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Full text of "Geschichte des münsterischen Aufruhrs: In drei Büchern"

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AndoVer-HÄrVarP 

TKEOLOGEALUBRARy 



©efü^fü^te 



iti 



är^ttnftettfdjcit %nUnfiti 



in brei fBnä)txn 



9on 



(€. £i ß^orncfius, 



(Srfle« Su^. 



Sie Slefonttatioit. 



%. O. !EB e i s e I. 
1855. 






' • 



CJ|e0>0r ;Ot%jgeniann 



aeiDibmet 



®e^<f)i(i)tt 



iti 



äKttttfterifd^eir lufruQr^ 



in brei äBuc^crn 



^on 



iL, ä, (CorneCtus. 



(Srfte« Su(^. 



®ie Stefotmation. 



X. O. ÜB r { a < (• 
1855. 



.07 



^htotfot )0nt0gmann 



gewibmrt. 



Il 

■ 



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f 



t 



?ttt brn ßefer^ 



2)a« aaScrf, beffcn ftjie ?l6t^ei(ung i^ 2)ir je^t t)orIe9e, fc^lU 
bert eine 9let)oIurion, ble, nac^ 3«t imb dtanm befdS)rÄnften Umfang«, 
Weber bur^ Wannlgfaltigfeit ber wirfenben Äräfte, nocfj bnrcfj if)xtt 
I^eilne^mer gelfh'ge Sebeutung j?cf) au^jri<i)net, aber an ScfjtDung bet 
^Bewegung, ®r5f e be« ^\tl9 imb SSoOfommen^elt bed Umfhirjed ben 
tjielbefcbriebenen g(eicf)artigen SBeftereigniffen ni(l)t nac^fle^t. 8lf6 
I^ei{ ber beutfd)en ®efc^tcf)te Ijat fte, tioie alled, wad im guten ober 
fc^Ummen Sinne ber beutfc^e Oeift ^en)orragenbed erzeugt f)at, 
inöbefonbere auf unfred eignen SSo(fe6 Slufmerffamfeit t»oUgüUigen 
Slnfprucf), 

I^urcl) bie fritifcf)en SKitt^eifungen, bie ii) im jweiten SBanb ber 
©efc^ic^t^quellen bed SBiöt^umö SWünfter gegeben ijobc, ift na(l)gen>iei» 
fen, ba^ eine ®efc^i(l)te beö 3Künfierifc^en Sufru^rd im wefentlic^en 
nidjt auf Slutoren, fonbernnur auf 8Ictenftiicfe unb ft{)n(i(l)e 2)ocu* 
inente ficfj ftü^en barf. 2)iefe ju fammeln, ^abe ic^ 2lrcfji\)e unb 
©ibliot^efen burc^fud)!, unb meine S3emül)un9en fmb md)t erfolglos 
fleblieben, tvenn axii) bie angeftrebte SSoUftänbigfeit nid)t ju erreid^en 
war. SSieleö ift untergegangen. @o ftnb, um bieö eine ju ertt>ä^* 
nen, \?on ben Slcten ber beiben großen nieberr^einifdjen ^Regierungen 
mir geringfügige JRefte auö jener ^dt auf und gefommen. Slnbere« 
mag ungewuf t unb unbead)tet im Staube ruljen unb auf ben ^vi\aü 
ber Gntbecfung l^arren. 2lber n>cit fd)merjlid)er alö biefe Surfen hat 
ber SSerfaffer ben üWangel einfi^tiger unb tiool)lunterrid)teter 2lugen^ 
geugen empfunben, unb mit tiefem S3etauern mu^ er fic^ eingefte^en, 
baß eine Slrbeit, tvelc^e tToeit^erfireute 9Rotijen aud ©riefen unb Ur* 
funben mit gebufbiger Sorgfalt ju einem 93ilbe ber 93ergangenl)eit 



VI «n bcn 8cfer. 

jufammenfügt, mit foIcf)cn ®cfcf)icf)t«biicfcem, bfc au« bcr S«ttc \>cr^ 
Pdnbfger jeitgenöfftfc^er Scricf)tc fc^öpfcn burftcn, ftc^ im bcficn %M 
nur wie eine 9Äofaif mit bem SBerf beö 3JiaIcrd wirb t)crglcic^en 
Knnen. 

!Da6 2lmt bcö ®cfd[)icf)tfd[)reiber6 ifl, 93ergangened gu erfenncn 
unb baö Srfannte treu, rein unb tlax mitjut^eiicn. 9?acfj 2lbficf)tcn, 
bie auperl)a(b bicfer f)o^en unb unerreichbaren Slufgabe (iegen, foüft 
3)u in meinem 2ßerfe nic^t fud^en, 3w)ar meinen £tanb))unft ju ben 
iDingen, welche \d) erjagte, ju t)er^ünen, f)at mir fo wenig nottyy>tn^ 
big ald auöfü^rbar gefcfjienen; bod^ I)abe ic^ nie t^ergeffen, bap eö 
ganj unb gar ni(l)t auf meine ÜÄeinung, fonbern überatt nur auf bie 
Qa^t feibfl anfomme* SBenn aber, je^t ober Knftig, ber %on t\)x^ 
furc^tiger 3:^eilna^me an ben ©c^irffalen ber SRenf^^eit, ber JRuf gur 
Älarljeit beö iSeijied unb 93efonnen^eit ber S^at, bie SBarnung t)or 
(Selbjiübcrl)ebung unb jeglicher SKaf loftgfeit aud meinen 3^»!^" ^t>ort^ 
loe an 2)eine Srujl fc^lagt, fo weift 2)u, baß bieß bie ffiirfung 
aller wal&r^aften ©efc^idjjte \% unb rcc^neji mir ben SBunfc^ nic^t ald 
Slbfic^t nod[) 93erbienfl an. 

S3onn im 3um 1855. 



% 



3 n M ( t. 



6ciU 

I. 55cr aufrul^r öon 1525 1 

II. 3)ic ®cifili*!fit . . . ^ 14 

III. IDir ^umanißcn 27 

IV. grü^c Spuren ttx (ut^crifc^rn Se^re 32 

V. 2)i( Parteien trd alten unt bc4 neuen @UübtM 47 

VI. 3)ie 93erfoIgung 63 

VII. <t)tt Anfang Ui et>angelif(^en Slufrul^r« in Sßeßfalen .... 80 

VIII. 0{efcrination4t>eTfud^e tu ^ergcg^ ))on (S(et>e 89 

IX. IDer evangelifd^e Slufru^r in Sippßabt unt ®oeft 95 

X. löiWof griebrid^ unD «emt (Rotl^mann 121 

XI. 5Dte @tabt SOI^ünßer 134 

XII. @rüntung einer et>angenf(^en Gemeinte in SPtünßer . .146 

XIII. m^of önd^ 157 

XIV. IDer e)>an9(Itf(^e 9lufru^r in 9)>2ünßer, O^nabrüd unb $aberborn . 165 

XV. $ab(r6crnd Satt unb SD^ünfier« smiberßanb 183 

XVI. J)cr eifd SWünfter« 201 

Beilagen« 

/. 66Iner SWorfttnfvracfce 1525 SWai 31 214 

II. tlcten ber Jtir^ent>ifitaticn in ben Sanben 2lä(id^ unb (Rat^endberg im 

3a*rf 1533 .216 

III. ©erwarb SDeflerburg on ^erjog So^ftnn »on ©at^ftn. 1524 l«ot). 26. 248 

IV. ^apfl (SUmena VII. on bie €tabt 6üln. 1531 IWoü. 28. . . . 250 
V. ^ajjft eiemen« VII. an bie ©tabt 6öln. 1534 gRärj 30. . . . 251 

VI. f&tx\d}t über bie ©oefter Deformation 252 

VII. 2)fnffd^nft über bie ©cefler (Reformation 272 

VIU. a:i)oma« 93ordi>»ebe an ben Statt) ber <Stabt 8oefl. 1531. . . . 278 

IX. ©lauben^befenntnig ber ©oefler S^rebicanten. 1531 9^0». ... 279 

X. Sernt (Rot^mann an ben Siati) ber @tabt ©oefl. 1532 gebr. 2. . 281 

XI. JtlaQjettel gegen 93ernt 9iot^mann. 1531 283 

XII. 53emt (Rotbmann an ör^arb (£(^nevf. 1532 3uli 16 284 

XIII. 3nfiruction be« 8lu«f(^uffe« ber SWünflerifd^en (Witterf^aft jur iBer^anb^ 
lung mit ber <Stabt SWün^r. 1532 (5ept 2S6 

XIV. ^it ©üben ber @tabt [Wunder an S3ifd^of granj. 1532 Dct. 17. . 289 
XV. flflotbmann« Steifen 291 



SHtfutjungem 



MQ Die Geschichtsqiiellen des Bislbums Münster, herausgegeben von Freunden 
der vatcriändiscbcn Gescbicfate. 2 Bde. MAnster 1851. 185S. 

NB Niesert, Beiträge zu einem MAnsterischen Urkundenbach. Band I. Mun- 
ster 1823. 

NU ^liefert, gWunperifAe Urfunbenfoininlunö. 7 ©dnbc. dctiftih 1826-1837 
K Anabuplistici furoris Monasterium inclitam Westpbaliae metropolim everten- 
tis bisturica narratio autore Hermanno a Kerssenbroick. 91^. 9lo. 133 
ter ^aulinifc^fn 93iblict^ef gu 9)2ün{}er. 
H Hcrmanni Hamelmanni Opera genealogico - bistorica de Westpbalia et Saxo- 
Dta inferiori. congcsta ab E. C. Wasserbacb. Lemgoviae 1711. 

@^^ (Rfgierungd^SIrd^iD gu Gaffel. 
(S€t^ <Stabt^$lr(^it> gu (Sein. 

2)91 ?Prot)iniia^9lrd^!t) gu 5)üffe(borf. 

%'H (BtatU^xdiW gu Sranffurt a. SR. 

SK^ VTO\>in^iciU^xdiW ju fDtunfier. 

D91 $rot>tnjia(<9r4tt) gu Dönabrücf. 

etil ©tabt^SlrdS^it) gu ®oefl 

9691 9lrdl;tt) bed (Srneßintf(^en (5)eramiiit^aufe« gu aOetmor. 



IDie Äefarmatiati. 



5aiil PiMers »rhifllin ist im trhwangk. 
Ich sorge rast lion untorgangk, 
Die wällPD schlagen allst! dran, 
K« \vOr( vil Ktunu und plagen han. 

Sebastian Drant. 



I. 

^tt ^ttfrul^r tion 1525. 

1. 

©IC beutfd)en ©tdmmc am 9iicbcrrf)ein unb in SBefifalen "otu 
l)if[ten ftc^ it)Ä^rcnb bcr erftcn Sa^rc ber Sieformationdäeit ru^ig unb 
fcbtcnen unberüt)rt t)on ber reiigiofcn unb politifc^en ®d^rung, welche 
tic oberen Sanbe erfüüte* Slnt^eii an 8utl)erd Se^ren unb Scftrebun^ 
gen jeigte ftc^ nur ^ier unb t>a, in eng befc^ränften Äreifen. Da^ 
aui) biefe Sanbe ben großen (5rfct)ütterungen anl^eim fallen mürben, 
tic imDctober 1517 t)on SBittenberg Sluögang unb Slnfang nahmen: 
ta^ würbe erfi burd) bie ajorgänge bed 3a^re^ 1525 meltfunbig unb 
offenbar. 

3m Slnfang bed 3a^rd 1525 erfannten bie ®tänbe bed Stifted 
SRinben bie 9iotf)n>enbigfeit, gegen Oewait unb Unge^orfam, bie 
im Sanbe uber^anb nahmen, SSorfe^rung ju treffen. 3)arum madj^^ 
tcn ficb am 24. 3anuar Domcapitel unb 9iitterfd)aft unb bie Stabt^ 
rätbe x>on Siinben unb Sübbecfe burcf) einen 93ertrag üerbinblid), ben 
©ifc^of bei 8anb unb Seuten ju erhalten unb alle (Singefeffenen bed 
Stifte gegen Sebrücfung 5U üert^eibigen. !Die Stifter unb Älofier, 
benen ber na^enbe ®turm t)or anberen galt, gaben bem 93if(t)of (Selb 
unfc taufc^ten bafur bad SSerfprec^en audrei(t)enben ©c^u^ed ein.*) 
Xaß ju berfelben ^tii auc^ in ben 9iac^barlanben biefelbe ©äfirung 
berrfd)te, iji me^r ald wal)rfc^einlic^, obwohl urfunbli(t)e 9ia(^rid)ten 
tarüber mangeln. 2l(d bann im 9J?arj unb 5lpril ber 2lufrul)r im 
Cberlanb fid) gewaltiger erl)ob unb nid^t bloßbad «^oc^gebirg unb 
tic benachbarten ber ($ibgenoffenf(t)aft, fonbem ganj B^wabm, Sran^ 



*i ((Sulemann) SWinfcifc^c &t\d)\d)U\\, 1747. abt^eilun^ IV. p. 18. 

(ioineliuf, «ufru^c in äRunita. I. ^ 



2 (Srfled i&üd), 

Un unb IJjüringcn in glammen ftanbcn, bie SBetvcgung t^om (Slfap 
unb Srcidgau bm Dbcntvalb entlang fid) rl^einabwärtd [cnfte, granf* 
fürt feinem Slatl^ ©efe^e t>orfd)neb, ber 9ll)eingau ftürinifd^c Sanb^gc^ 
meinben t»erfamme(te, bic ?OJainjer iljrc ©eiftlidjfeit 5Üc()tigten: ba 
ivurben auc^ in ber rl)einif(t)cn 9?ieberung unb auf rotl)er Krbe bcd 
gemeinen ÜKanned 2eibenfcl)aften angefad^t unb äal)lreic()e ^anbe er* 
^oben fic^ jur ®emalttf)at. 

Ungebetene S3efucf)er brdngten ftc^ in bie illofter unb er^mangen 
fld) Speife unb iranf burc^ 2)rof)ungen. 3)a^ tl)at in (?6ln baö 
frembe ©eftnbef, tvefd^ed in ben festen Xagen bed 2lpri( athvartd ^er 
bort jufammengeftromt war 3 aber ein^eimifd)en ©affelgenoffen gefiel 
bad Unwefen fo fidjtbar, bap man fte felbft bie Urheber, jene nur 
\\)x SBerfjeug nannte. Solcher Suppeneffer, \m ber Sßolfömunb fte 
nannte, gab ed im Stift 9)Jünfter überall in ben Stäbten; fid)er(icl) 
auc^ in ben übrigen Sanbfc^aften : benn 9teib unb SBegier fmb allge* 
meine Hebel, unb Straflofigfeit n?irft rafc^e SSerbreitung jeglicljer SJ^iffe- 
tf)at. SBo^l maf)ntc bie ®eift(icf)feit ben Sölner fSiatf) Sclju^ flcljenb 
an ben ^oljen ?Ramen unb SRuf ber Stabt in aller Sßelt, an il)rc 
berüljmte Xreue unb Stanb^aftigfeit im ®Iauben, unb n>ie fie ber 
c^rift(id)en Oieligion unb bem geiftlid^en ©taube ftd) immer anhängig 
unb Ijülfreid) erzeigt l)([b(. ?lber bie 33ürger ertaubten tcm jRat^ 
nid)t, ju l)elfen. ?luf bic Älagen ber ®eifi(id)feit anta^orteten bic 
®affc(n mit anbercn Älagen. 2)ic Älöftcr foUten bic Seinen^ unb 
SBollenweberci einftcllen, bie §anbmü^(en in geiftlidjen ,^aufcrn füll* 
ten weggenommen, ber 2Bcinjapf i()nen t>erboten werben. Dad waren 
nid^t unbillige gorberungen, wenn man bebac^te, ba^ ber ^^anbwerfö* 
mann t>on bem (Srwerb feiner Jlrbcit ber Stabt Saften trug, t^on weU 
^cn ber ßlcrifer auögenommen war. Slbcr fte würben ie^t in fo 
fiürmifd)er 9Bcife au^gefproc^en unb ge]^anbl)abt, bap man wol^l fürd)* 
Un mupte, ber §a^ ber ©ürger werbe fdjlimmere golgen bringen, 
©c^on mifd^ten ftd) SBünfc^e unb 9Sorwürfe anberer 2lrt in bie bro^» 



§ 2. Kölner OJat^^v^otofoHe 1525 m^i 2. 4. 8. 10. 22. 23. 26. 29. 31. 
(5<Sm. — <5tafct (5öln an Ubcd 1525 «Wai 25. (5@t9l. — SWorijenfvmdK 1525 
9)iai 31. (SSt«. löeüacjel. — ^n ©ertrag »en 1525 SWai31. fintet fid) in ben 
ungftrucftcn (iclner Jlnnalen be« Sefuitcn (Srombad^, auf bem 6<Sta. 



I. !Der ^uftüffx von 1525. 3 

Renten Sieben ber ®emeine, man forbertc t)om JRatI) Slec^enfc^aft über 

bie aSerwaltung be6 fiabrifd^en aSermöflendj einzelne ®lieber be^ 9lat^^ 

würben in Sd^rift unb 2Bort ijaxt angegriffen* 2)en ganjen 9Rai 

n>av ber fRati) Jag für Jag bermapen befc^äftigt, bie Oemetnbe ju 

btYnf)iQcn unb Unheil abjmpenben, baf man niemanb fc^icfen fonnte, 

ben ,!g)anfetag ju befuc^en: alle dtat^dmannen n>aren ju 66(n )?on 

9lct^en. 2)er Semegung ÜKeifter gu werben, gab ed fein anbered 

W\XXi\, aW ba^ ber 9lat^ felbft ftc^ ber SBünfc^e ber ©emeinbe gegen 

bie ®eifMic^feit annal^in* 2lm 2. 9J?ai n>arb befc^Ioffen, eine grofe 

Slborbnung an^ fRatlj unb ©efc^irften ber ®affe(n an aüt geiftlic^e 

^aufer gu fc^irfen, um i^nen bie . ^anbmü^Ien abjuforbem; bie Sie* 

rifei, lie^ man fagen, möge ftc^ bem einfiimmigen SBillen be6 ganjen 

fRatf)t^ fügen. ®Ieicb barauf forberte man i^nen bie 2Bebflül)le unb 

Stammen ab; fc^irfte bie Jirm^erren t?on ^aud ju ^aM, bie SBerf* 

3euge aufjufuc^en; gebot ben !Boml)crren unb anberen, ben SBeinjapf 

einjuiiellen* SSielleic^t lag eö im SBunfc^ be6 9lat^e6 felbft, alte 

©treitigfeiten mit bem ßleruö, beren bamald feine ftäbtifcbe Dbrigfeit 

ermangelte, mit J^üift ber bro^enben SÄenge gum Siac^t^eil bed ®eg* 

ner^ gu orbnen. 2lm 8* üWai forbertc ber Statl), bie ®eiftlid^feit möge 

ber 9leufftfc()en gef)be gebenfen unb t)on jept an gleich ben S3ürgem 

Slccife geben unb bergeftalt bagu Reifen, baf man ber großen bamaW 

übernommenen Sc^ulben lebig werbe* 93ergeblic^ hielten jene i^re 

^rit>ilegien, grei^eit unb ^erfommen biefen Slnforberungcn entgegen; 

fie mußten ftc^ in allem beugen. !l)ie üJlül)len, bie SSSebftu^le, bad 

.^anbwerfejeug würbe abgeliefert, unb unter ber SJermittelung be4 

(Srgbif(^)ofd am 3 h SDiai ein ©ertrag abgefd^loffen, in weld^em bie 

®eipii^en, bem (Srjbifc^of ju 6'^ren, bem fHatl) unb ber Stabt Sota 

jum Stufen unb um ber c^riftlid^en Siebe willen, t>on 93rot, SBeitt/ 

S3ier, waö fie nadj ^erfommen üerfaufen, in ben nac^ften fec^d 3a^* 

ren gleich ben SBürgern Steuer gu geben »erfprac^en. 9?ur ber 3lbel 

in ben >okx Stiftern am !Com, St. ®ereon. St» Urfula unb gum 

(Sapitol foüte auc^ ferner gu eignem ®ebraudj feine ?eben^bebürfniffe 

frei in bie Stabt bringen bürfen* ©rft in golge bieftr Unterwerfung 

würbe bem ßlerud nun ber erflehte S(^)u|j gu J^nl. 2)ie ü)Jorgen* 

fpra(f)e t)om 3h SWai berichtete ber gemeinen ©ürgerfc^aft tjon bem 

abgefc^loffenen SSertrag, wobei üorfic^tig iebe ©rwa^nung ber furgen 

grifi t)on fedj^ Sauren, na^ beren Slblauf beibe J^eite fic^ bie ^er* 

ftellung bc^ alten öwP^nb« vorbehalten Ijattcn, t)ermieben blieb; e* 

1* 



4 dt^U ^ud}. 

tDurtc angefünbigt; baf l^ierburd) eine (Erleichterung ber Slccife für bie 
Sürger möglich getvorben, jugleic^ aber erflärt, baf von nun an ber 
füatf) \ol6)t muttf^DiUige 2)inge, \m bidl^er geübt tt>orben^ nic^t (an^ 
ger bulben woüt, unb unnac^{tci)ttge Strafe iebem bet)orfte^e, ber nac^ 
biefer ^tit ben SRat^ ober ^inen ©eifilic^en, 9K6ncf); 9?onne, ^föffCf 
Bürger ober @inwo()ner ber Stabt mit SBorten, SBerfen ober fonfi 
gcn>a(tfam in ober au^er feinein ^aufe anfuc^en ober anfallen wüxtt. 
§lecf)enfc()aft über @innal)men unb Sludgaben ber 6tabt i^urbe t)er^ 
fproc^en, bie Urheber anonymer SSerleumbungen gegen einzelne JRat^d* 
Ferren bebro^t, ®eIbbeIof)nungen für glaubhafte Slnjeigen ibrer ^erfon 
im 9kmen unb auf Soften ber 9}erleumbeten }ugefagt* 

®o trat ber @6(ner @tabtrat{) au^ ber Se^Degung, bie i^n mit 
ftc^ fortgeriffen ^atte, nac^ it^enigen fiürmifcfeen gBo(f)en wieber I)er^ 
aM, unb fel)rte nun bad ^ergefteUte Slnfe^en ber Obrigfeit wiber 
fernere 2lufrul)n)erfucf)e. 

9li(^t fo gut gelang ed bem (Stabtrat^ gu SRünfier* ^ier war 
)u manchen alten (Streitigfeiten jwifc^en @tabt unb !Domcapite( feit 
brei 3abren ein neuer ^xmft gefonunen, ba bad Sapitel bie ^inter^ 
laffenfc^aft M legten 93ifc^ofd, Qxid) t)on 6acf)fen* Sauenburg, an 
^d) genommen, unb burd) ben (Streit, ber bem Stift barüber mit 
^ergog ÜKagnud x>on ©ac^fen erwadjfen, SRünfterfc^e 93ürger in man^ 
d^erlei Schaben geratf)en waren, So oft früher bie 6tabt auf @rfa^ 
ber t)om ^erjog weggenommenen ®üter gebrungen, war bad 6apite[ 
ber gorberung au^gewid)en, ^atte auf 93ifcf)of unb ?anbfd)aft t)erwie* 
fen, Stiftdprioileg unb 9led[)t^erbietung entgegengehalten, Se^t in ber 
3eit ber SRotf), afö gleiche ®efa^ren wie gu Solu ben gefammten 
Slerud bebroI)ten, famen bie t^erren freiwillig bem erbitterten SRatl) 
einen Schritt entgegen, unb erboten ftc^, bei bem gürften in einer 
beftimmten furjen grifi Srlebigung bed Streitl)anbel^ gu bewirfen» 
Slber fc^on war ber Statb nic^t me^r frei, ba^ günftige 2lncrbteten gu 
ergreifen unb ba6 Sapitel bei bem gegebenen SBorte fcftgu()rtltcn, 2)ic 



§ 3. Ueber fcie üJiünflerifc^fn iöorgangc tjon 1525 i^aUn mx Die Söcrii^k 
gtveier Slu^engruden : Nicolai Holtmanni Mcmorabilia p. 25 sqq. iint bie @I)ronif 
te« 9iicüngf(oficr« MQ H. 425 sqq. — Kill sqq. i}at beite benuft unt, ttjabr* 
fd^finlicb au« einem ähnlid^tn, im« »etloreu gegangenen ©eric^t, einige« jur SSer? 
^^oUftäntigung beigebradjt. 



I. !Der flufrii^r von 1525. 5 

93oIf6ben)egung, n>e((^e bte 2)oml^erren p(6$Iicl^e 9ta(^gtrbigfeit (e^rte, 
tparb in bemfe(6en Slugenbltd auc^ btr fiäbttfc^en Dbrigfett ^tifttt 
unb riß bie gdjranfcn befonnener Älug^cft nieber» Slld bet 9iat^ 
flegcn bad Unwefen ber ©uppenrffer, bic fd^on ÜJfiene gemacht, ba0 
9{iettngf{o{tcr ju überfaQcn unb ju plunbem^ enbHct; einfcj^reüen woUtt 
unb brei 9läbc(dfü^rer auf bad 9?att|^aud befd^ifb, erl)oben jicj^, t>on 
brm (^folg ber Solner Sewfflung ermut^igt; unter Geltung Subbert 
Senttngd unb bed Olaferd Sieiner (Buü, bie ©üben jum ©c^uj itt 
®ff(agten. -Wic^t gegen biefe, fonbern gegen bie angegriffenen Stlbfttt 
felbji feien SRaf regeln not^ig; man foUe ben grater^erren bie SBerf* 
geuge jur ^ergamentbereitung , ben ©ctjwejiern gu ?Riefind bie SQBeb* 
ftü^Ie, beiben Sonventen if)re JKentenbriefe megne^men. ©ofort ging 
man noc^ tDeiter« jlaufleute i)atUn bie granffurter SIrtifet mitgebracht 
aSie biefe gu SWaing, Söormd, Speier afö 3Rufter gebient, fo toax 
auä) \)xtx bie Slbftdjt ber (Silben, i^nen gu folgen, ?Punft für *ßunft 
bie grei^eit ber SBürger feftgufe^en, ben Stolg unb bie ^abfuc^t be6 
(Strrud für immer gu bre4)en. Sßie in granffurt, fo muf te aud) \)itt 
ber 9iat^ fro^ fein, burc^ tjolföbeliebte ^erren au^ feiner üWitte Me 
tobenbe ÜHenge fo n>eit gu befc^ttjicbtigen, ba^ fte ftc^ bagu t)erftanb/ 
i^ren gorberungen eine gorm unb ein beftimmted 9Waß geben gu laf^ 
fen, lieber t)iergig Scanner, aud bem ?liati) unb ben 8aifä)aften ge* 
vo&ljli, festen am 26. ^ai, t>on ben Siat^fcblagen bed (Sapland an 
©• Slartin, Subbert Saufen, unterfingt, eine Steige 2lrtife( auf, meiere 
bann im 9!amen ber ®ürgerfc^aft bem StabtratI) gur Sludfü^rung 
übergeben n>urben. 

4. 

3)iefe Srtifel enthielten gunädjfi bie Srlebigung ber alten Streik 
tigfeiten mit bem !Domcapitel, mä)t blo^ in Setreff ber ©ac^e mit 
^ergog 9Wagnud, in ber bad Slnerbieten M Sapiteld angenommen 
unb llrfunbe barüber tjerlangt würbe, fonbern aud) wegen bed ©c^a* 
tend, ben bie gelobe bed t)erftorbenen Sifc^ofd mit @raf Slaed t>ott 
flefelnburg ben 9Künfterfc^en tjerurfac^t ^atte, unb unter anbern ^^unf* 
ten bie gorberung eined Slnt^eild ber ©tabt an ber 3wifc^envcrn>aU 



§4. !Dic SWünMfc^en «rtifel bei NB 116 unt bei K 116. — 3)ie %xanh 
furter Slrtifel, beiien fie nac^gebÜtet fint, ftntet man bei »Hircbner, &e^ä), ber 
€tatt granffurt o. SW. II. 513. 



6 (Srf^ed ^uc^. 

tung bei SBacanjcn bed Si6t^um6. 2lu(^ wollte ber ©totj bet S3ür^ 
fler ben 35om^crren nic^t me^r bie laute gefifeier bed ©ieged ßönnciv 
ben t^re 9Sorfa^rcn einfi bei SBartar am Slnmlfdtage über bie Stabt 
SRünfter erfod)ten l^atten. Die meiften Segel)ren aber richteten ftcf) 
gegen bie ®eifHicl)feit überftaupt. Sie foUen feinen Sürger mit 
geifilicj^em Sann unb SWanbaten befc^tt)eren, fonbern t)or ben »clt^ 
lidien ©erid^ten i^re ©acf)en führen. Sie foUen ,,ftafen unb wafcn" 
gleid) anbem SSürgem» SSSeber fie noc^ i^re SWagbe [ollen bürgere 
Hc^e^ ©ewerbe üben, al^ Dc^fen treiben, Xxiö^ tvixUn, ®arn unb 
Äom faufen; bie ®erätl)f(t)aften gu bergleic^en ^antierung muffen 
»Deggenommen trerben* Sie follen in peinlichen gallen gleicf) anberen 
SKiffetl^ätem beftraft tt)erbem ©cfienfungen unb Stiftungen an ®eift^ 
Ud)t im aßege be^ iSejiamentö finb »erboten* 2)ie iSerminarien unb 
Stationarien wollte man nic^t mebr in 9Künjier bulben, audj feinen 
fremben 9Wönd)en unb anbem ^Jrebigem bie Äan^el gefiatten. (Sine 
ganj grünblr(l)e JReform war inöbefonbere bem grater^au^ unb ben 
Siieftngnonnen jugebac^t: bie Verwaltung i^red 93erm6gcnö fei ittn 
8lu6f(t)üffen t)on fed)^ SKannem au^ diati), 9Reifterleuten unb ®emcin^ 
l^it gu übertragen, bie if)re Slentenbiiefe an ftcf) gu nehmen, bie Sin^ 
fünfte gu ^eben unb i^nen ben notl)bürftigen Unterhalt bat)on abju^ 
geben, ben 9te(i ben Sinnen guguwenben ^aben» Die gratred bürfen 
fein neued 5Witglieb mel)r aufnehmen; man laffe jeben t)on i^nen 
ge^en, ber fd)eiben will, unb gebe i^m ^erauö, wad er f)inein ge^ 
btad)t ; wad an 5f Ampen unb ®runbftü(f en bie SSürger an bad §auö 
t>erfauft, mögen fte um benfelben ^^rcid gurürffaufen. Die 3^1)1 ber 
Sd)wefiern jum 9iieftncf foH auf eine fefie 3^^l tjerminbert, unb bie 
Wotjijen um ®otted willen, nidE)t um ®etb unb ®x{t aufgenommen 
werben, Slber auc^ bad Domcapitel unb bie anberen Stifter follen 
eine Drbnung erl)alten gleich ber, bie nun in 66(n im SBerfe ift, — 
Änbere Slrtifel ftnb tjollfianbig aM ben obcrlanbifc^en ^erübergenom^ 
men. So bie Slbfc^affung aller 9Jiemorien, 93igi(ien, Sruberfd)aften ; 
mi} bie SSeftimmung, baß bie *4?aft6re an ben Äir(f)fpielfircf)cn if)rc 
(Saptäne nic^t ol)ne Bewilligung ber Äird)enprot)iforen, Sd)6ffen unb 
gemeinen ÄircfjfpieWleute annehmen follen, „bamit man i^ntc ^abc, 
bie bad SBort ®otted prebigen"; ferner bad ®ebot, ba§ bie uncl)r* 
liefen SBeiber unb 5|Jfaffenmdgbe abgelesen tragen follen. — Darauf 
folgen nocf) eine Kei^e anberer S3efcf)werben , eine unter i^nen geift^ 
lieber Statur, baß man namlic^ bie gefc^loffenen Seiten abtf)ue unb 



I 



1. "Der Slufru^r öon 1525. 7 

3U ieter 3eit d)xiftlxd)t ^oc^jcit gu galten erlaube; bie anteren ttxlU 
l\d)t^ ^rii)aM, 8anb unb ©etverbe betveffenb, allerlei Sa(t)en, wichtig 
unb unt\>i6)tiQ, n>ad gerabe abjufteUen ober einguric^ten beut Sürger^^ 
mann n)iinfct)en^4t)ert^ fc^ien» 

5. 

3)er JRatl) burfte fid) nic^t bebenfen, biefe 2lrtifel indgefammt 
anjune^men unb i^re 2)urd)füörung bei ben übrigen Stäuben be^ 
Stiftd ju t>er^eipen. 9ln beuifelbeo ^ige noc^ ging man aM SSerf* 
Statt bie 5f (öfter gegen Ungebühr ju [dju^eu, \m bie 2(bftc^t ber 
Obrigfeit gewefen, muptc fie nun felbjit i^re SSerorbneten in bie beiben 
©ec^feraudfc^üffe »d^len, we(ct)en bie Siufü^rung ber neuen Drbnung 
im grater* unb gd^tvefter^aud übertragen mixtt. Die Stabtt^ore 
würben gefc^^loffen. SSegfeitet t)ou ben Jpaufen bed gierigen ^j^öbeld, 
ben faum bad 8lnfef)en ber gegenu>ärtigen 9iatl)^^erren abhalten fonnte, 
mit iförben unb @acfen gu ben 9tiefingnonnen einäubrect)en unb ben 
t)or t)ier 3^gen fe^fgefdjlagenen SJerfucb ber ^lünberung ie^t mit 
grünb{id)em Srfolg ju mieber^olen, begehrten jene t)on beiben illöftem 
bie Urfunben über i^re Sinna^men unb alt if)r ^anbwerf^jeug, mib 
brachten bad ®enonimene jur 9lufbewal)rung auf ba^ ^at()^au^* 
Sürgermeifter unb Dfberleute mit einer SJnja^I t)on SWcifterleuten be^^ 
gaben ftd) ju ben ^omijtmn, um il)nen bie ©ene^migung ber 9Irtife( 
abjuforbern» ®en)if war eine fo umfaffenbe Sett^iüigung nic^t ®ac|)e 
eined rinjelnen Stanbed, fonbern ber ganjen Sanbfc^aft; auc^ \y>cix bie 
SWe^r^eit bed Sapitefö ni(t)t in ber €tabt amt^efenb. SJber ed tt>ar 
umfonft, folc^e ®ebenfen bem Slufrul^r entgegen gu ftellen» 3)ie 2lnt# 
tt)ort lautete immer, ba^ Sapitet möge fid; nac^ 3^it unb ®e(egen^eit 
gebulbig fd)i(fen ; oben brüber weg f önne man nic^t, aifo fei e^ x&tl)^ 
lii), brunter ^er gu friec^en; bie ©emeinbe fei ^err in ber ©tabt 
geworben; wolle man fie ftitleri/ fo muffe man annel^men» SBiber 
SSJillen gaben bie anwefenben ^erren t)om ßapitel urfunbti(t)e S3ei^ 
fiimmung gu einer 2lngal)l ber Slrtifel, unb beftimmten einen Jag gut 
fd)tie^licl^en 98erl)anblung über bie anberen; gu ?roünfier foUten ftc 
erlebtgt werben. 



f 5. 3u ben § 3 (genannten OueHen treten ^ier noc^ Slctenfiiitfe ^in^u , Bei 
NB 105. 111. 113. 114. 127. unt ein «rief ter ^tatt SJiünfter an ten »ifc^of 
1525 3um 16. U\ K 125. 



8 Grfle« ^\\ä)^ 

3)ic flefncn Stibte M gtift6 fotflten bem »organfl 9»unftcr0, 
3)ann fanben ftc^ i^re Slbgeorbncten in ber ^auptftabt gufammcn, 
um bem rafc^ gewonnenen Sieg über bie Oeifllicbfeit burc^ einen 
förmlichen Sunb ba^ ©iegel ber !Dauer aufjubrüden. 

@en>a(tfamer nod) ging e^ unmittelbar nac^ ber !D?ünf)erfd)en 
Gr^ebung in ber ^auptfiabt be6 9?ad)barfiiftd; in Ddnabrücf, ju. 
2)ort führten ÜRanner au^ ben ^öfieren Steigen ber @intt)o^nerfct)aft, 
San t)an Cberd) unb 3ol)ann ©rtmann, beibe in ge^be unb gre^ 
\>e( längji erprobt, mit Dtto ©pifer, bem liftigen ®ogret>en, bie 
©ilben an, afö biefe bem 9lat^ i^re Slrtifel gegen bie ©eifllicj^feit t>or^ 
legten, jfurje ^tii n>iberjianb bie Dbrigfeit, im SBertrauen auf bie 
aud^anenbe Xreue ber Sc^ü^en, ben aufrül)rerifct) üerfammelten 2lem* 
tern. 2lber am 1 . 3wni burd^bracf) entf^Ioffenc ®en)a(ttl)at bie Orb^^ 
nung ber @tabt. Unter Xrommelfc^Iag gogen bie Sürger in ben 9io* 
fengarten, bann brachen pe in bie SBo^nungen ber ©eiftlic^feit ein, 
aßen unb tranfen wa^ fie fanben, burct)jia(l)en it)rc gifct)teic^e, trieben 
mit benen, bie i^nen in bie ^anb fielen, ©pott unb 3Rip^anblung, 
liefen i^ren ©roll über 93annbriefc unb Oeridjt^labungen an 9lotaren 
unb 2lbt>ocaten aud. Da flo^ 33ifc^of Sric^ l^inaud auf ben ®ertru^ 
tenberg; bie Dbrigfeit galt nic^td; ber SBille bed rafenben Raufend 
regierte in ber ©tabt unb auf bem 9lat^l)au6. 2)rauf en auf bem 
Sanbtag, ben ber SBifc^of fc^nell berief, mochten bie Slat^^^erren i^re 
9Äi^billigung ber Slrtifel audfpre(t)en ; aber in bie ©tabt jurürfgefel)rt 
mußten fie bie gorberungen M SBolW, mit neuen 3wfÄ6^n anfe^nlivt) 
\)erme^rt, wieberum anerfennen unb i^re Sludfü^rung anbefehlen. Die 
S3ürgerf^aft wollte unbebingt bem 93eifpiel ber 9?ac^barftabt folgen; 
fein SDtünjierfd^er Slrtifel foHte in Dönabrücf ber ©eipiid^feit erlaffen 
bleiben. 



§ 6. ^d^ UfrtDcife auf €tüvf*« brittcn Zi}t\l ber ®t^6}\d}tt wn C^nnbrücf 
1826. p. 17, in mlditm ©ud) ttr beriitjmtc 95crfafftr bie J&nuvtaueUe für bie 
Ddnabrücfifdjc ©efc^id^tc bicfer ßtit, 3:()fc»bcr Silien'« gortfc^un^ ber örbmanns 
f(^fn (Sftrenif, burc^ bie fargen urfimbUcJ^en Siiotigen, n^elc^c bie öernic^tunä bc3 
^tabtard)iod übrig gelaffen i^ai, mit feUncr l^ijlortfc^er (Sinftd[|t unb Stun^ ergänzt 
^at. — 2)ie 9lrtife(, njelt^e man gu Cenabiürf aufgeflettt l^ai, finb gebrurft in tcn 
Cenatr. Unterhaltungen 1770. p. 25, bie mir nicj^t ju @eftcl»t (^efornmcn jtnb. 

CFuIcmann p 20. — («oln an 8übc(f 1525 2J?ai 25. (SStä. 



I. 3)fr Slufru^r öon 1525. 9 

2Xi^ ae^nffdj^fd; n>{e in biefen brei ©tfttten, and) anberdmo in 
SBcftfalen oinb am 5Wieberr^ein ficj^ in berfetben 3^it jufletragcn, lÄf t 
fl(^ aud btfifmnitm Slnbeutungen entnehmen. 3n bein Scrtrag, wo^* 
burd) Winben im Anfang bed 3a^rf« 1526 bem S3if(^of ft(^ untere 
wirft, tjerfpric^t bie ©tabt i^r bie^criged ungebü^rlic^td ffierfa^ren 
gegen 35omciipitf( imb Slerud abjufteUen, bad erpreßte ®elb i^nen 
jii erflatten, imb fic bei i^ren alten JRedjten fortan ungefiört gu laffen, 
6ö(n melbet an Sübed im 9Rai 1525, baß in @6ln imb anberen 
Stabten ber Umgegenb ber gemeine ?0?ann fic^ gegen (Sieru^ unb 
Dbrigfeit auflehne, äiber e^e bie einzelnen fteinen glammen ficj^ gu 
einem großen Sranbe loereinigen fonnten, e^e ber ?(ufru^r fein eigent^ 
Ii(^e6 3iri erreid)te, erfolgte ber Umfdjmung, ber gum Snne^alten unb 
jur Umfel)r nöt^igte, 

7. 

!Denn baran fann fein 3^fiffl f^i«^ baß bei ungeftörtem SBerfauf 

tiefe 93en>egimg niä)t bei ber 3)emüt^igung ber ®eift[i(^feit wäre 

jlefefn geblieben. 3n 9Rünfler ^örte man ben 3o^ann Orote rufen, 

e« fei genug, wenn bie JÄeicJ^en 2000 ®u(ten befäßen. 2)ie 2lrt, n>ie 

mon überall bem Stabtratl) gegenüber trat, bie Singriffe auf ange^ 

fe^ene ©ürger in 66ln, bie fredben Sieben ber Suppeneffer, je^t ge^e 

td in ber ©eifHic^en ^Sufer, baib werbe man gu ben reid^en ®ür^ 

gern fommen, fiellten umfaffenbere tlntemel)mungen in na^e 2lu6ftd)t 

SBarum foDten tjerwrgene Rubrer, an benen ed nirgenbd fel)lte, bie 

?e(tenfd)aften unb ben junger ber 9Renge nic^t ju ?pianen a^nlic^ 

tenen ber fc^wabifd^en unb fränfifdjen ©auerfc^aften traben benuften 

tooüen! SBirflid^ warb ein ?lnfang baju in Söln gemacht. 2)ort 

begonnen in ben erfien iSagen bed 3uni neue Unruhen. 3)rei SBod)en 

(ang waren bie ©affein fd^würig gegen ben Slatb, \)itlttn bewaffnete 

Serfammlungen, fteUten ibre gorberungen in ärtifein gufammen. 3)er 

Äarb mußte \)on neuem unterl)anbeln, t>on ®affe( gu ©affel SRünner 

fenben, bie bem 9Solf angenehm, mußte bie Slrtifel entgegennehmen 

unt prüfen, SBir t?ermut^en, baß tiefclben ben ?Ohmfterfd)en a()nlict) 



§ 7. 9ladf (Srombac^« Ännalen, bie einer un« verlorenen Duelle folgen unt 
nur irriger ®eife tief öreignig in ba« Sal^r 1524 fe^en, unb nac^ einigen Sldem 
ftäcffn in ben (Kölner ßopierbücfeem : 66ln an burgermeifler fc^e<>en unb rait ber 
#ar «ntwerven 1525 3ul. 21; 6öln an trei Kölner 53ürger in Slnttrerpen 1525 
3ul. 21; 66ln an 9lntn?eri)en 1525 »ug. 11. 



10 (Srflea ^ud), 

waren. 3)er fRaif) fc^ieb biejenfgeu aud, bie bie ^Religion betrafen, 
nal)m bte übrigen an. Slber e6 ftanb tro^bem fo fc^Iimm, bap WiiU 
IjtUu Äirfpel, genannt Ärieger, ben ^Jlan faffen fonnte, mit einer \)er^ 
fd^worenen Slotte ftd) ber @tabt gu bemacf)tigen. 2lm 21. 3uni for^ 
berte er t)on ieber ®affel jmei gu ftd), unb biefe befc^Iojfen, mit §ii(fc 
ber ©leic^gefinnten in bcr 9?ac^t Xt)ore unb SRauern ber ©tabt unb 
bad ©d^ü^enl^aud gu befe^en, t)ieUei(t)t in ber Slbfid^t, bie Sauem 
l^erein gu rufen unb mit iljnen gemeinfame ®act)c gu machen. 

8. 

Slber bie ®unft be^ ?lugenblicfd roat tjorüber. 2)enn fc^on @nbc 
ÜKai unb Slnfang 3uni ^tten bie fi'irft(i(t)en ^eere am Dberrf)ein, 
in Jbüringcn, €d)n?aben, granfen überall ben Sieg errungen, bie 
SBauernl^aufen maren gerftreut, eine ©tabt nai) ber anberen unterwarf 
fic^ unb lieferte bie ergwungenen Verträge an^. 

Seitbem fiegten aud) im 9tiebertanb mit leidster 9Jlüf)e bie 
Dbrigfeiten. 

!l)ie 9Serfd)tt)ürung in Sötn würbe entberft, obgteid) ber $Ian in 
jener 9lad)t, »eil bie Jl^eilne^mer in gu geringer ^ai)l erfd)ienen, in 
feinem ®tü(f tt>ax au^gefü^rt worben. 9lun gebot ber Dtatl) allen 
gremben, bie ©tabt gu räumen ; verbot ben ®affeln, auswärtige ol^ne 
SBiffen ber Dbrigfeit aufgunel)men ; t)erfolgte bie ^aupter unb ZijciU 
ne^mer ber 93erfc^w6rung. Äirfpet würbe in Slntwerpen t>erf)aftet unb 
gur ©träfe gebracht. 2lnbere 93ürger, beren Slnt^eit an ber Unternef)^ 
mung lange glücflic^ t)erborgen geblieben, würben burc^ fpatere ®e^ 
fiänbniffe in peinliche Unterfud)ung t)erwi(felt. gd waren gum X^eit 
angefe^ene @inwol)ner unb ®(ieber ber SSierunbtjiergig, bie am 8* ge* 
bruar 1526, burc^ bie Urgid)t bed ®ierat Ärewel unb ^aul ®raf^ 
meifier fc^wer befc^ulbigt, gur 93erantwortung gegogen würben : §ein^ 
rid) ^ecfer, ^einrid) Seerfirap, 3acob t)on SSieft, ?obewid) Äroic^en^ 
lepper, iSilman SaSeitmeffer. Die brei lejteren würben im folgenben 
SWonat l)ingerid)tct ; bie beiben erften, nac^bem fie burc^ bie glud)t 



§ 8. (Seiner Olat^dprct. 1525 3ul. 31. «ufl. 2. Sept. 18. 1526 %thx, 5. 6. 
7. 8. 9. 12. 16. 19. 21. 23. 26. aR5rj 2. 4. 12. 26. 9lug. 22. £)ct. 31. 9100.23. 
1527 apr. 22. Dct. 4. 1528 3)ec. 9. 1529 «pr. 21. 23. 26. 3»ai 3. 10. 14. 
3ul. 23. 1535 apr. 5. — Kölner ßopierbücher : (56ln an <Sce|l 1526 %thx. 26; 
(SHn an ben (Srgb. o. (Eöln, ben ^er^og o. (Sleoe, bte ^tätit ©oefl unb Senne^ 
1526 3Jlhx^ 10. 



^ 



I. IDer aufru^r ocn 1525. 11 

fic^ gerettet, turd^ ©riefe an bie Wac^barobrigfeiten t)erfoIgt; unb 
leine ber gürbitten, bie »ieber^olt t>on @oefi, t>om ^ergog »on (5{et>e, 
"ocm 3unfer t>on 9ieifferfct)eit, fogar »om Sieic^eregiment für fie ein^ 
liefen, fonnte t^re 93egnabigung erwirfen* SSSe^e bem, nad) langen 
Sauren noc^, ber bem JRat^ t)on Soln in bie ^anb fiel! SBegen 
feinet 8lnt^eild an bem Slufrul^r t)on 1525 würbe ber ©c^iffer Sar^ 
ttyolomaud 2lr im 5Wai 1529 gerid^tet; unb nocf) im 3Rai 1535 fin^^ 
ben wir in ben JRat^dprotofolfen ein ®ebot, alle 2lu^gen>icl^enen »on 
1525, wo immer fie fic^ betreffen (äffen, gu verhaften* 

SBenn biefe ge^njalirige SSerfolgung einen Sc^Iup auf bie ilu^n> 
^eit unb ®röf e iened 5ßlaneö erlaubt, beffen Siele und unbefannt ge^ 
blieben finb, fo wirb anbererfcitd burc^ biefelbe nic^t minber baö "ooU 
Uge ge^Ifcfy{agen ber SBcrfc^worung barget{)an. Der SRatb ^atte feit 
btm 3uli 1525 fein ganjed frübered Slnfe^en wieber " erlangt* Slud) 
bie ibm abgerungenen Slrtifel ftnb nie ind Seben getreten» 

9- 

Unb, toit in Söln, fo Ratten um biefc 3eit fafi überall bie ge^ 
fftfli(^en Oewalten über ben Slufru^r bie Dber^anb gewonnen. !I)ie 
Sürflm unb ^erren hatten fc^on früher if)re 95orfel)rungen getroffen, 
8m 8, 9Rai fiarfte ftc^ bae ?roinbener 2)omcapitel burcj^ einen 33unb 
mit bem welfifd^en Stjbifc^of (S^rifiop^ t)on S3rrmen gum SBiberftanb 
„gegen ba« @t)angelium". Sifc^of Srid^ t)on ^aberbom unb SD^naf 
brürf ^atte fi(^ t>on feinen Se^endleuten eine Seijieuer ju guter 9lü^ 
fring gewalyren (äffen, ©efanbte t)on 6(et)e, (5bur'6ö(n unb Stift 
Wunder traten am 9« ^ai in 6ö(n gufammen, unb ald bie <5tabt 
6öln bie freunblid^e unb bringenbe ®n(abung gum Seitritt audfcbta^ 
gen mupte, weit ein foldjer 93ertrag bie ®ene^migung ber t)erfammc(^ 
ten Sürgerfc^aft er^eifc^te unb baburcf) unmitte(barer ©efa^r alle 
Siege( öffnete, fo fc^toffen bie brei- Surften o()ne bie ©tabt i^re SSer^ 
finigung gu 9leu0, 2lber aucf) bie ©tabträt^e Ratten »on bem 2lufrul)r 



{9. Bunemann, loitia reformationis cvangclicae Mindensis. 1728. — XtjCOs 
Ut Eilten; @ttl«e p. 17 sqq.— (Sin 9lctenfiä(f im (S®m. : 9Ded ftc^ in ^anblung 
Ift tnthetun^ unb ufrur allenthalben gegen aQe cbrigfeit gtvifc^en u. gfl. unb g. 
|. van deine 9htnfier ®n\d^ unb ^txqt, in ber bagfart Binnen (Seine gu ben 
rteHgeren btn 9. bage Tlai ic. — (Sdlnet (Rat^dprot. 1525 SRai 9. 10. — 3m 
€9: 9rtirule barup gemeine $(nge flebe a. 1525 ^etri unb $auli oorfci^rei^en ; 
mib bie bort befc^lcffenen $lrti!el. 



12 OhrM tdüä). 

fein ^eil gu erwarten* 3m 9?amen fÄmmtlfc^er ©lieber ber §anfe^ 
au* ber r^einifc^en unb it)eftfaHfc^en , tt)urbe am 29- 3uni 1525 
ein ?lbfc^ieb verfaßt, in weld^em bie ©tdbte angewiefen tpurben, t^ren 
rechten ^enen alled ju leifien, wad fte t)on @^ren unb 9Ie(f)td meflen 
i^nen ju leifien t>erpflict)tet feien, unb feinem Slufrü^rer unb 93er^ 
triebenen ber einen ©tabt in irgenb einer anbeten Slufna^me ju ge^ 
wahren. 

3eftt fanf ben ©ilben ju Dönabröd ber SWutl), al« S3ifd)of (Srid^ 
mit ^u(t)cr unb ®efc^ü^ unb ben Sanbdfned^ten aud Reffen unb ©tift 
^ßaberborn ^eranrüdte, unb ed würbe ben Unter^inblern leidet, aud^ 
auf I)arte 93ebingungen bie Unterwerfung ber ©tabt ju erwirfen. 9h*d;t 
allein für bie Strafe ber JRabeldfü^rer unb bie ^erfieüung ber Oeiji* 
lid^feit forgte ber ©ertrag t)on SBielefelb am KSluguft, fonbern bie 
©tabt mu^te ani) eine ®elbbupe t>on 6000 ©ulben an ben SSifc^of 
erlegen. 

10. 

2luc^ in ben fleinen ©täbten bed ©tift« SWünfler warb ee ftitte, 
unb i^red neuen Sunbed mit ber ^auptftabt gefc^a^ feine @rwal)uung 
me^r. 3n ÜWünfier felbfi foigte ber Aufwallung atlmi^Iic^ größere 
JRu^e, bad Slnfe^en bed 5RatI)ed. ftetlte fi* 6er, ber (5leru6 fanb wie^ 
ber ©c^u$, bie 2lrtife( famen nic^t jur audfubrung, enblid) am 
8* ©e^}tember würben aud) ben beiDen geifJIid^en ^iufern ii)xt Üßerf* 
jeugc unb JRentenbriefe wiebergegeben. 9iur ber alte ©treit jwi|"d)en 
9iat^ unb ßapitel fam nic^t eben fo fc^nell jum 2lu6trag. 9?atürlic^ 
wollte bad festere t)on ben im Slufru^r erzwungenen 3wgeftänbniffen 
nic^td wiffen unb fagte auc^ ben anberaumten Xag ab. £ie !Dom^ 
l)erren t>erliefen bie ©tabt unb fcl)rten nic^t jurüd. 3ni ®efül)l bed 
aOgemeinen {tegreic^en Umfc^wungd ber 2)inge unb geftärft burc^ bad 
auf bem Xag gu JR^eine am 10. 3uli befejKgte 6in»erftänbnip mit 
Sifc^of unb SRitterfc^aft, faxten biefclben mlmtl}x ben @ntfd)Iu^, bie 



§10. Hollmann 27. — MQ II. 42S. — NB 113. 114. 127. 126. 134. 
138. 141. 144. 146. 149. 151. 153.— «uSfrbem enthalt ta« Ü^i«. ^ol^tnU oon 
dlitftxt übrrfrl^ene Slctrnfiücfe : bie IRadS^fcfirift gu tem ^rief tti CIrgb. \>im (§bln 
(p. 149); ^ifd)of griebric^ an bad IDrmca^itel l)i>n 9)2unfiec 1525 9^0)). 26; &xaf 
ÖtUxwin gu Q3ent^em unb (Rotger t>an !Dei))enbrcicf on ba€l)cmcaviten525 92o9. 
26; 93if(^of griebric^ an ben örjb. von (Söhi 1525 a)ec. 7 ; ber ©r$b. »on («dln 
an 93if4)of grietrid^ 1525 ^u. 14; tcrf. an tenf. Dec. 17. 



I. IDrr Slufrti^r »en 1525. 13 

QtaU für tit erlittene UnbtU ju [trafen unb ))6Utg ju bemüt^igen. 
SRic^t allem, ba^ fie in bcr Sa(t)e mit ^ftjog SKagnud auf il)rcn 
alten Stanbpunft jurüdfe^rten unb ftd) ju 3ftec^t \>ox bem 93if(t)of 
iinb anberen unparteiif(t)en gürften erboten, — fie ' \)erHagten aud) 
i^rerfeitd bie Stabt bei bem 93ifct)of, unb biefer mu^te auf ben 2ln^ 
trieb ber Ferren auper ber t)6Üigeu ^erfteüung bed alten 3uji<^nbd 
t)om fRattj bie ^erau^gabe ber erzwungenen Urfunbe, fdrm(id)e 6id)er^ 
^eUung bed (Sapiteld t)or fünftiger ä^ulic^er ®ttoalt, unb iSu^e für 
Serle^ung ber lanbed^errlic^en ^o^eit forbcnt. 

SBie n>eit xoax ber ?Hati) }u iDiünfier nun t>on feiner früheren 
angreifenben Stellung entfernt! ($r t)ert^eibigt ftc^; bemüi)t ftc^, bie 
6^u(b bed ©efd^e^enen t>on fxd) ab auf bad gemeine SSoIf ju n)aU 
}en; er gogert, aber er gibt mirftic^ in allen Dingen nac^. 9?ur bie 
Demüt^igung, n)e(c^e bie beiben legten gorberungen i()m auferlegen, 
(el)nt er ab unb ruft nun feinerfeitd gegen bie Drohungen bed 93ifci)ofi$ 
9ied)t unb Sanbedpri\)i(eg an. 

Dad Sapitel wollte bie Ounji ber Umftanbe in t)ottem SOJaßc 
ausbeuten unb bejianb auf allen feinen gorberungen, 2luf bem Sanb^- 
tag ju Silrebede würbe ber 93if(t)of beauftragt, bie 9?eußifd)e 93er* 
einigung gegen 9Wünfler ju ^ülfe gu rufen : wenigftend foüten 6bur* 
66ln unb (Sleue ben 9Wüniierfd)en, bid fid) biefelben gefügt, baö ©eleit 
in r^ren ®ebieten auffagen* 2lber ^ier [tief man auf Sffiiberftanb. 
3)er @rjbifc^of \)on (5öln, ben feine t>orjicbtlge 5l5olitif lehrte, ba^ ein 
foI(^e6 93erfaf)ren nic^t jur @inigfeit, fonbern ju ewiger 3^i^tra({)t 
fu^iren muffe, weigerte bad Sege^rte unb ^ielt bie ©efanbtfcbaft ab, 
i^re Sßerbung bei 6Iet)e aud}uri({)ten. Dagegen bot er freunblid^e 
Vermittlung an jur Beilegung bcd ®treitd. Da aud) Sifcbof gricb* 
nij wenig Suß empfinben fonnte, bem Sapitel ju lieb bie mad)tige 
Stabt, bie überbie^ wieber^olt, jule^t burc^ Slborbnungen bed ftabti* 
f(^n (Slerud an (Sapitel unb 93ifd)of, bie ^anb jur SJerfo^nung bot, 
aufd 2leu0erfte ju bringen, fo würbe bieß SInerbieten angenommen, 
unb ber SScrgleid), ber unter bem 33eiftanb bcr crjbifd)öflic^en ©e- 
fanfcten am 27, SKarj 1526 gefc^loffen würbe, erfparte bem Stabt* 
rotft bie angefonnene Demüt^igung; anftatt ber \)erlangten Sicher* 
^fil6urfunbe erhielten bie ßapitularen bie blo^e 3uf«9f/ ^ti0 ftf ^oU^ 
fommen ungefäljrbet wie früljer bie ©tabt bewohnen foUtciu Slber 
im SBefentlic^en unterwarf fidj) bie Stabt. 2luc^ bie alten Streit^ 
Vmltt, bie barauf ju Dülmen am 14,9Jiai berat^en, am IS. cricbigt 



1 4 (Sx^ti Sßudf, 

tomtm, f!nt) \ä)votxli6) bm urfprünglid[)en SBünfc^en ber @tabt gc^ 
mä^ 9efc^lid)tet tvorben, 

II. 

UfberaÜ trat 9lu^c ein. Saud) üRinbcn beugte ftd) »ieber. Um 
ed ni(l)t gum ifrieg mit Sifc^of granj fommen ju laffen, na^m bic 
©tabt bie 9Jermittlung feinet 93ruberd, beö ^etjogd ^einrid) von 
Sraunfc^weig; an, burc^ beffen Semü^ung am 28. gebruar 1 526 ber 
aSergleid) jU ©tanbe fam, welcher ni6)t allein bie Einrichtung bed 
(Slaed Stroefniber, bie ju ^inbern bed legten Sluffianbd 3wecf gewe* 
fen, bie Sbeftrafung ber 9läbeldfü^rcr unb äudfd^Iie^ung ber glüc^^ 
tigen, fowie bie ^erfteüung bed ßlerud fcftfeftte, fonbern aucfc bem 
33ifc^of ben ®en)inn einer $fanbfc^aft, feinem ©ruber 2000 ®ulben 
M So^n feiner 9Rii^e eintrug. 



II. 

1. 

Der Sturm, ber alle ^ergebra(t)ten Siedete ber OeijHic^feit unb 
if)ren gangen Sefi^ftanb mit Vernichtung bebrol)t f^atu, war t)orübcr^ 
gejogen, o()ne an ber alten Drbnung ber 2)inge irgenb ettt>ad gean^ 
bert JU ^aben, auf er jenen nic^t übermäßigen 3u9^ftä»i^nMT<^n, n^eldjc 



§11. @uUmann 20. 

§ l. (Sine 3eit lang fd^mieg Der (Slerud; auf eine Slnfrage äßünjlerd lautet 
tie 9lnttt?ort fcer (Statt Sein 1525 3uni 25 ((5Sta, (Sopierbüc^er) : ,,9Bic wr» 
nemen aug e. e. fc^ribcn, fllid^ cf mx mit unfet (tat derifien in irtt)uinb fernen 
fien fculten, ba« fi^ toä) nit beflnten toitt, fonler n?a« n>ir inen ^u fruntfc^aft eren 
unb gefallen er^jeigen moiflen, fint toxi »illig; oerfe^en un« gen^lid&en, fo cttoa« 
roitbermertig^, bar @)ct für fei, unfer fiat ourftele, »urben fie und allen moig« 
lid^en b^ßant ^ilf unb trcifl erzeigen/' (it\t am 3. 91oo. beginnt ber Streit. 
0iat^«pret. 1525 «Küü. 3. 4. 13. 18. 20. 24. 27. 29. 2)ec. 1. 2. 4. 6. 11. 12. 15. 
1526 gebr. 2. 5. SWärj 2. 7. 19. 21. 23. april 14. 18. 21. 23. 25. 30. SWai 
5. 25. mct). 8. 19. 1527 gebr. 18. 1528 «ug. 21. 29. 31. ©ept 2. 5. 7. 
9. 28. Oct. 7. 14. 16. 19. JDec. 9. 17. 30. 



ber 6ölnifcf)en ©eifillc^feit für eine bfjHmmte furje ^tit abgebrungen 
tt>orben waren* 

3l\xi) tiefe würben, balb narfjbem bie SRu^e wieber ^ergefteüt 

werben, \>on ben Stiftern unb Slbteien ber ©tabt angefochten, bie 

bebungene Steuer geweigert, bie ®ültigfeit beö SBertragd \>om 3K üRai 

befiritten, ©rjbifc^of unb Äaifer ju ^iilfe gerufen» 2)oc^ fe^te biefen 

©emü^ungen ber 9latt), weld)er auf bie neuen Sinna^men eine @r^ 

Ieid)terung ber SBürger gegrünbet ijatU, unb felbfi wenn er geneigt 

gewefen wäre, ber ©rrungenfd^aft ju entfagen, nic^t o^ne bie ®e* 

meinbe baö burc^ 9Sertrag unb ü)?orgenfprac^e geftgefietite t)atte Snbetn 

bürfen, einen l&artndcfigen unb unüberwinblid)en SBiberjianb entgegen» 

SBeber bie 9Sermittlung, welche ber ergbifcfiof burd) feine 9iätt)e im 

2)fcember 1525 unb im gebruar unb 3War3 1526, bann perfonlic^ im 

folgenben 3)?onat \>erfu(t)te, nod) bie Unter^anblung , bie \)on bem 

Si|cl)of 9Bil^elm t>on Strasburg ald (5ommif[ar bed Äaiferö im 2lu* 

gujl unb September 1528 gefüt)rt würbe, führte gu irgenb einem (Su 

folg; unb ed ifi nic^t wal)rfrf)einlic^, ba^ bie barauf im Dctober 

tfjjflben 3a^red unmittelbar jwifc^en Stabt unb ßlerud angefnüpften 

Ser^anblungen bem (enteren eine er^eblic^e Srleidjterung \)erfc^afft 

^aben. Seit bem @nbe 1528 boren wir nidjt^ mef)r t>on biefem 

Streit, 3m 3Wai 1531 lief ber «ertrag ju (Snbe, unb bie ©eifi:^ 

li(i)t(it mu^te bann t)on felbfi in ben ©enuß ber früheren greit)eiten 

toif^cr eintreten. 

aber, wenn auc^ bebeutungdlod in feinen unmittelbaren golgen, 
toar berSlufru^r "oon 1525 iiberau^ wirfjtig ald unwiberleglidjer SBe* 
toti^ eined allgemeinen unb furc^terwecfenben Uebeld, 9?id)f ba^ ^ab* 
fuc^t unb 5Reib fic^ im gunftigen Slugenblicf gegen bie offentlidje Drb* 
mrng auflehnten; aber baß fic geraume ^nt ungeftraft ben ganzen 
flcifilic^en Stanb miß^anbeln burften, o^ne bie Sere^rung ber 3at)r^ 
^unberte wac^ gu rufen unb of)ne gule^t eineo anberen ä&iberftanb ju 
finben, ald ben ber gteid)mäßig bebro^ten weltlichen ®ewaltcn: baö 
mußte ben SSlicf in eine nal)e unb ferne ßufwnft verbüflern, weil man 
l^ieraud erfannte, baß jene ißerel^rung nicl)t mel)r befianb, unb 
nicl^t bloß in ber gemeinen 3Kenge, fonbern weitt)in unb überall unter 
ben ?aien ©leic^gültigfeit gegen bie Steckte bed (Slerud, ^aß unb 
SJerac^tung gegen i^n felbft bie Dber^anb gewonnen f)(itu. 



16 (irM ^u(^. 

(Sine ®rfinnung, rotlö^t bem ganjen beutfc^m 93o(fe bamald ()e^ 
meinfam mar, unb in ber SSemfltlic^ung bcr Äirc^e, in bem SlbfaU 
ber ®eiftli(^fcit felbfi t)on i^rem ©crufc murjelte» 3Bcr bie ®rünbe 
bicfer SSerweltlic^ung auffud^en \t>\ü, n\\x$ in bie Utjeit bed (t)riß(i(^en 
®ermaniend jurü(fgel()en* !Dort ftnbet er bie ^eime, beren nie untere 
brod)ene @ntn>i(fe(ung bie g(anj))o(len unb bie bunfeln Seiten ber beut^ 
fc^en Jtirc^e bid }u ber religiöfen 9let)o(ution be^ 16. äa^r^unbertd 
begleitet* 9lber fte ju ermitteln ift eine Slufgabe ber atigemeinen ®e^ 
f(^id)te unfered 93ater(anbe6. 9Bir begnügen und an biefer BttUt mit 
bem yiaditoti^, t>a$ aud^ bie jtirc^e bed nieberrf)einif(^en unb n>ef}^ 
falifc^en Sanbed ber allgemeinen IBerberbnip an^eim gefallen toax. 

3* 

3n feinem ZijtiU 2)eutfc^tanbd mar bie ?0lac^t ber I)o^en geiji^ 
liefen 9{ei(l)dj)änbe großer ald in btefen ®egenben. Unter ben melU 
liefen mar nur einer, ber ftc^ bem Srjbifc^of von 6öln, ben 33ifcf)öfeu 
t^on Süttic^, üRünfier, ^aberborn, Ddnabrüd, ?0linben t>erg(eid)en 
fonnte. Slber bie meltlid^e ^ac^t ber Sif(^öfe l^attt längft aufge^ 
l^ört, eine Stu^e unb Sd^u^me^r if)red geifilid^en Slnfe^end ju fein; 
bad 9Imt bed ^ixtm mar ju bem SBert^ etned S^iteld l^erabgefun^ 
fen, bad Qi)rt>nt M Sanbed^errn allein übrig geblieben. äBenn 
ed fidj um bie Sefe^ung bed Srj ^ ober ^odjfiif td ^anbelte, fo fal)en 
bie SBä^ler nic^t auf grommigfeit, ®ele^rfamfeit unb geißlic^e ®aben, 
fonbern entmeber auf ben eignen SJort^eit, ober auf ben Sinken, ben 
bad 8anb t)on bem politifc^en SSerftanbe, ber friegerifdjen lüc^tigfeit 
unb ben perfonlic^en unb gamilient>erbinbungen bed fünftigen ^errn 
JU ermarten \)aUt. 2)ie geifilicl)en SSerric^tungen maren eine geringe 
Siebenfache gemorben, für bie ber Sffiei^bifc^of t)on nieberer ^erfunft 



§ 3. Unter ten Oueüen , bie ten felgenten § § ju ©runte liegen, 
flnb tie loid^tidflen : tie ^efd^Iüffe ted Kölner $rot)tn$ia(conci(d »on 1536 Bei 
Hartzheim, Conc. Germ. VI. 235 unb bie $n?tofol(e ber ittr(^ent)ijttattcn in 
ben Sanben 3üUc^ unb 9{a\>en«berd oom 3a^re 1533 im ^9(, f. Q3etl. II. Slugers 
bem bie OdnabuKfer 6);noba(^atuten t)on 1533 bei Hartzheim, Conc. Genn. VI. 
231; bie Stete bed Slnton (^ocneliud bei Hartzbeim Vi. 209; bie urfunblid^en 9li>« 
tigen hti Strunck, Annaics Paderborn. ; bad Cbronicon Dominicanunun in Tremonia, 
SWfcrvt. ber jtcnigf. SBibl. ju S3erlin; bie 9lctenftu<fe bei NB, NU, bei Scotti, 
3üli(^:(51et)e;93er9ifcbe ®efe^e unb Serprbmmgen, unb (5let)e-9Jiärfif(^e ®efe^e unb 
QSerortnungen ; bie ®ebicfete te6 9)lurmefliu« u. «. — Ueber (Etjbift^of ^ermann 
\>q\. aucb ^ecfertf, ^ermann von 9Bieb. 1840. 



IL IDte (»tim^tit 17 

gebraucht tDurbe: man glaubte genug ju t^un, tt>enn man bte 93er^ 

loaltung ber @actamente t)or ter gröbften Simonie bewahrte , inbem 

man, wie bei ber ^JJoftularion bed Sifc^ofö (Sxiä) gu ^ßaberbom 1508, 

ben neuen ©ifc^of jur Sejietlung bed ©uffragand förmlicb t)erpfM4)tete* 

5)ie aaSal)! war ein ^anbel mit ben Domherren, wobei 93erfpre(^un^ 

gen unb Urfunben weltlichen 3;ti^a(td gewec^felt würben, unb iWQMd) 

eine politifc^e Xt)at, an welcher Ü6) bie 9{ac^barfürflen bur(^ gär/ 

anb ©egenbitten, Oefanbtfc^aften unb SJerbinbungen betf)eiligten* 2)a 

aber ber weltliche ©eftc^tdpunft audfc^Ue^lic^ galt, fo fam burc^i ba^ 

Staturgefe^, bap 3Ra(^t bie üRac^t anj{ef)t, ber wec^felnbe 9e{i$ ber 

^oc^jiifter an bie gurflen^ unb ®rafenf)aufer, bie bergefiait, wad fie 

bcm Stamen nac^ aQmä^Iic^ an bie geif)(ic^en Sleic^dß&nbe oerloren 

^ten, in ber 2^^at mit SSSuc^er jurud erhielten. Seit langer ^nt 

gaben bie ritterlichen Sproffen bed welfifc^en Jpaufed, bie Sac^fen^ 

^auenburger, Reffen, bie \)on (5let)e, bie ein^cimifdjen ®rafengefc^Iec^^ 

tct, a(d aKöre, JRetberg, Deip^olt, ^oia, SSent^eim, SSSieb, ber eine 

flnbenb bem anbern ben ®ifc{)offiab in bie «l^anb. ^a würbe jum 

Btoinmen bed ^aufed unb ber abiigen ®enoffen regiert unb Se^be 

geführt, ber politifct)e 6brgcij )>erfolgte feine ^itU ; man f)ielt ßattlic^ 

^of auf ben Sc^lojfern bed Sidt^umd ober in ben gebulbig galten/ 

btn Slöfiern, feierte ritterliche gcfie mit f)of)en ^erwanbten unb 3lad)^ 

bam. @d gab aUerbingd ni^t wenige e^renwert^e 3Jtänner unter 

Mefm geiplic^en Ferren, t^atye, tapfere, wo^twoflcnte gürjien, \>tx^ 

ti^ttt 8anbe6t)ater; aber ben SRa^fiab ber geiftlic^en SBürbe erträgt 

faum einer unter allen* ®ar el)rwürbig mit feinem langen weifen 

8art na^m ftc^ ®raf ^ermann von 2BieD aM, ber feit 1515 dx^ 

Nfc^of t)on Söln war; wegen feiner fct)lict)ten grommigfeit unb reb^ 

li(^en ®efinnunfl ftanb er allwartö in unbcftrittenem 2lnfel)en; aber 

Me lange 3eit feine« gebend war er Weber ber Stubien greunb, noc^ 

ber gSenic^tungen , weld^e bad 2lmt bem ® eifilic^en auflegt : 8atein 

»erflanb er fo wenig ald möglid} ; obwol)l j^nm ^^Jricjier geweift, brachte 

er nur einige mal, wo eine befonbere Scicr e6 er^eifc^te, ba« 9Mef^ 

fl)fer; er war ein Slitterömann wie bie antern Surften, mit bem 

S^i^mert an ber Seite empfing er ben SRuntiuö, ber i^m im 9iamen 

M ^bjiee bie Berufung bed Sondld 1537 anfünbigte; fein ®e> 

fc^aft war bie 3agb, bie Regierung lag in ben Rauben ber ^äti)t, 

unb wie bie weltlichen Angelegenheiten t>om Äanjler ©ernt »on ^agen 

beforgt würben, fo l)errfc^te im ®eiftlicl)en eine Seit lang 3ol)ann 

Sffrndiul, «ufru^c in SRüiificr. I. 



18 CIrfIr« ^näf. 

©ropper t)on Soefi, bid ben Sl)urfürficn Unwiffenljeit unb Unfa^ig^ 
feit eben fo wiüenlod ben Slnfic^ten M ©tragburger ^-ßrebigerd Su^er 
überlieferten, 9D?an war gewol)nt, t)on geijilict)en Surften nid)tö rotu 
ter ju verlangen al6 "oon ^veltlic^en ; baf bie 9?atur bed Slmted etwad 
anbere^ forbere, l)atte man t^ergeffen* Oenug, wenn ber Surft fic^ 
nur bie SBei^e M ^riejierd unb Sifc^ofd geben lief : aud^ bad Ijaben 
manche t)on 3af)r ju 3a^r bid an if)r ?ebendenbe aufgefc^oben, unb 
*a6 Sapitel jU ^aberbom fanb ed 1508 not^ig, ben Sifc^of förm^ 
lic^ jur SrfüHung biefer 93erj)flic^tung gu t^erbinben* SBenn einer 
me^r t^at, fid) beö t>orgefc^riebenen 33ret>iergebetö nic^t übert)ob, ber 
9Keffe taglic^ beiwohnte, fo ftd^erte i^m bie Sludna^mc r>on ber Siegel 
bad aufmerffaine 8ob ber Sbronificn. 

3JJit bem gei(Hicf)en ?anbeö^errn tt)eiUen f«^ in ben ®enuf ber 
®ett>alt feine äßa^ler, bie ©lieber bed !Domcapiteld, Sie waren, mit 
geringen Sludnat)men, abligc ^erren, 9?oc^ unter 8eo X. ftcUte bad 
Kapitel von Ddnabrucf mit Bewilligung bed ^abfied bie Sluöfd^licfung 
alter Unabligen gefe^lid) feft, 3m ©ölner Domftift fanben neben bem 
fin^eimifcben Slbel bie Söt)ne ber reic^^Panbifc^en @efd)lec^ter i^ren 
5pia^, aud bereu SWitte bie 33ifc^6fe unb ^^rälaten hervorgingen. 3n 
ben wefJfalifd^en 33i6t()iimern ^ielt fid) audfd)lieplic^er bie lanbfäffige 
9litterfcl)aft im Sefi^. Ueberall aber war bad Sapitel SJertrcter ber 
Slriftofratie, gteicbfam ein immerwa^renber 8ludfd)up, von ^crrcn unb 
9titterfd)aft beauftragt, mit bem zeitweiligen 3nt)aber ber voUjie^enben 
(Sewalt bie 9legierung bed ?anbed im 9?amen unb jum Stufen ber 
©tanbedgenoffen ju fül)ren, Sie fafen im 9Jat^ bed Surften, fie 
fuf)rten auf ben Sanbtagen nacft i^m bie erjie ©timme; im 93erein 
mit ber 9iitterfc^aft, auö ber ftc hervorgingen, waren fie mad;tig ge* 
nug, jeben Sigenwitlen bed Surften ju läljmen unb jeben anbereu 
(Sinfluß auf bie ©efc^icfc bcö Sanbed nad) ©efatlen ju befdjranfen, 
I)iefe aWac^t ju befeftigen, ben eignen aJortl)eil, ben 9?u0en ber S«* 
milie, ben Sinflup beö ©tanbed ju vermehren, gab jebe neue SBa^l 
wittfommenen SInlaf. ©o ^atte fic^ ein 3uftanb gegrunbet, in bem 
ba« geben ber firebfameren !I)omI)erren gewöl)nlid) in ^4?olitif unb 
SBerben um weltliche et)ren aufging, wät)renb bie Smibe ber übrigen 
bequeme unb l)eitere Sage, @elb unb @enuf war. »eim ©otteöbienfi 
fal; man fie wo^t, um bie ^l^rAfeujen ju verbienen: fte famen fpÄt 



II. ^it @tmid)Uit. 19 

imt) gingen frii^ fort. Sie führten bie alten Sitel ber 2)ompröbfte, 
2)cinte(^anten, Domfd^olafier, 3Domcantoren, aber bie ^JJfrünben ber 
Airc^t bienten einem rttteritc^en Seben auf ben Sc^loffern bed 6apite(d 
ober in ben (Surien ber ^auptftabt, bei geften unb ©afimalen, bei 
Spiet unb 2Baibn)erf; ftattlid), prächtig, mit nmncberlei 9lufn>anb, 
»ie Äleibung, (Bifinixd, Dirnen, Dienerf(^)aft, ^^ferbe, ^unbe i^n 
forberten. 

5. 

Den Domjtiftern gunäc^ft an 9iei(^t^um unb Slnfeben ßanben bie 
jat)(rei(^en Slbtcten unb 6oUegien. Sie ()atten t)orma(d in geiftlic^en 
6bren mit ber 9Kutterfir(^e gemetteifert ald ^4?flanjfc^ulen ber ?e^re 
unb 3Rufiter bed c^rifilic^en gebend« Seftt bienten jie wie jene bem 
weltlichen Sebürfni^ ber bet>orjugten Stäube, noüdit ftd) nac^ bem 
9iang, meldten 9leic^t^um unb Statuten ben geijülic^en Stiftungen 
»erliefen, in ibren 33eft$ tbeilten. Die t>orne^mften waren bed Slbeld 
8pitä(er. 3n ben näc^ften würben bie Slnfprüd^e ber patricifc^en unb 
altangefe^enen Sürgergefc^Iec^ter befriebigt, fo weit t)ier nic^t bie bef> 
ffren ^^frünben, namentlich bie ^robfteien ber Stifter, ben Domberren 
unb 9lbligen gufteien. 3Beiter nac^ unten folgte ber mittlere Sürger^^ 
itanb: er brachte in ben ftäbtifc^cn Äloftern Sö^ne unb Zid)tcx ju 
^anbedgemä^er 9}erforgung. Sür bie 9lrmen blieben bie Settclflöjier 
übrig. SBo t>erfc^iebene Stäube gwifcljen benfelben Äloftermauern gu* 
fammen trafen, ^ieit ein burd) wiUfürlic^ t^erme^rte @efe^e befcftigted 
^erfommen bennoc^ bie Slbftufung unb Sonberung in diang unb 
ä^ec^ten aufrecht. Dad i^btn ber regulären @eiftlic^feit, feiner 3bee 
nac^ befhmmt, ber c^riftlic^en ®leic^l)cit 33ilb, ber Siebe unb 2lnbacfet 
Äufier gu fein, war ein ©egenftanb äuperlicber Sluffaffung, eine feile 
Saare, eine SRente geworben. Die ganonifcr ber ßoUegien fa^en 
i^rc SäJürbe nicl^t ald ein 2lmt, fonbern ald einen S3efi^ an, ben fte 
gu geniepen bae dit(i)t Ratten; uneingebenf ber alten Olegel lebten fte 
ibre Sage in ü)?üfuggang, hielten ed für binreicbenb, ein paar um 
»iffenbe 6lerifer um geringen Solb gur 5}errid)tung bed hergebrachten 
Sultud gu raiet^en; unb, wohnten fie ben ÜReffen unb ®cbeten bei, 
bie i^re SRiet^inge t)aftig unb gleicl^gültig um beö 8ieblol)nd willen 
beforgten, fo gefc^a^ ed, um bie ^4^räfenggelber gu empfangen unb 
9ieuigfeiten gu t)6ren. Da fal) man fte in einem SSinfel beö (?l)crd 
fic^ jufammenbrängen unb unnüfte ober ungehörige Dinge t>crl)anbelu 

2* 



20 (tt9t€ Su«. 

oter fte {ufttt)anbe{ten offenbat burc^ bie geweititm ätaume i)m, Slugcn 
unb DI)ren bcr ©tclfcit guflewanbt, ben ?aicn ein Slergernip. Um 
ein Unterfommen gu ftnben, ein gee^rted unb bcquemed itbm ju \ixp 
ttn, trat man in^ ©tift ober Älofier, um toeltlic^er Sort^eiie mitten 
)n>ang man bie Xöc^ter )um Schleier« Sttin äBunber, baf bann aud 
ben e^rwurbigen Stiftungen ber Srömmigfeit in ben ^änben ber ^ab^ 
fud)t unb jud^tfc^euer JJeibenfc^aft; fobalb bie Sluffic^t ber Obrigfeit 
nad^ließ, ©i^e ber Slu^gelaffen^eit mürben, bag bie 3K6nc^df(6jier bed 
?anbed gemeint)in alö Jperbergen fa^renber ifned)te unb 9laubgefeUen, 
bie ^lonnenflofler für etmad noc^ @d)limmered galten. Die alte Siegel 
fannte man bidmeilen nic^t me^r bem 9Iamen nad^, bie (Slaufur 
mürbe nic^t geachtet, Tonnen gingen aud unb ein nac^ S3elieben, 
9R6nrf)e fuhren gec^enb in Stabt unb 8anb um^er. 9leirf)ten bie Sin* 
fünfte nic^t ^in jur Sefriebigung ber 93ebürfniffe t>orne^mer 6on\)en* 
tualen, fo vermehrten fie, mie jene gu 6on>ei, bie augenblicflic^e Sin* 
na^me burc^ 93erfc^leuberung bed Ätoflergutd unb überließen bie 
9?a(t)folger ber 9?ot^. 3n manchem grauenflojier, mo ein $robft bie 
9Serwaltung M ®uted füf)rte, fti^melgte er felbjl t>on bem Srtrag unb 
ließ bie 9tonnen barben* 3n anberen führten bie 9?onnen jebe für 
.ftc^, ber alten Drbnung »ergeffen, eigenen lifc^: bie eine Ijatte (Selb 
unb betranf fic^; bie anbere hungerte. <Selten fonnte fol(i)en 3Riß^ 
br&u(t)en anberd ald mit ®emalt gefieuert merben, unb mel)e bem, ber 
ba reformiren moBte, ot)ne \?on ber jiarfen Jpanb eined Oberen ge* 
f(^ü$t gu fein* 2)ad mußten bie 93ur6felber 9ieformatoren erfahren, 
aW fte miber ben 2BiI(en bed 2lbtd unb ber 9Rönd>e in ^etmerd^ufen 
bie 3ucl)t f)erflellen mollten: ber erfte marb, ben Änebel im SWunb, 
t>or bie S^üre be6 5flo|lerd gebrad)t, unb, mann er mieberfdme, mit 
Schlimmerem bebro^t; ber anbere fiarb aud Äummer über bie erfal)* 
renen 9Kiß^anblungen ; bie ÜW6ncl)e aber entfc^lugen fid) \>ollenb^ ber 
^oren unb ?Weffen, unb füt)rten *oon bem Srlöd ber Äircl)enfleinobien 
ein fred^ed Äneipenleben, bid ber Slbt burcf) SSerfauf unb 3?erpf4nbung 
ber ®runbftücfc fo viel ®elb, ald er braurfjte, gemonnen unb bei 
Seite gefc^afft ^atte. Darauf fc^ieb er mit ben 9Borten : „?cb mol)l, 
Jg^etmer^l^ufen, auf 9(limmermieberfe^en!" unb feine %l\ii)i gab boe 
3eic^en gur völligen Öuflöfung. 



II. l>it &nftli(bUxt 21 

6. 

8Iuc^ mit ber Suratgfifilidljfeit, ben ^Pfarrern unb il)ren Od^ülfen, 
^anb f6 nic^t beffer. SSiele reid^e ^fiiaxxtitn warm bcn Slbteim unb 
Stiftern ein\)et((ibt, meiere bte @infünfte jogen unb einen aud t^rer 
Witte bedeuten, ben 2)ienfi not^bürftig gu tjerfe^en, ober nodj lieber 
einem geringeren ÜRanne bie geelforge auftrugen» JBber audj \r>o bie 
@emetnben eigne ^Pfarrer behielten, befümmertcn fi(^ biefe nic^t immer 
um ^rebtgt^ Se^re unb Srbauung. 3i3ie t>ie(e Ratten bad Slmt burc^ 
(Bunfi unb ®aben, ober burc^ ßrbfc^aft, Raul Za\i^ä)\)anttl an ftc^ 
gebracht. 9?un lebten jie nacb i^rer SBeife aW t)ome^me Ferren Don 
ben Dienten i^rer Äirc^e, unb bie ©eelforge fifl ^ier \m bort entweber 
ben Settetflöfiern ober gemict^eten Saplänen gur ia% 93ei ber (eid^t^ 
finnigen @rt^ei(ung ber $rieftem>eif)e n>ar nie SRangel an Proletariern 
grifilid^en Stanbed, bie in allerlei SBetfe i^r Srot gu Derbienen be^ 
girrig »>aren, fei ed ald <^au6capläne unb 2)ienfiboten üppiger 2Bei^ 
bfr, ober ald Spa^mad^er bei ©ajiinalen unb geftcn, ober ald Softn^ 
biener ber Seelforge in ben Oeineinben, bid ber günftige Slugen^ 
Mief i^nen 9lmt unb SBurbe oerf(^affte unb fte aud Rmi}tm gu 
Ferren erl^ob. 

1. 

6o tief xoax allerbingd bie Jlird^e nid)t gefunfen, ta$ nic^t auc^ 
if$t ^eit^orragenbe SBeifpiele bed ®uten an bie alte beffere 3cit erin^ 
nert Ratten. SBenn bie 9?atur ber Sac^e bcbingt, bap fromme SWen^ 
fi^en unb ehrbare ©enoiTenfc^aften f«^ ber gefc^icl)tlid)en aBal)mell^^ 
nrnig me^r entjie^)en ald i^r Oegent^eil, fo bered^tigen bie 2lngaben 
ber fflrgtn CueUen, bie tt>ir benu^en fonnten, um fo e^er gu ber 9}er^ 
mit^ung, ba^ in allen €tabten ^IRanner ))on fc^Iic^ter B^ömmigfeit 
unb gerlenabel, wie ber Xom^err JRubolf t>an Sangen gu SRunfier, 
auc^ bamald ben geiftlid)en Staub gegiert, unb überaU nod) AlcHa 
»b geifilidje Käufer in befc^eibener einfad^er Sitte an ber Strenge 
bed Crbendjtifterd fcfl l^ieltcn. 2tJir bürfen hier ber vier mtt<wii 
Drben e^renb gebenfen, ber 5?rebigerm6nd>e, 9Kinberbruter , Ui Äu> 
guftiner ©nftebler, unb ber SBrüber unfrer lieben grau, tit, butt^) U;»* 
«rmut^ auf geijtlic^e Slrbeit in H^rebigt unb Seelfrrge l)iuu<*ttn«w 
mib vor rafc^em 93erberben gefcbü^t, von ber ftren^ncn »iiH\<*"« *•« 
Crbrndoberen gmveilen mit Steformationen bttaift^ iWw \\*^\^<\itni» 



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22 (Srßea $ud). 

S3eruf im ©anjen tt>eit treuer blieben ald ber ^öftere 6(eru6, unb bie 
©iängel ber Seelforgc biird) i^re Zi)atiQUH um fo erfol9reid)er erfe^* 
ten, a(d fic ber ÜKaffe bed 93o(fö burc^ ®eburt unb täglicl)e 93erüb* 
rung naijtx ald anberc fianben. SBo^I werfen i^nen bic S^itg^nof* 
fen i^rc ^offart, ßitelfeit, 3<^nffud)t t)or. iBon ber allgemeinen 
3ügelloftgfeit blieben fte aud) in anberer ^inftc^t feincön>egd frei. 
9)ian rügte mit Siedet bic ©itten ber S^erminarien, bie t)on ben Dr> 
bend^äufem auögefanbt würben ju ^jJrebigt unb Sllmofenfammeln unb 
nad) getf)aner Slrbeit oft anstatt balbiger JRucffebr ein tt>eltlid)eö %mtn^ 
leben erwähltem 2)ie (Solner S^nobe t)on 1536 flagt über bic *4Jo^ 
pularitatdfuc^t ber Drbendprcbiger, bic über ben ^aftor bed Crtd auf 
ber Äanget rid)ten unb urtt)eilen, geiftticbc unb weltliche Dbrigfeit bem 
9Solf ju gefallen fd)mal)en, unb über bic Slnma^ung, mit welcher fic 
aud) o^nc Srlaubni^ fid) jur ^^Jtebigt brangen, ober burd) 6ont)entifel, 
auö bem Stegreif errichtet, bic orbentlid)c ©eelforge fiören unb be^in^ 
bern« Slber tro^ biefen unb anbern ®ebred)cn bleibt i^nen ber 9iul)!n, 
aud) l)icr im Sanbc tjorjugdweifc baö belebenbe Clement, bad Salj 
ber Äirc^c bamald gewefen gu fein. 3n i^ren Äloftern würbe noc^ 
gebetet unb gearbeitet, gelernt unb gelebrt, gcfdjricben unb geprebigt; 
in it)ncn t>orjugdn>cife würbe bic tl)eologif^c Silbung ber 3<^»t 9^* 
pflegt unb bewahrt; gerabe aud i^nen gingen, aud) t)ier ju ?anbc, 
fowo^l bic Sefdmpfer atd bie 93orfect)ter ber neuen Se^re jal^treid) 
^enoor. Den Slugufiinern, bann ben SRinberbrübern gcf)örtc ber gc^ 
wältige ^45rebigcr an, ben Iritbeim über alle beutfc^c ßcitgenoffen fteUt, 
Sruber iDicricf ifolbc von 3)iünfier, beffen »erebfamfeit bic ©eiftcr 
lenftc unb in ber 9Wenfd)cn 6c^icffal wie ein fflunber eingriff. Sluc^ 
barf man neben ber geraufdjtjollcn SBirffamfeit bicfer großen, ber 
ganjcn 6{)riftcnf)cit ange^origen Drben baö ftillc 3)afein cined eigen* 
t^ümlidjen ßrgeugniffeö Siieberbcutfc^lanbe nid)t \)ergeffen, ber regu* 
larcn Slugujiiner 6^orl)crrcn 3Binbcd^eimifd)er Songregation unb tcr 
mit il)nen jufammen^ängenben grater* unb 6c^wefterl)äufer. SBad 
biefc feit ber Orünbung i)on grendwcgen unb bem äöirfen bed imer* 
müblid)en SSater ^ermann \)on 8ll)ued in SBcftfaleu unb 9ticbcr^ 
r^einlanb gewirft, ift jwar fd)on bamald nid)t oft unb t}erne^mlic^ 
jenfeit ber Ätoftermauem gebort worben, aber wer bic ton ber 3cit 
gcrfhcuten 3^w9"MTf i^rf^ Sebend, bcd 3ol)ann t>on Jporftmar 6l)ros^ 
nif »on grendwegen, bic Slufjeic^nungen ber Äloftcrfc^wcfter im 
gjicfmd unb bic ^rcbigten bed Sratcrl)errn Sodann Siege bctrad)* 



II. ^it ®tmid)Uit. 23 

tft,*) bcr Witt in bcm innigen flläubiaen 9Jfrfef)r iener frommen 2lu^ 
gufiiner mit ®ott unt) ben Zeitigen ber SJorjcit, n>ie er fic^ in ^un^ 
bert leicht erflarlic^en SBunbern unb SSifionen au«fpricf)t, in ber (&in^ 
falt unb Irene ber Sc^wejiern, in ber SBärme unb Älar^eit, mit 
»elc^er ber ^JJrebiger bie 9Beidf)eit ber l)ei(igen Schrift, ber 93äter unb 
Senecad t)erbinbet unb barlegt, erfennen, baß ber ®eift bed gottfeligen 
Zf)oma^ "oon Äempen in Sd^iilern unb ?Racf)fo(gem ^ier noc^ in tic^ 
fer 3tit lebenbig mar, unb n^irb nid[)t of^ne i^eilna^me an ben kiUn 
Srüc^ten altfatf)oIifc^er aKvJHf im 9?ieberlanb tjorüberge^en. 

8- 

aber tt)ad \?ermocf)te Jlugenb unb Sf)ätigfeit ber üKinberjaf^f, wo 
tad SSerberben gur @ewot)nl)eit unb Sitte ber großen SKe^r^eit ge^ 
»orben mar ! 2)ap nur auf bie allgemeine SSerfunfen^eit bed Slerud 
fi(^ bie allgemeine SSerac^tung grünbete, marb üon ber Sölnifc^en 
S^nobe audbrüeflic^ anerfannt, bie mit ernjiem ZaM bie brei ^aupt* 
la^er, Stolj, Ueppigfeit unb ^abfuc^t, bem Slerud ber ?Prot)inj bei^ 
legt, allgemein mar bie ^abfucl)t unb ergriff felbfi bie Sefferen. Der 
Sector ber !Eomfd)ule ju SMünfier, ber geleierte unb fittenflrenge üimann 
ßamener, na^m feinen Slnflanb, burd^ offene Simonie bie ?Pfarrei gu 
St ?ambert ju ermerben ; unb aud ben brei Sd^illingen, mit meieren 
ai^eit t)an Äeppelen ben Jpaud^alt ber 9?iefingfc^meftern begonnen 
f^attt, waren balb fe^r anfet)nlic^e ©runbfiüdfe unb SRenten gemorben. 
JJie Ueppigfeit jeigte fic^ of)ne SJücffic^t unb Sd^eu. Sei läge unb 
Sac^t fonnte man Sterifer in ben aBirtl)df)aufern finben. Sie fel)lten 
m'c^t bei ben gefien ber 93ürger. 2luc^ bie firc^lid)en ®elegenf|eiten 
tourbm JU Sudfc^meifungen benu^t, Sruberfc^aften in Irinfgenoffen^ 
fc^aftm umgemanbelt* ^n ben ^o^en gejien ließen bie Stiftd^erren 



♦) 3)i« (lircnif tc« Älofter« (Wiejinc! ^abc tA im 2. ©anb ber ©efd^ic^t«* 
aucflen tt€ Stdt^um« aj^ünfler ^trau^degebfn. 2)ie ^^ronif bc« dol^ann »on 
^rtmar icjinbet n<^ im !Bcft$ be« $räftbtnten »on Clfer« |u S^ünfier, bie 
64inm(ung »on IBrgc« ^rebigtcn in ber ©ibliot^cf be« SWünflfrifc^cn fiftorifcjcn 
ScTfin«; bcibe ^anbf(^riftfn »ären be« 2)ru(!c« »ürbig. 3u brn e^renbrn 3fUd^ 
mfen för ba« Äloftetlcben iener 3eit gebort ou* ein JT^cil ber $cefien, bur«^ 
beren J&frau#gabe fürjJic^ IDr. 93. ^ölf(^er fi* einlBerbicnfl ertoorben ^at: IRieber* 
Unt^dH ^ti^iidit «ieber unb (gprüAe ou« bcm SRunflfrlanbe, nad} ^anbf*riften 
tu« bem 15. unb 16. 3a^rl^., mit «nmcrfungcn, ®örterbu(|^ unb einer SWuSf» 
UiU%t. Berlin, 1854. 



24 (Srfle« 9ud^. 

i^re Äirc^cn leer fielen unb befud^tm bm Dom, nf(t)t bcr grofcrm 
Slnbac^t willen, [onbern um bad ©clagc ber Domherren nidjt ju \>tu 
f4umen» S^onfur unb gcifHidjc ifleibung tt>ar in IBergeffenl^eit ge^ 
ratl^en; ®eiiilicf)c fd^mücftcn fic^ lieber nac^ SBeiberart, folgten gc* 

y le^rig ber ttjedjfelnben Äleibermobe, ober gingen n>ie 8anbd{ne(t)tc ober 
SRitter einher, äuperorbentlid) gro^ war bic äa\)l ber Soncubinarien» 

/ Die Seifc^laferinnen gogen mit i^rer üKitgift in6 ^aud bed ü)iannd, 
legten i^re Slenten ju bem (Srtrag bed Slmted, Jfigten fid) in ^4^rac^t 
unb Sc^mucf auf ben Strafen unb in ber ®efeflfd)aft, unb felbft bie 
Giferfuc^t ehrbarer S3ürgerfrauen fonnte nicf)t l)inbern, baß bie Dirnen 
geiftlic^er SÜJürbenträger bei gefien unb Oaftmalen ben 9iang i^rer 
Sieb^aber für ficfe geltenb macf)ten. Die ^offart ber ®eifHicf)cn, um 
fo größer je geringer bad SSerbienft, fußte auf ber ^erf6mmlid)en S3er^ 
e^rung ber Saien gegen ben Stanb, noc^ me^r auf 9ieic^tf)um, @in* 
fluß, SWac^t unb 9Sorrec^ten, auf ber ganjen 2luönal)m6fteUung , ber 
eignen ®erid)t6barfeit unb bem allgegenwärtigen wirffamen Sc^utj, 
ben bie mit Senfuren, SBann unb Snterbict bewaffnete Äirc^e and) 
bem unwürbigfien ^ßriefler nic^t t>erfagte. 

(5in weitere^ ^auptgebred)en tjergißt bie ©^nobe ju nennen, 
Daö war bic allgemeine Unwiffen^eit bed Slerud in ben wid)tigften 
Dingen, in ben ®laubcndf5^en, bie ber 5fatcd)idmu^ fonft ben £im 
bem einprägt, ja felbfi in ben Slnfängen aller wif[enfd)aft(id)en Söil^ 
bung. SBie viele lafen bie SKeffe, bie faum brei 9Borte lateinifc^ 

4 fprecl)en fonnten. ?ln S3ü(t)ern befaßen bie ^aptore unb Sapläne jwei 
ober brei 9?ot^l)elfer jur ^|irebigt, ten Diöcipulud, *4?aratud, Dormi 
fecure, unb tjieüeic^t ein SBreoier, bad oft genug 2llbernl)eiten neuefier 
Srfinbung flatt ber ®ebete ber itirc^c enthielt, ober t>erftümme(t unb 
jerriffen bem Seft^er baö ^enfüm beö üaged t)erhlrjte* 

9. 

ÜWit feieren SBerfjeugen unb Dienern fonnte bie Äircf)e nidjt wie 
el^ebem bed c^riftlic^en SSotfed üRutter, bie te^renbe unb orjie^enbe, 
troflenbc* unb l)eitigenbe Verwalterin ber göttlichen ®nabe fein* Sie 
war t)ielme^r eine ^errfd^erin geworben, beren 9Wa(l)t jum 3wang 
j unb Drutf ber Saien mißbraucht würbe» Da^ 5lmt be6 Seelcnl)irten 
War ein ®elbgefc^äft. 6r trieb ßf^ntcn unb Sienten ein, fcljalt t)on 
ber Äanjel bie ©Äumigen, braud)te ®ewalt gegen bic aBibcrfpcnfligen. 
2ltle6 mußte bejaf)lt werben, bie Verwaltung ber ©acramcnte, ®cburr, 



II. IDie (»midfUit 25 

$o<^3ett, Jtranf^ett; ©enefung unb %ot, bie gärbitte für bte SSer^ 
Torbenen, ber Äirc^flang bcr SBöc^nerm, 9Jlfffen, Sai^rjeitcn unb 
SKa^nfhinbcn. 3e me^r äußere äßerfe, befio ^o^er bad @infoniinen: 
olfo ^tr(t man unerbittlich auf bte (Erfüllung unb \)erga$ nic^td. S)te 
Habgier gt^ang arme Seute, um bte D))fer gu )>erme^ren; aüt 92a(^^ 
bam gum Seg&ngnt^ gu bitten; n>ar bte ^aijl ber @rf(^ienenen *nic^t 
gro0 genug, fo würbe bie geier gen>eigert; baitn folgten Sabung unb 
Sann, geifllic^e Sufen unb ®e(bfirafen. 2)te ^j^flic^ten aber bed 
8lmted, beffen @infunfte man fo fc^onung^Iod bettrieb, n>urben fd^nobe 
öergtffen» 3n bem einen Ort war ber 5ßaftor noc^ jung, jiubirtc 
no(^ auf ber Unit)erfttat ; ein anberer ^atte me^r ald eine eingige 
^^Jfanei unb reftbirte abwed)felnb ; ber ^JJaftor bed britten Drteö tt>ar auf 
einer Steife nai) Stom geflorben, unb ba man nun nac^ bem fc^Iim^ 
men ^erfommen bort bie Sefe^ung ber ^friinbe ^atte, fo -erfuhren 
bie ®nwol)ner nic^td von bem Stac^folger, ber bie Sienten ber Äird^e 
gog* Slber au(f) anwefenb überliefen wk bie Slrbeit an anbere, leb^ 
im fo gut ald möglich t>on i^rem @infoinmen, faf cn im 2Birt()^I}aud 
unb ganften mit ben Säuern* 93erl)ä(tni^mä$ig glücflic^ n>ar bie ®e^ 
meinbe, beren Seelforge guweilen ein 93ette(f(ofter \)erfa^ ; feltener fanb 
ftc^ ein t)erfiänbiger unb t^atiger Saplan. 3n ben ^^rebigten, bie 
gel)alten würben, war nic^t fo oft t>on ber ^eiligen ®efc^id)te unb 
tm 8e^ren ber 9Jäter, M t)on abgefc^macften gabeln, gebid)teten ic^ 
genben, aOemeueften 9Bunbergef(^ic()ten bie 9Iebe. !Die (Schule, bie 
ja ntc^td einbrad^te, würbe vergeffen; entweber na^m man feinen 
€djulmeijier, ober er \)atk aI6 Äüfier gu t)iel 93efc^äftigung ; in Sittart 
gar fdjämte ber Sc^olajier ftc^ nic^t, mit bem gci^ulmeifter ben far*^ 
gen ©olb ber Äinber gu t^eilen. 2)er Senb warb vielfach nic^t me^t 
gehalten: wo ed bod^ gefc^a^, ftrafte er meift in ben Seutel, unb 
mact^te bergefialt auc^ bie Sünben ber ®emeinbe gur @innat)mequeUe 
für bie gei{ili(i)en 9ii(t)ter. 3u bem allen fam ber arge Slblap^anbel, 
t)on bem felbfi ber befd)eibene S^ronift ber Dominicaner gu Dortmunb 
t>ennut^et, @imon ^abe Xl)eil an il}m gehabt. 

®n 3uftanb fold^er 8lrt, ber, t}on feiner geijilid)en Dbrigfeit 
emfllic^ reformirt, mit ben Sauren nic^ beffer, fonbern fd^limmer 
würbe, ^ätte ben ®ro(i auc^ bed gebulbigfien 33oIf6 erregt. Um wie 
t)iel me^r mu^te in jener unruhigen unb „ gefc^winben " ^tit t?olIer 
Äraft, Eigenwillen unb Ungejiiim bie fc^arffinnige, wi^ige, tabelfücl)*^ 
tige Seioölferung beutfc^er ©täbte gu Unwillen unb 3orn fic^ gereigt 



26 (Erficd Su4. 

füf)len, tt)enn fic^ bic Süvfler erinnerten, tt)ie reidjlic^ t)on ben 9Sor* 
tjdtern Älofier unb Stiftungen, ^afiorate unb 6aplaneien mit Dienten, 
®\xt, iant, @anb unb aller 5Rot^burft audgeftattet \\)orben, unb nun 
tdglic^ faf)en, wie biefe n)oI)teerforgten ©eifilid^en fein Äinb in bic 
ß^rifien^eit aufnahmen o^ue SSeja^lung, arme Seute lieber 3a^rc lang 
in ©d^anben leben liepen ald tjon ber ©elbforberung für bie Sin* 
fegnung bad ©eringfie nachgaben, ben gemeinen 9Wann ju fflegang* 
nijfen brangen unb jwangen, ber bie Äofien für bie ^loti) beö Seibed 
laum aufbringen fonnte; ber tjerfluc^ten ®ier felbft bad ©acrament 
bed Seibed 6l)rifti unterwarfen? 2Bad mußten bie ?aien füllen, wenn 
fte JU allen S33erfen äußerer Slnbac^t angehalten würben, bie wiflfur^ 
lid) \)erme^rtc 3^1)1 ber geiertagc burd) SinfteHung ber Slrbeit ^eiligen, 
5Weffen unb 9Jigi(ien bejahten follten, unb nun ben Oottedbienft t>on 
9Jtictb(ingen würbelod \)erricl)ten ober öffentlid)c SSerbredjer baö ^eilige 
Opfer barbringen fal)en? Der ^Priefier erjwang tie gebräuc^(icl)e SScr* 
e^rung feinet Stanbeö t)on i^nen, er fe^tc fiel) gu oberfi an it)rc 
lafel; aber nic^t mit bem ®efü^l ber (S^rfurdbt ^örten fic feinen 
Sieben \)on 9Q3ein unb Siebfc^aften ju, ober rect)neten it)m, wenn er 
t)or bem Slltar fianb, nac^, wie \)iel 2)irnen er öon bem ®ut beö 
©efreujigten unterl)iett. 

gromme unb weife 9Wänner trauerten, tabelten unb feufjten nac^ 
Sefferung. 2)ie weltlichen Dbrigfeiten wiberfe^ten fic^ bem Unfug, 
wo fte t)ermoc^ten. gürfHicl)e (Sbictc t)erfu(^ten, bie geifilic^e ®eric^td^ 
barfeit einjufc^ränfen unb bie auffaHenbfien Sebrüdungen ber Jpabfuc^t 
JU befampfen. 'Die ©tabte von Sleüe unb ÜRarf erneuerten noc^ 
1508 i^r alted SBerbot gegen ben ®ebrauc^ geiftlic^er SManbate in 
wcltlirfjen 6arf)en: wer bergleid^en bringe, foll gefiraft, iji er ein 
grember, in einen Sacf geftecft unb ertränft werben* Oft waren 9Jat^ 
unb Slerud im Streit, unb unruhige ßcitm fallen (Sapitel unb Sol* 
legien t)or unbequemen gorberungen ber Stabte entwei(t)en. Der ge* 
meine 3Kann fpottete in ©prüc^wortem unb Sc^mac^liebern**) Dad 



Monneke, nunnen und papen, 
Ziegen, kalten und apen, 
Müggcn, rupen und muese, 
Hören, keveren und luse, 



III. iDte ^umantflcn. 27 

aSoIföbud^ t)on Sleinfmd Sifien, ju biefer 3«t tn unfern Oegrnben 
^mifd) gftt>orbni, erjä^lte i^m t>on ^ape unb ^ßapemrierfc^f, t^rcm 
So^n SRarttnet; unb von Slfinfmd SJerwanbtm, ?ßrobfi 8offt>unt unb 
JCecfcant JRapiamud* ®n S^or, ^Dnr auf ^ülfe t>on Oioin fyofft. 3)er 
*^?abft, fo lä^r ber guc^d ftd^i bcriditen; iji alt unb franf, fann ftd) 
um nid^td fümmmt; f6 l^crrfc^t für i^n ber Sarbtnal t)on Ungmogc 
mit ffiner Su^lfc^aft unb bem Schreiber 3ol)annf6 ^4?artt^e, ber alte 
unb neue SDtünje fennt; 9Koneta unb Deitariud verwalten bad \>!ibp 
lic^e JRec^t. «Ifo 8iji geflen ?ifi, ®eu>alt gegen ®ewalt! ^lölilid), 
»0 ein verwegener gü^rer ftc^ einfanb, flammte ber Slufru^r empor, ♦) 
unb fhrafte Suc^ltlofigfeit unb ©eij mit blinber 3crfiörung. 



III. 

9ßäf)renb bie Seibenfdjaften bed SSolfed bie äußere Oefialt ber 
ftird)e bebro^ten, waren bie gebilbeten Stäube burcf) ben ^umanidmud 
affmä^lid^ in eine geizige (Strömung eingeführt worben, welche SRarf 
unb SSefen bed ganzen J{irci>ent^um6 gefä^rbete. 

Sänge fd)on l^atte Cberbeutfd^lanb ben ^umanidmud gepflegt. 



Dar dussc gewinnen dei overbant, 
Yerderven stedc lüde und lant. 

*» (Sin merfwürbigc« SScifpicI, fd^cn öor unfcrer 3eit, bietet tcr Slufru^t tc« 
€4neitfr« Begann Stnet^un gu Dtfnabrüd; cf. %tü^t, III. 5. 

§1. 3* »ertoeifc auf tit fleigiftc «Sammlung bier^cr Qf^öriger Wctigm Bei 
Äarl ^a^rn, JDcutfc^lant« litcrariWc unt rfligiöfe SBcr^SItniffc im SReformaticn«« 
ItiinUtx, gär SRünfler »gl. meine 3Rünfterif(^en ^umaniflen unt) tie toxi ange* 
mMen Cueflen unt ©earbeitiingen. Xiefer »irb ^d) erjl fcann auf tie ©efcftic^te 
tu ^umaniemu«, tet ^c^ulen unb ber Itterartfd^en ^ejlrebun gen in unferen San« 
ben eini^elyen laffen, teenn neben t>. ^ianco, @efd^. ber ehemaligen Uni))er{ttat unb 
ber ®»mnafien ber €tabt (Söln; JDiüenburger, @efrf^. be« ©^mnafium« gu (5m* 
mericb (ömmericjer ©^mnafialprogr. 1846 u. 1848); ^eibemann, ©erarbeiten ju 
einer ©efd^ic^te be« ^oberen @*ul»efen« in ©efet (SEBefeler ©^mnaflaljyrcgr. 1953) 
ncdf eine Äei^e anberer ebenfo grünblic^er IBorarbeiten geliefert fein »erben. 



20 (&t^U Sdudf. 

ober {te (ufht)anbe(ten offenbar burd^ tie gen)ei{)ten Staume i)\x\, 9lugcn 
unb D^ren ber 6ite(feit jugeitanbt; ben Saien ein Slergemi^. Um 
ein Unterfommen }u ftnben, ein gee^rted unb bequemet Seben ju fü^^ 
ren, trat man in« ©tift ober Älofler, um ttjeltlic^er ffiort^eite willen 
jwang man bie 2^öc()ter jum €d^(eier* Sttin SBunber^ baf bann aM 
ben e^rwürbigen Stiftungen ber gtömmigfeit in ben ^änben ber ^ab^ 
fucf)t unb guc^tfcl)euer iJeibenfc^aft, fobalb bie 2lufficf)t ber Obrigfelt 
nad^ließ, ©i^e ber Slu^gelaffcn^eit würben, ba^ bie 9W6ncl)df(öfier bed 
Sanbeö gemeinhin afö Jperbergen fa^renber 5fnecf)te unb SRaubgefeHen, 
bie 9tonnenf(6fler für ttx^a^ nocf) ®cf)timmered galten. Die alte Siegel 
fannte man bidweifen nic{)t me^r bem 9fiamen nac^, bie S^laufur 
würbe nic^t geachtet, Spönnen gingen aud unb ein nad) Selieben^ 
ÜKönc^e fuhren jecl)enb in Stabt unb 8anb um^er. 9leicf)ten bie ®n* 
fünfte mi)t t)in jur Sefriebigung ber Sebürfniffe vornehmer (Sonven^ 
tualen, fo t)erme^rten fte, wie jiene ju @on>ei; bie augenblidlic^e @in^ 
na^me burd) 93erfc{)(euberung bed jfloftergutd unb überliefen bie 
Siac^folger ber 9lotij. 3n manchem grauenftofier, wo ein 5ßrobfl bie 
93erwa(tung bed @uted fül)rte, fd^welgte er felbfi \>on bem 6rtrag unb 
lief bie 9?onnen barben. 3n anberen führten bie 9ionnen jebe für 
ftcf), ber alten Drbnung \>ergeffen, eigenen lifc^: bie eine ^atte (Selb 
unb betranf ftd), bie anbere t)ungerte. Selten fonnte folct)en Wlip 
brÄuc^en anberd ald mit ®ewalt gefeuert werben, unb we^e bem, ber 
ba reformiren wollte, ofene t)on ber jJarfen ^anb eined Oberen ge^ 
[(^ü^t gu fein. 3)a6 mußten bie 95ur6felber Sleformatoren erfahren, 
ald fte wiber ben SBil(en bed 2lbtd unb ber SRönc^e in ^elmerd^ufen 
bie 3ucl)t l)erflellen wollten: ber erfie warb, ben Änebel im SWunb, 
t>or bie Zl)üxt be6 Äloflerd gebracht, unb, wann er wieberfäme, mit 
®cf)limmerem bebrol^t; ber anbere fiarb aud Äummer über bie erfal)* 
renen 9Wif^anblungen; bie 9Wöncl)e aber entfc^tugen fiel) \>ollenb6 ber 
^oren unb 5Weffen, unb führten t)on bem ©rlöd ber Äirc^enflefnobien 
ein frecf)ed Äneipenleben, bi« ber 2lbt burcf) SSerfauf unb Serpfdnbung 
ber ®runbftü(fc fo t>iel @elb, at« er brau(I)te, gewonnen unb bn 
®eite gefc^afft \)atu. Darauf fdjieb er mit ben SBorten : „5Jeb wol)l, 
^elmer^^ufen, auf 9limmerwiebcrfe^en!" unb feine gluckt gab bae 
3eic^en jur t)6Uigen Sluflöfung. 




n. (Die ®tm\¥fit 21 

6- 

8Iuc^ mit ber Suratgeffiltc^feit, ben ^Pfarrern unb il)ren ®t\)Xilfm, 
flanb fd nfcf)t beffer. SBiele reiche ißfarrefcn iDarcn bm Slbteim unb 
Stiftern c intje rle ibt , we(cl)e bic Smfünfte jogen unb einen aud t^rer 
Viittt bePeßten, ben ÜJienfl not^bürftig ju t^erfc^en, ober noc^ lieber 
einem ßeringeren ÜRanne bie ©eelforge auftrugen* 2lber and) it)o bie 
®emeinben eigne 5ßfarrer be^iefren, befümmerten ftc^ biefe nic^t immer 
um ^rebigt, ?e^re unb Srbauung. SBie »iele l)aiU\\ ba« Smt burc^ 
®unft unb ®aben, ober burc^ ©rbfc^aft, Äauf, !Jaufc^I)anbeI an [xd) 
gebrad^* SWun lebten fte md) i^rer SBeife ald t>orne^me Ferren t)Ott 
ben ^Renten it)rer Siixd)^, unb bie ©eelforge fiel I)ier \m bort entweber 
ben 93ettelf(6flern ober gemiet^eten Saplänen jur 2afi. 95ei ber (eic^t^ 
finnigen ©rtl^eilung ber $riefiem)eil)c tt>ax nie SKangei an ^Proletariern 
getfllid^en @tanbe6, bie in atlertei SBeife il)r SBrot ju t)erbienen be* 
flierig tuaren, fei ed M ^au^caplane unb Dienftboten upjjiger SBeii^ 
ber, ober ali (gpnpmac^er bei ©afimalen unb gefien, ober M Softn^ 
biener ber Seelforge in ben Ocineinben, bid ber günjiigc Slugen^ 
Mief il)nen 2lmt unb Stürbe t)erfc^afftc unb fit au^ Änedjten ju 
Ferren er^ob» 

©0 tief war allerbingd bic Äirc^e nicf)t gefunfcn, bap nic^t aud^ 
je^t ^ert>orragenbc 95eifpiete bed ®uten an bie alte beffere 3^'t erin=? 
nert Ratten. SBenn bie SZatur ber ©ac^c bebingt, ba^ fromme SWen^ 
f(^en unb el)rbare ®enoffenfc^aften ftc^ ber gefc^icf)tlicf)en SBaljrnel^i^ 
mung me^r entjielien atd H)x ©egent^eil, fo berechtigen bie Slngaben 
ber fargen Duellen, bie wir benuftcn fonnten, um fo e^er ju ber 93er^ 
mut^ung, baß in aßen ©tabten SRanner t)on fc^lic^ter grömmigfeit 
rnib Seelenabel, tt)ic ber 2)om^err JRubotf t>an Sangen ju SWünfier, 
md) bamaW ben geifilicfjen Staub gegiert, unb überall nod) itlöfter 
unb geifilid)e ^äufer in befdjeibener einfacher Sitte an ber Strenge 
be6 Crben^fiifterd fcfl hielten. SBir bürfen I)ier ber t)ier nicberen 
Drben e^renb gebenfen, ber ^^rebigermondje, 9Rinberbrüber, ber 2lu^ 
gufiincr ©infiebler, unb ber Srüber unfrer lieben grau, bie, burc^ i^re 
armut^ ouf geiftlid)e Slrbeit in ^4Jrebigt unb Seelforge ^ingewiefen 
unb Dox xaid)tm 93erberben gefd^üftt, t)on ber firengeren 2lufficl)t ber 
Drben^oberen juweilen mit ^Reformationen bebad)t, if)rem geiftlidjen 



22 (Srfiea SBud). 

33fruf im ©anjen weit treuer blieben ald ber f)6bere ßlenid, unb bi 
aWängcl ber ©eelforge burc^ i^rc S^f^ätigfeit um fo erfolgreicher erfe^ 
ten, a(d [\t ber ü)?affc M SBoIfe burcf) ®eburt unb täg(icl)e Serüb 
rung nal)er al6 anberc ftanben. SBo^l n^erfen i^nen bic S^itgenof 
fen il)re ^offart, ©itelfeit, 3«nffuc^t t)on SSon ber aUgemeinei 
3ügel(oftflfeit blieben fie aucb in anberer ^inficl)t feinedwegö frei 
9Jlan rügte mit 9tecf)t bic ©itten ber Jerminarien, bie t)on bcu Or 
bend^Äufem auögefanbt würben ju ^4Jrebigt unb 2l(mofenfammeIn unl 
nad) getbaner Slrbeit oft anfiatt balbiger Siürffebr ein weltlicljed gericn 
leben erwählten. Die (Soiner Simobe t)on 1536 flagt über bic *!Po 
pularität^fucf)t ber Orbendprebiger, bic über ben ^aftor be« Drt^ au 
ber itanjel richten unb urt^eilen, geiftlicbe unb weltliche Dbrigfeit ben 
aSoIf ju gcfaöcn ]i)mcitjm, unb über bie Slnma^ung, mit weidjer ft 
aud) obne ©riaubni^ ftd) gur ^45rebigt brangen, ober burcf) 6ont>entifeI 
au6 bem Stegreif errichtet; bic orbentlicljc ©eelforgc ftören unb be^in 
bcm» Slbcr tro^ biefen unb anbern ®ebrecf)en bleibt il)nen ber fRnijm 
aud) bicr im ?anbc tjorjugöwcifc ba^ betebenbe (Clement, bad @al 
ber £irc^e bamald gewefen ju fein. 3n i^ren Älöftern würbe ^nod 
gebetet unb gearbeitet, gelernt unb gelehrt, gcfdjrieben unb geprebigt 
in i^nen tjorjugöweife würbe bic tl)eologifcl)c 93ilbung ber 3"t ge 
pflegt unb bewal)rt; gerabe aud i^nen gingen, and) bier ju Sanbe 
fowo^l bic SBcfämpfer ald bie SSorfec^ter ber neuen ?el)re jablreid 
I)crt)or. Den Slugujiinern, bann ben 3Rinberbrübern gel)6rte ber gc 
wältige ^JJrebiger an, ben Xritbeim über alle beutfd)c 3citgenoffen ftellt 
Sruber Dicricf Äölbe \>on SJtünfier, beffen 93erebfamfeit bic ©eifte 
lenftc unb in ber 9)?enfc^en Scf)irffal wie ein SBunber eingriff. 2lud 
barf man neben ber geraufcbt?ollen SBirffamfeit biefcr großen, br 
ganjcn ß^rifien^cit ange^örigen Drbcn bad ftitle Dafein eined eigen 
t^ümlic^en ©rgeugniffeö 9tieberbeutfd)lanbd nic^t t)ergeffen, ber regu 
laren Sluguftiner S^orl)erren Sßinbedbeimifcber Kongregation unb bc 
mit il)nen jufammenbangenben grater* unb Scbwefterbaufer. 3Bai 
bicfe feit ter ©rünbung t?on JSrcndwegen unb bem 9Birfen bed uner 
müblicben SSater ^ermann t)on Slbued in SBeftfalen unb 9?iebcr 
rbeintanb gewirft, ifi jwar fc^on banmld nicl)t oft unb vernebmlid 
jenfeit ber Äloftermauem gehört worben, aber wer bic t^on ber 3ci 
gerfheuten 3^U9"iff^ if)red 8ebenö, bed 3ol)ann t)on ^orftmar Sbto 
nif t)on grendwegcn, bic Slufjeicbnungen ber Älofterfc^wejier in 
9licfincf imb bic ^^^rcbigtcn bed graterf)crm Sodann SSegc Utxai) 




ir. ^it ©etßUc^feit. 23 

ttt,*) bcr \Dirb in bem innigen gläubigen 53erfef)r iener frommen 2Iu^ 
flufiiner mit ®ott unb ben ^eiligen ber 9Sorjeit, wie er fic^ in ^un^ 
bert leicf)t erHdrJic^en fflunbern unb 53iftoneu au^fpric^t, in ber Sin^ 
faU unb Jreue ber Sc^wejlern, in ber Sffiarme unb Äfar^eit, mit 
iüelc^er ber ^rebiger bie SBeidfjeit ber I)ciligen Sd^rift, ber SSäter unb 
Sentca« t)erbinbet unb barlegt, erfennen, bap ber Oeift beö gottfeligen 
J^omad t)on Äempen in (2d)ü(ern unb ?Rad^fo(gern ^ier nod) in bic^ 
fer 3f{t lebenbig t\>av, unb wirb nic^t o^ne i^eifna^mc an ben k^kn 
grüc^ten altfat^oiifc^er SR^jiif im 9Jieber(anb tjoriiberge^en. 

8. 

SIber tt)a6 t)ermod)te üugenb unb S^atigfeit ber SKinberjal^f, wo i 

kad SSerberben jur ®moijnt)dt unb Sitte bcr gropcn SKeljr^eit ge^ 
toorben war! !I)af nur auf bie allgemeine 53erfunfen^eit beö Sferud 
fi(^ bie aögemeine SSerac^tung grünbete, warb t)on ber Söinifc^en iL 
S^nobc audbrürfiic^ anerfannt, bie mit ernflem üabel bie brei ^an\^t^ 
lafttx, 6tolj, Ueppigfeit unb ^abfuc^t, bem Sierud ber 5Prot)inj bei^ 
legt, allgemein war bie ^abfuc^t unb ergriff fetbji bie 93efferen. Der 
Äector bcr I)omfc^utc ju SKün|icr, ber geteerte unb fittenflrenge S^imann 
Samentr, nal)m feinen Slnfianb, burd^ offene Simonie bie ^Pfarrei ju 
St. Lambert gu erwerben ; unb auö ben brci Scl)illingcn, mit welchen 
äl^fit )!>an Äeppeicn ben ^au6l)alt ber 9?ieftngfcf)Wcflern begonnen 
f^atk, waren balb fel^r anfel)n(ic^e ©runbfiiicfe unb 9?enten geworben. 
3)ic Ueppigfeit jeigtc ftc^ of)ne 9lucfficl)t unb Sd^eu. Sei Xage unb 
Sac^t fonntc man Slerifer in ben 3Birt^dpufern finben. Sie fef)(ten 
nic^^t bei ben gejicn ber Sürger. 2Iuc^ bie fircf)Iic^cn ©clegenl^eiten 
njurben f^xi Slu^fc^weifungcn benu^t, ©ruberfc^aften in S^rinfgenoffen^ 
fci;aften umgewanbett. ?ln ben l)ol)en Soften liefen bie Stiftd^erren 



♦) iDic ^^ronif be« Älofter« dlit^nd l^abe id> im 2. ©anb ber ®ff(^i*t(J* 
^urOen be« ^iMfjumi ^Imfitx ^rraudgegeben. IDie 6^ronif tu 3o^nn ocn 
^cr^dt leflnbet ft(^ im f&tfH br« $räfibenten von DIfer« gu 3)2ünf)er, bie 
€ammlun9 öon SBcge« SJrebigten in ber Sibliütfjef be« SWünfifrift^fn ?iflorifdS;en 
$rrein«; Beibe ^anbfc^riften träten be« JDrucfe« toürbig. 3u ben e^renben 3«ua^ 
niffen für ba« Älcfterleben {ener 3ett %tUxi auä^ ein ^til ber ^Joeiien, burt^ 
beren ^erau#flabe fürjlid^ 2)r. S. ^ölfc^er jtc^ einCerbienft ertoorben fiat: IWieber* 
leutfd^c geifinc^e lieber unb (Sprüche au« bem SWiSnfierlanbc, mä) J&rtnbfd^riften 
au« bem 15. unb 16. 3a^rl^., mit Slnmerf ungen , SÖßrterbud!^ unb einer 9Wufif* 
beilade. Berlin, 1854. 



24 Clrfle« SBu((. 

üjxt Xixd)tn leer fielen unb befuc^ten ben Dom, nicf)t ber größeren 
8lnbacl)t Witten, fonbern um bad ©elage ber Domherren nid^t ju t)fr* 
fdumen» JEonfur unb gelfJlictie Äleibung war in ffiergeffenl^eit ge^ 
tätigen; ©eiftlic^e fcl)mü(ften fic^ lieber nac^ SBeiberart, folgten ge* 

y le^rig ber wec^felnben Äleibermobe, ober gingen wie 8anbdfnecf)tc ober 
SRitter einher* Sluperorbentlic^ gro^ war bie äai)l ber ©oncubinariem 

/ 2)ie 95cif(^täferinnen gogen mit i^rer üKitgift in« ^au« bf6 a)iannd, 
legten il)re JRenten ju bem Srtrag beö 2lmted, geigten ftc^ in ^-ßrac^t 
unb Sc^murf auf ben Strafen unb in ber ®efenfd)aft, unb felbft bie 
Giferfuc^t ebrbarer ©ürgerfrauen fonnte nic^t l)inbern, bap bie 2)irnen 
geiftlidier SÜürbenträger bei Soften unb ©aftmalen ben Slang i^rer 
8iebl)aber für ftcö geltenb machten. !Die ^offart ber ©eifilic^cn, um 
fo großer je geringer bad SSerbienft, fupte auf ber l)erf6mmlicl)en SSer* 
e^rung ber Saien gegen ben Stanb, nocf) me^r auf 3iei(l)t^um, ©n* 
fluß, ÜRac^t unb 93orrec^ten, auf ber gangen Sludna^mdfieOung , ber 
eignen Oeric^t^barfeit unb bem attgegenwärtigen wirffamen @c^)uft, 
ben bie init Senfuren, 95ann unb unterbiet bewaffnete Äird^e ani) 
bem uiiwürbigfien ^priefter nid)t t)erfagte. 

©in weitered ^auptgebrecfcen t>ergißt bie ©t^nobe gu nennen* 
3)ad war bie aflgemeinc Unwiffent)eit bed @{eru6 in ben wicf)tigften 
3)ingen, in ben ®(aubendfä^en, bie ber Äatedjidmu« fonfl ben Äim 
bem einjjrägt, ja felbjl in ben SlnfAngen atter wijfenfc^aftiic^en ^iU 
bung, 2Bie t)iele lafen bie 93?efj*e, bie faum brei 3Borte lateinifc^ 

4 f})red)en fonnten. ?ln Suchern befapen bie ^aj^oxt unb Saplane gwei 
ober brei 9?ot^t)elfer gur ^ßrebigt, ben 3)idcij>ulud, ^4Jaratud, Dormi 
fecure, unb t)ieUeicl)t ein S3ret)ier, baö oft genug ?llbernl)eiten neuerer 
(Srfinbung fiatt ber ®ebete ber Äird^c entl)ielt, ober t)erftumme(t unb 
genijfen bem Sefi^er bad ^enfiim bed ilaged t)erfurgte, 

ÜJ?it fülcl)cn S33crfgeugen unb 3)ienern fonnte bie Äirc^e nicfjt wie 
cl^ebem bed djriftlic^en aJotfed SWutter, bie le^renbe unb a:gicl)enbe, 
tröfitenbe' unb ^eitigenbe 25erwalterin ber gottlid^en ®nabe fein, ©ie 
war t?ielme^r eine §errfc^erin geworben, beren Wlad)i gum 3wang 
j unb !Dru(f ber Saien mipbraucf)t würbe» ll)a« 2lmt be« ©eelent)irten 
war ein ®elbgef(^aft. 6r trieb S^\)\\tm unb SRcnten dn, fc^alt t)on 
ber Äangel bie Säumigen, braudjte ®ewa(t gegen bie äBibcrfpenftigen. 
2ltted mupte bega^It werben, bie Verwaltung ber ©acramente, ®eburt, 



/ 



/^c;.-.^ 0-6^^ w. 4^c.t...Ku-^>vf.^. ^.; y.^ ^^.in 



II. IDte &tm\d}U\t 25 

^oi^jctt, Äranf^eit, ©enefung unb Zoi, bie gürbitte für bie SBer^ 
Torbenen, bcr Älrc^gang ber SBöc^nerin, SMeffen^ Sai^rjeften unb 
SWa^nfhinben, 3e me^r dupere SSäerfe, bcflo l^ö^cr bad Sinfornmen: 
Qlfo l^iclt man unerbtttttd) auf bie @rfuDung unb \>ergap ntcf)td. 2)ie 
Habgier gwang arme Seutr, um bie Dpfer ju "otxmtljxtn, alle 5Rat^^ 
tarn jum ©egdngntp gu bitten; war bie ^atjl ber Grfc^ienenen -nicf)t 
gro$ genug/ fo würbe bie geier geweigert; bann folgten Sabung unb 
Sann^ geifUi(^e Supen unb ©elbjirafen* 3)ie *4JfIicl)ten aber bed 
9imM, beffen ©infünfte man fo fc^onungdIo6 beitrieb, würben fc^nöbe 
t)ergejfen» ^n bem einen Drt war ber 5ßaftor noc^ jung, flubirte 
noc^ auf ber Unit^erfität ; ein anberer ^atte me^r aW eine einjigc 
Pfarrei unb refibirte abwed)fe(nb ; ber ^-ßaflor beö britten Orteö war auf 
einer Sieife nac^ S?om gefiorben, unb ba man nun nac^ bem fcf)lim^ 
mcn ^erfommen bort bie Sefe^ung ber ^frunbe ^atte, fo -erfuhren 
bie ©nwol)ner nic^tö t>on bem 3?ad)foIger, ber bie ^Renten ber Äirc^e 
jog, Slber aud) anwefenb überliefen t)iele bie Slrbeit an anbere, leb^ 
tm fo gut alö möglich t)on i^rem GinfonimeU; faßcn im 2Birtb6l}aud 
unb ganften mit ben Säuern* 93erl)altni0maf ig glürfüd) war bie ®t^ 
meinbe, beren Seelforge guweilen ein Settelfiofter t)erfaf) ; feltener fanb 
^d) ein t?erfidnbiger unb tätiger Saplan» 3n ben ^^^rebigten, bie 
gehalten würben, war nic^t fo oft t>on ber l)ei(igen ®efc^id)te unb 
ben iti)xcn ber SSäter, M \>on abgefcf)macften Sabein, gebicf)teten 8e^ 
genben, aüerneueften 2Bunbergefcf)id^ten bie 9?ebe. Die @(^ute, bie 
ja nic^td tmhxa6)U, würbe vergeffen; entweber nal^m man feinen 
€(^ulmeifier, ober er {)atte afö Äüfier gu t)iel Sefc^aftigung ; in Sittart 
gar fdjSmte ber Sc^olafier fid) niiit, mit bem Sd^ulmeiper ben fari^ 
gen ®olb ber Äinber gu tl^eilen» !Der Senb warb t)ie(fac^ nicf)t me^r 
gehalten: wo ed boc^ gffcf)a^, ftrafte er meift in ben S3eutcl, unb 
mad[)te bergefialt auc^ bie Sünben ber ®emeinbe gur Sinna^mequetle 
für bie gei|i(id)en 9Jid)ter* 3u bem aßen fam ber arge Slbla^^anbel, 
\)on bem felbft ber befdjeibene 6l)ronifi ber Dominicaner gu Dortmunb 
wmut^et, Simon l)abe XI)ei( an i^m gel)abt. 

©in 3uf*ii"b fold)er 2lrt, ber, t)on feiner geijiiic^en Dbrigfeit 
emptic^ reformirt, mit ben Sauren nidjl bc\\a, fonbern fc^timmer 
würbe, ijattt ben ®roH and) beö gebulbigfien 9So(f6 erregt* Um wie 
titl me^r mu^te in jener unrul)igen unb „ gefc^wiuben " 3^^^ t?oUer 
Äraft, ©genwillen unb Ungeflüm bie fc^arffinnige, wi^ige, tabelfüd)^ 
rtge Set)ölferung beutfc^er Stdbte gu Unwillen unb S^xn fii) gereigt 



26 



(Srfte« Sßndf. 



füt)len^ tt)enn ftc^ bie 95ürgcr erinnerten, n>ie reic^Iic^ t)on bcn QSor^ 
t)ätern ilJofier unb Stiftungen, 5)Jafiorate unb Saptaneien mit SRenten, 
®ut, ?anb, ®anb unb aller 9?ot^burft audgeftattet ^tjorben, unb nun 
täglid) fal)en, wie biefc tt)oI)(t)erforgten ®eijilicl)en fein Äinb in bic 
S^rifien^eit aufnal)men o^ne ®ejaf)Iung, arme Seute lieber 3a]^rc lang 
in ©cl)anben leben liepen ald t)on ber ©elbforberung für bie &in* 
fegnung ba6 ®eringfte nachgaben, ben gemeinen ^ann gu Segang^ 
niffcn brangcn unb j^t^angen, ber bic Äoften für bic 3lott) beö Scibed 
faum aufbringen fonntcj ber t)erflucl)ten ®ier felbft bad Sacramcnt 
be6 Seibe^ 6l)rifti untertt)arf en ? SBad mupten bic Saien fül)len, tt)enn 
fic gu allen 2Berfen auperer 2lnbacl)t angel^alten tt)urben, bie n)iüfür^ 
lic^ \)erme^rtc 3<iÖl ber geiertage burcf) ©infteüung ber Slrbeit l)eiligen, 
SWeffen unb 93igitien beja^len follten, unb nun ben ©ottedbienft t)on 
9Kiet6lingen \t)ürbelod t)erricf)ten ober öffentliche 93erbrecf)er ba6 ^eilige 
Dpfer barbringen fa^en? Der ^riefier erjtt)ang tie gebräuchliche 93er^ 
el^rung feinet Stanbeö \>on iijmn, er fe^tc fiel) gu oberfi an if)xt 
Xafel; aber nii)t mit bem ®efü^l ber tö^rfurdbt Porten fic feinen 
Sieben t)on SBein unb fiiebfc^aften ju, ober recfjneten i^m, tvenn er 
t)or bem Slttar fianb, nac^, tt>ic t)iel Dirnen er \>on bem ®ut bed 
®efreujigten unterhielt, 

10- 

gromme unb n)eife Banner trauerten, tabelten unb feufgtcn nac^ 
Sefferung, Die tt)eltlicl)en Dbrigfeiten »iberfe^ten fid) bem Unfug, 
n)0 fie t)ermoc^ten. gürfilic^e (Sbicte t)erfuc^ten, bie geiftlic^c ®txid)t^^ 
barfeit eingufc^ranfen unb bic auffallenbften 95ebrücfungen ber ^abfu^t 
ju befampfem Die @täbtc t)on Slet)e unb Tlaxt erneuerten noc^ 
1508 if)r alted SSerbot gegen ben ®ebraud[) getjilic^er 9Wanbatc in 
weltlichen @acl)en: mx bergleic^en bringe, fofl gefiraft, ifi er ein 
grember, in* einen ©ad geftecft unb ertranft »erben* Dft tt)aren SRat^ 
unb ßteru^ im ©treit, unb unruhige ^ciim fa^en Sa^)itel unb 6ot^ 
legien t)or unbequemen gorberungen ber ©täbte cntweic{)en. Der ge* 
meine 5IRann fpottete in ©prüc^wortern unb ©c^mac^liebern,*) Daö 



Monncke, nunnen und papen, 
Ziegen, katten und apen, 
Müggen, rupen und muese, 
Uoreu, keveren und luse, 




III. IDie ^umaiiitlen. 27 

^olHbnd) t)on Slrinfcnd ii^tn, ju bicfer Stit in unfern ©egenben 
^cimifc^ flfworben, erja^Itc i^m t>on ^^ape unb ^Papemcierfc^f, il)rcm 
8o^n 5Wartinet, unb t>on Sieinfcnd ajcrtvanbtcn, 5ßro5fi ?ofei)unt unb 
£f*ant Slapiamud* ein Zf)ox, wn auf ^utfe t)on fRom l)offt. 2)er 
i^abfl, fo läft ber gu(^« ftc^ berichten, ifi alt unb franf, fann ftd^ 
um nic^td fümmem; ed f)m\d)t fjür i^n bcr ßarbinal t)on Ungenoge 
mit feiner Su^Ifc^aft unb bem Schreiber 3o{)anned *4Jarh?e, ber alte 
unb neue ÜRünje fennt ; 3Moneta unb 2)cnariue t>cm)alten hat^ p4bP* 
lic^c Siecht, «lifo iift gegen ?ifi, ®ewalt gegen ©e^valt! ^lo^lid), 
»0 ein üertvegener gü^rer [i^ einfanb, flammte ber Slufru^r empor, ♦) 
unb fhafte 3uc^tloftgfeit unb ®eij mit blinber ßerfiorung. 



111. 

SDte ^umant^en. 
\. 

SßJä^renb bie 8eibenfd)aften bed SBolfeö bie äußere ®efialt ber 
Äirc^e bebrol)ten, waren bie gebilbeten Stänbe burcf) ben ^umani^mud 
attmä^tic^ in eine geif^ige ©tromung eingeführt tvorben, welche 9Karf 
unb SBefen bed ganzen 5fir(f)entl)um« gefal)rbete. 

Sänge fc^on i)attt Dberbeutfc^lanb ben ^umani^mud g^pfl^gt^ 



Dar dusse gewinnen dei overhant, 
Verderven stedc lüde und lant. 

♦) Qin mfrfwürbige« 93fifpiel, ^dfcn üor unferer ßt\t, bietet ter 5lufru^r te« 
€d^neitertf 3o^ann 2enet^un ju D^nabrüä; cf. ^tüoe, III. 5. 

§ I. 3(6 »ertteife auf tie jleigiöe Sammlung bter^er ge^önger Kotigen Bei 
Äarl ^agen, JDeutfcblanttf liternrifc^e unt religicfe JBerl^altniffe im (Reformation«^ 
leitalter. gür 9){ünfter »fll. meine SÄünfterifd^en ^umaniften unt tie bort ange« 
führten Duellen unb ^Bearbeitungen, iliefer trirb {i(6 erfl bann auf bie ©efcbic^te 
tu ^umaniemu«, ber ^(bulen unb ber literarifc^en ^eßrebungen in unferen 2an« 
ben eingeben laffen, loenn neben \>, ^ianco, ©efc^. ber ehemaligen Unioerfttät unb 
tet ©ijmnafien ber <Stabt (Sötn; JDiUenburger, ©eft^. be« ©^mnafium« gu Qm^ 
mtxid) ((Smmeric^er ©^mnafialprogr. 1846 u. 1848); ^eibemann, IBorarbetten gu 
einer @ef(6i(6te be« l^ö^eren ©iulwefentf in SefeC (ffiefelerO^mnaflaljjrogr. 1853) 
iio(^ eine (Rei^e anberer ebenfo gtänbli(^er Vorarbeiten geliefert fein trerben. 



28 (SrM ^u«. 

unb toeil fo bte Mittel ber neuen Silbung in 33ib(iot6efen, ^Dmcfercten, 
gelfl^tten ®efe((f(^aften unb überhaupt in einem attbegrunbeten unb 
lebhaften geifiigen SSerfel^r ftc^ t>orjugdn>eife bort ^crfammelt \)atttn, 
bel^auptete e^ auc^ in unferer 3^'* "^^^ bem 9?orben ben SBcrrang, fo 
bap; atö bie erßen großen Weifter ber clafftfc^en ^4}^i(o(o9ie in ^rie^ 
lanb unb ^oBanb erfianbcn, ber ©üben fte il^rer ®eburt6fidtte entjog 
unb i^re n>at)re ^eimat n^urbe. !Dort fanben fte bie QtU\)xUn Su<^# 
brucfer, bie groben unb Slinerbac^e, reiche unb ^od^gebilbete @6nner 
n>ie ^4iirf^eimer unb 5ßeutinfler, überall wetteifernbe greunbe alter SBIf* 
fenfct)aft unb Dic^tfunfi, [elbji bei ben grauen begeifterte 2;^eilnal)me. 
2)ort, mit unb o^ne Sunftjwang^ an Unit)erfttaten unb in reichen 
^anbelöfiäbtcn , ju 33afet, greiburg, Jpeibelberg, Tübingen, Srfurt, 
wie ju Strasburg, Slug^burg, 9Jurnberg, u>aren bem neuen ©eifie 
gat)(reicf)e unb angcfebene SBerfftatten errichtet worben. 

2iamftf)(i(l) breitete fid^ bae Dieic^ biefcr ®elef)rfamfeit unb ifunfl 
über bie norbbeutfcl)en (Sbenen auö, unb auc^ in unfercn ©egenben 
würben bie Saaten ftd)tbar, bie Sllcranber "oan S^tcd unb ber el^r^ 
würbige JRubolf "oan 8angen auögefireut Ratten. 3n ben Solnifc^en 
©Vmuaften begann man, bie neuen Slltcn ju erflären, jU SRünfiet 
unb 6inmeri4j würben bie ©c^ulen ganj nac^ ben gorberungen ber 
3eit reformirt. ?lm JRl)ein erwud)fen ÜSdnner, beren 9?ame bei ben 
gac^gcnoffen im ganjen iBaterlanb ^4$reid unb @^re gewann, Sodann 
SWurmelliud t)on Sluremonb, 3oI)ann ßifariu^ t)on 3ülic^, bie mit 
feinerem (Sinn ben @puren ber ätomer unb ©riechen nachgingen, unb 
ber ©totj be^ Sanbed, ber junge 3)omprobfi ju 66(n, ©raf ^ermann 
t>on Stcuenar. 3n SBeftfaten fül)rten Drtwin rtan ©raed-, Jimann 
ßamener ben unabfet)baren Steigen rüfiiger ©c^utmänner an. Srübers^ 
lid) t>ereint, wie 5Ratur unb ©cfc^id)te ed \)orf(^reiben, gingen beibe 
Stamme aucb biefe 33al)n : ein SR^eintänber war e6, üWurmeUiud, ber 
ber !Domfd)ule ju 93?ün|ier jenen ©(anj tjerlie^, t)on bem feibfi ^^om^ 
mern angelocft würbe, unb bie ©tiftdf^ule ju ©mmerid), bie ^ou bet 
f(^weiierifc^en Sibgenoffenfcf)aft lernbegierige Scf)üler empfing, \>tx^ 
banfte i^re 33egnmbung unb langel)in i^re 8eitung weftfdiifc^en ®e^ 
lel)rten* 21 ber auc^ bie unterfc^eibenben @igenfc^aften ber ©tämme 
offenbarten fiel) bereite in l)en?orragenben ©eifern auf bem neuen ©e^ 
biet. 2)ic cigent^ümiid^e gäl)infcit be^ SBeftfaien, burc^ aufmerffamen 
flugen gtet^ ftd) tin geifiiged Sefi^t^um ju grünben, über welc^ed er 
bann mit ber ©ic^erljeit unb Suft ^errfc^t unb nac^ ©efaUen ^erfügt^ 



HI. IDic «umoni^fn. 29 

wit in ttx Sc^ange bnr Hauptmann ober ber Steuermann auf (cic^t 
tanjtnbem Sa^rjeug, er^ob ben rebefertigen unb t)te(funbigen ^ermann 
9an bem Sufc^e in bie erfie 9teit)e ber fhirmerprobten fedFen beutfc^en 
$oettn. Unb ber eigent^ümlic^e 9)eretn fc^opferifc^er ^^antafte unb 
a^nungdfro^en @efu^(d, ber ben ^o^en !Dom gu (Söln gegrünbet unb 
bein nicberrf)einif(^en Spanien im SXeic^ ber S^^rben unb ber Xöne bie 
^enfd^aft gegeben, fc^enfte biefer t>on bunfelm, ^ei^em 9SJiffen6brang 
betDegten ^tit baö SBunber ber ®e(e^rfamfeit, ben Sertrauten un^eim* 
lieber verborgener 9)lä(^te, ben fonberbaren ßorneliuö Slgrippa» 

So wenig bie trefflichen 9Känner, welche juerfl ben frifc^en 2ln* 
trieb }u ben clafjifc^en €tubien empfangen unb fortgepflanzt Ratten, 
ba^ (S^rifient^um anjufeinben gebac{)ten, fo mxUt tod) ber SSerfaU 
ber Jlin^e ju entmut^igenb unb abfto^enb, bie Sc^ön^eit bed neu 
erfd^Ioffenen Slltert^umd ju anlocfenb unb uberwattigenb; bap nict)t in 
bem un)9ermeibli(^ auflebenbcn ftiUen Xampf ber ^4^rindpien überall 
auc^ ber @eifl ^eibnif(^er $biIo[op^ie unb SBeltanfc^auung aQmä()(ic^e 
Srobenmgen Doübxai)t hatte. Die Seit n^ar ibm günftig. Die großen 
firc^lid^en Äampfc unb SRcformbefirebungen, welche einfi t>orgewa(tet, 
bie ^ö^eren €tanbe befc^äftigt, ber erleuchteten unb bcften ©lieber ber 
(lif)rifttni)tit Jiraft unb ganje^ itbtn in Slnfpruc^ genommen t)atun, 
feffelten nic^t me^r bie jhebenben ®eifter ber ^Ration; unb je me()r 
iene Semu^ungen ermatteten, beßo einfeitiger unb audfc^Iie^üci^er marb 
6inn unb ®emut^ ber gebilbeten Stiünbe t>on bem neuen reici)en 
Stoff bed Denfend unb Dichtend angejogen unb Eingenommen, unb 
befio unbejkDinglic^er mu^te ber @influß antifer Sebendgeftattung u>er« 
htn, ber man Stunbe für Stunbe, Xag für S^ag unabläfftger begei^ 
fiertet Arbeit n^ibmete. 9l\(i)t o^ne ißeranlaffung f)at bamald ein 
(Sondlbefc^Iuf ftd) für bie Unfterblic^feit ber Seele au^gefproc^en; 
unb obmo^t bamit nur italienifci^er $Eitofopt)ie 9ludn)ücEfen begegnet 
ioerben foUle, fo waxm boc^ auc^ fct)on bie Ultramontanen in ber^ 
felben Stic^tung begriffen, mld)t ta^ 9Kutterlanb ber claffifc^en ®e^ 
le^rfamfeit gum @ipfel bed Unglauben^ führte, feurigere Siebe gum 
Slltertfyum unb n)ac^fenbe ^älte gegen bie i)errfcf)enbe S^eltgion n)urbe 
äümhijlii) itenngeic^en einer jungen Generation beutfc{)er ^uinaniflen* 
Die ®ebilbeten waren eind mit bem 93olf in ber Cppofition gegen 
bie fiw^lic^en Stipbrauc^e. Slber ed war biep feine eble unb fru(|)tbare 



30 dtftti fBndf. 

Cppofttion, tic ein (\xo^tt^ Silt) cincd befferm 3"ft^nbd ^or Slugcn 

^at unb t^ot)e ^itlt mit tiefbewegtem ^erjen )>erfo(gt, (Sie fieUtcn 

ftd) fc^moQenb, \}bl)ntnt>, fpottenb jur @eite. 9Bo ed jum jlampf 

fam, fubrte iljn ber ,^a^, ber rürffic^tdfo^ unb c^ne ?lu^n>a^l fc^lagt 

unb n^eit über ba6 3i^( I)inaudtrifft^ nic^t me^r ber llmt)iUe^ ber in 
bitterem Eingriff boc^ ben ^eiligen Soben aijttt, auf bem beibe X\)tHt 
\i)x ®(auben unb ^offen gegrünbet» 

3. 

2lud) in biefem (SntwirfUutgdgang ijattc Oberbeutfcf){anb ben 9ior^ 
tritt, unb 9Jieberbeutfc^(anb na^m in weit geringerem 3Wape an bem 
beginnenben SlbfaU t)on ber Äircfce 2^eiL gromme 9)idnner l)atten 
bie clafjifc^en Stubien in unfern Oegenben eingebürgert; t)on it^ren 
5ttacijfo(gern traten bie meifien in \\)xc Suptapfcn ein, (e()rten unb 
fcbricben in it)rem Sinn; unb wie bie gropen reformirten Schulen gu 
SKünfter unb Smmeric^ fd^on äufierli^ an firc^licl)e (Stiftungen ftc^ 
anfc^loffen, fo l)ie(ten fie and) innerlicf) mit @rn|i unb 9tact)bru(f ben 
firc^lic^en S^arafter fefi unb erjogen i^re ga^lreic^e 3ugenb in ben 
et)rn?ürbigen Sonnen be^ alten ®(aubend unb in ber alten ftrengen 
2lnbac^t. 

