<' i: altarium 
tvmpana Giebel maximis columnis et capitulis corinthiis pulcherrimis fulciuntur; 

• 1 die ersten gan rein baulichen Einfassungen für Gemälde. 

Dem Vasari VI. p. 345, 363 l M. \l. p. 121, 129), v. di Sanmicheli) 
kommt ein Altar wie der von S. Giorgio in Verona, wo Sims und Giebel sich 
mit " noch als etwa- Ausserordentliches vor (es ist derjenige 

mit dem Gemälde des Paolo : dem Barockstil wurden gebogene Grundpläne 

Andere versuchten statt dieser Säulenstellungen barocke und reiche, auch 

_.u von Stucco, seihst mit Hermen u. dergl.; Vasari Yll, p. W2 

M. XII, i'. s 7>. \. di Daniele da Volterra (welcher seine Kreuzabnahme so 

- !.•■ M. XIII. p. 12 . opere di Primaticcio, in Betreff* der 

Einrahmungen des Pellegrino 

Tilialdi. 

I >as erste ganz kolossale 
Altarungetüm, und zwar als 
Idee Pius' V. 15G7, vasari VII, 
p. 7i».-) s. (Le M. 1, p. 50) in 
seinem eigenen Leben. Pius 
bestellte bei ihm für das Kloster 
seines Heimatortes Bosco „nicht 
ein Bild wie gewöhnlich, son- 
dern eine gewaltige machina in 
der Art eines Triumphbogens, 
mit zwei grossen Bildern auf 
der vordem und auf der Rück- 
seite und mit etwa 30 üguren- 
reiehen Historien in kleinern 
AM eilungen". Bald folgen dann 
die riesigen Jesuitenaltäre mit 
mehreren Bildern übereinander. 
il Altaren, ohne alle weitere Einfassung: Vasari VI, p. 178 
di Bandinelli, dessen Gruppen im Dom, inS. Groce 
nd in der Annunziata zu Florenz. Die Gruppen Andrea Sansovinos (in S. Ago- 
und Michelangelos (in St. Beter' haben ihre ursprüngliche Um- 
oichl mehr. 

res ist in der guten Zeit entweder einlach verziert 
Skulptur überlassen; Bronzewerke Donatellos im Santo zu 
!.!. Zenobius im Dom zu Florenz als Altartisch, 
i in - rio zu Rom, alle- mit erzählenden Beliefs. 




r.mke aus S. Petronio zu Bologna. 



■ If, 

i . \\ e i h li ec k e n , K a m ine e1 c. 

Aus bern und Altären wurden Altarschranken, Lettner, Pulte, 

kristeibrunnen , Weihbecken und in weltlichen Gebäuden die 

Kami rativen Kunst womöglich in weissem Marmor behandelt. 



§ 1 16. Lettner. Kanzeln. Weihbecken, Kamine etc. 



3CT 



In manchen dieser Werke scheint die schönste denkbare Darstellung der 

Aufgabe erreicht. 

Der herrliche Gesanglettner der sixtinischen Kapelle im Vatikan (Fig. 259); 

— mehrere Kapellenschranken (Fig. 260) in S. Petronio zu Bologna: die 
eine Steinbank der Loggia de' Nobili zu Siena, § b'5ö. 

Die Kanzeln, jetzt in der Kegel nicht mehr auf mehreren Säulen ruhend, 
sondern auf einer Stütze, oder hängend an einem Pfeiler oder an einer Wand 
der Kirche, werden bisweilen zu einer Prachterscheinung höchsten Ranges. 
Einfach und schön die Lesekanzel im Refektorium der Pädia bei Fiesole, von 
Piero di Cecco, um 1460; — das 
Höchste die Kanzel in S. Croce zu 
Florenz, von Benedetto da Majano, 
mit den berühmten Reliefs (§ L35, 
Fig. 242. S. 280); — beträchtlich ge- 
ringer diejenige in S. Maria Qovella, 
von Lazzaro d' Andrea — noch recht 
schön diejenige im Dom zu Lucca, 
von Matteo Civitali 1 i-'.»s. Dona- 
tellos eherne Kanzeln in S. Lorenzo 
sind wesentlich um der Reliefs 
willen da.) 

Aussenkanzeln , gegen die 
Plätze vor den Kirchen: am Dom 
von Prato, mit energischer Dekora- 
tion und Donatellos Reliefs: — die 
beiden am Dom von Spoleto von 
Ambrogio aus Mailand und Pippo 
d'Antonio aus Florenz (Fig. 117. 
S. 147, § 70); — diejenige am Dom 
von Perugia 14:5!», auf welcher 
schon 1441 S. Bernardino predigte: 
Graziani, archiv.stor. XVI, I. p. 142 
(Fig. 261). — Die Predigten, für 
welche solche Kanzeln überhaupt 
«heilten, s. Kult. d. Itenaiss., S. ji;7 II. 

— Dieselben haben Decke] oder 
Schattendächer, die des Innern da- 
gegen nicht. Die Aussenkanzeln gegen grosse Plätze hin dienten nicht bloss 
der Predigt, sondern auch dem Vorzeigen wichtiger Heiligtümer, die von Prato 
z. B. der Ausstellung des (iiirtels der hl. Jungfrau. Vasari (Le ML III. p. 255, 
v. di Donato. Dabei' wühl der .Jubel der Putten am Friese. 

Die Brunnen der Sakristeien und Refektorien, deren Wasser nicht sprang, 
sondern nur durch Drehen eines Hahnes herausfloss, stellten meist nur verzierte 
Nischen vor; derjenige des Verrocchio in S. Lorenzo; — das Meisterwerk der 
Robbia in S. Maria novella (§ 135); — andere in der Gertosa bei Florenz, in 
der Badia bei Fiesole von Francesco di Simone Ferucci um 1460), im Palasl 
von 1'rbino. u. a. a. 0. 




Fig. 261. Kanzel am Dom zu Perugia. 






II. Buch. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 




Endlich die Weihbecken, die freiste Phantasieaufgabe der Dekoration und 

frühe und mit Genialit.it als solche aufgefasst in den Becken von Siena (1462 
vonAntoni i Fe lerighi) und (einige Jahre frühe] Orvieto § 135 (Fig. 262 und 263), 
las Hauptmotiv aller antiken Dekoration, der Dreifuss, schön und eigen- 
tümlich wieder belebt auftritt: andere mit rund oder polygon gebildeter 
Stütze, ol't \ äsem Werte, namentlich in den toscanischen Kirchen, im 
i . Pisa u. a. a. • >. 

l>.-r marmorne Kandelaber, welchen Alberti (de re aedific. L. VII, c. 13) 

b und noch da/u irrig, nämlich aus \ äsen konstruiert, scheint nur als 

flüchtiger Dachzieral vorzukommen; ausserdem wenigstens einmal (Fig. 246) 

mit höchstem Prachtgeschmack als Fensterstütze ; ferner (§ 136) als Pracht- 

- den an Kirchenportalen. — Noch die gothische Zeit hatte 

die Osterkerzensäule in Marmor gebildet; jetzt wird diese 

Aufgabe «lern Erz zugewiesen. 

Bei den Kaminen, welche die monumentale Stelle 
jedes ansehnlichen Wohnraumes sind, liegt der Accent 
bald auf dir spielend phantastischen Gesamtkomposition 
(ältere Gemächer des Dogenpalastes in Venedig, Fig. 264), 
bald auf dem schönen Einklang des Friesreliefs und der 
Stützen ^mehrere im P;ihisl \ mi Urbino (Fig. 244, S. 282); 
dann Palasl Gondi in Florenz. Kamin des Giul. daSangallo; 
Palast Roselli, Kamin des Rovezzano; Palast Massimi in 
Rom, Kamin des Peruzzi?). Prachtvolle grosse Kamine 
im Palasl Doria zu Genua. — Serlios Kamine (L. IV) sind 
schon ziemlich barock und von französischem Einfluss 
abhängig. — 

Die Kaminaufsätze, in der französischen Ilenaissance 

•'. .ihbecken im Dom und dann zur Barockzeit in Italien sehr umständlich imit 

Büsten, Statuen, ja ganzen Architekturen), fehlen in der 

guten Zeil noch, oder beschränken sich auf ein anspruchs- 

I äkobild. Vgl. § 169. Husten auf Kaminen, anfangs wohl 

estellt als an den sichersten und besten Orl des Zinnners, Vasari III, 

p. 373 Li M. V, p. 152 . v. di Verrocchio. 







1 L6a. 
Die Brunne n \ e rz i e r a n g. 

Die Verbindung des belebten Wassers mit den Kunstformen der Archi- 

and Skulptur, ohne Zweifel schon sehr frühe beiden verschiedenen 

Völkern des Altertums erreichl und als eine der erfreulichsten Aufgaben 

atzt, hat verhältnismässig in Denkmälern und Aufzeichnungen 

iiui- --dir wenige Erinnerungen hinterlassen. 

Aller Brunnenschmuck ist hinfällig, schon weil selbsl hei sorgfältigster 
? j t i lt k * i t die Verbindung dir Steine im Laufe der Zeil 
'.'. i mfwand wandelbar ist; den bildlichen Zuthaten 
h Geschmackswechsel verderblich werden. 



§ 146a. Die Brunnenverzierung'. 



309 



Die Ruhe des römischen Reiches gewährte einst der Hauptstadt einen 
sonst wohl nirgends mehr erhörten Wasserluxus, und auch die Provinzialstädte 
konnten ihre Mittel dafür reichlich aufwenden. Die Renaissance hatte eine 
mahnende Krinnerung daran vor Augen in Gestalt von Ruinen der Aquädukte 
und Thermen. Wie weit sie auch Brunnen der byzantinischen Welt und der 
islamitischen Paläste und Moscheen gekannt haben mag, bleibt dahingestellt. 

Dauernd aus der christlichen Kaiserzeit überliefert der Cantharus , d. h. 
der fliessende oder sogar springende Quell im Vorhof oder am Eingang einer 
Kirche, bisweilen mit einem Dach 
auf Säulen (die hervorragendsten 
Beispiele bei Holtzinger, die alt- 
christliche Architektur in syste- 
matischer Darstellung, S. 14 ff.). — 
Vermutliches frühes Verdienst der 
Kloster im ganzen Abendlande, 
durch gegenseitige Mitteilung so- 
wohl dessen, was die fortlebende 
Praxis der Hydraulik als was den 
etwaigen Schmuck betraf. Neben 
dem Hauptbrunnen im Haupthofe 
kommt der in der Nähe des Re- 
fektoriums zum Händewaschen vor. 
dm Kloster Lobbes an der Sambre 
war gegen Ende des N. Jahrhun- 
derts das Vorgemach des Refek- 
toriums durch unterirdische Leitung 
mit einem Brunnen verschon, wel- 
cher springend emporquoll über 
einer obern Schah' und dann durch 
vier Öffnungen derselben in eine 
untere Schale abfloss ; Pertz, Monu- 
menta, Scriptores, Tom. VI, Gesta 
abbatum Lobiensium, cap. 29). 
Anderswo musste für denselben 
Zweck ein blosses Giessfass mit 
einigen Mündungen genügen, deren 
jede ihren schliessbaren Hahn, 
obex, hatte. (So im Kloster Gorze 
bei Metz; Pertz, a. a. 0. , vita 
Johannis Gorziensis, cap. 63, ebenfalls im X. Jahrhundert. 

Die Becken der Taufkirchen, nicht durch einen Quell, sondern durch 
hineingeschüttetes Wassei gefüllt, konnten durch ornamentalen oder auch figür- 
lichen Schmuck vorbildlich wirken. 

Kinf'achste Gestalt der I {ecken: der steinerne Pozzo oder Sodbrunnen, 
noch heute in vielen Städten von Italien als Hausbrunnen allgebräuehlieh und 
in Venedig 'las einzige. Sein,, reichere Kunstform im spätem Mittelalter die 
eines grossen korinthisierenden Kapitals, auch wohl mit figürlichen Zuthaten. 







Fig. 263. Weihbecken im Dom zu Urvieto. 
Baidinger nach Ph- ; 



11. Buch. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

Überbau, zum Tragen der Rolle für die Eimerkette, von Schmiedeeisen, 
hes Beispiel der letztern Art laut Photographie im Palazzo Saracco in 
Ferrara.) 

Der wichtigst — Brunnentypus des Spätmittelalters in Italien 

i>t der Stadtbrunnen, dessen \\ asser meist mit grossen Opfern erkauft wurde 
und ersl wenn die Stadl das betreffende Quellgebiel in Besitz hatte. An- 
sehnliche Städte haben bis heute nur Einen dieser An. welcher bei Tag 
und Nacht als eil - iites Trinkwasser heimgesucht wird; künstlerisch 
meist nur massig ausgestattet. 

Im Norden der gothische Brunnslock mit Röhren, von seihst auf die Formen 
und auf den bildlichen Schmuck einer Kirchenfiale angewiesen; später ofl aus- 
nd in eine grössere Heiligenstatue. Ausnahme: der 1408 in Zinn gegossene 
nnen heim Rathaus in Braunschweig; drei Schalen übereinander, mit viel- 
einung d< - V\ assers. 
In Italien besitz! noch Viterbo (hei Äneas Sylvius als brunnenreich ge- 
rühmt zwei Brunnstöcke aus gothischer Zeit: Fontana Pianoscarana und 
Fontana grande, letztere bereits mit zwei oberen Schalen, welche besondere 
las Figürliche beschränkt auf Löwenköpfe. 
- ena hat tiefliegende grosse Hecken, von welchen nur Fönte gaja des 
- • S( hmuckes wegen zu erwähnen sein wird. (Über das sienesischeWasser- 
n überhaupt: Milanesi, Documenti . I. p. ii 1 7 : II. p. 44—52; 7G— 80; 96 
7: III. p. 278, 306. Die Stadt war sehr stolz darauf und hatte 
ich! gerne, wenn die Brunnen hei Anwesenheit angesehener Fremden dürftiges 
Wasser hatten. Von den mittelalterlichen Brunnen von Florenz fehlen die 
Kunden. (Das Hauptquellgebiet, der Monte Murello, ist nicht wasserreich.) 
In Perugia die berühmte Fontana grande (1274 1280) mit drei Becken; 
S iiimick. von pisanischen und florentinischen Meistern, ausser 
em Kunstwert wichtig als reichster Beleg dessen, was damals Phantasie, 
Wissen und Religion mit einem Stadtbrunnen zu verbinden wagten. 

Mit dem Eintritt der Renaissance geht die reichere Anwendung des 
Brunnenwesens nein- auf die Wohnungen und Gärten der Fürsten und 
Mächtigen über. Als Träger der jetzt vorgeschrittenen Hydraulik sowohl 
als der künstlerischen Ausstattung treten vorzüglich Florentiner auf. Die 
Auffindung antiker Schalen, zumal reich gebildeter in Marmor, sowie die 
frühe Prachtanwenduhg des neuen Stiles in den oben (§ 146) erwähnten 
Weihbecken mögen die Zierformen stark beeinflussl haben. Wassergötter 
und andere Wasserwesen des Altertums, jetzt in die ganze neue Dekoration 
ohnehin aufgenommen, waren der Brunnensymbolik besonders günstig, sowie 
auch die lebendigere Tierbildung. Der sehr frei aufgefasste sogenannte 

in winde ein Symbol alles Wasserlebens, und ans dem Menschenleben 
hinzn der von der Renaissance neu geschaffene Putto, das nackte Kind. 

Einstweilen im ein Brunnen des \\ . Jahrhunderts in seinem 

volle / iahen und der Nachweis von Abbildungen ausAndachts- 

bihi- jken und Miniaturen I hi erwünscht. 



§ 146a. Die Brunneuverzien 



311 




i Kamin im Dogenpalast zu Venedig. (Bald 



inger nach P 



Für die Hydraulik zahlreiche Angaben und Vorschriften im zehnten Buche 
d6S L - B - Albert de arte aedificatoria. Er verlang auf einmal sehr viel Zier- 



11. Buch. IL Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

- schon im neunten Buche für die Gärten „an vielen Orten und 
unerwartet springende Wasserlein, praerumpant aquulae" (womil wohl bereits 
die sog. Vexierwasser gemeint sind . Als Bauratgeber des Papstes Nikolaus V. 
neben Bernardo vermutlich B. Rossellino bei dem grossen geplanten vatika- 
nischen Neubau § ll.v mag er auch das reichliche Wasserprogramm für einen 
ten und zwei Höfe verantworten, ..zum Brauch und zur Schau-, wie es die 
umgebenden „Höhen" vertes montis) schwerlich würden geliefert haben. 

Der erste im Geisl des W. Jahrh. geschmückte Brunnen (1409—1419) 
wa r die I Siena, noch ein Stadtbrunnen, schon 1 .5 i:> als Tiefbecken 

erhielt i n Mauerrand aus Marmor mit heiligen und alle- 

an den Innenseiten; auJ der Brustwehr in Freiskulptur zwei 
Müttermitje ■ Kindern, sowie auch Löwen und wasserspeiende 
finnen das Wahrzeichen der Stadt), auf welchen Putten ritten; wichtige 
. des Jacopo della Quercia (Vasari [Le M.] III, p. 26, 27 und Noten, 
Die Reste jetzt im Museum: moderne Wiederholung nur der 
d Ort und Stelle. 
Für Cosimo Medici führte dann Michelozzo Feitungen nacli den Fand- 
sitz« ggiuolo und Gareggi und in Assisi diejenige von der Hohe nach 

\nevli hin, wo sich eine ..schöne und reiche" Brunnenhalle 
F. M. QI, p. 280, 281, v. di Michelozzo). In solcher Umgebung 
dii enige figürüche Ausstattung entstanden sein, welche auf das 
übrige Italien Eindruck machte. - Wahrscheinlich von Donatello das meister- 
behandelte Marmorbecken der Sakristei von S. Forenzo in Florenz; für 
arbeitete er ein bewundertes Granitgefäss mit Wasserstrahl, und 
der Ait für den Garten der Pazzi, welches noch vorhanden sein 
em aber ist in neuerer Zeit (durch Bode) seine eherne Gruppe 
Judith und Holofernes Loggia de' Lanzi) als ehemalige Brunnengruppe 
Medici erkannt worden; das Wasser quoll aus den Ecken des Wein- 
en Masken am dreiseitigen Sitz, dessen Reliefs spielender 
Trunk und Trunkenheit parodieren. (Wahrscheinlich bald nach 1440.) 
vorhanden: der als zierliches Werk gerühmte Marmorbrunnen 
Rossellino im zweiten Hof des Pal. Medici, mit Putten (offenbar in 
Delphinen den Rachen zum Speien aufsperrten (Vasari 
Le M. IX. p. 217, v. di Aul. Rossellino). 

.- florentinisch und von bester Arbeit: im Southkensington-Museum 
che Terrakottagruppe zweier Füllen mit einem Delphin, Modell für 
hrauck. 

jinliir, bei Verrochio für einen Brunnen in Careggi be- 
renz in den Hof des Signorenpalastes gesetzt: der 
tto mit i Delphin, in Erz (Vasari [Le M.] V, p. 1 1 i. 

■ 

dei I ei ne : l riuliano da Majano (laut nicht 
I \i. |\ . |>. 346 baut in Neapel das könig- 
liche mit den schönen Brunnen und Leitungen, welche 

in die Stadt und für die Häuser der Edelleute 
nungen zu vielen Brunnen, mit schönen und 
• • Erfindungen." 



§ 146a. Die Brunnenverziermig. 313 

Auf Bestellung des Königs Matthias von Ungarn (■]- 1490 ein Brunnen 
in Florenz gearbeitet; laut Poliziano: 

Tusca manus, Tuscum marmor, Rex Ungarus auctor, 
Aureus hoc Ister surgere fönte velit. 

Zu Ferrara im Palastgarten des Herzogs Ercole I. ein Brunnen (von 
Florentiner Arbeit?), oben eine Hydra mit sieben, reichliches Wasser spendenden 
Köpfen, unten eine reich skulpierte Marmorschale. — Auf der Piazza daselbst 
ein Marmorbrunnen, dessen Leitung wenigstens vielen Aufwand und Änderungen 
Qötig machte (1481—1492). 

Relativer Stillstand im ganzen mediceischen Bauwesen seit der ersten Ver- 
treibung des Hauses 1494 bis auf die gesicherte Regierungszeit des 1537 empor- 
gekommenen Herzogs Cosimo I. Doch arbeitete noch 1515 Giov. Francesco 
Rustici als Brunnenfigur wiederum für einen Hof des Palazzo Medici einen 
kleinen ehernen Merkur, welcher dem späteren, berühmten des Giov. Bologna 
sehr ähnlich gewesen sein mag, schwebend über einer Kugel; die Wasserleitung, 
welche durch die Figur aufwärts ging, brachte dann, sei es diese selbst, sei 
es nur ein Werkzeug in ihrer Hand zu einer drehenden Bewegung. (Worüber 
unklar Vasari [Le M.| XII. p. •'!. v. di Rustici. Vermutlich war auch die pag. 8 
erwähnte eherne ,.Grazie-, welche sich die Brust drückte, eine Brunnenfigur.) 

In Rom beginnt der thatsächliche grössere Wasseraufwand mit Sixtus IV. 
< 1 1-7:2 — 1484) durch stärkere Speisung und Reinigung der antiken Aqua Virgo, 
nachdem schon Nikolaus V. .durch die Florentiner L. B. Alberti und Bernardo? 
damit einen Anfang gemacht und auf Piazza di Trevi einen Marmorbrunnen mit 
dem massigen Schmuck eines päpstlichen und eines Stadtwappens errichtet hatte. 

Vor St. Peter entstand spätestens unter Innozenz VIII. ein grosser sprin- 
gender Brunnen von zwei Schalen, mit Bildwerk flapidibus marmoreis figuratis, 
Infessura, bei Eccard, scriptores II, Col. 1993), verbessert oder vollendet unter 
Alexander VI., ..ein Brunnen, wie man ihn in ganz Italien nicht mehr finde"; 
er war im Atrium hinter dem durch Abbildungen bekannten Cantharus mit 
dem grossen ehernen Pinienapfe] aufgestellt. 

Unter Alexander VI. durch Kardinal Lopez auch ein berühmter Brunnen 
bei S. Maria in Trastevere, bereits unter Teilnahme des Bramante. 

Wer an der Kurie Einfluss hatte, scheint schon damals sich für Garten 
oder Vigne Wasser verschafft zu haben. Bei jener Verstärkung der Acquä di 
Trevi errichtete ein Guriale Dossi in seinem anstossenden Garten einen Marmor- 
brunnen, an welchem wenigstens Sprüche alter Weisen eingemeisselt waren. 
Ein späteres allgemeines I'rleil hei Doni. Disegno (ed. Venez. L549, Fol. 12), 
nach Erwähnung von Fontänen mit menschlichen und Tierfiguren, Wasser- 
wesen etc.: et chi vuol vedere fontane mirabili, guardi ne' palazzi delle \ 
(sie) de' prelati in Roma. 

Bei diesen Besitzern hauptsächlich wird man die vielartigen Weisen, einen 
massigen Vorrat /.nr Geltung zu bringen, voraussetzen dürfen, wovon in den 
1 '»liefen des Annibale Garo L538 und des Claudio Tolomei 1543 die Rede 
ist. (Lettere pittoriche, V, p. 29 und p. 91, vgl. § L25. Das Wasser wird ge- 
braucht strömend, träufelnd, seufzend, in versteckte Thongefässe uiederdröhnend, 
steigend und fallend: ein und dasselbe Wasser muss schäumend stürzen, rieseln. 
aus Röhren spritzen, als liegen niederfallen und doch auch in der Mitte des 



314 ^- Buch. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

kens emporbrodeln; anderes zittert furchtsam, und zwischen hinein melden 

sie': rstrahlen; mit der Zeit werde man auch das Schwitzen, Tauen und 

oachahmen lernen. Da/u teils au- eigener Erfindung, teils aus antiken 

tnmern und Aussagen an und in den Grotten: Rustica in Tuff, Tropfstein, 

antike Fragmente, Muscheln, Korallen, Schnecken und eine ganze, dazu 

Vegetation. Für die beginnende Barockzeil in solchen Dingen 

. - uri I. i'. 125, Introduzione. 

Julius 11. 1503 — 1513) verstärkte nochmals (1509) die Aqua Virgo und 
führte, auch nach dem Neubau des Vatikans zwei Miglien weit Wasser her, angeb- 
lich nur t Brunnen im Belvedere, eher aber ihr den Neuhau überhaupt, 
auch wohl für d>'\\ grossen hintern Garten. Über die Verbindung berühmter 
vatikanischer Antiken mit fliessendem Wasser vgl. £ 126 samt Anmerkung:. — 
Knhte all dies im Belvedere und im obern Teil des grossen neuen 
Hofes (dem spätem Giardino della Pigna) gebrauchte Wasser noch einmal im 
intern Teil zu einem sehr schönen Brunnen .zu sammeln". Vasari (Le M.) 
VII, p. 132, v. di Bramante; der jetzige viel neuer. 

Mi< helangelos Absicht in Betreff der Gruppe des farnesischen Stieres 
Benützung antiker, auf Urnen lehnender Wussergötter; Nil und 
r auf dem Kapitol, an der von Michelangelo angegebenen äusseren Doppel- 
■ !•■- Palazzo di 3 atore. — Auch schon moderne Nachahmung hievon: 
ri Le M.) N. p. l'*7. v. di Pierino da Vinci; bald sehr häufig überall. 
Für den Brunnenschmuck der ral'aelischen Zeit müssen besonders aus- 
gewesen sein die Gartenanlagen der grossen Villa des Kardinals Giulio 
Medici (§ 119), seither Villa Madama, und zwar weniger in dem Ausge- 
führt. •]!. als in den oft und stark wechselnden Kntwürfen, mitgeteilt bei v. Gey- 
müller, Rafaello etc. studiato come architetto. Über den Anteil des Giovanni 
I line : I7ÖI vgl. Vasari (Le M.) XI, p. 306, v. di Udine; derselbe soll hier 
i kurz vorher in Rom entdeckten antiken Raum mit lauter Meereswesen 
und Meeressymbolik, drn man für ein Heiligtum Neptuns nahm, stark nach- 
imt und doch reichlich überboten haben: ferner ist die Rede von einem 
äserspeienden Elephanlenkopf. sowie von einem Baum- und Fels- 
kicht mit Wassern, welche aus Stalaktiten etc. flössen, alles bekrönt von 
• ii Löwenhaupt, umzogen von Frauenhaar und anderen bezüglichen 

/.eil. 

• •ii die Mitte des XVI. Jahrhunderts hin erhoben sich dekorative 
Baukunst and Skulptur, meist schon dem beginnenden Manierismus zuge- 
wendet, zu grossen Brunnengebilden sowohl auf öffentlichen J'lätzen als 
in Gärten, auch wenn das verfügbare Wasser kaum dazu im Verhältnis 
Von der modernen konventionellen Wasserwelt mythologischen, 
allegorischen and heraldischen Inhalts sind eist hier die vollständigen Dar- 
stellungen al.- erhalten nachzuweisen: göttliche, menschliche und tierische 
de, oft ausgehend in r?ischschweife. Das Eandhaben von Urnen und 
die Verbindung mit den Speitieren gewährl lebendige Motive und die mehr 
dekorative Ausführung ersparl der Kunst anspruchsvolle Zierlichkeiten, in 
welchen sie damals sonst nicht immer glücklich war. Aufbau und Profil 
/•■n. Aufeinanderfolge, Schmuck und Grösse der oberen Schalen und 



§ 146a. Die Brnnnenverzierung. ;;i;, 

des untern Beckens, auch vermittelt durch Stützfiguren, werden öfter mit 
grossem Schönheitssinn behandelt : das Wasserspeien wird jetzt in einer 
Menge von Erfindungen den verschiedensten Wesen anvertraut. Ai> ein- 
fachere Aufgaben stellen sich ein: der Wandbrunnen und die Nische; in 
Palästen und Gärten jetzt erhaltene Grotten mit Stalaktiten, Stuccaturen 
und Skulpturen aller Art. 

Der bevorzugte Meister Giov. Agnolo Montorsoli (geb. bei Florenz nach 
1500, st. 1563, Vasari [Le M.] XII. p. 20, 55 . im Stil, wie alle folgenden. 
von Michelangelo abhängig; Hauptwerke die beiden grossen Stadtbrunnen in 
Messina, an der Marina und heim Dom: dieser ein dreischaliger Aufhau mit 
vier Flussgöttern, acht Meerwundern, Delphinen, Masken, Reliefs, oben die Statue 
des Orion, alles in carrarischem Marmor. 

Allerdings vermass sieh Bandinelli (Brief an Herzog Gosimo 1550, Lettere 
pittoriche I, 37) einen Brunnen zu schaffen, der nicht nur diesen, sondern alle. 
welche die Erde trage und welche einst Römer und Griechen hervorgebracht, 
übertreffen solle. 

In Genua war Montorsoli, als Baumeister auch für Brunnen, durch das 
Haus Doria beschäftigt. Ein Seeungetüm. für dieses Haus gearbeitet, ging 
bereits nach Spanien an Kardinal Granvella. (Der Neptun mit Wagen und 
Seepferden in dem von Adlern umgebenen Becken, im grossen Garten zunächst 
hinter dem Palast, soll jedoch nicht von Montorsoli . sondern von Taddeo Car- 
lone sein.) 

Villa d' Este (§ 124) zu Tivoli, um 1550 unter Pirro Ligorio angelegt, durch 
unbeschränkte Verfügung über den Teverone ein Vorbild aller Wasserpracht; 
alle jetzige Einfassung und Skulptur der Brunnen und Grotten erst im Barock- 
stil geschaffen oder überarbeitet; die vielen antiken Statuen, die in der Villa 
(auch wohl in Verbindung mit den Wassern i standen, im XVIII. Jahrhundert 
in den Vatikan übertragen. 

In der Vigna di Papa Giulio IM 1550- 1555), vor Porta del Popolo zu 
Rom, hauptsächlich von Vignola, die Wasserwerke nie völlig ausgeführt; auch 
in dem tiefliegenden hintern Hof. einem Asyl alles Kühlen, nur das Nympheum 
in der Mitte vollständig. 

Ausserdem von Vignola im wesentlichen herstammend : die Brunnen und 
Terrassenaufstiege der Villa Lante alla Bagnaja vor Viterbo, — die W 
der Caprarola, — sowie in Rom der Aufstieg zu den Orti Farnesiani von der 
grossen Pforte am Forum her. mit Treppen und Grotten in Absätzen. 

In anderm Sinne einflussreich winden damals die Brunnenskulpturen der 
herzoglichen Villa Gastello bei Firnen/ so benannl nach einem antiken Wasser- 
Gastelhmi'. welche seil 1546 durch Nie. Pericoli, genannt Tribolo, und dessen 
Gehilfen entstanden; hier sah man (und sieht man zum Teil noch) Kinder- 
figuren, u. a. dem antiken Kinde im! der Gans nachgebildet, weibliche Ge- 
stalten, die sich das Wasser aus dem Haar wanden. Seewidder und andere 
Meerwunder, den von Herkules erdrückten Antäus als Speifigur, Kolosse von 
Berggöttern mit triefendem Bart, auch die schon sonst üblichen Flussgötter 
mit Urnen, Vexierwasser aller Art, träufelnde »hotten und auch wahre Spiele- 
reien. Vasari Le M. X. p. 256 ss., v. di Tribolo. Ibid. p. 283 ss., v. di Pie- 



11. Buch. 11. Kapitel. Dekorative Skulptur in Stein. 

rino da Vinci Ibid. Le M. Ml. p. 29, v. * l i Montorsoli. (Von Tropfsteinen, 

tarteri, schaffte Antonio da Sangallo dem Herzog als Probe eine Saumlast; 

sein Begleitbrief Gay e, Carteggio, II. p. 344, zeigt, d.iss die Stalaktiten damals 

in Rom schon sehr in Übung waren und dass man dabei bestimmte antike 

Hainen als Vorbilder nannte. — Gegenüber der oben aufgezählten Gesamt- 

anlag inzelideen mal auch die blossen Einfälle das Über- 

;. ht. Wie weil dies auch von dem Brunnenwesen «ha- übrigen Villen des 

mo und seiner nächsten Nachfolger gilt, wissen wir nicht näher anzugeben. 

Für Schalen sah man sich bereits nach ungeheuren Monolithen um; eine 

lale v.ui zwölf Braccien aus Elba für den Garten Boboli; Vasari (Le 

M. X. p. 278, v. di Tribolo. 

In griff der mächtigste Meister der nachmiehelangelesken Plastik, 

es nie vergessen darf, dass er ein Niederländer war, Giovan Bologna 

(1529 1608) auch in die Brunnenskulptur mit Hauptwerken ein. 

rühmter schwebender Merkur (Florenz, Museo nazionale) stand einst 

ai sprudelnden Becken in der Mitte der Erdgeschosshalle der Villa 

Rom; in Bologna vereinig! der Neptunsbrunnen der Piazza (1564) 

rzügüche Ausführung mit dem schönsten, elastischen Aufbau in aus- 

Ihlten Motiven; im Giardino Boboli zu Florenz ragt über dem Brunnen 

1576 der Pfeiler mit den drei grossen Stromgöttern, gekrönt durch 

den Oceanus, einfach majestätisch wie kein anderes Brunnengebilde von Italien 

und ganz Abendland. 

: dem Siuinneiiiil.it/.. mit vielem Aufwand von Erz und Marmor und 
nur von geringer Wirkung, der Neptunsbrunnen des Ammanati. In Rom 
i-t von damaliger florentinischer Kunst, die höchst anmutige Fontana delle 
Tartarughe, ein Werk des Taddeo Landini (1585). 

.Mit dem Eintritt des eigentlichen Barocco (um 1580) trifft eine noch- 

irtige Steigerung (\i^ römischen Wasseraufwandes zusammen. 

Sixtus V. (1585- 90) fiihrl di'' Aqua Marcia, jetzt nach ihm Acqua Feiice 

ant, in die Stadt; unter Paul Y. (1605 1621) folgt, zum Teil vom 

di Bracciano gespeist, die Acqua Paula, .letzt erst vollendet Eom 

ii neuen Bautypus, und der Barocco, in seiner nunmehrigen Verbrei- 

vnii hie]- aus über die Welt, wird in hohem Grade eine Kombination 

• nehmen Architektur mir belebtem Wasser. 



III. Kapiti 
Dekoration in Erz. 

■ IT. 
im i k u ii d 'I i e g i" ö Baten Gü 

Die Dekoration in Erz isl von ehernen antiken Vorbildern fast gänz- 
lich anabhängig, vielmehr 'ine freie Äusserung des Schönheitssinnes und 



§ 147. Die Technik und die grössten I 



317 



echten Luxus der Renaissance, teilweise auch eine geistreiche ömdeutung 
der im Marmor herrschenden Formen. 

Antike Bronzegegenstände müssen damals noch sehr selten gewesen und 
kaum je nachgeahmt worden sein. Abgesehen von ehernen Pforten, wie dii 
Pantheon, ist mir nur Eine hieher zu heziehende Aussage bekannt: Verrochio 
vollendet 1469 einen ehernen Leuchter a similitudine di certo vaso (Gaye, car- 
teggio I, p. 5613 s.), worunter doch nur 
mit Wahrscheinlichkeit ein antikes Bronze- 
gerät zu verstehen sein mag. 

Die Technik des Gusses war schon 
längst eine vollendete, die Gewöhnung 
durch das Glockengiessen und Kanonen- 
giessen ununterbrochen: der allgemeine 
Luxus des XV. Jahrhunderts, zumal in 
reichen Städten Oberitaliens, that das 
Übrige. In der Gap. Zeno zu S. Marco 
in Venedig Altar und Grab von Erz; 
Bronzereliefs und ganze bronzene Wand- 
gräber etc. in Padua, von Donatello, 
Vellano, Riccio; vgl. auch § 141. Der 
ohne Zweifel wichtigste eherne Altar in 
Italien, der grosse Hochaltar des Santo 
in Padua, ein Werk des Donatello und 
seiner Gehilfen, wurde später ausein- 
andergenommen und neuerdings , aber 
wohl schwerlich richtig, wieder aufge- 
baut. — Die Beschreibung eines grossen 
bronzenen, vergoldeten Prachtaltars mit 
silbernen Figuren, 1521 — 26, in S. Maria 
della Misericordia zu Bergamo, im Ano- 
nimo di Morelli (jetzt verschwunden; 
laut Vasari IV, p. 151, Nota 1 (Le M. VII, 
p. 127, Nota), v. di Bramante, hätte man 
das leuchtende Metall gewählt, weil der 
betreffende Chor dunkel war). In Rom 
sind einige Papstgräber aus Erz: das- 
jenige Martins V. von Simone di I riovanni 
Ghini'?), Sixtus IV. und Innozenz VIII. 
von Ant. Pollajuolo (S. 441 , 

Doch sind Werke dieser Art , wo das Erz wesentlich den Formen der 
Marmordekoration folgen muss. bei aller Zierlichkeit nicht das Entscheidende. 
Am Grabe Sixtus' IV. von prachtvoller Wirkung die abwärts laufenden Voluten 
des Paradebettes. 




Fig. 265. Von (ilühertis /.weiter Thur in Florenz. 



: 



11. Buch. 111. Kapitel. Dekoration in Ei :. 



§ 11 S - 
T fort e u n n '1 Gitl e r. 

Dem Erz ursprünglich eigen sind feierliche Pforten und Gitter. In 
ff der erstem folgte die Renaissance nur einem Brauch, welchen das 
ganze Mittelalter festgehalten hatte. 

An den beiden berühmt ten Ghibertis S. Giovanni in Florenz) 

durchaus, \\.t> die Thürflügel betrifft, dir Skulptur. Dagegen sind 
^ussenseil Pfosten und der Oberschwellen an denselben, sowie auch 

air der dritten Pforte mit den Flügeln von Andrea Pisano, die er ebenfalls 
durch »Ute hochwichtig als vielleicht frühste Beispiele der mehr 

naturalistischen Arabeske, des Laubgewindes (§ 134). Und 
zwar ist es hier speziell eine verklärte Darstellung der bei 
Kirchenfesten um die Pforten uelegten, unten in Gefässen 
stehenden Stangen, an welche Laub, Blumen und Früchte 
unden werden (Fig. 265). An der dritten Thür geht 
Naturalismus schon beinahe über die erlaubten Grenzen. 
Die Thürflügel von St. Peter, gegossen 1433 — 45 von 
Filarete, sind in ihren dekorativen Bestandteilen noch ziem- 
lich unfrei; die Rahmen um die Reliefflächen durch Ranken- 
werk in Spiralen mit zahlreichen kleinen Figurinen da- 
zwischen ausgefüllt. -- Donatellos kleine Thürflügel in der 
Sakristei von S. Lorenzo in Florenz sind nur durch ihre 
höchst lebendigen Heiligenfiguren bedeutend. 

Auch an den ehernen Thüren des Jacopo Sansovino 
im Chor von S. Marco zu Venedig und des Guglielmo Monaco 
am Triumphbogen des Alfons im Gastello nuovo zu Neapel 
herrscht durchaus das Relief über die Dekoration vor. - 
Anfang des Barockstils an den Pforten des Domes zu Pisa, 
von Gio. da Bologna. — Alter, aber nicht bedeutend, die 
ehernen Thüren der Krypta de^ Domes von Neapel, von 
Tommaso Malvito, zwischen 1497 und ir>07. 

Die auffallend geringe Zahl solcher Pforten erklärt 

sich n. a. durch die Seltenheit vollendeter Fassaden, § <>!». 

Umsonsl entwarf Donatello eine Thür für das Baptisterium 

.i II. p. il i 3. Le M. III, p. 259 s.i, v. di Donatello; Milanesi II, 

Thüren übergehen wir. — Laut Malipiero (Archiv. 

VII, I, | hm Karl \ III. 1 1-95 eherne Thüren aus dem Kastell von 

nd sandt« s »eszeichen uach Frankreich. Das schönste eherne 

p. della Cintola , von dem Florentiner Bruno di 

itigei LJmdeutung gothischer Motive; zierliches Ranken- 

i Palmetten und Kandelaber (1461 von Pas- 

Iciano . I ber das bronzene Strickgeflecht ober- 

irkophages in S. Lorenzo zu Florenz eine echt uatura- 

eiVaf ri III. p. 362 (Le M. V, p. 1 13), v. di Verrocchio. - 

Antonio Ormanni am Einsrang der Libreria 




r 
Xohl.j 



S 148. Pforten und Gitter. 



319 



und an der Durchsicht in die Unterkirche im Dom von Siena, sowie in S. 
A^ostino. Milaiiesi II. p. 458; Vasari III. p. 518 Le M. V. p. 285), im Gomment. 
zu v. di Pinturicchio , und III. p. 688, Nota 1 (Le M. VI, p. 141, Nota), v. di 
Signorelli. — Über das Gitter und die Kandelaber an Sansovinos Altar in S. 
Spirito zu Florenz, Vasari IV. p. 512 (Le M. VIII, p. 164), v. di Andrea San- 
sovino. — Die Gitter für die Antoniuskapelle im Santo zu Padua, bereits ge- 
formt von 'Irin vortrefflichen Dekorator Tiziano Minio, blieben durch dessen Tod 





Fie. 267. Kandelaber zu Venedif 



Fig. 268. Fahnenhalter zu Venedij 



(1552) unausgeführt Scardeonius, ap. Graev. thesaur. VI, III. Col. ii-' s . Die 
Stuccaturen derselben Kapelle s. ?i 177. 

