Skip to main content

Full text of "Geschichte des Coppernicus-vereins für Wissenschaft U. Kunst zu Thorn in dem ..."

See other formats


This is a digital copy of a book that was preserved for generations on library shelves before it was carefully scanned by Google as part of a project 
to make the world's books discoverable online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 
to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 
are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that 's often difficult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book's long journey from the 
publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying. 

We also ask that you: 

+ Make non-commercial use of the file s We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machine 
translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attribution The Google "watermark" you see on each file is essential for informing people about this project and helping them find 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can't off er guidance on whether any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be used in any manner 
any where in the world. Copyright infringement liability can be quite severe. 

About Google Book Search 

Google's mission is to organize the world's Information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover the world's books white helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll text of this book on the web 



at |http : //books . google . com/ 




über dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 

Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nutzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 

Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google -Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 



Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http : //books . google . com durchsuchen. 



I 



,- 



r n "^ 









,^l 



1 



q 



ii 



Coppernicus-Vereins 



im in! 

Festschn 

fcicr seine? ^tSfrrl|eil ]i!b?!f»ste$ 



am 



:^. 



i\. Bof?thVj^ 






#««■ 



ss=s 



r^ 






-^^^ 






WISCONSIN ACADEMY 



OF 



SCIENCES, ARTS. AND LETTERS 



f 




Die Vorsitzenden des Coppernicus-Vereins 

während seiner ersten 50 Jahre. 



2. FRIEDRICH MEYER 
1860/61-1864/65 und 1869/70. 



3. THEODOR JOSEPH 
1865/66—1866/67. 



1. THEODOR KOERNER 
1854/55—1859/60 u. 1867/68-1868/1869, t 7. Mai 1891. 



4. LEOPOLD PROWE 
1870/71-1887/88, f 26. Sept. 1887. 



5. KARL BOETHKE 
1888/89 bis jetzt 



Geschichte 





des 



für 



zu 




THORN 
in dem ersten halben Jalirliundert seines Bestebeos. 

Festschrift 

zur 

Feier seines UOjährigen Jubelfestes 

am 19. Februar 1904« 



Im Auftrage des Vereins bearbeitet 



von 



K. Boethke^ Professor. 



Kommissionsverlag von Ernst Lambeck, Thorn* 
Thorn 1904* 



AS 



947185 

- 111 - 



JUer unterzeichnete Verein sieht sich in der angenehmen Lage, 
zur Feier des Abschlusses seines ersten halben Jahrhunderts ausser 
einer geschichtlichen Darstellung seiner Schicksale während dieser 
Zeit auch ein neues — das XIII. — Heft seiner wissenschaftlichen 
„Mitteilungen" der Oefltentlichkeit zu übergeben. 

Er ist dazu in stand gesetzt worden, durch die Freigebigkeit 
sowohl der Behörden als auch eines einzelnen dem Vereine nahe- 
stehenden Mannes. Durch Schreiben vom 6. September 1903 teilte 
Herr Rittergutsbesitzer Th. Körner zu Hofleben dem Vereine mit, 
dass er in Erinnerung an seinen Vater, den Stifter des Vereins, 
zur Bestreitung der Druckkosten der Festschriften eine Beihülfe 
von 500 Mark gewähre. 

Femer bewilligten die städtischen Behörden durch Gemeinde- 

beschluss vom -^ — ^ ^ eine Unterstützung von oco Mark. 
16. 9. 1903 ^ '^ 

Durch Schreiben vom 6. April 1903 war der Verein bei Sr, 
Excellenz Herrn Oberpräsidenten Delbrück um eine Unterstützung 
aus Staatsmitteln vorstellig geworden. Infolge seiner Vermittelung 
bewilligte der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medi- 
zinal- Angelegenheiten durch Erlass vom 21. 1903 dem Vereine für 
die beiden Festschriften eine staatliche Beihilfe von 1000 Mark. 

Auch von der Provinz dürfen wir noch eine Beisteuer erhoffen, 
Für alle diese hochherzig gewährten Unterstützungen erlaubt 
sich der Verein an dieser Stelle seinen herzlichsten und ergebensten 
Dank auszusprechen. 

Thorn, den 14. Januar 1904. 

Der Vorstand 

des Coppernicus-Vereins für Wissenschaft und Kunst. 

Bpethke^ 



IV 



Vorwort. 



Die Geschichte des Coppernicusvereins für Wissenschaft 
und Kunst ist wiederholt im Auftrage des Vereins geschrieben 
worden. Einen Abriss über die ersten 10 Jahre veröffentlichte 
Dr. Volkmann in den Preussischen Provinzialblättern, ebenso über 
die ersten 16 Jahre Dr. A. Prowe. Ungedruckt blieb dagegen die 
Geschichte der ersten 25 Jahre von Dr. R. Brohm, welche sich 
handschriftlich in sehr undruckfertiger Form im Vereinsarchiv be- 
findet Oberbürgermeister Koerner übernahm es damals, auf Grund 
des Berichtes von Brohm einen neuen auszuarbeiten. Er tat das 
auch in verhältnismässig kurzer Zeit ; aber auch seine Arbeit blieb 
ungedruckt. Der jetzt ablaufende Zeitraum von 50 Jahren fordert 
noch dringender zu einem Ueberblick und einer möglichst genauen 
Festlegung der Tätigkeit und der Schicksale des Vereins auf. Von 
den Mitgliedern, die ihn anfänglich gebildet haben, lebt kein einzi- 
ges mehr; doch giebt es noch einige Männer, welche ihm in den 
ersten Jahren beigetreten sind und sich der ursprünglichen Gründer 
noch genau entsinnen ; bald wird von der Gründungszeit niemand 
mehr aus eigener Anschauung berichten können. 

Brohm hat es unternommen, jede Aufgabe, die der Verein 
sich gestellt hat, einzeln zu verfolgen, und eben so seine Schick- 
sale rubrikenweise darzustellen. Das hat einen dreifachen Nachteil 
mit sich gebracht. Einmal musste jedes Ereignis, so viele Seiten 
es der Betrachtung darbietet, ebenso oft auf dem Schauplatz er- 
scheinen, bald in dieser, bald in jener Umgebung, so dass zahl- 
reiche Wiederholungen entstanden, und jedesmal dieselben umständ- 
lichen Erklärungen erforderlich wurden. Der Leser wird gar oft 
zweifelhaft, ob er es mit einem oder mehreren Ereignissen zu tun 
hat. Sodann wird es unmöglich die Bedeutung jedes Ereignisses 



für die Zeit, in die es fällt, richtig zu würdigen, da man es niemals 
in Verbindung mit denjenigen Umständen zu sehen bekommt, von 
denen es bedingt wurde oder welche von ihm beeinflusst wurden. 
Endlich verliert man denjenigen Gesichtspunkt völlig aus dem Auge, 
welcher mir bei der Abfassung dieses Berichtes als der wichtigste 
erschien, nämlich den Wechsel der Kraft und Schwäche, des Auf- 
schwungs und des Niederganges, der Siege und Niederlagen, des 
Sonnenscheins und Regens zu verfolgen, aus welchem das Leben 
des Vereins wie das der Menschen und Völker besteht. 

A. Prowe hat zwar einen chronologischen Abriss der Ge- 
schichte des Vereins gegeben, aber dann seine Bestrebungen und 
Erlebnisse noch nummernweise einzeln behandelt. 

Ich hatte zuerst vor, Prowes Anordnung im Ganzen beizube- 
halten, und nur den chronistischen Teil etwas zu verstärken. Es 
lässt sich aus dem Gesagten schon abnehmen, warum ich diesen 
Plan aufgegeben habe und im Wesentlichen chronologisch verfahren 
bin. Nur so glaubte ich jedem Punkte gerecht werden, nur so das 
wechselnde Leben darstellen zu können. Aus demselben Grunde 
habe ich darauf verzichtet die Vorträge, wie Koerner beabsichtigte, 
nach den Fächern der Wissenschaft zu ordnen. Wer die einzelnen Be- 
strebungen jede für sich verfolgen will, für den wird ein möglichst 
genaues Register beigegeben. 

Ich weiss wohl, dass auf diese Weise kein Lesebuch zu 
Stande kommt ; aber das halte ich auch auf jede andere Weise für 
unmöglich, wenn man nicht auf die grosse Mannichfaltigkeit der 
Einzelheiten verzichten will. 

Ob ich in der Wiedergabe dieser Mannichfaltigkeit etwas zu 
weit oder nicht weit genug gegangen bin, das wage ich nicht zu 
beurteilen. Jedenfalls habe ich nicht, wie Prowe, auf die Mitteilung 
der Gegenstände verzichten wollen, über welche Vorträge gehalten 
w^orden sind. Unter ihnen sind viele, in denen sich die geistigen 
Interessen der Mitglieder augenfällig spiegeln. 

Die Quellen, aus denen die Tatsachen dieses Berichts geschöpft 
werden mussten^ sind natürlich die Jahresberichte der Vorsitzenden, 
die Sitzungsprotokolle und die im Thorner Wochenblatte, und nach 
1867 in den verschiedenen Lokalzeitungen enthaltenen Berichte, 
welche zwar im Ganzen mit den Protokollen übereinstimmen, zu- 
weilen aber auch etwas eingehendere Belehrung geben. Auf die 
Protokolle wird nur durch Zahlen Bezug genommen, z. B. 5. 7. 63, 
auf die Zeitungen durch Hinzufügung von Th. W. oder Th. Z. 
u. s. w. Dergleichen Hinweisungen werden nur gegeben, wo es 



- ^^ - 

nötig scheint die Nachprüfung oder eine eingehendere Kenntnis- 
nahme zu erleichtem. 

War es demnach nicht allzu schwer „die Mittel zu erwerben, 
durch die man zu den Quellen steigt", so gab es doch gar 
manchen Zweifel, welcher der Entscheidung, und manche Ver- 
wirrung, die der Lösung bedurfte. Sollte hier und da eine Ver- 
mutung sich als irrig, eine Lösung als verfehlt, eine Mitteilung als 
unvollständig erweisen, so bitte ich das einerseits freundlich zu 
entschuldigen, anderseits aber dafür sorgen zu helfen, dass der Irrtum, 
sofern er nicht ganz unwesentlich ist, bei nächster Gelegenheit be- 
richtigt, imd die Lücke ausgefüllt werde. 

Gern hätte ich die Zahl der Lebensabrisse verstorbener ver- 
dienter Mitglieder erheblich vermehrt, allein es wäre dann nicht 
möglich gewesen das Buch zur rechten Zeit fertig zu stellen. Einen 
Teil der gegebenen Nekrologe verdanke ich den früheren Vorsitzen- 
den und Schriftführern, welche sie teils ihren Jahresberichten ein- 
verleibt teils in den Zeitungen veröffentlicht haben. Für andere 
haben mich ihre noch lebenden Angehörigen mit eingehenden und 
zuverlässigen Nachrichten versorgt, wofür ich ihnen auch hier den 
herzlichsten Dank ausspreche. 

So möge dies Buch werden, wozu es bestimmt ist, ein Denk- 
mal der Bestrebungen und Leistungen des Coppernicusvereins, ein 
Hülfsbuch für die Geschichte der Stadt, und eins der Ehrendenk- 
mäler zum Gedächtnis des bescheidenen Geisteshelden, der mit 
seiner Person so weit hinter sein Werk zurückgetreten ist, dass 
erst 4 Jahrhunderte nach seiner Geburt die Nachwelt das Bild seiner 
Persönlichkeit aus dem Schutte der Vergangenheit hat ausgraben 
müssen ! 

Der Verfasser. 



Inhalt. 



Vorwort des Vereins S. III. 

Vorwort des Verfassers „ IV. 

Vorgeschichte ^ 1* 

Entstehung „ 3. 

Die ersten drei Jahre 1854 bis 56 „ 7. 

Vom 4.-6. Jahre „ 15. 

. 7.-10. , ,20. 

n 11.-16. „ „30. 

„ 17.-25. „ „55. 

„ 26.-30. „ „89. 

„ 31.-34. , „ 104. 

„ 35.-40. „ „117 

„ 41.-46. „ „ 136. 

„ 47.-50. „ . „ 157. 

Anmerkungen „192. 

Register „ 198, 

Anhang 1. Vorstandsmitglieder „219. 

2. Ehrenmitglieder „ 220. 

3. Korrespondirende Mitglieder „ 220. 

4. Ordentliche Mitglieder gegenwärtig .... „ 220. 

5. Satzungen a. von 1873 „222. 

b, „ 1896 „ 227. 

6. Festlieder „229. 

7. Das Protokoll vom 19. Februar 1854 232. 



Berichtigungen. 



Seite 7 Z. 22 1. dass st. das. 
„ 61 „ 6 V. u. 1. Mitglieder st. Männer. 
^ 84 „ I u. 2 : Die Zahlen i) und 2) sind zu streichen, die 

beiden Sätze umzustellen. 
„ 84 Z. 6 V. u. 1. Schulz St. Schultz. 
„ 112 „ 15 V. u. 1. hatte st. hat. 
„ T16 „ 6 V. u. 1. Reuter st. Reuther. 
„ 160 „ 15 V. u. 1. Borchert st. Borchardt. 
„ 168 „ 4 1. Konrat st. Konrad. (Adolph legte Wert auf 

diese Schreibung). 



1 Vorgeschichte. 



Das Andenken Niklas Koppernigks, des Begründers der Grund - 
anschauung vom Sonnensystem und der wahren Natur der sichtbaren 
Bewegungen der Himmelskörper, ist in seiner Vaterstadt immer 
dankbar gepflegt worden. Es haftete hier äusserlich besonders an 
seinem Geburtshause und einem in der Johanniskirche befindlichen 
Bildwerke. 

Als Geburtshaus galt und gilt noch das Eckhaus der St. Annen- 
(jetzt Coppernicus- *) Strasse und der Bäckerstrasse, vor welchem 
bis vor wenigen Jahren ein Brunnen stand, der nicht blos den 
Namen „Coppernicusbrunnen" führte, sondern auch ein Sinnbild der 
astronomischen Forschung auf seiner Spitze trug, früher eine Hand, 
die mit einem Zirkel eine Kugel umspannte, später eine sogenannte 
Armillarsphäre ^), Doch hat Bender wahrscheinlich gemacht, dass 
von den dem Vater gehörigen Häusern nicht dieses, sondern ein 
anderes, ebenfalls in der St. Annenstrasse belegenes die Geburts- 
stätte des sternkundigen Sohnes gewesen sei. ^) 

Das Bild in der Johanniskirche ist dort im Jahre 1570 von dem 
damaligen Stadtphysikus Dr. Melchior Pyrnesius aufgestellt worden. 
Es nimmt nur durch einen im Hintergrunde sichtbaren Himmels- 
globus und Zirkel Bezug auf die Ruhmestat des Dargestellten, und 
veranschaulicht sonst nur seine Frömmigkeit, indem es ihn mit ge- 
falteten Händen vor einem Kruzifix zeigt ; neben dem linken Arme 
ist ein Totenkopf; unter dem rechten Arme steht eine lateinische 
Strophe : 

Non parem Pauli gratiam requiro, 
Veniam Petri neque posco, sed quam 
In crucis ligno dederas latroni, 

sedulus oro. 



— 2 — 

Gnad' erfuhr einst Paul, und Vergebung Petrus; 
Diese fordr' ich nicht mit verwegnem Anspruch. 
Die am Kreuzholzstamm du gewährt dem S^ächer, 

Brünstig erfleh' ich. *) 

Die Blüte, deren sich die Stadt zur Zeit des G^ppemicus er- 
freute, nahm zwar in der Folgezeit noch zu. Aber mit den 
Schwedenkriegen begann eine Zeit der Drangsale und der Ein- 
engung des gesammten bürgerlichen Lebens, welche die Bürger- 
schaft zwang, die Augen nur auf das nächste Bedürfnis, auf die 
Abhülfe der dringendsten Not zu richten, und der liebevollen Pflege 
alter Erinnerungen zu entsagen. Auf den niedrigsten Stand sank 
ihre Wohlhabenheit und Bedeutung, als die preussischen Grenzpfähle 
sie überall einschlössen und von jeglichem Hinterlande absperrten. 
Nach ihrem Eintritt in die geordnete Verwaltung des preussischen 
Staatswesens begann sie sich zu erholen. Auch ihre Zuweisung 
zum Herzogthum Warschau hat ihrem Handel wohl keinen Eintrag 
getan. Damals erwachte, als der Staatsrat nach Einnahme War- 
schaus durch die Oesterreicher (21. 4. 1809) nach Thom geflüchtet 
war, der Gedanke eines dem grossen Thorner in seiner Vaterstadt 
zu setzenden Denkmals, und fand eifrige Förderung sowohl bei den 
polnischen als bei den französischen Machthabem. Jene sahen in 
Coppemicus einen Polen und den leuchtendsten Beweis für die 
geistige Grösse ihres in nationalen Hoffnungen schwelgenden Volkes; 
und diese gefielen sich, scheint es, hier wie überall in der Rolle 
der Kulturträger, die verwirklichen müssen, was die nächst- 
beteiligten Völker in dumpfer Beschränktheit nicht vermocht 
haben ^). Doch zerschlugen sich die Bestrebungen von 1810 
während des russischen Feldzuges und der Belagerung durch 
Barclay de ToUy 1813. 

Immerhin kam das rege Nationalbewusstsein der Polen den 
kühleren Empfindungen der Deutschen zuvor. Sie führten den 
Gedanken von 1810 in wenig verändertem Sinne aus, indem sie im 
Jahre 1830 am 11. Mai ein Bronzedenkmal des Coppemicus nach 
dem Entwürfe Thorwaldsens in Warschau enthüllten, imd durch die 
Inschrift „Nicoiao Copernico Grata Patria. Nat. 1473. f 1543'' den 
grossen Denker für ihre Nationalität in Anspruch nahmen. 

Da traten endlich am 19. Februar 1839 12 der angesehensten 
Bürger Thoms unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Poplawski zu 
einem Verein zusammen, um ihrem grossen Mitbürger ein Denkmal 
in seiner Vaterstadt zu errichten. Durch Kabinetsordres vom 9. Mai 



^ 3 



1839 und 5. Mai 1840 erteilte Friedrich Wilhelm IV. seine Geneh- 
migung und übernahm das Protektorat des Vereins. Gern hätte 
man das Denkmal 1843 ^^^ ^^^ 300sten Wiederkehr des Todes- 
tages enthüllt, aber man musste sich zehn weitere Jahre gedulden ^), 
Die Beiträge wurden in der ganzen Welt gesammelt, und flössen 
nicht allzu reichlich, am reichlichsten merkwürdiger Weise aus 
Russland. Die Geschichte dieses unter uns als „Denkmalverein" 
bekannten Vereines und des auf seinen Betrieb durch den Bildhauer 
Friedrich Tieck geschaffenen Werkes, welches sich so wunderbar 
in das gesammte Stadtbild eingefügt hat, ist in der 1853 vom 
Vereine herausgegebenen Denkschrift der Herren Lauber, L. Prowe 
und Th. Körner von dem Letztgenannten lichtvoll dargelegt worden. 
Mit der Enthüllung des Denkmals an dem herrlichen 25. Okto- 
ber 1853 und mit der endgültigen Rechnungslegung hatte der Verein 
seine Aufgabe vollendet, und löste sich auf. Vorher aber trug er 
noch Sorge, dass das Denkmal dauernder als Erz, welches der 
Himmelsforscher sich in den Herzen seiner Mitmenschen gesetzt 
hat, auch fernerhin in seiner Vaterstadt besonders fromm und werk- 
tätig gepflegt werde. Am 15. Oktober 1853, dem Geburtstage seines 
Protektors, König Friedrich Wilhelms IV., beschloss der Verein, 
den 19. Februar 1854 als den Geburtstag seines Helden '') fesdich 
zu begehen, und mit diesem Feste nicht blos die feierliche Auf- 
lösung des Denkmalvereins, sondern auch die Begründung eines 
neuen Coppemicusvereins zu verbinden, dessen Aufgabe die Pflege 
der Wissenschaft und Kunst in der Stadt des Fürsten neuzeitlicher 
Wissenschaft sein sollte. So sollte er einem Bedürfnisse Befriedi- 
gung verschaffen, welches hier von jeher mit besonderer Stärke 
empfunden worden war. Dass die Sitzung am 19. 2. 1854, und nicht 
die am 15. 10. 1853, die letzte des alten Vereins und die erste des 
neuen sein sollte, wird in dem Sitzungsberichte ausdrücklich fest- 
gestellt. 



2. Entstehung. 



Unläugbar ist es, dass der neue Verein eigentlich nur eine 
Fortsetzung des alten war, und dass wir mit vollem Rechte schon 
1889 das Jubelfest hätten begehen können. Denn die Statuten des 
neuen Vereins waren von dem alten nach dem Entwürfe seines Vor- 
sitzenden beschlossen worden, und die Mitglieder des alten bildeten 



— 4 — 

auch den neuen. Indessen hegte man den Wunsch, auf neuer 
Grundlage einen neuen Anfang zu machen, um neuen Zielen zuzu- 
streben, und diesem Wunsche fromm gehorchend feiern wir am 
19. Februar 1904 das 50jährige Jubelfest. 

Gleichwohl blieb eine gewisse Einerleiheit beider Vereine noch 
lange sichtbar. Die Abrechnung des alten ergab eine Einnahme 
einschl. 11 Thl. 9 Sgr. 10 Pf. Agio von 11048 Thl. 9 Sgr. 6 Pf. 
und eine Ausgabe für das Denkmal von 11045 „ 2 „ 2 „ 

Zu dem verbleibenden Uebersehuss von 3 Thl. 7 Sgr. 4 Pf. 

kam ein Reinertrag von 464 „ 11 „ 5 „ 

aus der vom Verein herausgegebenen 

Denkschrift, so dass 467 Thl. 28 Sgr. 9 Pf 

Bestand blieben. Diesen übernahm der neue Verein ebenso wie die 
noch zu erwartenden Beiträge '') als Grundstock seiner Kasse, und 
leistete dagegen auch die nachträglichen Zahlungen. Er konnte das 
um so leichter, als der Vorstand des Denkmalsvereins auch unver- 
ändert sein Vorstand (Direktorium) wurde. Er bestand aus den 
Herren : Oberbürgermeister Körner, Vors, ; Sanitätsrat Dr. Karl 
Weese, Stellvertreter; Gymnasiallehrer Dr. L. Prowe I und 
Dr. R. Brohm, Schriftführern ; Kalkulator Schoenf eld, Schatzmeister. 
Dieser Vorstand blieb bis 1858 unverändert. 

Indem der Verein den Namen annahm „Copernicusverein für 
Wissenschaft und Kunst", verpflichtete er sich nach drei Richtungen 
hin, zunächst zur Bewahrung des Andenkens seines Namengebers, 
sodann zur Pflege der Wissenschaft, und endlich zur Pflege der 
Kunst. Er beschränkte sich weder auf einzelne Wissenschaften noch 
auf einzelne Künste, und erhob damit den Anspruch sich zum Brenn- 
punkte aller wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen der 
Stadt zu machen. Konnte doch eine kleine Stadt wie Thom sich 
den Luxus nicht erlauben für jede Wissenschaft oder Kunst einen 
eigenen Verein zu schaffen, und barg in sich doch infolge ihrer ge- 
schichtlichen Ueberlieferungen mehr wissenschaftlich strebsame und 
befähigte Kräfte als es ihre Einwohnerzahl mit sich zu bringen schien. 

Doch ergab sich aus der Kleinheit des Ortes eine Beschränkung 
des Tätigkeitsgebietes von selbst. Einesteils konnte den Künsten 
nur wenig Beachtimg geschenkt werden, weil der Gesang sich nur 
in besonderen Vereinen, so hier im Singverein und in der Lieder- 
tafel, pflegen lässt, und andere Künste hier allzu spärlich vertreten 
waren. Und auch aii die Wissenschaften in ganzem Umfange scheute 
man sich heranzutreten. Man fürchtete wohl das Dilettantentum 
grosszuziehen, oder man hielt es nicht für möglich noch geratepi den 



J 



— 5 — . 

Gelehrten aus der Stille des Studierstübchens herauszulocken, in welche 
er gehöre . Jedenfalls dachte Koerner bei der Abfassung der Statuten 
nicht sowohl an Vorträge, Erörterungen und Druckschriften als an 
Geldunterstützungen, Stiftungen und Ermittelungen. 

Daher erklärt sich's, dass die Statuten die Haupttätigkeit des 
Vereins viel enger umgränzten als der Name. Danach sollte sich 
die Vereinstätigkeit hauptsächlich auf folgende Ziele richten : 

1. Aufsuchung und Nutzbarmachung der Quellen unserer Lo- 
kalgeschichte. 

2. Erforschung und Erhaltung der Altertümer und Denkmäler 
oder sonstigen öffentlich ausgestellten Kunstdenkmäler in Thorn und 
Umgegend. 

3. Errichtung einer Vereinsstiftung zur möglichsten Unterstützung 
aller wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen innerhalb der 
Heimatprovinz. 

Unter der Heimatprovinz ist die Provinz Preussen, das ist Ost- 
und Westpreussen, zu verstehen. Auffallen mag es, dass der Astro- 
nomie kein bevorzugter Platz in den Arbeiten des Vereins einge- 
räumt wurde. Man sah wohl keine rechte Möglichkeit vor sich, in 
der Wissenschaft des Coppernicus hierorts etwas Namhaftes zu 
leisten. Und in der That hat sich bis auf den heutigen Tag nach 
dieser Richtung hin nichts erreichen lassen, so lebhaft auch der 
Drang dazu sich später geltend gemacht hat. Nur die Geschichte 
der Sternkunde ist durch die Arbeiten von L. Prowe und M. Curtze 
sowie durch die Verbindung mit auswärtigen Ehrenmitgliedern nam- 
haft gefördert worden. 

Die finanzielle Ausstattung des Vereins bestand ausser jenem 
übernommenen Bestände aus dem Jahresbeitrag der Mitglieder von 
je I Thaler ^). Ausserdem bewilligten ihm die städtischen Behörden 
am 18. Mai 1855 in Anerkennung seiner Bemühungen um die Orts- 
geschichte eine ständige jährliche Beihülfe von 30 Thalern. Ueber 
die Verwaltung der Kasse sollte der Schatzmeister jährlich am 
19. Februar Rechnung legen und Entlastung erhalten. Eine zweite 
Generalversammlung im Dezember sollte die sonstigen geschäftlichen 
Angelegenheiten erledigen, nämlich: 

I. Den Etat aufstellen ; 2. Geldunterstützungen bewilligen ; 
3. den neuen Vorstand wählen ; 4. neue Mitglieder aufnehmen ; 
5. über Statutenänderungen beschliessen ; 6. dem Verein oder einzel- 
nen seiner Mitglieder besondere Aufgaben stellen. 

Die Sitzung am 19. Februar, als dem Geburtstage des „namen- 
gebenden Heros" und zugleich dem Stiftungstage des Vereins, sollte 



in ihrem ersten Teile die Jahresrechnung feststellen; der zweite 
Teil sollte öffentlich abgehalten werden, und aus der Erstattung des 
Jahresberichtes durch den Vorsitzenden und einem wissenschaftlichen 
Vortrage bestehen. Damit sollte zugleich das neue Geschäftsjahr 
beginnen* Durch diese Einrichtung setzte sich der Verein in Be- 
ziehung zu der gesammten Bürgerschaft der Stadt, von der er vor- 
aussetzte, dass sie an seiner Rechenschaftslegung auch ihrerseits 
lebhaften Anteil nehmen werde. Dieser Wunsch fand auch darin 
seinen Ausdruck, dass die öfTentliche Sitzung in der Aula des damals 
noch wesentlich städtischen Gymnasiums abgehalten wurde, von dem 
man annahm, dass es als die vornehmste, wenn nicht einzige, der 
Wissenschaft geweihete Anstalt der Stadt selbstverständlich im 
engsten Bunde mit dem neuen Verein stehe. Die erste Festsitzung 
fand am 19. Februar 1855 in der Aula des Gymnasiums in der 
Bäckerstrasse statt. Nachdem aber das Gymnasium im Mai 1855 ^^ 
das neue, von der Stadt errichtete Gebäude umgezogen war, wurden 
auch die Festsitzungen in den neuen Versammlungssaal desselben 
verlegt, welcher dem Verein zu diesem Zwecke unentgelthch einge- 
räumt wurde, ein Gebrauch, welcher sich durch eine dankenswerte 
Ueberlieferung bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Doch soll 
nicht verschwiegen werden, dass der Besuch dieser Sitzungen bald 
viel zu wünschen übrig Hess. Am zahlreichsten erschienen dabei 
die Schüler der oberen Klassen des Gymnasiums. Selbst gedruckte 
Einladungen, welche an die verschiedenen Behörden versendet 
wurden, hatten nur einen massigen Erfolg. Vielleicht war es gerade 
die Unentgeltlichkeit des Eintritts, welche manchen fernhielt. Pflegt 
man doch auch sonst nur dasjenige lieb und wert zu halten, wofür 
man ein. Opfer gebracht hat. 

Indessen machte sich doch frühzeitig auch eine Gegenströmung 
gegen den Verein geltend, welche ihren Ursprung in einer Bestim- 
mung seiner Statuten hatte. Die Aufnahme neuer Mitglieder sollte 
nämlich nicht auf Grund persönlicher Meldung, sondern auf Grund 
des Vorschlages durch ein Mitglied, und zwar in der Form der 
Kugelung erfolgen. Der Vorschlagende hatte zwar die Pflicht und 
auch das Interesse sich vor der Abstimmung von der Geneigtheit 
des Vorzuschlagenden zum Eintritt in den Verein zu überzeugen. 
Es verstand sich aber von selbst, dass er denselben nicht eher da- 
nach fragen konnte, als bis er sich von der Geneigtheit der Mit- 
gheder zu seiner Wahl unzweifelhaft überzeugt hatte. Diese Be- 
stimmung erinnerte an das Verfahren grosser Akademien, zumal 
tatsächlich öfters nicht bloss gefragt wurde, ob der Vorgeschlagene 
ein lebhaftes Interesse für Wissenschaft und Kunst an den Tag ge- 



— 7 — 

legt, sondern auch, ob er für sie bereits etwas Nennenswertes ge- 
leistet habe. Mancher fand dies gönnerhaft und anmassend. In 
Wirklichkeit offenbarte sich darin nur eine leicht begreifliche Vor- 
sicht. Die Mitglieder fühlten sich durch ein schwer definirbares 
Band massvollen Strebens verbunden, und suchten nach einem 
Schutzmittel, um den Verein nicht aus der ihm vorgezeichneten Bahn 
lierausreissen zu lassen. Aus dem widerspruchsvollen Anfange 
konnte sich Klarheit, Uebereinstimmung und Sicherheit erst durch 
anhaltende Tätigkeit, durch Versuche und Erfahrungen entwickeln. 

Die ersten Mitglieder des Vereins waren ausser den obenge- 
nannten fünf Vorstandsmitgliedern : 

6. Stadtrat G, Weese Landtagsabgeordneter ; 7. Pfarner 
Gessel ; 8. Kr. Ger.-R. Ritter v. Fischer-Treuenteld ; 9. Stadt- 
baurat Barnick ; 10. Rittergutsbesitzer Saenger; 11 Kommerzien- 
rät J. M. Schwartz. — Zu ihnen traten im Laufe des Jahres als 
neugewählt hinzu: 12. Kfm. Simon Hepner; 13. Dr. med, Lehmann; 
14. Gy.-L. Dr. Adolf Prowe II ; 15. Gy.-L. Dr. Hirsch ; 16. Gy.- 
L. Müller ; 17. Stadtrat E. Lambeck, Prov.-Landtagsabgeordneter. 

Es mag auffallend erscheinen, dass von diesen 17 Mitgliedern 
2 schon in den nächsten Jahren austraten (Hirsch 1857; Gessel 1858). 

Erfreulich aber war es, dass der Oberpräsident der Provinz 
Preussen, Dr. Eichmann, unter Genehmigung der Statuten das 
Protektorat des Vereins übernahm, und das zwischen dem Magistrat 
der Stadt und dem Vereine ein Verhältnis des Einverständnisses 
und einmütigen Vorgehens herrschte, in welchem der Verein fast 
als ein Hülfsorgan der städtischen Behörden erschien, ein Verhältnis, 
welches die Personaleinheit des Stadtoberhaupts und des Vereins- 
vorsitzenden beträchtiich überdauerte. 

Die drei ersten Jahresberichte wurden von dem stellvertretenden 
Vorsitzenden Geh.- Sanitätsrat Dr. Weese erstaltet, da der Vorsitzende 
als Mitglied des Herrenhauses um die Zeit der Festsitzung von 
Thorn abwesend war. 

3. Die ersten drei Jahre 1854 bis 1856. 



Es war natürlich, dass die ersten Beschäftigungen des neuen 
Vereins den Charakter tastender Versuche an sich trugen. 

Er wünschte zunächst längst gefühlten Misständen abzuhelfen. 
Eine Menge Archivalien lag ungeordnet haufenweise in den Turm- 



— 8 — 

zimmern des Rathauses, und auch was in Schränken untergebracht 
war, bedurfte der Neuordnung. Aehnlich stand es mit der Rats- 
bibliothek, insbesondere ihrer reichen, aber schwer benutzbaren 
Plan- und Kartensammlung. Der Aufgabe einer Verbesserung 
in beiden Anstalten unterzog sich Dr. Leopold Prowe. Er konnte 
indess nur einen Anfang machen, dem noch viele Anstrengungen 
folgen mussten. Die Mittel konnten erst allmählich beschafft werden, 
und die Räumlichkeiten des heut wohl geordneten Archivs ent- 
sprechen noch jetzt nicht den Anforderungen an die sichere Aufbe- 
wahrung und die leichte Benutzbarkeit einer höchst wertvoller 
Urkunden Sammlung. 

Wie sich zu diesen Arbeiten der Magistrat gern der Hülfe 
des Coppernicus Vereins bediente, so sah er es auch gern, wenn der 
Verein ihm seine Wünsche bezüglich der Anschaffung von Büchern 
für die Ratsbibliothek aussprach, und erwarb z. B. im 3. und 6. 
Jahre, der Anregung des Vereins entsprechend, die handschriftlichen 
Vorarbeiten für die von Praetorius begonnene, von Wernicke fort- 
gesetzte, aber nur bis zum 3. Heft veröffentlichte topographische 
Beschreibung der Stadt Thorn und ihres Gebietes für 25 Thl. 

Anderseits verzichtete der Verein auf manchen Lieblingswunsch 
vorläufig, weil er damit dem Magistrat zugemutet hätte, was der- 
selbe mit seinen Mitteln nicht leisten konnte. So hatte ein Thorner 
Kind namens Scharff sehr sinnreiche Apparate zur Veranschau- 
lichung des koppernikanischen Weltsystems hergestellt, war damit 
herumgereist und hatte viel Beifall gefunden. Er war aber alters- 
schwach geworden, und hätte die Apparate gern für einen nicht 
unbilligen Preis seiner Vaterstadt verkauft. Der Verein hielt damals 
seine Wünsche zurück, weil es der Stadt an einem Aufbewahrungs- 
raum wie an den Mitteln zur Instandhaltung der gebrechlich ge- 
wordenen Maschinerie fehlte. Im Laufe der Jahre kam die An- 
schaffung doch zu Stande. 

Ebenso lehnte der Verein im zweiten Jahre das Geschenk 
einer kleinen Münzsammlung ab, so sehr er es auch wiederholt 
beklagte, dass es für ähnliche Zuwendungen an jedem Aufbewah- 
rungsort fehlte. Selbst auf die Ausstattung eines Museumsraumes 
mit Gypsabgfissen von Kunstwerken der Berliner Museen, welche 
der Generaldirektor derselben, Prof. Olfers, in sichere Aussicht 
stellte, musste Verein und Stadt vorerst verzichten, weil ein solcher 
Raum eben nicht vorhanden war. Doch erliess der Verein einen 
Aufruf zur Einlieferung von Altertümern, deren einstweilige Auf- 
bewahrung der Magistrat übernahm. 



Leichter schien es eine laufende Lokalchroiiik als Vorarbeit 
für jede künftige Geschichte der Stadt anzulegen. Dr. Brohm 
übernahm den Auftrag, und erledigte ihn für das Jahr 1854, nahm 
aber dann davon Abstand, weil der Verein die Kosten nicht tragen 
konnte. 

Unbedingtes Glück halte der Verein gleich im ersten Jahre 
mit zwei mutigen Unternehmungen auf den beiden Hauptgebieten 
seines Tätigkeitsfeldes, mit einer Kunstausstellung und einer Reihe 
öffentlicher Vorträge. 

Den Aniass zu der ersteren, die bereits im Juni 1854 im Saale 
der Ressource zur Geselligkeit, d. h. im Artushofsaale, über dem 
Theater, stattfand, bot die Ankunft einer Reihe wertvoller Gemälde, 
welche zur Absendung an den in Valparaiso in Chile lebenden 
Thorner Kaufmann Herm. Schwartz bestimmt waren, und von dem 
Absender behufs yorgängigcr Schaustellung dargeliehen wurden. 
Ein Aufruf erging an alle Mitbürger, Kunstgegenstände, die sich in 
ihrem Besitze befänden, dem Publikum ein paar Tage zugänglich 
zu machen, und fand so bereitwillige Aufnahme, dass über 70 meist 
wertvolle Gemälde lebender und verstorbener Künstler nebst einer 
bedeutenden Kupferstichsammlung zusammenkamen. Die meisten 
gehörten dem Sanitätsrat Dr. Weese und dem Landrat Barschall 
(nach Brohm). Die Anordnung wurde von dem 2^ichenlehrer des 
Gymnasiums, Maler W. Voelcker, und seinem jungen Kunstgenossen 
V. Reichenbach (Br.) musterhaft getroffen. Das Publikum besuchte 
die Ausstellung so lebhaft und äusserte sich über sie so dankbar, 
dass man hoffen durfte, dem ersten Versuche weitere mit noch 
besserem Gelingen folgen zu lassen. 

Ebenso viel Anklang fanden die sechs öffentlichen Vorträge, 
welche im Winter 1854/5 gehalten wurden. Dieselben ergaben 
einen Reingewinn, der es ermöglichte 40 Thl. dem Königsberger 
Comitee für die Errichtung eines Kantdenkmals als Beitrag zu 
übersenden. In seinem Antwortschreiben sprach Professor Dr. 
Rosenkranz das denkwürdige Wort: ,,Ohne Koppernigk kein 
Kant". 

Diese Vorträge fanden ebenfalls in dem Saale der Ressource 
zur Geselligkeit statt. 

Es trugen vor am 3. 2. 58 L. Prowe, die Expeditionen zur 
Entdeckung einer nordwestlichen Durchfahrt im nördlichen Polar- 
meere; am 12. 2. MiUler über Magnetismus und Elektrizität; am 
26. 2. A. Prowe über Kant und den Einfluss seiner Philosophie; 
am 12. 3. in Anwesenheit des Reg.-Präs. Graf zu Eulenburg: 



— 10 — 

E. Lambeck über die Anfänge des deutschen Buchhandels ; am 19. 3. 
Brohm über das Leben der Thorner Bevölkerung im 16. und 
17. Jahrhundert ; am 26. 3. Dr. Lehmann über das Leben und 
Wirken des Anatomen Samuel Thomas v. Soemmerring. 

Den Vortrag in der Jahressitzung am 19 Februar 1855 hielt 
Dr. L. Prowe über die Beziehungen zwischen Coppernicus und 
Herzog Albrecht. 

Gleichen Erfolg wie jene 6 öffentlichen Vorträge hatten die im 
Winter 1855 6 veranstalteten, und zwar am 23 i. 56 6-7 Uhr 
A. Prowe, Unsere Verwandten in Grossbritanien nach Reiseein- 
drücken; 30. I. Gy.-L. Pritsche, Die englische Bühne vor Shak- 
speare; 13. 2. L. Prowe, Pompeji ; 27. 2. Dr. Kugler, Die Medizin 
der Neuzeit (vielfach humoristisch) ; 5. 3. Dr. Güte, Klopstock ; 
12. 3. B. Goltz, Menschenkenntnis. Aus ihrem Ertrage konnten 
25 Thl, zur Verstärkung des Vereinsvermögens verwendet werden, 
während 25 Thl. zu einem in Frankfurt a M. zu errichtenden 
Denkmal für Samuel Thomas v. Soemmerring beigesteuert wurden. 

Soemmerring war nicht nur ein grosser Anatom, sondern er 
kann auch füglich als der Erfinder der elektrisehcn Tclegraphie 
betrachtet werden. Denn er war der erste, der einen elektrischen 
Fernmelder herstellte. Man braucht das Verdienst derjenigen, 
welche später einen gangbareren Weg zur Erreichung desselben 
Zieles fanden, nicht zu unterschätzen, um doch dem ersten Hersteller 
eines minder brauchbaren Apparates sein Erfinderrecht zu wahren. 
Sömmerring war aber wie Coppernicus ein Thorner Kind, und hat 
vollwichtigen Anspruch darauf, dass seine Vaterstadt auf ihn stolz 
ist. Er hat auch seinem Sohne, Hofrat Dr. v. S. in Frankf. a/M., 
eine solche Liebe zu seiner Vaterstadt eingeflösst, dass derselbe 
aus dem Nachlasse seines Vaters dem Verein eine Sammlung von 
Münzabdrücken, sowie von Handschriften zur Geschichte Thorns 
zum Geschenke gemacht und noch einen Gypsabguss der Büste 
seines Vaters hinzugefügt hat Die Gypsbüste ist in der Aula des 
Gymnasiums aufgestellt. 

Der Verlauf des ersten Jahres hatte das Selbstgefühl • des 
jungen Vereins so weit gehoben, dass er glaubte seinen Gönjiern 
die Ehrenmitgliedschaft als Zeichen seines Dankes anbieten und an- 
nehmen zu dürfen, dass, wer sich überhaupt ihm oder seinem Vor- 
gänger als Freund bewiesen habe, diese Form der Angliederung 
an den Verein nicht zu gering schätzen werde. 

Zu den ersten Sorgen des zweiten Jahres gehörte daher die Ab- 
tragung der vom Denkmalsverein übernommenen Ehrenschuld gegen 



— 11 — 

diejenigen Männer, deren werktätiger Hülfe die Vollendung des 
Denkmals neben dem hochherzigen Eingreifen Sr. Majestät König 
Friedrich Wilhelms IV. vorzugsweise zu danken war. Es wurden 
zu Ebrenmitgliedern ernannt : 

I. Gymn.-Dir. Dr. Lauber (f 1867). 2. General-Direktor der 
Museen Geh. R. Dr. v. Olfers 3. Geh. Oberbaurat Stueler (f 1865). 
4. Hofbaurat Strack (f 1880). 5. Dir. der Sternwarte zu Krakau 
Prof. Dr. Weisse (f 1864). 6. Dir. der Sternwarte zu Königsberg 
Dr. Busch (f 1855). 7. Dir. der Sternwarte zu Danzig Prof. 
Anger (f 1862). 

Ausser diesen Männern fühlte sich der Verein noch dem Prof. 
Geh. R. Boeckh in Berlin wegen seines Gutachtens in der Inschrift- 
frage, und vor allem Alexander v. Humboldt wegen der lebhaften 
und fortdauernden Vertretung der Denkmalsangelegenheit beim 
Könige zu Dank verpflichtet. — Die geistige Verbindung mit Hum- 
boldt wurde durch den ihm persönlich bekannten Gymn.-Lehrer Dr. 
L. Prowe lebendig aufrecht erhalten, und brachte auch dem Verein 
noch manche freundliche und förderliche Teilnahme des greisen 
Forschers ein. ^ 

Sodann nahm der Verein an der 600jährigen Jubelfeier der 
Stadt Königsberg Anteil, indem er ihr als Festschrift den von 
L. Prowe am 19. 2. 55 gehaltenen Vortrag über N. Coppernicus 
und Herzog Albrecht L von Preussen übersandte. 

Schon im Mai 1855 schlug Koerner vor „für den Verein eine 
Qibliothek anzulegen" von solchen Schriften, die von Mitgliedern 
oder Freunden des Vereins zu diesem Zwecke gegeben würden. 
E. Lambeck übernahm die Verwaltung und Katalogisirung. Gleich- 
wohl blieb es noch viele Jahre lang ein Grundsatz des Vereins, eine 
eigentliche Bibliothek nicht haben und sich die Opfer, welche ihre 
Unterhaltung erfordere, ersparen zu wollen. Eine Ausnahme nach 
der andern sah er sich gezwungen zu machen, und erst spät fügte 
er sich der Notwendigkeit. 

Ferner beschäftigte sich eine von ihm auf Veranlassung des 
Magistrats niedergesetzte Kommission mit der Ermittelung und ge- 
schichtlichen Rechtfertigung der alten deutschen Namen von Ort- 
schaften des Thorner Kreises, welche seit dem Reichstage von 
Lublin 1569 durch polnische Namen verdrängt worden waren. Der 
Verein wurde dabei, wie Dr. Weesc mit Recht versicherte, nicht von 
nationalen Antipathien geleitet, sondern durch das „Bewusstsein, 
dass Thorn, von Rittern des deutschen Ordens gegründet und ur- 
sprünglich eine rein deutsche Stadt, sich seines Berufes als Mark- 



— 12 — 

stein deutscher Gesittung stets eingedenk zu erhalten habe*^. Das 
Verzeichnis dieser Namen wurde 1856 fertiggestellt, und hat sicher- 
lich den nicht übermässig zahlreichen Rück Verdeutschungen, welche 
seitdem erfolgt sind, zu Grunde gelegen. Einen Teil der damals 
geleisteten Arbeit findet man in Benders Archivalischen Beiträgen 
im 3. Heft der Mitteilungen des C. V's. 

Von Anfang an hatte der Verein Anstalten getroffen, um die 
der Erhaltung würdigen Denkmäler der Kunst und des Alter- 
tums im Bereiche seiner Wirksamkeit zu ermitteln und aufzu- 
zeichnen. Als nun der Kultusminister eine Aufforderung in diesem 
Sinne an die Ortsbehörden richtete, nahm der Magistrat die Hülfe 
des Vereins in Anspruch, dessen Mitglied Dr. L. Prowe ohnehin 
zum Mitgliede der von Sr. Majestät angeordneten Kommission für 
Denkmalspflege ernannt worden war. Prowe übernahm denn 
auch die Herstellung des Katalogs. 

In diesem Jahre beklagte der junge Verein den ersten schmerz- 
lichen Verlust durch den Tod seines Ehrenmitgliedes, des Direktors 
der Sternwarte zu Königsberg, Dr. Busch. Der Jahresbericht wid- 
mete ihm einen eingehenden Nachruf. Aug. Ludw. Busch, geb. am 
7. 9. 1804 zu Danzig als Sohn eines Bernsteindrehermeisters. Die 
Belagerung von 1813 vernichtete den Wohlstand der Familie. Dem 
Vater wurde durch einen Bombensplitter ein Bein zerschmettert ; 
er starb nach langem Siechtum 1833. Der Sohn trat 1816 in die 
Danziger Kunstschule, um sich zum Baufach vorzubereiten. Der 
Baukondukteur Pape nahm ihn 1820 zum Gehülfen an ; der Gymn.- 
Professor Foerstemann unterrichtete ihn in Mathematik. Ohne 
sichere Mittel begab er sich 1827 nach Königsberg,^ wo der Dichter 
V. Eichendorff, Oberpräsidial- und Reg.-Rat, ihn lieb gewann und 
zum Lehrer seiner Kinder machte. Er hörte dabei die Vorlesungen 
Bessels u. a., und wurde 1831 Gehülfe, 1836 Observator an der 
Kgl. Sternwarte, deren Jahresberichte er abfasste. Ausser den in 
Schumachers astronomischen Nachrichten angeführten Schriften 
wirkte er besonders durch seine Vorschule der darstellenden 
Geometrie. Auf seine Empfehlung wurde der Maler Temphn als 
Zeichenlehrer an das Thorner Gymnasium berufen. 

Den Festvortrag am 19. 2. 56 hielt Dir. Dr. Lauber über 
das Leben der Seele im Zustande des Traumes. 

Auch im dritten Jahre richtete der Verein sein Augenmerk 
zunächst auf Kunst und Altertümer. Sowohl die Staatsregierung 
wie das germanische Museum in Nürnberg sahen in ihm ein will- 
kommenes Organ für dieses Arbeitsfeld und drängten ihn mit ihren 



^ 13 — 

Anträgen. Er entschloss sich einige dahin gehörige Zeiischriiten 
zu halten, und beschäftigte sich mit der Frage der Gründung eines 
eigenen Kunstvereins. Doch kam er zur Ueberzeugung, dass die 
Einnahme einer von auswärts beschickten Kunstausstellung die 
unverhältnissmässig hohen Kosten nicht decken werde, und ver- 
tagte die Angelegenheit bis zu der nach dem Anschluss Thorns an 
die Ostbahn zu erwartenden Verbilligung des Transports. Dagegen 
sorgte er für die Aufstellung der früher (S. 8) erwähnten Gyps- 
abgüsse, teils in der Gymnasialbibliothek teils im Rathause, und 
empfahl die von Lusignani nach dem ihm bereitwillig dazu über- 
lassenen Modell gefertigten Gypsabgüsse des hiesigen Coppernicus- 
denkmals. 

Damals tauchte auch zum erstenmal eine Frage auf, die dann 
oft wieder angeregt wurde, aber bis heute noch nicht erledigt ist, 
die Frage, ob man nicht die Stelle, an welcher der 53. Parallel- 
kreis (n. Br.) den Meridian von Thorn schneidet, durch einen 
Merkstein bezeichnen solle. Die dazu erforderlichen wissenschaft- 
lichen Angaben wurden zwar in der Hauptsache schon damals ge- 
liefert. Nach der Feststellung des Kgl. Topographischen Bureaus 
befindet sich die topographische Station Thorn auf dem Rathaus- 
turm, und ihr Zentrum ist der Mittelpunkt eines auf der Einfassungs- 
mauer des nördlichen Ecktürmchens eingelassenen Steinwürfels. 
Dieser Punkt befindet sich 53«^ o^ 39" 46"' n. Br. und 36» o^ 16" 
84"' östl. L. V. Ferro. Wer also den Merkstein setzen wollte, der 
müsste von dem festgelegten Punkte eine Linie genau südwärts 
ziehen, was schon der Weichsel wegen nicht mit der Kette, sondern 
nur durch den Theodoliten möglich ist. Auf dieser Linie müsste er 
39" und 46'" genau abmessen, (etwas über 7« Meile oder 1,25 Km) 
um auf den 53. Parallel zu treffen. Das brächte nur eine wissen- 
schaftliche, mit allen Instrumenten ausgerüstete Kommission nach 
längeren Beobachtungen fertig. Ohne genaue Feststellung hat aber 
der Merkstein keinen Wert; dann genügt es zu wissen, dass der 
gesuchte Punkt etwas südlich der Wegunterführung liegt, durch 
welche unsre Droschken nach dem Bahnhof fahren. 

Jede Ueberlegung machte schliesslich vor diesen Schwierig- 
keiten Halt. 

Das Jahr brachte dem Verein einige sehr willkommene neue 
Mitarbeiter, und zwar als ordentliche Mitglieder die Pfarrer Güte 
von der Neustadt und MarkuU von der Altstadt, und als Ehren- 
mitglied unsern grossen Philosophen, Menschenkenner und Humo- 
risten Bogumil Goltz. 



-- 14 - 

MarkuU hatte bereits einen Wunsch des Vereins ausgeführt, 
indem er eine urkundlich beglaubigte Geschichte des Baues der 
Altstädtischen evangelischen Kirche verfasst hatte, eine Art Ge- 
schichte der Stadt in ihrer trübsten Zeit, eine Geschichte von 
hoffnungsvollem Aufbau und gezwungenem Niederreissen, von Ver- 
sprechungen und WortbrOchen, von Bestechungen in Warschau, 
Dresden und Kulm, von Wideniif der königlichen Erlaubniss durch 
den Bischof und umgekehrt, von 30jährigen unerhörten Opfern und 
Plackereien. Der Verfasser bestimmte den Erlös des Buches, 
welches bei Gelegenheit der Jubelfeier des Kirchenbaues erschien, zur 
Gründung eines Turmbaufonds. Sein Zweck ist nun erreicht ; der 
Turm ist i. J. 1898 fertig gestellt worden, und bildet mit seinem 
Glockenspiel eine Zierde der Kirche und des Altstädtischen Marktes. 

Goltz, zum ruhigen Zuhören oder parlamentarischen Verhandeln 
wenig geeignet, entfaltete den unerschöpflichen Reichtum seines 
Geistes in freier Rede, und besass damals schon einen bedeutenden 
Ruf als Schriftsteller und Redner in ganz Deutschland. Er erbot sich 
für die Zwecke des Vereins vier Vorträge zu halten. Das geschah 
im Februar und März 1857 unter grossem Zulauf. Der Subskrip- 
tionsertrag von 80 Mk. wurde zur Unterstützung eines würdigen 
Studierenden hiesigen Ortes verwendet. Er sprach i. Zur Cha- 
rakteristik der Nationen ; 2. Ueber die Frauen ; 3. Zur Charakte- 
ristik des Volkes im Dorfe und in kleinen Landstädten; 4. Ueber 
das Genie. 

Von dauernder Wichtigkeit war insbesondere ein Entschluss, 
der den Drang des Vereins bezeugte die anfangs vielleicht not- 
wendig gewesenen Schranken seiner Wirksamkeit mehr und mehr 
niederzureissen. Er beschloss in der Generalversammlung am 
20. Dezember 1856, „zum Zwecke wissenschaftlicher Unterhaltung 
zweimal monatlich (am Donnerstag nach dem 8. und 15. jedes 
Monats) Zusammenkünfte seiner Mitglieder zu veranlassen, und auch 
andere wissenschaftlich gebildete Männer zur Teilnahme daran ein- 
zuladen." 

Am 12. Januar 1857 fand die erste dieser Zusammenkünfte statt. 
Mitglieder und Nichtmitglieder nahmen ungefähr in gleicher Anzahl 
Teil. Sie konstituirten sich sogleich als Wissenschaftlicher Zweig- 
verein des C. V's. Oberbürgermeister Koerner hielt den ersten 
Vortrag: „Das Verhältnis der Ehe zum Staat.*' Es folgte eine 
lebhafte Erörterung, 

Die in den beiden nächsten Sitzungen entworfenen Statuten 
sorgten ebensowohl für eine gewisse Selbständigkeit des Zweigvereins 



— 15^ — 

wie für die Festigkeit seines Zusammenhanges mit dem Hauptverein, 
und forderten, dass für jeden Abend zwei Vorträge vorbereitet 
sein sollten, wie schon am zweiten Abend zwei Vorträge gehalten 
wurden, vom Gymnasiallehrer Boethke über j^die Gottesidee bei den 
griechischen Lyrikern" und vom Gymnasiallehrer Dr. Winckler über 
„das Sinken der Altertumswissenschalten*- Der Vorsitz stand dem 
Vorsitzenden des Hauptvereins zu; die Kosten für Beleuchtung pp. 
wurden auf die Mitglieder des Zweigvereins verteilt. Man sieht, aus 
welchen Befürchtungen heraus man zu der Zwitterbildung eines 
solchen Zweigvereins gegriffen hatte, und begreift, dass der Haupt- 
verein mit der Zeit in dem Zweigverein aufgehen musste. 

Noch sei bemerkt, dass die Sitzungen dieses Zweigvereines 
damals im Logcngebflude — der ehemaligen bischöflichen Residenz 
— abgehalten wurden, während die eigentlichen (geschäftlichen) 
Vereinssitzungen zum Zeichen ihrer ernsten lokalen Bedeutung im 
Sitzungssaalc des Magistrats verblieben. Auch wurden diese 
nicht regelmässig, sondern nach Bedürfnis berufen. 

Den Jahresbericht erstattete Gymn. Dir. Dr. Lauber; den Vor- 
trag hielt danach Dr. L. Prowe über den Weinbau Thorns. 



Vom 4—6. Jahre. 



Den Bericht über das 4. und 6. Jahr erstattete der Vorsitzende, 
Oberbürgermeister Koerner, über das 5. sein Stellvertreter Dr. Güte. 

Im Jahre 1857 am 18. Juni starb der sehr beliebte und um den 
Verein wie um die Stadt hochverdiente Stadtbaurat Barnick im 
69. Lebensjahre, Ritter des R. A. IV. und Inhaber der Kriegsme- 
daille für 1814/15. Für ihn und die beiden austretenden Mitglieder 
Dr. Hirsch und Pfarrer Gessel wurden 3 neue Mitglieder aufge- 
nommen, Pfarrer Lambeck in Gurske, Dr. med. Kugler und Gym- 
nasiallehrer Pritsche. Der Verein bestand aus 20 ordentlichen, 
2 hiesigen und 5 auswärtigen Ehrenmitgliedern. In den Vorstand 
trat der Pfarrer Dr. Güte und Dr. med. Lehman^ ein, der letztere 
als 2. Schriftführer. Der Verein beschäftigte sich wesentlich mit 
den erworbenen wissenschaftlichen Schätzen. 

Es stellte sich heraus, dass die vom Hofrat Soemmerring über- 
wiesenen Schriftstücke und Mfinzen^ welche von Dr. Brohm und 
Pf. MarkuU durchgesehen wurden, sehr wertvoll waren. Jene ergänzten 



- 16 - 

z. B. die Reihe der städtischen Bürgermeister und Ratmannen, die nur 
bis 1350 hinauf bekannt gewesen waren, bis zum Jahre 1262. Reich an 
Nachrichten waren sie über die Jahre 1627—1715, und enthielten ein 
sorgfältig geführtes Tagebuch über 1809. Die Zahl der Münzen 
betrug 2283, darunter 414 Denkmünzen, 250 griechische und römische, 
242 preussische, 84 polnische, 808 deutsche. Alles war sorgfältig 
geordnet und in einem von den städtischen Behörden gestifteten 
Schranke aufgestellt worden. Bei der Ordnung hatte ein durch 
Aufmerksamkeit eines Mitgliedes vor der Vernichtung geretteter 
Thesaurus numismaticus gute Dienste geleistet. Nur klagte der Be- 
richterstatter, dass man nicht wisse, wo man mit dem Schranke 
hinsolle, und wurde überhaupt nicht müde die Hoffnung auszu- 
sprechen, dass es der städtischen Verwaltung, deren Haupt er war, 
gelingen werde, dem Raummangel durch den Ausbau des Raumes 
über dem grossen Rathhaussaale abzuhelfen, und ein städti- 
sches Museum zu gründen. Auch liefen jährlich einige Beiträge 
für die Vereinsbibliothek ein, obwohl der Verein eine eigentliche 
Bibliothek nicht zu haben wünschte. Seine Gönner aus Berlin 
schenkten ihm aber eine Aufmerksamkeit, welche auf der Hoffnung 
beruhte, dass sich aus einem kleinen Kern ein grosser Baum ent- 
wickeln werde. Der Geheime Oberbaurat Stueler und der Konserva- 
tor der Kunstdenkmäler Geh. Regierungsrat v. Quast statteten der 
Stadt einen Besuch ab, besichtigten alle merkwürdigen Gebäude, 
und begutachteten ihren Charakter und Bauwert. 

Es war das Jahr der Vermählung des Prinzen Friedrich Wil- 
helm mit der Prinzess Viktoria von England Der allgemeinen 
Teilnahme gab der Gymnasiallehrer Dr. A. Prowe Ausdruck in 
einem farbenreichen dichterischen Gemälde, in welchem er die Ver- 
mählung Kaiser Ottos des Grossen mit Editha von England 
schilderte. Das Gedicht wurde als Hochzeitsgruss des Vereins im 
Prachtdruck dem jungen Paare durch das Ehrenmitglied Herrn 
V. Olfers mit einer warmen und würdigen Ansprache überreicht, 
und fand dankende Aufnahme. 

Der im Vorjahre gegründete Zweigverein war nach mehreren 
Sitzungen, über deren Vorträge nichts aufgezeichnet wurde, förm- 
lich wieder eingeschlafen. Dr. Brohm beantragte ihn wieder zu er- 
wecken, oder dafür allgemeine Sitzungen einzuführen. Es wurde 
beschlossen ihn zu erneuem, und seine Sitzungen alle 2 Monate ab- 
zuhalten. Der Antragsteller übernahm es die früheren Mitglieder 
wieder zum Zusammentreten zu veranlassen. Auch regte er eine 
Einteilung derselben in Sektionen nach Fächern an. 



-r 17 - 

Den Festvorlrag am 19. 2. 58 hielt Dr. A. Prowc über 
Goethes Idee einer Weltliteratur. 

Im Jahre 1858, über welches Dr. Güte berichtete, und für 
welches Koemer und Güte zu Vorsitzenden, L. Prowe und Dr. Leh- 
mann zu Schriftführern und Schoenfeld zum Schatzmeister (Ren- 
danten) gewählt worden waren, wurde ein kräftiger Anlauf zu syste- 
matischer Forschung genommen. Man gab jener Anregung Brohms 
insofern Folge, als man die Arbeit planmässig verteilte. Die Ge- 
schichte Thorns von 1842, dem Jahre seines Amtsantritts, an über- 
nahm der Oberbürgermeister Koerner ; desgleichen die der Belage- 
rung durch die Oesterreicher von 1809; die Vorgeschichte von 
1807 bis 1841 der Kalkulator Schoenfeld, die Herstellung eines 
Thorner Geschichtskalenders Dr. Brohm ; die Geschichte der Buch- 
druckerei in Thorn der Stadtrat Ernst Lambeck ; die des botanischen 
Gartens Dr. Lehmann ; eine medizinische Topographie des Thorner 
Kreises Dr. Weese ; einen Bericht über das Kleiderwesen im Mittel- 
alter Gy.-L. Fritsche ; die Erforschung der geologischen Verhältnisse 
in der Gegend der Brahemündung — wohl mit besonderer Rück- 
sicht auf die damals Aufsehen erregenden Braunkohlcnfunde •) — 
Dr. Kugler. Der Ordnung des Archivs nahm sich nach wie vor 
Dr. L. Prowe, der der Ratsbibliothek Dr. A. Prowe und Gymn. -Di- 
rektor Dr. Passow an. 

Der Verein gewann auch in diesem Jahre mehrere erfolgreich 
tätige Mitglieder, den Professor Dr. Fasbender, den Stadtbaurat 
Kaumann, den Direktor Dr. W. Passow, den Staatsanwalt Dr. 
Meyer, Auch trat der Kaufmann, nachmalige Kommerzienrat 
Adolph ein, der früher schon gleich seinem Vater J. G. Adolph 
dem Denkmalverein angehört hatte (28 6. 58.) 

Dagegen starb der Kommerzienrat Schwartz, einer der ange- 
sehensten Bürger der Stadt, von Anbeginn Mitglied des Denkmal- 
vereins und eine Reihe von Jahren sein Vorsitzender, dem der 
Jahresbericht einen eingehenden Nachruf widmete. . 

Joh Mich. Schwarte war am 9. i. 1784 in der Neustadt Thorn 
geboren als Sohn des Sattlermeisters J. M. Schwartz und seiner 
Frau Anna Margarethe geb. Knoefel. Am i. 9. 1805 liess er sich 
hier als Kaufmann nieder, und verheiratete sich am 9. 11. 1806 mit 
Johanna Friederike Krieger, einzigen Tochter des Glockengiessers 
Friedr. Franz Krieger. Sie starb am 26. 5. 1821, und hinterliess 
ihm 3 Söhne und 2 Töchter. Er war Mitglied des früheren Ge- 
meinderats, und wurde 1834 bei Einführung der Städteordnung 

2 



— 18 — 

Stadtverordneter- Vorsteher. Mit grosser Treue verwaltete er das 
Amt eines Vorstehers der altst. ev. Kirche vom i. i. 1819 über 39 
jähre. Nicht leicht fehlte er in einer Sitzung des C.-V's, bis ihn 
der Tod am 26. 9. 58 dahinraffte. — 

Den Festvortrag am 19 2 59 hielt Dr. L. Prowe über die 
NationaHtät des Coppemicus. 

OeflFentliche Vorträge wurden im Winter 1858/9 gehalten : 
12 3. 58 B. GoUz: Zur Charakteristik der deutschen Volkslieder 
und Volksmärchen 26. 3. Dr. Fasbender: Das Newtonsche Gesetz 
der Schwere. 9. 4. Dr. Meyer, Richard Wagner. 16. 4. Dr. Brohiti : 
Skizzen aus der Sittengeschichte Thoms im 16. und 17. Jahrhundert. 

Aus dem Ertrag derselben wurde u. A. ein Beitrag von 5 Thlr. 
für das Denkmal Schinkels in Berlin geleistet, und andere Beiträge 
zum Stipendienfonds für Abiturienten der hiesigen Realschule und 
zum Keplerdenkmal in Weil, welche mit späteren Beiträgen zusam- 
men die Summen von 90 und 30 Thlr. ergaben. Den Vortrag über 
R. Wagner Hess der Verein drucken. 

Im Jahre 1859 am 5. Mai starb Alexander v. Humboldt, auf 
dessen Befürwortung König Friedrich Wilhelm IV. sich seinerzeit 
für die schöne, stolze Inschrift auf dem Copp emicusdenkmal ent- 
schieden hatte. Der Verein verlor in ihm seinen bedeutendsten 
Gönner. Zu der damals begründeten Humboldtstittung konnte er 
25 Thlr. beitragen. Auch dem Germanisehen Museum in Nürn- 
berg bezeigte er nach Kräften seine Teilnahme durch einen Beitrag 
von 20 Thlr. 

Die Zahl der Ehrenmitglieder sank auf 5, die der ordentlichen 
stieg auf 28, darunter 4 neue, sehr tätige, der Stadtrat Joseph, der 
Kommandant General v. Prittwitz-GafTron, der Hauptmann Giese, 
der Rektor der Bürgerschule Paneritius. 

Von den Unternehmungen des Vorjahres wurde der erste Band 
der Geschichte Thorns, welche die Zeit von 1793 bis 1860 um- 
fasste, vom Oberbürgermeister Koemer handschriftlich fertiggestellt. 
Das Archiv wurde von dem bedeutenden Historiker Dr. Th. Hirsch 
aus Danzig inspizirt und die Mängel festgestellt, die der Abhülfe 
dringend bedurften. Insbesondere wurde für die Ordnung desselben 
eine volle Jahresarbeit in Aussicht genommen. (Th. W. 60 N. 22.) 
Auch tauchte damals zuerst ein Antrag auf, der den Verein dann 
lange Jahre beschäftigte und auch jetzt noch wenig Aussicht auf 
Verwirklichung hat, der Antrag auf Errichtung einer Sternwarte 
in Thorn. Der Antrag wurde schon damals nicht bloss durch die 
Ehrenpflicht begründet, das Andenken des grossen Sternkundigen 



— 19 — 

in seiner Vaterstadt durch eine hervorragende Anstalt für Sternkunde 
zu verewigen, sondern auch durch die Lage der Stadt inmitten eines 
grossen Gebietes zwischen den bestehenden Sternwarten. Vorläufig 
begnügte sich indess der Verein mit der Bitte eine meteorolo- 
gische Station hier einzurichten, einer Bitte, welche zwar nicht 
gleich, wohl aber später Erfüllung fand. 

In diesem Jahre erfolgte der Ankauf der Scharfischen Appa- 
rate. Auch wurde mit Hülfe des Ertrages der oben erwähnten 4 
Vorlesungen das angelegte Kapital des Vereins auf 700 Thaler ge- 
bracht. 

Allein was in diesem Jahre die Seele des ganzen deutschen 
Volkes tief bewegte, das war die hundertjährige Wiederkehr des 
Geburtstags Schillers. Das Schillerfest brachte die geistige Ein- 
heit Deutschlands mit sieghafter Gewalt zum Ausdruck. Und Thom 
blieb hinter andern Städten nicht zurück. Die hiesige Feier ging 
vom Coppernicusverein. aus ; alle seine Mitglieder nahmen mitwirkend, 
helfend, fördernd daran Anteil. 

Am I. März wurde die Feier beschlossen, am 11. ihre Grund- 
züge festgestellt, und die Ausführung den Herren Passow, Meyer, 
Brohm und E. Lambeck mit dem Rechte der Zuwahl übertragen. 
Die Schulen veranstalteten angemessene und ansprechende Festlich- 
keiten am 9. November. Eine ernste Gedenkfeier ging am 10. um 
II Uhr im grossen Rathaussaale vor sich, wo Passow in weihevoller 
Ergriffenheit ein Bild des „Dichters der Verklärung'' entrollte. Ein- 
geleitet wurde die Festrede durch die Kantate „An die Künstler" 
von Mendelssohn, vorgetragen ^von der Liedertafel unter ihrem Di- 
rigenten Dr. Meyer, imd den Nachklang bildete „Die Macht des Ge- 
sanges" von Romberg, vorgetragen vom Singverein unter Leitung 
des Prof. Dr. Hirsch. Beide Gesangsaufführungen wurden von der 
Kapelle des 14. Inf.-Rgts. begleitet. Ein zweiter Teil der Festvor- 
führungen spielte sich von 6 Uhr Abends an im Stadttheater (Ar- 
tushof) ab, stimmungsvoll beginnend mit Beethovens Ouvertüre zu 
Egmont. Auf der Bühne wurde Schillers Glocke durch den Meister 
(E. Lambeck) und seine Gesellen dramatisch dargestellt. Die Lebens- 
bilder, die der Meister in den Arbeitspausen vorüberziehen lässt, 
stellten sich dem Auge sichtbar als lebende Gemälde dar. Das 
letzte dieser Bilder wurde zu einer Apotheose des Dichters, dessen 
Büste unter dem Vortrag eines Gedichtes von Brohm bekränzt 
wurde. Spontinis Ouvertüre zu Cortez leitete dann zu einer Auf- 
führung von Wallensteins Lager über, welche ebenso vollkommen 
gelang und eine ebenso elektrisirende Wirkung übte. Die Haupt- 

2* 



— 20 - 

rollen wurden durch die Herren Giese, Mej^er und Pritsche vor- 
züglich zur Geltung gebracht. In einer der Pausen sang die ganze 
Festversammlung das ^ Lied an die Freude". Den Schluss der Feier 
bildete ein sehr belebtes Festmahl mit Tafelliedern von Müller, eine 
glänzende Illumination und ein grossartiger, vom Handwerkerverein 
veranstalteter Fackelzug. Zum Andenken des denkwürdigen Vor- 
ganges wurde hierorts ein Zweigver^in der Schillerstifiung ge- 
gründet, der sich am i6. März unter seinem ganz aus Mitgliedern 
des Vereins (Dr. Weese, Mej^er, A. und G. Prowe, Lesse) be- 
stehenden Vorstande konstituirte und der Westpr. Gesammtstiftung 
beitrat ^®). Die Festrede wurde auf Vereinskosten gedruckt. 

Den Festvortrag am 19. 2. 1860 hielt Passow über das evan- 
gelische Kirchenlied. 

Mit diesem Jahre legte Koerner den Vorsitz nieder, und schon 
deshalb scheint es geraten mit ihm ein Kapitel der Vereinsge- 
schichte zu schliessen. Der neue Vorstand setzte sich zusammen 
aus Dr. Meyer, Joseph, L. Prowe, Brohm, Schoenfeld. 

Vom 7. bis zum 10. Jahre. 



Was war aus dem im zweiten Jahre geschaffenen Zweigver- 
ein geworden ? Wir haben ihn als eine Zwitterbildung bezeichnet. 
Er hatte sich in der damaligen Form nicht als lebensfähig erwiesen, 
und kam auch nach dem Wiederbelebungsversuch von 1859 nicht 
zu Kräften. Dem zweifellosen Bedürfnis nach wissenschaftlichen 
Vorträgen wurde nunmehr in anderer Weise Befriedigung ver- 
schafft. Sie wurden in die fortan monatlich, und zwar zuerst am 
I. Mittwoch, bald aber am i. Montag jedes Monats von 7 Uhr an 
abzuhaltenden Vereinssitzungen verlegt, deren erster, geschäft- 
licher Teil im Magistratssaale, der zweite, wissenschaftliche 
aber in einem öffentlichen Lokale, zunächst im Ratskeller, statt- 
finden sollte. Kurz, es wurde im Wesentlichen die heutige Ein- 
richtung der Monatssitzungen geschaffen. Gerade der Feblschlag 
des ersten Versuches hatte demnach eine kräftigere, erfolgreichere 
Wiederholung veranlasst, und es dahin gebracht, dass der ursprüng- 
liche Verein in dem Zweigverein aufging, oder wenigstens den 
Zweck desselben unter seine eigenen Hauptzwecke aufnahm. Auf- 
fallender Weise wurde gerade der wissenschaftliche Teil als ver- 
traulich^ Sitzung bezeichnet, während wir ihn jetzt als öffentliche 



— 21 — 

behandeln. Doch ist das nur ein Namensifnterschied. Auch zeich- 
nete der Vorsitzende Dr. Meyer die doppelte Aufgabe, welcher die 
Vorträge zu dienen hatten, deutlich so wie wir sie noch jetzt auf- 
fassen, nämlich einmal dem wissenschaitlichen Streben auf allen 
Gebieten unter Fernhaltung der Spezialitäten Raum zur Be- 
tätigung zu gewähren, und sodann die Erkenntnis der Ge- 
schichte unserer Stadt und Provinz dureh eingehende Spe- 
zialforschung zu fördern. Neben den Vorträgen wurden, gerade 
wie jetzt, auch kleinere Mitteilungen in Aussicht genommen, ja 
beides wurde als ^^Mitteilungen über wissenschaltliche und 
kfinstlerisehe Gegenstände^^ zusammengefasst. 

Die im 7, Jahre (1860) behandelten Gegenstände entsprachen 
diesem Programm. Es trugen vor Koerner, Die Einheitsbe- 
strebungen in Deutschland im 15. und r6. Jahrh. ; Güte, Philipp 
Melanchthon, zum Andenken an seinen 300Jähr. Todestag; Joseph, 
Die Verfassung von Westpreussen unter polnischer Hoheit; Adolph 
i) Berichtigung falscher Angaben in Beitzkes Geschichte des Feldzuges 
von 1812 **) ; 2) Die in hiesiger Gegend gefundenen Urnenreste ; 
A. Prowe, Aus dem Leben eines früh verstorbenen Thorner Ge- 
lehrten, des Pflegesohns von Langwald Dr. Job. Chr. Haenecke ; 
Passow, Aus der Journalistik der Stadt Thorn seit 1760 ^^)\ Brohm, 
Zur Geschichte des Schlosses Birglau ; L. Prowe, Vineta und die 
Entstehung des Märchens von dieser angeblich versunkenen Stadt. 

Den Festvortrag am 19. 2. 1861 hielt Joseph über die 
Stellung des sogenannten Westpreussens zur Krone Polen. 

Das sehr natürliche Bedauern, dass diese Vorträge nicht ge- 
sammelt und aufbewahrt worden sind, erstreckt sich auch auf die 
4 öffcntlieheii Vorträge, welche vom 19 3. bis 4 4. 60 (Th. W. 
60. N. 25) veranstaltet wurden, nämlich i. Rektor Pancritius, über 
das finnische Nationalepos Kallewalla, gehalten am loosten Ge- 
burtstage des Pädagogen Dinter ; 2 Dr. Lehmann, Goethe auf dem 
Gebiete der Naturwissenschaften ; 3. Dr. Kugler, Makrobiotik ; 
4. Dr. Brohm, Aus dem Universitäts- und Studentenleben des 16. 
und 17. Jahrhunderts. 

Auch zur Belebung des Kunstsinns wurde eine neue kräftige 
Anstrengung gemacht. Zwar ging der Wunsch einen Kunstverein 
ins Leben zu rufen nicht in Erfüllung ; aber es gelang dem Verein, 
wie schon im Jahre 1854, eine Ausstellung von Gemälden und 
sonstigen Kunstgegenständen zu veranstalten, welche sich im Be- 
sitze hiesiger Bürger oder Körperschaften befanden. Die Ausstellung, 
welche am 20. August 1860 eröffnet und am 12. Sept. geschlossen 



— 22 — 

wurde, enthielt 171 Oelgemälde, 16 Öelfarben drucke, 40 Kupfer- 
stiche, Lichtbilder und Steindrucke in Glas und Rahmen, 53 des- 
gleichen uneingerahmt, 28 Gypsabgüsse berühmter Kunstwerke, 
ausserdem eine Anzahl altertümlicher und seltener Geräte und Ab- 
bildungen von geschichtlichem oder ethnographischem Werte. Unter 
den Gemälden überwogen die älteren, besonders die des 18. Jahr- 
hunderts, während 1854 die neueren mehr zur Geltung gekommen 
waren. Das Eintrittsgeld stellte man nicht nur an sich niedrig, 
sondern setzte es an einem Wochentage noch weiter auf ein Min- 
destmass herab. Dadurch zog man allerdings das Publikum, über 
dessen mangelhafte Teilnahme im Th W. N. 103 beweglich geklagt 
wurde, zu lebhafterem Besuche heran (N. io7\ kam aber doch nicht 
auf die Kosten, sondern musste 30 Thl aus der Vereinskasse zu- 
legen. Immerhin hatte man Ehre eingelegt, viel Genuss gewährt 
und Anregung geboten. Das Hauptverdienst misst Brohm dem 
mit ihm beauftragten Gymn.-Zeichenlehrer Voelcker bei, der auch 
ein eigenes, für die Berliner Ausstellung bestimmtes Gemälde bei- 
gesteuert hatte. Wesentlich unterstützt wurden die beiden Kom- 
missare von den Majoren Moritz und Sandrart. Auch das Museum 
konnte bereits Gegenstände liefern. 

Es wurden Schritte beim Minister getan, um die prächtig ge- 
schnitzte, aber schon schadhafte Treppe im Vordergebäude der 
Synagoge vor weiterer Verwahrlosung zu schützen, imd zu diesem 
Zwecke eine von Kaumann gefertigte Zeichnung des alten Kunst- 
werks eingereicht. Ebenso versuchte man dem spurlosen Ver- 
schwinden der alten ^ehrwürdigen Hausgicbel dadurch Einhalt zu 
thun, dass man im Verfolg der schon 1857 gegebenen Anregung 
eine Anzahl Abbildungen noch vorhandener Giebelhäuser, welche 
der Zeichenlehrer Templin aus eigenem Antriebe gefertigt hatte, 
erwarb und der trotz allen Widerstrebens doch allmählich ent- 
stehenden Bibliothek einverleibte. 

Auch dem vielbeklagten Mangel eines Muscumsraumes wurde 
endlich abgeholfen, indem der Magistrat mit dem Justizfiskus einen 
Vertrag über den Ausbau des östlichen Rathausflügels abschloss 
und in dem dadurch frei gewordenen 2. Stockwerk des West- 
flügels den bekannten Saal für das Museum einrichten Hess. Er 
verwendete dazu u. a. den Erlös verkaufter Akten mit 115 Tbl. 
Sogleich lieferte der Pfarrer Lambeck die in der Niederung ausge- 
grabenen Knochen eines grossen vorsintflutlichen Tieres ein. Andere 
wertvolle Stücke fügten Kaufmann Tiede und der in Schnitzwerk 
kunstfertige Polizeikommissar Roszczechowski hinzu. Statt der- 



— 23 — 

gleichen Gegenstände wie früher zurüekzuweisen, konnte nunmehr 
der Vorsitzende zu weiterer Einlieferung aller Fundstücke von 
geschichtlicher, vorgeschichtlicher oder künstlerischer Bedeutung 
öflFentlich auffordern. 

Die Scharffschen Apparate wurden in der höheren Töchter- 
schule aufgestellt, und Tage für ihre Besichtigung bestimmt (Th. 
W. 6i. N. 3). 

Eine weitere Frucht der Aussaat von 1858 reifte in dem Werke 
Koerners über die Geschichte und Statistik der Stadt Thorn von 
1793. bis 1860, welches nunmehr handschrittlich in 2 starken Bänden 
vollendet dem Verein vorgelegt, und als ein abschliessendes und 
grundlegendes Urkundenwerk von ihm mit Freuden begrüsst wurde. 
Der Vf. übergab das Werk dem städtischen Archive (Stadtv.-S. am 
13. 12. 1860). — L. Prowe gab damals die Abhandlung De Nicolai 
Copernici Vita heraus, mit deren Inhalt sich der V. angelegenthchst 
beschäftigte. Der bedeutendsten Leistung des Vereins, der Jubcl- 
ausgabc des Lebenswerkes Koppernigks, schritt ihr Geist weit 
voraus. Damals zuerst beantragte Fasbender, das bereits selten 
gewordene Buch De Revolutionibus neu auflegen zu lassen. 
(3. 12. 60.) 

Dagegen kam man auch diesmal der Erfüllung des Wunsches 
nach einer Sternwarte nicht näher. Die Kosten der Einrichtung 
eines einfachen Observatoriums wurden — abgesehen vom Bau — 
in Danzig wie in Krakau auf mehr als 2000 Thl. veranschlagt. 

Auch auf eine Melanehthonfeier zu M 's Sterbetage, dem 
10. April, verzichtete der Verein, und überHess sie den kirchlichen 
Gemeinden. Des am 17. 10. abgehaltenen Kommerses zur sojähr. 
Jubelfeier der Berliner Universität sei hier deshalb gedacht, weil 
die Redner auf demselben (Güte, Weese, Koerner, L. Prowe) mit 
Ausnahme des Prof. Paul sämmtlich dem Verein angehörten. 
(Th. W. N. 125). 

Auf verstärkte Wertschätzung der Vereinsbibliothek drängten 
solche Geschenke hin, wij die für Philosophie und vergleichende 
Sprachforschung wertvollen Handschriften von Haenecke, die Pre- 
digten des Pfarrers Lambeck (Erklärung der sonn- und festtäglichen 
Evangelien^ 2 Aufl.) und seine Festschrift zum 200J. Jubiläum der 
Kirche in Gurske. 

In diesem Jahre eifriger Tätigkeit verlor der Verein eins seiner 
tätigsten Mitglieder, den Hauptmann Giese, durch Verlegung des 
21. Inft -Regiments. An neuen Mitgliedern gewann er den Astro- 
nomen Rittergutsbesitzer v. Parpart, der auf seinem Gute Storlus 



— 24 — 

eine eigene Sternwarte besass, den Kreisbaumeister Zeidler und 
den Oberleutnant Lilie im Ingenieurcorps. 

Der neue Vorstand wurde zusammengesetzt aus Dr. Meyer, 
Passow, L. Prowe, ßrohm, Schoenfeld. 

Im 8. Vereinsjahre (1861) traten der Fabrikant und Stadtver- 
ordnete Dr. Fischer und der Redakteur und Stadtv.-Sekretär Karl 
Marquari ein; der letztere als Verfasser eines Festbüchleins zum 
25. 10. 1853 in alten Beziehungen zum Verein. Dagegen starb in 
Berlin am 28. 4. im Alter von 45 Jahren der Hauptmann Giese, 
ein für Malerei, Musik und dramatische Kunst hochbegabter und 
hervorragend tätiger Mann, der von 1856—1860 unserer Stadt an- 
gehört hatte. Der Vorsitzende Dr. Meyer widmete ihm einen warmen 
Nachruf im Jahresberichte. 

Aus dem Vorstande schied Alters wegen der sorgsame 
Schatzmeister Kalkulator Schoenfeld ; an seine Stelle trat Professor 
Dr. Fasbender. 

Die Einrichtung der Monatssitzungen wurde bewährt ge- 
funden und dadurch weiter entwickelt, dass man die Einführung 
von Gästen allgemein gestattete. Auch diesmal fehlte es nicht an 
Vorträgen von bedeutendem Inhalt. Der Vorsitzende (oder Koerner, 
s. Anm. 12) gab als Fortsetzung des vorjährigen Vortrages einen 
Ueberblick über die Unionsbestrebungen in Deutschland, insbesondere 
von 1785 bis 1806, Dr. Kugler Mitteilungen aus der Geschichte 
der Epidemien. Der Stadtbaurat Kaumann behandelte an mehre- 
ren Abenden die Symbolik der christlich germanischen Baukunst 
Der Ing.-Oberleutnant Lilie erörterte im Anschluss an seine For- 
schungen über das hiesige Schloss den Bau der Schlösser des 
deutschen Ordens. Der Professor Dr. Fasbender, ein konser- 
vativer, aber eben darum für das gute alte Recht mit aller Zähig- 
keit des Westphalen eintretender Mann, machte Mitteilungen aus 
den Bundestagsverhandlungen über die hannoversche Verfassungs- 
frage (1838/39). Rektor Pancritius sprach über das Hässliche in 
der Natur, und Hess den Aufsatz sodann in Dr. Ules Zeitschrift 
„Die Natur" drucken. Die Herren Adolph und Lilie berichteten 
über ihre Ausgrabungen in Scharnau und Steinort. Hier handelte 
es sich um die Struktur der sogenannten Schwedenschanze, eines 
von den Hochwassern der Weichsel grossenteils abgerissenen 
Ringwalls ; dort um ein Steinkistengrab, wie ähnliche auch bei 
Grzywna und hinter Kaszczorek, und auch sonst vielfach im Kul- 
merlande, selten aber in Kujavien gefunden worden sind. **) 



— 25 — 

•Die Fundstücke aus diesen Ausgrabungen wurden dem Mu- 
seum übergeben, für dessen Verwaltung die städtischen Behörden 
jetzt kräftig eintraten. Es wurde ein Museums-Kuratorium ein- 
gesetzt, an welchem der Verein ausser seinem jeweiligen Vorsitzen- 
den noch durch 4 Mitglieder (Adolph, Brohm, Kaumann, L. Prowe) 
beteiligt war, während die andern 4 Kuratoren (vom Magistrat 
Koerner und Joseph, von den Stadtverordneten Passow und Fischer) 
gleichfalls seine Mitglieder waren. Sie entwarfen einen Plan, nach 
welchem die sehr verschiedenen Gegenstände in den beiden Ru- 
briken Kunst- und Altertumsmuseum untergebracht wurden. Das 
letztere sollte auch die gewerblich wichtigen Gegenstände umfassen. 
Für diese bewilligte die Kreisprüfungskommission einen Beitrag von 
IG Tbl. Die Kunstabteilung wurde auf Veranlassung des Herrn 
v. Olfers durch eine zweite Schenkung von Gypsabgüssen und durch 
Mitteilung der gedruckten Kataloge sämmtlicher königlichen Museen 
bereichert. '*) 

Wenn auch die Anstrengungen behufs Sicherung der be- 
kannten Treppe sowie Aufstellung eines öffentlichen Barometers 
und Thermometers vorläufig keinen Erfolg hatten, (vergl Th. W. 
61. N. 59), und auch bezügüch des 53. Breitengrades die genauen 
Messungen vorbehalten bleiben mussten, so durfte man sich für die 
Schonung und Einheferung von Gräberfunden und anderen Denk- 
würdigkeiten wohl einen durchschlagenderen Erfolg versprechen, 
wenn es gelang verständnisvolle Männer der weiteren Umgebung 
als Korrespondenten des Vereins zu gewinnen. Man wählte dazu 
vorerst die 8 Herren Prediger Blümel in Gollub, Regierungsrat 
Jacobi in Marienwerder, Domherr Klingenberg und Rechtsanwalt 
Obuch in Loebau, Kreisgerichtsrat Niemann und Kreisbaumeister 
Passarge in Strassburg, Rentier Gericke in Graudenz und Benj. 
Beyer in Freystadt. 

Von Geschenken, die der Bibliothek des Vereins zuflössen, ist zu 
erwähnen die vom Ehrenmitgliede Dir. Dr. Lauber geschenkte Gedächt- 
nisrede auf Nicolaus Copernicus von Job. Christ. Gottsched. Lp. 1743. 

Bemerkenswert ist das Stillschweigen, des Thorner Wochen- 
blattes über die Tätigkeit des Vereins in den Jahren 1861/3. Es 
bringt für diese Zeit zwar die Jahresberichte, sonst aber weder 
Sitzungsberichte noch Einladungen. Man scheute jedenfalls die Un- 
annehmlichkeiten, welche das Hervortreten in der OeffentHchkeit 
unleugbar mit sich bringt. 

Die Gegenstände, mit denen der Verein sich im 9. Jahre seines 
Bestehens beschäftigte, erhellen zum grossen Teile aus den in seinen 



~ 26 — 

Monats Versammlungen gehaltenen Vorträgen. Den Festvortrag 
am 19. 2. 1862 hielt Pfarrer Lambeck Ober den Einfluss des 
Christentums auf die Stellung der Frauen. In den Monatssitzungen 
berichtete L. Prowe über die Ergebnisse seiner Durchmusterung 
des Archivs ; A. Prowe über die Ureinwohner des Kulmerlandes, 
sowie über die Ursitze der Slawen; Kaufmann Adolph über einen 
bedeutungsvollen Fund von Menschengerippen, Waffen und Schmuck- 
sachen unter einem Torfbruche zu Bischöflich Papau *^), sowie über 
die Verhandlungen der Abteilung tür nordische Altertümer im neuen 
Museum zu Berlin in Bezug auf die Altertümer unserer Gegend. 
Dr. Brohm behandelte in 4 Vorträgen die Taufordnung von Thorn, 
den Ursprung und die Entwickelung des Frohnleichnamsfestes, die 
Bedeutung der Firmelung in der katholischen Kirche, und das Leben 
des heiligen Franz von Assisi nebst Mitteilungen über den Franzis- 
kanerorden. Prof. Dr. Fasbender beendigte seine Mitteilungen 
über den Verfassungsstreit in Hannover und besprach das Ende des 
siebenjährigen Krieges. Syndikus Joseph gab die Geschichte des 
Schlosses Zlotterie ; Pr -Leutnant Lilie den Lageplan der alten Burg 
Thorn ; Staatsanwalt Dr. Meyer Mitteilungen über die (erste) Welt- 
ausstellung zu London 1862. 

Das Museum erfreute sich eines lebhaften Besuches, und wurde 
durch die von der Regierung überwiesenen Fundstücke sowie durch 
ein vom Appellationsgericht zu Marienwerder überlassenes altes Ge- 
mälde auf Holz bereichert. Auch Hess der Verein sorgfältig redi- 
girte Formulare verbreiten, um von allen vorhandenen und neu zu 
entdeckenden Altertumsfunden Nachricht zu erhielten. Doch standen 
seinem Wunsche, durch Ausbau des Oberstocks im Westflügel des 
Rathauses die erforderliche Vergrösserung der Räumliehkeiten 
des Museums zu erreichen, Hindemisse entgegen, von denen der 
von Joseph erstattete Jahresbericht andeutete, dass sie nunmehr 
fortgefallen seien, so dass man die baldige Ausführung der Er- 
weiterungsarbeiten erhoffen könne. (Sie hatten wesentlich darin 
bestanden, dass man wegen des bevorstehenden Brückenbaues 
vorläufig die auf 750 Mk veranschlagten Kosten des Ausbaues 
scheute. Th. W. N. 144. 63 N 23.) Damit werde man auch Raum 
für die angemessene Aufstellung der ScharfTschen Apparate gewin- 
nen, und dann erst werde es sich lohnen dieselben wieder gangbar 
herzustellen. Scharff war im Jahre 1773 in Thorn geboren, und 
hatte ohne bedeutende Schulbildung sein ganzes Leben daran ge- 
setzt das System seines grosses Landsmanns zu veranschaulichen. 
Das war „dem schlichten, stillen, gottesfürchtigen und von seiner 



— 27 — 

Wissenschaft begeisterten Manne* nach vielen ebenso oft gelungenen 
wie fehlgeschlagenen Versuchen geglückt. Er hatte seine Apparate 
nicht bloss in den hiesigen Schulen in Tätigkeit vorgeführt, sondern 
damit weite Reisen gemacht, und den Beifall nicht nur der Laien, 
sondern auch der gelehrtesten Fachmänner gefunden Schätze hatte 
er nicht gesammelt, sondern alles, was er über des Lebens Notdurft 
erwarb, auf Vervollkommnung seiner Erfindungen verwendet. Als 
er in hohem Greisenalter erblindete, schenkte er die Apparate, seinen 
einzigen Schatz, der Stadt, und begehrte von ihr nur eine Ruhe- 
stätte, wo er dem Tode ruhig entgegensehen könne. Auf warme 
Befürwortung des Vereins bekam er Wohnung im Bürgerhospital, 
und eine zureichende Geldunterstützung. Er starb Sgjährig am 
II. April 1862. Die Versuche, die grossen und verwickelten Ma- 
schinen mit ihren vielen Schrauben und Rädern wieder in Gang zu 
bringen, wurden zwar noch öfter wiederholt, mussten aber schliess- 
lich wegen ihrer grossen Kostspieligkeit aufgegeben werden. 