äiber ein ®egenfa0 in)ifc()en bem ^umani^mud unb bem alten 
Äird)entl)um war bennod) t)orl)anben, unb ^icr faüt nac^ unfrer 2in» 
ficf)t ber größere Ibeil ber (Sc^ulb auf bie SSertreter bed (eftterem 
Ratten biefe, wie fie mußten, auf ber ^o^e ber ^üt gefianben, (o 
wäre il)nen bie ßrfenntnip nid^t fd)wcr geworben, bap ber neue frembe 
@eift, ber je^t langfam emporftieg, jwei Slufgaben il)nen beutlic^ 
[teilte, Die eine: bie 9leform ber Rix6)t ju befc^leunigen, bad welt^ 
lic^e SBeffu, baö jebem Singriffe auf bad Äirc^ent^um (Sieg t)ert)ief, 
mit allen Ärdften ju untcrbrücfen unb ju verbannen. 2)ie jweite: 
®eift mit @cift ju befampfen, fic^ bed neuen SBilbungdfioffed ju bc^ 
meiftern, feine 3Ra(^t unb @ct)ön^eit mit ber alten djriftlic^en SBiffen* 
fc^aft unb 2lnfcf)auungöweife ju verföbnen unb al^ Icbenbringenbed 
einträchtige^ ®lieb in ben Äreid be^ Seftel)enben einjufüljren. 6d 
ftc^t ben ?iReipern ber Xbeologic unb ^äuptem ber Äirc^e wobl an, 
unb ift ein ^dd)m, ba^ fte nic^t blo§ bie Seweife ber 2Bal)r^eit innc 
^aben, fonbern t)on ber ffiabrtjeit fclbft erfüUt ftnb, wenn fte allem, 
wad unter 5SRenfc^en fc^ön unb gut ift, wo immer ee fic^ ftnben mag, 
eiii offene^ ^erj entgegen tragen. Slber ben SWännern, bie jU 6öln 



III. T)it ^umaniflen. 31 

In bfr ZijtoloQk ha^ SBort führten, ben ®fle^rten unb ©Ifebnm bft 
Sacutt&t, ben StbUin, ^od^fhröten, Slmolb t>on ZonQttn, 3o^ann SBrn* 
xaht, [(^fint gu bcrgleit^m weitauöffbtnbm Untnmefjmungfn nld^t 
minbrr; aW ben Sifd)öfen jur JRcform ber St\xd)t, ?uft unb 9&^igfdt 
gemongflt }u l)aben» Sic begnügtm fid), bad fcfjlec^twcg gu tjcniti^ 
nm unb ju tjcrfolflfn, wad fo t>frif tble ®f mutiger mit ©egeiflenmg '^ 
nfuHtf. Sie griffen 9leu(l|(in in t^öridjtem Äampf an; fie traten 
Slubolf van Sangen in ben 2Beg unb fud^ten bie Sieform ter ÜRün^ 
flerfd^en €d)u(e gu I)inbern; ©ra^mud unb SIgrippa galten gu ßöln 
nic^t minbcr n)ie ^utten a(d $einbe ber Jiird)e; !9turme((iüd ging 
nad) fflefifafen; 6äfariu6 blieb gwar in Söln, ober Ragte, 93on ben 
5(anie(n fd^alt man auf aOe $^i(o(ogen in^gefammt unb toamu bie 
&tnn, if)xt Äinber i^nen gu übergeben, ^efrige ©ntieberungen btie* 
ben nlc^t au^, 93an tem Sufdj^e, ber mef)r aI6 ein mal aud Söln 
meiif^en mu^te, gehörte gu ben t^atigften SKitgliebem jened 93unbed, 
ber bie !Wön(fae unb 3;f)eoIogen im beutfd^en JReid) t^erfolgte; unb wo 
bie maflofe ^^Jolemif ber ©riefe ber bunfeln SWänner feinen SlnHang 
fanb, ba rourbe bod^ ber Unwitte über bie unterfc^iebJofe SInfeinbung 
ber dafjifcben 3Rufe getbeiit. Wan barf nicf)t gweifeln, ba^ bie 
greunbe t»an bem 93ufc^e^ in unfern 8anben, bie 2Jeref)rer bed Sleud)* 
Un, ©ra6mu6, SIgrippa — unb wefd^er ^umaniji galjlte f>ier nic^t 
mit? — gern in ben Spott einfiimmten, gu bem bie ^offart unb 
Unn^ijtenbeit ort^oborer ^bndjt, H)x f(f)fed:ted ?atein, i^re felbfige* 
faOigen leeren 2)idputationen, il)r fubtileö Spiel mit arifiotelifc^en, 
t^omifHfcfcen , fcotifHfc^en Diftinctionen ben feingebilteten gührem ber 
dafftf(^en ^^artei fo oft Slnla^ bot. Der JRi^ it>ar ba; ber innere 
3n>iefpalt beiber 9lid)tungen trat im perfönlidj^en Streit unb in ber 
Seinbfc^aft ber ®enoffenf^aften gu Sage; bie Stidjn?6rter ber ge^be, 
,,^oeten" unb ,,Sopl)ifien"; flogen herüber unb f)inüber. 

4. 

!£)er SBefifale iji berühmt burcfi feine treue 2lnl)dngli(hfeit an bad 
^erfommen unb ben ®ebrauc^ ber SJäter* 2lud) ber 9ll)einlanber ifi 
iri(^t fo beweglich unb für tad 9?eue empfänglich, al« i^n ber äußere 
€<^etn gtttreilen gibt; am trenigften liegt ber entfd)iebene 33ru(b mit 
ber ©fwo^n^eit, bad 3f^^f4)nriben unb Sfn'ri^en in feiner 9?atun 
I^eef^alb Ratten tiefe ?anbe aud ftc^ felbji ^eraue unb unabljangig 
t^n frrmber (Sinwirfung ben inneren ©egenfa^ ber ©eifier fc^werlic^ 



32 (Srfic« $u(^. 

fo balb }ur äußeren trennenteu Zl)at, }ur 9tet)olution l^inaufgetricben, 
and) ivenn ter ^umanidmud ber gebildeten @tänbe/ ber in bie Se^ 
trac^tung einer längf) entf(^n>unbenen ißergangen^eit ftc^ \)erfenfte, in 
aDfeitigere unb unmittelbarere Sejie^ung gu bem itbtn ber ®egen^ 
umi't ^atte treten fönnen. Slber ß^i^tra^t burc{)brang bad {)ö6ere 
wie ba6 niebere Seben biefer Stamme , bie 2luflcfung war im gort:? 
((^reiten unb aQed beutete auf i^ren enblic^en @ieg. ^an mu^te 
xoün\d)tn, ba^ ein fd^affenber unb organiftrenber ®eniud bem gefpol^ 
tenen 9e)t)uptfein bie (£in()eit n)iebergeben, unb ba^ grof e Zf^aUn ber 
Siebe ben flaffenben Slbgrunb auffüllen unb ebnen mochten* 3lux fo 
fonnte jener Snebe n)ieberf e^ren ^ ber über aQen geifiigen j{&mpfen 
f(^n)eben unb ru^en muf ^ o^ne ben au^ bad ebelfle Streben ber 
^eilbringenben gruc^t entbehrt ^ ot)ne ben fein iBolf fein bauembe^ 
®ebei^en begrünbet» 

3n biefer ^tit er^ob ftc^ ber tl)üringifcl)e SBlbnä) jum Stampf 
gegen bie Rixä)t, lie^ bem ^af unb bem !Dünfel feiner 'Nation bad 
fc^eibenbc ©d)n)ert ber 5ßrebigt unb ber glugfc^rift, unb rip it)rc 
Seibenfc^aften aUe gu einer einzigen ^o^en glamme empon 



IV. 

9rtt^e Spuren ber Sut^erif^en Seigre; 



!Der §auptfa0 ber ?e^re Sut^erö, bad Dogma \>on ber fRid^U 
fertigung aHein. burc^ ben ©tauben unb t)on ber 9Bertl)lofigfeit ber 
SBerfe, fanb befanntlicj) bei bem gangen Drben ber Slugufiiner &n^ 
jiebler in Deutfc^lanb, bem ber SBittenberger ^-^rofeffor angehörte, 
gropen Slnflang, unb fonnte auc^^ \r>o immer man fonfl um t^eolo^ 
flife^e Streitfragen tief) fümmerte, um fo me^r auf 93eifaU rec^^nen, al6 
e^ bem alten ®roU gegen bie übermäßige jia\)l ber firci^licf)en aSBerfc 
unb gegen \i)xt fo ^auftg aUer Slnbaci)t baare unb in ®elb))erfe[}r aud^ 
geartete Uebung einen «)iffenfcl)aftlic^en unb retigiöfen 2ln()alt gewahrte» 
aber bie rafc^e SSerbreitung unb faji grenjenlofe SBirfung bed neuen 
ßvangeliumd beruhte nict)t auf ber inneren SSebeutung einer t^eologift^en 



IV. Sru^e €puten tet Sutl^mf^en Seigre. 33 

%xa^t, t>it, xotnn \f)xt @r5rtcrung auf ben Xxtit ber 9JI&nner c^rifb 
Heftet Sffiifffnfc^aft befc^rdnft blieb, einer beiDerfeitd befriebigenben 8J^ 
fung »ol^l fa^ifl war. 2ln bie SJec^tfertigunfldlef)^ fnüpftc fic^ nur 
barum eine teligiöfe 9iet)o(ution an, n>ei( ber gewaltige ^Stann, ber 
iened 3)ogmd »erfocht, burc^ feinen Streit mit ben aBortfü()rern ber 
S^eologie an bie Spi^e einer langf) beße()enben aOgemeinen Dppof!^ 
tion trat, fie t)ereinigte, \i)x ein 3icl unb im Äampfe ein San^ 
ner gab. 

Bor bem Sal^r 1525 Ijattt ftc^ in unfern ?anben biefe Oppoft* 
tion no(^ nic^t an 2utf)er angefc^Ioffen , bie et)ange(if(^e ^^artei ftc^ 
no(^ ntc^t gebiibet* 

3)ic Sln^änger aber, n^elc^e bie Iut^erifcf)e Sac^e in biefer frü^ 
fftttn 3eit bei un^ fanb, n>aren ^auptfäc^Iic^ Slugufiiner unb ^u^ 
mantften* 

2. 

Gö iji eine auffaflenbe Stfc^einung, ba^, t)on ber erfien 3^it bed 
Sefle^end ber Unit)er{ttat SBittenberg an, aud bem ganzen n)eiten 
@ebiet jwife^en 9Befer unb £d)elbe fein antrer Drben ald bie Slugu^ 
fMner 6*injieb(er feine Srüter nad) SBittenbcrg jum Stubium fc^icfte. 
3P ber ©egenfa^ ber Drben ^ier im Sanbe fiärfer a(d anberdwo ge^ 
»efen? ÜRan möd^te bad »ermut^en, wenn man bemerft, wie gran^ 
ct^caner, Dominicaner, ßarmeiiter i^re ?ectoren unb Doctoren ju 6o(n, 
£öu)en, $arid, Seipjig, nur grabe in äBittenberg nic^t, ftc^ audbi(ben 
unb promot?iren laffen, n?äl)renb bie Slugufiiner 3abr für 3af)r in 
SBittenberg i^rc SBiffenfd^aft unb bie afabemifd)en S^rcn fudjen. Wiax 
aber ber ®egenfa$ nicl)t fc^on bie Urfad)e beö t)erfcf)iebenen Silbung^^ 
gangd, fo mu^te er bie golge beffelben fein unb fofort nad) bem SBe^ 
ginn bed lut^erifc^en Streite offen gu S^ge treten* 9Bie (utf)erif(^ 



f 2. Albam academiae Vitebergensis ed. Förstemann. gür tie StixAtn^tf 
\dtidftt 9)l^etnlant« unt) 99)e^fa(en« »äre tit ^rrau^gabe tt€ Sllbutn« Ux (Seiner 
unto ter aRarburgcr Unmrrfttät in Ux rrfien ^dlfte te« 16. ^Af^xi). gu tt>iinfd)(n. 
— über decanorum facullatis (hcol. Viieberg. ed. Förstemann. p. 24. 27. 2S. — 
«(ner Statk^pxot 1523 gebr. 11. 3u!. 22. 29. Dct 30. 1524 Sßai 27. 3un.7. 
Cfpt. 28. — drombad)« 9nna(en ad a. 1521. 1522. 1523. - H 1014. 1126. 
1045. 1035. — Sut^rr« Briefe oen bewerte II. 283. III. 438. — ®ximm, ^tr, 
fti4 crarr dtffonnottontfgefd!;. bec ^tM 9Befe(, in ®nmni unb ^uitl, €rromata. 
!^ui<burg 1767. 

Cornclin«, ftnfni^ in 9&j^ftn, L 3 



34 (Stfie« fSüäf. 

iU äuflufiiner in ben fafferlic^en 5RifberIanben fic^ bmaf)xttn, ifi bf- 
fannt* 5S5cr au* In SBejifatm unb am 9?ifbcrr^em jeigten aüt 
SlugufiinerHofter; t)on benen wix einige Jfunbe ^aben^ Steigung gum 
Iut^erif(^en 3)ogjna; unb überaß, wo in unfern ©egenben bie frfi^e^ 
Pen ©puren ber Sleformation ftd) aufmcifen laffen, fmb ttlr fieser, 
ein augufiinerflofier in ber m\)( ju finben. 2)iefe ^jjunfte fmb Söln, 
D^nabrüdf, ^en)orb, Sippjiabt unb 2BefeL 3« Sßfn befap ber Drben 
einband, \mld)tt burc^ audgegeicf)nete 3Wänner glänzte, t?or furgem 
nocf) berÄirct)e gwei Sifc^6fe, ber tbeologifc^en gacultat gtt)ei Decane 
gegeben l)atte-, aber obgleicf) baffelbe unter ben tt>acf)famen Slugen ber 
gacuität fianb, bie fc^on 1521 einen t?on SBittenberg fommenben 
S3ruber nur gegen ba6 eibli(^c 93erfpre(^en , bie t^erurt^eilten ©ä$c 
Sut^erd nicf)t ju prebigen noc^ gu lehren, guliep, unb obgleid^ ber 
5ßrior be6 Älofterö felbfi, 3ol)ann \)on .^euöben; ftd) unter ben t)ier 
iDoctoren befanb, bie 1522 im 9tamen ber gacultat ben (Srgbifc^of 
um tin 93erbot gegen bie lut^erifd^en S5ücf)er in Stabt unb 8anb er^ 
fud)tcn, fo n)areu l)ier boc^ \>on 1522 an 3rrungen im ®ang, bie 
tt>at)rfc^einlic^ mit ber t)erpönten itijxt in na^em 3ufammen^ang 
fianben, 3n biefem 3al^r veriicp einer ber SBrüber o^ne Srlaubni^ 
ber Oberen baöÄIofter; in ben fofgenben Sabren waren bie 3W6nc^c 
unter ftd) unb mit bem Crbendt)icar im Streit, einige (ernten ftc^ 
gegen bie Drbnung auf unb ber 8tabtratt)- mupte tt)iet>ert)oIt gu grif^ 
ben unb ©e^orfam mat)nen» 3n Ddnabrurf würben Sut^erd Slnftc^^ 
ten guerfi burc^ feinen aiten 8et)rer unb grcunb befannt, ben 2)octor 
©erwarb ^erfer, einen 5Wann t)on fo gropem 5lnfef)en unter ben S3nu 
bem, bap er breimal gum ^rot)inciaI ber fädjfifdjen Crben^proving 
gen)al)lt worben war. 2lud bem Sippftäbter Älofier waren 1520 ber 
*^rior 3o^ann SBeftermann aud SJlünftcr iinb ^ermann Äoiten aud 
93ecfum gum Stubium nad) Sßittenberg gefc^irft worben^ au^ bem 
^evtjorber Älofter fam 1521 gu bemfclben Swerf ©ottfcj^alcf Äropp» 
Um it)re Oberen gufrieben gu Pellen, erwarben fie bort bie ublidjen 
tl)coIogifc^en ®rabe, gugleic^ aber würben fte greunbe unb 2lnl)änger 
8utl)crd, unb feit it)rer Slücffe^r 1523 t)erna^m man in Sippfiabt aue 
bem 9JJunbe bed ^Jriord SBeftermann unb bed fiectord JJoiten, in 
^en)orb t)om 5)3rior Äropp, bem bad 3a^r barna(^ fein Orben^bruber 
2)octor 3ol)ann 2)reier gur Seite trat, gum erfien mal bie lut^erife^en 
Meinungen in i(i)xt unb ^^Jrebigt. 3u SBefel war ber erfte SJut^era^ 
ner ber ?luguftiner SWatt^äu^ "oan ©inberirf j er wic^ 1522 t>on ber 



IV. 9nt^( Spuren ter £ut^enfd^en ^el^re. 35 

Sl\xi)tnUl)xt ab. Später folgten mtl)xttt anbere 93mber feinem Seu 
fpieL Unb totnn ed toal)x ift, bap in bem nal)geregenen Süberi(|^ 
Der Saplon jfloprip fc^on 1518 in ber ^J^xM^t ä^nlic^e !t)letnungen 
audfprac^, fo barf man n>o^l t>ermutl^en, bap au4) er biefelben jenem 
^lofler )>erbanft l)aU 

3. 

3u ben Sluguftinern gefeilten fic^ ^umaniften* 

9Ran n>etp, baf anfangt bie «^umaniften unb flber()aupt bie 
gebilbeten @tänbe in !Deutfc^(anb fafl tn^gefammt ber (ut^erifc^en 
Sac^c i^ren t>oflen S3eifaU fc^enften. Sefonberd iubelten bie gü^rer 
ber literarifd^en Se^be, bie in bem fui)nen Sluguftiner einen brau(^> 
baren Sunbedgenoffen gegen i^re S^inbe, bie !Dominicaner, erblicften* 
SIber ouc^ bie bebäc^tigfien unb n)o^Igeftnnteften ^^Ränner fat)en ben 
bfginnenben Streit gern, ber i()nen neben bem @ieg i^rer Sfteform« 
plane für bie Schule bie @r(ofung )>on ben firc^Iic^en ^^Ripbrauc^en 
gu )>er^eipen fd^ien* Sbatb freiließ, a(d n)iber 6m>arten aud bem 
Streit jweier t^eologifc^er Schulen eine firc^Iic^e Spattung ^eroor^ 
touif^, )>erf(^n)anb biefe dinftimmigfeit bed ^eifaUd. !Die Sunbed^ 
l^tnoffen trennten ftc^. 93ie(e traten fc^tDeigenb jurucf unb entzogen 
i^re befc^eibenen SBunfd^e bem Särm bed Xagd, ober fte tabeltcn (aut 
ta^ unerhörte ^Beginnen bed ^D26nd)d unb feinet 2lnl)angd unb fieOten 
fic^ auf bie Seite ber früheren ®egner* Slnbere aber fc^Ioffen ftc^ 
nur um fo entfd^iebener an Sut()er an, nic^t mebr blop a(d SBunbed^ 
genoffen, fonbern a(d Schüler unb Slnl^änger. £enn bie ^umaniflen 
crfannten in ber n>ac^fenben ©ä^rung ber Station unb in bem 2ln^ 
tf)til ber eignen Sruf}, baf i()nen au^ bem fremben Sager nic^t ein 
<9c^u(fe unb SBerfjeug, fonbern ein ®ebieter unb gelb^err jugefanbt 
n>orben fei. 9lun »ec^felten fie SBaffen unb Slüfiung, unb aud ben 
dtctben ber ^oeten {biegen i£^eo(ogen, \iatt bed Sicero bie 33ibe( in 
ttt ^anb, auf ben Äampfplaft hinunter. Der eigent^ümlicfe grof^ 
artigen unb gefährlichen SetDegung bed ^umani^mud fielite ftc^ ^ier 
n>ic bort in ber innerften Seele ber 3Renfd)en ein unitbenDinblic^er 
SStberfianb entgegen; fte tDarb t)oUfommen gel^emmt, bogmatif(^e 
^trettigfeiten nat)men "oon ie^t an bie beflen Jlräfte in Slnfprud^, unt 
manche ®eneration ging t)orüber, el)e bie (eife Umn>anb(ung ber ®tU 



S 3. IBgl. tic in meinen äftünflenfc^en ^umani^en angeführten OueUen. 

3* • 



36 dt^u Sdudf, 

Per erlaubte, ben gerriffenen gaben »feber ju ergreifen unb auf neuen 
Sßegen bad alte ^etbent()um aufgufuc^en. 

2)ie ©c^eibunfl ber 9Ränner t)on geleierter 53ilbung in jtt>ei feinb^ 
Ii(f)e Säger läßt ft^ bei und fo frü^ n>ie anbenvärtd n>al)rne^men* 
8bgefel)en t)on Drtn)in ^an ®raed, ber feinen (Solner greunben gur 
©eite ben 5fampf gegen bie l^umanifiifr^en gacfigenoffen gefüf)rt ^atte, 
unb natürlich je^t noc^ weniger alö tjorbem Sufi füllte; ben Slngret^ 
fern fiel) gugugefeUen, f)axxUn aud) bie 8el)rer ber beiben gc^ulen t)on 
SWünfier unb (Smmericl) bei bem alten ®lauben auö. Sei i^nen 
n)irfte bie (Erinnerung an bie SSerbamnmiß , ber fie atd ^4Jöeten fo 
lange unteriegen l^atten, weniger aW bie ®ett)o^nl)eit M in alter 
€itte c^rifitic^ t^&tigen @(^ul(ebend unb ))ielleic^t auc^ bie Äußere 
8lbl)dngigfeit von ber geiftlicl)en Stiftung, mld)tx fie angel)örten* 
81 W bie SBortgefecl)te antoben, geigte fic^ ber SRector Slimann alÄ 
©treitgenoß ber grancidcaner unb ^Dominicaner. Sluc^ ein SBitten^ 
berger 5ßrofeffor fam i^nen gu ^utfe. 2)ad war ber geteerte Otto 
S3ecfmann auö SBBarburg, ber tro^ ber greunbfcl)aft, bie i^n mit 
8Kelancl)tl)on unb anbern Scannern jener Seite t^erbanb, feiner Stel^ 
lung gu SQBittcnberg entfagte, bem Slufru^r Sarifiabtd 1522 aud bem 
SBege ging, unb in 9Wunfier unb Dönabrücf nidjt ol^ne (Srfolg bie 
iJel)re befämpfte, bie unter feinen Slugen in Sacl)fcn and Sic^t ge^ 
treten war. 

4. 

iDagegen erwacl^te in "oan bem Sufc^e, ald er ber neuen ©ewe^ 
gung inne warb, bie fafi ^verglommene Sufi gum ilampf gegen bie 
SWönc^e wieber. SRun gog er aud bem fHüen Slieberlanb 1520 l^in* 
weg, fuc^tc bie STOAnner feiner Partei auf, bie altbefannten unb bie 
neuberü^mten, in 9Kaing, ^cibelbcrg, 53afcl, SBittenberg, unb gelangte 
nac^ mehrjährigem 993anber(eben nirgenb anberd wieber gur 9tu^e, ald 



§ 4. Vithtx »an bem ^u^^t fo tvie ühtx Sftünflfr »gl. meine 9Künflenf(^en 
^umaniflen. dinbeutungen über k)an bem ^ufd^e'e Mm in ben Sauren 1520 
—23 ftnben fld^ in Zwingiii Epp. I. 148. 196, in Sut^er« ^Briefen 11. 310, in 
«ut^er« fflerfen ^att. «ueg. X. 1952. — Ueber SWontanu« unb ba« ^erforbcr 
gtttter^au« f. H 1035; «ut^er« ^Briefe II. 283. UI. 254. 389. 461, iV. 333. 422; 
Corpus Kef. II. 580; 3. ^. ^., önttourf öom Sufiaub ber SReligion cor unb bei 
ler *J?eformftt!on in Slbflc^t ber ®raffd^aft (Rawendberg, t>ornämli(^ ber @tabt 
♦crforb. 93iercfflb 1747. II. 74. — Ueber «emflo H 1057. 



IV. %xüfft ^urm tcr £ut^evtrd^en ^el^re. 37 

an etnetn ber ÜRtttelpunftc ber neuen itl)xt, ju SRarburg, ))on wo et 
bte %oxt\i)nUt feinet ®(aubend in ber alten ^eimat mit xoai)\amtm 
Sluge t)erfo(gte unb ^ülfreic^, tt>o er fonnte, unterßüj^te* 9tui)igere 
Staturen blieben gurucl an ber gewohnten @t&tte i^rer ^irffamfeit/ 
unb toanbten, o^ne auffaOenbe Schritte gu t^un, im @tiOen il^re 
@un{l berfelben 6ac^e ju. @o mögen n)ir aud fpäteren jtunbgebun^ 
$en (erliefen, ba^ (Säfariud unb ®raf ^ermann )>on Steuenar fc^on 
ie^t ben Siegungen ber neuen Se^re ju 66(n 9(nt^et( unb 9Uigung 
fc^enften. ^eutlic^er noi) a(d bei biefen jeigt ftc^ bie 3ßtcf)tigFeit 
jener admärtd l^eimifctjen l^umanifiifc^en SSerbrüberung , beren ©lieber 
{te waren, in bem SBeifpiel eined weit unbebeutenberen gelehrten B^^eun^ 
ted unb Sanb^mannd t)on ^tland)ti)on, bed 3acob üRontanud ani 
©peier, ber, früher ju SKünfier, bann gu ^en)orb bem grater^aufe 
onge^örig, am (enteren Orte fein ganged it (öfter gewann, mit Sutl^et 
in na^e SSerbinbung brachte un4 in bad Sager feiner greunbe eini« 
reifte* SBä^renb bie We^rjal^l ber alteren 3Ränner t>on bem SeifaO, 
ben fte anfänglich Sut^er gegodt l)atten, gleich (Sra^mud in ben ^oU 
genben 3af)ren bebaci)tfam abfüanben, ald fein beginnen S^ff^örung 
unb Airc^enfpaltung allen )>or Slugen führte, wä^renb Slgrippa bid 
gum 3^obe in ber Xirc^e t^erblieb, machten ft(^ manche aud bem iuni« 
gen 9la(^wu(^d ber ^umaniften burd^ befonberen @ifer für bie ißeue^ 
ning bemerfbar* !Die Se^rer ©erwarb (Sotiud aud Sllen, 3o()ann 
@lanborp aud SRunfier, Slbolf Slarenbac^ )>om Sufc^er ^of bei Sütt^ 
ring^aufen, ^einric^ Butter aud ^afelüne fprac^en unb lehrten in 
biefem ©inn gu ÜDtünfier neben unb nac^ einanber. 3« 8emgo \>txf 
breitete ber (Sonrector ^einric^ \)on Hameln frül^ bie lutberifc^en 
e<^riften, auc^ fein Jiac^folger SKoHenbecf fprac^ fic^ für «ut^er ava. 

5- 

SBie \)iel Slnt^eil bei biefen unb anbem @(^ulle^rem bie aOge^ 
meine Erbitterung über bie ^JDlif brauche, ober bie perfonlic^e ©teOung 

§ 5. Sem fcgefelDer unt ftantt ber t)erf((ic)7ben feien ein (S^rifUic^e mtüf* 
nuns bur4 ^octor ©ei^art 9Beflerbur(^ von ^oeQen 92eu(i(^ außgangen. gebrucft 
in lax 1523. — SBeflerburd^d ^(^nft: Sie bie ^i)(t^delerten von @oIn ^octore« 
in ber ®otl^eit unb fe^rmetfler ben ^octor ®er^art äDeftetbur(^ be« fegefetoer« 
falben aU einen ungleubigen verurteilt l^aben, SRarburg 1533, fenne id^ letbcr 
nur im Sludgug M Stamt, ßtoti ^Beiträge gur ®ef4id;te ber ginßernifl in ber 
ateformaHonegeit, ^ranff. a. m, 1822. — Kölner (liat^«|>rot. 1523 Dct. 23. 28^ 



38 ChM 9u4. 

im 2lmt gu ben gctfMi(f)fu ^tnen, otcr bic ererbte I(umantfMfc^e 216^ 
iteigung gegen bie S^eoJogen an bem für iht ganjr^ geben entfc^et^ 
benben Schritte ^otte, mt t)iel bie in unruhiger 3«t lauter ftc^ aud^ 
fpred^enben 9Bimfd)c ber 8eibenfd)aften mittmrften, barflber gibt feint 
9?ac^rid)t 2lu6funft* Slber wir wiffen, ba^ eö unter i^nen SKdnner 
t)on Sßißendfraft, gäl)igfeit unb S3egeifierung gab, benen ed um fo 
tt)eniger an ebieren Seweggrünben gauj fe^ien fonnte, je empfänglicher 
unb reigbarer i^r ^erj SBilbung unb Sugenb machten. SBar einmal 
burd^ ben tftglid^en Slnblirf be6 fird)(i(f)en @(enb^ unb burc^ bie ja^U 
reichen giugfd^riften, bie ber literarifc^e unb faufmannifc^c aierfet)r ben 
®e(e^rten in bie ^anb brachte, ber aite @Iaube in ber Snifi erfc^üt^ 
tert, fo vermochte bie Selefen^eit Sutberd in ber t)eiligen <Bd)x\\t, ba^ 
ungeftüme Selbftt)ertrauen, mit bem er feine Scljlüffe unb ©äfre gleich 
einem ^J^rop^cten unb Slpoftel Ijinftellte, unb feine ©erebfamfeit, bie 
mit ber 9Bucf)t bed (Scljmiebebamme»^ immer bicfelbe SteHe traf, gar 
tvol^l eine neue Ueberjeugung ^en)orjubringen , ftarf genug, um ben 
Anfechtungen bed gebend ju trogen unb i>or ben ©rüffeler unb Soiner 
®cl)eiterl)aufen nic^t jurürfjuweic^en. 2luct) barf man nic^t tjergeffen, 
baf bie erjien Schriften, in tvelcljen fic^ 8ut^er an bie Wation tt>anbte, 
inbem fte feine weitumwÄljenben Sd^e o^nc bie fpdteren 9Rilberungen 
unb 8efcl)rdnfungen feiner confert>atit)en ^eriobe nacft unb rficfjtc^td* 
lod tjortrugen, ber 5|Jf)antafie einen Stoff t>on ^öc!)fter Slnregung unb 
^inrei^enber Ä>aft boten unb burcl) bie ungemejfenen 2ludficl)ten in 
tine neue Sw'wnft, welche fte eröffneten, ber jugenblic^en Seele Sföfl^l 
gaben, bie fie rafc^ bem t)eimatlic^en ©oben ber ©ebanfen entrucften. 
. SBelc^e ©ewait 83ücl)er tt)ie bad t)on ber grei^eit bed S^rifienmen* 

fc^en, welche« bic ganje firc^Iiclje SntwicHung aller c^riftlid)en 3a^r* 
l^unberte umfturgte unb nicl)t6 bePet)en ließ, ald bad 9Bort ber Schrift 
unb bie ©emeinbe, bie ftcf) ben Sludleger beffelben beftellte, auf pl)an^ 
tafiifc^e unb fcl)n>drmerifcf)e ©emüt^er übte, ijat ?ut^er balb genug in 
»4cl)Per 9?d^e erfal^ren. 2luc^ 6öln liefert un6 ein ©eifpiel t>on ber 
fc^lagartigen SQBirfung, welche ber erfte entfc^iebene (Sintritt ber reli* 
fliofen SRetJolution auf manche empfdngliclje ®eijier dujerte* 3)ort 



30. 9{0)>. t6. — (SrcmBod^ ad a. 1525. — IBut^cr« Stiefc II. 190. 245. — SBe« 
fMwä^ an ten ^ergog Scl^ann oon ®a(^fnt, 3ena 1524 9{ot>. 26. 9091. 8ei« 
läge III. — Seckendorf, Comment. de LutheraDismo II. 9. add. 6. — Stixä^ntr^ 
4kfi^. «on Sranffiirt II. 39, 



IV. grille (Spuren tcc Sut^enfd^en 8e6rc. 39 

war ber 2)octor ©erliarb ffiefierburfl; aud einem ber \)ornel)men jiäbti^ 
fcfien ®cf(^Iec^ter, ber einem jungen ^ßropbcten aud ber ßwicfauet 
©ectc in feinem Jpaufe 2)ac& unb gac^ eingeräumt, feinen ©ingebun^ 
gen wtOfä^rig ge^orc^t t)atre, tinb; ald er barauf miffendburfiig na(fy 
SKittenberg gejogen, freiließ eine ^di (ang jwifd^en ben SDSarnungea 
be6 nüchterner gen)orbenen 2utl)er unb bem unbebingten gortfc^ritt 
Sidad Störend fd)n)anfte, ba(b aber ganj ben Siabicalen ftc^ l^ingab, 
mit t^nen bie gefä^rlic^fien Sat)nen einfc^tug; unb in einem rafilofen 
SBanberteben ba(b I)ier ba(b ba, n>o immer im Dber^ ober 9{ieber(anb 
bic ©ctt>egung im rafd)ercn Sufl« fc^ritt, fid) einfanb, 2.^ei( na^m 
unb bem S3ranb 9ia^rung jutrug* 3in 9)Jai 1522 mi^ Sut^er t)on 
feiner an^ebenben ©efet)rung ju erjät)Ien, im September wanbelt er 
gu 8utl)erd SSerbruß mit Storc^ bur^ bie ©trafen SBittenbergd. Dann 
Übt er ju 3ena^ er prcbigt unb le^rt n\i)t, „baju iji er no(^ ni(^t 
t>on ®ott unb ben 9Renfc^en berufen", aber er fd)reibt unb läpt bru* 
den. ©ein SBüc^lein über bad Segfeuer n>irb auc^ in S6(n geiefen 
unb angegriffen j ba erfc^eint er im Dctober 1523 plo^lic^ in feiner 
SSatcrflabt unb erbietet fid) ju öffentlicher ÜJi^putation unb 93ert^ei> 
btgung feiner Scl)rift. ©in greunb ifi mit i^m gefommen, ber 93or* 
(efungen beginnt, bie ber Uniioerfttät jum Zxoi Seifad finben* 6c^on 
ift \>on ber Sacultät eine iDidputation angefe^t unb ber ^^^aßor }U 
@. (hlumba, 3)octor Slrnolb t)om 2)amme, jum SSorfifter ernannt} 
aba ber 9tat^ t>erbietet !Didputation unb 93or(efungen ; unb SBefier^ 
bürg fe^rt nac^ 3ena jurücf in Sariftabtd 9{ä^e, bem er in feinem 
Orlamunber Streit gegen 8ut^er jur Seite jie^t, bi6 U)n ^erjog 3o^ 
If^annd Sffe^I gegen ©nbe 1524 aM Sac^fen treibt. @ine merfwür* 
ttge Supplif ^at er t^or feinem SIbjug an ben ^erjog gerichtet* 
!Darin »amt er ben Surften, er möge ftc^ in Sachen, fo ®ott an^ 
gelten, n>o6( t^orfe^en, bamit er nic^t grabe bann ®otted S^rn auf 
p<^ jie^e, n>enn er ®otted $u(b mit bem Sc^n>ert unb mUl\i)n 
®ttoaU am ^oc^fien ju t>erbienen meine j er bittet, i&n nic^t gu t)er* 
treiben, wenigfiend jept jur SUinterdjeit nic^t, ober it)m toöf bie Ur* 
fac^e fetner SSerbannung anjugeben, bamit i^n bie @ö(n?r SRonc^e 
niäft atö SSerbrec^er unb 2)ieb audfc^reien bürfen; aber er fügt ^in^ 
gu: „3c^ i^iO @n)* fürf)(ic^en ®naben nic^t ^euc^e(n, fann au^ 
ntc^t t)eu^e(n, ®ott unb fein SSSort ifl mir (ieber benn aUe Sürflen 
unb ^enen, ja lieber benn bie ganje SBelt unb alte« tt>ad brinnen 
i%'' & geH um auf günfitgerem 93oben eine bebeutfamere SteOung 



40 (Stfiti Sdüd). 

3U geminntn. 3I(d bte ^anffitrtet im SIpn( 1525 bad Sßort ®otted 
unb etniged tne^r gegen 9tat^ unb ®eifi(ici)feit betrieben^ ba ifl bad 
S^au^ auf ber ®aOengaffe, n)o ber et>ange(if(t)e 3)2ann, ber frembc 
3)octor n)o^nt, ber 9J{itte(punft ber 93erf(f)n)6rung* SBefterburg fc^reibt 
i^nen bie 31rtife(, bte bann am ^ittel^ unb 9{ieberrt)ein unb in Sßcfi^ 
falen ben aufrü^rifc^en Sürgern jum SWufter bienen; er t^erfammett 
bie Srüber bei Xag unb 9{ad)t in feiner 3Bo()nung unb (enft i^re 
iiegreic^en SSer^anblungen mit bem 3tati). !Die Bewegung fangt an, 
ftc^ ju beruhigen, unb ber 9tat^ befiehlt i^m bie Stabt ju räumen* 
//3c^ n>erbe l}inaudjtet)en , antn)ortet er; toann ed @otted äBiOe ift, 
nod) nic^t." Srfi ald feinem 2lnt)ang bie Slieberlagen ber fdjwäbi* 
fc^en unb fränfifd)en Sauern ben 3Kut^ benahmen, voiöi) ber 2)octor 
im 3)2ai bem SBiOen bed älat^d unb ber ßünfte* ®(eid) barauf ftn^ 
ben tDir i^n }U (Ebln, grabe im 3uni, n)0 bort bie ®&()rung ju ber 
gefäl}r(i(t){ien ^o^e ftieg* 9Ber möchte be()aupten; bap feine ®egen^ 
toaxt auf er 3ufammen^ang mit bem Kölner @reignif gefianben ^at? 

6. 

®o tt)i4)tig ber Seifall einer t^eologifcben Schule unb bie ®rre* 
gung ja^(reid)er ®eißer aud ben gebilbeten jfreifen ber !Ration für 
bie Sacbe Sut^erö fein mochte, fo maren bergleic^en Elemente bo(^ 
feine ^inreid^enbe ®runblage für feine ret)o(ution&re SBirffamfeit* !X)ie 
Jtraft, mit welcl)er ber ^Reformator bie beutfc^e Äirc^e erfd^ütterte, gog 
et t)ielmel[)r aud bem 93er^ä(tnip, in n)el(^td er unmittelbar gu bem 
93olfe trat* 3)ad 93oIf aber fiel i^m ju, nid)t n)egen feiner Angriffe 
auf bad (Dogma, fonbem xotil er bem 3orn über bie Wti^bxinö^t, 
bem 9Bibern)i0en gegen ben tixd)l\i)tn !Drucf, bem ^af gegen bie 
®eifl(i(^feit SBorte (ie^, n^ie fein anbrer )>or unb nac^ i^m, totil er 
bie nationalen ©efc^werben rücffic^tölo^, fc^arf; fc^neibenb \)erfo(||t, 
fie überbot; fte aud bem Sefonberen ind Slßgemeine, t)on ber Ober* 
fläche ind innere führte, nic^t me^r an bie 3ludtDÜd)fe bed Saumd, 
fonbem an ben 93aum jelbji bad SKejfer legte, nid)t me^r bie Slinbe 
fc^dlte, fonbern bad SRarf traf. Slfle bie eingelnen klagen, bie feit 
fo langer ^tit (aut unb (eife au6gefpro(^en n)orben waren, fanben 
f{(^ in feinen <Sc^riften mieber, unb überall me^r al9 fte, er ging 



§ 6. 2)ic erften gluöWriften «ut^er«, befonber« bie @(^rift an ben d^ri^ 
lid^en 9lb(l bcutfd^er 9tAtiün unb Q3on ber Srei^eit eint« (Sl^rißenmenfc^en. 



^ 



1?. 9rA(« «Spuren ber Sut^enf^m Ztffxt. 41 

weiter al6 fie aOe, in 3n^a(t unb %om, 9[bftcf)t unb SitL @ie 
iQoOen tie übermA^tge 3^1)1 ber S^tage btfc^rAnft n){ffen, er n>i(I fie 
üt^efammt abü)\m unb aQein btn Sonntag bel^alten. Die Saßen 
ftnb i^nen ju t)iel unb befd)n)erlic|) , er will \)on gar feinem gafieni« 
gebot me^r wiffem Sie ärgern fi(^ über bie t^itlen SBettelflofier; er 
will gar fein SBettelflofler mcl^r, — über bie \)ie(en SBatlfa^rtcn; er 
wiD gar feine SBatlfa^rt bulben« Sonfi ^atte man SInfiof genommen 
an ben ©ebrec^en bed Äircf^mwefenö; aber benÄem beffelben bemuft 
ober unbewußt in (&^ttn ge()aUen; ganj anberd fonnte ber @rotI ftc^ 
Sttft machen, wenn man mit Sutl^rr ed wagte, ben Soben felbfi auf« 
guretfen, auf welchem ®ebrau(^ unb 3Rif brauch, Sitte unb Unftttc 
erwuc^d. 3)er !Dru(f ber 3at)rtage, Segängniffe unb Seelenmeffen 
war am (eid^tefien befeitigt; wenn man mit Sut^er biefen @inri(^tun^ 
gen unb allen firc^lic^en äSerfen fammt unb fonberd ben inneren 
SBert^ abfprac^. 9(n Jilöflern brauchte man fi(^ ni(t)t me^r ju iu 
Qtm, wenn man mit 8utl)er alte Älojiergelübbe t)erwarf. 3)en Son* 
oibinat ^atte man nid^t me^r ju fürd^ten, wenn man mit Sut^er ben 
Sottbat abfc^affte. SlUe ^i^bräuc^e ber geifili(i)en ®eri(i)te waren 
grünblic^ ausgerottet, wenn man mit Sut^er ta^ ganje geifilic^e 
Siecht für ein Unrecht erflärte unb feinen 9{amen t)om böfen ftatt "oom 
^eiligen ®etße herleitete. Sonfl l^attt man t)on ber geifMicf)en Obrigi^ 
frit bie abfleOung ber W^bxlind^t geforbert; Sutl)er rief bie Saien 
unb bie ntebere ®eif}lic^feit jur gewaltfamen Selbftl)ä(fe auf. @r 
fagt bem Slbel, fie foOen bie r6mifci)en Surtifanen in ben Stbein ober 
tn6 nAc^fie SBa^er fpringen laffen, i^re Siegel unb Briefe jum falten 
Sab ^^ren; er fagt ben ®emeinben, fie foUen fic^ i^re Pfarrer felbß 
wählen unb i^nen bie (S\)t gefiatten; er r&t^ ben Soncubinarien, fidj^ 
gegen bad ti^rannifc^e, fret^el^afte ®efe^ aufzulehnen unb i^r Sßeib 
unb tbxt Jttnber bem $abfl, wie bie 3fraeiiten ben Sleg^ptem i^ren 
t>erb{enten Solm, gu ßel^len. Sonft war ber Unwille über $aßor unb 
9if(^of, Sopitel unb Älofier wo^l bur(^ bie ererbte ß^rfurc^t iDor 
bem ®anjen ber ^ierarc^ie in Sd[)ranfen gehalten worben; aber Su^ 
t^ jeigt auf bie Sä$unben ber R\xi)t mit ^ö^nenben unb fc^mä^en^ 
ben aSorten, unb wie brennenbed Seuer fengt feine Siebe ben legten 
9tffl ber alten Siebe ^inweg: ber $abß ift ber 9Inti(^rift, 9tom So^ 
bom unb ®omorr^a, Sifc^ofe unb Stifter leere Siff^rn, aOe ®ewalt 
bei ben ^auptbuben gu 9lom* //Saffet und aufwachen, liebe !Deutf(^e, 
unb ®ott me^r benn bie iDIenfc^en fürchten, baf wir. nic^t tl^eil^aftig 



42 dtfiu $ud^. 

tt)erben aOrr armen €et(en, bte fo flAgd'c^ burc^ bad f(t)änbli(|)e UiifH^ 
fd^e ätrgiment ber Stomer ))er(oren tverben^ unb tdgltc^ me^r unb 
ine()r ber !Ieufe( juntmmt; fo ed mögdcf) \\)axt, ta$ fo(d) ^olltfc^ 
JRegiment mochte arger werben." 

Diefe Slnfiriffe auf bad 2eben unb bie SSerfaffung ber Äirc^e, 
in n)e(c^en bie Sorberungen bed jornigeu 93oIfd ftcf) überaß ni(f)t nur 
befrfebigt, fonbem mit übertroffen fa^en, madjten 2ut^er6 Sac^e jur 
Slngelegenl)eit ber 92atton, unb erft inbem bie alte )>olfdt^üin(tc^e 
Dppofition ftc^ t()m a(d Sü()rer ergab unb anfc^lo^; tt)re SInHagen 
unb Segel)ren in bie t)on 2ut^er bargebotene gönn gop, i^re Slbftc^^ 
ten gu ben feinigen erweiterte, lutl)erifct) würbe, erbielt bie religidfc 
9iet)o(ution; bie t>on Sutfter audging unb t)on feiner 9lect)tfertigungd^ 
le^re it)ren unfd)einbaren Slnfang na^m, Seben unb Seftanb, 3)auer 
unb jlraft* 3l\m traten gu beut fBolt bie gü^rer aud ben gebtibeten 
©tänben, bie auf üerfc^iebenen Sabnen, fei ed bur(^ bie bogmatifcfee 
Uebereinftiinmung mit ber SBittenberger (Schule; fei ed burc^ bie ^u^ 
manifiifc^e Slbneigung gegen bie 9}{onc()e, ober burc^ il)re SebendfieU 
lung, burc^ 3ugenb unb 2;t)atenluji, ©roll unb Sngrimm, 8eibenfd)aft 
ober Segeiflerung ; jur Sntjweiung mit ber Rixd)t gelangt waren; 
trugen ben bürgern ber ©tabte bie ga^ne ber ©mporung t)oran, 
prebigten unb (ehrten bad @t)ange(ium t)on ber 9te(t)tfertigung burd^ 
htn (glauben unb t)on ber SBert^lofigfeit ber guten SBerfe, t)on bem 
reinen SBort @otted unb ber @ott(oftgfeit ber Zeremonien ^ t)on ber 
g3erwerflid)feit ber aWeffe, bed gegfcuerd, be« äiblaffee* ©rfi burc^ 
bie 9Serfd)meIiung beiber Elemente entfianb bie eioangelifc^e gartet, 
fur(i)tbar bntä) 3^^! unb Seibenfcf^aft^ burcf) bad ilalent ber gü^rer, 
iuxi) bad aOgegenwArtige 993ort bed ^aupted^ am fur(t)tbarfien burc^ 
bie ©erec^tigfeit iener alten, je^t (ut^erifc^ genannten Sefc^werben 
unb bur(^ bie immer fort wud^emben 3Rif brauche , bie ber itin^c 
Sichtung unb 9ßürbe raubten, unb H)xm SSert^eibigern im jtampfe 
ben 3)iunb fc^Ioffen. 

7. 

!Die ^Bereinigung ber neuen bogmatifc^en unb ber alten anticleri^ 
calcn Dppofition, weiche im Oberlanb g(ei(^ nac^ bem (Srfd[|einen ber 



§ 7. H 1057. — 9lo}ßp, Slac^er (S^ronif 173. — (Sdlner (Ratl^dprot. 1523 
Oct. 28. 1524 kpv, 4. 18. 25. 3un. 29. atug. 17. 1525 %tht. 15. 9i^. 21. — 
^oltmann 23. ^ VUbtt (Sloren^ac^ «gl. unten dap, VI. $ 6. 



IV. Srül^c €purcn t>n Sut^erifd^cn itf^tt, 43 

rr#m )>ot>u(arm %lvifiii)niittn Sut^erd ftattfanb, begann bei und nic^t 

»or bem »ufru^r t)on 1525 ftc^ gu \>oHj{e^en.*) Sid ba^in treten 

und nut wenige Slnjetc^en, and) biefe t)on nur }n>eife(l^after ^efc^af^ 

fen^ett, wn einer X^eilnat)me bed 93o(fd an ben eigentlich religiöfen 

fragen entgegen* 3n ben Sluguflinerflöflem n>urbe bier unb ba 

„®otted SEBort" geprebigt, aber ob bie ^rebigt \)iel Slnflang gefun* 

ben, \t)t|Ten n)ir nic^t. Spott über ben 9lb(af war lange fc^on ge^ 

brauc^lic^, ebe ber Sürgermeijier t)on 8emgo beni alten ©tabtfcbreiber 

Sngelbert *Ptein gur 2lntn)ort auf feine grage ben 9lat^ txti)tiltt: 

,,9]>tunb unb Säcfiein gugetban. 993ad xoiü man bo(^ in ben haften 

t^un, baju »ir feinen gcblüffel ^abem" 2)a^ ber Stabtfc^reiber 

bann feit 1522 n\d)t me^r in bie 9Rcjfe ging, unb ben Dbfen>anten 

granj von (Sffen, ald biefer in ber ^rebigt ben *4Jnntat bed H^abfied 

t>on $etrud ald S^rijti SteQioertreter ableitete, mit bem gewöhnlichen 

lut^fc^en Slrgument gu unterbrechen wagte: „alfo ifi bie Xitijt ein 

tretföpftged Ungeheuer'', unb barauf gur X^üre ^inaudging, fann 

im^ atö ein S^ugni^ t)on ber Stimmung bed 3$o(fd gelten, bad an 

ieter Slufiet^nung gegen bie @eiftlic^feit ©efatlen fanb unb aOed ber^ 

artige ru^ig gefci)el)en lief« @oict)e 2)inge mögen auc^ in anberen* 

@tabten vorgefallen fein, aber totnn fte und auc^ überaO fo genau 

brtid^tet w&ren a(d von Semgo, fo würben fie nic^t ^inreic^en, eine 

rriigtöfe @rregung bed 9Jo(fd gu beweifen« 3m 3a^re 1524 unb ge^ 

gen bie 3nt bed Slufru^rd \)xn mel)rcn ftci) aOerbingd bie neuemben 

^rebtgten unb anbere ^t\d)tn ber @ä^rung. 3n Stachen wagte ein 

8anbfhei(^er, aibert 5Wunfier, bem 93o(fe gegen bie äJere^rung ber 

Jungfrau 9Raria unb ber .^eiligen, gegen bie 3)?effe unb bie Slac^ner 

^eiltgt^umdfa^rten gu prebigen. @r würbe verhaftet unb auf 3cug^ 

mf von SRafhic^t unb äSiefel ald Xobtfc^iäger Eingerichtet* 3n 66In 

mufdt ber 9tatf) bad SSerbot gegen ben SSerfauf (ut^erifc^er 93äc^er 

öfter wieber^olen; ein SJerfäufer, ber ein folc^ed Suc^ einem 3)oml* 

nicaner troQtg unter bie Slugen gel^alten unb ibm an bie 93acfen ge^ 

fd^iagcn, würbe einen 9Ronat bei SBaffer unb ©rot gefangen gefegt; 



^) 9lo4 t525 SKät) 26 äußert ber ^jog von (kltt>t in einem amtlid^en 
d|mB<n : feine« Stffe n« feien feine Untert^anen nod^ oon l^ut^er« <Bd)x\fUn unb 
Sef^re unbeflectt. 3ur ^orfe^ntng für txt 3ufunft ordnet er an, tag tägli(^ von 
bm itangeln ^t^er« unb feine« Stn^ang« ^^riften unb £ebre M falfd^ unb fe(^e« 
rif4 >egetibnet toerben fetten, «cotti, 3üU*'€iet>e^er9if(*e «efe^e unb ®erot^ 
«mi9en L IB. 



44 drfle« Sut^. 

bte ^Uii)t Strafe traf ein paar SSefb^perfonen, bte einen ÜRdnc^ ^u 
fc^olten l^atten; gegen erlaufene aWönc^e n>urbe aSorfe^rung getrof* 
fen. 9lm Deutlic^fien jeigt ftc^ in SBefel unb ^ünfier eine beginnende 
Sludbreitung bed Sut()ert^umd. 3n SBefel ^atte Slarenbad;^ nac^bem 
er ju SRönfier ber bro^enben Strafe feiner lutl)erif(^en SReben bmd) 
6eimti(f)e ^(uc^t entgangen, 1523 eine Slnßetlung a(d Sonrector an 
ber Stabtfc^ule erhalten. @r fanb ober tmaxb bort unb in bent 
nal}en 3)überi(^ auper bem Sluguftiner Einberief unb bem 6ap(an 
it(opri^ no(^ anbre ®eftnnungdgenof[en , ben 6ap(an SIeinend \)on 
SRabe t)orin SBalbe an ber 9Ratenafir(!^e unb ben frül)eren Dbfen>an* 
ten Doctor SSerfen, unb fein 3Birfen n)urbe fo bemerfbar, baß ber 
(Sölnifd^e Dfficial i^n bei bem ^erjog ))erf(agte. SJte^rmald ert^teU 
bie ©tabt 3Ra^nf(^reiben rom ^erjog, feinen Sut^eraner in i^ren 
SJIauern ju bniben. ^ 3Ränf)er magten, noc^ t)or bem Slufru^t, 
t)ier 6ap(äne ju gleicher 3^it/ im SSertrauen auf bie Unterfiu^ung, 
bie it)nen ber ^ap ber ^anbwerfer gegen bie @eiß(ic^feit; ber 3Rut^# 
miOe einiger ^aufleute unb bie ®unfi einj^elner ))orne()mer Sürger 
gen)A^rte, in i^ren $rebigten ftc^ bem ^erfommen entgegen }U fe$en. 
2)er bebeutenbfie unter i()nen mar SJIagifier Subbert Saufen, Saplan 
an ber 3Rartindfird)e; bie anbem brei, 3>o()ann Sxint an (S.Sambert, 
©ottfrieb Sleininrf an ber Ueberwafferfirc^e, Sobann äJincfe ju ©♦ 8ubi» 
ger, n>aren jmar umoiffenbe Seute, aber bie beutfc^en Sucher Sut^er« 
gaben i^nen audreid)enben Stoff ju ^rebigten, bie bem SSoIfe Qt^ 
fielen. 

SQBir miiffen annehmen, baf ber Sn^alt and) biefer ^rebigten 
nic^t bogmatifc^ gemefen, fonbem gang jener \)o(fdt^um(i(|)en Oppo^ 
fttion gegen bie ®eif}(i(^feit ange()ört babe* SQBenigfiend ^aben bte 
6ontro))erfen , menn fte n)irf(i(^ angeregt mürben, auf bad 9Jo(f ttl^ 
nen @inbru(f ben)orgebracf)t. Xieß I&pt [xd) mit @i(i)er^eit aud ben 
9lrtifeln abnehmen, bie ber Slufrul^r )>on 1525 bem 9iat^e t)orf(brteb» 
2)enn, obgleich bad .^aupt ber Sut^eraner, Subbert Saufen, an ber 
9(bfaf[ung berfelben Zi)til na^m, l^aben n>ir bt>d) unter ber großen 
3a^l t)on gorberungen, bie fie entl^ielten, nur brei auf bie JReligion 
bejügiic^e fünfte gefunben : Setbeiligung ber fird)li(^en ©emeinbe an 
ber SBa^I ber gapldne, Slbfc^affung ber Segängniffe, ?luf Hebung ber 
gefc^lojfenen Seiten. SBenn man beben», baß biefe Slrtifel ju eineif 



IV. fft&fft €püxtn Ux &it^if4cn £e^re. 45 

3ttt aufgefieOt n>urbcn, n)o bad 93o(f jrbe Sorbtrung burc^fe^rn ju 
Knnm giaubte, fo tnu^ man aud bicftr SSrfc^ränfung [(^(teftn, ba^ 
bet S^unfc^ nac^ U)ctterfn Slenberungen toixtlii) mangelte • 3loöi ttuu 
lieber aber n)trb und bte ®let(^gultigfcit bed SSolfd gegen bie neue 
Se^re burc^ eine S3erg(ei(^ung ber 3Ränf)erf(^en Slrtifel mit i^rem 
Sorbilb, ben granffurter ärtifeJn* 9lur ber leftte t>on ben brei ?ßun^ 
ten, ber unbebeutenbfie, ifl eigentbümlic^ SRünfierifc^ , bie betben an* 
beren ftnb aM bem oberlänbifd^en Programm ^entbergenommen^ unb 
überbief ifi ber eine von i()nen, unter aOen ber wiöftiQ^t, in einer 
SBeife gemilbert, bie ben Unterfc^ieb ber 9$o(fdgeftnnung in ben jn)ei 
6t&bten aufd Harfte bejeic^net« !Die Sranffurter Saffung )>erlangt 
Jlämlid): €in^ unb Slbfe^ung ber ^farr^erren adein burc^ fRatf) unb 
(Semeine imb o^ne (£inn)irfung einer geifl(i(t)en Dbrigfeit; unb bann 
bie Verpflichtung biefer ^farrl^errcn , bad lautere SBort ®otted, bad 
^eilige (£)oangelium o^ne Seimifc^ung menfc^lid^er Sa^ung gu prebi^ 
gen, bamit bad 93olf in red^ter Se^re gefl&rft unb nic^t t>erfü^rt 
li^bc. 3)er entfprec^enbe 9Künfterfct)e Slrtifcl gebenft nic^t ber Se^ 
fetMtng ber $farren; fonbern nur ber 2Ba^t ber @ap(äne, unb auc^ 
tiefe toiü er ber geifllici)en Dbrigfeit nic^t ganjUd) entreifen, fonbern 
nimmt nur eine 93et()eiligung ber Saien bed ^irc^fpietd an ber 9Ba^( 
in Snfprud^* (Die jmeite gorberung aber t^erfiecft er in einem nac^^ 
bruddiofen unb jn)eibeutigen 9{ebenfa$: ,,bamit man l^eute ^abe, bie 
bad SBort ®otted prebigen UQb teuren/' Sluperbem ift ed nic^t o^ne 
Sebeutung, baf bie SRunfierfc^en ben granffurter Slrtifel gegen bie 
Setteinöfier feinedmegd aufnahmen, obgleich ein grofed üRinoriten^ 
flofler in i^rer €tabt ftct) befanb. 

aSBir fennen bie Solner artifel gar nic^t; bie Odnabrücfcr ju 
toentg, um mit Seflimmt^eit fagen ju fönnen, baf fte baffelbe 93er^ 
^(tnif bed SSoIM jum Sut^ert^um, n)ie in 99lunf}er, funb geben, 
aber bie Sleftnlic^feit ber 3ufi&nbe unb ber ganje SBerlauf bed »uf^ 
m^r^ berechtigt und ju ber Slnna^me, baf bie SSoIfebewegung 
«u(^ jeftt noc^, n>ie in früheren Seiten, n)f [entließ nur gegen bie 
))oIitif(^e unb gefe(If(^aft(ic()e SteOung bed Slerud gerichtet toax unb 
nur geringe, faf) jufaOige religiöfe 93eimifc^ungen in ftd) aufgenom^ 
men ^atte« 



46 ChM ^ud^« 



9» 



3(ber totnn and) no(^ nic^t in eind ))rrf(^moIien, iDaren bo(^ bte 
lut^erifc^e ^ropaganba unb tie anttc(trtca(e Oppofttion t)on Slnfang 
an S3unt)edgenoffen unb n)urbcn mit 9iec^r t)on bcn ©cgnern mit 
bemfflben Flamen a(d (ut^enfc^e, i^re 6ac^e a(d bad @t>ange(ium 
begeic^nct* ©tng auc^ brr Slufru^r ))on 1525 nic^t ))on bm $artet^ 
gangern bed Steformatord aud; fo nahmen boc^ manche t)on i^nen 
gu 6oIn unb aWünflcr an feinem gortgang t^ätigen Slnt^eiL Stellte 
t>a^ 9$olf aui) fein lut^erifcbed Programm auf, fo na^m boc^ grabe 
wa^renb beö 8lufru^r6, von ber Ounji ber 3Kenge gefd^ü^t, bie reli^ 
fliöfe Steuerung ^ier unb bort einen bebeutenberen Sluffc^wung. 3n 
Solu er^ob ftc^ ber Streit im äluguflinerflofter i>on neuem; jn^ei 
froher t)om SSicar entfernte ©ruber erfdjienen wieber ; einem lut^erif(^ 
geftnnten ©ruber, ^tarnend Sluguftinud, mupte ^4^rebigt unb ©eichte 
unterfagt werben; ber 9latl) mu^te eingreifen, um bie Dlu^e bed Älo^ 
fierd ^erjuftetlen; ber SSerfauf lut^erifc^er Sucher mact^te ein neue« 
üBerbot not^ig ; baf ©erwarb SSSefterburg ftc^ um biefelbe Seit in (£ö(n 
wieber einfanb, l^aben wir fc^on erwähnt. 3^ üKünfter burfte ber 
9tat^ nic^t wagen, gegen bie (ut^erifc^en Sapläne einjufcf)reiten ; 
Sanfen ging fo weit, ben 2)aufritud )u änbern unb bie (Segenwart 
Sl^rifti im älbenbmal ju leugnen* 9luc^ an anbern Orten, wo bie 
Bewegung ni(^t ju offnem ?lufru^r gebiet), würbe biefelbe 993trhmg 
ber aUwärtd t)erbreiteten ©äbrung bemertbar. 3n biefer 3fit n>a^r# 
fc^einlic^ er^ob ftct) ber Saplan SBeffel in ber 9?icolaifirc^e ju gemgo 
gegen bie fird^lidjen 9)Ji^bräuc^e unb griff ber anbre ©aplan, i^tv^ 
man Swager, in ber 3o^annidfirc^e bie SBaUfat)rten an. 3e^t watjr* 
fc^einlic^ faxten ju 9Q3efe( ber Kaplan SIemend, ju ©überic^ ber äRönd^ 
3)octor aSerfen ben üKut^, in ben (S^efianb ju treten* Schärfer unb 
brjngenter ald früher lautete ta^ Schreiben, welc^ed ber ^erjogüon 
61et>e unb feine grau 9){aria t?on 3ü(i(^ am 2K 3}{ärj 1525 an bie 
Stabt SBefel richteten. „2ßir t)aben un6 nic^t t)erfel^en", laffen fie 
ben 9tat\) wiffen, „baf tro^ unferer früherer Schreiben bie lut^erifd^ 
Se^re in SBefel täglich me^r ftc^ ausbreite. Und unb ber @tabt, bie 



§ 9. (Söliur (Rat!|«prot. 1525 «jjr. 3. 21. SWai 12. 3ul. 31. — ^oltmann 
23. — H 1058. — JDer ^ergof^ »on (ilf»e un^ bie ^ergogin üon 3liUc^^ an tie 
^tM ^efel, ^mhoid) 1525 äftärj 21. 0)91. 



V. ^ic $artriefi M alUn unt M neuen ®(au(en«. 47 

eine ber wicbtigftm unt) ))ome]^m{}en in unfern ianttn \^, m\x\>t e6 
in aller SBelt gu befonbercm Schimpf gereldjen; mnn Ijitx bic Äe^e* 
rei uber^anb nä^me. @0 ift unfre em^e unb ^oc^ße ^letnung, ^e# 
gelten unb Sefe^I, baf i^r bie ©c^ulmetfter unb anbere Pfaffen, bie 
tiefe Se^re unter bie Schüler unb bad gemeine 93olf bringen, fofoct 
aud ber @tabt fc^afft, H)xt fe^erifc^en S3üci)er ipegne^uU unb t)er^ 
, brennt, ben ^afiören unb onbem guten ^yriefiern, t>it ftc^ im 5ßrebi^ 
gen unb itbxm nai) ber Orbnung ber ^eiligen jtird^e galten; bei^ 
^c^t, unb eu(^ fo \)alut, baf man (pure unb finbe, bie falf(t)e Xti^t^ 
rci fei binnen Sßefet abgeficOt/' 3lber Slarenbac^ fonnte bennoc^ in 
ber folgenben 3^it ru^ig fortfahren, lutl^erifc^e SBüc^er ju t^erbreiten 
unb (ut^erifc^e @ä^e ju ))ert^eibigen* 



V. 

^arteten beS alten unb bed neuen ®(aubend* 

1. 

^&tte ber SIufru()r t)on 1525 ben Sieg behauptet, fo n>urbe in 
feinem ®efo(ge bad @t>angelium in bie r^einifc^en unb n>eftfälif(^en 
(Stiibte eingejogen fein unb mü^elod bie Dbert)anb erhalten ^aben* 
97ae^bem er nun aber unterbrucft unb mit i^m bie* Hoffnung ber 
SVfuerer »orerfi locreitelt Sorben toax, Ijatit er n^cnigftend bie SBebeu^^ 
tuitg f&r unfre ®egenben, baf ber früher unftare 3u{tanb burc^ i^n 
einen piö^ic^en Slnfiof ju beutüc^cr unb burc^greifenbrr @d;eiOung 
^tx (Siemente tx\)itlU !Die 3Rarffleine biefer (£ntn>icflung fmb bie 
3abre 1525 unb 1529. <Bdt 1525 t^erbanb ftcf), n)ad jufammen^ 
grl^orte, greunb trat jum Sreunb, jn)ci feinblic^e Sager bilbeten ftc^ 
un^ bereiteten ben großen ifampf t>or; ber 1529 jum gemaltfamen 
Sludbrud^ fam* iBon biefer 3cit an iDurben unfre Sanbe in ben ^reid 
trr allgemeinen SBetDegung hineingezogen unb gaben gleich bem ubri« 
gcti 2)eutf(^(anb i^ren Soben i^tx für ben Streit, ben bie firc^lid^e 
unb bie e»ange(ifc^e Partei mit einanber führten, ein Streit, )>or bem 
i^itM anbre, n)ad in ber Station lebte, t>erftummte, aOed gurücftrat, 
brr aOe 93er^ä(tniffe fic^ unterorbnete , alle ®efci)icfe bed SSaterlanbed 
»^npaftenb befiimmte* 



48 dx^u ®u4. 



2. 



3)ic «jangtlifc^e ^Partei yibetc fic^. 

9(u(^ ot)ne bcn 9lufnit)r t)on 1525 ntufttn bie SSorgänge im 
Sieic^, bcr entfd)eibenbc Sefd)lu§ t)on ©peier 1526, bie n>acl)fenbe 
@{nn)irfung btt t)o(fött)üm(tc^en Siteratur; bte @t)ange(iftrung iDid^ttger 
fünfte in ber Sld^c, ber t)trmel)rte perfönlid^c 93erfef)r mit ©vaitflt* 
Itfc^en in ^anbel unb 9Banbe( aUmä^tid) bie So(gc ^abcn, baf bie * 
ft)ange({f(^e 93en)egung in bie @o(nif(f)e 5(irc^enpro))inj einbrang* !Diep 
gefc^a^, n)ie überaß; in ber SBeife; baf bie iilte n>ibergeift(i((;e Dppo^ 
fition ftct) in eine miberfirc^Iic^e umfe^te. 9Bar früher ber 3Ripbraud^ 
bed geiftlicl)en Sannd unb ber Sremtionen bed Sferud ber Oegen^ 
^anb bed Slnftoped, fo fet)rte ftc^ nun ber 3Bibem?iDe bed 93o(W ge^ 
gen bad geifilic^e fR((i)t, auf n)e((t)em Sann unb (Sremtionen unb 
bie ganje SteDung beö S(eru0 berul)te» ©mporte man fidj früher 
gegen baö Uebermaf ber (Zeremonien unb i^re ]^abfüd)tige ?ludbeu^ 
tung; fo lernte man nun bie firc^Iid)en Uebungen, 9Keffe unb 93efper, 
83egSngniffe unb Reibungen, allgumal verachten* Schaft fonfi ber 
©ürger auf bie fc^ledjten ©itten unb ben 6oncubinat ber ^ocbwür^ 
bigen, beneibete ber gemeine SKann ben 9leid)t^um ber Älöfier, fo 
eiferte man nun gegen ßöiibat unb Äiofiergelübbe, forberte bie ®eifi^ 
Ii(^en jum @t)eftanb; SJ^önc^e gum ^anbmerf auf. $((Ie einzelnen 
Sefd)tt)erben floffen in ben SRuf gegen bie 9Kenf4)enfa$ungen jufam* 
^men, aOe einzelnen 3Bünfd)e ^vereinigten ftc^ in bem SSerlangen nac^ 
bem „ffiort ®otted", bem neuen (&>angelium, ber (utt)erifc^en 8e^re 
iDon ber 3led)tfertigung. 9lun tverfammelte man ftc^ nid)t me^r um 
bie alten Sa3ortfuI)rer ber ^m^tt unb bed gemeinen 9)Jann0, bie noc^ 
Im legten 2lufrul)r an ber Spi^e gefianben Ratten. Sie traten in 
bie gweite Steige jurücf, unb anbre 5SKanner t)6^eren Stange« boten 
bem aSolf bie ^anb* Slud ben Äreifen ber l^umanijiifc^ gebilbeten 
©tänbe, an^ ben Älöftern, bie bad 3)ogma bed Sßittenberger 3Könc^6 
»ortdngfi angenommen, aud ©c^ufen unb Saplaneien famen bie neuen 
^aupter, fle, xotld)t bie Slrgumente gut^erö fannten, bie SBibelterte 
3u gebrau4)en tpuften, bie ©ä^e ber Jßartei auffietlten unb »ert^ei^ 
bigten, jie, mld)t burd) i^re t^eologifct^e SBilbung bie SSJaffen, but(^ 
bie ®ett)oI)nl)eit ber Siebe bie 5funft bed Streite befaßem ©in Sunb 
entjianb gwifcl)en ^od) unb Sliebrig, Slnfe^n unb Slrmut^, Silbung 
unb SRo^^eit, ber feine Araft nai) beiben ©eiten ben tvielartigßen 



V. ^tc Parteien M alten unb tu neuen 9CauBen«. 49 

imb jiärfjifn Jrtebfebcrn t^erbanfte, bic bed 9Renfc^en ©rufi bcmegen 
Knnen, btm gertc^ten UntviUen unb bem griinmigcn ^a^, btm Smfl 
brr Ueberjcuflung unb bem gemeinen ffltiU, bem G^rgeig, bem gano^ 
tidmud, ber Segtifterung unb bcr fmnfid)fn S!ribenfd)aft; bcr ®otte«* 
furcht unb ber ©ottlofigfeit^ 3laä) beiben (Seiten: benn and) bie 
Siortfu^ret jianbm grofcnt^cifö, befonber^ fcitbem bie lut^erifc^t 
6ad^e t>o{Mtbüm(id) gen)orben wax, unter bem @ebot ber gröbfien 
Jfibmfc^aftem 3)er 3Rönc^, ben bie 2ludfid)t auf ein freied geben 
Iwfte; ber Jßriefier, ber für bie Sc^mac^ bed gebulbeten Soncubinatd 
bie @^re be^ @{)eftanbd eintaufcf)en tooUtt] ber gei{i(i(^e Proletarier/ 
ber in ber (etd)t errungenen $opu(arität bie ®e(egen^eit ju 9lmt unb 
dttotxb toaf)tnal)\n: alle würben, obgleich \)erä(f)tlic^c unb t)eracl)tete, 
bo(^ braucl)bare SBerfgeuge ber SReuerung. 

3. 

ÄDerbingd mußte bie 5|Jartei, in i^rer S^^f^^uwng unb Unter* 
brädung, ber 6inl)eit unb Drbnung entbehren» 2luc^ fonnte (le t)orer|i 
feine 9tänner t)on überwiegenber geifüger 93ebeutung aufweifen, \)on 
bmtn anflof unb Leitung ju gemeinfamem gortfc^ritt gu erwarten 
gftüefen wäre. Slber biefe 5Kängel würben tjergütet burct) ba6 8ln* 
fcl)cn ber auswärtigen Sieformatoren, beren Scfjriften bad Sanb burc^* 
liefen, burc^ ben geifiigen 2lnt)a(t, ben SBittcnberg unb 5D?arburg unb 
anbere SWittelpunfte bed neuen ©laubene gewährten, burc^ ba6 ®e* 
f&^( ber .®emeinfamfeit mit ungS^ligen ©cfinnungdgenoffen im gan* 
gen Sleid^e. 3)ie ©eru^rungcn tjervielfältigten fid). siBittenberg, fonji 
nur t>on ben Slugujiinern um ber Xi^tolo^it willen aufgefuc^t, bann 
Jburc^ 9)ietanc^tl)ond ©egenwart ein 2lnjief)ungöpunft für bie ^uma* 
ntficn, warb nun t)on ben Sln^ängern ber neuen 8e^re bffud)t, um 
Sut^er unb feine .©enoffen gu fc^en, bie et)angelif(f)e Uebergeugung gu 
^ärfen unb gu bericf)tigen , ben fac^^rtfc^en ©otteSbicnft fcnnen gu ter* 
nen* 9Kancl)e t)on benen, bie ba(b an ber 9leformation unfcrer Sanbe 
befHmmenben 2lntt)ei( nat)men, fiubirten in bicfen 3a{)ren gu SBitten* 
berg: 2)ietri(^ gabriciud auö Sln^olt, ^ermann Sonn auö JDuafen* 
brügge, ©erwarb 6otiu6 auö Sllcn, 5)3eter ÜRetman a\\^ 66In, 3o^ 
^nnn ©lanborp aue SKünfter, Sodann Sampanud a\\^ bem Süttic^*' 



§ 3. Förstemann , Alhum acad. Vileberg. - H 1035. 1048. — JDie Briefe 
S^cfancbt^cnd im Corpus Ref. 

aorncUttf, Hufru^r in aRünflcr. I. 4 



50 Qrfied ^uc^. 

feiert, Dlott^d SSInne au^ Dicfi; ober nal^mcn in SBittcnbcrg einen 
vorüberge^enten «iufent^alt, tt)ie Sol^ann Dreier t)on ^en)orD, ®ert 
Demifen \)on Samen* ÜKeland^t^on feftte mit ben l)umaniftifc^en Se* 
rannten, mit SAfariu6, Slgrippa unb bem @rafen \>on 9Ieuenar gu 
6öln, mit ^ere^bac^ ju 25üffelborf, mit 9Wontanu6 ju ^eroorb ben 
gewol^nten brieflichen 93erfe^r fort, ber ben religiöfen Slngelegen^eiltn 
nic^t fern blieb* Sßir wiffen bereite, wie eng bie bebeutenbjien tot^^ 
fdüfcften Sluguftiner mit Sut^er t>erbunben waren* 5Run war burc^i 
STOontanud a\xd) baö grater^ unb bad ©ufter^aud ju ^eroorb in bie^ 
felbe fflerbinbung eingeführt worben; bie örüber unb ©c^weflem 
fd^icften ©efcftenfe an bie ^Reformatoren, empfahlen il)nen junge Seute, 
begeljrten 9lat^ unb ^ülfe* Seit 1526 t)erfammeUen flc^ bie ißro^ 
fefforen ju SRarburg, wo ber junge Sanbgraf ber neuen Se^re bie 
jweite Unitjerruat grünbete, bie, wenn auc^ mit SBittenbergd ®Ianj 
nidjt t)on fern t>erg(eict)bar, für unfre ©egenben burc^ bie große 9?d^e 
unb burc^ bie Sanbdieute, bie an it)r leierten, eine befonbre SBic^tig^ 
feit tx\)UU unb vitlt junge Seute an ftd^ gog* Sc^wa(^er . war bie 
(Sinwirfung bed Dberlanbd, bod) würben bie Sct)riften S^^inglid unb 
Decolampabd bei un^ gelefen, unb in Straßburg acfctete man forg^ 
fSltig auf atled wad im 5Rieber(anb vorfiel* Der überall lebhafte 
briefliche unb perfön(ict)e 93erfe^r gwifc^cn ben Sln^ängern ber neuen 
8el)re würbe in 5Rieberbeutf(I)Ianb befonberd t)en}ie(fd(tigt bur(^ bie 
ga^lreic^en flüchtigen 9)tönc^e axi^ ben burgunbifc^en Sanbfc^aften, bie 
bei ben fprac^t>erwanbtcn Stämmen im 9?orben 3uPw*t fucljten unb 
oft einen 9Jaum für e\)angelif(^e SQSirffamfeit fanben. Die meifien 
t)on it)nen mußten i^ren S93eg burc^ 2ßeftfa(en unb JR^einlanb nel)men, 
unb wir bürfen an i^rer Sebeutung für biefc Sdnber auc^ in folc^er 
Seit mc!)t jweifeln, wo feine urfunblic^en Spuren if)rer J^Ätigfcit 
fic^ t>orfinben* *) 



*) öinjelnc (Sjjurcn finbcn ftc^ in fcen Olat^d^rotefoHen ber <Biatt fflfffl (bu 
Scnutung au«füf)rli(^er unb füröfältiger ©rcerptc au« bicfer »ic^^tigcn ®ff(^i(^W5 
quelle oertanfe ic^ ber @üte be« Dr. ^etbemann). 3m 3a]^r 1528 flagt ber ¥«-' 
ftor gürftenberg, baß bie von ^oxtxtd^t vertriebenen Sluguiliner ju ffiefel in ten 
•©äufem »jrebigen unb bie ©acramente minifiriren. 3m 3a^r 1531 dauert tct^ 
felbe me^rniAliS auf ber Mangel, man oerftatte au« anbern gürflent^ümern »ertrie« 
benen fianbläufern unb Jte^ern ben Aufenthalt gu ÜBefel; bann Ua^t er üor bcm 
^ Stabtratb, bag man einen au« ^eriogenbufd^ vertriebenen @(^ulmei(ler bulbe, ber 
bie ©urgerfinber Äejereien le^re. 



V. Xit Parteien tti alUn unt tefl nrucii d^lauhtni 



M 



4. 

SSäfcrrnt aber tiefe Xinije faft nur trn (^diiUtni i^u ^ntt in* 
iTfn, rfrlicbrn tie fr^in^clifd'm Siege ter i«ad;barn, rorfd;* l\t nnir 
tcrre Cen (rren;fn ter üiinv&tn Hiximiic^Ant iwmn iii&,n tinhni, 
tt: i3Jn;(n Ü^ariei i^iuih, Zflthztruacfn un crirU, ^AUuu^\^i&'. 

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52 dx^i $u(^. 

bic SuM^w*^/ ^i^ ^i^ Srac^ten t)on ber Scheibe bid jur Jrot^e bcforg.- 
ten, bcn lut^crifc^cn ®otte6bienP in ben Äirc^en, f)örtcn bad ©c^eU 
ten unb ©iegrufen »on ben Äanjeln gegen ^45ö^>iPfn «nb ÜRönc^e, 
waren and) tt)ol^I gegenwärtig bei bem JEampf be6 SSolW gegen dtatf} 
unb 5ßajiöre unb erfuf)ren al^ Slugenjeugen , wie bie Empörung an* 
l^ob mit bem ®efang ber lut^erifcben Sieber in ben Käufern, auf ben 
Straßen, bann in ben Äirc^en, wie man bie ^45^^f^iflt ber wiberjlre* 
benben ©eifilid^en mit Siufen unb Särmen unterbrad), bie ÜRönc^c 
unb iebed geißlic^e Jlleib auf $(ä$en unb @affen mit Spotten unb 
6d)e(ten t^erfolgte, wie ber f^eUe ^aufe ben neuen 5JJrebicanten auf 
bieÄanjel fül)rte, 3)rol)ung unb ®ewalt ben ©tabtratft einfct)üc^terte;. 
bie 5ßajiöre t^erjagte, bie Älöfier tjerobete, unb gule^t ein SBittenberger 
©enbbotc ben aBitten be« ffiolfd in ?trtifel faßte unb eine itird^en* 
orbnung jufammenflellte. !Dad I)orten bie ©leic^geflnnten gu ^aufe 
au6 bem ÜWunb ber 9Bieberfel)renben, bie i^nen bie lieber unb bie 
Jtirct)enorbnungen mitbrachten: nun würben bie Sieber audj ^ier ge* 
fungen, t>on ben ©urgent in ben ^Aufern, t)on ben Änaben auf ben 
Stra§en; nun erf)ob man Streit unb Spott gegen bie Stabtgeif)(i(|)en^ 
rief hinter ben ÜWond^en „ffiolf, ffiolf" l)er, nun madjte man fic^ 
bereit; bie näci)fte @e(egen^eit ju benu^en, um mit einem Schlag bm 
(Sierud }u t>ernic^ten unb burc^ eine et>ange(ifc^e Jtirc^enorbnung feine 
Kieberiage gu befefiigen^ 

5* 

^Ätte bie Äirc^e in ber ©efunb^eit unb 95(ut^e früherer Seiten 
befianben, fo wäre bie (5ntjiel)ung ber tt)angelifc^en Partei unbenfbar 
gewefen, !Der SwP^nb b^r Ärann)eit aber, in bem fie jic^ befanb^ 
unb ber bie gerfiorenbe Bewegung ind Seben rief, eröffnete ber et)an* 
gelifct)en ^Partei guglei(^ bie l^offnungdreic^fte Sufunft, inbem er ben 
SBiberflanb ber Äirct)e iÄf)mte unb i\)x bie beften Äräfte raubte* 

SlUerbing« waren geifiige aRittel gum Sc^u^ ber itirc^e t)orl^anben» 
Sie f)atte ü)xt 3;t)eoIogen unb ^rebiger, Drbendleute unb SBeltgeiftlic^c^ 
Welche mit ber itenntniß bed ©iauben^f^ftemö audgerüftet bem 2lngriff 
bie Stirnc boten» d^ fanben flc^» nid)t minber unter ben Saien gebitbete 
SRänner, bie einfa^en, baf man um ber aWangel wiUen nid)t bie Qint)tit 
löfen bürfe, unb bie, wie iener Sürgermeifier gu Semgo, gonrab glörfen,*) 

♦) H 1060. 



V. !3)ie ^arteten bed alten unb bed neuen (Glaubend. 53 

Um uneinigen tt)iberfpruct)dt)onen ?Ärm ber Steueret bie 3bee ber aU^ 
gemeinen Äirdje unb if)rer t\>of)Igeorbneten ^ierardjie entgegenhielten^ 
ober tt>ie ber Solner Sodann Siincf,*) Sraömud greunb unb \>ieler 
^umanifien Oönuer, im 8utl)ertf)um nidjt ba6 ^eil, fonbern Hinfti^ 
ger größerer Uebel Äeim erfannten* !l)ann jianb auf Seiten ber 
Stixdit bie einfache ßide grommigfeit^ in unb außer ben Ji'lofiem, bie 
Stimmung^ bie, abgemanbt Don ber umgebenben SSerberbniß^ in 2ln^ 
had)t unb Slfcefe bad ©enügen ber eignen Seele fuct)te unb fanb; 
au(^ iene ©laubendtreue^ bie in ber ßrinnerung an SS&ter unb SSor^ 
fahren unb in ber ß^rfurcfet, bie i^r Slnoenfen begleitet, »urjelte* 
Unb weiter unb in größeren Greifen tt)irfte ba^ @efü^l bed 3ufam* 
mm()angd mit bem großen ®an)en, mit H^aifer unb fRdd), mit bem 
@Iauben ber Stationen, unb bie unmittelbare ®en>alt, bie iebed ^t* 
{ie^enbe unb iebe @etuot)n^eit, um n)ie t)iet mel)r bad firci)lic^e Seben, 
auf ben SRenfc^en ausübt, taglid), fiünblic^, ^oon ber ®eburt bid gum 
Sobe ausübt* 

9luc^ wollen wir nict)t über[ef)en, baß biefe Ärafte, toit fte feit 
bem beginn be6 jfampfed allmä^lic^ jtd) jufammen fanben unb ber 
(i&angelifd^en Partei eine fat^olifd^e, ber ret^olutionären Siic^tung eine 
confen>atit>e entgegenfe^ten, in ber befle^enben äußeren £)rbnung nic^t 
bloß materiell, fonbern auc^ geifiig geraume ^tii über ben @egner 
untn großen 93ort^eil befaßen» 3)enn ber Singriff gefct)a^ an getrennt» 
ten eingelnen ^ßunften, o^ne georbneten 3wföinnien^ang, imb entbehrte 
ter allgemeinen Leitung* !Dagegen Iet)nte jtd) bie iBert{)eibigung an 
bie3)iöcefe, an bad Srjftift, bie Unit>erfität, bie Drben^protjinjen an. 
6ie ^atte in Söln i^ren SKittelpunft : ba waren ^rebiger unb @u 
lehrte, bie ^rot>in3iaIoberen ober wenigfiend ^auptflöfier ber Drben, 
t)or allem bie tf)eologifc^e gacultät» ffion ^ier au6 würben bie SSor* 
jönge in Stabten unb Sänbem ber Äircftenprotjina beauffic^tigt, Streik 
ter an gefa^rbete ^4Junfte gefdjicft, 5Reuerer tjorgeforbert unb t>erurt^eilt, 
Sucher unb Sct)riften gur 2ßiberlegung i^rer Se^ren t^erfanbt, geifl^ 
liift unb weltliche Dbrigfeiten gur Slufmerffamfeit angehalten» 



*) (Sin ungrbrucftee 8nef be« 9{tn(f an (Sradmud, 1535 fEHäx^ 16, in einet 
€ammlund ^^^ 9{^ebig(ifd^en Q^ibliot^e! |u ^redlau : Epp. virorum illustrium ad 
Erasmum, p. 352. 2)aJ er frü^ gu ben ©cgnern ter öJeformation ße^örte, lägt 
ji* baeau« entnehmen, baf i^m 9ltcDlau« Meibom eine 1529 erfc^ienene (Streit^ 
Wrifl gegen granj Sambcrt bebicirt. (Rommel, ?^iltp^ ber ©rogm. II. 113. 



■+- 



> 



54 difiti Q3ud^. 



6. 



Slbet bie ^auptfad^e if} boc^ immer bad innere Seben unb bie 
geiftige Äraft, bie fid^ audj tt)o^l felbji bie Organe fdjafft, »a^renb 
ber fertige Organi^mud^ in beut bad Seben ermattet i% l^infiirbt ober 
jtdj unwirffam erweift SBie fef)r l^ierin bie fatf)olifc^e ^Jßaxtd im 
92ad^tt)ei( ftanb^ jeigt jtd) am auffaUenbflen an i^rem ^aupt^ an ber 
ßölner Umt)erfität» 3war ift bie t^eoIogifct)c gacuJtat; ber einfl bie 
glänjenbflen 8i(J)ter abenbianbifct)er SBiffenfcftaft angel^ört batten, auc^ 
bamatö nid^t ber ®clef)rfamfeit unb M @ifer6 baar gewefen: einer 
ber bebeutenbfien beutfct)en 3;i)eoIogen M 3al)r^unbertd , 3ot)ann 
®ropper \)on Soefi^ würbe in biefen 3af)ren t>on i^r erjogen, unb 
wenn ftc^ (S6(n bid t)eute noc^, aUein unter allen größeren beutf(t)en 
Steic^dfiabten^ räumen fann, im ©(auben nie gewanft ju ^aben^ fo 
mag ed bafür grofenti)eil6 feiner Unit^erfttät bie @()re geben, bie \>on 
Anfang ^er ber Steuerung fid) entgegenftellte unb mit ber Sc^wefier 
}u 86wen fid) ben Siamen ber frömmfien Slrbeiterinncn im SBeinberg 
bed ^errn tjerbiente» *) SBenn man aber bie ©teüung 6ö(nd in ber 
beutfc^en äieformation betraci)tet, unb burc^ bie @rwAgung, ba^ 66(n 
für bie fat^oiifc^e, wie SBittenberg für bie etjangelifdje Partei bae 
SBort ju führen berufen war, fic^ t^eraniaßt fü^It, an beibe ©(^uteii 
ben gleid^en SJta^flab gu (egen, fo mu^ man unbebenflic^ bie geiftige 
Slrmutt) @ö(n6 anerfennen, weid^ed ber raftlofen unb bebeutfamen 
fd^riftfieaerifdjen J^ätigfeit ber ffeineren Unitjerfität fein ffierf ent* 
gegenjufieUen ^at, bad burd^ Sonn unb Sn^alt ftc^ bem ©ebac^tni^ 
ber 9tac^welt etnjupragen t^ermoc^te* ,,Sure a)lagijiri noftri, fpottet 
Slgrippa, glaubten genug getrau ju traben, wenn fle Sut()erd @&^e 
»erbammten, unb triump^irten, al6 ^Atten fte baburdS> einen 6icg er^ 
focj^tenj ald ed aber galt ju ftreiten unb ber Äirct)e beijufle^en, ba 
fc^wiegen jte fliQ unb liefen anberen bie (Sorge, ben Stci^tx gu wiber^ 
legem" @d fc^eint ber gacultät an 3Rdnnern t>on ^en)orragenber S3e- 
gabung gefe{)lt gu ^aben : ii) fpred^e nic^t t)on Sut^er unb ^telanc^^ 
tl)on, felbji bie SäJittenberger nieberen SRangeö, Sarlfiabt, Sugen^agen^ 
3ona6, i)atUn itjxt^ ©leicljen gu Söln nic^t* 3)al^er ba6 \)erfc^iebene 



§ 6. aflripjja'« Q3ri«ff, befonber« über VII. No. 26. — ßölnec (Ratft^vrot. 
1526 3u(. 13. — Uebec ©rpppet f. HarUbeim, Bibliotb. Coloniensis. 
*) 3n tfc ©Ulfe Äeo'« X. gcöen iutf)tx. 




Y. 2)te karteten ted alten unb bed neuen ®(aubend. 55 

6dS>icffal beiber ec^ulcn. SBä^renb bie fäc^ftfdjc Untecrfitat balb ou0 
aOen beutfd^en ®auen unb aud ben 9{aci)barl&nbern eine i^ac^fenbe 
3a^( ))on 3ut)örem empfing, t^erfiel bie r^einifc^e alma mater, bie 
3a^( ber @tubenten t>erminberte {tc^ unb bie gurücfbieibenben bege^r^ 
ten vom @tabtrat^ 9leformation ber äRi^ßanbe* *) „Q^ ifi nici)t }u 
t)enDunbem, meint Slgrippa, ba$ alle 3Uiffenfci)aft au^ ber 6tabt 
t»tid)t, n>enn bie Unit>erfttdt feieren ^oljblocfen ant^ertraut bleibt. 
SSBa6 n>urben bie alten äiatb^^erren fagen, ftunben {te aud i{)ren 
®rabem auf ! SEBie mürben {te f lagen, baf man bie einft ^oc^gefeierte 
©d^ule, bie fie mit Äojien, üJlübe unb Sitten i^rer SSaterfiabt tmox^ 
ben ^aben, fo [c^mä^tic^ ju ®runbe ge^en laffe!" 

3n SBittenberg wie gu 6o(n b^^^fd^te bie S^b^ologie; aber bie 
Sßtttenberger S^eologie ri^ bie 2lußenfiebenben in bie Semegung ^in^ 
ein unb }og bie begabteften iungen 3)Mnner ber anbem gacultäten gu 
^ herüber, n)äbrenb bie @ö(nifct)e i^re tböric^te Seinbfeligfeit gegen 
bie dafftfc^e 9tt(^tung fortfe^te unb baneben ibre eignen jünger nici^t 
)u feffeln unb feftgubalten \)ermoc^te. Uugef&^r gu g(eid)er ßdt mit 
(Sropper flubirten gn>ei anbere burc^ (Seiftedgaben audgegeici)nete junge 
Seute im 6oItegium 3Rontanum gu @6(n* Seibe brad^ten von bem 



*) 5Da« 9ef(^ab 1526 3ul. 13. f. (Rat^dprct. @c^cn bei ©elegcnbett M 
Se^burgf^^en ^anteU am 28. Dit. 1523 crt^eilt ber (Rat^ ten Ferren t>Dn 
bet Unioerfttät tie (Srma^nung, ,M go Sifftden, tMh^) tie unit^erjtteten tuet t>ni 
gencfltc^ trerten, anfcer« ^ette ein ratt tainnne go jlen." !t)er ©etanfe einei* 
Steform fd^eint im SRat^ öfter angeregt Sorben |u fein. SBie bie Uni»erfität ben 
Segrnfianb auffaßte, geigt eine Copia conceptus presentati dominis de senatu super 
rdormatioae universitatis 1525 Slpi. 24. in bem Liber actorum receptorum et ex- 
positoram ber Unit>erfttät (^ibliotbef ber Sßenoaltung ber ^tubienfliftungen gu 
d^ln). JDie Univerfität gefte^t bort ibren IBerfatt gu, fd^reibt i^n aber ber geinb;: 
f4aft ber nieberlMibifcben, n^eftfäiifd^en unb ber Keinen <S(buIen gu 6ö(n felbft gu, 
imb fudl^t fi(b ben SBeifianb be« ^atf^t burcb bie $inn>eifung auf ben IRu^en gu 
mfd^affen, loeld^en gemeine ^ürgerf(baft ))on ben Promotionen unb 5Doetore{fen 
IM boben pff^ge. 

§ 7. Ueber gabriciud f. bie in meinen a){ünf)erifd!^en ^umanißen p. 31 an^ 
geföbrten Dueflen. -=- Ueber JBuUinger f. fiubwig 2a»ater, ibefcbreibung be« £e< 
ben« unb Zotti ^errn ^einrieb l^uUingere, in Miscellanea Tigurina, 3ür(^ 1722, 
X^til I. «uigabe II. , bie au« ber auf ber Sürcber SBurgerbibliotbef befinblicben 
b«ibfd!^riftli(ben ©elbflbiogro^jbi« SButtinger« gef(bö|>ft i^. — (Sromba* ad a. 1534. 
— Kölner 9at^ipx9t 1529 3anuar U. 



56 (Scfied ^u(^. 

(Smmert4)er ©^mnaftum^ n)e(({)ed fie erjogen \)attt, einen brcnnenbm 
@tfer für bie äBiffrnfc^aft unt eine ernße religiöfe ®eftnnung mit gut 
^o(i}^öi)n\u 3)er eine, ^einric^ SuUinger t>on Sremgarten , tt)oUte 
j(artl^äufer iverten^ bem antem, 2)ietrid) Sabriciud, (ag gmar ))or 
allem bie $^i(o(ogie am ^ergen, aber n?are bamal6 ju 66(n bie 
Xf^eologie t)on begeifterten 8ef)rern tjcrtreten gewefen, jie \)attt ben in 
3lotli, Ärantf)eit, äirbeit unb @ebet aufgewad)fenen 3üng(ing o^ne 
3n>eifel gewonnen» ©d iji ein fc^limmcd S^wflnif für 66In, bap 
betbe gu bem ©egent^eÜ i^rer iugenb(ici)en ^4^1ane unb ©efinnungen 
gelangt unb aud firengfat^oIi[ci)en ©^mnaftaften ^j^rebiger bed neuen 
(5t)angeliumd geworben Jinb. Den einen ftief bie a3eract)tung bet 
66Iner gegen bie {)umaniftifcl)en @tubien fo fe^r gurücf, ba^ er tro^ 
feiner fat^olifc^en 2lntipat^ie nac^ äBittenberg ging, um äJ2e(and)t^on 
gu ^oren; bort bauerte ed nic^t lange, fo würbe bie 2.^eofogie feine 
^auptbefd)äftigung unb nac^ einigen 3a^rcn fe^rte er a(d ber eifrigße 
Sut^eraner nac^ (Sohl gurucf* Der anbre begann unter 6ö(nif(^ec 
Seitung feine tl)eo(ogtfci)en @tubien mit $etrud Sombarbud unb @ra^ 
tianud* Durc^ bie (Sitate, bie er bei biefen la^, würbe feine Sem^ 
begier auf bie Äir(I)en\)ater geführt, beren äßerfc er auf ber Dominik 
cunerbibliot^ef auffuc^te unb eifrig ftubirte. Darauf befam er b{e 
S^efen 8ut^er6 in bie ^anb, bie \>on ber (Solner gacultat t)erurt^ei(t 
waren* Der iunge Sorfct)er fc^Iug bie ^atcr auf, unb meinte, in ben 
ftreitigen fragen nic^t überall gwifc^en i^ren €ci)riften unb ben ^u* 
ditxn, bie i^m bie 6o(ner gegeben t)atten, bie n6tt)ige Uebereinfiim^ 
mung.gu finben, Statt feine S^^fifcl ben ?e^rern ber Unit>erfitat 
t)orgutragen , faufte er fic^ ein neued S^efiament, naf)m Kommentare 
l^ingu, t)erfd;affte flc^ 8utl)erd 93üc^er t)on ber babi;Ionifc^en ®efangen* 
fc^aft, ber c^riftlid^en grei^eit unb t)on ben guten 2Berfen, SÄelanc^i* 
t^ond Sod commune^, (ad bei Skig unb 9tac^t, unb ber @inbrud, 
ben biefe Sßittenberger ®ct)riften auf it)n mactjtcn, war fo groß, baf 
er \)on nun an nic^t allein fein 93orl)aben, Ä^artf)dufer gu werben, 
gang aufgab, fonbern auc^ anfing, SWeffe unb 5JJrebigt gu meiben. 
Die brei 3a^re, bie er in 6öln gubrac^)te, mact)ten ibn gum Sutl^era^ 
ner, jiatt gum äRönc^; er iji nac^^er Slntified t)on ßürc^ unb ein0 
ber ^aupter ber Schweiger Jtirc^e geworben* 

3Kan barf nic^t einwenben, SSullingerö 93ilbung6gang fei eine 
t)ereingelte Srfcljeinung, welche burc^ bad entgegenjieljenbe Seifpiel 
(Dropperd reici[)lic() aufgewogen werbe* Die 2lbwenbung ber 3ugenb 



V. IDie Parteien M alten unb M neuen ®(auben«. 57 

^on ber £^eo(ogte, n)ic fie ju 6o(n ge{el)rt n)urbc^ n)at tnelme^r 
girmltc^ aQgcmetn t)erbrfüet, n)if und baraud gu [erliefen erlaubt \% 
baf t>on 1521 bid 1534 ^x^ niemanb um bie t^eoIoQifc^e ^octor^ 
»urbc bewarb, unb bie $}orgefe$ten julr^t baran benfen mußten, 
burc^ ^erabfe^ung ber ©ebü^ren ben Betritt gu ben afabemtfd^en 
ffiihrbtn (eic^ter unb anne^mltd^er gu machen* 9iic^t umfonft ftagte 
ber päbfilic^e l^gat (Sampeggt, fonf} fei eine eingige fte^erei g(eic^ 
bei t^rem @ntfie^en Don taufenb IDoctoren befämpft werben, ie$t, 
tt)o gur felben 3^ii taufenb Ae^ereien auftauchten, ^abe man faum 
einen Streiter it)nen entgegengufiteden« 

8. 

!Der 9Rangel an geiftiger Xriebfraft unb (ebenbiger !£^ätigfeit, 
burc^ U)eI4)en (Söln ftc^, SBittenberg gegenüber, fo auffaOenb in ben 
@c^atten fteOte, mu^te in ben Sanben ber ßölnifd^en 5fir(^enprot>ing 
noi) bei weitem nac^tl)eiligere So(gen ergeugen a(d in ber ^auptßabt 
fetbß, wo bie SRenge ber ®e(e^rten unb ^4^rebiger boc^ immer bem 
fu^tbarfien unb bringenbfien Sebürfnii genügte« äBenn "oon 6ö(ti 
nid^l Slnregung unb «Ipülfe äberaU()in fam, wenn bie bort gebilbeten 
(8ei^(i(^en nic^t bie SEBaffenrufhtng gum ilampf gegen bie 9?euerung 
mitbrachten, wot^er foUten in ben fieineren ©täbten unb auf bem 
iant ^4^fiöre, (Saplane unb 9}{önci)e, bie nict)t burc^ bie 6o(ner 
€c^ulen gegangen, aBiffenf4)aft unb ©ifer gum Sßiberftanb erhalten? 
Unvorbereitet unb faft o^ne t()eoIogi[c^e 5lenntniffe ind Slmt getreten, 
ein ober gwei ^rebigtbüc^er im ©ct)rein, ot)ne Oelegcn^eit unb 9iöt^i* 
gung gu ferneren Stubien, geigtrn fic^ bie meiften, [obaib ber Jlampf 
begann, t)oUfommen unfa()ig gur Erörterung ber ftreitigen fragen* 
9)un Ratten bie Sectoren ber Jtlöfter unb bie in @6ln grabuirten SQelt^ 
geifHi(^en mit i^rer @ö{nifc^en ©eie^rfamfeit unb ©(aubendtreue l)tU 
fmb eintreten muffen* äßenn ftd) nun aud), wad biefe auf ber ^oc^^ 
fc^yule erworben, a(d ungu(äng(ic^ erwied? SBenn ftc^ bie einen brn 
Slatif bed SWagiPer nojter gu ^ergen genommen, ber feinen ^\ü)mxn 
auf Stagen nac^ bem ©(auben bie t)orftc^tige Slutwort „ ic^ giaube, 
»06 bie Äirc^e glaubt" anempfahl ? *) SBenn bie anbern fic^ wol)I 



^) (Rabu«, ^tflortenll. 211. (^iaxtnUdf fagt toxi: ^^S^agißer n^fier tf)tt und 
aar ein (S^rüntonnerdtagd ^ $lbenb (SeUatton in ttx burß, a(6 ic^ bie gu (SöUen 
jhiibierte, tarin er un0 «etmanet, fc toir in uerfucc^ung M glaubend fernen, folten 



58 (Srflc« ^nd). 

auf fcftoIafHfcfie DifHnctionen , aber nidjt auf bic apologctifc^c ©enu^ 
$ung ber ^eiligen @d)rift unb ber 93ater, wie ber Äampf mit ben 
8ut^eranem fle forberte, eingeübt Ratten? Dann blieb nic^td tpeitet 
übrig, al^, t\>ad man auc^ in aUtn gefä[)rlici)en S&Qen tt^at, grabeju 
nac^ Sö(n ju fc^reiben, fid) bort Schriften unb SSBiberlegungen ber 
neuen 8ef)ren aufarbeiten ju laffen unb einen "oon ben erprobten t^eo^ 
logifc^en Streitern, tt)ie ben 5Diinoriten 3ol)ann t)on 3)et)enter ober 
ben !Dominicaner 3o()ann Siomberc^, gum S3eif}anb audgubittem 

9Bar ed aber einmal ba()in gefonimen, baf in ben Käufern unb 
auf ©trafen unb ^lä^en, auf ben 3unftfluben, in ben SäJirt^^^&u^ 
fern, in Stabt unb Dorf ©laubendfragen ^er^anbelt würben, fo fte^t 
man leidjt, baf bergleic^en außerorbenttid)e ^utfleiftungen nic^t aud^ 
reichen fonnten« Singreifen unb fragen iß überall leichter al6 3lnt# 
Worten unb UJertl)eibigen, unb ^ier galt ed, ein umfangreiche^ @lau^ 
bendf^fJem ju fc^üften gegen einen Sturm, ber an l)unbert fünften 
guglfic^ t)erfuc^t würbe* SBad ^alf e6 ba, ob an einem £)rt eine 
faßliche ^rebigt ober eine ftegreic^e 3)idputation bie ffiogen bed 3wci^ 
feW befc^wic^tigte, wenn überall ringöum^er SBürger unb Säuern ben 
berebfamen aßorten ber glug^ unb 93ranbf(fcriften laufc^ten ober aud 
bem ^unb ber uml^erjie^enben äBinfelprebiger bie populären Slrgu«' 
mente Sut^erd t^erna^men, unb feine aOäibertegung bereit war? 

9. 

Doc^ waren auc^ ^rebiger unb Streiter genug t)orf)anben gewe* 
fen, um ieben Singriff ber 9?euerer abjuweifen, fonnte man überhaupt 
l^offen, bie e\)angelifc^e Bewegung burd) SlBort unb 8el)rc ju übet^ 
winben? ©d waren ja nict)t ©laubendjweifel, fonbern bie Seiben^ 
fc^aften bed SSolfö, welche ber religiöfen 34et)olution überall ben 39o* 
ben bereiteten unb ben 3ünbjioff gufü^rten 5 unb Seibenfdjaften forbem 
Zf)Citm, nic^t ffiorte t)om ©egner* SBad bie emfie 9lotf) ber 3«it 
»erlangte, war nid)t fowol)l bie ^inweifung auf ben ©lauben ber 
SSäter, ald bie lebenbige SBieberbringung ber Siebe ber alten SCixd^t 
unb eine burc^greifenbe 3ieformation, burc^ wetcl)e ber Slerud ben 



tcix nid}t ))U btfputuren« machen, )i>an und n)ürb fürgc^alten toai tote glaubten^ 
fonber alfo t^uon, toit timft ein man tn tot« nöten ligenbe; ba i^m warb für« 
gf galten, toa^ glaubflu? fpra<^ er: toa€ bie l^eilige firc^ glaubt. SDad glaubt bie 
^eilige firdj^? bad tc^ glaub." 



V. ^ie ^arteten M alten unb te« neuen (Stauben«. 59 

6(6mu^ bcr Sa^r^unbette t)on fic^ a6flctt)afd)fn l^atte unb wicber 
geworben xohxt, toa^ fein 9?ame bebeutet, ber ©rbt^eil be^ ^erm» 
8efannfc t>od) ber Äac^folger ?ßetri felbfi laut unb offen t>or aller 
d^riflen^ett : „aOed ifi jum 93öfen \>erfe]^rt worben; t>on bem §auj>t 
^t fi(^ bae SJerberben in bie ®(ieber, t>on bem ?Pabji über bie ^Jßt&^ 
(aten t>erbreitet/' Da^ hierin aOc^ Uebeie ®runb liege, füf)Ite iebe 
eblere Äatur, unb e6 gab überaß 5DJÄnner, bie ft* nic^t f dienten, 
auf bie SBunben l)injun>eifcn unb SSefferung ju l)eifd)en* 95ei feier*» 
liefen ®elegenl)eiten mu^te bie Solner ®eifi(ic^feit bitteren 3:abel unb 
tränfenbe Ermahnungen ^inneftmen» „3^r n>oKt", rief i^nen ber 
9lebner ouf ber grüMingdft^nobe 1527*) ju, „ba$ eud) bad 93oIf 
liebe unb e^re ; fo tl)ut, wad ber Siebe unb S^rfurd)t n>ert^ ijl. 5Run 
feib i^r abgewichen t)on bem rect)ten SEege, unb ed erbeben Ungele^rte 
unb 8aien, wie über ben tl&6ri(i)ten ?ßro)>]^eten ©ifeam feine Efelin, 
bie (Stimme bed ZatiM über euc^* Se^t ^in, wie bie ÄrÄfte be« 
^inbd gewa4)fen finb, wie weit biefc anflerfenbe ©eud^e ber Äe^erei 
Rc^ verbreitet ^at. SJom Sturm wirb baö Sd)iff ber Äirdje gepeitfcftt, 
rnib i^r lebt forglod unb trAge babin, gleich aid fonnten euc^ bie 
Sinbe nic^tö angaben» 3ögert nic^t langer, erwacht au6 bem 
6<^lummer bed ©taubd* 9Ber ein ^45tiefter fein will, ber t^ue nac^ 
€• löieron^mud SBorten, unb barre aud wie 9Wofe6 im ^eiligt^um 
fce^ 4>erm, lemenb t)on ®ott, ba^ 93olf (e^renb unb gegen bie geinbe 
betenb» 2)enn fo lange 5D?ofe^ betete, fiegte fein SSolf, unb wenn er 
ermattete unb lief bie §anbe finfen, fo würbe fein 93o(f beflegt unb 
in bie gluckt gef(^Iagen» 60 foU ber ^43riefter beten, baf fein 9JoIt 
Sege über bie unfid^tbaren Slmalefiter. Slber unfre ^riejier, fürchte 
h^f, betrad)ten nic^t ba^ ©efeft be^ ^^errn, fonbem ba^ ®efe$ ber 
Senu^, bee ^aci)M unb ^ard, ergeben nic^t gum ^immel bie 
^nbe, fonbem (äffen fic nieberfinfen in ben Xoti) 5 unb fo wirb bad 
Seif be6 ^erm gefc^Iagen unb bie 9Kac^t ber »malefiter wÄdjfi unb 
*ad ®ift ber Äefter unb Sc^i^matifer bur(J)bringt bie ganje 6bri^ 
Meit/' 

10- 

Sldein wie emfi unb wo^lwoUenb and) einjelne fii) bemühen 
motzten, (Korporationen wie Staaten finb wenig jur SSefe^rung ge*» 



•i- 



♦) (Rebe be« «nton ^emeHu« »on ginnic^, ^rofeffor« am gaurentianum, auf 
ber ei^nobe ju döln 1527 im S^ärg. Haruh. Conc. Germ. VI. 209. 



60 (Srfied l^uc^. 

neigt, e^e nid^t bte ^erbflen ®c^I&ge ber ytotf) fte getroffen ^aben* 
2)er fromme 9ttet)er(änber auf bem päbfilic^en @tu^(, ber bie @u 
brechen ber Sixiit mit ber SRac^t bed apoßoiifc^en ^irtenflabed ju 
beffem gebadete , f)at faum eine jtc^tbare Spur feiner furjen 9iegie^ 
rung ^interlaffen; unb tvirfungdlofer noc^ mußten Sieben unb SBünfc^e 
Derflingen, bie )>on feiner Wlad)t M Slmted, nod^ "oon bem Slnfe^en 
ber 5ßerfon unterftü^t tt>urben» 2ßeit entfernt ^on jebem SSerfuc^^ 
burc^ eine innere Erneuerung bie ungefe^Iic^e Steuerung gu befämpfen, 
ben Sectengeifi burd) ben @eif} ber altm jfird^e ju äberminben, fu^r 
ber (Slerud ber Sölnifcben Äirc^enpro^inj fort; forglod ber gen)ol)nten, 
langfi morfc^ geworbenen @tü^en ftc^ jU bebienen, ber 9ie))o(ution 
bie Slutorität, bem Slufru^r ber ©eifiter bie @trafgen)a{t entgegengu^ 
l^alten* €e(b|} gu 9S$iber(egungen unb geiftigem jfampf t>erflanb man 
ttä) nur audna^mdmeife unb nac^bem bie ^loti) \)oi) gen)ac^fen t\>ar. 
9(m (iebfien begnügte man ftc^; ben S^^atbefianb feftgufieQen; bie itf)^ 
ren ber ^{euerer artif einseife gu Derurt^eilen unb bie ^ülfe ber Obrtg^ 
feit gut ^ebung bed Slergerniffed unb 93eftrafung bed Äefterd angu^ 
rufen^ „^\)x gunbament, tt)ie SRomberc^*) ed au^brürft, war, bie 
jfr^er gu fc^euen, gu meiben, nid^t guguIaffeU; in ben Sann gu t^un, 
gu tjerjagen, gu t^erfolgen, an 8eib unb ®ut gu jirafen, unb gerid^t^ 
lic^ naclj faiferlic^en JRec^ten gu tobten mit Schwert, geuer ober 9Baf* 
fer. ^at man fte ermahnt im ®eifi ber @u^igfeit unb fte tooütn 
nic^t ^ören, fo muß man Sb"fti gebenfen, ber bie Äaufer unb aSer^ 
fAufer aud bem Zttnpü gejagt l)aL 9iiemanb rebe bagegen unb 
mntt m, baf bie ^eilige Jlirc^e im Slnfang gnäbtger gewefen unb 
bie Sipofiel ben 93eiflanb ber 5taifer unb gürfien nicftt angerufen gur 
SBerfotgung ber Äeften 3)enn bamaW l^atte bie Äirc^e nod) nic^t 
i^ire große 93od^eit erfahren, auc^ Ratten bie Sipofiel fein Oe^ör bei 
ber Obrigfeit» Dann aber ifi ber grope ßonfiantin S^rifi geworben, 
ber ber lf)eiligen Äirc^e gelf)olfen t)ai wiber bie Äefter, fte gu befirafen, 
n>ie e^ rec^t gewefen ifi/' 



*) (Sin fur^ unbertc^tung ))on Sut^cranifc^cn $rebtcantcn nic^t gu lafffti gu 
))retigtn nc(^ gu bifputeren oon ber (ut^ertfc^en (eer, gemad^t burc^ do^anfen (Rom« 
berd^ t7im J^rfpe, ber flc^ and) txhutt gu bifputeren mit e^Iid^en conbitionen unb 
umbßanb bei* bifvutaticn. SInno XXXI mense Octobri. 9^4 im <S9. 



V. ^it karteten tti alten unt brd neuen Glaubend. 61 

W. 

(Scldft SEBorte n^agt man nur bann; n)enn man ber n>f(t(ic{)en 
^txttn ftc^cr \% 3n jenen Sauren fianben bic Dbrigfeiten am 9Jie^ 
berr^ein unb in SBefifalen auf ©eiten ber Äird)e. 

SaSo^I regte flc^ aud) unter ibnen ber ©eifi, ber einen X^eil 
ber beutfd()en JReic^^fiänbc ber neuen Se^re guflefü^rt f)atu. 3)ic (ieg^^ 
^ftc ®maU, bie einer jeben gropeu 93en?egung inne xoot)nt, \\>nxtt 
für fte nodj loerflÄrft burc^ bie 9ta^e bed t^atigen Sanbgrafen, ber 
M ben ®rafen unb bem f^reitbaren 9(bel 9ßefifa(en6 t>ie( galt unb 
ben ^errn ber gtt)ei Stifter ^aberborn unb O^nabrücf unter feine 
ergebenfien Sreunbe jA^Ite; fo n>ie burc^ bie ))o(itifci)en SSerbinbungen^ 
in benen ba^ anbre Jg)aupt ber ^Protefiirenben, ber 6^ürfürft t)on 
€a(^fen; ju ben beiben eng )>erbunbenen unb in unfern Sanben "oox^ 
»altenben ÜWäcfeteU; ju 6(et)e unb ß^ur^SölU; fianb. Der (Srjbifc^of 
^ermann t)on Soln unb ber ^erjog Sodann t)on 6(e\)e liefen fldj 
burc^ ben 9ie(igion6)n)ifi nic^t beßimmen^ bad freunb(ici)e $Jer^a(tnif 
2U Soc^fen ju löfen, unb noc^ im ^al)x 1527 erhielt ber g^urprtnj 
3o^nn Sriebrid) bie ^anb einer iloc^ter t)on Q.U'ot. Wiix fonnen 
nic^t jkpeifelU; ba^ alle biefe Sürßen fammt il^ren Statten au^ in 
leligiöfer ^infid)t bie Ginwirfungen i^rer protefioütifc^en SSunbcdge^ 
noffen tx^\)xtr\, n>ie n)ir benn toixUii) bei me{)reren einflußreichen unb 
angef ebenen SKinnem*) frü^ eine lut^erifc^e Hinneigung wa^rnef)* 
men. Slber ob nun bie poIitifct)en Sejie^ungen ju ben anbern yia^* 
iaxn, in^befonbere. ju ber ftrengfat^olifdjen Sruffeler ^Regierung, ob 
bie ©rmafinungen bed 5laifer^, bie ^erjog ^einric^ t>on SBoIfenbüttet 
im 3a^r 1526 bier ju Sanbe aW ©efanbter f)erumtrug, **) jene et>an* 
gelifc^en @inflüffe überwogen, ober ob bie tixi)lii)t ^Partei im Sanbe 
unb ber gebietenben Ferren eigne @n\>ägungen ben ®ieg bat)on tru^ 
gen: genug, t)on aKen SReic^öfiänbcn unfered ©ebiet^ hat ftcb in ber 
Seit, bie wir fct)i(bern, nur einer ber unbebeutenbfien offen ber lut^e^ 
rifd)en 5)Jartei jugefetlt. Da« war Oraf ßoiirab t>on JeHenburg, 
ber aud ber ^m\> be6 Sanbgrafen bcffen 6ct)wcfter üWcAt^ilb, bie 

♦) JßieUeid^t unter aKen ber bebeutenbfte toar ®raf SBiUelm von 9Jeuenar, 
hti @(et)e unb 6^ur*(5öfn ^ücftangefetjen , am faiferlic^en unb anbcren fürpiid^cn 
4öfen too^(be!annt unb )oit\ in pclttifc^en ®efd)äften ciebraud^t. 

**) (56ln«r ^atf^ipxot 1526 «pr. 30. Oleubecfer Urfunben au« ber (Reform 
»otiondgeit p. 10. 



62 Qr^e« 8u(^. 

33 Safere lang tem illoficr fficißenfiein ald 5Ronnc angehört ijattt, 
1527 jum &)tQt\mi}l empfing; unb nun nic^t btof bie SßaQfa^rt 
naä) bem ©nabenbilb ju Sengedc^ abftetlte; fonbern auc^ einen e\)an^ 
gelifd^en ^rebicanten^ ^ofeann $o(feenne; an feinen ^errenft^ }u äi^eba 
berief»*) 3)ie^ 93eifpiel fanb feine Sladja^mung. 3)enn, wenn auc^ 
SBifc^of Sric^ t)on ^Jiaberbom in vielen ©tücfen ben ©puren bed 8anb^ 
grafen folgte^ fogar auf bem dteic^dtag gu Speier 1529 auf bie Seite 
ber protefiirenben ©tinbe trat, fo waQit er boc^ in feinen Stiftern 
nid)t, ber Äird)e ben ©efeorfam ju fünbigen» ^dtte er 8uft gehabt, 
für fein ©rubenfeagifdjcd ®efc^(ec^t, n)ie ber S3ranbenburger in ^reu^ 
fen, aud geifilic^em ®ut eine Srbfeerrfc^aft gu grünben, fo fonnte 
i^n fc^on bie gurci)t t)or feinen mächtigen S)omcapite(n in Sc^ranfen 
galten; aber er gab feinem Sanbe^abel nie 9(n(a^ gu foic^er ä3eforg^ 
nip» !i)ie übrigen Ferren geigten fid); fo ml wir wiffen, burd^aud 
firc^lic^* 83oran bie beiben großen r^einifct)en gürfien, 6l)ur*SöIn 
unb S(et>e, gu benen bed ©rgbifcfeofd S3ruber, Sifct)of griebric^ von 
SWünfter, fiel) feielt* Dad Stift 9)iinben war in ber ^anb be6 3BoU 
fcnbüttlerd grang, ber in allen 3)ingen von feinem ftrengfat^olifc^en 
S3ruber, ^ergog ^einrid), abging. Slud) bie Heineren Ferren, Sippe, 
dietberg, SBalbecf unb anbere, fc^einen nic^t vom gefe01ici)en 2Beg ge^ 
wichen gu fein, Clnter allen am Ttc^ierßen aber fonnte bie firc^iic^e 
Partei auf bie ftdbtifc^en Dbrigfeiten gdfeien, fowo^l in ben reic^d^ 
unmittelbaren, M in ben großen fürftlic^en Stdbten« !Denn, abge«« 
fefeen von religiöfen Uebergeugungen, waren biefe fc^on burc^ ben 
weltlicl)en äJorr^eil, ben ber Seftft ber ^^frünben ben ariftofratifct)en 
gamilien ber Stabtrdt^e verfdjaff te , unauflöslich an bie gewohnten 
firc^lidjen 3ufianbe gebunben. Die tiefgewurgelte SSorliebe aller 2lri^ 
fiofratie für baS Seftefeenbe wirftc mit unb forberte gur 2lbwel)r be6 
8ut^ertl)um6 auf, welches unter jebem ©efic^tspunft ald Sieuerung 
crfdjien, unb grabe je empfänglicher bie 9Äaffe be6 SSolfS von Slnfang 
an für bie religiöfe Bewegung ft^ bewieö, je enger ber 95unb gwi* 
fc^en Demofratic unb ©vangelium in ben Stäbten fic^ fnüpfte, bejto 
lebl)after füllte bie ariftofratifct)e Dbrigfeit Sebürfnip unb 9iotl)Wen^ 
bigfeit, ber Sewegung entgcgengutrcten unb Äirc^e unb SleruS unter 
ben Scl)u^ ber weltlict)en Slutoritdt gu nehmen. 



♦) H 849. — (Rommel @eft^. »on Men. S3u(& VI. ^auptftücf !. «nmet^ 
fungen p. 151. 



VI. IDic i^erfolgund. 03 

3>ic^ tt>arfn bic Äräftc, fo »\>cit wir flc ju crfmncn tjermögen^ 
mit welchen beibe Parteien ben jtampf führten, ben wir nun ju be^ 
trac||ten l^aben* Doc^ nur alTmä^lic^ erwarben beibe ben t^oUen 93f^ 
^ ber guge^örigen @(emente. @^e bie et)anf)e(if(^e Partei bad Se^ 
»uf tfein i^rer ©tarfe erlangt ^atte, fc^altete bie firc^iic^e ©trafgewalt^ 
untcrfhi^t t)om weltlichen ^xm, gegen bie einzelnen Sßortfü^rer beti^ 
felben* Slldbann er^ob {tcb iene unb gab auf bie 93erfo(gung bie 
Antwort t>md) ben Slufru^r* 



VI. 

SDie 3Berfo(gttng. 

1. 

2)ap wir nic^t mit Unrect)t aßen t)or ber Seit bed 2lufru^r6 t)on 
1525 liegenben ©puren bed Sut^ert()umd nur eine geringe 93ebeutung 
beigelegt ^aben, wirb auc^ burd^ ben fa{) ganjlici)en 9J2ange( an ®e^ 
genbemü^ungen ber firc^(ict)en £)brigfcit bid }U ienem S^i^punft er^ 
iDiefen. (Srfi ber \>mi) bie SBoIWbewegung begünftigte größere 2luf^ 
f<^wung bed 8utt)ert^umd unb bie Srfenntni^ "oon ber SJerwanbtfc^aft 
iinb Sunbe^genojfenfc^aft beiber 5Ric^tungen fc^eint bie Slufmerffamfeit 
unb ©orge bed 6(erud gewecft ju ^aben, unb nun würbe ^ wä[)renb 
ttnb nad)bem e6 gelungen; bed Slufrubrd ^err ju werben^ in biefefbe 
9tieberlage and) bie religiofe Steuerung \)erwi(fe(t« 

3n ÜJlünfier ijattt ber Slufru^r feine Äraft t)crloren, (ange be\)or 
bie ©tabt ftc^ mit »ifi^of unb ßapitel t)erf6l)nte. 2)ie ftabtifc^en 
Dbrigfeiten warteten nic^t auf ben allgemeinen grieben, um innerl)a(b 
ber 9Rauem ben t)erle$ten alten ßw^^nb wieber^erjufieüen unb bie 
(Srrungenfc^aften ber Smporung ^u befeitigen. 2)ie beraubten Älofter 
erhielten fRentbriefe unb ^anbwerfdjeug an^ ben ,g)änben bed Slat^d 
gurürf, unb bie ®eiftlid;teit fonnte o^ne ®efa^r ftc^ wieber il)red ge* 



§ 1. HoltmanD 23. MQ II. 428. ißgl. auc^ mtine ^(6rift: Ux Slnt^eU 
Dftfrieelanb« an ber (Reformation p. 19. — H 1058. Sirunck 117. — H U26. 
— Uleoberg, De gravibus iusti.sque causis perroanendi in eccl. cath. cap. 7, aw 
geführt bei Sirunck 130. vgl. H 1045. — Qiabüi II. 232. SBefeler iRat^^prot. ad 
a. 1525. <&(ibemann Vorarbeiten 25. NU I. 103. H 1127. 



64 i&vftt^ Su^. 

ffftUc^cn dtti)M gegen bie t>ier etjangelifc^en Gaplänc bcbienen. iixb^ 
bat Sanfen erleid)terte feine Sntfemung t)om Slmt bnx6) feine ®^f^ 
lufl unb einen ©rief, ber einer 9Rünfterfc^en SSürgerdtocljter mit t\)to^ 
logifc^er ©ele^rfamfeit ben ßölibat ald fc^riftwibrig erweifen foCltc, 
aber auf ber 9iat{)fammer }u adgemeiner jlenntnif gelangte* 93on 
ben übrigen ließ einer, 3o^ann SSinrfe, burc^ eine ^JJfrünbe flc^ ju 
tid^tigeren 3lnfl(^ten t^ermogen ; bie beiben anbern n)urben, o^ne fRüd^ 
fict)t auf i^ren .Sln^ang im Sambertd^ unb Ueberwafferfirc^fpiel, burc^ 
i^re SSorgcfc^ten t)on ber 5fanjef \)ern>iefen. Die Slbgefe^ten t>er(ief en 
bann freiwillig bie ©tabt unb fuct)ten anberwärtd ben Unterhalt, ben 
fie in SKünfier nic^t me^r fanben; Saufen unbilant erhielten in bem 
gtt)ing(ifct)en Dflfrie^lanb aufnähme unb geifili(^e Slemtcr* 9Kit glei* 
i)tx ©ntfcftieben^eit n)ie bie ÜKünfterfd)e ®eifilict)f eit fonntc bad^aber^ 
borner Drbinariat \>erfal)ren. 3)er ßaplan ©wager ju Semgo muf te 
für feine ^JJrebigt gegen bie Wallfahrten bem äir^ibiacon eine @elb^ 
bufe bega^len, fein (College 9Bef[el an ber anbern ©tabtfirc^e warb 
au6 bem 3)ienfi entlaffen* Die ,^en)orber grater^erren t)erfc^Hmmer^ 
Un U)xt ©ac^e burc^ bie SlppeQation, ml^t fie gegen bad Urt^etl 
be6 ®eneralt>icard einlegen ließen; bie beiben SBrüber, welchen fie 
biefen Sluftrag nac^ $aberborn mitgegeben ijatttn, ^einrid^ S^lgte 
unb ©erwarb "oon BfanteU; würben auf bad bifc^oflic^e ©c^loß Drtn«> 
genberg abgeführt, unb nic^t el^er, a(d bid fie bad Sut^ert^um ab^ 
gefcftworen, auf 83erwenbung bed @rafen "oan ber Sippe unb ber 
SIebtifftn ))on$ert)orb ber^aft entlaffen; bad graterbaud aber mußte 
300 @ulben begal^len, ber lut^erifct)en Se^re abfagen unb ftd^ fürbet 
im Oe^orfam ber 5firc^e ju galten geloben» 3n D^nabrürf würben 
bie lut^erlfdjgefinnten ©eifilic^en entfernt: am Dom ber Saplan 3o' 
l^ann ^ol^enne^ ben ber S^eflenburger ald $rebicanten annahm; ber 
Dompajior Siboriud SRifflncf rettete jic^ vor gleichem ©c^icffal burc^ 
ted)tjcitige Untenperfung ; ber SRector ber Domfcl)ute, Slleranber t>on 
STOeppen, auc^ tin ^riejier, entging nur burc^ ben S^ob ter Slbfe^ung» 
Der Dominicanerlector Suca^ ^orfien flof) nac^ Hamburg,*) ben 
SKinoritenlector ^atroclud Siomelincf tjerfc^te fein Drben nac^ Sonm 
9lur ber alte Doctor ^ecfer burftc bleiben» 3Kit bem gelehrten 3Äann 



♦) H 1126. iöorl^er fc^cint er in SBefel «ine Seit lang fein Unter!ommen ge* 
funben gu l^aben. 3)ie ßleüifc^e (Hegierung fordert 1527 tie (Sntfernung eine« 
Suifen 9an ^crße, Sefemeißerd am ^rebigerflcßer gu SDefel. üRat^^piotol ad h. a. 



VJ. IDie '^^rrfolgung. 65 

tjerfd^md^ten bic fat^oUfc^cn ®f lehrten, ^einrieb SKumpert ber 3)o^ 
minicaner unb Dito ^tdxmnn, ber "oon fünfter f)erübcr tarn, ben 
SSBortfainpf nlc^t, gu bem fic ber ^J^xob^ !Doctor (Svert aSoItlage ein^ 
lub, unb fein Sllter, SBedmannd Ucberlegen^eit unb bte Sage ber 
Dinge waren ©rünbe genug, i^n jum Sd^weigen gu bringen, wenn 
er ani) an feiner Uebergeugung unb an ber perfönlic^en SSere^rung 
8ut^erd feft^ielt. 3in Sölner ©prcngel faßte man befonberd bie 2lu^ 
gu^iner in^ 3luge« äßegen ber beiben grabuirten 93rüber im Sipp^ 
fläbter Älojier würbe Sodann Siomberc^ im aWarj 1526 abgefct)irft 
um in Stppftabt gegen bie neue 8el)re ju prebigen unb jene jur Siebe 
ju ftellem Bit flagten über 93erleumbung , erflarten fic^ für geöor^ 
famc Söl)ne ber ^eiligen römifc^en Äirc^e, unb gelobten fortan nic^td 
Äut^erifc^eö weiter lehren gu wollen. 3u SBefel fc^eint ber Slugujiiner 
®inberi(f ben *4Jlöft geräumt ju i)abtn, fpäter ift er lut^'erifc^er ^Jßxtf 
biger in Süneburgifc^en !Dienften gewefen. Saplan (Slemend erhielt 
rinc Stelle ald et^angelifc^er *4Jrebiger gu Raufen in !Ditmarf(^en» 
®egen (Slarenbac^ fct)ritt ber €tabtratb ein, unterfagte i^m bie offent^ 
lic^c 2)idputation, welche er mit einem ®egner t)erabrebet i^atU, unb 
ließ i^n auf bie ^(age bed (S6(nifci)en Offidald unb auf be^ ^erjog^ 
@e^ei0 burc^ ben 85ürgermeijier Songert auöweifen» @r ging ju fei^ 
nem ©efinnung^genoffen Älopriß nad^ Süberid)^ Slber au^ biefer, 
f4>on früher wegen einer ißrebigt gegen bie i). Sungfriiu t)om Jperjog 
M 8anbed »erwiefen unb wiebcr ju ®naben angenommen, würbe 
ie$t wegen feined lutl)erifct)en 93erl)alten6 nai) 6öln gelaben, ju SS3i^ 
berruf unb 9lbfct)w6rung ber ^e^eret genötl)igt, unb i^m aufgegeben, 
)u 9lom eine 3lbfo(ution ju erwerben* Sluc^ ju Odnabrücf, wo^in 
Starenbac^ ftc^ bann wanbte, wollte i^n nad^ einiger ^tit bad Dom^ 
capitel nid^t me^r bulben. !Da na^m er einen 9luf nac^ SRelborp in 
2)itmarf(^en an, unb ging, t)on feiner ^eimat am St^ein unb feinen 
Xitge^örigen Slbfc^ieb ju nehmen. 

UeberaU finben wir baffelbe: bie ®eiftli(^feit, unterftö^t t)on ber 
»eltUc^en 3!Hai)t, flraft ober unterbrüdt bie lut^erifd^en 9Bortfül)rer 
unb ))erf(^afft ftc^ ©e^orfam unb Äußere Stu^e« 

2. 

aSor allem fam e6 barauf an, ob ed iljr ju 6öln felbp, im 



I 2. (Sölnet (Rat^eprot. 1525 3ul. 31. «ug. 2. 7. 14. ®tpt 25. 1526 
Csrndiii«, «afru^r in SRAnßcr. I. 5 



66 örPf« 58u(^. 

SRittflpunft bed inaterieQen unb grtfitgen $Berfe^r6^ in ber t)o(fretc^m 
^auptfiabt ber Äird^e nprot)inj , ebenfo gelingen »erbe, bad Slnfcl^en 
ber Äird^e ju bet)aupten» 

8luc^ i)ier unirbc fogleid) nad) bem Slufru^r mit größerem ^aä)^ 
brurf bem ?utt)ertl)um begegnet, ^an ^erftdnbigtc jid^ mit bem (Srj^ 
bifc^of JU übereinfiimmenben 5Kaprege(n gegen jiaatlid^e unb religiöfe 
®efa^ren, unb jur felben ^dt, am 3 h 3uli, trat eine Slborbnung 
bed 9iat^d mit bem jle^ermeifter Slrnolb )?on Siongeru unb ben Dbem 
ber ?|Jrebiger^erren , ber grauen- unb Sölinberbruber jufammen, um 
gemeinfam ade Jle^erfac^en in (Sm^ägung gu gießen unb bad 9lot^tge 
JU i^erfügen. $lm meiften fjattt man mit bem 2lugufitnerfIof}er ju 
fc()affen, )t?o bie S^^^üttung ba^in gebieten n>ar, ba^ auf ben 993unfc^ 
be^ diaüj^ ber ®eneralt)icar be6 Orben6> 3o^ann Spangenberg, felbp 
{tc^ in 6o(n eingefunben i)attt, bad jtlofter in einer au^erorbentlic^en 
aSifitation ju reformiren unb jum ©e^orfam gegen bie Drbendregel 
nnjuweifen* Se^t, afö man faf), baß tro^bem bie gerügten Errungen 
fortbauerten, unb ben t)6Uigen Untergang bed iflojierö beforgen mußte, 
nal)m fidj ber 9lat^, im @in\)erftanbniß mit ber ®eiftli4)feit, felbfiön^ 
big ber Sad)e an, »erorbnete eine Unterfuc^ung im Älojier, nament^ 
Ud) gegen ben Sruber &imbert "oon SBonn unb gegen Slugufiinud, 
unb fteüte burd) (Entfernung mehrerer ÜKonc^e vorläufig bie Drbnung 
^er. Dann berichtete man am 8. 3luguß an ben ®eneralt>icar über 
bad ®efc^el)ene unb bat i^n, bie Dlegicrung be^ Sont)entd felbji ju 
übernehmen ober einem ©teUtjertreter ju übergeben. (Sr fam im foU 
genben 9Honat, blieb ein l)albed 3af)r unb reformirte bad Älofier mit 
^ülfe bed 9tatf)d. 3lod) fpater fa^ fic^ bie Stabtobrigfeit me^r aW 
einmal t)cran(aßt, auf mißfällige SJorgange bei ben Slugufiinern i^re 
Slufmerffamfeit ju richten, toi) Ijattcn bie ^Maßregeln beö 3a^r^ 1525 
wenigjlen^ bie golge, baß fccl;d 3al)re lang bie äußere Slu^c unb 
firc^licfje Haltung be^ Drbend feine auffatlenbe Störung erfuhr* 8luc^ 
bie Sluguftiner S^or^erren SBinbeö^eimifc^er ßongregation im Älojier 



SWarj 19. JDec. 19. 25. 29. 1527 3ün. 29. 31. gebr. 21. Ttai 6. €tabt (IMn 
tem ^ern 3üI). (Spangenberg flenernl »icario tcr reformirter SluQufliner orten« in 
buijfn Sanben, gu öfc^wege ttjonenbe, 1525 Slug. 8. (©cpierbüt^er, (5<£ta.) 3m 
3«^iv 1529 fortcrt ttv (Rnt^ benfelben in gelfle eine« 3toifted int Stlo^tt nod^ 
einmal gu einer S^ifltation teffelben auf (@opierbü(^er ad a. 1529). — @tabt @öln 
an General; frieren unb $atred bee Oieguliercrben i^unt gu $. t^erfamelt, 1530 
3Wdra 29. ((Sopierb.) 



VI. <Dic iBerfoIdung. 67 

3U Unferd ^men ?fi(^nam n)urbfn im December 1525 unb 3anuar 
1526 einer Unterfuc^ung unterjogen unb gcnot^igt, t>om Sutl^ert^um 
abjufle^en; ber Biati) unterfhi^te bie geißlic^en SBijttatoren unb bxad) 
ben SBiberjianb ber 9R6nc^e gegen bie Verfügungen berfelben burc^ 
bie Slnbro^ung be^ @efängntffe^. 

9Bir ^oren nic^t, baß biefe SKaßregeln ber ©tabtobrigfeit in 
i^rer Serat^ung ober Sludfü^rung auf <!g)inberntffe geflogen ftnb. !Der 
dngige Serfud^ einer üppofition, ben wir bemerfen, eine Sittf(I)rift 
nämlid), in welcher einige Stac^barn ber Stugufliner (Sinftebter bie 
3uriicfberufung jweier au^gewiefener 9Wöncf)e begel)rten, würbe abge^ 
»>iefen* 2)oc^ barf man auö bcm ©c^icffal ber 5f (öfier niä)t [erließen, 
baf ba^ Sut^ert^um in @o(n gan) o^nmac^tig unb l^ülflod ber ®e^ 
toalt gegenübergeflanben : bennirgenb eine 3wc^t unb Orbnung unter 
ben Stonc^en aufrecht ju erhalten, war notfiwenbig, unb baß biefe 
unter ben obwattenben ä3erf)äüniffen feine anbere a(^ bie fat^oIifci)e 
frin fonnte^ mußte ol^ne SSSiberfprucI^ e{nlcu(t)ten« Dagegen in aUtn 
%&titn, r^o einjelne SRanner aud ben gebiibeten @tänben mit ber 
^ei^td^feit in @treit geriet^en, jeigte ftd^ noc^ {e^t ein auffaOfenber 
Mangel an Uebereinßimmung unb @ntfd^ieben()cit bei ben gebietenben 
^men» Äaum \)attt bie ©eijtlid^feit Äunbe, baß SBefierburg nac^ 
66ln fommen werbe, fo begehrte fie t)om fRatij, ben offenbaren Äe^er 
ni(^t in ber Stabt ju bulben; aber fünf S^age, nad)bem man ber 
©ci^ic^feit ju ©efaOen einen ^aftbefe^l erlaffen, erwirfte bie SJer^ 
wanbtfc^aft be^ Doctor« am 7. 3uni ben tf)atfäc^Ii*cn SBiberruf 
beffelben: er folle üd) ju §aufe \)aUm, ließ i^m ber 9tat^ fagcn, 
feinen Umgang pflegen, im Sieben beöutfam fein. 211« ber Äe$er^ 
meiner unb bie erjbifcl>6picf)en Stdt^e auf bie faiferlid)en unb päbfi^ 
lii^cn SRanbate verwiefen unb jum (Sinfd^reiten gegen SBefierburg auf^ 
forberten, erließ ber ©tabtratf) t)on neuem einen unbebingten ^aftbefe^t, 
am 17. 3uli. ©efierburg proteftirte unb berief fid) auf tad ®efeft 
unb fein 8ürgerrect)t : man foDe itjm erft beweifen, baß er ein Äe$er 
fei, e^e man i^n t)erl)afte. Unb wirflic^ würbe i^m aud^ bießmat 



I 3. (Sölnet (Rat^e^rot. 1525 aufl. 14. — Uthtv ffleMutg f. tie Sop. IV. 
} 5 ongtfü^en Duellfn, «ujerbem (Rat^«vr«>t. 1525 3un. 2. 7. 3ur. 17. 31. 
mue. 3. ^(pi. 4. 1526 San. 26. Qcbr. 26. Tläxi 4. 9ipx. 9. 

5» 



68 dtfiu ^nä). 

feine grei^eit getaffen^ 5)od^ mufte et fi(^ ben geijili(^en 9ti(i)ttm 
jur Unterfuc^ung ^eOen, unb a(d er ftc^ bort nic^t untermerfen^ noc^ 
bie in ber ®(^rift iiber baö gegfeuer au6gefprod)enen Slnfic^ten gurücf^ 
nehmen xooütt, verbot i^m ber diat\) am 4. @ej}tember bie offentlicljen 
©trafen unb befc^r&nfte i^n auf §au^ unb Äirc^e» ©o wenig t^er- 
mod)te bie ®eifHi(t)fcit ju 66(n gegen bad ®lieb einer angefeljenen 
gamilie unb ben ®cl)Ü5ling einer Partei im fRati). ©elbji bie 2luf^ 
forberung ju einer Disputation über baS Segfeuer ^ }u ber i^n ie^t 
bie Unitjerjltät jut)orfommenb einlub, t)erac^tete er, berief fid) auf baS 
aSerbot beS ^at\)^ unb lehnte ab. 3ule$t, am 26. Sanuar 1526, 
^ob ber 9iat^ aud^ biefe Sefc^rÄnhmg auf unb begnügte fic^ mit ber 
(Srma^nung, 335efierburfl möge ftc^ nic^t weiter um ben lut^erifc^en 
^anbel fummern unb ftd) n>ie anbre SBurger (^rif}li(^ galten. 9i\in 
aber er^ob fid) bie i^acultät. ©ie ^atte ed ru^ig ^tnne^men müfTen, 
baö ber ®raf t)on 3fenberg, ber in einer !Dru(ff(^rift bie ffiere^rung 
ber ^eiligen angegriffen, ungefd^rbet gu Soln fi(^ aufl)ielt unb t>er> 
Utjxtt) aber t)on i^rem aiten geinb SBefterburg fonnte fte nic^t, o^ne 
aUeö aufe ©piel ju feften, fic^ ungejhaft Xroft bieten laffen. Sie 
befc^werte fic^ bei bem SRat^ über bi^ ©aumfeligfeit, mit welcher er 
2)rurf unb SiJerfauf lut^erifc^er 93ücl>er gefc^el)en laffe, ber SSerbrcitung 
t)on jteftereien in SRebe unb ©c^rift ru^ig jufel^e, unb feinem dgnen 
Sefc^Iuf entgegen ben IDoctor SBeßerburg in aOer grei^it, o^ne 
9Bibenuf ober ©träfe, binnen 66In bu(be. Sluf i^re SSeranfaffung 
erinnerte ber Srjbifd^of ben JRat^ an bie aSerabrebung, bie jie im 
vorigen 3a^r gegen bad 8utf|ert^um getroffen, unb verlangte, baf 
man bem !t)octor bad freie ®eleit entjie^e. 3a, bie S^cult&t breite 
bem fRatf), wofern i^ren S3ef(^tt)erben nic^t abhülfe gefc^e^e, ftc^ an 
ben ^abji felbjt wenben ju woUen. ®egen biefe Slnfirengungen reichte 
ber ©c^u^ nic^t me^r aus, ben äBefterburg bisher im ©tabtrat^ ge> 
funben l^atte. @r muf te f!d) im ^rebigerflofier vor ben iti^H^tn 
SRic^tem, im 93eifein ber Sßerorbneten beS ?ltatii^, jur Unterfuc^ng 
einfinben, unb atS er bort auS ber ^eiligen ©cl>rift wiberlegt ju »tr^ 
ben verlangte unb be6 eiblic^en SSBibenufS unb ber Unterwerfung vn^ 
ttx bie Jlirc^enbuf e fic^ weigerte, fo würbe t^m ein Sag gum Urt^il^ 
fpruc^ anberaumt, unb ber fRatl) lief i^m am 4. SRärg fagen, wenn 
er ftd) bis }um ®eri(^tStag mit feinen Siid^tem nic^t vertrage, fo gel^e 
er beS ®eleits verlufiig. Da verlief er Söln, an bemfelben %a%^ 
wo feine ©d^rift über baS gegfeuer verbrannt unb er auf ®iunb 



VI. ^it iBerfol0una. 69 

btrfdbfti in ben 93ann get^an murbc. Unb wenn ani) in ben foU 
gmbrn Sßo4>en auf feinen Eintrag bad Jtammergeric^t bie Slcten bed 
^ßrocfffe« finforbertc unb bem »eiteren SJerfa^ren SinJ^alt gebot, fo 
tft SBeflerburg bod) 3a^re lang jeber Serüt)rung mit bem Sölncr 
Flenid aud bem Sßege gegangen. (Srji 1530 gefc^ie^t feiner wieber 
in ben ätat^^protofoOen @m)a^nung; mabrfc^einlic^ i^at er fo (ange 
feine SSaterfiabt gemieben« 

4. 

^an fönnte fxd) Derfuc^t füllen; bie Schonung, welche biefer 
9tann unb ber ®raf t)on 3fenberg geraume 3^tt genoffen, au^fci)tie$^ 
lid) t>on t^rer gefeQfc^aftlic^en 6teOung abjuleiten, wenn nic^t biefe(be 
@unfit avti) bort j^enoorträte, wo feine perfönlid^en Siucffic^ten erfenn^ 
bar ftnb« 9{a(^ fünfiä^riger Slbwefen^eit fam 1526 iener ^ittxiäf 
Sabridu^ nac^ 6oIn jurucf, in ber Slbftc^t, burd^ feine in Sßittenberg 
triDorbenen Jtenntniffe an ber r^etnifci)en UniDerfttät feinen Sebend^ 
unterhalt ju gewinnen« @r la^ über bie ^ebraifc^e Sprache im 6o(^ 
legiuin coronarum, unb fei t^, ba^ ber äßi^begier ber Semenben fein 
anberec Seigrer ju @ebot ftanb, ober baf bie lut^erifd)e Ueberjeugung, 
bie er fo wenig im gewöl)n(i({)en Seben atö indbefonbere bei äiorle^ 
fangen über bie ^eilige Schrift in ftc^ i^erfc^Iie^en mochte, bie 9Ieugier 
nnh ben (Sifer an(ocften, ober gefct)ab ed aud beiben ®rünben gu« 
gletd^: genug, ed gelang i^m, eine anfe^n(ict)e 3u^orerf(t)aft, Drbend^ 
leute, €ö^ne unb Xoc^ter angefe^ener SBürger, um fid^ ju t)erfam^ 
mein* SBenn wir nun ^oren, ba^ fc^on balb nad^ bem 93eginn biefer 
Sortefungen ein 93efe^( bee 9iat^^ i^re Sortfe^ung unter Slnbrol)ung 
U^ ©ef&ngnijfee t>erbietet, fo muß ed und boc^ fe^r merfwürbig er* 
fc^en, baf ber 8utberaner mit furjer Unterbre^ung brei 3a^re fang 
feinen $Ia$ in 66ln behauptet ^at* 3m Januar 1527 würbe bod 
im 9ugu^ bed t)origen 3a^rd erlaffene SSerbot wieber^olt unb aud^ 
mif ben Untenic^t, ben er gu §aufe ert^eilte, audgebe^nt; ,,wenn er 
lefen woOe, fo möge er ed außerhalb (Solnd t^un/' Slber er Ia6 
weiter« Sm 9lot)ember tuben i^n 93icefanjler unb $rot)iforen bet 



§ 4. Huf tic Durdtn über Sabriciud tf} (Sap. V. § 7 t^ertptrfen. ^a)u ein 
^xtihtn tu Siat^« an ®raf ^ermann )>on 9{un)enar 1528 San. 27. ((Sopterb.) 
mit «at^Äjrot. 1526 «ug. 13. 1527 3an. 17. 1528 Slufl. 23. (Sfpt. 14. 16. 21. 
Ott. 19. 22. — Ufbet ®raf ffiil^elm »on SfenberQ (Ratl^eprot. 1527 Hug. 5. 
9b». 1. 



70 örjle« (Buc^. 

Unfecrfität t)or unb unterfagten i^m aßen öffcntlid)fn unb ^rfeat^ 
Unterricht. SRun muf tc er ablaffen. Slld anä) eine Suppllf ber @tu^ 
benten unb bie SSentenbung bed 5?anjlerd ber Unfeerjltät, ®rafen 
^ermann t)on 9teuenar, nicf)td fruchtete, unb t)on Seiten bed Sferu^ 
no(^ »eitere Schritte gegen i^n unb feine 3wWrer ju befürchten fian^* 
ben, entjog er fic^ auf ben SBunfc^ feiner 55reunbe für einige 3n't bem 
Unwetter unb begab fiel) inö 3ülic^fd^e unter ben ®cl)uft einiger @van* 
geUfdjen t)on ?lbef. !Doc^ fc^on im 6oinmer ift er wieber in 66In, 
l)at feine 55rau, ein 5Käbcl)en au^ £icr6torf, bie er eben ge^eiratl)et, 
mitgebracht, rict)tet fic^ ^äu^(ic^ ein, erwirbt ba« Sürgerrect)t , lieft 
^ebrÄifcl), läßt eine ^ebräifct)e ©rammatif brucfen, ja er fangt ic(^t 
fogar t()eologifc^e SSorlefungen ju l)alten an unb prebigt in ben ^äu^ 
fern gleic^gefinnter 33ürger unter großem 3u(auf. SRun würbe er jwar 
im September 1528 t)on ben Äeftermeiftern t^erflagt, auf Sefe^t be^ 
JKat^ö t)erf)aftet unb jur Untcrfucl)ung gegogen, aber nai) fünf 9Boc^en 
warb er wieber entlaffen, oljne weiterem Ungemacl) gu erleiben, außer 
baß man i^m, wie früher, äße aSoriefungen, unb jie^t in^befonbrc 
ani) aüed ^45rfbigcn nad^brücflid^ unterfagte, @r blieb noc^ länger 
ganj ungefäl^rbet in Solu, unb erft fein Äampf für bie gefangenen 
(yiauben^genoffen gegen geifilic^r unb weltliche Dbrigfeit machte ber 
?Rac^ficf)t beö JRat^ö ein @nbe unb tjertrieb it)n für immer in bie 
Srembe, 

5- 

9Bir fönnen na^ bem ©efagten nic^t jweifeln, baß im <Btatu 
xati) fetbji unb fonji in ben einflußreichen Greifen Sölnd eine ber 
neuen Se^re günfiigc ober minbefien^ nid^t entfc^ieben abgeneigte 
SReinung einige 3at)re lang ftc^ geltenb gemacht unb nid^t ol)ne @r^ 
folg bie fhrengere ^Partei befämpft ijabt. SlUmäftlic^) erji gelangte bie 
tixdjli^t Siic^tung gu unbejtrittener ^enfd^aft. SBie biefe Sntwicftung 
fid^ \)offjogen, weld^e 5Perfönlicl)feiten für unb wiber wirffam gewefen, 
fönnen wir bei bem 5Kanget ieber l)ifiorifc^en ©runblage mit feinem 
SBorte ju bejiimmen t)erfucten, fonbern muffen biefe Slufgabe mit fo 
vielem anbern Sebeutenben unb SBiffenöwert^en bem fünftigen @c^ 
fc^ic^tfc^rciber ber Stabt 6öln überlaffen, ben bie in ber Erinnerung, 
an 66lnd alte 5D?acl)t unb ®r6ße unb in ber Sewunberung ber jloU 
jen SaSerfe Sölnifc^en ©eified unb SRric^t^umd aufgewac^fene SRac^^ 
fommenfc^aft nod^ freute fef)nlic^) unb tjergebend erwartet. SRur eint 



VI. 2)ie ©erfülguiid. 7 1 

Semtrfung attgemeincr 2lrt ifi und ertaubt. 2Bic ed immer gefc^e^en 
fem mag, ba^ in tiefer gefährlichen ^dt ber 9latt) fein 9lufe()en un^ 
erfd^üttert behauptete, ob bad 9lnbenfen an bad Unglucf M 3a^rd 
1513 ben SBolKIeibenfc^aften ^eilfame £cl>ranfen feftte, ob bie gefügt 
feit unb Älug^eit ber Sürgermeifier, eined 3o^ann ^uip, 8lrnt \>on 
€tegen, 2lmt ®run>i(er, 3ol)ann pon Sieibe, bie ®efaf)ren überwanb : 
bief eine ift unwiberfprec^lid), baß ber Sieg bed SRat^d an unb" für 
jid^ einer confert)atit)en ©efinnung in feiner eigenen 9Ritte baö Ueber^ 
gewicht fic^erte^ gafi feine nieberbeutfcl)e 6tabt öffnete fid) ber Ste^ 
fonnation o^ne manc()er(ei potirifc^en Umfturj unb nament(icf) nic^t 
o^ne eine 8lenberung beö fRatl)^ burc^jufü^ren : in 6öln aber flegte 
ber JRat^ unb mit i^m bie Äircfje* !Daß bie angefef)enen ®efd)Ied)ter 
burc^ weltliche 93ort^ei(e an bie gewoI)nten Sal)nen gefeffelt Ovaren, 
^ben wir bereite erwähnt. Slber wer fid) mit biefer Srflarung be^ 
gnügt, weiß wenig t}om mcnfc^lic^en ^crjen* 5RicI)t allein Siebe unb 
^emut^ in einfacl)en ®emiit()ern flraubte fid) überall gegen bad ^of^ 
fartigc Ungeftüm ber religiöfen Umwälzung, auc^ bie Streue unb ber 
Stolj in ber ©ruft bed üRannd empörte fic^ bagegen, t>on ite^em 
unb Suben baö innerfte Jpeiligtbum feiner ©ebanfen antajien ju laffen, 
bie Qt)x\nxä)t \)or ben SJatern unb SSorfatjren unb eine ganje ru^m^ 
\>oUe Vergangenheit bem ®ejänfe t)cr(aufener 5K6nd)e ^injuopfern, 
Unb nirgenbd waren biefc ®efü^le unbe/\winglicf)er a(d bort, wo 8e^ 
genbe unb ©efc^ic^te unb ^unbert Äird^en, gu S^ren ®otted unb 
friner lieben ^eiligen t>on funftreid^en Jpanben auferbaut, bem 93ür^ 
gcr täglich in6 ®ebAd)tniß riefen, baf er ein ©o^n fei ber ^eiligen 
Stabt 66ln, bie, nad)bem fie einmal mit bem 93lut unjä^liger 9Rar^ 
ti^rcr ben ® tauben fid^ erfauft, länger ald ein Sa^rtaufenb i^n un^ 
twfe^rt t)on ©efc^tec^t gu ®efd)Ie(^t überliefert unb burc^ SBijfenfd^aft 
un^ Jfunfl, 8lnbad)t unb Dpfer, wie feine anbere ©tabt im 9teid^ 
unnbtäffig unb glängenb t)er{)errtic^t ^abe. Slnfänglid^ mod^te wol^l 
ber Unwille über ben 6leru6 fotd)c Setrad)tungcn übertäuben; nac^ 
unt nac^ abtr, wie ber Äampf fid^ fc^ärfte unb fpannte, wie bie 
neue Se^re mit il^rcn ®efa^ren nä^er unb nä^er Ijeranbrang, griff 
man jur ®egenwe^r, t)erging gc^wanfen unb ÜWitbe, unb an it)re 
StfHe trat eine fejie ^erbe Strenge ofjne 5Ra(^fid)t, eine blutige ^ärte* 



72 üxfiu »ud^. 