Hin gleiehmiissi^' «reitendes ästhetisches Gesetz wird sieh in diesen Arbeiten 
kaum nachweisen lassen, indem die einen mehr herb architektonisch, die andern 
mehr spielend dekorativ verfahren. Massenweise sind eherne Gitter, Schranken etc. 
erst aus der Barockzefl vorhanden. 

Die Gitter ans geschmiedetem Eisen, in der gothischen Zeit bisweilen 
trefflich und in ihrer Weise vollkommen das beste vielleicht in der Sakristei 
von S. Croce in Florenz; ein anderes berühmtes im Dom von Orvieto 1337, 
vgl. Della Valle, storia de! duomo di Orvieto, p. 111 und Doc. 35; an 






II. Buch. 111. Kapitel. Dekoration in Erz. 



ihnt bei Milanesi 1. p. 309, 11. p. 13, II. 163 wollen zu der Formenwell 
der Renaissance ungleich weniger passen. In der ersten Hälfte des XVI. Jahr- 
hunderts war für Eisenzierrath ein gew. Gio. Batt. Gerabalia berühmt (Lomazzo, 
p. 423), ob insbesondere für Gitter, wird aichl gesagt. 

Zu : - \\ . Jahrhunderts war in Florenz Niccolö Grosso, genannt 

.ira, ein« - ilitäl für die eisernen Fahnen- und Fackelhalter am Erd- 





Wahlurne zu Padua. iUerdtle.) 



Fig. 270. Ciborium des Domes 
[zu Siena. 



von ihm sind auch die berühmten Laternen am Pal. 

66), sjnifico wollte sogar Arbeiten des Grosso als 

chenki A bicken. Vasari [V, p. 145 --. he M. VIII, p. 118 ss.), 

v. di I D lein und zugleich derben Zierstücke gehören 

. Rusticapalast. 



^ i4v*. Leuchter und verschiedene Oegenstämle. 



321 



§ 149. 
Leuchter und verschiedene Gegenstände. 

Der bronzene Stehleuchter der Eenaissance ist von dem antiken sowohl 
als von dem mittelalterlichen unabhängig-: sein sinn ist eher der eines in 
die Bedingungen des Erzes übertragenen antiken Marniorkandelabers. 

Seitdem die Bronzeleuchter zumal aus Pompeji massenweise vorhanden 
sind, kann hierüber kein Zweifel herrschen. Es fehlt ihnen durchaus die vasen- 
artige Ausbauchung und Einziehung, mit Einem Wort das Gewichtige, dessen 
der Altarleuchter schon als Träger einer schweren Kerze (nicht bloss einer 
Lampe) bedarf. 

Auf den Marmorkandelaber (§ 146 ) als Vorbild weist auch das bisweilen 
üppige Laubwerk und die Ausfüllung solcher Teile hin , welche beim antiken 





Fig. 272. Thürklopfer von 
Bologna. (Nohl.i 



Fig. 271. Fahnen- oder Fackelhalter zu Siena. 



Bronzekandelaber ollen und durchsichtig bleiben, z. B. der Raum zwischen den 
hier äusserst kräftig gebildeten Tierfüssen. 

Die vorzüglichsten Leuchter sowohl für Altarkerzen als für grössere: 
mehrere in der Gertosa bei Pavia, auch in einigen venezianischen Kirchen. 
z. B. alla Salute. Sodann der grosse Osterkerzenleuchter des Andrea Riccio 
im Santo zu Padua, l^'T 1516, von ausserordentlichem Reichtum an Reliefs. 
Eckfiguren und Zierat jeder Art, und von schönstem Geschmack in allen De- 
tails; nur hat das Ganze zu viele Teile im Verhältnis zur Grösse, was auch von 
dem < osterkerzenleuchter >\r> Bresciano in der Salute zu Venedig gilt i Fig. 2 
Verzierte Leuchter. Lichtstöcke, Mörser, Behälter etc. in South- Kensington-Museum. 

Burckhanlt. Italien. Renaissance. 4. Aufl. -1 



11. Buch. III. Kapitel. Dekoration in Erz. 

s. unten bei Anlass der Goldschmiedekunst. 
Der allgemein verbreitete monumentale Prachtsinn wies dem Erzguss 
viele stände zu. welche sonst aus stein oder Eisen und in weniger. 

In Formen wären gebildet weiden. 

Die bronzene reichverzierte Basis einer antiken ehernen Statue in den 
Offizien, wahrscheinlich von Desiderio da Setliirnano (§ 135). 

Die Halter für die Fahnenmasten auf dem Markusplatz zu Venedig, von 
rdo i 13 leicht die schönste «lenkbare Lösung der be- 

Fig. : 
Wahlurne in Padua Fig. 269 . 
lanken, originell -prächtigen Altartabernakel im Dom zu Siena 
bietta und in der Kirche Fontegiusta von Lorenzo Marinna 
- 27 

twas frühern Arbeiten des Gio. di Turino in Siena (st. um 1454), 

Thürchen ilustrade, ein Weihbecken, ein Tabernakel etc. Vasari III, 

i V, p. 1 im Gomment. zu v. di Ant. Pollajuolo. Vgl. § 181. 

Michelangelos Ciborium für S. Maria degli Angeli zu Rom, zu Yasaris Zeit 

rtig, schein! nicht mehr vorhanden zu sein. 

: die Leuchter und den Tabernakel des Girol. Lombardi müssen wir 

■ - ii VI, p. 180, Nota 3 he M. XI. p. 241 und Nota), v. di Garofalo 

■ 

Die ehernen Thürringe und Haken am Pal. del Magnificozu Siena (Fig. 271), 
von I i reih um 1500), der auch schöne Konsolen für Engelfiguren 

im 1 3; Milanesi III. p. 28. — Etwas später arbeitete daselbst in ähn- 

lich« ständen Carlo d' Andrea und dessen Sohn Giovanni, ibid. p. 68. — 

Weihbecken in Fontegiusta, von Giovanni delle Hombarde, I i-S(), 
und im l 1 Sakristei), von Gio. di Turino, letzteres emailliert und auf einen 
- Die Thürklopfer in Bologna sind fast alle spätem Ursprungs 
; .. 

rnen (und vollends, bei Paul II., silbernem Kühlvasen, Kohlen- 

m. von welchen besonders Benvenuto Gellini spricht, ist 

s Erhi erhalten. - Wo die am schönsten verzierten Glocken und 

ist dem Verfasser nicht bekannt. 

mit oini_"-le<_4er Arbeit, all' azimina, in venezianischen Häu- 

ino, Venezia, Pol. 1 12. 

ternenmündungen im Hof des Dogenpalastes 
rs die eine mil üppigem figürlichem Schmuck 
!. : enutos untergegangenen Arbeiten geben. 



§ 150. Abnahme der Bemalung seit dem XIV. Jahrhundert; 



:;■'• 




IV. Kapitel. 
Arbeiten in Holz. 

§ 150. 

Ali nah nie der Bemal um;- seit dem XIV. Jahrhundert. 

Die Verzierung hölzerner "Wandbekleiduimeii. sitze und Geräte hatte 
im Mittelalter hauptsächlich in Bemalung und Vergoldung bestanden. Ein 
höherer dekorativer Stil konnte erst beginnen, als sich auch die Holzarbeit 
rein auf die plastische Form und daneben auf 
das Einlegen von Zeichnungen mit Hölzern ver- 
schiedener Farbe (Intarsia) verliess. 

Wenn selbst die Marmorskulptur der pisa- 
nischen Schule noch bisweilen polychromatisch 
war. und wenn im Norden der hölzerne geschnitzte 
Schrein bis spät in reichen Farben prangte, so 
darf es nicht befremden, dass z. B. in Siena noch 
1370 ein Holzleuchter, 1375 ein Stimmzettelkaslt-n. 
1380 ein Reliquienschrein und 1412 ein Sakristei- 
schrank, sowie ein ganzes grosses Chorstuhlwerk 
(s. unten) mit Bemalung vorkommen; Milanesi I, 
p. 29, 31, 4(>. Giotto hatte ja die Sakristeischränke 
von S. Croce in Florenz mit seinen berühmten 
Täfelchen Leben Christi und des hl. Franz) ge- 
schmückt. — Auch der Archivschrank, den die 
Florentiner 1354 mit 22 Goldgulden bezahlten. 
war wohl ein farbiges Prachtwerk: Gave, car- 
teggio I, p. 507. 

Die rein plastische Ausbildung des einrah- 
menden Elementes konnte sich ersl vollziehen, als 
vor allem die Flachen nicht mehr der Malerei, 
sondern dem gedämpftem Vortrag der Intarsia 
gehörten, mit welchem nun die geschnitzten Teile 
ein harmonisches Ganzes ausmachen sollten. 

Die letzte Werkstall, aus welcher bemalte 
Holzarbeit jeder Gattung in grosser Menge her- 
vorging, die des Neri de' Bicci. vgl. Vasari II p. 85 
(Le M. II, p. 256), Comment. zu v. di kor. Bicci. 
Die Intarsia ist eine jüngere Schwester 
des Mosaiks und der Glasmalerei. Sie setzt. 

wie alles absichtliche Verzichten auf reichere Darstellungsmittel, schon eine 
hohe Verfeinerung des künstlerischen Vermögens voran-. 

Eine frühe stille derselben war in Orvieto , dessen Mosaikfassade auch 
dem Holzmosaik rufen mochte. Die frühsten bekannten Arbeiter aber, welche 



'.'■ 

'am.. 

■ 




Ei*. 273. 



Chorstuhl von t Irvieto. 
Hohl.) 



11. Buch. IV. Kapitel. Arbeiten in Holz. 

. is Sl ihlwerk des Chores mit eingelegter Arbeit ans Ebenholz, Bux, Xuss- 
holz und Albuccio vorsahen, waren fasl lanter Sienesen, und ebenso der da- 
malige Dombaumeister Giov. Ammanati, welcher die Vorzeichnung angab; (.Delhi 
Valle storia del duomo di Orvieto, p. 109 und Doc. 31. Vgl. Milanesi I. p. L99. - 
wischen kommen jedoch wieder bemalte Arbeiten, und zwar in Siena selbst, 
wo da- bereits berühmte Stuhlwerk des Domchors von 1259 (1. c. p. 139) einem 
seither ebenfalls verschwundenen spätem. 1363—1397, weichen musste d. e. 
28 — . . Dasselbe war reich figurier! und noch grössernteils oder ganz be- 
malt, auch vergoldet; von Intarsia wird nichts gemeldet. Es mag das letzte 
Sl ihlwerk höhern R gewesen sein. — Auf der Schwelle zum 

neuern Stil steht dann das jetzige Stuhlwerk im Demi von Orvieto, von dem 
Pietro di Minsila in Arbeil vor 1 133 . mit sehr vollkommen behandelter 
Intarsia im Figürlichen sowohl als im Ornament (Fig. 27:: . 

\ . h um die Zeil des Anfanges der Renaissance finden sich in Einem 
sienesischen Meister, Domenico di Niccolö, die drei verwandten Künste bei- 
men: Intarsia. Glasmalerei (oder wenigstens Glaserei) und figuriertes Boden- 
rik : Milanesi II, p. 238 -. 

§ 151. 
Stellung der Intarsia. 

Im XV. Jahrhundert ist die Intarsia namentlich der Stahlwerke an- 
erkannt der wichtigste Teil der Dekoration in Holz und bestimmt den 
Ruhm des Bolzarbeiters. Aussei- heiligen Gestalten und Geschichten ver- 
traut ihr die Renaissance zwei ihrer wesentlichsten Aufgaben an: die In- 
tarsien stellen teils inöglichsl schöne freie Ornamente dar, teils Ansichten 
Phantasiegebäuden, welche als unerfüllte Programme des damaligen 
Baugeistes (§ 63) betrachtet werden müssen. Als eigentliches Gewerbe 
trotz hoher Preise niemals gewinnbringend, fiel diese Kunstgattung mit der 
X-it besonders Ordensleuten anheim. 

i im allgemeinen und über die farbige Beizung der Hölzer 
Vasari 1. p. 202 (Le M. I, p. 178), Introduzione, wo jedoch schon 
: - ii.it zii: davon geredet wird. 

ihmtesten Meister im XV. Jahrhundert: Domenico di Niccolö von 
iah. um und Benedetto da Majano, Francione, Giuliano da Sangallo u. a. 
hatte 1 17^ nicht weniger als 84 Werkstätten von Intarsiatoren u. a. 
Fabroni, vgl. § 1 '■'>'> . 
Dann um 1500 und später: diu. und Ant. Barili, Baccio d' Agnolo, die 
1 imilie Ta - in Oberitalien die Lendenara, eigentl. Ganozzi 

1 anozzi o Genesini Lendinaresi, im Rolitecnico XIX); Fra Gio- 
na vgl. Franco, di fra Giov. da Ver. e delle sue opere, Verona 1863); 
da li'.'. hüler eines schiavonischen Mönches in Venedig; 

da Ven le da Brescia. 

In dei /'-it der I Ausartung: Baccio d'Agnolos Söhne Giuliano 

und D ; Bartol. lannt Riccio (über welchen Näheres Vasari VI, 

p, Hl '■]. XI. p. 171 . im Gomment. zu v. di Sodoma). 



§ 151. Stellung der Intarsia. 



325 



In Siena gab seit 1 \2\ der 
genannte Domenico di Xiccolö 
Lehrlingen Unterricht in dieser 
Kunst mit Auftrag und Unter- 
stützung des Staates; Milanesi II, 
p. 103 : aber 1 i i'i klagt er, die- 
selbe trage wenig ein und fast 
niemand habe dabei aushalten 
wollen, ib. p. 237 (und Gaye I, 
p. 155); zwei andere Meister kla- 
gen 1453, sie seien alt und arm 
darob geworden, Mil. II, p. 287. 
(Supplik eines andern armen alten 
Ili>lzdekorators vom Jabr 1521, 
ib. III. p. 7.").) 

Die Intarsia konnte in der 
That am besten von Mönchen 
mit völlig gesicherter Existenz be- 
trieben werden, und zwar waren 
es vorzüglich Olivetaner. 

In Florenz haben zwei Stadt- 
pfeifer ihre viele Müsse auf diese 
Kunst gewandt; Vasari III, p.344s. 
(Le M. V, p. 138), v. di Ben. da 
Majano. 

Da es sich wesentlich um 
den Grad der Feinheit in der 
Ausführung handelte. Hessen die 
Besteller sich von den Meistern 
Proben einsenden; so 1444 die 
Orvietaner; Della Valle, duomo 
di Orv., Doc. 67. 

Für figürliche Darstellun- 
gen befolgten die Intarsiatoren 
nicht selten Gompositionen von 
andern; so der in seiner Art grosse 
Pia Damiano die Zeichnungen 
des Bernardo Zenale, des Troso 
von Monza. des Bramantino u. a. 
für die Ghorstühle von S. Dome- 
nico in Bergamo 'Annniiun di 
Morelli (jetzt in S. Bartolommeo ; 
auch von seinem berühmten Stuhl- 
werk in S. Domenico zu Bologna 
mit dem unendlichen Reichtum 
von Historien wiid man ihnliches 
voraussetzen dürfen. Erarbeitete 







Fig. .274. Chorstuhl aus S. Maria in Organo zu Verona. 
(< Mine die Decke.) 



_ 



II. Buch. IV. Kapitel. Arbeiten in Holz. 



h Zeichnungen des Salviati Nasan VII, p. lii (Le M. XII, 

md des Vignola ibid. 105, 131 s.), v. di T. Zucchero . Zwei 

i produzierten am Stuhlwerk von S. Maria maggiore in Bergamo 

sitionen des Lorenzo Lotto Anonimo di Morelli). Für S. Agostino in 

. - dem Baccio d'Agnolo das Stuhlwerk überhaupl vorgezeich- 

'. - ri 111. p. 605 Le M. VI, p. 62), Gomment. zu v. di Perugino 

§ 152. 
.t na ch G eg ensl ä ad e a. 

Us Frühstes gelten, obwohl nur rail beschränktem Rechte, solche 
Intarsien an Stuhlwerkea und Kirchenschränken, welche bauliche Ansichten 

stellen. 

Le M. I, p. 179 . introduz. Er meint, die Perspek- 
Gebäuden seien das Frühste gewesen, weil sie vermöge der vor- 
gehenden Geradlinigkeil am leichtesten in Holz dar- 
zustellen seien. Allein die Kunst beginnt überhaupl nichl 
immer mit dem technisch Leichtesten, und das Stuhlwerk 
von Orvieto mit seinen sehr schön ausgeführten Halb- 
figuren widerlegt ihn. Wahr ist nur, dass die nichtfigu- 
rierten Intarsien im KV. Jahrhundert im ganzen das Über- 
gewichl haben und dass die ganz grossen Unternehmungen 
von reichfigurierten erst um 1500 beginnen. 

Mann soll Brunellesco, der Gründer der Perspektivik, 
die tntarsiatoren ganz besonders auf bauliche Ansichten 
hingewiesen haben; II, p. 333 (Le M. 111. p. 197), v. di Bru- 
nellesco und oben i; :i:';i. Der dicke Holzarbeiter, der in 
der bekannten Novelle sein Opfer wird, hiess Manetto 
Ammanatini. 

Die wichtigsten erhaltenen Arbeiten ganz oder über- 
üi im Dom wiegend perspektivischer Art sind die Intarsien der Stuhl- 
werke im Dom von Siena 1503, von Fra Giovanni da 
'»na), — an den Thüren der von IIa l'ael gemalten Zimmer 
Fra Giovanni, die geschnitzten Teile von Gian Barilej, — in 
Marco zu Venedig (1520 u. f. von Antonio und Paolo da 
da Verona u. a.. wo die Wunder des hl. Markus wesent- 
stadtansichten dienen), - in der Gap. S. Prosdocimo 
in s. Maria in Organo zu Verona (1499, von Fra 
274 und ganz besonders in S. Giovanni zu Parma (von 

uch in einer Kapelle von S. Petronio zu Bologna, aus 
'.-ii Fra Raffaele da Brescia 1521); — ebenso 
I a (15 1 7 l' 1 , von Paolo Sacca). 

d Antoni - mgallo (s. deren Lehen Vasari IV, p. 268 

295 --.: [Le M. VII, p. _!«>:• s. und Nota, nebst 

ne Intarsien mein erhalten. -- Die Camera 

j im unter den Fresken ein Getäfel mit, per- 

ii u ie die Thüren ; Vasari IV, p. :;:;7 s. 




§ 152. Die Intarsia nach Gegenständen. 



127 



Le M. VIII. p. 20), v. di Raffaello: V., p. 622 s. Le M. X. 166 s. . v. di Perino. 
Über diesen Meister überhaupt: V.. p. 310 ss. Le M. IX. p. 196 ss. und Note), 
v. di Fra Giocondo. — Ebenfalls untergegangen: die ganze reiche Ausstattung 
von S. Elena zu Venedig, die Sakristeischränke und die Chorstühle, deren In- 
tarsien von Fra Sebastiano da Rovigno um liso, nicht weniger als :ii An- 
sichten berühmter Städte enthielten: Sansovino, Venezia, fol. 76. -- Auch das 
berühmte Stuhlwerk im Chor des Santo zu Padua, von den Brüdern Lendenara, 
über welches schon im KV. Jahrhundert eigene Schriften erschienen, ist nicht mehr 
vorhanden ; vgl. Selvaticos Note zuVasari III. 
p. 404 (Le M. V, p. 175 . v. di Mantegna. 
Am nächsten hängen hiemit zusam- 
men die Innenansichten von Schränken 
mit leblosen Gegenständen, gottesdienst- 
lichen Geräten. Büchern, Musikinstru- 
menten u. s. w. 

Sie kommen nicht bloss an Schrank- 
thüren vor, sondern auch an Ghorstühlen, 
zumal am untern Teil der Rücklehnen. 
Es sind vielleicht die frühsten Stilllehen 
der modernen Kunst, oft mit Verlangen 
nach Illusion und doch noch von einer ge- 
wissen Idealität des Stiles. 

Sodann werden bisweilen die Haupt- 
felder mit dem allerschönsten , auf das 
Wohlgefälligste im Raum verteilten Ara- 
beskenwerk geschmückt. 

Das Beste in Florenz: das Getäfel 
der Sakristei von S. Croce, und zwar hier 
nicht die Mittelfelder, sondern die einlassen- 
den Teile; — sodann das Ghorstuhlwerk 
in S. Maria uovella in seinen obern Teilen, 
ein frühes und ausgezeichnetes Werk von 
Baccio d'Agnolo §92 ; — zu Venedig das 
Getäfel im Chor von S. Marco; -- zu 
Verona die untern Teile der Rücklehnen 
in S. Maria in Organo (vgl. Fig. 274); 
zu .Mail. im! die Chorstühle in S. Maria 
delle Grazie, 1470 vgl. Anh. stör. delT arte VI, p. 236). 

Endlich genossen natürlich die figurierten Intarsien, bisweilen ganze 
grosse Reihen von Historien und rings um den ganzen Chor laufende Friese, 
den grössten Ruhm (§ if.l i. 

Im Figürlichen zeichnete sich von den Meistern der Renaissance z 
Domenico di Niccolö in hohem Grade aus mit -einen Intarsien in der obern 
Kapelle de> Pal. pubblico zu Siena. — Dann die Florentiner Giuliano und 
Benedetto da Majano; Giuliano- Priesterstuhl, d. h. der ehemalige, nicht der 




Fig. 276. Chorstühle aus S. Giovanni 
in Parma. (Nohl. 



- 



II. Bach. IV. Kapitel. Arbeiten in Holz. 






jetzige, neben dem Hochaltar des Domes von Pisa; seine Thür im Audienz- 
- Pal. vecchio zu Florenz, wobei ihm sein Bruder Benedetto und Fran- 

c 59 halfen, mit den Bildnissen Dantes und Petrarcas. — lienedetlo 

machte Truhen mit Intarsia für König Matthias Corvinus von Ungarn, welche 

■-den übrige i Holzarbeiten untergegangen sind. Vasari II. p. 1-68 s. 

(LeM. IV, p. 2 ss.), v.diGiu- 
lianoda Majano, III, p.334ss. 
Le M. V, p. 128 ss.), v. di 
Benedetto da M. — Mehrere 
[ntarsiatoren machten da- 
mals ihr Geschäft in Ungarn. 
Figurierte Intarsien am 
Ghorstuhlwerk der Kirche 
zu Pienza rühnrl Pius II. 
» lomment. L. I\. p. 1451). — 
Antonio Barile von Siena, 
derdasjetzl untergegangene 
Stuhl werk der Gertosa von 
Maggiano teils mit Perspek- 
tiven, teils mit Figuren 
schmückte, durfte sich ir- 
gendwo in einer Intarsia 
selber porträtieren und sei- 
nen Namen und die Worte 
beifügen: caelo, non peni- 
cillo excussi 1502, indem 
seine Arbeit wie gemalt aus- 
sah. Sein Neffe Giovanni 
Barile, der ihm in Maggiano 
half, ist dagegen mehr durch 
die iieschnitzlen Teile be- 
rühml ; Milanesi II. p. 398, 
III. p. 52, 74 und Vasari IV, 
p. 415 (Le M. VIII, p. 93 s.) 
in den Nachträgen zu v. di 
Raffaello, wo die Arbeiten 
beider Barili verzeichnet sind. 
Sodann die berühmte- 
sten Arbeiten in Oberitalien: 
Fra I Damianos Stuhlwerk in 
1528 50), mit zahllosen Historien und mit einem 
161 von Kinderfiguren umspielt ist; — ■ und das 
. in S. M Bergamo vgl. § 1">1 ; die Historien nicht an 

:77 | Geringe] ind: die figürlichen Teile der 

Marco zu Venedig, diejenigen im Dom von 
iierl der Bischofsthron im Dom von Pisa, von 
• ei elliera i 1 r> : 5 * i . 




zu Bergamo. | Lasius.) 



§ 153. Das Sohnitzwerk der Chorstühle. 



329 










§ 153. 
Das Schnitzwerb der Chorstühle. 

Die geschnitzten, einfassenden Teile der Chorstühle stellen auf ihre 
Weise eine ideale Architektur dar, wie die Einfassungen der marmornen 
Altäre und Gräber. Der Stoff gestattet an den Zwischenstützen und an 
den obern Aufsätzen die reichste durchbrochen»- Arbeit (Fig. 275 und 276). 

Die dekorativen oder figürlichen 
Zierden über dem obern Rand, mit 
welchen das Leben des Ganzen so 
leicht und schön abschliesst, sind 
etwas zerbrechlicher Art und mögen 
bei Erneuerungen, zumal wenn sich 
der Geschmack geändert hatte, oft 
aufgeopfert worden sein. 

Das Geschnitzte sehr schön am 
Stuhlwerk im Dom von Genua und 
in S. Maria maggiore zu Bergamo 
Fig. 277). Aus späterer Zeit und 
noch vom Trefflichsten: der Bischofs- 
thron samt den nächsten Reihen im 
Dom von Siena. 1569 von Bartol. 
Negroni, genannt Riccio: im Plasti- 
schen (Putten, Meerwunder etc.) vor- 
züglich edel und reich, das Ganze 
von der prächtigsten Wirkung. — 
Andere ebenfalls sehr reiche Ghor- 
stühle dieser spätem Zeit in S. Mar- 
tino hei Palermo (Fig. 278). — in 
S. Severino zu Neapel. 

Von Sitzen weltlicher Behörden 
die allerschönsten im Gambio zu Peru- 
gia; — auch das sog. Scanno ü 
del Gomune in Pistoja vorzüglich. 
Im Museum zu Siena Pilaster von 
einer Wandbekleidung des Ant. I tarile, 
reicli und sehr zierli 

Die schönsten relietierten Sitzrücken hat dann das berühmte Stuhlwerk 
in S. Pietro zu Perugia, von Stefano da Bergamo um 1535, unter Einfluss der 
Dekoration von Rafaels Loggien. — Geschnitzte Reliefhistorien kommen erst 
in der sinkenden Zeil vor. 

Für freistehende mehrseitige Mittelpulte, deren unterer Teil zugleich als 
Bücherschrank gelten kann, mochte das von Paul II. nach Araceli in Rom ge- 
stiftete Vitae Papar., Mural. III. II. Gol. L009) als Vorbild dienen: von den 
erhaltenen die trefflichsten in der Badia zu Florenz und in S. Maria in < Irgano 
zu Verona, wo auch die geschnitzten Teile des Stuhlwerkes von besonderer 







Fi« 



Chorstuhl aus S. Martin" '■ 
\ »hl.) 



11. Buch. IV. Kapitel. Arbeiten in Holz. 

ebenda dei grosse hölzerne Stehleuchter des Fra Giovanni. 
v Stiles «las Chorpult in S. Pietro zu Perugia. 

Von hölzernen Lettnern, zumal für Orgeln, finden sich wohl die besten 
.: .1er des Ant. und Gio. Barile 1511) im Dom über der Sakristeithür, 
nd der prachtvoll i le in der Kirche della Scala, dem Bald. Peruzzi 

vielleicht mit Unrecht rieben I 279), — Ein reich und elegant be- 

handelt ?anz vergoldet, in der Minerva zu Rom (Fig. 280). 

r Lettner und Stuhlwerk in dem untergegangenen [dealkloster der Jesuaten 
! §85 \ - iri 111. p. ."»71 Le M. VI, p. 34), v. di Perugino. — 

rden Lettner auch noch bemalt und vergoldet ; Milanesi III. p. 187 s. 
An den frühsten Stuhlwerken der Renaissance, /.. I'». Milanesi II, 2H». 2S(i. 
um 111". kommen n< lle (d. h. gargolle, vgl. § 18, Speitiere) vor, ein 

.. welches bekanntUch aus der gothischen Architektur auch in die Dekora- 
tion o war. Wahrscheinlich aber waren sie hier schon zu Meer- 
wundern. Delphinen etc. umgedeutet und nicht mehr vorspringend gebildet. 

§ 154. 

11 ö 1 /. e r n e Pforte n u n d W a n d 1> e 1< 1 • - i <1 a n g e n. 

Die hölzernen Pforten des XV. Jahrhunderts haben meist einfaches 

Rahmenwerk und reichverzierte Spiegel, an geschützter Stelle mit Intarsien 

nach aussen mit geschnitzten Ornamenten. Später bleiben die 

_• 1 öfter unverziert oder erhalten Wappen, während dann gerade das 

Rahmenwerk eine prachtvolle Profilieiung und geschnitztes Laubwerk und 

eichen gewinnt. 

Für Kirchenpforten des XV. Jahrhunderts die allgemeine Vorschrift bei 
mi. L. VII, c. 15: sie von Cypressen- oder Gedernholz mit ver- 
. Knöpfen, mehr solid als zierlich zu arbeiten, und ihren Ornamenten 
_•- Relief, nicht Intarsia zu geben. 

Arbeiten des XV. Jahrhunderts: in S. Croce zu Florenz an der 
Sakristei und Cap. de' Pazzi, am Dom von Lucca, an mehrern Palästen und 
Kirchen in Neapel, am Dom von Parma etc., sowie die § 152 erwähnte Thiii 
im zu Florenz. 

i schöne Verbindung des Geschnitzten (von Gio. Barile) 
mit den Intarsien von Fra Giovanni) an den Zwischenthüren der Stanzen Rafaels 
im Vatikan, 1514 21, vgl. i 152. - Eine treffliche geschnitzte Thür mit dem 
Wappen Julius 1 II.. ehemals im Pal. Apostolico zu Bologna. (Jetzt im Museo 

.leicht '1. te in dieser Gattung die geschnitzten Thüren der 

. mit dem Wappen Clemens' VII. und grossen Löwen- 
Mitte. 

Wert in den I 'llizien zu Floren/. 
io im [\ *ibl nur die damals geltende Einteilung der Spiegel, 

imuck des Einzelnen. 

erzierte Wandbekleidungen aus der besten Zeit sind kaum 
erhalten als in Klosterrefektorien und in Sakristeien, wo auch 



§ 154. Eölzerne Pforten and Wandbekleidungen. 




jnmnniTTTP.inMMiip.; 



irnrmrrr 



die blossen Wände eine mir den Wandschränken harmonisch fortlaufende 
Holzbekleidung verlangten. In weltlichen Gebäuden wird kaum mehr eine 
Boiserie von höherm 
Werte vorkommen. 

l'nter den er- 
haltenen Boiserien 
i-i der Verfasser 
jetzt nicht LmStande 
das Beste anzu- 
geben. - Von den 
florentinischen Stu- 
bengetäfeln ist viel- 
leicht kein einziges 
erhalten ; man zer- 
störte sie, teils weil 
die Mode wechselte, 
z. B. wenn man 
Arazzen an deren 
Stelle setzen wollte, 
teils auch, um die 
in das Getäfel ein- 
gelassenen, oft nii- 
niaturartig zierli- 
chen und wertvollen 
Malereien herauszu- 
nehmen: Vasari II. 
p. L48 s. (Le M. III. 
p. 17. is.v.diDello. 

Diese, welche 
eine Art von Fries 
in der Boiserie aus- 
machen mochten, 
sind für die erzäh- 
lende Komposition 
im Breitformat und 
für die mythologi- 
sche, allegorische 
und profan-histori- 
sche Malerei im all- 
gemeinen von nicht 
geringer Bedeutung 
gewesen. Sandro 
Botticelli malle für 
einen solchen Zweck 

z. B. vier Scenen aus rinn' Novelle des Boccaccio, Vasari III. p. 313 Le M. V, 
p. L13), \. di Sandm: auch die im Gommentar p. 328 i 124 erwähnten vier Bild- 




Fit 



lettner aus S Maria deUa Scala e 






_ 



II. Bach. IN'. Kapitel. Arbeiten in Holz. 









mit den Tri könnten wohl eine ähnliche Bestimmung gehabt 

::. — Vasari IV, p. l ; '' Le M. VII, p. 1 1' 1 . v. di Pier di Cosimo, dessen „storie 

di favole" in einem Stubengetäfel, ebenso p. 141 121) „storie baccanarie", reiche 

hanale. Auch die vier Bilder mit kleinen Figuren, welche Vasari V, 

p. 196 Le M. IX. p. 102 . v. di Franciabigio erwähnt, hatten vielleicht eine 

solche Bestimmung. Die Übernehmer der Holzarbeil verfügten bisweilen je 

nach Gunst und Ungunst über die Wahl des betreffenden Malers, Vasari V, 

I M. VIII, p. •_" , 1 . v. di A. de! Said'. In dem Prachtzimmer des 

/aerini hätte man bei der Belagerung von 1529 gerne die Wandbildchen 

Andreas, ibid. p. 26 268 enommen, um sie nach Frankreich zu verkaufen ; 

en nur. weil man das ganze Getäfel hätte zerstören müssen. 

Über diese ganze Frage vgl. bei Kinkel, 
Mosaik zur Kunstgeschichte, den wichtigen 
Abschnitt: „Anfänge weltlicher Malerei in 
Italien auf Möbeln". 

Ausserdem mochte am ehesten die Thür 
mit einem Gemälde geschmückl werden. Der 
Anonimo di Morelli erwähnt in Venedig zwei 
solcher Thüren von Palma Vecchio, mit einer 
Ceres und einer Nymphe; ferner Thüren. 
welche von einem Schüler Tizians, Stefano, 
bemall waren, in einem Zimmer des Hauses 
Odoni; Truhen und Bettstatt waren von der- 
selben Hand mit Malereien geschmückt. 

Tizians Oisto della inonela (Dresdens 
befand sieh einst an einer Schrankthür im 
Selilos- von Ferrara, wie es scheint in dem- 
selben Gamerino, welches mil den ruhm- 
vollen mythologischen Malereien des Dosso, 
ini und Tizi; ei ausgefülll war; Vasari (Le M.) XIII, p. 24, v. di 

§ 155. 
Alta re i n f a s sunge n. 

Das Altarwerk (Ancona) des XIV. Jahrhunderts hatte aus einem 

an und kleinem Tafeln bestanden, zusammengefassl durch 

ein gothisches Sacellum von vergoldeten) Holz. I)as XV. Jahrhundert, 

sich allmählich für die Einheit des Bildes entschied, verlangte 

nun auch für dieses eine architektonische Einfassung, deren I Yacht dem 

nun und selbst der Buntheil der Darstellung entsprechen musste. 

Einige der schönsten dekorativen Ideen der Renaissance linden sich in 

d Bilderrahmen, für welche bisweilen der grösste Aufwand in Be- 

tzl wurde. 

liell sich bei Fra Angelico da Fiesole bis um die 

XV. Jahrhunderts nd bei den Venezianern noch später; bisweilen 

: in den Stil dei Renaissance übertragen, zumal in Oberitalien, wo 






- 




n iler Minerva z 
hl.) 



§ 155. Altareinfassungen. 



333 




die Anconen bis ins KVI. Jahrhunderl dauern. Von den prächtigen gothi- 

schen Rahmen der Muranesenbilder kennl man einen Verfertiger Gristoforo 
Ferrarese 1446; Sansovino, Venezia, Pol. 91. 



11. Bach. IV. Kapitel. Arbeiten in Holz. 

den Rahmen der Renaissance wurden die (wenigen) weissmarmornen 
:.: ; §144. Man bedurfte doch zu sehr der Farbigkeit; die hölzernen meist 
blau mit Gold, doch auch die Holzfarbe mit nur wenigem Gold. In seltenen, 
t'rühen Beispielen kommen auch Intarsien vor: Milanesi II. p. 257. 

Die Altarstaffel (Predella) oft mit kleinen Gemälden, doch auch als ver- 
- ekel. Als Seiteneinfassung dienen zwei Pilaster mit Arabesken; 

diese tragen ein Gebälk mit reichem Fries und bisweilen darüber eine durch- 
2 schnitzte Bekrönung. 

-svalil bieten die Altäre in S. Maria Maddalena de' Pazzi 
and in Chor und Querschiff von S. Spirito zu Florenz, wo die Bildfläche sieh 
sl dem Quadrat nähert; Filippino Lippi, von welchem vielleicht mebrere der 
len Bilder herrühren, pflegte auch die Rahmen anzugeben; Vasari 111, 
j,. in |.,- M. V, i>. 252), \. di Filippo Lippi; andere Male besorgten es An- 
tonio da Sangallo d. Ä. und Baccio d'Agnolo für ihn; die hohen Preise, die 
tere für seine Rahmen erhielt, Vasari V. p. 351, Nota 2 iLe M. IX. 
ji. . \ . di Bac« 

In Perugia akkordierten die Augustiner 149.~> mit Matlia di Tommaso von 

im einen Rahmen für ihr (von Perugino gemaltes) Hochaltarwerk „con 

11-. archi, serafini, rosoni e diverse fantasie, sowohl auf der vordem als auf 

te", und zwar auf 110 (bilden (zu 40 Bologninen) ; Mariotti, lettere 

pittoriche perugine, p. 165. (Nichl mehr vorhanden.) Für einen andern Rahmen 

wurde mit Perugino selbsl auf 60 Golddukaten akkordiert; Vasari III, p. 588, 

_ Le M. VI, p. 48, Nota), v. di Perugino. Noch spät hier ein berühmter 

aenmacher Eusebio Battoni, um lriö:}; ibid. p. 624 (83), im Kommentar. 

Fra Bartolommeo vermied die Prachtrahmen und malte dafür gerne im 

Bilde eine architektonische Einfassung um die Figuren; Vasari IV, p. 188 (Le 

M. VII, p. 162 . v. di Fra Bartol. In der bv-rl Valien wohl die Maler die 

Hauptsache an und zeichneten den Rahmen vor, selbst wenn es sich um grosse 

Sacella mit vortretenden Säulen handelte; Vasari IV, p. 245 (Le 

M. VII, p. 199), v. di Raff. del. Garbo, Gomment. - Ein Bild desselben Meisters 

nfalla mit einer Einfassung von vortretenden, reichvergoldeten Säulen, ibid. 

192). Es war die reichste Form und damals nicht selten, die meisten 

i des starken Schattenwurfes wegen nicht lieben. 

Weil de en Ruhm hatten in diesem Fache die beiden Barile : An- 

tonio, der seinen Namen in seine Bilderrahmen setzte, auch in solche um 

lonnenbi] i die Hausandacht; - Giovanni, der den Rahmen 

i ition schuf (jetzt längst nicht mehr vorhanden) ; Vasari IV, 

• !_' Le M. VIII, p. 90), im Comment. zu v. di Raffaello. 

In war nach 1470 ein gew. Moranzone namhaft; Sansovino, 

: »1. 57 . j 59. - Der schönste erhaltene Rahmen hier derjenige um 

der Sakristei der Frari, blau und gold, oben Sirenen 

mste in l'adua um das Bild Romaninos in der 

nun bei S. Giustina jetzl im städtischen Museum). 

Venezianische Porträts, an welchen auch der Rahmen berühmt war : eines 

k in <\''i Sammlung Vendramin (Anonimo di Morelli); — 

• in Tizian- Porträl Franz' I. (Aretinos Satire an Franz, 1539; 

I," mento singulare quel serio Sebastiano architettore). 



§ 156. Die Möbeln. ■;■;;, 

In den Rahmen kündigt sieh dann mit der Zeit das Nahen des Barock- 
stiles früh und empfindlich an. Der .Manierismus und Naturalismus der Maler 
dispensiert die Dekoration vollends von allem Masshalten. 

§ 156. 
Die 31 ö 1) e 1 n. 

In Betreff der hölzernen Geräte der Paläste und reichern Häuser 
sind Beschreibungen erhalten, welche ahnen lassen, wie jene mit dem 
ganzen übrigen Schmuck zu einem für unser Urteil überwiegend ernsten 
Eindruck zusammenstimmten. 

In Venedig, wo seihst der perfekte SchifFskapitän seine Kajüte intagliata, 
soffitata e dorata, d. h. mit Schnitzwerk, Vergoldung und reicher Decke ver- 
langte (Malipiero, arm. veneti, archiv. stör. VII, II. p. 714, ad. a. 1498: die 
Staatsharken: Gomines VII . 15 . war der Luxus wohl am gleichartigsten aus- 
gebildet und am meisten über die verschiedenen Klassen verbreitet. 

Schon Sabellico (§42) sagt um 1490: nulla ferme est recens domus quae 
non aurata habeat cubicula (fol. 90). 

Zur Zeit des Francesco Sansovino um löso Venezia fol. 142) war der Be- 
stand folgender: zahllose Gebäude hatten sowohl in den Zimmern als in den 
übrigen Räumen Holzdecken mit Vergoldung und mit gemalten Darstellungen: 
fast überall waren die Wände bezogen mit gewirkten Teppichen, mit Seiden- 
zeug, mit vergoldetem Leder, mit reicher Holzbekleidung ... In den Wohn- 
zimmern zierliche Bettstellen und Truhen mit Vergoldung und Bemalung, zu- 
mal mit vergoldeten Simsen . . . Die Büffets mit Geschirren ohne Zahl von 
Silber, Porzellan, Zinn und Erz mit eingelegter Arbeit ... In den Sälen der 
Grossen die Waffengestelle mit den Schilden und Fahnen derjenigen Vorfahren, 
welche zu Land oder Meer befehligt haben . . . Ähnliches gilt im Verhältnis 
von den mittlem und untern Klassen; . . . auch bei den Geringsten Truhen und 
Bettstellen von Nussbaumholz, grüne Bezüge, Bodenteppiche, Zinn- und Kupfer- 
geschirr, goldene Halskettchen, silberne Gabeln und Ringe. 

