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Full text of "Geschichte des Illuminaten-ordens"

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Alle Rechte vorbehalten. 



Vorbemerkung, 



j^ 



rxas vorliegende Werk wolle der geehrte Leser nicht als das Ergebnis 

einer einseitigen Arbeit ansehen, welche die Geschichte eines 

ihm vielleicht gar nicht bekannten, interesselosen Ordens enthält, 

sondern als die Darstellung eines Stückes Kulturgeschichte, die das 

Aufblühen und den Werdegang geistiger Freiheit in einem besonderen 

Kreise in sich trägt. Die Wurzeln eines FreiheitsbaumeSj in dessen 

Schatten die jetzigen Generationen Ruhe und gedeihliches Entfalten 

—fanden, die Entstehung der ersten entwickeln ngsfähigen Samenkörner 

^rur Volksrecht und Volksvertretung, ja selbst die Bedingung zum 

Erhalt der Königskrone Bayerns, alles das reicht viel weiter zurück als 

gewöhnlich geglaubt wird und wurde durch die llluminatenbewegung 

seiner Zeit nicht wenig beeinflusst, 

r Diese wenig bekannte Tatsache ist hier ohne alle Übertreibung, 
im strikten Nachweis der erreichbaren Urkunden, dargestellt, so dass 
der Leser imstande ist, sich selbst ein Bild jener Zeit zu entwerfen, 
die für die damals Lebenden einen Misserfolg zu enthalten schien, in 
Wahrheit jedoch einen beachtenswerten Grundstein jetziger Zustände 
in sich schüesst. 

Um auch in äusserer Form den Wandel der Zeit vor Augen zu 
führen, sind die Urkunden und vielfachen schriftlichen Aufzeichnungen 




in ihrer Schreibweise stets beibehalten worden. Der Leser wundere 
sich daher nicht, wenn er alle möglichen Stilarten, Schreibformen von 
Worten, sowie merkwürdige Interpunktionen vorfindet, sondern beachte 
gütigst die Stellen, die als Citate eingefügt wurden, um nicht den 
Autor scheinbarer Fehler für schuldig zu halten. 



Blasewitz b. Dresden, im Oktober 1906. 
Deutsche Kaiser- Allee 18. 



Leopold Engel. 




Einleitung 

Einiges vom neuen rHuminstenordeu S, 2. — Kluckhohn: Die 
Illuminaten und die Aufklärung in Bayern unter Karl Theodor S. 4, 

— Zwei Briefe des Papales Pius VI S. 13, 

Die Universität zu Ingolstadt 16 

Johann Adam Ickslall S. 18, — Icksialls Streit mit der theologischen 
Fakultät S, 20. — Eckhers Anklagen 8.21. — Ickstatts Sieg S. 21/22. 

Weishaupts geistige Ausbildung und Charakterent- 
wickelung bis zur Ordensgründung *...., 22 
• Weishaupts Vater S. 22. — Weishaupls Jugendzeit S. 23. — Bitte von 
Weishaupts Mutter S. 24* — Weishaupls Ernennung xum Doktor 
der Rechte S. 25. — Auf lieh ung des Jesuitenordens? S. 28* — Brief 
Schiitenbergs mit Anklagen gegen Weishaupt S. 29. — Angriffe gegen 
Ickstatt Weishaupts wegen S. 3L — Briefe Ickstatts und Weishaupts 
an Lori S, 32 — 34. — Angriffe der Exjesuiten S. 35. — Weishau pl 
deckt die Schäden an der Universität auf S. 3fi — 41. — Ickstalt 
wendet sich gegen Weishaupt S. 42, — Weishaupl reist nach Mün- 
chen S. 44. — Der Erfolg dieser Reise S. 46—48, — Das Gehölt 
Weishaupts S. 49. — Benedict Stattler» Professor und Exjesuit in 
Ingolstadt S. 50, — Weishaupls Stellung zu ihm S. &1. — Der Stu- 
dent Christoph Henninger und sein consilium abeundi S. 52, 

I>ie Gründung des Ordens , 64 

Weishaupls Erklärungen bezüglich der Ordensgründung S. 54 u. f, 

— Seine Erwartungen von der Freimauerei S. 59. — Professor 
Feders Einfluss S. 61. — Abts Eintlass S. 65, — Oev Ordensname 
S. 67, — WVishaupls Urteil über sich selbst S, 68. — Die bei 
Zwackh gefundenen Originalschriften des Uluminatenordens S, 70. 

— Briefe Weishaupls an Massenhausen S. 70/73. — Briefe Weis- 
haupts an Zwackh S. 74 u, f. -- Die ersten Olumtnaten S. 74, — 
Weishaupts erstes System S. 75. — Spionage des Ordens S. 77. — 
Des Kurfürsten Landesliebe S,77. — Die Wahl des Ordensnamens S.78. 



- VI 



( 



Die Ordensbegründung nach der Darstellung des 
F. X. V. Zwackh 

Der Nachlass Zwack hs S* 79. — Seine Ordensgeschichte S* 80, — 
Ordensverbreiiung S. 83. — Ein Beschluss des Areopags S. 83. — 
Wie die Areopagiten arbeiteten S. 84. — Weistiaupts Herrschsucht 
richtig gestellt S 86* — Fortsetzung von i^wackhs Ordensgeschichte 
S. 86* — Verbindung des Ordens mit der Freimaurerei S. 89. 

I>as System des I Uunninatenürdens bis zum Jy hre 1781 m 
Die ersten Ordensstatuten S. DO. — Durch Baader verbesserte Statuten 
S. 91 u, f. — Die dritte Lesart der Satzung S. 97. — Allgemeine 
OrdenS'Stattilen S. 97. — Vergleich der Satzungen S, 103, — Ab- 
sich ter» des Ordens mit der Freimaurerei S. UM. — Die Ordens- 
aufnähme S, 105* — Die Minervaleri S. 107. — GemeinschafUicber 
Schluss des Areopagus über den Zweck, die Mittel und Einrichtung 
der Gesellschaa S. 108, 

Freiherr V. Knigge und sein Einfluss auf die Ordens- 

entwickelung . , , 114 

Allgemeines über Knigge S, 114. ^ Zwackh über Knigge S. 115, — 
niuminaten Freimaurer S. 116. — Der neue Ordensplan S. 117. — 
Der lllurainatensaal in Ingolstadt S. 118. — Briefwechsel zwischen 
Weishaupt, Knigge und Zwackh S, 120. — Neue Ordensgrade S> 123. 
Ausbrechender Streit zwischen Weishaupt und Knigge S. 124, 

Die letzten Ordensgrade und Philos Austritt . . . 126 
Der Priester- und Regentengrad S, 127. — Weishaupts Urteil über 
Knigge S, 128, — Knigge an Zwackh über seinen Ordensbeitritt 
und Tätigkeit S. 129. — Endgültiger Bruch zwischen Weishaupt und 
Knigge S, 134. — Knigges Brief an die Areopagiten S. 136. — Knigge 
schildert, wie er Bode aufgenommen S. 138, den Herzog von Gotha 
S» 139, den Prinzen Carl von Hessen S. 140, — St. Germains Ge- 
heimnisse S. 14L — Zwei Briefe des Herzogs von Gotha S. 143, — 
Brief des l^rinzen von Hessen S. 144. — Die Häupter des Iliumi- 
natjcnordens nach Zwackh S, 146 und deren Verfolger S. 148, — 
Der Inhalt des Priestergrades S. 149—158. — Knigges Grab S. 159. 

Die Ordensverfolgurig in Bayern , . iri 

Die drei Verbote des Kurfürsten S. 161—165. — Zschokke als Ge- 
schichlsfälscher S, 166. — Graf Constanzo und Utzschneider S, 166. 
— Friedrich der Grosse und die Herzogin Maria Anna S. 166/167. 
Der zukünftige König von Burgund S. 168. — Eii\ nicht aufzufinden- 
der Brief des Ministers Herzberg S, 168, — Briefwechsel der Her- 
zogin Maria Anna mit Friedrich dem Grossen und mit Freiherrn 
V. Schwarzenau S, 169. — Berichte des Preussischen Gesandten 
V. Schwarzenau an König Friedrich S. 171—174, — Der berüchtigte 
Landertausch und der Furstenbund S. 174—176. — Ein alarmieren- 
der Bericht des Gesandten v. Schwarzenau S. 176. — Des Königs 
ÜHeil S. 177. — v. Schwarzenaus Antwort S, 178. — König Friedrichs 
bisher behaupteter Anteil an der Blum in aten Verfolgung eine Le- 
gende S. 179, — Constanzos Ausweisung aus Berlin S 179. — Die 
Gründe der Ausweisung S. 179/180. — Bericht der Französischen 



Yll 



6«Ue 



GesandUchftf!. S. 181. — Brief des Ministera HerUbergs an Herzogin 
Maria Anna, die Hluminalen betreffend S. 182, — Eine Anklage« 
schrifl gegen die llIuminaLen im Pariser Arcliiv S. 183. — Wer ist 
der Verfasser dieser Sclirift? S. 187. — Ghalgrins Darsleilung einer 
Unteri*ediing zwiscfien Baader und der Herzogin Mai'ia Anna S. 180. 

— UUschoeider kein Verräter S. ItM). ~ Der Geheimsekretär Andri'e, 
lieimlicher Gälte der Herzogin S. 190. — Verwendung des Ordens 
um Andröe S. 19L — Der Grund einer Antipathie der Herzogin 
geigen den Orden S. 191. — Die Zorriesursaclie des KurfürsLen gegen 
den Orden S> 192, 

lie (Jrdensbeziehungeii zur österreichischen Re- 
gierung ..,.....,. 192 

Die Freimaurer in Wien, Ordensaussichten daselbst S. 192/193. — 
'Graf Kolowrat S. 194. — Wie Weishaupt über politische Umtriebe 
denkt S. 196. — Seine ünzulViedenheit mit Arrian S. 195/196. — 
Eine österreichische offizielle Erläuterung der Geschichte und des 
Ursprungs der Illuminaten S. 197. — Was der österreichische Ge- 
sandte V. Borrie nach Wien über die Illuminaten berichtet S. 203. 

— Was ihm geantwortet wurde S. 204. ^ Graf Riedesel, preussischer 
Gesandtor in Wien S. 205. 

lÄassregehing und weiteres Schicksal des Professor 
Weishnupt 206 

Nochmals die Papstbriefe S. 207. — Grund der EnUassung Weis- 
hauplÄ S. 207. — Kurfürstliche VerfQgungen bezüglich der Eni- 
lassung S. 208—210. — Weishaupt flieht aus Ingolstadt S. 211. — 
Wohlwollender Brief des Herzogs von Golha S. 212. — Priester 
I,8nz wird vom BHlz erschlagen S. 213. — Die erste IHuminaten- 
liste bei der Leiche gefunden S. 213. — Arreslbefehl gegen Weis- 
baupt S. 214. — Der Tod von Weishaupts ersten Frau S. 215. — 
Eine delikate Angelegenheit hinsichtlich seiner zweiten Frau 
S. 216— 221. — Weishaupts Dispensation^ seine Schwfigerin heiraten 
2U dßrfen, trifft ein; seine Heirat 8.221—225. — Weishaupts ällester 
Sohn Wilhelm S. 22ö. — Schillers Urteil über Weishaupt S. 227. 

— Weishaupt in Hegensburg S» 228. — Seine Haftnahme wird he* 
absichtigt; Weishaupt in Wien S. 228. — Herzog Ernst von Gotha 
schützt seinen Hofral Weishaupt S. 330* — Die beabsichtigte Er- 
nennung Weishaupts zum Gesandtschaftsbeamten S..330. ^ Kurfürst 
Carl Theodor verlangt die Auslieferung W^eishaupts S. 123, — Der 
Rat von Regensburg wegen Weishaupt in Ängsten S. 232/33. — Die 
Lage W^eishaupts spitzt sich zu S, 236. — Weishaupt flüchtet nach 
Golha S. 236. — Konllikt des Herzogs mit dem Kurfürsten wegen 
Weishaupt S. 237—239. 

ie Wurzeln der 111 uminotenverfolgung 240 

Die ersten Fehdeschriften S. 240. — Jesuilen als Rosenkreuzer 
S, 242. — Ein Brief von Pater Frank als Rosenkreuzer S, 243, — 
Ein Brief von Dr. Oelrichs, enthaltend die Kopie eines Briefes 
vom späteren König Friedrich Willielm von Preussen S. 245. — 

Letzterer in Rosen kreuzerhänden S. 245. — Des Königs Brief 



- VIII ^ 

die llluminaten betrefTend an den Kurfürsten von Sachsen S, 247, 
Wie sich diese Angelegenheit erledigt S. 248, — Hosenkreuzer- 
Übermut und Baaders Entgegnung S. 249—251. 

Die Massregelung Zwacklis . 

Zwackhs Werdegang S. 252. — Zwackh wird als Uluminal ver- 
dächtigt S. 263. — Haussuchung bei ihm in Landshut; amiliches 
Protokoll hierüber S. 254, — Eckartshausens Tätigkeit als Archivar 
in IHuminalenangelcgenheil-en befohlen S. 257, — Wie Eckarts- 
hausen Archivar wurde S, 258. — Verzeichnis der bei Zwackh ge- 
fundenen Papiere 8.259—261.— Ein Paket an Paler Frank S. 2ß2. 

— Wie die Kommission arbeitete S.262, — Zwackh Hiehl 5.263.— 
Versuche zu seiner Rechtfertigung S. 2G4, — Brief von und an 
V. Belderbusch S. 2(i4— 269, — Berichte des französischen Gesandten 
über die lUuminaten und Zwackh S. 270—272. 

Verfolgung des Baron Bassos 

Wie der Baron Hin min at wurde S. 273. — Zwackh sein Ober* 
Btlminislrator S. 273, — Zwackhs unterschlagener llhef an den Ver- 
walter Meyer S, 273. — Chalgrins Angaben S. 274- — Die Herzogin 
Maria Anna sagt über Zwackh aus S. 274. — Befehl des Kurfürsten 
zur Visitation zu Sandersdorf; Gründe hierzu S. 276, — Neue 111 u- 
minatenschriften werden gefunden S, 276. ^ Wie Bassus diese 
Schriften erhielt S. 276. — Das ninminalennest Sandersdorf S, 277. 
Bassus wird verhört S. 27K — Er unterschreibt einen Revers S. 279. 
Das totgeschwiegene vierte Verbot mit angedrohter Todesstrafe für 
den Ordenswerber S. 280. — Wie sich der Kurfürst über gericht- 
liches, gesetzliches Verfahren hinwegsetzt S. 281. 

Die Loge Theodor vom guten Rat. Die Aussagen 
zweier Priester 

.\udienz des Grafen Seeau S. 282. — Memorial der Loge, dem Kur* 
forsten überreicht S. 283. — Prediger hetzen gegen die niuminalen 
S. 283 (Fussnote). — Zirkular des Ordens nach dem ersten Verbot 
S, 284 (Fussnotej. — Echtes und unechtes Maurer-^ystera S. 286. — 
Der Kurfürst selbst Freimaurer S. 287 (Fussnote). — Lesegeselb 
schaflen der IHuminaten S. 290. — Bericht von Sulpitius Cosandey 
S.29I.— Bericht \onVilusUennerS.21ia — EinellluminatcnlisteS,3()3. 

Weitere \>rnrdnungen des Kurfürsten und Ver- 
folgungen 

Erlass des Kurfürsten für das Mililär S. 306. — Freiherr v. Meggen- 
hofen zur Besserung ins Kloster gesteckt S 306. — Seine Erleb- 
nisse, von ihm selbst erzählt S> 307-316. — v. Meggenhofens Tod 
S. 315. — Das dritte kurfürstliche Verbot S.316. — Ein satyrischer 
Brief Borns an Betderbuscii S. 318. — Wie Paler Fast die Ver- 
folgung zu nützen weiss S. 321. — Stadtoberrichtcr Fischers Amis- 
entsetzung S. 322. — v. Dellings Verhör und Verurteilung S, 322. 

— Graf Savioli und Constanze werden entlassen S. 323, — v. Moni- 
gelas des Ordenssiegels wegen in Verhör genommen S. 323. — Das 
niuminatensiegel S, 324. — Weitere Amisentlassungen S. 324. — Wie 
viele niuminalen sich an der Universität Ingolstadt befanden S. 325. 



^em 



251 



272 



282 



1 

304^ 



Giftrezepte der Illuminnten und ein l>erüclitigtes 

I Protokoll . 325 
Massenhausen als GiRmisrlicr S, 326. — Seine Verliafluiig S. 32ß. 
— Sein Verhöp und seine Schuld S. 327. — Massen hausens FhicliL 
S. 5128, sein Steckbrief S. 329. — Dr Munt*?r verlangt Einsieht in 
die konfiszierten Papiere S. 329. — Baron Mänd! und seine un- 
glaublichen Aussagen S. 331— 334. — Die llhiminatenkasse nach 
Mandls Aussagen S» 335. — Mändla Behauptungen» dass die lllu- 
minaten Gift gebrauchen S, 337-339. 

Die Ordenskasse. Geistliche oIs Illuminoten ... 340 

L Kanonikus Hcrtcl eingesperrt S. 34(1 — licrtels Aussagen über 
Verbleib der Ordenskasso S. 340. — Die Einnahmen des Ordens 
S. 34K — Die Ausgaben des Ordens S. 343. — Hertels Enllnssung 
S. 344. — Verbot des Fürstbischofs von Freysingen S. 344— 346. — 
Grönde, die die GeisÜichen veranlassten Illuminalen zu werden 
S. 347. — Anerkennungsschreiben des Kurfürsten an den Forste 
bisehof zu Regensburg S. 348, 

A tisbr-eitung des Ordens 349 

Die NaliünabDii*eklions-Tabelle von Deutschland S, 3ii0. — Staacks 
Angaben S. STjI. — Knigges und Weishaupts Ansichten über die 
Ordensausbreilung S. 352, — FürsHichc Mitglieder des Ordens S. 353, 
^ War Goethe Illiiminal? S, 356. — War Scliiller Illuminat? S, 356. 

luminntismus und Freimauierei 357 

Die Freimaurerei zur Zeil der Ordensgründung, Freiherr v, Hund 
S. 357/358. — Knigges Absichter»; das von ihm verfasste Consti- 
tution sbueh S. 359. — Instruktion in Ansehung der Frcymäurer 
l.ogen S. 359. — Ein Schotten -Revers S. 362. — Ritter Eid S. 3B4. — 
Die unbekannten Oberen S. 366. — Der Nimbus der Echtheit des 
Freimaurer-Systems S. 3fn. — Befeindung der Hosenkreuzer S. 368. 

s Ende des Ordens ............. 369 

Der Fall Pechmann S. 369. — Der Huf von Zweibrür-ken schützt 
die Illuminaten S. 370. — Das geheime Inquisitions Kabinett S. 370. 
— Ein Katalog der ntuminaten von 1791 S. 371-373. — Einige Be- 
richte Montezans über Fater Frank S. 374. — Graf Pappen heim 
verbannt S. 375. — Kluckhohns Artikel über Blumi na ten Verfolgungen 
S. 375. — Wie Illuminaten Denunzierte behandelt wurden S. 377. — 
Interesse für die Schulen war verdächtig S. 378. -- Des Kurfürsten 
Tod S. 378. — Graf Montge!as, der Retter Bayerns a 378/79.^ Zwackh 
zurückberufen S, 379. — Geheime Gesell seh öRen verboten S. 379. 



eishaupts letzte Jolire und seine Familie. . . . 
Weishaupt in Gotha S, 380. — Weishaupts endliche Erklärung Im 
Reicbsanzeiger S. 381. — Ein Brief Weishnupts an Montgelas S. 384. 
Weishaupt wird zum Mitgliede der Königlichen Akademie der 
Wissenschaften in München ernannt S,3H6. — Zschokkes AngriflT auf 
Weishaupl S, 386. — Weishaupts Söhne S.387. — Ein Brief von Ernst 
Weist ja upt aus dem Jatjre 1818 S. 389, — Professor FUd verteidigt 



380 



Weishaupt gegen Zschokke S. 390. — Die Karriere von VVeishaupls 
Söhnen S.391. — Zwei Briefe Weishaupta an Utzschneider S.393— 395. 

— WeishaupU Tod und Grabschrin S. 396* — Major Karl Weis- 
haupt schreibt an Bölliger über seinen Vater S. 398. — llluminaten* 
papiere in Gotha, der dortigen Freimaurerloge gehörig S. 40L — 
Die Gräber der zweiten Frau Weishaupts und ihrer Töchter S. 402. 

— Die Familie Weishaupt ausgestorben S. 402. 

Beschuldigungen, die dem Orden wurden ..... 
Der Orden als Beförderer der französischen Revolution S. 404. — 
MIrabeau, Illuminat S. 404 und Mauvillon. — Die Lage der Frei- 
maurerei in Frankreich zur Revolutionszeit S. 405,i'406. — Der Herzog 
von Orleans, Egalilö S. 4ÜB. — Die Abgesandten des Ordens: Bode 
und Busche S. 406, — Die Entstehung der Jacobiner-Clubbs S. 408. 

— Jacobinismus und Illuminatismus S. 409. — Die Reise Bodes 
nach Paris und ihre Gründe, von ihm selbst erzählt S, 410. — Seine 
Erfahrungen über den tierischen Magnetisnaus S, 413. — Schillers 
Zeugnis über den Erfolg von Bodes Reise S. 415. — Bode als Nach- 
folger Weishatipts S.416. — Die französischen Gesandlschansberichtc 
zur Revolutionszeit S. 416. — Was diese von den niuminaten wissen 
S, 417—419. — Die Illumin^^s sind nicht niuminaten S. 420, -^ Ca- 
gliostro als niuminat S. 421, — Seine Lügen über den Orden S. 422. 

— Was ist Wahres an Cagliostros Behauptungen? S. 423. — Peter 
von Leonijardi und Knigge S, 424. 

Der Fortbestund des Ordens und die Furclit vor ihm 
Die allgemeine lUuminatenfurcht S. 425, — Die liluminatcn in 
Berlin S. 426. — Nicolai» Gedike und Biester S. 426/427. — Die 
deutsche Dnion S, 429. — Die österreichische Regierung sendet 
Armbruster als Agent aus S. 429. — Sein Bericht S. 430. — Die 
niuminaten nach Armhruster S. 430— 436. — Die Patrioten, Ulz 
schrieider Haupt derselben S- 43ti— 443. — Fourniers Meinung über 
diesen Bericht S. 443 — 445. — Preussische Schrift über den Tugend- 
bund im Sächsischen Staatsarchiv S. 446. — Extrait d'un Memoire 
sur les niumiuL'Ä et TAllemagne, Dokument im Pariser Archiv 
S. 447—461. — Napoleons niumiiiatenfurcht S. 46l — Der Atlon- 
liler Staps S. 462. — Das wirkliche Ende des Ordens S. 463. 

Der neue Illuminatenorden 

Allgemeine Angaben über die Begründung de* neuen Orden» und 
d esse n f^ en rga n i sn I o r , 



BtiU 



42 



46^ 



-^M^'"^^ 






D 



Einleitang. 

8 grosse Piiblikiini Ijat gewöhnlich füi' einzelne Vorgfinge in 

*lej' Ciescliiclite, wenn sie nicht eine durch Bhit und Kriegs- 

yeschrei herv^orrogende Epoche dorstellen, wenig Interesse, selbst 

'donn niclit, wenn die Ereignisse in das soziale Leben einslens stark 

i eingegriffen haben und als einen Au??gangspunkt für manche Er- 
rungenschaften der Neuzeit betraclitet werden müssen. Dem Ge- 
fechichtsforscher jedoch, der die Geschicke der Völker nicht nur 
recht oft durch Zufälligkeiten, sondern setir oft durch ganz unvor- 
hei'gesehene, in ilu'cr Wirkung auf die Menschheit unfongs unter- 
schätzte Ereignisse, beeinflusst sieht, hohen gerade Geschichts- 
voi-gange besonderes Interesse, die die Grundlagen s|tätereT' 
^-EntwickUing in sich tragen. Ohne der Gi^ündung und Verfi>lgung 
Hdes Illuminatenordens nun eine übertriebene Bedeutung bei- 
messen zu wollen, ist doch erwiesen, dass in dem Kampfe, den 
^wdie Zopfzeit mit der erwachenden, modernen Kulturepoche aus- 
Hfeufechlen luitte, die seinei^ Zeit in Bayern in ihrem Gesamtbilde 
recht uneifreuliche Verfolgung der Illuminaten eine Rolle spielte, 

ilie von dei" Geschiclite bleibend aufgezeichnet ist als ein Mark- 
stein für den Beginn der- lu'schütterung des absoluten Herrscher- 
Regiments, des Niederganges einer Zeit, in der das stolze Wort: 
,Regis voluntas suprema lex" noch unumschränkte, selbst das 






leclit beugende GewaU besnss. 

Weil aber jene Zeit dei' Erschütterung des willkürlichen 
Regimen les als ein solcher Markstein in der weiteren Zeiten- 
folge bezeichnet wurde, sr» konnte sich die Beschuldigung, „der 
Jlluminaten-Orden liabe diese von vornherein beabsicijtigt, er sei 

egründet worden, um die Fürsten von den Thronen zu stürzen, 
habe die französische Revolution verschuldet, sei in seinen 

ehren höchst Staats- und religionsgefahi'lich, vernichte die 

Engel, Qe*olilebtc de* ILlumiDalenarduDs. | 




Moral des einzelnen und des \ olkes, und dergleichen Unsinn 
mehr (Beschuldigungen, die lieutzuUige den Freinuiurern noch 
vielfach nochgesagt werden)'' sehr lange erholten, während in 
Walniieit nichts von alledem nnchzuweisen ist. Die Begründung 
des Illuminatenordens durcli den Professor Adnni Weisluiupt 
hatte bezüglich ihrer späteren Wirkungen gänzlich un- 
beabsichtigte Erfolge; nieinols hat er daran gedacht, politisch 
tätig sein zu wollen, wold aber liatte er beabsichtigt, der Geistes- 
entwicklung des Einzelnen im Orden eine feste Buig zu schaffen; 
nie hatte er geglaubt, dass sein Orden jemals einei* \'eift>lgung 
ausgesetzt sein könnte. Wenn letzteres dennoch eintrat, so 
lagen die Fäden denn docli auf anderer Seite, als vielfach ver- 
mutet wurde* Es kommen vei-scliiedene Dinge zusammen, 
welche eine Verfolgung veranlassten, und würden diejenigen 
Personen, die eine Wühlarbeit im Interesse der Unterdrückung 
des allgemeinen, freien Geisteslichtes verrichteten, heute über- 
blicken können, was aus diesei* in Ba\ern und Deulscidnnd 
allerdings viel liirm vei'ursaclienden Verfolgung entstanden ist, 
zum Wohle der Allgenicinheit, sie würden entsetzt erkennen, 
wie das Wort Mephistos auch auf sie passt: 

Ich bin ein Teil von jener Kraft, 

Die stets das Böse will und sleLs das Gute schafft. 

Wir werden uns im weiteren damit zu beschäftigen Imben, 
die Fäden blosszulegen. Sie sind im Laufe der Zeit kein Ge- 
heimnis gehlieben, und deswegen sind auch Bescliönigungs- 
versuche mancher Art vorgenommen worden, die infolge ihrer 
Tendenz, zwar nicht schroff, so doch deutlich durchblicken 
liessen, dass Weishaupt ein mindestens zweifelhafter, moralisch 
nicht reiner Charakter gewesen sei, der Illuminatenorden staots- 
gefährliclie Umtriebe, böse, nur den geheimen tibern bekannte 
Absichlen \erfülgt liühe und dass deswegen die Verfolgung immer- 
liin gerechlfertigt gewesen. — Im Laufe unserer Auseinarjder- 
setzungen werden wir an der Hand teils nticb gänzlich un- 
bekannter, teils bisher in ihrem Wortlaute noch nicht ver- 
öffentlichter Dukiunente nochweisen, was davon übiig bleibt. 

Wir gesteheu en dicvser Stelle ofTcn ein, dass der jetzige 
llhnuiuatenoiTlen, eingetragener Verein zu Dresden, in der un- 
aiil'echtbaren, geschichtlichen Dai-stcllung seiner Voifahren, auch 
das beste Verteidiguiigswerk für Angi*itfe auf seine jetzige Ten* 
denz erblickt, SmIcJic Angriffe erlaultt man sich bereits in un- 
zweideutigste!' Form, unter Benutzung alter Werke aus den 



3 — 



Jaliren 1784 — 1788 Man stellt aus diesen sehr leiclitein verzerrles 
Bild des damoligen (h'dens zusammen; durch Aneinanderreihen 

«glichst schroffer Stellen, die aus ihrem Zusammenhange ge- 
sen werden, und dadurch ganz anderen^ unbeabsichtigten 
Sinn ergeben, wii'd es immer spollleichl, sein, alles zu beweisen, 
was man bewiesen hoben wilL Dieses altbekannte Rezept 
findet sich z. B. in einem allerneuesten Gebräu*) literarischer 
Taschenspielerkunst vortrelilich angewandt, segelt unter dem 
edlen Voi^eben der Volksaufklorung in die Welt hinaus, und der 
oder die Verfasser sind sicher, dass naivere und urteilslose Leser, 
angegrault von den Veiführnagskünsten und dem angeblicl» 
schändlichen Ti'eiben des nlten Ordens, den neuen Orden eben- 
fciUs nicht anders beurteilen werden. Der neue Orden ist leider 
juridische Person und dCnfle offenkundige Verdrehungen als 
Verleumdungen zu strofen wissen — folglich greift man am 
sichersten für das eigene Heil den historischen Orden an, indem 

En sicher ist, dass von allen diesen Verleumdungen am 
igen auch etwas kleben bleiben wird. 
Dem heutigen lllumirmtenorden, der seine Existenz doch 
1 einmal aus den Restbestünden alter Zeit nicht ableugnen 
in, dazu auch gar keine Ursache bot, könnte es im Grunde 
genommen höchst gleichgültig sein, ob die längst verth>ssene 
historische Periode vorwurfsfrei gewesen oder nicht, er hat ledig- 
Jich fui- sich selbst einzustehen und darauf zu achten, dass er 
jetzt vorwuifsfrei ist; aber es verlangt das Interesse an dem 
Ursprung, sowie die rierechtigkeit, dass l)esteliendes Falsches 
ausgeschieden und die Wahrheit festgestellt wird, falls dieses 
möglich ist. Und das ist möglich, wenn das Geheime Staats- 
archiv, sowie das Geheime Hnusarchiv in München, sowie 
andere Staats- und Privatarchive vorurteilsfrei hei'angezogen 
werden. In diesen Archiven (Berlin, Dresden, Wien, Gotha, 

»ris) befinden sich diejenigen Urkunden, Briefe, Schriften und 
otokolle, welche, wenn nicht einseitig beui'teilt und ausgelegt, 
recht wohl imstande sind, ein klares Bild zu geben. Leider 
wurde bisher nicht völlig ein\Aandsfrei diese Arbeit geleistet, 
entweder waren es Teilarbeiten oder Nichtkenntnis mancher 
vergrabener Licht gebender Urkunde oder uucli Rücksichten, 
welche die Verfasser zwangen, gewisse Dinge mit einem 



♦) „Volksöufklärung'v kleine Handhibliolhek zur Lehr und Wehr für 
lundc der Wahrhell Nr. 4D/50* Der niuminaten Orden v. Dr. jwr. Kruecke- 
fei\ Verlag von A, Opitz in Warnsdori; Böhmen, 

1* 



Mönlelchen zu beluiiigeri, wodurcli \N>lle Kkii-heit über diese 
Zeitperittde bis heuligon Tapes nicht gepebeii ist. Wir wollen 
versuchen, olme alle Beschönigung, aber auch ohne olle Be- 
denken, eine Darstellung der Dinge zu geben und suchen zunächst 
noch einem ntlen Leitfaden» der uns auf den vielfach ver- 
worrenen Irrwegen zum Führer dienen kann, — Wo ist dieser 
Leitfaden zu finden? 

In den üblichen Anklagen heisst es, weil der (Jrden staals- 
und religiousfeindtich gewesen sei, liabe Staat und Kirche ein 
Interesse gehabt, ihn zu vernichten. Wir werden uns folglich 
zum näheren Verständnis zuerst umsehen müssen, ob diese 
beiden notgedrungen Gegner werden mussten bezw. waren, und 
warum sie es waren. Wollen wIj' jedoch richtig urteilen, so 
müssen wir uns über die Zustande in Bayern zuerst orientieren, 
wie das Land zur Zeit der Gründung des Ordens aussah; wir 
wei'den uns in die Denkweise jener Zeit zu versetzen haben, 
die jedenfalls der unseren nicht gleich gewesen ist, andernfalls 
würden wir falsche Schlüsse ziehen > 

Damit nun niemand glauben kann, diese vom heutigen 
( h'den begutachtete Schrift sei tendenziös zugestutzt, möge 
ein Nichtilluminat, der Professor August Kluckhotm zur Sprache 
kommen, der 1874 in der Allgemeinen Zeitung längere Aufsatze 
über: Die Itluminalen und die Aufklarung in Bayern unter 
Karl Theodor veröffenthchte und in der Einleitung über die Zu- 
stande in Bayern folgendes sagt: 

vKuT'fürst Maximilian HL, gewöhnlich Max Joseph genannt, 
welclier am vorletzten Tage des Jahres 1777 starb, wurde als 
einer der besten Fürsten Bayerns lang und aufriclitig betrauert. 
Dankbar erkannte man seine Hei*zensgütc, seine Liebe zu dem 
Volke und seine ernste Sorge für dessen Wohlfaljrt an. Die 
Denkenden und Weiterljlickenden wussten no(^h Besseres von 
ihm zu i*ülirncn. Sie priesen es als ein bleibendes Verdienst 
des aulgeklärten Fürsten, dass das geistige Leben Bayerns 
noch langer Verkümmerung und Vei'sumpfung einen neuen 
Aufschwung genommen, dass die Übermacht des Filerus ein- 
geschränkt, das entartete Mönchtum in seinen Auswüchsen be- 
schnitten und eine bessere Erziehung des siHlich verwahrlosten, 
in Aherglauben und Unwissenheit dahinlebenden X'olkes, 
wenigstens angebahnt war. Hatten ja scIhmi vor* der Aufhellung 
des nu'iclitigen und gefürchteten Hixlens der Jesuiten, welcher 
seil zwei Jalirhunderten jeden frischen Geistestrieb im Keime 



— (J — 



zu ersticken und Bayern gegen jede Berührung mit dem 
protestantischen Deutschland abzuspeiren gewusst halte, 
\Aaekere Miinner es unter-nommcn, ci-st in der Stille, donn laut 
und öftenllicli mit Wort und Schritt gegen Priesterdruck und 
Möncheswahn zu streiten. Die den Jesuiten zum Trotz in der 
Hauptsladt des Landes 1759 gegründete Akademie der Wissen- 
schaften bildete den Vereinigungs]Hmkt für die Vorkampfer 
einer vernünfligen Aufklärung. Heilsame Anjcgungen gingen 
von hier aus auf weitere Kreise über. Die sclilummernden 
Geister wurden geweckt, und die frischen, kräftigen Tj'iebe, 
welche dem bayrischen Volksslamme entkeimten, belehrten 
!iuch die Zweifler^ dass jahrhundertelanger Di-uck, bei Mangel 
nn I^uft und Liclil» wohl jenen gebeugt und im Woehstum ge- 
liemnil, niclit aber, dank seiner unveiwüstlichen Kraft, ihn ge- 
brochen und der Verdorrung preisgegelien halie. 

Was die Hofi'nung der Freunde des Volkes befestigte, 
war namentlieli die \'erbesserung des ünterricljlswesens, wo- 
ran Mannei* wie Ickstatt, Bi'aun und andere mit ausdauern- 
dem Mut und liebevoller Hingebung arbeiteten. Hatten die 
Jesuiten einst schon im IG. Jahrhundert das in seinen Anlangen 
bestandene Volksschuhvesen systematisch uniergraben , so 
wurde jetzt, nameathcli unter Brauns täliger Teilnalime, die 
Neubegründung desselben versuclit, und die niclit minder not- 
wendige Hetbrni des fiymnasinlunterriclrles, der den Jesuileii 
nur als Mittel, die Geister zu knecliten, gedient hatte, wenig- 
stens seit der Zeit mit Aussicht auf Erlblg in Angriff genommen, 
als durch dos Brevc des Papstes Clemens XIV. vom 21. Juli 
1773 die Auflösung des l M'dens Jesu ausgesprochen war. Das 
sehr bedeutende \'ermögen der Gesellschaft, von der kurfürst- 
lichen Regierung jetzt ganz für Bildungszwecke bestimmt^ 
schien hinlängliche Mittel fui' einen systematischen, nllen Be- 
dürfnissen genügenden Neuhau des Unlerrichlswesens iiu bieten. 
Der greise Ickstatl vor alten ging dabei von den höchsten 
Gesichtspunkten aus. Grosse Pläne wui-den entworfen, Gut- 
achten über Gutacliten eingeholl, bis im Jahre 1774 auch glück- 
licli eine Schuhndnuiig zustande kam, von der man das beste 
hatte envarten können, wenn sie tatki'äflig, nller Hindernisse 
ungeactitet, wäre durcligcCührt worden. Die Hindei'nisse 
freilich, ^\ eiche einer tiefgi eilenden Untej'richtsloi'm sich ent- 
gegenstelllcn, waren belangreich genug. Es fehlte für die 
mittleren wie für die niederen Schulen an allen mich nur not* 



— 7 — 

dürftig vorbereiteten Lehrern, so dass man, was doch ein gar 
bedenkliches Auskunftsmiltel war, für die Gymnasien, um sie 

I nicht verwaist zu lassen, wieder zu den Mitgliedern des auf- 
gelösten (Jrdens greifen musste. Es fehlte ferner der Regierung 
nn eifrigen, pflichtlreuen und einsichtigen Verwaltungsorganen, 
um die Durchführung der Schuleinrichtungen, dem Widerstand 

[des bildungsfeindlichen Klerus und der trägen, vorurteilsvollen 



"V 



J^ 



Kurfürst Kar t Ilieudor. 



Masse des Volkes zum Trotz, zu erzwingen. — Es fehlte endlich 
nn den leitenden Kreisen, auch unter den Männern, welche das 
Gute wollten^ vielfach die ernste Ausdauer und noch mehr die 
wÖnschens\\'erte Einlrncht. Jeder wollte neue Pläne entwerfen, 
neue Theorien aufstellen; Erinnerungen und Gegencrinnernngen, 
heimliclie Einflüsterungen und oflene Streitigkeiten hinderten 

'ein gemeinsames und nachhaltiges Wirken. Schon 1777 ging 
aus zahlreichen Vorsehlägen und Gegenvorsch lagen, nicht ohne 
Hücksicht auf die durch die Fiimnznot des Staates gebotene Spar- 

tsamkeit, eine neue UnterricIUsordnung für die Lyceen und 



— 8 - 



Gymnasien hervor Ehe dieselbe jedoch praktische Bedeutung 
gewinnen könnte, starb der wackere Fürst, welcher, wenn auch 
ohne grosse Tatkraft , dnch das Gute gewollt und gefördert 
hatte* 

So lögen in Bayern die Dinge, als an die Stelle Max 
Josephs IIL, mit dem die ältere Linie des Wittelsbech'schen 
Hauses ausstarb, der Kuifürsl von der Pfalz und Herzog in 
Jülich und Berg Karl Theodor ti-ot Der überlieferte Zustand 
war erschüttert, die Stagnation einer heilsamen Gärung gewichen, 
aber mit nichten ein neuer Geist schon zum Durchbruch ge- 
kommen. Him zum Siege zu verhelfen, beduifte es eines Herr- 
schers, der klaren Blickes und festen Sinnes einen langen und 
schweren Kampf gegen Trägheil, Dummheit und Aberglauben 
nicht scheute. War Max Jctsephs Erbe dieser Mann? 

Schon seit dem Jaln-e 1742 hotte Karl Theudor bei seinem 
Regierungsantritt, 26 Jahre alt, am Rhein mit dem Ruhm eines 
aufgekläi'ten, Kunst und Wissenschaft liebenden Füi'sten gew^altet. 
In Mannheim hatte er eine Akademie der Wissenschaft 
gegründet, Bibliotheken und Kuiistseliätzo in der Pfalz wie in 
Düsseldoif vermehi'l und mit Vorliebe das deutsche Schauspiel 
gepflegt. Bekannt ist, dass bei der Einrichtung des Moiniheimer 
Theaters die Ralschlage keines Gcringei'cn als Lessing in 
Anspruch genommen wurden , und dass Schillers erste 
Dramen unter den Auspizien des Kurfürsten zur Aufführung 
gelangten. 

Fi^eilich zeigte Kai'I Theodors Regiment auch in der Pfalz 
schon neben öusserlichern Glanz bedenkliche Schattenseiten. 
Weiber und F^ricstei' übten früfi bösen Einfluss. Eine Kamai-ilhi 
von Jesuiten, Favoritinnen und natürlichen Kindern schränkte die 
liberalen Neigungen immer mehr ein und liess Schlimmeres füi' 
die Zukunft fürchten. Hätte die wackere Pfälzerin Elisabeth 
Charlotte v»ni Orleans bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahr- 
hunderts gelebt, so würde sie von Karl Theodor vielleicht das- 
selbe gesagt haben, was sie einmal über dessen Voiigänger Karl 
Piiilipp in einem Brief geäussert hat: »Hätf mein Leben nicht 
gedachl, dass Kurpfalz sich den Pfafien so unterweifen wüixle; 
hat ja vor saisonebel passiert, nur sich durch Pfaffen regieren 
lassen, ist gar nicht raisonabel.* 

Allerdings sagt auch sclion dieselbe Elisabeth Charlotte: 
tLeute, die in ihrer Jugend nicht gar ordentlich gelebt haben 
und alt werden, denen machen die Pfaffen die Hölle lieiss«, aber 



sich die HÖlIc lieiss macheu zu lossen, liebte Karl Theodor tiieht, 
r liebte das Leben zu geniessen» und wer bestimmenden Einfluss 
ber ihn gewinnen wollle, musste den sinnlichen Neigungen 
echnung tragen. Der jesuitische Beichtvater Frank sieht in 
em Rufe, dass er es verslanden, durch fromme und kluge Be- 
dsamkeit etwaige Gewissensskrupel seines Herrn zu besänftigen 

und niclit rnindei' ihrn sieh dadurch teuer zu machen^ dass er 

idie zarlhchc Fürsor^^e des Fürslen für seine nütüdiclien Kinder 
^— eheHche hatte ei' nicht =— hegte und stützte. War aber 
P. Frank sclion den Pfalzern ein Anstoss, so sollte er den 
Bayern ein Gegenstand des Schreckens und des Abscheues 
werden. 



Doeh niclil sogleich nach seiner Ankunft in München ent- 

ttullte Kar! Theodor die schliminen Seiten seines Regiments. 

Iwar nvusste es die patriotischen Kreise schmerzlich berühren» 

lass der neue Landesherr so sehr bereit war^ mit einem grossen 

Teile des ihm zugefallenen Staates die VergrÖsserungssucht des 

fstlichen Nachbors zu befriedigen,*) und wer auf gute Sitte hielt, 
unnte imi- mit Bedauern die strengere und vei-ständige Riclitung, 
ie Max Josef so würdig vertreten hatte, vermissen. Aber in 
lanchen Beziehungen zeigte die neue Regierung offenbar Sinn 
ir das Gute, So gab sich anlVichtige Sorge für die X'ulkswohh 
fahrt in verscliiedenen \^'irtschafllichen Massregeln kund. Auch 
HjKir künstlerische und wissenschaftliche Bildung legte Karl 
^iljeodor insofern Interesse an den Tag. als er die Kunstschätze 
„Münchens und die kurfürstliclic Bibliothek vermehrte. 

Sogar das Volksschulwesen schien unter dem neuen Regi- 

lent kräftig gedeihen zu solleiL In einer der Oberlandes- 

"regierung gegebenen Instr-uklion wird die gute Erziehung dei* 

Jugend und die Einrichtung tüchtiger, mit geschicklen Lehrern 

ptersehenen Schulen als ein Gegenstand bezeichnet, der dem 

Landesvater vorzüglich am Herzen liege, wie denn aucli die 

Glückseligkeit des ganzen Staates darauf grösstenteils ruhe. 

Diese gesunde Auffassung kumnit auch später nocli wieder- 
holt zum Ausdruck, *da Seine kurfürstliche Durchlauchtt, heisst 
^8 in dem Reskript vom 15. Dezember 1779, »mittlerweile nicht 
mr von dem elenden Zustnnde, worin das Sctiulwesen sich 



*) Karl Theodor Lrat drei Tage nach seinem Hefjriei'tJiiKsaiarUt am 3. Januar 
1778 den grössleii Teil AlÜjayeins an Österreich ab. 14 Tage danach wurde 
ganz Niederbayern, ein Teil der Oberpfalz, von Osler rcirhi sehen Truppen besetxl 



— 10 — 



durchaus, insonderheit aber auf dem Lande verluUt, sonden 
auch von dem Übel sieh über-zeugt Inibe, welches aus dessen 
Vei-säumnis bisher entstondeu nnd zum äussersten Nochteil 
der gemeinen SicherliBit immer mehr zuzuuelimen scheine, so 
wii*d befohh^n, nicht nur auf die Eri'iciitang xmi genügenden 
Schulen und Sehulleln'er-Seniiunrieu, sondern auch auf die 
Bildung eines nnsreiclienden Schnlfonds ei*nstlich Bedacht zu 



i 



In letzterer Bezieljung \\'ird es überrasclien , zu 



ver- 



lUMunein. 

uehinen, dass eine kurinrslliche \>rordnung in erfreulichem 
Gegensatz gegen die damals wie spaiei* lierrscliendeu An- 
schüuuugeri luid Ci^^wulinheilen für einen Vnlksschnllehi'er kein 
geringeres Jo!u*eseiukonunen als 300 Gulden in Aussichl nirnmU 
Es schien also nicht allein jene Sclndordnung, die Heinrich 
Broun noch in den letzten Tagen Max Josephs für die niederen 
Schulcji neu bearbeitet hatte und die von Karl Theodor im 
Jahre 1778 snnktioniert wurde, jetzt wirklich ins Leben ein- 
geführt werden zu sollen, sondern es stand zu liolfen, dass 
weitere zidiunftsreiche Reformen auf diesem wichtigen Gebiete 
folgen würden. 

Nicht minder wird, angesielits des mönchisclieu Cluiraktei^,: 
den die Regierung des Kurfürsten später so grell als möglich 
kennzeichnet, die Tatsache Verwnndennig eri'egen, dass Karl 
Thettdor in den ersten Jahi^en sogar einen Anlauf nahm, fiber- 
gläubisclic Bräuclie durch Polizei massrege hi abzustellen und 
goltesdienstliche Handlungen, inshes<nider(i die öflentliclien 
Prozessir*nen» von jenen ungeheuerliehen Zutalen zu reinigen^ 
w^clche Dejdcenden schon lange lun^ zum Ärgernis oder zum 
Gespött gedient habeiL So wurde der in Obei'bayern allgemeiu 
hei-rschende Uidug des Wetterläutens und Wetterseh iessens 
mit Strafen bedroht, der sogenoimtc Polmesel von den Strassen 
verscheucht nnd die Früideichnamsprozession, die unter den, 
Hfiuden der Jesuiten zu einer so abgeschmackten Maskei*ade 
ausgeartet wai-, dass sie selbst nach der Meinung des geist* 
liehen Rots der Würde und Heiligkeit der Religion offen Hohn 
sprach, wenigstens von den anstössigsten Mnmmereien ge- 
sauber-t, indem man die phantastisch zugestutzten Reilerscharen, 
die Triumphwagen und Tragbahren mit lebenden Bildern, die 
sieberd<öptigen Drachen usw. preisgab. Dazu stimmte es, dass 
die Regieiimg aucli jener verdeiblichen Flut vorj Mönchsscbriften, 
die unter dem Titel von Andachlsbücbeiii dein krassesten Aber- 
und Wunderglauben dienten, Einhalt zu tun sich anschickte, 



I 



— 11 — 



Nur scluidi:*, dos^^ dorartige Besd-pboiigeii uiclit die Konse- 
[ueuzeti eines testeü Hegieruiig.ssysH^nis, sondiM*n zufölligo 
Jiichvvirkungen der unter Mnx Joseph eingeschlagenen Richtung 
Svnren, und dnss um dieselbe Zeil, da man einer vernüol'figen 
Aufkiüruug noch das eine und andere Zugeständnis machte. 
Dinge geschahen, die einen vullstöndigen Bruch mit jener 
Fiichtung ankündigten und die bis dahin ausgestreuten Keime 
einer besseren (ieisteskuUur geradezu mit Vernichtung bediTthten. 
Wer sollte es für mögh'ch lialten, dass die ehemaligen 



lesuitengüter, mü' welchen der Bestand der Gymnasien und 
Lyceen bei-uhle, iediglicti im Interesse der bequemen Versorgung 
i"ijn Günstlingen, vor nHem dei- notürhchen Kinder des 



I 

^^•ijn Günstlingen, vor nHem dei- notürhchen Kinder des Kui 
forsten, zur Dotierung einer neugegründelen Zunge des Mal- 
theser Or^dens verwendet, die miltleren Studienanstnlten aber 
den Klostergeistlichen, unter Obhut der Piiilnten des Landes, 
ubeiigeben wurden? Wolii W7ir ein so verdei'bliche!* \'orschlag 
fcuch in Max Josephs Tagen schon zur Sprache gekommen, aber 
sofort auf dos lebhafteste bekäni]>f"t worden, indem man mit 
Bchlagenden Gi'ünden geltend moclite, dass nie und nimmer 
Eur Erziehung künftiger Stantsdiener die Mönche brauchbar 
Hen* Jetzt hörte man darauf nicht, und schon im Jahre 1779 
mrde die verliangnisvolle Massregel getroften, welche die 
Lrbeit eines MensclienaUers vernichtete. — 

Wo solclie Tendenzen zum Durchbruch kamen, lioben 
&elbslverstiindlicli jeiu^ finsteren Mächte, welche sie'h nurgn^llend 
jine kurze Zeitlang dem Willen des Staates gebeugt hatten, 
iron neuem und kecker als je ihr Haupt. 

Die Exjesuiten str'itteii mit den Kapuzinern, Franziskanern 

und den Scharen andei'cr Mönche um die Herrschaft; nur in 

der Verfolgung denkender Männer und bei dei* Jagd auf ver- 

dächlige Bücher boten sie treulich sich die Hand, Und wie 

Lviel sie am Hofe selbst gegenüber den besten MänruM^n ver- 

lochten, halte unter anderen der w^eit über Biiyern hinaus 

nachtete Dichter Zaubser zu emj>[iuden. Gegen die hiquisition, 

"deren Einfülirung famitische Mönche zu (Vu-dern wagten, hatte 

I Zaubser eine nril Beifnll aufgenommene >t)dc€ verötTentlicht, 
\ind zw'ar mit Genehmigung der kurfürsUiclien Zensnrheborde, 
► Dem Zensurk(d!egium ging deshalb nebst einem scharfen 
Verweis der Befehl zu, jer^e Schrift zu unterdrücken. Dem Ver- 
fasser aber, welcher die Stelle eines Hr^fkriegsi-atssekrelars be- 
kleidete, wurde autgegeben, ibei gesessenem Pleno sein christ- 



— 12 



I 



katliolisehes GlaubeiisbekeiHitnis abzulegen, wonocli ihm < 
zuschaifer», dass er in Zukunft bei Venneiduiig auderweilen 
schweren Einsehens in dorn religioiis- und tlieologischen Fäche| 
heimlich oder on'ontlich zu sclireibeu, sicij um so weniger unter- 
fangen solle, ols er weder den Beruf, noch aus Mangel der 
erforderlichen Wissenschaft und Prudenz die geringste Anlage 
du für habe«, — »wie denn auch lieute dem Hofkriegsrats- 
direktorio der Aufti^og bescheben isl, erwähnten Secretarium 
Zaubser mit der Konzleiarbeit sa weit zu besclififtigten, damit 
ihm zu tlieologischen nnd anderen ausschweifenden Sclireibe- 
i'eien keine Zeit übrig bleibe.« So geschehen München, am 
11. Oktober 1780. 

Um diese Zeit war es, wo ein geheimer, anfangs nur in 
engem Kreise tatiger <h'den, durch wellÜche und geistliche Mit- 
glieder vnn einflussr'cichcr Stellung verstärkt, zu einer öffent- 
lichen Macht aiigewaciisen, begann, stai*k genug, wie man 
wähnte, dem Heei-e der Priestei* und Mönche mit ihrem ge- 
samten Anhang die Spitze zu bieten und einer energischen Auf- 
klöi'ung allen 1^'instei'hngen zum Ti^otz zu einem vollständigen 
Siege zu verhelfen. Ich meine den Geheimbund dei^ lüuminaten, 
iiev auch nacli seinem Sturze noch Jahre lortg die Geisler in 
und ausserlnilb Bayerns teils in Liebe, teils in Hass beschäftigte 
und selbst in der Literatur der Gegenwart die widers[>rechendsten 
Urleile über sich ergelien lassen musste. 

Nicht minder als Geist und Tendenz des Ordens gehen 
die Ansichten über den Stifter Adoni Weishaupt auseinander. 
Von den einen als ein begeisterter Ai»ostel der Aufklarung und 
Hnmonitut gefeiei-l, gilt er den anderen als Heuchler und Böse- 
wicht. Wir wallen \ersuchen, ihn an der Hand dei" Geschichte, 
zunächst seiner eigenen Geschichte, kennen und würdigen zu 
lernen.* 

Soweit Khickhohn. Wir ahnen aus diesen Worten bereits, 
dass der Hauplquel! der \'erf(tlgungen auf kircldicher Seite zu 
suctien sein dürfte, welche sich der Staatsmacht bediente, und 
wir werden den roten Faden gefunden hoben, an dem sich Er- 
eignis an Ereignis reihen Itisst, wenn wir dem Entwicklungs- 
gang voi*greifend zwei Briefe des Papstes Plus VL an den Bischof 
von Freising verölTentltchen. Die Or-iginole, lateinisch ge- 
schrieben, liegen im Münchener Staalsarchiv und lauten in der 
Übersetzung'*'): 

•) Die beglaubigleAbscIlrinderläleinischen Briefe im Oi'detisarchiv zu Dresden. 



13 ^ 



Pias P. P. VI. 

Verelirungs würdiger Bj'uclcr! 
Gruss und apostolisclien Segen! 

Unserem allergi*össten Leidwesen haben Wir aus Deinen 
Zeilen vom IL MmI ersehen, doss die Sekte der Freimaurer, 
welche gegenwärtig einen neuen Aufsetiwnng zu neinnen scheint» 

jhren Sitz in der Hauptstodt Münclien aufgeschlagen liot und 
lass sie, was Uns noch mehr beunnilrigt und auch von Deinem 
Nuntius selbst bezeugt wird, in der jüngsten Zeit sicli weiter 
ausbreitet und im geheimen iliren Ansteckungsstofl" fsisl durch 
die ganze Welt verLi-eitet. Und doch kann es durchaus nicht 
bezweifelt werden, wie verderblich für die Menschheit die Be- 
rülu'ung rnit jenei* l*est ist, wie sein- dieselbe die Religion 
und die königliche Mncht schädigt; und wenn die Gesetze und 
lie Anschauungen derselben auch nur teilweise an die Öffent- 
lichkeit gedrungen sind, so ist doch mehr als hinreichend über 

MÜeselben bekainit geworden, um zu wissen, dass Geseltschaften 
der Art von Tag zu Tag fluclnvürdiger erscheinen. Dies gewinnt 
loch an Deutliclikeit durcli die Dokumente, welelie Du Deinem 

■Schreiben beigelegt hast. So nehmen Wir derm, verelirungs- 

^würdiger Bruder, in nocli versiäi'kteni Masse Deinen Fleiss in 
mspruch, dass Du alles sammehi luid Uns und dem apostoli' 
sehen Stuhle einsenden mögest, was für die katholische Religion 
von NutzcTi ist und Unsere obei^liiilliche Sorge und Wachsanr- 
keit weckt, indem Du dabei der Sitte der Vater und 
Bischöfe folgst, die schon seit den ersten Jahrhunderten 
bestanden hat, alle wichtigen Vorgänge, wo sie sieh 
auch immer begeben mögen, der römischen Kirche, aller 
Kirchen Muttei' und Lehrerin, zu vermelden und von dort im 
Falle von Schwierigkeiten Hilfe und Trost zu erhilten. Neben 

pDeinem Uns hocherfreulichen Bemühen und Deinem Uns mit- 

geteilten bischöflichen Eifer waren für Uns in Un.serer Be* 

kümniernis ein ansehnlicher Ti'ost die Dekrete Unseres demütigen, 

geliebtesten Sohnes in Christo, des Herzogs Karl Tlieodrjr von 

Bayern und Grafen von der Pfalz, die im allgemeinen gegen 

■derai^tigc geheime Bruderschaften und Versammlungen, speziell 

Hftber gegen die Fi-eimauj-ei" gerichtet sind, deieii Gesellschjdten 

Hpr strengstens unterdrückt und ächteL Dieses weise und günstige 

^V erholten desselben fügt zu seinen übrigen Tugenden noch eine 

Mehi^ung seines wahren Lnbes und Glanzes. Nunmelir, ein*- 



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14 



würdiger Bruder, ist es Unsere Aufgabe, zu ermittelu» was ge- 
schehen muss um diejenigen Mittel zu finden, durch welche 
die verborgenen und docli überrill vei*breiteten Anschlage der 
Feinde ans Licht gebmclit werden können. Hierin weiTlen Wir, 
Noweit es an Uns liegt, aufs beste danach schauen, dass etwas 
geschiebt und sich als heilsam erweist. Und wenn Wir Unsere 
Arbeit als dieser sehr grossen Schwierigkeit zu widmend an- 
sehen, so dürfen Wir, wie Du selber leicht begreifen wirst, 
dennoch von solcher Sorge und solchem Unterfangen Uns nicht 
zurückziehen und Unseren Sinn nicht davon enllasten, in Hin- 
sicht auf den göttliclien Beistand, den zu erflehen Wii- nichl 
müde werden; und Wir erbitten von Dir selbst, dass Du Dein 
Fh^beii mit dem Unserigen vereinigen mögest und mit Deinen 
durch solchen Beistand machtigen Kräflei* l'nsere Unzulänglich- 
keit iiusgleichen möchtest. Dir dies zu schreiben, ehrwürdiger 
Brndeiv, benutzen Wir nun eine passende Gelegenlieit und 
si>ornen Deinen Uns bekannten Eifer für die Sache aufs neue 
an. In Unsere Hände kam ein Druckblatt, welches sieben Vor- 
schläge enthält. Es entstammt der Bnc!idi*uckerei dei* heiligen 
Fakultät der Sorbonne vom Jahre 1785. Dass es von Dir der 
Fällen hat der Sorbonne zugestellt worden ist, gilt nls sicher und 
sollst Du vun jener ein Outachten über die Vorschläge erhalten 
haben. Welche Antwort Dir von jenem Kollegium zu teil ge- 
wrjrden ist, wissen Wir nicht. Wij* bitten Dich also. Uns über 
<liese Angelegenheit si>bald wie möglich Bericht zu erstalten 
und Uns das Urteil über jeden einzchien Vorschlag mit Deinem 
gewohnten Fleisse mitzuteilen. Dir, ehrwüi'diger Bruder, Unseren 
a[>ostolischen Segen, als Pfand Unserer ausgezeichneten Liebe 
und Wertschätzung, und Unsei^e dauernde Fürbitte für alle 
Deiner geistlichen Hut Anvertraute! 

Gegeben zu Rum hei St. Peter, unter beigedrucktem Siegel 
des Fischerrings, am 18. Juni 1785, dem elften .lahre Unseres 
Pontifikats. 

An den Ehrwürdigen Bi-uder Eudwig Josef, Bischof von 
Freising. 

Pins P. P VI, 

Ehrwürdigster Bruder, Gruss und apostolischen Segen! 

Sofort nach erlblgtem Schlüsse der Herbstfeiien beantworten 
Wir Deinen letzten Brief, worin Du, ehrwürdiger Bruder, Dich 
über das äusserst, was Uns zumeist am Herzen liegt. Einen 



^ Trost io Widerwäi'ligkeileii bereiteten Vns Deine so wunderbur 
H^rossen Verdienslc uni Uns und erhöhen diese Dein Lob. All- 
^fiberfill wird der orllirnhixe Cdnube iingefeindet und denselben 
jjucli in Deinem Sprengel bedroht glaubend, musstesL Du bei 
Deinem Eifer für die Snchc der Religion heftig erschüttert werden 
durcli dos, wqs Du aus der von Grund aus entarteten Ingol- 
städter Universität erfuhi'est. So gingst Du unvei^züglich nach 
. München zum Kurfürsten seihst und stelltest ihm mit dem ge- 
Hpieldeten Eifer den Ernst des Übels dar. Die Tugend des Kur- 
^ifürsten verdient nllcs Lob, Denn sofoi-t ging von jenem ein 
■ Dekret aus, welches so geeignet wie niöghch und denkbru* wirk- 
^kamst ist, nm die von fjüttlosen nn jener Universität herbei- 
H^eführten Schaden auszurotteu und dieselbe wieder zu ihrer 
^Binstigen Zienle, die vorzüglich auf der Heinheit des (iltiuhcns 
^beruht, zurückzuführen. Es ist schier ungln üblich, elrrwürdiger* 
Bruder, wie sehr Dein Ertass Unsere Seele gelröstet hat und 
weiche Freude Wir emptinden. und so erwerben Wir Uns den 
Düiik üllei* geretteten Guten unter Gottes IlilfV\ Ein anderes 
kurfürstliches Dekret fügst Du noch bei, welches speziell für 
Militfirjiersonen beslinimt ist und welches irn höchsten Grode 
den Zeitverhaltnissen angemessen ei-scheint. Eine gleiche Ver- 
fügung ist, wie Du schreibst, für' die Beamtenschaft erschienen. 
Durch so viele ausgezeichnete Tatsachen und Anzeichen für des 
nKurfürsten Frömmigkeit untl herv<uTagende Tugend erhöhl sich 
^Hessen Lob, erhölit sich aber auch Unsere Hochachtung \or 
Deiner Uns schon bekonnten bischöflichen Treue, Wachsamkeit 
Hiiud Verdiensllichkeit. Wiewnlil Wii* nicht dar-an zweifeln, doss 
Hpeine letztzeitigen Demühungen für die Religion unter Gottes 
^Beistand einen rülrndichen Ausgang hal>en werden, so sind doch 
^■ene ersten der fünf gottgleichen Vorschläge des Peter Hartmann 
^baldmöglichst zum ervvünschteji Ende zu führen, und würde es 
Uns sehr erfreuen, nach dei' Drucklegung in der Sorbonne das 
H|L7rleil und die ganze von Dir glücklich \ollendete Serie, von 
^■rgeml jemand üt>er'setzl, in einem J\xem]jlai" enlgegen zu nehmen, 
^pür Dich vom nllgütigen und allmächtigen Gott als Frucht Deinei* 
Hfeemühungen und Arbeiten reichen Segen erflehend, senden Wir 
Dir Unseren apostolischen Segen als immerwährendes Pfand 

■Utiseres ausgezeichneten väterlichen Wohlwollens. 
' Gegeben zu Rum bei St. Moria Major-ins, unter Beidruck 
des Siegels des Fischerringes, am 12. Ni^vember 1785, dem elften 
ihre unseres I^»ntifikatea 




— IG — 

An den Ehrwürdigen Bruder Ludwig Josef, Bischof 
Freising. — 

Diese Briefe sind an sich so klar, dass sie eines Kommei 
fares kaum bedürfen, wir werden im Laufe der Auseinander 
Setzungen auf diese zurückzukommen haben, zunächst sind si< 
ein unumstössliches Dokument, dass, der Sitte der Väter un( 
Bischöfe folgend, wie es im ersten Schreiben heisst, recht vieP 
schon vor dem Johi-e 1785 noch Rom berichtet sein muss, und 
dass die angeblich entartete Ingolstadter Universität {wir werdeij 
erkennen, dass damit die Tätigkeit Weishaupts gemeint isl) 
schon lange ein sclimerzender Dorn im Fleische gewesen seil 
muss. — Gleichzeitig dürfte aber erlaubt sein, darauf hinzuweisen] 
dass die angegebene Sitte der Väter und Bischöfe auch nocli 
heute Gellniig hat und dass der unversöhnliche Feind aller Frei-l 
inonrer, llluininaten und ahnlicher (iesellschaften sich in deaj 
Kreisen befindet, die naher zu bezeichnen überflüssig sein dürflej 



Die Unirersitlit zu Ingolstadt. 

Von Ingolstadt ging die Begründung des Ordens aus, do 
war Adam Weishau]>t geboren, erzogen, Besucher der l'niversilat 
und schliesslich Pn)fessor derselben geworden. Wir werden also 
um die inneren Gründe der Ordensentslehung richtig würdigen 
zu können, bemüht sein müssen, auch den Grund und Boden 
genauer keimen zu lernen, auf dem die ganze Bewegung ge- 
wachsen und gediehen ist. 

Bei Darstellung der Zustände der Universität Ingolstadt 
fussen wir auf die ausgezeichneten Studien des schon genannten 
Professor- Kluekhohn, welciier mit rülnnenswertem Eifer nament 
lieh die Zeiten erforschte, in welchei- der Freiherr von Ickstatt 
an der Universität wii-kte inid rliese reorganisierte. Ickstatt war 
der Pate des jungen Weishaupl, und er war es nanientlicti, der 
dem jungen Gelehrten die Wege ebnete; seinem Einfluss muss 
man den bedeutendsten Anteil an der Entwicklnng desselben 
einräumen, selbst in Anbetracht des Umstandes, dass diese 
späler eine Richtung aimalnn, die jedenfalls von dem Paten 
weder gewollt noch gebilhgl werden konntcv 




— 18 — 

Wir eutiiehmen dem Vuilrage des damals Di\ Kluckhohn, 
dej] derselbe in der offentlicheii Sitzung der königlichen Akademie 
der Wissenschaften zu München am 25. Juli 1868 gehnlten haL 
folgende Angaben. 

,,.luhann Adam Ick^^tatt ist am G. Januar 1702 zu Vocken- 
hausen als der Sohn eines Hammerschmieds geboren und sollte 
das Gewerbe seines Vaters fortsetzen. Er zeigte jedoch wenig 
Lust hierzu, sodass er dem Unwillen seines Vaters hierüber, der 
sich durch körperliche Züchtigungen oftmals aussprach, entfloh 
und in Mainz zu den gelehrten Schulen Zutritt suchte und er- 
hielt Er ging als Jüngling UGch Paris und trat im 18. Jahre 
als Soldat zuerst in französische, darm in österi^eiehische Dienste. 
Bald jedoch kehrte er zu den verlassenen Studien zui'ück untl 
hielt sich in Hnlland, in Londoii, dann in Irhmd und SchoHland 
auf. Er kehrte nach Deutschland zurück, um eigcnt liehe Fach- 
studien zu betreiben und widmete sich der Jurisprudenz mit 
solchem Eifolge, dass er in Mainz durch eine staatsrechtliche 
Abhandlung sich den juristischen D(»ktorgrad erwarb. Im Alter 
von 29 Jahren wan-de er mit dem Titel eines HotVates an die 
Universität Würzburg berufen, wo er das deutsche Staatsrecht, 
das Natur- und Völkerrecht öffentlich zu lehren übernahm. Aus 
dieser Periode seiner Wirksamkeit in Würzburg ist wichtig zu 
wissen, dass Ickstatt von dem Philosophen Brucker aus Augs- 
burg als ein Mann gerühmt wird, den die göttliche Vorsehung 
ausersehen hohe, die Wahrheit fortzupflanzen, das Studium in 
einen besseren Stand zu setzen, die Vorurteile zu bekriegen und 
den wahren Grund der Erkenntnis sowohl der gelehrten Well 
als der studierenden Jugend aufzudecken. Damals hatte er je- 
doch erst die Hälfte seiner Laufbahn hinter sich und sollte den 
tatenreichsten undglänzeridsten Teil derselben noch durchmessen. 
Er wurde 1741, 39 Jahre alt, nach München berufen als Instruktor 
des Prinzen Maximilian Joseph, des nachmaligen Kurfürsten, 
und es gelang ihm, trotz des gefährlichen Einflusses, den der 
Beichtvater des Kurfürsten und des Prinzen, der Pater Stadler 
ausübte, welcher bemüht w^ar, den künftigen Herrscher m*cht 
dem Kreise überiiefeiler Anschauungen zu enlreissen, in Maxi- 
milian dennoch jene Neigung zu Reformen zu entwickeln, die 
dessen Regierung für Bayern so segensreich gemacht hat. — 
Ate Maximilian zur Regierung [gelangte, hinterliess der Vater 
ihm ein zerrüttetes, von Feindesmacht besetztes Land, er behielt 
seinen Lehrer als Ratgeber in der Nahe, erhob ihn in den Reichs- 




- 19 



freiherrnstand und überliess ihm die Aiisarbeilung und Aus- 
führung mancher inneren Reform. Vergeblich suchte man den 
gewählten Mann aus der Gunst des Kurfürsten zu verdrängen, 
gelang nicht, \ielmehr wurde er mit dem Range eines wirk- 
^chen Geheimen Rates und unter gleichzeitiger Beförderung 
nun Administrator des freien Landgerichtes Hirschberg und Vize- 
)räsidenten <]e^ kurfürstlichen Rates zu Ingolstadt mit dem Amt 
Mnes Direktors der Universität und mit der Professur für deutsches 
Staatsrecht, für Natur- und Völkerrecht, sowie für Kamerolwissen- 

t Schaft betraut. Die alte bayrische Landesuniversitat, welche im 
■Zeitalter dei* Reformation als Pflanzstätte Iheologisclier Gelehrsam- 
keit galt, entsprach schon lange nicht mehr ihrem alten Ruhme. — 
Während anrlere Hochschulen Deutschlands sich bei Eintritt 
j-des 18. Jahi'hunderts aus der überlieferten Barbarei emporrangen, 
var Ingolstadt von keiner Neuerung berührt worden. Maximilian 
Joseph erkannte die Notwendigkeit an, die, wie er selbst sagte, 
►durch eingefallene schwere Kriegsti'ubel und andere Zufälle von 
Ihrem ehemaligen Flor weit abgekommene Universität pro bono 
nibliro wieder empor zu bringen« und ernannte zu diesem Zweck 
Sni Sommer 1746 Irkstatt zum Direktor der Hochschule und zum 
srsten Professor in der juristischen Fakultät. 

Ickstatt hatte nicht nur die Aufgabe, mit Rektor und Senat 
iuf die bestmögli<dien Vorkehrungen zur Hebung der Univer- 
■iitäl bedacht zu sein, sondern aucli den misslichen, bestimmt 
formulierten Auftrag, die Professoren zur genauen Befolgung 
der kurturslliclien Verordnungen anzuhalten und nötigenfalls 
zur Verantwortung zu zieheih 

Mit seiner Lehiiatigkeit als Professor des Natur- und 
Völkerrechtes, der Polizei und Fiiianzwirtschaft betrat Ickstatt 
ein bisher in Ingolstadt ganzlich, unbebautes Feld, zu dessen 

t Bearbeitung Ernennungen notwendig wui^den. Infolgedessen 
Mjrde auch Weisliaupts \'iite!' als Professor der juristischen 
•^akultät aus Wüi'zburg nach Ingolstadt berufen. 

War durcii diese Neuerungen die juristische Fakultät aller- 

Idings verjüngt, so blieb die Professur' des kanonischen Rechtes 
pedoch in den alten Händen, die der landesherrlichen Ein- 
[^•irkung so ziemlich entzogen war. Diese, \v\q die ganze tlico- 
logische und philosophische Fakultät befand sich im Allein- 
besitz des Ordens, welcher seil zw^i Jahrhunderten die Univer^sität 
beherrschte. Neben den Mitgliedern der Gesellschaft Jesu 
konnten die paar unglücklichen Mediziner, welche, unbekannt 



Wfpi^ 




20 



mit den Fortscliritten ihrer Wissenschaft, ols vierte Fokültär 
kläglich figurierten, ebensowenig in Betrnclit kommen» als vor 
Ickstött die paar weltliclieii Mitglieder der- JurislenrakiUtaU' — 

Ickstült liotte gründliclien Widerstand zu überwinden, Neid, 
Eifersucht, Unzufriedenheit über dos bisher unbekannte Amt 
eines alles überwachenden Inspektoi's, der die altgewohnten und 
bequemen Zustände in energiscfier Weise störte, regten sich 
bald. Diese Erscheinung konnte nicht überraschen, sie findet 
sich überall ein, wo ähnliche Zustände herrschen. Hier aber 
kam ein Konflikt von ganz besonderer Bedeutung hinzu, den 
wir beleuelüen müssen, um den Grund der späteren Entlassung 
Adam Weishaupts von der Universität verstehen zu können. 

Kluckhohn sagt hierüber wörtlich: >Es war ein seit lange 
geübtes Heclit der theologisclicn Fakultät, durch strenge Hand- 
habung der Zensur jedes akatholisclic Bucli von Ingolstadt fern 
zu halten. Auch die Jurisprudenz, von der Philosophie ver* 
stand es sich von selbst, blieb in die engsten konfessionellen 
Schranken gebannt. Da zeigte plötzlicli das von Ickstatt publi- 
zierte Programm der juristischen Vorlesungen, dass bei 'den 
meisten derselben Kompendien akotholischer Autoren zugrunde 
gelegt wurden. Bei Institutionen und Pandekten hätte das noch 
hingehen mögen, bei dem Staatsrecht, das nach iMascows prin- 
cipia juris publici angekündigt wurde, w^ar es eine nicht zu 
duldende Neuerung. Und Ickstatt blieb auch dabei nicht stehen. 
Er wollte Mascows und, wie man sagte, soger Ludwigs publi- 
zistische Arbeiten Studierenden in die Hände geben, und als 
der Nachdruck von Mascows deutschem Staatsrecht in Ingol- 
stadt von der Zensur beanstandet wurde, bezog Ickstatt die 
nötigen Exemplare aus Leipzig.-! 

Es entstand ein gewaltiger Streit, in dem namentlich Eck- 
her, welcher an der Spitze der theologischen Fakultät stand, 
hervortrat. Dieser entdeckte als geistlicher Zensor, sogar in 
dem Heft über Naturrecht, das Ickstatt früher dem Kurprinzen 
vorgetragen und das dci'selhe für seine jetzigen Zuhörer drucken 
lassen wollte, eine Beihe verdächtiger Positionen, nötigte den 
Verfasser zu allerhand Korrekturen, bis Ickstatt im höchsten 
Zorne auf den Druck vorläufig verzichtete. 

Vom Kurfürsten wurde verlangt, dass an der Universität 
nur katholische Autoren zugelassen würden, oder doch solche 
akatholische, von deren Ungefährlichkeit die theologische Fakul- 
tät sich vorher überzeugt habe. Eine si>lche begehrte Verord- 



21 



lg wurde nicht bewilligt, noclidem Ickstatt am 22- Januar 1747 
»ei^ichligte, dass die beanstandeten Autoren au den Universitälen 
pu Mainz, Würzburg, Bamberg und Fulda, ohne jede Einsprache, 
Itelesen würden. — 

Selbstredend war damit der Frieden nicht hei'gestellt, son- 
lern die Anfeindungen in Gestalt allerhand Klagen bestanden 
ireiter Namentlich wai*en es in späteren Jahren immer wieder 
(ie Anschuldigungen, dass verdächtige Druckwerke eioge- 
schmuggelt und enqilbhlen wurden, die als kirchengefährlich zu 
bezeichnen wären. Schhesslich wurde behauptet, dass in der 
Umgebung des Direktors und in dem engsten Freundeskreise 

Iki rohe ngefahrl ich e Tischgespräche gehallen würden. 
I Bezüglicli dieser Tischgespräclie ist darauf hinzuweisen, 

pass die Professoren, teils um ihre Einkünfte zu verbessern, 
teils wohl auch um einen Privateinfluss auszuüben, den Studie- 
^renden gegen Entgelt Miltagstisch boten, eine Sitte, die all- 
jmein üblich war. Diese Tischgespräche im Hause des Pro- 
pessors sind gemeint, welche derartig verleumdet wurden, dass 
;>gar 1752 Eckher auf der Kanzel in leidenschaftlicher Weise 
m die gelehrten Beförderer des Luthertums predigte. Zwei 
indere Pfarrer folgten diesem Beginnen, dadurch hiess es als* 
>ald in Ingolstadt, dass die aUkatholische Universität im Glau- 
ben wanke. 
B Ickstatl forderte Genugtuung, der Inhalt der- Pi-edigt 
Eckhers wurde protokollarisch festgestellt, die theologische 
Fakultät dagegen richtete an den Kurfürsten eine Vorstellung, 
die alle Beschwerden gegen die verdächtigen Juristen zusammen- 
Bfasste. — Letztere siegte anscheinend anfangs, indem Ickstatt 
^aufgefordert wui-de, sich zu verantworten und die Entfernung 
protestantischer Bücher, sowie strengere Handhabung der Zen- 
sur gewährt werden sollte. Nachdem jedoch Ickstatt am 9. August 
^1752 eine umfangreiche Denkschrift eingereicht hatte, in der er 
^knit kräftigen Worten unverblümt alle Anklagen niederschlug, 
Hteowie persönlich in München seine Sache führte, entschied der 
^Kurfürst den Streit endgültig im liberalen Sinne. Eckher 
musste vor versammeltem Senat Abbitte leisten, der Gebrauch 
okatholischer Bücher über Jurisprudenz und Staatswissen* 
Hschaften wurde, so lange die Professoren nicht eigene Kompeu- 
^dien veifasst hotten, gestattet, die Ausübung der Zensur in der 
, herkömmlichen rigoi'osen Weise als nicht mehr zeitgemäss be- 
teiclinel. — 





— 22 - 



Damit war der Streit beigelegt und Ickstalt setzte iiocli 
dreizehn Jahre seine Lehrtätigkeit fort, bis jüngere Kräfte, die 
zum Teil unter seiner Führung herangewachsen wai*en, darunter 
später auch Adam Weishaupt, an seine Stelle treten konnten. 
Ickstatt war dann nicht immer in Ingolstadt anwesend, oft nur 
vorübergehend, behielt jedoch das Direktorium der Universität 
nach wie vor in der Hand^ auch als der Kurfürst ihn wegen 
staatsmannischer Geschäfte in seine Nähe berief. 

So lagen die Verhältnisse in Ingulstodt, als Adam Weis- 
haupt den ersten Schulunterricht erhielt und als Jüngling die 
Universität bezog. 



Welshaupts geistige Ausbildung und Charakter- 
en tiricklung bis zur Ordensbegrunduiig. 

Weishaupts Vater, Johann Georg Weishaupt, ist geboren 
1717 zu Brilon im preussischen Regierungsbezirk Arnsberg in 
Westfalen. Er wurde durch Dekret vom 14, Oktober 1746 als 
Professor der kaiserHchen Institutionen und des Kriminalrechtes 
durch Ickstatt nach Ingolstadt berufen, und ebendaselbst wurde 
Adam Weisliau])t am 6. Febj'uor 1748 geboren und von Adam 
Ickstatt über dem Taufbecken geiialten. Der Knabe verlor 
seinen Vater sehr bald, bereits 1753 im September starb der^ 
selbe während eines Ferienaufenthaltes in Heihgenlhal bei 
Würzburg im Alter von 36 Jahren. 

Wie bereits gesagt, war das gesamte Gymnasialwesen in 
Bayern seit zwei Jahrhunderten in den Händen der Jesuiten, 
welche die Jugenderziehung völlig nach ihren Grundsätzen leiteten 
Diese konnten jedoch dem aufgeweckten Knaben, dem es selbst- 
redend nicht mögüch war, sich diesem Einflüsse zu entziehen, wenig 
zusagen. — Widerstrebend muss der Knabe ihrem Lehi-gange 
gefolgt sein und sichertich ist die Abneigung gegen diese Art 
der Belehrung, der später der heftige Drang nach Beseitigung 
solcher üebelstande fr>lgte, schon sehr früh dem Gemüle des- 
selben eingepflanzt worden. 

Weishaupt schreibt über diese Jugendzeit im Nachtrag zur 
»Rechtfertigung meiner Absichten«: 




— 23 — 

»Ir.h kMm ids ein Knab von achthalb Jahren das erstemöl 
in die Schule. Es ist wahr, wir mussten unaufhörlich beichten 
'und dem ausserlicheri Gottesdienste beiwohnen und ^orzüglieh 
die Andöcliten zu ihren (der Jesuiten) Heiligen verrichten. 
Aber dies war auch alles: Sie %volIten sich auf diese Art, nicht 
durch Gründe, sondern durch den äussej^lichen Glanz, durch 
Gewohnheit und Fertigkeiten des jungen Kopfes so sehr be- 
metstern, doss er dereinst bei reiferen Jahren gar kein Bedürf- 
nis nach liöheren Gründen haben sollte. Unser einziger Unter- 
triebt war jeden Fr-eitag, wo wir ein Stück aus unserm Canisius 
auswendig daherplappern mussten.'-') Wenn gegen Ende des 
Jahres die Prämien verteilt wurden, so ward eine dei^gleichen 
Belohnung auch demjenigen zugedacht, welcher bei der vor- 
genommenen Prüfung die besten Beweise seines Unterrichtes 
im Christentum gegeben hatte. Und nun höre die Welt diese 
KBeweise und sie sage, ob ich unrecht habe? — Wir mussten 
^der Reihe nach, meistens nach alphabetischer Ordnung, an der 
Tüi- des Zimmei^, in welcliem sich drei von unsei'en Gloubens- 
Richtern versammelt batteji, warten, der erste nacii gegebenem 

i deichen eintreten und nicht eine Glanbensfrage, sondern ein 
Balsel aus dem Canisius auflösen, z. B. wir sollten das Vater- 
(Unser rückwärts oline Anstand auswendig hersagen. Wir sollten 
^gen, wie oft et, in oder cum in dem ersten Plauptstück stehen, 
teder es wuitlen uns zwei oder drei Worte aufgegeben, wo wir 
Sogleich fortfahren mussten und dies so oft, als diese Worte in 
diesem Hauptstücke enthalten waren. Wenn einer nach dem 
andern diese Fragen vor diesem geheimen Heligiousgericht be* 
antwortet hatte, so kam der Präfckt an die Türe und verlas die 



•) Die Studienordriun^ der GeeeliBChaft Jesu von 1599 schrieb den Pro- 
Jiessoren der niederen Klassen vor: »Die Jünglinge, die man der Gesenscliafl 

^esu zur Erziehung aoverlraul hat» unterrichte der Lehrer so, dass sie 
rugleich mit den Wissonschönen besonders die eines Christen wurdiijen Sitten 
lewinoen. Er wache darübei", dass alle der Messe und Predigt beiwohnen; 
ind zwar der Messe täglich, der Pr-edifrt aber an den Festtagen Der Christ* 

Jiche Unterricht soll besonders in den Klassen der Grammatik und, wennnötig, 
luch in andern Freitags und Sonnabends auswendig gelernt und hergesagt 
ireiNien. ... Er baUe auch Freitags oder Sonnabends eine halbstündige fromme 
^xhorte oder Erklärung des Katechismus; er dringe vorzuglich auf tägliches 
ebet, besonders auch zur täglichen Abbelung des Rosenkranzes oder der Tag- 
eilen Maria» ... Er empfehle sehr die geistige Lesung, besonders aus dem 
Leben der Heiligen, er bemOhe sieh, dass niemand die monatliche Beichte 

'unterlasse.« Pachaer I c. II, B79— 381. 




— 24 — 



Namou derjenigen, welche die Frage erraten hatten. Diese 
bliebeil sodann und fingen unter sich iliren Wettstreit aus der 
Religion auf das neue an, bis ein einziger Sieger blieb, und 
dieser allein wurde gekrönt, — Nun sage alle Welt, was sie 
von diesem Religionsunterricht hält? Diesen und keinen andern 
rnlerrielit (deiui iln*e Predigten waren nicht viel besser) erhielt 
ich bis in das 15. Jahr meines Lebens, wo ich das Gymnasiiuii 
verliess and mit dem akademischen Kursus den Anfang machte. 
Ich bin auf diese Art, ich darf sogen, 20 Jahre alt gewoi^den, 
«ihiie dass icli für die Wahrheit meiner Religion einen andern 
Beweis nnfübren konnlCj als: so bin ich gelehrt worden; so sagt 
die Kirche; dieses Reclit der Kirclie ist in der heiligen Schrift 
gegründet, und die Kirche hat das Recht, den zweifelhatlen 
Sinn der Schrift zu bestimmen. 

Was s<^ll aus eiirem solchen Menschen werden, wenn er 
hinter andere Bücher gerat, wenn ei' mit Vernünftigen einen 
Umgang pflegt, wenn er ous der Schule mit einer so schwachen 
Gegenwehr und Voi-bei'eitung in die Welt ti^itt?€ — 

Ickstalt soll nach der bisherigen Auffassung sich der Sorge 
für den verwriisten Knaben ganz besonders angenommen haben. 
Ist es auch zweifellos, dass in späteren Jahren Ickstatt Weis- 
houpt protegierte, so dürfte jedoch seine Unterstützung zu 
Wcishaupts letzten Studienjahren sehr überschätzt worden sein, 
andei-nfalls ist ein Brief von Weishaupts Mutter vom 12. Dezem- 
ber 170L> nicht erklärbar. Diese schreibt unter angegebenem 
Datum an den Geheimi'at Lippert:*) 



Wohigeborener Hoclizufererentej* Herr Gebeimraht. 

Euer w^ohlgeboren nemen mier nicht für ungnod, dass i 
inen schreiwe und meine not Klage, es isi mier von der Hof- 
kammer, dass stihendium das mein söhn von der Universitet 
gehabt genomcn worden, nun weiss ich mier nicht zu helfen 
was ich anfangen sohl damit er doch seine Studien absolvieren 
und Jura docentihi'en Könnte, wir seintvon der gansen wehR 
{ganzen WeR) verlassen. Kein Mensch will sich unser an- 
nemen, so bitte Euer wohlgeboren sie mögten ihm docfi mit 
einen rath oder recommantation an die Haut gehen, er wirdt 
gewisHcb gutt belonen, ich bin ja schon 14 Jalire wüttib (Witwe) 



eil I 



*) Ofigiadl im Archiv des Hielorischen Vereins zu München, unter den 
IJppertsehen Akten. 



— 25 — 

.und muss mit 800 W. le^\'en, ich Kau im wedci- bücliei' nocli 
mderes schaffen und er hat doch ein Talent, dass man ihn ge- 
K%ieslich brauchen Kon(e, es diit mir das Herz wehe dos ich im 
|ht hoifen kann — — usw. 

Dieser Hilferuf aus niülterhchem Herzen ist jedenfalls von 
LHbIg gewesen, denn der junge Weishnupl wurde in den Stand 
3set2i, seine Studien zu vollenden und zwei Jahre spätoi* sein 



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Weishaupts Doctordiplom. 



DoktiH'PXamen abzulegen. Es geht aber auch aus diesem Briefe 
Jiei'vor, doss Mutter und Sohn, die von der ganzen Welt ver- 
issen waren, und deren sich kein Mensch annehmen wollte, 
ilso auch nicht Ickstatl, gegen diesen keine besonders tiefe 
Jrsache der Dankbarkeil haben konnten, wie hi^!M*r behauptet 
rurde, 

Dass Weishaupt entschieden ein sehr befähigter Kopf ge- 
»n ist und sich bemühte, dös damalige Wissen für seinen 
Bpäteren Beruf gründlichst in sich aufzunehmen, bezeugt der 
Wortlaut seines Doktoi^diploms vom Jahre 1768. Dasselbe 




26 — 



wurde auf Veranlassung des Neffen Adam von Ickstatts, Peter 
von Ickstatt, ausgefertigt, welcher^ nachdem er in Mninz und 
Jena die Rechtswissenschaft studiert hatte und in Ingolstadt 
mit ausserordenthchem Beifall promoviert worden w^ar, im Jahre 
1764 auf Ickstatts Wunsch zuerst zum Extrafjrdiuurius erriüimt 
wurde, um an Stelle des Direktors die Vortrage über deutsches 
Staatsrecht zu überneluiien. 1765, als Adam von Ickstatt siel» 
ganz zurückzog, wurde der Neffe zum ordentlichen Professor 
und spater zum Hofrat befördert, ki'änkelte jedoch früh und 
starb schon im Jahre 177 L 

Das in lateinisclier Sprache abgefasste umfaagreiclie, höchst 
inleressante Dokument auf Pergament gesctiriebeo, welches im 
Archiv des Illuminatenordens zu Dresden jetzt bewahrt uird, 
lautet in der Übersetzung: 

Im Namen der heiligen und persönlichen Dreieinigkeit, Amen. 

Wir Peter von IcksLaU, DocLor der Rechte, des madigsten und mSchtigsien 
Churfürsten, Herzogs von Ober- und Niederbayern etc. etc. wirklicher Hofratb, 
an der ehrwürdigen, catholisehen und churfürstlichen Universität Ingolstadt, 
Professor Ordinarius des Nalurrechts und des öffentlichen gemeinen Rechtes» 
auch der kaiserlichen InsUtylionen, auch zur Zeit der berühmten juristischen 
Facullät Decafius: auch die übrigen Docloren derselben Facultäl, die actueüen 
churfürstlichen Hofräthe und Proressoren entbieten allen, welche diese Urkunde 
anschauen werden, ihren Gruss und Frieden in dem Herrn. 

Recht und pd ich (gemäss glauben wir zu bandelu, wenn wir nicht un* 
würdige, sondern durch GeJehrsamkeit ausgezeichnete und erprobte Männer zu 
den hftehslen Ehren und WDrden zulassen. Denn wie wir es für ungerecht, 
inhuman und jeder Gleichheit der verteilenden Gerech ligkeit fremd hallen, 
jene zuzulassen» diese ober abzuweisen und um die schuldigen Ehrentitel und 
Prämien zu bringen, so ist der auserlesenen und berühmlesten Zahl, wegen 
der empfehlendslen und ausgezeichnetsten Verdienste, einzureihen, der sehr 
berühmte Herr Adam Weishaubt von Ingolstadt (Beyern), bis jetzt öffent- 
licher Hepetitor der Rechte an unsrer Hochschule, welcher unsej'em AÜienaeum 
drei Jahre hindurch nicht allein unermüdlichen Fleiss durch vortreffliche Proben 
bekundet, sondern auch zwei Jahre hindurch die Collegi^i über die Inatitu* 
tionen Julians, das Natur- und öffentliche gemeine Recht sowie das Privat- 
recht ein Jahr lang mit dem Lobe ausdauernden Fleisses gehört hat und sich 
durch die hier erworbenen Früchte auszeichnend, hat er sich alle diese 
Jahre hindurch durch eminente und männliche Bescheidenheit bei vielen Ge- 
legenheiten, vornemlich bei privaten Anreden als einen in der ganzen Literatur 
und den humanioren Studien, besonders auch verschiedener Sprachen höchst 
bewanderter Mann bewährt. Und wie er an dieser unsrer Universität ausser 
dem Feudal-, Natur-, allgemeinen und Völkerrecht, desgleichen das öffentliche 
deutsche Fiechl in PHvatcoUegien in ununterbrochener Reihenfolge wiederholt 
gehört bat und mit ganzer Seele dabei (ganz Ohr) war, so zeigte er sich, nachdem 
er Früchte hieraus geschöpft und eminente Fortschritte gemacht, als einen 



-^ 27 — 



'dorch viele Beweise der besten Censur und Hott'nung wQrdigen und gelehr- 
testen Candideten der Rechte höchst lobeiiswerth; ebenso hörte er öffentliche 
und private Collegia, welche den Maximiliauischen Codex zu erklären pflegen 

Iiwei Jahre mit eifrigstem Fleisse und gab von den Fortschritten» welche er da- 
durch erlangt wiederholt offen tlicho Beweise, zugleich aber auch von dem Ur- 
|len seiner absonderlichen AufTasBiingsgabe. Hierüber besuchte er häufig in 
iden&elben zwei Jahren die Collegia, Öffentliche wie private, über den Bayrischen 
'Bechts- und Criminal-Codex mit dem lobenswertesten Fleisse und unermud- 
lichem Eifer besonderer Anwendung, welcher sich öfTenllich herrlich bewährt 
hat. Da er ferner mit dieser ausserordentlichen Gelehrsamkeit, die in jeder 
^^Hinsicht rühmlichsten Sitten verbindet, so ist kein Zweifel, dass er zu seiner 
^Ks^it zu seiner und seines vornehmen Standes Ehren und Buhme ein erwOnschtes 
^^Rust/eug unsres Vaterlandes werden wird. Da er es nun für nützlich» ehren- 
voll und seiner Absicht entsprechend hielt, so richtete er das Gesuch an uns, 
wir möchten ihm durch unsre Autorität und Censur bestätigen, was für Kennt- 
nisse er durch die verkosteten Studien beider Rechte erlangt habe, und ihm 
den Doctorgrad beider Rechte verleihen: so wollten wir diesem gerechtesten 
Gesuche gern willfahrend ihn seines wohlvej'dicnten Wunsches teilhaftig • 
machen. Deshalb haben wir früher nach dem Brauche und der alten Gewolin- 
heit unsj^er Facultat über dessen Fortschritt in dem uft erwähnten doppelten 
^^Becht in unserm CoUegium am 1. Juli dieses 1768 sIen Jahres ein privates 
^■l'en tarnen abgehalten und da er in diesem die glänzendsten und aussser- 
^Bordentlichsten Beweise seiner Gelehrsamkeit gegeben hat, haben wir ihn bald 
^B^m öffentlichen oder strengen (rigorosen) Examen zulassen müssen, in welchem, 
^■^a er am 4*^" Tage des benannten Monates und Jahres alles was er sich ein- 
^B geprägt hat, an bezeichnetem Orte und Stunde auf das geschickteste und geist- 
vollste wiedergegeben« auch auf die schwierigsten Fragen auf das trefflichste 
■und gediegenste geantwortet und somit unsre Meinung, die wir vorher schon 
von ihm uns gebildet, völlig entsprochen hat, ist er mit allgemeiner Einstimmig- 
keit würdig erklärt worden, dass ihm der höchste Lorbeerkranz oder das Doc- 
lorat beider Rechte zuerkannt und übertragen werden könne und müsse. Nach- 
dem er also am 5^^° Tage des genannten Juli den Grad als Licentiat beider 
^■Hechte unter den ßblichen Förmlichkeiten erhalten hat, ist am heutigen unten 
^^verzeichneten Tage nach vorhergeleisteten üblichen Eidschwuren in Gegenwart 
vornehmlich des Bector Magniflcus dieser ehrwürdigen Universität, desgleichen 
aller Professoren unsi-er Faeultät und aber den hochzuverehrenden, vornehmen, 
berühmten und ausgezeichneten Herren Doctoren und Professoren der meisten 
I andern Fakultäten, genannter edler und berühmter Herr Adam Weishau bt, 
1 Licentiat t>eider Rechte, zuletzt (schliesslich) in demselben doppelten Rechte 
joder Doctorgrade durch den sehr berühmten Magniflcus und erfahrensten 
FXlann, Herrn Johann Paul Sutor Doctor der Beeilte, wirklichen Hofrath des 
[gn&digsten und mächtigsten Churfüislen beider Bayern, Herzogs etc. etc. und 
k Professor p. o. (öffentlich er ordentlicher) der Pandecten an unsrer werten Uni- 
iversitit, unsern hochgeehrten Collegen legitime und Öffentlich erklärt und ge- 
iBchaffen, auch in die Zahl unsrer Doctoralen Öüentlich cooptirt, nicht minder 
Imit allen und einzelnen Rechten zu lehren, zu erklären, zu schreiben und wo 
pn aller Well über diese Rechtswissenschaft öffentlich und privatim zu corre- 
ipondiren und anderen Privilegien, Freiheiten und Vorrechten, welche den 
[wahren und legitim ernannten oder nach l^echt und Sitte unsrer werten Hoch- 



28 



schule uiHJ (Jen befiondei*en Vergünstigungen unsi*es juridischen Collegü xu- 
kommen, oder auf welche Art solche zu erlangen sind, mit Vergnügen be- 
schenkt worden. Zur BesLäligung, Beglaubigung und zum ewigen Andenken 
und für Alle als geeignetes Zeugnis haben wir demselben vornehmen» be- 
rühmten und exceilenten Herrn Adam Weishaubt, dem legitim ernannton Doctor 
der Hechte diese Urkunde ausfertigen und von dem Kaiserlichen und Universitäts- 
Notar unterschreiben; auch mil dem grossen Insiege! unsr es juridischen Collegii 
versehen lassen. 

Ingo Isla dt, d. 9, August 1768. 

Diese Urkunde ist unterzeichnet von Ferdinandus Müriii, 
Mendel, Universitöts-Nutar; das in einer Buchsbiiumköpsel ge- 
IVisste ongehöngte rote Wachssiegel der Universität ist un- 
\erietzt. 

Die Schreibweise des Namens Weishaupt ist hier noch 
W'eishaubt, entsprechend der Orthogrnpliie Jener Zeit, es wurde 
nach z.B. das Wort überhaupt: überhaulit geschrieben, einige 
Jahre später schreibt Weisbanpt seinen Namen in Briefen, wie 
noch jetzt üblich mit p. 

Aus dieser Ui^kundc leuchtet deutlich hervor, dass Weis- 
haupt sicli bereits in jungen Jahren, er war 20 Jahre, eines 
Wissens rühmen konnte, das, unabhängig von oller Pro- 
tektion, ihn ganz sicher zu der Stehung berechtigte, die er 
bald an der Universität einnahm. 

Es ist bereits gesagt worden, dass die Universität von 
[ngolstadt gänzlirli in den Händen der Jesuiten seit ca. 
200 Jahren stand, welche die Lehrstühle mit ihren Ordens- 
angehörigen besetzten, es wäre demnach zu envarten gewesen. 
dass das Werk Icksiatls, welclier sicIi bemühte, die Universität 
aus diesen l^esseln zu befreien, dui-ch die Authebung des 
Jesuitenordens am 2L Juli im Jahre 1773 bedeutende Fort- 
scliritte erziehe. Das war jedocli nicht der Falk Bezüglich der 
Aufhebung des Jesuitenordens weisen wir biei- nur darauf hin, 
dass Papst (Jlemens XIV., dem Drange der Umstände nach- 
gebend, die dos Treiben der Jesuiten verursacht hatte, das Ver- 
bot des Ordens, durch die Regierungen von PortugaU Sfmnien 
und Frankreich, über die ganze kntholisclie Christenheit aus* 
deijnte. Die Bulle Dmninus ac Bedemptor noster enthält fol- 
genden charakteristischen Sntz: >In Erwägung, dass die genannte 
Ge^elischalt die Frucht, wozu sie gestiftet war, nicht mehr 
bringen kann, ...... ja, dass es kaum mehr möglich ist, dass 

so lange sie besteht, der wahre und dauerhafte Fiiede in der 
Kirche wiederhei^eslelU werden kann, bebe ich mit 



— 29 — 



I 
I 

I 



reifer Überlegung, niis gewisser Erkenntnis und aus der Fülle 
apostolischer Macht die erwähnte Gesellsclinft auf, unterdrück*' 
sie, lösche sie aus, schofle sie nh.-^ — 

Mon mag nun über die Jesuiten denken wie mau wolle, 
eines wird man ihnen nicht abstreiten können, nämlich, dass 
sie zu jeder Zeit über tüchtige Lehrkräfte verfügten, die im- 
stande waren, wenn auch in ihrem Sinne, ihren Platz auszu- 
füllen, weil sie dös Wissen ihrer Zeit beherrschten. In einem 
Lande wie das damalige Bayern, in dem das Schulwesen un- 
glaublich danieder lag, in dem es an Lehrkiiiften allenthalben 
fehlte» war man dadurch gezwungen, den jesuitischen Professoren 
die Lehrstühle wieder zu' überlassen, falls ,man die Universität 
nicht aus Mangel an Lehrkräften scldiessen wollte. Durch diese 
Toleranz, erzwungen von der Notwendiglceit, wurden selbstver- 
ständlich Zustände geschafien, die den Boden gaben für aller- 
hand Intriguen, Streitereien und Verleumdungen, deren Weis- 
haupt nach seinen Angaben sich ganz besonders erfreuen durfte 
Dass das richtig ist und keinesfalls der Begründung entbehrt, 
beweisen die Briefe desselben, sowie die seines Protektoi'S Ick- 
stott, welche beide an den Gelieinu-at Lori (ein Schüler Ickstatts 
und neben ihm Mitdirektor der Universität) richteten und im 
Konigl. Boyr Geheimen Staatsarchiv aufbewahrt werden. 

Bevor wir auf diese Briefe näher eingelicn, verötTentlichen 
wir einen Brief aus den Lippertschen Akten, der geeignet ist, 
ein klares Licht auf die Universitätszustönde zu weifen, auf das 
Verhalten Ickstatts, Weishaupt gegenüber, und der Gründe, 
weshalb Professorenstellen erbeten wurden. 



N 



No. 82 der Lippert-Akten. 

Hochedl gebohrener, liochgelehrt, 
Sonders Hochgeetirtester Herr! 

Nach dem mich von Einei* kleinen Unbässüchkeit Erhellet, 
so komme ich meine Danksagung vor alte mir in München Ei*- 
wissenen Höflichkeiten zu machen, und mich umh dero beider 
zeitigen Wohlstand zu Erkundigen, die ich dann hofle solche 
zum bessten seyn, betaure auch sehr, dass Herr von Abendoifer 
mit seynem Gesuch nit reussirt hat, welches ihm und mir vei 
treglich wahre. 

in München geht Es arthig zu, mir sagte man Es würd 
keine Professur nit aufgestellt, weillen ohne das umb Einer zu 
vill, und da ich nachher nach Hause komme, Vernimm ich das 



wehrend Zeit da ich umb die Rathsslelle anhalte, der Herr 
weisshaubt alss extra ordinari Professor durch Pntrocinaiiz des 
Herrn B. v. Ickstott ist aiigesteilt worden mit der Erlaubung 
auch allen privata zu geben, und die Attestala zu Ertheillen, 
welches den Juristen gar recht seyu würd und ihnen das übriche 
Geld zur regreatioo dougeu. Dann der Herr weisshaubt wüttl 
ihnen gar gern Voi* Einem Bayrischen tholler aus allen die 
atlestatta geben, w^illen Er ansonsten nichts hat, und wie man 
sagt solle Er eine Euchstatlerin (Eichstatt) heurathen so auch 
keinen Bazen hat, ander \vellen auch behaupten das Er in 
denen Pfingstferien schon copolirt ^\'orden seyn in Enchstalt 
über welches der Herr Baron von Ickstott heftig Erzürnet ist, 
mit Vermelden das wann disses ist so solte der weisshaupt nil 
mehr in seyn Hauss komen. die Ursach wahre, w^eillen sie ihm 
Ein Junge weinbnchin zur Ehe geben wollen, mithin siebet sich 
der Ickstatt betrogen, indessen hat sich disser junge und nethe 
(nette) mensch bey allen Professoribus Verieindet gemacht, und 
solche \>rtrisslichkeiten auf anbötzung angestcllet, das Es zu- 
gegangen wie in dem bolnischen Krieg, dann diesser weishaubt 
lasse sich zu alleTi gebrauchen. Er hat alle juridische Herrn 
Professores bis auf den von weinbach Verachtet, und gedrohet 
wie Er und w^einboch zusammenhelfen und denen übrigen Ver- 
truss genug macheu w^oUen, wo sodann ein consilium gehalten 
und ihme seyn Uni-echtduhn auf das scherfeste Verwissen 
w^orden, ohnerachtet dessen duhet er ihnen vast deglich Neue 
rii*obheilen an, ob wollen vost keiner hier, so ihm nit zeit seynes 
Studierens mit geld zur kost, oder mit Kleidung an band ge- 
gangen, w^e ich hni-e, so sollen sich die Herren Professores 
wider diesen Jungen Menschen so sich von dem Ickstatt haus 
zu allen gebrauchen lasset, bey Höchster stelle Verkloget haben, 
mithin allen bevorstelienden Q!>el vor zu kommen, kann wohl 
geschehen, das dieser nethe mensch nit zum ordinori Professor 
gelanget, w^ohalben dann hiervon verschiedenen gutten Freunden 
bin animiret w^orden. bey dieser beschafTenheit, Vor meinen 
Sohn um die Professur anzuhalten damit docli Einer früher 
zu Einem Einkommen gelanget und doch das Hauss 
welches unser nieistes Vermögen ist nit umb einer Notb Ver* 
kaufen, oder durch hiesig schlechte zinsleith (Zinsleute) müssen 
ruiniren lassen , denn wann ich dissmabi nichts Erlialte oder 
doch wenigstens Eine expectoranz Erhalte, so habe ich villen 
Jahren keine Hoffnung mehr indem schon wiederumben ein 



— 31 — 



Junger Ickstiilt und ein Junger weinbach auf der anwiirth, 

I welche beede die Juro hören und Frotessores werden w^olleii. 
Desshalben dann Eure Hochedelgebohren liöffiiclist Ersuche 
dieselben wollen docli die gnad haben, und bey Ein und andern 
Herrn Minister sich Erkundigen was die hiesigen Herrn Pro- 
fessores auf ihre beschwerde Vor eine gutte rcsolution be- 
kommen, oder ob ihnen der weisshaupt zu zweiten last auf- 
^getmngen würd, dann sie sagen, sie können die Erste Lost des 
■ Bar. von lekstntt nit mehr Ertragen, bitte demnach Höflichst 
gehen sye mir, wie alle Zeit mit dero güttigen Rath an die 
Hand, wie und was ich diihn soHe, in dero gnad mich dann 

Isambt denen meinigen bestens recommandire und mit meiner 
gehorsamsten Empfehlung geharre ich jeder Zeit zu seyn 
1 1 . 1. 1 .. T * .^r,^ gehorsamster Diener 



Ingolstadt den 15. Joni 1772. 



M. J. scliiltenberg. 



Dieser ßi-ief zeigt, dass lekslaft sein Patenkind zu einer 

I Heirat zwingen wollte, die ihm zuwider war. Weishaupt hei- 
ratete jedoch am IL Juli 1773 die hier angegebene Eiclistätterin, 
luimens Afra Sausenhofer, ohne dass Ickstatt ihm das Haus 
verbot. Letzterer brauchte den jungen Professor gar zu notig, 
dessen Kenntnisse und Befähigungen, bei dem ansgesprocljenen 
Mangel an tüchtigen Lehrkräften, nicht zu entbehren waren. 
Bezüglich der Verhetzungen und \'erfeindungen» die Weis- 
»haupt von Schiitenberg vingeworfen w^erden, ersieht man die 
Gründe bei PrantI*) sehr genau. 
Derselbe schreibt folgendes Seite 572: 
Irn Jahre 1772 aber erhob sich, nanientlicli seit der Er- 
nennung Weisbanpls des Jüngeren, wieder eine scharfe Oppo- 
sition gegen Ickstatt, w^elche ihren hauptsächliciien Sitz in der 
juristischen Fakultät hatte, aber auch vom Theologen Leitnei* 
Unterstützt wurde.**) Wahrend Ickstatt sich beschw erdend an 
den Kurfürsten wandte, — — schlugen auch Siardi, Schmidt 
Hund Pruggei" ihrerseits den gleichen Weg ein, um in schärfster 
K^orm ihre Klagen gegen Ickstatt und Weislmupt zur Geltung 
Hb:u bringen; sie lieben hervor, dnss Weishaupt überhaupt nur 
als »Godl«- (d, h, Patenkind) Ickstatts Professor geworden sei, 

•) Geschichte der Liidwig-MaximHians Universität in Inp-olsladt, Lands^ 
'liut, Mönchen. Zur Fesifeler ihres 400jahngen Bestehens im Auarage des 
AIcsdemischen Senates verfasst von Dr, Carl PrantI, München 1872. 

**) Archiv der Universität C, l. 15. Mai 1772 findet sich ein wirkJich gtfl- 
wollenes Zirkular des Rektors Leittier über Ickstatts Benehmen im Senate* 






32 — 

sowie dass Weishaupt mit Ickstatts Nefleii Weinbach eine 
»Ickstätlisehe Factionc bilde. — — 

Seite 597 heisst es: 

Derselbe (Weishaupt) wurde im Jnhre 1772 zunächst nur 
zur Ergänzung der sehwacheu Lehrkraft Siitors eruoniit und 
sollte weder au den Emolumeuten noch an den Sitzungen teil- 
nehmen; nach ein parn^ Monaton ober erlangte er nicht nur die 
Befugnis, überhaupt ordentliche Vorlesungen zu halten, sondern 
auch Sitz und Stimme in der Fakultät und beratendes Votum 
im Senate. Hierüber aber erhob sich seitens der Fakultät 
jener schon oben erwähnte Sturm, welcher eigenllicb personlicii 
gegen Ickstatt gericlitet war. denn was man gegen Weishaupt 
aus der \'orrede einer Druckschrift desselben vorbrachte, konntefl 
wahrlich nielit zu einer Anklage hinreichen, sondern allenfall:^ 
nur zum Beweise, dass Weishaupt in wormei" und schöner 
Sprache seine Begeisterung für die naturrech tüchen Grundsätze 
des Hugo Grotius, Leibniz und Wolf aussprach und die über- 
mässige Betonung des jus patrium als einen Fehlgriff bezeichnete. 

Ickstatt schreibt nun über Weishaupts Einführung an Lori 
folgendes: 

Wohlgeborener» Sonders geehrtester Herr Geheimer Bath. 

Eure Excellenz erstatte meine Danksagung für den dem 
Professor Weishaupt geleisteten Sorgfältigen Beystand. Vor- 
gestern arn Freytag ist ev ad Consilium Academicum introdu- 
ciret worden, sein piuncipio Solenne so er in gesclnvindigkeit 
Verfasst, lege hier bey. Es hat gewaltigen Lärmen erregt bey 
Jenen, so sich getroften Zu seyn geglaubt liaben, inssondei'e dem 
Professor Siarchi, welcher ihnen auch auf das gi'öbste begegnet; 
künftigen Dienstag wird er ad facultatum admittiret. Die Ftede 
ist freylicli etwas bissig; allein da er das Jus commune zu dn* 
ciren, decretirt ist, wird Jeder nothwendig dessen (deren?) Nutzen 
gegen jene, so als Nestor ihren denen Andituribus beständig 
Vorschwazen, behaupten müssen. Empfehle mich zu alt, gut 
Freundschaft in Sccuia SeculorunL 

Euer Exccllenz 

gehtU'samster Diener 
Freyherr \% Ikslatt 

Unser Jubiläum ist so ziemlich 

feyerlich begangen worden, 

giens soll Weishaupt die Hede drucken lassen. 



I 



Ingolstadt, d. 26. July 1772. 



SS — 



Ickslatl erfüllte durch seine Protektion nur- die ihm ge- 
stellte Aufgabe, die Universität zu heben. 

Bereits gegen Ende des Jahres 1773, also sehr bald nach 
Aufhebung des Jesuiten-Ordens, wurde infolgedessen Weishaupt 
^die ProfessLir des Kirchenrechtes, die bis dahin nur Jesuiten inne 
1 hatten, übertragen, dadurch diesen eine Zielscheibe werdend 
Hiur Angriffe aller Art, um den jungen 25jährigen Professor 
Hmöglichst zu stürzen oder ihn seines Amtes überdrüssig zu 
"fnachen. — Auf letztere Absicht z. B. ist es jedenfalls zurück- 
zufüliren, wenn Weishaupt seinen Gehalt nicht erhalten konnte, 
■bo doss er genötigt war, folgenden dem heutigen Verständnis 
^recht verworren klingenden Brief an den Geheimrat Lori nach 
München zu senden: 

^m Ihre Excellenz. Hochwohlgeborener Herr (ieheimrath. 
^m Hoch Verehrdei* Gönner. 

^» Nachdem so Villes schreiben, Memoria lei*ei und Inständiges 
bitten um erhaltung wegen meiner Von drey Vierte! Jahren 
rückständigen Besoldung so ViM Verm<>gt haben, das ich nicht 
dlein keine anweisung an allhisige Hohe schul erhalten, son- 
lern sogar, da alle übrigen Professores dieser Tage Ihre Be- 
soldungen bekommen. Ich alleinig nicht nur bey der Hohen 
schul sondern auch bey dem albertino Proteriat Orden, so kann 
ich nichts anderes schliessen, als dass man meiner Dienste 
überdrüssig und dadurch all rechtslage um Betreibung des 
meinigen angegangen und doch nichts beytreiben können, so 
sehe ich nur dieses einzige Mittel Übrig, mit meinen V^or- 
lesungen so lange ein zu halten, bis ich entw^eder gänzlich 
öinorirt oder die meinige erhalten w^erde, ich kann Euer Ex- 
eellenz Versichern, dass mir dieser Schritt keine Verachtung 

i nadigster Befehle, sondern die äusserste nothwendigkeit ab- 
öttgt. 
Ich bin übrigens mit aller Hochachtung 
K Euer Kxcellenz 

" 1 I . 1. 1 r* 1" .r,«. Geliorsamst Ergebenster 

Ingolstadt d. 2. Jan. 1774. Weishaupt. 



Dieser Brief erhält eine weitere Beleuchtung durch einen 
.Brief Ickstatts vom folgenden Tage, dem ii. Januar 1774, in dem 
Jerselbe an Lori schreibt: 

Sog«*, 6«tc]ilclile dei riltunJnikteiionletM. 



— 34 — 



Der geschickte und Vor andern (Icissige Herr Professor 
Weishaupl muss doch nilerley Fatalitäten erfahren* V'oi-geslern 
hebe Herr Proeu rot r»r und Interims \'er\v*dtei' im Albertinischeii 
Collcgio heimgesuchl und unter andern betragt. Db, da nun- 
mehi' die Besoldungen hier angewiesen wären, Herr Professor 
Weisliaupt sein Quartal schon erhalten ....... 

(Ickslatt erhält die AuskuntT: nein, denn es sei zweifelhaft, 
welche Kasse auszuzahlen habe, ob die üniversitätskasse rjder 
das Aibertinuui, ein Jesuitisches Seminar, dessen Kinkünfte nach 
Aufliebnng des Jesuitenordens für Universita tsausgaben benutzt 
\AurdeiL Aus diesen Einnahmen wurden die Exjesuitiseheu 
Pi'ofessoren möglichst zuerst befi'iedigt.) ..... Ebenso korabt 
Hr. r^rofessor theolog. Moraly. Schmitt Zu mir und referrirt mir 
dass dem Vernehmen nach die Pensirmisten und Exjesuiler 
Professores ihre Gebor sämintlich erhalten, aber Schollinger 
und andere Professores noch nichts emplongen. So ist des 
Complotirens kein Ende. Jene suchen auf alle Art die Ein-- 
künfte des Albertini Vorzüglich auf ihre Rente zu verw^enden, 
Sie stecken sich olle hinter' die Grafen Püiysing, diese müssen 
die halbe Stadt mit Verunglimpfung der Weidlich und einige 
geistüclicn Professores ausposaunen, den Till. Professor Weis- 
haupt sti'euen sie als einen Freygeist aus, weil er über den 
Rautenstrouch liesst, wider Professor Schmitt streuen sie aller- 
lei Historikas ins publicum. Mich getrauen sie öflFentlich nicht 
anzutasten, heimlich aber wünschen Sie mich gewiss zum 
TeufeL ~ — — 



Dieser Brief enüialt in der Nachschiifl: 

Stolz und die Viele Umtriebe, die man dem Hn Professorl 
Weishaupt erweiset, haben ihn bewogen Selbst auf einige Tage 
nachher München zu reissen. Euer Excellenz haben die gute 
und Protegiren den bessten Von allen unsern Professoren, 
und befördern ihn Vergnügt wieder herunter. 

Diese angedeutete Heise nach München hat Weishaupt 

unternommen und zwar muss der Erfolg derselben ihn mit 
Lori auf bedeutend intimeren Fuss gestellt haben, weil seine 
w*eitcren Briefe an diesen einen verlrauiicheren Clnirakter nun- 
mehr aufw^eisen und rückhaltlos die Schaden der Universität ■ 
aufdecken. — Weilerhin ist diese Reise naclt München für 




— 35 — 



Weishüupt von Bedeulung geueseu, weil iiitoIgB derselben der 
Gedanke der Oi'densbegi'ündung festere Gestalt onnohnn. Er 
schreibt im dritten Abschnitt des Pythogoras, den wir ^später 

'"gänzlich imführeii müssen, dass während dieser Anwesenheit 
auf Ansfitten seines Vorfahrers, alsu eines Josuitenprofessors, 
er eine bei Hole gegen ihn angezettelte \^erleumdnng glücklich 
vernichten k^»nnte. Dieser Umsland zeigte ihm die Notwendig- 
keit eines Hücklialtes und Unterstützung, welcher er entbehrte, 
denn auch Ickstutt entzog ihm alsbald noch im Frühjahr des 
Jahres 1775 seine Freundschaft, die schliesslich in Feindscliaft 

Lausartete. 

Zur w^eileren Charakteristik der Zustände der Ingolstädter 
Iniversität mögen noch zwei Auszüge aus Briefen des Professor 

^Schollinger dienen, der ebenfalls, wie aus dem Briefe Ickstatts 

^ersichtlich, unter den jesuitischen Umtrieben zu leiden hatte. 
>erselbe schreibt am 4. August 1774 an Lori; 

Was haben die Exjesuiten nicht für Unruhen durch aus- 
gestreute Lästerungen und Verlaumdungen aller Orten verur- 
icht? Ist nur ein einziger fremder Professor unangefochten 
[geblieben? Und so wird es immer sein, so lange man ihnen 
loch Lehr und Beictilstühle lässt und sie beisammen in Städten, 
wolil gar am Hofe wohnen dürfen. — 

Am 19. September 1774 klagt er gegen Lori: 

Soll denn kein Mittel mehi- übrig sein, diese Leute zu de* 
mutigen und zur Erkenntnis ihrer selbst zu bringen? Ich glaube 
die Erbsünde des jesuitischen Insiiiuts kann durch keine Taufe 
abgewaschen und vei-tilgt werden. Nehme man ihnen die Stühle: 
Lehr, Predigt und Beiclitstühle, so w-erden sie gewiss weniger 

Ich ade n können. 
Es muss unter solchen Umständen nicht leicht gewesen 
0111 1 an der Ingolstädtei- Universität eine Professuj* zu be- 
leiden, denn es ist augenscheinlich, dass Parteisjialtungen 
unter den Professoren einti-eten mussten. Alier auch diejenigen» 
die der Jesuitischen Partei nicht angehörten, spalteten sich 
^wiederum in Parteien, hervor-ge rufen durch das Proteklions- 
kvesen Ickstatts, 

Weishaupt, der selbst seine Stellung der Protektion Ick- 
itatts, Loris und der Fürsprache des Professors von Leitner 

3* 



— 36 — 

verdankte (lelzterei- empHelilt ihn an Lori in einem Briefe vom 
19. Oktober 1771 wärmstens), war jedoch keinesfalls einver- 
standen, ihm unfähig sclieinendc Leute durch den Protektions- 
weg mit weiteren Priilessuren bedacht zu sehen, zurna! nach 
seinem Urteile schon genügend träge und minderwertige Pro* 
fessoren, deren Arbeit er schliesslicti übernehmen musste, vor- 
handen waren. — Wir kommen hier zu einem Kapitel, dn^ 
na hei' l)eleuchtel werden muss, weil von neueren Schriftstellern 
ganz besonders die Undankbarkeit Weishaupts gegen Ickstatl 
als Kennzeichen seines mindei'wertigen Charakters liervor- 
gehüben wird, sowie seine Sucht, Amter an sich zu reissen. 
An der Hand der (-)riginalbiiefe wird jiun Vieles recht anders 
erscheinen. 

Weishaupt schreibt an Lori am 7. Janum^ 1775 von Ingol* 
Stadt aus: 

— Im Übrigen aber tinde ich Vor gut Euer Kxcellenz 

in secreto einige Mangel so wohl bey dem Wesen L^niversitatis» 
als auch bey unserer Facultät anzuzeigen damit Euer Excellenz 
seinerzeit einmahl davon gebrauch machen konnten, ich schreibe 
nichts, was ich mir nicht zu erproben getraue, und wo Von nicht 
das ganze hisige Publicum hin länglich berichtet ist, 

1. Besteht unsere Facultät in Professoribus am elendsten. 
Professor Brugger, Sutor und Weinbach sind gänzlich unactif 
und Domini Commodi und können nicht, kurz sie sind gai* nicht 
Modern; unterdessen ist es aber- doch noch ein Glück, dass wir 
sie haben, sonst Musten alle response liegen bleiben. Professor 
Schmid et Siardi sind emsige Leute, wollten gei^n und können 
nicht, im Dociren sind sie aber doch nicht glücklich und finden 
gar keinen Beifall Sutor und Weinbnch beschweren die Facultät 
am meisten, der eine durch sein nun waclisendes alter, Krsterer 
aber durch seine ausserordentliche Comoditat und wird auch 
Von den Academicern besonders ausländer erstaunlich durch- 
gelassen, welche sich alle beschweren, dass sie sich in deren 
Plan durch die Pandecten als Ihren Haubtstudio hintergangen 
linden, ich habe auch auf ungestüm und Verhalten der Stu- 
deuten mich bey ihm crbotten, statt seiner die Pandecten zu 
lesen, er wollte sich aber noch nicht dazu Verstellen Vermuth* 
lieh weill ihn das Geld reuen wird und änderst wird es wohl 
nicht thunlich seyn, denn die Auslander wollten mich durchaus 
haben, weill sie auf alle übrigen geringes Vertrauen sezen. 



A ^ 



— 37 — 



önic es denn iiiclil möglich .sovn. dus küiittiges J^hr uiisei'e 



guttat durch 



Hedr 



?lioinei 



ich 



(en activ 

keinen besseren kenne als Herrn Kanzler Thomosini. sollte 
dieses nicid sein können, so will ich nächstes Jahr die Kirchen 

tHi^tnrin fahren lassen und ein drittes Vor die ausländer not- 
vendiges Collngiuni Paodecten oder Jus Publicum über nucU 
lushören, deini \\\ diesen beyden glaube ich sollten die bessten 

'I.ent angestellt werden» weill sie die ansiander Am meisten 
iUzieluL Kurz unsere Fncnltät ist in Docenda die sclilech- 



Zu diesem Bi-iel" ist die Erklärung zu geben, da ss Professor 
Weinbücli ein Vcrwandlei- Adam v; Ickstntts war. Noch vor 
icni Tode des ki*anklichen Petei*s v, Ickstatt — letzterer fungierte, 
'wie wir sehnn angaben, ids Veilreler des Direktoi's — wurde 
Weinbacli zur Unterstützung desselben mit den Vorlesungen 
über Institutionen, Natur- unrl \'ölker'recht betr-iiut, um als 
Ordinarius später die Erbschaft des Verstorbenen anzutreten. 
Weinbach hatte als Verwandter einen starken Rückhalt an Adam 
v. Ickstatt und suchte ihm ergebene Leute als Professoren an- 
fcuslelleiK Namentlich wio^ es ein gewisser Rliormüllei', der* von 
Ihm f>n>tegiei't wurde, jodneh Weishauj>t mal anderen Prtifessoren 
jar nicht genchia war. Hierüber entbrannte eiti lieftiger Kamjjf, 
|ei% wie aus den m\ Münchener Archiv bewahrten Brief ersieh«- 
ich, scldiesslich eine solche Schärfe erhielt, dass ein Bruch 
\isclien Wcishaupt und Ickstatt die Folge wai\ 

Dieser Br-iefweclisel wird von Gegnern Weishaupts ganz 
[besonders gern als ein Beweis seiner Verleurndungssucht und 
lerrschsncht nngezngen, wer jedoch \ia"!u1pilslns deren Inhalt 
lest, die sämtlichen Umstände, namentlich das unerquickliche 
rerhältnis unter den Professoren berücksichtigt, wird aus dem 
Pon der Briefe bald ander^ei' Meinung \vei"den. Auch ist ganz 
l>e*innders schai'f zu betorjen, tlass Weishaupt im März 1775 zum 
>ekan seiner I"'aknltät gewühlt werden wai* und als solcher 
verpflichtet war, dem Mildirektur Lori die Schaden der Uni- 
Hcrersität aufzudeckeih Der Dekan wird rioch lieute von den 
H[>rdeiitliclicn Professuren jeder einzelnen Fakultät als deren 
^wertreter envablt; die so envählten Dekane bilden mit dem 
^Wector Magniticus zusammen den kleinen Senat. Selbstver- 
"Slnndlich bildet der Zustand der Universität den riegenstand 
ihrer Sorge. 



— 38 — 

Es ktiiiH doiiei' nicht Ijesoiiders vei^wuiHleriK wenn Weis- 
haupt, dei' sich als Professor bei'cits gegen die Anstellung des 
schon genannten Rhormüller, den er für ganzlich unfähig hall 
eine Zierde der Universität zu sein, aussprach, in seiner Kigen- 
schaff als Deknn sich noch sclmrfer ausspriclil, nicht nui" über 
diesen, sondern auch übei- den ihn protegierenden Weinbach* 
durch dessen Kern modi tat ei' sich gezwungen sah, immer mehr 
Arbeit auf seine Schultern zu nehmen. 

Nachdem Weishaupt am 19. März 1775 in einem Brief 
namens dei* Fakultät zuerst Lori bittet, sich nicht zur Anstellung 
des Rhormüllei' überreden zu hissen, welcliei" Vorschlag de< 
Professor Weinbach gegen den Wunsch des gesamten Kolle- 
giums geschehen sei, weswegen auch die Fakultät und die 
übrigen weltlichen Professoren auf das Höchste gegen ihn auf- 
gebracht seien, sagt er dann wöhHcIj ^\'eitei': 



— wii- hätten nicht geghiubt, dass unsere Nachsicht den 
Streich verdient hätte^ den er uns heimlicher weis spielen will. 
Wir wollen alle Quellen entdecken, aus welcher bey diesei* Sach 
gehandelt wird, ich will Ihre Excellenz zum \'oHierein aver- 
tiren, dass Interesse urni weitere Inti-iguen mit unterlnufleih 
ich trug Bedenken unsern bericht gegenwärtig schon hinaufzu- 
schicken, so lange der alte Herr von Ickstatt noch in München 
ist, ich bitte nur inständig Eure Excellenz wollen \'erhinderjK 
dass der von ihm voi-gesch lagen e RhormüUer nielil angenelunigt 
werde. 

1. Glaubt die Fakultät Verdient zu haben, dass er*) es zum 
wonigsten Vorher einem der Fakultät angebotten hätte, 

2. Hätte er diesen Menschen nicht in consulta facultatis**) 
Vorschlagen sollen, wobei uns dadurch Tnrt geschehen kann. 

3. Will dieser RhormüUer, der ein sehr Mitlelmässiger 
Mensch und ehemaliger Famulus der Pi^ofessor Sclunied ist 
hierdurch uns zur- Professui- seyn. 

•i. folglicli Übernihmt ei^ die Instituten gratis, wo er einen 
andern bezahlen müsste, 

5, Hat selber sich ongebotten eine Schwester Von dem 
Herrn Weinbach zu h curat hen. 



•) Weliibach, 
♦♦) Als durcti BesclilQase der Fakultät 



— 39 — 

6. ist der alte Herr von Ickslatt durch die Frau Heppen- 
stein*) dazu beredet worden. 

7. erfordert der Zustand unserer Facultät da ss -auf Abgang 
eines Professoris ein sehr excellentes Individuum hergesetzt 
werde, sonst ist es mit uns geschehen. 

Am 26. März 1775 schreibt Weishaupt: 

Ich habe in meinem letzten Brief die gnad gehabt Eure 
Excellenz die Verlegenheit anzuzeigen, in welche unsere Facultät 
durch das Betragen des Herrn Professor Weinbach gesetzt 
worden , da wir nun aber durch sicheren beweis Vernehmen, 
dass es an sich schon so weit gekommen sey, dass Herr Rhor- 
müller durch Titl. Herrn Baron Ickstatt**) nach München ab- 
gerufen worden, so bleibt uns kein anderer Trost in unserer 
Verlassenheit Übrig, als uns dessentwegen noch einmahl an 
Eure Excellenz zu wenden als \'on dero bekanntem Patriotis- 
mus Lieb zu dero Wissenschaften und abgeneigtheit gegen alle 
Interessierten absiebten, wir noch allein hoffen können, dass 
unsere billigst Bedenken envogen und der circulus Juris con- 
sultorum Von welchem Hochdieselben selbst ehmahlen ein Mit- 
glied waren, nicht auf eine so erbärmliche art herunter gesezt 
werden möge. Wir können uns also: 

1. Mit sichern Grund darauf berufen, dass Herr von Wein- 
bach dieses Jahr sein officium sehr nachlässig vertretten; dass 
er dessentwegen mehreremahlen die empfindlichste Ahndungen 
von Serenissimo erhalten und sollte ich als Deputatus facultatis 
Juridico in München erscheinen, so werde ich zur Rechtfertigung 
unserere Ehre die Intriguen aufdecken, welche er, solche gnä- 
digste Befehle zu Eludiren***) mehrmalen getrachtet. 

2. Kann ich würklich behaubten, dass in dieser ganzen 
sach, ubi de Jure tertii agitur, alles ohne Vorwissen der Facultät 
geschehen und wo noch Professures Vorhanden wären die 
facultas publici legendi ad extrarum dociret werden. 

3. Müssen Sie dabey auf den Gedanken Verfallen, dass es 
folglich dem Herrn von Weinbach darum zu thun sey, wie er 
tausend Gulden besoldung erhalten und doch nichts zu thun 
haben möge, in dieser Absicht 

•) Dieselbe war Ickstatls Nichte. 

*•) Weishaupt war also überzeugt, dass dieser Hhorrnüller ebenfalls pro- 
tegiert, weswegen sein Unwille auch gegen den Paten gereizt wurde. 
••*) Auszuweichen. 



— 40 — 



4. Konnte er tiuf Niemanden andern uis Heirn Hbormüüer 
verfallen. Von welchem er Verniiatiien konnte, dass er seine 
Instituten gratis übernehmen würde, indem derselbe Ehrgeizig 
all Weg und Mittel ergreift sich den Weg znr Professur xu 
bahnen, welches umso sichtbarer ist, als er sich schon durch 
Verschiedene Heuraths Vorschläge dazu empor sclnvingen wollte. 
Wie wir denn nicht untersuchen wollen, ob nicht auch gegen- 
wärtig eine 'solclje absieht mit unterlautTe. ob durch solche 
Wege der gesunkene Credit und ansehen unserer Facultät kami 
hei-gestellt werden und ob Wir nicht Vielmehr nicht nur singuli 
sondern de toto auf das ärgste herunter* gesetzt werden, können 
Eure Excellenz daraus entnehmen, als 

5. Hen^ r^i'ofessor Weinbach auch facta cessione in den 
Pandecten doch noch rernissive fj:elien will. 

6. dieser zu substituirende HhormüUer, be> dem Herrn 
Professor Schmid wirklich als famulus zu Tiscli dient den 
heurigen Kostgängern alldort die Teller wectiselt auch mit 30 
urlei' 40 Studenten Tuzbruder ist, 

anbei 7. mehrei*ennile erhörl woi"den, döss ein Simplex 
IJcentiatus Juris bey uns facultatem de superiore Cathedra in 
auditoria publica legendi erhalten habe, so übei-dies 

8. zu beforehten sieht, dass unter den academicis besonders 
ausländem eine gälnnuig entstehe, als welche V'orschüzen schon 
einen l^epetitorem zu haben. 

Bey so bewandten Umständen erlasse ich tni' Eure Excellenz 
tiefstei' Einsicht, ob nicht hiesige Universität eine selir Üble 
nachrede zu envarten haben, w^enn die ailliier stüdiereridea 
ausländer solche anstnlten und nachrichten ausser lands Ver- 
breiten. 

Wir können dabey Eure Excellenz aufs Theuei*ste Ver- 
sichern, dass v(m unserer Seite wedei' Privathass nocli Vortheil 
mit nnterlautTen, Wir wünschen Vielmehr, dass unsere Facultät 
nocIi mit einenj herühmlen arbeitsamen, erhihrenen und Philo- 
sophen Eectoi* vermehrt werde, welche gaben dem Herrn Rhoi^- 
müller ganz gewis Mangeln und da lln-o Cliurfürstl Durcldauchl 
in der*! Weitem lande nur 6 Jui'isten Professores zählen 
und diese zum Unterricht Junger leut sehr wichtige Professoi-en 
sind, so sind wir allerdings der Meinung dass hierzu niclit der 
nächst beste genolnuen, sondeiTi eine strenge answahl getroffen 
werde. Die gnade mit welcher Eure Exceilenz die Bi-iefe an- 
derer Professoren beehren lassen uns Verlioffen, dass unsere 



— 41 — 



'Fdcultät einer boldigen gnädigen erklärung ^ewürdi^et werde in 
der Hoftnuiig dass miserm gewiss billifren gesucli willfahren 
werde verharre ich 

hEure Exeellenz 
Unterthänig gehorsamster* 
Weishaupt Decanua 
%v1r gobeii hier den ganxen Binef wieder, damit aus dem 
Tone desselben jeder klar erkennen kann, dass aus diesem ge* 
iss nicht ii-gend welche Absicht, Amter on sich zu reissen, 
lesen werden kann, sondern klar hervorgeht, dass sieti Weis- 
ftupt verdientei- Männer nicht entgegenzustellen beabsichligU 
Die Gründe seiner Abneigung gegen Hbtirmüller sind klar- an- 
legeben, sie müssen auch Lori einleuchtende gewesen sein, so 
dass er zu Schritten im Sinne Weishaupts geneigt war, sonst 
würde Weinbacli nm 15. April 1775 nicht an L.ori sehreiben: 



Whft 



I 



— Eure Excellenz recfmimandii*en Einigkeit, ich tÜi- 

leinen part hüte mich gewiss ein Ruhestörer zu seyn» mögteu 
nur Andei^e ebenso denken, dass in unserm Decatms Pr. W — pt 
unser bisheriges System Verwirrt und auf einmal a de|>il den 
Mönchen den prf. Stadler das pnmcancellariat zuschanzen 
mögte, auch mit der Stadlerisehen Cohoile calludiret und grciss 
confussion und Chieane macht ward Euer Excellenz bekamit seyn. 
ich hielte mich dagegen auf, aiusste aber bald eine Chieane er- 
fahren, indem er den Rhormüller VcrschwärzI und ich akten- 
mässig zeigen kann, dass er wieder Rhoi-müller nichts einzu- 

tr'enden habe, sondern nur mir eine Chieane spielen wolle. 
Diese Ansicht des Schikanespielens allein wird man nicht 
ut teilen können nach dem Briefe Weishaupls, der vielmehr 
erarlig klingt, als wolle er wirklich das Ansehen der Univer- 
itat wahi-en. Gliorakteristisch jedoch ist die Hartnückigkeit 
Weinbaehs, mit der er in demselben Brief Eori voi-schlägt: 



■ wie wäre es denn, wenji Hhurmüller auf seine Kosten nach 

(lötlingen ginge und alsdann bey nächster Vacatitur als i*ni('essor 
aufgestellt würde? 



f Es ist klar, dass zwei Mäiuier, die mit gleicher Hartnäckig- 
keit ihre entgegengesetzten Ziele verfolgen, sich unversöhnlich 




— 42 — 

befeinden rnussteiK gleiclniel zunächst , niis \vek*hen Gründen 
sie es tnteiL 

Dnss Lori auf selten Weishaupts stand geht weiterhin aus 
oineni Brief lekstatts hervor, den letzterer nm 25. Api-it 1775 an 
Lnri riclitele. Aus diesem Schreihen ist nnvb mehi^ als klar er- 
sichtlich, dass die Freundschaft zwischen ihm und Weishaupt 
gSnzlirli in die BriVclie ging. Ickstatt schreibt: 



Aus Eurer ExceÜenz Werthe Zuschrift nelniie fast ab. dass 
dieselbe dem Boshaften und Undankbaren Professor Weishaupt 
allzu geneigtes gehör gegeben; nui- dessenlhatben hatte er so 
dieses nicht Verdient, weil ersieh ofl'enbahrZu der Sten Pmihev 
hält. Wenn diesem Menschen kein Gebiss angelegt wird, und 
nicht anbefohlen wird meVir Besclieideaheit gegen mich zu ge- 
brauchen; so Tliue keinen Schritt mehr in Universitäts Sachen 
und mag gleicliwohl das Universitäts Directoriat Hieimit Vacant 
werden, was ich Sr ChurturstL Durchlaucht einherichtet, ist die 
Wahrlieit und er Verdient einen Verweis; dieser Mensch, den 
ich aus Schlamm nad Koih herausgezogen, lässl übei'aü so gar 
bey den Studenten seine böse Zunge gegen midi zu weit 
heraus. 

Da ich in meiuei' Zuseluift an Eure FlxccUenz letzUiin des 
Bhoi»müller gedacht, habe ausdrücklich hinzugesetzt, dass man 
demselben wegen dem Su|»|>liren keine Hoffnung zu einer 
ProfessiU' Stelle, ja nicht einmal zu dem Titl eine Hofl'nung 
nau'lien solle. Weil man Bedacht muss seyn die Facnllät mit 
berülmiten Professores zu besetzen. Weishaupt ist so wenig 
als Bhormiiller jemahl ans Bayei'u gekommen, ersterer kann 
ein geschickter Professor werden, allein ein Si> abscheulicher 
Charakter eines undankbaren hochmüthigen und unruhigen 
Menschen muss er nicht so Strafe binden lassen? 

Der Professor Juris Civilis auf welchen icli meinen Ge- 
danken gerichtet dociil zu Maynz, ist eine Götlingsche Zucht 
und sehr berühmt. 

Die übrigen Punkten beantworte ich Moigen; sezen Sie 
mich indess gegen die Impertinenzen des Weishaupt in Huhe, 
sonst lasse ich alles liegen. 

Verbleibe indessen einmahl allezeit 
Ihm Kxcellenz 

tiehorsamster Diener 

J. A. Frhi-. V. Ickstatt. 



43 — 



Bedauerlich ist es, dass diesei" iiBclii^tlfigige Brief, auf den 
hingewiesen ist, sich im Archiv nicht vnrfindeL Von Gegnern 
Weishaupts wird obiger Brief Ickstatts namentlich angezogen 

iols ein Beweis für dessen minderwertigen Charakter, fthne dass 
aber diesen der- Gedanke kommt zu untersuchen, weswegen 
Weishaupt seinen Gormer angegriffen hat. Es wird von ilinen 
^ priori angenommen, dass Ickstatt keinerlei Grund gegeben 
tiabe, folglieli ist Weisliaupt zn verurteilen. 
Wii- sind genötigt, in der DarsleUung diesei' Dinge setir 
gründlich vorzugehen, um den Leser in den Stand zu setzen, 
durch unverkürzten Abdruck doi* Br-iefe sich selbst ein Urteil 
über den Charakter Weishau]jts zu bilden, dei- un[)arteiisch s(>> 

Iwobl in seinen Schwäclien als Vorzügen bisher nocli nicht un- 
"verschleiert daig:estellt worden ist, sondern immer durch die 
gefärbte Brille besonderer Voi-urleile betrachtet wurde, I^r- 
scheinen daher dem Lesei- die bisherigen sowie tVdgenden 
Auseinandersetzungen etwas weitläufig, so wolle er bedeidcen, 
dass es sich liier um eine beweiskräftige, endgültige und dadurch 
gründliche Darlegung aller Umstände handelt, die nicht in ge- 
drängter Kürze klargestellt wei^dcn können. 
^fc Bevor wir die Gründe, welche die Handlungsweise Weis- 

^fiöupts leiteten, weiterhin genau nntei-suclien, wobei wir uns 
der Schwierigkeit, diese noch Verlauf von über 125 Jahren noch 
'eststeUen zu wollen, klar bewusst sind, ist es notwendig, zur 
weiteren Cliarakteristik der Sachlage einen Brief Weishaupts 

t' i vom 14. April 1775 auch bekannt zn geben. 
ßrselbe lautet: 
Hochwohlgeborener geheimer Rath 
Hochgebietender Herr- Gcheimrath. 

Plure Excelenz soll ich im Namen Meiner Facultat den 
schuldigen gehorsamsten Dank erstatten, wir hoben es lioch- 
demselben zu Verdanken^ dass wir von unserm grossen Übel befreit 
weixlen und dafür* stehen aber auch Eure Excellenz in unserm 
Facultäts Buch Vei^ewigt eingeschrieben, Herr von Ickstatt ist 
höchstens gegen mich iiufgebracht; er hat mich Versichern 
lassen, dass ich sein Haus nicht mehr betretten solle, ich 
tröste mich dabey. dass icli mir keine Vorwürfe zu machen habe 
und dass icli in dieser Sache wie ein ehrlicher Decanus für 
meine Facullät gehandelt habe. Überhaupt wünschte ich mit 




— 44 — 

Kuer Excellenz luir einige Zeit sprechen zu können, aber dn^ 
gegenwärtige Kindbett meiner Frnn hindert mich noch Münchnrs 
diese Ferien zu kommen, so Viel kann ich Eure Excellenz Ver 
sichern, dnss sehr Villc schon bemäntelte Inlrigueri gespielt 
werden, wo von ich alle Ti'iebfedern kenne. Jesuiten eigenrmz. 
Mönch eigennuz und Nepoten eigennuz sind wirklich die von 
unserer Univei^sitäl. Wenn es keine frechheit wäre, so wollte 
ich Eure ExccUenz unlerthtinigst rathen, gegen tille begehren 
die Von hier in München gestellt werden, Mistraui^jch zu seiji. 
nnd abzuwarten, ob nichteine vmi diesen dreyen dahinterstecke» 
Man weiss, dnss ich nlie drey lieohaehte und doi*um habe ich 

sein' Vilie Freunde. (Zum Schluss heisst es): Mit 

Euer Excellenz schreiben an mich Muss mir ein Tort gespiell 
worden seyn. Man ver*sichert mich HeiT v. Ickstatt habe solches 
abschriftlich und ausser den Pi-ofessoren Brugger, Sutor, Siardi 
und Steigenberger liat es doch Keiner zu gesiebt bekommen, 
ich denke noch Itinter die Wahrheit zu kommen. Ich bin 
IMjrigens 

Euer Excellenz Gehorsamster Ergebenster 
A. Weishaupt, Prof. et Decanus, 

Es muss für Weishaupl sehr wiclitig gewesen sein, trotz 
der zu erwartenden Niederkunft seiner Frau, mit Lori persönlich 
in München zu sprechen, sonst hätte er sicli siclierlich nicht 
wiederum auf den Weg i^emaelit und zwar in einer Weise, die 
unter seinen Gegnern \'erbluflung hervorrief. Er schloss ein- 
fach seine Vorlesungen früfier, als die eintretenden Osterferieii 
gestatteten, und schlug nn die Universitätstafel einen Zettel mit 
der Bemerkung, dass er die Kollegien am 24. April wieder auf* 
nelnnen werde. Du de*^ letzte Brief an Lori vom 14. April 
datiert ist, ein Bjief Weinbachs und Ickstatts an Lori, in denen 
der angegebene VcnfHll bemerkt wii^d, beide vom 22. April 1775, 
so dürfte die Heise kurz nach Absendung seines Schreibens 
von ihm angetreten worden sein. 

Der Brief Weiidiachs vom 22. April 1775 lautet in den uns 
hipi' interessiei'onden Stellen: 



Dass Professor Weishaupt nachhero München abgereist ist, 
inconsultn*) rectore et Directore geschehen, wenn er Vorgiebl. 



•) Ohne Bespf^churiK mit dem Roktor und Dii^klor. 



— 46 — 

dass er nomine Facultatis gekommen, so ist dieses grundfalsch, 
indem ich, prof. Schmid, Brugger und Vielleicht andere gar 
nichts davon wissen: die ruhe der facultät und Universität wird 
hergestellt, wenn Eure Excellenz, dann andere höhere Ministores 
diesen berüchtigen Chicaneur kein Gehör mehr geben werden: 
er Verdient einen Verweis, indem er während Collegienzeit fort- 
gereisst inconsulto Facultate et universitate und noch überdiess 
ursach ist, dass kein Professor der Juristen Facultät mehr im 
Collegio fortfahren könne, indem sich die Auditorii auf Prof.- 
Weishaupt und sein Zettel |: welchen er an das Auditorio an- 
geschlagen mit bedeuten des 24. Apr. erst fortfahren zu wollen:! 
ausreden und deswegen auch in keine andere Collegii erscheinen 
wollen. Doch bitte, weil ich als Collega mit diesem Ruhestörer 
leben muss, bey etwaig Vorwerfung meines Nahmens zu Ver- 
schweigen. 

Euer Excellenz unterth. gehors. 

J. Weinbach, professor Rector. 

Fasst man die wiedei-gegebenen Briefe zusammen und ver- 
gleicht sie mit den weiteren Briefen Weishaupts an Lori, so 
ei^bt sich, dass jetzt in allen ihren Einzelheiten zwar nicht 
mehr ergründbare wichtige Ursachen Weishaupt veranlassten, 
einen kräftigen Schlag in der Zeit vom 15. — 24. April auszuführen, 
der die bisherige feindliche Stimmung gegen ihn ganz besonders 
gesteigert haben muss. Ickstatt, welcher am 22. April (Weis- 
haupt war noch nicht zurückgekehrt aus München) an Lori 
dessen Zettel-Anschlag mitteilt, sagt von ihm in noch nicht allzu 
gereiztem Tone in demselben Brief: »Dieser Mensch wird un- 
dankbar, unverträglich, schlägt sich völlig auf die Stattlersche 
Parthey«, — versteigt sich jedoch drei Tage später zu dem be- 
kannt gegebenen kräftigen Brief vom 25. April (s. S. 42). Sicher 
hatte der zurückgekehrte Weishaupt inzwischen von seinen 
Reise-Ergebnissen nach München, die für ihn günstig ver- 
laufen sein müssen, nicht geschwiegen und den Zorn Ickstatts 
mächtig heraufbeschworen, dass es sich um RhormüUer dabei 
handelte, geht deutlich aus den Verwahrungen im genannten 
Brief an Lori hervor. Es wird von dessen Anstellung weiterhin 
auch nicht mehr gesprochen. Ebenfalls werden Weishaupts 
Klagen über die Trägheit Weinbachs von Erfolg gewesen sein, 
die er wahrscheinlich dem Kurfürsten persönlich vorgetragen 
hat, wie aus einer Stelle seiner späteren Briefe geschlossen 



— 46 — 

werden kaini. Allerdings war die Wirkung dieser Klage eine 
ilim unvermutete, wie wir sehen werden. 

Bevor weitere Briefe veröflentlieht werden, erinnern wir noch- 
mals daran, dass der hierbei leitende Zweck der ist, den Leser 
durch dieses Material selbst in den Stand zu setzen, sich ein 
Ihieil zu bilden, ob Weishaupt mit Recht beschuldigt werden 
kann, intoige seines Ehrgeizes bemüht gewesen zu sein, alle er- 
reichbaren Ämter an sich zu reissen. Es ist die Frage zu beant- 
worten: Ist Weishaupt heri^chsücblig, nur allein für sicli inter 
essierl, ein Inlriguant für seine Zwecke, kurz ein missratener 
Charakter, nis der er oft hingestellt wird? Muss der Leser eine 
solche Ansiclit unbedingt gewinnen, so lasst selbstverständlich 
diese füi* die Zwecke der Ordejisbegründung recht ungünstige 
Schlüsse zu. Die näheren Umstände bis zum 1. Mai 177t> da* 
her genau kennen zu lernen, soweit das heutzutage noch möglich 
ist, düHte für ein gerechtes Urteil unerlässlich sein, mag auch 
unserer heutigen Zeit, diese Professorenstreiterei selbst kleinlieh 
vorkommen. Den dtimals Lebenden erschien sie nicht so und 
vielen jetzt Lebenden auch nicht, sonst würden diese Umstände 
nicht noch heute dazu dienen müssen, durch Schrift und WoH 
als Beweise dei- Chai'aklerunlauterkeit des Ordensstifters heran- 
gezogen zu werden. 

Am 12, Mai 1775 schreibt Weishaupt an Loi'i folgenden 
Brief: 

Hocinvohlgeborener, Hochgebietender Herr Geheimer Hat! 

Gestern den Uten Currentis ist mir ein, in der aufschrift 
im Decan ujid facullal gerichteter, erbrochener Chuifürstlicher 
gnädigster Befehl zu Händen gekommen, in welchem mir ad 
Interim die letzten Inslituticuien mit beybehaltung der Vorge- 
schriebenen tage und stunden outgetragen wird, ich habe mich 
so wie ich es gestehen Mus aus blossem Patriotismus Sr. Chur- 
fürstlichen DurehL selbst erbotten in dessen die Institutionen 
statt des Herrn von Weinbach zu suppliciren und Höchstdie^ 
selben haben sich daliin geäussert, dass ich ohnehin sclion mit 
Collegien Überladen wäre und das sie mich davon entübrigen 
wullten.*') da ich nun Von der gnädigsten Gesinnung schon 
Versichert hin, so Mus icti mich höchstens Verwundern, das ich 



•) Hieraus scheint hervorxuffehen , dass er diese Äusserungen während 
seines zweiten Aufenthaltes in MQnchen in Audien?. erhallen hat. 




— 47 — 

lebst meinen schon 3 aufhebenden C^ollegiis noch soll \'erbundeii 
werden, in der heissesten Jahreszeit, nachdem ich auch Vor- 
mittags schon 2 stunden heisei^ geschrieen über 2 Verschiedene 
Fächer 2 nach einander folgende stunden hindui-cli nller Ki'äfte 
zu berauben. Icti Mus eure Excellenz offenherzig gestehen, dass 

^dieses mir einmahl unmöglich ist, und dass icli bey meiner nicht 
starken Leibes Cornplcxion meinen Tod und untei^nng finden 

[Müsse. Wenn ich Patriotisch hin wuj'um soll mich dann 
ilches wo keine Schuldigkeit Vorhanden ist zu frühzeitig in 

"die Grube hffern* 



■ Dass es Weishaupt mit seiner Ablehimng dieser neuen 

Arbeitsbelastung ernst war, geht aus diesem Sehreiben un- 
zweifelhaft henor, andernfalls halte er kaum so derb schreiben 

ikönnen. Er niuss sich auch gegen seine Kotlegen darüber ge- 
iussert haben, denn am 15. Mai 1775, drei Tage nach Abfassung 
seines Protestes^ schreibt Professor SutoFan Loi^i: 



Ich nehme mir die Freiheil Eure Excellenz um Ihre gna- 
ligste Patronanz gehorsamst zu ersuchen. Herr Prof. Weisliaupt 

hat Vermöge eines gnädigsten Rescriptes den Auftrag erhalten 

itatt des Prof. Weinbach die Institutionen ganz auszulesen, 

allein da derselbe die Auslesung dieses Collegiums als seiner* 

iesundheit nachteiUg betrachtet und selbes bereits verbitten hal, 

nfteriere ich mich dieser Arbeit zu unlerzielien. ~ 



Die Entziehung dieses Teiles der Lehrtätigkeit Weinbachs, 

der damals Rektor war, dürfte Ickstatt als dessen Onkel jeden- 
JqUs stark gegen Weishaupt beeinflusst haben, dessen Tätigkeit 
in München dieses Ereignis doch jedenfalls zuzuschreiben ist, 
nicht aber kann behauptet werden, dass er nur an sich denkend 
in seinem Interesse gehandelt liabe und nicht wirklich in dem 
des Universitätsrufes, — 

i Weishaupts Protest, die Institutionen zu übernehmeu, 
nützte nichts, er erhielt einfach den Befehl, mit den Vorlesungen 

tzu beginnen und fügte sich wohl oder übel, allerdings nur mit dem 

ersuchen, ihm dann wenigstens eine Gehaltsaufhessei-ung zu- 

zuwenden. Er erhielt bis zu dieser Zeit 900 fl. Gehalt. Dieses 

kVerlangen ist ihm von neueren Forschern stark verübeil worden. 