6. 

iDer SaSenbepunft für ßölnd Set^eiligung an bnr Sieformation 
liegt in einer Se9ebenl)eit be^ 3a^re 1529* 

@tn junger Seemänner, ju 93(ief}eben im 3ülic^fc^en gu ^aufc, 
9liamen6 ^4^eter, tarn im 2)ecember 1527 nac^ 66In, in ber Slbjtd^t^ 
ein moglic^f) auffallenbe^ d^ugnip feined et^angelifc^en ®(aubend ab* 
gulegen^ bie ®ema(t gegen ftd) l^eraudguforbem unb ftc^ im Seiben al6 
Sefenner gu ben)at)ren, @r ging in ben 3)om unb trat gum ^oc^* 
attar, kartete bebecften ^aupted bid gur SSSanblung, unb atö ba6 
(Sacrament erhoben tvurbe, fef)rte er fl(^ um, ol)ne ba6 ^aupt gu 
entblößen, feufgte laut unb fpie aud« Slld er bed^alb gleicb barauf 
t)on bem ®ewelbrid)ter auf ber Strafe angehalten würbe mit ben 



§ 6. (Die ^auptauede für tit ©rfdi^ic^te glarenbac^« unD ^liefteten« ifl Die 
in ben erflen 9)?i>naten be« 3al^r« 1529 erfc^ienene <S(^rtft ..Cirnfilic^e ^antlung 
gtDtfc^en ben l^oc^gelerten bcctcm in ber ©ot^eit, M man fie ju (Sö(n nent, ober 
fe^ermeißer , unb einem gefangenen, genant Sbolf 6Iarenba(^'' k. €ic ifi (aut 
ber SBorrebe ein Slbbrucf ber $roce^acten. IDann bte, n^c^( noc^ \>ox (tnbe 1529 
crfc^tenene, (Srjä^Iung »on ben weiteren ©c^icffalen (Slarenbac^d bil gu feinet 
^inrtcbtung, eine gortfe^ung ber erflen @c^rift. ^eibe «SdS^riften f^ai dlabul im 
2. %l}t\l ber ^iflorien ber l^eiligen au6ern>ö(ten ©ctte« Beugen, liBefennem unb 
Sftart^rern <Stra$b. 1555 abgebruA unb einiqe Slctenfhide l^ingugefägt. IDieSor« 
tete unb 6en ^Scblu^ ber erfien @(^rift, bte (Rabud übergangen bat, t^iit 9to^# 
nife mit in bem Sluffaft : bie erfle Ouelle gur ^efcbicbte S(bolf 6larenbad^6 , in 
Sttgen 3eitfc^r. für ^ifbr. X^ecl. 1835 etüd I. <Da beibe bo<^beutf<t^ ftnb, bie 
gange (Srnßli6e b^nblung aber laut S^lo^nifed d^acbricbt nieberbeutfd) gefcbriebcn 
iü, fo ifl ber Herausgeber tt)o^( ein anberer M ber ben $roceg niebergefc^rteben 
(at, ,,ber biefe acta befcbriben." 3(b mod^te t>ermut^en, ba§ 9abriciu6 fid^ eine 
Kbfcbtift ber Slcten verfcbafft unb fie berau6gegeben b^t; ter Xon ber Sonebc i# 
tcr eine« tbeologtfd^en (tifererd iener 3eit, unb gabriciu« toar ber 93orfäm))fer ter 
Sutberaner in @öln; baß ber ^aii) 1529 Ql^ril 12, gu einer 3eit, tx>e bie iStnfU 
liebe ^anblung eben erf4;ienen fein mui, f8tU^ gibt i^n gu ))erl^aften, ^ängt too^t 
biermit giifammen. — $lnbere Ctueden finb: (Sö(ner (Rat^d^^rot. 1528 3an. 8. 
«pr. 6. 17. 3Wai 11. 18. 25. 3u(. 3. 24. 9lug. 17. (2e»)t. 4. 9. Ü 16. 21. 23. 
25. 28. Dct. 7. 12. «Wo». 4. 1529 3an. 4. 15. 26. SWdrg 1. 19. «ai 14. 
3un. 30. 3uL 5. 1530 IDec. 26; über S^bridud SIntbeil 1528 IDec. 7. 1529 
apr. 12. 3)lai 14. 3un. 7. 1534 Tlai 11. 3u(. 8. CSin IBrief be« (Säfariu« an 
Sßeland^tr^cn 1529 (Dec. im Corpus Ref. I. 1117. H 1127. IDie SBefeler 9iatb< 
t^rotofoKe ad a. 1525, ogl. ^eibemann ^Vorarbeiten 24 sqq. (Sine 3nßruction 
für tcn (Sölnifc^en OieidS^Stagdgefanbten oom 3. 1532. (SSt9l. Stie\>x\^ Q3efennt« 
niß bei Nu 1. 103 sqq. 



VI. !Dtc fBerfoldung. 73 

Sffiortrn „^n muft mit und ge^en'^ anh^ortete er mit la^enbem 
üRimbc: „®txn, iaxnm bin ic^ ^ergcfommen.'' Sei ber Unterfuc^ung 
gab er feine 9ieue ju erfennen: ber ®runb feiner «l^anblung fei ge^ 
iDefrn, baf er bie ©emeinbe über ben üßi^brauc^ bed ®acrament6 
^abe untenic^ten woQen^ bamit man nic^t ef)re unb anbete^ \oa^ nur 
auf crlic^ed 3fi^^n fei unb im ©lauten genoffen mitm miijfe; tvenn 
er c6 nod) einmal ju tbun tjMU, n>ürbe er n)iebe|^)}on ^aufe gen 
Soln jie^en unb ebenfo l^anbeln. Slld er ftc^ ber Sele^rung unju^ 
gönglii^ geigte, lieferte i^n ber 9tat^ am 8. Januar 1 52S and äted^t» 
©rroe unb ©treffen wellten if|n nun mit ®ewalt unb golter gum 
SJiberruf bringen, aber au^ bad tt>irfte fo wenig, baf er t)ielmebr ^ 
©Ott banfte, um feined SBäortd tviUen leiben ju bürfem 3)a liefen 
fie t^n in hartem jlerfer in bed ®ret)en ^aud liegen, gering gefc^ä^t 
unb tvenig beacf)tet, bid er einen ^ann t)on größerer getftiger Sebeu^ 
tung jum SeibendgefÄ^rten erhielt, ber burc^ fein trauriged ®cl)irffa( 
bie Slugen t>on gang Deutfc^lanb auf fic^ unb ^eter gerichtet l)aU 
^a^ n>ar Slarenbac^« 

7. 

äBir n)iffen von Slbolf (Slarenbac^d 3ugenb nic^td, ald baf et 
gu (Solu brei 3a^re ftubirt Ijat unb 3Ragifter gemorben if}. 9}iellei(f)t 
^at er eben bort, glei(^ SBullinger, gu berfelben ^tit unb auö benfet 
ben ®runben wie biefer, fic^ ber neuen 8el)re ergeben» 3n SMünfter, 
wo wir i^m guerj} begegnet ftnb, war er fc^on ein fertiger iwtljtxa* 
ner. 8Rlt brm Suc^ über bie c^riftlic^e grei^eit unb anbern S^rif*' 
ten bed Sieformatord in ber Jpanb, b^tte er bie 93ibel aufgefd^lagen, 
bie tiefjinnigen €prü(^e $auU nac^ ber 9Bittenberger SSeife t)erfie^en 
gelernt, unb )>or bem IDogma t)on ber Siec^tfertigung burd) (£^rifU 
Sob unb o^ne ^enf(^engut^un waren in feinem ®eif}e Sebren unb 
®nrid)tungen ber Äirc^e, ©ultud unb ^ierare^ie gefallen» 3ung, 
rafc^ unb heftig, fog er ben leibenfc^aftlic^en §af feined 9Weifier6 
gegen bie gefrönte S3ejiie, ben ^^abft, mit aüem feinem ®efc^würm^ 
ben gorbinalen, 93ifc^öfen, ^4Jf«ff^n/ 9K6nc^en unb SRonnen, in fi^i 
ein, unb fe^te nun mit e^rlid^er unb entfcbloffener Eingebung Slrbeit 
unb 8eben baran, feine c^riftlidjen Srüber t)on bem 3ocl) ber *45öpiPttn 
gu befreien unb aud bem SSerberben gum §eil gu führen, ^ierin 
war er unermüblid) unb unerf4)rocfen* Sr lehrte bie 5finber in ber 
€dS>ule, befprad) mit ben S3ürgem in i^ren ^dufcrn bad (S>?angelium'^ 



74 üx^u !Bu(^. 

tt)ied fic auf bad 9?euc 2>|iamcnt unl) t^eilte ed iftnen mit, fc^rieb 
gpijieln riad^ bcr Slpojiel SBorbilb, wiberfefttc flc^ ben fat^olifcfecn 
5ßrcbigeni, forberte fic jur 2)idputation t)txa\i^, immer bereit ju SBer** 
tl^eibigung unb Singriff, t)or feiner ®efaf)r jumcftretenb. 9Rit bfefera 
brennenben Sifer, unterpü^t burc^ feine @eifie6gegentt)art unb ®e* 
n)anbtf)eit im 2Bortgefec^t unb im ©ebraud) ber 33ibelfietlen, noc^ 
met)r burc^ bie %rebfamfeit, bie and) t>om ®egner Slnerfennung er^ 
gwang, fetten ober nie einem tüchtigen SBiberfac^er begegnenb, fc^jeint 
et uberaQ (Sinbrucf gemacht unb manct)en €ieg erfod^ten ju ^aben* 
Sm 6(et)erfanb, wo er feine SBirffamfeit am langften fortfeften burfte, 
fannte man i^n weit unb breit : bie Sßefeler ®cf)ule gerietf) burc^ i^n 
in üble S^ic^rebe; „bie Synagoge fommt jufammen", fpotteten b(e 
8eute, wtnn fic i^n nad) 33übericf) ju ÄJoprip geben fa^en, um mit 
biefem unb Doctor SSerfen ein et)angclifc^ed Oefpräd) ju haften; ber 
SoUier Offtciaf forberte feine Slbfeftung unb ißertreibung aud SBefef; 
bie üKöndjc t)on iDorften t)erf(agten if)n beim ^erjog, afö er in 93ü^ 
berief lebte; „\)ie(c im Sanb werben burd) SUuenbad) unb iffoprif 
geärgert", fd)rieb man hinauf an ben Äe^ermeifter nad^ 66(n» 2)o(^ 
ber Unwille ber ©egner, ber if)n t)on Ort ju Drt trieb, t)on SWünfter 
nac^ S33efel, nac^ 33übcric^, nacf) O^nabrürf unb auc^ »on D^nabrürf 
weiter, fonnte i^m weber feinen Sln^ang rauben, noc^ feinen Gifer 
IJ^mem 8ltd er nac^ Ddnabrürf jog, folgten iljm feine (Schüler, 
junge Seute aud (Solu unb 2Üefel, felbft granjofen^ &x la^ i^ncn 
bort im Sommer 1 526 ba^ @>)angelium 3o{)annid unb SD^elanc^tbond 
3>ialeftif, im SBinter ging er an ^ßauli ©riefe; alle, bie S^rifium 
Wa^r^aft lieben, lub er ju biefen ^orlefungen ein. @nblid), al6 er 
and) Don bort weicl>en muf te, entfc^loß er fic^, einem Stufe afö ^ia^ 
fon nad) 9Kclborp ju folgen, bie @^ule t>on nun an aufzugeben unb 
^d) ganj ber Sel)re bed ©pangeliumö gu weisen. §Rur um feine 
Schüler wieber ju ilfxtn (Sltern ju bringen unb bie ©einigen gu be^ 
fuc^en, reifie er noc^ einmal an ben SRbein, t)or Dftern 1527» Slber 
al^ er gu ^aufe auf bem Sufc^er ^of mit feinem 2ef)ren unb 5|}re^ 
btgen bei iBenoanbten unb Sanb^leuten ®e^ör fanb, fc^rieb er nac6 
Ditmarfd^en unb nad^ ben Drten, bie auf ber ^inreife nad^ TOelborp 
i^n nod^ gu ^6ren wunfd^ten, um ®ebulb, bamit er auc^ l^ier im 
Sergifc^en etlichen ba6 (Sioangelium mitt^eilen fönne. (Denen, bie 
i^n t)or ber ®efa^r warnten, gab er gur Slntwort: mit aßen Pfaffen 
im 8anb t)om 93erge woOfe er um bad @t)angelium bidputiren unb 



VI. iDtc 93erfoi9und. 75 

bm Seuertcb (etben, mim er fie nic^t beftege« @d fc^retfte t^n ntc^t^ 
baf man «^ergog unb 3lmt(eute n>ibcr t^n aufbrachte / bag it)m ba6 
9tmt Sienburg burd^ ben 3lmtmann ®rafen granj "oon SSSalbcd, (&U 
betfelb burc^ ben 3)rojien ®obert jletteler unter iDro^ungen verboten 
warb* @r forberte ffttd)t, ®ef)ör; unb ba^ man mit ber ^eiligen 
(Schrift gegen it)n l)anble» 93ot ben 2lmt(euten war er gu Sennep 
fic^er^ tt)o er bem ©tabtrat^ ein audfu^rlic^ed ©laubendbefenntniß 
\>orlegte unb fid) t)on neuem gur !Diöputation auf geben unb Siob 
bereit ßeOte; ber ^ergog aber gab ben it(agen tviber i^n gute^t feine 
golge unb fügte i^m fein 8eib gu» 8lber freiließ, lange fonnte er 
nirgenbe in biefen Sanben bleiben. SRad^ 5Kelborp gwar iji er nic^t 
gegogen, aber er t)erlie^ bod) bad 33ergifcf)e unb begab fid) wieber 
nad) muxid) gu itlopriß. 2)iefer \)atu feinet Sölner Sibeö balb 
t)ergeffen, ober er gebac^te, ba^ er bem Sutf^ert^um, aber nicbt 3^vi"gli 
abgef(&tt)oren , unb teerte nun nod) eifriger, ba« 9lad)egefü^l gegen 
6öln im ^ergen, nac^ 3wingli'd ®d)riften in feiner ©emeinbe. 3)ar^ 
über würbe er "oon neuem nad) @5ln gelaben, unb nun ging Slaren^ 
badf mit if)m, in ber t)ertt)egenen Slbfic^t, bem greunb bort beiguftel)en 
unb U)n gu \>ert^eibigen. 3n ber gafiengeit 1528 famen fie an unb 
[(feinen einige ^dt frei umhergegangen gu fein, bid ÄloJ)riß am 
3. april auf ber Strafe »erbaftet würbe. 2116 i^m Slarenbad^ folgte 
unb fid^ laut bef tagte, ba^ man feinen Sreunb im ®eleit antafte, 
würbe aud) er mitgenommen unb fefigefe^t. Jllopri^ fonnte ald rüd> 
fäOiger Jtefter feine ®nabe erwarten: er blieb, gu ewigem ®efdngn{f 
t>trbammt, auf ber !X)randj)forte fi^en. 2lber auc^ gegen ßlarenbaclj 
nal^m, burc^ 2lngeige aud bem Slet^erlanb auf i^n aufmerffam ge^ 
mac^t, ber Cffidal bie alte Älage wieber auf, unb ber Stabtratl^ 
mufte ibn, bem Siedet gemap, t)or ba6 geißlic^e ®erid^t ßeQen, wel^ 
c^e« i^n wegen feine« SBerl^alten« gu SWünfier, 2Befel unb D6nabrüd 
gurätebe fe^te unb um feinen ®lauben befragte. SSSenn er nun auc^ 
manche ber in Siebe fommenben SBefc^ulbigungen aie ungegrünbet ab^ 
weifen fonnte, in t)ieten gragen burd^ vorfid^tig au^weic^enbe Slnt^ 
Worten bie ®efal^r vermieb, fo gab er bod^ in einer SRei^e wichtiger 
^nfte feine Uebergeugung fo unumwunben funb, baf über bad (£nbe 
M ^JJroceffed fein 3w>eifel obwalten fonnte. 9Wan t)erfu^r in ber 
Unterfuc^ung unb wä()renb feiner ^aft auf bem granfent^urm unb 
bcs S^renpforte nicdt unbillig mit i^m : unter ben geißlid^en Stic^tem 
warm nur gwei, 3ol^ann iBenrabt unb 3o^ann a SBufco, unebel genüge 



76 (SrM ®u((f. 

bie ®etetitf)eit unt) 93itterfeit M armen ®efangnen mit raupen 9Bor^ 
ten ju emiebcm; bic mcijien hingegen , fowo^I ©«filiere ald ^errcn 
vom 9iat^^ bie il)n fa^en, füllten Erbarmen mit fetner Sugenb unb 
»ünfc^ten, baf er burd^ einen SBiberruf fid) retten möge. Slber 3u^ 
reben, 2)ro^ungen unb SBiberlegungen fanben i^n gleid^ unerfc^utter^ 
Itc^ unb unbeugfam* 

8. 

Unterbcf na^m ftd^ gabriciuö feiner an. Sd war in ber ^tit, 
tt)o biefer 9Jlann auf ber ^o^e feiner ßolner religiofen SBirffamfeit 
flanb unb barüber, tt>ie oben berührt, inö ©efängniß fam. ©c^wtr^ 
iict) würbe bamald ber 9lat^ i^n fo gelinbe be^anbelt ^aben, wenn 
er geraupt \)atu, baf gabriciud ed gewefen^ ber in (Slarenbac^d @a(^e 
and jtammergerid^t ap)}eOirt unb beffen @in[(^reiten ))eranlapt ^atte« 
!Die bro^enbe (Srmaf)nung, t)on bem (ut^erifc^en ^anbe( fortan abju^ 
flehen, mit ber man il)n aud bem Äerfer entließ, t>eracl^tete er unb 
fe^te feine unterbrochenen S3emü^ungen mit ^erftärftem @ifer fort, 
namentlid) ^örte er nic^t auf, feine gefangnen ©(aubendbruber )U. 
troffen, ju unterftü^en, an i()re Siettung ju benfen. Unb n>irf(id^ 
gelang ed i^m, mit ^ülfe feiner %xa\x unb jweier ®eftnnungdgenoffen 
l^eimlicb unb unentbedt in ber 9iac^t bee 31. 3anuard 1528 Jdoprif 
aud bem ®ef&ngniß gu befreien unb nac^ bem ^ülid^erlanb in @id^tr# 
I^eit }U bringen. SIber aQed, wad er für ^laxmbad) bei bem jfatn^ 
mergeric^t unb bei bem Biat\) ^oerfuc^te, blieb fruc^tlod. 2)ad j(anu 
mergeric^t billigte bie äierautwortung bed fRatf)^ wegen ber äJer^af^ 
tung Slarenbad^d unb ließ bem $roceß freien Sauf, unb fc^on e^e 
bieß gefc^e^en war, würbe ber ®efangne ind ^au6 bed ®ret>en ab^ 
geliefert unb barauf burc^ ben @pruc^ bed geißlic^en ®eric^td am 
4.^}näri 1529 in ben SBann getl)an unb bem weltlichen Slrm übergeben« 
2)ie weiteren ©c^ritte, bie ber unerfc^rorfene SKann für ©larenbac^ wagte, 
fc^abeten i^m fetber, o^ne feinem greunb ju nüften.- 6« erfc^im in 
biefer ^dt eine ©c^rift, welche bie 2lcten M ^^Jroceffe« mitt^eÜte> 
in ber Slbftc^t, auf bie @tabtobrigfeit unb bie öffentliche 9Reinung ju 
®unßen 6larenbac^d einjuwirfen. 93ermut^lic^ war Sabriciu6 bct 
«Herausgeber. @i;ie ©upplif an ben Stat^, bie er brucfen unb öffrnt^ 
Hc^ anfd^lagen ließ, f)attt wa^rfc^einlid^ benfelben S^ccf. 9{un wan^ 
bette ftc^ bii frühere ©c^onung gegen i^n in l)eftige Erbitterung* 
!Dreimal, im ^ai unb 3uni 1529, wieber^olte ber Staiff ben S3efe^{, 



VI. a>te öetfclöung. 77 

gflbriciue gu t>er^aften. Da ritt^en i^iu feine Oönner unb greunbe, 
au(^ bit bciben (gefangnen, fc bringenb, bie Stabt ju räumen, in 
wwtc^er ifem überbief bur(^ bad aSerbot ber ffiorlefungen fein 8ebene^ 
unterhalt entjogen toax, baß er enb(ic^) nachgab, gen Reffen jog unb 
(td) vom Sanbgrafen eine @tetle ald !Diacon ju @affe( geben ließ, 
©eine (Seiner Saaten blieben ii)\x\ unt)ergeffen unb unt>erjie^en : no(^ 
im Wai 1534, obfc^on er a(e bed Sanbgrafen Slbgeorbneter erfd^ien, 
wollte ber dtatij feine älnroefen^eit nidjt bulben: unt)erjügli(^, bei 
©onnenfc^ein, ließ er i^m fagen, folle er bie Stabt t)erlajfen. 

m 

9. 

Unter SSer^anblungen gwifc^en ©tabt unb 6rjbifc^of, beren 3m 
^a(t n>tr ntd^t nä^er fennen, bauerte ed nod) bi$ gum ©eptember 1529, 
c6e bad ©c^icffal (Slarenbac^d unb H^eter^/ bie nun im ^aud be^ 
®ret>en in ftrenger §aft bei einanber (agen, fi(^ t^ollenbd entfc^ieb. 
SRand^ed, noad wä^renb ber anbertl)albiä^rigen @efangenfct)aft biefer 
(eiben gefc^a^, nic^t bloß ber @ifer bed Sabrtciuö unb feinet ^A\\> 
ffonQ^, fonbern an^ aütxUi Ungebühr lut^erifc^gefinnter fieute au6 
htm gemeinen Raufen, biente baju, bie ©timmung bed iKat^d unb 
in^befonbere ber (Seif)(i(^feit gegen bie ^cfenner ber neuen Se^re ju 
rttjm* 2)er ganati^mu^ ertt)ac^te unb rief t)on ber ^anjel über bie 
©trapoflgfeit ber ite^er, bejei(^nete fogar ben englifc^en ©c^weiß, ber 
im 3a^r 1529 IDeutfc^lanb ))er^eerte unb 6öln nic^t t)erf(^onte, atö 
Ootted Strafgericht wegen ber Dbrigfeit fänblic()er ^fIic^tt)ergefTen()eit. 
(SnMic^, am 28. ©cptember, xmxbm fte }um S^ob geführt« „Sob unb ^ 
S>ttnf", rief glarenbad^ au6, atö fle bie ©traße betraten, „fei bir, 
Sater, baß bu biefen S^ag f)aft (äffen erfcbeinen, nac^ bem xoix 
bmg und gefeint ^aben/' ©ie gingen mit (äc^elnber (Seberbe, un^ 
gr^fugt t)on ben Seiben M (Sefangniffed unb t>on ber Sludftc^t auf 
tat Slammentob, bid }um testen 2lugenb(i(f nur bebac^t, vor ber 
Sa^(re{(^ beg(eitenben ^enge t)on il^rem ®(auben S^ugntß abzulegen. 
Slttf ber ^ac^tpforte, a(d bie ©terbeglode gegogen n)urbe, na^m be# 
flimmerten ^erjend Slarenbac^d SSetter, ^err Sllef t)an ®int, 2lbfd^ieb, 
bn fi(^ noc^ in biefer ©tunbe bemä()t ^atte, ben SBiberruf unb ba^ 
bm(^ feine Siettung t)on i^m gu erlangen. !Darauf n)urben bie bei^^ 
ben jum $o(^geric^t unb bann ben langen 3Beg gur ©tabt \)imM 
jum ®a(genberg geführt, ©ie beteten abn)ed^fetnb mit lauter ©tim^ 
nie, yrebigten, fprad^en mit Sreunb unb Seinb "ooin ®(auben, erma^n^ 



78 QrM ^ud^. 

ten ta^ ffiolf; wenn (Slarenbac^ bi^ jur ©rfd^öpfung gerebet l^atte, 
begann fein ®efA{)rte. 9{ur juwetlen blt^te ber alte ®xoü gegen 
5ßapijien unb ÜWönc^e auf, bann wanbten i^re Seelen fid) tvieber bem 
Jobe unb i^rer ,!poffnung ju» ©o gingen fie in ruhiger 3u^^rfic^t 
bi^ ju ber ^ütU, bie mit il)ren Seibem t)om geuer t)erjet)rt werben 
follte^ ^^Jeter tt)urbe am 5Pfal)I erbroffelt, e^e man ba^ Seuer anlegte ; 
Slarenbad) ßarb in ben Stammen, burd) einen umge^dngten @a(f 
$u(t)erd t>or längeren Dualen behütet. 

10. 

aSir glauben bem S^Mflni^ be6 6äfartu6, baß t)iele t>on bem 
@(t)idfal ber beiben gerührt mürben, unb baß nac^ i^rem 8efennertob 
ber ^n^ang i^red ©laubend }U (Sö(n nic()t abgenommen, fonbern fid^ 
)>erme^rt ^abe. Dennod^ i^at biefed Strafgericht jur 9{ieberlage unb 
nic^t jum Xriumpf) ber neuen Se()re in ber r^einifc^en ^auptflabt 
gebleut. 2)er Slnt^eil, ben ber Statl) an bem ®ef^e^enen Ijatte, 
mußte il)n mel^r atö alte^ anbere auc^ für bie Sotgejeit auf ber Sa^n 
ber Strenge fefi^alten, unb er befaß bie £raft, feinen SffiiUen burc^^ 
jufe^en. Seit 1529 gibt ftc^ fein Sc^n^anfen me^r in ben ^aub^ 
lungen bed äiatl)^ funb : xoa^ ftd^ B^^tN unb flrafen ließ , xomit 
geftraft. 3eber 3latf)dmann ert)ielt SSoümac^t, gleich einem ®en>elb^ 
xiö^Ux bie Sut^eraner ju t)er^aften; leichtere Sierge^en n)urben mit 
©efängniß bei S33affer unb S3rot gebüßt, fd^werere ber itirc^enpönitenj 
unterworfen; Safterer ber ^eiligen Jungfrau mußten auf ben Änien 
©Ott unb feine gebenebeite SWutter unb meine Ferren t)om 9tat^ um 
9Jerjeil)ung bitten, frembe 5Reuglaubige würben nid^t gebulbet, ^art^ 
näcfige Äejer jum S^ob gebrad[)t. 2)aß ber SRatl) audj ber ©ebürf^ 
niffe ber Äirc^e mel^r al^ fonfi gebac^te, fie^t man, wenn er bie 
t^eologifcI)e Sacultat gur ^erabfe^ung ber ^Promotiondgebü^ren brängt, 
ober wenn er bie Älöjier, it)re 3u^t unb i^ren ^aud^alt unter firen* 
gere 2luffid)t nimmt, bie SSifitatoren herbeiruft unb unterfiü^t, wenn 
er bad in a3erfall gerattjene Älofter ber Sluguftiner ©infiebler 1533 
ben Jpänben be^ mac^tlofen ®eneralt)icard unb bem lut^erifd)en ©n* 



§ 10. (Sölner (Äatft^prot. 1529 ©fpt. 17. ««oü. 3. 1530 San. 12. gebr. 2. 
7. 16. SWärj 14. 30. Slpr. 1 u. f. tt). — SBer^antlung gtt)ifdS>fn ttm fHaifj unb 
tfm Sluguftinerokar Sodann gerbet, 1533 3ul. 14. ((5oj>ierb.) — Recessus civi- 
tatum Aosse factus Luoeburgii atque Lubeee a. 1535 nalW. loh. Bapt. (5€t9l. 



VI. JDic «crfotgunö. 79 

flup in bi^txiam iBerbinbungen entjie^t imb bem $ro\}tncia( untere 
»irft, bamtt bicfer c6 tDteber in guten @tanb fe^e uub tücf)ti9e Docto^ 
rm unb Seftmeifier l^inejn fc^affe. 8lber bad aBid)ti9fic ift ter ent^ 
fi^Ioffme iSmit, mit bem er ber Steuerung entgegen tritt , bie 93en)e^ 
gung mit ber ©etoalt bed ®efe$e6 bämmt, bie t)ielfpaltigen ^JReinun^ 
gm abiDeifl unb unterbrürft, unb bie Jreue gegen Sleicf) unb Äircbe, 
bm (Be^orfam gegen jfaifer unb ^i^abf} ald ®runbfa$ unb ^Jiic{)tf(^nur 
ber €tabt Söln behauptet, ^ierburd^ gelang ed i^m^ in ben näd^^ 
^m Sagten, »Ä^renb bie meiften beutfc^eu gtäbte bem ?lbfall t)on 
ber Jtird^e unb t)ietem 9Rut^tt)itlen unb Unheil fic^ unterwarfen, in 
feinem SBeic^bilb ben ^rieben unb ben niten ®(auben unangetaftet gu 
er^attau Slfd bann im ^a\)x 1535 bie (ut^erifct)en @täbte auf bem 
^anfetag gu Söneburg über bad Sectenunn^efen Kagtcn unb 3Jlanbat 
unb @utad|)ten n>iber bajfelbe gu gemeinfamem S3efct)luf "ooxUqUxi, 
fenntm i^nen bie ß^rfamen \>on (Solu, im fioigen ©efii^l i^rer Äraft 
vnt i^red fRtdjt^, ^erbe Sel)ren ert^eilen. ,,2(uf ffiorf^iage megen 
tix 9lc{ig{on^ fagten fte, ^abe 66(n nici)t nöt^ig einguge^en^ t)on 
Sicbcrtäufem, Sacramentdfc^änbern unb anbem Scctirern ober 2luf^ 
rü^rifc^en wiffe man bei i^nen nid^td; obivol^I bie 6tabt tveit unb 
gro$ unb t>iel 9$o(fd barinnen; n>upte man aber bergleic^en Seute gu 
fuibtn, fo tvurben fie t)erbrannt, geföpft ober ertranft werben, 3)iit 
bft ^Religion »oüc 66(n ed galten, wie bid^cr Qt\i)ti)cr\, bi6 gur 
Seit, baf ein Soncilium t>erfamme(t werbe* 9){ußten fie atöbann ab^ 
ße^en, fo fönnten fie leicht nachgeben; ftünben fie aber im t^orau^ 
ob, fo mochten fie t)ieUeic^t gu weit ge^en unb ^intenbrein mit Scl^an* 
ben jurücftreten muffen." 

IK 
fflon wldjtx Sebeutung für bie gange Äirc^enprot)ing bad 93er* 
balten ber aWetropole fein mufte, leud^tet ein unb würbe t?on ben 
ginftc^tigen wof)( erwogen. SBieberl)olt famen Sdjrciben te^ apofio^ 
lifc^en €tul)fö ooü äncrfennung unb 3)anf. ,,Unfer 2ob, fdjrieb (5(e* 
mend VII., fann euerm SSerbienft nic^t gleid) fommen; benn eure 
Xugenb unb @tanbl)aftigfeit wirb nid^t allein euc^ gum ^eile gerei^ 



11. 3»(i Väbfiticbe ©(^rriOen an Statt dbin, 1531 mo). 28 unt 1534 
fEftäri 30. fBtil IV. mit V. — H 1014; Strack in feinen 9{cten gu llcresbacb 
hi^ii. anabapt. 112. 



80 dx^u 9u(^. 

c^en, fonbem ani) blc anbern »erben ben 93orflang einer in Deutfc^ 
Ianb7 ia in ganj (Suropa [o ^oc^gefeierten ©labt ftc^ gum üRufter 
bienen laffen/' ÜKan fann nic^t jweifeln, unaudbleiblid) würbe ber 
8lbfaB 66Ind bic ganje SRac^barfd^aft mit fortgeriffen l^aben* 9lun 
ober, tt)o gegen ben Slnbrang ber religiofen 93en)egung ein fo ma(i)tu 
ger Sln^alt ber 93ert^eibigung (leiten blieb unb ben erfien Sturm über^ 
bauerte, war ed ber fird)lidben ^J^axtti möglich, ftc^ auc^ in anbern 
Steilen ber ^4Jrot)inj ftegreid) ju bel^aupten* 

2)oc^ nicöt überall* 2lm 9?ieberrl^ein gwar überwog bie SWac^t 
ber Dbrigfeit unb Solnd 5Borgang ju ©unften bed alten ©laubend. 
Sind) im Slet)i[cl)en fuc^te man bie Spuren t)on 6larenbac^d unb 
Älopri^ SBirffamfeit ju t)erwifc^en: bcö Unteren Slacbfolger unb ?ln* 
l^änger würben auö ©überid) vertrieben, ®ert Demifen 1529, 93ririu6 
t^om ÜRoirbe im folgenben 3al)r; jur felben 3fi^ lief ber Stabtrat^ 
Don aaSefel lutfterifc^e Sü(l)er t)erbrennen, unb wenn ftc^ ein lutfteri* 
fc{)er ^rebicant fe^en tief unb angezeigt würbe, i^n jum Z\)ox ^inaud 
weifen. SBeflfalen aber, wo ber @inßuf (Söln6 weniger unbebingt 
galt, t)ielme^r in 3<^iten t)oc^waOenber ®äl^rung, wie bamald, ber 
alte ®egenfa0 fdc^ftfd)en unb frAnfifc^en 93lutd mit neuer Stärfc er- 
wachen mod)te, neigte fiel) bebenflid) jum 9lnfc{)luf an bie Bewegung, 
bie in biefen 3a{)ren jerftörenb burc^ bie nieberbeutfc^en St&bte fc^ritt, 
unb nic^t immer Ratten bie Dbrigfeiten jfraft genug, um i^r Slnfe^en 
ju bet)aupten unb bad Seifpiel beö (Sölner Stabtrat^d mit ®lüct ju 
befolgen. 



VII. 

^et Anfang bed tmn^tU^tn ^uftu^rd in fEBeftfalett. 

1. 

Salb nad^ ber Unterbrücfung bed Sdrmd ))on 1 525 geigten mam 
c^e in aBefifalen fjitx unb bort aufleuc^tenbe ©rfc^einungen, baf ber 
^a^ M SSoUed gegen bie ©eifitic^feit noc^ eben fo lebenbtg wie 
früher fortbauere unb ber ®eiji bed 8lufrut)re nic^t erfiicft fei* 

I 1. H 1038. 1041. 1042. 1045. 1047. <Dle gu Sap. IV. § 4 anöffü^tteii 
«riefe «ut^er«. 3. *. ^. (Sntwurf I. 106 u. o. 



^ 



¥11. ^tt flnfang tee e)9angeltf((^en 9lufru^r« in fBt^altn. 81 

Unter bem ©d^uftc biefer Stimmung t)frbre{tfte jic^ ba« Sut^ert^um, 
bilbrte fxd) bie tt)ange(ifd^e gartet unb ^arrte ber ®elegenf)ett jum 
iotbm^. 9Bo6( toax^n bie tauten ifunbgebungen ber neuen Sef^re 
übgefieQt morben^ aber n)er )t)oOte i^re Sln^nger J^inbern^ bad, n)a6 
auf ber ilanjel ju fagen t>erboten toax, in ben Käufern }u n)ieber^ 
^olen? @ett)iffermafen an ber Spifte biefer »erbecften Iutl)erifct)en 
9en)egung fianben bie )n)e{ und befannten Jtlößer gu Sippfiabt unb 
^en>orb. 2)enn wit immer bie Unterwerfung ber Sippfiäbter Slugu^ 
^ner im Sal^r 1526 gelautet ^aben mag, gen)i6 \% bap fte ba(b ft(^ 
kDieber lut^erifd^ audfprad^en; unb ebenfo n)enig Ibietten ftc^ bie gra^ 
tcrt^enen gu ^ert)orb btirc^ i^f ergwungened SSerfprec^en für gebunben, 
Mc ffierbinbung mit SBittenberg abgubrec^en. 9ta6) M SSorfleberd 
SImelen Xobe 1528 n)urbe fogar einer ber eifrigfien Sorrefponbenten 
2itt6erd/ ©erl^arb S3i6camp t)on Xanten, fein 9?ac^foIger* 2ln beiben 
Orten würbe aOma^tic^ ein S^^eil ber übrigen ®eifili({)feit gewonnen, 
in 8ippfiabt fogar ber Dominicanerprior 3o^ann ^unfc^ unb ber 
^ter bed Sc^wefierl^aufed , Xilmann STOengel; wäbrenb gu ^ert)orb 
ber Slugußiner !Doctor 3o^ann !Dreier immer offener ber 9iid)tung 
ber ^aterl)erren ftd) anfdjloß. 2ln beiben Orten wollte in golge 
btifen bad Jlloflerwefen nicbt mef)r gebei^en, bie ^ond^e liefen ßtUt 
unb Jtutte, t^eilten toa^ ba war unter ftc^ aud, wanberten gum Xl^eil 
fort unb trugen bie neuen Slnftc^ten in ber 9{ac^barfc{)aft um^er* 3n 
4>en)orb fam e6 babin, baf ein 8ürgeraudfd)u^ bie 93erwaltung bed 
JI(of)ergutd in eigne ^anb nehmen mu^te. SBäbrenb bep würbe t)on 
8ippflabt au6 ein lut^erifdjer Äatec^idmuö, burc^ aßejiermann in nie^ 
berbeutfc^er @prad)e »erfaßt, in SBcftfalen »erbreitet* 

2. 

®erÄufd^Iod, wie folc^e 2)inge gefc^al^en, entgogen fte ftd^ ber 
dh'nmifc^ung einer unaufmerffamen Dbrigfeit* 9^o i^ingegen bie 
Oppofition offen ^er^ortrat, fei ed mit ®ewa(ttbätigfeiten gegen ben 



f 2. jturjf« (S^rontfon t)on iSnfunft, Sunal^me unb Sortgang ber faiferl. 
fcdrn (Ret(^«f}abt IDortmunb, in ^eßp^alia 1826 @tu(t 37. <Da0 iDatum 1524, 
tnidit^ toxi angegeben toirb, berid^ttgt ftc^ burc^ Strunck 130. fS^a^ ^eft^eftf 
d^ronif über biefe ^orfäfle mitt^eilt, finbet man im $lu0gug Bei Stxömtdt, ©e« 
fd^i^tU^t 9la(^ri4ten über ba« Dominicanerflpfter in Dortmunb. 1854. p 30. — 
Holtmann 28. K 132 sqq. (Rö^el 9)2ünßerif4e ^^ronif (äft«. ber ^^aulinifc^en 
«ibl. gu fSHünfUx) p. 185. — Strunck 137. H 1319 sqq. 

CoriKliitl, «afcttlir in SRünfter. I. 6 



82 (Srflel liBud^. 

(SltxM, fei ed mit t)cm Strengen nac^ brr neuen Se^re, ober beibed 
vereinigenb; t>a fanb fie allerbingd SBiberßanb, unb eine ßnt lang 
nourbe fie noc^ jurucfgebr&ngt unb n>ieber gum @ci)n)etgen gebracht 
3n 3)ortmunb erf)ob ftd) im 3a^r 1527 Streit, ba bie ©ilben ftut^ 
mifd) bad 35Bort ©otted unb neue ^rebicanten t^erfangten; in mehr* 
maligen $$erfammlungen t)er^anten fte bei i^rem 2Bi0en gegen ben 
fftatf) ; bennoc^ xonxttn jte enblici) befd)n)i(^ttgt unb bie alte Orbnung 
aufred^tgel)alten* 3n bemfelben 3a^r würbe ju SDlünfter ber bifdjöf^ 
(ic^e Dfficial unb !De(bant ju ®. Subger, 3ußin Sranbenburg, inbem 
er im ^arabied am Dom bad geiftlic^e JRicljteramt t)ertt)aitete, t>on 
Slntou jfrufe mit ®c^mä()n>orten unb mit gejtgenem 9Ref[er angefal«" 
(en. 9lld auf naci^brucftid^ed Oberlängen bed SBifci^ofd ber ®tabtratf) 
ben gret)(er im Slf^I ju ©♦ 3ürgen greifen unb auf bie grauenjjforte 
feften lie^, empörte jic^ bie SSerwanbtfc^aft , erjwang feine ^xtU 
laffung, unb feierte mit bem befreiten im aBirtt)dl)aud ben ©ieg 
mit larmenber grö^licljfeit. ^nlti^t tt>urbe aber auc^ ^ier ber 6tabt^ 
rat^ SReifter unb bie ätäbeldfu^rer mußten in bie SSerbannung ge^en« 
®efa^rlic^er war ber 8Srm, ber im folgenben 3at)r ju ^aberborn 
^6} er^ob. 3)a {)atten fic^ am 12* 3uli in ber Äolgrot)e am Dom 
nac^ alter ®en>ol)nl)eit ©iirger ber ©tabt unb Diener bed Domcapi^ 
te(d ju einem @afitmal jufammengefe^t. 3l(d barauf ber Xan^ be^ 
gann unb bie t)on ber Dienerfc^aft bed 3ol^ann t)on 3mbfen, welcher 
Senior bed Sapiteld war, ben aSortang begel)rten, fam ed jum 
Streit, ber fic^ aldbalb gegen baö ßapitel felbft fe^rte» Die jungen 
Sürgerfo^ne fd^Iugen bie Sturmglorfe, erbrachen ben ß^or unb ftimnu 
ten, in ben Stül)Ien bed 6apiteld jt^enb, Spottlieber an, brangen 
in bie Surien unter Drohungen unb ^^eleibigungen gegen bie Dom^ 
Ferren, fo baf biefe erfc^rerft mit einem X^eil bed übrigen ßleru^ 
bie Stabt verliefen unb ben Sifc^of Sric^ ju J£)ülfe riefen. ?luc^ 
biefer Sludbrud) bed ^oxn^ gereichte jule^t nur ben ©ürgern gum 
SRac^t^eiL Salb würbe gwar ber 9iat^ bed 2lufru^r6 "SntifUx, aber 
ber 95i|cbof begel^rte S3uße* Unter ftanbifc^er Vermittlung auf 
Sc^lof 9{eu^auef würbe ber Unterwerfungdt)ertrag am 16. 9lugüfl 
gef^iojfen, wonach bie Stabt 2000 @ulben an ben SBifc^of gu ent^ 
tld^ten unb i^m bie JRabeldfü^rer gur Strafe gu fiberliefern ^atte. 
3wei weitere Slrtifet bed SSertragd, ber eine über bie bürgerlic^)e SteU 
lung ber ©eiftlic^en, ber anbre bie S3eftrafung unb Slbftellung lut{)e^ 
rifc^er ^anblungen betreffenb, enthüllen ben tieferen ©runb unb 3u^ 



VII. 3)ec Unfang M etangeltfd^n Kufnil^r« in iS^cflfalen. S3 

fömmen^^aiifl tiefer ©egebenfteit, bie t>on unfern 93eri(^terfiattem nur 
obrnl^m angefel^en uub ergä^U U)orten tfl* 

3« 

aUe bie erwähnten Slngriffe auf bie firc^lidje Orbnung glitten 
ito(^ fcndjtM ab, n)ie jener Slufruf^r t)on 1525; unb o^ne einen ftd^tK 
baren ©d^aben gurflcfjulaffen. ?lber ed ließ fidj nic^t verfennen, baf 
bie ®eif«id)feit if)re Siege, jeftt wie 1525, audfc^He^Hcl) bem guten 
9i\atn ber it)eltli(l)en Obrigfeit t)erbanfte. 3n bem augenblicf unb 
an ber ©tefle, n)o geifilidje unb weltlid^e Dbrigfeit in 3wi^fP<tit ge-» 
riet^en ober bie »eltlidje in fid) uneind unb fraftlod n>urbe, war ber x 
ei)angeKf(l)en 5ßartei eine glücft)erf)ei0enbe ?ürfe geöffnet* 2l(e im ^afft 
1529 ein foIc{)er %aVi }u 9Rinben eintrat, er^ob fic^ bae (Svangelium 
gum Sieg, unb ber eioangelifclje 8lufrul^r brang t)on ©tabt ju ©tabt 
bur^l gang SBejifalen. 

3n jenem 3a^r fiarb ber 93if(^of »on SWinben, ^erjog granj 
Don 83raunf(l)n)eig^9BoIfenbütte[, unb in goige beffen erful^r bad ©tift 
eine toi^ÜQt fflerfinberung* Der Sifc^of xoax ein n)i(ber ^err ge* 
wefen, Ijattt fUi) mi) bem S^obe bed 93aterd, ber i^m baö 95i6t^um 
im fe(l)«jel)nten Sebendja^r tjerfc^afft unb bie erfle ^dt eine Dber^ 
auffielet geführt ijatu, mit JRät^en unb iDienem nac^ feiner 9leigung 
umgeben, unb ungefc^eut bem audgelaffenfien Seben gefr6l)nt* ®läu^ 
biger unb 5fauflcute Hagten fe^r über i^n: bie einen beja^Ite er nid)*, 
bie onbern ließ er branbfcl)a^en , wenn fie burcf) fein Sanb gogen. 
©eine 93ef(l)ftftigung war JRaufen, Irinfen unb 93u^len» (Sr jog mit 
in ben Ärieg, unb feine ©d^ulb war e6 nid)t, ba§ er auf ber ©oU 
tauer ^aibe nid^t neben anbem feinet ®efd>le(l)t6 für immer liegen 
blieb; ber Xot ^erfc^onte ibn im S^reffen, aber bermaßen war i^m 
ber ^elm ungerichtet, baß er i^m nid^t t)om 5fopf genommen werben 
fonnte* ©o wunfc^te er, baß audj bie anbem e^ trieben, (56 madjte 
i^m 93ergnügen, aW im 3a^r 1521 feine ©tabt SWinben Slufru^r unb 
Jobtfc^lag erlebte, 8IW ber griebe f)ergeftent war, fam er fetbft, ließ 
bie ^aupter ber SSürgerfc^aft jum irunf in ben ÄeHer laben, unb 
ba fte }um jfommen gu langfam waren, fu^r ber ^ocl|)wiirbige in 
eigner ^^Jerfon auf bem ®d)inberlarren um^cr unb l^olte flc^ feine ©öfie 
gufammen, giel bad ?anb unter einer folc^en Slegierung ber innem 



§ 3. (Salfmann 5 sqq. Banemann laitia reform. evang. Mindensis. 

6* 



84 dt^i 93ud^. 

3errättung anl^eim; fo t^urbe cd noc^ überbief in aOe $&nbe( bei^ 
»flfifc^cn ?ßolitiI t)crtt)icffü, juerji unter bem SBater be« 93if(l)ofd, 
^finrfc^ bem 83öfen, unb^ aW biefer in ber frieftfc^en ge^be ben Job 
fanb , unter bem SBruber, bem ef)rgeiiigen unb »ielgefc^aftigen ^erjog 
^einric^ bem 3üngeren, an »efc^en ber Sifd^of ftc^ in allen wichtigen 
Dingen anlehnte* 9lld nun ber äBelftfc^e ^err noc^ in jungen 3a^^ 
ren, am 29* 5Rot)ember 1529, in golge feiner 8ludfc^tt>eifungen an 
einer efelerregenben Ifranf^eit fiarb, fe^rte bad S)omcapitel ben SBel* 
fen ben JRücfen unb »anbte ftc^ ben frieblid^en r^einifcl)en gflrfien 
ju, ^orte auf ^ergog 3o^annd,t>on ßlece empfe^lenbed SBort unb 
n)äl)lte am 10. gebruar 1530 ben Solner SDoml^errn unb Sergifcl)en 
Slmtmann, ®rafen grang t)on SBalbecf, jum ^enen bed ©tiftd. Slber 
^^^0Q ^tinxid) tooütt bad Sanb nic^t aufgeben« @r bel)auptete, für 
feinen So^n ^I)ilipp bie 3ufage bed ßapiteld ju l)aben; ber fei t)on 
bem 93erftorbenen fd)on jum ßoabjutor unb 5Racl)folger ernannt ge^ 
»efen. ^m ge^be fam ed baruber nic^t; aber bi^ fie fiel) »ertrugen, 
gingen mehrere 3a^rc l)in, unb unterbe^ »ar fein ^err im Sanb. 
granj »on SBalbecf war 55ifd)of be6 gapitelö, in HJf)ilipP^ 9Jamen 
lagen braunfd)n)eigifc^e Änec^te auf bem ©c^loi ^eterd^agen, mitten 
inne ftanb bie @tabt SRinben unb ge^orc^te feinem t)on beiben« 
3n biefer 3«^ »urbe bie ©tabt et)angelif(f). 

4. 

S3id^er t^atte bad 8utt)ert^|um fcl)on wegen ber SSerbinbung bed 
8anbed^erm mit ^ergog ^einrid^, ber fefl jur faiferlic^en unb fatbo* 
lifd^en *4Jartei ^ielt, in SRinben nic^t auffommen fönnen* !Die Ähv 
gen, ju welci)en um 1525 ober batb nac^^er bie ^rebigten M alten 
älbert W^d an ber SRarienfirc^e in ber 9Sor|iabt ?lnla^ gaben, fmb 
nic^t fo erbeblicl) gewefen, um i^n bei bem Sifc^of in ®efa^r ober 
bei ben ©»angelifc^gefinnten in befonbereö 8lnfel)en gu bringen» Slber 
feit ^rang in 5tranf^eit i>erftel unb bd feinem ©ruber in SBolfenbüt^ 
te( fein (Snbe erwartete, wagte bie bemofratif(l[)e Partei, bie fc^on 
lange ben 9iat^ bebrobte, fic^ offen bed ©oangeliumd angune^men. 
8luf i^rer Seite fianb bie SRe^rga^l ber ®ilben, für ben JRatl) war 
bie ^Rinbergal^l, befonberd bie Jtaufleute, wa^rfc^einlic^ gumeift bie 
t)omel^meren SBürger, bie burc^ SSerwanbtfc^aft mit ben 9iatf)6gefc^le(^- 



§ 4. (SiUemann unb Banemann a. a* D. — H 1312 sqq. 



VII. S)er «Infang Ui eoangelifd^cn Hufrul^r^ in 9BeSfa(en. 85 

ttm 2ufammml)ingen« 3m ©eptember ober October ßurmte hat Sott 
ben ©• ©imeonepfarr^of unb feftte einen aufm^rifcl[)en ^ßrebicanten 
bort ein, gegen ben SBtOen bce Slbteö t)on ®« SRauri^ unb €tmeon, 
^emn(^ Sttppkx, ber bad Siecht ^atte, einem feiner 3Rön^t bie $farre 
ju t)erlei^em SBir wiffen nic^t^ »elc^e golgen biefer ©c^rltt ^atte; 
mcQeid^t toax ber SRönc^, ben ber 2l6t im 9{ot)ember gefangen l^ielt/ 
eben jener ^rebicant* SBenigflend gab bie ®efangenfc^aft eineö 9)l6n(l[)d 
ben Sln(af jur Sortfe^ung beö jtampfed« 3n ber ^ad)i M 25. 9{o^ 
t)emberd befreite man i^n mit @mait unb (ief i^n am folgenben 
Jag bie ifangel bejieigen. Um feine Sadjc ju führen unb gu fc^ir^ 
men, trat im S^iamen t)on 300 Surgem ein et)angelif(^er Sludfc^uf 
"oon 36 SWannern gufammen, an ber Spi^e ber 9latbdf)err Sot^ann 
33runingf, ^eter SBi^e unb Sodann ®et)efot, be^ älteren 33ürgermei* 
fterd 6o^n. Der SBiDerjianb bed fRatl)^ toax erfolglos , bie SKac^t 
ber ®egner wuc^d fd)netl, balb beugte er ftc^ in allen S)ingen ben 
36* Um bad @t>angelium einjufül^ren, fam auf ben 9tuf ber $artei 
ber $rebiger be^ ®rafen t)an ber §oia, Sticlad Ärage, t)on Sc^lof 
<StoI}enau md) SRinben. ®anj ein "Slann, um Jlanjelrebner beö Slufj« 
ru^rd ju werben; o^ne t)iel ©ele^rfamfeit, aber bcrebt, unge|iüm 
t^ätifl, rücfjic^t^lod unb ^eftig, el^rgei^ig unb l)errfct)fü(l)tig* 3n bet 
3Bei^na({)t^n)oc^e fc^ritt man and äBerf. 9{ac{)bem bie Zl^oxt ge<» 
fc^loffen toorben, befc^icb man am 27* !December bie ^äupter ber 
® ei^lic^f eit , ben Slbt mit gweien feiner SWöndje, bie SDec^anten bet 
Stifter ©• SÄartin unb 6. 3ol)ann, auf bad 9latl)l)aud unb bielt 
fie bort gn)ei !£age unb eine 9{aci)t feft^ bid man il)nen grofe ®elb'c 
t)erf<^reibungen unb anbere 3ufagen abgegwungen l^atte. S)er Slbt 
tjerfprac^ am 29. 2)ecember urfunblic^ im 9Jamen bed Älofierd, 4000 
@ulben gu begal)len; einen $rebicanten an ber ®imeondfird)e mit jtofi 
unb Äleibung gu unterhalten, nur an 9Kinbifc^e SSürger bie Älo|ier* 
guter gu »erlaufen unb gu verpfanbcn, vom Slatl) ben ^ac^tgind fei«» 
ner Slecfer beftimmen gu laffen, bie 5ÖJönd)e nac^ i^rem ober ber 36 
SBitten frei geben gu laffen, o^ne beö 9latl)d 3"fti»«mung feine ^o* 
»igen me^r angunebmen. Unterbe^ überlief ftc^ bad SSolf bei %aQ 
unb 9lac^t ber Sludgelaffen^eit, l^intntt ben ®ottedbienfi mit ®ett)alt 
unb füf)rte ben Ärage gur Äan.;;cl, ber »on Äirc^e gu Äirc^e ging unb 
pretigte. 3)urcf) bie ergtvungenen Sßcrfc^rcibungen nid)t bcfriebigt, fiel 
man in Stix^tn unb Äloftcr ein, gerfc^lug Slltare unb Sacramentö^ 
Käufer, na^m bie Äirc^enfleinobe unb Urfunbcn weg. Darauf ent^ 



86 (Srftf« 9u4. 

fentten ftd) bie meiflcn ®cifi(ic^en aM ber @tabt unb ubcritepen bic 
übrig gebliebene ^abe bem hungrigen $6be(, ber @petfe unb Zxant 
aM ben ÄCöjiern ^eraudfc^leppte. 2)ie ©tabt aber fe^te ftc^ gegen 
Äußere Singriffe in gSert^eibigung^jianb , verjiÄrfte bie geftungdwerfe^ 
tif bie JtapeUen, bie im 993ege ftanbeU; nieber^ na^in bie ©locfen aM 
ben Äirc^en unb lief ©efcliöp au^ bem SRetall gießen* 3)en neuen 
Sifdjof erfannten fte nic^t an. Sie wollten il^n bei ftc^ n>o^nen laf^ 
fen, fagten fte,. wenn er bad Svangetium bei i^nen »oftnen taffe; 
»0 nid)t, foBc er braußen, baö @\)angelium brinnen bleiben. SBeber 
bed Sifc^ofd, nod^ feined ®önnerd, beö ^l^erjog^ t)on S(et)e, ß\u 
fdjriften gu ®unfiten bed Sleruö würben geachtet. äBd^renb bic Se? 
raubten unb ®cmiß^anbe(ten bei Surften unb ^aifcr <!^ulfc |uct)tcn 
unb bad ifammergeridit ben ijJroceß einleitete, richteten bie 36 i^rc 
^errfc^aft, Äragc bad (St)ange(ium ein. 2lm 1 3. gebruar würbe feine 
Äirc^enortnung in ber SKartindfirc^e getefen unb von dtat\) unb ®c^ 
meinbe angenommen; am 21. Stärj fc^lug er ein lutt)eri[ct)cd ®(au^ 
ben^befcnntniß an alle 5iirc^tl}uren an unb forberte bie ^4^apiftcn in 
unb außer SRinben gur Disputation ^erau6. 

5- 
Äurge 3fit nac^ bem erjien ©ieg ber neuen Sefire, noch in bcm^ 
felbcn SBinter, folgte ju ^en^orb ber gweitc. ^ier jwangen bic 33ür^ 
ger ben Slatfj, t>on feinem bisherigen SBiberfianb abgutaffcn unb mit 
ler ®emeine einen «jangelifc^en 93unb ju fcfjließen. 2ln ber 9feu^ 
^Äbtifdjen Äirc^e na^m man bem fat^o(ifd)en ^JJfarrer ben Sc^Iüffel 
ab unb fe^te einen grater^errn, 3o^ann SBlomberg, ben baö Äloftcr 
gwei 3a^re lang in SBittenberg ^atte ftubiren laffen, an feine Stelle. 
S&nger tauerte t^, bis man ben SBibcrftanb ber Slcbtifftn ^nna^ 
®räfin t)on Limburg unb ZodjUx gu (Stimm, beftegte unb aud) bie 
^fmnenfirc^e in ber Slltftabt für bie neue 8el)re eroberte. Sie wollte 
il^eber bie beutfc^en Sieber bulben, bie ber Sd)ulmeifter JRubolf SJloUer 
«nfümmte, noc^ bem !I)octdr 3)reier bie Äangel einräumen» (Sine 3fit 
lang foH SDreier auf bem Äirc^^of auf einem ßeudjterpfeilcr ftatt auf 
ber i(angel geprebigt, bann 9tat^ unb ®emeinbe bie ^irc^e mit @e^ 



§ 5. H 1036 sqq. — 3. ^. ^. öntwurf a. m. D. — ©ugenftflöfn an 
(Sprtatii« 1530 geBr. 26. bei Buncmann. — Sacebfon Urfunben gur ®t\d), tc* 



vir. <Drc Unfand M e^angelifclfrn «lufcu^r« tn ^e^alen. 87 

n>aU geöffnet; bie SIebtifftn abtx, a(d {te unter ber ^intenbretn abge^ 
fc^tfften ^Deputation ben Scharfrichter erblitft; bie $Iuc^t ergriffen 
^ben* 3m Sni^ia^r 1532 toat bad ©oangelium t)6aig jur ^err^» 
fc^aft flelanflt* Damaie, am 1. SlpriJ, la6 !Dreier feine Äirc^enorb* 
nung in ber ^uftnnenfird^e t)or unb liep fie ))on ^taii) unb @emeinbe 
annehmen. 

6. 

3n Seniflo ^atte ber ^)ii\amx an ber SRicofaifirc^e in ber 2l(t/ 
flabt; 9Rauri0 ^-ßiberift, fc^on einige ^dt ^er bie beutfc^en lieber er^ 
tragen muffen ^ bie wäl)renb bed ©otteöbien^e^ t)on ben unruhigen 
bürgern angejiimmt tt)utben, 3e0t, a(d bie Iutt)erifcJ)e ^JJrebigt in 
^eroorb bie Äan^eln einnat)m, l)o(ten ftc^ bie Semgoer t)on bort einen 
jhreitfertigen a)?öncl), ben üKinoritcn granj Siboriud 9lobo(p^i, unb 
begannen mit feinem 93eiftanb untfr ber gü^rung bed Stabtfammererd 
3o^nn 2)eiterbincf ben Äampf gegen 9tat\) unb ®eiftlict)feit» Die 
©rünbe, bie ber geteerte unb l}oci)geact)tete Sürgermeifter 6onrab 
Slor^en aud bem jtirc^enrec{)t; aud ben SSätem unb aud ber tro$ 
ibrer Äürge fc^on fo traurigen (8efcl)icbte ber neuen 8e^re entnahm, 
to)urben mit ben Sprüchen aud ^4^au(i Briefen angefoct^ten^ bie 2)ei^ 
terbincf fo oft gelefen ^atte^ ba^ er ben Srief an bie Stomer aud^ 
koenbig n)ufte. 2)ann brachte man bie ®egner mit ®en)a(t gum 
StiQfc^toeigen« Qin e))angelifc{)er 9ludfc^uß t)on 24 Bannern leitete 
bie 93en)egung* Siboriu^^ ber ton ben ^Bürgern guerfl nur an ben 
Slac^mittagen ber Sonntage gur Äanjel gefül)rt worben war^ t)er* 
brdngte barauf ben Pfarrer 5ßiberi^ tJoUenbd aud feiner ÄircJ)e. Die^ 
fer forberte, gegen bie @ewa(t proteftirenb , bie ©laubigen auf, i^m 
nac^ ber So^annidfirc^e in ber SSorftabt ju folgen; auc^ bort nic^t 
flebutbet; gog er in bie benacl^barten 2)örfer ^inaud. Slber man vooütt 
überhaupt feine fat^olifc^e ^ßrebigt met)r leiben: er foüe bidputiren, 
rief bad SSoIf, unb gegen Siboriud feinen ®lauben enoeifen^ Da er 
fid) nun gu ber Disputation verfianb, ujurbe ber Streit auf bem 9lat^^ 
band bi« tief in bie 9lac^t in einet SBeife gefüf)rt, baf man ben 
^4Jfarrer gulejt ^eimlic^ fortfdjaffen unb naöi) ^aufe entlajfen mupte. 



§ 6. H 1058 sqq. — jeifinferc^en Jtir(^fnftff(^i(^tc OBffifaUn« H. 354. — 
Sininck 149. — U9I. ^o(|aJ)fcl ®ef(^. Ux Äird^cn»crBcfffrung gu 2cingo. 
^mgc 1817. 



88 dx^u f8udf. 

dnUid) blieb t^m, um !DroI)ungen unb @malt ju entrinnen ^ fein 
anbrer 2Beg me^r offen, aW 5Pfarre unb Stabt ju tjerlaffen unb nac^ 
^en>orb audjutvanbem* @o ging ed überall, wo man ftd) bem &^an* 
gelium nic^t unterwarf. Die beiben Sürgermeifler, glörfen unb 
SI)ri{)ian jtleinforg, n)urben t)om IBoH auf bem Statl^^aud belagert, 
fingefc^Ioffen unb bebrol^t, bid fie bie'Stabt \)erliefen. 2Bal^renb bie 
italanb^^erren m ber 9teuftäbtifc^en 9Rarienfircl)e i^ren ®ottedbienfl 
hielten, brac^ ber §aufe t)erein unb fübrte ben Sd^ulmcifter ©raffet^ 
mann ind Pfarramt ein, inbep bie ^43riefter ftc^ rafc^ von ben 3(ltären 
entfernten. 91ud ber 3o^annidfirc^e n)urbe ein 6ap(an nac^ bem awf 
bem vertrieben, bid feiner nie^r ju fommen wagte. Die Slenberung 
be^ öffentlichen 3ujt<inbed warb burc^ bie Sinfe^ung evangelifc^cr 
SBurgermeifter unb burdi) bie S^tixat M Siboriud bejtegelt. 

7. 

!£)ad @oangelium würbe nac^ feinem @ieg in ben brei 6tabten 
nic^t wirffam angefoc{)ten. Slnfänglic^ jwar würben bie Semgoer vom 
©rafen Simon von ber 8i))pe unb von 33ifcf)of Sric^, i^rem geift* 
liefen SSorgefeJten, mit firengen SÄafrcgeln bebro^t unb banften i^rc 
JRettung nur ber grieben^vermittlung bed lippifc^en SlbeW unb i^rem 
®elöbnif, fortan von ber Steuerung abjujie^en. 8lber ba Sifc^of (Sric^ 
^arb, unb ®raf Simon unter bem (Sinfiuf beö Sanbgrafen |ianb unb 
felbft mit einer (utf^erifc^ geftnnten Srau aud bem ®efc^(e(i)t ber 
Sßandfelber ®rafen vermählt war, fo ^atte.i^re Unterwerfung feine 
folgen unb würbe baö Sut^ertl^um ni({)t in ber $errf({)aft geftort. 
ibie SBinbifc^en Ratten auf mehrere 3a^re ^inaud nur mit bem itam^ 
mergeric^t gu t^un. Die ^ervorber gu jwingen, xciijk bie üKac^t 
ber 2lebtifjtn bei weitem nic^t au6, unb ber ^ergog von Steve, bef* 
fen §ülfe jte anfprac^», befam gur felbcn ^tit in feinem eignen Sanbe 
93ef(^aftigung. 



VIII. 9UfcTmaticn9JHxfu^t bei $er|üg« oon d^Uve. 89 



VIII. 

fKefotmatiottdtietftt^e bed ^etjogd tion @:(etie. 

3)a6 ®tbUt, mli)t^ ^^tjo« 3o6ann be^errfc^tr, an beiben Sei^ 
ten bed 9tl)emd unb quer burc^ 9Bef}fa(en ^d) erftrecfenb, i>on t>ie(eri' 
Irf iant>tn begrmst unb beu verfc^iebenfien (Sinflüffen offen, toai 
fd^torrer aW alle anbem 3;^eile ber ßölnifc^en Äird)enprot)inj gegen 
bic neue ?e^re gu fc^üften, bje mit iebem Sa^re l^aufiger t>on %lüd)U 
(ingen unb SBtnfelprebtgem herein gebraci)t n)urbe. 91uc^ modl^ten 
öiele UntertfianeU; wenn fie berfelben fid) gunelgten, in bem ®eban^ 
fen (Srmutl)igung finben, nur ber t)er()a^ten ®eift(id)feit, nid)t ber 
mlti\ii)tn Dbrigfeit entgegen}ufie()n, inbem fie bie offenfunbige; noc^ 
wr furjem burc^ eine ^eirat befepigte greunbfc^aft envogen, bie ben 
^of ju iDuffeiborf mit bem ^aupt ber proteflantifd^en Steic^dflänbe 
verbanb, unb ftd) erinnerten, bap bei ber 93rautfa^rt ber S^urprin) 
feine ^rebicanten mit fic^ gefä()rt i)atte, bie gen)ifferma$en unter l^er^ 
iOgU(^em €(^u( überatl in ben Stabten t)or ga^Ireid^en 3u^6rem 
ben fi(^ftf(^en ®iauben geprebigt, ja feibf} in ber dleftbenjflabt einen 
Seiner ÜRinoriten, äo^ann Sorbacb, t^atten gum ^d^weigen bringen 
bfirfen* (So gab eine ^tit, n>o fogar bie proteftantifc^e Partei im 
9lei(^ meinte, auf ^ergog 3oi)annd 93eif)anb gegen £önig ^erbinanb 
unb bie Sifdjöfe gur SSert^eibigung bed et)angeliumd gä^Ien gu bur^ 
fen, unb noc^ bid 1534 ^ielt 3ot)ann griebric^ ftc^ ber 9ieigung fef^ 
ned Sc^tDiegert)a(erd gu bem 8lugdburger Sefenntnif für t^erftc^ert. 
^an irrte barin* ifeine ^anblung bed ^ergogd beutete an, ba^ er 
bie 2lbft(l)t l)abe, ftc^ t)on ber Ätrd)e ober t)on Äaifer unb 9leid) gu 
trennen, SBaö if)m felbfi »iclleid^t an (Sntfcfeieben^eit in ber religio/ 
fen Angelegenheit fet)(te, würbe burc^ ben ©influ^ ber be^arrlid) fat^o* 
li\i)tr{ grau ^ergogin 3»aria erfe^t, bie al^ örbtoc^ter t?on Sülic^ 
xmb 33erg, nic^t minber burd) SBiüen unb ^Jierfönlic^fcit ein nid)t ge^ 
ringe6 8lnfef)en bei §of unb im Sanbe genoß* 2lud) bei ben ^ergog^ 



§ 1. H 9S4 sqq. — Seckcndorf Comm. «le Lutheronismo a. m. D. — 
ZwiDglii Epp. 1. 528. — (Stnige ^cUn^üdt aue ten fcldentru 3a^rrn. 



90 dxfiu 9ud^. 

Kcl)cn Statten ^nb Dienern war bie unöer^üHte Äunbgebung Intiitxu 
fc^er Slnftc^ten eine feltne 9ludna{)me* 3)ennoci) f)attc bte SReinung 
ber ^rotefianten i^ren ®runb in ber Haltung ber SIet)i[d)en Stegie^ 
rung, Xdufdjen wir un6 nic^t, fo lag eö in ber 2lbftd)t be^ Düffel 
borfer ^ofe6, in fo weit eö o^ne SSerleftung bed ®e^orfamd gegen 
bie Äird)e unb ber ftrengcn ©efejlic^feit möglich war, gewiff ermaßen 
eine mittlere Stellung gwifd)en beiben religiöfen ^Parteien ju nehmen» 
9Ran [ci)u$te bie jfirc^e, aber man betl)eiligte ftc^ an ber Dppofition 
unb bem Eingriff gegen bie tixd)Ud)m 9Mif brauche; man wel)rte ber 
Steuerung im ®ottedbien|i unb in ber ^JJr^biflt/ aber bie aSerorbnun^ 
gen nannten feit 1525 nic^t me^r ben 9{amen Sut^erd unb ))ermie^ 
ben bie @rwäbnung ber Hauptfragen, über welche er mit ben fatI)o^ 
lifdjen S^eologen ftritt, wie ber 9led)tf ertigung , bed gegfeuer^ unb 
8lb(ajfe^, beö freien SBiüen^ unb ber guten Sßerfe, Slbweicöenbc 
SKeinungen hierüber follten, fo fc^cint ed, überfe^en werbe», fo lange 
fle X^eorie blieben unb nicfet in ben ©otte^bienfl eingubringen t)er^ 
fuc^ten. iDa^er aud) bie Schonung, welche Slarenbad; feit 1525 
breimat, ju SBefel, ©überic^ unb im Sergifd^en, t)on ber ^erjoglirfjen 
JRegierung erful^r, wdt)renb bie Saplane ju gleicher 3^it nic^t eben 
fo glimpflich wie ber @c^ulmei|ier beftanbelt würben. 3n wie weit 
eine folc^e ^olitif bürcft baö 98er^dltni0 gum fäcl)rifd)en ^ofe bebingt 
war, ober ob ber (Sinfiuf ein^eimifdjer, mit Sra^mud befreunbetcr 
Staatsmänner ju i^r ^infü^rte, muffen wir bei ber völligen Unju* 
Wnglic^teit unfrer Cuetten unerörtert laffen, unb wollen nur barauf 
^inweifen, wie fe^r bie Sage ber 2)inge in 3)eutfc^lanb bic^ 2luS^ 
funftdmittel empfahl. 3e bitterer ber Streit ber J^eologen war, ic 
me^r fic^ bie Sludfie^t auf eine Söfung ber ©laubenSfragen »erbun* 
feite, wofern nict)t einem Soncil bie @ntfci)eibung übertragen würbe, 
unb ie ja^lreic^ere Stimmen bed^alb ftc^ in bem 9ierlangen nac^ 
einem (Soncil t)ereinigten , befio me()r würben grabe bie wo^lgeftnn« 
teften ßaien in eine mittlere juwartenbe Stellung gebrangt, welche fic 
al0 Snterim bid gur ajerfammlung M Soncild ju bel)aupten wünfc^* 
tem 9Belc^en 33eurtl)eilungen unb ÜJiißüerfianbniffen bie$ SSer^alten 
üudgefe^t war, leuchtet freiließ ein« 



I 



®Iet(^ nad[) bem Slufru^r )>on 1525, am 8* 3u(i, a(d auf bie 
Sett)fflung Stu^e gefolgt war, erfd^ien eine ^erjoglid^e 93erorbnung, 
tif einige ber SBurjeln be6 Uebeld anfaßte unb audjurotten ))erfu(f)te« 
Seit längerer 3eit, l^ei^r ed barin, finb t>iele unjiemlid)e unb unleib* 
lid)t SRi^bräud^e in unfern Sauben eingeriffen, woburd) bie Untere 
tränen befc^wert werben unb Slergerni^ unb SWi$t)ergnügen entjianbett 
fbib. Um i^nen entgegenjutreten, foH ie^t eine Drbnung unb 9ieform 
eingeführt unb fo lange gel)alten werben, bid auf einem Soncil ober 
9let(^6tag anberd entfcl)ieben wirb, „benn a(d ein d)rifilid)er unb ber 
faiferlid)en SRajeftat ge^orfamcr gurft," fagt ber §ergog, „wollen wir 
fletd erfunben werben/' 3wm X^cit waren bie 93efc^werben , bie flc^ 
wSl)renb ber Bewegung funb gegeben I)atten, we(t(i(l)er 9iatur unb 
gegen bie Slmtleute gerid)tet gewefen* 2)arum wirb ben Beamten be^ 
^^len, bad 9iecf)t unparteiifc^ gu tjerwalten, feine Oefc^enfe ju ne^* 
men, ben Slufwanb ber ?ßroce^füt)renbfn nid)t unbillig gu t?erme^ren, 
armen Seuten baö Siecht umfonfi gu geben, ungebül^rlic^e grol)nbienfie 
abguftellen, ben Älagen über aBilbfctjaben gerecht gu werben. 2)aneben 
foUen €pi^buben, fianbläufer, ©aufler unb ©etiler t>erfolgt, wuc^ernbe 
Suben ald gemeine unb offenbare SJäubcr mit 8eib unb ®ut ber Dbrig^ 
feit verfallen fein. Slber ber größte J^eil brr Uieformen i|i gegen ben 
6leru6, vor allem gegen feine ^abfuc^t gerichtet, gür Sacramentc 
unb 33egräbniffe foÜ fein ®elb geforbert, niemanb gu Segängniffen, 
Seelmeffen, 3a^rgeiten unb Dpfem gegwungcn, im @enb feine ®elb^ 
fhrafen auferlegt, ®eiftlid)en ber Säerfauf von Sebenömitteln nic^t ge^ 
flattet , ber übermäßigen ffierme^rung i^re« SeP^ed burc^ ®üterfauf 
unb (Srbfcbaft @inl)alt getrau werben. 933eil ba^ ^auptübel in ber 
abwefen^eit ober im fd^led)ten Setragen ber ^a|i6re gelegen, foB 
man fte jeftt anl^alten, in eigner ^erfon i^re Äirc^e gu bebienen, ba6 
fflort ®otte« flar unb ol^ne 2lufrul)r, Slergernif , Sigennuft gu ver^ 
fünbm, bem 93olf in gutem, ebrlidjem unb frommem ?eben vorgu^ 
gelten unb e6 im (t)rißlt(^en ®lauben grünblict) gu untenid^ten. Xön* 
nen fte aber aM triftigen Urfac^en i^rer Äirc^e nid)t mel^r vorjie^ien, 
fo foßen jie einen gelel)rten Stellvertreter ju ftc^ nehmen unb genug* 
fam bega^len^ SBo tin Älofler ober ©tift bie Äird)e fic^ incorporirt 



i 2. ecotti Süliil^dltt^c^crgifc^ ^fe^e unb «eroctnungcn 1. 19. 



92 Qrfle« Sdnd^. 

f)at, foQ ed einen tüchtigen $aßor mit ge{)6rif)em Unterhalt anfteOen 
unb feinen SRönd) i}m\^iitn. Unt) n)ei( aud^ 'oon ten 93ette(ort)en 
unb anbern ^(öfiem t)ie(erlei Uebel ^erfiammt, fo befiimmt ber ^er^ 
gog: t)on nun an foH fein SRönc^ me^r burc^ bie Sanbe laufen unb 
betteln, fonbern fie foHen in ben Älöfiern bleiben unb bort ®ott bie^ 
nen^ fie burfen feine S^efiamente me^r machen nod) ald ßrecutoren 
{i(^ brauchen taffen; feiner foO ind Jlloßer aufgenommen unb tin^ 
gef leibet n)erben; e^e er ju feinem Sllter unb SSerf^anb gef ommen ; bie 
@elbforberungen ber ^lö^er bei ber Slufna^me neuer SRitglieber foUen 
befeitigt ober, in ben armen Jtloflern, n)enigfiend auf ein gebu^rlic^ed 
SRafi erniebrigt tverben« 3lu(^ n)ill ber ^erjog feine @tationirer 
me^r bulben, bie bad ®elb aud bem Sanb bringen, xoiü bad iBolf 
t)or bem ))ielfältigen SJiiPrauc^ ber geiftlic^en 3uri6biction mit 93ann 
unb unterbiet in feinen @d)u^ net)men, ^eiligentrac^t unb ^agelfeier, 
bie nur mef)r ju Spott unb Sunben 3lnlaf geben, abgefüeUt )t)iffen« 
iDagegen n)erben bann bie Untertbanen ernfilici) angewiefen, ftc^ bed 
IDidputiren^ unb unnützen 9teben6 über ©tauben unb ^eilige €c{)rift 
unb Dbrigfeit beim Xrunf unb in ©efeQfc^aft ju tntf)alUn, t)ielme()r 
ber Dbrigfeit anjUjeigen, wad ju 9efcl^n)erben Slnlaf gebe: ber ^er^ 
jog n)erbe ed abfteUen« 

3. 

SBie ed aber ju gefd^e^en pflegt, backte man, ie miUx in ber 
3eit man ftc^ ))om 3at)re 1525 entfernte, um fo n)eniger baran, bie 
bamaligen guten SSorfa^e ind Seben ju fuhren* @rfl ber neue 3ln^ 
fiof, ben bie Bewegung feit 1529 in SBejifalen erhielt, rief bie 6le# 
Difc^e älegierung tvieber jur S^^ätigfeit auf. 9lm 18. 3u(i 1530 
erfc^ien tint SSerorbnung, n)elcf)e in ber Slbftc^t, ben Unorbnungen 
entgegenjutreten, bie burc^ bad fc^lec^te Setragen unb ben @igennu$ 
ber ®eiftlic^teit unb anbererfeit6 burd^ bad Sinbringen unberufener, 
jU 9?euerung unb Slufru^r unter bem Schein bed @t)angelium6 an^ 
reijenber ^4Jr^bic^^"ten entjianben, bie Slmtleute ann)ie6, bei ben ®eiji^ 
liefen barauf ju fe^en, ba$ in 5ßrebigt unb ®otte^bicnfl feine 9leue^ 
rung eingefül)rt, fonbern baö SBort ®ottcd o^nc Slufru^r, Schelten 
unb (Sigcnnu^, jum ^eil ber ©ecten, beö gebend S3e([erung unb @r^ 
Haltung bed griebend flar t)erfünbigt, fein SWipbraud) mit 93crfauf 



§ 3. ^cottt (^Immäxtiid^t @efefte unb Q^erurbnungen 1. 53. 



Till. 6itcfennatton«»crfud^e Ui ^trgeg« wn (S(ct»f. 9^ 

Itt @aaammte unb anbrrm unbiaigen Sluflagm getrieben merbe, ben 
gemeintn SRaitn aber im d^um gu IjalUn, ta^ er ^xi) )>on Slufru^r 
unb Neuerung fem f^altc unb ftc^ nicl)t unterfle^e, in Verbergen unb 
9Btrtl^6^&ufem fret)entli(^ gu bidpudren ober gu prebigen* Sin anbe# 
re« SRanbat, \>om 2A. Dctober beffelben 3al)r6, befiehlt ben ^itat^ 
(euten, auf ben SRi^brauc^ aufgumerfen, ben bie $afiore mit i^rer 
Stetoertretung im 2lmt treiben, inbem fte entweber untaugliche ober 
ni(^tdn)ärbige Sapline berufen, ober fie oljne l^inreicbenbed ©nfommen 
aud ben dienten ber Äirc^e Ia|fen unb fte bergeflalt auf bie Sebrfi* 
cfung be6 gemeinen ^annd ann^eifen. @ie foUen bie ^afiöre gur 
Slb^eQung biefer Ungebühr anhalten unb im %aü M Unge^orfamd 
an ben ^ergog berid)ten» 

8lu(^ biefe SSerorbnungen Ratten feine golgen , unb waren jte auc^ 
au^gefö^rt »orben, fo Ij&ttt man baburd) bie Urfac^en ber Unruhen nid^t 
me^r gehoben. Sieformen, bie t>or 1525 t>teOeid)t eine gute äBirfung 
Vorgebracht ^aben mürben, reic{)ten ie^t nic^t met)r ^in, bie in bie 
S^iefe unb breite gen^ac^fene @ät)rung gu befc^n)ic^tigen. Slud ben 
^agen ber 3u(^t> bed 9iec^t^ unb @m)erb6, mit mli)tn ftd^ bie 
^ergogiic^en (Sbicte befcf)&ftigten , toat ber (Streit nun fc||on auf bad 
®ebtet beö ®(aubend unb 6ultu6 übertragen n>orben, unb wollte 
bie ätegierung i^n b&mpfen unb be^ bro^enben 9lufru^rd 9){eifier 
Werben, fo mufte fte g(eic^fat(6 ben religiöfen ilampfpla^ betreten* 
€(^on in ber SSerorbnung t)om 18* 3uli 1530 war bie Sinfü^rung 
einer ^ergoglic^en J(trc^enorbnung in Sludftcl)t genommen worben, aber 
man mod^te wo{)( gaubem unb fld^ nic^t gern entfc^lie^en , bergefialt 
in ben eigenttid^jen SBereidj ber geifilicl)en Dbrigfeit übergugreifen. 
(Srfl anbertf^alb Sa^re fpäter, ald ®efa^r unb 9lotf) anbauernb ge«' 
wacbfen unb burc^greifenbe SRa^regeln unumgänglich geworben, ifl 
biefe Orbnung aufgearbeitet worben. @ie erfc^ien im Slnfang bed 
3a^re 1532. 

!Die 8e^ren unb ©ebrdud^e ber Äirc^e werben in i^r audbrücf^» 
lidf aufrecht erhalten« 9tiemanb foU in ^irc^en unb jf(6f}em prebi^ 
gen, atö wer orbentlic^ bagu berufen ifi. steine Steuerung foO ge« 
bulbet werben, Weber gegen bie ©acramente, noc^ gegen ®efänge. 



§ 4. 6cotti ^lm*9laxti^^ ®cfe(e unb a^orbnungen I. 58. 



94 mt^ ^ud^. 

(lebete unb Serftnomtn; @onn^ mit Setertage foOen gehalten, bie 
%afttn nid)t gebrochen werben« Dabei tritt aber bie Crbnung ben 
lut^erifd^en 9Reinungen nic^t offen entgegen. 93ie(ine^r n)ia fte i^re 
Erörterung ))or ber @emeinbe t)ermieben wiffem 2)ie ^rebiger^ t^ei^t 
tt, foUen alle fireitigen Slrtifei^ unb n)ad nid^t gu trieben, @imgfeit 
itnb ^efferung bient, gänglic^ Dermeiben unb fid^ bed Sc^ltend auf 
alte ober neue &el)re enthalten, totil taxaM nur Slufru^r unb SBiber^ 
miUe erfolge« 3f)re Slbftc^t ifl, mit Umgebung ber Streitfragen ba^ 
^n )u toixtm, ba^ ber gemeine Wtann burc^ forttoä^renbe einfache 
Sele^rung }u befferem Serftanbnif be^ !Dogmad unb ber Seremo^ 
nten gebracht unb jur Erfüllung ber c^rifllic^en ^^^flic^ten angehalten 
n>erbe. 3eben Sonntag foQ neben (Soangelium unb (Spiftel bad 
®laubendbefenntn{f audgelegt, bie (Zeremonien in berjenigen ^tit bed 
lWrcl)enial^rd, in welcher fie im ®ebrau(^ finb^ bie täglich wieber* 
fel)renben bei bequemer ©elegen^eit erläutert »erben* ^auptpunfte 
jtnb iJaufe, SIbenbmal, @^e, @ebet, 9teue unb Befolgung ber ®ebote. 
2)iefe follen, einer nac^ bem anbern, an ben »erfc^iebenen Sonntagen 
erflart, ber gemeine ^ann über ba6 Xaufgelübbe^ über Sßirfung unb 
re(i)ten ®enu0 M 2lbenbmal^, über bie ^flic^ten ber @^e, ^otij^ 
i^enbigfeit bed ®ebetd; unb baf ber ®laube n\d)t o^ne bie Sel)re ber 
®ebote, bie 8urd)t ®otted unb 8iebe bed 9läcl)jien fein fönne, unter* 
richtet werben* (Se erljeifc^t bie 9?otl), fagt bad ©biet, baß ben \l\u 
tert^anen taglic^ oon ber Strafe ber Sünbe erj&blt werbe unb ba$ 
man fte le^re, mit welci)em c^rifttid^en Sßanbel bem S^eufel unb ben 
Sünben wiberfüanben werben {önne, unb wie burc^ bad ®ebet ber 
®laube gemehrt; burc^ Sltmofen bem 9läc^fien gebleut unb bem ®eij 
abgebrochen, burc^ gaffen unb arbeiten ba* gleifc^ gfja^mt werbe* 
!Der Seelforger wirb ju ri(l)tiger unb vorfic^tiger Vorbereitung ber 
^farrfinber jum Slbenbmal in ber 93eic{)te angewiefen; iebed wenig« 
fiend einmal im 3a^r in ben genannten fünften ju eraminiren, unb 
nur, wenn eö bie ^-]Jrüfung befielt, jum Sacrament jujulaf[en; gu 
anbac^tiger geier ber Sonn* unb gefttage mit ®ebet, SBereuung ber 
Sünbe, Sln^ören bed göttlichen SBorte gu ermahnen unb fte i>om 
»efuc^ ber SBirt^d^ufer abgut^alten. 3ur ^ülfe gibt i^m bie «egie^ 
rung gebrucfte 8lu6(egungen bei^ ®lauben0befenntniffed, ber ge^n ®e* 
böte unb bed 93aterunfer6. Unb nac^bem ben ®eifMicl)en alle biefc 
^flicl)ten auferlegt fmb, fügt bie Slcgierung für bie Untertl)anen bie 
äBeifung am Schluß ^ingu, bap ftc^ niemonb unterließen foOe, einem 



k 



IX. ^(t etangelifd^e Sbtfrul^r in 2i)»)}fiabt unb ^ocff. 95 

^btgct auf «bct Kantet gu ktiberfprec^en, in SBirt^d^äufem ober 
fimß wn @(auben^ @t>ange(ium , Obrigf tit t)er&(^tltc^ }u fprec^eti 
ober jänfifc^ gu btdt)utirrn^ an trgenb dner Steuerung tt)d(jimt^mcn, 
ober ben @d^iic^en Slbgabm unb 3inftn t)oriuent^aUen* 

aßie toentg biefe jftrc^enorbnung nu^tr^ merbrn mir fpäter fe^m* 
Sür bte n>eftf&lif(^en Sanbe bed ^ergogd toar fc^on ber Umfianb ent« 
fc^ribmb, ba^ fit gu fp&t tarn* !£)enn ald fie erfc^ien, wax bort be« 
rdt6 in gn)d n)i(^tigen @täbtm btr Slufrul^r audgebro(^rn unb tin 
duftonb dngffu^rt n)orben, btr bie @(^ranfrn auc^ ber nac^ftc^tigfien 
fat^oHfc^en JFirc^enorbnung nic^t met)r ertragen fonnte* 



IX. 

Ser etiangeltfcpe ^ufru^r in 2tppfiabt unb ®oefl. 

Suerfl tt>ar ed in Sipt)f)abt gur @ett>altt^at gefommen* !X)em 
Scifpiel ber 9ia(^barf)abte folgenb, vertneben bie Bürger itjxt fat^o^ 
lifc^en ^afiöre aud ben Jtird^en unb führten bie ^uguftiner auf bie 
Jtangetn* 6inem et)angeitf(^en 3lu6f(^u^ t)on 30 Bannern warb bie 
gu^rung Abertragen* Um ben @ottedbien{i auf bie neue S93dfe ein# 
guri(^ten unb eine jtird)enorbnung aufgufieQen, berief man auf Sffiefler« 
mannd fRati) ben früher aud ^überii^ ^oertnebenen 6ap(an Demifen^ 
ber unterbeß in ©ac^fen gewefen unb fic^ mit bem lut^erifd^en Äir* 
c^entoefen befannt gemacht ^tte* 9{ac^ feiner SSorfc^nft lad am 
20« Slugufl 1531 ber ^luguftiner äßil^eim (Sappd aud Siiren bie 
erfte beutfc^e äJteffe. 2)er fortbauembe äßiberftanb M 9iat()d führte 
gu einer neuen @r^ebung bed 93oifö: man befe^te bie 2^1)ore unb 
äBaQe, brong bem 9lat() bie @c^luffd ber Stabt ab, unb t)erfc^affte 
ftd^ bann t)\xx^ Slbfe^ung unb 9{eun)abl ber Sürgermeifler unb äiat^d^ 
^en eine evangelifc^e Dbrigfeit, bie unter SJtitwirfung bed auf 90 
9Ränner t)erßärften 3ludfc^uf[e6 bie Slegierung im @eift ber l\\ti)txu 
fc^en $artd gu führen ^atte* 

aSon ben beiben Ferren, unter beren gemrinfamer 8anbedf)ol)cit 
bte Stabt fic^ befanb, wäre gn>ar ber eine, ®raf @imon t>on ber 



I 1. H 1046 sqq. - K im (Sa|». 9 Ux dinieitung. 



96 drfle« <Bu^. 

itf^l^t, aud eignem Eintrieb bem SSorl^aben ber Sürger« ^trr fo tvenig 
a(d in Sfmgo emfl(ic^ in bm Sßeg getreten; aber ^ergog Sodann 
fc^ritt gegen ben ^iufrul^r ein unb bemog ben ®rafen jur S^^eilna^me 
an feinen 2Rafrege(n* @r ^atte einen befonbern ®runb jum IXimil* 
(en gegen bie @tabt barin, baf fte ben @a)}(an, ben er felbf) bed 
l^nbed \>tmk^tn, aufzunehmen gen)agt* 9l(d er fte hierüber juerfl 
unb über bie gewaltfame (Sinfii^rung ber Slugufüner in bie Jlirc^en 
gur dtebe fleQte; befam er gur Slntwort, baf Demifen n)egge^en werbe, 
aber bie Sluguftiner feien nac^ ber SBeife Der alten Jlirc^e ))on ber 
®emeinbe berufen, ii)re Sebre fei bie n^abre 8e()re S^rifU unb ber 
8lpofteI, unb fo möge ber ^ergog gleich bem Sl)urfürjien t)on @ac^^ 
fen if)nen biefe Se^rer ber Wia\)xi)t\t gejiatten. 3)urc^ bie barauf er«^ 
folgenbe ^enberung M Stabtregimentd n)urbe fon)ot)l ber UnmiQe 
M ^erjogd aW ber SHJiberjianb ber 8ippjiäbter t?erfiarft^ Sie foü- 
ten, forberten bie beiben ?anbed^erren , i^re abtrünnigen Wionä)t mU 
fernen, bie t?ertriebenen 5ßfarrer tt)iebert)erftellen , bie Dbrigfeit in ben 
alten @tanb fe$en, für Slufru()r unb ®ett)altfamfeit ®nabe unb Sü^ne 
fuc^en. !Dagegen behaupteten bie Särger in aUem ibren SBiUen, er^ 
boten fic^ gu Siecht unb ließen e6 auf bie (Sttoalt anfommen* SBirf^ 
Hc^ begann ber Äampf. ÜKan ließ von allen Seiten bie ©trafen 
befeften unb ber ©tabt ben SSerfe^r fperren. 

D^ne ämiUl toÄre Sippfiabt im ifampf erlegen, unb bie l)iermit 
begonnene ®egenben)egung l)&tte t)ietlei(^t bie (Srfolge ber lut^erifc^en 
@a({)e in gang äBeflfalen \d)ntU ^oemicbtet, n)enn nic^t grabe im SBim 
tn 1531 auf 1532, e^e ed noc^ mitSippftabt gum rechten @rnft ge^ 
fommen, bie gmei tt)ic^tig{ien @t&bte SSSefifalend, ©oefl unb SJlünfier, 
t)om Slufru^r ergriffen n)orben n)&ren* 93or^er ^&tte eine geringe ge^ 
meinfame Slnfirengung ber gflrjien bie alte Drbnung ftegreic^ bebaup^ 
Un unb bie ©puren bed Slufru^rd t)ertt)ifc^en fönnen. Seftt aber Än^ 
berte fiel) bie allgemeine 8age ber Dinge, unb bie Äräfte ber et)ange^ 
Hfc^en ^4Jartei wuc^fen in einem folc^en ÜÄaf e, baf ber 2ludgang eine« 
gett)altfamen Äampfd gegen biefelbe nic^t leidet me^r gu ermeffen panb. 

2. 

Suerfl trat ©oefi auf bie ©eite bed @t)angelium6* 

©oefi tt)ar bie t)olfreicl)fie unb bebeutenbfie ©tabt be6 füblic^en 



§ 2. gür tie ^otfttt (Reformation f^ai mit ein befonWrO xtidfU S^atcnal 



IX. ^tx coangelifcf^e ^ufru^c in 2i)>vfldtt unt) €i)cß. 97 

SSJcjifalfnd , unb unter aflen Stübteii fcer ^erjoglicbcn 8anbc bei roeu 
lern Die nmc^tiflfte. Seit Der a)iitte tcd \>origen iJaör^untertd , ö)0 
ed jic^ in ber großen ge^be t>on 6()ur^6ö(n ju 6let)e gewantir, ftanb 
H an ber ©pije ber SleT)e^9)iarfifc^en gtdbte auf allen Sanbtagem 
Suflleid) \ub(n 9Äünfter öorwalteub unter ben wefifÄlifc^en Stabten 
auf ben ^anfetagen, reic^ burd) 9Boflen^i>eberei unb anbered ©eiverb^ 
^errin eined frud)tbaren unb jiemlic^ audgebet)nten ®ebietd, na^m 
©oefl bem Sanbed^errn flegenüber, ben ed felbfi fic^ fle«)al)lt ^atte^ 

|u ®(bi>te geflanten. (^enügenten (Srfa^ für ben tie 9{(fürmation«iat)re betreff 
fenCen IBanD ber ö^at^Äprotüfüdc, ber feibcr nic^t aufjuflnbcn war, Qciva^rte ein 
55fri(^t (©eifage Vf.), ben id^^ ber ®iiU be« ©^mnafialsDbfrlc^rfr« iöorwer! gu 
Cerfi verbanff, U'clc^er eine »on einer (^'opie bcd ))crt^en Sa^ri^unbertd genom« 
menc Slbfc^rift mir jur ^enu^ung «erftattete. ülDä^renb bed (SreigniiTed fucco'ftv, 
loie ciS fd^eint, au fi^eije lehnet, trocfcn unb bürr, auf bad ^leugere ber^^orgängc ftd^ 
be((^ränfenb, aud; nur feiere ^in^e bcrü^renb, bie ben Otait) unmittelbar angr^en^ 
ber Partei be^ ^ati)^ unb ber alten JlirAe jucjet^an, ebne jebuc^ lebbafterc Xbeil* 
nabwe bilden g« iaffen, nimmt er ficb faft au^ tt?ie ein »on bem Statrfdjreibcr 
verfaßte« $rotüfel(. ^ic €eite ber lutberifd)en ^uri^erfcbaft bagegen \)<ttvitt ein, 
n>abrfd}rinlt(b fd)cn 1533 gefdjriebener , furgever *43eri(^t im <89v eine '^^irt ^tnU 
(d^tifx über ben Streit ber €tabt mit tcm (Kapitel, aud ber S^Cer einee bitteren 
geinbed be6 (enteren, f. löeil. VII. Jöon unleugbarem ()i|lürifcicn 2lkrt^, trenn 
aucb mit großer 33ürjid;t gu benu|jen, jinb bie beiben poetifdjen Satiren auf bie 
€cefier flleformatoren öun bem <2>oeSer aJÜncritenfluarbian 3)r. ©erUMU J&aoers 
lant ()}g(. Hartzheim Bihl. Colunj: 1) @in gemeine hid)t ober befennung ber 
prabicanten tbo ®oi#, bemifet reo unb bord) wut nianneren fe bar tor ftece bat 
tocrt (§)übed ^ebben ingevurt, up bat allerfortefle burd) ^Daniel uon ^o\t bcid}re« 
»en. im jar 1534. geCiucft im jar 1539. 2) Qin bialOi3on, barinne tc fvrod 
Qkit am erficn cavitel, nömlid), Ql'u iB be getiutoe fribt ein bore irorbcn, wwiu 
bage« wonente recjtivj^eit in er, nu awerft morbenerf , bin fllver i« »eranbert in 
tcfl, tm min iiS gemenget mit ivatcr, bin \)örtlen jint untrün», mebegefclUn brr 
tctx, fei bebben alle leif be gat)en, unb etUfe anber fvrofc mer uu be ^utl)erfd)en 
binnen ^ofl re(bt geDübet wert, im iar 1537. anno 1539. f&titft &(t\d)U fuib 
burcb 2. S« »»?n ^d;mi$ neu berau^gegcben : 3)er <Soffier :Daniel, ^ocji IS4S; 
ein §lbbrucf, burd) n?eld)en tie alte Criginalau«gabe nid)t überflöffig gcmad}t wirb. 
tTie wicbtigfte ©runblage meiner dr^äblung aber bitten bie Crii^inalacten be« 
€ocfler 9r(biod, weld^e grabe für bie Oleformationdgeit in feltener %\x\ti unb mit 
banfendwertber Sorgfalt gefammelt unb aufbewahrt worben ftnD. 3u ii)rer i^xt 
gäugung bienten mir bie (§opialbüd)er. äBenn man bad ^^ilb ber (Eoet'tcr Oi'efor» 
m.ition, wie e(3 nacb fold^en 3tUi\niifrn ftd^ entwerfen laät, mit «gaiuclmannd Ht- 
*iin'ia ecciesiastica renali evang(?lii in urbe Susateiisi lOpp. I09o sqq.) ocri]Icid)t, 
fo lernt man e« bebauern, in mancben anCeren ?lbfd)nitten ber nietcrteutfdjen 
Jtir(^engefdjic<>te entweder bfluptfdcblid) ober gar allein auf einen fo befangenen, 
frttiflofen unb mangelhaft unterrid^tetcn (^ewä^rdmann angewiefen ^u fein, 
ttorneliu«, 9lufnil;r in aNüu{)cr. I. 7 



98 (Srfir« 9ud^. 

eine fefer unab^änglfle Stellung ein unb erfreute ]xd) t^atfadjlic^ einer 
faft unbefc^ränften grei^eit unb ©tibfireflicrung* Der 9Rad;t ber 
etabt entfrrflc^ gieic^tl)um unb Slnfe^en i^red Slerud* 3n iijxti 
SRittf; neben bem 9iat^^au6, erl^ob fic^ bie Äirc^e bed relc^ften ©tif^ 
M n)cit unb breit im 8anb, ©♦^ßatroclud SWünfier, fo ^od) nnfe^n^ 
lic^, baf SBil^flin t>on ©ein, ®raf ju aBitgenfiein, e6 nidjt \>er<= 
fd)mä^te, bcn üitel eined ^ßrobficd gu ©. 5ßatrocIud gu fübrcn unb 
bie @infunfte biefer $frünbe gu bem @elb ^ingugufugen, bad er a(d 
6ö(ner 2)omfepler unb ald ^robft gu ©. ®ereon empfing, gür bie 
8aien ftanben fecl)6 ^IJfarrfirdjen ta, bie alte Äirc^e gu ©♦ 5l?eter, ber 
gieriicije S3au 9Karien gur äBiefen, ©. ?ßaul, ©♦ Sürgen, ©• Z\)oma^ 
unb 50larien gur ^ot)m, alle mit ^Renten unb 8anb n)o^t audgePattet,*) 
@ine ^nga^l Kapellen unb geiftlid^er ©tiftungen gab t)on ber gröm^ 
migfeit ber Slltt^orbem üunbe unb gen^a^rte einem !l)u$enb geringerer 
@eift(ici)en ii)r Srot« ©ci))t)arge unb graue 9)tonc^e Ratten fiel) in 
n)eitläufigen ©ebauben angefiebelt unb i^re ^irci^cn wetteiferten mit 
ben ^J3farrfirc^en an ©d)önbeit unb SBürbe« aSon Sungfrauenflöftern 
gab e6 ein6 innerf)alb ber ©tabtmauern, baö reict)e ©• SBalburgi^^ 
Pift; gmei brausen auf ber aSörbe, gu 9Belt)er unb 5)Jarabied, Unter 
4Uögebel)nte ^?farren tl)eilte fic^ bie ©eelforge über bie ^au^leute im 
©cbiet, gu (B>mx>t, SDinder, SBelver, SBorgeln, SBeffelem/ 8oin unb 
©affenborp» 2)ie gange gal)treicl^e aBcltgeiftIid)feit mar t)on ber ©tabt 
abl)angig; inbem bie großen Pfarren in unb au^er ©oeft t)on bem 
fRatt), t)iele geringere S3eneficien t>on Slemtern unb ®emein^eit t)er^ 
liel)en würben« 3)a ed fiel) nun eingefütjrt f)attt, baf bie ©tiftöljer^ 
ttn gu ©. 5ßatroctud, mit 2ludnal)me bed ^robfied, ben angefe^enen 
©ürgergefc^lec^tern angel)6rten unb burcfj bie ®unfi bed Diat^d gu 
i^ren ßanonicaten auc^ bie einträglidjen Pfarren erl)ielten, fo mürbe 
©oeft in gciftlic^en unb beltlidjen SDingen t)on einer unb bcrfelben 
bürgerlichen 2lrijiofratie be^errfcl^t, beren eng »erbunbene ^äupter ber 
SRat^ unb bad ßapitel waren. 3e fejier gegrunbet bemnac^i bie ü)tacf)t 
ber ®eift(icl)feit war, um fo fc^wieriger erfcbien jeber ^ßerfud), biefelbe 
gu nu'nbern, unb auö biefem Umfianb mag ed l^erguleiten fein^ baf 
©oeft an ber SBemegung bed 3at)red 1525 feinen 2f)eil genommen 
l^at; obgleid) bie SBefcl)n)erben über ben Slerud unb feine 8after, na^ 



'^)*^ie le^te ))ifOeid^t aufgenommen. (S9 f^xiit \püitx fc^iver, einen ^rebtger 
für fit gu gen^innen. 



UL ^v ci^angelifd^e Sufni^v in 2i))))fiabt unb €ocft. 99 

mmtlic^ über M SaptteM ©imonie, Unwfffenl^eU, ^^mtQtxti, Un^ 
guc^t^ $ra(^titebe^ ^abfuc^t ^ter mi)i geringer a(d in attberen Stäb> 
ten getoefen ftnb^ unb äberbief bie immer noc^ (ebenbtge Erinnerung 
an bie ^artnätfige ß^ur^C^öInifc^e ©efinnung M ßapiteld in bem 
cntfc^eibenben ©treit bed t>origen 3al)r^unbertd unb an feinen jä^en 
SSiberftanb gegen bie €tabt unb ben (S(et)er ^erjog bem SßtbenriQen 
bed gemeinen ^anii6 einen patriotifc^en 9In^a(t ge^p&^rte* Slber n)ad 
1525 ))erfäumt n)orben, ^oUe man nai), ald feit bem äBinter t)on 
1529 SBefifalen neuerbingd t)on ber Sen^egung ergriffen n)urbe. 

3. 

3m 3al^r 1530 begann ed in ©oeji unruhig gu werben,*) 93alb 
lie^ ft(^ an bem planmäßigen SSorge^en ber Sürgerf(f)aft bad äBirfen 
einer gefd^Jojfenen SJartei erfennen. Sd tparen 2)emofraten unb 
Sut^eraner^ totlö^t bie Sü^rung übernommen Ratten : bad 93o(f nannte 
fie bie SibgefeBen unb erjal)(te [li), baf fte in 3o^annd t>on 2lrn6^ 
Uxd) ^aufe^ xoo fte oft jufammenjufommen pflegten / ftc^ gegen bie 
großen ^änfe »erfd)Woren Ratten, 2ln ber @pi$e ber 5ßartei ftanben 
auf er bem ©enannten 3ol)ann grenftd, 3ol)ann t>an Slffeten ber Sunge, 
Sodann ©c^ac^torp, 3ol)ann Äubcdfen, ^einricl) 2llbegrtt)er ber 9Ra(er, 
bie ©ruber 3o^ann unb 3orgen 3«nber, !£onied 9Dlo(ner, Sorgen 
Äoel, @ert ©ettind^ud, 3ot)ann Olafemacfer unb anbere, 3)iefe be^ 
bienten fic^ ber neu erridjjteten iPatrocIu^^Sc^üeengefeUfdjaft, guerfl 
atö Sorwanb; um o(ine Sluffe^en jufammengufommen unb i^re ^(äne 
ju beratben, bann M SBerfjeug, biefelben burc^jufe^en. SBa^renb 
auf ben Straßen bie lut^crifc^en Sieber ertonten, jum Slerger ber 
Oeifitic^feit^ bie t>ergeben6 »on ben itangeln gegen ben ©efang unb 
gegen ba6, »ad er bebeutete, eiferte, n>urbe bie ©emein^eit t)on ber 
Partei bearbeitet unb eine gorberung nac^ ber anberen im 9?amen 
ber Sürgerfc^aft bem 3lat^ vorgelegt, ßmt^ bie getvol^nten Sefc^meri» 



§ 3. ^ersoö ^ol^cinn «n @fabt Socfl 1531 3ul. 23. €91. ~ 53crid)t nUx 
lit eorfifr ®efanbtfc^oft na* dfffn im 9tci>. 1534. ©«. — S^urf. 3cl^. griebt. 
von 6a4fcn an ^crgog Sodann, gut i\\>pt 1534 ^o\), 15. SB9I. — Slbfc^ieb be« 
<i^urf. 30^. griebr. gu @cefl 1534 91cv. 14. ^'4. — Emminghaus Memorabilia 
Sosatensia, pars III. p. 226. 

*) ^ag fc^on in ber »crl^crgelftenbcn Seit eine QSeivcgimg ücrfucfet n»urbf, nbrr 
im (Sntffe^cn f^fitertr; bfutct 3c^ann »an Sam^jen bei JDanicl an. JDcr Urheber, 
iin gctoiffct S^rißet llome«, „ein txttoj^en monnif unb fetter", tourbe ^ingerid^tet 

7* 



100 (Stile« f&vid), 

tm gegen bie Stellung unb SSorrec^te be^ S(erud* 9Ran tlac^U über 
bte mac^fenbe Slnnut^ ber @tabt; bte ®tifH\^tdt foQe ju ben Safien 
unb ©teuem ^eranflejogen, bie börgerlid^e SRa^rung tf)r t)erboten tt)er^ 
ben* !Damtt ))erbanben ftd) 93ef(^)t)erben über anbere Beeinträchtigung 
gen ber ©ürger in i^rem ©ewerb: man foUe ben ^anbwerföbetrieb 
auf ber Sorbe nic^t bulbrn* !Dann ging ed gegen bie Dbrigf eit: bie 
9ie(!^nungen über bie @innal)men ber £terbl)erren unb ätentmeifter 
foUten vorgelegt ti)erben; bie @c^rae, ba6 ftabtifc^e ®efe^buc^, foUte 
gur öffentlichen jtenntnif gebrad^t, bie ^43rit)i(egien ber 93ürger an^ 
8id;t gejogen n^erben. 2Bie ed fcfceint, waren bie SBefc^tverbcn ber 
®emein^eit jum Sl)ei( gegen unleugbare ^})Ii^bräuci)e unb fc^n>ere 
Unorbnungen gerid^tet unb nic^t blo^e ^^arteit)orn>anbe ; fonft n)are 
ber 3orn be^ aSolfed tt>ot)l nic^t auf einen SWann gefallen, ber felbfl 
gu ber tut^erifcf)en ^^attti geborte, auf üKeifter 3afpar t)on ber Surd, 
ber allgemein ald ber .^auptf4)ulbige angefe^en u>urbe, bie gluckt er^ 
greifen mußte unb felbft fpater, nac^ Slblauf mehrerer 3a^re, gu einer 
Reit too bie et)angelifd)en 93ärger gu allgemeiner 9}erf6t)nung bereit 
waren; unnac^fic^tlid) t>on ber ÜRücffe^r in bie @tabt audgefc^ioffen 
blieb. 9luf ber anberen @cite berührte ber (Streit t>ermut^tic^ tt)ic^tige 
fünfte ber äJerfaffung, ^ielleic^t bie gefammte gefe$li(^e Stellung bee 
Siati)^ gur ®eme{nl)eit. 60 xoax im Sommer 1531 ein harter unb (ang^ 
n)ieriger 3^ift in Soeft entbrannt, ber bad fläbtifc^e Seben nad) aUen 
Seiten in ®ä^rung brachte. ®ere(^ter Unmille unb ber S^rieb nac^ 
bemofratifc^er 3J{a^tern>eiterung im Sunb mit ber alten t)olfdt^üm^ 
lieben Dppofttion gegen bie clericalen SRißbrAuc^e unb mit ber neuen 
lutl)erif(^en ätic^tung fämpften an gegen bad 9lnfe^en ber Dbrigfeit 
unb bie ''Sllai)t einer altbegrünbeten unb weitt)ergtt)eigten Slriftofratie» 
Wod) ^atte bie aufjirebenbe Partei nid;t offen bie ga^ne be^ 8utl)cr^ 
t^umd entfaltet, noc^ rid)teten fic^ bie gorberungen ber ®emeinl)eit 
nid)t auf bad äBort &otM] aber ald ftc^ in biefer 3^it ber Unruhe 
neben bem lut^erifd)en Siebe bie (utt)erifc^e ^retigt erl)ob, woUteu 
bie einen unb fonnten bie anbern i^r nic^t wehren« Suerft ^orte 
man t)on bem Saptan an ber ^-ßaulefirc^e, 3ol)ann Äelberd), 
bie neuen Sa^e au6fpred)en; bann famen frembe ^JOtönc^e in t;ie 
Stabt, ber 9)linorit 3ol)ann SSr^e aud 3)Jünfier, 3afob t)on 3ferlon 
unb anbre, unb beftiegcn, \)on ber ®unft bcd 93olfed gefd)u^t, gegen 
ben SBillen M SRat^d unb Sleru^ bie Äangehu SSon allen ben 
gröpten Sulauf aber erhielt ber D^nabrucfer IDominicaner Xi)o\m^ 



IX. fbn et)atideltf4e «ufht^r in iipp^ahi unb 6oe^. 10t 

Sord^webf, ber^ t>om Drbend))rot)tndal auf Sitten M Äfofierd gur 
JBfWaltunfl br« ^ßrebigtamtd md) ©oefl gefc^irft, ^icr tt)iber (Sttoax* 
Uli ftfnen SSorflefffttcn bm Oe^orfam »erfaßte unb t)on ber fatl^oH* 
fc^en Se^re gur iutl^erifc^en überging. 

(Snhlid) beugte ftd) ber 9iat^ unb na^m bie Srieben^bebingungen 
aud ben <i6>änben ber Surgerfdjaft an* Die duf&$e gur ©cfjrae, 
ti>f(d^e am 13* Dctober 1531 ben>{ttigt tt>urben, fd^ioffen bie @e{fl' 
lid^feit t)on bem Setrieb be^ Sltferbaud unb bürgerlichen ®en)erbed 
au9, legten ii)x einen 9lnt^eti an ben ft&btifc^en Safien unb Steuern 
auf, befd^rdnften ibr 6rbfc^aftdrect)t unb i^re bet>orrecf)tete Stellung 
in ^rocef fachen* Slu^erbem warb bad fiabtif4)e ^anbwert t)or einem 
^itben>erb ber Sen>o^ner bed platten Sanbe6 geft^iert, SRarftorbnung 
unb anbered gu ®unßen ber Särger feftgefteüt, unb ba^ Set^altnif 
gwifd^en 9iat^ unb Surgerfc^aft ba^in abge&nbert, bap Slemter unb 
@emetnl)eit bie grei^cif erbielten , md) Selieben fic^ gu t^erfammeln, 
über fi&btifd^e Slngelegeni)eiten ftc^ gu bcfprec^en unb Einträge gu 
jieflen, bap bie Cbrigfeit bann wol^l „beffcrn" bürfe, aber guleftt bem 
Statte ber greunbe gu folgen ^abe* 

4. 

(Srfl itl^i, nac^bem ber triebe gefc^loffen xoax, fonnte man gegen 
bie neue 8el^re fic^ menben* 2lber i^re Sefeirigung n)ar burcl) bie 
bid^erige not^gebrungene Dulbung fc^n>teriger geworben, unb man 
burfte n>o^l gweifeln, ob ber in allen anbern Dingen t)on einer ftar^ 
fen ^rtei überwunbeüe 3lat^ noc^ fo t>iel itraft unb Slnfe^en be^aup^ 
M ^abe, um bie rcligiofe ©ac^e nac^ feinem SBillen unb gegen bie 
»eigung jener ißartet gu orbnen. Da bot bie Sanbedregierung t^re 
^iilfe* ©c^on im Sommer, am 23* 3uli, l^attt ber <t>ergog an bie 
@tabt gefc^rieben unb ftc^ gur SSermittlung bed obmaltenben politif4)en 
Streitet erboten» Diefer Srief n>ar o^ne Slntwort geblieben* all* 
ie$t, am 25* Dctober, l)ergog(tc^e SRätl^e mit bem amtlichen Sluftrag, 
ben Streit gu fc^lic^ten, anlangten, war an bem abgefc^loffenen grie^ 
ben nid^td mebr gu änbern, unb fte unterliefen ed, no^mald hierauf 
gurücfgufommen ; aber fie eröffneten fogleic^ eine Unter^anblung mit 
Dbrigfeit unb Surgerfct)aft über bie religiofe grage* Sie l)ätten ge> 



§ 4. 9(u$er ten }u § 2 genannten Duellen; bie allem fclgenten ju ®runte 
liceen, 09I. K im 9. (&ap. Ut (Anleitung. 



102 (Srfle« )3u(§. 

f)bxt, bap man in €oeft ben neuen ^anbel anfange, bie beutfd)cu 
^falinen finge unb frembe ^^Jvebiger auf bie Äanjel laffe; bad möd^te 
man, begehrten fie, bem ^erjog ju gefallen abfteHen; ber ^crjoi^ 
n)erbe eine jlirc^enorbnung fc^iden, nac^ xotld^tx man ftc^ in feineu 
Sanben bid gum funftigen (Soncit gu iialtm l)abt. !Der @rfo(g bcr 
9Berbung geigt^ ba^ ber neue ®(aube in @oefi bereite im Uebergen)ic^t 
ftc^ befanb; ieboc^ ben @ifg no4) nic^t erfochten ^atte. ^an anu 
n>orrete guerfl, in aüm anbern !Dingen \\>oüt man bem ^ergog treu 
unb l)olb fein, aber ba bieß bie Seele angebe, fo fonne man ftc^ 
nic^t tt)ol)l auf bie gorberung ber Slbgeorbneten einiajfen» 2)arauf 
aber ging ein ))ermttte(nber 93orfc{)(ag burcf), bid Sßeii)nacf)ten woüc 
man ftd) nac^ ber alten 933eife l)a(ten, mittler 3^'^ n^^S^ ^^^ ^^i^g^d 
bie Äirdjenorbnung fcfjicfen^ SBie ^venig 3)?ac^t bie Obrigfeit befa^ 
unb une bie ®ad}en in @oe{t fianben, fonnten bie ^ergoglic^en 9{ätl)c 
am folgenben Sonntag tt)af)rnel)men , wo man bie beutfct)en Sietrr, 
über welche jie fiel) beflagt Ratten, in ben Äirc^en ju @» ^ml unb 
6. 5|Jeter in i^rer ®egeni\)art fang, Sie fuc^ten bem SRat^ unter 
bie Slrme gu greifen, (Sinerfcit^ tjerfammelten fte am 30, Dctobcr 
aße 9Be(tgeiftlicf)en unb bie Drben, unb gaben i^nen 9Jorfcf)riften, 
n)abrfcl)einli(^ im Sinn ber bamald im 2Berf fief)enben ^ergoglicbeu 
Äirc^cnorbnung; anbererfeitd sollten fie bie ^auptl)ebel ber religiöfen 
SBemegung entfernen, unb wirHic^ öff^ng t^ iijnen, einen ©efcfjlup gii 
erttjirfen, wonach niemanb n)eiterl)in gur Äangel foUte gugelajfen n)er^ 
ben au^er ben (Saplanen unb ben beiben Drben, miti)in aQen fremben 
^rebicanten ber Betritt t^ern^e^rt n>urbe; unb au^erbem erlangten fit 
bie 8lufl)ebung ber $atrocludfc^ü$erci unb ein SSerbot, biefelbe je 
n)iebcr o^ne ©ewiüigung M Stabtrat^^ l^ergufteUen, 9?ur ein^ 
fc^ien noc^ gu fef)[en, fo \mx ber alte 3"Pö"b gurücfgebrac^t unb 
nic^td mei)r flanb ber @infä^rung ber t)eifproc^enen ^ergoglict^en £ir^ 
c^enorbnung im 933ege: bad n^ar bie Entfernung Sorc^n^ebe'd , t)OR 
bem unbebeutenben ^elberc^ gu fc^\t)eigen, 3lber t>ergebend beflrebten 
ftc^ bie ©efanbten, audj^ bie^ (e^te unb n)ici)tigfte Sugeftdnbni^ gu 
erlangen^ 9Iemter unb ©emein^eit n)aren unerbittlid), fie n)otIten beit 
!I)ominicaner a(d $rebiger begatten. 



IX. ^(t e9and(Iif4>e 9lufru^r in 2i^)>flabt unb @oefl. 103 

®i)on geraume ^tit Ijattt ber 6ont>ent ber ^rrbiger^tnen t)ct* 
gebend gffhrebt, fic^ ©or(^tt)ebed gu entlebigen, unb in golge ber gegen 
i^n gerichteten A(agen n^ar ein iioctox "oon bem Drben gefc^idt n>or^ 
ben, bie Unterfuc^ung einjuJeiten^ Sord)webe t^at ftc^ fpäter gerü^mt^ 
er f}abt feine 93ertt)eibigung ftegreic^.gefui)rt; aber mabrfc^einüc^ t)er^ 
fc^eb man nur um ber bamald in Soept ^errfdjenben ©o^rung tt)iU 
len, unb um ben t)o(f6beliebten ^^rebiger nicbt aufd aupcrße ju 
bringen, bie (Sntfc^eibung. 2)er 3)octor Ik^ i^n bid jum näd^ften 
Crbendcapitel t>prläufig im Slmte* £oc() fogleic^ nac^ ber Beilegung 
bed Vo'iti|cf)en Streitet fdjeint bad Äloficr ben Drben^orftanb ju 
ftäftigem (Sinfcbreiten aufgeforbert ju f)aben. 2lm 25. Dctober berief 
ber *4-^roDinciaI ^ermann Stab ii)n nad) Scipjig, unter bem 93orwanb, 
er werte bort in ber Unit)erfttdteftabt beffere ®e(egen^eit jur gort^ 
fe^ung feiner 6tubien ftnben, unb erfud)te ben Stabtratf), l)ü(freic^e 
^anb gur Entfernung bed Ungeborfamen ju biüm. Slber gegen aüt 
Semubungen bed Älofterd, ber Orbenöobrigfeit, bed Stab trat W iinb 
ber ^erjoglichen SIbgeorbneten fanb Sorcfjwebe bei ber lutf)erifc^en 
Partei in ber Sürgerfd)aft auöreic^enbcn Schuft unb fe$te unge^in^ 
bert feine ^rebigten fort^ 

Sejt, tt)o mit ®efe$ unb aKad)tgebot nid)td me^r audjurid)ten 
toat, füllte man bad S3ebürfniß, ben (ut^erifd)en ^rebiger auf feinem 
eignen Sc^lac^tfelb anzugreifen unb öffentlich t)or ben S3ürgern Äirc^e 
unb ®(auben gegen i^n ju bef)aupten» 2)a ber junge *4^farrer gu 
6. ^^eter, 3obann ©ropper, bed Sürgermeifterd go^n, burd) anbere 
fiic^Iic^e ©efc^afte t)on feiner SJaterftabt ferngehalten unb »erl^inbert 
nwir, feineö Slmted in eigner ^erfon jU warten, unb unter bem übri^ 
gen glerud, fo jal)Irei(^ unb wo^lverforgt er auc^ war, feiner gu fol^ 
c^em Äampfe ftc^ fät)ig fanb, fo forgten bie firc^lid)gefinnten ^aup> 
ter bed Stati)^, baß bem 3)ominicanercont)ent auf feine Sitte an bie 
igteBe bed abtrünnigen 5ßrebigerd ein gelehrter unb jireitfertiger üKann 
t)on (Söln gefdjirft würbe, ber 3)octor Sol^ann ^oft t)on Slomberc^. 



§ 5. ^ermann (RaB on ©ord^ttjctf, 2fiPiid 1531 Dct. 25; terf. an ben 
^at^ »cn @ecft, 1531 Dct. 25. <B%. — 3)cr JDüininicanerconöfnt an ben ^atf), 
e. 2). 1531. S5I.— Hartzheim Bibl. Colon, p. 345. -- (Rabu« a. a.D. 234. — 
«erntete^ Äurje unbmc^tung ic. ®a. — (Rombcrci« JDcnfjcttel an ben 2)omtnu 
tmttpxiex, o. ID. €9. — Sdordj^tocbe an ben 9iatl^, o. S). Seit. Vlll. 



104 (Srßc« SBud^. 

Dtefcr 2)ominicanfr, aud ifirfpe im ©ergifd^en gebürtig, mar einer 
ter angefel)enften X^eologen 66ln6» 2)urc^ autauernbc Stubien, bic 
i^n nad} Ulm ju 3o^ann üKenftng, nad) ^om, Bologna , iSenebig 
unt) tuieter jumd nac^ @ö(n führten, ijattt er ftc^ mit ben afabemi«> 
fc^en 3öürben eined Saccalaureud, Sicentiaten, 3)?agiper, 2)octor ju^» 
gleid) ben 93efi0 ber bamald gelaufigen ®e(e^rfamfeit ertDorben unb 
war in bie didtjc ber (gc^riftfteller feined gad)d mit SBerfen ge« 
treten, bie i^m bie 2lnerfennung unb (iterarifc^e greunbfcfjaft eined 
S^omaö 6ampeggi; jfonrab äßimpina, 3o^ann gaber t>er)*c^aff^ 
ten, SBenn audj feine Schriften nicbt bie ©rjeugniffe eined beben* 
tenben unb originalen ©eifted fmb — in ben meiften gäflen be^ 
gnügte er üd) fogar mit ber §erau^gabe frember äßerfe — , fo 
geigt fic^ in mehreren berfelben um fo beutlic^er jene Sprac^ge* 
ttninbt^eit unb fdjiagfertige 2)ialeftif; meiere loorjugömeife bad ^itl 
bamaliger llnit)erfität6erjie^ung gewefen ifi. @r war jtcf) feiner Siebe* 
fünft tPof)( bewußt unb liebte ed, ftc ju geigen. ,,?lüe bie ©ä^e/' 
rühmte er fid) gegen ßlarenbac^ in beffen 93er^ör, ,, nad) benen i^r 
geft;agt tDorben feib, tt)oUte ic^ n)o^( noc^ fefiter machen aM ber ^ei* 
ligen Schrift, a(d i^r eö gett)an I)abt, unb ^intenbrein bad @egen* 
tl)ei( auc^ aud ber ^eiligen Schrift beweifen." SBeil feine Siec^tglau* 
bigfeit unb fein (Sifer nic^t geringered dSertrauen erwedten ald feine 
Äenntniffe unb g&^igfeiten, \\>nxU er t)iel in ben wichtigeren @e* 
fc^aften ber Diöcefe gebraucht; wir finben H)n ald Seifiger bed geift* 
liefen @erid)td in 6(arenbad)d ®ad)t, ald ©ommiffar in ber Unter* 
fuc^ung gegen bie fiippftabter Sluguftiner, unb fo begehrten auc^ je^t 
bie ©oefier Äat^olifen in i^rer 9tott) feine ^ulfe, greilidj war feine 
SReinung immer gewefen, baf man überhaupt ftc^ mit Äe$ern-nid)t 
einlaffen, fonbern fie t)ertreiben unb firafen foUe, 2)iefe 2lnfid)t ^atte 
er noc^ t)or einigen JUJoc^en, im Cctober, in einer eigenen Denffdjrift 
aufgeführt, bie er bem Statt) auf ©rforbern auffegte unb überfc^irfte. 
Slber in berfelben ©c^rift t)attt er boc^ auc^ fidc) bereit erflart, gegen 
jebweben Äe^er gu fampfen unb gu bidputiren, unb je^t im 9?ot)ember 
fam er wirflic^, bem Stufe feiner Dbrii]feit unb ber Stabt folgenb, 
um bieß ajerfprec^en gu erfüllen, ©in 9Wann wie Siomberd), für ben 
t^eologifc^en SBortfampf t>on Sugenb an ergogen unb mit ben lut^e^ 
rifc^en Argumenten burd) feine ff6lnifd)e ©rfa^rung grünblic^ v>er* 
traut; war gewi]^ für 2lpoftel eigner Senbung wie ©orc^webe ein 
gefährlicher, furchtbarer ®egner* SlUein, bie feine Berufung t)eranla0t 



IX. fbtx et)ani)elif(^c iiifhi^r in £i))))flabt unb ^etft. 105 

ly^ttttn, täufc^trn ftc^ über bie 9{atur ber Semtgung, welche fte tnxi^ 
feine ©erebfamfeit gu ^emmen t)erfu(^ten: fie vergaßen, baf man 
fliegt mit 8orf(^em ber aa3at)rt>eit ju tJ)un t^aitt, fonbem mit einer 
jomiflen aKenge, bie ben Sturj i^rer geinbe begehrte. ®leic^ ber 
er^e S3eginn bed Streitet auf ben Äanjeln t)ermr^rte bie befte^enbc 
@a^rung in fo bebennici)em ©rabe, baß ber 9tat^ einfc^ritt unb bei' 
ben Steilen 6c^n)eigen auferlegte* Seftürjt über ben fd)le(^ten Erfolg 
feiner ^4$rebigt unb bad ungn&bige SSerfa^ren ber ftäbtifd^en Obrig^ 
feit, war ber ßölnifc^e 2;i)eolog nur beftrebt, fein JRec^t auf Urlaub 
unb gänftiged 3^ugniß, bamit nii)t etn>a lemanb bem ©eruc^t, ald - 
^abe er wegen feiner ^rebigt im ©efängniß gefcffen, ©lauben fdjen* 
fen mb^U, geltenb gu machen, unb räumte bann bie ungaftlic^e 
©tabt- 

6* 

Ob ba^ SSerbot bed 9tatf)d auc^ bei ben ©egnern ©e^orfam 
gefunben, laßt fidj fc^r bezweifeln. "Silan möge i^n, fc^rieb ©ord)* 
webe an ben Statt), rut)ig gewahren laffen mit ^4}rebigt unb Sinfprac^e 
an bie frommen Bürger, ober il)m geftatten, fid; mit bem Stecht ju 
\)ert^eibigen ; wolle er boc^ fein ©lauben^befenntniß öffentlich) anfc^la? 
^en unb in ber "Disputation be^upten, unb jebem Siebe ftel)en, ber 
feine SBorte nic^t redjt \)erftel)e, gleid) bereit gu lehren wie Unterricht 
gu empfangen. Ungc^inbert fcl)lug er am SMünfter, gegen ben 20. 9to* 
iwnber, in ©emeinfc^aft mit Äelberc^ unb Sodann 9Kolner, bem 
ßaplan an ©. 3ürgen, fein ©laubendbefenntniß an, welches bie ge* 
»o^nlic^en lutl)erifc^en @a$e t)on ber 9lec^tfertigung, bem Ü)ießopfer, 
ßelibat, bem Slbenbmal unter beiber ©eftalt, bem gegfeuer, ber 
<§eiligeiwere^rung , ber DI)rcnbeicf)te, ben S3ruberfcf)aften unb SBall*» 
fahrten unb bem gafien^ unb Slbfiinenggcbot enthielt, unb forbcrte 
jebweben gur Disputation im 9)Jünfter berauS. Slomberc^ war ent^ 
femt, unb unter ben. ©ocftern wußte er feinen gefal)rlic^en ®egner. 
3war wiefen bie Ferren t»om ßapitel baS Slnfmnen beS 9)iöncl)S nii)t 
grabegu t)on ber J^anb; aber bie Sebingung, welcl)e fte fteUten, fie 
feien „t>or gebü^rlicf)en 9tict)tern" gur Disputation bereit, reicl)te l)in, . 
i^r ©rbieten gu t)ereiteln. (SS fam gu feiner Disputation. Dieß 



§ 6. OlaiiBfti^bfTfnntnig fcer @wftfr ^rrbicantcn, 1531 Wp». @a. ©eil. IX. 
S)a« (^apittl an Un (Rat^, 1531 9lc\). 20. @9l. 



106 dxfiu 93u4. 

war ein ®runb mel^r für bic lutf)erifcl[)c Partei, Siecht unb (Sieg für 
Jl^rc SWeinung in anfpruc^ ju nehmen, unb um fo uniufriebener er^ 
trugen fic bic ^emmenben äjcrbotc ber Dbrigfeit, bie fii) jwifc^en 
i^re 9Bünfc^e unb bad ^itl ber Bewegung fteHte. Denn, wenn ber 
%\ti) aud) ®orcfewebe6 unb ber lut^erifc^gefumten Saplane ^rebigten 
bulben mußte, fo ^ielt er toi) ben ganzen 9to\)ember unb 2)ecember 
bad mit ben ^erjoglic^en ©efanbten t)erabrebete Interim in fhenger 
®eitung unb tjerftattete Weber bic ^rebigt frember ^l^rebicanten noc^ 
anbem (Sinbrud) in bie firc^iic^e Drbnung. 

3n biefem Sufianb gefat)rlict)fier Spannung na()te bad Snbc bcd 
3al)ree 153U !Die 33ürgerfc^aft, noc^ erregt t)on bem faum beenbeten, 
lebhaften unb fiegreic^en Streit gegen ben JWatf) um ®efe^ unb burger^^ 
Iid)c6 9led)t, il)rer Äraft btmi^t unb wenig met)r burd) ftäbtifdje Saftung 
unb obrigfeitIid)ed 31nfel)en in Sd)ranfen gel)a(ten, in i()rem größeren 
Zf)dl ber lutberifc^en H?artei jugewanbt unb nac^ bem Sturj bed 
6(erud begierig, ^arrt mit unwilliger Set)nfucl)t ber ^tit, wann bic 
alte Sadjfenfiabt nic^t langer hinter ©raunfdjweig unb ben Seeftäbten 
jurücf fte^en , wann bie ftürmifc^e ^4?rcbigt unb bad friegerifdje gciji^ 
Iid)e Sieb in allen Äirc^en ertönen unb eine (utf)erifd)c Äirc^enorb^ 
nung bic t? erfaßten ^ot^würbigen in ben Staub (egen wirb* Der 
Slerud jagt unb fc^weigt* Der Siatl) fampft mit jal)er Slu^bauer 
unb falbem Srfoig jugleic^ für fein 2(nfel)en unb für bic Stixöi)t, unb 
ll^&(t bic Sal)nc bcd ®efefte6 mit 3){übc aufrecht, wo mög(id) bi^ ber 
^erjog bic t)erfproc^ene i{ird)enorbnung unb burc^ fic Serui)igung unb 
griebc bringen wirb» 93i^ 3ßeil)nac^ten l)at ber 9lat^ bic ®rl)altuna 
bed 2Uten t?erfproc^en, im 3anuar erfc^ien bic ^erjoglidjc Drbnung 
Wirflic^* Sdjwerlid) i)&tk fic befriebigt, aber cd fam felbfi nicl[^t ju 
bem aSerfuc^ i^rer (Sinfüf)rung : wenige Sage öor SBei^nac^ten jerriß 
ein j|af)er 2lufruf)r bie lefttc fd)wad)e ®egcnwel)r, 

7. 

Dama(6 war feit furjer ^nt ein neuer ^^Jrebicant in ber Stabt^ 
3o^ann "oan @ampen, ein entlaufener !S)tinorit axi^ ben burgunbifc^cn 



§ 7. 5)er 3)edi>ant Höont^»« ©o^off an ben ^ütf) von <Soffl, Sotn 1532 
fWoö. 8. @Sl. — ®riit)iimtna M (Japitcf« gegen bie ©on ®Offl, a. 1537 im 
Sfebruar unferm gnebigen fütßen ocrgebrad^t. 6^. — Sluf Sodann v. (Sampcn 
fommen koir im 2. Sdndf jurücf. 



IX. fDer et^aiigcUf^e Aufruhr in Si^i^flatt unb ^et% 107 

SRieberlanbtn, ber an SJewrgenlifit, €clj)Iau^eit unb Sungnifertigfcit 
fliegt frtned ©(eichen l^attt. Durc^ eine 6mpfe^(ung !Doctor ^ecferd 
Mn Ddnabmd erlangte er bad SSertrauen ber $artetl^äupter ; bem ge« 
meinen Sürger aber gefielen feine iReben \)on ber ©ierigfeit ber $faf* 
fen, bie um bed fd)nöben @elbe^ n^iOen allen Setrug bid^er ange^ 
fleUt, unb t>on ber ^eilfamen Sieformation, bie bad £ird)engut ben 
bürgern jur 93ern)attung übergeben muffe, fo ba^ ed ben Sinnen ju 
gute fomme, unb ben ^4}rebigern M äQorted, bie mit geringem jufrie^ 
ben nic^t Opfer ixod) ®elb begehren, ber not^bürftige Seben^unter^att 
baraud gereid)t n)erbe^ 3Kit biefem Wtbni) t>erabreben bie gül)rer/ 
er foBe prebigen unb bem SSerbot be^ 9iat^ed trogen, fie wollen i^m 
bei^ci)en unb e6 auf bad äu^erfte anfommen (äffen* 9lm X^oma^^ 
ta^, ben 21* 2)ecember, befteigt 3ol)ann ju ©• ^4^aul bie ^anjel unb 
^ält bie ^rebigt» S^enige Stunben barauf wirb er auf Sefebl ber 
©ürgermeifier auf ber (Straße t>or grenfid ^auö t>on ben Stabtfnec^:^ 
ten verhaftet» (Sr läßt ed ru^ig gefd)e^en unb fußt mit fdjeinbarer 
3)emut^ ben Äned)tcn bie SSJange* Slber bad 93olf fällt über fie ^er 
unb befreit ben ^^Jrebicanten* ©djnell ift Die ganje Stabt in ©ewe^^ 
gung* ÜRan ft^reit über aSerle^ung be6 ftäbtif*en Stecht«, ,,2Ber 
^at ben 3Kann t)er^aften laffen? tie Sürgermeifter bürfen bad nic^t 
tli^un o^ne Bewilligung ber 9iicl)tleute unb greunbe." Tlan erbricht 
ben ©Icrfent^urm unb läutet ©türm* Da ifi bie jüngfi aufgehobene 
$atrocludf(^u^erei rafd) {ufammen; t>ereint mit ben Jürgen « unb 
Idnne^fd)ü$en ^kiftn fte, il)re gabnen aufgeworfen, unter Jrommel^ 
fc^lag auf ben alten Äirc^ljof. Slnbered 93o(f brängt l)erju; balb 
flehen bort, in ber 3Ritte ber Stabr, brei* bid i>iertaufenb 9Kann unter 
ben äiBaffen* 35ie 93ürgermeifier wagen fiel) nic^t ind greie, ber Stabt^ 
ric^ter 3ol)ann Sluter entfliegt» D^ne auf ber Stic^tleute begutigenbc 
Seben gu achten, bringen bie SJurger mit ®ewalt tjtxan, ^olen bie 
Sürgermeifler, Gilbert ®ret)en aud bem fläbtifc^en Sßein^aud, ben 
alten 3o^ann Oropper aud feiner eignen 2Bo^nung, iDen Slicljtleu* 
ten gelingt ed, (Schlimmerem ju t)ert)üten, aber bie ©ürgermeifier, ind 
Oefängniß geworfen, muffen burd^ ^anbfc^lag t)erfprecl)en, ni(t)t o^ne 
ber 9lid)tleute aEillen bie ^aft gu t?erlaffen* 2)ad 9Jolf, bae ftd) ber 
Sanbe lebig fü^lt', fucf)t nadj) feinen anberen geinben^ Da wirb 
^atroclud Safiwinber ber 9ientmeifier aud feinem ^aud geholt unb 
in ben (StabtfeUer geworfen» SQBeil ftc^ bie anbem Slentmeifler, 3o^ 
liann ®refemunt unb 3o^ann SBoifl^of, nic^t ftnben laffen^ muß bed 



108 Qtrfie« »ud^. 

erflerm SBo^nung unb (Siflentl^um bte 93o(f6n)ut^ erproben* !Dann 
bricht bic üRcngc ta bic Smmunitcit bed SapiteW ein* 3)ie brci ga^^ 
nen »oran, mit pfeifen unb Jrommeln, erbrechen fic bte ^dufer bed 
5)cc^antcn unb ber Stiftd^erren, ^icr unb in bcr cinbern ®eifi(tdben 
SBo^nungen werben genjier unb ^audgerit^ gerfd^Iagen, Stüd)t unb 
ÄeHer 9cj)Iünbert* @o ging ed bic ganje ^aiji bur^: bie @rf)lüffel 
ber @tabt unb «He ®ewa(t n>ar in ben §Änben bcr SKenge, fte (i$tn 
unb tranfen, Hcpen ba6 übrige Sier in bie ifcBer laufen, mancher 
nfl^in 5fannen unb ©d)uffe(n unb n>a6 i^ni fonfi gefiei mit nai) 
Jpmife« SIut\)ergie§cn marb tjcr^ütet, aber t>icle waren in öngft um 
i^r Seben, unb bid gum 5D?orgen l)aiit ®ro^)per auf ber ^amifc^fam^ 
mer, wo er in ^aft fa^, ^o^n unb €c^im)}f gu bulben. 

8. 

?Im folgenben S^ag ging bcr Siufru^r feinem eigcntlicf)en SM 
n&ijtx. Unter bem ®eläut ber ®(ocfen, n>ät)renb 5Rat^ unb alter 
JRat^ auf bad §aud ging, tjcrfammelten fiel) bie ©ürger, nad) i^ren 
^ot>en get^eilt, auf bem alttn Stixä)f)o^, unb tohijlttn, wie bie anbern 
cioangdifdjen ©tSbte im öufru^r getrau Ratten, einen 2ludfd)uß gur 
5Ber^anb(ung mit ber Dbrigfcit* @6 waren t)ier unb gwangig üRan*^ 
ner, je t)ier auö ben fec^d ^ot>en. Sluf i^r ®e^cip beantragten ^\i)U 
leute unb 93eiftfter bei bem Slat^, ba^ bie Surgermeifier gu bem ®eif 
lobnif anget)aUen werben foQten, feine dtaijt wegen i^rer 5Bert)aftung 
gu üben unb fortan ibr Seben lang nic^t met)r gegen ®otte0 äSiort 
fheben unb fechten gu wollen, fonbern mit ber gangen ®emein^cit bei 
bem SBort gu bleiben, im Seben unb 2^ob, Seib unb ®ut babei auf' 
gufeften, 2)ad mußten fte )>ox bem 9iat^ geloben. Slber fiatt fte nun 
wieber frei i^red Slmted warten gu laffen, wie man i^nen gugefagt 
l^atte, lic^ man fte ind ®cfängnif gurücf bringen , unb na^m auc^ 
noc^ bie beibcn JRentmeiftcr in ^aft, bie gcfiem hergebend waren 
gefud)t worben. Denn noc^ war bie lutl)erifc^e ?ßartei nic^t tJoHig 
am SM ibrcr SBflnfd)e unb lief ben 3orn bed SJolfed noc^ n\i)t gut 
9lu^e fommen. Srft am britten 3xtg fiellte fte t^re enblid)en gor^ 
berungcn*unb gab ber Dbrigfeit, bie fic^ in allcd fügen mußte, ben 
trieben gurücf* äBieber t)crfammclten ftc^ 9lat^ unb alter 3lat^ auf 



§ 8. ©clüBnip ber ©ürgenneiflet aibrec^t ®rf»e unb Sol^flim ©ro^ver; 
ikopk im 9D9. 



IX. ^er o^angeUf^fc Slufrui^r in Sipvßatt unb ®i)(^. 109 

bem ^an^, tie 93o(f^obng!ett ))on Slemtem unt) ©cmtin^ett auf tem 
@eQ; bie Bürger l^atte man ind 3)Iün|ltcr geben (äffen, um t)te ntc^t^ 
berechtigten @inn)o^ner letd)ter t)on t()nen ju [c^eiten. 9Iun n)urt)e 
lange t)er^anbeU, bid bie 9Sünict}e ber (utberifc^en Partei in^gefammt 
gewährt unb Scief unb Siegel über aOed jugefagt toax. 2)ann erfi 
lii$ man bie ©efangnen frei unb fe^te fie in @tanb unb äBurben 
loiebet ein; bie ^ot)en aber gingen, jwei unb jwei, auf bad (BtatU 
^aud unb (eifleten bem Slat^ aufd neue ben Untert{)aneneib, i^n bei 
aDem alten ^erfommen unb @)erec^tigfeit gu erhalten, n)ofiir {te ben 
€(^n)ur ber Dbrigfeit empfingen, ^^rit)i(egien unb ®ere4)tigfeit ber 
Sürger ju fc^irmen unb gu ^anb^aben. Der Vertrag aber, welcher 
bergeflalt ju ©tanbe gefommen, (autcte a(fo: 

„I)ae 2Bort ©otteö, i\)elc^cö fc^on lange in ber Stabt Soefi 
„Vorlauben gewefen, ^at feinen ©lanj nid>t in bie ctrijigläubigen 
„^erjen ftrerfen fönnen, inbem etlic^ie biö iejt wiber 9iecl)t unb 23iU 
„ligfeit il)m wiberftrebt l)aben» 3e^t ift bie 3fit gefommen, u>o ®ott 
„fein SBprt mü ^eU unb flac erfc^einen laffcn, wie eö auc^ offenbar 
„bie Dber^anb getuonnen ^at in t)ie(en Saubern unb faft in allen 
„dteic^^ftäbten. . Da nun bid^er bedl)alb gro^e 3n>ietrac^t getuefen 
„)n>if(^en IRatii unb (Semeine, fo fmb tvir 31emter unb ®emeinbeit 
„jufammen gefommen, um @intrac^t ju machen* Jteine 6intrad)t 
„aber tfl möglich o()ne ®otted 3ßort; benn n>o bad äßort nid)t ift, 
,^a iß ®ott ni^t, unb n)o ®ott nic^t iß, ba ifi ber Xeufel, unb 
„wo ber Xeufel iß, ba ift feine @intrac^t, fonbern lauter Uneinigfeit, 
„^wi\t unb 93od^eit. Damit nun bad gmietrac^tige fRti&i bed Xcu« 
„fetö jerßört n>erbe unb mx bad einträchtige 9leic^ S^rifti erlauijcn 
„mögen, fo ()aben \m Slemter unb ©emein^eit befc^loffen, baß mx 
„@ot(ed SBort moQen geprebigt unb alled bemgemä^ eingerichtet ^aben, 
„tt)ie in SRürnberg, (Strasburg, Slugöburg, SBittenberg, 5Wagbeburg, 
„Sraunfcbweig, Stralfunb, Sloftocf, Sübed, Hamburg, ©tabe, Bremen, 
„ganj SieflanD unb Süneburger 8anb* 2)ad foU ber Siat^ mit un^ 
„annel)men unb befiegeln, Da^ f)at ber 9latl), gutmiüig unb nic^t 
„oud 2)ro^ung, mit und angenommen. 2)a mx baneben fel)en, ba^ 
„in tjielen Äircfjen unb Älöftern in biefer löblichen ©tabt ©oeft wlt 
„ungefc^icfte unb in ®otted äUort unerfahrene ^4^rebiger finb, fo tt>ot* 
„len wir Slemter unb ©emein^eit mit bem jRatl^ bie uucrfal)rcucn 
„^rebigcr, ÜJ?öncl)c unb 5l?faffen, bie bid iciit nad) bem päbftlic^en 
^®efe0 unb nictjt nac^ ß^rifto geprebigt ^aben, abfegen, unb bafur 



110 (Bxfiu ^nä). 

„etliche einff^en, btc und Ootte« SBort War unb l^cH o^nc aKe« 3»fn^ 
„^ii)cnQttf\i)t unb 3uf«^ prebigen fönnen, Slu^genommen bcn 9Rüm 
,,fifr, ber bei feinem SBefen bleiben foH, tt)ie bie Drbinanj ber t)or* 
,,9enannten Stäbte au^weifi*" 

6d blieb noc^ übrige mit bem miß^anbeften ßapitel grieben gu 
(^liefen. 2)ad gefc^a^ am 24, December. 3n großer SSerfammlung, 
gu ber ftc^ bad gange Sapitel unb Slbgeorbnete ber SJicarien einfand 
ben, warb il)nen gugefagt, baf fie im 5!Wünfter in ihrem ^erfommen 
ungeftört bleiben [oUten. I)agegen na^m man i^nen bad Sßerfprec^en 
ob, ba^ alled, wad im Sluflauf gefcl)e^en, t)ergiehen fein unb Weber 
t)on i^nen noc^) \>on i^ren 9?acl)folgern unb i^rer greunbfcl)aft JRac^c 
unb Seftrafung beffelben "gefuc^t werben foBe. ©egenfeitig wec^felte 
man SBrief unb Siegel barüber. 

2)iep war baö ßnbe bed 8lufrul)r« t)om 2;i)oma«tag. 2lm SBei^^ 
nac^töfeft ^örte man, wie gur Siegesfeier, bie t)erpönten beutfc^en 
8ieber in ben Äirc^en erfc^aCien, 

9- 

93ieneicf)t fanben bie Surgermeifter fic^ mit i{)rem ergwungenen 
©elöbnip, bem Sffiort ®otted nic^t mel)r gu wiberflreben, burc^ ben 
^inblicf auf bie 93ielbeutigfeit biefed Sludbrucfd ab, unb wenn fie unb 
bie fircf)lic^e 5|jartei ben aJertrag betrachteten, ber if^re Siieberlage \)er^ 
ewigte, fo mochten fte benfen, bap mef)r, afö auf SBorte, auf bie 
3^^aten anfomme unb bei ber Segrünbung ber neuen Orbnung Stabt^ 
rat^ unb .^ergog mitguwirfen ptten. Slber bie lut^erifc^e Partei ^ielt 
i^r ^M, bie Umanberung bed firc^licfjen 3"ft<utbd nac^ bem ÜWujier 
ber übrigen et>angelife()en Stabte, feft im 2luge unb war entfc^loffen, 
bem 9iatl) feine Slbweid^ung gu geftatten. Sogleich am britten 9ßei^^ 
nac^tdtag t>erfammelten fic^ bie SSierunbgwangig mit ben 5ßrebicanten 
unb machten bie erften (Einrichtungen. Sie geboten ber fat^olifcben 
^^farrgeiftlic^feit, il)r Singen, ^ßrebigen unb SKeffelefen eingufieUen, 
unb t)ertl)eilten bie Äirc^en unter bie SJerfünber ber neuen 8el)re. 3)ie 
tjorne^mfte Äircf)e, gu S. 5)Jeter, befam 3ot)ann 'oan Sampen; wie 
er ber Slnfü^rer gum Umfturj gewefen, fo galt er auc^ in ber m^^ 
fien 3eit ald Dberfter ber ^IJrebicanten. geierlicl) führten if)n bie 3ife* 
l^erren auö bem SSJebem^of in feine Äirc^e ein. Unter i^m blieb ber 
Saplan ^ermann, ber ftc^ bem neuen SBefcn anfc^lop, wa^renb ber 
anbre, 5)3eter, ^mt unb SBoljnung t?erlor. !Die S. 5pauiefirc||e fiel 



IX. IDcr d^angcltfc^c Üufrul^t in 2i)»)9^att unb ®oc^ ' 11t 

Xtlbttd), bie 6. Sürgendfirc^e ?WoIner ju, bie l)m fc^on aW 6ai)Iane 
t^a6 $rebigtamt t)rm>a(tet ()attm. Sor(^webe n^urbe jur SS^iefen ein^ 
geff^t* 93aib famen; gerufen unb unberufen ^ anbre 93eit)erber unb 
nielbeten ftc^ }u ben übrigen t)acanten SteOen. 