Nicht ohne Wichtigkeit war die Verbindung, in welche der 
Verein gleich den literarischen Vereinen in Danzig und Marien- 
werder mit dem literarischen Kränzchen in Königsberg trat. 

An neuen Mitgliedern gewann der Verein den noch jetzt in Berlin 
hochgeehrt lebenden Kreisrichter Lesse, den mit dem Ausbau der Ge- 
richtsräumhchkeiten im Rathause beschäftigten Regierungsbaumeister 
E.Boethke, und die Gymnasiallehrer K.Boethkc und Dr. Volkmann. 
Dagegen schied Oberleutnant Lilie durch Versetzung nach Danzig aus, 
und der Rektor Pancritius wurde dem Verein durch den Tod entrissen. 

Pancritius, ein Pfarrerssohn aus Friedland a d. Alle, war 
am 4. Juli 1816 geboren, hatte das Gymnasium zu Rastenburg be- 
sucht, und 1837 bis 1840 in Königsberg Philosophie und Theologie 
studirt. Seine theologischen Prüfungen bestand er, während er zu- 
gleich als Hauslehrer und 1843 ^^^ Vorsteher einer Privatmädchen- 
schule tätig war. 1846 und 47 war er Erzieher der Kinder des 
Generals v. Auerswald. Dann machte er Reisen durch Süd- und 
Norddeutschland, Schweden, Lappland und Dänemark. Seine Reise- 
schilderung Haegringar erschien 1851, und eröffnete ihm die Htera- 
rische Laufbahn. Seine zahlreichen Artikel und Dichtungen werden 
im Jahresberichte (auch Th. W. 63 N. 25) aufgezählt. Sein Haupt- 
werk „der deutsche Aufsatz in Mädchenschulen" erschien 1860, nach- 
dem er bereits 1859, von Rosenkranz warm empfohlen, zum Rektor 
der Thorner Knabenschule erwählt worden war. Er starb am 
14. Januar 1863 ; „ein feiner ^d vielseitig gebildeter Geist schied 
mit ihm dahin". . / 



^ 28 - 

Noch sihd zu erwähnen die 6 OfTentlichen Vorträge, von 
denen 2 noch im 9. Vereinsjahre stattfanden, die andern erst im 
zehnten, nämlich am 26. i. 63. L. Prowc, Geschichte der Sklaverei 
in den V. St. von Nordamerika ; 9 2. Kaumann, Symbolik der 
christlich germanischen Baukunst; 16 3. Volkmann, Vor 50 Jahren; 
20. 3. A. Prowe, Arthur Schopenhauer; 27. 4. Pritsche, Ludwig 
Uhland ; 4. 5. Dr. Meyer, Heinrich Marschner. 

Den Festvortrag hielt am 19. 2. 1863 L. Prowe über die 
Abhängigkeit des Coppernicus von den Gedanken griechischer Phi- 
losophen und Astronomen *^). 

Das 10. Jahr (1863) brachte gar keine Veränderung im Mit- 
gliederbestande, ausser dass der Baumeister Boethke nach Lösung 
seiner Aufgabe den Ort verliess. Sein Interesse an dem Rathause 
hat er durch einen Plan zum Ausbau des grossen Saales bekundet, 
der in der Ratsbibliothek niedergelegt worden, aber seit einer Reihe 
von Jahren verschwunden ist. Sein Interesse am Verein blieb bis 
an seinen Anf. Nov. 1896 erfolgten Tod lebendig. — Das 10. Jahr 
nach der Gründung des Vereins war zugleich das 10. vor dem 
400sten Geburtstage seines Helden. Die beginnenden Vorarbeiten 
für diesen hohen Ehrentag verraten sich, wie im Festvortrage so 
in einigen der Monatsvorträge. Dr L. Prowe sprach über die 
Stellung Melanchthons zur Astrologie und zur coppernicanischen 
Weltauffassung, ferner über die Belagerung Thorns 1813, und über 
das Andenken des Coppernicus bei der dankbaren Nachwelt. In 
weitere Fernen führt uns der Vortrag von A. Prowe über Lcichardts 
Entdeckungsreisen in das Innere von Australien, und über einen auf 
Jamaika gefundenen Meteorstein. Alle andern handelten von ört- 
lichen Altertümern ; so Brohm, einige Hausmarken, Jahreszahlen 
und Inschriften an Thomer Häusern ; Adolph, die Ausgrabungen 
in Krobia, und die Uebereinstimmung der alten wendischen Orts- 
namen in der Lausitz mit denjenigen des Kulmer Landes ^^) ; end- 
lich K. Marquarty Bericht über ein 1853 in Wien erschienenes Buch 
(der Verfasser war der Latidrat a. D. Braun) über die Ortsnamen 
im Kulmer Lande, welches sich nach M's Urteil durch ausgiebige 
Benutzung des hiesigen Archivs und durch Wärme der Darstellung 
auszeichnete, dessen Gründlichkeit und Unparteilichkeit aber durch 
romantisches Walten der Phantasie beeinträchtigt wurde. Viel An- 
klang fand der Gastvortrag des Zivil-Ingenieurs v. Fischer-Treuen- 
feld (eines Sohnes unseres Mitgliedes v. F. T.) über die Repu- 
blik Haitij in welchem er namhafte elektrische Einrichtungen aus- 
geführt hatte. 



— 29 - 

Leider machte der Ausbau des für das Museuiti bestimmten 
Raumes keinen Fortschritt, da die Staatshülfe ausblieb, auf welche 
man gerechnet hatte. Eine Bereicherung erfuhr das Museum vor 
Allem durch das bekannte römische Bronzeschwert, welches bei 
Konojad, 2 M. nw. von Strassburg gefunden, und von dem Ver- 
einskorrespondenten Amtsgerichtsrat Niemann, in dessen Besitz es 
sich schon jahrelang befunden hatte, dem Verein geschenkt wurde ; 
ferner durch die Fundstücke aus einem Steingrabe bei Krobia un- 
weit poln. Leibitsch, welches unter Leitung von Adolph aufgedeckt 
worden war. Man fand dort ein Steinmesser, Schmucksachen aus 
Bionze und einen grossen eisernen Ring, und schloss daraus, dass 
es mindestens für unsere Gegend nicht zutreffend sei die Steinzeit, 
d\^ Bronzezeit und die Eisenzeit als zeitlich von einander getrennte 
Kulturstufen zu betrachten. Ausserdem schenkte der frühere Land- 
rat Wolanski von Inowrazlaw einige römischägyptische Geräte, und 
der evangel. Missionar Droese eine Anzahl indischer Produkte, da- 
runter indische Lebensbilder auf Marienglas gemalt. Dagegen ent- 
gingen 2 auf der Bromberger Vorstadt gefundene Goldmünzen — 
die eine aus Savona um 1310 — dem hiesigen Museum und wan- 
derten für 10 Thlr. an das Königliche Münzkabinet in Berlin. Zu 
den in der Niederung gefundenen Mammutknochen kam noch ein 
versteinerter Backzahn, den wiederum der Pfarrer Lambeck in Gurske 
einsendete. Die sog. Schwedenschanze bei Steinort wurde noch 
einmal ohne erhebliches Ergebnis untersucht. Ein langes Verzeich- 
nis der Zuwendungen Th. W. N. 86. 115. Das Museum zeigte 
Herr Kanzleidirektor Rhodies auf Verlangen zu passenden Tages- 
zeiten (Th. W. 62. N. 96. 102. 105. 107). Mitte September wurde 
angeordnet, dass es Sonntag von ir — i Uhr unentgeltlich den Be- 
suchern offenstand. (Th. W. N. 109). Am 26. 9.^ wurde es von 
250 Personen besichtigt. (N. 113.) 

Eine sehr wertvolle Sammlung von Rezessen der Preussi- 
sehen und Hansischen Städtetage von 1383 bis 1416 wurde 
vom hiesigen städtischen Archiv Herrn Dr. E. Strehlke ih Berlin 
zur Einsicht übersandt. Dieser stattete seinen Dank dadurch ab, 
dass er die durch den Einfluss der Zeit stark mitgenommenen 
Schriftstücke nach einem eigentümlichen Verfahren wieder herstellte 
und auf längere Zeit sicherte. Aus der Mitteilung dieses Umstandes 
in dem von Dr. Meyer erstatteten Jahresbericht erhellt das innige 
Zusammenwirken des Magistrats mit dem Coppernicusverein. Dies 
zeigt sich auch in den Anschaffungen fü^ die Ratsbibliothek, für 
welche auf den Antrag des Vereins u. a. erworben wurden: 



— 30 — 

Chroniken der deutschen Städte vom 14, bis 16. Jahrhundert, her, 
von der bairischen Akademie der Wissenschaften; Foerstemann. 
die deutschen Städtenamen ; Lindenschmidt, die Altertümer unserer 
heidnischen Vorzeit. Auch bemühte sich der Magistrat auf Antrag 
des Vereins, durch Schritte bei den städtischen Behörden von 
Königsberg,. Danzig, Elbing und anderen Städten Preussens das 
Wiedererscheinen der eingegangenen „Preussischen Provinzial- 
blätter" zu veranlassen (Th. W. 64. N. 9). Die Blätter erschienen 
in der Tat nach 2Jähriger Unterbrechung wieder. (Th. W. 64. 14). 
Ihr Bestand blieb jedoch unsicher (N. 93) 

Die Anregung, einen Katalog der hier vorhandenen Alter- 
t&mcr und Bildwerke herzustellen, wurde wiederholt, aber bei dem 
Mangel an Zeit und Kräften kaum weiter gefördert. Dagegen 
konnte man aus dem Ertrag der beim Vorjahr erwähnten öflfent- 
lichen Vorlesungen 40 Thl. einem bedürftigen und würdigen 
Abiturienten zuwenden, und behielt noch einen genügenden Rest 
übrig als Beitrag für das in Weil der Stadt zu errichtende Denkmal 
Keplers. 

Die Vereinskasse hatte mehrere Jahre mit 700 Mk. Staats- 
papieren und einem Baarbestande von 50 bis 160 Mk. schwankend 
abgeschlossen. Die Papiere wurden jetzt verkauft, dafür eine Hy- 
pothek von 650 Thl. erworben und 200 Thl. bei der Thomer 
Kreditgesellschaft angelegt. Es blieb noch ein Baarbestand von 62 
Thl., so dass das Vermögen sich nicht nur besser verzinste, sondern 
auch eine höhere Bestandssumme erreichte als je vorher, nämlich 
912 Thlr. 

Vom 11 bis 16. Jahre. 



Die schon im Jahre 1863 erkennbare aufsteigende Richtung in 
der Entwickelung des Vereins offenbarte sich im 11. Jahre 1864 
zunächst in der Mannichfaltigkeit der Vorträge. Den Festvortrag 
am 19. 2. 64 hielt Dr. Güte über das Thomer Religionsgespräch 
von 1645 ; darauf folgte ein bescheidenes Festessen im Ratskeller. 
In den Monatsvorträgen frischte A. Prowe das Andenken des Dr. 
Haenecke und seiner Bemühungen um die Lesung alter Hausin- 
schriften auf, berichtete über Kuhns Herabkunft des Feuers und des 
Göttertrankes, und stellte Goethes naturwissenschaftliche Anschau- 
ungen dar; Stadtrat Joseph teilte mit, was Thorner und Posener 



- 31 — 

Zeitungen vom lo, und 14. 3. 1810 über das Geburtshaus des 
Coppernicus berichten ; Dr, Volkmann behandelte die früher schon 
von Koerner bez. Meyer besprochenen Versuche zur Herstellung 
eines einheitlichen Regiments in Deutschland bis zum Tode Karls V.; 
Adolph besprach Nilssons Werk „Die Ureinwohner des skandina- 
vischen Nordens" : Pritsche erklärte ein Oelbild der Stadtbibliothek 
von Königsberg aus dem Nachlasse des Stadtpräsidenten v. Hippel 
für ein Bildnis Sh'akspeares, und berichtete über die Reste des 
Ordensschlosses zu Gollub, sowie über die Erlebnisse eines deutschen 
Kaufmanns in Galizien während der Unruhen von 1847 ; K. Mar- 
quart behandelte die Baumwollenindustrie und ihre Wirkungen; 
Dr. Martin Schultze schilderte auf Grund eigener Anschauung den 
Charakter der Landschaft Suli und der Sulioten ; Prof. Jansen 
trug eine metrische Uebersetzung der 27. Idylle des Theokrit vor; 
L. Propre sprach über die Telegraphie vor und nach Soemmerring. 

Der letzterwähnte Vortrag bildete die Einleitung zur Beschaffung 
einer Erinnerungstafel, welche erst 4 Jahre später an dem Ge- 
burtshause Soemmerrings am altstädtischen Markte angebracht 
wurde, sowie zu einer sofortigen Beisteuer von 25 Thl. für das in 
Frankfurt a/M. zu errichtende Denkmal des grossen Anatomen und 
Elektrikers. Das Geburtshaus wurde durch Kreisrichter Lesse aus 
den alten Gerichtsakten ermittelt (s. Th. W. 1864 N. 64. 141). 

Für die Errichtung einer Lesehalle wurde eine Kommission 
eingesetzt, bestehend aus den Herren Joseph, L Prowe und Fritsche 
(Th. W 64. 158). 

Unter den Zuwendungen an die Vereinsbibliothek verdient 
besondere Erwähnung der Abriss der Geschichte des Observato- 
riums in Krakau, der auch für das Leben des Coppernicus nam- 
hafte Aufschlüsse enthält. 

Dem Museum — so überfüllt es auch schon war — suchte 
der Verein eine Sammlung von Abdrücken der Wappen und Siegel 
sämmtlicher Städte der Provinz zu verschaffen, und wandte sich 
darum an die Magistrate, sowie an Herrn v. Olfers (Th. W. 64. 
70. 320). Die Thorner Abdrücke wurden im nächsten Jahre unter 
Dr. Brohms Leitung vom Bildhauer Rosenfeld angefertigt (Th. W. 
1863 — 64. 97). Von 9 Thorner Körperschaftssiegeln, welche Herr 
Schmiedeberg dem Verein verschaffte, wurden Abdrücke nach 
Danzig und Nürnberg übersandt. Eine Wappensammlung auf 22 
Tafeln erhielt das Museum aus dem Nachlass de^ Dr. Fischer, eine 
wertvolle Münzsammlung zum Aufbewahren von seinem MitgHede 
S. Hepner, 2 Urnen und 2 Streitäxte von Herrn Gutsbesitzer Hoyer, 



— ;^2 ^ 

2 alte Thorner Stammbücher von Dr. Fischer, 21 Kabelabschnitte 
von Herrn Ingenieur v. Fischer. Das vielseitige Interesse der Be- 
völkerung am Museum konnte im Jahresbericht des Dr. Meyer 
rühmend hervorgehoben werden. Es erhellt auch aus dem langen 
Verzeichnis der Zuwendungen im Th. W. 140. Die Erweiterung 
des Raumes wurde immer dringender ersehnt. Th. W. 149. 

Das Fortbestehen der Preussischen Provinzialblätter ^des 
einzigen die Interessen der Provinz vertretenden Blattes* (Brohm), 
wurde zur Freude des Vereins dadurch gesichert, dass der Prov.- 
Landtag auf Antrag seines und unseres Mitglieds Stadtrat E. I^m- 
beck den im Vorjahre eingezogenen Beitrag von 300 Thlr. wieder 
bewilligte. Als dann i J. 1865 die Provinzialblätter dennoch ein- 
gingen, geschah es durch Verschmelzung mit der Altpreussischen 
Monatsschrift, auf welche mit den Aufgaben der in sie aufgehenden 
Zeitschrift auch die Beihülfe des Prov. Landtags überging. 

Die Feier des 300jährigen Geburtstags Shakspeares am 
23. April 1864 nahm allerdings nicht der Verein als solcher in die 
Hand ; aber die Leitung lag in den Händen seiner Mitglieder Dr. 
Meyer und Pritsche, und es waren grösstenteils Mitglieder des V's, 
welche bei der glänzenden Aufführung von ^Viel Lärmen um Nichts" 
mitwirkten. Noch längere Zeit setzten sie im Ratskeller und im 
Schlesingerschen Lokale die Uebungen im dramatischen Vortrage 
Shakspearescher Stücke fort (vgl. Th. W. 44. 46. 64). Auch Dr. 
Brohm als Dichter des Epilogs und der Festredner Bog. Goltz 
hatten einen hervorragenden Anteil an dem weihevollen Eindruck 
des Festes. (Th. W. 49) »7) 

Ungewöhnlich gross war die Zahl der neu eintretenden ord. 
Mitglieder: Prof. Janson,Gymn -L. Dr. Wincklcr, Maler Voelcker, 
Konrektor Dr. M. Sehultze, Apotheker Hornemann (vorher ausw. 
Korrespond. in Gollub), Apotheker Sehmiedeberg, Buchhändler 
J. Wallis. Ehrenmitglied wurde der neue Direktor der Stern- 
warte in Krakau, Prof. Karlinski, — Dagegen wurde Dr. Volk- 
mann nach Duisburg versetzt; und nicht klein war die Totenliste. 
Von Ehrenmitgliedern starb Prof. Dr. Weisse, von ordentlichen 
M. Saenger, Dr. Fischer und Dr. W. Passow. Aus den ausführ- 
lichen Nachrufen des sorgfältigen Jahresberichts können hier nur 
die äussersten Umrisse entnommen werden. 

Maximilian Ritter v. Weisse, geb. am 16. 10. 1798 zu Laden- 
dorf, wurde 1822 Doktor sämtlicher Rechte, lag aber mit Vorliebe 
dem Studium der Mathematik und Sternkunde ob. 1825 wurde er 
Professor der Astronomie und Direktor der Sternwarte an der 



- U - 

Jagellonischen Universität in Krakau. Ueberanstrengung zerstörte 
seine Gesundheit ; 1862 in den Ruhestand getreten, starb er zu 
Wels am 10. 10. 1864^®). Unter seinen zahlreichen Schriften sind 
besonders die grossen Stemkataloge (2 Bde.) den Stemforschem 
unentbehrlich. Im Jahre 1873 wohnte er als Abgeordneter der 
Krakauer Universität der Enthüllung unseres Coppemicusdenkmals 
bei. Für die ihm angetragene Ehrenmitgliedschaft des Vereins 
stattete er den Dank durch regelmässige Uebersendung seiner 
Schriften ab. Seine selbstverfasste Lebensbeschreibung ist aus dem 
Almanach der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien 1864 
abgedruckt in Gruners Archiv Bd. 44 S. 507 flF. Sein Nachfolger 
Professor Karlinski trat auch unserm Verein gegenüber ganz an die 
Stelle seines Vorgängers. 

Gotthelf Wilhelm Saenger, Abkömmling eines kursächsischen 
Generals, geb. am 18. August 1782, besuchte das hiesige Gymna- 
sium bis Prima, und übernahm nach Lehrzeit und Wanderschaft 
1806 zum Teil die von seinem Vater gegründete Seifen- und Licht- 
fabrik. Mit seiner Frau, geb. Wentscher, feierte er die silberne 
Hochzeit. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt auf seinem Ritter- 
gute Piwnitz (Sängerau) kehrte er 1848 nach der Stadt zurück, 
feierte 1856 sein sojähr. Bürgerjubiläum, und starb am 26. Sept. 
1864. Er hatte schon dem Denkmalverein von Anfang angehört. 

Ernst Karl Gottlieb Fischer, geb. zu Tapiau am 13. August 
1832, Sohn des Rentmeisters F., besuchte das Gymnasium in 
Bromberg, wohin sein Vater als Proviantmeister versetzt worden 
war, studirte Chemie in Breslau und Berlin, und begründete 1856 
in Thorn eine Fabrik künstlicher Mineralwässer. Sein über sein 
Fach hinausgehendes Interesse bekunden die Tatsachen, dass er 
mehrere Jahre Vorsitzender des hiesigen Turnvereins sowie tätiges 
Mitglied des Handwerkervereins, Vorschussvereiils und der Freiw.- 
Feuerwehr war, und dass er bei seinem plötzlichen Tode am 25. 
Augiist 1863 eine reichhaltige handschriftliche Sammlung deutscher 
Volkslieder hinterliess. 

Wilhelm Arthur Passow, geb. am 20. März 1814 in Jenkau, 
wo sein Vater, der berühmte Lexikograph Franz P. Mitdirektor des 
Conradinums war, empfing seine Schulbildung in Schulpforta, stu- 
dirte in Breslau und Berlin, wurde 1835 ordentlicher Lehrer am 
Gymnasium zu Meiningen, r846 Professor, 1854 Prorektor in Ratibor 
und 1855 Direktor daselbst. Seine wissenschafdichen Aufsätze, 
insbesondere die Entdeckung des wahren Verfassers des Romans 
;,Simplicissimus", erwarben ihm 1854 die Ehrendoktorwürde seitens 

3 



u — 



der Universität Jena. 1858 nach Thom berufen hat er sich nicht 
nur als Schulmann ersten Ranges bewährt, sondern auch das 
Vertrauen seiner Mitbürger, welche ihn zum Stadtverordneten 
wählten, in hohem Grade gerechtfertigt. Leider erwies sich seine 
Gesundheit nicht so fest, wie er sie sich dachte. Am 3. August 
1864 erlag er einem Brustleiden im Bade Streitberg im Wisentthale 
bei Forchheim. Seine Schriften sind meist in Schulprogrammen 
und Zeitschriften sowie in Brockhaus Konversationslexikon zerstreut. 
Im Verein hat er gleich nach seiner Aufnahme den Festvortrag über 
das evangelische Kirchenlied gehalten. Ihm wurde beim Schillerfest 
1859 die Festrede übertragen, und niemand hätte das Bild des 
verklärten und verklärenden Dichters mit gleich ergreifender W^ärme 
entwerfen können. (Genaueres Michaelisprogramm des Th. Gym- 
nasiums von 1864, Th. W. 64. 93) Gedächtnisreden hielten ihm 
Prof. Dr. Fasbender im Gymnasium und Pfarrer Lambeck in der 
Altstädtischen Kirche. Die Altpr. Monatsschrift 1865 brachte einen 
ausführlichen Aufsatz im Heft für Oktober und November. S. den- 
selben im Th. W. v. 64. 144 f. 

Den Feslvortrag am 19. 2. 1865 hielt A. Prowe über Goethe 
und Darwin. 

Wie der ir. Jahresbericht schloss, so begann der zwölfte, vom 
Stadtrat Joseph erstattete, mit Nachrufen an verstorbene Mitglieder. 

Geh. Oberbaurat Dr. August Stueler, der berühmteste Jünger 
Schinkels, Ehrenmitglied und hülfreicher Gönner des Vereins, geb. 
28. I. 1800, starb am 18. März 1865. Von seinen Bauwerken seien 
hier nur erwähnt das Neue Museum in Berlin, das Schloss zu 
Schwerin, die Universität zu Koenigsberg, die Burg Hohenzollern, 
die Museen zu Stockholm und Pesth. 

Karl Friedrich Eberhard v, Fischer-Treuenfeld, geb. am 
13. Juni 1793 zu Aschersleben, studirte die Rechte 1813 bis 15 in 
Halle, nahm als Freiwilliger an den letzten Kämpfen gegen Napoleon I. 
teil, und wurde am 17. Jan. 1820 an das hiesige Gericht versetzt. 
Bei seinem Eintritt in den Ruhestand 1862 empfing er den Roten 
Adlerorden 111. Kl. mit der Schleife. Er gehörte zu den ersten 11 
Mitgliedern des Denkmalsvereins, und hat durch seine Anhänglich- 
keit an Thorn als seine zweite Heimat, sowie durch persönliche 
Liebenswürdigkeit, vielseitige feine Bildung und scharfsinniges Urteil 
viel zum Gedeihen des Vereins beigetragen. Er starb am 17. De- 
zember 1865. 

Durch Versetzung schieden aus Zeidler (f 1866 in Danzig), 
Fritsche und der eben erst aufgenommene Garnisonverwaltungs- 



— 35 -- 

Direktor Moritz. Ausser Moritz wurden aufgenommen Kreisge- 
richtsrat V. Rozynskiy Kreisrichter Coeler, Gymn.-Dir. Lehnerdt/ 
Stadtrat und Beigeordneter Hoppe, Hauptmann v. Wiehert, 
Gamisonprediger Eilsberger und als Ehrenmitglied Prof. Dr. 
W. Hirsch. 

In den Vorträgen traten mehr und mehr die Forschungen 
über Thorner Geschichte und über Coppernicus in den Vordergrund. 
So behandelte der Oberlehrer Dr. L. Prowe i) die Wiederver- 
einigung Thorns mit Preussen i. J. 1815 ; 2) die Pulverexplosion zu 
Thorn i. J. 1807 ; 3) die Zusammensetzung des Blutgerichts sowie 
Einnahme und Ausgabe in der Jesuiten-Inquisitionssache zu Thorn 
i. J. 1724 ; 4) die Frage, ob Coppernicus wirklich der Urheber der 
ihm zugeschriebenen Wasserleitungen ist; 5) Mitteilungen aus den 
Berichten des Thomer Residenten am Warschauer Hofe v. Geret 
in den Jahren 1765— 1772. Aehnhchen Inhalts waren die Vorträge 
von Pritsche „das Schloss zu GoUub und die Handfeste der Stadt*, 
(unter Vorlegung einer Abschrift derselben), von Dr. Brohm „die 
Thomer Taufordnung, Sitten und Gebräuche bei Kindtaufen im 17. 
und 18. Jahrhundert", und von Joseph „die Einnahme Thorns durch 
die französischen Heere i. J. 1806," von Dr. A. Prowe „die Urein- 
wohner im Kulmer Lande", (nach P. waren die eigentlichen Preussen 
der 3. Stamm zu den Litauern und Letten, wohnten aber im K.-L. 
stark mit Slaven vermischt), von Adolph „über einen alten Preussen- 
wall bei Jablonowo", endlich von Dr. Güte „die Pfahlbauten in 
Pommern*. Auf endegenere Gebiete führte nur Kreisrichter Lesse 
»die Entwickelung der englischen Verfassung, mit Hezugauf Gneist", 
und Dr. A. Prowe i) „Schilderungen aus einer Reise nach Russland" 
und 2) „über ein Entwicklungsgesetz der Staatenbildung". — 

Der App. Gerichtsrat Hirschfeldt aus Marienwerder, hierorts 
als Vorsitzender mehrerer Schwurgerichtssessionen hochgeschätzt, 
übersandte dem Verein zur Kenntnisnahme und Begutachtung zwei 
Abhandlungen seines verstorbenen Sohnes „über Handel und Ver- 
kehr" und „über die Elektra des Sophokles". Beide wurden mit 
grosser Anerkennung besprochen. (Th. W. N. 65 f.) 

Der hiesige Singverein feierte im März 1865 sein 25Jähriges, 
und die Buchhandlung von E. Lambeck am 15. Mai ihr 40ojähriges 
Bestehen. An beiden Festlichkeiten nahm der C -V. warmen und 
lebhaften Anteil. Dem Singverein überreichte er eine Adresse, und 
wählte Herrn Prof. Dr. Hirsch, den Stifter und beständigen Diri- 
genten des hervorragenden Vereins, zum Ehrenmitglied. Auch hatte 
er auf H.'s Empfehlung dem Tenoristen Maukisch behufs seiner Aus- 

3* 



-~ 3r> - 

bildung im Gesänge mehrere Monate lang eine fortlaufende Unter- 
stützung angedeihen lassen. 

Die Arbeiten von L. Prowe im Archiv förderten besonders 
aus alten Rechnungen und Schulakten wieder namhafte Aufschlüsse 
zu Tage. Um so mehr wurde es bedauert, dass die Anträge auf 
Ausbau der wüsten Räume des Rathauses noch keine Gewährung 
fanden, und dass das Archiv daher noch nicht so geordnet werden 
konnte, wie es mit der ca. 3000 Bände zählenden Ratsbibliothek 
durch Stadtrat Joseph geschah. 

Für die Vereinsbibliothek übersendete der Hofrat Sömmer- 
ring in Frankfurt a/M. eine Anzahl Bildnisse seines Vaters nebst 
einer Schrift über die Erfindung des elektrischen Telegraphen. 

Bemerkenswerterweise gelang es damals ein Lesekabinet ein- 
zurichten, in welchem trotz eines sehr geringen Beitrages eine 
grosse Zahl politischer, wissenschaftlicher und belletristischer Zeit- 
schriften ausgelegt wurden. Auch die vom Verein gehaltenen Zeit- 
schriften lagen in den ersten 14 Tagen dort aus. So viel ich mich 
entsinne, befand sich dies Lesezimmer zunächst im Artushofe (Th. 
W. N. 104), sodann in der Konditorei von Stampa, (später Tarrey 
und Nowak), sodann in der ebenfalls am Markte (Dorau) gelegenen 
von Perl, (s{>äter Zietemann), endlich in dem Eckhause gegenüber 
dem jetzt Rittwegerschen Hause. (1866). 

Das Museum wurde durch Ausgrabungsfunde aus Kijewo, 
Stanomin, Grzywna und Wangerin bereichert. Bei Kijewo fand man 
zum ersten Male eine deutlich erkennbare Verbrennungsstätte. Mit 
der Anlegung eines Aktenstfieks über solche Funde und Ab- 
fassung der Berichte darüber wurden Adolph, Boethke und 
Schmiedeberg beauftragt. Aus eignen Mitteln erwarb der Verein 
ein Missale mit schönen Initialen (Th. W. 176. 196). An Geschenken 
fehlte es nicht. 

In diesem Jahre trafen die letzten Beiträge zum Coppernicus- 
denkmal ein, i Thlr. aus Tobolsk und 16 aus dem Gouv. Tomsk. 

Ein Antrag, die Aufnahmebestimmung des Statuts zu ver- 
schärfen, und einen Nachweis der wissenschaftlichen Qualifikation 
des Vorgeschlagenen oder seiner bereits erworbenen Verdienste zu 
verlangen, wurde nach eingehender Verhandlung abgelehnt, doch 
sollten die Bestimmungen durch keine „freie Praxis" gelockert 
werden. (Th. W. 176.) 

Mit lebhafter Teilnahme begrüsste der V. das Erscheinen von 
Arbeiten L. Prowes und Brohms in den Pr. Provinzialblättern, 
und zwar „Ueber die Abhängigkeit des Copp. von den Gedanken 



- 37 — 

griechischer. Philosophen und Astronomen**, ^die Wiedervereinigung 
Thorfts mit Preussen 1815", ^die Pulverexplosion zu Thorn 1807", 
„die Kosten des Thorner Blutgerichts", und von B. ,,die Thorner 
Hochzeitsordnung im 17. und 18. Jahrhundert." ßei Gelegenheit 
des Jahresfestes 1865 entstand aus dem Stegreif das launige Ge- 
dicht „Darwin Darwinissimus* vom Gymn.-L. Müller, welches später 
gedruckt den Mitgliedern überreicht wurde. *^) Auch von A. Prowe 
erschien ein für die alten Zustände der Stadt bedeutungsvolles 
Werk, die Erzählung „Coppernicus und sein Jugendfreund". 

Die Jahressitzung am 19. 2. 1866 begann, wie 1865, um 
5 Uhr. Der Besuch war aber so schwach, dass der V. beschloss 
künftig wieder um 6 Uhr anzufangen, und ausserdem durch Ein- 
ladungskarten und dgl. auf eine stärkere Beteiligung hinzuwirken. 

Vielleicht war es eine Folge des österreichischen Krieges, dass 
im 13. Vereinsjahre keine Bewegung im Mitgliederbestande eintrat 
ausser der Aufnahme des Rektors Hoebel als ordentlichen Mit- 
gliedes, und der Wahl des Generaldirektors Geh. R. v. Quast zum 
Ehrenmitgliede, welcher sehr bald die Beglückwünschung zu seinem 
Jubelfeste folgte. Diese längst zu erwartende Wahl fand statt im 
Anschluss an Quasts entgegenkommendes Verhalten gegenüber der 
Bitte des Vereins um Massregeln zur besseren Erhaltung, wo nicht 
Wiederherstellung des Ordensschlosses in Gollub, welche von 
Pritsche durch einen Artikel in den Preussischen Provinzialblättern 
angeregt worden war. Auch schaffte der Magistrat das Buch „Denk- 
male der Baukunst im Ermlande" von Quast für seine Bibliothek 
an, und legte es dem C.-V. vor. Zur Denkmalspflege fand sich 
weitere Gelegenheit dadurch, dass Steinwaffen, ferner Steine mit 
Zeichnungen (sog. Dendriten) und japanische Geräte, sowie Photon 
graphien von hiesigen Baulichkeiten durch einzelne Mitglieder dem 
Vereine vorgelegt und für das Museum erworben wurden. Die hier 
gegründete Pflegschaft des Germanischen Museums in Nürnberg, 
an deren Spitze der Syndikus Joseph stand, erfreute sich einer leb- 
hafteren Beteiligung, als die anderen unserer Provinz. Th. W. 61. 
36 und 66. 204. Im J. 1861 betrugen die hiesigen Beiträge 35 Fl. 
(== 25 Mk.) Für die Ausgrabungen, welche der Leitung Adolphs 
unterstellt wurden, und nach einem bestimmten Plane erfolgen sollten, 
stellte der Verein 12 Thlr. zur Verfügung. 

In Dzwierzno (Schwirsen) wurde eine höchst merkwürdige 
Steinsetzung in Gestalt eines Schiffes nebst anderen kleineren, aber 
mit deutlicher Absichtlichkeit aus Findlingen gebildeten Figuren be- 
sichtigt und ausgemessen, was um so wichtiger erschien, als die 



— 38 — 

Steine mehr und mehr zu Bauzwecken weggeholt werden, und die 
Denkmäler uralter (phönizischer ?) Kultur allmählich verschwinden. 
Aus einem Gräberfund bei Stanomin (Herrn Kretlow) wurde eine 
Anzahl eiserner und steinerner Geräte dem Verein vorgelegt und 
dem Museum übergeben (Th. W. 66 72). Zum Besten dieser 
Forschungen wurde das Buch von Grewingk „das Steinalter der 
Ostseeprovinzen** angeschafft. 

Dem Magistrat waren für seine Bibliothek 5 handschrifthche 
Werke vom Prof. Dr. Wernicke zum Kauf angeboten worden. Er 
holte darüber das Gutachten des Vereins ein, und kaufte die beiden 
vom Verein ertpfohlenen Bände für 50 Thlr. an ; desgleichen auf 
den Antrag des Vereins zwei Bücher von Haxthausen und eins von 
Matthaei. 

Die Vereinsbibliolhck erhielt Zuwendungen von Karlinski ; 
V. Parpart kündigte ihm die Ueberreichung des Werkes über die 
Beweglichkeit des Schwerpunktes der Erde an, mit welchem er 
beschäftigt war. r- Die Lesehalle bestand weiter in der Konditorei 
von Malskat. Th W. 66, 79. 

Es war ein dringender Wunsch des Vereins, über alle öffent- 
lichen Bibliotheken der Stadt, wozu er damals seine eigene 
Bibliothek nicht gerechnet zu haben scheint, einen gemeinsamen 
Katalog aufstellen zu lassen, und sie dadurch erst nutzbar zu machen. 
Darum bemühte sich besonders Dr. A, Prowe, und wurde vom 
Syndikus Joseph kräftig unterstützt. Es waren die Bibliotheken a) 
des Gymnasiums ; b) des Rates ; c) der Bürgerschule ; d) der 
Mädchenschulen ; e) der altstädtischen Kirche. Auch beschloss der 
Verein die Benutzung der Berliner Staatsbibliotheken dadurch zu 
erleichtern, dass er für seine Mitglieder eine Gesammtsicherheit 
leistete. Um in den Besitz der Schriften der Physikalisch-ökonomischen 
Gesellschaft in Königsberg zu gelangen, trat er der Gesellschaft 
in der Form bei, dass sein Vorsitzender Joseph für ihn Mitglied wurde. 
Behufs Erwerbung einer Nachbildung des Frauenburger Copperni- 
cusbildnisses stellte er dem Dr. L. Prowe 10—15 Thl. zur Ver- 
fügung. Auch für das in Mailand zu errichtende Denkmal BeccariaSi 
des unermüdlichen Verfechters der Aufhebung der Todesstrafe, 
geb. 1756, gest. 1793 zu Mailand, leistete er durch Vermittelung von 
Lesse einen Beitrag von 10 Thl. Dies war, wie Brohm bemerkte, 
die erste unscheinbare Anknüpfung des Vereins mit Italien. 

Von Mitgliedern des C-V.'s, insbesondere von den Herren 
Hornemann und Fasbender, ging die Begründung eines botanischen 
Vereins aus, welcher sich die angemessene Unterhaltung des dem 



— 39 - 

Gymnasium gehörigen botanischen Gartens zur Aufgabe machte 
(Th. W. 66 N. 7o). Diesem Verein, der später wieder einging, 
verdankt der Garten die Ansammlung eines Fonds zu seiner Instand^ 
haltung, welchen der Testator Dr. Schulz zu stiften vergessen hatte. 

Am meisten aber beschäftigte den Verein die Sorge für die 
Bezeichnung der Geburtshäuser von Soemmerring und Coppernicus. 

Mit Hülfe der Hypothekenbücher war schon 1864 festgestellt 
worden, dass Soemmerring in dem jetzigen Geschäftshause von 
Dammann und Kordes geboren sei. Nun wurde ein Abkommen 
mit dem Eigentümer getroffen, und der Bildhauer Barheine in 
Berlin mit der Anfertigung einer Gedenktafel beauftragt. Die mit 
Schablonen angestellte Probe ergab, dass die Inschrift in Goldbuch- 
staben bei der in Aussicht genommenen Höhe unleserlich war. 
Daher wurde die besser erkennbare schwarze Schrift gewählt. Die 
Anbringung der Tafel musste aber aus baulichen Rücksichten auf 
das folgende Jahr, und dann mehrfach weiter verschoben werden. 
Die Ehrung galt vorzugsweise dem grossen Anatomen. Dass 
Soemmerring auch der Erfinder des ersten elektrischen Fernschreibers 
gewesen war, darauf hatte man so lange weniger Gewicht gelegt. 
Doch wurde die Aufmerksamkeit des Vereins durch eine Mitteilung 
A. Prowes aus einer Schrift von Zetzsche in verstärktem Masse auf 
diesen Punkt hingelenkt. 2*) Von den Schriften S.'s konnte damals 
nur ein kleiner Teil beschafft werden ; die andern waren im Handel 
nicht zu haben. 

Die Anbringung einer gleichen Tafel am Coppernicushausfe 
wurde auf den Antrag L. Prowes beschlossen ; man kam aber noch 
nicht über Vorschläge und Erwägungen hinaus. 

An die Absicht der Bezeichnung des 53. Breitengrades 
erinnerte Körner. — Das Bedürfniss der Beschaffung von Raum für 
das Archiv machte sich um so dringender geltend, als das Zimmer, 
in welchem L. Prowe der Arbeit des Ordnens oblag, jetzt für Polizei- 
zwecke beansprucht wurde (Th. W. N. 66 68). Der Magistrat ging 
in der Tat mit dem Plane eines bedeutenderen Umbaues im Rat- 
haase um. 

Da Joseph erklärte eine Wahl in den Vorstand nicht weiter 
annehmen zu können, so setzte dieser sich für das folgende Jahr 
so zusammen : Koerner (nach 8 J. Pause) und L. Prowe, Brohm und 
M. Schnitze, Fasbender. 

Vorträge: 19. 2. 66 (Festvortrag) Lehncrdt, Tragische 
Liebessagen des klassischen Altertums und ihre Verwendung in der 
moderen Dichtung (besonders die Sagen von Hero und Leander 



— 40 - 

und von Romeo und Julia) ; 12. 3. Lesse, Beccaria und seine 
Verdienste; 10. 4. L. Prowe, der Sterbeort und die Grabstätte 
des Coppemicus (abgedruckt im Th. W. 66, 202 ff) : 7. 5. Müller, 
Geognostische Schilderung des Thorner Kreises; 2. 7. BoethkCi 
Miltons Verlornes Paradies; 6 8. A. Prowe, Julius Voigt (ein 
Thorner) über Goethes Faust; 3. 9. Jansoil^ Einfluss der griechi- 
schen Kultur auf die des Abendlandes ; 8. 10 Brohiti, Kirchliche 
Zustände in Thorn 1520— 155 1; 5. 11. Fasbender, Gebietsver- 
änderungen in Deutschland ; Eilsberger, ein Gebet aus den 
Schwedenkriegen ; 3. 12. Eilsberger, Luther als deutscher Mann 
I. Abschn.; Marauart, der 1795 hier verstorbene polnische Dichter 
und Staatsmann uraf Skarbek ; 15. i. 67 : Boethke, Die Bewohner 
Russlands im 9. Jahrh. ; 4. 2. Lehnerdt, Aus der Geschichte des 
hiesigen Gymnasiums. 

Schon damals wurden Massregeln ergriffen, um dem zeit- 
weiligen Mangel an Vorträgen (s. Juni) abzuhelfen. Die Abhülfe 
war, wie das Bedürfnis, nur vorübergehend. 

Immerhin waren noch öflTentliehe Vorträge im Gange. Die- 
selben ergaben 90 Thl. Reineinnahme, von denen 50 Thl. einem 
Stipendium für Realabiturienten, 10 Thl. dem Keplerdenkmal, 20 
dem Unterstützungsfonds für Freiligrath überwiesen und 10 zur 
Unterstützung eines jungen Architekten verwendet wurden. 

Die erste dieser Vorlesungen hielt L Prowe am 6. 2. 67 
über Westpreussen in seiner geschichtlichen Stellung zu Deutschland 
uAd Polen. Es folgte am 13. Boethke, Die schönen Träume der 
Völker; am 27. Lindau über die Tätigkeit des Arztes im Kriege; 
am 6. 3 Brohm, Die Vorgänge in Thorn vor der durch Privilegium 
von 1557 genehmigten Einführung der Reformation ; am 16. 3. 
Boodstein über Heinrich Heine ; am 20. 3 Coeler über den 
Luxus; am 30. 3. Hoppe über die Bestrebungen zur Förderung 
der Erwerbsfähigkeit der Frauen ; am 3. 4. A. Prowe über 
Thomas Buckle. 

Die ausserordentliche wissenschafiliche Tätigkeit L. Prowes 
bekundete sich weiter in seinem Buche „Mitteilungen aus den 
Berichten des Thorner Residenten Geret am Hofe des Königs 
Stanislaus August von Polen 1765—1773 (Auszüge im Th. W. 1866 
N. 68 ff.); ferner Das Thorner Blutbuch von 1566 bis 1669. Th. 
W. N. 163. 

Das 14. Jahr (1867) begann mit einer Reihe von Massregeln 
behufs strengerer Handhabung der Gesehäfitsordnung. Die Tages- 
ordnung sollte jedesmal in einer Vorstandssitzung festgestellt, und 



- 41 — 

Anträge, insbesondere auch die Anmeldung von Vorträgen, bis 
Freitag Mittag einem Vorstandsmitgliede übergeben werden. Die 
Monatssitzungen sollten um 7 Uhr beginnen. Nach halbstündigem 
Vortrage sollte die Versammlung befragt werden, ob sie die Fort- 
setzung hören wolle. Für die Anzeigen der erfolgten Aufnahme 
wurden Formulare besorgt. Die Kosten der Ausschmückung des 
Denkmals sollten jedesmal vorher vereinbart werden. Dem Logen- 
wirt Tietzen wurde für die „vertraulichen" (wissenschafdichen) 
Sitzungen eine Entschädigung bewilligt. 

Der beantragte Druck der Jahresberichte wurde der hohen 
Kosten wegen abgelehnt. Da die handschriftlichen Berichte über 
das 13. — 17. Vereinsjahr nicht auffindbar sind, so haben sie hieraus 
den Protokollen hergestellt werden müssen. 

Es starben Pfarrer Dr. Güte, Gymn.-Dir. a. D. Dr. Lauber 
(Ehrenmitglied) und Ritterg - Bes. v. Parpart auf Storlus. Der 
letztere hatte kurz vorher dem Vereine den 2. Teil seines Buches 
über die Veränderlichkeit des Schwerpunktes der Erde „Unter- 
suchung zum gravizentrischen Indikator" überreicht Einen Nekrolog 
für Güte teilte Brohm in der Aprilsitzung mit. Für Lauber bestellte 
und honorirte der Verein ein Porträt bei dem Maler und Zeichen- 
lehrer Templin. Dasselbe, wohlgetroffen, hängt im Gymnasium. 

Joh. Ernst Theodor GQte, geb. in Halle a/S. am 23. 5. 1798, 
Sohn des Prof. der Theol. und Archidiakonus zu St. Ulrich Ernst 
Heinrich G. f i8o5- Er besuchte 6 Jahre die lat. Hauptschule, und 
studirtfe . Theologie und Philologie als Amanuensis des Kanzlers 
Niemeyer. Den Freiheitskrieg machte er 1815 im Jägerdetachement 
des 15. Inf.-Regt/s mit. Schon 1816 trat er als Lehrer am Päda- 
gogium ein, und promovirte 1818 mit einer Dissertation über die 
Methode des Lateinunterrichts Lehrer am Thorner Gymnasium 
April 1819, am Danziger 1820, pro ministerio geprüft 182 1, zum 
Nachfolger des verstorbenen Pfarrers Happel in Thorn gewählt, 
und am 31. 10. 24 bei der Einweihung der Neustädtischen Kirche 
eingeführt. Das Direktorat der städtischen Schulen führte er 26 
und 27, Religion und später auch Hebräisch unterrichtete er am 
Gymnasium 35 bis 54; Freimaurer 1823 in Danzig ; in Thorn Meister 
vom Stuhl. Verheiratet seit 18. 2. 1819 mit Christiane Frohwein 
t 7 II. 53- Er starb 28. 3. 1867. Ihn überlebten 5 Kinder und 
14 Enkel. Dem Verein hinterHess er die Niederschrift seiner beiden 
Vorträge. 

Prof. Dr. Ludwig Martin Lauber, geb. 17. 6. 1793 zu Breslau 
als Kautmannssohn. Er besuchte die Bürgerschule und das Magda- 



— 42 — 

lenen-Gymnasium, studirte von 1812 an in Breslau, dann in Berlin 
Philologie und Mathematik, wurde 1819 Mitglied des pädagogischen 
Seminars und Doktor, Mich. 1821 Lehrer am Thorner Gymnasium, 
1822 Professor, 1836 interimistisch, 1839 definitiv Direktor, trat in 
den Ruhestand Mich. 1858, und starb am 28. 3. 1867, überlebt von 
seiner Gattin, geb. Zitterland, und einer Pflegetochter. Er war ein 
wohlwollender Erzieher und ein hervorragender Mathematiker. Seine 
Schriften sind aufgezählt im Th. W. N. 56. Hervorzuheben sind : 
Versuch einer rein wissenschaftlichen Darstellung der Mathematik 
durch strenge Begründung derselben, 2 Thlc. Berlin 1834—5. 
Unterricht in der reinen Elementar-Mathematik. 2 Thle. Berlin 
18367. Er starb im März 1867. 

Seinem Vorgange vorzugsweise gebührt das Verdienst daran, 
dass der Verein in der Leitung und im Lehrerkollegium des Gym- 
nasiums jederzeit kräftige Unterstützung fand. 

Durch Ortswechsel schieden aus Hornemann und Dr. Winckler. 

Adolph Winckler wurde als Oberlehrer nach Kolberg ver- 
setzt, ist dort als Professor am i. 10. 94 in den Ruhestand 
getreten und 27. i. 98 gestorben, von seiner Gattin, der jüngsten 
Tochter des Professors Paul, und einer Reihe von Söhnen und 
Töchtern betrauert. Er war am 30. 4. 1825 in Fischhausen geboren, 
besuchte in Königsberg das Friedrichskollegium, und studirte daselbst 
Philologie unter Lobeck und Lehrs. Das Probejahr begann er in 
Tilsit, verliess aber dann den Staatsdienst, und lebte als Haus- 
lehrer. Später wieder eingetreten unterrichtete er am Friedricbs- 
kollegium, bis er Mich. 1855 an das Thorner Gj^mnasium berufen 
wurde. Er war eine echte Gelehrtennatur, von weltfremden Sitten 
und kindlich aufrichtigem Gemüt. Wohlwollen und idealer Sinn 
gewann ihm in hohem Grade die Liebe seiner Schüler. Von seinen 
Schriften sind besonders zu erwähnen der dritte (Schluss-)Band von 
Forbigers Hellas und Rom, und eine Programm-Abhandlung über 
die Art und das Mass der von Herodot geübten Kritik. Andere 
Artikelsind in philologischen Zeitschriften zerstreut. 

Dr. Weese und Dr. A. Prowe legten ihre Mitgliedschaft nieder, 
jener wegen Erkrankung, dieser aus einem mir unbekannten Grunde, 
wahrscheinHch wegen einer Misshelligkeit, welche bald behoben 
wurde ; denn 1868 war P. wieder Mitglied. 

Dagegen wurden neu aufgenommen Stadtbaurat Marx, Dr. med. 
Lindau und Kutzner, Gymn. L. Curtze und Rcichel, Staats- 
anwalt V. Lossow, Apotheker und Stadtrat Engelke* 



— 43 — 

Aus der ausserordentlich regen geschäftlichen Tätigkeit seien 
zunächst die Punkte erwähnt, welche namhaft gefördert, aber noch 
nicht zum Abschluss gebracht wurden. Durch das gemeinsame 
Interesse von Koerner, Marx und Fasbender wurde der alte Wunsch, 
einen Merkstein zur Bezeichnung des 53. Grades am südlichen 
Ende der neu zu erbauenden Eisenbahnbrücke zu setzen, seiner 
Verwirklichung ganz nahe gebracht. Fasbender übernahm nicht 
nur die endgültige Bestimmung des Punktes, sondern auch die Be:; 
scro^ung und Aufstellung des Steines, Dennoch ist bis heut nichts 
daraus geworden. Die Erwerbung der von Templin gefertigten 
Zeichnungen der Chorstähle in der Marienkirche lehnte der 
Verein ab, weil zweckmässigere und vollständigere Abbildungen 
schon vorhanden waren. Die Herstellung der ScharfFschen Appa- 
rate, welche nunmehr besser, als im Museum, in einem Räume des 
neuen Bürgerschulgebäudes untergebracht wurden, herbeizuführen 
übernahm L. Prowe. Für den Gesammlkatalog der Bibliotheken 
stellten die Direktoren Lehnerdt und A. Prowe ihre Anstaltskataloge 
zur Verfügung. Der öffentlich aufzustellende Barometer und 
Thermometer wurde vom Prof. Fasbender ausgewählt, seine Auf- 
stellung aber nach dem Vorschlage von Marx bis zur Vollendung 
des neuen Risalits an der Westseite des Rathauses verschoben. 
Die Verhandlungen über die Gedenktafeln an den Geburtshäusern 
von Soemmerring und Coppernicus wurden zu Ende geführt, die 
Anbringung selbst aber aus baulichen Gründen vertagt. Gern 
hätte der Verein das Modell von Soemmerrings Telegraphen 
erworben Da nur ein Modell im Besitze der Erben vorhanden 
war, so bemühte er sich um eine Nachbildung, stiess aber auch dabei 
auf erhebHche und schliesslich unüberwindUche Schwierigkeiten. — 
Ein Inventar der Besitztümer des Vereins einschliesslich der dem 
Museum übergebenen Altertümer aufzustellen übernahmen Fas- 
bender und M. Schnitze. Der Plan eines photographischen Albums 
der Vereinsmitglieder entwarf Schmiedeberg. Jedes Blatt sollte nur 
ein Bild nebst einem Lebensabriss enthalten. Beide Unternehmungen 
sind nie vollständig zur Ausführung gekommen. 

Erfolg hatte zunächst eine Empfehlung von Frischbiers Samm- 
lung preussischer Volksspiele und Volksreime, welche zur Anschaffung 
des Buches für die Ratsbibliothek führte. Der Magistrat teilte aus 
eigener Bewegung dem Verein die neuesten Erwerbungen für die 
Ratsbibliothek mit.(7.io.) Ferner die Anordnungen zur Entlastung der 
Vereinsbibliothek von den für den Leseverein gehaltenen Jour- 
nalen durch Verteilung derselben an andere Bibliotheken. Eine 



— 44 — 

dafür aufgelaufene Buchbinderrechnung wurde endgültig beglichen. 
Dem germanischen Museum in Nürnberg wurde, wie schon 1865, 
eine Sammlung von Abdrücken hiesiger Siegel übersandt. Für die 
eigene Bibliothek erhielt der Verein eine Abbildung des Kepler- 
denkmals in Weil der Stadt. Für seine Sammlung von Aufnahmen 
charakteristischer Gebäude wurde eine Kommission (Marx, Joseph, 
Brohm) ernannt, und eine Aufforderung an die Hausbesitzer erlassen. 
Marx übernahm die Altstadt, Joseph die Neustadt. Die Photographen 
Jacobi und Busch boten ihre Mitwirkung an. Stadtrat Weese wurde 
um Mitteilung seiner Sammlung ersucht. Für Ausgrabungen 
waren wieder 12 Thl. bewilligt worden. In Briesen (Steinkisten- 
grab mit Urnen, doch ohne Geräte) und Skludzewo wurden namhafte 
Funde gemacht. Ausser den dortigen Fundsachen wurde dem 
Museum ein von Adolph angekauftes Kupferdiadem unter Vorbehalt 
des Eigentums übergeben. Der Münzschrank des Museums erhielt 
durch Brohm und Schmiedeberg eine neue Schubkasten-Einrichtung. 
Ferner wurde die Sammlung für den Freiligrathfonds abge- 
schlossen und 27 Thl. 18 Sgr 6 Pfg. nach Barmen abgeschickt. 
Endlich übersandte die Brückenbauverwaltung dem Verein auf sein 
Ansuchen eine Zeichnung über das Ergebnis der für den Bau 
vorgenommenen Bohrungen. 

Der damalige Zustand der hiesigen Lokalpresse veranlasste 
den Verein mehrfach zu Erörterungen, welche die Hebung derselben 
bezweckten, und auch das tägliche Erscheinen der „Thorner Zeitung* 
von 1867 ab herbeiführten. 

Besonders warmen Anteil nahm der Verein an dem für den 
8. März 1868 bevorstehenden 300jährigen Jubiläum des Gymnasiums. 
Zur Festgabe bestimmte er zu Brohms Uebersetzung der Antigone 
des Sophokles. Er liess dieselbe durch eine Kommission (L. Prowe, 
Müller, Meyer, Boethke, Lehnerdt) genau prüfen und in den Druck 
geben, und 50 Exemplare unter die Mitglieder verteilen. Die 
dazu erforderlichen 20 Thl. werden die einzigen Kosten gewesen 
sein, da das Werkchen im Buchhandel mit Erfolg vertrieben wurde. 
Daher wurde auf Antrag v. Lossows zur eigentlichen Festschrift 
der Algorismus Proportionum von Nicolaus von Oresme bestimmt, 
ein mathematisches Werk, welches nur in 2 vollständigen und einer 
unvollständigen Handschrift vorhanden ist, von denen jene 2 sich 
in Oxford und auf der hiesigen Gymnasialbibliothek befinden, diese 
Parisiis I359 datirt ist. Die Bearbeitung übernahm CiTrtze, den Druck 
(300 Stück) besorgte Fasbender. 



— 45 — 

Die Vorstands wähl ergab Koerner, L Prowe, Boethke, 
Schultze, Fasbender. Brohm hatte eine Wiederwahl abgelehnt, nach- 
dem er das Schriftführeramt länger als 25 Jahre verwaltet und den 
Verein zu wärmstem Danke verpflichtet hatte. 

Das Vermögen des Vereins betrug 951 Thlr. 23 Sgr. 4 Pfg. 

Den Festvortrag am 19. 2. 67 hielt ' Eilsberger : Luther 
ein deutscher Mann (auch gedruckt). Monatsvorträge 4. 3. Janson, 
Uebersetzung der Leichenrede des Perikles bei Thukydides ; 
Koerner, die Rede Rankes bei seinem Jubiläum ; 8. 4. Dr. M. 
Schultze, die Entstehung des griechischen Alphabets aus dem 
ägyptischen und phönikischen ; Boethke, Metr. Uebersetzung von 
Jansons griechischem Festgedichte (ür das Bromberger Gymnasium; 
13. 5. Dr. Lehmann, Gesundheitspflege in den Schulen ; 3. 6. Be- 
richte von Koerner und Fasbender über v. Parparts „Gravizentrische 
Untersuchungen" ; 9. 9. Hoebel, das CoUegium charitativum in 
Thorn 1645; 7. 10. M. Coeler, die neueren Bestrebungen zur Re- 
form der Zivilrechtspflege ; A. Prowe, Erweiterungen seiner Samm- 
lung Thomer Idiotismen ; 7. 10. und 4. 11. Koerner, der Kriegsschaden 
und seine Versichenmg; 2. 12. A. Prowe, die Gottesidee bei den 
verschiedenen Völkern ; 13 i. 68 : MDUer, die Fischerei in hiesiger 
Gegend und ihre Hebung. Für Juli, August und Februar war kein 
Vortrag in Bereitschaft. Im Juli und August verzichtete man wohl 
gern darauf ; im Februar beschäftigte man sich dafür mit Press- und 
Theaterverhältnissen, und mit seltenen Büchern der Gymnasial- 
bibliothek, darunter das von Nicole d* Oresme. 

Im 15. Vereinsjahre (1868/9) wurden zu ordentlichen Mit- 
gliedern gewählt der Kreisrichter Dr. Meisner und der Kaufmann 
C. Schmidt) und zum Ehrenmitgliede der Fürst Baldassare 
Boncampagni in Rom, einer der bedeutendsten Mathematiker und 
einer der freigebigsten Förderer wissenschaftlicher Forschung, welcher 
dem Gymn-L. Curtze Nachricht von einer Handschrift des Cop- 
pernicus gegeben hatte. Dagegen traten aus die ordentlichen Mit- 
glieder Markull, Lehnerdt und Eilsberger. 

Für die Aufnahme beider Klassen von Mitgliedern wurden ge- 
schmackvolle, aber einfach gehaltene Urkunden hergestellt Die Zahl 
der Mitglieder wird in der Th. Ztg. 1868 N. 44 mit 49 angegeben, 
wovon 12 auswärts wohnen. Darin sind also wohl die Ehrenmit- 
glieder einbegriffen. 

Am 6. März starb nach sjährigem schwerem Leberleiden der 
Geheime Sanitätsrat Dr. Karl Weese. Er war am 26. Jan. 1797 
in Thorn geboren, besuchte das Thorner Gymnasium, studirte in 



— 4«; — 

Leipzig, Berlin, Wien und WOrzburg, promovirte 1819, und Hess 
sich 1820 als praktischer Arzt in Thom nieder. Seine Gattin, eine 
Tochter des Buchhändlers Roch in Leipzig, starb bereits am 24. Ok- 
tober 1861, und hinterliess ihm 6 Söhne und 4 Töchter. Eine der 
letzteren wurde die Gattin unseres Mitgliedes, des Gutsbesitzers 
Feldtkeller auf Kleefelde, und lebt daselbst Weeses Wirkungskreis 
erstreckte sich sehr weit, auch jenseits der Grenze ; zu seiner Kunst 
und Fürsorge hegte man ausserordentliches Vertrauen (Th. Z. 1868 
N. 73). Ihm gehörte das Haus Brückenstrasse 16. Der Mitglied- 
schaft des Vereins hatte er krankheitshalber seit Jahresfrist entsagt. 

Dem Gymnasium überbrachten am 8. März die Herren Dr. 
Meyer, Dr. Schnitze und Schmiedeberg die Glückwünsche des 
Vereins, und überreichten ihm die Festschriften zu der schönen 
Feier des 300jährigen Bestehens. Die Abrechnung Ober den 
Druck dieser Schriften und die Verteilung von Schenkungsexem- 
plaren zogen sich bis in den Januar 1869 hin. Den Anfang des 
später so umfangreichen Schrittenaustauschcs machte der Verein 
in der Aprilsitzung, indem er Anträgen von Joseph, ßrohm und L. 
Prowe folgend beschloss, der Physikalisch -ök. Gesellschaft in 
Königsberg, dem germanischen Museum und der Prussia Exemplare 
von allen verfügbaren Schriften von Mitgliedern zu senden. 

Die Sammlung für Freiligrath hatte insgesammt 58444 Thl 
8 Sgr. 9 Ff. ergeben. (Th. W. * 1869 Nr. 38), und wurde nun 
allgemein abgeschlossen. 

Lebhaftes Interesse erregten natürlich alle Aulschlfisse über 
Coppemicus, auf dessen bevorstehende Gedächtnisfeier der Verein 
auf Antrag Brohms schon jetzt sich vorzubereiten begann, lieber 
eine in Sybels Zeitschrift angezeigte Lebensbeschreibung des Copp. 
von Chl^dowski wurde L Prowe um einen Bericht ersucht. Ueber 
Hiplers Buch „Copemicus und Luther** erstattete er einen. Curtze 
machte darauf aufmerksam, dass viele Bücher von und über 
Coppemicus in unsem Bibliotheken fehlten. Man sah Vorschlägen 
zur Ausfüllung der Lücken entgegen. Die Anschaffung wichtiger 
Manuskripte des Thomer Burggrafen Preuss, sowie eines Buches 
von Tyszkiewicz über archaeologische Reste in Littauen wurde auf 
Antrag von L. Prowe und v. Lossow dem Magistrat vorge- 
schlagen. Der S>Tidikus Joseph stimmte den Vorschlägen bei und 
fügte andere ähnliche hinzu. Die Vereinsbibliothek empfing aus 
dem Nachlass des Sanitätsrats Dr. Weese stenographische Berichte 
des Abgeordnetenhauses und einige Bilder. Für einen Nekrolog 
K. Weeses versprachen Brohm und Lehmann Notizen zu sammeln. 



- 47 — 

Ferner beschloss der Verein die Akten des Denkmal Vereins 

endgültig ordnen und einbinden sowie (auf Antrag Adolphs) die 
Jahresberichte drucken zu lassen 2") und ihnen die Erwerbungen für 
das Museum beizufügen. Auch erbot sich A. Prowe einen Ge- 
sammtberieht über die ersten 15 Jahre zusammenzustellen, obgleich 
ein solcher für die ersten 10 bereits von Volckmann in den Preussi- 
schen Provinzialblättern veröffentlicht worden war. Der Antrag auf 
periodisehe Herausgabe von Mitteilungen des C.-V.'s wurde 
von Brohm mehrfach wiederholt, auch beifällig aufgenommen, aber 
noch nicht zur Entscheidung gebracht. Dagegen gelang es anstatt 
des früheren Lesezimmers einen förmlichen Lesezirkel zusammen 
zu bringen, für den der Verein 25 M. jährlich aussetzte, und dem 
am 14. 9. 68 sofort 10 Mitglieder beitraten. Die Bücher sollten 
schliesslich der Vereinsbibliothek zufallen. Die Ordnung der Be- 
sitztümer des Vereins wurde dadurch gefördert, dass das vermisste 
Inventar endlich gefunden wurde. Doch ist gegenwärtig ein solches 
Inventar nicht zu ermitteln. 

Es gelang auch in diesem Jahre dem Verein von der Eisen- 
bahndirektion Proben der beim Brückenbau im Weichselbette ange- 
stellten Bohrungen, sowie Nachrichten über die Eisenhaltigkeit 
des Bodens von Mocker zu empfangen. Man war dabei schon 1867 
auf eine Braunkohlenschicht gestossen, welche 9 Zoll stark in ge- 
ringer Tiefe eine feste Lehmschicht durchzog. (5. 11.67.) Es schien 
damals, als sei die Ruine Dyboiv durch den Eisenbahnbau ge- 
fährdet, und in der Tat wurde beim Magistrat seitens der Direktion 
angefragt, ob der Stadt an der Erhaltung der Ruine gelegen sei. 
Joseph hatte darüber berichtet, und ihm ist es wohl zu. danken, 
dass von einer Beseitigung des denkwürdigen Gemäuers abgesehen 
wurde. Ein Antrag auf Veranlassung von Bohrungen auf Salz 
in Czemewitz hatte vorläufig keinen weiteren Fortgang und wurde 
später abgelehnt. Dr. Brohm glaubte im Dom von Culmsee das 
Grab Siegfrieds v. Feuchtwangen gefunden zu haben. ^2) Auch 
konnte er Mitteilungen über eine Tasse machen, welche dort zum 
Andenken eines Wunders verwahrt wurde. Der Magistrat teilte 
dem Verein mit, dass die Seharffsehen Apparate im neuen Bür- 
gerschulgebäude unterbracht worden seien und mit Hülfe von Frl. 
Scharff in Stand gesetzt würden. Für die damals im Garige be- 
findliche Petermannsche Nordpolexpedition bewilligte der Verein 
20 Thlr., und legte zugleich Sammellisten aus ; doch wurde die 
Unterstützung gegenstandslos, da die Expedition unverrichteter Sache 
zurückkehrte. Damals erging eine Aufforderung zur Bildung eines 



- 48 — 

Oesammtvereins der Gcschlchtsvereine ; der Verein legte seine 
Geneigtheit an den Tag ihm beizutreten. Ein Antrag, den Magistrat 
an die Notwendigkeit des Ausbaues des für das Museum be- 
stimmten Flügels im Rathause zu erinnern, wurde abgelehnt; man 
wollte den Magistrat nicht drängen und vertraute, dass er den 
richtigen Zeitpunkt ergreifen werde. Lebhafte Teilnahme brachte 
der Verein dem Ausbau des Ulmer Domes entgegen. Doch 
musste er feststellen, ob die Dombaulotterie in Preussen verboten 
sei, ehe er sich an ihr beteiligte. 

Auch die Oedenkiatel für Coppernieus konnte noch nicht 
angebracht werden ; doch wurde sie vollständig vorbereitet. Für 
sie spendete Bog. Goltz aus dem Ertrage dreier Vorlesungen eine 
Beihülfe von 20 Thl. Die Tafel am Geburtshause Soemmerrlngs 
wurde am I7. September 1868 enthüllt mit der Inschrift ^Samuel 
Thomas von Soemmerring wurde hier am 30. Januar 1755 geboren'*. 
Sie ist aus weissem schlesischem Marmor, 5 Fuss lang, 2 breit, von 
Barheine in Berlin gefertigt, und wartete hier schon seit t866 auf 
ihre Einfügung, lieber die erste Idee von S.'s elektrischem Tele- 
graphen gab Curtze erläuternde Mitteilungen. Danach bediente sich 
S. des galvanischen Stromes. 

Soemmerring (so ist die richtige Schreibweise) besuchte das 
hiesige Gymnasium, studirte seit 1774 in Goettingen Medizin, pro- 
movierte dort 1778, wurde Professor der Anatomie, erst in Kassel, 
1784 in Mainz. Nach Aufhebung dieser Universität Hess er sich 
als praktischer Arzt in Frankfurt a. M. nieder, und wurde 1804 als 
Mitglied der Akademie nach München berufen, zum Geheimen Rat 
ernannt und geadelt. Im Jahre 1820 kehrte er nach Frankfurt zurück, 
wo er am 2. Mai 1830 starb (s. Th Ztg. 68 N. 220). Sein dortiges 
Denkmal ist das Werk Schmidts v. d. Launitz. 

Dem Museum gingen Schenkungen an Münzen und Meteor- 
steinen zu, ferner eine Maske Napoleons, vom Polizeikommissar 
Roszczechowski Kunstarbeiten aus Hamburg, vom Kaufmann C. 
Schmidt japanische Geräte, und von Herrn Thümmel aus Briesen 
Schmucksachen aus einem aufgedeckten Heidengrabe. Ein voll- 
ständiger Katalog des Museums wurde durch Joseph und L. Prowe 
fertiggestellt. 

Die Absicht, den Geburtstag Schleicrmachers (21 Nov.) durch 
einen Vortrag von Eilsberger in weiterem oder engerem Kreise zu 
feiern, wurde vom Verein nicht ausgeführt, teils weil inzwischen 
Eilsberger gleichzeitig mit dem Gym.-Dir. Lehnerdt seinen Austritt 
erklärte, teils weil dieselben konfessionellen Bedenken mitwirkten, 



— 49 — 

welche ihn verhindert hatten sich der Melanchthon-Feier anzu- 
nehmen. 

In der Sitzung am 15. Oktober, in welcher der ffintzehn- 
jährige Siittungstag des Vereins mit einiger Feierlichkeit begangen 
wurde, hatte der Vorsitzende Koemer einen Ueberblick über die 
Geschichte derselben gegeben. Sodann hatte A. Prowe ein Gedicht 
vorgetragen. Der Vorsitzende hatte dem Dichter den Dank aus- 
gesprochen. In der nächsten Sitzung stellte L. schriftlich den An- 
trag, der Verein wolle erklären, dass Koemer damit seine Befug- 
nisse überschritten habe, dass der Verein das Gedicht keines 
Dankes wert halte und die Veröffentlichung missbillige; zugleich 
wolle er Massregeln ergreifen, damit nicht wieder die Meinungen 
einzelner Mitglieder als Grundanschauungen des Vereins im Umlauf 
gesetzt würden. Kömer erklärte, dass er durch seinen Dank das 
Gedicht nicht zu einem Glaubensbekenntnis des Vereins habe stem- 
peln wollen. Lehnerdt zog auf die Aufforderung Meyers, der auf 
den friedlichen Charakter der Tätigkeit des Vereins imd auf die 
enge Verknüpfung des Vorsitzenden mit derselben hinwies, zwar 
seinen Antrag zurück, behielt sich aber den Weg der Oeffentlich- 
keit vor. Sein und, wenn ich nicht irre, auch Eilsbergers Austritt 
war die Folge dieses Vorganges. ^^) 

Vorträge wurden gehalten am 19. 2. 1868 (6 Uhr Festvor- 
trag) Curtzc, Die Geschichte unserer Zahlzeichen (die eigentlich 
nicht arabische, sondern chaldäische heissen müssten) ; 6. 4 : M. 
Sehultze, Die indischen und arabischen Ziffern und ihr Zusammen- 
hang mit den Zahlzeichen der Aegypter (Th. Z. N. 55.); 4. 5: 
L. Prowe, lieber die von Cop. übersetzten Briefe des Theophylaktos 
Simokatta, und Curtze, Der Algorismus proportionum des N. von 
Oresme. (N. iii); 15. 6. Brohm, Das Wohnhaus Heinrich Strobands ; 
Fasbender, Die Ansichten süddeutscher Blätter über den Krieg 
von 1866 und seine Folgen (N. 140) ; 29 6 : Jansen, Die Kultur- 
verhältnisse der alten Griechen; 17. 8: L. Prowe, Hiplers Buch 
„Nie. Coppemicus und M. Luther", und A. Prowe über E. Carreau 
Le Materialisme et la Science; 14. 11: Curtze und Boethke über 
einige merkwürdige Handschriften und Bücher der Gymnasialbiblio- 
thek, darunter Problematum Euclidis Explicatio; 7. 12: Dr. Meisner, 
Die leitenden Grundsätze des Zivilprozess Verfahrens ; 11. i. 1869: 
Joseph, Zur Geschichte von Memel im J. 1807, und L. Prowe, 
Einige interessante Stellen aus Gerets Berichten zur Geschichte 
Polens im J. 1768 ; 25. i : (ausserord. Sitzung mit Gästen) Gustav 
Wallis aus Detmold (Bruder von J. Wallis), Bericht über seine 

4 



- 50 — 

Reisen auf dem Amazonenstrome und über die Kordilleren ; 8. 2 : 
A.Pro WC, Die Lj'gier, nach dem neuerschienenen Buche von K^trzynski. 

Ein Teil dieser Vorträge wurde von dem Vortragenden ald 
blosse Mitteilungen, wo nicht als Lückenbüsser bezeichnet. Um 
die Geneigtheit zu reiflich erwogenen Vorträgen zu steigern, schlug^ 
Brohm, wie schon früher, eine Reihe von Aufgaben aus der Ge- 
schichte Thorns vor, und seine Vorschläge wurden in der Sitzung 
noch vermehrt. 

Körner lehnte eine Wahl in den Vorstand entschieden ab. 
Der Vorstand wurde daher so zusammengesetzt : Dr. Meyer und 
Dr. L. Prowe ; Boethke und Schnitze ; Fasbender. — Die Rechnung 
erwies einen Vermögensbestand von 988 Thl. 2. S. 3 Pf. 

Zur Festsitzung wurden Einladungskarten ausgegeben. Die 
Ausschmückung des Denkmals wurde vereinfacht. Ein einfaches 
Abendbrot machte den Beschluss. 

Beginnen wir im 16. Vereinsjahre mit den Vorträgen, so 
finden wir einesteils, dass die Anregung Brohms gewirkt hatte, wenn 
auch die gewählten Themata wenig seinen Ratschlägen entsprachen, 
und andemteils, dass mehr und mehr dem kommenden Jubelfeste 
sein Schatten schon voranging. 

Den Fes^tvortrag am 29. 2. 69 hielt Stadtbaurat Marx über 
die Architektur des Mittelalters mit besonderer Berücksichtigung 
Thorns. Dann folgten 8. 3. L. Prowe mit der Mitteilung einer 
bald darauf als irrig erwiesenen Entdeckung Hiplers, wonach eine 
Barbara Beutlerin in Frauenburger Urkunden niemand anders ge- 
wesen sein sollte als die Mutter des Coppemicus ; femer Boethke 
„Ueber den gegenwärtigen Stand des Tumwesens* ; 12. 4. A. Prowe, 
Die bisherige Tätigkeit des Coppernicusvereins ; 10. 5. Bürgerm. 
Hoppe, Zur Statistik der Sterblichkeit mit besonderer Beziehung 
auf Thorn (29 7»; Thom stand danach der Gesammtprovin;? 
Preussen gleich, diese am ungünstigsten unter den Provinzen des 
Staates. Die Uebelstände, welche daran schuld waren, wurden ein- 
gehend besprochen, und Wege zu ihrer Abhülfe aufgesucht). 7. 6. 
Prof. Hirsch, Die von Coppemicus lateinisch übersetzten Briefe des 
Theophylaktos Simokatta ; 28. 6. (statt der Julisitzung) Dr. Lindau, 
Volksmedizin ; 8. 7. in Tivoli (Th. Z. N. 157, ausserord. Sitzung 
auf Wunsch) v. Fischer-Treucnield, Chef des Telegraphenwesens 
in Paraguay, Erlebnisse in Südamerika, insbesondere in der Ge- 
fangenschaft des Diktators Lopez ; 9. 8. A. Prowe, das Urteil Ruges 
inbetreff der Bigotterie der Mythologen Schwartz und Kuhn ; 18. 10. 
Curtze, Der Lehrer des Coppemicus Maria di Novara in Bologna. 



— 51 — 

(C. war durch Mitteilungen aus Italien in Stand gesetzt worden, eine 
Reihe von Irrtümern Ober diesen Gelehrten, und damit auch Ober 
Coppemicus zu berichtigen. Th. Z. 247.) Die Septembersitzung 
fiel wegen der Humboldtfeier aus. Am 7. 11. wurde der von 
A. Prowe ausgearbeitete Gesammtbericht vorgelesen, und eine Fest- 
tafel auf den Tod des Bürgermeisters Klossmann vom i. 5. 1774 
vorgelegt, gewidmet von Schülern der obersten Klasse des Gym- 
nasiums, mit unterzeiehnet von S. Th. Sömmerring. Dann 10. 12. 
A. Proive, Zur Erinnerung an E. M. Arndt ; 17. i. 1870 L. Prowe, 
Die Schicksale der griechischen Sprache und Literatur im Mittel- 
alter; 7. 2. Dr. Meyer, Ueber den neuen Entwurf des nord- 
deutschen Strafgesetzbuches. 

Ein Teil dieser Vorträge waren Vorbereitungen auf die Jubel- 
feier von 1873. Auch wurde damals, wie schon im 7. Vereinsjahre, 
ein Bedauern empfunden, dass die gehaltenen Vorträge doch bald 
der Vergessenheit anheimfielen. Redakteur Marquart machte sich 
anheischig, wenigstens die Themata aus den Zeitungsberichten zu 
sammeln. 

Der Oencralbericht von A. Prowe war mit Ungeduld ge- 
fordert worden, und wurde mehrfach von den Mitgliedern berichtigt 
und ergänzt; auch ein vorläufiger Auszug daraus in den Preuss. 
Prov. Blättern veröflFentlicht. 

Zur Vorbereitung des grossen Festes, und insbesondere einer 
Neuausgabe des Werkes von den Umwälzungen nebst 
deutscher Uebersetzung, wurde auf Dr. Brohms Antrag eine be- 
sondere Kommission gewählt, bestehend aus Koerner, Curtze 
L. Prowe, Brohm und Boethke. Diese ermittelte eitie bedeutende 
Zahl echter und vermeintlicher Bildnisse von Coppernicus, und sorgte 
für deren Vervielfältigung oder Wiederherstellung, wofür der Verein 
erhebliche Geldbeträge bewilligte (s. alle Sitzungen von Mai bis 
Dezember). Besonders behülflich war dabei der Fürst Boncampagni. 
Das Bild aus der Johanniskirche wurde mit Bewilligung des Deka- 
nats nach Berlin geschickt, wo Geh. R. Dielitz sich der Restau- 
ration annahm (Th. Z 247). Urkunden über C's. Studium in Krakau 
ermittelte Karlinski ; andere Urkunden bekam L. Prowe vom Archiv 
ia Königsberg zugeschickt. Auch von neuen Nachrichten über eine 
Nichte des Domherrn, sowie von zwei in der Czartoryskischen Biblio- 
thek zu Paris entdeckten Briefen von Coppernicus und Luther 
machte L. Prowe in der Dezembersitzung Mitteilung. Hier sei bei- 
läufig der ersten Ausgabe von Luthers Bibelübersetzung 1523 ge- 
dacht, welche Curtze im Oktober vorlegte. Das Exemplar gehört 



— 52 — 

der Gymnasialbibliothek; und scheint die Hausbibel des Bürger- 
meisters Stroband gewesen zu sein, über dessen Familie Nachrichten 
darin eingetragen sind. 

Neue Bohrungsproben, welche der Verein von der Eisen- 
bahndirektion empfing, wurden der phys. ök. Gesellschaft übersendet 
und gaben dem Prof. Behrendt Anlass zu geognostischen Folgerungen, 
nach welchen „auch an den Punkten, wo die Tertiärformation nicht 
zu Tage tritt, sie in der Thomer Gegend in der Tiefe ansteht", 
nämlich als Posener Septarienton in 25—72 Tiefe. (Th. Z. 109.) 
Die vom Magistrat abgelehnte Aufstellung eines öffentlichen Wärme- 
und Luttdruckmessers wurde wiederholt beantragt (Dec). Die 
Anschaffung von Toeppens Geschichte Masurens wurde unter Zu- 
stimmung des Bgm. Joseph dem Magistrat für die Ratsbibliothek 
empfohlen. Die Aufforderung zur Sammlung von Altertümern für 
das Museum wurde besonders an die Eisenhändler gerichtet, 
welche häufig dergleichen in die Hände bekommen. Das römisch- 
germanische Zentral-Museum in Mainz erbat sich nach Einsicht des 
hiesigen Katalogs 12 Gegenstände von Bronze zur Ansicht und 
ev. Nachformung in Gyps oder Abzeichnung, und erhielt sie. Die 
Th. Z. N. 237 bemerkt dazu : ,,Selbst das Berliner Museum, wenn 
auch viel reichhaltiger, hat nicht so eigentümliche und interessante 
Stücke aufzuweisen*. Der Hauptmann Lilie meldete, dass er ver- 
mutlich nach Thom zurückkommen, und dann die von ihm begonnene 
Aufnahme des alten Schlosses beendigen werde. 

Einem Antrage Adolphs entsprechend wurde das Gesuch an 
den Magistrat um Ausbau des Bodenraumes im Rathause für 
das Museum erneuert. Aus den Erklärungen Körners ist hervorzu- 
heben, dass der Magistrat diesen Ausbau behufs Unterbringung des 
Gewerbemuseums ins Auge gefasst hatte, und dabei auch eine 
Erweiterung für das Hauptmuseum zu erreichen hoffte (Th. Z. 247). 

Der Direktor des Geh. Staatsarchivs Prof. Duncker hatte den 
Vors. ersucht, vertraulich die Stimmung der Magistratsmitglieder 
über die Abtretung derjenigen Archivalien an das Prov. Archiv 
zu Königsberg zu erkunden, welche für die allgemeine Geschichte 
Preussens von Wichtigkeit sind. Er begründete das Ansinnen mit 
dem Interesse der Wissenschaft und mit der Unzulänglichkeit der 
hiesigen Räume. Die Sache wurde auf die T. O. für Mai gesetzt, 
und ist, obgleich die Protokolle nichts darüber enthalten, jedenfalls 
mehrfach erörtert worden. Im Februar 1870 meldete der Magistrat, 
dass ein entsprechender Antrag an ihn gerichtet, aber abgelehnt 
worden sei. 



— 53 — 

Der Verein sorgte weiter für seinen Lesezirkel (Jan. Febr.) 
Sein Inventar wurde nicht mehr zutreflFend gefunden ; Fasbender 
versprach es neu aufzusetzen ; für das Album stiftete Boncampagni 
sein Bildniss. Dn Lindau richtete die Aufmerksamkeit auf den 
botanischen Garten, und veranlasste mit Dr. Lehmann, Hoppe, 
Schmiedeberg und Engelke einen Beschluss, bei dem Gesammt- 
patronat dahin vorstellig zu werden, dass eine angemessene Parzelle 
des Gartens von der Verpachtung ausgenommen und zu botanisch 
wissenschaftlichen Zwecken reservirt werde. Schmiedeberg und 
Engelke stellten sich zur Pflege dieser Pflanzungen zur Verfügung. 

Geschenke gingen ein für die Bibliothek von Rogge, Die 
Kirchen des Amts Balga ; für die Ratsbibliothek die ganze Bücher- 
sammlung des Dr. Weese; für das Museum allerhand Stücke von 
Garbe, C. Schmidt, Motz in Mainz, Donner und aus dem Nachlass 
von Simon Hepner. Aus diesem wurden auch i8 Thl. für die 
Restauration des Coppernieusbildes in der Johanniskirche 
überwiesen. 

Am 14. September wurde in der ganzen gebildeten Welt der 
looste Geburtstag Alexanders v. Humboldt gefeiert. Der Verein 
hatte alle Ursache daran mit besonderer Dankbarkeit teilzunehmen. 
Auf den Antrag der von ihm eingesetzten Kommission spendete er 
zum Denkmal seines ehrwürdigen Gönners einen Beitrag von 20 Thl. 
und veranstaltete, nachdem bereits am 12. eine Vorfeier im Hartd- 
werkerverein stattgefunden hatte, am 14. Sept. eine eigene Feier im 
Stadt theater unter sehr zahlreicher Beteiligung aus allen Kreisen 
der Stadt. Vor der mit Topfgewächsen geschmückten Bühne stand 
das Rednerpult mit der Büste Humboldts davor. Die Sänger 
leiteten die Feier mit Beethovens „Die Himmel rühmen** ein. Dann 
folgten 5 Vorträge, welche ein wohlgegliedertes Ganzes bildeten. 
L. Prowe gab eine Uebersicht über das äussere und innere Leben 
Humboldts, Dr. Lindau charakterisirte ihn als Naturforscher, „den 
neuen Aristoteles", Dr. Winselmann insbesondere als Erforscher 
der Pflanzenwelt. Darauf Gesang aus der Zauberflöte „Bald prangt, 
den Morgen zu verkünden." Dann schilderte A. Prowe die 
Stellung Humboldts zur deutschen Literatur und ihren Hauptver- 
tretem ; endUch Dr. Meyer das politische Verhalten des freisinnigen 
Freundes eines vorwiegend reaktionär umgebenen Fürsten. — Am 
Abend vereinigten sich viele der Teilnehmer zu einem bescheidenen 
Festmahl im Artushofsaale, wobei Hoppe das Gedächtnis Humboldts 
feierte, Lambeck den Rednern dankte, Lesse der Damen gedachte, 
und Kroll an Coppernicus als den Vorgänger Humboldts erinnerte 



— 54 — 

(Th. Z. N. 21 7), Die Kosten der Veranstaltung brachten die Mit- 
glieder des Comitees auf. Für das Denkmal Humboldts wurden 
47 ThL 2o Sgr. gesammelt (Th. Z, 247). Die Büste wurde dem 
Verein zur Verfügung gestellt und Herrn Direktor Dr. A. Prowe 
zur Aufstellung in der Aula der Töchterschule übergeben. Der als 
Kleinod gehütete letzte Brief Humboldts an den Verein wurde 
damals vorgelegt und verlegt. In der Oktobersitzung wurde er 
noch vermisst. 

Der zur Verteilung von Schillers Werken am 11. November 
festgesetzte Betrag wurde fortan den Schuldirigenten zur weiteren 
Veranlassung ausgehändigt. 

In dieser ausgedehnten Tätigkeit verlautet nichts über die 
Förderung der Gedenktafel für Coppernicus. Ebenso muss es auf- 
fallen, dass die Sitzungen keineswegs stark besucht waren. Die 
BesuchsziflFern /waren 14, 18, 16, 11, 12, 11, 10, 6, 12, 19, 14, 
Jahressitzung 19. Um so mehr Dank verdienen die nicht allzu 
zahlreichen Träger dieser Tätigkeit. 

Der Protektor des Vereins, Oberpräsident v. Eichmann (im 
Jahre 1848 Minister), trat 1868 in den Ruhestand. Sein Nachfolger 
V. Hörn (von 1863 bis 1869 Oberpräsident von Posen) übernahm 
freundlichst das Protektorat. 

Zu korr^spondirenden Mitgliedern wurden auf Antrag A. 
Prowes 7 Herren gewählt: Landrat a. D. v. Heyne in Kruschwitz, 
Gutsbesitzer Joseph v. Trzcinski, Bauinspektor Vogtel in Inowrazlaw, 
Gutsbesitzer Eccardt in Kijewo, Apotheker Thümmel in Briesen, 
Gutsbesitzer Brauer in Skludziewo, Dom.-Rentmeister Happel in 
GoUub. 

Von den ordentlichen Mitgliedern starb Simon Hepner, dem 
Brohm in der Augustsitzung einen Nachruf widmete. Geboren am 
17. 4. 1789 stammte er von dem 1694 in Thorn eingewanderten 
Satllermeister Hepner, hatte den damaligen Primaner, später be- 
rühmten Sprachforscher Linde zum Hauslehrer, den Lektor Sammet 
und den nachmaligen Prediger Wendland zu Lieblingslehrem, nahm 
Teil an der Verwaltung der von seinem Vater gegründeten Stärke- 
und Puderfabrik in Leibitsch, betrieb von 1809 bis 1831 mit seinem 
Bruder, sodann allein ein bedeutendes Getreidegeschäft, verlor 
1824 seine Gattin. Er suchte die öffentliche Tätigkeit nicht, übte 
sie aber gewissenhaft, wenn an ihn der Ruf erging. Besondere 
Verdienste erwarb er sich in der napoleonischen Zeit. Zur Ver- 
teidigung des Bürgermeisters Mellien, mit dem er eng befreundet 
war, griff er 1841 zur Feder. Die Gründung des Coppernicus- 



— 55 — 

Vereins und das Jubiläum des Gymnasiums waren die Lichtblicke 
seiner späteren Jahre. Er starb am 5. Juli 1869. (Th. Z. N. 187). 
Sein Wohnhaus war das jetzt Herrn Loeschmann gehörige Haus 
am Ende der Kulmer-Strasse. Die Hepnerschen Anlagen tragen 
ihren Namen nach ihrem Schöpfer, dem um wenig Jahre jüngeren 
Bruder, dem sog. jungen Hepner. 

Janson trat wegen Kränklichkeit aus, und starb am i. Januar 
1870. 2*) Uin die wünschenswerte Verstärkung zu erzielen, sah der 
Verein sich genötigt, von dem statutenmässigen Verfahren abzu- 
weichen, von einer Anmeldung abzusehen, und diejenigen, die er 
wünschte, zum Eintritt einzuladen. Er fand keine Ablehnung und 
gewann eine Anzahl treuer Mitarbeiter, Oberlehrer Dr. Rothc, 
Baumeister Martini, Dr. med. Winselmann, Kfm. M. Schirmer, 
Stadträte Behrensdori und E. Schwartz, Rabbiner Dr. Oppen- 
heim, Pastor Rehm, Kfm. G. Prowe. 

Die Wahl in den Vorstand lehnte Dr. Meyer ab, weil L. 
Prowe das Fest und seine Vorbereitungen leiten müsse. Den neuen 
Vorstand bildeten L. Prowe, v. Lossow, Curtze, Boethke, Fasbender. 

Das Vermögen des Vereins betrug 975 Thl. 26 Sgr. 4 Pf. 

Da der Verein selbst, indem er einen zusammenfassenden 
Bericht über seine ersten 16 Jahre veranlasste, den Schluss dieser 
Zeit als das Ende einer Periode seiner Tätigkeit bezeichnete, so 
mag auch hier ein solcher Abschnitt anerkannt werden, obgleich 
das sechzehnte Jahr ebenso gut als Auftakt für die beginnende 
Glanzperiode, wie als Schlusskadenz für die Periode eifriger aber 
stiller Arbeit gelten kann. 

Vom 17. bis 25. Jahre. 

Die Zeit der ausgedehntesten Wirksamkeit. 



Das 17. Vereinsjahr war das Jahr des grossen Krieges, in 
welchem Angst und Jubel, Trauer und patriotische Freude alle Ge- 
müter beherrschte. Doch wurde nur einmal die Sitzung ausgesetzt, 
als die allgemeine Erregung über den fast unfassbaren Erfolg von 
Sedan eine Beschäftigung mit andern Gedanken nicht zuliess. Auch 
versäumte der Verein es nicht, mit seinen schwachen Mitteln zur 
Linderung der Entbehrungen unserer Helden beizutragen. Im 
Uebrigen unterbrach er seine Tätigkeit nicht. An Vorträgen: 



— 56 — 

wurden gehalten: Boethke, i) über den neusten Stand derShak- 
spearekritik, 2) Analyse einiger Dramen von Sh's. Zeitgenossen, 
3) Christopher Marlowe, der englische Faustdichter ; Brohnii Ge- 
schichte der reformirten Gemeinde zu Thom ; Curtze, die neueren 
Forschungen qber den Prozess Galileis ; Fasbender, i) die i. d. J. 
1874 imd 1882 zu erwartenden Durchgänge der Venus, 2) die Recht- 
fertigungsschrift Napoleons III, die Kapitulation von Sedan betreffend ; 
Oberbürgerm. Koerner, die Begründung einer meteorologischen 
Station in Thorn ; Dr. Lehmann, die Volkskrankheiten in Be- 
ziehung auf das Kulturleben der Völker ; Staatsanw. v. Lossow, 
die Ruinen von Rom (Festvortrag am 17. 2. 70) : Rabbiner Dr. 
Oppenheim, die Geschichte der Geographie bei den Juden ; A. 
Prowe, i) über Hegel, 2) der Lehrertag zu Wien Pfingsten 1870; 
Schoenteld, die Kriegskontributionen Thorns 1807— 1813. Besonders 
bezeichnend aber für die Richtung der Vereinstätigkeit waren ausser 
dem Vortrag von Curtze die des Vorsitzenden Prof. Dr. L. Prowe, 
i) die Studienjahre des Coppernicus zu Krakau, 2) Vamhagens 
Blätter aus der Preussischen Geschichte, 3) der Aufenthalt des 
Georg Joachim Rheticus in Preussen und sein Encomium Borussiae. 
Den Festvortrag am 19. 2. 71 hielt Brohm über Bogumil Goltz. 

Die Unterstützung, welche Prowe für seine Studien über Cop- 
pernicus bei dem Fürsten Baldassare Boncampagni in Rom, dem 
Prof. Dr. Karlinski in Krakau, dem Prof. Dr. Silvestro Gherardi in 
Florenz fand, wurde auch vom Verein mit herzlichem Danke em- 
pfunden, ebenso die von Herrn v. Olfers veranlasste Herstellung 
des einzigen beglaubigten Coppernicusbildes in unserer Johannis- 
kirche, und die Bestreitung der Kosten dieser Arbeit durch die 
Erben unseres Mitgliedes Simon Hepner. 

Der Anbringung einer Gedenktafel an dem Geburtshause 
von Nicolaus Coppernicus hatte immer der allzunüchterne Charakter 
des Gebäudes entgegengestanden. Man entschloss sich endlich von 
jeder baulichen Ausschmückung abzusehen. Die Marmortafel wurde 
beschaflFt, um am 24. Mai 187 1 feierlich eingefügt zu werden. 