— 48 — 

ob mit Recht; wird der Leser selbst entscheiden, je nach seinert 

praktischen oder ideelleren Grundsätzen. 

Der BT'ief, welcbei* hierüber Anfschluss gibt, Inuletl 

Hochwohlgeborener, Hoehgebietender Heri^ Geheimer Bath. 

Euer Fxeellenz Gnädige Zuschrift \oni 15. Currenti habe ich 
richtig erholten und aus solcher so Weit Verstanden das ich i 
mit Lesung der Instilutionen den onTeng machen sali Von ■ 
Meiner Seite kann ich Kner KxcelJenz melden, dass ich meinem 
Vaterijind zu dienen die bereitwilligste Arlh habe und doss ich 
also dieses amt, so schwer es mich auch ynknmmt ertragen 
Will Wenn ich nur sehe dass der Staat für meinen Unter- 
halt und Tür meine Ehre auch besorgt ist und dass Mann mich 
nicht vor Allen andern blos allein zum J« ichziehen ausersehen. 
ibi Patria est ubi bene est. Wenn ich 3 oder 6 «Professoren 
Versehe , so glaube ich , dass ich mehr nachsieht und 
billigkeit Verdiene, als solche 1 weil sie für das Vaterland 
fanllenzen. es ist wahr ich hab mich angebotten aber auf den 
Fall wenn gar nicht anders mehr zu hoften, ich t'ordei^ nur 
Billigkeit und wo ich diese sehe, dann bin ich gewiss auch billig, 
ich wollte jemünd, wer er imnver ist, in meine stelle setzen 
und dann sehen ob ich nicht ursach mich zu beschweren habe. 
Weini ich mich zu Vielen anerbiete, so zeige icli meinen Dienst- 
eifer* und meine Liebe zum \jiterland aber dieses alles hat mir 
eben so wenig grund, als wenn ich weniger davon besasse. 
ich habe noch niemahlen gehört, dass man mich nur Von der 
Classe anderer, worin meine Mitarbeiter, unterschieden, noch 
Viel wenigei* Von 4facher last etwas mehr Vortheil zugestanden. 
(F'olgt Nebensächliches, dann): unterdessen wenn es unter 100 tt* 
wäre glaube ich das nicht zu stark bezahlt. Wenn ich es 
weniger Verstehen und erfahrenei'e Kräfte hatte, so würde ich 
es umsonst thun. Wollte man mir die gratis Sportein des 
Herrn von Weinbach vor dieses Schuljahr anweisen, so wäre 
ich woll zufrieden. Ich bin Übrigens mit aller tiefster Hoch- 
achtung 

Euer Excellenz 

gehorsamster ergebenster 
Ingolstadt d. 17. May A. Weishaupt, 

1775. Professor. 



Ob nun seiner Bitte um Gehaltserhöhung nachgekommen 
[worden, ist nicht bekannt; bis zu seiner Entlassung im Jahre 1785 
[jist er jedoch bis zu 1000 fl. Gehalt aufgestiegen. WahrscheinHch 
pst» dass er ziemhch lange auf eine Gehaltszulage warten musste, 
vielleicht hat Ickstatt die inzwischen entstandene Abneigung 
gegen sein Potenkind durch die Hinziehung dieser Angelegen- 
heit bekundet und dadurch Weishoupt veranlasst, immer 
schärfer sich über ihn zu äussern. Jedenfalls gab es für Weis- 
haupt eine Menge Dinge, die ihn in grosse Erregung versetzten. 
Prantl sagt z, B. hierüber in seiner Geschichte der Ludwig 
Maximilian-Universilät, Band I, S. 673 ff,: »Infolge seiner frei- 
sinnigen Richtung hotte er in Bälde durch verschiedene Angriffe 
zu leiden und so äusserte er sich im Jahre 1775 bei Gelegen- 
heit der Frage über die Promotions-Gebüliren des Vizekanzlers 
in einem Fakultätsberichte sehr scharf über die Verleumdungen, 
welchen man ausgesetzt sei, wenn in den Vorlesungen oder 
Disputationen die Rede auf das übermütige Vorgehen der 
Päpste gegen die Kaiser, auf Investitur, auf den westfälischen 
Frieden und dei^leichen komme; er selbst habe gegen manche 
Missbräuche gesprochen, sei aber in den theoretischen Grund- 
Sätzen stets dem Rautenstrauch getreu geblieben, welcher in 
Österreich in hohem Ansehen stehe: allerdings werde man nicht 

kjebenso wie dort auch in Ingolstadt geschützt, sondern sei dem 

Lufpasser und Jeder Verketzerung preisgegeben; vor Verdruss 

und ÄiTger sei er bereits krank geworden und sonach wünsche 

er, entweder überhaupt von den Vorlesungen über Kirchen- und 

I Natur-Recht enthoben zu werden, damit er nicht noch ferner 
idie Jugend verführe, oder genaue Verhaltungs-Befehle zu be- 
kommen,« — Nach Prantl ist anscheinend nichts hierauf er- 
folgt, sondern erst im Jahre 1777 wurde er beauftragt, Natur- 
recht nach Feder als Anhang zur praktischen Philosophie zu 
lesen. 

Zur weiteren Klarstellung des Charakters Weishoupts ist 
es notwendig, auf die Angaben Weinbachs und Ickstatts einzu- 
gehen, welche den Voi'w^uri' enthalten, dass Weishaupt sich zu 
der StotUer* sehen Partei hingewandt haben soll Aus diesen Be- 

Kerkungen ist geschlossen worden, dass er es mit seiner Gegner- 
hafl wider die Jesuiten nicht ernst gemeint haben könne, weil 
Stattler exjesuitischer Professor gewesen, demnach unmöglich 
aus diesem Grunde dessen Freund sein durfte. — Wir müssen 
hier etwas verweilen. 

CBf«l, GctcbicbU dffs niomiAAteiiiiirdeDS. ^ 



so 



Benedict Stattler*)» nicht zu verwechseln mit Daniel Stadler, 
dem einstigen Instruktor und Beichtvater des damaligen Kron- 
und Kurprinzen Max Joseph, ist geboren am 30. Januar 1728 
zu Kötzing im bayrischen Walde, gestorben am 21. August 1797 
zu Mönchen. Derselbe trat am 17. September 1745 in den 
Jesuitenorden, wurde 1759 zum Priester geweiht und legte am 
2. Februar 1763 die feierlichen Ordensgelübde ab, wurde 1773 
erster Professor der Dogmatik an der Universität zu Ingolstadt 
Er behielt diese Professur bis 1781. 

Slattle!" war ohne Zweifel einer der hervorragendsten Pro* 
fessoren, jedenfalls der bedeutendste der Theotogen, die damals 
in Ingolstadt lehrten. Er war sich aber seiner Überlegenheit 
über die meisten seiner Kollegen wohl bewusst, dabei recht- 
haberisch, herrisch und geriet darum in viele Streiiigkeiten auch 
mit anderen Mitgliedern der theologischen Fakultät, in der er 
nach 1773 der einzige Exjesuit war, w^älirend die übrigen aus 
anderen Orden oder Weltgcistliche waren. 

Im Jahre 1775 ernannte ihn der Biscliof von Eichstadt als 
Kanzler der Universität a'uch zum Prokanzler. Der Kurfürst 
bestritt anfangs zwar dem Bischof das Recht, einseitig den Pro- 
kanzlej' zu ernennen, erkannte aber schliesslich die Ernennung 
an. 

Stauler hat zahlreiche wissenschöftliche, namentlich theo- 
togische Werke veröiTentlicht, die ihm in Wien und München 
Preise eingetragen hoben und aus denen hervorgeht, dass seine 
Ansichten sich weit von denen der herkömmlichen jesuitischen 
und kurialistischen entfernten: so z* B. lehrte er, dass die Fürsten 
bezüglicli ihrer rein politischen Gewalt vom Papste nicht ab- 
hängig seien, die Immunität der Geistlichen nicht auf göttlichem 
Recht, sondern auf einer Konzession der Fürsten beruhe; der 
Fürst Bedingungen für die Gültigkeit der Eheabschliessungen 
und trennenden Ehehindernisse aufstellen könne und die 
Kirche eine nacli staatlichem Recht ungültige Ehe nicht gültig 
erklären kann. 

\*ergleichen wir mit diesen historisch unangreifbaren Tal- 
sachen einige der bereits bekannt gegebenen Briefe (S. 41 
und 42), so wird die Sachlage bald klar. — Statt 1er ist dem 



*) Nachfolgende Angrahen finden sich »Allgemeine Deutsche Biographie^ 
auf Veranlassung S. M* des Königs von Bayern durch die historische Koro 
mission der kgl. Akademie der Wissenschaften*, Leipzig, 1893, Bd. S5, 
SUittler 



t^ 



, Artikel i 



— 51 — 

jh Geistesfreiheit ringenden Weishaupt ein freier als alle 
anderen Theologen denkender Kopf, das musste ihm wenigstens 
anfanglich bis zum Jahre 1775 sympathisch sein, denn Stattler 
veröfTentlichte diejenigen Schriften, die Weishaupt veranlassten, 
sein besonderer Gegner zu werden, erst später. — Weishaupt 
gibt nun in dem Briefe vom 7. Januar 1775, der bereits teilweise 
im Wortlaut (s. S. 36/37) wiedergegeben ist, folgendes im Anschlüsse 
an dem dortigen Inhalte an: 

2. was die übrigen Professoren betrifft, so bitte ich Eure 
Excellenz uns mit neuen Mönchen Professoribus zu versctionen, 
denn gegenwärtig schon amtlich angestellte sind so Ambitiös 
und Intriguant als jemelilen ein Jesuit seyn kann. — 

Sollt ich einmalil die gnad haben Eure Excellenz zu 
sprechen^ so will icli hochdeiiselben vorher Manchen Streich be- 
richten. Niemahlen sollte man es glauben, das solche Kerls 
unter den Kutten eines Mönchs stecken könnten, besonders 
nehmt sich Prof Steigenberger sehr stark um Titl und ämter 
an, thut aber doch sehr wenig, ich finde es wäre gut die Je- 
suiten nicht gänzlicli auf der Universität abgehen zu 
lassen, denn sie sind die einzigen, die den Prälaten, 
K|o|tern und Mönchen Dominirent entgegen stehen. 

^m Da wir wissen, dass anno 1775 Staltler an der Universität 
^Br einzige*) Exjesuit war und dass er als Theologe hoch- 
bedeutend, so ist, wie ein Abwägen des letzten Briefes und der 
Anschuldigungen Ickstatts und Weinbachs eingibt, Weishaupt 
seinen gegen I.ori ausgesprochenen Ansichten nur getreu, wemi 
er den einzigen an der Universität noch angestellten Exjesuiten 
Stattler unterstützt. Ob er, bei aller Möglichkeit des diesbezüg- 
lichen Wunsches, in der Lage gewesen wäre, das Prokanzellariat 
zuzuschanzen, wie Weinbach behauptet, erscheint deshalb sehr 
fraglich, weil der Bischof von Eichstädt und der Kurfürst dar- 
über zu entscheiden halten, auf beide jedoch in dieser Hinsicht 
Weishaupt kaum irgend welchen Einfluss haben konnte. — Nur 
Gründe sachlicher Natur können Weishaupt im Interesse der 
Universität zur Annäherung an Stattler veranlasst haben, wenig- 
stens lässt der Briefwechsel diese Schlussfolgerung recht wohl 



•) S. Prantl. Seite 661. 



— 52 - 



zu. Bedenkt man ferner, dass spater eine allbekannte Gegne 
Schaft zwischen Weishaupt und Stattler entstand, begründ 
durch ihre verschiedenen theologischen Ansichten, so ist nich! 
recht einzusehen, wieso die im Jahre 1775 bew^iesene freun 
schaflliche Gesinnung Weishaupts als Beweis der Unzuverläss 
keit seines Charakters heute noch angesehen werden kann. 
Wir wollen hier einschalten, dass Stattler, gereizt durch du 
Gegnerschaft Weishau j>ts, nachdem die Verfolgung der Ulum 
naten in Bayern ausgebrochen war, als Entgell eine bissij 
Broschüre anonym herausgab, betitelt: »Das Geheimnis der Bos-^ 
heit des Stifters des llluminatism^s in Bayern, zur Warnung 
der Unvorsichtigen hell aufgedeckt von einem seiner alten Kenne! 
und Freunde,* 

Es ist bekannt, dass diese Schrift von Stattler herrührt. -^ 
Einen besonderen Punkt haben wir nochmals zu berühren: 
nämlich die so oft hervoi^gehobene Undankbarkeit Weishaupta 
gegen Ickstatt, die seit einer Bemerkung Kluckhohns in seinem 
Werke »Der Freiherr von IckstatU wiederholt als Beweis on 
geführt wird, Weishaupt soll im Oktober 1774 Ickstatt einen, 
eigennützigen und kindischen Menschen genannt und von seinem 
so berühmten Nepotismus in einem Briefe an Lori geschrieben 
haben. — Das Original dieses Briefes aufzufinden ist dem 
Schreiber dieses bisher noch nicht gelungen. Es ist nicht za 
zweifeln, dass ein solcher Brief vorhanden ist, ei* wird jedoch 
nicht vom Archiv ausgeliefert; in dem Aktenfascikel der Reihe 
der Briefe an Lori befindet er sich nicht, wenigstens nicht mehr, 
es liegen daher unbekannte Gründe vor, diesen Brief nicht wie 
das übrige Material allgemein zugänglich zu machen. Auch 
scheint es, dass das Jahr 1774 nicht richtig ist, denn in diesem 
Jaljre ist ein offenbarer Bruch zwischen beiden Männern nicht 
ersichtlicli, WT>hl aber haben die Ereignisse des Jahres 1775 
einen solchen bewirkt. Erstens der Fall Rohrmülter und weiter 
die nachfolgende Angelegenheit: ■ 

Im November 1775 war dem Kandidat beider Rechte, Ernst 
Christoph Henninger aus Württembeig das consilium abeundi 
von Ickstatt zugeteilt worden, infolgedessen schrieb dieser demfl 
TJniversitäts- Justiz-Kollegium zu Ingolslodt, am 15- November 1775, 
dass dieses consilium abeundi ihn in den Augen der Leute zum 
Verbrecher mache und ihm die ganze Zeit seines Lebens schäd- 
lich sein müsse. Da er aber keines Verbrechens angeklagt, 
vielweniger darüber vernommen, am allenvenigsten aber 




— 53 — 

!esselben überfuhrt worden sei, so sehe er sich genötigt, das 

"^Universitäts-KoUegiiim anzugehen, seine Ankläger in specie den 

Herrn Geheimrat Boron v. Ickstatt zu provozieren und so sie 

licht erscheinen oder Uire Klage nicht rechtlich zu beweisen 

'imstande sind, um einen Freisprucli und atteslat zu bitten. 

Dieser Angelegenheit schlössen sich mit schriftlichen Gut- 
achten die Professoren Pragger, Sutor, Schmidt, Siardi und 
Weishaupt an. Weishaupt schrieb in seinem Gutachten 
(s. No. 20 d. Ijppertschen Akten), dass Henninger ein Hecht 
_habe auf Ablieferung der ihm gemacliten Bescliuldigungen^ die 
Bich auf Narreta gründen, so an Serenissimus berichtet worden. 
Venn eine blosse Anklage, ohne Frhehung der Umstände hin- 
[länglich sei, gleich ohne Grund das consiliuni abeundi zu 
[sprechen, so ist der ehrlichste Mensch nicht vor Landes 
V'errufung sicher Er sagt dann ^vörtlich: 

»Vielleicht sind Ihro Excel lenz Herr Baron vJckstatl aucli falsch 
berichtet worden, und ich kann mich an die Stelle des Herrn Hen- 
ningers um so mehr setzeti, als ich Selbsten auch von Sr Excellenz 
in München als ein Heligionsspötter, Verächter der Geistlichkeit 
und Verderben junger Leute angeklagt w^orden. Wenn nun 
gegen mich auch ein dergleichen Befehl gangen wäi'e sollte ich 

^wohl dazu gesclnviegen haben, es wäre gut wenn durch gesetz- 
lässige erhebung eines facti Se* Excellenz einmal Informiert 
wurden, das man bey demselben ehrliclie Leute zu Verläumden 
sucht, sollte man bey diesem Fall neue Gelegenheit nehmen 
sn micli zu hehaubten, das ich lüderliche unterstütze so kann 
Ich doch nicht andei-s denken und sprechen, so bald ein (un- 

"leserlich) als lüderlich bekannt ist so unterstütze ich ihn gewiss 
nicht mehr, so lange aber solches nicht geschehen ist, kann ich 
nicht, es mag seyn wie es immer wilLc 



Es ist wT>h! jedem einleuchtend, dass einem Professor der 
lechte ein ohne ei^sichtlichen Grund und Beweis verhöngles con- 
lilium abeundi, als mit der Würde der Universität unvereinbar 
erscheinen muss, gleichviel ob der, der es verhängt, der Pathe 
ind leilweiser Wohltäter dieses Professors ist. — Es liegt an- 
:heinend zu dem Urteile, das Kluckhöhn gelesen haben will, 
lach ihm aber noch kein Forscher wieder in Händen ge- 
iaht liat, um auch die Begrün d uhj> äu erkennen, die Weishaupt 
reranlassten, seinen Pathen Ickstatt eigennützig und kindisch 



— 54 — 

zu nennen, recht viel Berechtigung vor. Dass Ickstatl sich 
jedoch des Nepotismus schuldig machte, ist bereits längst er 
wiesen und wird auch durch Prantl Seite 573 in folgendeu 

Worten bestätigt: 

Soweit nun wir Epigonen uns aus dem Aktenstaube einj 
gerechtes Urteil zu bilden versuchen dürfen, können wir alle^j 
dings den Ickstatt von einem gewissen Nepotismus und von 
Cieldsucht nicht freisprechen, sowie auch sein Benehmen 
häutig schroff und hochfahreiid gewesen sein mag, aber dabei] 
lag ihm doch das Wohl der Universität und des ganzen Landes] 
tief am Herzen. — — — 

Dass letzteres auch bei Weishaupt der Fall gewiesen,] 
dürfte das vorstehende Material ebenfalls hinlänglich bew^eisen. 



Die Gründung des Ordens. 

Die Gründung des Ordens datiert nach den Angaben' 
Weishaupts vom L Mai 177Ck In seinem Werke »Pythagoras 
oder Betrachtungen über die geheime Welt- und Regierungs- 
kunst* gibt er im dritten Abschnitt dieses Buches sehr genaue 
Auskunft. Will man Weishaupt gerecht beurteilen, so muss- 
nian seine Behauptungen und Angaben zunächst kennen, um 
dann an der Hand des vorhandenen Aktenmaterials unter Be- 
rücksichtigung der historischen Ereignisse zu untersuchen, oh ■ 
diesen der Glaube gewährt werden kann, den Weishaupt für 
sich beanspruclu. Es ist nötig, den ganzen dritten Abschnitt 
zur Grundlage weiterer Untersuchungen hier anzugeben, der- 
selbe lautet: 

Von den Absichten der ersten Stifter geheimer Ver- 
bindungen. 
Die Absichten der ersten Stifter sind von den Zw^ecken 
ihrer Gesellschaften wohl zu unterscheiden. Aus solchen lässt 
sich mit grosser Genauigkeit bestimmen, ob der Zweck ihrer j 
Gesellschaft wahr oder bloss vorgeblich ist? Üb der Stifter 
selbst ein Heuchler oder Betrüger gewesen? Ob die Gesellschaft 
sich in der Folge von ihren ersten Grundsätzen entfernt 



— 55 — 

^ich die Gesellschaft verbessert oder versclilimmert hat? Es 
fragt sich also nicht allein, welchen Zweck eine geheime Ver- 
bindung hat; es frogt sich noch überdies, was den ersten Stifter 
bewogen höbe, seiner Gesellschaft diesen und keinen anderen 
Zweck zu geben? Was er durch die Erreichung solcher Zwecke 
gesucht habe? Es fragt sich, ob seine Ansichten rein oder 
eigennützig gewesen? Diese Absichten verraten sich aus dem 
Stand, Charakter, Lebensart, Bedürfnissen und Umgang des 

, Stifters, nicht weniger aus den übrigen Umstanden, Zeit und 



Adam Weifihaupt 

ti»ch viticm im OrdcDUrchi^ be^ndlicben aJtea Kuptemkb. 



Ort, selbst aus vielen ursprünglichen Einrichtungen, welche der 
Urheber nichl ohne Ursache getroften hat. Wenn diese Um* 
Stande genau envogen und gehörig unter einander verglichen 
Verden, so kann die wahre Absicht einer solchen Handlung 
unmöglich verbot^gen bleiben. 

Die öffentliche Welt, welche hinter jedem Geheimnis nur 
Ai^list, Bosheit und Betrug vermutet, schreibt ein solches 
Unternehmen gewöhnlich dem Ehrgeize zu, der Begierde, sich 
jinen Anhang und grösseren Einfluss zu verschaffen. 

im ganzen und allgemeinen nach dem zu urteilen, w^as 
am häutigsten geschieht, mag dies Urtheil sein* begründet sein: 



- 56 - 

denn die Erfalirung hat Well und Mensclien klug gemachl, 
indem sie lehrt, dass jede Anstalt zehnmal missbraiicht wird, 
bis sie einmal zum Guten benutzt wird. Doch sind auch hier, 
wie in allen übrigen Fällen, billige und gerechte Ausnahmen 
zu machen. Man würde sich z. B- sehr irren, wenn man glauben 
wollte, dass alle diese geheimen Verbindungen, sclion bei ihrem 
ersten Entstehen, nach so grossen und weit aussehenden Plänen 
entwoifen werden. 

Viele derselben haben sehr kleine, unbedeutende Ve 
lassungen; manche sind auf weiter nichts als Zeitvertreib u 
Unterhohung abgeselien, oder sie entstehen, wenn es hoch 
kommt, um einem temporaren oder lokalen Bedürfnis abzu- 
helfen; sie würden mit diesem aufhören, wenn sie nicht durch 
die Gewohnlieit erhalten würden. Erst in der Folge bemerkt 
ein oder der andere, dass sich eine solche Einrichtung, da nun 
einmal die Sache so weit im Gange ist, zu allgemeinern, forl- 
dauernden und reellen Zwecken benutzen Messe. Der politische 
oder religiöse Druck sind wolil bei edleren Seelen die natür- 
lichste Veranlassung, welche das Bedürfnis nach solchen An- 
stalten erwecken. Von einer anderen Seite sind der Eigen- 
dünkel, die Heri^chsucht, die Unzufriedenheit mit schon vor- 
handenen älteren Gesellschaften, die Begierde, seine Einfälle 
geltend zu machen, die Ursaclie, dass sich einige von älteren 
Gesellschaften absondern,, um nach iliren Ideen ein neues und 
besseres Reich zu gründen. So ist die Freimaurerei die ge- 
meinschaftliche Stammmutter der meisten heutigen geheimen 
Gesellschaften, Die meisten Stifter der heutigen Orden sind 
Apostaten, ausgeschlossene, misshandclte oder nicht befriedigte 
Mitglieder dieser Gesellschaft. Diese haben in dieser Schule 
einsehen gelernt, dass sich auf diesem Wege noch ungleich 
mehr tun Hesse, wie sehr sich der Hang der Menschen nach 
Geheimnissen zur Ausführung und Erreichung anderer Zwecke 
benutzen liesse. Solche Aussichten ermuntern und reizen die 
Thätigkeit unternehmender Menschen, und die anscheinende 
Leichtigkeit macht, das sich jeder über alle Schwierigkeiten 
hinwegsetzt. 

Auch ich war der Stifter einer geheimen, verfallenen und 
nun öiTentlich bekannt gewordenen Gesellschaft, Diese Gesell- 
schafi, in deren Geist sich die wenigsten meiner Mitarbeiter 
hihein gedacht haben, welche der grössere Theil der Menschen 
mit Verachtung und Gleichgültigkeit betrachtet, ist von anderen 



I 




57 



l>is zur Üliertreibung verlästert worden. Keine Absicht ist sd 
schändlich, welche man mir, ihrem Stifter, nicht zur Last gelegt 
halte. Ich Imbe darüber olles mögÜche Ungemach erfahren. 
Meine Ehre, meine Ruhe, mein ganzes zeitliches Glück, sind 
verloren; sogar meine Sicherheit und mein Leben, sind mehr 
als einmal in Cieiahr geraten. Ich habe so viel möglich ge- 
duldet und geschwiegen, und die Gelegenheit erwartet, w^o ich 
diese Verleumdung von Grund aus untersuchen, und dieses 
Schreckensbild in seiner Blosse darstellen kann. Diese Gelegen- 
heit ist nun vorhanden. Ich will meinen Lesern beweisen, dass 
ich diese Behandlung nicht verdiene. Ich w^ill zu diesem Ende 
jeden in den Stand setzen, sich ganz in den Geist meiner Ver- 
bindung zu denken; ich will mit ihnen diese Verbindung er- 
richten; ich will sie mit den kleinsten Umstanden bekannt 
machen; ich will es sodann ihrem Urtheil überlassen, welche 
meine Absichten bei der Erreichung dieser Verbindung mögen 
gewesen sein, ob meine Gegner Recht haben, mich als Heuchler 
^d Betrüger, als einen Sittenverderber, als einen Verführer der 
id, als einen der Öffentlichen Ruhe so gefahrlichen Menschen 
ftstern und zu verschreien? — Eine so oflenherzige Dar- 
stellung wird, wie ich hoffe, viele meiner Leser mit dem Gange 
und der Natur dieser Geschäfte, besser bekannt machen, als 
ganze Bücher von allgemeinen Regeln und Vorschriften. Ich 
will jedem, der nach mir dieses Meer noch einmal durchschiffen 
will, die Stellen angeben, wo er Gefahr laufen kann, gleich mir 

I scheitern: 
Hotircux celui, qui pour devönir sage 
Du mal d'aulrui fait son appreniissage. 

Wie sehr wird sich niclit Herr H . . . ,, ein Protestant aus 
H., er, der nie ein Mitglied meiner Gesellschaft war, w^undern, 
wenn er hier liest, dass er, ohne es zu wissen, derjenige ist, 

t Icher diesen Gedanken in niir veranlasste, dass er folglich, 
entfernte Ursache, von der Entstehung dieser so ver* 
«hrieenen Gesellschaft ist? Ich führe diesen Umstand an, um 
( beweisen, wie sehr mancher, ohne es selbst jemals zu er- 
hren, durch eine Kleinigkeit, durch ein Wort zu seiner Zeit, 
das auf ein empfängliches Erdreich lallt, auf die übrige Welt 
wirken und sehr grosse Eriblge hervorbringen kann. Dies sei 
allen zum Trost gesagt, welche glauben, dass sie in ihrer sehr 
eingeschränkten Lage ganz ohne Wirksamkeit sind. — Dieser 
Mann kiam gegen das Ende cies Jahres 1774 nach Ihgolstadt. 



— 58 — 



Vor seiner Ankunft habe ich nie etwas von dem Dasein ge- 
heinier Verbindungen gewusst, ob ich gleich nicht leugne, dass 
sich durch dos anhaltende Lesen der romischen und griechische« 
Geschichtsschreiber, mein Geist vorher gestimmt hatte, dass ich 
se]ir frühzeitig einen unwiderstehlichen Hess gegen alle Nieder- 
trächtigkeit und Unterdrückung gefühlt, und sehr früh geohndel 
habe, wie schwach der Mensch ausser der Vereinigung sei, wie 
sehr er sich im Gegentheil durch die Vereinigung mit anderen 
stärken köime. 

Nach der sehr richtigen Bemerkung: Uril mature, quod 
vult Urtica mauere, habe ich zu diesem Ende schon in meinen 
Sludienjahren, einige Versuche gemacht, um das Band unter 
Menschen zu verstärken, und ihre Kräfte aus der Zerstreuung 
zu sammeln. Wenn nun jemand die dazumal von mir ent- 
w^orfenen lächerlichen und erbärmlichen Statuten späterhin ge- 
funden, und in der Absicht zum öffentlichen Druck befördert 
hätte, um mich zu beschämen, und dem öffentlichen Gelächter 
preiszugeben, um daraus gegen mich, gegen meine gegenwär- 
tige Denkungsart zu beweisen, was würde er bewiesen haben? — 
Nichts weiter, als dass ich in diesen Zeiten, in den Jahren 1765 
und 1766 gedacht habe, wie ein unerfahrener Jüngling von 
18 Jahren, der mehr guten Willen, als nöthige Kenntnisse und 
Erfahrungen hat, sich zu einem Geschäfte anschickt, welches 
er nicht versteht, dem er auf keine Art gewachsen ist. Wüi^e 
er aber auch bewiesen haben, dass ich noch ebenso denke, dass 
ich seit dem Verlaufe von 20 langen Jahren, um gar nichts 
besser und klüger geworden? — und doch ist dies gerade der 
Scliluss, welchen die meisten Leser der Originalschriften» auf 
eine sehr inconsequente Art gefolgert haben! 

Auf diese Art war mein Geist vorbereitet und gestimmt, 
als Herr H... im Jahre 1774 nach Ingolstadt kam. Er hat 
mich während seines Aufenthalts einige Monate hinduirh täg- 
lich besucht; es versteht sich von selbst, dass die Unterredung 
in einem so langen Zeiträume, auf verschiedene Gegenstände 
fällt. Er kam soeben von protestantischen Universitäten. Eine I 
Nachfrage nach der Verfassung und Einrichtung derselben ist 
für einen öffentlichen Lehrer, wie ich schon damals war, sehr 
natürlich; es ist nicht minder natürlich, dass auch bei dieser! 
Gelegenheit, der dort übiiehen Sludentenorden gedacht wurde* 
Von diesen ist der Übergang zu geheimen Verbindungen zur 
Freimaurerei etc* etc, sehr erleichtert. Ich fiel um so eher auf 



— 59 — 

diesen Gegenstand, weil ich zuweilen, den Compass der Weisen, 
Blumenöck und anderer hierher einschlagende Schriften, in 
seinen Händen gewahr wurde. Diese Entdeckung verursachte, 
dass sehr viel über Freimaurerei gesprochen wurde. Herr H. 
gestand mir, dass er Freimaurer sei. Er liess dies hin und 
wieder vermuthen, durch Reden, welche den Anschein hatten, 
als ob sie ihm wider Willen entwischt wären. Wer den 
Menschen kennt, muss wissen, welche Macht, solche dem An- 
schein nach absichtslose Äusserungen, auf eine Seele haben, in 
welcher schon der Keim geworfen ist, welcher auf Entwicklung 
wartet. Ich fing an über diesen Gegenstand ernsthafter zu 
denken, seine Äusserungen und Reden zu vergleichen, in ein 
Ganzes zu ordnen, und die übrig gelassenen Lücken, durch 
meine Einbildungskraft zu ergänzen. Besonders fiel mir der 
Unterschied zwischen ächten und falschen i—ii^*) und vor allen 
anderen die Bemerkung auf, wie leicht man hier hintergangen 
werden könne, wie schwer es halte, echte und wahre cif-^ ^^ 
finden. Von diesen ächten □^i' habe ich von dieser Zeit an 
Wunder geträumt. Auf diesem Weg entstand, noch ehe ich 
ein wirkliches Mitglied einer geheimen Verbindung war, in 
meiner Phantasie ein Ideal einer solchen Verbindung, welches 
mich ganz dahin riss, das sehnlichste Verlangen nach dem Bei- 
tritte erweckte, und späterhin die Grundlage wurde von dem, 
was ich zur Wirklichkeit gebracht habe. Meine Erwartungen 
und Begriffe, von der Einrichtung, Zusammenhang, Klugheit, 
Behutsamkeit in der Auswahl der Mitglieder, von der strengen 
und unaufhörlichen Prüfung derselben, gränzten an das Über- 
triebene, und glichen einem wahren Roman. Mit dem allen 
dachte ich zu dieser Zeit an nichts weniger als selbst zu bauen. 
Ich fand es gleich so vielen anderen bequemer, sich an eine 
schon gedeckte Tafel zu setzen, als den Tisch selbst zu bereiten. 
Mein Entschluss in die Gesellschaft zu treten, es koste was es 
wolle, war von nun an gefasst. Da mich indessen mein Führer, 
ohne alle nähere Anweisung verlassen hatte, so schrieb ich zu 
diesem Ende in alle Welt, wo ich Freimaurer vermuthen konnte, 
nach E . . g . . . und vorzüglich nach Nürnberg. Von diesem 
letzteren Orte erhielt ich zu meiner ausserordentlichen Freude 
die Nachricht, dass meine Aufnahme gar nicht verweigert 
werde. — Was wäre aus solchen Menschen zu machen, wenn 

♦) Logen. 



— 60 — 

geheime Verbindungen die Kunst verstünden, einen solchen 
Eifer, der so leiclit angefacht werden kann, dauerhaft zu unter- 
halten, stött dass sie diese woliitliätige und zweckmässige 
Täuschung durch ifjr späteres Betragen so frühzeitig zersti^eut? 
Ich höbe erfahren, wie viel an der Vorbereitung hegt; was sich 
iiuf diesem Wege aus Menschen maclien liesse, und wie sehr 
man der besten Sache schadet, wenn man Erwartungen er* 
w'ecl\t, welche man in der Folge nicht befriedigen kann, wie 
sehr eine solche unerwartete Dissonanz alles verstimmt. Mein 
Himmel hing so voller Geigen, dass ich noch zur Stunde über 
mich hieben muss. Von dieser Stunde an, sah Ich alles in einem 
anderen Lichte, alles in Beziehung auf meinen Zweck. Ich 
wusste damals nicht, ob und wer in Baiern zu dieser Gesell* 
schüft gehöre; doch vermuthete ich, es möchten deren selbst in 
Ingolstadt sein. Nach den Begriffen, welche ich mir von dieser 
Gesellschaft gemacht hatte, schienen mir alle ernsthafte und 
zurückgezogene Menschen, Mitgheder dieser Verbindung zu 
sein; ich glaubte von neuem unter der strengsten Beobachtung 
vieler mir unbekannter Menschen zu stehen; ich suchte meine 
Pflichten zu diesem Ende auf das strengste zu erfüllen, weil ich 
nichts gewisser glaubte, als dass keine meiner Handlungen 
unbemerkt bliebe. Ganz eigene Vorfälle, welche sich zufalliger 
Weise, auf eine sonderbare Art fügten, trugen dazu bei, mich 
in dieser Meinung zu bestärken. Ich würde an der Veredlung 
meines Characters ganz unendlicli gewonnen haben, wenn sich 
diese Täuschung länger, und ich wollte, dass sie sich bis diese 
Stunde erhalten hätte! — Um den vollen Gang der Sache ein- 
zusehen, muss ich, ehe ich hier weiter gehe, meine Leser mit 
anderen vorbereitenden und begleitenden Umständen bekannt 
machen, (jegen das Ejide des Jahres 1773, gleich nach Auf- 
hebung des Jesuitenordens, erhielt ich auf der Univei^itat zu 
Ingolstadt den Lehrstuhl des geistlichen Bechls, welcliem die 
Jesuiten seit 90 Jahren ununterbrochen voi^estandon liatten. 
Von dieser Zeit an wurde ich der Gegenstand ihres Hasses 
und ihrer Verfolgung. Schon im Jahre 1774, im Monat Januar, 
entdeckte ich während meiner damaligen Anwesenheit in 
München, einen schändlichen*) jesuitischen Komplot und \'er- 
leumdung, welche die Jesuiten, auf Anstiften meines Vorfahrers 



•) An der allen Ausdrucksweise und InlcrpunkÜon ist absictitlich nichts 

geändert 




— (51 — 



»bei Hüte in der Erwartung, dass ich schon abgereist wäre, 
in der Absicht angebracht hatten um mich von einem, ihrem 
Systeme so wesentlichen Lehrstuhl zu entfernen. Zum Glück 
war ich noch anwesend und vernichtete durch meine Gegen- 
wart und mündliche Rechtfertigung die ganze Kabale, Von 
dieser Zeit an, wurden die Jesuiten mir und icli ihnen auf das 
äusserste gehässig. Ich war 13 ganze Jnhre hindurch ihren 
Intriguen und Verleumdungen unaufhörlich ausgesetzt. Meine 

I Leser können sich, aus dieser angeführten Tlialsache vorstellen, 
dass ich einen Rückanhalt und Unterstützung nothwendig hatte, 
dass ich diese natürlicher Weise» in einer so ausgebreiteten, 
und nach meinen Begriffen so eng verbundenen Gesellschaft 
zu finden hoffte; dass mir folglieh durcli diese Erwartung, 
geheime Verbindungen, als der Zufluchtsort, der gedrückten 
Unschuld, in einem sehr anziehenden Lichte erscheinen müssten. 
Dies ist noch nicht genug. 

Im Jahre 1775 ging in meinem Geiste, und in meiner ganzen 
Denkungsart eine sehr wichtige Veränderung vor. Ich hatte 
vorher der speculativen Philosophie mit Leib und Seele an- 
gehangen, und mich in metaphysischen Betrachtungen und 
Grübeleien so sehr verloren, dass ich mich beinahe aus- 
schliessender Weise» mit der Metaphysik beschäftigt hatte. Zu 
meinem grossen Glück, ward ich, um diese Zeit, wieder meinen 
Willen, aus diesem Taumel gerissen, und aus der übersinnlichen 
Welt, wieder auf die Erde unter Menschen versetzt, deren 
nähere Kenntnis, durch meine neu erhaltene Stelle, mir zur 
Pflicht und Nothwendigkeit gemacht wurde. Ich erhielt den 
Auftrag, nebst den Vorlesungen über das Kirchenrecht, über 
das so beliebte Federische Lehrbuch der praktischen Philo- 
sophie zu lesen. Von dieser Zeit fängt sich mein Studium des 
I Menschen, und meine practische Denkungsart an, und ich halte 
es für Pflicht, dem würdigen von mir so sehr verehrten Ver- 
fasser dieses Lehrbuches, dem Herrn Hofrat Feder in Göttingen, 
für die mir erweckten Ideen den gebührenden Dank öflentlich 
zu entrichten; seine Bescheidenheit wird vielleicht nicht ver- 
mthen, dass sein Lehrbuch solche Wirkung hervoi^ebracht hat. 
Ich bitte nun meine Leser, diese drei von mir soeben an- 
geführten Umstände, wohl zu bedenken und zu überlegen, 
ivelche Geistesstimmung daraus entstehen müsse? Ob sie hier 
gehen eine Anlage bemerken, durch welche solche schändliche 
md verabscheuungswürdige Entwürfe möglich werden, als man 



— 63 — 



Stützung und Versicherung hoft'e ich zu erholten, indem ich 
mich mit anderen verbinde. Der Gedanke, dass geheime Vor- 
bindungen zu diesem Ende ein sehr wirksames Mittel sind, 
r&ngt an, in mir aufzukeimen, und mir diese Verbindungen um 
so werther zu machen; auch mein Geist ist indessen, mit den 
dazu nötigen Kenntnissen, mit dem Studium des menHchUwrlien 
Herzens in etwas bekannter geworden. Es ist auf diese Art 
viel, aber noch lange nicht olles geschehen. 

Meine Aufnahme war also, wie wir gehör! haben , be* 
schlössen, und der Eifer einzutreten, war nicht minder gros«. 
Dieser wurde durch die geforderten Receptionsgebühien» schon 
in etwas herabgestimmt; diese waren über mein damaligen 
Vermögen; zu diesem sollte ich noch eine Reise noch Nürn- 
berg, samt den Unkosten des dortigen Aufenthalts bestreiten. 
Ich dusserie meine gerechten Bedenklichkeiten; es wurde mir 
zu diesem Ende der Vorschlag gethan, mich in München auf-^ 
nehmen zu lassen, wo man mich versicherte» dass eine ' ' i von 
demselben System wäre. Diese Entdeckung war mir um so 
lieber, als ich auf diese Art, bei einer gelegenllicben GeacbSfk«' 
reise nach München, unnöihige Reisekosten ersparen, und mit 
iierschiedenen mir v^ichtigen Personen in meinem Vateiiande 
in Verbioduiig kommen . und durch solche besser unieraUltel 
werden konnte, leb schrieb also nach München. Auch von 
dieser Seite erlüelt ich die Zusicherung metner Aufmihme; nur 
stiess sich die Sache auch hier an dem emteti HindemiMe, an 
den Gebuhren der Aufnahme. Dies wurde dadurch bis in da^ 
Jahr 1777 Tcrzogerl, Während dieser Zeil, suchte ich aller 
Bücher übo^ die Freimaurerei habhaft zu werden. Wie er- 
staunte ick, als ich darunter einige foncL in welchen alle Grade 
ahgednickl waren! Idi wi>IIte anfilniglieh nida glaubefi, «Ims 
sie acht waren, aber Peraooen« wdcfee mil dieeer S«dbe niber 
bekasol waren, mit welefaeo kfa in der ZwiaelkeiuseÜ bekaiiot 
li-urde, ^wnkbeiien midi, daas ieh aidht gjauben aoUte« ämm 
wueu Voo dMse Zeü wwile mmm 6hiwy\im$ 
die Frammmmm, nafcifht ana der ünadbe. woi 

BiwyfiioMTI/i Iwlliu "* ami Vofwmmi hnwtUe. m die 




— 64 — 

waren. Darunter waren Männer, welche mir zu werth und nolh- 
wendig waren, als dass ich sie durch eine hartnäckige gmnd 
lose Venveigerung meines Beitritts, hatte beleidigen wollen. 

Meine grosse Achtung für die Freimaurerei war also von 
nun an, aus den eben angeführten Gründen gefallen. Indessei 
hatte der Gedanke, von den Vortheilen einer solchen Gesellschaft»] 
von dem, was sich nach meiner eigenen Erfahrung, auf diese 
Wege aus Menschen machen Hesse, in meiner Seele zu ti 
Wurzel gefosst, als dass ich ihn schlechterdings hätte unter- 
drücken können. Die Grade der Freimaurerei sind sogar 
öffentlich gedruckt; was kann eine geheime Gesellschaft wirken, 
welche so wenig Geheimnis hat, dass ihre ganze innere Ve^ 
fossung der übrigen Welt bekannt ist? Diese Grade selbst! 
stimmen mit dem Ideal, welches ich mir von geheimen Ve 
bindungen entworJen hatte, gar nicht überein; wie wäre es ali 
dachte ich bei mir selbst, wenn du selbst Hände an ein neu- 
Werk legen wolltest? Es war freilich ein übereilter tollkühner, 
wo nicht rasender Gedanke, ohne Ruf und Ansehen, ohne Welt- 
und Menschenkenntnis, ohne auswärtige Conexionen und Bö* 
kanntschaftcn, ohne Unterstützung, ohne alle hinlängliche Er» 
fahruiig, an einem solchen Ort wie Ingolstadt war, mit blosa 
studierenden Inländern, den Grund zu einer solchen Verbindung; 
durch mich allein zu legen, Da'/u gehört viel Vertrauen auf siel 
selbst, ein hohes Gefülil seiner Kraft, ein Mut, welcher sich 
über alle Schwierigkeiten hinwegsetzt, oder was bei mir de! 
Fall war, ein hoher Grad von Unerfahren heit und Blindheit, 
welche wenig oder gar keine Schwierigkeit vorhersieht. Zvve 
Umstände gaben vollends den Ausschlage und bestimmten micl| 
wirklich den ersten Grundstein zu legen. 

Zu eben dieser Zeit hatte ein Officier des Baron Henne« 
beigischen Infanterieregiments mit Namen Ecker, in Burghausen, 
eine CZHI errichtet. Diese \ \ *) arbeitete auf Alchemie, unc 
fing an sich gewaltig zu verbreiten. Ich selbst wurde durch 
ein Mitglied dieser |"^~U den damals in Ingolstadt studierenden^ 
Baron von Er . . auf das dringendste zum Beitritt aufgefordert* 
Dies ging soweit, dass ein eigener Deputierter dieser I \ nac 
Ingolstadt kam, um dort zu werben, und die Fähigsten unter 
den Studierenden auszuheben. Seine Auswahl fiel zum Unglücli 



*) ledenfalls eine Loge der Hosenkreuzer, mtl denen W^eJshaupi sti 
in Fehde gelegen hat. 



— 65 — 

gerade auf diejenigen, ouf welche ich mein Auge geworfen hatte ^ 
sobald ich mein Werk anfangen würde. Der Gedanke so 
hoffnungsvolle Jünglinge anf diese Art verloren zu haben, sie 
überdies mit der verderblichsten Seuche, mit dem Hang zur 

Ioldmacherei und ähnlichen Thorheiten angesteckt zu sehen, 
br für mich quälend und unertragh"ch. Ich ging darüber mit 
bem jungen Mann, ouf welchen ich das meiste Vertrauen 
^etzt halte, zu Kate. Dieser ermunterte mich, meinen Ein- 
llss auf junge Studierende zu benutzen, und diesem Unwesen 
durch ein wirksames Mittel, durch die Einrichtung einer eigenen 

t Seilschaft, so viel möglich zu steuern. Zu diesem Ende ent- 
t er mir alle seine Kräfte und Dienste. Die letzte Impulsion, 
roh welche mein Vorhaben zur That wurde, erhielt ich auf 
gende Art. 
^H Unter den vielen Büchern, welche ich lesen musste, um 
^Keinem Lehrstuhl der praktischen Philosophie gehörig vorzu- 
Hehen, fiel ich auch auf Abts vortreffliche Schrift, vom Ver- 
dienst. Nicht leictit hat ein Buch so sehr auf meinen Charakter 
^nd Willen gewirkt. Bei Durehlesung dieser Schrift fiel ich 
^pf eine Stelle, welche eine Seele, in welcher, so wie in der 
meinigen, so viele brennbare Materialien lagen, in volle 
lammen setzen und begeistern muss. Icli will diese mir un- 
jessliche Stelle ganz hierher setzen, weil meine Leser finden 
^nlen, dass sie den ganzen Geist des Illuminatenordens enthält, 
^eii sie aus solcher, meine Geistesstimmung zur Zeit, als ich 

ieine Gesellschaft errichtete, die Absichten mit welchen ich um- 
pg, unleugbar erkennen werden. Diese Stelle ist folgende*): 
^Vieler, sehr vieler Mensehen zeitliche und ewige Wohl- 
faJirt befördern; ihr Leben und Wandel durch Vorschriften so 
einrichten, dass sie immer glückseliger, immer vollkommener 
werden; die Veranstaltung treffen, dass ihnen dergleichen Regeln 
ebenso geläutig als beliebt seien; solche Lagen aussinnen, da- 
durch sie sich alle, aller Widerspenstigkeit ungeachtet, zu einem 
gemeinschaftlichen Guten müssen hinführen lassen; dazu denn 
^dle Verwickelungen, die meisten möglichen Fälle mit Treffen 
^Bd Ausnaljmen überdenken, sich an die Arbeit machen, 
^Kenn noch niemand sie nur als möglich ansieht; Jahre 
^ng arbeiten, manchmal ohne Frucht, sich trösten, auf- 




I ♦) Sie steht im 8. HauplstQck »Vom Maasse des Verdienstes«. 

SBf«lf Geocbicfaie d«« XlliiDaioi^tenordeDB, 5 




— m — 



richten, selbst anspornen müssen; keine Widerwartigkeileti, 
keine Gefahr achten; keine innere Abneigung oder Lauligkeil 
überhand nehmen lassen; und dies alles bloss darum, weil e& 
zu Nutzen und Frommen der herzlich geliebten Nebenmensehen 
gehört, ihrer, die nach einerlei Bilde mit uns geschaflfen sind: 
Ol Wo ist der Mensch, der dies thut? Wenn er nicht mehr 
ist, wo ist seine Bildsäule? Wo ist sein mormornes BruchslückV 
Sagt mirs, dass ich hingehe, den kalten Stein in die Arme 
schliesse und des Urbilds eingedenk mit heissen Thränen der 
Dankbarkeit das Bild benetze.* — 

Nun frage ich, ist diese Stelle, welche ich in der Folge, 
so oft mir der Mut sinken wollte, noch öfterer las, nicht e^ 
haben und fähig Begeisterung zu erwerben? Wer, wenn er 
den Sirni dieser Stelle, gleich mir, lebhaft enij>tlndet, muss nicht 
den Wunsch äussern, dass er im Stande sein möchte, diesen 
hohen Grad von Verdienst zu erwecken? Dieses grösste hier 
aufgestellte Ideal, so viel an ilim liegt, zur Wirklichkeit zu 
bringen; ich frage, ist es gefalirlich oder schändlich diesen 
Wunsch zu äussern, zu diesem Ende seine Kräfte anzustrengeDJ? 
Ist es besser dabei kalt, gleichgültig, unthätig zu bleiben? Ist 
es möglich, wenn man diesen höchsten Grad von V^erdienst 
kennt und dafür entbrennt, für niedere und schandliche Ab- 
sichten tliätig zu werden, die Sitten zu verderben, die Jugend 
zu verführen, die öffentliche Ruhe zu stören und Unterthanea 
gegen ihre Füi*sten zu waffnen und zu empören? Ist der 
Mann, dessen Ehi-geiz für diese Art von Verdienst entflammt 
wird, der dazu nach seinen Kräften und Einsichten Anschläge 
und Entwürfe macht, ein Heuchler und Betrüger? Kann man 
leugnen, dass alle Grade und Einrichtungen, welche von dem 
Illuminatenorden bekannt geworden sind, dass selbst meine 
Briefe, welche so sehr gegen mich beweisen sollen, dahin ab- 
zwecken, um diese Idee zu realisiren? Kann der Ehrgeiz eines 
Menschen eine wohlthöligere und gemeinnützigere Richtung 
erhalten? -- 

Meine Leser mögen hierüber denken was ilinen gefällt, sie 
mögen bei einer solchen Stelle viel oder Avenig empfinden, bei 
mir \Acnigstens ist der Fall ganz verschieden. Ich lese nie, ohne 
die Anwendung zu machen, ohne doss in meiner Seele ent- 
sprechende lebhatte Begierden und Entschlüsse entstehen, Genugl 
von dieser Stunde an, als ich diese Stelle las, war mein Entschluss 



I 



67 



isst* Ich moclite mich sogleich an die Arbeit und entwnrt'die 

^meinen Statuten, welchen ich, wie ich mich nocli sehr wühl 

inere, 

'Sin tuten 



ehe ich auf den Noi 



der 



imen Illuminaten (iei, den Nar 
*erfectibi listen*) gab. Diesen Namen I 



ibe 




^^ch bloss aus der Ui'sache verändert, weil das Wort zu sonder- 
^P>ar klingt Indessen zeigt doch dieser Name, welche Absicht 
ich bei der Gründung meiner Gesellscheft hatte. Diese nahm 
mit dem 1. Mai des 1776 Jahres ihren Anfang. An diesem 
Tage wurden die ersten Mitglieder und zwar gerade diejenigen 
aufgenommen, welche ich durch diese Anstalt retten und ihrem 
bevorstehenden Verderben entreissen wollte. Welcher Maos- 
regeln und aus welchen Gründen ich mich derselben bedient 
habe, soll an seinem Orte, in dem folgenden Theile dieser 
Schrift, mit eben dieser Genauigkeit und Offenherzigkeit be- 
wiesen werden, mit welcher ich hier die Absichten bei der 
Entstehung meiner Gesellschaft ohne Schmuck und Zurück- 
haltung dargelegt habe. 

Hier hätte ich also der Neugiei^de meiner Leser, so viel 
thun könnte. Genüge geleistet. Das schreckliche Geheim- 
iis von der Entstehung dieser so gefürchteten und verab- 
leuten Gesellschaft wäre entdeckt und der Heuchler entlarvt* 
^Diese und keine andere waren meine Absichten; diese waren 
die Umstände welche meinen Geist vorbereitet und zu einem, 
meiner Ruhe so nachteiligen Unternehmen gestimmt haben. 
Ich weiss nicht, ob es mir gelungen ist, meine Leser von der 
JJnschuId und Reinigkeit meiner Absichten zu überzeugen, denn 
iieser Beweis ist schwer und am schwersten, wenn er gegen 
leidenschaftliche Leser geführt werden soll. Ich selbst %%iirde 
mehr bewiesen, die Sache glaubbarer gemacht haben, wenn 
ich nicht genötigt wäi*e, blos im allgemeinen zu sprechen, um 
die Namen so vieler Menschen zu verschwetgien, weiche an 
diesem ganzen Vereng Anteil und Wissenschaft haben* Aber 
wenn anders in Baiem noch ein Mann von Ehre und Wahr- 
heitsliebe ist, der mich und meine ehemalige Lebensart ge- 
^B^anni bat, der von manchem dieser Auftritte Theilnehmer und 
^■Augenzeuge war. so fordere ich ihn hiermit ödentlich auf, 
Vinich. wenn er kann, einer einzigen Unwahrheit zu überfuhren, 
AOe diese von mir anigegebenen Umstftode lassen sich dorcfa 




— 68 — 

eine oüri^keithciie Aunbrderung und Nachfrage, aut das ge- 
naueste darthun. Ich selbst bin bereit zu diesem Ende, alle 
Mittel an die Hand zu geben und manche Umstände mit un- 
leugbaren Urkunden zu belegen. Alle, welche mich gekonnt 
haben, können mir bezeugen, dass ich einsam, ohne etwas zu 
suchen, für mich allein, fern von allen Ergotzungen und Zer- 
streuungen gelebt, dass ich mich so wenig nach Macht be- 
strebt habe, dass ich vielmehr alle Mittet und Wege versäumt 
habe, um reich oder mächtig zu werden. Ich habe es niemals, 
mit der siegenden Partei gehalten, ich habe mich niemals an 
die Mächtigen gedrängt, um mein äusserliches Glück und 
meinen Kinfluss zu vermehren; ich habe die Heuchelei, Zeil 
meines Lebens, von ganzer Seele verabsclieuet, sie ist ganz geg^en 
meine übrige Denkungsart und Charactcr. Als im Jahre 1785 
in Regensburg mein seeliger Freund Lanz, an meiner Seite vom 
Blitz erschlagen wurde, welche Cjelegenheit hätte ich gehabt, 
den i-eumütigen und bussfertigen Heuchler zu machen und auf 
diese Art das Zutrauen meiner Verfolger zu erwerben? Jeder, 
selbst meine Feinde, würden unter diesen Umstanden geglaubt 
haben, dass es mir ernst sei. Wer kann sagen, dass ich, um 
mich zu erb alten, meine Zuflucht zu einem so schändlichen 
Mittel genommen, dass ich geheuchelt habe? Tausend andere 
würden es zuverlässig gethan tiaben , ich habe es nicht gethan; 
ich bin mir wie vordem gleich und unverändert gebliebea 
unter allen harten Prüfungen und Aufforderungen, w^elche ich 
erfahren habe. 

Diese Umstönde und Gründe zusammengenommen, wage 
ich es, diesen Theil meiner Arbeit mit einer Frage an meine 
Leser zu beschü essen. Ich frage: ist es walirscheinlich oder 
möglich, dass ein junger uneifohrener Mensch von 28 Jahren, 
auf einer Universität in seiner Vaterstadt geboren und erzogen, 
ein Menseli von einem ausserdem stillen und unbescholtenen 
Lebenswandel, der, wenn er auch gewollt hätte, in seiner 
Vaterstadt nie die Gelegenheit gehabt hätte, an dem V*er- 
derhen der Welt Theil zu nehmen, ist es möglich, sage ich, 
dass ein solcher Mensch auf einmal, durch den widernatür- 
lichsten Sprung, zum abgefeimtesten Bösewicht werde? Ist es 
möglich, dass ein blosser Schutmann, ein öffentlicher Lehrer 
und was am meisten auffallen muss, ein Lehrer der praktischen 
Weltweisheit, der Sitten und Tugendlehre, welcher über das 
Federische Lehrbuch Öffentliche Lesestunden, mit ausgezeich- 




— 69 — 

netem Beifall liest, welcher dadurch genötigt wird, mehr als 
jeder anderer, über die Lehre von den menschlichen Neigungen, 
von den Triebfedern unserer Handlungen, von der Glückselig- 
keit, von dem Werte der Güter, von der Tugend, von den 
Hindernissen und Beförderungsmitteln derselben, — zu der 
Zeit, wo er über diese Gegenstände am meisten denken muss, 
wo er die besten, dazu dienliche Schriftsteller unaufhörlich 
liest, wo diese Gedanken, durch die Wiederholung, seiner Seele 
zum Bedürfnis werden; — ist es möglich oder wahrscheinlich, 
frage ich, dass eben dieser Lehrer, in eben dieser Zeit, den 
Grund zu einer Anstalt legt, welche, nach der Beschreibung 
meiner Gegner, an Schändlichkeit keine ihres Gleichen hat? — 
O Menschenkenntnis, was soll aus dir werden, wenn dem so 
ist? Was muss geschehen, um tugendhaft zu werden, wenn 
ein solcher Weg zu einem so hohen Grade von Laster und 
Gottlosigkeit führt? 

Nachdem wir nun Weishaupt selbst gehört haben, können 
wir in unseren Untersuchungen fortfahren. 

Wir haben keine Ursache an der Wahrhaftigkeit der Weis- 
hauptschen Aussagen zu zweifeln. Es spricht erstlich aus seinen 
Worten ein offenherziger Ton; zweitens würde es ihm von gar 
keinem Nutzen sein, wenn er in diesen Angelegenheiten, die ihn 
allein angehen und seine persönlichen Empfindungen klarstellen, 
nicht die Wahrheit sagen würde, denn die Tatsachen würden 
dadurch nicht geändert werden; drittens haben wir bereits dar- 
gestellt und bewiesen, dass Weishaupt wirklich ein vielfach 
angefeindeter Mann war, und dass er das bis zu dem Ende 
seiner Lehrtätigkeit in Ingolstadt geblieben ist, werden wir noch 
beweisen, sodass die Wünsche nach einem kräftigen Rücken- 
schutz sehr einleuchtende sind. Dass die Ordensgründung 
durch die Abneigung Weishaupts gegen die alchemistischen 
Lehren der Rosenkreuzer beschleunigt wurde, ist auch nicht zu 
bezweifeln, denn in dieser Abneigung ist er sich getreu geblieben 
und suchte alle Elemente, die diesen Lehren zuneigten, später 
zu entfernen. 

Es fragt sich demnach nur, ob die Absichten Weishaupts 
dieselben blieben, ob er Mittel und Wege ergriff, seinen Leuten, 
die doch berufen waren die Ordensobern abzugeben, seine Ab. 
sichten einzuimpfen und nach seinen Wünschen zu erziehen. 
Hatte Weishaupt neben seinen persönlichen Absichten 



^ 70 — 

noch ideale, die er ouszuführen gedachte oder nicht, 
war er allein auf sich bedacht, oder nicht? 

Hier hegt die Kardinalfrage, nacli der der Charakter des 
( h'densstifters zu beurteilen ist, gleichviel ob die erwählten 
Mittel uns jetzt unrichtig oder richtig erscheinen, denn ein jeder 
weiss, dass diese stets im weitesten Masse von den Umständen, 
von den Möglichkeiten und den diesen gezogenen Grenzen ab- 
hängen werden. 

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir hier den Er- 
eignissen vorauseilen und ein Buch zur Hand nehmen, das 
seinerzeit im Jahre 1787 auf churfürstlichen Befehl gedruckt 
wui'de, um die schändlichen Absichten des Ordensstifters zu be- 
weisen. Als die Verfolgung der llluminoten in Boxern in 
Blute stond, wurden eine Anzöhl Schriften und namentlich eine 
ausführliche Korrespondenz Weishaupts mit Beschlag belegt. 
Eine Auswahl derselben wurde veröffentlicht und unter dem 
Titel ,, Einige Originalschriften des Illuminatenordens, welche bey 
dem gewesenen Regierungsrath Zwackh durch vorgenommene 
Hüusvisitation zu Landshut den IL und 12, Oktober 1786 vor- 
gefunden worden. Auf höchsten Befehl Seiner Churtirstlichen 
Dui^clilaucnt zum Druck befördert, München, bey josepli Lenl- 
iier 1787. 

In der Vorrede befindet sich die Anmerkung: Wer an der 
Aechtheit dieser Sammlung einen Zweifel trägt, mag sicli nur 
bey dem l»iesigen geheimen Archiv melden, allwo man ihm 
die Urschriften selbst vorzulegen befehliget ist. 

Diese Schriften können noch heute im Archiv zu München 
eingesehen werden, sie sind unzweifelhaft echt und geben ein 
klares Bild über die ersten Ordens-Anfänge und namentlich 
über die Art wie Weishaupt brieflich seine ersten und intimsten 
Mrdensmitglieder, zu denen auch Zwackh gehörte, über seine 
Absichlen unterrichtete. Es ist zweifellos, dass in diesen 
Briefen, die alle einen ganz intimen Ton aussprechen, die 
wahren Absichten unverhüilt hervoilreten, weil andernfalls der 
kaum gebaute Wagen in ganz falschen Gleisen fahren musste* 

Weishaupt schreibt an Massenhausen (Ajax) 19. Sept. 1776. 
(S. 173.) ^ 

Ich denke und arbeite täglich an unserm grossen Gebäude^ 

Arbeiten Sie auch von Ihrer Seite, und führen Sie mir 

Steine zu. Lassen Sie sich keine Mühe verdrüssen: suchen sie 



I 



— 71 — 

Gesellschaft junger Leute: beobachten Sie; und wenn Ihnen 
einer darunter gefällt, legen Sie band an. Ich habe auch wieder 
einen, der ein ansehnlicher und einsichtsvoller Mensch ist. 
Was sie nicht selbst thuen können, thuen sie durch andere. 
Agathon, Danaus und Schaftesbury sind zu beordern per modum 
imperii, dass sie unter junge Leute gehen, qu'il tachent epier 
les characteres, dass sie sich Anhang erwerben, Vorschläge 
machen, und dann Befehle erwarten. 

Als Nachschrift: (S. 174). 

In München befindet sich ein gewisser Advocat B. = ad- 
jungierter Bahnrichter; ich habe in meinem Leben keinen ac- 
tiveren Menschen gesehen, der auch überdies sehr geschickt 
ist. Sehen Sie, dass Sie mit ihm bekannt werden und richten 
Sie ihm ein Compliment von mir aus. Sapienti pauca. Reden 
kann er wie noch einmal ein Advocat. Dem B. = thuen sie 
indessen desgleichen, und versichern Sie ihn, dass ich ihm bald 
schreiben werde. Diese beyde sind ein Paar T..s Kerl: aber 
etwas schwerer zu dirigieren, eben weil sie T . . s Kerl sind. 
Unterdessen wenn es möglich wäre, so wäre die Prise nicht übel. 

Ohne Datum (S. 174 u. f.). 

Wenn der Winterhaltern einer von uns werden soll, so 
muss er noch ziemlich abgehobelt werden. Einmal gefällt mir 
sein Gang gar nicht: seine Manieren sind roh und ungeschliffen 
und wie es mit der Gedenkungsart steht, weiss ich nicht. Das 
wollte ich höchstens recommandieren, dass er sein rohes Wesen 
ändere. Er muss ein ganz anderer Mensch werden, bisher ist 
er kaum pro carolino*) zu gebrauchen. 

Wenn mir meine Absicht mit den Domkapiteln gelingt, 
so haben wir grosse Schritte gethan. Suchet junge schön ge- 
schickte Leute, und keine solche rohe Kerls. Unsere Leute 
müssen einnehmend, unternehmend, intrigant und geschickt 
sein. Besonders die ersten. 

Wenn denReceptis**) einmal die Augen aufgethan werden, 
so müssen sie Leute sehen, von denen man Ehre hat und wo 
man sich in ihrem Umgang glücklich schätzt. Nobiles, potentes, 
divites, dertos quaerite. 



♦) pro carolino, für einen Karolin, eine Münze im Werte von Mk. 8,1 
*•) Aufgenommenen. 






— 72 — 

— — Wenn ihr Leute in München so viel thut, wie ich 
hier, so werden Riesenschritte geniacht. Compognie gesucht, 
mit artigen Leuten angebunden; das muss seyo, inertes animae! 
da muss man sich keine Mühe reuen lassen. Auch zuweilen 

den Knecht gemacht, um dereinst Herr zu werden. 

Machen sie mir doch in Münclieo eine Acquisition, die der 
Mühe werth ist. Sind Sie donn in vornehmen Häusern gar 
nichts bekannt, oder wenn sie es nicht sind, kennt dann Danaus 
gar keine Seele? Dann, wissen Sie, Sie brauchen sich nur um 
einen rechten Cavalier Mühe zu geben; dieser muss uns nach 
malen die andern liefern. — ~ 

Was die Leute auch acta noch nicht sind, das können 
sie doch noch wei'den. Darum sind zwey Jahre festgesetzt. 
Denn halten sie sich in dieser Zeit gut, so werden sie zu 
rechten avanciert. Im übrigen lassen sie nur mich gehen und 
sorgen. — — 

An Ajax, d. 20. Octob. 1776. (S. 179.) 

Dermalen kann man keine brauchen, als qua 

tatis generales. 1. Geschickt 2. Industrios. 3. Biegsam. 4. So- 
ciabilis. Sind die Leute noch dazu reich, vom Adel und 
mächtig, tant mieux. Schreiben sie mir, ob etwas damit zu 
machen sey. 

d 30. October 1777 an Ajax. (S. 185.) 

Nachdem er sich vorher beklagt, dass er nichts mehr 
seiner Sache hört, — — das ist keine Kunst, einen grossen 
Entschluss zu fassen; aber der Zeit zu trotzen, es dagegen aus- 
zuhalten, was man gross gedacht, auch gross und standhaft 
auszuführen, das ist, worin sich der grosse Geist zeigt, und 
wodurch manche grosse Projecte unterblieben sind. — — ■ ^ 

ö Ajax! Wenn die Sache so saumselig, so schläfrig] 

gehen soll, so ziehe ich die Hand davon ab, ehe ich Prostitution 
davon tragen, und Verdruss mit den andern haben soll, und 
kehre in meine vorige Ruhe zuj'üek. Und denke, was ich aus 
Mangel der Mithelfer nicht ausführen kann. — — 

Noch denselben Tag als Weishaupl den vorstehenden an- 
klagenden Brief an Ajax absandte, eiliält er eine Abhandlung' 
Zwack hs, die ihn sehr erfreut und seine Missstimmung verscheucht. 
Er schreibt gewisserart zur Entschuldigung am 31. Octob. 1777: 
— das Amt eines wachsamen Mannes ist zu allen Zeiten seine 




— 73 — 



Mannschoft aufzumuntern, anzufeuern und in gehörige Bewegung 
KU setzen. Nichts ist gefährlicher als Stagnation, auch nur von 
■Seiten eines einzigen, denn die Bewegung und belebende Kraft 
wird den weitern und entlernlern niclü mitgeteilt. — Dann sagt 
er weiterhin: 

P An dem System des Ganzen arbeite ich beständig. Denke 
hin und her. Mache Abänderungen und veifeinere solche. Es 
elingt mir auch wunderbar, und sie werden sich verwundern, 
Wenn sie einmal meine Kinrichlung für den weitern Grad sehen 
werden* Langsam, ober sicher gehe ich zu Werke. 

Ihr meine Leute 1 habt euch indessen um nichts zu küm- 
mern» als mir Leute anzuwerben, solche fleissig zu studieren, 
zu unterrichten und zu amussleren. Für das übrige sorge 
ich. — 



I 



d. 16. December (S. 190). 



Soviel die Historie des Negromantisten betrift, so glaube 
ich nichts davon, bis ich solche sehen werde: und dergleichen 
Geschichten wollen sich gar nicht in mein System schicken* — 

Ebenfalls im December ist er gegen Ajax (v. Massenhausen) 
lochst erbittert, weil dieser ihm nicht die verlangten Antworten 
fibt und nur Worte nicht Taten aufweist, infolge dessen wendet 
[er sich jetzt dem tätigeren Zwackh zu, der zuerst den Ordens- 
lamen Danaus führte, dann durch Loos (S. 182 d. Orig.) Pliilip 
^trozzi benannt wurde, und schliesslich den bleibenden Namen 
Zalo erhielt. Im Jübrc 1777—1778 war Weishaupt Rektor der 
Iniversität. Die durch diese Würde vermehrten Berufs-Arbeiten 
hielten ihn nicht ab auch weiterhin an der Ordensausbildung 
^m^VL arbeiten, da ihm jedoch Massenhansen nicht mehr zuver- 
Bl^^^ig erscliien, so suchte er Ersatz für diesen und glaubte ihn 
in Zw^ackli zu Hnden. !> schreibt ihm deswegen am 22. Oc- 
tober 1777 einen sondierenden Brief in dem er sagt, er habe 
aus seiner schätzbaren Zusclirift ersehen, dass beide ein bei- 
nahe gleiches Schicksal haben, bald oben, bald unten, viele 
k Maulfreunde und wenig wahre, was leider die Erfahrung jedes 
I ehrlichen Mannes sei. Der von guten Ratsclilägen erfüllte 
Brief Iiat seine Wirkung nicht verfehlt, denn nun beginnt ein 
intimer Bi'iefwechsel, aus dem herTorgeht, dass Weishaupt 
zu Zwackh volles Vertrauen gehabt haben muss, sonst hätle 




— 7i — 

er bezüglich seiner Absichten und bisherigen Ordeiisarbeiten 
ihm nicht so klare Eröffnungen gemocht, als es der Brief- 
wechsel zeigt. 

Er gesteht ihm in dem Briet' vom 25. Febr. 1778 (S. 200): 



Meine ersten Gesellen waren Ajax, Sie» Merz, Bauhoff, Sutor. 
Letztere zwei waren wegen ausserordentlicher Nachlässigkeit 
gar nicht zu gebrauchen und wurden von rnir ausgestrichen* 
Merz aber dauert noch beständig, und thut mir sehr gute 
Dienste, er ist auch ungemein geschickt. — 

Durcli die Exclusion des Ajax habe ich verlohren, Michl 
Hoheneicher und Will. Dermalen sind also nebst mir. Ihnen» 
Claudius und Merz noch 5 ihnen unbekannte Eichstatter, wovon 
die meisten schon bedienstet, und sehr wackere und mature 
Leute sind. Hatte indesse Ajax statt seinen Lüsten mir gefolgt, 
so sollte die Zahl grösser sein. 

Wenn nur einmal in München 5 oder 6 geschickte und 
vertraute Männer könnten zusammengebracht werden. In Eych- 
stätt hoffe ich, es bald dahin zu bringen. Aber das grösste 
Mysterium muss seyn» dass die Saclie neu ist: je weniger 
davdu wissen, je bessei* ist es. Der-malen wissen es nur sie 
und Mei^z; und ich hab auch nicht so bald Lust, es irgend 
einem zu eröffnen. Wir 3; glaube ich, sind genug, der Maschine 
iln* Leben und Bewegung zu geben. 

Von den EicOistädtern weiss es kein einziger, sondem sie 
leben und sterben, die Sache sey so alt» als Mathusalem. 

Sorgen Sie nur, dass sie den Leuten nicht zuviel avancieren, 
und zum vorhinein sagen: Nur soviel, als nothwendig ist. 

Am 5. März 1778 schreibt Weishaupt an Zwackh (s. S. 210): 

Reden sie auch nichts von dergleichen Materien*) zu den 
Initiirtcn; denn man weiss nicht, wie sie aufgenommen werden, 
w^eil die Leute nocli nicht gehörig praeparirt sind: und dieses 
soll erst in den untern Klassen geschehen, die sie zu durch- 
laufen haben. Auch nicht einmal von Erziehung und Polilic 
höre ich gern, dass man mit diesen Leuten rede. Denn wenn 
sie die Politic vor der Moral lernen, so werden Schel- 
men daraus. Ganz allein Moral, Geschieht, Menschenkennlniss 
und Einsicht in die menschliche Natur. Ändern sie zu diesem 



*) Es sind verschiedene Bücher damit gemeint. 



io 



, Ende auch den betreffenden Passuni in Statutis ab, und setzen 

t anstatt Politie, Moral 
Besonders müssen den Leuten erwärmende Schriften in 
Hände gegeben werden, die durch Stärke des Ausdrucks 
stark auf den Willen wirken. Darunter rechne ich Bassedows 
practische Philosophie, Abis Schriften, Meiners Schriften, Se- 
neca, Epictet, Antonius Betrachtungen über sich selbst, Mon- 
Jögnes Versuch, Plutarchs Lebensbeschreibungen und moralische 
Terke. 

Am 10. März 1778 gibt Weishaupt volle Aufklärung seiner 

f sichten und schreibt an Zwackh: 
Das System, das ich mir bishero von dem Orden gemacht, 
nn wohl seyn, dass ich es morgen, oder irgend zu einer 
Zeit abändere. Da ich beständig mehr Heiz und Gelegenheit 
habe, über diese Sache zu denken, da ich tägHch an Erfahrungen 
und Einsicht zunehme, ist es nicht rathsam, die Festsetzung 
^^ Systems so lange hinauszusetzen, als es möglich ist"? Und 
Birum suche ich in der ersten Einrichtung beständig Zeit zu 
gewinnen, und solche zu benutzen. Zu diesem Ende gebe ich 
lange Termine, die, wenn das System einmal fester ist, und 
die Anzahl vermelirt, alle abgekürzt werden. In solchen ge- 
heimen Verbindungen erw^artet man vieles, und wie bin ich im 
Stande mit 80 Jahren meines Alters diesem allen genug zu 
Ihun? Unterdessen will ich ihnen doch en Detail meine der- 
maligen Gedanken schreiben. Mon but est faire voloir la raison. 
Als Nebenzweck betrachte ich unsern Schutz, Macht, sichern 
Rücken von Unglücksfallen, Erleichterung der Mittel zur Er- 
kenntniss und Wissenschaft zu gelangen. 

tAm meisten suche ich diejenigen Wissenschaften zu be- 
iben, die auf unsere allgemeine, oder Ordens Glückseligkeit, 
oder auch privat Angelegenheiten Einfluss haben, und die 
entgegengesetzten aus dem Weg zu räumen* Sie können also 
wohl denken, dass wir es mit dem Pcdantismo, mit öfTentlichen 
Schulen, Erziehung, Intoleranz, Theologie und Staatsverfassung 
werden zu thun hoben. 

tDazu kann ich die Leute nicht brauchen, w^ie sie sind, 
ndern ich muss mir sie erst bilden. 

Und jede vorhergehende Klasse muss die Prüfungsschul 
für die künftige seyn. Das kann nicht anders als langsam 
n. Nur Thaten ivicht Recommendation kann hier gelten. 



— 76 - 



In der nächsten Klasse, dächte ich also eine Art von 
gelehrter Academie zu errichten: in solcher wird gearbeitet, an 
Karakteren, historischen und lebenden, Studium der Alten, 
Beobachtungsgeist, Abhondlurigen, Preisfragen, und in specie 
mache ich darinnen jeden zum Spion des andern und aller. 
Darauf werden die Fehigen zu den Mysterien herausgenommen, 
die in dieser Klasse etliche Grundsätze und Grunderfordernisse 
zum menschlichen glückseligen Leben sind. 

Anbey wird gearbeitet an Erkenntniss und Ausreitung 
(roüung) der Vorurlheile. Diese muss jeder anzeigen monatüeh, 
welche er bey sich entdeckt? welches das herrschende ist? wie 
weit er in Bestreitung derselben gekommen etc. Dieses ist bey 
uns eben soviel, was bey den Jesuiten die Beicht war. Aus 
diesen kann ich ersehen, welche geneigt sind gewisse sondef' 
bare Staatslehren, weiters hinauf Religionsmeynungen anzu- 
nehmen. 

Und am Ende folgt die totale Einsicht in die Politik und 
Maximen des Ordens. In diesem obersten Conseil werden die 
Project entworfen, wie den Feinden der Vernunft und Mensch- 
lichkeit nach und nach auf den Leib zu gehen sey: wie die 
Sache unter den (Jrdens-Mitgliedern einzuleiten, wem es anzu- 
vertrauen? ■ 

Wie ein jeder a proportione seiner Einsiclit könne dazu 
gebraucht werden; eben so werde ich es auch mit der Erziehung 
und andern machen. 

Von Mysterien ein Beyspiel zu geben, so gehörte in den 
eleusinischen Geheimnissen die Lehre von der Einheit Gottes 
in die Mysterien. Um diess kümmern sie sicli nicht: Sie 
werden nach und nach eine eigene Moral, Erziehung, Statistic 
und Religion entstehen sehen. — Wie viele Klassen' daraus 
werden sollen, weiss ich selbst niclit. Gott und die Zeit werden 
es lehren. — — — 

Der letzte Brief ist in seinem Inhalt, bis auf den gegen- 
standslosen Schluss unverändert hier wiedergegeben, weil dieser 
ganz besonders herangezogen wird, um die verderblichen Ab- 
siciiten Weishaupts, sein jesuitisches Denken klarzulegen. *- 
Der Brief enthält für den ersten Blick entschieden bedenklichn 
Stellen. Da ist zunächst der Ausdruck ,,in specie mache ich 
darinnen jeden zum Spion des andern'*; dieser Satz, aus dem 
Zusammenhange herausgerissen, musste bisher Öfters als Beweis 




Hf!lauterer Absichten herhalten, im Zusammenhange erscheint 
er mehr ols recht unglücklicher Ausdruck, der vielleicht im 
Jahre 1778 durchous nicht diese Bedeutung hatte wie jetzt. 

t Weishaupt will Menschenkenntnis verbreiten, dazu bedaif 
des Beobachtungsgeisles. Beoboclrten soll einer den andern 
um ein klares Auge für Vorzüge und Felder des Nebenmenschen 
zu erhalten, an solcher Beobachtung wird sicher Niemand 
etwas linden, sie sogar für den Zweck der Erwerbung von 
Menschenkenntnis für unerlässlich halten. Setzt man nun den 
unglücklichen Ausdruck Spion für Beobachter, so kann sich 
beides decken, ohne jede nachweisbare schlechte Absicht. Als 
Weishaupt diese Worte sclirieb, zahlte der Orden mit ihm 
genau 9 Mitglieder (s. S* 74 Brief vom 25 Febr 1778), ein klares 
Programm konnte also Weishaupt noch gar nicht besitzen, 
denn dieses war entschieden von der Werbung und Enlwicke- 

rg neuer Mitglieder abhängig. 
Auf jenen Ausdruck demnach einen besonderen Wert zu 
legen, ist mindestens verfrüht und ungerecht. 

Der Hinweis, dass er Berichte verlangt, die die Beichte 
bei den Jesuiten ersetzen sollen, ist ebenfalls ols bedenklich 
erachtet worden. 

K Aber auch das klingt mehi- wie ein unglücklicher Ausdruck, 
Hb wie eine bestehende hinterlistige Absicht, was auch die 
spateren monatlichen Berichte, fjuibus licet benannt, auf die 
noch zurück;iukommen ist, beweisen. 

Der Hinweis, doss Zwuckh noch eine eigene Moral, Er- 
ziehung, Statistik und Religion entstehen sehen würde, dürfte 
am allerbedenklichsten erscheinen. Um ihn zu beleuchten, 
müssen wir jedoch uns mit dem damaligen Schicksal des 
Rindes und der Universität bekannt machen. 
■ Am 30. Dec. 1777 starb Kurfürst Max Joseph HL, einer 
der edelsten Fürsten Bayerns, der namentlich eine väterliciie 
Sorge für das Schulwesen und den öffentlichen Unterricht 
bekundet hatte. Karl Theodor bestieg den Thron und sofort 
nach seinem Regierungsantritt berichtet die Geschichte von 
un e rfre u 1 iche n Er^eign issc n . 

Kurfürst Karl Theodor hatte keine besondere Vorliebe für 
sein Land und bewies das dadurch auf das deutlichste, dass 
er am 3. Jan. 1778, drei Tage nach seinem Regierungsantritt 
den grössten Teil von Altbayern an Österreich abtrat. Öster- 
reich besetzte durch seine Truppen den abgetretenen Teil 





I 



14 Tage später. Infolge dieses Ereignisses verlangte der Kur- 
fürst, dass die Universität, nachdem sie ihm den Huldigungseid 
geleistet hatte, diesen auch der Kaiserin Maria Theresia, als 
Regeiitin vnn Niederbayern leiste, was auch geschah. 

PraiUl gibt (S, 626) on» dass laut Archiv der Universität D, 
IX 2, Jan, 13. März bis 4, April den auf den Kurfürsten bezüg- 
lichen Eid ein Auditor dem versammelten Plenum abnehmen 
sollte^ dieses al^er entzog sich einer solchen Herabwürdigung 
und kam der Beamtenpflicht durch Namensunterschrift und 
beigedrucktes Siegel nach. 

Dass solclier Vorgang die Professoren erbittern niusste» 
ist gewiss, denn zwei Herren dienen zu sollen, ist viel verlangt; 
es ist auch einleuchtend, dass Weishaupt, der in seinen Ge- 
danken sich stets mit dem Orden bcscliäftigte, ohne ihm jedoch 
feste Gestalt geben zu können, sich mit Plänen von dessen 
einstiger Wirksamkeit trug, die — noch gänzlich in der Luft 
hingen, denn er hatte weder Mitglieder genug, noch irgend eini 
Feld, auf dem sich diese betätigen konnten. Wohl aber empfand 
er die MisssUinde seiner Zeit, die nur durch verkehrte Erziehung, 
Verdrehung der Moral und Religion entstanden waren und 
eine Fülle von Verdriesslichkeiten und Verkehrtheiten herv*or- 
riefen, auf das empfindlichste. Er glaubte, einstens durch den 
Orden Erziehung, Moral und religiöses Empfinden zu ver- 
bessern und di'Qckte dieses in jenem Brief an Zwackh auch aus 
Der gesciiilderte Voi*gang, die Kampfe in der Vergangenheit un 
Gegenwort waren die l^rodukte einer Zeit, in dei' die äusse; 
und geistige Freiheit in Bande geknebelt wurde, die zu lösen] 
ein schönei* Traum des Ordensstifters blieb und zu desse 
Healisierung er Menschen zu finden oder doch zu erziehen' 
hoffte. — Dass es ein Träumen war, beweisen auch die vielen 
herangezogenen und dann wieder verworfenen Namen, die der 
Orden tragen sollte. Weishaupt suchte nach einem Namen, 
dessen Begriff auch gleichzeitig den Zweck des Ordens enthalte,. 
Er verfiel zuerst auf den Namen: Minerva. -Orden (Minerv^a al 
Göttin der Weislioit), Bienen-Orden, der am schnellsten wieder 
verworfen wurde, Parsenorden Perfectibilisten und schliesslich 
Illuminaten-Orden. Der Name Illuminat war erst für einen 
besonderen Grad gewählt, und wurde spater für das ganze 
Gebäude angenommen. Aus diesen Tatsachen ist zu ersehen, 

Zt. konfiszierten Briefen, die die 
herausgelesen werden kann , 



« 



i 



dass olles, was aus den s. 
Periode 1776 — 79 umfassen. 



— 79 — 

sitel \Vorte sind, die wohl durc^h die Zeit sogai" berechtigte 

^i'ünsche verboi'gen, denen aber die liefere Kraft felilte. Es 

sind noch Phantasien eines lebhaften Geistes, der das Gute 

war wollte, ober gor nicht wussle, ob dieses jemals Form 

^winnen könnte. Dabei konnte Weistiaupt die Menschen 

renig und musste demzufolge auch schlechte Erfahrungen 

machen, wie wir später durch Zw^ackh deutlieh eifahren werden, 

der anscheinend ein klarei'es Auge für die begangenen Fehler' 

^besass als W'eisliaupt selbst. Letzterem wird man aber frot/,- 

Uledem ein ideales Streben bei seinem Werke nicht absprechen 

'können. 

B Die OiHlensbegriiiidiiug nach der Dareteliung des 
H F. X. V. Zwackh. 

^V Wir haben Franz Xaver von Zwackh bereits als Schüler 
und Freund W/s, sowie Ordensmitbegründer kennen gelernt 
In letzter Eigenschaft muss eine Darstellung jener ersten Epoche 
ganz besonders interessieren, w^enn man den Charakter dieses 
Mannes ins Auge fasst, der sich ganz anders darstellt, als ein 
Einblick in die veröflentlichten, konfiszierten Schriften vermuten 
sst. — Zwackh war ein ehrlich denkender, offener Charakter, 
essen Schilderung Graf Du Mouhn Eckai't in den Forschungen 
;ur Kultur* und Literaturgeschichte Bayerns, drittes Buch 1895, 
bis auf einige Irrtümer vortreiThcli gelungen ist. Genannter 
Forscher erzählt daselbst, dass ihm der Nachlass des Zwackh 
durch seinen Sohn zugänglich gemacht w^urde und dass er 
US diesen Dokumenten ein klares Bild der Lebensschicksale 
dieses Mannes aufbauen konnte. — Von dem Enkel (der Sohn isl 
.inrwischen verstorben) wurden diese Nachlasspapiere entäussert, 
ie befinden sich daher im Besitz des Autors. Die Papiere ent- 
alten eine Darslellung der Ordensbegründung, die bisher gänzlich 
"unbekannt geblieben ist, weil sie niemals verötTenllicht wurde. Das 
interessante Aktenstück ist etwa Anfang 1787 geschrieben, war 
war für die Veröffentlichung bestimmt, ist jedoch, wie gesagt, 
nie veröffentlicht worden. Zwackh hat den Inhalt öfters ver- 
bessert und scheint in spateren Jahren, wie die vei'schiedene 
Tinte vermuten lässt, eine Revision vorgenommen zu haben. 



— 80 — 

Jedenfalls ist dos Aktenstück inhaltlich völlig glaubwürdig, es 
entbehrt jeder Beschönigung, da es namentlich die Gehrechen 
des Ordens rücksichtslos aufdeckt. Betitelt ist es: 

Beurkundete Geschichte des llluminaten-Ordens von seiner 
Entstehung biss auf gegenwärtige Zeiten, mit ernstlichen Be- 
merkungen über die Gebrechen dieser Gesellschaft, über die 
Beschuldigungen, welche man in Bayern dem Orden und ein- 
zelnen Mitgliedei'n gemacht hat und über das Verfahren des 
Münchener Kabineis in dieser Sache. 

Soweit der Inhalt an diese Stelle gehört, lautet dei*selbe: 



§1- 

Weishaupt, vorhin Professor auf der Hohen Schule zu 
Ingolstadt, nun herzoglich Sachssen -Gothaischer Ilofrath. ein 
Mann, dessen Philosophische Schriften, seine in Bayern erlittene 
Verfolgungen und die von ihm verfasste Apologie der lUuminateD 
hinlänglich Beweisse seines durchdringenden Verstandes und 
edlen Herzens geben, war der Stifter des Ordens, Er wurde zu 
München in die Loge des Grafen Larossöe, welche sich zu den 
retVirmirten Maurer System bekonnten, aufgenohmen, fand aber 
bald darin, dass ei' dasjenige Ideal, welches er sich von 
geheimen Verbindungen seit mehreren Jahren aufgestellet hatte, 
nicht antrerten würde, und da er die Uneinigkeiten» das Miss- 
vergnügen einiger seiner Brüder, auch die Absicht am Ende zu 
einem Tempel Ritter eingeweiht zu werden, nach und nach 
entdeckte, um eben diese Zeit euch ein Deputirter von der 
Unionisten Loge zu Burghnusen in Ingolstadt erschien, welcher 
die Grade dieser Maurerischen Klasse austheilUe und bekannt 
machte, ^o cntschloss er sich diese Gelegenheit, wo da unter 
seinen Mitbürgern der Hang zu geheimen Gessellschaften er- 
weckt war, zu benützen, und seinen langst durchdachten Plan 
zu entvveifen. Dieser Mann war ein Geleluter, der sich in 
sein Studierzimmer einsteckte und die Welt wie Viele andere 
nur aus Büchern kannte und der auf das heftigste von Jesuiten 
und ihrem Anhange verfolgt würde als Lehrer des Natur Rechtes 
und der' Practischen Philosotie. Er empfand durch die bestän- 
digen verdriesslichen Auftritte, wie schädlich und gefahrlich es 
vor den denkenden, wahrheitsliebenden Manne seyn, dtesse 
Wissenschaften nach ihrem Umfang öfentlich zu lehren, man 
kann daher vor richtig nehmen, dass in seinem ersten Ordens- 




— 81 — 

plan nichts anderes einfliessen konnte, als was er sich biss 
zur selbigen Zeit in wissenschaftlichen Fächern erworben hatte, 
dass er daraus vorzüglich dasjenige wählte, woran er am meisten 
Antheill nahm, um dessen Bekanntmachung er eine Menge 
Hindernisse fand und von welchem ihm sein Schicksal zeigte, 
dass sich andere geheime Gessellschaften entweder damit gar 
nicht beschäftigten, oder nicht im Stande waren ihre Absichten 
zu erreichen, und ihren Anhängern darüber hinlänglichen Schutz 
zu gewehren. 

Er bestimmte also dem neuen Orden den einzigen Zweck: 
Sammlung und geheimen Unterricht in wissenschaftlichen Kennt- 
nissen, dass er eine geheime Weisheitsschule seyn solle, in 
welcher der Stifter nur junge Akademiker aufnehmen und 
diesen ungestört dasjenige lehren wollte, was Dummheit und 
Pfaffen-Eigennutz von den öffentlichen Katheder verbannt hatte. 
Diesen Plan teilte W. seinen vertrautesten Freunden, die dort- 
mals auf der Universität studierten, dem dermalligen bayr. 
Hofkammer Rath v. Massenhausen, dem Kayss: Königl. legations 
Sekretair zur Kopenhagen von Merz, und dem fürstl. Frey- 
singischen Hofrath Hohenaicher mit. Diese ermunterten ihn 
zu weiterer Ausführung desselben, und übernahmen es der 
neuen Gessellschaft Mitglieder zu verschaffen. 

§ 2. 

Von nun an war diesser Orden die Lieblingsbeschäftigung 
seines Stifters und seiner Mitarbeiter, alle Erhollungs Stunden 
wurden diessem gewidmet, jeder dachte, lass und samelte Ma- 
terialien zu dem Gebäude, die er dem ersten vorlegte, um daraus 
zu ordnen, zu entnehmen, oder zu verwerfen. Es benutzte 
jeder seine Bekanntschaften, und suchte seine Freunde in eine 
Gessellschaft einzuführen, welche bald als ein Klubb von Ge- 
lehrten, bald als diejenige, welche die wahren Geheimnisse der 
Massonerie aufbewahrten, geschildert wurde, und so waren in 
kurzer Zeit schon Viele Mitglieder in Schwaben, in Franken, 
und in Bayern angeworben, unter denen sich auch der bayr. 
Hofrath Zwackh und der bayr. revisions Rath Berger befanden. 

Weil man aber den Mitgliedern noch nichts von Ordens- 
schriften geben konnte, so wurden sie mit gewissen vor- 
geschriebenen Büchern und dem Auftrag, daraus Auszüge zu 
machen, beschäftigt, sie mussten über bestimmte Aufgaben 
Abhandlungen verfertigen, und andere taugliche Mitglieder der 

Engel, 0«Mhiehte des lilaminfttenordens. Q 



— 82 — 

(lessellschaR zufühicn, jeder von den ersleii Auwerbeni be- 
liandotte seine Zöglinge nuch der Arth, wodurch er am meisten 
iMiidi'iH'k Ulli ihn zu macherj hotlen konnte. Man bediente 
sicli, um der Sache den Sclicju von Wichtigkeit zu geben, ver- 
schiedener gelieimei' Schreibürteu nnfei* selbst erdachten Buch- 
staben, biss endlieh \\\ ein Aufsatz der allgemeinen Ordens- 
statuten zu Staude braeljte. 

Man würde sicii inen, wenn mau g)aubte> dass diessc 
dortmals schun so eutworfeu war-en, wie sie dermallen gedruckt 
(Erscheinen. Es wurden nach der Zeit uocli viele Verbesserungen 
darin vorgenohrnen, deren Notbwendigkeil schon damals die 
Llrhebei' der üessellscbat't einsahen, sich aber begnügten, biss 
die Anzahl derjenigen vei^rossert wei'den kötinte, welche mit 
den AI>sichteu des Ganzen bekannter, aueli desto vortheilhafter 
vor solches arbeiten würden. Die uächslen, welchen W. das 
Gebeimniss de^^ Neuheit eröfTnete, waren der oben genannte 
von Zwackh und Bej^ger, 



I 



Durch den Beytritt dieser Mitwissenden wurde nun der 
i*rden desto riiliriger verbreitet und weil man vor vortheilhafter 
erachtete, wenn die Kenntnisse in Wissenschaften, die An- 
leitungen und Lelu-en dazu durch Zeremonien und Grade vor- 
getragen, mohrei'en Reiz gewinnen möeblen, beschäftigte man 
sich die bisshero gesammelte Materialien in Stufen einzutheüen 
und von den Massonerie Zei'enionieu zu entlehnen, welche 
letztere Gattung aber bei W. damals noch keinen Be\tall fände,! 
sondern er übernalim es neue zu entwerfen, und da er eben 
die Werke der Zendavesta lass, so verfiel er auf den Gedanken, - 
das neue t h-dens System in die Zeremonie der Parseii ein-l 
zukleideu. Um diese Zeit wurde auch dem Ui^den der Titel, 
Minerva Orden geschöpft, aus welchem sieb die Sxmbolischen 
Worthe der ersten Grade, Licht, Augen, Blendung, so andei'S 
die Verschiedenbeit dei- Lampen bey den Initialionen, die In- 
signien und das Wapiieu ci'khiren lassen. 

Die Anzahl der sclion dortmals vorhandenen Mitglieder 
zeigte den ersten Vorstehern der neuen Gessellschatt, dass Vicle^ 
davon gar nicht brauchl>ar wai^en, und erforderte alsso die^ 
Klugheil mit mehrerer S«n-gfall solche tn Zukunft zu envälilen. 
Damit dieses iiiöchle befolget werden, so ejitwarfen sie vor 
jeden, der andere anwerben wollte, eigene X'orscliriflen, i 




I 



— 83 — 



welchen man diesse beobachten, pj*üten unxl bilden sollte um 
mn überzeugt zu seyn, dass die Untergebenen darnacli handeln, 
so hehändiglen sie ihnen die Formularien der lubellen und 
^piarien, welche monfUhlich sollten eingeschickt werden und 
^kaben ihnen die lnstrurti(>nen, Insinuationen, Partikularien, 
^Ktiituten, Man kann sich leicht vor^stellen, wieviele Ver-wirrung, 
^vViderspi'Qche und Wiederhnllungen dnrin vorgekommen sind, 

I indem die sogenannten Milw issenden von Ingolstadt hinweg- 
bogen, in verschiedenen Ortiien indessen bedienstet worden, 
lind in keinem genauen Zusammenhang weiter' unter der Auf- 
picht ihres Stifters gestanden sind. 



i? 4. 



Sie fühlten freilich diesse UnvoUkommenheiten selbst, 
allein die Verünlassungen dazu, w^elche einzig in der zu schnellen 

I Verbreitung des Ordens* lagen, muss ihnen nicht aufgefallen 
l&eyn, und anstatt diese einzustellen, dachten sie dem Übel 
Idamit abzuhelfen, wenn sie noch mehrere mit ihi*er Stiftung 
bekannt macbeo, und auch deren Beystand haben würden. 
, Es wurde also Kanonikus Hertel und Prof. Bader, dann 

Baron Bassus aus Graubünden als ehmalliger Mitschüler des 
Hofrath W. von der Sache vollkommen unterriclitet. In Eich- 

Islett geschähe das nehmliche mit dem Regierungsr-ath Fi^eyherrn 
Von Schreckenstein, und dem r*om|>ropsten (ii'afen Kohenzln, 
und nun schien die Sactie eine andere (lestall zu bekcjmmen. 
Es zeigte sich, duss man eine grosse Menge der Mitglieder 
sehr hohe Begi'ifTe von dem t>i'den beygebracht habe, da^^s dann 
ihre Ideen und Erwartungen zu hoch gespannt worden, als 
man je im Stande seyn würde, sie zu befriedigen, es war jedes 
nach einem besonderen Zweck aufmerksam, jedes nach dem 

■ Eigendünkel seines Obern gebildet, sie hatten viele willkürliclie, 
unnütze, selbst lächerliche Anleitungen und Voi-schriften unter 
dem legalen X'orwand als Ordens Satzungen erhalten, so dass 
W. seinen ersten Plan gar nicht mein kannte. I)ieses bewog 

Ptmn die sammtlielien Stiftej' diesser Gessellschaft, welche den 
Namen areopagiten sich bey legten, nachstehenden gemeinschaft- 
lichen Schluss festzusetzen, welchen ich seiner Kürze wegen 
hier sogleich ganz einrücke. 

§ 5. 
irslens. Solle dem areopagus die gemeinschaftliche Einsiclit 
und Direction über den ganzen Orden zustehen. 

6» 




— 84 — 

Zweitens, sollen diesse nun oii dem ersten Plan des Prof "W 

wel^^her biss auf einige Abänderungen ganz angenehme» 
wurde, mit vereinigten Kräften arbeiten. 

Drittens, was jeder bierin samelt soll eben diessem noch 
ferner zugesendet werden, der es nach seinem Gut- 
befinden annehmen oder verwerfen könne. 

Viertens. Das ganze System solle man in eigene Zeremonien 
und Grade stellen. 

Fünftens. Der Zweck wissenschaftliche Kenntnisse zu er- 
wei'beii, solche dem Untergebenen zu lehren, soll noch 
beigegeben werden, Verbreitung dieser Kenntnisse auch 
voi' Profane, und thötige Unterstützung nicht nur der 
Ordensbrüder, sondern einesjeden rech tschnffe neu Mannes. 

Sechstens. Ersuche man den Prof. Weisbaupt nun ohne Ver- 
zug die ersten Stufen des Ordens aus den vorhandenen 
Materialien auszuarbeiten, und solchen den übrigen um 
ihrer Erinnerungen mitzutlieilen, damit man doch deren 
schon lange Zeit in Geduld stehenden Mitgliedern etwas 
begnügliches mittbeilen könnte. 

Sieben den s, übernimmt es Prof. Bader die bisshero aus- 
getheilten allgemeinen und besonderen Ürdens- 
Satzungcn zu verbessern. Vorzüglich diejenigen Stellen, 
welche, obschon wider die Absicht der ersten Verfasser, 
darein eingeflossen sind und bedenklich scheinen möchten, 
auszustreichen. Darunter geboren vorzüglich die lächer- 
lichen Aufträge von Aufnahme der Posl-Sekretairs, 
der Apothekci-, Handwerker pp. Die Sammlung medi- 
zinischer Rezepten, Kymischer*) Processe, und der 
Gebrauch so verscbiedener; Mysteriösen Ordens-Schriften. 
unter welchen nur jene des Weishaupts mit Ziffern nocli 
könne beybehalten werden. 

Achtens, in den arcopagus wäre in Zukunft keiner ohne Ein- 
stimmung aller autzunehmen. 
Nach diesser Vereinigung erschien auch bald der erste 

Minerv'algrad und in mehreren Orten wurden nun diesse Ver- 
handlungen gehalten, 

§6. 
Die Areopagiten arbeiteten zwar mit vielem Eyfer an dem 
Hauptplan des Ordens, allein einige wollten nur gewisse Wissen- 



•) Chemischer, 



— 85 — 



^fichatten gelehrt wissen uod dem Orden eine eigene Philosophie 
^■eben, andere forderten Unterricht in allen Wissenschaften und 
^künsten, jener bestand darauf man sollte das Kristenlhum, 
^wie es bey seinen ersten Zeiten gewesen ist, einzuführen 
li*ochten, diesser glaubte das grosse Geheimniss solle die Ge- 
Hchichte und Einsicht allein anderer Verbindungen seyn, in^ 
^aessen sich auch ein Theil mit Verbreitung einer guten Moral, 
mit inniger Freundschaft und wechselseitigei* Unterstützung der 
Brüder allein begnügten, und auf diesse Arth kann man be- 
Äöupten, dass jeder aus diessem hohen Rath ein eigenes Ordens- 
^^ystem entwarf und um seine Lieblingsmeinung gehend zu 
nnachen die andere bestritt, welches um so heftiger wurde, als 
■ie gemeinschaftliche Direction ebenfalls vielen unnützen, vei'- 
ariesslichen Arbeiten bisshero unterworfen war. Es wollte 
^fider gleiche Rechte darin ausüben, kein entscheidende Stimme 
^pines andern gelten lassen und um auch diessen Punkt vor der 
Zukunft festzusetzen, so wurde die Frage aufgeworlen, weiche 
Regierungsform dem Orden am angenehmsten wäre, worüber 
sich die Meinungen eben so durchkreuzten, wie über die Er- 
weiterung des Ordens, Zweck. Eine Partei nahm hierin die 
Hierarchie der Katholischen Kirche die andere den Jesuiten 
i >rden zum Modell, und Weishaupt war gewiss am übelsten 
daran, aus diessen verschiedenen Vorschlägen musste er die 

ILufsätze machen, sollte alle begnügen und behielt daher 
pzwungener weisse von jedem etwas bey, welches man auch 
US den gedruckten Graden nicht raissverstehen wird, denn sie 
zeigen klar, dass daran nicht ein Mann den Ton angegeben 
habe, und dass man sie aus vielerley Entwürfen zusammen- 
stopelte. welchem auch die Verschiedenheit der dii-ections Ein- 
theillungen und dabey gebrauchten Nahmen zuzuschreiben ist. 
Zum Beyspiel: Kirchen, Hocinvürdig, Erlauchter, Provinzial, 
Nazional, assislenten, general und die quibus licet, welche aus 
den Marianischen Jesuiter Kongregationen der Studenten ent- 
lehnt sind, wo man alle Monoth verschlossen die bona opera 
übergeben musste. 



Über all diesse Umstände wäre es bald zu einer Trennung 
ikommen und W, musste vor die gute Sache in seinen Briefen 

nachdrücklichsten Scliutzreden schreiben und seine Mit- 
^sselJen widerum ermuntern, die sich endlich nach langer 




— 86 — 



Überredung und vielen Konkordenzen zu einem weiteren Eni- 
schluss vereinigten. Do diesser die eigentliche erste Grundstülze 
von der Illum. Gessellschaft ist, so lege ich ihn in der Beylage 
nach seinem ganzen Inhnit vor und hegnüge mich mit der 
einzigen Erinnerung daraus, dnss die zueile < Irden s Stufe der 
kleine llkiminal dabey zu Stande kam. Domit schliessei sich 
Quch die erste Epoche von der Stiftung dieses Ordens, welche 
sich mit dem Juhre 1775 onfanget und mit 1779 endiget. 



Wir unlerbrechen hier die Zwackhsche Dai'stellung, die 
wir sogleicii wieder nnfnelmien werden, um uns über den Geist 
der ersten nrdeusjohre noch klarer zu werden* 

.Vor allen Dingen ersieht man deutlich aus Zwackh's Er- 
klärungen, dass Weisliaupt wohl die Grundidee gegeben, keines- 
wegs aber der Ausarheiter des Orden^systems war, vielmehr 
haben viele daran gcorbeilet. Er wollte schieben, ward aber 
seihst geschoben; wurde er jedoch zu stark bedrängt, sodass 
der OrdenswMgen drohte, aus den gesollten Gleisen heraus- 
gedrückt zu werden, so gab es in der Zukunft stets Geschrei 
über Weishaupts Heri-schsucht, wenn er den falschen Kur* 
nicht zulassen wolite. Von neueren Forschern ist oftmals die 
Herrschsucht Weishaupts betont w^nrden, dtiss er keinesfalls 
dns Regiment des Ordens aus den Händen geben wollte und 
nur als Ordensgeneral sich glücklich fühlte. Der Zwackhsche 
Bericht zeigt in dem l»islierigen Wortlnute schon deutlich. dassJ 
Weishaupt um der Saclie willen genötigt war, seine Autorität" 
geltend zu machen. Es wiederholt sich hier ähnlich der Vor- 
gang wie an der Universität. Übelstfinde duldet Weishaupt 
nicht und wird dafür kräftig angegriflen. Selbst »mit Zwackbi 
kam er öfters in Gegensatz, dieser fügte sich aber* stels de 
einsichtigen Auseinandersetzungen seines Lehrers, Da wir i 
Zukunft öfters auf die Behauptung der Herrschsuchi Weishaupt's 
stossen werden, so ist es angebracht die Gründe kennen zu 
lernen, die ihn in diesen Verdacht gebracht haben. Nacb- 
Iblgender Brief des Spartacus (Ordensname für Weishaupt) iiu 
Goto (Ordensname von Zwackh) vom i:i November 1778 ist in 
(lieser Beziehung lehrreich. (t>riginalschrif(en, S. 269.) 

,,Ihr lefzter Brief ist nach langer Zeit der erste, der wieder 
in der Sprache und Ausdr-ücken unsers ersten * offenbarend 
geschrieben ist, und nocli etliche solche Briefe sind im StandJ 



r- 

I 



— 87 — 



las üUe Vertroiien herzustellen. Sie wer-deii sich eiiiiiiei n. dass 



Ich 



im 



M 



onf 



lieses Jnhrs 



*'ebruanus, Merz, April, und aucli noch Mny 

s Vertrnuen in Sic gesetzt, und sie ols meinen 

rundstein betrachtet. Ich habe sie nacli dem Fall des Ajax 

iror allen andern nus dem Dunkel und Hathselhat'len heraus- 

jcnommen, und zum Conscius gemachl. Diese Zeit her kann 

*)ch ahei* nicht beiden, dass sie tnir durcli die ewigen Zänkej*eyen, 

dureli das dodnreli vei'ursachte Auflialton der ganzen Snoho, 

duroll die sehr kurze, seltene, bissige, sogar durch fremde Hand 

Äpeschriebene Briefe, durch das Zurückhalten der- meinigen elc. 

^Eeiemlich Misstrauen verursacht, -- — ^^ 

H Theuersler Cato! es ist wahr, ich herrsche, aber weil 

Hßs so seyn muss, weil das Gebäude sonst nicht, zu Stand kömmt, 
so lang meine Herrschsucht bloss fordert, was unser Gebäude 
und Zweck mit sich bringt, so kann sich niemand darüber 
>eklagen; denn wenn ich es nicht thäte, so müsste es doch 
|ein anderer* thueiK Mein Herrschen also, so lang es unschäd- 
lich ist, die Mascbin im Gang erhallet, und bloss allein darauf 
jeriehtet isl, kann niemand missliilligen. Wenn ich aber das 
Gehäud missbrauchen wollte, blos vor mich sorgen, um reich, 
'angesehen und mäclitig zu werden, dann wäre es übel. Wie 
können sie al>er diess von mir vei-muthenV Ich lebe zufrieden 
mit meinem Amt, verlange nicht weiter, und habe mein hin- 
längliches Auskommen, uml begefire im bürgerlichen Leben 
I nichts weiter zu seyn, als was ich bin. Ferners nothigen micli 
meine ihnen bekannte Umstände, den meisten Mitgliedern, 
so lange ich lebe, verborgen zu seyn. Ich bin genöthigt, alles 
durch 5 oder 6 Personen zu thuen. Diese sind also die Heir- 
schende, ich der Arbeiter, und ich verlange nur Versicherung, 

Idass nach der Vorschrift gearbeitet werde. Dahin ziehen 
lulle cautellen. Jeder ist frey in allen Handlungen, unabhängig 
von mir und vni» andern, nur in dem nicht, was ein Mittel 
zum Zweck des Ordens ist. [sl das nicht natürlich? folgt das 
nicht aus der* Natur einer Gesellschaft? Wenn ich es auch 
nicht forderte, müsste es Flieht ein anderer fordern? Soll ich 
niclit berechtigt seyn, das von meinem Nächsten zu fordern, 
^pwas jeder von ihnen bey geschehener Verbreitung über 1000 
iind melirere fordern kann? 

Gefiel es ihnen, wenn ihre Untergebene, und diese wieder 
ron den ihrigen eine gleiche Freyheit forderten? Könnte da 
slwös geschehen? Theuerster Cato! Merken sie sichs, der 



— 88 — 



Endzweck des Ordens ist, frey zu sevn, unabhängig von Ans- 
Wörtigen. In Bücksicht des Ordens ist solcher allein Herr, 
wir alle sind die Diener unsers Zwecks, ich bin der erste 
Diener, denn ich arbeile für euch alle. Ich entwerfe, ihr be- 
stättigt es, und führt es aus. Sie liaben liier falsche Begriffe 
von Freyheit. Um auf einer Seite unöbhängig zu seyn, bin ich 
auf der andern Knecht. Denken sie darüber, Cato! und sie 
werden linden, dass ich recht habe. — 

Wir werden bei weiterem Vorschreilen noch öfter entdecken, 
dass Weisliaupt seinen ursprüngliclien Plan kaum w^ieder- 
erkannte, wie Zwackh bereits andeutet, sobald er längere Zeit 
die (h'densent wickehing andern Händen üherliess. Er zeigt 
sich stets konse<|uent in Beibehaltung seiner ersten Absichten 
und kommt dadurch wiederholt in Konflikte mit den anderen 
Ordensobern, die die Neigung aufweisen, die Grundidee zu 
missachten. 

Wir kehren jetzt zu der Zwackhschen Ordensgeschichte 
zurück, welche von ihm in eine erste Pei4ode von 1775 — 1779 
eingeteilt ist 1775 ist augenscheinlicher Irrtum, wenn Zwackh 
nicht die Vorbereitungen des Jahres 1775 mitrechnet, es muss 
1776 heissen, wie Weishaupt selbst ja auch angibt. Mit dem 
Jahi'e 1779 endet er die erste Ordensperiode, weil sie bis daliin 
die alleinige Tätigkeit der Ordensmitglieder aus eigener Kraft 
umfasst, ohne Anlehnung an maurerische Kreise; wir bezeichnen 
jedoch als erste Periode die Zeit unter der alleinigen F^ührung 
Weishaupts, und rechnen die zweite von dem Eingreifen des 
Freiherrn v, Knigge an. Die Ereignisse werden am klarsten an 
der Hand derZw^ackhschen Ordensgeschichte. Diese lautet weiter: 

§8. 

Bisshero war der Orden noch vor und untei* sich allein 
bestanden, nun aber öflnet sich ein neuer Weg um ihm durch 
einen andern mehr Macht und Schutz zu verschaffen. Um 
diesse Zeit wurden von den areopagiten in München mehrere in 
die unionisten-Maurer Loge ,, Theodor zum gutten Rath, wo 
der BurgpHegcr Rodl den Hammer führte autgenohrnen. Diesse 
Loge vergrösserte sich von Zeit zu Zeit durch viele ansehnliche 
Brüder und envarb sicli durch die Constitution der grossen 
Landesloge zu Berlin Royal York eine Menge von französisclien 
Araden, welches so viel bewirkte, dass die reformc in Bayern 



- 89 



WA 

hi 



uiiUiulig und beinahe ausseinander getretten war. Sehr viele 
^on diessen äusserten den Wunsch sich an die des Radi anzu- 
<:hniiegen, wenn nui- noch einige mehrere Solidität darin her- 
Ceslelli würde. Uiesser Antrag scliien den Stiftern des Illuminaten- 
ordens ein Gegenstand zu seyo, der all ihre Aufmerksamkeif 
verdiente, sie unterzogen sich also dem Geschäfte und brachten 
dahiti, dass Radi seinen Hammer niederlegte, der Prof. 
Jader zum Meister vom Stuhle gewählet und die ersten Logen- 
äraler mit ihren Anhängern besetzet wurden. Nachhero nahmen 
äie eine Verbesserung in den Logengesetzen vor, nahmen eine 
^Auswahl und Minderung in den Maurerischen Graden und ver- 
bannten das überflüssige, geringfähige, vornehmlich an den 
Lufnahms Zeremonien, Durch diesse Einrichtung stand in 
cui-zer Zeit diesse Loge in einen Kredit, den der Bey tritt von 
vielen rechtschaffenen Brüdern aus der reforme und der altern 

tngenannten Bögnernischen Unionisten Loge so sehr vermehrte, 
asssieum diessen Glanz und Vorzug alle ihre altern Schwestern 
leneiden mussten. 
■ §9, 

Indessen kam diesser neue Zuwachss dem lUum. Orden 
sehr zu guthe. Denn er war nun eines Theils in Bayern unter 
^(der tolerirten Massonerie mehr verborgen, andern Theils er- 
Hivarben sich seine Oberen vollkommene Kenntnisse in den 
^Rluurer Systemen und durch den näheren Umgang mit diessen 
^pvar man im Stande die besseren davon vor den Orden an- 
"xuwerben. Mit Graf Konstanzo wurde der anfang gemacht und 
da diesser auf Kosten der Loge eine maurerische Reisse*) unter- 
nahm, um bey der Royal York zu Berlin sich von der jährlichen 
»dahin zu bezahlenden Abgabe zu befreyen und auch mit anderen 
HSystemen X'ereinigung zu errichten, so konnten sich die Areo- 
^bdgiten von diesem Manne die Erfüllung ihrer Absichten, im 
^E^uslande ihren Orden zu verbreiten mit bestem Grunde ver- 
^Rprechen, Sie gaben ihm zu diessem Ende alle bissher ver- 
leiligten Grade, Instructionen, Statuten und besondern Instruc- 
ionen zur Errichtung ganzer Vei^ammlungen, wie sie mit- 
sinander verbunden und untergeordnet und dirigirt werden 
tollten, verwilligten ihm auch aus ihrer Kasse einen Zuschuss 
ind verschafften ihm Adressen von wichtigen Anempfehlungen 




*) Auf diese maurerUebe Reise des Konslanzo wird apilcr uocli au6- 
mhrlich 3tu rück gekommen werden. 




— 90 — 



in jene Städte, wo ei' die I*flcinzschylen erriclilen sfjllie. Diesse 
Mission erreichte auch vollkommen den Zweck. Seine AuOräge 
verschafften der Ordens-Gessellschaft der IHuminaten sehi* viele 
würdige .\{änner, worunter einige in oll andern Masson-Systemen 
sehr lioch graduirt \^are^ und doch hekannten* keine Befrie- 
digung darin gefunden zu haben. Unter diessen befand sich der 
Freyhei'r von Knigge, den mati auch bald wegen seiner aner- 
kannten Verdienste von der Aufsiclit des Konstanzo hinwegindun 
und jener des Weishaupt übergab, der ihn dem Areopagu^ 
einverleibte. I 

Wir sind jetzt am Ende der vordem bezeichneten Periode 
angelangt und müssen uns nunmehr umsehen, wie das bisher 
ausgearbeitete Ordenssystem aussah, damit der Leser später 
ein si<'heres Urteil über die Gefahi'Iiehkeit oder NichtgerohHich- 
keit desselben selbst abgeben kaim. 



Das System des Illumliiateiiordens bis zum 
Jahre 1781, 

Will man sich über die Zwecke einer Gesellschaft info 
mieren, die Ziele die dieselbe verfolgt, erfahren, so ist die 
Satzung derselben stets dasjenige Aktenstück, welches Anlw^ort 
auf Fragen über diese Punkte geben kann. Heutzutage ist eine 
klare Satzung für jede Vereinigung, sowie dieselbe von einem 
Vorstand geleitet wird, gesetzliches Krfordernis. Früher war 
zwar letzteres nicht der FalK immerhin wurden jedoch der 
Mitglieder wiegen, sowie um der Klarlieit der Ziele w^egen^ 
Statuten ausgearbeitet und den Neuaufgenommenen bekannt 
gegeV>en. 

Die ersten (»rdensstatuten, welclie einen Einblick geben 
über das, was Weisheupt wollte, bestanden nur kurze Zeit: sie 
waren recht dürftig und unklar. Ks können nur die ersteu 
Milglieder diese gekannt haben, da, wie uns Zwackh mitteilt, 
Professor Baader bald damit betraut wui-de dieselben umzu- 
arbeiten. Die in den schon genannten nriginalschriflen Seit 
12 — 26 abgedruckten Statuten dürften dieses zweite Produ 
sein, Sie sind aber noch keineswegs glücklich zusammengestellt, 
und wurden nochmals umgearbeitet, bevoi* Knigge in den < *rde 



- 91 — 

sintrnL Um die Rntwickelung zu /.eip:en und den Ideeii^u^m^ 
laclizuweisen, der die sogenannten Oberen er-füllto, ist es not- 
t'endig beide Salzungen des Vergleiches halber hieivher zu 

?t2eii. Die letztere Lesung blieb bis zur Auflosung des t*rdnns 

jsteben. — 



Reform, der Statuten der I. Klasise* 

Da die gesötz;:?ebende Khighoit erfordert, nneh Aenderung 
der Umslande auch die nöthigen \ orscfiriften, und (insHtze zu 
iindern, denen eine Zeit hinduroh eingerissenen Missbniiirher» 

I durch neue Gesatze vorzubeugen: und die zweifelliaften Fälle 
näher zu erklären, so wie auch die indessen gegebene einzelne 
Verordnungen nöthigen Falles allgemein zu mactien, und rleni 
ordentUchen Gesätzbuch einzuvei^leiben, so hat der nnJen in 
seiner letzten allgemeinen \ ersammlung in Rücksicht der ersten 
^Klasse nachtVdgeude Verlügnng gelroHeu. 

^ 1. Werden hiermit alle vorigen Satzungen, Constitutionen, 

Privilegien, wie sie immer Namen haben mögen, gänzlich an- 
nulliert und cassiert, in so ferne sie gegenwärtigen Fundamcntid- 
IVeroi'dnungen zuwider sind: beiialtet sich aber auch tur künl- 
lige Zeiten vor, benöthigten Falls Aendemngen zu treffen 
I 2. Bleibt so, wie bishero ancli für künftige Zeiten der End- 
zweck der Gesellschaft, dem Mensehen die Vervollkommnuu;^ 
^^seines \'erstandes, und muralischen Karakters interessant zu 
^knachen, menschliche und gesellscliaftliclie Gesinnungen zu ver 
breiten, boshafte Absichten in der Welt zu hindern, der nolh* 
^leidenden, und bedrängten Tugend gegen das Unrecht beyzu* 
Hstehen, auf die fiefurderung würdiger Manner zu gedenken, 
und überhaupt die Mittel zur Erkenntniss und Wissenschaften 
zu erleichtern. Man versichert theuer und heilig, dass diese^ 

Pder einzige und nicht colorierte Endzweck der Gesellschaft sey. 
Im Gegentheil stehet die Gesellschaft für nichts weiter, 
werden die Gandidalen seiner Zeit mehrer finden, so ist es für 
^^s%ie um so besser, und sie mögen daraus ersehen, da^n man 
^■wider die Gewohnheit anderer Gesellschaften mehr halte, als 
man sich anheischig gemacht. 

Ein Mitglied, das durch Er^vartung künftiger grosser Macht 
fund Reichthura voi'züglich wurde bewogen werden, in die Ge 
^Seilschaft zu t retten wnrdo darinnen nicht das allenvillkommstc 
Byn. 



— 92 — 



Da aber zu Eiiioltung eines solchen Endzwecks der Bey. 
stand und gute Eintracht, und unzertrennliche Veilraulichkeit 
aller Mitglieder nolhwendig ist, wie auch nicht weniger, dass 
andere auswärtige zum Bessten, und zu den Absichten der 
Gesellschaft eingenommen werden, so haben alle Glieder 

3. In Rücksicht auf die Gesellschaft allen Hass und Neid 
gegen Mitbrüder zu vermeiden, sie als ihre erste und liebste 
Freunde anzusehen, als Mitarbeiter zu demselbigen grossen 
Zweck, zu ihrem eigenen Besten, das ausser dem nicht kann 
befördert werden. 

4. Fordert die Gesellschaft ein Opfer ihrer Freyheit, doch 
nicht durchgehends, sondern nui* im Falle es ein Mittel zum 
grossen Zweck ist. Befelile der (Jbern haben allzeit die Ver 
muthung vor sich, dass sie zum Zweck führen; denn Obere 
sehen w^eiter, tiefer in die Systeme ein, und darum, und aus 
keiner anderen Ursache sind sie Obere. 

5. Jedes neu angenommene Mitglied stellt seinen Reci- 
pienten ein Revers de Silientio aus. 

8. Die Gesellschoft kann die Leute nicht brauchen, wie sie 
sind, sondern sie sollen erst werden, w^ozu man sie nöthig hat. 
Dazu gehört Prüfung, Proben der Treue, Stillschweigen, An- 
hanglichkeil, Arbeitsamkeit, die Erweiterung nützlicher Kenntnisse. 

7. Datier die Zeit, welche Condidaten in diesem Grade zu- 
zubringen haben. Junge Leute von 15 bis 18 Jahren haben 
3 Jahre zu ihrer Prüfung, von 18—24 zwey Jahre, und von 24 
bis 30 ein Jahr. 

8. Doch kommt es auf den Fleiss, Maturität, Rifer und Appli- 
cation des Candidaten an, dass ihm auch zuweilen seine Zeit 
abgekürzt werde. 

9. Inner dieser Zeit arbeitet der Candidat an der Erfor- 
schung seiner selbst, an der Erforschung seiner Nebenmenschen 
zeichnet alles fleissig auf, notiert auf eine gewisse eigne Me 
ihode, und denkt, und beobachtet überhaupt mehr als er liest 

10. Viele Nolaten, Bemerkungen, viele entworfene Caraclers 
aufgezeichnete (iespräche von Leuten, die in der Sprache der 
Leidenschaften redend angetroficn werden; so wie auch Folg 
samkeit gegen Obere sind der sicherste Weg zur Beförderung 

IL Bey der Aufnahm verändert der Candidat seinen Namen 
in einen eigenen fremden: auf diesen Namen liest, und notiert 
'^r alles das, was ihme davon vorkömmt. 



^ ^ 




93 — 



Pf: 



t 



12. Unter den Beobachtungen hoben physiognomische Be- 
merkungen, gefundene Regeln menschliche Charactere zu beur- 
theilen, ein grosses Verdienst. 

13. Auch mit Leuten, mit welchen man stark umgeht. 
haltet man ein eigenes Buch, wo unter die Rubric jeder solcliei* 

*ei*son geschrieben wird, auf der einen Seite dos Gute, auf der 
andern das Böse, so sie uns getimn. 

14. Vorzüglich empfiehlt mau, Gegenstände nicht auf fremde, 
sondern auf seine eigene Art zu betrachten. 

15. Unter die ersten Beweise der Fähigkeit gehört die Auf- 
be, die jeder zu behandeln, und aufzulösen hat, und am Ende 
iner Probezeil überreicht. 

16- Die Sicherheit der Gesellschaft, der Reiz alles Ver- 

orgenen, die Beohüchtung der Candidaten erfordern es, dass 

ährend der Probezeit ohne Noth keinem, auch nur das ge- 

ngste Mitglied geoffenbaret w^rde: liötto die Gesellschaft un- 

lücklicher Weise einen Schwätzer, so kann er doch nur einen 

einzigen verrat lien. 

17. Dies wird den Candidaten behulsom machen, gegen 
Niemand, auch vermeynte Mitglieder, von (Jrdens- Sachen zu 

prechen. 

18. Der Recipient von jedem Candidaten ist auch sein 
berer» jeder hat Erlaubniss aufzunehmen, doch alles unter 

Anleitung seiner unmittelbaren Oberen, will er zu einer höhern 
Klasse, muss er wenigst einen, und nach gewssen Umständen 
auch zwey aufgenommen haben: So kann es geschehen, dass 
ein arbeitsamer Mensch in den Jahren seines Novitiats sich 
schon ein kleines Reich baue, und in seiner Kleinheit grbss 
und mächtig werde. 

19. Dabey müssen aber alle Schritte dem Obern angezeigt 
werden, und ohne Anfrage und p]rlaubniss kann keiner etwas 
vornehmen. 

20. Ueber alle seine Leute, die er aufzunehmen gedenkt, 
haltet er eigene für jeden bestimmte Blätter, ^ragt unter jeden 
die seelenverrathende Reden und Handlungen ein, besnnders 
die kleinsten, wo der Mensch nicht glaubt, beobachtet zu werden. 

Da alle Urtheile, die man giebt, so wie alle Handlungen 
uns verrathen, so wird es ihm an Stoff zu Notaten nicht fehlen, 

21. Diese Notaten sind der Grund von allen künftigen 
müssen also sehr accurat gemacht werden, und IjIos erzählend 
nicht aber raisonnierend sevn, aus diesen Notaten werden alle 



m 



94 — 



HelotioneiK Traiisiioii, Briefe etc. gemocht, und wenn eine 
aufgenommen werden, muss dar-aus dem unmittelbaren oberen 
der Carocter des Hccipiendi vorgelegt werden. 

22. Zur Siclierhcit der * »beren ist bescldossen worden, dass 
kein Untergebener von seinen Obern nur eine Zeile ^'on Ordens- 
Sachen in Händen Ijobe. Briefe dei- i^beini müssen also gleich 
rnil, der Antwort zurückgesiindt werden. 

23. Wohl aller karui .sich jeder aus den ei'hailenen Briefeu 
Excerpten machen. 

24. Abwesende schreiben un ihre Obere alle 14 Tage franeo: 
Anwesende besuchen ihren i >bern wöchentlich wenigst einmal, 
und wenn der Obere Zeit hat, so kann er die Tage in dar 
Wochen unter seine Leute austheilen, mit ihnen lesen, notieren 
öder erbauliche Gespräche führen. 

25. Damit alle Mitglieder von einem Geist beseelt werden. 
und unter ilmen ein Verstand, und ein Wille werde, so sind 
ihnen auch gewisse Bücher vf>rgescli rieben, welche sie lesen, 
iind aus w^elchen sie sich bilden können. 

Für Teutschland in gegenwärtigen Zeiten sind beliebt w^orden: 

1. Seneca Phil. 

2. Epictet. 

3. Antonius Betrachtungen über sich selbst. 

4. Plutai'chs Lebensbeschreibungen. 

5. Seine moralisclie, so \v\e auch alle aridere Schrifleir 

6. Von Wielands Werken 
Agathon. 

goldener Spiegel 
geheime Bey träge. 

7. Tobias Knaut. 

8. Hirschfeld vom grossen Mainie, und von heroischeiil 
Tugenden. 

\K Po|»es \'ersueh über den Menschen. 
10. Smilh Theoria der Moi'alisclien, 
IL Basedows |vractiscbe Philosophie füi* nlle Stände. 

12. Meiners pliilosophische Schriften. 

13. Abt vom Verdienste. 

14. Montagnes \'ei'suctj. 
L5. Helvelius vom Geist. 

16. La Bruici'e Karakter. 

17. Alle Beilegardische Scbi'iften, so wie auch 

18. Von le Noble Weltschule. 



i 



— 95 — 

Ueberhaupt ist kein Buch ausgeschlossen, dass zur Bildung 
des Herzens dienet, insbesondere empfiehlt man Fabeldichter, 
und alle andere, die an Bildern, oder moralisch und politischen 
Maximen reich sind. 

26. Das gute Herz fordert man von allen, . Künste und 
Wis.senschaften von denen, so es im Stande sind; ausser der 
Moral sind der Gesellschaft Chimie und Handlung die an- 
genehmsten. Sprachen, besonders französische und griechische 
werden hochgeschätzt — wenigstens zum Bücher verstehen; 
aber italienisch und englisch haben auch ihren grossen Werth, 
wenigstens soll von denen, so weiter wollen, jeder eine Sprache 
verstehen. 

27. Mit dem Arcano bleibt es durch alle Klassen wie 
vorhero. 

28. Obere sind unsere Führer, leiten uns in der Finsterniss 
und Irrthum, führen uns ab von ungangbaren Wegen. Da 
wird Biegsamkeit und Folgleistung zur Schuldigkeit, und selbst 
zur Dankbarkeit; keiner wird sich also weigern dem zu folgen, 
der für sein Bestes arbeitet. 

29. Aber Obere können auch ihre Gewalt missbrauchen, 
und sind nicht allzeit Väter; daher will die Gesellschaft ihre 
Mitglieder gegen alle Unterdrücker, Herrschsüchtige etc. durch 
folgende Maassregeln schützen: mit Ende jeden Monats giebt 
der Untergebene an seinen Obern ein verschlossenes Blatt, oder 
auch mehrere mit der Aufschrift: Quibuslicet, oder Soli, in 
.solchen zeigt er an*. 

1. Wie ihm sein Oberer begegne, ob er fleissig oder 
nachlässig, hart, oder gelind mit ihm verfahre? 

2. Was er gegen die Gesellschaft für Beschwerden habe? 

3. Was ihm dei* Obere dieses Monat hindurch für Be- 
fehle kund gemacht? — Was er an den Orden be- 
zahlt hat? 

Sollte er auch keine Beschwerden haben, so muss das 
Blatt doch übergeben werden, und damit es der Untergebene 
leichter thun kann, so leget ei* schon zu Anfang jeden Monats 
ein oder das andere Blatt zu recht, und sobald ihm etwas vor- 
fällt, so zeichnet er es dahin auf, und am Ende des Monats 
schliesst er es erst. Diese Verordnung dauert durch alle Klassen 
hindurch, und ist niemand davon ausgenommen; bleibt solches 
unter, so verfällt der Untergebene in eine seinen Umständen 
proportionierte Geldstrafe, so wie der Obere, der sie unterlasset 



— 96 - 

frühzeitig einzusenden. Wenn diese Blätter am letzten Tüge 
des Monats noch übergeben werden, so ist der Condidat ausser 
Strafe, darum bot sie jeder Obere zu praesentieren. 

30. Jeder hat sich bey seiner Reception zu erklaren, ob er 
im Stande sey, dei" Gesellschaft einen Geldbeytrag zu leisten, 
oder nicht. Ist das letzte, so hotHL man, dass sich niemand 
armer machen wird, als er ist; indem man schon vorhinein 
von den Glücksumstanden des Candidaten unterrichtet ist; ist 
das erste, so hat jeder Obere seinem l^ecepto ante Receptionem 
einen pi'oportionierteo Geldbeytrag oofzutingen, der bei Geringeren 
nach Belieben, bey Mittelmässigen ein Ducaten, bey Vermög- 
lichen eine Caroline ist, dieses wird ihm proponiert nach aus- 
gestelltem Revers vor der Publication der Statuten, mit der 
Hondunterschrift des Candidaten, dnss er so viel erlegt habe, 
an dem nämlichen Tag, wo der Revers ausgestellt ist, und 
solche Uuantitüt des zweyte Jahr wiederhollet, und so auch bey 
denen, so auf 3 Jahr engagiert sind. Die Einlage wird von 
den Obern an ihre weitere eingehöndiget: bleibt die Einlage 
um die bestimmte Zeit aus, so nimmt man den unmittelbaren 
Oberen dessen her, bey dem die Einlag ausgeblieben. Wollte 
einer von den Candidaten die Gesellschaft defraudieren, so 
macht er sich aller künftigen Vortheile verlustig. Von einem 
wahrhaft Armen soll gar nicht genommen werden, si fidem 
paupertotis fecerit; kommt er zu Knülen, so steigt auch der 
jahi'licbe l^eytrag nach Proportion der Kräfte. 

31, Zu diesem Ende befiehlt der Orden allen Obern bis 
künftiges Jahr 1779 den 3L Jon. ihre Ausstände einzutreibeiL 
aber niemand dabey zu übernehmen, und gegründete Beweg- 
Ursachen sich schrifüich geben zu lassen, Zahlsaumigkeit der 
Mitglieder hat zu diesem Gesötze Antass gegeben: die docli 
seiner Zeit allen reellen Beystand vom Orden lioffen. Diese 
Verordnung wird um so billiger erfunden werden, als bey 
anderen Orden 100 und mehrei^e Gulden ohne Unterschied 
gleich im Anfang müssen erlegt werden, und dieses Quantum 
viele Jahre hindurch wiederhollet wird. 

32. Tritt jemand in seinen Probejahren aus der Gesell- 
schaft, so erhaltet es alles Eingelegte wieder zurück, darum die 
Obern solches fleissig aufzuzeiclmen haben. 

33, Jedem Candidaten ist es bis auf die letzte Stunde 
erlaubt auszutretten, imposito tarnen silentio. 




— 97 — 

34. Gegenwärtige Statuten werden dem, so noch keinen 

aufgenommen hat mündlich, andern schriftlich publi- 

ciert. Bey Abwesenden leidet es eine Ausnahme. Jede nach- 
kommende neue Verordnung wird in das in Händen habende 
Exemplar sogleich eingetragen. 

Die dritte und bis zum Ausbruch der Ordensverfolgung 
bestehende Lesart der Satzung lautet wie folgt: 

Allgemeine Ordens-Statuten. 

Zur Beruhigung und Sicherheit sowohl angehender als 
wirklicher Mitglieder dieser Verbindung, und um allen ungegrün- 
deten Muthmassungen und ängstlichen Zweifeln vorzukommen; 
erkläret der Orden vor allem, dass er keine für den Staat, die 
Religion und gute Sitten nachtheilige Gesinnungen oder Hand- 
lungen zum Zweck habe, noch an denen Seinen begünstige. 
Seine ganze Bemühung gehet bloss allein dahin, den Menschen 
die Verbesserung ihres moralischen Charakters interessant und 
nothwendig zu machen; menschliche und gesellschaftliche Ge- 
sinnungen einzuflössen; boshafte Absichten zu hindern; der 
bedrängten und nothleidenden Tugend gegen das Unrechte 
beyzustehen, auf die Beförderung würdiger Personen zu denken^ 
und noch meistens verborgene nützliche Kenntnisse allgemeiner 
zu machen. 

Dieses ist der ungeschminkte Zweck des Ordens, weiter 
stehet selber auch für nichts. Sollten die Mitglieder hie und 
seiner Zeit etwas unerwartetes antreffen, so mögen sie sich 
dadurch überzeugen, dass man, wider den Gebrauch einiger 
andern Verbindungen, weniger verspreche und mehreres halte. 

Ein Mitglied aber, weiches durch Erwartung künftiger 
grosser Macht und Reichthums bewogen würde, in den Orden 
zu treten, möchte in demselben nicht das willkommenste seyn, 

1. Da nun zur Erhaltung eines solchen Zwecks, wechsel- 
seitiger Beystand, gute Eintracht, und unzertrennliche Verbind- 
lichkeit nothwendig ist, so haben dieselbe den Endzweck des 
Ordens nie ausser Augen zu lassen, sondern zu überlegen, dass 
alles, was sie für den Orden zu thun scheinen, im Grunde zur 
Beförderung ihres eigenen Wohls diene, und dass alle Mitglieder 
mit vereinten Kräften zu ihrer wechselseitigen Glück.seiigkeit 
arbeiten. 

2. Daher müssen sie sich untereinanderalstreucste Freunde 
betrachten, allen Hass und Neid bey Seite setzen, ihre Herzen 

KDfd, Ocsehidite des XDamiiiateoordcM. 7 



vor allem schädlichen Eigennutz bewahren, und sich so be-l 
tragen, dass sie nicht nur die Herzen ihrer Mitbrüder, sondern] 
auch dadurch ihre Feinde niit gewinnen. 

3. Sie müssen sich zu einem gesetzten und freundschaft- 
lichen Wesen im Umgänge gewöhnen, und überhaupt auf die 
grösste innerliche und äusserliche Vollkommenheit sich befleissen, 

4. Menschenliebe, Tugend und Rechtschaffenheit fordert j 
tnan von allen Mitgliedern, Künste und Wissenschaften a berj 
von denen, die Naturanlage und Fleiss haben. 

5. Jedes Mitglied muss daher Industrie» Geselligkeit u"n3 
Tugend; die, so dessen fähig sind, auch Künste, Wissenschaften 
und guten Geschmack verbreiten, und alles das zu heben 
suchen» was diesem entgegen stehet. i 

6. Ueberdiess empfiehlt der Orden nachdrücklich die goldene 
Massigkeit, Häuslichkeit und Zufriedenheit mit seinem Stand, 
Achtung gegen das Alter, gegen Obere, gegen die Vorgesetzte 
und Staatsbediente, Freundschaft und Liebe gegen Mitbrüder, J 
Höflichkeit und Mitleid gegen alle Menschen. Wer Hochachtung 
von anderen fordert, muss auch endern mit dem Beyspiel der 
Achtung und Höflichkeit begegnen, 

7. Verwaltet eure Aemter in der bürgerlichen Gesellschaft 
mit Treue, Eifer und Standhaftigkeit! Stehet euren Familien als 
gute Väter, Ehemänner und Herren vorl oder gehorchet als 
Söhne, Diener und Untei^ebene! Wer die Pflichten seines 
Amts vernachlässiget, der wird auch die Pflichten des Ordens 
versäumen und vernachlässigen. 

8. Obgleich in dem Orden aller Unterschied des Standes 
und der Würde verschwindet, den man in der büiigerlichen 
Gesellschaft bekleidet; so ist es doch nöthig, besonders wenn 
Profane dabey sind, in den Gränzen des Ceremoniels zu bleiben, 
und gebührende Achtung zu bezeugen. 

9. Aeltere Mitglieder haben sich schon mehr Kenntnisse, 
mehrere Verdienste gesammelt, und daher auch höhere Grade 
erhalten; sie sind vielleicht Obere, daher begegnet man ihnen 
mit der Ehrerbietung; die ohne sclavisches Kriechen wahre 
Hochachtung verräth. 

10. Mit je grösserer Höflichkeit euch ein Mitbruder be- 
gegnet, mit desto mehrerer Achtung müsst ihr ihm solche er- 
wiederih Erlaubet euch nie eine auffallende Vertraulichkeit; 
ihr müsst euch stets lieben, und die Erfahrung lehret, dass 



I 




99 



nichts so leicht' die stärkste und innigste Freundschaft trennet, 
als ein zu grosses Gemeinmaehen oder Familiarität. 

IL Die Obern sind unsere Führer, die leiten uns aus der 

Finsterniss und Irrthum zum Licht, Sie führen uns ab von 

ungangbaren Wegen. Da wird Biegsamkeit, Folgeleistung zur 

IPfiicht und selbst zur Dankbarkeit. Keiner wird sich also 

'weigern, diesem zu folgen, der für sein Bestes arbeitet. 

12. Der Orden fordert also freywillig ein Opfer der Freyheit 
von den Mitgliedern, zwar nicht unbedingt, aber allezeit, wenn 
es ein Mittel zum grossen Zweck ist. Befehle der Obern haben 
allezeit die Vermuthung für sich, dass sie zum Zweck führen; 
dann Obere sehen weiter, sehen tiefer in das System hinein; 
und eben darum sind sie Obere, und dieser Ursache wegen ist 
man Folgeleistung schuldig. 

13. Die Obere kennen die Menschen, sie wissen, wen sie 
vor sich haben; also werden sie nie ihr Ansehen missbrauchent 
noch vergessen, dass sie gute Väter seyn sollen. Dennoch hat 
der Orden folgende Massregeln genommen, um seine Mitglieder 
gegen alle Unterdrücker, Stolze, Herrschsüchtige und dergleichen 
zu schützen. Mit Ende eines jeden Monats gibt jeder Unter- 
gebene an seinen Obern oder Recipienten ein verschlossnes 

fBlatt, oder mehrei'e nach Umständen, unter der Aufschritt; 
Quibus licet, oder Soli, oder Primo. In diesem Blatt zeiget er 

tan; Erstlich: wie ihm sein Recipient begegne, und mit ihm 
(^erfahre? z. B, gut und fleissig, bös, hart und nachlässig? 
Eweytens: was für Beschwerden er gegen den Orden habe? 
Drittens: was für Befehle ihm der Obere in diesem Monalh 
kund gemacht habe? Viertens: ob er in diesem Mnnath etwas 
Geld erleget hohe? 

14. Jeder muss alle Monate einen solchen Zettel eingeben, 
3r höbe etwas zu melden oder nicht; damit diess mit geringer 
Mühe geschehe, so leget sich ein jeder gleich am Auffing des 
Monaths ein Blatt zurechte, zeichnet darauf alles auf, was vor- 
fallt, und übeiigibt es im Quibus licet. In dem Quibus licet- 
Eettel wird der Ordensname innen und aussen hergesetzt. 

15. Diese Verordnung des einzuschickenden Blatts dauert 
durch alle Grade hindurch, und ist niemand davfMi ausgenommen. 

^Wenn es unterbleibt, verfällt dieser in eine angemessene Geld- 
llrafe so wie auch der Obere, der es zu gehöriger Zeit einzu- 
sammeln oder einzusenden unterlässt. Den letzten Tag müssen 
diese eingegeben seyn. 



^ 100 — 

16. Damit alle Mitglieder von einem Geist beseelet werden, 
und so viel möglich nur einen Willen haben, so werden ihnen 
Bücher vorgeschrieben, die sie lesen müssen, und daraus sie 
sich bilden können. Aus den monatlich wenigst halben Bogen 
langen Arbeiten und aus den Vorlesungen be\ Versammlungen 
werden Obere und Mitglieder Gelegenheit bekommen, sowohl 
ihren Vortrag, als Fleiss und Wachsthnm ihrer Kenntnisse tn 
beurlheilen. 

17. Die Bücher macht jedem sein oberer bekannt. Ueber- 
haupt ist kein Buch ausgeschlossen, so 7,m' Bildung des Herzens 
dienet. Für Angehende empfiehlt man Schriften, die an Bildern 
und moralischen Maximen reich sind. Besonders siehet man 
gern, wenn sich die Mitglieder mit dem Geist der Alten nähren« 
und endlich, wenn sie mehr denken und beobachten, als lesen. 

18. Der Recipient jedes Candidaten ist sein respectiver 
Oberer. Jeder, der einem anderen die Existens des Ordens 
eröffnet, und dadurch in selbem das Verlangen rege gemocht 
hat, in solchen zu treten, muss von demjenigen, der ihn in den 
* *rden gebracht hat, das ist, von seinem Recipienten, die weitern 
Verhallungsbefehle erwarten. 

19. Jeder hat die Erlaubniss, neue Mitglieder vollzuschlagen 
und zu insinuiren, daher müssen alle Mitglieder über jede 
Personen, die sie in den Orden aufgenommen, und auch über 
die, w^elche sie vom Orden ausgeschlossen zu werden wünschen» 
eigene für jeden bestimmte Blätter halten, auf dieselbe die 
Stellen, verrathende Reden, Denkungsart und Handlungen ge- 
treu aufzeichnen, besonders die kleinsten, wo der Mensch nicht 
glaubt, beobachtet zu werden. Da alle Urtheile, die man äusserte 
so wie alle Handlungen uns verrathen, so wird es uns nie an 
Stoff zu dellgleichen Notaten fehlen. 

20. Diese Notaten sind der Grund von allem Künftigen, 
Sie müssen daher sehr genau gemacht werden, mehr erzählend 
als räsonnirend seyn. Aus diesen Notaten muss, wenn einer 
aufgenommen werden soll, oder wenn einer jemand exciusiam 
gibt, dem unmittelbarem i*bern der Charakter des Candidaten 
vorgelegt werden, 

21. Da jeder Mensch zwey Seiten hat, eine gute und eine 
schlimme, so fordert der Orden, dass sich die Mitglieder nicht 
bloss die eine zu betrachten und zu beschreiben angewöhnen. 
Die Menschlichkeit fordert, dass man auch bey seinen Feinden 
das Gute aufsuche, die Rechtschöffenheil bey jedem lobe, und 



i 



— 101 — 

nur Feind der That — und nicht der Person seyn solle. Man 
kann solche Menschen fliehen, aber nicht hassen und verfolgen. 
Man muss den ganzen Menschen aus seinem Charakter, nicht 
aber aus einer einzigen Handlung — niclit aus dem blossen 
Verhältniss zu uns, entscheiden wollen. 

22. Um zu sehen, ob die Candidaten das bisher gesagte 
leisten, ob sie ihre Erkenntnisse ei^w^eitern — Vorurtheile ab- 
legen und bestreiten — ihren moralischen Charakter vervoll- 
kommen; mit einem Wort: ob sie würdige Mitglieder werden 
Wollen: so fordert der Orden Proben der Treue, Vei*schwiegen- 
heit und Arbeitsamkeit, Anhänglichkeit und des Gehorsams von 
ihnen. 

23. Daher hat auch der (»rden eine gewisse Zeit gesetzet, 
welche die Candidoten in dieser Prüfung zubringen müssen: 
Junge Leute haben 3 Jahi*e, andere zwe\ , und andere nur ein 
Jahr Probezeit. Es kommt auf den Fleiss, Maturität, Eifer und 
Anwendung an, um sich selbst nach seinem Verhalten und 
Mitwirken, diese 'Prürungszeit entweder zu verlängern oder zu 
%erkürzen. 

24. Während dieser Zeit liest der Candidat die vorgeschrie- 
bene Bucher; arbeitet an der Erforschung seiner Nebenmenschen; 
zeichnet alles fleissig auf; notiert auf eine gewisse eigene Art, 

Iund suchet das gelesene gut zu verdauen, und auf seine eigene 
^rt wieder von sich zu geben. 
\ 25. Viele Nolaten, Anmerkungen, viele entworfene Charak- 
lei*s, aufgezeichnete Gespräche von Leuten, welche man die 
Spruche dei' Leidenschaften redend angetroffen; so wie auch 
die Erfüllung der Ordensstatuten und Folgsamkeit gegen die 

rbern sind die sichersten Wege zur Beförderung. 
26. Unter den Beobachtungen haben physiognomische Be- 
merkungen, gefundene Regeln, menschliche Charaktere zu beur 
H|heilen ein grosses Verdienst. Vorzüglich empfiehlt man aber» 
"die Gegenstände nicht auf fremde sondern auf eigene Art zu 

betrachten. 
B 27. Nebst der ganzen praktischen Philosophie beschäftigt 
<?ich der Orden mit der Natur und Naturkunde; mit Cameral* 
und Oekonomie-Wesen; mit den Freyen Künsten, schönen 
issenschaflen und Sprachen, 

28. Bey seiner Aufnahme erkläret der Candidat, zu welcher 

unst oder Wissenschaft er sich bekennen wolle. Die dahin 

in^chlagende Bücher muss er sich bekannt machen, gehörige 



— 102 — 



I 
I 



Auszüge verfertigen, selbige zum Beweis seines Fleisses seinem 
Recipienten vorzeigen, und solche auf Verlangen einsenden, 

29. Unter die ersten Beweise seiner Fähigkeit gehöi*et die 
Aufgabe, die jeder zu behandeln, aufzulösen, und am Ende 
seiner Probzeit zu übergeben hat 

30. Bey seiner Aufnahme verändert der Candidat seinen 
Namen in einen fremden. Auf diesen Namen muss er alles, 
was ihm davon vorkommt, lesen, sammeln, und aufzeichnen, 
oder notieren, um eine Geschichte davon einstens verfertigen 
zu können. 

31. Da sich der Candidat eine besondere Behutsamkeit 
und Verschwiegenheit angewöhnen muss, so erfährt er auch 
während seiner Probzeit nicht, wer zu dem Orden gehöret, er 
lernet kein einziges Mitglied kennen, und diess darum: Erstens: 
döss er sich nicht gegen diese verstellen könne, und folglich 
immer unter der Beobachtung stehe. Zweytens: dass er es 
wagen müsste» wenn er schwätzen wollte, gegen Mitglieder des 
Ordens zu schwatzen, und sich einer Uebertretung der Statuten 
schuldig zu machen, die er nicht läugnen könnte. _ 

32> Eben aus dieser Ursache, und weil man nie weiss, ob | 
der, mit welchem man redet, nicht einen höheren, mindern 
oder gleichen Ordensgrad hat, ist es nicht erlaubt, auch gegen 
Ordensbrüder, die man in Versammlungen hat kennen lernen,- 
von der Zeit seiner Aufnahme, von Graden, von Dispensationen, 
am wenigsten aber gegen vermeinte Mitbrüder, wo man sich 
der Gefahr, solche zu verfehlen aussetzet, nur das geringste _ 
von Ordenssachen zu sprechen. | 

33. Abwesende schreiben an ihren Obern alle 14 Tage 
postfrey; Anwesende abei' besuchen ihnen wenigstens einmahl 
in der Woche, welchen Tag er Bequemlichkeit halber in der 
Versammlung bestimmt. Wenn der Obere Zeit hat, so theilt 
er die Tage der Woche unter seine Leute aus. Er lieset, 
notiret und führet unterrichtende Gespräche mit ihnen. 

34, Aus dem, was der Candidat von seinem Obern erhält, 
macht er ollemahl die ihm allein verständliche nöthige Auszüge, 
und schickt oder gibt allemohl alle die Originolien gleich wieder 
zurück. Der Orden will überhaupt, so viel möglich, verboi-gen 
bleiben; denn alles Geheime und Verboi^ene hat für uns sonder- 
baren Reitz; Bey andern Leuten aber erweckt die Verborgen- 
heit Neugierde, und zugleich wird die Anhänglichkeit bey uns 
vergrössert. Die Obern haben dabey mehrere Gelegenheit zu 



^ 103 — 

beobachten, und also unvermerkt die Leute desto sicherer 
kennen zu lernen, Der Orden ist dadurch sicher vor dem Ein- 
dringen der untauglichen Mächtigen, und vor den Muthmassunge» 
der ausspähenden Vorwitzigen. Die gute edle Absichten können 
weniger gehindert, und die Ausbrüche der Herrschsüchtigen 
und der Parteygänger desto leichter unterdrücket werden. 

35. Zur Bestreitung vielfältiger Ausgaben, und zur Unter« 
Stützung armer Brüder, fordert der Orden von jedem bey Aus* 
Stellung des Reverses einen geringen, seinen Kräften angemes 
senen Geldbeytrag; doch ist es nicht aller Orten gebräuchlich» 

36. Sonst hat der Candidat während der Probzeit keine 
Abgaben zu entrichten, und erhält das wenige Geld wieder 
zurück, wenn er, wie er ohngehindert kann, vor der Initiation 
noch zurücktreten wollte. Ueberhaupt wird er bald überzeugt 
werden, wie wenig es auf leere Absichten oder Geldschneiderey 
angesehen ist. 

37. Wahrhaft Arme sind nicht nur gänzlich frey, sondern 
erhalten noch Hülfe von dem Orden. Bey anderen verschiebt 
man die kleinen Abgaben, bis auf bessere Umstände. Ueber- 
haupt wird nichts bezahlt, als nur zum Briefwechsel der monat- 
liche Bey trag. 

38. Da diese Abgaben aber, gegen andere Verbindungen 
wo der Eintritt oft mehr als fl. 100 kostet, ungemein gering 
sind; so hofft, man, dass, da es doch leicht begreiflich ist, dass 
die Unkosten ein so grosses Werk zu unterhalten, wozu Reisen, 
Briefwechsel und dergleichen mehr vonnöthen ist, sich sehr 
hoch belaufen; die Hauptsummen darzu auch durch die Gross- 
muth einiger Obern herbey geführt werden, dass man sich nicht 
beklagen wird, eine kleine Abgabe zur Unterstützung des Ge- 
bäudes zu entrichten. 

Vergleicht man die mitgeteilten, aus verschiedenen Zeit- 
perioden stammenden Statuten, so ersieht man unschwer, dass 
die zweite Ausarbeitung viel klareres und zielbewussteres Vor- 
gehen enthält als die erste; die Einwirkung der freimaurerischen 
Verbindung macht sich entschieden bemerkbar. 