10- 

©ogleic^, alö ber ^ergog t)on bem Slufrubr erfahren, fcbirfte er 
Stetrtc^ t)an ber JRerfe ben Sungen mit ©riefen unb SBoBmacf)t an 
feif €tabt ab, unb ma{)nte fte mit ben>eglid;en Störten ^ t)on i^rem 
Seginnen abjulaffen, 8lber ber SIbgeorbnete, ber am 29* 2)ecember 
in @oefi erfc^ien^ mufte^ t)on bem Statt) an bie 93ierunbjn)anjig ge^^ 
iDiefen, bem ^erjog eine hirj unb entf(i)ieben ab(el)nenbe SIntwort 
überbringen. Iffia^rfc^einlic^ i)at ber ^erjog t>on neuem an [eine 
t)erfproc^ene Äirc^enorbnung erinnert; benn faum Ratten bie ^ot>en 
feine ©riefe t)erlefen t)6ren, fo t)er(angten fie t)om diatl), bap er ®ert 
Demifen fommen laffe, um für ©oefi tim Drbinanj ju machen, n)ie 
er fie für 8ippftabt gemacht t)atte. 2)ie^ war gerabe bad, wa^ ber 
^erjog burc^ feine ^an^t firc^Iic^e ^^olitif ju tiermeiben n)ünfe()te, unb 
wenn man außerbem erwägt, ba^ ber 9»ann, ber alfo bem Sanbe^^ 
^erm gegenüber gefieüt würbe, fcfjon gweimal früher feinen Unwillen 
»erbient unb nid^td ftärfer beö t^er^ogö ^oxn gegen Sippjiabt erregt 
^ttf ald bie Slufna^me Demifend, fo erfennt man, ba^ bie Slbfidit 
ber fiegreic^en ?ßartei ba^in ging, mit einem Schlag Soefi gaujlic^ 
bem S'influ^ bed ^^i'jogd Ju entjie^en unb il)re ^totdt ol^ne Stücf^ 
ftc^t unb 9?ad^giebigfeit jU t>erfolgen. Demifen fam, t)on 8Ubegret)er 
bem SRaler geholt, am !• 3anuar 1532 t)on Sippftabt herüber, unb, 
einen ffiolljie^ungdauöfc^u^ von ac^t SDJännem aM fRatl), 3w6lfen, 
Slemtem unb ®emein^eit jur Seite, begann er fofort fein SBerh 

11. 

@d ging }u biefer 3eit unorbentlic^ g^"ug ju in ber Stabt unb 
auf ber ©ör^e. 3nbem man ben fatl)oIifd)en ©eiftlic^en bie Slud^? 
Übung t^rer Functionen untcrfagte, mangelten bie j{räfte, um bie ge^ 
wö^nlid)en religiöfen ©etürfniffe ju befrietigen, unb auf bie itanjeln 
brängten fic^ ^reDiger einer ©attung, bie fc^lcc^tcrbingd nic^t ju bul*^ 
ben war* 91uci) gab ed t)iel ©efmbel, bad ©efc^mad an frembem 



§ 10. Statt ^Hfi an ten <&er|09 1532 3on. 2. 69. 



112 Qrßee »u«. 

Stgent^um befommen l^atte: if^t gingen fie mit ben ^4$ret)icanten in6 
^ßilgerl^aud, um auf Äoftcn Der frommen ©tiftung ju effen unb ju 
trinfen; antre jogen mit ber S^onni^fc^u^enfa^ne ()inaud md) Sor^ 
geln unb fielen bem fat{)oIifcf)en ^Pfarrer in Äellcr unb M6)t. 9?ac^* 
bem ed gelungen , bem grobften Unwefen gu fieuern, traten nocfj be^ 
benflic^ere Uebelftdnbe ^en)or. 2Bdt)renb Demifen an ber Slufftellung 
ber Drbinanj arbeitete ^ mußten n>enigftend t)or(äuftg im 9IQgemeinen 
JRic^tfc^nuren gegeben werben für 8e^re unb SSerfaffung: aber bie 
$rebicanten jeigten [x^ uneinig in ber Se^re unb mancher moQte ftc^ 
nic^t einreben iaffen, unb anbrerfeit^ [tiefen Sebürfni^ unb S3egef)r* 
lic^feit ber neuen ®eiftlic^feit ^art gegen ben ®eij ber lutl)erifd;en 
©ürger an^ bie an 3of)annd van Sampen Sieben jurücf backten unb 
nun mit ^t^))ergniigen bemerften, ba^ ^]^iaxxtx mit ganjen gamilien 
ben Unterl)alt t)on ber ©emeine forbcrten^ ber früher burcfe Stiftun* 
gen unb Cpfer ^inreidjenb gebecft n>ar. ©ereitö fc^immerten aud ber 
trüben ®a^rung bie erfien Slngeic^en ber t)erl)ängnipt>oUen Spaltung 
l^ervor, bie baö et)angelifc^e Sager überall in 6onfen)atit>e unb Stabil 
cale t^eilte, inbeß burc^) ben Otürffc^lag berfelben (Sntwirflung fic^ bie 
itatl)otifen geftärft füllten unb neue ^ojfnung faxten* SlUer 9Iugen 
richteten ftc^ auf Demifen. (&x, auö beffen ^^anb man bie Sufunft 
entartete, bie t>on ben einen begehrt, t)on ben anberen gefürchtet 
iDurbe^ xoax, fo fd^ien t^, me^r ald alle anberen berufen ^ aud) ie^t 
fc^on, ZaQ für Sag, aWap unb Drbnung t)orjufc^reiben. 2lber, fo 
bereit unb begierig Demifen war, bie t)on ben aJer^dltnijfen gebotene 
fircfelicl)e 3)ictatur ju ergreifen, fo eiferfüd)tig fcl)ranften bie jidbtifd)en 
S3e^örben il)n auf feine urfprünglid)e ©efugnip ein, unb bad t)orüber^ 
gel)enbe unb befc^rdnfte 9lmt bed ®efe^geberd, womit er befteitet war^ 
feßte i^n um fo weniger in Stanb, bie gegenwärtigen SSJirren ju 
fd)licbten, bie 2l5iberftrebenben ju ftrafen unb gu gwingen, ald er felbfl 
feineöwegd barnad) begel)rte, ftd) in Soeft eine bauernbe ©tellung gu 
grünben, fonbcrn gleich nac^ SSoUenbung feined 2luftrag^ bed ^er^ 
gogd Sanbe gu üerlaffen gebac^te. SBenn er bennod) fortwdl)renb ein^ 
griff, fo l)atte er bie JÜraft bagu nic^t in feinem älmt noc^ in ber 
Eingebung ber Dbrigfeit, fonbcrn allein in ftc^ unb in ben 9Jer>^ 
l^dltniffcn gu fuc^en. S3alb mupte er fic^ auf ben SÄatb gegen bie 
Ungeftümen unb aßiberfpenfiigen , auf bie öürgcr gegen bad ®e^ 
fmbel, balb auf ben ®cift ber Bewegung gegen 6tabtratb unb dk^ 
rud ftüßen. a)tcl)r ald einmal bro^te er weggugc^n unb Soeft 



IX. IDtc t»an%tli\ä)t 9ufru^r in 8iv)>ffatt unb ®oefl. 113 

fii) felbfi ju überlaffen, bi« blc Se^örben jögernb nachgaben ober 
)>ennitte(tfn« 

2)er Auf t)on 3tt>tf^ ^(^$ unb Unruhen untet ^^^rebicanten unb 
Sürgcrn t)on Socji tierbreitctc ftd) in bcr 9?acf)barfc^aft ; man ^orte, 
fcaf bie @tege^freubtgfeit bei t)ie(en @t)ange(ifc^en t)erfd)n)inbe^ ba^ 
fc^nfüd)ti9e Slirfe auf bad abgeworfene pabfilidie 3o(^ gerichtet ttjür^ 
bcn^ unb aUerfeitd merfte man auf biefe bebeutfamen SJorgänge* 3)ie 
eDangeIif(i)en 'ißarteigenoffen in ÜRünjier njünfc^ten um i^red eignen 
Sorti^eild willen, bap Socfi bem fcl)Iimmen ®erebe ein Gnbe mache, 
fid) mit befieren ^4?i^fbigem t)erforge, na^ grieben unb SWapigung 
trachte* !l)aö {ircf)(id) gefinnte S6(n bagegen erinnerte bie SRac^bar^ 
fiabt, gur Umfe^r ma^nenb, an i()ren alten guten Seumunb: fte, bie 
aUjeit unb auc^ je^t noc^ a(d färfid)tig unb t)erftänbig geac{)tet n)ür^ 
ben, möchten ftc^ biefe ledigen Srnmgen, bie Slbna^me i^rer SBo^U 
fa^rt unb (obliegen $olijei gu ^ergen nehmen unb fic^ nic^t burc^ 
unbefiänbige Steuerungen unb (Spaltungen t»erfü^ren laffen* 

Slber wenn bie Jtattioiifen in unb au^er €oefl auf biefe !Dtnge 
bejtimmtere «Hoffnungen bauten, fo täufc^ten fie ftci) über ®rab unb 
®ett)a(t iened ©cfü^ö, welc^eö ber gangen Bewegung gum ©runbe 
lag* 2)er $af gegen ben 6Ierud, welker gu bem Slufrubr am 3^^o^ 
madtag geführt ^atte, leitete auc^ fpater t)on einem Schritt gum an^ 
bem weiter* Sobalb eö ben Singriff galt, trat ber innere 3wifi gu^ 
rüd; ba waren bie 9Ket)r^eit in Slemtern unb ©emein^eit, bie^ot)en 
unb ihre SSertreter, bie ^rebicanten unb baö. ®eftnbel eine6 ©inne^j 
ba war auc^ bie (Stellung Demifend ftarf imb unerfcl)ütterlic^. 3ung 
unb heftig, t)oll t)on bem (8efüt)l feiner Sebeutung, fireng unb fcl)roff, 
rec^t^aberifc^ , ^artnäcfig, burc^ feinen SBittenberger Slufent^alt unb 
burc^ fein SBüberic^er unb Sippftdbter ÜWart9rtf)um mit leibenfd^aftlicl)cr 
Än^finglic^feit an bie tutl)erifci)e Se^re burdjbnmgen, war er gang ber 
IRann bagu, bie Sturmer unb !Dranger gum Äampf gu ful^ren unb 
bie Sefonnenen unb 8auen hinter jic^ ^er gu gießen. 8luf feinen ?ln^ 



§ 12. IBrnit (Rot^mann an ten (Rat^ )?on ®oe{i 1532 gcBr. 2. ®9. 93cü. X. 
— etatt (Söln an ten (Rot^ von (Bot^ 1532 %thx. 21. @9l. — Ueber Demtfen 
f. H 1015. 1048. 1063. 1064. 1315. SS^iflger« St\xd}tnQt\^. WltOltnhviXQt p. 160 
unb feine Dttinang (et Sacobfon, Urfunten p. 9 iqq. 

Ctfcncliiii, «nfhi^r in ORfinfler. I. 8 



114 dtfiU i»u4. 

trag n>urben am 12* Sanuar allgemein tn @tabt unb ®ebiet Steffen 
unb 93igi(ten x^txioUn, o^ne bad (Sapitel au6}unet)men^ unb babur^ 
ber eben gefc^loffene Vertrag gebrochen* 2luf feinen Eintrag würbe 
an bemfelben S^ag befcf)Ioffen, bie Älofiergütcr unb ^Äleinobien auf*' 
jujeic^nen unb in SBerwaftrung ju nehmen, ein ®d)ritt, ber auc^ t)on 
©oangelifc^en ein Unrecht gefcl)oIten würbe. SBeil Demifen fic^ wiber^ 
fe^te, würbe bem @apite( am 2K 3anuar t)erboten; bie gewöhnliche 
^atrocUtdproceffton ju galten. @tatt beffen ijat man fpäter eine 
@pottproceffton mit bem SBilb M ()* $atroc(u6 gehalten, unter Xxom^ 
mtU unb ^feifenfc^aU ed herumgetragen unb bann ind Süd)fent)au6 
geworfen. 

13. 

5Racf)bem ^ergog 3o^ann6 freunblic^c 3)ial)nungen fc^nöbe gurücf^ 
gewiefen werben, backte er an ernfiere '£cl)ritte gegen feine ©tabt. 
aiuf bem Sanbtag für &tot unb SKarf, ber ju SSBidebe am 27. 3a* 
nuar wegen ber beiben et)ange(ifd)en @t&bte Sippftabt unb <Boc\t ge^ 
I}a(ten würbe, forberte er bie ®tänbe )ur 2^^ei(na^me an feiner Sai)t 
gegen @oe{t auf. ^Darauf t)erfuc^ten bie Stäube mit feiner S3ewiOt* 
gung eine 93ermitt(ung, unb ®efanbte ber @(e))if(^en unb SJiarfifcbeu 
@täbte unb Slitterfd^aft erfc^ienen am 4. Februar ju @oefl, baten um 
Slbf^eUung ber Steuerungen, unb erboten flc^ für biefen SaQ bed ^er^ 
jDg^ Unguabe abjuwenben unb 93erjeibung für ba6 ®ef(^e()ene aud^ 
)uwirfen. @ie erhielten )ur Slntwort, @oe{l l)abt bad Iffiort @otte^ 
angenommen unb woQe babei bleiben. 9ltö fte warnenb eine tröfl^ 
liefere Slntwort begel)rten, ging man an bie gefammte Sürgerfc^aft. 
äim 6. gebruar t)erfammeüen ftc^ bie ^oven einjeln in i^ren ?Pfarr* 
firc^en unb Porten ben fiänbifci)en Slntrag au6 bem Wlnn\> ber 9iat^6^ 
Ferren. !Der @(^(u^ ber ®emeine fiel ba^in aud : man wolle bei bem 
Sßort ®otted bleiben bid jum legten 9){ann; wenn aber ber ^erjog 
auf ber Bürger jtofien gelehrte Seute fc^iden woOe, um mit ber ^ei^ 
Hgen ©c^rift i^re ^rebicanten ju uberwinben, fo wollten jle felbjl 
baju l^elfen, bie Ueberwunbenen ju t)ertreiben. @ewi^ waren bie S3e> 



§ 13. Cbron. Dominicanorum io Tremonia p. 49. — K im 9. OtO)). ter dtn^ 
(ettung. — <Soefl an (Ritterfd^aft unb St&btc »on (S(ct)f unt !Rarf, Itl^i gu ^u 
ätU, 1532 San. 29. @«. — ®otft an Uhtd unb »tcmcn 1532 gebr. 29. ®«. 
— SRöHer mt ma^rt^ten 9on iippf^ti 292. 



IX. 2)cr ft)angc(tf(^c llufht^r in !gi)»)»^bt unt Socfl. 115 

^örbm ber ©tabt geneigt, ben offnen 93ru(^ mit ^erjog unb ?anb^ 
fd^aft gu )>ermetben, aber fte mußten nun bei ber erfien 9lntn>ort bt^ 
^anen: ed flcf)e bie Seele an, fugten fte ^tnju, ber ^erjog n)erbe 
bed^alb feine Ungnabe auf fte legen; foHte ber ^err aber ungnäbig 
gegen 6oe(i fein woHen, fo wünfc^ten fie gu n^iffen, n>ed man ftc^ 
gu aiitterfc^aft unb ©täbten ju \>erfe^en l)abt. 2)ie ©efanbten »er^ 
ipxad)cn, SBefc^eib unb grage an 9iegierung unb 6tdnbe gu bringen, 
unb t)erlief cn bie (Stabt, 

Slber toai ed für @oe(i bebenflic^, bem gemeinen SBiflen be6 
?anbed fic^ entgegenguflelten , fo würbe ed itiit, nac^bem ftd) bie 
mdd)tige ©tabt wirflic^ entfc^ieben, ber ?anbfd)aft noe^ fc^werer, fic^ 
gu ben folgenben ®cf)ritten gu entfc^Iiefen unb bie Einleitung gu ben 
geinbfeligfeiten gu treffen, ©d)on l^atte man mit Sippfiabt gu tl)um 
3)fe Heinere ©tabt, im ®efü{|l i^rer ©c^n)äc^e, I)atte felbft bie Sßeri» 
mittlung ber ©tanbe na(^gefuc{)t unb barauf ^in t»on ben gürßen bie 
Oeffnung ber ©trafen erlangt; bie ©tanbe tonnten bed^alb hoffen, 
o^ne ®en>a(t burd) einen blof en ©c^iebdfpruc^ l^ippftabt gur Orbnung 
gttiücfgufu^ren. ®ang anben^ flanben fte mit ©oeft, ^it flotge ©tabt 
^tte rul^ig abgen)artet, bid bie ©tanbe t^r bie 93ermitt(ung antrugen, 
barauf ade gorberungen bed «^ergogd unb ber Staube gurucf ge)t)iefen : 
niemanb burfte benfen, bur(^ ein ftänbifd)e6 Urti^eil i^ren ©inn gu 
änbem. Slm 12, 3R&rg t)erfamme(ten ft^ 9iitterfcl)aft unb ©tabte 
ber 2anbe (Sitot unb SRarf gu ^amm, 3lo(i) entfc^ieben fie nid)t6, 
(onbeni übertrugen 93erat^ung unb ä3efc^Iuf einem ^ludfc^uf "oon 
Swölfen, ber am K ^ai gu Dortmunb gufammeutreten foQte, Stber 
tDie wenig ©oefi gu fürd)ten t)atte, geigte fiöf fd)on je^t baburd^, baf 
bem Sludfd)uf nur bie Sippfiäbter ©ac^e namentlich aufgetragen, bie 
©oefler blof angebeutet würbe, o^ne ben 9kmen ber ©tabt gu nen^ 
nenj unb baf man ben Sippfüäbtem gugleic^ ben Sefe^t ertt)eiUe, bid 
gur Sntfc^eibung bie 9{onnenf(6f)er in i^rer ©tabt ungefiort bei i^rem 
@efang unb ©ottedtienfl gu (äffen, wä^renb fein d^nlic^ed SBort 
flcgen ©oefi gewagt würbe* D^ne 3>veifel ^atte ©oefi t)on »er 
©ttmmung ber Sanbfc^aft ba(b fiebere jlunbe erhalten, benn fci)on am 
29, gebruar klonte ed bie am 2. gebruar aud 93raunf(^weig ))on ben 
^ort loerfammelten ©t&bten be6 et)ange(ifc^en Sünbnif[ed ergangene 
Slufforberung , ftc^ gum ©c^u^ be6 @»ange(ium6 um ben' Eintritt in 
i^x Sünbnif gu bewerben, mit Sntfc^ieben^eit ab. „©oefi l^abe einen 
fl^bigen ^errn unb wiffe von feinem Unmut^; barum ^ofe man^ 

8* 



116 itcfiu lBu4. 

M (Sinttittd in ben S3unb ntc^t ju bebürfen'^ fo fc^rieb man mit 
IDanffagung an Subecf unb 93remen, bie mit biefer 93er^anblung be< 
auftragt njaren» 

14. 

SBa^renb all bicfcr inneren unb äußeren Seunru^iflungen ging 
bie 5ftr(^enorbnung i^rer 93oQenbung entgegen^ mit beren Sludarbeitung 
Demifen feit Steuja^r befdjdftigt war. 9Wit if)r nabte bie Stunbe ber 
lefttcn Gntfc^eibung. SBenn burc^ ben SSertrag t)om 23* December 
im allgemeinen feftgefe^t worben ttjar, baf Soeft eine fircf)lic^e SBer^ 
fajfung tt)ie bie übrigen nieberbeutfcf)en et)angelifcf)en ©tabte erhalten 
foHc, fo galt e6 je^t, biefe SBefiimmung ind 8eben ju führen, unb ed 
mupte fid) geigen, ob jener Vertrag nur bie grud)t einer Ueberrafc^ung 
gen>efen unb bie fircb(icl)e ^J^axtti noc^ ju erfolgreichem SSJiberftanb 
fä^ig fei, ober ob bie ,^errfc^aft in ©oefl n)irfli(^ in ben ^änben 
ber 8utt)erif(^en liege. 9foc^ einmal fam e^ gum Äampf: bie S3ür* 
germeifter auf ber einen, Demifen auf ber anbern ©eite führten baö 
33Bort. 2lnfc^einenb nur um eine gormfrage breite fldj^ ber Streit, 
aber bie (Sntfc^eibung baruber barg ©ieg ober 92ieberlage ber religio^ 
fen Semegung in fic^. 

Slld man bem 9Ö3illen ber Sürgerfd^aft gemäß Oemifen gur Sluf^^ 
flellung einer Drbinanj berufen, f^atit man tl)m einen Sludfc^uf gur 
Seite gefegt unb i^m auferlegt, jte gur !Dur(^ftd)t unb ^Ibänberung 
ber Dbrigfeit tiorgulegen; benn nid)t allein bem ©utbefinben eined 
gemietl)eten ^rebicanten wollte man ba^ ^eil ber Stabt anheimgeben. 
3e nad)bem ed nun bem 9lat^ gelang,^ me^r ober minber fein erfc^üt^ 
terteö 2lnfe^en ^ergujiellen, fonnte er Ijo^tn, bie Drbinang fo weit gu 
beffern unb gu milbern, baß man ber St\x(i)t unb ber Sanbedregierung 
entWeber genügte ober boc^ nid^t allgu fel)r fic^ entfrembete. ^an 
fprad) bad nic^t aM, fonbem amtlich war nur t)on ber 3lot\)m\u 
bigfeit bie Siebe, bie ^ergoglic{)en diti)tt unb fl&btifci)en ^4}rit>ilegien 
iDOt 93er(e^ung gu bewabren. gür biefe Stuftest unb Siebe fianben 
gweierlei Seute gufammen, bie Slltgl&ubigen unb biejenigen t>on ben 
2utt)erifc^geftnnten, benen bie Sßürbe ber Stabt unb i^rer 93e^6rben 
treuer war. Dagegen war Demifen ftc^ bewußt, bie Drbinang nac^ 
äRaßgabe unb 3Rufler ber ec^tlut^erifd^en jtirdj^enorbnungen in bett 
äbrigen Stäbten, namentlich) ber Sraunfc|)weigifd^en, aufgearbeitet gu 
l^oben, unb ba er offenbar in biefem Sinn beauftragt war, glaubte 



IX. IDer d^angelifc^e SUifnil^r in Sippftatt unt ©oefl. 117 

a in feinem JRec^t ju fein, mm er fein Senbem iaxan jugeben 
XDoViU, n)el(^e6 t)oraudfic^tIi(^ auc^ auf fleifilic^e Dinge ftrf) erftrerft 
^ben tt)ürte* 3^m traten ade bie ÄrSfte gur Seite, mli)t ben J^o^ 
madaufru^r gemacht Ijatten, unb gerabe bie rabicalen JRegungen, bie 
er t)or^er gutt)eilen befämpfen gemupt, mocf)ten ficf) je^t alö feine er*^ 
fjebenfien* Sunbedgenoffen ertt?eifen. @« galt ja einen itampf gegen 
Dbrigfeit unb ßleru« juglcic^, ber ©turj bed festeren unb Demifene 
Drbinanj n>ar ein6 unb baffelbe. Sc{)on t)ie( }u (ang l^atte if)nen 
bie Slrbeit Demifend gebauert unb gegen i^re fiürmifc^e Ungebulb 
^atte er bie Obrigfeit . um ©c^u^ angeben muffen» Se^t füf^rte er 
bie Ungebutbigen felbft gegen bie Dbrigfeit an. 

15. 

3n ber erjien ^Älfte beö ÜKArj n)urbe bie Äirc^enorbnung fertig» 
©tatt feine Slrbeit bem 2ludfcf)u^ ber 2ld)t unb ber Dbrigfeit t)oriU^ 
legen unb baö tDeitere abzuwarten, ivanbtc ftc^ Oemifen guerfi an 
bad SSolf unb lie^ in allen Äirc^en t?erfiinben, baf bie Drbinang 
beenbet fei. 6rft ald bicrburd) ber gemeine 9JJann in Unruhe gebracht 
n>orben ttax unb fte ju ^oren begehrte, erfcl)ien Ccmifen am 13.3)idrj 
t>or Sürgermeiftern unb 9lic^tleuten, unb forberte eine SBerfammlung 
ber gefammten Dbrigfeit, um fic t)orjulefen. 2lld er bie Entgegnung, 
er möge fie gut)6rberft bem önöft^uf ber 2ld)t jur 2)urcf)ftc^t t)orlegen, 
jurucfmied unb auf feinem Sierlangen be^arrte, gab man um ber 
f^errfc^enben 2lufregung tt)iüen nac^ unb befc^ieb i^n ben 15. aWarj 
auf bae 9latl)^aud jur 9}orlefung. 9?acf) brei bid t)ier 3;agen war 
er bamit ju Snbe. 2)arauf forberte ber SRatl) bem aufgerichteten SSeri» 
trag gemap bie 2lblieferung be6 SBerf« an bie gefammte Dbrigfeit 
jur 2)urc^fid)t, „jum Äürjen unb Sängen." 2luc^ bief weigerte ber 
Reformator : bie Drbinang folle, war feine SReinung, gehalten werben 
fo wie er fte gelefen, o^ne Äürgen unb Sangen. Slber in ber 98er^ 
fammJung übenoog baö önfe^en beö JRat^d unb bie giürffic^t auf 
bie 5ßörbe ber Stabt unb M ^erfommend. 2)ie SJorfieber t)on 
aemtem unb ®emeinl)eit erftdrten, in biefer ©acf)e beim 9iat^ ju 
Mriben lebenbig imb tobt; wenn Demifen bie Drbinang nicl)t i)nan^^ 
geben wolle, fo foUe fie Demifenö Drbinang bleiben. !Da biefer ben^* 
niH^ auf feinem SBillen be^arrte unb man beforgte, ein 8lufrulS>r 



§ tb, ^ie Drtinong bei Sacobfon, Urfunten p. 9. 



118 drM ^u4- 

möchte t^m ju ^ulfe fommen^ berief man nod) an bemfelben Sl6enb, 
ed xoax ber 20* 'Sflax^, bie ^ot)en einjeln in i^re Jltrc^en/ unb fragte 
fle, m^ bie Cbrigfeit ju tönen in biefer ©ac^e fii) gu t)erfel)en I)abe* 
Stat\) unb alter JRat^ auf bem $au6, bie 3^ölf auf bem ©eU t)er«» 
fammelt, n)arteten auf bie Slntwort ber 33örger* (So geigte ft(^ 3n>it' 
fpalt : t)ier $ot)en fieHten fic^ auf Seiten beö 9lat^«, 8ütfenwep^ot)en 
itnb ®übl}0t>eu aber begehrten, man foQe il}nen bie Orbinanj (efen* 
Um fie gu befriebigen, würbe bie gange Sürgerfc^aft am 22* 9»arg 
in ben SRat^l^of befe()ieben, unb alö bie 93orlefung, bie jteben ©tunben 
bauerte, gu @nbe tt>at, fiettte ber Sörgermeifier ®ropper an bie ge* 
fammten $ot)fn bie grage, ob fie bie Drbinang \)on ber Dbrigfeit 
wollten fürgen unb langen (äffen, faüd (twa^ barin gegen beö ^tu 
gogd unb ber ©tabt Siechte. Da erl^ob jic^ unter ben bürgern ber 
. ©treit für unb gegen fo ^eftig unb ungeftüm , baß ber Äatl^ in 
©c^recfen geriet^, an nic^t6 weiter ald an Sefc^n)ic{)tigung ber Un^ 
tul^e backte, unb, bamit ba6 93o(! nur au^ einanber gebradl)t werbe, 
Wiber äBiOen für bie Slnnal^me ber Drbinang fld^ erflärte* 

93er(e^ungen ber ()ergog(ic^en unb fläbtifci)en Siechte enthielt bie 
Drbinang wo^l nid)t, ober boc^ nur mittelbar, in fofern fte ben alttn 
firc^lic^en 3uft<^nb, an welchen bcibe aOerbingd ein guted Siecht ^at^ 
ten, befeitigte* !Ded ©treited Slngelpunft fonnte nur fein, ob bie 
neue Äird^ent^erfaffung me^r ober weniger Iut^erif(^ ober fatl^olifc^ 
Werben foUe, 98ar biefe Drbnung Demifend angenommen, fo \)aUt 
man nic^t allein bem wiberre(^tlid)en 3ufianb, wie er nad^; bem ?luf^ 
ru^r t)om !£l)oma6tag jtc^ burc^ ber Sßier unb gwangig unb Demifend 
®nwirfung gehaltet, für immer bie gefe^lic^e 2Beil)e ert^eilt, fonbem 
no^ einer JRei^e neuer ßingriffe in ba« alte 5tirc^enwefen bie feiere 
lic^e äSiOigung gegeben. @egen ben mit bem €apite( gefc^loffenen 
SSertrag nal^m Demifend ®efeft auc^ ba6 SRünfier für ben neuen 
©otteöbienfi in anfprud), unb wenn gleid^; er bie Älofier nid^t gra^ 
begu aufhob, fo befiimmte er fte boc^ gum aHm&blid^en Untergang 
burc^ ba6 SJerbot, neue SRitglieber aufgune^men. ©eine 2lbfl(|)t ging 
offenbar auf audfc^ließlic^e unb unbef^r&nfte ^errfd^aft ber neuen 
Se^re in ber ©tabt unb i^rem ®ebiet, unb bief war ed, wa6 für 
unb gegen bie unbebingte Slnna^me ben (Sifer unb 2&rm ergeugte« 
©efc^ürt aber würbe bie ®lut burc^ ben ro^en 3^on be6 ©efe^buc^^^^ 
ba6 wie eine Jhiegdtrompete ©(|)impf unb ^ol^n auf bie ^Aupter 
ber geinbe fc^leuberte, von ^au^tnt^ttn unb ungeklärten Seflten unb 



IX. IDcr d^anf^clifd^ Kufru^t in 2i)))>9att unt 6ocfl. 119 

(S^tWi^ftn, )Don bem brdgefronten Slbgott ju fRom unb bed !£€ufeM 
8?amtttt)crf rcbetc, bie Stloftn Synagogen be« ^öUIfc^en Teufel« 
nannte, balb gegen bie läufigen SSerfü^rungen ber ^elüofen 5ßf<^ff«t 
bie So(fdn)ut^ auffiac^elte, balb bie Sapttel^^erren ironifd^i jum i^anh 
gebet ermunterte, bafür baf i^re ^urerei unb anberen @uuben fo gei> 
linbe ©träfe empfingen, Sßuc^d ^ierburc^ ber UntPtOe unb bie @r# 
bttterung ber itat^oHfc^en gegen Demifene SBerf, fo gefiel e6 bem 
Raufen ber ?ut^eraner um fo t)iel beffer ber n)üt^enben SBorte ioegen^ 
welche fo leicht ber SWenge aW Si^aten erfc^einen, 3)ie Drbinanj 
mürbe ie^t ba6 ^arteibanner, unb i^re Slnna^me ober 9ßem)erfung 
bebeutete ®ieg ober SRieberlage ber neuen 8e^re, 

16. 

!£)te ßide 9Bo(^e unb bie Ofierfeiertage t>ergtngen, ol^ne baf bie 
Dbrigfeit bem Sefc^Iu^, ben jte t)om Zobtn ber SOtenge umgeben 
gefaf t ^atte, golge gab* Unterbef eiferten bie Äat^olifcl)en mit ©pott 
unb ^o^n gegen bie Drbinanj^ bie &ut^erifd)en darrten, ingrimmig 
über ber geinbe Äü^n^eit, auf bie t)erfprocf)ene unb boc^ t)erjögerte 
©nfü^rung berfefbem 2)ie 2eibenfcf)aften tmai)Un njieber n)ie am 
X^omadtag, unb tt)ie bama(0 entfc^ieben gule^t bie bro^enben ^äufie* 

9lm SRorgen bed 2. 9lpri( entfianb x>ox bem ß&btifc^en 9Bcin^aud 
eine 3wf«»nni^«röttung* ^an forberte t)on ben JRic^tleuten, fie foHten 
bie Sludfü^rung ber Drbinanj bewirf en, fonji tooKe man felbji bafür 
forgen. 2)ie Antwort befc^ieb fie, ben Slbenb um t>ier U^r wieber^ 
jufommen* Um mx \X\)X abtx, a(6 ber 3ufammen(auf fic^ erneuerte 
unb feine 2lntn>ort erfolgte, neigte fic^ ber Sinn ber üRenge jum 
Slufru^r; fcI)on begehrte man in ben !£^urm, bie ®(o(fen )u fc^tagen; 
„bie Drbinanj, t)on SBort ju SBort, ungelängt unb ungefurjt," bad 
mar bad Sofung^mort. Um bie ©c^reier nicf)t jur ®en)a(t greifen 
}u (äffen, mupte man ber gefammten Surgerfc^aft ba^ Si^ort gönnen 
unb t)erfammelte fie am anbem !£ag in bem ÜRünfier, ma^renb ber 
Kat^ mit ben aSorfiel^ern t)on Slemtern unb Oemeinbeit auf bem 
$au6 t)erfammelt fa^. (Segen aüt Sqrberungen, bie im üRünfier 
ber Shigenblicf erjeugte, ben)ie6 ber dtaü) fic^ miQf&^rig unb md)^ 



f 16. IDie (Snttaffund Demifend 1532 9lpx. 16 bei Sacobfon, Urfunten p. 8. 
— IBctttad, €oe^ 1532 Spr. 16. 691. — ®offl an @^urf. Sol^^ann )?on (Sad^fm 
1^2 9ipx. 19. est. 



120 <SrM ®u^. 

gicbig* ÜRan t)crlanfltc ©träfe für ben ^afior t)on SBetoer, »eil er 
gegen bad 93er6ot Kommunion gehalten: fogleic^ fc^tcfte ber fRatl) 
2eute, benfclben ju ijokn. STOan forberte, bie Älöfter foHten gefc^Iofi» 
fen unb @ingen unb Sauten i^nen t)erboten n)erben: fogleic^ n>urbe 
ber Sefebl ert^ctU* @tner Ijaiit über bad lut^erifc^e Slbenbnml ge^ 
fc^ma^t: feine Sßer^aftung n)urbe ben)taigt. Wlan f(agte über ben 
Crganiflen ber aittn Jtirc^e: er xoaxi entfernt* SIuc^ bad SRünßer 
»urbe gefc^lojfen unb ben ©tiftd^erren i^r ®otteebienfl unterfagt* 
©0 bef(^n>ici)tigte man bie Unruhe unb tonnte bie Hauptfrage auf 
ben folgenben Jag »erfc^ieben. 9lun machte bie Dbrigfeit noc^ einen 
aSerfuc^, ibrm 2ßißcn burc^jufeßen* 9iat^, Slemter unb ®emein^eit, 
auf bem ©tabt^aud t)crfammelt, befc^loffen bie Slnna^me ber Drbi^ 
nani, unter bem 93orbe^alt, ju langen unb ju fürjen, waö gegen bie 
JKec^te bed ^erjogd unb ber ©tabt in berfelben enthalten fein möcf)te, 
unb fc^icften barauf 9lbgeorbnete an aüt JSQo^ax, um i^nen bie (£a6)t 
iDorjutragen unb einjureben. ^od) ber SBioerftanb ber 2ut^erifc^en 
xoax unbejtt}inglici), ^tt>ax fonb ftd) in ))ier $o))en xoit früher eine 
SKel)r^eit, bie mit bem ^efc^luf ftc^ gufrieben geben n)oüte^ aber 
2ütfenn)eft^ot>en unb ©übI)ot>en begehrten bie Drbinanj unb nic^t6 
atö bie Drbinanj. !Da macf)te bie Dbrigfeit ein @nbe unb ergab fxi) 
in ben SSJiQen ber (ut^erifc^en Partei: bieDrbinanj n)urbe angenom^ 
men unb an bemfelben ZaQ ber gefamutte 6(erud auf baö 9{at^l)aud 
befc^ieben unb unter Slnbro^ung t)on ©trafen angeiDiefeU/ fic^ t)on 
nun an aller Eingriffe auf bad neue ®efe^bu(^ ber ©tabt ju ent^at^ 
ten* Slm 16*9Ipril n)urben bie ©tabtftegel an bie Orbinanj gelangt 
unb Demifend Slnerbieten^ fie auf feine Jtoflen bruden gu la^tn, ge^ 
ne{)migt/ barauf ber Sleformator mit gnabigen SQorten feinet !Dienfte6 
entlaffen* 31m 19. SIpril »anbte mau fid) an ben @^urfürf}en t)on 
©ac^fen unb begel)rte, ber neuen Äirdjenorbnung gemap, einen ©u^ 
perintenbenten. 

17. 

Hiermit xoax ber ©ieg ber et)angelifc^en 93eipegung in ©oeft 
t)oQenbet unb bie )>oltxnd)t, mit 3Rauern unb S^^ürmen n)o^(ben>el)rte 
©tabt )ur ^flanjftiitte unb Surg ber neuen Seigre für ba6 füblic^e 



§ 17. Qrfrnntntß ter (Ritterfc^aft unb ®täbte »on Citm tinb SIlaxf, ^cxU 
mmtf 1532 Viai 3. aBSl. 



I 



X. SBtf^of 9nebri4 unb fdtxnt (Rot^mann. 12 t 

Skfifalen getvonnen. SBte tptc^ttg bttf Sreigntf für bie Mi)tti^i)t 
?ßartei fletoefen iji, ^at fic^ fc^on unmittelbar barauf in ?ippftabt6 
@d[|i(ffal fleaeiflt. 2)icfc ©tabt, bic t)or bem Ucbertritte ©oefiö ber 
©croalt i^rcr bciben Sanbeö^errcn ju »iberfif^fn t)erjn)eifelte unb bei 
ben Stäuben ,^ülfe \uä)U, tonnte ie^t Ferren unb ©tauben jufjleic^ 
tro^^ SBo^I fiel bad ©rfenntnip, mld)t^ ber Sludfc^uß t)on dlet>e 
unb 9Warf am 3* 9Rai tjerfünbete, gegen fie auö: fie foKe fogleic^, 
»urbc geforbert/ alle SReuerung abjiellen unb bie t^erjoglic^e Äircfjen^ 
orbnung annel)men^ berfelben gemä^ bid }um fünftigen Sleic^dtag ftc^ 
Ibalten, unb tt>enn Äaifer unb 3?ei(^ bie erwartete gemeine Äirc^en^ 
orbnung nicf)t geben tvürben, von i^ren beiben gürfien weitere Slefor^ 
mation erwarten. Ueberbicß würbe bic ©tabt bruc^fatlig erflart unb 
foUte wegen ber begangeneu Ungefe^licbfciten ben Sanbcö^erren ^an^ 
bei unb abtrag (eilien, Sippfiabt aber achtete bed ftänbifc^en erfennt^ 
niffe^ eben fo wenig al^ beö äöillen^ ber gürfien, unb fo bebenflic^) 
tt)6)\tn nad) ©oefid t)ollenbetem SlbfaH bic Sage ber 2)inge, baf 
niemanb ben 93erfucf), fie ju jwingen, erneuern mottete* 

SSJä^renb bicfc Segebenbeitcn baö 8artb jur SDiarf in Unruhe 
tjerfe^ten, erl)ob fid) berfelbc ©türm in einem 9fad)bar(anbe. 3w ben 
fünf ©täbten^ bic ba6 e\)angelifcf)e Sanner in 2ßefifalen aufgepflanjt 
l^atten, gefeilte fic^ SJlünfter ald fedjfte; eine ©tabt, bie an innerer 
©tärfe ber größten unter ben übrigen g(eicf) war, burd) i^re Sage im 
^erjen ber größten 8anbfd)aft äöefifalenö unb burd) i^re politifc^e 
©tfUung an ber ©pi^e ber ga^Ireid)en fleinen ©tabte bed ©tiftö alle 
bid^erigen ©rmerbungen ber er^angelifc^en Partei an SBert^ überwog* 



X. 

©eit bie (Smporung t)on 1525 mit ber SSefeitigung aller @num 
gcnfc^aften beerbet worben war, ^atte ber 9iat^ ber ©tabt SWünfler 
jeben neuen Sluöbrud; aufrül)rifc^er ober (utljerifc^er ©cfinnung mit 
fiarfer ,^anb nieberge^altcu unb betraft, unb eö fd)ien bie alte Dxt^ 
nung in ©tabt unb ©tift, weltlich wie firc^lic^, t)or bem W^'otx^ 
gnügen ber gefc^lagenen unb entmut^igten gartet um fo mel)r gefiebert 



122 (KrfUd lBu(^. 

gu fein, ald burc^ ben Vertrag t>on ^Dülmen bie (£tnig{ett gmifc^en 
bein ®tabtrat^ unb btn anbem ^6ci)f)en ®ttoaUm M Sanbe6 ^er^ 
gcfifHt toax. ,,ÜWünficr, unter ben weflfaHfc^en ©tdbten bie anfe^n^ 
lic^fle, n>trb burc^ ber ®ti^lii)tn 93efonnen^ett unb @tanb^afttgfett 
fo wit bur(6 bed iRatl}^ Slnfet)en unb ber t)ome^mf}en S3ürger SßiQen 
unter @otte6 gnäbigem S3eiflanb bei ber alten Se^re unb ben alttn 
©rauchen ber Äird^e erhalten/'*) 60 fd)rieb mit gut)erfic^tli(^er 
^anb ein SWünfierfc^er ®ei{«ic^er im Sal^r 1529. aber grabe in 
biefem 3a^r tpurbe ber ®runb ju einem Umfc^n^ung gelegt, ber bie 
Iut^erifci)e gartet au0 bem !Dunfe( ber Unterbrucfung rafc^ gur ^err«' 
fc^aft emporhob. 

2. 

SBir wiffen, wie fügfam in früheren 3a^ren ber Sifc^of t)on 
SWünjier, ®raf griebric^ t)on SBäieb, gegen alle gorberungen feinet 
S)omcapiteld gewefen. !£räger (Sinnesart unb greunb ber 9in\)t, toax 
er gufricben, wenn anbere i^n ber Saft be0 Siegierend überhoben unb 
i^n ungefiort bem 3eit>>eYtreib ber 2)rec^dlerarbeit, bie er liebte, nac^;^ 
gelten liefen; t)ergaf bie $flic^ten feiner 2Bürbe unb fümmerte fic^ 
im S3ejt^ ber fürftlic^en ©infunfte wenig um bie laute 93eracf)tung, 
mit ber man im 2anb fein Sßefen betrad)tete. Dief SJerl)iltnif erlitt 
eine plö^Iic^e Slenberung burd) ein @reignip be6 3a^rd 1529* Um 
5l}fingfien war ed, ba fiel ber SSifc^of unt)erfe^end mit §eere0madj(t 
Aber feine ®tabt Sßilbe0l)ufen ^er; bei nächtlicher Sßeile, niemanb 
fcOte fic^ gur SBe^r* Darauf lief er ben ©ürgermeifler Sicfebroicf 
^inric^ten, Z\)nxmt unb !D}auem nieberreifen, nat)m ber @tabt it)re 
$rit)ilegien unb woHte, baf fie fortan ein Dorf fei. S6 ift nic^t 
flar, ob er aud eignem eintrieb unb gegen ben SBiUen M 6apitel6 
gu biefer auffaltenben Zi^at gefc^ritten, ober ob er auc^ hierin nur 
bed SapiteW SBerfgeug gewefen fei; eben fo wenig alö ftc^ ernennen 
läpt, woburc^ bie 6tabt ben ^oxn M gürflen ober M Slbeld t)er^ 
bient. 2lbcr fei eö nun, ba§ ben Sifc^of 9ieue über feine Z\)at unb 
Unwille gegen bie Slnfiifter erfaft, ober baf @apitel unb 2anbfc|)aft 
if)n über feine eigenmächtige ®ewaltt^at gur Stebe flellten: gewif ifi. 



*) Holtmann 23. 

§ 2. MQ 1. 303. 325. — Sol^. (Renner 8remif(^ df^xonit ffflt. ad 
a. 1529. 



X. Sif^of %xittxidi unb 8entt grot^mann. 123 

bdf von ienrm SlugtnMtcf bie frä^ere Sinigftit }n>tf(|)ert Stiebric^ unb 
brr ürifiofratie t)erf(|)munl)en toat unb an i^re ©teUe W^i)tHi^Uittn 
o^ne €nbe traten. 

@o hxai) bcr ^amm entjmet, ber bae @ttft gegen bie (ut^eri^ 
ii)t 9en>egung f(^u^te. 

3. 

!£)iefe(be Sinnesart, n>el^e ben S3{f(^of t)orl^er ber lüeitung M 
2)omcapitc(6 untem)orfen ^atte, ben)og t^n ie(t gu bem @ntf^(uf, 
ber Unruhe bed Siegterend ein für aü0mal ju entn)ei(i)en unb feine 
SSBürbe nieberjulegen. S)te Slu^fü^rung biefee fBor^abend kD&re (ei(^t 
gett>efen, Ifättt ber Sifcfeof ein perfönlicl)e6 Dpfer bringen wollen* 
Slber er \)aUt nic^t bie 9lbfi(^t, mit bem Sidt^um ani) ben (Sinfünf^ 
ten beffelben ju entfagen, Sl(d n&c^fler 9lu6n)eg bot ft^ ber ®ebanfe, 
einen (Soabjutor gu befleden^ unb gu biefem ^xotd tvanbte er ftc^ an 
ben Seifianb feined Sruber^, bed Sölner (Srgbifc^of^. Slber obwohl 
einfl ba6 SGBort biefed Surften m&c^tig genug gen?efen mar^ um Srieb^ 
rieb bie 9Ritra \>on ^ünßer gu t)erfc^affen; fo kDotIte bod) ie^t bad 
Sapitel bem (Sinflu^ bed SRetropoliten bie t)erlangte neue S3en)iÜigung 
nxdi)t einräumen / unb bie Sruber fallen fid^ gegwungen, nad) anbem 
SXitteln gu fuc^en. @ie fa^en ftc^ nac^ einem 9{ac^fo(ger um, ber 
bereit to&xi, ^i) mit Sntbric^ abgufinben unb i^m eine namhafte 
jfauffumme fär bad Si^t^um gu galten* Sifd^^of @ric^ ))on $aber^ 
bom unb Odnabräd tvax a(6 ein I&nberbegieriger unb ga{)(ungdf&^i^ 
ger Jg>err befannt, unb feinem tt>at bie 5ßerle 5öefifalen6 fo bequem 
unb locfenb gelegen, al6 il^m, ber auf feinen D^nabriirfer Sergen faft 
überall umringt t)on ber ©bene aWünfierlanbe faf ♦ SBorjtc^tig ni^ierte 



§ 3. fBtfr)ai(^nu6 ber l^anblung graf afbrec^td »on Dlonlfelt unb l^er %fitu 
9of« »on ZauUnf^Mta rittet, ben ßift 9ftun<icc bclangrnb, anno 1531. fB9i. — 
tlbrcc^t ». SKandfclt an (S^urf. 3o]}ann 9. ^ad^fen, Nabelt 1530 (Ro». 30, mit 
einer SJeitage , bie gu ?Joj)<jeUborf gefc^loffene UeBereinfunft ent^altenb. SBIT. — 
Sertrag gtoifd^en ben bif(^ot)en gu 9Runf!er unb Dffenbrucf bur<^ bie (^urfiirflen 
itoln unb €a4ifen ufgeric^t, (&bln 1531 SRär) 24. SSK. — Snftruction tcat 
«iferc l^et^og Sofianfcn c^urftirflen unb f^er^cg Sel^anfcn gricbri^en gu €a(^ffeii 
X. rete ic. Slbre^t graf unb l^er gu Sffanefelt unb Snangf ^er oon SDilbenfele 
]u Otenneberg unb ^äfontix^, an bie (od^g. k. l^em So^anfen unb fransen Via* 
ria (erlogen unb Vtj^ogin gu ($(ef ®uidi unb liBergf k. muntlid^ n^erBen unb 
antragen foHen. SB«. — si^eobor «ilien. — Sirunck 156. — Snftruction bet 
Icf^d^ iltfanbten an «if^of ütidf 1532 IDec. 27. (E«. 



124 9vfit€ ^uäf. 

man fic^ i^m unb trachtete jugleic^, anbre gürfim jur SE^eilna^mc 
an bcm bebenfd'c^en ^anbrl ju btxotQtn. 2)te erfle Slnbeutung ge^ 
^d)aij an Sric^d greunb unb @6nner, ben S^urfürfim t?on @ad)fcn, 
auf bcm Slugdburflcr JRcic^dtag im Sommer 1530: 93if^of griebric^ 
fei; lic§ i^m (Srjbifc^of ^ermann burd) eine t)ertraute ^erfon melben, 
auö 9tü(fftci)t auf feine franflic^e Seibedbefc^affen^eit niiji abgeneigt, 
bie feiner ©efunb^eit nacf)t^eilige ÜRünfterfc^e ÜJuft mit einer anbern 
Sanbart ju t)ertauf(^en ; »»enn a(fo ber @^urfurfi iemanb au6 feiner 
greunbfd^aft bad 6tift t)erfd)affen wolle, fo fei man bereit, bie ^anb 
gum 2Ber! }u bieten; am leic^fien möchten n)o^[ für @ricl^ be6 2)om'' 
capiteld (Stimmen }u gewinnen fein, £er @^urfürft unb fein 93er^ 
bunbeter gingen aldbalb auf ben SSorfc^iag ein, unb fc^on am 22, 
5Rot)embcr bcffelben 3af)rd ju ^JJoppel^borf würbe t>on 6öln unb Sad)^ 
fen im S3eifein 4Jaberbornifcf)er Slbgeorbncten bie JEauffumme feftge> 
fteüt: 40,000 ®ulben, bat)on 15,000 gleich bei ber Otefignation grieb^ 
ric^d, bad Uebrige in gwei griften bi^ jum Slbtauf t)on t)ier 3al)ren 
nad^ ber Stefignation, !Darauf fanb ju 66(n am 24, SOtarj 1531 
eine 3wfammcnfunft fiatt, an welcher bie beiben furftlid^en Svüber 
ptx\bnlii), für ©ac^fen ber ®raf Sllbrec^t t)on ÜJJandfelb, für ©rieb 
bie ^45«berbornifc^en Ferren 3oI)ann t)an Suren unb ^ermann \>an 
SKengerfen S^^eil na()men, unb ben SSertrag im @in}elnen beriett)en 
unb feftftetlten, (gd blieb bei ber t)erabrebeten ifauffumme. 3u @ric^6 
Erleichterung wirb t)erftattet, baf bie ^älfte berfelben in ein ^ai}U 
gelb t)on 2000 @ulben umgewanbelt werben bürfe, (Sric^ mag fe^en, 
ob er biep Sa^rgelb ganj ober t^eilweife bem Stift SRünfler aufbür^ 
ben fann ; gibt ibm ba^ (Sapitel baju nic^t bie Einwilligung, fo mup 
er auf anbre SBeife diatt) fd)affen, 3)amit aber griebrid^ feined ®el^ 
bed ganj ftcl)er fei, foU ßrid) für il)n t)on bem ^ergog \>on 6let)e 
b{e Einräumung eined Sc^loffed ober Slmted, worauf man bie 2000 
®ulben ia^rlic^ gießen fann, auf fo lange erwirfen, bid er felbft bie 
f(i)utbige $cnfton bejahten fann; unb um e6 hiermit nic^t alljulang 
bauern ju laffen, foU er t)om Eapitel ober wo nött)ig t>om $abft tx» 
langen, ba^ man i^n fofort nac^ ber SBa^I unb fd)on t)or ber 6on^ 
firmation jur wirflicl(;en ^Regierung be6 Stifte 9Runßer gulaffe, So^ 
balb Erid) t)on bem Eapitel bie 3ufic^erung ber SBal^t erljalten, bie 
t)orgenannten Sebingungen erfüllt unb bie bebungenen 20,000 ®nU 
ben, baju nod) bie^ ^4^enfion für bad erfle 3a^r im Setrag t)on 2000 
®ulben, }ufammengcbra(|)t ^at, fo foU er bie^ bem Ergbifc^of t>on 



X. 9if4of 8ncbn4 unb ^xnt (Rotl^mann. 125 

Söul melben, bcr bann fofort feinen ©ruber jur Siefignarion "otxan* 
laffen ^üirb. !Da grlcbric^ fiä) M to^en ißreifed fcf)dmte, ben er für 
bic SIbtretung naf)m, fo warb In einem befonbern Slrtifet fcftgefeftt, 
bera ÜRünfierfc^en Sapitel biefen SBettrag ju üer^eimli(l)en unb ftatt 
beffen einen Sd)eint)ertrag »orjulegen, in n>elc^em nur bcö 3a^rgetbe6 
t>on 2000 ®u!ben Srn>ä^nung gef(l)e^e. 

SBic man gefürchtet ^atte, liep baö iWünPerfc^e Saj)itfl fid) auf 
feine n)eitere ©en^iUigung ein, nur jur SBa^l @ric^6 erflärte ed ftc^ 
bereit* ÜKan mu^te alfo wirflief) ben S3elftanb beö ^ffüogd t>on 
Sfeioe in Slnfpruc^ nehmen, unb auf 6ri^d Sitten übernahm e^ ber 
ßl^urfürji t)on Sadjfen, burd) eine eigne ®efanbtf(l)aft bem <Bi)\mtf 
genoater feinet ©of)ned unb ber grau ^er^ogin bie (£aä)t ^or^ufteU 
len* Slucf) biefen warb bie wirfllc^e §6be bed Äaufgelbe t^erfd^wie^ 
gen unb nur \)on ber ^ßenfion gefproc^en* 2)urc^ Sac^fenö Slnfe^cn 
unb bie ^Inwelfung auf bie ®efaf)r, baf ^erjog Jpcinric^) t)on 33raun^ 
fcfeweig, ber fc^on wegen Stift SRinben mit Slet)e im Streit ftc^ be^ 
finbe, aud) In biefe ©ac^e ftc^ mifc^en unb Stift fünfter an einen 
feiner ©ruber bringen möge, gelang e^, ba^ gürflenpaar t)on SIet>c 
unb 3üli(i) am 5, 3uli 1531 gu bem Sierfpred^en ju bewegen, man 
Wolle grtebrid) bie (Einräumung "oon Sd^lof Sieuenberg unb Slmt 
Steinbad^ atö Unterpfanb i\x[\d)txn. hierauf fonnte man jum Slb^ 
fc^luf bed gan}en ®ef(^aftd f erretten* 9lm 21* September 153 t fam 
griebric^ ju ©rid) auf ba^ Scblop Sburg, SMbgeorbnete be6 ßapitel« 
waren {ugegen ; unter 93orbef)alt ber äßa^I (£rl(^6 würbe ber ©ertrag 
gefc^loffen unb bie 3Iu6füf)rung nur beö^alb au^gefe^t, weil ber Xäix^ 
fer bad @e(b nocf) nic^t auf ben Xifd^ legen fonnte* 

4. 

JBJÄ^renb biefer 3fit offnen Streite unb gef)eimer unmut^t^otfer 
Unter^anblungen gelang ed ber t)erbannten neuen ?ef)re, wieberum in 
bad Stift 9Rünfler eingubringen. Sticht in ber ^auptflabt gunüd^fi 
würbe fte bie^mal gepffanjt, bort ^itte ber SRat^ i^r Sluffommen 
nfc^t gebulbet: ed gefc^al^ auf bifd^öftic^em ®runb unb ©oben, ju 
6. 9Raur{ft, bic^t t)or ben 3;f)oren 9Künfterd, ®efc^üöt burd^ bie 
»at^ftc^t bed ©Ifc^ofe, würbe bie ifanjel biefer ifird^e ein aRitteU 



f 4. H 1187 iq. — K 141 iq. — ^etp 9Da(tl^aftige l^ijUrie. 



126 QxfUt Sud^. 

pmtt fär bie (utl^erifct^e gartet in Statt unb ian\>. 2)er $rebtger 
aber l^tep Stot^maniu 

^emt Stot^mann n>ar ju @tat(oen im 9Imt Sl^ued geboren, ein 
jlinb n>enig begüterter @ltem. 3uer{i in feiner SSaterfiabt, bann nac^ 
SWünficr in bie Schule gefc^idt, gewann er burd) feine gäl)igfeiten 
bie Slufmcrffamfcit, burd) fein einne^menbed SBefen bie ßuneigung 
nianci)er ©cnner; burc^ beren ^ülfe er, ))on (5cf)ritt ju (Schritt ge^ 
forbert, jule^t auf einen ^öl^eren Seben^weg gebracht würbe, aW ben 
i^m anfänglich bie Slrmutl^ ber @(tern beftimmt ju f)aben fd)ien* 
Um it)m bie (Stubien in ber 2>omfc^u(e moglicf) gu machen, )>erfc{)affte 
il>m ein SBerwanbter, ^ermann Sibind, SSicar be^ ©tifted ©♦ 3Äau^ 
tift, bie Slufna^me unter bie &)otaU biefer Äirc^e» Slad^bem er bann 
eine Seit (ang, ber Hoffnung auf bie Uni))er{ttätdf)ubien entfagenb, 
bie Heine äBarenborfer @c^ule ))ern)a{tet f)attt, na^m ftd) ber jiunge 
ßanonicue an ber 9Kartin^fird)e gu aWünfier, Sodann 2)roPe, bed 
eifrigen unb ))ie(t>erfpred)enben (Sele^rten an, unb fo gelang ed i^m, 
bie Unit>er(ität SKainn gu bejielEien, wo er wieberum bie I^eilna^me 
feiner pubirenberTRlnbdleute erwedte unb burd) iftre gemeinfamen 
Seifteuem unterhalten würbe, ^ier warb er um 1524 SRagifter* 
(Sr l^atte ftc^ nun um ba^ Slectorat ber bebeutenbflen Schule bewer^ 
ben fönnen, aber 9(mt unb @tanb fagte feinem (S^rgeig balb nid)t 
mel)r gu: er begehrte unter ben Slerud gu treten unb erhielt bur^ 
{Sorfc^ub feiner SRünfterfc^en S^eunbe eine (Saplanei gu @. 
äRauri^ unb ein SBeneftdum, mit bem ba6 $rebigtamt ))erbunben 
war. (Sin junger lebhafter 3)tann, ))on Statur im 93eft$ einer anre^ 
genben SBerebfamfeit, burc^ feine l^umaniftifc^e Silbung ber ebelften 
gormen bed ^udbrudd gewohnt unb funbig, gefielen feine Jtangel^ 
teben unb machten SluTfe^en. 3m SInfang war feine 2lmtd\)erwaltung 
burd^aud ben 9}orfc^riften ber Jlirc^e gemäp, aber, mochte er nun 
eine in 3)2aing ober früher empfangene ®ei{k6ric^tung bidf)er f(ug 
t»erborgen \)obm ober wanbelte if)n ber Umgang mit eoangelifc^ ge^ 
^finnten bürgern in ^ünfier um, atlmä()li(^ bemerfte man in feinen 
{ßrebigten Slnflänge an (ut^erifc^e Sef)ren* Dad burften bie Stiftd^ 
l^erren nid)t gugeben* (Sbenfowenig aber wollten fte if)rem 6ap(an 
ein Seib gufügen, unb be6^a(b fc^Iugen fte einen Mittelweg ein, for^ 
berten i^n auf, nac^ @o(n gu ge^en unb X^eologie gu fiubiren, unb 
boten i^m bad (Sti^alt für ein ganged 3a^r, wogu bie SSicare bed 
@tiftd no(^ einen 93orf^uf )^on gtoangig ®u(ben fugten. @ntweber. 



k 



X. 9if<^of %titM^ unb 9entt (Rot^mann. 127 

fo backten fie n>o^(, fommt er befe^rt ober gar nid^t gu und juräcf* 
jUnb 9iotf)mann na^m bad (Selb ber @etf)(tc^en; nal^m aud) bie ))on 
Ibett tiDangf(ifd[)en ©önnern gebotenen Unterfiü^ungen ^ unb entfernte 

• fi(^, Sßo^tn unb ob n)irf(t(^ na^ (Söln^ fönnen iDtr nic^t fagen* 

f 

5. 

(Sin 3a^r unb brüber war er ausgeblieben^ ba febrte er jurucf 
unb trat bad unterbe^ t)on Sibind t^entaltete 9Imt to>ieber an. Slber 
gegen bie Hoffnung ber ®tift6f)erren warf er [xd) nun »öflig ber 
et)ange(ifc^en ^4^artei in bie SIrme* Sßie bie Haltung be6 $rebigerd 
entft^iebener geworben, ricl)teten fx^ ani) SJlut^ unb ©ebanfen feine« 
SDWinfierf(l)en Jln^angS ^ö^er, 3eftt würben wieber ©puren einer 
®&l^rung {tcf)tbar, wie bie ))or bem Slufrul^r t>on 1525 gewefen: 
burd^ 9lot^mann6 S93orte entjünbet, brang in ber fflai)t ))or bem 
S^arfreitag 1531 ein ^aufe 93o(fe aM ber @tabt in bie SRauri^^ 
firt^e ein, jerbrad^ ben Äirc^enfc^murf, bef(^iinpfte bie Slltare mit Un* 
rat^ imb entweihte bie @tätte ber $affton6feier burc^ rollen Sßirt^d^ 
^udlärm^ 2)iefer Onfug, ber ben t)erl)aßten Geremonien ber Äird^e 
galt, fonnte nur aufer^alb beS SSeic^bilbd ber ®tabt unge^inbert 
i&oflfa^rt werben. 2)ie ^äupter ber 8ut^erif(^en aber backten fc^on, 
Weiter ^inauS in bie 3utunft blirfenb, an ben ©turj ber Äircl)e in 
SRünfier felbft* 3m @int>erflanbn{p mit i^nen unb burc^ fie mit ®e(b 
t>erfe^en, reifte JRot^mann, anbere ®ef(^afte t)orf(^uftenb, im grü^ling 
rfbdl auf einige SBod^en fort unb befucl)te l^eimlic^ bie §auptftäbte 
ber @t>angelif(^en; SSittenberg, @peier, ©tra^burg, \>UUtxd)t and) ÜRar^ 
bürg unb anbere ©täbte, um bie firc^lic^en Sinric^tungen überall- ju 
erfunben, bie SWufter für bie fünftige SWünflerfc^e Äirdje auSjuwÄ^^ 
len unb fic^ beS SeiflanbS ber Sieformatoren für fein eigne« Stefor^ 
mationdwerf ju verftc^em. 

3m Anfang be« 5uli 1531 fam er gurüd, erfüllt t)on ben 3ln* 
f<^auungen unb Hoffnungen ber flegrei(l)en ®lauben«genof[en, gefWrft 



§ 5. K 142 sqq. — H 1188. — 3)orp. — Strunck 155. — Älaöjcttcl ge* 
gen eXot^mann. mi. fBtil XI. — Ucbev (Rotl^manne SitiUn f. ^til XV. 

§ 6. K 144 sqq. — H 1188. — IDor)». — Corpus Ref. X. 132. — J^lag^ 
fcttfl »eil XL — NB. 165. 167. 168. 



128 dtfiu SBudSf. 

burc^ i^ren t^eünel^menben SetfaQ, unb entfc^IofTen, i^nen nac^ju^ 
dfern, in SWünficr i^rer Se^rc unb i^rcm Äird^ent^um fRamn ju t>er^ 
fdl^affen* (Sogleicf) begann er bie Slu^fu^rung feinet Unternehmend« 
ö)urc^ ben S3rlefn)ec^fet, ben er t)on jeftt an mit ben befreunbeten 
ß^eologen, SWelancfjtbon in SBittenberg, Sapito in Strasburg, ©rbarb 
|®cl)nepf in 5lRarbur9, i^ren 9lat^ unb i^re ^ülfc begebrenb, untere 
l^ielt; befefligte er bie gewonnenen SSerbinbungen unb er^ö^te gugleic^ 
fein Slnfe^en in 9Künfter unb bie 3ut)erfi(l)t feinet Sln^angö* 6ei* 
nen firci)lic^en äJorgefe^ten fünbigte er ben ©e^orfam unb xoax^ ftc^ 
jum felbjianbigen giil)rer einer ßu^^rerfc^aft auf, bie ßc^ aM ben 
(Einn)o{)nern ^ünftcrd um bie ^anjct ju @, 932auri^ fammelte unb 
mit greuben ben Slngrijfen laufc^te, welche ber beliebte ^rebiger ieftt 
ununterbrochen unb rücfftc^tdlod gegen bie )>om @tabtrat^ inner()a(b 
ber 3Raucrn aWünftere be[d)u$te Äird^e unb ®eiftlic^)feit richtete* 
3)aO er nid)t ohne langen Äampf fein ^itl erreichen unb bie t)or* 
^antene Orbnung umftürjen merbe, n)ar beutlic^ t>oraudjufef)en; aber 
überall anbern)art6 Ratten d^nlid^e «Spinberniffe beftanben unb waren 
bennoc^ burc^ ^4^rebicanten unb 93olf überwunben morben, fobalb nur 
einmal bie $rebigt ber neuen Se^re l)atte begonnen werben bürfen 
unb eine 3^i^ i^ng 9Ia(^{tc^t ober (Scl)n)ä(f)e ber Obrigfeit bad SBac^d^ 
t^um ber Bewegung nic^t gel)inbert ^atte* !Die notf)wenbige SSac^ftc^t 
erwartete man t)on S3ifc^of griebric^« 

ßuerf) gaben bie €tift6^erren, bed 6^apland bid^erige Sefc^ü^er 
unb 9Bof)It^äter; i^m gute SGBorte unb erma[)nten i()n abjuiaffen. @r 
be^arrte, unb bie ^a\)l feiner 3u^örer wuc^d, bi« bie Äird^e fte ni(l)t 
mtf)x fafte* 3l(d bed^alb bei näc{)t(ic^er SÜei^e ein ^43rebigtfiul)l auf 
bht Äircl)öof gebracht würbe unb 9tot^mann feine Sieben unter freiem 
^immel fortfe^te, ))erboten fte i^m bad regetwibrige 93eginnem @r 
achtete nic^t auf ben 35efe^L Da wanbten fte ftc^ an bad !Domcapi^ 
tel unb biefed führte itlage beim ®ifc^of» Unterbep t)erfagte 9lotV 
mann »oUenbd feine 9Kitn)irfung bei bem gewö^nli(l)en (Sottedbien^* 
Slm 18* Slugufl gebot ba6 ^erfommen ber SRauri^firc^e ben beiben 
Saplänen, bad ®ebacf)tnip eined früf)eren ^robfied burc^ einen Um^ 
gang um ben J{ircf)^of ju feiern; aber Slot^mann ))er(ie^ bie Siix^t 
tinb l)orte ni(l)t auf ben nac^eiienben Diener, ber im SRamen bed 
6en{or6 l^n an feine *|Jflicl)t mahnte» @benfo wenig na^m er jwcf 
Sage fpiter an bem Segangnip Xl^tH, weid^ed für ein paar JCirc^^ 
fpieieieute gehalten würbe; er woQe mit ber ©aufetei nickte )u 



X. öifc^of griebric^ unb «etnt (Rot^mann. 129 

fc^affen f^abtn, fagtc er unb überlief bem ©enior bie Sorge, einen Stctt^ 
t>ertreter ^erbeijurufen* Oerabe bie fie^rcn, auf n>elc^c bie Äircfje ienc 
einric^tungen grünbete, fjriff er in benfeiben Za^m auf bae ^eftigfic 
an, unb rief t)on ber Äanjel t)erab geijilic^e unb tt)eJt(ict)e Dbrigfeit 
auf, gegen bie ©leidnerei bed gegfeuere unb ber SBegangniffe mit ber 
Zf)at einjufc^reiten. 2)ad gegefeuer, fagte er, ifi ein erbict)tcted SBerf, 
ein X^orentanj unb eine ©aufelei ; ed gibt fein gegefeucr, aber t\)olE|I 
einen gegebeutel; feit ber 3^it ifi ber in ©c^wung gefommen, aW 
man ben armen Saien bae S3(ut S^rifti entgegen, baf fie barin ni(l)t 
mel^r ftc^ reinigen fonnten, unb rü^rt t>iettei(f)t t)on ben jwelftaufenb 
^Pfennigen, t>on benen 3uba^ ber 3Raffabder fpric^t: bie mögen jeftt 
balb n)eggefd)mo(ien fein unb neueö ®e(b notl^ig erfcfceinen* !Dic 
gürbitte für bie lobten iji unnüj» SBoflt i^r aber für \it beten, fo 
fprec^t: „aBmacl)tiger ®ott, fann man ben t)erPorbenen Seelen Reifen 
mit ®ebet, nun fo fei it)nen gnabig unb barm^crjig," unb lapt bie 
Sierfrüge unb SBeinfannen fte^en» — !Daneben fod^t SRot^mann aber 
and) anbre ©a^ungen unb 33rduct)e in bemfelben fdjneibenben S^onc 
an, bie SSere^rung ber ^eiligen, ber 93ilber unb ©tatuen, bad Um* 
tragen bed Äreujed ju ©• Sambert, bie Sittfal)rten, bad SSerbienft ber 
Xirc^enfitiftungen, >oot allem ba6 Slbftinenjgebot. „Sßitl iemanb faflen, 
fo foO er ed au^ gutem ^ergen t^un unb babei Sllmofen geben, nic^t 
n>ie bie ®leidner, bie mit grofen älofenfränjen unb Suchern gel)en, 
eine graue Autte unb ein @ei( um ben Seib binben, ftcf) auf bem 
gifc^marft mit geringen unb Äarpfen t^erforgcn unb fo ml effen, 
baß fie nic^t auffiel^en fonnen* gifc^ ober gleifc^ ift gang gleich; 
wer aber fallet, ber fott ee fo t^un, bap ber Saud) bünn unb 
bif Äinnbacfen f(l)mal werben." „2lber aO biefer ©otte^bienft, 
rief Mot^mann mit bitterm ^ol^n gegen ben 6(erue wieber^olenb, 
iji ni6)t von Sf)riflo eingefeftt, fonbernJKenfd^enbi^tunfl, um bee 
Wammon^ willen erfunben. 2Bot)on foilen wir leben, wenn 
Seelenmejfen unb SBigilien abfommen? fo fpre^en fie unb be^ 
ge^ren, i^ren SRac^ijüen ju betrügen unb fein ®ut gu erwerben mit 
Dieberei unb galfcl)^eit, uneingebenf, baß man nid)t ®ott unb bem 
®elb guglei(^ bienen fann/' m biefe firc^licfjen SBerfe, ben falfc^en 
®ottedbien(i, lehrte er feine S^l)oxtx t)eracl)ten unb prägte if)nen an 
i^ret ©teile bie lutl)erifd)e 9lecbtfertigungdlel)re ein» „2)er rechte ®ot* 
tedbienfl iji attein ein fefier ®laube in S^rijium unb bie Siebe gum 
Ääc^jien» 9lur au« bem ®lauben !ommt unfre ©eligfeit. SRic^t al« 

€onirItul, tCufru^r in SRünllcT. I. d 



130 (trflee I8ud^. 

ob wir flor nic^t« gute« t^un feilen, fonbem ein (olf^er frommer 
' ®Iaube fann gar nid^t fein o^ne SBerfe gegen ben Sladjften* X^un 
»Traber 2Berfe, um ünfre 6efigfeit barau6 gu fucften ober loor ben 
aKenf(I)en angefe^en ju werben, ^o taugen fie nickte; unb aUe^, wa6 
man einen ©ottedbienfi nennt t)or 'bef 2BeIt, ifi ni(l)t oon ®ott, fon# 
bern t)om S^eufeL 2)er Seufel ift'e, ber bie geiertage gebietet unb 
bie Slrbeit an benfelben t)erbietet, ber Xeufel macfet ben Unterfe^ieb 
ber epcife, läpt »ittfabrten laufen unb Äirc^en ftiften. 5)iep ifi ber 
jßunft, an bem i^r merfen fönnt, ob i^r G^rifien feib: wenn it)r 
©orge ^abt um fot(^e au^wenbige SBerfe, fo feib il)r gleid) wie bie 
Jg)eiben/' — 2)erglei(^en ?e^ren fjoxtt bie jat^treid^e SWenge t)on jeftt 
an auf bem ?Wauriftfirci^t)of an jebem ?ßrebigttag» SSor aller fDf)xm 
feftte ber ?ßrebiger für il)re SBal^r^eit Scben unb ©eligfeit ein: fie 
foHen i^m feft glauben, rief er, tt>a^ er ibnen fage; er wolle barauf 
fierben; lieber in ben Slbgrunb ber ^öHe wolle er )>erfinfen al« un^ 
redjt lehren. 

7. 

®o wenig im ®anjen mit SBorten gegen eine Bewegung aue^ 
gurid^ten war, bie nic^t aud Sßortcn, fonbem auÄ ben befle^enben 
Ser^altniffen il^re Ifraft gog, fo war e6 boc^ bie ^flic^t be« 9Künfier^ 
fc^en Sleru«, biefe öffentlichen Singriffe auf bie firc^lic^e Sebre burt^ 
öffentliche ffiert^eibigung gu entfraften* SBie in ©oefl gebraudjte man 
^iergu einen Solnifc^en Xfieologen» 3ol)ann t>.an %t>enter, bamaW 
©uarbian M Jammer ü)?inoritenflofl[er6, ber SWünfier in ®efc|jaften 
feinet Orben^ befuc^te unb einige mal mit Stot^mann im ®efpräc^ 
gufammentraf, entfc^loß fic^ t)or feiner Slbreife für bie angefocl)tene 
Sc^re t)om gegfeuer in bie Qä)xanUn gu treten, unb fiellte am 17* €ep^ 
tembcr in einer ^ßrcbigt ben Behauptungen M ^Reformators bie firc^* 
Iicl)en 93eweifc aud Scf^rift unb Srabition entgegen, gogteicb fanbte 
U)n\ SRot^mann bie ^erauSforberung gu einer Didputation. 9Bit \)od)^ 
fabrenben unb fc^mÄ^enben SBorten rebete er in bem 93riefe ben ge^ 
leierten SWöncI) an: „!Du freiließ l^afl feine Sc^am, bu abgefeimter 
(Bd)x\xU unb geinb beS ÄreugeS, bir Hegen wobl bie Seelen ber 3Wen* 
- fc^en ni^t fe^r am ^ergen, bu magfi bid^ t)ielme^r baran ergoßen fie 



§ 7. NB. 160. 170. — Jo. Dai«Dtriae Christianae vcritatis telum seu fidet 
catapulta etc., in Ux Epistola nuncupatoria. 



X. »ifd^of 8fncbH4 unb Semt (Rotl^niann. 131 

in6 SJerberttn gu führen. Slber S^riflo ftnb fie aKgu treuer, al6 baß 
er bic^ JRäübfr unb reif cnben SBolf in feinem Sd^afflatf bulbe. ©iel), 
mic^ f)at er ^ier gu feinem Diener beflefft. ?Wa(^e bi(^ bereit, t)or 
beiner Slbreife offentlid^ bic^ gu t)erantn)orten unb ben t)er(e^ten ®e^ 
»iffen be6 SBoIW genug gu t^un! SBo^I erfennt man, n)effen Sol^n! 
tu bifi: benn tt)ic Satan ©ejianf hinterläßt, n)enn er Slbfc^ieb nimmt, 
fo l&afl bu bein ®ift erfl jeftt, tt>o bu gur JReife bid) anf(I)i(fji, ^or^j 
bir gegeben. ©rtDarte nicfet, baß ic^ fortan mit bir in bruberlic^ei j 
?iebe "otxUfftt; iä) f)aht ba« (Spru(l)tt)ort tt)ai^r gefunben, baf bie;! 
^ü!fe froH falfc^er ?ßrop^eten unb tin Oefaß atter ®ott(oflgfeit IM 
unb werbe n\d)t anberd gegen bic^ al^ gegen ©atan felbfi fireiten/'j 
©eiaffen antwortete ber SRinorit auf ben n)ütf)enben Singriff unb er^ 
Härte fid^ bereit gur Disputation. Slber, ba eS SRot^mann fo wenig 
gefiel, bem alten ^erfommen gemäß t)or geijMi(I)en 9ii(t)tern, afö bem 
Sodann, t)or ber SRenge gu bidputiren, fo fam man überein, ben 
Jfampf f(^riftlici^ gu füf^ren. Sodann ging unb ii)xicb ein Suc^ gegen 
Slot^mann. Diefer aber prebigte fortan, unbefümmert um ben ab^ 
»efenben ®egner. Äein ebenbürtiger itangelrebner trat i^m weiterhin 
in ben SBeg unb ungeftört befeßigte er ftc^ in bem 93efi$ be6 eingig 
»{tätigen JCampfp(a$e6* 

Um fp eifriger war man, bie ®ewalt gegen i^n angurufen. SIber 
ber Sifc^of, ber aflein ba6 ÜKac^t.port fprec^en fonnte, fümmerte fic^ 
fo toentg um Stixi)t unb ®(auben afd um bad $ei( beS SanbeS, bad 
er t)frfaufte, unb am atterwenigften war er geneigt, um be6 ver^aß^ 
ten Domcapiteld wiflen gegen ben 6ap(an eingufc^reiten , ber unter 



f 8. JDa« JDomca»>ite( an ben S9if*of 1531 «uq. 23. »?«. — 35cr »i« 

^f an ba« ^omca)>it(l 1531 Slug. 29. 3)1^. ~ 5Dcr 9ifd}of an ben 9mt« 

«aiiti }ur SBoIbecfe 1531 9lug. 29. 3k^, — ^ermann »an Rundeten an ben 

9if(^of 1531 ^tpt. 16. ^^. — IDne !Domca^it([ an ten SBif^of 1531 <Se^t. 21. 

9t9L — JDa« JDomcaHtet an ben «ifc^of 1531 Dct. 2. 3»Ä. — 2)er «ifdSfof 

«I bft« S>omca)>ite( 1531 Dct. 5. ^9i. — IDet IBifc^cf an ben $lmtmann gur 

WMbtdt 1531 Dct. 5. ^%. — (Rot^mann an ben Sif^fof 1531 9lc\i, 1. K 

I«. — S)fl« gaiJÜet @. aWaurit an ben ©if^of 1531 «Wo». 14. SWa. — 3)er 

«ifd^of an bie @tabt SKünfler 1531 ^ec. 17. 3Ä51. — JDer «if^of an ben «mt* 

«atin «tr moihtät 1531 IDec. 17. f0l%, 

9* 



132 ttrffr« i^u^. 

feinen eignen fürfili^en fRati)tn ®önner unb SBefc^ü^er f^attt. fflüer^ 

binge mar auf tt)teber^o(te6 einbringen M ßapiteld ein bifc^oflic^er 

S3efef)I am 29. Slugufi an SRot^mann erganflm, fid^ bed ^ßrebigen^ 

bi^ auf n)eitered gu entf)a(ten. 2)oc^ 9{ot^mann ton^U, n)ie t>ie( bie^ 

bebeuten fotte, unb fe^te feine !£()atigfeit noc^ lebhafter a(d fruf^er 

Ifort. 2)er ©ifc^of l^abe fein SWißfallen an feinen ^rebigten, t)er^ 

; fieberte er öffentlich ; 4T>ie bieder, werbe er auc^ fünftig t^un unb U\)^ 

• ren, gleic^t)iel ob e^ ®eiftlicbe ober SSJeftlic^e t)erbrief e. 3)a^ 2)om^ 

ca\>M erneuerte feine gorberung; ber ißrobfl t)on ©• 9Raurift, Jper* 

mann t)an !DungeIen; legte bic 93efcl)n>erben be6 Stifte unb Slu^jüge 

aud ben ^rebigten 9lot6mann^ \>ox unb bat um ^u(fe; auc^ ber 

©tabtrat^; beforgt über bic ficfjtbar »ac^fenbe Unruhe in 9Wünfier, 

erfuc^te ben ®ifcl)of, ein ßinfe^en gu ^aben. 2)er Sifc^of gab wirf* 

I{<^ nai) unb befahl am 5* October, 9{ot^mann foOe bid auf weitern 

Sefc^eib ba^ *J3rebigen einfieUem (Sr entfc^uibigtc jlc^ gleic^fam t>or 

bem 6ap(an: er fei nic^t geneigt , foQte ber Slmtmann t>on SBolbeif 

Ibemfelben melbcU; bad Sffiort ®otte^ gu unterbrüden ober gu t)er^in* 

!bem, aber aud befonberen Urfa(l)cn fei ba^ SSerbot nöt^ig. SBa^r^ 

fc^einttc^ ergaben bie 93erf)anb(ungen über ben SSerfauf bed Sidt^umd 

gerabe bama(d Slnflänbe; beren SBcgräumung t)on bem guten äBiOen 

bed 2)omcat>ite(^ abging. 

SBenn 9iotl)mann fein Unternehmen nic^t t)ereitetn wotfte, fo burfte 

er bem SBerbot Weber t)önig ge^ord^en noc^ offen pc^ wiberfeften, ge* 

wif nicfet In ber bi^^erigen ungefWmen 9Beife fortfahren* ÜWit Umfid^t 

mnb gein^eit fuc^te er ber t)eranberten8age9Weifler gu werben. (Srji fc^wieg 

jer brei SBoc^en. 35ann wanbte er fic^ an feinen 8anbe«^enn unbSefc^üfter 

i in einem Schreiben, welc^ed mit fluger Sered^mmg bed gürfien 9Rit* 

leib, d[)rifMic^e ©efinnung, ®ere(^tigfeit6gefü^l falbungdt)oD; untert^a* 

nig unb bemüt{)ig anruft, aber burc^ ba6 überjiromenbe unb gweifd^ 

lofe SBertrauen bie Drohung beutJid) bur(l)bli(fen läßt, er werbe nö:^ 

tl)igenfafle auc^ gegen ben SQBißen be« ©ifc^of« fein Unternehmen 

fortfeften. 9lod^ wartete er eine 3«t lang unb ^ielt mit ^rebigen 

inne, nad^ feiner Singabc in Erwartung einer Unterfuc^ung , bie nie* 

manb eingulciten im Sinn ^atte. 5)arauf, am t2^9fot>ember, erft^im 

er wicber auf ber 5tangel, unb begann fo bef)Utfam'unb t)orfid^tig;. 

' baß felbfi bie ®egner eingejianben, „bed Sa^Ian^ ?ßrebigten feien an 

: ftc^ attent^alben nic||t gang ungottlic^ ober undjjrifitic^." DbgJeic^ 

itun ba6 Stift SWaurift fofort feine Älagc erneuerte, fo füllte bet 



X. 9ifd^of gricbrid^ unb 9rmt (Rot^mann. 133 

93ff(^of fid^ boc^ gctoume 3rit nld^t t)eranlaf t jutn ®nf(^reitfn, unb 
fieben SBo^fn prebigtf SRot^mann ungefiört unb na^m an Smv^x^t, 
<Btaxk unb (Sinflup ju* Oefc^üftt \>on feinem 2lnl)ang, betrat er fo^ 
flar ieftt innerhalb ber Stabt bie ÄangeL 2116 enblic^ am !?♦ 35e^ 
cember baö Saj)itel t)om ®ifc^of ein britted SBerbot unb jugleic^ tm 
€(f)reiben an bie ©tabt 9Äünjier, bem Saplan feine Steuerungen nic^t 
ju gefiatten, ermirfte, f)atte beibed gar feine 2Birfung: SRot^mann 
prebigte weiter, unbefümmert um ba6 SSerbot unb feiner ernjlen Un^ 
gnabe bed Sifc^ofd gen)ärtig^ 

3)a griffen bie 2)omI)erren ju bem legten ÜWittef» SBfi^renb ftc 
ben Sifd^of aufforberten, SRotljmann ald SSeräc^ter ber Dbrigfeit, an* 
bem 3um öeifpiel, ju beftrafen ober be6 8anbe6 gu ^ent>eifen, btai)^ 
ten fie bie ©ac^e nac^ Sriiffel ju ben D^ren be6 Äaifer6» Unt>er* 
\Xütilt, am 2§j ^3)ecember, fc^rieb ffaifer Sari fott>ot|l an ben S3if(^of 
al6 an bie ©tabt, erinnerte an bie 9lei4)6abf(^iebe imb matinte, mit 
ber ©träfe ber SKaieftatdbeleibigung brol^enb, bem JRot^mann unb 
*ben übrigen ^erolben ber Äe^erei i^rc aufruf)rifc^en Sieben nic^t ISn* 
ger ju gejiatten. Dieß wirfte, ©o lang war ber Sifc^of gegen bic 
gorberungen be6 (Sapiteld taub geblieben, ba6 te^tc ©einreiben beffel* 
ben ^atte er fogar unbeantwortet gelajfen: jeftt aber, am 7» Sanuar 
1532, erhielt plo^li^ ber Slmtmann ^on Sßolbecf Dirid t)an 9Rert)elt 
fcen «efel^l, 9lott)mann baö freie ®eleit in beö Sifc^of« 8anb auf^ 
gufünbtgen. 2)a6 war bie Sanbedoerweifung, welche bad (Sapitel ge^ 
forbert hatte* 

SEBdre biefer ®efet)t ein ^albed 3at|r früher gefommen, fo h&tte 
JRothmann nicht ber 9ieformator 3Rüniier6 werben fönnen* 3e&t aber 
waren bie Dinge in 9)iünfier fo weit gebiehen, baß er be6 bifch^f* 
litten ©dhwft^^ unb ber Äanjet ju ©. SiÄaurift entbehren fonnte, unb 
fo hotte ber 93efehl feine anbere SSJirfung, al6 baß ber ^ßrebiger bad 
unmittelbar unter fürfilicher Roheit ftehenbe ©ebiet t)erließ unb bei 
feinem eoangelifchen Slnhang in ber ©tabt felbji feinen SBohnfift 
1 auffchlug. 



4 9. Da« JDomcapifel an ten g3if(^cf 1531 JDccrmb. 24. SW51. Strunck 
155. — 2)a« JDomcapitfl an ben 93if*of 1532 Sanuar 5. 3Ä?l. — 55« »i* 
f4of an ba«.3)omca^itfl 1532 3an. 7.j an ben Slmtmann jur SGBolbede 1532 
3an. 7. SR«. 



134 (Btflce ^u(^. 

hiermit würbe SRünfier ber ®4)auplaft ber merfwiirbigen . Snt^ 
toidhiTiQ, bie ii) ju eria()leu unternommen ^abe« 



XI. 

1. 

3)ie ÜKauern 9Künfierd umfdjlojfen jrt)ei t)erf(^iebene Oebiete, bie 
ba6 Sluge bed Sefuc^erd nocf) ^eute leicht unterfc^eibet 3Bte bie 
®tabt in ber SRitte be6 Sanbed lag, fo tnt\)uli fit n^ieberum in it)rer 
3Riitt, gefc^ieben x>on ben SBcl^nungen ber ä3ürger, gleic^fam eine 
Heinere ®tabt in ber grofen, ben @i^ ber getftlic^en Jtcr^erfc^aft, bit 
bem Sanbe ben SAi^ßcn gab unb mit i^m bie l^öc^ße ^errfc^aft ju 
tfi^iUn pflegte« !Dur(^ ))ier enge 3ugange, n>ie S^^ore geftaltet unb 
in früheren ^tiUn ani) tt)ixtliöi jum SSerfc^Iief en eingerichtet, gelangte 
n¥in JU bem meiten $(a^, bem !Domt)of, beffen l)o^e Sinben unb 
(Si(()en nac^ ieber neuen ä3ifc^ofdn>a^l aü ben feftlic^en @lanj um 
fi^ )>erfammelten , mit welchem bad reiche gürftent^um feinen geijt^ 
lii^en unb n)eltlid)en ^errn el)rte« ^ier nal)m ber Sifc^of bie ^uU 
bigung ein unb belehnte bie SSafatlen. (ix i)aiU fein furßlic^ed ^au^ 
neben ber SRic^aeldfapeUe unb in feinem 9kmen vtttoalUit ber Dffi^ 
dal im ^4$arabied bad geißlic^e ®eric^t* 3m übrigen aber erinnerte 
ni(;^td an ben 2anbe6^errn al6 bie ®rabbenfmä(er unb anberer @c^mucf 
bed 3)omd, t>on fürftlic^er ^anb geftiftet, unb ungeljinbert fc^altetr 
t)9n einer ^ulbigung bid jur nacf)ften an biefem Ort bad ®ebot bed 



tiefem (Sa)>itcl liegen ju ®rim(e: tie oon %\dtx in tcn MQ. I. ^etau6ge^ 
gcBcneu unb mit unterric^tenten Slnmerfungen audgefiatteten ^ftrmßerifd^rn (S^ro^ 
nifcn bf« TlititlaUtt^ , Jtcrffenbroicf« audfü^rlic^c ©cfc^reibung ter <BtM in ber 
bed lDrii(!6 Befcnbet^ toürbigen (Stnfeitung gu feiner Historia anabapt. furoris, ba0 
bei NU. III. abgebrucfte (Rot^e ^ud?; augerbem gerfireute einzelne Stetigen in 
UQ. II. , im Stefroleg be« Srater^aufed (Seitfc^r. für meßfäl. ®ef(^. unb SlUer^ 
t^umdfunbe VI.), im iBergei^nip ber Slebtifftnnen »on <B. ^t^m (i^b. XXIV. ber 
Sammlungen üonSBi(fen6 im 9)2^.), in ben bieten bee JtCcßerd Uebectvaffer (IBb. I. 
ber Urfunben unb Slad^ric^ten M Stiofitxt XktUxxo. im Wi) u. a. D. — 2^ati 
99!. übrigena bie banfendipert^e Slrbeit be6 ©^mnaftalle^rera ©uiHeaume: Xcpc:^ 
gca«>^ifcl^4ißorif(4'Mif^if(^e Sefdl^reibung ber @tabt SJIunßer, 1836, unb bae treff^^ 
lid^t lIDerf 9on SD. Sübfe, bie mittelalterliche J(unfl in Seßfalen, ^tip^, 1853. 



XI. IDtc &M Slm^tx. 135 

i&a)fM^. 3« abliger ^rac^t ftanben neben bem blfd^öffic^en ^of 
unb ringe um ben $la$, ^aM an ^aud geteilt, bie Süden ber 
2)om^ernn. Der Dom war if^re Xixi)t, feine f)errU(f)e Sluöftattung 
mit ben SBerfen ber bilbenben Äünflc gereichte x>ox allem bem 35om- 
cai)itel jur S^rej in il)rem 9?amen n)urbc ber Oottedbienft I|ier t)er* 
tt>altet ; i^nen getjorc^ten bie ffiicarc, 6amera(e; bie 8ef)rer ber Schule, 
bie gange 93et)ö(fcrung biefed geijilic^en ©cbietd, unb aUed, wae man 
in bem Umfreiö gewahrte, wice auf i^ren 5Ramen ^in» SBer ben 
S)om^of bttxat, erfannte leidet, bap er an einem Dxt geiftlic^er ÜWac^t 
ftc^ bcfinbe: fo t)iele 5tircl)en fianben f)ier t)ereinigt» 3)icf)t neben bem 
.Dom eine jn)eite 6onegiatfircf)e^ ber alte Dom genannt, eine (Srinne^ 
rung an tit, frühere, arme unb fromme 3^i^ wo bae Domcaj>itd 
noc^ ni(t)t bae neue grope ®otted^aud befeffen unb mit geringeren @in^ 
fünften jufrieben im engen 9laum einen befd^eibencn Sultud geübt 
ftatte» SSier anbere itirc^en an ben ®rengen nac^ ber Stabt ber 93ür^ 
ger ^in : im @üben bie SRargaret^enfapeÜe, im 9{orben bie Sticolaud«' 
Krc^e, ofilid) bie @. 9Kic^ae(6^, mcftlic^ an ber ?la bie ©• ©eorge^ 
fapelle* Unb noc^ eine fünfte, bem ^farrbienft für bie 33et)ölferung 
bed Domgebiete gewibmet, bie Safobdfirc^e in ber 9)?itte be6 Dom^ 
^ofe, jwar Hein, aber mit großem Slufwanb an^ SWarmorjkinen 
hmfboU aufgebaut. Den (eb^afteflen (Sinbrucf aber machte ber Dom 
felbft, jumat mnn man ind innere beffelben trat unb bie ^rac^t er^ 
Mirfte, mit weid^er er angefüllt war, ben reicben (Sotte^bienji, bie 
fünf unb jmanjig ?lltäre, bie ja^ireic^ert Denfmäler, Statuen, SBanb^ 
unb Xafelbilber, bie t)ielben)unberte Ul)r mit 5)Jtanetenfi;fiem unb gefl^» 
fatenber, t)or allem bie S3i(ber- ber \). Sungfrau unb bed iläufer« 
So^anned, t)on ber funfireic^en ^anb Sruber grancod »an ßüt* 
p^en gematt* 

au tief war »o^t geeignet, bad ^erj bed iWünPerlanbere mit 
bem ®efül)l ber S3efriebigung unb M t>ater(anbifd)en ©toljed gu 
fc^WfUen. Diefer Drt, ben fteben 3a^rt)unberte wetteifernb mit fird^^ 
K^em €c^mucf umgeben tjatten, war allen ®efd)led)tern ber ffiorfa^^ 
ren ^eilig gewefen^ Se war jia bie ©tdtte, t)on wo feit be^ friefif(^en 
apoftelö Seiten bie ©aat be6 Sl)rifient^ume unb aller ebeln JBilbung 
im ganzen ?anbc weit audgejireut worben war. ^loi) würbe ial)r(ic^ 
bad erftgeborene 5tinb icber 5}Jfarrei ber ©tabt in ben Dom inm 



136 drfled 9ud^. 

»a»)tijierium gebracht, um bic Xaufc bort gu enH)fangen, tt>o juerfi 
ben ^dbnifc^en 93orfat)ren bae SBort St)rifli t)fr!ünbct »orben» 9lod) 
tt)ar bcr 2)om unb feine Umgebung ber ®egenf}anb anbäc^tiger e^r^ 
fiirc^t ber ©laubigen, bcr xoaijxt geizige ÜKitte(punft ber SRünfierfc^en 
(grbc, 2lu(^ Ijaitt biefer Ort bie in bie leftte 3eit nie aufget)ört, bem 
Sanbc frudjtbringcnben Segen ju fpenben* ©inen fe^r wo^Ibegrün* 
beten Slnfpruc^ auf bie 2)anfbrtrfeit aller eindeutigen üanbeefinber 
l^atte ftd) neuerbing« baö Sapitel burd) bie jeitgemaße Umgefialtung 
ber !Domfd)ule unb burc^ bie ®runbung einer Söibliot^ef erworben, 
Selber war bie Icptcre t>or furgem burc^ ben Söranb be6 ^ßarabiefe«, 
in bem man fie aufgefteHt l^atte, feinweggerafft worben, aber bie ©(I)ute 
blufetc unter bem Slectorat Sofeannd >oan Sien frifc^ unb fräftig fort, 
jum §eil ber ©tabt, bed gangen weftfalifdjen 8anbe6 unb felbji ber 
^ad)baxr\. 

aber bie 2)oml)erren featten feinen 2lntt)eil mefer an ber 93er* 
el^rung, welcl)e ÜJlönfierlanb bem ^eiligtfeum wibmete, gu beffen *Pfle^ 
gern fie beftetlt waren, 2)a0 Oute, waö t>om 2)om fam, fc^rieb man 
mit fRtd)t eingelnen frommen iWännern auö ibrer ?Wittc ober i^ren 
.^93orfaI)ren gu^ bad Sapitel im gangen aber fafe man für bad an, 
jh^^lwa^ ber größte Jfeeil beffelben wirflid) war, QJertreter be^ Slbeld, 
(^V berrfc^begierige ober lebendlufiige 3unfer, arifto!ratifcl)e ^Äupter bed 
•Sanbed , bie ©• $aufö 3)om unb fein irbifcfeed SRed^t mit geber unb 
Schwert gu befcl)irmen bereit waren, aber t^om geiftlid^en Stanb nur 
ba6 HIeib gu jeweiligem @ebraucf) entlehnten, 3Benn man auf lob^ 
licfee ^u^nafemen beuten !onnte, auf wofetgefinnte 9)^änner, wie ben 
©c^otafter JRotger ©mifincf, claffifdjer ©eleferfamfeit Oonner unb 
Breunb, unb ben alten ?ßrobfi gu ©, SRaurift, ben Domherrn S^tu 
mann t)an 2)ungeln, fo waren bie Jabler im ©tanbe, Slu^nafemen 
fcfelimmerer 2lrt entgegengul)alten, wie ben 2)omfeaner 9Kel(l)ior t>an 
53uren mit feinen Äebeweibern, Dad QJolf fafe bie feodjmögenben 
Ferren in foftbarer Äleibung über bie ©trafen gefeen, betrachtete bie 
Surien, gäfelte bie 3)ienerfc^aft, gal)lte bie 5töpfe unb Saufe M er^ 
legten SBilbed, t)on ben t>omefemen Sägern prunfenb an bie X\)oxt 
iferer SBofenungen befeftigt: wejn JeLbob/L bie Äir^e.cin? Ober cd 
müpte fic^ einer fopffd)üttelnVl)ed SSilbce im iDomc^or erinnert feaben, 
auf bem bie SIpofielfürPen ben ©imon 3Äagud unter i^re güpe traten. 



XI. ^te &at>t a)»ln^er. 137 



3» 

93erließ man ben Dom^of unb n)Ä^(te bcn 5fHi(I)cn !I)urd^gang 
unter bcr SKid^aeldfapeUc ^cr, fo fianb man nac^ wenigen Schritten 
auf bem ^axU t>or bem JRatl^^aud* 83on ^ier aud, nadt) beiben ®tU 
ten bic^t um ba« Oebiet beö 2)omd l)erum, fübUc^ über bie JRot^en^ 
bürg bid gum ©• 3IgenKrc^t>of unb wejilid) ben Sloggenmarft unb 
©Jjiferl^of hinunter, jwifcben ben ©rurfen, bann über ben Ueberwaffer^ 
firc^l^of unb ^marft t)inüber in bie grauenfha^e t)inein; aud) auf bem 
gif^marft unb in ber ©aljfkaie, wohnte ber anfel)nlicl)jie Sl^eil ber 
Sürgerfc^aft* Da« ifi ba« gamberte* unb ber Äern bed Ueberwaffer*» 
fircl)fpiefö. Siingd um^er be^nt bie Stabt fic^ weiter aue, an beiben 
Ufern ber Slaj befonberd »otfreid) unb weitläufig baö Ueberwaffer^ 
Krd^fpiel am linfen glufufer, um 8ambert6fircl)fpiel am recl)ten Ufer 
brei anbere Äir(f)fj)iele t)on beträ(l)t(idjem Umfang gelagert, benannt 
nac^ ben Äirct)en t)on ®. SIgen, 6* Subger unb ©♦ SKJartin, unb 
guleftt baö Heine Äirc^fpiel von <£♦ ®en>atiu6» gür bie n)eUlicl)en 
Dinge war bie ©tabt in fed;« Saifdjaften getfteilt, beren ®renjen 
nii)t überall mit ben Äird^fpielen gufammenpelen : wä^renb ©ert>atiu6i? 
fird^fpiel jur Subgertaifc^aft jaulte, trennte fic^ ba« Ueberwafferfirc^^; 
friet in bie Ueberwaffer^ unb bie 3obefelber 8aifd»aft. Der SRitteU 
punft be« fiäbtifc^en gebend aber war ber 9J?ar!t im Sambertdfirc^*» 
fpiel, t)om ?ambert6!ir(l)^of biö jum Stad wie -eine ©träfe fc^mal unb 
lang l^ingefirerft, an i^m bad 9iat^^au6, mit feiner glangenben in 
ebtem beutfdjem ©auftil gefdjmücften SSorberfeite eind ber fc^onfJen 
Denfmale wefifalifd^er itunfi, ^ier, auf ber JRat^fammer, wallten 
iö^rlic^ am erften SKontag ber gafJenjeit bie jel)n 5forgenoten, i>on 
ber ®emeint)eit au« ben 8aifd)aften ju biefem 3w>e(f ernannt, bie vier 
unb gwanjig JRat^öljerren, bie barauf au« i^rer ÜKitte gwei Sürger* 
meffter an ii)xt ©pifte fteDten unb fid) für bie ^erfd)iebenen Obliegen^ 
^eiten"ber Dbrigfeit in SBeinl^erren , SBau^erren, ®rut^erren n. f. w» 
abt^eilten* 2luf ber JRat^fammer ^ielt ber fRatij feine regelmäßigen 
SSerfammlungen, 9iingdum war ber 3utef)ör feiner SWacl)t: ba« 
n&(^fie ^au« norblicb bie SBage; jwifc^en i^r unb bem 9lat^^au6 
Wnburc^ ging man jur Äanglei, ©d)rit>erie genannt, unb gum 9Rar^ 
ftaU bed yiati)^] unter ©d)rit)erie unb SRat^bauö bie ®cfangniffe; ber 
Stad, ein t^urmäfjnlic^er fd)maler SBau t)on gwei ©torfwerfen, biente 
jum 8ludjiäuj)en, Sranbmarfen unb gur fcf)impfli(l)en Sluöftellung ber 



138 (Srfle« «u<^. 

^txbxtä)tx. Sd ff^ftc ni(f)t an 9iaum für feji(lct)c ©efcgen^eiten auf 
bcm Siat^^aud; ber 9latl)dtt)em würbe im ÄcHcr, gegenüber in ber 
alten <5(^arne ba^ älat^^bier ))eriapft. Sluf beiben (Seiten bed 9){arftd; 
au4) am Sioggenmarft; liegen bie Sogen^aufer^ [o genannt; tpeil fte 
mit bem SBorberbau auf freijie^enben ®ogen ruf)en, bie eine offne 
^aQe längd ben beiben $(ä^en bitben* (S^ ftnb (auter ftattUc^e ^au^ 
fer, mit ^o^en ®iebetn nacf) bem aWufier be^ SRat^^aufcd t)erfeöen, 
nic^t gerabe fe^r bequem unb n)eit(üuftg für ba6 taglid^e Seben ber 
SiniDo^ner, aber mit gropen SRaumen für bie SSorrAt^e, ml^t ^an* 
bei unb ©ewerbe er^eifc^te, jum I^eil fel)endtt)ert^ burc^ Sc^mucf 
unb Bauart; aQe feß unb fiar! für 3a(^r^unberte gebaut« 

@o eng bie SBof^nungen ber 35oml)erren unb ber SBürger jufam^ 
mentagen, — benn unmittelbar berührten flc^ bie 6urien unb bie 
»elilic^e 9leil)e ber ®ogenl)aufer ~, fo öart n)aren oft Sapitel unb 
8tabt im Jtampf jufammengetroffen ; unb U)enn auc^ in ben rubigen 
3tt>ifc^enraumen bie ^errcn, bie fo viel ®elb ju t>eriel)ren \)aittn, gern 
in ber @tabt gefel)en n^urben^ fo bauerte bennoc^ im Stillen nn'on^ 
tilgbar ber OegenfaJ in ben ^erjen fort« Sa^rlic^ erinnerte ber 
Slrnulfdtag an bie xmiU 3rit, wo bie Stabt bem (Sapitel bie ^err* 
\i)a\t über @tift SRünßer au6 ben ^änben gu reifen gefirebt unb bei 
SBarlar in offner Selbfcf)(ac^t eine fc^merjlid^e 9!ieberlage erlitten ^atte: 
nod) immer tonten an bem ZaQt bie ©toden bed !I)omd jur (Sieged^ 
feier, tt)ät)renb wenige Schritte weiter bie Sürger an bem 2)enfftein 
i^rer bamaW gefallenen SJorfa^ren »orbei in bie 5Diinoritenfirct)e jur 
traurigen Seier ber SJIemorie ftc^ begaben« 2)ad <Bpid, bad bei 93ar^ 
lar mißglücft war, fonnten fünftige ^titm enteuem unb ju einem an^ 
bem 3ifl^ füljren; benn gar fe^r Ijatte feitbem bie Sürgerfd^aft an 
993o^(f)anb unb jlraft jugenommen« 3lod) immer fiieg ft^« 9{oc^ bei 
gebjeiten ber gegenwärtigen Oeneration waren bie meifien ber Sogen^ 
Käufer gebaut Worten, unb wie bie ©tabt jufef^en^ f(f)6ner unb l^err* 
lieber würbe, mupten auc^ bie ©ebanfen it}rer ä3ewo^ner einen fiolje^ 
ren Sluffc^wung net)men« 

5« 

ee gab aber auc^, im 6c^oof ber fiäbtifc^en 93et)6lferung felbjl, 
noc^ anbere ©egenfa^e, faum minber wid^tig old ber eben bezeichnete«. 



XI. tS>\t &M 9Ränflrr. .t39 

!Die Sürgerfc^aft t^eilte fld^ in ©rbmanucr unb ,@(m^injn^ em|l 
toaxtn bte Obmänner bie einzigen t)cQb€rec^ttgten SSürger gemefen, 
aber ald bcr @tabt Slnfel^en unb SJlac^t immer {tc^tbarer an^ ber 
©emein^eit Sieip unb Si3o^(ftanb ^cn>orblä^te^ fam biefe auc^ ju ))olu 
tif^Km @tnflup, unb bie @rbmanner mußten fogar eine 3<^it erleben^ 
in ber i^nen \>bü\Q bad äiuber au^ ben ^Anben getDunben v^au 
2)te^ bauerte jn)ar nicl)t (ang* ^alb fapen mieber mt früher bie 
alten ©cfc^Iet^ter ber Sifcopind, ©c^encfinrf, €tet)enin(f; Äercferincf, 
ber !Drojie^ ßlet)orn, SBarenborf, ®u(f, ber 5^ei(f, t)an ber linnen 
unb t)an ber SBied, iliJbecfe, Orael, 2;rat>elmann ald regierenbe ^äup^ 
ter im Stall) ber @tabt 9Rünfter; aber i&f)r(ic^ n)urben neben ibnen 
ouc^ anbre ®efcf)(ec^ter in g(eici)er ober größerer ^af)l ju berfelben 
SBürbe erforen, 2)a ruhige Seiten, bem SBcc^fel ab^olb, bie 9iat^6^ 
^enen gern n>ieber^o(t aud bem Areife ber gemeinten Flamen to&^U 
ttn^ fo biibete ftc^ ben Obmännern gur @eite ein neued ^atriciaf, 
oud ben @ef(^lec^tem ber ^4^Ionnie6/ SSoIanb, SRunftermann, 3obefeU, 
9in>in(f/ @c^roberfeny Verbind unb anberer me^r* 9{un fam ed frei^ 
lic^ JU feiner ^tlierfc^meljung )>on beiberlei ätat^^gefc^iec^tern^ — bie 
Srbmdnner t)ieUen am iBorrec^t i^rer ®eburt fefi unb behaupteten 
eine gefonberte Stellung M fiabtifc^er Slbel^ bie bann aOmä^Iic^ i^ren 
Ucbertritt gum Sanbe^abel t)orbereitcte, ~ aber in allen ftabtifc^en 
2)ingen t)ereinigte fte bod^ bie betben gemeinfame (Stgenfd^aft arifto«" 
fratii'c^er 9e))orgugung unb ftellte bie einen n)ie bie anbern in ®egen^ 
)a$ gu ber übrigen vom 9Iat^ audgefc^loffcnen Sürgerfc^aft« 

6. 
3bnen gej^enuber jianb eine bemofratifc^c Sgacfet. S^ax befaf 
bie ®emern^eit afö folc^e, Weber in ibrer ®e[ammtl)eit no(^ in ben 
Saifc^aften; ein t)erfaffungdmäfigee ^iRittel, it)rem 9Billen 3ludbrud 
unb Geltung gu t)erfc^affcn; benn auc^ bie jä^rlic^e 2Bal)l be^ätatl)^ 
burt^ bie Jtorgenöten fc^eint in gewöhnlichen 3fiten wenig me^r aW 
eine bebeutung^lofe gorm gewefen gu fein. 2lber um fo fidrfer war 
bie Organifation , welche ein Jl)eil ber ©emein^eit, bie ®ilben, fid^ 
gegeben Ratten ^ unb biefe übernahmen bie 93ertretung aller bemofra^ 
rifc^en 3ntereffen. 9Kan gät)lte ricbicjji._@ilb.en in üRünfier. 3ebe 
®ilbe ijaUt i^re eignen Suf^n^^^fn^nft^ iil^ ®ilbe^au6, unb regierte 
fti^ felbji nac^ eignen Statuten unter i^rcn gwei 9Reifterleuten. 3ä^r^ 
lU^ in ber gajlengeit; einige !£age nac^ ber fRati)^\»ai)l , famen bie 



140 QrM ^u((. 

t)ier unb brei^tg ©{(bemeißer )ufammen auf bem Sc^o^aud am ^tfc^;: 
marft, unb t>ier aud i^ncn, hnxi) bad 8ood bejiimmt, toal)lUn ben 
aSorfianb bcr ©efammtgilben, bic bciben Olberlcute. ©orgfaltig t)icU 
man übcraü frembe ßinmifc^ung fern* ©enoffen bcrfefbcn @ilbc 
fd)ficl)ten it^ren Streit mit ^ülfe i^rer SWeifterleute unb je tjier guter 
ÜRänner aud i^rer ®ilbe. entfielt Streit gmifdjen jmci ©ifben, fo 
t)erl)anbeln fie erfi unter fic^, bann fommt bie ©ac^e t>or bie Dlber^ 
!eute unb bie aSerfammlung ber Oilbemeifier, unb erft wenn fie ^ier 
t\ii)t gefcljieben werben fann, wirb bad Urt^eil bed SRat^d in Slnfprud) 
genommen. Äfeinere Säergeljen richtet bie @ilbe ober bic gemeinen 
®ilben unb jie^en bie ©elbbu^e ju eigner aSerwenbung ein, nur grö^ 
^ere Älagen mögen t)or ben gewöhnlichen SRic^ter gel)en. 3eber 
©ifbebruber fann auf ben ®c^u$ feiner SDZeifterleute unb bed Oefammt^ 
»orßanbd rechnen: wiQ ber äiatt) i^n ii>erl)aften, fo fann ba6 nur mit 
3ufiimmung biefer gefd^ef^en, er müfte bcnn auf ber Zf)at ergriffen 
werben. Slnbrerfeitd fuc^en fie fclbfi unter jic^ gute ^ßoüjei ju er^ 
l^alten. 2)ie @i(ben, befiehlt i^r ®efe$, foOen fid) ^üten »or aOen 
benen, bie ein böfed ®eritd[)t ^aben, e^ fei tjon !Dieberei ober t)ieler 
Unfeufc^^eit ober anberen !Dingen* ^uren^ unb 5ßfaffenfinber, auc^ 
bie mit ^erenwerf umgeben, foDen nici)t in bie ®t(ben aufgenommen 
werben. 3n le^ter änfiang entfc^eibet über 9lufna^me unb ätudftof ung 
bie aSerfammlung ber gemeinen SReifierleute» 3n fofd)er SBeife feft 
gufammengefAgt unb in ftc^ feibftänbig unb unabhängig, bilbete bie 
®enoffenfd5aft eine ÜRad)t, ber nic^td angut^aben war, fo lange ftc 
einig blieb. Unparteilic^feit ber SSorftanbe unb ^anb^abung ber @im 
trac^t war barum bad ^auptaugenmerf i^rer Statuten, bed rot{)en 
SBu(^d. @d fc^&rft DIberleuten unb üReifterieuten ein, auf bad Siecht 
gu fe^en, nic^t ju einer $artei gu (galten, bie alten ®ewo^n^eiten ber 
®ilben }u wahren, auf baf bie gemeinen ®i(ben bei @^ren unb gu^ 
tem ®eruc^t bleiben; »or allem aber foUen fie barauf fe^en, baf 
(Sintrac^t ^errfcije, um bed ffliberftanbed willen, ber in ber ©tabt 
gegen bie ®ilben entjiel)en möchte: benn, fagt bad 93uci), wenn bie 
gemeinen ®ilben unter fic^ einträci)tig finb, fo fann i^nen nickte I)in^ 
berlic^ fein. 

' 7. 

3m ®efü^l i^rer Äraft warfen bie ®ilben ftc^ gu SBormfinbem 
ber übrigen ®emein^eit unb gu SWitregenten ber ©tabt auf» D^nebem 



k 



XI. <Dte etatt SRünfler. 141 

burfte ieber Sürger, arni) tt>tx bem ®ewerbe nic^t anße^örte, burc^ 
freien SSertrag in eine ®i(be eintreten; aber ani) tic, mld)t au^er^ 
^(b ber 93erbtnbung lebten, n)urben ald <S(^u$t)enDanbte be^anbeit« 
3Ran litt nic^t, ba^ ber dtatl) einen Bürger feiner Srei^eit beraube, 
e^e bie @a(^e mit D(ber(euten unb einigen ®i(bemeiftern befproc^en 
tt>ar. 2)ad gan^e gemeine ^liotf, ^eipt ed im rotten ^ni), foU eine 
Su^iuc^t ju ben ®i(ben ^aben; bie foQen i^nen mit 93eiftanb ber 
Sörgermeifier unb bed fRati)^ gu iijxtm 9ieci)te t)er^eifen. 3»n md)^ 
ttgen Slngelegenbeiten fuct)te man ftc^ mit ber übrigen ©emein^eit ju 
»erfl&nbigen, (üb angefef^ene SRanner aM berfelben auf bad @c^o^aud 
unb ging mit ibnen t)or ben 9lat^; aber, n)ie))ie( i^re 2lnft(^t gelten 
foUe, i)ing t)on bem guten äiSiUen ber ®i(ben ab: \r>a^ ?Hat\) unb 
®ilben befci)(ie^en , (autet ein ®efe$ ber Stabt, bem foU bie ganje 
®emeine folgen. Unb eben fo menig fc^eint bie SRae^t ber Oitno^m^ 
fd^aft nad) oben ^in, in i^rem 93er^aitnig gum 9iat^, burd^ irgenb 
eine gefe^Iic^ befüimmte Sci)ranfe eingeengt gemefen gu fein. Sreilic^ 
gab e6 ^orfc^riften , ba^ alle 3)?eit)erleute unb ®i(ben ben S3iirger« 
meiftern unb bem ätat^ gel)orfam fein foUen in allen rebtic^en unb 
}iem(id^en Qai)tn ; aber fein @egenflanb, mic^tig ober unn)ic^tig, toai 
au^brücfiic^ bem 9iat^ t)orbe^a(ten unb bem (Sinflup ber ©Üben ent^ 
§ogen, unb für ben SaQ beö SmiM ^oupte man (einen anbern ^2Beg 
aid freunb(i(^e 9(udgleic^ung. 

8. 

@o lang nun bie flabtifc^en 9lnge(egen^eiten ftd) im getoö^n^ 
liefen ®(eife erhielten, bie ©emerbdieute i^rem ©efc^aft nachgingen 
unb 9lu^e ^errf(^te, l>atte ber JRat^ oI|ne grage bad Uebergen)id)t, 
unb e6 mochte t^m um fo leichter fein, ftc^ mit ben Diberieuten ab^ 
jufinben, ald biefe felbji, bem Jperfommen gemap, gu ben 9iatl)dgei» 
fc^lec^tem geborten ober i^nen n^enigftend na^e ftanben. Slucb fonnte 
man gegen. t^ereingeUe Unruhen unb 9(uf(aufe auf ben Seiftanb ber 
®i(ben gur Kieberiegung unb SBeftrafung ber Uebelt^äter rechnen, 
aber foba(b bie Seibenfc^aften M iBoifd em)a(^ten unb bie ®ilbe^ 
brüber felbft unruljig »urben, fcljmofg bie 3Racl)t bed 9tatt)ed fc^nett 
gufammen. Dann »urben bie Dlberfeute bad SBerfgeug ber 93erfamm* 
(ung ber SReiflerleute ober ber ®efammtgi(ben, bann wnxUn bie 
aSünfc^e ber ®i(ben Sefe^le, bann toat bad Slat^^aud nicbtd unb 
tad @(^o^au0 aUed, bann erfc^ienen bie ®i(bemeifier mit i^ren IBor^ 



142 (Scfled 9u4. 

flanben fe(bf) auf ben Sanbtagen bed 9&i^^t^umd unb fprac^en im 
9tamm brr ©tabt ^or 93ffc^of, Sapitel unb JÄltterft^aft- @o tt>ar 
e6 fn ben ^tiUn ber großen ge^be unb ber Scl)Iad)t t)on 93arlar ge^ 
tt>efen. 3li(i)i (Srbmänner noc^ fRaii) Ratten bamafö ben ©treit mit 
bem (Sapüel auf bic ©pi^c getrieben, fonbem bie (Silben, auf beren 
©(^ultem ber finge unb gewiffenlofe ®raf 3o^ann \>an ber ^oia 
jur «l^enfc^aft emporflieg unb eine 3^it lang fafl unumfdjrdnft über bie 
Äräfte ber ©tabt gebot, ©n ä^nlic^er 3uft«n^/ nur t>on fürjerer 
!Dauer, tcax neuerbingd im Slufru(|r t>on 1525 eingetreten. Sßar 
bann auc^ jebed mal, wenn bie Drbnung jurürffef)rte, bad Slnfe^en 
bed atat^d ^ergefteüt »orben, fo wußten bic Oifben boc^ immer, 
welche Sebeutung fie befaßen unb baß fie weitaud ber n>ici)tigf}e 
X^eil ber ©tabt ÜRünfier feien. »W wären fie bie ©tabt felbfc 
^aben fie in i^r rott)ed Suc^, bad bie ®efe^e unb Drbnungen ber 
©efammtgilben entpit, audj bie Sünbnijfe unb 93ertr4ge fWfinflerd 
eingefcl)rieben, unb etwa 93emerfungen hinzugefügt wie folgenbe: 
„biefen S3unb ^at bad 6apitel gebrochen, man ^üte ftc^ »or bem 
©apitel!" ober wo t)on einem ©treit mit bem 8anbe6fürPen bieSRebc 
ift unb ber ©c^reiber warnenb fagt : „hieran mag eine ©tabt üRünjier 
wo^l benfen, wie i^r Sifdjof fie bebrängt f)ai gegen i^re ^45rit)i[egien 
unb fie in großen ©traben gebracl)t ^at/' ©ie wiffen, baß man 
i^nen i^re ^ad)t nic^t gönnt unb baß genug unfreunblic^e Slitfe 
bem 3^9 ber ©ifbebrüber folgen, wenn fie t»o»> i^rer 93erfamm«? 
lung auf bem ©c^o^aud burc^ bie gaffenbe SKenge paarweife ^inaud^ 
fc^reiten, baß man i^r ©c^o^aud fetbft mit bitterm ©pott eine ©^na^ 
goge bed Xeufeld nennt. Slber fie finb entfd)Ioffen, i^re SRec^te gu 
behaupten. 5)en ©egnern jum S^ro^ ^aben pe noc^ im 3at>r 1525 
bieß ©cl)o^aud neu ausgebaut unb I)ergefiettt, unb xoit ein 5tampf^ 
ruf tauten bie nic^t »ief fpäter niebergefd^riebenen SBorte, mit benen 
bad rot^e 93uc^ fct)ließt: „^an fe^e ju, baß man bad ©c^o^aud 
unb bie guten ©üben* in S^ren imb 9iegiment wal^re unb baß fie 
behalten wad fie ^aben; ed ifi gu beforgen, baß fie nicl)td l^inju be^^ 
fommen werben." 

9. 

3wif(^en biefer Sflrgerft^aft, Srbmännem unb 9lat^6gefc^(e(^tent^ 
®ifben unb ®emein^eit, wohnte ein nact) JRang ujtb JReic^t^um man^ 
ni^fac^ abgeffatfter, ga^Ireic^er Steruf, ber um fo weniger bem 9it0> 



XI. IDie &M SRünffer. 143 

unb ber Slnfembung entging, ie me^r i^n Sieget unb Sorporationd^ 
redete bem Sinpu^ ber 8aien entgogen* Die felbfidnbige SBeltgeifi^ 
lic^feit toax nur ber geringfle H)eil beffelben, inbem auä) bie ^farr^ 
leelforgc mei^ent^eiW bem ®ebot tjon Älöfiem unb Stiftern unterlag* 
Unter aQen größeren itirc^en n)ar nur bte Sambertdfirc^e t>on fo{ci)er 
abl^fingigfeit frei* 3wifc^en 9Rarft, Sioggenmarft unb gifc^niarft in 
bem reic^fien S^^eil ber Stabt gelegen, tjon ben Sogen^äufern um^ 
geben, mitten inne jwifcl)en 9latl)f)au6 unb Scl)ol)aud, galt bief l)err^ 
Iic^e ©auwerf a!d bie tjorne^mfte unb ^auptpfanfird^e t»on SKünfier, 
unb mit befonberem Stolj fonnte ber ©ürger auf ben blenbenben 
Keic^t^um i^rer ebeln gormen, auf bie 93ilberprac^t i^rer genfer, auf 
ben Sc^mucf i^re6 3nnem blicfen unb fic^ bed ginbrucf« freuen, ben 
ber Perforierte ffi^ne ®ebanfe einer ^oc^fliegenben Äönfiterp^antafle 
auf iebed ®emütl) ausübt; benn, W)iet)iel aud) gu ben anbern ®otte6# 
^fiufem frommer 2aien §anb im Sauf ber 3eit beigefieuert, feine tjon 
aDen war »ie bie 2ambertdfircf)e t)on ?lnfang an 93ürgem)erf, »on 
ben Sorfa^ren aud eignen üWittcfn unb freiem 2lntrieb unternommen 
unb gu (S^ren ber ©tabt unb ben ©nfetn jum 9?u^en für bie langen 
Sa^r^unberte ^ingefiellt. 6eit 1528 war ber alte ilimann Samener 
»on 2Beme ^ier Pfarrer, ber früher aW JÄector ber 2)omfcf)ulc wo^l 
ben größten J^eil ber lebenben ®eneration erjogen ^atte* Slußerbem 
befanb ftc^ nur noc^ bie fleine @ert)atiudfirc^e unb ber ®ottedbienf) 
an einjelnen n)ol)It^ätigen Stiftungen, wie am 9Kagbalenenf)o6pital 
gwifc^en ben ©rücfen unb an bem ?lrmen^aud ju ©• ?!nton nÄc^fl 
SRauri^t^or in ben ^änben »on SQSeltgeifilic^en. aUer übrige SIerue 
war regulär. 3« oberji jd^lte man brei abiige Älöjier, alle im Ucber^ 
toafferfirc^fpiel: jwei \>on i^nen ganj auf er S3ejief)ung jur ©ürger^ 
[c^ft, bad ^au6 ber beutfc^en ^emn ju ©. ®eorg an ber 2la, unb 
ba^ ber So^anniter, genannt up bem ©erge; bad britte hingegen 
befaß bae $farrre(^t bed Äirc^fpieW. 2)ief war bad Sungfrauenftift 
}u Ucberwaffer, unfrer lieben grau gewibmet unb jur ftanbe6mäf igen 
Serforgung ber Zo(i)Ux bed SanbedabeW reic^ audgeftattet. Die 
Tonnen, bie früher oft bie (Sinfünftc be« Ätofierd, beren ®fnuf fie 
i^rer ®eburt ju t)erbanfen Ratten, gleich ben Doml^erren ju einem 
freien abiigen ?eben mifbraui^t Ratten, waren burcf) S3ifcl)of ^elnric^d 
t)on €d|)warjburg Sleform einer ehrbaren ^ni)t unterworfen worbcn 
unb feit lange führte in grieben bie gotte6fftr(t)tige ^ebtiffm 3ba ^an 
Starveit, unter^u^t von i^rem Dec^anten, $ater unb Amtmann, $rmt 



144 Qrfie« 8u(^. 

aBi(6rant Staef, bic ^errfc^aft über bad Älofier uno bic mit H)m 
»crbunbcnc fiäbtifc^c Pfarrei» SJotbcm ebenfalls öblig, jcjt übcr^ 
n^iegenb crbmannifc^ xoaxm bic Sungfrauen im ©♦ Stgcnftift, feit 
1503 »on ber Slebtiffm ^ilbegimb ©ifcopincf regiert, ber alöDec^anf 
Dtto Secfmann jur Seite jianb, SBie l>ier unb ju Ueberwaflfer bie 
Slounen, fo jianben ju 6, ÜRartin unb 6, 2ubger jn)ei aWänner^ 
coQegien an ber Spi$e bcd £irc^fpie(d unb befieUten bie 6a))Iäne für 
bie SPfarrgenoffen. ®ie 9Witglieber biefer SRannercoBegien [o tt)ic anä) 
bed alten 5)omd unb bed SRauri^ftiftd tt>axm meifl Sürgerfo^nc, ju 
ÜJIauri^ »orn)iegenb ^rbmänner, an ben brei übrigen mel^r aud ben 
fRati)^^ unb anbern angefel)enen ®ef(^(e({)term ^anbelte ed ftc^ um 
allgemeine Slngelegen^eiten, [o füt)rte im 9iamen ber brei fiabtifc^en 
(SoUegien unb ber ganzen niebern ©eiftlic^feit bad Sffiort ber 2)ec^ant 
bed alten !Domd, ju biefer 3^i^ ®crt Sc^roberfen. 3m Slang i^nen 
nat)e, an Vermögen ^itMd)t nur t^om 9Rauri$fiift übertroffen, prangten 
mit ftattlic^en ®ebauben unb anfel)n(i(^en ^irc^en bad ^rater^ unb 
6(t)n)e|ier^aud , bad eine in Uebern)afferfircl)fpiel an ber ©tabtmauer 
unweit bed .l^onefampd, regiert t)on bem SRector 8uboIf 93orcfIoe, bad 
anbre bei ber ©ervatiudfir^e unter ber n)ürbigen ÜÄutter Slifabetl^ 
3)ro(dbagen unb bem ^ater, graterljerm Sgbert !Deitin(f^of. 93on 
3^it ju ^tit burt^ ben ^^^rior ber Slugujiiner ßl^or^erren ju grend* 
tt)egen einer SJifitatiou untertvorfen unb fietd ber Siegel eingeben!, 
l)ielten jtcl) beibe Käufer fromm unb tabelfrei, nur baf , xm il)r 93er^ 
mögen, we(ci)ed jte ber (Stiftung gemäg burc^ ^anbarbeit erwarben, 
unter [parfamer unb wirt^fc^aftlic^er 93em)a(tung anwuc^d, fte ben 
Armem 9lnb&c^tigen ben ßutritt )>erfagten, unb namentlich ba6 Sc^weßer^ 
l^aud immer audfc^lie^iict)er ben erbmännifc^en unb anbern angefel)enen 
Sürgergefc^Iec^tern ben ®enup feined 9ieid[)tl)umd fieberte« 93on ben 
93ette(orben l)atten nur bie SRinberbrüber ftc^ in SRünfter ange« 
fiebelt, fte befa^en im Wartindfirc^fpiel ein geräumige^ ^aud mit 
einer f(^önen Jlirc^e. !Die übrigen Drben l)atten nur i^re iSerm'narien 
fn ber Stabt; ber !Dominicaner, ber im !Dom bad ^rebigtamt »erfa^, 
Moo^nte auf bem SBifpin(f{)of. ©eringere ^rauenHoßer aber gä^lte 
man noc^ t)ier: SRofenbal unb ^ofruggincf im Uebem)afferfird)fpie(, 
bad JReinifc^e in @. ÜRartind-, bad 9lingifc^e in ©. 8ubgerdfircl)fpieU 
2)aju eine ^enge wo^It^&tiger Stiftungen, jum Zi)t\l ^on beu 
Domherren für if)re 3)iener errid^tet, bei weitem bie meificn 
frommer Bürger Sffierf unb @^re, Sied^^aufer unb ^odpit&Ier, f&x 



XI. ^ie ®tabt SRun^ec. 145 

Slltf, Äraitfe unt> ?lrme, ÜWdnner unb äBeiber, grcmbc unb Sin^c^ 
xai\d)t benimmt* 

10. 

@inc fofc^e gulle tjon aSerfcf^iebcn^eiten, Ungleichheiten unb @t^m^ 
fäften, innerhalb ber ÜWauern einer einjigen Stabt Derfammelt^ fonnte 
tooi)l unter ber ^errfc^aft altgewohnter Sitte unb weifer ©elbftbe^ 
fc^ränfung aUer Stänbe \)ox jerfiörenber Unorbnung behütet n)erben; 
tt)ie fet)r aber jebedmal burcf) fte bie (Sefabr t)ergrö^ert ttjurbe, fobalb 
empörter Sinn an ben lodern S3anben bed ®emeintt)efend jente, ba* 
l^atte noi) \)or furjem ber Slufruör t)on 1525 gezeigt. Unvorbereitet, 
plö^tid; aufgeflammt; ^atte iene Sen)egung rafd^ unb gefa^rtic^ um 
fi<^ ßffln'tffn/ Stabt unb Sapite!, bad arme 9SoIf unb bic n)of)!l)a^ 
benben Stlbfttx, Sapläne unb i^re geijilic^en SSorgefeftten, ©Üben unb 
fftatl) in (Sntäweiung gebracht, unb nic^t ber eignen itraft, fonbern 
ber ®unfi ber auswärtigen SSer^ältniffe Ijatte bie Dbrigfeit ihxt unb 
ber ©tabt SJettung ju t)erbanfen. SSSie bann, wenn eine Sewegung 
von lange ^er vorbereitet unb im StiUen organiftrt, mit gefammeUen 
ifräften fic^ tx\)ob, unb bie allgemeinen Stift^SKünjierfc^en unb weji^ 
fälifd)en ffier^dltniffe nic^t me^r bie alte Drbnung, fonbern vie(mef)t 
bie 3luflet)nung begunftigten ? £ie^ war aber bie Sage ber @tabt 
SWünfter im Slnfang bed 3at)rd 1532. SRod) einmal, wie vor fieben 
Sauren, fc^woU berSlufru^r empor, au^erlicl) fidrfer alö bamald, weil 
an bie SteUe ber beweglichen 3Kenge eine gefc^loffene 5ßartei getreten! 
war, in fid) unenblicl) gewaltiger unb furd)tbarer, feitbem nic^t länger fi 
„nieber mit ber ©eifttic^feit" fein Schlachtruf lautete, fonbern „nieberf 
mit ber Äirc^e/' 

SBoÜte man nacl) ber S3efcf)wic^tigung bed erfien Slufru^rd fic^ 
vor größeren ©efa^ren behüten, fo ^dtte neben ber obrigfeitlic^en 
Strenge geiftlic^e SSele^rung, bie ifraft ber SRebe unb *4Jrebigt unaud^ 
gefegt auf bie Äircl)fpielgenoffen einwirfen muffen* @d mag Dergleichen 
9efd)f^en fein, aber gewif in völlig unjureic^enber S33eife. Die wenigen 
(Stifti\d)tn , bie fic^ über bie ^anbwerMmdßige 8lu6übung vorgefc^rie^ 
bener SBerfe erhoben unb bic Äenntniffe unb bie ©efinnung i^red 
Stonbed pflegten, fianben entweber bem Seelforgeramt fern ober eC 
mangelte f^nen bie Sat)igfeit bed 93olMrebner6 , ®emüt^ unb ffiorur^ 
t^eÜ ber 9Wenge an fic^ gu feffeln. Dtto Scdmann fcfeeint bie meiftc 
Seit in ©efc^äften au^er^lb 3)!ünßer» verbracht ju ^aben; Sodann 

(Koniclin«, «nfni^t in SRänflec. I. 10 



146 <Srjle0 ^uäf. 

J^oltmann ber gratcrt^crr toax ein fliüer Sldc^t; Slimann Samener, 
burc^ feine einflu^reicfje Stellung am erpen jur SBirffamfeit befähigt, 
war burc^ alter ge^inbert unb überbieß tjon feinen ^farrf inbern , bie 
i^m ben Äauf feinet geipficljen Ömted t)orn)arfen, mißachtet unb an^ 
gefein bet, Der Drben ber 9Rinoriten i)attt fiel) ^ormald ein ^ol)e6 
ajerbienji um Stabt SWünfier em)orben, al6 3o^ann Sruggemann mt 
ein gottgefanbter 9lpoftel bie Sßut^ ber Bürger mit bem SBort bed 
griebend beftegte unb um eigne Sebendgefal^r unbefummert fort unb 
fort prebigte, bid er bem ®rafen »an ber ^oia bie ^erjen bed 93o(fed 
abgewonnen ♦ SRoc^ jeftt waren bie S3ürger bem Ätofter nic^t gram, 
wie bad Sal^r 1525 Untlid) bewiefen ^atte, aber fein neuer Srugge- 
mann me^r liep bie ^4iofaune bed göttlichen SBortd x>or\ ber Jlanjel 
ber ÜRinoritenfirc^e erfcl)allen* ©o fonnte ed bem 9latt) wo^t gelingen, 
fleben 3a^re lang bie äußere Drbnung ju »ertljeibigen unb ju be^ 
I)aupten, aber ber ®ewalt unerreicl)bar bilbete ftc^ in berfelben ^tit 
bie e^angeiifc^e $artei, fanb bann einen Sül)rer unb )^ollbraci)te i^re 
innere Sntwicfelung, 3eftt, ald man fte mit bem 93erluji bed ^aupted 
bebrol)te unb baburc^ jum Jlampfe brängte, war fte gerüflet unb jlarf 
genug, um jum Singriff ju fc^reiten. ©ie t\)at ed. 2angfam rücfte 
fte tjor, ^larvooU, Schritt für Schritt, bid bie gugen ber alten Drb^ 
nung gefprengt unb ber $la^ einem 9!eubau geebnet war. 



XIL 

©tunbuttg einet etiangelif^ett ©emeittbe 

in äXuttflet« 

1. 

2lfö Äotljmann, \>on bem 93ifc^of aufgegeben, in ©. 5Waurt$ 
nic^t me^r bleiben burfte, jog er in bie €tabt, na^m bie SBobnung 
an, welche bie jh'imer in t^rem (Silbe^aud auf bem @teinweg na^e 
bei ®. Sambertdfird^e i^m einräumten, unb flellte ft^) unter ben €(^ufr 



§ 1. ^uftx Un nuenenf^Yiftftellem geiväl^ren tiai ^i^thotd bet SUbn^tu 
fd^en fej^er unt befonterd bie be^ufd ber Scnfidcation bet SS^iebettäufergäter naäf 
ber (Sroberung ongetegten bieten, bie ba< 3^91 in großer %nUt Utodiftt, 9luf^ 
f<^(äffe Aber bie $erfonalien bn fBtSmfUt^ä^m Sdmt^m^iptixUi. 



XII. (Pcünbung einer e^angelifd^en ®eiiieinbe {n SRänfler. 147 

ffined 3nl^angd. 3lnbem ed fic^ nun bantm ^anbelte, ob ber (Sa^[an 
in ber ©tabt ju bulben fci, fcl)icb fic^ bic ganje 93flr9erfcl)aft in 
Sreunb unb geinb feiner 8el)re. Sonfen)atit>er ©efmming unb abfto!b 
^ ber Neuerung, {teilten ftct) (Srbmänner unb Statl^dgefc^lec^ter auf Seiten 
;ber ®eißtid)feit« 9!ur bret @rbmanner, ^ermann Xitbecfe auf ber 
grauenfhaf e, Sodann Äercferincf auf bem ©ifpincf^of, Äerftien Äercfe* 
rincf im 3)tartin6ftrd^fpiel, unb aud bem übrigen Siat^ftanb einigt 
me^r, namentlich ^ermann 93ifpincf, Sadpar 3obefett, ber ©tabtricl)ter 
8lmt S3ell>olt, 3o^ann Sangermann, jeigten fi^ ber neuen 8c^re 
günßtg* 2)e{lo größeren 9lnf(ang fanb fte bei ber ^Demofratie in @iU 
bm unb ®emeinl)eit» 93ielc Seute t)on Slnfe^en unb @m\(i)t unter 
ber Sürgerfc^aft n)aren SRotljmann juget^an. 3o^ann ^atjicf^orjl 
auf bem gifdjjmarft unb ®ert Steinincf ber Äramer auf bem SRarft 
Ratten ftc^ im teerigen 3al)r burc^ ®elbunterf)u$ung M feine ®onner 
erwiefem 2ubbert Sentincf unb 5Reiner Stelle im Ueberwafferfirdjfpiel 
loaren SSorganger bei bem Süuffianb t)on 1525 gen)efen. ®lei(^ gefinnt 
geigten ftd) ber alte fiubger tl)om 93rincf , 3n)ifcl)en ben Srücfen, gewohnt 
für Ueberwafferfir^fpicl in allen !Dingen bad SBort ju följren; *Peter 
griefe auf ber ©aljfhaße, ber feinen ®afit)of, ben größten ber ©tabt, 
in biefem 3a^r einrichtete; ber reid^e Gngelbert Sbincf auf ber 93oef^ 
Pege, ber ©c^u^mac^er Sodann t^on !Det>enter ; auf bem SRoggenmarft 
SRagnud Xo\)m^ unb ^ermann Jhampen; ber fleine unrul)ige ®ert 
Äibbenbroid unter ben ©ogen, 33emt 9Wenneden in ber Slpotljefe bei 
©. SWic^aeiafapelle, ®ert ^ßruffen ber ® erber auf ber ^oUenberfcr 
©traße, ber ©c^mieb 3ol)ann ^alcf, ber ^utmac^er Sufad ® ruter, 
6laed ©tripe, Sodann SRotermunt hinter ©♦ Subgerd 3)ecl)anei, §cin^ 
ricl) JRobe ber ®otbfcl)mieb unb »iele anbere* 33on allen bfe einfluß^ 
retc^ßen 9R&nner aber n)aren 3o^ann SßinbemoUer, fürglic^ aud 
Sieflanb ^eimgefel^rt, tt>o er lange fiel) aufgehalten unb ^iel ®elegen* 
^ett gehabt l)atte, bte lut^erifcl^e 9teformation fennen ju lernen; bann 
ber alte ^einricl) SRebefer auf Subgerfirafe, feined ^anbn)erW ein 
$eljer; ber ©ac^iwalter 3ol)ann Ummegrot>e, in beffen SBo^nung bie 
evangeltfc^en ^iupter fic^ gern t)erfammelten ; unb namentlicl) einer, 
ber feit Sauren weit unb breit im ©tift ÜRünfter ald bed »ifc^of» 
imb ber ^Pfaffen geinb befannt tt>ar, Semt Änipperbollincf. 



10* 



148 dt^ti 8u(^. 

@cl)on feine duf eren 93et^Ä(tn(|Te gettjd^rten blefem 9Ranne ehte nicl)t 
geringe Scbeutung unter feinen ÜRitbürgem : er »ar einem an9efel)enen 
©efcblec^t entfprojfen, Ijatk einen ©tiftd^errn jum Sruber, bie reiche 
SBranbefc^in auf ©»aubgerd Strafe jur ©c^it)iegermutter, befaß ein ft^öned 
^aud rec^t In ber fWitte ber ©tabt, unter ben Sogen gegenüber ber ©alg* 
fhaße, unb trieb a(d ©ilbcbruber ber SSSanbfcl^neiber einen audgebrris^ 
teten S^uc^^anbe!» Ueberbieß jdc^neten i^n bie perfönlic^en ®aben 
{ au6, bie ber SRengc gefallen : ein ftattllc^er SRann , noc^ jung t)on 
^i Salären, mit fc^önem ^aar unb Sart, tapfer, frdmüt^ig unb ^on 
^ ffraftigem SBefen inSludfe^en, ®eberben unb ^anblungen, t)oller 2ln^ 
'fd^lÄge, gefcfjicft gur JRebe unb rafc^ gur %\^aU 8luc^ liebte er e^, 
8luffel)en ju erregen unb bie ©liefe auf flc^ ju jiel)en, felbfi burc^ 
©onberbarfelten unb abenteuertlcl)e Dinge, benn um bad Urtl)eil ber 
93erftänbigen n)ar er nidjt übermäßig beforgt. ©ein ^auptc^araftergug 
War Jöfijart, ber er mit jener ÜKIfc^ung ^on unruhigem ü^atenbrang 
unb jiarrer ^artnärflgfeit frot^nte, welche unter bem SBoIfe feiner 
^eimat nlc^t ungewöhnlich i% Stam er »on feinen wdten ®ef(^Sft«i« 
reifen gurücf , fo Ijaitt er gu ^aufe ?JJrit>atl)änbel auögufecftten ober er 
nal)m an ben geinbfcl)aften feiner SKitbürger unb ©ilbebrüber X^eil, 
t)erl)öönte bie ®eljilicl[)en, überwarf fid) mit bem JRatl), fc^mÄljte ben 
Sifcl)of* 9la<i) langen Sauren erjäl^lte man fic^ nod) in SKünfler, 
wie ÄnipperboBincf bed SWorgenö, wenn bie Ferren »or ber SBage 
JU ®erid)t faßen, aud ©tojenlngd ©tiege ftergeritten fam, In fraufem 



§ 2. K 136. — H 1197.-{Rd4el SWönflcnfdifc S^ronif 187. — {Re^tuftrcit 
ted iSBerni^arb itnit^t^erboKind gegen ten ^ai\f t)on 9/{ünfler, bei Söigant, S)tnU 
taMitbtgfeüen mi bem Slcd^io tti ^tidfihmmtx^niäfti gu SBe^lar, Seipgig 1854. 
3m 3R^ \i<iU id) nur nod^ eine fammergeri4t(i((e IBerlabung ber @tabto6ngfeit 
i>cn 9J{ünfler, ^ptitx 1531 gebr. 14, gefunben. i^nipperboUincf i^at feine $roce$« 
octen, bie ^cn 1530 bid in« 3a^r 1534 reiften, fp&ter verbrannt, f. NQ II. 
376. — !Die (Ric^Hgfeit ber. getoö^nli(^en Angabe t>i>n feiner SBetl^eiliguug an bem 
@to<f Volmer !lumu(t im ^erbß 1524 muf idf, fo lange id^ »on ben betveffenbcn 
9lctcn ber ®to(f(oImer ^xä^m feine itenntniß erlangen fann, ba^in geßeUt fein 
laffcn. Senigßend iß feine Jtunbe ba)>on na^ ^eutfd^lanb gefommen, ba toeber 
in ben iBer^oren, bie man mit il^m na^ ber (Sroberung SJ/^ünfler« angeßeQt ^at, 
noä) in ben ©efd^i^tfd^retbem bed S){önflenfd^en $lufrui^re jld^ eine ©pur berfelbcn 
aufiveifen lÄpt. 



Xll. (BrAntung einer et^angelifc^en ©emeinbe in 9lünfttt. 149 

9tod, mit grauen 8ai)i>cn bel^angm, fein fd^tDatjed ^ferb mit tt)eifem 
3eug audfiaffirt, ober bap er 8eute in SWöncl)d^ unb Stonnenfleibern 
)>or ben $flug gefpannt; ^on einem Su^rmann in ber Xutit i)abt 
antreiben unb ben ÜRarft beacfem laffen, @o {{I er auc^ einer ber 
^auptt^eilne^mer an bem Sluflauf t)on 1527 gen)efen, ald ber Sret)(er 
gegen bad geijMic^e ©eric^t, üonied Ärufe, bem Sifc^of unb ©tabt^ 
rat^ gum Zxoii mit ®malt aud bem ©efängni^ befreit )t)urbe. 31(9 
tl^m bamald gleich ben anbern Uebe(tl)&tern bie @tabt \)erboten n)urbe; 
erbot ftc^ ÄnipperboHincf gu Siecht , änberte aber feine anjiöf ige SBcife 
tn nicl)td, ja er trieb bie 93ern)egen^eit fo weit, baf er bem SpiHen^ 
brel)er gum §ol)n, voit er ben S3if(^of fpottli^ nannte, Spille unb ^afpri 
m ben ^ut flecfte unb öffent(ict) bamit einl)erging* Da riefen i^n ®e^ 
f<feäftenacl)2übecf, er glaubte ficl)t)or bed Sifc^ofd SHac^e auf berSXeife 
fiebern gu muffen , fieöte jid) bed^alb , auf bed Sürgermcifierd iDirirf 
SRunfiermann freunbfc^aftlicfje üWcinung ^orenb, freiwillig »or ben 
etabtratb mit bem Segel)ren, i^n wegen beö früheren SRut^wiHend 
in Sufe gu nehmen. Slber ber Sifcl)of fümmerte jic^ nic^t um bie 
(Selbflrafe t»on ^unbert ®u(ben, bie ÄnipperboDincf in bie ©tabtfaffc 
bega^lte, fonbern lie^ ben Slufrii^rer auf ber !Durcl)reife gu Säec^te 
aufgreifen, in §aft fe^en, ein^m peinlicl)cn 93er^or unterwerfen. ?Rur 
ungern gab er i^n naci) einem 3a^re lod, a(6 !Domcapitel unb ©tabt^ 
rat^, von ben greunben bc6 ®efangenen in Slnfpruc^ genommen, i^re 
gürbitten einlegten: fie würben fcljen, fagte er ben Slbgeorbneten, 
I welchen Segen feine Otfirffunft ber ©tabt unb bem Stifte bereiten 
: werbe» Sec^dl^unbert ©ulben mußte Änipperbollincf bem Sifc^of aW 
\ Süße erlegen. §aß unb fRad)t im bergen fe^rtc er f)eim. 5Rie fonnte 
•er !Diricf 9Runjiermann ben 9lat^fii)tag t)ergei^en, bem er fein Unglücf 
§uf(^rieb» 3n golbnen Settern, feftte er in feinem ^aud bie 93erfe 
an bie SBanb: 

^\t bem tc^ m\di beriet^, 
Unb ganj auf i^n »erlief, 
JDer »ar«, ber mi^^ »erriet^. 

PeJöttU^i^roJ^ er aller Cbrigfeit: nic^t ungefhraft foUe man iljn gu 
€<^aben unb 9?ad^tl^"eir gebracfjt l)aben. grcilic^ mußte er fiel) 3a^r« 
(ang bamit begnügen, ben SRatl) mit Älagen gu belangen unb fein 
»ermeinted SRec^t »or bem SReid^dfammergericfjt gu fuc^en. 2lld aber 
im 3a^r 1532 bie SBolKbewegung wieber anbob, würbe er ber ge^» 
fa^rlid^fie 2Ranm 8lu(^ wenn befonOere antriebe gefehlt ^Ätten^ 



150 QitM ^u<^* 

n>ärben t^n 9{eif)ung, Sl^araftet unb bürgerliche ©teUung o^ne 3n)etfel 
in bie t^orberfle Steige ber Stürmer geführt ^abet\; nun aber ergriff 
er bte et)ange{ifci)e @aci)e mit aQer Seibenfc^aft eined $ri^at^anbe(d, 
n)arf ftc^ gum ^au))tbränger unb Xreiber ber ®i(ben auf^ ergab ftc^ 
bem ^rebicanten auf S^ob unb Seben, gu allem äuperflen bereit« 

3. 

2;m Slnfang festen ed nic^t unmöglich, ben Slufrul^r gu erfticfen; 
benn wenn bie Dbrigfeit ernftlid) \))oUtt, fo ftanben i^r noc^ Dlbcr? 
leute unb SWciftcrfeute groptentfieiW jur Seite, unb bad gemeine SSolf 
{Moar fc{)n)er(i(6 fd;on fo ubermiegenb (ut^erifc^ geftnnt* Slber ber 
-9tat^, in beffen eigner ^itte etliche Slu^nger Stot^mannd fapen^ 
fc^eute ftd) »or bem SBiberftanb, ben eine gewaltfame ßntfernung bed 
^rebicanten ]^en)orrufen mupte, unb erfannte auc^ n)o^( ben gangen 
Umfang ber ®efa^r noc^ nic^t beutüc^ genug* SSietleic^t biente bad 
93er^a(ten ber Partei, feine Seforgniffe gu milbern. 93or ber ^anb 
n&m(ici) forberte man nic^td a(d bie ein{ht)ei(ige !Du(bung bed $rebt^ 
canten, ber in Briefen an Sifc^of, üiati) unb Domcapitel feine Un^ 
fc^ulb bet^euerte, eine 5}}rüfung feiner 2e^re unb feined 2ebend begel)rte 
unb nur fo lang in fünfter beiaffen gu n)erben n)ünf4)te, bi^ feine 
geinbe t^m ein SSerbrec^en naci)gemiefen ober bid er fein ®(aubend^ 
befenntnif »orgelegt unb ))eröffentlic{)t ^abe^ n)ad bann über i^n ent^ 
[(Rieben würbe, bem wolle er jtc^ untertoerfen. SSBenn wir nic^t irren^ 
fo übten überhaupt Siot^mannd S3e()utfamfeit unb bie Stat^fc^Iäge 
9J{e(anc^t^ond unb Sapitod^ an weid^e er im 9{amen feinet 9lnl^ang6 
fxd) wanbte unb bie i()rer !Denfungdart unb (Srfa^rung gemä^ o^ne 
allen 3^t)eifel »or ungefe^lic^en ©djritten gegen bie weltli^e Dbrig^ 
feit gewarnt l^abcn werben, auf bad Ungeftüm ber Sut^erifc^en im 
gangen einen md^igenben ßinfluf a\xi. ©o mochte ber 3lat^ hoffen, 
bie Slufregung werbe bei ruljigem ßu^arten tjon felbfl fic^ befcl)Wic^^ 
tigen unb alted wieber ind ©eleife fommen, lief 9tot^mann ge^ 
wdl^ren, wenn er nur nic^t öffentlich prebigte, unb überfa^, wa6 
t)on eingelnen l^ier unb ba Unfat^olifc^ed in SSorten unb SBerfen 
ausging. 



§ 3. MQ IL 10. — H 1189. — (Rot^mann an ben !Btfd^of 1532 San. 
16. K 152. — ^a« S)i>mca)>itcl an ben SBif^ofj 1532 3an. 23. Wl. — ^tx 
l8tf(^of an ba< S)omca)>iteI 1532 San. 24. Wi, — 0{ot§mann an bie bifc^dffu 
d^en (RÄt^e, o. S). K 149. 