Der Oberbürgermeister Koerner hatte sich ein schönes Ar- 
beitszimmer gegenüber den Polizeiräumen im Westflügel des 
Rathauses einrichten lassen, und gestattete oder veranlasste die 
Aufstellung der Vereinsschränke sowie die Abhaltung der Vor- 
standssitzungen in demselben. Aber für das Archiv wurden die 
Räume noch verkleinert, und für das Museum nicht vergrössert; 
so wenig vermochte das Drängen des Vereins, der königlichen Be- 



- 51 — 

hörden und der Stadthäupter selbst gegen die Beschränktheit der 
Mittel. 

Das Scharffsche Tellurium wurde wiederhergestellt, nebst 
den Hülfs- Apparaten in 2 Zimmern des Gymnasiums untergebracht 
und mit gleichem Vorteil für Zwecke auch der Volksschulen benutzt, 
wie das mit einem früheren Tellurium von Scharff in Breslau ge- 
schehen war, wohin es Seh. für 500 Thl. verkauft hatte. 

Dem Ratsarchiv wurde ein unbezahlbarer Schatz, welcher 
seit der preussischen Besitzergreifung bestaubt und verkommen 
unter den reponirten Gerichtsakten gelegen hatte, und dort von 
L. Prowe aufgespürt worden war, wiedergegeben, nämlich 80 statt- 
liche Bände Thorner Schöffenbücher des 15. — 18. Jahrhunderts. 
Umsomehr stieg die Besorgniss, dass das Archiv einmal das Schick- 
sal der Strassburger Bibliothek teilen könne. 

Ferner gelang es, durch Umarbeitung des Katalogs der Rats- 
bibliothek dem Ziele einer einheitlichen Katalogisirung der hiesigen 
Bibliotheken erheblich näher zu kommen. Um die vom Leseverein 
des Coppernicusvereins angesammelten Zeitschriften der Benutzung 
zugänglicher zu machen, überwies man sie der Gymnasialbibliothek. 

Die Sammlung von Abbildungen städtischer, mit dem Ver- 
schwinden bedrohter Bauwerke wurde weiter vermehrt. Dabei 
nahm man der Kosten wegen von Abzeichnungen Abstand, und 
nahm an deren Stelle Lichtbilder auf. 

Die lange nachgesuchte meteorologische Station wurde 
endhch vom Staate zugesagt, und im nächsten Jahre vom statistischen 
Bureau mit den Instrumenten, von der Stadt mit dem übrigen Zu- 
behör (Hausgerät) im Betrage von 60 Thl. ausgerüstet, während der 
Verein vorläufig die Miete aufbringen musste. Beide Ueberwei- 
sungen erfolgten an den Verein, welcher sich daher auch in der 
Folge als die zur Leitung berechtigte, vor allem aber zur Unter- 
haltung in erster Linie verpflichtete Stelle ansah (10. i. 76), bis ihn 
das statistische Bureau selbst aller Verpflichtungen überhob (7. 2. 76.) 

Mit Beiträgen und warmen Wünschen beteihgte sich der 
Verein an der Errichtung der Denkmäler für Hegel und Kepler 
sowie an der Ausbesserung der Kriegsschäden des Strassburger 
Mfinsters und an der Erneuerung der verbrannten Strassburger 
Bibliotheki für welche auch von verschiedenen anderen Seiten 
Bücher hier eingingen und innerhalb der beiden nächsten Jahre 
vom Verein gesammelt und in mehreren Kisten abgeschickt wurden/ 
Trotz derartiger Aufwendungen nahm die Kasse doch 910 Thl. ins 
neue Jahr hinüber, wovon 850 fest angelegt waren. 



- 58 — 

Die Zahl der ordentlichen Mitglieder betrug 46. Den für das 
folgende Jahr wiedergewählten Vorstand bildeten L. Prowe und 
V. Lossow, Curtze und Boethke, Fasbender. 

Neu eingetreten waren die Stadtverordnetenvorsteher Justiz- 
räte Kroll und Hoffmann, Rektor Hasenbalg, Kaufmann Misses, 
Oberförster Titze, Stadtrat und Kämmerer Bänke, Musikmeister 
Lang, Eisenbahninspektor Suche, Eisenbahnbaumeister Siecke, 
Gerichtsrat Lilienhain, Justizrat Jacobson. Zwei Mitglieder, die 
Aerzte Dr. Lindau und Winselmann, standen im Felde. Wegen 
einer Hüftentzündung, an welcher er bald darauf starb, schied aus 
der Buchhändler J. Wallis, ein bescheidener, frei denkender Mann; 
wegen Fortzugs aus Thom der Stadtrat Joseph. 

Von den Ehrenmitgliedern starb Bogumil Goltz am 15. Ok- 
tober 1870, von den ordentlichen Mitgliedern der schon seit 1867 
in Duisburg wohnende Dr. Volkmann, ferner Kreisgerichtsrat 
V. Roiynski und der Kreisrichter Coeler. 

Richard Eugen Maximilian Coeler geb. am 16. März 1830 in 
Dt. Krone, Sohn des Wegebaumeisters Ludwig Coeler und seiner 
Gattin Emilie, geb. Ciborovius. Nach dem Tode des Vaters 1834 
zog die Witwe mit ihren Kindern nach Thorn. Hier besuchte 
Coeler zuerst die Bürgerschule und dann das Gymnasium. Vom 
Herbst 1848 bis 185 1 studirte er in Leipzig; arbeitete als Aus- 
kultator und Referendar abwechselnd in Thom und Marienwerder, 
wurde im Januar 1857 Assessor, verwaltete ein Jahr das Einzel- 
gericht Baldenburg, und wurde im Mai 1859 als Kreisrichter 
in Mewe angestellt Im Juli 1859 verheiratete er sich mit Marie 
Weese, Tochter des Stadtrats Gustav Weese in Thorn. Im Jahre 
1864 wurde C. von Mewe nach Thorn versetzt. 1870 zog er als 
Oberleutnant und Compagniechef im Landwehrregiment 4. 5. nach 
Frankreich. Er fiel beim Sturm auf Schloss Villersexel in der Nacht 
vom 9. — 10. Januar 1871. Die Leiche wurde am 4. März in Thorn 
beigesetzt. 

In Goltz verlor der Verein einen Mann von urkräftig deutscher 
Sinnesart, von tiefgründigem Gedankenkerne und von weit sich 
ausbreitendem Reichtum des inneren Lebens, einen Philosophen 
und Menschenkenner, einen Dichter und Sprachgewaltigen, einen 
Freien und Frommen, der den Ruhm unserer Stadt in weiter Ferne 
^ross gemacht hat. Sein Leben und Wirken war der Gegenstand 
des Feslvortrages von Brohm, am 19. 2. 1871. Wir gedenken 
seiner ausführlich beim Jahre 1901. 



— 59 — 

Wenn der Erstatter des Jahresberichts als eine Wohltat und 
einen besonderen Vorzug des Vereins die immer fester gewordene 
Anlehnung an die städtischen Behörden bezeichnete, so können 
wir nur wünschen, dass dieses schöne Verhältnis allezeit dauern möge. 

Noch mehr als 1870 wandte sich im folgenden Jahre die Tätig- 
keit des Vereins der Vorbereitung auf das 400jährige Jubelfest 
seines Namengebers zu. Die Last der betreffenden Arbeiten lag 
wesentlich auf den Schultern zweier Männer, L. Proive u. M. Curtzc. 

Es war die Absicht, zu den 4 vorhandenen Ausgaben des 
Werkes De Revolutionibus (i. von Schoner 1543; 2. von Rheticus 
1566 nebst seiner Narratio Prima ; 3. von Muler 161 7 ; 4. von Joh. 
Baranowski, Warschau 1854, nebst polnischer Uebersetzung), eine 
fünfte, mit höchster erreichbarer kritischer Genauigkeit bearbeitete 
zu veranstalten und mit erläuternden Bemerkungen zu versehen. 
Ihr sollte die eigene Handschritt des Verlassers zu Grunde 
gelegt werden, welche die polnischen Herausgeber nachgewiesen, 
aber nicht benutzt hatten, und welche sich im Besitze des Grafen 
Nostitz-Rieneck zu Prag befand. Curtze, der hierorts allein dazu 
befähigt erschien, übernahm die Hauptarbeit. Seine Gesundheit 
war aber so angegriflFen, dass man bald von den Erläuterungen und 
von einer deutschen Uebersetzung vorläufig absah. Doch begab er 
sich nach Prag, nachdem durch den Geh. Legationsrat Abeken, den 
Reichskanzler Fürst Bismarck und das österreichische Ministerium 
ihm eine entgegenkommende Aufnahme gesichert war. Die Ver- 
gleichung führte zur Berichtigung einer erstaunlichen Menge der 
gröbsten Nachlässigkeiten und Irrtümer, sowie zur Wiederherstellung 
einzelner ausgelassener Stellen von grosser Wichtigkeit. 

Auf demselben Wege wie die Benutzung dieser Handschrift 
wurde dem Forscher auch Einsicht in das älteste Schöppenbuch 
Thorns verschafft, welches in den Kriegswirren nach Warschau und 
dann nach Petersburg in die kaiserliche Bibliothek gekommen ist. 
Der Protektor des Vereins, Oberpräsident Hörn, setzte die diplo- 
matische Mithülfe erfolgreich in Bewegung, so dass das höchst 
wertvolle Buch hierher geUehen wurde. Es stammt aus dem Jahre 
1363, und giebt u. A.' Nachricht über den Thorner Weinbau, über 
einen Stadtarzt in Thorn, über den Handel mit dem Morgenlande, 
und über die Familie Watzelrode, welcher die Mutter des Nicolaus 
Coppemicus entstammte. 

Das Gesuch um leihweise Hersendung der im Besitze des ge- 
lehrten Domherrn gewesenen und von ihm mit wichtigen Be- 
merkungen versehenen Bficher, welche sich jetzt in Upsala be- 



— 60 - 

finden und dort von Prowe im Jahre 1852 eingesehen worden waren, 
wurde auf dieselbe Weise betrieben, aber damals von der schwe- 
dischen Regierung abgelehnt. Dagegen konnte ein auf der Universi- 
tätsbibliothek in Breslau neu aufgefundenes Exemplar des einzigen 
gedruckten Nebenwerkes von Coppemicus, der Uebersetzung der 
Briefe des Theophylaktos Simokatta aus dem Griechischen ins La- 
teinische, vom Verein benutzt werden. 

Die für das Geburtshaus des Coppernicus beschaffte Gedächt- 
nistafel wurde an seinem Todestage, dem 24. Mai (187 1), feierlich 
enthüllt. In öffentlicher Sitzung des Vereins schilderte L. Prowe 
die Familienverhältnisse und die Jugend des Coppernicus, und vor 
dem geschmückten Hause hielt Staatsanwalt v. Lossow die Weih- 
rede. Seitens der Stadt übernahm Bürgermeister Bänke das Denkmal. 

Lebhaft beschäftigte sich der Verein mit der Frage der An- 
bringung bildnerischen Schmuckes an den Endtürmen der Eisen- 
bahnbrQcke, welche damals ihrer Vollendung entgegenging. Solcher 
Schmuck scheint im Handelsministerium nicht beabsichtigt, sondern 
erst auf den Antrag des Vereins, dessen sich der Zeremonienmeister 
Graf Stillfried v. Alcäntara und der Kronprinz mit aller Wärme an- 
nahmen, beschlossen worden zu sein. Nach dem Vorschlage des 
Vereins sollte Kaiser Wilhelm zu Pferde zwischen den Nordtürmen 
stehen, der alte Fritz ebenso am Südende. Die Reliefs sollten im 
Norden hier den Kronprinzen, Bismarck, Moltke und Roon, dort 
Coppernicus, Kant und Herder darstellen. Im Süden sollten die 
Gesandten Konrads von Masovien vor den beiden Ordensmeistem 
erscheinen, und am westlichen Pfeiler ein Hansatag abgehalten 
werden. Das Schicksal des Antrages war am Ende des Jahres noch 
nicht entschieden, doch war zu erkennen, dass es auch oben für 
notwendig erachtet wurde, die geschichtUche Bedeutsamkeit der 
Stelle und des Ereignisses an dem gewaltigen Bauwerke selbst aus- 
zudrücken, welchem in derselben Gattung nur die Dirschauer Weichsel- 
brücke und die Kölner Rheinbrücke vorangegangen waren. In einer 
Audienz beim Handelsminister Dr. Achenbach fand der Vorsitzende 
Zustimmung zu den Vorschlägen des Vereins (Prot. 18. 8. 73). 

Ausgrabungen für das Museum wurden in Przysiek (Wiesen- 
burg) und Kaszczorek (Klösterchen) gemacht. Durch einen Drahtgruss 
nahm der Verein an der Eröffnung der neuen Strassburger Biblio- 
thek, durch Entsendung der Herren Hoffmann und Lesse an der 
Enthüllung des Hegeldenkmals in Berlin Teil. 

Mit diesem Jahre begann der Verein Familienabende zu ver- 
anstalten, welche eine Reihe von Jahren unter dem Spitznamen 



— 61 — 

wissenschaftlicher Tanzabende die gesuchtesten und anregendsten 
Vergnügungen grösseren Stils an unserm Orte waren, lieber diese 
Abende wurde nicht Buch geführt. In den Verhandlungen kehrt 
nur jedesmal die Bewilligung von 20 M. und wachsend bis 80 M. 
zu den Kosten wieder. Der Regel nach begann der Abend mit 
musikalischen Vorträgen, um deren würdiges Zustandekommen sich 
vor allem Dr. Meyer und Dr. Hirsch unter Heranziehung der 
Herren Dr. Gründel, Musikdirektor Lang und Cellist Schappler, 
sowie vorzüglicher Gesangskräfte eifrig bemühten. Darauf folgte 
ein wissenschaftlicher, aber auch für zahlreiche zum Tanze geputzte 
Zuhörerinnen geeigneter Vortrag, z. B. der des Prof. Herford über 
den deutschen Minnegesang und der des Dir. Dn Cunerth über 
Spektralanalyse. Während dann schleunigst die Tafeln gedeckt 
wurden, drängte sich die Gesellschaft in den Nebenräumen etwas 
unbequem zusammen. Das Abendessen wurde selbstverständHch 
durch gute Reden gewürzt. Die bedeutendsten Redner waren 
ebenso natürlich L. Prowe, Meyer und Hoppe, von denen der 
letztere besonders wirksam die joviale Saite anzuschlagen verstand. 
Nach dem Essen wurde der Saal zum zweiten Male geräumt, 
gefegt und gelüftet, und nun erst — Mittemacht war meist vorbei — 
konnte die Jugend der Tanzlust fröhnen. Die Stimmung war stets 
unübertrefflich und der Besuch so stark, dass die Räume kaum 
ausreichten. In den ersten Jahren fanden jeden Winter 2 solche 
Abende statt, später war man mit einem zufrieden, hatte auch je 
länger je mehr Mühe ihren künstlerischen Teil genügend auszu- 
statten. Der letzte diesem Bilde ganz entsprechende dürfte der am 
7. 2. 87 abgehaltene gewesen sein. Der Tod des Vorsitzenden und 
der Abbruch des Artushofes waren die äusserlichen Ursachen, 
welche das Ende dieser ansprechenden Veranstaltungen herbeiführten. 

Zur Erimierung an Goltz kaufte der Verein drei vom Bild- 
hauer Rosenfeld hergestellte Gypsabgüsse an, und stiftete die Büste 
in das Zimmer des Magistratsdirigenten, die Totenmaske in das 
städtische Museum, und das Medaillonbild in den Saal der Stadt- 
verordneten. 

hn Laufe des Jahres starben zwei langjährige, um den Verein 
und die Stadt verdiente Männer, der ständige Rechnungsprüfer 
Stadtrat Rosenow und der Schriftleiter des Thorner Wochen- 
blattes und nach dessen Umwandlung der Thorner Zeitung Karl 
Marquart, der auf die politische und kommunale Denkweise der 
Bürgerschaft einen nicht geringen Einfluss ausgeübt hatte. Er war 
auch Sekretär der Stadtverordnetenversammlung und der Handels- 



— f,2 - 

kammer. Durch eine Festschrift und ein Festgedicht nahm er 
hervorragend Anteil an der Enthüllung des Coppemicusdenkmals. — 
Aus Thom verzogen Justizrat HoflFmann, Oberförster Titze und 
Kreisgerichtsrat Lilienhain. Dagegen traten dem Verein 21 ordent- 
liche Mitglieder bei, Festungskommandant von Reichenbach, 
Artillerieoffizier vom Platz Major Blumenbach, Generalarzt Dr. 
Telke, Oberstabsarzt Dr. Passauer, Kreisgerichtsdirektor v. Borries, 
Oberlehrer Dr. Grfindel, Stadtrat Hagemann, Gymn.-L. Herford 
und Lewus, Zeichenl. WindmfiUcr, Kfm. H. Schwartz sen., 
Stabsarzt Dr. Risse, Kreisger.-R. Schmalz und Schneller, Kreis- 
richter Maske und Steinberg, R.-Anw. Schräge, Auditeur Raabe, 
Oberst Schroeder, Baumeister Garbe, Dr. Murmann in Kulmsee. 
Die Zahl wuchs auf 62. Als 6. Ehrenmitglied kam hinzu Professor 
Dr. Gherardi zu Florenz. 

In den Vorträgen behandelten Blumenbach : Resultate aus 
heidnischen Grabstätten; Brohm ; das Leben von B. Goltz; Ingenieur 
V. Fischer-Treuenfcld als Gast : Land und Leute in der argen- 
tinischen Republik; Hasenbalg: die Einrichtung meteorologischer 
Stationen ; Dr. Lindau : den Aussatz als Epidemie ; v, Lossow : 
die Ruinen von Pompeji; Dr. Meyer: das InfallibiHtätsdogma ; 
Misses : die Entstehung und die Grundprinzipien der jüdischen 
Geheimiehre ; Kreisrichter Dr. Meisner : i) das Elsass unter fran- 
zösischer Herrschaft, 2) Das deutsche Leben im Elsass ; Gymn.-L. 
Mfiller : das Steinsalzlager bei Inowrazlaw ; Rabbiner Dr. Oppen- 
heim : die Entwickelung des Rechts bei den Juden ; A. Prowe : 
i) die Befreiung Südamerikas von der spanischen Herrschaft, 

2) Humor und Komik ; Bauinspektor Suche : die Konstruktion der 
Eisenbahnbrücke bei Thorn (seines Bauwerks) ; Dr. L. Prowe : 
i) Die Jugend von Coppernicus, 2) die Nationalität von Coppemicus, 

3) den Aufenthalt des C. in Heilsberg. Den überaus reichhaltigen 
und mit liebevoller Sorgfalt ausgearbeiteten Jahresbericht dürfen 
wir als einen vierten besonders dankenswerten Beitrag des Vor- 
sitzenden hervorheben. 

Den Feslvortrag am 19. 2 1872 hielt Boethke über den 
englischen Faustdichter Chr. Marlowe. 

Im 19. Vereinsjahre (1872) ging die vom Verein niedergesetzte, 
aus den Mitghedem Curtze, Boethke, Brohm, Herford und Hirsch 
bestehende Kommission mit aller Macht an die Herstellung der 
Jubelausgabe. Der Vorsitzende L. Prowe hatte in diesem wie 
im folgenden Jahre Grund zu einem Badeaufenthalt in Ems, wo 
auch Kaiser Wilhelm die gewohnte Erholung suchte. Ihm wurde 



- 63 ^ 

am 7. April 1872 eine längere Audienz beim Kronprinzen, zwei 
andere am 23. Juli r872 und am 24. Juli 1873 beim Kaiser gewährt, 
in denen er den Plan des Werkes auseinandersetzte. Kaiser 
Wilhelm nahm die Widmung huldvoll an, und verfolgte, wie der 
Kronprinz, den Fortgang der Arbeit mit lebhafter Teilnahme. 
Dasselbe gilt von dem Reichskanzler, dem Kultusminister Dr. Falk 
und dem Oberpräsidenten v. Hom. Die Regierung bewilligte zu 
den auf 3000 Thl. veranschlagten Kosten des Werkes einen Beitrag 
von 500 Thl. und eine Garantie von weiteren 1500 Thl. Dieselbe 
musste in Anspruch genommen werden, weil die Subskriptionen 
auf das vornehm ausgestattete Buch zum Preise von 20 Mk. (an- 
fänglich 40) noch nicht die Hälfte der Kosten deckten. Eine Anzahl 
auf Pergament gedruckter Exemplare wurde denjenigen Fürsten und 
Universitäten überreicht, die zu Coppernicus oder seinem Lebens- 
werke in näherer Beziehung standen. Kaiser Wilhelm empfing es 
aus den Händen des Grafen Stillfried, Victor Emanuel von Italien 
auf die Befürwortung des römischen Professors Onorato Occioni 
aus denen seines Kultusministers Scialoja, König Johann von Sachsen 
durch Prof. Bruhns, Oskar v. Schweden, der nun doch die Hand- 
schritten und Bficher des Coppernicus aus Upsala zur Einsicht 
hierher geschickt hatte, durch direkte Sendung, Kaiser Alexander 
von Russland durch den Unterrichtsminister Grafen Tolstoi auf das 
Ersuchen des Geheimrats Dr. v. Struve, Direktors der Sternwarte 
zu Pulkowa, Kaiser Franz Joseph von Oesterreich durch den 
deutschen Gesandten in Wien im Auftrage des Fürsten Bismarck, 
der natürlich auch seinerseits ein Exemplar empfing. Das Buch 
erschien im Kommissionsverlage von Breitkopf und Haertel in 
Leipzig, und wurde nachher von der Weidmannschen Buchhandlung 
in Kommissionsbetrieb übernommen. 

Es ist kein Zweifel, dass zu der feierlichen Stimmung, in 
welcher die Festgabe überall überreicht und entgegengenommen 
wurde, ausser der Bedeutsamkeit der Jubelfeier auch die gewin- 
nende Persönlichkeit und die weitreichenden Verbindungen des Ver- 
einsvorsitzenden in hohem Masse beigetragen haben. Ihm verdankte 
man es auch in erster Linie, dass das Fest selbst, welches vom 
18.--20 Februar 1873 gefeiert wurde, von Anfang bis Ende den 
weihevollen und doch so natürlich fröhlichen Charakter behielt, der 
es allen Teilnehmern zu einer ihrer unvergesslichsten Erinnenmgen 
machte. An kräftiger Unterstützung hat es ihm allerdings nicht gefehlt. 

Die erste Ermutigung zu einer bedeutenderen Festfeier kam 
von Italien, dessen Vertreter Occioni und Pellicioni denn auch bei 



— 64 — 

dem Feste selbst neben dem Amerikaner Thompson durch be- 
geisterte, wenn auch in ihrem italienischen, lateinischen imd eng- 
lischen Gewände nur zum Teil verstandene Reden den Vogel ab- 
schössen. Die Stadt ermöglichte die Veranstaltung, indem sie 250 
Tbl. der Kosten übernahm. Nachträglich deckte sie auch noch die 
gesammte Gasrechnung von 255 Tbl. 17 Sgr. 3 Pf. 

Auf die Begrüssung der Gäste folgte gegen Abend des 18. im 
Stadttheater die Aufführung des von Dr. A. Prowe gedichteten be- 
deutungsvollen Festspiels durch Mitglieder und Angehörige des Ver- 
eins. Der Dichter selbst spielte die Rolle des Coppemicus, der im 
ersten Aufzug den Gegenstand der Sorgen seiner Verwandten und 
Freunde bildet, im zweiten seine noch unklaren Ideen in Bologna 
und Rom klärt, verkündigt imd befestigt, im dritten in die Geschicke 
seines Elternhauses eingreift, im vierten die poütischen Anforderungen 
seiner Jugendfreimde auf dem Landtage in Graudenz abweist, und 
im fünften auf dem Sterbebette sein Buch gedruckt aus den Händen 
des Rheticus empfängt. 2*) Durch die Eindrücke, welche das von 
jugendlicher Begeisterung und inniger Liebe zur Wissenschaft ge- 
tragene Festspiel hinterlassen hatte, wurde das darauf folgende ge- 
sellige Beisammensein in den oberen Räumen des Artushofes leb- 
haft bewegt. 

Am 19. ging am Vormittag in dem durch einen Berliner Deko- 
rateur festlich geschmückten Rathaussaale der grosse Aktus vor sich, 
eingeleitet durch die von Dr. Meyer anstelle des erkrankten Dr. 
Hirsch dirigirte, vom Singverein vortragene Festkantate „Jauchzend 
erhebt sich die Schöpfung vom Staube" von W. Sachs, comp, von 
H. Mohr. Den Mittelpunkt bildete die Festrede des Vorsitzenden, 
welche ein vollständiges Bild der Persönlichkeit des Gefeierten und 
seiner Bedeutung in der Weltgeschichte entrollte. Prowe schloss 
mit einem Kaiserhoch, an welches der Regierungspräsident Graf zu 
Eulenburg im Namen Sr. Majestät den Festgruss knüpfte, indem er 
zugleich dem Vorsitzenden den Roten Adlerorden überreichte. Vom 
Oberbürgermeister Bollmann eingeführt, brachten dann die Gäste 
ihre Glückwünsche dar, zuerst Prof. Onorato Occioni aus Rom im 
Namen der Universitäten Rom und Padua. Seine lateinische An- 
rede schloss mit den Worten : Pergamus excelsius ! Sein Amts- 
genosse Gaetano Pellicioni aus Bologna sprach, obgleich mit einem 
älteren Professorengesicht, doch mit nicht minderem Feuer, und 
elektrisirte die Versammlung mit dem im italienischen Akzent dop- 
polt lebhaft klingenden Ausrufe „Fortunate Copemice!** Worte von 
tiefer Bedeutung und ermutigender Kraft sprachen Prof. Dr. Bruhns, 



— 65 — 

Direktor der Sternwarte in Leipzig, Geh. Reg. R. Dr. Knoblauch, 
Vertreter der Universität Halle, Prof. Dr. Galle, Direktor der Stern- 
warte zu Breslau, Prof. Dr. Caspary, Prorektor der Universität 
Königsberg, Stadtschulrat Dr. Cosack aus Danzig, Prof. Dr. Bail, 
Direktor der Naturforschenden Gesellschaft daselbst, Oberlehrer 
Dr. Schultz vom Gymnasium in Kulm, und zuletzt Dr. Thompson, 
ausw. Sekretär der Geographischen Gesellschaft zu New York, der 
seine feurige englische Ansprache mit dem Dichterworte schloss : 

The doubts we vainly seek to solve, 
The truth we know are one ; 

The known and nameless stars revolve 
Around the central Sun. 

(Eins ist, was euch als Zweifel brennt. 
Und was ihr Wahrheit heisst. 

Da auch der Stern, den keiner nennt. 
Die Weitensonn' umkreist). 
In zusammenhängender Rede dankte der Vorsitzende dann 
einem jeden, verlas darauf das Glückwunschschreiben Sr. Majestät, 
und gab endUch Mitteilung von den übrigen Adressen, brieflichen 
und drahtHchen Glückwünschen. Den würdigen Abschluss bildete 
der loo. Psalm von Haendel, unter der Leitung des Dr. Meyer ge- 
sungen vom Singverein. 

Unter den brieflichen Grüssen erregte besondere Freude der 
des Lokomotivführers Schick in Castell, welcher am Jubeltage die 
Lokomotive „Coppernicus" der Hessischen Ludwigsbahn zu führen 
hatte, und dieselbe dem Gedenktage zu Ehren festlich bekränzte. 
Sein Gruss war von einer Photographie der so geschmückten Ma- 
schine begleitet, und wurde durch Zusendung von Thorner Licht- 
bildansichten und Pfefferkuchen erwidert. Die Zahl der Grüsse von 
Akademien, Universitäten, Sternwarten, Gesellschaften und einzelnen, 
2um Teil hervorragenden Männern, sowie die der Festgeschenke, 
besonders der literarischen, zum Teil sehr wertvollen Gaben war 
zu gross um hier eine Aufzählung zu gestatten. Man findet sie, 
ebenso wie den Wortlaut der Reden in dem 1874 erschienenen 
Festbericht 2^). Am späten Nachmittag vereinigte das Festmahl alle 
Teilnehmer im Artushofsaale und seinen Nebenräumen. Eine an- 
geregtere Unterhaltung, als sie dabei stattfand, lässt sich kaum 
denken. Besonders erwähnt sei nur, dass auch von polnischer Seite 
eine besondere Feier im Hotel Drei Kronen veranstaltet worden 
war. Von dort kam eine Deputation behufs freundlicher Begrüssung 
in den Artushof herüber und verweilte dort eine Zeit in angelegent- 

5 



— ()♦; — 

lichem Gespräche. Ebenso brat hie L. Provve nebst einigen andern 
Herren den Polen den Gruss der Deutschen und blieb eine geraume 
Zeit bei ihnen *•). 

Zum Schlüsse dieser Uebersicht seien noch zwei auswärtige 
Gäste erwähnt, deren zu gedenken bisher sich keine Gelegenheit 
bot, der Prof. Dr. Caro von der Universität Breslau und der Ober- 
staatsanwalt Bartels aus Marienwerder. Unser Ehrenmitglied Kar- 
linski, der die Festrede in Krakau zu halten hatte und daher der 
Einladung nicht hatte folgen können, regte in seinem Glückwunsch- 
schreiben die Siemwartentrage wieder an ; sie musste aber wegen 
der grossen Kluft zwischen den erforderlichen Kosten und den ver- 
fügbaren Mitteln abermals zurückgestellt werden. 

Von dem Garantiefonds blieb nach Deckung aller Kosten 
der Jubelausgabe noch ein Rest übrig. -') Die Staatsregierung wurde 
angegangen, diesen Rest zunächst für den Druck des Festberichts 
und des Festgedichts, sowie der deutschen Uebersetzung des 
Werkes über die Umwälzungen dem Verein zu belassen. Diesen 
Zwecken sollten auch die aus dem Verkauf von Exemplaren erziel- 
ten Einnahmen dienen. Der dann noch erwartete geringfügige Rest 
sollte zusammen mit 46 Tbl , welche durch Vermittelung des Pastor 
Hepner in Danzig dem Vereine zugewendet worden waren, (Beitrag 
einer Thomerin 25 Tbl. ; gesammelt bei der Coppemicusfeier der Natur- 
forsch. Gesellschaft 21 Thl.), ferner mit einer Gabe von 134 Tbl., die Ad. 
Schwartz in Valparaiso, und von i Tbl, den der Bürgermeister Mar- 
quardt in Schippenbeil gespendet hatte, endlich den bei den Mitgliedern 
des Coppernicusvereins gesammelten 128 Tbl. den Grundstock eines 
Stipendientonds bilden, zu dessen Verstärkung der Verein einen jähr- 
lichen Beitrag bewilligte. Ein ähnliches Stipendium war in Krakau vom 
Professor Feliha für geborene Krakauer und Thorner gestiftet 
worden, welche in Krakau Mathematik und Astronomie studirten. 

Der Verein Hess die Festrede drucken, und versendete sie 
an die befreundeten Vereine. Gern hätte er in dem abzufassenden 
Festberichte auch die Nachrichten über die an andern Orten abge- 
haltenen Festlichkeiten gesammelt. Dies Hess sich nur so weit aus- 
führen, als diese Nachrichten mit den Festgrüssen dem Vereine 
zugesandt wurden. Doch lässt sich aus diesen Grüssen ^^) ein Bild 
von der allgemeinen Verbreitung gewinnen, welche die Jubelfeier 
in der ganzen gebildeten Welt gefunden hat. Einen Bericht über 
die hiesige Feier gab u. a. Occioni in der zu Florenz erscheinenden 
Zeitschrift Nuova Antologia di Scienze, Lettere ed Arti. Teile des 
Festspiels wurden auch in Berlin und Leipzig aufgeführt (Brohm). 



— GT — 

Nach der vom Oberbürgermeister ßoUmann gelegten Schluss- 
rechnung hatte der Verein zur Deckung der Kosten des Festes noch 
12 Thl. 8 Sgr. 8 Pf. aus seiner Kasse zuzulegen ^''). 

Im Laufe des Jahres waren aufgenommen worden die Herren 
Oberlehrer Dr. Henschke, Bauinspektor Ballaui, Zahlmeister Mann, 
Oberbürgermeister BoUmann, Stadtbaurat Herrmann und Konrektor 
Ottmann. 

/Durch die Festfeier war der Verein über seinen Rahmen 
hinausgewachsen, und bedurfte eines neuen Grundgesetzes. Die 
Abfassung desselben war vorzugsweise das Werk des zweiten 
Vorsitzenden v. Lossow und des Bürgermeisters Hagemann. Das 
neue Statut wurde am 8. Jan. 1874 endgültig angenommen. Die 
hauptsächlichste Aenderung bestand in der Voranstellung der Vor- 
träge als eines wesentlichen, wo nicht des wesentlichsten Bestand- 
teiles der Vereinstätigkeit. Es wurde nämlich jedes ordentliche 
Mitglied verpflichtet^ binnen 6 Monaten nach seiner Aufnahme eitlen 
Vortrag anzumelden und in einer vom Vorsitzenden zu bestimmen- 
den Monatssitzung zu halten. Die Meldung zur Aufnahme wurde 
fortan dem Aufzunehmenden anheimgestellt, und musste schriftlich 
geschehen. Durch die Gegnerschaft von 4 Mitgliedern des Vor- 
standes wurde die Meldung beseitigt ; sonst wurde sie in der 
nächsten Sitzung dem Verein mitgeteilt, und kam in der darauf 
folgenden zur geheimen Abstimmung. Zur Aufnahme waren V* der 
abgegebenen Stimmen erforderlich. Meines Wissens ist es im Laufe 
der Zeit einmal vorgekommen, dass eine Wahl abgelehnt wurde, 
weil eine Stimme zur Dreiviertelmehrheit fehlte. Der Beitrag wurde 
auf 6 Mk. festgesetzt, und ausserdem ein Eintrittsgeld von 3 Mk. 
erhoben. Durch einmalige Zahlung von 90 Mk. wurde man „stiften- 
des Mitglied" und beitragsfrei. 

Eine weitere Folge des Festes war eine ausserordentliche 
Ausdehnung des Schrittenaustausches. Besondere Freude er- 
regte das Angebot desselben seitens der naturwissenschaftlichen 
Gesellschaft in Bordeaux. Auch gingen in immer grösserer Zahl 
dem Verein Geschenke an Bfichern von auswärtigen Verfassern 
zu, insbesondere von den Italienern Ferrucci, Montanari, Serafini, 
Occioni und von dem Amerikaner Thompson. Dem damals neuge- 
gründeten „Verein für die Geschichte der Provinz Preussen** trat 
der Verein mit einem Jahresbeitrag von 5 Mk. bei. Einer Einladung 
der Lese- und Redehalle deutscher Studenten in Prag zu ihrem 
25Jähr. Jubelfeste konnte der Verein nur durch einen Gruss ent- 
sprechen. 

5* 



-- 68 — 

Für den Entwurf eines Planes zur Neuordnung der noch un- 
geordneten Teile des Archivs sowie för die Beschaffung eines 
geeigneten Archivraumes setzte der Verein eine Kommission ein, 
welche aus den Herren Bollmann, Curtze, Hagemann, Henschke 
und L. Prowe bestand. 

Eine der schönsten Früchte der angespannten Tätigkeit, welche 
der Verein in dieser Zeit entfaltete, war die warme Teilnahme, 
mit welcher Kaiser Wilhelm dieselbe verfolgte. Als den Höhe- 
punkt dieser Teilnahme dürfen wir die Audienz betrachten, welche 
dem Vorsitzenden wiederum während eines Badeaufenthalts in Ems 
am 24. Juli 1873 von Sr. Majestät gewährt wurde. Der Kaiser liess 
sich dabei die Bildnisse Koppernigks vorlegen. Auch bestellte er 
10 Exemplare der Jubelausgabe. 

Wie die italienischen Abgesandten in unermüdlicher Freund- 
schaft ihre Grüsse und BtTichte schickten, so bezeigte auch der 
König von Italien seine Teilnahme, indem er die beiden Vor- 
sitzenden und den Oberlehrer Curtze mit Orden schmückte Nach 
dem Begleitschreiben und den Berichten unserer Ehrenmitglieder 
war dieser Huldigung für „die neue und aufsteigende Entwickelung 
der gelehrten und mächtigen Germania" auch eine Bedeutung für 
das politische Bündnis und die nationale Verbrüderung der 
beiden Völker beizumessen. 

Für die meteorologische Station zahlte der Verein für 
1873/4 im Voraus die Mietentschädigung mit 25 Thl., hoffte sie aber 
später auf den Kreis oder die Provinz abwälzen zu können. 

Eine Ausstellung der Abundantiabilder von Makart unter- 
stützte der Verein, indem er die Ueberlassung des Saales der 
Bürgerschule an den Aussteller Max Levit in Bromberg vermittelte. 

Für eine Aufführung der Antigone zum Besten des Stipen- 
dienfonds stellte der V. einen Vorschuss von 20 Thl. zur Verfügung, 
und erbat dafür die Aula des Gymnasiums. Doch ist diese Auf- 
führung trotz erneuter Anregungen niemals zur Ausführung gekom- 
men. Seit der Konzertaufführung mit Deklamation durch den 
Singverein in den fünfziger Jahren und der Auflführung in der 
Ursprache durch die Schüler des Gymnasiums i. J. 1868 ist die 
Antigone hierorts m. W. nicht wieder aufgeführt worden. 

Ueber die Gründung einer Volksbibliothek, welche vom 
Handwerkerverein angeregt worden war, trat der V. mit diesem 
und andern Vereinen in Verhandlungen, mit denen er die Mitglieder 
Hoebel, Schirmer und Stadtrat Schwartz beauftragte. 



— 69 — 

Von den Gönnern des Vereins starb der W. Geh. Legationsrat 
Abeken, von den Ehrenmitgliedern v. Olfers und am 7. Juni der 
Geh. Reg.-R. Prof. Dr. Grunert, welcher erst in der Märzsitzimg 
ernannt worden war. Er sollte die Säkularausgabe nicht zu Gesicht 
bekommen, die seinen gewichtigen Ratschlägen und seiner eifrigen 
Unterstützung einen grossen Teil ihres Wertes verdankte, wie er 
sie auch in seiner Zeitschrift aufs Wärmste begrüsst hatte. Von 
den ordentlichen Mitgliedern starben der Kreisgerichtsdirektor 
V. Borries und der Fabrikant und Stadtrat Gustav Traugott Wcesc. 
Der letztere, der Hauptvertreter des weltbekannten Thomer In- 
dustriezweiges, geb. 16. 5. 1801 in Thom, gehörte zu den ältesten 
Mitgliedern aus der Zeit des Denkmalsvereins, und hatte durch 
seine langjährige Tätigkeit in den städtischen Körperschaften, sowie 
im Provinziallandtage, dem Vereinigten Landtage und den späteren 
Landtagen der Monarchie (1850—53 und 56 bis Ende), durch seine 
energische und erfolgreiche Tätigkeit für die Eisenbahnverbindung 
zwischen Thorn und Königsberg, endlich durch sein Eintreten für 
bürgerliche Freiheit und Wohlfahrt, Handwerkervereine, Vorschuss- 
vereine u. dgl., sich in den weitesten Kreisen ein hohes Ansehen 
erworben. Er war der zweite Sohn des Pfefferküchlers Andreas 
Weese. Seine Mutter Maria Dorothea entstammte der altange- 
sehenen Familie Liebig. Er besuchte das Gymnasium, trat in das 
Handwerk seines Vaters ein, übernahm 1824 das im J. 1751 ge- 
gründete Geschäft, und erhob es bald zur ersten der 5 hier bestehen- 
den Fabriken. Eine Zeit lang war er Stadtverordneten- Vorsteher ; 
ins Magistratskollegium trat er im Anfang der vierziger Jahre. Er 
verwaltete vorzugsweise die Hospitäler, und bedachte das Bürger- 
hospital mit einem grösseren Legat. Mit Gessel gründete er 1844 
den Kinder-Bewahrverein. Er starb am 5. 2^. 1874. 

Seinen Austritt erklärte Dr. Gründel. Infolge von Versetzung 
schieden aus Gen.-M. v. Reichenbach, Major Blumenbach, Auditeur 
Raabe, Baumeister Garbe. Dagen traten 13 Mitglieder ein, Lehrer 
Appel, Ob.-Bgm. Bollmann, Redakteur Dr. Claass, Kfm. Dauben, 
Reg.-Ass. Dieterich, Kfm. Gieldzinski, St.-Baur. Herrmann, Garn.- 
Aud. Hoenicke, Kreisrichter Kuntze, Apoth. Meier, Leutnant Quas- 
sowski. Major Schultz, Kfm. H. Schwartz jun. Der Verein erläuterte 
den Aufnahmeparagraphcn am 8. Juni 74 dahin, dass die 
schriftliche Meldung auch von einem damit beauftragten Mit- 
gliede ausgestellt werden dürfe Doch wurde am 5. Okt. 74 auf 
Antrag Brohms beschlossen nur eigenhändige Meldung gelten 
zu lassen. 



— 70 — 

Zu Ehrenmitgliedern wurden durch eine Abstimmung 19 
auswärtige Herren ernannt : Oberzeremonienmeister Graf Stillfried- 
Rattonitz u. Alcaniara ; Direktor der Sternwarte zu Berlin Prof. 
Dr. Focrster; Prof. Dr. Cantor zu Heidelberg; Oberl Dr. 
Menzzer zu Halberstadt, der seine Uebersetzung des Werkes De 
Revolutionibus dem Verein zur Verfügung gestellt hatte ; Prof. Dr. 
Hipler zu ßraunsberg; Prof. Dr. Kelle zu Prag; Oberburggraf und 
Reg.-Präsident zu Eulenburg in Marien werder; Prof. Dr. Serafini 
zu Rom ; Prof. Dr. Oecioni zu Rom ; Prof. Dr. Pellicioni zu 
Bologna ; Oberbibliothekar Prf. Dr. Ferrucci zu Florenz ; Proff. Dr. 
Caspary zu Königsberg, Bruhns zu Leipzig, Knoblaueh zu 
Halle, Galle und Caro in Breslau : Stadtschulrat Dr. Cosaek in 
Danzig; Dr. theol. Thompson in Berlin. Als korrespondierende 
Mitglieder schlössen sich an Oberl. Dr. SehuUz in Culm, Probst 
Lehmann zu Schkoelen bei Naumburg, welcher den Verein wieder- 
holt durch Zusendung formgewandter und schwungvoller Gedichte 
erfreute, Privatgel. Jul. Loewenberg in Leipzig, und der 1869 nach 
Cüstrin berufene Rektor Dr. M. Sehultze. Auch der Maler 
Windmfiller, der Thorn verliess, wurde dadurch korrespondieren- 
des Mitglied. Der Verein zählte nun 67 ordentliche, 10 korrespon- 
dierende und 24 Ehrenmitglieder. In den Vorstand trat Stadtrat 
Hagemann als 2. Schriftführer ein. Das Vermögen des Vereins 
betrug am 19. Februar 1874 679 Thl., davon 650 Thl. hypothe- 
karisch angelegt. 

Der Beschluss des Vereins, für die Kosten des Festes und der 
Jubelausgabe, wenn nötig, auch seine Hypothek zu mobilisiren, hatte 
nicht ausgeführt zu werden brauchen. 

Vorträge 1872 : 4. 3. Curtze, die Originalhandschrift des 
Werkes De Revolutionibus und die 4 Ausgaben desselben; Risse, 
die Entstehung der Eingeweidewürmer ; 15. 4 Curtze, Bericht über 
die Handschrift; L. Prowe, Bericht über seine Audienz beim Kron- 
prinzen ; 13. 5. Hirsch, Beobachtungen und Prinzipien der Redak- 
tions-Kommission ; L. Prowe, die Studien des Coppernicus in der 
griechischen Sprache ; i 7. Hasenbalg, die meteorologische Station; 
A. Prpwe, Pfahlbauten ; 19. 8. L. Prowe, Bericht über die Audienz 
bei Kaiser Wilhelm I ; Curtze, die Bücher aus der Bibliothek des 
Coppernicus in der Bibliothek zu Upsala ; 9. 9. L. Prowe, Thorn 
zur Zeit der i. und 2. Teilung Polens; 22. 10. Henschke, Bericht 
über die Versammlung von Mädchenschullehrern in Weimar; 4.11. 
Brohm, das Buch Koerners über den Beruf des Staates in der 
sozialen Frage ; Boethke, das Verfahren der Redaktions-Kommissiou. 



— 71 — 

Im Juni und von Dezember an fielen die Vorträge wegen der Sta- 
tuten- und Festberatungen aus. 

1873 • Adolph, der Bernstein ; AssmuSi (ein Münchener Maler, 
aus Thorn gebürtig), Studien aus dem oberen Weichselgebiete : 
Boethke, i) lieber den Grad der Gewissheit, welchen Coppemicus 
seinem System zuschreibt, 2) Die Gräberfunde bei Kaszczorek, 3) 
Die Festgabe von Koerner „Grundzüge der Religionspolitik im 
preussischen Staate ; Curlze, i) Montanaris „Nrcolo Coppernico**, 
2) Die Coppernicusfeier in Padua ; Fasbender^ die Coppernicanische 
Lehre vor der Congregatio Indicis zu Rom ; Gieldzinski, das Geld 
im Mittelalter m. bes. Berücks. der preussischen und Thorner Münz- 
verhältnisse ; Hagemaniii die Armengesetzgebung des Deutschen 
Reiches und das preussische Ausführungsgesetz ; Hasenbalg, Piatos 
Gastmahl ; HenschkCi Walther v. d. Vogelweide ; Landrat Hoppe, 
die Kriegslyrik der Jahre 1870 und 71 ; Dr. Meisner, über Ge- 
schworenen- und Schöffengerichte ; Dir. Dr. A. Prowe, Kants und 
Krauses Ideen zum ewigen Frieden. 

Für den 17. 6. 72 wurde der Verein zu einer Fahrt nach dem 
trocken gelegten Seebecken bei Schönsee eingeladen. Eine Anzahl 
Mitglieder durchwanderten den mit Muscheln bedeckten Seegrund 
unter Führung von Adolph und G. Prowe, und machten allerhand 
anregende Beobachtungen. 

Eine Schrift des Rechtsanwalts Niemann, in welcher die Er- 
richtung einer Universität in Bromberg gefordert wurde, gab 
schon i8'y2 den Anlass zur Niedersetzung einer Kommission, welche 
dieie Frage, natürlich mit Rücksicht auf den Mitbewerb Thorns, im 
Auge behalten sollte. Doch ist diese Kommission nicht zu ernst- 
lichen Erwägungen oder Schritten gelangt. 

Dem Abendessen, welches der Festsitzung am 19. Februar 
1874 folgte, wurde in Erinnerung an die Säkularfeier eine grössere 
Ausdehnung und ein festlicherer Charakter als gewöhnlich gegeben. 
Man hatte die Damen dazu eingeladen. Auch nahm der Protektor 
Oberpräsident Hörn daran Teil, und brachte den Trinkspruch auf 
Sr. Majestät den Kaiser aus. 

Jahre lang noch wirkte das Säkularfest nach. Zunächst galt 
es seine Ergebnisse festzulegen, die begonnenen Forschungen weiter 
zu führen, und die angeknüpften Beziehungen zu pflegen. 

Kaiser Wilhelm genehmigte im J. 1874, dass die Garantie- 
summe voll ausgezahlt wurde, um, so weit sie nicht zu den Kosten 
der Jubelausgabe erfor^Jerlich sei, als Beihülfe zur Herstellung der 
Publikation des (erst zum 19. Febr. 75 fertiggestellten) Berichts über 



— 72 — 

die Jubelfeier, des bei derselben aufgeführten Festgedichts und einer 
deutschen Ausgabe der Schrift De Revolutionibus „sowie für andere 
statutenmässige Zwecke des Vereins" zu dienen. So konnte das 
Festspiel in schöner Ausstattung gedruckt werden, wurde von 
Kaiser „mit dem Ausdrucke des Beifalls für den seines Titels wür- 
digen Inhalt** entgegengenommen, und fand eine gleich huldvdle 
und anerkennende Aufnahme bei der Kaiserin, dem kronprinzlichen 
Paare, und dem damals schon leidenden Prinzen Georg. Die Menz- 
zersche Uebersetzung wurde erst 1879 gedruckt, nachdem sie der 
Uebersetzer und Professor Cantor in Heidelberg noch einer sorg- 
fältigen Revision unterzogen hatten. Es sei hier bemerkt, dass aich 
Prof. Wulfers in Kiel eine Uebersetzung des Werkes bei Oppen- 
heim in Berlin erscheinen zu lassen beabsichtigte ; desgleichen ein 
Sohn des Propstes Lehmann in Schkölen (Prot. v. 8. 10. 75) bdde 
Unternehmungen scheinen aufgegeben worden zu sein. (Prot. 5. i. 74.) 

Nachdem der König von Italien die Vereinsvorsitzenden sowie 
den Oberlehrer Curtze mit italienischen Orden ausgezeichnet hctte, 
erfolgte die Verleihung preussischcr Orden, des Kronenordens 2. Kl. 
an den Rektor der Universität zu Rom Serafini, des Roten Ader- 
ordens 3. Kl. an Professor Ocgioni, und des Kronenordens 3. Kl. 
an Prof. Pellicioni. 

Dankschreiben für die Uebersendung der Jubelausgabe girren 
von den Herrschern Russlands, Oesterreichs und Schwedens ein. 

Mit den italienischen Gelehrten entspann sich ein lebhafter 
Austausch wissenschaftlicher Schriften. Von Schriften unserer Mit- 
glieder sind besonders erwähnenswert Curtzes Reliquiae Cop?rni- 
canae. 

Die Jubelaüsgabe fand bei den gelehrten Kritikern uneiige- 
schränkte Anerkennung. Da ihre Kosten gedeckt waren, so wu'den 
die weiteren Einnahmen (zunächst iio Thaler für 16 Stück), ebenso 
wie die für das Festspiel und die Uebersetzung eingehenden, der 
Siipendienstittung zugeführt. Der Vertrieb der Jubelausgabe ge- 
riet von Jahr zu Jahr mehr ins Stocken, da der beschränkte Ab- 
satzmarkt bald überfüllt war, bis im J. 1896 der Verein sich ent- 
schloss die sämtlichen noch vorhandenen Exemplare dem Buch- 
händler W. Lambeck zu verkaufen. Der Stiftung floss ferner seitens 
des Mitgliedes Adolph Schwartz in Valparaiso eine Gabe von 40 Thl. 
zu. Obgleich damit die stiftungsmässige Höhe des Kapitals noch 
nicht erreicht war, so entschloss der Verein sich doch die Stiftung 
sofort in Wirksamkeit zu setzen, indem er dem Studirenden an der 
Bauakademie in Berlin Bruno Schulz aus Marienwerder, welcher 



— 73 — 

r873 die hiesige Realschule mit dem Zeugnisse „Gut bestanden* 
verlassen hatte, ein Stipendium von icx) M. verlieh. Von der For- 
derung einer einzureichenden wissenschaftlichen Arbeit wurde ab- 
gesehen (Prot. lo. 8. 74.) 

Die Kosten der meteorologischen Station übernahm der 
Kreistag (8. 2. 75). 

Für die plastische Ausschmfickung der Eisenbahnbrficke 
erfolgte i. J. 1873 die Allerhöchste Genehmigung des Entwurfs, den 
wir jetzt ausgeführt sehen, und den damals der Bauinspektor Siecke 
dem V. zur Ansicht vorlegte. Doch durfte das Standbild Kaiser 
Wilhelms selbst nicht bei seinen Lebzeiten aufgestellt werden. 
Lieber den Grund, warum der Kaiser hier verwehrte, was er in 
Köln anstandslos gestattete, lässt sich nur vermuten, dass er nicht 
bei Lebzeiten neben Friedrich den Grossen gestellt werden wollte. 
Der genehmigte Entwurf brachte mit veränderten Mittehi dieselben 
Gedanken zum Ausdrucke wie der anfänglich vom Verein vorge- 
schlagene, einerseits die Gründung des Ordensstaates und das Ein- 
dringen deutscher Kultur in den slawischen Osten, und anderseits 
die Wiedergewinnung des Landes und seine Durchdringung mit 
dem Geiste der Neuzeit. 

Die literarischen Gaben von Gesellschaften und von ein- 
zelnen Verfassern, wie Galle ^^j, Boncampagni ^% Hipler ^), Kar- 
linski ^^), Schultz weckten mehr und mehr die Erkenntnis, dass die 
Abneigung gegen eine ordnungsmässige Verwaltung der Vereins- 
bOcherei sich auf die Dauer nicht werde halten lassen. Ein Antrag 
von V. Lossow führte zu dem ausdrücklichen Beschlüsse vom 11. 5. 
74, „die bei dem Verein eingehenden Geschenke pp. nicht anderen 
Bibliotheken zu überweisen, sondern in einem besondern Schranke 
im Lokal der Ratsbibliothek zu verwahren." Die Geifehmigung 
versprach der Ob-Bürgermeister Bollmann ohne schriftliches Gesuch 
beim Magistrate zu beantragen. 

Die geschäftlichen Sitzungen fanden noch immer im Sitzungs- 
zimmer des Magistrats statt. Dasselbe war am 7. 12. 74 ander- 
weitig besetzt. Dies war der äussere Anlass für den Antrag auf 
eine schon aus andern Gründen mehrfach gewünschte Verlegung. 
Zwar wurde der Antrag am 4. i. 75 abgelehnt, doch kam er nach 
und nach zur Ausführung. 

Das aus Hoppe, Hagemann und Hirsch bestehende Komitee 
für die geselligen Abende verstärkte sich im Wege der Zuwahl 
durch den Kreisrichter Kuntze, an dessen Stelle am 9. 10. 76 der 
Rechtsanwalt Reichert trat. 



— 74 — 

Die Teilnahme beim Abendessen am 19. 2. 75 wurde wieder 
auf die Männer beschränkt. Das Standbild des Coppemicus wurde 
auf Vereinsbeschluss nur mit einem auf den Sockel gelegten Kranze 
geschmückt, weil das Umhängen eines Gewindes den Eindruck einer 
Entstellung gemacht hatte. 

Aus Thorn schied v. Lossow. Er blieb Mitglied ; an seine 
Stelle als 2. Vorsitzender trat Landrat Hoppe. Am 19. Oct. 74 
starb der Justizrat Kroll, ein Mann von ungefälschter Herzlichkeit 
und Biederkeit des Wesens, 11 Jahre lang Vorsteher der Stadtver- 
ordneten-Versammlung. Aus Thorn und dem Verein schied Stadt- 
baurat Herrmann ; es traten aus Gymn.-L Dr. Rothe und Bürger- 
meister Bänke Dagegen traten ein Kfm. Borchardt, Rektor 
Landau, Kfm. Ad. Schwartz in Valparaiso, Oberförster Nicolai 
in Schirpitz, Gutsbes. v. Kries auf Friedenau, Hptm. Ratalski, 
Kreisk.-Rendant Stoboy. 

Zu Ehrenmitgliedern >\urden ernannt Gen.-M. a. D. v. Rei- 
chenbach in Blankenburg, Geh. R. Dr. v. Struve in Polkowa. 
Damit zählte der Verein 28 Ehren-, 8 korrespondierende und 67 
ordentliche Mitglieder. 

Den neuen Vorstand bildeten L. Prowe, Hoppe, Boethke, 
Meisner, Fasbender. 

Den Festvortrag am 19. 2. 74 hielt BoUmann über die Ent- 
wicklung des Turnwesens und seinen Wert für di^ Volksbildung. 
Monatsvorträge: Boethke, Kirche und Staat in den V. St. von 
Amerika nach einem Aufsatz von Thompson; Brohm, i) Nekrologe 
von G. Weese und J.-R. Kroll, 2) Einige Gedichte aus Harteck, 
Hist. Bilder aus dem Ordensleben Dez. 1875; Curtze, die Schrift 
SchiaparcUis über die Vorläufer des Coppernicus im Altertum: 
Fasbender, die Auswanderung aus Deutschland nach einem Artikel 
der Revue des Deux Mondes ; Hoppe, Reiseerinnerungen aus der 
Schweiz ; Kutzner, die Choleraepidemie d. J. 1873 im Thomer 
Kreise ; Landau, Pädagogisches aus Bibel und Talmud ; Dr. 
J. Loewenberg (aus Leipzig), die deutsche Expedition in Süd- 
afrika ; Meisner, Goethe als Jurist ; Oppenheim, die Prädestina- 
tionslehre des Islam ; A. Prowe, i) Ariosto und seine Gedenkfeier 
am 8. August 74 ; 2) Leichenbestattung bei Griechen und Römern ; 
Raialski i) die preussische Armee bei der Mobilmachung 1851, 
2) ein Tag auf Vorposten ; L. Prowe i) die Porträts von Copper- 
nicus, 2) die Stellung der Anhänger der katholischen Kirche und 
der Reformatoren zu dem coppernicanischen System. 



— 75 — 

Wegen des schwachen Besuches der Festsitzung beschloss 
der Verein, den geschäftlichen Teil derselben fortan um 7 und den 
öffentlichen um 7V2 Uhr zu beginnen, auch Einladungen an die 
königlichen und städtischen Kollegien zu erlassen. 

Im Jahre 1875/6 wurde der Festbericht versendet, den tat- 
sächlich nicht sowohl die dazu gebildete Kommission als vielmehr 
der Vorsitzende selbst verfasst hatte, und brachte dem Verein 
wieder einen Ausdruck der Befriedigung im Namen des Kaisers ein. 

Die Uebersetzung, für welche die erforderlichen 2000 Mk. 
(denn von diesem Jahre an sind alle Geldbeträge in Markwährung 
anzugeben) nicht mehr vorhanden waren, musste noch zurückgestellt 
werden. Occioni und Pellicioni stellten in den Universitätsarchiven 
zu Rom und Bologna Nachforschungen über den Aufenthalt des 
Goppernicus an, aber ohne Erfolg. In der vatikanischen Bibliothek 
fanden sich nicht einmal die von C. an den Bischof von Fossom- 
brone gerichteten Briefe ^^). 

Es wurde bekannt, dass Prof. Martucci in Florenz eine 
Sammlung Copernicana angelegt hatte. Ihm wurde für dieselbe 
das Festgedicht und der Festbericht übersandt. Ein vom Photo- 
graphen Bittrich in Braunsberg eingesandtes angebliches Porträt von 
C. musste seiner augenscheinlichen Unechiheit wegen zurückge- 
wiesen werden. Einige für die Vermögenslage des Domherrn 
wichtige Urkunden erhielt der V. aus Danzig von dem Stadtarchivar 
Oberl. Boeszermeny. Aus ihnen ging hervor, dass C den Kindern 
seiner Schwesterlochter, der Frau des Clement Moller zu Stargard, 
ein Legat von 500 M. zugewendet hat. (9. 8. 75). 

Der Restkostenbetrag für die Jubelausgabe wurde mit 1559 M. 
33 Pf. an Breitkopf und Haertel abgeführt. Zugleich bewilligte der 
V. die Mittel, um mit den Vorbereitungen eines berichtigten Neu- 
druckes der Narratio Prima des Rheticus zu beginnen, in welcher 
der junge Wittenberger Gelehrte zuerst der Welt eine ausdrück- 
liche Kunde von dem System seines Meisters gegeben hat. 

Von der Verleihung eines Stipendiums nahm der V. wegen 
Unzulänglichkeit der Mittel Abstand, doch erhielt die Stipendien- 
stittung, welche erst iioo M. besass, Verstärkung durch ein Ge- 
schenk des J. R. Lesse von 60 M. und durch eine Ueberweisung 
von 30 M. Sühnegeld seitens des Schiedsmanns G. Prowe. 

In einer Generalversammlung am 20. 9. (vgl. 8. 5. 76) wurde 
beschlossen, das solange auf das Haus der Witwe Rühe in der Ge- 
rechten Strasse eingetragene und jetzt von ihr gekündigte Kapital 



— 76 — 

von 650 Thl. auf 750 Thl. zu erhöhen und dem Barbier Nowatke 
auf sein Grundstück darzuleihen. 

Um das Verhältnis der verschiedenen Arten der Mitglied- 
schalt klarzustellen, wurde am 13 12. 75 und 10. i. 76 eine Sta- 
tutenänderung vorgenommen. 

Dem neugegründeten historischen Verein für den R. B. 
Marienwerder trat der V. als korporatives Mitglied bei (Febr. 76). 

Die Sorge um die Unterbringung seiner Besitztümer begann 
dringend an ihn heranzutreten. Er bemühte sich damals um das 
so lange zur Erhebung der Mahl- und Schlachtsteuer benutzte Block- 
haus am Kulmer Thor (7. 6. 75). Im folgenden Jahre verhandelte 
er über das frühere Wagelokal an der Nordwestecke des Rat- 
hauses, bekam es aber nicht, sveil der von ilim bestimmte Höchst- 
betrag von 40 M, Miete erheblich überboten wurde (6. 11. u. 4. 12. 76). 

In Italien fand am 12. 9. eine Jubelfeier für Michelangelo statt. 
Zur Beteiligung daran wurde das deutsche Volk durch das Deutsche 
Hochstiit in Frankfurt a. M. aufgefordert. *Auch unser Verein ver- 
anstaltete eine einfache Gedenkfeier in der mit des Künstlers Büste '^) 
geschmückten Aula des Gymnasiums unter Auslegung von Licht- 
bildern und Kupferstichen. Die Festrede hielt der Vorsitzende. 
An dem silbernen Eichenkranze, welcher in Florenz im Namen des 
deutschen Volkes dargebracht wurde, stiftete der Verein einen 
Zweig '^). Es traf sich, dass zwei frühere Thorner ihn dort ver- j 
treten konnten, Major Küntzel, in dessen Hause die deutschen Ver- 
treter sich versammelten, und der Maler Eugen Windmüller, welcher 
auf der deutschen Urkunde die Casa Buonarotti gemalt hatte. Auch 
Telegramme wurden gewechselt, und die Festbeschreibung uns 
übersandt 

Reich waren wieder die literarischen Gaben, darunter Dr. M. 
Schnitze, Moses und die Zehntwortgesetze ; Curtze, Rcliquiae Coperni- 
canae ; Galle, die Sonnenparallaxe ; Pf. Lehmann, 50 Epigramme : 
dazu Briefe und Urkunden, eingesandt von J. Loewenberg und 
Buchdrucker Lohde (Kulm). 

Die Beteiligung an der Augustsitzung war so schwach, dass 
der Vortrag verschoben wurde. Der V. beschloss, die Sitzungen 
im Juli und August künftig ohne Vortrag abzuhalten. Selbst an 
der Generalversammlung am 10. i. 76 nahmen nur 6 Mitglieder 
Teil. Für die Sitzungen im Artushofe empfing der Wirt, Herr 
Arenz, im Winter je 3, im Sommer je 1,50 M, Miete. Für 1872/5 
ware^i 88,50 M. nachzuzahlen (7. 2. 76;. 



i t 



Justizrat Dr. Meyer (Vors. 1860/63 ""d 1869) folgte im April 
75 dem Rufe ins Reichskanzleramt als Geh. Regierungsrat. Mit 
Recht rühmt L. Prowe die Vielseitigkeit und Gediegenheit seiner 
Begabung und Bildung, seine anregende Lebhaftigkeit und die Tat- 
kraft und Hülfsbereitschaft, durch welche er, wie in seinem Amte, 
so auch als Stadtverordneter, Musikdirigent und Organisator der 
Feste für Schiller, Shakespeare, Humboldt und Coppernicus das 
Höchste geleistet hat (S. 1888). 

Stadtrat Hagemann siedelte als Bürgermeister nach Halber- 
stadt über. Er' hatte u. a. 1873 den Königlichen Generalintendanten 
zur Darleihung der Kostüme für die Festaufführung bewogen, und 
sich der Durchführung der geselligen Vereinsabende mit Hingebung 
unterzogen. 

Die Stadt verliessen femer Aud. Hoenicke, Ass. Dieterich, Dr. 
Henschke. Es traten aus Gen.-Major v. Prittwitz-Gaffron in Bres- 
lau und R.-Gutsbes. v. Kries auf Friedenau. Der Tod entriss dem 
Verein den Oberstleutnant Schultz, Stadtrat Engelke, Gerichtsrat 
Schneller. Es starb ferner der Kaufmann Gerson Hirschfeldt, der 
zwar nicht Mitglied war, aber sich der Rechnungsführung über das 
Centenarfest mit Hingebung und dankenswerter Sorgfalt unterzogen 
hatte. 

Der Reg.-Präsident v. Flottwell hatte den Wunsch ausge- 
sprochen Mitghed des Vereins zu werden. Da das Statut die 
Ernennung auswärts wohnender Herren zu ordentlichen Mitghedern 
nicht zuliess, so wurde er nebst Dr. Meyer und v. Lossow (da- 
mals in Stettin) zum Ehrenmitgliede ernannt. OrdentHche Mitglieder 
wurden der Artillerie-Offizier vom Platz Major v. d. Lochau, Kfm. 
Baerwald, Postdirektor Schlau, Pfarrer Klebs, R.-Anw. Reichert, 
Reichsbankvorsteher Eich. Die Zahl der ordentlichen M. betrug 
62; der Vorstand blieb unverändert. 

Vorträge 1875 6 ; Adolph, Die Germanisirung der Ortsnamen 
in Westpreussen ; Boethke, Giebt Coppernicus sein System als 
Hypothese ? (Festvortrag 19. 2. 75) ; . Curtze, i) Das Verhältnis 
des Coppernicus zur Astrologie, 2) Schiaparelli, J Precursori, Schluss 
des vorjährigen Vortrags ; Fasbender, die Einführung der bürgerl. 
Eheschliessung in den versch. Staaten Europas ; Hoebel, die Gottes- 
frage nach der materialistischen Auffassung von Kroenig ; Dr. Lin- 
dau, der Staub; v. d. Lochau, Vergleichung der verschiedenen 
Systeme gezogener Geschütze ; Dr. Meisner, i) Politik und Inter- 
essenvertretung auf dem Gebiete der Rechtspflege, 2) Ein Ge- 
richtstag in Athen ; Misses, die jüdische Staatsverfassung ; Dr. 



— 78 — 

Oppenheim, Reuchlin und der Pfefferkomsche Prozess; Dr. Pas- 
sauer, das Wasser als Krankheitsursache ; Dr. A. Prowe, i) John 
Brown Oswatomie, (ein nordamerikanischer Volksheld), 2) Martin 
Schultzes Handbuch der Hebräischen Mj^hologie, 3) Fr. v. Schacks 
Nächte des Orients ; Dr. Winselmann, der Nervenschlag : Dr. L. 
Prowe, Michelangelo und Vittoria Colonna. 

Im Jahre 1876/7 wurde endlich die Drucklegung der von Curtze 
und Professor Cantor nachgeprüften deutschen Ueberseizung des 
Werkes „Von den Umwälzungen* von Menzzer ermöglicht, indem 
der Provjnziallandtag der Provinz Preussen dazu eine Subvention 
von 2500 Mk. bewilligte, deren etwaiger Ueberrest dem Stipendien- 
fonds zufallen sollte. 

Auch fanden sich endlich die lange vergeblich gesuchten Nach- 
richten über das Studium des Coppernicus in Bologna. Carl 
Malagola entdeckte nämlich in dem Familienarchiv des Grafen 
Nerio Malvezzi de Medici in Bologna die Akten der deutschen 
Nation an der Universität vom 13. bis zur Mitte des 18. Jahr- 
hunderts. Daraus ergab sich u. A., dass Nicolaus Koppferlingk de 
Thom Mich. 1496, sein Bruder Andreas Koppfernick Mich. 1498 
dort immatrikulirt worden sind ; femer dass die Nation nur Mit- 
glieder deutscher Herkunft aufnahm, und dass sie sämtlich die 
Rechte studiren mussten; auch dass Lukas Watzelrode ebenda studirt 
hatte. Malagola war mit einer Lebensgeschichte von Urceo Codro, 
dem Lehrer des Coppernicus, beschäftigt. Curtze übernahm es, die 
auf Coppernicus bezüglichen Teile dieses Buches deutsch zu be- 
arbeiten ^^). Auf Curtzes Antrag wurden, um die hervorragenderen 
über das Leben und die Lehre des Coppernicus erschienenen Werke 
anzuschaffen, zunächst 150 M. bewilligt. 

Auf dem Gebiete der Kunst gelang es dem Verein zwei 
wichtige Vereinigungen wieder zu beleben, den Kunst verein, und 
den nach einer glänzenden Blütezeit im J. 1875 eingegangenen 
Singverein. Der Kunstverein bildete sich auf Grund der von einem 
engeren und weiteren Ausschuss des Copp. V's. (Bollmann, Kausche 
Schroeder, Rehberg, Przyrembel, v. d. Lochau, L. Prowe, Hoppe) 
mit den Kunstvereinen in Tilsit und Memel gepflogenen Verhand- 
lungen mit 205 Mitgliedern und einem Jahresbeiträge von 5 M., und 
trat in einem Verband mit jenen Städten ein, um Wanderaus- 
stellungen zu veranstalten. Die erste fand vom 25. Juni bis Ende 
Juli 1876 im grossen Rathaussaale statt, und hatte einen bedeuten- 
den Erfolg. Zur Neubegründung des Singvereins traten auf Ein- 



<- 79 — 

ladung des Vorsitzenden 26 frühere Mitglieder zusammen (9. 10. 76). 
Doch war sein Bestehen damals nicht von langer Dauer. 

Ftir die Eisenbahnbrficke waren eiserne Türmchen auf den 
Zwischenpfeilern geplant. Die Direktion sah nachträglich davon ab, 
der Verein aber trat warm für die Türmchen ein, weil ohne sie die 
Brücke „das Bild eines unvollendeten Werkes" darbieten würde. 
Erfolg hat er damit nicht erzielt. 

Dieser lebhaften Tätigkeit gegenüber wurde es um so bitterer 
beklagt, dass sich noch immer keine Aussicht auf Erweiterung der 
RSumlichkeiten des Museums und auf sichere und benutzbare 
Unterbringung des Archivs darbot. Die Arbeiten des Vereins zur 
Ordnung des Archivs hatten seit Jahren wegen Mangels an Raum 
ausgesetzt werden müssen. Im J. 1876 stellte Gymn-Dir. Lehnerdt 
ein Zimmer für diese Arbeiten zur Verfügung. Für ein dazu er- 
forderliches diplomatisches Handbuch bewilligte der Verein am 
6. 8. 77 40 — 60 M. 

Wie im Vorjahre an der Michelangelofeier Italiens, so nahm 
der Verein Jetzt an der Jahrhundertfeier des Bestehens der 
Vereinigten Staaten von Nordamerika Teil. In einer öffentlichen 
Sitzung am Vorabende des Festtages, dem 3. Juli 1876, entwarf der 
Vorsitzende ein Bild der Interessen und Ereignisse, welche zur Un- 
abhängigkeit der Freistaaten geführt haben. Dieser Vortrag fand 
im Saale des Artushofes statt, während die Monatssitzungen in 
einem der Nebenräume abgehalten wurden. 

Die Rolle, welche Thorn in G, Freytags Markus König, und 
schon vorher in den Brüdern vom Deutschen Hause spielte, veran- 
lasste den Verein, dem Dichter mit einem Dankschreiben seine 
Festschriften zu übersenden. Freytag dankte seinerseits unter 
Uebersendung zweier Exemplare des Markus König mit einem sehr 
warmen Schreiben. Dadurch fühlte sich der Verein ermutigt den. 
Dichter zu seinem Ehrenmitgliede zu ernennen, welche Würde 
derselbe freundlich dankend annahm. 

Oberlehrer Dr. Franz Schultz in Kulm, Mitglied des Vereins, 
erfreute denselben durch die Widmung seiner „Geschichte der 
Stadt und des Kreises Kulm", deren erste Lieferung damals erschien. 
Prof. Cantor veröffentlichte in N. 214 der Beilage zur Allg. Zeitung 
von 1876 einen Aufsatz über die Nationalität des Coppernicus, und 
übersandte ihn dem Verein. Einen dichterischen Festgruss zum 
19. Februar sandte wieder Probst Lehmann zu Schkölen. Von 
Dr. Cosack und Dr. Hipler gingen ihre neuesten Schriften über 
Lessing und Rheticus ein. 



- 80 -^ 

Von den Ehrenmitgliedern besuchten Dr. Caro und Dr. Hipler 
unsere Stadt Caro nahm auch an einer Vereinssitzung Teil. 

Auch die Mitglieder Thompson, Martin Schultze, Malagola, 
Karlinski und Curtze übersandten dem Verein die von ihnen ver- 
fassten wertvollen Arbeiten, über welche nach Möglichkeit in den 
Vorträgen berichtet wurde. 

Der Antrag von A Prowe, die Einrichtung einer Lesehalle 
für Jedermann herbeizuführen, wurde einer Kommission über- 
wiesen (A. Prowe, Curtze, Rafalski, Koemer, Meisner), und führte 
im folgenden Jahre zu einem Ergebnis. 

Durch Wegzug schieden aus Maske, Bollmann, v. d. Lochau 
imd Jacobson. Schoenfeld, der sich wegen zunehmender Alters- 
schwäche zurückzog, wurde zum Ehrenmitgliede ernannt. 

Dagegen traten ein Stadtbaurat Rehberg, Oberst v. Elpons, 
Dr.jur.Hirschteldt, Kfm. N.Hirschteldt, Buchhändler W.Lambeck, 
Hptm. Benn, Gy.-L Clausius, Major Kausch, Gy-L. Dr. Horo- 
witz. Zu korrespondirenden Mitgliedern gewann der Verein die 
Professoren Carlo Malagola in Bologna und Siegmund Gfinther 
in Ansbach. Er zählte 66 ordentliche Mitglieder. 

Das Vermögen des V.'s liess sich wieder feststellen, da auf 
ihm keine Verbindlichkeiten mehr lasteten. Es betrug 3154 Mk., 
ungerechnet die für die Uebersetzung pp. bewilligte Summe. Die 
Stipendienstiftung wuchs durch Zuwendungen von C. Wendisch 
und N. Hirschfeldt von 30 und 15 M. auf 1202 M. 

In der Festsitzung am 19. 2 76 sprach Dr. Kutzner über 
öffentliche Gesimdheitspflege. Es folgte eine lebhafte gesellige 
Zusammenkunft im Artushofe. Vorträge in den Monatssitzungen: 
Boethke, über Thompsons „Lucretius or Paul*' (das h. materielle 
oder ideelle Weltanschauung) ; Curtze i) Die Urkundenfunde 
Malagolas über den Aufenthalt des Coppemicus in Bologna, 
2) Bertis Schrift ;,Copemico e le vicende del Sistema Copernicano 
in Italia; Eich, Wesen, Zweck und Einrichtung einer grossen 
Landesbank ; Dr. Lehmann, die neuen Erfindungen auf dem Ge- 
biete der Chirurgie ; v. d. Lochau, die leitenden Ideen der Schlacht 
bei Königgrätz ; Meisner, die Entwickelung der sozialen Frage in 
den letzten Dezennien ; A. Prowe i) eine Nacht auf der Akropolis, 
2) G. Frej'tags Markus König ; Reichert, die Aufführung der Nibe- 
lungentrilogie zu Bayreuth ; L. Prowe i) Die Entstehung der V. 
Staaten von Nordamerika, 2) der Aufenthalt des Coppernicus zu 
Frauenburg in den Jahren 1512/16. Den Festvortrag am 19. 2. 77 
hielt Dr. Lindau über den Staub. Es folgte darauf eine nicht sehr 



— 81 — 

zahlreiche, aber um so belebtere Zusammenkunft, bei welcher be- 
sonders das Dank- und Glückwunschschreiben des Geh Reg.-R. 
Dr. Meyer und ein vorzügliches Gedicht auf den Staub vorgetragen 
wurde, beide mitgeteilt in der Thomer Ztg. vom 22 2. 77. '^) 

Im Jahre 1877 entdeckte Curtze im Verfolg seiner Durch- 
forschung der Bibliothek von Upsala, zu welcher der Fürst Bon- 
campagni ihm die Mittel gewährte, zwei wichtige in der K. K. Hof- 
bibliothek zu Wien befindliche Handschriften, einen von Coppernicus 
selbst gefertigten Auszug aus seinem grossen Werke (Nicolai Cop- 
pernici de hypothesibus motuum crelestium a se constitutis com- 
mentariolus), ' und eine korrekte Abschrift der bisher nur aus 
einer ungenauen Kopie bekannten Rezension von Coppernicus be- 
treffend das Werk eines Nürnberger Astronomen Werner über die 
achte Sphäre. Die Handschriften wurden auf 6 Wochen hierher 
erbeten und im feuersicheren Gewölbe der Stadtkasse aufbewahrt. 

Auf Curtzes wiederholten Antrag beschloss der Verein am 
7. Januar 1878 eine Art Zeitschrift in zwanglosen Heften unter dem 
Titel „Mitteilungen des C. V/s f. W. und K.« zu Thorn er- 
scheinen zu lassen, und bildeten dafür eine Kommission aus Curtze, 
Meisner, Brohm," E. Lambeck und A. Prowe. Für das erste Heft 
wurden diese beiden Funde bestimmt. 

Malagola übersandte die ersten 28 Bogen seiner Biographie 
des Antonio Urceo Codro. Das 8. Kapitel derselben handelt von 
Coppernicus ; genaue Nachweisungen sollte der Anhang bringen. 
Herr Major Küntzel sandte aus Florenz ^ eine Zeitung ein, nach 
welcher durch ein königliches Dekret eine Kommission zur Auf- 
stellung und Verwaltung der in Rom vorhandenen Sammlungen 
von Urkunden über Coppernicus eingesetzt worden war, bestehend 
aus den Herren Berti, Sella, Blaserna, Occioni, Aespinghi und 
Valery, unter dem Vorsitze des Letztgenannten. 

Unter den zahlreichen andern Gaben befand sich, von Herrn 
Lohde in Kulm geschenkt, eine Abbildung des inneren Hoftores 
von Schloss Birglau mit der daran befindlichen, aus farbigen 
Ziegeln hergestellten Inschrift ; ferner eine photographische Nach- 
bildung des Eintrags von Lucas Watzenrode als Proktfrator in die 
Liste der deutschen Nation zu Bologna 1472, Geschenk der Rubi- 
conia Academia dei Philopatridi zu Savignano di Romagna. 

Zur Erinnerung an Urceo Codro selbst Hess seine Geburts- 
stadt Rubiera eine Tafel an ihrem Rathause anbringen, die ihn 
auch als Lehrer des Coppernicus bezeichnete. Telegraphisch be- 

6 



— 82 — 

nachrichtigt sandte der Verein einen Drahtgruss, und empfing Dank 
und Festbeschreibung. 

Für den Druck der Menzzerschen Uebersetzung ernannte der 
Verein einen Ausschuss, aus den Herren Meisner, Curtze und 
Brohm bestehend. 

Literarische Gaben gingen u. a. ein vom Fürsten Boncampagni 
(4 Coppernicana), von Malagola, vom Kommerz.-R Adolph, von 
Siegmund Günther, von Misses, Franz Schultz, Martin Schultze 
und vom Prof. Antonio Favaro in Padua ^'). 

Die Einrichtung eines Lesemuseums war am i. 4. 1877 neu 
belebt worden. Auf Antrag A. Prowes genehmigte der Verein, 
dass die von ihm gehaltenen wissenschaftlichen Zeitschriften in der 
ersten Woche dort (Artushof, später Ratskeller) ausgelegt wurden. 
Nach dem von der Kommission entworfenen Statut bildeten die 
Mitglieder des Lesemuseums einen selbständigen Verein mit 2. M. 
Jahresbeitrag. Es traten 80 Mitglieder bei. 

Der neu begründete polnische Bildungsverein zeigte dem 
C. V. seine Entstehung an und überreichte ihm seine Statuten und 
den Katalog seines Museums. Der C. V. erwiderte die Höflichkeit 
durch Zusendung seines Statuts und des letzten Jahresberichts. 

Für die Scharffschen Apparate ermittelte der Verein auf 
Betrieb des Prof. Hirsch einen Raum im Bibliothekszimmer der 
Mädchenschule und bat den Magistrat sie wieder gangbar zu- 
sammenzufügen. Die Reparatur übernahm Herr Uhrmacher B. Meyer, 
und führte sie bis zum Februar 1879 durch. (Th Z. N. 128. 206). 
Die Kosten bewilligte der Verein bis zur Höhe von 90 M., da der 
Magistrat die Uebemahme derselben ablehnte (7. i. 78). 

Die Bezeichnung des 53. Parallelkreises wurde auf Antrag 
Brohms wieder aufgenommen (8. 10. 77). 

Kunstgewerbhche Arbeiten aus der Zeit um 1600 legte Brohm 
vor (16. 4. 77). Dem Museum wurde von Herrn Schoenfeld- 
Kielpin ein bei Schönsee auf dem Gute des Herrn Garbrecht ge- 
fundenes Elchgeweih geschenkt, welches zwar zerbrochen, aber 
doch vollständig war, und von den Herrn Appel und Rafalski 
hergeholt wurde. 

Bemerkenswert ist, dass der Verein, nachdem ein geplantes 
Sommervergnügen durch allerhand Umstände vereitelt worden war, 
nicht weniger als 4 Vergnügungsabende für den Winter in Aus- 
sicht nahm. Er wählte Meisner anstelle von Rafalski in das 
Komitee und wünschte noch die Hinzuziehung von Rehberg. Doch 
fand am 6. 2. 78 erst der zweite Tanzabend statt. 



^ 8:{ — 

Der Handelskammer brachte der V. zu ihrem 25J. Bestehen 
seinen Glückwunsch dar; auch berichtete Brohm eingehend über 
ihre Festschrift. 

Der neue i. Bürgermeister Wissehnck stellte dem Verein 
wieder das Dirigentenzimmer für seine Korrespondenz und Vor- 
standssitzungen zur Verfügung, und gestattete zur Unterbringung 
der Bibliothek die Aufstellung eines zweiten Schrankes, Hess auch 
die von auswärts (Wien, Frauenburg) erbetenen Handschriften und 
alten Drucke im Kassenraum feuersicher verwahren. Der Schrank 
wurde nach einer Zeichnung von Rehberg angefertigt. 

Von den Ehrenmitgliedern starben der als lateinischer Dichter 
weltberühmte Oberbibliothekar zu Florenz Ferrucci, und der um 
den Verein und die Baudenkmale der Provinz Preussen vielfach 
hochverdiente Geheimrat v. Quast ; von den ordentlichen Mitgliedern 
Rechnungsrat Stoboy, Oberförster Nicolai, Pfarrer Dr. Lambeck 
(3. 3. 77) und Gy.-L. Müller (3. i. 78). Lambecks vorgeschichtliche 
und kirchliche, sowie Müllers naturwissenschaftliche Studien sind 
schon mehrfach erwähnt worden. Von diesem sagt L. Prowe mit 
Recht : „Bei seiner regen Empfänglichkeit für eine tiefere Auffassung 
des Lebens verstand er, was in seinem Innern lebte, in poetisch 
einfacher Form wiederzugeben. . . . Wie oft hat er uns durch seine 
Improvisationen erfreut, wenn wir zur Tafelrunde am 19. Februar 
versammelt waren!" Ich erinnere die älteren Mitglieder an sein so 
entstandenes Gedicht „Darwin Darwinissimus**. 

AI. Ferd. v. Quast, geb. 13. 6. 1807 zu Radersieben bei Rup- 
pin, Geh. Reg.-Rat, Konservator der Kunstdenkmäler, Domherr in 
Brandenburg, starb am 11. 3 1877 in Radersieben. Schriften: 
Das Erechtheion in Athen 1837/40, 2 Aufl. 1843 ; Die altchristlichen 
Bauwerke Ravennas, 1842; Denkmäler der Baukunst in Preussen, 1861/4. 

Herrmann Lambeck stand 48 Jahre der Pfarre in Gurske 
vor, und erwarb sich durch edle Gesinnung und fruchtbare Wirk- 
samkeit ein hohes Ansehen in weitesten Kreisen. Er war der 
älteste Bruder des Stadtrats Ernst Lambeck. Er hat eine Geschichte 
des Kirchspiels Gurske und eine Sammlung Predigten herausge- 
geben. 

Eduard Müller, geb. 22. 12. 1814 in Marienburg, besuchte 
dort die lateinische Schule (Gymnasium) und das Seminar, kam 
nach Thorn 1848, und wirkte am hiesigen Gymnasium 37V2 Jahre 
für Elementarfächer und Naturgeschichte s(Nanregend und erfolgreich, 
dass er bis zum i. ordentlichen Lehrer aufnJvkte, und sich in selte- 
nem Grade die Zuneigung und Hochachtung feiner Kollegen und 



— S4 - 

Schüler cn\'arb. i) Seinen dichterischen Nachlass zu ordnen über- 
nahmen Brohm, Appel und Behrensdorff. 2) Er starb am 3. Ja- 
nuar 1878. 

Die Stadt verliessen femer die Herren v. d. Lochau, Eich 
(nach Dortmund), Hoebel, welcher aus dem Amte und der Stadt 
schied, aber bald darauf starb, und Rafalski (nach Strasburg Wpr.). 

Dag^en traten ein Reg.-Ass. Sebold (der gleich darauf ver- 
setzt wurde), Gutsbes. Boehm in Szewo (Schewen), Reg.-Ass. Roe- 
pell, Gutsbes. Wcnlscher, Kfm. Huebner, Dr med. Braun, Baurat 
Grillo, Major Ncugcbauer, Gutsbes. Feldtkeller, Hptm.Dultz, Guts- 
bes. Weinschenck. Die Zahl der ord. M. stieg auf 71. Zu korrespon- 
direnden Mitgliedern ernannte der V. die Herren Fr. Vendemini 
und Ulisse Topi, \'ors. und Bibl der Academia Rubiconia zu Savi- 
gnano, welche vorher seinen Vorsitzenden zu ihrem korr.-M. er- 
nannt hatte. 

Monatsvorträge 1877 8 : Benn, Betrachtungen über den 
Aufmarsch der österreichischen Nordarmee 1866; Bocthke^ die 
Ausgfrabungen zu Olympia, nach dem Bericht von Curtius : Brohm, 
der Handel Thoms seit dem Ende des 16. Jahrh's. ; Clausius, 
philosophische Moralsysteme ; Curtze, i) Die Untersuchungen Fa- 
varos über den Aufenthalt des Coppemicus in Padua, 2) Bericht 
über den handschriftlichen Nachlass des Coppemicus in Frauenburg, 
3) Die in der Wiener Hofbibliothek aufbewahrten Manuskripte von 
Coppemicus, sowie die Berechtig^ung seiner Bezeichnung als Bres- 
lauers ; 4) Bericht über Dr. Eisenlohr, ein mathematisches Hand- 
buch der alten Aegypter ; Kausch, die französischen Eisenbahnen 
im Kriege 1870/71 : Misses, die Lehre Spinozas und ihr Verhältniss 
zu Kants Kritizismus : Dr. Oppenheim, Kulturgeschichte Arabiens 
in der Zeit vor Muhamed ; Dr. Passauer, i) Die Luft bewohnter 
Räume als Krankheitsursache, 2) das Telephon von Bell ; Rchberg, 
die Anlagen zur Gewinnung von Wasser für den Lebensbedarf der 
Menschen ; Schlau, die Anfänge der Post im Altertum und Mittel- 
alter ; Schroeder, Erinnerungen aus dem Feldzuge 1866 ; L. Prowe, 
i) Coppemicus als Statthalter des ermländischen Domstiftes in 
Allenstein, 2) Das römische Conclave i. J. 1774; 3) Die Geschichte 
Kulms von Dr. Franz Schultz. 

Den Festvortrag am 19. 2. 1878 hielt Dr. Meisner: Bn 
Gang durch Olj^mpia. 

Im Jahre 1878 (Titelblatt 1879) erschien nach mühevollen Vor- 
verhandlungen (vgl. z. B. 30. 6. 78) die Menzzersche lieber- 
Setzung mit einer von Prof. Cantor verfassten Vorrede, in welcher 



— 85 — 

auch die Wichtigkeit der in Wien aufgefundenen Selbstanzeige 
(Commentariolus) des Coppernicus dargelegt wird. Für die müh- 
same Schlussprüfung der Uebersetzung und der Erläuterungen hatte 
der Verein ein Honorar von 300 M. an Prof. Cantor bewilligt. 

Das I. Heft der Mitteilungen des Vereins, welches gleich- 
falls jetzt erschien, ^®) enthielt den Commentariolus nebst der kri- 
tischen Abhandlung des Coppernicus über die angebliche 8. Sphäre 
in Form eines an den Domherrn Wapowski in Krakau gerichteten 
Briefes in erstem korrektem Abdrucke, ferner die neuerdings aus 
den Randbemerkungen des Coppernicus gesammelten Notizen. Das 
Heft, welches die Reihe der Vereinsmitteilungen eröffnete, war aus- 
schliesslich das Werk von Curtze. Er hat darin auch die von 
L. Prowe zuerst nachgewiesene Schreibweise des Namens Copp. 
mit doppeltem p als die einzig beglaubigte festgestellt. Diese ist 
insofern von Wichtigkeit, als durch sie die Betonung der ersten 
Sylbe des Namens Koppernigk und die Unmöglichkeit der Ableitung 
desselben aus der polnischen Sprache erwiesen wird. Wenn auch 
die Polen diese Folgerung durch den Hinweis auf die Ungenauig- 
keit der damaligen Rechtschreibung bestreiten, so hält sie doch der 
Verein für um so zwingender, als sie durch archivalische Nach- 
richten erhärtet wurde. Seitdem sind diese noch erheblich ver- 
mehrt worden. Jedenfalls beschloss der Verein den Namen fortan 
stets mit pp zu schreiben. Zur Bestätigung dieser Schreibweise 
machte auch KarHnski einige Mitteilungen (3. 3. 79). Curtze hat 
das Heft dem Fürsten Boncampagni gewidmet, dem es gelungen 
war, die sp lange vermisste Urkunde über die Promotion des „Nico- 
laus Copernick" zum Doktor des kanonischen Rechtes in dem Nota- 
riatsarchiv zu Ferrara aufzufinden und in den Sitzungsberichten der 
Academia de Nuove Lincei zu veröffentlichen. Fertig wurde ferner 
auch die Biographie des Urceo Codro von Malagola, von welcher 
der Verein auftragsmässig 15 Exemplare erhielt. 

Einige Notizen über die Familie Koppernigk teilte Professor 
Caro aus dem Provinzialarchiv zu Breslau dem Prof. Curtze mit. ^®) 

An diese reiche Ernte knüpfte sich sofort wieder eine hoflf- 
nungsvoUe Saat. Malagola fasste den Gedanken, die Akten der 
deutschen Nation zu Bologna ihrer vielfachen geschichtlichen Be- 
ziehungen wegen vollständig zu veröflfenthchen. Der Eigentümer 
Graf Malvezzi de' Medici gab seine Erlaubnis, und der Verein, 
welchem die grosse Bedeutung der Akten für die Geschichte des 
deutschen Gelehrtentums ebenso einleuchtete wie die Schwierigkeit 
der Drucklegung eines so umfangreichen Werkes, ging den Ober- 



— 86 — 

Präsidenten Dr. Achenbach an. Dieser erbot sich eine Unterstützung 
seitens des Kultusministers Dr. Falck nachzusuchen. Einen ein- 
gehenden Bericht über den Fund Malagolas verfasste Favaro und 
sandte ihn dem Verein. 

Infolge der mannichfachen Beziehungen zu den italienischen 
Forschem wurde Curtze korrespondirendes Mitglied der Königlichen 
Akademie zu Padua, L. ProWe desgleichen der Academia Rubiconia 
zu Savignano (s. S. 84) 

Dem Westpreussischcn botanisch-zoologischen Verein in 
Danzig, bei dessen Gründung in den Pfingstfeiertagen der Schrift- 
führer Boethke zugegen war, trat der C. V. als Mitglied bei (5. 8. 
78 N. 7). Ebenso dem V. für die Geschichte der Prov. Preussen 
in Königsberg (N. 8), 

An den Magistrat wendete sich Herr Hermann Linde in New 
York um eine Kopie des Denkmals seines Verwandten, des pol- 
nischen Lexikographen Samuel v. Linde. Der Magistrat fragte 
beim Verein an. Es ergab sich, dass dem deutschen Gelehrten auf 
dem evangelischen Kirchhof in Warschau ein Denkmal gesetzt ist. 
Weiteres wird der Magistrat beim Generalkonsulat dort ermittelt 
haben (9. 9.) Samuel Gottlieb v. Linde war in Thorn geboren, 
aber sein Geburtshaus ist nicht bekannt. 