Diese Verbindung war jedoch in der ersten Zeit eine dem 
eigentlichen Freimaurertum keineswegs günstige, denn die da- 
maligen Illuminaten beabsichtigten lediglich durch diese ihre 
eigenen Reihen zu stärken. Ein solches Vorgehen mag verzeih- 
lich erscheinen, wenn man bedenkt, dass in jener Zeit die 




— 104 — 



Freimaurerei auf bedenkliche Abwege geraten war, sodass eine 
Reformatioo derselben dringend nötig wurde. Der durch die 
Zeitstimmung begünstigte Hang nach mystischer Schwannerei,« 
die Tätigkeit der Goldsuclienden und Geisterbeschwörendeu neuen 
RosenkreuÄer, liess es nur zu begreiHich erscheinen, dass ein 
Cagliostro mit seiner neugebackenen egjptischen Maurerei, ein 
Schrepfer und St. Germain mit ihren Schwindeleien Erfolge: 
haben konnten. Die metaphysischen Lehren des in seiner 
Person und Charakter zwnr unanfechtbaren Swedenboi'g hattea 
viele Gemüter hochgradig erregt und auf das Übersinnliche hin* 
geleitet, sodass eine Sehnsucht, die Geheimnisse des Lebens 
und des Jenseits zu ei-gründen, viele Männer ergriff, die in den 
geheimen Gesellschaften zu befriedigen von Vielen erhofft w^urde. 
Jeder einigermassen Gebildete gehörte ii^end einem Bunde an. 
Die Freimaurerei als der älteste und bekannteste Geheimbund 
empfing infolge dieser Geistesströmung viele fragwürdige Ele- 
mente, die den eigentlichen Kern des Bundes nicht erfassten,! 
sondern nur vei*wischten. Es kamen schädliche Prinzipien, ein 
Hochgradunwesen und selbst Schwindeleien in das Logenw^esen 
jener Zeit, wodurch viele abgestossen, enttäuscht und geschädigt 
wurden. Diese Tatsachen sich zu Nutze zu machen, verstanden 
die damaligen Illuminaten und brachten deswegen bereits im 
\^irhereitungskursus dem zukünftigen Ordensmitgliede bei, dass 
die Freimaurerei allein kein günstiger Boden für ihn wäre. 
Während der Vorbereitung, die lediglich den Zweck hotte, den 
Candidaten nach Möglichkeit für den Orden einzunehmen, wurde 
er z. B. auf Folgendes hingewiesen, 

*) „Wenn sich die besseren Menschen verbinden, der Cor- 
ruption zu steuern, und die Hindernisse hinwegzuräumen, welche 
der Weisheit und Tugend im Wege stehen, so müssen diese 
Menschen nicht nur alle die Hindernisse kennen, sondern auch 
die kräftigsten Mittel haben, dieselben zu heben. Das findet 
man aber in solchen geheimen Verbindungen, und namentlich 
in der heutigen Freymaurerei nicht. 

Nicht nur ist beinahe kein festes System in der Maurerei 
über die gemeinsten Wahrheiten, sondern von höheren Kennt- 
nissen wird gar nichts gelehrt. Wie sollten auch so verschieden 
gestimmte und zu den gewöhnlichsten Kenntnissen nicht einmal 



•) Vergleiche: Der fichle lüuminat, oder die wahren, un verbesserten 
Rituale der niurainaleu* Edessa 1788. 




— 105 — 



Rngefülirte Leute in dem Besitze übernatürlicher Weisheit sein 
können. Ja die Geschichte der Freimaurerei und ihr eigent- 
licher Endzweck ist nicht einmal unter ihnen bekannt. Die 
heulige Freimaurerei bekümmert sich nicht um die Hinder- 

»nisse, weiche der Weisheit und Tugend entgegenstehen, also 
%\ird sie nie auf diese Art etwas füi^ die Welt leisten/* 
Diese Aussagen werden alsdann verglichen mit dem, w^as 
der Illuminalen-Orden leistete, resp, zu leisten versprach; infolge 
^dessen ist es klar, dass viele Unzufriedene lebhaft angeregt und 
Bgew^onnen werden konnten, in der Hoffnung, endlich das zu 
^finden, was sie suchten. 

Eine Ordenseinführung entwickelte sich nun folgender- 
messen. Im Noviziat, das der \'orbereitüng folgte, erhielt der 
Candidat zuerst einen Revers, den derselbe zu unterschreiben 
^hatie. Derselbe lautete: 

" »Ich Endesunterschriebener verpflichte mich bey meiner 

Ehre und gutem Namen, mit Verzicht auf allen geheimen Vor- 
behalt, von den mir durch Herrn N. anvertrauten Sachen, meine 
^Aufnahme in eine gewisse geheime Gesellscliaft betreltend, 
Hgegen Niemand, auch nicht gegen die vertrautesten Freunde 
Hbioch Verwandte, auf keine irgend mögliche Art, weder durch 
■Worte, Zeichen, Blicke, noch sonst, niemal das geringste zu 
Boflenbaren; es mag nun diese meine Aufnahme zu Stande 
kommen oder nicht. Dies um so mehr, da man mich vor 
meiner Aufnahme versichert hat, dass in dieser Gesellschaft 
nichts wider den Staat, die Religion noch die guten Sitten 
unternommen werde. Auch verspreche ich, die mir diesfalls 
mitzutheilenden Schriften und zu erhaltenden Briefe, nach vor- 

■her gemachten, ausser mir niemand verstündlichen nöthigen 
Auszügen, sogleich zurückzugeben, und dieses alles, so wahr 
ich ein ehrlicher Mann bin und immer seyn will. Gegeben, 
im u. s. w* 

Hatte der Kandidat nun durch Unterschrift seinen festen 
Willen, dem (»rden beizutreten, bekundet, so musste er ein 
Diarium halten, in das er alles, was er vom Orden bekam oder 
an diesen abgab, genau aufzeichnete. Auf Verlangen wair das 
Diarium einzusenden. Sodann liatte er von Zeit zu Zeit genaue 
Schilderungen der Fähigkeiten und Charaktere solcher Personen, 
weiche er in den Orden aufgenommen oder von ihm aus- 
geschlossen sehen möchte, zu liefern. Es wurde ihm hierbei 
jingeschärtX, dass die in Vorschlag zu bringenden Leute ein 




— 106 ^ 



^utes Herz, Begierde sich zu bilden und Liebe zur Arbeit 
haben müssten. Am Ende jeden Monats hatte er einen Quibus 
licet-Zetlel denn Aufnehmer zu übergeben, in dem er angab, wie I 
derselbe mit ihm verfährt, ob er Beschwerden gegen den Orden 
habe, Falls ei; ein besonderes geheimes Anliegen hotte, dus 
der Provinz-Obere allein lesen sollte, so wurde auf besonderem 
Zettel dasselbe niedergeschrieben, mit der Bemerkung Soli ver- 
sehen dem Quibus licet beigefügt, sollte ein noch höherer Oberer 
den Inhalt erhalten, unter Umgehung des Provinz-Oberen, so 
lautete die Bezeichnung Primo. 

Weilerhin hatte er die Verpflichtung, die vom Ui'den 
gegebenen Bücher zu lesen, sich mit den Charakteren, Ha 
lungen und Denkungsart gelehrter und angesehener Männer 
alter und neuer Zeit vertraut zu machen, Gedanken und Kern- 
Sprüche derselben aufzuzeichnen, um dadurch seinen Charakter 
zu ver'edeln. Auf Verlangen mussten diese Arbeiten als Beweis 
des Fleisses eingesandt werden. 

War diese Vorbereitungszeit zur Zufriedenheit des Auf* 
nehmers verlaufen, so wurde der Candidat endgültig unter 
besonderem Ritual aufgenommen und kam in die Klasse der 
Minervale. Bei der Aufnahme erhielt der neue Ordensbruder 
ein Abzeichen, ein Medaillon, welches eine Eule darstellte, die 
ein Buch in den Klauen hält mit den Buchstaben P. M. C, V, 
Getragen wurde dieses Medaillon am grasgrünen Bande, von 
den jüngeren Minervalen um den Hals, von den dirigierenden 
f[uer über die Brust von der Rechten zur Linken. 

Ausser den allgemeinen bekannt gegebenen Statuten^ 
herrschten in dieser Klasse, auch Minerva Ikirchen genannt, noch 
besondere Vorschriften,, die jedoch nichts enthielten, was den all- 
gemeinen Statuten entgegen gewesen wäre. Weiterhin fanden Ver* 
Sammlungen der Mi nervale unter besonderen Zeremonien statt, 
in denen der Zweck der Klasse verfolgt wurde. Dieser ist in 
den besonderen Vorschriften mit folgenden Worten festgestellt. 

„In dieser Klasse verlangt der Orden nur als eine gelehrte 
Gesellschaft betrachtet zu werden, wobey das Beispiel und der 
Unterricht das Herz bessern und den Verstand leiten/* — 

Alle diese recht weitläuHgen Dinge in dieser Geschichte 
des lUuminaten- Ordens ausführlich darzustellen würde zu weit 
führen und den Umfang dieses Buches beti'ächtlich erweitern, 
ohne besonders zu nützen. Die sämtlichen Rituale sind bekannt, 
werden in dem schon erwähnten Buche „Der achte llluminat 




die wahren, unverbesserlen Rituale der Uluminaten 1788*' 
wörtlich bekannt gegeben, und von Knigge als unverfälscht und 
richtig bezeichnet. Wer sich daher für die genaue Kenntnis 
dieser Rituale interessiert, die jedoch, wie hier betont sein mag, 
in dem neueren bestehenden Orden gor keine Geltung mehr 
haben, kann sich aus dem genannten Buche leicht orientieren. 

f\ Die nächste Klasse nach dem Minerval war der kleine 
luminat (Illuminatus minor). Es ist das die Ordensstufe, die 
Zwackh in seiner Geschichte des Illuminaten-Ordens bereits 
erwähnt, und die nach seinen Worten 1779 zustande kam. Der 
Zweck dieser Klasse war, Leute zu bilden, welche die Miner* 
vale zu dem Geiste und den Grundsätzen des Ordens gehörig 
leiteten und anführten, Ks mussten diese ( »rdensmilglieder 
also imstande sein, andere zu belehren. Zu diesem Zwecke 
mussten sie sich in Menschenkenntnis üben; sie hatten den 
Charakter ihrer Untergebenen genau zu ergründen und ihre 
Beobachtungen in den Versa mm hingen dieser Klasse bekannt 
zu geben. Durch diese Einrichtung, die für die Erlangung der 
Menschenkenntnis ganz zweckentsprechend genannt werden 
muss, ist hauptsächlich dem Orden der Vonvurf der Spionage 
entstanden. Es ist nicht zu leugnen, dass übertriebener Eifer 
zur Spionage führen konnte, sicher ist aber auch, dass die Ab- 
sicht der Stifter nicht auf diese gerichtet war, sondern lediglich 
sich darauf beschränkte, ihre Reihen möglichst rein zu halten 
durch Erlangung von Menschenkenntnis infolge Menschenbeolv 
achtung. In der Instruktion dieses Grades wird gesagt: ,, Menschen 
werden durch beständigen, vernünftigen» zu rechter Zeit an- 
gebrachten Zuspruch, durch gutes Beispiel und beständige Sorg- 
fall gezogen. Das Auge des Hirten macht die Heerde gedeihen, 
und die \*orsoiige guter, wachsamer, unermüdeter Menschen 
macht wieder gute Menschen/^ — Aus diesen Worten ist deut- 
lich zu ersehen, dass unredliche Absichten nicht vorlagen. 

Aus derZwackhschen Darstellung ist bereits ersehen worden, 
dass die (*rdensobern öfters zusammentraten, um die Oigani- 
sation zu verbessern. Mitte 1781, also nach mehr als fünf- 
jährigem Bestehen geschah das ebenfalls und wurde nochmals 
klipp und klar festgelegt, welche Ziele der Orden zu verfolgen 
habe. Unter dem Nachlass Zwackhs (die (Jriginolpapiere sind, 
wie schon gesagt, im Besitz des Autors zu Dresden), befindet 
sich ein ausführliches Schriftstück, dessen Inhalt unverkürzt 
wie folgt lautet. 



— 108 — 



Gemeinschaftlicher Schiuss des Areopagus 

über 

den Zweck, die Mittel und Einrichtung 

der 

Gesellschaft. 

Imo* 

Die Geschichte aller Jahrhundert bestättiget den Satz, dass 
keine Gesellschaft sich erhalten könne, die ihre scheinbare Voi^ 
theile auf Unkosten der übrigen Menschen zu befördern trachtet. 
Es muss also der Hauptzweck unsers Ordens, wie es schon 
grössten Theils der Plan des Sparta cus vortrefflich enthaltet, 
festgesetzt bleiben, dass wir der Jugend reizbares Ausehen ver- 
schaffen, das Interesse zum Lasier vermindern, und jedem 
rechtschaffenen ohne Unterschied als unsern Bruder im Unglück 
Schutz und Unterstützung gewähren und dass wir uns selbsl 
und andere Menschen durch die Ausbreitung nützlicher 
Kenntnisse und guter Sitten vollkommener und glüekUcher 
machen. Weder einzelne Menschen noch ganze Völker können 
an wahrer Aufklärung und Tugend zunehmen, ohne eben soviel 
am Genuss ächter Glückseligkeit zu gewinnen. Aufklärung 
können wir aber nicht anders befördern, als wenn wir mit 
vereinigten Kräften uns bemühen, die Hindernisse aller Art 1 
nach und noch zu entfernen, wenn wir die niedere und hohe 
Schulen und gelelnle Geselischaften vervielfältigen oder vervoll- 
kommnen, wenn wir die schon vorhandenen nützlichen Kennt* 
nisse unter solche höhere oder niedere Stände, welche bissherf» 
davon ausgeschlossen waren verbreiten, wenn wir diese Summe 
von Kenntnissen vergrössern, die bisshero bekannte Anleitung 
zu Wissenschaften und Künsten leichter machen, und allent- 
halben das nützliche von dem unnützen oder weniger nützlichen 
absondern, wenn wir endlich solche Männer, welche die Vor- 
sehung zur Bildung oder Regierung der Mensclien l>ei'ufen hat, 
gewinnen, leiten und unterstützen. 

Müraiität und gute Sitten werden schon durch Befolgung 
ober Vorsclu'iften auf die Kräftigste Art befördert werden, am 
meisten aber durch das gute Beyspiel, welches wir und durch J 
uns alle übrige Ordens Brüder vorzüglich die Obern geben 
müssen, hirhero gehören euch Einführungen, Unterstützung 
und Verbesserungen der Erziehungs und Polizey Anstalten und 



— 109 



das Bestreben die Volks Schulen mit tauglicljeo Lehrern zu 

t)€setzen. 



2do. 



Um diesen Zweck zu erreichen müssen wir entweders er- 
'ahrene, aufgeklärte und rechtschaffene Männer sammeln, oder 
selbst ziehen. Die bisshero entworfene Anleitungen zur Prüfung 
und Bildung junger Leute lässt man sich allerdings gelallen 
doch sollen diese von Zeit zu Zeit noch verbessert, und geändert 
werden können. Die allgemeinen Ordens-Statuten aber bleiben 
vor alle Klassen unabänderlich und sollen vorzüglich von den 
Areopagiten in den genauesten Vollzug gebracht werden. Der 
lann, welcher ein Verschwender oder ein schlechter Haussvater 
r ein treuloser Bürger, und ein meineidiger Staats-Bedienter 
:st, kann niemalen vor unsere Gesellschaft weder als Oberer 
noch als Untergebener langen, wenn er auch sonstige Vortheile 
dem Orden gewähren könnte. 




3tio. 



H Alle diejenigen Mittel, welche zu dem Hauptzweck richtig 

I führen, sollen noch Zeit und Umständen entweders Mittel- oder 
unmittelbahr von dem Areopagiten angewendet werden und 
sich Fveiner dem Vorwurf aussetzen, dass er nicht jede Gelegen- 
heit sorgfältigst benutze, nach seinen Kräften an einem Gebäude 
zu arbeiten, welches Gott zur Ehr, und dem Nächsten zum 
Nutzen aufgeführt werden solle, was nun hierin von jedem 
geleistet wird, soll alle Monat den Übrigentheils zur Ermunterung, 
theils zur Nachricht mitgetheilt werden. 



I 



4io. 



Man ist mit Spartacus verstanden, dass Menschen Kennt- 
uiss eines der besten Mittel seye, um den vorgesetzten Haupt- 
zweck zu erreichen, auch dass sich davon die Erhaltung einer 
geheimen Gesellschaft am sichersten versprechen lasse, dahero 
sollen dazu eigens einige Grade bestimmt bleiben, die jedoch 
von den gar zu übertriebenen Vorscliriften zur Beobachtung 
gereinigt werden müssen, denn wir wollen die Karoctere 
der Mensclien, und nicht die Familien - Gelieimnisse 
erfahren, indessen können die vorgeschlagenen neuen Tobeilen 
und Anleitungen zu karakteristischen Schilderungen unter den 
Mitgliedei-n bekannt gemacht, und auf ihre \'erfassung strenger 
lehalten werden. 




I 



— 110 — 

Die Haupteintheilung des Ordens soll in kleine und] 
grössere Mysterien geschehen* Zwar sind anerst noch vorl 
jede Klasse die Grade zu bestimmen, ober soviel lässl sichl 
schon dermalen festsetzen, doss die erstere zur Prüfung und 
Bildung brauchbarer Mitglieder, und die andere nur vor geprüfte 
pT'eunde zum Unterricht der geheimsten Absichten des ganzen J 
Ordens und zur Ausführung derselben dienen sollte. Zu den' 
kleineren Mysterien gehört also der bereits entworfene Minei*val- 
grad, der kleinere lUuminat, wo die Anleitungen zur Menschen 
Kenntniss, Physiognomie und was sonst noch dazu bey traget, 
gelehrt werden, wo man sich durch Pensas und andere Auf- 
gaben in den wissenschaftlichen Fächern übet, darauf folget 
der grössere, dann der dirigirende Illuminat, oder wie er noch 
heissen soll, und endlich der scientivische Grad, in welchem vor 
jedes wissenschaftliche Facli eine besondere Klasse unter denen 
Mitgliedern, die sich dazu bekennen, errichtet wird, welche aus 
den besagten Pensis ihren Beobachtungen und Sammlungen 
das Beste, neueste und wichtigste hereussziehen und die hierin 
von den untergebenen aufgeworfene Zweifel und Fragen beant- 
worten. Zu den grösseren Mysterien, deren Abtheilungen eben- 
falls noch zu bestimmen sind, werden die Resultate der Seien- 
tivischen Klasse, die Berathungen darüber mit auswärtigen 
Ordensgelehrten, und die Verwahrung dann Anwendung des 
gesammelten %'orbehalten. Die Mitglieder dieser Klasse erhalten 
die Einsicht in alle andere geheime Verbindungen, arbeiten an 
der Fortsetzung und Verbesserung des Systemes, sind also mit 
der innerlichen Einrichtung und den Grund Maximen desselben 
bekannt, administriren die Finanzen des O. unterstützen daraus 
die bedürftigen Mitglieder, und dirigiren das ganze. Wer in 
dem untern Grad stehet, soll niemalen einen höheren, vielweniger 
der in den kleineren Mysterien eingeweihet ist, nur dem Namen 
nach wissen, dass es eine weitere Klasse giebt. 

6to. 

Es bleibt einer weiteren Überlegung und allgemeinem 
Schluss überlassen, ob in diesen grösseren Mysterien Unterricht 
und Bemerkungen von Beligion und Staats -Verfassungen sollen 
gegeben werden. Soviel wird aber schon dermalen als ein 
immerwährendes Gesatze bestimmt, dass sich dei" Orden weder 
mit lleligion, noch Staats-Sachen beschäftigt. Insofern der 




111 — 



Hauptzweck und die oben angezeigte Mittel von selbst einen 

I Einfluss auf Aberglauben, Despotismus und Tyranney haben, 

gegen welche unser Jahrhundert bereits Riessen -Schritte ge- 

gangen ist, überlasst man dem Genius, und der Bescliäftigung 

■ künftiger generationen, 

B Die öffentlichen Ausbrüche des Unglaubens sind eine 

KWirkung von Sitteo-Verderbniss und eine Ursache derselben, 

^wir müssen uns also diesen eben so wie den grausamen 

schwärmerischen, die Verfassung der Staaten, die Ruhe der 

Buiiger und Fürsten zerstörenden Handlungen widersetzen. 



7mo. 



^w So wie wir gegen alle ReHgionen uns duldend vertragen, 
eben das müssen wir auch gegen die verschiedenen Anhönger 

Kvon philosophischen Systemen seyn, es wird also der Antrag 

^eine eigene Ordens4^hylosophie zu haben, durchgehends ver- 
worfen, wohl aber genehmigt, dass alle in der Scientivischen 

■Klasse voi^elegt, untersucht und berichtigt werden. 



8do. 



Damit doch einmal Grade verfasst werden, die man nicht 
immer abändern muss, und sie ihre möglichste Vollkommenheit 
erhalten möchten, so soll aus deren verschiedenen Materialien 
und nach der im Steo Abschnitt entworfenen Haupt-Eintheilung 
Spartacus die auf den Minerval folgenden Illuminaten-Grade 
revidieren und den übrigen Areopagiten zur Erinnerung zu* 
schicken, und solche nach Wahrheit derselben ins reine bringen. 
Vor die weiteren Grade werden alle Beytrage und Vorschläge 
gesammelt und längstens in einem Jahre von jedem dasjenige 
an Spartacus gesendet werden, was er selbst gelesen, bearbeitet 
hat, und von andern fremden Gelehrten oder Mitglieder erhalten 
kann. Wo es sodann wieder auf besagte Art zur Vollständig- 
keit kommen solle. Nur wünscht man, dass die Beytrage 
richtig und wesentlich seyn möchten, und man sich nicht 
mehr, wie bisshero mit alchymischen Prozessen, Medizinischen 
recepten, negromantischen Anleitungen oder optischen Täu- 
schungen, das alles aus Büchern abgeschrieben ist, beschäftigen 
möge, wir haben jetzt Gelegenheit genug, durch geschickte Ärzte 
und andere gelehrte Männer wahrhafte Kenntnisse von der 
e und Phvsik zu erwerben. • 



112 



9no. 



So wenig Beyfall die Einkleidung des Systems in Ceremn^ 
nien gefunden hat, so muss man doch solche in allen Graden 
fortsetzen, theils weil sie schon in den ersten vorhanden sind, 
theils weil man ihnen ihren Werth nicht ganz absprechen 
kann, doch sollen sie neu und einfach seyn, auch der folgende 
Grad jederzeit jene des vorhergehenden erklären. Spartacu^ 
soll also die Ceremonien vor die höhern Stufen entwerfen, 
worüber sich die Areopagiten wie im vorigen § ebenfalls ihre 
Erinnerungen vorbehalten. 

lOnxo. 

Wenn nun aber vor die Veifassung künftiger Grade out' 
diese Art hinlänglich gesorget ist, so muss das willkürliche 
von verschiedenen Areopagiten bisshero unter den Mitgliedern 
ausgetheilte nach und nacli kassiert werden, und damit man 
versichert seye, doss an Unterricht und Graden niclits andere?? 
den Untergebenen zu Händen gestellet werde, als was hier 
bedungen und in Zukunft gemeinschaftlich festgesetzt wird, so 
muss jedes Mitglied den Auftrag erhalten, in seinem Quibus 
licet ausdrücklich dasjenige anzuzeigen, welche Befehle und 
Ordens Schriften es das Monat hindurch erhalten habe. Die 
Quibus licet erbrechen zwar die Provinzialen, sie müssen aber 
solche an Spartacus senden, durch den die übrigen Areopagiten 
davon Nachricht bekommen. Auch ist man einverstanden, dass 
jedem aus dem Areopagus frey stehe, sich bey den Unter 
gebenen eines fremden Districtes in den sogenannten reprochen 
Zettel auf den Fall Erkundigungen einzuholen, wenn ihm in 
irgend einer Klasse etwas verdachtig seyn solle, das gegen den 
gegenwärtigen Vertrag unternommen würde, 

llmo. 

Dass der llluniinaten Orden sich mit dem Unionisien 
Maurer-System vereinige, und in jedem Lande eigene Logen 
darnach errichte, wird aus den beygebrachten verschiedenen 
Gutachten genehmigt. 

In einem zweiten Teil behandelt das Zwackhsche Manu- 
skript Fragen und Anordnungen „über die gesetzgebende und 
vollziehende Gewalt in dieser Verbindung/' Es findet sich 
jedoch nichts Neues und allgemein Interessierendes in diesen 
Betrachtungen, die von den 'Areopagiten als bindende Anord- 




113 — 



►" 



^nuogen für die Zukunft angenommen wurden. Unterzeichnet 
^st der Vertrag mit folgender Beglaubigung: 

Dieser Vertrag, welcher nach den verhandelten Protocollen 
getreu aufgesetzt worden, wird nach seiner Fertigung und 

IUnterschrift jedem in gleichlautenden Originoüen zugestellt. 
Athen, d. 9. Thirmeh 1151. 
1, Spartacus. 5. Hannibal. 9. Celsus. 

2. Alcibiades, 6. Anian. 10. Marius. 

3* Selon. 7, Mahoraed. IL Scipio. 

4. Tiberius. 8. Cato. 

Um die Unterschriften zu verstehen muss darauf hin- 
gewiesen werden, dass nicht nur jeder Ordensangehörige einen 
besondern Ordensnamen erliielt, sondern auch die Länder und 
Städte. Ebenso besessen die Monate andere Namen, In unserm 
Manuskript hat Zwockh im Jahre 1786 die Namen und Titel 
der Betreffenden selbst angegeben, es bedeuten daher die 
.Unterschriften übersetzt: 

München, d. 9, Juli 178L 
L Prof. Weishaupt. 

2. von Hoheneiger, Fürst], Hofrath zu Freysingen. 
8. Priester Michel. 
4, von Merz, dermalen Kais. Gesandschafts Secretair zu 

Küpenhagen. 
5* Freyherr von Bassus. 
6. Graf v, Koblenz!, Domprobst zu Eichstatt. 
1, Freyherr v. Schreckenstein, Regierungs Rath zu Eich- 
staü. 

8. Bayrischer Hofrath Zwockh. 

9. Professor Bader in München. 

10, Canon icus v. Hertel in München. 

11. Revisions Rath von Berger in München. 

Aus diesem Vertrage geht deutlich hervor, wie mühsöm 

Hdie Ordensentwickelung war, dass Weishaupt wohl stets der 

Mittelpunkt blieb, sich jedoch den allgemeinen Beschlüssen 

unterwerfen musste, er also keinesfalls Alleinherrscher mit 

willkürlichem Regimente sein konnte, wie oftmals behauptet 

, worden ist. 

Wir schliessen nunmehr die erste Ordensperiode ab und 
senden uns der zweiten zu. 

EoftU Qescblcbt« d«« T1lajiiiiiat«nord«iii. % 



— 114 — 



Freiherr v. Knigge und sein Einfluss auf die 
Ordensentwlekeliing. 

Adolf, Freiherr v. Kiiigge, geboren in Bi*edenbeck hei Han- 
nover den 16, Oktober 1752, gesloi*beii in Bremen den 6, Mai 
1796, war als 28jäliriger junger Mann im Juli 1780 von Constaiizo 
geworben und in den Orden eingeführt worden. Kuigge war 
seiner Zeit einer der beliebleslen Sclu-illsieller', sein Werk „Über 
den Umgang mit Mensc!ien*\ hat noch heule Werl und ist all* 
bekannt Er besass ousgebreitele Bekanntschaften unter den 

Freimaurern jener Zeit, ver- 
fügte über (Jberredyngskunst 
und List, konnte mit Leichtig- 
keit über alles sprechen, unter- 
stützt von einer ausgezeich- 
neten Darslelluiigskunst, kurz» 
er war in Jeder Beziehung der 
geeignete Weltmann, welcher 
imstande war, der Ausbreitung 
des Ordens wesentlich zu 
nützen. Er tot das auch in 
der ausgiebigsten Weise, 
nachdem er Einsiclit in das 
System erhalten und dieses I 
zusammen mit Weishaupt 
au^^earbeitet tiatte. X'iele - 
Freimaurer wurden durch | 
ihn angeworben, denn Knigge 
reiste von Stadt zu Stadt, 
von Loge zu Loge, von einem 
Freimaurer zum andern, über- ■ 
all das von ihm entdeckte neue System mit der ilim eigenen 
Gewandtheit empfeldend. — Be%^or wir jedocli diese Tätigkeit 
seinerseits etwas beleuchten, ist e^ nötig, in der Zwackhschen 
Ordensgescbichte fortzufahren, um einen festen Untergrund für 
die sich allmählich jetzt zuspitzenden Ereignisse zu scliatlen 
Zwackh sagt in seinem Manuskript über Knigge, , 

§10. 

Kaum hatte dieser neue Mitstifter den Plan, die vorhan- 
denen Minen al und kleinen Illuminaten Grade, die Materialien 



4 



Adolf, Freiherr v. Knigge- 




— 115 — 



KU den künftigen und die unler den oreopagiten geführten 
Correspondenzen eingesehen, als er darüber seine Bemerkungen 
und neue Vorschlage das ganze zu ordnen seinen übrigen 
Kollegen zusandte, welche damit so zufrieden gewesen, dass 
sie ilim und W. ganz allein die Verfassung der weiteren Grade 
überliessen. und sich nur ihre Eiinnerungen vorbehielten» wenn 
■Wer Ver hoffen darin etwas gegen den allgemeinen Zweck vor- 
KOiTimen sollte. Knigge, wie sclion erinnert worden, war ganz 
in allen Fächern der Massonerie bewandert, der Wilhelmsbader 
Kougress war eben ausgeschrieben, wo er zu ersclieinen und 
eine der ersten Rollen zu bestellen hatte; er wusste, dass sich 
Tempelritter und Klerici mit ihren Ordensbeforderungen und 
Geheimnissen niclit mehr begnügten, dass die reforme einen 
andern Zweck und Gestalt erhalten sollte, dass viele Maurer 
mit andern unbekannten \'erbrüderungen, die Neugierde er- 
wecken und Anhänger finden würden, und dass diese Gelegen- 
Blit wohl am besten zu benutzen wäre, wenn er aus dem biss- 
hero unbedeutenden MinenTil Orden ein neues Maurerisches 
System herzustellen trachten A\'ürde. Er brachte also diese Um- 
schalTung des Ordens in \'orschl6g und da die andern oreopa- 
giten sich wegen der daraus ersclieinenden Vortheile leicht zu 
diesem Entschluss bereden liessen, so entwarf er mit W. den 
grösseren und den dirigirenden llluminaten oder schottischen 
Rittei^ad. Diesem letzteren gaben sie deswegen nun maure- 
rische Zeremonien, um desto leichter damit Eingang zu finden. 



§11. 



IWas für ein ganz andere Gestalt nunmehr der Illum. 
en erhalten hat, geben zwar die Bev logen C. u. C*) das um- 
ständliche und verlässigen an Händen, allein um den Faden 
^■r Geschichte nicht abzubrechen, liefere ich hier einen Auszug 
cmvon. Der tJrdenszweck blieb auch hier noch der nehmüehe, 
welcher in dem Vertrag festgesetzt worden, al>er die Grade, die 
Eintheilung derselben vorzuglich das Directionssystem wurde 
geändert, denn man nahm den Minenalgrad als eine Vor- 
bereitungsklasse zu dem neuen Maurer System an, die zweyte 
Klasse sollen die allgemein ersten drey maurer Grade enthalten. 
Die dritte als das geheime Kapitel der Loge besteht ajis grösseren, 

^B *) Beide sind im Original im Besitze des Aulors vorhanden. 

VergK Aus den Papieren eines niumLnalen. Seite 191. und 234 die 
^ellerinach weise* 

8« 



— 116 — 



und dirigirenden Illuminaten, die sich auf das Studium der 
Meoseheokenntniss verlegen und alle Geschäfte der Minervöleri 
und der Loge besorgten, doch aber ober sich noch Vorigesetzte an- 
nahmen, welchen alle Verfügungen monatlich einberichtet werden 
mussten, und deren Verordnungen an das geheime Kapitel und 
von diesen an die übrigen Mitglieder erlassen wurden. Diese 
Vorgesetzte sollten aber indessen die Provinzialen und der 
Nazional seyn, biss die weiteren Grade zu den Mysterien be- 
arbeitet waren, welche einen vollständigen Unterricht in jeder 
Wissenschaft und Kunst, in den verschiedenen Systemen der 
Philosophie, in der Einsicht alier geheimen Verbindungen, und 
was man noch wichtiges mit der Zeit in dem Revier entdecken 
würde, geben sollten. 

Der Nähme dieses besonderen Zweigs der Massonerie war 
Illuminaten Freymaurer. — - 

Die von Zwackh erwähnten zwei Beilagen gänzlich hier 
abzudrucken, würde nur ermüden, sie bestehen aus einem 
Biief des Zwackh im Auftrage aller Münchener Areopagiten^ 
unterzeichnet mit Cato, datiert München vom 12. December 1782» 
adressiert an den Areopag, in dem er über den Inhalt des 
Neuen Ordensplanes, verfasst Ingolstadt, den 10. December 1782, 
sich auslässt und den umfänglichen Neuen Ordensplan, wie 
er von Knigge und Weishaupt ausgearbeitet wurde. 

Der Brief beginnt mit den Worten; 

Hier folgt der vom Areopagus uns mitgeteilte neuere 
Ordensplan wiederum zurück. Wir haben uns davon eine Ab- 
schrift genommen, und werden nichts ermangeln lassen, um 
ihn sobald als es möglieh ist, ganz einzuführen, etc. — Das 
zweite Schriftstück ist deutlich mit „Neuer ©Plan** bezeichnet, 
trotzalledem erzählt Du Moulin Eckart, der in den Forschungen 
zur Kultur- und Litteraturgescliichte Bayerns unter Zugrunde- 
legung eben dieser Papiere, die jetzt in meinem Besitze sind, 
über Zwackh im 3. Buche genannten Werkes sctireibt» dass 
letzterer an dem Ausbau des Bundes hervorragend beteiligt 
gewesen und dass als Beweis die eigene Niederschrift Zwackhs» 
die er selbst unter dem Titel ,,Mein(!) ©Plan*' angibt, gelten 
müsse. Es ist unverständlich, wie solcher Irrtum bei nur 
einigermassen genauem Durchlesen der Papiere unterlaufen 
kann, Wir sind jedoch genötigt, denselben festzunageln, damit 
nicivt, wie leider schon früher von anderen geschehen, solche 
Fehler weilergeschleppt und als historisch nachgesprochen werden. 



I 



^ 




— 117 — 



Zwackh hat an der Ausarbeitung des Ordenssystems gar keinen 
bedeutenden Anteil gehabt, wie die bisher bekannt gegebenen 
Schriften genügend beweisen, aber ein aufrichtiger Freund 
Weishaupls, der dessen Absichten getreuhch unterstützte, war 

|€r jederzeit. 
[ Der Orden bestand nun nach dem Neuen Ordensplan vom 
10. December 178^ aus folgenden Klassen: 



Erste Klasse. 

Erster Grad. Minervalgrad oder Vorbereitungs Pflanz Schule. 
Zweiter Grad- Der Kleinere lUuminaL 



Zweite Klasse. 
Dritter Grad* Die drei gewöhnlichen ersten Stufen der 
Mauerei, Lehrling; Gesell, Meister* 

»Vierter Grad. Der grössere Illuminat. 
Fünfter Grad. Der dirigirende llluminat, oder der Schot- 
tische Ritter. 

t Dritte Klasse. 

In diese sollten die höheren Ordens-Geheimnisse kommen, 
ie war jedoch noch nicht bis zum 12. Dec. 1782 ausgearbeitet. 
Erst später kamen der Priester- und Regentengrad hinzu; wir 
werden auf beide noch zurückkommen. 
M Der besagte Brief Zwackhs an den Areopag enthält zum 

HSchluss eine besondere Stelle, die uns interessiert. Diese lautet: 

mZu den Decorationen einer | | (LoRe), welche in Eleusis 
(Ingolstadt) sollte errichtet w^erden^ können wir aus eigener 
provinziol Kasse dermalen nichts beytragen. Die Rechnungen 
der Quaestoren und des Schatzmeisters zeigen, dass wir mit 
der grössten Mühe die hiesigen | | Verzierungfen, die Corre- 
spondenz Auslagen, die Almosen vor reisende Maurer, und die 
monatlichen Beitrage vor unsere arme, studierende Jugend 
^ri>estreiten können, Marius muss öfters von seinem eigenen 
Wl^orschuss machen. Mehr als die Hälfte unserer Mitglieder 
zahlt gar nichts, und die andern so saumselig, dass man am 
Ende Nachlässe bewilligen muss,** — — 

Es geht aus diesen Worten hervor, dass Ende Dezember 
1782 in Eleusis, d. i. Ingolstadt eine Loge eingerichtet wurde, 
die zu ihrer Dekoration besonderer Mittel bedart Damit ist 
festgelegt, zu welcher Zeit der noch in Ingolstadt befindliche 




— Uö 



Illumiiialensaal entstand, der in den Jahren 1903 und 1904 voo 
dem heutigen Orden wiedei'hergesteüt wurde. Der Saal ist 
wegen seiner künsllerischeii Borockdecke von kunsthistorischer 
Bedeutung, ganz abgesehen von den historischen Szenen, die 
sich in seinem Raunne abgespielt haben. 

In der Altbayrischen Monatsschnft, herausgegeben vom 
historischen Verein von Ober'bayei^n, gibt im 2. und 3, HefL 
Jahrgang 1900, Professor Joseph Hartmann folgende Beschrei- 
bung von der Örtlicbkeit*) des Illuminatensaales. 

Der häusliche Raum, in welchem die Illuminaten zu Ingol- 
stadt ihre Zusammenkünlle nbzuhalten pflegten, existiert noch 
heute und heisst gemeinhin der llIuminalensaaL Er tindet sicti 
in einem kleinen Rückgebäude des Hauses No, 23 in der 
Theresienstrasse, welclies früher als Nummer 298 am Weinmarkl 
im Besitze von Universitatsprofessoren war. So besass es um 
1719 Professor Dn Job. Adam Morasch, um 1762 Professor 
Georg Christoph Emanuel HärteL Um 1777, also zur Zeit 
Weishaupts, war es bereits Eigentum eines Bürgers Franz 
Riedmaier, des sog. Augsburger Boten. 

Zu diesem Illuminatensaa! konnte man von zwei Seiten; 
sowohl vom Weinmarkt, als auch von der Schulgasse aus 
langen, so dass man nicht gerade da, wo man hineingekommen 
war, wieder hinauszugehen brauchte. Ohne Zweifel bat mon 
es hier mit einem ehemaligen Privothörsaale zu tun, zu welchem 
Auskunftsmittel sich irgend ein Universitätsprofessor gleich 
manchem Kollegen gezwungen sah, weil in dem eigentlichen 
Universitatsgebaude nicht genügend Raum vorlianden war.*' — 

Dieser Saal eignete sich zur Abhaltung von Logenversaram* 
lungen und zu Aufnahmen ganz vortrefflich, denn er liegt ab- 
seits der Strasse, die Fenster nach dem Hofe gerichtet, mau 
konnte von zwei Strassen aus denselben erreichen, kurz diaj 
Versammlungen konnten möglichst unbeobachtet abgehalten 
werden. 

Zur Dekoration wurde hauptsächlich die in Stuck reich 
ausgestattete Decke ausgeführt, die vier grössere und vier kleinere 
Medaillons in Stuck und ein 3 Meter langes, nahezu 2 MeterJ 
breites Mittelgemälde aufweist (s. S. 120/21), In derber Manier" 
jenes Zeitaltei*s zeigt ein Medaillon die Bestrafung der Neugiei-de, 



•) Im ArUkelj Professor Adam Weishaupt zu Ingolstadt und sein IllumH 

natisnius. 



— 119 — 



darüber die Gans, nls Symbol der Dummheit. Diesem gegenüixü' 
stelltder Priester im Medaillon einen holieren Illuminoten vor, die 
drei Hunde bedeuten Treue, Gehorsam, Wachsamkeit. Über 
ihm schwebt ein Adler, die göttliche Begeisterung darstellend* 
Die beiden grosseren seitlichen Medoillons bezeichnen den 
Frühling, als Zeit der Aussnot und den Herbst als solche 
der Ernte. Die kleineren Medaillons bezeichnen Symbole der- 
Sicherheit, Gerechtigkeit, Liebe und Fiüeden. 

Ausserdem enthält die Decke noch eine ganze Anzahl 
kleinere Figuren, die alle eine besondere Bedeutung besitzen. 

Bemerkensweii ist das künstlerische Ai'rangemenl der Ver- 
zierungen, Jeder einzelne Teil ist anders und dennoch wirkt 
das Ganze ausserordentlich harmonisch. Man vergleiche die 
Abbildung. 

IDer Saal war jedenfalls noch mit einem grösseren Wand- 
gemälde geschmückt, darauf lasst eine Fuge an einer Mouei-- 
iBeile schliessen, die w^ahrscheinhch zur Stütze des Rahmens 
idiente. Wer dieses Kunstwerk, das in der Stukkatur noch un- 
verändert vorhanden ist, einstens herstellte, ist unbekannt, jeden- 
falls kann es kein Laie gewesen sein. Das Mittelgemälde, 
umgeben von den Stuckverzierungen, war vor der Restauration 
nur noch in scliwachen, doch genügenden Tönen erkennbar, 
um es dem Kunstmaler Oskar Rotlie in Dresden zu ermöglichen, 
■dasselbe wieder gänzlich herzustellen. Genanntem Künstler 
hat der < Ji"den auch die vorzüglich gelungene, gänzliche Her- 
stellung der Decke zu verdanken, sowie des ganzen Raumes. 
Es sei ihm daher an dieser Stelle der besondere Dank dafür 
ausgesprochen. 
_ Als der Orden 1785 aufgehoben und die Logen geschlossen 

■werden mussten, kam dieser I-launi liald in Vei'gessenheit, Er 
verfiel, und diente den profansten Zwecken: als Speiclier, Druckerei 
und schliesslich als Schusterwerkstätte. Die Tünche und der 
Schmutz von 118 Jahren mussten erst entfernt werden, damit 
■die klaren Linien der Stuckarbeit wieder zum Vorschein kommen 
konnten, die jetzt das Auge erfreuen. Der Saal wird fremden 
Besuchern von Ingolstadt gezeigt, eine Tafel zeigt an, wohin 
man sich zu wenden hat. 
H Nach dieser Abschw^eifung kommen w^ir nunmehr auf die 

^T'fitigkeit Knigges zurück. Dieselbe wird am klarsten, w^enn in 
chronologischer Reihenfolge Auszüge aus Briefen Weisliaupts 
und Knigges gegeben werden. Es wird sodann auch ersichtlich. 




— 120 — 

dass es wegen der Verschiedenheit der Charaktere beider un- 
bedingt zum Bruche zwischen ihnen kommen musste, umso- 
mehr da Weishaupt, wie wdr gesehen haben, zäh und konse- 
quent an dem ursprünglichen Ürdensplon bisher festhielt und 
nur bezüglich der äusseren Form des Ordens sich nachgiebig 
zeigte* 

Die hier zu sichtende Korrespondenz beginnt bereits 1780 
als Knigge dem (»rden nähertrat, und befindet sich meistens in 
den s. Zt. auf kurfürstlichen Befehl gedruckten Originalschriften, 
sowie im Nachtrag zu den Originalschriften* Diese s. Zt. als Be- 
weis für die Verwerflichkeit des Ordens veröffentlichten Schriften 
sind heute eine unumstössliche Fundgrube für die historischen 
Vorgänge und — der im Grunde eigentlich recht harmlosen 
Tatsachen. 

Weisheupt schreibt am 11. November 1780.*) 

Philo hat an mich geschrieben, sehr obligeant, er ver- 
spricht alles zu thun. Hat nebst dem von ihm in seinem 
Frimo überreichten Billet 5 neue Candidaten vorgeschlagen, 
w^orunter der M(eister) v. St. (vom Stuhl) der stricten Observanz 
in Edessa ist. Dieses Primo muss in Athen sein. Ich habe 
es aber noch nicht erhalten, eben so wenig, als ich noch Nach* 
rieht habe, ob der lUuminalen-Grad, den ich an Marius gesandt, 
eingetroffen sey. — — — Und wiegen den Primo des Philo 
bitte ich zu bedenken, dass, wenn ich mit Pliilo correspondieren 
soll, und sie nicht fleissig mit mir conferieren, es leicht ge- 
schehen könne, dass der eine schwarz und der andere weiss 
schreibt. — 

Philo an Gate (Knigge an Zwackh) ohne Datum,*) 

Ich schätze mich gewiss sehr glücklich, mit so würdigen 
und einsichtsvollen Männern in engere Verbindung gekommen 
zu seyn, und werde es mir, von nun an, das süsseste Geschäft 
seyn lassen, mich dieser Ehre werther zu machen. Wenigstens 
sollen sie tinden, dass es mir nicht an gutem Willen, Eifer und 
Thätigkeit fehlt, und dass, um für die gute Sache alles zu 
wagen, ich weder Gefahr noch Schwierigkeit scheue. 

Nun zu Beantwortung ihres Auftragesl Ich muss bekennen, 
dass, wenn ich in ihrer Stelle wäre, ich mich um keine | i CLoge) 

•) S. 355/66 Origitialschrifteii. 
•y S. 367 Originalschriflen, 



i 



— 121 — 



in der Welt bekümmern, niemand nichts bezahlen, niemand 
fragen, von niemand abhängig werden, sondern die jetzige crisis 
nützen würde» um ganzlich frey zu arbeiten und andere Logen 
zu constituiren. Wer würde es ihnen veibietben können, da 
jetzt ohnehin niemand w^eiss, wer recht hat? Die grosse, eng- 
lische Nationalloge erkennt nicht einmal die Gerechtsame von 
lioyol*York, aber wer will sie absetzen? — Doch das geht micli 

f'chls an* Also zur Sache! 
Wenn sie von London aus eine Provincial-Constitution 
heben wollen, so wird das weder schwer halten, noch viel 
kosten. Etwas miiss für das Diplom bezahlt, und ein Mann 
vorgeschlagen werden, auf dessen Namen es gestellt w^ird (doch 
ist auch letzteres kaum nöthig). An jährlichen Abgaben wird 
von keiner von England aus constituirten Loge dos geringste 
bezahlt, ausser etwa alle 3 — 4 Jahre ein freywilliges kleines 
Geschenk von etwa 3 Carolinen zu der Chaiitö, (doch ist auch 

tss willkürlich und geschieht nichl immer.) 
Wollen Sie nun einen Aufsatz an die grosse Nationalloge 
französischer oder besser in englischer Sprache machen, sich 
darinn hauptsachlich über das Constilulions widrige Geld- 
erpressen der Koyal-York beschw^eren, und um ein Provincial- 
Diplom für einen gewissen Niemand eingeräumten District 
bitten, diesen Aufsatz auch allenfalls nur als einen Brief an 
B|n Gross* Secretaire abfassen, und mir sodann einschicken; 
so will ich sorgen und dafür einstehen, dass Gogel und Aristip* 
j^s ihn kräftig unterstützen sollen, — 

H Diese Anregungen Knigges fielen bei Weishaupt auf frucht- 
Daren Boden und der Gedanke, seinen Orden von der Frei- 
maurerei unabhängig und diese möglichst dem (»rden dienstbar 
zu machen, spricht sich in folgendem Briefe an die Münchner 

^veopagiten aus. Sp. A. A. S. d.*) 

Hier folgt Philos Antwort auf die Anfrage wegen der 
Maurerey nebst dem, was er in dieser Sache an mich ge- 
schrieben, welches ich mir zurückerbitte. Ich bin mit ihm 
ganz verstanden und nun erwarte ich von Celsus (Dr. Baader), 
Ceto (Zwackh), Scipio (v. Berger) und Marias (Heilel), von jedem 
ein besonderes Gutachten über folgende Fragen: 



•) S. 359/60 Originalschriften 




122 



Wie ist diese Losreissung im geheimen Kajjilel zu Athen 
durchzusetzen, so und dergestalt, doss sieh das ganze geheime 
Kopitei unserm Orden unterwirft, solchem ailes überlasse, und 
nur von diesem allein die weitern Grade erwarte? 

Wie wäre es, wenn in dem geheimen Kapitel ein derley 
Ordensbeleh! verlesen würde? Von welchem Innhalte müsste 
er seyn? welche anlockende Beweggründe müssten darinn ent- 
halten seyn? 

Was wäre zu Ihun, w^enn sich die Capitularen zu dieser 
Trennung und Unterwerfung nielit verstehen wollten? In Summa, 
wie ist diese Losmachung von Berlin zu benutzen, dass niolil 
nur allein die Loge St. Theodor, sondern auch das geheime 
Kapitel selbst sich dem Orden unterwerfe? i 

Ich erwarte darüber, sobald möglich, ihre Meynungen und 
Entwürfe; und mir wäre es sehr lieb, wenn sie Ceisus zum 
Director unsers ganzen Maurer -Systems ernennen wollten» 
Anbey aber, so wie es in den andern Provinzen geschieht, die^ 
Venvaltung der Provinz in Ordens-Sachen zur Erhaltung der' 
Einheit und Ordnung an Cato übei*liessen. Marius und Scifiici 
werde ich ein eigenes Departement anw^eisen, das sie ebenfalls 
unabhängig von den übrigen vei*walten. 

Philo schreibt mir auch unter andern: 



Nun habe ich in Cassel den besten Mann gefunden, zu 
dem ich uns nicht genug Glück wünschen kann: es ist Mau- 
villon, Meister vom Stuhl einer von Royal York aus constiluirteftl 
Loge. Also haben w^ir mit ihm auch gewiss die ganze Loge in 
unsern Händen. Ev hat auch von dort aus alle ihre elenden 
Grade. Spartacus. 



Nachdem nun Anfang 1781 Weishaupt eingeselien halle 
dass die bisherigen Münchner Areopagilen seinen Zw^ecken 
wenig taugten, war er entschlossen (s. S. 367/70 d. Originalscbriften 
einen Weg einzuschlagen, der die ihm unbrauchbar scheinenden 
Milgiieder entfernen solle; in dem Brief an Zwackh rät er des- 
wegen, diese machen zu lassen was sie wollen. In diesem 
Zustande des Ordens lag dei* Grund Knigge als Retter anzusehen 
und ihm später die Ordnung desselben anzuvertrauen, sow 
die Ausarbeitung und Einführung der Grade ihm neben Wei 
haupt zu üheitragen, wie Zwackh in seiner Geschichte berichteU 
Bis es jedoch dazu kam, waren bereits Meinungsverschieden*' 



i 



— 12:3 — 



leiten aufgetaucht und kommt iiilblgedessen bereits sehr trüh 
die UnzutViedenheit Weishaupts zum Vorschein, Er schreibt 
daher an Zvvackh mich vorhergegangenen Klagen über die 



tkreopagiten am 26. Mai 1781: 



„Den Grad, den Philo zur Probe entworfen, und auf die 
aurerey appliciert, hat auch Mahomei entworfen. Aber die 
iVahrheit zu gestehen, keiner davon gefällt mir: es ist alles so 
ocken, so moger, hat so wenig Kinfluss auf Herz und Leiden- 
schaften, auf Änderung der Gemülher, dass man es aus allen 
Ideen sieht, dass es denen selbst nicht Ernst war, die solchen 
entworfen. 0! das ist ganz was anders, aus dem Kopf und 
aus de^n Herzen zu schreiben. Keine Ermunterung, keine Auf- 
forderung des Muthsl alles trocken oder wassericht ohne Feuer. 
Pliilos Briefe sind noch am meisten von empfundenen Innhall; 
aber sein Grad ist es nicht, wenigstens erreicht er mein Ideal 
icht. Das hat mich genöthigt, mich selbst über die Arbeit zu 
machen. Ich denke, wenn sie es lesen, sie sollen den Unter- 
schied merken, wem dabey am meisten Ernst war, und wie 
HBehr man unrecht hat, wenn man mich in meinem System irre 

^Rnaeht. Ich halte diesen Grad für ein gutes Stück Arbeit, 

^kur einen Fundamental-Grad, und doch war er nicht in unserm 
^Plan. Alles Planmachen ist dermalen umsonst, alle Entwürfe 
vom OrdenS'System sind vergebene Arbeit, sie werden es noch 
selbst finden. Man sollte die Grade nach dem einrichten, was 
die Umstände erfordern. Die Zeit und der Erfolg sollte zeigen, 
was man zu ändern hat. Ich selbst lerne täglich, und sehe ein, 
döss ich das, was ich vor einem Jahr gemacht, dieses Jahr un- 
gleich besser machen würde. Warum wollen wir eilen, Grad 
über Grad entwerfen, die vielleicht alle unnütz sind, wenn die 
Zeit kömmt, wo sie sollen eingeführt werden. Ich will mein 
System auf die Natur der Menschen bauen. Lassen Sie 
mich also erst beobachten, was gut thut, was nicht, wo man 
zur helfen braucht, und wo sie von selbst thuen, was 
man liaben will/' — 

Weishaupt war tatsächlich der einzige im Orden, der streng 
darauf achtete, sein System der Notwendigkeit unterzuordnen, 
wohl wissend, dass dadurch allein der Bestand des Ordens ge- 
sichert würde. Phantastische Grade entwerfen, ohne eine Spur 
der Notwendigkeit, dass durch diese der Zweck der Vereinigung 




Weishau pU Handschrifl. 

Origifwl QHTcr S^w«ckh» NkHIjiu im B«»iu dei Aüton, 



fach noch jetzt ongewandles, unbrauchbares Rezept, dem auch 
Knigge huldigte. Letzterem war es ebenso wie vielen Areopa* I 
^iten nur darum zu tun, viele Mitglieder zu haben, um dadurch 



— 125 — 

Eindruck zu erzielen, die geistige Qualität stand in zweiter Linie, 
Weishaupt hatte allerdings auch manche Missgriffe in der Wahl 
der Ordensangehörigen getan, war jedoch gewitzigt und vorsich- 
tiger geworden, wollte daher frühere Fehler nicht wiederholen 
und predigte stets, diese zu vermeiden. Zum Beweise nach- 
folgende Stellen aus seinem Briefwechsel an Zwackh: 

Auch*) müssen diese Grade nicht mit blossen Zahlen und 
Lückenfüllern angefüllt seyn, es sollten lauter zweckmässige 
Leute sein, die auch zweckmässig arbeiten. Es soll eine 
Mauerey seyn, die sich durch die Reinheit und Ehrwürdigkeit 
der Mitglieder, durch ihre Subordination, Bildung von allen bis- 
herigen unterscheidet. Ich wollte also nicht rathen jeden Schüler, 
wenn er auch übrigens nicht taugt, aufzunehmen. Sie sollten 
auch hier nach und nach in der Auswahl und Bildung der Mit- 
glieder so streng als bey den übrigen seyn; denn die Maurerey 
ist nunmehr mit dem Orden ein und derselbe Körper. 

Ich**) gestehe es gern ein, dass im Orden ungleich bessere 
und grössere Gelehrte sind, als ich: aber das getraue ich mir 
zu behaupten, dass Keiner von allen, auch nicht einmal Philo, 
so sehr die Kunst verstehe, die kleinsten Umstände zu nützen, 
und die Mängel und Gebrechen einer derley künstlichen Maschine 
zu übersehen. 



Philo***) sagt freylich, dass er mir 500 Menschen geliefert: 
aber 1.) sind es nicht so viele, 2.) sind seine Provinzen in einer 
Verwirrung, dass ich mir nicht zu helfen weiss. Nachdem er 
sich mit allen Leuten abgeworfen, sein Credit und Vertrauen 
verlohren, so soll ich nun wieder so die Sache in Gang bringen. 
Philo ist gut zum Anwerben, aber er hat die Geduld nicht, um 
Leute zu erhalten, prüft sie nicht genau: daher muss ich 
von all den Leuten wohl die Hälfte laufen lassen, und zum 
grössten Unglücke sind die Obern sehr partheisch, ohne alle 
Menschenkenntniss gewählt: das allein macht mir Mühe und 
Denken. 

Mitf) nächstem Bothen erhalten sie eine etlich und 20 Bogen 
lange deduction des Minos, welche sie bei ihrem Ordens-Archiv 

♦) Nachtrag v. weit. Originalschriften, S. 29, 30. 
♦^ Nachtrag S. 33/34. 
♦*►) Ebenda S. 69. 
t) Ebenda S. 88 u. 90/91. 



— 126 — 



Ijehollen können. Lesen sie solche aufmei*ksom, und urtheilen 
sie ols Jurist: sie werden finden, dass mir Philo zum Inspectorn 
von Niedersnchsen, einen Erzrosenkreutzer, einen mystischen 
Narrn gestellt, der noch dozu mit W . . . (Wollner) in corre- 
spondenz steht: der gar keine Anhiingliclikeit hat: der Bericlit 

suf 6 Zeilen erstattet. Es ist wahr, ich kann keinen 

Fehler ausstehen, und muss ihn sogleich bereden: nber fordert 
das nicht das Wohl der Sache? Ware meine Naclisicht nicht 
offenbarer Schaden? — — Dermalen steht noch alles auf 
Schrauben; lassen sie 5 oder 6 active Männer weichen, oder 
degoutirt werden, so ist alles verlohren* Und wie leicht werden 
diese Leute durch unkluge Streiche des Philo, den sie ols einen 
(»hern kennen, abgesehreckt. An Oberen sind die kleinsten 
Mängel entsetzliclie Fehler, weil die Leute von Obern eines 

solchen Instituts auch hohen Begi*iff haben. Dieses ist 

wai'um ich lärme, weil ich die Folgen vorhersehe, die ihr, meine 
Herren, erst ei-warten wollt. Ich sehe, dass beynahe noch kein 
einziger Areopagit meinen Plan ganz versteht: sie hangen noch 
allzusehr an der äussern Form, in das Innere, und Feinste 
dringt beynahe gar keiner ein. Doch lioffe ich, soll auch das 
noch gehen, wenn die Sache nicht zu frühe gänzlich ver- 
dorben wird. 

Hier folgt ein insolenter Brief von Philo; lesen sie wie er 
gross sprichL und alle Welt trotzen kann. Das konnte doch 
Cäsar und Alexander nicht. 



Die letzten Ordensgrade iiiicl Pliilos Austritt. 

Aus den letzten Briefzit-aten Weishaupls ist deutlich zu 
ersehen, dass langsam aber siclier eine Entzweiung zwischen 
Weishaupt und Knigge stattfand, die den äusseren Anlass durch 
die Ausarbeitung der weiteren Oidensgrade erhielt. Wir wissen» 
<Jass nach dem neuen Ordensplan der vierte Grad ,.der grössere 
llluminat'* hiess, dieser stammte von Weishaupt, Nach diesem 
beginnt die Arbeit Knigges mit dem Schottischen Ritler, dem 
der Priestergrad nunmehr folgte, fast gänzlich von Weishaupl 
entwoHen, und dann der Regentengrad. Weitere Grade wurden 
w^ohl von Weishaupt ausgearbeitet, sind aber niemals bekannt 
geworden und haben auch niemals im Orden Geltung be- 



— 127 — 

rmen. Weishoupl lint die betreftenden Schnflen hierüber 
sorgtallig bewahrt, gibt ober in seinen Briefen über den Inhalt 
gar keine Andeutungen und hat in späteren Jahren selbst alle 
Papiere, die heute noch Autschluss geben könnten, vernichtet. — 
Wie er persönlich nun über die Arbeiten Knigges dachte, geht 
am klarsten aus einem Briefe an seinen Intimus Zwackh vom 
7. Februar 1783*) hervor. Daselbst heisst es: 



^ Die Abteilung in A., B, und C. ist von Mahomet, und ist 
nun von dem Grad nichts weiter übrig, als die Einweihung 
eines Decanus,**) die euch noch nebst Philos Original-Cahier 
folgen wird. Ich wünsche, dass alle Ceremonien, die wirklich 
einfältig und unbedeutend sind, liinwegbleiben, und dieser Grad 
ausser den vorher aufzulösenden Fragen, der Anrede und dem 
UnteiTicht im scientivisclien nichts weiter enttialte, auch die 
Kleidung ist einfältig: wieviel Geld geht dabey verlohren. Ich 
bin der Meynung; dass die Priester ausser einem kleinen rothen 
Kreuz auf der linken Seite des Rocks nichts tragen sollen; oder 
höchstens ein kurzes bis an die Hift reichendes weisses scapulier 
oder Brust fleck unter dem Rock, auf welchem das rothe Kreuz 
angebracht ist. DerDecanusuntei^cheidet sich durch ein grössers 
Kreuz, oder trägt solches ganz allein. Philo steckt voll solcher 
Jiarrheiten, welche seinen kleinen Geist verralhen, 
B Den Regentengrad liabe ich nicht gemacht, obwohl beynahe 
alles von mir ist. Er ist ungleich unw^ichtiger, als der Priester- 
grad; und hier sieht man, wie wenig Philo im System arbeitet 
Anstatt» dass die Grade, je höher sie sind, desto wichtiger 
werden sollen, um so schlecliter w^erden sie bey ihm. Auf den 
Illum. maj. folgt der elende Schottische Rittergrad ganz von 
seiner com|>osition, und auf den Priestergrad ein eben so elender 
Regentengrod; doch w^eil es ein dirigirender Grad ist, der die 
ganze Provineial-Instruction entfaltet, so ändere ich darum nichts, 
etwelche einfältige» niederträchtige Maximen ausgenommen: aber 
über diesen hinaus habe ich noch 4 Grade schon componirt, 
wo gegen den schlechtesten der Priesteig:rad Kinderspiel seyn 
soll; doch theile ich sie Niemand mit, bis ich sehe, wie die 
Sache geht, und wer es *v*erdienl: lasse mir auch nichts darinn 
corrigieren. 



♦) NachtrapT von weiteren Onitrinalschnften, S. 94/95. 
) Vorsteher im Prieslei-grad. 




— 128 — 

Den Regentengrad schicke ich zum Abschi^eiben, sobald sie 
mit dem Priestergrad fertig sind. 

Wenn Philo sich selbst wieder, wie vor dem» an mich 
wendet, und sein Unrecht erkennt, so werde ich mit. ihnen 
wieder der alte seyn, aber suchen werde ich ilin auf keine Art; 
ich muss ihm beweisen, dass er mir nicht wesenthch ist; dass 
er dadurch, dass er beym Orden ist, nicht mir, sondern der 
Menschheit dient: dass ich nichts von ihm habe, ich auch durch 
ihn um nichts klüger geworden bin: und dass er durch seinen 
Umgang und correspondenz mit mir keinen Schaden gehabt 
Man muss seine ihm und uns so schädliche Eitelkeit nicht er- 
nähren: eben weil er gebethen sein will, muss man ihn nicht 
bitten; ich am allerwenigsten, denn mich hat er schlecht be- 
handelt, doch nicht so schlecht, als A . . und Mahomet. Wenn 
ihm die gute Sfeiche lieb ist, so wird er selbst kommen, und ich 
werde ihn mit offenen Armen empfangen: ist ihm aber sein 
Eigensinn und Eitelkeit lieber, so verdient er nicht, dass wir 
uns weiter um ihn sorgen, weil er ärger als zuvor seyn würde, 
indem man ihn gesucht, gebethen hat. Mit dem allem werde 
ich ihm das Zeugniss allzeit geben, dass er durch Anw^erbung 
wichtiger Leute um den Orden grosse Verdienste hat: aber 
ausser dem hat er mir w^enig genützt: hat mir oft manches 
verdorben, die Einheit meines Planes durch elende Einschal- 
tungen von unbedeutenden Graden sehr stark verdorben: ich 
hab ihm gewiss lang nachgegeben, aber nunmehro machte er 
es zu ai'g. — — 

Soweit Weisshaupt, Um unparteiisch zu sein, müssen wir 
jedoch aucli Knigge hören und dieser sclirieb an Zwackh den 
nachfolgenden Brief, jedenfalls als Antwort auf ein Schr*eiben» 
das jener infolge Weishaupls Auslassungen an ihn richtete. 

Catoni amantissimo S. p. et Philo:*) 

Bey der Lage, darinn ich, gewiss sehr unschuldiger Weise, 
mit Spertacus bin, war es mir ein herzlicher Trost, von ihnen, 
mein redlich geliebter Bruder! einen so freundschaftsvollen, 
gütigen, oufmunternden Brief zu erhalten. Ich w^ürde der un- 
dankbarste Mensch seyn, wenn ich nicht mit gänzlicher Offen- 
herzigkeit darauf antwortete, und Ihnen mein ganzes Herz 
ausschüttete. 



♦) Nachtrag v. w. Orig.-Schriflen, S. 99. 




-^ 129 — 



Nicht Mahomet und A . . so sehr sind Schuld an nteiner 
Trennung von Sportocus, sondern dieses Mannes jesuitisches 
Verfahren, durch welches er uns so oft unter einander entzweyet 
hat, um despotisch über Menschen zu herrschen, die, wenn sie 
nicht eine so reiche Phantasie als er vieüeicht, auch nicht so 
viel Feinheit und List besitzen, ihm wenigstens an guten 
I Willen, gesunder grader Vernunft und Redlichkeit nichts nach- 
geben, die ihm so wesentliche Dienste geleistet haben, und ohne 
welche sein, mit einigen ohne Auswahl zusammengerafften 
jungen Leuten (man denke an Tiberius, Ajax etc.) angefangener 
Orden ein elendes Ding seyn würde. Lange habe ich voraus* 
gesehen, wie er mir mitspielen würde, aber mir auch fest vor- 
genommen, ihm zu zeigen, dass bei aller meiner Nachgiebigkeit, 
und beynahe übertriebener Untenvürfigkeit, ich unwiederbringlich 
zurücktrete, wenn man mich unedel behandelt, damit er einmal 
sehe, dass man nicht mit allen Menschen spielen könne. Also 
hier ist meine Erklärung: Mit Spartacus kann ich nie wieder auf 
den alten Fuss kommen, auf welchem ich mit ihm war, aber so 
lange ich lebe, werdeich alles beytragen zum Bessten des Ordens, 
und allem, wass sie, besste Freunde! mir auftragen werden, nach 
meinen Kräften zu wirken. Jetzt komme ich zu meiner Erzählung, 

Als Spartacus anfing mit mir über den Orden zu corre- 
spondiren, da malte er mir den Orden als ein völlig a\is- 
gearbeitetes, tief durchgedachtes, weit ausgebreitetes System ab» 
und ermunterte mich, eller <Jrten erwachsene, angesehene, schon 
gebildete, gelehrte Männer anzuwerben. Ks war natürlich, dass 
diese Männer nicht nur geschwinder befördert werden wollten, 
sondern dass ich auch die Direction ohne Nachtheil meiner 
Gesundheit und meines Geldbeutels nicht lange allein führen 
konnte. Die Sache griff so geschwind um sich, dass ich endlich 
SOO Menschen zu behandeln bekam. Um nun Mittelobere an- 
setzen zu können, bat ich um die nöthigen Instructionen, mit 
einem Worte, um höhere Grade, und nun machte mich Spar- 
tacus auf einmal zum Areopagiten, und entdeckte mir, dass alle 
übrige Grade nicht fertig wären. Diess schreckte mich nicht ab^ 
nun bat ich dringend darum, eine gewisse Anzahl Grade, die 
zur Direction nölhig wären, auszuarbeiten und ver.'^prach unter- 
dessen alle meine Leute zwey Jahre lang hinzuhalten. Darauf 
schrieb er mir: ich solle alles nach Belieben machen, und so 
viel" Areopagiten aufnehmen, als mir beliebte. Ich nahm aber 
niemand zum Areopagiten auf, hielt durch unerhörte Schwanke 

EnfpeJ, Gwchiclit« des IlInmiJiHteiiordenJi. 9 



— 130 - 

und Wendungen die ältesten, klügsten Männer auf, setzte alles 
in Feuer, untergrub die stricte Observanz, arbeitete mit Hindan- 
setzung aller meiner häuslichen und anderer theils wichtigen, 
theils einträglichen Geschäfte 16 Stunden täglich für den Orden; 
nahm, um allem in diesen Gegenden so gewöhnlichen Verdachte 
des Eigennutzes auszuweichen, von niemand Geld, gab jährlich 
250 fi. Porto aus, Hess mich zu allem brauchen, schrieb gegen 
Jesuiten und Rosenkreutzer, die mich nie beleidigt haben, mich 
aber jetzt verfolgen, und arbeitete unterdessen die untern Classen 
aus. Darauf liess man mich zu Ihnen, meine bessten Brüder! 
reisen, woselbst ich soviel Freundschaft und Güte genossen habe. 
Dort wurden nun die Grade bis zum Schottischen Rittergrad 
festgesetzt. Ich kam zurück und führte diess in meinen Pro- 
vinzen ein, und legte Versammlungen und Logen an (obgleich 
ich noch immer bey dem Satz bleibe, dass, wenn man vom 
Grund auf den Orden in einem Lande ausbreiten soll, rnan 
besser thut, mit einigen geprüften Männern von oben herunter, 
als mit einer Menge ungebildeter Leute, die alle befriedigt 
werden wollen, von unten hinauf zu arbeilen),*) aber ich ge- 
horchte. Nun aber wurde die Maschine für meine Schultern 
zu schwer. Deshalb bat ich um Festsetzung höherer Directions- 
grade, nemlich a) einen kleinen Priestergrad zur seien ti vischen 
Direction; und b) einen kleinen Regentengrad zur politischen. 
Alsdann dachte ich können wir die sogenannten grösseren 
Mysterien noch immer für uns behalten, uns dahinter ver* 
stecken, und das ganze Gebäude andern Händen überliefern. 
Wir sehen, wie diese das Ding dirigiren, bleiben im Hinterhalt, 
und arbeiten nach Müsse die hölieren Mysterien aus. Wenn 
aber die kleinen Mysterien fertig sind, so will ich jeder Provinz 
einen Provinzial geben, 3 Provinzialen einem Inspector unter- 
ordnen, und diese mögen dann Local-Obere vermög ihrer In- 
struction ansetzen und alles in Ordnung bringen. Nur flehete 
ich darum, man solle für eine tüchtige National-Direction soi^gen, 
und dazu hatte A . . in Rom herrlicli Gelegenheit, hat aber 
nichts geleistete ich sollte immer alles allein thun, meine Leute 
mit Lügen hinhalten etc. 



•) In diesem Gegensatz der Änsif!hlen Weishau pla und Knigges Hegt der 
Grund ihres Zwistes Knigge hätte recht gehabt, wenn der Orden ein fertige« 
System gewesen wäre* Welshaupl konnte aber, uro nicht ins Blaue zu arbeiten 
und nach seiner Absicht, sein System auf die Natur des Menschen zu bauen. 
nur diea^s nach den sich ergebenden Notwendigkeiten bilden. 




— 131 -- 



Unterdessen fing Spnrtocus an in mich zu dringen, ich 
sollte nach Edessa (Frankfurt a. M,) eine rechte Farce vorn 
Orden legen. Ich stellte ihm vor, dass daselbst die Leute zu 

[Wenig Bedürfniss hatten, zu faul, zu wohllüstig. zu reich, zu 
republicanisch waren; aber da half nichts. Er erinnerte mich 
so oft, dass ich endlich alles versuchte. Ich äeiig nach der 
Reihe mit 10 bis 12 Leuten an, deren keiner ganz eingeschlagen 
ist, und da nun diese Leute unter 600 treuen Untergebenen 

I nicht eingeschlagen waren, und viel andere kleine zufoMige Um- 

^ stände machten dann, dass er anfieng, mich für einen höchst- 
übereiiten mittelmössigen Menschen zu halten. Er eorrespon- 
dirte hinter meinem Rücken mit meinen Untergebenen, Ich 
habe Briefe von ihm gelesen, darin n er mit denen Leuten, die 
ich aufgenommen, über mich, wie über einen Novizen raisonirte. 
Unter andern w^arf er nun sein Vertrauen auf Minos, der ein 
sehr ehrlicher, wozu ich ihn brauchte, nützlicher, übrigens aber 
sehr unkluger übereilter Mensch ist, der auf besondere Art be- 
handelt, und sehr kurz gehalten seyn will. Do ich das merkte, 
Hess ich mich nichts anfechten, machte ihm keine Voiwüife, 
sondern arbeitete den Presbyter und Princeps aus und zwar 
nach folgenden Grundsätzen. Der kleine Priestergrad müsse 
die Direction in Scientificis haben, also legte ich dabey Spartaci 
Instruction der Provinzialen in Scientificis zu Grunde: bev dem 
Regenten hingegen, als welcher die politische Direction haben 
müsse, legte ich die erste Hälfte der ProvinziaMnstruction unter, 
(Ich lasse jetzt alles für Sie, wie sie befohlen haben, abschreiben.) 
Nun kam es aber auf die Grundsätze an, welche man in diesen 
Graden lehren müsste, um im Systeme fortzurücken und da 
fiel mir folgendes ein: Man soll das Bedürfniss jedes Zeitalters 
überlegen. 

I Nun hat jetzt die Betrügerey der Pfaffen fast alle Menschen 

gegen die christliche Religion aufgebracht, aber zu eben der 
Zeit reisst wieder, wie es sehr gew^öhnlich unter den Menschen 
ist, die immer an etwas sich hängen wollen, die filmte Schwör 
merey ein. Um nun auf beide Classen von Menschen zu würken, 
und sie zu vereinigen, müsse man eine Erklärung der christ- 
lichen Religion ertinden, die den Schwärmer zur Vernunft 
brächte, und den Freygeist bewoge, nicht das Kind mit dem 
Bade auszuschütten, diess zum Geheimniss der Freymaurerey 
machen, und auf unsere Zwecke anwenden. Von einer andern 
Seite haben wir es mit Fürsten zu thun. Indess der Despotismus 



— 132 — 



derselben töglich steigt, reisst zugleich allgemeiner Freyheitsgeisl 
aller Orten ein. Also auch diese beyden Exlrema müssen ver- 
einigt werden. Wir sagen also: Jesus hat keine neue Religion 
einführen, sondern nur die nolürliche Religion und die Vernunft 
in ihre allen Rechte setzen wollen. Dabey w^ollte er die Menschen 
in ein grösseres allgemeines Band vereinigen, und indem er die 
Menschen duirh Ausbreitung einer w^eisen Moral, Aufklärung, 
und Bekämpfung aller Vorurtheilc föhig machen wollte, sich 
selbst zu regieren; so war der geheime Sinn seiner Lehre; all- 
gemeine Freyheit und Gleichheit unter den Menschen wieder 
ohne alle Revolution einzuführen. Es lassen sich alle Stellen 
der Bibel darauf anwenden und erklären, und dadurch hört 
aller Zank unter den Secten auf, wenn jeder einen vernünftigen 
Sinn in dei- Lehre Jesu findet (es sey nun wahr oder nicht). 
Weil aber diese einfache Religion nachher enlweyliet wurde, so 
wurden diese Lehren durch die Disciplinam Arcani und endlich 
durch die Freymaurerey auf uns fortgepflanzt, und alle Frey- 
maurerischen Hieroglyphen lassen sich auf diesen Zweck er- 
klären. Spartacus hat sehr viel gute Data dazu gesammelt, ich 
habe das meinige hinzugethan, und so habe ich die beyden 
Grade verfertigt, und darinn lauter Ceremonien aus den ersten 
Gemeinden genommen. Da nun hier die Leulesehen, dass wir 
die einzigen ächten wahren Christen sind, so dürfen wir da- 
gegen ein Wort mehr gegen Pfaffen und Fürsten reden, doch 
habe ich diess so gethan, dass ich Päbste und Könige nach 
vorhergegangener Prüfung in diese Grade aufnehmen wollte. (In 
den höheren Mysterien sollte man dann a) diese piam fraudem 
entdecken, und b) aus allen Schriften den Ui-sprung aller reli- 
giösen Lügen, und deren Zusammeoliang entwickeln, c) die Ge- 
schichte des Ordens erzählen).*) 

Nachdem der Presbyter, und Princeps fertig waren, schickte 
ich das Concept an Spartacus mit der Bitte, es an alle Areo- 
pagiten herumzusenden (ich hatte fast nichts gethan, als alle 
ihre verschiedenen Beyträge zusammengetragen, das mehresle 
war von Spartacus» ja fast alles), ich bekam aber in langer Zeit 
keine Antwort, meine Papiere nicht zurück, und indessen war 



*) Aus dieser SteHe wird Öfters auf den beahsiehügten Intiatt der letzten 
nie ausgearbailetea Grade: Magus und Hex Keschlossen. Man vergi^^sl 
jedoch, dass lediglich Knip/cre hier Reine Ideen kundg:ibl, WeishaufU vier andere 
Grade bereits entworfen haue, demnach Knigges Worte gar nictit in Betracht 
kommen können. 




— 133 — 



II 

I 



I 



I 



es nöthig meine Leute zu befördern, um die mehr als hercu- 
lisclie Last zu erleichtern. Endlich schrieb mir Spartecus, 
Mahomet habe zwar manches zu erinnern, doch wollte er schon 
sorgen, dass die Grade also angenommen würden. Da ich nun 
Eile habe; so solle ich die Grade nur nach meiner Art aus- 
Iheilen. Diess that ich, attestierte mit meines Namens Unter- 
schrift die Aeclitheit der Cahiei-s, und meine Leute waren ent- 
zückt über diese Meisterstücke, wie sie es nannten, ausser das 
zwey Personen kleine Einwendungen gegen einzelne Ausdrücke 
machten, welche leicht nach den Loeal-Umständen in jeder 
Provinz verändert werden können. Auf einmal schickte mir 
Mahomet nicht etwa Anmerkungen zu diesen Graden, sondern 
ganz verändertes verstümmeltes Zeug. Man verlangte, ich sollte 
meine Hefte zui-ückfordern, und als ich mich weigerte, bestand 
wenigstens Spartacus darauf, alle Abschriften selbst zu revidiren, 
den Leuten zu sagen, es hätten sich unächte Zusätze ein- 
geschlichen» um dadurch mich zum Lügner zu machen. Ob- 
gleich ich nun gewiss nicht herrschsüchtig bin, alle Provinzen 
abgegeben hohe, und selbst jetzt unter Meinos stehe, und ihm 
monatlich mein Q. L. schicke; so konnte ich doch eine solche 
Beschimpfung nicht ertragen, und da Spartacus noch dazu grob 
wird, so sehe ich gar nicht ein, warum ich mich von einem 
Professor in Ingolstadt wie ein Student soll behandeln lassen. 
Also habe ich ihm allen Gehorsam aufgekündigt; Ihnen aber 
bin ich zu jedem Winke bereit, — — — — 



Der Zankapfel zwischen Weishaupt und Knigge war der 
Priestergrad. Letzterer entwickelte Ideen, die für die damalige 
Zeit allerdings recht bedenklich erscheinen konnten, denn sie 
enthielten eine freigeistige, wenn auch keineswegs irreligiöse 
Lebensauffassung, die öfters in derber Ausdrucksweise sich 
offenbarte. Weishaupt empfand sehr schnell das Unzulässige 
der letzteren und suchte, nachdem er jedenfalls die Wirkung 
auf Neuaufzunehmende erprobt hatte, diese Ausdrucksweise zu 
mildern. Er sagt deswegen euch im Hinblick auf diesen Um- 
stand: ,^Man muss sich niemalen scheuen, eine Sache besser zu 
machen, noch \'iel weniger, wenn dadurch für unser aller Sicher^ 
heil gesorgt und Missverstand vorgebogen wird."*) 



•) Nachtrag S* 




134 — 



Knigge, der, wie aus seinem Brief hen^orgehl, den Grad 

bearbeitete und jedenfalls in der Aneinanderreihung der Weis- 
hauptschen Ideen, die der Priestergrad enthSlt, auch den seinen 
freien Lauf liess, scheute sich Jedoch zu verbessern. Den durch 
Weishaupt vorgeschlagenen Weg, die zu derben Ausdrücke als 
unechte Zusätze, die sich eingeschlichen, auszugehen, sah er 
als das Mittel an, ihn zum Lügner zu machen. Letzleres war 
jedoch unmöglich, da niemand Knigge als den Verfasser kannte. 

Jedenfalls war auf Weishaupts Seite mehr Verständnis für 
den Rntwickelungsgang einer Sache vorhanden, als bei Knigge, 
Dabei ist gar nicht zu leugnen, dass Weishaupt infolge dieses 
Anpassungsvermögens gewundene Wege gehen musste, um zum 
Ziele zu gelangen. Es ist jedoch mehr als fraglich, ob Kni^e 
mit seinem eigensinnigen Beharren auf dem einmal eingenom- 
menen Standpunkt bessere Resultate erzielt hatte, Weishaupt 
schreibt: „Ich lasse alles Anslössige hinweg; beweise und er- 
läutere alles besser; denn Philo hat es ei*sch reck lieh verdorben, 
und seithero haben sich meine Einsichten vermehrt/' Weil er 
das aber tut, kündigt ihm Knigge allen Gehorsam. — Es ist 
augenscheinlich, dnss beide Manner niclit miteinander, bei so 
verschiedenen Grundsätzen, dauernd verbunden bleiben konnten. 

Knigge braust denn auch weiterhin gewaltig auf, lässt sich 
zu Drohungen hinreissen und zeigt sich in einer theatralischen 
Pose, dabei seinen edlen Charakter öfter in das rechte Licht 
setzend. In den Seite 111—129 abgedruckten Briefen Philos im 
Nachtrog zu den Originalschriften findet jeder sehr leicht die 
Beweise. Er beschwört dort Calo, die Sache in Ordnung zu 
bringen, denn es kostet ihn w^nig, ein sehr festes Bündnis 
gegen Sportacus zu stiften, aber etwas in ihm empört sich da- 
gegen. Er droht, wenn er aber den Jesuiten und Rosenkreutzern» 
gegen die er geschrieben, nun einen Wink gäbe, wer sie ver- 
folgt, die kleine unbedeutende Entstehung des ( H'dens nur einigen 
Personen entdeckte, bewiese durch seine Konzepte, dass er einen 
Teil der Grade selbst aufgesetzt habe, wenn er versichern würde, 
dass die, welche Geheimnisse suchen, nichts zu erwarten haben, 
wenn er die Logen auf eine Association aufmerksam machen 
würde, hinter welcher die Illuminaten stecken, wenn er gewissen 
Leuten in Bayern einen Wink gäbe, wer der Stifter sei, wenn 
er sich mit Fürsten und Freimaurern wieder verbände usw. 
Doch er erschrickt vor den Gedanken, denn so weit wird die 
Rache ihn nie treiben. — Er ist ebenso bereit, ganz auf dem 




I 

■ 

I 



^ 135 — 

allen Fuss zu arbeiten, ja« die grössten Dinge für den Orden zu 
wirken, wenn man ihm aufs Neue ganz uneingeschränktes 
Zutrauen zeigt- Er versteigt sich sodann Zwackh (S- 116) und 
Weishoupt (S. 121) gegenüber zu Versprechungen, die er wie 
folgt bezeiclinet, da er in Kassel durch geheime Konferenzen 
mit dem Prinzen Karl von Hessen und andern Männern dazu 
in den Stand gesetzt sei 

a) Die ganze ächte Geschichte von der Entstehung der 
Freymaurerey und Rosenkreutzerey zu besitzen» und in die 
höheren Mysterien zu legen, wenn Sie mich so behandeln, wie 
ich es zu verdienen glaube, 

b) dem Orden Naturgeheimnisse mitteilen zu lassen» die 
erstaunlich und einträglich sind (obgleich keine Wunder), 

c) die ganze stricte Observanz nicht mit uns zu ver- 
eiDigen, sondern uns unterwürfig zu machen, 

d) dem Orden feste Grundlage, Macht und Geld zu ver» 
schaffen, ohne seine Einrichtung im Geringsten zu ersciiüttern» 

e) einen freyen Handel und Privilegien in Dännemarkt, 
Holstein etc. wie auch Vorschüsse dazu, 

f) eine machtige Parthey gegen Jesuiten, 

g) eine eben so feste Anstalt gegen die deutschen Rosen- 
kreuzer, die uns täglich gefährlicher werden. — — 



Auf Weishaupt machten diese Versprechungen keinen 
tieferen Eindruck, er sprach sich daher auch offen darüber aus, 
dass er sie als Lockspeise ansehe, worüber natürlich grosse 
Empörung Philos. Letzterer versteigt sich infolgedessen in 
späteren Briefen zu immer heftigeren Drohungen und klagt gegen 
Cato am 27, März 1783 im dramatischen Tone: — Nur ausFreund- 
ehaft» aus zärtlicher inniger Liebe und Freundschaft zu ihnen, 
meine geliebtesten theuersten Bruder! will ich noch gegen 
niemand Ött'entlich reden. Aber wenn Sportacus zwischen 
beute und dem 26ten April nicht alles gut macht — dann 
stehe ich für nichts. Ich bin bin im Stande, alles zu zernichten, 
Areopagiten in Menge zu machen, das ganze System zu zerstören, 
— Ol halten Sie mich ab zu Ihun, was ich ungern thue — 
Ich fange an zu ar-gwöhnen — Sollte selbst Spartacus ein ver- 
larvter Jesuit sein — denn bin ich der Mann, der ihn zu Boden 
schlagen kann — Gottl welch ein Mensch I — 

Knigge schlug jedoch Weishaupt nicht zu Boden, sondern 
beruhigte sich wieder. Er schrieb am 3L März, also vier Tage 




— 136 — 

später bereits in ganz anderem Tcme einen höchst charak- 
teristischen Nachtrag zu seinem zurückgekommenen Brief, der 
hier unverkürzt wiedergegeben sein mag, um Knigges Art und 
Pläne, die in seinem Kopfe schwirrten, zu kennzeichnen. Dos 
bisher ungedruckte Üriginal befindet sich im Geheimen Haus* 
Archiv zu München: 

Nr. 123. Nr. III. d. 31. März 1783. 

Aus Unordnung der Posten, ist mir mein Paket an Sie 
wiederum zurückgeschickt worden, weil ich es nur bis Schmal- 
kai den frankiert hatte, das gibt mir Zeit Ihnen 
und den sämtlichen Areopagiten folgendes vorzutragen : 

Ich setze voraus: 

L dass es nur sehr vortheilhaft sein würde, (ja! dass es in 
unseren Plan gehört) alle Fry.-Mr Systeme in unsere Gewalt zu 
bekommen, weil sie unseren Weg durchkreutzen. 

IL dass das aber auf eine Art geschehen müsste, dass wir 
weder Gefahr laufen verrothen, noch in unserer festen Einrich- 
tung erschüttert zu werden. 

IIL dass es uns ein walirhafter Ernst ist, für das Wohl 
der Menschheit, und nicht zur Befriedigung unseres kleinen 
Eigennutzes, unserer Herrschsucht nach anderen Leidenschaften 
zu arbeiten, und dass jeder redliche Mann willkommen seyn 
muss, der Fähigkeiten und guten Willen hat, auf unsere Art 
zu gleichen Zwecken an einem Werk theilzunehmen, welches wir 
aus redlichem Herzen, für das allgemeine Wohl zu Stande 
bringen; denn wir haben doch kein Monopolium für die Mensch- 
heit zu arbeiten, würden im GegenthcÜ selir glücklich sein, 
wenn die ganze Welt nach einem sehi* edlen Plan regiert würde. 

IV. dass wenn uns ein anderer überzeugt, dass man auf 
bessere Art für das Wohl der Menschen wirken kann, als wir 
thun, wir unseren Operationspion umändern müssen. 

V. dass wenn uns jemand richtige Kenntnisse, die der 
Menschheit unendlich interessant wären, mittheilen wollte, wir 
uns nicht für so überklug holten sollten, diesen Mann von unserer 
Thür wegzujagen, sondern erst seine Bedingungen zu hören. 

Das setze ich voraus, denn wenn z, B. ein lebhafter un- 
ruhiger Kopf, der allerley Zeug unter einander gelesen hätte, 
mit diesem Plunder ausstaffiert, in einem Lande, wo man sehr 
weit in der Aufklärung zurück wäre, sich so hoch stehen fühlte, 
dass er sich zum Reformator aufwüife; wenn dieser nun ein 




137 



Svslem zusammenflickte, woraus hie und da ein Funken von 
lichtvoller obgleich erborgter Grösse hervorleuchtete, wenn er 
den Jesuiten die Künste ablernte, gutwillige, zu allem Edlen 
bereitwillige Menschen für das scheinbare System mit En- 
thusiasmus zu erfüllen, w^enn das ihm um so leichter in einem 
Lande gelänge* wo das Bedürfnis so gross, der Drang nach Auf- 
klärung und Freyheit so lebhaft und die Kenntnisse der Lite- 
ratur so geringe waren, dass dieser Mann die herzliche Freude 
hatte, alle seine Aufsätze, worin vielleicht nicht ein Wort seyn 
wäre, für eigenes Fabrikat geltend zu machen; wenn er dann 
die besten Köpfe an sich zöge, die Kenntnisse eines jeden nützte, 
sie aller Gefahr einer undankboren Arbeit aussetzte und sie dann 
untereinander, damit er im Trüben fischen, immer für den Klügsten 
und Besten gelte, die zu geraden feinen Köpfe, w^enn er 
ihnen den Honig gestohlen, niuthlos machen und entfernen 
könnte; wenn er nun die Pläne ergriffe, die ihn mächtig 
und grösser machen könnten, alle übrigen aber elend und 
jämmerlich fände, folglich eine Menge Menschen blos deswegen 
in Bew^egung setzte, damit er die Wonne hätte, bey einem Pfeif- 
chen Taback sich selbst zu sagen: „Wohl dir Heber Magisterl 
hier in Leipzig drehest du Nasen in aller Form, füi" Männer 
aller Art, von denen zum Theil die undankbare Welt sagt, dass 
du nicht werth seyest ihre Schuhriemen aufzulösen; wenn 
dieser Elende \ielleicht gar von den Jesuiten heimlich gedungen 
wäre, möchte er auch noch so sehr aiii* dieselben schimpfen; 

Oder wenn ein anderer mit gutem Talente und wai-men 
Herzen, aber mit einem unbezwinglichen Hochmuth, mit gänz- 
lichen Mangel an Weltkenntnis, ein solches Werk anfinge; wenn 
er schwankend in seinen Grundsätzen, seine Mitarbeiter übel 
wählte, bald diesen Mann für einen Engel, bald denselben für 
einen Teufel, einen schiefen Kopf, für ein Wissen-Genie, einen 
Sokrates, für reif zum Tollhaus liielte: 

Ja, dann würde ich es für Pflicht halten, eine dergleichen 
Anstalt zu zerstören, sollte mir es auch das Leben kosten und 
jenen Schurken und diesen Herren öflenilich an den Pranger 
zu stellen, um manchen redlichen Mann vor Thorheit und Ge- 
fahr zu retten! 

Aber Gott sey Dankl Wir sind in diesem Falle nicht, wir 
stehen nicht unter einer sklavischen Regierung. Wer von uns 
Areopagiten würde sich auch so blindlings führen lassen? Wir 
haben ein überhaupt, dem wir uns freywillig unterworfen haben, 



1S8 — 



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damit es, mil unserer Hülfe, den Orden nach Gesetzen regiere, 
die wir selbst gemacht haben, und diese Gesetze beinihen aul 
die, eben vorausgeschickten Grundpfeiler. 

Nun hat sich folgende Begebenheil zugetragen, die ich 
geradezu erzählen will, und dann mögen Sie übrigen Areopagitea 
entscheiden» ob ich recht oder unrecht gehnndelt habe, ob Sie 
mich schützen, oder mich mir selbst überlassen wollen, der ich 
mich auch selbst schützen muss und kann. 

Ich bekam von unserem General vor ein Paar Jahren Er- 
laubniss so viel Areopagiten zu machen, als ich zu meiner 
Hülfe nötig finden würde. — Ich machte nicht einen einzigen, 
aus Vorsicht, um sicherzugehen* Der General bath mich, 5 Pro- 
vinzen von Deutschland unter meiner Direktion im Auge zu be* 
halten, ich gab sie alle ab, weil mir es nicht um Ansehen und 
Macht zu thun ist, sondern nützlich zu werden, behielt aber 
vorerst die noch nicht in Ordnung gebrachte Provinz Jonten un< 
Prafcktur Klein Lydien* Dabei begnügte ich mich, nur zu rathen 
weil ich den Zustand der Freymaurer besser kenne als er 

Spartacus erlaubte mir vor dritthalb jähren, dem Herz- 
Ferdinüud und den übrigen ChefTs der stricten Observanz einen 
Wink zu geben, dass wir uns mit Ihnen in Unterhandlungen ein- 
lassen wollten. Ich that dies, mit ausserster Vor-sicht, Hess mich 
aber nicht weiter heraus, verschob alles, um Zeit zu gewinnen^ 
nahm indessen die edelsten Menschen aus der stricten Obser» 
vanz in unser Bündnis auf und Hess die Zeit des Convents in 
Wilhelmsbad herankommen. 

Von allen dort vei-sammellen Männern gefiel mir der Lega- 
tionsrat Bode am besten. Es ist nur eine Stimme über ihn. 
Er ist in und ausser Deutschland als ein trefflicher SchritV 
steller, kluger, geschickter, streng i-echtlicher Greis, der ohne Voi^ 
urtheil Wahrheit zu finden und nützlich zu werden suclit, be- 
kannt, . . Ich nahm ihn unter dem Namen Aemilius auf, denn 
er wohnt in Jonien, wovon ich noch vorerst Provinzial bin 
Da ich indessen den Epaminondas in Tarsus unter dem Namea 
Hierotheus selbst zum Inspektor über Jonien und Aeonien an- 
gesetzt hatte, so berichtete ich an diesen, als wenn er mein 
Oberer wäre, ordnungsmässig, und alles ging envünscht. Aemilius 
ist voll Eifer für den Orden, fest entschlossen, alles insgeheime 
so zu lenken, dass wir die stricte Obsen'anz in unsere Gewalt 
bekommen, ohne dass sie es selbst gewahr wird. Er hat in 
meine Hände sehr wichtige geheime Nachrichten über die Ent 



I 




— 139 — 



ihung der Freymourerei und Rosenkreutzerei gelegt, will diese 
Orden schenken, sich in seinem 54t. Jahren gänzlich von 
IS leiten lassen und die Ausbreitung in Jonien übernehmen, 
>zu er den herrlichsten Grund gelegt hat, (wie ich nachher 
id noch künftig erzählen werde). Als ich diese freudige Nach- 
icht meide, bekomma ich auf einmal einen von Spartacus durch 
BJnen eigenen Recepten-Hierotheus mir insinuirten Befehl: 

Die Oberen verlangten nichts zu wissen, verlangten keine 
Bwalt über andere Systeme, ich soll den Aemilius weder weiter 
befordern, noch ihm Papiere geben, und in Obersachsen ver- 
yj|knge man keine Etablissements zu haben. — Gott erhalte 
Hfiseren würdigen General bis zu den spätesten Zeiten bey ge- 
sunder Vernunft. Es muss ein Irrtum mit diesem Befehle er- 
gangen seyn. — 

^f Da ich indessen den Aemilius, wie jeden Minervalen er- 
laubt hatte, in Jonien Mitglieder zu insinuiren, so schlug er mir 
Km regierenden Herzog von Gotha vor. Man erkundige sich 
o man will, und wenn man ein anderes Urteil über diesen 
üi'sten hört, als folgendes: so will ich lebenslang in's Tollhaus 
gesperrt werden, oder in Ingolstadt Menschenkenntnis lernen: 
„Der Hei'zog von Gotha ist der besste Landesvater, der h^eueste 
, freu nd, der festeste, redliche, massige, bescheidene Mann von 
PPHdem Kopf, ohne Vorurtheil und Fürslenstolz, gerecht bis 
zur Strenge, w^ohlwoUend bis zur Weichlichkeit. Den Mann, 
den er als Richtei* sein Vermengen einziehen muss, beschenkt 
er heimlieh als Mensch dojjpelt, den Bösewicht, den er als 
Herzog zu einer körperlichen Strafe verdammt gibt er durch 
Briefgen von unbekannter Hand einen Wink, sich vorher aus 
^em Staub zu machen. Er ist ein Oberer des Zinnendorfischen 
^vstemsl aber nicht aus Vorliebe anhänglich an dieses System; 
sondern in Wahrheit. Das Jahr hindurch, wenn er nicht zum 
Obern gewählt ist, gehorcht er pünktlich, wie der gemeinste 
Freymaurer. Die anderen Fürsten hüben ihn nie bewegen können, 
zur slricten Observanz überzugehen, seine Antwort war: wer 
mich haben will, der muss mir etwas besseres geben. Konnte 
es eine Frage sein, ob man einen solchen Fürsten aufnehmen 
soll? Man müsste denn besorgt seyn, nur solche Menschen 
hoben zu wollen, die man bey der Nase herumführen kann, und 
das ist Gott sey Dank unser Fall nicht. — Ich nehme den 
Herzog auf, hier sind zwey Briefe von ihm an Bode, darüber 
Anlage a und B. Es war nicht möglich, ihn so zu behandeln 




— 140 — 



wie man andere behandelt. Ich liess ihn einen so bündigen 
Revers eidlich unterschreiben, als je einer unterschrieben hal 
Von beyden Theilen verbanden wir uns, wenn wir nicht ein 
werden könnten, ewig zu schweigen. Aber nun las er die 
O.-Papiere, und sehen Sie, was er daüber sagt, ob er Wahrheit 
und Licht vertragen kann» ob er nicht die wichtigste Aquisition 
ist, die wir je gemacht haben 1 Spartacus weiss noch nichts von 
seiner Aufnahme. Er hat versprochen, sogleich eine Buch- 
druckerey fiir uns anzulegen, alles zu thun was in seynea 
Kräften steht, und nichts zu thun, als was wir befehlen. Dies 
hat er noch den letzten Tag mit Thronen in den Augen ge- ' 
schworen- Ich bitte dies alles an Spartacus zu melden, aber 
doch baldmöglichst. 

Der Prinz Carl von Hessen ist die wichtigste Per*son im 
System der stricten Observanz. Man hält ihn für einen Schwärmer. 
Aber ich habe mit ihm über manche wichtige Gegenstände ge- 
redet und einst sollen Sie es, wenn Sie wollen, erfahren doss 
er bey meiner Seele 1 kein Schwärmer ist. Des guten Minoi 
unversöhnlicher Privathass gegen die, welche an der Spitze dep 
Freymaurer stehen, hat diesen armen Fürsten, der wie aU( 
Prinzen, Professoren, Bäthe, Bannerherren, Ofüziers, Prieste 
und übrigen Menschenkinder seine t'ehler hat, von einer solcheni 
Seite geschildert, dass Spartacus, der zuviel Gescliafte hat. um 
mit eigenen Augen zu sehen, jetzt sehr gegen alle Menschea 
eingenommen ist, die in Wiihelnisbad gewesen sind, oder dei 
Bruder Minos ersle Vorlesung ein bischen übereilt, und ata 
unrechten Platze angebracht gefunden haben. Ich, der ich ohne 
Leidenscliaft Fürsten und Professoren darauf anblicke, wie sie 
als Menschen aussehen, ich linde folgendes zu überlegen; 

Der Prinz Carl hat redliche, gute Absichten. Wenn ef 
fehlt, so fehlt er, weil er nicht geleitet wird. Sein Einfluss in 
der politischen Welt ist gross, und wohin er kommt, da liebt 
und schätzt ilm jedermann. Was geht es mich an, zu welchem 
System er gehört? Lassen sie uns ihn aufnehmen 1 Wenn et 
nicht gehorchen will, ey nun! so lasst man ihn laufen wie jeden 
anderen Minen'alen, Schlägt er gut ein; sn ist dasein grosser 
Gewinnst, Uebrigens ist er von sehr grossen Gewicht in dei 
Freymaurerey und da unsere Logen Association von dem Herrn 
General ohne mich zu befragen (da ich nicht nur als Areopagit 
verlangen kann um alles befragt zu werden, sondern auch mehr 
von den feinen Verbindungen und Verhältnissen der Logen 





— 141 



als Spartacus und Minos, de noch dazu bey Letzterem 
ndenschaft sein gutes Herz berauscht)* da diese Association 
Ige ich, auf die allei^unwürksamste Art angefangen wird, wie 
|e es einst empfinden werden, und ich schon durch meinen 
Briefwechsel weiss, so dünkte es mir eine sehr gute Sache, nun, 
idem von meiner Seite die vielfältigen widrigen Vorfalle die 
Iriete Observ^anz ein wenig von ihrem Stolze herabstimmte, 
rir dann von einer andern Seite einen nach Wahrheit und Güte 
lurstenden Mann wie der Prinz Carl ist, eine Aussicht er- 
fneten, etwas Solides zu finden und ihn dann zwangen, die 
Intere Freymaurerey naen unserem Plane einzurichten. 

Da ich nun, wie eben erwähnt worden, längst auf Spartacus 
Jefehl mich der stricten ObseiTanz entdeckt hatte, und seit der 
Zeit oft von dem Prinzen Carl gepresst wurde, ihn aufzunehmen; 
bno entschloss ich nun, es unter folgenden Bedingungen zu thun, 
^prozu ich wieder AemiUan vorschob. 

■ 1. Er muss sich behandeln lassen» wie jeder Andere, folg- 
■lieh sich entweder von unseren Obern leiten lassen, oder ab* 
^treten. 

H 2. Wenn er glaubt, dass eine Vereinigung unserer unteren 
^Logen für sein System zu wünschen wäre; so muss darüber mit 
^unseren Obern iraclirt werden, ohne dass dies auf des Prinzen 
[Verbindung mit uns Einfluss hohe. 

B 3. Er bekömmt keine Schriften in die Hände, und wenn 
^ die ganze Sache nicht zu Stande kömmt, so ist er entweder 
Mitglied unseres Ordens oder er schweigt 

4, Unsere hölieren Mysterien bleiben ihm so lange ver- 
3i^en, bis er nach seinen Kräften für die gänzliche Gründung 
les niederen Operatinnsplanes thätig gewürkt hat. 

Dies alles hat er nicht allein unterschrieben (doch mit 
ler Bedingung, dass indessen seine Handschrift bey mir deponirt 
)leiben) sondern hat zugleich 
^_ a) beiliegende \'ollmacht (Anlage C) auf Aemilius ausgestellt, 
^B b) Mir musst seine Ehre versprechen, wenn er überzeugt 
^V§re, dass er nun endlich die in der Fr. M. so lange vergeb- 
lich gesuchte Gesellschaft uneigennütziger, edler Männer ge- 
funden hätte, so wolle er diejenigen nicht übernatürlichen, aber 
^■ehr wichtigen Naturkenntnisse, welche ihn St. Germain und 
andere gelehrt, nemlieh den jetzt in ganz r>eutschland so be- 
rühmten Gesundheitsthee zu machen, Diomonten von Flecken 
zu reinigen, die Composition des goldähnlichen Metalls, wovon 




— 142 — 



in Ludwigsburg die so einträgliche Fabrik angelegt worden, undl 
viel grössere Dinge in unseren Schooss legen, 

c) uns dann grosse Handelsvorteile in den dänischen Staaten | 
verschaffen. 

So stehen die Sachen — habe ich gut oder schlecht ge- \ 
handelt? Ich bin wenig dabey interessiert, weiss was ich zu thun 
habe, es gehe, wie es wolle. Mir kommt es darauf an Gutes 
zu stiften. Für mich verlange ich weder Geld noch Ehre. Aber 
Gründe will ich hören, und wenn ich sehe, dass auch bey uns 
Vorurtheil, Eigensinn, Leidenschaft herrschen, dann suche ich 
mir andere Milverbundene aus, und rette meynen Ruf, bey denen 
ich für die Güte und Grösse der Sache Bürge geworden bitu 
Ueberlegen Sie alles. — Ich bin nicht dafür bekannt, Fürsten- 
knecht zu seyn, aber einen solchen regierenden Herrn zur Be- 
förderung unserer Br. Br. in Beu^egung zu setzen, das dünkt 
mich nicht zu verachten. — Richten Sie mich! nur Spartacus 
allein kann und soll mich nicht richten. 



den L AprilL 
Ist Spartacus zur Billigkeit zurückzuführen, so verlange 
ich nichts, als dass er mir sein Zutrauen wieder zeige. Aus 
Leidenschaft kann man leicht fehlen, ja, ich bin bereit, wenn 
er es wahrlich aufrichtig und ehrlich mit mir meint, _ 
ihm zuerst die Hand zu reichen. | 

2. Er muss aber olles, was er etwa in der Hitze an Leute, 
die nicht Areopagiten sind, gegen mich geschriben hat, auf eine 
gute Art w^iderrufen, weil es, wegen der Folgen nötig sein wird, 
dass w^ir uns selbst unser Ansehen nicht rauben, 

3. Ich komme auf meine Kosten mit Bode und einen 
Deputirten der vereinigten Loge nach Bayern, um die Ver- 
bindung der blauen Loge und was sonst zu verbinden ist, zu 
Stande zu bringen. 

4. Das Ganze muss (besonders vor Minos und jedermann) 
ein strenges Geheimnis bleiben. Philo. 

Die Anspielung in Punkts bezieht sich auf die Errichtung 
des Eklektischen Bundes in der Freimaurerei, der auf Kniggea 
Betreiben zwar zustande kam, dessen Entwurf Jedocli von ihm 
aus egoistischen Triebfedern ausgearbeitet war. Für letzterei 
Tütsache ist der mitgeteilte Brief ein unumstösslicher Beweis. 





— 143 — 

Anlagen, zwei Briefe des Herzogs Ernst von Gotha und ein 
ief des Prinzen Carl von Hessen, die Knigge erwähnt, lauten 
unverkürzt wie folgt: 

den 3L Januar 1783 
Hier, mein bester Bodel erholten Sie die erste Classe der 
r anvertr^iut gewesenen Schriften, nebst Ihrem Togebuche vom 
llhelmsbader Conv. mit dem theuersten Danke zurücke. 
Erstere iiabe ich als ein Meisterstück menscliliciier Einsichten 
I in die Grunderkenntnis des Menschen selber, bewundert, aber 
bei weitem nicht genug durchstudiert und hiezu gehört viel und 
lange Zeit Bios die Übersicht derselben überzeugt mich, dass 
die Manner auf dem rechten Wege sind, um auf andere zu 
würken. — Nur der Zweifel ängstigt mich, das nicht ganz reine 
Absichten zu Grunde liegen. Ware dieses, so würde das In- 
stitut eines der gefahrlichsten seyn, das je erdacht und ersonnen 
worden wäre. Im Gegenteil aber, hegen unsere neuen Obern 
Liebe zur Wahrheit, wie ich mich dessen nur allzugerne 
schmeichle und zu überreden suche, so werde ich mich ihnen 
mit den aufrichtigsten und reinsten Vef^nügeu gerne überlassen. 
Haben Sie denn schon daran gedacht Ihren neuen Schüler Ini- 
tirten einen Namen beyzulegen? Ich beschwöre Sie indessen 
lieber Freund, ja Ihres mir gegebenen Worts bey Ihrer Rück- 
kehr nach W. eingedenk zu seyn und mir sobald es erlaubt 
ist, diese Schriften abschreiben zu lassen und hier die Ver- 
sicherung meiner Dankbarkeit und Freundschaft mit Nachsicht 
und Ueberzeugung anzunehmen. Ernst. 

Id. 12, Febr. 1783 
Hier, mein bester Bodel erhalten Sie die letzten Hefte, die 
Sie mir zu Weimar zum Lesen anvertrauten mit dem ergeben- 
sten Danke zurück. Die Sache ist äusserst interessant, aber 
auch so weitaussehend und compUciert, dass ich mir nicht ge- 
traue, über das erste Mal Durchlesen, dieselben im geringsten 
ein anderes als sehr generale« Urteil darüber zu fällen. Mehr 
Scharfsinn, mehr Folge eines ausgedachten und lange wohl- 
überlegten Planes lässt sich iiiclit leicht in einen engen Raum 
^pr Hefte zusammendrängen, als es hier geschehen ist. Ich 
erstaune nur, kann es noch nicht so vollkommen im ganzen über- 
sehen als ich es w^ohl wünsclite, und es bey einer so Hüchtigen 
Leetüre möglich war Durchstudieren und viel Monathe darüber 



- U4 



nachdenken möchte ich wohl solches im ganzen kennen. 
geachtet alter der Bitterkeiten, die über die Vorurtheile meine^ä 
Standes darin befindlich sind, so bin ich doch aufrichtig zu reden, 
völlig mit dem Verfasser dieser Schriften einig, und wünschte 
im Stande zu seyn, sie zu überzeugen, duss es dennoch auch 
redliche Herzen in dieser Classe Menschen gebe. Einige kleine 
Zweifel über die Reinigkeit der Absichten sind mir .noch nicht 
ganz pelioben, auch glaube ich hin und wieder einige Widet^ 
Sprüche bemerkt zu haben, doch dieses alles ist vielleicht die 
unvermeidliche Folge einer allzuschnellen Uebersicht des Ganzen, 
und ich beschwöre Sie bey der Freundschaft und dem Vertrauen, 
womit Sie mich brüderlich beehren, mich so bald als möglich 
in den Stand zu setzen, das Ganze mit kaltem Blute durch* 
denken und studieren zu können. Ich versichere Sie bey dem 
Worte eines elirlichen und die Wahrheit und die Menschen 
liebenden Mannes, mich sobald als alle Zweifel gehoben, und 
ich ganz überzeugt sein werde, für die Ausbreitung und Anlage 
dieses so weit aussehenden Werkes aufs eifrigste und warraste 
zu verwenden. Ja, ich woge es Ihnen zu gestehen, dass ich glaube 
Fähigkeit und Oei'ufim innersten meines Herzens zu empfinden, 
um mich der guten Sache ganz zu weihen, und vielleicht solche 
mehr, als irgend ein anderer Mensch befördern zu können 

Bey Ihren Gesinnungen mein lieber Bode! bey der meinigen 
kann der Menschheit überhaupt kein Schaden hierbey erwachsen, 
mit weniger redhchen Herzen und Absichten als es die unsrigen 
sind, konnte demnach, dünkt mich, einiger Missbrauch entstehen. 
Für mich und für die Reinheit meines Herzens kann ober mit 
Gewissheit rechnen p. p. Ernst 



Copey einer Vollmacht des Prinzen Carl v. Hessen 
an den Brd. Bode. 



Der hoch würdige Bruder Bode hat mir von Seiten einefl 
gewissen geheimen Gesellschaft so schatzbore Beweise ihre*! 
gegen mich hegenden Vertrauens gegeben, dass ich solche nicht' 
aHein dankbar, sondern euch auf das vollkommendste zu er 
widern wünsche, da mir auch nichts mehr angelegen ist, als 
zu den aus den Akten und Papieren dieser ehrwürdigen Ge- 
sellschaft mir bekannt gewordenen, guten, einsichtsvollen, auf 
die Wohlfahrt und Verbesserung des Menschengeschlechtes ab* 




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ielenden Endzweck und Veranstaltungen, soviel mir immer nur 
'möglich» beyzutragen, und mich dazu mit derselben zu verbinden, 
so erlheile ich als Prinzipot-Grossmeister der Ordens der Frei- 
maurer in ganz Deulsehland, gedachten, mir besonders werten 
Br. Bode hierdurch den Auftrag, mit dieser ehrwürdigen Ge- 
ellschaft in meinem Nahmen in Unterhandlung zu treten, mich 
il den ersten hohen Obern derselben, nach meinen ihm be- 
ussten Grundsätzen bestens bekannt zu machen, und ihnen 
meinen aufrichtigsten Wunsch, mich unmittelbar selbst mit 
ihnen zu vereinbaren, erkennen zu geben, damit ich durch diese 
nähere Vereinigung in den Stand gesetzt werde, in den mir an- 
ertrauten Provinzen mit Nutzen und sicherem Erfolge wirksam 
zu seyn. Indem aber auch zugleich von meiner Seite diesen 
ehrwürdigen Obern mit jeden von mir abhängenden Beweise 
meines Zutrauens und meinei- vorzüglichsten Hochachtung ent- 
legen zu gehen, so erteile ich dem hochwürdigen Bruder Bode 
iermil die Erlnubniss, und gebe ihm brüderlich auch Ihneu 
alle auf dem Gcneral-Gonvent des Ordens in Wilhelmsbad vor- 
egongenen Verhandlungen aus den Akten und Protokollen des 
onvents mitzuteilen, auch ihnen nichts von dem hinterhalten, 
ras ich ihm selbst bey mehrerer Gelegenheit über die Verfassung 
und die gi^ossen heiligen Absichten des Ordens anvertraut habe, 
n dessen Urkvuide halie ich diese Vollmacht eigenhändig unter- 
ichrieben und besiegeln lassen. — 

So geschehen Weissenstein, den 10^ März im Jahre Ein- 
tausend siebenhundert Drey un dachtzig, 

Carl P. zu Hessen. 



Die Mitgliedschaft des Herzogs Ernst v. Gotha sollte einige 
Jahre später füi' Weishaupt von grösstem Nutzen werden, denn 
nur dadurch, dass dieser edle Fürst ilun seinen Schutz verlieh, 
rettete er Weishaupt vor Unteigang und sichei*em Verderben. 

Trotz aller Verdienste, die unzweifelhaft Knigge sich um die 
Ausbreitung des Ordens erwarb, blieb der Riss zwischen ihm 
und Weishaupt unheilbar. Veigleicht man kritisch alle die 
Gründe, die solchen Gegensatz hervorriefen, so findet mau immer 
wieder, dass Weishaupt als der Manit der ernsteren, inneren 
Arbeit angesehen werden muss, Knigge als der Hascher nach 
:Susserem Glänze, unter Vernachlässigung des eigentlichen Ordens- 
weckes, Diese Ansicht spricht indirekt auch Zwackh in seiner 
Ordensgeschichte aus und beweist dur-ch Aufzählung der Namen 




— 146 - 

hen^orragender Mitglieder, dass Knigge durchaus nicht so leicht 
imstande gewesen wäre, seine Drohung, alles zu zernichten, 
auszuführen. 

Knigge einigte sich 1784 mit den Areopagiten über seinen 
Austritt, der alsdann am L Juli desselben Jahres erfolgte, kurz 
bevor die Verfolgungsperiode des Ordens eintrat 

Zwacks Ordensgeschichte, im Anschluss an den bereits be- 
kannt gegebenen Teil, muss hier der Vollständigkeit wegen ein 
gefügt werden; sie gibt dem Leser wertvolle Gesichtspunkte 
zum Verständnis des Weiteren. 

§ 12. 

Unter diesem Titel (den der Illuminaten-Freimaurer) wurden 
nun in ganz Deutschland Männer von entschiedener Gelehrsamkeit, 
Ansehen und Würden angeworben, und einige davon zu areo- 
pagiten aufgenohmen. Ich nenne von diesen letzteren nur die- 
jenigen, welche die einzigen w^aren, die Einfluss auf Bayern 
hatten und die hinlängliche Bürgen sind, dass die Direction des 
Ordens in keine unwürdige Hände gekommen und missbraucht 
worden sey. 

Graf Stollberg zu Neuwied wurde zum Natzional von 
Deutschland ernannt. Weishaupt übernahm mit dem Kammer- 
gerichtsassessor von Dietfurth das Amt eines Präfect und 
Inspektors der deutschen Directionen und Graf Stahemberg, 
Domherr zu Eichstedt vermehrte die Zahl der fränkischen, sowie 
Graf Kostanza, nachdem er von seiner Maurerischen Reise 
wiederum nach Bayern zurückkam, jener der bayerischen areo- 
pagiten. Die schon angezogene ßeylage*) bestimmt genau den 
Zusammenhang der Direction und es erhellt daraus, dass in 
keiner Provinz ohne Vonvissen der ersten Ordens -Vorgesetzten 
etwas ausserordentliches konnte unternohmen werden, sodass 
alle nur auf einen Zweck und nach dem allgemein beliebten 
Plan arbeilen mussten. 

§ 13- 
Wegen Bayern verdient hier noch besonders angemerkt 
zu werden, dass das geheime Kapitel aus nachstehenden Mit- 
gliedern bestand, nehmlich Graf von Törring Seefeld, HotTcammer- 
Präsident, Professor Bader, Revisionsrath von Berger, Grafen 

*) Es ist dieselbe; die im Nachtrag der Origmalscbriflen s, Zt. bekannt 
gegeben wurde. 



I 



— 147 — 



5ö\'ioIi, Revisionsrath von Werner, Marquis von Kostanza, 
lofrath Zwackh, Freiherr von Monjellas, Kanonikus Hertel, 
Neben diesen hatten den Schottischen Rittergrad Graf von Seins- 
heim, Baron von Ecker, Major von Ow, Pfarrer Socher und 
Bucher, der Schulrat Franhofer, Freiherr von Meggenhofer, 
Professor Grünbeiiger, Apotheker Wörz und Unterbibliothekar 
Drechsl, welche entweder wegen Abwesenheit von München, 
oder anderen Ursachen in dem geheimen Kapitel keinen Beisitz 
hatten, sondern nur den förmlichen Versammlungen des 
grösseren und dirigierenden Illuminaten beywohnten. Weil den 
Münchener areopagiten durch ihre gehäuften Berufsgeschäfte 
nicht so viel Zeit mehr übrig blieb, als der Orden erforderte, so 
übergaben sie die Stelle eines Provinzialen dem Grafen Kostanza, 
jedoch dei^estalten, dass Ihnen dieser von Zeit zu Zeit das 
f Wichtigere vortrögen, und auf Verlangen in allen Dingen Ein- 
Feicht geben musste, auch wurden um eben diese Zeit Graf 
Sinsheim, Regierungs-Vizepresident, einstimmig dem Provinzial 
Collegio in Bayern einverleibt. 



§ 14. 



H Nach dieser Verfassung und unter Anführung so vieler 
^ehrw^ürdiger Männer, versprach sich der grössere Theill des 
lUum, Ordens eine ruhige, ewige Fortdauer, es mangelte auch 
an dem Fleiss der mittel und unmittelbaren Oberen gewiss 
nicht, diese berichteten und jene entscliieden pünktlich, aber 
dadurch w^urde der Orden mit den nötigen Kenntnissen nicht 
bereichert, deren Sammlung seinem Zweck das Verträglichste 
hatte seyn sollen und von welchen man den Mitgliedern einen 
so grossen Vorrath versicherte» Es schien, dass diese ganze 
Epoche mehr zu der äusserlichen Zierde als zu der innerlichen 
Verstärkung angewendet wurde, und ausser Weishaupt werden 
wenige an dem Hauptplan und den sogenannten Mysterien 
etwas bearbeitet haben. Desswegen kam auch ausser den 
bisshero gesagten Graden keine weiteren mehr zu Stande, und 
eben war man im Begriff den von W. entworfenen Provinzial- 
grad, oder Sacerdotium, zu durchlessen, worin die Wissen- 
schaften abgetheilt, jedem eine gewisse Klasse von arbeiten an* 
gewiessen, die Methode ihren Unterricht zu erleichtern gezeiget 
und das resultat voiigelegt wurde, was bissher in jedem geleistet 
worden, dann wo nun mit der weiteren Erforschung anzubinden 

j wäre» als der schon längere Zeit von Jesuiten, Mönchen, Rosen* 

10* 




— 148 — 

kreutzern und Sektirern, gewissen sonderböhren Verbindungen 
ausgestreute Srtamen der Zwietmcht Wurzel fosste und der 
erste Sturm in Bayern eben gegen diejenigen ausbrach, welche 
die ersten Stifter und die thätigsten Arbeiter stetshin gewesen 
waren; in einem Lande ausbrach, wo man sich von der 
herrschenden Wuth der Feinde der Aufklarung mehr als in 
jedem andern versprechen konnte, und w^o man vorher sähe, 
dass die Verfolgten wegen ihrer geringen Staats-Verhöltnisse 
und EinfluÄs auf die Persohn des Ftirsten konnten zertrelten 
werden, und wo man sich endlich den grössern Anhang der 
Unzufriedenen selbst aus der Gesellschaft der Illuminaten ge- 
worben hatte. 



§ 15. 



ulff 



Wenn ich unter die Verfolger die Jesuiten, Mönche vi 
Rosenkreutzer rechne, so verstelle ich darunter nicht jedes 
Individuum, welches zu dieser* Klasse gehört, ich kenne selbst 
dorunter IVh'inner, die es den andern verdachten, aber die- 
Mehrheit derselben bleibt immer mit meiner gegründeten Be- 
scluildigung behaftet. Die Predigten, welche in Bayern von 
den Mönchen gehallen w^orden, und wo man sich alle Mühe 
gab das Volk gegen die Illuminaten und Maurer durch die 
niederträchtigsten Schilderungen von ihnen aufzuwiklen (auf- 
zuwiegeln), das Bestreben der Jesuiten, in Privathäussern das 
zu werden, was Beichtvater Frank am Hof, die abscheulichsten 
Schandthaten der Gesellschaft zuzuschreiben und endlich die 
Mitwirkung der Rosenkreutzer ist aus der Geschichte der Ver- 
folgung der Illuminaten*) und aus dem Schreiben der letzteren 
an Prof, Bnder und seine Antwni-t, die dort abgedruckt ist, hin- 
länglich Ijckannt. 

Das Münchener Kabinet begnügte sich nicht durch wieder- 
holte Mandate, diese und alle maurerischen Gesellschaften zu 1 
veiiMCten, sondern entschloss, die Illuminaten-Sekte mit Gewalt 
zu vertilgen, und so gnädig und massig die Verordnungen selbst 
öbgefasst w^aren, um desto schärfei' war ilir Vollzug. Man ver- 
bannte mehrere ihrer Milglieder, zerstreute die andern durch 
Drohungen und Furcht und machte dadurch das Ausland auf- - 
merksarn und schüchteru, Selbst die auswärtigen Mitglieder | 
stellten umsomehr ihre Arbeiten und Versammlungen ein, als 



*j Genanrilea Buch ist van Weishaupt herausgegeben. 




— 149 — 



^ 



man die weileren Folgen von dem allen Orten verbreiteten üblen 
Ruf der 111. Verbrüderung und von der Rechtfertigurig ibrer 
Verfolgten erwarten wollte und die ersten Vorgesetzten ohnehin 
im Begriff waren in den unteren Graden Verbesserungen vor- 
zunehmen, und mit vereinigten Kräften die höhere zu Stande 
zu bringen. 



§ lö. 

Das war der Anfang und das Ende von einer geheimen 
Gessellschaft, welche seit drey Jahren beynehe ganz Europa auf- 
merksam und neugierig maclite, welche die grösste Regierungs- 
beschaftigung vor das Kurptalz-bayrische Kabinet waren, der 
man eine Macht, Absichten und einen Zweck zumuthete, vor 
welchem sich ganze Staaten fürchten sollten, dessen unbekannte 
Obere man vor nichts weniger als Landesverräther, Dokumenten- 
räuber, Majestätsverbrecher und Meuchelmörder sclnlderte, alles 
bloss deswegen, w^eil man sich die Mühe nicht gab mit gesunden 
Augen zu sehen, jede Anklage vor erwiessen aniuihm, die Be- 
schuldigten nicht anhoi'en und den In(]uisitoren kein Mittel bey- 
fallen oder beyfallen wollte , durch welche nach Vorschrift der 
Gesetze das ganze sich sehr leicht hätte entdecken lassen. — 



^ 



Was war denn nun der Inhalt des Priestei^rades, den wir 
als den eigentlichen Zankapfel erkannt haben und der als ganz be- 
sonders gefährlicli in seinem Ideengang bezeichnet wurde? Es gibt 
ein Buch, 1794 anonym gedruckt, betitelt: *die neuesten Arbeiten 
des Spartacus und Philo in dem lUuminaten-Orden*, dieses ent- 
hält das gesamte Ritual des Grades, wie es von Knigge laut 
seiner brieflichen Erklärung verbreitet wurde, Weilerhin be- 
findet sich in dem Nachtrag zu den Originalschriften eine An- 
rede an die Illuminatos dirigentes, die fast denselben Inhalt hat 
wie die in dem genannten Buche enthaltene Anrede an den 
neuaufgenommenen Priester. — Aus diesen Werken kann jeder 
die Grundsätze des damaligen Priestergrades erkennen und 
wollen wir versuchen, einen Extrakt aus der sehr langen Hede 
herauszuziehen, die in ihrer ganzen Länge nur ermüden würde. 
Die als Unterricht bezeichnete Anrede umfasst nämlich 72 ge- 
druckte Seiten. 

Unbedingt notwendig ist es jedoch, den Inhalt derselben 
zu kennen, denn hier liegt der Angelpunkt, um den sich alle 
Anklagen gegen den alten Orden drehen. — Man wird sehen, 




— 150 — 



wie der Verfasser der Anrede in vielen Punkten stark über 
Ziel hinausschiesst, aber auch erkennen, dass die Zeit sehr viele 
der aufgestellten Forderungen erfüllt hat. Klar ersichtlich wirdJ 
es jedoch, dass in jener Zeit, in der der Despotismus noch seine 
Blüten trieb, solche Gedanken recht wohl als aufrührerisch, 
volksverderblich und verderblich angesehen werden konnten. 1 
Unsere jetzt wesentlich kühlere Denkungsart erkennt heule 
manch ausgesprochenes Wort als unzweifelhaften Irrtum, über- 
sieht die Grenzen, die einer derartigen Gesellschaft gezogen sind 
und innegehalten werden müssen zum Wohle der Allgemeinheit, 
weit leichter, als es jenen nach Freiheit dürstenden Seelen mög* 
lieh war. Der Freiheitsdrang, der in Schiller einen so bereiten» 
begeisternden Sänger fand, pulsierte überall; die Sturm- und 
Drangperiode machte sich gewaltig fühlbar, und unter Berück- 
sichtigung dieser Tatsachen gewinnen heute viele Vorgänge ein 
ganz anderes Gesicht. 

Man wollte das Gute, aber über die Mittel es zu erringen, 
darüber war man nicht einig. Deswegen brachte jene Zeit wohl 
eine Fülle von Theorien zu stände, die alle in beschränkter 
Weise ihren Einfluss ausübten, aber keine durchbrechende I 
Macht besassen, bis die Weltereignisse selbst mit eherner Ge- 
walt das Morsche siüi*zten und die Bahn freimachten für Seg- 
nungen, die das heutige Geschlecht geniesst, Geahnt jedoch 
haben unsere Vorkämpfer eine neue Zukunft, die uns inzwischen 
Gegenwart geworden ist; wie sieh dieselbe nun in ihren Köpfen 
ausmalte, das wurde in der Anrede oft recht unverblümt ausge- 
sprochen. Letztere hat nun folgenden Inhalt; es sei jedoch 
gleich hier eindrücklichst betont, dass der heulige Orden 
nicht mehr mit den oftmals unhaltbaren Ansichten und klaren 
Irrtümern übereinstimmt. Die ganze Anrede hat nur historisches 
Interesse: 



I 



tNach sorgfältiger Vorbereitung und Prüfung rückt nun- 
mehr die Zeit deiner Belohnung herbei: Du hast deinen Verstand 
aufgeklärt, dein Herz gebessert, du hast dich und andere er* 
kennen und bilden gelernt- Nun triffl auch dich die Reihe, 
andere zu erleuchten und zu regieren. Das was du bis jetzt 
weisst und was du noch lernen wirst, giebt dir Überlegenlieit 
und Finsichten über andere Schwachei'e und eben diese Über- 
legenheit ist die einzig wahre Quelle der Macht des Menschen 
über andere Menschen, 







Durch den Eintritt in die unsichtbare Versammlung wirst 
du heute dem höheren Orden zugesteüt, — Weisst du aber auch 
hinlänglich, was es heisst herrschen? Nicht über den geringern 
oder vornehmern Pöbel, sondern über die besten Menschen ohne 
äusserlichen Zwang, ihnen einerlei Geist und Seele einhauchen? 
Das ist eine bishero in der Staatsklugheit noch unaufgelöste 
Aufgabe. Dort werden die Menschen aus Furcht und Zwang zum 
handeln bestimmt, hier bei uns soll sich jeder selbst dazu be- 
stimmen. 

Weist du auch^ was geheime Gesellschaften sind? O, mein 
Bruder! Gott und die Natur, welche die Dinge der Welt, die 
GrÖssten sogut wie die Kleinsten zur rechten Zeit und am 
gehörigen Ort geordnet haben, bedienen sich solcher als Mittel, 
jum ungeheure, sonst nicht erreichbare Endzwecke zu erreichen. 
Du stehst hier in der Mitte zwischen der vergangenen und 
künftigen Welt. Mache dich gefasst einen flüchtigen oder kühnen 
Blick hineinzuwagen. — Die Natur, welche stufenweise Ent- 
wickelung eines unendlichen Planes ist, wo das nämliche Ur- 
bild in allen möglichen Veränderungen, Graduationen und Formen 
zum Grunde liegt, und von uns Menschen nach Verschiedenheit 
seiner Gestalt verschiedene Namen enthält, macht in allen diesen 
I Veränderungen keinen Sprung, sie fängt von dem kleinst-mög- 
I liehen und unvollkommenen an, durchläuft ordenthch alle Mittel- 
stufen, um zum grössten und vollkommensten dieser Art zu ge- 
langen, welches Höchste vielleicht neuerdings die niederste Stufe 
einer neuen höhern Veränderung ist: sie macht Kinder, und aus 
ihnen Männer: und Wilde, um daraus gesittete Menschen zu 
machen. So wie der einzelne Mensch, ebenso hat auch das 
ganze Geschlecht seine Kindheit, Jugend, männliches und graues 
Alter. Mitjeder dieser Perioden des ganzen Geschlechtes lernen die 
Menschen neue, ihnen vorher unbekannte Bedürfnisse, Aus jedem 
befriedigten Bedürfnis entsteht wieder ein neues und die Ge* 
schichte des Menschengeschlechtes ist die Geschichte seiner Be- 
idürtnisse, wie das eine aus dem andern entstanden, diese Ent- 
I Wickelung der Bedürfnisse ist die Geschichte der Vervollkomm- 
nung des ganzen Geschlechtes; denn nach diesen richten sich 
Kultur, Verfeinerung der Sitten, Entwickelung der schlafenden 
Geisteskräfte, Damit ändert sich zugleich die Lebensart, der 
moralische und politische Zustand, die Begriffe von Glückselig- 
keit, das Betragen der Menschen gegen einander, ihre Verhältnisse 
unter sich, die ganze Lage der jedesmaligen gleichzeitigen Welt. 



Die erste Stufe von dem Leben des ganzen Geschlechtes 

ist Wildheit, ist rohe Netur: wo die Familie die einzig:e Ge- 
sellschaft und leicht zu befriedigender Hunger und Durst, Schutz 
vor dem Ungestüm des Wetters, ein Weib, und nach der Er- 
müdung die Ruhe, die einzigen Bedürfnisse sind, ein Zustand, 
in welchem der Mensch die beiden vorzügliclisten Güter, Gleich- 
heit und Freiheit, in voller Fülle geniesst und auch ewig ge- 
niessen würde, wenn er das schon wäre, wozu sein Geschlecht 
erst durch lange Vorbereitung gelengen sollte. Glückliche 
Mensehen, die noch nicht aufgeklärt genug waren, um ihre Seelen- 
ruhe zu verlieren, und die grossen unseligen Triebfedern und 
Ursachen unseres Elends, die Liebe zur Maclit, die Begierde 
sich zu unterscheiden und andere zu übertreffen, den Hang zur 
Sinnlichkeit und die Begierde nach den vorstellenden Zeichen 
aller Güter, diese wahre F.rbsünde aller Menschen mit ihrem 
mühseligen Gefolge, dem Neid, Geiz, Unmässigkeit, Krfrnkheilen 
und allen Foltern der Einbildungskraft zu empfinden. Aber 
bald entwickelte sich in ihnen dieser unselige Keim und ihre 
Ruhe und ursprüngliche filückseligkeit war dahin, als die 
Familien sich vermehrten, der Unterliaitzu mangeln anfing, das 
nomadische Leben aufhörte, dos Eigentum entstand, die Menschen 
feste Sitze w^ahlten und durch den Ackerbau die Familien sich 
einander näherten, dabei die Sprache sich entwickelte und durch 
das Zusammenleben die Menschen ihre Kräfte gegen einander 
zu messen anfingen, hier Überlegenheit, dort Schwäche sehen. 
Hier sah man wie der eine den andern nutzen, wie Klugheit 
und Stärke des einen die zusammenlebende Familie ordnen und 
einen ganzen Landstrich gegen die Angriffe des andern Sicher 
heit verschaffen konnte. Aber hier wurde auch zugleich der 
Grund zum LTnlergang der Freiheit gelegt, die Gleichheit ver- 
schwand. Man fühlte neue unbekannte Bedürfnisse, man fühlte 
auch, dass sie durch eigene Kraft nicht wie vorhin zu befriedigen 
wären. In dieser Absicht unterwarf sich der Schwache ohne ] 
Bedenken dem Starkem und Klügern, nicht um von diesem 
misshandelt, sondern geschützt, geleitet, belelirt zu werden; die 
Fähigkeit dem andern zu nützen, war der einzige anerkannte, 
rechtmässige Titel zum Thron und so wie vorher Vätei- und 
Haupter der Familien die ersten, so waren nunmehr Wohlthäter 
die zweiten und einzigen Könige der Welt, 

Nun waren also die Menschen aus ihrer ruhigen Lage in 
den Stand der Unterwürfigkeit versetzt, Eden, der Garten des 



^ ^^ 




153 



iradieses, war für sie verloren, denn sie waren gefoilen, der 
Sünde und Knechtschaft untenvorfen, sie nnissten ihr Brod in 

Kr Unterwürfigkeit, im Seliweisse ün^es Angesiclils verdienen, 
idere bemächtigten sich ihret% verspraclien ilinen Scliiitz und 
wurden ihre Anführer': oder die Klügern, um sie zu ihren Ab* 
sichten zu leiten und ihren Vorselnitlen grosses Ansehen zu 
[geben , gaben sich tüi^ übernatürliche Wesen und Abgesandte 
^Boites aus: und auf diese Art wurde die Theocrolie unter ihnen 

eingeführt. 
^^ Doch war noch keines dieser X'olker zn gross, sie waren 
Hn Horden verteilt, deren jede ihren Antülirer hatte. Diese An- 
führer, eben so ungleich an Klüften, als die einzelnen natürliclien 
Menschen, mussten nach und nach ebenfalls dei- Überlegenheit 
des Klugen und Tapfersten unter ihnen weichen, und so wurden 
viele kleine Stämme in ein grosses Volk vereinigt. Es ent- 
H^nden Nationen und Vorsteher, Könige der Nationen. 

Mit dem Ursprung der Nationen und \%5lker hörte die Welt 
auf, eine grosse Familie, ein einziges Reich zu sein» das grosse 
Band der Natur wurde zerrissen. 

Man vereinigte Menschen, um sie von einander zu trennen; 

^aan zog zwischen Menschen und Menschen eine Linie, diese 

Iterien aul\ sich unter einem gemeinschaftlielien Namen zu 

kennen. Der Mensch fing an, dem Landesmanne nachzustehen, 

Bnd der Nationalismus trat an die Stelle der Menschenliebe. 
Tun wurde es zur Tugend, auf UnkiKsteii derer, die nicht in 
unsere Grenzen eingeschlossen waren, sein Vaterland zu ver- 

Rössern. Nun wenn es ein Mittel war' zu diesem engern Zweck, 
war es erlaubt, Freunde zu verpachten, zu liinterlisten oder 
wohl gar zu beleidigen. Diese Tugend hiess Patriotismus, und 

ter Mann, der gegen olle übrigen ungerecht war, um gegen die 
einigen gerecht zu sein, der seine Vernunft so weit herunter- 
eführt halte, dass er* gegen fremde Vorzüge blind war, und die 
Mängel seines Vaterlandes gar nicht, oder wohl gar als Voll- 
kommenheit betrachtete, dieser Mann erhielt den Namen des 
Patrioten. Die Liebe gegen Menschen war im genauesten Ver- 
hältnisse mit der Grösse seines Vaterlandes. 
B War es einmal erlaubt oder wohl gar tugendhaft, Menschen 
^Lie nicht mit mir einerlei Land bewohnten, geringer zü halten 
oder wohl gar zu beleidigen, warum sollte es nicht auch erlaubt 
sein, diese Liebe noch enger auf die Bewohner meiner Stadt 
oder wohl gar auf die Mitglieder meiner Familie, oder auf mich 



- 154 — 



aliein zu beschränken? Und so entstand aus dem Patriotismus 
der Localismus, der Familiengeist, und am Ende gar der 
Egoisnnus.*) 

Nun hatten die Menschen Ursach genug sich zu hassen, 
aber beinahe keine sich zu lieben. Nun liebte man nicht mehr 
den Menschen, sondern einen solchen Menschen. Dieses Wort 
ging gänzlich verloren, und nun nannten sich Menschen: Römer 
und Grieclien und Barbaren, Heiden und Juden, Mahomedaner 
und Christen. Diese teilten sich wieder in weitere neue Secten 
bis auf den Egoismus herunter. Nun brauchte man nur das 
Wort Christ oder Jud, Römer oder Barbar zu hören, so ent- 
stand Neigung für seine und Verfolgungsgeist gegen die andere 
Partei. Intoleranz war nun auf allen Seiten, und weil der 
Patriotismus den Egoismus geboren, so hassten sich Menscheo 
von der nemlichen Seele und Nationen darum nicht weniger. 

Die Nation war geteilt, so wie die verschiedenen Interessen, 
dieser Name vei^gessen, und die Könige fingen an, sich an die 
Stelle der Nation zu setzen, sie als ihr Eigentum zu behandeln 
und sich nicht w^eiter als Vorsteher zu betrachten. 

Um die Nation vollends zu unterjochen, trug die Eroberungs- 
sucht der Monarchen nicht das Wenigste bei. Man gebot über 
hunderttausend Menschen, mit diesen konnte man so sicher 1 
über die Nachbarn herfallen. 

Nun fielen Menschen über Menschen, Nationen über 
Nationen, Menschenblut floss auf allen Seiten, Es entstand aus 
den Überwundenen eine neue Klasse von Menschen, die man 
Sklaven nannte, ganz für andere, nicht für sich geschaffene 
Menschen, zur Willkür des Überwinders, ohne Erwerb, ohne 
Eigentum, 

Törichte Völker! die es nicht vorher sahen, was mit ihnen 
geschehen sollte, die dem Despoten halfen, die menschliche 
Würde bis zum Vieh zu erniedrigen, um dereinst mit ihnen 
ein Gleiches zu versuchen, die Sklaverei der Überwundenen J 
wurde das Modell von der Sklaverei der Überwinder. Ihr Ver- 
brechen war an ihren Nachkommen gerochen, sie durften nur 
ihre strengen Sitten verlieren, der Weichlichkeit sich ergeben, ■ 
und an den sinnlichen Bedürfnissen Geschmack finden, wozu 
sie der Überfluss der gemachten Beute vorbereitet, so w^ar der 
Sieger der Überwundene, und der Überwundene der Sieger, 



•) Man sieht» auch Tolstoi halle seine Vorgarigej", 



— 155 — 

Diese waren wichtige, aber nicht die einzigen Folgen von 
der Errichtung der Staaten. 



" Um nicht zu ermüden» schliessen wir hier den wörtlichen, 
wenn auch nur im Auszuge gegebenen Gedankengang und be- 
schränken uns darauf, das Weitere inhaltlich anzugeben: 

Die Anrede entwickelt weiter, dass National beiden als 
ausserordentliche Menschen, als Götter angesehen wurden und 
aus dem Glauben, der Sohn eines Wohltaters müsse ebenfalls 
ein Wohltäter sein, das Wahlreich und schliesslich das Erb- 
reich entstand. Mit letzterem stürmte der Despotismus auf die 
sorgenlosen Menschen herein und alle Laster desselben hatten diese 
zu ertragen. Die Folgen des Despotismus war das Bedürfnis nach 
Freiheit Tyrannen wurden gestürzt, Revolutionen entstanden. 
Um letztere zu verhüten oder doch zu erschweren, wurde das 
System vom Gleichgewiclit der Staaten erfunden, sodass dadurch 
nicht so häutig wie vordem» Staaten entstehen und vergehen, es 
sei denn, dass mehrere der Starkern sich zum Raub und Ver- 
teilung des sinkenden Reiches einigen. Da es aber im Inter- 
esse der einzelnen Könige Hegt, sich zu behaupten, und diese 
einsehen, dass es zu diesem Zwecke nicht gut sei, über eine 
Horde zu herrschen, sondern über vernünftige Köpfe, so wird 
die Aufklarung befördert und die vorher unterdrückte Freiheit 
steigt aus ihrer Asche empor. Die Aufklärung verbreitet sich 
jedoch jetzt nur in der Absicht, listige Menschen zu bilden, als 
Mittel zur Befriedigung der Eroberungssucht der Könige und 
zur Unterdrückung anderer. Um solchen Missbrauch zu hindern 
und einem Rückfall in vorige Erniedrigung vorzubeugen, hat die 
Vorsicht seit uralten Zeiten ein dauerhaftes Mittel geboten — 
geheime Weisheitsschulen.« 

Die Anrede versteigt sich nun in dem Wunsche, die Wichtig- 
keit solcher Schulen zu begründen, zu einem Satze, den wir 
wörtlich wiedergeben müssen, weil aus diesem die unzweifel- 
hafte Absicht des Ordens — die Fürsten zu stürzen und eine 
Vernunftreligion herzustellen — abgeleitet worden ist, sowie 
der ebenso klare Beweis, dass die rranzösische Revolution im 
Jahre 1789 dui-ch die Illuminaten bewirkt wurde» Es heisst da: 

»Diese Mittel sind geheime Weishcitsschulen, diese waren 
vor allzeit die Archive der Natur und der menschlichen Rechte, 
durch sie wird der Mensch von seinem Fall sich erholen, 
Fürsten und Nationen werden ohne Gewalttätigkeit von der Erde 




- 156 — 

verschwinden, das Menschengeschlecht werde dereinst eine 
Familie, und die Welt der Aufenthalt vernünftiger Menschen 
werden. Die Moral allein wird diese \'eräodeningen unniert 
bar herbeiführen. Jeder Hausvater wird dereinst, wie vordem 
Abraliam und die Potriarchen, der Priester und der uneinge- 
schränkte Herr seiner Familie und die Vernunft das alleinige 
Gesetzbuch der Menschen sein.*^ — 

In dem Weiteren wird nun ausgeführt, dass, wer all 
gemeine Freiheit einführen will, allgemeine Aufklärung verbreiten 
müsse. 

Aufklarung ist zu wissen, was ich bin, was andere sind, 
was andere fordern, was ich fordere; zu wissen, dass ich mir 
nicht allein genug bin, dass ich ohne Hilfe meiner Neben- 
menschen nichts bin, sie demnach als wesentlichen Teil meiner 
Glückseligkeit betrachte, dass, wenn ich nichts für sie leiste, sie 
auch nichts für mich übernehmen. Man muss nachgiebig gegen 
Fehler sein, tolerant gegen andere Meinungen, mit seinem Schick* 
sal zufiieden leben, mit andern trauern, ihnen helfen wo man 
kann und sich freuen über andere Freuden, seinen Übei'fluss 
zum Nutzen anderer verwendeiu 

Wenn solche Aufklärung ein Werk der Moral ist, so nimmt 
auch Aufklärung und wechselseitige Sicherheit zu. Die Moral 
ist also die Kunst, w^elche Menschen lehrt volljährig zxx werden, 
der \'ormundschaft los zu werden und Fürsten und Staaten 
entbehrlich zu machen. * Mei' w*5zu braucht man sie sodann?*) 

Die Anrede geht dann auf Jesus über, dessen Lelu-e nun 
in dem Sinne ausgelegt wird, wie es Knigge in dem Bride an 
Cato-Zwackh (S» 128) mitteilt und die rein in den Symbolen der 
Freimaurei'ei erhalten wurde. 

Die drei Zustände der Menschheit werden in der Hierogly- 
phie der Freimaurei'ei durch den rohen, ges])al tonen und glatten 
Stein vorgestellt. Der erste ist der erste Zustand des mensch- 
lichen Geschlechts im Stande der Wildheit. Die zw^eite die 
Hie!T)glyphie der gefallenen, abgewürdigten Natur, des Menschen 
in Staaten; dieser mittlere Stein ist gespalten, weil in diesem Zu- 



•) Dieser in seiner Logik groleske Satz enlhalt die berfilimle Öse zum 
Einhaken aller mögliciien Angrifte über die StaaUgerährlichkeit des damaligen 
Ordens, Wir erblicken jetzt in diesem nur den paradoxen Ausspruch über- 
eifriger Kdpfe, die sich über rteii BegrilT der Ordnung nicht klar waren und 
Qbei'sahcn, da>s wenn nichl die Moral, doch die Ordnung immer Bangsiufeu 
bedingt. 



1 



— 157 — 



slBnd das menschliche Geschlecht nicht mehr eine Familie aus^ 

*aclit, sondern durch Verschiedenheit der Regierung, Ländej' 
id Religionen unter sich geteilt ist. Sobald dieser gemachte 
Unterschied verschwindet, sobald wird dieser gespaltene Stein 

fieder ganz. Und daher ist der dritte die Hieroglyphe des Zu- 
andes von unserer zurückerhaltenen Würdigung unsers Ge- 
schlechts. Der flammende Stern mit dem Buchstaben G. ist 
die Aufklärung, die Gnade, Gratia, die uns leuchtet auf unsern 
bisherigen Irrwegen. Die, in welchen diese Gnade wirkt, sind 
die Erleuchteten, Illuminati: ein Name, mit welchem in der 
ersten Kirche alle Christen nach der Taufe, hiemit alle Gläubigen 
belegt wurden* 

Es wird nun der geistliche Despotismus, die Religions- 
verfolgung geschildert, dass das Christentum seine Reinheit %'er- 
lor und die echten Lehren unter Hieroglyphen, die in geheimen 
Gesellschaften bewahrt wurden, sich verbargen. In der Frei- 
maurerei bedeutete daher Hieram den für das Beste der Welt 
ersclilagenen Meister, Jesus von Nozareth. Der Name Hieram 
ist entstanden aus den Anfangsbuchstaben folgender Worte; 
Hie Jesus est restituens amorem mundi, oder wie andere lesen; 
Hie Jesus est resurgens a mortuis. Dahin deutet auch das 
rabbinische Wort Mac-benac, er hat den Sohn erschlagen. Da 
nach der Lehre Jesu die Mensclien zu ihrer Freiheit durch Ge- 
rechügkei! und Wohlwollen gelangen, so w^erden diese durch 
zwei Säulen mit den BuchstabcMi J. und B. (Justitia und Bene- 
volentia) angezeigt, als auf wcicherj beiden Grundsäulen das Ge- 
bäude der menschlichen Unabhängigkeit beruht. Das Winckel- 
maass, Senkblei usw. sind die Symbole und Hieroglyphen der 
Rechtmässigkeit unserer Handlungen, mit welchen wir ihr V^er- 
hällMis zum Zweck bestimmen und abmessen. Die 9 Meister, 
welche den erschlagenen Hieram gesucht, stellen die ei*sten 
Stifter des Ordens vor, w^elche die unter Menschen verloschene 
Menschenliebe nach der Lehre ihres erschlagenen Meisters 
wieder unter sich in Gang gebracht, und von den Schlacken und 
menschlichen Zusätzen gereinigt. Und w^eil die Freimaurerei 
die Menschen die Kunst lehrt, sich selbst zu beherrschen, so 
wird sie eine königliche Kunst genannt. Sonne, Mond und 
Sterne sind die verschiedenen Grade der Erleuchtung, welche 
der Mensch auf seinem Wege zu diesem Zweck erhalt. 

Und so w^äre also der Zweck der echten Freimaurerei durch 
tätiges Christentum, durch die Verbreitung der Lehre Jesu und 




— 158 — 



durch die Aufklarung der Vernunft, die Menschen zu ihrer Frei- 
heit fähig zu machen, die Weit und die durch verschiedene Ein- 
richtungen getrennte Menschen in eine Familie zu vereinigen, und 
das Reich der Gerechten und Tugendhaften herbeizuführen. 

Es wird nun dargestellt, dass auch die Freimaurerei auf 
Abwege geriet, dass Grade auf Grade erfunden w^urden, woduith 
der eigentliche Zweck vergessen und nur der Hang zum Wunder- 
baren gereizt wurde, dass aber einige gute Arbeiter diesem ein- 
brechenden Verderben sich entgegenstellten, und der Same zu 
einer neuen Welt nunmehr Wurzel geschlagen habe. 

Es wird dann betont, dass wir (die Orden sangehörigen) 
uns bei dem Beginnen der Natur ihr Tagewerk zu vollenden, 
nur als Zuschauer verhalten, keinen Erfolg beschleunigen, und 
sich keine anderen Mittel erlauben als Aufklärung, WohhvoUen 
und Sitten zu verbreiten. Des unfehlbaren Erfolges sicher, ent- 
halten wir uns aller gewaltsamen Mittel, vielleicht vergehen 
Jahrtausende oder hunderttausende darüber, wir begnügen uns 
damit, das Vergnügen und die Glückseligkeit der Nachwelt schon 
sofern vorhergesehen und durch die unschuldigsten Mittel den 
Grund dazu gelegt zu haben. 

»Wir beruhigen uns dabei in unserm Gewissen gegen 
jeden Vorwurf, dass wir den Umsturz und Verfall der Staaten 
und Thronen eben so w^enig veranlasset, als der Staatsmann 
von dem Verfall seines Landes die Ursache ist, weil er solchen 
ohne Möglichkeit der Rettung vorhersieht. Als fleissige und 
genaue Beobachter der Natur verfolgen und bewundern wir 
ihren unaufhaltbaren majestätischen Gang, freuen uns unsers 
Geschlechts und wünschen uns Glück, Menschen und Kinder 
Gottes zu sein.« — 

Nachdem der Neuaufgenommene noch aufmerksam gemacht 
wurde, dass man diese Lehre ihm nicht aufdringe, sondern falls 
er besseres wüsste, das nicht verhehlen möge, er daher heraus- 
suchen solle, was ihm geföllt, schloss die Anrede, — 

Es folgte nun das Zeremoniell der Aufnahme, das aber nie- 
mals gründlich in der Weise durchgefülirt wurde, wie es Knigge 
angab. Die Anrede allein ist nur umhergesandt w^orden, w^rde 
abgeschrieben und von einigen Mitgliedern so begeistert auf- 
genommen, dass Weishaupt kopfschüttelnd an Zwackh schrieb: 

»Sie können nicht glauben, wie unser Priestergrad bei den 
Leuten Auf- und Ansehen erweckt. Das wunderbarste ist, dass 



— 159 — 



protestantische und reformirte Theologen, die vom 
sind, noch dazu glauben, der darin ertheilte Religions- 
unterricht enthalte den wahren und ächten Geist und Sinn der 
christlichen Religion. Menschen! zu was kann man euch 
bereden: hätte nicht geglaubt, dass ich noch ein neuer Glaubens- 
stifter werden sollte.« — 

IDas weitläufige Zeremoniell bestand wesentlich in der Über- 
be des Priesterkleides, wer sich für die genauen Angaben 
interessiert kann das in dem angegebenen Buch »Neueste 
Arbeiten etc.« nachlesen. — 

Nach dem Priestergrad folgte als letzter der Regentengrad, 
eine Einführung in die Reihe der regierenden Mitglieder. Es 
■rurde hier eröffnet, dass der Orden folgen dermassen regiert 
werde: Uuser Bund hat einen National-Obern, unter diesem 
stehen die Provmzialen, Vorsteher eines jeden Kreises. Zu 
dessen Hilfe stehen Consultoren und unter ihnen eine gewisse 
Anzahl Präfekten oder Lokal-Obere. Aus diesen Mitgliedern be- 
stand der Regentengrad, über den dann noch der Areopag und 
der ürdensgeneral als höchste Obere standen. In diesem Grade 
herrschte völlige Freiheit und Unabhängigkeit, nur das Empfinden 
einer guten Sache zu dienen, sollte das Bindemittel der Brüder- 
schaft sein, infolgedessen erhielt der neue auf Lebenszeit er- 
nannte Regent alle seine Unterschriften und Papiere bei der 
Aufnahme zurück. — 

So war der Orden gestaltet, als Knigge denselben verliess 
und als des Unwetter bald danach hereinbrach, das für viele 
tüchtige Menschen von den schwersten Folgen sein sollte. Knigge 
blieb verschont von dem Sturme der Ordensveifolgung, er gelangte 
schliesslich nach Bremen und starb daselbst am 6. Mai 1796. 
Sein Grab befindet sich im Dom zu Bremen. Der Grabstein 
befindet sich gegenüber dem Eingang zur berühmten Bleikammer, 
in der aufgestellte Leichname nicht vei-vtesen, linker Hand. Er 
ist von einer grossen Schutzmatte bedeckt, weil der Besucher 
des Domes, die Leichenkammer verlassend und links sich haltend, 
über ihn hinwegschreiten muss, die Inschrift lautet: 

Hier ruhet 
Adolph Freiherr Knigge 

Königl. Grossbrittanischer Oberhauptmann in Bremen. 