XII. (irünbund dner e^angelifd^en ©emetnbe in fSHünfUx, 151 

!Dad !Domcaptte( hingegen mfjtn bie @a(^e emfler unb 
brängte ben Sifc^of jum ^anbeln« S93tr fenttm bie $$orfcb(äge n\i)t, 
mtlä)t !Domptob{l unb (Sct)o(a{}er t^m ^orfegkn: n)al)rf(^eiu{ic^ 
tDunf(^ten fte einen fc^riftlic^en 9efe^( an ben Siath, mit ®en)a(t 
gegen 9tot^mann unb feinen 3lni)ang etngufc^reiten« 316er ber 
Stfc^of toidf an^: er fei noi) nid)t mit f{c^ im Steinen; beffer n)ürbe 
ba^ (Sapitel t^un, t)on i^m abjufe^en unb alled auf ft^ gu nehmen* 
9l(d bad ßapitel btefeS Slnfinnen }urü(fn)ted unb auf feiner ^orberung 
befianb, weigerte er unter einem neuen Sonvanb ben Srief , »erfprad^ 
ahtx, etliche 9iätl)e am 27. Januar nac^ ÜDtunßer gu fcE)i(fen: bte 
foOten fxi) mit 1$em Sapitel befprec^en unb; wad bann befc^toffen 
iDÜrbe; auöful^ren* @d fam gule^t gu einer ^a[ben unb \^wai^m 
9Ra^rege(. Die bifci)oflic^en Siat^e langten wirflic^ in SRünfier an 
unb melbeten bem (Saplan^ ber SBif^of laffe i^n bitten, bamit fein 
Sufru^r in ber ©tabt entfiele, eine ^cit !ang ftc^ gu entfernen, bid 
burc^ Stei^Stag ober 6onct( eine @ntfc^eibung in ber Sieligion ge^ 
troffen worben fei. Slber auc^ tiefer 6cl)ritt war nidjt ernfificl) ge-* 
meinte benn einige Xage t)orl^er war Siot^mann ein 9Binf aud ber 
Jtanglei bed Sifc^ofd gugefommen, er möge nur unbeforgt fein; fobalb 
etwad gegen ii)n tnö SBerf gerichtet werbe, wolte man il^n getttg 
genug bat>on in j^enntnip fe^en. (Sr wufte a(fo, ba^ er ol)ne ®e^ 
fa^r bad officieUe 93er(angen feined $urf)en gurucfwetfen fönne. 3n 
ber fc^riftlic^en Slntwort, bie er am 28. Januar ben Statten übergab, 
Ijel^t e^, er fönne üWimfter je^t um fo weniger t>erlaf[en, afö er fein 
eben »eröffentKc^ted ®(aubendbefenntnif gu t)ert^eibigen ^abe; bie 
angfl Dor 8lufru^r fei eine ßrfinbung ber ©ottlofen ; er woBe ed auf 
bic ®ewalt anfommen faffen unb lieber in bie ^anbe ber SRenfdjen 
M in ®otM ®tx\6)i faUen. 

4. 

3)ad ®laubendbefenntni^, an welchem Stot^mann feit ber 3luf^ 
^bung be^ bifdjoflic^en ®elcitö gearbeitet ^atte unb welche« nun in 
lateinifc^er Sprache mit einer Sonebe t)om 23. 3anuar erfc^ien, 
enthielt, wie gu erwarten war, age ^^au))tf&6c ber SReformatoren. 
SWit befonberem Slac^brucf ^ob ti bie 9ie(^tfertigung«le^re \)troox. 



i 4. (Rotl^inannd maviUniMtnntnif bei K 156. (Sin unt^oKßäntide« dtmi 
pUa tet tcittfcben 9M^(äii bcffelben auf tet $aultnif4>en IBibt. |u SRünfler. 



152 (Srflee a3ud^. 

2)ie mntf(^(i(^e Statur, fprac^ ed aud, fann aud ftc^ nickte ald fün>> 

bigen, unb nur bamit n)ir unfre Dt^nmac^t }um ®utm erfennen unb 

lan unfrer Äraft »crjn>eiffln, ifi und bad ®efe^ öfflebm* !Durc^ ben 

i®Iaubm allein unb o^nc 93erbicnft tt)lrb und t)on ®ott bfe Sünbe 

I »ergeben, unb tt)ie nidjtd rechtfertigt af6 ber ®laube, fo fünbtgt anä) 

' nit^td aW ber Unglaube* Diefer ®Iaube ifl eine fefie ®ett>ipl)eit ber 

®erec{)tigfeit unb bed ^ei(d, bie gar nicljt burc^ SQSerfe, fonbem aHein 

burc^ bie ®nabe be6 barmherzigen ®ottee aud bem ®e^6r bed gött^ 

liefen SBorted erlangt tt>irb* 3)er ®Iaube aber, ber ni^t burt^ bie 

'^ ?iebe tl)ätig ift, ifl fein ®laube, fonbem eine tobte ÜWeinung* 3)ie 

guten SBerfe fmb grücl)te bcd ®(aubend, bie böfen beö Unglauben^. 

f l3e nac^ ben guten ober böfen 9Berfen n)erben wir ber ewigen Seligfeit 

, ^ober aSerbammnif juget^eilt, weif bie SBerfe 3fwgniffe flnb bergrom^ 

^migfeit ober ® ottlojigfeit ; aber bie ®ere(I)tigfeit fommt nic^t aud 

ben SBerfen, fonbem bie SBerfe a\\^ ber ®ere(l)tigfeit, unb fo wenig 

^angt »on ben SBerfen bad ^eil ab, ald bad SBcfen bed Saum* 

von ben grilcl)ten, bie er trägt. 3ebed Sßerf, we(cl)e6 nit^t axi^ bem 

®(auben ifl, ifl ©ünbe. ®ute SBerfe finb nur bie,~ weld^e bie \)riU 

©c^rift gut ^ei^t ; bie 2Berf e aber, bie in ben SKenfd^enfa^ungen tjor^» 

gefdjrieben werben, finb eitel ober gotttod. ■— 2)ann werben bie 

©acramente auf jwei befc^ranft, beibe ®eflalten beö SfbenbmaM 

Verlangt unb Sacramente wie 9Weffe i^red mijflift^en 6^arafterd ent* 

fleibet unb für b(of e Srinnerungöjeic^n erflart. „2)ie 3kiufe ifl bad 

3eic^en, woburcf) ber Durchgang t>om S^obe jum 2eben angezeigt wirb; 

wie bad 93olf Sdrael ben 3)urcf)gang burc^ bad rot^e SKeer jum 

3ei(I)en ber g6ttli(l)en ®nabc Ifattt, fo ifl ed und ein gewiffed S^c^en 

ber g6ttli(f)en ®nabe, im SBaffer getauft gu werben im 9?amen bed 

SBaterd, bed go^nd unb bed \). ®eifled. !Die Sbeitna^me am Sif^j 

bed §errn ift ein ^di)tn, wefc^ed und an bie burc^ S^riflum und 

'»erlief)ene ®nabe erinnert. 3)ie 9Beffe i]i fein Opfer, fonbem ein 

3ei(^en eined Dpferd; benn na(l)bem S^riflud flc^ geopfert, gibt ed 

unter 6t)ripen weiter fein Opfer; unb 9Weffe ober Slbenbmal, v^^ 

man 9Wcffe nennt, ifl ju feinem anbem ®ebrauc^, ald um an ben 

Zoh 6^rifli ju erinnern unb gewiß ju machen in ber ®nabe unb 

bem SBillen ®otted/' — Sluferbem werben Segfeuer, ©eelmeffen unb 

SegÄngniffe , bie Slnrufung ber ^eiligen, bie 33ilbett)ere^rung, bie 

SBaBfa^rten, bie SBei^ungm ber ®focfm unb ber Sreatur unb ber* 

gleichen anbered beuttic^ unb beflimmt t)erworfem Slnbere (Sinxi^f 



I 



XII. ®rönbun9 einer ei^angelifd^en (9emeinbe in 9lünftn, 153 

tunflfn, tt)fe Seichte unb SöÜbat, tvagt JRot^mann nur mit unHaren 
unb gweibeutigen SBorten aitjugreifen* „Dicienjgen, fagt er, beichten 
Ttdjt, mli)t i\)xt ©ünben erfennm unb, an fiel) t)eran)cifelnb , mit 
finem J&aß ber ©ünbc ju S^rifto iörc 3uflu(f)t nehmen; biejenigen 
ober m^mrn n)a^rl)aft gu (5t)ripo if>rc Sufluc^t, bic ftc^ eifrig bc^ 
Preben, itinm ffiorbilb flfricfef6rmia^ju_ttj.crbcnL unb. ^. fein." ,,gBic 
berienige fünbigt/ber etwa« ber f). ©cljrift juwiber gelobt, fo legt 
ber fic^ [elbfl bie gaUflricfe bed aSerberbend, ber bad gelobt, tt>a^ 
nid^t in feiner 9Ra(t)t fie^t; ein unerlaubte« ©elübbe aber ifi man 
befugt l^intanjufeften/' 

5. 

3)ae ganje SBerf war mit Serec^nung ber obwaltenben 93«^ 
l^ftniffe abgefaßt. 3)en äußeren ©otte^bienfi, an bem bie aSaffe 
iKK^ ^ing, fturjte ed nid)t grabegu um. 3Wcffe, 3:aufe, Kommunion, 
»richte, felbft bie e^eloftgfeit ber ©eiftlic^cn, fonnten, wie cd fc^ien, 
mit blefem ©laubendbefenntniß fortbefte^en. Slucf) bie @eremonien 
im aQgemeinen würben gewiffcrmaßen in (S(^u$ unb Dulbung ge^ 
genommen. Unb mit berfelben Se^utfamfeit tjermieb Slot^mann bie 
gewöhnlichen ro^en Singriffe auf ben ^abfi, bie römifc^e Äircfee, bic 
^apifien, unb ftcBtc bie Se^rc t)on ber Äirdjc in allgemeinen 2lud^ 
brfitfm ^in, oljnc bed bcfie^cnben Äirc^enregimcntd ju gebenfen. Sllle« 
biefed mußte ju ®unjien 9lotl)mannd wirfcn, bic Äraft feiner ®egner 
fc^w&c^en unb jur 93erme^rung feine« Sln^ang« bicnen, 

3)enn bie 2lu«brcitung feiner 8c^re unb nid)t feine 93ert^cibigung 
lifl bad aiugenmcrf ber ©c^rift. 5)cn ©tanbpunft, auf bem er »or 
tierje^n 3^gen ju flehen f^ien, ald er ben SRic^tcrfpruc^ be« ©ifcljofe 
anrief, feine ?ei^re unb fein £eben ber 5ßrüfung unb nai) Sefinben 
ber ffierbammung unterwerfen ju wollen erflärte, ^at er t)erlaffen. 
er fagt bieß beutlic^ in ber SSorrebe, welche flc^ an bie @eifilid[)en 
wn üRünfter unb ©. ÜRauri$ ricl)tet: weil i^m ba« H^rebigen t)crbo 
ten fei, fo fel)e er fic^ gcnöt^igt, ba« et)angelium mit ber geber ju 
»ertl^eibigen ; ni(f)t feine ^Rechtfertigung gegen ben SSorwurf ber ÄVfte^ 
rri, fonbem bic ^flicl)t be« Äampf« gegen bie 2äfterer ber !^cl)rc 6l)ri|H' 
gibt er ald Seranlaffung ber ©d^rift an. ©r legt fie jwar ben ®eip^ 
liefen gur ^Jrüfung \)or, aber nur, wie er fagt, im ©inn ^l^auli, bai^ 
mit n&mli(^ burc^ i^re Suflimmung bem @t>angclium SBcifianb gelei^ 
^et werbe. 2)cnn er weiß, baß feine Sebre (S^rifU £e^re ifi« ^ier^ 



154 drjlee Sdudf. 

gegen tciü ed ni^t^ bebtuten, ba^ er bem Unterricht feiner Srüber, 
wenn fte etwad bejfered aW er Iel>ren fonnen, tüit ein ge^orfamer 
©o^n fi(^ ju unterwerfen tjerfprlc^t. @r ift ftc^ tt>of>I bewußt, baß 
er in entfc^iebenem ©egenfaft ju ber firc^lic^en 2e^re fic^ befinbet; 
grabe bie ^auptarttfel, bte man immer in feinen $rebigten ald fe^e^ 
rifc^ bejetd^net ^atte, wieber^oU er aüt in ber @(^rtft, unb nirgenbd 
fpric^t er )>on Unterwerfung unter irgenb eine befte^enbe 3lutorit&t, 
fonbern nur t>on ^ampf unb SBiberlegung aud ber ^* Schrift. „2Bir 
glauben, l^eift eö am @c^(uf, baß bie @ä(e, bie wir ^ier aufgefleUt 
l^aben unb bie unfre bid()er{ge Se^re entl)a(ten, ber 3lrt finb, baß man 
fie woljl befritteln — benn wad ifl Ijeute t)or ben ©pöttern fieser — , 
nic^t aber fie wiberlegen fannj wer ed »erfuc^en will, ber foU erfen*» 
nen unb finben, baß nic^td fo ftarf ifl atö bie 3Baf)x\)tiU* 

dhi) mel)r a(d bieß* SBer bad ®(aubendbefenntniß aufmerffam 
lad, fanb (eic^t, baß ed grabeju bie ^riegöerHdrung bed Sapland 
gegen geifilic^e unb weltliche Dbrigfeit entl^alte* £)^ne bie ^ierarc^ie 
unb o^ne ben ©tabtrat^ ju nennen, in t)orftc^ttg ^9potl)etifcE)en ©a^ 
$cn, forberte er boc^ beutlic^ genug jur 9(uf(e^nung gegen beibe auf« 
„SBenn bie 93erwa(ter bed geiftlid^en 9{egimentd, fagt er, mit bem 
2Eorte ®otted regieren, fo muß man fic ^ören wie ©^rifium; wenn 
aber bagegen, fo muß man fid) »or ben falfc^en 5ßrop^eten ^üten 
unb ©Ott mel^r ald ben 3Renfc^en ge^orc^en." „3)er weltlicl)en 
Dbrigfeit foll man wie ®ott ge^orc^en, unb felbji wenn fte tijran* 
nifd^ beftef)ft, fte um ber Hebt wiBen ertragen j befiehlt fte aber etwad 
gegen ®ott, fo barf man i^r in feiner SBeife gefjor^en." ©e^r be^ 
beutfam fügt er (jinju; „Die ^^Jflic^t ber weltlichen Dbrigfeit ifi e6, 
allee JU fürafen, wad gegen bad SBort ®otted gefc^ie^t, unb für alle« 
Söfe, toa^ fte jutäßt, tragt fte bie 93erantwortung ; wiH fie für c^rijl^ 
lid^ gelten, fo foU fte bie fatfc^en 5ßropf)eten firafen unb bie aSerfü^^ 
rer nic^t im ®emcinwcfen bulben/' 

Xie ^tit foUte erji fpÄter fommen, in ber man ed wagte, ben 



§ 6. K 171. - MQ II. 7. 3^ glaube ben bort erj5^Uen JBorfaU in @. 
«ambert«fit<^e am fl^erflen in biefe 3cit gu fejen. — H 1190. — JDa« IDom* 
cctpM an ben ©if^of 1532 gebr. 15. 3»«. — JDet »ifd^of an ba« JDomcaj)iteI 
1532 Se^r. i6. SR«. 



XII. ^tänbun^ (inet et^an^elifd^n (Semeinbe in Vlünfttt. 155 

kDcUgreifenben €{nn biefer legten @A^e ind Seben gu Übertragern 
%ax iti}t begnügte man ftc^^ ba6 ®(auben6befenntni$ a(d ^artetjeic^en 
)u benu^en, an bem bie Slnl^änger ber neuen Seigre ftc^ ernennen unb 
für bad fte bie ®c^n)anfenben gewinnen fonnten* 3u biefem ^mä 
n>ucbe e6 "oon 3o^ann Sangermann in bie Sprache be6 9}o(fd uber> 
fe^t unb mit einer SSorre^ begleitet^ meldte jebermann gur fe(bß&nb{> 
gen $rufung unb gur @ntf(()eibung gtvif^en Stot^mannd £e^re unb 
ben äRenf^enfa^ungen aufforberte* 2)arauf würbe eine SSittfc^rift 
^nifgefe^t unb bem fRati) übergeben^ n)orin man bie @r(aubnip be^ 
ge^rte, fic^ gu biefem ®(auben ungel^inbert befennen gu burfen* !X)ie 
Sbftc^t ber ^Sartei ging barauf ^in, bad Stedit.gur SBi(bung einer 
(Bemetnbe auf ®runb be6 t)orge(egten @9mbo(6 gu erlangen unb 
Stot^mann a(d i^ren orbentlidien $rebiger gu berufen* 

SBergebend fe^te n)&^renb beffen ba6 !Domcapitel feine 93emul^un<' 
gen fort, um ben 93ifc^of gur (SrfuUung feiner $fli(^t gu bewegen* 
SBobC f(i)i(fte berfelbe, um ber gorm gu genügen, nac^ ber tiUln 
Unter^anblung mit Stot^mann ein (Schreiben an ben Stat^, worin er 
mit Berufung auf ben 3(ugdburger 9tei(^6abt(()ieb bie Entfernung bed 
Saplan^ aM ber @tabt t)er(angte* Slber a(6 bief, wie t>oraudgu^ 
fe^en, erfo(g(o6 blieb unb t>on neuem ba6 Sapitel il^n befdiwor, bie 
@efai)r, bie ber gangen £anbfc^aft aM biefem ^Beginnen bro^e, a(d 
Sanbe^l^err gu erwägen, befam ed gur Slntwort, ber 93if(^of ^abe be^ 
rett^ burc^ 93riefe unb SSefc^idung aUe^ erbenfiic^c t)orgewanbt, fie 
möd^ten i^m einen anbem 2Beg geigen, auf bem er oE)ne 3IufruI)r unb 
®efa^r biefen ^anbel fct)lict)ten fönne* 2)amit legte er bie §änbe in 
ben 6(^00$ unb fa^ bem weitern 9}er(auf ber ®a(()e ruf)ig gu* Der 
Stabtrat^ aber, o^ne SIu6{t(^t auf (anbe6^enli(^e ^üife, ba^ Sc^recf^r 
bilb eined Slufru^rd Dor Slugen, ben er gu bewältigen t)ergweife(te, 
wagte nic^t, mit @ntfc^iebenl)eit ber ^^^artei entgegengutreten, bie yti^t, 
nac^bem mehrere i^rer t>omel^mflen ^äupter aud ber Srembe gurfi(& 
gefommen, entfct)Ioffener aW früher il)re gorberungen fieHte* Sr l^atte 
gwar fein Stecht, bie (Snic^tung einer et)ange(ifc^en ®emeinbe gu be^ 
kotUigen, unb wa^rf(i)einli(^ ^at er fte auc^ nic^t förmlid) genei^migt, 
ober a(d bie ®emeinbe wirHic^ gufammentrat unb Stot^mann al^ 
$rebiger berief, unb a(d Stot^mann ftc^ an ben Stat^ wanbte, fic^ 
f&c t)erpftic^tet erHärte, ber göttlid^en SSorfe^ung unb ber 93erufung 
gum $rebigtamt gu ge^orc^en unb bie obrigfeitiic^e @r(aubni$ gur 
9bma^mt bed Siufd begel^rte, benal^m fic^ ber 9iat^ in einer 9EBeife, 



156 (Srfle« Sdnä^. 

fcaf ber (Kaplan fp&ter bel^aupten tonntt, er ^abe tDirHid^ bie «»er^ 
langte . ©ene^migung erl^altem 3c^ barf nic^t unewä^nt laffen, baf 
biefer Schritt von ber ^Partei, gewif nic^t abpct)t6lo6, in ble ^tit 
\>ttUQt wm\)t, wo bie neue Siat^dmal^I bet)orf}anb unb fomit Slnje^en 
unb Äraft ber Dbrigf eit fc^wac^er aW JemaW war» 3)er 1 9» gebruar 
toax ber Slag ber 2Ba{)L auf ben 18*, eifien Sonntag, beriefen bic 
®)angeltfd)en t^ren ^4Jrebiger, bie erfie ^^J'^ebigt ju ^altern 8luf bem 
8ambert6firct)^of erwartete i^n bie üRenge, er prebigte auf einer f)bU 
Jemen itanjel, bie man »or bem 55ein^au6 enic^tet l^atte» 8lber nur 
einige !£age begnügte man ftc^ I)iermit, bann brang man bem Pfarrer 
ben @(()Iüffe( jur Sambertdfirc^e ab unb geleitete Slot^mann in bie^ 
felbe hinein* 93ergeben^ fiieg ber alte S^imann gu i()m hinauf unb 
fhitt auf ber Äanjel mit feinem ehemaligen ©d^üler unter lautem 
®elÄ(^ter ber ^\xi}ixtt\6)aft : er mußte juleftt weichen, unb feitbem 
war bie Äirc^e für bie etjangelifc^e ©emeinbe errungen» 3)er ÜKann, 
ber t)or fec^d SBoc^en nod) jlc^ gegen bie Verbannung au6 bem Stift 
SRunfler füraubte, fc^ntt nunmel^f täglich au^ feiner SBo^nung im 
ÄrAmergiIbcf)au6 gu feiner Äirc^e, ber anerfannte ?ßafior ber »orne^m^ 
Pen 5l}farre bed Sanbed, ©c^on ^atte er anbre !Diener am Sßorte ju 
feiner Seite, 93ririu6 tl^om ?Roirbe, ber t)orbem be6 Sut^ertl^ume \)aU 
ber feine Saplanei ju 93überic^ I)atte t)erlaffen muffen, unb anbre 
mt\)r. SWit i^nen orbnete unb regierte er feinen neuen ©ottedbienfl, 
tict)tete 5;aufe, Slbenbmal, ?Prebigt, ®efang nac^ feinem SHJiflen ein» 

7» 

3)a feine ber beiben ^Parteien bie abfielt ^atte, jtc^ Ui biefem 
Stanb ber 2)inge ju beruhigen, fo bauerte ber Streit mit ungefc^wät^^ 
ter ^eftigfeit fort, SSon ber itanjel unb im tfiglid^en ®efpräc^ würbe 
Stot^mann unb feine Sel)re angegriffen; er bagegen betl^euerte unauf^ 
]^ör(i(^, fein £eben für bie SBa^r^eit einfe^en }u wotten, unb erflarte 
pd) fortwäbrenb gur IDidputation auf ®runb ber l^eil* Schrift be«" 
reit, ^an wied barauf ^in, bap immer nod) feine 9Biber(egung t)on 
Stot^mannd ®(aubendbefenntnif erfc^eine unb niemanb i^n unb bad 
SBort ®otte6 gu überwinben ftc^ getraue« Sichtbar lag ber SSort^etl 
im Äampfe auf Seiten ber (5t>ange(ifc^em 2)ie Keu^eit be6 ®otte6i^ 



S 7. S)ie Statthalter an ^taU steiget 1532 9ipt. 5. mfl. unb bie 9lcUm 
%&dt ter fclgenten 3Ht. 



XIII. IBtfc^of (Sri^. 157 

bitnftt^ ttnb ber Stetj ber Slufregimg (odte bie ÜRenge ga^Ireic^ m bie 
iambttt^f\xd)t , n)o bie polemifc^en ^Srebigten äiot^mannd unb feinet 
®el^ülfen bem 9RipDergnugen, mli)t^ bie ^Bürger fo lange gegen bie 
ölte Drbnung gel^egt Ratten, fietö frifc^e SRa^rung gett)ä^rten» 3laä) 
furjer 3(it umfapte ber Sln^ang be6 9teformator6 ben gröperen Si^eil 
t>on ®i(ben unb ©emein^eit, DIberleute unb ÜKeifierleute fielen offen 
bem ©oangelium gu, bie ÜKünfterfc^en Schriften unb bie lut^erifd^en 
Sieber »erbreiteten jic^ in bie fleinen ?Rac^barfläbte unt ben)irften ju 
lefgt unb anberdtt)o SSerfuc^e ber ?Racl)al^mung ; balb f^offte bie^ßar^ 
tet, in allen ?Pfarren ber ^auptflabt bie ^enfc^aft gu beji^en» 

2)ie Äatl^olifen hingegen toaxtn nic^t ber üReinung, ben SSerluji 
ber Sa^mbertdfirc^e a(d t)onenbete Xl^atfac^e ^ingunet)mem !Der bi6^ 
^erige (Srfolg ber Sut^erifc^en, nicht ol)ne S3eimifc^ung t)on (SmalU 
famfeit errungen unb t)on mancher Ungebühr; bie n)ir im eingelnen 
nif^t fennen, begleitet^ toat tod) nur burc^ bie Surc^t bed @tabtrat^d 
unb imd) bie Unt^ätigfeit bed Sifc^ofd möglich gen)e[en* 3lod) toa^ 
ten Dbrigfeiten unb ©tänbe beö ©tiftd fatt)olifc^, unb mnn bie 
(SintDirfung ber 2)oml^erren bid^er burc^ ben ubien äBiOen S^icbric^^ 
geläl^mt n)orben; fo burfte man n)o{)I t)oraudfe^en; baf fie bie äBa^l 
bed 9{ac^folgerd nic^t o^ne audbrüc((ic^e Stücffic^t auf bie et)ange(if(^e 
@acl^e nourben t)ot(gogen ^aben* Sluf biefen richtete ftd) ie^t bie aÜ^ 
gemeine (Srtoartung. 



XIII. 

9*adf)bem ©ric^, ber im 3)ecember »orWuftg gewählt tt)orben xoax, 
in ben btei folgenben SWonaten ben JReft bee nöt^igen Oelbee auf# 
gebracht ^atte, legte griebric^ t>on SBieb am 24* SRarg 1532 in ber 
6acrifiei ber ^fartfirc^e gu SBeme bie bifc^öflic^e SBürbe nieber unb 
»erlief leichten 9Rut^ee bae 8anb, für ml(i)t^ er feine Siebe füllte* 
Cr nalim Slbfc^ieb t)on feinen Maserigen Untert^anen mit ben gleic^^ 
gfilHgen SBorten: ,/}tm ge^e id) fort, ber griebe fei mit euc^/' 



I 1. NQ I. 326. — K 173. — ^eobot UUn. 



A 



158 Chfle« IBud^. 

9tod) 27 Sa^rc lang lebte er gu SBonn aW ßolnifc^er 3)omfuPer, 
aber SBeßfalen ^örte nic^td weiter t)on i^m^ atd etn)a tie ÜRa^nung 
an bie S^i^lungdfrifien bed Sa^rgclbd, ba6 in ben folgenben fc^weren 
3al[)ren nic^t feiten über bie 3^'* ausblieb* 

2>rei ZaQt taxmi) n)urbe &xi6), ^erjo^ ton 93raunf(^n)eig^ 
®rubenbagen, Sifd^of t>on $aberborn unb Odnabrüd^ einftimmig 
3um SBifc^of t)on SRünfler em^a^It* 

2* 

üRan fonnte boc^ einigermaßen gweifeln, xt>tli)t ©teDung er gu 
ber etjangelifc^en ©emeinbe in SWünfier »erbe einnef)inen wollen. 
3>ie ^tit, tt)o er fi(^ fhreng firct)lic^ gel)alten, mit feinen Saplanen 
bie ©egeiten gelefen unb alle Sonnen pünftlic^ beobad)tet ^atte, war 
l&ngfü t)or6ei^ unb feine Untertl^anen^ bie i^n mit Sanbgraf $^ilipp 
^äupg tjerfel^ren fa^en, ergA^lten jtc^, ber ^effe ^abe i^n gur Äe^erei 
»erfuhrt. 9lun waren e6 allerbingd urfprunglic^ politif^e 9lü(ffid)ten, 
bie i^n mit ben Häuptern ber et)angelifc^en @tanbe/ mit €a(()fen unb 
i^effen, t)erbanben. ©c^on gu einer 3^i*/ <^l^ bie ©(Reibung ber 93e^ 
fenntniffe noc^ nic^t auffallig l^ert)orgetreten war, im 3a^r 1522, be^ 
müßten jic^ griebric^ t)on ©ac^fen unb ber Sanbgraf, wö^renb @rg*^ 
bifc^of ^ermann für feinen SBruber warb, bie ©timmen be6 5!Rünfier^ 
fc^en Sapiteld für (Srid) gu gewinnen, unb wenn biefer feitbem ni(i)t 
ablief t)on ber Sreunbfdiaft beiber ^aufer, fo fonnte er mit gutem 
gug auf bie politifc^en 9Jortl)eile binweifen, bie i^m biep SSer^&ltniß 
brachte. 2Bie t)ie( i^m ber 6l)urfürfi 3ol)ann Don ©act)fen nü^te bei 
bem j(auf Don SRünfler, ^abe id) erwal)nt ; auc^ ber Sanbgraf bet^ei< 
Itgte fic^ bei biefem @reignip burc^ ein gürfc^reiben an ba6 Kapitel; 
Reffen war ed, bei bem ber 93if({)of $ü(fe na^m in ber ®efal^r ^oon 
1525. Slber, ob er nun feine fatl}olifc^e ®eftnnung wal[)r]^aft in ba6 
®egentl[)eil änberte ober {ie ber et>angelif(^en greunbf(|^ft opferte, ober 
ob er ed nie ernßlic^ mit ber Jtirc^e unb feinem Slmt gemeint l^atte: 



§ 2. Struuck 42. 55. 58. 62. 105. 164 u. a. D. — Zf^tehet Sitten. -- 
ISanbgraf ^Wipp an ba« ^ümtüpM von 9lmfitx 1522 ffloi». 9. 69. — (S^utf. 
grirbrid^ ))on ©ad^fen an <&rrgog 9WPP ^on I93raunf((n>eig 1522 9lo9. 9. Sß9l. 
— ütanfe IDeutfc^e ®ef(^. im Seitalter btt (Ref. 3. Sudg. III. 138. — ttommel 
®ef(^. i9on Reffen, f. o. (^ap. V. § tl. — ^ad)tidft ))cn bem Xot Sontab« Mn 
bem Sttibtx^t unb ber fQalfl unb dinfü^rung dric^d in D^mbtüä* C9l. — 
&Au 10. 



XUI. UBifd^of (Sfrid^. 159 

fo \>M {p ituüid), baf feine Sejie^ungen gu ben befben gürften über 
ble ©rmjen ber ^^Jolitif l^mübergriffen* So »ar it(ct)t fat^olifc^, baf 
er bei ber berfifemten 5ßrotefiation t>on 1529 fld) auf bie Seite feiner 
politifc^en greunbe fieUte, nnb nod^ weniger gejicmte e6 ftc^ für einen 
53tfd)of/ bei ber S^rauung ber ^effifdien ?Ronne mit bem Orafen t)on 
Xeflenburg «W 3euge gu bienen* 3m ^inblid auf biefe SSerlidltniffe 
iiKiren bie SJRünfierfc^en ©)angelifc^en tt>c\)l gu ber Hoffnung berec^^ 
tigt, ber neue Sifc^of »erbe i^nen biefelbe Schonung n)ie ber abge* 
tretene tt)iberfa^ren faffen. 

auf ben cntgegengefeftten Oebanfen geriet!^ man, wenn man 
t)on eric^e auswärtiger ^oütit ab^at) unb nur fein SSer^alten aW 
Stegent ber i^m unterworfenen Sänber in6 8luge faf te» 3)enn infoweit 
feine ^onblungen Verwaltung unb ^jJoligei betrafen, fonnte niemanb 
tntfi^iebener aI6 er bae 8lnfel)en ber Siixift t)ert^eibigen* 2luc^ l)ierin 
^at vieOeic^t, wie in feinem ^xvoatUhm, mit bem (Sintritt ber (ut^e^ 
rifi^en Bewegung in 2)eutf(^Ianb eine 93eränberung fiattgefunben ; 
menigßend würbe er fc^werlic^ noc^ gu ber S^it, a(6 er felbfi bad 
©rroier wegwarf, gum frommen feiner 2)i6cefe eine neue ausgäbe 
ht^ Sreioierd t)eranfiaUet unb feinen ©eifilic^en ben gefeftmäpigen 
9thxaviä) beffelben eingefcbärft ^aben* SIber bie SSerfuc^e ber toan^ 
gdifc^en ^Jartei in ben @t&bten ^atte er bi6 gum (e^ten Slugenblicf 
nieberge^alten, unb überaO, woI)in feine ^ai)i reichte, bem ®ebot 
ber getf)(ic^en Cbrigfeit ®e^orfam «»erfc^afft* 9}oc^ war nirgenbd in 
(Sridbd Sanben bie Silbung einer e))ange(ifc^en ©emeinbe t)erfiattet. 
tporben* 

SBir wiffen gu wenig »on @ric^d geben*, um über ben tiefem 
0runb feiner ^anblungen ein ftc^ered Urt^eil ^u6fpre(i)en gu fönnem 
SlHetn fe^r wa^rf(^ein(ic^ if) ed boc^, baf i{)m gleid^ anfangt bet 
Offic^tdpunft ber fürf}(ic^en Wlad)t M ber t)omeI)mf}e unb faß ber 
ringige gegolten, unb bap er gu bem ^mä i^rer @r^a(^ang unb Sludi^ 
be^nung bie bequemen 3Ritte( ergriff, o^ne t)iet um i^re innerliche 
Utn>ere{nbarfeit flc^ gu befümmem* nrfprünglic^ ein ^aberbomifc^ 
2)om^en, war er burd) bie ®unfi gweier Sapitel fafi gu gleicher ^tit 
Stfc^of t)on D^nabrücf unb ^aberbom geworben* ®egen ben SBiOen 
ber Bürger: wenigftend war in Odnabrücf bae 93o(f, welches ®raf 
Sodann )>an bem Stetberge gum ^erm woQte, bei ber SSerfünbung 



160 Qhfiu ^nä). 

)>on &id)^ 3Baf)l fogar gur t\)atUi)tn 9Rif i)anb(ung ber 2)om^erren 
gefc^ritten* 2)ie ®nabe 3u(iud II. unb ber 3R&d)ttgcn am r6nitfd)en 
^of f)atte er ftc^ n)ä^renb perfon(id)er SInn)efen^eit gu 9iom in feiner 
@tubiengeit ermorben: er gebraudite fte, um bie pabßlic^e Srlaubnif 
gu gleic^geitigem 93eft^ gn)eier ^idt^umer gu er(a^gen, unb gen)if 
no(^ gu mand)en anberen iDingen* !t)arum ben)ied er ftc^ fortan M 
tätiger Sreunb be^ $abfie^ unb ber @apite(; ^ie(t bei bem @treit 
jlaifer üRarimiliand mit 3uliud gu ber päbftiic^en ^43artei unb fc^eute 
jtd) nic^t^ bie ol^nmac^tige 9{eic^6ac^t auf fein ^aupt gu laben, er^ 
tt)irfte für bad Ddnabrücfer ßapitel ba^ erfe^nte Statut, mlä)c^ bie 
Slufna^me bürgerlicher 2)omt)erren untcrfagte unb bem 2lbel ben Sltlein*^ 
beft^ be^ ^öd)^en dicdjM \m gu ^J9{ünf}er unb ^iaberborn gen)at}rte. 
3ug(eic^ aber pflegte er bie S^eunbfc^aft mit ben mächtigen norb^ 
beutfclien gürficn, bie itfn t)or ber Übergreifenben 5ßolitif ber SBoIfen^ 
bütteler Sinie ftc^erfiellen fonnte* 3l(^ nun fpüter bie religiöfe Se^ 
ivegung i^m bie SQBa^l gwifc^en ^ßabfi unb et>angetifc^en greunben 
aufbrang, entfc^ieb er ftc^ gn)ar für bie le^teren, bie il^m tnic^tiger 
toaxtn, \)üutt fid) aber \>ox offenem 93rud) mit ber ©egenpartei unb 
fuc^te, t)ieneid)t grabe bed^alb um fo eifriger, ben Sorberungen ber 
IDom^erren burc^ feine innere ^-ßolitif gu entfprec^en» 3)enn er be^ 
burfte il}red guten SBiOend. Sluper ben allgemeinen 93en>eggrünben, 
bie i^m tin gute^ @int)ernel)men mit bem geiftlic^en Slbel ber Stifter 
empfahlen, toitttt nod) indbefonbre auf feine Haltung ber ©egenfa^ 
ein, in bem er ftc^ t)om Slnfang feiner 9tegierung gu ben eigenwilligen 
unb aufjhebenben @täbten befanb, bereu SRagifhate er in 33er^anb^ 
.lungen, beren Bürger er fogar mit ^eere^fraft me^r ald einmal gu 
befämpfen ^atte. Ueberl^aupt fehlte e^ i^m nic^t an Seinben. 3Benn 
gleich t)orrt(^tig genug, um bie ©elegen^eit gur Se^be fafi burc^aud 
gu ^oermeiben, gab bod) gum 93eifpiel bie SIrt, in welcher er bie Siechte 
feine6 bifc^ößid^en @prengel6 ausübte, felbft bem friebliebenben iEltoi^ 
i^tn ^ergog Slnlaf gu Jllagen* Unb gumal feine Untert^anen 
murrten unb feufgten über bie ungen)o^nli(^en Sc^a^ungen, bie i^nen 
M 93if(^of^ Steigung gu fürfilic^em Sluftvanb, feine @c^lopbauten gu 
9Ieu^aud unb 3burg, feine fofibaren Sefilic^feiten auferlegten« „@r 
1)ai bie Jtlofier in biefem SSidt^um fe^r befdiwert/' fc^rieb ber 3lbt 
t)on SKarienmüttjier in fein iagebuc^, „®ott t)ergei^e ed i^m»" 
,i6tift D^nabrütf ^at Stift SWünfier faufen müjfen," fagte ein tabetn^^ 
ber So(r«fpru(^* 9luf nA^erfle^enbe machte aOerbingd @ri(^^ SBefen 



XIII. <Bif(^of (Sri(^. 161 

finen flfinfHflerfit ßinbrurf, SBcfonberd ber Sburger SWönc^ 3;^eobor 
SiKen ifl feinet Sobcd t)otl, tal)n\t bic t)(e(en ©aben unb ®naben mit 
tpefc^en ®ott i^n flffeflnet ijabt, feine beilfame Strenge, bie Oercc^* 
tiflfeit ble er o^ne önfe^en ber HJ^rfon übte, ben barmherzigen @d)uft 
bfn er ben Slrmen imb ^ä)\r>ad)m Q^\x>af)xU, feine ganje Hugfinnige, 
tojjfere, ^audt)äterlid^e Regierung* einem Slbler unb Sowen tjergleic^t 
fr t^tt, unb Hagt mit treuem Srnji, bap man ben ^o(f)Iöblid)en 
gürfifn nac^ feinem 2;obe nic^t in befferem Slnbenfen ^a(te, Slber 
aO biefc ßigenfc^aften überl|oben ben SBifd^of nic^t ber 9lot^tx>enbigfeit, 
jicft im 8anbe ben freiwilligen Seijlanb einer anbem @malt ju be^ 
»af)ren: bie t>ornef)mjite Orunblage feiner ^enfd)aft war gewif 
n>cber fein fürftlic^eö SRec^t noc^ bie geringfügige ©ruben^agifc^e 
^audraac^t, fonbern ber forgfam gepflegte S3unb mit ben Ddnabrucfer 
unb ^Paberbomcr 2)omt)erren* ®anj bemfelben ®runbe \)erbanfte er 
augenf(i)ein(ic^ je^t ben SBerift bed britten »iet^umd* Slie bie 9Bie/ 
bifc^en 93rüber auf ben SJerfauf be6 Stiftet backten, berecl)neten ftc, 
ba^ nic^td bef[er al6 ßric^d 93ett)erbung baju bienen werbe, bem 
SRünfterfc^en @apite( ben ^anltl anne^inlic^ ju machen 3 bie 6tabte 
bagegen waren fo wenig in biefem @tift al^ in ben beiben übrigen 
bem neuen ^errn gewogen» 

3)en 6t)angelifd)en in SÖlünfter fonnte biep aSer^ättnif Sric^d ju 
t^ren ^auptfeinben Weber unbetannt noc^ gleichgültig fein, aber ed 
fd^eittt, bap fie ben ßinfluß M Sanbgrafen ^öl)er anfd)lugen, unb 
»ielleic^t wurb,en fie burd) 9lac^ric^ten , bie wir niet)t fennen, nod^ 
me^r in bem ®efü^l i^rer ©id^er^eit beftarft* aBeuigftenö finben wir 
nic^t, baß bie a3Bal)l beö neuen Sifc^ofe einfc^üc^ternb auf i^r SSer^ 
^Iten eingewirft l)abe» Sin S3rief ber ©tattl)alter, ber einige 2:age 
nac^ ber SEBa^l eintraf unb bie Bürger mit milben SBorten t)or 2luf^ 
ru^r unb Steuerung warnte, jum ®et)orfam gegen ben 9lat^ ermaf)nte 
unb auf bad abfc^recfenbe S3eifpiel anberer @täbte in ber gerne unb 
in aOBeftfalen ^inwieö, machte feinen ®nbrud» SBeit entfernt, ber 
gurc^t 3iaum jU geben, fam 5Rotl)mann t^ielme^r ben ju erwartenben 
Schritten bed neuen fianbe^^errn gutjor, fc^icfte im (Sinverftanbniß 



§ 4. K 174 sqq. — SBittfc^rift ber ©cmeinl^fit an DlbcrUutc unb ©ilbcmci^ 
ftit, 1532 9ipxii 16. K 176. 

üomtUüi, «ufnt^r in SRünfier. I. 11 



^^ 



162 drflea 8ud^. 

mit brr Partei t^m fein ©lauben^befcnntnif gu unb fugte ^ n>ie ge^ 
ttjo^nlid), ba6 Slnerbieten l^inju, feine 8e^re mit ®efa^r be6 8eben6 
t)or bidigen äiic^tern t)ert^eibigen ju woUen. 3a man xcai grabe 
ieftt ffi^n genug , bie et>angelif(^en gorberungen auf6 ^6d)fite ju fpan* 
nen unb bie ^enfc^aft ber neuen Sel)re über bie ganje @tabt in Sln^ 
fpruc^ gu nehmen» 8lm 16. 8lpril rid)tete bie ©efammt^eit t)on 
©Üben unb ©eiuein^eit ein Schreiben an DIberJeute unb üReifter-- 
leute^ n>orin j((age gefuf^rt würbe über bie ärgerlichen unb für bad 
®emeinn)efen gefal^rbro^enben religiofen ©treitigfeitem 8luf ber einen 
©eite fle^e Siot^mann, ber bie et^angelifc^e Sa3a^rl)eit t)om ©c^mu^ 
ber 9)tipbr&u(()e unb 3rrt^umrr gereinigt unb in6 Sic^t gefteltt f)abe 
unb nun in ^^rebigten unb ©(i)riften immerfort ftd) anl)eifc^ig mac^e, 
feine Seigre ju t)ert^eibigen unb mit bem Äopf für jte cinjujie^en ) auf 
ber anbern ©eite munfle man ^eimiic^ unb prebige öffentlich gegen 
l^n, aber niemanb wage, mit ber ^. ©cl)rift gegen i^n aufjutreten. 
Olterleute unb äReijlerleute folleu bie ©ac^e an ben 9iat^ biingen 
unb \\)n aufforbem, baf er bie ^ßrebiger gwinge, enttt)eber mit offene 
barer ©c^rift Slot^mann gu wiberlegen, in n)e(ct)em gaK biefer nic^t 
allein fct)tt)eigen, fonbern auc^ bie ©träfe, ber er t5on freien ^ixadtn 
ftc^ unterworfen, erleiben möge, ober i^rerfeitd JRot^mannd 8e^re felbfi 
angune^men unb barnact) gu lehren. !l)enn folang, fagen fte, bie 
5ßrebiger gegen einanber fmb unb ba6 SSoIf verwirren, fann nic^t 
griebe noc^ Sintrac^t befielien: bie falfc^e Se^re ift e6, t)or ber und 
6l)rifiud unb, fepen fte fpöttifc^ l^ingu, bie faiferlic^en ©biete unb 
ber ©rief ber ©tatt^alter warnt, wir aber begehren nic^td, aW aller 
falfc^en ?et)re lebig gu werben. SWüffe man gum Urtl)eil gelehrte 
SWanner rufen, fo fönne ba6 auf Äofien ber SBflrgerfc^aft gefcf)el)en. 
2)iep war bie Antwort, weldje bie ©oangelifc^en auf bie 5Wa^:f 
nung ber ©tatt^alter gaben. Dlberleute unb SWeifierleute entlebigten 
fic^ i^red auftrage. »or bem 5Rat^. aber e^e ber ©c^ritt weitere 
golgen ^aben fonnte, eröffnete Sricl) felbfi bie SSer^anblung mit feiner 
$auptf}abt. 

■ 

5. 

ein bifc^öflic^ee ©einreiben t)om 17. april an 5Rat^ unb ©iir^ 
flerf(f)aft brachte gur ©prac^e, bap ein gewtffer JRot^mann gu ©• ÜRaurift 

§ 5. 2>er S3ifdi>of an ©tabt SWunPer, 1532 STpt. 17. K 178. — «nttoort 



XIll. mdfofdxiäf. 163 

ft(^ grgen iit alte Steligton erl^oben unb ba6 9}o(f m Snt^uin ge^ 
leitet/ gegen ba6 SBertot S3if(i)of griebri(i)6 im ^ßrebigen »erharrt imb 
nai) Sluf^ebung bed ®eleitd fid) in bie @tabt begeben, bort bem 
flug^burger 9ieic^dabf(^ieb gutviber unb in ^Dtifac^tung feiner gefe(^ 
Kdjen Obrigf eit fic^ in bie Üambertefirc^e eingebrängt, Sfeuenmgen 
gelehrt; ßeremonien unb ©efÄngc »eränbert ^abe, worauf ein großer 
Zl)äl ber 9ürgerf(i)aft ber (^rifilidjen Sintrad^t unb ben Steid^dgefe^en 
jmDtber ber gottfofen Steuerung beigetreten fei. WHit freunblic^en 
^Sorten ermahnt ber SBifc^of bie Stabt, bie altt 9le(igion unb i^re 
@ebrÄU(i)e bei jube{)alten , ben aufrubrifcben ^-Prebiger abiufd)affen , bad 
unruhige SSolf ju jügeln, unb bid ju fünftiger ©rric^tung einer be^ 
frimmten 5firc^enorbnung alle Neuerungen abjuioe^ren , unb fcblieft 
mit ber 2)ro^ung, taß er im %aü i^re6 Uuge^orfam6 fi* bie feinem 
9lmt unb bem Steid^dabfc^ieb gemäßen @(t^ritte t)orbe^aIte. 

3)ieß ©(^reiben tfattt jur golge, baß diattj, DIberleute unb Wltu 
flerteute bem JRot^mann befahlen, fein *4Jrebigen einjufiellen, unb 
überhaupt flc^ ber Sßiberfianb gegen bie @t>angelif(^en fiärfer er^ob. 
aber ber ^4^ebicant unb fein anl)ang verloren ben SWut^ nict)t. 9lot^* 
mann erflärte, er habt bem Sifc^of über feine Se^re Sledjenfdjaft 
eingefanbt unb noc^ feine 3lntn)ort erhalten, einftn>eilen n>erbe er alfo 
mit jprebigen fortfahren, 3"gl^i4) richtete er an ben 93ifc^of einen 
neuen S3rief, in bem er bie ermähnten Sefc^ulbigungen abkt)ntt, über 
SJerleumbung Hagte, aber gwifdben bem 95ifct)of, bem er bad ^od^fie 
ißertrauen wibme, unb ben 33erleumbern, bie i^re SSebauptungen erfl 
3U betDeifen Ratten / forgfdUig unterfc^ieb. IBom ^rebigen, fügte er 
^injU; fonue er nic^t ablaffen, ebe man nic^t burc^ unüberminblicbe 
@runbe \i)n überführt ^abe, benn ®ott muffe man me^r a(^ ben 
9Ienf(^en gel^orc^en. Sänger bauerte ed, bid bie 55ürgerfct)aft ju einem 
(Sntf^Iup fam^ met)rere Za^t n)äf)rten bie 93erfamm(ungen ber ®e^ 
mein^eit, fo baß ber Sifc^of burd; ben iDrofien t)on 3burg bie @tabt 
erinnem mußte, baß er eine Slntn^ort t«on i^r enoarte* !Dod) enblic^ 
fiegte Äotlb^w^^nn* 8lnl)ang* !Dad Schreiben, weldjeö bie ©emeinbeit 
am 28« 9lpri( bem 9tat^ überfcbidte, t^iedeid^t au6 9iot^mann6 eigner 
geber gefloffen, fiimmt gang in 3;on unb Sluffaffung mit bed ^prebi^ 



te« Start« a^Jt. 18. K 179. — (Wortmann on Un S3if(tpf «pr. 19. K ISO. — 
IDie (Sfemcin^cit an ben fWart- ^P^- 28. K 184. — 2)« (Hart nn tcn «ifc|>üf 
9lM 2. K 186. — JDer »Ifd^of an tcn ^aifi, o. 3). K 187. 



164 drM 18u(^. 

cantcn SBricf oberem. 2luc^ jie unterfc^eiben g\vifct)en bem SSifc^of 
unb ben aSerleuinbem imb befd)n>eren jt(^ über bic unwurbige SBeife, 
in mldjtx ba^ ®ct)reibeu bed t)on ben geinben ber Sa3al)r^eit ^inter^ 
flangenen 55ifd)ofd i^ren trefflirf)en unb gelehrten ^ßrebiger unb fie 
felber be^anbJe» Sie troflen jic^ falbungövoU mit Sl)rifti Seifpiel, 
bcr tt>ie jie t>on feinen geinben ein 3lufru^rer gefc^oUen worben, ob^ 
gleich er ter griebe felbfi gewefen. 3^r 93erbrcc^en fei fein anbreö, 
aW ba^ fie bic 2)inge, tt)elc^e i^r Seelenheil betrafen, mit unablaffigen 
Sitten bei bcr Dbrigfeit betrieben unb bic SJerljerrli^ung bed wahren 
®ptte6tt)orted, welc^e^ 9{ot^mann le^re, burc^ bed Statte« Seiftanb 
6eget)rt l)dtten* @ben fo wenig fonnc il)nen juni Vorwurf gereic^cn^ 
bap fie m6) ^^Jauli ®e^eip ju ®ottee (S^re unb gur ©rbauung t)or 
unb nad) ber ^^Jrebigt einige bcutfc^e Sieber fangen» 2)arum erfud)en 
jie ben 9lat^, i^rc aSertf^eibigung bei bem Sifc^of ju führen unb ben 
bödwifligen SSerleumbungen ein @nbe ju machen. Diefe^ Schreiben 
f(()i(ftc ber Siatl) am 2. ^ai an Qxii) ab, melbete i^m gugleic^ 
9{ot^mann6 äßeigerung, bem ®ebot gemäp i'on ber ^4}rebigt abgu^ 
{te^en, unb beutete mit n>enigen bunfeln ^Sorten an^ baf man nid^t 
oftne be^ 33ifc^of6 SBeijianb ber Bewegung ÜKcijier werben fönne» 
Jturg barauf langte (Sric^d Siücfanttoort an, in welcher bie Untere 
fc^eibung jwifc^en bem 93ifc^of unb ben angeblichen SSerleumbern 
gurü(fgen)iefen, bie SBefc^ulbigungen gegen SRot^mann unb feinen 3(n^ 
^ang mit derberen SBorten wieber^olt, iijt neuejie^ 93cr^alten al^ 
anmapli({)er 2^ro( begeic^net, unb gum €c^lup mit (Srma^nung, Sitte 
unb Drohung noc^mald barauf gebrungen wirb, Stot^mann unb bie 
übrigen $rebiger, namentlich einen gewijfen Sririu6 t^om 9ioirbe, gu 
entfernen unb bie alten Äirc^engebraucl^c wieberf^ergufteöen. 

6- 

(Sd waren allerbingö nur Sßorte, unb nic^t einmal bie ftrengfie« 
aOBorte, bic ber S3ifcl)of bid je^t gefproc^en l)atte; aber bie @ile, mit 
welcher er breimal furg hinter einanbcr jicl) an bie £tabt wenbet, 
geigt bie ernfte Slufmerffamfeit, bie er ber ©ac^e wibmet. SßirgWeifeln 
nic^t, baf er bic üRünfterfd^en Dinge ungefäf)r in biefelbe 5Reit)e 
fieflte mit bem Slufru^r, ben er fc^on gweimal früher, in iJJaberborn 
unb Dönabrücf, gewaltfam unterbrürft l)atU, unb bap er bei länger 
rem geben and) gegen bie britte ^auptjiabt bie außerjien 9Kittel er^ 
griffen ^aben würbe. 8lber e^e noc^ gric^ bie pab^lidjt Sejiatiguna 



XIV. IDet et^anael. aufruft in ä^ünßer, D«na6rü(f u. ^^aberBorn. 165 

erhalten unb bie 9tegierung be6 ®ttft^ formltc^ übernommen f^atu, faum 
ftcbm SBoä)cn md) feiner SBa^l, raffte t^n ber 2;ob hinweg. (St 
ftarb am 14. SRai auf 6d^(op ^urfienau im D^nabrücfifdien, p(6^^ 
(ic^ unb o^ne Hranf^eit^ nac^bem er bei einem ®elage ftc^ über 
®ebAi)r am SBein erfreut ^atte* 

Dief Sreigniß tt>ax baö ©ignal jur gleic^jeitigen ©rl^ebung in allen 
brei Stiftern» 60 war, wit wenn eine 6c^teufe geöffnet wirb: in 
ja^em ©turj eVgoffen fid) bie aufgebammten ©ewaffer» 



XIV. 

®er etiangeUfd^e ^ufrul^r in SKunfler, Cönairudf 

unb ^aberiorn« 

Sine lutl^erifc^c ^Partei Ijatk fic^ in Ddnabrürf unb ^ßaberbom 
nic^t weniger afö in ben übrigen wefifalifc^en ©tabten gebilbet unb 
war burc^ bie feit 1525 eingetretene Verfolgung feinedwegd t)ernic^tet 
worben. 3n ber erfien ©tabt i)aitt ^erferd Sinfluß fortgewirft, imb 
noc^ immer jaulte mau bort einige ©eifiJicbe, wie ben Sector ber 
ÜRinoriten, SBruber ©erwarb, unb felbft bie ?Paftöre ber beiben ^^fait^ 
firc^en ju ©• 3Rarien unb ©. 5Eatf)arinen me^r ober weniger ju 
feinen ®efinnungdgenoffen* 3n ber anbern ©tabt nai)xtt bad 9Rin^ 
berbrfiberflofier unb ber Saplan au ber 9Karffir^e, 3ol)ann 9Kolner 
t)on 93uren, bie et>angelifc^en Steigungen bed 93o(fed. 2)oc^ war bie 
Autorität ber Äirc^e unter Sric^d ©c^u^ wwerle^t geblieben, unb 
obgleich bie allgemeine wefifälifdje Erregung ber legten 3a^re auc^ 
^ier^in brang, \)atU fie boc^ feine fid)tbaren Srfolge enungen; bie 
wiberfpenftigeu OeiftJi^en würben na^ 1529 wie t)or^er entfernt, 
ber lut^erifdS)e ©efang, wo er fi(i) l)en)orwagte, tjerbotcn, lut^erifc^e 
95egeferen abgefc^lagen* -Um 1530 übemal)m ber Sector ©erwarb in 
<§olfiein einen et^angelifc^en Äirc^enbienft, 9Kolner fiebelte 1531 nac^ 

S 1. H 1127 sqq. 1321. Sirunck 165 sqq. — K im 6a)). 9 bfr öinlfitung 
fagt in feiner irönifi^en SDcife, bie bcm 3»fifel jutt>ei(fn 9taum läpt, »on Um 
$aterbotnet 9luf{ianb : cum fucliosi duodecim sibi aposlolos creasscnl , quorum 
ductu Cleri uliorumque opulentiorum bonis callide insidiabanlur. Num Cleri pri- 
marii babitationes et bona ante dcprcdationem inter se clanculum partiebantur. 



166 (Erftf« IBud^. 

@oeji ü6et unb fc^Iop fic^ bem Sorc^webe awy t)er9c6end würbe bcr 
^aberbomer ^Wacjifirat um ©eftattung einer Äirc^e ju ct)an9eli[(^em 
®ottedbienfi erfaßt. 

aber ald bie 9iac^rid)t t)on ©rid)^ 3;obc bad Sanb ber gur4)t 
löfie, er^ob ft(^ tu beiben Stätten ba6 lut^erifd)e Äriegdlieb unb ber 
Sturm gegen bie ©eijilic^feit» 3n ^-ßaberborn führte ber ^aufc feine 
^J^rebiger in bie Äird)en, unb brei ÜRinoriten famen fo ju Amt unb 
SBürbe : ber Sector 3acob üRuftncf erhielt bie aWarffird^e, »ruber 3a^ 
cob @tunjelt>oet bie ©oefirc^e; (S^riitop^ 2)äne, ber bie Äinber fonft 
lehrte, leitete je^t beu neuen Oefang aW 93orfanger ber ©emeinbe» 
Ueber bad einjcine ber gleichzeitigen Dönabrücfer SSorgange finb n?ir 
nic^t unterrichtet; aber beibe Stäbtc n>aren t)on 8ärm, Swietrac^t unb 
2lufrut)r erfüUt, unb ^ier wie bort waren bie SWagifirate nic^t im 
©taute, bie Crbnung ju ert)alten» 

@bcnfo ging ed in 9Kunfier gu. ®Ieicf) nac^ @ricl)6 S^obc be^ 
gann wieber ber Singriff auf bie ÄatI)olifen unb ber 9luf nact) ber 
religiefcn ©nigfeit» 3)ie Gvangelifc^en im Ueberwafferfirc^fpiel jwan^ 
gen il)re Schöffen, \>on ber Siebtiffin bie Entfernung bed 6aplan^ 
9Äartin unb bie SSeflettung eine6 anbern ju forbern, ber ba6 SBort 
®otted rein unb of)ne menfc^lic^en Swf^ft l^h^^ wnb bad Slbenbnmt 
imter beiber ®efialt reiche, 3n anbere Äirct)en brang man ol)ne wei* 
tere^ ein, t^erjagte bie ®eifilict)en unb führte felbftgewä^lte SRact)folger 
auf bie ifanjeL JRot^mann ^ielt fiel) an ber Spifte ber ^Bewegung; 
ben gunfligen Slugenblicf gu benu^en, war er unaufhörlich unb man^ 
nigfaltig befc^äftigt, burc^ tägliche ^rebigt, munblic^en QSerfe^r mit 
greunben unb ®egnern, 93riefiDed)fel nac|i aupen ; obgleich ein Sc^rei*^ 
ber i^m ^alf, tonnte er faum allen Slnforberungen genügen» @r gc^ 
bacf)tc, ben Sieg feiner ^J^axtti burcl) eine öffentliche unb feierlid)e 
3)idputation ju befiegeln, fc^lug be^^alb eine Steige X^efen über bit 
gew6t)nlict)en ©treitpunfte öffentlich an unb lub bie ®egner gu einem 
9Bortgcfeci)t in6 JJrater^auö» !l)ort fe^te er mit glängenber Serebfam- 



§ 2. K 190. — H 1191. — Disceptalio controYersistica super bonis operi- 
bus el missae sacrificio ioter fratrem Patroclum Pellzer coDdictum Boickman or> 
diois fratrum minorum S. Fraocisci cooveDtualium et Beroardum RothmaD. aono< 
1532. 2«9r., Äinblinöft« Sammlung »anb LXXVIII. — IDie nicbete OtipUd^feit 
9{an|ler0 an ben ^tfc^of, o. 2). K 191. 



Xiy. ^tx t^an^tl aufruft in äßunfter, DdnaBrdtf u. ^abetBorn. 167 

leit Mc ®rünbe au6einanber, mit mli)m Mn bem ©ufc^c in emcm 
»or brei 3a^ren erf(^iencnfn 93uc^ bie aUeinifle Autorität ber ^. Schrift 
t)frt^cibiflt f)(ittt, belegte bann feine S^^cfen mit ©c^riftftetlen unb an* 
bcrn alten Seugniffem 3^m folgte a(d ^weiter Stebner 3o^ann ®lan^ 
borp, ber t>or furjem, ber e\)angelifcl)en ©ac^e jum 33eiftanb, in feine 
aSatetfiabt jurürfgefeljrt war. @d war eine anfe^nlic^e SSerfammlung 
jugegen, t>on beiben Seiten ßin^eimifdje unb grembe; aber fte gin^ 
gen au^einanber^ tijt ed wodt) ju einer Entgegnung gefommen war« 
ffiir wijfen nic^t, an^ welchem ®runb; t>ermut^Iic^ nahmen bie Äa^ 
t^oUfen, wie früher in anbern gdllen, an bem SWangeJ einer gefe^ 
tiefen Sonn bed ®efpräc^d Slnflof unb gebraüdjten biefen S^orwanb 
um fo lieber, ba jie ben Sieg für unwabrfct)ein(ic^ unb feine tJÖDige 
Srfolgloftgfeit aW unjweifel^aft erfennen mußten* IDenn unterbef 
!)enfc^te bie SBiUfür ber SKenge in ber ©tabt, unb ed gefrf)a^ wa^ 
bie ($»ange(ifcl)en woUtem Slud SWangel an et^angeiifc^en ^4^rebican^ 
ten fonnte man jwar noc{) ntd)t ben neuen ®ottedbienft in aden 
^Pfarren einrid)ten, aber wo man bie Pfarrer unb Sapläne nid)t grabeju 
t>ertrieb, ba ftorte man boc^ i^re SKeffen mit ®efc^rei unb Singen, 
t)erfo(gte fte auf ber Strafe mit 3ßif^anb(ungen, fc^mabte bie alU 
gläubigen Saien, nai)m Airc^eneigent^um , felbfi bie Opfer ))on ben 
Ültären, gewaltfam weg* !Der 9iat^ war o^nmac^tig. Um ben un^ 
gepraen gorberungen berüKenge audjuweidjen, t)ennieb er fogar ben 
gewöhnlichen äJerfammlungdort unb beriet^ bie laufenben ®efc^äfte 
lieber an abgelegenen Orten, t)orfä^lic^ jebe^mal in einer geringen 
unb für entfd^eibenbe Sefc^lüffe ungenügenben ?lnjal)L 2)ennods} würbe 
er gu bem jweibeutigen SJerfprec^en genöt^igt, bie 5Pfarrfirc^en mit 
aufrichtigen ^^rebigern M ßioangeliume ju t>erforgen* SBaren ein* 
mal bie *4}rebiger ba, um beren ^erbeirufung SRot^mann flc^ bemühte, 
fo ftano bie förmlid^e Einführung ber neuen Se^re in ber ganjen 
Stabt »Jünfier in unmittelbarer audftctit. 

ai6 Sanbgraf ^P^ilipp t>on biefen Dingen t)emal)m, jweifelte er 
nic^t, baf aOe wepfälifc^en Stäbte bem Seifpiel ber tjorne^mften fol^ 

S 3. Sanbgraf $()üi)))) an ©igmunb ))on Soineburgf k. , 1532 3un. 12. 
«eufcerfcr Urfunbcn p. 206. — ganbtag« unb «agerbu* de 1532-1549. SJia. — 
JDtr 93if*of on bu SWünficrf*« «anbfd^aft, 1532 Suli 16. 9»«.— JDie (Rat^e be« 
^rjog« t>en (SIeoe an ^et% 1532 3uni 26. ®9I. 



168 (Sr^ed Q3ud!^. 

gen tt)urten. 3n SoiiSfelb, SaSarcnborf unb ben t)iclm Heineren 5Kün^ 
Perfc^en Stabten gab ftc^ fc^on lang^ bie Suji funb, bie ^auptftabt 
na(i)juat)men j unb tvenn fic^ erfi in ben brei Stiftern bie neue ?e^re 
bcfepigt \)attt, war ber Sturj ber Äirdje in ganj 2ßefifalen unab^ 
iDenbbar. 

2luc^ fonntc biefer auffcl)tt)un9 ber etjangeJifc^en ^Partei ^tfi^ 
fa(end faum in eine günftigere ^dt faOen, a(d ber ©onimer be^ 
Sa^red 1532 gewefen ifi* 2)iep tt)ar bie ^dt, in mlä)tt ber SRiim^ 
berger SReligion^fricbe ben Stauben bed evangelifc^en 93ünbniffed jum 
erfien mal bad ©efü^l ber ©ic^er^eit gewäl^rte, i^re Stellung unb 
{^r Slnfe^cn im 3icid) ftarfte, ben 9Äutl) ber ©efinnung^genoffen er* 
l^ö^te* Um bed Xürfen willen, ber bie !l)onau ^eraufrücfte, unb um 
bie beutfdjen Ärafte t)or bem furchtbaren geinb nidjt ju jerfplittem, 
gab Äaifer 6arl ben fc^malfalbifc^en ©unbeögenoffen fiatt ber JReie^ö^ 
oc^t ben grieben unb zeitweilige Slnerfennung , unb auf ben ßrbfeinb 
wanbten ftd) nun alle ®ebanfen unb Sorgen ber dürften unb StÄnbe* 
2)ie Xürfenfleuer aufjubringen, bad JUeic^daufgelot ju »erfammeln, 
gingen faiferlid)e üRanbate nac^ allen Seiten, traten 5treid^ unb 8anb^ 
tage jufammen, würben SReiter unb 5tnec^te geworben, Dberfle unb 
^auptleute gefegt. !Dieß bauerte bid tief in ben Slugufi* SBir wiffen 
t)on einem lag be6 nieberr^einifct)weflfalifd)en ifreifed ju Söln im 
3uli, t>on einem 3Runfterf(l)en Sanbtag auf bem Saerbroid am 23», 
t)on einem ^}R&rfif(()en Sanbtag ju ^uerbe am 11. 3uli, aQe ju bie^^ 
fem ^mä. 338 üRann gu gup, 68 ju qjferb peUte Stift SWünfier, 
fle gogen am 8. äugufi unter bem Dber^en Sodann »an Siaidfelt 
unb bem Hauptmann ®ert Dan ÜKunjier außer 8anbed in ben fRd^^^ 
Weg ^inauö, aa3Al)renb all biefer ^tit waren bie (S^angelifc^en t>or 
emfter S3ebrot)ung giemlid; fieser unb fonnten ungefiört if)ren SSort^eil 
wat)rnel)men* 

Die brei 3)omcapitel erfannten tjoüfommen bie ®efat)r, in ber 
fle fiel) befanben, unb beeilten fid), it)rem t)erßorbenen ^erm tuct)tige 



§ 4. ganteraf W^W ein ten ^ergcg Den OJcltern, 1532 aWd 21. 6«. 
(St bittet U\\ -&frjcg, einen ©rief ober ©efanttc naä) €(^onefliet, n>o ba« aÄüm 
ftcrifd^c (5apitel jur Söa^l ftc^ üerfammeln toerCe, gu fd^irfen, um bort neben ben 
lefpf^en JÄdt^cn für «öergog ^^ilipp »on Q3raunfdS>»ei9 , (Sric^« ©ruberfo^n, gu 
bitten; an gtreiter @tel(c für grang J?on Söalberf, ©tuber be« ©rafen $6ili|)») 



XIV. 2)et (»angtl. Slufru^t in fffimfitx, D^nahxüd u. ^^abetbom. 169 

9?o(|(folflfr ju t)erfc^affen» ®tc fachten jic^ anfangt über eine gemeitu 
fame SBa^l ju t)erflanbi9en» 2Bie flewo^nlic^ ftrerften gürfien unb 
®rafen t)on allen ©eüen bie »erbenben ^dnbe au^, bie SBoten ber 
Sege^renben unb gürbittenben iagten einer ben anbern» Reffen unb 
©ad^fen tt)ünfct)ten bie Stifter im ®ruben^agner ®efc^Iect)t ju ert)aU 
ten, unb baten für ^erjog ^^J^ilippd Sof^n» aber gleich t)on Anfang 
gewann ber Slbminiftrator be6 Stiftet 9)Zinben, ®raf granj t)on SBaU 
berf, bie Dber^anb. 3u bem Stift, tt)eIdS)e6 er fc^on befag, freiließ 
Md ieftt me^r bem Siecht ale ber 2;^at nac^, backte man i^m bie brei 
anbern indgefammt ,^inju ju geben unb alfo eine ftattlic^e SRac^t, 
t)oUfommen genügenb jur Slbwe^r gegen innere unb äupere ®efa^r, 
ju begrünben» SBirtli^ würbe er am K 3uni ju Subing^ufen jum 
®ff4)of t>on SWünfler, einige S^age fpdter jum S3ifc^of \)on Döna^ 
brit(f gen)&^(t; aUgemein ern>artete man, bap ^4^aberborn ftc^ anfct)Iie^ 
f en unb M ®rafen eifrige SBerbung erkoren n>erbe» 2)o(^ l^ier trug 
ber 6ölnif4)e 5tanjler ©ernt von ^agen ben Sieg bavon, ber auf 
bie erfie SRac^ric^t t?on Gric^d Zoti auö 33rü^l inö ^erjogt^um ^in^ 



tu SlcÜerrn, unb füc SBoIrat), (So^n $(^ilip^d Don SDalbecf ; ^ule^t füc ben Q3ru< 
tti be« ®raffn »on XtUtnbnx^, ^xohfi an <S. 3e^ann gn Dtfnnbrürf. — (56utf. 
Sodann ocn ^ac^fen an ®raf «ilbre^t oon man^UU, 1532 3Rai 31. SB«. 
9{an«fe(t foU griebrid^ t)on SBieb für bie 9Ba^( $^ilippd interefftren ; man nmffe 
tffn für fein &t\t ban^e machen, ber Vertrag mit (5ric^ fei wegen mangehiter 
püh^lidfn (Sonfirmaticn be« (enteren a\i nodf nic^t ocUgogen gu betrachten unb 
fönne angefod^ten toerben. ,,n?ir Ratten ti nit Darfur, tai batf capitel bofelbfl 
no4 t^ur t^eit muge einen antern bifc^cf enve(en , bie tt)eil unfer obem ocn Dffen« 
(nicf feiiger ben flift 9Runf)er nocb nit angenummen noc^ tie ccnfirmatii>n be< 
Sabfle« erlangt gehabt, borumb ml unget^tt)eifelt in tti vorigen bifd^of« gefal« 
litt unb toitten ^e^en, ben flift ju bebalten, ald ain bifc^of, ber nit ma(^t gehabt 
^at, ben fiift an tti f&ab^ti bett>iUigung ju Derlaffen ic. bemna(ib )i>i^ ^^ ban 
barfur galten, tai geba(^ter voriger bifcbof no6) ali vil lieber tie penfton nrmen 
tourte uf bie befc^ebene »eriicbf rung , tan ta^ er ten (lift behalten feit, gtreifeln 
toir nit, fo er bargu »eil forteren f}t\Un, tai unfer« obcmen f}tx1^c^^i)\\Wtn fon 
|u temfelbigen Pift folt fomen mugen." — (Sorrefpontenj über tie ^^aterborner 
S^a^t gtvifc^en C^r^bifcbof «^ermann, Q3ernt von <&agen, 3obann JQuate gum X^om 
berg, Sobann van löuren jc. ; QJerfc^rcibungcn te« Qrjbifd;cf« für ta« $aterbors 
ner (Sapitel, für Jranj van ^oirte, Sobann unt 93ernt van Q3uren, 3oifi unb 
9«av<n SDefifal, 3obann Spiegel ; ?Jaterborner «Pofiulation^urfunte 1532 3u(. 13. 
JD«. — Urfunbe, tooturc^ pd^ tie Denabrürfer (Ritterfd^aft gegen tai (Sapitel 
verbürgt, taf granj folgente 5lrtife( einräumen unt baltrn iverte ic. 1532 
3um 7. Da. 



170 (Srjiee ^ud}. 

Über an bie ©renje be^ ^aberbomifc^en eilte, fcie einflußreic^ften ^er^ 
ren, bie t)an Suren, "oan 2Beftfalen, t>an ^uerbe, gurfienberg gen>ann, 
unb bie 2BaI){, bie am 13. Suni auf Sc^lof ^»euöaud fiattfanb, fei^- 
nein Jperm ju ©unfien lenfte. Säor ben SBa^Ien würben bie gewöhn^ 
liefen aSerfic^erungen er^eifdbt unb gegeben: fo fc^üftte ^i) Stift 
^aberborn t?or bem Einbringen Solnifc^er ©eamten, Stift Odnabrücf 
t>or ber J^eilnafjme an ber fheitigen 9Rinbifc^en Sac^e, unb berglei* 
d)cn mef)r; aud) t>ergafen bie abiigen Ferren feine^wegd, iI)reÄ eig^ 
nen 9Sort^et(6 ju gebenfen *, mit befonberem 9{a(i|brud aber legte man 
überall bem fünftigen SSifd^of bie SSerpflidjtung auf, bie 8anbe t?or 
Slufrut)r unb Sut^ert^um ju fct)ii^cm 

3n einer ber brei ^auptfidbte würbe man be^ Slufrul^r^ §err, 
ol&nc bed 93ifd)ofe gu bebürfen. gapitel unb 9litterfc^aft M Stifte 
Ddnabrucf traten am 5. 3uni mit ben ©tobten bed Sanbed, bie ftc^ 
bitter über ben unter dxii) erlittenen Drucf beflagtcn, in eine ^a^ 
cinigung ju gemeinfamem Sc^u$ aller Staube gegen SSergewattigung. 
3um ©ntgelt lief Stabt Odnabrücf ftc^ einen 93ergleic^ gefallen, 
burcb welchen an bemfelben Xag bie SRitterfc^aft bie Srrung jwifc^en 
I)omcapitel unb ©eiftlic^feit einerfeitÄ unb ©ürgermeifier, 5Rat^, ®il# 
ben unb ©emeine anbrerfeitd beilegte* !Die ®eif)lict)feit entfagt in 
biefem äiergleic^ ber SSetreibung bürgerlicher ©ewerbe, loerfpric^t an 
ben Saften ber Stabt t(}eiljunel)men , bie ^ac^tung i^rer ®üter ben 
bürgern t)orjube^aUen ; bad !Domcapitel r&umt ber Stabt ben begehrt 
ten Slnt^eil an ber Stiftdregierung ein. !Durct) folc^e Swflefidnbniffe 
fc^eint bie ©eifilic^feit 9lu^e unb bie ^erjieHung einer Orbnung er^ 
langt ju ^aben, bei welcher bad Slnfe^en ber 5tirc^e wemgftend Auf er^ 
lic^ fortbefiel^en fonnte* 



§ 5. iBeretuigung aller brei ©tänte te6 Stifte DdnaBrdcf de non adinit- 
tendo cpiscopum ad administrationem nisi praestiterit solennia iuram. etc. 1532 
3un. 5.; $eril(^erung ic. tu %uni, 3un. 5.; Urfunte darüber tag bie $erort$ 
neten ter Otttterfc^aft bte Irrung gtoift^en IDomcapitel unb ®eiflltd^fett einerfeitd 
unb ^ürgermetfler, StaÜf, ®tlben unb Gemeine ber ®tabt Ddnabrücf anbrerfeite 
beigelegt ^aben, 3un. 5. D91. 9gl. ®tdDe 25. 



XIY. f^a tOM^tl Sluftul^r in SIRdnfftr, DtfnaBrücf u. ^abetbom. 171 

6. 

©(t)tt)ietigfr war bie Slufflabe, tt)elcl)e bie btitm 8anbe«f)fn:fn 
nun, gebrdngt t)on ben !Donil)frrfn, in üWunfier unb ^ßabcrbom Jöfen 
foUten* 3"bem waren fte burd) ble Oefcljäfte bed SReicbdtag^ t)on 
Stfgendburg unb bcd Siurfengugd , ^ranj aufcrbem noc^ burc^ bie 
SRinbifd^e Slngdegen^eit t>oQauf in Slnfpruc^ genommen, unb fonnten 
ba^er tjorfäupg nur burc^j Sriefe unb @rmal)nungen einjuwirfen 
fud)en. 9Beit entfernt, ju fc^rerfen unb ju befd^n)ic^tigen , bleuten 
il>rc aßorte t>ielmef)r, ben Slufru^r gu fleigem unb ble Oefa^ren ju 
t>etgrößem* 

föd fc^elnt, baf an belben Drten ble ©tabtrdt^e auf bae erfic 
8f bendgelc^en , n>elcl)ed bie 8anbe6^erren gaben, ÜKiene machten, ftc^ 
i^tcr gefejjlic^en Oewalt wIeber ju bebienen unb @rnfi gegen ben 
Aufruhr gu brauchen. SBenigften^ er^ob jtc^ f)ier n)ie bort bie et?an^ 
geüfd^e Partei jundc^fl gegen ben 9lat^. 3n ^ßaberborn f)atte fic^ 
eine et)angellfc^e 93erfc^n)6rung gebKbet unb burd) ®e(6bnif feft gu^ 
fammen t)erbunben, an i^rer €pi$e ben ©Arger Sroedd), n>el^e, 
nadj^bem ber 2anbbroft 3ol)ann Duabe gum J^onberg im Sluftrag be6 
ßrgbifd^ofd mönbdc^, barauf ber @rgbifd)of felbfi fcbrlftlid) t)on ber 
Äeuerung abgemaf)nt, bie Surgerfc^aft gegen bie Obrigfeit führte* 
Cd würben bie ©lorfen gefcl)lagen, ble ®d)lüffel ber Stabt bem 9lat() 
entrtffen unb blefer gegen feinen SBillen gegwungen, am 1 • 3ull einen 
99unb mit ber ©emein^eit gu errichten, bed 3n^a(td, baß man ein^ 
trächtig bei bem SBort ®otted bleiben unb einer ben anbern t>or 
JRec^tdanfprud^ unb ®ewalt, fo wegen biefer @ac^e t)erfuc^t werben 
mochte, mit Slufopferung t)on Selb unb ®ut »ert^eiblgen woDe. 3n 
biefer SBerfaffung fat) bie ©tabt ^Paberborn ben ferneren 9D?af regeln 
Ut @rgbifc^ofd entgegen* 

7. 

ai« gu ÜRünfier ein Schreiben M Sifc^of6 granj t)om. 28. Sunt 
rinlief, welc^ed bie ©tabt auf ben Slugdburgrr 9teld^6abf(^ieb unb 



{ 6. Strunck 165. 171. — H 1322. — ©erbung bete retc u. gfl. ^. an 
burgermeiflcr rat unb gemeinte bere fiat $aberbcm. S)$l. — SBergei^ntS ber (8e^ 
fangenen ))om' 11. Oei. 1532 unb 9rag|ette( gum IBer^ör berfelben. 1D9. 

^ 7. 2)er 93tfd^of an 6tabt fSHünfiti, 1532 3un. 28. 9»«. — «da unb 



172 (St^ti »u(^. 

einen befonbem t)om Äaifer bem Sifc^of ertl)ei(ten ©efel)I ^inweifenb 
txmaijnU, fxd) ber ^rebiger unb Steuerungen ju cntfc^Iagen, bie ®e* 
meinl^eit ju 9iu^e unb ®e^orfam anjul^alten^ unb abzumatten ^ bi^ 
t)on 9tet({)6 wegen eine c^rifllic^e Drbnung aufgeri({)tet werbe ober bit 
ber ®if^of jur wirtlichen äibminiftration bed ©tiftd gelangt unb im 
Staube fei, feiner Slbfic^t gemäp Sefc^werben unb Unwefen abgujiel^ 
len, legte ber 9lat^ baffelbe ben Stäuben ber ©tabt unb bem 9lott)* 
mann t)or, unb bie SSerfammlung ber (Srbmanner erflärte auf ber 
JRat^fammer fid) jum Oel^orfam bereit» 2Iud) Sodann Äerrferincf, ber 
jugegen war, t^erfprad) bem 93efe^( nact)jufommen; unb um fid) beut^ 
iic^ t)on ber bebro^ten Partei ju trennen, t^erlief er bie Stabt unb 
jog auf fein ®ut nac^ Slngelmubbe. Slber anberd gefinnt war bie 
©emein^eit» 2luf ifnipperboüingd Setreiben riefen bie Olberleute, 
^einric^ 3Woberfon ber gleifc^er unb ^einrid) 9lebefer ber ^eljer, bie 
®ilben am !• 3uli öuf bad ®(i)o^aud* Dort trat Sodann SSSinbe^ 
moUer auf unb {teilte ben Eintrag, bap bie SSurger einen 93unb gegen 
bie Unterbrüder bed @))ange(iumd; gum ®d)u^ 9tot()mannd unb fei^ 
ner Se^re fc^tiefen foQten* ^an (ie^ i^n nic^t ju @nbe fommen^ 
lauter ©eifaUdruf unterbrach) feine Siebe, ®ut unb Slut woBe man 
für bie et)angelifc^e ©ac^e einfeften. !Darnact) würbe auf ben SJor^ 
fc^Iag ber Dlberleute ein Sludfc^uf \)on fed)d unb brei^ig SKännem 
erwäl)(t; um bad @))ange{ium burciijufe^en* !Dieienigen, welche nic^t 
eintjerftanben waren, fc^wiegen entweber aud gurd^t, ober würben oon 
bem Ungeflüm ber ÜRenge überwältigt» Slld ber SBanbfc^^erer 3ol)ann 
ÜRennemann ben SIntrag SBinbemotlerd an bie einzelnen ®i(ben }u 
gefonberter unb ruhiger Serat^ung überweifen wollte, warb feine SRebc 
burc^ t^atlic^e 9Rifl)anbtungen unterbrochen, fein Eintrag oerworfen« 
Vergebend ergriff ber ®olbfc^mieb ^einric^ Sfermann, atd man il)n 
felbfl unter bie Sec^d unb brei^ig wählte, bad SBort unb erinnerte, 
»or 3wifl mit bem dtati) warnenb, an ba^ blutige Seifpiet be6 Kölner 
Slufruljr^ t)on 1513. „SBenn bu fo »iel \)on Äopfab^auen rebeft/' 



gerid^tlid^ pxeui uan ivegen uut in namen U€ i)c6)Xi>. n. pofiwUxUn Der Utätn 
to aWunfter ic. tuffc^en f. f. g. trojlcn tox 2Di>(bfcfe unb bcrnc al« clecjer« ein«, 
unb bc crfamen 3o^an Jtercf e dnrf , Sflfpern Sobetjclr, 93frnt SWennefen, Sol^an 
(Rotennunt unb anber bergn« ber flat-SKunfler bedageben «nberdbeil« , tcr aßet* 
becfe, Scubenljoifl, Xd^tt, 3Äf(!e(enbecfe unb ajfc^eberge oerocnit^licf »er^anbelt 
unb gchnlben. (SÄ. - K 193 sqq. — SJer^or aDinbemoUfr« SWSl. ^ 5)er dis\t^ 
oon mm^n an ben l^ifc^vf, 1532 3u[. 10. SR». 



XIV. IDrv evangcl. Slufrul^r in aKünfter, Oenabrud u. ^aUtbetn. 1 73 

fu^r Hjti SRfbefer an, ,,fü taugfl tu nid)t für und unb jie^fl un« nur 
im SBege." 9Kan wählte einen anbem an feine Stelle. 

SBir tDiffen nlc^t, in welcfjer 2Beifc bie ©ilben fid) mit ber übri^ 
gen ©emein^eit »erftänbigt unb ob bicfctbc an ber 2Bal)l ber Sec^Ä 
unb breif ig Slnt^eil genommen. 2)o(^ wenige Siage fpdter fe^en n)ir 
bic SWann^r bed 2ludfc^ufie6 ald ,,®efc^i(ftc t?on ber Oemein^eit" bic 
SSer^anblung mit bem 9iat^ eroffnen. @ie Ratten ben Sluftrag, bei 
bem 9lat^ bal)in gu mirfen, ba^ eine Ucbereinjiimmung in ber 9leli^ 
gion ^ergeftellt unb biefe äteligion mit allem wa^ baju get)ore bid 
gum lepten ©lut^tropfen t)ertf)eibigt , bie falfcf)e 8e^re aber au^gerot^ 
tti unb nicl)td Unreine^ unb wad irgenbwie ber ebangelifc^en SBa^r^ 
\jcit entgegen fei, in ber Stabt übrig gelaffcn n>erbe. 335enn ber 9lat^ 
fic^ fd)n>ifrig ober gn>eibeutig jeige, fo f^iUten fte bie ®emeint)eit ju< 
fammenberufen. 

8. 

2lm lt. 3uli erfc^ienen Olberleute unb 9)teiftcrtcutc im 5Ramen 
ber Oefc^icften auf ber SRatl^fammer, legten bie gorberung ber ®e^ 
mein^eit t)or unb t?erlangten eine Srfldrung t)om diaif), ob er bad 
aäJort ®otted mit allem, n^ad baran l)ange, fc^ü^en unb in tJoHfom^ 
mener Uebereinftimmung mit ber ©emein^eit l)anbeln W)olle. 2)er 3?at^ 
tt>ic^ au^: bem 93Jort ®otted gu wiberftreben fei nic^t feine Slbfic^t, 
aber ba man nod) barüber fJreite, n^er benn bie tva^re ct)angelif(^c 
8c^rc tjerfünbe, fo ^alte er für bad befJe, ben S3ifct)of gu erfudjen, 
ba0 er auf gemeinfame Äofien gelel)rte SRanner fommen laffe, um 
über bie SRein^eit ber Se^re gu entfc^eiben. Slud) aie biefelben ®e* 
fanbtcn am 9iact)mittag be6 folgenben Jag^ wieber erfc^ienen unb 
im 9iamen be^ 2ludfct)uffed eine beutlict)e unb flare Slntwort, ob ber 
JRatl) ftc^ mit ber SBürgerfd)aft t)ereinigen »olle, beget)rten, würben 
fte mit gweibeutiger Siebe l^eimgefc^icft : feinen ginger breit werbe ber 
ülat^ t)om SBort ®otted weichen, unb fo weit ed in feinen Äraften 
fJel)f, woHe er bie 93ürger, bie bem SBort ©otted anfingen, "otxtiitU 
bigen. 3n wac^fenber Slufregung faxten nun bie ®cfc^irften ben Se^ 
fd^lu^, bem ?liaH) angugeigen, man gebenfe ftc^ nic^t ferner mit bun^ 
fein Slntworten in bic 3rrc führen gu laffen; ber 9lat^ möge offen 
tiflären, ob er fid) mit ber ®enteinl)eit in Sintract)t begeben unb in 

§ 8. K 197. 



174 (SxfiU ^nd). 

brr Steligiondfac^e mit il}x ge^en xooUt-y fernere @ntfd^(iefung 6el)alte 
man fie^ bid nac^ bem (Sintreffen feiner SIntwort tjor. 9Rit tiefem 
Sefd^Iuf gingen Dlber(eute unt) 3)leij)erleute am anbem 9)torAen in 
ben 2)Dm; n)o bie Surgermeifier unb einige 9tat()dg(ieber mit ben 
iDom^enen über bie lürfenfieuer t)erl)anbelten, unb erfud)ten bie ^er^ 
ren, für eine beflimmte 9lntn)ort ju forgen, fonft fonne man \i)VotXf 
lic^ einen flufru^r tjer^üten, ber bie ©eijilic^feft unb t>iele anbre ind 
äJerberben ftürjen möchte« Da mürbe ber Statf) auf ben ^{ac^mittag 
gufammen berufen, bie ©efanbten t)orge(affen unb anQt\)bxt, unb eine 
S3erat^ung begonnen, bie bid jum ©inbruc^ ber ?Rac^t fortbauerte* 
9Bei( ber foigenbe ZaQ ein Sonntag mar, t)erfc^ob man bie Qnt\6)tU 
bung auf ben 15. 3u(i* 

2ln biefem llage mar ganj SMünfier in ©emegung. grül) um 
ac^t U^r, n>äl)renb bie ^erren auf bie 5Ratt)fammer gingen, t)erfam^ 
melten jic^ bie gefammten ©Üben auf bem ®c^oI)aud, um ber 2lnt* 
mort ju {)anen. Dlber(eute unb 3)Ieifterfeute gingen t?or ben fRaif) 
unb trugen jut)6rber{} eine Slnja()( äiotfdbefc^merben t)or« 2)er 9iat^ 
^abe eine ^tit lang ben bürgern feinen freien 3utritt tjerjiattet, fon^ 
bem ftc^ ber Slnfpra(^e ber ®emein()eit aud^ in ben mic^tigfien 91n^ 
ge{egen()eiten entzogen 3 fiatt mie gemö()n(ic^ auf ber S^at^fammer ft((| 
gu t?erfammeln, fei er in geringer Slnja^t in J(apeQcn unb fonfi an 
abgelegenen Drten jufamntengetreten unb f)abe baburc^ ben 93erba(^t 
ber Bürger erregt; er ^abe fein SSerfppec^en, bie Pfarren mit auf^ 
richtigen 2)ienem be6 @t)angeliumd gu t)erforgen, nic^t erfüllt ; er ^abe 
bie ®emeinl)eit nic^t, mie feine ^flic^t er^eifcbe, gegen bie ©efd^ulbi^ 
gungen bed 93ifc^ofd gerecl)tfertigt* 2)er JRat^ gab herauf freunb* 
lic^e üBorte, entfc^ulbigte ftd) fo gut er t)ermoc^te, unb \)erfprac^, mo^ 
fem bie ©emein^eit bad 3Riftrauen faOen [äffen unb mieber gum 
9lat^ galten moUe, merbe er auc^ feinerfeitd ed nic^t an ftc^ fe^Im 
laffen* 9lad)bem bie ©efc^idten fic^ mit biefer SlntiDort befriebigt er^ 
n&rt Ratten, ging man gu ber ^auptfac^e über. Olberleute unb 9Rei^ 
^ierleute trugen t)or: um in 3wfunft allen Slufru^r unb 3wifi gu "otx^ 
lauten, fei ed >oot aOem nötf)ig, baf tim einträchtige unb reine Seftre 
in ber gangen ©tabt gelte; ba aber feine anbre 8e^re alfo gum ^eü 



§ 9. K 198 sqq. 




XI?. IDcr e»ang(L (Hufru^r m S^ünflet, O^naBriicf u. ^attthottu 175 

gereiche »fc bic rt>angelifc^f , bie ^err ©emt Slot^mann unter gdtt^ 
Hc^fm Selflanb tjerfünbe, fo fri bie ganje ®emeinl)eit biefer Seigre 
ergeben unb begehre, ba^ ber fRatt) bicfelbe fc^ö^e unb bie Pfarren 
mit ^ebigem t)erfebe, bie bad 2Bort ®otte6 o^ne faifcfje SBeimifc^ung 
))erfänben unb bie ©acramente nadj 6I)rifK ©nfepung tjerwalten, bie 
©egner aber bed Svangeliumd unb ber SBal)r^eit t>om ^rebigtamt 
entferne. Diejenigen Zeremonien, bie offenbar bem SBorte ®otte6 
}un>{ber unb o^ne Slergemif nidjt beibehalten tt)erben fönnten, feien 
abgufc^affen 5 tt)elcl)e ßeremonien babin ju rechnen, fönne ber JRat^ 
täg(i(^ in 9{ot^mann^ $rebigt ^ören; auc^ merbe 9{ot^mann auf 
bedangen fte gern angeben« äßenn aber iemanb g(aube mit ber 1^. 
€(t)rift 9iot^mannd Se^re anfec^jten gu fonnen, fo möge ber SRat^ 
eine Slufforberung, namentlid) an bie ®eiftlicf)fe{t, ergeben lajfen, ba^ 
mit an ben ZaQ }u treten« !Denn nur, mx\n 9iott)mann mit ber f). 
S^rift ubertwnben »erbe, ttJoUe bie ®cmein^eit \?on feiner Seigre 
ifoetdien ; bid je^t aber ^abe nicmanb ben Äampf angenommen, fo oft 
and) Stot^mann ftc^ bagu erboten. Sc^(ie^(ic^ foUe ber fRati) gegen 
au^en bad \)er(e$te Siecht unb bie alte grei^eit ber ©tabt n?af)ren. 

äflen biefen gorberungen unterwarf fic^ ber Stabtrat^. @6 
»urbe ein förmlicher 93ertrag jwifc^en il)m unb ber ®emein^eit er* 
richtet, unb in goJge beffen ben fat^olifdjen ^J^farrern angegeigt, fie 
Ratten in einer bejMmmten grifl SRot^mannd \!el)re mit unt)erwerf* 
liefen ®nmben unb mit 3fugnijfen aud ber ^. Schrift gu wiber* 
legen, fonfi werbe ber fRatij mit SSeifianb ber Dlberleute unb 9Reifier* 
feute nac^ 9iec^t unb Silligfeit gegen jie \)erfa^ren. 

2)ur(f) bief ©reignif war bie Sage ber SDinge in 9Künpcr tJöUig 
Deränbert. Die et>angelifcf)e QJartei befanb fic^ t?on nun an im ©eflj> 
ber ®en>a(t. Der SRatl), ber jic^ bem SBillen ber ®emcin^eit unter* 
»orfen ^atte, war ben ®efc^icften t>on ben ©emeinen gu Dienji t?er* 
^ic^tet, unb feine fat^olif(l)e 9Kef)rbeit fa^ fic^ gum ©e^weigen t)er* 
urtl^eilt. SBenn flc^ tropbem fortan ein ®egenfaft gwifcben JRatl^ unb 
©emein^eit funb t^ut, ber feinen tieferen ®runb oI)ne 3weifel in ber 
unbefiegten fat^olifd^en ®eflnnung jener SMe^r^eit ^at, fo aufert er 
ft(^ boc^ je^t nic^t me^r für unb gegen bie Srbaltung ber 5f irc^e, — 
benn ber Slbfall ber ©tabt t)on i^r ift entfc^ieben, — fonbern e^ 
banbett ftc^ nur noc^ um bie 9lrt, in weld^er ber ©ieg bed @t?ange* 
liumd in SKünjier \)oUenbct unb feine 93ert^eibigung gegen aufen 
gefülirt werben foU, um ein weniger ober mel)r, ein langfamer ober 



176 . dx^ti S3u(^. 

tafelet in ber Un«t)ant)Iun9* 2)er SKittelpunft ber ^axtti bleibt nac^ 
wie t>or im et)angc(ifc^en Sluöfd)u§* 3m Sintjerftanbnif mit ben et)an^ 
gdifdjen ©fiebern be^ Siati)^ unb mit Siot^mann, ber ftc^ g(eic^ braudi^ 
bar unb tl)dtig in politifc^en n)ie in religiofen SDingen erweifi, njerben 
l^ier bie nötl)i9en 9Raf regeln befc^loffen, bann ber Siaif) gu i^rer 2lud* 
fü^rung aufgeforbert unb gebrdngt. !Der Statf) jogert, im eingelnen 
mäßigt unb milbert er gun)ei(en^ aber im gangen mu$ er jebed mal 
tt)eid)en* ©e^t er ben SSSiberjlanb lange fort, fo bro^t man i^m mit 
(Silben unb ©emein^eit, unb um bad ^eft ber Oewalt nic^t t>6tlig 
au6 ber ^anb gu t)erlieren, t»on bem Ungefium ber ÜKengc mit eig» 
ner 2eben6gefa^r bebrobt, la^t er gule^t gefcfje^en, xoa^ er nic^t ^in« 
bem fann, unb entfd^ulbigt unb t)ertbeibigt ba^ 335erf ber ^4^artei 
^intenbrein im 9{amen ber Stabt, fo gut e6 ge^en mag* 

10. 

3Bäi)renb ber 9)en)egung l)attc man bad bifc^öffic^e Schreiben 
t)om 28. 3uni unbeantwortet gelaffen. 3)er 35rief be^ Slat^^, beir 
nun am ^5. 3uli abging, jiellte fid) auf ben ©tanbpunft ber ®e* 
mein^eit, fprac^ t?on ben „ cfjriftlic^en " Seremonien bie man t)alten 
wolle, t?on ber Siebe bed SJolfd gum SBSort ®otted, unb warf alle 
Verantwortung für ta^ ®efc^el)ene auf bie ©eiftlic^feit, bie bid ie^t 
bem ©laubendbefenntnif 9iot{|mannd nic^td entgegengeftellt ^abe« 
9)}an legte gugleic^ bie bem Stat^ übergebene Entgegnung Stot^mann^ 
auf bie in bem bifc^öflic^en ©(i)rei6en gegen if)n audgefprod)enen 
SBefc^ulbigungen bei, unb in biefer fpiegelt fic^ bie wichtige 33eränbe^ 
rung noc^ beutli^jer ab, bie bad ÜRünfierife^e ©emeinwefen erfahren 
l^atte. 6ie ift fpi^ unb fpottifc^, SBädren jene SBorwürfe, fc^reibt 
9lott)mann, in ber SBa^r^eit begriinbet unb nict)t unwat)rbaftige nci^ 
bifcf)e aSerleumbungen, fo wäre e6 fein SBunber, baf unfer gndbiger 
gürfi einen folc^en Unflat unb S36fewid)t nic^t im 8anbe bulben 
m6c()te, \a bie @rbe mü^te mid) bann mit !l)at^an unb 9lbiron t>er^ 
fc^lingenj nun möd)te ici) gern mic^ auf ieten ^unft tjerantworten, 
aber bad würbe gu lang wahren unb bem ?Hati) gum Ueberbruf ge^ 
reidjen, benn Sw. e^rbarfeiten wiffen ia wo^l, bap e^ mel)rcnt^eild 



§ 10. ^tt ^atf) \>on 3Künftfr an ben S3if*of, 1532 3ul. 25. NB. 175. — 
(Rotl^mann on ben miff 3ul. 19. NB. 191. — «anbgrcif $^ilipp an ben «ifd^of 
3ul. 30. a»a. — 2)erf. an ben Statf) »on 2Äiinjlcr 3ul. 30. SW51. — SDtt 
^ifc^of an ®tabt mün^tx Slug. 5. 9^9. 



XIV. a)ft e»anflcl. Slufru^r in aWünflcr, 0«nabriicf u. ?Jobfrbi>m. 177 

offne Umtjal^r^eltm jtnb* (?r jiefje ed fcaf)cr \>cx, nur im aÜQtmtu 
mn bic ©ffci)u(t)fgungen fammt unb fonbcr^ abjulc^nm, unb erbiete 
ftc^, n)enn e^ begefirt werbe, eine eigne 9lec^tfertigung6frf)rift ju über«' 
reichem 

SBö^renb fo ber SSif^of bem SBitlen ber @t)ange(ifc^en gemäß 
befc^ieben n>urbe, njaren bie ©e(^6 unb breifig mit wicfjtigeren 3)in^ 
gen befd)Afti9t. "^cin n?upte, bap ber Sanbgraf ^4^^i(ipp einigen Gin^ 
puß auf ben ©ifdjof befi^e, unb (iep ii)n Ml)alb erfudjen, biefen 
ßinfluß ju ©unften ^Wunfierd anjuu^enben unb bie 2lnfc^Iagc gegen 
ba6 SBort ®otte^, bie man t»on bem 2)omcapitel befurd)tete, ju t>er* 
eitehu binnen furjem erfolgte ein Schreiben be^ Sanbgrafen an ben 
9latl), worin er firf) jur gorbcrung ber Sac^e bereit erflärte imb nur 
vor (Singriffen in bic weltlichen 9?cd)te ber Obrigfcit nnt) ©ciftlidjfeit 
warnte. @r legte ?lbfcl)rift t>on bem ©riefe bei, ben er jU'gleicf)er 
3eit an ben ©ifdjof richtete. 3n biefcm würbe ber 33ifd}of aufmer^ 
fam gema(f)t, baß er feinem 9Sortt)ei( bann am befien biene, wenn er 
ben Domherren i^re ^Renten, ben Sürgern i^re ^^^rebiger erhalte; fo 
Würben beibe 1^ci(e if)m ju SBiÜen unb Oe^orfam (eben; anbcre« 
Batk6 werbe er mit ben Seinen in Unfriebcn ft^en unb überbief bie 
geinbfc^aft ber evangc(ifcf)en SReidjöftänbe fid) jugie^en; aud) fonne 
ber Sifdjof au6 allem abnef)men, baf ber Äaifer in ber 9teligiond* 
fad)e nic^t me^r fo ^eftig fei, al^ er eine ^dt lang gewefen. 

lt. 

35ringenber nod) al^ ber äußere Sc^u^, ben man bocf) in ber 
nddjften ^dt faum gu beburfen fc^ien, war e^, bie t?om 9latf) bebin^ 
gungöweife jugeftantene 2lu«fd)ließung ber fatl)olifd)en @ciftlicf)feit 
aud ben $farrfircf)en burc^jufül)ren. Um bem 9Wange( an ^^^rebican* 
ten, ber me^r a(6 alled anbere biefer abftd)t entgegen trat, abju^eU 
fen, fc^rieb 9iotf)mann am 16. 3uli im Sluftrag ber ®efcl)i(ften an 
bie üJlarburger 5ßrofefforen ©r^arb €cf)nepf unb Sebaftian Slugufl unb 
bat fte um 3uff"fewng t)on Slrbeitern, bamit bie reiche @rnbte nic^t ju 
®runbe*ge^e. Sie fc^irften i^m fogleic^ jwei SDMnner, ©ottfrieb 
6tralen unb ^JJeter SBirt^eim. 3n berfelben 3cit langte ^einrid) 3ioa 



§ II. JDorp. — {Wotl^monn an ör^arb €4nfpf, 1532 3u(. 16. (591. 93ei* 
läge XII. — (Sr^arb €*nfpf an l^anböraf W^iVP 3u(. 21. Wcuterfcr mtxtto. 
Slctenftädf I. 70. — K 209 sqq. 

dornelinl, «ufcu^r in aRünDer. 1. 12 



178 Ofrflf« 53uc^>. 

in 9Künf}er an, ein ^nrlemcr üKond), tm JRot^inann t>on feinem 
©trapburger ?lufent()a(t ^er a(d eifrigen ©efenner bed (&)angeliumd 
fnnnte. Unt) ba man au^er SRotbmann unD Sririuö aud) nod) auf 
©lantcrpd jciht^eiligc Ä^iilfe rechnen fonnte, fo war man je^t im 
©tante, bie Pfarren ju befe^en, unb fd)ritt fogleid) and SBerf» 

2lm 1 . Sluguft erfd)ienen bie Schöffen ber Saifcfiaften mit antern 
Äird)fpie(genoffcn t)or beu Kollegien unb j^löftern, benen bie S3efe^ung 
ber ^i^farrcn juftanb, unb forberten, ba^ fid) t>on jc^t an bie ^4Jfarrer 
imb ßapläne bed ^Jrebigtamtd entfc^lagen unb biejen'gen, bie man 
an if)re Stelle fe^en werbe, nid)t ftoren foUten, n>ofern fie biefelben 
nic^t mit Haren ©riniben aud ber ^. Schrift n>iber(egen fönnten, unb 
ba^ fic bie biöl)fr gebräuchlichen gottlofen Zeremonien abßeUrn foü* 
ten. 2lld biefer ©efcl)(, brr ot)ne ®cnet)migung beö 9latt)d ergangen 
tt)ar, nicht fofort (yel)erfam fanb, forbertc man bie Berufung bed 
SRat^d. 2lm 6. Sluguft, wabrenb bie ®fd)d unb brei^ig unb bie ®il-' 
ben auf bem ec^o^aud t)erfammelt waren, gingen Dlberleute unb 
SWeijierleute auf bie 9latl)fanuner unb forberten, ba^ ber SRat^ bem 
befiegetten 93unbe gema^ bie papiftifc^e ^Jfarrgeiftlic^feit entferne unb 
an \i)X( StcUe fromme et)angelifd)e HJrfbiger einfe^e unb mit bem 
^4Jfarrrec^t audftatte. Sang firaubte fid) ber 9iat^. ©ielleic^t erin* 
nerte er bie Ungeftümen an bie grift, bie man brr Oeiftlic^feit jur 
SBiberlegung 9{ott)mannd eingeräumt ^atte. 2lber bie ®efanbten brol)- 
ten, wenn fie feine Slntwort erl)ielten, woburc^ bie ®emeinl)eit fic^ 
berul)igen liepe, fo würben fie bcn ganjen 6paufen t>om €d)ot)aud 
^erbeirül)ren, unb bann m6cl}ten bie Ä^erren in il)rer äßeidt)eit fel)en, 
wie fie mit bem 3Solf fertig würben. Da gab ber 9tat^ nad), unb 
ed fam ein 2iefd)Iu0 ju Staub, ba^ in ben einzelnen Äird)fpielen bie 
Sdjöffcn mit ten 'üÄciftcrlcuten unb einigen a\\^ ber ®emeint)eit ben 
*4}farrern unb ßaplancn im 9iamcn bed JRat^d befel)(en foUten, fid) 
bed UJrcbigend ju enthalten, bie t>om Siatl) bcfteüten ^4-^rebigcr juju^ 
laffcn unb bie mit bem ißort ®ottcd burd^aud unvereinbaren @ere* 
- monicn abjufteUen^ 

12. 

?Im näc^ften Sonnabenb — eö war ber 10» Slugufi, ber 8au^ 
rentiuetag würben biefcm S3efd}(u0 gema^ bie ^45rebicanten form^ 

§ 12. !Dorp. - K 211 sqq IDort «iid^ Die Epitomc abusiium. — $>if nifs 
bfrc (S)fiftlid?frit ÜWunflcr« nn fca« DomMVÜfl, 1532 «ug. 21. Nli, 185. — 3)ie* 
fclbc an tcu ibifd^uf llug. 24. NB. 182. 



V 



IV. ^cr cöangcl. «ufru^r in Tiün^tt, Oinahxüd u. ^abcrborn. 179 

lic^ m i^r 2tmt eingeführt unb i^nen i^re Äirc^en unb SBotinimgen 
jugeroiefen* Slot^mann blieb ju ©• Lambert, Sririu^ bejog bie 6a^ 
planei bei ©• SMartin, dübü unb ®Ianbor|) befamen bie ©♦ 3(9en* 
fird^e, ©traten bie Uebern?affer*, Sa3irtt)eim bie Subgerpfarrei. Die 
gü^rer ber ©^angelifc^en unb eine gal^freic^e aWenge begleiteten fie in 
i^re itircl)en, entfernten unb jerbradjen Slltäre unb SBilber bie ju bem 
neuen Söefen nidjt paßten, unb t)erboten ben fatbolifc^en ®eifllid)en 
?ßrebigt unb ®ottc6bienft. Um allem SBiberftanb berjenigen 9lat^d^ 
Ferren unb ©eiftlic^en ein (Snbe ju machen, bie fid) hinter ben j\\vei^ 
beutigen Sludbrücfcn ,,3Äifbraud)e" unb „ungottlidje" (Zeremonien 
t>erfd)anjen unb fo ben fatt)olifc^en ©otteöbienft ttjenigftend t^eilweife 
retten wollten, ftellten bie *4?rebicanten in einer eignen Schrift ein 3Ser^ 
geic^nif ber ?D?ipbrauci)e ber romifcfjen Äird)e in fedjjel^n 2lrtifeln auf 
unb übergaben baffetbe am 16. Slugujl. SSergcbend wie^ ter 9lat^ 
auf feine Sncompetenj in biefer ©ac^e, bie allein bem geiftlidjen ®e* 
xid^t juPeI)e; er mu^te bie Slrtifel annef)mcn, bie ?PfarrgeifMicl)feit 
5ufammen berufen unb i^r außer ber ^-ßffbigt bie in biefen Slrtifeln 
naml)aft gemadjten 3;i)cile be6 (Su(tu6, bie SReffe, bie Verwaltung bed 
Slbenbmald unter einer ®cftalt, bie Anbetung be6 Slltarfacramentd, 
Segängniffe unb SSigilien, ben ®ebrauc^ ber lateinifc^en Sprache bei 
ber ilaufe unb im übrigen ®ottedbienp, bie 21nrufung ber Ä^eiligen, 
bie leftte Delung, bie SBci^ungen t?erbieten, auf fo lange bid fie bie* 
felben mit ber tj. Sdjrift bewahrt ^aben würbe. Der ®eiftlicl;feit 
blieb nic^t6 übrig alö fd)weigenb ju ge^orcf)en unb ben ®ottc^bienfl 
eingufiellen. 

So war bie et)angelifcl)e ^-ßartei, bie jucrft nur für bie 93ilbung 
einer freien ®emcinbe nac^ 9iotl)mannö ®(aubcn^bcfcnntnip neben ben 
fatbolifc^en Pfarren bie Dulbung beö 9latl)d in Slnfpruc^ genommen 
^arte, mi) 9Jerlauf eine« l^alben 3a^r6 in ben 93eft^ fammtlic^er 
Pfarren gefommen, unb n6tl)igte ibre fat^olifdjen Mitbürger, t)on ben 
©rabfteinen il)rer 2ll)nen ju weiften unb im Dom unb in ben Älo* 
flerfirc^en bie Sefriebigung il)rcr religiofen Sebürfniffe ju fucf)en, bid 
man fie aud) t)on bort vertreiben würbe. Denn bie 2lbfir{)t ber ^rebii» 
canten war eö aüerbing^, jrbe Spur bed ^ßabftt^umö in ÜKünfter ju 
t)ertilgen. „Diefe Slrtifel, fagen fie in ber am 16. Sluguft bem SRat^ 
übergebenen @d)rift, t)aben wir auf9ejcid)nft, um bem @ol)n beö 93er* 
terben6, taö ^eißt jenen 9Rrnfd)cn, bie fid) ber göttlichen 9Wacf)t a\u 
ma^en unb fagen, fie feien an @ottc6 Stelle unb batren 9Jfa(^t, bie 

12* 



180 (tcftu Q3u(^. 

Seelen gu befteicu unb bie ©ünben ju i^crgeben, i^re 9Kadfe abju^ 
gießen, unb bamit alle, tt)elc^e noc^ innerhalb unferer ©tabt an ben 
gottlofen Seremonien fangen unb flc^ tjon* iljncn mdjifn, burc^ euren 
Sefe^t gejwungcn batjon abfielen mögen. ®ott gebührt (S^re t)on 
allen, befonberd aber t?on ber Dbrigfeit; mithin, ba biefe SWißbraudje 
nict)td jinb a(6 Säflerungen unb SSerleumbungen ®otted, fo gfemt ed 
cuc^, bie ^aldfiarrigen unb @otte6Iäfiercr mit ber Strafe ber ®efe$e 
ju treffen: benn i'br füf)rt bad ©cfcwert nid)t umfonfi." SBenn tro^* 
bem ber 25om unb^i^biejenigen Äloftcr, bie auf er S5egief)ung ju ben 
5ßfarren fianben, in if^rem alten 335efen ungeflört blieben, unb felbft 
bie Uebern>afferfirc^e fc^onenber bef)anbe(t würbe a(^ bie übrigen ^Pfarr^ 
fircf)en, fo Ratten fie bicfe einftweilige !Du(bung t^ietfeic^t ber 93ermitt>^ 
lung be6 9lat^ö, aber gewif nid)t bem guten ffiiHen ber Q^auQtlu 
fc^en ju banfen. 

!£)er SKutf) ber Äatbotifen war gebrod)en. 35em Seifpiel be^ 
alten 33ürgermeifter^ ©berwin 3)rojie, ber fc^on (Anger bie ©tabt ge* 
mieben l^atk, folgten ie^t t)ie{e anbere angefel)ene SKanner, unter i^nen 
ber jwdte ©ürgermeijier 9ßilbranb ^pionnieö, bie 9latl)d^erren ^er^ 
mann ^cerbe unb ®ernt Mn ber binnen, ber ©tabtricbter ^ermann 
©c^encfincf. ?Inbre 9iat{)6l)erren, wie Diricf SWunfiermann, befuc^ten 
bie ©tabt nur nod) juweilen, wenn ed bie ?Rotfy ert)eifd)te. 93ürger 
unb jfloflerleute fc^afften I)eimli(f) if)re Urhmben unb Äleinobien nac^ 
fieberen Orten* 2)ie ®eiii(ic^feit, t>om 5P6bel bebrol&t unb täglid) in 
©orgen um ?eib unb geben, ficfftc bie Ferren t)om 2)om unb ben 
93ifc^of um ^ü(fe an. SlUer Slugen wanbten jid) nac^ auf en. 

13. 

Unterbef Ib^tte ber Sriefwecbfel gwifdjen ©ifc^of unb ©tabtrat^ 
fortgebauert. 2luf bie wieberf)oIte Srma^nung bed Sifc^ofd gab ber 
3lat^ am 16* Slugufl if)m ju bebenfen, baf bie ®eifi(ic^feit noc^ nic^t 
für eine 3Biberlegung Kot^mannö gfforgt, unb bat if)n, fic^ bur^ 
®efanbte an ber SeiJegung bed inneren Swifted freunblid) bet^eiligen 
gu woUen. 3Benn ber diati) bamal^ wirflic^ noc^ l^offte, burd) folc^t 

§ 13. JDer 0?rttl& üon SWünfler an fcen Sifd^of, 1532 Slug. 16. 9K5J. — 3)er 
93ifdE>of «n fcen ,mati} «ug. 17. ÜÄ91. — 2)tr »iWof an ben üiat^ «ug. 21. 
ffl^a. — JDtr ^atf) an ben JBifc^of «ug. 28. NB. 194. — JDer 93if*of an Den 
(»at^ «ug. 29. K 223. — JDer «ifd^cf an ten (RatlJ «ug. 30. NB. 196. — 
K 213 sqq. 



XIV. JDcr rt^angel. «ufrul&r in SWünjltr, Odnabrücf u. 5?abfrtürn. 181 

Mittel einen friefclicf)en Slu^weg jwlfdjen ben entgegengefe^ten gor^ 
berungen bed Sifc^of6 unb ber evangelifc^en Sürger ju finban, fo 
reichten wenige Jage an^, um i^n t)6ßig über feine Sage aufjuflären» 
!Ere ©emein^eit, in bem fefien entfct)(u^ i^re Srmngenfc^aften auf 
iebe ®efabr f)in ^u bel)aupten, fa^te bereite ben nal)enben SRed)tö(ireit 
mit Sifcl)of unb Sanbfc^aft unb bie ÜR6glid)feit bed Äriegd ine «uge* 
Um bem Sebürfnif ber ®tabt in beiben gaflen ju genügen, würben 
®ilbemeifter unb DIberleute beauftragt, am 16, t)om 9?at^ bie SBeru^ 
fung eine^ red)tdgelef)rten ©i;»^»'^"^ wnb bie Jludbefferung bergefiungö^ 
werfe ju tjerlangcn, 3u ber erfteren SKapregcI Ijatte man eine er*» 
wünfd[)tc aSeranlaffung in 'ber 2lbWffenf)cit M Sürgcrmeijierd Drofie, 
ber bieder bie ®efd)afte be6 S^nbicate t>erwa{tet l)atte, je^t aber fei^ 
nen Seruf fuf)Jte, feine geber einer llntcrnel)mung ju leiten, mit ber 
feine ©efinnung nidjt übereinftimmte, unb bie Giniabungen jur 9iü(f^ 
fe^r unb jum SBiebcrantritt feincö 2lmteö ba(b mit ber ^inweifung 
üuf fein älter unb bie jime^mcnbe Sd)Wä(^c feinet ®ebacf)tniffed 
beantwortete, balb grabe^u ertiarte, man tonne il)m nicf)t jumut^en, 
fic^ unb feine Äinber um ber Stabt willen in 6cl)aben unb ®efaf)r 
ju fe^en. ?Run wollten bie Sut^erifdjen einen ÜKann it)rer ^^Jartci an 
bad S^nbicat bringen unb begel)rten bedl)a(b bie fc^leunige Berufung 
be6 3ot)ann t?an ber SBiecf, eineiS SÄünjierifdjen Srbmann^, ber feit 
langem tjon feiner Sßaterftabt entfernt, aber greunben unb geinben afö 
Ieibenfd)aftlid)er Sln^dnger bed Sutljert^um^ wot)l befannt unb in^bt^ 
fonbere ben 2)omt)erren auf6 tieffte ver^apt war» (Sr biente feit eini^ 
gen 3a^ren ber Stabt SSrcmen aie Si;nbicu6. Diefen 9J?ann muffe 
man unter {eber Scbingung ^abcn, erflarte bie ®emeinf)eit, man foUe 
itni fo tjiel @olb geben ald er verlangen möge» SBa^renb ber üiaif) 
not^gebrungen auf folc^e gorberungen, bie alle6 anbre e^er al6 ben 
^eben in Sludftdit jicüten, einging, an ben geftung^werfen arbeiten 
liep, ben S^nbicud, wenn auc^ t)orerft erfolglos, nac^ 3Künfier ein* 
lub, würben bie ©riefe bed Sifc^ofö immer bringenber unb bro^en* 
ber* 2)er diath aber, t)on beiben geiten befiürmt, t)on ben angefe^ 
^enfien tatl)olifc^en ^äuptern t^erlaffcn, lebig aller ^ülfe, gab feine 
SJemiittlungdgebanfen auf» Die ©riefe frcujten fid)» 2lm 28» Sluguft 
erflarte ber JRatl) bem S3ifd)of, ed fei i^m unter ben obwaltenben 
SSert)altniffen unmöglidj, ba« Solf vom 2ßort ®otted ju brangen unb 
bie ^Prebicanten ju vertreiben, unb erbot ftrfj ju 9ierf)t auf bad San^ 
l)e«i)rivileg» am 29» ?lugufl, noc^ el)e er biefen ©rief erl)alten, 



182 (Srfice lSu(^. 

fc^ricb ber 93ifd)of, er l^abe t>on ben legten SSorgängen in ber ©tabt 
gc^ortv unb n^erbc feine Oefanbten \i}idm unb feine Unter^anbJung 
fuf)ren, e^e nic^t atle ^Reuerungen abgefteUt feien; 9Kifbräud)e, mo fie 
ftc^ fanben, abjujiellen gebül)re i^m felbji unb feinem anbeten. 3u* 
le^t am 30. Sluguft bejeicfjnete ein bifd)6flic{)ed Schreiben bte ©eru^ 
fung ber Stabt auf bad 8anbedprit)ileg ald in biefer SReligion^fac^e 
t)6Üig unfiattt)aft unb forberte fle jum legten mal gum Oe^or^ 
fam auf. 

14. 

• 

granj tjon fflSalbecf war entfc^Joffen, (Srnfi gegen 5!Rünfler ju 
bereifen. SlUerbingö fianb er mit bem etjangelifdjen Sanbgrafen in 
greunbfc^aft unb SBünbnif , unb nic^t ^hva ein großer (Sifer für bic 
Äirc^e ^inberte i^n, auf bie einfluf reidje Stimme beö mdd)tigen gür* 
Pen ju f)6ren. 2lber nic^t minber wertI)t)oß war i^m bie greunb^ 
fcf)aft feiner fat^oiifc^en 9Ja(^barn am 9l^ein, benen er feit Sauren 
a(d (Solnifdjer 3)omberr unb ©ergifdjer Slmtmann nahe gefianben 
unb benen er fogar feine ($rl)cbung auf ben bifd)6flic^cn @tub( ju 
SWinben tjerbanfte. 2luf erbem f)atte ber jtaifer, beffen SBo^lwotlen er 
für bic 9Winbif(^en 9Birren nid)t entbehren fonnte, i^n münblic^ unb 
fcf)riftlic^ jur Unterbrücfung bed Sut^ertl^um^ aufgeforbert. 9Jor allem 
aber war er feinem Domcapitcl t)erpflicf)tet : biefed unb ben gefamm^ 
ten 2ltc( bed ßanbeö, ia atte Dbrigfeit gegen ben 2lufruf)r bed gemei* 
nen 9Wann6 ju fct)ü$en, faf) er a(d feine Slufgabe an. 3e^t, ba 
bie 9Jctl) wuc^d, bie frieblidjen 93er^anblungen mk SJJimfier abgebro*^ 
c^en waren, bie Oeifllic^feit ber ^auptfiabt fldglid) um Jpüffe flet)te, 
aud) in Soiöfetb unb anbcrwartd bje neue 8el)rc um ftd) griff, war^ 
teten bie Domf)erren nic^t langer auf bie päbftlic^e Konfirmation i^red 
$ofiu(irten, fonbern übergaben if)m im üorau^, am 31. Slugujl, bie 
»olle lanbeöl^errlic^c Oewalt, räumten i^m beö gtiftcö ,§äufer unb 
2lemter ein unb wiefen bie Slmtleute jum ®el)orfam gegen ibn an. 
2luöbrücflic^ wirb al6 3w)ecf biefed ßwgf^'inbniffed bie Unterbrücfung 



§ 14. Staihx (Sari V. an ben «if(^uf, 1532 3uli 12. NU. I. 6. - €»e»ft^ 
fal ted liBifc^ofd an tad IDomca^itel tve^en Einräumung ber ^(^(öfTer 9lug. 31. 
NB. 187. — (Reüerfal be« 93if(^of« über bie »cm JDomcapitel i^m gemacfetf 53e« 
lüiniflung, bie in il|ren ®eQtt\^tm be« Sutl^ertlfum« unb Slufru^r« @c^ulbigen 
iix jirafen. SWa. 



XV. $abccaDrnd SaU unb a)eünj)fre llBibfrflant. 183 

bfd lut^erifc^en Slufru^r^ bejeic^net^ 3)ie erfie ^anblung fcee jur 
9)iad)t erhobenen Surften war ein aügemcined Slu^fdjreiben an @tdbtc 
unb Slmtleute bcd ©tiftd, baf fie bic Steuerungen, n>o fie begonnen, 
abfteUen unb bie SReuerer jur Strafe jiV()en foUten. 'Darauf bereitete 
er fic^ t)or, gegen feine ^auptftabt bic ®ewalt ju t)erfucl)en» 

3u gleicher 3fit er^ob fic^) (grjbifc^of ^ermann gegen 5)Jaberborn^ 
Seit brei 3at)ren war ber et>angeli|"d)c 2lufrut)r fiegreic^ t>on 
Stabt ju Stabt gefd)ritten, jeben 2Biber|ianb leicht bewattigenb, unb 
erfi iejt, im ^erbft 1532, trat if)m ein entfc^(offener gcinb entgegen 
unb legte i^in bie Prüfung eine6 ernften Äampfcd auf. Die geiftlic^c 
unb wMiijt Slriftofratie beibcr Stifter fc^aarte fid) um il)re ^äup^ 
ter unb bebrol)te bie jwei Stäbte, in welchen bie et>ange(ifc^c ^^krtei 
t^re iüngften 6rfo(ge errungen ^atte. 'Da^ Sc^icffal ganj 2ßeftfa(end 
l^ing t)on bem Sludgang biefe6 Äampfed ah. 



XV. 

^atievBornd "SaU unb IDlünjierd fBSiberjianb. 

u 

Sr^bifc^of ^ermann tiagte ^or bem Sanbtag bed Stifted bic Stabt 
5ßaberborn bed ?lufrut)r^ an. 2)a t)ier bad Verlangen au6gefproc^en 
würbe, eine frieblic^e 93ermitt(ung ju t)erfud)en, gab er nac^ unb ed 
würben brei ©lieber ber Dtitterfc^aft, 3o^ann \><\r\ Suren, 9lat)cn 
aSBefifal unb granj ^oirbe, abgeorbnet, um bic Stabt ju bewegen, 
bie 9Jeuerungen abjufteUen unb nicf)td bergleic^en weiter tjorjunc^mem 
3)if ?lntwort lautete, 9lat^ unb ®emfin()eit Ratten einen 93unb ge^ 
fd^Iojfen, bei bem ffiort ®otted jU bleiben. 9fod) einmal famen fürji^ 
liebe 9tail)e unb brobten mit fc^wercr Strafe, wenn bie Stabt nic^jt 
alled abfteUe, wa^ fic gegen geiftlic^ed unb weltlic^eö ?H^i}t, gegen 
bic d)riftlid)e Drbnung, päbftlic^e unb faiferlicf)e ©biete, Slbfcfeiebe be« 
JReic^ö unb gegen ben SSertrag t)on 1528 vorgenommen. !Dic 93ür^ 
ger blieben ^artnacfig. 5)a fam ber (^rjbifc^of felbfi. 3Wit i^m bic 
Ferren au^ ber 9fad)barfcf)aft, ^erjog ®eorg tjon Sraunfc^weig, ®raf 
Simon t^an ber 2ippe, ®raf Dtto tjan bem SRctberge, fein Soabjutor 



§ 1. ^te OucUen finb gu dap. XIV. § 6 angeführt. 



184 (Srfied ^u(^. 

@raf Slbolf t>on @d;auenburg, mit anbre 66(nifc^c unb ^4?aberbornu 
[d)e ©rafcn unb ^errcn. Sie jogcn am 8. Dctobcr t)on Sc^lop 
5?cut)aud ^er auf bcr Äonigflra^e, feftlid) gcfcf)mücft, bic ^ulbigung 
gu feiern, aber il)r ©efolge bilbcten taufenb gewappnete Dtriftge. Cf)ne 
SQBiberjianb gelangten fie in bie Stabt. Die 8lbfid)t beö (Srjbifc^iofd 
war nid)t, jur Strenge ju greifen; boc^ alö er bie 33ürger auf bein 
2)om^of t)erfammelte unb ein 3;i)ei( berfelben audblieb unb ben-CSib 
migerte; al^ man i^m bann eine Slbfc^rift eineö Srief^ ber (Si>ange^ 
lifc^en an Sanbgraf ^t)i(ipp ^oc^t)erratl)erifcf)en 3nl)alt^ t>orlegte; ald 
er erful)r, bap fte aucf) Söarburg ^a ten in ben 2lufrut)r jief)en xvoU 
Uu, bap fic mit i^ren ^arteigenoffen in ®öttingeu 93erbinbungen an^ 
gefnüpft: ba l)örte er auf bie 9)laf)nungen bed ^apitel^ unb ber fat^o* 
lifdjen ^aupter beö 9latf)ö unb entfd}(op fid), ju ftrafen unb gurc^t 
JU erwecfen. 2lm !!♦ Dctober würben bie Sürger in ben ©arten 
feiner 2ßot)nung, ber Slbtei ?lbbinrfl)at)e, befc^ieben« Sie glaubten, er 
wolle bie Stabt \^erlaffen unb werbe fic^ guabig erzeigen. Slber ald 
fle tjerfammelt waren, würbe ber ©arten gefd)lcffen, baö Älofter um- 
ringt, X^ore, Strapen unb SJiartt befe^t, bie ^4-^rebicanten aufgefud)t 
unb t>ert)aftet. 3)arauf liep ber Grjbifi^üf ftcbcnjc^n tutljerifd^e 93ür^ 
ger greifen unb bem 2}erl)i3r unterwerfen. Sie leugneten ben 53rief 
an ben Sanbgrafen ab, allein Sutt)ertt)um unb Slufru^r tonnten fte 
md)t leugnen: fie ertlarten, t>on ben ?i^rebicanten elenb t)erfül)rt wor^ 
ben ju fein. 2ßegen ?lufru^rö unb 93erratl)ö unb weil fie gegen fai^ 
fcrlic^e imb pabftlic^c ?lKanbate bie neue 2e^re l)ereingebrad)t, würbe 
i^nen ber Stab gebrod)en. 2lm 14. Dctobcr faf) man auf bem SRarft 
ein Sd)affot auf gaffern errichtet, mit Sanb beftreut, ben Sc^arfric^* 
tcr mit bem Sdjwert babei, 2)er 331a& war mit 3ieitern befe$t, 
ringsum fianben SSewaffnete gefd^aart, bic man t)on Srwittc unb 
©efefe ]^erangel)olt ^atte. Der erjbifd)of f(^)aute mit bem »orne^meu 
©ffolg unb ben 9iatl)d^erren ax\^ ben genftern bed 9latl)^aufeö t)erab, 
alö bie ©efangenen l)erbeigefü{)rt würben. SBo^l gab cd ^ier ftarfe 
fäd)fifd)e ^crjen, bic ben 3^ob angingen für il)re Ueberjeugung. iDer alte 
SJater beö Soefter 3)ialerö 2llbcgrct)er, ^ermann Jrippemecfer, fc^lepptc 
ftd^ an bem Stab, ber bem ^albgcla^mten jur Stu^e bicntc, l)erbci 
unb rief biefelbe Strafe auf fein eigneö §aupt ^erab. 2)er Sd)arf^ 
ric^ter QJelten wollte an biefen 5!)iannern fein 21mt nid)t t?erric^tcn, 
legte baö Sdjwert ^in. Slber in ben meiften war ber ftarre Sinn 
burc^ baö plo^lid) brotjenbc graufame Unt)ei( gebrochen. 2llö an 



XV. $aberbornd Satt unb aJ^önflerd SDiberfInnb. 185 

JBfttend Stelle ber Scharfrichter Statiud getreten, al6 bad üobedur^ 
t^ril gelefen n>ar, ba erhoben bie ©efangenen ein lautet ®e^eul, 2ßeU 
bcr unb Äinber [c^rieen mit, alle ftürjten auf bie Äniee, ftrccf ten bic 
^änbe gu bem gcnfter l^inauf. 2)er gürft trug fein 93er(angen itadj 
Slut, er ^atte nur bem Slnbringen ber fcurc^ ben Slufru^r SSerle^ten 
nacljgegeben» 3eftt aber tpurben biefe t>on bem allgemeinen Drang 
b<ö 3)iitleibd ergriffen unb fortgeriffen, unb legten felber im Slngefic^t 
bcr fle^enben ÜJJenge iljre gürbitte ein, Da liep ber (Srjbifd;of bie 
®ffangenen abfüt)ren* 

@d fam ju feiner Einrichtung. ?lber am 16. Dctober tpurbc 
ein jRecep mit ben Siegeln be^ gurften unb aller Staube M Stifte 
behängt, burct) tvelcljcn ber äJertrag t^on 1528 t?on neuem beftatigt 
tpurbe unb bie Stabt fiel) t?erpflict)tete, ben ®e^orfam gegen bie alten 
löblicljen Orbnungen ber i^ircl)e aufrecf)t ju erl)alten, feine Slenbcrung 
gu gejiatten bie nic{)t gut^or \?on ber gefammten Äirc{)e eingeführt wor^ 
ben, feine anbern ^4?rcbiger alö bie »on ber gciftlic^en Obrigfeit geerbt 
ncten gur Äanjel gu laffen. 9iat^ unb Sürgcr l)atten nocf) einmal 
ben Untcrt^aneneib gu leiften. Um ieber 2lnfterfung t)orgubeugen, feilte 
fein Dienftbote aM einer et)angelifcl)en Stabt angenonunen werben 
bürfen, unb jeber neue Sürger bei feiner ?lufnat)me ben gegentt)arti* 
gen SRece^ befc^woren. Die ®efangenen erl)ieltcn ®nixbe unb it)urben 
wegen ber SBu^e an ben 6rgbifcf)of gewiefcn; füllten fie ferner gegen 
ben SBerlrag ^anbeln, fo waren fie mit bem 3^obe bebroljt. (Sine 
fc^ärfere Strafe n>urbe nur ben 5}3rebicanten unb bem Sc^ulmeifter, 
ben man nac^ einigen S^agen aud einem Scf^lupfwinfel l)ert>orjog, 
gugebac^t ; aber auf bem 2Beg md) 5öerl, wol)in fie )>on Scl>lo^ SReu* 
^au^ gefü()rt würben, gelang ed i^nen, mit ^ülfe t?on Soefter S3ur^ 
gern ber ^aft fid) gu entlebigen.*j 

2. 

3u berfelben 3^'^ ^'^ ^^r @rjbifcl)of bic 'ipaberborner Sacl)e tjor 
ten ?anbtag brachte, tt)at S3ifd)of granj einen al)nlicl)en Schritt. Sinen 
Sanbtag t>erfammelte er nidjt, rielleict}t weil er ber Stäbte nict)t fo 



*) ^filaflc VI. 

§ 2. Ufjfitfcnung ttjf« uf ttm Uinttacjc ju 33ilberbf(fc angetragen fc( iuers 
ten. 3)i9(. — 3nftructiün fcf« 9ludf*uffed brr mittcrfcfeaft gnr g3cd)antlung mit 
ber etabt SÄünflcr. SWa. iöeil. XUl. - K 227 sqq. 



186 



(ir{)fd $U(^. 



fid)tx Yoax, tvic ev wünfcbte. Statt bcffen berief er bie 9iitterfc^af 
fluf ben 17» (September m^ ffiilrcbecfe. I)ort wieö er auf bie ®e 
faf)r be« SKünfterifc^en Slufrul)rd i)\\\: wad in ?Diüufter gegen bi 
JReligion gefc^e^en, fei and) in anbern Stäbten unb Dörfern ju be 
forgen; [a tt)enn man nic^t jeitig bagegen einfc{)reite, jie^e eine Sm 
porung M gemeinen SKanned gegen Dbrigfeit unb 2lbel bet>on Dem 
eine anbre gruc^t, fagte bcr Sifc^of, ifi auö biefem unc^ri(ilicf)en Se 
ginnen nid^t ju ent)arten, alö baß bad l)ei(ige SBort ®otted jun 
gct)anbbecfel eigne« ?0lut()tt)iIIen6 gebraucht tt)crbe, geiftlic^e unb noelt 
lic^e Dbrigfeit in 93erac^tung falle, 2Bibent)ille, 9Jeib, ^aß unb Unge 
I)orfam, jule^t Slufru^r inib S3(utt>ergicpen tt)ic im Dberlanb barau^ 
em>ac^fe» 3)a nun alle Srmal^nungen tjon ben 9Wünfterifd)en l)intrtn 
gepellt worbcn, fo fei er entfdjloffen, mit @rnft gegen fic ju »erfab 
ren, alle Ärafte baran ju fe^en. Der 2lbel aber, bem bie Sad)t glei 
c^en 5?ac^t^cil ^vie bem gxirften bringe, fülle i^m jur Seite fte^en un) 
mit it)m t^ereint bie Ungel)orfamen jum (53el)orfam jurü(ffril)ren. Di 
9litterfcf)aft erflartc fic^ mit bem 93ifd)of eintjerftanben unb fprac^ es 
au«, baß er gug imb Oiec^t t)abc, ber ffiürger 3Kut^milIen unb 2ln 
maßung mit ®ewalt ju unterbrucfen; aber, tt)eil bie ©ac^e gefä^r 
lic^, 9Jiünfter jiarf befejiigt, bie 33ürger fiir il)re ^Religion jum außer; 
jien bereit, t^iele Stäbte il)nen geneigt, fonne bei rafc^em Sugreifei 
leicht ®eifili(^feit unb Slbel unb bad ganjc Stift xM 93erberben gera 
tt)en. Ded^alb noar ber Schluß ber 3?erfammlung : fic wollten pd 
i^rem gurfien jur Seite ftellen, aber alle gütlichen 9Rittel möchtet 
t)orerft t>erfuc^t njerben* 9Kit ®ene^migung be6 Sifdjofd überna^n 
ein Sludfd^uß ber 9iitterfcl)aft gemeinfam mit ben Stattt)altern bii 
Unter^anblung imb lub bie Stabt md) SÖolbecf auf ben 23» Sep 
tember jur 3uf«»nmenfunft. Die Snftruction, welche ber 2lu«fc^uf 
erf)ielt, t)erlangte SlbfteQung ber 5?euerungen, Entfernung ber ^4?rcbi; 
canten, unb baß bie Stabt bem Sanbedljerrn ®enugtl)uung für i^i 
eigenmächtige«, fret)elf)afte« beginnen gebe; fei bie Stabt t)ierju bereit, 
fo wolle bie 9iitterf(t}aft jur (Sintradjt t)elfen unb t>ertr6fte fid), bei 
S3ifd)of werbe etwaige SWißbräud^c geiftlid^er ober weltlicher Slrt mii 
^ülfe ber Sanbfd^aft unb ber 9?acl)barfurften beffern; beftarre fte abei 
in il)rem aufrül)rifci)en beginnen, fo müf[e bie SRitterfcl^aft bem San^ 
be«l)errn auf Srforbern i\)xtn Seijianb gewäl)ren unb fei SBillcn«, 
ftd^ unb bie 8anbfct)aft »or faiferlicijer Üöfaiefiat unb be« SReic^« Ua 
gnabe'unb Strafe ju bel)ütem 



XV. $aberBorn« %aU unb Sf^änflrr« a9)iber|lanb. <^ 187 

SSon bem gefejlic^en Stanbpunft angefe^en, ben bic 9iittfrfcf)aft 
einnahm, \mx t>on Slnfang an über bic ?D?ünftcrifc^c ©ac^e bcr Qtab 
gcbro(^em Uebcrbief I)attc bic t^cologifd^c gacultät 5U 66(n am 
9. September bic Slrtifcl bcr ^^rcbicantcn ücrurt^eilt, unb ein faifer^ 
lid)t^ Schreiben an ben Sifdjof lag t?or, n^clc^cd bic Sefirafung ber 
äRünflcrifd^en, bic ^erfteUung ber Orbnung unb bed ®et)orfamd for* 
bertc. Slber bic Srmägungen ber ©t^angclifc^en beruhten auf einem 
ganj anberen a(d bem alten Staate ^ unb Äirc{)enrec^t. 2)ie Oeiji^ 
li(^feit, fagten [u, ift tergebenö t?om 9iat^ aufgeforbert tt)orben, 9tot^^ 
mann gu wibcrlegen; i}alt man bic Slcnberungen im ©otte^bienfi für 
unrecht/ fo foH man bic ^^^rebicanten t>erf(agen; ijabtn 3Wünfterifc^e 
Sürgcr ttxoa^ t)crbroc^en, fo fann man jte n>ie bic ^{rebicanten x>ox 
bem ftdbtifc^en ©eric^t belangen* Sie glaubten biö ju ben ©renjen 
be^ 3RÖ9lic^en t)orjU9cl)en, wenn fie fic^ erboten, ben ^^rebicanten eine 
3eit lang ba^ 5ßrcbigen ju unterfagcn, um tDa^renbbed eine Söiber* 
kgung il)rer Slrtifcl abzuwarten. ®egen !Drot)ungen beriefen fie fic^ 
auf ba6 faiferlic^e "äKanbat, bad ju (fünften ber et)angelifd)en Staube 
JU Siegendburg am 3» September erlaffeu worben* ÄnippcrboHincf, 
bcr burd) feinen ^45rit>atproce^ ben SBcg nac^ Speier fennen gelernt, 
fc^affte foglcid^ auf eigne ^anb, ol)ne ®e^eif bcd diail)^, ein fam^ 
mcrgerid)tlic^cd SSerbot, an öifc^of unb (Sapitcl gerichtet, nidjtd wiber 
bic Stabt üHünfter gegen ben fianbfrieben unb bad jüngftc faifcrlic^c 
SRaubat gu unternehmen» 'I>a^ befte Sludfunftömittel, meinte man in 
äRüuficr, würbe bic Berufung gelehrter unb angefe^ener ?Dlanncr jur 
f(^iebdri(^terlid)en (5ntfd)eibung bed SleligiondjWified fein; aud) einer 
frommen d^riftlid)cn Drbnung bcd 93ifc^ofd wolle man fid) unterwer^ 
fen. grcilic^, bic Sntfc^eiDimg über bic ^JJ^^fonen ber Sd^icbdric^ter 
unb über bic (5l)riftli(^fcit ber Drbnung war man nic^t gemeint auö 
ber Jpanb ju geben. 



§ 3. Delerminatio facullatis thcol. Colon, super articulis Monasteriensibus, bei 
Gerdes Scrinium antiquarium II. 424. — 2)te t>ün (Rot^mann verfaßte Slntwort 
auf tic Sniiruction ter (Ritterfc^iaft. K 238 sqq. — SWanbat M Stammtx^txid)^, 
1532 Sfptbr. 23. 9W91. — ißfröanblunc^ gu llöolbecf, 1532 €cpt. 23. 3W«. — 
etattl^altfr unb IDe»)utirtt ber Öiitterfc^aft an bni 53ifd)üf, 1532 (Sf^t. 23. SUm. — 
2)fr »an SWunfler ingcBrad^te anttt>ort up bcr rittcrfd^ap unb jlat^olber »crffonge 
(93olbe(f ee))t. 30). m^. — K 243 sqq. 



188 (Srfied f&u^. 

2)fr Stabtrat^ tt>av im ©cbräng» (Sr wollte fic^ nic^t mit ber 
9iitterfcl)aft t^erfcinbcn, beren Slnfic^t er felbfl beipflichtete» ?lber tt)ic 
foüte er fie befriebigen? ©eine Slbgeorbneten erfd)ienen ju SBoIbecf 
neben DIberleuten unb ®ilbemei|iern, aber ol)ne 93ollma(t)t, Sugeftänb^j 
nijfe ju machen. Die ganje 9Jerf)anblung bret)te fii) um bie S3e|lim^ 
mung ber ^rifi, binnen welcher ein 9Jerfuc^ gemad^t n)erben follte, 
bem Verlangen ber 9iitterfc^aft ©ingang ju t)erfc{)affen* ®ie begel)r^ 
ten t>ierjel)n 3^ge, man wollte if)nen einen, bann jwei Jage geben* 
Sie entgegneten, ber 9lat^ ftel)e in 8ebendgefal)r, wenn er bie Sac^e 
mit (Si(e betreibe» 2lber erft, a(6 bie Unterf)anb[ung einen falben 
J£ag gebauert, würben ac^t Xage jugeflanben» 3h\n fachte ber dtatij 
feiner Slutoritat ju lieb bie abwefenben Surgermeifler in bie ©tabt 
gurücfjufü^ren, unterl)anbelte mit ben ®itben imb mit ben @c\d)\dtm. 
aiber bie Sürgermeifier weigerten fiel), bie 93ürgerfc^aft bet)arrte* ©tatt 
auf bie Slnftc^ten beö 9iat^ö einjugc^en, iiberreicl)te man i^m ba^ t>on 
itnipperbollincf erwirfte @cl)reiben bed 5tammergerict)t6 unb legte il)m 
einen t)on JRot^mann im ©inn ber e^angelifct)en ^]jiaxU\ t>erfaf ten 9luf^ 
fa$ x>ox, ber afö 2lntwort auf bad Segel)ren ber SRitterfd^aft bienen 
follte. 2)er 9iat^ lehnte ab, t)on biefen ©c{)riftfiücfen ©ebrauc^ ju 
mac!)en — er l)dtte bamit in ber X\)at bie Slegierung niebergelegt — , 
aber eben fo wenig fonnte er baran benfen, flc^ bem SBiüen ber ®e^ 
inein^eit ju wiberfe^en» 81 (d man am 30. ©eptember \>on neuem gu 
SBolberf jufammentrat; befannte bie 9Künfierifd)e Dbrigfeit if)re ^ülf^ 
lofigf eit unb bat um ®ebulb. 3^r SSorfc^lag war, man möge auf 
bie ®egenfcl()rift gegen bie Slrtifel ber ^-Prciicanten warten unb bann 
bie JReligiondfadje einer unparteiifcl()en Unterfudjung iiberweifen ; wür^ 
ben bie ^rebicanten mit QoUlii)tx ©c^rift wibertegt, fo fönnc man 
troffen, bad gemeine 9?olf jU berut)igen ; wolle ber S3ifcf)of barauf nic^t 
eingeben, fo berufe ftc^ bie ©tabt auf bad JRegendburger 9Kanbat unb 
erbiete pd) gu Stecht. 

4. 

-hiermit war bie Unterf)anblung ju 6nbc unb ber S3ifcl)of, in 
einigfeit mit ber geifttid^en unb weltlichen Slrifiofratie bed ©tiftd. 



§ 4. ^tt ^iFc^üf an ten ^at\i »on 3?2ünf)er unb an bie ®\\ten, 1532 Da 
toBer 9 (jrrei gle^lautcnbt 33nefc). 3K«. — 3)er 9icitfi an ben S3iWof Dd. 11. 
m%. — 2)er Jöif^of an Un matff Dct. 12. m%. — JDcr JBif^of an ben *cr^ 



. XV. ^oterborn« gnll unb TOnfter« ©itcrflanb. 189 

flriff gur ©eivalt. Sd tvar in fccnfclbcn Saßcn, afö erjbifd)of ^er^ 
mann mit gen^appnctcm 3ug in 5|?abcrborn mxitu Gbcnfo burc^cjrei^ 
fenb gegen ÜRünfier ju t?erfa^ren, ba^u reic{)teu bie Äraftc bei tt?eitem 
nic^t au6 ; aber man l)offte benfelben ^WHd auf bequemere SUeife eben 
fo ftcl[)er gu erreichen» 

3u Slnfang Dctoberd würbe ben Slmt(euten befo()(en, Äaufmann6^ 
gut; baö einigen nairtt)aft gemachten ^aupteru ber 9D?ünfierifd)en 93e^ 
»fgungdpartei juget)6re, anju()alten unb mit 93efd)(ag gu belegen* 
5)ief traf juerft einen 3ug Ddjfen, ber für SJeAnung ber Bürger 
3afper Sobefelt unb 3oI)ann t?an Det>entcr gen 66In jum SSerfauf 
getrieben würbe unb gu äßcrnc in bie ^^änbc be^ Slmtmannö geriet^» 
3nbem ber 93ifc^of bad ®efc^el)enc ber 6tabt mittheilte, fünbigte er 
feine 2lbfid)t an, gegen bie Uebelt^ater in b^rfelben 2Beife fortjufa^^ 
renj bie Unfd)ulbigen wolle er »erfd^onen, wenn man fic i^m nenne} 
bie anberen aber foBe man it)m fieüen, bamit er fie in Strafe ne^^ 
men fönne, Sugleid) wanbte er fic^ unmittelbar an bie einzelnen ®iU 
tcn; fie Ratten ben 2lufrut)r eigenmächtig begonnen, fie foUten i^n 
je^t aud eigner Sötac^t abftetlen, nic^t langer fic^ mit ber gott^ 
lofen Steuerung beficcfen, fic^ unb il&re Äinber nic^t ind SJerberben 
^rjen* 35ann würbe auf eingrtne Sürger, bie fid) auf Oleifen befan* 
ben, gefaf)nbet* Dann würben ^^Jroceffe inftruirt unb erfolgten 2abun^ 
gm, gegen bie ®ewo^nl)eit nid)t x>ox bad flabtifc^e, fonbem t>or auö^ 
wartige Oeric^te, nac^ äßolbecf, €enbenf)orf}, 5Wefelenbecfe, 9Ifc^enberg, 
Selgt: ^ier foßten fi^ 3afper 3obefelt, ^45eter griefe, Sernt aWennecfe, 
^einrid) Siebefer unb anbere gegen bie Sinftage red)tfertigen, bap fic 
luxd) Slufna^me lut^erifd^er ^Jrebiger bem (Sbict t)on SBormö unb 
bem aiug^burger 9ieict)öabfc^ieb guwiber ge^anbelt Ijätten» 3ulej>t, 
gegen Snbe be« ÜKonat«, würben bie (Strafen gefperrt, bie ^u^nijx 
abgefc^nitten , unb im gangen Stift geboten, ben SRünjierifc^cn 93ör^ 
gern SRenten unb Sinfünfte jurücfgutjalten» 



109 »on €lföe Dd. 19 (?): hitUt , gu SBftl^aftung bc« 3o^ann »an IBetjenter 
bc^ülflid^ |u fein, ber ein« ber $äu))ter bed Slufrul^r« unb ein ^d)\mi)tx bed ^U 
tarfacramentd fei unb je^t ftc^ auf einer ©efc^äftdreife nac^ @oln beftnbe. ^91. — 
^er IRat^ an bie Statthalter unb lIBefe^Id^aber ju SOoIBecf unb an brn lDro{)en 
Mn SBclbed Dct. 30. NB. 188. - «ntirort berfelbcn an ben Qiatf). 5W«. — 
^cta unb gerichtlich pxoct^ k. f. gu ($ap. XIV. § 7. — K 245 sqq. 



190 Grfic« ^ui. 

aBären bicfe ©djrittc ju einer ^nt gef(l)e^en, M bie fird)Hc^c 
ißartei in ber ®tabt noi) nict)t tjöüig niebergelegen, jo Ratten jie 
»iellcic^t ben Srfolg gehabt, ben fid) 33ifd)of unb (Sapitel bat)on t>er^ 
fprac{)en» 3e&t aber tjatten bort bie 6t)angelifc^en bie Dber^anb, unb 
weil bie ÜRapregeln nict)t entfc{)ieben unb frafrfg genug waren, bie 
®tabt ju bejwingen , fo bienten fie ftatt jum grieben nur jur ©(t)ar^ 
fung beö 3wifteö* 2)a ber fRatf), ber fc^on lange bie 3Wac^t ^er^ 
loren t)atte, bie ®i(ben ju befct)tt?id)tigen, auc^ je^t fic^ nid)t ent* 
fd;liepen fonnte, t)on freien Stücfen i^rc <Bad)( gu ber feinigen ju 
machen unb bie Seitung ber S3etüegung in iijrem ©inne ju überne^* 
men, fo gab ber Drang t>on aufen unb bie Erbitterung ber 93ürger 
me{)r unb me^r bie ^Regierung in bie J^dnbe ber bemofratifc^en gü^rer, 
©tufen weife, wie bie 9Jia^rege(n M SBifc^ofd fic^ inel)rten unb \)er^ 
fc^arften, ert)ob fic^ bie ®ewa(t ber Silben unb bed 2ludfd)uf[ed ber 
©efc^icften, unb wad ber ©ifcl)of t)on biefen ju erwarten ^abe, fprac^ 
bie 2lntwort an^, bie er t)on famnUlid)en ®ilben auf fein Schreiben 
empfing» „SBad wir angefangen, fagen jie if)m, ifl nic^t aHein biflig 
unb rect)t, fonbern aud) fo Ijod) t)on 9?6tt)en, baf wir folc^e^ ot)ne 
93ert)6^nung ©otted unb unfrer Seelen SSerberben nidjt aufgeben 
fönnem 2)enn, ba ol^ne ®otte6 SBort ®otted S^re unbefannt bleibt 



§ 5. Olat^«iraI)f, 1532 Dct. 14. K 249. — 25ie ©iltcn m ben 53if*cf 
Dct. 17. SW91. SfiL XIV. - IDer (»at^ an ben 93ifitof Oct. 18. NB. 173. - 
JDcr (Hatfi an ^o^ann Mold, (Ridjtcr jur SBclbccfc Oii?». 3. SW«. - SBtr^anblung 
im (Rat^ »cn SWunfier Dct. 21. K 254. - 5)fr Oiatl) an granj Wtvnt Dct. 23- 
K 260. — 3)er (Rat^ an Den (Srjbifcfecf ölmi 6öln Dct. 24. SDi«. — J^er Qr^- 
bifi^of üon Söln an tcn ^iyii} Dct. 30. 9JJ?l. - IDcr Olatt) an tcn Qrjbifdjof 
üon (Söln 9ii>ü. 8. K 263. — !t)cr (Srjbifcbof »ni ^öln an Den (Hatb (Roü. 13. 
K 265. — JDcr flfJat^ an ben fiantcjrafcn Dct. 24. K 265. — JJer gantgraf an 
t>cn Oiat^ iRoö. 3. K 266. — 2)cr Ointb an ben finntciraffn IRo». 8. K 267. — 
3)fr Sanfcgraf an ten ^ciÜ) 9^oö. 20. K 267. - Der ö?atb an ta^ 2)cincavitc( 
Dct. 24. K 268. — 2)fr ?fii\t\) an (Statt (Soiefcll) Dct. 23. K 269. - Slntmcrt 
ber tvfPlic^cn «Stabte an ben ^ntf}. K 271. -Ttt (Watt) an bif trfftlicbtn etdbte 
9lüö. 4. K 272. — 2)fr ^Ml^ an bie ©cmeinheiten ber roe|lli(^cn ©täbte IWoü. 4. 
K 272. — SBcgcbren ber ®emcinf)rit an ben ^atb Dct. 25. K 254. - 33erbanb^ 
lung auf bem ©cbct^au« unb im S9att) ücn SKunfter fUlcv. 6. K 273. — J)cr 
(WatI) an 3o^ann »an ber SBiecf IRotj. 7. K 275. - Corpus Ref. II. 619. — 
K 247 sqq. 