Anderswo kam dasselbe, nur mehr vereinzelt vor. Bandello Parte I, 
Nov. 3 die Schilderung eines Schlafzimmers: das Bette mit vier Baumw 
m.itratzen, die mit feinen, seide- und goldgestickten Leintüchern bedeckt sind: 
die Decke von Karmesinatlas, mit Goldfäden gestickt und mit Fransen um- 
geben, die aus Goldfäden und Karmesinseide gemischt sind; vier prächtig ge- 
arbeitete Kissen; ringsum Vorhänge aus Flur (tocca von Gold und Karmesin 
gestreift (hier die Lesart zweifelhaft : an den Wänden statt gewirkter Tep- 
piche lauter Karmesinsamml mit herrliehen Stickereien; in der Mitte des Zimmers 
ein Tisch mit alexandrinischem Seidenteppich; rings an den Wänden acht reich- 
geschnitzte Truhen und vier Stühle mit Karmesinsammt ; einige Gemälde von 
berühmter Hand etc. 

Parte III, Nov. 42 die Wohnung, welche ein reicher Herr der berühmten 
römischen Buhlerin Imperia herrichten liess: u. a. eine Sala, eine Camera und 
ein Gamerino mit lauter Sammet und Brokat und den feinsten Bodenteppichen; 
im Gamerino. wo sie nur die vornehmsten Leute empfing, waren die Wände 



11. Bach. EV. Kapitel. Arbeiten in Bolz. 

mit lauter Goldstofl (faconniertem oder gesticktem) bezogen; auf einer kunst- 
en Etagere (cornice mit Vergoldung und Ultramarin befanden sich herr- 
lich« aus Alabaster, Porphyr, Serpentin und vielen andern kostbaren 
- ffen. Ringsum standen viele reichgeschnitzte Truhen (coffani e forzieri), 
itlich von hohem Wert In der Mitte war ein kleiner Tisch, der schönste; 
den man sehen konnte, mit grünem Sammet bedeckt ; daran!' lag immer eine 
Laute oder Zither u. dgl. nebst Musikbüchern und einigen reichverzierten 
kleinen Bänden, welche lateinische und italienische Dichter enthielten. 
Part« IV, Nov. 25 noch eine zierliche Schilderung dieser Art. 
Gio. della Casa überliess während einer Abwesenheit 1544 dem Card, 
römische Wohnung u. a. con im bellissimo camerino ac- 
suoi panni molto ricchi e molto belli, e con un letto di velluto, e 
alquante statue antiche e altre belle pitture, darunter ein Porträt von Tizian. 
Die Echtheit aller Stoffe, die wahrscheinliche Symmetrie der Anordnung, 
meinen Bequemlichkeit mussten solchen Räumen (im Ver- 
h mit unserm Jahrhundert der Surrogate etc.) einen ernsten Charakter ver- 
leihen. 

Die Ledertapeten mit eingepressten Golddessins, hauptsächlich Blumen- 
arabesken, welche zu Venedig im XVI. Jahrhundert schon so sehr verbreitet 
galten noch 1462 als ein fremder, und zwar aus Andalusien gekommener 
ick; l'n II. Gomment. L. VIII, p. 384 (ungefähr). Auch ihre Wirkung ist 
überwiegend ernste. - Das Teppichwesen überhaupt sollte womöglich 
Wandt- und Fussboden dem Auge völlig entziehen. Ariost, Orl. für. XII, 10. 
In Florenz mag sich diesem gegenüber doch die Boiserie mit Malereien 
länger gehalten haben? — Vgl. § 154. 

§ 157. 

I > u s P räch t he 1 1 e und die Truhe. 

Am meisten monumental von allen Möbeln war das Prachtbette ge- 
staltet, welches oichl eine Kcke, sondern die Mitte einer Wand einnahm; 
Mi die Truhen, auf welche die Kunst bisweilen ihre besten Kräfte 
wend 

fwartung venezianischer Gesandten (§ 42) bei den Herzoginnen von 
Urbino in P< la camera era nuova, fatta a volta, la maggior parte di 

i profilata d' uro e arazzata dall' allo in basso, con una lettiera in mezzo, 
lo un padiglione, coperta di seta. 

Erhalten -ind wohl kaum irgendwo solche Bettstellen aus der besten Zeit. 

Schilderung (Milanesi 111, p. 245) ist erst aus der Zeit des 

iden Barockstils 1574): die Füsse mit Harpyien, Festons etc., die vier 

positaordnung , mit Laubwerk umwunden; die Friese teils mit 

Km . und Tieren, teils mit Laubwerk; das Kopfende mit vier Hermen 

und dem dazwischen, über welchen (offenbar noch unter dem Bett- 

himi Giebel mit meinem skulpierten Figuren angebracht war. 

Von den Truhen -ml ebenfalls nur noch wenige vorhanden, doch genug, 
um einen B< . u den schwungvollen, edeln und reichen Formen, 



§ 157. Das Prachtbette and die Truhe. 



33' 



die dabei erreicht wurden. Von denjenigen des Baccio d'Agnolo, mit Kinder- 
figuren in Reliet'. sagl schon nach etwa io Jahren Vasari V, p. 352 Le M. IX, 
p. 226). man könnte sie zu seiner Zeit nicht mehr so vollkommen zustande 
bringen. (Eine i schöne Truhe im Kunstgewerbemuseum zu Berlin, 

Fig. 281 : mehrere im South Kensington-Museum.) 

Neben der reinen Schnitzerei dauerte indes doch eine aus Schnitzwerk 
und reicher, selbsl miniaturartiger Malerei gemischte Gattung noch lange fort, 
im Zusammenhang: mit den Malereien im Wandgetäfel; vgl. § 154 und den 
dort zitierten Abschnitt bei Kinkel, 
Mosaik zur Kunstgeschichte. 

Gemälde an Bettstellen, ob an 
den vier Seiten oder im Betthimmel. 
ist oft nicht zu ermitteln: Vasari II, 
p. 213 s. Le M. III. p. 96, v. di Qc- 
cello), der selbst hier seine perspek- 
tivischen Ansichten anbrachte; — V, 
p. 286 (Le M. IX. p. 176), v. di Fra 
Giocondo: Carottos Herkules am 
Scheidewege, als Kopfende (testiera) 
eines l!«ttes gemalt: — ib. p. 342 s. 
(220), v. di Granacci, die Geschichten 
Josephs in Ägypten, sopra im lettuccio, 
in dem Prachtzimmer des Borgherini 
§ 154, woauch dieTrühenmalereienetc. 
von Pontormo, ib. VI, p. 261 (Le M. XI, 
p. 13), v. di Pontormo, dasselbe Thema 
behandelten. Es wird öfter vorgekom- 
men sein, dass nicht nur Bett und 
Truhen, sondern auch Teile des Ge- 
- und wenigstens die Thür Male- 
reien von derselben Hand erhielten: 
Anonimo di Mmvlli. ed. Frizzoni, 
p. 160 von Stefano, einem Schüler 
Tizians, im Hause des Andrea Odoni 
zu Venedig . 

Gemälde an Truhen: Hauptstelle 
Vasari II. p. I 18s. Le M. III. p. 17 
v. di Dello; der Inhal! war aus i >vids 

Metamorphosen, aus der römischen und griechischen Geschichte, oder es 
\\;iien Jagden, Turniere, Nfovellenscenen. „Die trefflichsten Maler schämten 
sich solcher Arbeiten nicht, wie heute viele thun würden.- - [b. II. p. ~)'<i'< 
{Le M. IV. p. 69), v. di Lazzaro Vasari; ib. III, p. 36 Le M. IV. p. 181), 
v. di Pesello. Turnierbilder; - ib. VI, p. i.~>:> (Le M. XI. p. 219), v. di Ari- 
stotile, die Arbeiten des Bacchiacci : Milanesi II. p. 355, Kontrakte von 

ll~r> n. f. Mit der Zeit mögen die Truhen am frühesten ganz plastisch ge- 
worden sein. 

Gemälde an Schränken, runden rlolzscheiben ? rotelle) u. a. Geräten, 

Burckhardt, Italien. Rei - 4. Aufl. '2'2 







Entwurf zu einer Harfe in den I I 
zu Florenz. (Herdtle.) 



- 



11. Buch. IV. Kapitel. Arbeiten in Ho z. 



utlich mythologischen Inhaltes, von Giorgione, Vasari 1\'. p. 104 (Le M. VII. 
im Comment. zu v. ili Giorgione. 
./lieli untergegangene Gattungen dürfen wir hier bloss nennen: Male- 
reien an Pferdegeschirr, mil Tierfiguren, oder mil einem brennenden Wald, aus 
hem Tiere bervorstürzten etc.; Vasari II. p 555 Le M. IV. p. 68), v. di 



bl>- iü ■ 







Mlllllll i i i i ii , i ii i i 



Decke aus I'al. Mas3imi zu E( 



- r/// - '■ '■ P- " i7 !•'• M. VI, p. 11), v. di Francia; IV. p. 498 (Le M. 

VI " P- ,:,i ■ v. di San Gimignano; VI, p. 316 (Le M. XI, p. 87), v. di Genga. 

in die bemalten Wagen bei dem jährlichen florentinischen Staatsfest, 

-- 1 (Le M. VIII, ,,. 264), v. d. A. de! Sarto; VI. p. 256 (Le M. 

'■' Pontormo. IM r Karnevalswagen nichl zu gedenken. In 

F " rr '" n bemaltei und vergoldeter Hofwagen (der Lucrezia Borgia) 



§ 158. I'ie geschnitzte Flach) 



:;:;«* 



und 1508 eine vergoldete Wiege erwähnt. Arch. stör, dell' arte, 1894, p. 301 
und 306. 

Gemälde an Musikinstrumenten: höchsl vorzüglich die Innenseite eines 
Klavierdeckels mit der Geschichte des Apoll und Marsyas, angeblich von Gor- 
reggio, eher von Bacchiacca, ehemals im Pal. Litta zu .Mailand. Laut Vasari VI, 
p. 27'i (Le M. XI, [). 56), v. di Pontormo, malte Bronzino für den Herzog von 
Urhino ein Klavier aus. — Lomazzo schlägt vor (Trattato, p. :U7 . an den In- 
strumenten die Bildnisse der grössten Virtuosen, je zu dreien, anzubringen. — 
Eine Prachtharfe in einer Zeichnung der Offizien (Fig. 282 . 




Fig. 284. Decke nach Serlio. 



§ 158. 
Die g e schnitzte F 1 a c li il e c k e. 

Die hölzernen Flachdecken (palchi) in Kirchen und Palasträumen 
haben im XV. Jahrhunderl meisl eine nur einfache Konfiguration, aber eine 
glänzende Bemalung und Vergoldung. Gegen L500 werden damit die edlem 
und feinern Formen des antiken Kassettenwerkes in Verbindung gesetzt ; im 
XVI. Jahrhunderl bleiben einige der herrlichsten Decken fasl oder ganz 
farblos und werden eine Hauptaufgabe der Dekoration in Holz; daneben 
aber beginnl sehen das Ausfüllen der Deckenfelder mit eigentlichen Ge- 
mälden. Die Wirkung ist überall auf farbige, in den Palästen auf teppich- 
bedeckte Wände berechnet. 



11. Buch. IV. Kapitel. Arbeiten in Holz. 

Palchi des XV. Jahrhunderts mehr in regelm issigen Kassetten: in s. Marco 
iss und blau, von Marco de' Dolci 1 liw 71 : dann im 
chio zu Florenz die Decken der Sala dell' Udienza und der Sala de' 
tere mit sechseckigen Kassetten, beide von Meistern aus der Familie 
sari 111. p. 342, Nota Le M. V. p. Mi. Nota), v. di Bened. da Majano; 
vgl. ;. .1'. l_'7 . : denjenigen des Michelozzo, Vasari II. p. i°>7 (Le 

M. 111. ; 275 scheint nichts mehr erhalten: ebenso hat die gewiss wichtige 
S aales daselbst, vom Jahr 1497, Vasari V, p. 351, Nota 1 
M. !\. p. 224, Nota . v. di Baccio d'Agnolo, später derjenigen des Vasari 
weichen müssen. Die hohen Rechnungen für die Decken in diesem 

: - ■ ggio I. p. 252 s. . In Venedig an einigen prächtigen 

- \V. Jahrhunderts im Dogenpalast und in der Akademie verschwinde! 
I sette, die Einfassung vor dem Inhalt ; Letzterer als Blume, 
Schild u. Igl. aus Holz oder Stucco, meist gold und blau; auch ein ganz ver- 
eti : mit Cherubim. - Die Decken in ^n reichern Privatwohnungen zu 
oiines VII, 15 wenigstens in zwei Zimmern in der Regel ver- 
let, vgl. § 156; Armenini (de' veri precetti della pittura, ]». r> s höhnt später 
feurige Rot, das man ausser der Vergoldung daran bemerke und 
- jenen „Magnifici", d. h. den Nobili von Venedig über die Massen gefalle. — 
Mailand ehemals in Pal. Vismara (§ 91) die Decken meist blau und Gold, 
mit den Wappen der Sforza und der Visconti. laue reich kassettierte Decke 
ind Farben im Palast von Urbino. 
Decken um 1500, edler architektonisiert und mit gewähltem Ornamenten : 
S. Maria maggiore zu Rom 1 i' 1 "- 98), weiss und Gold, von einem unbe- 
kannten Meister, mit dem Wappen Alexanders VI.: — in S. Bernardio zu Siena, 
mngen 1496 an Ventura di Ser Giuliano, vorherrschend hlau und Gold, die 
: ibim der einzeln tten hier nicht mehr geschnitzt, sondern aus einer 

Masse (carta pesta vielleicht gepresst; Milanesi 11. p. t56; - diejenigen des 
Ant. Barile im Hause Ghigi zu Siena. gewiss vorzüglich, schwerlich mehr er- 
halten? Vgl. Milanesi III. p. 30. - Ein Verding von 1526, ehenda, p. 85. — 
von reicher Schönheit : sämtliche Flachdecken in Pal. Massimi 
; , ; . .. - - Eine Menge von florentinischen Palchi, wahrscheinlich 

geschnitzt, waren das Werk des Andrea Feltrini; Vasari V, 
p. 208 Le M. IX. p. 112), v. di Morto da Feltre. 

Dann die farblosen Decken, wo Reichtum und Pracht der Schnitzarbeit 

klich die Farbe verschmähen. — Das Hauptbeispiel : die der Biblio- 

ziana in Florenz mach L529?) sehr schön und frei entworfen von 

Mich führt von Carola und Tasso; das Motiv wiederholt in dem 

von Tribolo lirten Ziegehnosaik des Fussbodens; Vasari VII, p. 203 

I.- M. XII. p. 214), v. di Michelangelo (vgl. § 160). - Sodann der grosse 

im Pal. Farnese zu Rom; - und dann zahlreiche Decken des 

Barockstiles, der nach solchen Mustern oft Treifliches leistete. 

zu Ende des IV. Buches: im Ganzen gehöre die Farbe 

die Einfarbigkeit der Flachdecke ; dem kostspieligen Schnitzwerk 

-.hl eine täuschende Malerei in Chiaroscuro substituiert; je niedriger 

kleiner die Deckeneinteilungen; für die Rosetten wird die 

a. Wichtiger ;ils dieses alles ist das wunder- 



§ 159. Die Flachdeck.' mit Malerei. 



341 



schöne Muster der Decke eines grossen Saales, welches er mitteilt, sowohl in 
Betreff der charakteristischen Profilierung und Ausschmückung der Balkenlag n 
verschiedenen Ranges als in Betreff' der zierlichen Füllungen; auch die folgen- 
den kleinem Muster gehören zu den hesten und zierlichsten (Fig. 2*t- u. 285 . 
Die Ausartung der geschnitzten Decke beginnt in der zweiten Hälfte des 
XVI. Jahrhunderts damit, dass die natürliche Balkenlage nicht mehr respektiert 
wird. Ein mittleres grösseres Feld mit runder oder ovaler Einfassung (für 
Wappen oder figürliche Dekoration) hatte man längst zugegehen; nun aber be- 
ginnen die Balken der ganzen Decke in widersinnigen geschwungenen oder 
auch zackigen Linien zu lauten, welche das Gefühl der Tragkraft aufheben. 




Fig. 285. Decke nach Serlio. 



Domenichino liess 1617 das Deckenmotiv des Hauptschiffes von S. Maris in 
Trastevere in verschiedenen Zacken lauten, weil Kardinal Aldobrandini, dei 
Stifter, Sterne in seinem Wappen führte Passeri, vite de' pittori, p. 22 . 



§ L59. 

Die Fla c li 'I e C k e m i I M a 1 e r ei. 

Schon frühe im XVI. Jahrhundert beginnt auch dir Ausfüllung der 
einzelnen Deckenfelder mit Gemälden, wobei die [Jntensichl der Gestalten 
bald mehr, bald weniger beobachtet wurde Bald meldet sich daneben eine 

litigierte Perspektive als Scheinerweiterung <\r< Raumes nach oben. 



11. Buch. IV. Kapitel. Arbeiten in Holz. 

Bemalung setz! natürlich grössere und freiere Einteilungen oder Fel- 
der voraus als die blosse Dekoration. Auch wird schon zur Vermeidung des 

- attenwurfes der Begriff des Balkens preisgegeben und eine freie, oft prächtig 
liierte und verzierte Einfassung vorgezogen. - Ehr Beginn hauptsächlich 

in V( aber merkwürdigerweise meist durch Nichtvenezianer ; — die (ehe- 

malig i l Saht de' Pregadi im Dogenpalasl mit zwölf Tugenden in 

Untensicht; Vasari V, p. 116, Nota 5 Le M. IX. p. 37 und Nota), \. di Porde- 
• : — Decken im Pal. des Patriarchen Grimani; Vasari VI, p. ;>:2;> s. (Le 
M. \l. p. 94), v. di Genga, und VII, p. l s Le M. XII, p. 58), v. di Salviati; — 
in einem Pal. Gornaro, ibid. VI, p. 358 s. (Le M. XI, p. 125), v. di Sanmicheli 
kenbilder Vasaris selbsl ; - in einem Refektorium und noch in einem 

les Dogenpi stes ibid. VII, p. t6 (Le M. XII, i>. 82), v. di Salviati (Bil- 
der von Giuseppe Po 

Erst mit Paolo Veronese Vasari VI. p. 369 s. (Le M. XI. p. 135 s.), v. di 

- rnicheli) und mit Tintoretto nehmen sich die Venezianer selbst eifriger des 

ttenmalens an; Tizian- Deckenbilder (jetzt) in der Sakristei der Salute sollen 
: lings laut Sansovino, Venezia, fol. *:> ..in der ersten Kraft seiner Jugend" 
,.t sein, gehören aber, wie mir scheint, zu den Arbeiten seiner mittlem 
- ,i,iii Zeit. Noch ein Soffitto von ihm, ib. fol. 100. - Dann seit den 
ihren die Soffitti der Haupträume des Dogenpalastes, besonders Sala 
del gran consiglio, von Tintoretto, l J aolo Veronese u. a.; grosse Malereien ver- 
schiedene] Formate, eingefassl von überaus reichen und vielartigen, für den 
inenden Barocco vorbildlich wichtigen Goldrahmen. In den Darstellungen 
• . Paolo keine absolute Untensicht, sondern Schrägsicht. 

Vasaris last« ude erzählende Deckenbilder im grossen Saal des Pal. Vecchio 
zu Florenz, auf Befehl Gosimo 1.. Vasari VII, p. 700 s. (Le M. 1, p. 46) in 
m Leben. Die Flachdecken aller Kirchen von Neapel mit Ge- 
mälden bedeckt. 

Von der gemalten Flachdecke in S. Maria dell' Orto zu Venedig, welche 
vielleicht die frühste mit fingierter, und zwar sehr täuschender Prachthalle war, 
nbar mit gedoppelten gewundenen Säulen, ist nur noch die überschweng- 
Beschreibung bei Sansovino, Venezia, fol. 59 und bei Vasari VI, p. 509 s. 
Le M. XI. p. 267), v. di Garofalo, vorhanden. Dieselben Meister, Cristoforo 
■ ii Brescia, malten noch Mehreres der Art. -- Natürlich boten ge- 
wölbte Decken diesem Kunstzweig einen ganz andern Spielraum dar. Vgl. 
ihallen, § 83. — Als Ersatz und späte Nachwirkung der Decke 
S Maria dell' ' »rto etwa die Decke von S. Pantaleone, ein Werk des Fumiani 
7 ind Glorie des Heiligen in einer grossen Prachthalle, auf 
ta.11 and aufgenagelt. 



§ 160. Her Fussbodeii in harten Steinen, Marmor und Backstein. 343 

V. Kapitel. 
Fussböden, Kalligraphie. 

§ 160. 
Der Fussböden in harten Steinen. Marmor and Backstein. 

Die monumentale Behandlung der Fussböden, hauptsächlich in Kirchen, 
eignet sich die Mittel des Altertums und des Mittelalters auf originelle und 
neue Weise an. 

In der Nähe der Päpste und in einzelnen besonders prächtigen Kapellen 
dauert dasjenige rein lineare Mosaik aus harten Steinen, besonder.- weissem 
Mariner. Porphyr und Serpentin fort, welches schon aus der urchristlichen Zeit 
auf die Cosmaten übergegangen war. Mosaik Martins V. (nach 141!» 1 im Mittel- 
schiff des Laterans, eine der ersten Arbeiten des vom Schisma befreiten Papst- 
tums; Vitae Papar., Murat. III, II. Gol. 858; -- Nikolaus V. seil 1447) wollte 
für seinen Neubau von St. Peter ganz dasselbe; ibid. Gol. 935. — Boden der 
sixtiniscben Kapelle, der vatikanischen Stanzen, der Grabkapelle des Kardinals 
von Portugal in S. Miniato bei Florenz, der Kapelle im Pal. Medici (Riccardi) 
ebenda. 

Alherti, de re aedificatoria L. VII. c. 1<> verlang! im pavimentum am 
ehesten „Linien und Figuren, welche sich auf .Musik und Geometrie beziehen". 
Kiirurierte, und zwar erzäblende Mosaiken, aus Marmor von verschiedenen 
Tönen, bat beinahe nur der Dom von Siena, dieser aber in grösster Masse und 
aus zwei Jabrlnmderten, 1369 und bis um 1550 (Fig. 286). Über dieses Unicum 
vgl. Milanesi I, p. 17H s.. II. p. 111 s., 265 s., :\11. 437 etc. Vasari I. p. 199 s. 
(Le M. 1. p. 17(i), Introduzione; V, p. i;i."> -. Le M. X, p. 186 ss. . v. di 
Beccafumi. 

Die ästbetische Frage, wie ein Marmorboden von einfacher Gonfiguration 
aus Platten von zwei oder drei Farben in Harmonie mit einem grossen Bau 

zu komponieren sei. wurde bes lers durch denjenigen des Domes von Florenz 

beantwori Vasari IV. p. iö^ ss. Le M. VIII, p. 128 ss. . Gomment. zu 

v. di Gronaca, welcher seil L499 hauptsächlich mit den Chorkapellen, und zwar 
hier mit einem reicher bewegten Motiv begann; — Y. p. 354 (Le M. IX. p. 227), 
v. di Baccio d'Agnolo, welcher dann die Hauptsache gethan zu haben scheint. 
Das Entscheidende war, dass man sieh fortan von .dien Teppichmotiven emanci- 
pierte, die noch in jenen römischen Mosaiken kenntlich sind; es handell sich 
jetzt nur noch um Linien, welche das Auge richtig leiten, und um Massen, 
welche den einzelnen Teilen de- Raumes richtig entsprechen. 

Dass das Bodendessin, wenn eine reicher verzierte Flachdecke vorhanden 
i-t . dmi Deckendessin resp. Gewölbedessin entsprechen müsse, wird seil der 
Laurenziana (§ 158) als etwas sich von selbst Verstehendes angenommen, z.B. 
bei Armenini, de* veri precetti etc., p. 159. Laut Vasari VI, p. !»l' Le M. X. 
p. 274 . v. di Tribolo, könnte aen, als oh die Idee letzterem angehörl 






11. Buch. V. Kapitel. Fnasbödeu, Kalligraphie. 



hatte, allein wenn Michelangelo die D itwarf, so sorgte er wahrscheinlich 

auch für den - len. 

Dei letztere besteht aus einer Zeichnung in weissem und rotem Backstein, 

welche damals und später in nichtkirchlichen Gebäuden häufig vorkam und eine 

ne Wirkung gestattet. Vasari 1. p. 200 (Le M. I. p. 177. Introduzione. 







l„ isierten thönernen Bodenplättchen hatte das Mittelalter schon 

. eistet. Die wenigen erhaltenen Beispiele aus der Renaissance, 

r bekannt sind, zu Bologna, in S. Giacomo maggiore (Capp. 

in s. Petronio (1487 (5. Cap. links); ausserdem (nach Moh- 

enne au XVe siecle) in S. Giovanni a Carbonara zu 

- Paolo zu Parma, S. Maria del Popolo zu Rom; ferner 



§ 161. Die [nscriptionen and die Schöllschreiber. 345 

(nach archiv. stör. delh arte II. p. 1 < iii ■ in S. Elisabetta zu Viterbo, im Vesco- 
vado zu Padua 1491 von Giov. Antonio und Franscesco d'Urbino) etc. (s. den 
Cicerone de> Verfassers, 8. Aufl. II, p. 209). 

Im XV. Jahrhundert ist das Dessin meist noch etwas reliefiert; so war 
es in der (nicht mehr vorhandenen) Sakristei von S. Elena zu Venedig 1 17'.». 
\\" dir Länglich sechseckigen, weiss und blauen Plättchen abwechselnd einen 
schwarzen Adler und einen Zettel mit dem Namen der Stifter, Giustiniani, ent- 
hielten; zu den prächtigen Intarsien der Wandschränke gewiss die zierlichste 
Ergänzung; Sansovino, Venezia t'ol. 7(j. — Ein Verding solcher Platten zu 
Siena 1488, Vasari III, p. 688, Nota 1 (Le M. VI. p. 141, Nota v. di - 
relli. - - Die jetzt ganz ausgetretenen in den vatikanischen Loggien, welche 
Rafael bei den Rohbia in Florenz bestellte, Vasari IV. p. .'!'>.'•> Le M. VIII, p. i_! . 
v. di Raffaellu, waren glatt. — Diejenigen im unzugänglichen obersten Stock- 
werk der Loggien, aus der Zeit Pius' IV.. sind nicht mehr erhalten. — Das 
I'aviment der Gapp. Lando in S. Sebastiano zu Venedig, 1510, das Familien- 
wappen von Blumen, Blättern, Watten und Tieren umgeben: vielleicht Arbeit aus 
Faenza; vgl. Archiv, stör, dell' arte II. p. 389, 

§ 161. 
Die Inscriptionen und die Schönschreiber. 

I >ie Eilschriften, als integrierender Teil von Kunstwerken, wurden in 
diesem Zeitalter den römischen Inscriptionen der besten Zeit nachgebildet. 
Da der Buchstabe für schön gilt an sich, so wird er bisweilen in riesigei 
Grösse angewandt, wie eine andere Kunstform. 

Die Inschrift an der Fassade von S. Maria novella in Florenz, von L. B. 
Alherti (vgl. S. 137), in Porphyr inkrustiert: Vasari 1. p. 110 (Le M. I. p. 98), 
Introduzione. 

Die riesige Inschrift aussen am vatikanischen Palast (< Istseite nach eigener 
Angabe Julius' IL, der den Bramante wegen seiner beabsichtigten Hieroglyphen 
oder Rebus auslachte: Vasari IV. p. 158 (Le M. VII, p. 133), v. di Bramante. 

Um die Mitte des XVI. Jahrhunderts lebte in Padua der Priester Fran- 
cesco Pociviano, genannt Mauro. welcher im Malen und Schreiben alle Kalli- 
graphen und im Meissein von Buchstaben alle Skulptoren übertraf, und Bembos 
Grabschrift im Santo meisseln durfte: auch für Inschriften in Fresken liess 
man ihn kommen; Scardeonius, in Graev. thesaur. IV. 111. d.i. t29, wo noch 
ein anderer dortiger Schönschreiber Fortebraccio erwähnt wird. 

Über den Zusammenhang mit der Kpigraphik als Literaturzweig s. Kultur 
der Renaissance. III. Aufl., S. 310. -- Ein ganzer Kreuzgang, der von s. Maria 
sopra Minerva in Rom, unter Paul II. „pulcherrimis epigrammatibus historiisque" 
geschmückt: Vitae Papar., ap. Murat. III. II. Gol. 1034. Inschriften in Schlaf- 
zimmern, Ang. Politiani carmina. 

Die sehr grosse Inschrift im obern Friese von Pal. Pandolfini in Florenz. - 
Häufig in Fensterfriesen seit Pal. di Venezia zu Rom Motti oder Namen in viel- 
facher Wiederholung. 

Bei Festdekorationen die bekannten hängenden Inschrifttafeln, welche das 
jetzige Italien nur noch als Theateraffichen anwendet; z. B. bei dem Pos 



11. Buch. VI. Kapitel. Die Fassadenmalerei. 

s inders VI. 1492: una travola al modo antico pendente, Gorio stör, di Milano, 
fol. 451 ss., wo auch koloss Le, \ n Schnörkeln reich umgebene Ghiffern in dem 
3 attentuch über der Strasse gerühmt werden. 

Ein heil gensatz zu der Strenge der grossen römischen Uncialen 

wird bisweilen darin gefunden, dass Kinderfiguren dieselben umspielen. 

Vielleicht am frühsten in einer Friesmalerei des Pordenone an einem 
Privathaus in Mantua, Vasari V, p. 113 Le M. IX., p. 34), v. di Pordenone und 
aenini, 1. c. p. _' ( " Dann an dem Friese des Ghorstuhlwerkes des Fra 

miano in S D lenico zu Bologna, § 152. 

Kalligraphie, in der italienischen Schrift des XV. Jahrhunderts 
auf höchste Einfachheit und Schönheit gerichtet, überlebte auch das Ein- 
dringen des Bücherdruckes trotz «1er vorherrschenden Eleganz desselben 
noch lai ... 

Da- Bedürfnis nach Miniaturen hielt sie am Leben. Der Kalligraph des 
Miniators Clovio, Monterchi, wird erwähn! Vasari VII, p. 560 (Le M. XIII, p. 132), 
v. di Clovio. Die Kalligraphen nennen sich in der Regel seihst. 

• i die vielleicht auf Linardo zurückgehenden Versuche zur Reform der 

i. a. bei Luca Pacioli, Divina proportione (ed. Winterberg) 

hervortreten, vgl. Dehio im Repertorium für Kunstwissenschaft IV, S. 269 ff. 



VI. Kapitel. 
Die Fassadenmalerei. 

§ 162. 

U r s p r u n g u n d An s d e h n u n g. 

:■ malten Dekoration ist ein Hauptzweig, die Fassadenmalerei, 

nur durch verhältnismässig wenige und für die Herstellung des Ganzen 

unzureichende Reste vertreten, nachdem sie einst die Physiognomie ganzer 

• sentlich hatte bestimmen helfen. 

Ihr Ursprung i-t in den Madonnen u. a. heiligen Darstellungen zu suchen, 

mit man im Süden von jeher die Mauern geschmückt haben wird. 

Perugia etc.; einzelnes aus dem XIV. Jahrhundert, wie 

/.. M mil Heiligen und hlumenbringenden Engeln, von Stefano 

/ Resl >\<-r Fassade schmückte man etwa mit einem 

Im XV. Jahrhundert ueben wachsender Fertigkeil im soliden Frescomalen 

ektivik regl sich die Lusl an den Zierformen des neuen Bau- 

-«•i ade dann gemalt im vollen Reichtum an 

■ n, wenn die Mittel uicht ausreichten für Rustika 

he Ausbildung der Bauformen überhaupt, 

Symmetrie und deren Proportionen nichl verfügen konnte. 



§ 163. Die Bes1 347 

Selbst der geringsten Mauer vermochte man jetzt einen hohen Wert zu geben. 
Dazu die Sinnesweise der Besteller, welche die bunte Fassade so wenig scheuten 
als die bunte Kleidung; beim Gedanken an die Vergänglichkeit verliess sich 
jene kräftige Kunstzeit ohne Zweifel darauf, dass die Nachkommen ebenso Treff- 
liches würden hinmalen lassen, und urteilte, dass man geniessen müsse, was 
der Genius der Zeit biete. 

Die Künstler aber, darunter einige der grössten, ergriffen ohne allen Rück- 
halt den Anlass, monumental, mit grosser Freiheit in der Wahl und Autfassung 
der Gegenstände, für den täglichen Anblick einer ganzen Bevölkerung malen 
zu dürfen. Was sie Treffliches schufen, war lauterer, stets gegenwärtiger Ruhm. 
Dieser Kunstzweig schwang sich empor zu einer ernsthaften Konkurrenz mit 
der reinen Architektur, nachdem er anfangs wohl nur als ökonomisches Sur- 
rogat derselben gegolten hatte. In Venedig wird es um 1550 zugestanden: 
molto piü dilettano [a] gli occhi altrui le facciate delle case et de' palagi di- 
pinte per mano di buon maestro che con la incrostatura di bianchi marmi, di 
porfidi et di serpentini fregiati d'oro (§ 42). Lodov. Dolce, Dialogo della pit- 
tura, p. 146, ed. fiorent. 

Von dem prachtvollen Anblick, welchen solche Fassaden, oft gassenwei-\ 
gewähren mussten, giebt jetzt keine Stadt mehr auch nur einen entfernten Be- 
griff. Von dem wenigen Erhaltenen ist das Wichtigste verzeichnet Cicerone II, 
I, S. 203 ff". 

Im XVI. Jahrhundert galten als besonders reich an farbigen Fassaden: 
Venedig, Genua, Pesaro und Mantua; Armenini, de' veri precetti etc.. p. 205. 

§ 163. 
Die Besteller. 

Es kamen Beispiele vor, da entweder auf Anregung von Fürsten oder 
auf freiwillige Abrede hin ganze Gebäudereihen oder Gassen einen fort- 
laufenden genialten Schmuck erhielten. 

Eine gleichartig fortlaufende, wenigstens dekorative Malerei ist voraus- 
zusetzen in Ferrara 1472 unter Ercole I., Diario ferrarese, bei Murat. XXIV, 
Gol. 213: im Dezember fing man an, die Hallen der Geldwechsler vo] 
Thurm Rigobello zu hauen und die Paläste der Signori und die Buden der Leder- 
händler de banche de li calgari? zu malen. Nachher. Gol. 247, heissl es: den 
Palast der Lederbuden mit Paladinen, d. h. wohl mit den Helden Karls d. Gr. 
Lodovico Moro liess in Mailand und Pavia die Vorbauten (?; 1 1 12 in den 
Gassen wegräumen und die Fassaden ! e) er malen, schmücken und ver- 

schönern: Gagnola, arch. stör. III, p. 188. 

In Brescia am Gurso del teatro Gontrada del Gambero sind muh fort- 
laufende mythologische Malereien des Lattanzio Gambara erhalten. 

Weit häufiger jedoch sind der Natur der Sache nach die von jedem 
Eigentümer nach eigenem Geschmack bestellten Fassadenmalereien. 

Scheu ihr Ausgang von dem Andachtsbilde, § 162, weist daraufhin; sie 
waren gewiss oft der Stolz <les Besitzers und das Kennzeichen seines Hauses, in 
einer Zeit, da man sich unterscheiden wollte und da- Auffallende noch nicht mied. 






11. Bach. VI. Kapitel. Die Fassadenmalerei. 















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de zu Florenz 



ffentlichen en hie und da sehr früh K;i-v-adenmalereien, 

geraeinsamen Idee oder Erinnerung: so war zu 

im XIV. Jahrhundert d<,-r Pal. del Comune (1324) von allen Seiten mit 



§ 163. I'ie Besteller. 



349 







■y.y - ai« gi a i g ggg jag ^g ^flg g«g g«^ äse gBB. «asc sag, aac aae 




Malereien, ohne Zweifel politischen [nhaltes, bedeckt; am frequentesten Orf der 
Stadt, den Portiken des Rialto, war ein Seesieg über König Pipin (Sohn Karls 
d. Gr..' und eine Weltkarte gemalt. Sansovino, Venezia, fol. 133, L34. - Ähn- 
liche Malereien an einigen damaligen Tyrannenbauten, ■/.. \>. am Palastthurm der 



11. Buch. VI. Kapitel. Die Fassadenmalerei. 

carraresischen Residenz in Padua, M. Savonarola, bei Murat. XXIV, Gol. 1171; 

o Palast des Braccio Baglione zu Perugia heisst es um 1500: e era tutta 

quella casa penta (dipinta dentro e de fora, de la cima insino a terra, saml 

beiden Thürmen. Selbst die grossen allegorischen Tendenzbilder, durch welche 

nzi bei seinem ersten Auftreten 1347 die Römer aufregte, möchten 

• die Mauer gemalt gewesen sein. 



§ I 
Darstellungsweisen d a den mal« 

Mauermalerei stellt meist eine mehr oder weniger reiche, deko- 
uingedeutete, fingierte Architektur dar, welche durch figürliche Zuthaten 
denkbaren Art belebt wird. Ohne Zweifel stand auch sie in Wechsel- 
wirkung mit der Festdekoration. 

Die schriftlichen Nachrichten, zumal bei Vasari, sind darin einseitig, dass 
nur das figürliche Element erwidmen und den grossen dekorativen Zu- 
imenhang kaum andeuten. 

Eine einzige Gattung blieb, wie es scheint, Hans Holbein d. J. vorbe- 
halten: die illusionäre Darstellung eines wirklichen Gebäudes in perspektivi- 
• LJntenansicht, an dessen Fenstern, Gängen etc. menschliche Gestalten in 
Zeittrachl auftreten. (Zeichnungen seiner untergegangenen Fassadenmale- 
d in der öffentlichen Sammlung zu Basel.) Pompeji enthält Ähnliches, nur 
ohne das Streben nach Illusion. 

Kih Bauptunterschied liegt in den Darstellungsmitteln, indem 

Vollfarbigkeit, teilweise Farbigkeit, Einfarbigkeil und Sgraffito teils sich 

5s hliessend, teils nebeneinander (bisweilen im allerschönsten Kontraste) 

.\aiidt werden, je nachdem man den Schein der Architektur und der 

dekorierenden Skulptur mehr oder weniger beibehalten will. Später kam 

■ noch reliefierter Stucco hinzu. 

Alle Vereinfachungen in der Farbe haben den Vorteil, dass das Altern 

od Verbleichen weniger schnell sichtbar und die Restauration leichter ist als 

Vollfarbigkeit. 

Das Sgraffito wird sogar ohne eigentliches Malen dadurch hervorgebracht, 

e Mauer erst schwarz, dann weiss überzogen wird und hierauf die Zeich- 

2 lurch teilweises Wegschaben entsteht i Fig. 287, 288 u. 289). Der Ilaupt- 

_■! darin, dass sich der Staub daran festsetzt. - Vgl. Vasari I, p. 192 

M. 1. p. 1'.:» . mtroduzione ; - V, p. 206 s. (Le M. IX. p. L10 s.), v. di 

da Feltre wo die Erfindung dem Andrea Feltrini zugeschrieben wird. 

iss viel älter i-t I. 

Die Vollfarbigkeil scheint von Anfang an für die Fassaden von Ober- 

sächlich Venedig gegolten zu haben; Verona besitzt bis heute 

■in andei len da9 vielleichl wichtigste Werk dieser Art: 

früher dem Mantegna zugeschrieben, goldfarbige Pilaster mit Ara- 

historisch Darstellungen mit blauem (bunde; Fries 

mit Festons und Putten • 



§ 164. Darstelluiigsweisen dei Fassadenmaler. 



351 



Daneben ein grosser Reichtum von Abstufungen und oft ganz herrlich 
wirkenden Kombinationen: Farbigkeit der Einzelfiguren und der historischen 
Scenen, oder letzterer allein: dazu das Dekorative in zweierlei Steinfarbe, so 
dass z. B. die tingierte Architektur rötlich, die fingierte Skulptur weiss darge- 
stellt ist; oder erstere weissgrau, letztere, zumal Statuen, Gefässe und Trophäen, 
gold- oder erzfarbig; höchst unbefangene Behandlung der Festons, bald mehr ideal 




Fig. 289. Sgraffitofassade an Via s. Lucia in R (Nach Letarouüly.) 



und steinfarbig, bald realistisch und naturfarbig in Laub und Früchten. Sehr 
gute farbige Fassaden an zwei kleinen Häusern auf Piazza delle Erbe zu Verona. 