Das Vergnügungskomitee bestand aus Hoppe, Reichert, Hirsch, 
H. Schwartz jun. und Kausch. Ein Wintervergnügen fand am 
9. II. statt. 

Die Feier des 25j. Bestehens des Vereins wurde zuerst auf 
Grund eines den alten Protokollen nicht entsprechenden Gutachtens 
von Koerner auf den 15. 10. 78 festgesetzt, dann aber teils zu 
Gunsten der Fertigstellung des Berichts von Brohm teils der 
grösseren Feierlichkeit wegen auf den 19. 2. 79 verschoben. Die 
Einrichtungen für diese Sitzung übernahmen Hoppe, Weisse und 
H. Schwartz jun. 

Der V. trat in den Schriftenaustausch mit der Smithsonian 
Institution in New York ein, welcher Thompson angehörte. 

Die Sitzungen wurden zum Teil ausserordentlich stark besucht. 

Der Kommissionsvertrieb seitens der Weidmannschen Buch- 
handlung lief ab ; der Verein bekam die übrig gebliebenen Stücke 
der Jubelausgabe, des Festgedichts und Festberichts in eigene Ver- 
wahrung, welche ihm manche Sorge bereitete. 

Inzwischen verhandelte er mit vielen Buchhändlern über den 
Druck der Acta. Gregorovius riet an, dem Entdecker derselben 
eine Beschränkung seines Planes zu empfehlen. 



- 87 — 

Im Archiv und Museum blieb es beim Alten. Es galt schon 
für hoflfnungsvoll, dass die Museumsdeputation nach 7Jähriger Pause 
wieder zusammenberufen worden war. Auch war das Scharffsche 
Tellurium in Stand gesetzt worden. Die Gemäldeausstellung 
war durchaus gelungen ; es wurden Bilder für looo M. hier verkauft. 
Im Januar 1879 begann auch wieder ein Zyklus öifentlicher 
Vorträge, aus deren Ertrage 300 M. dem Stipendienfonds über- 
wiesen und 400 M. zur Begründung einer Jungfrauenstiftung 
zur Unterstüzung junger Mädchen behufs ihrer Ausbildung zu einem 
wissenschaftlichen oder künstlerischen Berufe bestimmt wurden. '*^) 
Es trugen vor v. Elpons, Tote Stellen der Erde; Dr. Strehlke, 
ein Jahr aus Goethes Leben ; Kauseh, Albrecht Dürer ; Weisse, 
Fortschritte auf dem Gebiete der Wissenschalt; A. Prowe, 
Deutscher Humor ; Horowitz, Kants Ansichten über das weibliche 
Geschlecht; L. Prowe, Friedrich II und Elisabeth Christine von 
Preussen. 

Mit der Ausarbeitung eines Statuts für die Jungfrauen- 
siiitung wurden die Herren Weisse, Strehlke, A. Prowe, Hoppe, 
Koemer, v. Elpons und Kausch beauftragt. Es wurde am 19. 2.. 
79 festgestellt. 

Die Stipendienstittung erhielt durch Herrn Adolph Schwartz **) 
eine Gabe von 200 M., und wuchs auf 1857 M. Aus dem Ueber- 
schuss bei den Drucksachen (vgl. 10. 3. 79) war ein weiterer 
Zuwachs von 1000 Mk. zu erwarten. Der Verein beschloss nun- 
mehr mit der regelmässigen Verleihung eines Stipendiums zu be- 
ginnen. Das Stipendium von 100 M. erhielt am 19. 2. 1879 unter 
8 Bewerbern der Bauakademiker Albert Menzel. 

Die Sammlung von Photographien der Vereinsmitglieder 
wurde von neuem angeregt. Herr H. Schwartz jun. versprach sich 
ihrer anzunehmen. 

Brohm übernahm es die Geschichte der ersten 25 Jahre des 
Vereins abzufassen. 

Durch den Tod wurde dem Verein der hochverdiente Dr. Leh- 
mann entrissen. Eduard Lehmann, geboren 1819, gest. 29. 3. 1879, 
war ein überaus sorgsamer und pflichtgetreuer Arzt, zugleich Ge- 
meinde- und Krankenhausarzt, von bescheidener und selbständiger 
Denkungsart. Ihm gehörte das Haus Altstadt 50, jetzt Breitestr. 21. 
Er starb an den Folgen eines überstandenen Flecktyphus, den er 
sich in aufopfernder Pflichterfüllung zugezogen hatte, und hinterliess 
eine zahlreiche, jetzt weit verstreute Famihe. 



— 88 - 

Von früheren Mitgliedern starb der Major im Schles. Pionier- 
bataillon Lilie zu Neisse am 28. 7. 78. Seinen Plan umfassender 
Nachgrabungen im alten Schlosse hatte er auszuführen begonnen, 
aber nicht bewerkstelligen können. 

Durch Ortsveränderung schieden Oberl. Clausius (nach Wol- 
gast), Dr. Braun, Kreisger.-R. Kuntze, Stadtrat Meier ; sonst trat 
aus Gutsbesitzer Boehm. 

Dagegen traten ein Gcr.-R. Rudics, Apoth. Schiller, Major 
Kasten, Major Weisse, Rektor Lindenblatt, K.-Gutsb. Meister- 
Saengerau, Ger. -Direktor Ebmeier, Gymn.-L. Dr. Griesbach, 
Apoth. Teschke, Oberleutn. Suren, R-Gutsb. Kunkel-Markowo, 
stiftendes Mitglied, Hauptmann Lindow, Gy.-Dir. Dr. Strehlke, 
Ger.-R, Loewe, i. Bürgerm. Wisselinck, Hptm. Weidlich, Hptm. 
Schlenther, Kr.-Schulinsp. Schrocter, Hptm Gaede. Die Zahl 
wuchs auf 82. 

Zu Ehrenmitgliedern wurden erwählt Oberpräsident v. Hörn 
in Königsberg, der nach der Trennung von Ost- und Westpreussen 
aufgehört hatte Protektor des Vereins zu sein, Prof Dr. Roepell 
zu Breslau, Propst Lehmann zu Schkoelen, vorher korr. M. ; zu 
korrespondirenden Graf Malvezzi de' Mediei zu Bologna und 
Prof. Favaro zu Padua : Protektor war nunmehr der Oberpräsident 
von Westpreussen Dr. Achenbach. 

Vorträge: Adolph, i) Thom im J. 1727 nach Zerneckes 
Chronik, 2) Das Missale der Johanniskirche von 1487, und photo- 
graphirte Gegenstände des Museums ; Appcl, die Abnahme des 
Wassers in den Flüssen; Boethke, Reiseskizzen aus Holland; 
Brohm, aus dem dichterischen Nachlasse von Müller; Curtzc, 
i) Die richtige Schreibung des Namens Coppernicus, 2) Die Bio- 
graphie des Urceo Codro von Malagola ; v. Elpons, Russlands 
Vordringen in Asien ; Grillo, das Skizzenbuch des Berliner Archi- 
tektenvereins ; Horowitz, die Gesetzmässigkeit in der Natur nach 
antiker und modemer Denkweise ; Obersü. Kausch, Albrecht Dürer; 
Dr. Oppenheim, die Einführung der Inquisition in Portugal; 
A. Prowe, i) Ein Ausflug auf den Pamass (Reisebericht), 
2) Deutscher Humor ; Risse, i) Die in Thorn herrschenden Krank- 
heiten, 2) Die Mittel zur Besserung der sanitären Uebelstände in 
Thom; Weinschenck, Differentialtarife der Eisenbahnen; Weisse, 
i) Albrecht Dürer als Festungsbaumeister, 2) Fortschritte auf dem 
Gebiete der induktiven Wissenschaften ; L. Prowe, r) Friedrich U. 
und Elisabeth Christine von Preussen, 2) Aus den kriegswissen- 



— 89 — 

schaftlichen Schriften Friedrichs des Grossen, übers, von Merkens, 
3) Die ärztliche Tätigkeit von Coppernicus. 

Unter den literarischen Gaben war wohl die wichtigste 
Theodor Koerner, Thorn, seine ehemalige Bedeutung und seine 
alten Baudenkmäler. Der Verfasser widmete diese Schrift dem von 
ihm gegründeten Vereine als Festgabe zur 25jährigen Jubelfeier. 
Denn auf eine 25jährige Tätigkeit blickte der Verein am 19. Februar 
1879 zurück. Von seinen 13 ersten Mitgliedern waren 8 gestorben, 
und nur noch 3 im Verein tätig. Das Material für eine Geschichte 
dieser 25 Jahre hatte Dr. Brohm zusammengetragen, und auch zu 
einem Generaibericht verarbeitet. Doch beschloss man am 3. 2 79 
denselben nur zur Grundlage zu nehmen, auch das Honorar von 
75 M. dafür an Brohm zu zahlen, aber Koerner selbst um die end- 
gültige Ausarbeitung zu bitten. K. übergab seinen Generalbericht 
dem Vorstande, aber mag auch dieser nicht zur Veröflfentlichung 
geeignet erschieneh sein oder mag man nur die Kosten nicht haben 
daran wenden wollen, der Druck wurde am 3. 11. 79 noch ausge- 
setzt, und unterblieb schliesslich. 

Es war öfters mit Bedauern empfunden worden, dass die ge- 
schäftliche Sitzung am 19. Februar ihre Aufgaben bei der Kürze 
der Zeit nicht sachgemäss erledigen konnte. Es wurde daher für 
wünschenswert erklärt den Tag des Jahresfestes von der Verhand- 
lung geschäftlicher Sachen zu entlasten. Eine Nachfeier fand am 
19. 2. 79 im engeren Kreise der Mitglieder statt. Dem Charakter 
einer Jubelfeier wurde nur dadurch Rechnung getragen, dass 
Magistrat und Stadtverordnete zur Teilnahme eingeladen wurden. 

Vom 26. bis 30. Jahre. 



Mit dem Eintreffen der Dankschreiben des Kaisers und des 
Kronprinzen für die Uebersendung der Menzzerschen Uebersetzung 
„schien die Schuld früherer Geschlechter gegen das Andenken des 
grossen Mannes genugsam gesühnt zu sein". Allein der im Rollen 
begriflfenen Kugel boten sich immer weitere Ziele. Kein geringerer 
als der Geh. Reg. Koerner, der gewiss kein Freund romantischer 
und hochfliegender Pläne war, nahm den von Karlinski i J. 1873 
gestellten Antrag auf, als würdigstes Denkmal des Sternforschers 
eine Sternwarte in seiner Vaterstadt zu errichten. Er selbst bot 
als erstes „Dotationskapital" für die Kosten der Vorbereitung einer 



— 90 — 

allgemeinen Sammeltätigkeit 300 M. an In ausserordentlicher 
Sitzung wurde eine Kommission gebildet, und für sie ein Geschäfts- 
regulativ aufgestellt (10. 3. und 7. 4. 79). Bruhns und Karlinski 
befürworteten das Vorhaben lebhaft, ebenso Galle, Foerster, 
Krueger (Gotha) und Menzzer. Aber schon dem Gesuche bei den 
städtischen Behörden um Zusicherung des erforderlichen Geländes 
stellten sich so unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen, dass 
auch diesmal der Verein sich niedergeschlagen zurückzog und^ auf 
eine günstigere Zukunft vertröstete. Eine solche schien sich anzu- 
bahnen, da der erste Provinziallandtag von Westpreussen eine 
Zentralstelle für wissenschaftliche und künstlerische Zwecke schuf 
mit vier Subkommissionen für die einzelnen Fächer. So entstand 
die Provinzialkommission tür die Verwaltung der Westpr. 
Museen, eine auch für unsere Tätigkeit ausserordentlich wichtige 
und förderUche Behörde, die zuerst den Namen „Prov. Museum" 
führte. Sie wurde in einer zum 25. Mai 1879 vom Prov. Ausschuss 
berufenen Versammlung von Vereinsvorsitzenden als ständiges 
Komitee mit dem Sitze in Danzig beschlossen, und hatte dem Prov. 
Ausschuss in der Verwaltung der ihm für Förderung wisssen- 
schaftlicher und künstlerischer Zwecke überwiesenen 25000 M. zur 
Seite zu stehen (9. 6.; 14. 7.; 3. 11. 79). 

In der Schwebe blieb noch die Angelegenheit der Acta 
nationis Germanorum, für deren Veröflfentlichung damals auch 
F. Gregorovius in einem lebhaft geführten Briefwechsel mit be- 
sonderer Wärme eintrat. Bei der Staatsbehörde hatte der Verein 
für die Drucklegung des Textes 7000 M., und für die Beigabe von 
Abbildungen noch weitere 5000 M. Beihülfe erbeten. Zu der vom 
Grafen Malvezzi de' Medici gestatteten Nachbildung einiger kultur- 
historischen Bilder daraus bewilligte der V. 60 M. (i. 12. 79). In 
der Schwebe war ferner noch die bereits 1866 begonnene Be- 
wegung zur Errichtung eines Denkmals für S. Th. v. Soemmer- 
ring in Frankfurt a. M. Wie damals, so waren auch jetzt die vom 
Verein gestifteten 100 M. der erste eingehende Beitrag (i. 12. 79; 
5. I. 80). Da sich in Frankfurt ein neues Komitee gebildet hatte, 
so wurde auch hier eins zur Sammlung von Beiträgen eingesetzt. 
Der Enkel Soemmerrings teilte mit, dass das Original des Tele- 
graphen seines Grossvaters noch in seinem Besitze sei, und dass 
eine Kopie sich im Berliner Museum für Post und Telegraphie befinde. 

Der Verein beglückwünschte die Naturforschende Gesellschaft 
zu Halle zu ihrem Jahrhundertsfeste, und trat auf Ansuchen des 
neuen und frisch aufstrebenden Vereins für Erdkunde in Metz mit 



— 91 ~ 

demselben in Schriftenaustausch. Dem historischen Verein in 
Danzig trat er als Mitglied bei. 

Behufs BeschaflFung eines eignen Vereinslokals wurde auf 
Antrag v. Elpons eine Kommission gewählt (3. 3. 79) Eine Frucht 
der Beratungen derselben war es wohl, dass am 4. 8. 79 der 
Antrag angekündigt wurde, behufs würdiger Unterbringung des 
Museums das Geburtshaus des Coppernicus zu erwerben. 
Doch kam es nicht zu einer ernstlichen Verhandlung. Jedenfalls 
würden die Kosten zu hoch geworden sein. Für die Aufstellung 
der Bücherschränke räumte der Magistrat dem Verein schon 
damals das bis dahin vom Stadtbaurat benutzte Zimmer im zweiten 
Stockwerk des Rathauses ein, dasselbe, welches jetzt die Bibliothek 
aufgenommen hat. (15. 9. 79). Ein Besuch des Museums fand 
am 8. II. 79 auf Einladung von Adolph statt. Die anthropologische 
Gesellschaft in Berlin beabsichtigte eme prähistorische Karte 
herauszugeben. Adolph übernahm es die von hier aus gemachten 
Funde in dieselbe einzuzeichnen (7. 4. 79). 

Von den literarischen Eingängen sind zu erwähnen von 
S. Günther „Malagolas und Curtzes neue Forschungen über Cop- 
pernicus'* ; von Weisse „Statistisches Material den nächtlichen 
Himmel Thorns betreffend" ; von Hipler „Celio Calcagnini und 
seine Schrift über die Erdbewegung" (15. 9. und 13. 10. 79). 
A. Wolynski übersandte die zur Begründung des Museum Cop- 
pernicanum in Rom geschlagene Medaille sowie Schriftstücke des 
Polenkomitees in Rom (5. i. 80). 

Zum Abschiede des nach Glatz versetzten Majors Weisse fand 
eine ausserordentliche Sitzung am 26. 8. 79 statt. 

Der Besuch der Monatssitzungen war auffallend stark und 
stieg am 3. II. 79 auf 35 Mitglieder und 5 Gäste. 

Vorgelegt wurden von Brohm, Gieldzinski und Curtze merk- 
würdige Photographien, Münzen, Drucke und Handschriften (3. 3. 79). 

Der im Vorjahr gegründeten Jungfrauenstiltung floss der 
Ertrag eines Gartenfestes, welches Frau Oberst v. Elpons am Tage 
der goldenen Hochzeit des Kaiserpaares veranstaltet hatte, mit 
1837 ^- 2U- 

Der Stipendienfonds erreichte mit 2961 , 18M. fast die vorgesehene 
Höhe. Das Stipendium von 100 M. erhielt der Kandidat Otto Bar- 
czynski aus Thorn auf Grund einer Abhandlung über die elliptische 
Polarisation des Lichtes am Fuchsin. 

Von den Ehrenmitgliedern starben 1879 Graf Botho zu Eulen- 
burg, geboren am 27. 12. 1804 in Königsberg, von 1850 bis 1874 



— 92 — 

Regierungspräsident in Maricnvverder und beim Jubelfeste von 1873 
Vertreter des Kaisers; seit 1874 Präsident der Staatsschuldenver- 
waltung in Berlin ; ferner 28. 7. Silvestro Gherardi in Florenz, 
dem der Verein u. a. archivalische Nachweisungen über Domenico 
Maria Novara, den Lehrer des Coppernicus, verdankte, und der 
hochsinnige Amerikaner Dr. Joseph Thompson in Berlin, dessen 
wir mehrfach gedacht haben. Das Protektorat ging mit dem 
Oberpräsidium von v. Achenbach auf v. Ernsthausen über. Der bis- 
herige Protektor wurde zum Ehrenmitgliede ernannt. Dem neuen 
hielten die Vorsitzenden bei seiner ersten Anwesenheit in Thorn 
über den Verein und namentlich über die Sternwartenfrage Vortrag. 
Bei einem Besuche des Vorsitzenden in Danzig brachte v. E. u. a. 
auch dem Druck der Acta lebhafte Teilnahme entgegen. 

Versetzt wurden Oberst v. Elpons, Major Weisse, Bauinspek- 
tor Siecke, Reg.-Ass. Roepell. Major Neugebauer, Major Dultz. 
Pfarrer Klebs trat aus. 

Dagegen traten ein Kommandant Oberst v. Conta, Rentier 
Hennigy Gutsbes. Wegner-Ostaszewo, Hptm. Meier, Reg-Ass. 
Hoyer, Landg.-R. Oloff, Dr. med. Sinai, Sj-ndikus Bender, Major 
Krause, Erster St.-Anw. Feige, Oberlehrer Dr. Cunerth, St.-Anw. 
Nischelskyi Landrichter v. Roepell, Hptm. Lehmann. Der Ver- 
ein zählte 84 ord. Mitglieder, und hatte 3414,44 M. Vermögen. 

Aus dem Vorstände trat Boethke aus. An seiner Stelle 
wurde Curtze zum i. Schriftführer gewählt. 

Vorträge 79/80 : Adolph, i) Zur Erinnerung an den Grafen 
Botho zu Eulenburg *2), 2) Die Schnitzereien der hiesigen Marien- 
kirche im Verhältnis zu Nürnberger Ornamenten ; Boethke, i) Thomp- 
son, Final Cause, a critique of the failure of Paley and the fallacyof 
Hume, 2) Die Siegfriedssage : Curtze, i) Galilei und die Inquisition 
(Festvortrag am 19. 2. 79), 2) Astrologie, 3) Zum Andenken 
Gherardis ; Dr. Lindau, die Medizin zur Zeit des Coppernicus und 
seine Beziehungen zu ihr ; Lindenblatt, dje Stellung der Frau in 
Rom ; Hptm. Lindow, das antike und moderne Wohnhaus ; Dr. 
A. Prowe, i) Georg Forsters Briefwechsel mit Soemmerring und 
Hettner, 2) Die neuere Auffassung der Eroberung Preussens durch 
den deutschen Orden; Dr. Risse, die Vivisektion und ihre Gegner; 
Dr. Strehlke, ein Jahr aus Goethes Leben ; Hptm. Weidlich, die 
Kulturverhältnisse der oberschlesischen Industriebezirke; Wisselinck, 
der Kampf der Hohenzollern um die Suprematie in Deutschland; 
Weisse, das Projekt für den Bau einer Sternwarte in Thorn; 
L. Prowe, i) Der Pestbericht des Thukydides, 2) Samuel Thomas 



— 98 — 

V. Soemmerring, 3) Die ersten Regierungsjahre des Königs Stanislaus 
Poniatowski. Ausserdem trug Behrensdorff einige Gedichte aus Mül- 
lers Nachlass, und Brohm einige von ihm selbst gedichtete Xenien vor. 

Im Winter 1879/80 wurden öflTeniliche Vorlesungen ge- 
halten : i) Dr. Lindau, die Medizin zur Zeit des Coppernicus (wie 
oben) ; 2) Dr. L. Prowe, Stanislaus Poniatowski (w. o.) ; 3) Boethke, 
die Siegfriedssag3 ; 4) Dr. Risse, Vivisektion (w. o.) ; 5. Dr. 
Strehlke, Helena; 6) Lindenblait, die Stellung der Frau (w. o.) ; 
7) Wisselinck, die Landfrage. — Statt des festlichen Abendessens 
am 19. 2. 80 war auf den 21. ein geselliger Abend angesetzt. 

Festgrüsse gingen ein von Hagemann aus Danzig und von 
Weisse aus Glatz, dazu eine Festgabe von Propst Lehmann unter 
dem Titel „Kleine Bilder aus dem grossen Natur -Postverkehr**. 

Im Jahre 1880 bewilligte das deutsche Reich die Kosten für 
den Druck der Acta nationis Germanorum *^). Zugleich gestattete 
Malagola wiederholt die deutsche Veröffentlichung des 8. Abschnitts 
seiner Biographie des Urceo Codro, in welchem er seine auf Cop- 
pernicus bezüglichen Ermittelungen niedergelegt, und ihnen andere 
für das Studium jener Zeit wichtige Auszüge beigefügt hat. Diese 
Uebersetzung von der Hand Curtzes bildete die erste Abhandlung 
des 2. Heftes der Mitteilungen des Vereins. In der zweiten 
erläuterte Curtze die im i. Hefte neu herausgegebene kritische 
Schrilt des Coppernicus über die 8. Sphäre oder die Präzessions- 
theorie Johann Werners durch geschichtliche Nachweise, während 
Prof. S. Günther in Ansbach den sachlichen Kommentar gab. Die 
Kosten des Heftes wurden mit Hülfe von 300 M. bestritten, welche 
aus dem Ertrage der Vorträge des Winter 1879/80 von den Vor- 
tragenden dazu überwiesen wurden. Auch für das 3. Heft war 
schon ein wertvoller Beitrag über Padua und Coppernicus vorhanden. 

An der Wanderversammlung der Naturforscher und Aerzte, 
welche im Oktober 1880 in Danzig stattfand, nahmen Curtze, Gries- 
bach, Kutzner und Sinai Teil. 

Die 10. Wiederkehr des Todestages von Bogumil Goltz be- 
wog den Verein sein Grab am 12. Nov. zu bekränzen, eine Ge- 
denktafel für ihn fertigen lassen, und zugleich eine Niederschrift von 
Erinnerungen aus dem persönlichen Umgange Goltzens in vertrauten 
Familienkreisen anzuregen. Diese Niederschrift von der Hand 
seiner Nichte, Fräulein Amalie Goltz befindet sich noch jetzt in 
deren sorglicher Verwahrung. 

Das Museum schickte auf Ersuchen des Vereins eine von 
Dr. Griesbach ausgesuchte Anzahl seiner vorgeschichtlichen . Fund- 



^ \)4 — 

siücke der deutschen anthropologischen Gesellschaft zur Ausstellung 
nach Berlin, in deren Katalog sie auf S. 486/7 verzeichnet sind. 
Es empfing neue Funde von einer Ausgrabung in Ostaschewo durch 
die Herren Adolph, Cunerth, A. Prowe und Schmiedeberg. 

Dem Archiv widmete der Bürgermeister Bender eine liebe- 
volle Tätigkeit, und legte dem Verein u. a. Urkunden von Wichtig- 
keit über den Vater von des Coppernicus Mutter, sowie über Funde 
in der Nähe der städtischen Ziegelei, über eine Gesellenbrüderschaft 
des 14. Jahrh's., über Rechnungen von Marcus Koenig, über ein 
Zinsbuch von den Weinbergen, über Lukas Watzelrode u. dgl. vor. 

Die Pläne des neuen Postgebäudes legte der Postdirektor 
Schlau, die bei der Kanalisirung der Bache gefundenen Gegenstände 
der Stadtbaurat Rehberg in den Sitzungen aus. 

Da die Feier der 6oosten Wiederkehr des Grfindungstages 
der Stadt wegen der Choleraepidemie des Jahres 1831 hatte unter- 
bleiben müssen, so regte der Verein die Feier eines Halbjahrhun- 
dertfestes für 1881 an. Einer allgemeinen Feier stellten sich aber 
so bedeutende Hindernisse entgegen, dass der 28. Dezember, den 
man als den Jubeltag ausersehen hatte, nur im engeren Kreise der 
städtischen Behörden, dies allerdings in würdiger Weise, begangen 
wurde. 

Das Stipendium erhielt der hier geborene und erzogene 
Studiosus der Naturwissenschaften Paul Preuss auf Grund einer 
Abhandlung über die Winde, ihre Entstehung und Beschaffenheit. 
Preuss pflegte auch weiter die Verbindung mit dem Verein.. Später 
hat er sich als botanischer Erforscher von Westafrika einen allge- 
mein geachteten Namen erworben. Für eine zweite sehr fleissige 
Arbeit „Die Epicycloide und Hypocycloide in Bezug auf Differential- 
rechnung und analytische Geometrie" wurde dem Verfasser, Stud. 
Weilandt, eine verfügbare Teilrate zuerkannt. 

Von literarischen Gaben sind besonders erwähnenswert 3 Ab- 
handlungen von Professor Favaro in Padua, ferner von Dr. 
Barczynsl(i „Die elliptische Polarisation des Lichtes am Fuchsin", 
und vom Buchdruckereibesitzer Lohde in Kulm 4 Korrekturbogen 
von Prätorius Beschreibung der Stadt Thorn. Diese Bogen wurden 
der Ratsbibliothek überwiesen. 

Aus dem Vergnügungs-Komitee schied Hoppe. Es setzte sich 
aus Wisselinck, Lehmann, Hirsch und Boethke zusammen, und ver- 
anstaltete ein Winter- und ein Sommervergnügen. 

Durch Ortsveränderung schieden aus : Eisenb.-Dir. Hoyer, 
Just.-R. Reichert, Major Krause, R.-Anw. Schräge, Oberst Schroeder, 



— 95 — 

Dr. Risse; aus andern Gründen Kaufm. Schirmer. Aufgenommen 
wurden Oberst v. Heyking, Oberzollinspektor Kluih, Dr. med. 
Meyer, R.- Anw. Werth, Eisenb -Dir. v. Mühlenfels, R.-Baumeister 
Tieffenbach, Dr. med. Wentscher. 

Der Verein besass am Schlüsse 3490,20 M., die Stipendien- 
Stiftung 2953,64 M., die Copp.-Stiftung für Jungfrauen 2366,45 M. 

Vorträge ; Bender i) Zur Lebensgeschichte von Lucas Watzel- 
rode, 2) Die Hausbesitzer Thorns um 1450 und die Zinsrechnungen 
der Weinberge, 3) Rechnungen des Preussischen Städtebundes ; 
Brohm, die Fischereivorstadt vor 63 Jahren ; Dr. Cunerth, 
i) Kondensation der Gase, 2) Spektralanal3^se (an dem geselligen 
Abende i. i. 81); 3) Die Ausgrabungen in Ostaszewo, 4) Die Irr- 
tümer Leverriers nach einem Briefe von Galle ; Curtze, Die Uni- 
versität Padua zur Zeit des Coppernicus ; Dr. Griesbach, Die 
Parasiten des Menschen ; Dr. Horowitz, Das Ideale als Grund- 
prinzip der Wissenschaften in alter und neuer Zeit (Festvortrag 
am 19. 2. 1880) ; Oberstl. Kausch, Die Bestrebungen zur Hebung 
des Kunstgewerbes ; Dr. Lindau, Die Stoffwechselökonomie bei 
der Atmung; Dr. A. Prowe i) Das Leben von Bogumil Goltz, 
2) Der Buddhismus im Anschluss an die von P. übersetzte Schrift 
Erwin Arnolds „Das Licht Asiens ; G, Prowe, Die Kontributionen 
der französischen Garnison zu Thorn 1806/7 ; Rehberg, Die Pub- 
likationen des Berliner Architektenvereins ; Dr. Risse, Der Hypno- 
tismus nach Heidenhains Untersuchungen ; Dr. Strehlke, Helena ; 
Prem.-L. Suren, Die deutschrussischen Grenzlande in militärisch 
geographischer Beziehung; Wisselinck, Die Landfrage; L. Prowe 
i) Die Gegner und Verteidiger der Vivisektion in Deutschland, 
2) Thorns Land- und Seehandel im 13. und 14. Jahrhundert, 3) Eine 
Behauptung Kqtrzynskis bezüglich der Mutter des Coppernicus, 
4) lieber den am 28. 10. 80 verstorbenen Emil Palleske und seine 
„Kunst des Vortrags". 

Im Jahre 1881 kamen die Verhandlungen zwischen Malagola 
und der Reichsregierung zum endgültigen Abschlüsse, dank der 
einflussreichen Fürsprache der Protektoren des Vereins v. Achen- 
bach und v. Emsthausen, sowie der Professoren Gregorovius 
und Caro. 

Die Ordnung des Archivs wurde durch die Bürgermeister 
Wisselinck und Bender ernstUch in Angriff genommen. Die älteren 
Urkunden wurden von März bis Dezember d. J. durch den dazu 
herberufenen Dr. F, Kestner mit voller Hingebung geordnet. Die 
Sichtung der Dokumente der letzten beiden Jahrhunderte wurde 



- 96 



unserm Mitbürger Julius Tietzen übertragen. Das Archiv woirde 
in trockenen und feuersicheren Gewölben untergebracht und auch 
Arbeitsraum für die Benutzer geschaffen, alles freilich zu klein, zu 
dunkel und schwer zugänglich, allein gegen früher doch ein grosser 
Fortschritt. 

Die Gedenktafel für Bogumil Goltz wurde in sein Haus in 
der Tuchmacherstrasse eingesetzt, und am 20. März, seinem Ge- 
burtstage, mit einer angemessenen Feierlichkeit'enthüllt Sie ist in 
Schiefer ausgeführt, und kostete 106,50 M. 

Die Redaktion der Mitteilungen übernahm Curtze. Das Er- 
scheinen des 3. Heftes wurde wieder durch Ueberweisung des 
Ertrages der Vorlesungen ermöglicht, welche die Herren Boethke, 
Cunerth, Curtze, Feige, Lindau, A. Prowe und Wentscher gehalten 
hatten. Das Heft enthielt u. a ;,Beiträge zur Familiengeschichte 
von Nicolaus Coppernicus" von Bender, und den Vortrag über 
Bogumil Goltz von A. Prowe, den ersten nicht unmittelbar auf 
Coppernicus bezüglichen Beitrag. Das Heft fand so vielen Beifall 
bei den befreundeten Vereinen, dass die Versammlung am 5. 9. 81 
Herrn Curtze 'dafür einen feierlichen Dank aussprach. 

Zum ersten Male entschloss sich der V., ermutigt durch eine 
Anfrage des Ob -Bgm. Winter in Danzig, eine Beihülfe von der 
Provinzialkommission, und zwar in Höhe von 500 M. nachzusuchen. 
(4. 4. und 2. 5 81). 

Jetzt fingen auch die Bibliotheksfragen an brennend zu 
werden. Die Bücher waren bereits zu zahlreich, um sich ganz 
nebensächlich verwalten zu lassen, und zu wertvoll, um eine Ver- 
wahrlosung zu gestatten. Man überwies die gehaltenen Zeitschriften 
dem Gymnasium, und bat den Magistrat um Erlaubnis, die Bücher 
mit Vorbehalt des Eigentums der Ratsbibliothek einzuverleiben. Für 
Abfassung eines Katalogs bewilligte der V. 15 bis 20 M. Unter 
den Geschenken befand sich die Ausgabe des Commentariolus 
von Arved Lindhagen, Stockholm 1881, ferner vom Bergrat Schmidt- 
Reder zu Görlitz „Codex Roolf des Traktats De imitatione Christi 
von Thomas a Kempis" ; vom Propst Lehmann „Dornröschen, ein 
Strauss in Liedern (Naumburg)" ; 

Das Stipendium erhielt Paul Preuss zum zweiten Male. Er 
war der einzige Bewerber. Seine Arbeit „die Morphologie der 
Knospen unserer Laubbäume im Winterzustande" war von der 
Kommission mit besonderer Anerkennung dem Verein empfohlen 
worden. Das Kapital der Stiftung betrug nunmehr 3000 M., das 
der Jungtrauenstittung 2473 M. 



— 97 — 

An der Wanderversammlung des hansischen Geschichis- 
vereins in Danzig zu Pfingsten 1881 beteiligten sich Bender xind 
L. Prowe. Diesem Vereine trat der Copp.-V. als Mitglied bei. 
Der deutschen anthropologischen Gesellschaft trat Adolph im 
Auftrage des V's. bei, so dass er die eine, der Verein die andere 
Hälfte des 15 M. betragenden Beitrags übernahm. Mit den Vor- 
bereitungen für die Beteiligung an einer heraldischen Ausstellung 
in Berlin beauftragte er Bender, L. Prowe, Adolph und Curtze 
(7. II. 81). Hennig besorgte die Absendung der ausgesuchten 
Stücke (6. 3. 82). 

Auf Antrag Curtzes wurde eine Anzahl auswärtiger Vereine 
zum Schriftenaustausch eingeladen. Dieser erstreckte sich am 
19. Februar 1882 auf 15 Gesellschaften. 

Von ordentlichen Mitgliedern starben San.-R. Dr. Kugler, der 
geniale Arzt, und Rentier Schmiedeberg, der sachkundige Helfer 
bei den Ausgrabungen und Schöpfer der ersten Parkanlagen in dem 
vorstädtischen Wäldchen, in denen eine einfache Denksäule sein 
Andenken bewahrt; von Ehrenmitgliedern der Direktor der Kgl. 
Sternwarte zu Leipzig, Geh. Hofrat Dr. Bruhns, geb 21. 11. 1830 
zu Plön, gest. 24. 7. 81. ^^) Es zogen fort und schieden aus Hptm. 
Lindow (nach Colberg) und Gaede, Gen.-Maj. v. Conta, Eisenb.-Dir. 
V. Mühlenfels, Majore Meier und Benn. 

Aufgenommen wurden Pfarrer Stachowitz, Mus.-L. Sammet^ 
Stadtrat Kittler, Oberstl. v. Holleben und Lynker, R.-Anw. 
Warda, Betr.-Kontr. Dosske, R-Anw. Dr. Stein. Zu Ehrenmit- 
gliedern wurden ernannt die Professoren Favaro in Padua und 
S. Gfinther in Ansbach. 

Die Sitzungen, welche mehrere Jahre sommers in Tivoli, 
winters im Artushofe stattgefunden hatten, wurden jetzt im Sommer, 
und laut Beschluss vom 5. 9. 81 auch im Winter im Schützensaale 
abgehalten. Für jede Sitzung waren 5 M. an den Wirt zu zahlen (6. 2.82). 

Den Festvortrag am 19. 2. 81 hielt Dr. Strehlke über Zeichen 
der Zeit in Wissenschaft und Kunst ; den am 19. 2. 82 Bender 
über kirchliche Bewegungen in Thorn zur Zeit der Hussitenkämpfe. 

Monatsvorträge : Adolph, 1) Zur Topographie Thorns im 
15. Jahrhundert, 2) Das Geburtshaus des Coppernicus ; Bender, 
i) Das Bürgerzinsbuch der Neustadt Thorn 1359—1397, 2) Die 
WafTenrüstung Thorns 1409, 3) Thorner Kaufmannsmarken ; Boethke, 
i) Calderons weltliche Dramen, 2) Distichen von Dr. Brohm ; 
Gunerthi i) Das Ozon, 2) Die Wetterwarte zu Magdeburg, 3) Die 
Giftpilze ; Curtze, i) Cantors Geschichte der Mathematik, 2) Der 

7 



— 08 -- 

Abdruck des Commentariolus von Lindhagen, 3) Die astronomischen 
Instrumente alter Zeiten ; Dr. Kestner (als Gast) des Stapelrecht 
Thorns ; Dr. Meisner, ein arabischer Bericht über den Norden 
Deutschlands aus dem 10. Jahrh. ; v. Mfihlenfels, das Oberammer- 
gauer Passionsspiel ^^) ; A. Prowe, i) Zur Erinnerung an Lessing 
(bei der Abendtafel am 20. 2. 81), 2) Die Gemäldegallerie des 
Grafen v. Schack, 3) Die Ausgrabungen Schliemanns ; Strehlke, 
Goethes Beziehungen zum Theater in den letzten Jahrzehnten des 
18. Jahrh's; Dr. Wentscher, Hypnotismus; Dr. Winselmann, 
Aetiologie der Infektionskrankheiten; L Prowe, das Bistum und 
Domstift Ermland zur Zeit des Coppernicus. Als Gast legte der 
Maler Assmus (s. S. 71) am 3, 10. 81 sein Skizzenbuch vor. 

Die auf S. 96 erwähnten öffentlichen Vorlesungen waren: 
15. I. Bocthke, Calderons weltliche Dramen; i. 2. Wentscher, 
Hypnotismus; 8. 2. A. Prowe, die Ausgrabungen Schliemanns; 
15. 2. LindaUi StoflTwechselökonomie bei der Atmung; i. 3. Feige, 
Menschliche Fehlbarkeit im Strafurteil : 8. 3. Cunerth, die ersten 
und letzten Dinge im Universum ; 15. 3 Curtze, Geschichte der 
Magnetnadel. 

Die festliche Beleuchtung des Denkmals am 19. Februar 
wurde ein für allemal durch Magistratsbeschluss angeordnet, (3.3.81) 
und wird seitdem von der Gasanstalt ohne besondere Erinnerung 
ins Werk gesetzt. 

Das Jahr 1882 brachte die amtliche Mitteilung des Oberpräsi- 
denten V. Ernsthausen von dem Abschluss des Vertrages über die 
Veröflfentlichung der Acta nationis Germanorum in Bologna. 
Im Sande verlief dagegen die schon beschlossene Beteihgung der 
Stadt an der vom Verein „Herold" veranstalteten heraldischen 
Ausstellung in Berlin infolge der Erkrankung des Grafen Stillfried. 
Desgleichen ein von Bender angeregtes Gesuch um eine bedeuten- 
dere Ausführung der geplanten Garnisonkirche, weil die Regierung 
diese Absicht vorläufig aufgab ; wir wissen ja, dass es nicht für 
immer geschah, und dass die schliesshch errichtete Garnisonkirchc 
eine würdige Zierde der Stadt bildet. — Gern hätte man das 
Originalmodell von Soemmerrings Telegraphen für seine Vater- 
stadt erworben. Da aber der Besitzer Hofrat Soemmerring es nicht 
aus den Händen geben wollte, sondern nur gestattet hatte, dass 
Siemens und Halske eine Nachbildung davon für das Reichspost- 
museum anfertigten, so zog der Verein beim Staatssekretär Dr. 
Stephan Erkundigung über die Kosten ein. Diese betrugen 450 M., 
und für diesen P^eis ersuchte der V. die städtischen Behörden eine 



— 99 — 

zweite Nachbildung für das hiesige Museum zu beschaffen. Der 
Preis erschien wohl zu hoch ; tatsächhch ist sie nicht beschafft 
worden. Auch von weiteren Schritten für das Soemmerring- 
denkmal sah man ab, weil die Errichtung noch nicht in Aussicht 
stand (3 3. 82). 

Ein in der Marienkirche befindliches Bild der Stadt Thorn 
vom Jahre 1590 veranlasste den Verein eine Sammlung von Photo- 
graphien alter Ansichten der Stadt anzulegen und zu verviel- 
fältigen. Sehr erwünscht war es ihm, dass der Stadtrat Lambeck 
eine Reihe von 9 Lieferungen monographischer Darstellungen aus 
der urkundlichen Geschichte der Stadt von der Hand des Dr. 
Kestner erscheinen Hess **'). 

hizwischen erschien auch das 4. Heft der Mitteilungen, ent- 
haltend eine kritische Vergleichung der beiden Handschriften des 
Commentariolus von Curtze ; eine Erörterung der Frage über das 
Geburtshaus des Coppernicus von Adolph, und eine in entgegen- 
gesetztem Sinne von Bender nebst andern urkundlichen Beiträgen 
zur Familiengeschichte des C. ; ferner Nachrichten über einen der 
unmittelbaren Vorgänger des Coppernicus, Celio Calcagnini von 
Ferrara, nebst einem Abdrucke der Schrift desselben „über die 
Jahresbewegung der Erde" von dem Ehrenmitgliede Dr. Hiplen 
Um die Mittel für den Druck dieses Werkes zu beschaffen, über- 
wiesen die Herren welche in den Jahren 1880 und 1882 öflTentliehe 
Vorlesungen gehalten hatten, dem Verein 480 M. aus dem Erlöse 
derselben, während sie der Jungfrauenstiftung 280 M. zuwendeten, 
und den Direktoren des G3'mnasiums und der Töchterschule je 
80 M. zu direkten Unterstützungen zur Verfügung stellten. Eine 
neue Reihe Vorlesungen unternahmen 7 Herren, nämlich 17. i. 83 : 
Herford, Das Jenseits nach antiker und nordisch germanischer 
Vorstellung; 31. i.: Dr. Meyer, Das Wesen der Homöopathie und 
der gerechtfertigte Kampf gegen sie; 7. 2.: Keissncr, Die deutsche 
Küste ; 14. 2. : Kah, Die Freiheitsentziehung als Straf- und Besse- 
rungsmittel ; 28. 2 : Dr. Winselmann, Die Spaltpilze und Kochs 
Entdeckung des Tuberkelbazillus ; 7. 3. : Dr. Cunerth, Die ersten 
und letzten Dinge im Universum und die Grenzen der Natur- 
forschung; 14. 3.: Dr. Horowitz, Das Platonische Gastmahl. Die Vor- 
lesungen begannen um 7 Uhr. Der Eintrittspreis betrug i M. (Th. Z.) 

Das Stipendium erhielt der Cand. phil. Hasenbalg auf Grund 
seiner Arbeit über Kants Philosophie. Dem bisherigen Stipendiaten 
Paul Preuss wurde für seine als gleichwertig beurteilte Arbeit eine 
Summe aus Vereinsmitteln zugebilligt. 



-^ 100 - 

Der Beitrag zur Verteilung von Büchern am Schillertage 
wurde von 9 M. auf 18 M. erhöht (7. 11. 82). 

Von den 18 Gesellschaften, welche dem Schriltenaustausch 
beitraten, seien hier genannt die Academia dei Lincei in Rom, die 
Smithsonian Institution in Washington und der polnische wissen- 
schaftliche Verein in Thorn. 

Unter den Bfichergeschenken befand sich diesmal die kost- 
barste Gabe, welche der Verein überhaupt erhalten hat, das Lebens- 
werk seines Vorsitzenden Prof. Dr. L. Prowe, Nicolaus Cop- 
pernicus. Erster Band : Das Leben Thl. i und 2. Berlin 1883. 

Vom 18. Mai ab fanden die Sitzunf^en im Hotel Sanssouci 
statt, weil der Schützenwirt seinen — übrigens schwer zu erhei- 
zenden — Saal verweigert hatte. 

Den Sitzungen im Juli und August, in welchen kein Vortrag 
gehalten wurde und auch sonst wenig Bedeutendes vorlag, wohnten 
4 und 6 Mitglieder bei, während gewöhnlich der Besuch zwischen 
20 und 30 betrug. Als froh begrüsste Gäste nahmen an der 
Septembersitzung der Geh. Ob -Reg.-Rat Dr. Meyer aus Berlin und 
der Ob.-Lds.-Ger.-R. Dr. Meisner aus Posen Teil, an der Februar- 
sitzung Herr Ob.-Reg.-R. Goedecke aus Marienwerder. 

Der Tod entriss dem Vereine den altverdienten Schatzmeister 
seiner ersten 6 Jahre, wie schon vorher des Denkmalsvereins, 
Kalkulator Schoenfeld, der schon im J. 1822 in den städtischen 
Dienst getreten war, und den vor einigen Jahren aus Krakau ein- 
gewanderten Kaufmann Misses, dessen im Verein 1877 gehaltene 
Gedächtnisrede auf Spinoza gleich einer „Kritischen Darlegung der 
jüdischen Geheimlehre" im Druck erschienen war. Einen hohen 
und sehr wohlwollenden Gönner verlor der Verein in seinem 
EhrenmitgHede, dem Grafen Stillfried v. Rattonitz, der am 8. August 
1882 zu Silbitz in Oberschlesien starb. — Von ordentlichen Mit- 
gliedern schieden aus Thorn die Herren Kausch, Schienther, 
Weidlich, Schiller, Schlau und Dr. Meisner. Es traten ein R.-Anw. 
Gimkiewicz, Kfm. Dr. Kuznitzki, Amtsrichter Kah, Major Fabricius, 
Baumeister Uebrick, Kfm. Max Glückmann, Gy.-L. Toeppen, Kais. 
Bankdirektor Junck. Zu Ehrenmitgliedern wurden gewählt Bgm. 
Hagemann zu Danzig, Oberst Kausch. Major Weisse; zum korre- 
spondierenden Mitgliede Dr. Houel in Bordeaux. 

Hptm. Weidlich sandte sein Lichtbild für das Album, dessen 
Vervollständigung am 5. 2. 83 Rentier Hennig und im nächsten 
Jahre Professor Hirsch übernahm. 



— 101 — 

Vermögen des Vereins 3300 M., der Stiftung 3002 M., für 
Jungfrauen 2729 M. Die Rechnung wurde vom Dr. Kuznicki geprüft. 

In den Vorstand trat an Dr. Meisners Stelle der Bürgermeister 
Bender als zweiter Schriftführer, übernahm auch den Vorsitz im 
Vergnügungsausschuss. Ein Neujahrsgruss ging, wie gewöhnlich, 
von Prof. Pellicioni ein, Festgrüsse zum 19. 2. 83. von Weisse und 
Meisner. 

Vorträge 1882: Adolph, das Taufbecken in der Johannis- 
kirche zu Thom ; Bender, i) Kirchliche Bewegungen in Thorn zur 
Zeit der Hussitenkämpfe (Festvortrag 19. 2. 82), 2) Andreas Kop- 
pemigk als Sachwalter der Stadt Thom in Rom ; Boethke, Rieh. 
Wagners Parsifal im Verhältnis zur Dichtung Wolframs von Eschen- 
bach ; Cunerth, i) Vergangenheit und Zukunft der Erde, 2) Der 
elektrische Telegraph von Sam. Th. Soemmerring ; Curtze» i) Ge- 
schichte der Magnetnadel, 2) Das neu zu eröffnende Coppemicus- 
museum in Rom ; Feige, Menschliche Fehlbarkeit im Strafurteil ; 
Hennig, Zahns pompejanische Wandgemälde ; Herlord, i) Das 
Jenseits nach antiker und nordisch-germanischer Vorstellung, 2) Mak- 
karonische Poesie; Kah^ die Freiheitsentziehung als Straf- und 
Besserungsmittel ; Kauseh, Land- und Seewehr im 7J. Kriege ; 
Meisner, die Stellung des Deutschtums in Ungarn ; Dr. med. Meyer, 
die Homöopathie und der berechtigte Kampf gegen sie ; A. Prowe, 
das Evangelium von Jesu im Verhältnis zur Buddhalehre nach 
Seydel ; Schiller, die Weinanalyse ; Stachowitz, ein episch dra- 
matisches Gedicht des alten Testaments (zugleich Festvortrag am 
19. 2. 1883); L. Prowe, i) Die Wohnung und Beobachtungswarte 
von Coppernicus, 2) Nie. Coppernicus und Joh. Dantiscus, 3) Der 
Briefwechsel des Prinzgemahls Albert mit unserm kronprinzlichen 
Paare nach Th. Martin. 

Vorgelegt wurden Archivalien von Bender, kunstgeschicht- 
liche Bildwerke von Kausch und Hennig, eine Besprechung von 
Franz Hirschs Aennchen von Tharau (durch Brohm), die Henne- 
bergersche Landtafel, handschriftliche Aeusserungen aus dem 15. 
Jahrh. über die koppemikanische Weltanschauung, Werke über 
Galilei, Ansichten von neueren Architekturen (diese bes. vom Reg.- 
Baumeister Tieffenbach) u. dgl. 

Im folgenden Jahre (1883) übersandte Malagola dem Verein 
den zwischen ihm, dem Grafen Malvezzi und der Akademie der 
Wissenschaften in Berlin abgeschlossenen Vertrag, wonach er in 
Bologna die Abschrift der Statuten der Natio Germanorum von 
1497, der Privilegien und des i. Bandes der Annalen (bis 1495) ^^ 



— 102 — 

besorgen hatte, eine endgültige Vergleichung der Abschrift mit der 
Urschrift in Berlin veranstaltet, und dann das Ganze als Werl^ 
Malagolas und des Staatsarchivars Dr. Friedländer gedruckt, die 
Kosten aber aus dem Savignyfonds bestritten werden sollten. 

Einem Antrage von Weisse, dahin zu wirken, dass der inter- 
nationale Meridian über Thorn gelegt werde, gab der Vereiri 
keine Folge. 

Zur Richtigstellung einer Notiz im 4. Hefte der Mitteilungen 
erklärte Prof. Kaltenbrunner in Innsbruck, „die Gregorianische 
Schaltregel entspreche ganz dem koppernikanischen Jahresansatze. 

(3. 9. 83)- '') 

Der 400jährige Geburtstag Raphael Sanzios wurde am 28. 
März 1883 aus zufälligen Gründen in Italien weit weniger allgemein 
und grossartig begangen als der Michelangelos 1875. ^^^^ einfache 
Feier fand unter lebhafter Beteiligung auch hier, in gleichem Rahmen 
wie damals, am 15. April in der Aula des Gymnasiums statt. 
Kupferstiche und farbige Kopien waren in grosser Zahl ausgestellt; 
den Festvortrag hielt Dr. A. Prowe. Die Büsten beider Künstler 
wurden unter Vorbehalt der höheren Töchterschule überwiesen. 

Die Teilnahme an den Ausstellungen des Kunstvereins 
hatte merklich nachgelassen, und schien weder den Aufwand an 
Kosten noch den an Arbeit mehr zu lohnen. Der Kunstverein löste 
sich daher auf, und die Kunstausstellungen ruhten bis 1901. 

Die Zeitschriften des Vereins lagen Sonntags von 12—2 in der 
Konditorei von Brien aus. 

In Marienburg entstand ein Verein zur Wiederherstellung 
und Ausschmückung des Hochschlosses. Unser Verein erklärte sich 
bereit diese Bestrebungen mit Wort und Tat zu unterstützen. Das 
tut er bis jetzt nach Kräften, und erfreut sich dafür auch der leb- 
haften Teilnahme des Baurats Steinbrecht an seinen Arbeiten. 

Photographische Abbildungen wurden von den Schnitzereien 
der Marienkirche (7. 5. 83), sowie von Schriftstücken des Copper- 
nicus oder auf ihn bezüglichen (7. i. 84) angefertigt, und für solche 
Zwecke die Unterstützung der Grafen Nostitz und Malvezzi, sowie 
zur Bestreitung der Kosten die Beihülfe des Provinzial-Landtags 
in Anspruch genommen (3. 12. 83). 

Die von Curtze wiederholt beantragte hypothekarische Ein- 
tragung bezüglich der Gedenktafel für Bogumil Goltz wurde von 
Appel besorgt, und die notarielle Urkunde darüber am 5. 11. 83 
vorgelegt. 



— 103 — 

Auf Anfrage der Kommandantur sprach sich der Verein für 
den Abbruch des Katharinentores als eines geschichtlich und 
künstlerisch wertlosen Verkehrshindernisses aus. Wie der Magistrat 
diese Frage aus freien Stücken dem Verein vorgelegt hatte, so 
liess er sich auch durch einen Antrag des Vereins zur Anschaffung 
des bei Wachsmuth erschienenen V^erkes von Cuno und Schaefer 
Holzarchitektur des 14. — 18. Jahrh.'s bestimmen. 

Ueber eine neugefundene Mfitzenurne hatte Herr Dr. med. 
V. Rozycki in Thom einen Bericht verfasst, den er in 5 Exemplaren 
durch Dr. Meyer dem Verein übersandte. 

Zur Silberhochzeit des Kronprinzenpaares liess der Verein das 
Festgedicht von A. Prowe, welches er am 8. 2. 1858 der jungen 
Kronprinzessin hatte überreichen lassen, in gleicher Ausstattung 
neu drucken. 

Die Julisitzung fiel ganz aus, die des August fand nur pro 
forma statt. 

Die Wichtigkeit des hiesigen Archivs wurde in ein deutliches 
Licht gestellt durch ein von Tietzen aufgefundenes Schreiben des 
Grossen Kurfürsten an Johann Sobieski über die den Protestanten 
in Ungarn zu gewährende Duldung, welches im Berliner Archiv 
vergeblich gesucht worden war und dem Verein in der September- 
sitzung vorgelegt wurde. 

Das Stipendium erhielt wiederum Paul Preuss für seine Zu- 
sammenstellung der interessanten Pflanzen in den Kreisen Thorn 
und Kulm. Dem Stud. Hasenbalg wurde für seine Bestimmung 
der Dichten von Gasen und Dämpfen ein Accessit aus Vereins- 
mitteln zuerkannt. Beurteiler waren Cunerth und Bungkat. 

Von den ordentlichen Mitgliedern starb Kfm. Baerwald, der 
seit mehreren Jahren ständig die Jahresrechnungen geprüft hatte. 
Den Ort verliessen Hoppe (2. Vorsitzender seit 1874), Tieffenbach, 
Nischelsky, Lynker, Martini, v. Heyking. Sie wurden fortan als 
korrespondierende Mitglieder angesehen. Curtze erklärte infolge 
eines Missverständnisses, welches ich mir nicht mehr klar machen 
kann, zu allseitigem Bedauern seinen Austritt. Erst im folgenden 
Jahre gelang es der Vermittelung v. Hollebens, den Wiedereintritt 
herbeizuführen (8. 12. 84). Dagegen traten ein Gy.-L. Bungkat 
und Günther, Apoth. Nathan, Pfarrer Jacobi, Major Freyberg, 
Just.-R. Scheda, Amtsrichter Martell, Oberl. Marks, Kfm. Ritt- 
weger, Oberst Bering. 

Zu Ehrenmitgliedern wurden Reg.-R. Hoppe zu Trier und 
Überlandesgerichtsrat Dr. Meisner zu Posen ernannt. 



— 104 — 



1 



Die Rechnung wurde vom Zahlmeister Mann geprüft. Das 
Vereinsvermögen betrug 3931 M. 35 Pf. 

Den Vorstand bildeten für das folgende Jahr L. Prowe, 
V. Holleben (seit dem 9. 4. 83^, Cunerth, Bender, Fasbender. 

Die Zahl der ordentlichen Mitglieder stieg auf 89. 

Vorträge: Adolph, das Schlachtfeld von Königgrätz ; Bender 
I) (an Stelle des in Marienburg zurückgehaltenen Reg.-Bauni. 
Steinbrecht, dem für sein Werk der Dank des V.'s ausge- 
sprochen wurde) die Ordensbauten in Thorn, 2) das Werk Kqtrzj'nskis 
über die polnische Bevölkerung des Ordenslandes Preussen ; Prof. 
Boethke i) der Parthenon zu Athen, nach Winckler *®j, 2) der 
kategorische Imperativ Kants; Cunerth, die ersten und letzten 
Dinge im Universum und die Grenzen der Naturforschung ; Fabri- 
cius, die Verteidigungsfähigkeit des preussisch-russischen Grenz- 
gebiets ; Herford, die proven^alischen Troubadours ; Horowitz, 
das Platonische Gastmahl ; Kah; der Hexenprozess gegen Keplers 
Mutter; Dr. Meyer, die allg. deutsche Ausstellung für Hygiene; 
A. Prowe i) Raffael und seine Werke, 2) lieber A. P. Sinnett 
Esotheric Buddhism ; Pf. Stachowitz i) der episch dramatische 
Charakter des Buches Hiob, 2) die Blume von Saron ; Uebrick, 
Bauliche Formengebung auf Grund ästhetischer Gesetze; Dr. WiBsel- 
mann, die Spaltpilze und die Kochsche Entdeckung des Tubcrkel- 
bazillus ; L. Prowe i) der Türkenkrieg und die Belagerung Wiens 
1683, 2) die Lage der ehemaligen Wohnhäuser von Roesner und 
Zemecke, 3) die Zeichnungen Chodowieckis von seiner Reise . 
nach Danzig 1773. 

Das Festessen am 19. 2. 84 war so schwach besucht, dass . 
man am 3. 3. 84 beschloss es fortan zu unterlassen, sofern nicht 
ein besonderes Verlangen danach ausgesprochen werde. 

Vom 31. bis 34. Jahre. 



Im Jahre 1884 trat der Verein auf Veranlassung der Provin- 
zialkommission (Schreiben vom 18. Mai) in Verhandlungen mit 
derselben ein, um sich durch Austausch von Fundstücken eine 
laufende Subvention zu sichern, und zugleich durch Abgrenzung 
der Arbeitsfelder eine gegenseitige Ergänzung und ein einheitliches 
Ineinandergreifen herbeizuführen. Doch weigerte er sich, seine 






— 105 - 

Mitteilungen der Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins 
organisch anzugliedern, schon um des ihm werten Schriftenaus- 
tausches willen. Die Provinzialkommission sah darin die bedauer- 
liche Ablehnung eines auf erspriessliches Zusammenwirken gerich- 
teten Vorschlages. Aber indem sie ihr Befremden darüber aussprach, 
führte sie weitere Verhandlungen herbei, in welchen eine volle 
Einigung über das Maass dieses Zusammenwirkens erzielt, und doch 
die örtliche Selbständigkeit des Vereins, seiner Mitteilungen und 
des städtischen Museums gewahrt wurde. Das V^erdienst dieser 
Einigung gebührt vorzugsweise dem Bürgermeister Bender (9. 6. 84: 
5. I. und 2. 2. 85). 

Der Verein wurde von dem fortschreitenden Druck der 
Acta naiionis Germanorum regelmässig in Kenntnis erhalten 
(31- 3. 84). 

Des Ueberflusses an Zeitschriften suchte sich der Verein 
trotz eines früher gefassten Beschlusses doch auch jetzt zu ent- 
ledigen, indem er sie sachgemäss an die Gj^mnasial- und Ratsbiblio- 
thek verteilte; Dagegen bemühte er sich den Schriftenaustausch 
planmässiger zu gestalten und auf die Geschichtsvereine auszu- 
dehnen (9 6. 84). 

Die photographischen Aufnahmen aus der Marienkirche 
wurden vollendet (9. 6. 84). Die Provinzialkommission bewilligte 
dazu eine Beihülfe von 200 M. (8. 9. 84). Auch konnten die photo- 
graphischen Abbildungen von Schriften des Coppernicus bei der 
Jahressitzung vorgelegt werden. Durch die Nachbildung seiner 
Unterschriften wurde deutlich erwiesen, dass er sich mit pp schrieb, 
und den Ton auf die erste Silbe seines Namens legte. Die im 
Vorjahre vom Verein angenommene Schreibweise war damit end- 
gültig gerechtfertigt. 

Die Wiedererweckung des eingegangenen Kunstvereins wurde 
vom Major Fabricius erfolglos beantragt (3. 11. 84; 5. i. 85). 

Für die Ausschmückung des Hochschlosses der Marienburg 
bildete sich hierorts ein besonderes Komitee, so dass die Tätigkeit 
des Vereins dazu nicht in Anspruch genommen wurde. Sein 
Interesse daran blieb natürHch das gleiche. 

Vergnfigungsabende hatten am 28. 11. 83 und i. 3. 84 statt- 
gefunden ; ihre Kostendeckung wurde am 5. 5. und 9. 6. 84 geordnet. 

Der Verein konnte seinen Ehrenmitgliedern Proflf. Roepell 
und Galle in Breslau seine Gifickwünsche zu ihrem 50J. Dok- 
torjubiläum darbringen (5. 5. 84). 



— 106 — 

Ein Geschenk der Regierung zu Marienwerder, 14 Karten 
über die konfessionellen V^erhältnisse des Bezirks, überwies der Ver- 
ein der Ratsbibliothek. 

Als literarische Gaben empfing der Verein die Abhandlung 
des verstorbenen Dr. Thompson „American Comments on European 
Questions", die Schrift Malagolas „I libri della nazione Tedesca 
presso lo Studio Bolognese", die Sammlung wissenschaftlicher Vor- 
träge des Prof. Dr. Foerster in Berlin, einen Balladenkranz von 
Propst Lehmann, die Kritiken Favaros und Pellicionis über Prowes 
Coppernicuswerk ^\ und von der Deputirtenkammer Italiens den 
Sitzungsbericht mit der Gedächtnisrede auf den verstorbenen 
Minister Sella. 

Das Stipendium erhielt auch diesmal Paul Preuss mit einer 
Abhandlung über die Blattstiele dikotyler Laubhölzer, auf Grund 
der Beurteilung durch Kutzner, Bungkat, Lindau, Cunerth. 

Die Vergnfingskommission bildeten Wisselinck, Hirsch, Zie- 
mer, H. Schw^artz jun., Huebner, Wentscher. 

Den Wiedereintritt Curtzes in den Vorstand führte Cunerth 
durch seinen Rücktritt herbei. 

Aus Thorn schieden die Mitglieder Hasenbalg (Sprottau), Stein- 
berg, Teschke, Strehlke (Berlin), Loewe. Dagegen traten wieder 
ein Curtze und Rafalski, und neu Leutnant Eyssenhardt, R.-Anw. 
Radtke, Major Ziemer, Gymn.-Dir. Dr. Hayduck, Hauptmann 
Hepke. 

Das Vermögen d. V. stieg auf 4160, das der beiden Stif- 
tungen je über 3000 M. Die Rechnungslegung fand in der Mo- 
natssitzung des Februar statt, und sollte fortan nie mehr am 19. Fe- 
bruar vorgenommen werden. Auch wurde beschlossen die Gegen- 
stände der Vorträge vor den Sitzungen im lokalen Teile der 
Zeitungen bekannt zu machen. 

Die Sitzungen wurden wegen anderweitiger Inanspruchnahme 
der Räume von Sanssouci wieder in den Artushof verlegt (6. 10. 84). 
Doch fanden noch mehrere Sitzungen im Saale von S. statt, z. B. 
die vom 5. 1. 85. 

Festvortrag am 19. 2. 85: Boethke, die Autorschaft 
Shakspeares und die Bacontheorie. 

Monats vortrage : Bender i) Der Stadterweiterungsplan 
von Thorn, 2) Die Darstellung des Thorner Blutgerichts von 
Frydrychowicz ; Bungkat, die Versuche durch Kunst Gold zu 
erzeugen; Cunerth, Elektrotechnik; Curtze, Jordanus Nemo- 
rariüs ; Herford, der Mythus von Thor ; Jacobi, i) Skizzen 



— 107 — 

aus Schleiermachers Jugendzeit, 2) Die Jungfrau von Orleans ; 
Martell, die Begrenzung des deutschen Sprachgebiets; Nathan, 
Wasseruntersuchungen und eine Wasserleitung in Thorn ; Toeppen, 
die Verbreitung der lateinischen Sprache über Italien ; Ziemer, die 
Ereignisse im ägyptischen Sudan 1882/4; L. Prowe, i) Der Glo- 
bus von M. Behaim 1492, 2) Die Einführung des einheitlichen Meri- 
dians. 

Fcstgrüsse zum 19. *2. 85 sendeten Dr. Meyer (Berlin). Hoppe 
(Trier), Weisse (Höxter), Meisner (Posen), Lehmann (Schkölen). 

Im Jahre 1885 eröffnete sich ein neues Arbeitsfeld durch die 
aufgefundenen archivalischen Nachrichten über den Thorner Wein- 
bau, die Lage der Weingärten (Klösterchen, Trepposch, Mocker, 
Simnau), ihre Erträge, die Qualität des Weins, der „fast säuerlich 
pflegte zu sein," aber in einzelnen Herbsten „fast milter über seine 
gewöhnliche Art und sehr viel wert" war. Der Verein fasste die 
Anpflanzung von Wein als Speiseobst und mit anderem Obst zu 
sammen ins Auge, und betrachtete die ganze Unternehmung als ein 
Mittel zur Hebung des Obstbaues in Westpreussen. Er pachtete 
zu diesem Zwecke ein der Festungsverwaltung gehöriges Gelände 
auf den sog. Weinbergen, bewilligte auch 100 M. für die Unter- 
suchung desselben. Die Genehmigung des Kriegsministeriums er- 
wirkte der Kommandant v. Holleben, welcher überhaupt, wo nicht 
der Vater des Gedankens, so doch die Seele des Unternehmens 
war. Ausser ihm wurden in die betreffende Kommission gewählt 
Rafalski, Kasten, Appel, H. Schwartz jun. mit dem Rechte der 
Zuwahl. In einer ausserordentlichen Sitzung am 17. 10 85 hielt 
Herr Gartenbaudirektor Bromme aus Grünberg einen ausführlichen 
Vortrag im Schützenhaussaale. Nach seiner Ansicht war das Ge- 
lände gleichwertig mit den Weinbergen bei Guben und Grünberg. 
So trat man denn mit gutem Mute in die Vorarbeiten ein. 

Die Bibliothek des Vereins stellte Dr. Cunerth in seinem 
Direktorzimmer auf, und übernahm ihre Verwaltung (8. 6. 85). Das 
dem Verein im Rathause eingeräumte Zimmer wurde für städtische 
Verwaltungszwecke gebraucht (8. 9. 85). Die Restbestände der 
Säkularausgabe fanden vorläufig in der Gymnasialbibliothek Aufnahme. 

Der Verein empfahl ferner dem Magistrat die Errichtung eines 
Wetterhäuschens aus Backstein nach dem Entwürfe von Rehberg, 
und stellte den Betrag für die Instrumente (150 M.) zur Verfügung. 
Auch für die Bezeichnung des 53. Breitengrades wurden 20 M. aus- 
geworfen, aber nicht verausgabt. 



-^ 108 — 

Die Ordnung des Umlaufs der Zeitschriften im Lesezirkel 
übernahm Oberl. Günther. Der Verein bewilligte wiederholt Sum- 
men für die Kosten dieses Zirkels. 

Den Vertrieb seiner eigenen Druckwerke suchte er durch 
Herabsetzung des Kaufpreises und Angebot an Antiquare zu för- 
dern (8. 9. 85). 

Dem in Königsberg gebildeten Komitee für eine i. J. 1887 zu 
veranstaltende kulturhistorische Ausstellung im Moskowitersaale 
trat der Verein auf Einladung bei. GlQckwQnsche sandte der V. 
dem V. für Mecklenburgische Geschichte in Schwerin und dem V. 
für Naturkunde in Kassel zu ihren 50J. Bestandsfesten am 24. 4. 85 
und 18. 4, 86. Auch trat er in den Schriftenaustausch mit der 
neu gegründeten Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen 
(8. 6. 85). — Dem Museum überwies er ein aus einem Hüftknochen 
gefertigtes Beil, Geschenk des Frov.-A. Assistenten Rausch (8. 2. 86). 

Bei der Generalversammlung des Vereins für den Ausbau der 
Marienburg am 13. Juni 1885 wurde der Verein durch Curtze ver- 
treten. Dort wurde die bekannte Schlossbaulotterie beschlossen. 
Der Verein kaufte 10 Loose. 

Die beim Abbruch des X'orderhauses der Synagoge gefährdete 
Treppe wurde nunmehr dadurch geborgen, dass der Magistrat sie 
im Rathause unterzubringen beschloss (13. 4. 85 N. i und 7). 

Der Druck der Akten der deutsehen Nation schritt nach 
Mitteilung Friedländers bis zum 30. Bogen fort. 

Den in den Schriftenaustausch eingetretenen Akademien wurden 
noch jetzt Exemplare der Säkularausgabe gesendet (8. 6. 85). 
Dem Erbprinzen von Meiningen überreichte der 2. Vorsitzende 
persönlich den Festbericht (8. 9 85). 

Nach dreijähriger Pause traten wieder 6 Mitglieder zu einem 
Zyklus öffentlicher Vorlesungen zusammen. Es lasen am 3. 2. 86 
Grossmann über die Baukunst im Zeitalter der Renaissance; am 
20. 2. Herford über Emanuel Geibel ; am 24. 2. v. Gentzkow über 
Wilhelm v. Kaulbach ; am 3. 3. Mariell über Suarez, den geistigen 
Urheber der preussischen Gesetzgebung von 1784/94; am 10. 3. 
Horonritz über Schopenhauer und den Pessimismus ; am 17. 3. 
Cunerth über Klima und Wetter und ihren Einfluss auf das orga- 
nische Leben. 

Für das Stipendium gingen 6 Bewerbungsarbeiten ein. Den 
Preis trug wiederum Paul Prcuss davon mit einer Abhandlung 
über die Beziehungen zwischen dem anatomischen Bau und der 
physiologischen Funktion der Blattstiele und Gelenkpolster. Dem 



— 101) — 

Cand. med. Herrn. Philipp wurde für seine Arbeit über den Schlangen- 
biss eine Beihülfe gewährt. 

Die Rechnung wurde von Herrn Huebner geprüft. 

Das zu 6 7» ^uf Hypothek stehende Kapital wurde von dem 
Schuldner gekündigt, und musste vorläufig bei der Kreditgesell- 
schaft untergebracht werden (8. 9. 85). Es wurde sodann unter 
Erhöhung auf 4ooo M. in einem konsolidirten Staatsanleiheschein 
angelegt. 

Das Komitee für die geselligen Abende wurde, da 3 Mit- 
glieder wegen Trauer und Krankheit austraten, neu gebildet aus den 
Herren Ziemer, Wentscher, Huebner, Fabricius, Martell. 

Da auch der Saal in Sanssouci nicht mehr zur Verfügung 
stand, so wurden die Sitzungen ganz wieder in das Schützenhaus 
verlegt, und mit dem Wirt ein Vertrag geschlossen (7, 12. 85). 

Es schied aus Rechtsanwalt Werth, ferner durch Tod 4 ver- 
diente Mitglieder, der intelligente Maurermeister und Stadtrat 
E. Schwartz, Erbauer des hiesigen Schlachthauses (28. 6. 85), der 
Kreisphysikus Sanitätsrat Dr. Kutzner (18. 5 85), der Rentner, 
frühere Rittergutsbesitzer Hennig, der sorgsame Pfleger der Schmiede- 
bergschen Anlagen (20. 12. 85) und der Landgerichtsrat Oloff 
(14. 2. 86 zu Arco), endlich durch Wegzug die Herren Radtke, 
Freyberg, Hepke (nach Engers), Kasten (nach Posen). Aufgenommen 
wurden Reg.- und Baurat Grossmann, Apotheker Dr. Huebner, 
Major V. Gentzkow, Kreisphysikus Dr. Siedamgrotzky. Ehren- 
mitglied wurde der Kgl. Baurat Steinbrecht in Marienburg. 

Im Vorstande trat an Benders Stelle Major Ziemer. Derselbe 
hielt am rg. 2. 86 den Festvortrag über Westpreussen unter 
Friedrich dem Grossen. 

Monatsvorträge 1885/6 : Boethke, Vorgeschichtliche Funde 
in Nordamerika ; Bungkat, Die Gewinnung der Edelmetalle, mit 
Vorlegung von Gold- und Silberstufen, welche ein früherer Schüler 
dem hiesigen Gymnasium zugewendet hat; Curtze, Eine einst dem 
Coppernicus gehörige Handschrift, welche die italienische Regierung 
unter den Ashburnhamhandschriften erworben hat; v. Gentzko^v, 
Skizzen zur Charakteristik der heutigen Franzosen (am geselligen 
Abend 31. 10. 85) ; Grossmann, Die Baukunst der Renaissance ; 
GOnther, Das mittlere Afrika in der römischen Kaiserzeit; Hepke, 
Der Feldzug der Franzosen in Tongking ; v. Holleben, Der 
Weinbau Thorns im Mittelalter, ergänzt durch Mitteilungen Benders 
aus den Zinsbüchem des Archivs, besonders vom J. 1372 ; Horo- 
witz, Arthur Schopenhauer ; Kah, Zwangserziehung ; Martell, 



— 110 — 

Suarez (s. o.) ; Rehberg i) Entwurf eines Wetterhäuschens für 
Thorn, 2) Das Werk Steinbrechts „Thorn im Mittelalter** ; L. Prowe 
i) Die Schranken der historischen Kritik und das Recht der tradi- 
tionellen Beglaubigung, 2) Die kosmischen Anschauungen der 
Griechen bis auf Plato und Aristoteles, 3) Reimanns Historia 
Antediluviana. — 

Die früher vor der Festsitzung am 19. Februar üblich ge- 
wesene geschäftliche Sitzung kam nunmehr ganz in Wegfall. 

Im Jahre 1886 begann die Dulderzeit des ersten Vorsitzenden. 
Zwar leitete Prof. L. Prowe noch meist die Versammlungen, und 
hielt auch Vorträge ; allein die asthmatischen Beschwerden nahmen 
gegen Ende so zu, dass er die Vorlesung des von ihm abgefassten 
Jahresberichts seinem treuen Helfer Curtze übertragen musste. 
Dieser Bericht ist verloren gegangen, und wurde durch einen Pro- 
tokollauszug ersetzt, der hier mit einigen Ergänzungen wiederge- 
geben wird. 

Es schieden aus dem Verein durch den Tod Major Rafalski, 
Reg.-Baurat Grillo, Gymn.-L. a. D. Dr. Rudolf Brohm (in der i. 
Stunde des neuen Jahres). Ihm widmete der Vors. am 3. Jan. 87 
folgenden Nachruf: 

„Rudolph Brohm, eins der ältesten und verdientesten Mit- 
glieder (schon dem Denkmal verein angehörig) hat nicht nur un- 
mittelbar, durch seine mehrjährige Tätigkeit im Vorstande, sondern 
ebenso mittelbar, bei der Vielseitigkeit seiner Bildung und dem stets 
regen Eifer für alle geistigen Interessen, die Zwecke des Vereins 
jederzeit zu fördern gewusst. Seine recht gelungene Uebersetzung 
der Antigone ist zur 3. Säcularfeier des hiesigen Gymnasiums auf 
Kosten des Vereins gedruckt worden. Das grösste Verdienst jedoch, 
auch für die weitesten Kreise, hat er sich durch die einfach stolze, 
schöne Inschrift erworben, welche auf der Coppernicusstatue in 
unserer Stadt prangt". — 

Brohm war geboren zu Posen den 27. Juli 1807. Sein Vater, 
Dr. Carl Friedrich August B., damals Professor am dortigen Gym- 
nasium, wurde 1810 nach Berlin (gr. Kloster) und 181 7 als Direktor 
an das Thorner Gymnasium berufen. Rudolf trat damals in die 
Quarta ein, erwarb sich 1825 das Reifezeugnis mit N. i, und stu% 
dirte dann in Berlin, zuerst Theologie, dann Philologie. Als seine 
Lehrer verehrte er vorzüglich Schleiermacher, Neander, Boeckh und 
M. Ohm. Im Nov. 1828 trat er in Thorn sein Probejahr an, und 
wurde nach mehrjährigem unentgeltlichem Unterricht, wie es damals 
üblich war, 1832 als w. Hülfslehrer, später als ordentlicher Lehrer 



- 111 — 

angestellt. Er promovirte 1836 in Leipzig. Er blieb Junggeselle ; 
für eine behagliche Häuslichkeit sorgten seine beiden Schwestern. 
Ostern 1863 trat er in den Ruhestand. So fleissig er arbeitete, 
hat er doch ausser den hier erwähnten Journalartikeln und der 
Antigone meines Wissens nur die Programmabhandlung De iure 
virginum Vestalium, femer Tabellen zur griechischen Formenlehre 
(1838 und 1848), die 5. Auflage der von seinem Vater veranstalteten 
Ausgabe des Phaedrus und eine Ausgabe des lateinischen Geschicht- 
schreibers Orosius veröffentlicht. Für Thorn war er neben Goltz 
ein eigentümliches Wahrzeichen. 

Durch Verzug schied aus Bankdirektor Junck, nach Berlin ver- 
setzt Durch Rückkehr nach Thorn trat wieder ein Bankdirektor 
Eich. Aufgenommen wurden Kreisbauinspektor Klopsch, Fabrikant 
Tilk, Bankrendant Meier, Bankbuchhalter Koenig, Premierleutnant 
Reiniek. — Von den korrespondirenden Mitgliedern starb Prof. 
Dr. Houel in Bordeaux (6. 9. 86). 

Ueber den Druck der Acta Nationis Germanorum meldete 
der Geh. Archivar Friedländer, dass derselbe bis auf die von ihm 
und Malagola zu fertigenden Register und Einleitungen fertig sei. — 
Für die dem Verein gestattete Einfügung der Miniaturaufnahmen 
aus den Acta in das 5. Heft der Mitteilungen wurden die Kosten 
aus dem Ertrage der öffentlichen Vorlesungen des Winters 
1886/7 bewilligt. Ueber diesen im Ganzen 460,40 M. erreichenden 
Betrag verfügten die Vortragenden im Uebrigen zu Unterstützungen 
für Studirende, Gj^mnasiasten und eine Seminaristin, sowie zu Bei- 
trägen für die Denkmäler Schenckendorffs in Tilsit und Wilh. 
Müllers in Dessau. 

Die Obstbaufrage wurde so weit gefördert, dass durch 
Zeichnung von Aktien zu 10 M. ein Kapital von 950 M. zusammen- 
gebracht, das erforderliche Land (auf der Höhe des Jakobsberges) 
von der Fortifikation gepachtet, ein Voranschlag (von Thiele) auf- 
gestellt und die Arbeit begonnen wurde. Die finanziellen Geschäfte 
besorgte der Vorsitzende der Kommission, Kommerzienrat Schwartz, 
die Pflanzung M. Seh. Lehrer Appel. 100 M. bewilligte der Verein 
aus seiner Kasse. 

Behufs Neubildung eines Kunstvereins setzte der Verein 
einen Ausschuss nieder bestehend aus den Herren Fabricius, Bender, 
V. Gentzkow, Rehberg, Lambeck, Grossmann. 

Der Ausschuss für die geselligen Abende bestand aus den 
Herren Fabricius, Cunerth, Martell, Huebner, Wentscher, Ziemer. 
Derselbe veranstaltete ein Wintervergnügen. 



— 112 — 

Für die Bibliothek des Vereins wurde durch Herrn Prof. Dr. 
Hirsch ein Katalog angefertigt und ein Repositorium angeschafft. 
Die Kosten betrugen 150 M. (4. 10. 86). 

Der Leseverein hatte infolge des Austritts mehrerer Mit- 
glieder einen Fehlbetrag von 20 M., welcher aus der Vereinskasse 
gedeckt wurde. Die Zirkulation der Zeitschriften war in Unordnung 
geraten, wurde aber durch Herrn Appel, der sie übernahm, in 
Ordnung gebracht. 

Herr Oberlehrer Knötel in Glogau übersendete eine Mitteilung 
über einen bisher unbekannten Nicolaus Koppernigk in Franken- 
stein, durch welche die Vermutung, dass Coppemicus einer an der 
oberen Oder ansässigen Familie entstammt, sowie die vom Verein 
angenommene Schreibung des Namens eine neue Stütze gewann. 
K. wies mehrere Generationen von Koppernigks vor, welche der 
bergmännischen Bevölkerung der Umgegend von Silberberg ange- 
hörten. Die Kupfergruben der Gegend sind schon lange ausser 
Betrieb. 

Von den iiterarisehen Zusendungen ist zu erwähnen eine 
Abhandlung von Buszczynski in Krakau über die Bahnen der am 
II. 10. 52 und am 3. 12. 61 in Deutschland beobachteten Meteore, 
ferner das von Herrn Kultusminister übersandte Buch von Frl. 
Mestorf „Vorgeschichtliche Altertümer aus Schleswig Holstein*'. 

Am 70. Geburtstage Gustav Freytags, des Dichters von 
Marcus Koenig, beteiligte sich der Verein durch eine Spende 
Thorner Honigkuchen und einen warmen Festgruss. 

Von den 10 Loosen, welche der Verein zur Marienburger 
Schloss-Lotterie genommen hat, gewann eins 60 M. (2. 5. 86). 

Eine Rundfrage des Magistrats betreffs der für 1887 bevor- 
stehenden kulturhistorischen Ausstellung in Königsberg ergab 
eine allgemeine Geneigtheit dieselbe zu beschicken. 

Für das in Stavenhagen zu errichtende Reuterdenl<:mal er- 
richtete der Verein eine Sammelstelle (2. 5.) 

Das Coppernicus-Stipendium von 100 M. wurde am 19. 
Februar 1887 dem Stud. Paul Volkmann für seine Arbeit »Die 
experimentelle Ermittelung der räumlichen Lagerung der Atome" 
zuerkannt. Von Seiten der Beurteilungskommission, bestehend aus 
den Herren Bungkat, Cunerth, Meyer und Siedamgrotzky, wurde 
als gleichwertig bezeichnet die Abhandlung des Cand. med. Edgar 
Setzke „Ueber die physiologische Funktion der Bogengänge des 
Ohrlabyrinths'^ Da der Bewerber, weil nicht in Thorn geboren, 
hinter Volkmann zurückstehen musste, so wurde ihm aus Vereins- 



— 118 ~ 

mittein eine Unterstützung von 80 M. zugebilligt, zugleich aber be- 
schlossen, dass das kein massgebender Vorgang für die Zukunft 
sein solle. 

Die Rechnung prüfte Herr Glückmann. 

In den Sitzungen wurden folgende Vorträge gehalten: 
Dr. Meyer, Moderne Wundbehandlung; Curtze, Tycho Brahes 
und Keplers Briefwechsel mit Antonio Magini in Bologna; Jacobi, 
das Thorner Trauerspiel von 1724 und dessen Darstellung durch 
Frydrychowicz ; Fasbender, Aus den hinterlassenen Papieren 
Mettemichs ; Kah, Das anthropometrische Signalement ; Boethke, 
über Washington Irving ; L. Prowe, Aus dem Leben Friedrichs des 
Grossen in den ersten Jahren des 7J. Krieges ; Adolph i) Das 
Steinbeil in Kielbaszyn, 2) Der Grabfund in Kawenczyn ; Appel, 
Anlage und Pflege von Obst- und Wein pflanzungen ; Grossmann, 
Die Eisenbahnen der Erde ; Hirsch, Dainos der Litthauer mit 
Proben ihrer Melodien ; Wentscher, Ueber Jan von Calker von 
Jos. Lau ff (L. war damals Offizier der hiesigen Garnison; Jan von 
C. war sein erstes Aufsehen erregendes Gedicht ; seitdem ist er 
als epischer und dramatischer Dichter zu hohen Ehren gelangt). 

Den Festvortrag am 19. 2* 87 hielt Boethke über die eng- 
lische Balladendichtung. 

Am Anfange des 34. Vereinsjahres konnte der Verein mehreren 
seiner Mitglieder herzliche Glttck^vttnsche aussprechen, Prof. Dr. 
Karlinski in Krakau zur 25sten Wiederkehr des Tages seiner dortigen 
Anstellung 8. Mai 1887), dem Generalarzt a. D. Dr. Telke und 
Prof. Dr. Hirsch zum 50jährigen Doktorjubiläum (26. Juni und i. Nov.). 
Auch gestattete der Kultusminister v. Gossler bei seiner Anwesen- 
heit im Juni, dass der Verein ihm seine Schriften überreichte, und 
sprach den beiden Vorsitzenden wiederholt Anerkennung und Dank 
aus. Dem Protektor v. Ernsthausen Exz. wurden dieselben Schriften 
tibersandt, und fanden ebenfalls freundliche Aufnahme (5. 9. 87). 

Aber der Herbst brachte den schweren Verlust, der seit län- 
gerer Zeit vorauszusehen war. Am 27. September 1887 erlag Dr. 
L. Prowe dem Leiden, dem er lange tapfer Stand gehalten hatte. 
Es war ihm nicht vergönnt, sein Coppernicuswerk ganz zu vollenden, 
doch sind die veröffentlichten Bände wenigstens in sich vollständig, 
vor allem die beiden Teile des i. Bandes, welcher das Leben und 
die mit demselben erworbene Schilderung der Kulturzustände ent- 
hält, in denen das Leben und Wirken seines Helden sich abspielte. 

Leopold Friedrich Prowe, geb. am 14. Okt. 182 1 in Thorn, 
Sohn des Bäckermeisters und Ratsherrn Prowe, welcher das Eckhaus 

8 



— 114 — 

des Neustadt. Marktes und der Jakobsstrasse besass, bestand mi 
i8 Jahren die Abgangsprüfung, studierte Philologie in Leipzig, unc 
wirkte dann 43 Jahre lang am hiesigen Gymnasium, seit 1855 all 
fest angestellter Gymnasiallehrer, zuletzt als Professor und erste 
Oberlehrer. Die Art seiner amtlichen Beschäftigung ebenso wi< 
die in seinen ausseramtlichen Studien sich bekundende Neigunj 
brachte es mit sich, dass die Geschichte sein Hauptfach wurde 
Und kein Feld der Geschichte zog ihn mächtiger an als die Ge 
schichte seiner Heimai. Als am 25. Okt. 1853 das Denkmal de! 
Coppernicus enthüllt wurde, verstand es sich schon von selbst, dasj 
ihm die Aufgabe zufiel, für die Festschrift den Lebensabriss dei 
Gefeierten zu verfassen. In demselben Jahre war er nämlich durcli 
den Kultusminister v. Raumer in den Stand gesetzt worden, di^ 
als Kriegsbeute nach Upsala entführten ermländischen Archivalien 
dort zu durchforschen. Die Ergebnisse dieser Forschungen hat ei 
mit der Ausbeute, welche ihm die Archive von Frauenburg, Krakai] 
und Thorn gewährt hatten, in der Abhandlung „Zur Biographie des 
N. C." zusammengefasst, mit welcher er sich an der Festschrifl 
des Gymnasiums zur Enthüllungsfeier beteiligte. Wie enge er dann 
empfangend, und viel mehr gebend mit der Geschichte des Vereins 
verbunden war, davon legt jede Seite dieses Berichtes Zeugnis ab. 
Das Hauptwerk seines Lebens war das auf 4 Bände berechnete 
Werk „Nicolaus Coppernicus." Die ersten beiden Bände sind in 5 
Abteilungen bei Weidmann erschienen ; die beiden letzten, von 
denen der 3. die Darstellung des Systems, und der 4. die Geschichte 
des Systems behandeln sollte, beschäftigten ihn zwar jahrelang, 
aber es waren die Jahre seiner Krankheit, welche nichts als Stück- 
werk aus den gesammelten Materialien zusammenkommen Hess. 
Doch lässt die Reihe seiner Einzelabhandlungen erkennen, was wir 
von der Vollendung auch dieser beiden Teile erwarten konnten. 

Seine Witwe lebt mit 3 Töchtern in Charlottenburg; sein 
älterer Sohn ist Versicherungsbeamter in Berlin, der jüngere ist 
Reichsbankvorsteher in Neuwied. 

Es wurde am 7. 11. 87 beschlossen sämmtliche Schriften P.'s 
für die Bibliothek zu erwerben. 

Die Maisitzung war die letzte unter seinem Vorsitz ; die Juni- 
sitzung fand unter dem des stellvertretenden Vorsitzenden statt. 
Da dieser im September verreist war, so ersuchte der Vorstand 
den Prof. Boethke die Septembersitzung zu führen ; doch hatte 
Prowe selbst das Protokoll sorgfältig vorbereitet. Die folgenden 
Sitzungen leitete wieder v. Holleben. Am 10. Oktober wurde eine 



- 115 ^ 

ausserordentliche ausschliesslich dem Andenken des Verstorbenen 
gewidmete Sitzung veranstaltet, in welcher M. Curtze dem dahin- 
geschiedenen Freunde die Gedächtnisrede hielt ^°). 

Anfang November wurde der Druck der Acta Nationis Ger- 
manorum beendigt. Der Verein glaubte sich durch seine anstoss- 
gebende und nunmehr mit Erfolg gekrönte Tätigkeit für dieses 
Werk den Anspruch auf Nennung seines Namens im Vorwort wie 
auf Zusendung eines Exemplars erworben zu haben. Beides unter- 
blieb aber. Dem Befremden darüber gab Curtze im Verein am 
8. 4. 89, und sodann in der Zeitschrift für Mathematik und Physik 
Ausdruck (16. 9. 89) ^% 

Das 6. Heft der Mitteilungen wurde fertig bis auf die Tafeln. 
Da das 5. Heft nur eine Reihe von Jahresberichten enthielt, und 
eigentlich in die Reihe der Mitteilungshefte nicht gehört, so war 
dies seit 1882, wo das 4. Heft erschien, der erste Entschluss wieder 
literarisch hervorzutreten (6. 11. 87). 

Auch diesmal übersandte Herr Buszczynski aus Krakau eine 
von ihm verfasste Abhandlung „über die oberen Wolken/ 

Zwei Bilder von Luther und Melanchthon, der Kirche zu 
Gurske gehörig, welche angeblich von Lukas Cranach herrührten, 
hatte der Verein dem Geh. Reg.-R. Dr. Jordan in Berlin zur Be- 
gutachtung übersendet. Da dieser sie für wertlose Kopien erklärte, 
so nahm der V. von der sonst beabsichtigten Restaurirung Abstand. 
Dagegen gelang es ihm, den eingegangenen Kundtverein mit ver- 
ändertem Statut, unter Streichung der Wanderausstellungen, wieder 
ins Leben zu rufen. Demselben schenkte der Kultusminister eine 
Reihe von Kupferstichen und Farbendrucken nach Gemälden der 
Nationalgallerie, die zum Teil zum Gegenstande einer Verloosung 
gemacht wurden, während ein anderer Teil den Grundstock einer 
ständigen Bildersammlung ausmachen sollte. Zum Vorstand des 
neuen Vereins wurden von ihm die Herren Bender, Fabricius, 
Scheller, Warda, Landecker, Peterson gewählt, von denen die 4 
ersten Mitglieder des Copp.-V.'s waren (7. 11. 87). 

Die Obstpflanzung auf dem Jakobsberge wurde angelegt, 
und schien erfreuliche Fortschritte zu machen (4. 4. 87). Die Ein- 
nahme für Aktien zu 10 M. stieg auf 1250, die Ausgabe auf 800 M. 
Schon im Herbst 1886 waren 150 Weinstöcke, 150 Stück Sauer- 
kirschen, 12 Süsskirschen, 28 Pflaumen und 300 Stück Strauchobst 
gepflanzt worden ; dazu kamen jetzt noch 30 Stämme Kernobst und 
30 Pflaumenbäume. Die Bäume standen gut, die Sträucher noch 

8* 



— iin — 

besser. Man hoffte auch die Mittel zur Terrassirung der Steilab- 
hänge der alten Weinberge zusammenzubringen. 

Der Fehlbetrag des Lesezirkels (57 M.) wurde auch diesmal 
vom Verein gedeckt (7. 11 ), aber der zweite (weitere) Zirkel auf- 
gehoben, und einige seiner Zeitschriften in den ersten aufgenommen. 

Der Wunsch einer organischen Verbindung des Vereins 
mit der Provinzialkommission bestand trotz des Abkommens 
von 1884 noch fort, und wurde in einem Schreiben des Protektors 
vom 21. 2. 87 von Neuem ausgesprochen. Doch fand sich während 
des Jahres kein Weg. ihn zu erfüllen. 

Mit der Veranstaltung zweier Wintervergnfigungen, für 
deren jedes 50 M. ausgesetzt wurden, beauftragte der V. Dr. Meyer 
Reinick, Herford und Boethke. 

Die Bildsäule des Coppemicus bedurfte der Reinigung. Der 
Verein bat den Magistrat dieselbe zu veranlassen, und erbot sich 
die Kosten zu tragen (Antrag Adolph). 

Die Mitglieder verpflichteten sich, falls sie Schriften durch 
den Druck veröffentlichten, dem Verein ein Exemplar lür die 
Bibliothek zu fiberweisen (5. 12. 87 N. 10). 

Im Anschluss an einen Vortrag des Hauinspektors Klopsch 
wurde unter seiner Führung, bei der er von den Herren Grossmann 
und Tilk unterstützt wurde, eine Exkursion nach Külmsee zur 
Besichtigung des dortigen Domes unternommen. 