XV. $aberBornd Sali unb SDIänßerd SDibrrflanb. 191 

unb S^rifien nid>t leben fönnen, fo ifi eö für S^ripen ertrdfllid^cr, @ut, 
8eib unb Seben burc^ QicxoaU ju t?erlieren, ald tion ©otted SBort 
abjufte^n unb gegen ®ott unb it)r eignet ©etriffen ju ^anbeln* 
Darauf fann @n>« fürftlid^c ®nabe abnehmen, xt>a^ un^ j^vingt, bei 
biefem Unternehmen ju verljarren." 

3uerft befcl)lof man, bie tviberfirebenben ©lieber beö dlatl)^, bic 
bc\)axxlid) 9tat^l)aud unb Stabt micben, al6 ausgetreten ju betradjten, 
unb am 14. Dctober wallten bie Äorgenoten an bie Stelle von 
(Sberwin Drofte, SBilbrant ^4?lonnie6, SBernt t)an ber Xinnen unb 
^ermann Jpeerbe vier nmt et)ange(ifd) gefinnte 9iat^Sl)erren» 3)ann, 
am 2L Dctober, erfc^ienen t)or bem 9iat^ bie 93orfte^er ber ®itben 
unb ©lieber beS SluSfc^uffeS unb ermahnten im 9?amen ber Sürger* 
fc^aft gur Xl)atigfeit unb jur Srfüllung M SBunbeS, ber am 15» 3uli 
juc 93ert^eibigung beö ßtjangeliumS . gefc^loffen njorben» 3n gotge 
bed gingen am 23» unb 24, Dctober ©riefe beS diati)^ ab an bad 
2)omcapitel, bie 9titterfd)aft, bie Stäbtc ßoiSfelb unb SBarenborf, an 
ben Srjbifc^of t)on 6öln unb ben Sanbgrafen, fämmtlid) gu bem ^wtd, 
burc^ it)re 33ermittlüng bie @infteUung ber feinblid)en ^a^regeln unb 
jur ßrlebigung ber 9leligiondfad)e ein (£cl)iebSgeri^t gu erlangem 
Die Slntworten lauteten meift ungünftig; felbft ein X^eil ber ©täbte^ 
bie M>eftlic^en mit SoiSfelb an ber gpi^e, wied baö Slnfinnen Tlün^ 
Perd gurücf; nur bie oftlic^en ermacbrigten it)ren SSorort SBarenborf, 
bem ö^angelium gu lieb ber Stabt 9)iünfter i^rc a)iitmirfung unb 
gürfpradje bei bem 93ifct)of gu \)erfpred)en* Srfolgreid?en SSeiftanb 
fteOte nur ber Sanbgraf in Sluöficbt, ber ben 33ifcl)of gum 3nne^alten 
aufforberte unb fic^ gum griebcnet^ermittlcr anbot. Untcrbcp erl)oben 
bie (Sr>angelifd)en neue gorberungen. 2lm 25. Dctober begeljrten bic 
9Sorftel)er ber 33ürgerfd)aft friegeriicl)c 9lüftung: man foüe 500 Änecl)tc 
werben, bie ®eiftlicl>en alö aScrleumber ber Stabt unb Slnftifter ber 
gegenwärtigen 9?ott) innerhalb ber 3)iauern feft^altcn unb gur S^^^Inng 
bcd Solbeö nötlngen, für bie übrigen S3cbürfniffe bcv cv|cl)6pften 
gtabtfaffe burd? Sluegabe \)on 5l>ertl)geic^en gu §ü(fe fommen. ^lod) 
gelang eö bem 9Jat^, bie ®eiftlid)feit gu fcl}ü^en; aber bie übrigen 
gorberungcn würben bewilligt, unb 300 ÄneAte unter bem §aupt? 
mann 3örgen vam Äicle übcrnal)mcn bie Sewacbung ber in ber legten 
3eit neu ^ergefteOten gcftungöwcrfe. 2)ann, alö gu ©nbe Cctoberö 
unb im Slnfang bed folgcnbcn SKonatS bie fdjdrfften SDta^regeln bed 
Sif(t;ofd eintraten unb bic Älagen ber SSürger fid) met)rten, alS man 



192 (5rße6 Ü8u(^. 

ben^affnetc ©treifjüge in bic Umgcgenb fc^irfen muftc, um Sebcn6be^ 
bürfniffc ju [d^affm, unb bie ffiaucrn burd) !Dro^ungcn jur gort* 
ffftung bcr taglid)en 3wfwf)Jf ä^^^^«9/ cntfc^lofi man fic^ ju einem 
€d;ritt, beffen golgen 9Jiiinfter gänjlid) aud ben gewohnten SSa^nen 
reiben mußten» 2lm 6» ?Rot)ember, nadjbem bie Dlberleute bie nicbt* 
bürgerlichen Simcoöner ber ©tabt verfammclt unb iijnen* einen Sib 
vorgelegt, gemeinfam mit ber Sürgerfc^aft ®ut unb 33(ut für ba^ 
ßtjangelium magen ju wollen, unb einen S^^eil berfelben jur Seiftung 
be^ Gibed bewogen, gingen bie @efd)icf ten ber @emeinf)eit mit Dlber^ 
leuten unb ©ilbcmeiftern t>or ben diatf) unb verlangten, bap man bic 
ouf SKartind 2Boc^e nad? 33raun[d)weig berufene SSerfammtung ber 
et)ange(ifd)en Oleic^öftanbe befd)irfen unb t)on i^nen ald 9)iitbefenncrn 
ber et)angelifc^en 2öat)r^eit, ald ©liebern bed 9leic^d unb Url}cl)ern 
be^ Slegenöburger (Sbictd 'ÜHati) unb ^ülfe begel)re, bamit ber Sifc^of 
nic^t bem gemeinen unb 8anbed*9tec^t guwiber unb gegen bad faifer^ 
liijt Sbict bic Stabt überwältige. Solgenbeö liigö \d)xkb ber fHatf) 
an "oaw ber äöierf, ber alö bremifc^cr ©efanbter ber 93raunfd)weiger 
SSerfammlung beiwol)nen mu^te, unb bat i^n, bie (Staube be6 ti>an^ 
gelifd)en ©unbniffed jur (Jinwirfung auf ben SBifcbof ju t>eranta|Ten, 
auf bap bie Seinbfeligfeiten eingefteUt unb für bie 9leligion6fac^c ein 
®cl)iebdgerid)t ernannt werbe. 3" gleicher 3^^^ gab SJotbmann nac^ 
aSJittenberg an SRelanc^t^on 9?adjric^t »on bem ©tanb ber Ü)iün{ieri^ 
fc^en 2lngelegenbeit, wo^l in ber Slbfic^t, bie t)ülfreid)e S^^eilnabme 
M St)urfdd^ftfd)en ^ofö an ben gewünfc^ten äJer^anblungen ju 
»erantaffen. 

6. 

aSan ber SBiecf unterzog ftc^ bem Auftrag feiner SSaterfiabt mit 
allem ©ifer eined religiofen ^^arteimannd. Sogleich al6 er ben ©rief 
be6 Stati)^ empfangen — man war fc^on in ben 93ert)anblungen 
begriffen — , ging er in bie SJerfammlnng, legte bie Slctenfiücfe, bie 
er erhalten, fammt einem Srief beö Ummegroüe gur Srläuterung bcr 



§ 6. 5Beri*t ber S^urfdd^fif^en ©cfanbten, ß^riflian Sdtitt JDüctor unt 
(Sanglcr unb ^an« SWe^fd^ Hauptmann ju ffiittcnberg, über bie «er^anblunaen 
au S3raunfd^h)eig. SB«. — JDiefelben an ben e^urfürfien üon (Saufen. :5>txtnp 
fjtim 1532 i«üö. 16. SB«. - «an ber ffiied an ben mat^ üon SWünjIer £«üö. 
18. K 278. — JDerfelbc an benfelbcn JDcc. 5. K 280. — JDcrfelbc on ben» 
felbcn 2)fc. 12. K 281. — K 282. 



XV. $aberborn« %a\i unt S){ünf)er« SDiberflant). 193 

SBngelegcnVit t)or unb fortcrtc ein gürfc^rcibcu für bie Stabt gegen 
aOe fernere Slnwenbung t>on ©cwalL 2lber er ftieß auf ^inberniffe, 
bie fic^ nid)t fogleid) aud bem 2ßeg räumen liefen. 9)?an trug Se=^ 
benfen, fic^ in eine fo weitaudfe^cnbe Sache einjulaffen, ef)e man 
genauer unterrichtet fei» €cf)on burc^ bie Stäbte, bie im Sünbnif 
Yoaxtn, I)atte man aSerbruf unb Ungeiegen^eit genug, unb n>enn fic 
il^rerfeitd tt\r>a^ leiften foUten, waren fie nic^t über bie bürftigfien 
3ugejianbnitTe ijimnt ju bewegen. ®rabe ber 2ag ju Sraunfc^weig 
»ar gu bem 3^^* onfl^fföt, bie 3ufiimmung ber Stäbtc ju ber Äriegd^ 
»erfaffung be6 S3unbed gu erlangen, aber bef)arrlict) weigerten ftc^ 
i^rc äbgeorbneten, t)or allen \>an ber SSJiecf, bie angefonnene SSerpflic^^ 
tung gu übernehmen» Unb jie^t foUtc man fic^ um eine Stabt be^ 
ffimmem, bie gar ben ^Beitritt gum S3unbe nic^t im Sinn gu ^aben 
fd)ien* Ueberbie^ war man miptrauifcf) gegen SKünfier« (Sd ging ein 
®txvid)t, baf bort nicht bad reine Slugöburger Sefenntni^ in ®eltung 
fie^e; man wollte Äunbe ^abcn, bie Streitfac^e betreffe nicl?t bie iRe^ 
ligion, fonbern ed ^anble fiel) nur um einen ?lufru^r gegen bie Db^ 
rtgfeit« ^Daneben mag eö in Reffend 2Bunfcl() gelegen ^aben, bie 
®nmif(I)ung ber SBunbe^genoffen t)on einem ©ebier fern gu \)altm, 
ba6 fd^on feit einiger ^dt befiimmt fc^ien, t)ornft)mIic^ beö ?anb* 
grafen ©influß an^eim gu fallen: feine ©efanbten gaben an, i^r 
^err habt jtc^ bereite ber Saclje angenommen, ©rünbc genug, um 
bem bremifc^en S^nbicuö feine mißliebige ^artnäcfigfeit mit gleichem 
SKaf gu vergelten unb ben Entwurf gu einem gürfcl?rciben , ben er 
vorlegte, al6 ungeeignet gurücf weifen. ü)?an lehnte eö nicljt grabegu 
ab, ftd^ auf bie Sa^e eingufaffen, aber man wünfc^te bie milbe^e 
gorm: van ber SBiecf möge eine Supplif eingeben, bann wolle man 
ein gürfc()reiben abfaffen. @r ließ nicljt ab, fuc^te bie Einwürfe gu 
entfräften, rebete fic^ in ^oxx\, weigerte bie Supplif: fo ließ man 
bie 93ert)anblung fallen unb begnügte jicl?, ben ?anbgraflic^en bie 2ln^ 
gelegenl)eit gu empfehlen.*) 

♦) ß^urfäcfefift^cr ©crid^t : „@c l^at f« ciud) fcte fnc^ ber rfUgicn nicfct belan« 
get, tan mx ane tad Uxidji trorten, ta€ fie ired furnetnend Frtn befirntio urfad^ 
gehabt, fo {te Um IStfc^of in fein aberfrtt greiffrn tocHen. ^c fal fid) tcr Iant< 
graf in bie fad^ gefc^lagen ^abcn. ^at aber nic^t aplaffen trollen , unb felbfl ein 
^tfd^rtft gefieöet, tütld^tx mag bie beibe bft^ogen unb toir fambt ben lantgrefl« 
f<ten gemelte »on 92ünflec an i^ren l^erren folten üorfdireiben. @ie ifl aber fo 
gffffrtotnb begriffen geioefi, ba« man fie nid}t bat fiegeln n^öUen. ^arob ficb ber 
bodot betvegt, unb ein bifputation angefangen, e« »er l^ie»or ein abft^ieb ge# 
ttorncliii«, «ufru^r in SRünfla. I. 13 



194 iSrfle« ®ud^. 

fßan ter Sßiecf lief fic^ burc^ bie ÜRifgunft M Slugcnblidd 
liiert beirren, fontem behielt bad anliegen feiner SSaterjiabt fefi im 
Slufje. !Die einlabung, felbfi nai) SWünfier ju fommen, muftc er, 
mit ber aSert^eibigung Sremend gegen bad bortige iDomcapitel in 
fammergerid^tlid?em ^roccf beauftragt, noc^ immer ablehnen, aber 
aM ber gerne fd)icfte er feine 9iat^fc^läge* Wlan fotte ben 2anb^ 
grafen jur @ile antreiben, fid> gegen ben SJerbac^t ber <£ectirerei rec^t^ 
fertigen, auöbrürflid) nid)t bloß ber Slugöburgifc^en Sonfeffion, fon* 
bem auc^ ber Slpotogie, ^rotefiation unb SlppeOation ber et>ange(ifcl()en 
©tänbe ixd) anfd)lie^en; befonberö bringenb tvieber^olte er öfter bie 
Sluff orberung , um 2lufna^me in ben öunb ju bitten* 3)er 9lat^ 
»on SWünfter jiräubte fid) freiließ gegen biefen legten <Bd)x\it, ber bie 
©tabt in au^ergett)6^nlid)e Äofien ju fe$en unb i^re grei^eit gu t>er* 
minbern bro^te, aber ed war t)orau«jufe^en, ba§ aUmÄl)lid[) ba« 
®ebot ber 9lotf) bie SebenHicbfeiten überwinben werbe, unb für bie 
©ewä^rung ber 2lufnal)me bürgte ber SSäunfc^ ber nieberfäd)fifc^en 
©täbte unb ba« 2lnfeben, weldje« \?an ber SBierf burcl) 3;^atigfeit 
unb religiöfen @ifer bei allen et)angelifcl)en StÄnben genof ♦ ©infi^ 
weilen t^erfprad) ^erjog Smft t)on 8üneburg, ben er in perfönlid^er 
3ufammenfunft ju einer günfiigen Sßürbigung ber ©ac^e t>ermocl)te, 
feine SWitwirfung ju ben ^effifc^en ®emül)ungen auf bem neuen 
©unbe^tag, ber nad^ ^orter auf ben erfreu 3anuar berufen war. 

7. 

SBät)renbbe6 fu^r ber 93ifcl)of auf bem SHJeg ber Oewalt fort 
unb geigte ben SBillcn, gu ben außerfien 9Ritteln gu greifen. Um 
ba& ®elb gur 5lrieg6rü|iung gu ermatten, beburfte er ber SewiÜigung 
be^ 8anbtag6, unb \>ermut^licf) ^ierburc^ würbe ba6 SInerbieten ber 



tnac^t, ten Gvangrlifc^fn mit furfc^riftrn gu erfd^rinen. fBtld)i im ba(b ))orIegt, 
tote gu\?orn, auc^ nac^ notturft angezeigt, ta^ ic banblung fid^ nid;t gu tem 
tooct ®ctte« giften tl}tUt, fo toujl man ircr fa(6fn feinen Ux\d)tf pe fetten nuc^ 
nie nic^t Bei ten einungdoermanten fte aufgunemen an^efuc^t. Unb murb im 
im bejien furge^alten, et folt ir notturft in ein fupplication fieflen, voit getoonlict.*; 
borauf toplte man jle mit einer furfcftrift üorfe^en. 3ji ober boruber ergrimmt 
unb fein fupplication fteUen »oQen. ^apet man e« auc^ l^at piciben (äffen." 

§ 7. JDer (Rat^ an bie «anbftänbe, 1532 moa. 10. NU 1. 3. — 2)er f&u 
f*of an ben Sanbgrafen 9loö. 16. 3W81. — Snflruction ber OJerorbneten gemeiner 
Äanbfdiiaft gur Jöer^anblung mit @tabt »iünfUt auf bem ganbtag gu JDölmen. 



S 0^ 



XV. $aberBom6 ffatt unb äSunM Sßiterflanb. 195 

Sonbfd^ft \>txQXi\<x%X, ))ot bem legten Schritt noc^ einmal einen 93er^ 
fu(|^ frieb(t(|)et SSermittlung gu machen* 2)ie^ mürbe gugefianben^ ber 
ju flleic^)er ^t\X gemachte Slntrag be^ fianbgrafen abgelehnt, 9?un 
lie^ bie Sanbfc^aft gn>ar bie frühere gorberung ber Stitterf^aft, baf 
bie @tabt bem 93if^of ©enugt^uung gu (elften l^abe^ faUen^ aber im 
itbrigen ))ertrat fte )>oOig ben @tanbpunft; ben alle bid^erigen SSer 
^anblungen geltenb gemacht l)atten. 2)ad beginnen ber 3J{ünflerif(i)en/ 
crflArte man ibren @efanbten am 16* 9tot>ember auf bem Sanbtag 
gu !Dulmen; fei ungiemlic^, aufräi)rif(i) unb unc^rißUd^; fte foUtenftc^ 
ber $rebicanten entlebigen^ Zeremonien unb alled anbre in ben i^origen 
Stanb fe^en; bann n)oUe bie Sanb[cf)aft für Beilegung bed @treit6 
forgen, im anbem S^U aber bem Sifc^of mit ^QX>ii unb %^qX bet^ 
^l^en. 3)ie Slntwort, welche SWünfier am 25. 5Ro\?ember gu Sßolberf 
Abergab; n>ar einer wolligen SBeigerung gleich gu achten : ba bie ^xu 
bicanten nod^ nic^t mit göttlicher €c^nft miberiegt feien, fo fonne bie 
9urgerfc{)aft nic^t bagu t>ermod;t n)erben, i^on ibnen abgulaf^en; bod^ 
»oHe man leiben, baf ber 6Ierud in ben H^farrfirc^en folc^e (Seremo^ 
nitn, bie göttlich feien, gebraucl)e unb beibel)alte, baneben bie ^4?rebl* 
canten bem 93o(f ba6 äBort ©otted prebigen unb bie @acramente 
nac^ bem 93efel)l @i)rifti au6t^eilen, beibed bi^ burci) 6onci( ober 
Seic^dtag eine anbre Drbnung eingeführt werbe* JBifc^of unb ?anb^ 
fc^aft M)aren ein)>erf)anben, bap man biefen 9}orfcf)lag nic^t annehmen 
Wnne* 3)ie 5Wünfierifc{)en, tvurbe angeführt, fönnten fic^ bann \'^ 
Sufunft gegen ieben entfc^ulbigen, alled fei bei i^nen mit bifc^oflic^er^ 
Sen>inigung gefcl)e^en, unb boc^ !6nne berS3ifc^of bie Verantwortung ' 
für berglelcben t)or Äaifer unb 9ieic^ nic^t übernebmen; auc^ türfc 
man mc()t glauben, auf biefem 2ßeg ben inneren ^rieben ^erguftetlen, 
ba über bad, waö göttlich unb c()rijilic^ fei, jieber 3;^eil eine anbre 
9Reinung ^ege. SBenn man nun aucl) auf bie Semerfung ber 5)?ün*' 
fierifc^en ©efanbten, bie fe^te grift fei gu furg gewcfen, it)nen eine 
neue Sebenfgeit biö gu bem Sanbtag, ber am 9* Dccember in SBolbecf 
gufammentrcten foBte, einräumte, fo leuchtete boc^ jeftt fcl?on bie .^off* 
nungdloftgfeit ber Unterl)anb(ung ein, unb of)nc weitere^ 3^9<^J^« 
fc^ritt man gu ber Serat^ung, wie für bie bie nött)ige Ärieg6rüftung 



«a. — (Bericht trr öerorbneten ter »anbf^cift über bie 93er()anbUin9 \\x DüU 
nen. 9^91. — 2)ie bifd^dfitc^ni mät^e an Otot^ unb ®ef(^t(tte tcc <Stabt S^Jüm 
Per iRüO. 18. W^, - ä^cr^anblung gu SBolbcct Sloo. 25. m^, 

13* 



196 (5rM ^u(^. 

bic Oclbmittel gu befd)nffen feiern !I)er Slugenbtirf ber ©ntfd^eibung 
fehlen flefommen, 

8. 

Slber, auffallenb genug, »on biefer3cit an gibt jtc^ eine Slenbe*^ 
• rung ber Slnfid^ten im diatf) bed Sifc^ofd gu erfennen* 9ßie eö öfter 
gu gefc^et)en pflegt, mögen grabe je^t, alö ed galt t>om @ntfc()Iu^ 
gur Jl^at überguge^en, bie ©c^wierigfeiten unb ®efaf)ren beö Unter* 
nehmend in ein grellere^ Sic^t getreten fein* aWan wollte eine ^'art* 
närfige unb erbitterte Sürgerfd;aft mit Ärieg übergieben, bie SWauern 
einer n)ol)Ibefeftigten unb gegen ben erften 2lnlauf ^inreic^enb gerüfteten 
©tabt angreifen, unb nou^te nic^t, wie ben Slufwanb befireiten* Seit 
furger ^dt tt)ar ba6 ©tift gweimal befieuert Sorben, bad eine mal 
gum SBillfomm bed S3ifd)of6, bad anbre mal wegen berSiürfen; eine 
britte ©teuer aufgulegen, war um fo mipli(^er^ ald bie Steigung bed 
gemeinen 5!Äannd, befonberd in ben ©tdbten, fic^ immer beutticber gu 
Ounfien aRünfterd audfprac^. 3)ie Sta^t bed Sifc^ofd aber war 
burc^ bie ©c^ulben bed SSorgängerd, burd) bad Sa^rgelb griebric^d 
t)on 9Bieb, burd^ bie jfofien ber (Konfirmation in Slnfprud) genommen. 
Die eingige »or^anbenc ^ülfe, ber noc^ unt)erbrau(^te JRcfi bed Züu 
fengelbed, mochte wenig bebeuten, unb ber SBeiflanb ber fat^olifc^en 
S^ac^barfurften war fc^wer gu erlangen unb fojiete t^eure ^JJfdnber 
unb 3infem "Da^ Snbe bed Äampfed lag in !aum gu bered^nenbec 
gerne, unb welche weitaudfet)enbe SSerwirflungen fianben bet>or, fobalb 
*bie et>angelifc^en Sieic^djianbe, wie bod) gu erwarten war, ftc^ 3Sim> 
flerd annehmen, ober gar wenn bie 3lai)xid)i auf SBa^r^eit berut)te, 
bie ber Sifc^of in biefen Xagen burd) ben fianbgrafen empfing, baf 
bie ©tabt in »ergweifeltem üroft bereit fei, ungead)tet ber 3ieligiondt?er* 
fd)ieben^eit ftd) ber burgunbifc^en ^Regierung gu unterwerfen. 3)ie 
eigne jfraft bed Surften unb ber Slrifiofratic genügte aldbann bei 
weitem nid)t , 'unb wenn man audwdrtige ^ülfe tjerbei gog , fo war 
auc^ bti bem glucflic^fien Sludgang bie S^i^^üttung bed Sanbed unb 
ber ajerlufi ber trollen, ©elbfWnbigfeit me^r ald waljrfc^einlic^. 

§ 8. 3)er8flnbgraf nn ben ©if^of, 1532 fWoü. 25. (5«. — JDcrSifd^of an 
ben Sanbgrafen JDcc. 3. m. — - JDcrf. an bcnf. JDec. 22. m, — 2)ec 93ifd^of 
i^, n>al^rfd^(mltd^ in ber erften Hälfte bed December, |um ilBefud^ in Gaffel ge^ 
n>efen unb bort o^ne 3t»(ifel burd^ bie ptx\önü^t (Stntoirfung bed Sanb^rafen in. 
frieblic^er ©eftnnund bewarft koorben. 



XV. $iiterBom9 gall unb S^Anfter« ^itrrftanb. 197 

a)i>fe Ueberlegungen waren e6 tt)o^(, bic feit Snbe 5Rot>embcr6 33^ 
fc^of unb Sapitel aUmäölic^ friebfertiger unb na(l)9iebi9er geftimmt 
^ben* 

9* 

3n üKünfier war man weit entfernt, folcfce ©unji bed ®d)icffaW 
gu a^nen* 3war ber ©tabtrat^ f)ielt wie immer mit gä^er Sluöbauer 
an ter Hoffnung auf beffereö ®(ücf bei neuer Unter^anblung fefi, 
aber bie ®urger lebten ber Ueber jeugung , aöed fei entfc^ieben unb 
abgemacht,' unb jwifdjen Sifd)of, Sapitel unb 2anbfd?aft ber 93unb 
gut 3Jemtc()tung bed @t)angelium6 gefcf)fojTen. !Der 3)ru(f ber ©trafen* 
fperre, Sled^töforberung , Sefc^iagna^me bauertc fort: fic backten an 
nid^td ald an ®egenwel)r unb dtad)t. 3)a, gur unglücflic^en ©tunbe 
— ed war ber 28» 9lot>ember — , ^verbreitete fic^ bie 3iaii)x\6it, ber 
6(erud ^abe bie langfi tverlanfjte unb t)erfproc^ene audfü^rlid)e 8lnt^ 
wort auf ber ^l^rebicanten Slrtifel t)on 66(n erf)a(ten unb werbe fic 
morgen bem JRatl) überreicf)en* 2)ie^ würbe empfunben wie ein 2luf^ 
ruf jum Äampf, 2lm anbern 9Korgen gingen DIberleute, Oilbe* 
meifler unb ©efc^icfte ber @emetnl)eit auf bad 9latf)^aud^ @rji lief 
man bie 2lborbnung ber ©eifJlic^feit t)or, na^m bie Sremplare ber 
antilogie*) in Smpfhng unb »ert^eilte fie» Sluf bie Srage, ob fie 
bereit feien, bie Sd^rift tior jebem 9lic^ter ju »ert^eibigen, erHarte 
®ert ©cl^roberfen, ber 3)ec^ant bc6 alten Domd, o^ne ßweifel werbe 
ter aSerfaffer fetbfl bie 9Sertf)eibigung übernehmen* 3)arauf würben 
ft entlaffem 9tun famen bie SSorftänbe ber S3urgerfc^aft jum SBort. 
Sic flagten bic ®eifHic^fcit auf bad ^cftigfie an, ber ganje ©treit 
mit bem Sifc^of unb alle 9?ot^ ber Stabf, auc^ bie geinbfeligfeit ber 
Äitterfc^f t, ru^re t)on i^ren Umtrieben unb 93erleumbungen ^er ; nur 
weil man ben inneren geinb fo lang gefd^ont ^abe, muffe man jie^t 



I 9. K 292 sqq. - IDie aWünftfrifc^e ®t\^l\d}U\t an fcn« 5)omcapitcl, 1532 
5lc». 29. K 295. — 3)er (Ratli «n t>a« $)omcnpitfI ^cü. 29. K 297. - IDa« 
iTcmcapitel an tie Snünflertfc^e ©rtfili^feit !Dec. 2. fSJl^L. — lDa0 IDomcapitel 
«n trn Siatii S)ec. 2. K 297. — ^tr SBtfc^of an bad IDcmcapitel S)fc. 2. 9^91. 

*) R 293 ibentijicirt bie Fidei caiapulta tt€ 8){inonten So^^mn Don fDel^entet 
mit bieftr Slntilogic Slber bic CatapuUa, bic tt?ir bfü^en , \\t nidjt gcc^en bic Slr^ 
tiffl ter Vbicanten gerichtet, fcnbcrn nur ein fväter gefdjriebener Sln^an^ bet* 
fclbcn, unb aud^ tiefer «nöcrnQ gibt fic^ nic^t aU officicUe SBiberlceuna ju 
crfennen. 



198 Qrpe« m^. 

Äußere ^ulfe ^f rbeijie^en ] man foQe ftc^ an il^r fc^abtod f^alttn ; tnU 
tottin, tief n>ar ber Eintrag , muffe man fte not^tgen^ ben @oIb ber 
Jtnec^te gu bqaijUn, ben Sürgcrn allen SSerlufi ju becfen, bie 8luf^ 
l^ebunft ber fernblieben SKafiregeln bed Sif(^of6 gu ewirfen unb , n^enn 
i^r ba6 nicl^t gelinge, auc^ für bie ferneren äJerlufie aufjufommen^ 
ober man muffe fte grabegu i^rer ©iiter berauben unb aud ber ©tabt 
lagen. 3)er SRat^ n>oßte bie 3)rangcr mit ber Hoffnung auf ben 8anbtag 
^In^alten, aber fie erflärten il)m, ed fei ber SBiUe ber ®emeinl)eit, 
unb mnn man biefe nidbt augenbticflic^ befriebige, fo tourbe fte felbfl 
ft(^ 9lec^t t>erfcl)affen, nid^t b(of gegen ben (SIerud, fonbern auc^ gegen 
feine Sefd^it^er. !Der dtatf) mu^te nachgeben, unb man fam überein, 
baf fofort, noöi) t>or bem @c^(u^ ber gegentt)artigen ä3er[amm(ung^ 
dlati) unb ®eifili(^feit an bad IDomcapitel fd^reiben foQtem SSier 
Ferren t>om dtati) begaben fic^ gu ®ert ©c^roberfen, liefen i^n einige 
©tiftd^erren herbeirufen unb tl)eitten iljnm mit, n)ad 9lat^, Dlber* 
leute, ©ilbemeifier unb ©efc^icfte befc^toffen : binnen jmei !£agen Ratten 
fle bie Sluf^ebung ber bifd)6ftic^en 9Raf regeln ju em>irfen, auf ber 
©teile bedl)alb ein ©(^reiben an bad IDomcapitet ju richten, aufer^ 
bem einen ^JRonatfolb für bie Rm^tt aufjubringen. Unter ben i£)ro^ 
jungen ber 3)7enge, bie fic^ ^erbeibrängte , fd^rieben fte ben verlang«: 
ten SBricf. 

10. 

2)ieß ^atte einen entgegenfommenben ©c^ritt ber ^dupter ber 
äriftofratie gur golge. 3n il)rem Auftrag erfd^ienen 3ol)ann t>an 
«aiefelt, Safper ©mifmcf, 3oefi Äorf am 4. IDecember in SKünfler 
unb boten ftc^ atö Unter^Anblcr an, rt>tnn man i^nen Mon ©etten 
ber ©tabt einige bem ©ifc^of nic^t mipliebige SKanner gugefelle. 2)er 
Statt) nal)m bad Slnerbieten an unb gab bem ©tabtri^ter ^ermann 
©c^cncfincf unb ben Srbmännern SBitfielm ßleoorn unb ^ermann 
SBucf ben )?er(angten Sluftrag. 

©0 fam neben ber amtlichen eine t^crtraulic^e Unter^anblung in 
®ang unb bie fricgerifc^en 8lu6ftd)ten begannen gu fd)toinben. Sluf 
bem Öanbtag gu SBolbecf am 9. December fieöten bie ÜRünfierifd^en 
bie gorberung auf, baß binnen 9Konatöfrifl dn SSer^orötag angefeftt 



§ 10. K 299 sqq. — «ntwott ber aWünflcnf^m, gu SSBolbed JDfc. 9. über* 
ßeben. SW81. — 2)er ^atf) an bie SJerorbnetcn ber ßanb^änbe 2)ec. 20. SÄ«. 



XV. $aber(orn0 %aU unb aJtünfter« Siberflanb. 199 

»erbe jur ®^li^tmQ M ©treft^ 8tt>ifct)en gürfi unb ©tabt; bte 
ba^in foüteu bie 5ßrebicanten inne fiattcn unb bic fembli(l)en ^ap 
regeln be^ SBifc^ofö aufboren, unb mittler SBeile, ba nun Sd)rift unb 
®egenfc^rift ber beiben 5ßarteien »orliefle, foUe ein gemcinfamcr aSer^^ 
fu<^ gemalt njerben ben 9ieIigion6jn)ifl beijulegen* 2)iefer S3orf(l)Iag 
tDurbe jn>ar nic^t angenommen^ aber ed xt>ax ein gute6 Seichen ^ baf 
man niö^t, wie nacl^ ben bi^^erigen Erörterungen gu erwarten gewci^ 
fen, bie ganje 93erl)anblung abbrach, fonbern einen neuen Sanbtag 
auf ben 21. anfejte unb bie SRünfterifd^en tx^ndjtt, aföbann mit einer 
leiblicheren Slntwort gu erfc^einen. 3lod) beut(id)er geigte fid) bie 
Slac^giebigfeit be6 Sifc^ofö in ber t>ertraulic^en Untcr^anblung. 

8lber um bie Stimmung ber ®egner gu einem rafdjen unb »ort^eil^ 
haften SlbfAIuf benu^en gu fonnen, ^ätte ber ?Hat\) feiner S3ürger# 
[cftoft mäd^tig fein muffen. Statt bejfen regierten bie ®ilben in ber 
®tabt, unb biefe I^atten i^ren Sinn auf Zioi^ unb ©cwalt gerichtet. 
2)a* aSoII freute flc^ an ben bewaffneten Slu^fdllen, bie man iejt 
t&glid) bei gutem SBetter in bie Umgegenb mad)U, um ©etreibe unb 
^olj gu ^olen, ©efangene unb Seutc gu er^afc^en; unb innerl^alb 
ber SJIauern ^atte man mit bem Sierud gu fc^affen unb fe^te bie 
Äat^olifen in Sängfi unb 5Rot^. SSon 3ufl<^fiänbniffen , tj^n irgenb 
einem Siad^geben wollten fie nicbt^ wiffen. ,,£cinen Schritt gurücf", 
riefen Änipperbollincf unb Äibbenbroicf , ,,el)erbic eignen Äinber fc()lad^^ 
ten unb effen!" So gerfc^lug fid) iene \?ertraulic^e Unterl^anblung 
ol^ne 6rfolg, unb wieber würben bie ©eifilic^en t?orgelaben, bie frü^ 
^ren gorberungen erneuert unb unter bem ®ef(l)rei be6 ^aufen^ 
i^nen eine Steuer t>on 500 SKarf aufgelegt. Dem 9tat^ waren bie 
3ögel gang entfallen. @6 gelang il)m nic^t einmal, eine 9lborbnung 
gu bem ?anbtag am 21. gu Stanb gu bringen. 9lur einen Sricf 
empfingen bie ^arrenben Sanbflanbe, worin ber 5Rat^ fic^ entfc^ulbigte, 
ba# er /,wegen merf lieber Urfacf)en" feine ®efanbtfd?aft fd^icfe, unb 
baneben ben S3orfcf)lag mad^te, burc^ Sifc^of unb Stabt gwei gürfieu 
gu Sd^ieb^ric^tem ernennen gu laffcn unb bid gu beren Sntfc^eibung 
bic feinblid)en ÜWaf regeln eingufteflen. SBaö wÄf)renbbed in ,ber Stabt 
vorging, lä^t pc^. a^nen, wenn wir ^oren, baß bie Slat^dbiener von 
Jg)au^ gu §aud gel)en mußten, um bie ifat^olifen gu bitten, auf 
5Bei^nad)ten nic^t baö 2lbentima( im 2)om gu empfangen, bic ^in^ 
ber, bic in bie ^farrfirc^en gehörten, nic^t in ben Dom guv Saufe 
gu bringen. 2)Jan fal) fid^ genotljigt, ben Äat^olifen ben dufcrften 



200 Q^rflfö 23uc6. 

Ocwiffen^jmanfl aufüuleflen, nur um t)ie @t)an9clifc^cn t>on @ctt)aU^ 
t\)at abju()a(ten. 

2)ic Sanfcftäntc (ic^en fic^ burc^ bad cntmutl)iflcntc 9Serf)alten 
SKünftcrö nicht irre mad)cn: fie waren entf(i)Ioffen, ten grieben I)er^ 
jufteUen unb erijriffcn eifrig ben Ui^tm aSorfcfelag bcö %\ti}^. Sin 
23. 2)ecember waren i^re SSerorbneten wieber um ben S3i|"ct)of inr^ 
fammelt, ber in Steigt bie ^ulbigung empfing. Sie (üben 3Künfter 
bortl)in ein auf ben folgenben Xag. ÜKünjler lehnte ab, wegen Äürjc 
ber ^tiU Sogleich, am 25., traf ein jweiter ©rief ein: man ^abe 
erlangt, baf jwei Surften von Sifdjof unb Stabt ju Sd)iebdric^tern 
ernannt unb bid jum 9}erl)6rötag bie 3JfapregcIn eingeteilt werben 
foüen; wäl)renbbed follc ^-ßrebigt unb (Sotte^bienft ber ^4^rebicanten 
eingeftellt, bie abgefc^afften (Zeremonien wieber eingeführt werben. SSon 
freien Stürfen, ol)ne Unterl)anblung, bot man ber Stabt, wad fte 
felbft t>erlangt I)atte. 3)ie befte 2lu^ric^t ju einem günftigen grieben 
war t)orl)anben. Sc^on ^atte ber Sifd)of ben ®rjbifd)of t>on Soln 
M @c^iebörid)ter bejeicf)net; ^4^aberbornifd)e iKatbe, t>on offenfunbiger 
aSorliebe für bie neue Sel)re erfüllt, waren in Xelgt jugegen. 25on 
SWünfter muf te uum bie Ernennung bed Sanbgrafen erwarten, ©elbji 
bie ben ©oangelifc^en anfiö^ige gorberung ber einftweiligen ^erftellung 
ber alten Seremonien fonntc in 2BegfalI gebradjt, wenigftend gemilbert 
werben; benn nod) foUten \a erfi bie 3Rünjierifc^en bie Slntwort auf 
ben 93orfcf)Iag bringen : man tub fie nod)mald bringenb ein, in Steigt 
ju erfc^einen. 

2lber ber ®rimm ber ÜKenge t)erfc^mal)te ben grieben aud ber 
^anb ber ^^Jfaffen, unb bie 2lbrid)t il)rer gü^rer war auf größered 
gerichtet, alö man je von ber SRac^giebigfeit bed unbefiegten ®egnerd 
erwarten fonnte. ®ie l)orten, ber Sifc^of unb bie Jpäupter bed Sa^ 
pitelö unt) ber 2lriftofratie, unter i^nen bie erflartejien geinbe ber 
Stabt, fmb in Jelgt, jwei <Stunben SBegd von ÜRünfler, verfammelt, 
fafi we^rloö, mit geringer 3Rannfcl)aft, ben greuben bcd gefied ^in^ 
gegeben. Sie fal)en bie ®elegenl)eit vor Slugen, fic^ mit einem Schlag 



§11. K 313 sqq. - Der matfi an bie «Bcmbiuten Ux «anfcfc^aft Tu, 24. 
NU I. 9. — 3>ie Öcrortnetm an Den (»nt^ 3)ec. 24. NU I. U. — Sirunck 
Anotiles Pud. 174. 



XVI. IDet ®irg aRünfirr«. 201 

ju öftren ber Sage gu mai)tn. 2) je Sürger frot)[orf ten , für ciUen 
93cr(ufl ffU jenem erfien Odjfenfang bei SBerne je^t looBe 9lad)e ne^^ 
mrn ju Mnnen» Der fRaif), an ©eljorfam 9ew6f)nt unb um baö 
riflnc 8eben in Sorgen, burfte fid) nic^t lange bebenfen» Dad Untere 
nehmen würbe befc^Ioffen unb o^ne Sögern audgefü^rr» 



XVI. 

aBiI)renb ber ®ote, ber ba6 gd^reiben ber ?anbflänbe überbrad^t 
^atte, auf ?lntwort ^arrte, n)urbe im gtiflen ein ben^affneter 3ug 
nai) üefgt loorbereitet. Die Z\)oxt mixtm befe(^t, niemanb t)inaud^ 
ge(af[en, bamit feine Äunbe ju ben Sebrof)ten gelange. Um 9 Ubr 
Sfbenbd, ald bie 93erfamm[ung auf bem 9iat^l)aud H)xt Seratljung 
gefdjioffen l)atte, gingen €tabtboten t>on ^aud ju §aud unb befteO^ 
ten bic Siirger jur üKitternac^t in SBaffen auf ben 9)?arft. ^m 
bfftimmten Stunbc n^aren JRat^^aud unb SKarft t>on bewaffneten t)oU* 
SRan ^ielt SRufierung : 600 Surger würben außgewä^U. SRit.i^nen 
unb ben 300 Änecljten, bie im Solb ber gtabt waren, aud^ einigen 
Äeitem, rflrfte man um 3 UI)r SRorgenö aud. gu^twerf, mit @e^ 
fdjlüt, ^utoer unb Äugeln, S?a(fen unb Seitern befaben, folgte bem 
3ug. Sluc^ einige leere SHJagen ful)rte man mit, für bie Sielgter 
geflgenoffen benimmt. 

Dad ®(urf war ben SWünfierifdjen gunftig. Äunbfdjafter, bie 
i^on lelgt ben SBeg nad) 9KünPer ju audgefanbt worben, Ratten bad 
€nbe ber falten Wac^t in t^ergeblicbem Sparen nidjt abwarten wollen, 
unb waren, nac^bem fie bie Sßerfebriirfe tt)eilweife abgebrodjen, forg^ 
M nad) ^aufe gururfgefe^rt* S3ei einiger Slufmerffamfeit Ratten fie 
bm geinb wo^f erf(l)auen fonnen, ber mit angejunbeten Junten unter 
bem flernbeflen ^immel rafd) hinter il)nen Ijer fid^ bewegte, bie 
©rucfe über bie Sffierfe ^erfletlte, t>or Jagedanbruc^ fc^on vor ben Z\)oxtn 
M €tÄbt(^end ftanb. Sllle« war rul)ig. Dl)ne 2luffe^en gelang eö. 



§ 1. K 314 sqq. — Siifiruction t>e« llemme t?an ^cirte an Mc ju l«fuß 
(1533 3an. 19 ) t^etfammcltcn (Rät^e oon @^ur^@öln unt (E\m, 3^91. 



202 Qiße« fSnäf. 

beim SKorgengrauen bie Zi)oxt ju offnen, nad) »orgefc^riebener Dxi^ 
nung bte Strafen ju befe^en; bann brang man in bie «Raufet. 
®(ucflid)er Sßeife war ber Sifc^of lagd t)or^er nac^ 36urg geritten» 
Slotger ©nüfincf ber 1)omfc^ofafter, ©anber üJforrien ber ^ßrobft unb 
ber !Domf)err ^einric^ t)on ^ßiettenberg f)atUn noc^ S^it, aud ben 
SBetten gu fpringen unb barfuß ^ im bloßen ^emb über bie gefrorene 
@md gu flucl)ten» 3)ie anbeni alle würben gefangen» ü)ie ®efanb:^ 
ten ber ©tabte lie^ man gelten : entweber fannte man fie afö greunbe 
ober wollte fie ju greunben gewinnen» 2lber Domherren, 9lätl)c bed 
S3ifd)of^, 9titter unb @rbmÄnner würben nac^ SDfünfter abgeful)rt, 
unb mit bem ®elb unb ©djmurf unb ben Siegelringen ber Ferren 
füllten fic^ 93ürger unb Simijtt bie ilafc^en. @d waren t)om !Dom* 
capitel ber 93icebom ^4^l)ilipp ))an ^oirbe, ber Kellner ^ield^ior \>an 
Suren unb 2lbolf )>an Sobeifwinge, bie leftteren beibe ald ^aupt^^ 
Urheber ber geinbfeligfeiten betrachtet unb ge^apt; t)on 9iatl)en unb 
5Ritterfcl)aft ber bifci)öf(i(^e ifanjler unb !I)ect)ant t)on ©» Sodann gu 
D^nabrücf !Doctor 3ol)ann aJlercfel, ber SKarfc^aB ®ert üKorrien, ber 
Siitter unb Sl)ur*(5ölnifcl)c 3iat^ ®ert \>an ber JRecfe, bie 5lJaberbor> 
nifc^en JRät^e 3o^ann »an Suren unb ^ermann \>an SKengerfen; 
t>on ©rbmdnnern ber ©tabtric^ter ^ermann ©c^enrfincf, brei t)on bcm 
©cfc^lec^t aßarenborp, gwei ©öljne bed S3ürgermei|ierd Drofle, granj 
®rael, Sodann ^eirf, Säii^elm SIetjorn unb @t)ert Surf» 

Um 11 U^r langte ber 3^9 in 5Dhmfier an» Sorn auf bcm 
erßen SBagen fap ein Stabtpfeifer unb fcl)fug bie Xrommef» ©ec()gig 
erbeutete ißferbe würben gur 8uft gefpornt unb l)erumgetummelt» üRit 
3ubel gog man gum 9latl)^aud» „^ier bringen wir euc^ bie Oc^fen," 
fc^rie Äibbenbroirf; „b^rt wie fie brüllen!" 21 W bie ®efangnen auö^ 
fliegen, brangte ber ^aufe l)ergu, um ben !Domfellner unb Sobel^ 
fwingc nicbergufdjlagen» aJlit 3)iüt)e würben ftc in bie ©c^rioerie 
gerettet, wo fie bleiben mupten, bid bie 2ßut^ bed 9SolW bef(^widb* 
tigt war» 2)ic örbmänner würben wie gemeine Serbrec^er in ben 
©tabtfeller gefübrt^ bortl)in foUten auc^ jene beiben, rief bad 2Jolf» 
!Den übrigen t)erg6nnte man auf tl)r @l)renwort ben Slufent^alt in 
anftänbigen 993o()nungen» 



XVI. !Der €ic0 f^änM* 203 

(Sinnt grifbendbntc^ fonnte man ben UcberfaO »on üelgt gerabe 
nfc^t nennen; benn ber 3wfiflnb, ro(e er feit einiger ^dt obgen^altet, 
t»ax fein gtiebe me^r gewefen, unb Oefangne Ijatten bie ÜRönflcri^ 
fd^tn fc^on frül&er gemacf)t, oljne baf bie Unterbanblungen bed^alb 
aufgehört f)&iUn. ?Iber Untreue n^ar e6, ben 2lügenb(i(f t)ertraufi(i)er 
Hmid^erung mit fecfer 8iji ju mifbraud)en, unb, baß man bed gür^ 
fUn Äußerte Wad^giebigfeit mit Oewaftt^at tjergait, mußte ald ^o6n 
unb brennenbe Seieibigung aufgenommen »erben» !Der erfie ©ebanfc 
ouf beiben Seiten war, baß nun ber Ärieg umoermeib(ic^ gen^orben. 
Socfe am S^ge bed Ueberfatl6, t>on 36urg au6, forberte ber Sifdjof 
Me SKtterfd^aft t)on 5JRünPer unb Odnabrurf, bie Slmtleute bed €tif^ 
M TOunfier mit i^ren ?lmtd\)em)anbten auf, ftd) in JRuftung ju fejen, 
um auf ben erften 33efe^I ju erfcf)einen, unb fci)r(eb, um ben ©olb für 
ein Äriegd^eer aufjubringen, einen Sanbtag nac^ Di^eine auf ben 
9. 3anuar au^, 2)ann warb er ihiec^te unb bat bie Siadjbarfürfien, 
Coln, 6(e\)e, ®elbem, Reffen, um 9tatf) unb Jg)ü(fe» 3n wenig Za^ 
gm ftanben 1500 ?Wann unter bem gefürdjteten Sanbenfuf)rer &otxt 
Doelacfer unweit üKünfier^*) 3n ber Stabt madjte man ftc^ auf 
eine Selagerung gefaßt» Die ©täbte be6 €tifted würben aufgefor^ 
bert^ jur 93erfi&rfung ber fflefa^ung je je^n ?Wann ju fc^irfen» ®äume 
itnb ^ecfen ringsum würben weggeräumt* ©djon legte man ^anb 
an, um ©. SRaurift, wo ber geinb fid) leicht fePfe^en fonnte, bem 
Sobrn gleid^ ju ma(f)en» 3)er JRat^ mußte not^gebrungen befel)(en, 
wad er nidS)t ^inbem fonnte» 3e$t burfte er auc^ ni(l)t länger fic^ 



§ 2. K 319 sqq. — 3)er 93if*üf an feie OlitterfAaft fcf« €ttft« SWimfler; 
an bie ^Htterf^aft M <Sttftd D^nabiüc!; an bie SImtleute bed (Stift« a^önfler, 
1533 S)cc. 26. 9){9. — IDtr 199if(^of an bie <BiätiU tu <&tift« ü^ünßtr; an ta€ 
^omcapitfl JDec. 29. aW2l. — 2)ic ©cfangncn in SWünjiet öon 6a>)itcl, OiiUtXf 
Waft unb mtiien an ben 53ifd;üf fTec. 29. «W«. — JDic bif(^6flid)en mti)t an 
€tabt ^&nfitt $)ec. 29. NU I. 15. — 2)er Q9if(^of an bie ©efan^nen in ^mu 
ter 35«. 30. WH. — 3)er flUat^ »on SWünftcr an bie Bifd»öf(id)en (Rät^ie 2)ec. 
31. NU I. 18. — JDie bif(^öfli*en (Hät^e an @tabt SUiünflet, 1533 3an. 1. 
929. — Oiec^nung bet SludgaBe in ber 9){änfterifc^en ^anblun^ \)cn 1533. ^91. 
— Sriebric^ ». Xm^ unb anbre an ben 53if(^üf %m. 5. 3WÄ. 

♦) 9lthtn D»e(a(fct »urben bie ^au^tfeute (Egbert »an 3)eoeren, fBiifjtlm ^^an 
llm^em, X>\xiä »an ®roac, ®ert »an SD^unßer, SBilfen ®tebin(f in ^ienft ge^ 
BonuBcn« 



204 dtfiu Sdüdf, 

fträubcn, bcr Slufforberung t)an ber SBicrfd golge ju Iciften, unb fd^irftc 
bcn ©efanbten, bie einige ^tit vorder im 9?amen ber ©tabt an bie 
rt)ange(ifc^en 9tacl)barfürfien abgeorbnet tooxtm waren, bie SSoBmac^t 
jum Eintritt in bad ijxiftUdjt Sunbnip nad). 

2lUein nad) n^enigen Stunben bcd Orimmd madjten fid) befon^ 
nenere 9(n{tc^ien ge(tenb unb admä^fic^ trugen biefe ben @ieg batoon* 
3uerft brachte man in 9Rünjier bad 9lacf)et)erlangen ber Bürger gum 
@c^n)eigen unb na^m bie ©teüung ein, in \t)elc^er man ben Grfolg 
ber rafd^en J^at gum SRu^en ber @tabt ausbeuten tonnte^ Sßian 
entließ bie Srbmänner aud bem gemeinen ©efängnip, bie beiben 2)om* 
Nerven aud ber ©c^rit>erie unb \y>k^ i^nen wit ben anbern eine e^r^ 
lic^e aQ3ot)nung an. 3)arauf lub man bie ©efangnen in griefed 
@afi{)aud, entfcl)ulbigte ftd) wegen bed ©efc^e^enen mit l)öflic^en 
SBorten — bie Zi)at t>on Xefgt fei ber Sürgerfd)aft, nic^t ber Dbrig^ 
feit aaSerf gewefen — , unb bat um i^re ^ülfe jur .^erfiellung bed 
griebend» 3f)r Sigent^um würbe in SSerwa^rung genommen, bie 
Äncc^te für ben SSerlufi ber Kriegsbeute burc^ eine ®e(bt?ert^eilung 
entfd)äbigt* 3to6) weniger aber alS in ber ©tabt füllte man brau^ 
^en ein 9$er(angen, bie !£)inge aufS iußerfle ju treiben« 2)enn bie 
©ebenfen, weldje früher jur 9Jac^giebigfeit geleitet l)atten, beftanben 
in gleicher ©tärfe fort unb waren je^t fe^r bebeutfam burc^ bie brin^ 
genbe @efa^r t)erme{)rt, in welche ein audbrec^enber itrieg bad Seben 
ber t>orne^meiT ©efangnen »erfe^en mu^te» 3mmer beutlic^er fleßtc 
fic^ ^eraud, wie \)ie( bie ^JRünßerifd^en burc^ bad ©elingen bed Ueber^ 
faQS gewonnen i)atten : ber Sßiberßanb ber Slriflofratie war gebrochen, 
unb ber SBifd^of fonnte unge^inbert feiner frieblic()en SReigung folgen. 

3. 

SRiemanb erfannte bie Sage ber Dinge fo rafc^ afö 8anbgrof 
$l)inpp : wftl)renb äße anbern, Äat^olifen unb ®)angefifc^e, ba6 ®e* 



§ 3. IDer Ctr^bifd^of ocn (Soln an (Stabt S^änfter, 1533 3an. l. K 325. — 
IDer Stdtf) \)on 33llm9tx an ben (Sr^bifc^of oon (S6In San. 6. Wi. — IDer ^anhs 
öraf an ben Q3if*cf, 1532. 2)«. 28. (5«. — 2)er «anbgraf an <Stabt SWönilet 
2)ec. 29. m. - 2)er 9i<itt} an ben «anbgrafen, 1533 San. 2. K 324. — Snflruc* 
tion ber ^efjifc^en ©efanbten an ben ©ifcf;üf 2)ec. 29. ga. — Snflruction berfeU 
ben an @tabt ^Jlmfin Dec. 29. m. — 9inin>ott fo bte butc^leuc^tigen k. (Smfi 
l^ergcg gu Sraunfc^iveig unb Süneburg unb Wüpp (antgraf gu Reffen ber ftat 
SWünfier gefanten gu ^crer gegeben ^ben. (Sa. — JDie ^efpfc^en (Rät^e in SÄün* 



XVI. <Drr eieg SRänßtr«. 205 

fc^f^ene laut mtflbtaigten unb bie &nt(affung bcr ©cfangnen brgel^r^ 
ten, begnügte er ftc^^ bte ÜRönfierifc^en ju friebfertigen ©cftnmmgen 
itttb guter ffle^anblung ber ®efangnen gu ermahnen» 6r fab, ber 
Seitpunft xoax eingetreten, auf ben er feit jwei ÜJionaten gewartet 
^tte, unb augenb(i(f lic^ , fo n)ie er bie ^iac^ric^t )>on bem Xelgter 
Unternehmen er^ie(t, fertigte er feine 3idtt)e, 3afob t>on S^ubeni^eim, 
3o^ann %i\i)tx, ®eorg 9?u^birfcr, an Sifc^of unb (Stabt ab, um eine 
griebendvermittfung gu t)erfu(^en, 2lm 4. 3anuar 1533 langten fte 
auf bem Set^ergern an, n)o fte ben 33ifc^of mit einigen Ferren \)om 
Sat>ite( fanben. J^ier fon)o^I ald in ÜKünfier, bad fie am ?• 3anuar 
erreichten, nal^m man bed 8anbgrafen Slnerbieten o^ne S^gerung an. 
Sefonberd freubig in ÜRünfter: jeftt, too i^r greunb unb Siefc^ü^er 
für fte ba6 Sßort ju führen übernahm, fäE)(ten bie &)ange(ifc^en gum 
er^en mal fefien SBoben unter ben gu^cn. !Die gü^rer ber Silben, 
JtntpperboQintf unb bie anbern, liefen ftc^ bie 6^re nic^t nehmen, 
mit bem @tabtrat^ in prad^tiger S3en)irt^ung ber ®efanbten ju 
)i>etteifem. 

3n ber Zl)at tonnte man bad griebenöwerf feinen paffenberen 
^anben an))ertrauen. Sanbgraf $l)ilipp befanb ftd) ju biefer 3^it in 
einer Stellung, bie i^m fd^on o^ne()in bie (Sntfd^eibung bed €treit6 
anheimgab ober t>o^ n>enigfiend beiben Parteien bie größte Slucfftc^t 
unb @(^eu gegen ben SSermittler gebot. !Der S3ifc()of mar faft o\)nt 
^ülfe. ^toax fianb ein fleined ^eer gu feiner SJerfügung, aber wie 
long er ben @olb bejahten fönne, war ungewiß, jumal ald auf bem 
Sanbtag ju Si^eine bie beabftci)tigte 9lnlci()e bei ben äRunflrrifd^en 
©täbten auf SBiberjianb traf» 2)ie bebeutenberen unter i^nen waren 
gar ni(()t erfc^ienen unb für bie weiteren SSer^anblungen mu^te ein 
neuer Za^ angefe^t werben. 9Son ben SRac^bam burfte man wenig 
enoartetu @elbfl Q^ltot unb (S^ur^ßoln, obgleich noc^ iüngft mit 
SRünfier gu engem ©unb gegen allen 2lufru^r ber Unterttjanen t)er^ 
einigt unb o^ne grage aufd tieffie t)on bem Sc^irffal bed fat^olifc^en 



$tx an ten 2antgtafen, 1533 San. 9. @$l. — ^er •^ergog t>on (§Iet)e an btn IBi« 
fi^f 3an. 9. aR9l. — Serl^anblung auf tm Sanbtag gu (Rheine ^an, 10. 9^91. 
— JDet (8rjbif*of »on Söln an ten JBif^of 3an. 13. SW91. — ^tx ©if*cf an 
hU ^ergogtn 9laxia oon ^nixd) 3an. 13. 1D91. — ^er IBif(^of an tm {»crgog 
mh (ilet)e 3an. 15. 9291. — IDev ^ergog t>on (E.U\>t an ten Sif(6of 3an. 19. 
iW. — Hbfc^ieb fce« ««eufer Hag«. Söln San. 25. 2)«. — IDet «rgbift^of »on 
€«Ia an ben 4ergog 9«n (iUu San. 28. S)9I. — K 324 sqq. 



206 (Stße« 9u4. 

SRac^bam htxnf)xt, entf^Ioffen fic^, bcn Sludgang ber l^efftfc^en SJer* 
mittlung rul^ig abjuwartem ßofl fic^ nun Reffen burcb bee Sifc^ofd 
Sc^ulb unt>erricl)tetcr ©acfce »on bem gnebendgefdjäft jurud, fo fiam 
ben bie @inmif(i)ung ber et)ange(ifc^en Sieic^dfitänbe^ ber @intritt 3Run^ 
flere in i^ren S3unb unb oüe bamit gufammenf)ängenben Oefabren in 
broI)enber 9}ät)e« 3)a toax ed boc^ beffer^ burc^ 9kc^giebtgfett in ber 
äieligiondfac^e^ bad einjtge n)ad ber Sanbgraf t)erlangte^ enbtofen 
Sermieflungen \)orjubeugen unb feine nü^Iic^e greunbfc^aft für bie 
Sufunft ftc^ ju erhalten» @benfo [e^r aber ^ing aud) bie ®tabt "oon 
bem guten SBiDen be^ gürften ab, Der bie ^ülfe bed c^riftlic^en ®un* 
bed nai) ®efaQen toermeigern unb bewilligen fonnte* Den ®efanb^ 
Un, welche mit "oan ber SBierf in Wörter erfc^ienen, t>ern>eigerte er 
))or(äufig ben @intritt in bad Sünbnip unb fleUte feine funftige %üx* 
fprac^e nur unter ber S3ebingung in Sludftc^t^ ba0 bei ber ie^igen 
griebenöunter^anbiung SÄünfter ftd) gefügig ermeife^ SHJagte man ed, 
bie ^effifc^en griebendbebingungen burd) ^ö^ere gorberungen ^aWftar^ 
rig gu überbieten, bie bargebotene Jpanb jurürf jufioßen, fo n>ar SWün^ 
ßer ganj auf bie eigne JCraft angemiefen» @(^on je^t (eiflete feine 
ber fleineren ©täbte ben t>erlangten bewaffneten 3njug^ Dann aber, 
t>on Seinben ringd umgeben, in ^anbel unb ©emerbe bmöf bie @tra^ 
^enfperre gelähmt, ba(b enger eingefc^(offen unb bem «junger über^ 
liefert, fonnten bie t)erjweife(tßen @ntfc^lüffe t^ieUeic^t ben ©egnern 
9{a(f;tE)eil jufügen, fc^meriic^ ber @tabt ben @ieg ))erf(^affen. 

4. 

Unter biefen Umflänben na()men bie 93er]&anb(ungen , bie am 
8« Slanuar eröffnet würben, im ganjen einen leichten unb rafc^en 



§ 4. griebric^ ö. !lft)ifi an Ootfrib J&atmen, tie »an iBermunbe unb SDefU 
öden u. a., 1532 $)ec. 29. SW21. — ^erman ö. Dltcr^ufen (Srbmarf*alc!, 33or* 
4arb 9. halberen, 3uft t). ^rmbrrge, iippoit 0. ^tocfeim, ^einric^ t). ^arbtn^ 
httdi, QJabe t). Sllbenfffen, ©run f&otmtx, Otenicfe bc 2Bent, fllaöen 2Bcfit)alen fampt 
allen anttrn juncftin al^te t^o ^orer oergabbert, an <Stabt S^ünilei: 1533 3an. 10. 
^%, — ^n O^at^ Don Wlm^tx an Q3(rtolt 3Bolf unb (Srnfl graten unb Nerven 
gu ^rnnenbrrg, gra»rn unb Ferren gu S^ffe, (Sc^omenbord^, IDeip^oIt, ^etj, @pie^ 
gflbcrg, ©Icic^en, SWan^felt, (Reinfiein, «ntenberg, unb bie erenffilen unb etbecen 
Hermen b. Oiberp^uden, ^oß o. <Steinbfrge, Sivpolt o. (Stocfen sc. 3an. 17. Wk. 

— 5)ie gu ^orcr »crfammeltcn ®rafen unb 3un!fr an ben Sifc^of 3an. 7. SKÄ. 

— SlnhDürt bf« öifc^ofd an bicfelbcn San. 11. 3^*. — 3)if Hfif*«n mat^ in 



XVI. 2)ef eieg 9Kdn0erd. 207 

fSvAauU 9lm friebferttgflen bmhtjxtt ftc^ bet Sifc^of, bett toi>f)l niäft 
o^ne 3ut^un bed ganbgrafm bie ju ^örtcr t)erfammeltfn rt>angelu 
fc^en ®rafm unb Ferren mit gropem Ungcftum gur Scfreiung ber 
bfibm ^aberbornifc^en (Sblen, So^annd loan S3urcn imb ^crmannd 
^an SXengerfen, aufforbertem @og(ei(^ lief er ben äBaffcnttiUftanb im 
gangen Stift »rrfunben; bann, e^e er noc() irgenb ein 3ugcfiänbmß 
triangt ^atte, t^ob er bie 6tra^enfpene auf; i>an ber äßiecf erhielt 
tro$ bem SBtberfheben bed !DomcapiteId bad loerlangte ®r(eit, um in 
9Run{)er an ben 93eri)anblungen Zi)t\l ju nehmen; bie Aneckte n)ur^ 
ben auf ben SBunfc^ ber ^ünfterifc^en aud ber dUf)t ber @tabt ent^ 
femt, lebe Jtlage über i^re Unorbnungen beru(fftci)tigt, iebe Seforg^ 
Bt0 bef(^n)i(^tigt. 9lu(^ mit ben Stäbtem toaxm bie ^efftfc^en ©e^^ 
fanbten jufrieben: bie Sürger iDÜnfc^ten grieben, um bie Sicfcer^eit 
bed Serfe^rd tt>ieber gu erlangen; bie ^rebicanten »erfprac^en it)re 
SRitwirfung; befonberd erfreulich fc^ien bie Slrt, n)ie Slot^mann fei^ 
nen bebeutenben @influ0 hü diati) unb ©emein^eit t)ern)aubte» 9Iur 
bie befangnen tooUttn fte nicl)t herausgeben, betoor ber SSertrag abf 
gefdsloften fei; unb bamit voax ber Sanbgraf eint)erftanben , ba bie 
gurc^t um t^r Seben baS eingige 3Ritrel \oax, bem 993iberfheben ber 
6tift6aripofratie gu begegnen» ©onft f^rieb ber 8anbgraf ben SRün^ 
fieirifc^en i^r Ser^alten t)or unb lenfte i^re (Schritte, 6ie n>oUten 
Huffc^ub, bis \>an ber SBied eingetroffen fei; auf bed Sanbgrafen 
(Se^ei^ n>iQigten fte, nod) )>ox ber Slnfunft bed S^nbicud, am 15. 
in gortfe^ung ber SSer^anblungen» 9?ac^bem bie Sntlaffung ber ®e* 
fangnen geforbert unb abgelel}nt n)orben, fam man fofort gu bem 



SlWnfter an ttn ©ifdjof 3ön. 8. SW9I. — IDer Sifc^of an bie ^efftfc^en {Rdti^c 
3an 9. (591. — 3)ie fi<ffif*<n (Rät^c an ttn »anDgrafm 3an. 9. (5«. — 5)ie 
Miif4«n (Kät^e gu Tlmjitx an tie bifd^ofli(^en mtt^t gu (Rheine San. 10. m%, 
— 3)ft S9if(<>of an bie Wfff*fn {Rät^e 3an. 11. (591. — IDerf. an bicf. 3an. 11. 
(5«. — JDie ^fffifdjen {Ratfte an b<n 93ifd)üf 3an. 13. (591. - 3)fr «ant^^raf an 
bie ^effifAen (Rdt^e in aRünfter 3an. 12. (591. — JDcr »anbgraf an bie @tabt 
»finfler 3an. 13. (591. - 2)er Jöifc^ef an bie Wfffdjcn ÖJät^e 3an. 13. (5«. — 
3>et »iWef an bie ®täbte ©arenbcrf, 9llen, Seden, ©enben^orfl, Jtelgt, 3an. 13. 
Ä«. — $)er S3ifd?of an bie feeffif*en (Rät^e 3an. 14, (591. — JDerf. an bief. 
3«n. 14. (5«. — S)ie Mftfcl)en. ölätl^e an ben ©i^of 3an. 15. ^91. — 5)ie 
|efiif4>en (Rätl^e an ben «anbgrafen 3an. 15. (591.— 2)er <Rat^ ber @tabt SWün* 
^rt an bie ^effifAen (Rät^e 3an. 22. (591. — 3)er fianbgraf an bie ^effi'cften 
«at^f 3an. 22. 691. — IDie gefangenen (Rät^e in ajanifiet an ben ©ifd^cf 
3an. 26. 9^91. — S)ie ^effif^m (Rät^e an ben ^ifc^of 3an. 27. (591. 



208 (5tM IBuc^. 

^auptgegenfianb. 2)ic Srörtcrung beffelben \oax nod) im &a\\Q, ald 
loan ber SBierf am 22» antangtc. 

Die Orunblage ber Untfrl)anblun9 , n)ie fte üon ben ^fffifc^en 
Statten gemap il)rer 3nftriiction t^orgcfc^Iagen tDurbe^ war ben ©oan* 
geli[ci)cn fefjr günftig, übrigen^ ber gegenwärtigen ?age angemeffen, 
einfach unb braud)bar^ lieber bie ^-ßfarrf ird)en , war bed 8anbgrafen 
SWeinung, foU bie ©tabt ©ewalt ^aben, $rebigt unb Oottedbienft in 
benfeiben ber Schrift gemäß einjuridjten, et>angelifcf)e ^rebiger frei 
gu bejieUen, wätjrenb !l)om unb Stifter ben ®egnern überiaffen blei«^ 
ben» 3)ie a3erpflicf)tungen ju 3infen unb JRenten an 93ifc^of unb 
@eift(id)feit befte^en fort; nur wad )>on Sürgern ju Sruberfc^aften, 
Äalenben unb bergleic^en gegiftet ifi unb wad gum Unterhalt ber 
^Pfarrer unb Äirc^enbiener gef)6rt, wirb ben Gvangelifd^en über* 
antwortet» 

3m Slnfang beutete bieß ber einen *4Jartei ju xikl, ber anbem 
gu wenig» 93on bifc^öflic^er Seite wollte man wof)I bie Keine ©er^ 
tjatiudfirc^e ben Gt)ange(if(i)en einräumen^ um barin bad SBort ®ot^ 
teö nac^ i^rer SBeife gu prebigen unb i^re Seremonien einguric^ten ; 
bann würben gwei Äird^en gugefianben; aber alle fe(l)d fPfarrfirc^en 
aufgugeben^ fonnte man ftd) nid^t entfc^Iiepen» !Daneben trug man 
SBebenfen, irgenb ein refigiöfe6 3w9ff*änt)nifl feierlich unb burc^ form* 
Iid[)en SSertrag gu bewilligen : baö würbe ber erfie SBorgang biefer SIrt 
im 9teic^e fein unb würbe bem Stift 5JRünfler gu 5Ra(l)t^ei( unb 9Ser* 
wei6 gerei^en» 91uc^ fei bagu eine allgemeine SSerfammlung bed 
weitgerflreuten !Domcapiteld unb ein Sanbtag nöt^ig, beibed geitrau>« 



§ 5. SnjhucHon ber %effif(^>en ©efonbtfn an (Stobt iWünßer, 1532 ^cc. 29. 
m. — JDie bif*öf(id^en gjät^e an bie ^effifc^en OJät^e, 1*33 3an. 13. m. - «eben* 
fen ber @tabt^2^an|Jerifd^en auf ben SJorWlas ber ^efpfd^en (Rät^e 3an. 19. (5«. 
— JDenffc^rift beö »an ber fflied. o. 5). (5«. — (Sntgegnung ber ^efflfd^en OJät^ 
auf eine Slntivcrt ber bif(^öf(t(^en. moihtä 3an. 22. (&». — Qine biW^iiäft 
(Srtt)ieberung auf bie t)on ben ^effif(^>en flidt^en öorgelegten Slrtifel. o. JD. 6«. — 
JDie l&effift^en (Rät^e an ben «anbgrafen 3an. 24. (S9I. — 5)er 53ifc^of an ben 
Qr|btfd^of von (Solu 3an. 24. 2)91. — 2)ie befangenen tjon ^apitet, (Ritterfd^aft 
unb mtf}tn in SWünfter an ben 93if<^of San. 27. 3»». — JDer JBif*of an bie 
l^efjifc^en (Rät^e San. 29. (S9. — ^an ber mitä an bie ^efftfc^en mtf^ 
gebr. 2. m. 



XVJ. «Der eicg 9Kin0er«. 209 

bmbe Dinge unb t)on frbr uni)cn>iffrm @rfo(f). Slntrerfritd gabrn btt 
9Rän{itm|(^en i^re @riiiite an, n>rdt)<ilb tle nicbt ^om unb ßoüegien 
bei ibrrr 9teligion unbrfüinmert (aften unb bei fid) bulDrn fönutcn« 
SRan »ürbc alebann, fagte eine 5)enffcbrift t)an ber ©iccfd, im Xom 
unb anber^mo bie bergebracbtcn ^Dii^bräuc^e prebigen unb Ict)rcn, 
$rii>anneiicn unb bie abgöttifc^e 3Banbc(ung feiern unb fo bie ^toie^ 
tracbt unter bem %olf ert)a(ten ; bie ^^^rebicantcu müßten fo(ct)c &otu 
(ofigfeit rügen, bie ®egenpartei n>ürbe jtd) ber @m>ieberung ni(t)t ent^ 
^Iten unb bad n>ürbe ju Sluflauf unb Empörung fübren« „^^)^ foQt 
bad 9öfe t>on euc^ u>egti)un/' bci^e ber Sefel)l ber f), Schrift ; barum 
^bc man barauf ju fe^en, ba^ bad gemeine iBolf ju SRünfter bad 
mingeln, Sauten, ÜReffen unb anbered £(beinn>erf nid)t mei)r fe^e 
unb ^ore. Um bie €d)n>a(^en t>or Slergerni^, bie Stabt t?or Sd)a# 
brn ju ben>a^ren, n>oUten fte niebt gugeben, baj^ ber abgcttifcbe unb 
^eibntfd^e Slberglaube ber ^i^apiften, ju welcbem boc^ menfc^(ici)e 3la^ 
tur aud angebomer 93oel)eit geneigt fei, in SÖtünjier fortbcfJebe, fon^ 
bem fieQten tit Staufei jum 93ertrag: !Dom unb SoUegien foOeu in 
i^ren äleligionebräuc^en unbefümmert bleiben, „fo xotit biefeiben nic^t 
gegen ®otte6 Säort finb unb offene ®otted(äfterung ent()a(ten/' 

aber bie ^efjifcben ®efanbten t)ie(ten ibre 3nftruction gegen äße 
Snfec^tungen aufrecht. !Die fec^i^ ^4ifarrfird)en mupten ben SvangeU« 
f^^en abgetreten werben, unb jwar nici)t etn>a burcb eine einfeitige 
bt|(^6flic^e Sufage ber Dulbung, fonbern burd) 3)rief unb Urfunbe 
unb mit audbrutflid)er Genehmigung aQer (Staube bed Stifte. Der 
Sifcbof mit feinen (ginwenbungen würbe auf ben 9turnberger 9ieli* 
giondfrieben venoiefen: weit entfernt, bur4^ ben SSertrag Äaifer unb 
Sleic^ gegen fic^ aufjubringen , würbe er ioielmeI)r gerabe bei ^ort^ 
fe$ung ber Sfi)be faiferlic^e 2;ni)ibition unb $rocep t)or bem 9ieici)d^ 
fammergeric^t ju gewärtigen bitben. Dem Domcapitet, weld^e^ am 
Itebflen bem Sifc^of freie ^anb gelaffen, unb für fid) felbft aller 
S^eilnabme am giieben^werf fic^ entjogen IjCittt, entgegneten fie, i^r 
^err wolle feinen zweitägigen grieben fcbliegen. SlUgemeine l}er* 
^mmlungen unb einen Sanbtag l)ie(ten fie nid)t für nött)ig: wenn 
nur bie ^äupter ber t>erfd)iebenen Stänbe ben IJertrag untergeicbneten, 
bie übrigen würben bi"^f»brein bie ®enef)migung nid)t t?rrfagen» Die 
SJflnfJerifdjen mußten ftcb entfcblie^cn, i^re ßlaufcl fallen gu laffen» 
^eilid> gefiatteten fie nun aud) ben (Segneru nic^t, eine näbere (Sr«' 
läuterung ber 9lecbte ber Äatl)o;ifen auf i^Jrebigt unb Sacramcntd^ 

«ornctiHt, «nfrul^r in SNünßcr. I. 14 



210 dtfiu Sbuäf, 

t)ern)altunfl ringuf^altcn. ©d blieb bei bcn furjen aßorten bed ^effu 
fc^en aSorfc^lofld: „bie i>on 9Rütifier foUen ®if^of, Domcapitel unb 
goHegien bei iijxtx Sleligion unbefümmert unb für pc^ leben laffen/' 
unb bie (S^jangedfc^en behielten ftc^ im Stiüen »or, mittel biefer 
Surfe bajfelbe 3icl ju erreichen, für n>et^ee i^re Slaufef beftimmt ge^ 
n>efen war»*) 

6. 

@o weit tarn man in ben ©cfpräc^en, bie »on ben hefßfc^en 
©efanbten mit bem flabtifd)en Sludfc^u^ ju ÜRünfter, mit ben bifcl)6f^ 
lid^en fRati)tn gu SBoIberf, bann Slnfang gebruard ju ®xtom geführt 
würben« Sßa^renb nun bie bei ber Unter^anblung t^&tigen ©lieber 

*) 9lnx in biefer ^rt toeif ic^ ttn SBcrtlaut be< SBertragd oom 14. gebniav 
mit folgenfcet in einer fpäter im £auf beffelben 3«^r« gegen ^effifd^e ©efanlte ge* 
Wel^enen 5leu§erung ber SKünftcrifc^en ju vereinigen: „ffiuficn bie rete ficf t^o 
erinneren, bat in bem »erbrage mit ut^brudlid^en toorben »an un« gefacht h>or< 
ben, tat tt>^ im bome feine be>>jlif(^e ^jrebiger, be ein anber 1er !)elben unb pxtf 
bigeben, ban be xot^ (^rifUic^ erfenneben unb gelben, erbulben mochten, unb ber« 
l^aloen, up bat fein u^ror, trennunge unb fpaltunge in ber fint erme^, lange Dur 
bem verbrage bat prebtcfen unfer ^<nt terminarien im bome afgefc^afet unb ver^ 
Bobben ^ebben. SB^ ^ebben bat o(f im verbrage n>ebber antofleHen nid>t gebulben 
toitlen, bat ber^alven ut^ bem conce^te be« »ertrag« etliche ttjort Bliven moflen, 
ttju ocf ber orfade bcft^el^en, bat ut^ tt?ebbern>ertiger ^jrebige im bome unb unfern 
ferfpelfercfen gen)i«Uc^ ergemif, tn)if))altunge unb trennunge entjlan n>orbe" k. 
Sie beflagen ftc^ bort auc^, baß „bie (^eißlicben im IDom n>iber ben 93ertrag mit 
^Darreichung be« @acrament« unter einer 6)efla(t unb ber Xau^t Trennung an|u« 
xid^Un ftc^ befiripigen." 

§ 6. griebrtc^ v.Xwift unb (Ruiant an ben S3if*of, 1533 gebr. 4 SW91. - 
JDief. an benf. gebr. 5. 691. — 3afob von 2!auben^etm an bie bif4j6flid>fn 
Wät^e gebr. 7. (5«. — JDie lanbgräflicbcn 9i&ti:}t gu Gaffel an ben Äanbgrafcn 
gebr. 9. (SÄ. — ®anber 3Worrien, (Hotger ©mifincf u. a. SDomberren an ben 
S3if*of gebr. 9. (5a. — JDie befangnen von (Sapitel unb (Ritterfc^aft in 3Äün* 
fier an ten ©ifcl)of gebr. 11 SWa. — a)er 93if*of an ®raf «rnt ju IBent^em 
u. a. gebr. 11. SW«. — (Rulant an ben 93if*of gebr. 13. 2W9C. — JDer «ifrf^of 
on bie Mlif*cn mHjt gebr. 13. (591. - JDer ©ertrag 1533 gebr. 14. Bei ^ob^ 
Beling 93ef(|>reibung be« (Stift« SWunfier p. 166. — Urfunbe n>obur* ber 5)if(^of 
benen von ber (Hitterfd^aft, bie ben ©ertrag unterfiegelt l^aben, bie (S)enebmigung 
gemeiner (Ritterfcbaft auf bem näc^üen 8anbtag gu erlangen verfpricit gebr. 15. 
SKa. - Urfebe Slrnt «el^olt« gebr. 16. SWa. — 2)er löif^of an ben Sanbgra^ 
fen gebr. 20. (58. — Sol^ann van ©uren, Sol^ann SWerdel unb J^ermann van 
SKengerfen an ben 8anbgrafen gebr. 20. (S9l. — 3)er ^atl) von 3Äün|ler an ben 
«anbgrafen SÄärg 10. (5». — K 343. 



XVI. ^er eit% SRdnaer«. 21 1 

bcr Strifiofratte gingen, um tte Seitltmmung ber «ome^mßen unter 
ben a6n>efenben etnju6o(en, n)urbe gu SRunfler mit ber Sefl^etlung 
ber 9}ebenpunfte fortgefahren. O^ne gro^e €(^n)tertgfeit ging aüt^ 
wn {hatten; f^on am 9* Februar n)ufte man in (S.af\il, bafi ein 
gUicflic^er Sbfc^M bet>orfiei)e. 2)ie 3Ränßerif(^en liefen ftc^ nad^ 
einigem @trauben ben Slrtifel gefaQen, ber ben audgen)id[)enen Sur^ 
germeißern unb Srbmännern bie 9Qieberaufnai)me guftd[)erte* @ben^ 
fon>enig t)ermoc^ten fie, i^re Sorberung an ben fläbtifc^en @(eru6 n>egen 
Vergütung be6 bid^erigen Schabend unb 91ufn)anbd jur Slnerfennung 
gu bringen. Dagegen übernahm eö ber Sifcl)of, bie namhaften 25er^ 
lufie einiger Bürger gu erfe^en,*) unb bewilligte bie 8od(affung 2lrnt 
fbtlhoM, ber feit bem Sommer toegen feiner S^^eünal^me am Sluf^ 
ru^r unb um anbrer Sefc^ufbigungen toiüm gefangen fap, unb ber 
übrigen Verhafteten. 8lUe anberen gorberungcn, welche bie (Statt 
gegen bad 3)omcapite(, ben ßleruö ober ^ritjatperfonen erftob, t>er^ 
iDted man, um fc^neder gum Slbfc^hi^ gu gelangen, an ein fiänbifc^e^ 
€(^iebdgeri(bt. QDad ßkl fd)ien erreicht, a(6 fid) nod[) ein le^ted 
^inbemiß in ben SBeg fleßte. Qtlii)t nämli* t>on ber SRitterfc^aft 
»efgerten ^i), im Flamen ber übrigen, n)ie t>on i^nen t)erlangt würbe, 
ben Vertrag gu untergeic^nen. Slber bie bro^enbe Haltung ber 33ür^ 
gerf4)aft unb bie ®efal)r ber ©efangenen brachten fie fdjneß fo weit 
gur SBeflnnung, ba0 fte burc^ bie urfunblic^e Verftcljerung beö 39i^ 
fc^ofd, er werbe bie ©enel&migung gemeiner 9iitterf4)aft auf bem näc^^ 
^en 8anbtag bewirf en, fid) befriebigcn ließen unb mit i^ren ©iegel^ 
ringen gur gebotenen ^tit fic^ einfanben. 

8lm 14. gebruar 1533 würben bie beiben ßrcmplare be6 gric:» 
bendt>ertrag« au^gewed^fclt. 2lußer bem Sanbgrafen, bem S3if(l)of, 
ber ©tabt unb bem Sapitel f)atten im 9lamen ber SRitterfc^aft 2lrnt 
®raf gu ©entf)em unb Stcnforbe, bie Ferren ?lrnt \>an SRaidfelt, 
3afper Äorf, genannt ©mifmrf, grang bie Sßent, Oobbert i>an <Bi)t^ 
belid^, i^mx\6) \>an ?Wunfier, 3ol)ann "oan ber SRerfe gu Stenforbe, 
3o^ann 'oan Suren gum 2)aii>enberge, Soac^im !Drofic gu ©enben^ 
Sol^ann 2)rofle gu Vifc^erinrf, im 9Jamen bor Stabte bed Stifte« gu^ 
le^t goidfelb unb SBarenborf iijxt Siegel an benfelben fangen laf* 
fen. 2)arauf würben bie ©efangenen ber ^aft entlaffen, il)r Sigen^ 



♦) gfir bfn ©eduft an i^ren Dc^fen erhielten Sotcfelt eine ©ntfd^abigung 

vm 300, Sol^ann 'oan ^etenter 225 Kulten. 

14* 



212 (Krfire 8u4. 

tl)um it)nm juriirfgeftcUt* SSon oUen Seiten erhielt ber Sanbgraf 
2)anff(^reiben, ber ®ifc^of befc^enfte bie ©efanbten, bie ©tabt ü)Jün* 
jicr fe^icfte jmei J&engftc unb gwei mit ®olb gefuütc S3ecl)er loon 
funftreid)er Slrbeit an i^n felbfi; \)on ben Äanjeln ertonte bad 8ob 
bed griebendfiifterö. 9?ur bie Slrifiofratie bed gtiM unb bie fatf)o^ 
Uferen Surger (tagten über ben Untergang ber ^Religion unb über 
ben fc^Iimmen t)effifc^en ©influ^, ber fic^ ben ^of bed ©ifc^ofd wie 
bie ^auptftabt unterworfen ^abe« 



5Bir finb ju einem SBenbepunft in unferer ©rgä^lung gefommen 
unb fte^en eine SBeite jHB. 

9?ac^bem in ber n)id)tig(ien 6tabt SHJePfafend bie neue 8el)rc 
gegen ben Eingriff fic^ behauptet unb eine ^ertragdniÄpige Slnerfcn* 
nung i^rer ^errfc^aft errungen ^at, ift bad ©c^irffal unferer Sanbc 
ba^in entfc^i'eben, baß fie fortan ber alten ®fauben6ein^eit entbehren, 
unb in ben tiefften SIntiegen bed geifiigen Sebend fo n)ie in ben be^ 
beutenbften UmtDanbtungen i^rer äuperen 93erl)a(tniffe 9iac^bar bem 
§Ra(l)bam, ein ©tammgenoffe bem anbern feinblic^ gegenüber jüeben 
foUen» 9toc^ fmb jwar bie ®renjen gn)ifc^en ^ßroteftanten unb Ra^ 
t^olifen nic^t genau gebogen, nod) ifl bie Sen^egung fo n)enig a(d bie 
@egenben)egung beenbigt: aber bie (Spaltung ber Söinifc^en Jlirc^en^ 
pro))in} in einen fat^otifc^en unb einen proteflanttfc^en S^^eil ift ba^ 
mald juerji befefligt unb feit ber 3fi^ nic^t tt>ieber aufgehoben Sorben» 

99ei biefer @ntfc^eibung angelangt, änbert bie Gegebenheit, meiere 
tc^ barguflellen unternommen \)abt, i^ren @^arafter unb gewinnt eine 
neue ungeahnte weitgreifenbe ©ebeutung» 

2)ie eigent^ümlic^e ©eflaltimg bed 9leic^d ifl bie Urfac^e ge^ 
wefen, baß jebe beutfc^e Sanbfc^aft unb fafi iebe Stabt i^re Stefor* 
mation fetb|iänbig "ooübxa^t Ijat, »e^^alb ic^ auc^ unfre ©efc^ic^te 
bid ju biefem ?ßunfte ^abe fül)ren fonnen, fafi o^ne ber allgemeinen 
aSer^altniffe ju gebenfen» 3fi bann ber ©intritt in bie Steigen ber 
*4Jroteftanten einmal t>otljogen, fo fc^winbet gewo^nlic^ jene Selbftän* 
bigfeit, ber Z\)til folgt bem ©c^irffal bed ©angen, unb ber ®efc^id)t> 
fc^reiber muß fid) in bie 9Kittc ber ^Partei begeben, um "oon bort 
aud ben 3uf<^n^nifn^«ng ber @rfcl)einungen gu erfaffen, welche bad 
Seben ber einjelnen 8anbfd^aft feinen JBlicfen barbietet» Slber nic^t 



XVI. Der €if9 3^ünficr<. 213 

überaU nad^ t)oObra(f^ter 9leformatton untent?arf man [ni) beit Wiiu 
tcnbetger Drbnungtn unb ber Seitung bcr loowoltenben et^angclifc^en 
^urflen : gerabc in unferen ianUn er^ob fic^ ber entfc^icbenfie Ocgc n* 
fa^ gegen bie ben bamaligen ^roteflantidmud be{)errfd^enbe ättc^tung* 
3nbem 9Rünfier innerl)o(b feiner ÜRauem ben alten Olauben jerjiörte, 
batte e^ einer inneren @ntn)i(felung Staum gegeben^ bie^ früher )t)o^[ 
bemerft aber gern überfe^en, je^t offenfunbig Ifeervortrat^ unb in Äampf 
unb <Sieg bie ^auptfiabt 993eßfalend jum SRittelpunft einer britten 
großen Partei im 9ieic^ machte, loon )t)e(d)er ^^^rotefianten xvit Siatijo^ 
lifen mit glei(f;er 93ernici)tung bebro^t n>urben. 



I 



|l e i 1 a e n. 



Colner Horgensprache. 

1525 Mai 31. Copie CStA. 



Ir erbar lüde. Unse hern vam raide haben vernomen, dat 
allenlhalben fil geringe und leichtrerlige personen, einem ersamen 
rait nicht zugedain und vereit, in die stat Colnc sich gehen, eth'che 
geistliche heusere und cloistere hifzher umh essen und trincken 
ersucht' haben, und sich mit spitzigen verwenten worden vernemen 
lassen, in meinonge, als dieselhigen solche gotzheusere und auch 
bürgere zukumpstig argwilligen mochten ; daraufz gefolgt, das solche 
handlung etlichen irer stat amptcrn und galTeUi zugemefzen und 
gleich of dieselhigen defz wissens betten, darfur sie doch ein ersa- 
mer raet nicht achtet, auch inen dafz nit zubetrowet. Derlialben 
ein ers. raide, alle amptere und erlige burgerschaft dieser loblichen 
stat Golne bei kei. Mt. unserm allergnedigsten hern, stenden des 
heil. Romischen Reichs und aller crberkeit, woe demselbigcn mit 
zeittigem rade nit furkomen wurde, filleicht verunglimpft und ver- 
dacht werden mochten. Zudem nu ein wirdige cleresei dieser stat 
Colne umh vurfz und anderer Ursachen unse hern vame raide alfz 
lobliche fromme vurwesere und regenten dieser heiligen stat für 
gewalt zu schützen und zu schirmen uifz denselhigen vurangetzeig- 
ten Ursachen angemoit, auch defz lioichen beroempten namens und 
geruchtz, so die stat Colne bei allen nationen durch die gantze werlt 
und erbarkeit für anderen stetten und besunder als die jenigen, die 
dem geistlichen stant und christlichen glauben anhengig beistendig 
stanthaflig und beroempt, auch dweil dieselbige eins zom glaub^^n 
komen nicht abgeweichen gewest und noch ist, ermant und ange- 
sucht haben; derhalhen unse hern vame raide sollich Ursachen und 
ansuchen mit zidigem rade aller rete und den jenigen, die des vaii 



»eüage I. 215 

allen amptern und galTeln in craft des verbuntbriefs und sust macht 
haben, hoichlich bedacht und beratschlagt, darzu, wefz zur Uneinig- 
keit und zweitracht reichen mocht, hinwege gelacht und die Ursa- 
chen verdiiget, darmit nu der gemeine man geistlich und werent- 
lich sich zu beclagen nicht fuege betten oder haben mochten, und 
mit wist willen und consent unsers hern gnade van Colne ertzbi- 
scboven, sich mit einer wirdiger clereseicn dieser stat und geist- 
licheit entlichen verdragen; nemblich das achter dieser zeit die 
geistlicheit, doch den adel uifzgescheiden, van hier broit und weine, 
zu verlichten solcher jarrenlen damit unse hern vam raide verknupt 
und verbunden, zu underhaltung der stat gleichs den burgern zu 
voUentz lüde und inbalt eines gütlichen verdrags geben sollen, darzu 
sich erhotten, so ein stat Colne, da Got für sei, genottiget wurde, 
gemeiner burgerschaft mit leibe und gutte beistendig zu sein; der- 
halben u. h. vame raide, wie doch die pilligheit und das recht er- 
fordert, gleichs ire bürgere weihe und kiudere, sampt irem gude 
zu schützen und zu schirmen verursacht worden. Und haben u. h. 
vamme raide darzu etliche accifze verlichtet und ouch weitters das 
die selbige uf zimbliche wege nach uollurlt gestalt wurde, und vort 
wefz dieselbige bifzher gehandelt eingenomen und uifzgeben haben 
in namen der stat, einem ers. raide und weme das gezimpt, wie 
sich dasselbige erheischt und gehurt, rechenschaft zu thun gutwillig 
erbotten haben und zu thun nochmals willen sein. Derhalben u. h. 
vame raide solche moitwillige hendel , gleich bifzher geübt und ge- 
pruicht, nit lenger dulden noch leiden mögen, und haben sich hier- 
umb weitter einhelliglich entschlossen und verdragen, so wer achter 
dieser zeit, er were arm reich klein oder groifz, ein eirsamen raide 
sampt und sonder oder einigen geistlichen man , munch nonnen 
oder paffen, burger burgerfze oder einigen inwoner dieser stat boven 
gepurlich recht mit vvorten wercken oder sust geweltiglich binnen 
oder buissens huifz moitwillig zukumpstig ersoichen und anfechten 
wurden wider willen desselbigen, willen u. h. vamme raide den oder 
die selbigen nach gestalt und gelegenheit der sachen inhalt diefer 
heiligen stat gesetzen, jederm zu einem exempel, sunder furbede 
unnachlessig straffen lassen. Nachdem auch etliche mutwillige sum- 
roige hern und glieder des rats und andere allenthalben felschlicheii 
und lugenhaftig überschreiben und mit Worten ubersagt haben, doch 
derselbiger schrifl und werten nicht gestendig sein, dorren haben 
u. h. vamme raide verdragen, wer den oder diesclbigen melden 
wurde, sol sonder schant und in geheim, so palt er u. h. vamme 
raide oder iren bevelchabern solches glaublichen anprengt und kunt 
thut, mit hundert gülden van stunt an versehen werden, die auch 
solche ubersagte und geschrieben hern uifz irem und buissen scha- 
den des gemeinen gutz unverzüglich darzustrecken gutwillig sein, 
damit dafz glimpf der ubersagtcn hern jederm verwissigt werde, 



216 Qrjied f&ndi. 

sollich brietlich und feischlich liegen jederm zu einem exempel ge 
sirait werden möge. 

Sü DU die huifzmollen das gemeine gut verletzt, zurugk und 
achter gepracht haint, derhalhen u. h. vam raide dieselbige allent- 
halben in ire gewarsame genomen haben und füren laissen, wollen 
dieselbigen hiermit jedem gewarnt und geholten haben, so noch- 
mals jemantz, wefz stantz er were, einige mullen, dae man maltz 
körn of weifz uf malen mochte, uf diese zeit achter sich bette und 
nit uf den hol en stelte, denselbigen willen u. h. vamme raide also 
straiTen, dat ein ander exempel daran neme. 

Nachdem auch kei. Mt. unser allergnedigster her auf schwere 
hoich peen mandaten hat laiäsen aufzgehen, das niemantz lulterische 
ouch andere schmehebucher trucken of verkauffen sulle, so willen 
u. h. vamme raide einen jedem darfur gewarnet haben, sich solcher 
hucher miede und enthalte zo drucken , zo gelden oder zu ver- 
kaulfen, auf das u. h. vamme raide nicht geursacht werden, jemantz 
derhalhen zu straffen, wie sich dat heischen und gepuiren wil. 
Darnach weifz sich ein jeder zu richten und zukumpstig für scha- 
den und Ungemach weilters zu huiden.*) 



II. 

^cfett ber ^tr^enntftfafton in ben Sanben ^n\x^ unb 

3laüenSbcrg im 3af)re 1533.**) 

Angetzeichent zu Duisseldorf in bysin der semenllicher vurfz rede. 

Irstlich ist den reden ufz bevelh m. g. h. und frauwen furge- 
dragen, wie kundich und für ougen, wie Duilschlant allenthalver 
des glouvens ceremonien gebruichs oder mifzbruich halver, dergli- 
chen des nuwen furnemens in zwidracht ein zit her gestanden, da- 
rufz dan ufror ungehorsam und grofz bloitvergiessen an villen orten 
entstanden. So betten ire f. g. vernomen , wie sich dieselvige • 
zwiedracht ungehorfam und wederwerdicheit an villen orten in ire 
f. g. landen und gebieden erhaveo und ehe lenger ehe mehe inris- 
sen, und so denselvigen nit mit staitlichem zidigem rad und vor- 
seheong furkomen wurd , das es nit .allein by dem gemeinen un- 



*) Sotc)t nod» einided i>ün und glei^gültigem 3n^iilt. 
♦♦i !Dif ®ifitflticn«protDfrßc für htitt 8ant>c, in txti goliantcn ^t^tfttt, bffln* 
tm ft(6 auf bern IDtS. gut bie übrigen 2anbc be« <&eriog0 finb fte nicbt mthx 
»orbauben. 3d) finht nur fol*« D'ictijfn ercerpirt, wtia^t jum ^erfläntnip ber 
banivtlij^fn firc^licbm 3uftflnbe unb be« ©eftcnrocfen« bicnrn fönnen. 2)ie »or 
biffe örcrrpte flffleUtcn Slctcnftücfe (inb jum Xi^tii anberen gcidcüeln br« iD9l cnt* 
nonimrn. 



Beilage II. 217 

versleDdigen man zu ungehorfam und ufroir, sonder auch by der 
rilterschafl und verstendigen zu besweiiichein Unwillen und weder- 
werdicheit verlouffen wurd. Wuchs ire f. g. ehe nii gein sehen, 
und gedachten unrait, so vil an iren f. g. ist, mit allem flifz under- 
stain wullen abzuwenden und dem adel rittermeefzigen und versten- 
digen einichen verstaut und verglichung zu machen. So bedencken 
docli ire f. g., das by der ritterschat't und verstendigen die verglei- 
chung nit sie zu wegen zu bringen ader zu underhalden, es sy 
dan, das irer f. g. rete furhin des einigen verstantz sin. Dan so 
under den reden villerlei meinongen nit allein verbleven, soudcr 
^uch andern ingebildet wurden, kunten ire f. £». nit anders bedencken, 
dan das die dinge sich zu vcrachtong und nachteil irer f. g. , zu 
ungehorsam ulVoir und bloitvergiessen, wie an andern enden leider 
bescliehen, verioufTen moiften. So hellen ire f. g. derhalver ire 
f. g. rede der iiii landen hieher beschriven lassen, und wer irer 
f. g. gar gnedichs gesinnen bevelch und meinong, das die rede sich 
der Sachen besprechen und uf sulche wege verglichlen, die ire f. g. 
by Got dem heren, kei. Mal und andern christlichen fursten und 
stenden bestain mögen, und das die red willen bewegen, was an 
disser Sachen gelegen, und ander hewegung und Zuneigung uf sid 
stellen und am treuwlichsten und flissichstcn den gemeinen fridden 
helfTen beraitslagen und underhalden, und die dinge nit in vcrach- 
tong oder verlouf zu sniehe und nachteil irer f. g. gestalt wur- 
den, so ire f. g. sich doch altzit nach rail der rede gehalten und 
nit buissen dieselvige furnemen. 

Darul* haven die rede ire bedencken genomen und irstlich an- 
gesehen, das man hie innen zu erwegen lielte, of das furnemen 
gut wer, of es in irer f. g. bevelh wer, und in s. g. macht wer zu 
halden, und das daruf middel und wege furgeslagen >Yurden, wie 
dem am besten zu doin wer, das es gehalden wurd. 

Und ist anfencklich durch die rede gemeinlich beraitslacht, das 
das furnemen nit allein gut, sonder auch am höchsten van noden 
wer, und zom andern beraitslacht, dwil die geistliche obericheit, 
die das billicb doin sulten, nit darin segen, das die mifzbruich af- 
gestalt wurden, dardurch dan hochhenanten minem g. heren in s. 
f. g. landen vil ufroer ungehorsam und wederwerdicheiden erwas- 
sen und s. f. g. also das ampt, das siner f. g. bevolhen wer, als 
das weltlich swert, nit, wie sich gehurt, foifueren könne, so mocht 
8. f. g. wail die mifzbruich afstellen, die nit dem hilligen evange« 
lio und dem gesetz der hilliger christlicher kirchen gemeefz weren, 
damit s. f. g. in s. g. landen frid und einicheil erhalten , sinem 
bevelh nachkomen und das weltlich swert foren mocht. Das aber 
s. f. g. ichtwas nuwes widder das evangelium und worl Götz, ouch 
Widder die geselz der hilliger christenhcher kirchen, gude und lob- 
liche hergebrachte ccremonien, buissen ein generail ader national 



218 (SrM 9u(^. 

concilium sult ufrichten lassen, das konteo die rede by sich nit fin- 
den, das siner f. g. sulclis wiilt geburen. 

So vii als das dritte punct belangt, of es in s. f. g. macht \Ter 
zu halden oder halden zu lassen, vermeinen die red, wie sich sulchs 
in ferner handlung der Visitation befinden wurd. 

Und ist des folgenden dachs mins g. h. ufzgegangen und ge- 
druckte ordnong verlefen worden, und anfencklich gestanden uf das 
irsle punct, betreffen die ordentliche beroiffung, und uf ii puncten 
bedacht, nemlich uf die winckelprediger und uf die monche. Und 
daruf umbgefragt und beraitslagt worden, wie den reden beducht, 
das die winckelprediger ehe nit zuzulassen weren, so darufz un- 
einiclieit ufroir und beswerong erwest, und man doch kirchen gnoch 
haf, da man by einandern komen und das wort Götz boren mog. 
Und so vil die monche belangte, vermeinen die rede, es wer noch 
man^el an guden predicanten ; sulten nu die monchen ufzgeflossen 
'sin, des konten die rede noch zur zit nit für nutz achten, sonder 
segen für gut an, das man da innen den visitatoren in ire instruc- 
tion maefz kont stellen, das geine monchen zugelassen wurden, sie 
weren dan geschickt und beqweme und van den pastoren mit raede 
etc. zugelassen, und das nit huid disser, morgen der ^terminarius 
umbgeschickt wurden, sonder das dieselvige, so zu predigen zuge- 
lassen wurden, predigten, und wan der einer afginge, das dan der 
ander, der in seine stat qweme, van den visitatoren ader den aropt- 
luden und pastoren examiniert werden, das sie sich mins g. h. ordi- 
nancy gemeefz wulten halden, und das doch ouch die monche, wan 
sie umb ire termin gingen, nit durch die huiser lieffen, sunder für 
den dueren hieven und sich sunst geines bichles ader testamenten 
helfen zu machen underucmen. Doch sulten die visitatoren sulchs 
den obersten der cloester zu erkennen geven, by den iren zu be- 
stellen. 

Und das ouch der einer pastoir den andern sine kirspelfzluid 
nit afzehe, sonder einen idern, dahin er gehoert, bliven zu lassen. 

Ferner ist die ordnong u. g. h. ufzgelefen worden. Und ist 
umbgefragt und angesaclit, wer imantz, dem beducht, das man da- 
van icht was zu ader af doin ader ferner kleren sol, das er das 
sagte, damit die rede irstlich eines verstantz wurden. Daruf ist 
der railslach dahin gefallen, das inen beducht, das die ordnong 
wail gestalt, und nach gelegenheit noch zur zit nit zu verendern 
sy, sonder den visitatoren instruction und maefz zu geven, wie 
dieselvige zu erkleren und zu guden verstaut gebracht, und das der- 
massen daruf gesehen, damit dieselvige ordnong wail geholden wurd. 
Und waby sulchs staitlich beschehe, erachlen die rede irsllich van 
not, das m. g. h. etliche verordene, die die instruction begrifTcn. 
Zum andern, das visitatoren verordent wurden, die die instruction 
den pastoren inbildcn, und das der pastor den recliten verstant fort 



9eüage IL 219 

den uoderdaaen predigen. Und wan die Visitation gescbege, achten 
die rede van noden, das der amptman iders ortz, derglichen die 
bevelhaver mins g. h. , ouch die scbeffen und kirchmeister darby 
geroffen wurden, damit die oucb der Visitation, und was die uf sich 
bette und mit brecbt, beriebt wurden. Und sovil die prediger, die 
sich nit na bevelb und ordnong mins g. b. hüten, bedunckt den 
reden, das dieselvige nit zu predigen gelassen, sonder ufz mins g. 
b. landen gestalt wurden. Und das die visitatoren ufsehens baven 
und verordenen, das den pastoren und predigern geburlicbe compe- 
tencien und underbalduug gegeven werd. Item der ceremonien 
balver den pastoren bericht zu geven, wilcber massen sie dem volck 
dieselvige verkleren sollen. 



Uf den 29. dach Octobris 1532 in bysin miner g. h. und f. 
und der rede, ncmlich mins ionckhern van Obernslein, her Ketle- 
1er, lantdrosten Guihcb und Clef, cantzlers Ghogref, cantzlers Clef etc. 

Ist anfencklich den reden furgegeven durch minen g. h. , wie 
8. f. g. hiebevor der visilation halver s. f. g. rede bette beschrie- 
ven und folgeotz einen raitslach und begrif uftzeichnen lassen, wes 
sich die visitatores in der Visitation halden sulten. Wult als da- 
rumb, das die rede densulvigen begrif hoerten, und, wa van noeden, 
zu ader af deden; dan s. f. g. wer gemeint, das in s. f. g. landen 
glicheit sult gehalden werden. 

35arauf wirb bic Drbnung ,t>orge(efen, baraiif bcr t)erfaf tc JRatf)^ 
f(^(ag ber fammtlicl)en Oiät^e, ju Düffclborf aufgciiditft, unb bann das 
begrif belangen die Visitation. !Dann l)a(t ber §erjog llrnfnige über 
rinen ^unft nad) bem anbcrn te6 Segriffd. gie ftfnimcn alle ba* 
mit öbcrein. Darauf ernennt ber ^erjog bie SSifitatoren : 

Guilcher: Erfhofmeister Harf 

Scholaster van Aich 
Bergische: Cantzler Ghogref 
Clefsche: Wessei van dem Loe 

Doctor Oliesleger 
Mercksche: Johan vam Loe. 

ganjler Oogref hitUt, tt)ie er früher wieberl)olt gebeten i}abc, 
ityw bie^ gu erlaffen, damit er des zu besser sinem bevelli nakomen 
and etliche ordnongen uf der cantzleien, wie er gern doin wult, 
ufrichten und wissen mocht mins g. h. Sachen, dan da innen kont 
er m. g. b. wail so nutz sin als villicht in dissem; nachdem er 
ouch etwas, da m. g. b. an gelegen wer, oversehen mocht; wult es 
m. g. b., moste er es doin. 



220 dxftt^ 8u(^. 

Hait der scholaster van Aich sine beswerong ouch angegeven 
und gesagt, er moiste under den geistlichen le?en und sine conver- 
sierung haven, und was er hette, das hette er ouch by denselvigen. 
Und wa sie vernenien, das er gegen sie handelte, so wurden sie 
innen hassen und wa des sinen entsetzen. Bede noch, wie er alwe- 
gen gebeden bet; es wer boven sin vernonft; man kont ouch an- 
dere wail dazu krigen, das er es erlassen mocht werden. 

Daruf m. g. h. gesagt, wie s. f. g. sie desselvigen nit konte 
verlalTen, dan es wer an der Visitation nit wenich gelegen. 

Daruf sol Wessel van Loe und Oliesleger zu Monreberg be- 
schrieben werden. Und die^ visitaloren haven sich der zit zu ver- 
glichen, und irstiich ins laut von Clef anzuheven. 



Angetzeichnet zu Duisseldorf uf den 30. dach Oclobris a. ut s. 
in bysiu der sementlichen rede. 

Item ist die instruction, die am jüngsten dem droslen van 
VVassenberg durch Haussen Udenheimer overschickt ist, und daruf 
bomeltes drosten teste schridtliche antwort verlesen, und den reden 
durch m. g. h. angesagt worden, wie s. f. g. begerten, das sie s. 
f. g. by den eiden und plichten, damit sie s. f. g. verwant weren, 
reden, ob ouch in der instruction ichtwas wer, das innen ungollich 
unbillich und ungeburlich beducht, und wo nit ungotlichs und unge- 
burlichs, wie obsteit, da innen wer, ob nit ider amptman dasselbich 
zu halden schuldich wer. Und dwil berurtes drosten antwort nit 
nabrecht, das er es halden wult, konte s. f. g. mit der antwort nit 
zufreden sin, sonder begerte van den reden zu wissen, wes sich 
s. f. g. in dem sult halden. Daruf ist allerlei van den reden be- 
raitslagt, und anfencklich uf der meinong gestanden, wie sie nit 
allein willich weren, s. f. g. da innen zu raeden, sonder erkenten 
sich desselven ouch schuldich. Nu vernemen sie ufz des drosten 
antwort, das er sich beswert, gegen sin gewissen zu doin und imantz 
wider sin gewissen zu zwingen, und meinen, dwil gemelter drost 
van VVassenberg minem g. h. hertzoch Wilhelmen hochloblicher ge- 
dechtnifz, ouch itzo m. g. f. und h. altzit getruwlich gedient und 
noch gern dienen sult, und nu zu sinem alder und dagen komen 
wer. wulten sie underdeniglich mit gebeden haven, wa es enichs 
wechs bescbehen mocht, das s. f. g. innen nit verwoerffen, sonder 
durch ii ader iii s. f. g. rede van sinen verwanten, die innen ver- 
motiich berichten konten, underrichten liefz. Und betten gedacht 
uf disse wege, das villicht by dem drosten zu erhahien sin sult, 
das bemelter drost geboeden liefz, mins g. h. ordnongen zu halden, 
und das er sins gewissens halver fry gelassen wird, averwo andere 
in dem ampt Wassenberg befonden wurden, die mins g. h. ordnen- 



»ciCage II. 221 

gen Dit naqweemen, das m. g. h. die liefz angriffen und straffen. 
In dem aver der drost sich nit wult berichten lassen, sonder uf 
siner meinong verharren wuit, mocht ni. g. h. wider daruf verdacht 
sin, und etliche sagten, mit der losen forlfaren. 

Item ein deil der rede haven bewegen disse meinongen und 
ge^gt, dwil sie dermassen hy iren eiden und plichten gemaint we- 
ren, so wisten sie nit anders zu sagen, dan das inen beduchl, das 
die gerorte instniction gollich christlich eherlich hillich und gebuer- 
lieh stoente, und dwil m. g. h. mit zidigem rat und in hysin der 
sementlicher rede, ouch des drosten selfs, ein ordnong helte begrif- 
fen lassen, die ouch christlich und hillich wer, und der drost selfs 
mit beratslagl und ingegangen, wer bcswerlich, das ein oft für das 
ander gesondert sin sult, und wisten nit, ob m. g. h. sines fürst- 
lichen amptz und plicht halver doin und gestaden mocht, das dem 
drosten und andern ire gewissen in dem fal, wie sie horten, das 
es zu Wassenberg gehalden wurd , sult (ry gelassen werden, nem- 
lich, als das man nit geleuven sult, das in dem hochwirdigen sacra- 
ment warhaftich lif und hlut Christi sy, den lobhchen gehruich des 
sacramentz der kinderdeuffen zu verachten, den swermergeister und 
bilderslormer zustant zu doin, den hilligen Geist nit für die iii per- 
son zu halden und derglichen, die unse selicheit betreffen. Dan da- 
rufz wurd m. g. h. nit allein an dem ort, sonder in allen s. f. g. 
forstendomen und landen grofze beswernifz ufror und bloitvergiessen 
enistain, ouch by kei. Mat und andern naberfursten geine kleine 
Verunglimpfung und ufspraich erwassen, wie dan algereid genoclisam 
besehehen. Das man aver sin gewissen fry gelassen hat. wer nit uf 
die vurfz oder der glichen puncten zu verstain, sonder wart zu 
Haroboich allein gesagt von den puncten, die nit widder die got- 
liche Schrift weren, und also wart ime Iry gelassen die entfencknifz 
des hochwirdigen sacramentz, nemlich das er das under beider 
gestalt für sich selfs mocht gebruichen, doch andern das nit zu ge- 
staden und ufzwendich geschrei davan zu machen. Wult ouch m. 
g. h. in geinen wech geburen, s. f. g. ampt und plicht na, das s. f. g. 
imantz sult in den ohgescr. puncten, die widder die hillige schrill 
sin, sult fry lassen. Doch wie dem, sie dragen ouch. wie die rede 
davan gesagt, gefallens, beden ouch mit darumb, das m. g. h. und 
f. ansegen, das der drost ein alder diener wer, und inen zu g. 
nochmals durch sine verwanten berichten liefz, van- den ergerlichen 
uuwerongen afzustain und sin gewissen uf ein christlich und gotlich 
biilich wesen zu richten, und mins g. h. ordnongen selfs nazukomen, 
und zu vefschaffen , das der gelebx und nachkomen wurd, und das 
8. f. g. inen alsdan by dem ampt gnediglich bliven Hessen. Wa 
aver das nit sin mocht, mocht m. g. h. daruf verdacht sin und 
sieh darnach mit der losen halden. 

Daruf haven m. g. h. und f. bifz nach essens ire bedencken 



222 (Sr^e« ^ud^. 

genomen und nach dem essen den reden ire f. g. raitslach verlesen 
doin, wie folgt.*) 



Instruction unsers Jobans van Götz gnaden hertogen to Gl. 
G. ind Berge, gr. to der Marcke ind Ravensberg, wes sich unsere 
verordente rede ind visitatores in unsern furstendomben ind landen 
op unse uitgegangen Ordnung -in der Visitation van unser wegen 
halden sollen. 

Erstlich sullen gedachte unse rede unsern amptman, etliche van 
der ritterschap , schölten , richter ind schepen , oick kerckmeisters 
eins idern amptz kirspels ader ortz zu solcher Visitation, allet na 
gelegenheit ind noturft, tot sich furdern. 

Item oirsaken antzeigen, warumb die Visitation vorgenomen. 

Item sullen unsere verordente rede gemelten unsern amptman, 
ritterschap, schölten, richter ind anderen op oire eide ind plichte 
vermaenen, die warheit to seggen, van dem sie oen fragen wurden. 

Item sullen die visitatoren ind alle, die dartoe gebruickt, vereit 
werden, allel dat gene, so oen bevolen, oick sie in der Visitation 
vernemen werden, by sich heimlich to halden ind au niemantz dan 
uns, ader dair. wy es sufz bevelen, antobrengen. 

Item sullen unse geschickten int gemein fragen, woe voel 
kercken, cloistern, spitalen, vicarien an iderer oert sin, wat die vor 
reuten hebben, wie die Stifter ind gifler sin moegen. 

Item sullen oick die visitatoren vor sich erfurdern unse bevel- 
faebber, gerichtzluide , kerckmeister ind andere die voirnempligste 
erbare kirspelslude , ind denselvigen ider in sunderheit fragen van 
der lere leven exempel ind voirbild der pastoiren capellane ind pre- 
digcr, of sie geschickt ind gelert sin to predigen ader niet. 

Item of sie willich, dem volck mit administrierung ind reikung 
der sacramenten ind sufz to dienen, ader versuimlich. 

Item of die pastoire, capellane ind prediger sich oick unser 
Ordnung gemeefz gehalden, ind wae sie nein seggen wurden, dat 
sie asdan angehalden, die puncten der avertredung underscheitlich 
antozeigen. 

Item sullen unse verordente rede darnae oick examineren die 
pastoire, capellane ind prediger, of sie to solchem predicherampt 
geschickt. 

Item sullen die visitatoren oen unse Ordnung voirholden ind 
sie op einen idern derselvigen arliculen ind puncten fragen, wie sie 
die verstain ind dem gemeinen man uitgelacht hebben. 

Item of sie oick unse ordnong ganz ader tom deile gehalden, 
ind wair niet, dat sie asdan desselvigen oirsacke antzeigen. 



') JDa« folgenbe fe^lt. 



Beilage 11. 223 

Item sie oick to fragen, of oire kirspelslude sich beriirter 
unser Ordnung gemeefz gehalden; wo niet, wer dieselvige weren, 
ind in wilcher gestalt die averfaerung van oen geschien. 

Darbeneven moegen bestimpte unse rede int gemein fragen, 
ind erfaren, of imantz wer, der sich unser Ordnung ongemeefz ge- 
halden hedde. 

Item Süllen unse verordente rede erkundigung doin van allen 
geistlichen leenen in gerurten unsern landen, wer die ilzt verleene 
ind wem die van aiders her to verleenen gehuere. 

Item sullen unse rede vurfz erfaren, wie ind durch wem der 
kercken inkomen ind guter onffangen ind uilgegeven werden. 

Dergeliken der gemeinen spitael ind schoelen halver opmerckens 
bebben ind erfarung doin, wie ind durch wem .die underhalden ind 
verwesen werden. 

Item in iderm ampt erfarung doin der cloister halver darinne 
gelegen, wer die gestil'let, ader wat wandeis ader wesens die luide 
darinne sin, wes sie oick vor underhaldung hehben. 

Item woe op einigen ort, daer die Visitation geschege, etliche 
geschickte personen, so dem pastoirampt ader kerckenregierung he- 
qweem, geseen ader befunden wurden, dat dieseivigen angeteikent 
ind bekentlich gemackt, oerer an notturfligen orden to gebruicken. 

Ilem sullen unse verordente rede oick erfaren, of in den cloi- 
steren beqweeme personen weren, die to deme predichampt dienen. 

Item sullen sie oick mit allen stillen collegien ind abdien in 
UDsen landen gelegen, dat sie ii ader iii uil oen in den Universitä- 
ten, in den hochen schoelen, ind denselvigen oer corpus van oeren 
proven folgen laten. 

Item sullen obg. unse rede ind verordente visitatoron bewegen 
ind overleggen eins idern oirtz gelegenheit ind mannichfeldicheit diT 
communicanten, ind wat die pastoire capellane ader pre(li|j;er an 
gewissen renten ind inkomens hehben, ader woe voel oen tot oeiTr 
underholdung van nuedt^n sin werde; ind wo niangel befunden, dat 
asdan op wege ind middel (gedacht werde, wo mit inen bifz zu der 
genoichsamer temlicher underhaldung to staden komen werden möge, 
als ongeverlich mit inlibung ader incorporierung einer temeliker 
vicarien, ader dat die communicanten derselven kirspelskercken eins 
vor al eine temelike sluir geven, ind dalselvc der paslorien to gudo 
m\ jaerlichem uiiderlialt der pastore capellane ader prediger ange- 
lacht wurde; ader dat die communicanten tot sulrher volkomelicher 
temeliker underhaldung iglielis jairs eine temelike stuir gedain hed- 
den; oder dat mitten brodenmeistern ides oirtz gehandelt werde, 
den angetagen mangel der underhaldung der pastore capellane ind 
prediger to erstaden. . 

Item dat also die pastoire capellane ind prediger niet op die 



224 (5rße« Su«. 

byfelle ind accidentalia, sonder up Ire staende zuverordenle under- 
haldiing angenomen werden. 

Darbeneven sullen unsere rede denselvigen byfellen ind acci- 
dentaiien mafz ind ordnong geven, wie hoch ind fern sich die er- 
strecken sollen , ind mit sulchem allem hetten sich dan die pastor 
capellan ind prediger zu sedigen. 

Derglichen sollen unsere rede der underhaldung halver der olTer- 
menncr ind anderer kirchendiener erfarung doin. 

Wilche paslorien aver den stiften oder cloesteren incorporirt 
sin, sullen unsere geschickten verschaffen, das die gerorte stift ader 
cloester denselvigen nach irer erkentenifz gnochfam underhaldung 
j^rlichs geven ind zustellen. 

So sich begeven wurd, das etliche pastoer irer krenckden ge- 
brechlicheit ader anderer beweglicher billicher Ursachen balver nit 
selfs ires amptz ufzgewarlen kunten, sullen unsere rede asdan ver- 
schaffen, das sie mit irem rait ind furwissen einen andern furweser 
ader capellain stellen ind demselvigen geburlich underhalt nach irem 
erkentenifz geven. 

Wa ouch etliche pastorien befonden, die mit unbeqweemen 
ungeschickten pastoren versehen, ind dieselvige pastorien der vcr- 
mogenheit nit weren, beide pastor ind furweser one die byfelle ind 
accidentalien zu underhalden, sullen unse verordente rede nach 
befinden ind gelegenheit op wege, ungeferlich wie hievor angeta- 
gen, dencken ind sehen, doniit der pastoir sin leven lanck ind der 
vorseher ouch underhalden werde. 

Und in Sonderheit sullen sie opsien hebben, dat niemantz ge- 
stadet ader toegelaten werde, die pastorien seker tit lanck an sich 
to pechten ind dieselvigen voirt andern wider uit tdoin. 

bem sullen 'die visitatoren opsicht hebben ind by den pastoi<- 
ren verschaffen, dat geiner dem andern sin kirspelsJude aftrecke 
oder to weder make, sonder einen idern, darhin hy gehoirt, bii- 
Yen laeten. 



*) Item wes gefraegt, gesagt und ufgetzeicbent wirdet, moeCE 
in Sonderheit verswegen bliven. 

frstlich wes das furnemen ist. 

Wer sie irstlich darzu bewegt. 

Ufz wat grond. 

Wivil der ist und wa die sin. 

Wat verstentenifz sie an anderen oertern havcn, in Sonderheit 
zu Soist Munster Bremen etc. 



*) @(^eint eine toä^rcnb bcr ©ifitation in golgc t)on (5ntbe<!ungen anöcfcr^ 
tiftte Snflructiüit gu fein. 



Seirage II. 225 

Wa sie enthalden. 

Wal verbontenifz sie gemacht haven. 

Wat vertroestuiig und von wem. 

Item die aoschlege. 

Wes beide Froscbenicbeii , • Campaous , Kloprifz und andere 
furgeTen. 

Wa sich die her Heinrichen' und andere enthalden haven und 
noch enthalden. 

Item of sie einich verstaut of kontschaft haven binnen Ach 
Triebt Luidich Coln Duiren etc. 

Item wer ire kontscheffer overdreger und wisser sin. 

Wes sie derhalver gehoirt betten und van wem. 

Of die van Munster ader andere nit entboeden, dat die stede, 
herschaflen ader anders af sin sullen.'*') 

Wer ire ricbter sin, und wes sie gedechten mit denselvigen 
ulzzurichten, und wat dabinden gewest. 

Item of sie des morlbrantz balver wissens haven. 

Item of sie nit beschlossen , in dem ire furnemen vortginge, 
wie sie es dan balden wulten mit der obericheit, zins und zollen. 

Item van gestalt aller deren, die mins g. h. ordnong overtre- 
den, zu fraegen. 

Item we sie am sondaich zu Heinsberg bescheiden haven, ein 
gemein vergaderung und spraich im felde, ehe sie binnen Heinsberg 
komen, wes do ire verbuntenifz, wes geret, wes ein dem anderen 
▼erloeft, wer dat wort gedain, und so sie von Heinsberg komen, 
was do ir vurnemen. 

Item dem Beren furzuhalden, wes underrichtung er van her 
Bemhart entfangen. 

Item Lietgen Niesen furzuhalden her Heinrichs briefgen, und 
wat vertroestung da gewest ist, dweil ire so viel ist. 



3$tf(tatloti Im SImt JBtuggeti. 

1533 Suni 17. 

aw SSifttatoren fint erf^ienen (Sangler ®oarcf, SBcfTel »an Soe, 
®:bI)ofmcifter §arf, ecl)oIafter Süd) (b. ^. üon 2Iac^cn), !Doctor D{\)^ 
fifgfr, bcr 2)roft üon Socf^cm. 
Suchtelen. 

Scheffen, gesworen und kirchmeister. 1400 (Som^ 
imimcanten* ®ifter tcr 2lbt üon ©. ^antaleon ; ber [e^t immer einen 
SRön*, unb ber fe^t einen 6aplan. 2)er 2lbt i)at ben ^t\)nUn im 

*) 3)!cffr gtagattifel ifl burdiffIridSicn. 
derncliu«, 9(ufnt^r in aNünficr. I. 15 



226 CM^c« 8ud^. 

gangen Äirc^fpiel, auf er 63 SWotflen^ — ©in Sapetfc^en mit 4 a3i# 
carien 5 noc^ ein (SapeH^en, tt)irb ju Äom t)ergeben 5 ^on Slec^W tot^ 
gen [oflten e6 tie 9?a^bam t)erfleben, bie ed gefiiftet — iDie ®ct)ule 
^at ber Äüfier* — iDer ^4Jafior bebient bie itire^e [elbfi, aber prebigt 
nic^t, ifi nic^t fef)r gefc^icft 2)« 6aplan prebigt, iji gefc^irft. — 
Der pastor ist gudes leven, halt gein ontzuclitige person. Der 
caplan hait nit im huifze, aver sust bricht es wail ufz, dar kumpt 
fruclit van. — Wae ein kint geliorn wirt, gift man i s. ; er heischt 
nit, dan er helt die hant uf. Ein fr. in der k. i s. Bichl gifl ider 
was er wilt. Wan er by die krancken geit mit dem sacrament, hait 
davan ein mengelt wins; wan die luid ulstain, ix hell.; wan sie 
sterven, davan nimpt er i g. g. of i phil. g. ; das fordert er hart, 
und ist in Sonderheit vertzalt van einer f. die er so hart beswerte. 
Er fordert van armen und reichen, er wil es haven, of sie moessea 
sich mit ime verdrajgen. Das seelboich liest er, die jaergetziden 
kondigt er, er nimpt presens van jargetziden und maenstunden, uf 
dat graf zu gain, davan hait er iü alb. Es ist seiden, es sy alle 
dags jargetzid of mainstunde, und davon haven der pastor und vica- 
rien ir presens na den missen sie begern. 

Ca pell an. I)er «pafior gibt ihm ia\)xliö^ 7 5ß^iL g* 9Son 
@acrament unb Saufe mi^ er ntc^t "oitU ^at alted unb neued 2>{l* 
Uttb 3;^eop^9lactum» 

Pastor n>irb ermahnt, Slufftc^t auf ben @ap(an ju l^ben^ baf 
orbentli^ geprebigt unb baö ärgerliche geben abgefteUt tt)irb. Sr fott 
t^m Sucher fietlen: ?lugu|tinum G^r^fofiomum i^ieron^mum ^ila^ 
riunu 
Dalen. 

Vogt, scheffen und kirchmeister. 1100 Sommunicanten* 
®n Segin^auö mit 40 ^erfonen* 2)er ^ab|i in einem üRcnat unb 
bie grau gu ©♦ STOarien in S6(n im anbem* — Der Caplan helt 
sich heusch im gelage. Er mach sust ein magt hy sich gehat ha- 
ven oder ii personen mit kint gemacht haven, aver er helt sie nit 
im huifz. — Der Äüfier i)at bie Schule; ni^t me^r ald 10 bid 
20 Sungen, 
Venrad. 

ift eine SapeUe, gebort gu SBanloe. Der ßaplan f)at pofiiCam 
®ui(^elmi, fonji l^at er feine fonberIicf)en Sucher, er war nicf)t fo 
ungefcl)i(ft* 
Dulcken. 

Burgermeister, scheffen und kirchmeister. Der Slbt 
ju Olabbac^ ift C^ifter, gibt bie Äircf)e einem feiner ©ruber; ber Wi 
einen Saplan. — Der ^afior l^at 4 Äinber bei ftc^, die magt ist 
lange van ime gewest. 

Cap ellain. 11 — 1200 ßommunicanten ; tt)eif feinen Serid^t 
t)on ber Xaufe, auc^ nicf)t nkl t)om ©aaament* 



Beilage II. 227 

KaldeDkirchen. 
Scheffen und kirchmeister. 6—700 @ommun{cantem 
Pastor, jfrinc ^n^ammtntün^it , dan einer, mach' ein heut- 
mecher sin und ist van Venloe, der kompt zu ziden in Kalden* 
kirchen. 

Bracht 

Scheffen und kirchmeister. Der pastor hat i, davan mach 
er kinder haven. 

Pastor. <B\t \)aUn friif)er bi^putirt, ifi aber nun atgeflellt* 
€d ifi einer gefommen pretigen, genannt ^err Slntoniud, voax gflel)rt; 
man ^at bie ®(o(fe baju gejogen* SIQe jum (Sacrament gegangen« 

Niel. !Dic Äirc^c ift bem Gapitel »on 9iiebe.(fen (ncorporftt, 
3)er 6aplan l^at eine SWagb bei fic^ auf bem Sa3ebeml)of* Die alten 
^riefler galten fic^ wol^L 3)er Saplan wu^te feinen S3e[(^eib* 

Senl Thomas Aemern. 3)a6 ßapitet ju Santen ®ifter. 3)er 
Kaplan mip n)enig Sefc^eib* 

S. Joeris Aemern. 3)er (Saplan iveif ^Denig Sefc^eib» 

LutteJforsl. 2)er ^aficr l)at ein Qtnd von S^^eopb^lacto unb 
$arapl)rafe^ Gra^mi; wußte guten Sefc^eib. 

Dillickrod. Der Dec^an bed 6onft(ium^ äBaffenberg ifl rec^^ 
ter ^ajior- 

3uni 18. 

Tegeien. ^ßafior ifl Ctto ^oltmoeü, Saftarb. ©ein 9}ater 
Oifter ber Äire^e. Die Sia^bam ftnb ganj jufrieben* SSäeiß nic^t 
t>ie( ©efc^eib, will aber hinfort me^r fiubiren, auc^ mei^r ©fielet 
laufen. 

Breil. 8 — 900 Gommunicanten. Der ^4^aflor t)at eine Son* 
cubine unb ein Äinb t>on i^r, bod) nicbt im ^aM* Giner, genannt 
5furer, unb $eter ^aflid ^aben mit bem ^J^afiox im SSier^aud jAn» 
fifc^e Disputation gel)alten. ßiner, genannt Äer Oerrit in ger 9lit, 
ip binnen 3 ober 4 Stagen im Sier^aud gefeffen im Äirc^fpiel Sreil 
unb f)at üon ber SfJeffe unb ©acramenten bifputirt. Der ^aftor n)eif 
feinen SBefc^eib, will Pubiren unb mel)r Sucher faufen. 

Boessem. Der i^afior, ein 9Wön(^ t)on ®. 0antaleon, prebigt 
gute 8el)re unb iji ein e^rlicf)er SRann. 



3$lf(tatloti im SImt aSSaffeni^ts« 

1533 3uni 19. 

Beeck. Dem ^flor wirb gefagt, alte« aietgernif abjufiellen. 
Melick und Herckenbosch. Der ^4^aflar wufte ni(f)t üiel 
®ef(^eib üon ber S3ebeutung ber üaufe unb bem \)oö;)to. ©acrament* 

15* 



228 mt* ^u4. 

Dovern. 

Scheffen und Kirchmeister. Der pastor mach ii megde 
haven, aver er hait geine kinder daby. Der capellain mach ouch 
für ziden ein kintgeii gemacht ha?en, aver sie hören nu nit davan. 

Pastor unb Capellain. Im kirspel da singein, die arguern 
disputieren ader ufroer machen. Es mach einer gewest sin, der 
hait sich nu weder ergeven und deit wie andere. 

5prior von Hombusch. 30 ^rofeffcm 
Hueckelhoven. 

Scheffen, gesworen und kirchmeister. Ist ein klein 
kirspel, hoert in die banck zu Dovern. Her Johan Bruwers ist 
pastor. Mulstroe gifter. Der pastor bedient die selfs, predigt, reicht 
die sacramente. Mulstroe gift ouch die vicary. Inen dunckt, dat 
der pastor wail predigt. Die naber sint nit alle mit ime zufridden, 
aver die hie gewesen, sin mit ime zufridden. Seder dat die man- 
daten komen sin , hait er nit gefordert van der administration der 
sacramente, hait niemantz darzu gedrongen. Gein schoil, gein gast- 
huis. Es war ein broderschaft angefangen; aver die vergeit nu. 
Gein capel, gein cloister. Die kirch hait nit vil reuten, geschiclit 
rechenong. Der pastoir hait ein inkomen, hait i xden, rent ime 
XXV par korns; dabeneven laut und schätz, den smalen xden van 
fleifz und ruebsaem. By dem drunck helt sich ehrlich. Der pastoir 
hait eine im huifz. Seder dat die mandaten ufzgegangen sin, so 
haven sie van dem disputirn nit vil gebort. Es mach einer da im 
kirspel sin, der geit des aventz ufz und hait ein boich under den 
armen, mach wail in etliche huiser gain; sie wissen nit, of er pre- 
digt ader liest. Jannis in gen Hambroich. 

Es war einer, genant Heinrich wirt zu Hueckelhoven, under 
den iiien, der bekenl, wie Johannes wail in sime huise gewest und 
ime etwas gelesen und gesagt, das er sich na dem text.... 

Da ist ein kint kristen gedain in einem huise. Man sagt, 
her Heinrich van Hoengen haf es gedain, in Godert Beinharlz huifz. 
Ire ii sin daby gewest. Und dat kint wart gestechcn in einem em- 
mer wassers. Es sal dissen somer ein jar werden. Und sagt: ich 
deuffen dich in dem namen des Vaders, des Sons und des hilligen 
Geistes Johan. 

Diederich Jurdens hait ein kint selfs kristen gedain. Ist ein 
kemffmecher, und ^ie handlung droege sich so zu, dat die gefeder- 
linge das kint wolten gedcuft haven nach irer beger, und dat wolt 
der paRor nit doin na irer beger. 

Sin geine duvelsswerer. Es mocht einer da sin, dem ist es 
verboden, so mit er sich desselvigen nu. 

Pastoer. Die pastory wirt ime verlehnet ufz dem hove zu 
Huckelhoven, hait i xden van xxv par korns, v malder roggen van 
presenskorn und xxv morgen lantz. Ist ein vicarius. Helt sich 



i 



beilade II. 229 

nach Ordnung m. g. fa. Der pastor soi gifter sin. Decanus con- 
silii ist archidiaconus. Man soi rechenong doin van der kirchen- 
renten, aver es koinpt selsam zu nu. Die naber mögen gebrucht 
haven. So bauwen sie nu der custerye boultze verkouft und wil- 
len damit die bruchte betzalen. Irgent iiiC communicanten. Ire 
sin wail l, die ime dit paschen nit gehorsam gewest und die sa- 
cramente entfangen. Und gift berichtung, wie ire eins deils uf den 
guden friden by ime komen und begert, of er innen das sacrament 
wult reichen under beider gestalt ; daruf er nein geantwort, dan er 
wult es innen reichen wie zu Coln Triebt Yenloe und durch m. g. 
h. landen und vermog s. f. g. mandaten. Godert Reinhart bait sin 
buifz geleent, da sie ire sermonen gebalden. Da haven gepredigt 
her Heinr. van Tongern und Jennis ingen Hambroich der olde 
cüster. Von den kindern deuffen buissen der kirchen sagt er wie 
vur. Sin der kirspelslude wail Ix, die so zusamen komen. Es war 
ein f. person, die hatte in iii jaren das hochw. sacrament'*') ent- 
fangen und ist dannoch uf den kirchhof begraven. Der pastoir bait 
her Heinr. van Tongern noch binnen Huickelhoven gesehen des 
fridachs für pinxten. Wist zimlichen bescheit zu geven uf die douf 
und sacTamenten. Ist dem pastor gesagt, wie er sich halden soi. 
Er bait Paratum, Discipulum, Dormi secure, ouch noch andere, als 
Augustinum, Hieronymum. 

Klein Gladbach. Der pastor hilt sich wail, er bessert sich 
alle dage. Er bait sich mit einer person etwas vergessen, es war 
ein person, die gaf ime in ein mal ii kinder. 
©icbtcr ju Daelheim. 

Gierraid. 

Myle. 130 Sommunicanten* Es mögen i of ii sin, die sin 
nit mit dem pastor zu frieden. Ist ein cuper, der ist difz jars nit 
zom sacranftnt gewest, hait ouch noch ein kint ligen, das nit Chri- 
sten hait willen doin lassen. 

Sin ©eflin^flue, 48 gc^weficm. 3^r ^anbtDcr! unb Slrbeit-iji 
bae mdflc bamit ffe fic^ bel)clfen* 

Raethem. gegen 400 @:ommumcantem 

Pastor und Capellan. Etliche der underdanen halden sich 
nach ordnong, der mögen irgent xiii sin. Er hait noch nestver- 
gangen sondach ein sermon van dem hochw. sacrament gedain. 
Etliche haven benoegen gehat, etliche nit und sin ufz der kirchen 
gegangen und dafür ein rumor gemacht. Für zits sin wail etliche 
bykompsten gewest, die sin nu afgestalt seder ordnong m. g. h. 
Der lam Pauwels ist dar komen van Dremmen. Das sie uf des 
sacramentz dach und unsers Hern Götz himelfartz dach arbeiden, 



') fe^tt nit. 



230 



dtfiu Sdnäi. 



da machen sie gein grofze beswernifz ufz. Er wist zimJicfaen be- 
scheit zu geven. 

Ophaeven. 

Stein kircben. !Dec (S,a)flan ton^tt mnxQ SBefc^eib }U gebci 
auf bte Scagftücfe; Wit feine tauglid^e Süc^ec; ^at eine ^^^erfoi 
6ej ftc^* 

Wassenberg. 
Burgermester scheffen und kirchmester. Hie ist eii 
cappellain. Der pastor mach zu Rom sitzen; sie wissen nit, of ei 
ein koch sy ader nit, ader was er sy ; und der pastoir sy over dai 
gebirch gestorven. Das corpus nit wert xvii malder roggen. Di< 
beste zehend hait der probst half und der pastor in Orfzbech halt 
Der principaii xde ist waii i par korns. — Hie sin viii vicarien 
Die vicarien können sich nit behelfen uf ire vicarien. Hiebevui 
waren die capiteisheren der vicarien gifter; nu ist es zu Rom in- 

gebroclien binnen x of xii jaren und sie die vicarien nu Rom 

— Ist ein schoel. Sie haven gebeert, das der scholaster und dii 
burgermester plegen einen schoelmester zu setzen. Nu setzten dit 
canonichen selfs einen on furwissen der burgermester. Der schol 
mester krigt waii so vil und hait so vii renten, das man wail einei 
eberligen man konte erhalden. Die broder sin der gestalt afgestall 
das etliche waren, die weigerten; so haven sie verordent, das dei 
pastoir krigt ein malder roggen darfur. Der cappellain ist willict 
mit administration der sacramente , ist ouch geschickt genoich , sir 
dinck zu doin. Der scholaster plach sust wail zu predigen, avei 
der ist alt. Sust sin geine vicarien, die darzu geschickt sin. Dei 
custer wirt gesatzt, die capiteisheren mit den burgerq^estern. Dei 
cappellain hilt sich nu wail. £r plach waii etwas wüst zu sin 
Mit dem probst sin vi proeven hie. Die canonichen halden s'id 
wail. Die vicarien halden sich ouch zimlicher mafzen. -^ Sie wis- 
sen nimantz, der sich des duveifzwerens annimpt. Die seent wir 
nu nit besessen. Sie haven van geinem zenckischen arguieren; ii 
Sonderheit dwii das gebot inen so scharf ist furgehalden, so wisset 
sie nit sonderlichs, das seder der zit etwas zenckischs gehandelt 
-^ Gesagt, wie ire eins deils nit zu dem hochw. sacrament gewest 
sy die orsach, das sie ire cappellain gehat, und, als her Kloprif: 
afkomen, so ist disser itziger ankomen, und zu palmen sin ire etlich« 
zu in komen und begert des hochw. sacramentz under beider ge- 
stalt; so haf er gesagt, er dürft es inen nit geven under beidei 
gestalt, dan das wer recht. 

Ist inen ins lange des hochw. sacramentz halven berichUinj 
gegeven. Sagen, ire sy eins deils, sie mochten liden, das die dab; 
weren, dan sie sin des gefoelens, ehe sie es uf den alden gebruicl 
wulten entfangen, ehe Hessen sie sich die koep afhouwen. 

Sagen, wie die burger, die dem evangelio anhangen, zu zidei 



^Beilade II. 23t 

by einanderen komen und lesen das evangelion, of inen das oevel 
nagesacht wurd, so wuJten sie ire bicht recht doin. Ist inen ge- 
sacht, das evangeJium by sich* selfs zu lesen. Her Kloprys hait inen 
wail gelert, das man das sacranient nit so sult umbdragen, als of 
es ein kuickuyck wer» 

Capitel. gegen 400 ßommunicanten. Der ©aplan prebigt 
tDo^I; a(d fte ntc^t anberd mifTen* 

Cape IIa in. £r hait die kirchen bedient seder christroissen 
bifz nu. Er sy ?erordent van der gantzer gemeind und capittel, 
ouch van dem drost. £r hait entfangen m. g. h, ordnong und sich 
dama gehalden; hait inen ufzgelacht das Vader unser, zehen gebo- 
der und die douf. Gefragt van der douf, wist nit vil bescheitz. 

Pastor von Oifzbeck. gaf guden bescheit van der douf. 
sagt van dem sacrament, da sy ein gotlich zeichen, bruichten vil 
underwege. zu lest bekant, er geloecht, das da wer warhaflich iif 
und bloit Cbrisli. gaf ouch wenich berichtz. 

Gapellan. Die kirspelslude sin eins deils ni( zudem hochw. 
sacrament gegangen , und er wifz gin ursach darzu , dan das sie 
under beider geslait das sacrament enlfangen wulten. Und ist ime 
gesagt, wie er die bericlitung doin solt den gemeinen man, das sie 
nit so vil achtung haven sollen uf das eusserlich zeichen, als uf 
das giene, das innerlich dardurch betzeichnet wirt. Sagt, ire xl of 
1 sien dit pafchen nit zom hochw. sacrament gegangen. Es sint 
ire eins deils, die specilicern ire sunden nit. 
Orsbech. 5 ni^t jum (SacramenU 
Birgelen. 2 nic^t jum 6acrament. 
Wilderad. @inc grau nict)t jum Sacrament» 



Burgermester und scheffen der stat Wassenberg sagen, sie wil- 
len mit der zit flifz anwenden, ist ichtwas oversehen, das es ge- 
bessert möge werden, und wa imantz die ordnong overtrede, mochten 
die amptluide und geistlichen furbringen, damit die gestraft wurden, 
und willen sich ouch darnach halden so vil inen möglich. 

Die lantluide sin glichfals willich, sich dama zu halden, und 
baven die ordnong angenomen. 



fßiaiaHon im ^mt j^eittölbetg« 

1533 3um 21. 

Heinsberg. 
Burgermester scheffen und kirchmester. 35a^ Sapitet 
ifl ?ßa|ior unb feftt einen Saplan* Der fc^ilt- auf bem 5<}rebigtfiut)I, 



932 



(Srfle« !Bu(^. 



hat nod) na6) ber Drbnung be6 ^erjogd bie S3e(o^nung )>on bt 
9bmint^ratton ber @acramrnte geforbert, nimmt t)on armen Seutet 
gar ta^)fer, ifi gelehrt. 2)ie ©c^uJe tt)irb t)om 6apitel unterhalten 
ber ©d^ulmeifler ifi gefc^irft, ^at aber ju t>iel im 6^or ju t^un* Sir 
gude gesellen van vicarien, liaven megde wie die canonichen. (Sttiä) 
nikaxitn finb gefc^itft gum $rebigen. Die underdanen arguiren ni 
nit so yil als sie plegen. Geine fremde predicanten; es war 2i 
jar einer, die wiver betten inen schier doit geschlagen. tSOO Som^ 
municanten* Es mögen weniger zu dem hochw. sacrament gegan- 
gen dan für ziden. (Sent toixb ni(t)t gel^atten, plagen in den bude 
gestraft zu werden. Item wan sich imanlz zu unrechter zit sol 
zusamen lassen geven, namen sie gelt. Der ban wirt nu gemit. 

Dechen und Capitel. {Timmen in ber Jtlage aber ben Sapiar 
mit ben Dbigen überein, aber berfelbe iji 93icariud perpetuud, tu büt 
fen il^n nic^t abfegen» bitten um einen SSefe^l, baß fie fo lang einei 
6aj)Ian nel)men mögen, bid fie einen finben, ber fld^ nadf) Drbnunj 
I^ÄIt, benn bei biefem fei ed nic^t ju erlangen, Sie wissen nit dar 
den Schröder van Dovern, der sicjfi arguirens underneme; es mö- 
gen noch wail ire i of ii sin, die stillen sich nu. 

Ist ine gesagt, gude cappellain zu stellen und für sich selfi 
aller ergernifz zu enthalden. 

Ist innen gesagt van den Studenten die meinung, wie oucl 
andern capitteln. 

Dremmen. 

2)er ^4?afior bebient bie 5?irc^e [elbfi* 2)en einen ÜÄonat gib 
bad (Sapitel "oon ®* Lambert ju £ättic^, ben anbem ber ^erjog. haii 
xii morgen lantz, und an der Utroder xden xii par korns. Dei 
dechen hait den xden zu Utrod, und der deeben van S. Xamberi 
zu Dremmen hait noch iii malder havern. Etliche weigern ime di< 
kirchenbroder. !Der ^4^aßor flagt, baß er bie 4 Opfer ni(^t er^ätt 
@eit ber Drbnung ^at er nic^t6 me()r für bie 93ern)a(tung ber Sacra« 
mente geforbert. Die k. hait nit so vil renten, das man das ge- 
lucbt könne balden. Die iiii orden komen dar. Die dem pastoi 
geine broder geven, geven ouch dem custer geine. Der sentmeistei 
ist nit komen, dan die naber weren willich gewest. Der dechen van 
Zittart besitzt die sent. Gine doster. gin ban. Etliche disputireo 
und arguiren. 

Der aide Gyfz sehe ff en, gemaent by dem eid: Es ist da 
bykompst gewest in des doctors hove, genant Engel Radermecher 
Ist nu gein ufzwendiger predicant gewest. Der pastor zu Linnicl: 
hait ime das sacrament gereicht in der kirchen. Ouch Engel Ra- 
dermecher, Thiefz Schomecher, Peter up ge Ilove, Goertgen Rader- 
mecher, Giel Radermechers und mehe andern. Die predicanten vac 
Wassenberg und anderen, die baven inen darzu geraden. Er wifs 



fßtiid^t ir. 233 

Dit Bonderlicbs , der inen dar gefoirt, dan er ist ouch nit. *) Na 
gesagt, er iiait das sacrament nit entfangen dit jar; wist nit zu 
sagen, ufz wat Ursachen; dan er wult sich an Christum halden. 

Lehenart Guiliger. Sondachs und hilligsdachs sin sie zu- 
samen gewest in Engels hove. Ire ist vij, die dem hochw. sacra- 
ment gein ehererbiedung gedain. Er hoert, dat sie nit vil halden 
von dem sacrament. Sie vergadern sich umb die vesperzit. Doe 
d da was, do quamen sie des nachtz zusamen. 

Peter up gen Hove. Er ist wail daby gewest, und er hait 
nit mehe daby gesehen dan xii. Ein jonge liest, ist hie ufz der 
slat, ist Engels son, heischt Giel. Er hait dit paschen das sacra- 
ment nit entrangen, und noch das jar dabevoren. Er geleuft dem 
worde, das dat warhaftich ist, aver Got hait es im nit gegeven, 
das er geleuven ader begreifTen könne, das da warhaflich fleisch 
und bloit Christi sin, dan das kome in sin verstant nit. Er gleuft 
nit mehe, dan er mit sinem verstände begreifTen kan, so vil ufz 
sinen reden zu vernemen was. 

Pauwels Olisleger. Er hait wail gehoirt, das sie by ein- 
andern komen, aver er wone nit im dorf. Für das irst plegen 
sie in Thifz Schomechers huifz, dat leste in Engels huifz. Die 
Lietgen Schoemecher, Peter im Hove, der aide Gyse, Engel. Er hoere 
sagen, sie sagen, das das sacrament nit sy. 

Pastor zuDremmen. Umbtrint im communicanten. Irgent 
iz, die by ime nit communicirt haven. Ire sien eins deils by inen 
komen, irgent xii, und haven berichtung begert des glouven. Er 
haf inen ouch die berichtung gedain na sinem vermögen. Er moefz 
die warheit sagen, er fordert van den sacramenten, dan er hait 
geine competencien. Ime ist gesagt, der vogt sul innen hanthaven 
by den kirchenbrodern und iiii offern ; sunst ist ime gesagt, das er 
sich sul anders halden, und lange berichtung uf das hochw. sacra- 
ment und douf. 

Brachelen. 900 Sommuntcantem L i n n e r. 3u t)en 4 ^0(^' 
leiten fommen fle mi) SBrac^elen, ijabtn tie Saufe ju ©rac^elen. Die 
SapeUe Hiivart n)trD bur(^ ben $atec bafelbfl bebient* 

Pastor zu Brachelen. Die van Brachelen und Linner hal- 
den sich wail. Die van Hiivart sin eins deils, die ime nit gebicht 
ader das sacrament entfangen. Etliche van gen Hiivart arguiren. 

Pater up gen Hiivart. Er bedient die capel daselfs, hait 
administration der sacramente für die beginen. xxx profefz. nu 
baiden sie sich wail, aver für ziden mögen etliche ufzgegangen sin ; 
viii gingen zusamen ufz, des sin irgent ix jar. Im kirspel Heins- 
berg ein hait vil kinder. Binnen ii jairen ist noch eine ufzgegan- 



♦) mit? 



134 «rffe« Sdndf. 

gen, die wont zu Sittart Ist ime gesagt, die yerizeichen und zu 
overgeven. Er predigt das evangeiium, wist zimlichen bescheit, 
hait geine gude buecher. Ist ime angesacht, gude buecher zu stel- 
len. — Etliche sin in ii jaren nit zu der k. gewest, mögen zu Lin- 
nich und anderswa louffen. Er predigt für die susteren und ande- 
ren alle sondags. Da ist geine rente. sie arbeiden. Lietgen 
Kurfmecher, Wilhem Muifzwinckel haven einen begraven an fur- 
wissen siner. 
Kareken. 

Waldenrod und Kirchhoven. 

Kempen. !Dfr rechte ^4iafior jiubirt nocfi, iji noi) ein junger 
®cffU. 2)er ßaplan tjat eine ^agb, bamft lÄ^t er fidf) genügen. 
(Stlic^e waren mi) aBaffenberg gegongen, aber fie ftnb alle jum ©acr. 
gegangen. 
Dremmen. 

Ilem sin etliche naber van Dremmen den folgenden dach, nem- 
lich den sondach, her zu Heinsberg bescheiden, und ist innen für- 
gehalden, wie m. g. h. verslanden, das sie sich sondern van 
der christlichen gemein, und ire eins deils weren dit paschen nit 
zom hochw. sacrament gegangen, welchs .... wer gegen m. g. h. 
ordnong. Walten darumb hören , was ire meinong wer und ufz 
was grund sulchs gefolgt, und wer sie des bericht hette. 

Daruf die van Dremmen, wie sie sonderlich van nimanlz be- 
richt weren, dan sie weren wail in Wassenberg gegangen ufz sich 
selfs und her Kloprifz hoeren predigen. So betten ire eins deils 
van dem pastor des nachtmals Christi gesonnen, wie er es ingesetzt 
hatte. Das wer inen geweigert worden. 

Gefragt, was sie davan hilten, gesagt, es wer inen gruwelich 
zu geleuven, dat da sin sol warhanich lif und blut Christi, und dat 
sie dat essen und drincken sollen; dan wie konte er sin lif und 
bloit dahin geven und bliven noch da sitzen, mit vil mehe ande- 
ren worden. 

Daruf haven die rede innen wilfeldige berichtung gedaen und 
gesagt, wa es so wit queme, das wir uns dahin Hessen bewegen, 
das uns sulte genomen werden das lief und bloit Christi, so ston- 
ten unse Sachen gar ovel, und wurden wie Turcken und Sarace- 
nen; dan wir betten so klair werde in dem evangelion und son- 
derlich Johannis 6^ und alle das evangeiium durch, dat ehe dar- 
gegen nit mocht gesagt werden. 