Sodann Abwechselung vollfarbiger und steinfarbiger Partien ■ nach Stock- 
werken oder je nach der Bedeutung der betreffenden Mau 

Endlich die einfarbige Malerei, Ghiaroscuro, pitture di terretta, in I 
einer beliebigen Farbe: ausser mau kommen auch grün, rot, violett, gold- 



11. Buch. VI. Kapitel. Die Fassadenmalerei. 

sweilen nach Stockwerken und nach einzelnen Teilen derselben 
wechselnd. — Zuletzt das Sgraffito, s. obe 

Rafael und seine Schule, zumal die grossen Fassadendekoratoren Polidoro 
da l gio und Maturino verliehen der Farblosigkeil das Übergewicht und 

vollendeten denjenigen Stil der figürlichen Darstellung, welcher eine gemalte 
-tik darstellt, ohne sich doch knechtisch ^U-n strengern Voraussetzungen der 
letztern zu fügen Fig. 290). ■ Victorien, Abundaritien etc. an der Tiberseite 
der Farnesina. grau in grau, von rafaelischer Erfindung; - Fries mit der Ge- 
\ i einem llau-r in Rom, von Polidoro, grau in grau mit 

\ - en ( iötterbildes in der Mitte. 

§ l»;:.. 
Au ss a g e n il e r Schrif t stell e r. 

In den ' Inden hielt sieh die Fassadenmalerei die ganze gute 

hindurch sehr frei von aller sachlichen Knechtschaft, indem dieselben 

Kim:: _ ss< i dekorativen Eindruck in reicher Gliederung hervorzubringen, 

nicht philosophische oder poetische Gesammtgedanken zu verwirklichen hatten. 

Lei omml früh genug mit Anbruch der schlechten Zeit, wo sieh 

dann Vasari mächtig wundert über die Tendenzlosigkeit eines Giorgione, dem 

rlaubl hatte. lauter Schönheit und Lehen auf die Mauer zu malen, Dinge, 

niemand mehr zu erklaren wusste. Vasari glaubte es hesser zu verstehen 

und pfropfte in eine Fassade das ganze menschliche Leben (VI, p. 230 s. (Le 

M. XI. p. 16), v. di Gherardi, in einei Masse von Allegorien. 

wichtigern Stellen bei Vasari sind folgende: 

III. p. _'•_'! Le M. V, p. ."»l s. . v. di Don Bartolommeo; — ib. p. 221 (Le 
M. V. p. lii . v. di Verrocchio; -- p. 392, 395, W6, 107 (166, 168, 178, 179). 

M Qtegna; 111. p. 510 (V, p. 278», v. di Pinturicchio. 

IV. ., 95 ss. Le M. VII. p. 83 ss. . v. di Giorgione; - p. 120 (Le M. VIII, 
18 - . \. di Marcilla; -- IV. p. t90 VIII, p. 147), v. di San Gimignano; — 

IV. 2 61 I All!, p. 222 237), \. di Peruzzi. 

V. ,, ;i. 39 (VIII, p. 275, 295), v. di A. de! Sarto; p. 98 (IX, p. 22), 
li Alf. Lombardi; p. 111 117. IX, 33 3*). v. di Pordenone: - p. 135 s. 

IX. p. 51 s. . v. di Girol. da Treviso; p. 141 154 (IX, p. 56 65), v. di 

e Maturino; p. 179 s. (p. * s '. v. di Bagnacavallo ; - p. 206 (IX, 

. v. di Morto da F« Itre p. 292, 297, 308, 314, 315, 319, 320 (IX, p. 181, 

L93, 198, 199, 203, 204), v. di Fra Giocondo; - p. i-">3 (X, p. 5), \. di 

iv.; p. 596 ss. (X, p. 144 ss.), v. di Perino; - p. 634 s. 

X. p. 177 s.), v. di Beci afumi. 

VI. p. 18 X. p. 210), v. di Soggi, p. 230 237 XI, IT, -22), v. di 

p. 256 XI, p. 39), v. di Puntormo; p. 366 ss. (XI, p. 132 ss.), 

p. 384 -. XI. p. I'di), v. di Sodoma; -- p. 450 ss. (XI, 

di Aristotile; p. I£6, 17:.. 507, 513, 520 (XI, p. 228, 237, 265, 

falo; p. 542 'XI, p. 294), v. di Lid. Ghirlandajo. 

VII. •. '.:. (XII. p. 81 s.), v. di Salviati; - p. 7t; ss (XII, p. 106—117), 

Z VII, p. 117 (XIII, p. 11), v. di Primaticcio; 

t62 'XIII, p. _><> 1-2 u. 48 s. . \. Mi Tiziano. 



§ L65. Aussag» o der Schriftsteller. 



353 



Ausserdem zerstreute Notizen bei Gaye, carteggio I. p. 334 über die man- 
tuanischen Fassadenmaler Polidoro und Guerzo 1495 und II, p. 137 Giorgiones 
Fresken ; im Anonimo di Morelli (bei Anlass der Gasa Gornaro in Padua und 
des Pal. de! Podestä in Bergamo, sowie der dortigen Porta pinta; Lomazzo, 
trattato dell' arte. p. 227 s., 264, 271 (zusammenhä Stellen über lom- 

bardische Passadenmaler : p. i-l.'S über Dosso Dossi ; Milanesi III. p. 65 
(Sodomas mil einem Pferd bezahlte Fassade). 

Sansovino, Venezia, ergiebt ausser dem sonsl Bekannten wenig, z. Ii. 
fol. 143 eine Fassade de< Battista Moru: i'ol. 135 über den Fondaco de' 




Fig. 290. Bemalte Fassade an Via Giulia in Rom. (Nach Letarouilly.) 



Tedeschi. Die Fresken Tizians an diesem Fondaco beschreib! in Kürze auch 
Ridolfi (bei Ticozzi, vite de' pittori Vecelli, p. 22), und zwar ohne nur 
Deutung zu versuchen, die sich auch in der Thai unmöglich geben liess. 

Serlio, architettura, fol. Ü'-'. im IV. Buche, wichtige Stelle, hauptsächlich 
das Loh des Ghiaroscuro. 

Eine von Albrecht Dürer in Venedig gemalte Fassade wird unter den 
grossen Sehenswürdigkeiten Italiens aufgezählt. Leitete pittoriche III. 166, in 
einem Briefe des Duni an (larneserehi. 

Armenini. S. 202 ff., spricht schon dem Vasari nach. 



Bure k h a nl t . Italien. Renaissance, f. Aufl. 






11. Buch. VI. Kapitel Die Fassadenmalerei. 

Einer last ganz untergegangenen Kunstgattung dürfen wir hier nicht mit 
umständlich ergänzenden Hypothesen nachgehen, zumal da die Nachrichten, wie 
lerkt, die dekorativen Teile kaum erwähnen. Eine rasche Übersichl des In- 
halt genügen. 

5 166. 
^eitstände d e r F a s s a il e n m a I e r e i. 

Zunächst gehören viele einzelne Figuren dem Gebiete neutraler Schön- 
heit an und wirken wesentlich als symmetrisch füllend, sind auch wohl mit 
dem fingierten baulichen Gerüste wesentlich verbunden. 

Attitüden, nackte Gestalten jeder Art und Farbe, bisweilen als Trag- 

ren, ja als Hermen; — ferner Genien, besonders Kinder (Putten) in Menge; 

on Tritonen und Nereiden als Friese; auch Tritone und 

•.den zu z\\\d. -M. Medaillons haltend: einzeln und scheinbar oft in Nischen: 

Helden und Philosophen, ohne Namen und bestimmte Beziehung. 

Das Religiöse nimmt bald nur ein Bauptbild nach alter Art, bald die 
ganze Fassade in Anspruch. 

Hauptbilder: Crucifixus mit Heiligen, Madonna mit Heiligen; Paradies oder 
- idenfall; — alles mit Genrescenen derber Art verträglich, wie eine Fassade 
in Verona beweist. 

Gehört die ganze Fassade dem christlichen Bilderkreise an, so erscheinen 
noch andere biblische Geschichten ; als Füllfiguren Propheten, christliche Tugen- 
als Friese: die Völker, welche der Roma-Fides ihren Tribul bringen, 
Türkensiege, Thaten Simsons u. dgl. 

Allegorien kommen in der guten Zeit wenige und offenbar mehr um 
der Schönheit des Motives willen gewählte vor. 

- am Fondaco de' Tedeschi zu Venedig (seit 1504, mit den herrlichsten 

. des Giorgione, Tizian u. a. ringsum, wovon jetzt kaum mehr ein 

immer sichtbar die berühmte Figur Tizians, welche bald als Judith, bald 

galt; anderswo Venezia als Löwenreiterin. Dann die eben ge- 

••■ Roma mit den Attributen der Fides. 

Zeremonien und Autzüge finden sich hauptsächlich in Friesen; an 
Triumphzüge jeder Art waren Poesie und Malerei längst gewöhnt. 

rriumphe vgl. Kultur der Renaissance, S. i 1 ~> ff.; IV. Aufl. II, 

on KieiM-in. < irfangenen, Senatoren, Trägern, welche 

imal kostbare Gefässe, auch Tribute überwundener Völker bringen u.s. w.; 

tiki Spiele, Wi nen, dann als heiter« Parodie Triumphe von Kinder- 

ter Kinder; endlich Züge von Pilgern. 

Das Profan-Erzählende beginnt mit mythologischen Scenen bisweilen. 

ohne genau bestimmte Beziehung; dann folgt die Urgeschichte der betreffen- 

endlich römische und auch wohl idealisierte gleichzeitige Geschichte. 

des Herkules Sturz der Giganten, Geschichte der Niobe (Poli- 

Schmiede Vulkans (Rafael), Mars und Venus, 

i \ ei l ürzung : dei schwebende Merkur. 



§ 166. Gegenstände der Kassadeumalerei. ;;;,;, 

Urmythen von Rom (an Fassaden aus Polidoros Zeit . von Gortona etc.; - 
Geschichten Alexanders d. Gr., Gäsars etc.; als Verkürzungsprobe: der Sprung 
des M; < lurtius (auch bei I [olbein . 

Von Zeitereignissen: Karls V. Einnahme von Goletta. 
Das Genre ist teils durch antike, teils durch völlig naturalistische 
Scenen vertreten, welche sich harmlos auch zum Eeiligen gesellen. 

Antike Ringkämpfe und andere Spiele und besonders Darstellungen von ( Ipfern. 

Eine Bauernhochzeit, ein Tanz von Buckligen, eine Wasserfahrl u. dgl. m. 

Von Amico Aspertini (Vasari [Le M.] IX. p. 88, v. di Bagnacavallo) Possen 

und Fratzen an Häuserfassaden und selbst an kirchlichen Gebäuden: in somma 

non e chiesa ne strada in Bologna, che non abbia qualche imbratto di mano 

di costui (wovon jedoch nichts erhalten ist). 

Tiere und leblose Gegenstände werden bisweilen mit der grössten 
Meisterschaft an Fassaden dargestellt. Medaillonsköpfe in Steinfarbe kommen 
reihenweise vor. 

Friese mit Tierkämpfen; - Trophäen und Vasen als Beutestücke gedacht 
(sehr schön, laut Stichen, bei Polidoro); - Festons jeder Art, Masken u. s. \v. 
Medaillons mit den Kopien der zwölf ersten Kaiser; - mit Köpfen von 
Kardinälen etc. 

Die Fresken an Gartenmauern £ 128. 

g 167. 

Ausgang der F a s s a d e n in a 1 e r e i. 

Die Fassadenmalerei fiel schon geraume Zeit vor der Mitte des XVI 
Jahrhunderts einem schnellen und gewissenlosen Betrieb anheim, doch gibj 
die Verwertung der Motive der guten Zeit auch spätem Leistungen einen 
bedeutenden Wert, wo die Urbilder nicht mehr vorhanden sind. 

Armenini 1. c. p. 205: nach dem Tode Polidoros und Maturinos habe sich 
der Verfall zunächst im Wiederaufkommen der (in Oberitalien nie aufgegebenem 
Vollfarbigkeit geoffenbart. 

Aus der Zeit seit 1530 weil das Meiste dieser AM in Genua (älter i-t 
etwa eine vortreffliche kleine Passade auf Piazza delP Agnelloi: durchschnitt- 
lich von geringer Bedeutung, zumal im dekorativen Teil; in Florenz einiges 
Mute aus ganz später Zeit; in Verona, wo sich die Einfarbigkeil jetzt erst 
recht durchsetzt, manches Treffliche venezianischer Schule Lombard 

Landhäuser aus dieser Zeit, bisweilen völlig bemalt, /.. B. eine Villa zu Bis- 
succio, unweit Varese. 

Fassaden aus Malerei und Stucco gemischt sind fasl nur noch aus der 
Barockzeit vorhanden und eher an kleinen Kirchen als .im Häusern; von 

genuesischen Fassaden dieser Art: Palazzo Pessagno, Saüta S. Gaterina, schon 
in reichem Barocco. 

(Die bloss stucchierten Passaden vgl. § 96. 

Auch an den geringern Arbeiten dieser spätem Zeil wird man Wirkungs- 
mittel entdecken, welche darauf hindeuten, was für Kräfte der besten Epoche 
sich dieser Gattung einst mussten gewidmel haben. 






il. Buch. VI. Kapitel. Die Fassadenmalerei. 



ss idenmalerei, heute eine unverstandene Ruine und von den 
senden und Künstlern wenig beachtet, tnüsste im Aultrau einer Regierung 
in guten Aufnahmen gerettei werden. 

Näher verwandt mit der Fassadenmalerei, als man es denken sollte: die~ 

rative Einfassung mancher Miniaturen und namentlich die Verzierungen 

vieler Büchertitel in Holzschnitt. Letztere stellen gewiss häufig nichts Anderes 

dar. als was man in den Malereien um Fenster und Thüren herum zu sehen 

lud war. und /war in den Büchern von etwa li*» 1 1550 ganz besonders 

charakteris nach dem Jahrzehnt. 



§ 168. 
Skulptur und Malerei der Wappen. 



Die Wappen . von dem strengern Stil 
nordischer Heraldik völlig losgesprochen und 
als freie Prachtaufgabe behandelt, bilden 
einen nicht unwichtigen Bestandteil der Kas- 
sadenmalerej sowohl als der dekorativen 
Skulptur. 

Italien hatte am wahren heraldischen 
System so wenig Anteil als an dem ernst liehen 
Rittertum und vermischte unaufhörlich Em- 
bleme und eigentliche Wappen. Für diese (hier 
nicht weiter zu verfolgende) Kontusion eine be- 
lehrende Hauptstelle bei Decembrius, Vita Phil. 
Mariae Vicecomitis, Mural. XX, Gol. 996. 
Auch was Serlio Ende <{<■> tV. Buches vorbringt, 
zeigt, dass er keine Ahnung von der Sache 
hat. Knischeidend für die Kunst war, dass 
man sieh weder in der Form der Schilde, noch 
in den Helmzierden an irgend eine Tradition 
band und vollends in Hetrellder Wappenhalter 
durchaus nur dem Gesetz der Schönheit folgte. 
meisselte Wappenschilde schräg an den Ecken von Rustikapalästen 
XV. und XVI. Jahrhunderts Fit,'. 291); dann 1537 die kolossalen Wappen 
V. und des Herzogs Ale.ssa.ndro Medici an der Fortezza da basso zu Flo- 
äteres mit ■/.■■ kten lebensgrossen Viktorien, letzteres mit zwei 

Vasari IV, p. 544 Le M. VIII, p. \^'< . v. di Baccio e Raff, 
ein Wappen Clemens' VII., jetzl untergegangen; VI, p. 301 
Le M. XI, p. 77), v. di Mos» Veränderung eine- gemeisselten Papstwappens 

neuen Pontifikat, ibid. 303 Le M. XI, p. 79); kolossale Wappen 
- III. in Perugia, wobei /um erstenmal die Wirkung der kräftig vortreten- 
. und dei ten Schlüssel, in Verbindung mit Festons und Masken 

wird. ibid. 306 (Le M. XI, p. 32 Das Wappen über dem 

P in Rom, Vasari VII, p. 223 s. Le M. XII, p. 231), 

v. di Michelangelo. 




Fig. 2 ... hea Wappen am Pal 

.leria. 



§ L68. Skulptur and Malerei der Wappen. 357 

Weit häufiger waren die gemalten Wappen, deren schon früh sein- präch- 
tige mit allen irgend passlichen Zuthaten versehene vorgekommen sein müssen, 
wie z.B. das des Giangaleazzo Visconti, welches die Stadt Siena 1393 an Porta 
Camollia malen liess für 20 Goldgulden; Milanesi I. p. :$■>. Kine besonders 

reiche Wappengruppe war die bei Anlass des Empfanges der Lucrezia Borgia 
1502 am Palast zu Ferrara gemalte: „die Wappen des Papstes, des Königs 
von Frankreich und des erlauchten Hauses Este, mit Engeln, Hydren und andern 
schönen Zieraten-: Diario ferrar., Murat. XXIV, Gol. i'H. Von Baldass 

Peruzzi gab es an der Strasse der Banchi zu Rom ein Freskowappen Leos V 
mit drei Putten, che di tenerissima carne e vivi parevano. Vasari Le M. VIII, 
p. 225. — Beccal'iimis Fassade mit dem Wappen Julius' 11. im Borgo zu Rom, 
Vasari V, p. 634 (Le M. X. p. 177). - Rosso Fiorentino begann seine Lauf- 
bahn mit dergleichen: Vasari V. p. 156 (Le .M. IX. p. 68 s.), v. di Rosso. - 
Der grösste aber in diesem Fache muss Jacopo Puntormo, und zwar von früh 
an gewesen sein; Vasari VI. p. 247, 250, 258 s., 261 (Le M. XI. 1». 31 

41, 43), v. di Puntormo. Sein Ruhm stellte sich schon 1514 fest, als I X. 

nach Florenz kam und dessen ganzer Anhang lauter mediceische Wappen in 
pietre, in marmi. in tele ed in fresco machen liess; Puntormos Einfassung eines 
dieser Wappen an der Annunziata, bestehend aus Tugenden. Kinderfiguren etc., 
entlockte selbst dem Michelangelo einen Ausruf des Entzückens; an 

Wappen von ihm im Kastell, an Gasa Lanfredini, in Gasa Spina zu Florenz; 
alles wohl längst nicht mein- vorhanden, aber ohne Zweifel nachklingend in 
allen bessern Wappenmalereien des XVI. Jahrhunderts ; vielleicht schon in dem 
ebenfalls untergegangenen Wappen Pauls III. von Francesco Salviati an einem 
Palast in Rom, „mit einigen grossen und nackten Figuren, welche den grössten 
Beifall fanden". Vasari VII, p. 15 (Le M. XII. p. 5:11. v. di Salviati. 

In einem später umgebauten Teil des Vatikans scheint sieh ein von Genien 
begleitetes Wappen Julius' II. befunden zu haben, von Rafaels Hand oder unter 
seiner Leitung gemalt. Laut Dehios sehr einleuchtender Ansicht (Jahrbuch der 
königl. preuss. Kunstsammlungen I) wäre der bekannte Putto al fresco in der 
Accademia di S. Luca ein ausgesägter Res! dieser Malerei. Ein Schüler Ral 
vielleicht Giulio, hätte dann den als Rafael geltenden Jesaias in s. Agostino 
gemalt und für dessen Begleiter die beiden Putten des Wappens entlehnt: der 
eine davon wäre also die Wiederholung desjenigen von S. Luca, im! welchem 
er zusammenstimmt. 

Von den Wappen, welche die Regierungen in allen Ortschaften ihres Ge- 
bietes malen liessen (Milanesi II, p. 397, zum Jahr L482), und vollends von den 
fürstlichen Wappen und Devisen, mit welchen Gastwirte ihre Lokale s< hmückten 
(Lomazzo, p. .'ü!' mit komischer Entrüstung gegen solchen Missbrauch), ist 
hier nicht uötig zu reden. Auch von Wappen, welche ueugewählte Beamte 
in den betreffenden Gebäuden malen oder meisseln liessen Pal. de' Tribunali 
zu Pistoja. Pal. del Podestä zu Florenz) ist keine in künstlerischer Beziehung 
nennenswerte Reibe vorhanden. 



11. Bach. VII. Kapitel. Malerei und Stucchierung des [nnern. 

VII. Kapitel. 
Malerei und Stucchierung des Innern. 

§ 169. 
Priese and Wanddekorationen. 

Vod der dekorierenden Malerei des [nnern sind zunächst zu erwähnen 
iese flachgedeckter Säle und Zimmer, welche als Mittelglied zwischen 
der kassettierten und bemalten Decke und den mit Teppichen behangenen 
oder sonst \ erten Wänden meist vollfarbig ausgeführt wurden. 

aus dem XV. Jahrhundert und aus der besten Zeit des folgenden 

etwas Wichtiges von dieser Art »Thalien ist? - Der Fries konnte fortlaufend 

oder mit Unterbrechung durch wirkliche oder gemalte Tragfiguren gemalt sein ; 

Inhalt genreartig, mythologisch oder historisch; zur Zeit des Barockstiles 

S( .lachten u. a. Scenen aus der römischen Geschichte, seltener Land- 

i ten und Ansichten von Gebäuden, i Letzteres in der obersten Halle der 

vatikanischen Loggien.) 

Von namhaften Meistern werden angeführt: Gio. da Udine, Fries von Kin- 
Löwen, Wappen etc. über einer als Scheininkrustation gegebenen Wand- 
bemalung, nicht mehr vorhanden, Vasari VI, p. 544 ss. (Le M. XI, p. 305), v. 
di Udine; Pordenones Fries von Kindern mit einer Barke, im Pal. Doria (zu 
a? : Battista del Moro, Friese mit Schlachten in Pal. Ganossa zu Verona, 
Vasari V, p. 297 (Le M. IX. p. 185), v. di Fra Giocondo; - Perin del Yaga, 
Fries mit weiblichen Figuren bei Gianettino Doria zu Genua, ibid. V, p. 616 
Le M. X. p. 161), v. di Perino; - Dan. da Volterras Friese im Pal. Farnese 
zu Rom, ibid. VII, p. r><; (Le M. XII. p. 90), v. di Ricciarelli. -- Zu Schnell- 
produkten werden solche Friese dann mit Taddeo Zucchero, ibid. VII, p. 76, 
90 Le M. XII, p. 107, 112, 118), v. di T. Zucchero. 
Erst aus noch späterer Zeit (1587) die Theorie dieser Friese bei Arme- 
nini, de' veri precetti etc., p. 185: ihre Höhe solle zwischen ','.-, und '/'• des Ge- 
Architrav und Sims eingerechnet; der Inhalt pedantisch vor- 
hrieben etc. Die Wand unter ihm Friesen, eigentlich für Arazzen bestimmt, 
erhielt doch Genua ausgenommen, wo sie bis auf den marmorierten Sockel 
38 blieb) eine Art von Dekoration, jedoch z. B. in der Lombardei nur eine 
erflächlich gemalte Scheinan hitektur von Säulen, Inkrustationen und grünen 
Fest Ibid. p. 197 über die Friese in Gartensalons. 

emalte man die Wunde mit Scheinteppichen, a damaschi, wie 

ind wie Julius II. (Gaye II, p. 488) es anzuordnen 

drol ihm seine Maler in den vatikanischen Sälen nicht Genüge leisten 

ich in 30lche Scheinteppiche wurden bisweilen wieder Historien 

hineingemalt; Lomazzo, 1. c. p. 317. 

Sb ; z. B. der aus Waffen und Trophäen bestehende 

im P tzt nicht mehr .in Ort und Stelle, sondern besonders 



Friese and Wanddekorationen. 



359 



aufgestellt), blieben natürlich eine seltene Aus- 
nahme; Vasari 111. p. 7l\ Nota 1 (Le M. IV. 
p. 206 und Nota), v. di Franc, di Giorgio; - 
noch ein Beispiel: im Pal. del Te zu Mantua 
ein Fries aus Stucco mit römischen Soldaten- 
scenen nach der Trajanssäule, Armenini, p. 185. 

Die Malereien über den Kaminen § 146) 
haben öfter irgend eine ungezwungene Be- 
ziehung auf das Feuer, z. I!. die Werkstatt 
des Vulkan mit Venus, Vasari V, p. 586 iLe 
M. X, p. 107), v. di Giulio Romano, -- die 
Friedensgöttin. Wallen verbrennend, ibid. 
p. 598 X, L46), v. di Perino, — „cose ignee", 
wie Armenini. 1. c. p. 201, wünscht. - Auch 
bezuglose Ölgemälde, denen man einen Ehren- 
platz gönnte, kamen wohl über das Kamin zu 
stehen; Vasari VI, p. 467 (Le M. XI, p. 229), 
v. di Garofalo. - Kaminfresken in Frank- 
reich, ibid. VII. p. 34 (Le M. XII. p. 72), v. di 
Salviati. 

Neben jenen flüchtig gemalten Schein- 
architekturen, von welchen Lomazzu spricht, 
gab es doch schon seit Anfang lies XVI. Jahr- 
hunderts bessere, von Meistern, welche im 
Stande waren, eine gewisse Illusion in reichen 
Bauformen hervorzubringen Pmspektmalerei : 
vgl. § 32a . Was von Peruzzi in dieser Weise 
Gemaltes noch vorhanden ist, weiss ich nicht 
anzugeben. 

Ein oberer Saal der Farnesina soll noch 
an den Wänden, wenn auch modernisiert, 
seine gemalte Säulenperspektive enthalten, 
welche mit ihren Durchblicken den Raum 
grösser erscheinen lässt, wie Vasari Le M. VIII, 
p. 223) sagt. 

Im Speisesaal von Giovios Villa Faul 
Jov. Musei descriptio) war eine Scheinhalle 
sehr täuschend gemalt. Für die /eil um die 
Mitte des X\ [.Jahrhunderts Vasari VII, p. 108 
i Le M. XII, p. 134 i, v. di Zucchero. Wie 
schon Bramante sogar eine wirkliche Ver- 
tiefung zu Hilfe nahm, um einen HallenefTekl 
hervorzubringen, s. § s ^. 

Endlich wurden, wie sich von selbsl 
versteht, viele Wände der grossen idealen 
Freskomalerei gewidmet, wovon hier nicht zu 
handeln wäre, wenn sich nicht hie und da 




■ 

zu M 



Monastero 



maggiore 



11. Bach. VII. Kapitel. Malerei und Stucchierung des Innern. 

eine umständliche Vernutzung der Gestalten und Historien in dekorativem Sinne 

gestellt hätte. Das Erzählende in Massstab und Ton geschieden, als 

_ - S :elbild, als grösseres Wandbild, als metallfarbiges Medaillon; 

gebliche Tugenden und andere Idealfiguren lehnend zu zweien über den 

:< Ibildern, sitzend über den Thüroberschwellen u. s. w., alles in grösserem 

tmetrischen Zusammenklang Hauptsaal der Engelsburg, von Perin de] Vaga). 

§170 
Dekorative Bemalung von Bauteilen. 

malte Pilaster, Bogenfüllungen und Friese, welche als Einfassungen 
von Fresken des XV. Jahrhunderts häufig vorkommen, erhalten eine Aus- 
füllung mit Zierformen, welche wesentlich von der in der Marmordekoration 
aimenden abgeleitel ist. 
Z den bedeutenden Verlusten der Kunst und ihrer Tradition könnten die 
dekorativen Malereien aller Art gehören, welche in den vielen römischen Kirchen 
- I letzten Viertel des XV. Jahrhunderts ohne Zweifel vorhanden waren und 
t den Umbauten und Zierweisen des Barocco weichen mussten, nachdem sie 
:h vielleicht auf Nähe und leine stark gewirkt hatten. Vgl. bei Albertini, fol. 83 
- gi — e Verzeichnis der in den Zeilen von Sixtus bis Julius von Päpsten, 
Titularkardinälen und fremden Nationen erbauten oder hergestellten Kirchen. 
Eine Aufzählung solcher einrahmenden Malereien zumal der peruginischen 
le -. i icerone, S. 277 ff.; V. Aufl. !!. S. l s ^. Von den Florentinern soll 
li Cosimo und besonders Filippino Lippi das grösste Verdienst dabei 
ibt habe] Vasari III. p. 189 Le M. V, p. 32), v. di Cosimo Rosselli; ibid. 
p. it;i s., i~:J V, p. 242, 250 . v. di Filippino Lippi. - Bei den Paduanern, 
schon in ihren Bildern selbst so viele reichornamentierte Architektur 
stellen, mag Squarcione mit -einer Sammlung £ Sn den Hauptanstoss ge- 
ii baben, doch malte um 1453 «'in Donatello bewunderte Dekorationen im 
fshof zu Treviso (Memorie Irevigiane I. p. 97 und 111), und dies könnte 
wohl der berühmte Florentinei äen sein; über dessen damaligen Aufent- 

halt im östlichen Oberitalien, Vasari II. p. Hl, Nota (Le M. III, p. 257, Nota), 
v. di Do 

- ion die Steinfarbe, hie und da mit etwa.- Gold, bringt eine nahe Ver- 
haft zur gemeisselten Dekoration mit sieb. Sein- schön in den Ein- 
jen von Mantegnas Fresken Eremitani, Padua) der Kontrasl des Stein- 
farbigen mit den l stons, an welchen Putten klettern. 

Wichtiger isl die Dekoration der wirklichen Pilaster, Friese etc. 
zumal in den oberitalienischen Kirchen, wo die Konstruktion aus Back- 
stein nur Mörtel keinen bessern Ersatz für den mangelnden Adel des Stoffes 
zu finden wusste als eine oft sehr reich figurierte, vollfarbige Bemalung. 

! ;■ dehung band man sich dabei nur oberfläch- 
lich '.i : die tausendfach vorkommenden Fulten oft 
kindlieh mutwillig: ein Nereidenzug als Fries in der Gupolette der von Falco- 
emalten Kapelle in S. Nazario e Gelso zu Verona. Gute, bloss 
I dunklen, Grunde an den Pfeilern dieser Kirche, so- 



§171. Gewölbemalerei der Fröhrenaissance. ;;r P ] 

wie in der Incoronata zu Lodi (Battagio; vgl. § 8 vorherrschend orna- 

mentale vielleicht von Alessandro Araldi (st. 1528 am altern Teil der Pilaster 
von S. Giovanni zu Parma; Ähnliches in S. Sisto zu Piacenza; und 

reich die Pfeilerbemalung in Monastero maggiore zu Mailand Fig. 292), d 
hintere Hälfte ein fast völlig rein erhaltenes Beispiel lombardischer Dekmatiun 
ist. - Endlich gehören hieher die aus je drei farbigen Pilasterflächen bestehen- 
den Wandpfeiler der Libreria im Dom von Siena. 

Unter den vorherrschend figurierten Dekorationen, meist spielende Putten, 
zum Teil aus Gorreggios Schule, sind zu nennen: der Fries in S. Giovanni zu 
Parma und derjenige (mit lauter Genien) in S. Benedetto zu Ferrara. Schon 
später und schwülstiger: die Sachen in der Steccata zu Parma, in S. Fra 
zu Ferrara (von Girolamo da Carpi) u. a. m. 

Ein Unikum sind die ausgedehnten Malereien, welche Luca Signorelli an 
den Wänden unterhalb seiner berühmten Weltgerichtsfresken im Dom von Or- 
vieto anbrachte; grau in grau gemalt, ahmen sie Steinskulpturen nach, wie sie 
s. gerne in seinen Bildern darstellte, und zwar reiche Arabesken sowohl als 
Figürliches, letzteres mit einer Menge von Beziehungen auf die Hauptbilder; 
in der Mitte der Felder vollfarbig und teils rund, teils quadratisch eingefasst, 
die Halbfiguren der Dichter des Jenseits. 

§ 171. 
( i i' w i'i 1 b e in a l er ei der V r ii h r e n a i s s a n c e. 

hie Gewülbemalerei. während des ganzen Mittelalters in d<n ita- 
lienischen Kirchen heimisch, hatte hie und da etwas von demjenigen deko- 
rativen Charakter, den sie einst hei (hm Römern gezeigt hatte. 

Es ist hiemit hauptsächlich die Dekoration von Cimabue in der Ober- 
kirche S. Francesco zu Assisi gemeint (drittes Kreuzgewölbe des Langhauses, 
vom Portal an gezählt): Medaillons mit Brustbildern, Festons, aus Vasen 1 1 . ■ r - 
vorsnriessend , welche von Genien auf dem Haupt getragen werden, u. s. w. 
Eine deutliche Nachwirkung altchristlicher Gewölbemalereien. 

Sonst aber herrschen, zumal in der Schule Giottos, an den Gewölben 
heilige Gestalten un<l selbst Historien (Incoronata zu Neapel auf blauem Grunde 
vor. und auch die Renaissance -in- häufig darauf ein. hie Halbkuppeln der 
Chornischen erhielten grosse Freskudarstelluniren der himmlischen Herrlichkeit, 
mit der Himmelfahrt Christi oder Krönung Maria Filippo Lippi, Borgognone, 
Melozzo : auch behauptete die Gewölbemalerei im eigentüchen Sinne, wovon 
unten, einen sehr hohen R 

Eine reichere Blüthe dekorativer Gewölbemalerei ergab sich dann im 
XV. Jahrhundert, zugleich mit der zunehmenden Befreiung vom Kreuz- 
gewölbe (welches kein Mittelbild duldet) und von den Rippen and Gurten 
(£ ist. Dieselbe Fähigkeit, gegebene Flächen in denkbar schönster Weise 
auszufüllen, welche sieh im Marmor (§ 131, 134) und in der Holzdekoration 
f§ 151) ff.) offenbart, äussert sich hier im Gewände der Farbe mit schranken- 
loser Fülle und Freiheit, in weltlichen Gebäuden wie in Kirchen. Die 
Urheber sind zugleich grosse Historienmaler. 



II. Buch. VII. Kapitel. Malerei und Stucchierung des Innern. 

Zu den frühsten, vielleicht noch halbgothischen Arbeiten mochten die 

•neu Tiere auf blauem Grund an den gewölbten Decken im Kastell von 

gehören, welche die Ergänzung zu den berühmten Wandfresken bildeten 

ihno Morelli . Der blaue Grund schon in den schönsten dekorativen Mosaiken 

- V. Jahrhunderts. 

Das - - • gemalte gothische Masswerk, gold auf blau, § i2:>. 

näcl sl musste dann die Renaissance schon vorhandene gothische Ge- 

wölbe dekorieren; herrliche Malereien in der Ghormuschel von Mantegnas 

Kapelle in den Eremit ani zu Padua, grüne Festons mit weissen Bändern auf 

blauem Grund, dazwischen Figuren und Medaillons; ferner die des Girol. 

:ola an den oblongen Kreuzgewölben im Hauptschiff des Domes von Parma, 

farbi Ileus mit Brustbildern. Putten. Kestons de. : die Hippen zweifarbig 

gerahmt. Endlich enthäll eines der allein Zimmer des Appartamento Borgia 

im Vatikan, mit Fresken, angeblich von Pinturicchio , an den Kappen seiner 

nocl thi-ehen Kreuzgewölbe prächtige Arabesken mit farbigen Figuren 

und goldenen Architekturmotiven auf dunkelblauem Grunde, /um Teil bereits 

Stucco reliefiert (wahrscheinlich vor 1 i ' »."> : vielleicht mit Beihilfe des Torri- 

ri IV. p. 260 [Le M. VII, p. 206], v. di Torrigiano). 

Im Einklang mit den freiem Gewölbeformen der l'rührenaissance und nach 

völliger BeseitiLrun- der Hippen sind dann namentlich eine Anzahl prächtiger 

Dekorationen in Überitalien komponiert: diejenigen im Querschiff der Certosa 

Pavia und der Vorhalle des Hofes daselbst, letztere höchst zierlich und 

.mell in der Anordnung, vielleicht von Bernardino Luini. 

Im Hause des Condottiere Golleoni in der Oberstadt von Bergamo ein 
Zimmer mit der erhaltenen Volta a specchio, wo sowohl das Mittelfeld als die 
Lünetten und die Kappen mit lauter Bundbildern (Halbfiguren von Heiligen, 
Porträts, Wappen etc. geschmückt sind, in guter Anordnung, von Meistern der 
mailändischen Schule um 1 170. Die Rundbilder der Kappen werden von stein- 
rbigen Kinderfiguren getragen. 

Die Kapelle Falconettos (§ 170) zu Verona; das Dekorative vorherrschend 
• Figuren vollfarbig; offenbar mit eifrigem Streben, sich den an- 
tiken Zierformen mein- zu nähern. 

Von seinem Mitarbeiter Franc. Morone das freier und leichter komponierte 

- kristei bei S. Maria in Organo zu Verona. 
Am Gewölbe eines Gemaches neben dem Pavillon < '«orreggios im Kloster 
zu Parma ausgezeichnet schöne, massig figurierte Arabesken auf 
dunkelblauem Grunde, von Ale--. Araldi. 

h da- prächtige Gewölbemosaik in der Sakristei von S. Maren zu 
Venedig, freischwebendes Rankenwerk mit Medaillons, mag hier wenigstens er- 
lern , 
Endlich ist lii<-i dei venigen erhaltenen kleinen Gewölbe mit elegantem 

der Werkstatt der Robbia zu gedenken: über 
Allars im Schiff von S. Miniato bei Florenz; in der Vor- 
haie p. de" Pazzi bei S. Groce ebenda, in der Vorhalle des Domes von 
Das Hauptwerk, nämlich das Gewölbe in dem Prachtstübchen 
d. Ä. mit reicher figürlicher Zuthat, ist untergegangen; Vasari H, 
p. 171 Le M. III. p. 65 . v. di Robbia. 



§ 172. (iewiillemalerei der peruginischen Schale. 



363 



§ 172. 
Gewölbemalerei der peruginischen Schule. 

Die peruginische Schule fasste l>t-i ihren zahlreichen Gewölbemalereien 
ihre Aufgabe ziemlich unfrei so auf, als hätte der dekorative Teil vor allem 
ein Steingerüst zu ver- 
gegenwärtigen. 

Nachdem man die 
wirklichen Rippen los ge- 
worden, führt sie ein ge- 
maltes Rippenwerk wieder 
ein und macht gar keinen 
(iehrauch von der schon 
bei Mantegna vorkommen- 
den Umdeutung dir Kan- 
ten in Fruchtschnüre. 

Ausfüllung der ein- 
zelnen Abteilungen durch 
farbige Gestalten oder 
Rundbilder und teils far- 
bige, teils steint'arbene 
Nebenbilder, Nachahmun- 
gen von Reliefs u. dgl. 

(Ein älterer perugi- 
nischer Maler, Benedetto 
Bonfigli, malte laut Ma- 
riotti , lettere pittoriche 
perugine, p. 225, Nota, 
in Rom für Innocenz VIII. 
„schöne und zierliche Grot- 
tesken". Kr stand indes 
ausserhalb der Schule 
Pietros, mit welcher wir 
es hier zu thun haben.) 

Zum Besten gehören 
die von Pietros Schülern - > ■- 
malten Gewölbe im < lambio 
zu Perugia; und das von 
ihm selbst herrührende in 
der Stanza dell' Incendio 
(Vatikan . welches Rafael 
als Werk -eines hehrer- 
schonte, obwohl es sich 
nehen dem grossen und 
freien Stil seiner eigenen 
Kompositionen sehr ängst- 
lich ausnimmt. p- lg si \ 




11. Buch. VII. Kapitel. Malerei und Stucchierung « 1 < - - Innern. 

In der Camera della Segnatura hat Rafael zwar die Einteilung und mehrere 
kleinere einzelne Darstellungen, von Sodoma, beibehalten, die 1 tauptfelder des Ge- 
gernalt. Da diese vatikanischen Räume, und zwar ziemlich sorg- 
- ind ungenau, mit Kreuzgewölben gedeckt sind, so können die genannten De- 
itionen nicht eigentlich als massgebend für die Renaissance gelten, Fig. 293.) 
Pinturicchio § 17h ist in der Anordnung seines Chorgewölbes in S. Maria 
dei Popolo zu Rom ganz besonders herb und steinern, obwohl das Detail schöne 
rtien und das Ganze mit Maria Krönung und den Kirchenvätern, Evange- 
listen und Sibyllen eine ernste Wirkung hat. 

Die von ihm ausgemalte Kapelle in Araceli und die Sakristei von S. Cecilia 

nd im Gewölbeschmuck wenigstens beachtenswert. 
Ein guter Entwurf in Federzeichnung, dem Pinturicchio zugeschrieben, 
!'. il l; aix, les styles, p. 104, für ein quadratisches Gewölbe mit zwölf 
schneidenden Kappen. 

Ein irtschritt in der Kenntnis der Farbenwirkung, in der Frei- 

heit der Einteilung und in der Fülle und Auswahl der Zierformen zeigt dann 
Gev volta a specchio, ^ ."> in der Libreria des Domes zu Siena. 

Der sehr liberale, nur auf möglichste Schönheit dringende Abschnitt des mit 
im 1"' nen Kontrakts (§ 174) hei Vasari III, p. 519 (Le M. V, 

Comment. zu v. di Pinturicchio und bei Milanesi III. !>. Schon verrät 
ii der Abwechselung dei Farbenflächen ein Einfluss antiker Malereien in 
der Art der Titusthermen. (P.s Malereien in der Engelsburg sind untergegangen.) 
Eher auf dei herbern Tradition der peruanischen Schule beruhen die 
oalereien Garofalos in zwei Räumen des erzbischöflichen Seminars zu 
Ferrara 1519); doch gemildert durch eine gewisse Anmut des Details und ge- 
rtigt durch die Strenge des bloss zweifarbigen Vortrages in den dekora- 
tiven Teilen. - - Ernst und vortrefflich: die ganze Gewölbedekoration in S. Bene- 
detto zu Fei rara §170). 

In der Farnesina zu Rom bewunderte man am Gewölbe der Halle der 
ii frühe die völlig täuschende Wirkung des gemalten Steingerüstes ; 
sari IV, p. 593 (Le M. VIII, p. 223), v. di Peruzzi. 