Er wurde geboren d. 10. Octobei* 1752 in Bredenbeck bei Hannover 

und starb den 6, Mai 1796 in Bremen, 








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Die OrdensYerfalgiing In Bayern. 

Am 22. Juni 1784 erschien plötzlich eine »Höchst-iandes- 
' herrliche Verordnungf (s. Originalabdruck) folgenden Inhaltes; 

Gleichwie alle ohne öffentlicher Authorilät und landesherr* 
licher Bestättigung errichtete Comni unitäten, Gesellschaften und 
Verbrüderungen, als eine an sich schon verdächtige, und gefähr- 
liche Sache, ganz unzulässig, und in allen Rechten vei'bothen 
sind, so wollen auch Se. kurfürstl. DurcliL solche überhaupt, 
wie sie immer Namen haben, und in ihrer innerlichen Ver- 
fassung bestellt seyn mögen, in dero Landen nirgend gedulden, 
und befehlen hiermit ernstlich, dass man sich all dergleichen 
heimlichen Verbind- und Versammlungen um so gewisser ent- 
äussere, als nicht nur das Publikum darüber schüchtern und 
aufmerksam wird, sondern auch Höchstdieselbe sowohl in 
Gnaden als anderen Sachen sorgfältigen Bedacht darauf nehmen 
werden, welches zu jedermanns Abmehn- und Warnung hiemit 
öffentlich kuntgemacht wird. 

München d. 22. Juny 1784. 

Ex commissione serenis. Dni. Dni. 

Ducis, et Electoris specioli. 

Konrad Ruprecht, 
L. S. kurfürstl Obern Landes-Regierungssekretar. 



Die Illuminaten glaubten durch dieses Verbot sich wenig 
oder gar nicht berührt, arbeiteten daher ruhig weiter, bis im 
Jahre darauf ein zweites Verbot (s. Originalabdruck) eine un- 

I begrenzte Verfolgung einleitete. Dieses verschärfte Verbot lautete: 
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Gl 
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Wir Karl Theodor, 
von Gottes Gnaden Pfalzgraf bey Rhein, Herzog in Ober- und 
Niederbaiern, des H. R. R. Erztruchsess, und Kurfürst, zu Gülch, 
Cleve und Bei^g Herzog, Landgraf zu Leuchtenberg, Fürst zu 
Mors, Marquis zu Bergenopzom, Graf zu Weldenz, Sponheim, 
der Mark und Ravensberg, Herr zu Ravenstein etc. etc. 

Unsern gnädigsten Gruss und kurfürstl. Gnade Jedermann 
zuvor. 

Uns kann nicht änderst als sehr raissfällig und empfindlieh 
fallen, da Wir vernehmen, wie w^enig Unser bereits unterm 




schiedenen in Unsern Landen noch befindlichen Logen der s( 
genannten Freymaurer und lUumi nuten geachtet wird, Inder 



— 163 -^^ 

sie sowohl ihre heimliche Zusammenkünften als eigenmächtige 
Collekten, und Anwerbungen neuer Mitglieder immei'hin fort- 
' setzen, sohin ihre schon t?elir hoch angewachsene Anzahl je 
langer je mehf zu verstarken suchen. 

Gleichwie Wir aber eine solche, zumal von ihrem aller- 
ersten Institut allzuweit abgeartete Gesellschaft sowohl in geisl- 
als weltlich- und politischen Betracht für allzubedenklich finden, 
als das Wir solche in Unseren Landen ferner gedulden konnten, 



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anerwogen hieraus nichts als Verwirr- und Unordnung, allge- 
meines Misstrauen in publico factiones in collegiis, und mehr 
andere auf die Religion, Justiz, gute Sitten, und den ganzen 
Staat überhaupt grossen Bezug habende böse Folgerungen zu 
gewarten hat, und grossen theils schon wirklich verspürt, so 
schaffen Wir solche auch hiermit gänzlich ab, und verbiethen 
derselben all weitere Conventicula, anmassliche CoUekten, und 
Anwerbungen neuer Mitglieder. Befehlen auch allen Obrigkeiten, 
gute Obacht darauf zu haben, und bey verspürenden Ungehor- 
sam Uns die geheime Anzeig darüber zu thun* 




164 



Das durch obige so eigenmächtig als unzulässige Colleclen 
zusammengebrachle Geld und Gut, deklariren Wir für conlis- 
kabe!, und wollen, dass die Hälfte der ermen Cessa* die andere I 
Hälfte aber dem Aufbringer, wenn er gleich selbst ein Mitglied 
wäre, zu Guten gehen, und solcher keineswegs geoflfenbart, 
sondern in Geheim gehalten werden solle. 

So lieb nun einem jeden Unsere Gnad und seine selbst 
eigne Ehre und Wohlfahrt ist, so zuversichtlich erwarten Wir 
hierinn allenthalben die schuldigste Folgleistung, damit Wir 
andenveiterunbehebigerMaassnehmungentübriget bleiben mögen. 
Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt München, den 
2ten März 1785. 

Karl Theodor. Vt. Fr. von Kreittmayr» 

Karl von Kiessing, kurfürs 
geheimei' Sekretarius. 

Ein drittes Verbot wurde im August erlassen. Es lautet: 

• Man weis höchster Orten ganz gewiss und zuverlässig, 
dass die Freimaurer und Illuminaten ihr schädliches Handwerk 
durch heimliche Zusammenkünfte, Kollekten und Anwerbungen 
neuer Mitgliedergegen wiederholt landesherrliches Verboth noch 
immer forttreiben, und sogar in Justiz- und anderen Kollegien, 
wo solche am Avenigsten Eingang finden sollten, sich so w^eit 
verbreiten, dass sie in einigen derselben schon die Oberhand 
und Mehrheit der Stimmen erreicht haben. 

Gleichwie aber Seine kuifürstl. Durchlaucht auf Ihrer hierinn 
ergangenen Generalverordnung ganz unbeweglich bestehen, so- 
fort solche nirgend mit grösserer Genauigkeit, als bey ihren 
Kollegien und Gesetzbewahrern gehorsamst befolgt wissen w^ollen, 
so ergeht auch hiemit der weitere ernsthafte Befehl, dass sich 
1. alle und jede dieser Sekte noch anhangende Vorstände und 
Mitglieder der Kollegien längst inner acht Tagen von Zeit der 
in plena Sessione beschehenen Publikation schriftlich, und zwar 
die Vorstände nnmittelbar bey der höchsten Stelle, die andern 
Mitglieder ober entweder sich angeben und manifestiren sollen, 
mit der Erklärung, dass sie von dieser Sekte gänzlich abstehen, 
sohin weder ihre Winkelknnventikula mehr besuchen, noch andere 
dazu verleiten und anwerben, oder dahin kontrihuiren; viel 
weniger sich bey auswärtigen Logen engagiren wollen und werden» 

Wer sich nun 2. von den noch existierenden Frevmaurern 



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Bio^üphiai - Geschichte 
Uhraxliteraiur 



bayrischen Geschichte im 4. Band, Aarau 1818, eine Übersicht 

über die Ziele und Zwecke des lliuminatennrdens gibt, hat auf 

[•wenigen Seilen eine solche Fülle von Verdrehungen, falscljen 

Angaben und Irrtümern zusammengetragen, die sodann unge- 

j prüft und als richtig unbeanstandet weitere Wege gebahnt 

[haben, dass der Forscher zweifelhaft werden muss, ob hier Un- 

[wissenheit oder Boslieit vorliegt. Zscbokke, welcher Zeilgenosse 

der in dieser Periode lebenden Hauptpersonen war, konnte, 

w^enn er ernstlich gew^oUt hätte, sich über die fraglichen Punkte 

[recht wohl onentieren, dass er es sehr stark hat daran fehlen 




— 166 — 



la^en, ist der mindeste Vorwurf, der gegen ihn erhoben werden 
muss. Zwar berufen sich die Historiker heute nicht mehr auf 

Zschokke, aber seine falschen Angaben leben noch w^eiter. Wir 
müssen diese darum wörtlich anfilhren, damit an ihrer Hand 
die Anteilnahme, welche der Herzogin Maria Anna und Friedrich 
dem Grossen an der lUuminaten-Verfolgung zugesprochen wird, 
untersucht werden kann. Er sagt in der schon genannten 
Bayrischen Geschichte Band 4 ab Seite 342, nachdem er ein* 
leitend über den Illuminatenorden und von dem Austritt einzelner 
MitgHeder aus dem Orden gesprochen: >Unter diesen (welche 
ausgetreten waren) w^or der Ersten einer Joseph Utzschneider, 
Geheimschreiber der Herzogin Maria Anna, ein junger Mann 
von feuriger Seele und seltenen Geistesgaben. Begierig, das 
Wissenswürdigste zu wissen, zu thun das Thunwürdige, hatte 
er die Einladung zum Beitritt in den Bund angenommen. Ein 
fahrender welscher Ritter, genannt Costanzo di Costanzo, weihte 
ihn in die höheren Heimlichkeiten ein und forderte von ihm 
endlich, seine Ergebenheit zu prüfen, für den Orden die Aus- 
lieferung einiger Briefe, welche König Friedrich von Preussen 
und dessen Grossstaatsbeemter Herzberg an Maria Anna, die 
Herzogin von Baiern, geschrieben. Desselben Tages sandte 
Utzschneider statt der Briefe seinen Ordensschmuck zurück. 
Seit diesem Augenblick ward er von den geweihten Brüdern als 
ein Verschwundener mit Mass verfolgt, doch andere dadurch 
nicht geschreckt, thaten bald wie er. 

Constanzo, welcher nach diesem auf Kosten des Bundes, 
Reisen in mehrere Länder machte, kam nach Berlin. König 
Friedrich, durch maurerische Verbindung von seiner Erscheinung 
belehrt, Hess ihn beobachten. Constanzo war betriebsam, den 
Bauhütten Berlins illuminatische Stufen zu geben. 

Friedrich nun der geheimen Zwecke derselben kundig, er- 
teilte seinem Gesandten zu Regensburg Befehl*) den Ver- 
hältnissen des Ordens nachzuspüren, welcher, wie in Baiern so 
in Oesterreich ausgebreitet und selbst am Wiener Hof wirksam 
sein sollte. Und als in derselben Zeit der Antrag des Kaisers 
zum Austausch Baierns gegen die Niederlande geschah, erging 
von Berlin der Mlaminaten wegen, eine warnende Botschaft des 
Königs an die Herzogin Maria Anna**), denn es ward geredet 

•) Unter Ziffer 163 zeigt das Original die Fassnotcs: Im März 1784. 
•♦) 164 Schreiben des Grafen Herzberg an die Herzogin Maria Anna, 
Berlin, den 25. Januar 1785. Hd8chr. 



I 




— 167 — 

der Orden hange in seinen Gliedern zu München und Wien 
der Sache des Erzhauses an und arbeite füi' die Vollbringung 
des Tausches. Die bairische Fürstin forderte von ihrem Geheim- 
schreiber Licht über das finstere Treiben. Dieser eingedenk der 
Pflichten gegen Staat und gesetzliche Obrigkeit entdeckte, was 
^r selber gewesen und wos er gekannt.-« — 
^B Weiter behauptet noch Zschokke, dass Ulzschneider in 
^■eistündiger Unterhaltung den Kurfürsten über die Schädlichkeit 
Tres Ordens belehrte und dieser nunmehr die strengen Verbots- 
befehle ergehen Hess. 
H| Hier ist einzuschalten, dass die Bekenntnisse Utzschneiders 
oie Herzogin entgegennahm und diese sodann dem Kurfürsten 
die bedrohlichen Mittheilungen weiter gegeben haben soll» 
dadurch die Verfolgung veranlassend. Dieser Ansicht schliessen 
sich verschiedene neuere Historiker an, es bleibt jedoch keine 
Berechtigung übrig, sie als geschichtlich anzusehen, 

Nacli Zschokke ist der Tatbestand kurz gefasst folgender: 
■ Graf Consta nzo, derselbe, der 1780 Knigge aufnahm während 
seiner Reise, fordert als lUuminat von Utzschneider, dem Geheim- 
schreiber der Herzogin Maria Anna, deren teilweise Korrespondenz 
mit Friedrich dem Grossen. Utzschneider tritt infolgedessen aus 
dem Orden. Constanzo reist nach Berlin, wo ihn der König, 
durch maurerische Verbindungen von seinem Kommen belehrt, 
beobachten lässt, weil er der geheimen Zwecke (die nach 
Zschokke sich nur auf alle erdenklichen Niederträchtigkeiten be- 
ziehen) des Ordens kundig ist. Zur selben Zeit, also doch 1780(1), 
erfahrt der Konig, dass der Orden für die V'ollbringung des Aus- 
tausches Bayerns an Österreich arbeitet, eines Planes, zu dessen 
Verhütung der Konig den Fürstenbund stiftete und mahnt in 
einem Schreiben durch den Grafen Herzber^: d. 25. Januar 1785*) 
die Herzogin, nachdem er bereits im März 1784 seinen Regens- 
burger Gesandten beauftragt hatte, den Verhaltnissen des Ordens 
nachzuspüren. 

Um nun nachzuweisen, welche unglaubliche Verdrehungen 
sr vorliegen, muss man zunächst die Beziehungen der Herzogin 
Maria zu dem Konige von Preussen kennen und wodurch diese 
veranlasst wurden, 

Kurfürst Karl Theodor hatte, wie bereits gesagt, keine 

^r *) Der König hätle siso fast 5 lalire mit dem Briefe gewartet, denn 
ConsUntzo reiste nur einmal narli Berlin km Jahre 178D, Zschokke setzte die 
Heise augenscheinlich ins Jahr 1784. 




— 168 — 



besondere Vorliebe für sein Land und bekundete das dadurch 
auf das deutlichste, dass er am 3. Jan, 1778, drei Tage nach 
seinem Regierungsantritt, den grössten Teil von Altbayern an 
Österreich abtrat. Österreich besetzte durch seine Truppen den 
abgetretenen Teil 14 Tage später. In den späteren Jahren ver 
hehlte es seine Gelüste auf die angrenzenden Ländereien nicht, 
die unter Verzichtleistung aller Rechte des Kurfürsten an Öster- 
reich übergehen sollten. Als Entschädigung sollte Karl Theodor 
unter dem Titel eines Königs von Burgund die österreichischen 
Niederlande erhalten. Dieser Landertausch fand in dem Könige 
von Preussen den stärksten Gegner, du er keinesfalls eine solche ■ 
Stärkung der österreichischen Macht glaubte dulden zu dürfen. 
Die Absicht spukte seit 1778, führte zu dem Bayrischen Erb- 
folgekrieg und dem Teschener Frieden und zur Errichtung des 
Fürstenbundes im Jahre 1785. > 

Kuifürst Karl Theodor war natürlich einverstanden mit 
dem Plane, er wollte König werden. Warum er also später den 
Illuminaten-Orden verfolgt haben sollte, nur weil dieser seine 
Pläne unterstützte, ist ganz unerfindlich. 

Seine Schwägerin, die Herzogin Maria Anna, war die 
heimhche Verbündete des Königs von Preussen und arbeitete 
an der HintertreibungdesTausch*Projektes. — Diese gemeinsamen 
Interessen waren das Band, welches die Herzogin mit dem 
Könige verband, den sie hoch verehrte, persönlich aber niemals 
zu Gesichte bekommen hat. — Den brieflichen Verkehr mit dera 
Könige vermittelte weniger Graf Herzberg, der Staatsminister, 
als Freiherr von Schwarzenau, der Regensburger Gesandte des 
Königs, derselbe, dem nach Zscliokke Friedrich den Befehl er- 
teilt haben soll, den Verhältnissen des Ordens nachzuspüren. 

Es ist also klar, diiss die Herzogin sowohl, w*ie auch 
Friedrich der Grosse in ihrem Briefwechsel den Illuminaten- 
orden unbedingt nennen mussten, wenn die Behauptung 
Zschokkes und seiner Nachbeter wahr ist, der ausserdem auch 
noch einen beweiskräftigen Brief, datiert vom 25. Januar 1785 
angibt. 

In der ganzen in dem königlichen Haus-Archiv Be 
findliehen aufbewahrten Korrespondenz beider Fürst- 
lichkeiten befindet sich kein Hinweis darauf. I 

Eine vom königlichen Haus-Archiv in Churlöttenbuig dem 
Schreiber dieses vom 14. November 1902 ausgestellte Bestätigung 
lautet: 




— 169 — 

lAuf das gefällige Schreiben vom 6. d. Mts. erwidern wir 
Ihnen ergebenst, dass in dem hier aolbewehrten Brietwechsel 
der Herzogin Maria Anna von Bayern mit König Friedrich dem 
Grossen von Preussen de 1762—85 zwar vieHach das Bayerische 
Austauschprojekt erörtert wird, dass aber in diesen Briefen des 
Illuminatenordens und seiner angeblichen Stellungnahme zu 
dem gedachten Projekte mit keinem Worte Erwähnung geschieht!« 

Sollte also wirkHch jener Brief Herzbergs existieren, ent- 
g^en allem Gebrauch derselbe eine Abschrift dem Archive nicht 
übermittelt haben, sodass jetzt keine MögHchkeit vorhanden 
wSre, festzustellen, ob die Absendung des fraglichen Briefes je 
stattgefunden habe oder nicht, so müsste doch bejahenden 
Falles die Wirkung desselben in der direkten Korrespondenz 
sich widerspiegeln. Es ist dos nicht der Fall, nicht mit 
einem Worte wird der Illuminatenorden erwähnt. 

Vergeblich sucht man auch nach einer Spur jenes ominösen 
Briefes in der Korrespondenz des Freiherrn von Schworzenau 
mit der Herzogin Maria Anna, die durch Dr. Heinrich Meissner 
bekannt geworden ist. Derselbe hatte im Nachlass des Reichs- 
lagsgesandten Freiherrn von Schwarzenau, welcher im Gräflich 
Schwarzenauischen Familienat'chiv in Grossdammer Prov. Posen 
seiner Zeit bewahrt wurde, eine Sammlung von Briefen der 
Herzogin Maria Anna aufgefunden, welche gerade die Periode 
des AustauschJ^roJektes umfiissen. Diese Briefe sind veröflfent- 
licht in der Festschrift zur Feier des 25jälH4gen Bestehens des 
Gymnasiums zu Jauer am 9. und 10. Oktober 1890, heraus- 
gegeben von Dr K. Volkmann, Jauer 1890, Verlag von R. Guerckes 
Buchhandlung. Aus diesen Briefen geht hervor, dass die 
Herzogin bereits wahrend des ganzen bayerischen Erbfolge- 
krieges mit Friedrich dem Grossen Briefe wechselte und ilm 
genau über alle Ereignisse am Münchenei' Hofe unterrichtete- 
Mit dem Freiherrn von Schwarzenau korrespondiert sie ganz 
besonders seit 1782. Wenn man nun diese Briefe ebenfalls noch 
so genau durchsieht, man findet keine Spur einer Hindeutung 
auf den Illuminatenorden. Es ist aber doch ebenfalls ganz 
ausgeschlossen, dass die Herzogin gegen Schwarzenau nicht 
wenigstens eine Bemerkung hätte fallen lassen, falls Friedrich 
der Grosse wirklich, wie behauptet wird, durch Herzberg sie 
hätte aufmei'ksam machen lassen, um so melu' da sie später, 
nachdem die Verfolgung ausgebrochen war» tatsächlich glaubte, 




— 170 — 

der Orden sei gefährlich. Herr Dr. Heinrich Meissner bestätigte 
bei der Anfrage auch, ob er bei Durchsuchung des Archives 
vielleicht an irgend einer Stelle einen Hinweis auf den Illuminalen- 
orden gefunden höbe, dass das nicht der Fall gewesen wäre, 
da er sonst diese Spur unbedingt weiter verfolgt haben w^ürde. 

Also auch hier Hndet sich keine Erklärung. 

Meissner weist jedoch nach, dass Herzberg den Gesandtschafls^ 
Sekretär Ganz, welcher unter Schwarzenau in Hegensburg be- 
schäftigt wurde, an die Herzogin absandte, um sie von deni be* 
absichtigten Tausch, dessen Verhandlungen erat im Anfang des 
Jahres 1785 zu diplomatischen Verwickelungen führten, in 
Kenntnis zu setzen. Maria Anna sehrieb am 16. Januar 1785 
dann an Herzberg einen Brief, der von Reimann „Neuere Ge- 
schichte des Preussischen Staates^ S. 387, veröffentlicht worden 
ist und bietet ihre Hülfe an. Die Herzogin drängt zum 
stürmischen Vorgehen, Herzberg, der besonnene Staatsmann 
bleibt zurückhaltend, kalt überlegend. Infolgedessen (veiigL 
Meissner), da ihr diese Art nicht passte» sie Herzberg gegenüber 
nicht alles, was ihr Herz bewegte, in häufigen Briefen aus- 
schütten konnte, nahm sie ihren unterbrochenen Briefwechsel 
mit Schwarzenau wieder auf, der ihr als der rechte Mann 
erschien. Nach einem kurzen Brief des vorerwähnten Ganz, 
der vom 7, Februar 1785 datiert ist und worin dieser der 
Herzogin die grösste Vorsicht anempfiehlt, beginnt Maria Anna 
bereits am andern Tage ihre Korrespondenz mit Schwarzenau, — 

In diesem Briefe, den Meissner wörtlich angibt, findet sich 
ebenfalls nicht die Spur eines Hinweises auf den Illuminaten- 
orden. Solhe jedoch dieselbe Frau, die eine schwärmerische ! 
Anhänglichkeit an Friedrich den Grossen bewies und von ihm 
alle Rettung erhoflle, eine solclie bedeutungsvolle Warnung des 
Königs gegen den befreundeten Gesandten übergehen, auch 
sonst in keiner Weise diese später erwähnen? Unmöglich, — 
Es kann also in dem Briefe Hei^beigs, wenn er jemals am 
25. Januar 1785 geschrieben wurde, dann aber nur infolge des 
Anerbietens der Herzogin Hülfe zu leisten, von dem llluminaten- 
oi'den überhaupt nicht die Rede gewesen sein. 

Bis jetzt ist eine Spur dieses Briefes noch nicht nach- 
gewiesen, er gehört ins Reich der Legende, wie unzweifelhaft 
durch die Berichte des Freiherrn von Schwarzenau bewiesen 
wird. Da die Existenz, oder Nichtexistenz eines anklagenden 
Briefes die Gründe der lUuniinatenverfolgung und die Anteil- 




— 171 — 



nähme der Herzogin sowohl, wie Friedrich des Grossen und 
nicht zuletzt die so scharf beurteilte, im behaupteten vollen Um- 
fange jedoch gar nicht bewiesene Verröterei Ulzschneiders 
in dos reclite Licht setzt, so habe ich die Berichte des Frei* 
herrn von Schwarzentiu im Berliner Staatsarchiv einer genauen 
Durchsicht unterzogen. Die Ergebnisse lege ich nachfolgend 
vor. Es ist klar, dass in diesen Berichten von den Illuminaten 
die Rede sein muss, wenn der König wie Zschokke behauptet, 
im März 1784 Befehl zur Nachspürung der Verhältnisse des 
Ordens gegeben hat Die Verlasslichkeit des Geschichtschreibers 
Zschokke ist jedoch gönziich negativ, denn in allen Berichten 
des Gesandten vom Jahre 1784 erwähnt dieser nicht mit einer 
Silbe die Illuminaten, erst am 10. März 1785 gibt Schwarzenau 
in seinem Bericht ganz beiläufig aus eigenem Antriebe folgende 
^rwähnung: 

> Vermöge eines Churfürstlichen Mandats zu München ist 
übrigens eine gewisse Gesellschaft von Frey Maurern oder 
Illuminaten aufgehoben, Ihre CoUecten Gossen confiscabel ge- 
machet auch der Staatsrath von Costell, der sich viele Tonnen 
Goldes durch Dienst Verkaufungon und andere Wegs erworben 
hat, zur Ruhe versetzt worden, — — 

" Aus der ganzen Fassung und der Verbindung mit anderen 
Dingen geht deutlich hervor, wie unwichtig Schwarzenau am 
10. März 1785 noch die Illumiiialenangelegenheit hält. Aus dem 
nächsten Berichte, der die Illuminaten erwähnt, datiert Regens- 
bui^:, den 22. August 1785, gewinnt man auch keinen andern 
Eindruck. Derselbe lautet in der interessierenden Stelle: 

|p Die Aufstellung eines eigenen Päbstlichen Legaten zu 
München mit uneingeschränkter \'olhnacht verursacht nicht 
weniger grosses Aufsehen unter den Teutschen Bischöffen. 
Warum der Münchener Hof, der doch deren sogenannten 
Illuminaten dermalen ungemein stark zusetzet und sonderbare 
Entdeckungen gemacht hoben soll, seine Landesherrlichen Rechte 
in Geistlichen Sachen aufopfei-n will, solches ist ganz unbe- 
greiflich und allein aus dem Einfluss des Pater Frank auf die 
Handlungen des Churfürslen von Pfalzbayern erklärbar — — 

Der König, der augenscheinlich gar kein Interesse hat, die 
sonderbaren Entdeckungen kennen zu lernen, gibt seinem 



— 172 — 



Gesandten gör keinerlei diesbezügliche Befehle und Schwarzenau 
fährt daher in kurzen charakteristischen Sätzen aus eigenem 
Antriebe fort, zu berichteiK Zum Beweise der Passivität Fried- 
rich des Grossen in der ganzen lllurainatenangelegenheit lass« 
ich Schwarzenaus Berichte in den interessierenden Stellen hier 
folgen. 

d. 25. Aug. 1785, 
Zu München dauern die VertV:)lgungen der sogenannten 
llluminaten fort und machen, dass man an grössere Geschäfte 
gar nicht denkt. — — 

d. 29. Aug. 1785. 
Zu München kommt die Beschickung des Russischen Hofes 
wieder aufs Tapet und dürfte noch diese Stelle am Ende dem 
hiesigen Pfalz Bayrischen Minister, Grafen Lerchenfeld» der 
solche dringend suchet, hier aber in weniger Achtung stehet» 
zu Theil w^erden. Die Politique scheint weniger Einfluss auf 
diese Ernennung zu hoben, sondern es mag das Absehen dahia 
gerichtet seyn, einen jungen Grafen von Sinzheim, der als das 
Haupt der llluminaten Parthey angesehen wird, ob er gleich 
solche abgeschworen hat, von München hinweg und auf deaJ 
hiesigen Comitial Posten zu schieben, wie denn jelzto alle Be- 
schäftigung des Münchener Hofes allein die Ausrottung der 
llluminaten zum Gegenstände haben, worüber das subLiL A^ 
beyhegende neueste churfürstlichc Rescript einen näheren Auf- 
schi uss giebt 

d. 8. Sept 1785 
Der von München so eben zurückgekommene Hannoversch 
Minister hat ausser einer eckelhaften Verfolgungs Geschichte 
der sogenannten llluminaten keine Entdeckungen von Erheblich- 
keit daselbst gemacht. 

d. 12. Sept 1785. 

Der Churfüi^t von Pfalz Bayern ist wirklich zu sehr mi|l 
Verfolgung der sogenannten llluminaten und andern Neben- 
dingen beschäftigt, als dass Er an Politischen Angelegenheiten 
Anteil nehmen könnte. - — ^ ^^ — 



1 



j 



Es wird w^oh! unmöglich sein, aus den angeführten Be- 
richten herauszufinden, dass diesen ein Betehl des Königs zu- 
grunde liegt; damit fällt jedoch eine solche Behauptung in nicht 




— 178 — 

isammen und es wnrd zur Gewissheit, dass Friedrich der Grosse 
kich nicht im mindesten vorher um die llluminaten gekümmertt 
dass er deren Existenz vielleicht kaum kannte. 

Auch die Behauptung, Marquis Constanze sei wegen illu- 
minatischer Umtriebe beobachtet und dann deswegen aus Berlin 
ausgewiesen worden, ist falsch, der Beweis hierfür liegt eben- 
falls in einem Bericht des Gesandten v. Schwarzenau. 

Die Berichte des Gesandten, in denen er von dem Illu- 
minatenorden spricht, berühren natürlich auch die Auslausch- 
angelegenheit. Sie weifen ein helles Licht auf die damaligen 
Verhaltnisse und verdienen daher ganz besonderes Interesse. 
Schwarzenau schreibt am 26. Sept. 1785: 



Nachdem der ,,Cuner du bas Rhin*', auch die Leidener und 
Cölner französische Zeitungen, die von dem Geheimen Legations 
Rath von Böhmer an verschiedenen Teutschen Höfen angebrachte 
vortreflFliclie Erklärung der Ursachen öffentlich bekannt gemacht 
hat, auch hiesiger Orten jederman das dringendste Verlangen 
bezeiget, solche in ihrem ganzen Umfang habhaft zu werden; 
^^ habe in allergehorsamster Beantwortung des allei^nädigsten 
^^escripti d* 13. Sept. und zweyer erhaltenen unmittelbaren aller- 
huldreichsten Depeschen von dem nelimlichen Dato, wie auch 
ISten curr um nur einer angedrohten im Werke gewesenen 
unäcliten Teutschen Übersetzung auszuweichen und solche 
hinterstellig zu machen, mich nicht länger erwehren können, 
dieselbe herauszugeben, wo sie dann von den hiesigen Colpor- 
teurs sogleich nachgedruckt, allenthalben verbreitet und mit 
der grössten Begierde und Wohlgefallen aufgenommen worden. 
Wenn jemals eine Slaatsschrift, hauptsächlich aber in Bayern 
Aufsehen erwecket hat, so ist es gewiss! ig diese, weil darinnen 
der Stiefvälerliche Vorsatz des Chuifürslen, Seine Lande gegen 
geringfügige Staaten umzutauschen und sich mit dem Titel eines 
Königs ohne Geld und Kriegs Völker zu begnügen, an das 
Tages Licht gestellet wird, wodurch dann die Unlerthanen der- 
^Restalten in den Harnisch gebracht worden, dass sie fast schwierig 
^KU werden beginnen und die bedrohlichsten Reden ausstossen, 
Hpb man zwar zu München sich alle Mühe giebt, durch die Ver^ 
lolgung der sogenannten Illumtnoten dem aufgebrachten Volke 
andere Gegenstände vor die Äugen zu mahlen. Die Bedrängnisse 
und der Geldmangel sind auch daselbsten so gross, dass gegen- 
wärtig nicht einmal die Besoldungen ausgezahll werden können 



— 174 — 



und der Chuifürst, welcher anheute hierdurch nach Sulzbtich 
und andere Ortschaften reiset, sich in die Notwendigkeit ver- 
setzt gesehen hat, bey seinen Pfälzischen Gassen Unterstützung 
zu suchen. Von den angeblich eifrigsten Illuminaten ist der 
Graf Savioli sammt dem Grafen Constanza mit sehr massigen 
Pensionen noch Italien verw^iesen, der Hoffiscal und Cammerraüi 
Zwackh als Regieruogsrath nach Landshut versetzet und ein 
Ungarisch Österreichischer Avant urier nahmens Graf ä Ponte 
Leone, der weder Illuminat, noch Zweybrückischer Spion, wie 
ihm beygemessen wird, seyn mag, nach durchsuchten Brief- 
schaften aus dem Lande bereits verwiesen worden, ohne was 
noch von dem Schicksal mehrerer anderer zü erwähnen sein 
nnöchte. — 

Zu diesem Briefe ist zu erörtern, dass Friedrich der Grosse, 
um den Austausch Bayerns an Österreich unmöglich zu machen, 
in einer Erklärung alle Gründe zusammenfasste, die ihn ver- 
anlassen, sich dem beübsichligten Tausch entgegenzusetzen. 
Dieses Schriftstück, dotiert vom 23. August 1785, Berlin, wurde 
gedruckt allen Höfen zugesandt und trägt den Titel: 

Ministerial Aeusserung des Königlich Preussischen bevoll- 
mächtigten Ministers bey den General Staaten, Herrn von Thale- 
meyer, die nähere Verbindung der drey Chur-Höfe betrefTend. 

In demselben wird nach Darlegung aller Gründe die Mit- 
teilung gegeben, dass der Konig als Kurfürst von Bi-andenbuig 
sich mit dem Churfürsten von Sachsen und Braunschweig-Lüne- 
bui'g verbündet habe, ein Unionslraktrat geschlossen und unter- J 
zeichnet worden ist, um die Hendhobung des gesetzmassigen 
Systems in Deutschland, namentlich der im Teschener Frieden 
festgelegten Bestimmungen zu sichern, durch die alle Staaten 
des Pfalz Bayrisclien Hauses mit einem ewigen und unverausser- J 
liclien Fideicommiss belegt worden waren. ■ 

Auf diese Erklärung spielt der Gesandte an, die von ihm 
verursachte Ausgabe ist inhaltlich ganz gleichlautend mit der 
Ministerial-Aeusserung und trägt den Titel: M 

Erklärung der Ursachen, welche Sr. Königliche Majestät 
von Preussen bewogen haben, Ihren hohen Mitständen des 
Teutschen Heiches eine Association zur Erhaltung des Reichs- 
Systems anzutragen, und mit einigen derselben zu schliessen. 




— 175 — 



Die Druckschrift trägt zum Schluss das Datum Berlin, im 
Augustmoimlh des Jahres 1785. Es wird darin gesagt, dass der 
lönig im Jänner dieses Jahres von dem Herzoge von Zwey- 
brücken vernahm, dass der K. K, Hof diesem Fürsten durch 
den Russisch Kais. Gesandten Grafen von Romanzow den vor- 
her schon in München durch den Gesandten von Lehrbach er- 
gangenen sonderbaren Antrag tliun Hess, das Haus Pfalz-Bayern, 
dem Hause Österreich ganz Ober- und Nieder-Bayern, die Ober* 
Pfalz, die Landgrafenschaft Leuchtenberg und die Herzogthümer 
leuburg und Sulzbach gänzlich abzutreten, dagegen des Kaysers 
lajestät dem Hause Pfalz Ihre Niederlande, mit denen von der 
Republik Holland zu ei'wartenden Vorteilen, jedoch mit Aus- 
schluss des Herzogthums Luxemburg und der Grafschaft Namur, 
unter dem Titel des Königreichs Burgund abtreten und dem 
Churiursten und Herzoge annoch 3 Millionen Gulden zu ge- 
fälligen, allenfalls vergnügenden Gebrauch auszahlen, sich aber 
alle Artillerie und alle National Truppen, sowohl von den Nieder- 
landen als von Bayern und zugleich das Recht in den Nieder- 
landen nach Gutbefinden Geld negociiren zu können, vorbehalten 
wollten. — 

I Dieser Handel sollte ev. ohne Einwilligung des Herzogs,*) 
näa man die des Kurfürsten bereits besass, sogar gegen dessen 
Willen abgeschlossen werden, man erwarte daher innerhalb 
8 Tagen seine (des Herzogs) feste Entschliessung, Derselbe er- 
klärte rund heraus, dass er nie in einem seinen Hause so nach- 
^teiligen Handel einwilligen und nie seine altväterliche Erblande 
reilauschen würde Er gab Mitte Januar dem Könige von 
Preussen daher Nachricht, als seinem Freunde und Urheber 
des Teschener Friedens, und verlangte dessen Beistand gegen 
dieses Projekt, der ihm dann aucli sogleich ausreichend wurde, 
wie in dem genannten Schriftstücke ausführlich klargelegt ist 
Durch diese Urkunden wird bewiesen, dass Friedrich der 
Grosse, der im Januar 1785 vom Herzoge von Zweibrücken die 
Tauschangelegenheit vernahm, bis zum 10. März 1785 Jedoch 
in keiner Weise von seinem Regensburger Gesandten über die 
Illuminaten irgendwie unterrichtet worden ist, nicht in der Zeit, 
als der Antrag des Kaisers zum Austausch Bayerns gegen die 



•) Es ist der Herzog Max Joseph von Zweibrücken, der Nachfolger Karl 
Theodors gemeint. MU letzlerem starb die bisherige regierende Linie aus und 
die Regierung ging an das Haus Zweibrickea Ober. 



— 176 — 



Niederlande geschah, eine warnende Botschaft im Januar 1765 
nach München der Illuminaten wegen richten konnte. Die Daten 
stehen im schreiendsten Widerspruch. 

Noch unzweifelhafter und beweiskräftig für die Verdrehung 
der Tatsachen wird die Nichlbeteiligung des Königs an der 
Illuminatenverfolgung durch die weiteren im Preussischen 
Staatsarchive liegenden Dokumente. Der Befehl des Königs, 
den Verhältnissen, zwar nicht des Ordens, sondern der Ver- 
folgungsgründe nachzuforschen, ist vorhanden, jedoch nicht 
vom März 1784, wie Zschokke behauptet, welches Datum nur 
angegeben scheint, um eine Grundursache für die Verfolgung 
zu erkünsteln, sondern vom 8. Nov. 1785, eine Zeit, in der die 
Verfolgung schon mit einer bedenklichen Willkür ausgeführt 
w^urde. Die Veranlassung dieses Königlichen Befehles ist 
folgende: 

Am 3. Oktober 1785 giebt der Gesandte v. Schwarzenau 
einen Bericht mit schweren Beschuldigungen gegen den Chur- 
türsten, derselbe lautet: 

Der Churfürst von Pfalz Bayern ist zw^ar noch nicht ab-' 
gereist, allein seine Entfernung aus der Hauptstadt und wohl 
aus dem Lande selbst, soll nichts weniger als eingestellt seyn. 
Die Verfolgung der Illuminaten scheint ein blosses Spiel zu se)D, i 
um einige angesehene Familien zum Missvergnügen zu reitzen, 
und die geschicktesten Männer aus Ihren Stellen zu vei'drängen* 
Der Hauptumstand aber, der die grösste Aufmerksamkeit ver-l 
dient ist, dass die Churfürstlich Bayrische Gassen zu zalen auf- 
geholt haben, indem der Churfürst für guibefunden hat, den 
ganzen Gassen Vorrath des verflossenen Quartals zu sich zu 
nehmen. Die Vorstellungen, so der Finanz-Minister Graf Thörring- 
Seefeld und der Geheime Heferendar Stübener auch dagegen 
gemacht, haben nichts gefruchtet und die Beyliülfe der Pfälzischen 
Gassen ist ausgeblieben* Indessen ist die Ghatulle des Chur- ■ 
fürsten sehr gut bestellt. Man spricht von ungeheuren Summen, 
so derselbe in die Banque zu Wien, in den Niederlanden und 
der Banque zu Venedig niedergelegt haben soll; und noch täg- 
lich gehen ansehnliche Geldremessen aus dem Lande. Man halt 
dafür, auch dieses seye ein verdecktes Spiel des abwesenden 
Land Chomthurs, welcher ob er gleich die heranwachsende Un- 
gnade des Kaysers fühlt, in Vereinigung mit dem Ghurfürsten 
einen Schritt der Veraweiflung wagt um wo möglich die trotzigen, 




— 177 — 

inbändi^en und äusserst missvergnügleri Beyern zu einem Auf- 
stand zu bewegen, wonach es dem Knyser ein leiclites seyn 
dürfte, unlerm Vorwande des Landfriedens, der öftentlichen 
Ruhe und der guten Nachbarsctiaft, das Land Bayern mit seinen 
'Iruppen zu besetzen, 

P Merkwürdig ist es nicht weniger, dass das Münchener 

Gouvernement, dessen Verfügungen ebenfalls vom Land Comthur 

geleitet werden, die diesseitige Erkhirung der Ursachen, welclie 

las reine factum des vorhergewesenen Umtausches von Boyern 

Inihält, in die ofl'entliche Münchener Zeitung hat setzen und 

dadurch dem ganzen Lande bekannt machen lassen. Auch 

^dieses sehen einige für einen Kunstgriff zur Beförderung der 

^pievolution. Dem seys nun wie ihm w^olle, die angezeigten That- 

^Bachen haben ihre Richtigkeit; ob die darauf gebauten Mutb* 

massungen auch gegründet sind, muss die Zeit lehren. 

B Nach Erhalt dieses Berichtes erregt die Verfolgung, aber 
nicht der Illuminatenorden, des Königs Interesse und er schreibt 
^^n franzosischer Sprache aus Berlin am 8, Nov. 1785: 



On m*6crit de plusieurs en* 
droits, qu'il y'a un desordre 
g^nöral en ßavicre, et que 
TKIecteur et le Sr, de Lehr- 
hach persecutent sous le nom 
des Uluminös proprement les 
patriütes Bavorois, pour porter 
|a Nation ii une rövolte, afin- 
jue l'Empereur ait un pro- 
*xte de s'enmeler et de s6- 
questrer la Baviere; mais i! 
me semble qu'un parti aussi 
violent ne quadre pas avec la 
caractöre timide de TElecteun 

rjuoiqu'il en soit vous prö- 
terez votre attention parti- 
culiöre a cet objet/et vous 
conseillerez aux patriotes Ba- 
ivarois avec lesquels vous 
Mes en liaison et sourtout ä la 
)uchesse Clementioe d'öviter 

EofeU G««e1iicbt« dea IllumiiuttDord«!!. 



Man schreibt mir von ver* 
schiedenen Seilen, dass in 
Ba yer n a 1 Ige me i n e U n ru Ii e 
herr-schl und dass der Chur- 
fürst und der Fr, v. Lehrbach 
unter dem Namen der Illu- 
minaten eigentlich die Bay- 
rischen Patrioten verfolgen, um 
das Volk zur Empörung zu 
treiben, damit der Kaiser einen 
Vorwand habe, sich darein zu 
mischen und Baiern zu seque- 
strieren; aber es scheint mir, 
dass ein so gewaltsames Mittel 
zu dem scliüchternen Charac- 
ler des Churfürsten nicht passt. 
Wie dem auch sei, schenken 
Sie diesem Gegenstande Ihre 
besondereAufmerksamkeit und 
raten Sie den bayrischen Pa- 
trioten, mit denen Sie in Ver- 
ls 



178 — 



toule exlremile et d'attendre 
pluLut des remedes plus sürs 
et moins dougereux du temps 
et d*uoe potience ralsonnable. 



bindung stehen und besonders 
der Herzogin Clementine, das 
Äusserste zu vermeiden und 
von der Zeit und einer ver- 
nunftmössigen Geduld sicherere 
und weniger gefährliche Mittel 
zu erwarten. 



Schwnrzenau beantwortet diese Depesche des Königs eben- 
falls in französischer Sprache und in Zahleo-ChifFreschrift. Das 
mir vorgelegte <Jriginal entluilt über den Zahlen, aus denen der 
ganze Brief besteht, den französischen Wortlaut, In den uns 
hier interessierenden Stellen lautet seine Antwort in deutscher 
Sprache: 

— — — Die Unruhen, welctie in München herrschen, sind 
noch dieselben. Dem Anschein nach zu urteilen, sollte man 
ghiuben, dass die Verfolgung der llluminaten das Werk der 
raffiniertesten Politik ist, aber seit ich an Ort und Stelle selbst 
zuverlässige Ei-kundigungen habe einziehen lassen, habe ich 
Grund zu glauben, dass es ein Zusammentreffen zufälliger Er- 
eignisse ist, die Jeder zu benützen strebt, um seine persönlichen 
Rachegelüste zu befriedigen und dass die Politik dabei wenig 
ins Spiel kommt. Doch beliaupten Einige, dass der Kaiser, 
der sich für seine Angelegenheiten in Bussland der Jesuiten 
bedient, ihnen die llluminaten in Bayern preisgegeben hat, ob* 
wohl sie in seinen Staaten geschützt sind. 

Übrigens ist es sehr natürlich, dass eine Sekte, welche der 
katholischen BeUgion den Todesstoss geben wollte, von denen, 
welche sich zu diesem alten Kultus bekennen, verabscheut 
werden; es ist nicht minder wahr, dass der Kommandeur 
V. Lehrboch alles tut, um das bayrische \'olk in den Augen 
des Kurfürsten verächtlich zu machen, um ilin dahin zu bringen, 
dass er seine schriftliche Einwilligung zum Austausch gebe und 
mit dem Wiener Hofe gemeinsame Sache gegen die Verbindung l 
(contre l'association) mache. Augenblicklich scheint es nicht 
zur F^mporung zu kommen, aber ich würde für die Zukunft 
nicht einzustehen wagen. Die Gerüchte' über den Austausch 
dauci*n fort und der Kurfürst trifft keine direkten Massregeln, 
um ihnen zu widersprechen. 



In den weiteren Berichten des Gesandten werden im 



179 



29. J 



an. 



^ 



I 



Jahre 1785 nur om 10. u, 17. Oklob,, im Jahre 1787 am 
und 9. April die llluminaten noch einmal erwähnt, ohne dass 
der König jemals nach dem Orden gefragt hätte. — Es ist 
klar ersichtlich, das Interesse desselben richtete sich über- 
haupt nicht, weder im Guten noch Bösen auf den Orden und 
alle derartigen Behauptungen sind in das Reich der Legende 
zu venveisen. Damit fällt aber auch jede Möglichkeit, dass die 
Herzogin Maria Anna in der bisher behaupteten Weise Anteil 
an der Verfolgung iiabe. Gewarnt worden vom Konige ist sie 
nicht, eine Vernehmung Utzschneiders auf Grund der Warnung 
ist demnach ausgeschlossen. Hat seine \'ernehmung staU- 
gefunden, denn erwiesen ist sie nicht und Utzschneider gibt 
in seinen Schriften nichts derartiges zu, so hatte sie sicherlich 
eine ganz andere \'eranlassung\ und dürfte kaum den Tat- 
sachen eines offenbaren Verrates entsprechen, wie des Öfteren 
betont wird. Eine vollkommene Aussöhnung zwischen Utz- 
schneider und Weishaupt*), dem Gründer des Ordens, die in 
späteren Jahren trotz aller gegenseitigen Befeindungen stattfand, 
ei'scheint unter Berücksichtigung der Charaktere beider Manner 
doch nur möglicli, wenn Irrtümer und Missverstiindnisse vor- 
lagen^ welche später als solche erkannt wurden, nicht jedoch 
Treubruch und Verrat. 

Ebenfalls steht die Behauptung, Graf Constanzo habe von 
Utzschneider die Hei'ausgabe einiger Briefe des Königs an die 
Herzogin gefordert, auf recht scliwachen Füssen. Sollte es selbst 
geschehen sein, denn für das Ja oder Nein finden sich keine 
unantastbaren Beweise, Utzschneider selbst hat diese Behaup- 
tung niemals zugegeben, so ist dadurch aber keinesfalls ein Faden 
nach Berlin gezogen worden, um Constanzo zu beobachten. 

Der Graf reiste nach Berlin und wurde alsbald dort vom 
Könige ausgewiesen. Das ist Tatsache- Das Warum der Aus- 
weisung hat viel Kopfzerbrechen verursacht, denn nach üblicher 
Annahme ist in Constanzo der gefährliche lüuminat ausgewiesen 
worden. 

Schon der Churfürst Karl Theodor interessierte sich sehr 
über das Warum und liess Constanzo über die Gründe des- 
selben vernehmen, ohne befriedigenden Aufschluss zu erhalten. 



*) Die Be'w'ei&e hierffir, Briefe WeishauplB an Utzachneidei% Hegen im 
Schriflensaal des Mürichener Archivs uriJ wurden von Eduard w W'eUhaupt 
demselben übergeben. Siehe das Kapitel: Wei^haupts letzte Jahre. 

t ir 



— 180 — 

Die Gründe, die der Graf selbst angiebt, kiingen geradezu lachen 
lieh und beweisen nur, dass es ihm darum zu tan war, die Ur- 
sachen zu verschleiern. In seiner Aussage*) giebt er an, er sei 
nach Berlin gereist, um für die Freimaurerloge .Theodor vom 
guten Rath^\ der er angehörte, die Befreiung von einer Kopf- 
steuer von 3 fi., welche nach Berlin zu entrichten war, zu er- 
halten und Maurerische Kenntnisse, die die MuUerloge Royal 
York versprochen hatte. Er sagt dann wörtlich: dessen zu Folge 
veriugte ich mich dahin, nachdem ich vorhero der Loge von 
Berlin von den erhaUenen Aufträgen Nachricht gegeben hatte. 
Kaum war ich aber zu Berlin, so erhielt ich den Königlichen 
Befehh Berlin zu verlassen. Die Ursache weiss ich selbst nicht, 
sie mag aber wohl die gewesen seyn, dass die Loge von Berlin 
selbst nicht gern eine jährliche beträchtliche Einkunft, die sie 
von der unsiigen zog, verlieren wollte, und dass sie selbst diesen 
Befehl bewirkte. 

Der König selbst in dem Brief, den Höchstderselbe zur 
Rückontworl an den Grafen von Seeleld schrieben, gab keine 
Ursache an, und sagte, dass dieses meiner Ehre auf keine Weis© 
nachteilig sein sollte. 

Diesen königlichen Brief hat der Herr Graf von TörringSee 
feld noch in Händen und kann von ihm begehrt werden. 

Die Annahme, dass Friedrich der Grosse aus Gefälligkeit 
für die Loge einen Ausweisungsbefehl hatte ei^ehen lassen^ 
kann nur ganz naiven Gemütern glaubhaft erscheinen, der 
Grund mussein triftigerer, weniger willküi'licher sein, mag aber 
sonst der Ehre des Grafen, wie angegeben, keineswegs nach- 
teilig werden. Er muss auch eine politische Ursache haben, 
denn in persönlichen Angelegenlieiten war der König tolerant. 

In dem schon angefülirten Bericht des Freiherrn v. Schwär- 
zenau vom 10, Oktob. 1785 findet sich ein Hinweis, der diese 
Angelegenheit klaren dürfte, es heisst da: 

Ausser den bereits angezeigten Exilirten ist noch vor kur 
zem ein junger Mann, Namens März, der unter der Direction 
des verstorbenen Chur-Mainzischen Gesandten von Hausser die 
Doiiauwörther Sache zum \'orteil des Bayrischen Hauses ne- 
gociret, und indessen die Consta nzischen Absichten auf die 
Coadjution des Bisthums Regensborg befördeii hatte, aus den 
Bavrischen Landen verwiesen worden. 



I 
I 



*) Gedruckt in »Apologie der niummaten,* FronkfUrlh und Leipzig 1786. 




— 181 — 




Diese Coiistanzischen Absichten der Coodjution des Bis* 
lums Regensburg, Regensburg war damals der Sitz des Heichs- 
tages, dürften denen des Königs entgegengesetzt gewesen sein. 
Er liess daher den Grafen, von dem er vermuten durfte, dass 
er unter dem Deckmantel harmloser Logenangelegenheilen 
Stimmung für seine Absichten zu machen versuchen würde, 
pn bekannter Fritzischer Kürze ausweisen, Constanzo hatte 
^natürlich keine Veranlassung, diesen geheimen Grund, der mog- 
. licherweise Verwickelungen auch in München hervorrufen 
connte, anzugeben. Vielleiclit interessiert es andere Forscher 
se Spur nach genauer zu verfolgen, in der jedenfalls der 
tlüssel zu der sonderbaren Ausweisung zu finden ist, sonst 
lätte der Gesandte diese so harmlos klingende Meldung nicht 
erst besonders dem Könige mitgeteilt. 

PGar keinesfalls ist Constanzo mit dem Austausch projekt 
In Verbindung zu bringen, das im Jahre 1785 erst im Januar 
Friedrich den Grossen zu besonderen Schritten veranlasste, weil 
Constanzo nach der Zwackhschen Originalgeschichte (siehe § 12 
und 13) höchstens aus den übereinstimmend angegebenen Logen- 
gründen im Jahre 1780, als er Knigge aufnahm, in Berlin ge- 
wesen sein kann und jedenfalls vor dem ersten Verbot vom 
k22. Juni 1784. 

H Um nun aber jedweder Einrede, als habe Friedrich der 

HGrosse doch vielleicht irgendwelchen Einfluss auf die Verfolgung 
Vder Illuminaten gehabt, entgegenzutreten, sei noch ein Bericht 
^Chalgrins nach Paris mitgeteilt. Dieser gibt auch der Herzogin 
Maria Anna von Bayern in dieser Angelegenheit den richtigen 
Platz. 

^In München waren Montezan und Chalgrin wahrend der 
"erfolgungsjahre Vertreter der französischen Regierung, Ersterer 
neigte zur Verteidigung der Illuminaten, letzterer zu deren An- 
klage. Am 2. März 1784 sendet Chalgrin einen Bericht nach 
Paris, der im Archives des Affaires Etrangeres, Ba^it'^re T. 169. 
p, 80 bewahrt ist*) und eine Schilderung der lUuminaten-Frei 
maurer enthält. Er erzählt nun in diesem Bericht, natürlich 

kin französischer Sprache, folgendes: 
tSo vorsichtig auch die Vorbereitungen waren, welche 
diese Gesellschaft vornahm, um ihr Geheimnis zu bewahren» 



•) Alle diese Dokumente befinden sieh in AbschHft in meinem Besitz. 



— 1S2 — 

•so war es doch unmöglich, dass nicht auch Einzelheiten in das 
.Publikum drangen, oder dass sie durch austretende Brüder 
(Fnäres ömigrants) verraten wurden. 

Und dies geschah. Einer (!) davon enthüllte sie der Her- 
zogin von Bayern und übermittelte ihr zugleich einen Auszug 
der Statuten, welche, es möchte einem Mühe machen es zu 
glauben, die Grundlage des Systems und Intriguen dieser Gesell- 
schaft ausmachen. Ich gebe mir die Ehre Ilinen beifolgend 
eine Abschrift der Namen der Illuminalen, erleuchtete Brüder, 
zu übersenden, die Hervorragendsten sind besonders bemerkt. 

Die Herzogin von Bayern war davon eigentümlich über- 
rascht, der Inhalt dieses ungeheuerlichen (monstreuse) und v€^ 
brecherischen ScluMftstückes schien ihr bedrohlich für die Nach- 
kommenschaft des Hauses Palatin. Sie beeilte sich es dem 
Herrn Baron von Hertzberg zu übersenden und ihm ihre Auf- 
regung mitzuteilen; um seinen Rat zu fragen, welche Mass- 
regeln wohl die geeignetesten scheinen, um das Aufkommen 
dieser abscheulichen (destetable) Gesellschaft zu unterdrücken. 
Sie werden, mein HeiT, aus der Antwort des Baron von Hertz- 
berg an die Herzogin von Bayern ersehen, welcher Art dos 
Denken dieses Ministers der preussischen Majestät war, bezüg- 
lich, des Gegenstandes über welchen ihn die Prinzessin um sein 
Gutachten befragt hatte.« — — — 

Die Antwort Herizbergs, datiert vom 14. Dezember 1783 ist 
in fi-anzösischer Sprache gehalten und lautet in der Übersetzung: 

Madame. 

Ich antworte ein wenig spät auf den Brief, welchen Ew. 
Holieit die Gnade hatten mir unter dem Datum des IL October 
zu schreiben, weil ich ihn erst seit einer Keihe von Postlagen 
erhalten habe, Icli übermittele Ew. Hoheit meine untertänigsten 
Danksagungen für das merkwürdige Aktenstück, welches sie die 
Gnade gehobt hat mir mitzuteilen und von dessen Gegenstand 
man hier keine Kenntnis, keine Vorstellung der Möglichkeit hat. 
Ich bekenne aucli, dass icb mich auch nicht in Gefahr begeben 
kann, wie man dort findet, und dass, zufolge der Denkungsart, 
an welche man hier gew^ohnt ist, man dieses wie ein Spiel be- 
trachten würde odei* einen ähnlichen Zeitverheib, Possen so- 
weit, welche die frivolen Leute unseres Jahrhunderts beschöfligen. 



I 




— 183 — 



Indessen kann Ew. Hoheit überzeugt sein, dass ich ni*Vht 
fveifehien werde, alle Aufmerksamkeit dort zu leihen, welche ich 
muss und dass ich voll Eifer für alles bin, was von Seiten 
E\v, Hoheit mir zukommt. Hertzberg. 

(Diese Ablehnung ist so deullicb, dass die Behauptung 
Zschokkes damit gänzlich in Nichts zerfüllt, zumal dieser Brief 
beweist, dass nicht Friedrich der Grosse die Herzogin gewarnt 
haben kann, sondern die Sache sich gerade umgekehrt verhält. 
Die Herzogin warnte den Konig, wurde aber abgewiesen, w^eil 
dieser die geschilderten Absichten des Ordens als ».Possen'' 

fonsah, die die frivolen Leute jenes Jalirhunderts beschäftigten. 
Der weilsichtige, grosse Friedrich konnte auch über das 
milgesendtc Manuskript, das die Herzogin so selir beunruhigte, 
unmöglich anders urleilen. Wir legen es dem Urleile der Leser 
wörtlich so vor, wie es im Pariser Archiv in deutscher Sprache*) 

»bewahrt wird. Deutlich gelit aus diesem Schrittstück die Ab- 
sicht zu verleumden hervor. Die Bemei'kung Chalgrins, dass 
„Einer'' die Geheimnisse des Ordens der Herzogin verraten 
hübe, wird durch eine Note über die Herkunft des Manuskripts 
nnch bestätigt, denn diese sagt; 

On tient cette piece d'un des membres des III. dont les 
^Statuts lui fönt hon*eur et ([ui s'en est retirc. — 

Es lautet nun dieses famose Schriftstück, dos eigentlich 
[eine Anklageschrift ist, wie folgt: 

In Bayern, besonders in der Stadt München ist dermalen 
eine so betitelte Frey- Maurer Gesellschaft so sehr eingerissen^ 
dass man selbe bohl als sehr gefälniicli zej-streuen dürfte. 

Man wirbt alles an, Reiche und Ar'me, Adeliclie und Vn- 
ladeiiche, Einsichtsvolle und von wenigen Verstandeskräften^ 
Alle und Junge, doch sucht man die letzteren am meisten, so- 
lange sie der Erziehung und Bildung noch fähig sind. Der LGrud 
heisst die Minervalschule, wo Jünglinge so erzogen werden, dass 
sie des Ui'dens Absichten einst auszuführen taugen, 

Moralitüt und Menschenliebe sind ihi* Deckmantel, wie hei 
der Inquisition die Heügion, Anhängigkeit an einen Fürslen 



♦) Das Schriflslück srheini von eiriem Nichtkcntier der rleulschen Spraelie 
abgesch riehen xu sein. 



184 — 



und Vaterlandsliebe sucht man gonz ous dem Herzen der jungen 
Leute zu verdrangen. Potriolisniusei'klärtmtin für ein kindisches, 
der Menschheit höchst schädliches Hirngespinst und das ist 
ein Grundsatz, Zweck heiligt die Mittel. Man predigt, dass 
der Selbstmord erlaubt sey, sobald man der Menschheit du- 
durcli einen Dienst tliuen kann. Man macht überhaupt die 
jungen Leute so enthusiastisch für diese Gesellschafl, dass nur 
derjenige geliebt ist, der Bruder heisst, und dass man denjenigen 
atigemein veifolgen muss, der als Bruder wider die Einrichtung 
dieser Gesellschaft etwas vornimmt. Es ist ein Grundsalz der 
Oberen, junge Leute und Mitglieder sollen handeln par possion, 
nun par raison; sie sollen thun, was der Orden ihnen betiehlt 
ohne zu fragen warum? Der erste Grad ist sozusagen die 
Prüfungsschule, das Noviziat» wo die Candidaten unterriclitet 
und der <Jrden ihnen als die einzige Schule der Menschenliebe, 
als die Schule der Moralilfit voi*gestellt, so dass er noch und 
nach an das System und die Denkensart des Ordens gewöhnt 
wird; er bleibt so lange in dieser Schule, bis man sich ganz 
auf ilm verlassen darf, bis er ganz dem < irden zugehört. Dann 
kommt er zum IL, IIL und IV. Grad, welche eigentlich nur ein 
Gi^ad sind, wo die Brüder einander selbst studieren, dem Orden 
ihre Leidenscliaften und Fehler, ihr Gutes und Böses verraten 
müssen, denn jedem wird aufgetragen, seine Brüder nach 
Folgendem zu beurteilen und diese Beurteilung einzugestehen. 

1) Gemütsart, ist er wie im Grade der kleinen Illuminaten- 
Versammlung vorgeschrieben ist — odei^ erfolglos: bandelt 
er gerade aus, oder verstellt er sich gern? Gegen wen? 
Interessiert ihn das Schicksal anderer? oder sorgt er nur 
lur sich? Arbeitet er gerne? Ist er in seinen Handlungen 
rechtschaffen? ISsst er sich davon abbringen? Durch 
Drohungen, Liebkosungen, Gold, Frauenzimmer, 
Ungnade, Verfolgung, Unglück, Freundschaft, Hass^ 
R achgier, Versi> re ch e ii , Be fo rde r u nge n , w^a n n er 
ungestraft das Gegenteil thun kann? Ist er im 
Schmerz geschwätzig, wortreich, oder still und 
stumm? Ist sein Schmerz lange anhaltend? Ist er 
fröhlich und heiter? 

2) Leydenschaften. Hat er starke Leydenschaften? welcher 
ist er am meisten ergeben? Kann er einem gegenwärtigen, 
lebhaften, peinlichen Eindruck widei^tehen? Hat er einen 
Hang zur Schwermuth, die Leydenschaft zum Grunde 




— 185 — 

hat? oder ist er bloss temperamentvoll? Ist er geizig 
oder zur Verschwendung geneigt? und zu welcher 
Zeit? Liebt er die Jagd? welche Art Jagd? Hört er 
gerne von Mordgeschichten? 

3) Alter. 

4) Name, 
Vaterland, 
Figur, 

Physiognomie, 
Haar, 
Stimme, 
Gang, 
Anstand, 
Gesundheit, 
Sprache, 
A^ortrag. 

Den höheren Illuminaten sagt man meist Fragen 
folgender Art: 

a) Wie bey den Brüdern wahre Anhänglichkeit an den 
Orden zu bewirken und wie es dahin zu bringen sey, 
dass man ihr Vertrauen ganz gewinnen kann. 

b) Was sich jeder Illuminat zu diesem Ende für Brüder 
auswählen würde, so dass er sich von selben eine wahre 
stete Anhänglichkeit und Sympathie ihrer Herzen ver- 
sprechen könnte, wodurch den Minen^alen der Orden 
und dessen Absichten interessant und er von der Güte 
ganz überzeugt und durchdrungen werden müsse? 

Ist so eine Frage der Ruhe eines Staates 
nicht gefährlich? Ist hier nicht ein Eingriff in 
die höchsten Rechte? 

c) Wie es anzugehen , um ein allgemeines Sittenregiment 
durch ganz Europa aufzurichten? Hat man dazu allge- 
meine Revolutionen, Kriege, oder nur die Erziehung 
dazu nötig? Wieviel trägt die christliche Religion da- 
zu bey? 

Es wird auch angemerkt, dass zu den künftigen 
Graden nur solche Brüder gewählt werden, die Erbe und 
Gut für den Orden hingeben, und dass nur welche 
taugen, die Geheimnisse des Ordens fortzupflanzen. 

Aus diesem wenigen wird man klar, wie schädlich 



— 186 — 



diese Gesellschaft einem Staate werden kann, und k\ 
die Frage, ob sie es für Bayern wirklich ist. 

1) Werden junge Leute ohne Religion, ohne Vaterlandsliebe, 
ohne gute Grundsätze und Sitten gebildet, denen tyian 
predigt, dass der Selbstmord erlaubt ist, die Religiun 
Dummheit und Vaterlandsliebe ein kindisches Hirn- 
gespinst sey? 

Ibre Aufführung ist Zeuge, wie schlecht ihre Sitten 
seyen. 

2) Ist ihr Zusammenhang so klug, dass sie morden können 
ohne entdeckt zu werden, und da sich der Orden düs 
Recht des Todes wenigstens stillschweigend zu- 
eignet? 

Beweiset die Frage, ob der Orden das Recht habe, 
die verrätherisehen und ungehorsamen Brüder mit dem 
Tode zu strafen? 

Auch die Worte: Einen Verräther zu stürzen, scill 
kein grosser Herr im Stande seyn? Desswegen suchen sie 
auch alle Apotlieker, Medici und Hofmeister an sich zu 
ziehen. Und was thun nicht Menschen ohne Religion, 
Cosmoponten? Ein guter Ereund sagte, dass man bey 
diesem Ordei^ vergiften könne, so dass man nach und 
nach an dei' Auszehrung sterben müsse. 

3) Sammeln sie auch Diplomata und Urkunden, suchen alle 

Archivari auf, locken ihnen manches Stück ab, 

dann durch Ingolstadt an Heri*n Coblenzel nach Eich- 
städt oder gleich direkt mit den übrigen Schriften 
an Herrn Sonnenfels Üesterreichs grossen Patrioten — 
Denn Wien ist der Hauptpltitz für die hiesige Loge. 

4) Aus Vorhergehendem siebt man klai% dass doch etwas 
gross Politisches mit unterlauft, welches durch folgendes 
noch mehr bestätigt wird. ■ 

Ein Bruder, der grosse Kenntnis von dem Orden hatte,* 
sagte einem anderen Bruder: dass Oesterreich einmal 
durch diesen Oi'deji ganz Deutsehland an sich ziehen 
werde, und durcli diesen Orden Naciiricht aus allen _ 
Europäischen Staaten haben könne. | 

5) DerOrdensbischof in München sagte, dass Oesterreich bei dem 
Todesfälle Carl Theodors ganz ruijig seyn wird, denn Bayern 
bekäme es in Zeit von 20 Jaliren ohnehin gewiss, indem 
während dieser Zeit alle grossen Augen zugehen würden* 




— 187 — 

Der (Jrden örbeitet wirklii'li an dem einen, Herrn 
Zwockh, Hofrat und Fiscal in München, seinen eifrigsten 
Anhänger nach Zweybrücken als Informator des jungen 
Prinzen zu bringen. 

Also kann man aus diesem schliessen, dass so eine 
Gesellschaft jedem Staat, besonders aber Bayern und seyner 
Successiou höchst gefährlich sey. 



Wer war nun der Verfasser dieses Schriftstückes und der 
Erfinder jenes guten Freundes, der da sagte, man könne 
bei diesem Orden vergiften, so dass man nach und nach an 
^er Auszehrung sterben müsse? Hier liegt jedenfalls die Quelle 
fbn dem Märchen, doss der Orden nötigenfalls mit aqua tofana 
arbeite, wodurch mehrere Fürsten, wie wir noch sehen werden, 
in ai^e Angst versetzt wurden. — Man hat sich daran gewöhnt, 
ützschneider als einen Ordens- Veri'üter anzusehen, eine Ansicht, 
die recht haltlos ist; es ist jedoch unmöglich, diesem später so 
verdienstvollen Manne ein solches Machwerk zuzutrauen, wie 

fhier vorliegt. Der Verfasser muss ein anderer sein, 
Dr. Wolfram bezieht sich in der Broschüre >Die Illumi- 
naten in Bayern und ihre Verfolgung, 11. Teil«, auf Seite 11 auf 
ein Sehreiben vom 30. Dez. 1784, das durch Chalgrins Hände 
ging und im geheimen Staatsarchiv zu München bewahrt wird. 
In diesem heisst es, dass die Herzogin Maria Anna, gestützt 
auf Angaben, die sie von einem Professor des Kadetten- 
korps, d. h* der Marianischen Akademie, vor nunmehr bald 
einem Jahre (also Ende 1783) empfangen habe, dem Kurfürsten 
warnende Mitteilungen machte. Dem Grafen Hertzberg schickte 
nun die Hei-zogin, laut dessen Antwort, am IL Oktob. 1783 
diese Mitteilungen in jenem Schritlstücke zu; es ist also wohl 
sicher, dass der angedeutete Professor dasselbe auch als Anklager 
verfasst haben muss, denn die Daten harmonieren. Als kurfüi^st- 
lich beglaubigte Anklager des Ordens sind im Jahre 1786 durch 
die Schrift; »Grosse Absichten des Ordens der llluminaten*, 
Georg Grünberger, kurt'ürstl Censurrath und Mitglied der bai- 
rischen Akademie. Sulpitius Cosandey, Wellpriester, \1tus 
_Benner, Weit])riester und Joseph Ützschneider, kurfürstlicher 
irkliclier Hofkammerrath, alle vier Professoren der herzoglichen 
mdesakademie, bekannt gewoi'den. Die ersten zwei wurden 
Zt in Vei4iöre verwickelt, deren Protokolie vorhanden und 
if die wir noch zu spreclien kommen. Von Ützschneider ist 



— 188 — 



abzusehen aus Gründen, denen wir gleich nähertreten werden. 
Der Verffisser düifte aber unter dem Tritblio: Grünbetiger, Renner, 
Cosandey höchstwahrscheinlich zu finden sein. 

Chalgrin sendet mit seinem Bericht noch eine 160 Nomen 
umfassende Milghederliste der lUuminafen ein, auf dieser fehlt 
Ulzschneider gänzlich, aber die drei Professoren finden sich mit 
noch zwei Namen in einer Schlussrubrik unter: Nomes de ceux 
qui se sont retirös und bei ihren Namen die Note: Attaches ii 
i'^cole des Cadets de Mme 1q Duchesse de Bavi6re. Letztere 
Bezeichnung findet sich sonst bei keinem Namen, es bleiben 
also nur diese drei übrig. Es ist ausserdem zweifellos, dass später 
auf kurfürstlichem Befehl diese drei Professoren aussagen mussten, 
was sie vom Orden wusslen, und do findet man eine recht auf- 
fallende Ähnlichkeit mit dem bekannt gegebenen Schriftstück, 
namentlich bei Cosandey. — 

Jedenfalls ist ein Professor des Kadettenkorps der Ver- 
fasser gewesen und dos genügt vorläutig, um den weiteren Fäden 
auf die Spur zu kommen, selbst wenn es nicht ganz klar ist, 
wem die Ehre dieser Arbeit zukommt. 

Chalgrin erzälilt in seinem Berieht nun weiter: 

Dieser Schritt der Herzogin von Bayern (der Brief an Hertz- 
berg) fand keine Beachtung und ist es noch bei den Illuminaten 
der Falk Sie hatten, und z%var erst seit kurzer Zeit, durch ilire 
Milbrüder in Erfahrung gebi'acht, dass diese F'rinzessin Kennt- 
nis habe von dem System, welches sie vereinige. Diese Ent- 
deckung genügte ihnen, um sie zu bestimmen, den Ort ihrer 
Zusammenkünfte zu verlassen, ihre Correspondenz in Sicherheit 
zu bringen und in der Furcht überrascht zu werden, sie fremden 
vertrauten Händen zu übergeben, w^elche sie sorgfältig verbor'gen 
halten und von welchen man noch nicht Kenntnis erlangen 
konnte. 

Das Überbringen dieser verdächtigen Correspondenz an 
einen andern Ort konnte nicht ohne Gefahr und Ängstlichkeit 
ihrerseits bewerkstelligt werden. 

Es blieb nur übrig die Herzctgin von Bayern zu belehren, 
dass sie sich getäuscht habe. Professor Baader w^ar mit dieser 
Mission betraut. Er sah die Prinzessin* Er schilderte ihr den 
Kummer, mit dem er von den nachteiligen Eindrücken erfahren 
habe, welche man in der Seele Ihrer Hoheit hervorzurufen ver- 
sucht habe, der Gesellschaft, der er angehöre, zuschreibt und 



18D 



£31 

1 



I 



hüuplsochlich ihm; schliesslich protestierte ei\ dass die Gesell- 
schaft nicht fähig sei, wie sie argwöhne, sich zu erlouben gegen- 
teilig zu denken, noch weniger zu handeln in ihrer Ei^ebenheit 
gegen das erlauchte Haus Palütin, sondern, dass ganz im Gegen- 
leil sie gegen das Haus Oesterreich arbeiten. Indem er glaubte 
sich und seine Anhänger reinzuwaschen, merkte dieser be- 
eisterte Professor nicht, dass ihm jedenfalls ein verwerfliches 
■Geständnis entschlüpft war über das Wesen der Gesellschaft, 
Und dass es nicht geglückt war, wedei- der Gesellschaft noch 
ihna, listig davon abzubringen. Er gestand naiverweise, dass 
sie sich in die Angelegenheilen der Regierung einmischten und 
das genügte, um den Verdacht, den man schon hatte, zu be- 
festigen* 

Die Herzogin verstelUe sich und glaubte unterdessen den 
Chuifürslen benachriclitigen zu müssen von dem, was geschah. 

Schrecken war die erste Empfindung, welche diese ver- 
trauliche Mitteilung bei Sr Kurfürstl. Hoheit hen'orrief und 
seine Sorglosigkeit, wodurch der Zustand des Verfalls herstammt, 
Verwirrung und Anarchie, deren Folgen hier alle Administrations- 
parteien emptinden, verschwand beinahe gleich. 



Aus dieser Unterredung Baaders hat man den Anfang 
^der Verfolgung ableiten wollen, es ist aber klar, dass die von 
Chalgrin kopierte Anklageschrift des verleumderischen, unbe- 
kannten Professoi^ dem Kurfürsten den ersten Anstoss gegeben 
haben muss, 

Chalgrin scheint dieser Schrift zu glauben, ersieht infolge- 
dessen Gespenster und übertreibt auch weiterhin in seinen Be- 
richten die Sachlage; er malt die Gesellschaft als höchst gefährlich, 

Iw^ahrend der Botschafter Montezan om 24. August 1785. kurz 
nach dem dritten Verbot in seinem Bericht sagt: »Ich muss ge- 
stehen, mir scheint es, dass man hier zu viel Wichtigkeit einer 
mehr lächerlichen als gefahrlichen Verbindung giebt.« 
Diese Tatsachen beleuchten nun auch Zschokkes Ver- 
drehungen bezüglich Utzschneider, 
Dass die Herzogin Utzsehneider, der ihr Geheimschreiber 
war, um den Orden gefragt hoben wird und dass dieser von 
dem professorlichen Schinftstück Kenntnis hatte, ist in seiner 
Stellung als Geheimschreiber selbstverständlich. Sein plötzlicher 
Austritt aus dem Orden Ende 1783, nachdem er doch jedenfalls 




— 190 — 



I 
1 



selbst den Brief au Hertzberg, im Auftroge der Herzogin, am 
IL Oktob. 1783 gerichtet hatte, ist ebenfalls selbstverständlich, 
wenn die besonderen Verbnltnisse berücksichtigt werden» die 
ihn noch ausser seinem Amte an die Herzogin fesselten. Es wird 
dann auch keineswegs mehr verwunderlich, dass Utzschneidem 
Name mit denen der drei Professoren zusammen den Vorberichl 
zu dem Werke > Grosse Absichten des Ordens c beschliesst» 
denn auf Befehl des Kurfürsten traten diese Männer in die 
( »ffentlichkeit und Utzschneider musste der Herzogin w^en 
w^ohl oder übel mittun. Nirgends finden sich Beweise von 
einer Verreterei dieses Mannes, im Gegenteil, er suchte durch 
Schweigen das aufflammende Feuer zu dampfen und wenn 
Weishaupt ihn auch anfangs für einen Verräter hielt, so war 
das ein Irrtum, den jener später selbst eingesehen hat, denn 
beide Männer waren 25 Jahre später die besten Freunde. Wir 
kommen darauf noch zurück. 

Das besondere \'erhältnis Utzschneiders zur Herzogin be- 
stand darin, dass er ihr Neffe war, jedoch hatte die Öffentlich 
keit keine Ahnung von dieser Tatsache, die A. Erhard in seinem 
Artikel »Bayrische Patrioten Verfolgung vor einem Jahrhundert« 
im Sammler, Beilage zur Augsburger Abendzeitung 1884 zuerst 
festgelegt hat. Erhard gibt daselbst etwa folgendes an: 



»Maria Anna, geborene Prinzessin von Pfalz-Salzbaeh, seit 
1770 Wittw^e des Hei'zogs Clemens, war, wie bereits bewiesen, _ 
die politische Gegnerin des Kurfürsten. Letzterer wollte sie| 
deswegen schon bald nach seiner Thronbesteigung veranlassen, 
München zu verlassen, er glaubte das am sichersten zu er- 
i'eiclien, wenn er sie in der Person ihres Zahlmeisters Andrea 
treffen würde, der um alle Geheimnisse Maria Annas wusstdl 
und der mit dem auf österreichischen Befehl im Febr, 1779 ver- 
hafteten preussischen Spion Doi-opp zu München vertrauten _ 
Umgang gepflogen hatte. Der Kriegsminister Generallt. Joh« | 
Ernst Freiherr von Belderbusch erhielt Befehl Andr^e zu ver- 
haften. Der Befehl w^urde am 10. Juni 1779 ausgeführt und 
er nach der Veste Rothenberg abgeführt. Andr^es Neffe war 
Joseph Utzschneider, der sofort die Dienste seines Onkels über- 
nahm. Die Herzogin bemülite sich nun ungemein Andr<^e zu 
befreien, es gelang ihr anfangs nicht, bis endlich persönliches 
Bitten beim Kurfürsten, Andröe nach viermonatlicher Haft be- 
freite- Dieser Andree ist dann der heimliche Gemahl der Her- 



— 191 — 

zogin geworden, denn sie schreibt*) deutlich am 10. Nov. 1788 
an Andr6e — 1780 lors de mon manage. War Andr6e auch 
wieder frei geworden, so durfte er jedoch nicht München be- 
suchen, erst mehrere Jahre nach Maria Annas Tode, derselbe 
erfolgte am 5. April 1790, bekam er auf Utzschneiders Ver- 
wendung die Erlaubnis, incognito wieder in München zu leben, 
laut Erlass an den Stadtkommandanten Generalmajor Graf von 
Topor Morawitzky vom 12. September 1795.« 

Nun hatte, jedenfalls um diese Rückkehr zu erzielen, auch 
der Illuminatenorden sich bemüht, denn in den ungedruckten 
Briefen Weishaupts Nr. 159 schreibt dieser an Zwackh in einem 
Brief ohne Datum jedoch aus dem Jahre 1782: 

»Aus einer andern Beylage werden Sie ebenfalls ersehen, 
was dann ich in betreff des Andr6 in Wien zu hoffen habe, 
machen Sie dorten äusserst behutsam Gebrauch und sagen Sie 
davon Archytas (d. i. Professor Grünberger) nichts weiter als 
uns Arrian (Graf Cobenzl) rathen will, dass man ihm sagen soll. 
Will Andr6 nicht glauben, dass man sich für ihn verwendet hat, 
so mag er selbst an Arrian schreiben, welcher das nämliche 
bestärken wird.« — 

Da Professor Grünberger (Archytas) zu den drei famosen 
Professoren gehört, ist wohl anzunehmen, dass trotz des Miss- 
trauens Weishaupts, der Vorsicht vorschreibt, dieser zu erfahren 
suchte, was irgend möglich war, um es der Herzogin mitzuteilen. 
Dass diese Frau über die Verwendung des Ordens nicht en^ 
zückt war, zumal sie fürchten konnte, der Orden wisse um ihr 
Geheimnis, ist einleuchtend und dadurch dürfte schon 1782 eine 
mit Politik nichts zu tun habende Antipathie gegen den Orden 
erzeugt worden sein, die auch beim Kurfürsten beste Früchte 
zeitigte. 

Carl Theodor suchte bereits 1779 nach Opfern für seine 
Unzufriedenheit, als deren erstes Andr6e gefallen war und dem 
Obermayr und Lori folgten, welch letzteren wir aus Weishaupts 
Universitätsbriefwechsel kennen. Beide wurden verbannt. Er 
glaubte in diesen Männern die Widersacher seiner Königspläne 
auf Burgund zu verfolgen und gab bereits, wie Lehrbach in 

*) Original in der Autographensammlung der K. Hof- und Staatsbiblio- 
thek zu Mönchen. 



— 192 — 



seinen Berichten schreibt, 1779 Befehl die Forschung nuch Xjiy 
Zufriedenen fortzusetzen. Es ist also recht einleuchtend, dass 
der Professorbericht vier Jahre später seinen Zorn entttamrate, 
nachdem der erste Schreck ühenvnnden war, namentlich falls 
die Herzogin die Arbeit gegen iJsterreich betont haben sohte. 

Chalgrins Dai-stellung der Unterredung Baaders mit der 
Herzogin mag daher ganz richtig sein» denn sie reiht sich logisch 
den ersten V'orgängen an, nur genügen diese noch nicht zur 
vöUigen Erklärung des inquisitorischen Verfahrens, das alsbold 
behebt wurde. 

Da nun die Beziehungen des Ordens zur österreichischen 
Regierung herangezogen werden, dem Orden landesverrälerische 
Pläne vorzuwerfen und namentlich Österreichs Pläne auf Bayern 
unterstützt zu haben, in der Hoffnung, unter der Regierung 
Josef H, freieres Spiel zu erlangen, so müssen wir zunächst 
auch hier die kritische Sunde gebrauchen und klaren Bück zu 
erhalten suchen. 



Die Ordeiisbeziehimgen zur österreichischen 
Regierung, 

Bis zum Jahre 1782 hatte der Orden nur wenig Mitglieder 
in Wien (Rom genannt in der Ordensgeographie) und wenig Be- 
ziehungen in Österreich überhaupt. 1 

Die zwei Berichte des Hannibal, Baron Bassus, die mit 
Streichungen und Auslassungen in dem Nachtrag zu den Ori- 
ginalschrirten Seite 134—139 verölTentlicht sind, geben ziemlich 
gute Anhaltspunkte über die ersten österreichischen Erfolge. 
Hannibal träumt zwar dovün den Kaiser Josef IL selbst einmal als 
Ordensmitghed zu sehen, docli das blieb Traumerei. Die in 
München im KgL Hausarchiv bewahrten Originale lauten in 
den betreffenden Stellen.*) 

d. 14. Januar 1782. 

*Hier in Samos (Innsbruck) ist wirklich eine Loge von 
beyläuflg 50 Brüdern Maurern, worunter recht viele wackere 
Manner sind, und man ti-ilU in Tirol und Trideotiaischen in 



*) In deo OHgLiiaiächfiaen sitid diese nur mit Auslasiiungen und Ge- 
dankenstrichen abgedruckt. 




193 — 



'jedem angesehenen Oi'te Maurer Der Fürst von Trient ist 
Maurer und so mehrere Cavaliere der dortigen Gegend. Hier 
(Innsbruck) ist der Graf Kenigel, Viceprosident, Meister vom 
Sluhl.t — 



Weiter heisst es: 



I 

^B »Der Kaiser ist bis jelzo niclit Maurer gewesen; nun aber 
^P)ey Gelegenheit, dass der russische Grossfürst in Wien ist auf- 
genommen worden, will er auch zu dieser Gesellschaft tretten, 
»Dieses wäre nun die herrlichste Zeit, dass der Bruder Arrian 
in Wien etwas sehr Grosses, ja so zu sagen, das Grösste thun 
konnte, es sollen dort über 400^ M aurer seyn; die erfahrenen 
Maurer taumeln nur in allerhand Systemen herum und suchen 
Licht: giebt man den Würdigeren nur einen kleinen Fingerzeig, 
so laufen sie mit der brennendsten Begierde, und glühendem 
Herzen nach. Ich habe mich auch hier nach einigen würdigeren 
umgesehen, w^elche das wahre Licht zu sehen verdienen, und 
zu dessen kluger Verbreitung am schicklichsten beytragen können, 
es sind Graf von Trient, kaiserlicher Kämmerer und Regierungs- 
rath, ein rechtschaffener Mann, der zweite ist Professor Schiuereck, 
^künftiger Schwager des Spartacus. Der dritte Schlosshauptmann 
^Priosser. Erster hat mir heute den Revers eingehändiget, und 
die andern zwey packe ich moi^en.« — 

^L Im nächsten Schreiben vom 25. Februar 1782 sagt Hannibal: 

^m „ — noch habe ich die letzte Nacht eine herrliche acquisition 
^^emocht, den Herrn von Gasler, K. K. Archivar, ein Mann voller 
Wärme für die ganze Sache. Ferners habe ich eifahren, dass 
der Kaiser noch nicht Maurer ist, aber dass man Hofinung ge- 
habt, er würde sich bei Gelegenheit, da sich der Grossfürst von 
Russland wollte aufnehmen lassen zu Rom, er auch das gleiche 
thun würde. Er hatte bisher dem Orden nur die Toleranz, 
nicht aber die Protection versprochen. Nun ist es die grösste 
Zeit, dass Arrian sich in Rom an die Sach mit Muth wagen 
kann und soll" — — ^^^ 
K Letzteren Wunsch hat Arrian, auf den wir gleich zu sprechen 
H|(|]inmen werden, erfüllt. Aber auch Knigge knüpfte Beziehungen 
ch Wien, die er in einem Berichte vom August 1782 folgender- 
lassen schildert: 

»Ich habe auf dem Convente in Wilhclmsbad den Depu- 
iiien Grafen von Kolowrat angeworben, und ihm den Namen 



£d|^(, Geschieht« dea IJluTuumtcoc^rdeoi. 



13 



— 19Ö — 



I 




iehorigen war Grii_r Ci^benzl, Domprobsl zu Eiclislädt, unter dem 

amen Arrian imT*rden bekanut, und dessen Bruder, der das Amt 

es Kanzlers in Wien bekleidelG; des letzteren i*rdensnomen 

"är Memerades. Zu diesen gesellte sich der Scbrirtsteller Ge- 

heimrat Sonnenfels (Fabius) ujid der Baron von Schroeckenstein 

(Mahomet)r^" 

Es scheint, dass diese sehr gegen den Willen Weisboupts 
rbeiteten und unmöglich ist es nicht, dass diese Männer poli- 
tische Zwecke privatim verfolgten, für die jedoch in keinem Falle 
der Orden verantwortlich zu machen ist und Weishaupt erst 
recht nicht. 

Wie letzterer über politische Umtriebe dachte» geht klar aus 
einer Schrift im Zwackh'schen Nachlass hervor. Es findet sich 
dort ein Brief von der Hand Zwackhs an Spartacus, korrigiert 
Weisliaupt, der folgenden Wortlaut aufweist: 



»Überhaupt werden wir die Versammlungen nachdrücklich 
J<ouf eins der ersten Ordensgesetze verweisen, nämlich sich in 
Heligion und Staaten-Verfassungen gar nicht einzumischen, wir 
wollen zwar hierin keinem seine Freiheit zu denken benehmen, 
riber die Nothwendigkeit zeigen, u^nrum man darauf mit aller 
Schärfe besteben muss, dass die Mitglieder unserer Verbindung 
von jeder und besonders derjenigen Religion, welche in ihrem 
Lande die herrschende ist, nur mit Ehrfurcljt und von der Regie- 
rung, unter w^elcher sie stehen, mit der schuldigen Achtung reden 
I ^ sollen, und dass bey einer weiteren Anzeige derley unvernünftige 
Bspötter und (unleserlich) als gefährliche und untaugliche GlieHer 
■ von unserem Körper wieder abgesondert werden.« — 
^ Dieser Brief ist 1783 geschrieben, also kurz noch jener 

Zeit, als die Wiener Verbindungen anfingen, 

t Letztere gestalteten sieh nicht zur Zufriedenheit Weis- 

haupts. Seine ungedruckten Briefe im Geheimen Staats-Arcliiv zu 
München lassen darüber gar keine Zweifel So schreibt er den 
27. Nov. 1782: 
»^ — leider ist es nur zu wahr, das seine Direclion (Arrian) 
keinen Teufel taugt, aber in Rom, da will er keinen vorkommen 
lassen, er tbut als wenn die ganze österreichische Alonar*chie 
zu seinen Befehlen stünde, ich habe mich erbothen, ihm alle 
I Briefe aufzusetzen, den er sodann nur zu unterschreiben braucht, 
[wenn er doch noch fort dirigiren wifi. — 

13* 



IW 



In eioem spätem Brief ohne Datunn spricht er sich gegen 
Zwackh ganz offen gegen Arrian aus und sagt: 



I 



Meine Ursachen warum ich um das Etablissement in Wien 
nicht gerne etwas leisten will und um seinen Plan mich be- 
kümmere sind: 

1. Weil Arrian solches gegründet, 

2. Elend gegründet, 

3. und noch elender dirigirt. 

4. Weil er sich damit nothwendig machen will den Ton 
im LK anzugeben, nichts einführen, bessern will, ausser 
was ihm, Mahomet, und seinem Bruder anständig ist. 

Weil er sich stellt, als ob Wien und Österreich sein Eigen- 
thum wai-e — dieses ist mein Hauptgrund, denn darauf baut 
er und Mahomet seine stolzen Pratensionen. Der Orden er- 
scheint ihm Sclav von Österreich zu werden, darum will man 
mich nach Wien locken und dann dort nach der Seite des Hofs 
zu Ungarn, 

Das merke ich gar wohl, wir brauchen Österreich gar nicht, 
unterdessen kenne ich es leider, obwohl das ein sehr unvoll- 
kommenes Etablissement dort ist und schlecht existirt, man 
sagt doch in Wien sind lÜuminaten e tanto bosta.t — — ^^ 

Weishaupt rat nun, Arrian machen zu lassen was er wilK 
denn ihm liegt nichts daran und er freut sich Rulie zu hoben. 

Am L Üklob, 178i (S. 222, Nachtrag z. d. Orig.-Schriften) 
also nach dem ersten \'erbot schreibt Weishaupt: 

* Weder ich, weder Philo Iiaben nach Wien Correspon- 
denzen unterhalten. Warum alles verfallen, liegt in dem Narren 

S ^ und in A — — fehlerhaft getroffenen Einrichtungen; 

gleichwie auch in des huchweisen Mahomels I^rovinz nichts 
hinter sich und vor sich gebt,<^ — 

Aus diesem Material gehl her\x>r, dass die Ordensangelegen, 
heiten in Wien gründlich verfahren wurden. Zwar hatte die 
Loge Theodor zum guten Hath, eine Tochtei'loge, Augusta zu 
den drei Kronen in Wien begründet, aber auch diese Loge hat 
besondere Erfolge nicht erzielt, sondern verlief im Sande. — 
Jedenfalls hat Weishoupt keinen Einfluss auf politische Intrigueii 
gehebt oder solche unterstützt, dazu reichten die Verbindungen 
für ihn und die Münchener Illuminaten kaum aus. Es zerlallt 




— 197 



lit aber dann die so zah festgehaltene Behauptung von den 
lesverrälerischen Absichten des Urdens, der die Auslieferung 
^Bayerns an Öslerreicli unterstützt haben sollte. 

Dass auch die österreichische Regierung bemüht war, dem 
"Kurfürsten Carl Theodor Klarheit zu gel>en, beweist eine Beilage, 
iiie nebst einer geheimen Instruktion von dem K. K. Hofe an 
<Iie K. K. Gesandlschaft, an den Clun^-Pfalz Bayrischen Hofe zu 
München gerichtet ist, datiert Wien, den 23- November 1784, 

Ials Antwort eines Gesandlschaftsberichtes vom 5* Nov. "— — 
^ Es heisst da zuerst: 
I Formalia. 

I Was die lUuminaten betrifil, so hat die Gesandtschaft 
kuchts für sie, aber auch nichts gegen sie zu thun; nicht das 
erste, weil die Abneigung des Churfürsten zu gross ist; nicht 
das letzte, weil die letzhin angezeigte subjeeta wegen des Ein- 
flusses, welchen sie in allen Gattungen Geschäfte haben, müssen 
äusserst menagirt werden. 



Die Beiloge ohne Namensunterschrift lautet: 

^Erläuterung der Cicschichte und des Ursprungs der Illuminaten. 
B Es verhalt sich mit der Freimaurerei wie gewöhnlich mil 

dem Ursprung aller Geschlechter und Völker; jedes sucht seinen 
Anfang in den entferntesten Zeiten und versteigt sich aus Stolz 
und Ehrsucht soweit, dass es darüber nicht selten in's Lacher- 
liche fällt 

Fast allgemein leiten die geheimen Weislieitsschulen, wie sie 

sich nennen, ihren Ursprung von jenen ab, die ehemals bey den 

Ägyptern und Griechen bestanden. Sie behaupten, diese Schulen 

Bder Weisheit waren stets bey allen Völkern und zu ollen Zeilen 

^■orlgefülirt worden, was also im Alterthum die Mysterien der | 

^Bsis bey den Egyptern, und jene zu Eleussis der Griechen waren, 

^Bas waren nunmehr die Geheimnisse der Maurerei, nacti den 

Umsländcn dieses Zeitpunktes gemodelt. 

Wirklich ist diese X'ernuitung so ungereimt nicht, so ge- 
l'iss es doch ist, dass der Name Freimaurerei ungefälir in den 
EeiterrHer Refurmatioi] — und da sehr schwach nur erscheint, \ 
'Krst in diesem Jahi4mndert und Grössten teils vor der Hfilfte ' 
iesselben, entstand seine vollste X'erbreitung. Der Zeitpunkt 
iber, wo man davon — wenigstens in Deutschland so gar all- 



— 198 — 



gemein spricht, ist jenei" der Ti^ennung in zwey Hauptstä 



IUI 



durch die Ein 
zu Braunschweig. 



ruiig der strikten Ohservoiiz aus dem Convente 
Das ist der eigentliche Zeitpunkt des Mi?^ 
Verstands und der Verfolgung der Maurer unter sich selbst, er 

'eroHenbarens so vieler 



:h 



id de 



ler des Entstehens 
Sekten gegen- und untereinander. 

Seit der Einführung der ersten Loge sind noch kaum acht- 
zehn Jahre zu zälüen. Zwölf Jahre ungefähr sind es, seil der 
Entstehung einer zweiten, die Graf Morawizkische Loge genannt. 

Ich weiss wenig oder garnichls von dem Schicksal der 
ersteren und ihrem wesentlichen Verband, die zweite gründete 
sich auf die Auswahl der besten und reclitscbafliMisten Glieder 
und hielt zu der sehr kurz vorher eingefülnlen stricten Obser- 
vanz. Demungeachtet ent3[»ann sich bald Verwirrung und Un* 
Zufriedenheit unter einigen Gliedern von einer Dauer von nicht 
viel mehr als drey Jahren, man suchte zwar eine \'ereinigung 
wieder, doch nimmermehr wurde etwas Haltbares daraus, und 
w^enn ich nicht irre, so ging sie im dritten Jahre der neuen 
Fiegierung aus besonderer Hücksicht und Klugheit ganz aus- 
einander. 

Wahrend des Entstehens und der Dauer dieser Loge trat 
noch eine auf» und diese ist die sogenannte Baden isclie Loge. 

Sie hielt sich Anfangs zum entgegengesetzten System, bis 
endlieh daraus die izt so viel Aufsehen erweckenden llluminaten 
erwuchsen^ durch folgende Veranlassung. 

Weishaupt, damals Professor des geistlichen Rechtes zu 
Ingolstadt und Mitglied der Graf Mnrawizischen Loge, hatte 
schon, bevor er zu dieser Verbindung gekommen, grössten teils 
alles gelesen, was er von Freimauerei alles auftreiben konnte; 
sein Geist noch überdies mit den Schriften der Alten genährt, 
und insbesondere mit den so mannigfnltigen Systemen dei* 
Pliilosophie vertraut, vermochte nichts zu linden darin, was ihn 
befriedigen konnte. 

Bey der Entdeckung, dass ihm bey dieser Verbindung 
nichts neues erschiene und unzufrieden, nach einem System zu 
arbeiten, das von auswärts betrieben, er ganz sicher Chimäre und 
Ungewissheit zum Grunde hat, tulilte er ganz das Vermögen in 
sich, selbst ein System zu erfinden, das auf metaphysische 
Neuheit gebaut, Aufklärung des Verstandes und Besserung 
der Sitten, zu seinem Hauptzweck habe. Einsam zu leben 




199 



Fjwohnt, von unerreiehlmrem Tnleiit, war das nun sein einziges 
enken. 
Vielmals mit den Jesuiten in Streit und in Händel mit 
ihnen, worin er sicher öfters zu weit ging, durchlas er aucli 
alles von ihrer Verfassung und bildete nach dieser Einrichtung 
sein System. 

Dalier die Vermuthung, besonders im Auslande, als wäre 
das Ganze der geheimste Jesuitische Verband. Bei dieser Ge- 
legenheil, also vor zwey Jolu'en, wie ein Mann von eben so 
grossen Geistesgaben, als wie Rang und Geburt, gerade diese 
Vermuthung gegen micii äusserte, sagte ich — wenigstens der 
bayrischen llluminaten Seliicksal voraus, Nemlich, ich wäre 
so gewiss des Gegentheils eines solchen Verbandes überzeugt, 
das ich es vielmehi* für ausgcmüchl halte, ein Theil breche dem 
anderen den Mals. Wer dieser Theil ist, ist bald zu erwarten. 
Meiner Vermuthung nach müssen die llluminaten daran^ weil 
sie ausgeartet, übei^müthig und keck auf ihre Vereinsgrösse.trozen, 
die anderen aber sich klüger und bescheidener verhalten. 

Freilicli, sagte ich weiter, wäre so ein Verband noch Ein 
führung der Malteser und Übertragung der Schalen an die 
Klöster in Bayern leiclü zu bewirken gewesen, aliein dazu hatten 
die Vorsteher der lllumitniten weder Bescheidenheit, weder Ein- 
sicht, noch Sitten, noch Klugheit genug, daher den Vorwurf von 
Begünstigung des Meuchelmordes und des Giftes, wie dies schon 
ehemals den Jesuiten angedichtet wurde. 

Sobald Wcisliaupt einen Theil seines Systemes festgesetzt 
hatte, suchte er die Ausübung davon, und wählte dazu, vermöge 
der schon in den Universitütsjabrcn gepflogenen Freundschaft 
und aus Vorliebe füi' Talent, den Herrn Professor Bader als 
Chef, und Politur. Klugheit und nötige Vorsicht bei Seite, konnle 
er nicht besser wählen. Ohne Zweifel vermulhete er, diese Mängel 
würden sich heben. V^ielleicht traute er wohl gar der Feinheit 
seines Systems diese Urnslürzung zu. 

Wofür sich Weishaupt sorgfallig wahrte, war die VerofTen- 
barung, dass aiies nur seine Ertlndung. Er wusste zu gut, wie 
wenig ein Prophet in seiner Heimath gelte, und kannte zu gul 
die Verachtung gegen Boyern im Auslande, um zu gestehen, 
als wäre von da aus nur Weisheit zu holen. Alles war daher 
in I)unkel gehüllt; seinem System gab er Alterthumsschein und 
bediente sich meist nur griecfiischei' Namen, wie diese bey den 
Kirchenvätern und Fhylosophen und in historischen Abband- 




200 



langen, fioubtsächlich über die Eleusinischen Geheimnisse zu 
linden. 

Es war daher stets von unbekönnten Obei'en die Rede, und 
der Name Illuminoten selbst als der Haubtnorne seines Systems 
war verführend weil dieser längst schon unter den Rosen- 
kreuzern bekannt, einen besonderen Grod unter ihnen bezeichnet. 

leb zweifle daher, ob einer der lUuminaten ganz zuverlässig 
weiss, dass Weislioupt ihr Stifter war. 

Unterdessen lialte er keineswegs die Ansicht, sich von 
Preymaurereien zu trennen; vielmehr verflocht er mit seinem 
System die drei mauriscben Gi^ndo; nur suchte er sie schlacken- 
frei zu machen, und dachte niemoleu daran, sie zu verachten. 
In der Rücksicht w^üllte er jede konstitutionsmässige Verbindung 
mit anderen Logen, so gar wohl einsehend, dass aber dadurch 
sein S\ Stern gegen olle Kabale mehr gedeckt und blühender 
werde, üebrigens ist dieses sein System nichts w^eniger als 
schon vollendet, vielmehr ist er grössten thoils so unzufrieden 
damit, dass er wirklich schon vor Ausbruch dieses Gewitters 
nn vier Abänderungen dachte, aus dem gründe, W'eil es unmc^g- 
lieh, all das Fehlerhafte daran, gleich bey seiner Entstehung zu 
merken, und weil es unvermeidlich für ihn war, wie dies der 
Fall eines jeden Stifters eines neuen Sectionssystemes ist, der 
es aus Kigen liebe und Stolz zu geschwind bekannt und in auf* 
nähme gebracbt wissen will; dass nicht auch andere, zumal im 
Auslande etwas beysetzen wollen. Er, der sich nicht für den 
Rriinder ausgcljen wollte, konnte dies um so weniger hindern, 
denn jeder daclite an einer ihm fremden, nui' zugetbeilten Sache 
zu steigern, dessen ist der Priestergrad, soiern ich nicht dai'an 
irre, der stärkste Beweis, soviel Unkluges und Anstössiges findet 
sieh darin, was Weishaupt nie gethan haben würde, wenn dieser 
sein Werk allein, und nicht viel mehr das Werk des Verfassers 
von dem Roman meines Lehens wäre — Knigge. leb äusserte 
ilim auch meine vollste IJnzufi'iedenheit darübci\ 

Soviel ich micli erinnere ist eben dieser Priester^rad noch 
überdies der iezle, den die bayrischen lUnminaten besizen. 
Hierin bleibt Weisbaupt immer zu tadeln, er der selbst das 
ungereimte erkannt; allein seiner Meinung nach sollten ihn nur 
wenige wissen und vor des lilinden Zutrauens auf die Klugheit 
seiner Anhanger glaubte er dadurch nichts zu wagen; wie viel 
er ober w^igte, zeigt nun die Folge. 

Eine seiner Hauplabsichten bey Errichtung seines Systemes 




— 201 — 



an bey jenen der Jesuiten nls mangellioft schall, zu ver- 
meiden (diess) denn soferne esgepründel, dass sich deren Entzweck 
ertheilt, alle Autkiarung zu hindern, so schloss es so zum vor* 
aus den Keim der Verwesung in sich, weil die Natur, die nur 
zum Bessersein arbeitet, keinen Zwang vertragt, folglich muss 
es endlich erliegen. Kam Weisliaupt diesem Mangel zuvor, so 
hatte sein System einen anderen, nicht weniger schädlichen 
Mangel, nemlich es fehlte geliörige Ordnung und Zucht, oder 
^rferne diese enthaTte^n darin, die Ausübung aber zu schwer 
Hb*f so mangelte es wiederum an der vorsichtigsten und klügsten 
Auswatil der Glieder Ordnung und Zucht waren bey den 
Jesuiten vortrelTlich, so wirkts bis auf ihre Schulen hinab, und 
fanden sicli daher unter ihnen wirklich einige der Glieder, die 
unnüz und unbrauchbar waren, so schadete das nichts, denn 

rnung und Zucht ersetzte gleich alles. 
Von diesem Mangel allein kömmt alle Verwirrung, alles 
Unheil seines Systems. Jemehr er auf den Grundsatz gebaut 
hat, dass man nur Gutes zu wecken bey der Jugend anfangen 
müsste, indem sich die Alten zu schwer von Vorurtheil heilen, 
desto mehr hätte er auf Ordnung und Zucht dringen sollen, 
desto klüger und überdachter hätte er zu Werke gehen sollen 
in Auswahl der vordersten Glieder. Talent alleine reicht nicht 
hin, es muss unterstüzt sein von Sitte und Klugheit. Für 
Jugend gehört vortreffliches Beispiel, nicht bloss in Dingen die 
nach Aufklarurjg in Wissenschaft zielen, sondern hauplsächliclj 
darin, was Feinheit des Denkens, des Ausdrucks, des Umgangs, 
kurz was Sitte anbelangt. 

Entfernt sei all Unbehutsames gerade von Religion und 
von Staat, und spricht man davon, so werde mit äusserstem 
Anstände davon gesprochen. Auch in der Auswahl der Jugend 
hätte nicht minder Klugheit zum Grunde liegen sollen, allein 
wie konnte dass, nach der Unklugheil von Allen? Nicht minder 
ist es Verderbniss der Jugend, wenn sie zu früh in solche Ver- 
bindung gerät, worauf sie ihr Auf kommen stüzet. Sie wird 
übermütig und stolz, ausschweifend und trag, denn sie verlässt 
sich darauf, die Gesellschaft besorge alles für sie, beschüze und 
unterrichte in allem. 

H Dies zu vermeiden, hätte die Jugend und der grösste Theil 
von den Gliedern nichts mehr wessen sollen: als es fände sich 
eine Versammlung der aufgeklärtesten, sittlichsten Männer in 
der Absicht Gutes zu wirken, durch thätigen Beitrag sowohl 



— 202 — 



jeder nach seinem Vermögen, als durch Auszeichnung des sitt- 
lichen Lebens. Ferne sey es als woUt ich behaupten daduirh 
nur könne so eine GesellsehatlL bestehen; vielmehr bin ich der 
Meinung, dass jede geheime Verbindung, ihre Anhige sey immer 
vorlrefl'lich, zuletzt doch ausarten werde; daher ist wohl keine 
zu dulden. Und dann hält aucli noch hierin olle Vorsicht in 
der AuswTihl vorangehen sollen, denn nichl auf die Menge 
sondei'n auf die Güte kam es an. 

Es liätte sich deshalb die Gesellschaft nicht zur Proseliten- 
macherei herab%vürdigen sollen, man hätte sie selbst suchen 
sollen* Allein dies Alles setzt Zucht und Ordnung voraus und 
die klügste Auswahl der vordersten Glieder, 

Freilich enthalt dies alles das System ganz vortrefTHch; 
nach der Anlage aber erzielt sich nichts» denn jeder thnt nach 
seinem Belieben, jeder w^arb, jeder fand in seinem Zögling den 
besten, es wurden Grade auf Grade gegeben, und da, wie ein 
jeder einsehen konnte, es gäbe der Grade noch mehr, so war 
jeder an seinem Gi^ade gesäüigt und verlangte höher und Ijoher. 
ja es ging so weit, dass jeder dem anderen ohne Erlaubniss 
und Macht, selbst Grade ertheilte, oder doch einsehen liess, oder 
nach selbst eigener Willkür und Einsicht erklärte. Der Unbe- i 
sonnene theilte Unbesonnenen mit, und hieraus entdeckt sich ^ 
der Wirrwar, das Widersprechende in Allem, der Unsinn des 
Ganzen, die Anschuldigungen von Irreligion, von Umstui'z^djei^ ■ 
Staats, von VermthereVi von^'^rdrehung de s Tre cTites"jrnd der 
Tugend. 

Das System enthält davon nichts, alle Nachforschung hier- 
über ist eitel, in der Unbesonnenheit liegt es, mit der sich so 
manche Glieder betrugen, in dem Unverstand derselben, in der 
Absicht sich höber zu scliwingen, dadurch in der Einbildung 
sich durch gewagte Grundsatze in die Klasse höherer Geister 
zu setzen, sich Ansehen zu geben, Parllieien zu bilden, um Ueute | 
von ihrer Verbindung zu ei'heben, sie mochten nun Inländer ■ 
oder Ausländer sein* Hierin liegt es, denn, lag es in dem System, 
so müsste sich dieses vorzüglich aus dem letzten Grade erweisen, 
die den Illuminaten in München noch unbekannt sind. 

Mein innigster Wunsch wäre, davon Besitzer zu seyn, und 
ich könnte sie dem Fürsten erteilen, erstaunen würde er sicli 
über die Neuheil der Ideen, die noch niemand gedacht, noch 
niemand gesagt hat, ohne das geringste was onstösst, zu finden, 

Unbesonnenheit also, mit Stolz und Übermut verbunden. 



r_ 203 — 



ist der llluminolen wohres Verbrechen. Sie gaben sich dem 
Argwohn preis, erschufen sich Feinde dadur'ch — deren schonien 
sie nicht und dunklen sich stark genug sie zu erdrücken- Ihre 
Feinde erkannten ihre Schwäche, entdeckten ihre Unbesonnen- 
heilen als begangene Laster, vSeztcn %'ielleicht nach Gutbelinden 
Abzu, un} sich an ihre Stelle zu schwingen, und daraus entstand 
^ei'st das Verbot, und weil sie sich diesem nicht pflichtmässig 
fügten, bekamen ihe Feinde neuen Stoff gegen sie, und nun 
folgte Strafe und Verweisung. 

»Hier haben Euer S. den wahrsten Grund von der Sache, 
n allem Partheigeist entfernt. Worum ich Sie bitte, ist dies, 
zu besolden, dass nichts davon ins Publikum komme. Es 
ist ein Gesetz von mir, mich mit keinem Journal zu bewegen, 
denn Lüge und Wahrheit gilt ihnen gleich, sofern nur etwas 
zu schreiben, wenigstens was unseren Staat betrifft, von dem 
ihnen alles Schmöhhche willkommen; denn ausserdem wäre es 
nicht möglich, dass ihnen das elende, partheiische meist nur 
Bubengeschmier nicht auffallen soHle. 

H Nur noch ein einziges Mal hat sich in der Verfolgungszeit 
TOS Ordens die österreichische Regierung mit diesem befassL 
Der öslerr. Direktorial- Gesandte Fi'eiherr von Borie in Regens- 
bui^ meldete am 21 May 1785 nach Wien, dass Weishaupt sich 
in Regensbui'g auflialle und dass die grosse Loge des Ordens 
daselbst errichtet werden solle. Archiv und Casso sei unter- 
wegs. Der Kuriurst habe auf Erlangung beider Preise ge- 
setzt und deswegen habe er dem Gesandten v. Lehrbach nach 
Münctien wie folgt Nachiicht gegeben: 

B „Der von Ihro Kurfürstl. Drchlcht. aus dero Bayrischen 
Landen aus<:2;elrelene Weishaupt ist dahier, ei' hat den Titul 
eines Hofrulbes zu Gotha und damit den Schutz von dieses 
Hofes döhiesieger Gesandschaft erlangt. Sein absehen gehl 
dahin, um die Loge der Illuminaten dahier zu entrichten und 
damit Ihro Kurfürstk Durchl, den Hohn zusprechen. Die Cassa 
und das sogenannle Ai'chiv dieser Gesellschaft solle in den 

Flzbui'gischen Landen dermalen seyn und aus solcher anhero 
diese Stadt in wenigen Tagen gebrncht werden. 
Wann der Kurpfalz. Hof die Cassa und das Archiv zu 
Händen nehmen will, so ist dieses möglich, weil solche nicht 




i04 — 



kann anhero gebracht werden, ohne die Boyr. Lande zu passieren 
und mit diesen die dasige Stadt ganz umgeben ist. 

Wenn auch dieser Hof der Person des Weishoupt sich 
versichern will, so sieht es in dessen Willen, nachdem derselbe 
öfters ausser dem Burgfrieden dieser Stüdt sich begiebt. 

Mich bedünkt Aveiter, dass der Herr Herzog von Gotha ihm 
den Schutz auwiederum entziehen werde, wann hochstderse!be 
belanget werden sollte. 

Zu Euer Excell etwa Dienstwissenschaft melde oll dieses 
gehorsamst und beharre — —'' 

Lehrboch berichtete am 29; Mai 1785 nach Wien, dass er 
den Kurfürsten über die Absicht, Kasse und Archiv nach Regens- 
burg zu versetzen, unterrieliten und im nächsten Monat mitteilen 
werde.*) 

Anstatt aber eine Ermunterung hierfür aus Wien zu er- 
halten, erhielt er die kurze Antwort: 

Der Kayser ist nicht gewohnt sich mit solchen 
Possen aufzuhalten. 

Borrir muss sich also auch damit nicht begeben. 

Wahrscheinlich ist diese Abweisung von Kaunitz im Auf- 
trage ausgefertigt. Geschrieben ist sie auf kleinem Oktavzeltel 
und dem Gesandtschaftsbericht beigelegt. 

Die Wirkung dieses Nasenstübers spiegelt sich in einem 
Briefe Lehrbuchs an Kaunitz vom 15. Juni 1785 wider, den 
Sebastian Brunner in iDer Humor in der Diplomatie und 
Regiernngskunde des 18, Jahrhunderts, im I. Band Seite 281 
verofl^entlfcht hnt. 

Es heisst dorl: 



iMit ehifurchtsvoUster Danknehmigkeit verehre ich die 
huldreiche Belehrung, welche Euer fürstt. Gnaden mir unter 1. 
dieses wegen der in den hiesigen Landen seit einiger Zeit ein* 
geführten sogenannten lUuminatengesellschaft zu ertheilen be- 
liebt haben.**) M 

•) Diese Dokumente ticfluden sich im K. K. Staatsarchiv zu Wien unter 

GeseiidUchaflÄbofiehle Nr. tl2, 

••) Bezielit sicli jedenfalls auf den bekann «gegebenen Wiener Bericht 
Seite 197. 





setz ist, in keiner Angelegenheit, welche weder mittelbar noch 

miltelbor unsern allerliöchslen Hof betrifft, einigen Antheil 

nehmen, so habe ich in dieser Sache bisher noch keinen 

iritt gemocht, und ich werde mich auch in der Folge umso- 




— 200 — 

weniger in dieselbe einmischen, als Hochdero gnädige An- 
weisung nnich hierüber von den eilerhöchsten Gesinnungen 
unseres allerhöchsten Hofes unterrichtet.« — 



Seit dieser Zeit findet sich auch trotz eifrigen Suchens 
keine Andeutung mehr in den GesandtschsfLsberichten ober 
Verfolgung oder Treiben der Illuminnten. 

Wem es daher in Anbetracht dieser historischen Tatsachen 
noch zu behaupten möglich ist, der Illuminatenorden hahe 
intime politische Beziehungen zum Wiener Hofe gehabt, — der 
kann nur verleumden, aber solche Unwahrheiten niclit beweisen 

AucIj der Umstand, dass Graf Riedesel unter dem Namen 
Ptolomäus, trotz seiner Eigenschaft als preussischer Gesandter 
in Wien, dem Orden angeliörte, giebt keinerlei Anhaltspunkte 
für eine bereclitigte Annohme, dass der Orden seine Mitglieder 
für politische Zwecke ausnutzte. Die Zugehörigkeit zu einer ve^ 
dächtigten Gesellschaft ist noch lange kein Beweis dafür, dass 
<las hochstellende Mitglied nun sofort alle seine Beziehungen 
gehorsamst der Gesellschaft zur Verfügung stellte. Diese An- 
nahme wird aber von Feinden als conditio sine qua non gern^ 
daliingestellt, trotz der handgreiflichen Uacberlichkeit derselben, 
Der Graf hat dem Orden keine nachweisbaren Dienste geleistet, 
hätte sie auch gar nicht leisten können, da die Absichten 
des Königs Friedrich, bezüglich des Landertausches, denen, 
die dem Orden nachgesagt werden, schi-olT entgegengesetzt 
waren. Seine Ordenszugehörigkeit kann geradezu als ein Belegi 
angesehen werden, wie harmlos die Ordenstendenz in politischer] 
Beziehung war. 



I 



Massregeliiiig und weiteres Schicksal des 
Professor Weishaupt. 

Der Leser wolle sicli jetzt der anfangs mitgeteilten pfipst- 
lichen Briefe (s. Seite 13) erinnern, in denen dem Bischof von 
Freysing ein so hervorragender Anteil und uneingeschränktes 
Lob eingeräumt wird, dafür, dass er der Sitte der Vatc 



— 207 — 

Bischöfe folgend, olle wichtigen Vorgänge dem üpostoiischen 
SiuJile meldete. Im zweiten Brief wird die Ingolstädter Uni- 
versität als von Grund ous entartet dargestellt und der BisrhoF 
belobt, dass er dem Kurfürsten den Ernst des Übels mit Kifer 
darstellte. Diese vom Juni und November 1785 datierten Briefe 
beziehen sich folgerichtig auf vorhergegangene Tatsachen und 
sind einesteils der Freudenausdj'uck über die Verbote des Kur- 

«,rslen, andernteils über die endlich durchgesetzte Entlassung 
^eishaupts als Professor der Universität. Über die Gründe dieser 
mtsenthebung Weishaui>ts lasst sieh Dr. Carl Prantl in seiner 
amtlich verfassten Geschichte der Ludwig-Maximihan-Universität 
wie folgt aus: 

I>Die Veranlassung, welche die Regierung im Febi*uar 1785 
m Zaune brach, um Weishaupt zu entfernen, ist wahrhaft 
lächerlich und zeigt, dass man im eigenen Schuldbewusstsein 
nicht wagen durfte, offene Farbe zu bekennen, welche nur von 
der dümmsten Sorte des Obscurontismus herbeigeschafft werden 
konnte. Weishaupt nämlich hatte wiederholt darauf gedrungen, 
^pss für die Universitäts Bibliotliek Piei're Bayles Dictionaire 
mstont]ue et critique, sowie die Werke des Richard Simon an- 
^eschalTt werden sollen,*) die Regierung aber forderte eine Ver- 
antwortung W/s, über dies gewiss unsträfliche Begehren und 
^fcchdem dieselbe eingelaufen war, erfolgte die Entscheidung, 
^rass an Stelle der gewünschten Werke Zabuesnigs Wider- 
legungsschrift anzusehatlen sei und Weishaupt vor versammelten 
Plenum bei geöffneten Türen das tridentinische Glaubensbekennt- 
nis ablegen solle, im Übi'igen aber mit Ende des Studienjahres 
von seiner Pi-oiessur mit einem GnadengehaUe von 400 fl,, 
welchen er weder in Ingolstadt noch in Münchens Nähe ver- 
zehren darf, entlassen sei.t**) — 

" Die kurfürstlichen Vort'ygungen hat Wekhi'lin in seiner 
Zeitschrift »Das graue Ungeheuer«, im 4. Band ohne jeden 



•) Wer sich nur einigermassen mit Geschichte der wissenschafinchen 
^Oteraluf beschäfli^le, weiss, welche Fund^Tube gelehrten Materials bei Bayle 
Hh*liegt, auch dem DileUanLen ist es nicht unbekannt, dass B. Simon die ersten 
^Bfänge einer bibJischen Textkritik in die Theologie einrührte, 
Wr ••) S. Archiv der Univ. E. I Nr, 7. Mai 1785. D Ut Nr. 70 L 44 ff, Univ. 
üibliotliek Cod. Ms«:r. 475 foL 3. 3»^ 



— 208 — 



Commentar, nur mit der Überschrift versehen: Die Geschichte 
des Professor Weishoupt, veröffentlicht. Der Vorgang war aber 
dem schwedischen Gesandten Björnstjerna ebenfalls so wichtig, 
dass er dem schwedischen Könige am 14. März 1785 in seinem 
Berichte diese Veifügungen mitteille, gleichsam als eine Be- 
drohung freier Denkungsart, die dem Protestantismus gefähr 
lieh sei. Im schwedischen Reichsarchiv zu Stockholm findet 
sich folgendes vor. 

I Serenissimus Elector. 

Es kommt vor, dass der Professor Weishaupt von dem 
Universitäts Biblilhekorio schon wiederholtermalen und zwar 
jüngsthin sogar bey versammelten Senat die Beyschaffung des 
Bayle und Simon Richards in die universitaets Bibliothek an 
verlanget habe. 

Da nun höchst befremdlicli fallet, dass ein öffentlicher 
Lehrer zumal einer, welcher das Kirchenrecht docirt, solch gott- 
lose Bücher, worinnen die christliche Religion in ihren ersten 
Grundwahrheiten angefochten, und der Saamen des Unglaubens 
zu weiterer FortpHanzung mit voller Maass ausgestreuet wird, in 
einer der studirenden Jugend offenstehenden Bibliothek nicht 
ohne grosse Gefahr ihrer Verführ- und ganzlichen Verderbung 
eingeführt wissen will, so liat der I^eclor Universitatis ex. 
commissione speciali von demselben ollsogleicli seine christlich© 
Verantwortung hierüber hegehren, sofort solche mit seinem 
Bericht, längst inner zweymal 24 Stunden a dato recepti ad iii- 
timum anher einzuschicken, annebens ernieldetem professor zu 
bedeuten, dass er sich selbst anher zu begeben, bey schwerster 
Ungnad nicht unterstehen, sondern die weitere kurfürstliche 
Resolution in Ingolstadt abwarten solle. 



München, d. 1. Febr 1785. 
Carl Theodor 



Freyhen- von Kreitmayr 
ad mundo tum Serenissimi 
Domini Eiectoris proprium 
gez. Dom hoff. 



an den 

Rectoren der Universi- 
tät Ingolstadt, den 
Professor Weishoupt 
betreffend. 

II Serenissimus Elector. 

Das Baylische Dictionaire historique et critique dessen 

BeyschafTung in die Universitäts-Bibliothek von dem Professor 




- 209 — 

Weishaupt so sehr betrieben wird, ist bekonntermassen wegen 
des gegen die christliche Rehgion und guten Sitten läufenden 
abscheuHchen Inhalts ein hochärgerlich und gefährliches Buch, 
welches in einer öffentlichen Bibliothek, worinn junge und un- 
erfahrene Leute den Zutritt haben, nicht nur nicht geduldet, 
sondern auch in den übrigen indifTerenten passagen gar leicht 
entbehrt werden kann. 

Der von vermeldeten Professor in seiner ad Rectoratum 
abgegebenen Verantwortung gebrauchte Vorwand, dass er solches 
zu seinen collegien über die philosophische Geschichte bedarff, 
[4iient ihm zu keiner Entschuldigung, sondern zeigt vielmehr on, 
lass er dernehmliehen philosophischen Secte, wie der Urstifter 
Bayle selbst, ebenfalls beygethan sey und sein Werk in keiner 
andern Absicht heyzuschaffen verlangt habe, als damit solches 
auch den Schülern in die Hände gespielt und ihnen das Gift 
auf solche weise beygebracht werden möge, 

Sr. KurfürstL üurchl. befehlen demnach, dass mehrberührter 
Professor Weishaupt zur kristkatholischen Glaubens profession 
Ablegung bey versammelten Acadernischen Senat appertis Januis 
angehaUen und anstatt des Baylischen Werkes die in Zween 
)ctov-Bänden bestehende Zabuesnickische Christ- und Historische 
lachrichten in die Universität Bibliothek beygesclmfft werden, 
lOiit man den Bayle, Voltaire, Rousseau und andere dergleichen 
leuen Afterphilosophen, welche von Zabuesnick in ihrer wahren 
Jestalt geschildert sind, recht kennen lernen, und sich von ihren 
teligionswidrig und ansteckenden Lehr Sätzen desto eher zu 
hüten wisse. 

Man hat auch gegenwärtige Resolution alsofort in pleno 
ienatu ohne weitere Remonstration zu publiciren und sich hier- 
lach gehorsamst zu achten. 

Carl Theodor. A. V. Kreitmayr. 



III Serenissimus Eleclor. 

Demnach Seine churfürstliche DurchL auf dero Universität 
^Ingolstadt das Jus Canonicum wieder durch einen Geistlichen 

es vor diesem allezeit gewesen, dociren zu lassen ent- 
schlossen sind, so hat man solches dem professor Weishaupt 
anzudeuten, damit er seinen Antrag hiernach mache, und mit 
Ende des heurigen Schuhl Jahres seine professur niederlege, so- 
fort sich um andere Dienste zu bewerben wisse, bis dahin man 
ihm eine pension von jährL 400 fl. ex cassa Universitatis ver- 

Eng«l, Oetclii eilte des TUamtiiAt^iionieits. X4 




— 210 — 

reichen lassen wird, welche er jedoch Aveder hier, noch in In- 
golstadt oder selbiger Revier zu geniessen habe, auch die höchste 
Stelle bei ohnausbteiblicher Ahndung hierüber unbehelligt lassen 
solle. 

Mit den von der Weishauptischen Besoldung ad Cassani 
zurückfallenden 600 fl. aber gedenken Sr. kurfl. DurchL den 
künftigen Professoren Canonum zu salariren. 
München, d. 11. Febr. 1785. 

Carl Theodor, Kurfürst A. V. Kreitmavr. 



Zu diesen drei in Stockholm befindüchen Abschriften Set 
Originaldokumente vei'öflentlicht das »Graue Ungeheuer« noch 
eine vierte Veroi'dnung des Kurfürsten. Dieselbe lautet: 

Seren iss. Electon 

Seine chuifürstlicbe Durchlaucht haben aus dem Universi- 
Ifits Bericlit vom 16ten Maj. und der beigefügten Erklärung des 
Professor Weishaupts mit mehreren ersehen, w^as gestalt der- 
selbe das heurige Schuljahr nicht mehr ausgehalten, sondern 
seine Professur aüscbon wirklich niedergelegt, und die ihm 
verwilHgte Pension schlechterdings ausgeschlagen, und sowohl 
die Stadt Ingolstadt als das Land längst inner 10 oder 12 Tagen 
zu räumen sich erklärt hat. Da man nun an diesem hoch- 
müthigen Pocher weiter nichts als einen reduzirten Logenmeister 
verliert: so wird er auch hiermit sogleich verabschiedet; und 
hat man ihm von gegenwartigem Rescript, so wie er es von den 
vorhergehenden verlangt, ebenfalls eine vidimirle Abschrift auf 
die Reise mitzugeben. 

München, d. 19. Febr. 1785, 
Carl Theodor, Churfür-st. 

A, \\ von Kreilmayr 

ad Mandatum 

Sereniss. Domini Electoris proprium 

Dumhof*) 



Nach den kuriürstlichen Erlassen I—IIl sollte man meinen, 
dass Weishaupt wenigstens in allen Ehren entlassen worden 



') Der schwedische Gesandte schr^il»! stets Domhoff, das graue Un- 
geheuer Dumbof, letztere Lesart ist keine boshafte Namens verdi-ehung, der 
Mann heilst Dumhof. 



— 211 — 

H und in Ruhe seine weiteren Wege gehen konnte, das war 
keineswegs der Fall. Hinter den anscheinend so gleichgültigen 
Worten verbarg sich die Absicht, sich der Person Weishaupts 
zu bemächtigen, und das abfallige Urteil des 4. Erlasses, in dem 
Weishaupt ein reduzierter (?) Logenmeister genannt wird, an 
dem man weiter nichts verliert, verhüllt nui' mühsam den Ärger, 
dass die oben erwähnte Absicht nicht gelang. 



Hertog Ernst von Gotha. 



Weishaupt hatte noch zuletzt eine Unterredung mit dem 
^damaligen Rektor Kandier, die damit endete, dass ersterer sich 
schleunigst entfernte, um sofort am 16. Februar 1785 Ingolstadt 
biu verlassen. Nicht etwa, dass der -Rektor Weishaupt warnte, 
sondern letzterer erkannte, dass ein längeres Verbleiben für ihn 
höchst gefährlich sei. Wie er seine Flucht, denn eine solche 
war es^ bewerkstelligte, erzählt Joseph Hartmann in der Alt- 



— 212 — 



bayrischen Monatsschrift, herausgegeben vom Historischen Verein 
von Oberbayern, in Heft 2/3 vom Jahre 1900. Daselbst heisst es: 

*Weishaupt würde einer glaubwürdigst vererbten Tradition 
zufolge» sicherlich nicht mehr entkonnmen sein, wäre er nicht 
im letzten Augenblick noch Hndig genug gewesen. Denn schon 
hotten die Wachen der vier Tore den Auftrag erhalten, den all- 
gemein bekannten Professor Weishaupt nicht entwischen zu 
lassen» als dieser, von anderen zur Vorsicht gemahnt, auf folgen- 
den Einfall kam. Er begab sich zu dem in der Ingolstädter 
Kupferstr. 10 ansässigen, ihm gut bekonnten Schlossermeister 
Joseph Martin, der jedenfalls auch Illuminat war, und hielt sich 
in dessen Haus ein paar Tage \%rborgen. Dann steckte er sich 
in Handwerkerkleidung und fuhr mit einem ihm vom Sclilosser- 
meister zur Verfügung gestellten Gespann zum Harderthor hinaus. 
Er war entronnen und gelangte glücklich nach der freien Reichs- 
stadt Begensburg, woselbst der Geächtete vor Gefangennahme 
sicher sein konnte.« 

Bevor Weishaupt Regensburg zum Aufenthalt w^ählte, hat 
er sich kurze Zeit in Nürnberg aufgehalten. Welche Gründe 
ihn dazu bewogen, ist unbekannt. 

Jetzt sollte bald der Augenblick für den Herzog Ernst von 
Gotha kommen, um tatki'öftig für Weishaupt einzutreten. Er 
hatte der Welt bereits einen Beweis seiner Gesinnung zu- 
gunsten des Gemassregelten dadurch gegeben, dass er ihn 1783 
zum Hofrat ernannte, nun sandte er ihm nachfolgenden Brief.*) 

Nehmen Sie, werthester Herr Hofrathl 
gegenwärtig geringen Beweiss meiner wahi*en Achtung und 
Freundschaft als ein Zeichen meiner innig Theilnehmung an 
ihren widrig Schicksal auf, und sind sie überzeugt, dass die 
herzlichste Vorsorg für ihre künftige Ruhe und Zufriedenheit Ihue. 
Möchten doch diese Zeilen dazu beytragen können, Ihnen 
ihre izige läge zu erleichtei'u, und sie von der aufrichtigen Zu- 
neigung versichert zu machen, mit welcher ich lebenslängig 

verharre 

Ihr 

Gotha, Wohlgeneigter 

d. 14. April 1785. Herzog Ernst. 



•) Original in München, Geheimes Haasarchiv. 



213 — 



Als Herzoglich Golhaischer Hofrat lebte Weishaupt nun- 

Ljnehr in Regeiisburg, jedoch sollte seine Ruhe sehr bald daselbst 

fcesiort werden, infolge der eintretenden Ereignisse. 

■ Ann 20. Juli 1785 ging Weishaupt mit seinem Freund und 

rOrdensbruder, dem Priester Lanz, vor den Toren von Regens- 

^uiTg spazieren. Ein Gewitier zog auf und Lanz wurde an 

^■Teishoupts Seite vom Blitze erschlagen, ersterer blieb unverletzt, 

H Laut den im sächsischen Hauptstaotsarchiv zu Dresden 

^tindlichen Akten befindet sich im Akt 30150 Nr 32 und 37 

bezeichnet: Ada Chur Bayern, insonderheit dessen Irrungen, ein 

Bericht des kurfürstliclien Gesandten, der den Vorgang schildert 

und angibt, dass bezüglich der Effekten des vom Blitz er- 

^p^hlagenen Priesters Lanz ein Streit entstand, zwischen dem 

^bnsistorium des Stiftes Regensburg und der Churpfälzischen 

Gesandtschaft. 

Ersteres wollte nämlich die Obsignation der Effekten des 
Verunglückten, unter Angabe wie dieser Fall sich in seinem 
Kirchsprengel zugetragen, ganz allein und ohne Konkurrenz vor- 
nehmen. Hierüber und dass das Coosistorium die bereits auf- 
gedrückten Churpfälzischen Siegel ganz ungescheut und eigen- 
mächtig abgerissen, aussei'dem auch die in seinem Quartier 
zum schwarzen Bären befindlichen Sachen wegbringen und nach 
Freysingen, unter welcher Diocese R Lanz gehörte, transpor- 
tieren liess, berichtete der Churpfalziselie Gesandte. Es entstand 
grosse Empörung über dieses anscheinend voreilige, unbefugte 
Tun und wurde infolgedessen die Sperre über die Temporal 
Gefälle der Diocese ausgesprochen, jedoch bald autgehuben, 
weil das Stift, in den Kleidern des Lanz eingenäht, Illuminaten- 
B^piere und namentlich eine Namenslisle der Ordensmitglieder 
vorfand, die es sofort nach München sandte. 

Eine wörtliche Abschrift der bei Lanz vorgefundenen Fapiei^e 
befindet sich im Dresdener Hauptstaatsarchiv. 

^P Von diesem Augenblicke an begann nun eine weitere 
Massregelung, die sich bis zum inquisitorischen \'eifahren aus- 
bildete. Namentlich suchte man sich der Person Weishaupts zu 
bemächligen. In Regensburg, der damaligen freien Reichsstadt, 
^^ar der neue Hofrat allerdings unantastbar. Regensburg war 
MlllOch von bayrischem Gebiet umschlossen, sehr leicht konnte 
weishaupl dasselbe bei seinen gewohnten Spaziergängen betreten 
und dieses hofile man, um ihn sodann sofort gefangen zu nehmen. 



— 214 — 



Ein diesbezüglicher Befehl*) lautet t 

Der Regierung Stroubing wird hiermit anbefohlen, auf den 
geweslen Professor Weishaupt, welcher seinen Wohnsitz der- 
mal in Regensburg aufgeschlagen hat, durch die benachbarte 
Gerichte gute Obacht bestellen zu lassen, damit er auf Betretten 
in dem Churfürsllicheo Terriloria arretirt und bis auf erlbigend 
höchste Resolution des Arrestes nicht entlassen werde. 
München, d. 3L Augüst 1785. 

Es hatte der plötzliche Tod des Lanz, durch die damit 
verbundene Auffindung der Liste noch andere Folgen. Zunächst 
die Massregelung des Zwack h und die Oktob. 1786 darauffolgende 
Hausvisitation, auf beides kommen wir noch zurück, und w^eiter- 
hin eine Haussuchung auf dem Schlosse des Baron Bassus» 
durch welche ebeiifolls mannigfache Illuminaten-Schriften und 
Briefe gefunden wurden. Die bei Zwackh gefundenen wurden 
den ehemaligen Mitgliedern des Ordens: Utzschneider, Renner, 
Cossandey, Grünberger zur Anfertigung eines Auszuges über- 
geben, der dann nach Fertigstellung den beiden Oberlandes- 
regierungsräten v, Eckartshausen und von Schneider laut Kur- 
fürsthchen Befehls vom 2. Januar 1787 zur weiteren Begutachtung 
ausgehändigt wurde. Auch die bei Bassus gefundenen Briefe 
und Schriften gingen durch die Hände der letzteren. 

Unter den Schriften fand sich nun ein Brief Weishaupts, 
oder soll sich darunter befunden haben, der Schreiber behauptet» 
er wäre jedenfalls auf andei^e Weise hinzugekommen,**) der be- 
nutzt worden ist, um Weishaupt als ein Ungeheuer von Un* 
moral hinzustellen. Wir dürien diese diskrete Angelegenheit 
nicht übei^ehen, um nicht den Vorwurf der Bescheinigung und 
Verschweigens unangenehmer latsachen auf uns zu laden, bringen 
sie jedoch in korrekter l^eihenfolge der Geschehnisse und über- 
lassen das Endurteil dem Lesen 

Die Tatsache ist sehr einfach. Weishaupt erzählt sie selbst 
in seiner Schrift: Kurze Rechtfertigung meiner Absichten, Frank- 
furt und Leipzig 1787, Seite 56 folgendermassen: 

Gegen das Jahr 1777 wurde meine erste Frau von einer 
Krankheit überfallen; diese dauerte bis in das Jahr 1780, wo sie 



*) Original im geheimen bayrischen Staats- Archiv. 

♦•) Siehe: Kurze Hechtfertigung meiner Absichten, von A. Weiahaupt, 
Fpatikfurt 1787, Seite 13, Anmerkung. 




— 216 — 



ich ihr im Moiiath October des Jahrs 1779 in Gegenwart ihrer 
Mutter, döss ich mich nach Kräften bestreben würde, die Er 
laubniss zur Heyroth mit ihrer Schwester zu bewürken. Selbst 
den Tag vor ihrem Tod hob ich dieses \'ersprechen wiederholt, 
Sie war darüber i'uhig und starb, und meine Schwägerin blieb 
bey mir, um meine Wirthschaft zu führen, 

Sie Ing noch im Hause, so gescliahen mir besonders durcli 
die Geisthclie, verschiedene zum Theil sehr voilheilhafte Anträge 
zu einer neuen Verheyi^athung. Aus der Hartnäckigkeit, mit 
welcher ich solche von mir gewiesen, schlössen viele schon da- 
mals, und das Gei^ücht verbreitete sich in der Stadt, dass meine 
Absichten auf meine Schw^ägerin gingen. 

Indessen war die Trauerzeit vorbey. Ich ersuchte meinen 
geisthchen Schwager, er mochte durch die P. P, Franciscaner in 
Neuburg sich in Rom erkundigen lassen, welche Hoffnung ich 
hätte, mein Versprechen zu erfüllen. Eine geraume Zeit ging 
vorüber, endlich kam die Antwort: Dieser Fall sey äusserst 
schwer, doch nicht ohne Beyspiel: Diese fänden sich allein in 
grossen Häusern; die Hofimng eines erwünschten Erfolgs*) sey 
also äusserst schwach und gering.« 

Nun sollten neue würksamere Wege ausgemacht wei'den, 
die ganze Sache beruhte also bis dahin. Ich hatte damahlen 
einen Schwager in Wien. Meine Schwiegereltern wandten sich 
durch ihren Sohn an die dortige Nuntiatur. Ich Hess meine 
Gi'ünde vorlegen: 1. dass ich genöthigt sey, mich wieder zu ver- 
lieyr'atlien, 2. dass ich wünschte, dass solches auf die meinem 
Kind unschädlichste Art gescliehen könnte. 3. dass ich glaubte, 
dass eine leibliche Schwester der verstorbenen Frau diese Ab- 
siclit besser erfüllen würde, 4, dass ich meiner Fr'ou schon bey 
ihren Lebzeiten zu ihrer Beruliigung, diese bedingte \'ersicherung 
gemacht. 5. dass ich zugleich durcli diesen Weg eine Pflicht der 
Dankborkeit ert^üllen, und so gut, als ich es vermag, alle so 
grossen Dienste belohnen kann, die wir beyde von meiner 
Schwägerin eifahren. Liebe füi- mein Kind, ein gemachtes \'er- 
sprechen, Achtung für meine verstorbene Frau, Dankbarkeit, 
selbst die Notar der Sache, alles sprach für mich und unler- 
stützie mein Gesuch. Aber alle diese Gründe halfen nichts, 



In jener Zeil war die Heirat eines Mannes mit seiner Schwägerin als 
biuisch&nderisch verboten, konnte jedoch durch einen Dispens des Papstes 
gestattet werden. 




— 217 — 



lian fand sie zu sclnvach. Ich war der Meynung, dass es der 
Vernuijfl angemessener wäre, die Heyrath mit der verstorbenen 

tu Schwester, im Fall Kinder vorhanden sind, eher zu fördern, 
zu verbieten. Bey den geistlichen Gerichten hatte man diese 
Meynung nicht. Umsonst; diese Gi'ünde schienen schwach. Sehr 
viele Zeit gieng über diesen Streit verlohren; und schon damahleii 
im Jahre 1782 versicherten mich viele angesehene Miinner, welche 
die Praxis curiae besser v^erstanden, dass eine Schwängerung 
das kräftigste Beförderungsmittel bey ähnlichen Gesuchen sey. 
Der Leser kann sich einbilden, dass die Einladung und Ver- 
suchung nicht gei'ing war. Aber ich scheute die Folgen und der 

Vorschlag unterblieb. 

^ Nach wiederholten Schreiben, kam man endlich dahin über- 
ein, dass die Sache von meinem Bischoff dringend emptbhlen 
werden müsse. Dieser Vorschlag war vernünftig, aber die 
Schwierigkeit war niclif gering. Der Herr Vicarius generalis, 
dei' berühmte Herr Martin Lehehbauer, war durch Anempfehlung 
der Jesuiten, mein abgesagtester Feind; diese erhielten also auf 
diese Art Nachricht von meinem Gesuch, und nur durch diese 
Hände konnte es gehen. Ich konnte aber vorhersehen, welches 
der Erfolg seyn würde. Meine Schwiegereltern erwählten einen 
Mittelweg, sie wandten sich geradezu an Se. Hochfürstlichen 
Gnaden. Hochdieselbe empfahlen diese Sache nachdrücklichst 
an ihr Consistorium. Dieses beschloss, das Gutachten der Theo- 
logischen Faeultat zu Ingolslatt zu erhohlen. Diese berichtete 

^1 meinem Vorteil den 3, Febr. 1783. L Woltgang Fröhhch 

Jlar der Concipient, Mit diesem Gutachten begleitet, gieng die 
Sache endlich einmahl nach Wien, und von da aus nach Rom. 
Alle Well versicherte mich, nun könne es nicht fehlen, in 6 oder 
8 Wochen w^ürde ich unfehlbar im Besiz meiner Frau seyn. 

H Nun sage mir alle Welt, w^as ist hier gottloser, was, das 
©m Sittenverderbnis, eine Bösartigkeit verräth. Jacob hat 
beynahe nicht so lange um seine Rahe) gedient. Schon im 
Jahre 1779 will ich diese Frau heyrathen, drey ganze Jahre 
schreibe ich in aller Welt und aller Orten um die Erlaubniss 
herum. Ich habe Hofnung sie zu erhalten; meine Schwägerin 
wohnt bey mir unter einem Haus, alle Well versichert mir den 
Erfolg meines Gesuchs als unausbleiblich und gewiss; ist es nun 
bey diesen Umständen so enlsezlich gefehlt, wenn ein Mann, 
der sich so wenig zerstreut, der mit solchen Unmuth und Sorgen 
unauniörlich zu kämpfen hat, der stündlich diese Bewilligung 




— 218 — 



I 



ZU seiner Heyratli erwartet, — sich in einer schwachen Stunde 
dahin reissen lässt, wenn er glaubt, dass er sich noch so vielen 
marternden Stunden, von seinem Kummer in dem Schoos einer 
Freundin erhohlt, deren Besiz ihm olle Welt, als unausbleiblidi, 
als nächst bevoi'stehend versichert? Wo ist nun die Schand- 
that? wo die Heucheley? wo das Verderbnis der Sitten? Es war 
gefehlt, das löugne ich nicht: aber wenige Menschen haben ver- 
zeihlicher gefehlt. Wo ist die Fertigkeit? wo die böse Absicht? 
— Es ist trnurig, wenn ein Mensch geschehen lassen muss. 
dass seine F.hre, auf eine so widerrechtliche Art so tief gekninK 
und das weniger unterrichtete Pubücum, so unnötiger Weise 
in eine solche Gährung versezt werde. 

So w^eit waren wir indessen gekommen. Nun bekam die 
Sache auf einmal eine minder günstige Wendung. Nach einer 
ziemlichen Zwischenzeit, als ich nichts weniger als die würk- 
liehe Dispensation erwartete, kam über Wien von Rom aus die 
Nachricht, dass man von Seiten des vicariats unterlassen habe, 
die nötigen Producta lieyzulegen, und dass überhaupt dies Vor- 
schreiben nicht so nochdrükklich abgefasst sey, als es in solchen 
Fällen nöthig und gew^öbnlich sey. Man stelle sich meine Ve^ 
legenheit vor. Ich musste mich also neuerdings an Eichstadt 
wenden. Ich erhielt zwar nun die noch abgängige Producte, 
aber an eine weitere nachdrücklichere Empfehlung w^ar unsers 
Ansuchens ungeachtet nicht zu denken. Auf diese Art konnte 
bis in das Monat Julius keine andere Antwor-t erfolgen, als dass 
ich an keine Dispensation zu denken iiatte, wenn mein Gesuch 
nicht von einer anderen Seite nachdrücklicher von einem grossen 
Herrn unterstüzt würde. Indessen war meine Frau schon gegen I 
das Ende des dritten Monats in ihrer Schwar^gerschatt voran- ^ 
gerückt, und in allem Fall meine und ihre Prostitution unver- 
meidlich. Man denke sich in meine Lage. 

Gesezgeber und Hicliter! Ilii* alle, die Ilir die Handlungen 
der Menschen zu beurteilen habt! Hört die Stimme eines Men- 
schen, der sich selbst in dieser Lage befand» der sich bey einem 
besser ausgebildeten Verstand so wenig helfen, so wenig den 
reggewordenen marternden Vorstellungen einer düstern, alles 
Übel verkündigenden Zukunft widerstehen konnte, der vielleicht 
darum dies alles erfahren musste, um der Retter und Fürbitter 
so vieler Menschen zu werden, die sich nach mir in einer ähn- 
lichen Gemüthsloge befinden werden. Hört mein Wort: denkt 
euch doch nur die Lage einer solchen Person; denkt, was ihnen 




— 219 — 



:er solchen Umstanden, bey solchen \'orste]lungen möglicli 
war Denkt, dass die Aufforderungen entsezlich seyn müssen, 
welche eine sonst untadelhafte Mutier bewegen können, gegen 
ihr eigenes Eingeweid zu wüthen, und die engsten Bande der 
Natur zu zerreissen. Ihr niusst linden, wenn ihr dies überlegen 
wollt, dass eine solche Handlung nicht willkührlich sey; dass 
ein Mensch in solchen Fällen entweder gor kein Gefühl von Ehre 
haben müsse, oder dass er hinUingliche Macht habe, sich über alle 
widrigen Folgen der Verachtung hinauszusetzen', wenn er den 
Ausgang ruhig erwarten kann* Ihr müsst finden, dass diese 
Handlung, die Abtreibung der Frucht, eine unwillkührliche Folge 
des ersten Vergehen sey, dass, wenn Ihr also diesem leztern 
steuern wollt, eure Vorsorge dahin gehen müsse, dass Ihr die 
Quelle dieses Übels, die Unzucht, vermindert* Ihr würdet mit 
mir vermuthen, dass, wenn es gleich weniger und nicht allzeit 
bekannt wird, unter hundert ehiliebenden gefallenen Mädchen 
kaum eine einzige sey, welche sich nicht, um ihre Ehre zu retten, 
zu ähnlichen äussersten Mitteln werkthätig entschliesst. — Hört 
doch die Stimme dei' Menschheit und Vernunft, und ich will 
gerne diesen Fehler selbst begangen, diesen Drang und diese 
Schande selbst erfalu-en haben. Ich freue mich, sie eifahren zu 
haben, wenn mein Beyspiel dazu dienen kann, unsere Geseze 
menschlicher zu verfassen, hart zu diesem Ende empfunden zu 
haben* Andere empfinden ebenfalls weniger oder mehr. 

Ich sehe vor meinen Augen eine Person, die ich so sehr 
geliebt, welcher ich soviel zu danken hotte, deren Glück ich zu 
machen dachte, eine Person von exemplarischen Sitten und 
Tugend, welche nun der grösste Trost meines Lebens, und das 
kostbarste Geschenk des Himmels ist, welche olle M'^iderwärtig- 
keiten meines Lebens mit Muth und Standhoftigkeit mit mir 
theilt, welche in diesem Stück der Stolz eines jeden Römers ge- 
wesen seyn würde: — Diese Person sah ich durch meine Ueber- 
eilung, und durch die geflissentliche Verzögerung einer höchst 
natürlichen Sache, entehrt, der Verachtung der Welt, dem Un* 
willen und Fluch ihrer Eltern und Verwandten, und der Ahndung 
der Gesetze ausgestellt, preisgegeben, unglücklich für olle Zeiten, 
Ich selbst hatte ein unbescholtenes Leben geführt, eben dieser 
gute Ruf, und die Reinheit meiner Sitten, hatten mich in den 
Stand gesetzt, so manches Gute zu würken. Ich war öffentlicher 
Lehrer; mein widriges Beyspiel konnte so viele Jünglinge ver- 
derben. Die Mitglieder meines Ordens hatten vorzüglich alle 




— 220 — 



Augen auf mich gerichtet, auf meinem Credit ruhte mein ganzes 
Gehäude: so wie dieser fiel, war ich iiiclit mehr im Stand» die 
Sache der Tugend mit diesem Nachdruck zu verlretten. loh 
konnte mir vorstellen, dass jeder unfolgsame Jüngling durch 
eben dieses Beyspiel seinen mindern Glauben an Tugend recht- 
fertigen und unterhalten, dass er mich mit allen moralischen 
Schwätzern in eine Classe w^erfen würde, dass nun alles ver- 
lohren seyn würde, wenn keine Auswege gefunden würden, um 
diese Mackel meines Lehens zu verbergen. Und was am wenig- 
sten in mir gewurkt, ich hatte Feinde von allen Seiten, die auf 
meine Schwache schon seit vielen Jahi-en gelauert, die in dem 
Taumel ihrer Freude ein allgemeines Geschrey erw^ecken, die 
Sache übertreiben, alles gegen mich empören, und meinen Unter- 
gang befördern würden. Dies alles sähe ich in der stärksten 
Ausbildung, mit den grellsten Farben gezeichnet. Ich war bey- 
nolie bis zur Vei"zweiflung getrieben. In diesem Zustande, den 
niemand mehr empfinden kann, um meine und meiner Frau 
Fbre, und ich darf sogen, hauptsächlich um die Ehre der 
Tugend zu reiten, entseliloss icli mich zu diesem äussersteu 
Mittel, zu dieser Handlung, die euch so sehr empört, welche ihr 
mit meinem übrigen Charakter so wenig vereinigen könnt. Nun 
tadelt immerhin diese Handlung, denn sie verdientes; ober sagt 
mir, verräth sie Bösartigkeit des Herzens? Bin ich ein Heuchler? 
verdiene ich diese Münchner Invectiven, welche mich dadurch 
als den sittenlosesten Menschen beschreiben wollen? Ist es 
billig, dass man sich niclit begnijgt, alle Welt gegen mich zu 
waffnen, dass man auch noch über dies will, dass mein eigenes 
Kind mir fluchen und dereinst seinen Vater verabscheuen soll? 

Also selbst dies, was das äi-gste ist, be\\eisl nichts gegen 
meinen Charakter, gegen meine Absichten, es beweist eher für 
mich; wozu war es also nöthig, diese geheime Sünde bekannt 
zu machen, ihr dadui^cli eine Art von Sanction zu geben, bey 
dem grössern Haufen meinen Cliarakter und mit solchem jeden 
Lehrer der Tugend verdächtig zu machen? Wozu war es nötig, 
das Kind gegen seinen Vater zu empören, und durch sein Bey- 
spiel zu verderben? Scliwerlicli hat noch ein anderer Mensch 
vor mir solche Misshandlungen erfahren, und sie so wenig ver- 
dient. Der Herr wird wissen, warum ich sie erfahre. 

Nicht genug: Auch ein Meineidiger soll ich seyn, Ich habe, 
wie man sehreibt, fälschlich geschworen, dass ich nichts von 
diesen vorgefundenen, so gefährlichen Giften und Arzneven 




— 221 — 



risse, und icli selbst habe sie gebraucht? 