Daruf sin gefallen villerlei inredungen und berichtungen , aver 
die van Dremmen sin eben halfzstarrich und hartneckich verbleven. 
Und ist inen zu letst angesacht, wie die rede mit beswerten gemute 
den handel vernomen, und ist inen leit, dat sich dat arme folck 
so hjßt verforen lassen; dan sie spurten nit anders, dan das es 
durch boese boeven sie die einfeldigvn verfort wurden. Nu weren 



iSetfage 11. 235- 

m. g. h. und die rede nit geneigt, sie zu yerderven, sonder vil 
mer, wa es stat haven mocht, zu gewinnen. Wa das aver nit sin 
konte, helten sie zu erachten, das hocbg. u. g. f. verorsacht wurd, 
ander insehens zu doin, das sie ufz christlichem mitliden liever 
Terhot segen. — Und wer demnach das bevelch, das sie inwendich 
ii dagen alle die buecher, so sie hetten van Oecoiampadio Zwinglio 
Caroistadio Campano Kloprifz Henrico van Tongern und dcrglichen 
sacramentarien , dem voglen her zu Heinsberg brechten, und dana 
wqit man sie heuflL für heult bescheiden na gelegenheit etc. 
Heinsberg. 
@d n)trb ten SSicarien unb bem $aßor bte Meinung grfagt. 
Sodann \>an ^o'ofxtn, ©c^röber, bcfcnnt, er fei etJidje ^aijxt bei \<u 
nem ^ßaftor nic^t jam Sacrament gegangen; er fei nad) SBaffenberg, 
^oengen unb !I)remmen jur ^rebigt gegongen. ($6 tt)irb i^m befo^^ 
len, flc^ üon ^ßoftor unb S^olafter unterrichten ju laffen. ®er^art 
3Re$medE)er ifl audwÄrtd jum @acr. gegangen; glaubt, ba^ ed gleifdf) 
unb Slut 6t)riftl fei, wenn cd nad) ^infe^ung @otte6 gereicht werbe. 
Die ?eute werben erinal)nt, ftd) ber 3wf<i""nf»Wnfte unb SRottuugen 
gu entl^alten; ^afiox unb (Sc^olafter foüen fiel) befleißigen, fic auf 
onbre SBege gu bringen. Dem capellain ferner gesagt, er stae und 
lache; das sy ehe erschrecklich und gefal den reden nit wail, dan 
es sol ime als dem pastor billich- zu herzen gain und nit so licht - 
ferdich darinnen halden. 



3$if{tatiQtt im Slmt Wliüen. 

1533 3uni 23. 

Gangelt. 
2)ae 5?(ofter ^eindberg ift r^djter ^aftor, feftt jict6 einen 9Wondf), 
unb ber 9Wönc^ ^at einen Sapfan. @inb mit bem ßaplan uufrie^* 
bm. etli^e ajtaripen (eben nic^t fo el)rlic^. SJon ben »icarien 
einige la^tn ftc^ mit grauen ein. Hoengen hoirt in dise dinckbanck, 
die komen her und disputiren und zencken sich wail. Hie binnen 
was ein scburger und der hilt nit vam sacr. Sust wissen sie' nit 
van imantz hir binnen. 

Pastor und Caplan. 4 ge{)en ntd)t jum €acr. Etliche by 
kleinen Droehagen schlössen das huifz zu, da das billich sacr. 
dar quam. 

Vttcht 

Dad ©apitef ju ^ein^berg fe(>t perpetuum vicarium. finb mit 

t^m jufrieben. 3 SSicarien werben auc^ \?om Sapitel befe^t; f)aben 

aid^t \>M 2a(l t)on 9Keffen; haven das predigampl nit gebruicht; 

haven binnen den huifern nit, mochten etwas buissen suechen; 



336 



dtfUt ^uif. 



mögen sich zu ziden etwas zencken. — 4 ^altm ficf) gu bem neuen 
Sffiefen, ft$en im ®ef&ngnt0, bitten um ©nabe, moUen ftc^ galten wie 
bie anbem. — !Der ^a^ox tt>uptc guten SBefc^cib auf ba6 ©acr^ 
ni(^t fo guten auf bie Xaufe. 

Bruinsraed. 
3)er ^afior Ijat feine grau bei flc^, bie er lang gehabt» — @r 
tt)irb ermahnt, nid)t6 für Slbminijiration ber ©acramente gu forbem» 
Vüußte feinen öffd)eib auf bie gragfiüde. aSincentium, 5ßaratum, 
2)ifcipulum, ^ofiiüam, — ..♦• 3fi i^m gefagt, ^nberd ^u fhibiren, 
X^eoi)()i^(actum ju faufen, unb gu bebenfen, baf er am iung^en Xag 
JRebe unb Slntwort au geben l)abe, — 3)ie ©c^effcn erjagten, baf 
geftern SIbenb ber ^ßafior mit feinen ©o^nen mit @ett)alt t)on einem 
alten ^ann, Qiiüi^, bie i^m j^reitig gemachten SBrobe geforbert Ifat] 
l^at ein ©en^e^r unter bem fRoä hervorgezogen unb bem SRann in 
ben ^al6 genauen» 

Bredbern. 

Sapitel §eindberg ®iftcr. 401 Sommunicantem 3ufrieben mit 
bem ?ßaflor» er \)at tt)ol)I früher bart geforbert, t^ut e6 aber nic^t 
me^r. Sie drincken mit und kiveo ouch; wan der pastoir sat ist, 
so geit er schlaiiTen. Her Cnant helt sich ovel. Der pastor bragt 
ein magt und etliche kinder dar. Her Heinrich ist eins do gewest 
und predicirt. Es sin noch etliche, die degelichs noch zusamen 
komen in schuiren und stellen, und ist die bykompst noch seder 
paschen beschehen. Sie haven da naber wonen uf der beiden, die 
haven gehat her Heinr. daselfs. Lietgen Buicks, Kirstgen und sine 
buisfr. und den lamen van Saeflelen. 

Pastor n)irb ermahnt, Srobe unb Opfer nic^t auf bem ©}u^l 
ju forbern» — 10 ober 12 nic^t jum ©acrament» — ifJ gar \m^ 
Qt\ä)\ät 
Saeffelen. 

2)er ^aftor ift gentfifc^ und hait ein beifz heufit. 

Pastor, bie untert()anen f)a(ten f!(^ n)O^L Mögen für ziden 
wail etliche gewest sin, aver ist nu gestilt. — n)irb ermahnt jum 
©tubiren. 

Ho engen. 

Scheffen und kirchmeister. Der Pastor her Johan. hait 
einen regenten gesalzt und ist wech getzogen, und darzwischen ist 
diefz irthom ingebrochen. — Dat capitel van Heinsberg ist gifter. 
— Sin kirchenbroder mögen ime geweigert sin van etlichen. Er 
schilt al den dach uf dem predichstoel und wil die haven. Ire ursach, 
das sie nit die kirchenbroder geven willen, ist die, dat es minschen 
gebot sin sal. Gesagt, wan die nuwe predicanten anquaemen, so 
zouch man ein schelgen. Dan lief man dahin glich wie bien na 
dem kare. Ire houf ist der schwächste. Die frembde predicanten 
her Dionifz und ber Heinrich van Tongern. Dan her Heinrich macli 



f8t\la%t 11. 237 

es etwas widers haven lassen louffeo dan her Dionifz, wie sie hören ; 
sie wissen aver nit dan van hören sagen. Sie plegen die bykomp- 
sten zu halden, haven sich aver sider pinxten gesust. Sie sin des 
ingegangen, das sie die hykompsten ront umh und umh halden. — 
Der pastor schilt. Er mach wail eher zits eins andern ruechJicher 
levens gewest; er mach sich bessern. 

Pastor. Er ist pastor in Hoengen. ist wail zxyi jar resi- 
dert, doe ist er zu siner residentien getzogen, und ist doe die 
luterie ingebrochen. Das klagt er m. g. h. van Ludich; der wolt 
häven, das er selfs residerde ader schicken einen geschickten c^- 
pellain. Er ist dar komen, das er hofte, sie sulten van irer lute- 
rien afstain und sie sulten gestraft werden. Was er doit, das ist 
inen nit angeneme. Sie willen nit boren, was man inen sagt. Irst- 
iich hait her Henr. gepredigt, wer das nachtmal van ime bette ent- 
fongen, der bette es entfangen gantz, und van sinem capellain nit 
dan half. — Er hatte einen capellain, her Gifz, der wart ouch luters. 
— ii^xxx communicanten. nit dan 1 communicerden. — Sie haven 
diekirch ufgebrochen und .... darin geklommen. Sie haven vil dincks 
bedreven, dwil er ufzgewest. Sie dreuwen eimen allet, es ist da 
quaet volck. — @r foU, bie nicf)t jum ©acramcnt ßegangcn, aufjcidf)^ 
tm, and) Ut, mli)t i^re Zotttn begraben ^aben o^ne (Sonfent be6 
$aflord* — Sie lesen noch alle dages, sonderlich Lietgen Niesen, 
Lietgen am Putz. — Man sagt, her Heinr. haf siner suster dochter 
entswengert und das sol nit gedeuft sin, sonder gesagt, es wer im 
bloit Christi Jesu gedeuft, ist in Huickelhoven gestorven. 

!B{e t)on ^oengen werben tjorgeforbert. 

Die van Hoengen. Sie betten verhoft, ire pastores sulten 
das wort Götz klaer und verstendich gepredigt haven. Das wer nit 
beschehen. So weren sie gesessen sonder pastor, dan der pastor 
wer ewech getzogen; so betten sie einen andern moessen nemen. 
Der pastor hat etlichs in das boich geschrieven und vil lesterongeu 
over die naber gesagt und geschrieven. Sie haven her Heinr. nit 
geleit. Sie wüsten, wa sie ovel geleert weren, das man inen einen 
stelte, der inen das evangelium und wort Götz recht predige. Het- 
ten sie sich vergangen, sie wulten gern bidden und gelden. Sie 
wissen bald nit, wahin das sie suilen. — Sie haven alle ire kinder 
deuffen lassen. Her Heinr. hait ein magt gehat, davan hait er ein 
kint gehat, und dat mach etliche zit gelegen sin ungedeufl. Sie 
haven sich der magt entslagen. 

auf ble Slufforberung ber dthti)t, ber Drbnung bc« ^erjog« ge^» 
mäf ju leben, unter anbern aud) bic SSüc^er üon Decolampabio 
3»ingIio ßarolflabio Sam^)ano §einric^ »an lonaern Äloprip unb 
onbem 6 acromentarien , bie fte Ratten, ouöAUliefem k., aniwox^ 
tm bie 3lai)bcim, fte fonnten ^xd) mit iijxm ^a\lox nic^t t)ertragen, 
benn er t^ue nid^te anberce M fc^eltcn unb feiern. 2)er ipafior 



238 (Br^e« »tu^. 

<intn>ortft mit t)ielen SBortett/ aUt^, wa^ fie H)&ttn, gef(i)ef)e aud 

Milien. 

Sie halden irn capellain für ein Trom man. Er frauwirt nit, 
plach eins eine zu hayen, die hait er nu ewech gestalt. 

Caplan. 80 ftnt nid^t gum ®acr« gm>effn. fte fubren an: 
uiifec ^err ifi jum ^tmmel grf^icgen^ pauperes habebitis semper 
Yobiscuro, me autem non. n)oOcn befonberd bad 6acr« unter betber 
®ffialt, unb faflen, man foüe t)om SHJort ®oiM nfd^td ju ober ab 
tf)\x\u @r n>ei§ t>on 93ebeutung ber Saufe ntd^t t>ieL Im ist gesagt, 
die schaef des Hern der massen zu weiden, das er zom jüngsten 
tag rede und antwort wisse zu geven. 
Havert 

haven ein sclioil gebat; die ist nu gebrochen; und ist noch 
ein huifz, aver gein jongen; so vergeit die schoel. Sie wulten 
gern, das der custer die schoel hüte, sie wolten ime oucb gern 
noch geven van den jongen. 

500 Sommunicanten« der sin wail vii firdel, die nIt zom hochw. 
sacr. gehen. 

Nachbern, sie betten oucb ein zettel übergeben von den 
jenen, so nit communiciert, die betten schir alle dags heimliche 
vergaderungen von einem haufs zum andern, dahin sie sich dan 
keschetden, und jungen kinder lesen inen vor in buchera. 

Andreas Brantz sagt mittel eids, er were van den andern 
sacramentarien ersucht worden, sich in ire rot zu geven und inen 
zu lesen, er hab sichs aber geweigert, weifs nit, wer die pnnci- 
pales sin, noch ir 1er. Er hab dz evangelienbuch , das les er by 
Mch in sin huifs. vor einem jar betten etliche einen vertrag ge- 
macht, wa irning oder zwist zwischen inen infiel, das sie ii er- 
weiten, sollen die obersten sin und sie entscheiden; wist aver nit, 
wer die erweiten waren. Er bette gebort van Johanniken Rader- 
mecher, solt einer sin; und der ander ist doit. Er hait her Ilenr. 
wail ehe gebort, Es qwamen eins die van Susleren und andere, 
die brachen die kirch uf zu Havert; und das qwam dermassen zu, 
das sie disputation wolten anfangen, und da klom einer zum vin- 
stern hinein und stiefs die scbeuffen ufz, und da qwamen die an- 
dern alle darin. 

Pastor, wu^tc feinen fonberlic^en ©efc^eib auf bie graflfiüde. 
lat 3;i)eopt)^Iactum, Slmbroftum in $aulum, ^aimonem, Sibliam* 
fjl it>m flefagt, enc^iribicn ju com)>ariren* 



Johan Beer ist im stift Westphalen Tum sacr. gegangen, da 
er umb rofz ufzgewefen. glaub, das das blut und fleisch Christi 
warfaaflig empfangen werde sub utraque specie durch den glauben 



Seilage II. 239 

nach der insetzung Christi. — Ward gefragt, warumb er in West- 
phalen gezogen und da empfangen und nit von sinem pastor, ob 
er auch glaub austrucklich carnem et sanguinem? — Er sei ein 
lei, kund nawlich die schrilt lesen, sei ufz gewesen vi wochen nach 
rossen. So predige der pastor auch nit das .wort Gots lauter. 
Darumb sie zu Zeiten zusamen komen, lesen und handelen das 
evangelium und epislel, so vil inen Got gibt und weiter nit. — 
Dbergab des etlich artickel, wes der capellain Milien gepredigt. Da- 
rin sleen auch die antworten der von Alillen. Und solich artickel 
hat Bere genomen und her Henrichen in Munster pracht, der die 
responsiones daruf gesteh. 



Ocbenf jftteL 
Hoengen. 

Item das, so die wederwertichen ire predigern in de kirchen 
brachten, wart ein clockelgen geloit, und drongen derselbiger an- 
hang mit inen hinin al so die gehorsamen jnauwelich zur kirchen 
aufz komen konten. Die predicanten sin gewest her Nisz und 
Heinrich von Tungern. 

Item die nabern sagten an, das pastor sie verlassen, ungelierten 
predicanten innen gesatzt, de verlouffen, und sie sonder predicanten 
waren, ist her Heinrich van Tungern zo innen gekomen und sie 
geliert und gepredigt etc. 

Item 230 Communicanten. niet dan 50 diefz jars communi- 
dert. 
Havert. 

Item her und ein munch haven her Niüz zur dispu- 

tation umb ein tonne biers aufz geheischt. Dargegen her Nifz ge- 
sprochen, es wille ime mehe dan ein tonne bieres gelden , er wille 
mit ine up dat feur disputieren. Und so sint vil volckes mit wer- 
haftiger haut darzo komen und mit gewalt zo der kirchen inge- 
drongen. 

Item das der capellain aufz geit, presens verdeinen, und da- 
mit sienen geburlichen kirchendienst achter liesz. 



SBifftatiott im 9lmt SBottt* 

1533 3um 25. 

SittarL 
2)ad SoQfgium tft ^afior^ fte fe^en einm 6a)>lan; der mach 
atsatzt werden, und wirt mit iii of iiii jaren angenomen. !Der 
Coplitn \)ai feine (Sompeteng, nimmt )>on ber Slbminifitration ber @a^ 



240 drffe« fBu^. 

aamtntu 1400 ober t500 6ommuntcanten* !Den ®4)u(ineifier fe^ 
ber @(t)o(aßer; f)at "oitl Slemter; der scholmester halt nit anders 
dan van den scholkindern, der scholaster krigt noch ufz der scholen. 

9$on ben Sanonifen unb SStcarien mögen 2 ober 3 fein; bie 9R&gbe 
l^ben, 

Ca plan, gar ungetel^rt 
Born und Buchten. 

in beiben £trc^en 700 ßommunicnnten« !Der (§.aplan bebtent 
beibe Xix^m. man plege wail schoel to hoJden, aver nu blifl es na. 

(Sin SSer^or mit me(}reren Sintoo^nem gegen ben Saplan an^ 
geßedt. Sie fapen nic^td @c^limmed gegen \f)n aud. @r mi^tt auf 
bie gragftüde feinen SSefc^eib. 3)em 5)Jajior ju 33orn wirb gefagt, er 
foüe auf einen bequemeren 6aj)lan bebad)t fein. 
Tudder. 

^Kiüen ifi *4JrincipaIfirclf)e, Jubber filia. üRan \)at geprebigt in 
^&ufem unb ©c^euern« lieber 35 ftnb ni(i)t jum Sacramente ge^ 
gangen, 

Gapian. @te ()ätten einen $rebicanten gehabt; er I)6re aber 
nun nic^td bat>on, 

SusterseeL 

Weher. !Der $a{lor undernimpt sich der naber lant zu winnen. 
sitzt by siner magt« er kan sunst wail predigen nach irem ver- 
staut. — Pastor. 3)ie Untertf)anen ^aüen ftc^ aUe gut; au6genom^ 
men einer, ber »on ^oengen gefommen ift, @r befennt felbji, fein 
Seben fei nic^t bad befie, 

Oormundt. SlQed in Orbnung, Der (Saplan f)at gute S3ü^ 
(S)tx, alM unb neue6 S^efiament, Srpofttioned ^ieron^mi 8lugujiini 
unb Slmbrofti, @nc^iribion c^rif^iani militid. 3>fi gar gef(&i(ft, unb ifi 
ime gesachtj, sich nit zu ussern dan mit wissen, m. g. h. 

Houlthom. @tli(^e nic^t jum @acrament; fein frember $re^ 
btcant, fonbern fte ftnb felbfi ausgelaufen« 

Munstergleen. 

Su Stern. 

Burgerm, scheffen kirchm. Ir pastor wont zu Niel in 
Brabant, hait sie durch buitung kregen. — 7—800 Sommunicanten, 
— Dissen capellain haven sie irgent üi jar gehat; er mach zim- 
lieh geliert sin; aver er hait die pocken gehat, kan nit wail sprechen; 
er hait für ziden eine gehat, helt sich nu geburlich genoch, hait 
sin suster und dochter by sich. Es ist wail ehe geschiet, dafz sie 
ufz der kirchen gegangen, wan der capellain predigte. Ire xii of 
xiiii brachten irstlich her Dioniefz dar. Her Henr. qwam van ime 
selfs dar. Nu hait er korlzhch noch für der stat gewest, aver 
konte nit ink'omen ; doe predigte er für der stat under einem boum. 
Der schoulte sagt, her Henr. wer zornich gewest, doe er nit in 
konte komen, und sagte: nu wult er sagen, dass er sust nit willens 



L. 



beilade n. 241 

gehat; und sagt, das sie nit geleuven sollen, wan die paffen das 
sacrament hieven, das da das Hl' und bloit Christi, sonder ein kui- 
ckick wer. Einer, her Gillis genant, ein naberkint, der hait ouch 
ge|Hredigt. ä van Maiseick wonen zu Sustern, seder das her Dio- 
Diefz dar qwam. Die sich van dem sacrament gehaJden, ist die 
iaeiste ursach, das sich der pastor nit der gebur gehalden und 
predigt nit, als er doin sult nach^ordnong m. g. h. — Alan plege 
dar zu seenden; aver das ist in iii jaren nit beschehen; sagen, 
sie plaegen zu seenden in den budel. ßegern die naber einen an- 
dern capellain, sust gruwelt inen für fernern unrait. 

Cape IIa in. Er ist ins vte jar capellain da gewest. Es sin 
etliche underdanen, die selfs nit wissen was sie doin. Yil sin nit 
zoro wirdigen sacrament gegangen; ist die ursach, das sie es under 
beider gestall haven wulten. Vilfeldig gefragt van den x gebodern, 
van dem gloven, van dem hochw. sacrament, van der douf, und 
wist den rechten gront der schrift nit. Er sagt, es sin wail by- 
kompsten und anders gewest, wie die hercn wisten. 

Noel Richartz. sie haf underlassen zu dem hochw. sacrament 
zu gain, dwil ire capellain das wort Götz nit predigt wiet recht, 
den er wist sie uf ire wercken. Sie wult wail zu der douf komen, 
wan die geschege nach Götz bevelch. gefraegt, of sie ouch gelouve, 
das in dem hochw. sacrament warhaRich lif und bloit Christi, sagt, 
des bette sie gein verstant, dan sie bette es entfangen zu gedecht- 
nifz des doits Christi. Sagt, her Dioniefz sol das gepredigt haven. 
Sie hait ouch gehoert her Heinrichen. — Gierken Thiesges hait 
ire gelesen, und dere ist so vil gewest, das sie der alle nit wissen 
zu nennen. Sie lasen den text van dem evangehum und nit widers^ 
dan gingen sie ewech. 

Di der ich Canis ist nit zom hochw. sacr. gegangen, dwil 
der capellain sie nit gehert hait nach den ordnongen ni. g. h. und 
na dem word Götz. Er ist nit dkk in der kirchen gewest noch 
weifz er wail, das er nit recht predige. Er sy mit dem worde zu- 
fredden. Er halde van dem sacr., wie tie schrift davan zuigt; er 
gleufl nit, das da warhaflich lif und bloit Christi sy. Er sagt, er 
baf sulchen ufsatz wail gemacht, wan das wort Götz nit klaer und 
rein gepredigt wirt, so wult er nit da innen komen. Er helt van 
der douf, wie der Her die ingesatzt hait. Er wifz nit, wie vil der 
ist binnen Susteren. Er wil by dem worde. bliven. 

®eijili(^e unb aQ3eItIid)e erfUuen auf Jlufforbcrung , bie Drbnung 
annehmen ju tDoücn. JDicberic^ Soniö unb 9iocI wollen bei tl)rcm 
Sßefcn bleiben. 



SSier grauen t)on Buchten werben eraminirt, of der caplan 
zu Born sie nit sampt ire iiii uf ein zit zo glich gebicbt. (Sie 

Corncliui, Sufru^c in SRunfier. I. .16 



i42 ütfit» SBu((. 

thttett tai in Slbre be ; n)f ber in bem 9uf ^, no(^ im SKtarfacrammt 
haU er ftwa6 Un9cn)6^nli(|)fd vorgenommen, aber im tjergangenett 
3a^r ^aben fle ba6 €arr. unter beiber ®efkttt t)on ^erm Äief ju 
©ufieren empfangen, unb ber Ijat fit geteert, b«^ in bem ©acrAment 
ber tt)abre ?eib unb 93Iut (S^rifW fei, fo fern man e« im ®Iauben 
unb, wie bic 8lpofle( ed audget^eilt, empfange. (Sine befemtt, baf 
it)r bief 3a^r ber (Kaplan gu *i5orn e« unter beiber ®efialt gereicht 
^en 3o^an t)an 93enrab ^at itjxtt 3 ober 4 jugleic^ abfofoirt. 

Gultekoven. S)er ^afior ^at bie Äird^e 38 3a^re bebient; 
ifl ungefd)i(ft; tviü felbfl forgen, baf einer jum ^rebigen angefhHt 
»erbe. (Siner nic^t jum Sacr. 

Hillensberg. Der $aflor helt sich unleifiich mit den 
tiabern. , 

Berge, "oon 80 (Sommunicanten 4 nic^t gum ®acr. 

Broicbsittarl. alle dinge waren da richticb. 



(Die SHcten ber 93ifltation in ben 2lemtern ®eilenfirc^en, JRau*^ 
benroit, ®o«Iar, ®ui(c^, SB{ll)emflein, unb ju ?inni(^ unb (Sfe^wHcr, 
im Sommer 1533, aucf) ber im 2lmt 5!Wünftereiffel unb au (Sn^txu 
(^en im Slugufl 1536 abget)a(tenen äbergel^e i(^ ald wenig ju un^ 
ferm 3">f* 9lötl^iged ent^altenb.) 



^^teihen bei i&etjod« an bie Sltiitrettte jn 
aSBaffeitfietd Sotn WtiUcn ^einihttq. 

IDuiffdDorf 1533 3uli 17. 

Nachdem durch die unchristliche verfarische predtcanten etliche 
unser arme underdanen in unserm ampt dines beveibs leider jemer« 
liehen verfurt und in irthum gepracht, derhalven sich etliche ufz- 
lendich gemacht und doch zum teil itzt, als wir bericht werden, 
widderumb gnad und einzukomen begern sollen, ist darumb an dich 
unser ernstlich meinung und beveih, du willest alle unser under« 
danen, die ufzgetreden sin und doch nit die furgenger schoelhelder 
forleser und kuntschafter gewesen und sich nochmals unserer ufz- 
gegangener Ordnung und daruf gevolgter declaration und erklerung 
gemefz halden wolten, van unsertwegen zu genaden annemen und 
inkomen lassen, doch mit der geslalt und mafz, das die jenige, so 
bürgen stellen künden, burgschall thuen, und die andere, so nit 
bürgen haven, sich genugsamlichen verstricken, das sie sich hin- 
furan nach unserer ufzgcgangener Ordnung und derselvigen erklerung 
balden, das sie ouch den andern furgengern schoelfaeldern fnriesern 
kuntschartern und andern iren anhengern, die entwichen und ulk 



«d(age IL 243 

gebannea weren, kein bystani thun noch underecbleif gestatten, 
oach kein gemeinschaft mit inen baven, sondern so tU inen der- 
sdvigen snkoiaen, dir oder andern unsera ampiiudeo anzeigen wol- 
len, wa sie aver demselvigen nit nacbkoraen und hiernach anders 
befunden wurden, das sie alsdan uns lif und gnt verbruicht baven 
soUen« 

Dergleichen ist unser meinung und beyelh, das du die jenige, 
so in unser baflung enthalden werden und nit van den vurfz fur- 
gengem ufentbeldern schoelheldern Vorlesern und kuntschaltern 
weren, und sieb nach unser Ordnung balden wolten, und genad 
begerten, der gefenckaus erlassen wellest uf burgscbafl und Ver- 
sicherung wie vurfz; doch hastu inen zuvor disse inverwarte frag- 
stuck*) furzuhalden und dich alsdan nach befinden zu balden. Aver 
die jenige, so dir für die furgenger ufentbelder scboelenbelder 
forleser und kuntscbafter angezeigt wurden, oder du darfur achtest, 
dieselvige willest uns mit allem Bericht scbriftlich zu erkennen ge- 
▼en , unser gemuet und bevelh daruf baven zu^ gewarten , wes du 
dich mit inen balden solt. Und so einlebe wifer weren, die den 
entwichenen mannen zustunden, ouch andere frouwen, die unser 
ofgerichte Ordnung und erklerung nit annemen of einleben ufzzug 
darin dein wolten, dieselvige hastu ufz unsern landen und gebieden 
za verwiesen und verbannen. 



Ufzzug eins bekentnifz Gerrit van Dovern, zu Hamboich. 
Die zu Huckelhoven raet gehalden baven: 

Her Henrich predicant 

Joannes der custer 

Peter der wirt richter gesatzt 

Derrich Jolis 

Johan Naels 

Johan Houserman 

Goswin Reinartz 

Gortgen Reinartz. richter, und bat ein ledicb houiz zu 

der bykompst verlehent. 

Henrich up dem Ort 

Amt in gen Essenbroich. richter. item disser Arnt ist der 
irster anfenger, der die predicanten ingeforet und mit 
sinen perden geholt halt, item halt ouch den korf mit 
brodern und win in Peter Smitz houfz bestelt, umb dat 
uncbristlich nacbtzmal zu holden. 

Herman da baven. 



*) ^itUti^t tte oben abgebrucfte nac^tt&gU^e 3nßTUctton. 

16* 



244 ' (Mu S^udf. 

Hein Slang. des costers wirt und her Heinricbs. 

Jannes Schaes und sin son. 

item einer, genant- Peter Smit. sol der iiiide richter sin 
und ouch der mitkontsceffer. 

Nota sagt Gerrit van Dovem, dafz her Heinrich van Ton- 
gern zu Odenkirchen ifz gewesen, da er in haftung an- 
genomen. 



©inigc md) ter SSffttation Slu6gett>l^cne ijalttn fidf) gu ®xtom^ 
i\ä)t auf unter bem ©(^)u$ M t)on SBCoeborf. Dem toixh jwelmal 
be^^olb gefclf)riebcn* 

2)en 2lmtteuten tt>irb befohlen, auf ben Sol^ann Seren, ?ßeter 
fcen Äiuffcbmleb, unb bie mit bem ?5eren ausgebrochen, ju fa^nben* 

66 wirb befohlen, bie t>on SWafhric^t unb Slac^en t>or t)eiml{(l)em 
8lufent^alt be6 ^einrid^ t>an iJongem ju tt>anten* 



Slrnt in gen Sf^enbruc^ bittet um ®nabe; l^at bie ?ßrebicanten 
unb anbre tior ber l)erjoflIic^en Drbnung in fein ^au6 aufgenommen, 
aber nac^ berfelben nid^t me^r. 

@ei( JKabermedjer l)d(t ftc^ gu 9Künf!er auf, begehrt ®nabe 
unb tt)in gern wieber inS 8anb. 



Dissen hernabeschreven ist mins g. b. lant verboden. 

Zu Wesel 
Meister Wolter van Uuifzlingen ufz dem lande van Ravenstein 

zu Emmerich 
A Gerharl Campe, ist ein cirurgien 

Herman sin bruder, ist geborn ufz Frieschlant und ein te- 
schenmecher 

Peter Francken, ufz dem lande van Francken zu Busschesschum. 
Heinrich Pannendecker, ist geborn van Siberg 
Thonis van MunstereifTel , ist ein pannendecker, geborn van 
MunstereifTel ; sin vader heischt meister Thonis goultsmit 

zu Duiren 
Zilies Seenschen smit 

zu Essend 
M. Johan Tuber van Reid, geborn im ampt Lewenberg. 



SSeilage II. 245 

Heine*) dienst und alles goud zo vorne. Ernvester gunsticber 
jonckher. Ich woulde wail, dafz cantzeler ind hoeffemeister ader 
sufz jemantz anders ?an den reden, die itzo by m. g. h. sint, Wissens 
betten, wie alhe zo Hinsberg dafz vermod ist, dafz die verlouffen 
oifz Dremmen sich zo Munster ind in der Marcke verhalden, umb 
zo erforschen alle gelegenheit, wie es in der Marcke mimen g. h. 
begegenen werde. So etlichen van im bewanten sich hant lassen 
vernemen, mimen g. h. sulle da benidden begegenen, dair oisz 
s. f. g. spueren word, innen unrecht aihe geschest sy. Ind willes 
darvur halden, das sie dae benidden der visitations heimelich nae 
folgen, zo vernemen alle gelegenheit, so sie niemantz dae hin ufz 
liennet. Es sind niest sundach vurgangen ire drie oifz Dremmen 
aifle getreden ind deme raide van Hinsberg ene dem gericht ge- 
saicht, sie en künden nicht mins g. h. ordenonge gehalden noch 
anders gedon, dan ire predicanten sie geleirt hant, ind hant wifTe 
ind kindere sizzen laissen ind deme lande oifz gezoichen. Ist alles 
zo vermoden ind es wirt gesaicht, sie nae Munster sich ergeven 
haven. Dan uns zwivelt, so jemantz sie liennet, sullen ouch der 
Visitation in der Marck nae folgen, umb zo vernemen, wie die Sachen 
sich des ortz schicken, dar nae sich zo halden etc. Dat. den 12. 
dach Augusti a. 32. 

Johan van Harffe lanlrentmeister. 

@in S3ricf ber ^enoglic^en 9iät^e, gu ^amboic^ verfammelt, 
bat. 2lug» 20., tDeiji auf »orfic^enbed ©c^reibeu unb Jcgt einen 3^*^ 
te( bei: 

Difz sind die ufzgewichen zu Dremmen, 

Johan von der Gracht, wonhaftig nest by Dremmen, ist ein 
man zwischen xl und funftzig jaren , eins bleichen angesichtz und 
mit einer lamen hant oder arme. 

Thissen Schomechers sone, genant Peter zu Dremmen, ist 
ein jung starcker gesel mit einem volligen angesicht und spitzen nasen. 

Scheir Schomecher, wonhaftig beneden Dremmen zu Poirsel, 
ist ouch ein zemelich alt man, dur von angesicht. 



Schreiben be6 ^erjoaö an bic Slmtleutc ju 93orn ÜRItten S^tln^^ 
bcrg fflaffenbcrg. 2)at. 2)uiffelborf 1533. 9Rot). 27. 

Die Slmtleute ^aben angeieiöt, baß etliche ausgewichene Urlaub«» 
ni$ jur fRndU\)x beget)ren. Der ^erjog wiü if)nen Onabe gett)Äf)ren, 
boc^ muffen jte an einem greltag ober Sonntag in ter Jtirt^e 
öffentli^e ^^Jonitenj t^un, in einem leinenen Äleib mit brennenber 
Äerje vor bad l). ©acrament treten unb ®ott, ben J&erjog unb aüt 



') JDic «bbrcffc ff^lt. 



S46 



drM t3«4. 



tun ®tutbe imb aSerget^ung hiütn, ittrigene Surgen fieant tc. Docl 
solCu This SchomedierB sone, Johan van Gracht, dergleichen Pe 
tern im Hof sampt sinen soenen, Geil Radermechern , und Johanne 
Cttstern zu Huckeihofen nit widder inkomen lassen sonder unseri 
weitem bevelh. 



angefangen 1533 Sept. 9. 

aSifttatoren finb Sünder «>on Oberfiein, Statt^ter: 

$rob{l aSIatten; 2:^ifgen t>an 
Silbenbouc^um^ 2)ro^ }U ^oerb. 
Slnit €t>arremberg« 
etabt Silfelt frü()er etliche in ben SBirt^dbAufem mit ®e 
f&ngen unb bgL fii) ^teotnüid) erjetgt^ auf bte SDtefjfe unb Seremo 
nien gelÄfiert, bie i|3rif|ier üerfpottet 3 ^jJ^tfler ^ben 6encub. - 
Sapitel AU 93i(fe(t 5 (Sanouifen ^aben Soncub. — 3u(en 
becfe« — ^fpem 93on einem SOxt, genannt in bem ^age^ gel^e; 
fie in bie na^c Stabt ^en?orb, um bie iprebigt gu ^ören* — Srad 
»ebe^ (Soncub. — @nger. @oncub* — ©penge» Der *4?öfto 
fagt auf bem ^rebigtfiu^I , ein jeber fotte feine grau ^aben unb ftd 
babei {)a(ten; fo babe er eine, babei gebenfe er ju bleiben» — ^ib 
b e n ^ u i f e n* 2)ie Äirc^fpieldleute tt)if[en nic^t anberd, aW ba^ fic 
ber 6ap(an nac^ Orbnung m« g. f). f^alit unb ba^ SBort ®ottc 
tti)t (e^re* £r ist aver zu Hervorde gebom, ein monnicb geweg 
binnen Her?orden im grawen closter, die kap verlassen, und z 
Hervorde hat er eine, sitzen, die ime zur ehe gegeven. — aßolbetl 
brugge. 6onc« 
Slmt 9iat)endberg. 
aSer^melbe» — ^to\d\)ox% 6onc — ^atle* Sonc* - 
Sord^ol^^ufem 
Slmt Simberc^* 
^olt^uifen. Sonc — 93ornincf^uifem Sonc* — DIbeii 
borp* — 9loinrf^uifem 6onc 8luc^ bat ber Saplan ttUi)tn, bi 
e6 begel)rt, bad Sacr^ unter beiber ©f^ait gereicht* Der Saplan gc 
fieljt beibed ju, ^abe feine 3Wagb jur (S^c genommen» — a3unb( 
6onc — iDarremberge* — SBerter. Sonc. — ©teinl)ageii 
(Sonc. gettoefem — Sffel^orfi» Stint. — ©c^ilbefc^e» 
amt aSJot^oe* Sept* 16» 

aSaltborpe« Bernhard ChrisUani ist pastor, durch consen 
des amptmans und des kirspels. Sin fursefz ist umb sin uberfa 
rung von danoen gewist und verjagt ungeferlich für ii jaren, is 
geheissen Herman Kollinck. Closter und abt zu Locken sind colla 



beilade KL 347 

lor. Sonsl int die kirche dem dosier au VIolhoe incorporirt. Der 
paator bat nicht sicheres, dan die kirspelslude underhalden inen na 
^otturft und geven ime na irem vermögen. Des widemhofes darf 
er und das kirspel ouch sich nit underwinnen, darumb das der 
voriger verdrivener pastoir inen drewbrieve geschickt. — 500 6om^ 
muntcanten. Die e6 begehren communtcirt tx sub utraque, unt fo 
empfangen fle e6 gemetnJic^ aüt in folc^er ®eflalt. 3)er ^^ajlor i^ 
SWönc^ oewefen im grauen Älofier gu ^eroorD* — Die Ferren t)om 
Siiofttx ^ßl^ifjot fagen^ ba^ fcad kirspel zu Valtdorp den verjagten 
pastor, hern Herman, haven furgenomen zu dringen^ das er solt 
predigen nach irem gefallen und nach diser jetziger nuwerungen, 
und wie sich der pastor des geweigert, haven die kirspelslude ur- 
sach gesucht und die sach daher bericht, das er der kirchen ent- 
salzt und der itziger pastor Bernhard Chrisüani angenommen wor- 
den ist« der in sinem predigen die closterheren fast angrift, schimpfirt 
«od sie gotlosen und heuchler scheidet. Derhalver sie ouch van 
den kirspelsluden mannichfeldich overfal schimp spot und anders 
haven moissen liden und noch. Dan, als der vurfz pastor entsatzt, 
wart einem hern in dem closter die kirch zu bedienen hefolen, bifz 
das man einen andern pastoir overqweme. Aver das kirspel hat 
inen nit zulassen wollen , sunder den vurfz Bernhardum angenomen« 
Sagen auch, das des amptmans capellan Ghristianus ein observant 
gewesen zu Hervorden, und in sinem predigen das hochw. sacra- 
ment, wie man das van alders gebruicht, gantz verwerlTe und sage» 
das nichts da innen sy und das die jenige, so solichs der gestalt 
entfangen , vil besser van einer kraden nemen mochten. Desglichen 
hat der amptman noch einen capeJlan, der auch derselvigen mei- 
Qungen ist. Die closterheren sint ordinis Gistertien. und halden 
ire missen und gezide nach alder gewonheit. In irem closter zu 
VIothoe sint gemeinlich iiii personen, suiist sint ire broeder alle 
zu Locken im closter. Ouch deulTen sie im kirspel im duitschen 
uf die nuwe wise sonder krisam ader anders, wie van alders ge- 
wonlich. — Der amlman sagt, das der obg. her Herman Kollinck, 
der wie obg. der kirchen zu Valldorp entsalzt ist, einem man sin 
wif wider sinen willen entfurt oder afgetzogen und dieself noch 
by sich haf; und sy ouch sunst nit geschickt im predigen oder 
kirchen zu regieren, und derhalven sy er der kirchen entvvert. 

Slmtmann unD SKentmeifter geben 53eri(^t, ba^ bcr 5ßaftor ju 
aSalborf beutfc^e 3}ic|Tc ^ält, fo ba^ tie Untcrtt)anen babci bcutf^e 
Oefiinge nac^ feinem ©efaücn fingen; ^at ein (Sl)en)eib, lä^t sub 
utraque communiciren. 2luc^ ber %\^tox auf bem 93erg »or ^eii^orb ^ält 
fi(^ ber Drbnung nic^t gemap, bie 9J?önc^e ju 2obte ftnb concubinani* 

Dem Droft gu SSlotl)oc, Dietlef Sdjacfen, wirb befot)len, beibe^ 
feinen (Saplan unb ben ^Regenten ber Äircbe gu SSalborp, abgufteUen* 
Der 8lbt gu ßocfen foU einen anberu gefc^icftcn weltlid;en ^4Jaftor 



248 



dv^u iBu4. 



^eden. 2)er ^rofi foU and) barauf fe^en, ba^ bie Jlir(^fpifl6(eui 
iu ber ^dt, ta man bad 9Bort @otU^ t)crfünbet, unb wa^renb be 
ubriflfii ©ottedbienfifd njc^t in SBein* unb ötcr^auferu fic^ fammel 
ober fonft einanber ärgern* 



III. 

1524 9{ot)br. 26. Crig. ^91. 

Durchleuchtiger hochgeborener fürst, gnediger her. Es hj 
Andres Brewnig, burgermeister tzu Ihen, in meinem abwesen (de 
ich in drei monat nit inheimischs) von e. f. g. ret einen christliche 
bevelch, mich belangen, enlpfan^eu, und itzunt so ich heim kume 
mir überantwort, in welchem ich e. f. g. ernstlich disse meinuii 
vernumen hab, nemblich das ich mich und das mein aufs furdei 
liehst aufz e. f. g. furstenthumb abwenden solt. Nun wiewohl ick: 
Yormulte, das ich so hoch und schwerlich (weifz nicht durch welche 
für e. f. g. angegeben und beclagt sei, das ich meines entschuldi 
gens oder Schreibens wol het mugen lassen anstehen, so dring« 
mich doch e. f. g. richtigs und christlichs gemut, darneben meinn 
not und unschult, disse meinne bitte und erbietung e. L g. antzu 
tzeigen, und bit erstlich, e. f. g. wollet mein wandel und leben, s 
ich itzunt anderthalb jar in der stat Iheu gehabt, gruntlich und w< 
erforschen, ja durch mein hern und mitbruder rat und gemein de 
obgenanten stat Ihen erkundigen, ob irgenlz einiger wer, der mic 
für e. f. g. Yormeint antzuclagen oder mich irgent einiger unred 
lieber tat oder furnemens zu beschuldigen, mich darneben tzo vei 
borung kumen lasset; wil ich mich alletzeit bei e. f. g. gegenwei 
tigk dar stellen, das recht dulden und leiden. Das sei ?ou meinei 
eusserlichen wandl geret. Was aber den glauben und das woi 
Gottis antrift, sol e. f. g. wissen, das ich wider geprediget noc 
etwas öffentlich gelernt hab, bin auch nit bis hiher von Got noc 
von den menschen dartzu berulTen. War ist es, das ich in disse 
leuflen gern gesehen und dartzu geholfen het, das die sach, s 
doctor Martinum und Garolstadt belrelfent, erstlich durch' offenl 
liehe verhörnng oder disputation wer an tag gebracht und also gc 
richtiget und gesucht, und wolt Got, das es noch dartzu kume 
mocht, wolt ich mühe arbeit und das mein nicht dran sparen, soc 
der dartzu helfen, so vil alfz mir gelegen, uf das warheit und luge 
an tag gebracht wurden, auch das doctor Garolstat entweder offeni 
lieh tzu schänden, so er unrecht, oder für idermeniglich durch d 



^tita^t Ilf. 249 

warfaeit befreiet wurde, so er der warheit anhieng. Das möcht auch 
meinnes bedunckens tzu einem grossen tail des frides in e. f. g. 
furstenthumb geratten. Es wurt auch e. f. g. in diesem fal mehr 
mit verhörung der personen und sachen, dan mit lantverpietung aufz- 
richten. Und m\h e.. f. g. itzunder, die weil mir Got ursaeh gibt, 
gesagt und treulich gewarnnet haben, das e. f. g. sich wol fürsehe, 
wie sie in sachen so Got angehen handl, auf das sie nit als 
dan am meisten den tzorn Gottis anlauffen, wen sie Gottes hulde 
durch das schwert und weltliche gewalt am höchsten vermeint zu 
Terdienen. Ich wil e. f. g. nicht heuchlen, kan auch nicht heuchlen. 
Got und sein wort ist mir lieber dan alle forsten und hern, ja lie- 
ber dan die gantze weit und alles was drinnen ist. Was aber mein 
eigne person und glauben angehet, bin ich willig und bereit, fzo es 
Ton nötten ist, für e. f. g. und idermeniglich meinnes glaubens 
rechenschaft und, so vil mir Got vorleihet, der warheit zeugnifz 
dartzugeben. Zum andern bit ich, e. f. g. wollen mir gnediglich 
die Ursachen, warumb ich mich e. f. g. furstenthumb eusern sol, 
zu erkennen geben, auf das den gotzlestern und widerstrebern des 
wort Gottes, pfaffen und munchen und iren anhengern, besunderlich 
denen, so in meinem heimat zu Collen, der untzellicb viel seint, 
nicht ursaeh gegeben, mich alfz einen vertribnen mörder, diep, ver- 
retter oder sunst alfz einen ubeltheter lugenhaftig aufztzuschreihen 
und schelten, dadurch dan Got und sein wort geschmecht und ge- 
lestert wurt, welcher meinethalben gepreisset und wolgesagt sein 
golt. Zum letzten bit ich, e. f. g. wollen doch die gelegenheit der 
tzeit ansehen, in welcher ich on unöberwintlichen schaden meines 
weibs, kinds, leiber und gutter nicht reissen vermag, mir der hal- 
ben als einen frembligen in e. f. g. furstenthumb disse schwere 
Winterzeit mich zu erhalten gnediglich vergunnen. So aber difz 
alles bei e. f. g. nicht helffen mag und e. f. g. also beslossen, des 
ich je das lant reumen sol, das ich mich doch nit gegen e. f. g. 
zu Uiuii vorsehe, wil ich die sach zuvor Got bevelen , seinen willen 
in disem allen ansehen, darnach e. f. g. bevelch und gepot, allen 
frost, kelt, sehne und andern widerwertigkeiten des winters unan- 
geseben, williglich gehorchen, al stunt und augenblick e. f. g. willen 
nach vormugen volbrengen, deren ich mich und das mein hiemit 
wil bevolleu haben. Bit e. f. g. gnedige antwort. Datum tzu Ihen 
•sonnabendes nach Katherine anno 1524. 
e. f. g. unterteniger 

Gerhart Weslerburg 

genanter doctor von Collen. 

Dem durchlauchten hochgebornen forsten 

. und herren, herren Joannsen hertzogen zu 

Sachsen lanlgraffen in Thüringen und mar- 

gralfen zu Meisen meinen gnedigen herren. 



KO Ql^e« j^^ 



TV. 

^apft iSimtni VII. an tit ^tatt O^bltL 

1531 9lo\>. 26. Orig. (Set«. 

Clemens P. P. Vif. 

Dilecti filii, salutem et apostolicam benedictionem. Quod sem- 

per a pietate veslra expeclavimus supplicesque a Deo imploraviinus, 

ut vestra civitas, olim Romani imperii insignis colonia, deindeque 

ChristiaDae pietatis solida in istis regionibus columna, opibus pollens, 

robusta viribus, celebrata literis, in tanta circiimstanrium heresum 

propinquitate se illesam Deo conservaret, et si qua sui parte cor- 

ruisset, Dei munere cito consurgeret, id cum summa nostra laetitia 

vestra maxime filii seuatus pietate et constantia factum esse et con- 

tinue ßeri audimus; idque ad uos undique iam nunciatur. Ägimus 

itaque divinae misericordie gralias, quod insignem ac percelebrein 

vestram civitatem a Sathanae venenis lutatus est, sanctamque Colo- 

niam re et nomine elTecit. Vobis aulem filii quas possumus laudes 

precipuo affectu reddimus, quamquam multo impares eas vestris 

meritis iudicamus. Vestra enim virtus et constantia non solum sibi 

ad salutem, verum ceteris proticiet ad exemplum, secuturis autbo- 

ritatem tam insignis tamque eiimiae nedum in Germania sed etiam 

in cuncta Europa civitatis. Nos vero, filii dilectissimi, utinam occa- 

^ aionem aliquam babeamus nostrum erga vos precipuum ac pecuiia- 

rem amorem exhibendi. Guncla vobis quidem auitemur*) signa 

ostendere precipue nostrae erga vos ac fcrvenlissimae cbaritatis. 

Hortamur magis ex abundantia afTectus nostri quam quod necesse 

id vobiscum arbitremur, ut in cepto pietatis cursu persistatis, pri- 

mum consulturi saluti deinde etiam gloriae vcstrae, atque a Deo 

ipso, cuius veram relligionem a patribus acceptam tuemini, inmar- 

cessibilis meritorum cumulos adepturi, a nobis vero et serenissiroo 

Caesare omnia expectaturi, quae ab amanlissimis parenlibus in pien- 

tissimos lllios conferri possint. Datum Romae apud Sanctum Pe- 

trum sub annulo piscatoris die xxviiii Novembris MDXXXI Pont. 

nostri anno nono. 

. Blosius. 

*) profitemur? 



Mfodf V. S5I 



V. 

^apfk <S(ettten« VII. an bte ®tabt <SöIm 

1534 9R&r| 30. Otig. (S®t.9[. 

Clemens P. P. VII. 
Dilecü füll, »aJutem et apostolicam benedictionem. In ea mo- 
lestia ac dolore quem ex circunslanlium istic heresum procellis nostro 
tempore contra catholicam fidem et apostolicam dignitatem sivien- 
tibus capimiis, valde nos filii consolatur constantia fidei et pietatis 
▼esirae. Sic enim nobis relatum est semper ac refertur assidue, 
^gere in Tobis tutelam et patrocinium eius sacrosanctae religionis« 
quam a pairibiis nostris accepimus, vosque incessanli studio ac fer- 
Tore catholicis adesse, impiis vero resistere. Quod est nobis post 
Deiun omnipotentem a vobis merito gratissimum, ut debet. Licet 
enifn id vos 9icut et cuncti fideles sacro respersi baptismate prae- 
stare ex of6cio debeatis, tamen quoniam refrixit multorum charitas 
et exarsit impietas, vos in Üei lidelibus connumeralos Deoque ofG- 
dum praestantes omni noslrae benivolentiae et paterni amoris affectu 
compleclimur, Deo gratias de vobis agentes ac pro vobis suppli- 
eantes, ut vos in hoc sancto proposito tueri et aeternae premio 
ealulis talibus per eum repromisso remunerari dignetur. Nos enim 
ipsi« qui hoc procelloso tempore ecclesiae universaii regendae sumns 
a Deo praeposili, semper erimus parati ostendere et re ipsa quan- 
tom in nobis erit praestare, ut. vobis Fontes apostolicae benignitatis, 
si qua in re illam desiderabitis, abnnde pateant, ita exigentibus me- 
ritis et ofTiciis vestris, quae nos grato ac memori animo conserva- 
UNIS. Sdmus enim, quibus et quo studio restiteritis ob iustitiam 
et aequitatem, dignitalemqne sanctae Romanae ecclesiae tuendam, 
cuius quidem quod fidelem üliam istara civitaleni inclytam praedi- 
catis sigilloque vestro inscribitis, et gaudemus animo et re ipsa agno- 
edmus. Pergite igitur, filii in Domino dileclissimi, studiumque ar* 
doris vestri Deo et nobis continuate, quod et futurum certo spera- 
mos. Nos cum ecclesiarum veslrarum capilulis lilteris nostris non 
pareutibus et propterea interdiclo ecclesiastico suppositis benigne 
egimus, et vestra et illorum causa. Censuras enim et interdicta 
ipsa ad calendas octobris futuri cum reincidentia nisi paruerint 
snspendimus, ut interim divina resumere possint, sicut ex aliis nostris 
litteris vobis apparebit. Horlamur devotionem vestram in Domino, 
nt vestra authoritale ac pietate eflicere sludeatis, ut intrusi in bene- 
ficiis nobis plene reservatis ab inlrusione desistant, vel cum provisis 
nostris ut potuerint concordent, quorum nostrorum* commoda, etsi 



252 «cflH 43tt((. 

commendat vobis ipsa iustitia ac communis patria, nos et commen- 
damus et, quamquam pro re debita, valde gratum vestrum obsequium 
in hoc recipiemus. Dat. Romae apud sanctum Petrum sub annulo 
piscatoris die xxx martii MDXXXIIII Pont, nostri anno undecimo, 

Blosius. 



VI. 

äSeric^t ühn bte ®oefler fSttfotmation* 

Anno 1531. 

Up gudenstag na undecim millium virg. sanle unse gnediger 
her von Cleve Gulich und Berge sine drepliche rate tegen den avent 
bir in, de in beVel von s. f. g. hadden, als ock s. f. g. enst oft 
twigge gescbriven hadde, so etliche gebreche tusschen dem raide 
und ampter und gemeinheit sich, als s. f. g. Turkommen were, de 
to iliggen und to scheden, so dat derhalven up den, fridag darnach 
durch gesinnen mins gnedigen heren raide, ambte und gemeinheit 
tosamen qwemen, int geven int lange er werf vor; dar men sich 
up besprack, und dede sy bescheden, dat ein Unwille hir were und 
der schrae, dar men unwillig umb gewest wer, wer men nu gentz- 
lich overkommen und der verdregen ; dat selbige obgen. hochwisen 
reden in stat mins gnedigen f. und h. hochgemelt sehr wol bevel, 
dair wol mit to vreden weren. 

Yort darna leiten sy luden, wu sy vernomen hedden, dat men 
den niggen handel hir auvenge und sünge de dötzschen psalme und 
leite vrömede predickers predicken; begerden, men unserm g. h. 
to gevallen sich des enthalden wolde; min g. h. wörde doch ein 
ordinantie her över schicken, wu men sich in s. f. g. lande bifz 
tom tokommenden concilio halden solde; des der raid gevolglich 
und de frunde von ambten und gemeinheit nicht gerne an woiden, 
und geben vor, et genge de seile an; sust wolden sy minem g. b. 
in allen dingen trügge und holt sin ; dan nicht to min nement an, 
wint to midwinter up dat olde to halden; middeler tit solde m. g. 
h. dei ordinantie hir in schicken. Dan dat wort nicht gehalden, 
want des sundags dairna sungen sy to S. Pauli und in der alten 
kercken mit frei worden, dewile dat mins h. raide hir weren, den 
das nicht ser wol bevel; und leiten des mandages vor sich komea 
alle pastoirs und capellans, vort alle orden, und leiten en hören, 
wu sy sich mit erm predicken und anders schicken solden. ' So 
was ein monnick in dem schwarten closter, Thomas ßorchwede 
genant, de dussen niggen handel hir in gebracht hadde; des be- 
gerden dei räde sich to entslain und passiren to laiten; des mea 



jOeilage VI. 253 

by den frundeo ?an ambten und gemeinheit nicht vinden konde, 
dan den to predicken behalden wolden; dair mins g. h. räde nicht 
wol mede to freden weren, und logen des sunder enge en weg. 
Item so hadden sich etliche burger eck to hope geworpen und eine 
schuiterie upgericht; begerden ock de rede vurfz, de dail to ieggen; 
dat men bewilligede, de dail to Ieggen und nicht weder up to rich- 
ten, dan durch consent und vulbort raid und twelve. 

Von dem Oploipe. 

Anno XXXI up S. Thomas dag des hilligen aposlels erhoif 
sich ein uploip und uproir van unsen gemeinen börgeren in unser 
stat Seist, oirsake dat men einen vrömeden predicanten, de tho 
S. Pauwel den morgen gepredicket hadde, antasten hadde doin lai- 
ten, den dal gemeine voick den stöckern weder nemen, und leiten 
de trumme und de klocken slain und weren de Jürgen, Tonnes und 
de niggen schütten mit dreen upgerichteden vennecken up dem 
alden kirchhof, und hadden by sich wol by drie oft vierdusent un- 
ser börger und inwoner, de witten wolden, wei den predicanten an 
hadden tasten laiten, und weren so gram op dei borgermesters, 
dat sy nicht doften heruit, und segten em geloven to, und do hei 
heruit qwam, do gengen de richtlude tuschen dem hupen, den to 
stillen, und konden des in geine wege by brengen, und wolden 
en gein gehoir geven, so dat dat gemeine volck tom latesten mit 
erer wer qwam andringen und wolden bescheet hebben, und drun- 
gen mit gewalt und in unstuir up dat winhufz. Dair kregen sy 
her Albert Greven, den eldesten borgermester. De gude man gaC 
en so fröntliche wairde, dat sy en in de harneschkamern brachten. 
Und Yort in demselvigen gramer leipen sy tho her Johans Gröp- 
pers huifz und halden den ock mit gewalt heruit und brachten den 
ock (Got heb lof) ungequetscht ock in de harnfzcameren , dem dat 
Tolck vil grammer dan her Albert was, und in dem antasten des 
predickers vurfz dei mesten schult geven. Und do nu beide bor- 
gemestere alda weren, do konde men noch dat gemeine volck nicht 
gestillen, und men konde nicht vernemen, wu sie dat mit den bor- 
gemesteren vurfz voirdan halden wolden, so dat beide richtlude 
dair tuschen gengen und groten arbeit, umb dat gemeine volck to 
stillen, hadden ; so dat sy tom latesten durch gesinnen des gemei- 
nen volcks van beiden borgemesteren de liant nemen moisten, und 
ioveden beide van der stede nicht dan mit der richtlude willen 
Wicken solden; dat beide borgemestere to doinde Ioveden und so 
dat gemeine volck ein wenig stilleden. Und so sy dair beide mit 
sodaner lofte seten, mochte dat volck nicht liden, dat se tosamen 
seten, und worden do van ein einander geset, her Albert up de 
rentcameren, und her Johan moste bliven in der harnscbkamern, 
dar de gude man doch buten sin schult und sunder enlgeltnifz 



354 d^u td^ 

de uitlange nacbt nannig schändlich ond untöchtig wort hoireft 
«nd liden moste. Und do nu dusse borgemestere beide dair uo 
Seiten und dat gemeine folck ein wenig im deil dairdurch wu ?or& 
gesedigel, do iiepen sy hen na Patrodus Bastwinders hnifz, de d« 
tor tit rentmester was, und haiden den ock ber uit mit einem 
grölen hupen, und worpen den guden mau in dei Tornesteo luckea 
in den vörnesten kelier, und dair o?er de achte dage in grotem 
stancke sitlen moste, dem dat gemeine volck grote ticht, he des 
gemeinen guds gebrucket solde hebben, to lachten, dat sich allet 
so nicht erfont und so dat hüten sine schult gedulden mosle. Vort 
dess«i?igen aveni sochten sy Johan Gresemunt, ock tor tit rent«- 
mester, dem sy mit entwe slain groten schaden deden, und Johan 
Woislhof, ock tor tit rentmester, und so sy de beiden den arent 
nicht o?erkomen konden, do leipen sy rart mit groter overbracht 
und gewalt in der papeu hüser de gantze nacht durch und dmncken 
und eten des genen, dat dair; ock ein pairt onflaider nemen 
stilleswigens mede, wat sy aldair funden , dat nicht genegelt was ; 
weicker nicht to min mannigen frommen b6rger leet was, und be-* 
gerden de, als hir na beschreven, to straiTen; und wort de bele 
lange nacht went to den morgen to so groit onstuir gedreven und 
Tolck seer druncken wair, dat men nicht en wüste, wu dat men 
sines lives und leyendes dair an was; dan Got der almechtige sy 
gelovet und gebenedert, dat dair nömand doit en blef, so enitiioh 
als et getont nas. 

Des vridags dairna den morgen genck de kiocke wedder an, 
und de ho.?en qwemen wedder tosamen up den alten kerckhof, und 
dair worden gesät und geordinert xxiiii, uit itlichen hoffen iiii, de 
tfischen den richtiuden bisitteren und dem gemeinen vokke gengen« 
und de raid ond de aide raid was op dem huse. Tom hlesten 
qwemen de richtlude und bisittere for den raid und breehten in, 
dat dei beide biirgermestere vurfz, dair de haut vau genomen was 
und up der stede als rentcamern und harnfzcamer noch seien, de 
solden geven segel und breve, dat sy oft ere bloitzverwanten , echte 
oder unechte, oft numand van erenlwegen umb de antastinge und 
handneminge nicht dein solden adder wolden, und leit sy beiden 
overmitz beiden richtiuden by den raid balen, dat do beleven; dat 
so geschach und dat beleveden, und so men den dach nicht finden 
konde und dat gemeine volck nicht stillen, do mosten de borger- 
roestere vurg. ein itlich up sin stede gain, geKck sy gelovet. Den- 
selvigen dach worden gesät Johan Gresemund und Johan Woislhof, 
Gresemund in de echtersten lucken und Woislhof in de köcken. 
Des salerdages dairna do leit men den morgen tosamen komen den 
raid und alüen raid, und ambte und gemeinheit weren ock up dem 
seile, und leit verboden von bösem to bösem, dei genne, dei ein 
' börger were, dat de weder to acht oren an den alden kerckbof 



•t««ge VL 268 

qwene; dem also geschacb. Do bestalteit de ricbündet dat men 
in dat mftnsler gain solde, dat men to bet, de geio börger were^ 
afsuDdem konde; dem so gescbach. Und dair lange to bope we- 
ren und tom testen verdregen, dat dei beide borgemestere vurg. 
up segel und breive, de sy geren mosten» nemplich dat sy dair 
aicbt omb doin en wolden und vort by dem wort Götz to bli?en 
kvendig und doit, als vurfi: ock steit, weder up de vote gelaiten. 
Item darbeneiTen Johan Gresemund und Johan Woisthof, beide 
rentmesters, dergelicken up borgen, gelick vurfz stet, ock eres an-> 
tastens entlediget, und worden alle semptlichen in eren alden statt 
gesät 

Und daima qwemen up dat huifz alle hoven , alle twe und twe 
tosamen, und sworen to Gode und sinen hilligen, den raid by al* 
len alden herkomen und gerechtigkeit to behalden, und des lovede 
weder de raid, de börger by eren alden Privilegien und gerechtig-» 
keit weder to behalden. 

Item vort worden up denselbigen dach gegeven segel und breive, 
wn men et mit dem wort Götz vort halden solde in den kerspels* 
kercken und anders; averst dat capitel solde bliven in allem alden 
gebruck, so sy bifz her in dem münster gehet, un verhindert to 
halden, welckerer breive ein by dem ers. raide, de ander by de 
richtlude up den seel gelacht. Item up S. Thomas dach vurfz in 
dem nproir, do wolden dat gemeine volck de scblüttel vam raide 
by sich hebben, dei men en do doin moiste, welcker dem raide 
weder op vergangenen saterdag oick weder overgelevert und be- 
vollen worden. 

Item men genck by dat capittel, borgemestere schemester 
richtliide und bisiltere, so men des saterdages vergangen durc& 
gesinnen der hoven by dem decken gewest, und begert mit sinen 
faeren to sprecken, des gennen up vergangen S. Thomas avent ge^ 
sehein were unseren börgeren vertiggen wolden sy noch er frönt«» 
schap nicht darumb to doinde. So he als do tor antwort gege- 
ven, he konde des capittels so drade nicht (o hope krigen, und 
worden up dussen dag der antworde to gesinnende weder bescheit, 
und qwemen to samen, als dat sembilichc capittel, vort etliche ge- 
ordente van den vicarien by de unse vurfz., de do begerden, dat 
de börger wolden und begerden van en segel und breive to geven, 
dat sy noch er nakomelinge noch er fruntschop des genen , so 
geschein, doin wolden, und so dair erenthalben wat unib geschege, 
af to stellen, uitgeschciden deiverie, so der er wat geschein, und 
so men dei freschen könde, de dairumb to straiffen up verdacht 
to sin. Des lovede dat capittel sambt der vicarien segel und breve 
na eren begern to geven. 

Dairna up medewinters dach sanck men in der alden kercken 
doitsche psalme in der misse. 



266 dxftu ^ü^. 

Dairna up S. Johannes dach darnach do weren de xxiiii we- 
der up dem seile mit den niggen predickers, und word do ver- 
boden allen capellanen, dat sich numant mit prediken, singen, misse 
doin kröden solden, und nam an in der alden kercken den niggen 
predicker und her Herman d^n alden capellan. 

Des fridags dairna do weren raid aide raid up dem huifz und 
de richtlude und bisittere up dem seile und de hoven weder in 
dem munster umb dusser sacke willen; und so hadde ock de 
durchluchtige hochgeborne fürst und her, her Johan herloch to 
Cieve, unse gnedige lieve her, den erenvesten und erbern Diderich 
van der Recke den jungen mit etlichen bevel und einer credentzien 
dussen handel betrelTen doin verdigen, welcker sin werf vor dem 
raide alden raide richtluden und bisetteren up dede, und wort int 
lest gebeden, dat doch ock vor den xxiiii uit den vi hoven geor- 
^inert, de up dem seile weren, umb dat de dat illich in sin hoven 
brechte, ock verteilen; wolde he nicht gerne doin, dan nochant 
gevolglich, do dat gescheit, do gengen de xxiiii weder in dat mun- 
ster by de hoven, und dair leit de raid ersten in itlichen hoven 
lesen de credentie und illiche andere bewegliche brieve, de s. f.g., 
umb sich dusses niggen handeis to enthalden, kortlich overgesant, 
lesen, so dat tom latesten de richtlude und bisitters mit den xxiiii 
weder qwemen, brechten in, so als unse gnedige her von Cieve, 
8. f. gnade, alhir geschickt und geschriven hadde, stelten de hoven, 
dat 8. f. g. beantwort woirde, an raid aide raid, twelve, aldetwelve, 
ambte und gemeinheit, und den gennen s. f. g. geschickt passereu 
to laiten. Item brechten dergelicken in, dat men de gennen, de 
up vergangenen donnerstag mit den Tonnisschötten venneken to 
Borgelen weren gewest und dair dem pastoir mit gewelde dat sine 
afgegetten und gedruncken, so dair enige clagt af qweme, de sun- 
der middel to straiffen, welcker alle hoven eindrechtlichen bege- 
rende weren und wolden den raid dar by behalden. Item sy be- 
gerden ock den cöster to Borgelen, welcker befamet ein deif to 
wesen, dair ock ein up gestorven was, dat wair to sinde, und der- 
halben lange til geselten, den up de vote to laiten, darin sy ge- 
Iwidet. Item vorl brechten sy in, wu to der Lippe einer wer, ge- 
nant mester Gert Omeken, welcher da gelert und geschickt uns wol 
ein gude loveliche und erhebe ordinanlie to macken, wu men sich 
in dussem handel halden solde, dem her to kommen to verschriven, 
weickern de raid al gevolhchlich, und word geverdiget dairhin me- 
ster Henrich Aldegreve de moler mit einer credentien an en und 
ock an de stad, welcker mester Gerd qwam her up dag circum- 
cisionis-domini. 

1532. 

Up fridach na circumcisionis domini waren weder up dem 
huifz raid aide raid, ampte und gemeinheit, do wort min gnediger 



i 



iBctIagt VI. 257 

her beantworte wy wy dat wort Godz in unser stad dem volck 
lulter und clair to predicken und dem voicke vorlodragen und 
sempüichen by to blivcn angenomen , bopende dat s. f. g. nicbt to 
na, mit widerem inbaJt. 

, item desselvigen dages do was mester Gerd Oemecken vor 
raid, aide raid, ambte und gemeinheit, und wort do durch sin ge- 
sinnen geslotten, dat numand in den kerspelskercken , dan de van 
dem ersamen raide togelaitcn weren, predicken solden. 

Item so in dem pilgerhus vüste gengen mit mester Joban dem 
Diggen predicker etten, so wat gesloiten, dat numanlz von dem 
hope mer sollen etten gain dan mester Joban vurg. und sin knecht 
und her Joban Möllencr to S. Jörgen. 

Item welcker kercken, de gennen capellan betten, sollen dan- 
noch de alden de verwaren mit dopen und begraven, sunder nicbt 
predicken und misse doin. 

Item 80 unser richter Jörgen Shlter, do klocke an gegain was, 
als men sechte, uit der stad was gewecken, und dair achte dage wol 
buten was gewesen , wort gesloiten, em seggen to lailen, den richter- 
sloil nicht solle besitten, dan mit wetten und willen raides, aide raides, 
ambte und gemeinheit, dair he sich ersten der uitilucht verantworde. 

Up fridach nach der hilgen dre könige weren echter raid, aide 
raid, ambte und gemeinheit lo samende, do qwara mester Gerd 
Omecken vor den raid und de andere vurg. und brachte in: 

£rstlicb de predicanten moste men besorgen mit husinge und 
anders wint to der tit, winl dat de ordinantzie vullentogen, up dat 
men wette, wair men sy finden solde. und stalte dat an die achte, 
so voirmals uit raid, twelven, ambt und gemeinheit by mester Gerd, 
to YuUentein de ordinantzien, geordinert weren. 

Tom andern, de andern in den pairkercken, wint dat men 
suit und geschickede predicanten overkomen und kriegen möge. 

Tom derden, den geistlichen laiten seggen, binnen und buten 
unser stat de misse und vigilie beresten to laiten, wint to der tit 
sy bewisen mit der billigen schrift, de gotlich und recht sin, so 
dat nicht, dy to laiten; dat durch den taffeldeiner dem capifel in 
allen clostern und capellen also den dag beslalt ward. 

Tom veirden numande in der bemelicben bidi den anderen und to 
richten*), he sy frauwe edder mau, dan van den genigen de dar to 
geeschet und depulirt sin , und dat nmb uproir to vermiden, so mank 
dem gemeinen simplen voicke geschein mochte; dem so geschacb. 

Tom viflen der dosier güder clenodia to besichtigen und 
uptoschriven , de to to segelen und to Irfigger band in verwaringe 
to**), up dat de nicht verbracht en worden. Dair woirden twe uit 



*) hiebt den anderen lo undenichten? 
♦♦) to stellen? 
«crnclüif, «ufru^r in SWünflet. I. 17 



258 (SxftH fBüdf. 

dem raide, twe uit den twehen und iiii uit ambten und gemein- 
heit to deputert, de van stunt an gengen , er de raid und de frönde 
af gengen und deden dem also gelick vurfz, und des anderen dags 
logen sy na Welver und Paradis und deden dergeliken. 

Tom sesten begerde bei, dat men de o?ericbeit als borgmester 
und raid, de dat swert bevoHen , in eren halden wolden , so em 
Yorkome, wy dat bir mannich unbescbeitlich mensche sy, de meint, 
be de ordinantie mit baiste macken solde, so men dair uit uproir 
vermoden mocbte, dair vor to wesen; so men des nicbi gedoin 
konde, em weder verloif to geven; dairup sich de fronde bereiden 
und brecblen in, se wolden semptlichen des by dem rade bliven. 

Up mandag na Felicis in Pincis weren weder raid aide raid 
ambte und gemeinbeit weder to samen, do brachte mester Gerd 
vurfz in: Erstlich dat men mösle einen gelerden man vor einen 
superattendenten erlangen, dei ein upsein bedde up de predican- 
ten und schole, up dat de selbigen sich in eren predicken nicht 
twiggen und to uneinicbeit predicken. 

Tom anderen, dat nodich, schole an to richten, dair men 
Grekes und Hebrees in leren möge, up dat men gelerde by uns 
up trecken möge und dat woirl Götz to bet einen vortgang hebbe, 
und de mit gnschickeden vorweseren to besorgen; dat selbige word 
in beraide behalden. 

Tom derden, up to richten in allen kerckcn einen gemeinen 
schatkasten, dairuit de armen to besorgen und de deiner der kercken ; 
dal wort angenomen, in allen kercken by den lonhern to bestellen, 
dair in to ofTeren, wen dat beleve. 

Tom Verden, dat men solle uprichten duitsche schole, ein 
vor de jungen , und ein vor de meckens , de in tucht upgetogen 
woirden. 

Tom viflen, dat men solde keisen schatkastenbern , dei up- 
sein hebben solden up dat genne, so in de kästen qweme; word 
auch beide in berade gehalden. 

Tom sesten, so unwille sich entstünde tuschen den predican- 
ten, dat an en to stellen, de to entsetten edder setten, wint to- 
kuropst des superattendenten; welcker wort gestalt an raid und 
twelve, den solde he dat, so he des wes verneme, anbrengen. 

Up saterdach nach Antonii abbatis weren weder ambte und 
gemeiiiheit up dem buse tosamen, und qwam mester Gerd weder 
vor und brachte, in, als int erste, begerende, em besehet to geven, 
of ock ein ers. vursichtich raid van Soist van macht sy, den super- 
attendenten und en dar by to behalden, so ummant van den 
predicanten to uproir, rottinge und anders predicke, de mögen 
setten und entsetten, und so wei dair entegen, to straiflen. Dat 
ein ers. raid sambt den vrunden bewogen , dat stonde gair bedecket, 
und laiten en weder komen, und begerden van mester Gerde, den- 



ScUaeen 269 

selbigen to entdecken. Do leit hei luden, wy dat hei her Thomas 
Berehwede, den predickermonnick , tor Hohne to predicken geor* 
dioerl, nnd de verlopen na der Wise und dair gepredicket und 
oppentlich gesacht, de vier und twinlich hebben en dair geord- 
nieret; und so dat so to gain solde, so donde em hir gen bliren, 
so begerde he weder orlef. Und wort dorup ?erdregen, dat he 
io der Wiese bliven solde, wint de ordinanlie bereit ifz, und wol* 
len em dair benelTen seggen, dat he nicht predicken solle, dal to 
uproir sich schicke, und- aller rottinge sich vermide. Vortmer he- 
gerde he, hir wer ein geschickeder mester in kunst, der behu« 
singe bestalt wörde , up dat de kinder to bet undergewisen mochte 
werden und dat gesenge in den kercken to bet ordentlich gehalden 
möge werden. 

ftem Yort de ambte betten ein pairt er ampt to höpe gehat, 
und de es nicht gedain, wolden erstes dages dat selbige oick doin 
und bliven levendich und doit by dem raide, so ummant wer, de 
na uproir und Unglücke stonde, to straifTen, und laiten des ein 
gebot gain durch de rait, und laiten datselvige wu vurg. to huseren 
omme beide laiten, so welcks knechte dairboven deden, de to 
straiffen und to verjagen ; dair to wellen ampte und gemeinheit 
den ers. raid behulplich sin, up dat vrede und einicheil to bet 
gehalden were. 

Up sundach dairna, so was sunte Patrocius und S. Agneten; 
do placb man ein herliche processie mit ummedreginge des wer* 
digen hilligen sacraments und dairna ein herliche misse van unsen 
palronen to halden; dat dei hern vam capittel to doinde na alder 
gewonte begerden, und nicht doen en mosten, welckes ambte und 
gemeinheit nicht liden wolden, na dem mester Gerd Oemeken vurg. 
dat nicht to sinne was. Got der her moit uns hir namails verlöch- 
ten und sine gotliche gnade geven, des gennen, so sin gotliche 
wille, to vullenbrengen. Amen. 

Dairna up saterdag na conversionis S. Pauli hadde de durch* 
locbtige hochgeborne fürst und her, de gnedige her van Cleve, 
einen landtag zu Wickede, und hadde aldair verschreven de Clevi« 
sehen und Märkischen ritlerschop und stede, gelick als lie oick 
vormals to Cleve in egener personen de Guiischen und Bergeschen 
verschreven sambt der Clevischen ritterschop und stedden hadden 
doin laiten, und hadde rait van en begert der van Seist halven, 
wat men by em doin wolde, so dat de Clevische und Markische 
ritterschop und stedde des s. f. g. beden und erer hocliwisen raide, 
doch erliden wolde, men tuschen s. f. g. und der stad Seist han- 
delen mochten, he sin ungnade van uns keren: dat de erlangeden 
und qwemen derhalben vier van den Clevischen und vier van den 
Markisclien ritterschop und vort beider forstendem stede geschickede 
liir in up sundach na purilicationis tegen den avent und begerden 

17* 



S60 



(fo^ABud^u 



▼an den borgermesteren , dal sy wolden er frunde laiten to hoi|] 
komen, sy hedden was to werven. Und wort derhalven tege 
den andern dag raid, aide raid, twelve, aide twelve, ambte un 
gemeinheit bescbet, und men schenckede der ritterscbop und de 
gescbickeden van den städen xii verdel wins den ersten avent. 

Item als nu des mandags ambte und gemeinheit up dem hus 
weren, leit men sy komen, und under anderen geven sy er wei 
vor, als int 1., wy dat u. g. h. sich bedaget, dat hir unwille un 
twist gewest und he derhalven hir in geschreven, wy dat he i 
egener personen of durch sine hochwise raide hir in schicke 
wolde, und so enige gebrecke hir wairen, dar to sein, dat sie 
numand des solde beklagen, des he lange sunder antwort ver 
bleven und dat ...... to wesen, tom latesten to geschriven, und s 

sich dat also nicht begeven, tom latesten sine hochwisen raid 
hirin geschicket, dair tom latesten to overkomen*) und nict 
weder up to richten, dan overmitz consent raid und twelve. i 
Item dat nümand hir predicken solde, dan de capellain in de 
kercken und de twe orden, und upt aide wint to midewinter I 
halden gelovet. 4. Item dat up dag Thome Apostoli ein nig^ 
frominet predicante upgestegen und hir en boven gepredicket un 
dair van ein uproir erbevet, dat de oversten ein deil angeferdige 
5. Dair nicht by gelaiten, alle clenodia der kercken hüten und bin 
nen doin upschriven und hensluten. 6. Alle misse und vigilie 
verboden und dutsche misse upgerichlet 7. Simen richter de 
stoil verboden. 8. Den geistlichen dorch de huse gelopen. 

Als sy nu dusse viii artickel vertalt hadden, begerden sy m 
gantzem vlilc, mit erbeidinge upsettinge by uns lifs und gude 
sulches weder af to stellen; vermeinden , so sulches geschege, i 
wolden tuschen s. f. g. also verschafTen, wes geschein wer in g< 
dult und verget gestalt solde werden, dat s. f. g. ere ungnac 
weder van uns keren solde. Dair men sich up bereit uad c 
weder geantwort wort: wy hedden dat woirt Götz angenomc 
und wolden dair semptlichen by bliven, verhopen dairmede s. f. 
Ungnade nicht mede erlanget, und begerden dat s. f. g. dat I 
verbidden, nicht to ungnade afgenomen to werden. Welches de 
gescbickeden nicht en gevel, und begerden ein. tröstlicher antwo 
erlangen mochten, umb Unwillen und ungeluck hir na mails h 
uit erwassen mochte. Derhalven worden besehet alle hovei 
itlich ein in de pairkercken, und worden dair by van raide ur 
twelven den sulchs vor to geven geschickt up dinstag dairna i 
viii uren. 

Den dinstag darna qwemen de van raide und twelven, de ] 



*) ^\tUt\d)t: dair 2. tom latesten overkomen, de nigge scbatterie aftosteU< 
und nicht weder up to richten etc. 



eeUaeit vi: 261 

den boTen wu vor gesant, und brecbten in, men wolde by 
dem woird Götz bliven wint to dem lesten man to, min g. b. 
scbickede up unse kost dan gelerde lüde bir in, de unse predi- 
ca^len mit billiger schrift overwinden können; als den wolde men 
sy lielpen yerdriven. Dairup sich raid aide raid amble und ge- 
meinbeit besprecken, ein na dem andern, und wart verdregen in 
maiten yurfz , dair by to bliven , bopende s. f. g. derbalven gein 
Ungnade up sy leggen solde, so dat de seele angae , und dat s. f. g. 
dein wolde*), vragede men genante geschickede van rilterscbop und 
stedden beider lande vurfz, wes men als dan to en verlailen solde« 
Dairup bereiden sy sich und sechten, sy wolden dat an m. g. h. 
räde brengen, de vort an s. f. g. brengen mochten, und mit den 
andern, wat men to en versein solde, wolde ein ider an de sine 
brengen und weder schridlich entdecken. 

Yan der Ordinantien. 

Anno xixii up gudenstag na Lätare qwam mester Gerd 
Omeken by borgemester und richtlude und saclile, de ordinantie 
were nu reide, und begerde de vor einem ers. raide, alden raide, 
twelven und alden twelven, ambte und gemeinheit to lesende. 
Do mende dei obg. borgeraestere ur\d richtlude, dat hei erste neme 
de achte geschickeden wu vurfz und leite de dei hören, dei inseio 
sollen, dat dair nicht in ein were, dat unsem gnedigen leiven for- 
sten und bern noch unser stad Privilegien to na of afbrocklich 
were, so des darinne befunden, ersten to körten, und dan dem 
raide, alden raide, amhten und gemeinheit vortolesende und dem 
aveschede na to körten und to längen. 

Des genante mester Gerd nicht annemen wolde, dan de erstes 
dages to lesende hegerde; dwile he dan datselhige egen gemoiles 
buten bevel eines ers. raides in allen kercken hadde verkundigen 
laiten, dat dat gemeine volck de to hörende unruhebch weren, so 
dat de borgemester des, umb ungemackes to verhoiden, nicht wol 
langer vertrecken dollen, und beschedden en up den vridag dairna 
vor ambte und gemeinheit up dat raithuifz de to lesende. Dat 
also geschach, und laifz dair**) of vier dage, er he sy uitlaifz; 
und als sy uil gelesen was, begerde ein ers. raid, de over to le- 
reren dem raide, alden raide, twelven, amhten und gemeinheit, 
dwile de doch up hehaig der vurfz to körten und to langen ge- 
macket und so verdregen were. Des* hei einem ers. raide entfei 
und nicht dein en wolde, dan dei sunder langen und körten ge- 



*) 93ieQet(^t: und so s. f. g. des niclit en doin f^olde etc. 
♦*) drie. 



262 «vM 9«4* 

balden solde werden leit luden; go dal ein ers« raid, aide raid^ 
twelve und aide twelve, ambte und gemeinheit dair nicht wol mit 
lo vreden weren, en des weigeringe geschach und word gesloUen, 
dat men sy nochtans of de principail puncte de to körten und to 
langen eischen solde, gelick als dat vormals verdregen were, und 
so hei des dan weigeringe dede und nicht doin en wolde, so wol» 
den dei frönde van ambten und gemeinheit des by einem ers» 
raide levendich und doit bliven, und laten em alsdan et sin ordi- 
nantie bliven. Dem also geschach, und nicht doin en wolde, so 
dat ein ers. raid dat gedulden meisten, und dwile en dan vor 
uproir lede, lailen sei den egen avent to twen uren alle hoven 
ider in sine kercke tosamen komen, als up gudenstag na Judica,. 
umb erfaringe to doin, wes de hoven by dem ers. raide, vort den 
frunden van amblen und gemeinheit doin wolden, und sy sich u|> 
sy verlaiten solden. Des was raid aide raid up dem huifz und de 
twelve up dem seile, als do wort ingebraclit mestlicb men 
wolde dat stellen an den raid, de to körten und to langen, und 
des by dem raide bliven. Dan summige, als kleine Westbov^n 
und Suilhoven, wolden de boiren, so dat ein ers. raid daima des- 
vrydags alle hoven in den rathof beschedden und dair beneffen 
raid aide raid und de twelven upt huifz, und leiten de do dair de 
lesen. Dat durde wol by de seven uren. Und als sy nu gelesen 
was, gaf de eldeste borgemester, als her Johan Gropper, den ho- 
ven vor, of ock de frunde gesinnet, gelick als de angenomen 
und verdregen, und dat erliden mochten, dat sy de raid, aide raid,. 
twelve, ambte und gemeinheit körten und langen mochlen, so etwas^ 
gefunden, dat tegen u. g. b. und unser stad hobeit, herlicheit^ 
recht und privilegie were. Dairup sich de hoven bereiden, der 
ein part des to vreden, und ein part nicht, so dat sy dair gantz^ 
rumorig worden, dat einen ers. raid vor ungeläcke lede was, sa 
dat men allen vlit mit vermanen durch de richtlude verwarU und 
nicht gerne moste annemen, up dat dat volck gesült worde und 
van einander qweme. 

Des sundags dairna qwemen de loinheren to S. Maise und 
brecbten an, wu dat er kerspel to hope gewesen und hedden ea 
in bevel gedain, dat her Johan Hammerman up solde stigen in der 
alden kercken und precken dat wort Götz, wolden sy siner aldair 
verwarten, und so hei des nicht en dede, so wolden sy en nicht 
vor einen pastoir hebben und en uit der weddem jagen. Dair de 
burgmester und richtlude nicht wol to vreden weren und sich dair- 
mit nicht kroden wolden noch doflen. 

Up gudenstag na Paschen worpen sich weder etliche borger 
tosamen vor dem winhufz den morgen und qwemen vor beide richt- 
lude und wolden, dat men de ordinantie halden solde und straifTen 
de boiren und hoven luit derselvigen, und so men es nicht doin 



i 



«filagt VI. 263 

en wolde, dechten sy et do straiffeo; wairop sy besehet, sy sich 
weDt to iiii uiren eiilhalden solden und der antwort gewairdeo. 
Und als et veir uir ward, qwemen sy weder (osamen und worden 
gantz rörich und wolden yo by de clocken, und brechlen do in, 
meo wolde de ordinanüe ungelenget und ungekörtet, dan van wor- 
den to worden gehaiden hebben. Derbalven tegen den andern dach 
raid aide raid ambte und genieinheit upt buis bestalt worden und 
de hoven in dat munster. Item brechten in, de pastoir to Welver 
bedde consecreirt to Schoingen und de partikelen to Welver weder 
gebracht und dar de lüde communicert, dat doch dair verboden 
wer; und moste dair van stund an hensenden, den to haiende; 
dem 80 geschach, dan wort nicht gefunden. Item sy brechten in» 
men solde verschafTen, dat de clostere swarte und grae, vort S. 
Walburg to wurden gedain, und de sich gennes singens edder 
lödens kroiden solden; dem ock so geschach. Item brechten in, 
ber Johan Hethof helte gesacht, dat aventmal were düvelswerck; 
derhalven solde man en hailen laiten und in de harnschkamer set- 
ten, und sich darum to besprecken; de word ock gesochl und nicht 
gefunden. Item wolden hebben, dat men her Johan Aldeveld Seg- 
gen solde, dat he sich des orgelens in der alden kercken nicht 
mer kröden solde ; dat em ock so gesacht woird , und so dat volck 
van einander gebracht. 

Up donnerstag dairna so wern raid, aide raid , ambte und ge- 
Dieinheit up dem huifz und overqwemen, de ordinanlie to halden, 
dan so dair wes inne, dat tegen unses g. h. Iioichlicheit of der 
atad van Soist privilegie und rechticheit of tegen unser börger 
neringe, dat to körten und to längen, und des wolden amhle und 
gemeinheit by dem ers. raide bliven und den dar by belialden. 
Des worden gesant vort do de van dem alden raide und etliche 
▼an den twelven, de gengen vor alle hoven und brechten sulchs 
an und oemen den breif mede, dair in na sunte Thomas up dat 
wort Götz versegelt, dar men by bliven wolde. Vort mer al de 
▼an den vermerden gengen ock illich by sin hoven, so. dat men 
overqwam, dat der hoven vier mestlich, worumb ein klein to doin, 
wolden dat an den raid, alden raid und de frOnde van amblen und 
gemeinheit, de to körten und to lengen, stellen und dair hy bliven. 
Dan luiken Westhoven und Südhoven wolden de gehaiden hebn, so 
dat de raid, aide raid, ambte und gemeinheit umb des mesten ge- 
macks willen de tho halden annemen. 

Item worden alle mönnick canonicke und andere prestere up 
dat raithus boden gesant in jegenwordicheit der predicanlen, of 
ay ock wüsten tegen dat Götz wort to seggen, dat sy dat nu 
deden; so nicht, sich spitlicher und spottiger worde dairup ent- 
belden; de dat dair en hoven dede, wolde de raid dairumb 
Btraiffen. De sich bereiden und sechten, tegen Götz wort wüsten 



264 ttrflel au<|. 

sy nicht to seggen; dan de dairup honede, weren sy vredich to 
straiffen. 

Kein denselben dach moste men to sluten dat munster, und 
Yerbeiden, sich geins ludens und singens kröden solden, wint men 
en wes weder sechte. Dat was, men faadde geslotten, er funda- 
tion Tan en tho seinde, de ock dairna van en geeischet und nicht 
umb afwesen deckens und andrer heren gekriegen. 

Up dinstag na Misericordia domini do weren weder raid, aide 
raid, twelve, ambte und gemeinheit up dem huse, und wort de 
ordinantie echter gelesen, de welche ein erber raid int korteste 
artickefwifz hadde selten lailen, und word alsdo verdregen, als 
int erste, de ordinantien to versegelen und in den druck to stellen, 
welch denselbigen dach mester Gerd Oemeken to doinde sunder 
der van Soist kost lovede, des men ock to vreden was. Tom 
andern, dat de ban sal afsin in unserm gerichle, und den send 
sal de raid straiffen in unsem gerichte gelicks binnen unser stat; 
averst im stiebte van Collen let men in geschein. To dem derden, 
80 wei uit dem hospital utgenge, sal men ere rente nicht folgen 
laten widers, dan des gennen sy dair in gebracht of dair in ver- 
worfTen, sal men er volgen laiten, und na dode dusser sal et up 
de alden fundation, dat wedewen und anderen to vergeven, gehal- 
den werden. Item mit dem pilgerimhuifz, dair einen l'romen man 
in to krigen und dem ein secker loin to geven, und so dair pil- 
gerim qwemen, sal he kost geven van dem sinen und dair van 
recken, item, dat munster solde men weder up doia und de 
heren segnen leiten, sich geines singens kroden sollen, und men 
solde melten, primen, achter homisse und vesper luden laiten, 
averst der nicht singen, und wei van den hoven of de lüde up 
dat koir of dairaf gain wolde, solde alle tit dat hinder sich to 
doin; welck en also gesacht word und so geschach. Denselvigen 
dach word mester Gerd Omeken durch sin bede mit einem placate 
vcrloif gegeven. 

1 532 des gudenstages na Omnium sanctorum qwemen etliche 
Paderbornesche und brechten twe predicker dorch unse boirde ge- 
fangen voiren , dwilliche unse her van Coln binnen Paderborn hant- 
fast gemacket hadde laiten und wolde de em to Werl brengen, 
dair do s. f. g. was. Des worden etliche ungenanten gewair und 
.... verspet , de de up unser leven Frowen wege nemen, und worden 
bir in gebracht, sunder witten und willen borgemesters und raids 
eder umandes van den oversten; dat derwegen des donnerstages 
raid, aide raid, ambte und gemeine to hope qwemen und sich 
dairup besprecken. Middeler tit sante m. h. den richter van Arnfz* 
berg bir in und leit der gefangen gesinnen. Dem durch doin hei- 
len (?) raid, aide raid, ambte und gemeinheit, wu wul et de rait 
^erne anders gesein hedde, dat men sy s. f. g. gelevert hedde. 



Sftlase VI. 265 

man wisse nicht, wu umb de gefangen were, sy betten sy nicht 
genomen; konden sy gefreischen, wei et gedain bette, wolden sy 
straiffen. 

1533. Van mester Jobaq van Campen, predicanten 

in der alden kercken. 

Op gudenstag na Trium regum weren Iho hope raid , aide raid, 
ambte und gemeinheit umb etliche breve wille, de sy an den wer« 
digen boichgelerten Dr. Martinum Luttern, de ersame und Tursich- 
lige borgemestere und raide der stetle Lübeck, Bremen, Meyburg, 
Goslar, Brunfzwick und Hildesen umb mester Johans van Campen 
willen geschreven hadde, oirsacke balven de vormails over den 
predickstoil gesacht, dat sodane breve, so vor over en gekomen, 
dat de alhir ane en gedichtet sin solden, dat men en gerne ver- 
jagen wölde, dair ein ersam raid, aide und nigge raid, ambte und 
gemeinheit sodan unkost umb vredes willen dair an leggen mosten; 
dar sin lof, ich meine undögede, so in vilen enden begangen, gar 
drephch uitbrack; und ward geslotten, dat men den donnerstag 
dairna weder to komen solde und en sambt den werdigen heren, 
hern Johan Brunen, und alle predicanten de breve mede hoiren 
solde laiten. Dem also geschach, und do gelesen weren, do er- 
bot sich de superattendens , dat he sich woide by obgemeltem 
Campensem selten laiten, dat sine lere vervorisch und nicht oprich- 
tich, und he nicht werdich were to wesende ein predicant. Do 
dat geschein was, wolde he vel dairin seggen int erste, so dat sich 
de heren und frunde bereiden, of sy ock inrede weder sodane 
breve boren wolden, und wort overkomen, dat men sy hören wolde; 
und do em dat weder gesacht, begerde he, dat man em wolde 
vergunnen, drei edde vier uit denampten und gemeinheit tho kei- 
sen, dair he sich mit beraiden mochte. Dair men sich weder up 
bereit, und vergunt en das, so vern wei wer, de et doin wolde. 
Do entsanck em de moet, scggende, em duchte, men wer em al 
entegeu, he moste et dair by laiten. Dair em up geantwortet ward 
Neen, men wer siner personen nicht entegen, dan siner bösen 
daet und handelunge, so he op velen orderen begangen. Dairna 
Word befolleD dem superattendenlen und den anderen predicanten, 
er Judicium to sprecken, wu ein raid mit em doin solde. De 
qwemen weder und sachten, so dane mensche were nicht werdich, 
▼or einen predicanten to gedulden. Do sagte de raid Campensi, 
<lat he de stad als des anderen dages by der sunnen rumeu solde, 
and laiten en afgain, und deden vort den andern predicanten in 
bevel, dem superaltendenten horsam to sin, Gottes wort rein und 
lutter te predicken und uit oppenbaren taverncn to bliven. 



866 (BiM «ii4. 

Vam anderen uplope np Letare. 

Up Letare ward dem superintendens ein linen beidel, dair in 
ein brandstein und anders gefunden. Dairumb dat gemeine volck 
wieder woird, und geven et up de papen und weren unstuir, dre- 
Yen dat sy de toirndor eintwe lepen und sloigen de klocken, so 
dat raid, aide raid, ambte und gemeinheit tho hope qwemen upt 
huis, und de semptlichen börger stonden in eren hoven up dem 
alden kerckbof, und ider hoven de koren iiii verordente, dweliche 
semptlichen dem richtmanne und de richtman vorthodregen , und 
brechten erstlich in, dat men solde laiten komen alle canonike, 
ficarien, monnike und alle andere prester und gestiichen van 
stunt an upt huis, to fragende, of sy ock wüsten tegen der pre- 
dicanten lere und dat aventmal Christi Jesu to seggen, und des 
solden sy unbefairt af und ankommen gain van idermennich. Dem 
Bo geschach, und so de geistlichen semptlichen mit den predican- 
ten up dem huse weren, by dem raide, aldem raide, ampten und 
gemeinheit, ock de verordneten van den hoven, do qwamen dat 
gemeine volck tor vornesten dor up mit er gewer, dat men nicht 
anders wüste, sy wolden over den raid, geistliche und andere up 
dem huse weren, so dat ambte und gemeinheit tor westdor meist- 
lieh afleipen, und dat etliche uit dem raide seggen, wort de doir 
up der trappen geöppent und leip over de rumenie en wech, und 
do nemen de börger de slüttel to den porten. 

Des mandags dairna weren raid, aide raid wider up dem huse 
des morgens to viii uiren und de hoven ock op dem kerckhove. 
Dat durde lanck und breit. Tom latesten umbtrent ii uren qwam 
de richtman mit den ordneten und begerde weder de geistlichen 
wu vor vorthokomen, und let en echter geleide tho seggen. Tom 
latesten, do sy qwemen, do erschienen de superintendens und an« 
dere predicanten ock und hadden by de xxxii artickei verramei, 
de de ersam raid loven moste tho halden, de ock gelesen worden. 
Do dat gescheit, vragede de superintendens in gegen wardicheit des 
raids und frönde ideren geistlichen insunderheit, of he ock wat 
wüste tegen dat nachtroal Christi und er lere reden. Dar ant- 
worden sy ein ider besunder to Neen. Wu dat gescheit, moisten 
de geistlichen ton hilligen sweren, dair nicht wedder to seggen 
edder to doinde. 

Des dinstags weren wedder raid, aide raid up dem huse und 
de hoven up dem kerckhove, do brechten de verordeten durch den 
richtman twe cedelen in , ein in de schrae to tekenen , de andere 
was ein werf cedele; de begerden sy van dem ers. raide tho hai- 
den; de ock de raid beleivede to halden. 

Des gudenstags do weren dusse vurfz ock to hope; do moste 
men de cedelen des superintendens versegeien und ideren hoven 



BtOa^t VL 261 

1 dein, und ock idern boven der andern ii cedeien vurfz copien 
doin, und moste en lesen en in dem mönster van dem predick- 
fttoil dat bewifz up den wald und hoTestad. Und durde dat to 
bope kommen wint an dea sundach. 

Up dinstacb darna up Judica weren raid, aide raid , ambte und 
gemeinbeU to samen op dem buifz und selten Tor heren, de sein 
Bolden na den deinodien, segel und breiven der closter hir im ge- 
beide, luit der cedeien, so de ho?en wu vor overgegeven. 

Van der verbindinge rait, aide rait, ambte und 

g e mein hei t. 

Op donnerstach Quasimodogeniti weren up dem huse raid, 
aide raid, ambte und gemeinheit, und so ward vorgegeven van 
ambten und gemeinheit, so ais dair am latesten up gudenstag na 
Paschen, do men de waige uitdede, gescheit, dat men Johan Diricbs, 
do des anfangk gewesen, legen den nechstfolgenden mandach tho 
verbeden laiten und dairumb tho straiffen, luit des Stades bocke. 
Dainip antworde de raid und aide raid , dat wolden sy gerne doin, 
so sy van den frunden des gehanlhavet woirden, und by en stein 
wolden. Dairup sich de frunde bereiden und sante de gemeinheit 
to itlichen amhte und nemen des van ideren personen de hant, 
dergeliken de ampte twe to der gemeinheit und namen dergchcken 
van iderer personen de hant, und qwemen do wider vor de cede- 
ien, und brechten in, wy sy sich tosamen verbunden hedden, dat 
de raid straffede, wu dan einige gewelde qweme, dat ein ider mit 
iiner wer in dem rathove, dat woiden sy noch ein ider ambt be- 
lunders by den sinen bestellen und sich wider verbinden, und 
wert sacke in dem ambte welcke gefunden des nicht gesinnet, der 
gemeinheit in einer cedeien up tho geven, dergelicken so in der 
gemeinheit we, de des nicht doin wolde, befunden, den ambten 
ichrifUich over to geven; ein ider wette, wair he sich vor beiden 
solle. Und do verbinlnifz durch ambte und gemeinheit geschein, 
geven de riclitiude dem raide vor, wy sich de ambte und gemein- 
heit tbosamen verbunden hedden, dat de raid, so gewelde anders 
geschege, dat he strafTede, sy wolden iif und gud by dem raide 
opsetten, und begerden, dat de raid und aide raid sich weder der- 
gelicken mit den vrunden verbinden wolde, und so ein uproir 
qweme, wolden de frönde in dem railhof mit erer wer erschinen 
und by dem raide stain , levendig und doit bliven , und wer sacke, 
we als dan van en wicken wolde, woirde de erstecken, solde gen 
Btraifle overgain. Und beide richtlude deden dairvan wegen der 
TTünde de band up , dat stede und vast to haldende. Dairna ver- 
baut sich de raid und aide raid ock by eren eden, und sagte bor- 
gemester den vrönden weder tho, und beide borgemestere deden 

den ricbtluden weder de baut up. 



[lern den anderen dach dairna hatte ein ider ambt sin ambl 
tbo hope und verbunden sick ock dergelicken« Let do de raid de 
grote schütten vor sich kommen. De gene, de börger weren, 
mosten loven und ten helligen sweren^ by dem raide tho bliyen 
und den yrönden yan ambte und gemeinheit. 

Up mandach na Misericordia dnl worden besprocken Tarn ers. 
raid Johan Jacobs , mester Johan Arnst bösterer und Jürgen Peters 
de schoir, des uplopes hal?en, so up dem winhuse geschehen, wy 
sy sich dairup tho hppe verbunden solden hebben, als men de 
waige uitdoin wolde, dat sy nicht gelden woiden, und derwegen 
einen uploip mackeden, dar sy nein to sagten, so dat ein ers. raid 
de spracke in beraide behelt und sagte, dair weren etliche börger, 
den dairaf witlich, de men dair by verboden wolde, und der sacke 
den grund welen; und mosten selten itlich vier borgen, de loven 
mosten, wanner sy ein raid weder eischen wert, dan weder in 
clage und anlwort tho stellen. 

Dusser vorbeschriven, de hir borgen gesät hebben, was vife, als 
dusse drei und einer Johan Dirichs genant und Johan Schachtrop; 
de hadden sich verbunden to samen in Johan van Arnfzberges 
huifz, dat sy woiden gain up dat winhues, als men dair de wage 
uit dede, und woiden nicht gelden und halden et upl aide, und 
wer sacke sy gelden mosten, woiden sy einen uploip macken, men 
solde dairaf wetten over x jaren to seggen. Dat so geschacb, und 
Johan Dirichs vurfz, do dat gelach by na upgenomen was, eschede 
he den kemmer up und nam en over einen airt und sagte, dat he 
so et bestelle, dat men nicht en gulde; und de kemmer mochte 
en gude worde geven, he wolde et den borgemesteren tor 
kennen geven, de als do upgestain weren; und als sich de 
kemmer dair van en kairde, do qwemen de vurg. mit etlichen bör- 
geren tho hantgreppe und legen over einander, und was wunder, 
dat dair nicht xx edder xxx doit hieven; dat geschet, so et Got 
nicht verholt bette; so dat dairumb und anders uproirs halven de 
verbuntnisse so op dpnnerstag na Quasimodogeniti als vurfz ge- 
scheit, und woiden, dat de selbigen gestraiffet solden werden na 
rechte. Dairup de vife vurfz up mandag dairna vor den raid 
verboit weren, und Johan Dirichs vurfz als do in verwaringe wart 
genomen , und Johan Schachtrop de blef uite und de andern drei 
setten borgen als vurfz ist. Als dat gescheit und Johan Dirichs 
in de hachten qwam , de bekante des alles ungenödiget, dat so wu 
vor er upsate gewest were, so dat dairum kort dairna rait, ambte 
und gemeinheit wider tho ho]>e qwemen und verdrogen sich gantz- 
lieh, dat men solde Schachtrop soicken laiten und leit der anderer 
drigger borgen eischen, sy weder van stunt an upt huifz to stellen 
edder in borgen stedde tho gain. Dem so geschacb, und woiden 
nicht van ander, men hedde de vife vurlz; so dat men erer veir 



f 



Octtagt VI. 269 

kreig; und Jörgen Peters Turfz de was daitmal to Dinker; dair 
logen sine borgen hin und balden en und brachten ock in de hacht. 
Als sy dair nu alle vife tosainen weren, qwemen up vridach na 
Misericordia dni weder tho hope raid, aide raid, amhte und ge- 
meinbeit und verdrogen eindrechtlicken und wolden vam raide de 
Tife na Inhalt des Stades bockes gestraiffet hebben, und begerden 
yam raide, dat he sitten genge und yerordelde de nacht rechte. 
Sei wolden tho hufz gain und sin van slunt an ein ider mit sinem 
gewer up dem seel und huse. Dem so geschach, und den vifen 
wart dat swert gegeven und worden den dach uit gelet und vor 
dat gerichte gebracht und verwiset vam leven tom doide, und 
woirden upt marcket getogen tho enthoveden ; dair wol by de Iwe- 
dusent man im harnsche mit erer were umbstonden, so dat de 
bödel, dwilche druncken mochte wesen und bestont dat richten 
und nam vort erste Schachtrop, und wu de bodel dat versae und 
mochte to sy den ersten hoe hoggen und darna den andern, dat 
em de mefz entfel, so wolde de bodel en den halfz af sniden. Do 
ratte Schachtrop des bodels mefz in «ßine bände und wan em dat 
af, 80 dat dat voick rorich ward, und de anderen veir wurden 
weder in den raithof gelet, und de bodel ein qwam en up de 
graen broderhuifz, und so wart durch etlicher börger bede willen 
Schachtrop in de melwage gelegt und wart verbunden, aversl den 
andern dag starf he. Dairna den andern dag qwam de superin- 
tendens mit allen andern predicanten, julTeren und frowen und 
rilen andern börgern vor raid, aide raid, ambte und gemeinheit, 
de tho einer uir na middage dairumb vergadert durch bede des 
Superintendenten, so dat men de bede ansach und woird mit gro- 
ter swairheit den anderen veren gnade gedain und dat lif gegeven, 
by also dat sy des moisten geven segel und breive, dair sy be- 
kennen moisten gerichtlicken , dat sy durch ordel und recht des 
ers. raids van Soist und in unses g. h. van Cleve gerichte na 
rechte vam leven tom dode verwiset sin gewesen, und vortmer, dat 
sy noch er erven edder verwanten sich an der van Soist börger 
edder alle de genne, de sy mit rechte verdedigen, willen nicht to 
keren mit rechte edder de archwiiligen derhalvcn sollen, und 
Bweren, de stat von Soist up twe mile weges na sunder gnade, 
und wanner sy dat im gerichte allet als vurfz gedain betten, dan 
Tan stunt an de stad van Soist tho rumen, und so dat nicht ge- 
schege, solde de bede nicht van gewerde sin, dat en wu vor in 
den stocken vorgelesen und van en willichlichen mit dancksegginge 
bejaet Und do dat geschet, let man de Superintendenten sambt 
den andern predicanten weder komen und sagte en, men wolde up 
inail er bede sambt jufferen und frowen ansein und wolde en 
gnade doin, dat sy af gengen und segten dat dem voicke weder, 
dat malck tho buifz genge. 



270 ütfU^ ev4, 



1534. 



Up dinstag na Udalrici weren raid, aide raid, ambte und ge- 
ineinheit tbo samen und leiten enen lesen den breif apreckende, 
ivu dat evangelium angenommen, darby seggende, dar wolde de 
raid und aide raid by bliven, und dar benefen boren upgetekent, 
wat unsen gescbickeden , de up saterdag tegen unsers beren van 
Cleve bochwise raide bejegent, dat sei an sei tbo brengen; dar 
dan up geslotten endreciitlicken , als den breif und de optekunge 
ock boren tbo laten und dar beneven tbo seggen, als dusse cedel 
vermeldet, als allet birna folget. 

Darnach up donnerdacb darna woirden de boven ein illicb up 
sinen tby verbot und sulcbs vorgebalden, de alle samen volgeden, 
sei wolden by dem evangelium bliven und breif balden und den 
raid des bandbaven und dairby bliven ; dat mit dem anderen punt, 
buten dat unse g. b. van uns eischede, wat dar ein raid, aide raid, 
ambte und gemeinbeit dat darin däden, stelten sy dar sempüichen 
des an unsen g. b, tbo beafitworn. 

Yolget birna copie des vorgevcns: 
De boven erst boren tbo laten den breif, dair in men ein- 
drecbtlicken dat wort Götz angenomen , dar benefen tlio seggen, 
dar wolde me gerne by bliven; wanner dat gescheit, den boven 
laiten boiren, wat denselbigen, so geschickt Ibo Dincker legen un- 
sers g. h. raide, alda bejegent^ tbo fragen, oft sei ock wol wolden de 
punte stellen an ein ers. raid, aide raid, ambte und gemeinbeit, dat 
de des vuimecblig sin, dair in tlio doinde und tbo latende, dat 
nuttest und best sy vor eine ers. stad Soist, und wes dei dair in 
overkomen und verdregen, dat sei den raid, aide raid und frönde 
von ampt und gemeinbeit darby tbo behalden. 

Volget birna copie des breves: 
Erbare wolwisen gunstige beren. Na dem male Godes wort 
bir lange als in der lölliken stad Soist vurbanden ist gewest und 
nochlans sinen glanfz nicht lieft moegen strecken in dei Christge- 
lovigen herten, dei dat weren begeren, und dat dorch itlieben, dei 
dar bifz nu ane recht und alle billicheit wider gestrevet und ge- 
fechtet bebben, so ifz dei tit nu gekomen, dat Got sin gotlik wort 
dar und hei wil laiten erschinen, wy als ock dar im dage ifz, dat 
dat sulflige kräftige word dei overhant hevet genomen in villen 
landen und na in allen rickesteden. Dei wile dan nu der sulften 
orsaken ein groit twidracht hevet gewest, als in der löflichen stad 
Soist tuschen raid und ganser gemeine, dar dorch biiiich ein- 
drechtlicken leiven, der orsacke halven sin wy ampte und ganse 
gemeinbeit to hope gekomen, umb sulcke eindrechtigkeit to macken 
tuschen raid und gemeinbeit in dusser löflicken stad Soist. Dei 



I 



S^aa^ VI. 271 

wile dan dat sulcke eindrechticheit nicht kommen ane GoU worl, — 
wenle dar dat wort nicht en ifz, dar ifz Got nicht; war Got nicht 
en 18, dair ih dei Sathan, dei duvel ; und wair dei düvel» i(z neine 
eindrechticheit, sunder alle uneinicheit, twist undbofzheit; — op dat 
nu dat twidrecbtige rike des dövels mochte verstört werden und 
wj erlangen mochten dat rike Christi, dat ricke der eindrechticheit, 
dat licke des fredens, so hebben wy uns besprocken, ambte und 
ganse gemeinheit, und eindrechllicken beslotten, dal wy Godes word 
in allen kercken dusser löflicken stat Soist willen recht gehandelt 
bebben und geprediket mit allen dingen, dat gotlike word mit sich 
brenget, wu als to Norenberg, Strafzburch, Aufzhurch, Wittenberch, 
Megdeborcb, Brunfzwick, lom Sunde, Rostock, Lubick, liamborch, 
Staden, Bremen und ganse Lillant und ganse Lüneborger land ge- 
handelt wert. Dit sülfte sin wy erensthafligen begeren, de wile 
wy lif und gud by dem ers. raid moiten upsetten, dat dei ers. raid 
dan dit sulfte mit uns eindrechllicken willen annemen und uns dit 
süirie besegelen ; dat dei ers. raid gutwillich und nicht uil druwen 
mit uns angenomen hefl. Ock dar beneven, dei wile als wy sein, 
dat in Tillen kercken und klöslern in dusser loUichen slad Soist 
▼ille ungeschickede und unvervarner im worde Golles predickers 
sint, so wille wy als amble und gemeinheil sambt mit dem ers. 
raid dei unervarne predickers monnecke und papen, dei bifz unlho 
na dem pawesllicken geselle und nicht na Christum gepredicket 
hebben, afsellen und dair wider insetlen ellicke, dei un3 Godes 
wort dar und hei aen allen menschen gedieht und thosellinge pre- 
dicken mögen, ulgenomen dem munster, welcker bliven sal by erem 
wesen, up sulcke ordinanlzie mil brenget und uilwisel der vorge- 
nanten sieden, und allenlhalven, dat darin begrepen is, to baldende. 
Dit ifz kort unse besluil und ernslhaflige l»egerde, dusse ordent- 
licke dinge in Iho gaen und Iho halden. anno incarnalionis Do- 
mini milles. quingent. xxxii. 

Op donnerslag na Francisci qwemen viii wederdöper uil Mün- 
ster in der Potlerschen huifz, und de borgemester leil en seggen 
twe mail, dat sy rümen solden, des sy nicht wolden doin und 
wolden selvest de heren sprecken. Dair sy worden mil vorberaide 
aoipte und gemeinheit fancklich angenomen, und de fronde slotlen 
twemail, als sy ock vormails geschlolten hallen, weder de weder- 
ddper, de Iho straifTen, und dem raiSe ock lest darna up gudens- 
tag na S. Galli loseglen, einem ers. raide, so als twe eder drei 
Doal wer geslollen, wer er und recht bevollen, dat sy de weder- 
döper und de gene, de sy husede und herbergede, sollen slraifTen, 
dat de raid na rechte straiffe, sy willen by dem raide lif und gut 
selten und dairby slain, ock der gelicken legen de gene, de mit 
den wederdöpern to feile, dergelicken to straifTen. Up S. Severins 
dage den morgen to viii uiren leil ein ers. raid deselven weder« 



272 dtfiti »u«. 

döper Terrechtferdigen mit dem s werde vor dem Osthoven tuschen 
den porten, und de raid dede sei setten op einen wagen darup 
gebunden, und also uf dem 'raithove gevoirt, und sei worden ver- 
ordelt na Inhalt des kaisers mandat, weicker verdragen und ge- 
slotten was op etliken rickesdagen, nemplich Spir und Augsborch. 
Er bekentnisse was: sei hadden sich alsamen tom anderen male 
doipen laten und van der kinderdoipe en heilden sy nicht, wan 
der en dopeden sei to Munster nicht, sey en weren xv jair alt; 
tom andern so en hedde Christus van Marien gein vieisch noch 
bloit van er nicht entfangen; tom derden so gebruckeden sei dat 
nachtmal unses hern also: sei hedden brot, dar brecke* ein ider 
ein stuck van und eten dat to einer gedechlnisse unses Hern, mer 
dat were brod und hieve broid na als vor, dar en wer gein fleisch 
noch bloit unsers hern Jesu Christi inne; tom veirden so heilden 
sei alle guder gemeine. 

Namen der widerdöper. 

Johan Dusentschör ein profete noimen leit. 

Herman Kerckerinck. Hinrich Maren . 

Hinrich Schlachtscharp. Laurent Vischer. 

Johan ßutendyck. Joachim Yreise. 

Bernt Wever. 



VII. 

Senff4)nft ühtt bie ®oejiet fRefotmatiott. 

So unse vermeinten geisllicken sick uthwendich beclagen, w... 
ne wis sei gehoenet und gesmeet sin mit warden und wercken, 
dat ere entwant und mit eren reuten und gülden tom deii ben.... 
et van dem gemeinen voicke binnen Soisl, welck sei dat geboirliche 
genomen, werden hir tom deil orsake angetogen, wu und in wat 
malen solckes gescheit und warumme de. gemeine man van langem 
her tegen sei verbittert is geworden. 

Int erste vor und in der Soestschen veede, gelick als noch 
hudiges dages, sin sei allerwege den gemeinen borgeren entegen 
^ewest, hebben bisschop Diderich behulplich gewest und enne ange- 
reisset tho der Soschen ved^, als sei mit villen bösen daden und 
tucken bewisten, luit der historien und tuchnisse unfer voralderen. 

Item it geschach im jaer xlüii op dacli Johannis Baptisten tho 
midden sommer, dat hertoch Johan van Cleve milder gedacht tho 
Soest in sunte Patroclus munster quam, um misse tho boren, sampt 
sinen guden maus. Als hei op der delle quam vor der trappen, 
in meninge op dat choer tho gaende, slogen dei papen dat choer 
tho, wolden siner dar nicht op laten, des dei gudige forste mit 



r 



ScUase VU. VIZ 

•anpt uad deo Tan Soest gedult drogen, welck noch budiges da- 
ges alleo yromen, dei ein gut Cle?es und Soistes herte dragen, sere 
gpitet honet und ..eet. 

Iteni bisschop Diderich dede dei van Soest tho banne, schalt 
•ei vor ketters, dei papen beiden interdict. Dei pavest absolverde 
dei van Soest und dede den bisschop weder tbo bände mit alle 
dnem anhanck, schalt den bisschop und dei sine vor ketters. Dei 
van Soest geboden den papeh tho singen, sei wolden enne gut sin 
▼er allen schaden. Dat was unbatlick, want sei beiden mer van 
des bisschoppes bau dan van des pavestes absolucion. Daruth tho 
Termercken, was er gude meininge tegen dei borger. 

Item darnae wort den papen bange. Enne was lede vor er 
rechte loen, want er boverie und böse dade, dat sei tho der fede 
gereisset und gebulpen hadden, bestont utlitobrecken. Darumme 
deden sei do, als ock nu, flogen tbo der stat utb, dar er nemani 
jagede. 

Item umme dusse und dergeliken boesheil, vormals und by 
unsen getiden gescheit, is dei gemeinheit van angeborner natur der 
Termeinten geisllicheit eiitegen, seinj und boren ock dechlix van 
en vil ungeborlix und schentliker dinge, dar dei einvoldige simpel 
man dorch geergerl wert, als nenilick ein deil brr navolgen, war- 
umme dei gemeinbeit van enne genomet wert dat gebovete, wan 
dei gemeine man op er gotlose werck straifTet. 

item dei meiste deil der canonike und papen hebben sick in 
er beneficia gedrungen und gekofl, als me perde und kogge kopet, 
dat doch oppenllich tegen Got und er egen paveslrecht is, welck 
sei nomen simonia. 

Item desgeliken underwinnen sei sick unser kerspelkercken, 
willen unse herden sin, können sick selvest noch einen anderen 
weiden, sin dar so nutte tho als dei wull im scbapstal, warumme 
Christus sei billich nomet deive und morders, Joannis am x, wante 
sei sint to der rechten dor nicht ingegain, soken mer dei wullen 
Iho scheren, dan dei schape tho weiden. 

Item dartho sint sei ungeschickt, ungelert, noch in geistliken 
edder werlliken rechten und handelen ervaren. Darumme können sei 
Gode, den van Soest, noch nemande gruntlick und beitentlick na 
rechte inredich ofle behulplick wesen eder deinen. Dan sei sint 
wol dock, dar men arch stiften sal , dan war men gotlick und recht 
doen sal, dar wetten sei nicht af, als Hieremie am iiii ca. 

Item sei geven ock dem gemeinen m. n ein quaet exempel in 
kleidinge und in crem gemeinen wandel, want sei gaen nicbt als 
geistKken ofle gemeine lüde, dan mit gülden halsebenden und kost- 
liken gewande gelick forsten und herren. Sei verteren ere almis- 
gen mit groilen gesterien , mit boren und boven , in groter wollust 
und overvlodicheit, dat vil billiker den armen behoret. 

CorncHii«, 9(afru^r in aAünflrr. I. 18 



274 «r^c« au((. 

Item wan sei Ihosamen komen, is er confersadon Dicht Tan 
der billigen schrift eder gotliken dingen, sunder Tan Godes und 
sinem warde lasteringe, van beneücien, van horerige, dobbelen, 
▼locken, sweren, supen, vretten und dergeliken, und aller wercke, 
dei sei doen, geschein in hypocriterei ofle glisnerie olle in over- 
mot; sei gedencken nicht Christi, wu Got den hypocriten druet, 
ock nicht dat Got dei stolten ogen wert vernedergen und dei hoch- 
heit der menner bogen, Esaie am ü ca. 

Item et sitten ein deil papen in oppentliker unplicbt, halden 
hus mit eren concubinen. Und dei wile dat dar nicht ...waget, 
so geit sei al vor maget, werden nicht gestralTet. Dan gewinnen 
sei kinder, so wert dei arme pape op ein kamer van des morgens 
to ix uren bis to dem avende gevencklick gesät. Dar moit dei 
arme pape penitencien mit vretten supen dobbelen und spellen doen. 
Welcker pape aver nicht int munster hoert, den straflet dei se- 
geier genedichlich mit gelde, op dat hei dat ander jaer zoe we- 
derkome. 

Item summige papen willen dar to erlich to sien, dat sei ene 
egene concubinen op dem herde halden, mer sei gaen int gemein, 
hebben er ix of x, op allen gassen ein, driven also unverschemet 
grote horerigge mit allerleie personen, sehenden der borger elicke 
vrauwen, dochter und megede. 

Item wu sei it in den junferclosteren gehandelt hebben dach 
und nacht, mit pancketten to halden und anders, is enne wol be- 
wust, is ock ein deil dar am dage. 

Item summige papen und monnicke hebben vil simpeler bor- 
ger borgerschen und wedewen mit valschem godesdeinsle , als mit 
iren broderscboppen, mit vii gülden missen, vii notmissen, senckel- 
missen, mit segenen, den kalveren tho boelhen, int criststal sein, 
gestollen guet nae to wisen, und wat der duvelerie mer is, jemer- 
lieh vervort, beschaltet, er gelt und gut höflich van en gekregen; 
warumme ein deil weddowen also umme er gut gebracht, dat sei 
der almissen in eren alder (dei sus noch genoch geliat hedden) ge- 
bruken und lenen mosten, und is als Paulus secht ii Timot.: dei 
hosen vervorischen menschen varen vart to dem ergesten, vervoren 
und taten sick vervoren. 

Item er hove, guder und lenderie hebben sei ein deil op ge- 
stecken und mit jarliker pensien verböget. Dar tho nemen sei 
sware ungeborlike vorhur eder wincope, dat doch tegen Got und 
recht is, so dat dei arme lüde dardorch verdorven werden. Wanner 
sei dan nicht betalen kont, so verbannen sei dei und driven dar 
grote unkost op, jagen dem segeler to. Also wert dei arme man 
gans verdorven, hei moit koge und perde verkopen, sal hei uth dem 
banne komen, oH hei moit dat laut verlopen. 

Item dusse und dergeliken vorg. punte sin aide gewontlike 



» 



IBülü^ VIL 276 

sdiefle, 80 gemein und gewontlick, dat men der leder nichl mer 
vor sande und schände achtet. 

Item im jaer xy^xxx begunnen dei kinder und jungen borger 
dei dosschen salmen to singen, dar dei papenschop seer op schalt, 
war dorch de gemeinheit op dei geistUken verbittert wort, und alle 
sunde und schände der papen gereppet wort. Der orsakeo halven 
deden dei borgermeilters dem decaen in bevel, dat hei siner pape^ 
schop by gehorfam gebode, dat nemant op dei borger ofle lutter- 
schen handel, als me it nennet, scheute of straflTede, wante sei 
konnens doch nicht verdedigen. 

Item dar na op sunte Thomas dach erhof sick ein oplop to 
Sost. Dar inne wort dat evangelium angenomen, beedet, besegelt 
und bebreivet, gelick to halden als in anderen lofliken evangelischen 
steden, und dei selveste breif is inhalden^le, men solde sick hal- 
4]en mit dem munster gelickformich als in anderen steden mit ge- 
liken coUegien ader canonickesien. 

Item des anderen und derden dages wort ein vrede und en- 
draeht weder gemaket, und canonike, papen und monke worden 
up dat rathus vor den rat, aide rat, ampt und gemein gehall, und 
gevraget, of sei ock enige hillige schrift, rede eder boscheit wüsten 
legen der nigen predicanten ceremonien und leer. Na gehaltem 
rade spreken sei altomale ungesundert nein, sie wüsten dar nicht 
entegen. Do wort en in bevel gedan, se solden op Godes wort 
noch op dei predicanten noch op dei burgers generleie scheiden 
noch sehenden. Das selveste nemen sei an und loveden, dat fast- 
iick to halden. Dar mit worden sei verorlevet, to hus to gaen. 

Item des anderen dages darnae sint beide borgermeislers mit 
sampt summiger vronde des rades gekomen vor dat capittel in by- 
wesen summiger vicarii, hebben gebeden alle des gennen, dat in 
dem oplope gescheit sy, dat bogerep sei tho gude to schellen, 
sokkes solde nicht mer geschein, des solden dei papen singen lesen 
und alle ceremonien halden, als sei bis to der tit gehalden hedden. 
Dat nam ein capittel an und schulden allen unmoit quit. Des solde 
' her Antonius Schurman enen breif maken, den solde ein ersam rat 
foosegelen und ein capittel. Als nu der breif entworpen was, und 
▼an der gemeinheit gelesen, so was dei anders gemaket, dan den 
borgermeisteren bevollen, sunderlinges dat dei papen solden er ge- 
tide singen, mer nicht anders, dan in bibelscher schrill gegründet. 
Also bleif dei breif unbesegelt. 

Item in midier tit hebben dei unwetten papen op Godes wort, 
op dei predicanten und op alle dei it hanthaveden, geschulten ge- 
faonet und gespitet; spreken, it wer ketterei, und alle, die it hant- 
haveden, weren ketters, boven und uproresche lantlopers; item dat 
aventmael unses Heren wer ein hundesmesse und hundessoppe, und 
wes sei mer quades leigen, dreigen und bodencken konden, dat de- 

18* 



&76 . «r^ 9ii4f. 

den sei, dae dorch dan dei gemeine man ser tegen sei ▼erbit- 
tert wort. 

Item als sei schanten, worden dei predicanten boweget, tegen 
alle geistlicbeit binnen Soest to disputeren, slogen oppentlick ar* 
tickel vor dei kercken op, tekeden an stede und stunde to dispu- 
teren, ader er is gen gekomen. 

Item im jar xv^xxxiii op sundacb Letare to mitfasten erbof 
sick ein ander oploip binnen Sost. Des din^tdages damae, dat i» 
am 24. dach der mant Marcii, sint alle vermeinten geistliken op 
dat hus vor rat, aide rat, ampt und gemeinheit geescbet, und enen 
ideren vor sick dorch den superattendenten gevraget, wie to vorns, 
of he ock wes wüste tegen der nigen predicanten ceremonien und 
leer. Hevet ein ider vor sick gesprocken neen« Darop hevet dei 
borgermeister , her Johan Esbecke, gesprocken, nae dem mael sei 
dar nicht entegen wüsten, dat ein ider dan dat wart Godes mit 
uns anneme und dar nicht mer op schenten of entegen weren; 
wer des rades xii ampt und gemein und aller hoven ganse mei- 
ninge und begerte. Ock solde dei superintendens ene sedel lesen, 
dar sick ein ider na schicken solde; dat sei dei horden und wol 
betrachten. 

Inhalt der cedelen, so vil dei papenschap betreppen, volget 
birna: dat allen papenmegede etc., dat papen monke und nunnen 
etc., dat gen monnick edder nunne etc.*) 

Item als nu dusse cedel gelesen was, sprack dei vorg. borger- 
meister: Gy herren, gy hebben dat nu al gehoert und wol verstan- 
den. So is des rades und aller vronde van ampt und gemein boger 
und meininge, mit uns solckes antzonemen und dat to den hilgen 
to sweren , dei cedel und alle des gennen hir bek^llet is, vastelich 
und unverbrocklicb to halden. Wei des aver nicht don en wil, dei 
mach entwiken. Do hieven sei alle stände, und dei borgermeister 
stavede ennen enen eit« Sei sworen utgestreckeder arme und op- 
gerichter vinger, al to halden wie vorg. Als dem nu so gescheit 
was, sprack dei borgermeister , op dat wy nu al einerlei lüde mer 
Wesen wolden, hedden sei dan mit ummande to donde, den moch- * 
ten sei mit rechte bosprecken, enne solde recht wedervaren; dar- 
mit solde al twist und Unwille gescheden sin. Dat nomen sei so 
an und scheden mit leive. 

Item des anderen dages leit dei superintendens sei bidden und 
esschen, up dal kor to komen, in meiningen, sei mit Godes warde 
to trösten und to underrichten, op dat sei erem aiden leven sol- 
den afstaen und sick to dem evangelio geven, op dat sei Godea 
und der burger hulde erlangeden. Sin er weinich ersehenen, und 



©al. Sacobfon Urfunbenföinralung p. 17.* 



dei seiveste, dei dar quemen, hebben dei lere verachtet und ut- 
Seslagen. 

Ilem sei bevrochteden mer er gut und bück, wolden leiyen 
10 sunden schänden und in unplicht liggen, dan in elikem gollikem 
«täte, Codes und der burger hulde erlangen ; sin darumme tom deil 
des anderen dages (dar eune sus gein leit geschach) uth Soest ge- 
vecken , als solcke gotlose lüde plegen ; want Got hevet enne ge- 
ge?eo enen steckende geist, ogen dat sei nicht en sein, aren dat 
sei nicht en hoeren, Ro. xi. 

Item als er sus ein deil gewecken weren, sin se erer ede und 
er Yergeüich, ock nicht en dencken, dat dei meiste deil borgerkin- 
der sin, ere rente und gulde meistlick hir sin und van den van 
Sost beschurt und beschermet, noch konden sei over er egcn aide- 
ren, vronde, mage und gemeine borgers nicht laten to scheiden 
sei kerles buren boven ketters, und wu sei id up dat aller scheut- 
lii erdencken mögen, glick als weren sei hilligen vor Gode und 
better van gebort, dan dei dar se van gekomen und geboren sint« 

Item als sei sus utgeflogen sint, hebben sei tor stunt utwen- 
djge dacht gedan, in meininge, herren und forsCen den van Sost 
over den hals to trecken; sin nue so gudich eder so vorsichtich 
gewest, dat sei muntlick of schriftlick an dei van Sost gesunnen, 
enne, vor alle des gennen gesdieit, genoch to donde ofte sei weder 
to restitueren, so enne wol bewust ist, dat ein ersam rat weder 
liy alle sin er, recht und gewalt gesät was und is, dat sei na rechte 
richteden, ja ock to halse und büke. 

Item wes ere klacht sin over uns gedan, verhoppen wy willen 
«ei to siner tit mit gudem beschede dalen. 

Item wan over ein capittel papen und monneke nunnen und 
alle vermeinte geistliken na vrede und eindradit wolden trachten, 
mosten sei eren nanien ampte und ieven recht na trachten und 
eren duvelschen papisteschen verkerden und vervorischen Ieven und 
leer afstaen und sick na gotliker und bibeischer schrift er inwen« 
dich und utwendich Ieven mit lesen singen beden und predicken 
richten und regeren, ock broderlick und borgerlick mit uns ein- 
drechtlich to Ieven. Aisdan wolde wy enne alle vorg. punte, und 
wes des mer wer, alle to gude halden, und sei als unse leiven 
medebroders und borgers ut ieifte umme chrisCliker eindracht wil- 
len gerne dulden. 

Item so sei also nicht gesinnet weren, in solcker vorg. mate 
mit uns to ieven, na dem male wy na dem geiste nicht anders dan 
enen Got, enen geloven und ene dope hebben, wetten ock na dem 
vleifz van nener anderer overicheit dan den keiser, unsen g. h. 
van Cleve und dei van Sost, steit uns darumme in unse stat und 
gebeide geine sechten eder twispaldige vrevelmodige lüde to dulden, 
sanderlix dat der ene pavest, bisschops, Golsch und gotlos sin solde, 



378 CMf« 8ui^. 

der ander Cle?es, Soistes, evangelifz; wante ul secten steit alle 
wege twidracht und oplop, darumme wille wy solcker orsake 
geine hoeden. 



VIII. 

X^omad SSor^toebe an ben ^atfy bet ^tatt ®oefl. 

1531. Drtg. 69. 

Gnade und frede, einen klaren vorstant des wordes und willen 
Codes, einen reinen unbefleckten gloven vorlene uns der vader 
dorch Jesum Christum stedeliken. Ersamen wisen leven heren 
desser lobliken stat Zost. luw is kundich , wo ick broder Thomas 
Borchwede van Ossenbrugge ut harsem mins provinciaels dorch ein 
rechtvorsamet capitel to Halle gesehen sy mit segelden breven in- 
gesant de stat Zost und demene closter prediker ordens vor einen 
predicanten und Cursoren der hilligen gotliken schrift sunder hin- 
derlist mit allen Privilegien UVid rechlicheiden. Na dessem hebbe 
ick my geschicket und willichliken de boerde up my genommen, und 
dit jar Gottes wort unvorbunden gepredikt, dar ick min zele, min 
lif und levent am jüngsten dage vor selten wil, und is we, de my 
dar inne kan straffen , ick wil altit tho rechte staen under der stat 
Zost, des averst noch nicht gescheen is. Und darbeneven is unse 
doctor hir gewest, de sake to vorhoeren, heft my nichtes koennen 
aflangen unbilliker predikunge halven. Daruth is kommen, dat ick 
koeneliken in anhoer alier unser broeder hebbe gesprocken in bi* 
Wesen unses doctors, of we were, de wes legen my hadde, grot 
ader dein, tuigdrachtes halven oft unharsems, dat der nu spreke 
in dessen sunt Michaelisdage, ick wol emene gutliken antworden» 
Dar is nummant gewest, der geclaget heft in miner jegenwart, mer 
se hebben alle stille geswegen. Na demme hebbe ick ock gesacht^ 
dat ick gepredikt hebbe, wil ick mit , der warheit vordegen; is we^ 
de dar legen wet, de sprecke. Hebben se alle gesvegen. Na demme 
heft my unse doctor lor siede gelalen wen! to einem capitel, na 
utholl miner breve. Hir umme. werdigen vorsichtigen leven heren, 
ick beger, gy my mine rechlicheil willen volgen laten mit prediken 
und ansprake der vrommen borgeren, welcker my gunnen ton rech- 
ten, ick wil iuw nicht enüopen. Latel lüde kommen, de der 
sake enlrichlinge doen sunder parlie. Ick wil my offeren mit mi- 
nen articlen beide in Dudesch und Latin , an allen kerckdoeren mit 
dispulacien ofte anderen maueren, de to vordegen mit der war- 
heil vor iuw und allen wen! in den dot. Hir beger ick iuw gu^- 
Jülich in gevunden werden. Ick wil nichtes prediken legen de 



k« 



SeUddc IX. 279 

rechten chrisüiken kerken ader vorsamelinge , und wes ick predike» 
mit Goddes worden also bewaren» dat dar kein uprecht geschick- 
ter Trommer Christen sal tegen moegen mit der warheit. Is 
averst we, de mine wort nicht recht vorsteet, de komme to my; 
ick wil enne underwisen , oft ick wil my van emme underwisen to- 
ten. Dit is min otmodich gebet, mine Jeven heren, und beger, 
nicht möge utgeworpen werden, dan ein gut antwort erlangen. 

Durch Thoroam Borchweden Cursoren der 
hilligen schrift. 



IX. 

®lanUnihtftmtni^ Ut ®oefler ^rebtcanten. 

1531 5nou. Drig. ©91. 

Dit is de bekenninge unsers geloven. 

De erste. De billige scrift is dorcb den sulvigen geist to vor- 
stände, dorch welkeren se gescreven is, und nicht na 
menschen dunkel. 

De ander. So wit der hilligen veders lere is anthonemen, so vere 
se mit demme evangelio aver ein luden, sues sint se 
to vorwerpen. 

De derde. De gelove sunder to doende der werke maket vor Gade 
recht. 

De Yeirde. Werke rechtverdigen nicht, sunder sin fruchte des 
geloven. 

De vifle. De kerke, welker mit vasten geloven Christo dem sonne 
Gades anhenget, is de hillige kerke, gemenschop der 
hilligen, de wy im geloven bekennen, welker noch run- 
sei noch maekel hel't, dan dorch dal bloet Christi ge- 
reiniget is, emme to einer gefzirender brut. 

De seste. Dusse sulvige kercke kan nicht duellen, wante se in 
demme werde Gades bevestiget is, dan se is des Heren 
scapstal, in welkemme de schape niue ander stemme 
hoiren dan eres heerden. 

De sevede. De kercke der Peuwesten, so se er egen wort brin- 
gen, is se de kercke des viandes, und de schape, welke 
se beeren, sint nicht schape Christi, want de Christi 
sin, boren keiner vroemden stemmen. 

Deachtede. Dat euvangelium en let nicht tho, de misse ein olTer 
tho sin, wante Christus is ein einich olTer vor unse 
sunde, beneven dussen is nin ander utwendich olTer. 



380 (KrPe« »u(». 

Dat negede. Dat de leien einer gestalt beroyet werden , is tegen 
de insate Christi, Pauli und der alden. 

De teiende. De dodinge unses olden Adams in Christo is ein bil- 
lick ofTer. 

De elfte. Nin ander recht gebruch der missen is, dan Yonnaninge 
der togcsachten gnade und vorseckeringe des herten der 
Yorg. gnade und des willen Gades. 

De tuelfte. Misbruk der misse sin dusse, so man misse liset vor 
andere, vor vorstorvene, umme geldes willen, vor ge- 
nochdoninge, und so van geduungen und unwetenden 
des wordes und des gelovens misse gelesen wert. 

De drutteinde. Gelik als ein iüiker vor sich gedöft wert, also ock 
ein itlik vor sick gebruket des Heren disdies oft ta- 
felen. 

Dat vertende. Dat fegevur is der menschen gedieht 

Dat vifteinde. Anders is kein nochtond vor de sunde, dan dat 
einige offer Christi. 

De sesteiende. Christus is allein ein middeler und voerbidder und 
nummant der hilligen. 

De seventeiende. De hilligen so veren sin antoropen und to eren, 
so vere getuecb dar van gift de hillige scrift. 

De achteiende. Unse ievent, hoppen und selicheit is nicht in Ma- 
rien, Petro ofte Paulo noch in jenigen hilligen, sunder 
allene in ChrisCo. 

De negenteiende. Dat aide und nie testament heft nin gebot der 
oren hiebt halven, wo wal dat volck dar tho is to rei- 
sen underwisinge halven und der hemeliken absolucien. 

De tuintigeste. Noch geset noch evangelium vorwerpet den ebe- 
liken stant, und wert nicht dorch Chi'istum jenuigen 
State geistliken ader wertliken vorbaden. 

De ein und luing. Secten broderscoppe und peregrinacien geden- 
cket nicht de billige scrift. 

De tue und tuin. Dat evangelion vorwerpet oeppentlich den un- 
derschet der spise und der dage. 

Gnade und vrede allen leeftiebbers der warheit in Christo 
Jhesu. 

Petrus, de truwe vorweser des Heren wingardens, vormanet. 
und reiset einen ideren, sines gelovens und hoppens bescheet und 
kundeschop geescbet to geven. So dan, ersame leven vrunde, un- 
sers gelavens und happens bericht to geven, noch nicht gevordert, 
sunder seIfwillich vor idermanne, de unbilliken smawort und lester- 
wort, dar mede wy beschuldiget, aftoleggende, angenommen, up 
dat unser wederpart in sulker unbillicheit antoege und widers sul- 



Sbtüaqt X. 28t 

kes scheiden under wegen bleve. Derhalven hebbe wy nicht sunder 
deinen arbeit uusers geloyens bekentnisse in eine körte summarien 
gevatet und begreppen, und bidden hir inne vlitich und demodicb 
dorch dat unschuldige blot Christi einen ideren man, de ?ornunf- 
tiges Vorstandes is, he dusse einveldigen simpelen bekentnisse 
by dem alden und nien testamente besichtigen, beratslagen und 
proberen, oft se emme gelick und eindrechtich gefunden werde; 
and negest tokommen dinstage umme middages tit in dem monster 
wil erschinen, solkes undericht und underwisinge to geven ut der 
hilligen scrift. Datsehige geboert uns mit allem ?lite to vordenen 
kegen Got dorch unseren heilant Christum, welck uns spare und 
erluchte in eindrecbticheit to siner glorien und herlicheit. Amen. 

I Thomas Borchwede van Ossenbrugge ord. predic 
Joannes Kiiberch 
Johannes Molners van Buren. 



X. 

93ernt 9tot^mann an bett 9tat^ htt ®tabt ®0(fl. 

1532 gebt. 2. Drtg. 6«. 

Genade und frede durch Christum sampt minem guitwilligen 
denste steitz voran. Erbaren ersamen und vorsichtigen leven her- 
ren burgermesteren und rait der stat Seist. Wy sollen Got dem 
Yader alle wege hoichiick dancken, de in dussen lesten tiden den 
schal sines goetliken rikedoms, sine milde genade und barmherti- 
cfaeit durch sin hillighe evangelion so rikeliken leth uithdelen, dat 
lo vermoden is, dat genadenrike lecht der erkentnisse Christi sy 
besheer in duitschen landen noch nu so hell erschennen. Wil oick 
derhalven uns hoich betemmen und gantz van noden sin, dat wy 
so einen durbaren schat 'koestlick achten und flitich bewaren, up 
dat de leste erronghe nicht boeser werde dan de erste gewessen 
is, dat uns alzo solde wedderfaren, wanner wy dat evangelion by 
uns lethen tho schänden werden. Wer oick voelle beter, wo sunt 
Peter betughet, dat wy de erkentnisse der warheit nu gehat hed- 
den, dan so wy darvan in jenigher wise wedder aftreden. Dit iw 
e. 1. kortlick vermanen drinckt my thom ersten min hertlick leve 
tho iw, kent Got, dar tho dat by uns van iw etlike fama gespren- 
get sin, de dat evangelion hier thom dele verletten, up dat over- 
mitz iw 1. waraflich bericht sodane geruchte gestillet moege wer- ^ 
den, tho forderinghe des evangelii und troist unser aller. Man 
secht hir, und de gollosen ropen lüde, darmedde dat evangelion ge- 
hoent und verachtet werde, wo dat in iwer stat groit twist und 



282 CMe« ^uOi. 

Unwille solde sin, thom ersten tusschen den predickern des evan- 
gelii und den bürgeren umme der besoldunge willen, dat ick nicht 
hape, want et weren jo nicht rechte predicker, de titlicker belo- 
nunge halven unmoit anrichteden, watlan men se leider ?int, wo 
seiden de apostel sunder Judas sint. Thom anderen, wo dat der- 
geliken under den bürgeren groit hatt solde sin, und dat de gemein 
wedderumme under dat antichrislische pawestlike juck boger tho 
kommen. Thom derden is ein geschrei, welcher gestalt iw e. 1. 
so unchristlick und geweldichlike den geisiliken oer guit solden ent- 
frömmeden. Wo groit und gruwelick sodane stucke weren und 
dem evangelio baven maten hinderlick und hoenlick, — want wo 
et also were, wer gewislick gein evangelion Christi by iw — , so 
Toelie weiniger verhape ick, dat et in der warheit also sy, dan dat 
et van den gotlosen lestermuleren, wo er art is, tho sehenden dat 
evangelion Christi erdacht sy. Et is uns hir thom dele hinderlick, 
dat sodane geruchte gehet, want baven dat, dat de einveldichen 
geärgert werden, woert oick unse erbar overicheit den evangelio 
ungenegender durch soelcke exempel. Dusse orsacke oick heft my 
gedrungen, dat ick, de ick hir dem hern Christo in dem evangeho 
dene, an iw e. 1. to schriten sy undefstanden, und bidde iw e. 1. 
andechtich umme Gades willen, is et sake, dat et alzo by iw steet, 
dat my kent Got van herten leet were, iw e. 1. amptz halven wij 
sick mit andern und getruwen predikeren versorgen und mit böge- 
Stern vlite tho frede und meticheit trachten; is et oeverst nicht 
alzo — wo ick gensHck verhape — , is min oitmodich boger, iw 
e. 1. wille an unse leve overicheit burgermeister und rait fruntlick 
doen schriven, wo iw e. 1. vernommen, dat sodane geruchte hir 
solde sin, darmedde nicht alleine iw e. 1. stat, dan oick dat evan- 
gelion Jesu Christi gesmehet werde, sy dacht und gelogen, mit kor-> 
ter vermanunghe darbeneven, wo nicht van noeden, dat ick iw e. 1. 
sodains voerschrive. Hirmedde werde gy dem evangelio ser for- 
derlick und uns allen, de Christum leef hebben, seer troistlick sin. 
Drege ick derhalven geinen twivel, i. e. 1. werde uit christlicken 
gemoite hir inne sick guitwillich und geschicklich bewisen. Des wy 
uns tho iw als unsen geleveden in Christo broideren genslick ver- 
sehen, wil wy oick altit gerne verdeinen, war wy können, kent 
Got, de uns allen tho erkentnisse siner heilsamer genade durch dat 
evangelion Christi in allen vrede moite geleiden Amen. Datum up 
dach puriticationis a. xxxii. Iw beschreven antwort wil ick ver- 
wachten. 

Bernt Rothman ein dener des 
evangelii tho Munster. 



«(ttodc XI. 283 

XL 

Mla^ittttl gegen S3ernt Siot^mantt* 

1531. Dtig. m9i. 

Item desse nabeschreven gebrecken des capellaens hern Berndz 
Rotmabs sancli Mauricii Mon. Int ersten 

Item des fridages na Assumptionis Marie in memoria Alexandri 
ppti nostri sullen beide cappellaens mit den wywaler unde wyrickes 
fatbe sub laudibus ?igiliarum umme der hern kerickhoif gaen, na 
alder loiflicker wyse der memorie AUexandri vurfz. Is genante her 
Bernt upgestanden unde ulh den choer unde kericken en wech ge- 
gangen, dar umb em de senior einen dienner na geschicket beft, 
unde em seggen laeten, he solde wedderkomen unde doin sin debi- 
tum, dat he al verachtet heft. 

Item des sonnendages dair nagest des morgens is ein be- 
gencknisse geholden seligen Wytmans unde siner huisfrouwen. So 
geborde hern Bernde den capellaen, de maninghe uth den huise to 
halen, als dat na alden gewonten gebort. Dat he recuserde unde 
verachtede, unde sacht, he en bekrodede sick der guclilerie nicht. 
Unde up die selve tit geborde den selvigen hern Bernde, einen 
pryster to bestellen, de ein zilmisse solde lesen beneden den koer, 
dat so per contemptnm nicht en geschach. 

Item na der silemisse solde deselvige her Bernt gaen up det 
▼erstorven graf, als dar gewonüick is, des genante her Bernt nicht 
doin wolde, unde is en wech gegangen. Umb murmuratien der 
buren des kerspels hell * de senior gebeden einen andern prister, 
de dat Tulbracht heft. 

Item des sulven sonnendaigen heft he apenbair gepredicket unde 
gesacht, dat fegefuer were ein gedieht werick, unde sacht dar bene- 
ven, sint der tit den armen leien dat bloit Christi entogcn wort, 
unde se sick darinne nicht moechten renichgen, is dat fegefuer up- 
gekomen, und is ein doren dans unde guchgelerie. Unde wider 
sieb luiden leit, velichte de twelf dusent penninghe, dar Judas Ma- 
chabeus van schrifl, hebben dat fegefuer gemaecket, unt sint by na 
Tersmolten, wo men dar nicht mer by en lecht. 

Item mit meren reden sachte hy: Woltu bidden vor die seilen ; 
almechtige Got, de seilen de verstorven sint, mach men in hei- 
pen mit minen gebede, wes en genedich unde harmhertich; unde 
latet touiten mitten hier unde kannen mitten wine staen. 

Item up Stillen fridach leist verleiden, so her Bernt die pas- 
sien des morgens predicken solde, is des avendes uth der stat Mun- 
ster ein grot hoipen folkes in der kercken tho sunte Mauricii ge- 
drungen , unde dar grote unstur de nacht ianck gemacket mit sin- 



284 (BrM ^^. 

gen unde ropen gelick in einen apenen hier kroige, mit unreinninghen 
in der kericken unde der altair unde den gebelden up den alleren 
onere angedaen, unde gebraecken den dirael der kericken, dat ailet 
dorich des genanten capellaens predicken is geschien. 

Item ock is gebracht by nachte ein predickesloel up sunt Mau- 
ricii kerickhof, dar he thegen willen des capittels sancti Mauricii 
op gepredickel heft. Dar en boven hebben de senior und capittel 
sancti Mauricii den capellaen laten seggen, he solde sick des pre- 
dickens up den kerickhove entholden, unde predicken sinen ker- 
spelsluiden in der kericken als dat van aldes is gewest. Dat he al 
▼erachtet heft. 

Item dar en boven hebben de selvigen senior und« capittel 
sancti Mauricii dorich twen vicarien besant« dat he sick des pre- 
dickens up den kerickhove enthalden solde. Dat he al verachtet 
heft unde dem capittel so ungehorsam is. 



XII. 

93ernt Stot^mantt an @r]^arb ®^nepf., 

1532 3ua 16. Orig. Qi9i, 

Speciale pietatis ac eruditionis viro D. Erardo Sdineppio 
evangelii apud Marpurgenses promolori vigilantissimo suo domino 
ac in Christo fratri Marpurgi. 

S. D. Quandoquidem, humanissime Schneppi, eiusdem corporis 
Christi menibra sumus profecto et divini spiritus glutino compaclos 
mutua sollicitudine invicem iuvare convenit, proinde non sum veri- 
tus, ubi tuam operam nobis usui futuram sum auguralus, ib te li- 
bere compellare. Quippe qui plane confidam, ubicunque noveris 
tua opera nos iuvari posse, nitro sis prompüssimam opem lalums, 
presertim si eiusmodi res fuerit, quae ad dei gloriam et animarum 
salutem spectet. Atqui vero ut de dei gloria et animarum salute 
hie agitur, ila te plurimum iuvare posse scio. Quamobrem rem tibi 
brevibus dicam, ut de auxilii tui commodilate rectius statuere que 
as. Diu est quod bic Monaslerii cum Sathana et suo sodalitio per 
dei graliam sum congressus, ego quantum dominus largitus est gra- 
tie evangelii verilatem strenue asserens, econtra vero adversariis ni 
hilo segnius obiuctantibus. Factum est autem dei tandem presidio, 
ut vastalo Sathane regno in cordibus multorum, unanimi consensa 
magistratus et Iota plebs inobedientiam evangelii concesserit. Proinde 
dici non potest quam impotenter furiat Sathan, nullum non roovens 
lapidem, quo suppulluians dei semen depopuletur, porro ut orania 
misceat. Non video tarnen quomodo nocere nobis poterit, domino 



mtüäqßlSL 285 

enim est cura de nobis, nisi tantuin dominus permittet, ut electus 
episcopus noster Tiolenler nos obruat, quemadmodum ad hoc pa- 
pisüca cohors illum supra modum ipstigat, vel concionatoribus fide- 
iibus destituemur. Utrique autein msilo tu deo auxiiiante mederi 
procol dubio possis. Principio cum intercessione principis Yestri 
eleclus Sit, atque ab illo potissimum pendeat, dubium non est, si te 
studiose admonente princeps vester commonefaciat eum, ne quid 
propter malorum suggestiones adversus nos attentet, mitius sit no- 
biscum acturus. Nos enim nihil designavimus , quamobrem anim- 
adTersione in hac caussa digni censeri debeamus. ludicium et co- 
gnitionem expostulamus. Secundum hominem loquor. Proinde, mi 
frater, rogamus.te omnes obnixe, ut quantum potes sollicites prin- 
dpem Testrum, ut dignetur suo patrocinio principem nostrum pla- 
catiorem reddere, quam qui preter equitatem gravare nos velit. 
Semper speravimus et adhuc sperarous, domini providenti consilio 
ad promotionem evangelii sui factum, quod intercessione ?estri prin- 
cipis Tere christiani hie nobis creatus sit princeps. Confidimus 
enim patrocinante nobis illustrissimo principe vestro facile ab ira 
principis nostri nos securos futuros. Itaque constanter hoc de no- 
bis predica, staturos nos iuste cognitioni, et ut inauditi non pre- 
mamur, cura apud principem vestrum quantum potes efTectum. 
Maxime autem solliciti sumus, ne in inauguratione nos obruat. 
Proinde queso rescribas, num putes vestrum principem illum intro- 
ducturum , quod si fiet, non usque adeo trepidabimus. Ceterum si 
hec Sathane preclusa fenestra fuerit, ut nocere sevitia principis ne- 
queat, restat ut studiose advigiiemus, ne nostra hoc est ministrorum 
et operariorum inopia domini messis, que quidem hie copiosa est, 
intereat. Proinde iterum rogamus te, sicubi fidelem unum aut alte- 
rum habeas ad manum, qui iuncta mecum opera studere Christi 
glorie et populi saluti yeht, ad nos ut mittas. Age, mi Schneppi, 
in bis nobis morem gerito, quod si facies, ut tu quidem haud vul- 
gare deo obsequium prestiteris, ita apud nos summam graliam ini- 
bis. Preterea si quid. habeas rati de comitiis, item de Turca, ob- 
secro comunicare nobis digneris. Nos vicissim operam dabimus, ne 
in ingratos officium collocasse unquam videaris. Reliqua ex gram- 
matophoro discere potes. Christus te servet. Monasterii a. 1532 
postridie divisionis apostolorum. Saluta omnes fratres in domino. 