■ h Michelangelo wühlte für seine hochernsten Gewölbemalereien in der 

len Kapelle ein strenges Steingerüste zur Einlassung, allein er belebte 

durch und durch mit den herrlichsten Füllfiguren jedes Grades und 

Vortrages und verschiedener Farbe, abgesehen von den Hauptgestalten und 

Historien. 

§ 17:'». 

Di< ersten Stuccatnre n. 

Neben der Malerei und bald auch in Verbindung mit ihr hatte sich 

an d*-ii Gewölben schon um die Mitte des XV. Jahrhunderts eine plastische 

Dekoration aus Gips oder Stucco eingefunden, Anfangs wohl zur Darstellung 

setten, später zu stärkerer Betonung der Formen jeder Art. 

I.. B. Alberti, der sich der Berechnung und Ausbildung der Stucco- 

.. Art von Gewölben ausdrücklich rühmt i 1- . meldet de re 

■ .im L. VI, e. 9: id äigilla (d. h. wohl verzierte Quadrate und 



§ 173. Die ersten Stuccaturen. 



365 



einzelne Fi_mu.mii von (ups in Formen gegossen und durch einen Firnis un- 
guentumi dem Anschein des Marmors genähert, seien in zwei Arien üblich: in 
Relief prominens) und in Vertiefung castigatum ei retunsum), erstere mehr 
für Wände passend, Letztere mehr für Gewölbe, da hängende reüefierte Teile 
leicht ahlielen. (Um I i.>u 

In farblosem Stucco sind in der Thal Donatellos Reliefs und Ornamente 
am Gewölbe der Sagrestia vecchia bei S. Lorenzo in Florenz gearbeitet. Es 
ist die erste vollständige Emancipation vom Gewölbeschmuck des Mittelalters, 
wahrscheinlich be- 
reits beruhend auf 
Studien nach (da- 
mals hesser als 
jetzt erhaltenen' 
römischen Gewöl- 
ben. Über diese 
undandereStucco- 
sachen Vasari II, 
p. 396, i'7. .15 
Le M. 111. 244, 
253, 260 . \. di 
Donatello. 

Sodann hell- 
ten es mehrere .Ma- 
ler des XV. Jahr- 
hunderts, in ihren 
Fresken und so- 
gar in Tafelbildern 
(Carlo Crivelh" ge- 
wisse Partien, na- 
mentlich Waffen, 
Attribute und Ar- 
chitekturen erha- 
ben aus Stucco 
aufzusetzen, wie 

z. B. in den Fresken der Legende der hl. Katharina im Appartamento Borgia 
(vielleicht von Pinturicchio) , wo die Prachtbauten, Triumphbogen etc. erhöhl 
und vergoldet hervortreten; Ahnliehe- in den Gewölbedekorationen ein 
Säle. § 171. ist dann schon eigentliches vergoldetes Stuccoornament. Man 
wünschte ausser der Farbe noch ein stärker wirkendes Element, wenigstens 
für einzelne Teile der Dekoration. 

Ausserdem war man im XV. Jahrhunderi des Gipses und anderer giess- 
baren und modellierten Stolle gewöhnt von der Festdekoration her, wo der- 
gleichen für den Augenblick massenweise verbrauch! wurde. 

Doch bleibt die Gewölbeverzierung (abgesehen von eigentlichen Malereien 
noch das ganze Jahrhunderi hindurch wesentlich eine möglichst wohlgefällige 
Ausfüllung der einzelnen Gewölbeteile mit bloss gemaltem Rankenwerk, Rund- 
bildchen, Putten. Guirlanden u. s. w. 




Fig. 294. Loggien im Vatikan zu Rom. 



11. Buch. VII. Kapitel. Malerei und Stucchierung des [nnern. 

§ 171. 
E i d w i r k ii n g d er antiken Gro tt eske n. 

Kiiu' allgemeine Veränderung ging in der ganzen Dekoration der 
Mauern und besonders der Gewölbe vor sich seit der Kntdeekuug (oder 
nähern Prüfung) der sogenannten Grotten, d. h. verzierter Bäume von 
Thermen und Palästen des Altertums. Die Verhältnisse von Stucco und 
Farbe, sowie die Formen, Einteilungen und Gegenstände, welche man hier 
vorfand, machten den stärksten Eindruck auf die beginnende Bochrenais- 
sance und winden teils mehr unmittelbar nachgeahmt, teils mit dem bis- 
herigen System verschmolzen. Die Nachwirkung dehnte sich auch auf alle 
übrigen Gattungen der Dekoration aus. 

Der Name Grottesken, durch spätem Verfall der Gattung zu einer schiefen 
leutung herabgekommen, bezeichnete damals die von den antiken Grotten 
leitete Dekoration. Der frühste offizielle Gebrauch in dem § 172 erwähnten 
Kontrakt mit Pinturicchio 1502: er sei verpflichtet, das Gewölbe der Libreria 
schmücken mit solchen Phantasien, Farben und Einteilungen, die er für 
- Zierlichste, Schönste und Wirksamste (vistosa) halte, in guten, feinen und 
laftenden Farben, nach derjenigen Art (forgia, lies foggia?) und Zeichnung, 
wekli'- man jetzt grottesche heisst, mit abwechselndem Schmuck der einzelnen 
con li campi variati so schön und zierlich als möglich. 
Der Anfang des Studiums der „Grotten" soll geschehen sein durch einen 
Morto da Feltre, von wiehern nur Vasari V, p. 201 ss. (Le M. IX, p. 106 s.), 
v. di Morto etwas weiss. Derselbe kam jung nach Rom zu der Zeit, als Pin- 
turicchio im Appart. Bor^ia und in der Hngelshur^ für Alexander VI. malte, 
also 1493 98. Er zeichnete nicht bloss, was er in Rom ,. Unterirdisches" er- 
reichen konnte (ohne Zweifel besonders die Titusthermen) , sondern auch was 
in der Villa Adriana bei Tivoli und in Pozzuoli, Bajä und Fmgegend noch vor- 
handen war. Hierauf soll er nach einem kurzen Aufenthalt in Rom sich nach 
Florenz und später nach Venedig begehen haben. Von seinen dekorativen Ar- 
beiten in beiden Städten ist nichts mehr erhalten, und ebensowenig von den- 
j.-ii seines florentinischen Schülers Andrea Feltrini, eines sehr vielseitigen 
Dekoratora auch für Fassaden, Zimmerdecken, Prachtfahnen, Laubwerk für 
kostbar gewirkte Stoffe u. s. w. Vgl. über ^\an Beginn der Grottesken auch 
im Jahrbuch der preuss. Kunstsamml. III. 
/. machst musste ein dauerhafterer Stucco wieder erfunden werden, der 
nicht mehr stückweise abfiel (§ 173). Das Rezept Vasaris I. p. 139 (Le M. I, 
].. 124), [ntroduz., c. i Hauptstelle Vasari VI, p. 552 (Le M. XI, p. 302 s.), 

:, Udine; statl >l<-- Marmorstaubes auch pulverisierte Kiesel, VI, p. 219 
M. XI. i». •; . v. di Gherardi. .letzt erst konnten auch grosse reich kasset- 
Ibe mit Leichtigkeit hervorgebracht weiden. 
Hauptbedeutung des Stucco war aber. <\.i^^ er erst das Gewölbe zu 
er freien Prachtform (§ •",:. erheben half, dass er den Einteilungen Kraft 
und Leichtigb und in der Darstellung von Formen jeder Art mit der 

elte und wetteiferte, dann wieder mit ihr gesetzlich teilte, auch 



§ 17.">. Rafael and Giovanni da Udine. ;;r,7 

leicht in eigentliche Skulptur überging und alle denkbaren Ziermotive auf jeder 
Stufe des Idealen oder Wirklichen farbig, weiss oder golden herzauberte. 

Rechnet man hinzu, dass gleichzeitig die dekorative Malerei bald in, bald 
ausser Verbindung mit dem Sture, ihr Höchstes leistete, und das- diese ganze 
Dekoration bald mehr für sich, bald mehr für die wichtigsten Fresken existiert, 
welchen sie zur Einfassung dient, dass die grössten Meister sich ihrer annahmen, 
und dass jede Schule, jede Stadt das Problem anders auffasste, so ergiebl sich 
ein enormer Reichtum an Motiven, der das aus dem Altertum Erhaltene un- 
endlich überbietet. Letzterm verdankt man aber den entscheidenden Ans 
ohne welchen diese grosse Bewegung doch nicht zu denken ist. 

§ IT:.. 
Rafael und Giovanni da Udine. 

Es war entscheidend für den neu aufblühenden Kunstzweig, dass Rafael 
sich in hohem Grade an demselben beteiligte, ihn durch eigene Werke auf 
die volle Höhe hob und seine wichtigsten Schüler dafür gewann. 

Das erste bedeutende Werk, welches den Einfluss der ..Grotten- zeigt, 
Pinturicchios Gewölbe der Libreria im Dom zu Siena (§ 172), muss bereits dem 
Rafael bekannt gewesen sein, wenn er (nach Vasaris Meinung! dem Pintu- 
ricchio Kompositionen zu den dortigen Fresken lieferte oder auch nur. was 
wahrscheinlicher, sich an der Ausführung der letztern beteiligte. 

In Rom. noch nicht unter Julius II.. wohl aber unter Leo X. beginnt, 
offenbar im Zusammenhang mit seinen Altertumsstudien (§27), seine grosse de- 
korative Thätigkeit. hauptsächlich mit Hilfe des Giovanni da Udine, welcher aus 
Giorgiones Schule zu ihm gekommen war und auch in Ilat'aels Gemälden hie 
und da für die Nebensachen gebraucht wurde. Vasari VI, p. 549 ss. Le M. XI. 
p. 300 ss.), v. di Udine. Ausser den Titusthermen dienten auch die damals 
noch erhaltenen Reste in den Diokletiansthermen und im Kolosseum als Muster. 
Facsimile von Udines Studien nach letztern in dem Sammelwerke von Hasan. 

Loggien des Gortile di S. Damaso im Vatikan: im untern Gang die 
wölbe von Udine. wahrscheinlich bloss nach allgemeiner Anweisung Ilat'aels 
ausgemalt mit scheinbaren Kassettierungen oder mit Rebenlauben, welche mit 
anderem Laubwerk durchzogen und von allerlei Tieren belebt sind: unabhängig 
von antiken Mustern, ein Werk der besondern Meisterschaft des Udine in 
solchen Gegenständen. 

Der weltberühmte mittlere Gang Fig. 294 . l i Arkaden mit quadratischen 
Gewölben a specchio, von Rafael erbaut und ohne Zweite! für die betrefft 
Ausschmückung so entworfen; letztere soll er i Vasari IV. p. :;•>_! Le M. VIII, 
p. il], v. di Raffaello) vollständig selber vorgezeichnet haben; die Ausführung 
von Udine und dessen Gehilfen, zum Teil auch von Perin de! Vaga Vasari V, 
p. 593 [Le M. X. p. 142], v. di Perino ; die biblischen Kompositionen, vier in 
jedem Gewölbe, sind von andern Schülern ausgeführt. Die Dekoration, mit 
grösstei Freiheil zwischen Stucco und Malerei wechselnd, folgl den antiken 
Mustern nur in einzelnen Motiven der Gewölbe, in den Laibungen der Bogen 
und in denjenigen Teilen der Pfeiler, welche aus eingerahmten Einzelbildern 



3 



11. Buch. Yll. Kapitel. Malerei und Stucchierung des Innern. 






MMMMMMMMIWMHMi 



bestehen; weil das Meiste is1 volle Er- 
findung Rafaels, namentlich die auf- 
steigenden, aus Figuren, allerlei Zierrat 
und Laubwerk jedesmal neu gemischten 
Füllungen der Hauptpilaster. Schönste 
und klarste Gliederung und Abstufung 
des Schmuckes; unermesslicher Reich- 
tum an künstlerischen Ideen jeder Art. 
Die Fenster, welche aus dem Gang in 
das fnnei e des Palastes schauen, liehen 
sieli ab von einem himmelblauen Grunde 
und sind umhängt mit vollfarbigen 
Fruchtschnüren, welche zu den besten 
Sachen des I dine gehören. Die zahl- 
losen einzelnen Bildchen, gemalte und 
stucchierte (zum Teil wie Kameen), so- 
wie aller figürliche Schmuck überhaupt 
(absichtlich ohne Bezu<j- auf die bibli- 
schen Darstellungen, hie und da direkt 
aus dem Altertum entlehnt (Fig. 295). 

I Schon um 1550 wurden die Loggien 

B^vl vollständig für einen Handelsgenossen 

der Fuggei in Antwerpen und noch ein- 
mal für Spanien kopiert, wobei man 
selbst den glasierten Fussboden (§ 160) 
als etwas t'fir die Wirkung Wesentliches 
nicht vergass. Armenini, p. 180. 

Mit <\^n genannten Hauptpilastem 
nahe verwandt: die drei erhaltenen 
Seitenrandbilder an Rafaels Tapeten, 
herrlich im Raum gedacht; das Yorzüg- 
lichste mit den drei Parzen. 

Von den bloss mit Dekoration ge- 
schmückten Tapeten, welche Ucline ent- 
warf, ist nichts erhalten. 

Von Qdine allein sollen die Stucca- 
turen und Malereien in der untern Halle 
der Villa Madama bei Rom herrühren; 
schon als Bauwerk durch die Abwechse- 
lung der Gewölbeformen für den viel- 
seitigsten Reichtum der Dekoration und 
durch ihre Nischen für die Aufnahme 
von Statuen bestimmt, gewährt die Halle 
uoch in ihrem jetzigen Ruin eine un- 
3 inzung zu den Loggien. Vasari V, p. 526 fLe M. X, p. 90), 
v. di Giulio. 

Hauptwerk, da gemalte Gewölbe des grossen vordem Saales 




Vatikans in Rom. 



§ 17.'). Kafael und Giovanni da [Jdine. 



369 



des Appartamento Borgia im Vatikan, mii den Bildchen der Planetengottheiten 
und dem Mittelbilde von vier schwebenden Viktorien um ein päpstliches Wappen 
vielleicht als Ganzes am meisten antik: die Formen und Farben und ihre Ver- 
,rllim - "" Verhältnis zu den Proportionen des grossen und dabei nichl sehr 
hohen Saale s vollkommen. (Von Udine und Perin del Vega, ersi nach Ral 
Tod.-; auf Wandfresken berechnet. 







Fig. 296. Halle in der Farnesina zu Rom. 

'" der Farnesina sind u. a. von Udine die schönen Fruchtschnüre, womit 
die abgerundeten Kanten der Gewölbe in der vordem Halle mit Rafaels 
schichten der Psyche) bemalt sind Fig. 296). 

Vieles von dem, was Vasari sonst anführt, ist untergegangen; in Venedig 
lst noch '»' Pal. Grimani eine prachtvoll,. Decke von Vögeln belebte dichte 
Laube) und in Udine eine Decke im Pal. Arcivescovile erhalten. - die 

dekorativen Glasmalereien in einem Gange des dritten Hofes in der i ertosa 
bei Florenz dem Udine angehören, ist kaum wahrscheinlich, doch sind von ihm 

Bure kli a rdt, Italien R< l. Aufl. ■_>) 



11. Buch. \ 11. Kapitel. Malerei and Stucchierung des Innern. 

vielleicht die Fenster der Biblioteca Laurenziana: jedesmal ein mediceisches 
Wappen, umgeben von Arabesken und Zierfiguren von glücklicher Anordnung; 

die Farben nur sparsam angewandt, um das Lieht nicht zu verringern, 

§ 176. 
Giulio Kenia no und Perin del Vaga. 

Von Rafaels SchülerD war Giulio Romano am meisten in die Alter- 
tumsstudien (§27 und auch in die Kenntnis dieser reichen antiken Deko- 
ration eingeweiht, und winde dafür wahrend seiner spätem Laufbahn zu 
Mantua besonders bei der Ausschmückung des Palazzo de! Te in Anspruch 
genommen. Perin de! Vaga, im 1 Dienste des Andrea I >oria zu Genua, schmückte 
seit 1529 in dessen Palasl die Decken und Gewölbe mit ausgesuchten Motiven 
der verschiedensten Art. 

ans Fertigkeil im Stucco überhaupt und seine Vorliebe dafür zeigte 
sich auch an seinem eigenen Hause zu Mantua, innen und aussen; Vasari Y, 
[ \Q (Le M. \. p. 109 . \. di Giulio. Noch in Rom von ihm einige Ge- 

wölbe in Villa Laute. 

Der Palazzo del Te vor Mantua, von Giulio Romano (§54, 11!)), das voll- 
;te erhaltene Ganze von vielen dekorierten Ihiumen verschiedener Grösse, 
Hohe, baulicher Gestalt und Bestimmung, die Dekoration vorherrschend als Be- 
ing von Bildercyklen ; diese in den verschiedensten Formen und Anord- 
nungen vorgetragen, sogar ausser dem Fresko auch in Öl. Farbe und Zier- 
motive gestimmt je nach Massstab und Bestimmung des Raumes; Abwechse- 
lung von Gemaltem und weissem oder farbigem Stucco. Ausser dem Palast 
Anbau des Casino della grotta mit zierlichen, kleinen Räumen um ein 
rtchen herum. Nicht Alles glücklich gedacht, Manches jedoch vom Besten. 
In der Stadt Mantua: Palazzo ducale oder Pal. di Corte, die alte Herzogs- 
resi he Auswahl dekorierter Säle und Zimmer aus verschiedenen Zeiten, 

aerino der Isabella Gonzaga bis /um XVII. Jahrhundert, und einigen 
i. Von Giulio Romano hier die schöne, geistvoll angeordnete 
i de' marnii ehemals mit den antiken Statuen des Hauses Gonzaga), die 
Giovi in. 

Perinos Arbeiten im Pal. Doria zu Genua: die untere Halle mit eigen- 
tümlich eingeteiltem und geschmücktem Softitto (Historien) und ringsum laufen- 
I iwölbezwickeln, an welchen sitzende Gottheiten sehr glücklich angebracht 
die Galeria mit den Wandfresken der Helden des Ihmses Doria und 
mit G der allerhöchsten Pracht, welches alle möglichen flachen 

■ ibenen, einfarbigen und vielfarbigen Darstellungsweisen auf relativ 
kleinem Räume in sich vereinigt; - ein Saal mildem Deckenbild des Giganten- 
Rahmen oder ringsumlaufender Gewölbeansatz ebenso schön 
btvoll ist (hiezu Fig. 297, aus Gauthier, Gdifices de G&nes, leider nur 
,.t : mehrere Zimmer mit Mittelbildern an der Decke 

und jeder Art rten und dekorativen Schmuckes an den Zwickeln, innern 

Kappen und Lünetten dei Gewölbeansichten ringsum. (Einige Zimmer, 

meisl ert, 3ind von etwas neuerem Stil.) Vgl. Vasari V, p. 613 ss. 



§ 176. Giulio Romano and Perin de! Vaga. 



371 



WFS^m^tW '. . ESI 

UvA-M ."" _ E3EE '*' ;■■' ^.!;.'-VJ,- 




Fig. 297. Aus Pal. Doria zu Genua. (Nach Oauthier.) 



i Le M. X, p. 159 ss.), v. di Perino. — Seine sonstigen äusserst zahlreichen 
Arbeiten diese- im' 1 verwandter Zweige, etwa mit Ausnahme derjenigen 1 ) in der 



l ) Ein vorzüglich ausgemalter und dekorierter >aal der Engelsburg, jetzt wahrschein- 
lich zugänglich, [st dein Verfasser nur aus Photographien bekannt. Es isl der zu Ende 
§ 169 beiläufig erwähnte. 



II. Buch. vu. Kapitel. Malerei und Stucchierung des Innern. 

- irg (ibid. p. 628 p. 17:2 . sind meist untergegangen, und ebenso die 
Kapellen in römischen Kirchen, welche er zuerst mit „Grottesken-' in diesem 
neuem Sinne geschmückt zu haben schein! (ibid. 621, 626 (p. 1ö7>. 170). Doch 
manche- erhalten sein, was seinen Namen nicht trägt, da er in seinen 
spätem römischen Zeiten Entwürfe für alle möglichen Dekoialionssachen lieferte 
und die Bestellungen zu geringen Preisen an sich riss. 

Eine nahe, obwohl nicht genau zu ermittelnde Verwandtschaft mit der 

rafaelischen Schule verrät auch die ungemein schöne gewölbte Decke im hintern 

Gartenhaus des Pal. Giustiniani, ehemals Haus des Luigi Gornaro (§ 119), zu 

Die stelle über dieses Haus beim Anonimo di Morelli, wo von Rafael 

die Rede ist, bezieht sieh jedoch nicht auf diesen Nebenhau. - Kabriczy (Zeit- 

ift für bild. Kunst NNII1. s. 108 ff.) vermutet in dem Erbauer Falconetto, 

[524 in Rom war. auch den Schöpfer der Dekorationen. 

§ 177. 

Der weisse v I u c c o. 

N« Ih'Ii dem farbigen Stucco bildet sich eine besondere Übung des 
ssen, höchstens mit Gold massig geschmückten aus, für Räume und Ge- 
welchen man einen ernsten feierlich plastischen Charakter geben 
wollte, sowie auch für solche, welche der Witterung ausgesetzt waren. 

Unvergleichlich schön und von den „Grotten" ganz unabhängig die weisse 
und goldene (iewölbeverzierung der Antoniuskapelle im Santo zu Padua, aus- 
t ii t von Tizian .Minin. entworfen von Jacopo Sansovino: Vasari V, p. 325, 
N T ota 1 Le M. IN. p. 20s und Notai, v. di Fra Giocondo. — Falconettos 
egersohn, Bartol. Ridolfi von Verona, galt in der Folge als der treff- 
lichst-- Stuccodekoratoi dieser Gegenden. Die Stelle aus Lomazzo über andere 
oberital. Dekoratoren § 137. 

Das mächtige kassettierte Tonnengewölbe der Sala regia des Vatikans 

(§ 101 mit Wappen und Genien beinahe in Freiskulptur; ein für diese Stelle 

und für 'Ii'- sich schon ueigende Kunstzeit sehr schön gedachtes Werk des 

ind des Daniele da Volterra (dessen sonstige dekorative Arbeiten, Vasari 

VII, p. 50 58 Le M. Nil. p. 85 92], wohl alle zu Grunde gegangen sind). — 

enbar in naher Verwandtschaft hiemit: die letzte Kapelle im linken Quer- 

ifl von s. Maria de! popolo. 

Für die Villa des Kardinal Trivulzio (Gasale Salone an der Via Tiburtina 
v..r R Station Lm -i-lmf Kahonello zusammen mit Daniele da Vol- 

rra 1521 und 1524 reichen Grotteskenschmuck. 

■ inzelne sehi sc) • Motive in farblosem stucco, von Baldassare 

r Verfasser keine nähere Auskunft zu geben. (Titelblatt von 

I »ecorationa eti . 

Vorzüglich - ibwohl nicht mein' ganz rein im Stil, die weissen 

m der hintern untern Halle und am Troppenhause des Konserva- 

Kapitol. Sie entstanden vermutlich noch unter Aufsicht 

i. Peter das Hauptmotiv der vergoldeten Ge- 

wölbekassettierung m *eben haben, obwohl er sonst das Detail der Zier- 



§177. I >er weisse stucco. 



373 




U! 

n 












































. 








1 



Fig _.'- \ ia der Kapelle der Cancelleria. Nohl l 

formen nichl liebte (§ 137 und seine Gewölbemalerei in der sixtinischen Kapelle 
davon frei hielt. 

Ein vorzügliches Ensemble die Kapelle der Gancelleria zu Rom; an den 
Wänden unten geringe Malereien in schön geghederten Rahmen; dann über 



11. Buch. VII. Kapitel. Malerei und Stucchierung des Innern. 

einem reichen Konsolengesuns grosse Halbkreisbilder in zierlichen Rahmen; 
endlich die elegante, reichgeteilte Gewölbedecke mit weissen Stuccofiguren auf 
Goldgrund, dazwischen vier kleine Bilder, Wappen und Embleme, mit spar- 
samer Anwendung weniger Farbentöne (Fig. 298 und 299). 



§ L78. 
irr. 1 Dekorationsmalerei u nd Sl u c c a t u r. 

Als eine Aufgabe des feinsten Taktes and einer eigentümlich glück- 
lichen Phantasie musste diese Dekorationsweise merklich leiden, sobald sie 

bloss Gegenstand des Luxus 
Hl und Sache von Kunstlern 
winde, welche nicht mehr das 
zum Ort und zur Gestalt des 
Baues Passende zu erfinden 
vermochten, schnell arbeiteten 
und dem Geschmack pomp- 
süchtiger Besteller dienten. 
Im Dogenpalast zu Vene- 
dig die Scala d'oro, hauptsäch- 
lich von Battista Franco unter 
Leitung des Jac. Sansovino 
1538, peinlich prächtig und 
ganz ohne den freien Schwung 
der rafaelischen Sachen, mit 
augenscheinlichem Missver- 
hältnis des Gemalten zu der 
derben Stuccatur; — von Franco 
auch eine Kapelle in S. Fran- 
cesco della Vigna, mit klein- 
lich artig ausgemalten Kasset- 
ten, „alla romana", wie Franc. 
Sansovino (Venezia, fol. 14) 
meint. Vgl. Vasari VT, p. 579, 
584, 585 s. (LeM. XI, p. 324, 
328, 330), v. di Batt. Franco. 
Im öffentlichen Palast zu 
Siena. Sala de) Goncistoro, das 
reich mit Dekorationen und 
römischen Historien bemalte Gewölbe von Beccafumi 1535, welcher vorher in 
jt Perino gearbeitet hatte; sehr umständlich bei Vasari \ p. 640 (Le 
M. X. p. 182 B .mi. -- Über Pastorinos 1552 vollendete Dekoration 

in d I titi, auch Casino de' Nobili) muss ich auf 

... LeM. VIII, p. 111), Kommentar zu v. di Marcillä verweisen. 
eich ist bei Vasari VI, p. 213 ss. (Le M. XI, zu Anfang), 
Gherardi; die Dekoration in Stucco und Farben er- 




• • a.LLLi LLi.LCLUl(.LU.f, 

. V V -v k <. 



CanceUeria Details. Noh] i 



§ 179. Verfall der i rattung. 375 

scheint hier bereits tun 1540 im Dienste des schnellen Extemporierens, in ver- 
hängnisvoller Komplizitäl mit der Festdekoration (die das Auge an Vergröberung 
aller Effekte und an Blendung gewöhnen musste) und in allzu naher Verwandt- 
schaft mit massenhafter Fassadenmalerei. Erhalten von Gherardi: u. a. ein 
Gewölbe und eine Flachdecke im Palazzo Vitelli (a Porta S. Egidio) zu Gittä 
di Gastello; an der letztem sind die Kassetten ganz Dekoration, während die 
erzählenden mythologischen Bilder wundei licherweise an die Balkenlage ver- 
teilt sind. — Später der fruchtbare und oberflächliche Federigo Zuccaro 1543 
bis 1609), welcher u.a. alle wichtigen Räume der Gaprarola und einen gro 
vordem Saal der Vigna di Papa Giulio III. etc. etc. mit erzählenden und alle- 
gorischen Malereien, mit Dekoration, auch mi1 Stuccatur versah; hie und da 
vorzüglich wirksam, wo er überlieferte Motive schöner Einteilung und Behand- 
lung wiedergiebt. 

Über das Gewölbe einer Kapelle in der Kirche zu Loreto, von Franc. Men- 
zocchi muss auf Vasari VI, p. :'»L'i Le M. XI. p. 94 . v. di Genga verwiesen 
werden, — und über die Arbeiten des Forbicini auf VI, p. 368 -. (Le M. XI, 
p. 134), v. di Sanmicheli; — über Vasaris Hauptstuccator, den brichst resoluten 
(terribile) Marco da Faenza auf VII, [>. L22 (Le M. XIII, p. 15 s. . v. di Prima- 
ticcio; — über die Arbeiten des Pellegrino Tibaldi ebenda, p. 117 s. 1 p. 11 s.); 
es sind Gewölbestuccaturen und Altareinfassungen seines frühern Stiles, nach 
1550; deutlich verraten die von ihm herrührenden Teile der Domt'assade von 
Mailand seihst im Marmor den kühnen Stuccator. Von Tibaldi die gewölbte 
Decke der Loggia de' mercanti zu Ancona völlig ausgemalt, in vorzüglicher 
Anordnung; das Beste die auf Simsen sitzenden Figuren in Untensicht welche 
auch in dem von Tibaldi gemalten untern Saal der Universitäl von Bologna 
vorzüglich sind. 

Nach 1550 von unbekannter Hand die graziösen gemalten Arabesken am 
Gewölbe der Palazzina zu Ferra ra. 

In Neapel glaubte Vasari selbsl ersl die dekorativen Stucchi eingeführt zu 
haben, als er jenes gothisebe Refektorium eines Klosters (§ 22) modern umge- 
staltete und sich dabei in ..viereckigen, ovalen und achteckigen" Einteilungen 
nach (iefallen ergehen konnte. Vasari (Le M.) I. p. _'•'>. 24 vita propria. 



§ 17lt. 
Ve i' fa 11 der 1 1 .1 I 1 u 11 g. 

In der zweiten Hälft des XVI. Jahrhunderts erlischl der von den 
antiken Thermen und Palasträumen ausgegangene Antrieb mehr und mehi ; 
die beginnende Gegenreformation dringt dem Gewölbe und dem Wandzier- 
rat eine Menge erzählender I >arstellungen und sachlicher Beziehungen auf, 
welche nicht so frei in Schönheit sich auflösen lassen, wie einsl das Figür- 
liche in den Loggien ; die naturalistische Auffassung komm! hin/u. um diesen 
Scenen das schöne leichte Dasein im dekorierten Raum und den Zusammen- 
klang mit demselben unmöglich zu machen. Dagegen wird ersl jetzt der 
Stucco mit der vollen Pracht, Freiheil und Energie als einfassendes elastisch 



11. Bach. vil. Kapitel. Malerei and Stucchierung des Innern. 

spannendes and tragendes Element in den Gewölben gehandhabt. Audi die 
willkürlichste Einfassungsforni, der Cartoccio (§50) wird massenweise ge- 
braucht 

Die gemalten Deckenarabesken im ersten Gang der LJffizien zu Florenz 
1581, von Poccetti; -- diejenigen in der vatikanischen Bibliothek und in der 
. ducale des Vatikans, heiter und reich, aber schon sehr unrein; die- 

jenigen der Galeria geografica ebenda, mil kirdiengeschichtlicheii Seenen von 
Ant Tempesta überladen. 

Poccettis sonstige Arbeiten, immer v Besten dieser Zeit: das initiiere 

in der Vorhalle der Innocenti zu Florenz, dann au- Stucco und Malerei 
_• ischt: das Gewölbe der S. Antoniuskapelle in S.Marco und die kleine Hof- 
halle link> in Pal. l'itti. Ebenfalls relati\ trefflich: ein von den beiden 
Alberti gemaltes Kapellengewölbe in S. Mana sopra Minerva zu Rom, und 
einiges in den Gupoletten <\<-< rechten Seitenschiffes in S. Maria presso S. c.rlsn 
zu Mailand. \<m Cerano-Grespi, Campi etc. 

Von den vorherrschend stucchierten Gewölben, unter welchen die bloss ein- 
farbigen, etwa mit Gold, den Vorzug haben, ist wahrscheinlich dasjenige von 
- Maria a' monti zu Rom (von Giac. della Porta?) das einflussreichste ge- 
worden, wie es denn wohl das schönste dieser späten Zeil sein mag-. Nächsl 
»hl ersl aus dem Anfang des XVII. Jahrhunderts, «las Gewölbe der 
die von St. Peter, von < iarlo Maderua. 

Menge von einzelnen Prachtkapellen, zumal in Rom, seit etwa 1560; die 
• um so viel derber und bunter als der Stil der Altar- und Wandgemälde 
ihr vorherrschender Ton dunkler wird. 
Um L587 war ein Raisonnement möglich wie das des Armenini (de' veri 
etti della pittura, p. 193): die Alten seien auf die Idee der Grottesken ge- 
kommen durch den Anbück zufälliger Mauerflecke, daher sei diese Gattung 
ohne alle Regel und voll von jeglicher Freiheit; allerdings (p. 195) seien sie 
:l uach kurzer Blüte rasch heruntergekommen, weil man den Ignoranten ge- 
fallen wolle, percioche le si dipingono crude, confuse et piene di sciocchi in- 
venzioni, per li molti campi troppo carichi di bei colori che sono fuor di mi- 
:i aber Mass und Schönheil kommen, wenn man einen 
rsprung zugiebl und nicht ahnt, dass die antiken Dekorationen 
von verzierten Bauformen abgeleitet sind? Schon aus Vitruv VII, 5 wäre etwas 
eres zu lerni en.) 

In Venedig und Neapel siegten inzwischen vollständig die Flachdecken 
mit Einteilungen für Gemälde (§ !•">!) . 



§ L80. Allgemeine Stellung dieser Kunst. ;;77 

VIII. Kapitel. 
Goldschmiedearbeit und Gefässe. 

§ 180. 
Allgemeine Stellung dieser Kunst. 

Die Goldschmiedekunst der Renaissance aus den vielen Nachrichten 
und wenigen und unzugänglichen Überresten für die Betrachtung einiger- 

massen vollständig herzustellen, ist uns unmöglich. Die Aufgaben bleiben 
meist dieselben, wir zur gothischen Zeit, in den Nachrichten aber wird auf 
die grosse Stilveränderung kaum hingewiesen. 

Giebt es aus Italien überhaupt tnventare und vollends Abbildungsinventare 
von weltlichen und kirchlichen Schätzen wie im Norden die der Heiltümer von 
Wittenberg und Halle? oder wie die einzelner fürstlicher sog. Kunstkammern? 
Bei letzteren ist auch noch ein Inventar wie dasjenige Kurfürst Maximilians I. 
von Bayern aus der Zeit nach 1623 hinzuzunehmen (bei v. Reber: Kurfürst 
Max I. v. B. als Gemäldesammler, Festrede, 1892), weil hier mitverzeichnet ist, 
was die Goldschmiedekunst des XVI. Jahrhunderts aufgehäuft halte. 

Was für die Welt verloren gegangen durch spätem Raub und durch Ein- 
schmelzung (vgl. z. B. Varchi, stör. fior. IV. 89 , lässl sich ahnen, wenn man er- 
wägt, dass Brunellesco, Ghiberti, L. della Robbia, Masolino, Pallajuolo, Ver- 
rocchio, Finiguerra, Domenico Ghirlandajo, Sandro Botticelli. I i i -co Francia, 
Andrea del Sarto u. a. teils als Goldschmiede begannen, teils es blieben. Die 
Goldschmiede waren in den wichtigern Kunstorten ein grosses Gewerbe von 
erstem Rang. Die Statuten derjenigen von Siena 1361 bei Milanesi 1. p. 57 
und hei Gaye, carteggio I . p. 1 zeigen dies deutlich. Florenz hatte um das 
Jahr 1478 zwar nur ii botteghe d'orefici, argentieri, gioiellieri Fabroni, Lau- 
rent, niiiun. Adnot. 2()<>i, aher es waren darunter meiner,- der angesehensten 
Künstler der Stadt. — Bei Franco Sacchetti, Nov. 215, die Prahlerei eines floren- 
tinischen Goldschmiedes, dass schon der Kehricht seiner Bude jährlich 800 Gul- 
den wert sei. 

Das XIV. Jahrhundert hatte so viel in dieser Kunst gearbeitet und Email 
und Edelsteine schon mit solchem Raffinement angewandt, dass technische Fort- 
schritte kaum mehr möglich waren. Da- Einzige, was die spätere Zeit in dieser 
Beziehung hinzuthal , mai: die leichtere Bearbeitung kostbarer Steinarten zu 
Prachtgefässen gewesen sein, auch wohl die Bereicherung des Emails mit ein- 
zelnen neuen Farben. 

Antike Goldsachen waren so gut wie gar Dicht vorhanden, so dass die 
Meister der Frührenaissance aus ihrem allgemeinen neuen Stil auch den der 
Goldarbeit entwickeln mussten. Die Skulptur der neuen /eh. resolut und viel- 
seitig, wie sie war. kam ihnen auf wesentlich andere Weise zu Hüte, als 'lies 
in frühern Jahrhunderten geschehen v. 



11. Buch. Vlll. Kapitel. Goldschmiedearbeil und Gefässe. 

Wie sie die Flächen einteilten, das Relief behandelten, Laubwerk. Tier- 
köpfe. Tierfüsse, Masken etc. bildeten, Gold, Silber und Email in Kontrast 
Isteine und Gemmen einlegten u. >. \\ . . nuiss sich die Phantasie 
eder einzelnen Aufgabe vorzustellen suchen, so gut sie kann. Im \Y. Jahr- 
hundert war sowohl der edlere Prachtsinn als die Lust am höchsten Prunk 
und Putz gewaltig gestiegen und ein.' flüchtige Übersieh! der wichtigern Nach- 
richten, nach Gegenständen geordnet, wird zeigen, welch ein Feld dieser Kunst 
fen war. 

§ 181. 
Kirchliche Arbeiten der Frührenaissance. 

Wahrend ganze silberne Statuen noch immer und bisweilen in bedeu- 
tender Grösse verfertigt wurden, hörte die Verfertigung silberner Altar- 
schreine auf. höchstens beschränkte man sich auf weitere Ausschmückung 
und Vollendung schon früher angefangener. 

I ber silberne Heiligenfiguren verlierl Vasari kaum irgendwo ein Wort; 

wahrscheinlich war das Meiste davon, als er schrieb, schon wieder einge- 

oolzen. Ellenhohe Heilige, Engel u. s. w. . teilweise emailliert, auch eine 

silberne Cruppe von Maria Himmelfahrt mit Engeln, auf einem Untersatz mit 

emaillierten Historien, Werke des diu. Turini (§ 149) aus den Jahren 1414 — 44, 

im Kommentar zu v. di Pollajuolo. Vasari III. |>. .'504 ss. (Le M. V, p. 105 ss.). 

Siena, um welches es sich hier handelt, besonders die Sakristei des Domes, 

war reich an solchen Arbeiten; Milanesi II, p. 184, 220 s., 27s, 2!)1 ss.. 328, 

50 s., wo zum Teil die Werke Turinis ebenfalls erwähnt sind. - Ein silberner 

Christus, eine Elle hoch (vom Jahre 1474), bei Sansovino, Venezia, fol. 97. 

Köpfe von Silberblech oder vergoldetem Erz für Schädel von Heiligen 
einen um diese Zeil ausser Gebrauch gekommen zu sein, doch Hessen die 
i noch 1466 das Haupt ihrer Ortspatronin S. Caterina so einfassen, 
Milanesi II. p. 332. 

Line Ausnahme durch Gewicht und Grösse mag die silberne Statue ge- 
bildet haben, welche der frevelhafte Kardinal Pietro Riario kurz vor seinem 
Ende 1 173 in den Santo nach Pudua schenkte; Vitae Papar. , ap. Murat. III, 
II. Gol. 1060. Auch die silbernen Apostel der päpstlichen Kapelle, wovon 

Verrocchio einige verfertigte Vasari III. p. :'>.">!) [Le M. V, p. 140], v. di Ver- 
i) mögen von besonderer Grösse gewesen sein. 

Für silberne und goldene Altarschreine besass namentlich Venedig noch 

Vorbilder in Gestalt seiner byzantinischen „pale"; Sansovino, Venezia, 

fol. 63, 74, u. a. a. 0.; Sabellicus, de situ venetae urbis, fol. 85, 90. Doch 

Gattung jetzt völlig ein; höchstens wurde an den berühmten sil- 

einen des Baptisteriums von Florenz und der Kathedrale von Pistoja 

Vasari I. p. ii_'. 143 und Nota [Le M. II. p. 11, 12 und Nota], v. di Agostino 

e Ag och hie und da etwas gearbeitet. (Vasari III. p. 287 s. [Le M. V, 

• • di Pollajuolo.) Die Krönung .Maria mit Engeln, ir>0 Pfund an 

Silber, welche Julius II. nach S. Maria de! Popolo stiftete (Alberlini, de mira- 

bilibus urbis Romae L. III. toi. 86), mag eher eine Freigruppe gewesen sein. 

Die Herrlichkeit der Marmoraltäre >' lii lies- die silbernen völlig vergessen. 



§ 181. Kirchliche Arbeiten <ler Frührenaissance. 



379 



Ein Bronzealtar §147. • Die Florentiner sollen 1498 aus Geldnot die pala 
ihres Domes und alle Silbersachen der Annunziata eingeschmolzen haben; Mali- 
piero arch. stur. VII, 1. p. 526. 

Auch von Monstranzen ist kaum die Rede, etwas häufiger 7on silbernen 
Leuchtern und Reliquienbehältern. 

Ob auch nur eine einzige bedeutende Monstranz der Frührenaissanci 
der italienischen Renaissance überhaupt vorhanden ist? Das dekorative Ver- 
mögen der Zeit müsste sich daran auf entscheidende 
Weise zeigen. Ein Kontrakt für eine Monstranz 1449, 
Milanesi II. p. 259. 