Ich habe be- 



schworen, dass ich niemand von meiner Bekanntschaft wisse, 
der sie angerathen und gebraucht habe. — Alles dies schwöre 
ich noch zur Stunde. Ich wusste nicht, dass Ajax oder Cato 
solche Recepte besitzen; ich würde mich ausserdem vielleicht in 
meiner äussersten Verlegenheit an sie gewandt haben. Ich 
weiss keinen Menschen, der diese Recepte angerathen oder ge* 
braucht hätte. Euriphon hat niclit nur allein nicht mitgewürkt, 
»Sondern die UfnnÖglichkeit ohne Todesgefahr dringend vorge- 
stellt; aufsein Zureden sind alle weiteren Versuche unterblieben, 
und ich muss noch hinzusetzen, dass meine eigenen, von mir 
ausgedachten Mittel, Aderlass, Bad, und Bewegung, mehr zur 
Stärkung als Abtreibung des Kindes beigetragen haben, wie 
noch zur Stunde die Gesundheit der Mutter und des Kindes 
augenscheinlich beweisen. Marius, an welchen der Brief ge- 
richtet war, hat ebgerathen, und Celsus hat niemahlen etwas 
davon erfahren. Was er vor 3 Jahren sagte, war blosser Scherz, 
indem er mich wogen meinei" Schwagerin railhrte. Diesen Scherz 
nahm ich nach 3 Jahren, wo ich dessen leider benothigt war, 
für baare Münze auf, weil ich in meiner Verlegenheit nach 
jedem Schilf gegriffen, um den üblen Folgen voi'zubeugen, die 
ich vorhersah. All dieses beschwöre ich noch: Gott wird es 
i\issen, wenn es Menschen nicht wissen wollen,« - — 



Um was es sich handelte, geht klar aus Weishaupts Er- 
klärungen hervor Er hatte in dem Briefe an Marius seine Ver* 
zweiflung über den Zustand seiner Schwägerin ausgesprochen 
und gesagt, dass zur Beseitigung desselben Euriphon, das ist der 
Arzt Dr. Kanzler, zu limide sei. Letzterem brachte diese Bemer- 
kung später ein strenges Verhör ein, jedoch keinerlei Beweis 
einer Schuld. Im Grunde genommen durfte dem Weisliaupt 
auch gar kein tieferer Vorwurf gemacht werden, denn der Papst 
gab den 29. Nov. 1783 den erbetenen Dispens*) zur Heirat, die 
denn auch alsbald erfolgte. Seine Feinde kümmerte das jedoch 
wenig. 

Eine aus jener Zeit stammende Handschrift, die leider 
nicht im Ordensbesitz, von der jedoch dei* Verfasser dieses 
Buches Abschrift nahm, sagt: 



•) Der Originaltiispena liegt in Mönchen im Kgl. Geheimen Slaats-Archiv. 



_ 222 -^ 

November 1783 hat Weishaupt die Dispensation von Rom 
seine Schwägerin heurothen zu dürfen» erhalten und sind darauf 
in festo Siephany beide von dem Heirn Oberstatt- Pfarrer in Ingol- 
stadt in einem Wohnzimmer des Schloss zu Snndhorst, wo Baron 
Bassus als Hostmarckts-Herr residirte, copuliri worden, Gezeugen 
waren Herr Pfarrer zu Schamhaupten, als Parochy Loci, und 
Assistens; der Zeitliehe Pfarrer und Supei*ior zu Bettbrunn bey 
St. Salvatur» E. F. Ord. Erem. S. Augustini und der Hen^-Ver- 
walter Joseph Mayr. — 

In dem Archiv zu München befindet sich jedoch unter dem 
Titel ^Dispensations<Act« eine ganze Anzahl von Dokumenten, 
die die Angelegenheit besonders beleuchten. Es wurde dieses 
Aktenstück 1787 zusommengestelli, nachdem durch Auffindung 
jenes kumpronutlierenden Briefes der KuHurst Carl Theodor 
Kenntnis von der Angelegenheit erhalten halte und nun Weisr 
haupt unbedingt gebrandmorkt werden sollte, als unmoralischer 
Wüstling und Haupt einer verbrecherischen Sekte, 

IHese r*okumente geben nun ein so schaifes Streiflicht auf 
die damahgen Zustande, dass einige bekannt gegeben zu werden, 
verdienen. 

Der (»her- Stadt -Pia i'rer Wibmer zu Ingolstadt, mit Weis- 
haupt befreundet, hatte sich namentlich um Erlangung des Dis- 
penses bemüht; als derselbe einlangte, nahm er selbst die 
Trauung voi- und schickte über den Verlauf derselben nach- 
folgenden Bericlit ein: 

HL*cliwürdiger, Hochfüi'stlicher, Hoch Bischöfliclies 
General Vicariat! 

Den 21, Vorigen Monaths und Jahre wurden auf die den 
19 ejusdeni mensis zugeschickte Hochfürstlich, Bischöfliche 
I>elegirte Ordinariats Dispensation beyde Oratores Herr Prof. 
jun canon, Doctor Weishaupt, und dessen Sponsa Maria Anna 
Sausenhofern folgender massen Priesterlich eingesegnet. 

A, Verfügte ich mich auf ersuchen Herrn Prof. Weishaupt 
auf das Baron Bassu'sche gut Sanderdorf, als wo selbst 
die Braut seith mehi'eren Monathen sich aufhielte. 

B. Daselbst Vernamme ich bemeldete Maria Anna Sausen- 
hoferin eydlich über die mir schon vormahlen communi- 
conte Fragen, auf welche sie betheuert hat: 




— 224 — 



ad 1. dass Sie auss keiner andere Absicht oder Ursache 
sich mit ihrem Bräutigam fleischhch Verfehlt habe, 
dass pur ollein auss menschlicher Schwacliheit 
und auss gelegenheit der langen Zusammenwoh- 
nung, Sie auch 

ad 2. Von gar Niemand dazu ermuntert worden, und sie 
gedenke 

ad 3. niemahlen, änderst als mit der Gnade Gottes in 
der allein selig machenden Christ- katholischen 
Religion zu leben und zu sterben, so wie 

ad 4. Sie gar nicht absehen kann, dass auss dieser durch 
Päbstliche Dispensation gnädigster bewilligter Ehe 
einiges Ai^erniss entstehen konnte. 
Nach diesser Hesse ich 

C. Beyde das Juramenta Libertatis de non abstantibus aliis 
imperdinertis, ablegen, spräche Sie dann nach der terae 
der PäbstUchen Bulle ab strictus creatibus loss, und 
legte beyden durch 4 vorher die alltägliche abbetung 
deren Buss Psalmen nebst der allen Heiligen Lytaney 
und enverbung deren Theologischen Tugenden, dann 
einer Vorzunehmenden Wallfahrt und daselbstiger öb- 
legung einer reumütigen Beicht und Empfangung der hl. 
Communion auf. 
und ntich dem 

D. wurden von mir Beyde auf schon ehvor erhaltener Er- 
laubnis des Schambauptischen Herrn Pfarrer der nebst 
dem Sandersdorferischen Herrn Ver\vaUher und Herrn 
pater Superior von gross Salvator als gezeigen zugegen 
waren, ehelich eingesegnet. 

Und diesses ist es, was ich nebst remittirung der Päbst- 
liclieii Bulle berichten, und midi gehorsam empfehle als 

Seiner Hochwürden, Hochfürstlich 

Hoch-Bischöflichen General Vicariats 

gehorsamster 

Dr. Wibmer, C^ber Stadt Pfarrer. 



War nun der (»berstadt-Pfarrer Weishaupt freundlich ge- 
sinnt, so war ilim der Unterstadt-Pfarrer Paulus Bauer umso 
feindlicher. Letzlerer gab sich nachlräglirh noch im Jahre 1787 
durch die merkwürdigsten Auseinandersetzungen die erdenk- 
lichste Mühe nnchzuweisen, dass der Papst eigentlich mit der Er- 




— 225 — 

teifung des Dispenses betrogen sei, weil dieser auf falsche Vor- 
aussetzungen beruhe« Es würde zu weit führen, die langatmigen 
Berichte*) an den Kurfürsten hier mitzuteilen, charakteristisch 
ist jedoch unter diesen ein merkwürdiges Attest, das als Beweis 
des Eifers jenes Herrn UnterstadtJ^arrers unbedingt allgemeine 
Kenntnis verdient. Es lautet: 



Attestum. 

Vom hochchurfürsti. Bischöfl. Vicariatswege allhier wird 
anmit geziemend attestirt, dass Herr I^aul Bauer, Thigiae D.-Ciiur- 
pfalz Bayrisch, w^ürklicher Geistl. Rath und Stadtt>farrer bey 
St. Moriz zu Ingolstalt die Professor Weishaupt'sche Dispen- 
sation circa impedimentum primi gradas aftinitotis sowohl durch 
öffleren schriftlich als mündliche Vorstellungen, auf alle mögliche 

Iiis zu hintertreiben sich alle mögliehe Mühe gegeben habe. 
Eichstadii ex buria Vicariatus Exp. gratis die 3te SeptbHs 1787. 
Jean Martinus Lehrbour. 
vicar im geistl Generalis. (Bischöfl. Siegel.) 

Am 30. Januar 1784 ward dem Ehepaar ein Knabe geboren, 
r Wilhelm Weishaupt genannt wurde» jedoch bereits mit 
18 Jahren 1802 in Gotha starb. Sein Grabstein befindet sich 
neben dem Weishaupts, derselbe zeigt eine wahrscheinhch 
von seinem Vater verfasste, jetzt jedoch sehr schwer zu ent- 
ziffernde lateinische Grabschrift, deren Inhalt %äel Kopfzerbrechen 
verursacht hat. Jedenfalls ist der Stein in späteren, nicht allzu 
fernen Jahren erneuert worden und die verwitterte Inschrift von 
einem der lateinisclien Sprache ganz Unkundigen ausgebessert, 
dabei jedoch verbösert worden. Es be linden sich jetzt Worte 
und Zeichen auf dem Grabstein, die kein Verständnis ei^eben 
können, weil sie nicht lateinisch sind. Noch deren Enträtselung 

tdie Grabschi'ift: 
Wilhelmus Weishoupt 
tav. natus Ingolstadii die XXX Jan. MDCCLXXXIIII, 
vixit multum aevo brevi, 
terrae satur a contemplatione coeli, 
ad coelum abiit die VI Jon. MDCCCH. 
♦) Abschriften davon in meinem persönlichen Besitz. 

Eaf«l, Geachkbt« dM IlltiminmUmordiiQM. \;t 





Illic poslquani se In m ine vorn 
imjilevil stellosrjue vogas mirolus et astra 
est ö polis, vidit quonta siib Tincte iaceret 
nostrn dies risitque sui liidihria trunci, 

Willjelm Weishaupl, ein Boyer, geboren in Ingolstadtt der 
30. Januar 1784, hnl viel erlelit in einer- kurxen Lebenszeit. 



Erde .snft ging er von der Betrachtung des Himmels zum Himmel 

Hein am 6. Jan. 1802. 

V Nachdem er dort sich mit dem wahren Lichte erfüllt halte 
und die schweifenden Gestirne und die Sternbilder von Himmels- 
höhen aus hewundert, sah ei\ in welcJier Nacht lag unser Tag 

^ (Leben) und hiclite übei* die Nichtigkeiten seines Leibes. 

Ob Weishaujit mit dem Schlusspossus nun auf seine Ge- 
^burt anspielte, oder andere Begebenheiten damit meint, lasst 



I 



SUljouetten der ersten vier Söhne WeishaupLs. 



sich nicht mehr feststellen. Die Silhouette dieses Sohnes, als 

I Knabe, ist auf einer nbertüsse erhalten, die sich im Besitze der 
Nachkommen Weishaupts in Gotha betindet. 
Wir wollen diese Angelegenheit nun mit dem Hinweise 
bescli Hessen, dass auch Schiller von dei*selbcn ^Kenntuiss hatte 
und am 10. Sept. 1787 dai'ül>ei- an Korner aus Weimar schrieb; 
>Weishaupt ist jelzt sehr das Gesprach dei* Welt. Seine 
oulgefundeneu Briefe wirst du gelesen haben, sowie auch die 
Recension des ersten Bandes in dei' Litcraturzcilung, welche von 
Hufeland, und nach meinem Urlheil vortrelTlieh ist. Was denkst 
du denn von seinem unglücklichen Verbrechen? — Alle Maurer» 




— 228 — 

die ich noch gehört habe, brechen den Stab über ihn und wollen 
ihn ohne Gnade bürgerlich vernichtet haben* Aber der Orden 
bleibe ehrwürdig, auch nachdem Weisbaupt ein schlechter Kerl 
sei* Es lässt sich vielerlei darüber sagen und ich muss ge- 
stehen, dass mir die moraHschen Declamalionen dieser Herren 
etwas verdächtig sind. Ein Kind abtreiben, ist unstreitig eine 
lasterhafte That — für jeden. Aber eins machen, ist für einen 
Chef de parti unverzeihlicher. Was sie mir von der Abscheu- 
lichkeit des Kindermords und von der empörenden Rücksicht: 
dass ein V a t e r d i e s es t h u e , sogen ist falsch und schief. Dieser 
Fall ist kein Kindermord. Es w^äre schlimm, w^enn man keine 
triftigeren Ursachen hatte, eine solche That zu verabscheuen, als 
jene schielenden Raisonnements. Ich habe nur einen Massslab 
für Moralilät, und ich glaube, den strengsten: Ist die That, die 
ich begehe, von guten oder schlimmen Folgen für die Welt, — 
wenn sie allgemein ist?« — 

In Regensbui^ war Weisbaupt durchaus nicht seiner Freiheit 
sicher, wie bereits erwähnt und bewiesen wurde, ja die Unsicher- 
heit nahm zu, je mehr sieb die\'erfolgungen in München zuspitzten. 
Es ist nalüi'licb, dass diesem Zustande ein Ende zu machen, W/s 
innigster Wunsch war Dazu kam noch, dass seine letzte van 
fünf Mädchen aus erster Ehe ihm allein noch gebliebene Tochter 
mit 14 Jahren in Regensburg starb, deren \'erlust er schmerz- 
lichst empfand. Weishaupt überwand seine früher gegen Wien 
ausgesprochene Abneigung und reiste im August 1786 nach dort, 
in der Hoffnung; daselbst eine Anstellung zu erhalten. 

In der Bayreuther Zeitung vom 26. August 1786 findet sich 
folgende diesbezügliche Notiz: 

Wien, den 16* August 17fi 
Der berühmte Bayrische Professor Weishaupt, welcher aus] 
bekannten Ursachen sein Vaterland verlassen hat, ist hier en-l 
gekommen, und wird ihm mit vieler Hochachtung begegnet j 
Man w^eiss zwar den eigentlichen Endzweck seines Hierseins i 
noch nicht, doch ist zu vermuthen, dass man diesen geschickten 
canonischen Rechtslehrer liier behalten werde. — 

Letzteres geschah jedoch niclit und Weishaupt kehrte 
glücklich nach Regensburg zurück. Er benutzte seine Zeil, 
um die immer stärker werdende Flut der Verdächtigungen und 





VVeishaupts Wohnhaus in Regeiisburg. 



4_ 



— 230 — 

Schmähungen mögliclist einzudämmen, konnte jedoch einen wirk- 
samen Einfluss darauf nicht, ausüben. 

Von München ous gab man sich alle ei'denkliche Mühe, 
seiner habhaft zu werden, es wurde sogar noch Stodtamhof, 
gegenüber von Regensburg, auf der andern Seile der Donau, 
ein Spion abgesandt, um die Gelegenheit auszukundschaften, oh 
Weishaupt nicht unbemerkt in seiner Wohnung zu überraschen 
wäre. Der Oberleutnant Loi'eozer ward mit diesem ehretihatten 
Auftrag betraut und berichtet*) denn auch unter dem 19. Aug. 1787. 
dass der ehmals gewesene Professor Weishaupt in des Seifen 
sieders Stadlers Behausung über zwei Stiegen hoch in der Engeis- 
berger Strasse wohnhaft sich betindet. 

Diese Dinge konnten nicht verborgen bleiben und veran- 
lassten den edlen Herzog Ernst von Gotha, den Gefährdeten da- 
durch unantastbar zu machen, dass er ihn in seiner Gesandt- 
schaft anstellte. 

Am 11. August 1787 liess der Herzog nachfolgenden Befehl 
seinem Gesandten in Regensburg zugehen,**) 



An den geheimen Ratli und Comilial Gesandten 
Freiherrn von Gemmingen. 

Wohlgeborener Herr. 
Nachdem wir die Entschliessung gefasst haben, dem Hofrath 
Weishaupt zu Erweiterung seiner Kenntnisse in den Reichstags 
Angelegenheiten und um sich dadurch zu unseren Diensten 
immer mehr geschickt und brauchbar zu machen, den Zutritt 
bey unserer dasigen Gesandtschafts Canzley sowohl, als dem 
Archive zu gestatten, aucli denselben zu Beyrichtung eiforder- 
licher Aufsätze und Feiligung nothiger Auszüge aus den von 
Zeit zu Zeit erscheinenden Staalsschriften gebrauchen zu lassen, 
jedoch unter der ausdrücklichen Einschränkung, dass demselben 
nichts was auf das Religionswesen im deutschen Reiche über* 
haupt, oder auf die Gerechtsame des Evangelischen Religions- 
Theils insbesondere einige Beziehung liaben dürfen, zur Einsicht 
vorgelegt noch zur Ausarbeitung übertragen werden soll, als 
bleibt Euch solches zu Eurer Nachricht und Aclitung hierdurch 
ohnverhallen und gesinnen zugleich an Euch, Ihr- wollet ge- 
dachten Hofrath Weishaupt nicht nur hiervon die nöthige Er- 



♦) Original im Kgl. bayr. Geheimen Staata -Archiv. 
•♦) Original im Archiv zu GoU»a. U. U. VHa— 13. 




- 231 — 



Öffnung Itiufi, sondern auch sofort wegen dessen Anwersung 
unter den bemerkten Einschränkungen und Verpflichtungen ad 
Silentium mittesl Handschlags an Eidesstott das nothige besorgen 
und endiicli wie solches geschehen mittelst Einschickung der 
über vorstehenden Actus zu feiligeodeu Registratur bei Uns 
Bericht anzeigen. 
^ Friedenstein, d. 11. Aug, 1787. 

^P Gleichzeitig erhielt der Legations-Sekretär von Ernesti zu 

""Regensbui^ den Befehl, den Brief an den Gesandten zu öffnen 

und danach zu handeln, da der Gesandle selbst mutmasslich 

verreist sein könnte. Letzteres war auch der Fall und von 

Ernesti erledigte die weiteren interessanten Angelegenheiten. 

PKuH'ürst KaY'l Theodor übersandte zur selben Zeit durch 
seinen Gesandten, Graten von Lerchenfeld, dem Herzog Ernst 
nachfolgendes Schreiben, aus dem zu ersehen ist, wie dringend 
eilend und notwendig der Schutz des Herz*^gs wurde. 

ICopia Schreibens, so von Sr, Churfürstlichen DchlL zu Pfalz 
an den H. Herzogen zu Sachsen Gotha erlassen worden. 



München, d. 9. Aug. 1787. 



P. P. 



Ew. Lbd. mögen wir nicht länger beiden, wie auffaltend 
und empfindlich Uns sey, dass der geweste Ingolstädlische Pro- 
fessor Weishaupt sich schon einige Jahre hier unter Ew. Lbd. 
»Protection in Regensburg aufhtiU. 

H Wir wollen von Ihm keine w^eitläufige Beschreibung machen, 

Haie liegt schon aus seinen eigenen Briefen, wovon sich die Ori* 
Hginalien bey unsern Archiv finden und einen Jeden auf Ver- 
klangen zur Einsicht vorgelegt werden, der ganzen Welt zu All- 
gemeiner Ärgerniss in ofieutlichem Druck nunmehr vor Augen, 
B Euer Lbd. ermessen hieraus von selbst ob dieser höchst- 

strafbare Böswicht, welcher Uns gleichsam zum Troz und H<>hn, 
seinen Wohnplatz an einem mitten in unseren Landen liegenden 
[Ort aufzuschlagen die Keckheil hat, protegirt zu werden verdiene? 
Da wir nun gänzlich entschlossen sind, die Extradition 
selben von dei- Reichsstadt Regensburg zu begehren, so ver- 
iöffen wir, Ew. Lbd. werden auch die ihm erteilte Protection 
wieder zurückzuziehen belieben, sohin den Magistrat an der Ex- 
tradition nicht zu hindern zu suchen. 





- 282 — 

Ew. Lbd. lassen uns hierdurch Recht und Justiz wieder- 
fahren. Bezeigen Uns anmalens eine Gefälligkeit, welche wir in 
ähnlichen Fällen zu erwiedern nicht ermangeln werden, die wir 
ohnehin zur Erweisung freund, vettert. Dienste stets gefliessen 
verbleiben. 

Gleichzeitig war aber auch der Rat zu Regensburg drang- 
saliert worden, Weishaupt auszuliefern. Nach einem Bericht 
des Legations-Sekretärs v. Ernesti, datiert d, 20, Aug, 1787 war 
der SLaatskämmerer Bössner in München gewesen und halle 
vernommen, dass auf alle Weise dem Hofrat Weishaupt nach- 
gestellt werde und selbiger gern ausgeliefert gesehen würde. 
Da nun der Regensburgische Konsulent Gunipelskörner dem 
kurbraunschweigischen Gesandten v. Ompteda gegenüber 
äusserte, der Kurfürst Carl Theodor wüide W.'s Auslieferung 
von Regensburg verlangen, so war der Rat darüber in ai^er 
Verlegenheit. Aber auch Ernesti war es, denn der Befehl 
Herzogs, Weishaupt zu verpflichten, war noch gar nicht infi 
der damaligen Postverhältnisse in seinen Händen. Er erhielt 
dieses Schreiben erst am 3. September, vvusste jedoch genau, 
dass der Herzog alles daran setzte, Weishaupt zu schützen. 

Um nun letzteres zu können, verband er sich in Abwesen- 
heit des Gothaischen Gesandten mit dem kurbraunschweigischen 
Gesandten Herrn von Ompteda, der ebenfalls W. freundschaft- 
lich gesinnt war und übergab dem Rat zu Regensburg nach- 
folgendes Pro Memoria, dem v. Ompteda durch seine Aner- 
kennung ein grösseres Gewicht gab. Hierbei machte v. Ernesti 
den Trik, dass er das Dokument zurückdatierte auf den 14, Aug. 
*mit allem Fleiss« wie es in seinem diesbezüglichen Bericht 
heisst, trotzdem es am 24. Aug. erst dem Rat überreicht wurde. 

Das Pro Memona*) lautet: 



Pro Memoria. 

Es hat der bereits seit einigen Jahren hier anwesende Hof- 
rath Weishaupt bey Endesunterzeichneter Comitial-Gesandschafls 
Canzley, in Abwesenheit diesseitigen Herrn Gesandens, Frey- 
herrn von Gemmingen, Excellenz, zu erkennen gegeben, als ob 
ilim, um sich seiner Person zu bemächtigen, auf mancherley 
Weise nachgestrebet werde. Nun glaube er zwar, als Herzog- 



•) Abschrifl Im Archiv zu Gotha. 



— 233 — 



mht 



»' 



lieh Sachsen-Gothaischer Hofrath, bey seinem ollhiesigen Aufenl- 
alt in dieser Kaiserlichen freyen Reichsstadt und der allge- 
meinen Reichsversammlung Mahlstatt Regensburg, sich wohl 
alle Sicherheit, gegen etwa anmassliche Gewalt zuverlässig ver- 
sprechen zu können dürfen; Er w^olle aber doch zu allem Ueber- 
fluss gebethen haben, Ihm mit einem diesfalsigen Certificat in 
Ansehung seiner Qualität und Characters bey hiesig Wohllob- 
liehen Magistrat zu statten zu kommen. 

Da nun ersagter Herr Hofralh Weishaupt würklich in Sr. 
Durchlaucht des regierenden Herrn Herzogs zu Sachsen Gotha 
und Altenbui??, meines gnädigsten Herrn und Fürsten Diensten 
sich befindet, und von Höchstderoselben Dero Comitial-Gesand- 
Schaft ganz besonders anempfohlen und untergeben worden; so 
hat man zu mehrerer Vorsicht nicht umgehen sollen, Einem 
Hoch- und Wohlweisen Herrn Kammerer und Raüi dahiesiger 
KaiserHcher freyen Reichsstadt Regensburg hievon geziemende 
Eröffnung zu thun, 
^ Regensburg, d. 14. August 1787. 

H Herzoglich Sachsen Gotha- und Altenburgische 

^B Gesandschafts-Canzley 

^^^^^^ Philipp Friedrich Ernesti 

^^^^^^ Legations-Secretarius. 

^r Der Rat beruhigte sieh jedoch damit nicht und sandte dem 
■Herzog ein Schreiben, (Original in Gotha) das eine gewisse 
Bauernschlauheit verrät. 

► Es lautet: 
Durchlauchtigster Herzog, 
Gnädigster Fürst und Herr: 
Euer Herzogl. Durchlaucht sind die Landesherr!. Verord- 
nungen unverboi^en, welche Sr. CurfürstL Durchl. zu Pfalzbaiern 
■ in Betref des sogenannten lUuminaten-Ordens erlassen haben. 
Der besondere Anteil, welcher in denen dahingehorigen 
Druckschriften dem Herrn Hofrath Weishaupt zugeschrieben 
wird, dessen öffentlicher und bekannter Aufentlialt allhier, ohne 
dass er zu einer Comitial -Verrichtung oder besondern Auftrag 
beglaubigt ist, die ehrerbietigste Rücksichten, welche wir der 
erklärten Willensmeinung Sr. CurfürstL Durch L schuldig sind, 
— die Deutungen, welche dem Aufenthalte des Herrn Weishaupts 
^gegeben werden können, das unterm 10. dieses publicirte Chur- 
turstL höchste Edict, erfüllen uns mit Besoi'gnissen, die Euer 




— 234 ^ 

HerzogL Durchlauclil wir untertänigst voi-zutragen, uns umso- 
mehr die Freyheit nehmen, als das unter dem 14. dieses zu 
Gunsten des Herrn Weishaupt von Höchst dei'o Comitial-Conzley 
an uns erlassen Pro Memoria diejenigen Gründe nicht enthalt, 
wodurch einer aJIenfolsigen Curfürsll. Requisition oder sonstigen 
gerichtlichen Verfahren gegen denselben mit Anstand und ohne 
unsere eigene Blosstellung begegnet werden könnte. 

So sehr wir wünschen, Bewahrungen der tiefsten Verehrung 
gegen Euer HerzogL Durchlaucht an den Tag zu legen, so sehr 
müssen wir zu einer Zeil, da noch kein Anbringen gegen er- 
sagten Herrn Weishoupt gemacht ist, angelegentlich bitten, die 
Abreise oder ferneren Aufenthalt desselben, durch gnädigste 
Maasnehmungen, andurch uns gegen leicht eintrettende Befah- 
rungen gnädigst in Sicherheit zu stellen, die wir mit tiefsten 
Respekt sind 

Durchlauchtigster Herzog Gnädigster Fürst und Herr 
Euer HerzogL Durchlaucht 
unterthänigste Cammerer u. Rath allda 
Regensburg, d, 25. August 1787, 

Die Antwort des Herzogs erfolgte sehr bezeichnend durch 
nachstehendes Schreiben : 



An den StodtiTith zu Regensburg. 

Aus einem unterfti 25ten dieses, an Uns erlassenen 
Schreiben haben wir vernommen, was Ihr wegen der von des 
Herrn Churfürsten zu Pfalz Bayern, Churf. Durcbl. in betreff des 
sogenannten llluminaten'Ordens erlassenen Verordnungen, für 
unsern in Regensburg sich aufhaltenden Hofrath Weishaupt zu 
erwartende unangenehme Folgen, für Besorgnisse geäussert habt. 1 

Wie Uns nun Euer bey dieser Gelegenheit gegen Uns zu 
Tage gelegte Gesinnung zu besonderem Wohlgefallen gewesen, 
wir auch solche dankesgeneigt erkennen, so kann es Uns nicht 
anders als Vergnügen verursachen, dass Eure Besoi^nissc be- 
reits hinlänglich bezogen und die Verlegenheit in welche eine 
Churpfalzische Ref[uisition Euch hatte versetzen können im vor- 
aus von Uns abgeholfen worden, indem wir den Hofrath Weis- 1 
haupt vor kurzem bey unserer Comitial-Gesandschaft zur Ge- 
brauchung in Geschäften wirklich haben anstellen lassen, mitbin 
derselbe nunmehr vormöge der Gesandscbaftsrechtc und Reichs- 
tfigigen Freyheit Unserer Jurisdiction einzig und allein unter- 



1 



— 235 — 

wnrfeii ist, welclies Wir Euch hierdurch zur Nachriciil ohnver- 
halten und verbleiben Euch übrigens niit Gnade gewogen. 
Friedenstein, den 31. August 1787, Ernst, 

f Da Weishaupt noch nicht tatsächlich geschützt war, denn 
der Befehl des Herzogs, ilin zu verpflichten, war immer noch nicht 
eingetroffen, es inzwischen auch offenbar wurde, wie v. Ernesti 
in einem Schreiben vom 30. Aug. 1787 mitteilte, dass Lorenzer 
gegen ein Douceur von 100 Dukaten sich der Person W/s be- 
mächtigen sollte, so ftmdes Weishouptam geratensten, wiederum 
seinen Koffer,*) mit dem er bereits aus Ingolstadt geflohen, zu 
packen und Regensburg zu verlassen. Er begab sich nach 
Gotha, unter den direkten Schutz des Herzogs. Ernesti berichtet 
über seine Abreise: 

Ew. Hoclifreyheni. Excellenz habe noch vor Abgang der 
Post unterthänig zu vernehmen zu geben, dass nicht nur 
an den Freyherrn von Gemmingen gnadigsterlassenes Res- 
script d. IL Aug. sondei-n auch Sr. Herzogl. Durchlaucht 
sub, cod. Dat. an mich ergangener gnädigster Befehl, nicht 
minder Ew. Hochfi-eylierrlichen Excel lenz beyde hochverehr- 
hche Antwortschreiben vom 28. und 80. m. p, anheute auf ein- 
mal richtig bey mir eingegangen. Nun würde ich zu unter- 
Ihänigster Folge sothanen Inhaltes nach aufhabenden theuren 
Pflichten, alsobald alles pünktlich bewerkstelligen und dem 
Herrn Hofralh Weishaupt mittelst Handschlags an Eydesstatl 
ad Silentium verpflichten oh nennangelt, auch hierüber des näch- 
stens an Sr. Herzogliche Dui'chlaucht devoLesten Bericht er- 
stattet haben; allein da Ew. HochfreybcrrL Excellenz ich mit 
letztern Posttag gehorsamst hinterbracht habe, dass der Herr 
Hofrath Weishaupt bereits von hier abgereist und vielleicht beim 
Empfang dieses nunmehr schon in Gotha eingetroflen seyn dürfte, 
so sehe mich gegenwörtig ausser Stande, diese gemessene höchste 
r>rdre subm issest zu befolgen. Lidossen höbe hochdero hohen 
Anweisung gemäss, von allen diesen deji Churbraunschweigi- 
sehen Minister Herr Baron von Ompteda persönlichst Eröffnung 
gethan, und dagegen von ihm den Auftrag erhalten, Ew. Hoch- 
freyherrlichen Excellenz nebst seiner geborsamsten Empfehlung 
für sothane vertrauliclie Convmunication den Verbundesten Dank 



Dresden 



•) Dieser alte Zeuge seiner Leiden ist jetzt im Hesitx des Autors zu 




— 236 — 



abzustatteo. Ich werde auch diesen ganzen Vorgang des Herrn 
Gesandens, Frei Herrn von Gemmingen, Excel lenz nach Thalheini 
nächstens schreiben. 

Ansonsten abermuss ich noch erwähnen, doss vorgestrigen 
Sonnabend die Frau Hofrath Weishaupt mich zu sich rufen 
lassen und mir von ihrem abgereisten Manne einen von Fer- 
riedeii aus an sie erlassenen Brief vorgelesen, worinnen er ihr 
meldet, dass er diesen Weg von Regensburg bis dahin, binnen 
12 Stunden, jedoch nicht ohne alle Gefahr, zurückgelegt habe. 
Dieses Dorf Ferrieden liegt in dem Anspachischen und ist der 
erste (Jrt nach dem Bayrisch und Pfälzischen Territoria ohn- 
gefehr 10 Meilen von hier 

Dero ich unter Beylegung eines hochverlangten, anden^'eiten 
Exemplars der Weishauptischen kurzen Rechtfertigung in devo* 
tionsvoller Verehrung verharre 

Ew. HochfreyherrL Excellenz 

unterthänig gehorsamster Diener 
Pbih'pp Friedrich Ernesli. 
Regensburg, d. 8. Sept. 1787. 

Weishaupt kam in Sicherheit. Er gelangle nach Gotna 
trotz des auf ihn lauernden Lorenzer, fühlte sich jedoch, in 
Gotha angekommen, infolge der Abwesenheit des Herzogs dort 
nicht sicher und verbarg sich di*ei Tage lang in einem Kamin 
bei der Frau Mähler auf der grossen Siebleberstrasse. Es scheint 
in dieser Zeit ein Anschlag gegen Weishaupt gespielt zu haben, 
um ihn festzunehmen, einige unklare Andeutungen in den Akten 
deuten das an, jedoch lässt sich nicht mehr genau angeben, wo- 
durch diese drei Tage im Kamin notwendig wurden. 

Herzog Ernst hatte inzwischen mit dem Kurfürsten einige 
Auseinandei*setzungen, die zum Bruche aller freundschaftlichen 
Beziehungen führten. Der Aufforderung, Weishaupt auszuliefern, 
begegnete Herzog Ernst durch das nachfolgende Schreiben, das 
den Kurfürsten entschieden sehr empHndlich berühren mussle. 

Durchlauclitigster 

dass Ew, Durchlaucht, mittelst des geehrten Schreibens vom 9. 

dss. uns zu erkennen zu geben beheben wollen: 

Wie ouffallend und empfindlich es demselben sey, dass der 
gewesene Ingolstadter Professor Weishaupt sich schon einige 
Jahre hier unter unserer Protection in Regensburg aufhält. 



I 




— 237 — 



^ 



^ 



ist uns, wir müssen es aufrichtig bekennen, um so unenvarteter 
gewesen, da uns von dem gedachten Weishaupt, als wir ihm 
den Character unseres Hofrathes beylegten, nichts Nachtheiliges 
in Ansehung seiner sittlichen Grundsätze und Betragens, viel- 
mehr bekannt war, dass Ew. Durchich t. ihn nicht anders als 
unter Begnadigung mit einer lebenslänglichen Pension von der 
Universität Ingolstadt entlassen hatten und er uns übrigens als 
ein aufgeklärter Kopf und mit vielen gelehrten Kenntnissen ver* 
sehener Mann von schätzbaren Personen, die in nähere Bekannt- 
schaft mit ihm gestanden, beschrieben und empfohlen worden war. 
Wie wir nun nach der Hand uns entschlossen haben, den 
vorbemerkten Hofrath Weishaupt in Rücksicht auf die bey ihm 
wahrgenommenen vorzüglichen Tolente in Canzley-Geschöften zu 
gebrauchen und in solcher Absicht, um sich in diesem Fache 
die gehörige Kenntnis und Uebung zu verschaffen bey unserer 
Comitial-Cantzley in Regensburg anstellen zu lassen, wir auch 
vor kurzem unseren Com itial- Gesandten in Gemäsheit dieser 
Intention angewiesen haben, so werden Ew. Durchl. einsehen, 
dass dem dortigen Magistrate nicht die mindeste jurisdietions 
Befugniss über unsern zur Reichstägigen Gesandschafts-t'.anzley 
gehörigen Diener und Hofrat Weishaupt zustehe, Belieben sich 
aber zugleich von uns überzeugt zu halten, dass, wenn derselbe 
wahrend der Zeit, da er noch Euer Lbd. unterthan und in dero 
Landen und Diensten war, einige strafwürdige Handlungen be- 
gangen zu haben, zu überführen wäre und derselben gefällig 
seyii sollte uns davon solche Anzeige, welche einer gerichtlichen 
Untersuchung fundiren könnten, zukommen zu lassen, wir so- 
wohl aus schuldigen Justizeifer als auch in Gefolg der für 
Ew. Durchlaucht hegende vollkommendsto Hochachtung, bereit 
und willig seyn werden, die strengste unpatheiischsle Unter- 
suchung gegen unsern erwähnten Weishaupt verhängen zu lassen 
und ihn, falls er seiner Unschuld auf keine befriedigende Weise 
darthun könnte, nach dem Verhältniss der von ihm zu Schulden 
gebrachten gesetzwidrigen Handlungen mit der verdienten Ahn- 
dung anzusehen. Von Eurer Lbd gerechten Denkungsart 
schmeicheln wir uns, dass Sie diese in der Billigkeit beruhende 
ErkJarung um so günstiger aufnehmen werden, als wir der- 
selben die aufrichtige Vei*sicherung beyzufügen die Ehre haben 
Friedenstein den 29. August 1787. 



H Friec 



Der Kurfümt liess seinen Ärger sehr deutlich in der Ant- 



— 233 



wort Hilf diesen Brief durcliLlieken, jii er Hess sich zu heftigen 
Ausdrücken hinreissen, die Herzog Ernst sehr scharf zurückwies. 
Ausserdem zeigt das nachfolgende Schreiben, w*ie weniger 
gesonnen wor, ein wirklich juridisches Veifahren einzuschlagen, 
sondern nur gewaltsam vorzugehen beahsichtigte: 

Cupiö Schreibens von Sr, Churfürsth Dchlt. zu Pfalz an den 
Herrn Herzogen von Sachsen-Gotlia dda Münclien d.6. Sept, 1787 

R P, 

Warum Eure Lbd. unsern freundschaftlichen Ansinnen in 
belref des Weishaupt, nicht zu willfahren, sondern denselben 
in gesandscluiftlichon Diensten beizubehalten und ihn Dero Pro- 
tection noch ferner dadurch angedeihcn zu lassen fürgut betlnden, 
ist Uns aus Dero Schreiben vom 29ten Aug. wider alle Er* 
WTirtung zu vernehmen gewesen. 

Nimmermehr kann sich der Weishaujjt rühmen, dass er 
unserer Dienste in Gnaden entlassen w^orden seye. Er w^ar schon 
vorher in grossem Vcrdnchl, dass erder studirendcn Jugend durch 
verbotene Bücher und sonst bös und religioMswidrige l^rincipia 
hergebracht habe, weswegen er auch statt der Pension, welche 
ihm bey seiner Entlassung lediglich in Rücksicht auf Weib und 
Kind angetragen, aber trotz- und hochmüthig ausgeschlagen 
worden ist, vielmehr inquirirt und abgestraft zu werden verdient 
hatte, sofern Wir Uns nicht eines so gefährlichen Mannes nach I 
lielier auf solche Art zu entledigen, als Unsere Universitael 
durch eine scharfe Inquisition und Strafe verschreit zu machen 
für rathsam erachteten. 

Nebst dem war uns damal noch ein verborgenes Geheim- J 
niss, was sich erst nachher durch die bei dem Zwack und Baron 
Bassus erfundenen Schriften wider ihn aufgedeckt hat. 

Wir wussten von der Blutschande, welche er mit seines 
Weibs Schwester verübt, noch so wenig, als dem sub conatu 
[>roximo uttentirlen Kindsmord, und eben so wenig war uns 
bekannt, dass er der Stifter und sogenannte General der in 
unsere Landen so weit verbreiteten illuminaten Sect seye, wo- | 
durch man unter dem Blendwerk der Wahrheits Aufkhlrung und 
Sittenverbesserung die christliche Religion zu stürzen, dem 
völligen Unglauben dagegen einzuführen, in das Jus vitae et | 
nccis t^ollectarum aritrivi und andere landeslierrliche Vorrechte 
einzugreifen von den Mitgliedern einen beschworenen und un- 
begranzien Gehorsam zu fordern, all jene, welche nicht von 



-^ 239 — 

dieser Secte sind, als profan und verächtliche Leute zu beluindeln 
zu diflamiren, zu verfolgen und zu unterdrücken, mit einem 
Wort alles an sieh zu ziehen, und einer vollkommenen Ober- 
herrschaft sowohl über Regenten als Unterlhanen sich zu be- 
r istern sucht. 
Um diese in das Crimen incestus, otlenlati, infanticidü und 
laesae Majestatis einschlagende Facta, ist und bleibt uns der 
Weishaupt allzeit noch responsabl und wird uns keine aus- 
wärtige Protection abhalten, diesen aussgeschäniten Bösswicht, 
welcher sich als einen Blutschänder, Kindsmörder, Volksver- 
führer und Chef eines füi^ die Religion und den Staat höchst 
gefahrlichen Complotts, durch eigene Bekenntnus selbst schon 
oHentlicIi dargestellt hab, allenthalben, w^o er sich immer be- 
trelTen lässt, bey den Kopf zu nehmen und Uns selbst die ge- 
bührende Satisfaction und Justiz zu verschaffen, ohne dass Wir 
einer Requisition hiezu bedarfen. Übrigens zu ungenetiniorn 
Dienslerweisungen geflissentlich verbleibend. 
München ut supra. 

H Als Antwort auf den Churfürstl. Brief wurden zwei Schriften 
%t>gefasst, die zahmere und längere vom Herzog verworfen, nach* 

»Jgende jedoch abgesandt. 
An den Churfürsten von der Pfalz. 
Ew. Lbd. verargen uns nicht, wenn Wir Uns begnügen, 
derselben von dero Schreiben vom 6. dss. Mon. blos den Em- 
pfang anzuzeigen, auf dessen Inhalt aber, dergleichen Uns in 
seiner Art noch nicht vorgekommen ist, etwas zu erwiedern Uns 
um deswillen enthalten, weil Wir die darinn anzutrelTenden be- 
drohlichen Äusserungen nicht anders als auf eine Art begegnen 
könnten, welciie mit der voltkommendsten Hochachtung, die wir 
F'. L. jederzeit zu bezeigen wünschen, nicht vereinbarlich scheinen 
mochte. 

tDeroselben zur Erwiderung, 
Wollte der Kurfürst jetzt noch etwas erreichen, so wäre 
das WTjId nur durch die scluirfsten Massregeln möglich gewesen. 
Solche waren jedoch nnmoghcli und so verblieb Weishaupt in 
äusserlicher Ruhe in Gotha bis zu seinem Tode 1830. 

II Wir werden auf seine Tätigkeit in Gotha noch zurück- 
bmmen. 




— 240 — 



Die Wurzeln der IIlainluatenTerfalguug. 

Da$ äussere Bild, das sich bei Entstehung der Ordensver- 
folgung ergibt, lässt sich in ein Vorspiel zur eigentlichen Tra- 
gödie und diese selbst einteilen. Das Vorspiel bildete einen 
Kampf mittelst Druckerschwärze, Angrifife in Zeitschriften 
und durch Broschüren, sowie Büchern, die immer schärfere 
Anklagen gegen den Orden enthielten. Namentlich war es der 
Schriftsteller Baho, der zuerst in seinen Gemälden aus dem 
menschlichen Leben die Illuminaten angriff und dann Ȇber 
Freymaurer, Erste Warnungc anonym eine Broscliüre gegen 
diese veröfTentlichte. Diese fand ihre Entgegnung durch die 
Loge Theodor vom guten Rath durch die Broschüre »Nöthige 
Beylage zur Schrift Über Freymaurer, Erste Warnung*, in der 
der Anonymus aufgefordert wurde hei'\^oi'zutreten und seine An- 
klagen zu beweisen. Babo tat das nicht, infolgedessen fiel der 
Verdacht^ diese Schrift verfasst zu haben, auf die ausgetretenen 
Cosandey, Grünberger, Renner und Utzschneider, die nun die 
bereits erwähnte Schrift »Grosse Absichten des Ordens der Illu- 
minaten c herausgaben. Eine ganze Anzahl Fehdescbriften» An- 
klage und Verteidigung enthaltend» entstand in kurzer Zeit und 
bildet das erwähnte Vorspiel, bis die bei Lanz gefundenen Listen 
zur eigentlichen Tragödie überleiteten. 

Es liegen die Wurzeln jedoch tiefer, als die Folgen eines 
Federkrieges zu erzeugen imstande sind. Sie leiten immer 
wieder auf klerikale EinHüsse, siebe die päpstlichen Briefe, und 
dann auf jesuitische Umti-iebe, die die Katastrophe vorbereiteten. 
Diese letzteren stehen nun wieder mit dem Oi*den der Rosen- 
kreuzer in engster Verbindung, dem wir unsere Aurmerksamkeit 
jetzt schenken müssen. 

Wir wissen bereits aus Weishaupts Munde, dass die Gründe 
zur Ordensbegründung teils darin zu suchen sind, dass er einige 
junge Leute von der Schwärmerei rosenkreuzerischer Ideen ab- 
bringen wollte. Die neueren Gold- und Rcjsenkreuzer hatten 
sich in jener Zeit durch eine starke Propaganda bemerkbar ge- 
macht und suchten sich durch phantastische Versprecliungen, 
unter denen die Verbindung mit der Geistenveit, sowie Gold 
herzustellen eine Hauptrolle spielten. Anhanger zu verschaffen. 
Diese rosenkreuzerische» mystische Richtung hatte gerade zu der- 
selben Zeit sich wieder Einfluss verschafJl als der Jesuitenorden 
1773 aufgehoben woitlen war und die Exjesuiten erfasslen die 





»In den Landern nun, wo sie imfgehoben waren, brauchten 
tie Exjesuiten das Mitlcl in den geheimen Gesellschaften AuC- 
lahme zu suchen, Sie bildeten hier eine schleichende und deS' 
lalb um so sichere Oppusition gegen alle Aufklärungslendenüen. 
t) dem Freimaurerorden stifteten sie die sogenannten „inneren 
Systeme'*. Hier waren sie als Proselytenmocher ganz in der 

_Eag0l« Gwctiicbte de» lilumXiifttenordeni. X6 




242 — 



Stille tätig und arbeiteten mit Macht daraufhin, des obscuranle 
Pfaffentum und die despotische Hierarchie in beiden Konfessionen, 
im Protestantismus sowohl als Katholizismus wieder hei'zu- 
stellen.« — 

Jesuiten und diesen unbedingt ergebene Freunde leiteten 
den Rosenkreuzerorden,, standen demnach mit Rom in engster 
Verbindung und suchten sich bei regierenden Fürsten einen un- 
beschränkten EinHuss zu verschafien. Paler Frank, der Beicht- 
vater des Kurfürsten Carl Theodor, war als Exjesuit Haupt der 
Rosenkreuzer in Bayeini und stand mit Wölhier, dem späteren 
Königl. Preussischen wirkl. Geheimen Staats- und Justizminister 
in engsten Beziehungen. Letzterer behen^chte den Nachfolger 
Friedrich des Grossen, den König Friedrich Wilhelm IL schon 
als Kronprinzen vollständig und er war es. der den Hass und 
die Verfolgungssucht gegen die lUuminaten in Deutschland mög- 
lichst zu schüren suchte, während Pater Frank mehr im Hinte^ 
gründe blieb, jedoch in Bayern allein die Verantwortung für die 
masslose \'erfolgung de!' Ordensangehörigen für alle Zeiten zu 
tragen hat 

Die versteckten Machinationen dieses allerchristlichstenj 
Vertreters eines verabscheuungswürdigen Pfaffen tums werden 
durch einen authentischen Brief des Paters an Wöllner fesl-_ 
gestellt. I 

Wöllner hatte die Liste der Mitglieder in Baiern ausge- 
wittert und schickte sie an das Gross-Priorat von Süddeutsch- 1 
land. Dieses antwortete am L Sept, 1785 mit folgendem Erlass,! 
der einen Einblick in die wahre Gesinnung der R. K. gibt, ihr 
wahres Tun und Treiben offenbart: 



I 



'III 

;eal 
enJ 



»Wie es dermalen mit der llluminaten Sekte in Bayern steht 
und etwa noch w^eiter gehen möchte, erhellt aus einem Bericht 
unseres ZirkehDirektors in München, eines dortigen wichtigeaj 
Staats-Milgliedes, den wir Ihnen aus der Ursache zuerst mitteilen/ 
weil wir die Namenliste der Sektglieder, durch Sie (Ophiron) ar 
ersten erhalten und solchen Anlass genommen haben, dem ge- 
dachten Zirkeldirektor (Pater Frank) die ernstliohste Ordre zu- 
fertigen zu lassen, solcher mit der ordnungsmassigen engsten 
Verschlossenheit zu seiner eigenen Deckung, nach Ki'aften zu 
widerstehen. Gott hatte seine harten und gefahrvollen Kämpfe 
gese^jnet und wir sind ihm mit Rat, Tat, mancherlei Korrespon- 




-^ 243 — 

Imizen und eifrigen Beten möglichst beigesprungön- Sein dös 
■Zirkeldirektor- Pater Frank Bericht lautet wörtlich folgender 
maassen: 



Der jüngste Tag des Illuminaten Systems in Baiern scheint 
heranzunahen. Seit dem Tode des vom Donner erschlagenen 
Priesters Lanz zu Regensburg, der neben Weishaupt tiel, und 
als Emissarius nach Berlin reisen sollte, habe ich mit ge- 
spannten Kräften an ihrer Zerstörung gearbeitet, zur Er- 
liallung der Religion Jesu, zum Heile meines Vaterlandes, 
zum Heil der Jugend für die gute Ordenssache. Endlich nun 
ist es dahin gediehen, dass die zwei Rädelsführer zu Ingolstadt 
kassiert, zum Schrecken anderer mit Weib und Kind brotlos 
gemacht und fortgeschafft, ferner zehn andere, meist junge 
frevelnde Edelleute, von der Akademie relegiert, mithin durch 
verhinderte Absolvierung aller Dienste unfähig gemacht sind. 
Die Universität selbst hat strenge Befehle und bittere Vorwürte 
bekommen, dass dort, wo alles Serenissimum verlachte, nun 
alles zittert 

Alle Offiziers der ganzen Armee vom Feldzeugmeister bis 
zum Fahnenjunker, alle hohe, mittlere und untere Gerichtsstellen 
■und Landeskollegien haben sich feierlich gegen die illumina- 
tische Sekte reservieren und cassationeni ipso facto incurrendam 
unterzeichnen müssen. Alle Gouverneurs, Kommandanten Poli- 
zeistellen haben ebenfalls bei Kassation ohne Gnade, Ordre, 
solche Logen ohne Rücksicht der Personen zu arretieren. Die 
berüchtigten Savioli, Konstanzo und Zwackh sind ob offiziös 
suspendiert, die Denunzianten bekommen recompense. — 

I Wegen unseres sehr illuminierten cleri bin icli der Mittels- 
name zwischen Seren issimo und dem Bischof von Freisingen, 
dpr nun bald mit Interdikten, Suspensionen, Hirtenbriefen zu* 
ilfaren wird* Mit der verwitweten Herzogin in Freisingen habe 
ich alles Übel vorgebogen und kurz, da Herr von Lehrbach ab- 

■ wesend war und noch ist, Himmel und Holle bewegt, den lang- 
mütigen Kurfürsten zu dieser Resolution zu determinieren. 
Widerrufen aber tut er niemals und so wäre auf eine Zeit Ruhe 

Iund Frieden vor ihnen. 
Ew. etc. mögen leicht vermessen, wie sehr der Allmachtige 
meine Bemühungen bisher gesegnet und habe ich mir nicht vor- 
zuweilen, irgend einem individuo namentlich geschadet zu 



— 244 — 

haben, noch mich von einer Gewalttätigkeit meines Tempera- 
ments hinreissen lassen!! 

Und nun diesem Allmächtigen zum ewigen Danke, stehet 
unter so vielen Stürmen, unter so vielen Tausenden, die jetzt 
die Maurerei in ignorantia zu schmähen wieder Mut haben, 
unser heiliger Orden wieder aufrecht und auch die Ver- 
leumdung nährt sich an keinem unsrer Brdr. Wir gehen z^'ar 
still, ober mit mutiger Stirn unter den gefallenen After*Brdrn. 
herum, gehorchen des guten Beispiels wegen den Befehlen 
unsere Souveräns und halten jetzt keine Versammlungen^ sind 
aber seiner Gnade versichert. 

Etnien non est abbreviata manus Domini Dei omnipotentis^ 
Was ich gewagt habe, noch wage und wTigen werde, ermessen 
Euer, wenn Ihnen Leute und Lokale bekannt sind. Allein spes 
non constandit etc, und sollte ich auch einst oder bald als ein 
Opfer fallen, jenseits envortet mich ein Grad, der hinieden nicht 
zu erreichen ist.« 

Dieser Brief lösst nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig 
und gibt die Fäden genau an, die gesponnen wurden, um die 
Anhänger der Aufkloi'ung zu vernichten. Um nachzuweisen, dass 
diese Fäden schon sehr früh gesponnen wurden, schalten wir hier 
noch einen Bericht des herzogt, zw^eibrückischen Residenten in 
Berlin ein, des Dr Johann Carl Üehichs, den derselbe im Inter- 
esse des Herzogs Carl IL aus Berlin einsandte. In diesem Be- 
richt vom 12. Juni 1780 heisst es: 

iSeit ein paar Jahren ist hier, sowie an anderen Orten in 
und ausser Teutschland, fürnehmlich in der Schweitz eine Ge- 
sellschaft von hohen und geringen Personen zur Beförderung 
einer Lehre und wahren Gottseligkeit entstanden, dazu auch der 
verstorbene Gesandte Herr von Pfeil gehört hat, w^elcher ver- 
schiedene geistreiche Schriften herousgegeben und solche einem 
hiesigen gewesenen Kaufmann Apitsch, welcher nebst dem Ober- 
consislorialrat Silberschlag Häupter dieser Gesellscbüft sind, zu- 
geschickt, um sie an den F^rinzen von Preussen, K. H gelangen 
zu lassen, und wie man sagt Höchstderoselben auch zum Bey- 
tritt in die Gesellschaft einzuladen. Man glaubt aber nicht, dass 
sie sich darauf eingelassen, wenigstens ist es aus der Antwort 
des Herrn Apitsch nicht zu ersehen, sie lautet also: 




— 245 — 



Mein lieber Herr Apitsch. 
Ich habe sein Schreiben nebst den beygetügten erbaulichen 
Schriften richtig erhalten und danke ihm für die wohlgemeinte 
Mittheilung der letztern. Ich wünsche, dass er bey Gelegenheit 
dem Herrn von Pfeil für die Aufmerksamkeit, die er gegen micti 
eini\'eiset, danken möge. Es ist sehr rühmhch, dass es noch 
Männer giebt, die der reinen Lehre und wahren Gottsehg* 
keit nachspüren und sie ausüben — von denen man sagen kann 
sie wandeln vor dem Herrn und leben im Glauben des Sohnes 
Gottes. Ihn ermuntere Ich, dass er in dem bisher erwiesenen 
Gottseligen Eyfer fortfaliren, nnd sich dadurch der Belohnung 
versichei*n möge, die der Gemeine Smyrna zugesagt ist: Sey ge- 
lreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des ewigen Lebens 
geben. OtTenb, 2, 10, Ich bin seyn wohl affectionirter 
H Potsdam Friedrich Wilhelm 



d, 12ieo März 1784 



Prinz von Preussen. 



■ Solche gottselige Gedanken dieses Herrn werden vielleicht 
vielen unerwartet sein: Ich kann aber noch melden, dass 
S. K. H. mit Ihrem Hegt, öffentlich zum Heih Abendmahl gehen, 
auch in die Kirche kommen, und wie man mir versichert hat, 
würden zu seiner Zeit die Neuglaubigen Theologen in unserm 
Lande, welche sich jetzt als Aufklärer der Religion auszeichnen» 
kein Glück bey ihm machen, weil der gemeine Mann auch selbst 
der Soldat in seinem Glauben dadurch irre gemacht und treulos 

KVd.« — 
Da es nun bekannt ist, dass Friedrich Wilhelm II, schon 
3 Kronprinz ganz in die Hände WöUners und Bischofswerders 
geriet, die als eclite Rosenkreuzer ilim Geistei^erscheinungen vor- 
schwindelten und tiefe Kenntnisse der Naturgeheimnisse heucheh 
len, so ist es nicht verwunderlich, dass dieser auch gegen die 
lUuminaten, als die entschiedenen Gegner der Rosenkreuzer, 
durch die Genannten eingenommen wurde. Der König hat denn 
auch in späteren Jahren versucht, andere Fürsten gegen die 
Illuminaten aufzubringen; natürlich stecken Wöllner und Pater 
Frank und durch letzteren die jesuitischen Dunkelmänner hinter 
diesen Versuchen. Ein interessanter Beweis für die Art und 
Weise dieses Kampfes besitzt das Dresdener Staatsarchiv. Da- 
selbst findet sich ein Aktenband, benannt: Venvendungen, Rei|ui- 
siiiones und andere othcielle Communicationes der Königl. 




— 246 — 



Preussischen Gesandschaft de ans 1780 u. 1789. Vol. IX, 2975. 
Dieser Akt enUialt einen persönltchen Brief des Königs F'riedrich 
Wilhelm in französischer Sprache an den Kurfürsten von Sachsen. 
In der Übersetzung lautet dieser: 

Ich bin eben von sehr guter Seite benachrichtigt worden, 
dass eine Freimaurersekte, die sich lUuminnten oder Minenalen 
nennen, nachdem sie aus Bayern ausgewiesen worden, sich mit 
einer überraschenden Schnelligkeit in ganz Deutschland und den 
benachbarten Ländern verbreitet hat. Da die Grundsätze jener 
Leute durchaus sehr gefährlich sind, denn sie beabsichtigen 
nichts Geringeres als 

1. die christliche Religion und jede andere Religion über- 
haupt abzuschatten, 

2. die Untertanen ihres Eides der Treue gegen ihre Landes^ 
herren zu entbinden, 

3. ihren Anhängern unter dem Namen »Rechte der Mensch- 
heit «^ allerlei Extravaganzen gegen die in jedem Lande zur 

I Wahrung der gesellschaftlichen Ruhe und Wohlfahrt 
eingesetzte gute Ördnungzu leliren, ihre Einbildung durch 
die Vorstellung einer allgemeinen Anarchie zu erhitzen, 
damit sie sich jedwedem Gebot unter dem V^onvande und 
Titel, das Joch der Tyrannen abzuschütteln, entziehen, 

4. sich schliesslich alle Mittel, die scheussliclisten sogar» 
zu erlauben, um zu ihrem Ziele zu gelangen, indem sie 
besonders das aqua tofana empfehlen, dessen voll- 
kommendste Zubereitungsweise sie besitzen und lehren. 

glaube ich es meine Pflicht, den Hof von Sachsen unter der 
Hand davon zu benochrichtigen und ihn zu ermahnen» die 
Logen der Freimaurer genau beobachten zu lassen, umsomehr 
als diese Brut nicht verhehlen wird, heimlich in allen Länderu 
den Geist der Empörung anzustacheln, der Frankreich verw'üstel, 
denn es gibt Freimaurer Logen, wo die Illuminaten sich ein- 
geschlichen haben, um sie mit anzustecken, trotz der Aufmerk- 
samkeit der guten Logen, welche jederzeit diese Ungeheuer ver- ■ 
abscheut haben, 1 

leb würde \ielleicht gezögert haben einen solchen Rat zu 
geben, wenn ich nicht aus sehr guter Quelle (i) geschöpft hätte 
und wenn die Entdeckungen,*) welche ich gemacht habe, nicht 



*) Was für Eoldeckungen könnten es sein, die der König selbst g^ 
macht hat? Hier Hegt Wönners Eiriftuss klar zutage. 



— 247 — 



so entsetzliche wären, dass kein Hof die llluminaten mit gleich- 
gültigen Augen ansehen dürfte. 

NB, Auf der Leipziger Messe findet die Versammlung 
der Illuminatenführer aus allen Gegenden statt, um ihre ge- 
heimen Beratungen zu halten, man könnte also hier vielleicht 
einen guten Fang machen. — — — 

K Unterzeichnet ist der Brief: 

H Berlin le 3. October 1789, signe Frederic 

^^ ^" Guillaume. 



^ca 



Die Abschrift dieses Briefes wurde mit einem Begleit- 
schreiben des preussischen Gesandten Grafen von Gesler am 
11. Oktob. 1789 überreicht. Am 15. Oktober ergeht ein Communi- 
Lcat zum Geheimen Consilio, mit Vermeidung altes Aufsehens 
genaue Erkundigungen einzuziehen, über den Erfolg aber Vor- 
trag mit Gutachten zu erstatten. Denselben Tag erhielt der Ge- 
sandte die übli<*lie diplomatische Danksagung mit der Versiche- 
rung, dass dei" Kurfürst diesem Gegenstand seine Aufmerksam- 
keit widmet. Augenscheinlich hat letzterer die Angelegenheit 
nicht sehr ernsthaft genommen, denn die Sache verlief gänzlich 
im Sande, endigte also mit einem Misselfolge der Rnsenkreuzer, 
nachdem nachfolgendes Gutachten aus Leipzig einging, das einen 
^fcgewissen Spott deuthch durchleuchten lässt. 

^^ Ew 



h 

I 

■h 



An Ihi'o Excellenz 
den Herrn Conferenz Minister und wirklichen 
Geheimen Hath von Wurmb. 
Hochwohlgebo rener Herr, 
Gnädiger Herr Conferenz Minister. 
Ew. Excellenz haben mir, dass icli, ob von der Geheimen 
Gesellschaft der sogenannten llluminaten in der verflossenen 
Michaelis-Messe einige der vornehmsten Häupter hier gegen- 
artig gewesen und w^öhrend der Messe Versammlungen gehalten 
werden, sowohl überhaupt, als auch untei^ der Hand bey den 
hiesigen Freymaurer Logen zuverlässige Erkundigung einziehen 
oll, unterm 22. vorigen Monats anbefohlen. 

Nun habe ich mir zwar nl!e mögliche Mühe gegeben, elw^as 
hierunter ausfindig zu mnchen, habe auch bei den hiesigen Frey- 
maurer Logen unter der Hand antragen lassen, ob deig:leichen 
Personen in der letzten Messe bey ihren Logen sich einzu- 
schleichen etwa Versuche gemacht; Allein alle meine bisher an- 




- — 248 _ 

gestellte Nachforschungen sind vergeblich gewesen, und die an* 
gesehendsten Mitglieder der Logen versichern heilig, dass ihnen 
davon, doss solche erleuchtete Manner in voriger Messe sich 
hier sehen lassen oder Versammlungen gelioUen hätten, etwas 
nicht bekannt sey. 

Ob ich nun wohl unter diesen Umstanden und da vielleiclit 
Illuminaten unter angenommenen fremden Namen hier gewesen 
seyn und in versclilossenen Wohnzimmern geheime Zusammen- 
künrie gehalten haben können, ohne dass solches weiter bekannt 
geworden, ich dermahlen weitere Untersuchungen anzustellen 
anstehen muss; so werde ich doch von nun an auf diesen 
Gegenstand meine Aufmerksamkeit zurichten und sobald ich 
davon etwas in Erfahrung bringen sollte, solches Ew% Excellenz 
der mir gegebenen gnädigen Erhiubniss gemäss ehrerbietigst an* 
zuzeigen unvergessen seyn. Mit grösster \'erehrung habe ich 
die Ehre zu seyn 

Ew. Excellenz unterthanig 
Leipzig, geliorsemster Diener 

d. 4. November 1789. Adolph t^'hristian Wendler I>, 

Die sächsische Regierung hat jedoch keine X'eranlassung 
gehabt, sich mit den Illuminaten weiterhin zu befassen, es finden 
sich daher auch keine aktenmassigen Berichte über den Orden 
oder Mitglieder desselben. Ungünstiges ist niemals in Erfahrung 
gebracht worden, infolgedessen fand auch der Orden mehr als 
100 Jahre später bei den sächsischen Behörden ein Entgegen- 
kommen, das an dieser Stelle hervorgehoben werden muss. 

Wie Hosenkreuzer und Illuminaten zu einander standen, 
geht auch aus einem kurzen Briefwechsel her%^or, den Weis- 
haupt in seinem jetzt sehr selten gewordenen Werke: »Voll- 
ständige Geschichte der Verfolgung der Illuminaten in Bayernt 
veröffentlichte. Der uns bereits bekannte Baader, Meister vom 
Stuhl der Loge Tlieodor zum guten Ratli, war Rosenkreuzer ge- 
worden. Dieser Orden suchte gute Chemiker zu werben, um 
durch diese das Goldmacherrezept zu finden. Baader war als 
solcher bekannt und beffuemte sich nach langer Zudringlichkeil 
zu diesem bedenklichen Schritt, Er ward aufgenommen und 
erhielt alsbald vom Direktorium die Nachricht, dass der w^ürdige 
Bruder Athamas (Baader) sich nicht entsehen solle, in einer 
feyei'lichst misskannten Loge der sogenannten Illuminaten von 
der Royale York de Tamiti^ constiuirt, das Direktorium zu führen» 




— 249 ^ 

JQ sogar von ihm Äthamas abgeschickten Grafen Consta nzo in 
der WeUerau und anderwärts Proselyten zu machen, und gut- 
willige leichtgläubige Mitverwondte unserer geheiligten Ver- 
brüderung zum Beytritt in besagte Aftergesellschaft zu bereden. 
folglich zu verführen suche. Er stände daher so lange unter 
dei" Suspension, so lang er nicht ohne weitere Umstände den 
fatalen Hommer dieser fälschlich also genannten erleuchteten 
oder vielmehr verblendeten Afterer niederlege, allen Briefwechsel 
über dergleichen Gegenstände mit dem Emissario Constanzo 
auf immer abschneide und sich lediglich an die von uns als ficht 
erkannte 3 Englische Grade der Freymaurerei halte und im 
übrigen sich als einen wahren und reumüthigen Rosenkreuzer 
betrage. 

Diese Zumutung war dem guten Baader doch zu stark; 
er Hess infolgedessen eine gründliche F^pistel los, die an Deut* 
Hchkeit nichts zu wünschen übrig lässt und einen Einblick in 
das Rosenkreuzertreiben damaliger Zeit zulässt. Diese lautet: 

Antw^ort an dos Oberdirectorium der Rosenkreuzer. 

Sollte ichs Erstaunen oder Verwunderung nennen, was 
sich meiner Seele bemächtigt hat, da nur der C. Director N. den 
Auftrag des Oberdirectorii bekannt gemacht, und im Beysein 
des Bruders N. und N. vorgelesen hat. 

Wie sehr musste mich die Verachtung einer Sache be- 
fremden, die Sie gor nicht kennen, von der Sie nichts als den 
Namen durch die Niederträchtigkeit eines gezeichneten Ver- 
rathers wissen. 

Wie auffallend müssen einem constituirten Maurer die 
Ausdrücke Aftergesellschaft, verblendete Afterer seyn? 

Was muss ein Mann der auf Ehre hält, fühlen, wenn man 
ihm sagt: Er suche Leichtgläubige zu bereden und zu 
verführen. 

Wie lächerlich dreist muss einem der gebieterische Auf- 
trag klingen: Er solle den fatalen Hammer niederlegen. 

Wer in der Welt kann mir die Correspondenz mit einem 
innigst verbundenen Freunde, den nicht nur ich, sondern jeder- 
mann als den rechtschaffendsten, ehrlichen Mann kennt, ver- 
bieten, in Sachen verbieten, die man nicht einsieht, in Sachen, 
die nicht mein Geschäft, sondern das Geschäft mehrerer und 
meiner Obern sind. 




— 250 — 



I 



Welche ausgeschämte Grobheiten, einen Cavalier und 
Maurer, der in Geschäften von Freunden und mehreren Logen 
reiset, mit dem ei-niedrigenden Namen Emissarius zu entehren, 

Es wäre ja doch entsetzHch, wenn Mangel an eigener 
innerer Ehre und Rechtschöffenheit, sie an Ehre und Rechte 
schaffenheit anderer zweifeln machte, da Sie von Verführern und 
Emissarien reden. Und endlich Himmel, welch eine elende 
Schreibart ganz eines angehenden Musterschreibers, oder ei 
Stadtprocurators aus dem vorigen Jahrhundert würdigt 

Dieses beyläufig waren meine Empfindungen, die ich mit 
der grössten Aufrichtigkeit niederschreiben und damit den Brief 
beschliessen w^^llte; aber einige Umstände nöthigen mich noch 
mehr zu sagen* 

Da Sie die sogenannte Logen der Uluminaten hochlichst 
misskennen, muss ich Ilmen hierüber einige Nachricht geben. 

Zum voraus aber bezeuge ich, dass nicht ich das Direc- 
tnriuni in derselben führe, sondern dass ich andere als Obere 
erkenne, so, wie der M. von St, immer wieder von andern diri- 
girenden Br.-Rr, Befehle emjjfangt und ausführt 

llluminati heissen erleuchtete, sie können also das seyn, 
was bei der stricten Observanz graduirte Maurer sind. Da sie 
mehrere Einsicht haben, so kann ihnen die Bildung, die Zu- 
bereitung jüngerer Br.-Br. anvertraut werden. Die Uluminaten 
sind also — — — docli, das müssen ja die Herren Rosen- 
kreulzer per raagiam divinam selbst weissen, oder heraus cabolli- 
stisiren können, was sie sind. — Davon bin ich überzeugt, dass 
sie nicht verblendete Afterer (wie Hochdieselben wohlweiss in 
einem plausiblen Stuhlsclireibertone zu spassen belieben) sondern 
wirklich erleuchtet sind; denn von ihnen und durch sie wusste 
ich im voraus, dass ich bey Ihnen» meine Herren Rosenkreuzer, 
nichts von allem dem, was sie vorgeben und versprechen, an- 
Ireften würde. Ich trat auch bloss nur um Rulie und Einigkeit 
in unsrer- Loge zu erhalten (obwohl ich nicht nöthig hätte, 
dergleichen unnütze Ausgaben zu machen) bloss des Friedens 
wegen in diese Gesellschaft der Rosenkreuzer; aber wie starrte 
ich vor Erstaunung, als ich sah, dass Leute von denen icIj 
glaubte, dass sie auf Eidschwüre hiellen, Winkel-Logen halten, 1 
Maurer Grade ertheilen, selbst Maurer aus andern Logen zu 
höhern Gi'oden befördern. So etwas vertragt sich mit meinem 
Amte in der Loge, mit der Stelle eines Repräsentanlen von der 
erhabenen Mutlerloge, und mit meinen Pflichten nicht. 




— 251 — 

Ich ergreife also aus obigen mehrern Gründen diese Ge- 
jnheit begierig, um mit Vergnügen wieder auszutreten, mit 
der theuersten Versicherung eines ewigen Stiltschw^eigens. — 
Besonders in Betreff der Geheimnisse, von deren Verrath ein 
hohes Oberdirectorium noch lange gesichert bleiben wird, denn 
unter uns gesagt, Hochdieseiben haben — — — keine. 

Übrigens verbitte ich mir alle ihre Canzleystil duftende be- 
leidigende Ausdrücke, und versichere sie, driss weder unsere er- 
habene Mutterloge, noch unsere Loge hier, noch weniger ich, der 
ich ein blosses Mitglied und zeitlicher Mr vom Stuhl dieser Loge 

tn, Emissarius brauche um Leichtgläubige zu bereden oder 
i verführen, am wenigsten von ihrer sogenannten geheiligten 
(sollte gewiss heissen nicht heiglichen) Verbrüderung, denn Leute, 
denen Sie einmal das Gehirn verbrannt, und den Verstand ver* 
rückt haben, die sind zu andern Gesellschaften, wo Wahrheits- 
liebe und Wissensbegierde herrscht, meistens schlechterdings 
untauglich. 

K Nachschrift. 

Ich bitte ein hoclnvürdiges Oberdirectorium, wenn sie die 
Verblendete seyn sollten, diesen meinen Aufsatz bis an die Ver- 
ölender laufen zu lassen. Baader. 



' Dass nach diesem obralligen Urteile die lUuminaten-Frei- 
maurer durch die Häupter Pater Frank und Wöllner erst recht 
mit grimmigen Hass beehrt wurden, ist sehr einleuchtend und 
gibt auch dem Urteile des Preussischen Gesandten Schwortzenau 
eine besondere Stütze, das den Hinweis auf personliclie Bache 
enthält. 

Jedenfalls waren die Münchener Illuminaten, die dem 
Begimente Baaders unterstanden, am meisten gefährdet, nament- 
lich je näher sie Weishaupt standen. Einer dieser Vertrauten 
war, wie bereits bewiesen, Zw^ackh, auf diesen richtete sich nun 
besondei^ der Zorn der versteckten Feinde in der gehässigsten 
Weise. 




Die Massregelniig Zwaekhs« 

Unter dem schon öfter erwähnten schriftlichen Nachlass 
mckhs, der sicti jetzt im Besitze des Autors befindet, ist ein 
Schriftstück bemerkensw^ert, tPro Memoria« bezeichnet, das 




dft 



— 252 — 



nähere Angaben über den Werdegang Zwackhs enthält* Mao 
liest in diesem folgendes: 

a>Noch unter der Regierung des seeligen Kurfürsten Maxi 
milian Joseph wurde Endesunterzeichneter auf die von der Hohen 

schule zu Ingolstadt pro grada und von dem Kurfürstlichen 
Hofrath, wo er seine Probrelation ablegte^ hergebrachte gute 
Zeugnisse vorzüglich in Rücksicht der von seinem Vater und 
Grosseltern dem Hauss Bayern treu geleisteste Dienste, als bei 
geordneten Sekretoire bey dem Departement der auswärtigen 
Geschäfte angestellt. Der Todt des erwähnten Fürsten benahm 
ihm in diesem Fache die besseren versprochenen Aussichten 
und er suchte dalier eine Hofraths Stelle nocli, welche ihm auch 
Seine jetzt regierende Kurfüi'stliche Durchlaucht mit einem Ge* 
halt von 600 fl. ertheilten. 

Durch eine von ihm in Druck erschienene Deduction, die 
Widerlegung der vom Erzstift Salzburg an Bayern aufgestellten 
beträchtlichen Forderungen betreffend, erwarb er sich auch noch 
die Kommerzien-Raths- Stelle mit 200 fl. Besoldungszulage, und 
bald darauf auch das beträchtliche Amt eines Fiskalen nebst Sitz 
und Stimme in der Hofkammer, bey welchem collegia er nach 
und nach zu den wichtigsten Deputationen gezogen würde und 
davon noch besonders 800 fl. nebst der Rrtragniss von den damit 
verbundenen grossen Kommissionen bezog, welche sich auch 
damit vergrösserten, dass er als alleiniger Gräntz Commissaire 
ernannt w^orden. 

Im Jahre 1784 erschien das erste Mandat, welches alle 
gelieime Maurische Verbindungen verboth, und obgleich Endes* 
gesetzter sich diesem allerdings gehorsamst fügte, so musste er I 
docli im Jahre 1785 auf Kuifürstlichen Kabinets Befehl aus 
München mil Verlust seiner ansehnlich und einträglichen Ämter 
nach Landshut als Regierungs Rath wandern. 

Anfangs batb er, ihm die Ursachen dieser Permutation zu 
eröffnen, ihn doch wenigst zu vernehmen oder förmlich zu unter* 
suchen, allein da dieses vergebens war, so bezog er den ihm 
angewiessenen Platz mit dem schriftlichen Vorbehalt, dass es 
seiner Ehre onnachlheilig, und er als ungehört nicht aus Strafe, 
sondern bloss wegen der höchsten Willkühr als Unterthan ge- 
horchte. € 

Dieser plötzliche Befehl, nach Landshut zu w^andern, war 
der erste Streich, den die Feinde Zwackhs durchsetzten, noch 1 



I 



I 



— 253 — 



dazu unter recht kompromittierenden Umständen, Zwackh war 
amtlich nach Burghausen geschickt worden zur Berichtigung der 
Grenzen und um dem Holzmangel in dortiger Gegend abzuhelfen. 
Er hatte nach seinen eigenhändigen Aufzeichnungen den ge- 
heimen Slaotskanzler um private Instruktion gebeten» ob es bei 
den gegenwartigen kritischen Umständen nicht allenfalls be- 
denklich sei, dass er mit dem Hofkommerrat und Ingenieur 
Leutnant von Michel > einem ehemaligen Illuminaten, nach 
Burghausen abgehe, wo deren noch mehrere sind. Ais Antwort 
erhielt er die Aufmunterung, durch die Freimaurergeschichte 
müsse der höchste Herrendienst nicht leiden, diese hätte mit der 
Kommission keinen Zusammenhang und er solle also darüber 
ohne Soi^e sein. In Burghausen angekommen, erhielt er den 
Befehl, umzukehren. Er eilte nach München zum Staatskanzler, 
um den Grund zu erfahren und um förmliche Untersuchung zu 
bitten, konnte jedoch nichts erfahren, und musste sich fügen, 
wie das Pro Memoria angibt. Diesem Willkürakt sollten nun 
alsbald weitere folgen, denn die Partei Pater Franks sorgte dafür, 
den Kurfürsten immer mehr gegen die Illuminaten aufzuhetzen. 
In Landshut verhielt sich Zw^ackh sehr ruhig, er war jedoch bei 
seiner Ankunft schon so verschrien, dass er keine Wohnung 
fand und bei seinem Vetter, den FVeiherrn von Ickstatt, zu 
bleiben gezw^ungen war. Dieser verschafifLe ihm endlicli im 
dritten Stockwerk ein Logis. Seine Familie folgte nach einigen 
Monaten. Bald darauf wurde Zwackh gefährlich krank. Ais ihn 
einige Freunde, frühere Illuminaten, während seiner Krankheit 
besuchten, wurde nach München berichtet, dass heimlich bei 
ihm Logen abgehallen würden, Zwackh erfuhr diese Verleum- 
dung, eilte noch krank nach München zu seinem Vater, eines- 
teils um dem Geschwätz ein Ende zu bereiten, andernteils um 
seinem alten Arzte näher zu sein; seine Frau und Kinder folgten 
bald^ die Sorge für seine Wohnung dem im ersten Stock wohnen* 
^en Registrator Müller überlassend. 

" Diese Angaben enthalt der Nachlass Zwackhs, er sagt dann 
wörtlich: 

iP »Zwei Monate gingen vorüber bis die Gesundheit des Zwackh 
hergestellt und dann begab er sich auf die Güter des Baron 
Bassus, wohin ein KurfürstL Hofkammerer und oberstliche Hof- 
commission zur Extradition vei'schiedener Lehen abgeordert 
wurde. Nach diesem Geschäft reiste er auf die Güter des Gr. 




ifa 



— 254 — 



von Preising, und dort erhielt er schon die Nachricht, dass man 
ihn neuerdings wegen Übertretung der landesherrlichen Mandate 
in lUumin, Sachen in Verdacht habe, und eine Haussuchung 
vornehmen wollte. Er erzählte diese Nüchricht sogleich mit dem! 
Beisatz, dass es ihn zwar sehr kränke» gar keine Ruhe zu haben, 
allein es werde sich eben bei dieser neuen Untersuchung zeigen, 
wie ungegründet man ihn beschuldige, dahero gab er auch garj 
keinen Auftrag von seinen Schriften etwas aufzuräumen.« 

Diese Sorglosigkeit sollte sich rächen, denn Zwackh wussle 
selbst nicht mehr, was sich unter seinen vielen Schriften befand, 
die nun bei der am 11. und 12. üklober 1786 stattgefundenen 
Haussuchung gefunden wurden. 

Es existiert im bayrischen Geheimen Hausarcliiv das Pro- 
tokoll, welches den Verlauf dieser ungeheuer viel Lärm ver- 
ursachenden Haussuchung genau angibt. Dasselbe liiutet in» 
ganzen Umfang: 

Act. Landshut den ISten October 1786. 

Präsentes. 

J, B. von Zabeh Stadtcommandant. 

Damian Hugo. 

von und zu Lehrbach. 

Prielmaier, Kanzlei', 

Josef Kratzl, in BetretT des Syndikus Wieland. 

Baunigartner, Leib Reg. Auditor. 

Nachdem S'* Ch. D. unterm 7ien diess Special iter gnädigst 
befohlen haben, bei dem Syndikus Wieland und Regierungsratli 
Zwackh allhier eine schleunige und unversehene Visitation vor- 
nehmen und die in puncto lUuminütismo daselbst vorfindigen 
verdächtigen Papiere zu banden bringen zu lassen, und die 
gnädigste Hofkriegsräthe t*rder unter dem 9ien diess. an die 
Kommandantschaft Landshut ausgefertigt wTu-den ist. 

Also hat sich in diesem Geschäfte als \ ertreter ernannter 
Auditor Baumgortner des churf. Leib Regimentes in der aus- 
gefertigten Ördei" ölsogleich auf den Weg gemacht, und isl, 
den 10. diess Nachmittag in Landshut eingetroffen und hat an 
befohlenermassen erwähnte Order dem Herrn Stadt- Gomman» 
danten Baron von Zabel überreicht, welcher dies Geschäft sogleich 
dem Herrn Regierungskanzlei* Baron von Prielmayer eröffnet, 
welcher allsogleich fortgegangen um sich umzusehen, ob der eis 





255 



!Iommissarius ernannte Baron v. Lehrbach, dann Hr. Wieland 

*d Herr von Zweekh in loco seyen. 
Damit diess erfahren, benahm man sich in diesen Sachen 
miteinander, wo sich denn fand, dass Herr Baron von Lehrboeh 
hier, H. Wieland und Herr von Zwackh aber nicht hier seyen. 
Nichtsdestoweniger beschloss man die anbefolilene Visitation 
vorzunehmen, weil Herr v. Zwackh mit Geheimralhserlaubniss 
sich in München befindet, und zur guten Vollendung des Ge- 
schäftes die gnädigste Weisung dahin gehen wird auch in Ab- 
wesenheit obiger Subjecte zu visiliren. 

Weil nun doch in der früh Stadtrath war, so entschloss 
man sich das Geschäft Nachmittage in aller Stille vorzunehmen. 
Herr Regierungs- Kanzler von Frielmaier erinnerten, dass vor 
dem Landthore sich eine sichere Kletzl-Mühl befinde, die den 
Schwiegereltern des Wieland's angehört, dass Herr Wieland mit 
Herrn von Wiedemann daselbst öfter Zusammenkünfte gehabt, 
und dass daselbst allenfalls etwas verboiigen sein könnte. Man 
erbalh sich nun von der Stadt eine Deputation, welche in der 
Person des Herrn Bui'germeister Krätzl's erschien. Nun verfügte 
man sich theilweise nach der Mühl, visitirte die daselbst aus- 
gemahlenen Zimmer, fand aber nichts vor, dann begab man sich 
in das Quartier des Herrn Syndikus, visitirte dort den Schreib- 
tisch, die Kommode, Schränke und anderes auf das fleissigste, 
fand aber nichts anderes vor, als was im anliegenden Verzeich- 
nisse angemerkt ist. Nun trat der Herr Bür'germeister ab und 
man verfügte sich ganz unbemerkt in das Quartiei' des Herrn 
Regierungsraths Zwackh, wo man niemand antraf, abei" erführe, 
dass der Landschaftskanzlist Müller die Schlüssel habe. Von dem 
holte man sie ab, durchging alle Zimmer, weil nun Schreibereien 
zu viel waren, und die Nacht schon eingetreten war, und man 
also nicht mehr fortfahren konnte, schloss man alles wieder zu 
und nahm die Schlüssel zu sich, legte aber einen vertrauten 
Dragoner die Nacht über in dies Haus. Theils damit bei Nacht 
niclit etwa Anhanger des Herrn von Zwackh mit einem Schlosser 
in das Haus komme, die Schlös.ser Öffnen und das Verdächtige 
herausnehmen. Den 12iet^ diess verfügte sich die ganze Com- 
mission, wir 3 in das Quartier des Herrn von Zwackh, ößneten 
mit den vorhandenen Schlüsseln und wo es nicht möglich war, 
durcli den vorher geliolten Hot^Schlosser alle Kästen, Verschlage 
und Kommoden und fand die in anliegendem Verzeichniss be- 
merkten verdächtigen Papiere, welche aber ganz verstreut unter 




— 256 — 

verschiedenen Geschäfts Papieren des Herrn von Zwackh, dann 
in spezie das Packet an Herrn von Frank und das Schurzfell 
nebst Kreuz unter der Frauenzimmer Wäsche und Kleider sich 
befanden. Als man vollendet hatte, schloss man alles wieder 
zu, extradirte die Schlüssel an den Kanzellisten Müller und 
brachte die Papiere in das Quartier des Herrn Stadtcoramün' 
danten. 

Den ISten wurden die Papiere sortirt in Packeter getheill 
darüber ein Verzeiehniss verfasst, in ein hölzernes Trüherl ge- 
packt und absignirL 

(Folgen die schon zuerst angegebenen Namen als Unter- 
schriften,) 

Es ist nun zur Klai'ung der oft aufgeworfenen Frage, 
die unter dem Titel: »Einige Onginalschriften des lUuminat 
Ordens, welche bey dem gewesenen Regie rungsrath Zwackh 
durch vollgenommene Hausvisitation zu LandshuL den IL u* 
12. Öctober etr. 178ß voi-gefunden worden« s. Z. verötfentlichten 
Schriften, derartig zusammengestelU worden, dass sie ein mög- 
lichst hassliches Bild des Ordens geben, notwendig, gerade diese 
Vorgänge genau zu beleuclüen, — Bisher haben manche Forscher 
angenommen, darunter aucli Graf Du Mouliii Eckart*), dass die 
ganze Haussuchung ein Akt privater Natur gewesen wäre, dem 
man erst später amtlichen Charakter gegeben habe, das ist nicht 
der Fall nach dem bekannt gegebenen Protokoll, sondern alles 
ging direkt \om Kurfürsten aus, unter Umgehung der Behörden; 
den direkten Beweis werden wir durch eine Urkunde später 
liefern. Weil dies aber der Fall war, so wurde auch nur dar- 
nach getrachtet, alles dem Kurfürsten so mundgerecht wie mög- 
lich zu machen, damit er die von Jesuiten präparierte Speise 
nach ihren Wünschen vertilge. Der Kurfürst selbst kümmerte 
sich direkt nie um Untersuchung dieser Dinge, er überliess die 
Ordnung seinen Plofräten, widerrief, wie P. Frank freudig betont, 
nie einen ausgesprochenen Befehl, folglich war das Handeln 
nach eigenem Belieben der Ratgeber sehr leicht. — Letztere 
Behauptung tindet durch die im bayrischen Haus-Archiv befind* 
liehe Kopie eines Befehles des Kurfürsten volle Bestätigung. 



•) Siehe: Aus den Papieren eines Illuminaten in Forscliungen zur Kul 
tur* und Lilleraturgeschichte Bayerns, herausgegeben von K. v, Reinhard- 
«töttner, drittes Buch, Seite 197. 




n den merkwürdigen Stücken einen Auszug zu machen. So 
ben Sr, Churf- D. nunmehr auch dero beyden Hof- Käthen 
^erlandesregierungsräthen von Eckartshausen und von Schneider 
B Commission übertragen, dass sie sich vermeldeten Auszug 
n den Verfassern sammt den Urschriften selbst Stück für 
ück vorlegen zu lassen, solche fleissig mit einander zu Colla- 

Oeichlelit« de« IHntnliiAteaordtM. 17 




— 258 — 



tioniren, durch den als Actuorius hierzu enmnnten geheimen 
Kaiizehsten Ball ein Protokoll darüber zu halten und selbes mil 
,dem Commissions Bericht und merkwürdigeren Stücken, welche 
etwas zu bedeuten liaben, md intinium einzuschicken, all übrigem 



über einsweilen ad Archivum in 
München, den 2. Jänner 1787. 

Carl Theodor 
An die beiden geheimen 
Archivare \\ Eckartshausen 
und von Schneider 
die Zw^ackhschen Papiere 
betreffend. 



Verwahr zu nehmen halten. 

W. Kreitmaver 

Act Mandatum 

Serenissimo 

Manum Eleetoris proprium 

H. Schneider. 



Der hier genanjite Ivckarlshausen ist als Mystiker, Theo- 
soph und üeculist noch heute sehr bekannt, um so verwunder- 
licher ist die Art seiner Anstellung, die da beweist, dass in jener 
Zeit auch geistig hochstehende Männer moralische Defekte auf- 
wiesen, denn seine Unkenntnis der näheren Umstände dieser 
Aratserwerbung ist nicht anzunehmen. 

Die Anstellung des v. Eckartshausen, natürlicher Sohn de^ 
Grafen V. Heimlieusen, als Archivar gibt ausserdem eine [likante] 
historische lllusti'ation zu der bekainiten Novelle von Zsctiokke, I 
>Wer regiert denn?^ — Der französische Gesandtschaftsberichl 
Chalgrins vom 2. März 1784 gibt über die Anstellung genauen 
Einblick, aus diesem ist folgendes zu eiitnelimen. Dem Prinzen 
Maximilian von Zweybrücken (spaterer erster König Bayerns)' 
wurde empfohlen durch Eckartshausen das Archiv, das sich in 
grösster Unordnung befände, oidnen zu lassen und ihm des- ■ 
wegen seine Fürspraelie zur Anstellung zu gewähren, die vom 1 
Kurfürsten abhing. Er tat das gerne, da er mit Frau \\ Eckarts- 
Imusen, wie Clialgrin zart sagt, sich liiert luitte. (avait vK* Ik 
avec lo femme de ce dernier.) MaximiHan gibt seinem Bruder. 
dem Herzog Karl sein Fürwort, dieser sagt den Wunsch dem 
Baron von Castell, um ihn dem Kurfürsten vorzutragen, von 
Castell rückt Sr. Durchhiucht mit dem Anstellungssgesuch näher 
Durchlaucht will nicht. Ptuu v. Eckarlshausen erUingt ver- 
schiedene Audienzen beim Kurfürsten und — ihr Gemahl wirdl 
mit 700 fl> Gehalt angestellt. Chalgrin sagt von Frau v. Eckarls- 
hausen wörtlich: Cette femme, assezjolic^ inspiröe dans cette cir^ 
constance par une m^re intrigante et d'une conscience 
peu timoröe, a vaincu la rßsistance de S. A. Ele par des 



I 



sutiout I 

1 



— 259 — 

fices dont l'affectatidn qu'elle met actueUement ä vouloir rem- 
placer Md© la Comtesse de Paumgarten. — — — Der Leser 
entschuldige diese kleine, zur Charakterisierung jener Zeit nicht 
unnötige Abschweifung. 

Aus dem vorher genannten Befehl ist zu erkennen, dass 
dem Kurfürsten nur ein Auszug vorgelegt wurde, der als »Einige 
Originalschriften« gedruckt worden ist und dass die Behauptung 
Zwackhs, es seien Schriften mit untermengt worden (z. B. die Er- 
richtung eines Weiberordens, die famosen Aqua Tofana Rezepte 
und andere, sodann die Zubereitung einer explosiven Höllen- 
maschine), die gar nichts mit dem Orden zu tun haben, völlige Be- 
rechtigung besitzt. 

Vergleicht man nun das vorhandene Verzeichnis der in 
seiner Wohnung aufgefundenen Papiere mit der Spezifikation und 
Auszügen aus diesen Schriften, die ebenfalls im Archiv liegen 
und gedruckt wurden, so ergibt sich, dass ganz unzweifelhaft viel 
unterdrückt wurde, was anscheinend im Archiv nicht mehr auffind- 
barist. Das damals verfasste Verzeichnis lautet folgendermassen» 

Verzeichniss derjenigen in lUuminatismo verdächtigen 
Papiere, welche durch die bei dem Syndicus Wieland und Herrn 
Regierungsrath Zwack in Landshut den 11. und 12ten October 
1786 vorgenommenen' Visitation vorgefunden wurde. 

Bei Syndicus Wieland. 

1. Notata ex Bacone de Verulama. 

2. Adresse an Herrn Baron v. Wiedemann, Pfleger in Erding. 

3. Geschichte aus der persischen Chronik. 

4. Ein Anliegen von dem Hof-Pfistermstr. Schiessl. 

5. Etwas über ächte Freymaurerey, 

6. Die 3 Säulen der unbekannten Lande. 

7. Erste Warnung an Freymaurer. 

8. Über Jesuiten, Frevmaurer und Rosenkreutzer. 



Bei Regierungsrath V. Zwack.. 
Lit. A. Zwei Jahrgänge von dem Freymaurer Journal, bestehend 

aus 8 Bänden, nebst dem dazu gehörigen Schreiben des 

Herrn Blumauer aus Wien. 
Lit. B. Zwei Hefte des grauen Ungeheuers die Illuminaten be-- 

betreffend. 
Lit. C. Ein Packet von vei'schiedenen wichtigen franz. und ital. 

Briefen, worunter verschiedene Originalien mit dem 

17* 



— 260 — 



höchsten Hondzeichen — am Ende auch einige Brief* 
formulärs. 

Lit. D. L Abhandlungen, die Herr Zwack füi' den Orden ge- 
schneben. 
2. Wer eine Lampe nöthig hat, der giesst auch ül darauf, 
8. Gedanken über die Frage, ob einer unserer Brüder 
jemals wahrhaft unglückhch sein könne? Hinten aiv 
gehängt die Art der Kunstgriffe, wodurch die Gesell- 
schaft muss soutenirt werden. 
Lit E. Ein zugeschnürtes und versiegeltes Paquet Überschrieben 
an den Churfurstl wirklichen geheimen Rath vou 
Frank, Wo hl geh, elc- 
Lit F. Ein Paquet betitelt Caballa Major. 
Lit, G. Rio Paquet wichtiger lUuminaten Schriften, enthaltend: 



1. 



oder die 7 wie und wai'uiii'^ 



Lit. H. 



Besser als Horus, 

Amsterdam 1784. 

2. Noten über die für den Bruder Xenocrates gesammel- 
ten Gelder. 

3. Zwo Ilhiminaten Tabellen, 

4. Nolamina aus gelelirten Zeitungen. 

5. Zeichnung eines lUuminatenleuchters. 

6. Eine Wappensammlung des Phili[>p Zwackius 

7. Aufnahme Protokoll des Juristen Stägers. 

8. „ „ „ ,, Bauhofs. 

9. Verzeichnis von Zwackischen Reisen. 
10. Sendschreiben an die Versammlung in Athen 115 
IL Ein Sendschreiben von Spartacus. 

12. Sechs wichtige einschlägige Zeddel. 

13. Etwas in Betreff" des Zoroasters, 

14. Ewas über Verbrecher und Strafen. 
Ein fascieul verschiedener Briefe, worunter 
1 Arian an Calo, 

1 Spartacus an Tiberius. 

2 Mohamet an Calo. 
1 Philo an Cato. 

1 Scipio an Cato. 

3 Attila an Gate. 
8 Agrippa an Gato, 

4 Tiberius an Goto. 
1 von Canstanzo an Zwack. 
1 von Berger an Zwack. 





— 261 — 



2 Zwack an seine Frau, worin die Rede von Consta nzo. 

1 Knorr an Zwack. 

1 Kessler an Zwack, 

1 Meckenhofen an Zweck. (Meggenhofen.) 

1 Kobenz] in Eichsffidt an Zwack. 

2 Spaner Grf. an Zwack. 
1 Schreiben von Stuttgart an die Müncliener Loge. 

5 Schreiben von Ungenannten. 

1 Adresse w^>rauf Freyniourer Büchei- angezeigt sind. 
1 Paquet an Zwack worin ein Geschäft zwischen Bayern 

und Württennberg. (Einer ist von Wildenwort,) 

3 von Branneriburg an Zw^ackh. 
1 Billet w^orin die Wiederzuriickbringung des Odeus die 

Rede ist. 

6 Beschw^erdezettel von einem Sabinus^CIeomenes, Curtius, 
Pylades et Orestes. 

12 Pieren von einem Philippus. 

7 Quibus licet von Xenoplianes, Mascentius, Democedes, 
Dionysius, Halicarnassus, Philetes Achias und Pytha- 
goras. 

J. Briefe des Spartacus und Cato und Modus mit 68 Pieren. 

K. Corrcspondenz des Ajax (Massenhausen) und Spartacus 
mit 27 Pie<,-en. 

L, Ein Packet von Briefen zwischen Hannihal und Cato 
mit 14 Piecen. 
.iL M. Ein Packet betreffend die keimende Eichstadter Loge 
mit 35 Pieren. 

N. Ein Packel betreffend die Loge, enthält 9 Piecen. 

O. Ein Paquet betreffend Burghauser Orden 10 Pieeen, 

R Di*ei noch unentsiegelte Briefe von Späth, Beck und Lob- 
meyer. 
Jt. Q. Illuminatenorden Insignien bestehend in 

8 simplen messingenen Sternen 

6 grossen „ „ 

1 grossen derlei Stern am grünen Bande 

1 andern Stern an einem blauen Bande 

1 anderes Ordenskreuz, auf der einen Seite mit hebräi- 
schen Buchstaben, am Bande ein Andreas Kreuz mit 
braunen Schnüren. 

1 Maurer Schurzfell* 
Etliche gelbe Maschen. 



— 262 — 

folgen Unterschriften, 

Comniandant von Zobel, Damian Hugo von und zu Lehr- 
bach, Prielmaier, Kratzl, Bürgermeister zu Landshut, 
Baumgartner, Leib. Reg. Auditeur. 



Weiterhin folgt noch ein Verzeichnis der etwas später 
sortierten Schriften, datiert Landshut, den 18. Oktober, die samt* 
lieh gedruckt wurden, deren Aufzählung daher unnötig ist. Ver- , 
gleicht man die Druckschrift mit diesem amtlichen Verzeichnis, ■ 
so sieht man sofort, dass die mit Lit. A,— J. bezeichneten Schriften 
fast sämtlich fehlen. Die Commission Utzschneider, Grünbei^er, _ 
Cossandi, Renner und dann v. Eckartshausen und von Schneider» f 
lioben ihres Amtes jedenfalls ganz im Sinne Serenissimi gewaltet, 
ja sie haben, trotzdem die ersten fünf Uluminaten w^aren, nicht 
einmal den Versuch gemacht, entlastende Erklärungen zu geben. 
Es ist z. B. unter Lit V. in dem Nachtrag vom 18, Oktob* an* 
gegeben, dass zwei verschiedene Bande von geschriebenen Pie<^en 
zur Verteidigung des Selbstmordes, wovon eines den Titel hat: 
Gedanken über den Selbstmord, Va Bogen in Quart» gefunden 
wurden. Hieraus wurde die Anklage ersonnen, der Orden ver*- m 
teidige den Selbstmord, demoralisiere also seine Mitglieder, ™ 
Zwackh erklärte später, dass diese Gedanken von Goethe stam- 
men, aus Werthers Leiden. Sollten die gelehrten Professoren ■ 
das nicht gewussl haben? tjoethes Buch hatte allgemeines Auf* 
sehen erregt und war allbekannt, aber diese gelehrten Herren 
benutzten ruhig die Auszüge ohne erklärenden Kommentar, Ist 
das also Bosheit oder Unwissenheit? Eins scheint so schlimm 
als das andere, man ist jedoch entschieden geneigt, ersteres an- 
zunehmen, denn die Kommission ist im übrigen sehr sor^ältig 
vorgegangen, wie die im Archive betindlichen, mit genauen An- 
merkungen versehenen , weiteren durchgearbeiteten Verzeich- 
nisse beweisen. 

Interessant ist es aucli, dass das unter Lit E, bezeichnete 
Paket an den Geheimen Rat von Frank, das ist Pater Frank, 
jetzt spurlos verscliwunden ist. Es enthielt Ftosenlcreuzerschriften, 
wie klar aus einem der Commissions- Verzeichnisse hen'oiTgeht, 
die Zwackh zur liückgabe verpackt und versiegelt hatte. Die 
Kommission bemerkt: Das Packet sub Lit E. mit der Aufschrift 
an den churfürstl. wirkl. geheimen Rath von Frank, wohlgeb. 
ist unversiegelt an uns gekommen. — Das kann nicht über- 
raschen, wenn die Umstände envogen werden. Pater Krank 



— 264 — 



um von dort seine Rechliertigung zu versuchen. In seinem Pro 
Memoria erzählt er, dnss er aussergerichtlich Nachricht erlnell, 
seine Arretur sei anbefohlen und Freiherr von Belderbusch be* 
sonders als Inquisitor in den Ma<;*ons und Illuminaten-SHchen 
bestellt. Er sandte von Augsburg aus, datiert den 15. Öktob. 1786* 
eine Bittschrift'*'), enthaltend eine Widerlegung der Anklagen 
und Bitte um Untersuchung an den Kurfürsten, die der Comes 
Palatinus, simul et Notarius Publicus Joh. Martin Maximihan 
Einzinger von Einzing, laut von diesem am 22. Okt. beglaubigter 
Abschrift dem Baron von Kreitmayr persönlich überbrachte, 
durch den v. Belderbusch sie jedenfalls erhielt, denn dieser 
schreibt an Zwackh: 



n 



W o 1 1 Ige bore n e r **) 
Hochgeehrter Herr. 
Heute habe das Erlassene schreiben mit der Abschrift 
Seine churfürstL Dchlcht* Erhalten, und die Ehr gehabt zu 
höchsten Händen zu übei^eben, weil dass begehren vom civile 
abhängt so hat man sich der antwort halber bey dem Herrn 
geheimen Cantzler Frh. v. Kreytmaier zu melden, 

ich kann aber nicht übei?;ehen zu bemerken, dass dieselbe 
nicht wohl gethan schriffHen von denen illuminaten aufzuheben» 
wo sie doch versichert haben keine mehi* in Händen zu haben, 
der ich übrigens mit der Hochachtung bestehe 

Euer Wohlgebohren 
München, schuldiger Diener 

d, 21te" Octobris 1786. von Belderbusch 



Zwackh suchte sich zu rechtfertigen durch ein Schreiben*** 
vom 2. Nov. aus Wetzlar. 



Hochwohlgeborener Reichsfreyherr l 
Die gnädige Zuschrift, mit welcher mich Eure Exellence 

den 2ten vorigen Monats beelirt haben, war in meinem elenden 
Zustande nebst dem Bewusslseyn meiner Unschuld bissh« 
noch der einzige Trost ich nehme es als einen Beweiss 
Menschenliebe und christlichen Mitleid. 



*) Dieses s. Z. in Duplo ausgefertigte Dokument ist im Privatbesitz des 



Autors. 



•) OriRinsl im Besitz des Autors. 

•) OrigiDalabscliHfl Zwackhs im Besitz des Autors. 



— 265 — 



Es sind mir die Anstalten, welche gegen mich in Bnyern 
getroflen werden, nun bekannt, zwar unvereinbare, aber doch 
als Befehl des Herrn noch verhelig. Indessen glaubte ich mich 
^ Augspurg nicht mehr sicher genug, und bin liiehero gereiset, 
um selbst noch in dieser traurigen Lage die Gelegenlieit zu 
benutzen, einst meinem Vaterlande durch die Erlernung des 
Kiimeral -Praxin nützlicher zu werden, mittlerweile aber von 
Gott, als dem Richter meines Gewissen, von der allbekannten 
Milde unseres gnädigsten Kurfürsten, und der Unterstützung 
rechtschaffener Männer, die ich mich gewiss nicht unwürdig 
gemacht habe, die Entwicklung meiner Unschuld zu erwarten. 

Erlauben Euere Excellenz, dass ich im vollen Vertrauen 
hier meine Rechtfertigung darstellen darf. 

Seit der Entfernung aus meinem Vaterland beschäftige ich 
mich Tag und Nacht, mich selbst in dem Innersten zu prüfen 
und die Ursachen zu entdecken, welche ein solches slrenges 
Veriahren mich durch Commando aufzuheben und in den 
Taschenthurm liefern zu wollen, veranlassen konnten, und bey 
Gott, mein Gewissen sagt mir keine, denn soll es wegen Frey- 
maurerey und llluminatismus und denen dazu einschlägigen 
bey mir voiigefundeuen Papieren? 

»Wegen anderen Privatschriften? 
Oder wegen Gebrechen in meinen Ämtern geschehen? 
Bey dem ersteren unterscheide ich zwischen Schriften vor 
und nach dem Geboth. Von letzteren können gar keine gefunden 
worden seyn, weil weder ich an jemand, noch mir von dem 
ehemaligen Orden etwas geschrieben worden, also von der 
ersteren Gattung, worüber mir auch F'uere Excellenz den Vor- 
wurf bemerken, dass ich gegen meine Versiclierung keine solte 
aufbehalten haben. 
h Dabey muss ich vorläufig erinnern, dass ich gleich bey der 
^m vorigen Jahre ausgebrochenen Inquisition meine Wohnung 
in der Burggasse räumen, eine andere vor meine Frau und 
Kind in der Löwengruben beziehen, ich aber selbst nach Lands- 
hutt wandern musste. Bey dieser Uebereilung und öfterem 
Herumziehen wurden meine in Menge seit vielen Jahren ge- 
sammelte Schriften unter den Büchern und anderen Mobilien 
theils durcli mich, theils meine Frau und Schreiher, je wie 
man an einen Schranken kam, eingepackt, da ich m Landshutt 
keine geräumige Wohnung fand, so blieben den Winter hin- 
durch die meisten Küsten in München, sogar in dem Garten 



— 266 — 

meines Vaters, endlich im Frühjahr zog ich mit der ganzen 
Familie nach Landshutt, Hess alles dahin kommen, aber meine 
5 Monate angehaltene Krankheit gestattete mir nicht etwas 
selbst auszupacken, sondern das geschah von meiner Frau und 
Bedienten, welcher den Auftrag hatte, nur olles zur Pausch 
einsweilen in die Küsten zu legen, ich wusste als nicht einmal 
mehr, welche Papiere ich vom Ilium,*Orden hatte, wo sie vor 
und nach dem Auspacken lagen, ich glaube auch nichts mehr 
von Graden gehabt zu haben, weil ich ja schon, was in deti 
dazu bestimmten Schupladen gewiesen ist, bey der ersten Inqui- 
sition freywillig übergeben habe, und wenn man noch Briefe 
gefunden, so müssen diese alt seyn und werden sogar in unver- 
sperrten Kästen gelegen seyn. Wie kann bey diesen Umständen 
mir autgebürdet werden, dass ich wider meine Anversicherung 
diese Schriften verheimlichte, anbey ist mir von derley Ver- 
sicherung nichts erinnerlich, man verlangte auch von mir nie* 
malen einige Ordenspapiere, weil ich gar zu keiner Kommission 
gerufen wurde. Ferners wird es darauf ankommen, ob dann 
diese alten lllumin. Sclirifften etwas unerlaubtes enthalten? 

Es w^ar mir doch in dem lUum.'Systeme alles genau be- 
kannt, und ich w^eiss nichts, was es gegen die Religion, gute 
Sitten, den Staat und die Fürsten jemals s< »Ute enthaltCTi haben, 
ich könnte mir auch nicht vorstellen, wie einzelne Briefe einen 
anderen widrigen Beweis machen sollten? Ausserdeme waren 
diese ja nicht von mir geschrieben, ihre Verfasser müssen den 
Sinn darüber erklären, und sich rechtfertigen, wenn man ja 
nicht in Erwägung ziehet, dass Seine Kurfürstliche Durchlaucht 
unter ihrem höchsten Wort durch ein gedrucktes Mandat heilig 
vei*sjcherten, alles vergangene zu vergessen und ihi^e Gnade 
immer wiederum zu schenken, welche dieser Gescllsclioft ent- 
sagen, dieses that ich, und hielt es gehorsam. Vor alles das 
bin ich zum vollkommensten Beweiss unterthänigst erbietig. 

Wegen anderen Privatschriften? Es müssen deren ziemlich 
viele in %'erschiedenen Fächern vorhanden seyn, ich habe von 
Jugend auf viele Auszüge aus Büchern und Acten gemacht, 
vieles übersetzt, während meiner ansehnlichen Dienststellen alles 
merkwürdige selbst abgeschrieben, Doeumenten copiren lassen, 
viele gesammelt und darüber Bemerkungen meist in abge- 
brochener nur mir verständlicher Schrift gemacht, darauf 
gründen sich meine wenige Bekenntnisse und Einsichten, das 
wird jeder Geschäfts Mann gethan haben, wegen der Menge und 




267 



dem vielen Herumziehen ist es ohnmögHch, dass ich mich aller 
erinnere, die Sammlung bleibt indes immer mein Eigenthum und 
es ist sehr schwer von derley Privatarbeiten, die nur dem, der 
sie sammelte, eigen, verständlich und heilig sind, Rechenschaft 
zu geben. Vieleicht können darunter einige seyn, die gegen die 
Religion, den Staat und Fürsten auszulegen wären, es fragt 
sich aber, in weichem Sinn, zu welcher Zeit, in welchen ter- 
minis und zu welchem Gebrauch all' diese Aufsätze gemacht 
worden? Es kommen dabey auch die geringsten Umstände, 
vorzüghch nicht auf einzelne Worte und Perioden, sondern auf 
den ganzen Zusammenhang an, ohne dieses alles zu können, 
phne meine Erläuterungen kann ohnmöglich eine Auslegung 
U|emacht werden, und dann ist noch nicht ei'wiesen, ob es 
meine eigene oder entlelmte Gedanken waren, oh ich danach 
meinen Glauben, meine Handlungen eingerichtet liohe, oder 
dass ich andere darnach lehrte, oder öflentHch bekannt ge- 
macht hätte. 

Auch muss dabey wirklicli Rücksicht auf meine ansehn- 
liche Dienststelle, auf die damit verbundene Freyheilen, und 
vorzüglich das Amt, welches mich als Censur Rath bemächtigte, 
auch die sonst anderen verbothenen Staats und Religionsbücher 

fiesen, genommen werden. 
Endlich bitte ich Eure Excqllenze bey diesen Punkten noch 
zu bedenken, ob es mit meinem moralischen Karakter, mit den 
sonstigen Beweisen meiner untadelhaften AulTührung, mit meiner 
Erziehung, mit dem Verhällniss gegen meine Familie, Anver- 
wandte und sonstige Bekannte so leicht zu vermuthen seye, 
dass ich gegen die Religion, den Fürsten oder Staat ein Ver- 
brechen und nun aucli ein Halsstarriger, lügenhatter Verbrecher 
wäre? Um aber eijiem ähnlichen Verdachte noch mehr zu 
entkräften, so will ich noch micli selbst untei'suchen. üb nicht 
Gebrechen in meinen Aemtern das strenge \'eifai)ren in meinen 
Aemtern möcliten veranlasset haben. Ich diene nun seit 11 Jahren, 
Die erstere Zwey als Beygeord neter Secretaire beym auswärtigen 
Departemente unter dem wüj-digen Ministre Gr. von Seinsheim, 
Dieser ehrwürdige Greis, dem ich alles zu danken habe, der 
mich zu den Geschäften erzog, wird mir das beste Zeugniss 
von dortigen Zeiten nicht entsagen können. Dann kam ich zum 
Hofrath, bald zugleich in das Kommerzien CoUegium, in die 
Censur und in die Hnfkammer zum I^'iskalat, jedes aus diesen 
ansehnlichen Collegiis nebst ihren Vorständen hat dadurch das 




268 



volle Vertrauen auf meine Kenntnissen, Rechtschaffenheit und 
Fleiss mir jederzeit bewiesen, da es mir die wichtigste Ge- 
schäfte übertrug, und zu ollen Deputationen zog, wirklich mehr 
X'erti'auen, als meine Einsichten und Erfahrung jemals verdiente, 
aber durch treue Arbeit und Integritaet war ich dessen gewss 
werth, da sogar der Öffentliche Ruf vor mich stehet, da man es 
von jedem Vorstand und Rath erfragen kann, da es Euerer 
Excellenze selbst bekannt ist, so bedarf ich keiner Beylage von 
Zeugnissen. In Landshutt habe ich das Bestreben um ähn- 
liches Vertrauen fortgesetzt, und was der dortige Vicedom Frey- 
herr von Daclisberg FCuerer Excellenze und anderen geschrieben 
oder gesprochen hot und worüber ich selbst so viele Briefe habe, 
stellen ausser allen Zweifel, dass ich dort ebenso wie in meinen ■ 
vorigen Posten geschätzt war. Davor ist auch das ganze doiiige 
respectable Regierungs Plenum Bürge. Sicher und kühn kann 
ich Öffentlich auffordern, ob jemand mich jemals im geringsten 
bestochen hat. 

Indessen will ich doch zwey Gegenstände berühren, welche 
man mir hierin zu Schuld legen könnte. Vielleicht fanden sich 
unter meinen Papieren noch einige Konferenz, oder Kameral 
akten Producten? Bewusst sind mir keine, aber eben wegen 
der Menge, die ich im Hauss hatte, die ich gegen rekognitionem 
an die regisiraturen ablieferte, dem Übereilen beym Hin und 
Herziehen, und weil ich nichts ausgepackt und in Ordnung ge- 
bracht habe, wäre es möglich, ich habe dieses schon einmal zur 
Hofkammer erinnert, und mir vorbehalten, wenn ich etwas 
fände, solches sogleich einzusenden. Indessen stand ich noch 
immer in den nämlichen Kuifürstlichen Pflichten und man 
wird mir nicht beweisen können, dass ich aus böser Absicht 
oder nur geflissentlich ein Producte entzog, oder verheimlichte, 
Ausserdem wird vieles darauf ankommen, ob derley Producten 
wichtige Gegenstände betreffen, worüber ich jetzt aus Unwissen- 
heit nichts sagen kann. 

Der zweyte Gegenstand wäre, dass ich aus Bayern schrift- 
liche Nachrichten habe, dass der von Weitzenbeck in Betreff 
desjenigen Prozess, welchen der Gr Minucci mit seinem ge- 
westen Jager Radiel und ihn beym Kuifürstlichen Hufrath ab- 
gestritten und vei^lichen hat, und wo ich Coreferent gewesen, 
von mir sehr ehren rührend spreche, und die Schuld beym essen 
will, als hätte ich die Graflich Minuccische Familie zum Besten 
des Radiel zum Vergleich übeiredet. Es sind mir von diesem 




— 269 — 



iiosen Prozess noch alle Kleinigkeiten gut erinnerlich, es ist 

leicht möghch, dass derley Verläumdungen auch bey meinem 

gnädigsten Landesfürsten Gehör gefunden hatten, allein ich bin 

darin gerade wie ein Justitiorius zu Werk gegangen, ich habe 

^ichis einseitiges unternommen, ich war nur Coreferent der 

ifbn Eckertshausen Haupt Commissaire» wir thaten nichts ohne 

den Kurfürstlichen Hofroth. Die acten der von Eckertshausen, 

die Vorstände und Assessoren des dortigen Senat, selbst die 

Gräflich Minuccische Familie niussmir darüber Zeugschaft leisten. 

^^er Haupt Commissaire und ich riethen auf Befehl Seiner Kur 

füi^tlichen Durchlaucht auf das Conclusum des Hofralh zum 

Vergleicli, wozu auch Gründe genug vorhanden waren. Ich 

wollte Euerer Excellenze darüber nur zum voraus praeveniren, 

denn ich behalte mir bevor, den von Weizenbeck ex Lege Diffa- 

rari zu belangen. 
Zum Schluss dieses Briefes muss ich Euere Excellenze 
noch gehorsamst ansuchen, bey Gelegenheit Seiner Kurfürst- 
Hellen Durchlaucht von dieser gegründeten Flechtfertigung zu 
sprechen und Höchstselben vorzustellen, doss, wenn ich auch 
wirklich einiges Verschulden trage, ich empfindlich genug durcli 
die viele Kosten, das ängstige Hin- und Herreisen, welches 
meinem durch Krankheit geschwächten Körper doppelt fühlbar, 
durch die erlittene Prostitution, durch das Jammern meiner 
Familie, durch die Trennung von meinem liebsten kleinen Kinde, 
meinen alten Aeltern, %'Orzüglich meiner sorgfältigen Mutter, die 
vielleicht das erste Opfer von diesem Verfahren wird, durch die 
marternde Ungewissheit und vor allem durch die fürchterliche 
Erinnerung an die Ungnade des so mächtigen Landesfürsten, 
der mir sonst in vollem Maass Vater und die einzige Stütze 
gewesen, genug bestrafet bin. 

Wetzlar, den 2ien November 1786. 

y Da das Schreiben an den Kurfürsten ohne Erfolg blieb, 
sandte Zwaekh ein zweites ab, datiert vom 16. November 1786, 
beglaubigt von demselben Notar München, den IL Dezember.*) 
Letzterer überbrachte dieses Gesuch wiederum dem Baron 
Kreitmayer, jedoch hatte es ebensowenig einen Erfolg. Zwaekh 
blieb verfehmt, seiner Ämter entlassen. Sein Rufen nach Ge- 

jechligkeit und Untersuchung verhallte ungehört. 

if Es ist augenscheinlich, dass die hier geschilderten Ereig- 

■ <►- 

•) Aueti dieses Original im Privatbesitz des Autors. 




— 270 — 

nisse nicht genügen, um die tiefe Abneigung des Kurfürslei) 
gegen Zwackli zu erklären, es müssen noch besondere Gründe 
vorliegen, die bisher unbekannt waren. Solclie Gründe siiui 
vorhanden und linden sich genau in den Gesandtschaftsbe- 
rieliten*) Montezans im Pariser Archiv aufgezeichnet. Diese 
geben ein vollständig klares Bild, sodass die bezügliche!) 
Stellen in Übersetzung ohne Kommentar wiedergegeben werden 
können. 



Tome 171 page 268. 



München d. 18. Octob. 1786. 



Der Abbt5. Frank, welcher dem Herrn v, Lehrbach sehr er. 
geben ist, beschäftigt nun den Clrurfürsten abermals mit den 
Illuminaten und verdächtigt sogar den Nuntius, dass er auf 
ihrer Seite sei, da er sicli einschmeicheln will. In Beiziehung 
des Domlierrn von Lelirboch hat man in Landshut in Abwesen- 
heit des Herrn von Zwackh dessen Papiere sich angeeignet, 
ausserdem wurde befohlen, ihn am 14teii hier anzuhalten; der 
Herr Graf von Freising, Vicepräsident des Reichshofrathes, ver- 
barg ihn bei sich und Hess ihn in Begleitung von vier seiner 
Diener entwischen. Seitdem wurde be.stimmt, dass man die 
Festnahme der Illuminaten in die Hände des Herrn Beider- 
busch, Kriegsreferendar und Gardemajor legen wolle. Das ist 
es nun, was den Kurfürsten hauptsächlich beschäftigt und indem 
man seiner Leidenschaft schmeichelt, ist man sicher ihm zu 
gefallen. 

Im Brief vom 28. October 1786. 
Man versichert, dass man unter den Papieren des Herrn 
Zwackli einen Plan fand, der eine sehr wenig schmeichelhafte 
Geschichte für den Churfürsten enthielt und von der man an- 
nahm, dass sie sich als glaubwüi'dig erweisen würde.**) 

München d. IL November 1786. 
Ein vom Chuifürsten untei'zeichnetes Decret erklärt die 
St!e!le des Herrn Zwackh unbesetzt, ihn selbst seiner Bezüge 
%'erlustig, zugleicti entliieltes den Befehl ihn festzunehmen, .sobald 
er sich in den Bavar. Palatinischen Staaten zeige. Der eigent- 
liche Grund dieses Erlasses war aber, dass man in den Papieren; 

•) Abschriften im Besitz des Autors. 

•*) Könnte sich auf die Seite 259/60 unter Lit. C und D angegebenen 
Papiere beziehen. 




17^ ^ 

* 1 1^ ^^ 



welche wahrend seiner Abwesenheit ergriffen wurden, ausführ- 
liche Notizen über die Führung der Finanzen fand, an denen 
er lange Zeit unter den Herrn Caslell gearbeitet hatte. Er be- 
weist darin , dass ausser der schwierigen Leitung, welche 1781 
mit Salzburg beschlossen worden war, und wovon ich Ihnen 
Monseigneur s. Zt. einen Auszug übersandt hatte, der Erzbischof 
nur die Hälfte der enornnen Summe angegriffen hatte, welche 
man von Bayern bezahlen liess, wahrend die andere Hälfte 
unter mehreren Ministern, Herrn von Lehrbach und der Kasse 
der nntürlichen KindeO geteilt wurde. Der Herr Zwockh hatte 
von Wetzlar aus einen sehr ))ikanfen Brief an den Herrn Beroii 
von Belderbusch gerichtet, wahrend er einen zw^eiten an einen 
Geschäftsmann, der ihn beschützte, richtete, worin er anführt, 
dass er sich an das Reichsgericht wenden \^'erde, um der Ge- 
rechtigkeit zuteil zu werden, die man ihm hier verweigert. Und 
das eben sind die Venvirrungen und Verfolgungen» die unvorher- 
gesehen den Münchener Hof beschäftigen. Montezan. 

Diese Gründe und dann ein Brief, den Zwackh an den 
Verwalter des dem Baron Bassus gehörigen Gutes Sanders- 
doif schrieb (derselbe tindet sich im nächsten Kapitel) waren 
die Ursachen des unvertilgbaren Zornes des Kurfürsten und 
seines sich steigernden Illuminatenhasses. 



I 



Yerfolgimg des Baron BassuB. 

Zu den Ordensangehörigen, deren Name und Massr^eh 
durch die Veröffentlichung von Schritten dem weiteren Publi- 
kum bekannt geworden sind, gehört Freiherr Thomas Franz 
Maria von Bassus. 

Derselbe gelangte durch Erbschaft, infolge Todes seines! 
Vetters, des Generalmajors von Bassus, in den Besitz der' 
Familiengüter in Sandersdorf bei Ingolstadt, lebte jedoch meist 
in Graubünden, wo er Alt-Podesta zu Poschiavo und TraonaJ 
war. Er w-ar im Jalire 1778 durch Weishaupt selbst geworben 
worden, jedoch ward ihm weder ein Aufnahmerevers abverlangt,, 
noch wurde er mit besonderem Zeremoniell aufgenommen. 

Er sagt hierüber folgendes in seiner Verteidigungsschrift: 

•) Des Kurfürsten. 




— 273 ^ 



>Auf*) diese Art wurde ich also ein Illuminat, ohne dass 
Jemand von mir ein Revers um vielweniger einen Kid gefordert 
hätte und dadurch zeigten die ersten Ordensbrüder, dass sie 
^^ne einigen Ceremonienland und ohne einiges Engagement 
^P^s auf meine RechtschalTenheit ihr Zutrauen setzten, so dass 
sie mich sogar unter die Areopagiten, welchen Namen die 
höchste Classe der llluminaten führte, setzten. Das heisst unter 
die Classe der Mitwisseoden, Ich wusste nehmlich, dass der 
Professor Weishaupt der Erfinder und Stifter dieser Gesellschaft 

rr, w^elches noch einige wenige andere und sonst Niemand 
sste.i 

Seine Freundschaft mit Zwackh hatte ihn verdächtigt. Es war 
bekannt geworden, dass dieser öfters in Sandersdorf anw^esend 
war, jedoch wusste man nicht die Gründe dieser Besuche, 
die teils aus einer Fi-euodschaft zu des Barons Gutsverwalter 
Franz Joseph Meyer stammten, dann aber notwendig w^urden, 
weil ihm die Oberadmiriistration aller Geschäfte des Barons für 
Bayern anvertraut war. Bassus selbst lebte seilen in Sanders- 
m)rf, zuletzt im Herbst 1785, er bedurfte also eines Vertreters 
Jür seine in Bayern liegenden Güter, den er in Zwackh gefunden 
Bktte. In dem vorigen Kapitel haben wir gesehen, wie schlecht 
Zwackh höheren Ortes angeschrieben war, es ist daher begreif- 
lich, dass nach seiner Flucht namentlich jede Verbindung, die 
er mit EinwohneiTi Bayerns hatte, sobald eine solche bekannt 
wurde, diese verdächtig machte. Er schrieb nun am 30. März 1787 

im Verwaller Meyer nachfolgenden Brief aus Wetzlar: 
I Liebster Herr Verwalterl 

Ich will Ihnen nunmehr die angenehme Nachricht 7Aigeben, 
SS ich wirklich in einen erhabenen Posten eines der ansehn- 
lichsten Reichsfürsten**) mit BewilhgiingdesZweibruckener Hofes 
getreten bin, und von diesem letzteren die Zusicherung erhalten 
habe im Successionsfalle wiederum in meine erste Stelle als Fiscal 
einzurücken. In Zeit zwey Monathen muss ich von hier an 
meinen Bestimmungsorth ab, nachdem ich zuvor noch in Zwey- 



•) S, Vorstellung denen hohen Standeshfiuptern der Erlauchten Bepublik 
Graubünden in Ansehung des lUuminateii Ordens auf hohen Befehl vorgelegt 
von Thomas Franz Maria Freyherro von llasauH, Herrn zu Sandersdorf, Men- 
dorf, Eggerscbberg, Harlanden und Dachenstein etc. 
••) Der Fürstbischof von LQllich. 

Eb9«1, 6e««bleht« d«« DlozuiiuteQordMia. 18 



— 274 — 



bruGken meine Aufwartungen mache. Ich empfehle Ihnen die 
versprochene Einsendung der Cassa Gelder an meinen Vater, 
weil bereits meine Anweisungen und die allforderungen dringend 
werden. Aus Graubünden habe ich Briefe, doss dort alles ge- 
sund und sich mein Freund unendlich freut, weil ich die Gegend 
von Sandersdorf in meinen Aufenthalt regulirt habe; mündlich 
seiner Zeit das Nähere. Leben Sie indessen recht wohl und 
empfehlen uns Ihrer Frau. Kann sie mir auf diesen Brief 
antworten, so schicken sie diese nicht über München, sondern 
Direcle durch ein Couvert an meinen Schwager anhiero unter 
meiner Adresse durch die Post zu Ingolstadt. 

Der Ihrige, 

Dieser Brief, jetzt im Bayrischen Staats-Archiv, wurde unter 
schlagen, ebenso wie ein zweiter, den Chalgrin, der entgegen- 
gesetzt von Montezan Gegner der Illuminaten war, in seinem 
Bericht nach Paris vom 7. Mai 1787, angibt. Es heisst da in 
Übersetzung: 

»Ich habe die Ehre Monseigneur in meiner Depesche Ihnen 
über das Betragen und Stellung des Herrn Zwack zu sprechen. 
Dieses Individuum, welches noch immer keine Ruhe giebt, hal 
es gewagt einen neuen Brief hierher zu schreiben. Derselbe 
war an einen Landshuter Privatmann gerichtet. Herr Zwack 
führt darin an, dass er um die Gunst des Herzogs von Zwey- 
brücken sich beworben und da seiner Ansicht nach der Chur- 
fürst nicht mehr lange leben könne,*) würde er bald wieder in 
Bayern erscheinen und würde durch die Gnade des Herzogs in 
seine alten Ämter und Würden wieder eingesetzt Diesen Brief, 
den die Regierung unterschlagen hatte, bekam der Churfürst zuJ 
gleicher Zeit mit einem andern Bi-ief zu lesen, worin er Kennt- 
niss bekommt von einem andern seiner ünterthanen, des Herrn 
Baron von Montgelas.c 



Das Original dieses unterschlagenen Briefes ist vorhanden 
und sandte die Herzogin Maria Anna eine Abschrift desselben 
an Herrn v. Hohenfels nach Zweihrücken mit heftigen Ausfällen 
gegen Zwackh, um ihn dort unmöglich zu machen. Sie sagt: 
»Monsieur je vous joins ici la copie d*une lettre de ce vilain 



1 



•) Diese Worte stehen nicht im Briefe Zwackhs, er spricht auch dort^ 

nur vom — Successionsfan, ohne das wann zu berühren. 




— Ztb 



^wackh dont l'onginol ecrit de sa moin est dans celle de FElec- 
leun* — 
H Wir haben hier in diesen Briefen die Veranlassung zu der 
Bassus'schen Haussuchung, sowie der Sequestrierung der 
Güter des Barons. — Zorn gegen Zwackh war die Ursache und 
darunter mussten dessen Freunde leiden. 

tDer Befehl zu der Visitation und Sequestrierung lautet: 
■ Serenissimus Elector. 

Demnach seine Churiurstl Durchlaucht etc. bey dem Baron 
assus zu Sandersdorf nicht nur eine Visitation der dortigen 
apiere vornehmen, sondern auch seine hierländischen Güter, 
sequestrieren zu lassen entschlossen ist, als haben sich beyde 
Hofrälhe, Engel und von Stock auf Kosten desselben also gleich 
mit Beyziehung eines Canzelisten nach Sandersdorf zu begeben, 
die dortigen Papiere zu durchsuchen, und was davon nach dem 
Illuminatismus riecht oder sonst verdächtig ist an sich zu 
bringen, wie nicht w^eniger, den Hofmarschverwalter sowohl als 
die Unterthanen in die Pflicht zu nehmen, sohin mit dem künf- 
tigen Prästandis, dann dero getreuen Vei*walt, und Verehrung 
an den Hofrath zu weisen, desgleichen sich über den vor- 
kommenden Umstand dass der Zwack dato noch Sanders* 
dorf in Pacht haben solle, gründlich zu informiren. 

Carl Theodor 
München, den 2, May 1787, ChurfürsL 

Der Passus im Zwackhschen Brief, der Verwalter Meyer 
fsoUe die Gelder dem Vater Zwackhs einsenden, der jedenfalls 
für den Sohn in die übernommenen Pflichten der Oberadmini- 
fStration*) eingetreten w^ar, ist ganz verstandlich, wenn man 
Kenntnis von dieser Oberadministration hat. Höheren Ortes 
hatte man damals augenscheinlich diese Kenntnis nicht und 
schloss demnach aus der Briefstelle, Zwackh sei Pächter und 
Eigentümer der geforderten Summen. Deswegen im Befehl der 
Hinweis, man solle sich informieren, ob Zwackh Sandersdorf in 
Pacht habe. War letzteres der Fall, 'so konnte man sich be- 
quem durch den Sequester an Zwackh für dessen Flucht rächen 
und der kurfürstlichen Kasse, die stets Geld brauchte, aufhelfen. 
Leider war jedoch Zwackh nicht Pachter, und nur der Ura- 
[stand, dass auf Sandersdorf weitere Illuminatenpapiere gefunden 



'J S. Seite 53, VorsteUung denen hohen Slandeshäuptern. 




18* 



— 276 - 

wurden, verschleierte die ganz ungesetzliche, vor Auffindung der 
Papiere schon beschlossene Sequestrierung, die nur ein Gewall- 
eingriff war, ohne jede Berechtigung. Die gefundenen Papiere 
wurden nun als Nochtrag von Originalschriflen auf kurfürsthchen 
Befehl gedruckt und enthalten jetzt wertvolle Urkunden über die 
Entwicklung des Ordens, Bassus gibt über den Erhalt dieser 
Scliriften in seiner schon mehrfach envahnten Schrift folgende 
Erklärung: 



Dieses neue scharfe Verboth (gemeint ist das zweite Ver- 
bot vom August 1785) setzte alle dortige Maurer und Illu- 
minaten in Bewegung, alle eilten mit ihren anbelbhlenen 
Reversen zur höchsten Stelle, oder zu ihren Vorständen, und 
suchten ohne Zeitverlust den höchsten Befehl zu erfüllen. Hey 
dieser Gelegenheit wurden mir vom Canonicus Hertel oder vom 
Grafen von Constanzo dessen ich mich eigentlich nicht mehr e^ 
innere, einige versiegelte Paquete Schriften eingehändigt, mit 
dem Ansuchen, ich möchte solche aufbewahren und dann mit 
sicherer Gelegenheit Weishaupt überschicken, als ich mich er- 
kundigte, was darinn enthalten sey, hiese es, es wären die 
Rechnungen, von der zu München gehabten Loge S. Theodor 
vom guten Hath, welche man aufzubewalii*en verlangte, um sich 
wider alle Vorwürfe die etwa mit der Zeit gegen die treue Ver- 
waltung der Gelder gemacht werden könnte, zu schützen, denn 
es sey heut zu Tage, ohnedem nichts von den schwärzesten 
Verläumdungen sicher. Da ich den folgenden Herbst nach 
Sandersdorf ging, nahm ich die Paquete mit mir, erfuhr da, 
dass Weishaupt auf Reisen sey, legte sie also in den Schreib- 
kasten in mein Cabinet, und um eben niclit jedem zu entdecken» 
woher ich solche erhalten hatte, und damit sie doch im Fall 
meines Absterbens an seine Behörde gelangen könnten, schrieb 
ich mit meiner eigenen Hand darauf, dass mir diese Schriften 
so verschlossen für den Herrn Professor Weislmupt zur Ver- 
wahrung seyen überschickt worden, gegen Ende des Herbstes 
(1785) verliesse icli Sandersdorf und kam nach Poschiavo zurück, 
wo ich meine ganze Familie vei-sammelt halte und nun ganzer 
zwey Jahre zugebracht habe, ohne mich von Haus weg zu be- 
geben.« — — 

Selbstverständlich sollte nun dem Baron Bassus aus diesem 
neuen Funde von Illuminatenschriften ein Verbrechen kon- 




— 277 — 



liert werden. Die Kommissare Engel und Stock Hessen sich 
fSOl tL 57 Kr. an Kosten der Reise, sowie Deputaten für 7 Tage 
zahlen, über die am 8, Mai 1787 quittiert wurde und brachten 
die Schriften zur näheren Untersuchung und Beurteilung nach 
München. 

Inzwischen protestierte Bassus kräftig gegen das gegen ihn 
beliebte X'erfahren, namentlich gegen den Sequester. — Carl 
Theodor konnte sich nicht verschweigen, dass ihm siclierlich 

k Angelegenheiten entstehen müssten, zumal Bassus wohl sein 
V'ösall als Gutsherr war, aber nicht als sein Untertan angesehen 
^*ei*den konnte, infolge seiner Zugehörigkeit nacli Gi^aubünden. 
eb 



Die wahre Sachloge, dass Zwackli nicht Pächter war, kam 



abenfalls bald zum Vorschein und so blieb als Entschuldigung 
der Sequestrierung nur die Stempelung des Schlosses Sanders- 
dorf als gefülu'iiches Illuminalennest, wie es oftiziell benannt 
wurde, übrig. Klar geht das alles aus nüchfolgendera Befehl 
henorr 

(Serenissimus Elector. 
Welcher Gestalt sich der Baron Bassus sowohl über die 
u Sandei'sdorf vorgenommene Visitation, als Sequestration be- 
chwert, gibt der Anschluss mit mehreren zu vernehmen. 
Gleichwie nun die Visitation nicht ohne vorlaulig genüg- 
samen Verdacht vorgenommen worden ist, so hat man auch 
durch den vei'hängten Sequester nur mit der sandersdorfer 
Administration, weil der Boron Bassus solche dem Zwackh 
übertragen hatte, eine andere Anstalt zu machen, und den 
H||iveiteren Conventiculis an diesem renomirten Illuminaten-Nest 
vorzubeugen gesucht. 

Die Beschwerde hat also weder in einem noch andern 
Punkl den geringsten Grund, und obwohl hiernächst der Baron 
Bassus ein Mitglied des Illuminaten Ordens gewesen zu seyn 
widerspricht, so kann er doch den ihm beigelegten Urdensnamen 
Hannibal selbst nicht ableugnen und wird auch durch seine 
igenhändigen Briefe ül)e!'wiesen, worin er nicht nur das Ordens- 
Apostolat ongetietcn zu Iiaben meldet, aucli die angeworbenen 
Recruten versiehe it, dass dem Orden das chuifürstliche V'erbolli 
mehr beförderlich als obbrüchig seyn werde. 

Was nun der Apostel einer solchen Secte, welche unter 
dem Blendwerk der Aufklarung die wahre Religion zu unter- 
graben, die landesherrlichen Vorrechte mit angemosstem jure 




— 278 — 

vitoe et necis, collectarum orchivi und sonst einzugreifen, die 
Mitglieder durch leiblichen Eid in unbegranzten Gehorsam zu 
erhalten und endlich sich der völligen Oberherrschaft in dem 
Staat zu bemeistern sucht, für eine Strafe von Rechtswegen 
verdiene, das wird und kenn zwar ein jeder selbst leicht beur- 
theilen. 

Seine Churfürsll. Durchlaucht wollen ober denselben nicht 
ungehört condemniren, und haben dalier eine eigene Deputation 
und Untersuchungs Com misston von Hofrevisions und Ober- 
landesregierungs Räthen verordnet, wozu von diesen der Till, 
von Klieber und von Lippert, von jenen der TitL Aichberger und 
Kappler, denen von den Hofrathen der Till. Engel und von 
Stock unter dem Vorstand des Hofratlis Präsidenten mit dem 
Auftrage ernannt sind, dass der Baron Bqssus in Person anher 
berufen, ordentlich constituirt uud mit seiner Verantwortung 
vernehmen Ihm auch gleich von den gedruckten Briefen jene 
Stücke, welche denselben betreffen, auf Begehren originales vor- ■ 
gelegt und endlich nach genugsam instruirlen Sachen ein wohl 
überlegt rechtliches Gutachten ad manus darüber erstattet werde. „ 

München, 

d, 16. August 1787. Carl Theodor. 

Baron Bassus stellte sich dieser Deputotion im Dez. 1787, 
die unter dem Vorsitz des Freiherrn v. Füll tagte; an Stelle des 
von Klieber war Oberlandesgerichtsrat Wilhelmseder getreten. 
Er betonte namentlich, dass er eigentlich kein Illuminal sei, 
infolge der bereits erwälmten Umstände bei seiner Aufnahme, 
dass nur private Zusammenkünfte harmloser Art in Sanders* 
dort* stattfanden, w^obei von Ordenssachen gar nicht gesprochen 
worden, und dass er niemals dem Orden Beiträge gezahlt habe. 
Über die Herkunft dei' Pakete machte er dieselben Angaben 
wie in seiner Rechtfertigungsschrifl, 

Die Deputation gab am 28. Januar 1788 ihren Bericht dem 
Kurfürsten ab, der, jedenfalls nicht wenig bewogen durch ein 
vom 31. des Christmonats 1787 datierles, für den Baron ein- 
tretendes Schreiben der Häupter von Graubünden, eine dem- 
selben nicht ungünstige Entscheidung frillte. 

Bassus musste sein Amt als Kämmerer niederlegen, der 
Sequester wurde widerrufen, ihm jedoch aufgelegt, das kurfürst- 
liche Gebiet für jetzt und künftig zu meiden und namentlich 




— 279 — 



einen bindenden Revers zu unterschreiben, 
den Revers; derselbe lautet: 



Bassus unterschrieb 



I Revers. 

Ich unterthänigst endesgeselzter mache mich mit Verzicht 
uf allen geheimen Vorbehalt und bei meiner adelichen Ehre» 
Treue und glauben kraft diess hiermit verbindlich, dass ich in 
gemässheit der mehrfölüg erlassenen Churfürstlichen höchsten 
Verordnung aller immer erdenklichen Verbindung mit dem dei- 
Religion, dem Staat und guten Sitten höchst gefährlichen lUu- 

Kinaten-Orden mich vollkommen entschlage. Fürderhin weder 
nventiculis mehr be\ wohnen, noch zur anwerbung derley 
rdensglieder, weder im Inn* noch im ausstände gebrauchen 
lassen, noch auch die Ordensglieder weder mit Hilfe, Rath und 
Thal unterstützen, ingleicben denenselben weder auf meinen hol- 
ländischen gütern, noch ausser Landes einige Zuflucht oder 
Aufenthalt gestatten oder mit ihnen in eine coirespondenz trete 
und ürdensschriften ferners mehr aufbew^ahre, sofoil aller mittel 
und unmittelbaren gemeinschaft und anhänglichkeit wie diese 
immer Namen haben kenn und mag, vollkommen entsage; euch 
denen diessfalls erlassene churfürstliche Verordnung schuld ge- 
horsamst nochkommen und denenselben in allen unterthänigst 
Folge leisten wolle, und zwar dergestalten, dass im Fall ich 
dieser nun im mindesten direct oder indirect entgegen handeln 
solle, ich mich davon in Bemerk churfürstlich höchster Ver- 
ordnungen und besonders in jener de dato 16. August 1787, 
(w^elche mir dessentwillen ousdi'ücklieh und worttreulich com- 
fcmissionaliter voi^gelesen worden ist) auf dem Überti-eftungsfall 
^gesetzten confiscntions-relegations auch aücnfalsigen Todes Strafe 

gehorsamst unteiAverfen wolle. 
H Zu mehrerm Bekräftigung dessen habe ich gegenwärtigen 

Revers unter meiner eigenen Handunterschrifl, und beygedruekte 
adliche Insiegl zu hohen Commissions Händen schuldgehor- 
samst ausgestellt. 
»geschehen München d. 18. Febi\ 1788, 
Der Hinweis auf die neue Verordnung vom 16. August 1787 
bedarf einer Beleuchtung. Carl Theodor war seit seinen ersten 
Erlassen in immer grössere Angst vor den llluminaten gehetzt 
worden, jedenfalls durch die phantastischen Aussagen eines 
Baron Mandel, auf den wir noch zurückkommen, und hatte in- 




— 280 — 

folgedesseo unter Trompetenschall in München nachfolgende 
unghiubliche Verordnung verkünden lossen, die auch sofort im 
Druck erschien. 

»Es entdeckt sich, je länger, je mehr, wie schädlich uod 
gefährlich die sowohl in- als ausser Landes schon so w^eit ver- 
breitete Illuniinalensecle für den Staat und die Religion seye. 

Die oller'bösesten Folgen und Würkungen, welche davon 
endlich auf die spateste Nachkommenschaft ausrinnen müssen, 
lassen sich kaum in die Ferne übersehen, so fern nicht noch 
in Zeiten auf die Ausrottung eines so grassierend, und weil 
mehr, nls die Pest selbst, zu verabscheuenden Übels der ernst- 
haftest Bedacht genommen wird. 

Es werden daher die hierinfalls schon ei^angenen General- 
Mandata nicht nur widerhollt und erneuert, sondern auch der 
gestalt hiermit geschärft, dass sowohl derjenige, welcher sich 
hielühro in oder ausser Landes von llluminaten anwerben lässt, 
oder selbst Jemand dazu riiiwir-ht, ohne l'nter'scliied der Person, 
von was Würde, Stand oder Wesen sie immer seyii mag, dem 
Criminal-Process unlerwoifen, sofort der Anw^erber am Leben 
mit dem Schwerd, der Angeworbene aber mit der Confiscatioo 
seines Vermögens und der ewigen relegation aus allen Chur- 
fürstlichen Ländei'eyen gegen geschworene Urfed bestraft werden 
sollte. 

Unter der nem liehen contiscations- und relegations Straf 
werden die illuminaten Logen, sie mögen gleich auf diesen oder 
anderen Namen umgetauft seyn, ebenfalls verbothen, worauf 
man auch allenthalben gute Spehr (Späher) bestellen, und die 
Gesellschaften, welclie entweder in Wirth- oder Privatbäusei*n 
mit versperrten Tbüren oder sonst auf verdächtige Weise ge- 
halten w^erden, als wahre Logen behandeln lassen, und die so 
leer als gewöhnliche Ausrede, das es nur ehrliche Compagnien 
von guten Freunden sind, zumal von jenen, welche sich des 
Illuminalismi und der Freygeisterei vorhin schon suspeet ge- 
macht haben, nicht annehmen wird*« — — — 

Dieses Verbot, in dem sich die Despotie bis zur Todes- 
strafe versteigt gegen Mitglieder einer Gesellschaft, deren böse 
Absichten durch gar kein Gerichtsverfahren erwiesen worden 
sind, die zu erweisen nicht der geringste Versuch gemacht w^urde, 
trotzdem Weishaupt sowie seine Anhänger" dringend darum 




— 281 — 

baten, ist wohl der Gipfelpunkt ungeheuerlichster Rechtsbeugung. 
Der Herzog Ernst von Gotha hatte in seinem Brief vom 
29, Aug* 1787 zugesagt, dass Weishaupt bestraft werden würde, 
falls eine Anzeige eine gerichtliche Untersuchung fundieren 
könnte und diese ihn schuldig findet, über Carl Theodor dachte 
nicht daran, ein öffentliches Verfahren einzuleiten, das doch nur 
zu seinem Ungunsten auslaufen konnte. Nachdem die Bassus- 
sche Angelegentieit; die ebenfalls kein gerichtliches Verfahren 
darstellte, in der geschilderten Art verlaufen war, gab der Kur- 
fürst sogar folgende Erklärung ab: 

I Serenissimus Elector. 

Nachdem Sr. Churfürstliche Durchlaucht missfalligst ver* 
nohmen, dass man sich von Seite höchstdero Hofraths aulTmlt- 
dass über die in Illuminatensachen erfolgte gnädigste Rescripten 
nicht öfientlich pröpooieret, auch die von denen selbst gnadig 
ernannte Commissarien von Engel und von Stockli nach Aus- 
weiss von Rescripten erhobene Erfahrungen und Constiiuten 
gleichfalls nicht öfientlich abgelessen worden sind; als declariren 
Höchstdieselben, dass dero höchste Willens Meinung niemohlens 
gewiesen, dieses llluminaten-Wessen in Hochdero Hofrath öfent, 
lieh tractiren, und die hierin gleichfnhls gesammelte acta kund 
werde, oder ein Gutachten von demselben oder von dem Com- 
missarien abfordern zu lassen. Übrigens bezeigen Höchstdie- 
selben in all denjenigen, was denen beiden Commissarien von 
examinirungswillen übertragen, und von ihnen genauest mit all- 
mehligem Vorwissen Dero Hof Ralhs Proesidenten anbey ge- 
naust befolgt worden ist, dero höchste Zufriedenheit und lassen 
es dahero dem Churfürstl. Hofrath zui' Nachricht andurch 
gnfidigst ohnverhalten. 

München, d. 14t«?n January 1788. 
K Carl Theodor. v. Kreitmayen 

dass original liegt bey denen Directorio actis 
Sigl. d. 28. Febr. 1788. Hofroth v. Engel 

ChurfürstL gnadigste Geheime Rescript Abschrift. 



Dieses Dokument beweist, dass aussei-gerichtliches Vei^ 
fahren beliebt und anhefolilen wurde, — und sogar Todesstrafe 
für unbewiesene Vergehen in dieser Zeit der Hechtsbeugung an 
zusetzen möglich war. 



— 282 — 

Die Angelegenheit des Baron Bassus gab auch den drei 
schon genannten Anklägern von Cosandey, Vitus Renner, Georg 
Grünberger, jedenfalls unter dem Druck des unvermutet hoch- 
gewachsenen Verfolgungseifers, Veranlassung, gegen eine weitere 
Heranziehung ihrer Personen zu protestieren. Unter dem Datum 
des 6. Februar 1788 reichten die Genannten eine untertänigste 
gehorsamste Vorstellung ein, in der sie den Kuifui'sten bitten, 
er wolle sie in Rücksicht dessen, was sie bisher in den Sachen 
wider die Gesellschaft der Illuminaten getan haben, von allen 
dem gnädigst verschonen, was ihnen den Hass derselben noch 
mehr zuziehen könnte. Sollten sie auf höchsten Befehl noch- 
mal in diesen Sachen zu erscheinen gezwungen sein, so würde 
man nicht ermangeln, sie als Denunzianten und unvei'söhn* 
liehe Menschen neuerdings überall zu verschreien und verhasst 
zu machen. «— 

Wir können jetzt die Angelegenheit des Baron Bassus be- 
schliessen und müssen zur weiteren Orientierung etwas zurück- 
gehen. 



Die Loge Theodor yom guten Rat. 

Die Aussagen zweier Priester. 

Um dem chronologischen Gang der Ereignisse nicht zu 
sehr vorauszueilen, müssen wir zu der Zeit des zweiten Ver- 
botes, also März 1785, zurückkehren. Es waren in diesem Ver- 
bote die Illuminaten und Freimauj'er zum ei'sten Male genannt 
worden und damit wurde besonders die Loge Theodor zum 
guten Rat in München, deren Meister vom Stuhl, wie wir 
wissen, Baader war, harl gelroffen. Den Mitgliedern war das 
drohende Unheil bereits vorher bekannt geworden, sie hatten 
daher versucht demselben vorzubeugen und beortlerten den 
Theaterintendanten Graten Seeau, eine Audienz beim Kurfürsten 
nachzusuchen, und ihm ein Memorial der Loge zu überreichen. 

Diese Audienz ward am 4. März 1785 gewahrt, jedocli mit 
negativem Erfolg, denn der Kurfürst Hess den Grafen, sobald er 
merkte, dass derselbe übei- freimaurerische Angelegenheiten 
sprechen wollte, gar nicht zu Worte kommen und hess ihn 
stehen. Ei' nahm das Schriftstück nicht entgegen, nichtsdesio 



J 



— 283 — , 

weniger findet es sich im Münchner Poütischem Archiv aufbe- 
wahrt. Da dieses Schrittstück bisher nicht im ganzen Wortlaut 
veröffentlicht worden ist, dasselbe deutlich zeigt, worüber die 
Illuminaten sich zu beklagen hatten, so schallen wir es mit 
verschiedenen Fussnoten hier ein. 

^^m Memorial -abschrift 

^Wlches die Münchner Maurer Loge Sr. Kurfürstl. Durchlaucht 
überreicht 1785. 

b Im Namen der sommtlichen Mitglieder der ausseinander 
^elrettenen Loge Theodor \'om guten Rath im Aufgang zu 
München, 

I Gnädigster Herr! 

Verfolgungen mit gedult ertrogen, seinen Feinden verzeihen, 
sind Pflicht, die ein jeder Christ gern erfüllt; wenn aber die 
Verfolgung biss zur Drückung anwächst, wenn sie Erlicher 
Männer Hasslicher Schandthaten beschuldiget, Ehre und guten 
Namen brandmarkt, selbst die Ruhe des Publikums stört, dann 
wird die Vertheidigung eine Pflicht gegen sich selbst, gegen 
den Staat. 

Gnädiger Herr Herr! nicht Trieb zur Unruhe oder einer 
faction, sondern abgedrungene Nuthwehr für eigene Ehre und 
Sicherheit ist es, die die ehemaligen Mitglieder der aufgehobenen 
Loge »Theodor vom guten Rath^^ an den Tlirohn E. K. D. bringt, 
um dortGerecIitigkeit undSehuz gegen die Wuth Pasf[uitantischer 
Schriften suchen. 

Wie man gegen die Mitglieder dieser Loge vor Verkün- 
digung des gnadigsten Verbots der gelieimen Gesellschaften 
verfuhr, wie man dieselben selbst von den Kanzeln, \\'o immet^ 
Gottes Wort und Wahrheit herrschen sollten, rlen \'erräther 
des Göttlichen Erlösers verglich, ist jedem bekand.*) 



♦) Schon im Jahre 1781 hatte P, Frank, nach dem handschriftlichen 
Bericht eines Ohrenzeugen in einer Passionspredigt die Freimaurer, ohne von 
dem niuminalenlum etwas nfiheres zm wissen, eis Judosbrüder geg^eisselt» «diese 
Leute machen Anstalt xu dem Reich des Anlichristen und allem Ansehein 
nach kann das Ende der Well nlf^ht mehr fern sein.* — — Der Jesuit Gruber, 
die Kapuziner, namentlich P« Bornai-dinus, zeterten gegen die Illuminaten. 
Letzlerer rühmte sich später, der erste gewesen zu sein, der die niuminaten- 
gesellschart verraten habe. Vergh Kluckliohri: Die niuminaten und die Auf- 
klärung in Bayern, 




— 284 — 

\'on unserer Unschuld überzeugt, ertrugen wir alles mit 
gedult, und würden es noch tliun, wäre es bey diesem Stand- 
punkt geblieben, da man uns aber durch eine Schrift, unter 
dem Titel Über Frey- Mauerer erste Warnungc der Über* 
trettung des Londesherrlicln?n Verbots und der Schändlichsten 
Verbrechen ohne Beweiss, ohne Anzeige besonderer Falle be- 
schuldigte: so wurde die Vertheidigung nothwendig. 