Das Stipendium wurde, da 2oo M. zur Verfügung standen, 
den Kandidaten der Medizin Edgar Setzke in Greifswald und 
Johannes Petruschky in Königsberg auf Grund ihrer Arbeiten 
;,Das Atropin als Heilmittel" und „Vorstudien zum Problem der 
Willensfreiheit" mit je 100 M. zuerkannt. Beurteiler waren die 
Herren Siedamgrotzky, Wentscher und Meyer. 

Das schwere Amt eines Nachfolgers lür Prowe im Vorsitz 
wurde dem Prof. Boethke übertragen. Als i. Schriftführer trat 
Bgm. Bender wieder in den Vorstand ein, weil Curtze die Wahl 
ablehnte. Die Sitzungen wurden von 7 auf 8 Uhr verlegt (5. 12. 87). 
Im Juli und August fanden fortan keine Sitzungen statt. 

Aufgenommen wurden Oberstabsarzt Dr. Scheller, Zahl- 
meister Reuther und Pfarrer Andriessen. Es schieden aus Bank- 
assistent Koenig, Oberst Behring und Dr. Cunerth wegen Ver- 
setzung, Konrektor Ottmann wegen Krankheit. Die Mitgliederzahl 
sank auf 75. 

Von den Ehrenmitgliedern starb Professor Caspary in 
Königsberg. 



— 117 — 

Das Vermögen des Vereins wuchs auf 3943 M., das der 
Stipendienfonds auf 3742 bezw. 3750 M. 

Vorträge : Adolph, die prähistorischen Perlen des städti- 
schen Museums (die Proben wurden vorgelegt) ; Appel, der Schutz 
der Weinpflanzungen gegen Frühjahrsfröste ; Bender, die prähisto- 
rische Schanze bei Steinort (Karten und Funde wurden vorgelegt) ; 
Bungkat i) Religion und Naturwissenschaft, 2) Edisons Phono- 
graph; Fasbender, Aus den Memoiren Metternichs; Grossmann, 
die Blitzgefahr und die Anlegung von Blitzableitern ; Herford, 
Scheffels Trompeter von Säckingen ; Klopsch, der Dom in Kulmsee ; 
Stadtrat G. Prowe, der Panamakanal; L. Prowe i) Auszüge aus 
dem Verzeichnis der Hausbesitzer Thorns i. J. 1703 (4. 4. 87), 
2) Ein von Herrn Tietzen aufgefundenes Bittgesuch der Sekundaner 
des h. Gymnasiums vom 13. 12. 1755 ; Dr. Siedamgrotzky, die 
neue Bakterienforschung ; Curtze i) Nachruf für L. Prowe, 2) der 
mathematische Unterricht im Mittelalter, nach Günther und Suter. 

Den Jahresbericht erstattete der i. Schriftführer M. Curtze, 
der auch für den erkrankten v. Holleben die Januarsitzung ge- 
leitet hatte. 

Vom 35. bis 40. Jahre. 



Mit dem 34. Vereinsjahre schloss eine Periode des Glanzes, 
mit der die nächsten Jahre sich nicht vergleichen können. Prowes 
vornehme und gewinnende Persönlichkeit übte ihre Anziehungskraft 
nicht mehr. Kreise, welche dieser Anziehungskraft bedurften, zogen 
sich zurück, oder ergänzten wenigstens ihre naturgemäss entstehen- 
den Lücken nicht mehr. Die weitverzweigten Verbindungen mit 
hochstehenden Männern des Staates, sowie mit hervorragenden Ge- 
lehrten des Auslandes wurden schwächer, seitdem Prowes geübte 
Hand sie nicht mehr pflegte. In den städtischen Behörden wurde 
das Andenken an den früheren engen Zusammenhang des Vereins 
mit ihnen, besonders als auch Bender die Stadt verliess, allmählich 
minder lebendig. Andere Vereine entstanden zur Pflege gewisser 
Zweige der Wissenschaften oder der nationalen Bestrebungen und 
zogen die Kräfte an sich, auf welche wir sonst hätten rechnen 
können ^^). 

Wenn demnach ein Rückgang des Vereins in seinen äusseren 
Verhältnissen wie in der Bedeutsamkeit seines Schaffens zu er^ 



— 118 — 

warten stand, so ist es um so dankbarer anzuerkennen, dass dieser 
Rückgang sich in massigen Grenzen hielt, und mit der Zeit wieder 
in ein allmähliches Vorwärtsschreiten überging. 

Zunächst riss der Tod noch eine neue weite Lücke in den 
Vorstand des Vereins, indem 14 Monate nach Prowe auch der 
2. Vorsitzende, General v. HoHeben, plötzlich am 30. November 
hingerafft wurde. Durch lebhaftes Interesse, durch umsichtige und 
tatkräftige Leitung, und durch den weitreichenden Einfluss seines 
hohen Amtes hatte er viel zu den Erfolgen des Vereins beigetragen. 
Geboren 1828 auf dem Familienstammsitz Holleben bei Halle a/S. 
trat er 1849 in die Armee ein, und wurde im J. 1882 Kommandant 
von Thorn. In dieser Stellung hat er militärische Strenge mit 
wohlwollender Rücksichtnahme in seltenem Masse zu vereinigen 
gewusst, durch offene mündliche Aussprache oft Vereinbarungen 
herbeigeführt und Missverständnisse aufgeklärt. Zur Abwehr ge- 
sundheitsschädlicher Einflüsse, zum Kampf gegen Verarmung, zur 
Verschönerung der Umgegend hat er tatkräftig mit den städtischen 
Behörden zusammengewirkt. Im Coppemicus verein war sein Be- 
streben stets auf Förderung des Kulturzustandes unserer Gegenden 
gerichtet. Durch alles dies hat er sich in seltenem Masse die Zu- 
neigung und Hochachtung der Bürgerschaft erworben. — 

An seine Stelle als 2. Vorsitzender des nächsten Jahres trat 
Major Ziemer, für welchen das Schriftführeramt wieder der Pfarrer 
Andriessen übernahm. 

Von ordentlichen Mitgliedern starb Kfm. Gieldzinski, gleich 
seinem Danziger Bruder ein eifriger und kunstverständiger Sammler 
alter Münzen und Geräte, Generalarzt Dr. Telke, und Oberbürger- 
meister Wisselinck, beides tätige und treue Mitarbeiter ; von den 
Ehrenmitgliedern der frühere Vorsitzende Ob.-Reg -R. Dr. Meyer 
in Beriin, seinerzeit eins der hervorragendsten ordentlichen Mit- 
glieder nach vielseitiger geistvoller Befähigung und fruchtbarer 
Tätigkeit. 

Friedrich Meyer — geboren den 18. Oktober 1826 in Dan- 
zig, gestorben den 24. Juli 1888 in Berlin — besuchte das Danziger 
Gymnasium, studirte die Rechte in Heidelberg und Berlin und pro- 
movirte in Halle. Nach Ablegung der 3 juristischen Staatsprüfungen 
war er zunächst unter von Hinkeldey im Berliner Polizeipräsidium, 
sodann bei der Staatsanwaltschaft in Marienburg als Hülfsarbeiter 
tätig. Im Januar 1857 kam er als Staatsanwalt nach Thorn und 
ging hier 1867 zur Rechtsanwaltschaft über. Daneben entfaltete er 
eine rege Tätigkeit in kommunalen Angelegenheiten — zuletzt als 



— 119 — 

Stadtverordnetenvorsteher — sowie für die Pflege von Wissenschaft 
und Kunst, insbesondere der Musik. Er vertrat ferner lange Jahre 
im norddeutschen Reichstage, im Zollparlament und im deutschen 
Reichstage den Wahlkreis Thorn-Kulm unter Beteiligung an 
wichtigen gesetzgeberischen Arbeiten, bis er im März 1875 als Ge- 
heimer Ober-Regierungsrat und Vortragender Rat in das Reichs- 
kanzleramt nach Berlin berufen wurde, von wo er später in das 
neugebildete Reichsjustizamt überging. Bei seinem Abschiede von 
Thorn wurde ihm das dortige Ehrenbürgerrecht verliehen. Er war 
mit Marie Alberti, einer Tochter des Predigers, späteren Stadt- 
schulrates Alberti in Stettin verheiratet, welche ihn in seinen wissen- 
schaftlichen und künsüerischen Bestrebungen aufs kräftigste unter- 
stützte und selbst eine hervorragende Sängerin und dramatische 
Darstellerin war. Sein Sohn ist gegenwärtig Universitätskurator 
in Halle a/S. 

Es verzogen, und wurden fortan einem Vereinsbeschlusse zu- 
folge als korrespondirende Mitglieder geführt die Herren Rehberg, 
Cunerth, Roepell, Reinick, Fabricius, Gimkiewicz, Toeppen, Dr. 
Huebner, Grossmann, Lehmann, Feige. Seinen Austritt erklärte zu 
lebhaftem Bedauern A. Prowe. Dagegen traten ein Prof. Feyer- 
abendt, Oberl. Dr. Grfindel, Bankvorsteher KnothCi Reg.-Baurat 
Kahle, und Kand. Frech, der freilich gleich darauf versetzt wurde. 
Die Zahl der ordentlichen Mitglieder sank auf 69. 

Die grossen Weltgeschicke bewegten mächtig alle Gemüter. 
Binnen hundert Tagen sanken die beiden ersten Kaiser des neuen 
deutschen Reiches ins Grab, beide Männer von echtem deutschem 
Schrot und Korn, Helden vom ersten Range und edle Herzen voll 
Liebe und Treue. Wie sehr sie auch dem Verein teilnehmende 
und wohlmeinende Gönner waren, davon legen diese Blätter Zeug- 
niss ab. 

Die Universität Bologna, die Mutter aller Universitäten der 
Welt, von 1496 an die Alma mater unseres Coppemicus, und dann 
auch seines Bruders Andreas, feierte am 14. Juni 1888 ihr Boojähri- 
ges Bestehen. Der Verein wurde bei derselben durch seine Ehren- 
mitgheder Pellicioni, Malvezzi di Medici und Malagola vertreten, 
und sendete der Universität einen lateinischen Glückwunsch in ge- 
schmackvoller Ausstattung nebst einer Auswahl der von ihm ver- 
öffentlichten Schriften. 

Der bei Breitkopf und Haertel sowie bei Calvary in Berlin 
lagernde Rest der Jubiläumsausgabe wurde dem Verein ausge- 
liefert. Die Aufbewahrung bereitete dem Vorstand nicht geringe Sorge. 



— 120 — 

An Unternehmungen war das Jahr nicht reich. Der Verein 
musste sich auf die laufenden Geschäfte beschränken, und selbst 
den Kreis dieser noch verengen. Er hatte bis dahin die von ihm 
gehaltenen Zeitschriften umlaufen lassen, und eine Anzahl Mitglieder 
unterhielten mit seiner Unterstützung noch einen zweiten Lese- 
zirkel (5. 3. 88). Beides wurde eingestellt (12. 11. 88). Dagegen 
wurde zum erstenmal die Bibliothek und das Archiv des Vereins 
vom Prof. Hirsch und Amtsrichter Martell geordnet, gebunden, 
katalogisirt, und in einem Zimmer der höheren Töchterschule auf- 
gestellt. Hirsch übernahm das Ausleihen pp. der Bücher. 

Ferner begann der V. die Inventarisirung der in unserer 
Stadt befindlichen kleineren Kunstdenkmäler durch Anstellung 
von Ermittelungen und Anlegung eines Verzeichnisses mit Hülfe 
des Magistrats (7. 5. 88). — So nahm er einen früheren Plan wieder auf. 

Von der Marienburger Sehlosslotterie nahm der Verein 
wieder 10 Loose, wie im Vorjahre. 

Auch wurde er mit einem Beitrag von 10 M. Mitglied des 
Gesammtvereins der historlsehen Vereine, welcher im Sep- 
tember seine Generalversammlung in Posen abhielt. Trotz der 
Nähe musste er sich auch hier mit einem schriftlichen Grusse be- 
gnügen. Dem Kunstverein bewilligte er wieder einen jährlichen 
Beitrag von 10 M. 

Die Obstpflanzung auf dem Jakobsberge wurde zwar vom 
Lehrer Appel liebevoll gepflegt, aber die Mittel der Aktiengesell- 
schaft gingen zu Ende, und der Obstbauverein entwickelte keine 
lebhafte Tätigkeit. Nach dem Tode v. Hollebens fiel auch manche 
Unterstüzung, insbesondere für einigen Schutz gegen Diebstahl und 
Unfug fort. Ausserdem war in der Nähe keine geeignete gärtnerische 
Hülfskraft zu beschaffen, und der Platz liess sich kaum mit dem 
nötigen Wasser versorgen. 

Das Stipendium erhielt Cand. med. Pfalzgraf mit einer Arbeit 
„über die hygienische Bedeutung des Wassers." Dem Cand. Volk- 
mann wurde für eine chemische Arbeit eine Beihülfe bewilligt. 
Der Beurteilung unterzogen sich Siedamgrotzky und Bungkat. 

Das Kuratorium der Jungirauenstiftung gab sich eine 
straffere Organisation. Es verfügte über 270 M., und verteilte die- 
selben auf 3 Seminaristinnen und 2 Schülerinnen der ersten Klasse 
der höh. Töchterschule. Das Kapital der Stiftung wurde auf den 
Namen des Vereins vom Magistrat hypothekarisch angelegt. Ueber 
die Zinsen verfügte das Kuratorium frei. Die Statuten wurden in 
einer Generalversammlung des Vereins am 4. 2. 89 umgearbeitet. 



— 121 — 

Der Jahresrechnung wurde zum ersten Male, und seitdem 
regelmässig, ein von der Versammlung, diesmal am 5. 3. 83, ge- 
nehmigter Haushaltsplan zu Grunde gelegt (endgültiger Beschluss 
9. 4 88). 

Den neuen Vorstand bildeten Boethke und Ziemer, Andriessen 
und Martell, Fasbender. 

Vorträge: Klopsch, Der Dom zu Kulmsee (Festvortrag 
19. 2. 88) ; Jacobi, Das häusliche Leben des Grossen Kurfürsten ; 
Bender, Die Auseinandersetzung zwischen dem Staate und der 
Stadt Thorn hinsichtlich der Festung 1793/9, i8o9'i4, 16/26, 1888; 
Curtze, Das Prioritätsrecht des Coppemicus an einem Lehrsatze, 
welcher bisher nur auf Cardanus und das Jahr 1572 zurückgeführt 
wurde ; Andriessen, Einige neuentdeckte babylonische Keilin- 
schriften in ihrer Bedeutung für das alte Testament (das erste 
Auftauchen des Babel- und Bibel-Themas in unserer Mitte) ; Mann, 
Der Krieg und die Künste ; Martell, Die Mehrheit der deutschen 
Rechtsquellen und ihre endliche Verschmelzung zu einem einheit- 
lichen Rechte ; Siedamgrotzky, Die Beseitigung der Auswurfstoffe 
und die Kanalisation von Thorn; Boethke i) Die Tragödien 
Senekas und das Rhetorische im Drama, 2) Das Pentathlon der 
Griechen, 3) Der 2. Teil des Faust. 

Ein von dem Sonderausschusse veranstalteter VergnQgungs- 
abend war nur schwach besucht. Zum Teil lag der Grund dafür 
im Lokal. Da nämlich im vorhergehenden Winter der Artushof 
wegen des baufälligen Zustandes seiner Dachträger zum Teil abge- 
brochen war, so fand die Festlichkeit im Schützensaale statt. Die 
Hauptschuld trug aber nach der herrschenden Meinung der Umstand, 
dass anderweitig mehr als hinreichende Vergnügungen veranstaltet 
würden, und kein weiterer Bedarf empfunden werde. Kurz der 
Versuch eines Wintervergnügens ist seitdem nicht wiederholt 
worden. Die Mehrkosten hatten sich auf 70 statt 50 M. belaufen. 
In das Komitee trat Dr. Winselmann neben Meyer, Herford, Scheller 
und Huebner. 

Im Jahre 1889 übernahm das Ehrenmitglied Major Weisse in 
Hoexter die Aufgabe, Prowes Leben des Coppernicus zu einem 
Volkslesebuehe zu bearbeiten. Sein Drängen auf die Gründung 
einer Sternwarte musste auch di esmal unter die schönen HoflF- 
nungen verwiesen werden. Als 6. Heft der Mitteilungen gab der 
V. nunmehr die 4 Bücher De triangulis von Jordanus Nemorarius 
heraus, bearbeitet und eingeleitet von Prof. Curtze. 



— 122 — 

Die Sorge für vollständigere Verzeichnung, Sammlung und 
Abbildung der hiesigen Altertfimer an Bauwerken, bildnerischem 
Schmuck, Wahrzeichen, Familiendenkmälern, Inschriften und Sprüchen 
übernahmen Bender, Dr. Meyer und Baumeister Boie. 

Für die Obstpflanzung gab der Verein ein Darlehn von 
IOC M. behufs der Herbstpflege. Die Frühjahrsbestellung bestritt 
er aus dem Ertrage einer Sammlung. 

Zur Mitarbeit an dem monumentalen Schmucke des neuen 
Artushofes, der sich seiner Vollendung näherte, forderte der 
Magistrat alle Körperschaften der Stadt auf. Der Verein beschloss 
für die Stiftung eines gemalten Fensters 800 M. zu verwenden, 
wovon er die Hälfte durch freiwillige Beiträge aufzubringen hoflfte. 

Von den Protokollen des Gesammtvereins der Geschichts- 
und Altertumsvereine, welcher in Metz seine Hauptversammlung 
hielt, wurden 10 Stück von Vereinsmitgliedern bestellt. Der Natur- 
forschenden Gesellschaft zu Emden brachte der V. zum 25jährigen 
Bestehen seine Glückwünsche dar; ebenso dem V. für die Ge- 
schichte Berlins, bei dessen Jubelfest am 28. i. 90 Herr Oberst- 
leutnant Fabricius den C. V. vertrat. 

Das Stipendium wurde dem einzigen Bewerber Stud. med. 
Setzke zuerkannt, dessen Arbeit über den Hypnotismus als eine 
fleissige Zusammenstellung beurteilt wurde. 

Das Kuratorium der Jungirauenstiftung bedachte 3 Semina- 
ristinnen mit je 60 M. Zur Verstärkung ihrer Mittel machte es 
einen Anfang durch ein Konzert am 2. 2. 1890. 

In Arbeit wurde ferner genommen ein Miigliederalbum, 
welches, von Martell und Andriessen angelegt, noch jetzt fortgeführt 
wird, eine Ausscheidung solcher Bücher, die sich für andere Biblio- 
theken eigneten, die Vervollständigung der Sammlung von L.Prowes 
Werken, eine systematische Berichterstattung über sämmtliche 
Eingänge (5. 3. 89), endlich die Vollendung des Coppernicuswerkes 
von L. Prowe. Die letztgenannte Aufgabe erwies sich bald als 
unausführbar, die vorletzte als zu weit gehend. 

In den Vergnfigungsausschuss traten Bgm. Schustehrus 
und Bankvorsteher Knothe ein. Er veranstaltete ein Sommcrver- 
gnfigen in der Ziegelei. 

Das Protektorat übernahm der neue Oberpräsident Herr 
V. Leipziger. Herr v. Ernsthausen wurde zum Ehrenmitgliede 
ernannt und versicherte, dem Verein seine Teilnahme zu bewahren. 
Aus der Zahl der Ehrenmitglieder starb der Oberpräsident 
V. Hörn, welcher dem Verein ebenfalls seine Zuneigung bewahrt 



-- 123 — 

hatte. Treue Grösse sendeten zur Jahressitzung die Herren Hoppe 
und Weisse. 

Von ordentlichen Mitg^liedern verlor der Verein durch den 
Tod am 27. ir. 89 den Kaufmann Hermann Adolph. Adolph war 
seit 1852 Mitglied der Handelskammer, seit 68 Präsident derselben. 
Er gehörte zu den Männern, deren sorgfältige Vorarbeiten für eine 
Eisenbahnverbindung zwischen Königsberg und Thorn die Staats- 
regierung in den Stand setzten, dem Notstande in Ostpreussen 
sofort mit dem Beginn des Bahnbaues Thorn-Insterburg zu be- 
gegnen. Er vertrat die Handelskammer beim Deutschen Handels- 
tage und im Bezirkseisenbahnrat. Der Stadtverordneten- Versamm- 
lung gehörte er von 1853 bis 1868 an, und führte in ihr den 
Vorsitz von 1856 an, zum Teil als Stellvertreter. Besondere Ver- 
dienste erwarb er sich um den Kunstverein. Auch gab er einen 
besonders die Altertümer und Denkmäler der Stadt nachweisenden 
„Führer durch Thorn" heraus. Er hatte seinen umfangreichen 
Geschäften immer noch Müsse für wissenschaftliche Bestrebungen, 
und selbst für literarische Arbeiten abgewonnen. Seine Neigung 
und Befähigung war vorzugsweise auf die Ermittelung und Deutung 
vorgeschichtlicher Denkmäler gerichtet. Ihm vor allen verdankte 
das städtische Museum seine Reichhaltigkeit und Ordnung. Seine 
Verdienste wurden vom Könige durch Ernennung zum Kommerzien- 
rat und Verleihung des Kronenordens anerkannt. Kurz nachdem er 
das 50J. Bürgerjubiläum und die goldene Hochzeit gefeiert hatte, befiel 
ihn ein Schlaganfall, der längeres Leiden und den Tod herbeiführte. 

Ferner starb noch jung der Bankdirektor Eich. Es trat aus 
Just.-R. Pancke, und es verzogen die Herren Ziemer, Eyssenhardt 
und Kahle. An Ziemers Stelle trat als 2. Vorsitzender für den 
Rest des Jahres und weiterhin Bürgermeister Bender. 

Aufgenommen wurden Baurat Schmidt, Bürgermeister Schu- 
stehrus, Kfm. Marquart, Kfm. E. Dietrich, Stadtrat Dr. Gerhardt, 
Direktor Schulz (Höh. Mädchenschule), Konrektor Matzdorff, 
Kfm. Konrat Adolph, Baum. Boie. 

Die im Gasthofe 3 Kronen abgehaltene Sitzung am 3. Februar 
war es, in welcher die Aufnahme eines neuen Mitgliedes da- 
durch abgelehnt wurde, dass die vorgeschriebene ^'4 Mehrheit 
nicht zustande kam (17 ja, 8 nein). Auch wurde die nachgesuchte 
Mitgliedschaft eines Auswärtigen als statutenwidrig abgewiesen. 

Die Zahl der ord. Mitglieder wuchs auf 72. 

Die Kasse wurde natürhch durch die Bewilligung für den 
Artushof geschwächt. 



— 124 — 

Vorträge : Bungkat, Wie unsere Blumen geschaffen wurden 
(Festvortrag 89) ; Andriessen, Altgermanisches in unsern Festen ; 
Bender, Die Entstehung des Vogelschiessens nebst Mitteilungen 
aus der Geschichte unserer Schützenbrüderschaft; Boethke, Die 
griechische Romandichtung; Feyerabendt, Die naturwissenschaft- 
liche Hypothese ; Lindau, Die Krankenpflege in alter und neuer 
Zeit ; Martell, Die ethnischen Mischungen der europäischen Völker ; 
Matzdorff, Die einstige Vergletscherung unserer Erde; Dr. Preuss 
(Gast), Mitteilungen über seine Erlebnisse pp. in Afrika ; Reuther, 
Etwas von Linien im Kreise (es handelte sich um einen von ihm 
gefundenen Lehrsatz) ; Sinai, Die Morphiumsucht ; Stein, Die Be- 
handlung der nichtchrisdichen Bekenntnisse in Russland; Dr. 
Wentscher, Die neuesten Forschungen über den Hypnotismus. 

Die Beteiligung an den Sitzungen war recht lebhaft, und 
stieg öfters über 30. 

Das 37. Vereinsjahr ist vielleicht dasjenige gewesen, welches 
am meisten unter dem Zeichen der Beschränkung des Wirkens 
nach aussen hin und der keineswegs sehr fruchtbaren Beschäftigung 
mit häuslichen Angelegenheiten stand. Auswärtigen Gesellschaften 
konnten zu ihren Festen nur schriftliche Grüsse gesendet werden. 
Selbst den Besuch der Generalversammlung des Gesammtvereins 
pp. in Schwerin verhinderte einesteils die Knappheit der für den 
Artushof zusammenzuhaltenden Mittel, andernteils die stets un- 
günstige Zeit (Anf. September). Doch abonnirten in diesem wie in 
den folgenden Jahren viele (25) Mitglieder auf den Bericht über die- 
selbe. In den Schriftenaustausch traten das Lick Observatory 
in Kalifornien und die Physikalisch-ökonomische Gesellschaft in 
Königsberg ein. Der Universität zu Toronto in Canada überwies 
der V. seine Schriften als Beitrag zur Neugründung ihrer durch 
Feuer zerstörten Bibliothek. 

Um mit den noch lagernden Druckwerken des Vereins zu 
räumen und sie dem Publikum zugänglicher zu machen, wurden 
Verhandlungen mit den Herren Calvary und Lambeck über den 
Verkaufspreis angeknüpft, wodurch derselbe auf die Hälfte herab- 
gesetzt wurde. Die Kommission zur Ermittelung pp. der hiesigen 
Altertümer, in welche der Baurat Schmidt hineingewählt wurde, 
überzeugte sich, dass die Arbeit mit den dafür ausgeworfenen 150 M. 
nicht zu leisten sei, vielmehr eine Beihülfe der Stadt nachgesucht 
werden müsse. Immerhin hatte Herr Bauinspektor Boie ein Re- 
gister über die Denkmäler der Marienkirche aufgenommen. 



— 125 - 

Der Obstbaumpflanzung konnten zum ersten und letzten 
Mal ein paar schöne Tafelbimen zum Kosten entnommen werden. 
Die Frühjahrsbestellung wurde wieder durch eine Sammlung von 
92.50 M. (14. 4. 90) ermöglicht, doch wurde der Wunsch immer 
dringender, dass der Obstbauverein die Kosten fortan selbständig 
aufbringen möge. 

Die Gründung eines allgemeinen Lesevereins, sowie die 
passende Unterbringung der Vereinsbibliothek und die Gewinnung 
eines ständigen Vereinslokals erhoffte man von der Vollendung 
des Artushofes. Auch den geselligen Vergnügungen glaubte man 
alsdann wieder näher treten zu können. Dem Verein für Hand- 
fertigkeitsunterricht bewilligte der Verein einen Beitrag von 30 M. 

Als Geschenk überwies der Herr Oberpräsident die Bau- und 
Kunstdenkmäler a) der Stadt Thorn ; b) des Kreises Thorn ; c) des 
Kreises Knlrn ; ferner Herr Buszczynski seinen Aufsatz „über hyper- 
bolische Bahnen heller Meteore, Thorn 1890" und „Erfahrungen mit 
dem Kreilschen Barographen". 

Das Stipendium konnte in zwei Gaben von je 100 M. ver- 
geben werden. Dieselben erhielten Stud. Dr. Oesterreich und Stud. 
Szymanski für ihre Arbeiten „die Handels wege Thorns im Mittel- 
alter" und „Regesten zur Geschichte von Thorn bis 1400**. Bei 
der Beurteilung der Arbeiten wurde die Vereinskommission in 
dankenswerter Weise von den Herren Tietzen, Semrau und Oberl. 
Voigt unterstützt. 

Der Wunsch, dass auch für die Unterstützung junger Mädchen 
behufs Vorbereitung zu gewerblicher Tätigkeit gesorgt werde, 
I fand seine Erfüllung dadurch, dass die Jungfrauenstiftung unter 
dem Vorsitze des Herrn R -Anw. Warda auch diese Sorge unter 
ihre statutenmässigen Zwecke aufnahm. Die erforderliche Ge- 
nehmigung des Vereins wurde, nachdem die noch lebenden Stifter 
beigestimmt hatten, in einer Generalversammlung erteilt, indem 
unter Fortfall der Worte „wissenschaftlichen oder künstlerischen" 
der § 4 Abs. i so gefasst wurde : ,^Aus der Stiftung sollen würdige 
^i^d bedürftige Jungfrauen zum Zwecke ihrer Ausbildung Unter- 
stützung finden." Das Kuratorium vergab 6 Unterstützungen von 
70 und eine von 50 M. 

Zur Verteilung deutscher Dichter werke an würdige Schüler 
städtischer Schulen zu Schillers Geburtstage setzte der Verein statt 
der seit 1882 üblichen 18 M. fortan 30 M. aus, um damit alle städti- 
schen Anstalten bedenken zu können. 



Die Septembersitzung fiel aus, weil sich in den Ferien kein 
Stoff dafür angesammelt hatte. Dagegen fand eine Julisitzung am 
20. Juni statt. 

Oeffentliche Vorlesungen unterblieben. In der Festsitzung 
sprach Dr. Lindau tiber die Krankenpflege alter und neuer Zeit; 
in den Monatssitzungen behandelten Boie den Eiffelturm ; Herford 
i) Die Ekkeharte von St. Gallen und das Waltharilied, 2) Die Toten- 
bestattung ; Pr -L. Moedebeck den Freiballon und die Bevölkerung 
einer belagerten Festung; Dr. Stein die Strafrechtsreform; Dr. 
Gerhard das Geld; Marieli die Einwanderung in Westpreussen: 
Boethke i) Spielhagens „Ein neuer Pharao'*, 2) Die kurische Nehrung. 

Von ordentlichen Mitgliedern starben die Herren Dosske, Dr. 
Sinai, Dr. Gründel und Weinschenck ; aufgenommen wurden Reg.- 
Assessor Friedberg, Prem. -Leutnant Moedebeck, Oberstl. Kaui- 
mann, femer als korresp. Mitglied Herr Buszczynski aus Thom, 
Assistent an der Sternwarte zu Krakau, Herr v. Erasthausen 
nahm die Ehrenmitgliedschaft an. 

Der Vorstand für das folgende Jahr wurde gebildet aus 
Boethke und Bender, Martell und Matzdorflf, Fasbender. 

Das Jahr 1891 (38) brachte dem Verein eine empfindliche Ab- 
nahme der Mitgliederzahl ; dagegen verspürte man in seinem inneren 
Leben den Anfang neuer Kräftigung. 

Am 7. Mai starb im 82. Lebensjahre der Geh. Reg.-R. Theodor 
Eduard Koerner, der eigentliche Gründer des Vereins und sein 
Vorsitzender 18549 und 1867/8, der seinen innigen Anteil an dem 
Verein auch in den Jahren zunehmender Altersschwäche nie ver- 
läugnet hatte. Er war am 9. 4. 181 o in Thorn geboren, hatte das 
Gymnasium seiner Vaterstadt durchgemacht, in Berlin Jura und 
Cameralia studirt, und war in Bromberg Oberlandesgerichts- Assessor, 
als er am 17. 3. 42 zum Bürgermeister in Thorn gewählt wurde. 
Das neue Amt trat er am i. 10. 42 an, und wurde 1848, 54 und 
66 wiedergewählt, auch 1854 zum Oberbürgermeister ernannt. 
Wiederholt vertrat er den hiesigen Wahlkreis in der 2. Kammer 
des Landtages, bis er auf Präsentation der städtischen Behörden ins 
Herrenhaus berufen wurde. 1872 trat er, seinem Wunsche ent- 
sprechend, in den Ruhestand, und genoss ihn auf seinem Landgute 
Hofleben, war aber auch in der Stadt, wo er am neustädtischen 
Marirte Haus und Garten hatte, recht oft zu sehen. Die Stadt ver- 
gass es nicht, dass er gleich nach seinem Amtsantritte „mit starker 
Hand das Verwaltungswesen geordnet hatte", dass er sein Amt 
stets ebenso „loyal, gewissenhaft und gerecht** wie entschieden ver- 



waltet, die Handelskammer, die Gasanstalt, das Institut für den ge- 
werblichen Fortschritt gegründet, das Gymnasium gebaut, die höhere 
Töchterschule zu einer städtischen Anstalt gemacht, dass er unter 
schwierigen politischen Verhältnissen das Schiff mit Festigkeit ge- 
lenkt, und auch der Vereinstätigkeit überall freie Bahn verschafft 
hatte. Sie ernannte ihn daher am 19. 2. (dem Coppernicustage) 
1879 zum Ehrenbürger. 

Ausser ihm gingen dahin der Rabbiner Dr. Oppenheim und 
der Kaufmann Kuznicki. Oberbürgermeister Bender gfing in gleicher 
Eigenschaft nach Breslau, Stadtrat Dr. Gerhardt nach Posen. Eben- 
so verliessen die Stadt Bauinspektor Boie, Pr.-Leutnant Moedebeck, 
Landger.-Präsident Ebmeier, Assessor Friedberg, Reg.-Baurat Klopsch 
und Kreisschulinspektor Schroeter. Ihren Austritt erklärten Stadt- 
rat Behrensdorff, Rektor Lindenblatt und Rentier Wentscher in 
Mocker. Aufgenommen wurden dagegen Pfarrer Haenel, i. Bürgerm. 
Dr. Kohli, Stadtr. Stachowitz, Apotheker Tacht. Die Gesammt- 
zahl sank auf 61. 

Bender wurde zum Ehrenmitgliede ernannt. Dagegen starben 
Prof. Pellicioni in Bologna am 23. i. 92 und Propst Lehmann in 
Schkölen, unser dichterischer Freund 

Es starb ferner der Protektor des V^ereins, Ob.-Präs. v. Leip- 
ziger. Sein Nachfolger Staatsmin. v. Gossler übernahm das Pro- 
tektorat bereitwillig 

In den Vorstand trat an Benders Stelle San.-R. Dr. Siedam- 
grotzky ein. 

Grüsse und literarische Gaben kamen von Dr. Meisner, Weisse 
Favaro, Cantor und Buszczynski (14. 9. 91). v Gossler schenkte 
die wertvolle EpstorflFsche Weltkarte, die italienische Regierung den 
2. Thl. der Werke Galileis. Der Verein blieb Mitglied des Ge- 
sammtvereins der Geschichts- und Altertumsvereine und des 
Germanischen Museums in Nürnberg. 

Für die Obstpflanzung bewilligte er noch einmal einen Vor- 
schuss von 50 M., und sammelte freiwillige Beiträge. Noch immer 
hoffte er, sie werde sich einmal selbständig erhalten können. 

Die Synagogentreppc war inzwischen in der Marienburg 
verwendet worden. Eine von Herrn Steinbrecht dem Verein zu- 
gesandte Photographie veranschaulichte ihre angemessene Aufstellung. 
Den Beitrag für ein Fenster im Artushofe musste der V. auf 
500 M. herabsetzen, da die Sammlung unter den Mitgliedern nur 
IOC M. ergeben hatte. 



- 1-28 ^ 

Die Kommission für hiesige AltertQmer hatte beschlossen 
ihre Arbeiten zunächst auf die Marienkirche zu konzentriren, 
welche im Reformationsjahrhundert die Begräbnissstätte der be- 
deutendsten Thomer Familien gewesen ist. Zwar waren Bender 
und Boie ausgeschieden, aber es fand sich der rechte Mann zur 
Vollendung dieser Arbeit in dem Gymnasiallehrer Semrau. Dieser 
stellte ein Werk her, zu dessen Veröffentlichung der Verein ausser 
den von der Provinzial-Kommission bewilligten 300 M. noch einen 
Kredit von 1000 M. eröffnete. Auch wandte er sich an die Pro- 
vinzialverwaltung behufs Erhaltung kirchlicher AltertQmer, ins- 
besondere der neu aufgefundenen Wandgemälde der Marienkirche. 

Auf Veranlassung v. Gossler's aus der Zeit, wo er noch Mi- 
nister war, wurde in jeder Provinz eine Provinzial-Kommission 
für Denkmalspflege gegründet unter Hinzuziehung der nam- 
haftesten Geschichts- und Altertumsvereine. Behufs Bildung einer 
solchen erweiterten Provinzial-Kommission für Westpreussen berief 
der Oberpräsident eine Versammlung zum 18. November nach 
Danzig, zu welcher er auch den Vorsitzenden des Vereins einlud. 
Die Kommission wurde vorbehaltlich der Genehmigung des Pro- 
vinziallandtags gebildet, und der Verein war fortan Mitglied der- 
selben. 

Die zur Verteilung deutscher Dichterwerke als Prämien zum 
Schillerta^e bestimmte Summe war von einer Schule zur Be- 
schaffung wünschenswerter Lehrmittel verwendet worden. Der 
Verein verlangte diesmal ausdrücklich bestimmungsmässige Ver- 
wendung, und da die Gabe deshalb zurückgewiesen wurde, so 
musste er diese Schule von der Bewilligung ausschliessen, und den 
ganzen Betrag (30 M.) der 3. Gemeindeschule und der höheren 
Töchterschule zuwenden. 

Stipendien waren wieder zwei zu vergeben. Sie wurden 
unter vier Bewerbern dem Schulamtskandidaten Dr. Oesterreich 
und dem Stud. med. Alfred Lehnerdt zu Königsberg zuerkannt. 
Jener hatte die Fortsetzung der vorjährigen Arbeit von 1454 — 1577 
eingereicht, dieser eine Untersuchung über den Einfluss der Elek- 
trizität pp. auf die Flimmerbewegung, Beurteiler waren Horowitz, 
Bungkat, Curtze, Siedamgrotzky und Prof. Voigt. 

Das Kuratorium der Jungfrauenstiftung verteilte 3 Gaben 
zu 100 M., I zu 70, 2 zu 50, I zu 40, 3 zu 30 M., die letzteren 4 
behufs gewerblicher Ausbildung. Das Vermögen der Stiftung war 
durch besondere Veranstaltungen auf 5663 M, erhöht worden. 



— 121» — 

Vorträge : Boie, der EiflFelturm (Festsitzung) ; Boethke, i) 

Die homerische Frage, 2) Die deutschen Frauen im Mittelalter; 
Curtze, i) Die Kosmologie und Astronomie der Babylonier; 2) 
Cantors Geschichte der Mathematik 2. Halbband; Feyerabendt, 
i) Sinnestäuschungen, 2) Einheits- und Ortszeit, 3) Seybts Präzi- 
sionsniyellement der Weichsel ; Herford, L. Uhland und sein Ver- 
hältnis zur französischen Dichtung; Horowitz, Piatos Republik; 
Martell, Ehre und Ehrverletzung im Rechtsleben ; Moedebeek, 
Unglücksfälle im Luftballon. 

Die Ungunst der äusseren Verhältnisse dauerte auch im 39. 
Vereinsjahre (1892/3) fort, ebenso aber auch die lebhafte Tätigkeit 
des Vereins. 

Am 9. Juni starb Stadtrat Maximilian Georg Ernst Lambeck, 
der Senior der hiesigen Buchhändler und Buchdrucker, ein fein- 
sinniger Kenner und vortrefflicher Vorleser klassischer Dichtungen, 
langjähriger Vertreter der Stadt im Provinziallandtag und Herren- 
haus, bis zum letzten Atemzuge bemüht die Würde der Stadt zu 
wahren, und durch die Milde seines Wesens unnötige Reibungen 
zu verhüten. Geboren in Gurske am 12. Nov. 1814 als 3. Sohn 
des dortigen Pfarrers, besuchte er die Dorfschule, vom 10. bis 13. 
Jahre das Gymnasium in Thorn. Durch Erbschaft fielen an seinen 
Vater die Landgüter Unterbürg und Oedhof bei Nürnberg. Ernst 
absolvirte das Gymnasium zu Nürnberg und bezog die Universität 
Erlangen, Hess sich aber nach drei Semestern von dem Buchhändler 
Julius Maerz in N. bestimmen, in sein Geschäft einzutreten. Nach 
dreijähriger Lehrzeit und kurzem Aufenthalt in Wien und Brunn 
kehrte er krank nach N. zurück Sein ältester Bruder, welcher 
nunmehr Pfarrer in Gurske war, bewog ihn in Thorn die erste 
Buchhandlung zu gründen (15. Mai 1840). Die von ihm in Kulm, 
Inowrazlaw und Posen errichteten Kommanditen musste er bald 
wieder aufgeben. Dagegen hob sich seine Lage sehr durch den 
Erwerb der beiden hier bestehenden Druckereien, vormals Lohde 
und Grünauer (1844) und des von der letzteren herausgegebenen 
Thorner Wochenblattes (gegr. 1760; seit 1867 Th. Zeitung). Er 
wurde 1842 Stadtverordneter, 1858 Stadtrat, 185 1 Mitglied des 
Kreistages, 1852 M. des Provinziallandtags, bei der Trennung der 
Prov. Preussen Vizepräsident des Pr.-L. für Westpreussen, 1872 
M. des Herrenhauses für die Stadt Thorn. Die Silberhochzeit 
teierte er 1873, ^^^ wurde am 7. Mai 1883 ^^^^ Ehrenbürger ernannt. 

Femer starb der Prof. Dr. Eduard Fasbender. Unter zu- 
weilen rauher Aussenseite barg er ein teilnehmendes Gemüt. Die 

9 



— 130 — 

Zwecke des Vereins förderte er durch exakte Vorträge astronomi- 
schen, naturwissenschaftlichen und zeitgeschichtlichen Inhalts, sowie 
durch peinlich genaue Verwaltung der Kasse. Geboren 1816 ir 
Ronsdorf wirkte er 16 Jahre an den Realschulen zu Elberfcld 
Iserlohn und Barmen, kam Ostern 1856 an das hiesige Gymnasiuir 
als Professor für Mathematik und Naturwissenschaften in den nei 
eingerichteten Realklassen, trat am i. 10. 1883 in den Ruhestand 
blieb aber der Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit treu, unc 
wurde am 3. Nov. 1892 mit freundlichem Antlitz tot im Bette ge 
funden. Verheiratet war er nicht. An seine Stelle als Schatz- 
meister trat Bankdirektor G. Prowe. 

Den zwei Verlusten entsprach nur eine Neuaufnahme, die des 
Gymnasiallehrers Scmrau. 

Die freundlichen Zuschriften der Ehrenmitglieder Weisse, 
Meisner und Bender, die wissenschaftlichen Gaben von Cantor, 
Steinbrecht und Galle, sowie der Universität Padua und mehrerer 
Provinzialbehörden machten den Mangel eines angemessenen Biblio- 
thekraumes immer fühlbarer. 40 M. bewilligte der Verein für 
Einbände und ein Repositorium. 

Von der Obstpflanzung fing man an demnächst einen Ertrag 
zu hoffen, und fasste alsdann die Gründung eines selbständigen 
Obstzuchtvereins ins Auge. 

Das Hauptwerk des Jahres war die endliche Herausgabe des 
7. Heftes der Mitteilungen, enthaltend „Die Grabdenkmäler der 
Marienkirche zu Thorn", worin der Verfasser, Herr Semrau, reich- 
haltige Aufschlüsse über die vornehmen Familien der Stadt im 
16. Jahrhundert darbot. Geschäftliche Anordnungen darüber wurden 
am 26. 9., 3. lo. 92 und 6. 2. 93 getroffen. Den dadurch stark 
verringerten Mitteln des Vereins wurde einige Verstärkung zuge- 
führt, indem durch Vermittelung des Herrn W. Lambeck die früheren 
Veröffentlichungen des Vereins stärker abgesetzt wurden. 

Ausser dem Festvortrage des Herrn Schuldirektor Schulz 
„Ueber Schlaf und Traum** am 19. Febr. 1892, und der zur 
Comeniusfeier am 28. März 1892 in der Aula des Gymnasiums 
von Herrn Pfarrer Haenel gehaltenen Gedächnisrede auf den grossen 
Philosophen, Reformator und Pädagogen gelang es dem Verein auch 
für den Winter 92/3 einen Zyklus öffentlicher Vorlesungen zu 
Stande zu bringen. Der Vorsitzende eröffnete ihn, indem er die 
Teilnahme des Vereins und der Stadt an der Jubelfeier der Ent- 
deckung Amerikas durch ein Lebensbild des Christoph Columbus 
zum Ausdruck brachte. Es folgten Andriessen, Die sogenannte 



— VM — 

Heldenzeit der Israeliten ; Herford, Die Stimme der Natur im 
Lichte der deutschen Dichtung; Horowitz, Der Beitrag der 
deutschen Denker zu der Entwickelung des deutschen Nationalbe- 
wusstseins; und im neuen Vereinsjahr Haenel, Goethes Iphigenie; 
Wentscher, Moderne Medizin. An den zweiten dieser Vorträge 
knüpfte sich ein Meinungsstreit in den öfTentlichen Blättern. Der 
Verein nahm weder für noch gegen Partei, sondern wahrte seinem 
Mitgliede die Freiheit der wissenschaftlichen Aussprache. 

Die auf den Grabsteinen der Marienkirche befindlichen Wappen 
wurden auf Wunsch des Vereins vom städtischen Bauamt abge- 
zeichnet. Von einem in Kulm liegenden Grabstein, der für Thorn 
wichtig ist, wünschte der V. eine Kopie durch Vermittelung der 
Prov.-Kommission zu erhalten, wurde aber abschläglich beschieden 
und bat den Magistrat um Unterstützung (3. 10. und 7. 11). 

Auf die Liste seiner wissenschaftlichen Bestrebungen stellte 
der V. die Ermittelung der in unserer Gegend noch lebendigen 
Sagen und Glaubensvorstellungen, eine bis jetzt noch ungelöste 
Aufgabe ; ferner die Vorbereitung einer Rösnerfeier bei der Ent- 
hüllung eines Denkmals, zu welchem die Bürgerschaft schon seit 
Jahren die Mittel gesammelt hatte. 

Die Sternwartenfrage wurde von Neuem durch die Kunde 
angeregt, dass die Regierung beabsichtige eine „Coppernicusstern- 
warte** in Frauenburg zu errichten. Thorn schien auf eine solche 
aus mehrfachen Gründen ein grösseres Anrecht zu haben. 

Der Verein wurde von der Universität Padua zur Galileifeier 
am 7. Dezember 1892, von der Naturforschenden Gesellschaft in 
Danzig zu ihrem 150J. Stiftungsfeste am 2. Jan. 1893 eingeladen. 
Nach Padua sendete er einen brieflichen Glückwunsch ; in Danzig 
konnte Herr Semrau ihn vertreten. Dem Westpreussischen Museum, 
welches im Schlosse zu Marienburg angelegt wurde, sowie der 
Lesehalle deutscher Studenten in Prag schenkte er seine Schriften. 
Von der Univ. Toronto empfing er den Dank für die gleiche, im 
Vorjahr abgesendete Schenkung. 

Für den Bau des Goethe-Schillerarchivs in Weimar zur 
Feier der goldenen Hochzeit des Grossherzoglichen Paares steuerte 
der V. 30 M. bei (21. 6. 92). 

Vom Stipendium wrv nur eine Rate von 100 M. zu ver- 
geben. Von 5 Bewerbern erhielt dieselbe Cand. med. A. Lehnerdt 
in Königsberg für eine Fortsetzung seiner vorjährigen Arbeit über 
die Flimmerbewegungen. 

9* 



— i:^2 — 

Die Jungfrauenstiftung vergab 2 Unterstützungen von 100 
und 4 von 50 M. Ihr Vermögen stieg auf 5950 M. Die Vereins- 
kasse behielt nur knapp ihren eisernen Bestand von 3400 M., das 
Stipendium den seinen von 3000 M. nebst 57 M. baar. 

Vorträge 92/3: Jacobi, Das Thorner Religionsgespräch 1645: 
MatzdorfT, Das französische Volksschulwesen ; Dr. Stein, W. v. 
Humboldts Jugendschrift über die Grenzen der Wirksamkeit des 
Staates : Dr. Lindau, Schutzimpfungen ; Boethke i) Das Problem 
des Wachens, 2) Columbus und seine Entdeckung. Die Stelle 
dreier durch Missverständnisse und unvorhergesehene Zwischenfälle 
ausgefallenen Vorträge wurde durch Mitteilungen über das Leben 
und Wirken des Arnos Comenius, über die Eibe in Westpreussen 
(Infolge der bekannten durch Trojan gegebenen Anregung. Vgl. 
Conwentz, die Eibe in Westpr.), über Zeichen alter Kultur auf der 
Osterinsel, über die griechische Gymnastik nach Lukian und Philo- 
stratos, und über die Anfänge der Kartenzeichnung ausgefüllt. 

Im 40 Jahre (93/4) traten aus die Herren Kah und Günther. 
Den Ort verliessen die Herren Siedamgrotzky (Bromberg), Kaufm. 
Andriessen und Rechnungsrat Mann (Berl). Aufgenommen wurden 
Kfm. Illgner, Rabbiner Dr. Rosenbergi Kreisphys. Dr. Wodtke, 
Landg.-R. Neitsch, Amtsrichter Engel, Dr. med. Kunz. 

Das Amt des 2. Vorsitzenden ging von Dr. Siedamgrotzky 
auf Sanitätsrat Dr. Lindau über. Der Verein beschloss in einer 
Generalversammlung am 6. 3. 93, das Statut zu ändern, wofür er 
durch Boethke, Horowitz und Semrau eine Vorlage hatte ausar- 
beiten lassen. Er schaffte überflüssige Förmlichkeiten ab, ordnete 
die Aufnahme neuer Mitglieder durch einfache Mehrheit an, und 
schuf ein neues Vorstandsamt, das des Bibliothekars, welches er 
Herrn Semrau übertrug. 

Der Ueberschuss der im Winter 92/3 gehaltenen öffentlichen 
Vorlesungen floss nach Beschluss der Vortragenden in die Vereins- 
kasse mit c. 200 M. 

Die Kosten des für den Artushof gestifteten Fensters wurden 
jetzt mit 500 M. vollständig bezahlt. 

Um die Errichtung einer Coppernicus-Stern warte in Thom 
wandte sich der Verein, nachdem Prof. Dr. Foerster seine Unter- 
stützung zugesagt hatte, an seinen Protektor v. Gossler. Derselbe 
erklärte, man könne nicht eher an die Gründung einer neuen 
Sternwarte gehen, als bis die alten mit zeitgemässen Instrumenten 
ausgestattet seien. Die Warte in Frauenburg diene nur dem 



— 133 — 

Lyceum Hosianum in Braunsberg. Der Verein sah demnach von 
einer Sammlung von Beiträgen ab. 

Am 7. Mai 93 feierte die Stadt das Hundertjahrfest ihrer 
Einverleibung in den preussischen Staat. Der Verein be- 
teih'gte sich dabei auf das Lebhafteste. Zur wissenschafüichen 
Vorbereitung hielt Herr Semrau am 5. Mai einen Vortrag im 
Artushofe, der von der ausserordentHch starken Zuhörerschaft mit 
gespannter Aufmerksamkeit verfolgt und mit warmem Dank aufge- 
nommen wurde. Dieser Vortrag nebst einer im Archiv gefundenen 
und von Matzdorff abgeschriebenen Denkschrilt von 1786 über 
den damaligen Zustand der Stadt wurde als 8. Heft der Mitteilungen 
herausgegeben. Die Stadt bewilligte dazu eine Beihülfe von 100 M. 
Für die Enthüllungsfeier des Rösnerdenkmals am 21. Juni 1893 
konnte der Verein das Gleiche nicht leisten ^'). 

Für die Erforschung von Sagen und Gebräuchen unserer 
Gegend wurde die Aufstellung eines Fragebogens in Aussicht ge- 
nommen. Derselbe sollte besonders den Lehrern zugestellt werden, 
welche Haenel für ihre 'Ausfüllung zu gewinnen hoffte und über- 
nahm. Diese neue Aufgabe harrt noch ihrer Lösung. 

Alte Grabsteine mit wichtigen Inschritten gehen oft ver- 
loren, werden bei Aufhebung der Kirchhöfe anderwärts verwendet, 
zertrümmert oder unkenntlich gemacht. Der Verein erliess eine 
Aufforderung, solche Denkmäler an den Magistrat abzuliefern. 
Mehrere Steine sind denn auch durch Einmauerung in die hofseitigen 
Wände des Rathauses vor dem Verfall bewahrt worden. 

An die Festungsbehörde richtete der V. die Bitte, bei Aus- 
besserungen alter Baulichkeiten (z. B. des Brückentores) auf 
die geschichtliche Bauweise Rücksicht zu nehmen. Ein Antrag, 
diese Bitte auch wie i. J. 1882, auf den Neubau der Garnisonkirche 
auszudehnen, wurde gegenstandslos, da der Stadtbaurat Schmidt 
die Ermächtigung erhielt, dem Verein die Pläne dieses schönen und 
würdigen Baues vorzulegen. 

Die auf die Obst- und Weinpflanzung gesetzten Hoffnungen 
verwirklichten sich nicht. Der Mangel an Wasser, Bewachung und 
zuverlässiger gärtnerischer Pflege brachte schliesslich selbst Herrn 
Appel zu der Ueberzeugung, dass die Anlage aufgegeben werden 
müsse. Er half redlich beim Verkauf der vorhandenen Bäume und 
Sträucher und der Rückgabe des Landes an die Festungsbehörde. 
Der Verein bekam seine Vorschüsse wieder, natürlich nicht die ge- 
sammelten Beiträge. Die „Aktien" zu 10 M. wurden wertlos ; ihre 
Besitzer erhoben keine Ansprüche. 



— 134 — 

Diese einzige mislungene Unternehmung des Vereins erweckt 
noch jetzt bei denen, welche sich seinerzeit dafür erwärmt haben 
das lebhafteste Bedauern. Die Erneuerung des ehemals mit Liebe 
gepflegten Weinbaues mag wesentlich der geschichtlichen Erinne 
rung wegen wertvoll erschienen sein, aber auf Hebung und Aus 
dehnung des Obstbaues in unserer Gegend wird auch jetzt von 
Sachkundigen hingedrängt. Hätte der Verein eine Musterpflanzunj 
hinstellen und damit Nacheiferung finden können, so wäre das ein 
grosses Verdienst um unser Heimatland gewesen. So lässt sicli 
nur hoffen, dass schon sein guter Wille hie und da vielleichl 
Anstoss zu Versuchen unter günstigeren Umständen gegeben haben 
oder noch geben mag. 

In den Vergnfigungsausschuss wurden Bgm. Stachowitzj 
W. Lambeck und Dr. Meyer gewählt. 

Ein Zyklus von 6 öffentlichen Vorträgen kam auch für den 
Winter 1893/4 zu Stande. Der Ertrag des vorjährigen wurde für 
die wissenschaftlichen Unternehmungen verwendet. Es trugen vor 
am 9. I. 94: Dn Stein, Reformbewegungen auf dem Gebiete des 
Strafrechts; 23. i. : Martell, Anrüchige Gewerbe im Mittelalter; 
13. 2.: Bungkat, Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern; 
27. 2, : Schmidt, Welche Anforderungen hat man an eine gute 
Wohnung zu stellen ? 13 3. : Haenel, Der Totenkult bei den 
alten Aegyptern ; 27. 3. : Boethke, Altertumsfunde und vorge- 
schichtliche Zeiten. 

Grosse Freude erregte der Besuch, welchen der historische 
und der technische Verein in Posen unter Führung unseres Ehren- 
mitgliedes Dr. Meissner, des Archivrats Dr. Prümers und des Archi- 
vars Dr. Warschauer dem Verein und der Stadt Thorn am 9. Juli 
1893 abstatteten. Die Reisegesellschaft bestand aus 85 Herren und 
Damen aus Posen, Ostrowo, Pudewitz, Samter, Gnesen, Nakel, 
Inowrazlaw u. a. O., kam in 4 geschmückten salonartig einge- 
richteten Wagen auf dem Hauptbahnhof an, wurde dort vom 
Vorstande, und an der zweimal fahrenden Fähre von vielen andern 
Mitgliedern empfangen, und sogleich von Semrau und Martell nach 
dem schiefen Turm, den> altst. Parcham im Waserschen Garten, 
nach dem Junkerhof, dem Dansker und in den Ingenieurgarten ge- 
führt. Nach einem raschen Frühstück im Artushofe und der Be- 
sichtigung der Räume desselben folgte der Besuch der Kirchen, 
des Kriegerdenkmals und des Rathauses, wo im Stadtverordneten- 
saale eine Ausstellung von Archivalien und alten Druckwerken pp. 
veranstaltet war. Von einzelnen Abteilungen (auch Frauen) wurde 



I 



— 135 — 



der Turm bestiegen, das städtische und polnische Museum sowie 
die Münzsammlung von Göppinger besucht. Beim Mittagessen im 
Saale des Artushofes begrüsste Bgm. Stachowitz die Gäste, Dr. 
Meisner feierte die Stadt Thorn, Boethke toastete auf Kaiser und 
Reich, Kr.-Sch.-Insp. Gaertner mid Gy.-Dir. Heydrich aus Nakel 
tranken auf die Damen, und Martell legte allen die Gründung einer 
Universität in Thorn ans Herz. In 5 Pferdebahnwagen ging es 
sodann nach der Ziegelei. Nach einem Abschiedstrunk im Artus- 
hofe entführte der Bahnzug die lieben Gäste ; die so gewonnene 
Anknüpfung wirkte weiter fort. 

Spärlich besucht war ein Vortrag des Herrn Professor Cremer 
aus Hannover behufs Gründung einer Ortsgruppe des deutschen 
Sprachvereins. Der Verein hatte auf Veranlassung des Vor- 
tragenden die Einladung erlassen. Mit den sich meldenden ro Mit- 
gliedern wäre die Ortsgruppe ins Leben getreten, aber es fand sich 
niemand in der Lage den Vorsitz zu übernehm.en. Die Sache ruhte 
J daher, bis in dem neuen Direktor der höheren Mädchenschule Herrn 
j Maydom der richtige Mann hierher kam, der die Ortsgruppe ins 
[ Leben rief und ihr noch jetzt vorsteht. 

Den Schriftenaustausch bot der Verein allen Geschichtsver- 
einen der Nachbarprovinzen an. Nachgesucht wurde er insbeson- 
\ dere von der neu gegründeten Societe Scientifique Copernic zu 
Montreal in Canada, und von der Naturforschenden Gesellschaft 
Graubündens. 

Für die endlich als Gegenstand sorgfältiger Pflege anerkannte, 
in der höheren Mädchenschule untergebrachte Bibliothek wurde 
ein Arbeits- und Benutzungsplan testgestellt. Die noch vorhandenen 
Exemplare der Vereinsschriften wurden teils den Schulleitern zu 
Festgeschenken überwiesen teils zu herabgesetzten Preisen in den 
Verkehr gebracht. Die belletristischen Zeitschriften erhielt die 
Volksbibliothek (11. 9. 93). Für den Anfang der Neuordnung be- 
willigte der Verein 65 M. 

Von 4 Bewerbern um das Stipendium bekamen 2 eine Rate 
von je 100 M., Georg Klein, Bergbaubeflissener in Danzig für 
seinen Aufsatz „Zur Frage einer diluvialen Ostsee" und Cand,-Ing. 
W. Raddatz aus Loebau für eine aus der Lösung mehrerer mathe- 
matischer Arbeiten bestehende Arbeit. Beurteiler waren Feyer- 
abendt, Bungkat, Kunz und Prof. Conwentz in Danzig. 

Die Jungfrauenstiftung brachte ihr Vermögen auf 6058 M., 
und verteilte Unterstützungen von insgesammt 575 M. 



— 136 — 

Vorträge : Martell, i) Ehre und Ehrverletzung im Strafge- 
setze und nach der Anschauung der Gesellschaft (Festvortrag am 
19. 2. 93), 2) Die südliche Sprachgrenze des deutschen Volkes, 
3) Unehrliche Gewerbe im Mittelalter ; Dr. Lindau, i) Der preussi- 
sche Messerschlucker, 2) Alt-Thorner Medizinalwesen ; G. Prowe, 
die Währungsfrage ; Bgm. Stachowitz, die Gemeinde-Besteuerung ; 
MatzdorfT, Alphonse Daudets humoristische Romane ; Boethke, 
i) Volkstümliche Märchen und Sagen aus Wolframs Parzival, 
2) Altertumskunde und vorgeschichtliche Zeiten. 

Vom 41. bis 46. Jahre. 



Im neuen Jahrzehnt begann der Verein auch äusserlich wieder 
zuzunehmen. Seine Mitgliederzahl stieg 1894/5 von 59 auf 66. Der 
Sitzung am 4. 2. 95 wohnten 33 Teilnehmer bei. 

Durch den Tod verlor er Herrn Mittelschullehrcr Appel. 
Wie der Stadt ein hingebend tätiger Beamter und Bürger, so war 
er dem Verein ein treues Mitglied gewesen, hatte die Obstpflanzung 
mit Hingebung gepflegt, und das Denkmal des Coppernicus an jedem 
19. Februar sorgsam geschmückt. Er starb am 18. 7. 1894, fast 
73 Jahre alt, 50 Jahre Schulmann, davon 40 in Thorn, zuletzt als 
Mittelschullehrer. Er wirkte ausserdem in der Handwerkerlehrlings- 
schule, dem Verschönerungsverein, dem neustadtischen Gemeinde- 
kirchenrat u. a. m., überall mit dankenswertem Eifer und Erfolg. 
Aus der Stadt verzogen die Herren Scheller und N. Hirschfeldt. 
Wegen Kränklichkeit trat aus der Professor Curtze, wurde 
aber zum Ehrenmitgliede ernannt, und hat als solches dem Verein 
bis an sein Lebensende seine treue und tätige Mitwirkung ge- 
schenkt. Aufgenommen wurden Mittelschullehrer v. Jakubowski 
und Mau seh, Kfm. Levy, Bauunternehmer Houtermans, Amts- 
richter Wintzeck und Jacobi, Landrichter Bischoff und Hirsch- 
berg,' Div.-Pf. Strauss, Gutsbes. Windisch auf Kamlarken Kr. 
Kulm, Schulamtskand. Dr. Oestcrreich. Von den Ehrenmitgliedern 
starben der frühere Protektor des Vereins, Oberpräsident a. D. 
V, Ernsthausen, und der Fürst Boneampagni in Rom. 

In den Vorstand v^rde als Schatzmeister, da Herr G. Prowe 
die Wahl ablehnte, Herr Glfiekmann gewählt. Die Sitzungen 
fanden in dem sog. altdeutschen Zimmer des neuen Schützen- 
hauses statt. 



— 137 — 

Vorträge hielten : Dr. Lindau (Festsitzung), Alt-Thorner 
Medizinalverhältnisse ; Engel, die Entwickelung der Wappen im 
Mittelalter ; Herlord, das deutsche Volkslied in Vergangenheit und 
Gegenwart ; Boethke, i) Der Philoktet des Sophokles und seine 
Bedeutung für die deutsche Literatur, 2» Das Märchen von Amor 
und Psyche und sein Verfasser ; Dr. Kunz, der Zusammenhang 
zwischen Augenkrankheiten und andern Krankheiten; Semrau, das 
älteste Stadtbuch von Lemberg ; Dr. Meyer, Besteigung des Gross- 
Löffler in den Zillerthaler Alpen ; Dr. Wodtke, Infektion, Immuni- 
tät und Serumtherapie. Unter den kleineren Mitteilungen waren 
von Bedeutung : Semrau, i) Der Kulmer Grabstein des Arnoldus 
Lischoren von 1275, 2) Drei in der Jakobskirche entdeckte alte 
Grabsteine ; Curtze, i) Der Canon Triangulorum des Rhcticus ^*), 
2) Die Geometrie von Gerbert (Sylvester II), 3) Die 2 ältesten 
deutschen Bücher über Algebra (14. Jahrh.) ; Uebrick, Erläuterungen 
zum Entwurf des Thorner Stadttheaters ; Boethke, die Bewegung 
für Jugend und Volksspiele ; Dr. Horowitz, Aufsätze des Majors 
Weisse aus der Zeitschrift „Versöhnung" ; Engel, Erläuterung s. 
Siegelwerkes; Schmidt, i) Die Vorgänge bei Reinigung und Patini- 
sirung des Coppernicusdenkmals ^^), 2) Die beim Bau der Wasser- 
leitung gefundenen Gegenstände (m. Ausstellung). 

Von der Obstpflanzung fanden sich in Appcls Nachlasse 
noch 84 M., welche mit Vorbehalt der Rechte der Aktieninhaber 
für die Vereinskasse vereinnahmt wurden. Von dem Vorbehalt ist 
kein Gebrauch gemacht worden. 

Für die Bibliothek wurde nunmehr eine Summe von 350 M. 
ausgesetzt. Der stark erweiterte (s. 10. 12 94 N. 11) Schrilten- 
austausch umfasste 108 Vereine und Anstalten. In ihn trat u. a. 
die polnische Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften zu Posen 
ein. Ihr folgten noch andere polnische Gesellschaften und Zeit- 
schriften (8. 10. 94). Unter den zahlreichen Gaben für die Biblio- 
thek sei die ihr von Frau Oberlehrer Brohm geschenkte Toten- 
maske ihres Schwagers Bogumil Goltz erwähnt. Die Zahl der 
Bände stieg von 1000 auf 1525. Ausgeliehen wurden 114 Bände 
in den Bibliotheksstunden Sonnabends 3 — 4. 

Das Museum wurde in allen 3 Abteilungen, der naturgeschicht- 
lichen, der vorgeschichtlichen und der geschichtlichen, durch viele 
Geschenke vermehrt, darunter auch Funde aus der Gegend von 
Schwetz und Graudenz. Auf Ansuchen des Vereins stellte das 
Bauamt eine Einzeichnung der beim Bau der Wasserleitung und 
Kanalisation gefundenen Mauerreste in die 4 Blätter des Stadtplans her, 



— 138 — 

Als 9. Heft der Mitteilungen vei öffentlichte der Verein das 
Werk von Engel „Die Siegel des Thomer Ratsarchivs mit beson- 
derer Berücksichtigung des Ordenslandes". Die Provinzial-Kom- 
mission bewilligte dazu 300 M., die Stadt 100 M. Die Kosten be- 
trugen 800 M. Die Zeichnungen der Siegel wurden vom Litho- 
graphen Feyerabend ausgeführt. Die Sachverständigen zollten reich- 
lichen Beifall. Zwar blieb der Absatz selbstverständlich beschränkt 
(8. ID., 5. II., 29 II.): gleichwohl wurde die Fortsetzung in Aus- 
sicht genommen, denn gerade solche Werke^ welche sich nicht be- 
zahlt machen, bedürfen des Eintretens der Vereinstätigkeit. 

Die vor 2 Jahren gegründete erweiterte Provinzialkom- 
mission tagte am 11. Oktober in Danzig unter dem Vorsitze des 
Oberpräsidenten. Der Verein war dabei durch seinen persönhch 
eingeladenen Vorsitzenden und den von ihm entsendeten Bibliothekar 
Semrau vertreten. Das Hauptergebnis war, dass Vertrauens- 
männer an allen namhaften Orten der Provinz ernannt werden 
sollten. Man kann wohl sagen, dass durch diese Organisation jenes 
organische Zusammenwirken, welches in den Vorjahren ver- 
geblich erstrebt worden war, eine greifbare Gestalt gewann. Nur 
zeigte es sich bald, dass die Maschinerie sich nicht ganz leicht in 
Volle Tätigkeit setzen liess. Anregend wirkte hier besonders ein 
Besuch, den Herr Professor Conweniz unserm Museum mit vielen 
Mitgliedern des Vereins und der städtischen Behörden zusammen 
abstattete. 

Die Fahrt einer Kommission nach Kamlarken, Kr. Kulm, ergab 
zwar einige Ausbeute an schon gemachten Altertumsfunden, aber 
keinen genügenden Anlass zu einem grösseren Besuche der Fund- 
stätte durch den Verein, zumal der Besitzer Herr Windisch genug- 
sam seine Aufmerksamkeit auf die Fundstätte gerichtet hielt. 

Durch Glflekwfinsche bezeugte der Verein seine Teilnahme 
an dem 50J. Jubelfeste der Prussia in Königsberg und dem 25J. des 
Vereins für Anthropologie in Berlin, sowie an einer Ovation für 
den Oberbibliothekar Reicke in Königsberg, Herausgeber der Altpr. 
Monatsschrift. Ferner erneuerte er seinen Vergnflgungsausschuss 
(Martell, Bgm. Stachowitz, Glückmann, Schmidt) und die Kom- 
mission iür Thorner Altertümer (Schmidt, Uebrick, Engel, 
Semrau, Meyer) 

Auch in diesem Jahre konnte er einen auswärtigen gleich- 
strebenden Verein, den historischen V. für den Netzedisirikt 
in Bromberg, hier empfangen, mit Stolz bei unsern Denkmälern 
und in unsern Sammlungen herumführen, und anregende Stunden 



— 139 — 

im Artushof und auf einer Dampferfahrt mit seinen Gästen zubringen. 
Zündend wirkte ein bei Tafel gesungenes Lied des Oberlehrers 
Ehrenthal aus Bromberg auf Coppernicus ^^). Der Historische 
Verein übersandte nachher dem C.-V. ein schön gezeichnetes Cop- 
pemicusbild, welches Herr Landrichter BischoflF würdig einrahmen 
Hess (i. 6. 95 N. ii). 

Alle entbehrlichen Ausgaben wurden eingestellt, so die 30 M. 
für Prämien am Schillertage und die 30 M. zum Stipendienfonds. 
Auch lehnte der V. schon seit mehreren Jahren alle Gesuche 
anderer hiesiger Vereine um Beiträge ab Den nächsten Anlass zu 
der damals eingeführten zweckmässigen Einladung der Mitglieder 
durch Postkarten gab ebenfalls die dadurch erzielte Ersparnis. Be- 
hufs Geheimhaltung der vorkommenden Namen wurde später die 
Versendung der Karten in Umschlägen beschlossen. 

Ein Stipendium wurde nicht verliehen, weil die beiden einge- 
reichten Arbeiten bereits als Doktordissertationen gedient hatten. 
Die Jungfrauenstiftung aber verteilte 4 Gaben von 100, 4 von 
50, 2 von 45 M. 

Die Vereinskasse schloss natürlich ungünstig ab mit 2855 M. 

Im 42. Vereinsjahre (1895) starben die Herren Fabrikant 
Huebner und Kaufmann L. Borchardt (son.) und von früheren Mit- 
gliedern der Gymn.-Dir. a. D. Dr. Friedrich Strehlke. Am 8. 3. 
25 in Danzig geboren, wirkte Str. zuerst an dem Gymnasium seiner 
Vaterstadt, dann seit 1875 als Direktor am Gymnasium zu Marien- 
burg, 1878 bis 84 am Gymn. in Thorn. Eine hervorragende Tätig- 
keit übte er auf dem Gebiete der Goetheforschung, und teilte die 
Ergebnisse seiner Ermittelung in anregender Form auch dem Cop- 
pernicusverein und seinen Freunden mit. Ein hartnäckiges neural- 
gisches Leiden nötigte ihn zu einem frühen Scheiden aus dem Amte, 
in welchem er durch ruhige Besonnenheit sowie durch ein feines 
Gefühl für das Seelenleben der Schüler segensreich gewirkt hatte. 
Er starb am i. 2 1896 in Charlottenburg. — Es traten aus Bank- 
vorsteher Knothe, Ldg.-R. Neitsch und Stadtrat Rudies (verzogen), 
ferner Oberl. Marcks. Aufgenommen wurden 18 Mitglieder : Ldg.- 
Sekr. Scholz, Kfm. Laengner, Inspektor Walter Zernecke, Kfm. 
Rietflin, Kfm. H. Borchardt (jun.), R.-Baum. Garnn, Bau-Unt. 
Waller, Wiss. Lehrer Lottig, R.-Baum Cuny, Kommandant Frh. 
V. Seil, Oberst Janke, Zahnarzt Loewenson, Exz. Gouverneur 
Boie, Lehrer A. und J. Klink, Mitt.-Sch.-L. Kowalski, Kfm. Alb. 
und Fritz Kordes, (beide als stiftende Mitgheder). Die Zahl stieg 
auf 77. 



— 140 — 

Durch den Tod von G. Frey tag am (30. 4. 95) und Prof. Dr. 
Knoblauch sank die Zahl der Ehrenmitglieder auf 21. 

Gedruckt wurden die Jahresberichte 36—41 ; ferner die 
mehrfach geänderten Satzungen, s. unten. Als X. Heft der Mit- 
teilungen erschien der 2. Teil des Siegelwerkes von Engel. Die 
Provinzialkommission hatte dazu wieder 300 M , der Magistrat 100 M. 
bewilligt (10. 6. und 28. 9. 95) 

Durch Beschluss der Generalversammlung vom 2. 12. 95 wur- 
den die Mitgliederbeitrflge infolge der gestiegenen Anforderungen 
an die Vereinskasse von 6 M. auf 10 M. erhöht. Dadurch wie 
durch andere im Laufe der Zeit veränderte Umstände wurde eine 
Umarbeitung der Statuten erforderlich. Die neuen Satzungen 
wurden in der Generalversammlung am 20. Januar 1896 festge- 
stellt. Die wesentlichsten weiteren Unterschiede bestanden darin, 
dass den drei Aufgaben des Vereins als vierte hinzugefügt wurde, 
geeignete Abhandlungen unter dem Titel „Mitteilungen des C.-V. 
f. W. u. K." zu veröffentlichen ; ferner dass bei allen Abstimmungen 
von der Forderung einer grösseren Stimmenzahl als der einfachen 
Mehrheit abgesehen ; ferner dass das im Jahre 1893 geschaffene 
Amt des Bibliothekars eingefügt, und endlich dass für den Fall 
der etwaigen Auflösung des Vereins Anordnungen inbetreff seines 
Vermögens getroffen wurden. 

Die Sitzungen fanden zuletzt im kleinen Saale des Schützen- 
hauses statt. Ein Antrag, den Damen der Mitglieder ein für alle- 
mal Zutritt zur wissenschaftlichen Sitzung zu gewähren, wurde 
zwar, weil Protest erhoben worden war, vom Vorstande am 1.6.95 
abgelehnt ; doch wurde die Zulassung oder Einladung zu einzelnen 
Vorträgen vorbehalten. So nahmen gleich am 10. Juni und 5. Sept. 
(Schmidt Reiseeindrücke) je 15 Damen Teil. 

Vorträge : Wodtke, Infektion, Immunität und Serumtherapie 
(Fests. 19. 2. 95) ; H. Staehowitz, Mitt. über die altst. ev. Kirche 
und die nicht mehr vorhandenen Thorner Kirchen ; Rosenberg, 
der Prediger Salomonis und Goethes Faust ; Strauss, die Heils- 
armee in London, nach persönl. Eindrücken ; Schmidt, Reiseein- 
drücke aus Aegypten (2. V.) ; Curtze, Dominicus Parisiensis und 
die älteste deutsche Algebra ; Semrau, die christkatholische Ge- 
meinde in Thorn ; Martell, zur Entwickelung der deutsch-franzö- 
sischen Sprachgrenze ; Horowitz, Was ist Aufklärung ? Eine Frage 
und Antwort J. Kants ; Cuny, i) Einige Architekturformen des ehe- 
maligen Dominikanerklosters nach den bei den Fundamentarbeiten 
der Garnisonkirche gefundenen Resten, 2) Ursprung und Schick- 



— 141 — 

sale des St Elisab. Hospitals in Danzig; Boeihke, die neueste 
Hamletliteratur. 

Am 23. Juni 95 erwiderten 15 Herren und 7 Damen des V.'s 
den Besuch der Posener Vereine von 1893, und verlebten in 
Posen einen an Genuss und Anregungen reichen Tag. Unter 
Führung des Ob.-Ldg.-R/s Dr. Meisner und des Archivrats Dr. 
Prümers besichtigten sie nebst einer Anzahl dortiger Vereinsmit- 
glieder das reichhaltige städusche Museum, das Rathaus, den Dom, 
in welchem ein sachkundiger Vortrag gehalten wurde, und den 
zoologischen Garten. Die mit Veranstaltung dieser Fahrt beauf- 
tragte Kommission bestand aus BischoflF, Semrau und Illgner, und 
erstattete ihren Bericht am 28. 6. 

Eine Beitragssammlung eröffnete die Versammlung am 4. ir. 
behufs der Errichtung des Helmholtzdenkmals. 

Am 12. I. 96 veranstaltete der V. eine öffentliche Pesialozzi- 
leier zum 150J. Geburtstage P.'s. Den Festvortrag hielt Rektor 
Lottig. 

lieber eine Neuordnung des Museums reichte der V. dem 
Magistrat eine Denkschrift ein, welche vorläufig zu keinem Ergebnis 
führte. Im Vorstande des Museums wurde Martell durch Cuny 
ersetzt. Unter den Zuwendungen befanden sich Grabfunde von 
Ottlotschin und der Kulmer Vorstadt, ferner die kirchlichen Geräte 
der ehemaligen ehristkatholischen Gemeinde überwiesen von 
ihren letzten Mitgliedern, Glaserm. Orth und Polizeisergeant a. D. 
Draugielewicz. 

Auch sonst empfing das Museum reiche Beiträge von den 
verschiedensten Seiten, und auch das Archiv und das Körneralbum 
gingen nicht leer aus. Von einem Wandgemälde z. B. im Leiser- 
schen Hause Altst. Markt 34 Hess der Verein vor dem Abbruch 
eine Photographie fertigen. 

Die Bibliothek nahm von 1525 auf 2403 Bände zu, vornehm- 
lich durch die vom Rittergutsb. Koerner geschenkte Büchersamm- 
lung seines Vaters mit 493 Bänden. Ausgeliehen wurden 186 
Bände gegen 114 im Vorjahre. Sie befand sich im Zimmer 16 der 
höh. Töchterschule, und war Sonnabends 3 — 4 Uhr geöffnet. Um 
sie in leistungsfähigen Stand zu bringen, entschloss sich der Verein 
5CX) M. ausserordentlich zu verwenden, und aus dem Kapital zu 
entnehmen. 

Das Stipendium erhielt von 3 Bewerbern der Stud. Prylewski 
zu Königsberg mit einer Arbeit über qualitative chemische Analyse 



- 14i> — 

nach Beispielen. Geprüft wurde die Arbeit durch Bungkat, Curtze 
und Oesterreich. 

Die Juiif^trauenstittung verteilte 760 M. in 5 Gaben zu 100, 
4 zu 50 und 2 zu 30 M. 

Das Abendessen am 19. 2. 96 fand mit Damen im Saale des 
Schützenhauses statt. Die Vorbereitungen trafen Dr. Lindau und 
Glückmann. 

Noch reicher flössen die Zugänge des Archivs und des 
Museums im 43. Jahre (1896). Herr Landrat v. Schwerin forderte 
in seinem amtlichen Organe die Kreiseingesessenen auf, gefundene 
Altertümer sorgfältig zu behandeln und Denkmäler aller Art dem 
städtischen Museum zuzuwenden. Die Aufforderung blieb nicht ohne 
Erfolg. Neue Ausgrabungen bei Piwnitz, Folsong und Rentschkau 
brachten lohnenden Gewinn Auch ging der Magistrat nach gründ- 
lichen Verhandlungen auf den Wunsch einer Neuordnung ein, und 
ersuchte die Herren Semrau, Cuny, Engel und Bungkat sich der 
Aufgabe zu unterziehen (4. 5. 96). Am 9 Juni wurde das Museum 
der Kreislehrerkonferenz gezeigt; die Mitglieder des V.'s waren 
zur Teilnahme eingeladen. Behufs genauerer Regelung der Denk- 
malspflege gab der Prov.-Konservator Baurat Heise ein Merkbüch- 
lein heraus. Das veranlasste den Verein über eine straffere Orga- 
nisation der Vertrauensmänner eine Anfrage an die Prov.-Kom- 
mission zu richten (3. 8. und 7. 9.) 

Auch die Mitgliedcrzahl nahm weiter auf 85 zu, obgleich 
die Herren Winselmann, Schmidt, Tacht, Feyerabendt und Windisch 
austraten, v. Seil nach Glatz, MatzdorflF nach Küstrin verzogen und 
Gen.-Leutn. Boie durch den Tod abgerufen wurde. Es traten ein 
Landrichter Kreischmann, Rechtsanwalt Aronsohn, Fabrikant 
G. Weese (iun), Mittelschullehrer Paul, St.-Anw. Rothardt, 
Dr. med. Wolpe, Landrichter Hirschfeld, Kfm. Asch, R.-Anw. 
Cohn, Kfm. Leop. Hirschfeldt, Buchhändler Schwartz, Gouver- 
neur Gen.-L. Rohne, Kommandant Oberstl. Barbenes, Stadtrat 
Kriwes, Bat. -Arzt Krause. Es wurde die Frage aufgeworfen, 
ob auch Frauen Mitglieder werden könnten. Sie wurde nicht 
grundsätzlich entschieden, aber für den vorliegenden Versuch durch 
Ablehnung erledigt. Sie ist seitdem nicht wieder aufgeworfen 
worden. 

Neun auswärtige Herren, welche die Bestrebungen des V.'s 
bereits kräftig unterstützt hatten, wurden zu korrespondierenden 
Mitgliedern gewählt, Rektor Rebitzki in Lautenburg, Lehrer 
Hülebrandt in Argenau, Ritterg.-Bes. Henkel in Chelmonie, Kim. 



— 14:$ — 

Goldstandt in Löbau, Dr. med. Simon in Schulitz, Gy.-L. Her- 
mann in Strasburg W. Pr , Lehrer jQdrzejewski in Gurzno, 
Amtsrichter Glückmann in D.-Eylau, Kr.-Schulinsp. Dr. Thünert 
in Kulmsee. Es gab nun ii korr. und 22 Ehrenmitglieder. 

Den Vortrag am 19. 2. 96 hielt Prof. Dr. HorowKz: Was 
ist Aufklärung? (s S 194). In den Monatssitzungen behandelten 
Pfarrer Jacobi Neuere Forschungen über das Thorner Blutge- 
richt 1724; V. Jakubowski Die Kritik Perlbachs über das 
Siegelwerk von Engel ; Curlze i) Das Leben und die Schriften 
Galileis bis 161 6, 2) eine Handschrift des Euclid aus dem 12. Jahrh , 

3) Bericht über seine Studienreise nach Erfurt, München, Wien, 
Krakau; Fcyerabendt Einiges über Röntgenstrahlen; Wentscher 
i) Ein kleiner Nachtrag über Röntgenstrahlen ; 2) Diphtherie und 
Heilserum ; Boethke i) Grabows Aufsatz „Die Gründung von 
Bidegast" (Bromberg, poln. Bydgoszczj, 2) Das Traumbuch des Arte- 
midoros ; Zahnarzt Loewenson Hygiene und Zahnheilkuncje ; 
Cuny die Stadt Raci^ek in Polen ; Semrau i) die Fleischer- 
innung und die Gesellenbrüderschaften in Thorn, 2) die Privilegien 
von Rudak und Korzeniec-Kämpe (dem Vortrage wohnten mehrere 
Besitzer von dieser Kämpe bei), 3) seine Reise nach Frauenburg, 

4) die Kritiken des Engeischen Siegelwerks von Bail und v. Mülver- 
stedt; Horo^iitz die moderne Kosmogonie des Griechen Eginitis 
(vom Verfasser aus Athen dem V. zugesendet). 

Fast in jeder Sitzung wurden Eingänge für das Museum und 
Archiv vorgelegt und durch die Herren Cuny, Semrau u. a. erläutert. 
Auch haben seit 1894 Damen mehr oder weniger zahlreich an dem 
wissenschaftlichen Teile der Sitzung zuhörend teilgenommen. 

Der Bibliothek schenkte Pfarrer Jacobi seine Schrift „Das 
Thorner Blutgericht 1724''. 

Landrichter Bischoff lenkte die Aufmerksamkeit auf den dem 
Gymnasium gehörigen botanisctien Garten, für welchen schon im 
Jahre 1870 auf Veranlassung des V.'s ein Unterhaltungsfonds ange- 
sammelt worden war. Der V. beschloss wiederum beim Prov.- 
Schulkollegium vorstellig zu werden, es möchte den Pächter zu 
besserer Instandhaltung der botanischen Pflanzungen verpflichten. 
Mittierweile tauchte der Gedanke auf, einen Teil des Gartens zu 
einem Turnplatz mit Turnhalle umzuwandeln. Dagegen erhob der 
Verein Einspruch, woran sich der Vorsitzende wegen seiner amt- 
lichen Stellung als Professor und Turnlehrer des Gymnasiums nicht 
beteiligte. An einer vom Reg.-Ass. Foerster auf den 30. Juli anbe- 
raumten Lokalbesichtigung nahmen seitens des Vereins Semrau 



- \u — 

und Pfarrer Stachowitz Teil, und gewannen den Eindruck, dass die 
Behörde von der geplanten Benutzung als testaments widrig und 
unzweckmässig absehen werde. Der neue Turnplatz ist denn tat- 
sächlich auch an einer andern Stelle angelegt worden. 

Herausgegeben und bei E. Lambeck gedruckt wurde das 
XI. Heft der Mitteilungen, enthaltend das Werk des nach Marien- 
werder versetzten Ob.-Ldg.-Sekretärs Scholz „Die Vegetationsver- 
hältnisse des preussischen Weichsellandes**. Dazu hatte die Prov.- 
Kommission 300 M. und Landrichter Bischoff einen weiteren Beitrag 
gespendet (30. 11. und 7. 12. 96; ii. i. 97). 

Dem Verein für Gesch. und Altertümer Schlesiens in Breslau 
wurden die Glückwünsche des Vereins zu seinem 50J. Bestehen 
von unserm Ehrenmitgliede Oberbürgerm. Bender persönlich über- 
bracht (I. 3. 96). 

Eine sehr angenehme und lehrreiche Fahrt wurde am 31. Mai 
nach Kulmsee mit der Eisenbahn, und von da in mehreren Wagen 
nach Bischöflich Papau unternommen. Der Dom und die evang. 
Pfarrkirche in Kulmsee wurden unter der sachkundigen Führung 
von Semrau genau besichtigt. Auf der Fahrt wurde dann ein alter, 
in seiner äusseren Form kaum mehr erkennbarer Burgwall in 
Zeigland besucht. Auch die katholische Pfarrkirche in Papau bot 
viel Interessantes. Aber am meisten wurden die Gemüter von dem 
Anblick der Ruine des auf einem Hügel im Park gelegenen 
Komthurschlosses ergriflFen. Der Domänenpächter Herr Amtsrat 
Peters hatte nicht nur den Besuch freundlichst gestattet, sondern 
erhöhte den Genuss des Aufenthalts in den gewaltigen Mauern des 
Schlosses und auf der Veranda des nahe dabei liegenden Wohn- 
hauses durch gastliche Aufnahme der zahlreichen Gesellschaft in 
der Mitte seiner teilnehmenden Familie. Den Dank stattete der 
Verein unter Uebersendung der Vereinsschriften ab. Die Vorbe- 
reitungen zur Fahrt waren von den Herren Semrau, BischofT und 
Cuny mit genauester Berechnung getroffen worden. 

Ausser den Herren A. und F. Kordes zahlten noch die 
Herren Glückmann und Martell als ^^stiftende Mitglieder" einen 
einmaligen Beitrag von je 150 M. Die Restauflage der Jubelausgabe 
wurde an Herrn W. Lambeck für 200 M. verkauft. Die Kasse 
schloss daher mit einem erheblichen Mehrbetrage ab. 

Für die Vorträge stiftete Herr Houtermans eine Wandtafel. 

Ein Stipendium wurde auf Grund des Gutachtens der Herren 
Wentscher und Bungkat dem Cand. med. Plewe für seine Arbeit 
über Haematosalpinx zuerkannt. 



— 145 — 

Die Jungfrauenstiftung verteilte, da sie eine ausserordent- 
liche Einnahme zu hoffen hatte, 800 M. Unterstützungen, 4 zu 100, 
2 zu 75, 5 zu 50 M., und überschritt damit ihren Baarbestand um 
370 M. 

Das Abendessen wurde im Schützenhaussaale wieder mit 
Damen veranstaltet. Die Vorbereitungen trafen die Herren Glück- 
mann, Semrau und Weese. Zur Aufführung kam die Nikolaus- 
prozession am 6. Dez. 1530, geordnet und mit Text versehen von 
Semrau, dargestellt von Schülern des Gymnasiums. Auch waren 
Lieder, besonders vom Rektor Lottig, dazu gedruckt worden. 

Im 44. Jahre (1897) schieden aus der Zahl der ordentlichen 
Mitglieder die Herren Scholz (nach Marienwerder), A. und J. Klink, 
Barbenes (Jauer), Scheda (Berlin), Garnn (Danzig), Dr. Krause 
(Saarlouis), Janke, Landeker, Dr. Oesterreich = 10. Dagegen wurden 
aufgenommen: Kfm. Landeker (am i. 11. wieder ausgeschieden), 
Maurermeister E. Schwartz (jun.), Holzhändler Meyer, Brauerei- 
besitzer Bauer in Briesen, Dr. med. Schnitze, Kfm. Schnibbe, 
Stabsarzt Dr. Musehold, Probst Zi^tarski, Kreisschulinsp. Dr. 
Thunert in Kulmsee, Major Eden, Oberstl. Wilke = 11. Die Zahl 
betrug 86. 

Aus der der korresp. Mitglieder schied Dr. Thunert dadurch 
aus, dafür trat Obld.-G.-Sekr. Scholz ein. Dazu kam Obld.-G.-Sekr. 
Froelich in Frankfurt a. M., so dass die Zahl von 11 auf 12 wuchs. 

Ehrenmitglieder blieben 22. 

Der Vorstand, bestehend aus Boethke, Lindau, Lottig, Cuny, 
Glückmann, Semrau, wurde auch für 1898 wiedergewählt. 

Es fanden 15 Vorstands- und 12 Vereinssitzungen statt ; die 
letzteren im kleinen Saale des Schützenhauses. Ferien wurden nur 
im Juli gemacht ; im Dezember folgten 2 Sitzungen auf einander. 

Der Haushaltsplan wurde auf 1724,64 M. festgestellt. 

Vorträge : am 19. 2. 97. Kaenel, Sudermann als Dramatiker ; 
8. 3. Boethke, die Nova Atlantis von Baco ; 5. 4. a) Engel, zur 
Geschichte der Feuerwaffen im Anschluss an ausgestellte, meist der 
Schützenbrüderschaft gehörige Stücke, b) Dr. Thunert, der Kampf 
der Deutschen in Polnisch Preussen für ihre Freiheiten und Rechte 
H54 — 1500; -3. 5. Cuny, Neues über die Marienkirche (deren Giebel 
er zu restauriren hatte) ; 14. 6. Pf. Stachowitz, Die altst. Kirche 
und der Turmbau ; 16. 8. a) Semrau, Die Ruinen von Alt-Dybow 
und das Gräberfeld von Seyde, b) Boethke, Konrad von Würz- 
burgs Epos Partonopier und Meliur ; 6. 9. a) Semrau, Das Stein- 
kistengrab in Piwnitz, Kr. Briesen, und die der Stadt überwiesenen 

10 



-^ 14(> - 

Dorfurkunden von Duliniewo, b) Lindau, Thorner Medizinalwesen 
im i8. Jahrhundert; 4. 10. Dr. Krause, Pflanzengeschichte; 8. 11. 

a) Scmrau, Die Burgwälle von Rudaw und Niedzwi^dz in Polen, 

b) Lindau, Gesundheitsverhältnisse und Medizinalstatistik Thorns 
im 18. Jahrb.; 6. 12. a) Reuther, Zwei Abhandlungen von Weisse 
über das Flugproblem, b) Pf. Stäche wiiz, Ein Artikel des Wiener 
Fremdenblatts (Jan. 96) über den im Thorner Brückenkopfe ge- 
fallenen österr.-Obersten Brusch v Neuberg ^^); 7. 12. und 10. i. 98: 
Cuny, Die deutsche Malerei vom 13. — 16. Jahrh. mit bes. Würdi- 
gung Dürers; 7 2. 98 a) Jacobi, Zur Geschichte des Nonnen- 
klosters in Thom, b) Bocthke, Leibesübungen alter und neuer Zeit 

Ausserdem wurden, wie im Vorjahre, meist neue Eingänge 
für Museum und Archiv ausgestellt. Zu den Vorträgen stellten 
sich viele Nichtmitglieder, auch Zuhörerinnen, ein. 

Es war daher auch eine zahlreiche Reisegesellschaft, welche 
dem Rufe der aus Semrau, Rothardt und Ger.-Rat Jacobi bestehen- 
den Kommission folgend am 30. Mai 97 den Besuch des Historischen 
Vereins für den Netzedistrikt erwiderte. In Bromberg festlich 
empfangen besuchten die Wallfahrer unter Führung mehrerer Teil- 
nehmer der Besuchsfahrt von 1894 ^®) die Jesuitenkirche und die 
Pfarrkirche, welche einen ganz andern Typus darstellten als die 
Thorner Kirchen, das Rathaus und sodann die Paulskirche in dem 
neuen nördlichen Stadtteil, in deren Nähe auch das vom Netzedi- 
strikt gesetzte Kaiser-Wilhelms-Denkmal steht. Beim gemeinsamen 
Mittagmahle im Zivilkasino wurde natürlich auch das Lied Ehren- 
thals von Pfiffikus wieder gesungen. In der fröhlichsten Stimmung 
trat die Gesellschaft mit Hülfe der Strassenbahn eine Wanderung 
nach den Schleusen an, bei welcher auch die Fischbrutanstalt be- 
sichtigt wurde, und sass schliesslich noch ein Stündchen in Patzers 
Garten vertraulich beisammen. 