Von den Hängelampen der Annunziata in Florenz 
(Vasari III, p. 25 i (Le M. V.. p. 66), v. di Ghirlandajo) 
und von den ge\vis> ausserordentlich schönen, drei KUen 
hohen Leuchtern des Ant. Pollajuolo (ib. p. 288 
v. di Pollajuolo) ist nichts mehr erhalten. Dagegen in 
S.Marco zu Venedig eine eleganl geschmückte Hänge- 
lampe (Fig. 300). Ein Kontrakt für einen silbernen 
Prachtkandelaber in Siena 1410 bei Milanesi II. 193. — 
Zwei Leuchter von Jaspis, zu dem oben erwähnten 
silbernen Christus gehörend, mit dem Wappen des 
Dogen Marcello 1 171. 

An den sogen. Paci des Tommaso Finiguerra sind 
besonders die Niellozeichnungen bedeutend, doch auch 
die Einfassung zierlich: Vasari III, p. 2*7 und Nota 
iLe M. V, p. 92 und Nota), v. di Pollajuolo. 

Silberne und selbst goldene Votivgegenstände wei- 
den mit der Zeit unvermeidlich, und zwar von den 
Kirchenbehürden selbst, eingeschmolzen. 

Reliquiarien aus Gold und Silber müssen noch 
immer und bisweilen in schönster Kunstform gebildet 
wurden sein; man erwäge, dass ein Filippo Maria Vis- r { '- 
conti, dass der Staat von Venedig und die Päpste Re- A 
liquien sammelten, und dass wenigstens einzelne bronzene 
Reliquiarien der edelsten Kunst angehören (Ghiberti, 
Cassa di S. Giacinto, Offizien . Erhalten ist indes .in- 
dem XV. Jahrhundert sein- wenig; z. U. die silberne 
cassetta für das Gewand S. Bernardinos, letzte Arbeit 
des Gio. Turini (141-Sj mit Zuthaten eines gev* . Francesco ^ 

d'Antonio (1460), welche Doch in der Osservanza zu Fig. 300. Ampel 
Siena vorhanden ist; Vasari III, p. 306 (Le M.V., p. 108 inV( 

im Gomment. zu v. di Pollajuolo ; Milanesi II. p. 314. 

(Beiläufig mag ein artiges Motn aus dem vorhergehenden Jahrhundert, silberne 
Ki-uivn von Heiligen, welche Kästchen mit den Reliquien derselben in den 
Händen tragen, ibid. I. p. _ s !>. zum Jahr 1381, erwähnl werden.) 




■ 



l ) Vgl. die nur flüchtig abgebildete Riesenmonstranz in dem Prachtanfzug Karle V. 
und Clemens' VII. durch Bologna, l. r >30. bei Eoghenberg (Hirth, Kulturgeschichtl. 
bueb, Nr. 534). 



11. Buch. VIII. Kapitel. Goldschmiedearbeit und Gefässe. 

Über ■:. hiedenen päpstlichen Tiaren Vitae Papar. ap. Mural. III, 

II. C l. 887 u. 1009: die berühmte Paul- II.. von dem römischen Goldschmied 
Paolo Giordano; Jac. Volaterran. ap. Mural. Will. Goi. 195: diejenige Six- 
tus' IV.. durch ihre Juwelen höchst ausgezeichnet. — Vasari III. p. 358 (Le 
M. V.. ]'. 140), v. di Verrocchio: dessen (nicht mehr vorhandene i Agrall'en für 
bischöfliche Messgewänder. Die Schätze der päpstlichen Sakristei, unter 

Julius II. noch durch eine neue Reihe von silbervergoldeten Aposteln bereichert, 

■ rflächlich verzeichnet bei Alberti, de mirabilibus urbis Romae, L. 111, fol. 86. 
Vgl. einzelne Dokumente hei Müntz, les arts ä la cour des papes, 1 — 111, passim. 

> L82. 
Weltli c li e A r beil e d der F rii h r enaiss ;> □ c e. 

Unter den weltlichen Aufgaben der Goldschmiedekunst dv* XV. Jahr- 
hunderts mögen einzelne Becken und Schalen zum Gebrauch bei Abstim- 
mungen verschiedener Art. midi Hecken /um I lande waschen in öffentlichen 
Palästen einen hohen Rang eingenommen haben. 

Pollajuolos gro silbernes Becken für die Signoria von Florenz 1473; 

• lung Gaye, carteggio I. p. Ö7I ; - eine silbervergoldete Glocke ebenda. 
Das Handwaschbecken für den Staatspalast zu Siena 1487, mit vier Email- 
wappen, dir Bestellung Milanesi II, p. 17i: -- die Schale (zum Trinken?) für 
die Gesellschaft der Mercanzia 117."). mit Laubwerk und kannelierten Vertie- 
fen, ibid. p. '■>"<■ Vielleicht gehörten hieher auch die zwei schönen, 
äsen Schalen Verrocchios, dir eine mit Tieren und Laubwerk, die andere 
mit tanzenden Kindern, Vasari III. p. 358 s. (Le M. V, p. 140), v. di Verrocchio. 
- Die ganz grossen silbervergoldeten Vasen, welche Paul IL u. a. für „feier- 
liche Gastmähler" machen liess und deren zwei (zusammen?) 118 Pfund wogen, 
iinis-.-ii Kühlgeschirre gewesen sein; Vitae Papar. ap. Mur. III, II, Gol. 1009. 
In Perugia gab es für die solennen Gastmähler des Magistrats eine sil- 
welche entweder als Tischaufsatz oder als rollbarer Weinhehälter 
zu denken ist. Schon liü» wurde eine Nave bestellt, 1489 eine (vielleicht eben 
• an einen Nepoten Alexanders VI. geschenkt, und 1512 eine neue, nach 
Pei ginos pr: er Zeichnung bei dem Goldschmied Mariotto Anastagi be- 
t: mit i- Uad'-rii. 2 Pferden oder Seepferden?) und 19 Figuren, worunter 
Fortuna : elhalterin, ein Steuermann, der Stadtpatron S. Ercolano 
und viele P ihnt werden. Archiv, stör. XVI, I, p. <i:21 , — dessen 
Appendice IX. p. 615 mit den Annali decemvirali); -- Mariotti, lettere pittor. 
igine, p. 171. (Ein silbernes Schill' von nordischer Arbeit des XVI. Jahr- 
hunderts, abgebildet bei Rouaix, les styles, p. 124.] 

Ganze fürstliche Büffets, wo die Gefässe von Silber und von Gold 
je zu einem Dutzend vorhanden waren, mögen zwar nur als stets 
zur Ausmünzung bereil liegender Schatz gegolten, dennoch aber edle 
Kunstformen gehabt haben. 

Wie für den Norden die Inventare bei De Laborde, les ducs de Bour- 

ü. B füi Maüand das Inventar des Schatzes zu bemerken, welcher 

i Valentine Visconti al- Li, ml de- Herzogs von Orleans nach Frank- 



§ 182. Weltliche Arbeiten der Frührenaissance. ;;^] 

reich mitgegeben wurde, bei Corio, stör, di Mil., fol. 266; es sind Tischaufsätze, 
Becken, Konfektschalen, Tischleuchter, Bestecke, letztere zu vielen Dutzenden, 
bis auf den silbernen Nachüichthalter , da- meiste mit Email, zusammen an 
Silber 1667 Mark. 

Das Geschirr des 1476 ermordeten Galeazzo Maria Sturz.! Diarium Par- 
mense bei Mural. XXII, Gol. 359), welches veräusserl wurde, um die Feld- 
hauptleute zu bezahlen, enthielt u. a. ein ganz goldenes wovon jedes 
Stück zwölffach vorhanden war. — Lodovico Moro dann doch w 
eine Sammlung kostbarer Gefässe, die er 1489 bei einem fürstlichen Empfang 
feierlich vorwies, Gaye, carteggio I, p. ill. Moros Medaillen vgl. Malipiero, 
Archiv, stör. VII, 1. p. 347. 

DasBuffet des Borso von Ferrara nur erwähnl Diario ferrar. bei Murat.XXIV, 
Col. 216. 

Bei festlichen Anlässen stellte man etwa zwei improvisierte Statuen wil- 
der Männer als Hüter neben das Büffet; Phil. Beroaldi orationes, nuptiae Benti- 
volorum. 

Für das zum Anblick aufgestellte Büffel verlang! Jovian. Pontan., de 
splendore, Abwechselung der einzelnen Stücke an Stoff und Form, auch wenn 
sie, z. B. Trinkgeschirre, einem und demselben Gebrauche dienten: aliae atque 
aliae formae, calices, item crateres, gutti, paterae, carchesia, scyphi etc. 

Ausser den Büffets ornamenti da camera) hielten die Fürsten für ihren 
Palastgottesdienst ornamenti della capella, Leuchter, Kelche, Patenen u. s. w. 
Den grössten Luxus legte 147:> Kardinal Pietro Riario an den Tag, als 
er die Lionora von Aragon auf ihrer Durchreise ils Braul des Herzogs \ on 
Ferrara in seinem Palaste zu Rom auf Piazza SS. Apostoli beherbergte; die 
vier Leuchter der Cappella, nebst zwei Engelfiguren von Gold, der Betstuhl mit 
Löwenfüssen, ganz von Silber und vergoldet; ein vollständiges Kamingerät, 
ganz von Silber; ein silberner Nachtstuhl mit goldenem Get'äss darin etc. Im 
Speisesaal ein grosses Bullet von 12 Stuten, voll goldener und silbern. 
fasse mit Edelsteinen; ausserdem das Tafelgeschirr lauter Silber und nach jeder 
Speise gewechselt. 

Als Sammler von Edelsteinen werden besonder- Alfons der Gross« 
Neapel und Paul II. genannt; Jovian. Pontan. de splendore; — [nfessuj 
Eccard, scriptores 11. Col. lsüi. I * » i r». Dazu Müntz, les arts etc., II. 

\'oii prachtvollen Watten i>i üt'ter die Rede, doch möchte aus dem 
XV. Jahrhundert kaum etwas Namhaftes davon erhalteD sein. 

Silberne Helme als Geschenk von Regierungen an ihre ( loudoitieren; Siena 
an Tartaglia 1414, Florenz an Federigo von Urbino 1472, letzter«- Werk von 
Pollajuolo: Vasari III. p. 298, Nota Le M. V, p. 100, Nota und p. 304 p. 105 
im Kommentar zu v. di Pollajuolo. - Die Waffen und Geräte Karls VIII., er- 
beutet li!i."> in der Schlachl am Taro Malipiero, ann. veneti, archiv. stör. VII, 
I. p. :57h. gehörten ohne Zweifel nordischer Kunst an: der goldene, gek 
Schuppenhelm mit Email, der Degen, das Siegelkistchen, das goldene Triptychon, 
angeblich von Karl d. Gr. stammend. 



11. Bach. \lll. Kapitel. Goldschiniedearbeil und Gefässe. 

§ t8 

. >1 s c li m i e >1 e k u a s t der II o c li r e d ai s s a u c e. 

Die Goldschmiedekunst des XVI. Jahrhunderts wird sich im Verhältnis 
zu derjenigen der Frührenaissance durch grössere [Treiben und Flüssigkeit 
alles Dekorativen, durch erhöhte Kenntnis des Wirkenden ausgezeichnet haben. 
Wir müssen hypothetisch sprechen, da uns eine genügende Übersicht der 
- \\. Jahrhunderts gänzlich und derjenigen des folgenden grossen 
:1t. - Französische, deutsche etc. Arbeiten, anter starker Einwirkung 
der itahenischen Goldschmiedekunst seit Anfang des XVI. Jahrhunderts ent- 
galten früher leicht für itaüenisch. Von einer vielleicht nur flüchtigen 
ntnis Oberitaliens aus gelangte Hans Holbein d. J. zu derjenigen freien und 
vungvollen Schönheit, welche in seinen Vorzeichnungen für Goldschmiede 
Museum von Basel, British Museum, auch Stiche W. Hollars) Staunen erregt. 
Grosser Reichtum an Nachrichten in der Selbstbiographie des Florentiners 
ito Cellini 1500—72 . zumal in der ersten Hälfte; seine Arbeiten in 
m Zweige dieser Kunst: Kelch, Agraffe für das päpstliche Pallium, Re- 
liquienbehälter , Deckel eines Horenbuches, Siegel, Trinkgefässe, grosse Kühl- 
silberne Gefässe jeder Art . Salzfässer, wovon eines hochberühmt und 
noch (in Wien) erhalten. Leuchter (wovon einige noch im Schatz von St. Peter 
vorhanden sein sollen), Kleinodien, weiblicher Schmuck, Ringe, Gürtelschnallen, 
Idamascierung von Stahlklingen etc., der Statuen, Reliefs und Medaillen 
nicht zu gedenken. Seine beiden Trattati sind besonders für letztere Gattungen 
belehrend. Tratt. 1. cap. 5: über die kleinen goldenen Kruzifixe, welche bei 
den Kardinälen um 1530 Mode wurden, hauptsächlich Arbeiten Caradossos.) In 

- omlungen wird vieles dem Uenvenuto zugeschrieben, jedoch fast nichts mit 

- herheit, und für die in der Selbstbiographie erwähnten Arbeiten bleibt es 
für uns bei blossen Gedankenbüdern. wenige allbekannte ausgenommen. 

Im Ganzen scheint für ihn charakteristisch die bewegte, quellende, von 
hitekturformen endlich völüg emancipierte Bildung der Gefässe und Ge- 
räte: ihi ing in lauter Laubwerk, Kartuschen, .Masken u. dgl., und da- 
zwischen kleine Felder mit den zierlichsten Reliefs u. s. w. 

Andere berühmte Namen werden wenigstens genannt als Vorzeichner von 

ir Metallarbeiter ; Rafael lieferte 1510 die Zeichnung zu einer grossen 

mit erhabenen Ornamenten, welche ein gewisser Gesarino für 

Ghigi ausführte; Quatremere, vita di Raf. ed. Longhena, p. 327, N.; 

Michelang noch 1537 die Zeichnung zu einem silbernen Salzfass für 

it Tieren, Festons, Masken und einer Figur auf dem 

Deckel; Vasari VII, p. 383 Le M. XII. p. 385), im Gomment. zu v. di Michel- 

Peruginos Nave, § 182 Die gerühmten Entwürfe des Girolamo 

erieten nicht weiter als bis zum Wachsmodell; 

120 Le M. M. p. 90), v. di Genga. 

Die ganz metall sowohl Schalen und Schüsseln als Vasen 

am kl. ii- Wollen und Können der Renaissance wieder 

möglichst vollständige und schön verteilte Ausfüllung der 

e rlichem Schmuck und mit dem Zierrat des neuen Jahrhunderts. 



§184. I refässe aus 3t( in und Kristall. 



383 




Die oft gedrängl figurenreiche Erzählung (auf der Schale im Kreis, an der 
Vase als ringsumlaufender Fries giebl Utertum wi 

ganz besonders aber Geschichten und Liebschaften der Wassergöttei . _ Lo- 
mazzo, p. 345), wobei der Komponisl in der That am leichtesten der Phantasie- 
form jedes Gefässes folgte und am freiesten über die Linien gebot. Wird die 
Erzählung in einzelne Felder zerlegt, so meldet sich als Format schon 
das Oval und die -ehr frei ausgeschwungene Kartusche jeder Art. Daneben 
Laubwerk, Masken, Putten, Delphine u. a. m. 

§ 184. 
Gefässe aus Stein und Kristall. 

Als ein wesentlich neues Thema erscheinen 
die Gefässe aus harten und kostbaren Steinen 1 ) 
und geschliffenem Kristall, deren Fuss, Henkel, 
Rand, Deckelgriff usw. die zierlichsten Phantasie- 
formen aus Gold, Email und Edelsteinen erhielten. 
Wie früh man überhaupt die harten Agate, 
Jaspen, Lapislazuli etc. in beliebige Formen schliff, 
wird schwer zu sagen sein; jedenfalls stand das Mittel- 
aller hierin weit hinter dem Altertum zurück, und 
wiederum in Italien die Frührenaissance hinter der 
Hochrenaissance. 

Statt des Büffets der Fürsten und Grossen tritt 
nun das Kabinett des reichen Liebhabers in den 
Vordergrund, wo die Vasen aus harten Steinen mit 
kostbarer Fassung die erste Stelle einnehmen. 

Der Zusammenklang der geschwungenen For- 
men und der Farbe des Steines mit der Einfassung ist i i 
nun eines der höchsten Ziele der dekorativen Kunst. 
In der Einfassung selbst wechseln zweierlei 
Darstellungsweisen, Qaches Email auf Gold oder Silber und reliefierte und 
emaillierte Zierformen um die Edelsteine. An Fuss und Henkel menschliche 
und tierische Masken. Drachen, Meerwunder, auch menschliche Figuren ver- 
schiedener Art. 

In der Farbenzusammenstellung ist die Buntheit des Mittelalters jetzt 
völlig gewichen, der ganze Schmuck wird sorgfältig zu der Farbe des Gel 
gestimmt. Die Ökonomie der Kontraste zwischen Email und R< Email und 

Metall. Glänzend und Mail ist schon eine vollkommene. 

An den Kristallgefässen mit eingeschliffenen Ornamenten und Hist 
ist die Einfassung auffallend zart und zierlich. 




gefäss . S 
Itle.) 



l ) In neuerer Zeit hat Brunn (Sitzungsberichte der Onigl. Akademie der Wissen- 
schaften in München, 1875, Bd. I. Befl 3) mit sehr starken Gründen sowohl das Onyx- 
gefäss von Braunschweig als auch die farnesische Onyxschali n\u< von Neapel 

der Kunst der Renaissance zugewiesen. 






II. Buch. VIII. Kapitel. Goldschmiedearbeil und Gefässe. 



Die wichtigste Sammlung soll noch immer der Tesoro im Pal. Pitti zu 

enz mit echten Arbeiten Benvenutos sein, welcher dem Verfasser unzu- 

»lich geblieben ist. Anderes in den Uffizien, wo sich das berühmte Kästchen 

Clemens' VII. mit den in Kristall geschliffenen Historien des Valerio Vicentino 

befindet. zu Neapel (Fig. 301 i. 

Im XVI. Jahrhundert waren die venezianischen Privatkabinette reich an 
Sachen. Aufzählung beim Anonimo di Morelli, bei Anlass der Samm- 
lungen Odoni, Antonio Foscarini, Franc. Zio, Mich. Gontarini. Eine Kristall- 
- : int' Stücken in silbervergoldeter Fassung, mit eingoschliffenen 
Historien des Alten Testamentes, war von Gristoforo Romano; — eine grössere 
dreihenklige Porphyrschale von Piermaria da Pescia, welcher 1 i ' * i beim Einzug 

der Franzosen in Rom dies 
\\ erk unter dir Erde ver- 
grub : nachher wurde das- 
selhe mehrmals für antik 
verkauft. (Somit wäre we- 
nigstens die reichere Arbeit 
in Porphyr schon unter 
Alexander VI. zu Rom er- 
reicht gewesen.) — Ausser 
den Vasen ans kostbaren 
Stoffen besassen dieselben 
Sammler auch andere von 
damascenischer Erzarbeit, 
von Porzellan, Glas u. s. w. 
Dagegen noch keine skal- 
pierten Elfenbeingefässe. 

Der Nautilus mit Trag- 
figur und Zuthaten jeden- 
falls schon sehr schön im 
XVI. Jahrhundert, doch 
■i i , s hale. schwer näher zu datieren. 




§ L85. 
i in u c k , W a f f en und Siegel. 

Die weibliche Festtrachl war bisweilen sehr reich an Schmuck aller 
Ait mir Gemmen; das übliche Prachtstück der Männertracht war die Me- 
daille am Barett. 

Über die Medaillen als besondere Kunstgattung ist hier nicht die Stelle 
ind emaillierten, deren Figuren oft fasl ganz frei vor- 
tr.i- . hauptsächlich als Zierde der Barette gedient; der grösste Meister 

darin wai Garadosso; Ben. Cellini, trattato I. c. 5. 

Bei einem römischen Kirchenfesl zu Rafaels Zeit (1519, s. Gaye, car- 

len einige auf einer Kslrade anwesende Damen, zum Teil 

wahrscheinlich Buhlerinnen, beschrieben: Lucia Bufolina, Kleid von Silberbrokat, 



§ 185. Schmuck, Waffen and - 



385 



Gürtel von gesponnenem Gold mit vier emaillierten Kaiserköj - Sofonisba 

Cavaliera, Gürtel mit antiken Goldmünzen, - Faustina degli All. tu, goldener 
Stirnreif mit den 12 emaillierten Zeichen des Tierkreises, Imperia Colon- 

nese (etwa die § 156 erwähnte), Gürtel von goldenen Knöpfen (vgl. Rafaels 
Johanna von Aragonien) und eine emaillierte palla (? . worauf alle Elemente 
abgebildet waren, — Sabina Mattuzza, Gürtel von kunstreich verbundenen Gold- 
münzen, Karniolen und Jaspen. 

Diese einzige Aussage gestattet weitere Schlüsse als alle wirklich erhal- 
tenen Überreste dieser Art. 

Ferner ist das XVI. Jahrhunderl dasjenige der prachtvollsten 

Watten, mochten dieselben auch zum Teil seltene oder gar keine wirk- 
lich«' Anwendung linden. 
Letzteres gilt be- 
sonders von den silbernen 
Schilden, welche gewiss 
nicht einmal bei solchen 
Anlässen wirklich gel la- 
gen wurden, bei welchen 
die prächtigsten Helme 
und Harnische zum Vor- 
schein kamen. 

Die jetzt meist im 
Ausland (Madrid, Wien. 
Paris, London, St. Peters- 
burg) zerstreuten Rüstun- 
gen und Helme italieni- 
scher Arbeit ersten Ranges 
haben auf dem Stahl da- 
mascierte oder von Gold 
und Sil her eingelegte or- 
namentale und figurierte 
Zeichnungen. (Vasari VII, 
p. 43 ILe M. XII. p. 80], 
v. di Salviati, bei Anlass 

des Franc, dal Prato.) Bisweilen ist der Schmuck auch reliefiert, wii 
Helm und Schild Franz' I. in den Uffizien, angeblich von Benvenuto. 
Schild in der Armeria von Turin ihm zugeschrieben. 

Prachtvolle Dolchscheiden, originell aus Figuren und Laubwerk 
binierte Degengriffe linden sich hie und da. Die weite Zerstreuung 
Schätze ist ihrer kunstgeschichtlichen Betrachtung nicht günstig. 

Zu den feierlichem Geräten des vornehmen Lebei rten auch die 

meist silbernen Siegel. Zunächst vertauschte Paul II. den barbarisch 
würdigen Typus <{<■* I.ullensie-els mit einem schönern, artil sculptura; 

Vitae Papar., Mural. III. II. Gol. 1011. Viel prächtiger waren aber von 
tausend andere Siegel. AI- 3ehen von ihrem (i. ; |;. bei den mandel- 

förmigen Kardinalssiegeln schon im XV. Jahrhunderl ofl sehr reich war und 

Burckhanlt, [taliei R l. Aufl. 




IIa lika 



z. B. am 

Am ii ein 



kom- 



11. Buch. Ylll. Kapitel. Goldschmiedearbeit and Gefässe. 

die Heiligen ihrer Titularkirchen , ja Ereignisse aus deren Legenden darstellte, 

war bisweilen der Griff höchst elegant. Schon Ghiberti (Gomment., p. XXXIII) 

>te eine antike Gemme als Siegel so, dass der goldene Griff einen Drachen 

in Epheulaub darstellte, und auch Benvenuto gestaltete den Griff des Siegels 

ler als Figurine, z. B. am goldenen Siege) des Kardinals Kreole 

.1 als sitzenden Herkules; Benv. Gellini, trattato 1. c. <i. 

\ Ielleicht die bedeutendste vorherrschend dekorative Arheil dieses ganzen 
Stiles, die jetzt noch in Italien vorhanden ist: das farnesische Käslehen, von 
Gio. : ' Bernardi, im Museum von Neapel; von Metall mit Eckfiguren, Reliefs 
und sechs ovalen Glasschliffen; der Deekel mit der Figurine eines ruhenden 
Herkules zwischen den Hälften eines gebrochenen Giebels. 

§ 186. 
Majoliken und andere irdene Gefässe. 

Die künstlerische Behandlung der Gefässe aus Erde und Glas hat seit 
dem Altertum nie und nicht wieder so hoch gestanden als zur Zeit der 
Renaissance. Die erste Stelle nehmen die Majoliken ein mit ihrer Glasur 
in einer beschränkten Anzahl von Karben. 

Ein echtes Porzellan in unserm Sinuc, durchscheinend oder auch nur von 
völlig weissem Korn, besass man noch nicht, und die vielen Porzellane zumal 
in den venezianischen Sammlungen sind als Majoliken zu verstehen, d. h. als 
icrte irdene Geschirre. 
Diese wann schon im Mittelalter oft durch ihre reiche geschwungene 
Form und durch Farben und Gold bis an die Grenze der Kunst vorgerückt; 
im XV. Jahrhunderl muss ihnen die Vervollkommnung der Glasur durch die 
Werkstatt der Robbia zu statten gekommen sein; aber erst im XVI. wurde die 
volle Freiheit des dekorativen Modellierens und Flachdekorierens darauf ange- 
wandt. Dies ist es. was ihren Wert ausmacht, mehr als die mühselig auf- 
talten Historien, auch wenn hei diesen rafaelische und andere berühmte 
Motive benützt sind. 

Die Hauptaussage: Vasari VI, p. 581 s. (Le M. XI, p. 326), v. di Batt. 

vgl. VII, p. 90 Le M. XII, p. IIS», v. di Tadd. Zucchero; -- Benv. 

U - Ouatremere, vita di Raffaelle, ed. Longhena, p. 290, Nota. 

Zwar gab es schon 1526 Liebhaber, welche Porzellane zu 000 Ducati zu 

hatten, wie z ü. (iiherti, Sekretär Clemens' VII., bei Anlass der ersten 

lesischen) Erstürmung Roms; Lettere di principi I. 106, Negri a Micheli. 

Gleichwohl wird angenommen, dass wenigstens die Majolikawerkstätten von 

Pesaro und Castel Durante ersl um 17)30 den Höhepunkt erreicht, hätten, oder 

1540, al- der Herzog Guidobaldo II. von Urbino den Battista Franco (§ 178) 

Vorzeichner anstellte; : usserdem hatte der Herzog eine Menge Skizzen von 

Giulio Romano und ihren Schülern zu Vorlagen erworben. Kl was später 

/.. I;. Taddeo Zucchero die Zeichnungen zu einem ganzen Service, welches 

in Castel Durante für Philipp II. gehrannt wurde. 

An Gescl rren von Kaenza war das gemalte Figürliche gemässigt 

und nui die Mitte oder den Hand ein (wenn wir Vasari recht 



§ L87. Feste and Festküastler. ;>7 

verstehen ; vgl. Malagola, Memorie storiche sulle majoliche di Faenza, und F. 

Argnani, le ceramiche e majoliche faentine dalla lor igine fino al principio 

del secolo X\'l : appunti storici. Faenza 18$ 

Die wenigen Töne, meist nur blau, violett, grün, gelb, weiss und schwarz, 
genügten nicht sowohl, tun grosse Kompositionen glücklich wiedei .. als 

vielmehr, um alle Formen und Profile des Gefässes sowohl als die dazwischen 
liegenden Flüchen schön und charakteristisch zu schmücken. Bisweilen sind 
Tiere, Laubwerk und andere Zierraten zugleich reliefiert und bemalt. 

Das Beste sind grosse flache Schüsseln Fig. 302 u. 303), Konfektteller, 
Salzbüchsen, Schreibzeuge u. dgl. : zumal solche ohne gemalte Figuren, mit zier- 
lichen und sparsamen Arabesken, wonach selbige etwa der Fabrik von Faenza 
angehören möchten. Schon die Grundform des Gefässes oder Gerätes i-t in 
der Regel vortrefflich und eigens für den Zweck gedacht, nicht Reminiscenz. 

Schon zu Vasaris Zeit hatte sich übrigens dieser Kunstzweig über ganz 
Italien verbreitet. 

Von den Nachahmungen griechischer Vasen (in roi und schwarz), welche 
Vasaris Grossvater Giorgio im XV. Jahrhundert zu Arezzo versucht hatte, ist 
nichts auf unsere Zeit gekommen: Vasari II, p. öö7 Le M. IV. p. 70 . v. di 
Lazzaro Vasari. 

Auch von der Fabrik in Modena, deren Thongeschirr im XV. Jahrhunderl 
Godrus Urceus in einem Gedichte feierte (dessen opera . p. 384, ad Lucam 
Ripam). ist nichts weiter bekannt; er selber besass eine ausserordentlich schöne 
Thonlampe. 

Für Glassachen aller Art waren längst die Fabriken von Murano bei 
Venedig berühmt, welche nicht nur alle Farben besassen und alle Edelsteine 
nachahmten, sondern auch jedenfalls schon im XV. Jahrhundert Mülefiori ver- 
fertigten; Sabellicus, de situ ven. urbis, F. III. fol. !'_' : brevi pila includere 
florum omnia genera. 



IX. Kapitel. 
Dekorationen des Augenblickes. 

§ 187. 
Feste und Festkünstl e r, 

Dekorationen des Augenblickes, hei kirchlichen und weltlichen I 
und Zeremonien, hatten im XV. Jahrhundert den Charakter heiterer Fracht, 
wobei das reiche Formenspiel der damaligen baulichen Dekoration sich mit 
den buntesten Zuthaten aller Art vertrug. 

l'ber die Feste im Allgemeinen vgl. Kultur der Renaissance, S. i"I ff.; 
IV. Aufl. II. S. 132 ff. 



11. Bach. 1\. Kapitel. Dekorationen des Augenblickes. 

Die wichtigsten Schilderungen: 

Die Beschreibung des triumphalen Einzuges Alfons' d. Gr. von Aragon in 

Neapel l • i ickt als Beilage zu den Dicta ei facta Alphonsi von Ant. Parnor- 

mita, ist nur für den Zug, nicht für die vermutlichen Dekorationen ergiebig). 

l'ü 11. comment. 1.. VIII, p. 382 ss.. seine Feier des Fronleichnamfestes 

in Viterbo 1 162; — 

Gorio, storia di Milano, toi. 117 ss., der Empfang der Lionora von Aragon 
I ..: Pietro Riario in Rom 117;. vgl. § ls-_»; — 
Ibid. toi. l.")i ss.. Krönung und 1' d. Ii. 7a\^ vom Vatikan nach 

dem Lateran) Alexanders VI. 1492; — 

Phil. Beroaldi orationes fol. 27, Nuptiae Bentivolorum, d. h. die Hochzeit 
- Annibale Bentivoglio mit Lucrezia von Este (um L490?). 

Die Kunst der Festdekoration ging wie das Meiste der neuen Kulturepoche 

hauptsächlich von Florenz aus: schon im XIV. Jahrhundert reisten Qorentinische 

iuoli in Italien herum Gio. Villani VIII, 70), welche damals und auch in 

lern Zeiten gewiss nicht bloss die Aufführung, sondern auch die dazu ge- 

iden Dekorationen angaben, in welchen ja, soweit sie Baulichkeiten vor- 

llten, die Qorentinische Kunst, ohnehin dem übrigen Italien voraus war. - 

-•■!' Florenz mu<> namentlich Pistoja hierin etwas bedeutet haben, da für 

- Fronleichnamsfest zu Viterbo der Kardinal Niccolö Fortiguerra, der von 

ja gebürtig war. für seinen (sehr prächtigen) Anteil an der Ausstattung 

ludorum artifices von dort kommen liess. 

Ausser den grossen Festen bot das kirchliche sowohl als das bürgerliche 
- ndige Anlässe für Dekorationen dar; - - Apparati bei Hochzeiten 
und Beerdigungen, für welche um 1500 in Florenz Andrea Feltrini einen be- 
lern Namen hatte: Vasari Y. p. :2<)8 s. (Le M. [X, p. 112 s.), v. di Morto 
da Feltro: - Fahnen aller Art, wovon unten; - Katafalke (cataletti) für Kon- 
fraternitäten, deren es sehr schöne von grossen .Meislern gab, z. B. von Becca- 
fumi und Sodoma, Milanesi III, p. I(i(i, 167, 185; wie denn auch Baldassare 
Peruzzi einen solchen und ausserdem eine ..bewundernswürdige' - Totenbahre 
-.!■: Vasari IV, p. 596 und Nota 2 (Le M. VIII, p. 22.") und Nota), v. di 
Peruzzi. (Die Bahre an Marmorgräbern, herrliches Vorbild hiefür, § 140.) - 
r bei Verbrennung von Luxussachen verlangte die andächtige Stimmung, 
■ i auf einem „talamo", d. h. einem irgendwie stilisierten Scheiter- 
haufen gruppiert wurden; [nfessura, bei Eccard scriptores II, Gol. 1874, vgl. 
u d. Ren., S. 181. 

§ 188. 

■ '1 e b or ati o n <1 e r F r ii h r e n a i s s a n c e. 

Charakteristisch für die Frührenaissance ist die überreiche Verwendung 
Grüns, zumal in Gestall von Guirlanden; die freie phantastische Um- 
iltung des Triumphbogens zu einem farbenreichen Prachtbau; die an 
Bändern hängenden Tafeln; die Anwendung lebendiger, mit reichen Ge- 
wändern und Attributen ausgestatteter Personen als Statuen. Das Schatten- 
tuch, oft über lange Strassen und weite Plätze sich ausbreitend, war wo- 
möglich zu glänzenden Di geordnet. 



§ 188. Festdekoration der Frührenaisf 

Dass jedes einzelne Haus die aus den Fenstern zu bangenden Teppiche 
vorrätig besass und, zumal in einer Hallenstadt wie Bologna, den wundervollen 
Kontrast von Guirlanden und Bogen benützte, versteht sied - -t : tlüch- 

tige Vergoldung einzelner Bauteile kam wenigstens vor, § i_\ Die Guirlanden, 
nach den Abbildungen zu urteilen, bisweilen von eigentümlich massiger, pomp- 
hafter Bildung. 

Dann die noch heute üblichen Dessins von Wappen, Nami etc. 

aus lauter Grün und Blumen an Wänden und auf dem Fussboden. So war Fer- 

rara heim Einzug Pius 1 II. 1 159 se natu d'herbe, Diario Ferr. ap. Murat. XXIV, 

Gol. 204, gewiss sehr kunstreich. - e piantati Mai (Maggi, Maibäume 
Mäste) per tutto. ohne Zweifel um die vorher erwähnten Guirlanden und das 
wollene Schattentuch zu tragen. 

Ganz besonders rühmt Pius II. die Wirkung des von der Sonne durch- 
glühten bunten Tuches bei Anlass des Prachtzeltes, von welchem sein Fron- 
leichnamszug in Viterbo ausging; unterwegs gab es Decktuch mit dem Dessin 
einer roten Wolke, dann himmelblaues mit goldnen Sternen, dann blau und 
weisses, braunrotes von englischer Wolle etc. 

Ein Fest wie dieses, wo nicht nur die ] iphaftesten Altäre, sondern ganze 

Bühnen sowohl mit unbelebten Gruppen als mit lebenden, redenden, singenden 
Dekorationsfiguren vorkamen, wo Brunnen mit Wein sprangen, wo 18 grüne 
Bogenpfeiler jeder einen singenden Engelknaben trugen, wo die Auferstehung 
Christi und die Himmelfahrt der Maria vollständig dramatisch dargestellt wur- 
den, war natürlich eine seltene Ausnahme. 

Die bauliche Hauptform zur Verherrlichung aller Ein- und Aufzüge war 
selbstverständlich jetzt der römische Triumphbogen, allein, auch wenn es aus- 
drücklich heisst al rito romano etc. (z. B. bei Gorio, fol. 490, zum Jahr 1 i C| 7 
keineswegs in strenger, sondern nur in flüchtiger Nachahmung. So war heim 
Possesso Papst Alexanders 1492 der grösste Bogen angeblich „dem Octavians- 
bogen heim Golosseunr nachgeahmt, aber mit einem ganz freien, prächtigen 
Gesimse von Füllhörnern und Guirlanden, mit goldfarbigen Reliefs (? und der 
buntesten Bemalung geschmückt, und im Bogen hing eine [nschrifttafel. Ein 
zweiter Triumphbogen halte innen eh Idete Kassettierung mit einem 

mittlem Zierrat in Muschelform; in zwölf Nischen standen lebendige sinkende 
Madchen, welche Oriens, Occidens, Liberalitas, Roma, Justitia, Pudicitia, 
rentia, Caritas, Aeternitas. Victoria, Europa und Religio vorstellten, Einfa* 
Bögen mit Trophäen, Meerwundern u. s. w. hatten meisl Blau mit Gold. Ein 
blaues Schattentuch mit goldgelber, reich umschnörkelter Inschrift wurde 
sonders gerühmt. 

Bei einem Einzug Julius' II. wurde so^ai ein echter antiker Triumph- 
bogen, der des Domitian auf dem Marsfeld, mit Statuen und Malereien verziert; 
Allieitini. de mirabilibus urbis Romae, L. II. fol. 78. 

Bei einem Feste des Lodovico Moro scheint A,\- Modell Lionar I ! iter- 

statue des Francesco Sforza unter einem Triumphbogen gestanden zu haben. 

Hier ist auch des kolossalen hölzernen Rosses von Donatello (jetzt im 
Salone zu Padua) zu gedenken, welches einen Jupiter getragen haben 
und bei einem Turnierfesl auf einer Basis mit Hollen odei Rädern daher- 
4?eschoben wurde. 



II. Buch. IX. Kapitel. Dekorationen des Augenblickes. 

Im ganzen Abendland, besonders aber in [talien, wurden im XV. Jahr- 
hundert die gewirkteu Teppiche für die Verherrlichung der Feste gebraucht, 
und zwar ohne besondere Rücksicht auf die Zusammengehörigkeit und den 
Inhalt ihrer Darstellungen. 

Für jenes Fronleichnamsfest halten die Kardinäle ihr ganzes, zum Teil 
berühmtes Teppichzeug nach Viterbo kommen lassen. 

Für den Empfang der Lionora beim Kardinal Riario (vgl. § 95) mussten 
offenbar die Sakristeien das Allerwertvollste hergeben, z. B. den Teppich Niko- 
laus" V. mit den Geschichten der Weltschöpfung, il piü hello ehe sia tra 1 
stiani; sodann noch einen andern besonders herrlichen mit der Himmelfahrt. 
Unter andern Thorheiten kam auch ein ganz vergoldetes lebendiges Kind vor, 
welches auf einer Säule stand und aus einem Brunnen Wasser nach allen 
Seiten spritzte.) 

An Kirchenfesten wird noch heule, wo Teppiche religiösen Inhaltes nicht 
-reichen, mit mythologischen und seihst mit Jagdscenen nachgeholfen. 

Im Ganzen sind Teppiche und Guirlanden im XV. Jahrhundert noch das 
immende. 

§ 189. 
Feste des XVI. Jahrhunderts. 

Im XVI. Jahrhundert wird zunächst ein ausserordentliches Steigen 
; - Aufwandes in der Festdekoration bemerklich. Es ist die Zeit, da Bau- 
meister, Bildhauer und Maler sich bei dieser Beschäftigung auf die Effekte 
im Grossen einübten und Proben für die monumentale Kunst machten (§ 50 
und 60), freilich aber auch sich an alles Flüchtige und Grelle gewöhnten. 
Der Possesso Leos X. in Rom 1513, Relation des Giac. Penni, bei Roscoe, 
Leone X, ed. Bossi V, p. 205 ss. -- Hauptthema der Allegorien musste, da man 
den neuen Papst kannte, das zu erwartende Mäcenat sein; an dem Triumph- 
bogen des Agostino Ghigi hiess es mit Bezug auf das sittenlose Pontilikat 
Inder- VI. und das kriegerische Julius' IL: 

i »lim habuil Cyprie sua tempora, tempora Mavors 
Olim habnit, sua nunc tempora Pallas habet. 

Leo- X. Kiuzug in Florenz 30. Novbr. 1515; zwei Relationen bei Roscoe, 
I. c. VI, p. 280 98 - ferner Vasari V, p. 24 s. (Le M. VIII, p. 266 s.), v. di 
A. de! Sarto; V. p. 341 Le M. IX. p. 219), v. di Granacci, VT, p. 141 (Le M. X, 
p. 299), v. di Bandinelli; VI. p. 255 (Le M. XI, p. 38), v. di Pontormo. -- Da- 
mals die berühmte Scheinfassade des Domes, s. § 190. 

Kaib V. Empfang nach dem ersten afrikanischen Feldzug 1536 in Rom, 
Vasari IV. p. 545 - Le M. VIII, p. 185 s.), v. di Montelupo; V, p. 4(>4 s. (Le 
M. X, p. 14), v. di Ant. Sangallo; VI, p. 571 s. (Le M. XI, p. 317), v. di Batt. 
Frai in Siena, ib. V, p. <ii4 s. (Le M. X, p. 185 s.), v. di Beccafumi; 

II. p. 245; Milanesi III. p. 167, 185; - in Florenz, Lettere 
pittoriche III. 12; Vasari VI, p. 67 (Le M. \. p. 253), v. di Tribolo; VI, p. 637 
Le M. XII. p. 27 . v. di Montorsoli (vgl. auch p. 26); - in Bologna, ib. VII, 
p. »i5j (Le M. I p. 4), in Vasaris eigenem Leben. 