Wir riefen durch eine Ankündigung die Beschuldiger*) vor 
einem ime selbst beliebigen Richter zum Beweiss auf, aber 
statt desselben erschien eine zweyte Schrift unter dem Titel: 
>Auch eine Beylage zur Ersten -Warnung*. Welche Be- 
schuldigungen auf Beschuldigung häufllG, den Landes Dica- 
sterien zu nahe Iralt, selbst E. K. 1>. der Sorglosigkeit be- 
schuldigte. 

Bey dieser Lage bleibt uns also nichts übrig, als zur Ge- 
rechtigkeits Liebe unseres gnädigen Landesherrn uns zu flüchten, 
Höchst dero Person die ganze Saclie voi^zulegeii unsere Unschuld 
zu veilheidigen, und wann noch ein Zweifel übi'ig bleiben sollte, 
um gerichtliche Untersuchung gegen die uns gemachten Be- 
schuldigungen anzuflehen. 

Jede Bescliuldigung ist in den Rechten ungegründel, bis 
sie bewiessen wird, wir konnten iiihig den Beweiss entgegen 
sehen. Doch nüzet in diesem Falle die Prüfutig schwerer Be- 
schuldigungen, damit ihr Unwei'th den Werth der übrigen zeuge. 

L Die ausseinander getrettene Loge Theodor vom guten 
Rath soll dass gnädigste Verbot gelieimer Gesellschaften über- 
tretten haben. — 

Die erste Pflicht der Freymaurer ist, den Gesezen ihres 
Staates und den Befehlen ilires Fürsten unterthänig zu seyn, 
So bald E, K. D. durch ein General Verbot alle geheimen V'er- 
bindungen aufgehoben haben, so wurde den mil-Gliedern die 
Einstellung aller Maurerischen Arbeiten durch ein Cir-cular**) 



*) wie schon gesagt, war das der Schriftsteller ßabo. 
**) Der tnhall dieses Zirkulars geht aus nachfolgendem Briefe Constaozos 
hervor; Origioal im Besitze des Autors: 

Diomedes (Graf Constanze) Consilio national! S. p. D, 

Wir haben zuviel auf die Güte unserer Sache getrauet^ zu sehr auf unsere 

Kräfte gerecliriet und zu Sorgenlos unsern Feinden enigegen gearheileL Es 

ist in dem Kurfürstlichen Kabinet beschlossen unsere Gesellschaft zu ver- 

stören und so geneigt uns aonst der beste Fürst gewesen ist, so bat es doch 




285 — 



bekannt gemacht, nach dem X'erbot dnss bissherige Logenlieuss 
verkauft, und wir können keckUch jedermann aiifrulen, den Be- 

der Kabele gelungen, ihn, Gott weiss durch welche Vorstellungen und falsche 
ßeschuldlaungen des Ordens auf das heftigste aufzubringen, und ein Mandat 
abzunöthigen, durch welches in ganz Bayern alle geheimen Verbindungen und 
namentlich die unsrige verbothen werden solle. Zwar ist das Mandat noch 
nicht publicieret, aber wir haben dennoch in gestriger ausserordentlicher Ver- 
sammlung beschlossen , sogleich den genauesten Gehorsam zu bezeigen und 
eben dadurch dem Kurfürsten einen Beweiss zu geben, dass wir diejenigen 
nicht sind, vor welche man uns mag geschildert haben, vielleicht gelingt es 
uns, ihn nach und nach wieder einem günstigeren Entschluss zu bringen, und 
dann wollen wir mit gedoppellem Eyfer an der Pyramide arbeiten und das 
versäumte gewiss ersetzen, machen Sie nur, dass in den andern Landen um 
so thäliger gearbeitet w^erde. Von der Anhänglichkeit unserer Leute sind wir 
überzeugt, dass sie auch ausser allen Ordens-Zusammenkünften und Graden 
dennoch bey der ersten Regierungs Erlaubniss oder Tolleranz mit ganzer Seele 
wieder zu dem Institut zurückkehren. Indessen ist an alle auswärtige Logen 
unterm heutigen das Circular erlassen worden, dass man auf höchst Landes- 
herrlichen Befehl die maurerischen Arbeilen einstelle und man sich also die 
Logen-Gorrespondenzen und Verhältnisse biss auf weiteres verbitte, dagegen 
aber zu anderer freundschaftlicher Gefälligkeit jederzeit bereit seyn werde. 
Eben diesen Auftrag erhielten alle Illuminaten Kirchen in Griechenland (Bayern) 
und ersuche ich Sie, davon auch den Fremden Nacii rieht zu geben. Die 
Ordens-Papiere haben wir auf jeden Fall in Sicherheit gebracht und werden 
diese entweder vernichtet, oder die Brauchbaren an Behörden geschickt worden. 
Vielleicht dass unsere Mächtigen am Hof den Churfürsten bereden, dass 
Er von unsern Satzungen und Graden Einsicht nehme, dann legt man ihm 
solche in Ordnung vor und es wurde gewiss von guter Wirkung seyn. zumalen 
wenn man ihm den Ursprung, die Stifter und das lächerliche zeigte, welchen 
manchmal dabey vorgekommen ist, daraus Könnte Er sich wohl am meisten 
Überzeugen, wie man unsere Macht vergrössert, und wie wenig fürchterlich 
wir sind. Allein es versteht sich, dass man vorläufig versichert wäre, der 
Kurfürst eröfne das nicht weiter, oder höchstens nur einem Meister. 

»Der dürfte es am wenigsten seyn. 
tfasern jungen Leutben könnte man ja wohl die fdee von einar Lasse 
Geaellschafl beybringen, darin könnten sie sich immerl»in nach der Anleitung 
unserer Statuten bilden und beschäftigen, Pythagoras wäre der Mann einen 
solchen Plan zu entwerfen. Diese LesBe-Gesellschaft wäre ÖfrenlHch und atao 
Dicht unter dem Verboth begriffen» und im Grunde bliet» es doch die herr- 
lichste Pflanzscbule vor künftige Zeiten. Nöchstens mehr darüber. Vor heute 
mllssen Sie meiner Verwirrung verzeihen. 

Eben erhalte ich eine Nachricht des Mandats. Sie sehen daraus, dass 
es in Generellen Ausdrücken abgefasst und unser Orden nicht namentltcb vor- 
kommt. Ich bin begierig wie sich die fralrea aureae crucia dabey verhalten» 
Ich folgere daraus vor uns einigen Vorlbell, doch musa man geborcben und 
das fernere abwarten. Nicht einmaJ die lohannla Loge wird mehr gefeuert. 
Osculor te osculo aancto. 

Athen r 23 Chardad 1154/ d. l München d. 23 Juni 1784 



— 286 



weiss zu machen, dnss nach dem Verbote in den Logen oder 
einem andern Hauss in oder ausserhalb der Stadt eine Loge ge- 
gelialten worden sey, 

2. Dqss Mfiui*erische Sistem, nach welchem Wir gearbeitet 
haben, soll kein achtes Sistem,*) mit Keiner ächten Freymauei'ey 
verbunden seyn, der Religion und dem Staate entgegen arbeiten. 
Kenner in diesem Fach, und die Directorial Logen der eklek- 
tischen Mauerey in Frankfurt und Wetzlar, welche uns im 
Namen der zui* Aufrechthaltung der alten und ächten Frey- 
mauerey verbundenen Logen einen Constilutions Brief ertheilel 
haben, werden für uns sprechen und das gegen Theil des 
Letzteren erhellet aus dem, dass jedem bey der Aufnahme 
heilig versichert wurde, dass nichts wider die Religion, den 
Staat, und die guten Sitten vorkommen werde und lasst sich 
wohl von einer geheimen ganz der Gewalt beraubten gesellschaft, 
wass anderes versichern und anders Handeln, ohne selbst dem 
\'orwurfe des Betruges von seiten der mitglieder entgegen zu 
eillen. 

Wir sind Bürger des Staats, kennen keine Geheimnisse 
gegen den Landes Regenten und sind bereith E, K. D. jedoch 
ti Heine, alle unssere Schriften vorzulegen. Eben so sind wir 
bereit ein authentisches Verzeichnis der Mitglieder, welche die 
hiesige Loge niemahls frequentirt haben um so mehr zu zu- 
stellen als die verschiedentlich circulierenden Listen einen un- 
vortheilhaften Schotten auf uns werfen könnten. 



I 



•) Weishaupt erklärt zur RichtigsteUung dieseß Punktes in der Schrift: 
Schilderung der niuminalen 1786 folgendes: _ 

S. 33. Wenn es wahr ist, so soll sich der Kurfürst, ehe er das Ver» 1 
fahren gegen sie entschied, eine treue Liste aller in Teutschland exisUrenden 
Logen haben verschaffen lassen, und da er München nicht darin fand, auch 
auf Privat*Erkundigung versichert wurde, das« der wahre Orden die Münchener J 
Loge misskenne, sich erst zur Inquisition enlschtossen haben. ■ 

S. 34. Dass der Regent die Münchner Loge nicht in dem Verzeichnis 
gefunden, kann sehr nalQHich sein; es durfte nur, wie alle Vermythung daför 
ist, das Verzeichnis der vereinigten Logen von der stricleo Observanz sein. 
Gibt es denn aber» ausser solchen keine wahren und ächten Logen? Die 
erste Loge der Well, die zu London selbst» ist nicht von diesem System. Alle 
englischen Logen in Teutschland, alle Zinnendorlische, alle eklektische Logen 
gehören nicht dazu. Die stricte Observanz selbst ist nur eine abgerisaene 
Tochter von der gemeinschaftlichen Mutter, Die Loge Royal York zu Berlin, 
die zu Manheim» gehören eben so wenig dazu. Was kann aiso diese der Aecbt- 
heit der Loge Theodor schaden, dass sie der Übergebenen Liste nicht eiaTar* 
leibt, oder vielleicht mit Fleiss ausgelassen worden? 




— 287 — 

3. Wirft man uns vor, dass wir Deismus lehren. — Wie 
ungegründet diesser Vorwurf seye^ wird jedem, dem die Mauerei 
nur von fern bekannt ist, darauf einleichten. Weil Christen- 
ihum und Mauerei unzertrennlich sind, und das Bekenntniss 

^zum Clinstlichen Glauben ein gesetzmässiges EHbrderniss zur 
iufnahme ist.*) 

4. Die Loge soll durch Cabalen sich in die innere Staats- 
^'geschäfte gemacht haben. — 

Wir bauen auf dos Zeugniss des ganzen Ministeriums, 
dass wir niemals unaufgefordert und ohne Amts- Pflicht in 
Staatsgeschäfte drangen, diess zeugniss ist zu verehrungswürdig, 
Kais dass jemand an dessen Ächtheit zweifeln sollte. — 

H 5. Auf gleiche Arth ist es Verleumdung, doss wir jemal 

Rainen Einfluss in die ausswertigen Geschäfte suchten, und uns 
des Staats Verrath schuldig machten. 

■ Wass sollen wir verrathen, da wir keine Geheimnisse wissen, 

~ Keine zu wissen verlangen? und gegen w^en sollen wir es, da 

Bayern mit den ausswörtigen Höfen in dem besste^i Verhältniss 

stet, und die vormals streitigen Puncten berichtigt sind? Selbst 

dass von dem oben einigen Mitgliedern ertheilte und der Bey- 

lage zur Beylage eingerückte Absolutorium zeigt von unserer 

Unschuld; Wir können uns (heisst es) zwar nicht bereden, dass 

der Ruf, dass man den Orden missbraucht, gegründet seye, 

aber sollte er grund haben! so schonen sie niemand.<^. Die 

Seele, der es möglich ist, mit dem erlauchten Orden Politisches 

Spill zu treiben, ist sehr krank, und ihre Krankheit ist unheil- 

Hbar, ist noch oben darein ansteckendl. Die Glider, in welcher, 

eine so beklagenswerthe niedrige Seele wohnt, müssen von 

^ unserm Körper getrennt werden, wären sie auch Obere, je eher 

■wir eine dergleichen Entweihung der heiligsten Aschen zugeben 

" und die Asche unserer Erlauchten Stifter zu entheiligen gleich- 



•) In diesem Hinweis liegt ein Hieb gegen den Kurfürsten, denn Carl 
Theodor — war selbst Ppelraaurer. Montezan gibt in seinem Bericht nacti 
Paris vom 26. Nov. 1785 an^ dass der KurfQrst von dem verstorbenen Herzog 
von Zweibrüeken seiner Zeit aufgenommen worden ist und 25 Jahre dem Bunde 
angehörte, bis Pater Frank ihn zu überzeugen wusate» dasa die Freimaurerei 
ein Greuel sei. 

Dieser Umstand gibt auch die Erklärung, warum der Kurfürst den Ke- 
richt des Grafen Seeay nicht hören wollte und die Audienz abbrach. 



— 288 — 



gleichgiltig zusehen können, wollten wir lieber nicht bloss ein 
oder das andere Mitglid, sondern eine ganze Provinz preiss- 
geben, und uns damit bescheiden, dass die Zeit der Reife da- 
selbst noch nicht gekommen seye, die reine Absicht des erl. 
Ordens zu vertragen. Überdiess erklären wir. dass wir alle 
ohne Aussnahme bereit sind für E. K. D. wie das Hauss 
Wittelspöch und das Vaterland Gut und Blut aufzuopfern. 

6. Die Löge solte Schriften, die die innerliche Verfassung 
des Landes betreffen, zum Drucke geliefert haben. — Dergleichen 
Schriften liegen in den Archiven und Registraturen und alle 
Registraturen und Archivarien müssen uns Zeugniss geben, 
dass wir deren keine bekommen, keine verlangten, solte man 
erwiedern, dass, der von EckarLsliausen Maurer unseres Sistems 
seie^ so erhielt er den Zutritt in das geheime Archiv erst nach 
der Erscheinung dergleichen Schriften, er konnte also nicht 
mittheilen, wass er nicht hatte* 

7. Man beschuldigt die Loge des antheils an den Briefen 
eines Reisenden Franzosen, Faustin Salvator, Fantasten, Alma- 
noch, Wiekppps Journal und anderer Schriften, welche Be* 
leidiguügen gegen E. K. D. und Höchst dero Ministerium ent* 
halten. Wir können um so glaubwürdiger erklären» dass wir 
weder an dieser noch an einer strafbaren Schrift antheil haben» 
also die Verfasssten, als die Verfasser der Ersteren bereits 
nahmhaft gemacht worden sind, und wegen der letzten Schriften, 
der Verdacht auf solche, welche mit uns niemals verbunden 
waren, gefallen ist, und wenn man uns auf der einen Seite, des 
Einflusses in die Staatsgeschafte beschuldigt, würden wir wohl 
auf der andern jenen schimpfen, durch welchen wir diesen Ein- 
fiuss erhalten? 

Der Ungrund der einen oder der andern Beschuldigung 
liegt am Tage, und unsere Gewissen Pfliclit muss uns von 
Beyden frey, sowie überhaupt unser Stand, unser Betragen, 
unsere Handlungen für uns sprechen. 

8. Die Logen solten sich in Justizgeschäfte mengen, ihre 
Glider sollen partheiisch handeln: — von dem Gegentheil können 
die Directorien und Amter Zeigniss geben. Wir berufen uns 
auf dieselben, sind bereit zu beweisen, dass wir unsere Mit- 
glider wie Fremde behandelten, und solte einer von uns straf- 
bahr befunden werden, so bitten wir selbst, dass man desselben 
nicht schone, jede Pariei, die im Streite unterliegt ruft über 



I 




— 289 — 

Ungerechtigkeit und leiderl musste die Mauerey den Mangel an 
deren Titel ersetzen. 

9. Entlichen sollten die Mitglider der Loge Gift mischen, 
den Selbstmord befördern und Sodomiten seyn. Lauter Be- 
schuldigungen, die nur Leidenschaft hervorbringen konnten und 
deren Ungrund von selbst erhellet. Wer starb in München 
vei^ftet? Die Verteidigung des Selbstmordes war nie unsere ' 
Sache, so dass wenn auch einige Freymaurer sich selbst todeten, 
der Schluss, dass solches aus dem Sistem erfolgte, ebenso un- 
wahr ist, als dass alle jene, welche sich selbst entleibt, unsere 
Mitbrüder waren. Und sollte wohl der Vorwurf der Sodomie 
ohne Beweisse, ohne gegründeten Verdacht gelden? Ein Vor- 
wurf, welchen geheime gesellschaften, Ordens-Priester und selbst 
die Christen in den ersten Jahrhunderten nicht erkannten. Sind 
nun solche Beschuldigungen von solcher Natur, dass sie theils 
unmöglich theils ungegründet sind: so haben wir keine Unter- 
suchung zu scheuen und die Verfasser der anonymischen 
Schriften, sind im Nicht-Erscheinungs- oder Vertheidigungsfalle 
nach den Landesgesetzen, und dero letztere gegen Pasquillanten 
erschienenen Mandats zu behandeln. 

a) Wir bitten also dass E. K. D. höchst dieselben geruhen 
möchte: Die Verfasser dieser zwo Schriften unter einen 
bestimmten Termin mit aussdrücklicher Beyrückung, dass 
solches auf unser Ansuchen geschehe, aufzurufen, damit 
sie mit Beysetzung ihres Namens die Thäter anzeigen, und 
die Beschuldigungen abweissen, soften aber 

b) die Ankläger nicht erscheinen, so flehen wir gehorsamst 
um eine nähere Untersuchung und dass man sie als Ver- 
leumder, und ihre Schriften als Pasquillen erkläre. — End- 
lich da 

c) die irre geführte Geistlichkeit durch das Lärmen auf den 
Kanzeln die Ruhe des in Rücksicht dieses Gegenstandes 
ganz begreiflflosen Publikums stört, und der erweckte Hass 
unsere Sicherheit und Staats Ruhe in Gefahr sezet: so 
ergehet unsere gehorsamste Bitte, dass E. K. D. dem 
Übel vorbeugen und dergleichen anzügliche Predigten ver- 
bieten. 

Recht, Billigkeit und allgemeine Ruhe unterstützt unser 
gehorsamstes Flehen, die angebohrene Gerechtigkeit E. K. 
D. welcher Keinen höchst dero Unterthanen ohne Unter- 
suchung der Schuld oder Unschuld seiner Ehre und Staats 

Engel, Gesobiebt« des IllamlnAtenordent. j.9 



— 290 — 



/) 



Ruhe berauben lassen versichert uns gnädigsten erhör und 
wir empfehlen uns geliorsanist zu höchsten Gnaden. 
Euer Kurfürst!. Durchlaucht 
unterthnnigst treu geliorsamsie 
Grof von Seeau. 
Graf von Seinsheim. 
Revisions Rath v. Krenner. 
Revisions Rath v. Berger. 
im Namen sammtlicher Mitglider der ausseinander 
getrettenen Loge Theodor vom Guten Rath im Aufgang^ 

in München. 

Aus verschiedenen Aussagen geht hervor, dass die Illurai- 
naten das erste Verbot teils gar nicht auf sich gemünzt hielten, 
teils glaubten, dasselbe habe keine seliwerwiegende Bedeutung* 
Erst das zweite Verbot und die Erfahrung des Grafen Seeau 
als Vertreter der Loge bewies den Ernst der LagQ und nun 
wurden auch olle Korrespondenzen untf Ordensarbeiten» namenU 
lieh jedoch die eingeiichteten Privatcharakter tragenden Lese- 
zirkel aulgeliohen. In einem späteren Verliöre des Johann 
Nepomuk Schiessl, kurfürstl. Rat und Hofkammersekretär ia 
München gibt dieser an, dass gemeiniglicli des Monats einmal 
oder höelisteos zweimal in seiner Woimung diese Vorlesungen 
stattfanden, bei denen aus dem Abt seinem Verdienst, aus 
Seneca, Epictet und anderen voi*gelesen wurde. 

Solche Lesegeseliscliaften %\'ai"en zur Heranziehung neuer] 
Kandidaten sehr behebt und erfolgreich, belnnden sieh in vielen 
Stadien und entnahmen den Stoff zu ihren Vorlesungen meist 
jenem Bücherverzcicimis, das Weishaupt ausgearbeitet hatte 
und in den Statuten uirter Punkt 25. bereits angegeben ist. 
Auch in Ingolstadt befand sich solcher Zirkel. Haupt desselbeil| 
war Professor Ki-enner, der mit anderen Kollegen später in 
Untei-suchung gezogen w^urde, ohne jedoch eine besondere 
Sti'afe zu erleiden, aber erst im Jalire 1791 wurde ihm seine 
frühere Illuminaten-Eigenschaft ausdrücklich verziehen und ei 
1792 sogar in den Adelstand erhoben. Alle derartigen Zirkel 
(denn die offiziellen Vei'sammlungen Imtten bereits nach de 
ei'steu Verbot ihr Ende gefunden) hörten nunmehr ganzlich auf*^ 
Dieser Gehorsam konnte jedoch den rastlos arbeitenden Feinden 
kein Hindernis bieten, ihre Vernichtungswut einzudämmen, sie 
wollten mehr Opfer und fanden sie. 




— 291 — 



Es ist bereits ongedeutel, dass jenos Schriftstück, das ein 
Professor der Herzogin Moi'ia Anna als Änklogeschrift gegen 
die Illuminoten überreichte, von dieser nach Berlin an den 
Grnfen Herzberg geschickt und in Abschrift durch Chalgrin nach 
Paris gesandt wurde, recht verdächtige Ähnüchkeit zeigt mit 
den Aussagen, die der Priester und Professor Cossandey dem 
Fürstbischof von Freising gegenüber schriftHch niederlegte. 
Letzterer hatte Cossandey ann 30. Mai 1785 zu sich befolilen 
und verlangte von ihm, dass er alles aufdecke, was in der Ge* 
Seilschaft der Illuminaten ihnn bekannt geworden sei. Ebenfalls 
^erhielt Vitus Renner dieselbe AulTorderung. Die Aussagen beider, 
"die durch eine Namensüste der ihnen bekannt gewordenen Illu- 
minaten besondere Bedeutung erhielten, wurden nunmehr der 
Anhaltepunkt der bis ins masslose gesteigerten Verfolgung. Zur 
gerechten Beurteilung der ganzen Zeitperiode ist es notwendig; 
beide Anklageakte hier im Worllaui bekannt zu geben, nament- 
lich da in andern Schriften über den Orden stets auf diese hin- 
gewiesen wii'd, jedoch nur Bruchstücke als Beweis für den einen 
»oder andern Punkt bekannt gegeben wurden. 
' Der Inhalt der Schriften zeigt deutlich, dass Cossandey 
der gehässigere, Renner der gemässigtere, vorsichtigere An- 
kläger ist. 

^Die Schriftstücke lauten: 
' Bericht von 

r Joannes Sulpitius Cosandey. 

Nachdem Seiner Hochfürstlichen Gnaden der Hochwürdigste 
Fürst Bischof zu Freysing mein gnädigster Ordinarius sowohl 
in Hochstdero, als auch in Seiner Churfürstl. Durchlaucht zu 
Pfaizbayern meines gnädigsten Landesherrn Höchsten Namen 
^biich Endesunterschi-iebener den 30t«n März 1788 zu Sich vor- 
zurufen und mir zu befohlen gnädigst geruht haben, alles das 
»geti-eulich und ohne Gefährde zu offenbaren, was in der Gesell- 
schaft der Illuminaten wider die christliche Moral und unsere 
liebe katholische Religion vorkommt. So bezeuge ich hiermit, 
Kdnss ich diese mir von meinen höchsten (Jbrigkeilen gnädigst 
Böuferlegte Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen mit folgender 
■Aussage erfülle. 

H Wenn Menschen eine thätige und geheime Gesellschaft er- 
^richten, so wählen sie sich einen gewissen für sich interessanten 
Zweck. Das gemeinschaftliche Interesse ist allein im Stande 

ir 



— 292 — 



I 



die Glieder jeder Gesellschaft aneinander zu schliessen. Dieses 
Interesse mag nun in Reolitaten oder eingebildeten Chymaren 
bestehen, seine Wirkungen machen doch immer die Bande 
der Gesellschaft aus. Der vorgesteckte Zweck setzt gewisse 
Mittel voraus, welche zum Zwecke führen, die mir gnädigst ge- 
machte Frage reduciret sieh also auf die folgende: 

Ist die geheime Gesellschaft der Illuminaten thätig 
und vertragen sich Zweck und Mittel derselben mit den 
Pflichten gegen den Staat und die Religion? 

Von derThötigkeit dieser Gesellschaft welche bei den Oberen 
und Unterobern bis zur Schwärmerei geht, war ich einige Jahre 
hindurch ein Augenzeuge, und Bayern hat leider! nur allzu 
sichtbare Bew^eise davon, Folgende Bemerkungen über die 
inneren Einrichtungen dieses Institutes über die Wahl und die 
Behandlung der Mitglieder, über das listige Betragen und 
schändlichen Grundsätze der TJberen endlich über einige Ab- 
sichten dieser Gesellschaft werden es entscheiden, ob der, 
Zweck und die Mittel derselben, sich mit den Pflichten des 
Menschen, des Bürgers und des Christen vereinbaren lassen. 

Die Freymauerei ist bloss die Hülle und der Deckmanlei 
der Gesellschaft der Illuminaten. — Sie wird von dieser dirigirt, 
getauscht und missbraucht. 

Der Grad der Minervalen ist in der Illumination der unterste, 
folglich der unschuldigste. Er hat den Schein einer gelehrten 
Gesellschaft, ist aber in der That eine Vorbereitungsschule für 
die Illumination. Tauget der Minerva! hiezu nicht, so wird er 
bloss in die Loge oder Freymauerei, worin er keine Aufschlüsse 
bekommt, befördert. Alle Illuminnten sind zugleich Freymauerer; 
nicht aber alle Freymauerer sind Illuminaten, Desw^egen sagen 
sie: multi vocati et panei electi! — 

Sie nehmen junge hoffnungsvolle Männer, lenksame, gut- 
herzige, wissbegierige, fähige Köpfe, auch anselinliche. reiche, 
verschlagene Leute auf. Staatsbeamte und Geistliche sind ihnen 
willkommen, wie auch Mediziner, Professoren, Archivare, Sekre- 
taire, Bibliothekare,. Hofmeister, Postoffiziers, Wirthe, Apo* 
theker pp. 

In der Bildung, Lenkung und Behandlung des Novizen 
und Minervalen brauchen sie zu Anfangs sehr gelinde, ein- 
nehmende, verführerische Mittel, z. B. die Larve der Tugend, 
der Menschenhebe, der F^reundschatt; Versprechungen grosser 
moralischer und physischer Vortheile. Die geben sich in ihrer 



- 293 



Jesellschafl den Schein von Macht, von Ansehen, von Weis- 
heit; und vom Besitze wichtiger Mysterien. Sie suchen, durch 
erkünstelte Aufrichtigkeit seine schwache Seite auszuspähen und 
ihnfi seine Geheimnisse abzulocken: Sie legen ihm häufig ver- 
fängliche Fragen vor, die er schriftlich beantworten und da- 
durch biosgeben muss, Sie verleiten ihn zu Fehltritten, 
forschen seine begangnen Fehler aus, und halten seine einge- 
gebenen Schriften und eigenhändigen Bekenntnisse sorg- 
fältig zurück. Sie fordern von ihm seine eigene Lebens* 
geschichte, wie auch umständliche mit Thatsachen 
bewiesene Schilderungen von der guten und bösen 
Seite seiner Bekannten, Dadurch muss er sich und andere 
nolhwendig entziffern und schriftlich compromittiren. 
Kurz sie versichern sich seiner durch alle möglichen, durch die 
feinsten Kunstgriffe, das ist oft das Werk einiger Jahre. In- 
dessen steht er schon und auf immer unter den blinden Ge- 
horsam, der ihm vollkommen unbekannten erlauchten Obern, 
die er als vollkommen gute Menschen, ja als Halbgötter anzu- 
sehen und zu verehren gezwungen ist. Er steht mit ihnen in 
linem unmittelbaren Briefwechsel, doch mit dem wesent- 
^lichen Unterschiede, dass die Obern die kleine Vorsicht ge- 
^bruuchen und seine Originalien sorgfältig zurückbehaUen, da 
%ie zugleicli die Ihrigen ebenso vorsichtig von ihm zurück- 
fordern. In diesem Briefwechsel ist er schuldig alles, was ihm 
immer für den Orden erheblich vorkömmt den Obern zu ent- 
decken. Er kann diesen monatlichen Bericht dem Provinz- 
Collegium unter der Aufschrift :*Quibus licet^ dem Provinzialen 
unter der Aufschrift *SoIic und dem Generale des Ordens unter 
Aufschrift vpamio^^ einsenden; Niemand als die iJbern wissen 
die details, die darin vorkommen; denn alle Briefe laufen durch 
die Untern. Der solche Briefe nicht richtig und getreulich be- 

» sorgte würde gewiss suspendiert oder gar ausgeschlossen 
werden. Auf die Weise erfahren die Obern alles, was 
immer sie zu erführen verlangen mögen. Daher sagen 
sie mit Zuversicht von sich selbst: ^Wir sind im Stande 
mehr zu weissen alsandere» mehrzu wirken als andere.« 
B Gesetzt nun ein Einziger unter den Obern wäre ein böser 
Mensch, oder gar ein Landesverräther. was könnte er nicht 
unternehmen? Ein Maxime der Obern ist: »nihil agenti 
similis multa agens.« — Kann ein solches System wohl ge- 
duldet werden? In Rücksicht seiner gibt es sichtbare, ver- 




- 294 — 



seh wunden e, und garanlirte Mitglieder. Man macht ihn nur mit 
jenen wenigen bekannt, die er ohnehin als rechtschaffene Leute 
hochschätzt und liebet, und w^elche ein Ascendant über ihn 
haben. Alle übrigen müssen das strengste Incognito gegen ihn 
beobachten: so, dass er niemals wissen kann, ob Personen die 
er sonst kennet, oder mit denen er umgehet, seine Mitglieder 
sind oder nicht. Er befindet sich in der Lage eines gemeinen 
Soldaten, welcher nur vier Unteroffiziers und zehn bis zwanzig 
Kameraden kennen würde, ihm aber das übrige F^egiment be- 
sonders die Stabsoffiziere, und der Kriegsrath gänzlich unbekannt 
waren, und der doch unter der Kriegs-Disciplin, und strengsten 
Subordination stünde, ohne zu wissen, was er wäre, was er 
werden wollte, wenn er diente und wozu man ihn endlich 
brauchen würde. Auf diese Art, bekömmt mancher Minen^al oder 
Mauei*ei' sein ganzes Loben hindurch keine Gelegenheit, die 
Hälfte seiner Ordensbrüder kennen zu lernen. Er muss sich 
immer mit literürischen Arbeiten, mit Spionerey und scheinbarer 
Leitung der Tyranen, mit unschuldigen für ihn ganz räthselhaften 
Zeremonien beschäftigen. 

Ist er hinlänglich gefesselt, geprüft, und vorbereitet, so wird | 
er in die Illumination befördert. Hier lernt er das eigentliche 
System des Ordens etwas mehr kennen. Doch geschieht dieses 
wieder sehr langsam und mit moghchster Behutsamkeit. Hier 
lernt es mehrere Mitglieder und Unterobere kennen, doch sind 
die ei*lauchten Oheni immer für ihn unsichtbar. — 

Zu dieser Beförderung muss er, nach ihrer Sprache zu 
reden die Hcligions-Vorurtheile abgelegt haben, oder ihnen 
dieselben abgelegt haben scheinen, denn kein Religionar (es 
ist ihr Ausdruck) wird in die höhern Grade aufgenommen. 

Die eiiauchten Obern sind es, die durch alle Grude den 
Ton angeben. Ilire Befehle, ihre Maximen, ihre Meinungen, und 
ihre Lehren machen überall die Seele, die Vorschrift, den Geist, 
und alle Triebfeder dieses Institutes aus. Die Obern oder LTnter- 
obern sind entweder künstliche Betrüger und schwarz 
syslemathische Bösewichter; oder sie sind von andern 
beseelte oft sehr gut meinende Enthusiasten und 
schändlich betrogene Schwärmer. 

Beweise hievon sind folgende Kerns]»rüfhe und Grundsätze 
die sie zwar bloss mündlich ^das versteh! sich) ihren Unter- 
gebenen unaufhörlich einprägen. 



^. 



— 295 — 

1. Wenn die Natur uns eine allzu grosse Bürde 
aufleget, so muss der Selbstmord uns davon befreyen 
Patet exitus. 

So geneigt ich bin die Selbstmörder als verzweifelte, 
kleinmüthige oder wahnsinnige Leute zu entschuldigen; so 
sehr halte ich die Lehre des Selbstmordes für gefährlich und verab- 
scheuungswerth. Doch Selbstmörder müssen den Obern zur 
Ausführung wichtiger Dinge unentbehrlich sein. Denn was 
wird derjenige fürchten,- der den Tod und die Folgen 
des Todes nicht fürchtet? Man sagte uns, ein Illuminat 
müsse eher sich den Tod anthun, als die Gesellschaft verrathen; 
und den Selbstmord pries man uns als eine himmlische Woll- 
lust an. 

2. Rien par raison, tout par passion der Zweck, das 
Wachsthum, und der Nutzen des Ordens wird ihnen Gott, Vater- 
land und Gewissen. Pflicht ist alles, was dem Orden vor- 
theilhaft ist, und das Gegentheil ist Laster, ist schwarze Ver- 
rätherey. 

3. Der Zweck heiligt die Mittel. — Also Verläum- 
dungen, Giftmischungen, Todesschläge, Verrätherey, Rebellionäre 
alle Schandthaten sind erlaubt, sind löblich, wenn sie zum 
Zwecke führen. 

4. Den, der uns verräth, kann kein Fürst schützen. 
Also gehen Dinge bey dieser Gesellschaft vor, welche dem 
Interesse der Fürsten entgegengesetzt sind; Dinge, die ihrer 
Wichtigkeit halber verdienen entdeckt zu werden — und diese 
Entdeckung wäre in den Augen der Illumination eine Verrätherey, 
welche sie im Voraus zu rächen droht. — Vor ihrer Rachgierde 
können also weder Fürstenschutz, weder Gerechtigkeit, weder 
Polliezey den Rechtschaffenen schützen und sichern. Sie müssen 
also Mittel besitzen, ihre Ankläger unbestraft aus dem Wege zu 
räumen, diese Mittel lassen sich errathen. 

5. »Tous les rois et tous les Prötres 
Sont des Fripons et des Traitres.« 

Oder auch: alle Pfaffen sind Spitzbuben. 

Religion, Vaterlands, und Fürstenliebe müssen sie ihrem 
Plan gemäss untergraben, weil doch Religion, Vaterland und 
Fürstenliebe die Menschen für einzelne Staaten allzusehr ein- 
genommen und von dem »weit aussehenden Gesichtspunkt der 
lUuminaten« (alles ihre Sprache) abgeführt werden. 



— 296 — 



Unter andern Absichten suchen sie ein Sitten regimenl 
einzuführen, welches sie in jedem Lande in ihrer Gewalt hätten. 
Von diesem Collegium würden alle Gnadensachen, Dienstver- 
leihungen, sine Adpellatione ad Principem abhängen. Ua- 
durch würden sie sich das unbegränzte Recht anmassen über 
die Ehriichkeit und Brauchbarkeit der Individuen das End- 
urtheil zu sprechen; dadurch würden sie den Fürsten (nach 
ihrer Sprache) durch eine geheiligte Legion ihrer ge- 
treuen Anhänger umringen, .fesseln und nach Will- 
kühr beherrschen. — Durch ein solches Siltenregimenl) 
auch Sitten -Comission (oder Fiscat genannt) würde diese 
Gesellschaft die fürchterlichsten Despoten der vier Weltheile, 
und die Regenten verächtliche, unmächtige Phantome, und ge- 
krönte Sklaven derselben werden. 

Dass der in der ersten Warnung gedruckte Ordensschwur 
wahr ist, kann ich auch mit einem Originale beweisen. — 

Diese getreue Aussage bin ich bereit mit einem korper 
liehen Eide zu bekräftigen. 

(L. SO 

München den 3ten April 1785, 

Joannes Sulpitius Cosandey 

Priester und Professor bey der Herzoglichen 

Marianischen Landesakademie. 



Bericht von 
Vitus Renner. 

De Seine IlHcljCürstlichen Gnaden der HochwürdigsE 
Bischüf zu Freysing mein gnädigster Oi'dinarius den 30teri März 
1785 mich vorrufen zu lassen und in Höchst Dero sow'olil als 
im Namen Seiner Churfürstlichen Durchlaucht zu Pfalzbayern 
meines gnädigsten Landesherrn aufzutrogen gnädigst geruht 
haben, von alten dem, was ich im <)rden der Illuminaten wider 
Religion und gute Sitten augelrofen habe, ein christliches Fer- ■ 
zeichnis unterlhanigst zu ühermaclien; so bekenne ich Endes- 
gesetzter mit bessten Wissen und Gewissen alles, was ich 
immer in diesem Orden für die Religion und gute Sitten Nach- 
theiliges und Anstossiges gesehen, gehört und angetrofen habe. 

Es ist der ftrden der Illuminaten wohl von der Frey- 
mauerei zu unterscheiden. Ein Unterschied welclier nicht ein- 
mal von Minervalen (denn so heissen die Neueingeweihten, 
odei' die vom ei"sten Grad des Ordens) am allerwenigsten aber, 




— 297 — 

von blossen Freymaurern bemerkt werden dürfte. Mir selbst 
blieb er immer eine versteckte Speise, bis man endlich nach einer 
langen Prüfung, für gut befunden hat, mich zu einen höheren 
Grad zu erheben, und aus mir einen Illuminaten minoram 
(in dem zweiten Grad fängt man erst an Illuminat zu heissen) 
und endlich gar zu einer kleinen Obrigkeit zu machen. Da 
wurde mir auf einmal der Aufschluss gegeben, und es stund 
mir eben nicht mehr frey, Freymauerer zu sein; denn es war 
aus weisen Absichten, des Ordens festgesetzt, dass jeder, der in 
den zweiten Grad des Ordens noch bey einem halben nach- 
gesehen hat, bis ich mich gleichwohl auf das viele Murren 
meiner illuminaten Brüder, welche glaubten, dass mir der Orden 
zu viel traue, bequemen musste, auch in die Mauerer-Gesell- 
schafl zu tretten. Ich fand dabei freilich wenig Vergnügen, 
doch erhielt ich dadurch den Vortheil einzusehen, zu welcher 
Absicht die Freymauerer dem Orden dienen müsste. Die Illu- 
minaten scheuten nichts mehr, als unter diesen Namen be- 
kannt zu werden. Sie suchten desshalb, nur für Freymauerer 
angesehen zu werden; wohl überzeugt, dass sie unter dem 
Schilde dieser anscheinenden Unrichtigkeit sicher genug wären. — 

Die Freymauerei ist also der Deckmantel des feinen Systems, 
nämlich des erlauchten Ordens. 

In der Gesellschaft der Freymauerer allein ist, nach den 
Ausdrücken der Illuminaten selbst, nur der Tross von Leuten; 
wovon es für einige wenige noch Glück sein muss, wenn man 
nach einer harten und kostbaren Prüfung würdig findet, sie 
ganz in der Stille ins innere Heiligthum des Ordens aufzu- 
nehmen. Die Übrigen, sie mögen denn Lehrlinge, Gesellen 
oder gar Meister seyn, müssen mit Geremonien- Werke zu- 
frieden, am Joche fortziehen; vielleicht, weil ihre Augen zu blöde 
wären, und das Licht des Ordens nicht ertragen könnten, 
vielleicht auch, weil man auf eine so grosse Anhänglichkeit und 
Verschwiegenheit, welche wesentliche Dinge des Ordens sind, 
nicht viel rechnen dürfte. Es war daher einmal von den Obern 
für sie festgesetzt: ex Inferno nulla redemptio. Demungeachtet 
wussten die Illuminaten, von welchen sie ohne ihr Wissen ge- 
leitet werden, sich den herrlichsten Nutzen, von ihren Ansehen 
und Vermögen zu schaffen. — 

In meinen Zeiten gab es hier zwar solche Klassen, welche 
den Namen Kirchen hatten. Jede von dieser wird von vier 
Männern, nämlich von einem Superior, Gensor, Quaestor 



— 298 — 

und Secretair, welch miteinander den Megistrat ausmachen» 
und in höhern Gnaden seyn müssen, ganz nach der Intention 
des Ordens dirigirt 

Es wurde daher monatlich wenigstens eine öffentliche Ver 
Siimmlung gehalten, wobey alle znv nämlichen Kirche gehörigen 
Mitglieder erscheinen und in einem verschlossenen Zettel unter 
der Aufschrift »Quibus licetc oder »Soli«^ oder iPrimoc ein 
genaues Verzcichniss aller Handlungen, Worte pp. welche sie 
an andern wahrgenommen haben, den Obern iiberreicben müssen. 
Von Einsendung des Quibus licet ist kein Mitglied des Ordens, 
ausgenommen: sie gehen durch alle Grade durch und müssen 
von dem, welchem selbe eingehändigt werden, unerbrochen 
immer an hohe und höhere Obern übergeben w^erden. 

Die übrigen Geschäfte der Versammlung bestehen neben 
wenigen Ceremonien in Verlesung der Ordensstaluten, wenigen' 
Stellen aus einem alten Phylosophen und einer Rede, welche 
VOM den Mitgliedern wechselweise verfertigt werden muss, und 
von verschiedenen Stoffen sein kann. Und da man überhaupt! 
die Religionairs nicht liebt, so erwirbt sich ein Mitglied viel 
Rhre, ja selbst den Ruhm eines aufgeklärten Kopfes, wenn seine 
Rede etwas frey abgefasst ist, obschon der Obere im Beyseynf 
anderer hinwieder, schwachen und unzuverlässigen Köpfen eine 
Miene einer kleinen Unzufriedenheit machen muss. Bei solcher 
Gelegenheit brauchten die Obern alle Vorsicht, Und es würde 
wider das System des Ordens grob gefehlt seyn, wenn sich derj 
Obere einfallen liesse, in öffentlicher Versammlung frei zu reden 
und die Ordensgrundsätze zu verbi'citen; jedes Mitglied wüixldj 
dieses Verfahren des Obern für eine Folge des Systems an-j 
gesehen haben. 

Um also diesen Verdacht zu vermeiden, stellte man reichent- 
lichc Zusammenkünfte an, wobei die Mitglieder frey von Cere- 
monien und Zwange sich übei* jeden Gegenstand dissputieren 
dürften. Bei dieser Gelegenheit wussten die Obern, und andere, 
welche den Geist des Ordens einsogen, die Religions-Vorurtheile 
st> lange lächerlich darzustellen, (denn alles beisst X'ni'urtheil, 
was ihrem Zwecke zuwider ist) und durch Scheingründe didl 
Grundsätze desfn^dens so anzüglich zu machen, bis gleichwohl 
der Schüchterne durch das Beisjjiel vieler anderer aurgefrischt, ■ 
von Schlacken Heligions-Vorurtheilen gereinigot, und mit ihren | 
Grundsätzen beseelt, den andern Brüdern vollkommen gleich 




— 299 — 

geworden ist — Gelingt es bei Einigen nicht, so sind sie für 
den Orden verloren. 

Das Auflfallenste was ich im Orden antraf, ist unstreitig die 
Art, womit sie die Leute zu fesseln und dann zu behandeln 
pflegen. Man bemüht sich den Orden gross zu schildern, von 
selben mit Ehrfurcht und Würde zu reden, mit Versprechungen 
zu betäuben und mit dem Anhange vieler ansehnlicher Leute, 
welche alle auf den Befehl der Obern an der Beförderung anderer 
arbeiten müssen gross zu thun, bis gleichwohl das Mitglied die 
Erfüllung jedes Auftrages für Pflicht, und das Wohl des Ordens 
für sein eigenes ansieht, oder anzusehen scheint. Und hat ein 
solcher das Unglück eine unbesonnene Handlung oder dem 
Orden in einem Quibus licet, Soli oder Primo ein Geständ- 
niss von dem vertrauten oder abgefischten Geheimnisse seines 
Freundes oder eines Andern gemacht zu haben, so ist er für 
sich verloren, und gehört ganz dem Orden. Hat er nun einmal 
die Fesseln an, so ist ihr Verfahren stolz: sie achten seiner nicht 
mehr, er kann austretten, heisst es, wir bedürfen seiner nicht. 
Ich glaube nicht, dass es ja einer wagt, oder wagen werde, nur 
eine unzufriedene Miene zu machen, am allermindesten aber, 
davon zurückzutretten , besonders wenn er sich der fürchter- 
lichsten Drohungen erinnert 
Kein Fürst kann den schützen — der uns verräth. — 
Ihr Geschmack in Auswahl der Mitglieder war gewiss der 
besste. Sie suchten nur solche Leute in ihr System zu ziehen, 
welche sie zur ihren Absichten benügen zu können glaubten. 
Leute von Stand, Ansehen, Vermögen, Räthe, Archivarien, Sekre- 
tairs, Landbeamte, Professoren, Geistliche, Hofmeister, Haus- 
secretairs, Mediciner, Apotheker, waren ihnen also die ange- 
nehmsten und willkommensten Gäste. 

Der zweite Grad, welcher aus einem grösseren Ordens- 
bande, einem andern Handdruck, und wenigen Kleinigkeiten, 
weiter nichts von Ceremonien enthält, ist eigentlich die Schule, 
worin die MitgHeder, wenn ich micht recht ausdrücken darf, 
wie die wahren Spürhunde abgerichtet werden. Es empfängt 
da jeder eine auf genaue Beobachtung und Erfahrung sich 
gründende Instruction, wodurch er im Stande gesetzt wird, die 
Gesinnung und Meinung eines jeden zu erforschen, selbe zu 
benüzen, Geheimnisse abzulocken p. p. Kurz den Menschen 
durch und durch zu kennen, und den daraus zu machen, was 



— 300 — 



er will. Mit dieser Instruction ausgerüstet, muss er gleichwohl 
den ehrlichen Mann, welchen nach Befehl des Obern das Loos 
trifTt, vom Scheitel bis zur Zehe nach folgenden Formular ge* 

treulich protoeolliren, 

Gemüthsart: Handelt er gerade aus; oder verstellt 
er sich? gegen wem? interessiert ihn das Schicksal 
anderer? oder sorgt er nur für sich? arbeitet er gern? 
Ist er in seinen Handlungen rechtschaffen? Lässt er 
sich davon abbringen? durch Drohung? Liebkoseu? 
Geld? Frauenzimmer? Ungnade? Verfolgung? Unglück? 
Freundschaft? Hass? Rachgier? Versprechungen? Be* 
förderungen? wenn er ungestraft das Gegentheil thun 
kann? Ist er im Schmerze wortreich? geschwätzig? oder 
still? oder stumm? Ist sein Schmerz lang anhaltend? 
Hat er starke Leidenschaft? welcher ist er am meisten 
ergeben? Kann er ziement gegenwärtigen, lebhaften 
peinlichen Eindruck widerstehen? Hat er einen Hang 
zur Schwermuth? die Leidenschaft zu Grunde hnt? oder 
ist es blos Temperament? Ist er geizig oder zur Ver- 
schwendung geneigt? Und zu welcher Zeit liebt er 
die Jagd? Welcher Art Jagd? Hört er gern vrm Mord- 
geschichten? 

Alter? Namen? Vaterland? Gestalt? Gesichtsbildung? 
Haar? Stimme? Gang? Anstand? Gesundheits-Zustand? 
Sprache? Vortrag? 

Die Eidesfnrmul des erlauchten Ordens (die Mauerer haben 
eine ganz verschiedene) und die übrigen Tabellen und Vor- 
schriften sind in der ersten Warnung für Freimauerer Seite 29 
und 52 v(in Wort zu Wort zu lesen. | 

Freilich, eine gute Einrichtung! ob sie aber ebenso gut für 
Religion, den Staat, und gute Sitten seyen, würde ich schwer- 
lich Beweise finden. Doch darum fragt sich nicht! 
Nihil inleresset quo modo: Zweck heiligt die Mittel! 

Diese Art Beleuchtung wechselt nun mit jedem höheren 
Grade^ denn der erste Grad schon odelt, Ist es der Ausdruck der 
nbem, was wird sich erst von höhern hoffen lassen! Doch ist! 
dabei mit vieler Vorsicht die Veifugung getroffen, dass jedes 
Mitglied zwar alle andern von nämlichen Grade, und umsomclir 
Vom untern Grade, aber keinen von höhern kennen dürfen, 
ausser diejenigen, welche zur Direktion seines Grades, oder 



I 




— 301 



i als Visitaloren oder Spionen, von den höchsten Obern be- 
istimmt worden sind. Die übrigen alle sind für ihn verschwun- 
dene Dinge. 

Diese Einrichtung macht nun unstreitig die grösste Stnrke 
des Ordens aus. Dadurch können die Obern unbemerkt ihre 
Untergebenen beobachten, ihre Verschwiegenheit, und Anhäng- 
Hchkeit prüfen, und was noch das Vorzüglichste ist, selbst im 
falle der schon lange gefürchteten trüben Tage ihre unter- 
drückten Brüder bei allen Gelegenlieiten unterstützen, ohne den 
mindesten Verdacht zu erregen, dass sie selbst an dem Systeme 
Antheil haben, da sie ihrer Einrichtung gemäss allen Brüdern, 
und umsomehr allen Profanen unbekannt seyn müssen. Wer 
diese Einrichtung überlegt, wird mit mir gestelien müssen, dass 
ein feineres System wohl nicht mehr möglich sey. Wenn ich 
mich daher, dieser unbekaniiien Brüder, ihrer Verfassung, und 
noch obendrein dei- Sittencomission, wovon unten eine kleine 
Bemerkung vorkommen wird, hinwieder erinnere, so wird es 
mir immer begreiflicher wie der Ordenssatz wahr sein könne: 
Kein Fürst kann den schützen der uns vorräth! 
Noch gibt es Leute, und man kann sie wohl bemerken, 
welche den Orden, ohne doch dabei seyn zu wollen, mit 
vieler Hitze vertheidigen. Ein Verfahren! welches gewiss 
eine Anmerkung zu verdienen seheint. Entweder sind diese 
Lobredner in den Oi'den, oder nicht? sind sie niclit darinnen, 
■do ist unmöglich das zu loben, und zu vertheidigen, was sie 
■ nicht wissen können: sie sind aber selbst beym System, so ver- 
dienen sie eben darum keinen tilauben, auch dann nicht, wenn 
sie ihre zum Schein entworfenen Papiere von der Ordens- 
einrichtung zu ihrer Vertheidigung vorzeigen, oder auch alles 
Gute bey ihrer Ehre bei heuern würden. Man würde daher, 
wenn man die Unmöglichkeit etwas vom <Jrden ausserhalben 
zu wissen, und die Art des Verschwindens wohl zusammen holt 
gewiss so unrichtig nicht Schlüssen, wenn man Schlüssen wollte, 
dass die Vertheidiger selbst im Orden, und zwar von jener Art 

tseyn müssen, welche man in der Ordenssprache »Verschw^undene« 
nennt 
Dieses ist nun die Grundlage des ganzen Orden-Syslems so 
weit es mir bekannt ist. — Setzet man noch einige Kernsprüche» 
als: »tousle i'oiset tous les Pretres, sont des Fripons et 
desTraitres« und folgende Grundsätze hinzu: so wird es von 



^ 



302 



selbst auffallen, ob, und wie weit sich der Orden mit Religion, 
und der christlichen Moral vertrage. 

Der Selbstnnord, welchen die Obern den Brüdern predigten, 
wenn sie selbige zu trüben Tagen vorbereiten wollten, gehört 
unter jene Sätze, die am meisten Aufmerksamkeit verdienen, 
Sie wussten diese Handlung als ein so leichtes und in gewissen 
Fällen vortheilhaftes Mittel zu schildern, dass es mich nicht 
wunderte, wenn ein oder der andere zu dieser Handlung schritt, 
besonders» da man durch Beyspiele dem Selbstmorde noch eine 
gewisse Wohllust anzudichten sucht. Meinetwegen mag das 
Beyspiel welches ein gewisser Oberer von einem Engländer er- 
zählte, der sich selbst erhängt, aber noch zur rechten Zeit voni 
Strick losgemacht worden, wahr oder erdichtet seyn: so würde 
ich doch nicht der Narr sein, mich durch die blosse Aussage 
dieses Mannes, dass er die schönste Harmonie von Tönen in 
den Ohren gefühlt habe, verleiten lassen, meinen Ohren auf 
Kosten meines Lebens diesen angenehmen Kitzel zu verschaffen. 

Unter allen bösen Grundsätzen aber, scheint mir der ge*. 
ffihrlichste zu seyn . . , 

Zweck heiligt die Mittel! Wollte einer diesem Grund- 
satze zu Folge Iiandeln, so dürfte er, welches sonst gerne und 
getreulich geschieht, jeden ehrlichen Mann verläumden, soga 
auch jenen, von dem mon nur zu vormuthen hätte, dass er einst 
den Absicliten des Ordens im Wege seyn könne, er dürfte den 
andern aus seiner Stelle drängen und vei^iften, morden pp. 
Kurz! Ihun, was er wollte, wenn es nur zum gi*ossen Zwecke 
führte. Und gesetzt auch, es ereignete sieh der Fall entdeckt 
zu werden: — Patet exitus: eine Kugel für den Kopf — 
und man ist der Gerechtigkeit entrissen. 

Ich würde zu keinem Ende kommen, wenn ich alle Folgen, 
welche für- die Religion, und den Staat aus diesen Grundsätzen 
entspringen könnten, hier en detail niederschreiben wollte. Ich 
eile also zur Bemerkung, wovon ich schon gesprochen habe* 

Das Sittenregiment, Sittencomission oder auch 
Tyscalat, wie sie es nennen pflegen, wäre ein Collegium aus 
den geschicktest, fähig t und rechtschaffensten Männern, das ist 
nach ihrer Sprache meist aus verschwundenen Illuminalen, 
welche das vollkommenste Vertrauen des Fürsten besitzen und 
ilires Auftrags gemäss von Sitten, und Etn'lichkeit eines jeden 
einen souverainen Ausspruch machen, und, weil ohne Ehrlich- 



i 

=1 



I 




303 



^ 



keil Niemand Ämter und Stellen besitzen soille, dadurch erst 
jeden, zur jeden Bedienung fähig machen würden. Eine herr- 
liche Erfindung, wenn sie zu Stande gekommen wäre! wie 
würde es aber mit den Profanen ausgesehen hoben, wenn man 
den Ordensmaassstab angelegt hatte? Ohne Zweifel würden hey 
dieser Abmessung von Ehrlichkeit Brüche herausgekommen 
seynl zum Glück aber wurde das System noch bei Zeiten ent- 
deckt, sonst wäre vielleicht wahr geworden, was ein Oberer 
welcher von einem andern noch Höheren ganz glühend zurück- 
kam, prophezeiht hatte: wenn noch ein und andere Posten 
besetzt, und die Anzahl der Brüder 600 Köpfe stark seyn 
wird, so ist nichts mehr im Stande, uns zu wider- 
stehen! — 

I Dieses ist nun die Einrichtung: dieses sind die Grundsätze 

des Ordens. Den letzten Zweck, welcher von den höchsten 
Obern des Ordens, als ein Geheimniss aufbewalnl wird, weiss 
ich zwar nicht, weil sie nur immer vom Zweck reden, ohne zu 
sagen, worin er eigentlich besteht. Aus der Einrichtung aber 
und den Grundsätzen, kann er nicht anders als gross seyn, ob 
er sich aber nach dem bisher Gesagten mit der Religion und 
dem Staat vertrage, überlasse ich jedem zu urtheilen. Ich kann 
und will daher mit meinem Gewissen nicht mehr betheuern, als 
dass ich alles, was mein christlicher Aufsatz enthält, so gesehen, 
so gehöret und angetrofen habe. 
München den 9ten April 1785. 

Vitus Renner Priester und 
(L. S.) Professor in der HerzogL 

Marianischen Hausakaderaie. 
folgen: Illuminaten-Liste: 

Zwackli 

Costa nza 

Merz 

Weishaupt 

Bader pp. 

md ferner von Cossandey und Renner zusammengestellt: 
Baron von Verges — Leutenant 
Baron Max von Veiiges — Reg,*Ratli zu Straubing 
Gi'af Clement von Seefeld — Hofrath 
Baron von Füll — bei der Leibgarde 
Waschinka — Medicus 



— 304 — 

Hatnpel — Hofmedicus 

Graf \xin Seeau 

von ßeglioni — General 

vrm Hopo — Major 

Baron von Gumpenberg — H ntVu tii 

Graf v(in Spaner — Major 

Graf von Freising — Hauplnionn 

Graf von Taufkirchen — Major 

Graf von Lerchenfeld 

von Sissbach jun. 

Bai'on von Hornstein 

von Barth — Oberrichter in München (ausgetreten soviel j 

wir hören) 
de Haiidl ~ Hauptmann 
von Vollmnyer — Seki'elair 
letztg. de Jlande Hauptmann 

NB. die übrigen Ausgetrelenen kennen wir nicht. Die Ver^ 
scbwundenen kennen wir nicht, ebensowenig diejenigen, welche] 
seit unserm Austritt, der am 6. Fbris 1783 geschehen ist, auf- 
genommen worden sind. Die 3 ersten scheinen uns die Tätigsten I 
ÄU sein. 

Das bescheinigen w^ir den 9. April 1785. 

Joonn. Sulpii. Cosandey 
Priester und Professor 

Vit US Bonner, 
Priester und Professor- 



Weitere VerorcliiuiigeH des Kürfüi*§teii 
und Yerfolgaiigen. 

Nachdem die Namenshste der Illuminalen, wenn auch nur' 
zum geringen Teil, durch Renner und Cossandey dem Kurfürsten 
übergeben worden war und derselbe ersehen hatte, doss diese die , 
Namen höherer Beamte und Mililfirpersonen enthielt (es finden 
sich von letzteren noch folgende vor: 

V. Meggenhofen, Auditour, Baron v. An, Hauptmann; Dabei, 
Hpt. zu Ingolstadt; Buckinghani, Leutnant; v. Satzenhofer, Hpt.; 
Stiegralh, Lt.; Gutmann, ünterlt.; Ewald, Lf; G. v. Patze, LU; 




— 305 — 

V. PleUrich,Lt.; Kaltner, Lt.; v.Geisitzheim, Hpt.; v. Türnitz, Major) 
wurde nachfolgender Erlass bekannt gegeben: 

Karl Theodor, Kurfürst. 
Unsern Gruss zuvor Wohlgeborene, liebe, getreue, demnach 
wir missfiallig vernohmen, was gestalten sich auch unter 
unserm Militair Stand noch Viele befinden, welche der Illu- 
minaten Bruderschaft, ungeachtet der dagegen ergangenen Gene- 
ral Verordnung beygethan sind, so wird in gemessheit des hier- 
unter emanirt höchsten Rescripts de dato 3. curr. 

Imo. 
sämmtlichen Generalen Gouverneuren und Commandirten Regi- 
ments Officieren, sofort durch diese auch allen Officieren und 
sonstigen Personali, jedoch ohne Erweckung Welen Aufsehens, 
in möglicher Stille andurch bedeutet und weiteres deren unter- 
geordneten bedeuten zu lassen hiermit gnädigst verordnet, dass 
bey Vermeidung unserer höchsten Ungnade, Kassation oder 
Strafe, sich nicht nur in Zukunft keiner mehr bey gedachter 
Secte associren, sondern auch: wenn schon engagieret ist, den 
Zusammenkünften derselben unter keinerley Vorwand bey- 
wohnen, vielweniger andere dahin anwerben unter falscher Vor- 
spiegelung dahin zu engagieren suchen solle, worauf obgedachte 
Commandanten sowohl selbst, als durch vertraute Leuthe gegen 
billigen Recompens gute obacht zu halten und die Übertretter 
also gleich ad manus einzuberichten haben. 

2do. 

Wird aber die Versicherung beygefüget, dass alle jene Illu- 
minaten, welche sich längst inner 6 Wochen entweder bey ihren 
Commandanten, oder Generale, oder bey unserm Kriegs-Referen- 
dar titl. Freyherrn von Belderbusch, angegeben, und durch schrift- 
lichen Revers ermeldeten Secte gänzlich entsagen werden, ihren 
begangenen Fehltritt vergeben, hingegen die andern, welche den 
Termin, ohne sich anzugeben, verstreichen lassen, und nach der 
Hand erst kund und entdeckt werden, oder ohnehin schon satt- 
sam bekannt wären, nur desto schärfer und unnachlässig ge- 
straft werden. 

Stio. 

Werden auch mehr berührte Kommandanten und Chefs 
gnädigst beordert, dass sie bey solch verbothenen Zusammen- 

Engel, GMchichte des Illaminateiiordens. 20 



— 306 — 



künften Betretlene, sowohl Militair als Civil Peisonen zwar alle-] 
mal gleich anzuzeigen, indessen aber zu arretiren, und bis aul 
erfolgende unserer höchsten pjilschliessung nicht zu entlasseuj 
haben. Solchen noch ist diess unser höchste circular Verord- 
nung und Willens Meinung von euch sänimtlichen untergebenen 
Cocnmandantschaften, dann Proviant- und Caseruen-amls Indi- 
viduen, sowohl denen gegenwärtigen als abwesenden, und zwar 
letztern schriftlicli bekannt zu machen, um sich so nach zu achten 
zu wissen. 

Sind euch anbey mit gnaden 

Ihro Kurfürsth Durchlaucht 
München 11. Aug. 1785. zu Pfelz-Bayern Hofkriegsrath* 

Die Offiziere kamen diesem Befehle nach^ keineswegs 
schützte dieser Gehorsam jedoch vor allerhand Verdächtigungen 
und merkwürdigem Strofverfahren. 

Ein weiteres Beispiel willkürlichen Verfahrens ist z. B. das 
Schicksal des Auditor im Hegnenbergischen Regimentes Frei- 
herrn V, Meggenhofen, der einestheils in seiner Apologie.*y' 
andernteils in einem Briefe, s, Z. im deutschen Zuschauer ab- 
gedruckt, sein Schicksal selbst erzählt. Es ist historisch be- 
wiesen, dass im nachfolgenden Briefe keinerlei Unwahrheiten 
oder Übertreibungen enthalten sind, sondern sich tatsachlich 
alles so verhielt, wie es geschildert ist 

Gerichtet ist der Brief an Weishaupt, dem er die fi*eund* 
schaftlichsten Gefühle bewahrte, v. Meggenhofen hatte sich am 
24. Aug. 1785 often als früheres Ordensmitglied bekannt mit def 
Vei^icliei'ung, dass er bereits nach der Generalverordnung der 
besagten Gesellschaft entsagt habe. Nach seinen Aussagen 
war er 1779 aufgenrimmcn unter vollkommenen Erlnss aller 
Gelderlagen, er hatte olle maurerischen Stufen erreicht, sowie 

den eigentlichen Illuminötengrad durch Weishaupt selbst. 

Lassen wir ihn jetzt sprechen; 

München, im Franziskanerklosler, den 29ien Nov. 1785. 

Mein Lehrer, mein Freund! 

Hier sizze ich in dieser einsamen Zelle, mein Teurer, wo 

Aberglauben und Fanatismus mich verbaut haben, und mein 

erster Gedanke ist an Sie, und mein Wille, Ihnen mif der 



•) Meine Geschichte und Apologie , ein Beitrag zur Utyixiiuatcif 
g««chichte 1786. 




— 307 — 

ganzen wunderlichen Geschichte meiner Inquisizion bekant zu 
machen. Hätten Sie es je, mein Lehrer, vor einigen Jaren ver- 
muten können, da wir uns, so unter uns, über die Fortschritte 
unseres Instituts, und über den Riesenschritt, den eben unser 
Vaterland in Aufklärung und Kultur machte, so inniglich er- 
freuten, hätten Sie es damals geglaubt, dass das einst der Lohn , 
unserer Bemühungen sein würde, dass Sie mit Weib und Kindern 
im Auslande verbaut, und ich in ein Kloster gesperrt würde, 
zur Strafe, dass wir unsere Landsleute aufklären und einen so 
nötigen Dam dem zu stark einreissenden Strome des geistlichen i 
Despotismus sezzen wolten. — Doch eine schwache Regierung / 
hatte das Uebel, das wir bekämpfen wolten, zu stark Wurzel 
fassen lassen, und wir unterlagen. O Freund! ich möchte wie 
Jeremias über das Verderben meines Vaterlandes klagen, und auf 
den Ruinen eines so schönen Werks bittre Zähren weinen. — Aber 
warum Ruinen? — Die Eiche steht noch fest eingewurzelt da. 
— Einige Aeste hat der Blitz des Fanatismus wol abgeschlagen, 
und sie verteilt — in anderen Gegenden seinen Willen ange- 
pflanzt, damit sie desto besser und ruhiger sprossen und zu 
Bäumen werden. 

Doch nun zu meiner Geschichte — dessen Anfang sich schon 
vom vorigen Sept. datirt. Nachdem der K. Befel, vermög dessen 
alle Offiziers, die zu den Illuminaten gehörten, in Zeit von 6 
Wochen sich erklären mussten, der Gesellschaft nicht mer an- 
zuhängen, eingelauffen war, so bekäme 3 Wochen nachher der 
Kommandant zu Burghausen einen speziellen Befel, mir eine 
Norme, nach welcher ich meinen Revers einzuleiten hätte, zu 
behändigen. Die Kommandantschaft erteilte mir Stägigen Termin 
dazu. Die Norme enthielt 26 Punkte, die ich als Fragpunkte 
beantworten musste, war also ein wirkliches Verhör, an dessen 
Ende ein honetter Revers angehangen war. Ich sezte meine 
und meines Landesherrn Rechte und deren Gränzen in eine 
gehörige Wagschale und schwankte wirklich anfangs im Zweifel, 
ob ich wol diese Fragen beantworten solte und könte, fand aber 
endlich doch mer Gründe dafür als dagegen, besonders da ich 
aus Briefen des Paulus schliessen konnte, dass es bei diesem 
Falle sein Wil und Befel, den Revers binnen des gegebenen 
Termins auszustellen, gewesen wäre. Ich beantwortete also die 
Fragpunkte (so viel ich glaube) mit Freiheit und Wärme, und 
erklärte von dem 0. ausgetreten zu sein. Ich war auf die 
Wirkung, die mein Revers machen würde, äusserst begierig, 

20* 



— 308 — 



I 



auch schmeiclieüe ich mir, er würde eine neue Resolution ve^ 
nnlassen, wodurch ich neue Gelegenheit zu reden und zu handleii 
erlangen würde. Doch ich horte und merkte weiter nichts, al 
dass der Kommandontschaft aufgetragen wai*d, ein w^oclisames 
Aug auf mich zu halten. 

Mitlenveile ereignete sich der Fal, dass ich dem jungen 
Baron Leiden schrieb, worin ich ihm den rechtschaffenen und 
geschikten Kaptinger zur weitern Empfelung an seinen Schwieger- 
vater, wegen der erledigten Venvaltersstelle zu Armenstorf, 
empfal. Nebenher gebrauchte ich in diesem Briefe folgende 
Ausdrükke: »Während Ihrer Abwesenlieit (er war in die Schwei 
gereist) haben sich Vorfälle und Auftritte ereignet, worüber Si 
Sich wundern werden; herHche Geschichten, ich hätte sie ni 
vor möglich gehalten. Bei allem dem steht noch immer die 
Überzeugung in mir fest, dass alles, w^as gescliieht, zum besten 
Zwek seie, und dass das Vergangene den bittern Verfolgern der 
Tugend und Aufklärung noch grosse Wehen bereite.« 

Der Brief kam an dem Hochzetttage des Baron Leiden in 
Eblkofen (des Vicedoms Baron Daxbei^ Schloss) unter Tisch 
zeit an. Das Schicksal weite, döss Baron Leiden unter W^n 
krank wurde, und nicht am bestimmten Hochzeittage im Schlosse 
eintraf; der Brief wurde also Baron Daxberg übergeben. Diesem 
gehel es, ihn zu ÖtTnen, und an die Inquisitoren nach München 
zu schikkeo. Diese Schui-kerei und Schlechligkeit des Daxbeiigs 
verdient wirklich meine und aller Welt \'erachtung und Mit- 
leid. — Und dennoch dank ich ilini noch dafür und kan keinen 
Grol gegen ihn hegen — denn er hat mich durch diese Hand- 
lung in den Stand gesezt, meine Philosophie, die bis nun bloa 
spekulativisch war, in Ausübung zu bringen. — Überhaupt, 
(weil es eben apropos ist, wil ich Ihnen, mein Freund! ein 
Geständnis machen) überhaupt, sage ich, befinde ich mich seit 
einiger Zeit in einem Zustande des Geistes, der sonderbar 
scheinen könnte. Mit dem innigsten Gclül für Gute und Schöne 
kan ich jeden unangenemen \ orfal, der mir in Weg kömt, mit 
grösster Gleichgültigkeit ertragen. Niclits kan mich mer äi'gern 
— alles ist mir recht Bin ich den diese glückliche Apathie der 
(K Lehre schuldig * ich glaube es. 

Bald nach diesem Vorfalle mit dem Briefe an Leiden ei"^ 
hielt der Kommandant zu Burglniusen den K. Betel, sich gleich 
nach Empfang derselben meines Quartiers und meiner Papiero 
mit möglichster Vorsicht zu bemeislern, welches auch geschah 



I 




309 — 



U'lit Tnge darauf bekam das Regiment die Weisung, dass ich 
einstweilen ab officio suspendirt und nach München zu dem 
Hrn. Geheimen Rat Hausler zitirl seie» um dort denen mir vor- 
^Kulegenden Furagen Rescheid zu geben. Ich hielt eben Kriegs* 
H^richt, als man mir den erhaltenen Betel insgeheim eröffnete. 
^L. Wars Vorbereitung oder meine angewönte Gleichgiltigkeit, 
diese Nachricht brachte mich gar nicht aus der Fassung und 
^ch bin mit meiner damaligen Stimmung recht sehr zufrieden: 
Bbh machte diesen Befel gleich den Offiziers, die mit mir im 
Kriegsgerichte sassen, kund, und fuhr in meinen Proposizionen 
fort, — Das Schwerste stand mir noch bevor, nämlich meine 
^^eltern davon zu benacht'ichtigen. Nach geendigtem Kriegs- 
Bpierichte ging ich zu ihnen, und eröfnete endlich nach vielen 
^^^"endungen und mit mögUchster Schonung ihnen diese meine 
Suspension und Zitazion. ~ *- Freund: da hatte icli mer als 
jemals meine Philosopliie nötig, um nicht aus der Fassung zu 
kommen! Werfen wir den Schleier über diese grausame Szene, 
sonst bricht mir mein Herz und ich wei^de zur Memme. — Von 
^dori ritt ich auf die Parade. Wer von einer erlialtenen Ordre 
Btich etwas zu sagen nicht getraute, war der Oberst Lieutenant 
(der Oberst war schon auf Urlaub). Ich sähe, dass ich die 
_§rsten Avancen mnchen müsste, und fragte ihn also nach einer 
^pA^'eile, ob er in Beli-ef meiner keine (Jrdre erhalten hatte? — 
Froh (wenigstens so schien es mir) aus dieser Verlegenheit ge- 
zogen zu werden, bejahe te er meine Frage, und behändigte mir 
die r>rdre. Ich meldete mich also gleich meiner Abreise we^en, 
und nachdem ich bei den Korps Offiziers, welche mich liebten, 
mich beurlaubt hatte, ging ich zu House, nahm einen traurigen 
Abschied von meinen Aeltern, machte mich i-eisefertig, und auf 
den Weg hierher; 
^b Den Tag nach meiner Ankunft meldete ich mich bei allen 
^neinen Chefs, und dann bei Herrn Geheimrat Hausler, der 
mich um 10 Uhr zum Vei'bör bestelte. In 2 Tagen sass ich 
H|5 Stunden im Verhör. Nie hab ich senlicher gewünscht, zeich- 
nen zu können, als wahrend demselben. An meinem Exami- 
nator hatte ich den leibhaftigen Doktor Stauzius vor mir; ein 
dikker, runder Kerl, von Kopf bis zu Füssen schwarz gekleidet, 
der in einem weiten Lehnstul sass; wenn ich manchmal zu 
lang diktirte, schlief mein Examinator darunter sanft ein. Der 
geschäftigste dabei war derjenige, der das Protokol fürte; ein 
naseweiser, schalkhafter Bube, der immer meinen Stauzius mit 




— 310 — 

einer schadenfrohen Mine, was er /.u fragen habe, erinneile. 
() mein Hogort Kodowiezkil wfirst Du dabei gewesen! hier hätte 
dein meisterhafter Griffe! noch einen Stoff mer gehabt, das Hidi- 
kül zu peitschen, 

Anfangs legte man mir die mir abgenommenen Briefe 
meiner Freunde, einen nach dem anderen vor, und zog mich 
über jeden Ausdruk zur Verantwortung. Ich erklärte gleich 
anfangs, dass es mir sonderbar schiene, dass S. K, DurchL Ver 
antwortung über fremde Ausdrükke von mir fordern könten; 
da man aber noch immer auf meine Meinung drang, so erklärte' 
ich die bedenklich geschienenen Stellen auf eine Art, der War- 
heit und meinen Korrespondenten unbeschadet gemäss. (} des- 
potisches Misstrauen! wie klein, lächerlich und grausam bist 
du nicht? in deinen schon verblendeten Augen sind die kleinsten,' 
unbedeutendsten Ausdrükke der Freundschaft, und die frey© 
Sprache eines vorwurfsfreien, gekränkten Herzens \'erbrechen 
und Beleidigungen. Man sol keinen andern Laut von sich 
geben, als wozu du den Takt angiebst — Gr-ousame Fordeininj 
der Übermacht! Hier folgen die so bedenklich gesehiene 
Stellen; 

Aus Drexels Briefe. 
»Quoties voluminum congregare pullus et nocuit.« 
»Ich gedenke mein Vaterland sobald als möglich zu veP 
lassen. Es tödet seine Proplieten* — Ajn Ende alinde, hoffe 
ich, sind wir doch die gewinnende Partie, w^enn wir nur Rö- 
mer sind.« 

Aus Boron Keers Briefe. 
>lch habe meinen Revers biedei", frei, als ein selmldloser 
Mann eingerichtet; docli was wird das alles helfen? Es empört 
nur die Elenden. Das Salz des deutschen Zuschauers beist die 
Herren. — Frank, der sich an der Familie zu wezzen suchtr 
griesgraml über mich.« 

Aus Schelles Briefen, 
dessen Ordensexistenz ich nicht anzugeben weiss. 

»Bis den November kom ich gewiss zu Hinen, machen 
dass ich wenigstens eine Nacht mit Ihnen schwäzzen kan. Ich 
habe so viel und wichtige Sachen mit Ihnen auszumachen. — 
Steigen ttt schreibt mir, dass der- Bischof von Freisingen mi 





— 811 — 

seinen 4 Hauptwinden nach München sei, und man nicht wisse, 
was dort zusammengeblasen werde.« 

Diese Stellen aus Briefen meiner Freunde machen mein 
erstes Verbrechen aus. Das 2te war einige Besuche des Drexels 
und Schelles, die sie mir zu verschiedenen Zeiten machten. 
Der Herr Examinator konte nicht fassen, wie zwei Menschen 
ein paar Stunden zusammen schwäzzen könten, ohne Illuminaten 
zu sein und sich über Staatsrevoluzionen insgeheim zu ver- 
schwören; deswegen fragte er auch ganz naiv, was zwischen 
uns geredet worden wäre? ich antwortete ihm, dass Freunde, 
die sich liebten, sich nicht genug sehen und nicht genug sprechen 
könten; dass, so viel ich mich sonst erinnerte, unsere Gespräche 
scientivischen Inhaltes gewesen, und wir uns auch ziemlich über 
die gegen uns herausgekommene Pasquil lustig gemacht hätten. 
Diese trokkenen Antworten gefielen meinem D. Stauzius gar 
nicht, der den Kopf darüber gewaltig schüttelte. Mein 3tes Ver- 
brechen war, dass ich Drexels wegen, der mich in einem Schreiben 
fragte, ob es nicht möglich wäre, sich irgendwo im Salzburgischen 
bei einem Pfarrer 2 Monat lang aufzuhalten, mit Schelle korre- 
spondiert, mich also des verbauten Drexsels wegen interessiert 
hätte? — Also, sagte ich, ist es in Ihren Augen ein Verbrechen, 
sich seiner Freunde anzunehmen? Meinem ärgsten Feinde, 
wenn er in der Not mich um etwas bäte, wolte ich es ihm 
nicht abschlagen, um destomer würde ich immer mit Rat und 
Tat denen, die ich liebe, beistehen. — Dies lehrt mich Natur 
und Pflicht. Und sonst hat es ja der Kurfürst selbst gewolt, 
dass Drexel zu einem Pfarrer gehe. Freund, hier könte sich 
mein ganzes Blut empören, dass eine Regierung mich zu einem 
undankbaren, gefühllosen Schurken machen möchte. 

Doch weiter mit den lächerlichen Verbrechen, die man mir 
andichtete. Das 4te bestund darin, dass man noch 2 Reden und 
ein Protokol von 1783 bei mir gefunden hätte, da ich doch, ver- 
möge meines eingegebenen Reverses alle Ordenspapiere hätte 
einsenden sollen. Zur Antwort zeigte ich ihnen ein Couvert, 
das unter den mir abgenommenen Papieren auch da lag, worin 
geschrieben stund, dass ich diese Papiere 3 Wochen später als 
die Zeit, wo ich diesen Revers ausstellte, überkomen, da mir näm- 
lich Kapfinger solche, als noch vorgefundene Papiere zugeschikt 
hätte. Umsonst, sezte ich hinzu, können Sie aus diesen 0. Papieren 
urteilen, ob unsere Lehre gefärlich, und wir diese Verfolgungen 



312 



verdienten: sie sollen sie nur mit Bedacht genau durchle^^enj 
dann urteilen, wenn sie es könten und wollen. 

Dann schämte sich mein Examinator nicht, mir die Fi*ag« 
zu Stelen, warum ich alle Briefe meiner Freunde, worin von 
O. Sachen die Hede wäre, nicht eingesendet hätte? — weil, 
sagte ich ihm mit einem Blikke, der meine ganze Verachtung 
beweisen musste, weil S. K. Durchl. unmöglich fordern können 
dass ich an meinen Freunden zum Verrater, und gegen alld 
Pflichten der Ehre und Hechtschaflenheit hau dien solle. 

Endliel» zu allerlezt kam das grosse Corpus Delicti zum 
Vorschein, und mein Examinator diktierte die schon oben an* 
geführte Stelle meines Briefes an Leiden, und fragte mich, ob 
ich diese Stelle geschrieben hätte. Mun wusste ich, woran ichj 
seie, denn bis diesen Augenblik war ich immer der Meinung» 
mein mit Freiheit und Warme au.sgestellter Revers hatte meiner 
Zitation und das \'erhör veranlasst. Ich antwortete, ich hätte 
nicht allein die Stelle sondern auch den ganzen Brief geschrieben 
und w^äre eben auch nicht sehr verlegen darüber. In dem 
wahren innigen Bewusstsein, dass der Zwek der Illuminaten- 
geselschaft gut, notw^endig, auf die Wahrheits- Bedürfnisse der 
Menschen und des Zeitalters gerichtet seien, dass sie ihre Mit- 
glieder nur- zur Tugend und w^ahren, notw^endigen Aufklärung 
aufmuntere, hätte ich natürlich geschlossen, dass das Resultat 
der vom Landesherrn beorderten Untersuchung mit derselben 
Beendigung zeigen werde, dass die den Illuminalen angedichteten 
Verbreclien von boshaften dabei interessirlen Menschen erdichtet» 
die eben dadurcli dem Landesherrn den grössten Nachteil fü! 
seinen Ruhm im Auslande zugezogen, und sobald die Sache 
genauer zu untersuchen sich die Mühe geben wollte, diese Ve^ 
läumder und böse Ratgeber gewiss mit Verachtung anseheOi 
und als solche behandlen werde, Dass ich ausserdem nocli 
diesen Verla umdern und Ansclnvärzern (jewissensbisse zu* 
traue, und dass der innere Ruf ihres Gewissens uns nochf 
gewiss einmal an ihnen räclien w^erde. Dies alles hätte mich 
also leicht veranlassen können, zu sagen, dass das Vergangene 
noch einst den Feinden der Tugend und Wahrheit noch Wehen 
bereite. 

Wahrend ich dies alles dictirte, geriet mein Examinatori 
Hizze, und sagte: dies alles, was ich ihm da erzählt halle, 
schlüge in Majestätsverbreehen ein, indessen gieng es ihm gar 
nichts an, indem er keine Judikatur hätte. — 







- 313 — 

Die nächste Frage war: die Vorfälle, über welche sich Baron 
Leiden hätte ver^vundern sollen, wären alle auf höchsten Befel 
geschehen — - ich hätte also diese Vorkerungen kritisirt? — Ich 
antwortete, dass dies mir nie in den Sinn gekommen wäre, wol 
hätte sich aber Baron Leiden und ich über die erfolgten Auf- 
tritte verwundern könen, da sie neu und wirklich unerwartet 
gewesen wären. 

Nun kam eine verfängliche Frage: ob der Landesherr 
schuldig seie, eine sich eigenmächtig aufgeworfene Geselschaft, 
wenn sie auch den besten Zwek hätte, zu dulden? — Ich ant- 
wortete: der Landesherr könne alles, was ihm nur gefällig wäre; 
indessen hofte ich, dass man mir nie beweisen würde, dieses 
Recht je bestritten zu haben. 

Dies ist die Hauptsache meines langen Verhörs. Im ganzen 
bin ich mir, was mein Betragen betrift, bewusst, dass ich meine 
Rolle ehrlich gespielt habe. Ich weiss wol, dass ich auf die 
mir vorgelegte Fragen oft richtiger und freier hätte antworten 
können, teils fanden sich aber bei der ruhigsten Fassung doch 
nicht gleich die richtigst und vollständigsten Ideen ein, die sich 
erst nachher in meiner Sele vermerten, teils hielte mich der 
Gedanke auch öfters zurük, dass ich durch einen höhern Grad 
von Wärme und Freiheit andern rechtschaffenen Freunden 
hätte schaden können; dies alles mit der Maxime vereinbart, 
dass der Weise nicht sagen müsse, was er besser verschweigen 
könte, legten mir den Finger auf den Mund, uud gaben meiner / 
Sprache eine gelindere klügere Modulation, Endlich hab ich 
mir ein Ideal eines Untertans gebildet, welcher in seinem Un- 
schuld und Vorwurfs freien Gewissen gehüllt, ohne zu kriechen, 
und auch ohne den schuldigen Respekt gegen seine, wenn auch 
ungerechte, Richter, zu verlezzen, sich vor solchen ruhig und 
sich immer gleich rechtfertigt. Diesem Ideale habe ich zu 
folgen gesucht, und werde es noch, bis meine Untertansrolle 
ausgespielt sein wird, von welchem Zeitpunkte ich nachher 
reden werde. 

Acht Tage nach meinem letzten Verhör wurde ich ins 
Kriegsratskollegium citirt; ich erschien und erwartete nichts 
weniger, als Kassation, welche auch ganz gewiss erfolgt wäre, 
hätten sich einige vom Adel in der Stadt über meinen Prozess 
zu ärgern, nicht angefangen. Hausler las mir meinen Sentenz 
vor, welcher so lautet: 



3U 



»Die voi'cfefundene Brierschofteii und Papiere halten 
entdeckt, dass ich der Illum. Sekte durch meinen Revei's 
nur in blosen Worten nicht aber im Werk entsagt hätte, 
viehiiehr durch geheimen Briefwechsel, unter dem Vorwand, 
diiss dadurch Tugend und Aufklärung erzielt würden, die 
Illumination fortzusezzen gesucht Um nun mich nase- 
weisen Philosophen und IHuminoten von einer so ver- 
fürerischen Sekte, von der man weder an mir, noch an 
meinen Mithrüdern die vorgespiegelte Verbesserung der 
Sitten und Aufklärung des Verstandes wahrneme, auf den 
rechten Weg der Tugend und Aufklarung zu bringen, solle 
ich auf unbestimte Zeit in das hiesige Franziskaner- 
kloster überbracht, um dort in der kristkatolischen Sitten- 
& Glaubenslehre unterrichtet zu werden.« 



Ich versezte nur, dass ich die Gesezze der Subordination 
wüsste; sonst nichts, und gieng ganz gelassen und ruhig mit 
dem Plnzhouptmann, dem ich meinen Degen behandigte, in den 
ArresL 

Der R Guardian cmptieng mich ganz höflich und wiese mir 
eine Zelle an. Das erste, w^as sich darin meinen Augen darbot, 
w^ar des P. Merz und Schönbergs Schriften, die seitwärts in 
einem Bücherschranke lagen. Sie solten meine Lektüre aus- 
machen: dies war' wirklich erkünstelte Bestrafung meiner 
Bichter. Bald darauf kam der P. Lektor, dann der Provinzial 
und wolten mir Trost einsprechen. — Ich versezzle, dass sie 
in Bälde sehen würden, dass ich keines bedürfe, indem es mir 
ser w^ohl zu Mute wäre. Der P. Lektor versicherte mich des 
anderen Tages, dass er gewiss an keinen Religionsunterricht 
dächte, und dass mir ihre ganze Bibliothek offen stünde. Bald 
darauf wurde ich mit diesen Mönchen vertraulicher, und sie be-* 
zeugten mir die grösste Achtung. 

Sonst bin ich ruhig und froh, und warum solte ich es nicht 
sein? hier sind ja auch Geschöpfe — Menschen, mit denen ich 
simpatisircn kan; man versezze mich, wohin man wil, in der 
Sandwüste Libiens, oder im kalten Siberien, und ich wil Narung 
für meine Gefühle finden: und sonst, wenn man den Mönch von 
den Schlakken und Dunst, womit Erziehungsvorurteil und sein 
Stand ihn umnebeh, reinigen kon, so tindet man auch unter 
der Kutte gefühlvolle, und, was mir zwekmäsiger ist — leidend^ 
Herzen. 




— 315 — 



Ich sehe mich wie einen Missionär an, den der ( ). irgendwo 
in unwirtbare, barbarische Länder versezt hat — ich predige nun 
den Mönchen unsere Lehre. Meine Lebensart (denn ich esse 
weiter nichts, als eine Kierspeise zu Mittag und früh und abends 
trinke ich kalte Milch) meine Ruhe und Heiterkeit, alles, was icli 

Isage und lue, ist den guten Patern neu und paradox; sie fangen 
ßchon an, in der Stadt die llhiminaten zu verteidigen, und w^enn 
es noch lange so währt, so bin icli im Stande, Ihnen das ganze 
Kloster zuzuführen. 

H So steht es bisher. Izt, was ich zu tun willens bin. Ich 

denke den Zeitpunkt alizuwarten, bis es meinen Richtern ge- 

t falle, mir meine Freiheit wieder zu schenken, dann will ich, wie 
es die Militärordnung mit sich bringt, dem F^egiment eine Schrift 
leinreiclien, worin ich sagen werde, dass ich überzeugt wäre, 
mich durchgehends als einen folgsamen Untertanen bewiesen 
zu haben, dass nun meine Rolle ausgespielt wäre, und dass ich 
Kum die Erlaubniss bäte, zu quittiren: welches ich ihnen, der 
Sache und mir schuldig bin. Ich erwarte sehnlichst ihre Ant- 
wort über dos Ganze, und ob Sie mit rnir und meiner gehabten 
Auffürung zufrieden sind, auch ob, wenn icli das Kloster ver- 
lasse, irgendwo in der Ferne nebst einem Zimmer, täglich 
eine Milch- und Eierspeise umsonst bekommen könte, denn 
ich kan kein Handwerk und habe auch kein Geld. Leben Sie 

Iwol, und halten Sie mich noch immer wert, mich Ihren Schüler 
zu nennen, J. Meggenhofen. 

Meggenhofen führte nach seiner Entlassung aus dem 
Kloster seinen Entschluss aus. Er erbat und erhielt seinen 
Abschied. Leider endete das Leben des noch jungen Mannes 
_ am 26. Oktober 1790 tragisch. Bei einer Übeifahrt an einer 
^ reissenden Stelle des Inn schlug das Boot um und Meggen- 
hofen ertiTiok; sein Leichnam wurde nicht sogleich gefunden. 
Ein w^ürdiger Vertreter des Pfaffentums behauptete infolgedessen, 
dass der junge Mann als ehemaliger llluminat gleich mit Seele 
Hund Leib zur Hölle gefahren sei. Das Auffinden der Leiche am 
10. Januar 1791 machte dieser menschenfreundlichen, priester- 
liehen Aussage jedoch ein Ende. 

■ Durch den bereits geschilderten Tod des Priesters Lanz, 

■ der in der Broschüre >Volksaufkläi'ung<t (s* S. 3 die Fussnole) 
Bnicht ohne Absicht ausdrücklich als Protestant bezeichnet 

^ ^ i^ 



— 316 — 

wird, trotzdem er Katliolik wor, war es möglich, die bei ilim 
gefundene Namensliste nun mit der von Cossondey und Renner 
ongetertiglen zu vergleiclien. Es ging aus derselben hervor, dass 
die lUuniinoten noch existierten und es erfolgte ein drittes Vev 
bot, dem dann später das bereits bei Besprechung des Falles 
Bossus bekannt gegebene, in späteren Jahren möglichst totge- 
schwiegene Todesverbot, als viertes folgte. 
Dieses dritte Verbot lautet: 

HochlandesherrHche Verordnung 

vom 16. August 1785 ein tdle kurtür'stlichen Collegia in Betreff 

d^'^'Freimaurer und lUuminaten. 

Man weiss höchster Orten ganz gewiss und veriössig, das* 
die Freimaurer und lüuminaten ihr schädliches Handwerk 
durch Zusammenkünfte, CoUecten und Anwerbungen neuer Mit- 
glieder gegen wiederholt landesherrliches Verbot noch immer 
forttreiben und sogai- in den Justiz und anderen Collegien» wo 
solche am w^enigsten Eingang Hnden sollten, sich soweit ver- 
breiten, duss sie in einigen derselben schon die Oberhand und 
Mehrheit der Stimmen erreicht haben.*) 



•) Dieser belieble und später nachgeschwaUte Vorwurf wird völlig enl- 
krauet durch eine Naraensaufslellung der in Frage kommenden Beamten 
duH^ti Graf Constanzo, Original aus dem Zwackhsehen Naclilass im Besitz des 
Autors, 

Verzeichnuss. 
In der Obern Landes Regierung unter 15 Käthen ein einziger, Graf Seins* 

heim, Viceprasident. 
In dem Revisions Gericht unter 13 drey: von Werner; von Berger; Graf 

Lüdron jun. 
Im Hofrath unter 38 n^yn: Bar. Montjellaz; Bar. Erdt; Br. Gumpenherg; 

V. Peltenkofer; v. Keatler; Graf Sa%'ioli; v. Zwackh; Grf» v. Seefeld jun.: 

w Eckartshausen. 
In der Hofkammer unter 54 drey: Graf Conslanzo; v. Zwackh; v. Massen* 

hauser jun. 
Im geistlichen Bath unter 13 zwey: v. Haesselein, Viceprasident; \% Petteit- 

k f e r. 
Im ComerzienCollegio unter 9 drey: Graf Savioli; v, Zwackh; v* Troponegro. 
Bey der Begierung Landshul unter 22 Keiner. 

Bey der Regierung Straubing unter 21 /woy: von Jung; von Rieth* 
Bey der Regierung Bui'j^hau.seii unter 23 einer: Freiherr v. Armensperg Jun. 
Bey der Regierung Amberg unter 3a vier: Grf. Höllenstein, Statthalter; 

Frh. V. Löwenthal; Grf. Hollenstein jun.; v. Grafenstein. 



I 




— 317 — 

Gleichwie ober S, K. D. aufilii-er hierin ergangenen Genernl- 
rerordnung ganz unbeweglicli bestehen, sofVnl solche nirgend 
nit grösserer Genauigkeit als bei ihren CoUegien und Gesetz 
^ewahrern gehorsamst befolgt wissen wollen, so ergehet auch 

("eriTiit der weitere, ernsthafteste Befehl, dass sich 
il. Alle und jede dieser Sect noch anhangende Vorstände und 
Mitglieder der Collegien längst in 8 Tagen von Zeit der iit 

Iplena Sessione beschehenen Publikalion schriftlich, und 
zwar die \'orstände unmittelbar bei der höchsten Stelle, 
die andere Mitglieder aber entweder ebenfalls alldort oder 
bei ihrem Vorstand sich angeben und manifestieren sollen, 
mit der Erklärung, dass sie von dieser Sect gänzlich ab- 
stehen, sohin wieder ihre Winkel-Conventicula mehr be- 
suchen noch andere dazu verleiten und anwerben oder da- 
hin contribuiren, viel weniger sich bei auswärtigen Logen 
engegieren wollen und werden. 

Wer sich nun 

2, von den noch existierenden Freimaurern und llluminaten 
dem Kurfürstl. Befehl in allem gehorsamst submittieren, 
sofort die anvcrlangte Manifestation und Erklärung inner 
dem gesetzten peremptorischen Termin abgeben und seinen 
begangenen Fehllrilt bereuen wird, dem wird man solchen 

Iauch vergeben und die verdiente Strafe nachlassen. 
Jene hingegen, welche 
3. das General*Mandat weiter übertreten, keine vollständige 
Parition leisten oder obigen Termin ohne verstandene 
Manifestation und Erklärung verstreichen lassen und erst 

inach der Hand entdeckt würden, sollen nicht nur ipso 
facto cassiert sein, sondern auch mit eigiebiger Geld- oder 
anderer emptindlicher Strafe belegt, die Denuncianten aber 
recompensiert und geheim gehalten werden* 

Mit dem letzten Hinweis hatte die Regierung den klög- 
ichsten Weg wiederum beti'eten, der nur möglieh ist, und sie 
lat ihn auch weiterhin bei weiteren \'erordnungen nicht ver- 
assen, nämlich einem gehässigen Denunziantentum alle Toi*e 
:u öffnen. In ausgiebigster Weise ist davon Gebrauch gemacht 
vorden. 

Im Auslande riefen diese Verordnungen natürlich Aufsehen 



m 



— 318 — 

und Entrüstung, aber auch Spott hervor. Ein Beispiel dieser 
Wirlvung ist in einem Briete des bekannten Geologen und 
Mineralogen Ignaz v. Born in Wien bewahrt worden, der in 
demselben seiner satyrischen Ader Belderbusch gegenüber herz- 
litift freien Lauf lässt. Dieser Brief, seinerzeit im Deutschen 
Zuschauer veröflentliclit, verdient hier wieder bekannt gegeben 
zu werden. 

Derselbe lautet: 

An des Freih. von Kreitmaier Exzellenz. 
Hochwolgeborener Freiherr! 

Sobald durcli die im Namen Ihres gnädigsten KurfürstelT 
ausgefertigte Verordnung kund gemacht worden, dass jeder* 
mann, der zu einem Kurfl. Kollegio in Bayern gehört, sich 
manifestiren solle, ob er Freimaurer sei, oder nicht; erklärte 
ich dem Präsidenten der Kurfl. Akademie der Wissenschaften 
zu München, dass ich Frcyrnaurer sei, und bat ihn, meinen 
Namen aus dem X'erzeichnis der Mitgliedei- der Akademie, in 
die ich vor 8 oder Jahren aufgenommen wurde. Öffentlich aus- 
streichen zu lassen, um mich dadurch aller Jurisdiction zu ent- 
ziehen, die man sich etwa in Baiern über mich als Akademiker 
und Freimaurer erlauben dürfte. 

Eure H\\\ Namen ist mir aus den Baierischen Verordnungen 
gegen die Freimaurer, und aus den Winkopischen Schriften, 
die in unserem helldenkenden Oesterreicli jeder lesen darf, 
ohne als ein Statsverbrecher angesehen zu werden, bekannt 
geworden, und ich weiss nun auch, dass Euer Hochwl in dem 
löblichen Freimaurerinquisitionsgerichte zu München den Vorsiz 
haben. Ich glaube also meinen Zwek nicht zu veifelen, wenn 
ich mich gerade an Sie mit der Bitte wende, der Kurfür^th Aka- 
demie zu befeien, dass sie meinem Ansuchen, so bald möglich, 
vvilfare. 

Euer Hochw. haben aus einem rühmlichen Eifer für das 
Heil und die F.hre ihres Vaterlandes Mittel und Wege gefunden, 
rnerere der vernünftigsten und aufgeklärtesten Männer von 
München und von Baiern zu entfernen, und andere um Amt 
und Pfründe zu bringen! Wie konten Sie wol Anstand nemen, 
dem Namen eines unbekannten Fremden eben diesen Liebes- 
dienst zu eiAveisen? besonders, da ich Ihnen offenherzig ge- 
stehe, dass ich es nicht bereue Freimaurei" zu sein. Zu diesem 




— 319 — 

Ihre und des Hochw. R Franks Ohren vei'mutlich höchst be- 
leidigenden Bekenntnisse sezze ich mit der mir eigenen Frei- 
mütigkeit noch hinzu: dass ich Zaupsers Gedichte üher die 
Inquisizion für eins der schönsten Produkte des Boierischen 
X'erstandes ansehe, dass ich alle Kezzergerichte für unmensch- 
liclie Kanibalengericht halte, dass ich Bayles Dikzionar Heissig 
gelesen habe, und selbst besizze, dass ich Zabuesniks kiistliches 
oder kri.stlich sein sollendes Buch für ein höchst albernes Ge- 
schmiere ansehe, dass ich alle gute Bücher lese, dass ich ein 
.erklärter Feind unwissender MÖnclje seie, sie als die Pest des 
menschlichen Verstandes ansehe, denen man nie Ausschliessungs- 
weise die Erziehung der Jugend anvertrauen solle, dass ich 
Jesuitismus und Fanatismus für gleiclibedeutende Wörter mit 
Schalkheit und Unwissenheit, Aberglauben und Dummheil gelten 
lasse; kurz, dass meine Denkart jener, die man in Baiern haben 
sol, gerode entgegengesezt sei. 

Euer Hochw: werden aus allem diesen schliesen können, 
was für einen wichtigen Dienst Sie ihrem Vnterlande und mir 
leisten, wenn Sie mich von aller Verbindung mit Baiern durch 
die Befriedigung meines Wunsches, und die Erfüllung meines 
Gesuches losreisen. In welchem Falle ich mir von Ilirer Wil- 
farigkeit baldige Nachricht, allenfals auch nur durch Ihren 
würdigen Sekretair Hr. Dummhof (Plenissimo titulo) erbitte. 

Solte aber dieses, mein wiederholtes Gesuch unbeantwortet 
bleiben, so werde ich gewiss Wege finden, mich unmittelbar 
an S. K. Gnaden wenden zu können, von dessen Gnede und 
Gerechtigkeit ich mir sichere Gewährung meiner Bitte ver- 
sehen darf. 

Ich bin mit aller dei* Hochachtung, die Ihrem Amte ge- 
bührt, 

Wien, den 9. Xber Born, 

1785. 



Als Gegenstück zu diesem Briefe geben wir einen ebenfalls in 
derselben Zeitschrift bewahrten Brief eines Erzpfaffen bekannt, 
aus dem die ganze niedrige Gesinnungsart mancher damaligen 
Pfaffen spricht. 

Ob derartiges wohl auch heute noch möglich ist? — Man 
geniesse ohne jeden weiteren Kommentar das nachfolgende Ge- 
schreibsel: 



— 320 



An den Bayerischen General Baron Belderbusch. 

Mit einem Exemplar von P. Fasts katholischen Unterricht 

Hochgebohrner Reichsfreyherr 

Gnädiger Herr! 

Euer Exzellenz. 

Die mit der Aufklarung zu Wien in bestfindigem KampT 
liegende und unter dem Joch der Vernunft fast erliegende Kirch 
Gottes, und das, obsebon kleine, Häuflein der ächten katho- 
lischen Gläubigen freute sich mil mir wegen des weisen und 
erleuchteten Ausspruchs Eurer Exzellenz» und des seiner An- 
dacht wegen von jeher hochgelobten Bayerischen Hofkriegsratiis, 
über den naseweisen Philosophen Meggenbofen, der von Rechts- 
w:egen zur Abbüssung seines Frevels und zur Erspiegelung aller 
Bayern in ein Mönchskloster verui-theilt worden ist, weil er 
sich nicht schämte, die heidnischen Bücher eines Cicero Salustius 
und Livius öffentlich in seiner Bibliothek aufzustellen, und, was 
noch ärger ist, sogar zu lesen. Rechte so, Euer Exzellenz! 
Compello eos intrare! Hinein in das Franziskanerkloster mit 
diesen naseweisen Philosophen, die nicht glauben wollen, was 
P, Frank, R Merz und meine Wenigkeit lehren; und wenn etwa 
zu der Bekehrung dieses Philosophen die Argumente der hoch* 
gelehrten P. P. Franciscanorum nicht zureichen, so nehmen sie 
die Ruthe, mit der einst ein Engel einem lateinisclien Kii-chen- 
vater den H^t— n durchgerbte, zur Hilfe, und lassen sie ihm 
auf jeden Hieb ein paar mal ins Ohr rufen: Ciceronianus es 
non ChristianusI 

Da mir als einem geisilichen Hirten an dem Seelenheil 
dieses verirrten Schäfieins nicht weniger als llochderoselben I 
gelegen seyn muss, so nehme ich mir die Freyheit, Euer Exzellenz I 
hier zugleicli ein Exemplar meines katholischen Unterrichts in 
aller Demuth zu übersenden, der, ohne Ruhm zu melden, denen , 
berühmten Zabuesnikischen Werken an die Seite gesetzt wei*den l 
kann, und vielleicht die Bekehrung dieses bestias damnati Frey- 
geistes nicht wenig befördern dürftel wirkt es, und bringt es 
die gewünschten Früctile iiervor, so offerire ich einige tausend 
Exemplare für die Bayerische, unter Hochdero allein seelig- 
macliendem Kommando stehende Armee. Diese geistliche Leck- 
türe wird gewiss eine bessere Wirkung liervorbringen, als der 
heidnische Polvbius, der den Ofhziereri der K. K. Armee vor 
einigen Jahren gratis ausgetheilet worden; denn es stehet ge- 




schrieben: et portae inferi iion praevalebunt adversus eam; 
"wenn also der leidige Solanas so einer Armee nicht mal was 

raben kann, wie sollte es dann der weltliche Arm? 
In hoc Signo vinces — Sollte aber auch aus besonderer 
gottlicher Zulassung; ungeachtet meines katholischen Unterrichts, 
die Armee in diesem zeitlichen Leben unterliegen müssen, so 
ist sie wenigstens für das bessere Leben mit dem undurchdring- 
lichen Schilde des Glaubens gepanzert; und was ist wohl ein 
zeitlicher Sieg gegen den ewigen? 

Im Vertrauen gesagt, Euer Exzellenz! wir ächte Katholiken 
müssen zusammenhalten. Meinen katholischen Unterricht will 
in dem halbketzerischen Wien kein Mensch kaufen; die Druek- 
kosten liegen mir schwer auf dem Herzen; ein Befehl von Euer 
Exzellenz an Ihre Ai'mee, die nach der Anzahl der Generale 
und Oftiziere wenigstens aus 100000 Mann bestehen muss» hilft 
mir von meinem ganzen Verlage, wenn nur bey jeder Compagnie 
ein Exemplar — das ich für einen Batzen liefere — abgenommen 
wii-d. P. Frank wird sein Plocet zu diesem Befelil gewiss geben, 
wenn ihm Euer Exzellenz nur im vorbeygehn merken lassen, 
dass ich von den P. P. .lesuiten auch in ihre Geheimnisse ein 
geweihet worden sey, und etwas von der gewissen Schatulle, die 
er aufbewahret, wisse. Sapienti sat. 

tFür die Frau Kreitmaier, der ich meinen Handkuss abzu- 
en bitte, und für noch eine Dame, die Euer Exzellenz auch 
kennen, wird ein sauber gebundenes Exemplar, und extra noch 
ein Pötscher Bildet, das für Hieb und Stich bewahret, für Euer 
Exzellenz nachfolgen, 

Bitte Euer Exzellenz woUens mir nicht ungnädig aus- 
legen. Ich habe eine wehre Herzensfreude mit einem so an- 
dächtigen Generalen in Bekanntschaft zu kommen, der würdig 
wäre, einst Gross Inquisitor in Madrid oder Lissabon zu wei'den. 
Ich empfehle mich in des Herrn Generalen Gebeth, und 
bin mit wahrer christlicher Demuth Euer Exzellenz 
B in Christo ei^gebener 

*Wien den lOten October P. Fast. 

1785. Chormeisler zu St. Stephan, 



Das dritte Verbot*) kann als ein Vorläufer der direkten, d. h, 
persönlichen Verfolgung des Kurfürsten angeselien w^erden. 



*) Original rm Preuss. Staatsarchiv in Berlin. 
£Dg«l, 0«whlcht« dt« Utamiiiktfloordmitt. 



21 



— 322 — 



Bfild nach diesem wurden die ersten Opfer bekannt, die auf 
Befehl Cnrl Theodors in aussergerichtliche Verhöre vervvickell 
wurden und trotzdem der Bestrafung entgegengingen. 

Der Stadtoberrichter Fischer zu Ingoistödt wurde zuerst 
seines Amtes entsetzt und mit seiner Familie einfach dem 
Elende preisgegeben. Als sein Kollege, der Stadtrat von Dilling, 
einigen Bekannten gegenüber sein Mitleid darüber äusserte, 
wurden dessen Worte sofort dem Kuifürsten h inierbracht, und 
er beorderte den Stadtmagistrat von Delling, diesen ohnehin 
sehr renommierten Freigeist und Illuininaten, zur Verantwortung 
zu ziehen. Als Hauptverbrechen gibt der Befehl (den der 
preussische Gesandle v. Schworzenau sogar abschriftlich dem 
König von Preussen als ein Beweis der Nichtigkeit solchen 
Verfahrens einsandte) an, dass verschiedene Winkoppische 
Druckscliriften bei ihm eingelaufen und aus seiner Hand in 
andere Hände gegangen wären. 

Im Verhör sagte von Delling aus» er habe nur gesagt, dass 
es ihm unbegreiflich sei, dass ein ihm zwei Jahre lang bekannter 
Mann, dessen Charakter ihm sehr schätzbar geworden, nunmehr 
Verbrechen habe begehen können, die den Kurfürsten veran- 
hissen, ihn mit Weib und Kind unerwartet und schnell brotlos 
zu machen, dass die Ursachen zurzeit noch dem Publikum 
unbekannt sein müssten. Bezüglich der Drucksachen gestellt 
er, den Winkoppischen Deutschen Zuschauer*) gekauft und ge- 
lesen zu haben, es sei ihm nicht eine Verordnung bekannt, die 
die BeschütTung und Lesung dieses Journals verbiete, noch 
weniger könne man aus dem Besitz desgelben schhessen, er 
billige alles, was die Schrift entliölt, er werde es ferner aber 
weder kommen lassen, noch lesen. 

Am 24. Augusl 1785 kam von Serenissimi das Urteil über 
von Delling. Dasselbe ist ein bleibendes Zeugnis der Despotie 
jener Zeit und lautete auf: — sctiarfen Verweis, dreitägigen 
engen Arrest, Kassation unter Bedrohung einer noch weit 
emptindJicheren Strafe, wenn er sich weiter mit respekl widrigen 
Reden oder mit Reischatfung, Bewahr oder Veibreilung ve^ 
botener Scliriften betreten lassen würde. Wegen des auf sich 
geladenen Verdachtes sind von Zeit zu Zeit unversehene Vish, 
tationen vorzunehmen. — — 



•) Dass dieses Blatt, aus dem wir die vorhergegangenen Briefe eo^ 
nahmen, dem Kurfürsten wegen seiner offenen Rede besonders verhasst wsf^ 

ist begreiflich. 




— 323 - 



Wahrscheinlich infolge Versuche einiger Freunde, die 
Kassation aufzuheben, wurde vom Kurturslen am 17. September 

re Behelligung mit Vorstellung oder Fü!'bitte verbeten. 
Nach dieser Probe willküi-liclisten Verfahrens kann das 
Weitere nun nicht mehr verwundern. 

Die Grafen Savioli und Constanzo wurden ab officio im 
August suspensiert und in\'erhöre venvickell; letzterer auch über 
den Zweck seiner Berliner Reise vernommen; beide dann unter 
Belassung einer Penston von 800 und 400 Gulden nach Italien 
ausgewiesen. Der junge Hofrat Graf Montgelas mit Ordensnamen 
Musäus, der denunziert worden war, das Illumioatensiegel auf- 
zubewahren, wurde aufgefordert, dasselbe abzuliefern. 
K Es war behauptet worden, dass dieses Siegel ein Schiff 
^nit der Sonne darstelle und die Aufschrift: Tempestatibus ob- 
stat trage. Montgelas schrieb am 20. September dem Kurfürsten, 
dass ihm ein solches Siegel gänzlich unbekannt sei, die Behaup- 
tung, dass ein solches in seinen Händen, wäre ein verleumde- 
risches Vergehen, und er bitte, gegen seinen Kläger den Üechts- 
t^ eröffnen zu dürfen. 
Montgelas hatte nicht gelogen, wenn er sagte, solches Siegel 
i ihm unbekannt, denn dasselbe zeigt zwar die Sonne, die 
jedoch ein blühendes Koi'nfeld bescheint, vor demselben stand 
unter einem Baum ein angebundenes Pfei'd, das diese Saat be- 
trachtet, aber nicht zu ihr gelangen kann. Eine Inschrift hat 
das Siegel nicht. Das Pferd soll das Volk bedeuten, resp. die 
■afesselte Kraft und Sehnsucht nach Freiheit. Dieses Siegel 
war nach Bekanntgal)e des Verbotes verschwunden, ist jedoch 
gerettet worden und nunmehr im i »rdensarchiv zu Dresden, -- 
Montgelas behielt seine amtliche Stellung zwar trotz aller Ver- 
dächtigungen, wurde jedoch wenig befnrdei'l und suchte sich 
deswegen zu vei-bessern. Er wurde laut Drekret vom 29. April 
1787 am Zweibi'ückisclien Hof dui'ch Carl IL, Pfalzgrafen bei 
Rhein angestellt und ist dann später berufen gewesen, Bayern 
nach dem Tode des Kuifürsten, unter dessen Nachfolger, als 
erster Minister zu regieren und den Grund zu dessen jetziger 
Stellung im Deutschen Reiche zu legen. 
K Der Kuifürst Carl Theodor hatte vergebens sich der An- 
stellung bei dem von ihm gefürchteten Hofe widersetzt, er wdllte 
den llluminaten nicht als Bei-ater seines Nachfolgers wissen, 
immerhin ist es aber dieser Einfluss gewesen, dass Montgelas 
in seinem Treueide nachfolgenden Passus beschwören musste:« 

21* 




— ^ — (ihr werdet) eure mit denen Illuminaten gehabte 
Verbindung gänzlicli verlassen, zu derselben Erlialtung oder 
Beförderung das geringste nicht beitragen, auch Euch alles da- 
hin einschlägigen Umgangs und Briefwechsels enthalten und 
überhaupt Euch so betragen, wie es einem treuen Diener eignet 
und gebührt. 




SigÜlum des lUumiiialeüordens. 



Weitere Entlassungen aus ihrem Amte betraf die Schulräte' 
Fronhofer, Bucher, Socher, dann den Vicescbulinspektor Augustin 
Sedlmair Verschiedene Geistliche wurden auf ihre Pfarren verJ 
wiesen und duiften sie nicljt verlassen. In Ingolstadt wurden 
der Repetitor Duschel und der Bibliothekar Drexl in strenge^ 
Untersuchung gezogen, die Professoren Krennei* und Semer 
Illuminaten erkannt und offiziell venvarnt, wofern sie sich ni' 



- 325 — 

, drohe ihnen das Schicksal Weishaupts. Mehrere 
Studierende wurden relegiert. 

GlaulH man nun, die Universität Ingolstadt sei ein be- 
sonderer Hort des t »rdens gewesen, so ist solche Annahme irrig, 
Tiäenn ausser den Genannten ist das Register der wirklichen 
Illuminaten erschöpft, wenn noch der Repetitor Hübner, der 
Aktuar Bauer und von Studierenden Baron Bartels, Frauenberg, 
Danzer genannt wei^den. Einige Studenten, deren Namen unbe- 
kannt geblieben, sind vielleicht noch hinzuzuzäliien. — Es ist 
aus dieser kleinen Anzahl zu erkennen, dass die Anwesenheit 
der Illuminaten die Universität keineswegs entarten konnte, wie 
der Papst meinte; wie aber soll man den nach der Verfolgung 
des Ordens entstandenen Zustand der Universität nennen, den 
PrantI in seiner bereits oft angezogenen Geschichte der Uni- 
versität auf Seite 638 mit folgenden Worten schildert? » — aber 
anderseits liegt ein zweiter mittelbarer Berührungspunkt in der 
Strömung, welche seitens der Regierung bei Aufhebung des 
Ordens und Verfolgung der Mitglieder desselben eintrat, denn 
von da an waren die finsteren Mächte überhaupt entfesselt und 
jeder bessere Universitäts-Lehrer schwebte in der Gefahr, auf 
die niedrigste Denuncialion hin als IlUiminat schw^ere Leiden 

■ Oiltrezepte der Illnmiiiaten nnd ein berüchtigteM 

■ Protokoll. 

V Die genannten finsteren Machte entfesselten sich zügellos, 
nachdem die bei Zwackh gefundenen Papiere veröffentlicht 
worden waren. Durch diese erhielt man allerhand Handhaben, 
die, geschickt benutzt, selbst Unschuldige zu Verbrechern 
stempeln konnten. — Es befanden sich unter den Papieren auch 
allerhand Rezepte; eines sollte die Herstellung des aqua tofana 
betreffen, die Massenhausen (Ajax) gesammelt hatte, der ausser- 
dem in den Briefen Weishaupts nicht nur oft genannt 
wird, sondern von dem auch Briefe sich vorfanden. Es war 
natürlich, dass der inzwischen Hof kammerrat gewordene 




— 226 — 



Massenhousen das besordere Interesse des Kurfürsten wegen 
der mörderischen Rezepte erweckte, dos sich denn öuch in 
nachfolgendem Befehl an den Präsidenten Grafen von Törring 
aussprach: 

R P. 

Aus Churfürsth gnädigstem Befehl soll der junge Hof- 
kammen*alh Massenhausen oder sogenannte Ajax heut noch in 
das Schottenstübel gcbrücht und dessen sämmtliche Papiere zu 
Obrigkeit Händen genohmen werden. 

Die Beyde Herren Hofi-öthe Engel und von Stockh sind 
als comissarii ernannt, worüher dos weitere per rescriptüm 
erfolgen wird. Euer Excellenz belieben einstweilen nur den 
Arrest sowohl (juo od personam als scripturas zu verfügen. 

München 13. April 1787*) 
A. V. Kreilmayer. 



Am nächstfolgenden Tage den 14. April beorderte Sere- 
nissimus Elector gnädigst, dass Massenhausen, der bereits im 
Schottenstübel sitzt, zutorderniss über die der Zwackh'schen 
Brielsammlung einverleibten recepten**) befragt werde, nemlich 
von wem und zu was Ende er solche erhalten habe, worum sia 
den Zwackh comniuniciret, auch ob davon kein Gebrauch 
nach dem jure vitae und necis von ihm oder andern würck- 
lieh gemacht worden sey. Weiterhin gibt die Order Anwei- 
sungen, wie seine in Beschlag genommenen Papiere zu be- 
handeln waren. — 

Liest man nun das umfangreiche Protokoll, das in sieben 
Verhörstagen vom 24. — 30. April 1787 aufgezeichnet wurde, so 
begreift man tntsiichlicli heute nicht, wie es möglich war, ernst- 
haft an eine Schuld des liiliaftierten zu glauben. Massenhausen 
gibt zuerst eine genaue Schilderung seiner Aufnahme, resp, 
Annahme durch Weishaupt, Er gehorte, wie wir bereits wissen, 
zu den er^sten Ördensangehörigen und war mit Zwackh der 
Vertraute Weisliaujits, Er ziililte damals, 1770, 16 Jahre, war 
völlig für Weisliaupt eingenommen und traute ihm keinerlei 



•) Original im Bay. Geh. Haus-Archiv. 

••) Hier ist das Eiogestfmduis, dass nur der Slimmungsmache wegen, 

die gar nicht von Zwackh herrührenden Hezeple, der Briefsammlung einver* 

leibt wurden. Der Druck ist so arrangiert, als wSren diese Rezepte und andere 

Dinge offizielle Ordenssachen* 




— 327 — 



irecht zu; infolgedessen erschienen ilim auch die ersten Auf- 
nahniefrügen, die der Kommission höchst auffallend schienen 
und Gehorsam gegenüber' dem Orden verlangten, keineswegs 
bedenklich. Über die Rezepte gibt er genau an, doss er sie der 
Kuriosität halber sammelte, nie daran dachte, sie zu gebrauchen, 
und dass sie auch von niemandem jemals gebraucht worden 
wären. Das so geffihrliche A([ua tolana-Rezept entpuppt sicli 
als alberne Mystifikation. Man sollte nach diesem ein 
Schwein in besonderer Art futtern und dann aus seinem 
Fett dos tödliche Gift lierausdeslillifiren köiineiill Die 
unter den Papieren gefundene Beschreibung und Zeichnung 
einer Brennkiste, zu dem Zw^ecke, die in solcher Kiste befind- 
lichen, auflijewöhi'ten Papiere plötzlich verbrennen zu lassen, 
war einem alten Folianten entnommen, Versuche zur Herstellung 
dei'selben nie unternommen. Ebenso verhielt es sich mit der 
Herstellung eines gelieimeo Schlosses. Die berüchtigten Ahortus- 
rezepte, von denen vermutet wurde, Weishaupt habe sie bei 
seiner delikaten Angelegenheit benutzt, während M. nachweist, dass 
dieser sie gar nicht kennen konnte, sind unschädliche Aufgüsse 
von Petersilienkraut, Kamillen und Knoblauch. Nur ein einziges 
angegebenes Mittel kann wirksam sein; nafiuiich nennen wir es 
tiier nicht Alle diese Dinge, sowie weitere Ftezepte zu sympathe- 
tischen Tinten und anderen Dingen waren alten Bücliern (es werden 
Wiglebs und Kii'chers Schriften angegeben) entnommen, und 
J778 schon Zwiickli ühei'gei)en worden, weil der nocij sehr jugend- 
liche Massenhausen sich vom Orden zurückzog, öfter liatte er 
im Lauf der Jahre Zwackli gebeten, den Plunder, wie er sagte, 
zu verbrennen, es war jedoch nicht geschehen; wie wir aus 
Zwackhs Angaben schliessen können, rein aus veigesslicher Sorg* 
losigkeit, und nur dadurch wui^de beiden später ein böser Strick 
gedreht, li^end eine böse Absicht komml bei dem ganzen Verliör 
nicht zum Vorschein,*) man mag die Sache drehen wie man will. 
Auch die Kommissäre haben trotz aller getreulicli aufgezeich- 
neten, verfänglichen Fragen eine solche nicht nachweisen können. 

Eine Schuld musste aber um jeden Preis nachgewiesen 
werden, sonst wäre das ganze Verfolgungssystem zusammen- 
gefallen, infolgedessen blieb Massenhausen in Arrest. 

Nach 22tägiger Haft .schi'ieb er crfr^lglos dem Hat h!ngcl 
einen Brief mit der Bitte, den Kuifürsten um Haftentlassung 



•) Abschrift des Protokolls in Händen des Aulora. 




— 328 — 



anzugehen, es war vergebens. Der August kam heran und der 
Inhaftierte soss immer noch im Scholtenslübl Am 9. Aug, kam 
ein kurfürstliches Hescript heraus, das Massenhausen seiner 
Ratsstelle entsetzte und ihn zu weiteren försllichen Diensten für 
unfähig erklärte, welches ihm der Kurfürstliche Hofrat per Com- 
mission bedeuten zu lassen. Merkwüi-digerweise lautete eine 
Order vom 13, Aug, mit dieser Eröffnung einzuhalten und in 
der Nacht vom 13. zum 14. Aug. fand sich Massenhausen so 
schlecht bewacht, dass er entwischen konnte und nicht wieder 
gefasst wurde* Es scheint fast gewiss, dass hier eine Absicht 
vorlag. Ein klares Vergehen konnte nicht nachgewiesen werden, I 
die Rezepte waren geradezu lächerlicher Natur, entwnschte 
Massenhausen aber, so blieb auf ihm alles odium angeblich 
verbrecherischer Rezepte für Giftmischung sitzen» und möii 
brauchte namentlich diese Angst vor atjua lofana dringend, umJ 
einesteils den Kurfürsten, andernteils das F'ublikum in Mlu- 
minaten-Angst zu erhalten. Der Kurfürst wird das aqua tofaoa 
Rezept aus Schweineschmalz gewiss nicht eifaliren haben, denn 
es heisst ausdrücklich in seinem Urleil vom 9. April, er habe 
sich die Akten vortragen lassen, also hat er sie nicht selbst 
gelesen^ sondern erhielt nur Auszüge, wie er s. ZL bei der 
Zwackhschen Angel egentieit selbst befohlen hatte. Es w^ar daher 
sehr leicht die famose Herstellung dieses aqua tofanae ihm zu 
verschweigen. Massenhausen sass bereits Monate lang, seine 
Sehnsucht nach Freiheit war gewiss gross, blieb er nun in Un»| 
kenntnis darüber, dass sein Urteil eigentlich durch die Order 
vom 9. Aug. gesprochen war, seine Entlassung demnach bevoi^ 
stand, und gab man ihm Gelegenheit zur Entweichung, so war 
sicher anzunehmen, dass er sie eingreifen würde. Daher die 
Contre-Order, die einem Frank nicht schwer werden konnte, zu 
erlangen. Die Clique, die hauptsachlich die llluminaten*Ver 
folgung inszenierte, konnte nur den grössten Vorteil votk\ 
Massenhausens Entweichung haben, von deren absichtlicher Zu- 
lassung der Kurfürst natürlich keine Ahnung hatte, denn sie 
wurde das Mittel ihn selbst durch Furcht zu fesseln. Er wird 
sicher über die gelungene Flucht sehr erzürnt gewesen sein, eiol 
Befehl von ihm fordert auch strenge Untersuchung, ob die 
Wäcliler immer die Schlüssel gut bewahrt und an jenem Abend . 
nicht etwa betrunken gewesen wären, aber der beabsichtigte/^ 
Zweck wurde erreicht, wenn Massenhausen nur nicht wieder 
erwischt wurde. Es w^urde deswegen auch erst am 17. Augusl 



i 




— 329 — 






Jiinier ihm ein Steckbrief erlassen, dessen Personolbeschreibung 
enulig ist, dass Massenhausen wegen seiner Ergreifung recht 
eruhigt sein konnte. Es hcisst da: 



I 

b 

r 



Anton Massenhousen 28zig jährigen Alters von München, 
isl grosser Statur, 6 Schuh hoch, mager, blassen Angesichts, 

ot rötliche Haare, dann derley Bart und Augeiibraun, eine hohe 
breilhe Stirne, mitlmässige Nasse, ist schlanken Leibs und 

brigens wohl gewachsen, oh n wissend dessen Kleidung. — 



w 

»Ai 
m 



Nach solcher, auf viele Menschen passende Beschreibung, 
ausserdem am 4. Tage nach seiner Entweichung, die in der 
Nachl vum 13. zum 14. stattfand, würde der beste nioderiie 
Detektiv Massenhausen unmöglich gefangen haben. Das dürfte 

uch mehr als wahrscheinlich gerade die Absicht gewesen sein. — 
Die Angst, durch aqua tofana der Illuminaten um sein 
Leben zu kommen, ist erwiesenermassen systematisch dem Kur- 
fürsten beigebracht worden, diese Furcht diente dazu, die Fürsten 
der Rachsucht der Verfolger gefügig zu machen. Wir haben 

ereits gesehen, dass der Konig von Preussen in seinem Briefe 
^an den sächsischen Kurfürsten später auch schaudernd dieser 
Hersteliungskunst gedenkt, in der die Illuminaten solche Fertig- 
keiten besitzen sollten; ihm hatten die Rosenkreuzer, die Erz- 
feinde der Illuminaten, diese Furcht beigebracht. Bevor wir 
jedoch den Beweis für die erste Behauptung antreten, müssen 
wir noch einer Episode gedenken, die charakteristisch ist für 
die ausgesprochene Ansicht und 4uv die damalige Zeit. 

Es wiixl erinnerlich sein, dass die Veröffentlichung der bei 
Zwackh gefundenen Papiere unter dem Hinweis geschah, jeder 
könne sich von der Echtheit derselben überzeugen; das w^agte 
jedoch so leicht keiner von den getreuen Untertanen, sicherlich 
witterten diese Geiahr bei solchem Unterfangen, und mit Reciit. 
Am 13. April 1787 erschien plötzlich im geheimen Archiv ein 

oktor Friedrich Munter aus Kopenhagen, dei'selbe stellte das 

Ersuchen ihm einige der Illuminaten- Papiere voi'zulegen. Es 
geschah. Ein Pr'otokoll %vurde aufgesetzt und Munter verlangte 
einige Briefe, in denen die Namen der Herzoge Ferdinand von 
Braunschweig und von Gotha sich befinden. Er sollte sein 
Ehrenwort für Verschwiegenheit geben, tat es, setzte jedoch in 
dem vom Archivar Eckartshausen vorgelegten, zu unterschreiben- 
den Protokoll wörtlich hinzu: 




— 330 — 



Ich vei*spreche bey meinem Ehrenwort, dass ich niemals 
öffenllich in Druck die Nomen nennen werde, die in den mir 
zufolge der gnädigsten Erlaubniss Sr. Churf. Durchl. zum Durch- 
sehen verstölleten Briefe genannt worden sind. Kann mich ober 
nicht dazu verbinden» dasselbe Geheininiss in Gesprächen mit 
meinen Freunden» wenn auf diese Saclie die Rede kommen 
sollte, zu bewahren. 

München, d. 13. Apill 1787. Dr. Friedrich Munter 

aus Kopenhagen. 

Die Einschränkung seines Ehrenwortes ist wohl auf einen 
Äi'ger darüber zurückzuführen, doss er auch die berüchtigten 
Rezepte einsehen wollte, was ihm jedoch verweigert wurde. 
Sein Verfahren war jedenfalls unklug, denn sofort wurde er 
heimlich beobachtet. Sein für die Zeit seines kurzen Aufent- 
haltes engagiert gewesener Diener Joseph Freysinger wurde in 
ein Verhör gezogen und nach allem Möglichen über Munter 
ausgefragt. Dabei kam zum Vorschein, dass er den Professor 
Baader besucht hatte, Hertel und Massenhausen und dann nach- 
dem am Sonnabend den 14. April Massenhousen verhaftet w^urde, 
Montag früh den Ui allein nach Salzburg zu fortgefahren sei. 
Auch Massenhausen wurde in seinem Verhör über Munter be- 
fragt und gab an, dass er am Abend des 13. April mit ihm bei 
Baader zusammengetroffen sei, Munter habe auch dort die Ab- 
schrift seines schriftlich gegebenen Ehrenwortes vorgelesen. 

Aus solchen Umstanden schien Munter natürlich Iiöchsl 
verdäclitig. Man vermutete in ihm einen auswärtigen Minenal 
des Ordens, glaubte, bei Baader sei eine Loge abgehalten worden 
und sicherlich müsse das Fragen nach den Rezepten auch seine 
tieferen Gründe haben* — 

Am {l Mai 1787 berichtete der Gesandle v: Lerchenfeld aus 
Regensbuig, dass Munter sich in der Stadt aufgehalten habe 
und aussagte, es habe der ihm vorgelegte Revei*s, ausser der 
Beglaubigung, die Schi-iften gesehen und gelesen zu haben, noch 
einen zweiten Teil enthalten, in dem er die Sekte als gelahrlich 
anzuerkennen sich verpflichle. Munter habe gesagt, dase er 
bereit war, den ersten Punkt zu unterschreiben, nicht aber den 
Schluss, und dass seine Freunde ihm rieten, München so schnell 
als möglich zu verlassen. Seitdem habe man ihm geschrieben, 
wenn er nicht am andern Tag abgereist w/ire, so wäre er ver- 
haftet worden. Der Gesandte bezweifelt zwar die Wahrheit 



— 331 — 



I 



dieser Angaben in seinem Bericht, glaubt, die Illuminaten wnlUen 
durch solche Ausstreuungen nur die Fiegierung btomieren, — 
aber er irrte sich in dieser Meinung sicherlich. Münler tat sehr 
wohl daran, sich zu entfernen, er hotte andernfalis Kopenhagen 
nicht sobald, vielleicht gar nicht wiedergesehen. Nach der Her- 
stellung des aqua lofana aus Schweinefett sich ei"kündigende 
Fremde waren damals mindestens Verbrecher, man pflegte 
kurzen Prozess mit unbeliebten Ausländern zu maclien. 

In dieser Episode spielt die Frage nach den Rezepten 
jedentalls eine Hauptrolle. Furcht, unversehens vergiftet zu 
werden, war ein vortrefliiches Mittel, den Kurfürsten zu be- 
herrschen und Kreaturen» die diese Furcht durch selbst groteske 
Anklagen möglichst schürten, fanden sich. Eine solche Kreatur, 
oder ein Narr, dessen geringe Denkfähigkeit missbraucht wurde, 
war der Hof- und Kammen*at Baron von Mandl, dessen Ver- 
nehmungs Protokoll) vorhanden ist, von ungeheuerlichen Aus- 
sagen, denen die Lüge offenbar anklebt, wimmelt und in sich 
den Beweis enlhält, den wir zu geben versprachen, — Mändl 
wer Ordensmitglied, ein Beweis, wie wenig sor^altig die Per- 
^-aORen ausgew^ählt wurden. Graf Savioli hatte ihn erst der 
Baadei^schen Loge zugeführt, si>äter wurde er Illuniinat. Mändl 
gibt über die Baadersche Loge nocfifolgende protokollarisch fest- 
gelegte Angaben, die meist gänzlich unwahr sind; 






»Diese Baederische Loge hatte überhaupt 97 grad, welche 
alle vill Geld kosteten und nicht vill lehrten; so kostete der 
Lehrlinggrad 50 fl., 2 Pf. Wachs und *A ti fiir das Ordenszeichen, 
der Gesellongrad 7 fl, und abermahl 2 Pf. Wachs, der Meister- 
grad 25 fl, der Elu 50 fl. der Schott 150 fl. und so vermehrte 
es sich von 50 zu 50 fl. durch alle 97 grad und jeder Lehrling 
musste allzeit ein kleines Souper, welches beim Priem getiaUen 
wurde auf seine Kosten geben. Nebstdem zailet jeder des 
Monats 1 fl. Deponent war in der Loge Secretaire der untere 
grad, wurde darauf Hediter und endlich frere terrible, sowohl 
bei der teutschen, als französischen und polnischen von dem 
Altmeister Grafen von Seefeld gehaltenen Loge. 

Er war zur Zeiten ersler, oder 2 ter Oberaufseher und einige- 
mahl de|>utirter Meister vom Stuhl, in Simcie wie das Haus von 
dem Prtizka erkauft wurde, wo sich Baader, Seefeld, Zwackh und 




•) Abschrift zu Händen des Autors. 



^ 332 — 

Berger nicht hineintrauten, ohne von der uniHegenden Billiger 
Schaft sich, oder das Haus misshandelt zu sehen.« — — 

Für alle übrigen maurerischen Grade, Bänder, Schurzfell 
und Schriften will er 100 Dukaten gezahlt haben, in den Illu- 
minatenorden will er durch Baaders Betreiben durch Savioli 
aufgenommen seyn. — 

Das ganze Protokoll ist sehr weitläuflg, teilweise auch un- 
interessant. Es ganz abzudrucken ist ermüdend, wir geben 
es daher teils wörtlich, teils im Auszuge wieder, damit man 
erkennt, in welcher raffinierten Weise die den Kurfürslen am 
meisten interessierenden Dinge ausgeputzt wurden, um die Illu- 
minaten als äusserst gefahrtiche Menschen hinzustellen, Mändls 
Aussagen luit der Kurfürst zweifellos wörtlich gelesen, denn bald 
nach dessen Verhör am 18, Juli und weitere Tage erschien das 
Verbot, das den Anwei'ber zum Tode durch das Schwert verur- 
teilte. Dieses Verbot wäre gei*echt, wenn Mandls Aussagen nur 
zur Hälftewohr gewiesen wären. Man urteile nun selbst. Über« 
all wo eine besonders leicht nachweisboi-e Lüge vorliegt, steht 
das Zeichen (!?). 

Nach seiner Aufnalime als Minen^al, die 25 fl. nebst 3 fl. 
für das Drdenszeichen gekostet, musste er verschiedene pensas 
bearbeiten, worunter ihm immer das AunaUendste war, dass er 
bei Ankunft des Pabstes in München, sowie seiner Anwesenheil, 
das Hofceremoniel beobachten und darüber schriftlich berichten 
musste. El* musste beschreiben, welchen Einfluss der Pabst 
auf die Fürsten, tlieistlichkeit, Adel, Kanzleien, Collegien, die 
Bürgerschaft und Bauern habe, welchen nämlichen Auftrag Baron 
F^^ger und Fronhofer bekam. Er will dann einige dreissig Per- 
sonen geworben haben, die aber meistenteils vor, teils nach 
seinem Austritt davongelaufen sind. Er bekam endlich ganz 
besondere Aufträge zur Correspondenz. Endlich wurde er ein 
Magistratsgliod (!?), machte also die quibus licet auf und durfte 
sie auch ohne Anfrage befördern und wui-de als Areopagit ([?) 
zum ewigen Magistrat (!?) und geheimen Kapitel vorgeschlagen; 
als aber in des Baaders Haus bei offenen Fenstern eine so be- 
titelte Elü-Lnge (wobei jedoch Baader ohne alte Maurerische 
Zeiclien mit dem breiten roten Band als Provinzialoberer, dann 
der Major Ob und Baron Bassus als Assistenten sassen) ge- 
hnllen ward (!?), erstaunte ihn tolgender Vortrag nicht wenig, 



I 




^ 333 — 

und es waren doch praesentes, Seefeld Valer und Sohn, Graf 
Seeau, Baron Montgelas, Savioli, Berger, Zwack h, Hertl, Massen- 
hausen, Constanzo, Cossandey, Renner, Grünberger, Fronhofer, 
Krenner, Buecher, — jeder der etwas von den neu vorkommen^ 
den Sachen ausschwätzen würde, sei auf Gottes Erdboden, 
in allen Logen ausgeschrieben, sein Leib und Leben, 
Gut und Blnt niclU sicher (!??)*) 

Es ist unser Bruder Constanze in grösstor Gefahr. Wir 
haben ilin mit 200 H. (wie wir dies alle, so wir im geheimen 
Capitel sind, ja alle wissen) nach Berlin geschickt, um den Kon ig 
zu sondiren, was er wegen einen gewissen Veränderungs Fuess 
(lies Verönderungsfuss) in Bayern sagen würde.**) Er sollte 
auch zugleich sehen, ob es Mluminaten in Berlin gebe, was sie 
für ein System haben,***) (1?) allenfülls das Unsere etabheren (1?) 
und uns achte Grade bringen und bewirken, dass unsere Mutter 
Loge Royal'York an den von jedem Maurer jahrlicfi einzusenden- 
den 3 fl. 2 nachlassen und dann uns einen District vom Pofluss 
bis an dtie Sau einräumen, nachdem jede Loge die 7 Filialen 
hat, selbst Mutterloge ist 

Nun hat sicli Constanzo an einen echten Maurer, den ge- 
heimen Schreiber des Königs gewendet, und dieser ist ein S|>itz- 
bube gew^orden und hat dem König alles entdeckt; der König hat 
ihn also unter Bedrohung, nach Spandau zu liefern, eiligst aus 
Berlin geschaflft, und da retirierte er sich in ein 3 Stunden von 
Berlin gelegenes Märkll und als er auf unsere Aufforderung 
noch weiteres über diese Gegenstande zu korrespondieren suchte* 
musste er sich eilends aus dem Preussisclien Lande entfernen, 
sonst hatte ihm der König den Kopf zwischen die F'üsse ge- 
legt (!?)t)» und nun sitzet er zu Aachen ohne Geld, und wir 
sind verraten. (!??)tt) 



Mändl erzählt nun weiter, dass er aus dem Protokoll habe 
an Constanzo einen Brief sehreiben müssen, er solle zurück- 



*) Hier findet sich die Vorbereiturjg auf die später verstärkte Behaup- 
tung, dass die Iliuminatefi vergiaen. 

**) Gemeint ist der Länderaiistausch. 

•*•) Das musste doch senislversländlich das Geheime Kapitel längst wissen; 
was für ein System hätten denn Itluminaten hesitzcn sollen, doch nur do.s 
voa ihnen ausgegebene l 

t) Der König schrieb aber dem Grafen Seeau, die Aufi\v eisung berühre 
die Ehre Conatanzos nicht, — und dann köpfen?? — 

ff) Unter den Präsentes zählt Mändl aber Constanzo auf. 



I 



kehren, das Geld würde ihm geschickt; ein zweiter Brief wurde 
an Sonnenfels in Wien gerichtet, des Inhalts, der Länder- 
lausch sei in Preussen kund, dass man den König als contra- 
dictor mutmasse und deswegen in Wien sehr behutsam sein 
müsse.*) 

Von dieser Zeit getiel es ihm angeblich nicht mehr im 
Orden, er besuchte wedei* Logen noch Illuminatenversamm- 
lungen, versagte den Beitrag, bis man ihm mit Suspension 
drohte. Jetzt begehrte er seine P^ntlassung, die ihm endHch 
nacfi vielen angebhchen Versuclien, ihn zurückzuhalten, gegeben 
wurde. Er sagt dann weiter über dos System des Uluminaten- 
ordens: es besteht kürzlich darin, so viel Glieder anzuwerben, 
und zwnv in allen Fachern, dass ausser einem Mitglied von ihnen 
keiner zu eintnigliclien und Ehrenstellen kommt, mittels der 
angeworbenen Medicarum (Arzte) und Apotheker auch jene i 
aus dem Weg zu räumen, welche diesen Absichten 
hinderlich sind, mittels dei' angeworbenen Geistlichkeil denen 
Leuten glauben zu machen, dass nur dieses Lastei' und Tugend 
sei, was sie Laster und Tugend nennen. (I?) 

Durch die angeworbenen Domherrn Bischöfe (I?) zu machen, 
die in quemcumque casum mit ihi'en votis eine ihnen beliebige 
Reichsveränderung verursachen und dass also unter einem nur 
den Nomen tragenden Oberhaupt nur ihre Absichten in Er- 
tullung gehi-acht und all übrige, so sich nicht zu ihnen schlagen, 
oder von ilmen aus Geld, Vernunft oder Freundemangel ve^ 
Wolfen werden, kriechen müssen. — — 



Aus vorstehendem sieht man, dass in Mfindels Einbildung 
strebende Menschen ungeheuer leicht zu Schurken umgewandelt 
werden können. Er sucht nun in unklarer Darstellung durch 
Behaujjlungen den Beweis zu ersetzen für- seine Aussagen, bringt 
eine interessante Wechsetgeschichte vor und schiessl dann 
wieder nachfolgenden Pfeil ab: 



»Der erste Antrag welchen Serenissimo gegen Verwendung 

der Jesuiten Güter zum Maltheser Orden gemocht wurde, rülirt 
von den llluminaten her, und diesen Entwuif machte ein da- 
maliger Jesuit-Deputations Kanzellist, Schwager des Professor 
Baaders» den er nicht zu nennen weiss, (?1) und Pro- 



I 



*) Wag von diesen DUigeti zu haUen ist, wurde weUläuflg bereits bOr 



wiesen* 




I 



I 



fessor Baader cum suis arbeitete ihn aus dem Rohen in das 
Reine.« — 

Dieser Pfeil musste jedenfalls verletzen, nach dem Rezept: 
»Verleumde nur frisch darauf los, etwas bleibt immer kleben!,« 
weil Carl Theodor diese Malteserzunge aus den konHszierten 
Gutern des aufgeliobenen Jesuitenordens nur zu dem Zweck 
bildete, um GünsUinge, Favoritinnen und seine unehelichen 
Kinder zu versorgen, anstatt die Gelder für Schulzwecke zu ver- 
wenden, wie allgemein erwartet wurde. — 

Als Mondl nach dem Stand und Aufbewahrungsoll der 
Ordenskasse gefragt wird, über die der Kanonikus Hertel als 
Ordensschntzmeister sehr genaue und wahre Angaben in einem 
Bericht, auf den wir noch näher eingehen w^erden, gibt, versteigt 
er sich zu nachfolgenden Angaben: 

Die llluminiiten Cassa sowohl, als das Archiv hat sich 
gleich nach dem ersten churfürstL Verboth, das die Maurer und 
Illuminaten bestrate, da sie auseinander gehen sollen, flüchten 
müssen.*) Beides w^ar eine Zeitlang bey Widmann in Arding, 
bey Fischer Stadtoher Richter in Ingolstadt, bey Bassus in 
Sandersdorf, bey Bellet zu Straubing, bey Wolfegg in Augsburg 
und endlich beim jungen Grafen Seinsheim,'*'*) (!?) welcher es 
vor 2 Jahren bey dem grössten Schnee mit dem Grafen Wolfegg 
nach Salzburg in die Hände des Domherrn Grafen Spaner und 
Hofrath Gillapzky transportierte, welche Deponent selbsten am 
Freytüg nach dem Aschermittwoch anno 1785 nachts um halb 
8 Uhr damit begegnet sind. Dessen Wagen mit gi*ossen, 
schw^eren Kästen hint und vorn beladen, so, dass sich der 
Schlitten, worauf es gebunden war, vast geborsten hat, und sie 
machten ihm noch darüber Zeichen, dass er sie nicht verrathen 
möchte. 

Die Starke der Gasse belangend, kenne Deponent theils in, 
theils ausser Land zu den hiesigen Kirchen gehörig, 6000 Illu- 
minaten***) aus Schriften, eingeloffencn Briefen, und auch einige 
persönlich. 



♦) Vergteicbe die naeli folgenden Aussagen Hertels. 

**) Er nennt alle möglichen Namen, nur den wirklichen Ordensschatas- 
meister Hertel nicht. 

••*) UaverschSrate Löge^ da der Orden noch nicht 3000 Mitglieder ymfasste. 




— 336 



Wenn man nun anniinmt, dass jeder für acception einen 
Ducaten, für das Zeichen 3 ü. und für die inlroduelion 25 fl, 
nebst dem dass jeder von 1779-^82, wo er ausget reiten ist. 
monathlich 50 X befallen haben müssen, so wirft sich schon 
eine grosse Summe"^) heraus, wenn man nun weiteres annimmt, 
dass unter 6000, Xvenigstens 2000 Freymaurer sein müssen» 

— , (Zwischensätze unwesentHch) — , dass also jeder von 

diesen 2000, den Lehrling grad mit 50 fl., 3 fl. für Logenzeichen 
und 2 €/ Wachs, den Meistergrad mit 25 fl. und 2 & Wachs 
und noch durüherhin 7 fl. hezallet hat, so wird oddendo mit 
der Illuminalen Cassa eine ungeheure Summe herauswerfen, 
welche sich seit seinem Auslriti durch wiederholte Auf* 
nahmen und grad Erteilung noch ansehnlicher vermehrL haben 
muss.« — — 



Im weiteren Verlauf des Verhörs gibt ei* nach geschehener 
Befragung an, dass nach dem ersten Verbot die Illuminalen nur 
darüber gespottet, dass sie an verschiedenen (»rten Zusammen- J 
künfte gehabt hätten, schafften sich Pferde an, fuhren auswärts, 
liielten dort Versamnilungen, natürliciiei-weise auch einen Frass, 
wobei die Professorin Baadei-n und ihre Töchter {!?) die 
Speisen auftragen mussten. Si>äter wurden sie vorsichtiger, 
kamen nur nachts zusammen und verkleideten sich sogar als 
Frauenzimmer**) (l?) und dies geschah nicht einmal, sondern 
öfter. — 

Den Hauptschlog führte nun Mandl, nachdem durch die 
bislierigen Aussagen alles gut vor-bereitet war, nticli der ihm ge- 
stellten Frage, ob er noch etwas von den Handlungen anzu- 
geben weiss, durch nachfolgende Aussage: 



»Hätte, als er sich wegen seiner kranken Tochter zum 
Professor Baader veifügte und dort um Rath fragte, 15 bis 18 
Personen in 2 Zimmer, 3 aber ihm nicht mehr erinnerlich 
vornen am Fenster ohngefehr haec formolia äusserst gemustert, 



I 



•) Wenn diese Angaben wahre gewesen wären, so halle der Orden an Auf- 

iiahmegeldern 6000 Dukaten = Mk. 57,600, an EinfQhrungsgeldern und hisignien 
600Ü ä 28 rt. = 168(]0Ü fl. und an Beilrägen monatlich 50 Kreuzer « jährlich 
6 fl. = 36000 Ü, jährlich eingenommen, Summen» die m damaliger Zeil min- 
destens den fijnrrachcn Werl von heute hahen und &chon deswegen als normale 
Einkünfte unwahrscheinlich sind. 

'*) Woher Man dl das nur alles weiss, da er doch 1782 schon ausge- 
treten war. 




— 337 — 

wahrgenommen, das Ding hat doch in Zweybrück gut reussirt; 
denn den Abend wo ein gewisser schrieb, »das Überschickte hat 
guet reussiret« starb auch der Prinz. Ihm schauderte vor dem 
Ausdruck und gienge davon, weill er ohnehin nichts mehr da zu 
machen hatte.« 

Dieser Prinz war der Erbprinz von Zweibrücken, Sohn des 
Karl August, durch dessen Tod der Bruder des letzeren, Maxi- 
milian Joseph, der spätere erste König von Bayern, Herzog der 
Pfalz und Nachfolger des Kurfürsten wurde. Der plötzliche Tod 
des Prinzen am 21. August 1784 hatte zu dem Gerücht Veran- 
lassung gegeben, er sei vergiftet worden. Natürlich konnte nur 
das aqua tofana der Illuminaten dieses Verbrechen bewerkstelligt 
haben, und dieser Verdacht sollte unbedingt erregt werden. Die 
Illuminaten sollten sich das Recht über Leben und Tod ihrer 
Mitglieder vorbehalten haben, dazu brauchten sie das Gift, so- 
wie zur Racheausübung gegen andere Personen. Mändl schob 
ein ähnliches Vergehen auch den sämtlichen Freimaurern zu 
und sagte: 

»Belangend aber das jus vitae et necis ist dieses für einen 
Illuminaten kein neuer Vortrag, denn alle Freymaurer Logen 
auf Gottes Erdboden exerciren das jus gladii und haben sogar 
ihre Kerker um denen nach ihrem System fehlenden den Pro- 
zess zu machen, und der grösste Prinz, sowie der geringste j 
Bürger wird so aufgenohmen, dass, wenn man ihn fraget, ob er ; 
das Licht sehen wolle, und ihm der erste Oberaufseher die i 
Binde von den Augen abnihmt, ein Feuer aus einer mit Kalkstein \ 
gefüllten Maschine mit denen Worten anblasset — »sie transit \ 
gloria mundi« — so stehen alle Brüder mit entblösstem und gegen ' 
den Aufzunehmenden haltenden Degen, der erschröckliche Bruder 
aber sezet seinen Degen auf des Aufzunehmenden Brust, und 
der Meister vom Stuhle spricht diese Worte, hier siehst du 
alle Brüder in Waffen dich zu verteidigen, so lang du ein Mit- 
glied bleibst, aber auch dich zu verfolgen, wenn du einst mein- 
eydig werden solltest; und daher haben die Illuminaten sich viel- 
leicht das Römische Recht angemasst.c 

Mändl wurde gefragt, ob er seine Aussagen beschwören 
würde. Er bejahte es und leistete den Eid am 24. August 1787 
ungescheut des so leicht nachzuweisenden Meineides. Er fühlte 
sich sicher und setzte sogar durch nachstehende Angaben seiner 

Engel, Oescbicbte des ninmlnatenordens. 22 



338 — 



Karrheit oder gemeinen Gewissenlosigkeit die Krone auf, iiaclv 
dem beim Kurfürsten der Hinweis mif den Giftmord des Prinzen 
guten Boden gefunden hatte und dieser mehr wissen wollte» 
namentlich wer die drei waren, die die Rede in betreff des jungen 
Prinzen liätten schiessen lassen. 

»Nachdem diese 3, das Gesicht von Deponenten weck ge- 
wendet hatten, so können sie der Stimm, Statur und Kleidung 
uacJi, ihm so licmessen werden, dass es ohnfehlbor der Apo- 
thekei' von der Rosengasse März und Baron Montgelas gewesen 
seyen, welches auch dadurch Ijestriti^et wird, rlass mit Gelegen- 
heit der verwittweten Frauen Churfürsten Durelilcht. Reise, der 
Professor Baader naclithin zu Zweybrücken eine Loge und Illu- 
minaten Versammlung gestiftet, wozu er den Montgelas weilland 
hinunter kommen Hess, und zum Meisler den entwichenen 
Kreuzer und zum Provinzialoberen den Hofmeister der hei*zogl. 
zweybrückischen Edelknaben gemacht hat, welch beide im Be- 
düifnungsfall chimische pi'oduete an März und Steixner ange- 
wiessen woi-den, Deponent aber sich kaum glauben machen 
lassen, dass diese chimischen Producte nicht den Vei^and einiger 
Massenhauserischen Rezepte haben solften. 

Weiteres seye nichts gewisseres, als dass, wenn S. Chur- 
furstl Durchhmcht diesem Ungeheuer nicht zuvor kommen, die 
Illuminaten ihre sach mit Gift und Düleh durchsetzen 
trachten werden, wovon ersteres durch ihre ha]>enden niedi- 
cos und Apotheker, 2tens aber durch ein erst im vorigen Jahr 
gemachten Specialauftrag, dass sich jeder in der Dult (d. i. Markt- 
tag) ein Stillet ankaufen und zum Gehrauch für den Orden, 
stets gebi^auchen sollen, (!??) ganz leicht bewerkstelligt werden 
kann: (!??) wie sie denn wirklich einen mit derley Stülelwaaren 
versehenen Dultstand ganz aufgekauft haben. 

Se. Churfürsth Durchlebt, dürfen sich, so tonge Illuminaten 
bey Cliurfürsll, und Kürehengelden, und solchen Plätzen auch 
im Ministeria sizen, überzeugt halten, dass» nachdem dieser 
l.ändcrtnusch diesen Herren nicht gelungen hat, selbe das Land 
und den llen-n in so unermassliche Schulden hineinstecken, 
ihre heiligste Maxime ist, dass Serenissimus selbst einen Länder 
tausch'*') anzutragen bemüssigt wären. Wie dann auch Kreuzer 



*} Er wird hier erinnert, dass Karl Tlieodor selbst den Undertauscb sehr 
ersehnte, um König von Burgund zu werdea. Möndl Mieint das nicht ge* 
wusst zu haben. 




— 380 



k: 



ion zu Zweybrücken mit solchen Manipulationen den Anfang 
gemacht hat. 