Für das 12. Heft der Mitteilungen bewilligte die Prov.-Kom- 
mission eine Beihülfe von 200 M. (4. 5). Doch wurde dieselbe 
nicht in Anspruch genommen, weil der Verein von der Herausgabe 
Abstand nahm. Da nach einem Bericht der Prov.-Kommission noch 
im Mai 1897 eine Ernennung von Vertrauensmännern für Denk- 
malspflege nicht erfolgt war, so wurde dieserhalb ein neues Gesuch 
an die Prov.-Kommission gerichtet, welches die Wünsche des V.'s 
dahin formulierte, dass Denkmälerarchive in den einzelnen Städten 
eingerichtet, dass eine Versammlung nach Pelplin einberufen, dass 
dort ein Vortrag über die Restauration des Domes und eine Be- 
sprechung über die Umbauten abgehalten werden möchte. Es war 



• - 147 - 

wohl als eine Folge dieses Gesuches anzusehen, dass im nächsten 
Jahre eine Versammlung der erweiterten Kommission nach. Pelplin 
berufen wurde. Am 6. 12. 97 konnte denn auch dem Verein be- 
kannt gemacht werden, dass die Herren Semrau und Cuny zu 
Vertrauensmännern ernannt worden seien. Demnach war nun 
wohl die ganze Provinz von einem Netz solcher Wachposten 
überzogen. 

So hatten auch die weiteren Vorstellungen an das Prov.- 
SchulkoUegium bezüglich des botanischen Gartens den Erfolg, 
dass von der Inanspruchnahme eines Teils für die Turnhalle end- 
gültig abgesehen wurde, ebenso von der Aufhebung des oberen 
Weges, der dem Verein der Aussicht wegen von Wichtigkeit er- 
schien, und dass unter besonderer Fürsorge des Herrn Oberlehrer 
Wilhelm 200 neue Tafeln zur Bezeichnung der fremdländischen 
Bäume und Sträucher angebracht wurden (14. 6.; i. 9). 

Auch wurde in diesem Jahre zuerst die Erwartung ausge- 
sprochen, dass die Regierung, welche die Absicht kundgetan hatte 
ausserordentliche Aufwendungen zur Hebung des Kulturzustandes 
der östlichen Provinzen zu machen, in Thorn eine Landesbiblio- 
thek errichten werde, wie es damals für Posen bereits feststand. 

Die Sitzungen wurden durch Beschluss vom 8. 11. von 8 Uhr 
auf 8V2 Uhr verlegt. 

Um ein Stipendium hatte sich niemand beworben. Man nahm 
an, dass das Stipendium einesteils für die Bewerber seinen Reiz 
verloren habe, denen es für angestrengte Arbeit nur eine geringe 
ßeihülfe bot, und dass anderseits die Mittel zweckmässiger für die 
Forschungsaufgaben des Vereins zu verwenden seien als für Arbeiten, 
die mit den Zwecken des Vereins nur in sehr losem Zusammen- 
hange stünden, und deren Selbständigkeit unmöglich zu kontrolieren 
sei. Doch kam es nicht gleich zu einer neuen Zweckbestimmung 
(4. II. 97 ; 22. I. 98). 

Die Jungtrauenstiftung erfreute sich einer ausserordentlichen 
Einnahme von 993,75 M. durch 2 Theaterauflführungen, und konnte 
daher 9 Unterstützungen von 100 M , 4 von 50, i von 40 M. ver- 
teilen. 6 dieser Beträge wurden für die Ausbildung zu gewerb- 
lichen Berufen gewährt. 

Die im Zimmer 16 der höh. Mädchenschule aufgestellte Bib- 
liothek, für welche der Haushaltsplan 250 M. auswarf, wuchs von 
2624 Bänden auf 2867, und zählte 128 Ausleihungen. Unter der 
grossen Zahl von Zuwendungen seien die beiden letzten Arbeiten 
Curtzes zur Geschichte der Mathematik erwähnt. 



— 148 ^ 

Durch die im J. 1885 getroffene Einrichtung der Museums- 
deputation war der Einfluss des Vereins auf das Museum beschränkt 
worden. Die Deputation wurde jetzt dahin geändert, dass sie aus 
3 Mitgliedern des Magistrats, 3 Stadtverordneten und 3 Mitgliedern 
des Coppemicusverein bestehen sollte. Danach gewann der V. 
seinen früheren Einfluss wieder. Er wählte hinein die Herren 
Bungkat, Cuny und Semrau. Für die Ausbeutung des in Seyde 
gefundenen Gräberfeldes bewilligte der Verein 75 M. (i. 8.), für die 
photographische Aufnahme des in Czemewitz gemachten Fundes in 
seiner Gesammtheit 20 M. ^^). In Seyde hatten Semrau und Froe- 
lich (aus Frankfurt) gearbeitet. Semrau untersuchte eine Anzahl 
polnischer Burgwälle an der Drewenz. Von ihm sowie von v. Ja- 
kubowski, Kowalski, Lottig und Feldtkeller wurden zahlreiche Tier- 
reste, bes Hörner, und Bronzefunde aus Scharnau, Piwnitz, Morczyn, 
Dzialowo, Steinau dem Museum zugewendet ; auch einiges von 
alten Waffen und Formsteinen, sowie von Lichtbildern, Trachten, 
Stickereien und Siegeln. 

Die Aufgabe des städtischen 'Archivs wurde erweitert, in- 
dem Herr Landrat v. Schwerin zehn Dorfgemeinden veranlasste 
ihre Registraturen behufs besserer Aufbewahrung und Nutzbar- 
machung demselben zu übergeben. Diese Akten sind besonders 
wichtig für die Geschichte der holländischen Besiedelung unserer 
Niederungen. Der Magistrat hielt bereits die Anstellung eines 
Archivars für erforderlich. 

Herr Direktor Maydorn hatte an den Verein das Ansuchen 
gerichtet, dem von ihm geleiteten Sprachverein als korporatives 
Mitglied beizutreten (6 12.) Der Verein lehnte dies Ansuchen ab, 
(10. I. 98). Er stand zwar der Arbeit des Sprachvereins durchaus 
sympathisch gegenüber, aber er fand es billig, dass dann auch der 
Sprachverein Mitglied des Copp.-V's. würde. Derselbe würde dann 
mehr zu zahlen gehabt haben als er bekommen hätte, und an Ein- 
fluss auf den C.-V. hätte er auch nicht gewonnen, falls nicht durch 
eine Statutenänderung ein Stimmrecht für korporative Mitglieder 
eingeführt worden wäre. Zu den wissenschaftlichen Sitzungen 
waren und sind uns seine Mitglieder jederzeit willkommen. 

Die Anordnungen für die Feier des 19. 2. 98 wurden von 
Glückmann, Adolph und Semrau getroffen. 

Im Jahre 1898 wuchs die Zahl der ordentlichen Mitglieder auf 
98, die höchste bis jetzt erreichte Zahl. Es wurden aufgenom- 
men die Herren Mittelschullehrer Szytnanski, Dr. med. Gold- 
mann in Mocker, Dr. med. Prager, Kfm. Gerjsfon, Kreisschulinsp. 



^ 149 — 

Prof. Dr. Witte, Dr. med. Satt, Kfm. Goewe, Redakteur Kretsch- 
mer, Bauunternehmer Fritz Ulmcr in Mocker und Bruno Ulmer, 
Dr. med. Drewitz, Redakteur Frank, Rektor Schueler, Reg.Ass. 
Loetfler, Lehrer Erich Sich, Stadtbaurat Schultze, Fabrikbes. 
Thomas, Kreisphys.' Dr. Finger, Zahlmeister Fommer. 

Dagegen verzogen Oberstl. Wilke und Dr. Wodtke; ihren 
Austritt erklärten Sammet und Walter. Sehr schwere Verluste er- 
litt der V. durch den Tod der ord. Mitglieder Haenel und Bungkat, 
sowie des Ehrenmitgliedes Dr. Hipler, Regens des Klerikalseminars 
in Braunsberg. 

Ferdinand Haenel, Pfarrer in Hansoth, Rheinprovinz, wurde 
nach dem Tode von Schnibbe am 14. Sept. 1890 zum Pfarrer der 
Neustädtischen evangelischen Gemeinde in Thom gewählt, 1896 
zum Superintendenten ernannt, und hat in diesen Stellungen seiner 
Gemeinde und Diözese, sowie als Mitglied der Schuldeputation der 
Bürgerschaft die erspriesslichsten Dienste geleistet. Er beteiligte 
sich lebhaft an allen Verhandlungen des Vereins, und wirkte durch 
die Bestimmtheit und Besonnenheit seines Urteils wie durch seine 
Freiheit von Vorurteilen und sein reiches Wissen stets anregend 
und einigend. Sehr ansprechend waren seine öffentlichen Vorträge 
über Goethes Iphigenia und über Sudermann. Die erhebende Ge- 
denkrede auf Bismarck war zugleich seine eigne Schwanenrede. 
Er starb am 8. 10. 98, erst 38 Jahre alt. Seine Gemeinde setzte 
ihm ein würdiges Grabdenkmal. 

Benjamin Bungkat, Oberlehrer am Gymnasium, mehrere Jahre 
auch am_ Lehrerinnenseminar beschäftigt, ein gemütvoller, anregen- 
der Lehrer und Freund der Natur wie seiner Zöglinge, die er gern 
in munterem Marsche in die freie Natur hinausführte, war geboren 
in Insterburg am 18. 3. 56, besuchte dort das Gymnasium, studirte 
in Königsberg Naturwissenschaften, trat in Thom 1880 als Probe- 
kandidat ein, gründete hier seine Familie und baute sich in der 
Talstrasse ein eigenes Haus. Der Verein, dem er seit 1883 ange- 
hörte, sowie die ganze Bürgerschaft lauschte seinen nur allzu selte- 
nen Vorträgen ausserordentlich gern wegen der dichterisch sinnigen 
Art seiner Naturbetrachtung. Er starb am 25. 11. 1898, seine 
Gattin^mit zwei Töchtern hinterlassend. 

Das Hauptwerk von Hiplers Forschungen über Coppemicus 
war sein Spicilegium Copernicanum, dem Verein als Festschrift 
1873 gewidmet. Vorarbeiten dazu waren die Ausgabe der Septem 
Sidera •^j, der geistlichen Gedichte von Joh. Dantiscus und Nie. Cop- 
pemicus, die Abhandlung Nie. Coppernicus und Martin Luther, die 



^ 150 — 

Literaturgeschichte des Bistums Ermland, die Analecta Warmiensia. 
Noch manche spätere Schrift diente zur Ergänzung des so Er- 
arbeiteten. 

Reg. Baumeister Cuny blieb, obgleich er nach Vollendung der 
Gamisonkirche nachDanzig versetzt wurde, doch ordentliches Mitglied. 

In den Vorstand trat für Cuny der Mittelschullehrer Kowalski 
ein, in die Museumsdeputation für das laufende Jahr Engel. 

Es fanden 14 Vorstands- und 9 Monatssitzungen statt ; als 
zehnte wurde die Sitzung des pr. botanischen Vereins am 3. 5. be- 
trachtet. In den ersten 3 Sitzungen wurde die Uebersledelung 
der Bibliothek und der Sitzungen in den Artushof beschlossen. 
Gegen eine Miete von 200 M. räumte Herr Kordes die beiden öst- 
lich gelegenen Zimmer im Zwischenstock des Artushofes ein. Im 
ersten Zimmer fanden die Sitzungen statt, das zweite nahm die 
Bibliothek auf. In einer Generalversammlung am 28. März 
wurden die Statuten der Coppernicusstiftung in dem beim Vor- 
jahre angegebenen Sinne geändert, und auf Grund der neuen Zweck- 
bestimmung am 5. 12. für den Katalog der Bibliothek 300 M. dar- 
aus zur Verfügung gestellt. 

Für das Museum hatte man längst die dereinstige Erwerbung 
der Münzsammlung ins Auge gefasst, welche der Rentier Goep- 
pinger mit unendlicher Mühe und grossen Opfern geschaffen hatte. 
Da derselbe nach Wloclawek übersiedeln wollte, und sein Wunsch, 
durch Verkauf der Sammlung sich ein sorgenfreies Alter zu sichern, 
bekannt wurde, so wurden ihm von auswärts bereits Angebote da- 
für gemacht. Er bot sie aber zunächst dem hiesigen Museum an 
für einen Preis, der sich im Laufe der Verhandlungen auf 10 000 M. 
ermässigte. Der Verein nahm die Sache in die Hand, und brachte 
durch eine Sammlung unter seinen wohlhabenderen Mitgliedern 
3500 M. zusammen ®*). Inzwischen berief er den Sachverständigen 
Herrn Dr. Kirmis aus Neumünster zur Prüfung. Das Gutachten 
desselben lautete dahin, dass die Sammlung für die Geschichte 
Polens und der preussischen Grenzlande sehr wertvoll und der ge- 
forderte Preis ein massiger sei. Daraufhin bewilligten die städtischen 
Behörden im nächsten Jahre 7000 M. für den Ankauf. Die über- 
schiessenden 500 M. sollten die Kosten des Transports, der Ein- 
ordnung und Katalogisirung decken. Man durfte erwarten nach 
dem Auszug des Amtsgerichts den nötigen Raum zu gewinnen, um 
die Münzen in einer für den Beschauer und Forscher geeigneten 
Art auszulegen. Leider hat sich diese Hoffnung bis jetzt nicht er- 
füllt, und die Sammlung bleibt so lange unbenutzbar, bis der all- 



— 161 — 

mähliche Umbau der Rathausräume auch das Museum erreicht, oder 
eine ganz neue Unterkunft für dasselbe ermittelt wird. 

hizwischen wurden für das Denkmälerarchiv mehrere Giebel- 
häuser photographirt, besonders eins im südlichen Teile der Bäcker- 
strasse (19. 9.). Da ein vollständiger Umbau des alten Schlesinger- 
schen Hauses an der Ecke der Breiten- und Schillerstrasse, in 
dessen gewölbtem und auf Pfeilern ruhendem Erdgeschoss der 
Sage nach ein Friede geschlossen worden ist, nahe bevorstand, so 
verhandelte Herr Dr. Lindau mit dem Eigentümer, und es gelang- 
ihm die betreffenden Räume vor der Zerstörung zu sichern. An 
der auf den i. Okt. 98 nach Pelplin berufenen Versammlung der 
erweiterten Prov.-Kommission und des Westpr. Geschichtsvereins 
nahm Semrau Teil. Die von ihm im Auftrage des V's. gestellten 
Anträge (Denkmälerarchive in den einzelnen Städten ; Mitteilungs- 
pflicht betreffs des Abbruchs oder Umbaues altertümlicher Bau- 
werke, Beachtung der alten ländlichen Holzbauten) wurden dort 
nur zum kleinen Teil angenommen ; eine tatsächliche Wirkung haben 
sie wohl trotzdem ausgeübt. Schmerzlich empfand es der Verein, 
dass der beträchtliche Münzenfund von Birglau nicht in das hiesige, 
sondern in das Provinzialmuseum überging. Um ähnlichen Vor- 
kommnissen möglichst vorzubeugen, ersuchte er durch Vermittelung 
des Magistrats Herrn Landrat v. Schwerin eine auf solche Funde 
bezügliche Verordnung seines Vorgängers v. Miesitschek zu erneuern 
31. 10; 14. II.) Es berührte auch eigentümlich, dass die Danziger 
Zeitung vom i. 12. einen Bericht über den Fund von Seyde ent- 
hielt, in welchem des Coppernicusvereins und des Thorner Museums 
mit keinem Worte gedacht wurde. 

Die Räumung des Rathauses seitens des Amtsgerichts stand 
bevor. Um bei dem dann zu erwartenden Umbau des Rathauses 
die Interessen des Vereins zu wahren, gab dieser seinen 3 Ver- 
tretern in der Museumsdeputation, verstärkt durch ein 4. Mitglied 
(Walter 16. i. 99) die entsprechenden Aufträge. Doch liess sich 
vorläufig nichts tun, da die städtischen Behörden beschlossen, in 
den ersten Jahren nur die allerdringendsten Umbauten vorzunehmen. 

Die Angelegenheit des Theaterbaues schien ganz ins Stocken 
geraten zu sein. Auf Anregung des Herrn Kordes (22. 6.) wurde 
sogar der Antrag gestellt, eine Sammlung von Beiträgen für diesen 
Bau zu veranstalten (5. 9); doch trat die Versammlung dem An- 
trage Adolphs bei, den Magistrat um Beschleunigung zu bitten (19 9.) 
In der Begründung wurde besonders darauf hingewiesen, dass das 



— 152 — 

Theater es möglich machen werde, die besten deutschen Stücke in 
Volksaufiführungen darzustellen. 

Für das 12. Heft der Mitteilungen, zu dem die Prov. Kom- 
mission wieder 300 M. bewilligte, wurde, da Engel für die Fort- 
setzung seines Siegelwerkes darauf verzichtete, einem Antrag des 
Pf. Stachowitz zufolge das Werk von Cuny „Die alteren Bauten 
Thorns** gewählt. Am 30. i. 99 lag es fertig vor. 

Die Bibliothek empfing von Curtze den gedruckten Bericht 
,über seine Studienreise, und sendete ihre Doubletten sowie die 
Vereinsschriften an die neuerrichtete Kgl. Wilhelmsbibliothek in 
Posen. 

Einen Glückwunsch sendete der V. an Herrn Dr. Oelschlaeger 
in Danzig zum Feste des 25J. Vorsitzes der anthropologischen Ge- 
sellschaft im Mai, und der Elbinger Ali.-Gesellschait zur Feier 
ihres 25J. Bestehens im November. 

Ein Ausflug nach Kulm am 22 Juni reihte sich würdig den 
früheren Vereinsausflügen an. In recht bedeutender Zahl von 
Herren und Damen und unter Führung des Herrn Bürgermeisters 
Steinberg und anderer Mitglieder der städtischen Behörden von 
Kulm, sowie der Vereinsmitglieder Semrau und Cuny (dieser war 
von Danzig herübergekommen), wurden die 4 bedeutendsten Kirchen 
und von aussen auch die Martinskapelle besichtigt, und die Prome- 
naden sowie die sogenannte Parowe durchwandert. 

Am 3. und 4. Oktober hielt der Preussische botanische 
Verein hier seine Jahressitzung ab, und lud den Coppernicusverein 
zur Teilnahme ein. Dieser traf die erforderlichen Vorbereitungen, 
beteiligte sich nicht nur an den im Artushof gehaltenen Vorträgen, 
sondern führte auch die Gäste in der Stadt und ihren Anlagen, so- 
wie im botanischen Garten, der manche interessante Pflanze aufzu- 
weisen hatte, herum, und veranstaltete auf seine Kosten am 5. Okt. 
eine Dampferfahrt nach Ottloczyn. Die Botaniker schieden von 
Thorn mit grosser Befriedigung •2). 

Die Jungirauenstiitung konnte diesmal nur 370 M. verteilen. 
Das geschah in 2 Gaben zu 100, i zu 50, 3 zu 40 M. 

Den Feslvorlrag am 19. 2. 98 hielt Pfarrer Stachowitz über 
Buddha. 

Die ersten beiden Monatsvorträge fanden noch im Schützen- 
hause statt, die folgenden im Artushofe. 

7. 3. Cuny, Inschriften an öffentl. Gebäuden, bes. in West- 
preussen ; 4. 4. Boethke, Die Entwickelung des Minnegesangs ; 
2. 5. Witte, L. Uhland; 22. 6. Boethke, Carnuntum; 5. 9. Uebriefo 



— 153 — 

Erläuterung seines Theaterentwurfs ; 14, 11. Thunert, Der erm- 
ländische Pfaffenkrieg 1467—72; 5. 12. Rosenberg, Schillers und 
Otways Don Carlos ; 16. i. 99 a) Curtze, Nachruf auf Hipler, 
b) Q. Proive, Die Plünderungen des französischen Heeres 1812 in 
Thorn und Umgegend; 7. 2. a) Lindau, Das dem V. überreichte 
Werk von Dr. Wentscher „Experimentelle Studien über das 
Eigenleben menschlicher Epidermiszellen ausserhalb des Organis- 
mus" Jena, Fischer, 1898, b) Engel, Die Kriegswaffen in Deutsch- 
land bis zum Ende des Mittelalters, unter Vorlegung von Waffen 
und Abbildungen. 

Glückwünsche zum 19. 2. 99 gingen ein von Weisse, Meis- 
ner und Cuijy. — Die Einnahmen betrugen 1939,24 M., die Aus- 
gaben 1507,77 M., der Bestand 431,47 M., der Voranschlag für 
1899 schloss ab mit IQ06 M. 

Am Abend fand auf Vereinsbeschluss ein Abendessen ohne 
Damen im kleinen Saale des Artushofes statt. 

Im Jahre 1899, dem 46. des Vereins, starb der Zahnarzt 
Loewenson ; durch Fortzug aus Thorn schieden aus Assessor 
Loeffler, Gerichtsrat Kretschmann, Stadtbaurat Schultz, Oberst- 
leutnant Eden ; ihren Austritt erklärten ausserdem Justizrat Warda, 
JuweHer Marquart, Konrektor Mansch, Gerichtsräte Wintzeck und 
Jacobi, Mittelschullehrer Kowalski, Wirtschaftsinspektor Zemecke 
(12). Aufgenommen wurden Oberlehrer Dr. Wilhelm, Pfarrvikar 
Hasse, Dr. med. Gimkiewicz, Kaufm. Rawiizki, Rektor Baior, 
R.-A. Maczkowski in Lyck, Lehrer Erdimann (7). Blieben 93. 

Die Form der Personalveränderungen wurde dahin geregelt, 
dass die Fortziehenden gestrichen wurden, wenn sie nicht auf Be- 
fragen erklärten Mitglieder bleiben zu wollen ; und dass auf den 
unter Umschlag zu versendenden Einladungskarten die Namen der 
zur Aufnahme Kommenden angegeben werden sollten. 

Der Vorsitz im Kuratorium der Jungfrauenstiftung ging von 
Justizrat Warda auf den Geh. Sanitätsrat Dr. Lindau über. 

Der Verein bedauerte sehr den Tod des Provinzial-Konser- 
vators und Landesbauinspektors Heise, von dem der Oberl. Semrau 
in der Maisitzung ein eingehendes Lebensbild entwarf ®^). Anderseits 
nahm der Verein lebhaften Anteil an den freudigen Ereignissen, 
welche seine Mitglieder betrafen, dem 70. Geburtstage seines 
Ehrenmitgliedes Professor Dr. Can(or in Heidelberg, der sich um 
den Verein besonders in den Jahren 1870—80 ausserordentlich ver- 
dient gemacht und auch seitdem an jedem Fortschritt der Copper- 
nicusforschung einen massgebenden Anteil genommen hat. — Prof. 



— 154 — 

Curtze brachte ihm persönlich die Glückwünsche des Vereins dar 
und berichtete darüber am 6. ii. 99; ferner dem 70. Geburtstage 
seines Vorsitzenden am 2. Februar 1900, dem er durch den vom 
Geh. Sanitätsrat Dr. Lindau geführten Vorstand unter Ueberreichung 
einer Adresse in wahrhaft erhebender Weise seine Anerkennung 
aussprach ; endlich dem Hochzeitsfeste seines arbeitsfreudigen 
Bibliothekars Oberlehrer Semrau. 

Der im vorhergehenden Jahre vorbereitete Ankauf der MQnz- 
sammlung unseres Mitbürgers Goeppinger für das städtische 
Museum wurde in diesem Jahre bewerkstelligt. 

In die Kommission zur Wahrung der Vereinsinteressen beim 
Umbau des Rathauses wurde an Stelle des ausgeschiedenen Bau- 
unternehmers Walter der Baumeister Uebrick gewählt, in die Mu- 
seumsdeputation für den Landgerichtsrat Bischoff der Landgerichts- 
rat Engel. 

Ueber das städtische Museum veröffentlichte Kirmis im „Da- 
heimsammler" No. 35 einen sehr anerkennenden Bericht. Bereiche- 
rungen erhielt dasselbe ausser der Münzsammlung noch besonders 
durch Funde aus einer bei Briesen aufgedeckten und von Semrau 
und V. Jakubowski untersuchten Grabstätte. 

Die alten Glocken der altstädtischen Kirche hingen im Rat- 
hausturm, wurden aber nicht mehr geläutet, und galten selbst im 
ruhigen Hange für eine Gefährdung des Mauerwerks. Da die Kirche 
mittlerweile einen eigenen Turm und ein neues Geläute erhalten 
hatte, so sollten sie heruntergeschafft und als altes Eisen verkauft 
werden. Man wollte sie der Kostenersparnis wegen zerschlagen 
und stückweise herunterbringen. Dies verhinderte das entschlossene 
Eingreifen der Herren Dr. Lindau, Kittler, Dietrich und Kordes. 
Die städtischen Behörden erkannten an, dass die Glocken, auf deren 
einer eine wohlerhaltene Inschrift steht ^*), erhaltungswerte Denk- 
mäler des ehemaligen Kunstfleisses der Stadt sind, und kauften sie 
für das Museum an. 

Bei der Versendung der „Westpreussischen Geschichtstafeln* 
durch die Provinzialbehörden, worin eine Fussnote zur Ablieferung 
gefundener Denkmäler an das Provinzialmuseum in Danzig auf- 
forderte, hatte Jemand diese Note mit einem Zettel überklebt, wo- 
nach Funde in unser städtisches Museum abgeliefert werden 
sollten. Dies führte zu einer Beschwerde des Prof. Dr. Witte. 
Doch war der Verein dabei nicht beteiligt, und gelangte im März 
1900 zu dem Beschlüsse, er sehe keinen Grund, von Vereinswegen 
dazu Stellung zu nehmen, beauftragte aber die von ihm in die 



— 155 — 

Museumsdeputation gewählten Mitglieder für die Beseitigung ähn- 
licher etwa dort auftretender Beschwerden einzutreten. Einer der 
Beamten hatte vermuüich geglaubt mit dieser Korrektur im Sinne 
der versendenden Behörde zu handeln, der wohl nur darauf an- 
komme, dass die Funde an einen für die Erhaltung und Benutzung 
geeigneten Aufbewahrungsort kämen. Es kommt natürlich auch 
auf eine solche Zentralisation an, durch welche die Verwaltung und 
die wissenschaftliche Verwertung erleichtert und gefördert wird. 
Der Fall bewies aber wieder, wie notwendig es ist, über das Mass 
der Zentralisation und Dezentralisation bestimmte, wohlerwogene 
Vereinbarungen zu treffen. 

An der Grenze des Stadtgebietes und der Feldmark von 
Mocker liegt ein Grabstein, dessen Inschrift besagt, dass dort im 
7Jährigen Kriege der russische Leutnant Salaguboff bestattet 
worden ist. Dies Denkmal hatte die russische Regierung mit einem 
Gitter umgeben lassen. Auf die Einladung des russischen Konsuls 
Herrn Ministerial-Staatsrat v. Loviagin wohnten als Vertreter, des 
Vereins Boelhke und Semrau der Einweihung dieses Gitters bei. 

Mit vorzüglichem Gelingen unternahm der Verein am 25. Juni 
1899 eine Fahrt nach Marienburg. Es beteiligten sich etwa 45 
Personen, dai"unter c. 15 Damen, und besahen die Herrlichkeiten 
des Ordens-Hauptschlosses unter der liebenswürdigen Führung des 
Neuerweckers der alten Pracht, Herrn Baurat Steinbrecht. Zur 
Vorbereitung und Leitung der Fahrt waren die Herren Semrau, 
Stein und Glückmann vom Verein bestellt worden. 

In der Sitzung des Gesammlvereins der historischen Vereine, 
Strassburg i. E. 25. 28. Sept. 1899, wurde der Verein auf sein Er- 
suchen durch den Posener historischen Verein vertreten, und 
stimmte dafür, dass die nächste Sitzung in Posen stattfinden sollte. 

Für seine Bibliothek empfing der Verein wertvolle Geschenke 
von Dr. Lindau (Wahre und falsche Heilkunde von Dr. Alexander) 
Frl. Kaske (Kestner, Beiträge) und G. Weese (2 Kupferstiche der 
Stadt Thorn). Prof Witte schenkte einige seiner wissenschaftlichen 
Arbeiten, Curtze seine zunächst in der Zeitschrift „Himmel und 
Erde" erschienene Schrift „Nicolaus Coppernicus* sowie seine und 
Prof. Günthers Festschrift für Cantor „Abhandlungen zur Geschichte 
der Mathematik''. In der ersten wird die Summe der gesammten 
Coppernicusforschung gezogen, und so gewissermassen zugleich die 
ehemals gestellte, aber nie ernstlich angegriffene Aufgabe einer 
Verarbeitung von Prowes Lebenswerk zu einem Volkslesebuche zu 
einer Zeit gelöst, wo durch neue Entdeckungen erhöhtes Leben und 



— 156 — 

deutlicherer Zusammenhang in die Taten und Schicksale unseres 
grossen Landmanns gebracht worden war. Die Festschrift aber ist 
es vorzugsweise, welche unserm Mitgliede die Anerkennung der 
Fachmänner verschafft hat, dass durch seine Entdeckungen die 
Geschichte der Mathematik des Mittelalters vollständig umgestaltet 
worden sei. 

Zur Katalogisierung der Bibliothek bewilligte der Verein 
300 M. ausser den dem Stipendienfonds zu entnehmenden 300 M. 
Die Arbeit wurde von Herrn Professor Marquardt aus Breslau aus- 
geführt, dem noch eine Hülfskraft beigegeben werden musste. Die 
zuerst vom Magistrat für die Bibliothek bestimmten Zimmer wurden 
nicht zweckmässig befunden, und der Magistrat gebeten zweck- 
mässigere einzuräumen, was im folgenden Jahre auch geschah. 

Die Versendung des 12. Heftes der Mitteilungen brachte dem 
Verein, wie immer, einen besonders freundlichen Dank und Gruss 
von Bender. Geschäftliches über dieses Heft wurde am 8. 5. und 
4. 9. geordnet. 

Um die oft wertvollen Vorträge der Monatssitzungen nicht 
allzu schnell der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, beschloss 
der V. auf Antrag des Pfarrers Stachowitz, von jedem Vortragen- 
den einen Auszug seines Vortrags zur Veröffentlichung in den 
Zeitungen zu erbitten, und dann Sonderabzüge davon mit den 
Einladungen zu den nächsten Sitzungen zu versenden. Er be- 
willigte dafür 100 M. aus Titel 4 für Kunst und Wissenschaft. Die 
Besorgung und Versendung übernahm Kowalski. 

Infolge des Austritts von Kowalski übernahm das Amt des 
2. Schriftführers Professor Dr. Witte, die Versendungen Rektor 
Lottig. 

Vorträge 1899/1900: 19. 2. 99 (Festvortrag) Dr. Wille, Er- 
ziehungsweisheit in und aus Goethe ; 6. 3. 99 Pfarrer Stachowitz, 
Mitteilungen aus der Thorner Kirchengeschichte unter Vorlegung 
der Postille von Nicolaus de Lyra pp. ; 10. 4. Schueler, Germa- 
nische Weltanschauung und die nationale Aufgabe des deutschen 
Volkes ; 8. 5. Lindau, Das Ende des städtischen Medizinalbeamten- 
tums in Thorn ; 12. 6. Boethke, Gesch. der Nationalfestspielfrage ; 
4. 9. Ders , Mitteilungen aus Maerkers Gesch. der ländlichen Ort- 
schaften pp. des Kreises Thorn; 2. 10. Pf. Stachowitz, Genealogie 
der BewaflFnung; 10. 11. und 15. 4. Bisehoff, Urprcussen ; 15. i- 
1900 Witte, Goethe als Denker und Forscher, eine wissenschaft- 
liche Aufgabe; 5. 2 Boethke, Robert Burns und seine Lieder. 

Das Abendessen am 19. 2. 1900 fand mit Damen statt. 



i 



— ir>7 — 

Vom 47. bis 50. Jahre. 



Im 47, Jahre (1900/01) sank die Zahl der ordentlichen Mit- 
glieder von 93 auf 84. Aufgenommen wurden zwei frühere ver- 
diente Mitglieder, Justizrat Warda und Stadtbaurat Schmidt, jetzt 
in Kiel ; femer Redakteur Matiiat. Es schieden aus Staatsanwalt 
Rothardt und Div.-Pf. Strauss wegen Versetzung; ausserdem R.-Anw. 
Maczkowski in Lyck, Brauereib. Bauer in Briesen, Prof. Witte, 
Redakteur Mattiat, Pf. Stachowitz, Prof. Herford, Dr. med Schnitze. 

Durch den Tod wurde dem Verein der Schwiegersohn des 
Sanitätsrats Dr. Weese, Gutsbesitzer Feldtkeller-KIeefelde entrissen, 
der ihm stets seine freundliche Mitwirkung, insbesondere «luch bei 
den Kunstausstellungen bewahrt liat. 

Es starb ferner das Ehrenmitglied Prof. Dr. Wilh. Hirsch, ein 
unvergleichlicher Kenner auf dem Gebiete alter und neuer Musik, 
in den Jahren der Kraft der unermüdliche und selbstlose Leiter des 
Singvereins, mit dem er unsere edelsten Musikwerke zur Aufführung 
brachte, bis in ein hohes Alter der stets opferwillige Verwalter 
volksfreundhcher Bildungsanstalten. 

Hirsch wurde am 17. Dez. 1814 in Königsberg geboren. Sein 
Vater, Grosskaufmann, billigte seinen Wunsch nicht sich ganz der 
Musik zu widmen, und bestimmte ihn sich der Philologie zuzuwen- 
den. Er besuchte das Fridericianum und die Universität seiner 
Vaterstadt, promovirte am i. 11. 37, und legte sein Probejahr in 
Beriin ab. Musikalisch hatte er sich in K. besonders in dem be- 
freundeten Hause des kunstsinnigen Justizrat Marenski bei Opern- 
aufführungen betätigt. In Berlin betrieb er theoretische Studien bei 
Siegfried Dehn und erfreute sich des freundschaftlichen Verkehrs 
im Hause von Willibald Alexis. 1840 an das Thorner Gymnasium 
berufen ging er sofort mit dem Landrat v. Besser zusammen an die 
Gründung eines Singvereins, und bewährte sich zuerst als Dirigent 
desselben mit einer Aufführung von Grauns Tod Jesu. Auch an der 
Gründung der Liedertafel 1844 hatte er hervorragenden Anteil. 
Seine Selbstlosigkeit zeigte sich, wie in dieser Tätigkeit, so auch 
in seinem politischen Verhalten als Vertreter eines stark betonten 
Liberalismus. Von einer grossen Zahl musikalischer Vereine wurde 
er zum Ehrenmitgliede ernannt, ebenso auch vom Turnverein. Auch 
die Stadt erteilte ihm das Ehrenbürgerrecht. 1863 zum Professor 
ernannt, trat er am i. 10. 1883 in den Ruhestand, nachdem er 



— ir)H — 

schon 1882 den Dirigentenstab niedergelegt hatte. Doch widmete 
er seine freie Tätigkeit nach wie vor nicht blos allen gesanglichen 
sondern auch allen gemeinnützigen Bestrebungen wie er denn ausser 
dem Voigtschen Leseverein auch die Volksbibliothek mit grosser 
Hingebung verwaltet hat. Sein 80. Geburtstag wurde am 15. 12. 
1894 durch einen allgemeinen besuchten Kommers im Schützen- 
hause gefeiert, an dem auch der Lodzer Männergesangverein teil- 
nahm. Seine sehr gewissenhaften wissenschaftlichen Studien hat er 
nur in der Programmabhandlung „Aristoxenos und seine Grundzüge 
der Rhythmik* bis zu einem abschliessenden Ergebnis durchgeführt. 
In den letzten Jahren konnte er wenig mehr tätig sein, da das Ge- 
hör und dann auch das Gesicht ihm mehr und mehr ihren Dienst 
versagten. Sein ältester Sohn ist der Verfasser des Epos „Das 
Aennchen von Tharau", der jüngere lebt in Amerika. 

Am 19 2. 1901 wurde auch Herr Tielzen zu Grabe getragen, 
der nach manchem Schicksalsschlage in bescheidener Stellung der 
Stadt als Archivar und Sekretär der Stadtverordnetenversammlung 
erspriessliche Dienste geleistet hatte, bis er fast vollständig erblindete. 

Im Vorstande trat an Stelle des Prof Dr. Witte für das 
neue Jahr 1901 Kreisphysikus Dr. Finger. 

Ausser der Festsitzung, den 10 Monatssiizungen und den 
II Vorstandssitzungen veranstaltete der Verein auf den Antrag des 
Sanitätsrats Dr Meyer am 20. September einen öffentlichen Vor- 
tragsabend, an welchem Dr. Lindau über „Badeanstalten einst und 
jetzt" sprach. Den Festvortrag am 19. 2. 1900 hielt Oberldsg.- 
Sekretär Scholz aus Marienwerder über „Das Liebeswerben der 
Blumen". Sonstige Vorträge: 12. 3. Prof. Witte, Sokrates und 
sein Volk ; 9. 4. Curtze, Entstehung und Drucklegung der Jubiläums- 
Ausgabe des Coppernicanischen Werkes De Revolutionibus ; 7. 5 
Lottig, Volksschulbildung und Volkswohlfahrt in ihrem ursächlichen 
Zusammenhange; 11. 6. Curtze, Das mittelalterliche Rechnen ; 3. 9. 
Lindau, Bader und Bäder in alter und neuer Zeit ; 8. 10. Lindau, 
Die Thorner Chirurgeninnung; 5. 11. Semrau, Bauernhäuser im 
Kreise Thom ; Boethke, Der englische Dichter GeoflFrey Chaucer ; 
3. 12 Schueler, Kinderfehler, ein psychologisches Problem ; 7. i. 
Dr. Finger, öffentlich im sog. roten Saale : Hygienisches und Me- 
dizinisches aus der Pariser Weltausstellung. Der Februarvortrag 
musste wegen der Fülle der Geschäfte vertagt werden. 

Der Königlichen Akademie der Wissenschaiten sendete 
der Verein zu ihrer 200J. Jubelfeier ein Glückwunschschreiben, 
welches verbindlich beantwortet wurde. 



— 159 — 

Einem Antrage, dem Goethebunde beizutreten, trug der Ver- 
ein Bedenken Raum zu geben, weil der Goethebund zu stark in 
einen Streit über die Frage des Natürlichen in der Kunst und der 
Grenzen der Gesetzgebung gegen den Missbrauch desselben ver- 
wickelt sei, eine Frage, welche in der Mitte des Vereins auf das 
Verschiedenste beantwortet werde, und der gegenüber der Verein 
nicht einseitig Stellung nehmen könne, ohne bei einem Teile seiner 
Mitglieder schweren Anstoss zu erregen. Der Vorstand bat ver- 
geblich um die Statuten des Bundes, und der Verein nahm von 
weiteren Schritten Abstand. Dagegen beschloss er auf die Jahr- 
bücher der Goethegesellschaft zu abonniren. 

Einen etwas andern Standpunkt nahm der V. einem im An- 
schluss an den öffentlichen Vortrag des Herrn Dr. Lindau gestellten 
Antrage gegenüber ein, beim Magistrat die Einrichtung eines 
Volksbades nachzusuchen. Er lehnte zwar den Antrag ab, 
weil derselbe ausserhalb seines Wirkungskreises liege, erklärte aber, 
dass er aufs Wärmste mit seinem Inhalt übereihstimme, und den 
vom Aerzteverein zu unternehmenden Schritten den weitgehendsten 
Erfolg wünsche. 

Einem Antrag von Kordes, die Theaterfrage in Fluss zu 
bringen, wurde ebenfalls keine augenblickliche Folge gegeben ; 
doch sollte die Angelegenheit unausgesetzt im Auge behalten werden. 

Ueber den Zustand des Stadtarchivs gab Herr Archivrat 
Meinardus ein Gutachten ab, welches dem Vorstande vertraulich 
mitgeteilt wurde. Freilich sind die Mängel dieses Zustandes be- 
kannt genug. Glücklicherweise eröffnet sich jetzt eine Aussicht, 
dass ihnen durch das Zusammenwirken der städtischen und staat- 
lichen Behörden Abhülfe geschafft werde. 

Unter den literarischen Spenden ist erwähnenswert die 
Chronik des Hauses Zernecke, verfasst von dem früheren Mitgliede 
Herrn Wirtschaftsinspektor Zernecke. 

Von den Sonderabdrücken der in den Zeitungen veröffent- 
lichten Vortragsauszüge, welche im Vorjahre eingeführt worden 
waren, nahm der Verein, vorzüglich der Kosten wegen, für das 
nächste Geschäftsjahr Abstand. 

Für das nächste (14.) Heft der Mitteilungen schlug Dr. Lindau 
einen Abdruck der ältesten Archivalien der Stadt mit deutscher 
Uebersetzung vor. Der Verein schloss sich dem Vorschlage an. 

Dem Denkmälerarchiv wurde eine Photographie des 
Brückentores nebst Wachthaus und eine des spätgotischen Hauses 
Araberstrasse 6 einverleibt, dazu Aufnahmen von Bauerhäusern des 



— 160 — 

Kreises und eine von Herrn Dr. Citren geschenkte Photographi 
der Neustädtischen Apotheke. 

In die Museumsdeputation entsendete der Verein wiederur 
die Herren Semrau, v. Jakubowski und Engel. Semrau hatte zu 
gleich das städtische Ehrenamt eines Custos des Museums inm 
Für das Museum setzte der Haushaltsplan der Stadt 500 M. aus 
der des Vereins bestimmte 100 M. für Ausgrabungen und For 
schungsreisen im Interesse der Landeskunde. Solche Reisei 
unternahmen Semrau durch die Thorner Niederung, den Drewenz 
Winkel und nach Hohenkirch, v. Jakubowski nach Firlus bei Kor 
natowo und Husnitz bei Briesen. Dem Museum stand eine Er 
Weiterung in sicherer Aussicht. Es war Sonntags von 11 — i Uhi 
unentgeltlich geöffnet, und wurde stark besucht, vorzugsweise vor 
den minder Bemittelten aus Stadt und Land Der Zuwachs an 
Gegenständen war sehr reich, vorzugsweise in der keramischen 
Abteilung (ausgegrabene Tongefässe, Delfter Kacheln, i Ofen aus 
dem 8. Jahrh.) Wohl zum ersten Male wurden Reste einer west- 
preussischen Volkstracht entdeckt und für ein Museum erworben ; 
es waren 2 bäuerliche Frauenkappen mit Goldstickerei. Dazu 
kamen je r Exemplar der beiden Arten Ermländischer Frauenkopf- 
bedeckungen, der sog. Schauermütze und der gewöhnlichen West- 
preussischen Kappe. Zur Ergänzung der Göppingerschen Münz- 
sammlung wurde eine Anzahl prachtvoller Medaillen erworben ; 
die Aufstellung musste bis auf die Erweiterung der Räumlichkeiten 
verschoben werden. 

Die Bibliothek wurde durch eine Schenkung der Erben des 
verstorbenen Ersten Staatsanwalts Borchardt um etwa 150 Bände 
bereichert. 

Durch den Auszug des Amtsgerichts in sein neu gebautes 
Haus wurden die von ihm benutzten Räume des Rathauses frei. 
Der Verein hielt es für seine Pflicht gegen eine beabsichtigte 
Teilung des Magistratssaales — der geschichtlich bedeutungsvollen 
Ratsstube — und für seine fernere Benutzung als Sitzungssaal des 
Magistrats vorstellig zu werden. Die Teilung wurde fallen gelassen, 
weil weite Kreise der Stadt ihr widerstrebten. An der Verlegung 
der Sitzungen in den früheren Schöffensaal des Amtsgerichts hielt 
der Magistrat damals noch fest, hat sie aber neuerdings aufgegeben 
und den Schöffensaal für das Standesamt bestimmt. Die Hauptsache 
ist, dass die Teilung des schönen Raumes der Ratsstube unterbleibt. 

Der Magistrat Hess das für die Vereinsbibliothek einge- 
räumte frühere Oberförsterzimmer mit zuvorkommender Beschleuni- 



i 



— 161 - 

gung in Stand setzen, fügte auch, da es sich zu klein erwies, den 
anstossenden ehemaligen Vorraum des Stadtverordnetensaales, des 
jetzigen Lokales der Ratsbibliothek dazu, so dass die Bücherschätze 
des Vereins für absehbare Zeit gut und nutzbar untergebracht sind. 

Die Zinsen der Coppernicusstiftung wurden laut Vefeinsbe- 
schluss zur Aufnahme charakteristischer Bauernhäuser des Kreises 
Thom verwendet. 

Die Zinsen der Jungirauenstif tuDg (300 M.) wurden an 4 
Damen verteilt. Das Kuratorium (Fr. Feldt, Frl. Freytag, Fr. Glück- 
mann, Fr. Gnade, Fr. Hayduck, Fr. Huebner, Fr. Kersten, Fr. Lindau, 
Frl. Panckow, Fr. Stachowitz, Fr. Tilk, Fr. Warda, Dr. Lindau, 
Pf. Jacobi, H. Rittweger) nahm eine Theateraufführung für März in 
Aussicht, und behielt sich weitere Verleihungen aus dem Ertrage 
derselben vor. 

Glückwünsche zum Jahresfest trafen von Dr. Meisner und 
Major Weisse ein. Das Abendessen fand unter Beteiligung von 
Damen statt. 

Infolge eines Zeitungsberichtes über die Dezembersitzung, in 
welchem die dem Vortrage folgende Erörterung unter dem Ge- 
sichtspunkte eines Kampfes mit Sieg und Niederlage dargestellt 
war, trat eine Missstimmung ein, welche trotz beiderseitiger zu- 
friedenstellender Erklärungen doch zum Austritt beider beteiligten 
Mitglieder führte. Auch andere Austritte glaubte der Vorstand auf 
diesen luid ähnliche Vorfälle zurückführen zu müssen, welche das 
Vertrauen in die Leitung des Vereines erschüttert hätten, und bean- 
tragte daher eine Kommission zu ernennen, welche über eine 
anderweitige Zusammensetzung des Vorstandes Vorschläge machen 
solle. Der Verein lehnte aber diesen Antrag ab und beschloss ein- 
stimmig, er sei überzeugt auf gesunder Grundlage zu ruhen ; Ab- 
hülfe für vorkommende Misstände sei, wie bisher, in geordnetem 
Wege zu beantragen und zu beschliessen. 

Im 48. Vereinsjahre (1901/2) blieb die Zahl der ordentlichen 
Mitglieder 82, von denen 7 durch einmalige Zahlung von 150 M. 
stiftende Mitglieder geworden waren. Für die 4 ausgetretenen 
Herren Kfm. Meyer-Charlottenburg Kfm. Goewe, R.-Anw. Cohn- 
Berlin, Kreisschulinsp. Dri Thunert-Kulmsee, traten 4 andere ein : 
Direktor des Elektrizitätswerks van Pcrlslein, Pfarrer Heuer, 
Zahnarzt Davitt, Mittelschullehrer Luckau. — Als korrespondie- 
rendes Mitglied wurde Probst Preuschoff in Frauenburg gewonnen, 
dem der Verein die Erwerbung ermländischer Frauentrachten ver- 
date. Von den Ehrenmitgliedern starb der frühere 2. Vorsitzende, 

11 



— 1(52 — 

Geh. Intendanturrat v. Lossow**) ; von den früheren Mitgliedern de 
Realgymnasialdirektor Pritsche in Stettin. 

Hermann Pritsche, geb. am 20. Nov. 1828 zu Stendal, besucht« 
die Gymnasien zu Potsdam und Danzig, in dessen Nähe seil 
Vater in Philippi Oberförster wurde, studirte neuere Sprachen ir 
Königsberg und Berlin, bestand 1854 die Prüfung p. f. d. in Königs 
berg, begann sein Probejahr an der Petrischule und dem Kgl 
Gymnasium zu Danzig, und beendete es als Hülfslehrer am Kgl 
Seekadetteninstitut zu Danzig und der höheren Bürgerschule zv 
Marienburg. Vom i. ro. 55 in Thom am Kgl. Gymnasium ange- 
stellt führte er zu Weihnachten seine Braut Clara Radefeldt aus 
Wundlacken heim. Sein Haus bildete den gemütlichen, harmlosen 
und zugleich wissenschaftlich angeregten Sammelplatz für einen 
Kreis junger Amtsgenossen, Winckler, Boethke, Lewus und den 
früh verstorbenen Mathematiker Rietze. Die geistvolle Lebendigkeit 
und die Unternehmungslust, welche seinen Schulunterricht auszeich- 
nete, kam auch dem Coppemicusverein zugute. Durch wissen- 
schaftliche Vorträge, die er teils allein teils in Verbindung mit den 
genannten Freunden dem Publikum darbot, trug er viel zur Er- 
weckung wissenschaftlichen Interesses bei. Am i. 10. 65 wurde er 
als I. Oberlehrer an die Realschule in Wehlau, am i. 11. 69 als 
Direktor an das Realgymnasium in Grünberg, am i. 10. 83 als 
Direktor an die Friedrich - Wilhelmschule in Stettin berufen. Er 
starb am 21. 5. 1901. Von seinen beiden Söhnen ist der eine 
Bürgermeister in Iserlohn, der andere Hauptmann und Lehrer an 
der Schiessschule in Jüterbog. — Von seinen Schriften seien hier 
nur die wichtigsten genannt: Molidre-Studien ; Kommentar zu M.'s 
Femmes savanies ; Ausgewählte Lustspiele von M. ; Kritiken über 
Moli^rewerke ; Ausgaben von Shakspeares Merchant of Venice 
und Hamlet; Bericht pp. über altenglische Enterludes. — 

In den Vorstand wurde an Stelle des nach Potsdam ver- 
setzten Dr. Finger der Rektor Schueler gewählt, und derselbe 
Vorstand für 1902/3 bestätigt, ebenso wie die 3 Mitglieder der Mu- 
seumsdeputation. Herr Major Weisse hatte seinem üblichen Fest- 
grusse Mitteilungen über seine Arbeiten zur Lösung des Flug- 
problems beigefügt. Der Verein nahm davon mit grosser Teil- 
nahme, aber zugleich mit detn Bedauern Kenntnis, seinerseits zur 
Förderung dieser Bestrebungen nichts beitragen zu können. 

Einen grossen Teil seiner Tätigkeit widmete der V. der zuerst 
brieflich von Cuny angeregten, und dann besonders von Dr. Lindau 
lebhaft ^)etriebenen Kunstausstellung, welche während der Herbst- 



— K>3 -^ 

ferien in der Aula des Schulhauses in der Gerechten-Strasse statt- 
fand. Durch den Eifer und die Sachkunde der Herren Lindau, 
Bgm. Stachowitz, Lottig, Uebrick und der Nichtmitglieder Major 
V. Hoevel und Pfarrer Heuer sowie des Bromberger Malers Kindscher 
zustande gebracht, gewann sie allgemeine Teilnahme und reichen 
Beifall. Die noch vorhandenen Mitglieder des früheren Kunstvereins 
hatten dem V. für diesen Zweck den Vermögensbestand desselben 
von 300 M. sowie die ihm gehörigen Bilder übergeben. Ausserdem 
war unter den Mitgliedern ein Garantiefonds von 1250 M. gezeich- 
net worden, wurde aber nicht in Anspruch genommen. 

Das Grabmal der Prinzessin Anna von Schweden in unserer 
Marienkirche war in Verfall geraten. Um seine Wiederherstellung 
wandte sich auf Anregung Semraus Herr Redakteur Hellberg in 
Stockholm unter Beifügung einer dort gesammelten Summe von 1000 M. 
an den Verein. Unter freundlicher Leitung des Herrn Kr.-Bauinspektor 
Morin wurde zunächst das Dach der Nische fertig gestellt und so 
weiteren Beschädigungen vorgebeugt. 

Bei dieser wie bei andern Gelegenheiten empfand es der 
Verein schmerzlich, dass die Provinz seit Heises Tode keinen 
Konservator hatte. Er bat die Prov.-Kommission um baldige Be- 
setzung dieser Stelle, doch gelang es ihr nicht eine geeignete 
Persönlichkeit zu finden. Dem Durchbruch einer Oeffnung in der 
stromseitigen Mauer unseres alten Schlosses tat der Magistrat 
zwar Einhalt, aber bei der Wiederherstellung der verunstalteten 
Stelle hätte der Rat des Konservators von grossem Werte sein 
können. ^ 

Für das Denkmälerarchiv wurde das gothische Schwartz- 
sche Haus in der Araberstrasse aufgenommen, und von Semrau 
ein Verzeichnis noch aufzunehmender Häuser aufgestellt. Für der- 
gleichen Aufnahmen spendete Herr Rittergutsb. Koerner in Hofleben 
100 M. zum Andenken seines Vaters, der zuerst den Gedanken 
eines solchen Archivs aufgestellt und mit allen Kräften gefördert 
hatte. Dieser Photographiensammlung wurde der Titel „Körner- 
album" beigelegt. Für die Aufnahme seines eigenen Hauses trug 
Stadtrat Dietrich selbst die Kosten. 

Das städtische Museum wurde um zwei Zimmer erweitert, 
in deren einem die prähistorische Sammlung, fertig aufgestellt, 
Platz fand. Dieselbe erfuhr eine nainhafte Efereicherung durch 
planmässige Ausgrabungen. Auch überwies ihr Herr Landrat 
V. Schwerin zahlreiche beim Dammbau auf der Stätte der Stadt 
Dybow gefundene Stücke. Für die historische Sammlung wurden 

n* 



— 164 — 

6 Glasgemälde aus dem 14. Jahrh. von der Marienkirche erworben. 
Sechs von der Fortifikation gefertigte und geschenkte Photographien 
vom Schlosse Birf^lau wurden dem Kömeralbum einverleibt. Im 
Interesse der Erhaltung dieses Schlosses richtete der V. eine Vor- 
stellung an die Staatsregierung, dass sie die eben sich bietende 
Gelegenheit zum Ankaufe des Gutes als Domäne benutze. Die 
keramische Abteilung wiu-de durch umfangreiche Zuwendungen 
der Herren Kotze und Barschnick, die ethnologische durch Er- 
werbung von 5 schönen ermländischen Frauenkopfbedeckungen 
sowie durch einen von Herrn H. Loewenson geschenkten Einbaum 
(Kahn) aus dem Gouv. Minsk bereichert.**) Das Museum wurde auch 
von Fremden stark besucht, darunter von dem Bischof Rosentreter 
von Kulm und dem Oberpräsidenten v. Gossler. Die Mitglieder 
wurden zu einem Rundgang am 10. März eingeladen ; dergleichen 
Einladungen sollen öfter wiederholt werden. 

Für die Bibliothek nahm der V. in Aussicht das nun fertige 
Bücherverzeichnis drucken zu lassea 

Der loosten Wiederkehr des Geburtstages von Bogumil Goltz 
am 20. März 1901 gedachte der Verein durch eine eingehende Dar- 
stellung seiner geistigen Bedeutung. Der erst in der September- 
sitzung gehaltene ausführliche Vortrag ist in den drei deutschen 
Zeitungen der Stadt am 24. Okt. ff. abgedruckt. 

Bogumil Goltz, geb. 20. März 1801 in Warschau, wo sein 
Vater Stadtgerichtsdirektor war, hatte viele Geschwister, besuchte 
seit 1808 das Kneiphöfische Gymnasium in Königsberg unter dem 
Direktor Dr. Lehmann, später das Gymnasium in Marienwerder, 
während er beim Pfarrer Jackstein in^Tromnau in Pension war, 
und zugleich in Ciechoczyn einen Einblick in die Landwirtschaft 
tat und eine Vorliebe für sie fasste. Von 1822 an studirte er 3 
Semester Theologie in Breslau, widmete sich dann aber der Be- 
wirtschaftung des Gutes Lissewo und heiratete das Frl. v. Blum- 
berg. Er gab nach einigen Jahren das Gut auf, und tauschte dafür 
ein Haus ein, wohnte 25 Jahre in Gollub und behielt die Bewirt- 
schaftung eines kleineren Gütchens bei. Mit 46 Jahren begann er 
seine Aufzeichnungen zu veröffentlichen. Die bekanntesten sind: 
Das Buch der Kindheit; Ein Jugendleben; Ein Kleinstädter in 
Aegypten ; Der Mensch und die Leute ; Zur Charakteristik und Na- 
turgeschichte der Frauen; Feigenblätter; Hinter den Feigenblättern; 
Typen der Gesellschaft ; Die Bildung und die Gebildeten ; Des 
Menschen Dasein in seinen weltewigen Zügen luid Zeichen; Welt- 
klugheit und Lebensweisheit; ferner 2 Bände seiner Vorlesungen. 



— 165 — 

Denn er war einer der beliebtesten Vorleser und hielt seine tief 
ernsten und zugleich derb humoristischen Vorträge mit gleichem 
Beifall in Danzig und Bremen wie in Wien und Frankfurt. Den 
vollen Zauber übte seine kraftvoll originelle Persönlichkeit in ver- 
traulichem Gespräche mit seinem Bekanntenkreise. Er starb in 
Thorn, wohin er von GoUub übergesiedelt war, am 15. Oktober 1870. 

Ein ehrendes Andenken widmete der Verein seinem früheren 
Mitgliede, dem Erbauer des Artushofes und der städtischen Wasser- 
werke Stadtbaurat Schmidt, welcher am 19. 4. 91 als Stadtbaurat 
von Kiel verstorben war*^), und dem Direktor des Nordischen Museums 
in Stockholm Arthur Hazelius, der ihm regelmässig seine hervor- 
ragenden Bearbeitungen nordischer Altertümer zugesendet hatte. 

Seinem Ehrenmitgliede Professor Moritz Cantor in Heidel- 
berg sandte der Verein einen herzlichen Glückwunsch zum sojähri- 
gen Doktorjubiläum, und beteiligte sich durch einen Beitrag an der 
Ehrung, mit welcher die wissenschaftliche Welt den 8oj. Geburtstag 
Rudolf Virchows (3. 10. 01) beging. 

Herr Baurat Rehberg in Danzig suchte das Interesse des V^er- 
eins für die Feuerbestattung wachzurufen. Auch beschäftigte sich 
der V. mehrfach mit der wissenschaftlichen Seite der Frage, ver- 
mied es aber durch Beschlüsse zu der praktischen Einführung 
Stellung zu nehmen, wie er in allen Fragen verfuhr, bezüglich deren 
in seiner Mitte wie im öffentlichen Leben die verschiedensten Stand- 
punkte vertreten waren. Er überliess vielmehr eine solche Stellung- 
nahme dem dazu berufeneren Aerzteverein. 

Aehnlich verhielt er sich zu einem Vorschlage des Herrn Di- 
rektor Maydom, wonach die wissenschaftlichen Vereine der Stadt 
eine Art Gesammtverein behufs gemeinschaftlicher Veranstaltung 
von Vorträgen — auch durch auswärtige Redner — bilden sollten. 
Es schien ihm richtiger, dass jeder dieser Vereine seine Selbständig- 
keit behalte und — wie er es schon längst grundsätzlich tat — 
seine Vorträge jedermann zugänglich mache. Falls es einmal 
wünschenswert erscheine einen auswärtigen Redner herzuberufen, 
sei eine Vereinbarung darüber nicht ausgeschlossen. Die an ihn 
von aussen herantretenden Anerbietungen zu öffentlichen Vorträgen 
lehnte der V. regelmässig so weit ab als ein Honorar oder eine 
Bürgschaft seinerseits beansprucht wurde. 

Für ein neues Heft der Mitteilungen nahm der Verein in Aus- 
sicht a) Die Uebertragung der ältesten Archivalien von Thorn in 
das jetzige Deutsch ; b) Prähistorische Funde in der Thorner Nie- 
derung ; c) Kirchliches Urkundenbuch der Stadt Thorn von Semrau 



— 166 — 

(handschriftlich fertig) ; d) Bericht über prähistorische Funde der 
letzten Jahre. 

Vorträge : 19. 2. (Festsitzung) : Schueler, Kinderfehler, ein 
psychologisches Problem ; 4. 3. (im grossen Saale) : Dr. Sait, Der 
Einfluss der Kleidung auf die Gesundheit und Gestaltung des weib- 
lichen Körpers ; 15. 4. : Lindau, Bürgermeister Jakob Zemecke ; 
6. 5. : Boethke, Shakspeares Sonnette ; 3. 6. : Curtzc, Leben und 
Schriften von Moritz Cantor ; 9. 9. : Boethke, Bogumil Goltz ; 
4. II.: Semrau, Schloss Birglau; Lindau und Loitig, Die Kunst- 
ausstellung; Boeihke, Reiseeindrücke vom Taunus und Nieder- 
wald; 2. 12.: Obl.-Ger.-Sekretär Scholz a, Marienwerder, Tier- 
schutzroittel der Pflanzen, unter Vorlegung von Präparaten; 13. i. 
1902 : Dr. Prager, lieber Leichenverbrennung ; 10. 2. : Boethke, 
Jos. Thompsons (des 1879 verstorbenen Ehrenmitgliedes) Ameri- 
kanische Bemerkungen über europäische Fragen ; Semrau, Das 
Denkmälerarchiv (mit Vorlegung von Photographien.) Die Oktober- 
sitzung fiel der Kunstausstellung wegen aus. 

Die Einnahme der Stipendiensiittung wurde ausschliesslich 
zur Erforschung und Aufnahme von Altertümern verwendet. 

Die Jungfrauensiiftung verteilte 400 M. an 3 junge Mädchen 
zum Besuch des Seminars, i. zur Ausbildung im Französischen und 
2. z. A. als Buchhalterinnen. 

Das Vermögen des Vereins betrug 4400 M., das der beiden 
Stiftungen 3000 und 6000 M. 

Im 49. Vereinsjahre starben die ordentlichen Mitglieder 
G. Prowe und M. Curtze (4. 9. 02 und 3. i. 03). 

Gustav ProM'e, (geb. 12. 12. 1827), obgleich kein Gelehrter 
wie seine beiden Brüder, hatte sich doch mit der Thomer Stadtge- 
schichte liebevoll beschäftigt, dem Museum und dem Archiv manche 
wertvolle Gabe zugewendet, auch in früheren Zeiten vielfach Vor- 
träge über gemeinnützige und geschichthche Gegenstände gehalten, 
besonders im Handwerkerverein, in welchem er eine Reihe von 
Jahren den Vorsitz führte. Auch der Stadtverordnetenversammlung 
und dem Magistrat hat er längere Zeit angehört. Nach dem Tode 
Fasbenders . verwaltete er die Kasse des Coppernicusvereins als 
Schatzmeister, so lange es seine Geschäfte erlaubten. Obgleich in 
jüngeren Jahren kränklich, und zu seiner Kräftigung auf mehrere 
Jahre nach Valparaiso geschickt, hat er doch die anstrengende und 
aufreibende Tätigkeit für die Thomer Kreditgesellschaft, deren Di- 
rektor und persönlich haftender Gesellschafter er von ihrer Grün- 



— 167 — 

dimg an war, ertragen und ein Alter, von 79 Jahren 9 Monaten er- 
reicht. Bei seinem Tode befand sich die immer nur auf 5 Jahre 
gegründete oder verlängerte Gesellschaft bereits in Liquidation. 

Von Maximilian Curtzes reicher Tätigkeit zeugt jedes Blatt 
der Vereinsgeschichte. Nächst L. Prowe war er es vorzugsweise, 
dessen Leistungen dem Wirken des Vereins in seiner fruchtbarsten 
Zeit den Stempel aufgedrückt haben. Geboren in Ballenstedt am 
4. August 1837 wurde er in Bernburg erzogen und studirte von 
1857 an in Greifswald Mathematik und Naturwissenschaften. Er 
schloss sich besonders an Joh. Aug. Grunert an, und war Mitglied 
der Burschenschaft Rugia. Als Probekandidat trat er 1861 bei der 
höh. Bürgerschule zu Lennep ein, wurde 1864 am Gymnasium in 
Thorn angestellt, verheiratete sich an seinem Geburtstage, und trat 
in den Coppernicusverein. Seine damaligen kleineren Arbeiten 
waren teils rein mathematischer Art teils Uebersetzungen aus dem 
Italienischen, welches er mit Sicherheit beherrschte. Dann wandte 
er sich der Geschichte der Mathematik im Mittelalter und den Ueber- 
gangszeiten, ganz besonders aber der Aufhellimg des Lebens und 
der Lehre des Coppernicus zu. In beiden Richtungen hat er teils 
durch seine verständnisvoll zusammenfassende und darstellende 
Kraft, noch mehr aber durch seine merkwürdige Gabe gewirkt, ver- 
borgene Schätze in BibHotheken und Archiven zu entdecken und 
zur Aufklärung dunkler Perioden zu benutzen. Er erfreute sich 
dabei hier der Unterstützung von L. Prowe und Fasbender, und 
auswärts solcher Freunde wie Moritz Cantor und Siegmund Günther, 
welche ihm, wie sein Schüler Max Jacobi, warm anerkennende 
Nachrufe gewidmet haben, und wie die italienischen Gelehrten 
Boncampagni, Favaro und Malagola. Seine Uebersetzertätigkeit hat 
er auch bis zuletzt fortgesetzt, wie auch seine bedeutendsten Schriften 
ins Italienische übersetzt worden sind. Seine gelehrten Freunde 
erklären, dass durch ihn die Geschichte der Mathematik im Mittel- 
alter eine völlig neue Gestalt gewonnen habe. Von seinen Reisen, 
die sämtlich Entdeckungsreisen waren, abgesehen verfloss sein Leben 
still, besonders seitdem er zwei heranwachsende Töchter auf einmal 
durch Diphtherie verloren hatte. Zum Oberlehrer und Professor 
befördert, trat er 1896 in den Ruhestand und lebte auf einem lange 
vorher vom Rektor Hoebel gekauften Gartengrundstück, stets mit 
alten Handschriften und seltenen Drucken beschäftigt, die er von 
den entferntesten Bibliotheken zu erlangen wusste. Ein Herzschlag 
machte seinem Leben ein schmerzloses Ende. Seine Witwe ist 
mit einem Sohn und einer Tochter zurückgeblieben. Jener ist Arzt 



— 168 — 

und befand sich in der Staatsprüfung, als die Kunde von dem Tode 
des Vaters ihn nach Hause rief. 

Am Weihnachtstage 1902 starb ferner der Kaufmann und 
Stadtverordnete Konrad Adolph, der im Verein redlich gewirkt 
hatte, bis er bei dem bedrohlichen Auftreten seiner Krankheit aus 
ihm schied. 

Einen düsteren Schatten breitete über den Verein der am 
30. II. 02 erfolgte Tod seines Protektors, des Oberpräsidenten 
Staatsminister v. Gossler, des kenntnisreichen und sorgsamen 
Förderers der Denkmalspflege, wie aller geistigen und wirtschaft- 
lichen Regsamkeit unserer Provinz und des gesamten Staates. Der 
neue Oberpräsident, Exz. Delbrück, hat die Protektorschaft bereit- 
willig übernommen, v. Gossler war geboren am 13. April 1838 in 
Naumburg a S., studirte in Berlin, Heidelberg und Königsberg, wurde 
1859 Auskultator, 61 Referendar, und wurde 1864 als Assessor 
nach Insterburg geschickt. Von 65 an verwaltete er als Landrat 
den Kreis Darkehmen, bis er 74 als Hülfsarbeiter in das Ministerium 
des Inneren berufen wurde. In dieser Stellung hatte er insbesondere 
die Ausführung der neuen Kreisordnung zu leiten. Im Jahre 81 
wurde er zum Kultusminister berufen. Als er i. J. 91 des Schul- 
gesetzes wegen seine Entlassung nahm, wurde ihm das Oberpräsi- 
dium von Westpreussen übertragen (17. 7.). Von 1878 an hat er 
auch im Reichstag gesessen und eine Zeitlang in ihm den Vorsitz 
geführt. Ein Nierenleiden machte schon 1901 eine Operation er- 
forderlich. Obgleich dieselbe als gelungen angesehen wurde, hatte 
sie doch der weiteren Ausbreitung der Krankheit nicht Halt ge- 
bieten können. Seine Charakterstärke wehrte sich lange, er musste 
aber endlich dem schmerzvollen Leiden erliegen. 

Tief berührt wurde der Verein auch durch den Tod Virchows, 
von dessen allseitigen Forschungen besonders die anthropologischen 
und paläontologischen auch für ihn in erster Linie massgebend 
waren (5. 9. 02). 

Direktor Dr. Hayduck verzog nach Berlin, Bauunternehmer 
Bruno Ulmer und Kaufmann K. Adolph traten aus. Dagegen traten 
ein die Herren Mittelschullehrer Isakowski, Reichsbankdirektor 
Ortel, Fabrikbesitzer Hecht und Dr. med. Liedke. Die Zahl der 
ordentlichen Mitglieder betrug am Schlüsse 79, wovon 7 auswärts 
wohnten. 

Von den korrespondirenden Mitgliedern starb Probst Preuschoff 
in Frauenburg ; neu ernannt wurde Herr Stadtpfarrer Mundkowski 



— 169 — 

in Mühlhausen O.-Pr., "welcher dem V. wertvolle ermländische 
Hauben, Kappen und Tücher geschenkt hatte. 

In den Vorstand wie in die Museumsdeputation wurden die- 
selben Mitglieder wie im Vorjahre gewählt. 

Vorträge wurden gehalten am 19. 2. 1902 (Festsitzung) : Dr. 
Horowitz, Moderne Wahrheiten bei antiken Denkern ; 3. 3. : 
Boethke, Das Wesen des römischen Gottes Janus ; 7. 4. : Ff. 
Heuer, Griechische M3^stenen und christliche Sakramente ; 5. 5. : 
Semrau, Ermländische Frauentrachten, insbesondere die von Herrn 
Mundkowski geschenkten Stücke ; Boethke, Julian der Abtrünnige 
und David Strauss ; 2. 6. : van Perlstein, Aus Düsseldorfs Ver- 
gangenheit und Gegenwart (auch über die dortige Ausstellung) ; 
8. 9. : Semrau, Ueberrcste der alten Thorner Burg (mit Photo- 
graphien) ; Dr. Lindau, Anmerkungen zum Kapitel Lebensverlängerung ; 
13. 10.: Boethke, Die Reinheit der deutschen Sprache; 10. 11.: 
Luekau, Gerhard Hauptmann ; 8. 12. van Perlstein, Grundan- 
schauungen der Elektrotechnik ; 5. i.: Schueler, Gehirn und Seele ; 
2. 2. : Boethke, England unter Wilhelm III. Curtze erklärte sich 
bereit (10. 11 ) über eine Broschüre „Mechanik des Aethers oder 
die Irrlehren des Coppernicus" zu berichten, auch demnächst einen 
Vortrag über neuere Forschungen zum Lebensgange des C. zu 
halten. Beides hat leider nicht zur Ausführung kommen können. 

Die Herausgabe eines neuen Heftes der Mitteilungen musstc 
auf das folgende, das letzte Jahr des ersten halben Jahrhunderts 
verschoben werden. Mit der Vorbereitung des Jubellestes 1904 
wurde der Vorstand unter Verstärkung durch Bgm. Stachowitz und 
G. Weese beauftragt. Im Hinblick auf die Kosten dieses Festes 
wurde ein Antrag des Bgm. Stachowitz auf Ermässigung des Bei- 
trags auf 6 M. vom Vorstande bekämpft, und zur Zeit zurückgezogen. — 
Der Druck des Katalogs der. Vereinsbücherei wuide kräftig ge- 
fördert. (Vgl. 3. II. 8. 12.) 

Auf die Bitte des Vereins um baldige Anstellung eines Pro- 
vinzial-Konservators teilte der Herr Minister dem Vereine mit, 
dass dieselbe demnächst bevorstehe ; der neue Konservator Reg.- 
Baumeister Schmidt in Marienburg, solle auch die Beendigung der 
Arbeiten an dem Denkmal der Prinzessin Anna leiten. Für 
diese bewilligte er zugleich den noch fehlenden Betrag von 470 M. 
aus Staatsmitteln (Vgl. 24. 11 ; 8. 12 02; 26. i. 03). 

Herr Landrat v. Sehwerin, auf dessen Veranlassung wieder- 
holt Altertumsfunde, Erbstücke und Urkunden dem städtischen 
Museum und Archiv überwiesen worden waren, schenkte dem 



— 170 — 

Museum bei seiner Uebersiedelung nach Berlin, die von ihm ange- 
legte Privatsammlung von Altertümern aus der Umgegend von 
Thom. Die Fortifikation Hess Teile des alten Schlosses photo- 
graphisch, aufnehmen, und die Aufnahmen dem Verein vorlegen. 
Das Museum erhielt femer manchen Zuwachs aus Nachgrabungen 
in der Thomer Niederung und in dem Posener Grenzgebiet; auch 
aus einem Grabe, welches bei Branno aufgedeckt, dessen Inhalt 
aber dabei grösstenteils zerstört worden war. (Der Rest wurde dem 
V. von Herrn Bauunternehmer Rinow und Fabrikdirektor Behrens 
in Wierzchoslawitz übergeben). Auch erwarb es einen wertvollen 
Rococoschrank. Für das Kömeralbum wurden weitere Aufnahmen 
von Thomer Bauwerken hergestellt. Dem Raisarchiv wurden 
durch Vermittelung des Vereins mehrere Dorfarchive und Einzel- 
urkunden aus der Niederung einverleibt. Die Bibliothek erhielt 
namhafte Zuwendungen von den Herren Maerker in Rohlau, Dr. med. 
Lohde und W. Lambeck, und erfreute sich einer zunehmenden Be- 
nutzung. Das 3. Heft des Siegelwerkes von Engel, enth. die 
Siegel der Fürsten, erschien in einem auswärtigen Verlage. 

Die Zinsen der Coppernicusstiitung wurden mit 50 M. zu 
Ausgrabungen und mit 50 M. für die Vorarbeiten zum Druck des 
Katalogs verwendet. 

Die Jungirauenstiiiung konnte 580 M. vergeben. Sie unter- 
stützte 3 Seminaristinnen und i Schülerin des Sternschen Konser- 
vatoriums mit je 100 M., und 4 junge Mädchen mit kleineren Be- 
trägen zur Ausbildung in Sprachen (i), auf der Industrieschule (2) 
und der Gewerbeschule (i). 

Dem Germanischen Museum, welches am 14. — 16. Juni sein 
Sojähriges Bestehen feierte, sandte der Verein mit seinem Glück- 
wünsche die Photographien einiger auf Nürnberg bezüglichen 
Urkunden unseres Archivs. Dem Ehrenmitgliede Prof. Bail in 
Danzig brachte er seine Glückwünsche zum 70Sten Geburtstage 
dar und nahm Teil an der Stiftung des demselben zu überreichen- 
den Albums. 

Das Vermögen des Vereins betrug 4700 M. 

Das letzte Jahr des halben Jahrhunderts ist bei Abfassung 
dieses Berichts noch nicht völlig verflossen. Es hat bis jetzt dem 
Verein nur zwei neue Mitglieder zugeführt, Herrn Kreisarzt Dr. Steger 
und Oberlehrer Dr. F. Prowe. Dagegen sind aus ihm geschieden 
durch den Tod Kaufmann Levy, durch Wegzug Landgerichtsräte 
Engel und Hirschfeld und Rittergutsbesitzer Meister-Sängerau, 



-- 171 -^ 

In der Wahlsitzung am 7. Dezember wurde sowohl der 
Vorstand wie die Abordnung in die Museumsdeputation unver- 
ändert gelassen. 

Dem Vorstande in seiner bisherigen Zusammensetzung obliegt 
daher nicht nur die Abhaltung des am 19. Februar 1904 zu feiern- 
den Jubelfestes, sondern auch die Durchführung des am Schlüsse 
des Vorjahres unternommenen Versuches mit Hülfe des Staates zu 
einer würdigen und förderlichen Unterbringung und Verwaltung der 
wissenschaftlichen Sammlungen Thorns zu gelangen. 

Für die Jubelfeier setzte der Verein in der Märzsitzung einen 
Ausschuss ein, indem er den Vorstand beauftragte sich zu diesem 
Zwecke um 2 Mitglieder zu verstärken. Die Herren G. Weese und 
Bürgerm. Stachowitz wurden eingeladen in diesen Ausschuss ein- 
zutreten und taten das mit freundlicher Bereitwilligkeit. Unter ihrer 
Mitwirkung wurde das Program.m des Festes aufgestellt und der 
Druck zweier Werke beschlossen, von denen das eine als das 13. Heft 
der Mitteiluugcn des C. V.'s erscheinen, und einen vorhandenen 
Auszug aus den Ratsprotokollen enthalten sollte, welcher geeignet 
ist, die vor zwei Jahrhunderten verbrannten Protokolle einiger- 
massen zu ersetzen ; die Bearbeitung hat Herr Professor V'oigt 
übernommen. Das andere sollte eine Geschichte *des Vereins 
in seinem ersten halben Jahrhundert sein, und von dem Vorsitzen- 
den, welcher schon seit Jahresfrist damit beschäftigt war, auch zu 
Ende geführt werden. Auf Ansuchen des Vereins sagte für den 
Hauptteil der zu veranstaltenden Feier auch diesmal, wie im Jahre 
1853 ^^^ 1873, der Singverein seine Mitwirkung zu. Um einen 
wissenschaftlichen, auf Coppernicus bezüglichen Vortrag bei diesem 
Akt wandte sich der Verein, da er unter den ordentlichen Mit- 
gliedern gegenwärtig keinen Fachmann besitzt, an seine Ehren- 
mitglieder, die Professoren Moritz Cantor in Heidelberg und 
Siegmund Günther in München. Herr Cantor lehnte seines hohen 
Alters wegen ab; von Herrn Günther aber kam eine freundliche 
vorläufige Zusage. 

Für die beiden Druckwerke mussten bedeutende Aufwendungen 
in Aussicht genommen werden, während zugleich für den im Vor- 
jahre hergestellten Druck des Kataloges der Vereinsbibliothek noch 
350 M. zu bezahlen waren. Da nun zugleich seitens des Staates 
mehrfach die Bereitwilligkeit an den Tag gelegt worden war, den 
deutschen Kulturbestrebungen in den östlichen Grenzprovinzen zu 
Hülfe zu kommen, so beschloss der Verein den Beistand seines 
Protektors nicht bloss für seine Festfeier, sondern in Verbindung 



-- 172 — 

damit auch für die langersehnte, den berechtigten Anforderungen 
entsprechende Unterbringung seiner eigenen Bibliothek und der 
Ratsbibliothek, vor allein aber des Stadtarchivs und des Museums 
nachzusuchen. 

Ein Besuch unserer Stadt durch S. Exzellenz den neuen Ober- 
präsidenten Herrn Delbrück stand in Aussicht. Der Vorstand bat 
denselben um Annahme des Protektorats und um eine Audienz 
zum Vortrag der Wünsche des Vereins, sowie um die Erlaubnis 
ihm die vom VVrein veröffentlichten Druckschriften zuzusenden, und 
erhielt in allen drei Punkten eine freundliche Zusage. Er wurde 
mit den städtischen Behörden zusammen zur Vorstellung einge- 
laden, und trug seine beiden Anliegen kurz vor. Der Herr Ober- 
präsident versprach sowohl eine BeihOlfe für die Festarbeiten bei 
dem Herrn Minister zu beantragen als auch dem andern Wunsche, 
den er als den der Errichtung eines Vereinshauses bezeichnete, 
seine kräftige Unterstützung zu leihen. 

Diese Angelegenheit schwebt noch. Der Herr Oberpräsident 
hat den Magistrat mit ihrer genaueren Erörterung beauftragt. In 
einer Verhandlung des Herrn Oberbürgermeister Dr. Kersten mit 
dem verstärkten Vorstande ergab sich darüber vollständige Ueber- 
einstimmung, dass das Vereinshaus kein neues Restaurant werden 
solle, sondern eine rein wissenschafdiche Anstalt. Der Magistrat 
hat dann den Antrag formuliert und befürwortet ; wir dürfen mit 
ihm einer gedeihlichen Förderung der Sache entgegensehen. Behufs 
noch genauerer Bearbeitung hat der Magistrat eine Kommission 
eingesetzt, in welche auf seine Aufforderung der Verein die Herren 
Dr. Lindau und Semrau entsendet hat. 

Auch das unser Jubelfest betreffende Gesuch wurde dem 
Magistrat zur Begutachtung übergeben, und führte auf seinen Antrag 
zu dem Erfolge, dass der Herr Minister der geistlichen pp. Ange- 
legenheiten dem Verein eine Beihfilfe von 1000 M. bewilligte. 
Schon vorher hatte Herr Theodor Koerner auf Hofleben zu diesen 
Kosten, im Andenken an seinen Vater, den eigentlichen Stifter des 
Vereins, aus freiem Antriebe einen Beitrag von 500 M. geschenkt. 
Einen weiteren Beitrag von 300 M. bewilligten die städtischen Be- 
hörden, und in gleicher Höhe dürfen wir uns eine Bewilligung 
seitens der Provinzialkommission versprechen, welche schon aus 
dem Fonds des Jahres 1902 eine Beihülfe von 200 M. gewährt hat 
(s. o.) Für alle diese Bewilligungen sei auch an dieser Stelle der 
herzliche Dank des Vereins ausgesprochen. Durch sie hofft er die 
Kosten beider Werke decken zu können. Nur die Restkosten des 



- 178 ^ 

Katalogs werden ganz oder zum Teil ungedeckt bleiben, da durch 
seinen Verkauf wohl kaum ein namhafter Ertrag erzielt werden 
kann. Ein etwaiger Fehlbetrag wird sich aus den Zinsen der 
Coppernicusstiftung bestreiten lassen. 

Die Rechnung des Vorjahres wurde von Herrn lUgner geprüft ; 
der Haushaltsplan für das laufende Jahr wurde auf 1962,70 M. 
festgestellt. 

Unter den geschichtlichen Merkwürdigkeiten, welche dem 
Vereine vorgelegt wurden, befanden sich 2 zinnerne Weinkannen 
aus einem bayrischen Kloster, dem 17. Jahrh. angehörig, und 3 
silberne Löffel, wie sie solchen preussischen Familien als Andenken 
gegeben wurden, welche die Erhebung von 1813 durch Spenden an 
Geld und Kostbarkeiten unterstützt hatten. Als Geschenke 
empfing er vom Photographen Jacobi 6 Postkarten mit Ansichten 
von Thorn, vom Prov.-Konservator Herrn Schmidt sein Büchlein 
„Marienburg sonst und jetzt**. Ferner überreichte Herr Uebrick 
den von ihm verfassten „Führer durch Thorn", und der Vorsitzende 
seine unter den Titeln „Steinort" und „Gedichte" erschienenen 
Dichtungen. 

Glückwünsche brachte der Verein dar seinem 2. Vorsitzenden 
Geh. San.-R. Dr. Lindau zu seinem 40J. Doktorjubiläum und zugleich 
zu einer ebenso langen erfolgreichen ärztlichen Praxis in seiner Vater- 
stadt, dem Verein für die Geschichte Nürnbergs zur Feier seines 25Jäh- 
rigen Bestehens, der Schlesischen Gesellschaft für vaterländischeKultur 
zu ihrem Jahrhundertfeste. Dem Botanisch zoologischen Verein für 
Westpreussen gegenüber, der im Sommer 1904 in Thorn tagen will, 
erbot er sich gern zur Uebernahme der Vorbereitungen für seine 
Versammlung, und darf hoffen, dass dieselbe einen erfreulichen 
Verlauf nehmen wird. Er selbst empfing wieder einen freundlichen 
Gruss von Weisse. Dem allgemeinen Verband der Studierenden 
der technischen Hochschule zu München übersandte er dem Wunsche 
desselben gemäss geschenkweise die Schriften des Vereins. Be- 
sonders angelegen Hess er es sich sein das Andenken an die Er- 
richtung unseres Coppernicusdenkmals bei der 5osten Wieder- 
kehr des Enthüllungstages zu erneuern. An diesem Tage, dem 
25. Oktober, hielt Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Lindau einen öffent- 
lichen Vortrag über die Entstehung des Denkmals in dem gärtne- 
risch geschmückten und vollgedrängten Vereinszimmer des Artus- 
hofes. Die Bildnisse der letzten Mitglieder des Denkmalsvereins 
waren ausgestellt; leider konnte ein Bild des Bürgermeisters 
Poplawski, der den älteren Verein gegrüadet hat, nicht aufgetrieben 



— 174 ~ 

werden. Unter den Zuhörern befanden sich wohl die meisten noch 
lebenden Zeugen der EnthoUungsfeier. Dr. Lindau entwarf ein 
lebhaftes Bild, wie der äusseren Vorgänge, so der tief erregten 
und freudig gehobenen Stimmung der damaligen Bürgerschaft. 
Diese einfache Feier konnte zugleich als eine würdige Vorbereitung 
zu dem bevorstehenden Jubelfeste des Vereins betrachtet werden. 

Eine andere Gedenkfeier widmete der Verein dem Andenken 
Herders an dessen loojährigem Todestage, dem i8. Dezember 
1903. In der ihm freundlichst überlassenen Aula des Gymnasiums 
hielt Herr Pfarrer Heuer dem Apostel der Humanität, der zugleich 
der Erwecker des Sinnes für nationales Volksleben und Volks- 
dichtung war, die Gedächtnisrede. Aehnlich gedenken wir am 
12. Februar 1904 den hundertsten Jahrestag des Todes Kants zu 
begehen. 

Schmerzlich empfand es der Verein, dass er unter seinen 
ordentlichen Mitgliedern keinen Coppernicusforscher mehr zählte, 
der an die Stelle Curtzes hätte treten können. Mit um so grösserer 
Dankbarkeit erkannten wir es an, dass zwei unserer Ehrenmit- 
glieder, Prof. Cantor und S. Günther dem verstorbenen Curtze 
eingehende Nekrologe widmeten und in Sonderabdrücken dem 
Verein übersandten. Ihnen schloss sich als dritter der Cand. astr. 
Jacobi in Berlin, ein geborener Thorner an, welcher seinem Lehrer 
Curtze ein liebevolles Andenken bewahrt hatte. An den Bericht, 
welchen der Vorsitzende über diese drei Nekrologe erstattete, und 
in welchem er erklärte, dass der Verein durch sie die grosse 
wissenschaftliche Bedeutung Curtzes noch höher als bisher zu 
schätzen gelernt habe, knüpften sich lebhafte und anregende Er- 
örterungen. Ebenso an einen andern Bericht des Vorsitzenden 
über eine Abhandlung von Dr. Bruhns über die Weltanschauungen 
von Coppernicus und Giordano Bruno. Es waren besonders der 
schon früher viel besprochene Begriff der Hypothese, ferner der 
Gegensatz zwischen dem vorsichtigen Grundbau des Coppemica- 
nischen Systems und den prophetisch phantastischen Ahnungen 
Brunos, endlich die Frage nach der Schuld oder Unschuld des 
Aristoteles ah der scholastischen Verknöcherung der mittelalter- 
lichen Wissenschaft, welche die mannichfaltigsten Früchte früheren 
Studiums und langjährigen Nachdenkens zu Tage förderten. 

Den Festvortrag am 19. 2. 1903 hielt Pfarrer Heuer über 
Fetischdienst und Totenkult bei den Hellenen und Israeliten. Mo- 
natsvorträge : 2. 3. Uebrick, Thorn seit der ersten Teilung Polens 
(Vorarbeit zu seinem Fremdenführer der Stadt Thorn); 6. 4. Dr. 



- 175 - 

Rosenberg, Der Kampf um Bibel und Babel ; 4. 5. Dr. Liedke, Die 
Bedeutung der Bakteriologie in der Gegenwart; 8. 6. Lottig, Mit- 
teilungen tlber Thorn im Jahre 1848 an der Hand der Berichte in 
der damaligen Thorner Presse ; 7. 9. Boethke, Bericht über die 
Nekrologe Curtzes von Cantor, Günther und Jacobi ; Lottig, Bericht 
über das dem Verein überreichte Gedicht des Vorsitzenden „Stein- 
ort, ein Lied aus Preussens Vorzeit" ; 5. 10. Boethke, Ueber einige 
neuere Romane und ihre gegenseitigen Beziehungen (Frau Sorge 
und Jörn Uhl u. a.) ; 23. 11. Mitteilungen a) Semrau, Die beiden 
nördlichen Türme der alten Thorner Stadtmauer; b) Ders., Die 
älteste Form des mittelalterlichen Kachelofens; c) Boethke, Die Ab- 
handlung von Dr. Bruhns im „Weltall" (s. oben) ; 7. 12. Dr. Liedke, 
Aristotelische und moderne Naturwissenschaft. 

Ueber die laufenden Geschäfte des Vereins, insbesondere über 
seine Tätigkeit für Archiv, Museum und Bibliothek, sowie für seine 
Stiftungen lässt sich vor dem Abschluss des Jahres nicht wohl berichten. 
Doch dürfen wir hoffen, auch in ihnen dem Bestreben treugeblieben zu 
Jjin, der Ehre und dem Gedeihen unserer Stadt und Provinz zu 
dienen, das Andenken unseres grossen Landsmanns würdig zu pflegen, 
dem wissenschaftlichen und künstlerischen Geiste in der Bürgerschaft 
Halt und Förderung zu bieten, und der deutschen Kultur in den 
bescheidenen Grenzen unserer Wirksamkeit Geltung zu verschaffen. 

In diesem Sinne bitten wir unsere Mitbürger um eine wohl- 
wollende Beurteilung der bisherigen Tätigkeit des Vereins, und um 
immer freundlichere Mitwirkung zur Erreichung seiner Zwecke, 
welche ja keine andern sind als die der gesamten Bürgerschaft Thorns. 

Allen, die bisher, sei es durch ihre Arbeiten im Verein, sei es 
durch freundliche Unterstützung seiner Bestrebungen mitgeholfen 
haben unsere Hebe Stadt auch in wissenschaftlicher und künstlerischer 
Beziehung mehr und mehy zu einem würdigen Gliede unseres 
deutschen Vaterlandes zu machen, insbesondere auch der Regierung 
des Reiches und des preussischen Staates, sowie den Behörden der 
Provinz, des Kreises und der Stadt, sei hiermit der herzlichste 
Dank im Namen des Vereins gesagt. Seine bisherigen Schicksale 
verbieten uns zu zagen, und erfüllen uns vielmehr mit der freudigen 
Hoffnung, dass durch seine Vermittelung noch manches Gute für 
seine Mitglieder wie für die Gesammtheit werde zu Stande kommen. 

So walte denn ein günstiger Stern auch weiter über unserm 
Verein, über unserer guten getreuen Stadt und über unserm mäch- 
tigen, friedlichen, in allem Guten und Edlen rüstig fortschreitenden 
deutschen Volk und Reich ! 



Anmerkungen. 



^) S. I. Ueber die Schreibweise des Namens s. S. 85. 

2) S. I. Vgl. Nicolaus Coppernicus, Skizze seines Lebens 
und Wirkens, sowie Nachrichten Ober die Erinnerungszeichen an ihn. 
Thorn 1878. S. 52 f. 

«) S. I. Mitteilungen des C. V.'s Heft III,, S. 16—132. Vgl. 
die beiden Abhandlungen von H. Adolph und Bender im 4. Hefte. 

^) S. 2. Skizze S 57. Denkschrift zur EnthoUungsfeier des 
C. -Denkmals zu Thorn 1853 S 39 ff. Dort wird die Strophe 
verdeutscht : 

Nicht was entzückt ein Paulus einst gesehen, 
Nicht jene Huld, die Petrus reuig fand, 
Nur jenen Gnadenblick lass mich erflehen. 
Den du am Kreuz dem Schacher zugewandt. 

In der Johanniskirche befindet sich ausserdem eine Büste 
Koppernigks. Doch ist dieselbe erst 1766 verfertigt und vom 
Fürsten Jablonowski der Stadt geschenkt worden. Denkschrift S. 39. 