§ 19<». Der Triumphbogen. 391 

Die Hochzeit Cosimos I. 153!); Vasari VI, p. 86 Le M. X. p. 269), v. <li 
Tribolo; VI, p. 576 (Le M. XI. |». :J21 . v. <li Iiatl. Kran.,,. 

Die Eauptbestandteüe der frühem Dekoration, das Grün, die Teppiche 
und die lebenden Statuen nehmen bald völlig ihren Abschied, Das Klas- 
sisch-Architektonische bekommt das Übergewicht über das Freiphantastische. 
Das war spate aber für das ganze XVI. Jahrhunderi bezeichnende Gut- 
achten Borghinis 1565, Lettere pittoriche I. 56: „Das einzig Wahre isl Holz 
und gemalte Leinwand in Gestalt von Bogen, Fassaden und andern Baulich- 
keiten; das Grün und die Teppiche mögen allenfalls passen bei scherzhaften 
Anlässen oder auch an Kirchenfesten; die lebenden, als Tugenden u. s. w. I. 
mierten Figuren sind eine inagra invenzione; das Wünschbarste wäre freilich, 
etwas Dauerndes aus Stein bauen zu können etc." — d. h. die überhand- 
nehmende Grandezza kann den fröhlichen Kirmessstil nichl mehr vertragi 

§ 190. 
Der Tri u in p li b ge 11. 

Die Triumphbogen, jetzt fast nur in Steinfarbe, schliessen sich, wenn 
nicht bestimmten römischen Mustern, doch genau der antiken Bildung der 
Einzelformen an. Eine baldige Konsequenz hievon ist die Steinfarbe auch 

an den Statuen und das Chiaroscuro an den Malereien, welche jetzt durch- 
aus das Relief nachahmen. 

Die vorgesetzten Säulen mit Statuen darüber, schon beim Possesso Alexan- 
ders VI. erwähnt, werden jetzt zur Hegel. Versilberte Säulen mit vergoldeten 
Kapitalen kommen wohl noch vor, doch herrscht schon die Steinfarbe. Bei 
Leos X. Possesso, wo sich der frühere und der spätere Stil mischten, kamen 
noch an einzelnen Bogen lebende Figuren vor, z. B. sogar mitten im kas- 
settierten Gewölbe eines Bogens, in einer sich plötzlich öffnenden Kugel ein 
Kind, welches zwei Distichen hersagte; sonst sind alle Statuen von Stucco, ja 
an einem Bogen hatte man echte antike Statuen und Lüsten angebracht. 

Die Bogen bei Leos Empfang in Florenz hatten ohne Zweifel sämtlich 
streng architektonische Formen; auf dem Signorenplatz war ein vierseitiger, 
vielleicht nach dem Motiv des Janusbogens, wie denn an Verschiedenheit der 
Kombinationen gewiss das Mögliche versucht war. Einer schien wie aus 
Porphyr. 

Die Bogen bei spätem Anlässen (ein sehe prächtiger bei einem Qoren- 
tinischen Fest 1525, Vasari VI, p. 1-52 (Le M. XI, p. 216), v. di Aristotile sind 
bisweilen so „herrlich und proportioniert", d. h. in Vasaris sinn so sehr der 
strengen Architektur irenidiert, dass man nur ihre Ausführung in Marmor wünschte, 
um sie unter die Wunder der Well zahlen zu können. Cagnolas Simplonl 
in Mailand ist bekanntlich das marmorne Nachbild eines Festbogens, welcher 
das grösste Wohlgefallen erreg! hatte. Auch Serlios Vorschrift und Vorbild 
iL. IV, p. 180) ist streng klassisch. 

Das tiefste Missverständnis der Aufgabe, d. h. die weiteste Abwendung 
von Heiterkeil und Freibeil zeigte sich ir>r>i; in Venedig bei Anlass der Ein- 
führung einer Do<raressa an einem Triumphbogen der M jei jilde, dessen Säulen 



II. Buch. IX. Kapitel. Dekorationen des Augenblickes. 

lauter Rustika hatten: Sansovino, Venezia, Pol. tr>i. Rubens hat 
ter diese- Motiv aufgegriffen für einige seiner Dekorationen in Antwerpen 
. Empfang des Kardinal-Infanten, allein er halt' sieh mit einer glücklichen 
barocken Freiheit durch. 

Dass fast alle Malereien der Bogen jetzt nur noch Hellet- nachahmten, 

d. h. in Ghiaroscuro ausgeführt waren, machte sieh dann in der ganzen Fest- 

. iration überhaupt geltend, auch wo farbige Darstellungen passend gewesen 

wären; z. B. Vasari VII, p. s 7 »he M. XII. p. 116), v. di Taddeo Zucchero. 

Die Gewöhnung vom Passadenmalen her mag mitgewirkt haben. 

Ausser den Bogen gab es zahlreiche andere Scheinarchitekturen, Pracht- 
— len, Dekorationen unvollendeter Kirchenfronten, endlich frei stehende 
Zierbauten. 

Bei jenem Einzug Julius' II.. i; L88 (nach 1506), gingen ganze Strassen 
entlang hölzerne Hallen mit goldgesclunückten Bugen auf versilberten Säulen; 
rtini, fol. 78 

Die Exhibition einer grossen Menge antiker Statuen am Hause des Evan- 
sta l!"--i beim l\>-sesso Leos X. muss man sieh wohl an einer grossen 
dekorierten Nischenwand denken. 

\.- ein Wunde! von Schönheit galt dann bei Leos Einzug in Florenz die 
ä« le des Domes, mit scheinbar verwittertem Tone, von -lacopo Sanso- 
vino und A. del Sarin. 

sserdem hatte man damals einige römische Denkmäler in Florenz nach- 
geabmt: dir Trajanssäule, einen Obelisken, dir Meta Sudans etc., - eine Hu- 
nde Scheinthür an der Badia, weil die wahre nicht genau auf der Achse 
lag, '-in Rundtempel mit halbrunder Eingangshalle u. s. w. 
Kandelaber, scheinbar von Marmor, wahrscheinlich kolossal, kamen 
wenigstens bei Leos Possesso vor. vielleicht zum erstenmal. 

§ UM. 
Die Fe st skulptur. 

Auch die Skulptur warf sieh jetzt mit der vollen Kntschlosseiiheit ihres 
Modellierens auf dir Dekoration von Festen und rief öfter in weitwirkenden 
diejenigen [deen ins Leben, deren Ausführung in dauerndem Stoffe 
ihr nie oder nur selten vergönnl war. 

Beim Possesso Leos handeil es 3ich, abgesehen \ len Statuen der 

_--ii. mehr um kleinere, zierliche Brunnenfiguren: eine Venus, aus 
i, rin Dornauszieher, aus dessen Winnie Wasser sprang. 
Dagegen empfingen den Papsl seine Landsleute in Florenz löiö mit. zum 
• II Skulpturen, welche mit den Dekorationen abwechselten; ein Her- 
kules Bandinellis ien hoch, aber misslungen; ein Rossebändiger in der 
quirinalischen ; ein vergoldetes Reiterbild in der Arl des Marc Aurel. 
wurde dann modellier! für den Empfang Karls V.: da musste 
Montelupo von den kaum vollendeten M grossen Statuen für dir 
«reg eilends dem Kaiser voran nach Florenz reisen, um dort 

jen zwei Flussgötter zu extemporieren; ausserdem prangten 



§ 191. Die Festskulptur. 



:;«.»:; 



Montorsolis Hilaritas and Jason, Tribolos Friedensgöttin, Herkules und ver- 
goldetes Reiterbild Karls, drei weitere Flussgötter der beiden letztgenannten 
Skulptoren, eine Viktoria von einem gewissen Cesare, Prudentia und Justitia 
von Franc Sangallo, alles kulu-~.il und mehreres „ausserordentlich gro 

In Siena arbeitete Beccafumi aus Papiermasse über einem eisernen 
rippe das höchsl kolossale Reiterbild des Kaisers in antikem Kostüm, über drei 
Gestalten von besiegten Provinzen dahinsprengend , nächst Lionardo eins der 
ersten sprengenden Pferde der modernen Kunst. Nach andern statt der Pro- 
vinzen drei Flussgötter, aus deren Urnen Wasser strömte.) i Sodoma 
muss damals an einem Pferd gearbeitel hal 

Die Reiterstatue, und zwar sprengend, kam später auch bei Cosimos I. 
Hochzeit vor, wo dessen Vater Giovanni dalle Bande nere durch Tribolo auf 
diese Weise, und zwar riesengross, dargestellt, wurde. 

Man überbot sich dann 
im Kolossalen; beim ersten 
Einzug Alfonsos II. von Fer- 
rara in Reggio 1558 stand 
auf der Piazza in Palmen 
hoch der Gründer der Stadt, 
M. Lepidus, aus Stucco ver- 
fertigt von Glementi; Lettere 
pittoriche 1, Append. .']'.»: 
späterer Kolosse, z. B. in 
Vasaris Beschreibung der 
Hochzeit des Prinzen Fran- 
cesco Medici 1505 nicht zu 
gedenken. 

Zu all diesem gehörte 
eine Behendigkeit wie die 
des Montorsoli, der hinnen 
24 Stunden eine Fides und 
eine Caritas in Lebensgrösse 

modellierte, als Schmuck eines improvisierten Brunnens, welcher während des 
Generalkapitels des Servitenordens Qoss: Vasari VI, p. 636 Le M. XII, p. 
v. di Montorsoli. 

Die Künstler kamen bei solchen pressanten Arbeiten in eine Art von 
Taumel hinein, und wenn dann mit gutem Wem nachgeholfen wurde, meldeten 
sich Ideen, die wenigstens während des Festjubels als das Brillanteste von der 
der Welt galten; Vasari VI, p. 573 (Le M. XI, p. 319), v. di Halt. Fra 
Und wenn einer todmüde auf ein Bündel Laub sank, konnte es ihm begegnen, 
auf die schmeichelhafteste Weise geweckt zu werden, wie |,. \ 

selbst, Lettere pittoriche III, 12. 

Beim Volk gelangte man durch solche Arbeiten inem 

ungemeinen Ruhm; Armenini, p. 71. 




Palladios Teatro olimpico zu ' 
b Gurlitt.) 



Grundrisa 



II. Buch. IX. Kapitel. Dekorationen des Augenblickes. 

§ L92. 

I 1 <• !• Th ea te rba u. 

Dramatische Aufführungen, lange nur bei festlichen Anlässen üblich, 
fanden in Höfen und Sälen der Grossen und Prälaten, auch wohl auf öffent- 
lichen Plätzen statt. Ersl späl beginnen stehende Theater und diese, bringen 
i s iaiin noch lange zu keiner äussern Kunstform. 

Über das Theaterwesen vgl. Kultur der Renaissance S. i2T>( ), 277. 314, 401; 
IV. Aufl. 1. s. 285, 310 f.; IL S. 34, 133. 

Die Toscaner gelten auch hier noch lange als die Wissenden, wie in allem 
Festwesen. Für Feststellung eines Bühnenapparates musste noch 1542 die 
ipagnia della Galza in Venedig heule aus Toscana kommen lassen. Vgl. 
Growe-Cavalcaselle, Tizian. Bd. II. S. 121. 

Die Tragödie blieb eine Sache des hohem momentanen Luxus ; die ersten 
Tleater. welche wenigstens eine beträchtlichere Zeit hindurch als solche ein- 
chtet hhehen. dienten nur für Komödien; Vasari VI, p. 44G s. (Le M. XI, 
p. 212), v. di Aristotile (in einem Saal des Kardinals Farnese zu Rom); — 
VI, p. 583 s. (Le M. XI, p. 328), v. di Batt. Franco (in einem Gebäude an der 
Via Giuüa . Schon früher, im Jahr 1515, muss das Lokal des Giuliano Medici, 
Bruder Leos X.. wenigstens einige Zeit in voller Ausstattung dagestanden haben, 
da dessen Neffe Lorenzo in dessen Abwesenheit dort ein Stück des Plautus 
aufführen liess; Fettere di prineipi I, 13. -- Palladio errichtete in Venedig be- 
reits ein halbrundes Theater, welches nach aussen die antiken Formen, ..nach 
Art des Kolosseums", allerdings nur in Holz, scheint gehabt zu haben; das- 
selbe wurde erbaut für eine einzige Tragödie während eines Karnevals; Vasari VII, 
p. 100 (Le M. XII. p. 127 . v. di Tadd. Zucchero; dagegen ist Palladios er- 
haltene- teatro olimpico Fiir. ."io4) zu Vicenza (1584) aussen ganz formlos ; das 
Auditorium queroval, üben mit einer Halle. Während letzteres notorisch für 
Komödien sowohl als für Tragödien diente, waren die zwei „sehr schönen, mit 
ästem Aufwand erhauten" stabilen Theater in Venedig, das ovale und das 
runde, welch'- Francesco Sansovino, Venezia, fol. 75 anführt (um 1580), nur 
für Aufführungen von Komödien im Karneval bestimmt. Sie fassten eine grosse 
Mei - • enmenge. Der Verf. sagt nicht, dass sie Werke seines Vaters Jacopo S. 

Eine Zeichnung im Louvre (salles <\r< dessins, premiere vitrine tournante), 

• • allerdings mit dem Namen Sansovinos, giebt den Längnidurchsclmitt eines 

welches bereits wie dasjenige im Palasl von Parma (1619, von Aleotti) 

dem Auditorium obere Hallenordnungen in der Art von Sansovinos Biblio- 

hat; dann, bevor die Scena beginnt, eine grosse Eingangspforte mit Fenster 

Allem die einzelnen Nischenverzierungen etc. sind für Sansovino schon 

zu baro» k. 

(Im Theater zu Parma ist die Scena bereits ein Tiefbau, auf Verwandlun- 

berechnet, mit einem Vorhang verschliessbar, welcher die Mitte eines 

höchst prachtvollen Frontbaues mit reicher korinthischer Ordnung und Statuen 

in Nischen einnimmt; dann folgen nach vorn die Seitenpforten rechts und links 

: weiter das Auditorium mit den (hölzernen l)o]i|>elliallen oben ringsum. ) 



§ 192. Der Theaterbaii. 



:;«.»:> 




i ig "•. Schema«eines Theaters Dach Serlio. Grundriss. 



Die Anordnung der Sitzreihen mag anfangs dem jedesmaligen Zufall über- 
lassen gewesen sein. Mil der Zeil jedoch ermittelte man sowohl ihre ricl 
Lage zur Bühne als mich ihre möglichst zweckmässige Einrichtung zum Sehen 






II. Bach. IX. Kapitel. Dekorationen des Augenblickes. 





und Hören. Welches dabei das spezielle Ver- 
diensl des Lionardo gewesen, der bei Giovio 
deliciarum theatralium mirificus inventor heisst, 
ist nicht mehr auszumitteln. 

Aristotile da Sangallo suchte bei einer 
Aufführung im hintern Hof des Pal. Medici zu 
Florenz (1539) den Zuschauerraum wenigstens 
möglichsl schmuckreich zu gestalten; ein Tuch 
überspannte die Arena und an den Wänden 
waren Bilder zeitgeschichtlichen Inhaltes an- 
gebracht; Vasari VI, p. ill (Le M. XI, p. 203s.) 
v. di Aristotile. ähnlich bei Vasaris in Vene- 
dig für die Compagnia della Calza errichtetem 
Hau. mit Nischen zwischen den Wandbildern; 
Vasari VI, p. 223 ss. (Le M. XI, p. 9 ss.), v. di 
Gherardi. - Battista Franco führte für Kar- 
dinäle und Prälaten, die sich vor dem übrigen 
Publikum nicht zeigen mochten, Logen (stanze) 
mit Vorhängen (Jalousien) ein; Vasari VI, 
p. 583 s. (Le M. XI. p. 328), v. di Batt. Franco. 

Serlios Anweisung für die Konstruktion 
des Zuschauerraumes und der Huhne ist aus 
Fig. 305 und 306 ersichtlich. Die Bühne (hier 
noch verschliessbar soll gegen den Hintergrund 
um ein Neuntel ihrer LiiiiLie ansteigen: hei der 
Bühne in Vicenza war der vordere Teil, bei 
einer Tiefe von 12 und einer Breite von 60 Fuss, 
eben, ans Rücksichl auf das Ballett, bei dem 
auch Elephanten zu erscheinen hatten. Auf 
dieser Vorderbühne wurden die Gebäude nicht 
perspektivisch verkürzt. 

Den Horizont verlegte Serlio nicht, wie 
andere damals, an die Basis des Hintergrundes, 
-nudeln lim das Mass der Tiefe des ansteigen- 
den Teiles der Bühne über den Hintergrund 
hinaus s. dm Funkt in Fig. 306). 

Palladio hat. der antiken Tradition und 
zeitgenössischer Gewohnheit (vgl. Serlio) ent- 
gegen, der Orchestra und Scena das gleiche 
Niveau gegel 



L93. 

I>i - S ce na. 

Nachdem früher die Scena auch hei Mysterien nur eine allgemeine 
dekorative Ausstattung gehabl hatte, begann mit dem XVI. Jahrhundert 



§ in:;. Di 



397 



eine bestimmte Bezeirliiiun<r der ( »ltlichkeiten, teils mehr in idealisieren- 
dem sinu, teils mehr wirklichkeitsgemäss. 

Theoretische und praktische Darstellung der ganzen Theatereinrichtung 
um 1540 bei Serlio, im II. Buche, t'ol. 17 --. 

Die Scena tnuss zunächsi häufig einen symmetrischen, idealen Bau dar- 
gestellt haben, mit Ausgängen in der Mitte und zu den Seiten, und mit ■ 
Meiie.e viin Bildern, welche zusammen einen ohern Fries ausmachen mochten; 




Fig. 307. Scena einer Komödie. Entwurf von Serlio. 

der ganze Baum sich stark perspektivisch verengend; die Gesimse, Kapitale u 
geschnitzt vortretend. 

So die Scenen halbgeistlicher Aufführungen Vasari VI, p. 1-38 s. (Le M. 
XI, p. 205), v. di Aristotile, ..voller Säulenhallen, Nischen, Tabernakel und S 
tuen, wie man es früher bei solchen Aufführungen nicht gesehen", um LS 

So der „königliche Saal mit zwei Nebengemächern, aus welchen die Re- 
citanten hervortreten", in der ersten bei Vasari V, p. 519 (Le M. V p. 82 im 
Kommentar zu v. di Ant. ^\.i Sangallo erwähnten Scenei 

Auch die Aufführung des „Königs Hyrcanus von Jerusalem", in dem 
erwähnten Halbrund Ball. ein-, wird eine solche Scena gehabt hal 

In ihren einfachsten Elementen ist diese Art von Scenen "Her ii 
reichen erzählenden Qorentinischen Breitbüdern um 1500 dargestellt. 



3 



II. Buch. IX. Kapitel. Dekorationen des Augenblickes. 



• andere Art von Scenen, diejenige, auf welche sich Serlio bezieht, 

enthielt verschiedene kulissenartig vortretende Gebäude (wie an einer nicht sehr 

breiten Strasse in der mittlem Achse), „die kleinem vorn, die grossem weiter 

inten"; SO dass man etwa durch die Hallen des einen das andere sah; nehsl 

einem Schlussbau ; ebenfalls stark ansteigend und sich verjüngend. Für Komödien 

7) wählte mau grössere und kleinere Häuser Wirtshaus, Bordell etc.) 

mit ehern Gängen, Erkern oder Fenstern; für Tragödien (Fig. 308), fürstliche 

Prachthallen mit Statuen, auch mit einem Triumphbogen in der Mitte u. s. w. ; 

Serlio giebl auch noch für ein vermeintliches „satyrisches" Drama (Fig. 309) 

eine landliche Dekoration mit Bäumen und Hütten. 




Scena einer Tragödie. Entwurf von Serlio. 



Eine Komödienscena dieser mehr wirklichkeitsgemässen Art war 1515 die 

von Baldassare Peruzzi angegebene, als die Shell Rom die Erhebung des Giu- 

liano Medici, Bruder Leos X., zum Feldherrn der Kirche feierte; man bewun- 

derte daran die reiche und bunte Krlindung der Häuser, Hallen, Fenster etc., 

Vasari IV. p. :>'.C> s. (Le M. VIII. p. 224), v. di Peruzzi. Auch die Dekoration 

für Bibienas Komödie Calandra, welche vor Leo X. aufgeführt wurde, war 

voll von „täuschend" gegebenen Einzelgebäuden, ib. p. 600 (p. 227 s.), vgl. 

610 237;, Nota. Wenn eine noch vorhandene Zeichnung Peruzzis diese Scena 

nthiell der Hu ind eine Anzahl von Gebäuden des alten Roms. 

[V. Buches, rühmt, dass Peruzzis Scenen hei aller Schönheit 

istel hätten als alles Ähnliche vor ihm und nach ihm.) 



§ L93. Di 



399 



Ähnliche Scenen wird man. wo nichts Besonderes bemerkl wird, bei 
Komödien in der Hegel und auch wohl bei Tragödien vorauszusetzen haben. 
So Vasari III. p. 682 (Le M. VI. p. 135), v. di [ndaco: - V. p. 195 I..- M. I\. 
p. 101), v. di Francia Bigio; - ib. 341 (p. 219), v. di Granaci . :,l:i 

(Le M. \. p. si>.. dir /.weile im Kuinmentai zu v. di Ant. da Sangallo erwähnte 
Scenenskizze, wo den einzelnen Häusern die Namen beigeschrieben sind; VI 
p. 12 (Le M. X. p. 204 s.), v. di Lappoli; - ib. p. 316, 317, 330 (Le M. XI. 
p. 87 s., 99), \. di (ienga; — ib. p. 436 145 he M. XI, p< 203 12), v. di 







Fig. 309. Scena eines „satyrischen Dramas". Entwarf \ 



Aristotile, abgesehen von den oben erwähnten Ausnahmen; — ih. p. .">ll (Le 
M. XI. i». 293), v. di Ridolfo Ghirlandajo; ih. p. 583 he M. XI. p. 

v. di Math Franco obwohl man hier der gemalten Historien und Statuen wegen 
auch an einen einheitlichen idealen Hau denken könnte ; VII. p 15, 27 Le 
M. XII, p. 56, 66), v. di Salviati. 

Die Scena von Palladios Teatro olimpico vereinig! dann beides: den 
symmetrischen Prachtbau und durch fünf Pforten gesehen die enden 

Gassen mit verschiedenen und unsymmetrischen Einzelgebäuden Fi . 310). 



11. Buch. IX. Kapitel. Dekorationen des Augenblickes. 

ss Ansichten wirklicher Gebäude, ja ganzer Stadt.' vorkamen, erhellt 
aus den Stellen überPeruzzi; in einer Dekoration des Aristotile war Pisa ganz 
kenntlich dargestellt. Dass man aber solche Aussagen doch rüchl zu buch- 
lich nehmen dürfe, lehrt der Prolog von Ariostos Negromante: die Slii.lt 
stelle Gremona dar; 

So che alcnni diranno ch'ella h simile 
E ferse ancora ch'ella e La medesima 

in detta Ferrara, recitandosi 
La Lena 
andere Komödie des Dichters . aber es sei eben Karneval, wo auch Gre- 
mona in der Maske auftreten dürfe, die einsl Ferrara trug. 

g 194. 

K ü n s 1 1 c r i > c h e A b a ich t .1 e r S c e n a. 

Das Höchste, was die Scenenkünstler erstrebten, war indes noch 

ids die Täuschung in iinserm heutigen Sinne, sondern eine festliche 

Pracht des Anblickes, hinreissend genug- für jene Zeit, um die Poesie darob 

zu lassen. 

- lios u. A. Angaben, wie man den Mond steigen lasse, Blitz und Donner 

hervorbringe, behebige Gegenstände brennen lasse, Flugmaschinen in Bewegung 

e u. s. w. : die Sonne wurde durch eine von hinten beleuchtete Kristallkugel 

dargestellt (und zwar beweglich) u. s. w. 

./. kindlich um! unserm Begriff von Illusion geradezu entgegengesetzt 
- ic-inen jene sogen. Edelsteine, womit die Friese der Gebäude auf der Scena 
»es hmückl waren: es waren facettiert gegossene Gefässe, entweder mit ge- 
färbten Flüssigkeiten oder aus farbigem (das, von hinten beleuchtet, an den 
i verkürzten Flächen der Gebäude, heisst es, müsse man sie natür- 
lich "ebenfalls verkürzt darstellen, auch sie wohl befestigen, damit sie nicht von 
der Erschütterung der Ballette herunterfielen. 

A U ch di a mit farbigem Glas. Papier oder Tuch geschlossen, wur- 

den beleuchtet, wie etwa jetzt auf Kindertheatern. 

Eine ländliche Scena, eingerichtet von Genua für den Herzog von Urbino, 

hatte lauter Baumlaub und anderes Grün und Blumen von Seide; an den Ge- 

staden des Wassers wimmelte es von echten Seemuscheln und Korallen, wozu 

die Prachtkostüme der Hirten und Nymphen, die goldenen Fischernetze und die 

. ippten Menschen komponierten Meerwunder trefflich zu passen schienen. 

- r richtig verlangt Serlio für die Bühne reines Oberlicht durch Kron- 

hter, -t.it t des zweifelhaft wirkenden Rampenlichtes der modernen Theater. 

Vor bloss gemalten Personen warnt er, giebt aber doch Intermezzi von 

nittenen 1. deren unterer Rand in einem Falz des Bühnen- 

■ 

L95. 

e r werk u n d T i b c h a u I 's ä tze. 
Auch das Kunstfeuerwerk war in Italien gegen Ende des XV. Jahr- 
hunderts so ausgebildet, dass es den Festlichkeiten einen höhern Charakter 
leihen konnte. 



§ 195. Feuerwerk und 'I 



In] 




( Au <* wohl in Spanien, vgl. das Feuerwerk in Barcelona 
Leodius, de vita Friderici II. Palatini, I.. II. 

Auch hier sind Florentiner unentbehrlich. Phil. B 1-7 

am letzten Abend des F sl f dem Platz 

Burck hard t , Italien. Reu 



11. Buch. IV Kapitel. Dekorationen des Augenblickes. 

und ungewohntes Schauspiel, bei den Leuten Girandola, d. h. Flammenkreis, 
geheissen, von einem Oorentinischen Machinator. Es schein! misslungen zu sein. 
aber trotz Schreckens und verbrannter Kleider gefiel es um der Neuheil willen.) 
Das theoretische Werk des Vannuccio Biringucci von Siena, Pirotechnia 
erst< \ -_ Venedig 1540) steh! uns nichl zu Gebote. Über den Autor vgl. 
Milanesi 111. p. 124. 

In Florenz knüpfte sich eine wahrscheinlich schon alte Ausübung an »las 
- st. Dil Hauptschilderung der Girandola in den ersten Jahrzehnten 
ä Ml. Jahrhunderts ziemlich dunkel, bei Vasari VI, p. 92 s. (Le RI. \. 
j>. 27 i . v. di Triobolo, welcher letztere dann auf Befehl Cosimos I. (vgl. § 56) 
. Feuerwerk die phantastischen Elemente benahm und einen klassischen acht- 
eckigen Tempel an deren Stelle leuchten liess. Vgl. VI, p. r>.',:> (Le M. XI. 
288 \. di lud. Ghirlandajo, dessen Gehilfe Nunziata in diesem Fache sehr 
: ahmt wird. 

, dem Feuerwerk sind wir auch dem Zuckerwerk und den Tafel- 
aufsätzen eine Notiz schuldig, insofern diese Dinge bisweilen mit grossen 
dekorativen und plastischen Ansprüchen auttraten. 

bisweilen alle speisen überhaupt in Phantasieformen. Ein kolossales 
spiel Gorio, stör, di Milano, fol. 239 s. bei Anlass der Hochzeil einer Visconti 
mit einem englischen Prinzen 1368. 

Beim Empfang der Lionora durch Kardia. d Pietro Riario (§ 187), Gorio, 
fol. 417 --. . vergoldete Speisen, travestierte Gerichte, z. B. ein Kalbskopf als 
Einhorn, dann allmählich lebensgrosse mythologische Figuren und Gruppen, 
Kastelle, * t i 1 • — essbar oder mit Delikatessen angefüllt, Schiffe. Wagen mit Tieren, 
ms welchem ein lebendiger Mensch herausstieg, um Verse zu re- 
citieren. — Massiger ging es dann am Hufe von Ferrara hei den festen zu 
Ehren derselben Prinzessin zu. Diario ferrar., hei Murat. XXIV., «loh 249; die 
in allen möglischen Formen modellierten Zuckersachen wurden dann dem Volk 
zum Raub überlassen. 

Beroaldus a. a. 0. u 187 lässl eine schon etwas veredelte Stufe dieses 

erkennen; hei der von ihm geschilderten Hochzeit, kam zwar am 

Hauptgastmahl noch manche Spielerei vor, z. II. die Tiere noch scheinbar 

_. Rehe, die noch hüpften. Stachelschweine, die noch ihre Stacheln .ml 

richteten "le.: da- eigentliche Kunst zeigte sich aber zwei Tage später hei einem 

Kr< ise, und zwar mit den niedlichsten Figuren und Gruppen, 

wahrscheinlich aus Dragant, welche, dann den einzelnen Gästen als Geschenk 

mitgegeben w urden. 

Als ^ .iL'nette dieses Abschnittes möge die Erwähnung einer gewiss 

oll angeordneten Trophäe aus lauter Wildprel dienen, womit ein 
Abi von Farfa 1476 den nach Rom reisenden König Ferrante von Neapel em- 
pfing; Jovian. Pontan. de conviventia. 



Künstler -Verzeichnis 



A. 

d'Agnolo, Harri,, .;;,. 90, 92, 199, 254, 324, 
326, 327, 334, 337 

d'Agnolo, Domeni«'«» 324. 

d'Agnolo, Gabriele 68, 203. 

d'Agnolo, < riuliano .424. 

Agostino di Dnccio 19, 66, II»;. 238, 302. 

Alberti, L. B. 3, 9, 17. L9, 35, 38, 39, 
42. 44. r.l (2), 52 (2), 55, 56, 57, 58, 
59, 66, 71, 79 (2), . 105, 112. 

113, 114. 117. 123, 124. 142. 117. 152, 
155. 159, 160, 168, 180, 193, 218, 226, 
233, 24n. 242. 245 (2), 247. 265, 270, 
301, 308, 311, 330, 343, 345, 364. 

Aleotti :m. 

Alessi, Gal. 53, 58, 110, 138, 167, 227. 228, 
229 (2), 232, 261, 262, 263, 268. 

Ambrogio d'Antonio 1 18. 

Ambrogio Maggiore 290. 

Ambrogio da Milano 307. 

Ambrogio da Drbino 72. 

Ammanati 100, 101, 190, 227. 228, 232, 240. 

Ammanati, Gio. 316, 324- 

Ammanatini :i26. 

Anastagi 380. 

Andrea di Cosimo 360. 

Andrea da Fiesole 280. 

d' Andrea, i larlo 322. 

d' Andrea, Gio. 322. 

Angelico, fra, s. Fiesole. 

d'Antonio, Francesco 379. 

Antonio da Mantova 326. 

Antonio, Marco 287. 

d'Antonio Pippo 14s. 307. 

Araldi 361, 362 

A rignzzi 34, 1 15. 

Arnolfo 2, 27, 29, 30, 115, 117 

Aspeitini 355. 

d'Auria. Donn-nico 2*1. 

Averlino -. Filarete. 

IJ. 

Bacchiacca 339. 

Bambaja 284. 

Banco, Xanni di 85. 

Bandinelli 267, 286 (2), 301, 306, 315, 392. 

Barile, Antonio 324, 328, 329, 330 

Barile, Gio. 324, 326, 328, 130 

Barozzi s. Vignola. 

Bartolommeo, fra 334. 

Bastiano, » lorso di, 1 16. 

Battagio, Gio. Batt. 78, 129, 130 

Battoni, Eus. 334. 

Beccafuiui 357, 374, 384. 393. 

Bellini, Gio. 334. 



Beltramo di Martino 19. 
Benci di Cione 27, 85, 1 1">. 
Benedetto de' B( i edetti 57 
Beneden., da Briosi o 151, 
Benedetto da !; 
Benozzo i rozzoli 168, 220, 
Benvennto i lellini s. Cellini. 
Bergamasco 175, 222, 

Berga fra Damiano da 

Bergamo, lii.'. Bau. 2*'.». 
mo, Stefano da 329. 
Bernini 245. 

100. 

Bertini, 1 tenico 146. 

Bettini, < rio. 1 13 
Bicci, V-ri de' 323 

j ii... Gio. da 316, -'Ms. 
irde, » ii... delle 322 
lim^-oo-none l."iii, 361. 
Boscoli, Maso 280 
Botticelli 331, :>77 
Bramante 11. 16 »2), 34. 40, 49, 51, 54, 55, 

58, 59, 67, 7-. 86, 88, 90, 91, 92, 9 

'.H. '.ii;. 100, 105, 112, 117. 118, 122. 

I28ff., 131 ff., 148, 163, 165, 175, 

183, 205, 206, 211, 215,216,229.2 

249, 268, 285, 286, 313, 31 I 
Bramantino 39, 325. 
Bregno 222. 278. 284, 304. 
Brescia, fra Raff, da, 324, 326. 

i da 342 
Brescia, Vinc. da 287 

i hl. 321. 
Briosco 290. 
Bronzino I 
Brun< • 14, 17, 18, 19, 29, 

18, 51, 52, 53, 56 6 

83, - 98, 104, 117. 12 t, 154. 

160, 173, 171». 185, 188, 233, 24ö 

326, ::77 
Bruno di Lapo 
Bruosco 57. 

Hu.. n. Giov. u. Bart. 29. 
Buonarroti s. Micbe 
Busti, Agost. 284. 

(. 

ii 52, 287. 
Calvi, Laz 
Calvi, Tantal. 
» ani].i 376. 

('.in,, z/i (Li 

Caparra, \ 

Caprina, Meo del 144. 






Künstler-Verzeichnis. 



il' Andrea 

2 >7 361. 
- I 

279, 307. 
ti 18J 

184, 386. 

• 

"7. 

la < prai 

da 249. 
rbano da 278. 
Andrea di 
Cosini 280, 

la Roma 280, 284, 384 

i, 126, 159, 175. 
215, 

I). 

g qo 324, 325, 328, 346. 
Danii rra. 

Settig nano 57, 279, -! v| ». 298, 

- 129, 130, 150, 
161, 165. 

18. 
I »oraenichino 2^'.',. 341. 

oico • 1 i Capodistria 122. 

124 (2), 325, 327. 
aico « i i Pietro 157. 

307, 312, 317, 

bbia 146. 

rino. 
Dncci na 5. 

E. 



F. 



' 372. 
righi, Antonio 64, 1 16, 226, 31 
Ft;-ltrini. Andrea 330, 350. 

'. _ ■ 

Mino. 

■ , 75, 
117, 12:.. I 318. 



1 .ml. \. iri di 20, 85, 1 15. 

Folfi, Mariotto di Zanobi 94. 
Forbicini 375. 
Formentone 220. 
Formigine 1 17. 230, 283. 
Francesco d' Antonio 379. 
Francesco Fossi 220. 
Francesco Francia ^77. 

esco di Guido 17.Y 
Francesco di Simone 279, 307. 
Francesco da Urbino 345. 
Francione 1 17. 324, 328. 
Franco, Batt. 374, 384, 396. 
Fumiani :U'J. 

G. 

Gaddi, Taddeo 17. 80. 

Gagini 304. 

Gambara :>47. 

Garofalo 362. 

Genga, Girol. 18, 42, 138, 151, 216, 237, 256, 

:;: 2. 
I rberardi 374. 

Ghiberti 17. 35, 85, 306, 318, 377, 379, 386. 
Ghirlandajo 38, 377. 
Giocondo, Fra 32, 39, 42, 46, 81, 133, 166, 

22< I. 
Giorgio, Franc di 19, 34, 38, 42 (2), 43, Im 

117. 124, 146, 160, 237, 245. 
1 riorgione 353, 354. 
Giotto 3, 17. 147, 167, 323, 361. 
Giovanni Angelo Romano 280. 
Giovanni da Nola 281, 30 !. 
i riovanni di Pietro 220. 
Giovanni da Siena 195. 
Giovanni da Udine s. [Jdine. 
Giovanni, Fra, da Verona 127, 324, 326 (3), 

331. 
Girolamo da Carpi 267, 361. 
Giulio Romano s. Romano. 
i robbo s. Solari. 
Gozzoli s. Benozzo. 
1 . rosso 8 l laparra. 
1 hierzo 353. 
Guidotti 226. 

I. 

[mola, [nnocenzo da 252. 

L. 

Landini :5K;. 
Lapo 31. 

1. .rni.m.i. Luc. da, 14, 2110, 221. 
•Lazzaro de' ( avalcanti ">m 
Lendenara 1 < ianozzi 1 324, 327. 
Li oni 20, 300. 

Leopardo, Aless. 165, 285, 301. 
Ligorio 249, 262, 266, 315. 
Lionardo da Vinci 16, 18, 16, 237, 346, 385. 
Lippi, Filippo 361. 
Lippi, Filippino 334, 360. 
Lombardo, ' rirol. 322. 



Künstler -Verzeichnis. 



405 



Lombarde-, Martine 156. 
Lombardo, Pietro 127, 175 
Lombarde-, Tullio 72 
Lonati 129. 
Longhena 229. 
etto 301. 
Lotto 

Lovini, Atirelio 289. 
Lovini. Evang. 289. 

qo, Franc, da 1+ii. 
Luini 288, 362. 

M. 

Maderna 376. 

Majano, Bened. da 18, 52, 64, 148,278, 280, 

290, 304, 307, 324, 327. 
Majano, Ginl. da 15, 18, 19, 52, 156, 227, 

251, 312, 324, 327. 
Malvito 318. 

Manetti 19, 123, 124, 154. 
Manetti. Antonio di Tuccio 4, 19, 26, 32, 37, 

42, 114. 
Mangone 55. 

Mantegna 20, 80, 124, 360, 362. 
Marco de' Dolci 154, 340. 
Marco da Faenza 375. 
Marinna 278, 304, 322. 
Marino di Marco 33. 
Martin... Pietro di 238. 
Masaccio 35. 
Mascheroni 153. 
Maso <li Bartolommeo 84. 
Masolino 377. 
Mattia di Tommaso 334. 
Matmille :>.V2 
Mazzola 262. 
Mazzoni 208. 
Melozzo 186, 361. 
Menzocchi 375. 
Mi. -h.-i Cristofano 280. 
Michelangelo 11, 16, 18, 13, II. 57, 58, 89, 

90, 94, 98, 100, 106, 110, 118 (3), 119, 

120, 132 ff., 151, 153, 166, 17::. 176, 

179, 180, 187, 189, 209, 21«'. 211, 236, 
■ 245 (2), 256, 269, 27s. 286, 300, 

306, 314, 322, 340, 344, 364, 382. 
Michelozzo 50, 57, 63, 129, 173, 185, 186, 

1D7. 250, 271). 21)1). 302, 312, 330. 
Minella. Pietro di 324. 
Minie. Tiziano 319, 372. 
Mine da Fiesole 280, 304. 
Moietta 290. 
Monaco, Gugl. 318. 
Monterchi 

Montorsoli 268, 282, 315 (2), 3 
Moranzone 334. 
Mormandi 19, 179. 
äloro, Batt. de! 358. 
M '"ii. • 362. 
Morto da Kein. 366. 
Mosca 286 (2), 



N. 



Xanni di B 



:; ' Riccio) 
•ii Fiora 15 

N'iccolo, Domenico di 
Mola, Gio da ..- 
Niui/.iata W)2. 

0. 

Omo ; -i. 290. 

226. 
1 Irmanni, Antonio 318. 

I». 

Palladio 16, 19, 42, 

152, 162, 166, 222. 221. 227 

231, 235, 21". 24S 

399. 
Palma vecchio 332. 
Paolo da Mantova 326. 
Parmigiano 287. 
Pastorino M74-. 
Pellegrini (Tibaldi) 35, 102, 137, 162, 

188, 227. 375. 
Penni (ii Fattore) 287. 
I'. rine >. \ 
Perugino 
Peruzzi, Baldassare 5, 11, I, -<i. 

71. l»l. 100, 109, 110, 112. 118, ! 

139, Dil. 187, UM. 211. 212. 215, 216, 

233, 254, 2:.7. 260, 27-. 301 

357, 372, 384 
Peruzzi, Salustio i" 
Pesi ia. Piermaria da 384. 
Picinino 2-7. 

Pietrasanta, Giac.da 58, 1 II. 1 17 
Pietro di Domenico 160. 
Pinturicchio 362, 364 (2 
Pironi, Girol. 2-1. 
Pisano, Andrea 318. 
Pisano, Niccolö 19, 27. 
Pocetti 376. 

Polidoro da Caravaggio 3 
Polifilo 37, 17. 124. 265, 267. 
Pollajuolo 17.".. 300, 31.7, 377, 
Ponsi, Gir. 125. 
Pontelli 18, 117 (2), 127. 200 
Pontormo 337, 357. 
Pordenone 270, 287, 346, 
Porl 157, 162, 

376. 

Ginseppe 1".. 



opo della 278. 

R. 

liafael 18, U), 41, 42, • I 

151, 165, 17^. 

221. 






Künstler-Verzeichnis. 