Und dürfen sich S, Churfürslh DurchK die bislierige Scho- 
lung ihres Lebens nur von darum erhalten glauben, weill 
i solches die Herren ihre soclie hey dem Nachfolger noch 
mehr verschümmert werde. Sollte den Illuminaten aber der 
verfluchle Streich gelingen die durchlauchtigsten Prinzen von 
weybi'ücken zu erst aus der Welt zu schaffen können, so 
ittel Deponent Si\ Churfüi'stl. DurcliL möchten dann auf sich 
wohl acht haben und auch allenfahls das durchlauchtigste 

K;weybrückische Haus warneu oder warnen zu dürfen erlauben. 
Endlich zeiget Deponent untei-tlianigst gehorsamst an, dass 
n der Stadt ein Brief rollire, den er selbst gesehen (!?) die 
Schrift aber nicht gekannt und dessen Formalia, die Illuminaten 
bedanken sich, für die Entlassung des Massenhausen, die 
commissarrios und jene, so zu diesen prozess gehoifen haben, 
werden schon nach und nacli mit Gift aus der Welt geschafft 
werden; und zwar mittels eines Pulvers, welches auf einen 
Brief gestreuet wird, dieser Brief w ird in Gegenwart eines und 
des andern Commissary oder andern Illuminaten Feind geöffnet 
und ihm die Streuh ganz künstlich in das Gesicht gebraust 
werden, wodurch dann der Effect erscheinen wird. Sollte aber 
diesem Schröeken kein Glauben beygemessen werden wollen, 
10 möchte man es an der unbedeitenden Kreatur auf Gottes 
"Erdboden dem Baron Mayer in der Kaufingergasse probiren. 
^m Deponent bittet um gute Verwahrung seiner Aussage als 

^feonst seine Sache in den Justiz-Dirasteiys*) und auch vielleicht 
sein Leben in grösster Gefahr stehet, beschlüsset hiermit seine 
Aussage und unl erschreibet selbst auf nochmaliges Vorlesen 
eigenhändig. Theodor von Mändk 



I 



•: 



Der Aufbau der ganzen Angelegenheit, die allmählige 
Steigerung der Aussagen, die schliesslich, nachdem der Kur- 
fürst gefangen war, sich in den nachträglichen Lügen bis zur 
grotesken Unverscliämlheit steigern, beweisen in sich voll- 
kommen die Absicht, den Kurfürsten in Furcht zu erhalten* War 
is auch Wahnsinn, so halte es doch Methode — und Erfolg, 
denn alsbald begann die inquisitorische Verfolgung nach spa- 
nischem Muster. 



*) Mändl wusste, dass er dort mit seinen Lugen nicht Erfolg haben könnt«* 



SE2* 




— 340 — 



Bie OrdeiiskaBse. (leiBtllcIie ak lllmiiiiiaten. 

Die Kassenverhältnisse des Ordens erregten das ganz be- 
sondere Interesse des Kurfürsten, Er liess daher den Ordens- 
kassierer Kanonikus Herlel mehrfach verhören und schtiesslich 
in den Neuturm einsperren, um von ihm genauen Ausweis über 
Einnahmen und Ausgaben, sowie über V^erbleib der Ordenskasse 
zu erhalten. IlerteK dessen sonstige Aussogen nichts Neues 
über das von uns schon Verhandelte entliallcn, gibt denn auch 
eine Schilderung der lUuniiniiten- sowie Logenkas.se und den 
Schlussstand dieser Kassen an. Er beruft sich darauf, dass 
seine Angaben, da ihm alle Unterlagen fehlen und nur sein Ge- 
dächtnis als Hilfsmittel ihm zu Gebote steht, in den Ziffern nicht 
genau sein können. 

Nach ihm war der llluminaten-Urden oder Provinz Cassa- 
Rest zum Beschluss des Illumiiiaten Jahres 1784, das am 
20. März 1785 endete, an Borschaft 8—900 fl. 

Von diesem Geide erhielt Weishaupt 500 fl. Der gewesene 
Stödioberrichter Fischer 250 ft., die übrigen 100 fl. beiläufig ver* 
schiedentlich ausgegeben vom März bis AugnsL An Aussen* 
standen gab es: an Darlehen 11 725. — und an Forderungen an 
Mitgliedsbeiträgen fl, 1800. — 

In Betrnclit zu ziehen ist hier natürlich nur der Bnrstand. — 

Die lllominaten-Loge besass 1785 on Cassa res t 1000 fl. 

Von diesem Gelde wurden 250 M. für den Marquis Constanzo 
und 25 fl. für andere Ausgaben zurückbehalten, 500 fl. für den 
Weishaujit zur Fortsetzung seiner Reise und der Rest zu 275 fl. 
für seine in Ingolstadt zui*ückgelassene Frau und Kinder ge- 
schickt. Aussenstände 250 fl, E)arlehen nn Graf Savioli; 900 H. 
aussenstehende Mitgliederbeiträge, Rezeptions-Tax-Gebühren, 



Hertel klagt in seinen Aussagen über die schlechten Ein- 
gänge der Beiträge; viele zahlten gar nicht oder nur wenig, die 
Aussenstände mussten schliesslich, weil zu hoch angewachsen, 
gestrichen werden. Auch die Logen waren schlechte Zahler, 
so z. B. zahlten zwei neue Logen für ihre Constitutions-Urkunde 
gar nichts. 

Da die Angaben über Rinnahmen und Ausgaben des Ordens 
interessante Einblicke über dessen Tätigkeit und Ausbreitung 
geben, so ist es angebracht, einen Teil wörtlich wiederzugeben. 




— 341 — 



'weil dadurch alle übeririebenen Schilderungen von der Macht 
des Ordens am besten widcrleji;! werden. Es heisst dn: 

Von der Illuminaten (»rden oder Provinz Cassa in BayeriL 
Einnahmen bey dieser Cassa. 

a) Von dem Ordensstifter und jeden Areopogiten 1779 im 
Juoy beiläufig ad fundiam cosso 1 Ducaten. Was Zwackh 
zuvor erlegt hat kommt in den Rechnungen vor, 

b) Von der Logen -Gasse: Vermöge des Vergleichs mit der 
Loge von 16 Mitgliedern, welche den doppelten Tax be- 
zahlten beyloufig 400 11 wie schon gemeldet wurde, 

c) An Vorschussgeldern zu einem Anlehen für den Grafen 
Portio in Mannheim haben einige llluminaten, Zwackh 25 fl. 
oder 50 fl. Berger 25 11. Hertei 50 (1 Cossandey 20 fl. Grün- 
berger und andere, die auf einer besonderen Liste stunden, 
300 eUicIie, 90 fl. zusammengeschossen, für welche man 
dem Grafen Portio einen Schein auf die Gesellschaft aus* 
stellen lies, damil er- den Individuen nicht obligiret seyn 
dürfte. 

d) für die Illuminaten Grade wurde nichts bezahlt, die Ein- 
nahmen bey den Minerval Versammlungen aber waren, 
für die Receptions-Inilation und die Introduction 1 Ducaten 
oder 1 Carolin oder 3 Ducaten, für das MinervaMnsigne 
2 fl. 24 X und was bey jeder X'ersammlung an Almosen 
und Strafgelder z. B. für das unterlassene quibus licet 
12 oder 14 X einging. Der monatliche Beitrag der Miner- 
valen w^ar 50 X und der Illuminaten 1 fl., wenn sie nicht 
bey der Loge zaiilten oder dispensirt waren. Von den Illu- 
minaten weiss ich einen einzigen (Attila) der nnstott des 
monatlichen Beytrages olle Quartale 6 fl. 15 X im letzten 
Jahre zu geben anfing. 
Die Ausstände bey allen Minerva h\'ersam ml ungen werden 

vermöge derselben Hecluiungen von 177U — 1785 über 1500 fl. aus- 
machen. Was deductis deducendis bey den 1779 bis 81 in 
Münclien, dann 1782 bis 84 zu Burghausen, Straubing, Regens- 
burg und [.andsberg constituirten und zu Erding, Amberg und 
Aichach angelegten Minerval-Versammlungen übrig blieb, w^urde 
alle ([uortnl oder lialhe Jaln* meistentlieils von den Superioren 
an die Provinz Directoi'es oder dem Pi"Ovinz-quaestor eingeschickt, 
die Minet'val Versamminngen zu Preysingen, Ingolstadt und Neu- 
bui-g haben ihre Gelder in loco verwenden können. 




— 342 — 

Die zwey ersten auswärtigen Mi nerval- Versammlungen zu 

Eichstätt und Frankfurt standen zwar anfangs unter der Direc- 
tion der hiesigen Areopogiten und fragten einmal an, ob sie 
ihren Cassa Rest einschicken müsslen. Es wurde ilinen aber 
von der Illuminaten-Versanimlung rescribiret, dass sie solche 
behalten sollten und 1787 wurden beyde Versammlungen ihren 
Provinzen überlassen. 

Die besondere Einnahme von Mitgliedern, welclie ausser 
den MinervabVersammlungen anfangs recipii'et wurden und was 
einige Ausländer, die unter der Direction des Superior Salla 
standen, weil sie an ihre Provinz noch nicht angewiesen werden 
konnten, bezahlten oder vielmehr ausständig blieben, 63 fl. I 
und es f\. 

Von den Gassen der Provinzen (denn jede Provinz halte 
eine eigene Cassa) wurde an die hiesige nichts abgegeben, so, 
wie diese auch nichts an jene geschickt hat. Der Provinz Direk- 
tor stellte zwar einmal an den Provinzial Constanzo das An- 
suchen um 50 rt. jöhrhclien Beytiijg zum Untei^uilte eines Secre- 
tarius für die Provinz Inspection. Man machte ihm Hoffnung, 
Es wurde aber nichts bezahlt. 

Das Project der Are(»})agiten von einer allgemeinen Cassa 
und Universal-Archiv, dann die von Areopagil Iliilo (Knigge) 
in seinem schottischen Rittergrade und Freymaurer-Constitutions- 
Buche*) projectirte Abgaben, wie auch seine verschiedenen Pro- 
messen, welche er in letzteren Briefen an Weisliaupt und 
Zwackh äussert, blieben das, was sie waren — Projecten — 
Promessen. Aber dessen Drohungen fingen mit seinem Aus- 
tritte aus dem Ilh-t>rden 1783 an, in Erfülhmg zu kommen* 

Wie viele Illumiiiaton und Minervalen ihi'en monatlichen 
Beytrag ganz, oder halb, oder gar nicht erlegt, oder bey der Loge 
bezahlt lioben, wann ein jeder zu zahlen anling und wieder auf- 
hörte. Die Zahl der Mitglieder nahm mit den Jahren zu und 
ab und von Zeit zu Zeit wurden einige introducirt, einige dimit- 
tirt, einige in die Loge inscribirt, ob und was ein jeder Minerva! 
bey der Heception, Initation und Introduction gegeben (die 
Minervalen wTiren meist junge Leute, welche nichts bezahlen 
konnten und deren Mehrei'e vom Orden unterstützt wurden)! 
ferner wieviel die Minerv, Versammlungen von ihren Einnahmen 
nach Abzug der Ausgaben hätten einschicken können, zeigen die 



I 



•) Ein solches Manuskript aus Zwackhs Nactilass in Händen des , 



— 343 — 



Minerv. Rechnungen an. Welelie Minei'v. Versammlungen aber 
ihre Abgeben eingeschickt haben und wie oft, kömmt in den 
JOrdens Rechnungen vor. 

Es ist nielit möglich, dieses üus dem K<»pfe anzugeben. 

2. Ausgaben von der Illuminoten Ordenscasse. 
o) Der Ordenssüfter wird von 1779—85 in allem 3 bis 400 fl. 
empfongen haben. 

b) Ein jeder der liiesigen Areopagiten {Calo, Scipio, Celsus et 
Mnrius) erhielt für die bescmdereo Ausgaben wegen dem 
t*rden 1779 bis Febr. 85 jährlicli 50 H. 

c) Der Provinzial Constanzo aber vom Jänner 1783 bis Febn 85 
inclusive monatlieh 25 fl. Unterhalts-Bevtrag. Was er 1782 
empfing, kann ich mich nicht erinnern. 

d) Vergütungen der Rciseuiikosten, z. B. dem Areop. Philo» 
als er 1781 hier war, Beytrag 50 fl. 

e) An Gratificotionen und Unterstützungen für andere Mit- 
glieder: 

Diese bestimmten in den ersten Jahren die Areopagiten, 
in den letzten die Provinz Directores. Sie wurden ent- 
weder gleich bei dem Minei'val Magistrat bezahlt, z. B. dem 
Superioi* Tropponegro 60 iL, dem Miner-val Dillis 20 fl. oder 
von der Ordenscasse z, B. dem Areop. Sohm für das co- 
piren der Reproehenzettel; 84 fl. dem Miirerval Haberl, als 
er in Wien practizirle, oder durch den I^roviuz Director von 
den an ihn eingeschickten Minerval-Versammlungsabgaben 
z. B. dem 111. Drexl 34 fl., dem Minerval Senner jun. etliche 
Monat 8 IL 

Für die Unkosten der Ordens-Correspondenz. Diese führte 
in den letzten Jahren der Provinzial Constanzo fast ganz 
allein und konnte die Auslagen dafür von den erhaltenen 
Mi nerval' Abgaben abziehen. 



Es folgen nun noch mehrere Positionen, welche die Ordens- 
Ausgaben angeben, jedoch von keinem wesentlichen Interesse 
sind, da sie rein allgemeine Geschäftsausgnben enthalten. 

Diese wahrheitsgemässen Angaben zeigen deutlich, dass 
im Illuminatenorden wirklich keine Reichtümer gesammelt 
wurden, die zu verbrecherischen Zwecken benutzt werden 
[konnten und dass Baron Mändls Angaben in der Luft hingen. 
lertel hat auch Glauben beim Kurfürsten gefunden und wurde 



— 314 - 



infolgedessen am 10. Mai 1788 laut Belehl mit der \'erwarnung 
entlassen, duss, falls sicli über kurz oder lang herausstelle» 
Arrestant sei nicht mit der Wohi^heit herausgegangen oder 
mache sich im geringsten verdachtig, in Zukunft der llluminaten- 
sekte neuerdings mit Worten oder Werken anzuhängen, so wird 
man ihn wieder in den Arrest bringen und nicht sobald enl* 
lassen. — E)ie ihm gehörigen beschlagnalimten (lelder wurden 
laut Befehl \om 17. Mai 1788 zurückerstatlet, jedoch niclit ohne 
Abzug der gemachten Auslagen. Hertel blieb weiterhin un- 
behelligt, die Verwarnung brauchte nicht betätigt zu werden, 

Durcli die eoldeckteii Namenslisten war es oftenkundig, 
dass sehr viele Geistliche dem Orden anhingen, eine Erscheinung, 
die natürlich in höheren klerikalen Kreisen sehr missbebig an- 
gesehen wurde und den Fürsüiischof von Regensburg veran- 
lassten, ein Vei'bol*) für alle Geistlichen zu erlassen. 

Die Freimaurerzeitung Nr. 58 und Folge**) berichtet über 
dieses Verbot folgendes: 

Neuwied, d, 19. Juli 1787. 

Auszug eines Schreibens vom Donaustrom 
d. d. den 9. Jul. 

Wer sollte glauben, dass man im Jahre 17S7 noch Ketzer 
machen würde? Und dennoch geschieht es. Ganz küi'zlich er- 
liess der Herr Fürstbiscliof von Regensburg einen Hirtenbrief 
gegen die Illuminoten, den ich wegen seiner Merkwürdigkeil 
liier beyfüge. Nun muss die Religion zum Deckmanlei der Ver- 
Inigung dienen, w^cil sonst die Feinde des Illuminatismus in 
einer schändlichen Blosse erscheinen würden. Befremdend ist 
es eben nicht, dass der Herr Fürstbischof von Regensburg sich 
zu diesem Schritt entschloss. Dieser würdige Oberhirt hat seine 
ganze Familie in Raiei'n, und zieht anselmliche Finkünlle aus 
demselben. Der wolilverschrieene Herr Pater Frank smII es 
sogar dahin gebracht liaben, dass man allen Bischöfen des 
Bairischen Kreises mit Spen'ung ihrer Temporalien drohete, 
wofern sie sich nicht nach seinen Absicliten fügten. Demun- 
geachtet konnte wedei- der vorlreffhche Herr Frzbischof zu Salz- 
buT^, noch die Herren Bischöfe zu Passau, Freys ingen***) und 

*) Ein Originalabdryck im Besitz des Autors. 
••) Ebenfalls im Besila des Autors. 
•**) Welcher Irrtum de.^ SciireÜJ^rs hier vorliegt, beweisen die päpst- 
lichen Briefe. 



I 




— 345 — 



^. 




'Eichstädt zu ähnlichen Schritten bewogen werden. Dreymal ver- 
suchte es schon Pater Frank, den letztem zu einer Inquisition 
gegen die llluminalen zu bereden. Man bot ilim sogar Soldaten 
an, w^enn das Volk, welches von der Unschuld dieser Männer 
überzeugt ist, etwa einen Aufstand erregen sollte. Da sich die 
eben genannten Herren Bischöfe nicht dazu verstanden, so ver- 
breiteten die Jesuiten ein Ideal eines Hirtenbriefes, welches sie 

uf die unverschämteste Weise dem Herrn Fürstbischof von 
Freysingen unterschoben. Ein Ideal, welches ganz den Stempel 
Frankischer Rlietorik trägt und von Widersprüchen wimmelt. 

o nennt es die Illuminaten bald eine Socianische Seele . bald 

eisten, bald gar AÜieisten, zum Beweise, dass ilu-e Hasser 
bst noch nicht wissen, warum sie sie verdammen. Rachsucht 

nd Eigennutz sind die einzigen Triebfedern, welche ihren Fall 
verursacht haben. Selbst der Herr Fürstbischof von Freysingen 
fand ihre Lehre rein, als er die Geistlichen seines Sprengeis 
darüber zur Rede stellte, und er denkt zu christlich, als dass 

r Unschuldige auch nur kränken könnte. Das Mandat des 
Herrn Fürstbischofs von Regensburg lautet folgendei^eslalt. 

Des Hochwüi^digsten Fürsten und Heri-n, 

tHerrn Maximilian Prokop, Bischofes zu Regensburg, 

las Heil Rom. Reichs Fürsten etc, Grafen von Torring- 

Uttenbach, Herrn auf Torring und Dengling, des hohen 

Ritterordens St. Georgii Grosskreuz, und infulierteu 

*Dbstes zu Straubing etc. Wir Suffraganeus, Praeses 

lonsistorii, Vice-Prases, tX'ficialis, und andere zu den 

geistlichen Sachen geoi'dnete Röthe elc. 

Es ha,t sich der llluminatismus dergestalt verbreitet, dass 

sogar der geistHche Stand nicht ganz davon befreyet, 

andern ein Theil des Cleri tarn secularis quam regularis, damit 

angesteckt ist, und noch einige derselben gegen das ansdrück- 

»liche landesherrliche Verboth dieser Sekte anhangen, und selbe 

nach iln^en hochstverdorbenen Grundsätzen zu verbreiten sich 

^beeifern. 

f Damit nun diese für den Staat, Religion, und gute Sitten 

sehr gefälu^iciie und schädliche Sekte in Unserm Bisstluime 

t gänzlich unlei'drücket und ausgerottet werde: so befehlen Wir 
anmit in virlate sanctue (Jbedientiae, dass jeder sowohl Sekuhir- 
pls Hegularpriester, der dem Illuminotismo beygethan ist, dieser 
Sekte sogleich entsage, und dass jeder Dechant auf seine unter- 





gebene Kapitularen, auch jeder Pfarrer auf seine Mitkapitularen, 
OrdensgeisHiclie und Gesellpriester besiändig ein wachbares 
Auge habe, und jene, welche sich durch freye Derikungs- und 
Lebensart, oder sonst mit Worten und Werken des Illuminatismi 
verdächtig machen, sogleich unmittelbar anlier anzeige, und von 
allen Vorfallen umständliche Nachriclit erthcile: wo Wir noch- 
hin nicht eminngeln werden, nach gepHogencr Untersuchung der 
Sache, mit geistliclien Strafen und Censuren nach Vorschrift 
der geistlichen Hechle gegen die Ungehorsamen zu verfahreti 
und selbe schärfest zu bestrafen. 

Gleichwie aber der Illuminatismus dadurch in Unserm 
Bisslhume Wurzel gefasst hat, weil von subalternen Obern auf 
die Disciplin kein wochsames Augenmerk gewendet worden ist; 
so befehlen Wir nn mit ernslgemessenst allen Declianten und 
Pfarrern, über die Kirchendisciplin, DiÖzesanverordnungen, und 
die mehrfällig erlossenen Generalien nicht mir genauest zu in*; 
vigiliren, sondern aucli die Ueberü-eler- derselben ebenfalls so- 
gleich anhero namhaft zu machen, und über derselben Vei^ehen 
umständlichen Bericht zu erstatten. 

Gegenwartiges Generalmandot haben sämmtliche Declianten 
ihren Kapitularen zu kommuniziren, welche selbes ihren Geselb 
priestern publiziren sollen, damit sich keiner mit einer Unwissen- 
heit diessfalls entscliuldigen könne. Gegeben im geistlichen 
Rathe zu 
Regensburg, d. Slsten May 1787. 

Valentin Anton L. B. de Schneid. 

Episcopus Corucensis, SufTraganeus, Preeses 

Consistorii, eSc Eeclesiae cathedralis summus Scholasticus. 
Andreas Mayer, Ss. Theol. Ltc. Consil 
EccL v. Notarius Apostolicus. 



Das andere Schriftstück tldeal eines Hirtenbriefes etc.« 
nannt, zeigt auf dem Titelblatte die Bemerkung: 

»bereits in seinem Sechs Monatlichen Entstehen, noch| 
aber nicht aus verstopfter Quelle in seiner Existenze.« — 

Daraus seheint hervorzugehen, dass von den Or-densfeinderi 
der Bischof \. Freysingen möglichst gezwungen werden sollte,, 
eine ahnliche Schimpferei und Verdonnerung der Hluminaton] 
bekannt zu gehen, wie dieses Ideal eines Hirtenbriefes enthält. 
Der Bischof mag jedoch über die Folgen seines Hriefwechselsj 




347 

nach Rom selbst erschreckt gewesen sein und wünschte nicht 
noch mehr Ol ins Feuer zu giessen. Er verhielt sich deswegen 
solchen Anzapfungen gegenüber passiv, zum grössten Missmule 
seiner Angreiter, 

I Die Erscheinung nun, dass so viele Geistliche sich dem 

Orden anschlössen, hat einen sehr einleuclitenden Grund, wenn 
man sich in Erinnerung ruft, wns Kluckhohn (s. Seite 10) über 
den Zustand abergläubischer Gebräuche sagt — Denkende 
Köpfe, und wer würde wogen zu behaupten, dass gei'ode der 
geistliche Stand nicht solche jederzeit aufzuweisen hat, durften 
in jener Zeit sich gar nicht oflentUcli über vorliandene Miss- 
brauche in der Religion äussern, die Kirche verlangt unbedingten 
rlehorsam und Glauben an solche Salze, die sie als Wahrheit 
ausgibt Wissenschüft und Gedankenfreiheit mussten dernzufolgo 
zu allen Zeiten sich verbergen, wenn das Dogma mit Richtbeil, 
Galgen und Scheiterhaufen seine unbezwingliche Herrschaft be- 
hauptete, — aber nur verbergen, sie konnten nicht vertilgt 
werden. In den ältesten Zeiten hatte die Prieslerscbaft selbst 
Kin den geheimnisvollen Mysterien ihre tiefere Erkenntnis der 
Öffentlichkeit verborgen, in denen des Mittelnlters und jener 
Periode, die hier geschildert ist, war sie jedoch wieder Sklave 
Bihrer Unwissenheit gewurden, die ein freies Denken verboten 
^kiid so flohen jene Priester, die nun einmal ketzerische Ge- 
BnaTiken nicht unterdrücken konnten, in den Schoss geheimer 
^Gesellschaften, hoffend, dort eine nicht vertrocknete Geistes- 
nahrung zu tinden. 

Hier in dem Kreise von Männern, die durch ein gleiche« 
Ziel zusammengeführt wurden, konnte ein ofTenes WoH ge- 
■sprochen und angehört werden, ohne schwere geisthche Pönitenz 
auf sich zu laden. Den Inhalt von Schriften konnten sie er- 
fahren, die zu lesen strenge verboten, — kurz, viele Dinge 
konnten in der Loge von anderer, als der eigenen einseitigen 
Breite betrachtet werden. Das musste reizen und wirkte auch 
für jene Geistlichen anziehend, die recht gut wussten, dass sie 

Idem Volke nicht immer das boten, was in ihrer eigenen Seele 
schlummerte, weil sie die Allgemeinheit für unfähig hielten, 
höhere Wahrheiten zu begreifen. 
Der illuminatenorden stand jedoch in dem Rufe, die Lehren 
das Urchristentums zu bewahren und sein Prieslergrad war 
auch dazu angetan, diesen Gedanken zu bestärken, trotzdem 
nicht bewiesen werden kann, dass Weishaupt eine «solche Ab- 





348 



sieht verfolgte. Im Gegefileil, Weishaupt ist darüber sehr ver- 
wundert und sagt kopfseliültelnd: »Ich hätte nicht gedacht, dass 
ic]i noch ein neuer Religio risstifter worden würde.« — M^'ohl 
über steht es fest, dass Knigge in den von ihm ausgearbeiteten 
Ritualen den Gedanlven ausstreute» der (h^den sei im Besitze 
jjiter üherbi'aL'hter Geljeimnisse. — Die Freimaurerei beansprucht 
für sich, nocli heute als ein Hort aitchristlieher Symbolik an- 
geseljen zu werden. Die in den Logen gepflegten Legenden 
wuitien ganz nach dem geistigen Standpunkte ihrer Vertreter 
und Mitglieder, teils auf Salomo, teils auf Christus gedeutet, 
es ist daher das Beginnen Knigges, schon damals eine ener- 
gische Schwenkung nach der christlichen Seite auszuführen, 
keineswegs verwunderlich, nur fand er dabei nicht bei Weis- 
haupt die erhofite ganzliche Zustimmung. 

Durch dieses Beginnen musslen jedoch Geistliche jeden- 
falls sympathisch berührt werden, zumal eine Profonation reli- 
giöser Gel^räuche alisolut nicht vorkam und angstlich vermieden 
wau'de. Alle diese Dinge, zu denen nicht w^enig auch die da- - 
maligen politischen Zustande, durch die weltlichen Machtbefug- ^ 
nisse der regierenden FürstbiscliÖfe, die manclimal mehr Be- 
Wegungsfreiheit in einzelnen Diözesen gestatteten, beitrugen, er- ■ 
klären den Zuzug von Geistlichen zwangslos. | 

Natürlich war das nicht nach dem Geschmack der kirch 
liehen und weltHclien Gewalthaber; die durch den Klerus auf 
den unbedingten Gehorsom der Bevölkerung i'echnen, ist dieser 
zu autgeklärt, so würde dem Volke mit Siclierheit ebenfalls 
helleres Licht gegeben. 

Es wurde dahei\ um sich zu vergewissern, dass die Seuche 
des Illuminotismus niclit unter der Geisiliclikeit weiter um sich 
greife, das so ungemein l>eliebte Mittel der un versehenen Visi- 
tationen auch hier angewandt, wie aus dem michfolgenden, für 
die damaligen Zustände sehr charakteristischen Brief, der an 
den Fürstbischof von Regensburg gerichtet ist, und aus dem sn 
recht klar ersiclitlich ist, wie unholtbar diese geworden \\aren, 
hervoi'geht. 

Unsere Freundschaft zuvor: 

Hochwürdiger in Gott Vatter, besondei*s lieber Freund Ij 

Wir finden selbst rathsam zu seyn, dass die Bischöflichen V^isi*! 

tationes bey. den Pfarrern und andere untergebene Diocoseal 



I 




349 — 



Geistlichkeit allemal unversehener Weise von^^enolimen werden^ 
und verlangen dalier nicht, das, wenn solclie nur die Spiritae 
alio, oder disciplinaria betreften, bey Uns, oder Unserem geisN 
liehen Rath eine vorläufige Anzeige, oder requit^ition hierin ge- 
schehe. 

y Wir werden auch Euer Liebden mit dem weltlichen Arm 
allenthalben wo er immer nöthig seyn mag, durch Unsere noch* 
geordnete Obrigkeiten hierin zu unterstützen niclU ermoogeln. 
Es steht Euer Liebden denn hieriüichst frey die Visitation auf 
Unsern teutschen und lateinischen Schulen quo ad Religioneni 

Hl mores in dero Dioces vorzunehmen. 

^ Wir gedenken hierzu weder einen Commissarius bey zu 
ordnen, noch sonst ein Hinderniss liierin zu machen, oder dem 
Unsrigen dergleichen zu gestatten, sondern vielmehr hey einem 
so löblich, als gcmeinnüzigen Werk oll benöthigen \'orsclmb zu 
geben und verbleiben Euer Liebden mit allem guten wohlbey- 

Iethan. 
k München, Carl Theodor 

I d. IL September 1787- (unterschrieben mit allen 

I seinen Titeln.) 

Man sieht, wohin das Schulwesen jener Zeit, das unter 
Ickstöü einen so schönen Aufschwung genommen hatte, wieder 
P||eraien war, dass es gänzlich dem Obscurantentum wieder aus- 
geliefert wurde und seufzend auf den Retter aus solcher Not 
warten mussle. 




Die Aiisbreitimg des Ordens, 

Die Frage: Wie weit hat sich der Orden zur Zeit seiner 
istcn Blüte, also bis kurz vor der bayrischen Verfol/^iings- 
zeit erstreckt? ist heule nicht leicht zu beantworten. Tatsache 
ist, dass in ganz Üeutsehlünd Verbindungen angeknüpft worden 
waren, auf Grund der freimourerischen Beziehungen, ob jedoch 
diese zu einer grösseren Tätigkeit sich aufwnrfen, ist sehr schwer 
zu bestimmen. Nur wenige Dokumente existieren als Nachweis» 
denn es ist natürlich, dass solche in der Verfolgungszeit in 
Bayern vernichtet wurden, um nicht verdächtigt zu werden und 




— 350 - 

äussere Verbindungen ziemlich schroff abgebi-ochen wurden.*) 
als sicli die Skandolsuclit erhob und dem Orden und deren 
Leiter alle erdenklichen Schlechtigkeiten ondichtete. lin Laufe 
der Zeit sind dann die betreffenden Schriften von den Lugen 
als minderwertig missachtet und beseitigt worden, so dass eine 
Aufklärung heute ungemein erschwert ist. 

Den besten AnhaU gibt immer noch die von Knigge aus- 
gearbeitete National- Direktions-Tabelle vom Deutschland, doch ist 
dabei zu bedenken, dass die in dieser Tabelle angegebenen Land- 
striche nicht alle von Illuminaten bevölkert waren, sondern dass 
man hoffte, durch die schon vorhandenen Beziehungen in diesen 
werbend mit Erfolg vorgehen zu können. Knigge war jedoch 
zu praktisch, um aussichtslos Einteilungen zu schafften, es kann 
daher immer angenommen werden, dass in den genannten Städten 
aussicIitsvoUe Beziehungen vorhanden waren. 

Das Oberhaupt des Ordens w^ar der Geheime Areopag mit 
dem Ordensgeneral Weishaupt on der Spitze. Diese ernannten 
den National-Oberen, zu dem in letzter Zeit Graf Stollberg zu 
Neuwied ausorsehen war. Dieser National-Direktion unterstanden 
nun laut Tabelle 3 lnspektionen, die sich wieder in ProvinziaU 
Direkliuneii oder Prafekturen teilten. Zur ersten Inspektion ge- 
liörte Bayern, Schwaben, Fronken; zur zweiten: die Kurrheini- 
schen Kreise» die Oberrheinischen und Westfälischen; zur dritten 
Inspektirm gehörte ober- und Niedersachsen. 

Die Frovinzial Direktionen erhielten nun w^ieder Schottische 
Direktorien, denen die Städte dieser Bezirke unterstanden. Diese 
Städte alle anzuführen, ist zwecklos, da sicher nicht überall 
Illuminaten lebten, sondern diese Städte der Zukunflsarbeit 
wegen genannt sind, die schottischen Direktorien dürfen jedoch 
wohl meistens als Bestand habend anzusehen sein. Die 
Tabelle gibt folgende an: 

In Bayern: München, Salzburg, Regensburg, Freysingen. 
Schw^aben: Augslmrg, Stuttgart, Oettingen, Kai*lsruhe. 
Kranken: Eichstädt, Würzburg, Bayreuth, Meinungen. 
Kurrheinischer Kreis: Mannheim oder Heidelberg, Mainz,] 

Cobtenz oder Trier, Bonn oder Cöln. 
Oberrheinischer Kreis: Kassel, Wetzlar, Frankfurt, Darmstadt,) 
Speyer. 

*) Die ersten Minerva I-Grade befinden sich z« B. noch iit der Freimaurer-J 

Loge zu Emden im OrtginalmanusknpL 



— 351 — 



Westfälischei" Kreis: Neuwied» Münster, Paderljorn, Olden- 
burg, 

Obersachsen: Dresden oder Leipzig, Berlin, Weimar oder 
Gotha, Dessau. 

Niedersochsen: Horrnover, ßraunschweig, Bremen, Strelilz. 



I 



I 



Zieht man von diesen Schottischen Direktorien selbst die 
Stfidte, die miteinander durch »oderc verbunden sind, als zweifel- 
hafte ab, weil aus diesem *oder< hervorgeht, dass zur Ent- 
stehung der Tabelle noch keine Klarheit herrschte, wohin das 
Direktorium zu verlegen sei, so bleibt dennoch ein ganz be- 
deutender Wirkungskreis übrig, in dem nach dem IlUuminaten- 
systeni des Schottenritus gearbeitet wurde. Da jedoch unter 
den Andreasrittern, dem lUuminatus major, die kleineren Blu- 
minaten und Minervole standen, aus denen letzteren Miner- 
valkirchen (so hiessen deren Versammlungen) gebildet wurden, 
so ergibt sich, dass die Organisation sehr weit sich ausbreiten 
konnte und jedenfalls auch ausgebreitet hatte. 

Der Ankläger Staack, dessen Ausfülirungen, wie wir später 
sehen werden, zwar keineswegs immer zutreffende sind, gibt 
im Jahre 1803 über die Ausbreitung des Ordens beachtenswerte 
Daten anT^ilso zu einer Zeit, in der die Richtigkeit derselben 
noch nachzuprüfen möglich war, denen jedoch meines Wissens 
uiclit widersi>rochen wurde. Diese Daten mögen darum hier 
einen Platz ünden. 

Er sagt Seite 316. Der Triumph der Philosophie. 



»Man kann sich von der weiten Ausbreitung einen Begriff 
machen, wenn man aus der Oi-densgeographie nur die einzige 
Inspeclion Dacien ausliebt, welche in vier sogenannte Präfec- 
turen abgelheilet war. Von diesen enthielt die erste (Lydien), 
welche Hessenkassel, Hersfeld, Waldeck und einen Theil der 
Wetterau begriff, aussei' Kossel (Gordium) Marburg (Lueejum), 
Friedberg (Myracium) und Wetzlar (Sebaste), noch 16 nicht un- 
beträchtliche t *e!*ter, worin Illuminaten sich befanden, die zweyte 
PrÖfektur (Epirus), welche Frankfurt, das Fuldaische, dns Hanau- 
ische. Solmsische und Ysenburgsche begriff, entliielt ausser 
Frankfurt, Fulda, Hanau und Offenbach noch 8 Oerter, Die 
dritte (Peloponnesus) die dns Darmstädtsche, Homburgsche, 
Weilburgschc, Usingische und Sanrbrücksche begriff, zählle 
ausser Darmstudt (Lysti*a), Giessen (Eudoxias), Homburg (An ti um). 




— 352 



Weillmi'g (Bersabe) und Wiesboden (Leucopolis) auch noch 
8 (»erter. Die vierie (Apulien) begriff das Herzogthum Zwey- 
brücken, die Bisthümei' Speier und Woi-ms, das Sälmische und 
Leiningische, und enthielt aussei- Zweybrücken (Sodom) Speier 
(Issus), Worms (Elis) noch 9 Städte. 

Um die Zeit, als diese geographische Eintheilung gemacht 
wurde, befanden sich in Wetzhir allein 26 Illuminoten, zu Cassel 
sieben, zu Marburg sechs zu Speier neune, zu Frankfurt 22 u. s.w. 
und so war es verhällnisinässig an andern Orten. — — — 



I 



Nach dem Auslande hat sich ausser nach Osterreich der| 
Orden kaum bedeutend ausgedehnt, Alle Andeutungeli hier- 
über, die aus den Briefen der Originalschnften, sowie des Nach- 
trags hierzu her\'orgehen, sind nur fromme Wünsche. Weis- 
baupt selbst war stets der Meinung, dass der (Jrden erst im 
Inlande erstarken müsse, und stellte sicli darum solchen Ab- 
sichten entgegen. Auch Knigge schreibt z. B. über Frankreich 
in einem Bericht vom Juli 1782: >Hier rathe ich noch vorerst 
nichts zu unternelmien. Ehe ich nicht die Gescljäfte vom Halse 
habe, lasse ich sogar alle Vorschläge in Elsass und Lothringen 
liegen. — 

Werui auctj einige Ausländer dem Orden angehörten, oh 
nun als Maurer oder lUuminalen, so kann danms noch lange 
nicht auf eine regelrechte Ordens-firganisation im Auslande ge- 
schlossen werden, die unter dem Szepter des Spartocus stand. 
Knigge wäre der Mann gewesen, solche Ausbi'eitung zu in- 
szenieren, die jedoch durcli seinen Austritt und die bald deraut 
ausbrechende starke Ordensverfolgung völlig in die Brüche ging. — 

Fragt man, wer gehörte altes dem Orden seiner Zeit an, 
so kann man mit, Fug und Recht sagen, der grösste Teil der 
damals bekannt gewordenen, nach Aufklärung strebenden Geister. 
Viele fühlten sich zwar nicht lietriedigt und verloren das Inter-| 
esse bald, weil die Scbulmaniei* der ( »rdensführung ihnen nicht 
behagte, andere wieder wurden durch die Angritte abgeschreckt, 
ein bedeutender Teil empfing jedoch wertvolle Anregungen für 
die weitere Lebenslaurbahn und fand Gelegenheit, sie in dea 
umwalzenden Ereignissen späterer Jahre zu verwerten. 

Es heisst, der Orden sei von vielen Füi'stcn beschützt 
worden, die Mitglieder desselben waren. So sehr gross war die 
Anzahl fürstlicher Personen nicht, sie besteht aus folgenden: 




Carl August v, Sachsen -Weimar. 



Eine grosse Anzahl von Angehörigen des Adels zählte j© 
doch zu den Ordensmifghedern, diese alle nach den noch von 
handenen, wenn auch nicht erschöpfenden Listen aufzuzahlen, 
würde den umfang dieses Werkes, ohne wesentlielieu Vortei 
für den Leser, bedeutend vergrössern, es kann daher davon Ab 
stand genommen werden. 




— 856 — 



I 

I 



ment zeigt das Datum Weimar, den 11. Februar 1783 und ist 
dem schon mehrfach envähnten Br Bode ausgestellt und be- 
händigt worden, auf dessen Veranlassung auch der Herzog von 
Gotha und der Prinz August von Sachsen, G_oethe sowie Hßi'der 
fast zur gleichen Zeit eintraten. Dass Goethe einen lebhaften 
Anteil an dem Orden genommen hätte, ist nicht erwiesen und 
infolge der bald eintretenden Verbote auch nicht anzunehmen. 
Sein Interesse dürfte bald erlahmt sein und die liluminaten-Zu- 
gehöngkeit schlief dann ein, während die der Fi'eimaurerei be-^ 
stehen blieb. Wohl aber dürfte atizunehmen sein, dass Weis- 
haupt, als er in Gotha lebte, zumal er mit dem Weimarer Hof 
Beziehungen unterhielt, Goethe persönlich nicht fremd geblieben 
ist. Hierfür sind Beweise jedoch nicht vorhanden. 

Gehörte Goethe dem Orden unler dem Namen Aboris on; 
so ist die Frage naheliegend, ob Schiller nicht ebenfalls Illu- 
minat war. Es ist das nicht anzunehmen, obschon er mit Illu- 
minaten eng befreundet war, unter anderen auch mit Bode, 
Schillei- schreibt an Körner aus Weimar am 10. Sept. 1787, im 
Anschluss an das Seite 227 bereits wiedergegebene Urteil über 
Weishaupt: »Bode hat mich sondirt, ob ich nicht Maurer werden 
wollle. Hier hält man ihn für einen der wichtigsten Menschen 
im ganzen (trden. Was vveisst du von ihm?* — 

In Selnllers Briefen finden sich jedoch weitere Andeutungen 
nicht, folglich scheinen die Bemühungen Bodes vergebliche gd^ 
blieben zu sein. Die Frage, ob Schiller' Itluminat \\'m\ ist daher 
zu verneinen, trotz der in jener Zeit manchmal auftauchenden 
gegenteiligen Behauptung. 

Ausserhalb des Adels gehörten dem Orden viele Gelehrt 
und Schnftstellci% sodann Künstler und Theologen an. Aus" 
Handwerkerkreisen linden sich gar keine Namen veraeichnet. 
Dieser Umstand kann auch dadurch zu erklären sein, dass die 
Vertreter des Handwerks damals als mindergefährliche Menschei 
angesehen wurden, die in Listen anzuführen von der Regierung 
als unnötig erachtet wurde, wenigstens tinden sich in den amt 
liehen Listen deren Namen nicht. Ordenslisten aus jener Zeit 
ausser den bei dem ei^chlagenen Lanz gefundenen, exislierei 
nicht mehr. 



— 357 — 



Illnmiuatlsiniis nnd Freimaurerei. 

der vert3lTeiitlichten (h-densgeschrchte Zwacklis haben 
wir bereiLs ersehen, in welch innigem Zusammenbringe der 
Orden mit der Freimaurerei stand, und dass unter der Bezeich- 
nung Illuminaten-Freimaiirerei eine ganz besondere Richtung zu 
verstehen ist, die naher zu beleuchten der Mühe wert ist. Es 
existiert noch zu Händen des Autors das beroits von Hertel er- 
wähnte durch Knigge verfasste Freymäurer-Constitutionsbuch 
und dieses gibt Einblicke, namentlich in die Absichten Knigges, 
die einfach darauf hinausgingen, die gesamten damaligen Frei- 
maurer zu lUuminaten-Freimaurer umzuwandeln. Diese Ab- 
sicht würde höchstwahrscheinlich gelungen sein, wenn die 
Ordensveifolgung nicht ausgebrochen wäre. Es ist daher mehr 
als wahrscheinlich, dass diese auch aus dem Grunde entstanden 
ist, einer solchen Machtentfaltung vorzubeugen. Jedenfalls war 
es dringendstes Interesse jener Obern, die den Rosenkreuzer- 
Orden leiteten, die damals von ihrer Bedeutung herabgesunkene 
zersplitterte Freimaurerei, nicht plötzlich durch den Illuminaten- 
orden wieder geeint und in ihrer Organisation zentralisiert zu 
sehen, als dann allerdings zu fürchtende Macht. Der Plan, den 
Knigge erdacht hatte, war unbedingt schlau und wirksam, die 
Mittel, das Vertrauen der Brüder zu erringen^ geradezu genial; 
das Conslitutionsbuch gibt darüber genügende Aufklärung, Um 

I jedoch dessen Inhalt zu würdigen, ist es notwendig, uns vorher 
kurz umzusehen, wie es mit der Freimaurerei in jener Zeit aussah. 
Karl Gotthelf, Reiclisfreiherr v. Hund, halte Mitre des 
18. Jahrhunderts das System der sogenannten strikten Obser- 
^vanz aufgebracht, das dazu dienen sollte, den Tempelherrnorden, 
y dessen heimliches Fortbestehen ihm glaubhaft gemacht worden 
und zu dessen Heermeister er ernannt sein wollte, durch Hilfe 
der Freimaurerei wieder zu seinem früheren Glänze zu ver 
helfen, Rat'on Hund spielte in jener Zeit in der Geschichte der 
■Freimaurerei eine merkwürdige Rolle dadurch, dass er seine 
Ernennung sowie Auskünfte durch unbekannte Obere, die 
strengen Gehorsam — daher strikte Observanz — verlangten, 
erhalten haben wollte. Dieser Umstand brachte ihn spater in 
den Verdacht eines Schwindlers, der er jedoch nicht war, viel- 
mehr ist er als ein leichtgläubig Betrogener anzusehen, der in 
seiner Schwärmerei sogar sein bedeutendes Vermögen unfruclrt- 
Ibaren Ideen opferte. Die »strikte Observanzt fand Boden und 




^ 



— 358 



viele Logen tiTiten dem System dieser Tempelherrn unter dem 



Heeri 



Hund bei. Es 



ichi 



ich dadurch 



I 



rme ister v 

dass über den 3 Joluninisgraden der allgemeinen Freimaurerei 
der schottische Meistergrad eingeführt wurde» der noch heute 
üblich ist, und darüber drei weitere Grade; 1. Maitre elu oder 
Chevalier de Toigle. 2. Chevalier illustre oder Tempüer. 3. Cheva- 
lier sublime. Spater wurden diese Grade wieder abgeändert. 
Uns interessiert nur bei diesen Unlersuchungeo der Schotlen- 
meister, der seit jener Zeit eng mit der Freimaurerei verbunden 
ist und weisen wir auT diesen Umstand hin. Der Tempelherrn- 
Orden*) verliel später wieder und wurde 1782 auf dem Konvent 
zu Wilhelmsbad, den Knigge besuchte, verlassen. Inzwischen 
war Herzog Ferdinand w Braunschweig, der dem v, Hundschen 
Tempel herrnsystem als Amicus und Protektor beigetreten war, 
1772 zum Gi'ossmeister aller schottischen Logen unter dem Titel 
Magnus Superior ordinis per Germaniam inferiorem envahlt 
und am 2L Oktober in Bi'aunsehweig eingesetzt worden. Der 
Herzog wurde ebenfalls von den französischen und italienischen 
Kapiteln als Grossmeister anerkannt." 1782 rief er den Konvente 
von Willielmsbad ein, weil er das Tempelherrnsystem als irrig 
erkannt hatte, infolgedessen wurde beschlossen es aufzuheben 
und dafür den Gi-ad der Ritter der Wohltätigkeit einzuführen. 
Er blieb nunmehr Generalgrossmeister aller Provinzen der! 
Ritter der Wohltätigkeit und der rektifizierten Freimaurerei, so 
dass er letztere gänzlich beherrschte. 1783 trat der Herzog dem 
lliuminatenorden.bei und dazu dürfte ihn wohl sicher der Um* 
stand bewogen haben, dass der Sehottengrad als Andreasgrad 
von Weishaupt aufgenommen und laut dem Constitutionsbuch von 
Knigge derartig beai'beitet woi-den war, dass die früheren An- 
hanger der strikten Obsen^anz sicher interessiert und für das^ 
Illuminalensystem eingenommen werden mussten, Knigge hatte 
ganz besondei-en Wert auf die Organisation der Scliotten-Direk 
tonen gelegt, denen die anderen Logen unterstanden. Seine* 
National-Dir*ektions Tabelle von Deutschland beweist, wie ziel- 
bewusst er vorging. Hr wusste, dass hier allen Freimaurern 
die Tür zur Verbindung mit dem Illuminatenorden weit ge- 
öffnet wurde, einmal diese Schwelle übertreten, wurde es dann 
leicht, die geeigneten Personen auch dem Orden zuzufüht^n 

•) über alle diese Dinge, die liier nur berölirt werden, gihl Lennings 
Allgemeines Handbuch der Freimaureroi, Leijj/jg 190Ö/01, Max Hes&es Verl 
genaue Auslcunfl. 




— 360 — 



beträchüichen Städten seines ihm angewiesenen Dlstricts, Logen 
der drey ersten Fr. Mr. Grade angelegt, und in solchen gute, 
moralische, angesehene, wohlhabende Leute aufgenommen 
werden, w^enn diese euch sonst zu unsern hohem Zwecken 
nicht brauchbar sind. 

2. Die ConstiluUon muss das geheime Capittel in der 
Landes Sprache, nach dem Formular (Beylage A.) auf den welt- 
lichen Namen des Meisters vom Stuhl ausfertigen, der zuerst 
dieses Amt bekleiden solL 

3. Sind schon Logen der andern sogenannten Freymaurer- 
Systemen dort etablirt; so soll man entweder daneben eine ächte 
anlegen» oder wenn dies wegen Unbeti*öchtlichkeit des Ortes 
oder anderer Umstände wegen, nicht anginge; so soll man in 
jener Loge heimlich das Übergewicht zu erhalten, und dieselben 
entweder zu reform iren oder zu sprengen suchen. J 

4. Will Jemand das Recht der Erleuchten Obern, Logen" 
zu errichten, bezweifeln, so sagt man ihm, man erlaube ihm 
das gern. Das gute, neue, w^ahre sey allein acht, und wennJ 
er irgendwo etwas besseres, wichtigeres, nützlichers für die Welt, 
neueres und wahreres, mit eben so leichter Mühe erhalten könne, 
so solle er dahin gehen und nur sagen, er seye von uns be- 
trogen. 

5. Man soll unsern Leuten wohl einprägen, dass sie sich 
hüten, ohne ausdrückliche Erlaubnis der Obern, keine von den 
sogenannten Logen zu besuchen, welche von England aus, oderl 
sonst constituirt worden sind, und welche, ausser einem unter* 
schriebenen und untersiegelten Briefe, einigen Sinnbildern, 
welche sie gar nicht oder ganzlich falsch verstehen, und einigen 
niclitssagenden Ceremonieii, von der wahren Freymaurerey, ihren 
hohen Zwecken und ihren höchsten Obern nichts wissen. Auch 
kann aus sehr viel Gründen, nicht leicht jemand von ihnen, ob-j 
gleich sehr würdige Männer darunter sind, bey unsern Logen- 
versnmmlungen zugelassen w'erden. Nur eine Loge ist in] 
Deutschland, die nicht melir mit unsern höchsten Obern inj 
Verbindung, aber doch aus achter Quelle constituirt worden ist.] 
Allein sie arbeitet nicht mehr 

6. Obgleich jeder Minerval Freymaurer werden muss, so' 
muss er doch nicht merken, dass man ihn dazu bew^egen will, 
und dass seine weitere Beförderung davon abhängt, sondern esi 
muss wo möglich der W^unsch bey ihm ganz von sich selbst 
entstehen. Bittet er nun um die Erlaubnis Freymaurer zu 




361 



* 
* 



I 
I 



werden, so entdecket man ihm, dass der 0. in unmittelbarer 
Verbindung mit der einzigen ächten Maurerey stehe und man 
ihm die Mittel zu dieser zu gelangen erleichtern könne. 

7. Das Capittel soll sorgen, dass diejenigen von unsern 
Leuten, welche etwa eingenommen gegen die Freymaurerey sind, 
nach und nach von diesem Wiederwillen zurückkommen, und 
bey ihnen Lust entstehe, Maurer zu werden. Man kann ihnen 
begreiflich machen, wie wenig wahrhaftig erleuchtete Freymäurer 
es gebe, und dass diejenigen Logen, welche ihren Widerwillen 
gegen die Sache erregt haben, keine ächte Logen sind, möchten 
sie auch die besten Constitutionen heben. Die Freymaurerey 
ist keine Kunst, eine Wissenschaft, kein Handwerk, Sie erfordert 
Studium. Ihre Ächtlieit beruht auf Kenntnisse, nicht auf 
Verbriefungen.*) 

8. Hat ein Minerval sehr wichtige Gründe, nicht Öffentlich 
Frevmaurer werden zu wollen, als welches der Präfect beurteilen 
muss; so kann er auch mit Erlaubniss der Provinzial-Loge, 
heimlich aufgenommen werden. 

9. (Ist nebensächlich.) 

10. Wenn jemand schon in einem andern System Fr, Mr, 
geworden ist und zu unsern Logen übergeht, so bezahlet er eine 
kleine Taxe, und muss uns den Gehorsam durch einen Hand- 
schlag leisten. Will ein solcher, der überhaupt ein Freymaurer 
unseres Systems, weiter befördert w^erden, taugt aber zu unsern 
hohem Zwecken nicht, so muss man ihm dies auf eine ge- 
scheide Art begreiflich machen. Dringt er dennoch darauf, mehr 
Freymaurer Grade zu bekommen und scheint geneigt bey andern 
Systemen Aufklärung zu suchen; so kann man ihm alles, was 
er in solclien Systemen lernen würde, mitlfieilen; hierbey ist 
aber zu merken. 

a) dass man ihn nicht betrügen, sondern im voraus sagen 
soll, döss er keine Befriedigung in diesen Graden finden 
wird. Und wenn er dennoch Lust hat, sicti einführen zu 
lassen; so kann ei* wählen, welches System er kennen 
lernen will. 

b) Er muss ober sodann seine Thorheit mit einigem Geld Er* 
läge bezahlen. 



*) Dieser Satz ist ein zweischneidiges Schwert. Alle maureri sehen 

Schwindler, wie Cagliostro und Schrepferj beliöupleten^ aussergewöhnliche 
^^ Kenntnisse zu besitzen und gründeten hierauf besondere Logen. Knigge ver* 
B folgt hier seine Abaicht, die strikte Observanz an sich zu reissen. 



— 362 — 

c) Da er dann die Grade, auf Ansuchen des geheimen Ca- 
pittets von der Provinzial Loge versiegelt zugeschickt be- 
kommt, und nachher wieder abliefern muss. 
IL Da heut zu Tage mit der KönigUchen Kunst viel Spiel- 
werk getrieben, und manches neue System erfunden wird, so 
sollen die Schottischen Ritter alle unächte Grade sammeln, und 
an die Provinzial Loge einschicken, damit man jeden Neu- 
gierigen befriedigen könne. 

12. u» 13. enthält die Darstellung von Abgaben, die nach 
Herlei Projecte blieben, 

14. Das gelieime Capittel muss sorgen, dass die Logen nie 
über 30 anwachsen, und dass die Beamten Logen die übrigen 
immer überstimmen können, 

15. Die Logen Verzeichnisse bleiben hier liegen und es 
werden nur die general Extracte daraus an die Provinzial Loge 
eingeschickt 

16. Wenn erfahrene Freymaurer zu dem O. angeworben 
werden; so stehen dieselben unter unmittelbarer Leitung der 
Schottischen Ritter. 



Ganz besonderes Interesse verdient nun der Wortlaut des 
Reverses, den jeder zukünftige schottische Ritter, bevor er auf- 
genommen werden konnte, unterschreiben musste. Derselbe 
lautet: 



»es I 



Revers. 
Ich endesunterzeich neter, verbinde mich, vermöge dieses 
Reverses, dem Hochwürdigen Orden der Illuminaten, als in 
welchem ich bis jetzt die beste Befriedigung für mein Hei-z, so j 
wie für meinen \'erstand gefunden habe, von nun an, mein ' 
ganzes Leben hindurch, in so fern treulich anzugehören, dass ich: 

A. Keinem andern Systeme der Fr. Maurerey oder irgend einer 
andern geheimen Verbindung anhängen, noch für solche 
arbeiten 

B. Sondern, so lange es meine Umstände leiden, für iigend eine I 
dergleichen Verbrüderung thatig zu seyn, ich meine Kräfte 
und Kenntnisse allein diesem Erlauchten Orden widmen wolle. 

C. Sollte ich aber (welches mir jederzeit frey steht) den Orden 
ganz verlassen wollen, dass es mir dann doch nie erlaubt 1 
seyn soll, mich auf eine andere dergleichen geheime Ver- 




— 363 



bindung einzulassen, 
destomehr für billig: 



Ich erkenne diese Forderungen um 



L 



L 



Do ich bis jetzt nirgends so herrliche Voi^chriften zu 
meinem und der Welt Glück als hier erholten, auch 
nirgends eine bessere, nützlichere Freymourerey gefunden 
habe, nnithin 

2. alle Ursache finde, die hohen Obern dieses Ordens als die 
ächten unbekonnlen Obern der Freymourerey anzuerkennen. 

3, Da mich dieser Erlauchte Orden nicht abholten will, im 
Fall meine Bürgerlichen Verhältnisse, oder Unzufriedenheit 
mit den erhaltenen Kenntnissen mich dazu bewegen sollten^ 
aus demselben zu treten 

meine Obern aber mit Hecht fordern können, dass ich als- 
dann nie die hier erhaltenen Anweisungen zum Nutzen 
anderer Verbindungen anwende, sondern 

, im Gegentheil, da ich von der vortrefliichen Grundlage 
des Ordens der llluminaten und von desen Bereitwilligkeit, 
jedes Gute anzunelimen, nun sattsam überzeugt bin, es 
meine Plticht ist, wenn ich irgendwo wichtige Kenntnisse 
erhalten liiitte, sie, ohne solche zu verratlien, auf die von 
meinen jetzigen Obern mir vorgeschriebene, allein auf das 
Glück der Welt abzielende Art, anzuwenden, und also zu 
Ausführung der Ordenszwecke zu nützen. 
Dies alles verspreche ich freywillig, und ohne geheimen 
Vorbehalt bey meiner Ehre und gutem Namen. 



Nach Unterschrift dieses Reverses wurde der Kandidat in 
die Gemeinschaft der schottischen Bitter ritualgemäss aufge- 
nommen. Das Ritual ist im Constitutionsbuche*) enthalten; es 
enthält noch mehrere und interessierende Stellen, die wir an- 
geben müssen, um zu beweisen, wie zielbewusst Knigge in 
seinem Plane vorging, die Illuminaten-Freimaurerei als die allein 
echte hinzustellen. Der Beweis liegt in dem Wortlaut des 
Schwures, den der Kandidat nunmclu^ leisten musste und in den 
Erklärungen, die er nach der Aufnahme erhielt. l>er Schwur 
n$nthält auch gleichzeitig den Beweis, dass dem alten Orden zwar 
HUe Beseitigung eines despotischen Regimentes, nicht jedoch 

^B ♦) Das vorliegende ManuskripL zeigt die Handschrift Zwackhs und wurde 

"lilsher sorgfSlÜg in der Familie bewahrt. Es dürae zurzeit kaum ein rvs^eites 

Exemplar noch vorhanden sein. Die BchÜieit dieses Manuskriples ist zweifelios. 




— 364 — 

die Absetzung der Fürsten als Ziel vorschwebte. Im Grunde 
genommen genau das, was die späteren Geschlechter durch Auf 
Stellung der Conslitution und Volksvertretung errungen haben. 
Es hat daher gerade diese Verpflichtung des schottischen 
Ritters ein grosses historisches Interesse und wir geben nach- 
stehend den geforderten Kid in wortgetreuer Form bekannt. 



Eltter Eyd. 

Iclr gelobe und schwöre die treueste Erfüllung des vor 
einigen Tagen von mir ausgestellten Revei-ses; Ich verspreche 
Gehorsam den Erlauchten Obern, Eifer für das Wohl des Ordens. 
ich verpflichte mich, so viel an mir liegt, keinen Unwürdigen 
zu dem Eintritte in die geheiligten Grade dieses Ordens he* 
hülflich zu seyn. Ich verbinde mich zu Aufrechterholtung 
der alten Freymaurerey» gegen die After Systeme, nach 
meinen Kräften zu wirken. Ich will von nun an der Un- 
schuld, der Armuth, den Nothleidenden, und jedem gedrückten 
Redlichen, wo ich Gelegenheit dazu flnde, ritterlich beystehen. 
Nie will ich ein Sclimeichler der Grossen, kein Niedriger Fürsten 
Knecht seyn, sondern nmthig, aber mit Kluglieit, für Tugend, 
Freyheit und Weisheit streiten; dem Aberglauben, dem Laster 
und dem Despotismus will ich, wo es dem Orden und der Well 
wahrhaften Nutzen bringen kann, krätzig wiederstehen; Niemals 
werde ich das Wohl des Ganzen und das Glück der Well 
meinen Privat Vortheilen aufopfern; Meine Brüder will ich gegen 
Verläumdungen mannlich vertheidigen, und itn* Bestes als das 
meinige ansehen; Ich verspreche ferner der reinen wahren Reli- 
gion und den Lehren der Freymaurerey fleissig nachzuspüren 
und meinen Ordens Obern Nachricht zu geben, wie weit ich 
es darin gebrncht habe; Überhaupt werde ich den Erlauchten 
Obern, als meinen treuesten Freunden, mein Herz eröffnen, und 
den Orden so lange ich ein Mitglied desselben bin, als meine 
Haupt Glückseligkeit ansehn; Übrigens gelobe icli die Erfüllung 
meiner hauslichen, geselligen und Bürgerliclien Pflichten meinem 
Herzen heilig seyn zu lassen. So wahr mir Gott helfe und so 
lieb mir das Glück meines Lebens und die Ruhe meines Heinzens 
ist. — — 



Nach diesem Eid erfolgte der Ritterschlag durch 
Seh wertsch löge, zu denen der aufnehmende Pröfekt sagte: 



drei 




— 365 — 

Ich schlage dich zum Riüer des heiligen Andreös nach 
item Brauche unserer Schottischen Vorfahren, durch die Kraft 
les alten Meisterworts. Sey ein Kämpfer für Weisheit und 
'Tugend, durch deine Klugheit den Königen gleich, ein 
Freund des Fürsten und des Bettlers, wenn sie tugendhaft 
sind. — — 

Ich schlage dich zum schottischen Ritter im Namen unserer 

Erlauchten Obern, w^elche die Obern der achten Freymourerey 

sind. Sey dem Orden treu, streite gegen die Verderl>nisse, 

w^elche Dummheit und Bosheit erzeugen, und forsche der Wahr- 

^beit nach. — 

" Icli schlage dicli zum Ritter, im Namen dieses geheiligten 

Capitels und aller Schotten der Erkänntnis und der GewolL 
Stehe auf, und beuge nie wieder deine Knie, vor dem, der ein 
Mensch ist, wie du. — 

Ife Zweierlei geht aus Schwur und Ritterschlag klar hervor. 

Erstens, dass es die Absicht war, das Pflichtgefühl für Vater- 
land und Familie in dem Aufgenommenen zu wecken und diese 
Absiclit kann nur allgemeine Billigung hen'orrufen, zweitens, 
dass man ihm eine möglichst hohe Meinung von den Obern 
beizubringen suchte. 

Hier stellen wir nun auf dem gefahrlichen Punkte, der in 

■ der Geschichte aller derartigen Vereine seine dunklen Schatten 
geworfen hat und in der Freimaurerei sehr böse Folgen durch 
abenteuernde Schwindler hervorrief. Enttäuschung, Zwiespalt, 
Feindschaft und Hass entstehen durch eine Art Vergötterung 
der Obern gar zu leicht. Von vornherein ist der Neuling nur 
zu sehr geneigt, seine Obern als höchst vollkommene Menschen 
anzusehen, sie in allen Beziehungen über sich zu stellen und 
wie es Weishaupt selbst (s. Seite 59 und 60) beschreibt, ist er 
durch diese hohen Erwartungen bereit, alles zu tun, was sie ver* 
langen würden. Diese hohen und höchsten Erwartungen können 
jedoch niemals voll befriedigt werden, sobald der erste Rausch 
vorüber ist und die Obern, die doch auch nur mit menschlichen 
Schwächen behaftete Menschen bleiben, in nähere Berührung 
mit den Neulingen treten. — 

■ Es wurden, aus klar ersichtlichen Gründen, daher die un- 
bekannt bleibenden Oberen erfunden, zu denen zu dringen 
möglichst unmöglich gemacht wurde. Baron Hund t, B. dürfte 
niemals seinen wirklichen Oberen kennen gelernt haben, und 




eben deswegen wird er auch mit solchem unglaiibHchen Eife 
das System der strikten Observanz erfasst haben. Kein anderes 
ist so sehr geeignet, die Hoflnung zu envecken und immer 
wieder anzufeuern» doch endlieh gewürdigt zu werden, dass der 
hohe, hehre, leuclitende Obere aus seiner Verborgenheit herab- 
steige, um den vertrauenden Sterblichen*) zu beglücken. Die so 
bequeme Entschuldigung für das Nichterscheinen, der Suchende 
sei noch nicht w^ürdig, noch nicht reif genug, um seinen An- 
blick zu ertrogen, verfängt immer wieder" und für seine Unge- 
duld, Neugiej'de oder schwankendes Vertrauen fühlt er sich 
schliesslich nur gerecht bestraft, wenn der hohe unbekannte 
Obere noch sein Angesicht verbirgt. In dieser Weise sind die 
edelsten Manner, die sonst aufgeklärtesten Köpfe genarrt worden 
und — werden noch genarrt, 

Knigge war augenscheinlich bereit, in die Fussstapfen des 
Baron Hund zu trelen und arbeitete darauf hinaus, die Illu- 
minaten-rtberen, zu denen er selbst ja gehörte, als die bisher 
noch immer unbekannt gebliebenen Oberen der strikten Obser- 
vanz hinzustellen. An dieser Absicht ist auf Kenntnis des 
Ritualhuches kein Zweifel mehr möglich. Nach den jetzigen 
Forschungen wurde wahrscheinlich um 1742 das System der 
strikten Observany^ in Paris gestiftet, um dadurch die Anhänger 
3er Stuarts und ihre Zwecke zusammenzuhalten und zu ver- 
bergen. C. G, von Marscliall (nach Lenning soll das ohne 
Zweifel ein M. von Bieberstein auf Herrengrosserslädt in Thü- 
ringen gewesen sein) wurde darin eingefülirt und durch ihn 
V. Hund als sein Nachfolger Wie sehr man von dei* Existenz 
des unbekannten Grossmeisiers überzeugt war, eigibt der Um- 
stund, dass Herz^^g Ferdinand v. Braunscliweig 1777 die Er* 
klärung abgab, er wolle dos grossmeisterliche Ami, zu dem er 
1772 !»erufen worden, nur solange verwallen, las der wirkliche 
Grossmeisler bekannt gemacht sei und sich legilimierl habe. 

Auf dem Konvent zu Wilhelmshad, der dem Tempelherrn- 
System ein Ende machte, hatte nun Knigge freies Feld, die alten 
Hoffnungen neu zu beleben und namentlich durch Bode in 
Weimar, der mit rillen Fürsten, die Freimaurer waren, eng liiert 



•) Etwas ganz ähnliches» nur noch in schtimmerer mystischer Art, 
haben wir heute in den indisclj-tlreosophischcn Lehren, mit ihren Mahatmas 
und A<lepU>n, Tausende warten sehnRüchtig und vergeblieh auf das Ers^^hetnen 
dieser Matjalmas (Obere) und sind immer wieder bereiL^ für das Nichterachcineri 
eiitschuidigende Gründe /.u an den. 




367 — 



den ollen Glauben geschickt zu benulzen. Die Anlegung 
dessen, was echt sei, war eine Hintertüre, durch die immer zu 
entschlüpfen möglich war, und in diesem Sinne konnten sich 
die Uluminatenlogen wohl füglich als echte bezeichnen, wenn 
nur die Forderung Weishaupls, die auch Zwaekh so hocli her* 
vorhebt, »nützliche Kenntnisse oller Art zu sammeln«, treu er* 
füllt wurde. Dazu war aber Knigge wenig geneigt, ihm war es 
um äuss ere n_€ilanz zu tun. Es kann doher nicht genug betont 
werden, dass der Bruch zwischen ihm und Weishaupt unver- 
meidlich war, aus den zwischen beiden bestehenden, völlig ent- 
gegengesetzten Grundsätzen. 

Diese Grundsatze, die sicherlich sich auch um den Nimbus 
der Echtheit drehten, kamen aber gerade bei Bearbeitung des 
;hottisclien Ritleigrades schroff zum Vorschein. Weishaupt 
ireibt daher auch an Zwaekh (s. Oiiginalschriften, Nachtrag 
Seite 66): * 

W s Lassen sie mit Erlheilung des Rittergrades noch auf eine 
kurze Zeit Innstand halten, lassen sie solchen neu abschreiben: 
dabey aber lassen sie aus: 1. den Revers, 2. das Liebesmahl, 
3. die von Philo verfasste kauder-welsche halb theosophische An- 
rede*) und Erklärung der Hieroglyphen. Statt dessen erhalten 
sie dieser Tage eine von mir neu verfasste sehr zweckmässige 
wichtige Anrede.**) Ich habe es vor nöthig gefunden, diese 
Abänderungen zu machen, weil dieser Grad offenbar der 
elendste von allen isl, sich sogar nicht zu den übrigen schickt, 
alle Achtung der Leute (der mit jedem Grade w^achsen sollte) 
vermindert, und wie die Beylage zeigt, den M. Aurelius nebsl 
noch mehr andern scheu machte. F. und mehr andere nennen 
es jouer la religion, und sie haben recht.« — — 

In dem Formular zu einer Logen-Constitution, die der Orden 

ausgab, heisst es absichtlich gleich im Anfange, um die Echt- 
heit zu betonen: 

Wir von den Erlauchten Hochwürdigen geheimen Obern 
der achten alten Freymaurerey dazu Bevollmächtigte, unter dem 

*) Das RituaUiuch euthälL diese voU kommen. Es wird dasei list auf den 
Fall Lueifers hingewiesen und die ErreUung de^ Menscheiigeschlechles in 
mystischer Art dargcsleUL 

*•} Diese ist im Nachtrag zu den Originalschrifleri daselbst U, Abieil ung 
Seite 44 abgedruckt, 



— 368 — 



I 



unsichtbaren SchuUe der geheimen grossen National Loge, imj 
Orient von Teutschland etc* etc. — 

Späterhin wird gesagt r 

Aber denen in der Irre umher wandelnden, oder von 
falscher Lehre in der Dunkelheit erhaltenen Freymäurern, welche, 
unter dem Schutze einer erkauften Constitution, deren die wahre 
Weislieit nicht bedarf^ um uns her arbeiten, ohne weder die 
hohen heiligen Zwecke des Ordens, noch dessen geheime Obere 
zu kennen, weyhen wir unser Mitleiden und biethen ihnen Schutz 
und Erleuchtung an. Viele sind berufen, aber wenige auserwählt 

Es liegt an ihnen uns kennen zu lernen, Niclit leere Ver-l 
briefungen, NeinI die Güte der Sache muss für unsere Achtheit 
reden, und in höhei*n Graden, in dem Heiligthum des Tempels, 
kann jeder treue Maurer einsehen lernen, wer uns berechtigt 
hat, diese Loge zu stiften. — — ^ — 

Charakteristisch ist auch, wie boi Erklärung der Maure- 
risclien Hieroglyphen die Befeindung der Rosenkreuzer als Gold- 
macher festgehalten wurde. 

Dem Einzuweihenden wurden alle Wertsachen abgenommen» 
ein symbolischer Voi^ang, der auch heute noch in den Jo- 
hannisgraden üblich, erklärt wurde jedoch folgendes: 

Sie wurden alles Metalls beraubt, theils um Ihnen zu 
zeigen, dass sich die Wahrheit weder erkaufen, noch ertrotzen 
lasst, theils weil dies unglückliche MetalL nnd vorzüglich Gold 
und Silber, der Menschheit so ungeheuren Schaden gebracht 
hat. Halten Sie daher diejenigen sicher für falsche Freymäurer 
und Betruger, welche die elende Kunst, Gold zu machen, für den 
einzigen Zweck unseres (Jrdens angesehen wissen wollen. 

So tauschen ganze Gesellschaften, welche sich für die Obertii 
der Freymaurerey ausgeben, indem sie nach und nach das 
Uebergewicht in unsern Logen zu bekommen trachten, eine 
Menge unwissender Brüder, welclie sich in Bewegung setzen, 
Geheimnisse, die sie selbst nicht haben, für sie aufzuspüre 
und indess von nüzlichen Arbeiten die Hände abzuziehen. 



I 



puren,! 



Die angegebenen Stellen sind ebensoviele Beweise für die 
unzweideutigen Absichten Knigges, die Herrschaft an sich zu 
reissen und jedenfalls wäre ihm dieses auch gelungen, nachdem 
erst die Häupter der Freimaurerei, dessen hervorragendstes 




— 869 — 

Herzog Ferdinand von Braunschweig war, gewonnen wurden. 
Sicherlich wird man vonf~5lärrdplinkte des Freimaurers solches 
Vorgehen verurteilen müssen, der Ausbreitung des Illlu- 
minatenordens war es jedoch förderlich. Der jetzige Illuminaten- 
orden bringt diesen Angelegenheiten nur historisches Interesse 
entgegen, da seine Bestrebungen mit der Oi-ganisation der Frei- 
maurer nichts mehr zu tun haben. 



Das Ende des Ordens. 

In welcher Weise der Kurfürst immer mehr und mehr um- 
garnt worden ist, haben die bisher dargestellten Ereignisse er- 
wiesen, es ist daher nur natürlich, nachdem sogar Todesstrafe 
als Schreckmittel aufgestellt worden war, dass seine Illuminaten- 
furcht stets schlimmere und ungerechtere Urteile hervorrufen 
musste. Der Fall Pechmann leitete demzufolge eine ganze An- 
zahl von Willkürakten ein, die schliesslich durch ein Inquisi- 
tionsregiment gekrönt wurden. 

Joseph Freiherr von Pechmann war der Schwager Weis- 
haupts, stand jedoch dem Orden gänzlich fern. Der auf seinem 
Fideicommisgute Brunn sesshafte Baron erfreute sich eines liebens- 
würdigen Vaters, der dem Sohne das Leben möglichst schwer 
machte durch Gelderpressungen allerhand Art. Um seinem 
Sohne eins auszuwischen, denunzierte er ihn als Illuminat. 
Infolgedessen fand sich eine der beliebten »un versehenen Visi- 
tationen« unter Aufgebot militärischer Gewalt am 10. Jan. 1788 
ein, die denn auch als Resultat eine Abschrift des Briefes von 
Herzog Ernst an Weishaupt (s. Seite 212) ergab, und eine Dank- 
sagung für die Überlassung gedruckter Illuminatenschriften. Trotz- 
dem nun bereits der Gommissar Gruber die bei der Visitation 
bewiesene Bereitwilligkeit des Barons, sein Betragen und seine 
Geduld rühmend hervorhebt, die unterm 1. Februar tagende Kom- 
mission feststellte, dass keine Spur daraufführe, der Beschuldigte 
sei Illuminat gewesen, wurde durch Rescript vom 15. März ein- 
fach erklärt, »der Denunziat sei nicht ganz rein und unschuldig 
befunden worden, sondern habe sich straffällig gemacht.« 

Baron Pechmann erhielt einen scharfen Verweis und musste 
die Visitationskosten bezahlen. 

Ganz besonders unangenehm war dem Kurfürsten die 

Engel, GMohiohte des Illuminatenordens. 24 



— 370 — 



Sympathie des Zweibrückener Hofes für die verfolgten lUu 
miiiaten. Die Anstellung des Grafen Montgelas daselbst erregte 
den Zorn des Kurfürsten und verursachte vergebliche Versuche, 
ihn zu verdächtigen. Wiederholt wurde Freiherr von V^ieregg 
nach Zweibrücken beordert, um den Herzog von den Schänd- 
lichkeiten der lUumineten zu unterrichten. Das famose Proto- 
koll über die Aussagen des Baron Mändl wurde durch ihn über- 
reicht, namentlich deswegen, weil in diesem Montgelas stark 
verdächtigt wird, jedoch ohne Erfolg, die Stellung des Grafen 
blieb unerschültert Auch der Fürstbischof von Regensbui^ 
übersandte seine Verordnungen dem Herzog, erzielte jedoch nur 
eine recht schale, anscheinend höfliche Antwoil, die in Anbe* 
tracht des UmStandes, dass gerade der Zweibrückener Hof seine 
I Hand schirmend über die Verfolgten hielt, nur als bittere und 
beissende Ironie heute ausgelegt werden kann. 
Die kurze Antwort lautet: 

Wir sind Euer Liebden für die gefällige Mittheilung der 
durch dero geistlichen Rath am Slten Mai letzthin getroffenen 
Verfügung danknehm igst verbunden. Euer Liebden weise Vor- 
sorge J5ur Eriialtung und Aufnahme der geistigen Disziplin ge- 
reicht demselben zum besonderen Ruhm und Vermehrt in Unsl 
die Gesinnungen der Hochachtungsvollen Ergebenheit, womit Wir 
Carlsberg, d. 25ten Aug. 1787. 



I 



Die Bemühungen des Kurfürsten, andere regierende Füi^sten 
in seine Fussstopfen treten zu lassen und gleiche Verfolgungen 
der lUuminaten in ihren Ländern zu veranlassen, scheiterte an 
dem gesunden Sinne der Souveräne. Vergeblich versandte er J 
en alle Höfe Exemplai-e der euf seinen Befehl gedruckten Ori* i 
ginalsehriften, vergeblich wurden Verdächtigungen und War- 
nungen ausgestreut. Die Gesandten aller Hofe registrierten 
wolil in ihren Berichten, die sich in jedem Staatsarchiv vor- 
finden, die Verfolgungssucht des Kurfürsten, jedoch gelang es 
nicht nur einen Weltfürsten zu veranlassen, gleiche Massregel 
zu ergreifen. Die Verfolgung blieb auf Bayern lokalisiert, nahm 
jedoch einen immer gehässigeren Charakter an, namentlich seit- 
dem ein gelieimes Inquisitions-Kabinett, bestehend aus Pate; 
Frank, den Räten Lippert und Schneider, nunmehr ernannt; 
wurde und ihre unheimliche Tätigkeit entfaltete. 

Vor allen Dingen galt es ausfindig zu machen, wer etw; 
noch hI^ Illuminat verdächtig sei. Der Spionage und Angeberei 



i 



- 371 — 

war durch die verschiedenen Dekrete jeder Vorschub geleistet 
worden und ihre Leistungen finden wir denn auch in einer Liste 
aus dem Jahre 1791, die die Nomen der noch verdächtigen 
Münchener Einw^ohner enthöH. Benannt ist dieselbe wne folgt: 

> Katalog der in München wirklich noch arbeitenden Ulu- 
minaten ihrer Protectoren und auch derjenigen, welche des lllu- 
minatismus höchst verdächtig sind. Justificiret nach dem letzten 
gnädigsten Edickte von ihren eigenen »Mitgliedern wie sie es vor 
Gott und ihrem Regenten verantworten können.« 

Das Edikt, worauf hier verwiesen ist, lautet vom 15, Nov. 1790. 

Dasselbe beruft sich auf die früheren Verordnungen7~äüch auf 
die Todesstrafe und beklagt vor allen Dingen das Fortbestehen 
der Zusammenkünfte. Es wird mit schwerster Strafe wieder 
gedroht, wiederum zu Aniseigen autgefordert, selbst wenn er 
Mitschuldiger sein sollte und versichert, dass solche Treue und 
Gehorsam mit einer angemessenen Geldportion oder aber nach 
Beschaflenheit der Umstände mit einer anständigen Versorgung 
mildest belohnt wird, der Mitschuldige folglich mit gar keiner 
Strafe belegt, sein Name auf Verlangen geheim gelassen wird. 
Zur amtlichen Verpflichtung oder Pflichtserinnerung soll niemand 
mehr zugelassen werden, wenn er nicht zuvor eidlich beteuert, 
dass er weder jemals ein Mitglied der lUuminaten oder einer 
andern dergleichen, wie immer genannten Sekt gewesen, noch 
zur Zeit sei, auch in Zukunft zu keiner treten werde* Dieser 
Amtseid w^urde auf alle Ämter übertragen und von allen Be- 
amten gefordert. — 

Die Liste enthält nun 91 Namen der hervorragendsten 
Männer in München. Jedem Namen ist eine erklärende Notiz 
beigefügt. Einige der Namen wollen wir hier anführen nebst 
den beigefügten Notizen. 

Baader, Professor und Leib-Medicus der Durclilaucht, Chur* 
fürstin Wittwe, Uluminat, ein unkluger, rauher, stolzer 
Mann, welcher besonders, w^enn er betrunken ist, das 
nicht selten vorkommt, in den Schenken öflentlich den 
Materialismus predigt. 
Berger, Ke\Tsionsrath, Uluminat, einer der thätigsten Glieder* 
Beermiller, ehemaliger Pfarrer, Uluminat. Verlor wiegen 
schlechter Auttührung die Pfari'ey. dann Schulinspect. zu 
Amberg, verführte die Jugend und wurde kassirt, jetzt 

24» 



— 372 — 

beständig in München, seines Ordens Hauptmann und 
Espion. 

Bettenkofer, Hof und geistlicher Rath, Illuminat, schwacher Kopf, 
aher getreu seinem t)rden. 

Dusche], ehemaliger Repelitor in Ingolstadt, jetzt bestandig hier 
Illuminat, hält sich ziemlich ruhig. 

DuiVesne, von, Abb6e, Illuminat. 

Dürrheim, Graf von, Oberforstmeister, Illuminat, 

Eckartshausen, Hofrath und Archivarius, einer der thätigsten 
Arbeiter, Illuminat.*) 

Fraueoberg, Baron von, Hofrath, Illuminat. 

Frolinhüfer, ehemaliger Schulrath dann nach Burghausen wegen 
dem Illuminatismus als Secretair bestimmt, ging nicht 
hinunter, weil er dem Orden hier wichtigere Dinste zu 
leisten hatte. Lebt jetzt in München sehr glaublich von 
seinen Ordensbrüdern untLM-halten. Besonders thätig und 
Enthusiast lur den Orden. 

Halm, ein angeblicher Kunsthändler in München. Einer der 
bedenkliolisten Illuminaten, der in Ordensgeschaften 
immer hin und heii*eist. 

Hart, Piiester, in der churfürstL Bibliothek. Illuminat. Einer 
der wichtigsten Männer des Ordens, 

Härtl, Kanonikus hei U. I. Frau. Illuminat, In beständiger 
Arbeit für den Orden. 

Härtin, Bischof. Haupt Protector laut Briefes von Priester Beer- 
miller* und andern sichern Anzeichen. 

Hep|>, Hauptmann bei Piinz Max. 

Heppenstein, Hofrath, Illuminat. 

Käser, Legationssekretär in Regensburg, meistens hier in Ordens- 
geschaften. 

Kreitmayer, Baron von, ehemalige]* Hofrath, jetzt Revisionsralh, 

glaublich Illuminat. 
Krenner, Hofkammertiscalats Rath» jetzt Eisenreich in Land- 

schaftsgeschäflen beygeordnet. Einer der thätigsten 

Glieder. Illuminat. 

Lerchenfeld, Graf von, Illuminat. 
Lerchenfeld, Graf von, junior. 
Levden, Baron von, Illuminat. 



*f Vergleiche später den Bericht Montezans. 



i 



Wie weit diese Liste nun Glaubwürdigkeit beanspruchen 
kann, ist heute nicht mehr festzustellen: es steigen beim Lesen 
der Notizen und beim Vergleichen der Stände und Berufsarten 
denn doch recht viele Bedenken auf, bezüglich der Richtigkeit 
dieser Angaben. Diese Bedenken werden vermehrt, wenn man 
die nach Paris gewanderten Berichte des französischen Ge- 
sandten studiert, der namentlich den Pnter Frank für die Ver- 
folgungen verantwortlich macht. Er schreibt z. B. in einem 



— 373 — 

Lipowsky, geistlicher Raths Kanzelist, Illuminat, ein liederlicher 

Mensch. 
Lodron, Graf von, Revisionsrath, Illuminat. 
Mayerhofen, Hof- und geistlicher Rath, Illuminat. 
Nagorola, Graf von, Oberst, Illuminat. 
Odermath, ehemaliger Jesuitenbruder, Bibliothekdiener und nun 

der Hauptmann für den Orden. Illuminat. 
Oepfner, ehemaliger Hof und geistl. Rath, dann Stadtoberrichter. 

Illuminat. 
Preising, Max, Graf von, Hofraths Vicepräsident, wenigstens ein 

Hauptprotector des Ordens. | 

Schiesel, Hofpfistermeister zu München, bei welchem noch be- I 

ständige Zusammenkünfte gehalten werden, da sind die \ 

Hauptzusammenkünfte des Ordens. 
Schweiger, Laterneninspector und Hofkammerrath, Haupt- 

illuminat. 
Seeau, Graf von, Illuminat. 

Seefeld, Graf von, der Ältere, Churfürstl. Geheimer Rath, ehe- 
mals Kammerpräsident. 
Spaner, Graf von, Trabanten Hauptmann, Illuminat. 
Stubenrauch, Vicedirector bey der Hofkammer. Man behauptet 

er sey Illuminat. 
Sutner, Stadtrath in München. Illuminat. 
Thompson, General, Freymaurer mit dem schottischen Grade, 

glaublich Illuminat. 
Vachiery, Hofrathskanzler und Schulkurator. Illuminat. 
Werner, Revisionsrath, Illuminat, einer der thätigsten Glieder. 
Werz, Apotheker in der Rosengasse. 
Wodizka, Hofmusikus, Illuminat. 
Zetwitz, Stadtcommandant, ehemals Illuminat und noch höchst 

verdächtig. 



— 374 — 

Bericht vom 27. April 1789 unter anderem folgendes, das in der 
Übersetzung wiedergegeben lautet: 

Er fasste seinen Herrn, welchen er von seiner schwachen 
Seite kannte, bei seiner Vorliebe für feleinHche Rechen an* Die 
lilüminaten sind dem Fürsten verabscheuungswert, weil man 
ihn überredet hat, dass sie sich über ihn lustig machten, weiter- 
hin, weil er sie verfolgt hat. Der Exjesuit hat sie auf die Szene 
zurückgeführt und hat kalkuliert, dass, indem er sich des 
Widerwillens des Souveräns bedient, er seinen schwachen Kredit 
wieder erhält; sein Plön ist sehr einfach gewesen, 

Weiterhin schreibt Montezan ironisch: 

München, 12. Jan. 179L 
Es ist recht nutzbringend für Frömmigkeitsaugenblicke, 
dass der Pater Frank sich als Chef einer geheimen Kommission 
festgesetzt hat, deren andere zwei Mitglieder die Räte Lippert 
und Schneider sind. Diese Kommission hat den ? (penitre) 
Goetz (Sachse) ausgewiesen, welcher schon abgereist ist und 
welcher, sagt man, Alchimist und Martinist war. Pater Ber- 
müller, Kaplan des Palais Max, hat die selbe mündliche Order 
erhalten, ober er hat sieh geweigert zu gehorchen wenigstens 
will er geschriebene Order haben. Der Baron v. Öberndorf und 
der Kanzler, welche nicht befragt worden waren, moehen Miene 
ihn zu unterstützen. FJne M^^niö Asrenner (?) Frau eines Pro- 
fessors der Rechte in Ingolstadt hat Order erholten auch 
München zu verlassen, aber sie sucht Zeit zu gewinnen. 

Die Illuminalen sind die Ursache und der Vorwand dieser 
Massnahmen. Montezan. 

Durch nachfolgende Mitteilung nach Paris wird die er* 

wähnte Liste ebenfalls beleuchtet. 

München, 19. Jan. 1791. 
Pater Bcrmüller hat Befehl erhalten definitiv München zu 
verlassen, es ist der Kanzler selbst, weicher es ihm angezeigt hat. 
Herr v. Eckartshausen, Archivar; ist durch dieselbe Ausweisung 
überrascht worden; er hat sicli gerechtfertigt und er bleibt. 

Montezan, 

Eckortshausen war schon lange nicht mehr Ordens- 
aogdhöriger, man hatte ihn still gelien lassen als zu furchtsam. 




- 375 — 

wenn er trotzdem noch nach Jahren als Illuminat bezeichnet 
wurde, so gibt das eben Anhalt für die nicht volle Zuverlässig- 
keit der Liste. — Dem Kurfürsten war es jedoch genügend, 
wenn nur eine Bezichtigung, dem Orden anzugehöi*en, vorlag. 
In denn Fall Eckartshausen schützten diesen vielleicht die Gründe 
der pikanten Enthüllungen Chalgrins. In einem andern Falle, 
dem des Grafen Pappenheim, zeigt sich das unbegrenzte Miss- 
trauen des Kurfürsten. 

H Graf Pappenheim, Statthalter zu Ingolstadt, gehörte dem 

Orden an, leugnete jedoch später seine Zugehörigkeit ob. — 
Wie nun sich so vieles auf Erden rächt, traf ihn auch für 
diese Verleugnung die Vei^eltung. Chalgrin teilt unter dem 
dem 24. April 1792 nach Paris mit, doss Graf Pappenheim gegen 
den Kriegsminister Belderbusch intrigierte, um sein Amt zu 
erhalten. »Letzterer vereinigte sich mit IVitcr Frank und Pajjpen- 
lieim wurde Sn Hoheit als Mitglied und seihst als Protector 
der Ilhiminatensecte denunziert. Diese r^erninziation liatte volle 
Wirkung, v. Pappenheim wurde verbannt und alle Anstreng- 
ungen, ich würde selbst sagen Niedrigkeiten (Cassesses), welche 
Icr machte, um sich wieder in das Vertrauen des Kurfürsten zu 
setzen, waren verlorene für ilin, blieben ohne Krfolg.t — 
Eine ganze Reihe von Denunziationen erfolgte in jener Zeil. 
Niemand war sieher, von irgend einem Feind als Illuminat be- 
ziehtet zu werden und war er dem InquisilorTrifoIium nicht 
genehm, so wurde ihm sicher der Prozess gemacht» Was nun 
über das Treiben desselben bekannt geworden ist, klingt so un- 
glaublich und schlagt dem heutigen Gerechtigkeitsgefühl deraiiig 
ins Gesieht, dass wir vorziehen, diese Dinge auszugsweise der 
^ Arbeit Professor Kluckhohns zu entnehmen, um nicht etwa dem 

■k Verdachte ausgesetzt zu sein, dass diese hier interessiert ein- 
seitig und allzu scliwarz gescliildert werden. Der schon anfangs 
dieses Werkes genannte und zitterte I^rofess(jr Kluckhohn 
schreibt in seinem Artikel »Die llluminatcn und die Aufklarung 
in Bayern* nachstellendes: 



^ Am übelsten eriging es denen, welche infolge freimütiger, 
wenn auch unschuldiger Reden, zu r»ottesspottern oder gar 
Gotteslästerern gestempelt werden konnten, sowie namentlich 
seit Ausbruch der französischen Revolution, für die man ja 

tauch, die Illuminaten hat verüntwortlich machen w^oUen, allen 




— 376 — ' 



machten. Um als Religionsspötter qualifiziert und bestraft zu 
werden, genügte es, an einem Fasttage Fleisch zu essen, und 
über Wallfahrten oder ahnliche Dinge unvorsichtig sich zu 
äussern. Politisch verdächtig aber war schon jeder» welcher von 
der französischen Revolution ohne Wegwerfung sprach. Neben 
jahrelanger Gefangenschaft oder Landesverweisung konnten 
Männer niederen Standes — denn in allen Kreisen suchte und 
fand die Inquisition ihre Opfer — auch zu Peitschenhieben ver- 
urteilt w^orden. So widerfuhr es einem Bauern aus der Um- 
gegend von Dachau, welchei" von dem Pfarrer gotteslästerlicher 
Reden angeklngt und ausserdem beschuldigt wurde, den Land- 
richter, freilich ein Verwandter Lipperts, beleidigt zu haben. 
Wegen des letzteren Vergehens ward er zu kniofölliger Abbitte 
und wegen des Hauptverbrechens zu 25 leibesconstitutions- 
massigen Karbatschstreichen, andern zoim warnenden Beispiel, 
verurteilt, W7>rauf er noch ouf eigene Kosten ein Jahr ins Arbeits- 
haus gesteckt wurde. Als die Gattin wiederholt um Eilassung 
der Gelangnisstrafe bat, ward ihr unter anderm erwidert: Da 
der Verui'teilte sein eigenes Hauswesen wegen öfterer Abwesen- 
heit doch ganz vernachlässigt liabe, sei seine Gegenwart wohl 
entbehrlich. Es war derselbe Gerechtigkeitssinn, welcher Jüng- 
linge, die es mit dem Pfarrer oder auch nur mit dem Messner 
verdorben hatten und einem so würdigen Gehülfen Lipperts, wie 
z. B. den in der Nähe von fJetting und Borghausen tätigen 
Speziaikommissär von Mussinnu war, in die Hände fielen, zur 
Busse und Besserung für 6 Jafire zum Soldatendienst verui-teille. 

Noch ärgeres mag geschehen sein. So behauptet Zschokke» 
der über Karl Theodors Regierung aus mündlichen und schrift- 
lichen Berichten von Zeitgenossen gut*) unterrichtet war: dass 
ein nm Hofe zur Verfolgung geistlicher und bürgerlicher Frei- 
geisterei bestehender Ausschuss auch Todesurteile gefällt und 
ohne Geräusch vollzogen habe.**) 

Da es jedoch hier en aktenmässigen Beweisen fehlt, so 
wage ich die Behauptung mir nicht anzueignen. Freilich be- 
drohte eine kurfui'stlictie \'erordnung jeden, der einen andern 
für den verpönten Illuminatenorden anwarb, mit dem Tode 



I 



•) wir haben schon bewiesen i dass Zschokke keineswegs immer er 
genommen werden kann, er mag oucli hierin übertrieben haben. 

**) Ks wird behauptet, dass xu diesem Zwecke die eiserne Jungfrau wieder 
in TöUKkeil gekommen &ei. 




377 — 



I 

* 



und die Strafe des Todes traf nach Kreitmayers Kriminolkodex 
auch den Gotteslästerer. Aber in den mir bekannten Fällen, 
wo auf Grund einer, wenn auch noch so parieiischen Unter- 
suchung davon allenfalls halte Gebrauch gemacht werden können, 
wurde auf eine geringere Strafe erkannt. 

Gleich den heimlichen lüuminaten- und Freimaurer- Ver- 
sammlungen waren Lesevereine, Freundschoftskränzchen, enge 
geschlossene Kaffee- und Bier- Gesellschaften der Gegenstand 
der Spionage und Verfolgung, Als ein niederbayrischer Lese- 
verein, dem nichts übles vorzuwerfen war, geschlossen \\"urde, 
verwies man die geistlichen Mitglieder auf das Brevier und die 
Seelsorge, die v^-elthchen Beamten aber auf das Studium der 
Akten, woran sie sich genügen lassen möchten. — 

I Lief nun eine Denunziation im fürstlichen Kabinett ein — 

und wie hätte es, da man die Niederträchtigkeit belohnte, an 
Denunzianten fehlen können — so ward ein taugliches Werk- 
zeug als Spezialkommissar an Ort und Stelle gesandt, der Be- 
schuldigte in der Regel nächtlicherweile gefänglich eingezogen, 
wurden Briefe und Bücher konfisziert, taugliche Zeugen aufge- 
trieben und dann die Akten nebst Vorschlag einer geeigneten 
Strafe ad intimum eingesandt, worauf im Namen Serenissimi 
das Urteil gefallt wurde. In den selteneren Fällen wurde die 
Untersuchung den ordentlichen Gerichten überlassen, und es 

list auch geschehen, dass ein von dem Militärgericht gefällter 
Spruch von dem Kurfürsten d. h. von seinem Kabinett, noch ver- 
schärft wurde. 

I Der geheime Bat Lippert führte regelmässig die Korrespon- 

denz mit den von ihm instruierten Spezialkommissären. — In 
einzelnen Fallen traten mündliche Befehle an Stelle der schrift- 
lichen. Ja es konnte gescljelien, dass Lippert, wenn es einen 
guten Fang galt, sich selbst eine Vollmacht ausstellte, um den 
Verdächtigen desto sicherer zu erwischen. So geschah es in 
einem Fall, w^o es sich um einen jungen Geistlichen in der Nähe 
Münchens handelte, welcher nicht allein durch freimütige Ausse- 
irungen über kirchliclies Unwesen, sondern mehr noch durch 
(den Eifer sich verdächtig gemacht halte, den er als Lokalschul- 
[inspektor für die Volksschule an den Tag legte. 

Der Fall, dass lebhaft betätigtes Interesse für die Schule 
ftals ein Anzeichen verdächtiger Gesinnung galt, steht nicht ver- 
einzelt da. 



— 378 — 



Auch der Kanzler der Landshuter RegieruDg, Pössl, ein 
mustergültiger Vertreter des jesuistischen Beamtentums, machte 
einmal die Teilnahme, welche eines der Opfer seines Hasses 
für den Volksunterricht on den Tag legte, als einen Beweis für 
dessen Freimaurer- und Illuminaten-Gesinnung geltend, wie denn 
auch eine Reihe der besten Männer nach Ausbruch der Ver- 
folgung des Ordens von der Schulaufsicht entfernt wurde. 

Wenn solche Gesinnungen an entscheidender Stelle herrsch- 
ten, was liess sich da von Pfarrern, Mönchen und mönchisch 
gesinnten Beamten auf dem Land und in kleinen Städten er- 
warten? Endlose Anfeindungen und Verfolgungen waren das 
Los derer, die noch den Mut und die Aufopferung besassen, 
für eine verlorene Sache zu kämpfen. 

Kluckhohn hat Berichte von Schul Inspektoren jener Zeit 
aufgefunden, aus denen hervorgeht, dass die Pfarrer jener Zeil 
vielfach über Verfall der Religion schrieen, über Freigeisterei 
und Illuminatismus, und die Schulen für diese Dinge verant- 
wortlich machten. Religion hiess jedoch bei diesen Leuten, 
wie in einem solchen Berichte steht, Bruderscliaften, Ablässe, 
Krenzgänge, Wetterläuten, die als entbehrlich abgeschafft oder 
modifiziert wurden. Die Schulinspektoren wurden unglaublich be- 
schimpft, sogar tätlich angegriffen und keiner hatte mehr Neigung 
zu diesem Amte. — Soweit war das Pfaffen regiment gediehen 
unter der Regierung eines Füi^sten, der allen Intriguen des 
Obskurantismus geneigtest sein Ohr und seine Macht lieh. 

Am 16. Februar 1799 starb der Kurfürst Karl Theodor an 
einem Schlagfluss, der ihn beim Schachspiel traf. Die Regierung 
ging auf die von ihm so missliebig angesehene Zweibrückener 
Linie über und am 20< Februar 1799 traf der neue Herrscher 
Kurturst Maximilian Joseph in der Hau|>tstadt ein. Eine neue 
Zeit sollte nun erblühen. 

Graf Montgelas, der frühere Illuminat, wurde am 21, Februar 
zum Leiter der auswärtigen Angelegenheiten des pfalzbayerischen 
Kurfürstentums ernannt. Lippert wurde sofort aller Stellen ent- 
hoben, das Obskurantentum erzitterte, es sah das Ende seiner 
Macht herangekommen und fürchtete von dem jetzt so mächtigen 
lUuminaten Montgelas alles. — Ihm zur Seite stand der viel- 
geschmähte und vei'leumdete v, Zwackh* der bereits in zwei- 
brückischen Diensten stand und 1795 am IL April, beim Regie- 
rungsantritt Maximilian Josephs als Herzog, von letzterem als 




379 — 



rHerzogl Bevollmächtigter am KaiserL und Reichs- Kammer- 
gericht bestätigt worden war. Der neue Kurfürst betraute auch 
Zwackh mit Ȁmtern im bayrischen Staatsdienst, sodass er 
^^schliesslich bis zum Regierungspräsidenten der Pfalz emporstieg. 

V Montgelas sowohl als Zwackh waren jedoch keineswegs 

Fürsprecher für den Bestand des Ordens, sie hatten die be- 
gangenen Fehler recht wohl erkannt und sahen sich imstande, 
auch ohne die Ordensorganisation die erstrebten Ziele zu er- 
reichen. Sie wussten auch, dass in der geheimen Gesellschaft 
K(im Gegensatz zu der geschlossenen von heute) stets Gefahren 
^schlummern können und infolgedessen wurde am 4, Nov. 1799 
eine Verordnung erlassen, in der jede geheime Gesellschaft, die 
sich zu irgend einem politischen, religiösen oder angeblich 
wissenschaftlichen Zweck verbindet und solchen Zweck dem 
Staate verhehlt oder einen andern angibt, als sie wirklich be- 
zielt, ihi*e Mitglieder mögen sich versammeln oder nur durch 
geheime Korrespondenz oder Zeichen zusammenhangen, ver- 
boten wurde. 

Diese Verordnung wurde durch spätere Verordnung vom 
5. März 1804 erneuert und nochmals eingeschärft, wir werden 

Iin einem späteren Kapitel den Grund erkennen. 
Das Verdienst, welches Montgelas sich um Bayern erworben, 
ist bekannt, ei* ist der Gründer des neuen Bayern, er errang 
dem Kurfürsten die Königskrone. Unter seinem Ministerium 
EonnXe~er viele brauchbare Männer, die s. Zt. dem Orden an- 
gehörten, zu fruchtbarer Arbeit heranziehen, eine Tatsache, die 
noch heute von gewisser Seite ihm zum schweren Vorwurf ge- 
macht wird, während von anderer aufgeklärterer Seite nach- 
gewiesen ist, dass er keineswegs wahllos die Illuminaten heran- 
zog, sondern nur aus der fieihe früherer Illuminaten, die ihm 
ja alle bekannt waren, die fähigsten und brauchbarsten Köpfe. — 
B Wir schliessen dieses Kapitel mit den Worten Kluckhohns, 

der die neu anbrechende Zeit unter Kurfürst Maximilian Joseph 

Imit nachstehenden Worten einleitet: 
[ Jetzt wer es vor allem Montgelas, dem eigentlichen Schöpfer 
des modernen Bayerns, vergönnt, die Ideen der Aufklärung, 
womit er einst als Jünger des Geheimbundes sich genährt, ge- 
reiften Geistes, an der Spitze des Staates, getragen von dem 
Vertrauen seines Fürsten, nicht auf Schleichwegen, sondern im 



^ 380 — 

offenen und laptereii Streit wider Aberglauben und Geistestrig- 
heil» Mönchssinn und Priesterdünkel, praktisch zur Durch- 
führung zu bringen. Es ward Liclit in Bayern! — 



Welslianpts letzte Jahre nnd seine Familie. 

Es ist bereits dargestellt worden, dass Weishaupt in Gotha 
eine bleibende Stätte der Ruhe gefunden holte, beschützt von 
dem edlen Herzog Ernst. Dieser Zufluchtsort ist ihm nicht 
wieder zerstört worden, trotzdem die Anfeindungen seiner Person 
und des Oi-dens ihren Fortgang nahmen. Weishaupt verhielt 
sich äusserlich gänzlich ruhig und schlug alle Versuche, ihn zu 
einer Wiederbelebung des ( hxlens zu bewegen, grundsätzlich ah. 
Er wollte nur noch durch philosophische Schriften veredelnd 
auf die Allgemeinheit wirken, nicht mehr durch Gesellschaften, 
in denen, wie er ja nur zu fühlbar erfahren hatte, die eigent- 
lichen Absichten des Stifters leicht verdreht werden und dessen 
Einfluss lahm gelegt werden kann. Er gehörte auch aus diesem 
Grunde keiner Freimourcr-Loge_ wieder an und hat auch die 
noctj heute in Gotha arbeitende Loge~>zum Kompasse nicht 
besucht. Eine dem Autor zugegangene Logen* Mitteilung aus 
Gotha bestätigt, dass Weishaupt niemals Mitglied der dortigen 
Loge war. — 

In dieser Zeit der beschaulichen Ruhe sind seine Ver- 
teidigungsschriften über den Orden, dessen Einrichtungen, die 
er zu einem verbesserten System umai'heilele, über Welt- und 
Regierunigskunst, sowie seine philosophischen Werke entstanden 
Sein Werk »Das verbesserte System der Illuminaten« war eigenl 
lieh eine ganz nutzlose Arbeit, das nur seine bleibende Lieb- 
haberei für den Ordensgedanken beweist, und dem er selbst 
einen praktischen Weil abspricht, aber das Buch ist charakte- 
ristisch für Weishaupts Überzeugung; dass geheime Gesellschaften 
ein Mittel zui- Veredelung des Charakters sein können. Er 
widmet in dieser Überzeugung dieses Wei'k: Der Welt und dem 
menschlichen Geschleclite! — 

Als Karl Theodor gestorben w^ar und unter seinem Nach-! 
folger die früheren Illuminaten ihrem Vaterlande wieder in 




— 381 — 



1 



iffensfroher Arbeit dienen konnten, wurde auch in Bayern 
das Gerücht von der Zurückberufuiig Weishaupts laut. Es ist 
lieber, dass diesem Gerüchte ein ernsthafter Gedanke nicht zu- 
grunde lag, wohl aber wurde er vielfach erörtert, natürlich mit 
Hervorziebung aller alten Verleumdungen und Gehässigkeiten* 

Weishaupt w^ollte daher diesem Gerede ein Ende machen. 
r erHess im Kaiserlichen priviligierten Reichs-Anzeiger unter 
Freilag, den 26. April 1799 nachfolgende 

I Endliche Erklärung. 

Icli liabe bisher in der festen Überzeugung, als ob alle 
eiteren Vertheidigungen in Rücksicht meiner überflüssig seyn 
würde, gutmüthig dahin gelebt. Ich habe aus dieser Ui^acbe 
alle, obgleich oft wiederholte und zum Tlieil wüthende Anfälle 
meiner Gegner, nur mit Stillschweigen und Verachtung enviderL 
Ich werde aber durch widrige Folgen gewahr» dass ich mich in 
meiner Erwartung mehr als jemals getäuscht habe. Ich bin 
sogar genötbigt, die traurige Erfahrung zu machen, wie* mein 
Stillschweigen das Heer meiner F'einde kühner und unter- 
nehmender gemacht hat. Ich spreche hier nicht von dem Ver- 
fasser der Eudämoiiia und der Wiener Zeitsolu'ift, aber dass in 
Göttingen, sogar in Göttingen eine ähnliche Sprache geführt wird, 
^Uass die Verläumdung auch ausser Deutschland verpflanzt 
^worden, und sich über England und Frankreich nach Amerika 
vei'breitet, — dass mit jeder Messe die alten Vorwürfe in einem 
neuen Gewände erscheinen und die gröbsten Schmähschriften 
des Auslandes in Deutschland neu aufgelegt, gierig gelesen und 
w*ie sich von selbst versteht, fleissig übei'setzt werdeji — und 
diess zu einer Zeit, wo die Missdeutung so leicht ist, wo Miss- 
trauen, Furcht, Spannung der Gemüther aufs Höchste gestiegen 
sind; — diess sind Vorfälle und Umstände, w^elche von meiner 
Seite alle Aufmerksamkeit verdienen und wii-ksame Massregeln 
nothwendig machen. 

»Ich bin es deshalb müde, fernerhin in dieser zweydeutigen 
Gestalt zu erscheinen; denn ich glaube Etwas Besseres als Ver- 
achtung oder Mitleiden zu verdienen. Ich bin es aber auch 
ebenso müde, Vertheidigungen zu schreiben, denn ich habe er- 
fahren, dass sie entweder gar nicht gelesen, oder sehr bald ver- 
gessen werden. Ich bin \'ater einer zahlreichen Familie, durch 
Sich sind viele schuldlose Menschen in widrige Umstände ver 



382 — 



setzt, mehr als eine Regierung ist bey dieser Veranlassung be- 
unruhigt und durch Furcht und Besorgnisse jeder Art zu strengen 
Massregeln gereizt worden. Ich bin es also der Ruhe der 
Staaten, dem Wohle meiner Freunde und meiner eigenen Sicher- 
heit schuldig, diesem bösartigen Spiele schadenfroher Menschen , 
ein Ende zu machen, die Verläumdung in ihrer Quelle zu er- ■ 
sticken und zu diesem Ende den Einzigen noch übrigen, aber 
entscheidenden Schritt zu thun. Ich verlange etwas, was keiner 
Parthey missfallen kann, was längst schon, krall ihrer Pflicht 
von der Obrigkeit hätte gethan werden sollen, worum ich schon 
im Jahre 1786 in meiner Apologie der llluminaten vergeblich 
obgleich gebeten habe. — Ich bitte um gerichtliche Untersuchung 
und Entscheidung dieser Sache. 

Kann ich mehr thun oder kann noch mehr von mir ver- 
langt werden. Nicht in anonymischen Schriften, sondern vor 
Gericht sollen olle und jede, welche so viel von Fortdauer einer 
so gefährlichen Verbindung, von ihrem geheimen Zusaramen- 
hange mit Frankreich, von geheimen Anschlagen gegen die Ruhe 
der Staaten, und von meinem belrügerischen Verfahren wissen, 
auftreten, Thatsachen anfuhren, und mit den nöthigen Beweisen I 
belegen. Dann erst, wenn eine einzige dieser groben Beschul- 
digungen gerichtlicli enviesen werden kann, soll das Publikum 
ein verdientes Verdammungsurtheil gegen mich sprechen, und 
es werde an mir vollzogen, was ich nach Ausspruch der Richter 
verdiene! Ich wiederhole also meine Bitte: ich wiederhole sie 
nach reifer Überlegung. Ich bitte, ich flehe um obrigkeitliche, 
baldige Untersuchung. Ich fordere sie sogar als Gerechligkeit, 
als eine der öffentlichen Ruhe und Sicherheit schuldigen Genug- 
thuung. 

Im Angesichte der Gesetze und vor den Augen eines un-1 
befangenen Richters getraue ich mich zu beweisen, dass in der 
Sache nur Missverstand oder Verleumdung herrsche. Ich w^erde 
beweisen, dass ich Niemand hintei gangen habe, dass diese Ver- 
bindung nicht allein nicht gefährlich, sondern von allen übrigen 
bey weitem die unschädlichste, dass sie sogar trotz allen widrigen 
Scheins, gross und erliaben war, dass keine Schule für Selbst- 
und Menschenkenntnis gefunden werden dürfte, welche ihr gleich 
käme. Hier vor Gericht werde ich den Mi ssverstand aufdecken, 
das Zufällige der Form von dem Grunde der Sache, den Schein 
von der Realität, und meine eigenen Aufsätze von fremden Zu- 



— 383 — 



"säTzen und wohlgemeinlen Verunstaltungen trennen, una meine 
tngaben mit Thotsachen und Urkunden belegen. 

Diess mag immerhin manchem, welcher wenig unterrichtet 
ist, ein grosses Wagstuck oder eitle Grosssprecherey scheinen^ 
aber wer anders das in dieser Sache classische Buch, welches 
den wahren Geist meines Systems unverkennbar darlegt, das 
Buch ohne welches unmöglich ein entscheidendes Urtheil, über 
mich so wenig, als über meine Sache gefällt werden kann — 
wer sage ich, meinen Pythagoras — nur den letzten Abschnitt 
desselben — ja! — wer nur S. 442 — 447 gelesen hat, — der 
muss, wenn er sich nicht Verdrehungen und Verlöumdungen 
zum Gesetz gemacht, und nur einiges Gefühl für Sittlichkeit liat, 
sehr bald einsehen, dass ich bey diesem Schritt nur gewinnen, 
^aber in keinem Folie verlieren kann. Er wird finden, doss hi_er 
%U Umwälzungen der Staaten nie gedacht worden, dass der 

Rfn tief und auf ganze Generationen angelegt war, dass man 
nichts anderes wollte, als was jede Regierung, wenn sie gut 
und vernünftig ist, wollen muss, dass man der Moral ein neues 
Interesse geben und überhaupt auf die Verbesserung der künf- 
tigen Welt durch die Erziehung und eigene Vervollkommnung 
Wirten, und auf diesem Wege allem Missbrauche von Grund 
aus steuern wollte. Aber in welchem Lande und vor welchem 
Gerichtshofe soll diese so interessante Streitsache zur Unter- 
suchung gebracht werden? Die Wünsche meines Herzens sind 
8uf mein hinteiigangenes und aus diesem Grunde gegen mich 
so ungerechtes Vaterland gerichtet. Dort regiert nun seit kurzem 
ein Fürst, von dem ich Gerechtigkeit erwarten kann; auf ihn 
setze ich mit Recht das grösste Vertrauen. Ihm sollte es billig 
vorbehalten seyn, den Antritt seiner Regierung, dadurch aus- 
zuzeichnen, dass er ein von der bösartigsten Vei'läumdung er- 
zeugtes über ganz Europa verbreitetes Schreckenbild vernichtet. 
Von Bayern ist die Verläumdung ausgegangen. Es ist also 
billig, dass sie Bayern erprobt, oder meine tief verw^undete Ehre 
wieder hergestellt werde, 
f Aber vielleicht finden meine Gegner dabey Bedenken. In 

diesem Falle begebe ich mich meines Stimmrechtes, und über- 
lasse ihnen ausschliessender Weise die Wahl Ich erkläre hier- 
mit feyerlich vor den Augen von ganz Deutschland, dass ich in 
Betreff meiner, so viel diese Angelegenheit betrifft, jeden 
Richterstuhl als competent erkenne. Vor jedem derselben werde 

ich beweisen, was ich hier öffentlich versprochen habe. Ich 



— 384 ^ 

werde mich ober in keinem Folie zu einer ausserordentlichen 

Vertheidigung in Zukunft verstehen, wenn dieses Mittel ungenuil 

|j|eiben, und die Anlalle meiner Gegner fortgesetzt werden sollten. 

Gotha den 22. April 1799. A. Weishaupt. 

Dieser Aufruf hatte zwar nicht die erhofile Wirkung, jedoch 

erhielt Weishaupt ein anonymes Schreiben, das in bissiger und 
ironischer Weise seine Aufforderung zerpflückt. In demselben 
(Original im Geh, Staals-Archi\% München) werden auch Moni- 
gelos und Zwtiekh tils Illuminaten verdächtigt. Es heissl da 
unter ondorni: 

a4^q der Churfürst zwei so bei'ühmte Illuminaten als Mont- 
gelas und Zwackh sind, in sein Ministerium gezogen, so hatten 
Sie jetzt gut unter Seinem Schutze Ihre Gegnei* herüus und vor 
sein Forum zu fordern, da obige beide sicher mehrere nach sich 
gezogen hoben und der Fürst von Illuminaten beraten und ob- 
sediert, sicher" llinen zu Gunsten docidieren werde.» — 

Weishaupt sandte dos ganze Schriftstück mit einem Be* 
gloitschreiben dem Minister Montgelas zu* Letzteres ist zur 
Beurteilung der Lage Weisliaupts nicht unwiciitig und geben 
wir den ganzen Wortlaut wieder, als Beweis, dass seine Hück- 
borufung vom Kurfürsten dui-chaus nicht beabsichtigt wurde. 



Hochwohlgeborener Freiherr 
Hochzugebielender Heri' Conferenz Minister 
Ich habe vor einigen Tagen dnr'ch die Fahrende Frankfurter 
Bost be\liogenden merkwürdigen Brief erhalten. Ich nehme mir 
die Freyheit Solchen in originali zu überschicken, und ich Über- 
lasse es dem guüjofinden Euer Excellenz, welchen gebrauch Sie 
davon machen wollen. Da dieser Brief zuverlässig einer der 
\'orlouffer Von andern spätem dieser Erscheinungen ist, 
da anbey die Partey aus deren Händen er kommt sehr unter- 
nehmend und noch weniger gewohnt ist etwas zui' Hälfte zu 
unternelimen, So glaube ich allerdings dass dieses Saubere 
Product ihre vorzügliche Aufmei'ksamkeit verdienen werde. Der 
Verfasser desselben ist ohne zweifei einer von den Mitarbeitern 
der Eudomenia, und wenn ich mich nicht sehr betrüge Groli- 
maiui in Giessen oder v. Goesclihauser in Eisenach. Diese 
Herren haben aller orten, und folglich auch in München eine 



I 




— 385 — 

Partey, welche ihnen anhängt, Sie versäumen auch keine ge- 
legenheit, ehrlichen und verdienstvollen zu Schaden, wo und so 
gut Sie können. Mir haben Sie vergeblich das Leben sauer ge- 
macht. Durch ihre Verläumdungen Sind alle Regierungen in 
Deutschland gegen mich mit Misstrauen erfüllt worden, und mit 
dieser Herren Huld w^nren wir wohl schon längst all Samt 
und Sonders gebraten worden: Wie sehr Euer Excellenz den 
Absichten dieser Schändlichen Menschen entgegen stehen, und 
wie allenfahls ihre Gesinnungen sind, beweist Inhalt dieses 
Briefes, welchen ich aus dieser Ursache Euer Excellenz nicht 
vorenthalten wollte. Sie werden es daher nicht als Zudringlich- 
keit betrachten, dass ich mich geradezu an Sie gewendet. 
Schreiben Sie das meiner alten Liebe und unveränderter 
Neigung und Hochachtung zu, und erlauben mir Euer Excellenz, 
dass ich bey dieser gelegenheit ihnen meine Freud über Dero 
Beförderung ungeheuchelt bezeige. Ich hoffe auch dass Sie 
meiner nicht vergessen werden. Ich erwarte zwar unter den 
gegenwärtigen Sehr ungünstigen Umständen sehr wenig. Ich bin 
auch billig genug um obwaltende Schwierigkeiten einzusehen, 
aber So vil dächte ich, als ohne sich zu compromittiren ge- 
schehen kann, wäre ich doch berechtigt nach zu suchen und zu 
bitten. Wenn ich von wegen von S. Churfürst. Durchlaucht 
nicht als erklärter Verbrecher angesehen werde. So glaube ich 
wenigstens eine kleine Pension zu Verdienen, für einen so 
grossen Churfürsten würde dies sehr wenig, und für mich sehr 
Vil seyn. Ich wäre dadurch im stände gesezt etwas Sorgen 
freyer zu leben und für die Erziehung meiner Sieben Kinder 
besser zu Sorgen. Man hat mich Von Bayern aus sehr Schlecht 
behandelt, und Billigkeit und gerechtigkeit Scheinen es zu fordern, 
dass mir doch einige vergüttung gemacht werde, um Soniehr 
als mir der Churfürst meine einzige noch übrige Hülffsquelle, 
den Rechtsweg abgeschlagen, und indem er allen übrigen ver- 
bannten freye Rückkehr gestattet, mich allein aber davon aus- 
schliesst, meine Lage und Verhältnisse ansehnlich verschlimmert 
hat. Ich bin dadurch So zu sagen aufs äusserste getrieben und 
in der Achtung der Menschen noch mehr herabgesetzt worden. 
Haben daher Euer Excellenz doch die Gnade diese Miss- 
stande S. Durchlaucht vorzutragen und mich auch selbst Dess 
gnaden zu empfehlen. Ihr forwort wird gewiss Sehr Vil Ver- 
mögen und ich schmeichle mich zum Vorhinein dass Sie nach 
ihren Kräften dazu beytragen werden, mich nach 14jähriger Ver- 

Bngel, OMohiohta des IllurnJoAteDordena. 25 



— 38ü 



folgung und Verlaumdungen doch einmal meine Lage etwas zu 
erleichtern. Ich schHesse mit der ungetheilten Versicherung 
einer grenzenlosen Verehrung 

Euer Excellenz 

Unterthäiiigst gehorsamster j 
Gotho den 26^ Junius Diener 

1799. A, WeishoupL 

Von Gotha aus war Weishoupt mit seinen früheren 
Freunden Montgelos und Zweckh von jetzt ab stets in Ver- 
bindung. Er sandte dem Grafen öfter Schi'iftslücke politischen 
Inhaltes zu, korrespondierte über Heeres-*) und Munzreform 
und erhielt die schmeichelhaftesten Anerkennungsschreiben über 
seine Darlegungen, nicht nur von Montgelas, sondern auch von 
dem damaligen Kronprinzen Ludwig.**) Auch der Churfüi*st war 
ihm gewogen, wenn er auch seiner Zurückberufung entgegen 
stand. Im Jahre 1808 wurde Weisliaupt zum Milgüede der 
seit 180G bestehenden Königlichen Akademie der Wissenschaften 
in Münclien ernannt. Der König wollte augenscheinlich dadurch 
dem Sechzigjäbrigen eine besondere Ehrung erweisen. Das sehr 
ffut erhaltene Diplom, enthallend eine merkwürdige Feder- 
zeichnung des Namens Weishaupt, befindet sich jetzt im Ordens- 
archiv zu Dresden. I 

Weishaupt konnte nun eigentlich hoffen, seinen Lebens- 
abend in Frieden und ungestört in Gotha zu vollbringen, jedoch 
musste er noch einmal einen AngritT erdulden, der durch Hein- 
rich Zsciaokke ausgeführt wurde im Jahre 1818. — Das Gebühren 
und die \'erdrehungen Zsehokkes, die er sich in seiner Boy* 
rischen Geschichte geleistet hat, haben wii", soweit sie den Illu- 
minatenorden angehen, bereits in früheren Kapiteln festgestellt, 
es erübrigt darauf weiter einzugehen und ist hier nur noch 
darauf hinzuweisen, dass er erstlich Weisliaupt, im Hinblick 
auf die geschilderte delikate Angelegenlieit mit seiner damaligen 
Schwagerin urjd spölei-n zweiten Frau einen geweihten Wüstling 
nennt und sich zweitens zu dei* Behauptung versteigt: • Weis- 
liaupt selbst, von seinen entlanschten Freunden verlassen, sank 
in Verachtung und Dürftigkeit, und der Mann, welcher sonst 
den Traum der Weltbeherrschung geträumt, freuete sich dankbar 



•) Originali^ühriften dieser Art befinden sich aus dem Nachlass W'ei«- 
haupl* im Archiv des Ordens xu Dresden, 

••j Beide Schreiben im Original ebenfalls im Ordensarchiv, 




*B Brodcs, welches ihm noch die Hond grossmüthiger Feinde 
ichte.« 

Zscliokke lebte damals in Aarau, die Söhne Weishaupts, 
duöfd, Ernst und Karl, standen olle in bayrischen Diensten 




Adam Weishaupt im spateren Lebensalter. 
OrjghmlbQsle im Germflnj«;cheri Museum /u Nürnberg'. 

iziere. Man kann sich leicht denken, wie diese Männer 
iför Solche Verleumdim^en ihres Vafei*s erregt werden mussteii, 
- Im (Jrdeasorchiv l>etindet sich ein Brief des Ernst Weis- 
aupt an seinen Bruder, der diese Stimmung getreulich wieder- 

26" 




389 



München, öm 10. August 1818. 
Liebei* Bruder! 

habe ich erhalten, die Briete sämtlich besorgt, 
die Bandes Armee Vorschlage durchlesen, da Du mir ober keine 
sylbe darüber gesehrieben hast so weis ich auch nicht» was ich 

ykimit machen soll. 

B Deine Bücher habe ich geholt sownlil den Chaiillon als 
auch den 2'<?ti Band von Zschokke, wehiier wolil noch lenger' 
bette ausbleiben können, gemäss dem was er über den Vater 
ynd die Ulurniiiaten sagt, Utzschneider bat wieder einen voll- 
kommenen Schurken gemacht, Du wirst wahrscheinlich in F>auk- 
tüi't ein Kxem]jlar zu lesen bekommen können um Dicli dann 
zu Tode zu aigern. Alles was uns anhängig ist, vorzüglich Flad 
ist darüber furchtbar indigniert, ich schicke Dir anmitt die Ab- 
schrifTl*) von dem was Flad unter 7ten an Hr. Zsetiokke hat er- 
gehen lassen, der An t heil den er an dieser Sache ninnnt, hat 
micli sehr an ihn gefesseil. 

B Dci" Vater soll gegen Schlichtegroll geäussert haben, er 
würde über olles was man über ihn sagt nie mehr eine Feder 
ergreifen, icfi traue übrigens dem Schleicher auch nicht, benehme 
Dich daher mit den Vater, schicke ihm dieses l>e\ liegende Hand- 
schreiben und fordre ihm auf wenn er nicht mehr sagen will, 
so möge er uns doch facta in Händen geben um solchen schänd* 
liehen Verläumdungen mit Kraft entgegen zu Ai'beiten. 

B Ich selb.st bin vuii den damahligen Verhandlungen so wenig 
instruirt, dass ich mich durchaus blamieren würde wenn ich 

|4arum etwas in ein öflentliches Blalt einrücken lassen wollte. 

Pi Hr. V. Arretin zu Neu bürg welcher Zschokke sonst ver- 
theidigte, hat schon mit ihm gebrochen aus dieser Ursache, 
und wird da er die Censur der ersten Bände gehaT3t hat^ den 
leichtgläubigen und schlechten wahi-scheinlich durch Utz- 
schneider bestochenen Patrun die Ueviten curios lesen. 

Die Familien Baumgarden und Seefeld sind ebenfalls be- 
leidigt diese haben aber \x*rmÖgen genug, um sich zu räclien, 
sie arbeiten also auch nach Kräften man sagt der OberstL 
Baumgarden wollte nach Arau reissen übrigens wird er mit 
so einem elenden Gelehrten die bekanntlich alle Hasenfüsse 
sind nichts gewinnen, ich l)eludte mir das Glück vor, dass er 
v(ui ungefähT" einstmals in die Hände kommen möge* 



*J BeMndel. .**ich im Ordensarchiv. 



— 390 — 



Doch ich will von dieser Sache schweigen, lese selbst und 
Du wirst gleich mir denken* 

Mit meiner Schule geht es in der Ordnung fort ich bin schon 
gnnz eingebürgert. Ich habe wieder etwas neues angefangen, 
ich habe nemlich einen Autruf an das ("Hliciers Corps eigehen 
lassen, denen Bauern, die im Jahr 1705 bey Sendlingen und 
München geblieben sind, ein Denkmal zu sezen. Die Veron 
lassung ist so schon, weil jetzt dei* Cmitesacker vergrösserl und 
verscliönert wird, so werden auch die letzten Spuren der be-i 
kannten Hügel eingeebnet, olle Officiers und Stabsofticiers liaheiv 
es ergriffen und eben Sabskribirt, für Dich liabe ich auch mil 
l f. 21 X supscribirt, das Ite Regiment hat es leidenscheftHcti 
ergriffen, die Garde Grenadir muss der Oberst noch Zweifel 
haben, bey den Cürass. aber, haben der Oberst v. Lerch.*) eine 
Dede entgegen gehalten mit den Ausdi'uck es waren ja nur 
Bauern gewiesen. Du kannst Dir also wohl denken in wi 
viele fatalen Sachen ich gegenwärtig verwickelt bin. 

Die Regierung sieht den ganzen Plan sehr gern, obwohl 
sie meinen Nahmen niclit kennt, so bin ich doch durch Fla4 
unterrichtet. 

Ich schicke Dir hiermit noch einen kleinen Nachtrag voo 
Dimensionen, lebe WH>hl der Kopf ist mir ganz voll, seid einigen 
Tagen habe ich einen sehr starken KalhoiT mit Kopfwehe ver^ 
bunden Dein Bruder 

Ei'ust. 

Die in dem Briefe erwähnte Abschrift einer Mitteilung des 
Professor Flad an Zschokke enllialt eine sehr hofliche, aber 
gründliche Abfertigung, von der Zschokke in seinem Dunkel je 
doch gur keine Notiz genommen hat. Er zog es vor, bei seinen 
offensichtlichen Verdrehungen und Lügen zu verharren, ein 
Tatsache, wodurch dieser sonst so ehrenwerte Charakter hnss* 
liehe Flecken aufweist. Durch diese Fhidsche Schrift erfaliren 
wir, dass Weishaupt in der scliweren Zeit seiner Veifolgun 
ausser vom Herzog Ernst noch durch Dalberg unterstützt wuHe* 

Spater erhielt er eine Pension aus Bayern, mit deren Ei^ 
langung Utzschneider jedocli nichts zu tun haben dürfte, wi 
Zschokke behauptet, zumal Montgelas und Zwackh am Rudef 
standen, die viel melir zu deren Bewilligung vermochten. 



•) Lerchenfeld. 




Alfred, der jüngste Sohn, widmete sich den Bergwissei> 
Schäften und wurde bayr- Oberberg- und Salinenrot in Berchtes 
^'aden. Er w^or Ritter des \^erdienst- Ordens der boyrischei 
Krone und des Ordens vom St. Michael, erhielt infolgedessei 
ebenfalls den Adei und s!aii> 1872. 




Alfred von \Vt.Mshaü|U- 

Es ist bereits nachgewiesen, dass Utzsrhneider nictit d 
V^erräter war, als der er hingestellt und aucli von Weishau 
in früheren Jahren angesehen wurde. Diese lirlümer ei>^ahdl 
sicli später, die Gründe der Handlungsweise Utzschneiderj 
wurden Weishaujjt khir, und dadurch entwickelte sich ei 
Freundschaft in späteren Jahren, die nicht wieder getrübt wurd^ 
zumal aucli Utzschneider die Verleumdungssucht erfahren un 
als Haupt einer späteren Verschwörung galt. — 



Zwei Briefe Weishaupts an Utzschneider, der eine vom 
'Jahre 1809, der andere von 1818, unter dem Eindrucke der 
Zschokkeschen Angriffe geschrieben, hat der Generuhnojar Eduard 
von Weishaupt dem bayrischen Reichsarchiv 1854 zum Gesclieok 
igemocht. Der Inhalt beider ist zur Beurteilung des nun alten 
Weishaupl recht charakleristisch und der erste Brief auch sonst 
I von gescliichtlichem Interesse. Beide folgen deshalli im etwas 
Rgekürzlen Wortlaut, wie sie im Schriftensaal der Staatsbiblio- 
Hthek zu München sich vorfinden. 



k 



1. 



I 



*: 



Nun dächte ich mein Verehrtester Freund, war für Bayern 
und ich hotTe auch für das übrige Deutschland der Grund zu 
einer dauerhaften Ruhe gelegt. Diese Krisis miisste ül)erstanden 
fWerden. Sie war unvermeidlich. So lang Österreich so mächtig 
blieb , konnte selbst nicht einmal an eine Buhe gedacht weiden. 
Nun ist alles vorbey. Ich wünsche Ihnen und uns allen 
dazu Glück. Bey uns sind die aussiebten nicht so gut, Sie 
werden vielleicht bald unerwartete Dinge aus diesen gegenden 
hören. Das kompacte Sachsen und besonders die sächsischen 
Truppen werden von einem sondei'baren Schwindelgeist ge- 
leitet, der, wenn sich alles bestätigt, sehr grosse Folgen haben 
muss. Man hat in Leipzig dem König bey einer Illumination 
die Fenster eingeworfen, Sächsische t*ttiziere und Sohiaten liabeu 
m Erfurt die Säbel auf dem Pflaster gewetzt und in Hof waren 
die Bauern besonders die Schulzen als französische quartier 
Hunde gestempelt und gemisshandelt, auch die wenigen Saclisen, 
welche hier in dei- Stadt waren haben sich auf älinliche Art ge- 
äussert. Dies kann und muss sehr fatale Folgen haben; und 
ich erw^arte sobald Napoleon disponible Ti*uppen bey der Hand 
hat, er solche nach denen Gegenden schickt. Denken Sie an 
mich, Sachsen ist der erste und nächste Staat, welchem eine 
fcgrosse Veränderung bevorsteht. Auch in Hessen waren schon 
^lebhafte Bewegungen, aber die französischen Siege haben s(»lchen 
I auf einmal ein Knde gemacht. 

H Die eine Opei-ation jus([u'a VKus nicht ju.squ^ä IJntz, 

welclie indessen was ich merke, ni^^it so verheerend werden 

kann, sind ganz so, wie ich sie erwarte. Nur naschte ich diess- 

Bmal, dass wenigstens das allei'iey hier noch Niemand gesagt 

' würde. Hier giebt es für Sie und ihre Bekannten Gelegenheit 

zu einer acquisitinn. Ich ralfie Ihnen Ihr Interesse nicht zu 



394 

Ich empfehle Ihnen Armen mehl und St. Floriön, 
auch in Salzburg sind einige nicht unbedeutende oquisitioiien 
zu machen. 

Dass die Privilegirten Stände auf einen neuen Messias 
selbst in Bayern gerechnet, kommt mir nicht unerwartet. Auch 
hier giebt es Leute in Menge, welche ihi'e Interessen verkennen, 
die vornehmsten zeichnen sich vor andern aus^ aber sie hangen 
seit 8 Tagen die Köpfe gewaltig und holen sich von Zeit zu 
Zeit mit Apotheker Nachricliten aus, aber keine Reue kann die 
Klage erwecken, aber ich erbebe meine Slimaie dagegen von 
Zeit zu Zeit sehr laut. Sonst lebt man hier zur Stunde erträg- 
lich, und die Gegend um die Stadt herum besonders bey dem 
eliemaligen Schloss verwandelt sich so sehr, dass Sie, wenn Sie 
wiedei* kommen sollten sich mit Miihe zurecht finden w^erden. — 



Der Schluss ist unerhebbch. Als Datum ist angegeben: 
Gotha, den 2ien May 1809. 



II. 
Mein verehi'ungswürdiger Freund. 

Sie werden noch im Al*hiuf dieses Monats mit dem Post- 
wagen einige F'i^agen von der Fortsetzung meiner Schrift in 
Manuscripl erhalten. Wenn Sie es gut finden, so lassen Sie 
davon eine Abschivift nehmen und senden Sie mir so bald ich 
es verlange mein Exem|ilar wieder zui*uck, denn meine Tochter, 
welche immer kränklich ist, katni nicht so viele Abschriften 
machen. Sie sehen daraus, dess ich ungeachtet der ganzen 
Aufwendung oder verlierenden Zeit, und verschiedenste Ab- 
haltungen und Verunglimpfungen doch noch immer arbeite und 
für Bayern t hat ig bin. 

Dazu gehört wahrlich eine grosse Vaterlandsliebe und Lln- 
eigennützigkeit, welche Herr Zschokke einem geweihten Wüst- 
ling sicherlich nicht zutraut. Er hat mir nicht geschrieben, 
welches mir sehr lieb ist, denn ich werde ihm bittere Brocken 
zu verschlucken geben. 

Es wird um so nöthiger seyn, doss Sie meine Schrift, wenn 
Sie Ihren Beyfail finden sollte, abschreiben sollten, denn an 
Druck ist nicht zu denken, obgleich der Inhalt einzig seiner Art 
ist. Ich habe mich dessentwegen bey verschiedenen Buch* 
höndlern angefragt, aber keiner will es in Verlag nehmen, selbst 
ohne alles Honorar, Dies macht wahrlich meiner Aufklärung 



4 




— 395 



keine Ehre, Es bleibt mir nichts anderes übrig als mich an den 
König zu wenden und dieser schlägt es mir vielleicht ebenfalls 
ab. Gerechter Himmel 1 Wer das beste Schauspiel schreibt, 
erhält 100 Ducaten Belohnung, der Schrinsteller welcher ein 
Thema behandelt, welches ein jeder kennt, besonders in diesen 
Zeiten von noch besonderem Werth, muss Geld borgen ums 
selbst verlegen und sodann noch drucken zu können, und erhfilt 
hierfür nicht einmal einen Donk. Wenn dies nicht zu den 

H schlimmsten Anzeichen gehört und im hohen Grade enllahmend 
ist — so sogen Sie wo ist Verstand? — Wo ist ein Staat, 
welchem solclie Dinge so gleichgültig sind? was wird aus der 

^Aufklärung meiner Zeilen, welche Sie schon erleben werden? 
Sie können sich darauf verlassen, liebei" Freund, mein Untergang 

• ist beschlossen und wird unvermeidlich erfolgen, alle Zeichen 
sind schnn vorhanden und deuten darauf hin und doch bin ich 
tböricht genug um ein neues Werk zu schreiben. Aber ich 
denke mir dies wird nicht ewig dauern. 

IEs wird und muss noch ein Menschengeschlecht kommen, 
welches vernünftiger ist, die werden mich lesen und Herr 
Zschokke mag gegen mich schreilien, was er will, er wird mich 
(? unleserlich) und jeden nach seinem (Verdienst?) beurtheilen. 
Meine Pension habe ich nach vielen Schreiben und proes- 
siren endlich erhalten, 
Leben Sie wohl, ich bin wie immer 
Ihr ganz eigener 
Gotha, d. 3ien Nov. 1818. A. WeishaupL 

Soeben hat mich Graf Luxburg besucht, ich habe von ihm 
wieder Aufklarung erhalten. Ich habe ihm dagegen mehrere 
bedeutende Nachrichten mitgetheilt in betretT des heutigen Un- 

» Wesens, welches mit jedem Tag ärger wird. — — 
Aus diesem Briefwechsel leuchtet einesteils die Fi^eund- 
Schaft der früheren Feinde deutlich her\'or, andernteils die An- 

• teilnähme Weisliaupts an allen Geschehnissen und dass sein 
immer reger Geist nach allen Seiten Verbindungen untei'hielt, die 
nicht unwichtig gewesen sein können. Diese Verbindungen zu 
untersuchen ist nicht die Aufgabe dieses Werkes, denn es ist 
sicher, dass es sich dabei nicht etwa um eine Wiederbelebung 
des Illuminatenordens handelte, es w^aren politische Nachrichten, 
die Weishaupt erhielt und weitergab und in Bayern jedenfalls 
ein Echo fanden. 



I 




— 396 — 



Mehr und nielir wurde 
dci' weitei'en nfTeiitlicIikeit vei 



im Laufe der Jahre Weishaupl in 
'gessen, seine Schriften, die durch- 



;L(ängig i\n einer Weitschweifigkeit des Ausdruckes und Aufbaue« 
leiden^ konnleii im Publikum niclit Gefallen finden, weil der 
knappere Stil und die kurze Ausdrucksweise immer modernep 
wurden, heule Jedoch würde seine Schreibart uosern nen 
Lesern oft geradezu unerti-öglich erscheinen. Seine Hofl'n 
ein späteres Menschengeschlecht werde seine Scliriften h 
kann nur in Eifüllung gehen, wenn sich ein berufener Bearbeiter 
seiner Werke fände, dei' die oft vortrefflichen Gedanken, die 
vorzüglichen gebotenen Lehren von dem unnötigen Balhist cnt- 
kleideL und beides in einem modernen Gewände darbietet. — 

Weishaupt, der als Verächter dei^ Religion und nomenllich 
als Feind der positiven Religion verscfuMeen war, protestiert 
gegen diese \'erleumdungen in seinen Werken sehr energisch^ 
j?i er wurde sogar Kirchenerbauer. Da er als Katholik in eil 
protestantischen Land wohnte, empfand er es unangenehm, das 
Gotha keine katholische Kultusstätte besass, denn die Seelsorge 
katholisclier Christen wurde damals von Erfurt aus gepflegt. 
Seinen Bemühungen gelang es, dass ein Fond zum Bau der 
jetzigen katholischen Kirche in Gotha gesammelt wurde. Er 
i'egte sich eifrig für dieses Werk und veranlasste auch den 
König von Bayern zu einer bedeutendei*en Geldspende. Sein 
Name ist daher mit diesem Kiichenbau auf das engste ve 
bunden. 

Am 18. Nov. 1830 nnehmittags Vt^ Uhr starb Weishau| 
nach langerei' Krankheit an Enlkraftung. 

Er wurde neben seinem Solme Wilhelm am 2L Nov. 
graben. Sein Denkstein zeigt weder Geburts- noch Todesti 
trägt aber diet vielleicht von ihm selbst verfossle, vielsagende 
Inschrift: 

Heic jacet 

Weist laupt 

Vir Ingenio Animo Dortrina 

Primarius Civium Libertatis 

\'index Acerrimus 

Exsu! (Jbiit Octogenarius. 

Einige nicht unwichtige Daten aus Weishaupts Leben hat 
sein Sohn Karl in einigen Brieten an den Hofrat K. A, Botliger 
zu Dresden hinterlassen. Letzterer hat eine ganz bedeutende 





Totenmaske Adam WeishaupU, 
Opiginal im Besitz des Illuminatenordens zu Dresden. 



— 398 — 

Anztihl Briefe von angesehenen Personen gesammelt^ auch olle 
an ihn direkt gerichteten Schreiben sorgsam aufbewahrt. Diese 
gesamte Briefsammlung hat die Königl. öffentliche Bibliothek 
zu Dresden erhalten und kann daselbst von jedermann ein- 
gesehen werden. 

Nach dem Tode seines Vaters wandte sich der damalige 
bayrische Major Karl Weishaupt, unter dem Datum des 
28, Nov. 1830 von München aus brieflich an den wegen seiocr 
vielfach verfassten Nekrologe bekannter Männer gerühmten 
Böltiger mit der Bitte, auch seinem Vater in einer gelesenen 
Zeitung einen Nachruf zu widmen. BrUtiger sagte zu, und Karl 
Weisljoujjt gab nun eine Anzahl von Mitteilungen, denen wir 
das Nachfolgende entnehmen. Zu dem beabsichtigten Nekro» 
löge ist es jedoch nicht gekommen, 

.Der Vater pflog damals (zu seiner Lebzeit in Gotha) oIIe^ 

dings noch Cori^espondenz mit vielen seiner Anhänger, Schüler, 
Freunde und Gönner, doch widerstand er dem dringenden Ver- 
langen melu'erer derselben, die zerrissenen Fadendes gesprenglen 
Ordens wieder aufzufassen, um nach etwas veranderlen Grund- 
sätzen neuerdings in der alten Laufbahn aufzutreten, Umgang 
mit seinen neuen Freunden in Gotha, sowie mit Fr-eunden, 
die ihn häutig besuchten, dann die Herausgabe verschiedener 
pliilosüphischer Werke waren seine Hau[)tbeschäftigung. — — 

Im ganzen ober wird sein literarischer Nachlass nicht sehr 
bedeutend sein, indem manches von meinem \*ater schon selhM 
vernichtet zu sein scheint und ich mich zu entsinnen glaube 
von ihm die Äusserung vernummen zu haben, dass in seinem 
Nachlasse wenig vorbanden sei; soviel aber ist ganz gewiss, 
dass sich in seinen Papieren über seine früheren Ver- 
bindungen, respective über den Illuminatenorden nichts 
mehr vorfindet. Dieses hatte mir mein Vater, als ich ihn un* 
gefahr sechs Monate vor seinem Ableben in Anregung des Hrn. 
Perthes des älteren zu Gotha einstens befragte, mit dem Be- 
mei'ken bestimmt geäussert, dass er nichts mehr darüber be* 
sitze, dass er aber vermuthe, in Schweden und Dänemark werde 
sich ein bedeutetjder Theil meistens unljeknonter Schriften über 
diesen *>rden vorfinden. 

Mein Vater bezog ungefähr seit dem Jahre 1808 regelmässig 
eine anständige Unterslütziing aus Bayern. Der Konig Maxi- 
milian zeigte jederzeit grossmüthige und wohlwollende Ge- 




— 400 



sinnungen gegen ilin. Später erhielt nnein A'oter nocli eigene 
jahrliche Zulage, um \'erluste zu decken, die sich anderwärts 
aufpethnn hatten; auch Sr. Majestät der jetzige König hatten 
ihm alle diese Bezüge gelassen und bei einigen Veranlassungen 
selirwolilwolleude Gesinnungen bezüglich seiner geäussert. Seine 
\'erbindungen mit Bayern, die indessen eine andere Richtung 
angenommen hotten, aber immer das Gepi^age eines für sein 
\'aterland innig eingenommenen Mannes trugen, sind nie er. 
loschen, Melfache Beweise der Achtung und Gewogenheit sind 
uns vier Bi-üder, die wir alle in Bayern angestellt sind, wegen 
unseres Vaters in Bayern zu theil geworden, und sein Name hol 
uns vielfach zur Empfehlung gedient. Unser ältester Bruder 
starb zum grössten Sclimerze der Ältei'n im Januar 1802, als 
er eben in Bayern Anstellung erhalten Iiattc noch in Gotha. 
Hierauf liessen der damalige Cburfürst Maximilian meinen 
Bruder und mich durch Verwendung des Obersten v. Zech in 
AltdoT'f studieren, und im Jahre 1804 nahm uns der Cburfürst 
in die Armee als Offiziere auf. Diesem folgte ein jüngerer 
Bruder-, der anno 1807 in die Armee eintrat, worauf der Konig 
aucli nocIi meinen jüngsten Bruder in Erlangen und Freyburg 
studieren Hess und ihn sodann beim Salinen- und Berg%vesen 
anstellte. So sind wir vier Brüder durch die Gnade des Königs 
in Bayern theils im Militair, theils im Civildienst ehrenvoll an- 
gestellt. 

Meine Mutter mit zw^ei Schwestei-n lebt dermal noch ^'^u 
Gotha, gedenkt aber mit nächstem Frühjahr nach Bayern zurück- 
zukehren. 

Dieses mochten ungefähr die Hauptzüge der inneren und 
äusseren Verhaltnisse sein, in denen sich mein Vater befand, 
seitdem er Bayern verlassen musste und in Gotha lange Jahre 
schützenden und sehr ehrenvollen Aufenthalt, so wie überhaupt 
im ganzen Sachsen, Thüringen, sowie am Rhein allseitige (iasl- 
freundschaft und holieTlieilnahme an seinem Schicksal gefunden. 
Seine Hauptgönner waren vorzüglich, w ie Ew. Hochwohlgeboren 
nicht unbekanmU sein wird, der Herzog Ernst v. Gotha, die 
Herzogin Amalie v. Gollia, der Herzog v, Weimar, der Herzog 
von Holstein-Augustenbuig, der Kurerzkanzler Dalberg. 

Bezüglich etwaiger Papiere, die noch einigen Aufschluss 
über den Orden geben könnten, wiederholt Karl Weishaupt in 
einem zweiten Brief an Böttiger, dass sein Vater nichts mehr davon 





401 



I 



esitze, wie er selbst ihm gesagt Iiabe, dass seines Wissens diese 
apiere in Dänemark oder in Schweden und in München Kanoni- 
kus Hertei w^ahrscheinhch einen grossen Theil liabe. »Dieser 
Hertel ist inzwischen gestorben, und was aus den Papieren 
geworden^ ist unliekannt. Er soll auch die Liste der sämthchen 
Illuminaten gehabt haben, die sich über _24QQ K^opf^^e lauf en, 
Als ich im Winter 1828 — 29 in Stockholm auf einer militärischen 
Missionsreise w^ar, sagte mir der alte Graf de la Gardie, mit 
dem ich gerade damals beim Kronprinzen zusammentraf, und 
der meinen Vater w^ohl gekannt zu haben scheint, es wäre in 
Schweden» ein ansehnlicher Theil der Correspondenz, und ich 
glaube nicht zu irren, dass er mir damals sagte, der Vorfahr des 
jetzigen Königs sei ebenfalls llluminat gewesen und in seinem 
Nachlass habe er die Papiere gesehen. Icli habe die Ehre, Ihnen 
dieses nur desw^egen zu bemerken, weil es llinen vielleicht inter- 
ssant sein könnte, dies zu erfahren, c ^- 



I 



Diese letzte Nachricht veranlasste mich, in Stockholm per- 
sönlich nachzuforschen, ob sich daselbst noch Spuren aus jener 
Zeit vorfinden und alte Schriften irgendwo verborgen im 
Archive liegen. Es ist mir nicht gelungen, nur das geringste 
aufzutinden und bezw^eifle ich, dass andere Forseher glücklicher 
sein wurden. — Jener ansehnliclie Teil der Korrespondenz ist 
wohl,wie sicher angenommen werden kann, diejenige Dokumenten- 
Sammlung, die jetzt im Archive der Freimaurerloge »zum Kom- 
pass« in Gotha bewahrt wird. Die Sache verliält sich so: Die 
Unterschrift Goethes, von der bereits Seite 356 belichtet ist, 
blieb in den Händen Bodes bis zu seinem Tode, Bodes Nach- 
lass mit alien Illuminutennrkunden kam in den Besitz des 
Herzogs Ernst, des Bescliützers Weishaupts. Als der Herzog 1804 
starb, wandeile dessen illumina tischer und freimaurerischer 
Nachlass nach Schweden und wurde sieben Jaln-zehnle daselbst 
im Archiv der Grossen Landesloge bewahrt. Weishoupts Aus- 
sage wird demnach sich auf diese Papiere bezielien, die nun 
wieder auf Veranlassung des letzten Herzogs Ernst IL von 
Sachsen-Coburg um:I Gotha, gestorben 1893, nach Gotha zurück- 
wanderten, wo sie im Logenarchiv ruhen. 

Aus einem Briefe der Tochter Weishaupts, namens Charlotte, 
erfahren wir noch, dass Weishaupt aus erster Ehe fünf Töchter 
hatte, die jedoch sämtlich frülizeitig starben. Weiterhin, dass 
seine Freunde bemüht waren, ihn zum Professor an den Uni- 

£iife1f Gescbicbte de* IllumliiAteDDrileiit. 2B 




402 — 



versiläien zu Wien und Jena zu machen; wir haben bereil^ 
seine Reise nach Wien erwähnt, jedocli wurde eine Anstellung 
durch Feinde vereitelt. Diese Angol>en befinden sich ebenfalls 
in einem Schreiben der Brietsemmlung und wurden BÖttip^r 
auf Veranlüssung ilires Bruders durcli CluirlüUe Weisbaupt ge- 
geben. — 

Die Frau Hofrätin Weishaupt starb im Jahre 1843 nm 
28. Nov. im 86. Lebensjahre in Gotho an AHersschwäcbe und 
liegt mit ihren beiden Töchtern Nanetle und CljoHotle unweit 
der Grabslätlc ihres Gatlen auf demselben alten Fiiedhofe Gothas 
begraben. I!ir zur Linken liegt Franz Heinr, Sola, der Bräuti- 
gam von Clmrlotte, der iragischerweise kurz vor dem Hochzeils- 
loge stark Diese vier Gräber werden ebenso wie die Weishaupls 
und seines Sohnes durch den jetzigen Illuminatenorden erhalten 
und vor Verfoll geschützt. 

Die (jrabschriften lauten: 



L Nanette Weisboupi, geb. d. U. Juli 1790, 

gest, d. 27. April 1853, 



I 



2. Charlotte Weishaupt, geb. d. 29. Febi\ 1792, 

gesL d. 16, Octok 1867. 
3* Grabstätte unserer geliebten Anna Maria Weisbaupt. 

geb. zu Fjchstndt, gest. all hier irn 
86. Leben.sjahr, Friede ihrer Asctie 
4. Franz Heinr. Sola. 

Vau edler Mann 
vom Valerlande Belgien durch feindliches Geschick 

als Kind vertj-ieben, In Gotha sein 

11. Vaterland, Gemahlin und edle Freunde findend, 

ruhet hier im langen tiefen Schlafe. 

Die Famiüe Weishaupt ist im Mannesstamme heute er* 
loschen. Die letzte Enkelin Weishaupts, die jüngste Tochter 
Alfred v. Weishaupts, starb 1005 im November in München. 
Nnchkommen einer älteren Tochter von Alfred v. Weisbaupt 
leben noch lieute in Gotha. 



Besehuldigiiiigeii, die dem Orden wurden. 

Die merkwürdigste, aber auch gleichzeitig groteskeste Beschul- 
digung, die jemals dem Illuminatenorden nachgesagt worden ist, 




— 404 — 



war die, dass er die fVaiizosische Revolution zur Explosion ge- 
bracht habe. Es gehörte recht viel Kombinütionsvermögen und 
Toschenspielerei in der Logik dozu, um den Beweis für die^se 
wundersame Behauptung zusammenzuleimen» aber in jener Zeit 
wurde tatsächlich alles geglaubt, sobald es sieh darum hondeile, 
dem Illurainatismus eine neue Schurkerei aufzuhalsen. FranzcV 
sische und deulsche Schriftsteller haben diese Fabel behandeil, 
wir greifen aus deren Werken das des bekannten F'reimaurer- 
anklägers Staöck heraus, betitelt: Der Triumph der Philosophie 
im 18. Jahi'hüiidert, das 1803 erschien und in dem die ganze 
Kette der angeblichen Begebenheiten ausführlich erzählt wird. 
Nach diesem Werke heisst es im Auszuge ab Seite 348, IL Band 
dass Graf Mirabeau bei seinem Aufenthalte in Berlin mit den 
dortigen Illuniinaten, aus deren Nachrichten er die geheimen 
Briefe über die preussische Staatsverfassung zusammenschrieb,*! 
liekannt geworden war. Von diesen ward er Mauvillon em|^- 
fohlen, der damals schon zu Braunschweig stand und ihn in 
die Geheimnisse des llluminatisnins einweihte. Mauvillon und 
sein Adept kamen bald darin überein, dass Frankreich, wo die 
Philosophen gegen Religion und Staatsverfassung schon so herr- 
lich vorgearbeitet hatten, wo die Sitten verdorben waren und 
alles sclion garte, vor allen andern das Land sei^ wo man dos 
experimentum in anima vili anlangen könne. Es ist wohl z 
mei"ken, dass nicht gesagt wird, dass die Iltuminaten oder illu- 
minierten Freimaurer die franzosische Bevolution hervor 
gebracht haben, diese würde durcli den Plnloso|>hismus, durch 
welchen die Nation total veihildet war, ohnehin erfolgt sein, 
obgleich später Aber die Illuminalen haben die schon langst 
durch die Philosophen angelegte Mine zur Ex|>losion gebrocht 
Sobald Mirabeau in die Geheimnisse**) des Illuminatismu9 
eingeweihet war, bewies er sich auch gleich als einen tätigen 
Adepten.***) 



*) Das ist Unsinn, denn Mirabeau hielt sich als uichtofQzieUer Gesandter 
in Berlin auf. verkehrte viel am HoTe und schrieh aus eigener Anschauung 
setn vor kurzer Zeit neu aufgelegtes Werk: Geheime Geschichte des BerÜner 
HofeSi oder Briefwechser eines reisenden Franzosen, vom 5. Juli 17B6 bis deti 
la Jan. 1787. 