^) S. 2. Der Staatsrat beschloss die Errichtung schon am 
II. Mai 1809. Der Grundstein sollte am Napoleonstage 15. August 
gelegt werden. Infolge Verspätung des genehmigenden Erlasses — 
der Staatsrat war inzwischen nach Warschau zurückgekehrt — er- 
folgte die Grundsteinlegung erst am 20. Sept., und zwar auf der- 
selben Stelle wo jetzt das Denkmal steht. Von den damals ge- 
sammelten beträchtlichen Summen, die doch wohl vorzügUch von 
der Bürgerschaft beigesteuert sein werden, war 1845 "^^^h ein Rest 
von 145 Thl. 16 Sgr. in den Händen des Königl. Bank-Direktoriums 
in Berlin, und wurde dem Denkmalsverein ausgehefert. Denk- 
schrift S. 39 f. 



— 177 — 

«) S. 3. Die Zeugnisse über den Geburts- und Todestag Kop- 
pernigks hat L. Prowe geprüft in der Festschrift des Thomer 
Gymnasiums zur Enthüllungsfeier des Denkmals 1853. 

7) S. 4. Die letzten Beiträge 1865 ; vergl. S. 39. 

^j S. 5. Der Vereinsbeitrag wurde erhöht auf 6 M. i. J. 1873 
(S. 67), und auf 10 M. i. J. 1896 (S. 140). 

•) S. 17. Die in der Nähe von Fordon gefundenen Braun- 
kohlenlager sollten sehr mächtig sein. Die Abbauversuche der Ge- 
sellschaft „Weichseltal* scheiterten aber an der Unmöglichkeit die 
andringenden Wassermassen zu bewältigen. Dagegen haben die 
auf der Höhe erbohrten Kohlenflötze zu der Anlage sehr lohnender 
Gruben bei Krone a/B. (Stopka pp.) geführt. 

^^) S. 20. Der Zweigverein ist nach vollendeter Ansamm- 
lung des Fonds der Schillerstiftung eingegangen. 

*0 S. 21. Beim Einzug Napoleons in Thom am 3. Juni 1812 
befand sich eine lobpreisende Inschrift auf einem Triumphbogen. 
Dieselbe war aber nicht, wie B. annahm, von der Bürgerschaft an- 
gebracht worden, sondern von einem jungen polnischen Offizier 
V. Wolanski, welcher 1860 noch als Landrat a. D. lebte. Die 
Stimmung der Bürgerschaft dem Kaiser gegenüber war durchaus 
gleichgültig. Genaueres darüber stellte Joseph aus den Magistrats- 
akten fest. 

^2) S. 21. Auch diese Mitteilungen ergänzte Joseph durch 
Auszüge aus den Wochenblättern von 1760. — Der Jahresbericht 
erwähnt die Namen der Vortragenden nicht. Es ist nicht ausge- 
schlossen, dass der erste dieser Vorträge von Dr. Meyer, der letzte 
von Pancritius gehalten worden ist. 

*^) S. 46. Ein ähnlicher Fund wurde in der Nähe des Roten 
Kruges bei D.-Eylau gemacht, und gab dem Professor v. Wittich 
Anlass zu einem Aufsatz in der Hartungschen Zeitung vom 9. Jan. 
1862. Man fand dort beim Abgraben eines Hügels 9 menschliche 
Gerippe. Es verbreitete sich das Gerücht, dass es die Gebeine 
grässlich Ermordeter seien, v. Wittich machte darauf aufmerksam, 
dass die Leichen in alter Zeit keineswegs alle verbrannt worden 
seien, und dass Beerdigungsfunde das einzige Mittel böten, die noch 
immer offene Frage nach der germanischen oder slawischen 
Herkunft der alten Preussen zu lösen. Nach der Thorner Zeitung 
N. 6. sollte der C.-V. die Absicht haben den Fund unter Zuziehung 
V. Wittichs näher untersuchen zu lassen. 

**) S. 25. Ein reichhaltiges Verzeichnis der dem Museum zu- 
gewendeten Geschenke enthält eine Bekanntmachung des Kurato- 

12 



— 178 — 

riums in N, 7 der Th. Z. von 1862 nebst Notizen in N. i6 und 20. 
Darunter ist auch ein Ritterdegen von Herrn Th. Koemer. In 
N. 64 von 1861 wurde der V. aufgefordert sich eines flachen Relief- 
bildes des Salvator Mundi anzunehmen, welches beim Abputzen 
des Hauses Breitestr. 441 hervortrat. Zwar hatte der Besitzer die 
Inschrift in Goldbuchstaben wieder herstellen lassen, aber das 
farbige Relief war schwer zu erkennen. 

'^) S. 28. Eine Fichiefeier fand am 19. Mai im Rathaussaale 
statt. Sie wurde zwar nicht vom Verein veranstaltet, doch waren 
der Festredner Dr. A. Prowe und fast alle Mitglieder des Komitees 
auch seine Mitglieder; auch gab er dazu eine früher von Passow 
verfasste Abhandlung neu heraus. Th. W. 1862 N. 59. 60. 63. 

") S. 28. Adolphs Artikel über den Namen „Preussen" im 
Th. W. N. 45 von 1863 wurde vom Nürnberger Korrespondenten, 
dem Rheinischen Anzeiger und in Keller, der preussische Staat, 
einer Beiuteilung unterzogen. Ein Bericht darüber findet sich in 
N. 71. Vgl N. 64 80. 

"j S. 32. Den Benedikt spielte Dr. Meyer, Beatrice seine 
kunstgeübte Gattin, den Claudio Telegraphenassistent Schauenburg, 
Hero Frl. Schlesinger, den Holzapfel Pritsche. Sie bildeten ein 
schwer zu Übertreffendes Zusammenspiel. 

*•) S. 33. Im Jahresbericht wird wohl irrtümlich 1863 angegeben.— 
Weisse war als Vertreter der Universität Krakau der Einladung 
zur Enthüllungsfeier am 25. 10. 1853 g^*o'gt- F^r den freund- 
lichen und würdigen Empfang, den er beim Vereine fand, wie für 
die Auszeichnung, welche der Oberpräsident und der Bezirkspräsi- 
dent ihm erwiesen, schickte der akademische Senat ein besonderes 
Dankschreiben (Th. W. v. 1854 N. 22). Man kann daraus auf die 
Liebenswürdigkeit des Mannes schliessen, der die dauernden regen 
Beziehungen zwischen der dortigen Akademie und dem hiesigen 
Vereine angebahnt hat. 

^«) Das Gedicht lautet: 
Im Anfang war das Nichts! — 'S ist Jedem klar ! — 

Allein dem Denker erst wird offenbar, 

Dass sich das Nichts nach einem Etwas sehnte 

Und sehnend endlich auch zum Etwas dehnte. 

Doch in dem Maass das Etwas vorwärts drang, 

Schwand hin das Nichts, bis es in Nichts versank. 
Was drauf geschah, zu sagen, ist nicht schwer : 

Wo nur erst Etwas ist, findet sich schon mehr. 

Als Erstes : Zeit und Raum. — Bald ward die Zeit 

Dem Etwas viel zu lang, der Raum zu weit, 

Zu leer dabei ; aus Leerheit, Langerweile, 



— 179 — 

Aus dunkelm Schaffensdrang sandt* es in Eile, 
Den Seifenblasen gleich, ins Wüste, Leere 
Der Weltenkugeln ungezählte Heere, 
Die nun in wildem Drehen, Jagen, FUeh*n 
Ohn' Aufhör'n mussten durch die Räume zieh*n: 
Wie Eine wollte, mussten auch die Andern 
Des Daseins wegen gleichfalls weiter wandern. 

Auch unsre Mutter Erde musst' sich dreh'n. 
Dürft in dem Tanze nimmer stille stehen ; 
Doch Dreh'n macht schlimm und weh, drum fuhr denn auch 
Chaotisch Drängen durch der Erde Bauch, 
Bis als des Drängens Schluss der Mond entstand. 
Allein die Erde dann erst Ruhe fand, 
Als sie die Kräfte durch Gesetz gebunden 
Durch ihre Macht das Chaos überwunden. 
Die Massen, die gewogt, getobt, — sie ruhten. 
Es schied allmählig Land sich von den Fluten, 
Und als durch Nebel drang die Sonnenhelle, 
Wob Erde, Wasser, Luft die erste Zelle. 
Geheimnissvolles Leben barg ihr Schooss; 
Sie wuchs, schul Tochterzellen klein und gross. 
Erst fahl und bleich, dann endlich grün, in Menge, 
Die lagerten nach Breite, Höh' und Länge 
Zu Fäden sich, zu Röhren, Kugeln, Scheiben, 
Zu Knospen, -welche neue Sprossen treiben: 
Sind Pflanzen nun geworden, die mit Lust 
Die Erde grosszieht an der Mutterbrust. 

Was einmal ist geschaffen, ist geschäftig 
Nachkommenschaft zu zeugen, viel und kräftig; 
Doch wie bis dato solches vor sich ging, 
War's ein prosaisch und langweihg Ding: 
Nichts war da von der Liebesglut, der heissen; 
Es musst' ein Stück vom eig'nen Leib sich reissen 
Die Pflanzenmutter. Das war grob und roh, 
Nicht ward das Schaffende des Schaffens froh ; 
Nennt's willenlose Sehnsucht oder nennt's 
Sehnsüchtige Willenlosigkeit — wer kennt's? — 
Genug, ein dunkler Trieb nach süsserer Lust 
Erfasst der Pflanze Leib, gezwungen musst 
Sie nach und nach sich heben und veredeln 
Zu Moosen, Schachtelhalmen, Farrenwedeln, 
Zu Palmen, Weiden, Eichen, Fichten, 
Zu Myrten, Rosen, zu Vergissmeinnichten, 
Liebäugelein, Mannstreue, Himmelsleiter, 
Klatschrose, Hexenkraut und — und so weiter, 
Bis dann nach langem, süssem Liebestraum, 
Gebettet in des Kelches engen Raum, 
Von Blütenblättern eingehüllt in StilP 
Sich innig küssten S t a m e n und Pistill. 

1^ 



180 



Jetzt erst ward SchtflTen eine Seligkeit, 
Und, kaum geboren, wob sein Hochzeitkleid 
Schon Gross und Klein am Webstuhl der Natur; 
Und die entzückte Erd*, ganz Mutter nur, 
Mit neuer Lust sie weitertanzt den Reigen 
Der Sonne ihren neuen Schmuck zu zeigen. 

Nicht nur fflr sich allein, man schmückt sich auch 
Für Andere, — das war schon damals Brauch, — 
Doch für die Nachbarn nur geputzt zu stehen, 
Und Jahr für Jahr die Nachbarn nur zu sehen, — 
Nennfs Torheit, Eitelkeit! — Wer kann's ertragen? 
Drum darf man erst viel forschen nicht und fragen, 
Wie*s kam, (was sonst doch gar nicht ihre Art>, 
Dass jetzt die Pflanze wanderlustig ward. 
Das Etwas, was da trieb, es ward zum Willen, 
Und was der ernstlich will, muss sich erfüllen; 
Der Schooss der Mutter sorgte wunderbar, 
Dass er durch Zuchtwahl Starkes nur gebar; 
Und als Geschlecht so auf Geschlecht vergangen, 
Da ward' gestillt das sehnHche Verlangen: 
Ein wunderbar Gefühl zog auf und nieder, — 
Wohl ähnlich dem der eingeschlafnen Glieder — 
Es kribbelt, krabbelt, ruckt und zuckt so lang', 
Bis endlich jedwed' Glied im Freiheitsdrang' 
Sich von dem andern trennte. Lustig flogen 
Als Schmetterlinge fort in weiten Bogen 
Die bunten Blütenblätter in die Luft, 
Sich wonnig wiegend über Berg und Kluft; 
Vom Nektar noch berauscht war'n Stamina 
Um die Pistille flugs als Bienen da; 
Die formenreichen Stengel blätter stiegen 
Teils in die Höh als Käfer, Mücken, Fliegen, 
Teils abwärts, um auf festrer Bahn zu tanzen, 
Gestaltend sich zu Emsen, Flöhen, Wanzen; 
Vergebens sich der Stengel reckt und streckt, 
Zu fest noch in der Erd* die Wurzel steckt; 
Doch endlich übermannt auch sie das Treiben — 
Für wen soll sie noch länger stecken bleiben? — 
Sie krümmt und windet sich, verlässt das Grab 
Und kriecht herum als Spinne, Wurm und K r a b b' ; 
Der Stamm zuletzt steht wie ein Pfahl allein. 
Stürzt sich verzweifelnd in die Flut hinein, 
Wird Meergewürm, teils schlank, teils ungeschlacht, 
"Wie 's Constitution so mit sich bracht'. 
Und weil nun mal zur Mode wurd* das Wandern, 
So äfften (ganz wie jetzt) es nach die Andern, 
Sogar die Pilze fanden dran Gefallen, 
Doch was könnt draus entstehen ? — sie wurden Quallen. 

Was sich von Pflanzen jetzt noch fand auf Erden, 



— 181 — 

Musst notgedrungen eine Beute werden 

Der fortgeschritt'nen Kreatur ; es flog 

Der Schmetterling von Blut' zu Blut' und sog 

Sich sammt der ßien' am Nektar trunken schier ; 

Der Käfer wählt' das Blatt, frass mit Begier, 

Und das Gewürm, zu Wasser und zu Land, 

An allem, was nur essbar, Nahrung fand. 

Allein nicht lange dauerte die Freude, 
Gar bald gab's Streit und Kampf um fette Weide. 
Dem Stärkeren zu stehen seinen Mann 
Schuf schnell der Wille Wehr und Waffen an, 
Dort Schild und Panzer, dort ein Zangenpaar, 
Dort Dolch, da Lanze, da ein Hörn sogar. 
Und grimmig um das Dasein wurd' gerungen. 
Wenn endlich dann das Schwache war bezwungen, 
So ruhte wohl der Kampf auf kurze Zeit, 
Doch war man stets bedacht auf neuen Streit ; 
Drum sorgte eifrig jedes Elternpaar, 
Dass es durch Inzucht Starkes nur gebar. 
Und von dem Starken nur das Stärkste ward 
Der Schöpfer einer neuen, höhern Art. 
Familien-Erbstück bUeben Wehr und Waffen, 
Die sich im Kampferprobt; ganz neu geschaffen 
Ward durch den Willen, was zu fehlen schien. 
Geprüft, kassirt, verworfen ward durch ihn, 
Verändert und verwandelt, umgestaltet, 
Was einst wohl praktisch war, doch nun veraltet. 

Wer kennt die Mittel und die Wege air, 
Wer nennt der Milliarden Jahre Zahl, 
Durch die in Kampf und Ruh, in Not und Fülle 
Ganz neue Tiergeschlechter schuf der Wille ? 
Ich weiss es nicht und will's auch nicht verhehlen ; 
Drum lasst Euch von Gelehrteren erzählen. 
Wie zum Exempel einst den Füegen, Mücken 
Am Maul ein Schnabel wuchs zum Beissen, Picken, 
Wie sie auf Zwei die Beinzahl reducirt, 
Das Uebermaass sich selber amputirt 
Und Vögel wurden; wie zu Armadillen 
Die Kellerwürmer werden; wie die Grillen 
Als Unken stöhnen, teils als Frösche quacken ; 
Wie wiederum langbein'ge Wiesenschnacken 
Gemessen hinstolzir'n als Storch und Reiher; 
Wie sich die Bien' als plumper Wiederkäuer, 
Mit Kraut den einst'gen Honigmagen stopft; 
Wie flink als Känguruh der Floh dort hopft; 
Wie damals Ammenzeugung oder wie 
Parthenogenesis mit leichter Müh 
Der Krokodile Raubschaar in den Sümpfen 
Zu schaff*en wusste aus Libellen-Nymphen; 



— 182 — 

Wie endlich — wenn der Wille kam abhanden — 

Geschöpfe sonderbarster Art entstanden, 

Nicht Fisch, nicht Vogel, nirgend recht zu Haus : 

Die Flugeidechse und die Fledermaus, 

Das Schnabeltier, der Wallfisch und so weiter; 

Wie letzterer Appetit bekam auf Kräuter, 

Die dort am Ufer sprosstcn ; und wie dann 

Sich Kopf und Leib zu dehnen flugs begann ; 

Wie, voller Sehnsucht nach dem fernen Grase, 

Mit dicken Beinen und mit langer Nase 

Als Mammuth aus dem Meer der Wallfisch kroch ; — 

Wie dies geschehen und vieles Andre noch, 

Das Alles — wie gesagt — lasst Euch von Leuten, 

Die mehr davon versteh'n, gehörig deuten; 

Wir aber wollen sagen, was geschehen 

Und wie es später hier hat ausgesehen. 

Gewaltig Leben barg der Sümpfe Schooss : 
Umrauscht von Schachtelhalmen, riesig gross, 
Zog stumm Ichthyosaurus seine Strasse; 
Plesiosaurus reckt zum gier'gen Frasse 
Den langen Hals ; hinflattemd in die Weite 
Schoss Pterodaktylus auf seine Beute ; 
Indessen am Gestad' im Wiesengrün 
Rhinoceros- und Mammuthheerden ziehn 
Und Schilf und Gras behaglich langsam weiden. 
Doch Ruh und Frieden will Natur nicht leiden : 
Dazwischen fährt mit Hast und wilder Gier 
Wolf, Löwe, Bär und andres Raubgetier; 
Es bebt die Erd' vom Tritt der Riesenleiber. 
Die Luft erfüllt das Wutgebrüll der Räuber. 
Es flieht erschreckt in's dunkle Waldrevier 
Das schwache Volk der Hasen, Hirsche, Rehe; 
Zum Bau schleicht heimlich Fuchs und Dachs ; zur Höhe 
Stürzt Antilop' und Gems* in kühnen Sätzen ; 
Indess scharf witternd ihre Schnäbel wetzen 
Auf sicherm Fels schon Geier, Adler, Weih, 
In Kreisen nahend, wenn der Kampf vorbei. 

Jahrtausend auf Jahrtausend ging und kam, 
Und Kampf und Morden gar kein Ende nahm ; 
Doch könnt* es anders sein ? — Nicht jeder Magen 
Ist so gebaut, dass er kann Kraut vertragen; 
Und weil nun einmal manchem Tiergeschlecht 
Nur Fleisch behagt, so war es gar nicht recht 
Von jenen Andern, dass sie Umstand' machten, 
Sich nicht freiwillig meldeten zum Schlachten, 
Sich böswiUig entzogen, wehrten gar; — 
Man sieht, Vernunft war damals noch sehr rar; — 
Und fortbestehen musste drum der Streit, 
Bis mehr Vernunft sich fand. 



— 183 — 



Sie kam die Zeit, 
In der nach furchtbar langem Kampf und Morden 
Die Tierwelt war des Kampfes müd geworden, 
Hinfort in Ruh und Frieden mit den Andern 
In Lieb' und Freundschaft wollt' durch's Leben wandern; 
Vernünftig Leben wollt' ein Jedes führen, 
Vernunft nur sollt' der Tiere Reich regieren. 
Und was der Wille wollte, kam zu Stand, 
Der tiefste Friede kam auf Meer und Land. 
Gemütlich promenirten Bär und Ziege, 
Denn sorglich sass der Tiger an der Wiege ; 
Die Wölfin treu den Lämmern Nahrung reicht*, 
Als Schäfchen trocken stand; der Löwe scheucht' 
Dem Mammuthweibchen Fliegen von der Nase, 
Und friedlich spielten Katz und Maus im Grase. 
Wie war so schön das Leben und so süss ! 
Es ward die Erde jetzt das Paradies, 
Von dem die heil'gen Bücher uns erzählen. 
Es war zu schön ! Drum könnt* es auch nicht fehlen, 
Dass aus der Freundschaft endlich Liebe ward. 
Und was sich liebte, bald auch fand und paart'; 
Das Zarte schmiegte an das Starke sich 
Und Wildes buhlt um Mildes minniglich. 
Nur eins wollt' anfangs noch nicht immer passen : 
Sich von dem Liebsten nämlich fressen lassen; 
Allein auch dieses Vorurteil verschwand, 
Weil Lieb' grad' darin ächte Liebe fand, 
Dass man vor vielen andern sie erkor. 
Gefressen wurde also nach wie vor; 
Doch jetzt aus Liebe nur, und Gross und Klein 
Es wollt' partout vor Lieb' gefressen sein. 
Bei so viel Liebe konnte vor der Hand 
Vernunft nur schwach vertreten sein; doch fand 
In den Geschlechtern allen, die im Lieben 
Nicht bei der Väter simpler Art verbheben, 
Ein merklich höhres Maass Vernunft sich schon. 
Der Wille nämlich Hess, trotz Reaktion, 
Nicht ab von der einmal gewählten Richtung, 
Schuf neue Art durch rationelle Züchtung, 
Sah bei der Zuchtwahl, Inzucht jederzeit 
Mehr auf Talent, als Lcib'sbeschaffenheit. 
Als endlich dann nach Zeiten, ewig langen, 
War Art nach Art entstanden und vergangen, 
Da kam, — war's Absicht, war «s Zufall nur? 
Tat's rationelle Züchtung, tat's Natur? — 
Da kam, — aus welcher Ehe weiss man nicht, — 
Ein wunderliches Wesen an das Licht, 
Das erste, das Vernunft in sich erkannte. 
Nicht Tier wollt' heissen, nein, „der Mensch^ sich i^nnte. 



— 184 — 

Wer Vater, Mutter, wer die Ahnen waren — 

Es hat*s bis dahin Niemand noch erfahren ; 

Doch kann/ wie tiefs auch imsem Stolz mag kränken, 

Fin klarer Geist sich leicht die Sippschaft denken, 

Die an dem Meisterstücke der Natur 

Aktiv beteiligt war; man sehe nur 

Das komische Gemisch der Eigenschaften, 

Die erb- und eigentümlich an ihm haften: 

Wie edel, offen, ehrlich und wie treu — 

Und wie gemein, heimtückisch, falsch dabei ; 

Wie feig*, erbärmlich, rachsüchtig — und wieder 

Wie kühn, hochherzig, grossmütig und bieder; 

Wie sanft, geduldig, nur auf Lieb' bedacht — 

Und störrig, gierig, plump und ungeschlacht! 

Wer sehen will und lässt sich's nicht verdriessen, 

Wird leicht aus seinen Passionen schliessen, 

Was Zuchtwahl einst in Lieb* für ihn verband, 

Wo Inzucht einst den günstigen Spielraum fand ; 

Kurz, wer nur ehrlich will sich selbst erkennen. 

Kann seine ganze Ahnenreihe nennen. 

Um zweierlei ist bei Gelehrten Streit, 
Zum ersten : ob in jener alten Zeit 
Ein einz'ger Mensch, ob viele sein geschaffen; 
Zum zweiten: sein Verhältniss zu dem Affen. — 
Hört, was darüber Unbefangene meinen I 
Wär's Zufall nur, dann schuf Natur nur Einen ; 
Doch weil's auf rationelle Art geschah, 
War'n sicherlich gleich viele Menschen da, — 
In Ost und West, im Norden und im Süden, — 
Die nur im Habitus sich unterschieden, 
Sich nach den Aeltem formten so und so. 
Just wie sich formen Phaggas, Merino. 
(Excüse, dass wir so etwas erwähnen!) — 
Nicht immer traf Natur in ihren Plänen 
Das Richtige, hat Tiere oft gepaart. 
Die Zuzucht gaben widerlicher Art; 
So gings ihr aus Versehen mit dem Affen, 
Den sie zu gleicher Zeit mit uns geschaffen; 
Da's nun ein Seitenzweig ist unsrer Ahnen, 
Dem sie ihr Dasein danken, so gemahnen 
Nicht bloss Manieren, auch Familienzug 
An die Verwandtschaft ; — doch davon genug ! — 

Der Mensch war da ! Nicht d i e, nicht das, nein der! 
Doch unter allem Vieh allein, nur E r ! 
Wo könnt er S i e wohl suchen, S i e wohl finden. 
Mit ihr sich züchtig-züchtend zu verbinden? 
In jene Sippschaft da hinein zu frei'n, 
Fiel ihm aus Stolz selbst nicht im Traume ein; 
Doch weil die Art erhalten werden musste 



— a85 — 

Und er vor Lieb', sich nicht zu retten wusste, 
So macht' er's nach der Urgeschöpfe Art, 
Vermehrt' durch Teilung sich — und fein und zart 
Entstand, — zum Aergemiss der ganzen Sippe — 
Sein zweites, schön'res Ich aus seiner Rippe. 
Verwundert bhckte Eins das Andre an, 
Bis Ich und Ich verschmolz zu Weib und Mann. 
Doch mit der Liebe Glück, das er gefunden, 
War von der Erd' das Paradies verschwunden ; 
Denn Stolz und Hochmut, Herrschsucht und Gewalt, 
Und Rachsucht anderseits, sie fachten bald 
Den alten Kampf ums Dasein wieder wach, 
Der fortbesteht bis auf den heutigen Tag. 

Was sich seit jenen längst vergangenen Tagen 
Auf unsrer Erde Alles zugetragen, 
Wie sich das menschliche Geschlecht gemehrt. 
Wie es der Tiere Herrschaft hat zerstört. 
Wie Mensch mit Mensch gekämpft hat und gerungen, 
Wie viel, wie wenig er sich selbst bezwungen, 
Was Alles er ersonnen und erdacht. 
Wie weit er's in Vernunft bis jetzt gebracht, 
Kurz, wie und was denn bis zu dieser Frist 
Das stolze Menschentier geworden ist : 
Das ist von Leuten, hoch- und unstudirt, 
In sehr viel tausend Büchern registrirt; 
Allein was mit uns später wird gescheh'n. 
Ob wir bestehen, ob wir untergeh'n. 
Und was das Endziel sein mag alles Strebens, 
Davon was zu erfahr'n, sucht man vergebens 
In allen Büchern. Darum sei zum Schluss 
Noch kurz gesagt, wie's kommen wird und muss. 

Da nach Vernunft der Wille einmal strebt, 
Der Mensch als Mensch — auch wenn er ewig lebt — 
Doch nimmer wird das volle Maass erringen, 
Weil Erdenlust und Weh den Leib bezwingen ; 
So ist es sonnenklar und keine Dichtung, 
Dass, — wenn der Mensch durch rationelle Züchtung 
Die höchste Menschenstufe hat erreicht, — 
Er einem höheren Geschlechte weicht. 
Wie dies geformt, was es wird trinken, essen, 
Das Alles liegt in Dunkelheit; indessen 
Muss Jeder, der nicht blind ist, eingestehen: 
Des Menschen Herrschaft muss dann untergeh'n. 
Wie er's mit seinen Ahnen einst getan. 
So sehn auch die ihn nur von oben an. 
Und er, der einst so stolze Herr der Erden 
Muss sich gehorsamst beugen, — Haustier werden. 
Was er mit seines Geistes höchster Kraft 
Errungen hat in Kunst und Wissenschaft, 



— 186 — 

Wie weise und geschickt er sich auch dunkt — 

Die neuen Herren nennen es Instinkt, 

Im allerbesten Falle Kunsttrieb nur, 

Ein räthselhaftes Etwas der Natur, 

Das sie durch Zuchtwahl, Inzucht kultiviren, 

Zuletzt als Race-Eigenschaft fixiren. 

Wozu ein jedwed Stflck am besten Uugt, 

Dazu wird es gezüchtet und verbraucht: 

Üb demzufolge man die Korpulenten 

Zum Schlachten vorzugsweise wird verwenden, 

Darüber Iftsst sich vor der Hand nichts sagen, 

Da Niemand weiss, ob sie Anthropophagen, 

Ob Andersfresser sind. So viel ist klar: 

Der Hochmutsteufel, der im Menschen war, 

Wird sich nicht mehr behaglich in ihm fühlen, 

jMs Weltschmerz nun sein Inneres zerwühlen ; 

Denn weltschmerzhch muss ihm zu Mute sein, 

Wenn's heisst: „Hetz, Hetz, Schmidt! treib' die Schafe eini' — 

,Hc, Schnitzel cousch' dich schön! Bewach* das Haus! 

,Pa8s auf! und lass hier Niemand ein und aus!' — 

Und: .Müller Du! Allons ! such! schiess den Hasen!" 

Ja. ja ! so kommt es einst ! — Rümpft Eure Nasen 
So viel Ihr wollt, ich kann*8 nicht ändern ! — Drum : 
Geht mit dem heben Vieh vernünftiger um ! — 

Einst hat auch dies Geschlecht vollbracht den Lauf ,* 
Und viele andre steigen ab und auf 
In stetig wachsender Vollkommenheit 
Wenn endlich dann nach langer, langer Zeit 
Fast wesenlose Wesen leben werden. 
So zarter Art, dass heft'ge Leibbeschwerden 
Zu viel genossner Mondschein ihnen macht; 
Dann endlich; endlich ist die Zeit vollbracht: 
Durch Zuchtwahl, Inzucht und nach Kampf und Müh 
Entsteht nun endlich Gott nach Darwins Theorie. 

Und fragt Ihr noch zum Ueberfloss : »Was dann ?"* 
So merket auf: Nichts stille stehen kann! 
Man lenk*, wohin man will den Forscherblick, 
Was nicht mehr vorwärts strebt, das geht zurück ! 
Und weil nun Gott schon so vollkommen ist, 
Dass Vorwärtsgeh*n ihm ganz unmöglich ist. 
So muss auch er allmählig rückwärts gehen, 
Aus Gott drum endlich wieder Nichts entstehen. 
Dann ist zu End* das erste Weltenjahr — 
Was dann geschieht, das mach* ein Andrer klar! 

^'^) S. 39. Einen vollständigen Bericht über die Erfindung 
Sönimerrings hat Staatsrat Homel im Bulletin de V Academie de 
St. Petersburg 1860 erstattet. 



— 187 — 

^*) S. 47, Diese Akten waren längere Zeit nicht zu finden. 
Th. W. 1869 N. 7. 

^^) S. 47. Darüber sagt Heise, Bau- und Kunstdenkmäler der 
Provinz Westpreussen Heft VI S. 153b : Im Eingange der Kapelle 
des südlichen Kreuzflügels ist ein Stein mit gotischen Majuskeln 
als Treppenstufe verwandt. Auch in der Turnihalle befinden sich 
mehrere Stücke mit gleichen Buchstaben; auf einem Hess sich noch 
die Jahreszahl MCCCXI deudich entziff*ern. Höchst wahrscheinlich 
ist dies der Grabstein des Hochmeisters Siegfried von Feucht- 
wangen, gestorben 1311, beigesetzt zu Kulmsee in der Kapelle 
St Juttae". Vgl. Pr. Prov.-BI. 1850. S. 23—25. Die Tatsache war 
also schon vorher bekannt. 

2^) S. 4g. Das Gedicht hat nach der Th. Z. N. 244 folgenden 
Worüaut : 

Die ihr nach seinem Namen euch genannt. 
Ist euch sein Name denn das einzige Band, 

Das uns zusammenkettet ? 
Fst's nicht der Geist, den Koppemick entband, 
Als er das Gottgesetz des Weltbaus fand, 
Vor dem der tausendjährige Wahn entschwand, 

Drin faul die Menschheit sich gebettet? 
Sein Geist, sein hoher Geist, der stolz und frei 
Zerbrach das Joch der Glauben^ tyrannei, 

Sein Geist soll uns durc*. lodern ! 
Hier — nach dem Geist (Fall?; despotischer Barbarei — 
Kling's laut: Die Zeit der Dämmerung ist vorbei ! 
Der Codex der Gedankensklaverei 

Werd' eingesargt, um zu vermodern. 
Auf eignen Füssen hoch und herrlich steht 
Der freien Menschheit Göttermajestät, 

Und lüblt sich doch so nichtig, 
Wie Blumendufthauch in die Luft verweht, 
Wie einer Wolke Silberschaum zergeht; 
Mit seiner Erdenrindc fällt und steht 

Dies Menschendasein traumhaft flüchtig ! 
Du stolzer Erdball, einst als Mittelpunkt 
Vom Weltall hast du hochmutsvoll geprunkt : 

Wie schrumpftest du zusammen ! 
Seit Koppernick und Kepler ward ein Punkt, 
Ein Pünktchen Staubes, wesenlos verjungt. 
Was sich ein Tronsitz Gottes hehr gedünkt ! 

Jetzt Funke nur von Sonnenflammen ! 
Und wie in Demut ihre Mutter sank. 
Sinkt langsam auch die Menschheit! Nicht mehr lang', 

Und niemand wird's begreifen. 
Wie einst in übermütigem Glaubensdrang 



— 188 - 

Dies Erdenwurmgescblecht sich aufwärts schwang 
Zum lächerlich erträumten Götterrang ! — 

Den Purpur lässt sich's bald entstreifen. 
Dasselbe Gottgesetz regiert die Welt, 
Die unermesslich sich im Schweben hält, 

Regiert die Erdenformen, 
Lenkt auch das Schicksal der Gedankenwelt 
Und ihrer Träger, der Gehirne, stellt 
Den Pyramidensteinberg wie das Zelt. 

Des Hirten auf nach festen Normen, 
Gesegnet sei, du neuer Geistestag I 
Was dunkel einst verhüllt in Ahnung lag, 

Schon sehn wir's lichtvoll stralen ! 
Ein adliges Geschlecht, aus finsterm Hag 
Entkeimt, bis es hervor im Siegslauf brach 
Zur Erdenherrschaft: das sind wir! — Wer mag 

Die Menschenglorie schöner malen?! 
Kein Himmelslehrherr gab uns Unterricht 
Im Paradies ! Kein Engelsangesicht 

Wies uns die rechten Bahnen ! 
Und gleichen wir nun doch den Göttern nicht? 
Ist die Geschichte noch ein Wahngedicht? 
O Geist, aus Erdenglut und Sonnenlicht 

Wardst du zur Seele unsrer Ahnen ! 
Die Tieren gleich gehaust in Sumpf und Wald, 
Gorillaähnlich, furchtbar von Gestalt, 

Seht ihre Enkel heute ! 
Der Donner, der vom Götterhimmel schallt. 
Verstummt, wenn ihr Kanonendonner hallt ! 
Die Erd* umblitzt ihr Geist — und trotzt auch bald 

Des Ozeans empörter Meute ! 
Und mehr ! Wir wissen, wie die Welt entstand ; 
Wir ahnen das geheimnisvolle Band 

Des Stoffs und der Gedanken. 
Des Denkens Einmaleins, ist's nicht verwandt 
Dem Sternkreislauf am fernsten Weltenrand ? 
„Eins ist Gehirn und All !** So jaucht entbrannt 

Der Denker, frei von Glaubensschranken ! 
Heil allen, die vom sichern Wissensport 
Den Wogenkampf der Gläubigen schaun! Uns dorrt 

Die Seele nie verzagend. 
Wir sehn zufrieden rückwärts: ^ streben fort, 
Und baun getrost auf das Profetenwort : 
„Vernunft und Wissenschaft der Menschheit Hort, 

Die Zeiten siegreich überragend !** 
Wir kennen keinen hohlen Unterschied 
Des Glaubens und des Stammes ! Uns umzieht 

Ein Band mit allen Wesen! 
Ameisen gleich, mit fröhlichem Gemüt 



— 189 — 

Schafft jeder für sich selbst hoffnungdurchglübt, 
Bis einst das tausendjährige Reich uns blüht, 
Von dem wir bei den Juden lesen ! 

**) S. 55. Janson wurde am 25. Mai 1810 als Sohn eines 
Kaufmanns in Danzig geboren, besuchte dort das Gymnasium, und 
studirte dann in Königsberg und Halle Philologie. Die ersten 6 
Jahre seines Lehramts brachte er in Gumbinnen zu, wo er sich 
auch verheiratete ; die folgenden 10 oder 12 in Rastenburg. Durch 
Tausch mit dem Professor Kühnast kam er 1846 an das Thorner 
Gymnasium. Seine gediegenen Fachkenntnisse, seine Anspruchs- 
losigkeit und Menschenfreundlichkeit erwarben dem kleinen, hageren, 
bleiqhen Mann mit den eckigen Bewegungen und der stets aufge- 
räumten Laune die Zuneigung seiner Amtsgenossen und Schüler, 
So sehr er es liebte, sich auf sein Fach zu beschränken, so ver- 
stand er doch von da aus auch weitere Gebiete der Wissenschaft 
mit hohem und weitem Blicke zu umfassen ; indessen schrieb er 
fast nur in griechischer Sprache, oder über sie in lateinischer. 
Manches Fest und manchen Freund hat er in tadellosen griechischen 
Versen besungen. Ein grammatisches Werk wurde während seiner 
letzten Krankheit fertig. Seine Kränklichkeit zwang ihn schon 1868 
seinen Abschied zu nehmen. Er erlag ihr in der Neujahrsnacht 1870, 

^) S. 64. Coppernicus, Ein dramatisches Gedicht von Adolf 
Prowe. Berlin, Weidmann 1874. 

20) S. 65. Die vierte Säcularfeier der Geburt von Nicolaus 
Coppernicus. Thorn 1874 S. 117— 185. — Die Versendung des in 
zweierlei Ausstattung hergestellten Festberichts an Herrscher, Be- 
hörden, Grussspender und Mitglieder beschäftigte den Verein das 
ganze Jahr durch. Das erste Exemplar lag am 19. 2. 1875 vor. 

2^) S. 66. Auch die Festberichte sendeten sich die beiden 
Vereinigungen gegenseitig zu. Der polnische war von Polkowski 
abgefasst, dem ein Exemplar des deutschen laut Prot. v. 7. 6. 75 
zuging. 

2*^) S. 66. Die Gesammtkosten der Jubelausgabe wurden auf 
iioo Thlr. berechnet, von denen 332 Thl. auf die den Bearbeitern 
bewilligten Entschädigungen fielen. Die Reise Curtzes nach Prag 
war darin nicht einbegriflfen. Die noch verbleibenden 400 Thl. 
wurden dem Verein zur Herausgabe des Festberichts, des Festge- 
dichts und der Uebersetzung belassen. Diesen Zwecken sollten 
auch die durch den Verkauf zu erzielenden Einnahmen dienen, ein etwa 
noch sich ergebender Ueberschuss der Stipendienstiftung zufliessen. 



— 190 — 

^) S. 73. Galle, Erinnerungen an Nie. Coppernicus, Vortrag 
in der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur, abge- 
druckt in den Preussischen Provinzialblättern. 

*•) S. 73. Boncampagni sandte ein Verzeichnis der in seiner 
eigenen Druckerei hergestellten Werke, und stellte dein Verein 
anheim sich auszusuchen, was ihm noch fehle (29. 6. 74). 

***) S. 73. Hipler, Die Porträts des Coppernicus. 

'*) S. 73. Karlinski übersendete u. a. die Phototypen eines 
alten Wittenberger Holzschnitts, Nik. Koppernigk darstellend. 

'^} S. 75. Der Bischof von Fossombrone, Paul v. Middelburg, 
hatte auf dem Lateranischen Konzil (1512— 17) eine Kalenderreform 
beantragt, und war zum Vorsitzenden der dafür eingesetzten Kom- 
mission ernannt worden Er ersuchte auch Nie. Coppernicus um 
ein Gutachten ; dieser aber lehnte ab unter Hinweis auf die zu 
geringe Genauigkeit in den Bestimmungen des Sonnen- und Mond- 
laufes. Er selbst aber setzte, wie er in der Widmung an Papst 
Paul III. erklärt, seine Bemühungen um genauere Bestimmung 
desselben fort. Curtze, Nie. Coppernicus S 28. 

^*) S. 76. Die Büste hatte der Verein eigens angeschafft. 

'*) S. 76. Das Freie Deutsche Hochstift hatte für dies 
Weihegeschenk 3960 M Ausgaben und 2470 M. Einnahmen, 
musste sonach selbst 1490 M. beisteuern. 8. 5. 76. Unser Zweig 
kostete 30 M. 

'^) S. 78. Malagola erwartete für das Buch über Urceo Codro 
eine Beihülfe seitens unserer Stadt, und wollte es dann dem 
Magistrat widmen. Der Verein stellte einen solchen Antrag nicht, 
erbot sich aber die Reichsbehörden um eine Subvention anzugehen, 
abonnirte auch auf 5 Exemplare, und empfahl auch andern Ver- 
einen die Vorausbestellung. 12. 6. 76. Weitere 10 Stück bestellte 
er am 7. 8. 76. Malagola ermächtigte den Verein, die auf Cop- 
pernicus bezüglichen Teile in deutscher Sprache zu veröffentlichen 
(4. 9. 76). 

•*) S. 81. Das Gedicht (vermutlich von Müller) lautet: 
*s ist alles, alles Staub auf Erden ! — Von Staub wir sind, zu Staub wir 
werden, — und bei dem staubigen Lebenslauf — Ohn* Ende wirbelt viel Staub 
noch auf. — Der Blütenstaub fliegt über Feld und Wald, — Sckwefel sich gar 
dem Kothe entballt. — Die Salze, Erden, Steine, Metalle, — sie werden ge- 
rieben zu Staub, sie alle, — und fliegen dahin über Meer und Land, — und 
bringen uns Krankheiten allerhand. — Beschliesst dann einer, ich geh nicht 
aus, — bleib lieber fein stiU in meinem Haus, ~ o weh ! Mit dem Staubtuch 
in eifrigen Händen — gehfs über den Staub her an Möbeln und Wänden. — 
Selbst Schul-, Bücher- und Aktenstaub — wird Staubtuches und Fegers Raub.— 
Kaum dass er sich eben nur wieder gesetzt, — wird erbarmungslos in die Luft 



— 191 - 

er gehetzt — Sogar auf den Strassen musa er fliegen; — denn lassen die Schlep- 
pen ihn auch noch liegen^ — so stellt sich gar oft noch ein Biedermann ein, — 
um anderen Staub in die Augen zu streun. — Oft will man wohl gar in den 
Staub uns treten, — da soll man im Staube liegen und beten : ~ Dann ist's das 
Best', aus dem Staub sich zu machen, — um fern von dem Staube vor allen 
Sachen — den Rest von Staub hinunter zu spülen. — Und sollten ein gleiches 
Bedürfnis Sie fühlen, — so wollen wir schlürfen den edlen Trank — dem hoch- 
geehrten Staubredner als Dank. — 

•') S. 82. In dem Aufsatz „Nicolo Copernico e 1' Archivio 
Universitario di Padova" legt Favaro dar, dass alles, was von den 
Studien des C. in Padua und von seiner Promotion daselbst erzählt 
wird, auf Fabeln beruhe, da die dortige polnische Station erst seit 
1592, und auch die deutsche erst seit 1553 bestanden habe. Doch 
vgl. 8. 4. 78 N. 8. Favaro selbst teilte damals mit, dass Boncam- 
pagni ein neu gefundenes Dokument veröffentlicht habe, enthaltend 
das juristische Doktordiplom des C, in welchem das Studium des 
C. in Padua bestimmt behauptet werde. 

**) S. 85. Ladenpreis 1,60 M. Der Verein bezog für seine 
Mitglieder 75 Exemplare zu 75 Pf. 

*^) S. 85. Von den auf die Abkunft der Familie Koppernigk 
aus Schlesien bezüglichen Mitteilungen sei hier besonders erwähnt 
die sorgfältige und reichhaltige Abhandlung von A. Knoetel „Die 
schlesisch-glätzische Herkunft des Nicolaus Coppernicus" in der 
Neuen niedersehlesischen Zeitung, Glogau am 22. 4. 94 ff . K. weist 
eine grosse Zahl Koppernigks nach, welche, vielleicht verschiedenen 
Familien angehörig, bei dem Kupferbergwerk Koepprichen in der 
Nähe von Silberberg beschäftigt waren, und wahrscheinlich dem- 
selben den gemeinsamen Namen verdankten. Sie verbreiteten sich 
sodann nach Frankenstein und vielen andern schlesischen Orten. 
Nicht wenige wanderten auch nach Krakau und Thorn, wie Kn. 
eingehend nachweist. Vgl. S. 112. 

**) S. 87. Schon im J. 1863 wurde von hiesigen Damen eine 
Jean-Paul-Siiftung geplant, „aus welcher den Zöglingen der 
Mädchenfreischule, nicht allein gegenwärtig, sondern auch nach ihrer 
Entlassung aus dieser Anstalt noch weiterhin die Mittel und Wege 
zu einer anständigen und lohnenden Beschäftigung dargeboten 
werden sollen, sofern sie nicht sogleich in einen verhältnismässig 
guten Dienst eintreten können." Th. W. 63 N. 25. Hierin kann 
man den später in eine höhere Lebenssphäre verpflanzten Keim des 
Gedankens der Jungfrauenstiftung finden. 

**) S. 87. Aus dem Nachlass ihres Oheims Hermann Schwartz 
in Leopoldsdorf bei Wien übergaben die Herren Ad. und Herrn. 



~ 192 — 

Schwartz dem Magistrat noch 6000 M. behufs eines anderweitigen 
Stipendiums. 

*2) S. 92. Der Landrat Hoppe berichtete über diesen Vortrag 
dem Sohne des Verstorbenen, dem Minister des Innern, der dem 
Verein seinen Dank schriftlich aussprach. Ihm, wie dem Oberzere- 
monienmeister V. Eulenburg und der hinterlassenen Witwe wurder 
Exemplare des Festberichtes übersendet (9. 6. 79). 

*') S. 93. Auch die österreichisch-ungarische Regierung hatte 
sich erboten den Druck auf ihre Kosten zu übernehmen. 3. 5. 80. 

**) S. 97. Nach der am Geburtshause von Bruhns seitens der 
Bürgerschaft Leipzigs angebrachten Gedenktafel verliess B. seine 
Vaterstadt als Schlossergeselle. 

*^) S. 98. Der Vortrag erschien in der Vossischen Ztg. 1893 
N. 586 2. Beil. 

**) S. 99. Als Buch erschienen : Beiträge zur Geschichte der 
Stadt Thorn von Dr. Ernst Kestner. Thorn 1882. 

*^) S. 102. Kaltenbrunner hatte eine (treffliche, sagt Prowe) 
Abhandlung „Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalender- 
Reform" in Wien 1876 erscheinen lassen. Die Stelle in unsem 
Mitteilungen, auf welcher er sich in dieser Richtigstellung bezieht, 
habe ich nicht gefunden. In Uebereinstimmung mit ihr sagt Curtze 
(Nie. Coppernicus Berlin 1899, S. 28) von den Forschungen des 
Coppernicus über die Länge des tropischen Jahres: „Sein Resultat 
entspricht genau den der späteren Gregorianischen Reform zu 
Grunde Hegenden Annahmen, die zum Teil auf ihm beruhen." 
Ueber diese am eifrigsten von Paul von Middelburg, Bischof von 
Fossombrone, betriebenen Reformbestrebungen und den Anteil des 
Coppernicus daran s. L. Prowe I, 2 S. 65 flf. 

*^) S. 104. Forbiger, Hellas und Rom ; davon der 3. Band 
bearbeitet von Prof. A. Winckler in Kolberg. 

*^j S. 106. Antonio Favaro, La Vita di Nicolo Coppemico 
segondogli Studii di Leopoldo Prowe, Roma 1884; G. Pellicioni, 
der erste Band des Werkes über Nicolaus Coppernicus von 
L. Prowe, 8. s. 1. e. a., Sonderabdruck aus einer Zeitschrift. 

*®) S. 115. Die Gedächtnisrede ist im Verlage von E. Lambeck 
gedruckt, und vom Verleger dem C.-V. gewidmet worden. 

^2) S. 117. Ich erwähne den Schulverein, den Kolonial verein 
und den Deutschen Sprachverein. 

^*) S. 133. Roesner war Stadtpräsident (Reg. Bürgermeister), 
als im J. 1724 jener Aufstand ausbrach, den man mit seinen Folgen 
als Thorner Trauerspiel kennt. Weil er nicht verstanden hatte, 



den gegen die Jesuiten gerichteten und von ihnen herausgeforderten 
Unfug im Entstehen zu unterdrücken, wurde er der Pflichtver- 
gessenheit, ja der Anstiftung beschuldigt, und von einem könig- 
lichen Assessorialgericht nach einem sehr willküriichen Verfahren 
zum Tode verurteilt. Es ist nicht streng erwiesen, aber wahr-, 
scheinlich, dass ihm die Begnadigung angeboten wurde, wenn er 
katholisch werden wolle. Jedenfalls bekräftigte er im Angesichte 
des Todes seinen evangelischen Glauben. Er wurde mit lo andern 
Bürgern hingerichtet. Ueber der Tür, durch welche er auf den 
Rathaushof und das Blutgerüst geführt worden sein soll, ist im J. 
1893 ^i^ ReUefdenkmal mit seinem Bildnis und Inschrift nach dem 
Entwürfe des Baurats Schmidt eingesetzt worden, und wurde bei 
Gelegenheit einer Provinzialversammlung des Gustav-Adolph- Vereins 
feierlich enthüllt. Die Mitglieder des V's waren bei den Samm- 
lungen stark beteiligt; auch war das Ereignis mehrmals in den 
Sitzungen eingehend erörtert worden. Aber als unkonfessioneller 
Verein konnte er sich nicht an der wesentlich religiösen Feier her- 
vorragend beteiligen. — 

"*) S. 137. Curtze legte dem Bericht über dieses Werk des 
Rheticus eine in der Münchener Bibliothek befindliche Abschrift von 
Praetorius zu Grunde ; ebenso dem über die Geometrie von Gerbert 
(Pabst Sylvester II) die älteste Handschrift derselben aus dem 
n. Jahrhundert. Die beiden ältesten deutschen Bücher über Al- 
gebra fand er in einer Handschrift aus dem 15. Jahrh. 

^^) S. 137. Wegen des bevorstehenden Kaiserbesuches (16. 
6. 94) war das Denkmal gereinigt worden, sah aber danach trübe 
un^ fleckig aus. Darauf liess das Bauamt es mit einer patinaähn- 
lichen Farbe streichen, und obwohl auch dieser Anstrich wenig 
Beifall fand, musste es doch dabei sein Bewenden haben. Mag sich 
nun das Auge gewöhnt oder die Farbe geändert haben, nach 
kurzer Zeit nahm niemand mehr Anstoss an dem Aussehen des 
Standbildes. 

^^) S. 139. Das Lied lautete : 

Mel. : Studio auf einer Reis'. 

Domherr war Coppernicus — Und ein grosser Pfiffikus. — Pfiffikus, Cop- 
pernicus, — Diese zwei geh'n aus auf — kus. 

Doch das hochgelahrte Haus — Selbst ging nie aufs Küssen aus ; — Denn 
die Astronomia — Dient* ihm als Coppernica. 

Wenn er nun sich statt studiert, — Hat er gern sich delektiert, — Sass 
fidel beim Thorner Wein — Mutterseelensternallein. 

Weil er nun ein grosses Licht, — Trank er viel und darbte nicht, — Bis 
er dann von innerm Glanz ~ Strahlte wie die Sonne ganz. 

13 



— 194 — 

Fohlt' er so sich sonnenhaft — Von des Weines grosser Kraft, — Dreht' 
ihm rings die Erde sich — Um und um ganz fürchterlich. 

Und so kam er zu dem Schluss, — Dass die Erd sich drehen muss, — 
Doch das grosse Sonnenlicht — Sitzt am Fleck und rührt sich nicht. 

Als er solches ausgeheckt, — Tat die ganze Welt erschreckt. — Endlich 
aber nahm sie's an : Jeder dreht sich, wie er kann. 

Freunde, drum für alle Zeit — Merkt, das Trinken macht gescheit. — 
Predigt wer, es mache dumm, — Schlagt ihn durch Coppernicum. 

*^) S, 146. lieber das Vordringen der Oesterreicher im Jahre 
^09 nach Warschau und Thom, sowie über den Stur;nangriff auf 
diese Stadt, bei welchem der Oberst Brusch v. Neuberg im 
BrOckenkopfe fiel, findet sich ein aus handschriftlicher Quelle ge- 
schöpfter Bericht im Thorner Wochenblatt von 1863 N. 75/7. An 
den gefallenen Truppenführer erinnert das ihm innerhalb des 
Brückenkopfes errichtete sehenswürdige Denkmal, und der volks- 
übliche Name des südwärts des Brückenkopfes gelegenen Brusch- 
kruges. 

*•) S. 146. Die Besichtigungen erstreckten sich auch auf das 
vom Realschullehrer Uhlenhuth modellirte Standbild Friedrichs des 
Grossen auf dem Hauptmarkte, auf die Gamisonkirche, frühere 
Bernhaj-dienerkirche, den schön angelegten Regierungsgarten und 
das neue Städttheater mit seinen vortrefflichen, auch für Thorn 
vorbildlichen Einrichtungen ; endlich auf das Gymnasialgebäude am 
Weltzienplatze, in dessen mit herrlichen Wandgemälden ge- 
schmückter Aula eine höchst reichhaltige Ausstellung von Alter- 
tumsfunden, Urkunden und Zeichnungen veranstaltet worden war. 
Das Frühstück wurde im Sauerschen Garten an dem rauschenden 
Brahewehr und gegenüber der ragenden Pfarrkirche eingenommen. 

*•) S. 148. Der Fund von Czemewitz gelangte nämlich nur 
zur Hälfte in das städtische Museum. Die andere Hälfte fiel dem 
Provinzialmuseum in Danzig zu. 

**) S. 149. Die Septem Sidera, d. h. 7 lateinische Gedichte 
von je 7 (nur das letzte von 9) horazischen Strophen, darstellend 
7 Szenen aus der Erwartung, der Geburt und der Kindheit des 
Heilandes, wurden von Joh. Broscius nach langem mühsamem 
Suchen in einer ermländischen Bibliothek aufgefunden und 1629 als 
Gedichte von Nie. Coppernicus herausgegeben. Von dieser Ausgabe 
ist nur ein Exemplar übrig geblieben (in Krakau). Erst in der 
Warschauer Ausgabe sind sie wieder abgedruckt worden. Hipler 
gab sie mit einer deutschen Uebersetzung 1857 heraus. Er schloss 
aus einer Andeutung des Broscius, dass Coppernicus seinen früheren j 
Freimd Dantiscus zum Gehülfen gehabt habe, der freilich ein viel- 



— 195 — 

fadi erprobter lateinischer Versemacher war, und gab diese Ansicht 
auch im Spicilegium Coppernicanum 1873 nicht auf ; doch fehlt es 
an jeder Gewähr, dass Coppernicus je ein Gedicht gemacht, oder 
dass Broscius den Namen des C. als den des Verfassers gefunden 
habe. Br. war ein angesehener Gelehrter. Wenn seine Freunde 
und Nachfolger seine Entdeckung ignorirten, so werden sie dazu 
ihre Gründe gehabt haben. Prowe hat daher (I, 2. S. 372 flF.) die 
Autorschaft des C. verworfen. 

®^) S. 150. Ein bedeutender Teil dieser Summe wurde von 
Nichtmitgliedern beigesteuert, sowohl in Thorn und Umgegend 
wohnhaften, als auch auswärts wohnenden, in Berlin, Danzig, 
Hamburg, London, Ladt. Man wandte sich an sie als an alte Thorner, 
von denen man wusste, dass sie für die Stadt Thom sich eine 
treue Zuneigung bewahrt hatten. Die Liste findet sich im Prot. v. 
21. II. 78 u. flF. 

*^ S. 152. Von den sehr anregenden Vorträgen seien hier nur 
die Mitteilungen des Vorsitzenden Dr. Jentzsch-Königsberg über 
Diatomeenlager von Ostpreussen, und über interessante Vorgänge 
beim ersten Aufblühen von Pflanzen erwähnt. Zu Schriftführern 
wurden Dr. Abromeit - Königsberg und unser pflanzenkundiges 
Mitglied Scholz gewählt. Den Haupttag beschloss ein fröhliches 
Abendessen. In Ottlotschin wurde das Tal der Tonzyna abge- 
sucht. — 

^^) S. 153. Johannes Heise starb am 15. April 1898. Einen 
wohlverdienten warmen Nachruf widmete ihm Baurat Steinbrecht 
in der Zeitschrift „Denkmalspflege". Den Denkmälern Thorns hat 
er nicht nur eine sehr liebevolle wissenschaftliche Bearbeitung 
angedeihen lassen, sondern wir besitzen auch den von ihm gezeich- 
neten Plan, nach welchem das Haus Bäckerstrasse 9 wiederherge- 
stellt worden ist. 

®*) S. 154. Als 1724 die Marienkirche den Evangehschen ab- 
genommen wurde, hielt die Altstädtische Gemeinde ihre Gottes- 
dienste im Artushofe ab. Dazu lieh ihr die Neustädtische Gemeinde 
eine Glocke, welche im Rathausturm aufgehängt wurde. An ihrer 
Statt bekam die Neustadt 1737 eine neue. Die so ins Eigentum der 
Altstädter übergegangene Glocke trägt die Inschrift : „Mit Gottes 
Hilf Gos Mich Daniel Tiem Anno 1648. Laudate Dominum omnes 
gentes." Im Jahre 1729 Hess die Gemeinde sich eine zweite 
giessen, die ebenfalls im Rathausturm ihren Platz fand, und die 
Whrift trägt : „Sit nomen Domini benedictum. Divino auxilio 
fudit me Michael Witt werk Gedani 1729.'' Da die Zeit drängte, 

t3* 



— 196 — 

so erwarben die genannten Herren die Glocken aus Privatmitteln, 
während zugleich die Stadtverordneten beschlossen sie für 540 M. 
zu kaufen. Der Magistrat trat diesem Beschlüsse bei. Die nun- 
mehr der Stadt gehörigen Glocken hangen noch jetzt an ihrer 
alten Stelle. 

•*) S. 162. V. Lossow hat dem Verein durch umsichtige 
Leitung seiner Verhandlungen, durch sach- und formkundige Um- 
arbeitung seiner Statuten, durch seine warme Liebe zu den reden- 
den und bildenden Künsten, durch kunstsinniges Verständnis und 
weltmännische Bildung vorzügliche Dienste geleistet. Es tut mir 
leid, aus seinem Leben nichts Näheres mitteilen zu können. 

•*) S. 164. Diese Schenkung begegnete einem lebhaften Inter- 
esse, weil damals über die ältesten Formen von Schiffsgefässen bei 
den verschiedenen Völkern eine Umfrage an die historischen Vereine 
ergangen war, an deren Beantwortung sich auch mehrere Mitglieder 
unseres Vereins beteiligten, und welche zu einer vielfach anziehen- 
den Darstellung der ältesten Fahrzeuge in der Zeitschrift des Ge- 
sammtvereins der bist. Vereine geführt hat. 

^) S. 165. Schmidt war geboren am 12. 10. 1853 in Hohen- 
stein bei Danzig. Sein Vater war Bahnmeister, liess ihn bis zum 
10. Jahre durch Privatlehrer unterrichten, und brachte ihn dann auf 
die Realschule in Danzig, an der er 1875 das Zeugnis der Reife 
erwarb. Nach der Studienzeit auf der Bauakademie in Berlin wurde 
er i88i Bauführer, arbeitete praktisch in Danzig, Goettingen, 
Kreuznach und Strassburg i. E., durchreiste aber dazwischen auch 
Italien, die Schweiz, Oesterreich und Frankreich. Die Baumeister- 
prüfung bestand er für Hochbau 1886, und arbeitete dann im Gami- 
sondienst in Berlin und Danzig. Ein Entwurf zu einem Gesell- 
schaftshause in Zoppot verschaffte ihm in weiteren Kreisen Aner- 
kennung. Nach Vollendung der ihm unterstellten. Bauten wurde 
er am i. i. 1888 nach Strassburg i. E. versetzt, aber am 7. 4. zum 
Stadtbaurat in Thom gewählt, welches Amt er am 16. 5. 1888 
antrat. Die hervorragenden Leistimgen in dieser Stellung zogen 
ihm wohl manchen Vorwurf zu, weil er gern schön und daher nicht 
billig baute, aber sie haben ihm doch auch nach seinem Ausscheiden 
(15. I. 1896) einen ehrenvollen Namen und ein unvergängliches 
Andenken an unserm Orte gesichert. Leider war seine Gesundheit 
infolge eines früheren Unfalls schwankend. Seine Reisen nach 
Aegypten und Palästina dienten zunächst ihrer Befestigung, trugen 
aber auch reiche Früchte für seine Weltkenntnis und architekto- 
nische Bildimg. Von Kiel zum Stadtbaurat gewählt, hat er sich 



— 197 — 

dieser Stellung nur kurze Zeit, und auch in dieser nur mit Unter- 
brechungen erfreuen können. Er starb in einer Heilanstalt in 
Berlin. Ueber die würdigste Art sein Andenken durch ein an einer 
Stätte seiner hiesigen Wirksamkeit angebrachtes Bildwerk zu ehren ^ 
sind die Ermittelungen noch nicht völlig abgeschlossen. — 



— 198 — 



Abeken 59. 69. 
Abendessen am 19./2. 

30. 49. 60. 61. 71. 

74. 93. 98. 104. 

142. 145. 153. 156. 

161. 
Absatz s Vertrieb. 
Abundantiabilder 68. 
Academia dei Lincei 

85 100 
Academia Rubiconia 8 1 

84. 86. 
Achenbach, Dr. v., 60. 

86. 88 92. 95 
Acta nationis Germa- 

norum in Bologna 

78. 85f. 90. 92f. 

98. 105. 108. 111. 

115. 
Adolpb, J. G. 17. 
Adolph, Hermann, 17. 

21.24f. 26.28f.31. 

35f. 37 52 70 77 

82. 88. 9lf 94. 97. 

99 101. 104. 116 

123. 176. 
Adolph, Konrat, 123. 

148. 151. 168. 
Adresse 153 
Aegypten 49. 84. 134. 

140. 164. 
Aennchen v. Tharau 

101. 158. 
Aerzteverein 159. 165. 
Aespinghi 81. 
Aexte 31. (s. Alter- 
tümer) 
Afrika 74 (Süd). 94 

(West) 109 (Mittel) 

124. 
Akademie, bayrische, 

d. W. 30. 
Akademie, Berlin 101. 

158. 
Akademie, Padua 86. 
Akademien 65 
Akropolis 80- 



Register. 

Aktien 137 (s. Obst- 
pflanzung). 

Albert, Prinz Gem ,101. 

Alberti 119. 

Albrecht, Herzog v. Fr., 
10. 11. 

Album 43. 53. 87. 100. 
122. 

Alexander, Dr., 155. 
„ V. Russ- 

land 63. 

Alexis, W., 157. 

Algebra 137. 140. 

Algorismus s. Nicolaus. 

Allenstein 84. 

Alpen 137. 

Alphabet 45. 

Altertümer 8. 13. 22. 
25f. 30. 46. 121. 
124. 127. 134. 142. 
166, 169. 

A Itertumsgesellschaft 
152. 

Altpreussische Monats- 
schrift 32. 34. 138. 

Altstädtische ev Kirche 
14. 18. 140. 145. 

Amazonenstrom 50. 

Amerika, Nord., 28. 
65.74.79f.l09.130 

Amerika, Süd , 50. 62. 

Amerikanische Bemer- 
kungen 166. 

Amor 137. 

Amtsgericht 150. 160. 

Analecta Warmiensia 
150. 

Anatomie 48. 108. 

Anden 50. 

Andriessen 116. 118. 
121f. 124. 130.132. 

Anger 11. 

Anna v. Schweden 163. 
169. 

Antediluviana Historia 
110 (s. Reimann). 

Anthropologie 153. 168. 



Anthropologische Ges. 

91. 94. 97. 138. 

152. 
Anthropometrisches 

Signalement 113. 
Antigone 44. 68. 110. 
Antik 101. 169. 
Appel 69. 82. 84. 88. 

Ulf. 117. 133. 

136f. 
Appulejus 137. 
Arabei'strasse 159. 163. 
Arabien 84. 98. (ar. 

Bericht). 
Arbeitsplan 17. 
Architektenverein 88. 

95. 
Architektur 50. 101. 
Archiv, städtisches 7. 

17f. 23 26. 28f. 

36- 39. 51 f. 56f. 

68. 79.87. 94f. 101. 

103. 114 120. 133. 

138. 141f. 143. 146. 

159 166. 170. 172. 

175. 
Archivalien 114. 134. 

159. 165 
Archivar 148. 158. 
Arco 109. 
Arenz 76 
Argenau 142. 
Argentinien 62. 
Ariost 74 

Aristoteles 110. 174f. 
Aris#oxenos 158. 
Armengesetzgebung 7 1 . 
Armillarsphaere 1. 
Arndt, E. M., 51. 
Arnold, Erwin, 95. 
Aronsohn 142. 
Artemidoros 143. 
Artushof 9. 36. 53. 61. 

64f. 76. 79f. 97. 

122f. 124f. 127. 

132. 134f. 139.150. 

152. 173. 



Asch. 142. 
Ashersleben 34. 
Ashburnham 109. 
Asien 88. 
Assmus 70. 98. 
Astrologie 28. 77. 92. 
Astronomie 5. 8. 12. 

33 38. 98. 129. 
Athen 77. 83 104. 143. 
Atlantis, Nova, 145. 
[ Atmung 95. 98. 
Atome 112. 
Atropin 116. 
Auerswald 27. 
Aufforderung 8f. 23. 

52. 133. 142. 
Aufgabe d V.'s 5. 21. 
Aufgaben 50. 133. 
Aufklärung 140. J43. 
Auflösung J40. 
Aufioahme, Art der, 

6. 17f. 36. 67. 69. 

123. 132. 140. 153. 
Augenkrankheiten 137. 
Augusta, Kaiserin, 72. 
Ausgrabungen 24. 28. 

36f. 44. 48. 60. 

94f. 98, 160. 163. 

170. 
Aussatz 62. 
Ausschmückung des 

Denkmals41.50.74. 

136. — der Brücke 

60. 73 ; der Ma- 
rienburg 105. 
^Ausstellungen 94. 97. 

108. 112. 146. 
Austausch von Funden 

104. 
Australien 28 
Auswanderung 74. 
Auswärtige Redner 165 
Babel 121. 175. 
Babylonier 129. 
Bache 94 
Bacon 106. 145. 
Badeanstalten 158. 
Bader 158. 
Bäekerstra6se6. 15^1. 195. 



199 — 



Baerwald 77. 103. 
Bail 65. 143. 170. 
Bakterien 175. 
Baldenburg 57. 
Balga 53. 

Balladen, engl., 113. 
ßallauf 67. 
Bänke 57. 74. 
Baranowski 59. 
Barbente 142. 145. 
Barclay de Tolly 2. 
Barczynski 91. 94. 
Barheine 39. 48. 
Barmen 44. 130. 
Bamick 7. 15. 
Barograph 125. 
Barschall 9. 
Bartels 66. 
Bator 153. 
Bauamt 137. 
Bauer 145. 

Bauerhäuser 159. 161. 
Baudenkmäler 16. 57. 

125. 
Baukunst 24, 28. 37. 

104 108. S. Arch. 
Baumwolle 31. 
Bauwerke 34. 133. 
Beccaria 38. 40. 
Beethoven 19. 
Behaim 107. 
Behrendt 52. 
Behrens 170. 
Behrensdorff 55. 84. 93. 

127. 
Beil a. Knochen 108. 
Beitrag der Mitglieder 

5. 67. 140. 177. 
Beiträge zum Denkmal 

4f. 36. 177. 
Beiträge s. Untersttt- 

tzungen. 
Beitzke 21. 

Bekenntnisse 105. 124. 
Beleuchtung des Denk- 
mals 98. 
Bell 84. 
Bender 1. 12. 60. 92. 

94f. 97f. 99. 101. 



104f.l09. 111.121f. 

123. 126f. 128. 130. 

J44. 156. 176. 
Benn 80. 84. 97. 
Beiing 103. 116. 
Berlin 8. 23. 29. 33. 

42. 46. 51. 66. 88. 
91. 94f. 103 llOf. 
118. 126. 138. 157. 
168. 170. 

Bemburg 167. 
Bernstein, der, 70. 
Berti 80f. 
Bessel 12. 
Besser, v., 157. 
Besuche 37. 134. 

146. 
Beutlerin 50. 
Bewahrverein 69. 
Beyer in Freystadt 25. 
Bibel 52. 74. 12». 175. 
Bibliotheca Coppemi- 

cana 46. 
Bibliothek d. V.'s 11. 

22f. 25. 31. 36f. 38. 

43. 46, 53, 56. 73. 
79. 83. 

Bibliotheken 86. 167. 

S Posen, Strass- 

burg, Toronto. 
Bidegast 143. 
Bilder 36. 38.90. 101. 

173. s. Coppernicus. 
Bildimg 164. 
Bildungsverein(pln.) 82. 
Bischoff 136 139.141. 

143f. 154. 156. 
Bismarck 59f. 63. 149. 
Bittgesuch (altes) 117. 
Bittrich 75. 
Blankenburg 74. 
Blaserna 81. 
Blitzgefahr 117, 
Blockha\i|s 76. 
Bluemel (Gollub) 25. 
Blumen 124, 158. 
Blumenbacb 62 69. 
Blutgericht 133. S. 

Thom, Trauwapiel. 



— 200 



Boeckh 11. 110. 
Boebm 84. 88. 
Boeszermeny 75. 
Boethke,Emil,27f.l26. 
Boethke, Karl, 15. 27. 

36. 40.44f.49f.5l. 

55f. 58. 61f. 70f. 

74. 77. 80. 84. 86. 

88. 92f- 94. 96—98 
101. 104. 106. 109. 
113f. 116. 121. 124. 
129f.132.184f.137. 
141.143. 145f. 152. 
154. 156. 158. 162. 
166. 169. 173. 175. 

Bobrungen 44. 47. 52. 
Boie, Baumeister, I22f. 

126, 128f. 
Boie, Gouverneur, 139. 

142. 
Bollmann 64. 66—68. 

73f. 78. 80. 
Bologna 50. 64. 75. 78. 

80.88.98. 101. 106. 

113. 119. 127. 
Boncampagni 45.51 .53. 

56. 73. 81f. 85. 136. 

167. 
Boodstein 40. 
Borchardt 139. 
Borchert 160. 
Bordeaux 67. 100.111. 
Borries, v. 62. 69. 
Botanik 94. 103. 108. 
Botanischer Garten 17. 

89. 53. 142f. 147. 
Botanischer Verein 38. 

150. 152. 195. 
Bot. zoologischer Verein 

86. 173. 
Brahe, Tycho, 113. 
Branno 170. 
Brauer 54. 
Braun 28. 84^ 88. 
Braunkohlen 17. 47. 

177. 
Braunsberg75. 133149. 
Breitkopf 68. 75. 119. 
Bremen 165. 



Breslau 33. 41f. 56. 60. 

65f. 77. 84f. 105. 

127. 144. 164. 
Briesen 44. 48. 54. 145. 

154. 157. 160. 
Brohm, C. F. A. (Di- 

rector) 110. 
Brohm, Rud. 4. 9. 10. 

16—22.24—26.28. 

31f. 36. 38—41. 

44—47,49—51.54. 

56. 58. 62. 69f. 74. 

81—84. 86. 91. 93. 

95. 97. 101. 110. 
Brohm, Frau Dr. 

(Schwägerin) 137. 
Bromberg 33. 71. 126. 

132. 138f. 143 146. 
Bromme 107. 
Bronze 29. 52 
Broscius 195. 
Brown 78 

Brücke26.60-62.73.79 
Brückenkopf 146. 194. 
Brückentor 159. 
Brunn 129. 
Bruhns, Prof. 63f. 70. 

90. 97. 
Bruhns, Dr. 174f 
Bruno, Giordano, 174. 
Brusch 146. 194. 
Buchdruckerei 17. 
Buchhandlung 10. 35. 

129, 
Buckle 40. 

Buddha 95. 104. 152. 
Bürgerhospital 27. 
Bürgerschaft 6. 
Bürgerschule 47. 
Büsten 10.61.76. 102. 
Buonarotti 46. 
Burgwälle 35. 144.146, 

148. 
Burns 156. 
Busch, Prof. 11. 12. 

„ , Photograph, 44. 
Buszczynski 115. 125 

bis 127. 
Calcagnini 91. 99. 



Calderon 97f. 
Calker, Jan van, Ii3 
Calvary 119. 124. 
Canada 124. 135. 
Canon Triangulorum 

137. 
Cantor 70. 72. 78i 

84f. 97. 127. 1291 

153 155. 165f. 167 

171. 174f. 
Cardanus 121. 
Carlos, Don, 153. 
Camuntum 152. 
Caro, Prof., 66. 70. 

80. 85. 95. 
Carreau 49. 
Caspary 65. 70. 116, 
Chauoer 158. 
Chelmonie 142. 
Chemie 120. 141. S. 

Atropin u. dgl. 
Chirurgen 80. 158. 
Chl^dowski 46. 
Chodowiecki 104. 
Cholera 74. 94. 
Chorstühle 43. 
Christentum 26. 101. 
Christkatholische Ge- 
meinde 140f. 
Chronik 9. 30. 
Ciechoczyn 164. 
Citron 160. 
Claass 69. 
Clausius 80. 84. 88. 
Coeler 35. 40. 45- 58. 
Cohn 142. 161. 
Colloquium charitati- 

vum 30. 45. 132. 
Columbus 130. 132. 
Comenius 130. 132. 
Commentariolus 81 84. 

96. 98f. 
Conclave 84. 
Congregatio Indicis 71. 
Conradinum 33. 
Conta, V. 92. 97. 
Conwentz 132. 135.138. 
Copemic, soc. scienti- 

flque, Montreal, 135. 



— 201 



Coppernicana 75. 81. 
Coppernicus, Andreas, 

78. 101. 119. 
Coppernicus, Nicolaus, 

10. 49. 60. 64. 
Arzt 89. 92. Dichter 

149. Anm. 60. 
Aufenthalt 75. 80. s. 

AUenstein, Bologna, 

Frauenbui'g, Heils- 
berg, Krakau, Pa- 

dua, Rom. 
Ausgaben 23. 51. 59. 

62. 64. 68. 70. 158; 

s. Jubelausgabe. 
Bedeutung 64. 
Bildnisse 1. 38. 51. 

53. 56. 68. 74f. 139. 
Bücher 46. 59, 63. 70. 
Denkmalen. 2. 18.33. 

S. Denkmal. 
Familie 50. 94f. 96. 

99. 
Feier 77. 
Geburtshaus 1. 3. 31. 

39. 60. 91. 97. 99. 
Gedächtnis 25. 46. 

— tafel 39. 43. 48. 

56. 60. 
Gegner 28. 169. 
Grabstätte 40. 
Handschrift 59. 81. 

84. 109. 
Herkunft 18. 62. 79. 
Jugend 62. 
Leben 23, 31. 46. 84. 

100. 113f. 167. 
Lehre 28. 71. 74. 77. 

113f. 167. Abhän- 
gigkeit 5 6 . Beobach- 
tungen 101. For- 
schung 153. 174. 
Jahresansatz 102. 
Priorität 121. Vor- 
läufer 28. 74. 77.99. 
Weltanschauung 

101. 174. Stellung 
der Kirchen dazu 28. 

Lehrer 81. 



Literatur 71. 78. 80. 

91, 93. 176. 
Museum 101. 
Nachlass 84. 
Name 85. 
Promotion 85. 
Schriften 49. Photo- 
graphirt 102. 105. 
Briefe 51. Gedichte 
149. Randbemer- 
kungen 85. Selbst- 
anzeige 85. 
Sterbeort 
Studium 51. 56. 78. 

81. 84. 106. 
Todestag 3. 60. 
Uebersetzung (Theo- 
phyl. Sim.) 60. 66. 
84. 
Urkunden 75. 
Vermächtnis 75. 
Verwandte 51. 75. 85. 
Wohnung 101. 
Coppernicus - Locomoti- 

ve 65. 
Coppernicus - Sternwar- 
te 131. 
Coppemicus-Strasse 1. 
,j u. sein Ju- 

gendfreund 37. 
Coppernicus - Stiftung 
68. 72. 75. 78. 87. 
91. 95f. 101. 112. 
120. 132. 147. 150. 
156. 161. 166.173. 
S. Stipendium und 
Vorlesungen. 
Cosack 65. 70. 79. 
Crauach 115. 
Cremer 135. 
Cunerth 61. 92. 94f. 
101. 103f, 106. 111. 
116. 119. 
Cuno 103. 
Cuny 139—148. 150. 

152f. 162. 
Curtius 84. 
Curtze 5. 42. 44—46 
48—51.55—59.62. 



68.70.72.74.76-78. 

80—82.84—86 88. 

91—93.95—97.99. 

101. 103. 106. 109f. 

113f. 115-117.121. 

I28.136f.140.142f 

147.152—155.158. 

166. 167. 169. 173f. 
Czernewitz 148. 
Daheimsammler, Zeit- 
schrift, 154. 
Dämpfe 103. 
Dainos 113. 
Dampferfahrten 139. 

152. 
Dammbau 163. 
Dansker 134. 
DantiscuslOl.149.194. 
Danzig 12. 23.27.31. 

34. 65f. 75. 86. 90f. 

97. 100. 118. 128. 

131. 135. 139. 141. 

150. 152. 162. 165. 

170. —er Zeitung 

151. 
Darwin 34. 37. 83. 
Dauben 69. 
Daudet 136. 
Davitt 161. 
Dehn 157. 
Delbrück 168. 172. 
Delfter Kacheln 160. 
Denkmäler 37, 83. 142. 
Denkmälerarchiv 44.57 . 

99. 102. 105. 120. 
122. 124. 138. 146. 
151.159. 163. 151. 
166. 

Denkmal (Copp.) 3. 13. 

33. 36. 50. 61. 98. 

10. 114. 116. 136f. 

173. 176. 193. 
Denkmalspflege 12,37. 

128. 142. 
Denkmal verein 2. 17. 

33f. 47. 54. 69. 

100. HO. 137. 
187. 

Denkschrift 3, 133. 



202 — 



Deutsche Dichterwerke 
125. 128. (s. Schil- 
ler); Dichtung 129. 
131. Malerei 146; 
Sprache 107. 169. 
Waffen 168. 

Deutschland 21. 40. 74. 
98. 99. 

Deutschtum 11. 101. 
145. 156. 

Dielitz 51. 

Dieterich 69. 77. 

Dietrich 123. 154. 163. 

Differentialtarife 88. 

Dinter 21. 

Diphtherie 143. 

Dominicus Parisiensis 
140. 

Dominikanerkloster 
140. 

Donner 53. 

Dorfarchive, —Urkun- 
den 146. 148. 169. 
170. 

Dortmund 84. 

Drama 121. 145. 

Draugielewicz 141. 

Drei Kronen 66. 

Drewenz 148. 

Drewitz 149. 

Droese 29. 

Druckerei 129. 

Dürer 88. 146. 

Düsseldorf 169. 

Duisburg 58. 

Duldung 103. 

Duliniewo 146. 

Dultz 84. 92. 

Durchfahrt, nordw., 9. 

Dwierzno 37. 

Dybow 47. 145. 163. 

Dzialowo 148. 

Ebmeier 88. 127. 

Eccardt 54. 

Edelmetalle 109. 

Eden (Oberstl.) 145. 
153. 

Edison 117. 

Gditha 16. 



Eginitis 143. 
Ehe 14. 77. 
Ehrenbürgerrecht 119. 

127. 129. 157. 
Ehrenmitglieder 5. 10. 

18. 32. 85. 87. 45. 

69. 70. 74. 77. 79f. 

83. 88. 91f. 97. 

100. 103. 116. 118. 

122. 126f. 136. 140. 

143. 145. 163. 161. 

165. 170. 173. 
Ehrenthal 139. 
Ehrverletzung 129. 136. 
Eibe 132. 
Eich 77, 80. 84. lll. 

123. 
Eichendorff, v., 12. 
Eichmann 7. 54. 
Eiffelturm 129. 
Eilsberger 35. 40. 45. 

48f. 
Einbaum 164. 
Eingeweidewtlrmer 70. 
Einbeitsbestrebungen 

21. 24. 31. 104. 
Einheitszeit 129. 
Einladungen 6. 26. 75. 

139f. 150. 
Eintrittsgeld 67. 
Eisenbahn 47. 62. 60. 

62. 69. 73. 79. 84. 

88. 113. 123. 
Eisenlohr 84. 
Eisenzeit 29. 
Ekkeharte 126. 
Elberfeld 130. 
Elbing 152. 
Elchgeweih 82. 
Elektricität 9. 10. 28. 

106. 128. 169. 
Elisabeth Chiistine 87f. 
Elisabeth-Hospital, 

Danzig, 141. 
Elpons, V. 80. 87 f. 91. 
Elsass 140. 
Emden 122. 
Ems 62. 68. 
England 169. 



Engel 132. 137f. 140. 

142f. 145.150.152f. 

154. 160. 170. 
Engelke 42. 53. 77. 
Enterludes 162, 
Epicykeln 94. 
Epidemien 24. 
Epidermiszellen )53. 
Epstorff (Weltkarte) 

127. 
Erbstücke 169. 
Erdbewegung 91. 99. 
Erde 101. 124. 
Erdkunde 90. 
Erdtmann 153. 
Erechtheion 83. 
Erfurt 143. 
Ermland 98. 150. 153. 

160f. 169. 
Emsthausen, v., 92. 95. 

98. 113. 122. 126. 

136. 
Ersparnis 140. 
Erziehung 156. 
Ethnograi^e 22* 124. 

164. 
Euküd 49. 143. 
Eulenburg, v., 9. 64. 

70. 91f. 
Europaische Fragwi 

166. 
Evangelium 101. 
Eylau, D., 143. 
Eyssenhardt 106. 123. 
Fabricius 104f. 109. 

111. 115. 119. 122. 
Fahrten 71. 141. 144. 

146. 152. 155. 
Falk 63. 86. 
Familienabende 60.73. 

77. 82. 86. 93. 94f. 

105. 109. 111.121. 

125. 
Fasbend^r 17f. 23f.26. 

34. 38f. 43f. 49. 

53. 56f. 58 71. 

74. 77. 104. 113. 

117. 121. 126. 129. 

166f. 



Faust 56. 61. 121. 140. 
Pavaro 82. 84. 86. 88. 

94.97.106.127.167. 
Feige 96. 98. 101. 119. 
Feigenblätter 164. 
Feldtkeller 46. 84. 147. 

148. 
FeUha 60. 
Fenster i. Artushof 122. 

127. 132. 
Ferien 126. 145. 
Ferrara 85. 99. 
Ferrucci 67. 70. 83. 
Festakt 64. 
Festbericht 65f. 75. 86. 

108. 
Festgedicht 16. 64.66. 

72. 75. 86. 103. 
Festgeschenke 65. 149. 
Festgrtisse 60. 64f 66. 

93. 101. 107. 112. 

123f. 162. 
Festmahl 53. 65. 135. 

146. 
Festprogramm 171. 
Festrechnung 67. 
Pestrede 19. 32. 64. 

66. 76. 
Pestsitzung 5. 37. 49f. 

71.76.80.110.148. 

161. 
Festung 80. 126. 133. 
PestvorträgelO. 12. 15. 

18. 20f. 26 28. 30. 

34. 39. 45. 49f. 56. 

62. 74. 77. 80. 84. 

92.95.97. 101. 106. 

109. 113. 121. 126. 

I29f. 136f. 140f. 

143. 145. 152. 156. 

158. 169. 171. 174. 
' Petischdienst 174. 
Peuchtwangen, Siegfr. 

V., 47. 
Feuerbestattung 165f. 
Feuerwaffen 146. 
Feuerwehr 23. 
Peyerabendt 119. 124. 

129. 135. 138. 142f. 



— 203 — 



Fichtefeier 178, 
Firlus 160. 
Finalursache 92. 
Finger, Dr., 149. 158. 

162. 
Fischbrutanstalt 146. 
Fischer, Dr. 24f. 31ff. 
Fischer-Treuenfeldt, v , 

Ger.-R. 7. 32. 34. 

Ingen. 28. 62. 
Fischerei- Vorstadt 45. 

95. 
Fleischerinnung 143. 
Flimmerbewegung 128. 
Florenz 56. 66. 76f. 81. 

83. 92. 
Flottwell, V., 77. 
Finesse 88. 

Flugproblem 146. 162. 
Förstemann 12. 30. 
Förster 90. 106. 132. 

143. 
Folsong 142. 
Forbiger 42. 
Formengebung 104. 
Formsteine 148. 
Formulare 26. 41. 45. 
Forschungen 147. 160. 

(Reisen). 
Forster, G. 70. 92. 
Fortiflkation 170. 
Fossombrone (Bischof 

V.) 75. 
Frank 149. 
Frankenstein i. Schi. 

112. 
Frankfurt a. M. 48. 76. 

145. 165. 
Franziskaner 26. 
Franz Joseph 63. 
Franzosen 2. 95. 109. 

129 (Dicht.) 153. 
Frauen 14. 26. 40. 71. 

74, 87. 92. 129 (im 

Mittelalter). 140. 

142f.l45f. 153.156. 

161. 164. 166. 
Frauenburg 38. 50. 80. 

83f. 114. 13 If. 168. 



Frauenkappen 160. 164. 

169. 
Frauentrachten 161. 

169. 
Frech 119. 
Freiballon 126. 
Freiheitsentziehung 99. 

101. 
Freiheitskrieg 41. 
Freiligrath 40. 44. 46. 
Freunde der Wiss. 137. 
Freyberg 103. 109. 
Freytag, G., 79f. 112. 

140. 
Friedberg 126f. 
Friede, ewiger, 71. 
Friedländer 102. 108. 

111. 
Friedland 27. 
Friedrich IL 60.73.87. 

89. 109. 113. 194. 
Fr. Wilhelm III. 3. 
Fr. Wilhelm IV. n. 
„ ,^ Kronprinz 

und Gemahlin 

(Kaiser Fr. III.) 16. 

00. 63. 72. 89. 101. 

103. 119. 
Fr. Wilhelm, Der gr. 

Kurfürst 103. 121. 
Frischbier 43. 
Fritsche 10. 15. 17.20. 

28. 31 f. 34f. 37. 

162. 178. 
Froelich 145. 
Fronleichnam 26. 
Frydrychowicz 106.113. 
Fuchsin 91. 94. 
Führer d. Thom 123. 

173. 
Fundstücke 26. 36.91. 

93f. 104. 109. 134. 

137. 140. 148. 154. 

169. 
Gäde 88. 97. 
Gärtner 135. 
Gäste28.91.98. 100.124. 
Galiiei56. 92. 1Ö1.127. 

131. 143. 



- 204 — 



Galizien 31. 137. 
Galle 66. 70. 73. 76. 

90. 95. 105. 130. 
Gallen, St., 126. 
Garantiefonds 66. 163. 
Garbe 53. 62. 69. 
Garbrecht 82. 
Gamisonkirche 98. 140. 

150. 
Gamn 139. 145. 
Gartenfest 91. 
Gasanstalt 127. 
Gase 95. 103, 
Gastmahl 99. 104. 
Gedächtnisrede 25. 100. 

102. 106. 115. 
Gedächtnistafel 81.39. 

43. 48.54.56.60.96. 
Gedichte49. 65-76. 81. 

83f. 88. 93. 96. 106. 

145. 173. 178. 193. 
Geheimlehre 100. 
Gehirn 169. 
Geibel 108. 

Geld71(Mittela.) 126. 
Gemälde 9. 21 f. 26.31. 

71. lOlf. 116. 
Gemeindesteuer 136. 
Generalversammlung 5. 

14. 76. 120. 125. 

132. 140. 150. 
Genie 14. 

GentzkoWjV., lOSf.lll. 
Geognosie 40. Geogra- 
phie 56. 
Geologie 17. Geometrie 

12. 137. 
Georg, Prinz, 72. 
Gerbert 137. 193. 
Geret 35. 40. 49. 
Gerhardt 123. 126f. 
Gericke 25. 
Gerichtstag in Athen 7 7 . 
Gerippe 26. 
Germanisches 102. 124. 

156. 
Germanisches Museum 

12. 18. 37. 44. 46. 

127. 170. 



Germanisirung d. Orts- 
namen 77. 

Gesammtbericht 47. 51. 
86. 89. 

Gesammtsicherheit 38. 

Gesammtverein 48. 120. 
122. 124. 127. 166. 
165. 

Geschäftsordnung 40. 

Geschenke 67. 71. 73. 
76. 80f. 82. 89. 91. 
96. 100. 106. 112. 
I25f 127. 137. 147. 
173. 

Geschichtstafeln 154. 

Geschichtsvereine 48. 
86.90.97.106. 120. 
135. 144. 151. 168. 

Geschütze 77. 

Gesellenbrüderschaft 
143. 

Gesetzgebung 159. 

Gessel 7. 15. 69. 

Gesundheitspflege 45. 
74.78.80.126.166. 

Gewerbe 134 (an- 
rüchige). 136. 

Gewerbliche Ausbil- 
dung 125. 

Gewerblicher Fort- 
schritt, Inst, f. 127. 

Gherardi 56. 62. 92. 

Giebel 22. 151. 

Gieldzinski 69. 71. 91. 
118. 

Giese 18. 20. 23f. 

Giftpilze 97. 

Gimkiewicz 100. 119. 
163. 

Glasgemälde 164. 

Glatz 91. 93. 102. 

Glaubensvorstellungen 
131. 

Glocken 154. 195 

Glückmann, Kfm., 100. 
113. 136. 138. 142f. 
144f. 155. 

Glückmann, Amtsrich- 
ter 143. 



Glückwünsche 65. 10 
113. 119. 131. 13 
144. 152f. 154.15 
161. 170. 173. 

Gneist 35. 

Goedecke 100. 

Goeppinger 135. 15 
154. 160. 

Goethe 17. 21.30.3 
40. 74 (Jurist), s: 
98. 131. 139f. 141 
156 159. 

Goethe-Schiller-Archi 
131. 

Goethebund 159. 

Goethegesellschaft 15? 

Goettingen 48. 

Goewe 149. 161. 

Goldmacherkunst IOC 

Goldmann 148. 

Goldne Hochzeit 91. 

Goldstaedt 143. 

Gollub 31. 35. 37. 54 
164. 

Goltz, Bogumil, 10 13f 
18. 32. 48. 66.58 
61. 93. 95f. 111 
137. 164. 166. 

Gossler, v, 1I3. 127 
132. 164. 168. 

Gothik 163. 

Gottesidee 45. 77. 

Gottsched 25. 

Grabdenkmäler 13öf. 
133.137. I48f.l55. 
163. —schmückung 
93. 

Grabow, Schukat, H3. 

Gräberfunde 26. 38. 62. 

71. 113. 138. 145. 
154. 

Graubünden 135. 

Graudenz 64. 137. 

Graun 167. 

Gregorianischer Kalen- 
der 102. 

Gregorovius 86. 90. 95. 

Greifswald 116. 167. 

Grenzlande 95. 150. 



Grewingk 38. 

Griechen 37. 49. 74. 
110. 121. 124. 174. 
Kultur 40. Myste- 
rien 169. Sprache 51. 

Griessbach 88. 93. 95. 

Grillo 84. 88. 110. 

Grossloeffler 137. 

Grossmann 108f. 11 1. 
113, lief. 119. 

Gruenauer 129. 
Gruenberg 107. 162. 
Gruendel 61. 69. 119. 
Grunerf33.t69. 167. 
Grzywna 24. 36. 
Guben 107. 
Günther, B , 103. 108. 

132. 
Günther, S., 80.82.91. 

93 97. 117. 155 

167. 171. 174f. 
Güte 10. J3. .15. 17. 

21. 23. 30. 35. 41. 

Gurske 23. 83. 115.129. 
Gurzno 143 
Gymnasium 6. 10. 39f 

44f.46.49. 51.52f. 

56. 68. 76. 99 102. 

105. 107. 109f. 114. 

126f.l29f 139.143. 

145. 149. 157. 174. 

Gymnastik 132. 
Gypsabgüsse 8. 13.25, 

61. 
Haegringar 27. 
iHaenel 127. ISOf. 133fc 

145. 149. 
Haendel 65. 
Haenecke 21 23. 30. 
Hässliche, Das, 24. 
Hagemann 62. 67 f. 70f. 

73. 77. 93. 100. 
Haiti 28. 
Halberstadt 77. 
Halle 34. 41. 62. 90. 

118f. 
Hamburg 48. 
Hamlet 141. 



205 — 



Handel 35. 58. — skam- 

mer 61.83. 123. 127. 

— sminister 60. —s- 

wege s. Thorn. 
Handfeste 35. 
Handschriften 15. 49. 

63. 83. 91. 93. 143. 

167. 
Handwerkerverein 20. 

33.53.68f. 136.166. 
Hannover 24. 26. 135, 
Hansischer Gesch Ver- 
ein 97. 
Hansischer Städtetag 

29. 60. 
Hansoth 149. 
Happel 41. 54. 
Harteck 74 
Hasenbalg 57. 62 70f. 

99. 103. 106. 
Hasse 153. 
Hauben 169. 
Hauptmann, Gerh , 1 69. 
Haushalteplan 121. 145. 

153. 173. 
Hausmarken 28 
Haxthausen 38. 
Hayduck 106. 168. 
Hazelius 165. 
Hecht 168. 
Hegel 56f. 60. 
Heidelberg 158. 166. 