- 
Ramo di Paganello 5 

321, 324. 
Richini •_' 

172. 

84, 175, 28 15, 362. 

. Luca della ... 

; ii 117. 16 

i Vicenza 137. 
.ri 151, 17V». 304. 

18, 20, 34, 11. 57, 94. 97, 
16, 227, 229, 254, 255, 

in... Antonio 175, 298, 304, 312. 
; :. . Bernardo 14. 38, 64, 66 (2), 79, 
144, 146, 245, ^7v 279 

- 81, 156, 201, -2-2<k 
äsi, 1 

rentino 287, ■'■>">7. 

iened. da 280, 290, 308. 
da :;J7. 
Rnstici 313. 

s. 

iti ::•_!''.. 

Antonio d. ä. da 11. in. 91, 93 (2), 
117. 125, I.V.. 164, 235, 236 i2i. 244, 

Antonio d. j. da 19, 20, 11, 1 18, 

152, 1.".'.». 165, 171. 206, 210, 

211, 215, 233, 236, 239, 246, 263, 269. 
Aristotüe da 396. 
13. 
llo, Francesco 'In 206, 
allo, Giuliano da 19, 33, 36, 38, 50, •">•'>. 

-'. 90, 93 (2 . 116, 123, 125, 126, 

151, IV. 184, 236, 250, 299, 308, 

: ii.-li 6, 16, 119, 137 (2), IM. 1 ,7. 
202, 215, 236, 238, 256. 

Irea 20, 50, 151, 285, 300. 
- 

... 7:;. '.»1. 97, 110, 114. 
151, IV. 189, 202, 205, 222, 301, 

374, 391, 394. 
. > rirol. IUI. 
de! 377, 
zzi 100, 229, 232, 248. 
!•■ TJ7. 222. 
287. 

»27. 
- 

Semino, Ai 
- 

290. 

;i. 12, 1»;. 59, 71. 88, 93, 97. 

171. 212, 213, 

• JIM. 248, 249, 

391, 396. 397, 

• 322. 



Simone 298, 300. 
ma 364, 384. 
Solari 137, 150. 
Soncino 'J s 7. 
Spavento li>t>. 
Sqnarcione .'^7. 360. 
Stagi 286. 
Stefano 332, 337. 
Stefano da Bergamo :>'j;t. 
Stefano da Brescia 342. 
Stefano da Zevio 346. 

T. 

Tasso 324, 340 (2). 

Tempesta 376. 

Testa 326. 

Tibaldi s. Pellegrini. 

Tingo, Mariano di 1 16 

Tintoretto 342. 

Tizian 332, 334, 353, 354. 

rorrigiano 362. 

Triachini 229. 

Tribolo 18, 261, 269, 315, 343, 392, 402. 

Trist ani, Alberto 156. 

Tristani, Hart. 156. 

Troso da Monza 286, 325. 

Turini :<±2 (2), 378, 379. 



u. 



üdine, Gio.da 287, 314, 358, 367, 368, 369. 
ürbano da Cortona 278. 



V. 



Vaga, Perin de) 100, 171. 270, 287, 358, 360, 

367, 369, 370, 372, 374. 
Valle, della 166. 
Vasari 33, 54, 98, UM» (2), 101, 119, 123, 

126, 166, 219, 227, 230, 231, 326, 342, 

366, 396. 
Vecchietta 117, 278, 322. 
Vellann 317. 

Ventura <li S. Giitliano 330. 
Veronese, Paolo 342. 
Verrocchio 279, 307, 312, 377, 378, 380. 
Vignola 13, 97, 100, 109, 112, 162, 167, 216, 

227, 228, 239, 245, 259, 260, 261,315(2), 

326. 
Vincenzo da Brescia 207. 
Vincenzo da Verona 324, 326. 
Vito <ü Marco Tedesco 32. 
\ it. ni 87, 118, 126. 

rra, Daniele da 219, 358, 372. 

Z. 

Zäccagni 137, 156, 163. 
Zacchio, Gio. ! 
Zarabaja 284. 
Zenale 325. 

Stef, da 346 
Zucchero 358, 375, 384. 
Zucchi 326. 



Orts -Verzeichnis 



A. 

A b b i a t e G r a s s o. 
S Maria. 

Fassade 1 18. 
Anc ona. 

Loggia de' mercanti 375. 
A q ui 1 a. 

S. Bernardino 
Arezzo. 

S Annunziata. 

Inneres 164. 
Badia di asi 166. 

Coufraternita - 
Dom. 

Baukosten 2. 

"i ibmal Tarlati 292. 
S. Maria delle Grazie. 

Vorhalle 52, 65, L48. 
Misericordia 90, 146, 191. 
I'ieve. 

Baukontrakt 15. 
A scol i. 

S. Pietro. 

Säulen .">7. 
A s s i s i . 
S. I 

Erbauer -J7. 

Inneres 29. 

Hiiiv 184. 

Malereien 361. 
S. Maria degli Angeli 167, 312. 
Pflasterung 241. 

15. 

Bellinzon a. 

ingswerke :!•';.">. 
B e rga na o. 

Cappella Colleoni. 

Gründang 7. 

Anlage 17.~>. 

Dekoration 284. 

thedrale 117. 
S. Domenico. 

Chorstühle 325. 
S. Maria Maggiore. 

Gewölbe 86. 

Chorstühle 326, 328, 329. 
8 Maria della Miserii ordia. 

Altar 317. 
Haus des Colleoni 362. 



Bissagno. 

Villa Grimald 
B iss u c c i <>. 

Villa 355. 
Bologn a. 

5. Annunziata 

s. Bartolommeo l 17. 156 

v . Domenico. 

Grab des Dominicus 291). 

Porticus 51, 78. 

Inneres 161. 

Fussboden :-;44. 
v . I riovanni in Moi 

Intarsien 326. 
Madonna <li Galliera. 

Fassade 1 15, 146. 
S. Martino Maggiore. 

Bof 78. 

Kapelle 283. 
v . Michele in I 

i rrabmal -J^»7. 
v . Petronio. 

Kapellen 29. 
[ e 34 

Modell 11.".. 

Kapellenschranken :;i», . 

Intarsien 326. 

Fussboden 344. 
■ i. 

Grabmal . 
irito Mi',. 
\i-' i\. si "\ ad 
Pal. apostolico. 

Thür 330. 
Pal. Bentivogli 8, 19! 
Pal. Bevilacqua. 

Hofhalle 51, 70. 

Fassade 69. 
Pal. Fantuzzi 
Pal. • 

Pal. des Legati n 
Pal. U 
Pal. del P 
Pal 
Pal. Zucchiui 

PHas M. 

Porti 

Putte di ! 






- 



Orts -Verzeichnis. 



- 
dien - 244 

Universität 31 

- 

I D 0. 

Pal. Orsini 2< 

200. 

AI'- 121. 

- ipollonia 290 
Miracoli I 
itro 
Waudm 17. 

Pal. ■ 220. 

Hallen 245. 
\ r s i /. i 0. 
iria in Piazza 128, 

c. 

■ . ao. 
Annunziata. 

- 

lull 

I 

- in. 216, 259, 315,375. 

i'iin 184. 

' P •• 
Dom 42. 

ne. 
de' Miracoli 1 

Vill '15. 

- ■ 2 
- 

Citl L 1 o. 

M 
. Vitelli 375. 
Civil 

\ 
Hafenkastell i 

'. ■> 1 . 
Kii 



Cora. 

Tempel 41. 
Cor n e i o. 

Pal. Vitelleschi 81, 196. 
C o r i o n a. 
Dom. 
Inneres 155. 

iulen 52. 
Fenster 82. 
Mail del Calcinajo. 
\! dell 117 (2). 

ade 1 16. 
Anlage 160. 
Cr« 

- Maria della Croce 78, 130. 
i rem uim. 

Baptisterium 25. 
1 fora. 
Kanzelreliefs 290. 
Grabmal S. Pietro Man-. 290. 
S. Lorenzo. 

Grabmal S. Mauro 290. 
s. Luca. 

Cup. de) < Iristo risorto 130. 
S. Vincenzo. 

Dekoration 280. 
Monte di Pietä 283. 
Pal. Trecchi 69. 
Pflasterung 241. 
Torrazzo 167. 
Ci icoli. 

Villa Trissino 1»;. 257. 



I). 



D irul a. 

Piazza 8. 
Wasserleitung 8. 



E in p '1 1 i. 

Kathedrale. 

ade 24. 



!:. 



F. 



Fabria no. 
Piazza 245. 
al 29. 

.1 /, a. 

I 'Olli. 

Erbauer 156 

Säulen 52, 57. 

Inneres 156. 

Grab des Savinus 290. 
Loggia de! • omum 
fa. 

Kloster 183. 
I er r a r.i. 

I »Hill. 

Thurm 2, 168. 
S. Benedetto 156. 

i rewölbemalerei 364 

i ristoforo 78. 
3, l 156. 

Fries 361. 



IIII>-\ 






Ferrara i Fortsetzung). 
S. Maria in Vado ' 
Erzbischöfl. Semin 

( .••« ölbemalerei :;64. 
Klosterhof TT. 
Palazzina 262. 

• rewölbemalerei 375. 
Pal. de' Diamanti 69. 
Pal. Roverella. 

Fassade TT. 
Pal. Saracco 310. 
Pal. Schifanoja 252. 
I'al. della Scrofa. 

Eof Tn. 201. 

Brunnen 313. 
Palastgärten 264. 
Pflasterung 241. 
Privathaus 72. 
Stadtanlage 246. 
- idtmodel] 114. 
Strassenkorrektion 242. 
Villa Belvedere 252. 
Villa Montana 252. 
Fiesole. 
ßadia. 

Erbauung 4. 14. 

Passade 24, 52. 

Säulen 'ü. 

Fenster 79. 

Gewölbe 160. 

Aeusseres IT'.'. 

Kloster 185. _ 

Lesekanzel 279, :><»T. 

Brunnen 279, 307. 
Villa Ricasoli 250. 
Florenz. 

S. \!ü!>1' ! 

Wandaltäre 304. 
Ss. Annunziata. 

Chorban 123. 

Vorhalle .">•_' 

' app. de' pittori 191. 

Aedicula 302. 

Gruppen auf Altären •">"<;. 

Tabernakel 2T9. 
Lpostoli. 

Säulen and Bogen 24. 

Bauzeil 26. 

Wandaltäre 304. 
Badia. 

Grabmäler 280, 298, 299. 

Pull 329. 

\\ andaltäre 304. 
Baptisterium (S. Giovanni). 

Aula--- 21 ff., 38, 52, 126. 

Pforten 318. 

Fenstei 

Gründung 12. 
Inneres 31, 187. 
; ttlen 57. 
Brunnen :;"T. 
i rlasmalereien 

Unf ;>T. 185. 



118, 146, 

82, 85, 87 



F 1 o r i 

Thür /.in; 
Medici 

Marzuppino 2 

Kai, 107. 

Altargru] 

19. 

Saki 

[ntarsien 

Thüi 
Cappella Pazzi. 

Stil :«;. 

Vorhalle .".1. 

Fenster 79, 80 

Thür 

Kuppel 87. 

Modell 116. 

Anlage 122. IT:;. 
Dom. 

Baugelder :;. 

ide 15, IT. 117 

Kuppel 11 
116. 
ehfiguren i 

Campanile 2'.». 167. 

[nneres 29, 182. 

Aufnahini 

Wandbilder 294- 

Grabmal des Brunnellesco 294. 

Altargruppen 

Area ili S. Zenobio 306 

Fussboden 343. 
3 Felicitä. 

126, 175. 
3. Frances tl monte. 

[nneres 159. 

- i.j ranni s. Baptisterium. 

Jesu 

im;. 
Kloster 187. 
S. Lorenzo. 
Sakristei 36, 87, 122. 12:;. l 
318 
d 51, 52. 
Fassadenentwüi 

r 82. 
Verhältnisse 104. 

[nneres 151 t. 
aeusseres IT'.'. 
p. Medici lT'i. 

Lettm i 

S. M 
KL - 









I Irts -Verzeichnis. 



mg). 

Bibliothek 

- Antonio 
S. Maria degli Angeli. 
Gründung 12. 

Lei] 116. 
Anlage 122. 

- Maria Maddalena dei Pazzi. 
Hof 50, 53, .''7. 

Inneres 159. 
Altäre 354. 
Maria aovella. 

82, 143, 345. 
Porl 
Inneres 182. 

ibrunnen 281, 307. 
Kanzel 307. 
Intal - 

ritt 345. 

- Miniato. 
Anlage 24. 

80. 
Capelied. Card.v.PortugaJ 1 75,298,343 
Altartabernakel 279, 362. 
lila 302. 
-an Micchele. 
Xeubau .'>. 

3. Pancrazio. 

H. »Tal» 52. 

S. Piero - 26. 

UM. 

- - • irito. 
Neubau '.\. 
Thüren 17. 

- ristei 50, 80, 117. 125, 175. 

en 52. 
Verhältnisse 104. 
Modell 116, 155. 
Im.' 

Bronzegitter 319 
Air ,|. 

Grabmal ; 

s. Pal. del Pod 
Biblioteca Laurenziana 100, 118. 
i40. 
F..- 10, 343. 

'A . 

Wappen 356. 
KorkmodelJ der Stadl 119. 

[nnocenti d. I. 

.••' Lanzi 245, 312. 

• Hai -_;2<'.. 

254. 

■V.',. 



l'l o re nz (Fortsetzung). 
I'al Bartolini. 

i li Min-.' 65. 

Fassade 90, 199. 

Fenster 109 (2), HO. 

'niiir 92. 
Tal. Gondi. 

Säulen 57. 

Fassade 63. 

Fenster 7;». 109. 

Portal 82. 

Stil ss. 

Hof 198. 

Kamin 308- 
l'al. Guadagni. 

Fassade 65, L09, 110. 
Tal. Levi 199. 
l'al. Medici (Riccardi). 

Säulen 57. 

Fassade 63, 72, 109. 

Modell L16. 

Anlage 197. 

Garlru 266. 

Kapelle 343. 

Brunnen 312, .'Uli. 
l'al. non rinito. 

Huf 232. 
l'al. Pandolfini. 

Fenster 92, 109 (2), 110. 

Fassade -in:;. 207, 221, 345. 
l'al. di Parte Guelfa 66. 
l'al. I'itti. 

Erbauung 12. 

Fassade 63, 107. 

Fenster 7'.). in'.). 110. 

Stil ss. 

Huf K»l. 232, 316. 

Hofhalle 376. 
l'al. del Podestä (Bargello) 220, 357. 

Museum 290, 316. 
l'al. Quaratesi (Pazzi). 

Fenster 56. 

Fassade 65. 

I »ach 65. 

Portal 82. 

Säule .">7. 

Brunnen 312. 
l'al. Etoselli 199. 

Kamin 308. 
l'al. Etucellai. 

Kassaile (ili. '.).'). 

Fenster 79. 

Anlage 193. 
l'al. Serristori 199. 
Pal. Strozzi. 

Erbi ig 13. 

Stil ss. 

Fassade »12. 64. 

Gi imsi 64, 65, 107. 

Fi aster 7'.». L09 (2). 

Treppe 215. 

Laternen 325. 
Tal. I guccioni 94, 110, 221. 
l'al. Vecchio (della Signoria). 

Dachschmucls 28. 



1 »rts -Verzeichnis. 



Florenz (Fortsetzung). 

Pal. Vecchio (della Signoria) 
Anlage 28, 119. 
Thiir 50, 
I reppe 215. 
Saal 219. 
Decken 340, 342. 
Brunnen .'Hl*. 
Pflasterung 241. 
Piazza delT Annunziata 244. 
Piazza della Signoria 245. 
Ponte della Trinita 240. 
Postament bei S. Lorenzo _- 
Spedale degli Inno« enti. 
Vorhalle 19, 52, 80, 223, 244, 376 
Zeichnung 1 16. 
Spiral auf l'i. S. .Maria Novella 233 
Strassenkorrektion 242. 
I'ftizien. 
Hof 54, 101, 230. 
Ufa i reien 376. 
_ Thiir 3 

Villa CafFaggiuolo 250. 
Villa (areiroi -_>;,u. ^-.4. 
Villa Michelozzi 250. 
Villa Mozzi 250. 
Villa Poggio a Cajano 250 
Villa Trehbio 250. 
F 1 i «• n 0. 

' »spedale 233. 
Frascati. 

Villa Aldobrandini 263. 
Villa Mondragone 263. 

G. 

G e n 11 a z z a n 0. 

Pal. Colonna 196. 
Gen 11 a. 

S. Winunziata 157. 
Dom. 
Chorstühle 328, 329. 
Tabernakel 282. 
Madonna delle vigne 102. 
S. Maria di Carignano 93, 138 
S. Siro 102. 
Pal. Doria 100, 268. 
Kamin 308 
Malereien 370. 
Pal. ducale. 

Treppe 232. 
Pal. Pessagno 355. 
Pal- Sauli 232, 261. 
Piazza delT Agnello. 
Fassademalerei 355. 
Piazza Fossatello. 

Privathaus 281, 285. 
Thor am Moli 239. 

Universität. 
Hof 190. 
Villa Cambiaso 261. 
Villa Pallavicini 268. 
Villa Paradiso 261. 
Villa Scassi 261. 
Grossei 0. 

Kathedrale 5. 



111 



ta. 

Gubl 

Pal. ducale -Jim. 

I. 

I in I a. 

Banca p< : 

L. 

1 no. 
S. M ig 

L d i. 

ta 126, 1 - 
Fresken 361. 

. 

Dom :;:;. 375. 

Pal. apostoli 
Luc 

I »om. 

Grab der Ilaria del Carretto -J7s 

Kanzel 307. 

Regulusaltar :in4. 

Tempietto 302 

Thür 
S. Frediano. 

Aeusseres 17;». 
Pal. del Pretorio 221. 

11 0. 
Kathedrale. 

Marmorfassade 151, 284. 

tf. 

M a gg i an 0. 
' sa. 
Stuhlwerk 328. 
M ail an d. 
v . Ambn 
Canonica 51, 1 17. 
Vorhalle 21, 1 18. 
Höfe 186. 
Kloster 187. 
bila 87. 
3. 1 lelso 87. 
Dom. 
1 rriindung 7. 
Kuppel 7. 34, 117. 
Dachschmuck 28. 
Baumeister 32. 

• 7.Y 
Grabmal Marignan 
v . Eustorg 
Kapelle M 
ibmal Bri 
- Fi 
Inneres 162. 

• 

21, 120. 

S Mali., d 

Port 1 



41? 



ichnis. 



Mail .1 d d (Forts 
$. Maria di 

orstühle 327 
S. Maria delli - 137, 161. 

- Maria pr( sso S. Cels 
Atrium 78. 164, 18 

Ku: 

Inneres 1*14- 
■eien 376. 

S. Maurizio). 
Ibemalerei 35. 
Innert- 55, 161. 
I i '> 1 . 
Pfeilerdekoration i 
s. - ttiro. 

- 78, 14i'>. 
Btei 126, 128, 129, 175. 285. 

en \--. 
3. Sepol 

102, 188. 

Hof 190. 

78. 

13. 
Boi 

20, 229 
Vismara 197, 340. 
-.1 7. 7n. 235, 236, 265. 
v bili 230. 

Pal. del Senato) .">.">. 
i - 
75. 

Pal. Marin- 229, 232. 
. Marliani 
- 
ag 241. 

- :onti 31. 
tion 242. 
M a 

-- 7. 

■ 

'A2. 

20. 



M a n t u a (Fortsetzung). 

Pal. de Te 7. 97, 256. 
Malereien 370. 

Strassenkorrektion 243. 
M a rc i a n 0. 

Chiesa del Crocifisso 1 18. 
Mi ssin a. 

Brunnen 315. 
M o il e n a. 

S. Pietro. 

Fassade 7s. in;. 
M o n g iovi n o. 

Madonnenkirche 137. 

M n I e A in i a I a. 

Villenentwurf 256. 
M onte Cassi d o. 

Kloster 187. 
Montef iasco n e. 

Päpstlicher Palasl 31. 
M o n i e S a ii so vi n o. 

Haus des A. Sansovino 20. 
M i nte i' m Lcia n o. 

Madonna di S. Biagio 93, 117. 125, 170. 

Pal. Ricci. 
Treppe 216. 
M onz a. 

I >. -ii i 
Passadendetails 75. 
l\i u ra Du. 

Ss. Piero e Paolo 156. 

N. 

N a rn i. 

Dom 14s. 
\ .' a |i e l. 

s. A.ngelo a Nilo. 

• rrabmal Braucacci 57, 299. 
S. Chiara. 

Thurm 171. 
Dom. 

Thüren 'In- Crypta 318. 
S. Filippo 157. 
S. i riacomo degli Spagnuoli. 

Grab des Pietro <li Toledo 301. 
S. I .io>, .min a Carbonara. 

i Jap. • ai racciolo 177. 

Fussboden 34 1. 

Altäre 304. 
[ncoronata. 

Malereien 361. 

di IL i rrazie 159. 
Monte ( Uiveto 159. 

Allan- 304. 
Kit I ontanua 1 19. 

3. Severino 179. 

Kloster 187. 

Stahlwerk 329. 
Brunnen bei S. Lucia 281. 
tel duovo. 

i 211. 

Triumphbogen des Alton- 88, 237, 318. 
Huseo nazionale. 

( »n \ 184- 

Pal. Como 67. 

.. i lolobrano 67. 



ichnis. 



415 



Neapel (Fortsetzung). 
Pal. Gravina (Post) 
.. Poggio reale 15,117,198,251,264,265, 
312. 
Porta t 'apuana 231 . 
Pflasterung 24 1 . 
Sapienza 111. 

orrektion 242. 
Villa Poggio reale 3. Pal. P. r. 
N e p i. 

Festungsv 
N i in e s. 

Amphitheater 59. 
Non a ntula. 
Kloster 183. 
■ r a. 
S. Gaudenzio 162. 

0. 

Oly in p i a. 

Philippeion 74. 
Orc ia n o. 

S. Maria Maggiore 127. 
r v i e t o. 

Dom 6, 32. 
Weihbecken ! 
Altäre 305. 
Eisengitter 319. 
Stuhlwerk 324. 
! lorelli's Malereien 
Palast :50. 
Ostia. 

Stadl (Neuhau) 246. 
Kastell 237. 

P. 

Padua. 

- Antonio lil Santo). 

Kapelle des h. Antonius 173, 284. 

Bronzegitter 319. 

Altar 306, : J >17. 

Böte IM. 

Leuchter 231. 
scaturen 372. 

Stuhlwerk 327. 
Carn 

■ ölbe 161. 
Dom 166. 
Eremitani. 

Fresken 360, 362. 

Wandtabernakel 302. 
S. I riustin i 9 ; . 165. 

Kloster 187. 

ip. S. Prosdocimo. 

[ntarsien 326. 
Mm rivico. 

Bilderrahmen 334. 

Bthof zum < Ichsen 23 1. 
Loggia del I lonsiglio 81, 111, 220. 

I des Ezzelin 31. 
Giustiniani. 

rtenhäuser 16, 2 172. 

Porta S. < riovanni S 
Savonarola 2 18 



19. 

Wahlurne 
Paler in o. 

Dom 
S. Mai 

Museo 304. 

Talma um 

, 246. 

11 236. 
Par im a. 
I >om. 
Thür 330. 

Denkmal Prati 
5. I riovanni. 
Imi. 

Maler« i< 
[ntarsien 
Fries 361. 

i 362. 
Fussb 
La Steccata 137. 
Malereien 361. 

Piazza 245. 

Stadtraodell 114. 
Kastell 7. 28. 
P a v i a. 

indnng 6. 
Portalsäulen .".1 

-'.'. 1 18, 283. 
Höfe 79. 

,. 308. 
Kuppel I 
Kloster 185, 187. 

Grabni 

hter 321. 
ilbeinaler« i 
ke 240. 
Canepanova 128, 12 
Dom 117, 163. 
Kaste 

Pal. beim Carmine. 
Hol 78 

3. A 
Stuhl 

Dom 6, 27, 11 

s. 1 1 

Wandtabernaki 



414 



i »rts -Verzeichnis. 



Perugi a (Fortsetzung). 

Grabmal 304. 
Madonna della laue 146. 

- ahlwerk 32 
Kapellen 
ibio. 

• maierei ' :i 
Stahlwerk 
Pal. de' Tribunali. 

Pflasterung "J41. 
Porta S. Pietro 65, 

! da Moutone 196. 
Lorrektion -J4 - J. 

Battista 138. 
ätnng 8. 

221. 
lenz. 

267. 
Vill Imperiale 256. 

Treppe "-!K>. 

Madonna di Piazza 53. 

/. a. 
S. Maria di Campagna 137. 

166. 
- - ■ 
Kapellen 175. 
reien 361. 
Pal. Farnese 228. 
Pal. Tribnnali 284. 

270. 
Pfl ; 241. 

Dom. 
Anlage 32, 164. 
57. 
i, 82. 
144. 
lim L80, 182. 

iler 52- 

328. 
.iiii. 

197. 
Fenster 7'.». 

197, 211. 
- 217 

■ rio 221. 

Anl 

ton. 
Fenster . 
z 245. 

Itbau 10, 1 1. 246. 
Pi $ 

I ' i im 2 

i ■■ aozzi 168, 220, 
250, 

: 167. 



246. 



Pisa i Fortsetzimg). 
Dom 28, 182. 

Dekorationen des Stagi 286. 

Grab des Gamaliel 290. 

Weihbecken 303. 
iren 318. 

Priesterstuhl 328. 

Bischofsthron 328. 
Arci\ es< "\ ato 188. 
Pal. Gambacorti. 

i .allen 265. 

Uni\ ersität. 

Bof 188 
P ist oja. 

Baptisterium. 

Baukontrakl 15. 
Kathedrale. 

Malereien 362. 
S. Maria delP Uiniltä. 

Vorhalle 87. 

Modell 118. 

Anlage 125, 126. 
Ospedale «lel Ceppo 233. 
Pal. de! Podestä 220. 
Pal. dei Tribunali 357. 
„ del Comune. 

Scanne :v_>'.». 
Pola. 

Amphitheater 39, 59, 62. 
Prato. 
I >om. 

Aussenkanzel :i()7. 

Eherne Gitter 318. 
Mad. delle Carceri 80, 87, 125. 
Pratoli no. 
Villa 201. 

11. 

Ravenn a. 

S. Apollinare in ('lasse 8. 

I i 153. 

Mausol. der Galla Placidia 8. 

- Severo 8. 
S. Vitale 136. 

I: i in i n i. 

S. Francesco. 

Baumaterial 8. 

I assade 58, 114, 142. 

Kuppel 123. 
Riva (Tessin). 

- i roce 137. 
Ri v a (Gardasee). 

[nviolata 138. 
Rom. 

- k.gostino. 
Inneres 58, 162. 
Fassade 144. 
Altargruppe 306. 
Je aias 340. 

\ i M , S t o 1 i . 

! a ade 1 17- 
i Ihor 154. 

aterina de' Funari. 
I issade 153. 



ichnis. 



41. 



Rom (Fortsetzung). 
i ilia. 
1 ri ivölbemalerei 364. 
S. Crisogono 23. 
S. Kli-i,. ,|,-|i OrehVi 55, I 
il Gi 

Inneres 162. 
S Gi icomo degli [ncurabili 136, 
tal 233. 
liovanni decollato 191. 
iov. de' Fiorentini. 

Aula-'.- 41. 

Modell 118. 
Entwürfe 136 
S. i rregorio. 
Altar 306. 
Lateran. 
Paviment 343. 
Vorhalle l is. 
Inneres 182. 
1 !ap. Corsini 176. 
Klosterhöfe 23, 183. 
Benedictii um. 

Grab Martins V. 300, 317. 
Lorenz*, in Damaso 98, 165, 210. 
Lorenzo faori •_!:,. 
Luigi dei Francesi. 
Fassade 153. 
Marcello 159. 
M trco. 

Restauration 1 1 
Vorhalle 58, 147. 
Portal 83. 
I'. eke 154, 340. 
S. Maria degli A.ngeli. 
Säulenhof 187. 
Kloster 187. 
- Maria delT Anima 145, 146, 164. 
S. Maria in Araceli IM. 
Gewölbemalereien 364. 
S. .Maria di Loreto 136. 
S. Maria maggiore. 
Vorhalle i 18. 
Inneres 154. 
Kap. Sixtus' V. ITC». 
Kap. Pauls \ . 176. 
Decke 154, 340. 
• trabmal Consalvo 298 
S Mafia sopra Minerva. 
Inschriften 345. 
Grabmal Durantis 298 
Gewölbemalereien : ; T • ". 
Orgel 330. 
S. Maria dei Monti in;,, i;,:;. ],;■_• 
v . Maria in Navicella. 

Vorhalle 1 18. 
S. Mai i li 11' * irto. 

Passade 152. 
S. Maria della Face. 
Oktogon 126. 
Langhaus 161. 
Grabmal Ponzetti 
Pfeilei • l- 
Kapellenbekleidung 
S. Maria dei Popolo. 



■ ' 
3. Maria dei 1 

162. 
' 22. 

: M. 

' bigi 17.".. 
mal Cbigi 
3 M ri i I raspontina. 

S. Maria in Tra 
- Maria in via La 
fuori. 
Klosterhof 23 
Basilika 153. 
-. Peter. 
Neubau 9, 10, 11. 14. | 
Entwürfe 55. 98, in;,, ni, 12 

152, 163. 165, 166, 17! 
Benediktinosloggia 58 
Aeusseres im;. 179, 
Alt-St. Peter I 
Sixtus' l\ 

Grab Innocenz' VIII. 

Tbürflügel 

Vorhalle 376. 

tro in Montorio. 

Fass i le 82. 146. 

Inneres 161. 

Tempietto 38, 90, 93, Kl 
S. Pietro in vincoli. 

Vorhalle 147. 

Palast 117. 

Cisterne 186. 
S. Spirito. 

de 153. 

Inneres 159. 

Thurm 168, 171. 

Acqua Trevi 11. 
Amphitheatrum Castrens 
des Titus ;,->. 
9, in. ii. 244, 
Caecilia Metella 
< 'ancelleria. 

Entwürfe 17. 

Fassade 67, 100, 
91, 214. 

Portal '.M. 

Hof ;»:;. 210. 

Inlag. 

Treppen 215. 

Kapelli 
Collegio roinano. 

II,, ! 100, 






I irts -Verzeichnis, 



- 

Campagna 71. 
- 

- 92, 110, 210. 
Minerva med 

- oi 267. 
Pal-Branconio d' Aequila 92, 205, 315. 
aprauica. 
- r 81. 
priui 9-1, 205, 207, 

.. dei Convertendi s. Caprini. 
.. Farm - 

211. 

L07 . 
228. 
L09. 

•■ L98, 209. 
Anlage 205. 
Treppe 215. 
Einfahrt 231. 
140. 

I. di Firenze 1 

riraud-Torlonia 67, 205, 21 t. 
.. Laucelotti 210. 
.. 1. 

210. 
.. Linotte 211, 212. 
., Jlaccarani 205. 
Massimi. 
Bof 54, 110, 211. 
108. 
111. 
Fassade 211. 
[nneres 21 1 . 
;en 340. 

Kamin 308. 

Negroni 107. 
.. Nicc »Uni 205. 

HD. 
.. : ' ispoli 206, 228. 
21 1. 
207, 210. 
.. 

L10, 314. 
.. 

.. Spada 

.. di 210, 266. 

Pal. <li Venezia. 
Gründung 10, n. 
Hu 58, 210. 
Zinnenkranz 65, 206. 

Am 

206. 
Pal. Vidoni-Caffarelli 94, 11". 205. 
Pantheon 11. 91, '.'2. 93, 109, 120. 

l'il • 241. 

240. 

.. 

de] Popol 



l; om (Fortsetzung). 

Porta S. Spirito 239. 
Sapienza. 

Hof im». 

Septizonium 39, 54. 

Spedale S. Spirito 83, 2:^i. 

Thermen des Titus 271, 274, 364, 366. 

des Diokletian L( J, 367. 
Vatikan. 

Neuhan 9, L0, 11. 
Appartamento Borgia sc. 365, 369. 
Bibliothek Im;. 211, 376. 
Braccio uuovo 211. 
Cap. Sistina 98, 307, 31 
Cortile S. Damaso 21 1. 

<li Belvedere 54, 93, L00, L18, 
211. 
Fusshöden 343, 345. 
Giardino della pigna Um», l 18, 249, 

268, 314. 
Galleria geografica 376. 
i rartenentvi urf 264. 
i rarten, äusserer 269. 
Inschrift 345. 

Loggien 98, 100, 118, 274. 330, 345,367. 
Sala regia 211), 372. 
Stanza dell' fncendio 363. 

di IIa Segnatura 326, 364. 
Stufetta 264. 
Thüren 112, 330. 
Treppen 215, 216, 268. 
Villa Belvedere 251. 
Vigna di Papa < riulio 16, 375. 

Hof 54, 261, 315. 
Villa Borghese 263. 
.. Farnesina 94, 98, L10 (2), 215, 253. 

Malereien !';>. 359, 364, 369. 
„ Lante 255, 263. 
.. Madama90, 254, 268, 269 '2', 314, 
368. 
Magliana 251. 
.. Mattei 263. 
.. Medici 263. 

Montalto-Negroni 263. 
.. Pia 249, 262. 
.. Sacchetti 249. 
Strassenkorrektion 212. 



3ale i' ii o. 

I lom. 

Atrium L84. 
S a I o n e (bei Rom) 
Sa ro nno. 

Kirche Hin. 

- a V (> II a. 

Palasl 117. 
Sien 

S. Bernardino 
Decken 340. 
3. I ati rina. 
< rründung 5. 
ide 146 
Anlage 191. 
Hof 191. 



s. 



372. 



IUI. 



1 irts -Verzeichnis. 



417 



Siena (Fortsetzung 
Dom 5j 29. 
Altar Piccolomini 278, 304. 
Libreria. 

Pfeilerdekoration 361. 
1 lewölbemalerei 364, 367. 
Eingang 27 s . 318. 
Bischofsthron 329. 
1 irgellettner 330. 
Cap. S. Giovanni 177. 
Bodenmosaik 343. 
Stuhlwerk 324, 326. 
Tabernackel 322. 
Weihbecken 308. 
Prachtaltar 278. 
S. Domenico 158, 161. 

Ciborium 278. 
Fönte gaja 5, Ml 2. 
Fonteginsta. 
Altar 278, 304. 
Tabernakel 322. 
Weihbecken 322. 
Inneres 164. 
S. Francesco 158. 
Innocenti 125. 
S. .Maria delle nevi 146. 
., ., della Scala. 

Orgel 330. 
5 ! vi. 
Säulen 52, 57. 
Inneres 157. 
Brunnen 310. 
Loggia del Papa 117. 225, 226. 
Loggia degli Uniti < >C . » > j i 1 i > 222, 226, 

278, 307, 374. 
Osservanza. 

Kassette 379. 
Pal. Bandini-Piccolomini. 

Fassade 65. 

Tal. Hella Ciaja 199. 

., del Magnifico. 

Thürringe 322. 
., Marsigli. 

Kontract 1.'). 
Stil 33. 
.. della Mercanzia 222, 22*;. 
. Nerucci. 

Fassade 64. 
., Piccolomini. 

Fassade 64, 107. 
Fenster 79. 
.. pubblico. 

I Dekoration M74. 
Kapelle 8. 
[ntarsien 327. 
Thür 278. 
., Spannocchi. 

Fassade 64. 
Portal 82. 
Pflasterung 241. 
Piazza 2 15. 
Porta nuova .">. 
Spital 31. 
Strassenkorrektion 242. 

Burckha rd t, It.ili. i Aufl. 



s i ena 

Villa Belcaro 257. 
Villa Belcaro 257. 

Treppe 216. 
Villa Colomb 
S )"• 1 1 o. 
Dom. 
Hochaltai 
Sp o li 
I »"in. 
Vorhalle 1 ls. 
Aussenkanzel 307 
Manna d'oro | 
Maria di I 
Pinacoti 

rnakel 280. 
S u Imo ii .i. 

Pal. della Nunziata. 
Fenster .vi. 

T. 

Tivoli. 

Villa d'Este 261, 266, 267,268,270, 315 
Todi. 

.Mad. della Consolazion 

T re \ i s <>- 

Vescovato. 
Malereien 360. 
Turi n. 

Kathedrale 144. 

ü. 

Udine. 

Arcivescovado 369. 
i 1' b .i u i a. 

S. Maria del riscatto 128. 
ürbin ■>. 

Pal. ducale 8, 11. 
Fenster 79. 
Anlage 199, 200. 
Thürp! 

Dekoration 281. 
Kamin 281, 388. 
Simse 281. 
Brunnen 307. 
Decke 340. 
Fries 
S. Bernardino 138. 
s. Domenii 
Portal 83, 84. 

V\ 

Vall i' in 1' r 
Kli'-: 

dig. 
- Andrea 71. 
Lpostoli. 
Kapelle 17.">. 

s. Fantino 

-. igno 1 1 I 



3 



I »rts -Verzeichnis. 



lig (Fol 
S. Giorgi 

152. 
Im:- 
Bibliothek 

73, 127. 
• ■ Paolo, 
mal Vendramin 105, 283, 299. 
299 
5. M 
Thurra ll 
Thurmhelm 71. 
Capp. /•:. 10, 302, 317. 

rthüren 318. 
Intarsien 326, 327, 
Hängelan 
S M Frari. 

Altarbüd Bellinis 

kj • 
Bankollekte 2. 
Aeuss 179. 

Inneres 175. 
koration 282. 
S Maria dell' 
142. 

- Maria delle Salute. 
1 leckenbilder 342. 
Leuchter 321 (2). 

- Martin«' 136. 
3. '•'. 

Fass 
Pfon 

Inneres 156. 
S. Pantali 

.-!, 342. 
R( 

Fassade 152. 
Inneres 162 
3. 3: : • ' re 105, 166. 
Refektorium und Kreuzgang 186 
lista 191. 
- Marco HO, 191. 
2 32. 
Inkrustation 73. 
201. 

- lola S. Rocco 7:;. 191, 219. 
Treppe 191. 201. 

- 3 tiano. 

- Zaccaria. 

Inneres 156. 
Akademie. 

Hol l 

Decken 340. 
Bibli • 94, 222 f. 

jchi. 

.. i 

73. 

.. I 



V ened i g (Fortsetzung). 
Pal. Ducale. 

Porta della carta 29, 
70, 72, 22S 



34. 



Aeussere; 
Hof 222. 
Saal des grossen Rathes 111, 219. 
S< ala d'oro 202. 
Dekoration 282, :>74. 
Kamin 282, 308. 
i üsternen 322. 
Decken 340, 342. 
.. Foscari 12. 
.. Griraani. 

Baumeister 16, 7:;. 
Anlage 202. 
Decke 342. 
Malereien 369. 
Malipiero 73. 
Manzoni-Angarani 7:>. 
.. Pesaro -221). 

Rezzonico 229. 
., Trevisan 73. 

Vendramin-Calergi 51, 67, 73. 
.. Xeno. 

M ..Uli 16- 
Pflasterung 241. 
Piazzetta 244. 
Prigioni 102. 

Procurazien 51, 222, .244. 
Rialtobrücke 240, 244. 
Statue des Colleoni 283. 
Wasserfort am Lido 6, 283. 
Zecca ( .i7. 

V e r n i a. 

Kloster 185. 

V e ro n a. 

Amphitheater 39, 62. 
s. Bernardino. 

Cap. Pelligrini 137, 177. 
S. Fermo. 

Grabmal Turiani 300. 
S. Giorgio. 

Anlage 161. 

Altar 306. 
Mad. di Campagna 1.'57. 
S. Maria in < »rgano 156. 

( lewölbemalerei 362. 

Intarsien 326, 327- 

Leuchter 330. 

Pult 329. 

Stuhlwerk 329. 
S. Nazzaro e Celso. 

i a p. S. Biagio 167, 360, 362. 
i Borella. 

Wandmalereien 350. 
Loggia dell Consiglio 220. 

Fenster 81. 
Scaligergräber 292. 
Pal. Bevilacq.ua 2*12. 

., 1 anossa 215. 
Fries 358. 

., Pompei 202. 
Pozzoni. 
Fenster l. 
Porta auova 239. 



iclinis. 



II'.' 



Verona (Fortsetzt! 
Porta Stripp i 
.. S. Zeno 2 
.. de' Borsari 91, 304 
Vi cen/. ;i. 

Basili.a ;,;». HO, 222, 230. 
Pal. Cliieregati :»4. Jl".'. 
.. Marcantonio Tiene 229 
Eof 232. 
Tri8sini dal velln d'oro 229. 
.. Orazio Porto 229. 

Hof 232. 
.. Schio-Franceschini 229. 
.. Porto-Barbarano 229 (2). 
.. Adrian Tiene 229. 
.. Trissino 229. 
.. Valmarana 229, •_':;•_'. 
.. Giulio Porto 229. 
.. de! l apitano 'J'j'.i 2 . 



Villa Capra R 
itro olimpi 

. Orsini _'i>u 

i DO. 

Piazza 245. 

V i - - 

Madonna di M 

i b o. 
S Elisa 

Brunnen 310. 
Madonna della Qaercia 145, 
Villa Laut. 260, 315. 
\' i v o. 

Villa Cervini i 



B 1 — 

G e i 

ali 

P. 






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