**) Es sei hier darauf aufmerksam gemacht, dass diese Geheimnisse 
immer darauf hinausgehen sollten, die Fürsten zu stürzen, die Religion tu be< 
seitigen und eine Selhsti'egierung einzuführen. 

•••) Sein Ordensname soll Leonidas gewesen sein. 




405 

Er maehle bald nach seiner Zurückkunft nach Paris den 
^'ersuch, den lilüminatismus in die Loge der Philalethen oder 
■Sogenannten Amis reunis einzutülireiL Er Irog daher Mauvillon 
_aut\ dafüi* zu Surgen, dass der Orden ein paar vollkommen unter- 
richtete Maoner von Gewicht nach Paris senden möchte, um die 
'dortigen Logen zu illuminieren. 



Graf Mirabeau. 
(Leonidas?) 



Der Autor gibt nun einen Überblick über die damalige Läge 
^der Freimaurerei in Frankreich und behauptet, dass die Anzahl 
der Logen daselbst bald auf 532, hold auf 477 echte und 33 un- 
echte angesetzt worden sei und dass sie sich in mehrere 
Parteien gespoltet haben. 
I 1. Bestanden Logen mit nur 3 Gi'aden nach dem englischen 

i 



dem Clermontschen System angehörten- 



— 406 - 



Ji. Das Templerische System mil der striklen Observanz. 

4* Die Philolethen oder Morti nisten, deren Häupter Mtirtinci 
de Pas(|ufili, St. Marlin, Mllermoz, Cliap[>e de la Henrierc 
und Savolette de TAnge weren und die nachmöls unter 
dem Namen der wohltätigen Ritter der heiligen Stadl 
sich mit dei* 3. Partei grösstenteils vereinigten. 

5. Die lllumines. Das sind nun nicht etwa die llhi 
minaten, sondern eine ganz besondere Sekte, auf die 
wir noch zu sprechen kommen werden. 

AUm diesen Parteien,« erzählt nun der Autor weiter, »waren 
die zweite ond die vierte die zahh-eichsten. Jene nannten ihm 
Pariser Hauptloge den Grand Orient de Paris, und der Herzog 
von Orleans, nachmals Egahti\ war schon zu der Zeit, da er 
noch Duc de Cliartres war, ihr Chef* Die dritte und in der Folge 
auch die vierte Partei ei'kannte den Herzog Ferdinand von Braun* 
scliweig für iln- ( >berheu|it. Diese letzlei'e I/'artei war Ijisjjervon 
der zweiten, die den Herzog von Orleans zum Grossmeister hatte. 
und von einem gewissen de Leutre, einem Avanturier, der schon 
zu Avignon unter dem Galgen gestanden hatte, mit mehreren 
neuen Graden und Geheimnissen bereichert war, für schismalisch 
ei'klärt und in den Bann getan worden. Da aber das System 
der Phüalellieo ungeaclitet ihrer Bemühungen auf dem Willielms- 
bader Konvent im Jahre 1782 nui' sehr wenige Anliänger in 
Deutschland erhalten hatte, so unterwarfen sie sich grösstenteils 
dem Herzoge von Orieans und vereinigten sich dem Grand Orient 
de Paris. Diejenigen, die dieses taten, erliielten den Namen des 
Amis r^unis und da sie nicht nur ihre Geheimnisse in den 
Schoss des Grand Orient niederlegten, sondern auch alles^ was 
sie von Freimaurersystemen auftreiben konnten, sammelten, in 
der sonderbaren Absicht (wozu sie auch einen Konvent nach 
Paris ausschrieben, wxmiit es aber verunglückte), daraus ein 
vollbmimenes Ganzes zu bilden, so gab dies Gelegenheit zu der 
Inschrift» die Orleans über die Türe der Hauptloge setzen liess; 

Chacun y porte son rayon de lumiere. 
Das war die Lage der französischen Freimaurerei, als Miraheau 
es versuchte, den Uiuminatismus in dieselbe einzufübi^en. 

Auf Mirabeaus \'erlangen, dass zwei vollkommen unter- 
richtete und angesehene Illuminaten nach Frankreich geschickt 
werden möchten und auf Mauvillons Betrieb wurden im 
Jahre 1787 Bode (Aemilius) und von dem Busche (Bayard) nach 




407 



abgeschickt. Ihre Sendung ward in Deutschland sehr 
geheim gehalten, und wo man sie erfuhr, hiess es» dass sie 
Erkundigungen über den Magnetismus, und ob und wie weit die 
Jesuiten Kinfluss auf die geheimen Gesellschoften hauen, ein- 
ziehen wollten. Die beiden Apostel Hngen ihre (iperationen in 
der Loge des Amis reunis an, an deren Spitze Savolette stand 
und zu welcher auch Bonneville gehörte, mit welchem Bode 
Meiehfalls in Verbindung stand, 

W Es hat nicht an deutschen Schriftstellern gefehlt, welche 
bald die Mission dieser beiden Apostel nach Paris, bald die 
Absicht derselben geleugnet und diejenigen, welche sie bekannt 
gemacht, als Lügner und Verleumder gebrandmarkt haben. 
Teils wollten sie den Bode, teils den Illuminatenorden von dem 
grossefn und gerechten Vorwurf, an dem Ausbruch der franzö- 
sischen Re\'Olutinn Teil geliabt zu hoben, retten und mit Tinte 
rein und weiss waschen.« — — 

■ Der Autor gibt nun an, dass ausser der genannten Haupt- 
log^ auch die andern nicht versäumt wurden. Zu diesen Logen 
gehörten nun auch die beiden unter Orleans als Grossmeister 
gestandeneu Logen les nenfs Samrs und de la bandeur, die eine 
ganze Anzahl spaterer Bevolutionshelden, wie z. B. de Roche- 
foucauld. Condorcet , Camille-Desmoulins, Danton , Lafayette, 
Guillotin, Morel, de Leulre usw. zu Mitgliedern hatten. 

»Das Evangehum des Spartacus musste hier eine günstige 
Aufnahme finden, die blosse Entdeckung, dass Voltaires Wunsch 
— dass die Philosophen eine solche Vei^einigung wie die Frei- 
maurerei errichten möchten — durch den llluminatismus er- 
füllet sei, wäre dazu sclion hinreichend gewesen. 

Der llluminatismus ward von nun an der französischen 
Freimaui'crei eingeimjjft und ihre Logen w^urden in Ver- 
seil wo r u T I gsspe ! u n ke n gege n Th ro n und AI tö re u mgesch a ffe n, 
Hass dem Gottesdienste! Htiss dem Königtume! Freiheit und 
Gleichheit! Die Fürsten und Pfaffen, als die Bösen, von der Erde 
verschwinden machen, und eine allgemeine Republik und eine 
Vernunftreligion einzufüiu-en, dies grosse Geheimnis der illu- 
minatischen Mysterienklas^e, war auch das Geheimnis dieser 
Comit<^s S^cr^ts und die Mittel, es auszuführen, der Gegenstand 
ihrer Beratschlagungen. Da man insgemein die Zahl der dem Gross- 
meister Orleans unterworfenen Logen auf 266 rechnet, welch eine 
Menge von Verschwörungshöhlen wurden auf solche Weise ge- 



— 408 — 



bildet, wenn nur in der Hälfte derselben dergleichen Comil^s 
erriclitet wurden. 

An den in den Logen errichteten Comiles hatte man in- 
dessen niclit genug. Man soh wohl ein, dass man zur thatigen 
Ausführung des Grand * Jeuvre derbe Pöbelföusie gebrouctie und 
nicht vergebens hatte SpaHacus den Adepten empfohlen, sicli 
durcli die Menge zu verstarken. Das Mittel dazu war bei der 
Hand, — und dies waren die seit der bei den Franzosen ein- 
gerissenen Anglomanie schon eingeführten Clubbs, »die«, wie 
ein SchriftstGller sagt, »anfangs zum Lesen der öffentlichen 
Blätter bestimmt waren, aber bald der Schauplatz der heftigsten 
Diskussionen gegen die Begierung wurden.* Dies durfte nur 
genützet wei'den, in P^ngiand und Deutschland hatten die Frei- 
mnui*er ausser den Logen auch luiutig Clubhs, welchen auch 
Profane beiwohnen durften, und der Illuminatismus hatte Lese- 
gesellschaften und correspondirende Zii'kcls, die vom Orden ab- 
hingen. Man ermangelte also nicht an allen Orten, wo nur illu- 
minirte Logen Comit^s SL^cn^ts oder Adepten sich befanden, 
welche die Leitung übernelmien konnten, solche Clubbs zu er- 
richten, w^elche die PHanzschule zu künftigen Revolutionshelden 
und die Vorhofe des Allerlieiligsten waren und nach den Grund* 
satzen und Absichten dieser letztern sowohl bei den Wahlen 
der Deputirlen zur Nationalversammlung, als auch nachher auf 
diese Versammlung selbsl wirkten* 

Unter allen diesen Clulibs wai* der wichtigste der sogenannte 
Club Breton, der 1789 gestiftet wui'de, ganz unter der Leitung 
des Ai-eopags der illuminirten Pariser Loge stand und mit 
allen übrigen im Reiche zusammenhing. Die vornelmisten 
Glieder desselben — alle Mitglieder der Comit^s s^crcts der 
Pariser Logen — waren: Glezen, Mirabeau, Lieges, leChappellier, 
Pethion, Barnave, Volney, die Brüder Lameth, Bouche, Coroller. 
In Coste und Camille Desmoulins. Ein Soulerain der Zugange 
des dem Herzoge von T^rleans gehörigen Schlosse zu SL Cloud 
war der erste Versammlungsort dieses Clubbs. 

Endlich sprang am 14, Juli 1789 die schreckliche Revoluttons- 
mine und nun ward dieser Clubb, welcljer durch die glücklichen 
Operationen der vor ihm ausgespieenen Casse-cous, wie man sie 
nannte, Bouche, La Coste, die Lomeths und Desmoulins immer 
kühner geworden war und immer mehr Zulauf erhielt, nach Paris 
in das pominicaner- Kloster in der Strasse St. Jaques verlegt, 
und von diesem Versammlungsorte erhielten die Glieder dieses 




— 409 — 



^ 



I 



Clubbs den Namen Jacobiner. Von dieser Zeit on war dos 
grosse Gelieininis der illuminirten Logen und ihi-er Comilus 
's6cr6ts kein Geheimnis mehr.i — — 

Hier ist nun der famose Autor mit der Beweisführung, 
dass der Jacobinismus nur eine Ausgeburt des Illuminatismus 

ei, fertig. Er gibt noch eine ganze Anzahl von Schriftstellern 
an, die derselben Meinung waren und begreift nicht den Unsinn, 
der in der Logik hegt, dass, wenn Bode und v. Busche nicht 
nach Paris gereist wären, es jedenfalls dann niemals Jakobiner- 
klubs gegeben liotte. Die Geschichte hat längst endgültig nach- 

ewiesen, dass diese Beschuldigung lacherlich, absurd ist und 
jedes Hintergrundes entbehrt. Wenn wii' nun noch hier noch- 
weisen, wie der so vielgesch mähte Bode, den wir bereits als 
Freund des Herzogs von Gotha kennen lernten, zu seiner Reise 
nocli Paris kam, und dass diese wirklich recht harmloser Natur 
war, so fällt mit dem Noch weis der falschen Prämisse auch so- 
fort das künstliche Gebäude dieser Verleumdung. 

Im vorigen Kapitel ist bereits die Boüigerscbe Briefsamm- 
lung in der König!, öftentl. Bibliothek zu Di-esden erwähnt. Diese 
enthält auch die Abschriften einer ganzen Anzahl von Briefen Bodes 
an Frou Hess in Hirschberg. Mit dieser Dame, die in glück- 
lichster Ehe lebte, verband ihn die reinste Freundschaft. Bode 
verlebte bei dem Ehepaare schöne Stunden und hat in einem 
jahrelangen Briefwechsel seiner Freundin die klarsten Einblicke 
in seine Denkweise gegeben. Als Bode am 13. Dezember 1793 
gestorben war, entstand ein Briefwechsel zwischen Bottiger und 
Frau Hess, die die gesamten Briefe Budes an Böttiger über- 
sandte mit folgenden Worten, datiert vom 20. Se[)l. 1794: 

»Seine Briefe an mich, werdeif Ihnen theurer Freund, die 
sprechendsten Beweise davon geben, (Nämlich von dem reinen 
Freundschaftsverhältnis.) Daher hat sie auch ausser Ihnen nocli 
kein Mensch in seine Hände bekommen und ich konnte dem 
engen Freund und Liebling meines Bode wohl keinen grösseren 
Beweis meines Vertrauens geben, als durch diese Über- 
lieferung.« — 

Unter den Briefen befindet sich nun ein Schreiben, das Bode 
aus Paris an Frau Hess sandte und das alle die hier in Frage 
kommenden Funkte seiner Pariser Reise beiührt, Böttiger er- 
kannte sofort die Wichtigkeit dieses Schreibens und wollte des- 




— 410 — 



wegen diesen Pariser Brief in der Lebensbeschreibung Bodes, die 
er oIs berufener Nekrologsch reiber berauszugeben dachte und 
fiuch verÖffi?nllicht hat, wörUich bekanntgeben. Er ersuchte hier 
um Frau Hess, die inzwischen die Briefe zurückerholten hatte» 
jedoeh ohne zu wissen, dass Bötliger sämtliche Briefe kopieren 
hess und seinei- Briefsammlung einverleibt hatte. Frau Hess 
antwortete ihm aus Hirschberg am 15. März 1795: 

i^Mit demselben Vertrauen mit welcliem ich schon einmahl 
meine Bodenschen Briefe in Ihre Hände legte, werde 'ich üinen 
zwai' auch diesmahl, den Gebrauch dei' bezeichneten Stellen aus 
seinem von Paris an mich geschriebenen Briefe überlassen, wenn 
Sie überzeugt sind: dass es der Verewigte, könnte er befragt 
werden, selbst billigen würde, sonst, mein tlieui*er Freund 

werde ich nie einwilligen, dass aus diesen unter dem 

heiligen Siegel reiner Vertraulichkeil geführten Briefwechsel, 
auch nur ein Wort öflentlich bekannt werde.« ^m 

Böttiger bat des Briefes nicht Frwähnung getan. Zweifel^ 
los aus HücksLcht für- die Dame, die er niclii in einen Klntscl» 
verwickehi wollte, der in Anbetracht der lauernden Feinde 
sicher damals entstanden wäre. Dadurch ist es gekommen, 
dass bis heute der inzwischen gänzlich vergessene Brief niemals 
verötTentlicht worden ist. Dieses jetzt auch noch zu unterlassen, 
liegt jedoch gar kein Grund vor, denn sicherlich würde der V^er- 
ewigte, wie Frau Hess verlangt, die Veröffentlichung nicht nur 
billigen, sondern aus Gescliiclitsinteresse sogar verlangen. 

Der Brief gibt klaren Einblick über die Gründe der Reise 
und auch über die Erfahrungen mit dem sogenannten Tieri* 
sehen Magnetismus. Er ist zur Beuileilung der nüchternen 
Denkweise Bodes sehr charakteristisch und zeigt, wie er, ohne 
die heutigen unumstösslichen Lehren des Hypnotismus und der 
Suggestion zu kennen, doch, schon diese Gesetze ahnt. Es 
spriclu der Forschergeist Bodes hier deutlich seine Bedenken 
aus und deswegen setzen wir den ganzen Brief an diese Stelle, 
wenn auch nur der Anfang für die Ordensgeschichte von Be- 
deutung ist. 

Paris, d. 2. Aug. 1787. 
Meine höchst geschätzte Freundin! 
Es ist auf meiner Reise kein Tag hingegangen, da ich nicht 
an Sie gedacht habe, und immer fast mit der unangenehmen 




— 411 — 



fergleichung des Vergnügens^ das ich bei Ihnen würde genossen 
len und das oft sehr Unangenehme, was mir auf die.sei' Reise 
'zum Loose gefallen ist. Alles was mich Inlslen muss, ist, Hass 
ich Pflicliten für Andere, meinen eigenen Freuden %"orgezogen 
habe.*) 
^k Lassen Sie mich, meine geliebte Freundin, da ich liier 
meine Geschrifte geendigt habe und die erste Müsse nacli langer 
Zeit linde, Ihnen die GetVdir meiner Heise, so kurz als möglich 
erzählen. 

PAIs ich schon meine Sachen völlig eingerichtet halte, um 
den 21st^en Moy in Herrenhut einzutreffen, und des Endes den 
4ien Mfiy nach Leipzig abgehen wollte, kam den 26. May ein 
Freund, Hevv v. d. Busche, ein ziemliclrreicher Edelmann zu mir, 
der mit seinei^ Zeit zuweilen im Kriege lebt. Als ich ihm ^'on 
meiner Schlesischen Reise sprach, wollte er mit mir gehen* Ich 
hatle nichts dawider. Bey weiterem Gespräche kamen w^ir auf 
den Convent der Freymaurer in Paris, unter dem Namen der 
Philalethen zu sprechen, für welchen ich den Winter über an 
einer Schrift gearbeitet und bereits abgeschickt halte, um diese 
grossesten Theils gute und redliche Menschen von gewissen schi^id- 
lichen Meynungen**) zurück zu bringen. A!s Herr* v. d. B. dieses 

»Memoir gelesen Ivatte, meinte er, ich würde viel Nutzen stiften, 
wenn ich selbst nach Paris ginge, wo die V^ersammlungen noch fort 
düuerlen, und daneben nocli ein neuer F^inladungsbrief einhel^ 
und ich midi entschuldigte, dass ich die Kosten der Heise für 
i meinen Reutel zu schwer fände, liob er diesen b-inwurf, dass er 
Hdie Reise mitmachen, und die Kosten hin und her, allein tragen 
I wolle, dass ich nur in Paris für mein Geld zu leben hätte. Aus 
^Ursachen, die ich nmen nicht sagen mng, wollte mir die 
■ Proposition nicht gefallen. Allein einige hohe Brüder, denen er 
~ die Sache vorstellte, traten ihm l>ey und stellten mir vor, es sey 
Ptlichl, ja sie wussten die Frau flrätin*'*''*') auf ihre Seite zu 
bringen. Ich musste also nachgeben uinJ wir reiseten den 
Iten May ab, um den 20sien in Paris zu seyn. Herr- v. d. Busche 



I 



*| Er beabsichtigte die Familie Hess zu besuchen, was jedocli durch 
die Pariser Reise unmöglich wurda 

•*) Diese betreffen den Glauben an Geisterbeschwörungen, Uieosophische 
Fhantaslereien, Studium der Theui-Kio, Aktieniie utid öMerhand okkultistischen 
Spielereion, die naraenUicii durch Cagtiostrti mit seiner egypilschen Mauj*erei 
verbreitet worden waren, 
^k •*•) Grflan Bernslorff, seine Gönnerin, deren Vermögen er verwaltete. 



— 412 — 

hatte vorausgesagt, dass er Geschäfte halber einige Tage in 
PVönkfiirt bleiben müsse. Aber er blieb viel länger, und ich, der 
ich gerne meine Pläne stricte befolge, sass da wie auf Kohlen, 
und wartete von Tag zu Tage, dass wir weiter reisen sollten, so 
dass ich also in dieser Ungewissheit nicht einmal eine Arbeil 
vornehmen konnte, um so weniger, da ich meine Sachen in 
einem Koffer vorausgeschickt hatte, um den Reisewagen nicht 
zu beschweren,« — 



Bode erfahrt nun Ende Mai von der Herzogin von Weimar 
in Frankfurt, dass die Grafin tödlich krank gewesen sei. Kr will 
sofort umkehren, die Herzogin versichert, dass das unnötig und 
sie beauftragt sei, ihm mitzuteilen, er möge Weiterreisen* Bode 
schi'eibt dem Arzt und erlialt nun von der Gräfin selbst die 
V'ersiclierung, sie sei in volhger Besserung, und sie verlange, 
dass er Weiterreise. F>r kam erst den 24. Juni in Paris an, wi- 
folge längeren Aufenthaltes unterwegs. Nachdem Bode angibt, 
wohin die Briefe, die er* er'bittet, zu senden sind, fahrt er fort: 

Mein Hauptzweck hier ist mir gelungen. Weil ich hier 
ankern, hatte meine Schrift, die ich vorausgeschickt hatte, als 
ich noch nicht daran dachte selbst zu kommen, schon einen 
guten Eindruck gemacht, und, welches bey den ungeduldigen, 
flüchtigen Franzosen keine Kleinigkeit ist, war zweimal gelesen 
worden. Das Suchen nach Alchemie, Cabala, Thensophie, 
Theprgie und wie die feinen occuUen Wissenschaften mein* 
heissen, hat bey diesen Conventuolen ein Ende. Sie sind über- 
zeugt, dass sie seither eine guttierzige Thorin gewesen sind» 
und sind enlschlnssen, hinkünftig ilu-e Zeit und ihre Geistes- 
kräfte auf solche Dinge zu richten, welche erreichbar und der 
menschlichen Gescilschnft nützlicher sind. Von dieser Seite bin 
ich also mit meiner' Reise völlig zufrieden. Mehr kann ich 
Ihnen, als einer in dei' F'rey maurerei Prophanen hierüber 
nirht sagen! Sie verstehen micli über das Wort, hoffe ich, dtnn 
icli lialte Sie in andern Verhältnissen, in meinem Herzen für 
eine Heilige, zu der ich mein heis.ses Gebet schicke. — 

Audi habe ich die Gelegenheit in Strassburg und hier 
wahlgenommen, mit allem Fleiss zu bemerken, was es mit dem 
Thierischen Magnetismus für eine Bewandniss habe. Man hat 
bisher in Deutschland so viel darüber gesprochen und ge- 
schrieben, dass ich, obgleich ich nicht an Wunder und Wunder* 




413 



kuren glaube, es doch der Mühe werth erachtele, der Wahrheit, 
nuch in dieser Sache, so nahe als möghch zu kommen. Ich 
würde für heule zu weitläufig seyn, wenn icli Ihnen meine Be* 
iTierkungen nach der Länge hersetzen wollte. Sie stehen alle 
geti'eulich in meinem Journale, und wenn Sie es interessiert, so 
will ich Ihnen über diesen Punkt einen Auszug schicken. Sie 
müssen ihn aber verlangen. 

So viel kann ich Ihnen, meine theuerste Freundin hier 
dn rüber sagen, ohne von Ihnen zu befürcliten, dass Sie mich 
für einen Leichlghlubigen hallen werden. Ich bin durch meine 
eigene Erfahrung überzeugt, dass in der Natur, die wir noch 
gor wenig, obgleich ein wenig besser, als unsere Vorültern 

J kennen, eine sehr feine Materie vorhanden sey, welche bis jetzt 
noch ganz unerklarbore Wirkungen hervorbringt. Der, welcher 
sie zuerst aus der Wirkung bemerkt hat, liat solche ein magne- 
tisches Fluidum genannt, vielleicht blos deswegen, weil er 
solche eben so unbegreifhch fand» als den Eisenniagnet mit 
seiner anziehenden und abslossenden Kraft. Diejenigen, die 
sich viel mit dem Mognetisiren abgeben, selbst die, welche 

^Ilrsach und Wirkung blos als physisch betrachten, sind durch 
die Erscheinungen, die ganz unerwartet unter ihren Augen ent- 
stehen, voller Bewunderung, Ei'slaunen und werden also gar 
leichllicli übertreibende Enthusiasten. Die Vernünftigsten unter 
diesen Magnetiseurs halten dafür, das Fluidum sey eine, der 
elektrischen almüche Materie, die durch ihr unaufhörliches 
Strömen um und durch alle Körper gleichsam das Principium 
aller Bewegung, alles Lebens sey. Ein lebender thierischer 
Körper aUo, durch welchen dieses Fluidum allenthalben gleich 
frey strömen, und sich in demselben im Gleichgewicht halten 
könne, sey im vollkommensten Stande der Gesundheit, [und 
die meisten wenigsten Nervenkrankheiten entstünden daher, 
dass diese Materie in einem Theile des Körpers zu viel und in 
einem andern zu wenig, und ihr dabei der Weg gehemmt sey, 
sich allenthalben de niveau zu setzen. Bey der Eleclricität ist 
es ein bekannter Satz, dass man ihre Materie (die überhaupt 
mit der magnetischen viel Ähnlichkeit hat; wofern es nicht gar 
nur zwey verschiedene Modilicationen einer und derselben 
Materie istl durch Entgegenhaltung von Spitzen, in umgekehrter 
Potenz ableiten und still ohne Explosion in andere Körper leiten 
kann. Eine Erfafirung, die endlich den Blilzableitei' liervrir- 
gebracht hat Die blos physischen Magnetiseurs also sagen, 



— 414 — 

sie bringen alle Wirkungen des Thierischen Magnetismus (der 
Mensch wird in diesem Folie auch, und ich glaube mit Recht, 
in das Thierreich gesetzt) bloss dodurch hervor, dass sie durch 
Ableitung dieses Fluidi, von Orten, wo sie zu angehäuft, und 
durch Mittlieilung, wo ihrer zu wenig ist; und dieses vermittelst 
der vorgehaltenen Fingerspitzen, welche da, wo sie mehr tinden 
als sie haben, ansaugen, und wo sie zu wenig finden, aus- 
strömen, indem dieses Fluidum sich, wie das Wasser etwa, 
immer in Gleichgewicht und freye Bewegung zu setzen sucht. 
Es giebt besonders 3 Tbeniüoji hiorübei*. Die Bj^irberinische, 
welche durch Gebetsformeln und exaltirte Religiosität zu wirken 
vorgiebi. Diese halte ich für Buben und Narren, das Puise- 
guirische, welches mit den blos physischen Operationen, auch 
Formeln zu verbinden nöthig erachlet, 

Hierliey mag sich Schwachheit des Geistes, Mangel an 
physischen Untersuchungsgeiste, und ein wenig Cliorlantanerie 
verbinden, besonders sprechen diese zweyten nocti viel vom 
Glauben; aber niclit soviel als die barsten; und die letzlern, 
welche ihr System freylich auch hinge nicht ins Reine gebracht 
haben, sprechen von keinem Glauben, weder bey dem (Operateur, 
noch bei dem Operirten/*) Docli ich spreche Ihnen zu viel vtui 
einer Tlieorie, die erst durch Deutsche oder Engländerische 
Naturforscher, der Wahrheit nähergebracht werden wird, unrl 
wT)llte Ihnen eigentlich sagen, was ich für Erscheinungen bey 
dieser Sache gesell err und gefühlt habe. — 

Ich habe also gesehen: Personen beyderlei Geschlechts im 
Magnetischen Schlafe, die sprechen und handehi, als ob sie 
wachten. Das ist gewiss. tJber sich selbst und ihre Krankheil 
am meisten und zu%^erlassigsten. Ihre Imagination ist in diesem 
Zustande sein' erhöht, bis zum Prophezeien aber gehet es gewiss 
nicht. Sie haben in diesem Schlafe gewiss keine andern Ideen, 
als etwa ein erhöhtes, klareres Resultat deiner, die sie mit hinein 
bracliten, z. B. wer keine Mathematik kennt, wird in diesem 
Zustande nicht von Mathematik u. s. f. sprechen. Icli habe 
Kuren gesehen, die bloss durch das Magnetisieren bewirkt, 
ohne deswegen zu glauben, das es ein Universalmittel gegen 



*) Es ist sehr inleressanl, aus dieser ElnleilunK zu ersehen, wie scharf ßode 
beoböchlete. Diese DreUeüyng besteht woch heute. 1. Gebetsheilun^, jelzt aus 
Amerika importiert 2* Magnetismus, die MesmerTheorie der Jetzigen Magno 
topathen und 3. Hypnolismus und Suggestion der Nancyer Schule, Nur die 
Namen sind anders, die Sache isl dieselbe. 




415 — 



^fei 






»Knnikheiten odei* gar gegen den Tod sey. Das Merkwürdigste 
und an sich schon Entscheidende für das Daseyn einer physischen 
Krafl des Thierischen MtigneUsmus, was ich mehr als einmal 

esehen habe, ist, dass in eben dem Zimmer, woi'in eine Gesell- 

chaft mognetisierter Personen, in einem Zirkel sitzen, der 
Thermometer, der in diesem Zirkel aufgehängt, in wenigen 

ecunden um verschiedene Oi-ade steigt, unterdessen der andei'e, 
"der ausser dem Zirkel hängt, in seiner natürlichen Stellung 
bleibt und nur den Grad der Warme der äusseren Luft anzeigt, 
obgleich der Zirkel den freyen Fluss dei" Luft im Zimmer nicht 
hemmen kann.*) 

Kurz, Sie sehen, meine Theuersle Freundin, dass ich an 

en Magnetismus, als eine bisher unbemerkte Kraft in der Natur, 
glaube; und dass ich überzeugt bin, diese Kräfte werden einst, 
wenn sie erst von unsern Hefer forschenden Pliysikern naher 
beleuchtet werden, zu maneherley Vortheilen für die Menseh- 

eit angewendet werden können. Die Franzosen, die allei'dings 
oft Windeyer legen und immer gaksen, werden tlieils selbst 
nicht weil mit ihren zukünftigen Untersuch ungen kommen, theils 
aber öuch haben sie Uns Deutsche so misstrauisch gemacht, 

ass wir auf ihr Gaksen nicht achten, wenn sie auch wirklich 
ein volles Ey gelegt luiben, das des Unterlegens wohl werth 
wäre. Und da sie zum Ausbrüten zu wenig anhaltende Stetig- 
keit haben; so gehen manche ihrer Eyer verloren. Dies ist un- 
gefähr die bislierige Geschichte des von einem Empiriker, 
Alessmer, durch glücklichen Hazard gefundenen Tb ieiM sehen 

lagnetismus. Von dem ich übrigens ganz kühnlich prophezeie; 
er werde mit der Zeit ein wichtiger Gegenstand der jihysischen 
Wissenschaften w^erden. Aber erst muss er aus den Händen 
unwissender Cliarlatane gerissen werden.* — 



Wie übrigens Bode über Frankreich dachte, schreibt Schillei- 
ebenfalls an Körner am 10* Sept. 1787. Er sagt: Bode Imt eine 
schlechte Idee von Paris zurückgebraclU. Die Nation habe alle 
Rnei-gie verloren und naliere sich mit schnellen Schritten ihrem 
Verfall. — Bei solchem Urteil, das Bode ofTen ausspracli, er- 
scljeint die Kombination, dass dieser Mann den Versucli ge- 
macht habe, die Nation aufzurütteln, doch recht lächerlich. 



* •> Dieses Experiment nschitjprüfcii, dürfte berufenen Kreisen anxu- 

empfehlen sein. 




— 416 — 

Es heisst auch offene Türen einrennen» wenn heutzuloge 
noch bewiesen werden soll, doss die Illuminoten nichts rail 
den Jecobinern gemein hatten, immerhin ist es doch nicht sei 
f^nnz üherflüssig, für die Zwecke dieses Werkes, den Beweis 
hierfür endgültig noch weiter durchzuführen, als es aus dem 
Bodeschen Briefe möglich ist. Letzterer Messe für verdächtigende 
Kombinationen noeli immer Spielraum, entliält daher in sich 
niclit den ganz strikten Beweis von dem, was noch der Abreise der 
beiden Illuminaten in Paris noch geschehen ist. Es wird daher 
auch in alten Schriften betont, doss Bode und Busche nur den 
entwicklungsfähigen Samen ausgestreut haben, dann ist aber 
die Vei'bindung zwischen Illuminaten und Jacobinern noch nicht 
durch den Brief als falsch bewiesen. 

Bode galt nun einmal als Haoptilluminat und sogar als Nach- 
folger Weishaupls. In der anonym und ohne Jahreszalil, etwa 1860 
erschienenen Ausgabe der Briefe Schillers, herausgegeljen von 
der Allgemeinen Deutschen VerlagsAnstalt, Berlin, befindet sich 
Band L Seite 296 in einer Fussnole über Bode folgende Er- 
klarung: vEr spielte in dem geheimen Ordenswesen der dö- 
matigen Zeit eine grosse Rolle* als Aemilius trat er in den 
llluminalenorden, ward 1782 zum Bluminatus dirigens befördert 
und wurde nach Weishaupts X'ertreibuiig dessen Naclifolger,» — 

Für diese lelzte weitgehende Behauptung existiert jedtx:h 
kein anderer Beweis, als dass Bode im regen \'erkebr mit der 
IlUuninaten-Loge in Gotha stand, die etwa 2 — 3 Jahre bestand, 
der Weishaupt seihst jedoch nicht angehörte, Bode und Koppe. 
Generalsupcrintendent in Gotha, später in Hannover gestorben, 
seheinen wohl die führenden Geister für Thüringen, jedoch nicht 
für andere Lander gewesen zu sein. Der VerdactU, dass bei 
der Nahe von Weimar und Gotha und dem tatsächlichen Bc* 
stehen der Loge in letzter Stodt, Weishaupt etwa durch Bode 
regierte und rachsüchtig revolutionäre Pläne schmiedete, selbst 
bis nach Paris hin, erscheint immerhin durch die Umstände 
erklärlich, entbeln^t jedocli jeder Grundlage. Falls eine solche 
\'er'bindung existierte und weittragende Wirkungen, wie die 
französische Revolution, hervorrief, so ist sicher, dass die Pariser 
Staats Archive in den Schriftstücken aus jener Zeit Spuren der- 
selben aufweisen müssten. Das ist nicht der Fall, wohl aber 
enthalten sie Beweise füi' das Gegenteil 

Die bisherigen Gesandtschoftsberiehte Montezans und ChiiU 
grins, die unter Ludwig dem XVL ihre Tätigkeit in München aus- 




i 



— 417 — 

übten, brechen mit dem April 1792 ab. Von da ab bewahrt 
das Archiv Berichte von verschiedenen Abgesandten, die unter 
dem Revolutionsregime arbeiteten. 

Die Kenntnisse von den Verhältnissen in Bayern müssen 
sich diese Nachfolger erst neu erwerben, die Berichte zeigen 
deutlich, dass ihnen diejenigen ihrer Vorgänger gänzlich fremd 
waren, was aus dem Hass der revolutionären, bürgerlichen Ver- 
treter gegen die aristokratischen früheren Regierungsvertreter 
leicht erklärlich ist. 

Am 16. Mai 1792 erwähnt Bourdois kurz die Sekte der 
Illuminös, ohne diese weiter zu erklären. Am 1. November 1792 
sendet Dassigny einen langen Bericht über seine Reisen und 
Beobachtungen in Bayern und Deutschland ein, die eine Zone 
von 70 Lieus umfassen; er war in Frankfurt, Heilbronn, München, 
Augsbui*g, Ulm und berichtet darüber und sagt z. B. von den 
lUuminaten ganz kurz bei der Benachrichtigung, dass r)sterreich 
gern Bayern mit seinen andern Staaten vereinen wollte: 

»Le predecesseur du Ministre actuel, imm(^diatemcnt apW3M 
la paix de Teschen, mit tout en combustion /i la cour et /i ja 
ville, h l'aide d'une secte d'illuminßs tr6s morTeilleuHement 
appropriö au goüt des Bavarois pour les nouvaut<5H.« — 

Er geht jedoch auf den Orden durchaus nicht näher ein, 
ihm ist es nur darum zu tun, zu erfahren, wie die revolutionären 
französischen Ideen in Deutschland Anklang finden. 

Am 25. Mai 1796 .sendet nun ein Hegirjrungsagont Frey 
einen deutschen Bericht (er war ein Deutscher) über Bayern 
ein, in dem er sagt: Es gab in Bayern immer sehr aufgeklärte 
und helldenkende Köpfe und das Volk ist nichts weniger als 
dumm, selbes würde die Sprache der Wahrheit noch leichter 
verstehen, als manches andere, sobald man in selber mit ihrn 
sprechen würde. 

Er zählt dann eine Anzahl berühmter Männer und deren 
Verdienste auf und sagt: 

Dieses geschah Alles während unsere Nachbarn^ihaft sich 
noch nicht einmal die Au^en zu wischen anfing, anno 1774— W) 
wurden eine Menge S^:hrift^n in Bayern heran sg^jgeUjn uwl mit 
Eifer Terbreitet. welche in rnancfier Hinsicht HnWt^X der franz//- 
sischen Revolution würden Khre K'?rnacht Uu^zu, / H die Char- 
freytags- Prozession, da J^ \)H\\\pfzv\hr\9iu:\tU'.\u l'orfzjunkiil/i tUif:UU:\u, 
deren Satyre n^^rh \'olt/iires Art ihrem X^ztiu^^Mv UnftUftr ^U'A 



- 418 — 



Ehre und wegen der angenehmen leichten Sclireibart auch 
jetzt nocli beim Volke viel Einfluss schaffte, dann das Buch 
Florus, der bayrische Hanswurst, die Evangelisten und eine 
Menge andere, die viel Nutzen stifteten. Die Bciyrisclje Akademie 
der Wissenschaften fing ebenfalls um diese Zeit an gemein- 
nülziger zu werden und bald darauf erhob sich der Illuminaten- 
Orden, welcher mit den ntihmlichen Artikeln im Kleinen handelte, 
mit weicijen gegenwärtig die französische Nation im Grossen 
handelt: Diese wichtige bayrische Kompagnie war schon sehr 
zahlreich, und würde mit ein wenig mehr Vorsicht, Klugheit 
und ehrlichem Sinn ganz gewiss das geleistet haben, was die 
Menschheil von ihr foi^dern durfte. Dessenungeachtet konale 
doch die priesterliche Milde nicht hindern oder ungeschehen 
machen, was einmal getlian war, obgleich sie mit dem frömmsten 
Eifer eine Menge Opfer aus diesem Orden dem zu Eliren dar- 
brachte, den sie vor 1796 Jahren seines Illuminatismus wegen 
hängen liess, — 

Am 7. juin 1790 enthält ein Extrait d'une Nolice de Guerre 
folgende Mitteilung in Übersetzung: 

Ich denke, dass es wichtig sein wüjde, zu wissen, ob es 
in München einige Mi(gheder der lUuminaten gibt, um sie zu 
verbinden, Frankreich nützlich zu sein. Dieser Orden unter- 
scheidet sict» wesentlich von dem der Illuminös. Er ist ehemals 
in Bayern sehr verbreitet gewesen, seine Prinzipien sich nähernd 
denjenigen der Freimaurer, waren sehr scharf gegen den reli* 
giösen und zivilen Despotismus ausgesprochen. In der Epoche 
der ersten französischen Erfolge in Deutschland nannten ihn 
die Verbündeten den Vorläufer der Jacobiner und klagten ihn 
an, mit diesen letzteren einverstanden zu sein. Er war von sehr 
aufgeklärten Männei'o gegründet, dann wurde er angezeigt durch 
einige falsche Brüder und durch den Kurfürsten aufgehoben. — 

(Unterschrift fehlt,) 

Dieser Bericht zeigt deutlich, dass man in Paris nichts von 
dem Oi'den wusstc; noch klarergeht das aus nachfolgender Note 
hervoi', datiert nach dem Hevolutionskalender. 

Note. 19 G^l an 4. 
(ÜberseUuiig.) 
Der Orden der Illuminaten, w^elcher sich wesentlich 
dem der Illumines unterscheidet, ist ehemals in Bavern : 



419 



I 



I 



verbreitet gewesen. Freunde von Grundsätzen und der Mensch- 
lichkeit hatten sich da vereinigt, xitn sich dem Fortschritt des 
zivilen und religiösen Despolismus entgegenzustellen, sehr auf- 
geklärte, öffentliche Beamte gehörten zu dieser ZahL Weishaupt, 
sehr berühmter Professor an der Universität zu Ingolstadt, war 
an ihrer Spitze. Dieser Geheimorden näherte sich viel den Frei- 
maurern, ober er war mehr instruiert und mehr dem Interesse 
der Volksunterdrücker entgegengestellt. 

Der Kurfürst von Bayern, durch einige falsche Brüder von 
den Grundsätzen, zu denen die Illuminaten sich bekannten, 
unterrichtet, verfuhr mit Härte gegen dieselben, er hat sie von 
allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen und sie selbst in 
seinem Kurfürstentum verboten. Es war leicht, ihre V^ersamm* 
lungen zu schliessen und ihre Korrespondenz aufzufangen, aber 
es war unmöglich, dieses heilige Feuer zu verlöschen, diesen 
Enthusiasmus für die Freiheit zu ersticken, welchen dieser * irden 
dem Geist junger, ehrbarer und aufgeklärter Leute mitzuteilen 
gewusst hat. Die vereinigten Machte nannten die llluminnten 
die Vorläufer der Jacobiner, schrieben ihnen ein angebliches 
Einvei'ständnis zwischen den Illuminaten und den Jocobinern 
zu, und alle Unfälle, welche die deutschen Armeen beim ersten 
Triumph-Einzug dei" Franzosen in Deutseliland zu ertragen hatten. 

Es scheint mir wichtig, unsern Korrespondenten in München 
zu fragen, ob er frühere Mitglieder des Ordens der IHuminaten 
kennt und ob er nicht ein Mittel hatle, dass sie sich im Dienste 
der franzosischen Republik nützlich enveiBon. — 

Unter dem Datum Munich le 30 Pluviose an 7, schreibt 
»Alquiet< noch einen Bericht, der dcH InquinitorH tjppert ge- 
denkt und seiner Verfolgungen gegen alle, die des Illuminalis- 
mus verdächtig sind, daim verschwinden die Mitteilungen über 
den Orden zur Revolutionszeit, — Eh ist klar, wenn eine Ver- 
bindung zwischen den JacobiniHcben Machlhahern in diesen 
Jahren mit den Illuminaten bestanden hatte, dass dann diese 
Mitteilungen doch ganz ander*» lauten mümimi und nicht von 
einem angeblichen Einverntändnin geredet würde, wie e8 der 
Fall ist; ganz sicher würde aber nicht eine vollständige Un- 
kenntnis von dem Orden zum Vornchein kommen. — 

Wir kdnnen daher jetzt ruhig diene Tatsache, dass der 

'Orden nichts mit den revolutionAren Bewegungen Frankreichs 

zu tun hdtte^ nl» endgültig bewieisan auMlien und wollen nur 

27* 




420 



noch darauf hinweisen, dass ein CKrdensmitglied, der unglück- 
liche Moire von Strossbur-g, namens Dietrich, mit denn Ordens- 
namen Omarius, ein Opfer der Revolution wurde. Sein Haupt 
fiel unter der Guillotine, ein Schicksal, das sicher zu vermeiden 
möglieh gewesen wäre, wenn zwischen den Revolutionären und 
den Illuminoten latsächliche Verbindungen bestanden hotten. 

In den französischen Bericliten wird auf den Unterschied 
zwischen Illuminös und lUuminaten liingewiesen. Wir müssen 
hier einen Augenblick verweilen. 

Es gab in Frankreicli eine Sekte, die sich Illumin^s nannte 
und die namentlich durch eine Broscliüre > Essay sur le secte 
des Illumin<Ss< bekannt geworden ist. Diese Schrift wurde auch 
in dos Deutsche übersetzt und mit vieltachen Bemerkungen ve^ 
sehen, die beweisen, dass diese lUumini^s in keiner Weise mit 
den Jlluminaten identisch sind. Der Hauptsitz dieser Sekte 
soll auf dem Schlosse zu Ermenonville gewesen und Saint- 
Germain, der Voi'läufei" Cagliostros, der nach einigen phan- 
tastischen Er/iihlungen ebenfalls dem Illuminatenorden angehört 
haben soll, jedenfalls in Verwechslung mit den Illuminös, war 
Vorsitzender der dortigen Logen. Diese Tllumint^s werden nun 
als Leute dargestellt, die an den fürchterlicbsten Riten, Eid- 
schwüren und Lebren ficfallen fanden. Geisterbeschwörungen, 
Bluttranke und allerhand Unfug war bei ihnen zu finden, alles 
Dinge, die den lUuminaten nicht nachgewiesen werden können. 
Die Regierung kannte diese lllumint^s, wie die BericlUe beweisen 
und unterschied sie daher auch von den lUuminaten. Auf diese 
Illumin^s weiter einzugehen liegt kein Grund vor, nur ist zu 
betonen, dass sie nicht mit den lUuminaten zu verwechseln sind« 

Ebenso wie Saint-Germain manchmal als ein Mitglied des 
Ordens genannt wird, ist auch Cagliostro, dieser Erzschwindler 
und Betruger, als lUuminat und sogar aks Chef der lUuminaten 
ausgeschrieen woixicn. Cogliostro liat sogar selbst ver^sucht, sich 
mit diesem Nimbus zu umgeben, es muss daher auch diese 
Beschuldigung klargestellt werden. Dr. Eugen Sierke gibt in 
seinem Werke Schwärmer und Schwindler zu Ende des 18. Jahi'- 
hundertsc genaue Nachrichten über Caglioslro auf Grund der 
italienischen Prozessakten und berührt auch seine Lügereien 
über den Illuminatenorden: 

Er sagt daselbst Seite 407 — 409: 



iZu Ende Juni 1780 hatte Balsamo (d. i. der richtige 




— 421 — 

von Cagliostro) Reissaus genommen und zu Anfang September 
tauchte er wieder in Stmssbui'g auf. 

Dei' mehrerwähnte Auszug aus den römischen Prozessakten 
lässt Balsümo auf der Heise dorthin noch in Frankfurt a. M. 
einen kurzen Aufenthalt nehmen und berichtet über die dortigen 
Erlebnisse Balsamos mit dessen eigenen Worten. Hiernach 
will Balsamo in Frankfurt die Bekonntschoft der Häupter der 
dortigen Illuminoten-Loge gemaelit halien und von diesen ein- 



ki 



Dietrich, Moire von Strassburg* 
(Omarius.) 

3laden sein, mit ihnen auf ein drei Meilen bei der Stadt belegenes 
Landhaus zu fahi-en, in dessen Garten man eine künstliche 
Grotte besuchte und dann, auf 14—15 Treppen in derselben 
hinabsteigend, in ein unterirdisches Zimmer gelangle» das den 
Ordensmitgliedern als Versammhingslokal diente. 

Einer der beiden Begleiter lialsiimos nalmi aus einem Tische 
in der Mitte des Zimmers ein Buch heraus, dessen Anfang 
folgenderniassen lautete: AVir (Irossmeister der TempeltieiTen« 
etc. Sodann folgte eine Eidesformel, die in seh reckhehen Ausdrücken 
abgefasst w^ar und die Verpflichtung enthielt, alle despotischen 



— 422 - 

Monarchen zu vertilgen. Die Formel war mit Blut geschrieben 
und hatte ausser der Chiffre Balsamos, die obenan stand, elf 
Unterschriften, die snmlhch ebenfalls mit Blut gescluieben waren. 
Diese Unterschriften wiesen die Namen der zwölf Grossmeister 
der Ilhiminaten auf. Balsamos Chiffre war jedoch nicht von ihm 
selbst gezeichnet und er wusste auch nicht, wie sie dorthin kam. 
"Aus dem, was ich hier und dort in dem Fluche gelesen, 
überzeugte ich mich immer mehr, dass der bestimmte Streich 
dieser Secte vornehmlich auf Frankreich gerichtet war, nach 
dessen Fall es sodann auf Italien, sonderlich auf Rom losgehen 
Avürde,* bemerkte Balsamo seinen Richtern gegenübei' betreffs 
des gedachten Buches. So versichert wenigstens sein Biograph. 
»Ich überzeugte mich ferner, dass die Gesellscliaft in verschiedenen 
Banken zu Amsterdam, Rotterdam, London und Genua grosse 
Geldsummen liegen habe, welclie, wie mir meine Begleiter ver- 
sicherten, von den Beti^ägen herkommen, die alljöhi'Hch von 
180000 Maui-ern, für jeden fünf Louisdor gerechnet, entrichtet 
würden, dass man sich diesei' Summe zur Unterlialtung der 
Ordenshäupter, zur Besoldung der Emissäre, die an allen Höfen 
sich befänden, zur Unlerlialtung der Schiffe und ^endlich zur 
Anschaflung dessen, was die Sccte brauchte, und zu^' Belohnung 
derjenigen bediene, welche irgend eine Unternehmung gegen 
despotische Souveraine wagten. Ich entdeckte ferner, dass die 
Anzahl der Logen, die sich in Amerika und Europa befinden. 
20000 betrage, die jährlich am St. Johannistage verpÜichtel seien, 
25 Louisdor an die gemeinsame Ordenskasse zu zahlen. Endlich 
boten mir meine Begleiter Unterstützung an Geld an und ver- 
sicherten, bereit zu sein, mir auch mit ihrem Blute zu dienen. 
Ich erhielt wirklich 600 Louisdor von ihnen an baarem Gelde. 
Als wir hierauf in Gesellschaft nach I^rankfurt zurückkamen, 
reiste ich andern Tags mit meiner Frau nach Strassbuig ab.t 



So unser Wündermann. 

Da sich füglich nicht annehmen hisst, dass der romische 
Biograph an dieser Stelle sich eine direkte Fälschung resp. 
Unterschiebung erlaubt haben sollte, so bleibt nichts anderes 
übrig als die Möglichkeit, Balsamo habe auch in Rom seine 
Richter in der nämlichen un^'erschämten Weise an der Nase 
herumgeführt, wie er es in l^aris getan. Diese Möglichkeit wird 
indessen zur Gewissheit, wenn wir diesen Roman besonders an 
seinem Schlüsse genauer betrachten. Balsamo wollte damit nur 





'seinen Richtern imponieren und zugleicn einen Beweis liefern, 

^wie es schon früher vorgekommen, dass er zum Mitglied einer 

Hgeheimen Verbindung gestempelt worden, ohne es in der Tat zu 

Hsein, und um an der Hand dieses Beispiels die Unlitiltbarkeit 

^der jetzt in Ronn wegen des nämlichen Umstandes gegen ihn 

erhobenen Anklage zu beleuchten. Er will seine Richter glauben 

machen, sein Ruf als Wundermann habe ihm wider sein Wissen 

und Willen die Ehre eines llluminuten-Grossmeisters eingehi-acht, 

^w^obei er die unbeschreibliche Dummheil begehl, einbilden zu 

Brwollen, ein so staatsgefährlichcr Orden hätte ihn, ohne ihn vor- 

~ her zu prüfen, in seine tiefsten Geheimnisse eingeweiht! Für 

den Kundigen bedarf es jedenfalls nicht der besonderen Be- 

knnerkung, dass die Illumi nuten mit diesem fabelhaften Bunde 
nicht dos Mindeste zu schaffen gehabt haben. Übi'igens lasst 
euch Pater Marceil seinen Zweifel an der Wahrheit dieser Er- 
zählung hindurchschimmern, indem er bemerkt, dem Unter- 
suchungsrichter sei es nicht möglich gewesen, über diese Angaben 
Nachforschungen anzustellen. Wenn wir trotz der Ungeheuer- 
lichkeit jenes Märchens davon Notiz genommen, so verfolgten 
w^ir abermals den Zweck, damit die Lügenhaftigkeit unseres 
Helden noch weiter zu charakterisieren. Das vorstehende Bei- 
spiel dafür gehört eben zu den bemerkenswertesten.« 

Soweit Sierke. 

Die Wahrheitsliebe fordert einzugestehen, dass trotz der 

igs hoiTenden Eugen haftigkeit des sogenannten Grafen 

igiiöstro dennoch ein, wenn auch nur kleines Körnchen Wahr- 

kheil an der Sache ist. — Nicht weit von Frankfurt a. M. liegt 
der ih'[ Gross* Karben mit dem Schlosse gleichen Namens, 
Majorat der Freiherrn v. Leonhardi. Im Parke des Schlosses 
befindet sich noch* heute ein GartenlemjieLmit einem Steintisch 
und sagt die Überlieferung, dass hier Cagliostro seiner Zeit von 
Obern des Illuminatenordens empfangen worden sei. Dokumente, 
die diese mündliche Überlieferung bestätigen, existieren nicht 
Wie ist demnach diese Angelegenheit zu erklaren? 
H Im Jahre 1780 lebte auf dem Schlosse Freiherr Peter v. Leon- 

hardi, der als hervorragender Freimaurer bekannt ist und unter 
dem Namen Anarcharsis auch dem Illuminatenorden angehörte. 
■Der Freiherr interessierte sich ungemein für alle geheimen 
Wissenschaften, trieb Alchemie und war mit allen Wunder- 

Sinern bekannt. Zum Beispiel befindet sich im Sclilosse noch 
Stück Gold, das er mit dem Gaukler Schrepfer in einer 





— 424 ~ 

Nocht iiergestelit haL Diese Liebhaberei iür gebeime Künste 
war damals öllgenieio und wurde auch von Knigge geteilt, der 
den Freiherrn kannte. Knigge hat jedenfalls den Baron an* 
geworben, als er nach seinen Aussagen im Jahre 1780 bei Frank- 
furt lebte und eifrig für den Orden warb. Audi der Umstand, 
döss der Freiherr sich von Weishaupt abwandte, nachdem Knigge 
mit dem Orden gebrochen hatte, lässt vermuten, dass beide 
gute Freunde waren. 

Km'gge gibt nun in seiner rechtfertigenden Schrift vPhilos 
endliche Erklürung<^ Seite 23 an, dass er 1780 einen einsamen 
ländlichen Aufenthalt in der Nähe von Frankfurt a. M. bezogen 
hat und sagt dann wörtlich, nachdem er über seine phantastischen 
Neigungen in fi-üheren Jahren selbstironisch berichtete: 

>r>a ging denn kein vacierender Geisterseher, vornehmen 
und geringen Standes, kein i^eisender Geheimnisjäger, kein 
bettelnder Goldmacher mein Haus vorbei.« — 

Es ist doch sehr naheliegend, dass unter solchen Um- 
ständen Knigge auch mit Cagliostro bei Frankfurt a. NL zusammen- 
gekommen sein muss, der im Jahre 1780 bereits ein berühmter 
Mann war. — Ob Knigge nicht etwa gar in Grosskarben w*ohnte, 
kann ich nicht feststellen, er selbst spricht nur von seinem 
ländHchen Aufenthalt bei Frankfurt. Wenn dos nun auch nicht 
der Fall ist, so genügen doch diese drei Tatsachen, 1. die Über- 
lieferung von dem Tempel im Park, 2. die Angaben Knigges^ 
3. dass Knigge eifrig für den Orden warb, und alle bedeutenden 
Manner heranzuziehen suchte, um anzunehmen, dass Cagliostro 
spater ein sicher nur ganz vorübergehendes Zusammentreffen 
mit Illuminaten, die altem Anschein nach Knigge und v. Leon- 
hardi waren, zu seinem phantastischen Märchen aufbauschte, 
das lebhaft an die fami^sen Aussagen des Barons Mändl erinnert. 

Es hat der Vorwurf, Cagliostro sei ein Illuminatenoberer 
gewesen, wobei die IllumintVs wieder mit ihren scliauerlichen 
Gebrauchen ebenfalls als die Illuminaten angegeben und mit 
letzteren verwechselt wurden, später solche Dimensionen an- 
genommen, dass Bode eine anonyme Schrift herausgab, die 
beides richtig stellen sollte. Bode schreibt aus Weimar am 
12. Mai 1790 an Frau Hess: 



»Wenn sie einmal nichts besseres zu thun haben: so lesen 
Sie doch auch eine Broschüre mit dem Titel: Ist Cagliostro 
Chef der Illuminaten? Wenn Sie aber den Notenmacher zu 




— 425 



k 



rralhen vermeynen sollteji: so bitte ich Sie Ihre Verniuthung 
'niemuiiden mitzutlieilen. Denn der Mann mag von den Kreuz- 
luflfrommen weder geliebt noch gehasset seyn.« 



In dieser Schrift ist überzenpend nachgewiesen, dass der 
Illuminatenorden wedei- mit den liluminiSs verwechselt werden 
darf, noch jemals etwas mit Cagliostro zu tun hatte. Nur das 
hier Geschilderte ist der ganze Grund und Boden, auf dem auch 
diese Beschuldigungen aufgebaut worden sind* 




^ 



Der Fortbestand des Ordens und die Furcht 
vor Ihm. 

Es ist eine eigentümliche Erscheinung» dass nach Ausbruch 
der französischen Revolution und nachdem die Beschuldigung, 
diese sei durch die Illuminatcn veranlasst worden, einmal Boden 
gefasst hatte, alle irgend erdenklichen Freibeitsbestrebungen stets 
dem Weilerbestehen des Ordens in die Schuhe geschoben wurde. 
Kein irgendwie geistig hervoi'ragcnder Mann konnte dem Ver- 
dachte entgehen, Illominat zu sein. Es gibt Schriften aus jener 
Zeit, die die Entstehung der Sturm- und Draiigpcriode in Politik 
und Literatur einzig und allein den aufrührerischen Ideen der 
Iliuminaten zuschreiben, Schiller wurde als Illiiminat ver- 
schrieen und die ganze Weimarer Schule als Nest des Ulu- 
niinatismns. Wie weit es die französische lUuminatenriecherei 
darin brachte, lehren uns die Dokumente des Pariser Archivs, 
auf die wir spater noch zurückkommen weixlen. 

Es muss die Furcht vordem verschrieenen Illuminatismus 
geradezu wie ein Druck in der Luft gebangen haben, denn der 
Orden seihst existierte in seiner festeren Organisation schon 
lange nicht mehr» als sich die Gespensterfurcht vor ihm in so 
ollgemeiner Weise breit machte» 

Es gibt tatsachlich keine andere Erklärung für solche Er- 
scheinung, als dass diese Furcht der Ausdi'uck für das Ahnen 
einer neuen Zeit war, die infolge der Revolution über die 
gebildete Well hereinbraclh Das Abschneiden althergebrachter 
Zöpfe und veialteter Ideen, die Furcht vor dem riewaümenschen 
Napoleon, der immer rücksichtsloser in die Geschicke Europos 
eiiigrilT, der Einfluss unserer hervorragendsten klassischen 




— 426 



Geister auf dos Gemüt der Deutschen, kurz jene ganze Periode, 
die wir als die des Sturmes und Dranges bezeichnen, brachle 
eine Angstmeierei, ein sich Stemmen gegen das Fahrenlassen 
des Altgewolinten von seilen konservativ und reaktionär Ge- 
sinnter hervor Diese zeterten über den Verfall der Sitten, 
über Herrschen der Freigeisterei und schoben, um dem Kinde 
der Zeit doch einen Numen zu geben, alle ihnen so verderb- 
lich scheinenden Zustände dem Moloch Illuminatisraus zu, der 
ihrer Meinung nach die Welt beherrschte. 

Wir wei'den aus dem NachtVdgenden unschwer erkennen« 
wie unschuldig die Schöpfung Weishaupts, die längst in 
Trümmei'u lag, an allen diesen Ereignissen war. 

In Berlin sollte ein besonderer Herd des llluminalentunis 
bestehen, dessen Haupt der Buchhändler, Verleger und Schrift- 
steller Nicolai war. 

Nicolai, der sich durch eine gewisse freie Lebensanschauung 
bekannt und namentlich durch Forderung vieler Schriftsteller 
und DiclUer verdient gernacht hat, gehörte dem Orden an. Seine 
Beziehungen liat er selbst in einer Broschüi-e niedergelegt; sie 
gehen nicht weiter als die vieler anderer; durch eine besondere 
Propaganda tui" den Orden selbst hat er sich nicht hervorgelan. 
Auch ohne den Orden wäre sein Leben sicher in denselben 
Gleisen vei^aufcn. Die F'ania machte ihn trotz alledem zu einem 
Haupte der preussischen Illuminaten, ebenso wie den Oberkan- 
sistorialrat Gedike. Gedike und Biestej- gal>en 1783 — 96 die Ber- 
liner MonatsscliriCt heraus, die sich im aufklürenden Sinne mit 
allen Fragen jener Zeit befasste, auch derllluminatenverfolgungen 
gedachte und hin und wieder Für die Verfolgten in ganz sach- 
licher Art eine Lanze brach. Das war natürlich ein X'erbrechen. 
noch dazu zu einer Zeit, in der WÖllner, als Haupt der Rosen- 
kreuzer, Preussischer Minister war und den König völlig be- 
herrschte. Es sei hier an das Schreiben Friedn Wilhelms an 
den Kurfürsten von Sachsen (s. Seite 246) erinnert. 

Es ist klar, dass unter solchen Umstanden Berlin gar nicht 
für die Ausbreitung des verpönten Ordens geeignet war, gar 
nicht sein konnte, wenn der Landesfürst derartige feindliche 
Gesinnungen hatte. 

Gedike gehörte seinerzeit dem Orden nur oberflächlich an, 
wie Nicolai, ohne dass ei" nötig gehabt hätte, seine Gesinnungen, 
die ihn zu einem ganz hervorragenden Schulmanne und Organi- 
sator des Schulwesens befähigten, erst aus den I^ehren der 




luminaten zu beziehen. Er galt seiner Geislesfähigkeiten wegen 
atürlich erst recht als Hauptilluminot, 

Die ungeheure Läclierlichkeit der Illuminatenfurcht jener 
eit spricht sich stets deutlich durch die Annahme aus, als 




Buclihändler Nicolai a.ucian). 



jien ungewöhnliche Geister jener Zeit erst durch die Illuminolen 
itslanden und ersterer Ideen wären nie zur Ausführung reif 
^worden, wenn der Illuminalenorden nicht zuvor den Boden 
apflügt hätte. Wie wenig ahnten damals die Menschen, doss 
as Gesetz des Fortschrittes die Hand an den PHug gelegt hatte. 





Von Wien öus liotie Aloys HolTmaiiTi einen Fehdezng gegei 
die Freimaurerei und die llluminnten in der von ihm heraui 
gegebenen Wiener Zeitsclirift begonnen und suchte deren G< 
fährlichkeil zu liewciseu. Die Freimourer haften iliren hoc! 
sinnigen Fiesehützer, den Kaiser Josef, durch den Tod verloren 
Sein Nachfolger, Koiser Leopold, zeigte sich bald den Eii 




429 — 1 



» 



I 



OsteruTigen der Feinde der Maurerei zugänglich und es dauerte 

nicht lange, so erreichte die reaktionäre Partei verschiedene 
Mandate, die schliesslich zu dem heute noch bestehenden Ver- 
öl <Jer Abhaltung von Logen") innerhalb der österreichischen 
'Grenzpfähle führte. Namentlich waren und blieben die Ilhiminalen 
die beliebtesten Frügelknaben für Verleumdungen, denn diese 
onnten sich ja nicht melir verleidigen, infolge der bayrischen 
.Vorgiioge, HofFmann halte nun hernusgebrocht, dass eine 
Unternehmung :-l>ie deutsche Union v^ benannt, die von Bahrdt 
begründet worden war und den Zweck haben sollte, den 
deutschen Buchhandel an sich zu reissen, nur eine Fortsetzung 
des gesprengten r>rdens sei, um seine verloi*ene Macht wieder 
zu erlangen. Er beschuldigte Knigge, dass er die Seele dieses 
geplanten Unternehmens sei, trotzdem dieser sowohl als auch 
andere nachwiesen, doss der rMden nichts mit der Deutschen 
Union zu tun habe, — Sachliche Entgegnungen nützten bei 
solchen Anschuldigungen nichts, denn die billige Behauptung, 
die Beschuldigten würden die Wahrheit natürlich nicht zugelien, 
wai" stets bei dei" Hand und fand Ghiuben. — Schliesslich 
schlief zwar dos Gerede ein, immer spukte aber der Gedanke 
von der Gefährlichkeit des Illuminatennrdens und seiner Ver- 
treter. 

Die österreicliische Regierung fühlte sich dadurch veranlasst, 
Erkundigungen einzuziehen, wie es mit dem llhiminatenorden 
stehe, und sandte im Jahre 1801 einen Agenten nach Bayern, 
die Sachlage zu prüfen. 

Den Bericht dieses Agenten Armbrust er liat Fournier 
gefunden und veröffentlicht in einer Schrift: llluminatcn und 
Patrioten, Soweit Fournier sich über diese l>eiden Pai'teien 
Bayerns, an der Hand des Berichtes, auslässt, muss hier dei- Voll- 
ständigkeit halber angeführt werden. Es heisst in seiner Schrift: 



Als der Friedcnsschluss 1801 dem Kriege mit den Franzosen 
ein Ende gemacht und diese Bayern geräumt liatten, erhielt Arm- 
bruster seine geheime Mission, den politischen Boden des Nachbar* 
landes zu sondieren und ihn für den nsterreii-hischen Eintluss 
zu bereiten. Was er in hjfalu'ung brachte, berichtete er Ende 



^ 



•) Hierbei triil die Merkwürdiffkeit auT, dass der König* von Ungarn ge- 
SiaUet, was der Kaiser von üsterreic:!h vürhielet» denn in Ungarn ist die Frei- 
maurerei erlaubt und licßlehen dnaelbil Logen, die auch von Österreichern 
besucht werden. 



^^ 430 — 



Oktober 1801 on den Polizeiminisler in Wien, 
lautet: 



Der Bericht 



»Gehorsamste Relozion über meine Reise nach Boiern. 
'.Dem mir erteilten hohen Aufti-oge gemäss reisste ich am 
24. September noch Boiern sil> und traf am 2L Oktober wieder 
in Wien ein. Dn ich diese Mission nicht unvorbereitet antrat, 
die Quellen zuverlässiger Notizen zum Teil vorher schon kannte, 
haushntteriscli jeden Augenblick des Tages zu Beobachtungen 
und immer die Nacht zur Reise benutzte, so reichte schon 
dieser beschränkte Zeitraum zur Erreichung meines Zweckes 
vollkommen hin, Empfehlungsschreiben an einige Matadoi^eo 
aller Verbrüderungen, welche um die Vormundschaft über Baiern 
streiten, hatte ich mir in Passau, Straubing und Regensburj: 
%^erschafft, und diese Hei*ren schienen zum Teil nach einer 
kaum stundenlangen Bekanntscliaft selbst die alltäglichsten 
Hegeln der Zurückhaltung vergessen zu haben, so sehr sind sie 
von der Sucht ergrifien, sich und ihre Parthei in ein glänzendes 
Licht zu setzen. Allein eben dieses Herumtreiben unter Men- 
schen von so verschiedenartigen Fakzionen, welches mir für 
den Augenblick so nützlich war und für die Zukunft einen noch 
wichtigeren Gewinn versprach, machte mir zugleich auch die 
Abkürzung meines Aufenthaltes, hauptsächlich in München, 
zum Gesetz. Ohue \on der [»ersönlichen Gefahr zu reden, 
hätte sogar schon eine blosse Vermutung meiner wahren Ab» 
sichten mich in die Unmöglichkeit gesetzt, in einem anderen 
interessanteren Zeit|>unkle, der auch olme Divinazionsgabe sich 
voraussehen lasst, mit Sicherheit und Erfolg wieder in jenen 
Gegenden aufzutreten. 

>Ks ist Talsache, die gar keinem Zweifel unterliegt: 1. dass 
Eingeweihte, Zöglinge und Geschöpfe des >Il!uminatenordenst 
den Churfürsten und die meisten Zweige der Staatsverwaltung 
in ihrer Gewalt haben, und 2. dass unter dem Nahmen der 
il^^trinteu'^ eine zweite nicht weniger getährliche geheime Ver- 
bindung existirt, die von dem Illuminatenorden nicht nur ganz 
unabhängig ist, sondern, trotz der Aehntichkeit der Tendenz 
und der Grundsätze, mit demselben bisher in offenem Kampfe 

stand. 

1. Die Illuminaten, 

>Um über die gegenwärtige Lage des Ordens in Boiern 
volles Licht verbreiten zu können, muss ich einige frühere bis- 



1 




— 431 — 



I 



, h 

I 



her nicht bekannt gewordene Totsochen aiituhren. Was nach 
der Entdeckung des Ordens i. J. 1787 unter dem Titel ,OriginGl- 
Schriften* auf höchsten ßetehl Sr. ChurfürstL DurchUiucht ge- 
druckt wurde, war nur der kleinste und unbedeutendste Teil 
dessen, was man in den Ordensarchiven gefunden hotte. Die 
wichtigsten Papiere , und besonders der aufschlussreiche Brief- 
wechsel, w^odurch Manner höheren Ranges, hauptsächlich aus 
fremden Staaten, in Gefahr oder Verlegenheit gestürzt werden 
konnten, wurden sogleich in dem Hause des Kanzlers, Frei- 
herrn V. Kreitmavei', durch den Hauskaplan desselben: Culva, 
abgesondert und unnüttelbar in die Hände des Chuifürsten 
niedergelegt. Daher kam es, dass viele thätige Mitglieder des 
Ordens in andern Ländern ntich lange, und selbst bis in die 
neuesten Zeilen, fortwirken konnten, und dass, besondeI^s im 
nördlichen Deutschland, Fürsten und Staatsmänner, die in den 
Originalschriften das ganze Gewebe aufgedeckt glaubten, den 
Orden nach Geist und Ausdehnung für weit weniger wichtig 
hielten, als er es in der Thal war. Die Folge ist jetzt noch sehr 
ich t bar. 

»Indessen glaubten S. Durchlaucht der Churfüi^st den Orden 
wenigstens in Baiern ganz zernichtet zu haben. Dieser Wnhn 
dauerte bis zum Jahre 1795, wo zufalligenveise durch das Zoll- 
amt in Dekendorf ein neues Archiv des Ordens und die un- 
unterbrochene Existenz desselben entdeckt ward. Jetzt ernannte 
der Churfürst in tiefster Stille eine Commissinn, um alle ßiiefe, 
die an gewisse Personen einlaufen oder von denselben ver- 
schickt werden würden, zu eröffnen und den Inhalt zu proto- 
koUiren. Diese Commisslon, die immer in der pei-sönlichen 
Gegenwart des Churfürslen zusammentrat, bestand aus dem 
geistlichen Rat w Bitlershausen» dem Schuldirektor Culva, dem 
Kammerdiener Tuscli und dem Poslsecretar Baader. In kurzer 
Zeit lag eine Menge aktenmassiger Beweise aufgehäuft: dass 
die Mitglieder des Ordens im engen Zusammenhange stehen, 
neue Brijder aufnehmen, in den meisten Dikasterien die Majori- 
tät besitzen, die NationahErziehung leiten, durch ihren Einttuss 
auf die General -Vikariate Passau, Regensburg, Salzbui-g und 
Freysingen die einträglicheren Pfarrslellen mit Affiliirlen be- 
setzen und dass gerade solche Männer, die nicht bloss das 
Vertrauen, sondern selbst die Liebe des Churfürslen sich zu 
verschaffen gewusst hatten, an der Spitze seyen! Diese Chefs 
waren a) Sir Benjamin Thompson, Reichsgraf v, Rumford, 




'— 432 — ' 

b) Reichsfreiherr V. Häflelin, Bischof zu Chersones, damals Vicft. 
Präsident des geistlichen Rotes, c) Freiherr von Stengel, geheimer 
Kabinets-Referendai'. Als Secretar des Ordens erschien der 
Ex-Professor Bermiller und als untergeordneter Geschäflsfühi^er 
der Bnchhändler Fonlaine in Mannheim, Originalbriefe aus 
Paris bewiesen» dass der Graf v. Rumford selbst mit der Propa* 
ganda in naher ßerühr'ung stand. Uei* Inhalt mehrerer Briefe 
in Chiflern blieb ganz unautgelösL 

»In dieser Lage der Dinge fasste der Chuifürst den Eni* 
schluss, die gemachten Enldeckungen als ein Staatsgeheim niss 
zu bewahren, allmählich die Matadoren von ihren Stellen zu 
entfernen und noch einem festgesetzten Plane indirecte den 
Orden zu entkräften. Graf Rumford ward unter einem ruhm- 
vollen Vorwand nach England geschickt, einige andere setzte 
man in den Ruhesland: allein ehe nur irgend ein bedeutender 
Teil jenes Plans ausgeführt war, starb Korl Theodor, und Maxi- 
milian Jose|»h IV., der lange schon von Mitgliedern des Ordens 
umstrickt war, trat die Regierung an, 

»Noch mussich bemerken, dass weder in den neuentdeekten 
Archiven, noch in dem aufgefundenen Briefwechsel des in Gotha 
lebenden Stifters des Ordens, des Hofrat Weishaupt, jemals er- 
schien, dass von Verbindungen mit Ordensmitgliedern in den 
österreichischen Staaten nichts Ei-heb!ichos vorkam und dass die 
bayrischen Illuminaten, wie die Illuniinaten andi'er Pro\inzen, 
ihre Wirksamkeit ausschliesslich auf ihr Vaterland beschränkt 
zu Ijaben scheinen. 

»Die Illuniinaten hatten also schon in den letzten Jahren 
der Regierung Corl Theodors ihre Macht fest begründet Die 
gegenwärtige Regierung bot ihnen selbst die Hand, sich noch 
weiter auszudehnen. Die verbannten Mitglieder des Ordens 
wurden zurückberufen sowie die Unterdrückten an die Spitze 
gestellt und ganz, im weitesten Sinne des Wortes, haben sie 
den ersten Zweck des Ordens erreicht: den oflFenen argwöhn- 
losen Fürsten und durch ihn das Land zu behei'rschen. 

»Der dirigirende Minister, Freiherr von Montgelas, ist 
Illuminat aus der trüberen Epoche und ganz im Geiste des 
Ordens gebildet. Allein noch dem Urteile von Männern, die 
tiefer in seinem Charakter blickten, soll er lange nicht jener 
planvolle, systematische Kopf sein, für welchen man ihn zu 
halten geneigt ist. Unbeschrankt wird er durch den geheimen 
Rat und Referendar von Zentner und den Legationsrat Ringelt 





— 433 






» 
^ 



einen sehr trivialen Kopf, geleitet. Sogar nach der Erkläriuig 
eler Illuminateii ist Montgelas ein egoistisches Wesen, das 
auf ihren Schultern zu seiner gegenwärtigen Höhe stieg, nun 
sich zurückzieht, todt ist für das Interesse des Ordens und 
bloss auf Befriedigung seiner unbegrenzten Habsucht hin- 
arbeitet, 

»Das Band, durch welches der Orden eigen Uich mit der 
Person des Churfürsten zusammenhängt, sind die beiden ge- 
heimen Cabinetssecretäre Rheinwald und Kaher, die in das 
unbegrenzte Vertrauen desselben sich teilten. Mit Ausnahme 
des Grafen von Törring-Gronsfeld, Präsidenten der General- 
Landesdirec/Jon, der unter der Föhne der Rosenkreuzer steht 
und einiger weniger Andere, sind alle Chefs und die Majorilät 
der Räte in den Centraldikasterien sowohl als den Provinzial- 
regierungen Mitglieder des Ordens. Aber auch von diesen 
stehen viele in dem Rufe der Gleichgültigkeit und Untätig- 
keil für den Orden als Corporazion. Doch IrilTt dieser Vorwurf 
wederden Finanzminister Freiherrn von Weichs, am wenigsten 
aber den Präsidenten des geistlichen Rats, Grafen v, Seinsheim, 
dessen Collegium beinahe ganz aus den delerminirtesten lUu- 
minaten gebildet ist. Dieses Collegium, in welchem der Enragö 
Bermiller, ein Mitglied desselben, sehr wesentlichen P'influss 
bot, bekennt laut die Absicht: »dass die Geistlichkeit Baierns 
nach dem Genius des Zeitalters reformirt werden müsse. Man 
darf den Kanzleystyl des lUuminatismus nur halbwegs kennen, 
um in den tieferen Sinn dieses Ausdrucks einzudringen. Itzt 
ist die Aufhebung aller oder wenigstens der reichsten Abteyen 
des Landes an der Tagesordnung und ein erklärter lllaminal, 
Freiherr von Fraunberg wirbt als ausserordentlicher Ge- 
sandter in Rom um die päpstliche Einwilligung. 

ȟas geheime Ministerialdeparlement der geistlichen An- 
gelegenheiten, welches die Curatel über die Universitäten und 
alle Unterrichts- und Erziehungsanstalten besitzt und die An- 
trage des geistlichen Rats an den Churfürsten bringt, steht ganz 
unter dem gebietenden Einflüsse von zween Männern, die ich 
für die tätigsten, consequentesten und gefährlichsten Mitglieder 
des Ordens halte* Diese sind: der obenerwähnte geheime Rat 
V, Zentner und der geistliche Rat Branca» beide geheime Refe- 
rendare dieses Departements. Der dirigirende Minister, Graf 
Morawitzky» ist bloss ihre willenlose Maschine, Durch sie 
wurden die Lehrkanzeln der Universitäten zu Ingolstadt voi*zugs- 



Cngel, öenchichta du Illam!nAteDard«Ri. 




28 



weise mit Männern besetzt, die entweder wirkliche IHuminaten 
oder w^enigstens durch den Ruf politischer oder religiöser 
Heterodoxie bekannt waren» Ich brochle zu München einen 
Abend in der Gesellschaft mehrerer dieser Jugendlehrer zu und 
ich hatte Mühe, mein Erstaunen über die Aeusserungen zu 
unterdrücken, die ich hier vernahm. Die Sittenungebundenheit 
der Studierenden, die von dem Geiste der Aufklärung nicht blos 
angeweht, sondern wirklich besessen sind, hat bereits so lief 
gewurzelt, dass die Bürger von Landshut nocli erst vor wenigen 
Wochen den Churfürst baten, die Universität wieder aus ihren 
Mauern zu entfernen. Dieses ist ouch der Fall bei allen übrigen 
Bildungsanslalteo. 

* Unter dem Militär hatte der Orden einen bedeutenden 
Anhang. Nur General Cku'emboult war in die huheren Grade 
initiirl. Jetzt besteht die Majorität der Lehrer an der Militär- 
akademie aus Mitgliedern des Ordens. 

»Ohne Eingeweihter zu sein, hatte der Herzog Wilhelm 
v. Baiern lange mit Vorliebe die Ilhiminaten geschützt. Man 
fürchtete sogar: er würde sie als Mittel zu seinen ehrgeizigen 
Absichten benützen. Aber ganz zog er sich zurück und jetzt 
steht Er an der Spitze der Minorität, die in der Stille sowohl 
den IHuminaten als den Patrioten entgegenarbeitet. 

>An der Spitze der Polizei, die übrigens das Ideal einer 
schlechten Anstalt ist, ward der Director Baumgarten, ehe 
mals ein sehr tatiges Mitglied des Ordens gestellt. Jetzt schlaft 
er für sein Amt und seine Brüder* 

>Dass die IHuminaten nähere Verbindungen in den Biss- 
tümern des bayrischen Kreises haben, und besonders auf die 
General-Vikariate wirken, ist allerdings Tatsache sowie es er- 
wiesene Tatsache ist, dass unter den IHuminaten geistlichen 
Standes weit mehr Gemeinsinn in Ordensangelegenheiten existirt 
als unter den Mitgliedern aus anderen Standen, Allein wenigstens 
bis jetzt noch konnte ich unerachtet des angestrengtesten 
Forschens nach diesem Zw^eige meiner Mission keine Spur 
irgend eines Einflusses in die österreichischen oder anderen 
Reichsstaaten entdecken. 

»Die Ursaclie dieser Isolirung liegt unstreitig in dem Mangel 
eines Zentralpunktes und einer plonmassigen Orgauisation, die 
eigentlich seit Weishaupts Zeiten nie wieder ganz hergestellt 
worden war» obgleich Graf Rumford dazu sehr tätig die 
Hände bot. Allerdings versammeln sich die Mitglieder in ver 



— 435 — 



schiednen einzelnen Logen (in München bei Seinsheim, Ber- 
^miller, den Koufleuten Daltirmi und Oberhauser), nehmen durch 
Stimmenmehrheit, jedoch ohne Zeremonie!, Novizen ouf, stehen 
unter einander in einem regelmässigen Briefwechsel^ verbreiten 
den Geist des Ordens auch ausser ihrem Zirkel, allein noch 
fehlt glücklicherweise der superiöre Kopf» der die vielen zer- 
streuten Fäden aufnehmen und in ein Ganzes vereinigen könnte. 
Daher die Spaltungen unter den Mitgliedern, die Untätigkeit so 
Mancher und die Möglichkeit, durch feste, gut calculirle Mass. 
regeln dos ganze Gebäude des Ordens zu stürzen. Aus allen, 
welche dem Orden angehören, würden Graf Rumford und der 
geheime Rat v. Zwack die einzigen Männer für jene infame 
Rolle sein. In dieser Rücksicht verdient die Reise, welche der 
Erstere im Anfange dieses Monats nach München machte, alle 
Aufmerksamkeit. Gewiss ist es, dass er seit seiner Entfernung 
immer in regelmässigem Briefw^echsel mit den feurigsten Illu- 
minaten stand. Zwack, der zu gleicher Zeit aus Wetzlar 
nach München kam, soll zu einer sehr wichtigen Stelle prä- 
deslinirt sein. Nach Rumford ist dieser der planvollste Kopf. 

*Die Wendung der französischen Revoluzion gab sichtbar- 
lich den ursprünglichen Absichten des Ordens eine veränderle 
Richtung und eine neue Terminologie. Man spricht nicht ge 
radezu mehr von »Tyrannen«, aber desto mehr von »demo- 
kratischen Fürsten, die in Krön und Scepter mit dem Volke 
sich teilen«, nicht mehr von »Staatsumwälzung und Freiheit 
und Gleichheit«, aber desto mehr von »unveräusserlichen Men- 
schenrechten«, von den »unaufhaltsamen Fortschritten des mensch- 
lichen Geistes, von unbeschränkter l^ressfreiheit«, dem tSturze der 
Hierarchie und der privilegirteu Kasten«. Der stille Plan der Itlu- 
minaten und selbst so mancher Uneingeweihten, die auf das 
Volk wirken, scheint ganz in diesen Aeusserungen zu liegen. 

»Um sowohl den ChuH'ürsten als auswärtige Regierungen 
in Sicherheit einzuwiegen, um der öffentlichen Aufmerksamkeit 
sich zu entziehen, wird auf Zentners und Branca^s Veranstaltung 
der lUuminatismus planmassig als ein Gespenst dargestellt, 
welches gar nicht mehr in der Welt, sondern blos in der Ein- 
bildungskraft der Jesuiten und Obscuranten existire. Ein sonst 
vortretTlicher Kopf, der Professor und Pfarrer Salat in München, 
ist der Auserwälilte, der mit grosser Gewandtheil und sicht- 
barem Erfolge in der *National-Zeitung der Deutschent, »den 
Annalen der leidenden Menschheit«, dem »Genius der Zeit«, 

2Ö* 



— 436 



dem i* Deutschen Merkur , den -Neuesten Slaatsanzeigent, der 
>Obeideutschen Litleralurzeitungn etc. etc. den Glauben an du 
Dasein des Illuminatismus ouszurotteii sucht. Man wähnt in 
den verschiedenen Einkleidungen Stimmen aus allen Gegenden 
Deutschlnnds zu vernelimen und hört blos die Stimme eines 
Einzigen, durch welche denn doch die öffentliche Meinung ihre 
Richtung erhält. 

T'Zwor wurden bereits mancherlei Versuche gemacht* dem 
Churfürsten über die Grundsätze und Absichten jener Menschen, 
die unter seinem Namen lierrschen die Augen zu eröffnen, aber 
ohne Erfolg, Ob die Ursache davon in der Vorliebe — oder 
vielmehr in der Furcht vor der Macht der Fakzion liege? 
Darüber sind die Meinungen geteilt. Die Stimme der Land- 
stande hat in dieser Sache gor kein Gewicht mehr Die Spannung 
zwischen diesen und dem Churfürsten wird mit jedem Tage 
heftiger und das Missvergnügen des Volkes grösser und be- 
deutender. Weiter unten mehr von diesem. 

2. Die Patrioten. 

i^Schon im Jahre 1783 trennten sich der damalige Hof- 
kammerrat Utzschn eider, der Professor und Buehliändler 
Strobel und einige andre Männer, denen samt und sonders 
nicht sowohl die Grundsätze als vielmehr die Despotie und 
Arroganz Weishaupts misslielen, von dem Illominaten-Ordeu 
und denunzirten denselben sogar im September 1785. Diese 
MSnner, an welche sich nach und noch mehrere missvergnügle 
oder ausgeschlossene lUuminaten anketteten, blieben immer in 
einem engen Zusammenhange, verhielten sich aber bis zum 
Regierungsantritt des gegenwärtigen Churfürsten so ruhig, dass 
sie auch nicht die kleinste Aufmerksamkeit auf sich zogen* 

3>Auf einmal traten sie als Verfechlei- des Volkes gogen 
den Fürsten, den Adel und die Geistlichkeit auf und schleuderten 
eine Menge von Schriften und Scliriftchen ins Publicum, die 
von unverkappten Revoluzions-Grundsätzen strotzten, aber desto 
tiefer wirkten, jemehr die Verfasser mit der Sprache, dem 
Geist und den Wünsclien der niederen Volkskiassen und zu 
gleich mit der Geschichte und Statistik des Landes vertraut 
waren, 

»Der Hauptpunkt, auf welchen sie hinarbeiteten, um eine 
Revoluzion vorzubereiten, war die Zusammenberufung des Land 
tages nach ihren Prinzipien. Damals hielt man noch in Bayern 




— 437 — 



►st wie im Auslande, diese Fökzion für das iM'gan der Ulli* 
minaten, mit deren System ihre Handlungen in auffallendem 
Einklang zu stehen schienen. In diesem Glauben wai^i man 
noch mehr bestärkt, als Utzsehiieider ganz unerwartet zu der Stelle 
^nes geheimen Rats und geheimen Referendars in Finanz- und 
H|ndschaftlichen Gegenständen sich outschwang. Allein schon 
in der ersten Epoche enthüllte dieser herrschsüchtige» impo- 
sante, aber kenntnissreiche Kopf den Plan: den Freiherrn 
V. Montgelas, der schon in der ^^Gallerie Pfalzboyrischer Staats- 
mfinner« heftig angegriffen worden war, und die lUuminalon zu 
stürzen, ihre Stelle mit Gliedern der Patrioten-Verbi'üderung zu 
besetzen, das Feudalsystem und die Zehnten aufzuheben, den 
Prfilatenstand auszumerzen, den Adel zu schwachen und — 
was das distinktive Prinzip dieser Fakzion war — den Bauei'u* 
stand nicht blos unter die Landslände aufzunehmen, sondei-n 
denselben ein überwiegendes Gewiclit in dei- Stuatsvei-waltung 
zu geben, kurz, die monarchische Verfassung mit der demo- 
kratischen zu amalgamiren. 

" ^Während Utzsclmeider auf diese Art in der Nfiho des 
Fürsten w^irkte und mehrere Verordnungen zu Ttjgc fiSrderte, 
die der Ausführung seines Planes den Weg ebnen sollten, 

Sarben seine \'erbrüderten auf regelmässigen Missionen sich 
nhang unter den Bürgern und Bauern. Vorzüglich suchten 
e Advocaten, Ökonomen, Landbeamte, Schullehrer und die 
sogenannten Bauern Könige an sich zu ziehen. Um die Letzteren 
in's Feuer zu hetzen, liess Strubel die Bildnisse einiger der- 
selben mahlen und in seinem Pantheon merkwürdiger Bayern 
aufstellen. Dieser Celebritäts* Kitzel, verbunden mit einigen 
^ndern Kunstgriffen, die auf die grossen Motive. Eigenliebe und 
^Eigennutz, sehr schlau kalkulirt waren, hotte grosse Wirkung, 
^■icht nur von den Bürgern, sondern selbst in den elendoMten 
^Bauernhütten, woiiin die Illuminalen nie Einfluss gehabt hatten 
und — nach dem mehr aristokratischen System des Ordens — 
nie Einfiuss suchten, wurden die TagesblälLer der I^jtnoten 
verschlungen, und so ward auch dieser bislier noch unverdorbene 
Teil des Bayrischen Volkes ein Werkzeug des Zeitgeistes* In- 
dessen hinderte die Publizität und die oft unglaubliche Etourderte, 
mit welcher diese Fakzion ihren Plan durchzusetzen suchte, 
glücklicherweise die Ausführung desselben, erleicheile aber auf 
der andern Seite den JUuminaten ihren Sieg und der Slunt ViZr 
Schneiders war der Grundstein ihrer fortdauernden Macht. 




- 488 — 

Mit dem Einmarsch der Franzosen in die Bayrischen Länder 
hegönn eine neue Epoche* Die Fotrioteo-Fakzion erklärte sich 
gewissermossen als eine Art von National-Repräsenlaüon und 
suchte im Gevvirre des Krieges und durch französische Unter- 
stützung in einigen Wochen zu erreichen, was noch früheren 
Entwürfen das Werk einiger Jalire gewesen wäre. Klubbs 
wui*den formirt, Missionare ausgesandt, Flugschriften und Auf- 
rufe ausgeteilt; kurz; die ganze Revoluzions-Taktik angewendet, 
um einen allgemeinen Aufstand zu erregen. Dem Obergeneral 
Moreau legte man 2 Pläne vor: der eine, aus der Feder Utz- 
schneiders, liess noch einen konstitutionellen Churfürsten zu» 
der andere, von dem Direktiorialrath von Hellersberg der Söge 
nach entworfen, wollte eine Republik nach Frankreichs Muster, 
Diese sollte zugleich Franken, Schwaben und das Tyrol umfassen. 
Zur Vorbereitung auf diesen letzteren Plan ward eine Flugschrift: 
»Wahrer Überblick der bayrischen Nazion, oder das Erwachen 
der Nazionen nach einem Jahrtausend": mit grösster Emsigkeit 
ausgestreut. Diese Aufruhrschrift, unstreitig die infamste aller 
Geburten dieser Epoche und dieser Fakzion , war niclit sowohl 
gegen die churfürstliche Regierung als vielmehr gegen das Erz- 
haus Oesteri'eich gelichtet, welches überhaupt nach dem Ent* 
würfe der Patrioten in der öfTenllichen Meynungganz vernichtet 
werden sollte. 

»Einige Missionäre gingen zwar bis an die Gränze desTyrols 
und des Innviertels. Aber in das Land seihst wagten sie sich 
nicht und selbst von ihren Flugschriften und Proktamazionen 
gingen nur sehr wenige Exemplare hinüber, obgleich der Direk- 
torial-Rat Graf Hazzi, eines der tätigsten Mitglieder dieser Fak- 
zion, in eigener Person an der Verbreitung Teil nahm, Nii^nds 
fanden sie — worüber manche bittre Klagen bei dem Mittel- 
[lunkte eintrafen — Empfänglichkeit für eine Staatsumwäizung, 
und sogar die bayrischen Bauern-Könige, die vor dem Einmarsch 
der Franzosen ganz für eine Änderung der Dinge gewonnen 
waren, blieben während der Anwesenheit der Franzosen ganzj 
ruhig, obgleich die Patrioten den Subsidientractat des Churfürsten 
mit England sehr geschickt für ihre Zwecke benützt hatten, 
Moreau verwarf beide Konstitutionsplane und der Friede änderte 
überhaupt die Lage der Dinge. Allein man würde sehr irren, 
wenn man glauben würde, dass die Patrioten- Fakzion zugleich 
auch ihre Absichten und Plane geändert liabe* 

tSie hatte während der Anwesenheit der Fi*anzosen an sehr 




439 — 



P 
^ 



^ 



tätigen Mitgliedern einen bedeutenden Zuwachs erholten. Mehrere 
Räte und selbst Professoren der juridischen Fakultät in Lands- 
hut, Männer von unruhigem Geiste, ober vielen Talenten, stehn 
in ihrer Verbindung. Mit dem Bureau topogrophique in Poris 
— dos unter dieser wenig auffallenden Benennung zu grossen 
Zwecken benutzt wird, aus den erklärtesten Revolutionärs zu- 
sammengesetzt ist und in ganz Deutschland einen regelmässigen 
Bi'iefvvechsel unterliält — hangt die Gesellschoft noch itzt zu- 
sammen und einer ihrer Chefs, der Directorialrat v. Hazzi, be- 
findet sich wirklich mit geheimen Aufträgen der Patrioten in 
Frankreich. So wenig sie in dem Augenblicke, wo sie es 
wünschten, einen Aufstand erregen konnten, so sind doch manche 
ihrer Grundsätze in die mittlere und unterste Volksklassen über- 
gegangen. Durch das .Cliurfürstliche Regierungs- und Intelhgenz- 
blalt', weleiies in iliren Händen ist, wirken sie fortdauernd, 
freilich mehr versteckt, auf eben diese Menschen, und das 
steigende Missvergnügen über die gegenwärtige Regierung wird 
mit vieler Gew^andtheit von ihnen benützt. Durch die Buch- 
handlung des Professor Strobel — die in München öffentlicli 
die Patrioten-Buchhandlung heisst, zur Unterscheidung von der 
nebenanstehenden Lindauer sehen, welche von den Itluminaten 
geleitet wird, — kommen unvermerkt die älteren und neueren 
Flugschriften dieser Fakzion in Umlauf. Auch das Theater steht 
nun, durch die Verbindung mit dem geheimen Sekretär Babo, 
unter dem nämlichen Einfluss und es verdient angemerkt zu 
werden, dass am Namensfest Sr. Durchlaucht der Churfürst ein 
Singspiel »Armand« aufgeführt ward, dessen Held als Veifechler 
der Freiheit des \'olkes von dem Kardinal Mazarin verfolgt und 
durch eine Volksempörung von der Strafe befreit wird, die gegen 
ihn ausgesprochen ist. Gleich darauf ward »Otto von Wittels- 
bach* zum Erstaunen Aller gegeben, welche dieses historisch- 
politische Schauspiel und den Geist, der darin weht, näher 
kennen* 

j^Die meisten Flugschriften der F^atrioten werden in 
München selbst, die wüthendsten aber in Pappenheim, an der 
Gränze von Scliwaben und Franken, gedruckt. Eins der neuesten 
Producta dieser Art ist das Trauerspiel »Germania««, ein Inbegriff 
aller nur möglichen Schändlichkeiten»*) 

•) »Germanias neue Geschichte und Lombardtas Abschied von Germania 
und Klage i]iber ihre Verleumder« wurde 1801 bei SIrobel mit andern Büchern 
kooasziert 




— 440 



Öffentlich ward es in Londshut vom Buchhändler Krüll 
verkauft und in reichlicher Zahl on andere Buchhandlungen ver- 
sandt. Die Reichsversammlung in Regensburg veranlasste dar- 
über eine Untersuchung, über die man in Bayern noch spöttelte 
und den Verfasser, der dem Gerücht nach ein Priester sein soll, 
als einen Witzkopf in Schutz nahm! In einem andern Flugblotte 
^Abschied an Utzschneider* wird dieser revolutionäre Kopf mit 
Jesus Christus in eine Parallele gesetzt,*) Das letzte Produet 
patriotischer Presse: 'Die Folgen des Friedens« kam mir noch 
nicht zu Gesicht, Nach Briefen aus München vom 26. Oktober 
soll es seiner Vorgänger vollkommen würdig sein. 

»Utzschneider steht itzt in gar keinem öffentlichen Amte. 
Er errichtet eine Lederfabrik in Gesellschaft des ehemaligen 
Kammerdieners Andrä, der wiegen einer höchst gefährlichen 
Korrespondenz nach Preussen unter der vorigen Regierung exilirt 
war. Bei ihm und Strubel versammeln sich von Zeit zu Zeit 
die Mitglieder ihrer Fakzion, zu welcher bis itzt aus den hohem 
Ständen noch Niemand sich schlug. Noch verdienen unter den 
Matadoren genannt zu werden: der geistliche Rat und Pfarrer 
Buch er in Engelbrechtsmünster,**) und der Oekonom Rott* 
mann er zu Ast bei Slraubingen. Diese machen mit den früher 
Genannten den leitenden Ausschuss der Verbindung aus. 

»Während des Krieges lieferte ihnen ein gewisser nun 
nach Bayern zurückgekehrter Mincralienhändlei' Graf zuweilen 



•) Von Slrobel gedichtet und verlegt. 
aDspielt, lauten: 



Die Verse, auf welche Armbruster 



»So war vor aehLzehnhunderl Jahren 
Der Gotlmeosch auch den Ohservanlen seiner Zeil, 
Den Pharisäern und den seh riRge lehrten Narren , 
Ein Bevoiutionär wie Du« usw. 

Ein Exemplar dieses Gedichtes Hegt den Untersuch ungsakten bei, iu 
welche mir die König L Archivverwaltung Treundlich Ein hl ick gewährte. Die- 
selben enthalten ein ausführliches Verzeichnis der oppositionellen Flugsehrinen 
und sind eines genaueren Studiums durchaus werL Hier sei nur zur Vervoll- 
slÄndigung von Hetgels Mitteilungen erwähnt, dass sich als Verfasser der «Zehn 
Gebole für fiürger und Bauern im lieben baierischcn Valerlande (1800)« Graf 
Hazzi herausstellte und dass die ironische Dankadresse der bayriachen Nation 
an MöX Joseph IV. dem Drucker Zangl von dem dem Generalstabe Moreaus zu* 
geteilten Officier Krokowiecky zum Druck Qberbracht worden sei. Krokowiecky 
lag bei Strobel im Quartier und letzlerer dörfte vielleicht der Verfasser g^ 
wiesen sein. 

•*) Über diesen vergl. Heigel, Aus drei Jahrhunderlen, S. 134 ff. 





— 441 — 



lachrichten aus Wien. Allein nähere Verbindung liotlen sie 
Oestreich selbst nicht, wie ich aus guten Quellen vernahm. 
ir gegen Böhmen zu sollen sie geneigtes Gehör» gefunden 
haben, als sie ihre Missionen ausschickten. Doch wogten auch 
von jener Seite die geheimen Abgeordneten sich nicht tiefer in 
das Land. Bestimmtere Notizen über diese letztere Lage ver- 
mochte ich mir nicht zu verschaffen. Jetzt scheint auch diese 
Fakzion ihre Wirksamkeit wieder, wie vorher, bloss auf ihr 
Vaterland Bayern beschränkt zu haben. iWo man nicht ein- 
reissen kann, muss man untergraben,« sagte mir einer ihrer 
Stimmgeber. Nach diesem Grundsatz, den die Illuminaten bis- 
her zur Norm annahmen, wollen nun auch sie handeln. 

I j»üm die Patrioten zu stürzen, Hessen die Illuminaten durch 

ihr Organ, den Professor Salat, in die »Nationalzeitung der 
Deutschen« mehrere Briefe einrücken, welche das Unwesen der- 
selben während der letzten Epoche des Kriegs in einem sehr 
schw^arzen, aber nicht übertriebnen Kolorit darstellten. Zu 
gleicher Zeit wird auch von Seite des Churfürsten eine scharfe 
Untersuchung gegen jene angeordnet, welche als voT'zügliche 
Teilnehmer bekannt waren. Aber ehe noch ein bedeutender 
Schritt gethan \ym\ Hess Montgelas selb.st die Untersuchung 
wieder aufheben: auch nicht Einer ward gestraft! Jede der beiden 
Fakzionen rechnet itzt auf den Schutz des französischen Ge- 
sandten Beichardt, der nach München bestimmt, abei" noch nicht 
dahin abgereist ist. Der bayrische Bevollmächtigte in, Paris, 
Cello, ein tiefeingeweihter Itluminat, wie die meisten diplo- 
matischen Agenten, intrikirte die Ernennung desselben, aber er 
drang nicht ohne Schwierigkeilen durch. Indessen liegt bereits 
auch zu Gunsten der Patrioten ein Empfehlungsschreiben an 
Reichardt von Moreau's Secretar Weiss, einem gebornen Ungar, 

izu München. 

x-Was den Entwürfen der Patrioten eine günstigere Periode 
verspricht, ist dos fast allgemeine Missvergnügen über die Neue- 
rungen der gegenwärtigen Regierung, die den Bayern au den 
empfindlichsten Seiten seines Nationalcharakters önlasten. Als 
man das Kirchensilber für die Staatsbedürfnisse hinwegnahm, 
geschah dies mit Verletzung aller Delicatesse. Der churfürstliche 
Commissar Bermiller riss mehr als einmal den Kelch aus den 
Händen des Priesters, als dieser kaum die Messe vollendet 
hatte. Gleich darauf erschien das Toleranzedict, zu welchem 
die Nazion gar nicht vorbereitet war. Jetzt wird — ausser der 



— 442 — 

Aufhebung der Abteyen — an einer Totalaiifhebung aller Mendi- 
kantenklösler und an der Untei-drückung aller Prozessionen, 
blos mit Aüsnühme der Frohnleichnams- Prozession gearbeitet 
Während man auf diese Art die Geistlichkeit und eine Menge 
von Menschen aus den übrigen Ständen in eine sehr missmutige 
Stimmung versetzt, werden neue Auflagen erschaffen, um das 
ungeheure Deficit in den ganz zerrütteten Finanzen zu decken 
und Ausgaben zu bestreiten, die das Volk geradezu mit lauter 
Stimme verschwenderisch nennt I Das Theatinerkloster wird in 
einen Palast für den Freiherrn von Monigelas, ein Teil des 
Gartens von Nymphenburg in einen Park umgewandelt. Man 
baut neue Casernen, will überall mit ungeheuren Kosten ver- 
schönern, und alle Gassen sind leer! Die Landstände, die man 
mit sichtbarer Verachtung behandelt, geben in den Klagen über 
dies Alles den Ton an, und die Patrioten intoniren, um ihre 
Gegenmittel anzupreisen. Die llluminaten sagen, man müsse 
durchgreifen und hindern, dass das, was man mit ReclU all* 
gemein Volksstimmung nennt, nie zu den *)hren und ans Hen 
des sonst so wohl wollenden Churfürsten gelange. Man hat mir 
aktenmössige Beweise zugesichert, dass ein NazionahBankrut 
unvermeidlich sei, da selbst der Credit der Stände nur noch an 
den Personen einiger weniger Mitglieder hange. Der Canzler 
Baron von Kreitmoyr, der das Land vollkommen kannte, pro- 
phezeyhte sclion v<ir mehreren Jahren, dass Bayern unter eine 
kaiserliche Administrazion kommen würde, so sehr waren die 
Finanzen schon damals zerrüttet. Da Utzschneider — nach 
einem fast allgemeinen Urleile beider Parteien — der einzige 
Maim ist, der im Finanzfache tiefe und ausgebreitete Kennt- 
nisse besitzt, so wäre der Fall nicht bloss möglich, sondern 
selbst wahrscheinlich, dass er wieder, wenn die Verlegenheit 
den grössten Punkt erreicht hat, an das Staatsruder berufen 
werden dürfte. Die Folge davon lässt sich mit mathemalischer 
Gewissheit berechnen, 

»Vergleicht man nach der Basis der Tatsachen, die ich bis- 
her zusammenstellte, die llluminaten und Patrioten als Fak- 
zionen miteinander, so erscheint folgendes charakteristisches 
Resultat: Beide Fakzionen arbeiten auf eine Fundamental-Er* 
scliütterung der kirchlichen und politischen Verfassung des 
Landes hin, die llluminaten durch das Medium des philo- 
sophisch-litlerarisch-politischen, die Patriotendes blos politischen 
Zeitgeistes. Jene sind geheime, verkappte, diese offene Feinde 




^ 443 



des Fürsten; jene wirken in den höheren, kultivirteren Ständen, 
diese in den niederen Volksklassen; jene hüben mehr Aus- 
dehnung, mehr Macht durch Stand, Stellung und Einfluss, diese 
mehr Gemeingeist, mehr zusammenwii-kende planmässige Tätig- 
keit; jene haben den Zweck zu herrschen, schon bei'eit, diese 
wollen ihn erst erreichen, daher sind jene in einem Zustand von 
Ruhe, diese in steter sichtbarer Bewegung; beide Piirtlieyen 
handeln nach dem Grundsatz Weishaupts, dass der Z^veck die 
Mittel heilige; beide sind erbitterte geschw^orene Feinde Oest- 
reichs; aber beide werden auch seit dem Frieden durch die 
Furcht vor Oestreichs Nochborschaft wo nicht im Zaun geholten, 
doch wenigstens w^eit behutsamer gemacht Vorzüglich steht 
die geheime Polizey Wiens bei beiden Parteien in einem so 
furchtboren Ansehen, dass man im buchstäblichen Sinne an die 
Allwissenheit und Allwirksamkeit derselben glaubt. Darin liegt 
auch wohl die Ursache, dass weder die llluminaten, noch 
Patrioten eine Verbindung in den Östreichischen Staaten zu 
stiften unternahmen, seit der Friede wiederhergestellt ist. 

*In Salzburg und in Passau blieb zwar von dem Illu- 
minatismus, der einst dort Filiallogen hatte, allerdings noch 
eine sehr freie Denkungsart zurück, allein förmlicher Zusammen- 
hang mit den bayrischen Fakzionärs existirt wieder in der einen 
noch in der andern dieser Städte. Hingegon unterliegt es gar 
keinem Zweifel, dass sow^ohl von Passau als hauptsächlich von 
Salzburg aus ein sehr gefährlicher Schleichliandel mit verbotenen 
poliliscli und moralisch scandalösen Büchern in die östreichi- 
schen Staaten getrieben wird.c -^ — 

Sow^eit Armbrusters Bericht über die politischen Parteien 
in Bayern am Beginne des Jahrhunderts. Von kleinen Wider- 
sprüchen und Ungenauigkeilen abgesehen, wird man zugeben 
müssen, dass hier zum ersten Male ein vollständiges Bild von 
Verhältnissen entgegentritt, von denen man bisher nur vereinzelte 
Kenntnisse und allgemeine Vermutungen hatte. Bei aller Einseitig- 
keit des Standpunktes, der dem Berichterstatter durcli Gesinnung 
und Stellung vorgeschrieben war, lässt sich doch in seiner Dar- 
legung ein sicherer Blick und die durch die Pflicht gebotene 
Absicht erkennen, seiner Regierung mit soviel Wahrheit zu 
dienen, als ihm selbst erreichbar w^ar. Der Gewinn für die Ge- 
schichte ist unbestreitbar. Niclit nur, dass wir über thganisation 
und Schicksale der llluminaten genauer unterrichtet werden; viel 




— 444 — 



bedeutungsvoller ist, was wir über die Entstehung und das 
Wachstum jener zweiten grossen Partei erfahren, die sich unter 
dem Kinriuss der französischen Revolution als ein demokrati- 
sches Element der mehr aristokratisch organisierten Verbindung 
von Schülern Weishaupts gegenüberstellte, Und nicht minder 
wichtig ist es, aus dem Berichte über die >Patrioten<^ heraus- 
lesen zu können, dass sich auch hier eine radikale von einer 
gemässigten Fraktion trennte, die beide den Verkehr mit den 
Franzosen suchten, von denen jedoch nureinedie republikanische 
Staat sform erstrebte, wahrend die andere dem angestammten 
Fürsten treu bleiben und denselben nur durch eine Constitution 
binden wollte. Damit ist wohl auch der vielbesprochnen Persön- 
lichkeit Utzschneiders der richtige Platz in der Geschichte ange- 
wiesen.*) 

Arnibruster hat aber auch den zweiten Zweck seiner Reise 
erreicht Er hat in Bayern und Oestreich freundliche Korre- 
spondenten gewonnen, zumeist freilich in den Reilien derjenigen, 
welche dem letzten Churfürsten als willige Werkzeuge zu 
Diensten gewesen waren, wo es gegolten hatte, eine freiheitliche 
Regung zu verfolgen und zu unterdi*ücken. Diese Herren sehen 
alles in den dunkelsten Farben, wahre Hiobsposten drängen 
sich in ihren Berichten und das ganze Jahr 1802 liindurch wird 
darin von der drohenden» aufrührerischen Haltung des niederen 
Volkes gegen Max Jose[)h und von der unterbrochenen Agitation 
der Patrioten erzahlt. Sie hören überall den nahenden Schritt 
der Revolution: sie ist im Einverständnis mit den Pariser Jaco- 
binern verabredet, die Napoleon hassen, und wird binnen kurzer 
Zeit losbrechen. »Mit dem Ende Bonapartes — schreibt einer 
der Agenten im Dez. 1802 — ^entsteht Revolution in Frankreich, 
d. i. der Zeitpunkt dei- deutschen Revolution, die schon organi- 
sirt sein soll . , _ . Preussen und Bayern sind die Organisalions- 

punkte Nach dev Illuminaten Meinung steht nach *l Jahren 

oder noch früher die Revolution.« Das war nun allerdings 
Täuschung. Das »I^jide Bonaportes« trat sobald nicht ein und 
die »deutsche I^evolulion* ist damals nicht ausgebrochen. Auch 
in Bayern vollzog sich, ohne die Schrecken einer gewaltsamen 
Umwälzung unter einem gutgesinnten und gemässigten Fürsten 
und einem tüclitigen Minister die innere Reform und durch 



*) Über dessen Bedeutung auf dem Gebiete der Staats und Volkswirt- 
schalt vergL ßauernfeind: Joseph v. tltzschiieider, Mönchen 1880. 




— 445 — 

'eine kluge Politik nach aussen erhielt sioh und erstarkte der neue 
Staat, Vor diesen praktischen Erfolgen traten der Hader der 
Parteien und die Konspirationen der Geheimbünde in die zweite 
Linie zurück. Man wird sie ober doch niemals ühei'sehen dürfen. 
Sie lassen die Politik der deutschen Fürsten mit ihrem An- 

[schluss an den Gewalthaber im Westen unter einem besonderen 
Gesichtspunkte ersclieinen und beleuchtet die Reaktionstendenz 
der späteren Zeit schärfer^ als es bisher das Urteil der Ge- 
schicbtschreibung imstande war. 



m ■ 

■ Fournier schreibt dem Bericht Armbrusters wohl mehr Be- 

■ deutung zu, als er verdient; aus diesem erkennt mnn, dass gmri 
P sicher ähnlich den Starkschen Korabinationen, auch hier dem Illu- 
minatenorden wieder Folgen zugeschrieben w^urden, die auch ohne 
dessen Existenz eingetreten wären. Das Ende des 18. Jahrhundert 
bildet in der Geschichte einen Drehpunkt in dem Gescliicke der 
Völker und hat einen Grundstein zu unserer heutigen modernen 
Ent Wickelung geschaffen. Die Regierungen waren überrascht 
über den erwachten Oppositionsgeist und folglich suchten sie 
eine Ursache, die sich in dem Schlagwort Illuminatismus so 
bequem darbot. Dass die alten Zustände infolge des geistigen 
Forlschrittes unhaltbar gew^orden seien, wurde nicht zugegeben, 
der revolutionäre Geist, die Freigeisterei musste Sclmldsein und 
deswegen galt es deren vermeintliche Quellen zu verstopfen. 

B Napoleon, der teils als Retter der Völker, als Bringer einer 

"neuen, schönen Freiheitszeit begrüsst, teils als Unterdrücker 
gehasst wurde, verfiel in denselben Irrtum, wie die ersten Ver- 
mj folger des (Ordens. Auch er schob dem Illuminatismus als 
Prügelknaben diejenigen Folgen zu, die seinem Despotismus 
allein entsprangen. Seine Kneclitung Deutschlands hatte in den 
Gemütern den Drang nach Freiheit wachgerufen; widerum waren 
es aber einzelne offene und verborgene Verbindungen, die diesen 
Geist pflegten und in den Freiheitskriegen zur P-xplosion brachten. 
Die schwarzen Brüder und der Tugendbund haben sich her%^or- 
getan in den Freiheitsbestrebungen. Auf diese Bünde näher 
einzugehen, liegt hier kein Grund vor, sie müssen jedoch er- 
wähnt werden, weil auf diese die Illuminaten einen gewissen 
Einfluss gehabt haben sollen. 

Im Dresdner Staatsarchiv befindet sich ein Manuskript; 



— 446 — 

Preussische Schrift über den Tugendbund 

1809-1813. 

Uis den Papieren des k. sechs. Gesandten am k, preuss. Hofe" 

V. Thiollag, 
Es heisst daselbst Seite 11: 

Schon vor 30 und mehreren Jahren waren auf allen 
deutschen Universitäten geheime Orden und als Weishaupt den 
Illuminaten Bund errichtete und die ersten beiden Grade auf 
katholischen Akademien verbreitete, da wirkten die Illuminateu 
auch auf die scliwarzen Brüder ein» die ihre erste Entstehung 
in Erlangen erholten hatten, von hier nach Jena, Göttingen, 
Gi essen und Marburg sich ausbreiteten. 

Hier war dieser Orden besonders von 1780 bis 1795 sehr 
thötig und zeichnete sich on vorzüglichen Subjecten, besonders 
in Jena aus, wie die anderen beiden Orden, Unitisten und Con- 
stantisten, die besonders in Holle und auch in Jena hauseten. 
Jener Orden der schwarzen Brüder dehnte sich über das aka- 
demische Leben ins Bürgerliche hinaus und schon 1788 war 
eine Loge in liraunschweig, welche die akademischen Logen 
leitele und unter Einfluss der lUuminaten stand. Das Streben 
nach Freiheit war in allen schwarzen Brüdern die Haupt- 
Tendenz.« 

Es Ware nun sehr leicht, wenn auch sehr lächerlich, aus 
diesem Zusammenhange, dass wahrscheinlich einige ehemalige 
Illuminaten den schwarzen Brüdern, dem Tugendbunde und 
anderen Bündnissen gleicher Tendenz angehörten, zu konstru- 
ieren, die gesamte Freiheitsbewegung gegen das Joch Napoleons 
sei schliesslich, intblge dieses Zusammen lianges, ein Werk der 
Illuminaten. 

Der Beweis, dass die Illuminaten die französische Revo- 
lution zur Explosion brochlen, steht auf genau solchen un- 
sicheren Füssen. — Wer solchen Versuch wagen wollte, würde 
sich sicher unsterblich blamieren und dennoch liegt der Nach- 
weis vor, dass in TVankreich diese Meinung wenigstens inso- 
weit Briden fand, 'dass alle die Fremdherrschaft bekämpfenden 
Strömungen nls llluminatismus gefürchtet und bezeichnet 
wurden. 

Im Pariser Archiv befindet sich unter der Bezeichnung: 
Allemagne. M^moires et Documents, T* 119 page 60 ein Schrift- 
stück betitelt: 




^ 
^ 



I 



Extrait d'un Memoire sur les Ulumines et l*Allemogne. 
Es ist ohne Verfasser und Doluniongabe und stammt, wie 
'aus einigen Stellen hervorgeht, aus der Zeit um 1810, ist von 
[Anfang in Übertreibung der Dinge abgefasst und erinnert manch- 
mal geradezu an die Lügen eines Caglioslro. Es ist jedocli 
so ungeheuer charakteristisch, bis zu welchem Schreckgespenst 
der Begriff Illuminatismus sich ausgewachsen hatte, dass die 
ganze, umfängliche Schrift hier wiedergegeben werden muss und 
zwar wiegen ihrer WiclitigkeiL für den Geschichtsforscher in 
der Ursprache mit allen Fehlern, wie sie geschrieben ist. 

Der Berichterstatter unterscheidet hier zwischen lUuminds, 
die aber jetzt die wirklichen deutschen Illuminoten bedeuten 
und Idealistes, Letztere sind jedenfalls die weniger gefahr- 
lichen. — 

Allemagne. Memoires et Documents, 

T. 119 page GO. 

Extrait d'un Memoire sur les liluminös et TAUemagne. 

II existe, depuis longtemps, dans tous les partis de TAlle- 
magne et du Nord de l'Europe, une associalion d'Illumines, 
dont la doctrine tend ä renverser les Gouvernements, ötablis 
pour leur substituer des Systemes poirtiques, fondes sur des 
principes du röpublicanisme et des idöes de perfectibilite 
infini. 

Gelte association fondöe, h ce qu'on croit, per ([uelques — 
uns des principaux Chefs de la Societe de Jesus, dans le bui 
de ressaisir la puissance dont lö Suppression de l'Oi-dre les 
avail d€pouill6s, se fit d'abord connaitre en Baviöre en 1775. 

Elle eilt pour Chef dans ce pays, un certain Abraham 
Weishaupt, qui irouva ses premiers proselytes parmi les 
Etudiants dlngolstadt. Le gouvernement electoral d<!*couvrit leur 
correspondance, exila les plus coupables; mais le germe existait, 
et il se dßveloppo, avcc le temps, cn Baviere, aussi bien ((ue 
dans les autres provinces germaniques oü son existence ne 
s'6tait pas encore manifestöe. 

Aujourd'lmi il a franchi les bornes de l'AIlemagne. 

Elle a des ötablissemeots en Danncmorck, en Suede, 

en Russie et meme en Turquie; et Ton compte parmis mem- 
bres un grand nombre de litlörateurs et de Savants, et quel- 
ques hommes destingu^.s par le rang qu'ils occupent dans la 
iet6, ou par les emplois publies, dont ils sont revetus. 




— 448 — 



Les principaux Chefs, ses röglemenls oi^aniques ne sonl 
pas connu. 

On ignore aussi quels sont les lieux oü s'operent les 
reunioiis, mais en obsei'vant les variotions qu' ^prouve Topinion 
publique et les points d'oü pari Umpulsion qui lui est donnee, 
on est fondß h croire que ses principaux foyei's sont; 
Gotha poiir Ic centre de rAllemagne. 
Berlin pour la Prusse. 

Hambourg pour la Westphalie et la Basse Saxe. 
Copcnhague pour le nonnen:iarck et le midi de la Suede. 
Stockholm pour le nord de la Su6de» la Pomeranie et b 

Finlande. 
Petersbourg pour les provinces russes de la Mer Baltique* 
Moscou pour le centre de la Russie. 
Constantinople pour la Grece et la Hongrie, 
Vienne pour rAutriche. 
Münich pour la Bö viere. 
Stuttgard pour la Würtemberg* 
St. Gall pour la Suisse. 

L'influence frnnraise parait avoir emp6ch6 jusqu'ö prösenl 
tout etoblissemont de cetle esp6ce sur les bords du Rhin, 

Tous ces foyers communiquent entre eux par divers canaux, 
notamment par les membres de Tassociation, qui fönt partie des 
ioges mo<;oniiif|ues du Rite Ecosstiix, et la löge de Berlin, appelöe 
La Rnyale Yorek, est regardöe comme un de principaux points 
interm<:^diaires pour les Communications avec le Dannemarck, la 
Suede et la Russie, jusqu'ii Moscou. De lä, la ligne de Con*e- 
spondance se dirige la Tauride, passe ^i Constantinople et rentre 
dans rAllemagne, par la Hongrie et TAutriche. 

Hambourg et Amsterdam tHaient outrefois des points de 
communicotioo avec TAngleterre, aujourd*hui c'est Copenhague 
et Gölten bourg. 

L association, dont la Doctrine a beaucoup danalogie avec 
les id^^es exaltöes de la premiere tenue de la Revolution, montra 
}'i cette epoque» un grand attachement pour la France; mais 
depuis que l'Empereur a change les bases de l'ordre social» et 
quil a adress6 aux princes de rAllemagne, per son influence 
sur ce pays une garanlie contre les entreprises des Illumin^s 
ceux-ci ont tourn^ tous leors efforts contre le systöme fran- 
r^is; persuad^s que si TAllemagne etait soustraite ä I influence 
de la France, ils porviendraient bientot, dans l'^tal de fermen- 





— 449 — 



tation oü se trouvent les esprits, h mettre a execuler leurs 
projets. 

Rendre TAIlemogne independant de la France, tel est donc 
aujourdliui r/ynique but de rössociation; et le moyen (]u*elle 
a choisi pour y arriver, c*est d'armer Topinion des peuples 
contre rEmpereur, en excitant le fanatisme politique et religieux. 
Les ressorts, (|ye les Illumiiies fönt agir sont calcules selon les 
interets des diverses classes de la Societe; 

ö la Noblesse, ils promettent le retablissement des formes 
anciennes et feodales, 

aux patricieux des c>devant Villes Libres Emperiales les 
retour l'ancienne independance Germanique avec des formes 
republicaines. 

Aux Conimerc^ants et manufaeturiers, le retablissement des 

rapports commerciaux avec L'Angleterre; a ceux qui cultivent 

ft les arts et les sciences, un deveIo|)pement de civilisalion qui 

■ amenera Fetablissement d'one aristocralie des gens de lettres 

etc. etc. etc. 

Pourexciterlefanalisme religieux, ils attribuent ü TEmpereur 
le dessein de porter atteinte aux principeux fondomentaux du 
christianisme, en reunissant dans so personne les pouvoirs 
temporel et spiritueL 

On peut ränge r sur la möme ligne, quoique ne faisant point 
partie de rassociation, un assez grand nombi-e d'individus de 
tüutes les classes, qui ont enfante ou adople des Systenies de 
Perfectibilit^ Sociale. 

^Ces reveurs, designes sous la denomination d' Ideal istes 
tendent au tbnd, vers le möme but que les lUumines, ovec 
lesquels ils ont des rapports intimes. 
Ils prechent une regeneration morale et politique, qui doit 
assurer Tindependance des peuples Allemands et le riigne des 
Id^es. La providence, disent-ils, u'a promis les maux de la 
guerre que pour faire sentir aux peuples la faiblesse, les defauts 
des institutinns pnliliques et leur donner leneiigie nfcessairepour 
arriver a un ordre de choses plus parfait 

Les IHumines trouvent encore un appui dans deux sectes 
religieuses, dont la doctrine offre £galemenl beaucoup danalogie 
avec leurs idees. 

La plus considerable est Celle» qui fut fondee vers le milieu 
du n^rne siöcle par un Protestant allemand N. Boehm. Elle voit 
dans une explicalion mystique des lextes sacres,ia promesse 

£ag€]» Giucbicbtc) d«« tÜutaitiatena'rdeJ}«. 29 



positive d'une regen eralion future» d'un iitvellement genei*»!, 

qui doit amener le rugne du St. Esprit. 

Jung, celebre oculiste allemand, attache ij la Cour de Bade, 
est TApötre le plus chaud et le plus influent, qu'elle ait au* 
jüurdlmi, 

Les sectateurs au nombre de plusieui's millions, soiit 
repandus dons les caiilons protestants de la Suisse, en Alsace, 
(particulierement ä Strassbourg, oii Jung n un disciple tr^s zeles 
dons lö personoe du Sr Saltzmann, ancieii redacteur du Journal | 
politique de cette Ville); en Allemngne, en Prusse, en Russie et 
dans lout le Nord* , 

La seconde, sous la d^nomination d' Indepedants Rigo- 
ristes, aussi de la rellgion iirotestonte a ^golement pour Prin- 
cipe une explication republicaine des livres sacres. Elle a 
pris naissance dans le Würtemberg: 

L'opijosition iiu'elle a trouv^e dans le Gouvernement n 
beaucoup ralenti ses progres; cependant eile compte aujour 
d1iui un assez bon nombre de proselytes dans ce poys, en 
Suisse, dans le Grund Dache de Bade et dans lu West- 
phalie. 

Pour faire connaitre letat acluel de l'association des 
IIL et les appuis qu'elle peut trouver soit dans Texaltation 
des rcveries philosophiques et du fanatisme reügieux, soit 
dans la diversile des inlerets politiques, on va reunir dans 
un tableau stattsti([ue des Etuts^ oü eile a propagd sa 
doctrine, 

1. Tous les documents, epars dans le memoire sur le 
caractei^e et les dispositions des tamilles regoantes, enver^ 
la France; 
2/ Tous les proselytes marquants, que l'association y a falls; 

3. Les Partisans des divers syslemes dldealisme; 

4, Les sectaires religieux qui suivent la doctrine de Jung, 



Autriche. Le caract^re paisible des Autricbiens offrait peu de 
prise aux eflVjrls des lllumines et des Idealisies: cependant 
de frequentes declamations contre le systöme francais des 
esperances de veogeance et de ])rosjrerites futures, adroite- 
ment jjropagees, ont tini par exaller ! espi'il de la Noblesse 
et de la Houi^goisie. 

L'imperatrice r^gnaiile et les Archiducs, surtout l'Archiduc 
Jean, enliclies de h\ manic du bel-esprii, contribuent ä 




— 451 — 

entretenir cette exaltation, par Tappui qu*ils accordent aux 
Idealistes. 

Illumin^s ou protecteurs de Tassociation. 
Le Comte de Metternich, avant Talliance entre la France et 

l'Autriche, depuis il parait les avoir abandonnfe; 
Les Comtes de Stadion et Tancien ministre de ce nom ä 

Münich. 
Les comtes de Wallmoden, de Piulay; Mrs Chasteller, Grüne et 

Bellegarde, tous officiers generaux; 
Gentz II a public pendant la revolution un Journal historique, 

qui a beaueoup contribu^ ä propager la doctrine. 
Schneider, Chef des r^voltes du Vorarlberg en 1809, aujour- 

d'hui au Service d'Autriche en qualite de Conseiller: II ftait 

l'automne en Suisse annongant un changement prochain 

dans Tetät politique de l'Europe. 
Les Idealistes sont beaueoup plus nombreux et Ton doit 

placer a leur töte Frederic Schlegel, poete cel6bre, attachfi 

a la Cour de Vienne depuis qu'il a embrasse la Religion 

Romaine. II est, ainsi que son fr^re Guillaume Schlegel, 

l'apötre le plus zel^ et le plus influent de Tldealisme, li^ avec 

Mme de Stael et avec plusieurs Illuminfe. 
Saumenfels,*) professeur d'economie politique ä Vienne. 
Egger, professeur de droit naturel, il a public des opinions 

revolutionnaires sur la division des pouvoirs exfcutifs et 

legislatifs. 
Collins poöte dramatique, Auteur d'un grand nombre de chan- 

sons pour la Landwehr. 
Le Baron de Hornmayer, Ancien Intendant du Tyrol, historien 

distingues: Lie avec Gentz, les Schlegel, les Stadion etc. — 
Le Comte Azevvsky et Ms de Hameo savants orientalistes, dis- 

ciples zeles de Schlegel. 
Stoll poöte, attache au theatre de la Cour ix Vienne, lie ä Tasso- 

ciation etparticulierement ä Schlegel. II entretient une corres- 

pondance suivie avec Ms Wangenheim, conseiller prive de 

S. M. de Roi de Würtemberg. 



Bade: M^e La Margrave Douairiere: de l'attachement pour 
rAutriche et pour le Systeme feodal; beaueoup d'elevation 
d'esprit et d'aversion pour l'intrigue. 

*) Sonnenfels. 

29* 



452 

Le Grand Diic HereditDjre, aujourd'hui r^nant, esprit droit 
mais libertin et paresseux. 11 se livre, dit-on, depuis qneV 
{]ues mois aiix afföircs publ[(|ues avec une grande aclivilc 
et met beaucoup d'amabilite dans ses rapports avec son 
Epouse- 

Le Prince Louis: ambitieux, petil, Ir^s porte ä rUilintjue: On 
lui impute la mouvaiso intelligence qui a regre entre la 
Margrave Douairiere, son fils et la Princesse Stephanie. 

La Comtesse de Hochberg, Epouse du Grand Due; imbue de 
la doctrine du Secretaire Jung. 

Le Bai'un de Reizenstein, Ministre d'Elat, beau-trere du 
Minislro prussien de Hardenberg, prolecteur des Illumines — 
des talents el de Fambition, beaucoup d'emportement 11 a 
de Tascendance sur le Prince hereditaire; mais il est hal de 
la Noblesse Bavaroise. 

Le Baron d'Edelsheim, Ministre des Aflaires Etrang6res, 
Beau*pere du General autriehieo Conite de Giulay — peu 
porle pnur la France; vain, intriguant et pussillanime* 

Ces conseillers prives Stoesser el Mayer, Tous deux Illumi- 
n£s — Le premier d'un caractöre fougueux, laisse facilemenl 
penetrer ses dispositions; Taulrc agit avec plus de jjrudence. 

Hofier conseiller prive, Gouverneur de la province Badoise, 
voisine du lac de Constance, Idealiste possionne. 

Scbrikel, Conseiller prive, premier Medecin de la Cour. ^M 

Voss, hellenisle el pocte. I! demeui*e a Heidelberg et il es^ 
un des collaborateurs de la *Gazette de Jenao: — Ires lie 
avec rillumine Jacobi de Münich. 

Thibaut Heisse, professeur de jurisprudence. 

Kluber, professeur d'Histoire, ancien clicf de cotteries revo* 
lutionnaires ä Claugen. 

I>umge» aussi professeur d'histoire, jeune homme sans fortune. 

De vi Hers, pensionne de la Russie; tres age, vivant ä Heidclbeiig 
daiis une profonde retraite. 

Creutzer, Goerres et Kastner, professeurs a Heidelberg. Les 
professeurs et les etudiants de Friboui^g, allients au Fana- 
tisme religieux, Fidealisme et Tattacliement pour TAulriche, 

Jung, medecin oculiste; Signale ci-dessus, II a publie des 
ouvrages sous le nom de Stilling. 

Fein, Conseiller prive, disciple z^Id de Jung. II a publie dans - 
la doctrine de la Secte un Commentaire sur TApocalypse 





— 453 — 

Dereser, Cure eathalique a Corlsruhe; lie ovec les II L de Munich. 
L'oraison funebre ^|u1l a prononce lors du deces de S. A» le 
Grand-Duc etoit dictee por le fanatisme ultramontain et 
par l'esprit revalulionnaire de l'associotion. 

Luchesi, Aiicicn Chombellan de la Reine Cai'oline (de Siede) 
intrigant vivant dans une espece d'intimite S. A. Le Grand 
Diic regnant. — Grand admirateur des Schlegel, 
uth. natif de Fribourg, dirigeant depuis (juelques tcmps le 
Ministere de rinterieur, ä Garlsruhe. Itriguant delie, parti- 
san exalt^ de rillumiiiisme et des priucipes ultramontains. 



R 



Bavi^re, Le Roi: attache n la France, II connait et deteste les 
menees des lUumines; mais faute de fermete et de dis* 
cretion, il est souvent Ig jnuet de Icur intrigues, 

La Reine: de laffection pour TAutriche; Une gi'ande noblesse 
d'?ime et beaucoup d'eloigneorent prmr rintrigue. Elle a de 
I lo bienveillaux pour la tamille d'Ai-co, tjui, ainsi que toute 

' la noblesse du pays, est peu portee pour la France. 

Le Priiiee H^nol. Esprit jiiste et cuUive; beaucoup dele- 
vation dans le coractere; un peu entiche d*Anglomanie, 
avant la derniöre guerre; mais tout-ü^fait revenu de ces 
idees, quoiqu'il soit generalement entoure par les ennemis de 
la France. 

Le Golonel Jor'dan, Aide de Camp du Prinee Royal, ancien 
secretaire de la Legation prussienne a Paris — bei esprit, intri- 
guant, tres prononce contra la France; trös favorise de la 
Reine, a ^te eloign€; ou l'a fait voyager, ensuile on l'a mis 
dans la Ligne. 

Mr Washington, ne Hollandais, aussi Aide de Camp du Prinee. 
Memes dispositions que le precedeut; avec peu de moyens. 
N'est plus Aide de Camp depuis le marlage du Prinee. — 
Grand Maitre de la maison du prinee. 

Mi* de Selten; ancien patricien d'Augsbourg; aujourd'hui direc- 
teur de la police a Münich, Esprit born^, opini^Ure; d^voue 
a I/Autriche. 

Le Colon el Pappen heim. Gendre de Mrde Hardenberg, port6 
pour rAutriche; a servi longtemps dans l'Armee. 

Aulrichien ne, Seigneur de la Noblesse mediale; qui est devenu 
Bovarois par rincorporalion de son paya 



1 




454 



lUumines. 
ün regarde comme les Chefs des lUuminfe de la Baviere 

es r^ferendaires intimes Stickünuer, Chef de rAdministration 

nouvellemenl etablie ä Augsboui*g et Zentner, directeur de 

rinstruction publique, Ce dernier est bien avec M^de Monte- 

glas, a qui son esprit et ses talents le rendent agr^able et 

ndcessaire. 

Jacobi et Schlichtegroll, L'un President et Tautre secretaire 
de TAcademie des Sciences de Munich, Ils ont des rapports 
suivis avec les Illumines de Berlin, Gotha etc. — le premier 
est bien regu dans la maison de Mr de Monteglas. 

Gehling. Membre de la mtime Academie. Tout-^-fait contraire 
et deraisonnable, Chiniiste. 

Schelling. Secretaire de TAcademie des Beaux-Arts ä Münich, 
ami intime de Jacobi- 

Seitz, Conseiller prive, ancien precepteur du Prince Royal et 
Gouverneur du Duc Charles, homme mediocre, 

Ammon et Morheineche, professeur h Erlangen. 

Mr Baumgar teil, calliolique et Bavarois, ancien directeur de 
Police ä Municli; homme excellent pour la France; tris fort 
de moyens, estime du Roi, mais il a ele ecarte par rinHuence 
des ennemis de la France; homme d'une grande influence 
dans le peuple. — Mal avec M»* de Monteglas* 

Schultes, catholique et Bavarois, professeur de Bolanique et 
de Chimie; auteur d'un voyage en Styrie et d*un voyage en 
Gallicie: a demeure presque toute sa vie h Vienne, oü il 
etait professeur du College de la Noblesse, üblige de 
quilter Vienne a cause de ses sentiments pour la France. 
II etail professeur ä Insbruck, lors de la revolte du Tyrol. 
envoye por les Autrichiens dans le fond de la Hongrie; 
maintenant professeur ii Landshut; tres bon eerivaio, exceL 
lent polemique et satyritjue: a ele i*edacteur u la Gazette de 
Vienne. 

Le Ministre de Russie h Munich. Sa Maison ei le Renderv^ous 
de tous les Chefs rjui sonl dans la Capitale de la Baviöre, 
II est tres inlimement lie avec Mme de Moteglas et avec la 
Comtesse de Taxis; — tr^s prononc^e contre le systerae 
franrais> — Ses rapports avec ces deux dames le rendent 
agreable a la Reine. 

Feversbach, Jurisconsulte dislingue Tun des partisans les plus 




— 455 — 






outres de riUuminisme. 11 a la plus grande innuenc^sup 
Mr Reigersberg, Mini^tre de la Justice. 

Niethammer, et le Professeur Chiezsehi, porte nouvellement, 
le premier h la place de Dictateur d' rinstruction publii]ue 
et le second h celle d'instituteur des Princesses Royales. 

FleischmoniK Libraire n Munich, 11 o public en 1809 le 1*> 
Volume du Libelle de Cevallos. L'influence de rassociation 
Fa foit absoudi-e: On s'est borne assure4-on, ä le placersous 
la suneillance de la police. 

Seiler, professeur ä Landshut. II a des correspondances sul- 
vies en Suisse, et il feit de fr^quent voyages dans ce pays, 
pour y propager les principes et Texaltation de la Secte, 



I 



Idealistes. 
Richter, poSte et Romancier distingue. Les Idealistes de 

toutes les communions le regardent comme le l^islateur 

du bon gAut. 
Kaune, Erudit de Bareuth. 
Les Seliman, Ban(|uiers juifs etablis a Munich et n Carlsruhe. 

11s ont des rapporls intimes avec plusieurs Illumines, 
Hambcrger, demeurant a Munich, intimemeot lie avec les 

Jacobi, les Schlichtegroll etc. etc. 
Breyer | 

Soemering i Membres de la soci^te Royale de Munich. 
Moll I 

Mannert, professeur d'histoire (\ Landshut: il a beaucoup d1n* 

fluence sur les Jeunes Etudiants. 

La plupart des professeurs de TUniversite de Landshut, 

et en premiere ligne le S»* Ast, helleniste et historien* — 

Ast est un des plus zeles d^fenseurs de Fr^derich Schlegel 
II est peu d^Universites oü ridealisme ait fait aulant de 

progres; la grande majorite des Etudiants en est imbue. 

üarm Stadt. La famille r<^gnante est generalement attachee ü 

TAutriche. 
Le Grand Duc Her^ditaire et le Prince Christian, son 

oncle, penchent vers les r^vöries des Idealistes. 
Starke, l^^ predicateur de la Cour, ancien 111 um ine. II est 

accueilli du Grand Duc, de la Grande Duchesse et trfes li 

avec le Prince hei^ditaire et le Prince Christian. 



— 456 - 

Fräokt'ort. Le Grand Duc; ses lumieres et son atta<!hemenl 
a la Fronce reloignenl des Illumines et des Idealistes, 
ciuxi|uels il est oussi tres r^doutable par son influence morale 
sur rü|iinion. Les sectaires et la Noblesse immediale chei*- 
chent n se venger de lui eii deprimaiit ses tjualites et son 
tolent Ijlteraire, 

Brentano et d'Arnius,*) litterateurs, auteurs d'un recueil de 
poesies et de Rumances populaires, qui enflamant reuthou- 
siasme des basses classes de la Sociele, par les Souvenirs, 
qii'il rappele. 

Beck mar, Boncfuier et Consul general de la Russie ä Fronkforl: 
partisan des Illumines par attechemeiit i\ la Russie et a 
rAulriche. 

Holsstein. Le Prince et ses deux fils, partisans de 

rAutriche. 
Ces dispositions sont assez generalemcnt partagees pour 

toutes les classes de la Societe; niais plus ouverlement par les 

Miiiistres de Berns torf, Schimelman et par Mr d'Ahle- 

feld, President h Schleswig. 
Hein hold, professeur de philosophie h Kiel, ancien moine 

qui a embrasse la religion proteslante, tres exalte partisan 

des Illuminea 
Henrich, professeur d'eloquence dans le mC-me viile: En 

rapports suivis avec les Illumines de Berlin, Golha et 

Munich, 



Mecklenbourg. La fVimille de Schwerin, devuuee h la Russie. 
Celle de Streb litz ä TAnglelerre. 
La Noblesse de ce pays est dans les m<>mes conditions. 



Nassau- Weilburg. De Marschal et de Gragert, partisans 
des Idealistes: ce dernier est un auteur distingue.s. 



Illumines. 
Prusse. Toute la Noblesse, tant civile que mililaire qui a perdiC 
par suite de la gucrre 1806, les appoinlements dont elte 
jouissait, propage la doctrine des Illumines en haine de 
la France. Lear plus ternie appui, dans tout le Nord de 



Jedenfaüfi Arnim. 





I 

I 



memöres de i ossociation er 
Mr de Stein, ancien Ministre i\ Vienne. 

Ml" de Humbold, conseiller prive, fröre du vo\ugcur de ce nom- 
de Kollm, örrete pour avoir public en Sih^sie, plusieurs bro- 

chures tres violentes; libre aujourd'hui h Berlin; it a des 

rapports suivis avec le Duc de Brunswig-Oels i\ Londres 

et Gentz ä Vienne. 
Sartorius, ancien professeur ü Goettingen, Employä depuis 

peu, dans la meme *]uölite h Berlin. Lie depuis longlemps 

avec Gentz. II est un des collaborateurs de la Gazette 

d'Jena. 
Kuhn. Redacleur du Journal: den Frey Muttigen, ouvertement 

dirige contre la France. 
D'ArchenhoIz. Redacleur du Journal hislorique. polititjue I.o 

Minerve, cjui i>onnt a Hernbourg. II a t|uilte depuis peu 

les bords de l'Elbe pour se fixer i\ Berlin, Vieu, accable 

d'inferinites et tres riebe. 
Wolf et Jacobs, professeurs h 1 Universite de Berlin. Le 

dernier professait il y a queb|ue lemps a Munich, oii il 

dirigeait les lllumin^s conjointement avec ses amis, Jacobi, 

Schelling etc, — — 
Bullmann, belleniste, ami de Sartorius. 
Ray, posteur n Breslau, orateur distingue, 

II pröche assez ouvertement la doclrine de rassociation. 



Idealistes. 

Boeckh, Savant hellenisle, ancien professeur n Heidelberg, appele 

recemment a Berlin. 
Herbart, professeur de philosophie a Göttingue, appele aussi 

depuis peu a Berlin. 
Schleger-Mecher, professeur a Berlin et anciennement a HolL 

II jouit dune grande reputation comme helleniste et penseur. 
Fichte, professeur a Berlin. 
Werner, iioüle; en rapports intimes avec les freres Schlegel et 

Mm de Stael. 11 a i^eemment embrasse la foi catholique 

dans un voyage a Rome. 
Lehmann, professeur a KoenigsbeiK- 
Hussie. L'Imperalrice üouairiure: disposee en faveur de FAngle- 

lerre et tendance marqute vers les r^veries des Idealistes. 



li 



^ 



— 458 — 



Toutes ses filles partagent ses sentiments, parüculieretnent 
la Princesse Catharine Paulowna, Epouse du Duc d'Edim 

bourg. 

La noblesse des ]jrovinces russes sur la mer BaHi(|ue est 
genernlement disposee (pnr reducatjon philosophique qu'elle 
i*et;oit daiis les Universites allemande) e goüter la doctrine 
des Illumines. 

Et [larmi les familles qui en sont les plus imbues, 
eile parliculiL'i'emeirt celle de Campen hausen, surtout le 
Conseiller d*Elat de ce noni, gouverneur de Tauride, les 
Lievven, les Lewis, les Schroetter en Livonie et les 
Raden en Courlande. 

Le Cte Hnzomoufsky; angloniane, arai de Gentz, pait partie 
de l*association. 

Kotzebüe, homme de lettres n Kigo. II l'avaii abendonnee dans 
i*espoir d'ohtenir des titres et des honneurs; trompe dans 
son allen te, il vient d'y rentr-er. 
Le Ctc de Riaibiny, Ministre de Russie pour le Grand Duc 
de Bade. lotVintu^ des Roveries de Jung, avec let{uel il 
est tres lie. 11 a des rapports avec tous les Iltuniin^s, 
qui dingen t Tupinion dans les Etats de la Contederotinn. 
Le Prince Lapouchin: parlison zele de la doctrine de Jung. 

Lo doctrine des Illumines et des 1 drallstes 
a fait [^eu de progres dans la Saxe Royale, gräce 
n ratlaciiement des habitants pour les usages et 
les idees de leurs peres; et le Roi n'a pas peu 
contribue h garantir ses Etats de !a contagion. 

Cependant le romnncier Lafontaine y repand dans ses 
ouvrnges, mais sous des couleurs trlis modei'ees, les principes 
des Idealistes. 



Saxe-Royale 

Saxe-Ducale 



Saxe Ducale. 

Gotha. Le Duc regnant: ami des lettres, les cullivant a^ 
succös: oppos^ aux Illumines; attache a la France. La 
Duchesse Douairiere su partage pas ses dispositions; et c'est 
sans doute h raslronome Baron de Zach illumine, avec 
lequel eile est trös liee que Ton doit attr-ibuer son attache 
meot n la doctrine de Tassocitition, 



Le Ct^ de Salisch. Lilteroteur dislingue. autre Illumin^. La 




-— 459 — 

rapporls avec tous les litterateor de l'Allemog:iie proteslonte, 
lui donnent bcaucoup d'iiifluence. 



Weimar. Devouement aveugle a la Russie; haine pour le 
nouveau Systeme polititiue et dispositioii mon|uee i\ favoriser 
les ecarls des Idealistes, tei est en general la caractere de 
la farriille Ducale a Weimar 

L'assoeialioii a quelques partisans ziles dans le Duche. 

Adam Müller, Conseiller aulii|ue, hislorien tr6s estime en 
Altemagne. 

Mm de Berlepsch, nee en Suisse, mariee h Weimar, auteur de 
plusieurs ouvrages disUngues. — Intriguaiile propageanl la 
doctrine des Illaraines, par attachemeat pour TAngleterre, 

Eichstaedt, professeur ä l' Universite d'Jena et i-edacteur de 
la Gazette de cette ville. Les articles de reconomie poli- 
tique, inseres dans cette feuille, doivent surtout tixer 
Tattention, 

Le veslige, de Tldealisme est generalement repandu dans 
r Universite d'Jena. 

Suode et Pomeranie. L'imagination ardente des Suedois et 
leurs. divisions politiques ont beaucoup favorise les entre- 
prises des IHumines, qai cachent dans ce pays leurs intrigues 
sous le voile de la Mat^onnerie. I/on cite comme Chefs 
prineipaux de rassociation: 

Le Cte de la Gardie. Aide de Camp du Roi et Capitaine des 
GardeS'Nobles; homme despnt, opiniatre, ambitieux et le 
plus riebe proprietaire de la Scanie. 

Mr Stedingk. Ministre de Suede ä Petersbourg; devoue aux 
intenMs de la Russie et de l'Angleterre. 

Le Baron de Wettersted, chancelier de la Cour II doit ce 
poste h la protection de M^ Stedingk, dont il partage les 
seotiments. 

Arndt, professeur de Jurisprudenoe a Greifswald. Son Imagi- 
nation ardente le livre aux plus fongueux exces. II publica, 
il y a r|uelt[ues annees un Libelle, qui produisit un Iri^s 
mauvais etat en Allemagne. 



Suisse. Les lllumines ont beaucoup de partisans parmi les 
anciens patriciens de Berne. Un cite particuliöremeot 
M. Steigner de Rugisberg que ses rapports de fortune 




460 



atlochent h lAiUriche. U o deux fils au seiTice de 1' Angle* 
lerre. 
Mm de Stael. Ses liaisons intimes avee les fröres Schlegel, 
surtout avec Giiillnume, lui donnent beaucoup d'influeiice 
püi-nii les Idealislcs. On regarde MmdeStael et Guillaume 
Schlegel comme le Heu qui uiiit les Idealistes Romains 
aux Idealistes protestonts. 

de Bonstetter: poete, d'une fütnille patricienne de Berne. Tr^s 
lie avec Mm de Stael et Guni Schlegel. 

Tiecke, aussi poele, onginaire de la Basse-Saxe, il vient 
d'embrasser la Belipioo Romaine, 

Tivs He avec les Sehelliog et les Schlegel. Ses rapports 
avec Mm de Slacl, Tont conduit, depuis peu» en Suisse. 

Schultess, professeur u Zuricli: sui- (|uel<iues opinions meta- 
physiques de M. Pestalozzi, Schultess batit un systöme 
d'ediication, dont Tobjet doit Hve de fornner une g<5nö- 
ralioii enerpi([ue de rindependance. 

L'esprit du Conton de St. Gall est gönöralement trös 
mauvais; aussi ce point est il regardt^ comme un des foyers 
des III um Ines. 

Le Journal des Erzachlei% qui s'imprime a St, Gall» parait 
dirige contre la France; et son iofluence s'^tend sur les 
paysans des petils cantons de la Souube, de la Ba\icre 
et du Tyrob oQ il est fort repandu. On croit le Redacteur 
en rapport avec les Officiers suisses qui sont au service 
d Espagne. 



Ul um in es. 
Westphalie. Reichardt, maitre de lo Chapelle de S. M 
Hol de Westphalie. — II a publie, avaut 1806, un voyage 
ä Paris et d'autres ecrits anonymes d'un tros mauvais 
esprit 
Bredow, protesseur d'histoire a HelmstadL 

La sagesse du Sieur Heine a longtemps pn!»serve lUni- 
versite de Göftingen de lo doctrine des Illumines; mais 
eile s*y est intro-duite maintenant et a gagne les etudiants 
qui, en g€n^ral, allient ä ces idees une forte dose d'Anglo- 
manie. 

Parmi les professeurs, qui propagent cette doctrine, l'on 
cite particulicrement: 



I 




— 461 — 

Hugo, professeur de Jurisprudence, Iros He avec Butt man et 

Sarlorius de Berlin. 
Eiclihorn et Bo uteweck. (Butterweck?) 



Würtemberg. Ce Royaume est un cenlre vers lequel les 

^Illünlines d'AUemogne inendioiiöle dirigent sons cesse leurs 
efforts; parce i\ue de la, ils pourroient agir avec succes sui* 
la Souabe, la Suisse etc. — 
Le roi, qui connait leurs desseins, soppose avec fermete 
ii toutes leurs menees. 
Ils esperent trouver un jour moins d'obstacles dans la 
personne du Prince Royal, qui a beaucoup de penchant 
pour les idees d'Independance germanique. 
Le Prince Paul, son fröre, parlage ses dispositions. 
Le Baron de Seche ndorff, Ministre d'Etat est un grand partisan 
du fanatique Jung. 

I Wangen heim; pr^sident de r^ence et Conseiller prive: eii 
rapports suivis avec les Illumines de Gotha, de Municli 
et de Vienoe. Son correspoiidant de coiilianee dans cette 
derniere ville, est un Sr Stoll, poete, attache a la Direction 
du Theotre de la Cour. Mr Wangenheim jouit depuis quel- 
que lemps de lu conliance du Roi, (|ui le destine, assure-t-on 
au Minislcre des finances. 
Würtzbourg. Hennebrith. Conseiller d'Etat du Grand Duc. 
Son opinion contre le systome frant;ais est Ires forlement 
prononcee. II a fait perdre a son Collögue M«* Seyffert, les 
bonnes graoes du Grand Duc, en Taccusant d'avoir servi le 
Ministre tVancais. 



Man tindet in diesem Verzeichnis die Namen vieler be- 
deutenden Manner aus der Zeit der F'reiheitskriege und es ist 
ersichtlich, dass der Illuminatenorden, wie er von Weishaupt 
begründet wurde, absolul nichts mit ihnen zu tun hatte. 

Es beliebte eben in jener Zeit, Avie schon angedeutet, alles, 
was einem Gewaltherrschertuni entgegen war, als llluminatis- 
mus zu bezeichnen. Auch Napoleon halte diese Ansieht, wie 
bereits erwähnt, denn als der Student Friedrich Staps in Schön- 
brunn ein Attentat auf Napoleon versuchte, jedoch daran ge- 
hindert wurde, woi* Napoleons erster Gedanke, er sei ein Illu- 




462 



minaL Die betreffende Szene wird folgendermassen von dem 
Generol Ropp als Augenzeuge geschildert: 

^Am 13. Oktober 1809 machte sich bei einer Parade ein 
junger Mann, der sich immer in die Nahe des Kaisers zu 
drangen suchte, durch sein auffallendes Wesen verdachtig. 
liüpi» liess ihn durch einen Gendarmerieoffizier arretieren, bei 
der Untersuchung fand sich ein langes, scharf geschlitTenes 
Küehenmesser bei ihm vor. Als ihn Rapp verhörte, verweigerte 
er jede Auskunft, nur dem Kaiser wolle er Bede stehen. 
Napoleon Hess ihn vor sich führen; da Staps nicht französisch 
sprach, musste Rapp als Dolmetscher fungieren. Der junge 
Mann, der Sohn eines proteslantisclien Geistlichen, gab ohne 
weiteres zu, dass er den Kaiser habe ermorden wollen. *Sie 
sind von Sinnen, junger Mann, Sie sind ein Illuminat,< sagte