168. 171. 
Heidenhain 95. 
Heilsarmee 140. 
Heilseruml37.140.143. 
Heine, H , 40. 
Heise 153. 163. 187. 195. 
Heldenzeit Israels 131. 
Helena 93. 95. 
Hellberg 163. 
Helmholtz 141. 
Henkel 142. 
Henneberger, Landtafel 

101. 
Hennig 92. 97. lOOf. 

109. 
Henschke 67f. 70f. 77. 
Hepke 106. 109. 



Hepner 7. 31. 63ff. 

56. 66. 
Heraldik 97f. 
Herder 60. 174. 
Herford 61f 99. 101. 

104. 106. 108. lief. 

121. 129. 131. 187. 

157. 
Herodot 42. 
Herrmann, Baurat, 67. 

69. 74. 
Herrmann in Strass- 

burg 143. 
Hettner 92. 
Heuer 161. 163. 169. 

174. 
Hexenprozesse 104. 
Heydrich 135. 
Heyking, v., 95. 103. 
Heyne 54. 
Hillebrandt 142. 
Himmel u. Erde (Zeit- 

schr) 155. 
Hinkeldey 118. 
Hiob 104. 
Hipler 46. 49f. 70. 73. 

79f 91. 99. 149. 

153. 194f. 
Hippel, V, 31. 
Hirsch, Franz, 1 Ol . 1 58. 
„ , Th., 18. 
„ , W., 7. 15. 19. 

35. 50. 61f. 64. 70. 

73. 82. 86. 94. lOOf. 

106. n2f 120. 157. 
Hirschberg 136. 
Hirschfeld 136. 142. 

170. 
Hirschfeldt, App. G.- 

R., 35. 

Hirschfeldt, Dr. jur., 80. 

„ , Gerson, 77. 

„ , Leop., 1 42. 

j, , Nathan 80. 

136. 
Historischer Verein 76. 

90. 108. 120. 138f. 

146. 155. - Samm- 
lung" 163. 



— :>0ß - 



Hochschloss 102. 105. 
Hochstift 76. 
Hocbzeitsfest 154. 

— Ordnung 87. 
Hoebel 87. 45. 68. 77. 

84 167. 
Hoenicke 69. 70. 
Hoevel, v., 163. 
HofFmann 58. 60. 62. 
Hofleben 168. 172. 
Hollenkirch 160. 
HobenzoUem 92. 
Holland 88. 
Holleben, v., 97. 108f. 

114. Il7f. 120. 
Holzbauten 108. 151. 
Homel 186. 
Homer 129. 
Homoeopathie 99. 101. 
Hoppe 35. 40. 50. 63. 

61.71. 78f.78 86f 

94. 108. 107. 128. 
Hom, V. 64. 59. 63. 

71. 88. 122. 
Homemann 32. 38. 42 
Horowitz 80. 87f. 95. 

99. 104. 108f. 128f. 

131f. 137. 140.143 

169. 
Hosianum 132. 
Honel 100. 111. 
Houtermans 136. 144. 
Hoyer 31. 92. 94. 
Huebner, Dr., 109. 119. 

„ , Fabrik., 84. 

106. J09. 111.121. 

189. 
Humboldt, AI. v.., 11. 

18. 51. 53f. 77. 
Humboldt, W. v., 132. 
Hume 92. 
Humor 62. 87f. 136. 

165. 
Hussitenkämpfe97.101. 
Hygiene 104. 120. 143. 

158. 
Hypnotismus 98. 
Hypothese 77. 109. 124. 

174. 



Jackstein 164. 
Jacobi, Amtsg.-R., 186. 

146. 168. 
Jacobi, Cand. astr, 167. 

174f. 
Jacobi, Pfarrer, 108. 

106. 113. 121. 148. 

146. 
Jacobi, Photogr., 44. 

178. 
Jacobi, Reg.-R., 26. 
Jacobson, 58. 80. 
Jahresberichte 6. 15. 

27. 29. 32. 34. 41. 

47.62.110.115.177. 
Jakobskirche 137. 
Jakubowski, v , 186. 

143. 148. 154. 160. 
Janke 139. 145. 
Jansen 31f. 45. 49. 55. 
Janus 169. 
Japan 48. 
Ideale, Das, 95. 
J^drzejewski 143. 
Jena 34. 
Jenkau 33. 
Jenseits 99. 101. 
Jesuitenkirche 146. 
Jesus 101. 

Illgner 132. 141. 173. 
Imperativ, Kateg., 104. 
Indien 29. 

Infectiou 98. 137. 140. 
Ingenieurgarten 134. 
Inowrazlaw 29. 54. 62. 

129. 134. 
Inquisition 88. 92. 
Inschrift 18. 39. 110. 
Inschriften 28. 30. 121. 

133. 152. 154. 
Insterburg 149. 168. 
Instrumente, astr., S8. 
Interessenvertretung 

77. 
Inventar 48. 47.53. 120. 
Johanniskirche 1 . 51. 

53.56.88.101.176. 
Johann Sobieski 108. 
Johann v. Sachsen 63. 



Jordan 115. 
Joi*danus Nemorarius 

106. 121. 
Joseph 18. 20f. 25f. 

301. 34. 36. 88f. 

44. 46. 48f. 52. 68. 

177. 
Iphigenia 131. 149. 
Irving 118. 
Isakowski 168. 
Iserlohn 130. 162. 
Islam 74. 
Italien 38. 63. 68. 72. 

76. 80. 102. 106f. 

127. 167. 
Jubelausgabe 62f. 66. 

68. 70. 72. 76. 86. 

107f. 119 168 
Jubelfest 3. 4. 50f. 65. 

59. 63ff. 72. 77. 

86. 89. 110. 169. 

171f. J73. 
Juden 56. 02. 174. 
Jugendspiele 137. 
Julian 169. 
Junck 100. 
Jungfrauenstiftung 87. 

91. 95f. 99. 101. 

120. 125. 128. 132. 

135. 139. 142. 145. 

147. 152f. 166.170. 
Jungfrau v.Orleans 1 07. 
Junkerhof 134. 
Kabel 32. 

Kachelofen 160. 175. 
Kah99. 101. 104.109. 

113.. 132. 
Kahle 119, 123. 
Kallewalla 2i. 
Kaltenbrunner 102. 
Kamlarken 136. 138. 
Kanalisation 121. 
Kant 9. 60. 71. 84. 

99. 104. 140. 143. 
Karlinski 32f. 38. 61. 

66. 66. 73. 80. 86. 

89f. 113. 
Karten 106. 



4. 5. 123. 16G. 

S Vermögen. 
Kassel 108. 
Kasten 88. 109 
Kaszczwek 24. 60. 71. 

156. 164. 169. 171 

173. 
Katalog d Altertümer 

30. 
Katalog d. BiUiotbek 

38. 96. 112. 150. 
Katalog d. Bibliotheken 

38. 43. 57. 
Katalog d. Museums 

25. 48. 52. 
Katliann^or 103 
Kaufmann, Oberstl., 

126. 132. 
KaofmannsHiarken 97. 
Kaulbach, W. v., 108. 
Kausch 78. 80. 84. 86. 

88. 95. lOOf. 
Kawenczyn 113. 
Keilinschriften 121. 
Keismier 99. 
KeUe 70. 
Kepler 18. 30. 40. 44. 

67. 104. 113. 
Keramik 164. 
Kersten 172. 
Kästner 95. 98f. 
K^trzynski 50. 95. 104. 
Kiel 157. 165. 
Kielbaszyn 113. 
Kyewo 36. 54. 
Kinderfehler 158. 166, 
Kindscher 163. 
Kirche u. Staat 74. 
Kirchenlied, ev., 20. 
Kirmis, Dr, 150. 154. 
Kittler 97. 154. 
Klebs 77. 92. 
Kleidung 17. 166. 
Klein 135. 
Klima 108. 
Klingenberg 25. 
Klink 139. 145. 

111. 116. 121. 

127. 



— 207 - 

EJopstock 10. 
Klossmann 51. 
Kluth 95 

Knoblauch 66. 70. 140. 
Knoetel J12. 
Knospeu 96. 
Knothe 119. 122. 139. 
Koch 99. 104. 
Koeln 60 73. 
Koenig, Bankbuchh , 

in. 116. 
Koenig, Markus, 79.94. 

112. 
Königgrätz 80. 104. 
Königsberg 9. 11. 27. 

31. 42. 46. 51. 65. 

67.80.91. 108.112. 

116. 124 128. 138. 

141. 149. 157. 162. 

164. 168. 

Koemer, Th. 3. 4. 7. 

11. 14-18. 20f. 

23- 25. 39. 43. 45. 

49— 51.56 70f. 80. 

86f. 89. 126. — 

141. 163. 172. — 

178. 
Koemeralbum 141. 163. 

170. 
Körper 166, vgl. 

Kleidung; 146. 
Kohli 127. 
Kolonisation (holländ.) 

148 ; vgl. Einwan- 
derung. 
Kommandantur 102. 
Konfessionen 105. 
Konojad 29. 
Konrad v. Masovien 60. 

„ V. Würzburg 

145. 

Konservator 142. 153. 
163. 169. 

Kontributionen 95. 

Kordes 139. 144. 150f. 
154. 159. 

Korrespondirende Mit- 
gl. 25. 54. 74. 80. 



108. 111. 119.126. 
142f. 145. 161.168. 

Korzeniec 143. 
Kosmologie 143 
Kotze 164. 
Kowalski 139. 148. 150. 

153. 
Krakau 23. 31. 33. 51. 

56.66.85. 100.113f. 

143 178. 
Krankenpflege 124. 1 26 
Krankheiten 84. 137. 
Krause, Dr., 142. 145 f. 

„ , Major, 92. 94. 

„ , PhUos ,71. 
Kreditgesellschaft 30. 

109. 166. 
Kreisbehörde 25. 
Kretlow 38. 
Kretschmann 142. 153. 
Kretschmer 149. 
Krieg 51. 74.84. 121. 

— 7j. 13. 101. 1866: 
37.40. 49. —1870: 
56. 74. 84. 

Kriegerdenkmal 134. 

Kriegslyrik 71. 

Kriegsschaden (Ver- 
sieh) 45. 57. 

Kries, v., 74. 77. 

Kritik 72. 84. 110. 
(Grenzen). 

Kriwes 142. 

Krobia 28f. 

Kroenig 77. 

Kroll 58. 57. 74. 

Krone, Dt., 58. 

Krueger 90. 

Kruscliwitz 54. 

Kuentzel 76 81. 

Küstrin 142. 

Kugler 10. 15. 17. 21. 
24. 97. 

Kuhn 30. 50. 

Kulm 65. 76. 79. 81. 
84. 94. 103. 125. 
129. 131. 136f 138. 
141. 152. 

Kulmerland 25. 28. 35. 



— 208 — 



Kulmsee 47. 116. 121. 

187 (Dom). 143f. 

145. 
Kultar49. 84. 92.113. 

171. 
Knlturhist. Ausstellung 

108. 112. 
KultusministerSe. 1 1 2f. 

114f. 168. 172. 
Kunkel, v., 88. 
Kunst 97. 121. U59. 

— altertümer 118. 

120. 
Kunstausstellung 9. 13. 

21.78.87.102.157. 

162. 166. — ge- 
' werbe 95 —verein 

13. 78. 102. 105. 

115. 120. 163. 
Kuntze 69. 73 88. 
Kunz 132. 135. 137. 
Kupferdiadem 44 
Kupfergruben 112. 
Kupferstiche 9. 
Kutzner 42 74. 80. 

93. 106. 109. 
Kuznicki lOOf 127. 
Laengner 139. 
Lambeck, E , 7. lOf. 

17. 19. 32. 35. 53. 

81. 99. 129. 
Lambeck, H., Pfarrer, 

15. 22f. 26. 29.34. 

83. 
Lambeck, W., 72. 80, 

111. 124. 130. 134. 

144. 170. 
Landau 74. 
Landecker 11.5. 145. 
Landesbank 80. 
Landesbibliothek 1 47 . 

152. 
Landfrage 93. 95. 
Landtag 64. 69. 126. 

129. 
Landvolk 14. 
Land- u. Seewehr 101. 
Lang 57. 61. 
Langwald 21. 



Latein 107. 
Lauber 3. llf 15. 25. 
41f. 

Laubhölzer 96. 106. 
Lauff 113. 

Lausitz (Ortsnamen) 28. 
Lautenburg 142. 
Lebensverlängerung 2 1 . 

134 169. 
Lebensweisheit 164. 
Lehmann, Dir. 164. 

„ , Dr med., 7. 

10. 15. 17. 21.45f. 

53. 56. 80. 87. 
Lehmann, Major, 92. 

94. 119. 
Lehmann, Probst in 

Schkölen, 70. 72. 

76. 79. 88. 93. 96. 

106f. 127. 
Lehnerdt,Dir.,34f.39f. 

43f. 45. 48f. 79. 
Lehnerdt, Alfr., 128. 

131. 
Lehrer 56. 133. 
Leibesübungen 146. 
Leibitsch 54. 
Leichardt 28. 
Leichenbestattung 74. 

165f. 177. 
Leipzig 46. 58. 65f. 

97. 114. 
Leipziger, v., 122. 127. 
Lemberg 137. 
Lesehalle 31. 36. 38. 

80. — museum 82. 

—verein 57. 112. 

125. —Zirkel 36. 

47. 53. 108. 116. 

120. 
Lesse 20. 27. 31. 35. 

38. 40. 53. 60. 75. 
Lessing 79. 98. 
Letten 35. 
Leverrier 95. 
Levy 136. 170. 
Lewus 162. 
Lichtbilder 43f. 57. 87f. 

91. 99. 102. 105. 



134. 148. 158. 160. 

163f. 166. 170.173. 
Lick Observatory 124. 
Liebessagen 39. 
Liebeswerben der 

Blumen 158. 
Liedertafel 19. 157. 
Liedke 168. 175. 
Lilie 24. 26f. 52. 88. 
Lilienhain 58. 62. 
Lindau 4o. 42. 50. 53. 

58 62. 80.92f.95f. 

98. 106. 124. 126. 

132.136f.142.145f 

151.153f.155f.158f. 

162f. 166.169. I72f 
Lmde 54. 86. 
Lindenblatt 88. 92f. 127. 
Lindenschmidt 30. 
Lindhagen 96. 98. 
Lindow 89. 92. 97. 
Linien im Kreise 124. 
Lischoren 137. 
Lissewo 164. 
Literarisches Kränz- 
chen 27. 
Literarische Vereine 87 . 
Literatur 53. 137. 150. 
Littauen 35. 46. 113. 
Lochau, V. d., 77f. 80. 

84. 
Lodz 158. 
Loebau 135. 
Loeffel(Erinn.anl8l3) 

173. 
Loeffter 149. 153. 
Loeschmann 55. 
Loewe 89. 106. 
Loewenberg, Dr., 70. 

74. 76.. 
Loewenson 139. 143. 

153. 164 
Loge 15. 40 
Lohde 76. 81. 94. 129. 

170. 
Lopez (Paraguay) 50. 
Lossow, V., 42. 44. 46. 

55f. 58. 60. 62. 67. 

74. 77. 162. 



Lotterie 48. 108. 112. 

120. 
Lottig 139. 141. 145. 

148. 156. 158. 163. 

166. 175. 
Loviagin, v., 155. 
Lublin 11. 
Luckau 161. 169. 
Lucretius 80. 
Luft 84. — ballon 129. 
Lukian 132. 
Luther 40. 45f. 49. 51. 

115. 149. 
Luxus 40. 
Lyck 153 157. 
Lygier 50. 
Ljnoker 97. 100. 
Lyra, N. de, 156. 
Maccaronisahe Poesie 

101. 
Maezkowski 153. 157. 
Mädchenschulen (Auf- 
satzin) 27. 
Märchen I36f. 
Maerker 156. 170. 
Magdeburg 97. 
Magini 113. 
Magistrat 8. 11 f. 29f. 

3Bf. 43. 46f. 48. 

52. 82. 86. 91. 98. 

103. 108. 112. 116. 

120. 131. 133. 140. 

151. 156. 158. 163. 

172. 
Magistratssaal 15. 20. 

73. 160. 
Magnetismus 9 M.nadel 

98. 101. 
Mailand 38. 
Mainz 52. 
Makart 68 
Makrobiotik 21. (134. 

169). 

Malagola 78. 80f. 82. 

85. 88.. 91. 93. 95. 

102. 106. 111. 119. 

167. 
Malerei 146. 



- 209 - 

Malvezzi 78. 85. 88. 

90. lOlf. 119. 
Mammut 22. 129. 
Mann 67. 104. 121. 

132. 
Marienburg 83. 102. 

105. 108. 112. 118. 
120. 127. 131. 155. 
162. 169. 173. 

Marienkirche 43. 92. 

99. 102. 105. 124. 

128. 130f. 163f. 
Marienwerder 26. 58. 

66. 72. 76. 92. 100. 

106. 145. 158. 164. 
166. 

Marks 103. 139. 
Markuli 13f. 45. 
Markwährung 75. 
Marlowe 56. 62. 
Marquardt, Bürgerm., 

66. 
Marquardt, Prof., 156. 
Marquart, Red., 24. 28. 

31. 40. 51. 61. 
Marquart, Kfm , 123. 

153. 

Marschner 28. 
Martell 103. 107. 109. 

111.120f. 122. 124. 

126. 134f. 136. 138. 

I40f. 144. 
Martini 55. 103. 
Martucci 75. 
Marx 42f. 44. 50. 
Maske 62. 80. 
Masuren 52. 
Materialismus 49. 77. 
Mathematik 42. 84. 94. 

97. 117, 124. 129. 

135. 147. 155f. 167. 
Matthaei 38. 
Mattiat 157. 
Matzdorff 123. 126. 

I32f. 136. 142. 
Maukisch 35, 
Mansch 136. 153. 
Maydorn 135. 148. 165 



Mechanik d. Aethers 

169. 
Mecklenburg, Gesch. 

V., 108. 
Medaille 91. 160. — on 

61. 
Medizin 10. 92. 131. 

158. 
Meier, Apoth., 69. 88. 
„ , Hptm., 92. 97. 
„ , Bankrendant, 

111. 
Meinardus 159. 
Meining^ 33. 108. 
Memungsstreit 131. 
Meisner 45. 49. 62. 

71. 74. 77. 80. 82. 

84. 98, lOOf. 103. 

107.130. 134f. 141. 

153. 161. 
Meister-Sängerau 88. 

170. 
Melanchthon 21. 23. 28. 

49. 115. 
Memel 49. 78. 
Mendelssohn 19. 
Menschenkenntnis 10. 

164. 
Menzel 87. 
Menzzer 70. 72. 78. 

84. 89f. 
Meridian 13. 102. 107. 
Merkstein 13. 
Messerschlucker 136. 
Mestorf 111. 
Meteore 28. 48. 125. 
Meteorol. Station 19. 

56f. 63. 68. 
Mettemich 113. 117. 
Metz 90. 

Meyer, Stadtrat, 82. 
„ , Dr., Just-R, 

17— 21.24. 26. 20f. 

32. 44. 46. 49f. 51. 

53. 55. 61 f. 64f. 

77. 81. 100. 104. 

107. 118. 177f. 
Meyer, Dr. med., 95. 

99. 101. 103. 112f. 

U 



210 



116. 121. 184. 187. 

158. 
Meyer, Kfin, 145.161. 
Michelangelo 76. 78. 

102. 
Miesitscbek, v., 151. 
Milton 40. 

Minnegesang 61. 152. 
Missale 86. 88. 
Misses 58. 62. 77. 82. 

84. 100. 
MitgUeder 7. 13. 15. 

82. 37. 45. 57. 62. 

74. 76f. 80. 88. 92. 

97. 104. 116. 123. 

126.136. 139f. 142; 

145. 148f. 150. 153. 

157. 161. 168. 170. 
Mitteilungen des C- 

V.'s 11.47.81.85. 

93. 96. 99. 105. 

115. 121. 130.133. 

138. 140. 144. 146. 

152. 156. 158.165. 

171. 
Mittelalter50f. 109.1 17. 

129. 134. 136f. 153. 

156. 159. 167. 174f. 
Mocker 47. 148f. 
Moderne Medizin 131. 

— Naturwissen- 
schaft 175. -Wahr- 
heiten 169. 
Moedebeck 126f. 129. 
Mohr 64. 
Molifere 162. 
Moller, Clement, 75. 
Moltke 60. 

Monatssitzungen 20. 24. 
Montanari 67. 71. 
Montreal 135. 
Moralsysteme 84. 
Morczyn 148. 
Morgenland (Handel 

mit) 59. 
Morin 163 
Moritz 22. 34. 
Morphiumsucht 124. 
Morphologie 96. 



Motz 53. 

Mühlenfels 95. 97f. 
Mühlhausen O.-Pr. 169. 
Müller, Eduard, 7. 9- 

20. 37. 40. 44f. 62. 

83. 88. 98. 

Müller, WUh., 111. 
Muelverstedt, v., 143. 
Münzen 8. 15f. 29. 31. 

44. 48. 71.; s. 

Goeppinger. 
Mützenumen 103. 
Muhammed 84. 
Muler 59. 
Mundkowski 168f. 
Murmann 62. 
Musehold 145. 
Museum, Berliner, 52. 

— Coppemicanum 
91. —Neues 26. 
— Nordisches 165. 

— Polnisches 135. 
—f. Post u. Tel. 
90. —Römisch-ger- 
manisches 52. — 
Westpr. 131. 

Museum, städtisches, 
fast auf jeder Seite, 
auch 177. 194. 

Museumsdeputation 
148. 169. 171. 

Musik 61. 119. 157. 

Mysterien 169. 

Mythologie 78 (hebr.) 
106 (deutsche.) 

Nakel 134. 

Napoleon I. 48. 177. 

Narratio Prima 59. 75. 

Nathan 103. 107. 

Natio Germanorum 101. 
108. 111. 

Nationalbewusstsein 2. 

— festspiele 156. 
— gallerie 115. 

Nation, deutsche, 78. 

106. 
Nationen, Charakt , 14. 
Naturbetrachtung 149. 



Natur (i. d. Dichtung:) 
131. 158. 

Naturforschende Gesell- 
schaft 66. 131. 
—in Halle 90, in 
Graubünden 135. 

Naturforscher u. Aerzte 
93. 

Naturforschung (Gren- 
zen) 99. 104. 

Naturgesetze 88. 

Naturwissenschaft 21 
30. 167. 175. 

Neander 110. 

Nehrung 126. 

Neitsch 132. 139. 

Nemorarius s. Jordanus. 

Nervenschlag 78 

Netzedistrict 188. 146. 

Neugebauer 84. 92. 

Neustadt. Apotheke 
160. 

Neustadt, ev. Gemeinde 
149. 

Newton 18. 

New York 65. 86. 

Nibelungen 80. 

NichtChristen 124. 

Nicolai 74. 83. 

Nicolaus de Lyra 156. 

Nicolaus Oresmius 44. 
49. 

Nicolausprozessiofl 145. 

Niederung 160. 165.170 

Niederwald 166. 
Niedwi^dz 146. 
Niemann 25. 29. * 
Nilsson 31. 
Nischelsky 92. 103. 
Nonnenkloster 146. 
Nordisches 101. 
Nordpolexp. 47. 
Nostitz-Rieneck59.102. 
Novara (Domenico 

Maria de. 50. 92. 
Nürnberg 31. 37. 81. 

92. 127. 129. 170. 

173. (V. f. Gesell. 

N's. 5). 



— 211 — 



Oberammergau 98. 
Oberpräsident 125. 128. 

178. 
Observatorimn 31. 124. 
ObstbauvereinlO?. 111. 

125. 130. 184. 
Obstpflanzung- 113. 115. 

120. 122. 127. 130. 

133. 137. 
Obuch 25. 
Occioni 63f. 66f. 70. 

72 75 81 
Oeffentlichkeit 20f. 25, 

s. Sitzmigen und 

Vorträge 
Oehlschläger 152. 
Ohm 110. 
Ohrlabyrinth 112. 
Olfers, V., 8. 11. 16. 

25. 31. 56. 69. 
Oloff 92. 109. 
Olympia 84. 
Oppenheim 55f. 62. 72. 

74. 78 84. 88. 
Orden 64. 68. 72. 74. 

—deutscher 92. 
Ordensbauten 37. 104. 

— land 138. — 

meister 60. — 

Schlösser 24. 81. 37. 

144. 
Oresme, s. Nicolaus. 
Organische Verschmel- 
zung 116. 138. 
Orleans, Jungfrau v., 

107. 
Ornamente 92. 
Ortel 168. 
Orth 141. 
Ortsnamen 11. 28. 77. 

—zeit 129. 
Oskar v. Schweden 63. 
Oirtaszewo 94f. 
Osterinsel 132. 
Ostrowo 134. 
Ostseel35. — länder38. 
Ottloczyn 141.152.195. 
Ottmann 67. 116. 
Otto d. Gr. 16. 



Otway 153. 

Oxford 44. 

Ozon 97. 

Padua 64. 71. 84. 86. 

88. 93. 95. 130f. 
Pädagogik 74. 
Paley 92. 
Palaeontologie 168; s. 

Altertümer. 
Palleske 95. 
Panamakanal 117. 
Pancke 123. 
Pancritius 18. 24. 27. 

177. 
Papau 26. 144. 
Paraguay 50. 
Parallaxe 76. 
Parallelkreis (53**). 13. 

25. 39. 43. 82. 
Parasiten 95. 
Paris 158. 
Pamass (Ausflug auf) 

88. 
Parpart, v., 23 38. 41. 

45. 
Parthenon 104. 
Partonopier 145. 
Parzival 101. 136. 
Passarge 25. 
Passauer 62. 78. 84. 
Passionsspiel 98. 
Passowl7. 19f.21.24f. 

32. 178 
Paul, Mi. Lehrer, 142. 
Paul, Prof., 23. 
Paulus 80. 
Pellicioni 63f. 70. 72. 

75. 101. 106. 119. 

127. 
Pelplin 146f. 151. 
Pentathlon 121. 
Perlbach 143. 
Perlstein, van, 161. 169. 
Pessimismus 108. 
Pestalozzi 141. 
Peters 144. 
Petersburg 59. 
Peterson.Zeichenlehrer, 

115. 



Petruachky 116. 

Pfaffenkrieg 163. 

Pfahlbauten 35. 

Pfalzgraf 120. 

Pfefferkorn 78. 

Pflanzen 103. 166. — 
geschichte 146. 

Pflichtexemplar 116. 

Pharao, e. neuer, 126. 

Philipp 109. 

Phüoktet 137. 

Philostratos 132. 

Phoenizier 37. 

Phonograph 117. 

Physik, ökon. Gesell- 
schaft 38. 46. 124. 

Physiologie 108. 

Piwnitz 142. 145. 148. 

Plato 99. 104. 110. 
129. 

Plewe 144. 

Plünderung 153. 

Plusnitz 160. 

Polarisation 91. 94. 

Polen 2. 21. 49. 70. 
91. 146. 150. 174. 

Polnische Bevölkerung 
104. —Burgwälle 
146. 148. — Cop- 
pemicusfeier 65. — - 
Verein d. W. 82 
100. 137. 

PoUtik 77. 

Pommer 149. 

Pommern 35. 

Pompeji 10. 62. 101. 

Poplawski 2. 173f. 

Portugal 88. 

Posen 31. 52. 103. 109. 
120. 127. 129.134. 
137. 141. 147. 162. 
155. 170. 

Post 84. 90. 94. — mu- 
seum 98. 

PostUle 156 

Potsdam 162. 

Prädestination 74. 

Prähistorische Funde 
112. 134. 165f. 

14* 



— 212 — 



—Karte 91. 117. 

—Sammlung 163. 
Prätorius 8. 94. 
Präzessionstheorie 93. 
Präzisionsnivellement 

129. 
Prag 59. 67. 131. 
Prager 148. 
Prediger Salomonis 1 40. 
Preisermässigung 124. 
Presse 44. 
Preuschoff 161. 108. 
Preuss, Burggraf, 46. 
Preuss, Paul, 94. 96. 

99. 103. 106. 124. 
Preussen, Eroberung v., 

73. 92. —Ordens- 
land 104. —Pro- 
vinz 5. 56. 67. 78. 
83. —Volk 35. 156, 
177. 

Preussische Geschichte 
54. . —Gesetzge- 
bung 108. — 
Prov. Blätter 36f. 
51.— ^sHeer(1850) 

74. — r Städtebund 
95. 

Prittwitz, V.. 18. 77. 

Privilegien 143. 

Protektor 7. 54. 88. 92. 
95. 113. 122 127. 
168 171. 

Protokolle 110. 114. 

Provence 104. 

Provinzial-Ausschuss 
90. —Behörden 30. 
92.92.13.— Blätter 
30.32 111.— Kom- 
mission 90. 96.1 04f. 
116. 128. 131. 138. 
140. 142. 144. 15lf. 
163 172. —(erwei- 
terte) 128. 146f. 
— Museum 90 151. 
154. 194. —Schul- 
kollegium 143. 147. 

Prowe, A., 7. \)L 16f 
20f. 26. 28. 30- 34f. 



37f— 43. 45. 47— 
5h 58. 56. 62. 64. 

70f. 74. 78.80— 82. 

87f. 92. 95f. 98. 

lOlf. 104. 119. 178. 
Prowe, Franz, 170. 
Prowe, G.. 55.75.94f. 

117. 130. 186. 166. 
Prowe, L., af. 8-12. 

17f. 20f. 23—28. 

31. 35f 38b. 40 43b. 

46 48b. 53. 55.58b. 

62. 65. 68. 70—72. 

74b.76. 78.83— 88. 

92f. 95. 98. lOOf. 

104. 106f. 108. 110. 

113f. 116f. 121f. 

155. 167. 
Pruemers 134. 141. 
Prussia 46. 138. 
Prylewski 141. 
Przyrembel 78. 
Przysiek 60 
Psyche 137. 
Psychologie 158 166. 
Pulkowa 63. 74. 
Pymesius 1. 
Quassowski 69. 
Quast. V., 16. 37. 83. 
Raabe 62. 69. 
Raci^zek 143. 
Raddatz 135. 
Radtke 106. 109. 
Rafalski 74. 80. 82. 

84. 106. 110. 
Raffael 102. 104. 
Ranke 45. 
Rathaus 16. 22. 26f. 

29. 36. 39. 43. 48. 

52f. 57.94.96.107f. 

133f.150f.156.159f. 

163. — saal 28. 78. 

—türm 134 154. 
Ratsbibliothek 8. 17. 

29f. 36.38.43. 52f. 

57. 94.96. 105f.l72. 
Ratskeller 20. 30. 32. 

— Protokolle 171. 
Raumer, v., 114. 



Rausch 108. 
Ravenna 83- 
Rawitzki 153. 
Rebitzki 142. 
Rechnen im Mittelalter 

158. 
Rechnungslegung 4. 6. 

61. 67 (Fest). 95. 
103f. 106.113. 121. 
173. 

Recht 62. 121 (ein- 
heitl).129.— pflege 
77. —quellen 121. 

Redefreiheit 131. 

Reformation 40. 

Reformirte Gemeinde 
56. 

Regesten 125. 

Regierung 106. 

Rehberg 78. 80. 82f. 
84. 94f. 106. 111. 
119. 165. 

Rehm 55. 

ReichenbachjV , Komm., 

62. 69. 74. 
Reichenbach, v., Maler, 

9. 
Reichert 73. 77. 80. 

86. 94. 
Reichsregierung95 (vgl. 

Acta). 
Reichstag 119. 
Reicke 138. 
Reimann HO. 
Reinick 111. 116.119. 
Reisen 27. 74. 88. 104. i 

140. 143. 146.160. 

166. 
Reliefs 60. 177. 
Religionsgespräch 30. 

45. 132. 
Religionspolitik 71. 

„ und Naturw. 

117. 
Reliquiae Coppemica- 

nae 72. 76. 
Renaissance 108f. 
Rentschkau 142. 
Ressource 9. 



— 213 



Reuchlin 78. 
Reuter 112. 
Reuther 116. 124. 146. 
Revae des deux Mondes 

74. 
Rezesse 29. 
Rheticus 56 59. 61. 

75. 79. 137. 193. 
Rhetorik 121. 
Rhodies 29. 
Riefflin 139. 
Ringwall 21; s. Burg- 

wäJle 
Rinow 170. 
Risalit 43. 

Risse62. 70.88. 92f 95. 
Rittweger 103 
Rococoschrank 170. 
Römer 74. 
Römisch s. Geräte 
Röntgenstrahlen 143. 
Röpell, Landr., 92. — 

Prof. 88. 105. — 

Reg.-Ass 84. 92; 

119. 
Rösner 104. 131. 133. 

192. 
Rogge 53. 
Rohne 142. 
Rom 56. 64.75.81.84. 

91 f. lOOf. 109. 

(Kaiserzeit). 
Roman 124. 136. 175. 
Romberg 19. 
Roesdorf 130. 
Roolf 96. 
Roon 60. 
Rosenberg 132. 140. 

153 175. 
Rosenfeldt, Bildhauer, 

31. 61. 
Rosenkrantz 9. 27. 
Rosenow 61. 
Rosentreter 164. 
Roszczechowski 22. 48. 
Rothardtl42, 146.157. 
Rothe 55. 74. 
Rozycki, v., 103. 
Rozynski 35. 57. 



RubiconiaAc.81.84.86. 
Rubicra 81. 
Rudak 143. 
Rudaw 146. 
Rudies 88. 139. 
Rüge 50. 
Russland 3. 35. 40. 72. 

88. 95. 104. 124. 
Saarlouis 145. 
Sachs 64. 
Saenger 7. 32f. 
Saft 166. 

Sagen 131. 133. 135. 
Sakramente 169. 
Salaguboff 155. 
Salvator Mundi 178. 
Salz 47. 

Sammet 54. —97. 149. 
Sammlungen 90. 118. 

122.125. 127. 150f. 
Sandrart 22. 
Sanssonci(Gasthof) 100. 

106. 109. 
Saron, Blume von, 104. 
Savignano 81. 84. 86. 
Savignyfonds 102. 
Savona 29. 
Schack, V., 78. 98. 
Schaefer 103. 
Schaltregel 102. 
Schappler 60. 
Scharff 8. 19. 23. 26. 

43. 47. 57. 82. 87. 
Scharnau 24. 148. 
Schauenburg 178. 
Schauermütze 160. 
Scheda 103. 145. 
Scheffel, v., 117. 
Scheller 115f 121. 
Schenckendorff, v., 1 1 1. 
Schiaparelli 74. 77. 
Schick, Lokom F., 65. 
Schiefer Turm 134. 
Schiffsfigur 37. —196. 
Schiller, Apoth., 88. 

lOOf. 
Schiller, Fr. v , 19. 34. 

54. 77. 100. 125. 

128. 139. 153. 



Schillerstiftung 20. 177. 
Schinkel 18 34- 
Schippenbeil 66, 
Schirmer 55. 68. 95. 
Schkoelen s. Lehmann. 
Schlachthaus 109. 
Schlaf 130. 
Schlangenbiss 109. 
Schlau 84. 94. 100. 
Schleiermacher 48. 107. 
110. 

Schienther 88. 100. 
Schlesien 92. 144. 
Schlesinger32. 15 1.178. 
Schlesische Ges. f. 

vaterl. Kultur 173. 
Schleswig Holstein 112. 
Schliemann 98 
Schloss, altes, 26 52. 

163. 169ff. 
Schmalz 62. 
Schmiedeberg 31 f. 36, 

43. 46. 53. 94. 97. 

109. 
Schmidt, Baurat, 123f. 

134. 137f. 140. 142. 

157. 165. 193.196. 
Schmidt, C , 45. 48. 53. 

„ , Prov.-Konser- 

vator, 169. 173. 
Schmidt-Reder 96. 
Schmidt V. d. Launitz 48 . 
Schneller 62. 77. 
Schnibbe 145. 149. 
Schnitzereien 22. 92. 

102. ' 
Schöffen 71. — saall60. 
Schöffenbücher 57. 59. 
Schönfeld 4. 17.20.24- 

56. 80. 82. 100. 
Schönsee 71. 82. 
Scholz 139. 144f. 158. 

166. 195. 
Schoner 59. 
Schopenhauer 28. 108. 
Schräge 62. 94. 
Schriften der Mitglieder 

116. 



— 214 — 



Schriften des Vereins 

113. 119. 124. 130. 

135. 144. 162. 172f. 

178. 
Schriftenaustausch 46. 

67. 72. 90. 97. 100. 

105. 108. 124. 135. 

137. 
Schröder 62. 78. 84. 94. 
Schröter 88. 127. 
Schüler 149. 156. 158. 

166. 169. 
Schtttzenbrttderschaft 

124. 145. 
Schtttzenhaus 97. 100. 

107. 136. 142. 145. 

152. 158. 
Schulen54 125.128.165. 
Schultz, Franz, 65. 70. 

73. 79. 82. 84. 
Schnitze, Baurat 149. 

153. 
Schultze, Dr. Martin, 

31 f. 39. 43. 45f. 50. 

70. 70. 78. 80. 82. 
Schultze, Dr. med ,145. 

149. 157. 
Schulz,Br.(Mamw.),72. 

„ , Dir., 123. 130. 

„ , Dr. med., 39. 

„ , Mjgor, 69. 77. 
Schumacher 12. (astr. 

Nachr.) 
Schustehrus 123. 
Schutzimpfungen 132. 
Schwartz, Ad., 66. 72. 

74. 87. 
Schwartz, Buchhändler, 

142. 146. 

Schwartz, E., Stadtrat, 
56. 68. 109. 

Schwartz, Herm. (Val- 
paraiso) 9. 

Schwartz, K sen. 62. 
„ , H. Jim. 
(Komm.-R.) 69. 86. 
106f. 111. 

Schwartz, Joh. Michael, 
7. 17. 



Schwartz, Konrad, 145. 
„ , Mythologe 

50. 
Schweden 59. 72. 163. 

—Kriege 40. — 

schanzen 24. 29. 

117. s. Burgwälle. 
Schweiz 74. 
Schwerin 108. 124. 
Schwerin, v. 142. 148. 

151. 163. 169. 
Schwetz 137. 
Schwurgericht 71. 
Scialoja 63. 
Sebold 84. 
Sedan 56f. 
Seele 169. 
Seewehr 101. 
Selbständigkeit 105. 
Seil, V, 139. 142. 
Sella 81. 106 
Seminar (f. Lehrerin- 
nen) 111.. 120. 166. 
Semrau 125. 128. 130f. 

132f. 134. 137. 140. 

142—148. 151f. 

154f.I58.163. 165f. 

175. 
Seneca 121. 
Septarienton 52. 
Septem Sidera 149. 194. 
Serafini 67. 70. 72. 
Serum 137. 140. 143. 
Setzke 112. 116. 
Seybt 129. 

Seyde 145. 148. 151. 
Seydel 101. 
ShakspearelO.311. 56. 

77. 106. 162. 166. 
Sich 149. 
Sicherheit 163. 
Siecke 57. 92. 
Siedamgrotzky 109.1 1 2. 

116f. 120f. 127f. 

132. 
Siegel 31. 44. 138. 170. 
Siegelwerk 187f 139. 

143. 152. 
Siegfriedsage 92f. 



Siegfried v. Feuchtwan- 
gen 47. 187. 

Siemens 98. 

Signalement der Ver- 
brecher 113. 

Silberberg 112. 

Silberhochzeit 103. 

Silbitz 100. 

Sunnau 106. 

Sunokatta 49f. 60. 

Simon 143. 

Simphicissiraus 33. 

Sinai 92f. 124. 126. 

Singverein 35. 53. 64f. 
68. 78. 157. 171. 

Sinnestäuschungen 129. 

Sinnet 104. 

Sitzungen 15f. 20. 41. 
51. 54. 56. 73. 76. 
79f. 83. 86. 89. 91. 

97. 100. 103. 106. 
114f. 116f.124.126. 
136. 140. 145. 147f. 
150. 166, 

Sitzungen ausserordent- 
liche 49f 90f. 106. 
115. 

Sitzungen öffentliche 79. 
„ vertrauliche 
20. 

Sitzungsberichte 25. 
Skizzenbuch 98. 
Skandinavien 31. 
Skarbek 40. 
Sklaverei 28. 
Skludzewo 44. 54. 
Slawen 26. 
Smithsonian Institution 

86. 100. 
Sobieski 103. 
Soemmerring, Hofrat v, 

10. 15. 36. 90.98. 
Soemmerring, Sam.Tho. 

V., 10. 31. 36. 39. 

43. 48. 5l.90.92f. 

98. 101. 186. — 
Denkmal 31. 90 99. 

Sokrates 158. 



— 215 



Sommervergnügen 82. 1 

122. 
Sonderabzüge 156. 158. 
Sonette 166. 

Soziale Frage 70. 80. 
Spaltpilze 99. 104. 
Spectralanalyse 61.95. 
Sphaere (achte) 81. 85. 

93. 

Spieilegium Copp. 149. 
195. 

Spielhagen 126. 

Spinoza 84. 100. 

Spontini 19. 

Sprachgebiet 136. 140. 
— reinheit 169. — 
verein 135. 148. 

Sprottau 106. 

Staat 70. 74. 121. 132f. 

— Staatenbildung 

35. 

Staatsarchiv 52. — be- 

hörden 11. 26. 63. 

69. 74. 90.92.147. 

171. —hülfe 29, s. 

Unterstützungen. 

—Verfassung (jüd.) 

77. 
Stachowitz, Bürgerm., 

127. 134f. 136.138 

163. 169. 171. 

Stachowitz, Pfarrer, 97. 

101. 104 140. 145f. 

152. 156f. 
Stadtarzt 59. — behör- 

den 16. 17. 25. 34. 

59. 61. 64. 77. 89f. 

94. 98. 117f 124. 

129. 133. 137. 154. 

160. 166. 142. — 

buch 137. — mauer 

176. —plan 137. 

—Sekretär 158. — 

verordnetensaal 1 34. 
Städtebund 95. — na- 

men 30. —tage 29. 
Stemmbücher 32. 
Stampa 36. 



Stanislaus August 40. 

93. 
Stanomie 36. 88. 
Statistisches Bureau 57. 
Statuten 3. 14. 67. 76. 

101 (s. Natio). 115 

(s. Obstbauv.). 120. 

125. 132. 140. 148. 

150. 
Staub 80. 81. 
Stavenhagen 112. 
Steeger 170. 
Stein 97. 124. 126. 

132. 134. 154. 
Steinalter 38. — beil 

113. —zeit 29. 
Steinau 148. 
Steinberg 62. 106. 112 

(Kuhn). 
Stembrecht 102. 104. 

109f. 127. 130. 135. 

195 
Steinkistengräber 29. 

145. 
Steinort 24. 27. 29. 

173. 175. 
Steinsetzung 37. 
Stephan 98. 
SterbUchkeit 60. 
Sternkunde 33. —warte 

18. 23f 65f. 74. 

89. 92. 121. 131f 
Stettin 162. 
Steuergebäude 76. 
Stickereien 148. 
Stiftende Mitglieder 67. 

139. 144. 161. 
Stillfried 60. 63. 70. 

98. 100. 
Stimmenzahl 140. 
Stipendien 18. 30. 40. 

66. 78. 94. 99. 106. 

108. 116. 125. 128. 

131. 135. 139. 141. 

144. S. Copp. Stif- 
tung. 
Stoboy 74. 83. 
Stockholm 163. 
Stoffwechsel 96. 98. 



Sterins 23. 
Strack 11. 
Strassburg Elsass, 57. 

60. 155. 
Strassburg W-Pr. 143. 
Strauss, David, 169. 
Strauss, Div.-Pf 140. 

157. 
Strehlke, Dr. E., 29. 
Strehlke, Du-., 87 f. 92f. 

97f. 106. 139f. 
Streitberg 34. 
Stroband 49. 52. 
Struve, V., 63. 74. 
Studentenleben 21. 
Studienreisen 143. 162. 
Stueler 11. 16. 34. 
Suarez 108. 110. 
Suche 57. 62. 
Sudan 107. 

Sudermann 146. 149. 
Suehnegeld 75. 
SuU 31. 
Surön 88. 95. 
Suter 117. 
Sybel 46. 
Sylvester II 137. 
Symbolik 28. 
Synagoge 22. 
Szymanski 125. 148. 
Tacht 74. 127. 142. 
Tagesordnung 40. 
Talmud 74. 
Taufbecken 101. 
Taufordnung 26. 35. 
Taunus 166. 
Telegraph 31. 36. 39. 

43. 48. 50. 90. 98. 

101. 
Telephon 84. 
Telke 62. 113. 118. 
Tellurium 87. 
Templm 12. 22. 41. 43. 
Tertiär 62. 
Teschke 88. 106. 
Testament, altes, 101. 

121. 
Thalstrasse 149. 



— 216 — 



Theater 45. 53. 98. 187. 

147. 151. 153. 161. 
Theodolit 13. 
Theokrit 31. 
Theophylaktos 49f. 60. 
Thiele 111. 
Thomas, Fabr., 149. 
Thomas a Kempis 96. 
Thompson 74. 80. 86. 

92. 106. 166. 
Thor 106. 
Thom 4. 8. 92. 126. 

— AnsichtenOD. 1 55. 

s. Lichtbilder. — 

Bauten 50. 89. 110. 

152. —Bedeutung 

89. —Blutbuch 40. 

— Blutgericht 35. 
106. 113. 143. — 
Bromb. Vorstadt 29. 

— Einverleibung 
133. — Erweiterung 
106.— Führerdurch 
Th. 173. 175. — 
Geognosie52.— Ge- 
schichte 2. 10. 16f. 
18. 23. 28. 35. 37f. 
40. 50. 56f 95. 99. 
125. 128. 166. 174f. 
177. —Gesundheit 
50. 88. — Grön- 
dungstag 94. — 
Häuser u. Hausbe- 
sitzer 28. 95. 117. 
—Handel 84. 95. 
125.128.— Himmel, 
nächtlicher, 91. — 
Hochzeitsordnung 
37. —Honigkuchen 
112. — Idiotismen 
45. — Kirchliche 
Zustände 40. 97, 
101. 140. 156. 165. 
—Kreis 17. 40. 73. 
103. 125. 156. 158. 
— Kreistag 129 — 
Kulmer Vorst. 141. 
—Medizinalwesen 
17. 136f. 146. 156. 



— Münzverhältnisse 
71. —Neustadt 97. 
— Neust. Kirche 4 1 . 
— N. Markt 114. 
— Nonnenkloster 
146. —Reform. Ge- 
meinde 56. — 
Rüstung 97. — 
Schloss 26. 88. — 
Stapelrecht 98. — 
Topographie 97. — 
Universität 71. — 
Wasserleitung pp. 
107. 137. — Wem- 
bau 107. 109. — 
Zeitungen 31. 44. 
81. 105. —Zustän- 
de 88 (1727). 

Thuemm'el 48. 54. 

Thukydides 45. 92. 

Thunert 143. 145. 153. 
161. 

Tieck, Frdr., 3. 

Tiede 22. 

Tieffenbach 95.101. 103. 

Tierschutzmittel 166. 

Tietzen 41. 96. 117. 
125. 158. 

Tilk 111. 116. 

Tilsit 78. 111. 

Titze 58. 62. 

Tivoli 50. 97. 

Tobolsk 36. 

Töchterschule 54. 82. 
99. 102. 120. 127f. 
136. 141. 147. 

Toppen 52. 100. 106. 
119. 

Tolstoi 63. 

Tomsk 36. 

Tongking 109. 

Topi 84. 

Topograph. Bureau 13. 

Toronto 124. 131. 

Totenbestattung 1 26. 
— kult 134. — mas- 
ke 137. 

Tote Stellen 87. 

Trachten 148. 161). 



Trauerspiel 113. 121. 
Traum 12. 40. 130. 

—buch 143. 
Treppe 22. 108. 127. 
Trepposch 107. 
Trier 103. 
Trojan 132. 
Tromnau 164. 
Troubadours 104. 
Trzcinski 54. 
Tuberkelbazillus 99. 

104. 
Türkenkrieg 104. 
Turmbau 14. 145. 
Turnhalle 143. 147. 
Turnverein 33. 157. 
Turwesen 74. 132. 146. 

156. 
Tycho Brahe 113. 
Tyszkiewicz 46. 
Uebersetzung 51. 66. 

72. 75. 78. 80. 82 

84. 89.— 159. 
Uebrick 100. 104. 137. 

152. 163. 173f. 
Uhland 28, 129. 152. 
Uhlenhuth 194. 
Ulmer Dom 48. 
Ungarn 101. 103. 
Universitäten 2 1 .23. 33. 

63f 65. 71. 75. 135. 
Universum 98f. 104. 
Unterstützungen 36. 40. 

71. 78.90.96. 102. 

105. 111. 124.138. 

146. 172. 
Upsala 59. 63. 70.81. 

114. 
Urceo Codro 78. 81. 85. 

88. 93. 
Ureinwohner 31. 
Urkunden 76. 81. 95. 

165. 169. 
Urnen 21. 31. 
Urpreussen 156. 
Val6ry 81. 

Valparaiso 65.72.166. 
VatikanischeBibüothek 

75. 



-- 217 — 



Varnhagen 56. 
Vendemini 84. 
Vegetation 144 
Yenusdurchgänge 56. 
Vereine 117. 127. 
Vereinsgeschichte 171. 
Vereinshaus 91. 125 

172. 
Verfassung 35. 
Vergletscherung 124 
Vergnttgungsaussch uss 

101. 106.109. 121f. 

123. 128. 134. 138. 

166. 170. 
Vermögen 10. 19. 30. 

45 55. 57. 70. 80. 

92. 95f. 101. 104. 

106. 109 117. 132. 

139f. 144. 153. 
Versöhnung (Ztschr.) 

137. 
Versteinerung 29. 
Vertrauensmänner 138. 

142. 146f. 
Vertrieb 63. 108. 124. 

130. 138. 
Vestalinnen 111. 
Victor Emanuel 63. 68. 
Victoria (Kronprin- 
zessin) 16. 103. 
Villersexel 58. 
Vmeta 21. 
Virchow 165. 168. 
Vittoria Colonna 78. 
Vivisection 92f. 95. 
Völcker 9. 22. 32. 
Völkennischung 124. 
Vogelschiessen 124. 
Vogtel 54. 
Voigt, Jul, 40. —Prof. 

125. 128. 171. — 

Leseverein 158. 
Volkmann, Dr,27f 31 f. 

58. 
Volkmann, Paul, 11 2. 

120. 
Volksbäder 159. — 

bibliothek 68. 135. 

158. — bildung 74. 



157. -held 78. — 
Krankheiten 56. — 
leben 174. — lese- 
buch 121. 155. — 
lieder 18. 33. 137. 
174. — märchen 18. 

136. —Medizin 50. 

— schule 56. 132 
(frz.). 158. —spiele 

137. — tracht 160. 
—Wohlfahrt 158. 

Volkstümliclies 136. 

Vorgeschichte 134 136. 
s. Praehistor. 

Vorlesungen, öffent- 
liche, 9. 18f. 28. 
30. 40. 87. 93. 96. 
98f. 108. Hl. 126. 
130. 134. 132. 155. 

158. 173. 174. 
Vorposten (ein Tag auf) 

74. 

Vorschussverein 33. 69. 

Vorsitz. Versammlung 
90. 

Vorstand 4. 17. 20, 
und sonst Jahr für 
Jahr; des Kunst- 
vereins 115. 

Vorträge, musikal., 60; 
wissensch. 14ff. 20f. 
24. 28 u. s. w. 

Vortragskunst 95. 

Wachen 132. 

Wachsmuth 103. 

Währung 136. 

Waffen 37. 145. 148. 
153. 156. 

Wagelokal 76. 

Wagner, Rieh., 18. 80. 
101. 

Wallis 32. 49. 57. 

Walter 139. 149. 151. 

Walther v. d. Vogel- 
weide 71. 

Waltharilied 126. 

Wanderausstellung 78. 

— Versammlung 93. 
97. 



Wandgemälde 128. 

Anm. 58. 
Wangerin 36. 
Wapowski 8i. 85. 
Wappen 31. 131. 137. 
Warda 97. 115. 125. 

153. 157. 
Warmiensia 150. 
Warschau 2. 59. 86. 

164. 
Warschauer 134. 
Wasers Garten 134. 
Washington 100. 
Wasser 78. 84. 120. 

— leitung 35. 84. 

107. 137. 165. 
Watzelrode59. 81.94f. 
Weese, G. sen. ; 7. 58. 

69.— jun. 142.145. 

155 169. 171. 
Weese, K., 4. 7. 9. 11. 

17. 20. 23. 42.45f. 

53 157. 
Weichselgebiet 144. 
Weidlich 88. 92. 100. 
Weidmann 63. 86. M4. 
Weilandt 94. 
Weil die Stadt 18. 30. 
Weimar 70. 131. 
Weinanalyse 101. —bau 

15. 59. 107. 109. 

113. 115. 133. — 

berge 94f. i07. 115. 

— kannen 173. 
Weinschenck 84. 126. 
Weisse, Astronom, 11. 

32. 178. 
Weisse, Major, 86f. 91 f. 

93. 100. 102. 121. 

123. 127. 130. 137. 

146. I61f. 173. 
Weh 33. 
Weltanschauungen 101. 

110. 156. 174. — 

all (Ztschr.) 175. 

— ausstellung 26. 

158. —karte 127. 

— klugheit 164. — 

literatur 17. 



218 



Wenden 28. 
Wendisch 80. 
Wendland 64. 
Wentscher, Dr., 95f. 

98. 106. 109. 111. 

113.131. 143f. 168. 
Wentscher, Gutsbes., 

33. 84. 127. 
Werner 81. 85. 93. 
Wemicke 8. 38. 
Werth 95. 109. 
Westpreussen 21. 40. 

107. 109. 126. 129. 

132. 152. 173. s. 

Histor. V. 
Wetterhäuschen 25. 43. 

52. 97. 107. 110. 
Wiehert 35. 
Wiesenburg 60. 
Wien 46. 81. 88. 104. 

129. 143. 146. 165. 
Wierzchoslawitz 170. 
Wilhelm I. 60. 62f. 

65. 68. 70f. 72f. 

75.89.91. 119.146. 
Wilhelm II. 193. 
Wilhelm III. von Eng- 
land 169. 
Wilhelm, Dr., 147, 163. 
Wilhelmsbibliothekl 52 
Wilke 145. 149. 
Willensfreiheit 116. 



Winckler 15. 32. 42. 

104. 162. 
Wind 94. 

Windisch 136.138 142. 
Windmüller 62. 70. 76. 
Winselmann 53. 58. 78. 

98f. 104. 121. 142. 

Winter 96. 
Wintzeck 136. 153. 
Wisselinck 83. 88. 92f. 

94f. 106. 118. 
Wissenschaft 49. 87f. 

95. 97. 
Wissensch. Sitzungen 

20. 24. 28.U. s. w. 
Wissensch. Verein 100. 
Witte 152. 154f. 156f. 

158. 
Wittich, V., 177. 
Wochenblatt 2561. 129. 

177. 
Wodtke 132. 137. 140. 

149. 

Wohnhaus 92. 104. 
Wohnung 134. 
Wolanski 29. 177. 
Wolfram 101. 186. 
Wolpe 142. 
Wolynski 91. 
Wulfers 72. 
Wundbehandlung 113. 
Xenien 93. 



Zahlzeichen 49. 
Zahn 101. 
Zahnheilkunde 143. 
Zeichen der Zeit 97. 
Zeidler 24. 34. 
Zeigland 144. 

Zeitschriften 13.82. 102. 
105. 108. 112.116. 
(f. M. u. Ph.). 135. 
137. 

Zeitungen 106.161. 

164. 
Zeitung, Thomer, 61. 

129. 
Zentralisation 165. 
Zemecke 88. 104. 139— 

153. 159. 166. 
Zetzsche 39. 
Ziegelei 94. 122. 135. 
Ziemer 106f. 109. 111. 

118. 121. 
Zillerthaler Alpen 137. 
ZiQtarski 146. 
Zietemann 36 
Zivilrechtspflege 45.49. 
Zlotterie 26. 
Zollparlament 119. 
Zwangserziehung 109. 
Zweigverein, wiss., 14. 

16 20. 



Anhang. 

Uebersichten. 



1 Vorstandsmitglieder. 

Vorsitzender: Koerner 1854 bis 59 und 1867 bis 68. Dr. Meyer 
1860 bis 64 und 1869. Joseph 1865 und 66. L. Prowe 1870 bis 87. 
Boethke 1888 bis jetzt. 

Stellvertretender Vors.: Dr. K. Weese 1854 bis 57. Dr. Güte 
1858 bis 59. Joseph 1859 bis 64. L. Prowe 1866 bis 69. v. Lossow 
1870 bis 74. Hoppe 1875 ^^^ 82. v. Holleben 1883 bis 88. Ziemer 
1889. Bender 1890 und 91. Dr. Siedamgrotzky 1892. Dr. Lindau 
1893 bis jetzt. 

Erster Schriftfahrer: L. Prowe 1854 bis 64. Brohm 1865 
bis 67. Boethke 1868 und 69. 75 bis 79. Curtze 1870 bis 74. 80 
bis 83. 1886 bis 87. Dr. Cunerth 1884 und 85. Bender 1888 und 89. 
Andriessen 1889 und 90. Martell 1891 bis 96. Lottig 1897 bis jetzt. 

Zweiter Schriftführer : Brohm 1854 bis 57 und 1860 bis 64. 
Dr. Lehmann 1858 und 59. Boethke 1865 und 66. Dr. M. Schnitze 
1867 bis 69. Boethke 1870 bis 73. Hagemann 1874. Dr. Meisner 
1875 bis 82. Bender 1883 bis 85. Ziemer 1886 bis 88. Martell 
1889 ^^^ 90- Matzdorff 1891 bis 96. Cuny 1897 ^^^ 9Ö- Kowalski 
1899. Dr. Witte 1900. Dr. Finger 1901. Schueler 1901 bis jetzt. 

Schatzmeister: Schoenfeld 1854 bis 60. Fasbender 1861 bis 
92. G. Prowe 1893 und 94. Glückmann 1895 bis jetzt. 

Bibliothekar: Semrau 1893 bis jetzt. 



220 — 



2. Ehrenmitglieder. 



1854: I. Lauber, 2. v. Olfers, 3. Stueler, 4. Strack, 5. Weisse 
(Krakau), 6 Busch, 7. Anger ; 1856 : 8. Goltz ; 1864 : 9. Karlinski ; 
1865: 10. Hirsch; 1866: 11. v. Quast; 1868: 12. Boncampagni; 
1871 : 13. Gherardi ; 1873 : 14. v. Stillfried, 15. B. zu Eulenburg, 16. 
Occioni, 17. Serafini, 18. Pellicioni, 19. Ferrucci, 20. Thompson, 
21. Bruhns, 22. Galle, 23. Knoblauch, 24. Caspary, 25. Kosack, 26. 
Bail, 27. Caro, 28. Foerster, 29. Menzzer, 30. Cantor, 31. Hipler, 
32. V. Kelle; 1874: 33. v. Struve, 34. Löwenberg, 35. v. Flottwell; 
1875: 36. Dr. Meyer; 1876: 37. G. Freytag, 38. Malagola, 39. 
Günther (Ansbach); 1878: 40. v. Hörn, 41. Röpell (Breslau), 42. 
Malvezzi de Medici, 43. Lehmann (Schkölen); 1879: 44. v. Achenbach; 
1881 : 45. Favaro ; 1882 : 46. Kausch, 47. Weisse (Major) ; 1883 : 
48. Meisner, 49. Hoppe; 1885: 50. Steinbrecht; 1890: 51. v. Emst- 
hausen; 1891: 52. Bender; 1894: 53. Curtze. 

(Die Lebenden sind durch den Druck hervorgehoben). 

3. Korrespondirende Mitglieder. 

1861 : I. Kreisbaum. Passarge zu Strassburg, 2. Kreisger.-R. 

Niemann zu Strassburg-^ 3. Pred. Blümel-Gollub, 4. Domherr Klingen- 

berg-Löbau, 5. R.-Anw. Obuch-Löbau, 6 Rentier ßeyer-Freystadt, 

7. Reg.-R. Jacobi-Marienwerder, 8. Rentier Gericke-Graudenz. 1864: 

9. Rent. Hornemann-Gollub. 1869: 10. Landrat a. D. v. Heyne- 

Kruschwitz, 11. Gutsbes. Jos.\ v. Trzcinski, 12. Bauinsp. Vogtel- 

Inowrazlaw, 13. Gutsbes. Eccardt-Kijewo, 14. Apoth. Thümmel- 

Briesen, 15. Rittergutsb. Brauer-Südudziewo, 16. Dom.-Rentmeister 

Happel . Gollub. 1873: 17. OberlXür. Schultz-Kulm, 18. Probst 

Lehmann-Schkölen (1878 Ehrenmitglieid). 1876 : 19. Prof. Malagola- 

Bologna (78 Ehrenm.), 20. Oberl. Dr. Vi. Günther (1881 Ehrenm.). 

1878: 21. Prof. Favaro-Padua (1881 Eh^nm.). 1882: 22. Prof. Dr. 

Houel-Bordeaux (f 1886). 1890: 23. .kssist. an der Sternwarte 

Buszczynski-Krakau. 1896: 24. Rebitzki-LaiWnburg (j. Neufahrwasser), 

25. Hillebrandt-Argenau, 26. Henkel-CheliSßonie (j. Jena), 27. Gold- 

standt-Löbau, 28. Dr. Simon -Schulitz, 29Y Herrmann - Strassburg, 

30. J^drzejewski - Gorzno (j. Königshütte), |3i. Glückmann-D.-Eyiau 

(j. Breslau), 32. Thunert-Kulmsee. 1897 : 3|3. Scholz-Marienwerder, 

34. Froehch-Frankfurt a/M. 1901 : 35. Preusc\off-Frauenburg (f 1902). 

1902: 36. Mundkowski-Mühlhausen. 



— 221 — 

4. Ordentliehe Mitglieder gegenwärtig. 

(Die Zahl vor dem Namen bedeutet das Jahr des Eintritts vom 19. Febr. au gerechnet.) 

1896. Aronsohn, Rechtsanwalt. 1896. Asch, Bankdirektor. 
1899. Bator, Rektor. 1894. Bischoff Ldg.-R. Danzig. 1862. Boethke, 
Professor. 1895. Borchardt, Kaufmann. 1895. Cuny, Landesbauinspek- 
tor, Eisenach. 1873. Dauben, Kaufmann. 1901. Davitt, Zahnarzt. 1889. 
Dietrich, Stadtrat. 1898. Drewitz, Fabrikbesitzer. 1899. Erdtmann, 
Lehrer. 1898. Gerson, Fabrikbesitzer. 1899. Gimkiewicz, Dr. med. 
1882. Glückmann, Kaufmann. 1898. Goldmann, Dr. med. 1899. 
Hasse, Pfarrer. 1902. Hecht, Fabrikbesitzer. 1901. Heuer, Pfarrer. 
1894. Hirschberg, Ldg.-Rat. [896. Hirschfeldt, L., Kaufmann. 1876. 
Horowitz, Dr., Professor. 1894. Houtermans, Fabrikbesitzer. 1883. 
Jacobi, Pfarrer. 1894. v. Jakubowski, M.-Sch.-Lehrer. 1893. Ulgner, 
H., Kaufmann. 1902. Isakowski, M.-Sch -Lehrer. 1881. Kittler, 
Stadtrat. 1895. Ko^-des, Albert, Kaufmann. 1895. Kordes, . Fritz, 
Kaufmann. 1896. Kriwes, Stadtrat. 1878. v. Kunkel, Oekonomierat 
Markowo. 1893. Kunz, Dr. med. 1895. Laengner, Fabrikbesitzer. 
1876. Lambeck, Buchhändler. 1871. Lewus, Oberlehrer a. D. 1902. 
Liedke, Dr. med, 1867. Lindau, Dr., Geheimrat. 1895. Lottig, 
Rektor. 1901. Luckau, M.-Sch.-Lehrer. 1883. Martell, Ober-Ldg.-R., 
Posen. 1880. Meyer, Dr. med., San..R 1897. Musehold, Dr., Ober- 
stabsarzt. 1902. Ortel, Reichsbankdirektor. 1901. van Perlstein, 
Direktor. 1898. Pommer, Rechnungsrat. 1898. Prager, Dr. med. 
1903. Prowe, Dr. Fr., Oberlehrer. 1899. Rawitzki, Kaufmann. 1887. 
Reuter. Zahlmeister, Stettin. 1895. Riefflin, Kaufmann. 1883. Ritt- 
weger, Kaufmann. 1893. Rosenberg, Rabbiner. 1898. Saft, Dr. med. 
1892. Semrau, Oberlehrer. 1898. Sich, Erich, Lehrer. 1898. Szy- 
manski, Mittelsch.-Lehrer. 1897. Schnibbe, Kaufmann. 1898. Schueler, 
Rektor. 1896. Schwartz, E. F., Buchhändler. 187 1. Schwartz, H, 
sen., Stadtrat. 1872. Öchwartz, H. jun., Kommerzienrat. 1897. 
Schwartz, Konrad, Maurermeister. 1891. Stachowitz, Bürgermeister. 
1903. Steger, Dr., Kreisarzt. 1881. Stein, Rechtsanwalt. 1898. 
Thomas, H., Fabrikbesitzer. 1886. Tilk, Stadtrat. 1882. Uebrick, 
Baumeister. 11898. Ulmer, Fr., Kaufmann, Mocker. 1896 Weese, 
Fabrikbesitzer. 1880. Wentscher, Dr. med. San.-R. 1899. Wilhelm, Dr., 
Oberlehrer. 1896. Wolpe, Dr. med. 1897. Zi^tarski, Divisionspfarrer. 
Zusammen 75. 

Die Gesammtzahl der ordentlichen Mitglieder während dieser 
50 Jahre betrug 365. 



— 222 



5. Satzungen. 



a) Statuten des Coppernicus- Vereins für Wissenschaft und Kunst 
in Thom. Thorn 1873, gedruckt bei Ernst Lambeck. 

§ 1. 

Der Zweck des Vereins ist die Förderung wissenschaftlicher 
und künstlerischer Bestrebungen. 

Insbesondere geht seine Aufgabe dahin : 

a. Die Quellen der hiesigen Lokalgeschichte zu ermitteln und 
nutzbar zu machen, 

b. Altertümer, Denkmale der Kunst oder Sachen sonstigen 
antiquarischen Wertes zu erforschen und zu erhalten, 

c. Unterstützungen für wissenschaftliche oder künstlerische 
Unternehmungen und Leistungen aus den Mitteln des Ver- 
eins zu gewähren. 

§. 2. 

Die Mittel des Vereins bestehen aus dem bei seiner Gründung 
am 15. Oktober 1853 vorhanden gewesenen Stammkapitale, im Be- 
trage von 500 Thlr., dem später aus dem Zinsertrage und ander- 
weitigen Quellen angesammelten Kapitale, den einmaligen oder 
laufenden Beiträgen der Vereinsmitglieder und sonstigen Zuwen- j 
düngen, (§ 8.) 

Das Stammkapital darf nur dann in Anspruch genommen wer- 
den, wenn dies in einer ausserordentlichen Sitzung (§ 14) mit 
Stimmenmehrheit beschlossen wird. 

§3. 

Die zinsbare Unterbringung der Vereinsmittel erfolgt nach 
Massgabe der Beschlösse des Vereins. 

Hypothekenkapitahen werden auf den Namen des städtisdien 
Depositoriums der milden Stiftungen eingetragen. Die Einziehung 
dieser Kapitalien, sowie der Zinsen derselben, erfolgt durch den 
Magistrat auf Antrag des Vorstandes des Vereins. 

Hypothekendokumente und courshabende Wertpapiere werden 
vom Vorstande dem Magistrate zur Aufbewahrung in seinem Depo- 
sitorium der milden Stiftungen übergeben. 

Die Zahlung der vom Magistrate eingezogenen Kapitalien und 
Zinsen, sowie die Rückgabe der ihm zur Aufbewahrung übergebe- 
nen Dokumente und Wertpapiere erfolgt auf Antrag des Vorstaudes 
gegen dessen Quittung. Die Quittung muss von zwei Mitgliedern 



— 223 — 

des Vorstandes, in der Regel dem Vorsitzendai und dem ScbaU- 
meister, unterzeichnet sein. 

§4. 

Die Mitglieder des Vereins sind: 

a. ordentliche, 

b. korrespondirende, 
e. Ehrenmitglieder. 

§5. 
Alle Mitglieder sind berechtigt, an den Monatssitzungen und 
General- Versammlungen Teil zu nehmen. Stimmberechtigt in Ver- 
einsangelegenheiten sind nur die ordentlichen und die Ehrenmitglieder. 

§6. 

Ordentliches oder korrespondirendes Mitglied kann nur werden, 
wer, den Vereinszweck zu fördern, fähig und bereit ist. 
I Jedes ordentliche Mitglied ist verpflichtet, spätestens binnen 

sechs Monaten nach seiner Aufnahme einen Vortrag bei dem Vor- 
sitzenden anzumelden und in einer von dem Letzteren zu bestim- 
menden Monatssitzung zu halten. (§ 12.) 
I Korrespondirendes Mitglied kann nur sein, wer ausserhalb 

Thom's seinen Wohnsitz hat. 

Die Meldung erfolgt beim Vorsitzenden des Vereins schriftlich. 
Dieser macht von der Meldung in der nächsten Vorstandssitzung, 
und, wenn in dieser nicht vier Mitgüeder des Vorstandes der Auf- 
nahme widersprechen und damit die Anmeldung beseitigen, in der 
nächsten Monatssitzung des Vereins, Mitteilung. 

Die Abstimmung über die Wahl ist geheim und erfolgt in der 
hierauf folgenden Monatssitzung. 

Zur Aufnahme sind drei Viertel der abgegebenen Stimmen 
erforderUch. 

§7. 

Bei der Aufnahme von Ehren-MitgUedern kommt das im § 6 
angeordnete Verfahren mit der Aenderung zur Anwendung, dass 
an Stelle der direkten Meldung (§ 6) ein schriftlicher, motivirter 
Antrag von mindestens drei ordentUchen Mitgliedern tritt. 

§8. 
An Beiträgen zahlt ein ordentUches Mitglied 2 Thlr. jährlich. 
OrdentUche Mitglieder, welche einen einmaligen Beitrag von min- 
destens dreissig Thalem zahlen (stiftende Mitglieder), sind von der 
Zahlung der jähriichen Beiträge frei. Jedes ordentliche Mitglied 
zahlt ausserdem 1 Thaler Eintrittsgeld. 



224 



§ 9. 
Für das zur Zeit der Aufnahme laufende Halbjahr wird kein 
Beitrag gezahlt, wenn bereits 3 Monate desselben verflossen sind. 
Das Vereinsjahr beginnt am 19. Februar. 

§ 10. 
Der Austritt erfolgt durch schriftliche, an den Vorstand zu 
richtende Erklärung, jedoch ist der Beitrag für das laufende Halb- 
jahr zu zahlen. Ein für alle Male geleistete Beiträge werden nicht 
zurückgegeben, mit Ausnahme des im § 11 vorgesehenen Falles. 

§ 11. 

Mitglieder, welche sich der Mitgliedschaft unwürdig machen, 
oder welche ihren Verpflichtungen gegen den Verein beharrlich 
nicht nachkommen, können aus dem Vereine ausgeschlossen werden. 
Der Antrag auf Ausschliessung ist von 3 ordentlichen Mitgliedern 
dem Vorstande schrifüich einzureichen. Derselbe wird in der 
nächsten Monatssitzung mitgeteilt und in der darauf folgenden Mo- 
natssitzung zur Abstimmung gebracht. Die Abstimmung ist geheim. 
Sie kann nur stattfinden, wenn mindestens zwei Drittel der in Thorn 
wohnhaften, ordentlichen Mitglieder anwesend sind. 

Zur Annahme des Antrages ist eine Mehrheit von drei Vierteln 
der Abstimmenden erforderlich. Der Ausgeschlossene erhält, wenn 
er stiftendes Mitglied ist, seinen Beitrag zurück. 

§ 12. 

Die ordentlichen Vereinssitzungen finden monatlich, in der 
Regel an dem auf den ersten des Monates folgenden Montage, statt. 
Zu denselben werden nur die hier am Orte wohnhaften und sich 
aufhaltenden Mitglieder durch den Vereinsboten mittelst Circulares, 
welches die Tagesordnung enthält, eingeladen. Die Bescheinigung 
des Vereinsboten, dass die Einladung den Mitgliedern selbst oder 
deren Hausgenossen, einschliesslich Gesinde, mitgeteilt sei, genügt. 

Nach Erledigung der laufenden Geschäfte werden Vorträge 
(§ ^) gehalten oder Mitteilungen aus dem Gebiete der Wissenschaft 
und Kunst gemacht. In den letzteren Teil der Sitzung können, 
unter Anmeldung bei dem Vorsitzenden, durch die Vereinsmitglieder 
Gäste eingeführt werden. 

§ 13. 

In die Monatssitzungen gehören, ausser den Anträgen, be- 
treff*end die Aufnahme neuer Mitglieder und die Wahl der letzteren 
(§§6, ^7): 



— 225 -- 

a. die Angelegenheiten, betreffend die Verwaltung des Ver- 
einsvermögens, soweit hierzu nicht eine ausserordentliche 
Sitzung erforderlich ist (§2), 

b. die Wahl des Vorstandes (§§ 16, 17), 

c. die Prüfung der Rechnungen des verflossenen Jahres und 
die Entlastung des Schatzmeisters, sowie die Decharge, 

d. die Beratung über sonstige Anträge, welche im Sinne des 
§ 1 gestellt worden sind. 

Die Beratung resp. Erledigung ad b. findet in der Sitzung 
des Monats Dezember statt. Die Beschlüsse werden durch die 
Mehrheit der Abstimmenden gefasst. 

§14 

Ausser den ordentlichen Monatssitzungen finden ausserordent- 
liche Sitzungen (Generalversammlungen) statt, wenn 

a. die Statuten abgeändert, oder 

b. über das Stamm-Kapital (§ 2) verfügt werden soll. 

Zu diesen werden alle im Gebiete des Deutschen Reichs 
wohnenden, ordentlichen Mitglieder unter Mitteilung der Tages- 
ordnung eingeladen, die nicht hier wohnenden mittels rekomman- 
dirter Briefe, jedoch nur, wenn sie ihren Aufenthalt dem Vor- 
stande angezeigt haben. 

Die Einladungen müssen mindestens 8 Tage vor der ausser- 
ordentlichen Sitzung erfolgt, beziehungsweise zur Post gegeben sein. 

§ 15. 
Am 19. Februar, dem Geburtstage des. Nicolaus Coppernicus, 
findet eine öffentliche Sitzung des Vereins statt. In derselben wird 
vom Vorsitzenden der Jahresbericht erstattet und von einem Ver- 
einsmitgliede ein Vortrag über einen wissenschaftlichen Gegen- 
stand gehalten. 

§ 16. 

Geleitet und vertreten wird der Verein durch seinen Vorstand, 
welchem die selbstständige Erledigung aller derjenigen Vereinsange- 
legenhejten obliegt, in Betreff deren die Kompetenz - nicht den 
Monatssitzungen oder ausserordentlichen Sitzungen vorbehalten ist. 

Der Vorstand besteht aus 

a. dem Vorsitzenden, 

b. dem Stellvertreter des Vorsitzenden, 

c. dem Schriftführer, 

d. dem Stellvertreter des Schriftführers, 

e. dem Schatzmeister. 



— 226 — 

Der Vorsitzende beruft und leitet die Sitzungen und giebt, 
wenn bei Abstimmungen Stimmengleichheit stattfindet, den Ausschlag. 
Zur Fassung von Vorstandsbeschlüssen ist die Mitwirkung 

a. des Vorsitzenden oder, in dessen Behinderung, seines 
Stellvertreters, 

b. eines Schriftführers, 

c. mindestens noch eines dritten Mitgliedes des Vorstandes 
erfordern eh. 

§ 17. 

Der Vorstand wird mittels Stimmzettel aus der Zahl der ordent- 
lichen Mitglieder, und zwar jedes Mitglied in einem besonderen 
Wahlgange, gewählt. Die absolute Mehrheit der Abstimmenden ist 
erforderlich. 

Ergiebt sich bei zwei Abstimmungen keine absolute Mehrheit, 
so werden diejenigen Beiden, welche die meisten Stimmen haben, 
auf die engere Wahl gebracht. 

Bei Stimmengleichheit entscheidet das Loos. 

§ 18. 
Der Verein steht unter dem Protektorate des Ober-Präsidenten 
der Provinz Preussen, welchem alljährlich über die Wirksamkeit 
des Vereins von dem Vorstande Bericht zu erstatten ist. 

Thorn, den 23. November 1872. 

Der Coppernicus-Verein 

fär Wissenschaff und Kunst 



Vorstehende Statuten werden hiermit, soweit dieselben die im 
§ 3 enthaltenen Bestimmungen betreffen, unsrerseits bestätigt. 

Thorn, den 10. Januar 1873. 

(L. S.) 

Der Magistrat. 

Bdlmann. Bänke. 



Nachdem der Herr Ober-Präsident der Provinz Preussen das 
Protektorat des Vereins übernommen hat, publicirt am Tage der 
Feier der vor vier Jahrhunderten hier erfolgten Geburt des Nicolaus 

Coppernicus. 

Thorn, den 10. Februar 1873. 

Der Vorstand 

des. Coppernicus^Vereins fflr Wissenschaff und Kunst 
Dr. L. Prowe, v. Lossow, 

. Professor, Königlicher Staats-Anwalt, 

Vorsitzender. Stellvertreter des Vorsitzenden. 

Dn Fasbender, Boethke, 

Professor, Schatzmeister. Oberlehrer, Schriftführer. 

Hagemann, 

Stadtrat und Syndicus, Stellvertreter des Schriftführers. 

b. Satzungen des Coppernicus- Vereins für Wissenschaft und Kunst 

in Thorn. 

Thorn 1896. Druck der Ratsbuchdruckerei Ernst Lambeck. 

(Die Veränderungen gegen das Statut von 1873.) 

§ I. . . . b. Denkmäler der Vergangenheit, Werke der Kunst 
^d Gegenstände, welche für die Heimatkunde von Wert sind, 
zu erforschen und zu erhalten, c. wissenschaftliche und künstlerische Unter- 
nehmungen und Leistungen zu fördern, d. geeignete Abhandlungen unter 
dem Titel „Mitteilungen des Coppernicus- Vereins für Wissenschaft 
und Kunst zu Thorn" zu veröffentlichen. 

§ 2 angesammelten, zur Zeit in Höhe von 1000 M. vor- 
handenen Mehrbestande, die einmaligen A. . . . Zuwendungen (§8). Das 
Stammkapital darf nur dann pp. 

§ 3. ... des Vorstandes gegen Quittung des Schatzmeisters. Die 
Zusammensetzung des Vorstandes wird dem Magistrate alljährlich 
mitgeteilt. 

§ 4. unverändert. 

§ 5. ... Hauptversammlungen teilzunehmen und die Sammlungen 
des Vereins zu benutzen. 

§ 6. Ordentliches Mitglied kann jede Person werden, welche 
den Vereinszweck zu fördern bereit ist. Zu korrespondierenden 
Mitgliedern werden solche ausserhalb Thorns wohnende Personen 



— 228 — 

gewählt, von denen der Verein eine Förderung seiner Ziele erwartet. 
Zu Ehrenmitgliedern können diejenigen Personen ernannt werden, 
welche sich um Wissenschaft und Kunst oder um den Verein in 
hervorragender Weise verdient gemacht haben. Die Meldung zur 
ordentlichen Mitgliedschaft erfolgt bei dem Vorsitzenden des Vereins schrift- 
lich. Anträge auf Ernennung von korrespondierenden und Ehren- 
mitgliedern sind von Mitgliedern des Verei ns zu stellen. Die Namen 
der Angemeldeten sind in der nächsten Monatssitzung dem Verein 
mitzuteilen. Die Abstimmung . . . Monatssitzung. Zur Aufnahme genügt 
die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen. 

§ 7 fällt fort. 

§ 7. (fr. 8) Mitglied 10 M. jährlich. Die auswärtigen ordent- 
lichen Mitglieder erhalten dafür die „Mitteilungen" des Vereins un- 
entgeltlich. Ordentliche ... mindestens 150 M. zahlen .... frei. Von 
dem Beitrage jedes stiftenden Mitgliedes sind 100 M. zu dem Kapi- 
tale (§ 2) zu schlagen, jedes ... 5 M. Eintrittsgeld. Die Jahresbei- 
träge werden von den einheimischen Mitgliedern in halbjährlichen, 
von den auswärtigen in jährlichen Raten erhoben, (fr. § 9) Für das 
. . . gezahlt. Das Vereinsjahr ... 19. Februar. 

§ 8. (fr. 10) zu zahlen. 

§ 9. (fr IC.) Mitglieder welche ein Jahr lang den Beitrag nicht 
gezahlt haben und zweimaliger Aufforderung zur Zahlung nicht nach- 
gekommen sind, werden vom Vorstande aus der Liste der Mit- 
glieder gestrichen. 

§ 10. (fr. 12.) Zu denselben werden alle ordentlichen Mitglieder 

unter Mitteilung der Tagesordnung eingeladen. Nach Erledigung . . . ein- 
geführt werden. 

§ 11. (fr. 13). In die . . . ausser den unter § 6 bezeichneten Anträgeü: 
a und b unverändert, ebenso c bis Schatzmeisters, d bis gestellt worden sind. 
Alle Beschlüsse werden durch die Mehrheit der Abstimmenden gefasst. Bei 
Stimmengleichheit giebt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag. 

§ 12. (fr. 14.) Ausser . . . Sitzungen (Hauptversammlungen) statt . . 
oder b. das Kapital (§ 2) angegriflfen werden soll. Die ausserordentlichen 
Sitzungen werden durch den Vorsitzenden berufen, und müssen 
berufen werden, wenn dieses in einer Monatssitzung beschlossen 
wird. Die Einladungen . . . sein. 

- § 13. (fr. 15.) Am 19 ... . Vereinsmitgliede ein wissenschaftlicher 
Vortrag gehalten. 

§ 14. (fr. i6.) .... Vorstand. Diesem liegt die selbständige Erledigung 
aller Vereinsangelegenheiten ob, soweit dieselben nicht der Zuständigkeit 
der Vereinsversammlungen vorbehalten sind. Der Vorstand . . .Schatz- 



229 — 



mcister, f. dem Bibliothekar. Der Vorstand tritt auf Einberufung durch 
den Vorsitzenden zusammen, und beschliesst mit Stimmenmehrheit; 
bei Stimmengleichheit giebt der Vorsitzende den Ausschlag. Zur 
ßeschlussfähigkeit des Vorstandes ist die Anwesenheit der Mehrheit 
seiner Mitglieder erforderUch. 

§ 15. (fr. 17) . . . wird im Dezember für das nächste Vereinsjahr 
mittels . . . Zahl der einheimischen ordentlichen pp (bis Ende). 

§ 16. Im Falle der Verein sich auflösen sollte, werden seine 
Fonds und Sammlungen dem hiesigen Magistrate zur einstweiligen 
Verwaltung und Aufbewahrung übergeben und bleiben demselben 
so lange belassen, bis sich am hiesigen Orte ein anderer Verein 
bildet, der gleiche oder ähnliche Zwecke verfolgt wie der aufgelöste. 
Demselben können diese Fonds und Sammlungen übergeben werden. 

§ 17. (fr. 18) ... . Provinz Westpreussen, welchem alljährlich der 
Jahresbericht einzusenden ist. 

Thorn, den 20. Januar 1896. 

Der Coppernicus^Verein 

für Wissenschaft und Kunst. 



Boetbke, 

Vorsitzender. 

Martell, 

Stell V. d. Schriftführers. 



Dr. Lindau, 

Stellv. d. Vorsitzenden. 

Glückmann, 

Schatzmeister. 



Matzdorff; 

Schriftführer. 

Semrau, 

Bibliothekar. 



6. Festlieder. 
Nieolaus Coppernieus. 



Zur 



Feier der 4oojähr. Wiederkehr seines Geburtstages 
am 19. Februar 1873. 



j 



a feiern wir Dich I heul* stehst Du vor uns, der Mann still schaffender Arbeit, 
Den sinnenden Blick zum Himmel gewandt in des Geistes ernstester Sammlung, 
Bis Dir sich enthüllt, dem Denker zum Lohn, der wandelnden Sterne, Ge- 
heimniss. 



230 - 



Am Geiste Du gross, doch auch frei Du am Geist und vereint mit 4en 
Rittern vom Geiste. 
5 So riefst Du herbei, im Solde des Lichts, ^er Zeiten ge\^ altigen Umschwung ! 

Derweil Du entfernt vom Geräusche der Welt die himmhschen Kreise noch 
ordnest, 

Vertiefte sich schon, vereinsamt zuerst, dass Frieden erfüllte die Brust ihm, 

In des Glaubens Schacht des Bergmanns Sohn, der bibeldurchspähende 
Luther, 

Und fördert zu Tage — schon harrt ja das Volk — das Gold erlösender 
Wahrheit. 
IG Doch während Ihr uns die Himmel gewinnt, der eine den stemegeschmOckten 

Der andere ihn, den das Herz ersehnt, wann tief es seufzet in Drangsal : 

Hat mit mutiger Tat — von ahnendem Sinn ward des Geistes Segel ge- 
schwellt ihm — 

Schon Christoph Colon, der kühne Pilot, gen Westen die Erde entdeckt uns, 

Dass länger nicht noch, als die himmhsche Welt, die heimische Erde uns 
fremd sei. 
15 So stehet Ihr Drei im Dienste des Geist's abhold der beengenden Satzung, 

Vom Mute der Demut innen gestählt und glaubend die Kräfte der Wahrheit. 

Im Morgenrote des Tages verklärt, den selbst Ihr zum Siege geführt habt! 

Doch heute zumal begrüssen wir Dich, den Himmelsdurchforscher Kopernik I 

Geweihten Blicks hast klar Du geschaut in der himmhschen Kreise Ver- 
schlingung. 
20 Dir entwirrten sie sich: um die Eine gesellt, die lebenspendende Sonne, 

Vollbringen die andern, harmonisch gefügt, den majestätischen Ringtanz, 

Mit ihnen der Erde rollend Gestirn, uns allen die nährende Heimat, 

Doch um sie wieder sich schwingend der Mond, geleitend in ruhiger Pracht sie. 

O herrlicher Bau ! „Wer möchte denn je — so riefst wie himmUsch ent- 
zückt Du — ♦) 
25 Versetzen die Fackel an anderen Ort in diesem schönsten der Tempel, 

An besseren Ort, als wo sie zugleich den ganzen herrlich erleuchtet. 

Mit trefflichem Wort von Manchem genannt ward längst die Leuchte der 
Welt sie. 

Von anderen sie die Seele der Welt und sie die Himmelsregentin ; 

Lenkt sicher sie doch familienhaft vom Throne die kreisende Sternschaar. 
30 Und nicht mangeln der Erde die Dienste des Monds, dem selber sie innig 
verwandt ist; 

Doch an der Sonne befruchtet sie sich in jährlich erneuerter Zeugung. 

O staunenswürdig die Ordnung der Welt, der GHeder symmetrische Fügung : 

Wie sie wandeln daher, wie an Grösse sie sind — nicht bessere Ordnung 
erfindbar !" 

.So riefst Du dereinst, und mit sicherer Hand vollzogst Du der Erde Ent- 
thronung, 
35 Enthobst Du der Sonne hohes Gestirn sich lang hinschleppender Knechtschaft, 

Die der Irrtum ihr schuf, Jahrtausende lang gehegt von bequemer Gewohnheit 

Du fürchtetest nicht den versteinerten Wahn, nicht die lärmende Phrase der 
Leerheit ; 



•) Nicol. Coppernicus, Von den Umwälzungen, Buch J, Kap. 10. 



— 231 — 

Nein ! verwegenem Wort:, das die Wahrheit entstellt, hast volle - Verachtung 
gelobt Du ! 

Und was Du geahnt, ward köstlich erfüllt! es drang ja kämpfend zum Sjege, 
40 Als arbeitermüdet Dein Auge sibh schloss, die Wahrheit, die Du erschaut hast, 

Zu vergleichen dem Tag, der die Wolken der Nacht, die Nebel des Morgens 
.durchdringt erst, 

Bis in göttlicher Pracht aUüberallhin die Sonne ihr Leben entsandt hat. 

Und es kam ja der Tag, der goldene Tag! die himmhschen Sphären be- 
lauschend 

Hat Kepler's Genie entfaltet vor uns der Wandelgestirne Gesetzbuch, 
45 Und gigantischen Geist's hat Newton darauf, die Tiefen der Dinge ermessend. 

Die Kraft uns gelehrt, die StaUb an Staub, die Welten an Welten geknüpft hält. 

Ja feiern wir Dich und feiern den Tag, der Dich, Kopernik, der Welt gab! 

Wohl streiten sie heut', ob slavischen Bluts, ob Du germanischer Art seist ! 

Doch frommt nicht der Streit, so eifrig entfacht! gehörst doch der denken- 
den Welt Du ! 
50 So, leuchtender Held, bist der Unsere Du, wie die leuchtende Sonne ge- 
hört uns, 

Und die Erde mit ihr, von der Sonne belebt, und die ihre Bahn Du ge- 
lehrt hast. 

Ja feiern wir Dich, hier festlich vereint, 
Vom Danke beseelt, der reich Dir gebührt, 
Dein geistiges Bild erneuernd in uns, 
55 Zu der Wahrheit Dienst uns bindend aufs Neu', 

Um lauteren Muts Dein würdig zu sein. 

Der so lauter Du strahlst ■— 
So feiern den festlichen Tag wir ! 

KARL LEHMANN, 

Probst in Schkölen bei Naumburg a/S. 

F e s 1 1 i e d. 

Mel.: Strömt herbei ihr Volkerscharen, 

Sind zu froher Weihnachtsfreude, 
Freunde, wir vereint zum Mahl, 
Lasst ein Wort aus Herzensgrunde 
Wiederhallen laut im Saal : 
Ew'gen Preis Dir, grosser Ahne, 
Der der Erde ihre Bahn, 
Losgelöst von ird'schem Wahne, 
Wies im Heer der Sterne an. 

Könnt der Weltlauf auch verwehen 
Spuren Deiner Erdenzeit, 
Dein Vermächtniss bleibt bestehen. 
Jetzt und alle Ewigkeit. 



- 28-2 ^ 

Furchtios durch des Aethers Weite 
Trug Dein Genius Dich fort, - 
Gab im tausendjährigen Streite 
Dir das rechte Manneswort: 

Eherner Gesetze Klarheit 
Für der stumpfen Sinne Trug, 
Für das Dogma laut're Wahrheit, 
Für Doctrin des Geistes Flug. 
Friedlich war dein Erden wallen, 
Doch Du wardst der Held der Zeit; 
Mag Dein Erzbild auch zerfallen, 
Dein ist die Unsterblichkeit. 

Dr. Lindau. 

7. Protokoll vom 19. Februar 1854. 

Nachdem der Verein zur Errichtung eines Denkmals für den 
Astronomen Nicolaus Coppernicus unter dem heutigen Tage seine 
Wirksamkeit für beendigt erklärt hat, trat ebenfalls heute, am Ge- 
burtstage des grossen Thorners, ein neuer Verein unter dem 
Namen „Coppernicus- Verein iür Wissenschaft und Kunst" 
zusammen und begann seine Tätigkeit mit Genehmigung der von 
Herrn Bürgermeister Körner entworfenen Statuten. Hierauf wählte 
er seinen Vorstand und zwar 

1) zum Vorsitzenden Herrn Bürgerm. Kömer 

2) zu dessen Stellvertreter Herrn Dr. Weese 

3) zum 1. Schriftführer Herrn Dr. Prowe 

4) zum 2. Schriftführer Herrn Dr. Brohm 

5) zum Schatzmeister Herrn Calculator Schönfeld 
femer wurde der Druck der Statuten beschlossen. 

Der Beitrag der Mitglieder wurde auf 1 Mk. jährlich festgesetzt. 

Alles weitere wurde den nächst folgenden Sitzungen vor- 
behalten. 

Hiermit wurde der Coppernicusverein für Wissenschaft und 
Kunst für eröffnet erklärt. 



Körner. 



V. g. u. 
K. Weese. L. Prowe. v. Fischer. 



Schönfeld. G. Weese. Gessel. 



V. w. o. 



Brohm. 



Gedrnnkt bei T. KowAlkowtki, Thorn. 



A*io*m3oaab3 



lllllii 

B89094308863A 



' ■••* 



\^ 



a<1Q'm30Afib3