Bernardus Rothmanus. 



388 «iM ®n<^. 



XIII. 

3nflrucfion bed ^udfc^uffed bet fRünfierifc^en 9titter< 
f^aft jur äSerl^anblung mti bet ^taU fSkün^tt. 

1532 ®r^t. (So))te 9^9. 

Instruction der werffonge und wes de verordenten statholder 
und van der gemeinen ritterschap des stichtz borgermesteren rade 
olderluden und gildemesteren der stat Munster ulh rade beger und 
bevei der vorg. rilierschap maendages na Mathei tor Wolbecke an- 
dragen sollen. 

Vorerst geborlige dancksagunge to doin, dat se up schriilLlich 
ersoicken und begerte gemeiner ritterschap to der ernanten maistat 
guitwillich crschennen. Sulx willen de ritterschap samptlich und 
sunderlich in al wege fruntlich to verschulden geneigt gesport werden. 

Dorna vor to geven. In wat gestalt de hoichwerdige in Got 
vermögende fürst unser g. h. conGrmerter to Minden, postulerter 
der stille Munster und Ossenbrugge in jungstverschennen dagen de 
semptlige ritterschap des stiftz Munster to ßilrebecke verschreven 
und by einander gehat und densulven nafolgen meinonge vorgeholden. 

Wo sine f. g., na dem desulve durch gotliche Vorsehung to dem 
Stift Munster postulert, in warhaHlige erfarunge kommen, wo et dan 
ock klaer am dage und einem ideren bewust, dat hir bevor etlige 
uubekante leichtferdige gesellen und luterissche predicanten sick bin- 
nen de stat Munster begeven, dat gemeine popel an sick getogen, 
mit dersulven anhang raide und todait unersocht und aen verorde- 
nonge und tölatinge der ordentliger gehörender overicheit in de 
kerspelskercken selfwoldich gedrungen, de pastoren und Seelsorger 
erer kercken ampter und predigens entsat, und also eigens moit- 
willens in den kerspelkercken geprediget, in eren leren und predi- 
gen velfeldige unchristliche irrige und verforissche nuwerongen und 
opinien under dat gemeine einfoldige unverstendige volck gespren- 
get, to allen frevelen moitwillen und hat over de presterschaft, un- 
gehorsam und verachtonge der geistlichen und wertligen overicheit 
erweckt und gereitzt und verner de gude olde hergebrachte christ- 
licke ordenonge eindracht frede und gehorsam verändert und ver- 
stuirt, alle! Ro. kei. Mat. uthgegangen edicten und avescheden jungst 
geholdener rikesdagen, ock erer overicheit to wedder und ungehor- 
samer verachtonge und vernichtonge. 

Als nu s. f. g. sulcken frevel moitwillen und uprorisschen bän- 
de! mit beswerten gemoite und to hohestem misfallen vernommen, 
hebbe s. f. g. in macht keiserligen bevels und mandaten muntlich 



und schriftlich an 8. f. g. gedane und uthgegangen, ock als ein 
postulerter lantfurst des stichtz Munster to erholdung guder christ- 
licher eiiicheil und fredlevens uth fürstlicher gude und walmei- 
nonge mer dan eins an de van Munster geschreven, guillich gesnn- 
Den und ermaent, ?an sodanem erem vorgenommen uprorisschen 
▼erbodden handel und nuwerongen aftostaen, de predicanten to 
▼erlaten, und in guder older hergebrachter christlicher ordenonge 
und wesen fredUch und eindrechtlig (o leven und bes to uprichtonge 
einer ander gemeiner reformation to entholden. 

Dessulven allet unangesehen, sint de predicanten mit eren to- 
stenderen und der uprorigen rotten und gemeinheit wider vorlge- 
faren, kei. Mat. edict gebot und bevel und uns g. h. genedige guit- 
liche ermaninge in den wint geslagen und verachtet, und darover 
binnen der stat Munster in den parkerchen alle gude lovelige cere- 
monien und Götz deinst gentzlich nider gelacht und afgedain, und 
also ein rho woest unchristlich moetwillich und uprorisch leven und 
wefzen angestalt und besher gedreven, daruth dan nicht anders van 
dagen to dagen, wo dem mit gollicher hilf nicht vorgekommen, to 
vermoden und geworden, dan gewisse bloitvergetten verdruckinge 
und verstuiringe aller overicheit und gehorsams und ewig verderf 
lande und iuide. 

Dewile nu unse g. h. by den van Munster befinden und spo- 
ren, dat se in sodanem erem boesen unchrislliclien vornemen verbli- 
Ten und beharren, sy s. f. g., to gehorsam kei. Mat. und wo s. f. 
g. plichtzhalven tostaen wil, Co walfart sinei* f. g. lant und Iuide 
genslicl) bedacht, mit gotlicher hulp, raide trost und bystant s. f. g. 
heren frunden gehorsamen landen und luden, al s. f. g. vermögen 
doran to strecken, der van Munster handel aftoschafTen , de upro- 
rige borger und gemeine darsulvest to guder ordenong fredde ge- 
horsam und eindracht, und umme ere gedrevene handelunge to 
geborliger straef to brengen; mit genedigen ansinnen, de semptlige 
rilterschap dorin s. f. g. eren guden rait und bystant, als de ge- 
horsamen, mitdelen willen. 

Up alsulck unses g. h. vorgeven und meinonge hebben sick 
gemeine ritterschap bedacht, und mit ripen raide erwegen, dat uth 
dusser der van Munster uprorisscher vorgenomener handelong nicht 
allein den borgeren inwonneren und gemeinde der stat Munster, 
sunder ock gantzer gemeiner lantschap mercklig grote besweronge 
und ewig verderf twidracht und splitleronge erwassen und folgen, 
gude eindracht fredde und walfart, dorinne de stat Munster alle tit 
mit Götz genaden mit eren lantfursten und gemeinen stenden frunt- 
lich gelevel und gesetten, terstuirt werden mochte, dorvor gemeine 
ritterschap mit anderen defz stiflz stenden na aller erer macht und 
bohesten vermögen gerne sin und zulcken wedderwillen und swar- 
beit voerkomen wolden. 



Un wer derbalven der riUer»chap fruntliche guitliche und an- 
dechtige beger und getruwe rait, dat borgermester rait olderlude 
und gildemester und geroeinheit desse sake mit guder Vernunft to 
berten nemen, er eigen und gemeiner lantscbap walfart gedien 
und vorderven gruntlicb betrachlen, kei. Mt. edicten und mandaten 
und unses genedigen beren ergangen Schriften und vermaningeu 
gehorsamlich na leven und gehoer geven, der predicanten afstaen 
und entslaen und alle ingedrungen und Torgenommen veranderonge 
und nuwerongen genslich afs teilen und olde christliche ceremonien 
und kerckendeinst in crem vorigen stant gebruck und wesen wed- 
der uprichten, ock uns g. h. vor soicke ere eigenwillige frevel 
handelonge inholt des keiserligen bevels tor straf geborlige afdracbt 
und wände] doen. 

Wanner dem durch de van Munster also gehorsamlich nage- 
kommen, willen sick de ritterschap to uns g. h. gentzlich vertrö- 
sten, wo s. f. g. ock uth eigenen gemoite genediges willens und 
erbedens, of binnen der stat Munster in sacken der religion und 
cbristliger ceremonien edder tusschen geistlichen und werlligen 
Stande jeniger misbruick unordenonge of wedderwille entholden, 
desulve durch tidigen guden raet, mit todaet s. f. g. lantscbap und 
ander s. f. g. heren und frunde in ein guit christlich ordentlich 
und fredlicb wessen und eindrechtigen willen to brengen, dnrdorch 
de stat Munster mit s. f. g. und gemeiner lantschop und eren bor- 
geren und inwonneren in guden eindrechtigen fredde und christ- 
lichen regimente'.und gehorsam der overicheit, wo besher to gescheit, 
leven bliven und gehanthavet mögen werden. War in ock gemeine 
ritterschap in sulcker uns g. h. genediger andacht und walmeinung 
der stat Munster gemeiner lantscbap. dem frede und eindracht tom 
besten mit raide und dait lives und guits helpen konden, dortho 
willen se sick willich und bereit erbodden hebben, mit beger einer 
guder stalliger und fruntlicher antwort. So avers de van Munster 
dusse der ritterschap gantz guithertige getruwe meinonge raet und 
bewegen und tovoren kei. Mal. mandate und uns g. h. vilfeldige 
genedige ansoickinge und erforderunge nicht worden bedencken 
und erwegen, sunder vortan in erem seifwilligen unchristligen und 
uprorisschen handel verharren, des sick doch de ritterschap in 
geinen wech willen verhoppen , konden und mochten gemeine 
ritterschap eren lantfursten und heren, Ro. kei' Mat. to underda- 
nigen schuldigen gehorsam, up s. f. g. erforderen mit raide und 
bystande nicht vertaten, dor mede se nicht alleine, sunder ock 
gemeine lantscbap dufz stiftz kei. Mat. und des billigen rikes un- 
genade und straef mögen enthaven und gefriet bliven. Willen de 
ritterschap umb de van Munster altit gerne gunsticblich verschulden 
und verdeinen. 



lOeiloae XIV. 28» 



XIV. 

SDie ®i(ben ber &taht fRunfier an Sifc^of 9ran)* 

1533 Oct. 17. (gepit SH9i, 

Hoichwerdige etc. J. f. g. schrillte jungst an uns gedaen hebbea 
yrj mit temmetliker ere entfangen, averiessen und hören lessen, und 
danith i. f. g. gemoite und verdencken legen uns, als de wy in 
moitwilligen und uprorigen handelen naist i. g. genediger vernia- 
nent to verachtunge dersulven i. f. g. und ungehorsam unses raidz 
sollen verharren, nicht sunder herllicke drornisse vernomen , welck 
unse drofnisse averst nicht dor hen is verorsacket, dat wy uns 
scfauldich in sodanen togemettenen ungelimp bekennen und der- 
balven dorven fruchten , dat wy desfals mit rechte van jumant be- 
drovet und bemoget sollen werden, dan dat wy sehen, dat ock i. f. 
g. dorch logenhaftich anbrengent dorhen bewegt und (mochte ment 
seggen) van unsen misgunstigen gedrungen is worden, sodane un- 
gelimp, ungehorter antwort van unser sit, mit verdencken up uns 
to dringen. Wy dreggen ginen twivel, i. f. g. uth furstlickem und 
christlickem gemoite legge uns uth eigener hewechniss sodains nicht 
up, dan uth anbrengen reissen und stede anholden unser misgunsti- 
gen dor to genodiget. Hir umh bidden wy, i. f. g. willen doch 
unsse demodige antwort up sodane uns togemettene und upgedrun- 
gene verdechticheit genedichlicken vernemen und wider ordel und 
verdacht anholden, bes dat beide deel verhoert und eins ideren 
fuge und unfoege vernommen werde. Wante wy erbeden uns des, 
wanner et mit chrislliker warheit und biiliken rechte wert bewisset, 
dat uns togemelten wort, wille wy geine straef verseggen. So dan 
i. f. g. is vorgekommen und uns ock desfals verdenckt und be- 
schuldiget, dat wy sollen hebben moetwillige und uprorissche lian- 
del binnen unser stat angefangen, befrommet uns seer, mit wat 
rechte edder bescheide men uns sollicks tomette, wante de jo nicht 
oprorisch und meetwillich billicke solden geachtet werden, de or- 
bodich sint mit gotlicher schrifl und bedchreven rechten na aller 
billicheit ore vornement to bewissen, und war se des nicht konden, 
willich sin, better underrichtunge und geborlike straef antonemen. 
Wante moetwillich und uprorisch handel is, so men, unangesehen 
gotlich naturlich und menschlich recht, mit gewalt sin eigenwillich 
Tornemen upset und verfechtet. Nu bin wy jo des vornemens nu 
gewest, dat wy uns understaen hedden antofangen anders dan dat 
wy verhapen gotlick erlick und recht tsin, und des uns mannich- 
mael beide muntlick und schrifllick, wu und war wy solden und 

QenicUul, ffufrudr in SRün^cr. I. 19 



290 (Sr#e6 f^ndf. 

konden, to rechte erbaden, nicht hemelick, siinder apenllich durch 
den druck, nicht by einem of twen, dan by unser overicheit Fürsten 
und heren der gantzer werlt. Wanner jumant wer gekomen , de 
unses moelwillens und uproers rechtmatige dcduction und bewisz 
hedde bygebracht, und weren darbayen verhardet in unsen boesen 
voernemen gebleven, wer billick, dat men uns also schulde. Nu 
OTerst moten wy sodanen ungelimp liden, und is uns doch noch 
nicht probert, ja wy sint des noch to rechtmetigen gehoer nuge- 
konnmen, dan sint noch in der gantzer toversicht, wes hebben an 
gefangen, sy nicht allein billick und recht, dan eck so bolch van 
noden, dat wy sodains sunder verhoenunge Godes und verderf un- 
ser seien nicht mögen verlaten. Want wo sunder Gades wort Gades 
ere unbekant blift und de Christen nicht bestaen mögen, also is den 
Christen lichtliker, gut lif und leven overmitz gewaJt to veriessen^ 
dan van Gades worde to treden und tegen Got und er egen ge- 
wetten to handelen. Kan daruth i. f. g. wal afnemen, wat un& 
dwinget, by unsen vornemen, dor by uns i. f. g. ock gefunden, to 
verbliven. Nicht, wo i. f. g. ane twivel durch angeven unser be- 
nider vermodet, nemptlick dat et to i. f. g. orer overicheit und 
unses erb. raides verachtonge, den wy naist Gade steden gehorsam 
schuldich und ock to lesten (na allen unsen vermögen, kenl Got) 
genegt, geschege, dan dat wy unse vornement, wo gesacht, nicht 
anders dan gotlick recht und noedich können achten. Hirumb 
bidden wy i. f. g. demodichlich umme Gades willen, i. f. g. willen 
doch de sake mit billiken geh *) und genedige erfarunge underfangen, 
und oft jumant vermeinde, up uns sodane schult bytobrengen, als 
dat wy moetwillich und uprorisch wes angefangen und gehandelt, 
wy uns dortegen mögen verantworten. Wante et doch na allen 
rechten nicht genoecli is, einen menschen to verdencken und to 
verordelen, darumme dat he so geschulden, dan dat ome sodane 
schult averwiset wort. Wan i. f. g. of jumant uns kan in warheil 
bescheden, dat unser predicanten leer und unfz vornement unchrist- 
lick und unbillick sy, bin wy dorvan to laten gantz geneigt, wante 
wy doch umme giner orsacke willen dorby holden, dan dat wy et 
vor christlick und recht achten. Na dem dan, genedige furste und 
her, wy uns willich to erkentnisse des rechten beiden und nicht 
dencken mit frevel to handelen, sin wy des in gantzer toversicht, 
i. f. g. uth furstlicken und christlicken gemoite werde uns dorbaven 
ungehorter sacke nicht belestigen. Dor to so i. f. g. schrivet, uns 
na inholde und bevel des jüngsten geholdenen rikesdages aveschede 
unses ungehorsames halven to verfolgen, up dat i. f. g. sampt den 
ganlzen lande kei. Mat. ungenade nicht verschulde, und derwegen 
summiger unser medeborger guit aogeholden und in den kummer 

*) geboer? 



mtiia^t XV. 291 

gedaen, angesehen wy noch geines ungeborliges ungehorsanos ver* 
Wonnen, dor to, wes by uns gescheit is, den geloven und religion 
bedrep[>et, de den in upgemeiten kei^ Mal. und des rikes edict 
by peen des lantfredes verefTent und befryet is, werden i. F. g. 
van wegen des edicts und aller rechticheit desfals uns ungehorter 
sacke to besweren geine foige hebben. Dan so i. f. g. uns umers 
mit gewalt wolde dringen, uns billicker wolde betemmen, dorlegen 
up sodane kei'. und des jikes upgerichteden lantfrede troest und 
behoelp to soken. Bidden derhalven, i. f. g. willen uns of de unsen 
dorch baven upgerichteden lantfrede nicht besweren, dan sodane 
angeholdene guet loifzlalen. Want wes i. f. g. of jumant up uns 
of de unsse mit rechte kan winnen, bede wy uns altit vor unsen 
temhken richter des rechten to geneten of to gelden. Des wy uns 
also to i. f. g. mit begerten eins genedigen wedderbeschreven anl* 
wordes genshch vertrösten; gebort uns umme i. f. g. mit live und 
gude underdenichlickest to verdenen, des wy ock altit willich ge- 
spoert sin, kenl Got almechtich, den wy i. f. g. hirmede beveilen. 
Gegeven to Munster etc. 

De semptlichen gilden in der sfat Munster. 



XV. 

Siot^tnann« Steifem 

Die befonberc 33cbcutung für bic in \)orlic(Kn^<^»'^ S3ucl)e flefd)!^ 
tertc, nod) me^r für bie fpätere ßntwirfelung be^ 9Kiinflfrif(^en2lufrul)r6, 
tt)cl(t)c id) ber 2Banbcrung Slot^mannö burc^ bic ctjangclifdicn ©tabte 
beilege, tjeranlagt mic^, ben SJibef fpruc^ , t»fn id) in biefem 5ßunfte 
gegen bie DueUcnfcl)riftfteller ergebe, nä^er ju bcgrunbcn, unb aud* 
na^mdweife bie Kombination, auf tt)eld)er meine ßrjS^Iung beruht, 
fcem Sefer tjorjulegcn. 

Unfre 2Iutoren berict)ten folgenbed; 

Dorp Bi: 
Mitler zeit haben sich etliche der burger mit sampt andern 
inwonern der stat also unter einander beredet und besprochen, sie 
wollen den prediger in die stat Munster haben, trotz pfafTen und 
allen andern, wer sie auch wcren. Welclis als die pfafTen gewar 
wurden, laulTen sie flugs zu rhate und werden des eins, das sie 
dem Rothman Ixx goltgulden geben, das er etwa hienziehen solt, 
weiter studiren und leren, des verhofTens, wenn er ein mal hienweg 
^ere, das er nicht wider solt komen. Und ist also der pn'diger 
durch rath der pfaffen von einer evangelischen stat zur anderen zu 

19* 



292 . <5rM 8u4. 

sehen hören und leren gezogen. Nach einem halben jaer aber ist 
obgemelter prediger, als sich nu an frembden orten versucht hat, 
wider komen, wie wol den pfafTen gar unwilkomen. Denn sie 
verholten im halt den predigstuel etc. 

Hamelmann 1188: 

Cogitarunt itaque cives plerique ipsius concionibus inflammatt 
et ardore religionis accensi de illo in urbem recipiendo. Verum 
pontiOcii, ut hoc impedirent, mediocrem pecuniae summam, nempe 
70 aureos Hhcnenses, ipsi conferunt, hoc praetextu, ut exercendi sui 
causa, tum ut cum aliis doctis conferret de religione, proficiscere- 
tur in diversas rogiones. Discedit ille, qui diu cupiverat audire et 
vidcre doctos in Germania viros, munitus pecunia et instruclus 
literis commendatitiis nohilis et eruditiasimi poetae Hermanni Bu- 
schii tunc reversi ex academia Marpurgensi in patriam ad illos datis, 
prius tarnen pacto dam cum civibus facto initoque de suo reditu. 
Et inde profectus, aliquot academiis et locis, uhi fructum aliquem 
et culturam ingenii, praeserlim in vera religione, pcrcipere possei, 
inprimis Wileberga, Argenlina et urhibus Helvetiorum, praeserlim 
in quibus Zwinglianismus floret, perlustratis , redil post semcstre 
in urbem Monastericnsem sub praelextu vicarialus. Nobiles vero 
canonici etc. 

Kerssenbroick 142: 

Sed cum paulatim ea suis concionibus admiscuisset, quae a ca- 
tholicorum dogmate aliena videbanlur, et quosdam e civium numero 
ad se novilalis avidos pellexisset atque clerum in odium plebeioruro 
rapcre coepisset, clerus Maurilianus ipsum suis sumptibus ad acade- 
miam aliquam calholicam ablegandum salius esse putavit quam se 
novarum opinionum patrocinio involvere, sperans ipsum aut minime 
aut sallem candidiorem reversurum. Ideoque canonici huius col- 
legii ipsi sludiorum praesidium ea lege decernunt, ut Coloniam 
concederet totumque se theologicis lileris manciparet. A vicariis 
quoque viginti florcnos asseculus est, quos lamen Chirographe se 
reslilulurum astrinxil. Resliluet forte post longum annum Piatonis» 
Ille vero aliud agens aliud in animo teclum gerens se quo domini 
vellent profeclurum pollicelur. Secutus (amen consilium quorundam 
evangelicorum mercatorum, qui clanculum quoque illi pecunias in 
praesidium viatici conferebant, Wittebergam concessit. Inlerea Si- 
bingus vices illius explevit. Huius uhi Melanchton ingeniura co- 
gnovisset, dixisse fertur, ipsum aut insigniler bonum aut insigniter 
fore malum. Inde novarum ceremoniarum discendarum causa supe- 
rioris Germaniae civilales pervagatus est, siculi literae a se Spira 
niissae satis declaranl. Quarum exemplum sequitur. 

„Honorabili atque probo viro Gerardo Reiningo Monasterii 
in foro commoranli amico suo atque fautori eximio« lUa 



«ciUflc XV. 293 

yero absente, prudenti nee non conspicuo Joanni Langer- 
manno senatorii ordinis viro S/' 

„Gratiam Christi ac debilam officii mei declarationem in primis 
tibi offero, amice dilectissime. Quod te absente Monaslerio discesse- 
rim, semper animum mcum male torsit. Ideoque nunc data tabel- 
larii occasione non possum mihi temperare, quin ad te lileras meas 
transmitlam, ut intelligas, ubi sim et quid valeam. Quare scias, me 
nunc Spirae Dei gratia prospera valetudine frui. Sed literis bis exa- 
ratis subito Argentoratum hinc abire decrevi, quod merito omnium 
Chrisüanarum urbium ac ecclesiarum coronam esse et palmam obti- 
nere deprehendo. lllic me ad dies quatuordocim omnia inquirendi 
studio continebo. Verum metuo, ne propter praesentem in bis iocis 
annonae carilatem viatico destitutus institutam profectionem abrum- 
pere cogar. Quare cum propter nostram famiharitalem tum sahi- 
lem, quae, ut spero, non sohim nobis, verum etiam per gratiam 
Dei multis ex hac mea peregrinalione continget, oro ut meos fau- 
tores et amicos mea causa convenias, uti viginli florenos aureos in 
praesidium mei conferant; principio Bernhardum a Becclicm oppidi 
Warendorpensis civem, ad quem qnoque scribo; nihil enim dubito, 
quin is tibi quinque florenos prompte et statim traditurus sit; item 
llavickhorstium in foro piscario habitantem, Joannem Langerman- 
num fautorem praecipuum, Casparum Schroederken et reliquos om- 
Des, quos mihi favere cognoveris; ut me cum primum possunt 
iüvent; ac per (idelem nuncium pecuniam illam a bonis viris colla- 
tarn buc Spiram ad pandocbium viridibus insignitum frondibus trans- 
mitte, cuius bospes, cum evangelio maxime sit addictus (sicut et 
alii plerique Wormacieiises Spirenses reliqiiorumque oppidorum su- 
perioris Germaniae cives) (Idelem transmittendae pecuniae custodiam, 
donec ego eandem exegero, recipiel. Huic nuncio prufectionis meae 
propositum pateCacere nolui; idem et tu facias rogo. Persuasi 
aatem illi, me in iudicio camerae imperiaiis causam litemque urgere. 
Te hac in re mihi non defuturum plane confido, et quo citius, eo 
melius. Quantum autem quisque fautorum contulerit, diligcnter anno- 
talo. Nam si Dens me superstitem conservaverit, bona Gde reddam 
omnia. De aliis rebus nunc temporis scribere non possum, sed fra- 
tres sorores(|ue omnes in Domiuo mea causa quam officiosissime 
salulabis. His te domino Deo commendo. Datae Spirae in feriis 
praecedaneis ascensionis Dominicae anno 1531. 

Bernhardus Rothmannus.*' 

„Haec intra unius mensis spacium, quam hae literae sunt scrip- 
tae, fieri necessitas exigit; atioqui serius et frustra pecunia huc ad- 
feretur. Non enim diutius me in superiori Germania continebo, 
sed reditum ad vos maturabo. Deus vobiscum. Has literas tuis 



294 dtfiu iSBu^. 

adiunctas ad quos scriptae sunt perferri curabis ac priroo quoque 
die rescribas vehementer a te contendo/* 

Reversus e superiori Germania Rotbmannus etc. 

2)fr Äern ber ®ad)t, in tt>tl6)t\n bie brd S3frid[)tcr(i(itter über^ 
dnftimmen, ifi bicf : JRot^mann tt>irb »on bm Stlft^^errcn t)on ©♦ 
Staun^ beurlaubt unb mit ®rlb mt^geftattrt , um iatl)oli^d)t Zf)tOf 
logic gu ftubiren, bcfuc^t aber, fiatt i^rer Slbflc^t ju cntfprcdl(fn, einige 
et>an9elifc^e ©täbte* I)iefen ßufönimen^ang ber SSegeben^eit jielle ic^ 
in abrebe. 

3ut)örbcr|i will id) \>erfuc^en, bie Steife SRotl^mannd buw^ bie 
et>ange(ifc^en ©tabte nac^ 3^it unb Drt urfunblid) fejiguftellem 

Der Slnfang berfelben fällt nac^ bem 7* Slpril 153 h Denn ber 
iflagjettel (93eila0e XI), ber im ^erbfl 1531 gefc^rieben \% fagt: up 
stillen fridach leist verleiden, so her ßernt die passien des morgens 
prediken solde etc., unb n)eift baburc^ narb, baf ^ot^mann am 
1. Slpril nod) in ©• 9Raurie ftc^ befinbet. Der 3eitpunft ber 9ifi<f^ 
frl^r (Aft fi4) ^^^ i^^d Briefen ^X7elanc^t^ond, an dlot^mann 1531 
3u(i 21 (Corpus Ref. X. 132) unb an gonrab ^ereöba^ 1531 
3Mli 15 (Corpus Ref. II. 513) annäl)enib beftimmen. 99e(be finb 
n&mlic^ in golge eine^ 33rief^ gefcfjrieben, burd) tt>eld)en Stot^mann 
feinen SQBittenber^er ®6nner um 3ufenbung eined ©e^ütfen für bie 
et)angelifcl)e Slrbeit in ©. SRaurift ober 3)tünfter erfuc^t unb i^n auf 
bie fectirerifd>en ©efirebungen bed bamald in ben fianben bed ^erjogd 
t)on (5let>e fic^ aufbattenben 3ol)ann (Sam^janud aufmerffam gemaq^t 
Mte. Dae 6*nbe ber JReife ift bemnac^ vor ben 12. 3uli 1531 gu 
fe^en, imb bie ganje 9ieife ^at ^oc^frcn« brei ÜRonate gebauert. 

Sßel(^e £täbte i)at Siot^mann befud^t unb vomn l)at er fie 
befud^t ? 

?lud feinem Srief an 9ieinincf, ben Äerffenbroirf mitt^eilt, erfe* 
I>en wir, bnf er fic^ SRitte 9»ai ju ©peier befinbet. — Daf er bie 
bort audgefpro^ene 2lbficl)t, fic^ nac^ ©traf bürg ju begeben, aM^ 
gefiil)rt t^at, wirb burc^ ©ujerd SiJorte in einem ©rief an 9lmbroftu6 
»taurer 1533 5Ro\). 16 erwiefen. ©u^er fagt (Siö^ric^ SRef. im ©^ 
faf II. 77): „Rothmannus, cum ego Ulmae, hie fuil, apud Capitonem 
egit, cum Schwenckfeldio coiisuevit. Homo magnis dotibus admi- 
randus.** öujerd Ulmer 9leformation6gefc^äft fallt in ben 3uni unb 
3uli, wobl auc^ in ben ?Diai, be« SaV^ 1531 : am 9. ®tai if» er 
nod) in ©trafburg (Zwingl. Epp. H. 602), am 8. 3uni feit einiget 
3eit in Ulm (ib. II. 608), am 4. 3uli wirb er über ungefähr fünf 
JEage in ©trafburg jurücf erwartet (II. 619), am 18. 3uli ifi er wie^ 
ber in ©traf bürg (H. 625)^ Dief mit ben früher angefül)rten ^attn 
jufammcnge^altcn, l)abcn wir 9iott)mannd älufentl^alt gu ©traf bürg 
in bie 3fit jwifd>en SHitte 5DJai unb Slnfang 3uli ju feiern — ©ein 
S3efuc^ in SBittenberg wirb am ftd^erflen burc^ eint Sleuferung 



beilade XV. 295 

tRcIand^t^ond flrftü^t (Manlü locorum communium coUectanea. Fran- 
cof. ad M. 1594. ]>. 4&5): quem et ego et D. pastor Ponieranus 
optime novimus. ^af er ntc^t ttxoa jum <Stut)ium, fontent nur 
grabe fo long, um benfclben 3^^*/ »eitlem bie Sietfc nad^ ben ober* 
tAnbif4)en Stäbten gcmft^ feiner Slngabe in bem 93rief nn Sieininrf 
gegolten \)at, gu eneic^en, alfo füglic^ ;\u feiner anberen ßcit M bei 
(Gelegenheit biefer grü^Iingdreife, in SBittenberg gen)efen ift; la^t \id) 
baraud erfennen, ba0 er mit 8ut()er in feinen perfönlidjcn 93erfe^r 

Betreten ifl; ein Umfianb, ber burct) bie ärt, n>ie inüjtx fpäter, auf 
ufere ffieranlaffunfl, an \\)n fcbreibt (\Jut{)erd ©riefe üon be SBette IV. 
426) unb anberdtt>o fid) über i^n au«fpri(t)t (IV. 425), nod) beutlidjer 
burc^ ben üKanael jeber Spur einer freunbfc^aftlicfcen ßorrefpoubenj 
uDifc^en beiben fonft fo fc^rcibluftigen 9)Jännem barget^an mirb* 2)a 
ätotl^niann auö bem Öbcrlnnb ^erabeö SKegd nac^ ©• 9Kauri$jiuücf* 
feieren tviü, fo muf er t)or feinem Speirer 2lufejtt^a(t nac^ SBittcn^ 
berg gereiji fein* Sine genauere 3fJt^ffti>nmuna bietet al^banu bie 
angefül)rte ©rwä^nung einer perfonlic^en 93efanntfc^aft jwifc^en Slotb' 
mann unb S3ugen^agen. Sugen^agen ifi nämlic^ von einer im De* 
tober 1530 angetretenen 9ieife nac^ 8übed erft am 30. april 1531 
na^ 2Bittenberg jurüdgefel)rt (3ie^, 8ugen{)agen p. 128. 146); mit* 
^In ifl Slot^mann jwitd^en Slnfang unb Wtu bed 9)?onat^ Wai in 
Wittenberg gewefen. — (Sin Sludflug t)on Straf bürg narf) ben Sc^wei* 
jerfiäbten, etnja nac^ Sa fei unb 3w'^i<^/ ^i^^ jwar t)on ^amel* 
mann behauptet, ifi mir aber jweifell^aft; ba ftd) fpäter feine beglau* 
bigte ©pur einer 8efanntfd)aft JRot^mannd mit Decolampab ober 
einem anbem S(^n)eijer SÜeformator aufweifen l&$t. Straf bürg, xotU 
dft^ ifyn, t)or allen anbem Stäbten anjog, unb ber perfonlidje 93er* 
le^r mit Sapito, Sd)n>endfelb unb anbem bortigen ©efinnung^genof* 
fm mag ftatt ber anfangli^ befiimmten t?ierjel)n Sage ben ganjen 
Stonat, ben er auf bad Dberlanb ju »ertDenben ^atte, in änfpruc^ 
gmommen ^aben. — !Dagegen ^alte ic^ ed für wal)rf(^einlic^, baf 
et 5Warburg bcfuc^t ^abe. 6d lag auf feinem 2Beg nac^ äßitten* 
berg; weflfälifc^er ?anbdleute traf er bort eine grofere 3^01 M an* 
ber«tt)o (Sininck Ann. Padcrb. 129); unb wenn i^m, nac^ ^amel* 
mann, t)an bem Sufc^e (Empfehlungen mitgegeben \:iat, fo mag 3lot^* 
mann fic in 9Warburg in Gmpfang genommen l)aben. SiSenigftend 
bie Slnaabe, baf t)an bem Sufc^ie 1531 in ber ^eimat gewefen unb 
bort mit 9iotl)mann in Sejie^ung getreten fei, muf id;, fo lange fic 
feinen bebeutenberen ®ett)ä^r6mann aW ^amelmann ^t, in ^wti^d 
gießen, inbem ic^ auf bie 9Borte ^inweife, mit benen t>an bem S3ufcif)e 
bei ber Disputation über bie Äinbertaufe 1533 feine Siebe beginnt 
(Hamelmaun De paedobaptismo) : — superiori quideni anno et simi- 
liter antea cum multis piis gayisus sum et magna laetitia perfu- 
sus, quod audirem in palrio solo evangeiium Christi et deposilis 
abusibus legilimam sacramentorum admioistrationeni in ecdesiis re- 



296 (Br0(6 Sbüäf. 

ceptam, et ministerium Bernh. Rothmanni, hominis ingeniös! et 
facundi, de quo tunc temporis mullum spei conceperam, gratulabar 
Monasteriensibus. 2)af IfRot^mann nadj ber Steife t)on 1531 ju ben 
üRarburgem in einem genaueren 93er^ä(tnt$ f^e^t^ erl^ellt au6 ben 
Ueberreften feiner Sorreiponbenj mit "oan bem 93uf4)e unb Srbarb 
@d)nepf aud bem 3a^r 1532 (K 17 t unb 93eilage Xü), namentlich 
axi^ bem t)ertraulic^en S^on feinet (Schreibend an ben (enteren. 

9lac^ bem ®efapten »erben \m, t^eiW mit tJoUer ©i^er^eit, 
t^eild mit SBa^rfc^emlic^feit; bie jReifc 9lotl)mannd in folgenber 
SSJeife ju beftimmen ^aben: 3m äipril ?lbreife t)on ©• 9Wauri^, 
bann 9lufentt)a(t ju ^Rarburg, @nbe Slpril unb Slnfauf) 9Rai in 3Bit^ 
tenberg, 9Mitte mai in ©peier, )>on SWitte 9Wai bid in bie jnjeite 
^alfte 3uni in Strasburg; @nbc 3uni ober Slnfang 3u(i 9(ücffeJ)r 
uac^ St. ÜJKauri^. 3)er ^wtd ber 9ieifc ifi nacb atotI)mann6 eigner 
angäbe ; fic^ in ben etjangelifc^en Stäbten umjufe^en* @r wiü bie 
Sleformatoren, i^re religiöfen Slnfic^leU; i^rc firct(id)en ©inric^tungen 
fennen lernen; um bie beften SRufter fpater^in bei feinen eignen @in^ 
ric^tungen in SMnwenbung bringen ju ifönnen. 

9tun bel)aupte id), ba^ biefe Steife mit jener^ gu wtld)tx \i)r\ bie 
©tiftdberrcn t)eran(a^r ^aben, nic^td gemein ^at* 

2)ie Stiftdberren fanbten 9iotf)mann jum ©tubium aud* SSBenn 
er fie in bem ©laubcn erhalten wollte, ba^ feine SReife it)ren Slbfic^^ 
ten entfprecl)e, fo burfte er nict)t nacfc g»t>ei bid brei ÜDionaten, fonbern 
erft naci) längerer Slbwefen^eit jurüdfe^ren. — - 3)ie ©umme ®elb6, 
welcbe er tjon il)nen erhalten ^atte, war ju beträc^tli^, ald ba$ er 
bereite nac^ SJerlauf eined üJlonatd bie 9?otbmenbigfeit bed 3wf^wf^ 
fed gefüllt ^aben follte, ben er »on Sleininrf begehrt — @r t)erl)eim? 
liebt bem Soten, ben er mit bem S3r(ef an Steinindf nac^ üMünjler 
fenbet, ben ^md feined Slufent^altd in ©peier; aber ber SSorwanb, 
ber in ben 2lugen feiner 3Künfterfd)en ®egner biefen Slufent^alt rec^t^ 
fertigen foü, ber ^roce^ nämlic^ bei bem tReic^dfammergeric^t; wiber* 
fprid^t faum minber ald ber toa^re S^ecf feiner SReife ber äibfic^t ber 
©tiftö^erren. — ©nblicl) gebe ic^ ju bebenfen, ob gu einer S^tt, afö 
9totl)mann fic^ fc^on in eine fo auffallenbe Dppofltion jur Äirc^e 
gefteüt ^atte, baf ein S^umult wie ber t)om 1. Slpril bie golge fei^ 
ueö aJer^altenö war, ber (Sleruö wo^l noc^ SSeranlaffung gefunben 
I)aben mag, Slot^mann mit einem 5Reifeftipenbium audjuflatten. 

©oüen wir nun, um bie Slngaben ber Ouellenfd)riftfteller mit 
unferm urfunblic^en (Irgebni^ in Uebereinflimmung ju bringen, au^er 
biefer 9leife noc^ eine anbre annel)men, ober foHen wir i^r ßfUfl^if 
ganj unb gar t)erwerfen? 

3c^ würbe um eine Q'ntfc^eibung »erlegen fein, wenn mir nid^t 
eine 2ludfage 5fnipperbolling6 ju §ü(fe fame. 3n einem 9Ser^6r vorn 
25. 3u(i 1535 (MQ H. 376) fagt biefer: dat hy Bernt Rotman tot 
gbeuer valscber leber to predicben gereilz ader bewegen hab. So hy 



«filaQc XV. 297 

langh senl Maurilius, eher hy oen kante, gepredighl ind dairna wal 
ii jair ewegh locgh, des liy oen doe lo lergelde einen Joachems- 
daler gaf. 6d liccjt auf hT §anb, ba^ bic l)icv bejcugtc 9icifc t>on 
jtvci 3al)vcr nid}t bicfclbc ift mit bcr jtvci^ biö brcimonatlicljcn Steife 
t?on 153K 

9?od)bcm l)icrburd) ä^r^ci i>on einnnbcr t>crfd)icbcne pfeifen \?oUfom* 
mcn fcftcjcftcüt fmb, fd)tDinbcu bic UninTcinbarfciten, tie wir oben 
nad)fjcu>icKu babcn, iiiib alle bic SlUijabcn, u>cld)c biöl)cr auf eine 
cinjigc Steife br^c(\c\\ u>orben fmb, laffen fid) o()ne 50Jii()e fdjeiben 
unb auf bcite Steifen t^crt()ci(cn» 5)ie elfte Steife ()at Stotl)mann, mit 
®enel)minunv3 unb Untcrftül3uni] bc6 9Jtauvi^coUegiuni^, ju bem an»^ 
9eblicl}cn cin^ccf, fatl)olifd;e S^ljeolOijie ju ftubiren, (jcmac^t. (Sie tvirb 
in bie 3a^vc 1529 unb 1530 faücn. l?cr berfelben \v>ax er noc^ 
nic^t alö entfd>icbnev Cppofitionömann aufgetreten. 3n bem vom 
10. Sluguft 15;i3 batirten Spottgcbid)t SUitenbernt, A ii, tvirb Stott)^ 
manu rebenb eingefüljrt unb fagt: 

Dal \vii sy swart, giiit qiiael, duster ciaer, 
Hebbe ick cn wis gemacket ii of iii jaer. 

womit ber Slnfang feiner t>on ber Äirc^en(el)re abweic^enben ^rebigt 
1530 ober 1531 gefegt wirb. 

Der 2ä>iberfprud) ber Duetlenfd)riftpetler, ber einjige nod) übrig 
gebliebene Slnfto^, lapt fid) wof)! burd) bie Seic^tigfeit, mit ber mau 
jwci au^erlid) fo a()nlicbe Sreigniffe r>erwcc^feln fonnte erflären. 3)tir 
fc^cint c^, a{^ I)ätteu UM'r bem a?erfaf|er be6 3)orpifd)en Sudjö bic 
5?crmengung ber beibcn Steifen ju banfen; wie flüchtig unb unjuvcr^ 
laffig bicfer 2lutor im Slnfang feiner (ST,5a()Iung ift, l)abe ii) an einem 
anbcrn Drt (MQ. II.) nadjgcwiefen. ^^amelmann l)at fic^ wie gc^ 
wöl)nlicl) bamit begnügt, 2)orpd Stelle au^jufdjreiben; nur ein 9Jlip* 
rerftantni^ veranlagt it)n f^u einer 2lbweid}ung. Unb fclbft 5lerf|cn* 
broirf, obfd}on feine 9tad)ricf)tcn l)ier felbftanbiger 9tatur fmb, mag 
bod> in ber 2Iuffaffung ber Sad)c unter 2)orpö (Sinflu^ gcftanben 
^abcn, bcffen 23ud) er vox fid) liegen t)atte unb überall benu^te. 2lber 
wäre bicj5 aud) nid)t ber gall, fo würben wir bennoc^ feinen ®runb 
baben, urfunblid;e 23cweife mit Äerffenbroicfö 2(utoritat ju befämpfen: 
benn wie geringfügig unb im einjelnen unbcftimmt unb fd)wanfenb 
bie meiftcn (yrinnerungen auö ber t)orwiebertäuferifd)en ^dt waren, 
weld)e Merffcnbroicf fammeln fonnte, werben bem aufmerffamen Sefcr 
tie SÜianget meiner eignen ©rjaljlung an mel)r at^ einer Stelle bärge* 
•{)an l)aben. 



rnicf Don 3. ^P. *iif*feU in «opjiö. 



©efd^ic^te 



bee 



9»flnfiertfdien Knfntlit« 



in bret Sudlern 



i9cn 



C. ä, iLotmtiviS. 



Swtitti Su^ 



fbit fBiitttttanft. 



X. O. ® f i 9 f I. 
1860. 



S 1t M 1 1 



ecite 

I. 3)ft Urf^^rung bcr ©lebirtaufe l 

II. 2)ie oberbeutf^en ©iebertäufer 30 

III. (Strasburg unb SRel^ior ^cfmann 75 

IV. 2)a« (Süangelium in fficflfolen 99 

V. JDic «ut^enfcfte Äir^e in @oefl 119 

VI. 2)ie 3n)inglifie jti^c in SRnnflcr 140 

VII. 3)aa Evangelium am WtUxxfftin 153 

VIII. SSan ber Mtä unb bie SJaffenberger 170 

IX. JDic aWeic^ionten 210 

iSeilagen« 

I. Sonrab ®xthtt unb ©enoffen an fll^omad Tlün^tx 1524 Se^t. 5 240 

II. 3ün$ an (S^aff^aufm 1525 $(^r. 4 249 

ill. @onrab &xcM an Soad^im ^abtanu« 1525 ^ai 30 .... 250 

IV. (Senbf(^rcibcn J&an« J&ut« 251 

V. SDtlf^elm 9leub(in an $t(gram maxhtd 1531 3anu. 26 . . . 253 
VI. SIeugerungen ber (Stragburger ^rebicanten unb i^rer greunbe 

ober ben firc^li^en 3uflanb <StraSburgd 260 

VII. 9(u« ben (Stragburger Sergi^tbü^ern unb fftaif^moioUütn . . 267 

VIII. JDie ölifolaburger 9lrtife( 279 

IX. aWelctior J&ofinann« (Schriften 282 

X. aWel^ior ^ofmann« Sßanberungen 287 

XI. ^»ertjinu« J&averlant an ben 8ilat^ von @ocft 1532 2)ec. 5 . . 296 

XII. Urfunbe jur 93eftätigung angefo^tener Privilegien bed grater« 
^aufc« ju §ervorb 1532 Tlai 20 298 

XIII. 9(u«fagen ber Söbeder $rebicanten iiber 3o][fann van ^am^^en 
1532 $)cc. 20 300 

XIV. (Scefter ®ef*i<^ten be« 3a^r« 1533 304 

XV. SRünflerifd^e {Ratl^e^erren unb itorgenoten 1530—1534 . . . 30a 



€eüe 
XVI. Grg&njungen gu ^amelmanne ®ef^t^te M 9flvmfitxi\^tn $(uf« 

ru^re 313 

XVII. ®runbgnge ber cvangeltfd^en jttrc^enverfaffung bet @tabt Ttnn^tx 317 

XVIII. (Svangeltfc^e Suc^torbnung btr <BtaU münfitx 320 

XIX. IDcr fftatif ber ®tabt ®efel an ^ergog Sodann »on ®e))e 1531 

SR« 5 328 

XX. JDte SRünfterifd^m $rebtcantcn 330 

XXI. ®an ber ^itä an ben ^ergog (Smfl von Süneburg 1533 X^r. 2 350 

XXII. iBer^anblung gu Dlbenberge 1533 9lug. 1 .351 

XXIII. HBulev an ben 8if(6of (^^rtfto))^ von 9(ug6burg 1533 Se^t 8 • 355 

XXIV. Xitü unb Sombe bet meberbeutfc^en Ueberfe^ung be6 <Bttap 
burgtf^en ©ef^räd^d mit Sleld^tot ^ofmann 356 

XXV. <&er)og @arl von ®e(bem an ben Sanbgrafen 1533 Dct 20 . . 358 

XXVI. IBening unb 9abnctu6 an ben Sanbgrafen 1533 9lo9. 15 . . . 358 

XXVII. IDer 9tatk von ä^unfler an ben Sanbgrafen 1533 ^&o. 15 . . 3G0 
XXVIII. iBan ber mitd an ben ^efftf^en Staniln Sol^ann Seigf 1 533 fnov. 15 363 

XXIX. IDer 9tatff von Slnnfiet an ben Sanbgrafen 1533 9lov. 17 . . 367 

XXX. eentng unb Sabriciud an ben eanbgrafen 1533 9lov. 18 . . . 368 

XXXI. ^an ber SBted an ben Saubgrafen 1533 %)t>. 18 369 

XXXII. San ber mitä an 3o][fann Setgf 1533 f^ov. 18 370 

XXXIII. (Someltue $olbermann an ben ^atf^ von (Strasburg 1533 9lov. 373 

XXXIV. 3)er «anbgraf an ben ©iffiof von SWünfter 1533 2)ec. 24 . . 375 

XXXV. Studgäge au6 OSer^ördprotofolIen in ©a^en ber [Religion gu 
«mfterbam 1533 £)ct. 17. 1534 gebr. 15. 11 377 

XXXVI. fRel^nier Smnt, ®eneralprocurator von ^oKanb, an ben trafen 

van ^oi^flraten, &attffaUtx von ^ollanb 1534 Scbr. 14 . . 383 

XXXVII. Snftruction bed ^ofd von ^oUanb an itönigin a^aria 1 534 Scbr. 17 385 

XXXVIII. itlagen gegen Slmflerbam in <Sad^en ber Sf^eltgion 1534 £)ct 10 391 
XXXIX. $lntivort ber Stegierung von Slmflerbam 397 

XL. a)enff*rift über ba« 93er]^alten Slmflerbam« in «Sachen ber 

gicligton 403 



^Bfur^ttttgetu 



H Hermanni Hamelmanni Opera genealogico-historica de Westphalia et Saxo- 

nia iDferiori, coDgesta ab E. C Wasserbach. Lemgoviae 1711. 
K Aoabaptistici furoris iDclilam Weslphaliae metropolim evertentis historica 

narratio autore HermaDoo a Kerssenbroick. 3)^f. 9h>. 133 ber $19. 
NQ Die Geschichtsquellen des Bisthums Muoster, herausgegeben von Freunden 

der vaterländischen Geschichte. 3 Bde. Munster 1851 — 56. 
NB Niesert, Beiträge zu einem Munsterischen Urkundenbuch. Band I. MQiv- 

ster 1823. 
NU Niesert, Münsterische Urkundensammlung. Band. I. Coesfeld 1826. 
9ifL @tabt «9(r(^t9 )u Slmflerbam. 

9(9$l ^xäfvo be« ^xo\>iniiah®md)Uf)o^i ))on 9lorb]^ol(anb gu SCmflerbam. 
9391 SDi^Utl^cÜungett bed it. fniebetl&nbtfc^m Sf^etd^darc^toard S)r. ^af^utjeii 

van ben lIBrtnf aud bem fftü^if^ixäiio gu Sdxnf{tl 
au Stegterungd^SCrd^b )u Gaffel 
Q&% ^tatmx^w iVL (Kbln. 
^X ^xo\)iniial'Mx6)Vo }u ^üffelbcrf. 
89 9lx6)W ber freien @tabt Sranffitri 
i% fftnä)if^xä)io im ^aa^, 
^n% &aaUi^x^vo )u Hannover. 
i% <Stabt^$(r^b gu Setben. 
fBi^ $rct)tn$tal^9(rd^tt) \\x SRünfiet. 
aR®t$( <Stabt^9r^it) gu a^ünfler. 
9m ^oniQÜdfU ^x^i\> gu 9lürnber0. 
CS $rootngta(r9(r^b gu Ddnabriicf. 
691 ®tabt^9(r^t9 gu ®oe#. 



ItX Ch)an9cltf(^e6 Stixä^tm^xä^w (il^^ema«ftrc6e)ju (Strasburg. 
®9 9lr^tv be« (Smeftimf^^en ©efammt^aufcd )u Seimar. 
SBit$( Ch)angelif<f^ed Stixäftns^xä^w ju ScfcL 
®c9( ianM'^^xäfW gu 9Do(fenbntte(. 
®@t$( <Stabt^9lr(^b ju SBefel. 
1193 9t&(tot][fef bed ®emtnard bet ^»eretntgten taufgeflnnten ®emetnbe ju 

Slmflcrbam. 
$1SB itoniglt^e 8tMtot^ef ^u ^Berlin. 
i8SB HBürgerbibliot^ef ^u @. ©aUen. 
4!B ®tabtbibIiot^ef )u Hamburg. 
Wb $of« unb ®taat6^$Bi&(tot^ef ^u Sländ^en. 
SRUIIB Unberftt&td^ÜBibltctlief )u münä^tn. 
^fö 9lfabemif^e ^ibHot^e! ($aultna) gu 9ltin^er. 
@tlB <Stabt''!BibIict4ef )u (Stra^urg. 
U® Univerfität«''i8ibaot^ef ^u Utrc^t. 
CB® van 9)oorfl*fd(;c !Btb(tot^ef ju Qtmflcvbam. 
9D93 eanbed^lBibltot^ef )u SBclfenbätta. 
3® etabt^^ibltct^cf gu 3ärt^. 



Mit iXUttftvtatxft. 



Wy waren alle onTersocht, eeoTOudigb» 
onuoosel, sonder alle argheit of arglistig- 
heit, ende meenden in der eenvout, als 
wy ons hoededen voor de Papisten Lutber- 
scben ende Zwinglhchen, soo wäre hei 
alles goet ende dorfden nergens voor 
sorgen. 

Ohb0 PhUipi, 



I. 

©et tttfptuttg bet aSBiebertttufe* 

3n jenen S^iUn, welche burc^ ben äuffc^wung ber nieberen 
Stdnbe bad Slbenblanb ju einer Stenberung ber 93a^nen beö ßffenti' 
liefen gebend gebieterifc^ I)inbran9ten, unb mtl)x ald einer Station in 
ber Segrünbung einer neuen Drbnung i\)xtx inneren 98ert)dItni)Te bad 
STOittel Qttt>Si\)xttn, ben 3uwäc^^ il)tet Ärdfte jum Stufen unb 9lut)m 
ber ©efammt^eit ju t)ern)ertl)en , \)atu ber beutfd^e ®eift fic^ mübc 
gerungen, ol^ne bie notl)tt)enbigften Orunblagen einer gebeil^Iid^en 
gortentwicfelung ber Station ju gettjinnen. Da« beutfc^e SBoIf aber 
toax bad erfie ber 6^rifienl)eit 5 nic^t bloß burc^ t)icl^unbertiä^riged 
9iec^t unb burc^ bie ©umme ber STOad^t feiner ©lieber, fonbern auc^ 
burd^ bad frül)Iingdartige Sireiben unb ÜJrdngen feineö Sebenö; unb 
je reid^er bie güUe frifc^er Äräfte in Stabt unb Sanb ftc^ entfaltet, 
je l^offnungdüoUer bie Slütl^en M ©eifled fid^ erfc^Ioffen l)atttn, 
je lebenbiger burd^ alle ©tdnbe ©elbjigefü^I biö jur ^offart, Si^aten^ 
lufi bid jur Unbdnbigfeit l)errfd^ten: um fo unabweiölic^er toax t^a^ 
93ebürfni^ einer (Erneuerung beö alten Sleid^d, unb um fo tjer^dng^ 
nif voller »irfte bad Unglücf ber Sieformbefirebungen, burc^ ml6)t^ 
aUe bie fc^weUenben Äeime unb itrdfte, bie unter ber Pflege einer 
nationalen 5PoIitif ben Olanj ber SSorjeit erneuen unb überbieten 
fonnten, einer tiefgefd^rlid^en Od^rung anljeim gegeben »urben» 

©türme, bie t)on folc^er Sage ber 3)inge erjeugt »erben, bebro^ 
^en nie auöfc^Iieflic^ ben (Staat, fonbcni mit il)m auc^ bie Äirc^c 
unb bie ©runblagen ber ©efeUfc^aft vihtx\)an'pt. aber wo fie bei 
anbern SSölfem unb ju anbern 3^'^^" entfianben finb, l)aben fte in 
^>olitifc^en gormen ftc^ bewegt unb bie Umwdijung bed Staate^ jum 

Sornellul, 9(ufru^r in 9Ränflrr. II. 1 



2 3»rfttc« SBu*. 

etfien unb •§)aiq)tjiel genommen. !Daf im ©egent^eil bei und bic 
Bewegung fo halt ein firc^lic^eö ®ett)anb erhielt, liegt nic^t aUtin 
an bei Stuöbel^nung unb 93ebeutung ber firc^Iid^en aÄißjidnbe» 

Die STOac^t bed ©onberlebend über bie beutfd^e Station, bad 
große ^inbemif einer frieblid&en Erneuerung bed Sieic^d, biente ju^ 
gleich alö ©c^u^mittel gegen bie ®efal)ren ber Umfhirjgelüjie, inbem 
fie eine ®efammterl)ebung beö SSoIfeö erfd^werte, Die ©tdnbe maren 
getrennt. Der Slbel groUte ben gürfien, bie ©täbte lauteten flc^ Dor 
beiben, bem Säuern galt aüc^ für %tini, »ad hinter SRingmauern 
unb in ©c^Ioffem too^nte- Sluc^ jmifc^en ben ©tdmmen unb 2anb* 
fc^aften ttjalteten tiefe ®egenf3^e in güUe, unb t)or allem ftanb bie 
fiarfe ©d^eibenjanb noc^ unerfd^üttert , meiere bie SSerfc^ieben^eit ber 
&)ßxad)t unb überwjiegenber Sebenörid^tungen jn)ifc^en ^od^- unb ^lieber- 
beutfc^lanb aufgerichtet \)au (Sint äuögleid^ung ber t)erfd^iebenartigen 
93eflrebungen, eine Slnndl)erung unb äJerfiÄnbigung , bie äudbilbung 
bed ®emeinfamen in ben SQBünfd^en beö SSoKeö jum beflimmten Stud^ 
brurf eined <)olitifd^en aJolföwiCend mußte üorange^en, um eine ®e^ 
fammter^ebung möglich ju mad^en, 3" *^iff^J^ 3lrbeit fehlten bie 
SQBerfieuge, 6ine äJolföDertretung, bad flc^erfie unb »irffamfte ÜÄit^ 
tel jum S^td, befaßen unfere 9Sorfal)ren nid^t. Die 5)}reffe, meiere 
auf weiteren Umwegen ju bemfelben 3^^ führen fonnte, mußten ^e 
erft gebrauchen unb auf bie 93e^anblung ber lageöfragen anwenben 
lernen, Unb alö ^ierju in ber unmittelbaren 3l&f)z ber Zf)at ein 
fpdter Slnfang gemacht würbe, war bie firc^lic^e 9ie»olution bereite 
im Dollen ®ang, bie, mit ber ÜRad^t bed ®eworbenen auf bad SBer* 
benbe einwirf enb, ben politifd^en Umflurjoerfuc^en , fiatt t)on il^nen 
bad ©efeft ju empfangen, Dielmet)r felbji ben änfioß unb jum Xf)til 
bie Sorm i^rer (Srfc^einung gab. 

Denn auf bem firc^Iic^en ®ebiet beburfte ed ber langen SSorbe* 
reitung nid^t, um eine Uebereinftimmung ber wirfenben Jtrdfte ju er* 
jielen. Ob aud^ ber gemeine SKann anbere Vorwürfe gegen ben 
Slerud betonte ald bie aWdd^tigen ober aU bie ©ele^rten, ber ®egner 
war boc^ für alle ©tdnbe berfelbe, unb ber ©unb gegen i^n war 
»orl)anben, wie bie Steigung jur ge^be, lange beüor gü^rer an bie 
©pifte ttaitn. 9lur ber ©d^ritt »om ®efü^l gur Zf)at war ju »oll* 
bringen unb ju i^m füljrte ber mdc^tigjie Demagog, ben Deutfc^* 
lanb je gefet)en, fein 93olf* 2lld biefer bie tt)eologifc^en ®egnet jur 
Seite fiel)en ließ unb feine beutfc^en glugfd^riften mit ben flammen* 



I. IDcr Urf)>vun9 bct ffitebertaufe. 3 

ben SSßotten M Umfiutged in bie SSJelt ^tnaudfanbte, begann un- 
mittelbar eine nationale Semegung; unb bie politifd^e 9tet)o(ution mat 
^on ber fiic^Iic^en überholt. 

(Sd mar ein entfc^eibenbex 9(ugenbli(f, ald }u SQormd ber junge 
Äaifer mit ben ©tänben bed SReic^ed jufammen trat, um bie aufge^ 
regte 92ation }U befriebem SSieUeid^t tt>ax ed bamald noc^ uioglic^; 
aHen ÜJrang unb S^rieb in bad ®cleife bed ©efe^'eö ju lenfen» 
8ber bie Aufgabe ujar in furjer ^tit riefig gewac^fen, unb ber ©taat^ 
mann Don überlegenem ®eiji, ber fie ju lofen unb bie 9iation üor 
ji(^ felber ju retten üermoc^t l)dtte, t)at und gefehlt* 

Die politifc^en grud^te M SOBormfer JReii^ötag«, in ber Z\)at 
ber ^auptinl^alt ber biö^erigen amtlichen JRcformbeftrebungen, tt)ür^ 
ben, in früherer ßtit bargereic^t, ben beutfd^en ©efd^icfen »ietteic^t 
bie ^eilfamfie SQScnbung gegeben t)abem 3e$t aber »aren f!c aUin 
gering, um bie ®emütf)er ju befriebigen, unb inbem man ber neiu 
gefc^affenen Sieid^öregierung, midjtx ber fd^wierige Seruf jufiel, in 
bie Dortjanbcne ©äl^rung orbnenb unb Icnfenb einjugreifen, ed über^^ 
ließ, fefbfl erfl bie SRittel unb ben Umfang if)rer äBirffamfeit ju er^ 
{ampfen, gab man bie Iangerfel)nten (Srgebniffe bed SReformfampfed 
unb mit i^ncn ben Sortgang ber SReform überljaupt ben dußerjien 
(Befahren preid. 

2Rel)r aber alö bief unb gerabeju bie SSemic^tung ber national 
len Hoffnungen lag unter ben bamaligen 93er^dltniffen in ber @nt* 
f(^eibung, »elc^e t)on bemfelben Sieic^ötag auf firc^Iic^em ©ebiet 
ausgegangen i% 

@ö war eine 5ßflic^t für ^aifer unb dttid), bem ^ier begonnenen 

Umfiurj entgegen ju treten* Slber eine 5Pflic^t war ed au*, ju glel» 

(^er ßtit um fo entfd^iebener ben 3Beg ber alten JReformwünfc^e ju 

t)erfoIgen unb burd^ if^re GrfüKung bie Station mit ber Äirc^e ju 

t)erf6f)nen* SQSot)! führte biefer 2Beg, ber ben glei^jeitigen ifampf 

mit bem Äirc^enregiment unb ber fird^lid&en 9iet)oIution er^eifc^te, in 

eine bunfele 3ufunft DoUer SBagniß unb ®efal^r* 2)oc^ il^n »ermei^ 

ben brad^te am fic^erjien baS äJerberben* Snbem man burc^ bad 

fflormfer Sbict bie firc^Iic^e 9ieooIution mit bed Sieic^ed 2(c^t belegte 

unb i^r boc^ jugleic^ ben nationalen Äampf gegen bie fird^lic^en 

SKif brauche als unget^eilteS Srbe überwies, Idl)mte man bie itraft 

ber Sefien im 8anb, warf bie Sieformfreunbe ^ier auf bie Seite ber 

olttn Orbnung unb SWiporbnung, bort auf bie Seite beS ®efeftbrud^S, 

1* 



X 



4 3tonted IBuc^. 

jmif bic Station; unb überlief bie ©ntfc^cibung über il)r ©c^icffat 
bct Scibenfc^aft unb ber ®emaU, 

^ierburc^ »urbc bic Stellung bed ateic^dregimentö, bie o^nel^in 
nic^t ^offnungöreid^ roai, t)oCenbd unl^altbar* ®egen baö S^eic^d^ 
gefefe Don SBoimö ju ^anbeln xoai il)m nic^t erlaubt; für baffelbe 
gu ^anbeln befap ed nid^t bie äRac^t unb auc^ nid^t ben SBiUem 
Snbem ed fid^ alfo bat)in gebrdngt fat), in ber brennenbflen angele* 
genl)eit beö $taged gleic^fam ber ^Regierung ju entfagen, \)emic^tete 
eö f!d^ felbfl unb bamit jugleic^ ben Äeim ber ^)olitif(^en ©efamrnt^ 
entwicfeiung ber beutfd^en Station* 

Untcrbeö fd^ritt bie Semegung fort. Sine ^Regierung befianb 
nur bem Siamen na^» Die Sieid^dtage, weld^e ju fpät \)erfud^ten, 
ben SBormfer gel)ler jU t)erbeffern, forberten burc^ il^r ©c^wanfen bie 
JReüolution, oI)ne bie SReformbewegung »ieber inö ?eben rufen ju 
fönnen* 3)er ©türm gegen ben Steruö griff »eiter um fic^ im SSolL 
Bugteic^ begannen bie politifc^en Umfturjüerfucfee. 2)er ätbel er^ob 
ftd^ gegen bie gürfien, ber gemeine 3Äann in ©tabt unb 8anb gegen 
alleö ttjad über i^m jianb- !Dad le$te ^xti xoai bie SSernid&tung 
aller beftctjenben ©ewalten unb 9Sert)dltniffe, auf beren Sirümmern in 
©taat Äirc^e unb ©efetlfc^aft bie 3)emotratie ftd& ttjürbe erl^oben t)abem 

Slber JU einer ®efammtert)ebung beö aSolteö reifte ber Slufrul^r 
nic^t. 2)urc^ ben Vorgang ber hrd^lid^en Bewegung befc^leunigt, 
erfolgten bie politifd^en Sr^ebungen t)ereinjelt unb el)e bie SSerfc^met 
jung ber politifdfeen ©ejirebungen unter pc^ unb mit ben fird^lic^en 
angebahnt »ar. Darum t)ermoc^ten bie jum einigen SQSiberflanb ge^ 
not^igten Jlrdfte ber befie^enben ©onbergewalten ber 3Jewegung ^err 
JU werben, unb in 93tut unb ©d^rerfen würben bie ©onberbeftrebun* 
gen ber nieberen ©tdnbe unterbrücft* SRi^t anberd aber, aW l^dttc 
wirflic^ eine ®efammtert)ebung flattgef unben , würbe t>urc^ biep Sr* 
eignip auc^ ber 5Rationalbewegung überl^aupt ein @nbe gefegt. 3i^rc 
itrdfte waren im Slufruf)r t)erbrau(^(, unb »on je^t an galt bic 
Stimme beö aSolfeö in ben öffentlichen 2lngelegenl)eiten nur in fo 
fern afö fie bem aJortl)eil unb SBitten ber a»ä(^tigen ato ©tüfte bic^ 
nen mo^te* Die alten Dbrigfeiten entfc^ieben fortan wieber allein 
über bie beutfc^en ©c^icf fale, in jeber ^infi^t, politifc^ unb au^ firc^lic^» 

Doc^ war bie Slrt, wie bie 5Rationatbewegung il^r @nbe eneic^te^ 
für bie folgenbe ^txi feinedwegö gleichgültig* SBdre tint ©efommt* 
er^ebung niebergeworfen worben, fo ^dtte ber @egenfc^lag bem j^ifioi* 



I. IDer Utf)>tung ber Sßieberiauff. 5 

rifc^en ®efeft gemdf aUe ©rgcbniffe ber Bewegung, aud^ bie firc^* 
liefen, getroffen» 3eftt aber überbauerte ber ©turj bed 6(erud unb 
Wc Srfc^üttening ber iWrd^e ben rafc^en SBec^fel ber Oefc^irfe- 3n 
Wefem einen ?Punft feftte ein S^^eil ber Sieger baö Sääerf ber Sefieg^ 
ten fort, unb fie räumten in bem ©errief i\)xtx 3Rad)t, Don ber öffent» 
liefen SWeinung unterfiß^t, geifilid^ed ®ut SRegiment unb SQSefen fo 
grünWic^ ^inweg, baf ber niebergefc^Iagene Slufru^r felbft ed faum 
beffer tjermoc^t f)&ttt. 2)ie JRürfftc^t auf ben @onbetDortl)eiI toirfte 
mit, obtt)oI)f nic^t ©elbflfuc^t allein ober l)au<)tfdc^lic^ ber Seweg^ 
grunb ber Dbrigfeiten tt>ax, tt)elrf)e fo l^anbelten» 6ie ttjaren ein 
ill^eil ber Station unb folgten bet allgemeinen Strömung, in ber fid^ 
biefe befanb» Slber »dl^renb fte ber potitifc^en ©en)egung ijatttn tnU 
gegentreten muffen, um bad eigene 9lec^t unb 93eft0tf)um ju retten, 
tourbe im ®egentl)eil burc^ bie Sludfic^t auf naiven ®ewinn ber Sln^ 
trieb für fte jur Zl)tilnai)mt an ber firc^lid&en ©enjegung DerfMrft* 

!Die fire^lid^e Bewegung aber Ijatte in bem Sfugenblirf, »o fie 
burc^ ?utl)erd SInftof jur Slufleljnung gegen bie ifird^e reifte, ben 
teligiofen 3n^alt in fic^ aufgenommen, welcher bad (Srgebniß feiner 
perfönlicften @nttt>irfelung n)ar, unb in i\)xtm Sntjie^en war bie 
firc^lid^e 9let?olution jur ®tauben6fpaltung geworben. 3n Solge 
beffen, »aö bann auf bem 9tcic^dtag ju SBormö gcfc^^l) unb nic^t 
gefc^af), fal^ ftc^ bie Station in jwei ^Parteien gef<)alten, Don welchen 
bie eine nic^t mel^r blo^ wie bie alte D<)pofition ben duf eren 93efianb 
unb bad SSer^alten ber jtirc^e, fonbem jugleic^ il)re ?el)re angriff unb 
bem fat^olifc^en ®lauben eDangelifc^e ©treitfdfte entgegenjiellte, ^tnn 
nun ein Z\)txl ber JReid^djidnbe, wie er eö wirflic^ t^at, bie Sefke^ 
bungen ber firc^lid^en ©ewegung aufnahm unb fortfeftte, fonnte er 
nur in ber gorm ber ®laubendtrennung l)anbeln, benn jebe anbere 
Jorm ber Bewegung war Derfc^wunben ober bebeutungdlod geworben* 

So gefc^a^ ed, baf bie 5Rationalbewegung, inbem fte Don i^rem 
urfprunglic^en unb eigentlichen ^itl einer politifc^en Umbilbung ju^ 
rücfgeworfen würbe, ju einem anberen Don Anfang l)er weber erfheb^ 
ten noc^ gewünfc^ten Srgebni^, ndmlic^ jur ©ilbung einer eDangeli^ 
fc^en ^Partei im JReic^ ful^rte* 2)ad politifd^e ©onberleben, auf beffen 
S3efc^rdnfung ober Vernichtung bewußt unb unbewußt bie Bewegung 
Eingearbeitet Ijatte, em<)fteng burc^ biefe neue ®rünbung eine noc^ 
größere ©tdrfung, aW ii)r auö ber Unterbrucfung ber national<)oliti^ 
fc^en ©efhebungen erwuc^d* 



8 3tt>eite0 l9Bud^. 



% 



\ 



2)er rcligiofe ©egenfa^ gegen bie alte 5firc^e, ber t>on jeftt an 
a(d unterfc^eibenbed ^auptmertmal im itampf ber Parteien bet 3tn^ 
gelpunft ber beutfc^en ®efd6icl&te würbe unb bie politifc^en gragen 
fic^ unterorbnete, l^atte bereite t)or bcm Snbe ber 2Jolfdbett)egung 
eine bebcutfame @ntn)icfelung jurürfgelegt angeregt burc^ 8ut^erd 
t^eologifc^en Streit, xoox eine gülfe Don ©ebanfen unb S3ejhcbun* 
gen religiofen Sn^altd erwacht, unb manche »aren ju S^jiemen 
beö ©laubenö unb gormen beö Äirc^enmefenö Derfd^iebener unb fe^r 
entgegengcfe^ter Slrt erwadbfen» @in ifampf feinblic^er aiid^tungen 
toax begonnen unb WDurbe fortgefütjrt , oon beffen ©rfolgen ®Iaube 
unb ilird^e, tjielleid^t [elbft bad Seftel^en ber e^angelifc^en ^Partei 
abl^ieng. 

8utl)er, oon bem ÜJrang beö angriffe, ju n)el(^em er ba6 3«- 
d^en gegeben l)atte, [eiber eine Strecfe mit fortgeriffen, ^ielt boc^ früf) 
inne unb xot\)xit bem SBerf ber 3crft6rung ben gortgang» SRötl^igun* 
gen ju einer confert^atit^en Haltung lagen tro^l in feiner öffentlichen 
Stellung unb jumal in bem SSert^eibigungöfampf gegen bie, toelc^e 
er bie Sc^warmgeifier nannte ) ber tiefere ® runb aber rul)te in feinem 
Snneren fclbfl unb in feiner 9Sergangenl)eit. @r war ein 3Rann Don 
heftiger Seibcnfc^aft, aber jugleic^ ein glaubenöeifriger 3;i)eologe gc* 
»efen fein Seben lang* ^in ©laubenöprincij), mit leibenfc^aftlic^er 
einfeitigfeit aufgefaßt, führte it)n ju (Streit unb Slufru^r- 8Ild er 
bie Folgerungen au^ bemfelben gebogen, bie entgegenjiel^enben 3)og^ 
men unb (Einrichtungen ber itirc^e befeitigt ^atte, trat im allgemein 
nen bie STOac^t ber Ueberlieferung tt)ieber in i^r SRec^t über bie Seele 
beö 3;i)eologem SBaa nid&t offen bem flaren @otte6tt)ort, bad ift 
feiner 8el)re Don ber SRed^tfertigung n)iberfprac^, bad fonnte befief)cn 
bleiben» 

8utt)er6 Se^re gewann unb bet)ielt eine SWenge gläubiger «n» 
l^dnger» 3)er ©runbgebanfe berfelben, welker über eine fo gewaltige 
Katur nad^ langen unb gerben ©eelenfdmpfen bie ^errfd^aft gewom 
nen t)atte, bewd^rte leicht feine Jtraft an Dielen fc^wäd^eren ©eifiem» 
(Sine große 8lnjat)l auö ber Sffiittenberger Schule ^erDorgegangenct 
a;^eologen war gewöhnt, bem SReifier ju folgen, wo^in immer er 
Dorangieng , unb überlieferte ge^orfam il^ren ©emeinben ba« S^flcm, 
wie e« in SBittenberg ©eflalt gewann» 3n feiner Umgebung »oüete 



I. IDer Urfptung ber SEDiebertaufe. 7 

fltbieterifc^ bic SWac^t feiner ^ttfonlid^feit auf bie fern ©te^enben 
»irfte bie glut^ ber Schriften, bie er in unvergleichlicher gruc^tbap» 
feit unabiafftg in bie SBelt fanbte* ©c^neU fertig, auf jebe religiöfe 
^age ber ßtit mit beru^igenbem Äac^brurf ober mit t)ernicl^tenbet 
ipeftigfeit 9lntn)ort ju geben, l)ielt er bie i^m geneigten ©emüt^er in 
ben ©c^ranfen feiner Se^rc feji, 

8lber bei weitem ni^t aCe Oeifter, welche er mit ber alten Äirc^e 
entjweit ^atte, t)ermod^te er ju lenfen unb fefi ju bannen. @ö gab 
3;i^eologen, e6 gab auc^ Saien t)on t^eologifc^er Silbung, »efc^e jmor 
bic Slnregung Sut^erö emj)fanben, aber t)on feinem ©influß unab* 
^dngig treiter giengen. 3« i^nen traten anbere, n)elc^e fc^on »or 
Sut^erö Sluftrcten ber Äirc^enlclire fic^ entfrembet Ijatten, unb burc^ 
feine ©rfolge t>cranlaft mürben, it^re ©cbanfeu and Sic^t ju geben 
unb JU @t;jiemen audjubilben* ßinmal auf biefed gelb ber Unter* 
fuc^ungen gefül)rt, ergriff ber grübelnbe Serfianb jener f)aarfpalteri* 
fc^en unb ftreitfüc^tigen 3<^it bie 2)ogmen in immer weiterem Um* 
fang, unterwarf bie fat^olifc^en unb bann bie lut^erifd^en ©dfte einer 
Sichtung, beren ©rgebniffe überall über baö lutf)erifc^e Softem Ij'maM 
ju größerer ©ntfemung t?on ber alten Äirc^e füf)rten. ÜJiefer 2Beg 
njar fef)r abfc^üfftg. 2)ie beiben ©aaamente, welche Sut^er übrig 
gelaffen, würben Don 6arlftabt unb anberen angegriffen. Sc^on 
§ä^er wagte ftc^ an bie S^rinitdt. !Dad le^te unb nic^t feljr ent* 
femte 3if' ^in^^ fotd^en geifiigen Strömung war bie äJerflüc^tigung 
bed ß^rifient^umd. @ö gab Seute ju DWirnberg, welche im Saläre 
1525 il^rem 3lat^ erfldrten, fie t^ietten fo wenig t)on 6f)riftuö, wie 
t>on bem fagenberüf)mten ^erjog ßrnft ber in ben Serg gefal)ren. 

@ine 5Kenge folc^er 2;f)eologen machte Sut^er bie ^errfd^aft über 
bie et>angelifd&e ^Jartei jireitig: ein itampf, ber feit 1522 im ©ang 
war unb bid ju feinem Sebendenbe nic^t auft)örte, beffen ©rfotg aber 
im ganjen ni^t jweifel^aft fein fonnte. 3eben feiner ®egner für 
ftd& betrachtet überwog Sut^er burc^ feine !£^aten unb burc^ bie 
SRac^t feinet Oeifled, gegen alle jufammen l^atte er ben entfc^eiben* 
ben aSort^eil feiner confert^ativen Haltung unb beö Umfd^wungö ber 
3eiten. Sine gortbauer ber SSerwirrung i)&ttt anbere SReifier in 
göttlichen Dingen an bie ®<)i9e ber Station gel)oben, wd^renb je$t, 
nad^bem wieber georbnete politifc^e 3wfidnbe eingetreten, auc^ auf 
bem religiöfen gelb 9iu^e unb ©tillflanb bad Uebergewidbt über ben 
SBec^fel M gortfd^rittd erhielten* 3n ben äRaffen lebte neben einem 



8 äMiiu ^u^« 

flatfen SffiibeTOiUen gegen bad alte Rxxd)mm\tn wenig ©egelfierung 
füt irgenb eine neue fird&lic^e ®efialtung, unb bie Dbrigfeiten, totU 
äjtn l^ierburc^ audfc^ließlid^ baö ©c^irffal ber etjangelifc^en Äird^c 
anl^eim fiel, folgten gern bem Seifpiel 6l)urfac^fend; bad im 93unbe 
8ut^erd mit ber weltlichen ®MaU ©cangelium unb inneren ^rieben 
unb uberbieß bie anfef^nlic^fie aSerme^rung ber fürjilic^en ÜÄac^t er* 
tt>orben Ijattt. 

9?ur burc^ bie befonbere ®unft ber duferen aSerl^ältniffe würbe 
e^ moglirf), baf wenigftenö eine einjige abweic^enbe tl^eologifc^e Süd^- 
tung einen 9laum jur freien Sntwirfelung unb jur ^errfd^aft neben 
bem 8utf)ert^um gewann unb be^auj)tete* 

3- 

3wingli I)atte fid^ ber lutl^erifc^en Bewegung angefc^Ioffen unb 
gleid^ aüm anberen reformatorifc^en ®emeinbef)äu<)tern bie ®runb* 
le^re 2utl)erd mit allen Don bem SReifier ^errii^renben goIgefä$en 
angenommen unb jum 3m6)tx ®laubenöbefenntni^ erhoben* äiUein 
ba er urfprünglic^ t)on f)umanifiifd^en unb t)olWt^umlic^en ®egen^ 
fdften gegen bie alte ilird^e ausgegangen war unb ben t^eologifc^en 
Stanbpunft ?utl)erd f eines wegS t\)dlU, fo empfanb er bie innere 
Äot^igung nic^t, welche jenen jum Snne^alten t)ermoc^te, unb fefetc 
o^ne Siücfftc^t auf SBittenberg ben Singriff fort, fo lange bis aud^ 
auf i^n (Sf)nli(^e 5R6t^igungen, wie t)orl^er auf ?utl)er, t)on außen 
l^er einwirken unb il)m eine t)ertl)eibigenbe confer^atiüe Haltung auf* 
jwangen* 3n ber 3wifdbenjeit würbe ju S^xid) bie Bewegung gegen 
bie Silber bur*gefü^rt, ber ®otteSblenft in bie gorm büner Sinfac^* 
l^eit getleibet, eine nü^ternc Slnfc^auung »on beS ^txxn Slbenbma^I 
jur ®eltung gebrad^t* @S waren nur wenige ©d^ritte, welche bie 
3öric^er ®emeinbe Don ber fÄc^fifc^en Äirc^e entfernten, aber nic^t 
unwefentlid[)e, wie bie 2au^eit mancher ^üt^mo^tn meinte* Snbem 
ber äbenbma^lftreit bie urfpriinglid^e äJerfd^iebenlieit beS t^eologifc^en 
@tanbj)unftS jwifc^en beiben §5uptern aufberfte, trennte er fte grünb* 
lic^ unb auf immer, unb Sut^er rief mit berfelben ^eftigfeit, \mt 
gegen bie ^apiften, Dbrigteiten unb ®emeinben jum @c^u$ beS 
(5t)angeliumS gegen bie Sacramentirer auf» 

Dennoch bef)auj>tete ftc^ bie 3winglif(fee Äird&e in it^rer @igen* 
t^ümlic^feit« !I)enn 3ürid^ geborte ii)r unb burc^ ben (Sinflup beS 
leitenben Staates auc^ bie übrigen @antone ber (Sibgenoffenfc^aft, f<^ 



I. IDer Urf)>nind ber fötebertaufr« 9 

weit fte aUmäl)n(^ ber Siefontiation beigetreten finb. Die )folit^ä)t 
ZxtnnunQ ber Sc^weij \)on 2)eutfc^lanb fieberte bann i^re fird^Hd^e 
Unabf)(in9igfeit t)or Iutf)erifc^en Slnfec^tungen, unb, in ber ^eimat 
fefl unb mächtig begrünbet, fonnte fie mit ®Iü(f »erfuc^en, auc^ jen^ 
feit bei ©renjen im SReic^ bie SlUein^enfd^aft beö Sut^ett^umö eim 
jufd^ränfen, ^oMt unb Zf)toloQit »itften jufammen* 2)er perfön^ 
lic^e 3ufammenl)ang oberldnbifd^er Z\)toloQtn tjerbreitete dl)nlic^e 
©eftnnungen unb Steigungen, unb bie e^angelifc^en Dbrigfeiten föb* 
beutfe^et ©tobte glaubten einen befferen 8lnl)alt jut SSertl^eibigung in 
ber na^en ©c^weij ju pnben, aie iijn ba^ entferntere ©ac^fen unb 
fein Stn^ang ju gen)äl)ren t)ermoc^te, @o fam ed, ba^ wenigflend 
in ber 5Raci^barfci^aft ber ©d^weij, am Dberr^ein unb in 6cl)n)a6en, 
bie 3tt)inglifc^e SRic^tung bie Dberijanb über baö fdc^fifc^e Sefennt* 
nif errang, tt)äf)renb fte me{)r in ber Seme jwar einjelne ©roberun^ 
gen machte, wie in Reffen unb ©c^Iefien, aber im ganjen bem ®eg^ 
ner ben 93orrang laffen mußte* 

3m xibrigen jianben bie beiben fdm^)fenben SBefenntniffe in bem 
93er^vtltnif ju einanber, welc^ed ber »erfd^iebene ®rab beö Jortfd^rit^ 
M innerhalb einer l)errfd[)enben 3fi^|ii^6mung ju begrünben pflegt* 
!£»ie liberale ^Partei greift an unb beljnt ftc^ an6, bie confert)atit)C 
t?ertf)eibigt unb behauptet ftd^. 3ene i)at fa^ überall im ©cbiet bed 
©egnerö jut)erfic^tlid[)e ©enoffen unb auffirebenbe Hoffnungen, biefe 
feiten mti)x afö geringe unb mut^lofe 9tefte. !Die einen fmb in ben 
Äugen beö ^einbd gottlofe Aufruhrer, bie anberen geiftlafe Untere 
brürfer» Seiben Parteien broI)t biefelbe ®efal)r t)on ben rabicaleren 
Sefhebungen, unb fte erwehren fic^ berfelben mit gleichem @ifer imb 
ungefdl^r in übereinfiimmenber SSJeife* Die JRabicalen aber begrüßen 
in bem 3tt>inglianidmud, wo er aufflrebt, einen Sunbdgenoffen gegen 
bie lut^erifd^e ü^rannei unb gern t)erbergen fic^ l)inter 3[benbmal)W* 
jweifeln »iel entfc^iebnere gortfc^rittögebanfen* 

?luc^ in biefem Spiel t^eologifc^er Ärdfte I)at balb bie ^ßollttf 
ben Slu^fd^lag gegeben* SRit bem ©infen ber STOac^t ber e^angelifc^en 
Santone unb mit ber gleid^jeitigen dr^ebung ber ©d^malfalbifc^en 
S3unbedgenoffen ^at ber SSerfaU bed 3tt){ngtianidmud in !l)eutfd[)lanb 
begonnen, unb bie entfprec^enbe SWac^terweiterung bed 8utl)ert^umd 
erfuhr erft bann wieber eine Hemmung, al6 eine DöUig neue @nt^ 
wicfetung ber Dinge if)m ben ßabiniömud jur Seite fieUte, 



10 dtoeiie« ^u(^. 



4. 



Slnfjefcinbct üon t»cn bcfic^cnbcn unb ttjetbenbcn Äird^cn, tjcrfolgt 
t>on ben Dbrigfciten, in einer 3^^^ t)orn)iegenbet Srfd^laffung unb 
S^^etlna^mloftgfeit, f)attt ber 9labica(t6mud geringe Hoffnung auf 
(Srfolge, unb er würbe n)o^I, o^ne na^^altige (Sinbrürfe ju l^inter^ 
laffen, in baö 3)unfel jurücfgefunfen fein, auö wtli^tm i\)n intf)tx^ 
erfle fiürmifc^e glugfc^riften ^ert)orgerufen, mdre ii)m nic^t ein eigen* 
tJ^ümlid^er Sunbedgenoß ju §ülfe getommen, ber i^m bie ihaft "otu 
Ut\) gegen bie nieberbrücfenbe @malt ber Ijerrfc^enben SÄdd^te einen 
merfwürbigen unb unt)ergeßli(f)en SSerfuc^ ber ßr^ebung ju mac^en^ 

8lld ber Sturm bem SSoIt bie itirdE)e raubte unb jebe alte ®e^ 
tt)ol^nf)eit beö religiofen Seben6 unb I)enfend erfc^ütterte ober jerri^, 
ttjurbe ber neue ergreifenbe unb berul)igenbe Sn^alt beö ©laubend, 
»eichen baö religiofe Sebürfniß ber aRenfd^en t)erlangte, bei weitem 
nic^t überall unb [ofort bargeboten, 3n ben Sänbern, wo man bie 
Sieformation befämpfte, würben bie ^ebiger ber neuen 8el)re t)erfolgt 
unb Derfd)euc^t. 3n ben Sänbern, wo man ber Sieformation ben 
Eingang t)erftattete, trat barum nic^t unmittelbar unb aUerwdrt^ ein 
georbneteö Se^ramt an bie ©teile beö alten. ?lucl& wo für reget 
mäßige ^rebigt unb ©ottcöbienji geforgt würbe, erlaubte bie 8luf* 
regung ber Pfarrer unb ber ®emeinben, baö fortbauernbe Schelten 
gegen bie verjagten ober tjerftummten ^-ßfaffcn unb SÄond^e, ber jornigc 
Streit gegen bie abgepellten Srduc^e unb aWif brduc^e, nur feiten eine 
Wirffante ©eelforge. @rfl nad^ unb nac^, wie bie 3«Pänbe rul^igcr 
würben, fonnte hierin eine S3ef[erung eintreten* Siö ba^in, in ber 
3eit beö Uebergangeö, würbe bad 93ebürfni^ ber religiofen (Srbauung 
Belehrung ffrjieljung an ben meiften Orten unjureid^enb ober gat 
ttic^t befriebigt* 

3n ber großen ÜÄenge freiließ übertdubte bamalö wit fon^ bet 
8drm beö Sagcö bad religiofe Oefü^l, aber in ben ebleren unb from* 
meren SWenfc^en lebte bie ©e^nfud^t nac^ bem ^immel fort unb 
würbe burc^ bie unermef lic^e (Srfc^ütterung ber ^tittn ju fidrfcrer 
®lut angefacht. SBd^renb nun ben ®ebilbeten unter ben grommen 
in ber Literatur unb überl)aupt in bem SSerfel^r ber ®eifier bad 2Äit* 
tel geboten war, burc^ Aneignung ber it\)xt ber Slcformation eine 
neue ®runblage it)red inneren Sebend ju gewinnen, blieb ber gemeine 
3Rann geraume ^tit bem 3ufall überlafj'en* 2)ie Slec^tfertigungdlel^^rf, 



1. !Der Ucf)>rung bct SS^tebertaufe. 11 

tDcIc^c unter anbeten Umftdnben fid^ ttjo^l fd^ig gejcigt f)at, nnt 
mächtige glamme teligiöfer SBegeiflerung ju ndl)ren, »ar in unge* 
fc^trften ^dnben fe^r geeignet, baö fdE)lic^te ®efü^l abjufloßen üicU 
me^r ald anjujie^en, gumal in ber fo nal)t Uegenben gtöbften Sluf* 
faffung, bie in ben grüc^ten bed et)angelif(^cn Sebenö jener milbm 
3eit i^re Seftdtigung ju erljalten fc^ien- !Dcr 3n>eifel an ber SBa^t^ 
^eit bed neuen @t)angeliumö würbe burc^ bie Uneinigfeit unter bm 
8e^rcrn unb burc^ ben bogmatifc^en ^anf, mit trelc^em bie @t)angc* 
lifd^en in 3Birtf)öl)dufem unb an anbercn öffentlichen Orten ftcl& bc* 
fc^dftigten, »erftdrft unb oft jum SBiberwiUen gefleigert* !Dad Snbt 
tt)ar ajerlaffen^eit 3latt)Iofigfeit unb SJerwirrung, im I)od^jien unb 
unertrdglic^fien STOaf gerabe für bie reblid^ften Seelen unter b<n 
armen unb 9?iebrigen* 

3)er 2;rofi, ber i^nen blieb, njar bie S3ibeU Stud aU bem finn^ 
t)em>inenben ©erdufd^ jener Sa^re Hingt ber eine 9?ame unauf{)orIi(^ 
unb Ijell i)txt>ox. Seber beruft ftc^ auf fie alö auf baö unjtreifel^aftc 
SSJort ©otteö* 2)ie ©oangelifc^en fügen {)inju, man bürfe ftc^ über* 
^aupt in firc^Iic^en Dingen auf nirf)td anbereö berufen, bie 93ibel fd 
ber einjige S^UQt unb SRid^ter ber SSßaf)rl)eit. ©ie forbern jeben auf 
unb machen ed i^m jur ^flic^t, ftd^ felbfi an bie l^eilige ©c^rift ju 
njenben, um beö ^eiled gemiß ju »erben unb bie falfc^en 8cf)rer t>ott 
ben n)af)r^aftigen ju unterfc^ciben. Sei ber unerl)6rten Verbreitung; 
in welcher fie bamalö bem SSoIfe bargeboten n)irb, ift ed jcbem leidet, 
jtc^ ganj ober wenigftend t^eitoeife mit i^r befannt ju ma(f)en, unb 
bem eintrieb if^red eigenen ^erjen6 mef)r noc^ ald bem aUgemeincn 
9iat^fdE)lag folgenb, greifen bie Stnbdc^tigen mit Segierbe unb SJer* 
trauen nac^ bem einjigen JRettuna^mitteL 

Sie fefen aber in ber Sibel wie Äinber nirf)t ®Iauben6fdftc, 
fonbern ©efc^id^ten, Sd finb nic^t unbefannte 93egebenl)eiten unb 
©eflalten, bie il^nen ^ier entgegentreten, aber unter bem ^inbrurf it^rer 
eigenen @negung erfd^einen fie i^nen toie neu, t)on einer ungett)ol^n^ 
ten ^elligfeit umgeben, unb »irfen mit ber t)oUen Oewalt i^rer un^ 
audfpred^Iic^en (Sr^abenl^eit, !Die einfachen ®emütl)er werben ergriffen 
unb ber umgebenben gemeinen SBirflic^feit unwiberflel^Iic^ entrürft 
3)ie aaSelt, in welche fte fi^ tjerfe^t füllen, ifi t)on ber unmittelbaren 
©egenwart bed SlUmdc^tigen bur^brungen, erfüllt t)on bem unouf* 
^örlid^en 9lufen unb Streben ju ®ott^ ©ie »iffen unb füllen, baf 
^e felbfi ju jener SBelt geijören unb mitberufen ftnb ju gleic^tm 



12 dtt>eite« !Bu(^. 

Streben* 3)ie ©infamen fc^aucn auf bad gro^aTtige einfältige ?eben 
bet @rj\)dter unb rüjien fid^, toit fit, oI)ne itf)xtt unb oI)nc Serfamm* 
lung, Mof ®otted SBort t)or Äugen, mitten unter ben ,^eiben bem 
^erm ju bienen* SS3o ein ^duflein jtc^ jufammen finbet, Dergleichen 
fle flc^ bem aSoIte, bad ber $en fic^ txto&f)lt unb burc^ bie 3;rubfal 
ber SSBüjie in baö 8anb ber 93erf)eißung geführt ^at, ober ben ®c^ 
meinben, bie üon ben 93oten beö ^eilanbö aud allerlei Soff, au6 
Reiben unb 3uben »erfammelt; bem ,^erm ju einer reinen 93raut 
geweil^t unb ju bem en)igen Seben bewal)rt würben» !l)er 9tuf ifl 
auc^ an fie ergangen, SOäenn fie ber SBelt unb i^ren ®biitn entfagen, 
bem §enn anfangen unb auf feinen 998egen wanbeln, tt)irb er auc^ 
an iijntn feine SSer^eifungen glorreich erfüllen- 

3u jira^lenbcren Jpoffnungen ergebt jtd^ bie ?pf)anta|?e rafc^erer 
®eifier. 3)ad Ungef)euere ^aben jle felbft erlebt in bem ©turj ber 
alten Äirc^e* 3)er Jperr \)at fic^ aufgemacht, um baö SReic^ beö älnti* 
c^rifl JU jetfioren unb fid^ oon neuem ein l^eiliged äJoIf ju eri* 
njerfen* SSJirb er nid^t mit feinem 98olf ^anbetn wie e^ebem, »irb 
er nic^t feine ^tcunbe rufen unb mit SBunberfraft au6rufien, um bie 
auöernxS^ften auf feinen SBegen ju führen? @in ®efü^l gel)t burc^ 
bie SÖBelr, unb \)on allen Seiten tt)irb ed audgefj>roc^en, biefe ^ditn, 
in benen fie leben, feien bie legten unb bie ffiieberbringung ber 3)inge 
nai)t t)eran, Sie fpdl^en nac^ ben 3^^^^^" ^^^ ßdt unb t)ergleic^en 
fie mit ben SBciffagungen ber l)eiligen Sudler* Der .^err tt)irb feine 
S5oten unb S^n^^n audfenben, um feine 3"fwft t)orjubereitem 3a 
er ^at fle fc^on auögefanbt. Salb wirb er felbfl erfc^einen, ,^immet 
unb @rbe »erben ftc^ erneuen, unb baö feiige Seben ber ®erec^ten 
unb SSollfommenen beginnen, 

SRic^t ®laubenöfdfte, fonbem folc^e unb ä^nlid^e Silber ®e^ 
ful)fött)allungen unb ßrtoartungen floffen an^ ben l^eiligen Schriften 
in bie Seelen ber ?efenben unb §5renben, unb erfüllten bie Rotten 
ber Ärmut^ unb bie bumpfen ^anbwerWPuben mit bem ®lanj ber 
Serfldrung, Db ein ^auc^ religibfer ©meuerung von I)ier aud über 
bie 933elt ftd^ ausbreiten ober welche anbere gruc^t biefer ifeim brim 
gen werbe, l)ieng t)on ber allgemeinen 8age ber 2)inge in !l)eutf(^tanb 
ab, grüner unb fpdter l^at bie !at^olifd^e Äirc^e begeiflerte Stim^ 
mungen biefer Art in i^re Pflege genommen unb in i^ren geifllic^en 
Orben unb ®enoffenfd^aften für fte ben JRaum unb jugleid^ bie 
Sd^ranfe gegrünbet, 3e^t war bief nic^t möglich* Sßie aOfrin ber 



I. IDer UYf)>rung Ut SDtebertauft« 13 

S3ru(^ mit ber alten Stix6)t ben Slnflop ju bicfer ßrrcgung gegeben 
l^atte, fo galt ben (Snegten auc^ fortan JRom für ©obom unb S3abeL 
3)ie neuen et^angelifd^en Äirc^en l)atten faum einen ^laft für fic, 
benn eine ©efmnung, bie mit teligiofer 2;^at Dj)fern unb Seiben 
unb ©elbjientdufetung ben §immel flunnen tt)iU, »ertrug fic^ nic^t 
leicht mit bcr Iutl)erifc^en 9lec^tfertigungdlel)re. Siabical »ar bie JRic^* 
tung, infofem fte bie Ueberlieferung aller ^rifMic^en Sa^rl^unberte bei 
Seite [e$te unb unt)ermittelt an bie SBibel anfniipfte; aber ber tl^eo^ 
logifc^e SRabicalidmuö , ber über 2)ogmen ftreitet, xoax i\)x fremb, 
Derjenige JRabicali^muö, mit bem fte fic^ befreunben foUte, mufte 
burd^ bie SK^ftif ben 9Q8eg ju il^r finben, ober alle tl)eologif(f)e 9Q8if^ 
fenfd^aft abfkeifen, um beflo fe^er auf bem Sud^fiaben ber SBibel ju 
befie^em ©id^ felbfl überlaffen, bem !Dunfel an^eim gegeben, tag it)r 
nid^tö n&\)tx, aW bie Sffienbung jum unmittelbaren Serfe^r mit g5tt^ 
liefen Stimmen unb jum $rop^etentl)um t)ermeffener ©(^»drmer* 

3uerfl f)at fxä) ber m^jiifd^e ®eifi am §eerb ber et?angelifc^en 
Semegung, in ©ac^fen geregt. @d »ar in 3wicfau, tt)o bie %n6)^ 
fnappen ben Gingebungen unb ©eftc^ten SRitlaö ©tord^ö laufd^ten, 
ber mit bem (Srjengel ®abriel umgieng unb bie SBerdnberung ber 
SBelt binnen furjen 3a^ren, bie Slufric^tung bed 9teid^d ber Unfc^ul^ 
bigen unb ©erec^ten »erfünbete. SBort unb 933efen beö SWannd l)aU 
ttn eine ungen)6t)nli(^e 5traft* SrfüUt oon feinen Offenbarungen; 
festen feine Sünger SBittenberg felbfi in Serwinung. Sarlflabt n)arb 
überwältigt, SWelanc^t^on fiaunte unb jttjeifelte, 6l)urfürfi griebric^ 
toar bereit bem neuen SÖBerf beö ^erm fic^ ju untettoerfen. Slber 
?utl)er toiberfianb unb gab ben anberen bie Seftnnung jurücf. 9tun 
t)erfc^tt)anb bie ®efal)L ©torc^ toaxi i>on ©tabt ju ©tabt getrieben, 
unb feine 3ünger jerjireuten fi^» 

3)arauf erl)ob ftc^ Zf)oxna^ ÜRünjer ber $ro<)l^et, ber mit bem 
S^toerte ©ibeond gerüjiet bem §erm ald SQSerfjeug bienen wollte, 
bie ©etoaltigen Don il)ren ©tül^len ju fiofen unb bie 2)emütl)igen 
ju er^o^en, ein neued ©ottedreic^ ber ®leic^I)eit ju grünben für bie 



§ 5. IDte DuefCen angeführt von (IrBfam, ©efc^t^te bet ^roteflanttfti^n 
€e€ten im Seitalter Ux SReformattcm 1848. — @dbemann, Zf^oma^ ^ün^tt. 
1842. 



14 Stoette« ^ud^. 

atmen 2)imti feined @t)angeliumd 'oem bitteren 6t)rifhi6* 3)a fielen 
993orte unb gefc^ol^en 2)inge, t)on bcnen bei @(^aU auögieng übet 
bod gan^e Sietc^. S(ber bad i)afitige beginnen fc^eiterte rafc^ an ba 
eigenen UnjuIdngHd^feit be6 Ur^eber^ unb an ber fcl^tt)dtmerifc^en 
Uttbeflimmt^eit be6 3ic[«. O^ne 2»ul^e festen tt)m bic furjHic^en 
^erfc^aaren ein f(dg(ic^ed @nbe« 

Scibe ©rfd^cinungen jcugen »on ber Stdrfc bcr Stimmung, oM 
»elc^er fic hervorgegangen, innerhalb be6 SBirfung^treifc^ ber gü^ter 
itnb in H)xn Umgebung, unb i^re fc^neUe Unterbrüdung bmdfi nur^ 
ba0 in weiteren jheifen bie ©emittier t)on empfdnglic^er S(rt noc^ 
ni^t genugfam ))orbereitet xoaxm jur S{ufna^me unb gortpflanjung 
be6 anfio^ed. Unterbeö aber fc^ritt bie ^dt t)om)drt6, politifc^e unb 
auc^ fird^lic^e S^f^dnbe befeftigten {tc^ t)on neuem. SBattungen bet 
®ett)dffer t)crglcic^bar, »eldfee jerfiören unb bann fld^ legen, I>atten 
bie form* unb jielfofen Bewegungen ber ©c^wdrmer too\)l nac^jittcrnbc 
Sfufregung, aber feinen 5teim jur SReubiJbung l)inter[affen. 3Rünjcr 
»arb burc^ ba^ ©d^wcrt, ©tord^ burc^ 5tranf^eit l)inn)eggerafft. 3^rc 
Sfinger entfc^fugen jic^ cntweber tt)ie SeUariu^ beö »eltumwdljenben 
Strebend, ober fheiften p(anIo6 uml)er, wie SRcfc^ior SRinrf, S^an6 
9lomer, J^an6 J^ut, baö Slnbenfen i^re^ SWeifterö gegen bic ^encn 
be* 2^gcö be]()auptcnb. SQBofem nic^t eine ganj neue Sntwirfcfung 
biefer 9{ic^tung 9tn^a(t Sorm unb 9(udbru(f t)er(iet}, fo war bie re« 
ligiöfe Äraft, bie i^r inne wohnte, vielleicht nac^ einigen ferneren 
Püd^tigen Aufwallungen, bem Schief fal verfallen, fic^ abjuftumpfcn 
unb ju vergeben, ober von ben befieljenben Äird^en aufgefogen ju 
werben. 

3lber nic^t ein 3a^r nad^ SKiinjerö Xob war vergangen, fo brei^ 
tete fic^ eine neue Bewegung über einen viel größeren 3^^eil bed 
fRtid)^ au6, von ganj anberer @rfc^einung6form wie bie früheren, 
aber auö berfelben SBurjcl entfproffen, nur auögerüfiet mit ben S3e^ 
bingungen größerer SSerbreitung unb Idngerer !Dauer gleid^ ben anbe^ 
ten religiöfen Schöpfungen ber ^du @ö war eine ilirc^e ber rabi* 
caten Sibellefer in ber Sc^weij geftiftet worben, bie il)re sipojicl übet 
bie beutfc^e ©renje unb in alle ®aue Dberbeutfc^lanbd au^fanbte. 




I. S)fr Urfptung brt S^ieberiauff. 15 



6. 

Swingli l)attt imd) bic ^it, toit er t>a« SReformation^iDcrt betrieb, 
eine ©c^ule beö 3labicaliömu^ in 3uric^ gegrünbet 

I)ie Säfte, »efc^e et jur offentlid^en Slnerfennung ju bringen 
iDÜnfc^te, fiettte er, gemeinfam mit ben anbeten Seutprie^em, juerfi 
in ^rebigten auf unb fachte bie ©emdnbe üon beren aBa^rl^cit )u 
uberjeugen* Ueber ben äQibetfpntd^ bei anbeten @eiß(ic^en lief er fid^ 
burd^ abgeorbnete Äunbfc^after Seric^t erflatten unb erörterte i^n avif 
bcr Äanjel; tt)ieberl)oIt unb mit immer größerem ^ai)t>mä, t)on ber 
SBiberlegung jur !Dro^ung fortfd^reitenK ain^dnger 3n)ingliö unter* 
brachen bann in ben Äird^en bie tatl^olifc^en ^rebiger, unb t>erfu(^* 
im fie öor ber Oemeinbe ju »iberlegem SBar ber 3tt)ifi fo tt>rit ge* 
biegen, ba^ um ber offentlid^en 9lul)e tt)iUen ber Siatl) ©in^alt gebieten 
mu^te, fo berief fid^ B^ingli auf ®otte6 SQSort unb »erlangte, bof 
man burc^ ein öffentliche^ ©efpräc^ bie Sac^e jur ©ntfc^eibung 
bringe* 3n ber 3)iöputation brachten er unb fein ?ln^ang , unterfiüftt 



§ 6. 2)ic Steten ber bcibcn großen Sünder 3)i«^)utationen be« 3a^tcd 1523, 
oBgcbrucft im I. ^anb ber 2öerfe Swingli« von ©d&uler unb <S^uU^eg, — Sir| 
(unb itirc^^ofer), $elt>fttf(^e Jttrd^engefc^ic^te, $b 4 unb 5« 1813» 1819, 

Stvtnglt ^iht felbfl ^uffd^lu^ über fein 9)erfa^ren in einem ^rtef an Oeco^ 
lampab 1527 3an« 3: Quum nuper rooneres, ut quomodo flnis iniponi posset an- 
ticbristianis concionibus, quae apud vos fiunt, consulerem, excidit sub ea epislola 

quod petieras. Damus autem io praesentia consilium, quod praesens oobis 

fuit, Doo bercle quasi nos prudentia aDteeamus, sed experientia. Consulto ergo abs te 
factum agnoscimus, quod amice suffuraneum (suffraganeum intellige) per epistolam 
ajmoouisti; facito idem ad alios quoque pseudopropbetas, cum obtestatione, quod 
nisi resipiscant palam sis ac oominatim eorum doctrinam confutaturus. Hie magia 
ezcandescent, nisi Satan apud vos noo est tarn virulentus in istis quam fuit io 
nostris. Dabis ergo operam ut aliquos io eorum coociuoes insioues, roioime sedi- 
tiosos (solent eoim quidam plura referre quam acccperiot), qui ad verbum etiam 
assigoeot, quae isli aut meotiuntur aut vaoe deblatteraot ; ea tu deio aut alius de 
via Dostra publice revelles: praeterilo semel atque iterum eius nomine qui meoti- 
tus est, sed sub commioatiooe prodeodi oomioiS) ubi dcsistere oolit. Procedea 
ergo eo usque, donec autorem quoque publice traducas. Sic enim compelletur 
senalus vos omnes convocare ad collationem. Apud oos eraot booi cives, qui io 
faciem reclamabaot falsis prophetis, quos seoatus increpitos iubebat pacem ac otium 
agere, noonullos io oervum coniiciebat. Jam nobis campus io eum invebeodi da- 
batur, at nihil movebat. Tum demum adiit Leo nuster ad Augostioiaoi sermooem; 



16 3»txU€ md). 

t>on bcr 3Ra6)t bcr t>olWtI>iimIic^en Bewegung, bic Ocgncr jum 
@c^»elgcn; worauf ber fRati), nac^bcm er ettt)a noc^ ein ©utad^ten 
»on ben fiegreid^en Seutpriefiern geforbert l)aitt, ^toinQM 3Reinung 
jum Staatögefe^ er^ob unb ben ferneren SBIberfianb mit SBerbcten 
unb ©trafen belegte. 35ann n>urben anbere religiöfe fragen angeregt 
unb auf bemfelben SBeg }ur @ntfd^eibung gebracht« 

I)ief SScrfa^ren war ber 5ßoIitif entnommen unb entfprad^ ben 
®en)oI>n^eiten einer bemolratifc^en SRepuMit. @ö tjerfc^affte bem 
fird^lic^en ^arteifii{)rer, fo lang er fid^ mit ber offentlid^en SReinung 
im ©ntlang befanb, rafc^e Srfolge unb jugleid^ eine große Sic^er^ 
l^eit beö reformatorifc^en gortfc^ritt^. @6 fragte fid^ nur, ob Swingli 
feinet eigenen 8lnl>ang6 ^en bleiben würbe* ^ier lag bie ®efal^r* 
2)enn eine Bewegung, bie jid^ ftet^ neue ^idt fe^te, bie feine anbe* 
ren ©d^ranlen anerfannte afö Sibelfd^e öon oft t>iel beprittener SSe- 
beutung, unb bie einen jeben, ber ftd^ felbft ben S3eruf jutraute, jum 
SRit^anbeln unb SWitreben ^erbeijog, gab allen gdl)igteiten unb 8ei^ 
benfd^aften bie SWittel unb ben Sporn jum fclbftänbigen ^anbeln, 
unb erjog jie gleic^fam jur funftigen 2luflel)nung gegen il)r J^aupt* 



comquc is solito more anilia sua ganniret, amicissime concionem inlerrupit et sie 
allocutus est cum: audi paulisper, o reverende pater prior; ac mos: et vos op- 
timi cives nihil turbaroini, cbristiano pectore omnia inilii agentur etc., nam longum 
esset omnia narrare. Summa oriebatur ferme tragoedia, erant enim qui homioem 
pro audacia adfligere instarent; nisi perinde adfuissent qui Leonem periculo exi- 
merent. Sed in comoediam tandem descendit. Cum enim senatus hac via ad col- 
lationem decernendam altraberetur, factum est ut non tantum iustitia, sed etiam 
malitia pessimorum hominum sit retecta. etc. 

Uebft (Reubltn: Süpti, ^eitr&ge jur C^tl&utetung ber itird^enreformatton^ge^ 
f<l(fi^te bee (Sc^weiierlanb«. 1741. IV. 43. 45. ~ van bem Sdu^ä^t an Smngli 
1522 fer. paschal. — 3n)mg(i an 6cm 1527 (Bpt 1. 

Uebet $ä^et f. bie grünblic^e Slbl^anblung von Sttim: Subtoig ^e^et, in 
Sal^rb. für beutfc^e $:^eol. 1856. p. 215. 

Ueber (Stumpf: @tumj)f an 3». 1519 3ul. 2. 1523 9tov. 19. — güglilL 
39. 43. IV. 130. 

Ueber ^röbli: SüfU I. 201 sqq. — Sürtc^ an (Sd^af Raufen 1525 9pnl 4. 
(Santondard^io gu ©d^aff^aufen. ^ei(. 11. — 

Ueber ^ubmater: «i^etnri^ (Schreiber, IBattl^afar ^ubmaier, im Za^ä^tnhu^ 
für ©efc^td^te unb StUert^um (Säbbeutfc^lanb«. 1839. 

Ueber ^cfmeifter: itird^^ofer, <Sebafiian Sagner genannt ^ofmeifter. 1808. 
— Äird^^ofer, (Sc^ajf^aufertfd^e 3a^rbüd^er 1519—1529. 1819. — (Sm^X^um 
unb ^arber) (Si^rontf ber <Stabi ®^af Raufen. 1844. 



I. JDer Urf^>rung bcr ©tebcrtaufc. 17 

Obnc^in tt)urbe bcr ®d^rungdftoff, ber in bem blu^enben unb 
frafttjotten ©cmemwefen tcid^lic^ t)orf)anbcn war, üon ber Siac^bar* 
fc^aft l^er burd^ bctt 3"P"ß aufgeregter unb ungebulbiger ^arteigän^ 
ger ber Slefonnation lUer ba6 gen)6f)nli^e SÄaf vermehrt SBem 
brausen bie ^xtU)dt e^angelifd^er 2Birffanifeit befc^ranft würbe, lam 
nac^ 3"nc^, beffen firc^Iid^er ilampf gerabe bcn tierwegenften @tür^ 
mern am erfien bie Oeltung, nadj tt)eld)er fie fircbten, ju tjerfprec^en 
festen- SBil^elm SReublin t)on Slotenburg in ©d&waben, ber aW 
^faner ju @t Sllban in Safel burc^ mut^wiUig auffitligen S3ru(^ 
beö gafiengebot^ einen etiangelifc^en 5Ramen erworben, bann, al^ er 
bie 83ürger für bad @t)angelium in Bewegung ju bringen begann, 
t)on bem 9tatl) auö ber Stabt gefd^afft worben, fam nad^ 3»ri^ 
unb erhielt nac^ einigen ©aftptebigten eine 93erforgung ?u SäS^tifon, 
wo er alöbalb ber Sibgenoffenfc^aft unter 3ufauf unb S3eifatt ba6 
erfte Scifpicl einer ^riefierI)oct)jeit gab» Sluct) Simon Stumpf fam 
t»on Safcl, erl)ieU bie Pfarre ju ^ong bei 3ün*, überwarf fidö bort 
mit geiftlic^en unb weltlid^en Oberen unb belel)rte bie S3auern fiber 
bie Ungott(irf)feit ber ß\n\tn unb bed ßdjntm. ?ubwig §Ä^er t>on 
Sifcfcof^jctt im Xf)xixQan, ein gelehrter junger ^riefter, fam burd^ 
ein Sd&rifrc^en gegen bie Silber ju Slnfe^en in 3tiric^, würbe ^ro- 
tofoUfütjrer bei ber grofen OctoberbicJputation 1523 unb gab bie 
9!cten berfelben in amtlichem 9luftrag Ijerau^. SJergebtic^ flagte ber 
Pfarrer t>on SÄafc^wanben, ben er im 9?amen be^ @t>angelium6 auf 
bcr Äanjet unterbrochen Ijatte, bei bem parteiif(f)en JRatl) gegen ben 
Äird>enfret>(eL ^an^ ©robli au^ ®raubünbten, früher ju ClUvirten 
im S(mt, fiebelte fic^ in ber 9?äf)e ^on ^M^ alö Reifer in 3oUifon 
an unb unterrichtete bie S3auern im (?t)angelium, nac^ ^auli 83ei^ 
fpiel nicf)t t?on ^frünben unb ©ebü^ren, fonbem t)on feiner ^dnbe 
arbeit fic^ ernä^renb. !Did^t an ber 3""^^^ ©renje unb in unmit^ 
telbarcm SSerfe^r mit ben bortigen ©cwegungömdnnem wirften ber 
^faner ju 2öatbd^ut, Doctor Saltl^afar ^ubmaier, unb ber 8efe^ 
tneifter bcr ®arfüfer ju @d^affl)aufen , Doctor Sebaftian ^ofmeifier, 
beibe in i^ren eigenen Unternehmungen geforbcrt burc^ bie Siege ber 
Sieformation in ber mächtigen 5Rac^barftabt , beibe aber aud^ nic^t 
o\)m bcn wirffamften Slnt^eil an ben 3^xii)tx Zl)aUn felbfl. 

Unter biefen Umftilnben war eine Spaltung in ber 3winglifc^en 
Partei fo unt)ermeiblic^ unb ftanb fo na^e bt)>ox, wie il)r Sieg übet 
bie alte Äirc^e* 3)enn obwohl 3wingli burc^ feine eigenen religiöfen 

(SorncUu«, 91ufrut)r in SPtünfter. II. 2 



8[nji(f)tcn famn Qt\)\n\>tn würbe, geraume 3^'^ gleichen Schritt mit 
einer rabicalen ©ntwirfelung ju ifaltm, fo mußte i^n bod& fe^r taU> 
fein weltgaibter ©lief unb bie Slürfftc^t auf bic politifc^e ©runblage 
feineö 2Berfe^ "oon ben SWdnncrn beö entfd^iebenen gortfd^rittd tren* 
nen, ©ein ©runbfa^ voax Schonung, baö ijd^t er brachte nur folc^e 
fragen jur öffentlichen Sefprec^ung, für beren et)angelifc^e 8cfung 
er bie ?Jief)rI)eit ju gewinnen l)offen burfte, unb ließ fie erfi bann 
jur ©ntfc^eibung fommcn, wann er wirflid^ ber 2Wel)rl)eit fieser ge- 
worben war, !I)aö Urt^eil gab er ber Äirc^e an^eim, baö t)eißt ber 
Jjolitifci^cn ©emeinbe t>on 3flri(^, ober \?ie(me^r i^ren gefe^lic^en Ser^ 
tretem, bem großen 9lat^ ber 3n?cil)unbert. @o richtig bieß war t)om 
©efid^töpunlt beö (BtaaM unb wie fe^r burd^ ein folc^eö aSerfaI)ren 
fein fir(i)Iic^e6 3Bert an politifc^en Sürgfd&aften gewann, eben fo 
fd^fed^t et^angelifd^ war e^ unb fo fidler mußte e6 ju religiöfen (Snt* 
jweiungen unb kämpfen in ber ^^artei führen* 

7. 

©c^on im ?auf be6 3al)re6 1523 würbe S^abel unb SWißöer^ 
gnügen laut über 3wingUö unet>angelifd^c J^altung* 2Wan warf i^m 
t>or, baß er in ber 3fl)ntenfrage jid^ auf bie ©eite ber S3efi^enben 
unb ber Dbrigfeit fteUc, obwol)[ er früher gegen ^in^ unb 3<^^nten 
fid^ au^gefproc^en, ÜÄan na^m Slergerniß baran, baß er in einer 
©d^rift über ben SReßcanon bie gebräuchlichen SWeßgewdnber unb ®t^ 
fange nid^t fc^Ied^tweg »erurt^eilte* Sinjefne Slufgeregte begannen 
ben S3ilberfturm , oI)ne auf 3wingliö jogernbe ÜWitwirfung unb auf 
bie ^ntfd^eibung be6 9iat^6 ju tt>axtcn. 2luö allem ließ fic^ erfen* 
nen, baß eine ^J^axtd im @ntftel)en war, welche, um bie politifc^en 
JRürffic^ten beö 9leformator6 unbefümmert unb ber ®efal)r einer \>bU 
ligen Trennung t>on il)m S^ro^ bietenb, bie Sibel jur unbebingt ge^ 
bietenben SRic^tfd^nur ber Oleformation mad^en wollte. 8ln ber ©pi$c 



§ 7. J)ic ^orrcfronbenj ®xthtU mit ©abtan, ©»• — JDie Oebräber 
®rcbcl an Swinga 1517 (Sept. 2. — ©rebd an 3». 1518 3uli 31, — SÄelc^. 
SWacrinu6 on 3». 1522 £)ct. 15, — 3». on QSabian 1522 5)ec. — Slnbete (Sx^ 
to&l^nungen in ber 3»in9lifdfeen ^onefponbcng. — gügli 11. 33. — Zwinglü de 
caoone niissae libelli apologia, in 3». SBcrfcn III. 117. 

aSon »efcntlic^fm Ulu^en für biefen unb bie folgenbcn §§ ijl mir bie »er« 
trcfiid^c SiblSfanblung ^eberled «ber bie Sinf&nge be« Slnabaptiemu« in ber 
ed^tpeij gftoefcn, Sal^rb. für beutf^e Jl^fcoL 1858 p. 225. 



k 



I. JDcr Urfprung bcr ffliebcttaufe, 19 

bcr SWif vergnügten fianb Sonrab Orcbel, ein junger SWann aud 
einem ber angefcl)enften Oefc^Ied^ter ber 6tabt 

®rebet voax fein OeifHid^er unb i)attt fid^ M6 t)or furjem tt)enifl 
ober gar nic^t mit tf)eo[ogifc^en gragen befcfeäftigt. 3n einer gün^ 
jiigen duperen ?age, ^oc^ft anregungdfaf)ig, (ebf)aft unb e^rgeijig, war 
er bem ^enfc^enben 3wgc jur cJaffifd^en Literatur gefolgt, ^atte ju 
SBien unter Sabian, ju ^ariö unter ©Jarean eifrig ftubirt unb gc^ 
arbeitet, unb balb in bem au6gebel)nten jlrei^ feiner S3efannten ben 
JRuf eine^ geifireic^en unb ]^offnung6>)oUcn ®elel)rten jtc^ emjorbem 
2)iefer SBeg füf)rte x\)n am wa^rfcfieinlic^ften jum jj^ifologifc^rn 
Se^ramt, einem S5eruf ber if)n ttjirflid^ eine ^dt lang angelocft l)at 

SIud& fonfi fc^ien feine (Sinnesart unb Olid^tung il)n weit ah 
unb für immer t>on ber 2;^eologie ju entfernen, 2lußer bem @^r* 
geij be^errfc^te i^n bie S3egier nad^ fc^ianfenfofem ?eben^genuf» 
Sßo^t war er t)on Statur für fanftere unb eblere ©mpfinbungen ge^ 
fd^affen, unb toit fef)r fein ^erj ber J^ingebung unb Sljrerbietung 
ijaijiQ gett)efcn, ben)eift nid^t^ beuttid^er al6 bie auöbaucrnbe unb \>&^ 
terlic^e ?iebe, welcher 93abian ben Süngling mertf) gehalten i)at. 
Slber bie ©inbrürfe, bie er in früher ßdi im elterlichen ^au^ empfan* 
gen, fc^einen nic^t ber Slrt getrefen ju fein, bie S^riebe feinet ^er^ 
jen^ mit ben ©d^ranfen ber ©itte unb ?iebe ju umgeben, unb in 
ber grembe t^erwilberte fein ®emüt^ nod^ me^r* Die SRupe, meiere 
fein Qtk\)xM Streben il)m übrig ließ, wibmete er gern allen Slu«^ 
fd^weifungen eineö tt)ilben Stubentenlebenö, in einem @rab baß er 
ifranfi)eit unb ben Äeim be^ ZoM t?on ben Unitjerfitdten Ijeimge^ 
bracht ^at. @egen bie @rmal)nungen unb ben firafenben Unwillen 
bed aSater^ empörte unb t>erl)drtete er fic^, t)on ber SKutter wanbte 
er fein J^erj ab. Dad 3ern)ürfniß mit feinen Sltern, faum bef(^wic^ 
tigt, würbe jule^t unl)eilbar geweigert burc^ eine anftoperregenbe &% 
bie er oI)ne il)r SBiffen ^eimlid) fc^lof. Sie jogen i^re ^anb t)on 
x\)m ab unb überließen i^n bem SBerbruß ungewohnter Dürftigleit, 
bem muffeligen 5fampf um ba« tägliche S3rob unb ber 5Rotf) eine« 
jtec^en 5f6rperd. 

Qf)t ed fo weit mit i^m gefommen war, l)attt i\)n bie fird^lic^e 
©ewegung ergriffen, unb, mächtiger al6 S3eruf unb Steigung, feinem 
geben eine unerwartete unb entfc^eibenbe SBenbung gegeben, itaum 
nad^ 3üric^ jurü(fgetet)rt, mifc^te er fic^ unter bie etjangelifc^en Streik 
ttr- Swingli f^ä^te i\)n unb freute fic^ feiner I^eilna^me an ber 



20 Zmitu f&vL^. 

gcmeinfamcn ©ac^c- Slid^t mit Unred^t, bcnn ber junge Wtann mit 
feiner burc^ pfjilologifd^e Uebung gefc^drften ®abe ber äuffaffung 
t)ennoc^te jtd^ fd^ncU auf bem fremben ®ebiet jured^t ju finben, unb, 
»enn auä) burc^ einen eigentl)ümlic^en 9Äanget an ©eifiedgegcnwart 
für ben regelrechten SBortfireit untüchtig, war er boc^ burc^ jugenb* 
iid^en ©ifer unb geifireic^e6 SQäefen überatt fonfl ein fel^r brauchbarer 
Parteigänger. aSießeicftt »urbe er ein bebeutenber ©^riftfieUer auf 
bem tf)eoIogifcl^en ^^Ib, ©eine Äenntnip ber alten ©prac^en unb 
feine ©ewanbtljeit im lateinifc^en Stu^brurf befähigten i^n gemip 
t)or fielen anberen ju einer folc^en SRoUe, bie unter ben @inbrü(fen 
bed Za^t^, benen er ol^ne SRücfljalt ftd^ Ijinjugeben gemoljnt war, 
feinem @f)rgeij leicht a(6 bad glänjcnbfte ^itl erfc^einen mochte. 

Slßein um ein 3ö^id)ct SWelanc^t^on ju »erben, f)at if)m, t)on 
feinen eigenen SWangcIn ju fc^weigeu, ein 30^^^^^ ?utf)er gefehlt. 
3tt)ingti mar mannl^aft unb rüfiig, fefi, unerfc^rorfen unb furchtbar 
gleich Sut^er, aber er entbel)rte ber urfprünglic^en 3Äac^t unb ®Iut 
ber ©eele, bie ben tl^üringifc^en 3W6nc^ jum geborenen ^errfd^er 
über bie ®eifier erI)ob. ®rebel, of)ne(;in beö 309^'^ ^^^^ gewohnt, 
entfc^Iüpfte balb ber Leitung, ©erabe meil er ^or lurjem erfi be^ 
gönnen l)am mit 2;{)eoIogie fid^ ju bcfcfcdftigen, füf)rte if)n leicht bie 
einfeitige ^olgerid^tigfeit beö ®ebanfenö jum 9labicaliömu6. 3ung, 
l^afiig, of)ne @rfal)rung unb rec^teö ®cful)l öon ben ®runb(agen ber 
9Äenfc^entt)ett, f(ammerte er fic^ mit Ungeflüm unb Seibenfc^aft an 
ben ®runbfa^ ber et)ange(ifci^en Semegung, baß bie S3ibet bem S^ri- 
flen bie einjige 9licl)tfc^nur fein foUe. Äirc^Iic^e ©c^ranfen fannte 
feine 3eit nic^t. Ueber bie 9iü(fficf)t auf ^aud unb Staat f)oitn tt)n 
feine traurigen Seben^fc^idfalc (eic^t Ijinweg. ©o würbe er ber 30^ 
tid^er Sarlfiabt. !Denn feine gdf^igfeiten machten if)n o^ne SBiber^ 
rebe jum Jpaupt ber Empörung gegen 3^^ingli, mnn arni) bie ^alt^ 
loflgfeit feine« ffiefen« ben 3weifel erwerfen mod^te, ob er auf bie 
JDauer an ber ©pi^e ber neuen Sntwidelung fic^ mürbe behaupten 
fßnnen. 

8- 

SQ8ad im Sauf bed 3af)red t)orbereitet morben mar, mürbe burd^ 
bie aSorgdnge bei bem großen ®efprdc^ beö 26. Octoberö 1523 jur 



§ 8. <Dte bieten ber iüxi^tx Dctobetbieputation 1523 in 3n>tnga« SEBerffn 



m. 459; tn6bcfonbm p. 526. 533. — ©rebcl an (Babian 1523 9loö. 12. JDec 
18. ®©. — Stoinglie StuÄfagc vor ben IRa^gÄngcrn. güjli I. 228. — Zwinglii 
Eleochus cootra catabaptistas, in 3tt). SEBerfcn III. 357. p. 362. 



/ 



I. 3)er Urß)rung ber SS^tebeitaufc. 21 

Slcifc gebracht 93ci bcm crfien ©cfprdc^ im Sanuat I)attc noc^ unter 
bcn @t)angcHfc^cn unbcbingte Uebexcinfiimmung gcl^crrfcl^t. 3e^t mar 
man jtt>ar einig übet ba^ Hauptanliegen, bie Slbfd^affung ber ÜWeffe 
unb Silber, aber bie grage, ma^ an bie ©teile ber SReffe treten fotte, 
tourbe ein Oegenjianb I)eftiger Erörterung innerljalb ber 5ßartei. ®re^ 
bei bejeic^nete bie SSermifd^ung bed Slbenbma^l^meine^ mit SBaffer, 
ben ©ebraud^ bed ungefduerten S3robc6, ben Smpfang be6 3lbenb^ 
mal)W au6 ben ^änben be6 ^rieficrö unb meljrete anbere @inric^^ 
tungen al6 SMipbrdud^e unb brang auf i^re äbfteltung. 3wingll 
tt)ieö bie meiften 8lntrdge juriirf. Die ©treitpunfte »urben alö un* 
erl)eblid& bargeftellt, ben 3Wipt)ergnügten 3<Jntfuc^t unb ^od^mutl^, 
ber mel)r alö gut fei »iffen tooüt, jum aSorwurf gemacht* !Der 
®runb ber Spaltung lag aber tiefer, ^a^ ganje 9ierfal)ren 3tt)ingli« 
tt)ar ben ©rebelfc^en nid^t biblifc^ genug. @r binbe, fagten fie, unb 
t?erfel>re baö SBort ®otteö. aSollenb^ unerträglich war i^nen, baf 
er bem füaii) bie (Sntfd^eibung uberliep. ,,3^r l^abt M nid)t ®t^ 
watt", äußerte ©tumpf, ,,meinen Jperrn baö Urtl)eil in bie ^anb ju 
geben j baö Urtl)eil ifi fd^on gegeben, ber @eifi ®ottcö urt^eilt." 

Der 9iat^ erl)ob bie SJorfc^ldge 3tt?inglid über SWeffe unb Silber 
JU ©taatögefe^en , unb fomit bel)iclt ber ^Reformator ben ©ieg nic^t 
allein über ben Äatl)oliciömuö , fonbern auc^ über bie 3lid^tung bed 
ungehemmten gortfc^rittö. 2lber feit biefer 3^^^ ^^'^ i>ic S^rennung 
ber Stjangelifc^en tjoßenbet unb eine gefd^loffene rabicale ^ßartei be^ ^ ^ 
grünbet* ©eit ber Octoberbiöputation, fd^reibt ®rebel, fte^e eö fc^lec^t 
mit bem Süangetium in 3flri(^ unb 3tt)ingli ^anbele nid[)t me^r ber 
5Pflidbt beö ^irten gemdf . Ol;ne Sxoü^d n^iefen bie 3Kip»ergnügten 
bie neue Drbnung bed ®otteöbienfle^ t)on ftd^ jurürf unb fuc^ten 
eine @ntfcfedbigung in ©oubert)erfammlungen. 

SSBd^renb bie neue 5ßartei fid^ jufammenfanb unb abfd^lo^, ge^ 
langte in i^rer ÜWitte ein ®ebanle t)on weittragenbem 3nl)att jur 
®eltung. Stumpf, ®rebel unb gelir Wani, ein greunb be6 le^teren 
unb gleid^ i^m ein 3Rann t>on p^ilologifc^er 93ilbung, duferten fi(§ 
übereinftimmenb ba^in, bie Äirc^e tonne nur an^ tca\)xm Sf)rifiett 
befleißen, man l>abe bem S3eifpiel ber apoftolifc^en ®emeinben ju foU 



\ \ 



i: 



22 3miU9 ^u^. 

gen, t>on ber SBeU audjufd^eiben unb ein unfd^u(bigcd i)ctUge6 3}oIf 
ju tjcrfammclm 36Bcr bicfcn ©ebanfen jucrfl gefaft l)at, ifi unbe^ 
fannt Daß er entftef)en unb alö gorberung au^gefproc^cn werben 
fonntf, tt)ar nur baburd^ ^nogIi(^, bap in ber roerbenben ©emeinbe, 
weld^er fein Urheber angehörte, ein ©eifi religiöfer (Srwerfung ^errfc^te; 
unb biefer ®eifl t)erbanfte feinen Urfprung nic^t einem einjefnen, — 
am »enigfien tt)dre ®rebel fällig gewefen eine fold^e Anregung ju 
geben — , fonbern ber allgemeinen Sage ber iDinge, bie mi früher 
fennen gelernt l)aben. ©ö war eine änja^l anbÄc^tiger, fd& warme- 
rifd^ enegter ^anbwertöteute, bie ftc^ mit ®rebel unb feinen Sreuui' 
ben jufammen fanbem ♦) 3wei geifiige Stoffe floffen fo in einanberj 
baö religiofe ®efüf)l ber 9liebrigen unb Ungelel)rten , bie mit ber 
S5ibel in ber ^anb jic^ üon ber 933elt abwanbten, unb ber S^rieb be^ 
tl^eologifd^en 9iabicalidmu6, bie itirc^enfa^ungen ju befeitigen. ^tcu 
f^en beiben bie SSermittelung bilbet ber gemeinsame ®runbfaft ber 
Sc^riftmdpigfeit, unb ba^ 3i<^f/ <iwf welc^eö ber t?ereinigte ©trom fic^ 
richtet, ifi bie (Erneuerung beö Urc^rifientl)umd, bie 9tac^bitbung ber 
aj)ofiolifd^cn ®emeinbe» 

9. 

Die ®efprdcfte, in welchen bie rabicalen ^dupter bem SWeifier 
^ulbric^ unb feinen Slmtdgenoffen il)re 8(nftc^ten barlegten, fonnten 
Weber nac^ ber einen noc^ nad^ ber anberen Seite ^in einen @rfolg 
f)aben. SSeibe 2;i)eile bef)anten auf il)rem 9Beg* Sffidl)renb bie ^mU 
d^er Staatöfird^e atlmdl)tic^ bie gormen erhielt, welche ber 3^ingti^ 
fd^en 3;i)eologie unb ^olitit entfprac^en, entwirfelte bie ®emeinbc 



*) 3u ben Sdil^ängetn ®re6cld geborten unter anberen ber Seber Sauren) 
^o^xüiintx, ber ^äder $etnrt(^ ^berlt, ber 8^netber ^and D(fenfu$. 

§ 9. 3toingli« Sludfage vor ben tRac^gängem. gügU I. 228. — ZwingUi 
Elenchus 362» — ®rebel« 53erantnjortung vor ben ölac^gängem, giigli I. 243. 
— SJlanfcen ^Serantujortung vor ben OMc^göngern, %üfli I. 253. — ^rebel an 
aJabian 1524 @e^t. 3. Dct 14, ©93. — ©rebel an H^oma« SWÄnjer 1524 (Spi. 
15. mit einem anbern IBrief beffelben an benfelben o. JD. ®93. 93etl. I. — (Sn 
ffaxt ^egentoalt an ©rebel 1525 3an. l. ®18. — IBuUinger« SHeformationegc» 
Jiä^iäiU, ^eraudg. von ^otttnger unb Vögelt. 1838. I. 224. — Ueber bae S^er^aU^ 
nig ber ©rebelf^en gu (Sarlflabt vgl. «^eberle a. a, D. 260—262. — ^&j^er« 
Sorrebe (1524 3unt) gu fetner (Sd^rift: ,,^tn fur|^e kvolgegrnnbte ^ußlegung über 
bie ge^en epiflel ^auli" f. bei iteim, 8. J&efcer. , : J; 



I. !Der Urfpnxng bcr SBiebettaufe. 23 

bcr tca\)xtn S{)riftcn, bic i^re bibcfforfc^cnben aSerfammlungcn nament* 
lic^ in gefir aRuttet, ber SRanjin, ^auö in bcr 9leufiabt fortfe^te, 
bcn frud^t6arcn 35oppeIfeim, bcr in \\)x lag, ju einer tjöllig abtoet* 
c^enben Oetltaltung. 

Slnbac^t unb ?iebc t>erfcnfen fid^ in bie Slnfc^auung ber erfien 
ßl^riftengemeinbcn, beren S3ilb bie Slpofielgefc^ic^te entfaltet, unb nel^ 
men Don bort bie Siegeln beö eigenen itbm^. I)ie Sriiber finben, 
ba^ bie 2IpofteI unb it)xt jünger nid&tö von 3inö unb SSJud^er, t>om 
3ef)nten, »on geiftlic^en ^Pfrünben wiffen. Sie erfidren ia\)n biefc 
Einrichtungen unb ®ewol^nI)eiten fiir »erwerf Jid^, unb tt)oUen flatt 
iljrer t>ie(mel)r nac^ bem SBeifpiel ber erften 6l)ri|ien bie rü(fl)aItIofe 
9WittI)eiIung ber irbifc^en @üter wieber Ijerjietten* 3ene fül)ren fein 
obrigfeitlic^ed 2lmt, noc^ braud^en jie baö @d^ wert 5 i^re einzige SQßaffe 
ift ®ebu(b in S^riibfal, unb unter einanber üben fte bie brüberlid^e 
(Snnal)nung; wo biefe nic^t frud^tet, bie 2lu6fd^Iie^ung aM ber ®e* 
meinbe* 3IIfo ift alle wettnd)e SRegierung, aller ©ebrauc^ ber ®ewalt 
unb bcö ©c^werteö unter S^rijien unftatt^aft unb ju mxhicttn, '\f)i 
Sooö iji 2)cniut^ unb ?eibcn, unb unter ben SBrübern fclbji gibt ed 
für Sünben unb Unre(^t fein 9iccf)tfpred^cn noc^ Strafen, fonbem 
nur (Snnal)nung jur Sefferung unb jule^t ben Sann, weld^en bic 
c^riftlicbe ®enieinbe übt* 

3u gleicher ßdt fe^t ber geteerte 9labicali^muö ba^ eüangetifc^c 
aBerf ber geinbfeligfeit gegen bie ÜRenfc^enfa^ungen fort, fo erfinbe* 
rifc^, baf er fogar ben ®efang alö unbiblifc^ ganj unb gar aud bem 
®otteöbienfl entfernt wiffen will- SBereinjelt unb t)on geinben um* 
geben, fud&en bie gü^rer STnle^nung unb Stdrfung bei ben fernen 
®eftnnungögenoffen im 9ieic^* 2)ie jüngfien rabicalen Sd^riften t)ott 
Garlfiabt, Strauß, SKünjer werben ^erbeigebrad^t unb gelefen* Der 
Seifalt, ben fie erwerfen, ruft ben Sßerfuc^ ber perfönlid^en Slnnd^ei» 
rung i)tvoox. 3« 3Münjer, ben feine SReife burd& Sübbeutfd^lanb in 
bie SRdl)e ber Sc^weij fü^rt, wirb i>on ßüxi^ aM gewatlfal^rtct. 
ßarlftabt erwiebert freunblic^ bie an il)n gerichteten ©riefe, fd^irft fei* 
nen Vertrauten ffiefierburg unb fommt fpdter felbfi, feine neuen 
greunbe ju bewittfommnen* Sin 93erfe^r, ber nid^t ohne bleibenbc 
SBirfung vorübergeht, wenn auc^ bie ^mi^tx SRabicalen i^re Selb* 
fidnbigfeit nic^t Eingeben* 9?amentlid^ ifl eö ßarlfiabt, von bem fle 
bie Verwerfung ber leiblid^en ©egenwart beö ^errn im Slbenbma^I 
annet)men, obgleich fle biefelbe 8e^re, aW 3wingli fie barbot, jurücf* 



• 24 3tMitc€ ^\xd). 

flett)iefcn ^aben. Unb obwohl in ^auptpunltcn mit ÜÄünjcr in un^^ 
^tt\)okm\\\ aßiDerfpruc^ , empfinden ftc hc6) mit grcuben ben mac^^ 
tigen ©ciftanb, ben feine Schriften i^rer Oppofition gegen bie Äin^ 
bcrtaufe bieten, 

So m\)nn fie fic^ im Sauf beö 3al)te^ 1524, Schritt für 
Schritt, bem dupcrftcn ©egenfa^ gegen ia6, toa^ fte bic ct?angelifc^c 
?aut)eit unb Jpdb^cit nannten* ©ic fcfjen ftc^, ein tieined Jpduficin, 
bei ganjen feinblid^en 2Be(t gegenüber, aber in ber 3wt>erft(^t, bic 
SBa^rl)eit ^u befiften, ^erac^ten fie bie furc^tfamen Sluöleger be^ Sor^ 
M ®otted, bie nic^t gebenfen bap ®ott l)eute ttjie gcftern fei, unb 
»ertidren il^re 8luöfid^t auf Slngft unb 3loif) burc^ ben ^inblirf auf 
g^riftuö unb bie Slpojiel, bie auf bemfelben SBeg ber Seiben i^ncn 
jur Jperrlid^teit vorangegangen* „(i^ muß erfod)ten fein", tont cd 
auö i^rer 3Äitte* „O ®ott, t)erleil)e und unerfc^rocfene ^rop^eten, 
bic mit SSertrauen bein einig ewig SBort o^n allen Bwfa^ i^rcr SBcr^ 
nunft prebigen." 

10. 

2)aö ^duPein würbe aümdl)lic^ gröpen gür ben aSerJufl Si- 
mon Stumpfe, ber fc^on @nbe 2)ecember 1523 burc^ Sanbedt>ern)ci^ 
fung ber ®enof[enfc^aft auf immer entjogen »urbe, gewd^rtc ^d^erd 
©citritt (Sntfd^dbigung. S3röbli unb SReublin, bie, tt>mn nidjt früher, 
boc^ fc^on t>or ber SRitte beö 3a^rc6 1524 ben Srübern angeljörtcn, 
bcnu^ten eifrig ben SBortljeil i^rer amtlid^en Stellung, bic Verbreitung 
ber 5]ßartci auf bem Sanbe ju beforbern, unb namentlich 3^Uif^tt gc^ 
langte gro^ent^eild in H)xc\\ Seft^, 

^ie ®efa^r für bie ®egner lag aber nid^t fo fe^r in bem ®rabc 
ber Sluöbreitung einer religiöfen Secte, bic ja boc^, wenn iljrc innere 
@nttt)i(felung nic^t eine unerwartete SBcnbung crful)r, bei ber großen 
SRcnge feinen befonbercn ?lnflang finbcn tonnte, unb bic am allere 
wcnigfien ju ®cwalt unb 9tufrul)r eine Jpanb^abc ju bieten fc^icn, 

§ 10. Sügli II. 39. 43. 5S. 64. - Zwinglii EleDchus 363. — ©rcbel an 
öabian 1524 ^tc. 15 {n^l ^cberlc 265). @18. - SBabian an ©rcbel 1524 
IDec. 28. ®33. — ©rebfl an ^atian 1525 3anu. 14. ®33. — Stpinglid ^ox:^ 
tebe gu feinet Schrift OScm teuf, in 3». ffictfen II. 1, 230. — Stoinölt, Söclc^e 
nx^ad^ gebinb je ufrüren (1524 3)ec.) in 3». Sßerfen 11. 1, 376. — äwingli an 
«abian 1525 3anu. 19. — güfli I. 1S9. IV. 251. — «töbli an bie Grübet §u 
aoUifcn. Süfili I- 201.— ^uHinget Steformaticnegefc]^« I. 237. 



I. IDer Urfvrung ber ©tcbertaufe. 25 

alö t»iclmcf)r in bcm SSorljanbenfciii unb ber Scfefiigung einer 9Äei* 
nung, bie me^r a(d alle^ anbcrc geeignet mar, bie Orunblagen bcd 
3n)inglifc^en Äird^ent^umö ju jcrfe^en unb ju »ernid^ten. SRon 
überfal) bie ®efa^r geraume ^dt, tt)a^rfc^einlic^ be^balb, weif bie 
Se^re ber neuen ©laubigen nod) nic^t burd^ Xijaten fid^ ber b^tnU 
licf)en 2Bal)rne^mung aufDrang. Slud^ ba6 SSerbot, m\ä)t^ enblic^ 
gegen bie SSerfammlungen ber *4-^artei ergieng, würbe nid^t mit Strenge 
burc^gefül)rl. (Srft al^ bie QJerwerfung ber Äinbertaufe ein fefier 
©runbfaft bei ben Srübern geworben, unb burd^ bie aOBeigerung man^ 
c^er ©Item, ii)rc SJeugeborenen taufen ju ialJen, ber ©egenfa^ ber 
?et)re jur unt)erf)üUten 2lufle^nung gegen bie 3^i^i»9lifc^^ ©taatötirc^e 
gebieten war, begann bie Obrigteit mit ernjien 9Äa^regeln jum Sd^uft 
beö 9leformator6 unb bed gemeinfamen 3Bertö einjuf^reiten* 9leub* 
lin, ber fic^ burd^ ^rebigten gegen bie Äinbertaufe ^crt)orget^an, 
warb t>erl)aftet, bie Sltern burc^ 33efel)I beö 9latl)d unb Straf befiim^ 
mung jur S^aufe angel)alten. ?llö bie 93ebrot)ten, wie früher B^^ingli 
ben Äatl)oliten gegenüber, fic^ auf ®otreö SQBort beriefen, würben 
©efprdc^e jur gütlid^en SSereinigung mit i\)mn t>eranftaltet, juerfl in 
^rii^atjufammenfünften, bann t?or einem Stu^fc^u^ be^ Slat^eö, bei* 
beö o^ne Srfolg. Unterbe6 gelangte ber ©treit ju voller Deffentlic^* 
feit, auf ben itanjeln unb auf ben Strafen würbe mit 93itterfeit ^in 
unb wiber gefod)ten. B^fc^t griff B^ingli ju feinem gewohnten 
9Rittet : nac^bem er burc^ eine !I)rucf fd^rift gegen bie, welche nacf) fei* 
nem Sluöbrucf Urfac^ jum 2lufruf)r gaben, bie öffentliche SÄeinung 
für ftd^ in Stnfpru* genommen ^attc, lief er am 1^. Sanuar 1525 ^ 
eine feierliche öffentliche !I)i^putation t)eranftalten, unb nac^bem er, 
wie immer, im Söortfampf gefiegt l)atte, erfolgte, unmittelbar nac§ 
bem ®cfprdc^, baö ®ebot ber Äinbertaufe bei Strafe ber ?anbe6t>er* 
weifung* 2)rei ilage fpater begann bie 3(uöfül)rung bed 9lat^6bc* 
fc^luffeö, inbem Sleublin, ^äfter, ©robli unb ber Suc^framer Slnbre« 
auf ber Stüljen bie SBeifung erhielten, innerhalb ac^t Xagen 3üri^ 
unb fein ®ebict ju räumen. 

IL 

3110 biefer Schlag jte traf, befaß bie ®emeinbe nod& feine fird^* 
liefen gormen. Sie l)ielt SSerfammlungen, t)ietteic^t regelmäßige, 



§11. 5)te e^fronif ber aW&ljfrtWen ll&ufergemeinben im «uejug Ui Sßolnij, 



26 3»fited 53u^. 

beten 3n^alt ol)nc ^rt>d}ü &tbtt, 83ibeUefen, gegenfcitige Srbauung, 
93efeftiguug bet gewonnenen Ueberjeugungen tt)ar, aber eö fehlte, t)on 
Äirc^cnt?erfaffung ju fc^weigen, an jebem dauern 93ant> unb an jebem 
SRertmal ber 3uf<^^^cnge^6rigfeiU SBdre jie in biefem 3wfi<^nb in 
3üricl^ unterbrücft unb if)re flanb^aften ©lieber in bie grembe getric^ 
ben worbcn, fo ^atte bie Sci^P^^^uung ber ©laubigen wol)! eine Sin- 
regung jur geinbf(f)aft gegen bie l)enf(^enben itirdien unb ju religiofer 
®eniüt^öerl)ebung tjerbreitet, aber, of)ne @(f)u^ unb ^^flege bem @in^ 
fluf bed allgemeinen Sebenö Ijingegeben, würben fofc^e Stimmungen 
unb SReinungen balb inö Unbeftimmte unb üBirre jerfloffen fein* 

!I)a, im Slugcnblid ber {)oc^ften ®efa^r, erzeugte ber refigiöfc 
üiieb ber S3rüber bie feiner SRic^tung gemäßen gormen bed ?eben^ 
unb txijob bie ©emeinbe jur 5tird^e. Siic^t t?on ®rebel noc^ »on 
einem feiner »iffenfc^aftlic^ gebilbeten greunbe fam ber Slntrieb ju 
biefer folgenfcftwcren 2Öenbung, er ftammte t)ie(me^r au6 ber bunfe- 
len 2;icfe fc^warmerifd^er Slnbac^t unb ungcleljrter Sibefgtdubigfeit* 
3urg 33(aurocf, efn neuer SJrubcr, war ber Urheber, ,,ein fc^Iec^ter 
einfältiger 5Pfaff", wie bie md^rifc^e Uebcrlieferung fagt, „aber in 
©laubendfac^en aM ©otted ®nabc, bie il^m gegeben war, gut be* 
wanbert." 

3urg t)om ^aufc 3afob, nad) feiner Äleibung gemeinl)in ©lau* 
rorf genannt, ein 3)i6nc^ aud S^ur, ^atte, nac^bem er t)or furjem 
erji JU ben S3rübern fic^ gefeilt, an bem öffentlichen ®efprd(i^ über 
bie Äinbertaufe l)ert)orragenben äntl)eil genommen. S^ftt trat er mit 
©rebel unb 9Rapj jufammen, unb fte ertannten mit einanber, bap, 
wer aud göttlichem 3Bort ber ^rebigt einen rechten in ber Siebe t^d- 
tlgen ®lauben erlernt ^abe, auf ben ertannten unb bdannttn ®lau* 
ben bie d^rifilic^e S^aufe in äJerbinbung mit ®ott eined guten ®e^ 
wiffenö empfangen muffe. Unb e6 f)at ftc^ begeben, — fo erjd^lt 
weiter bie md^rifc^e S^ronit — , baf fte bd einanber gewefen ftnb, 
bid bie Slngfl auf fie tam unb fie in il)ren ^erjen gebrungen wur* 
ben; ba l)aben fte angefangen i^re itniee ju beugen t)or bem ^od^ften 
®ott im ^immel, unb i^n angerufen, baf er i^nen geben wotte, 

2>ie SBiebcvtäufer in aWäötcn. Streit) für .Äunbc öflr. ©ef^idfetdquefCen IS50. 
11. 1. p. 73. — IBcfenntnig «laurod«. gügti I. 263. - 53ittfd^rift ©lautorf«. 
gfigli I. 265. — ffitlation bct (Äac^gänger. güjli I. 266. — 9(u«fagcn. gfigli 
11. 361. — ©röbtt« «riefe an bie «rüber gu 3ol[ifon. gügli I. 201. 224. — 
Zwinglii Elenchus 363. — 



I. 2)cr Urfptung ber aSBiebntaufe. 27 

feinen gottlid^cn SßiUen ju vollbringen. ^Darauf i)at Sürg fic^ er* 
^oben unb um ©otted »iUen gebeten, ba^ Sonrab i^n taufe mit bet 
rechten »a^ren djriftlici^en JSaufe auf feinen (Glauben unb feine ®> 
fenntnipj ift »ieber auf bie ifniee gefallen unb von ßonrab getauft 
worbenj unb alle übrigen Slnwefenben ^aben fic^ bann t>on Sürg 
taufen laffen. Jpierndcl)ft l)at berfelbe, feinem eigenen Seric^t jufolge, 
bamit bie ©ruber be6 Jobeö (Eijxifii atln?eg eingeben! voaxtn unb fein 
t)ergoffen S3lut nid^t »ergaben, it)nen ben Sraud^ 6l)rifri angejeigt, 
ben er in feinem 9?aci^tma^l gehalten t)at, unb jugleic^ mit i^nen bad 
©rot gebrod^cn unb ben S^rant getrunten, bamit jtc jtc^ erinnerten^ 
bap fie alle burc^ ben einigen 8eib Stjrifii erioft unb burd^ fein eini^ 
ged S3lut abgen)afd^cn feien, auf baf jie alle einö unb je einer bed 
anberen ©ruber unb ©c^wefier in S^riflo i^rem §errn wären. 

3)iefe 2)inge l)aben jic^ wenige JSage nac^ ber Disputation bed 
18. 3anuar jugetragen, unb rafc^, noc^ e^e bie SSerbannten il^ren 
Slbfc^ieb genommen l)atkn, ift, jum Z\)tH mit il)rer J&ülfe, ber ®e* 
braud^ ber S^aufe unb beS Jperrn ©robeö nad^ 3<>ßif<>n unb über bie 
ganje ©enoffenfc^aft t)erbreitct »orben. 

12. 

3)ie Jtunbe von bem ©efc^e^enen biente jundc^fi, ben Sifer ber 
@egner ju t>erfi5rlen unb bie Unterbrürfung ber ^midjti ©emeinbe 
ju befc^leunigen. Slber bie 3utunft ber neuen Sieligion war je^t nic^t 
me^r an 3uri(^ gebunben. iDie ©runbfa^e c^riftlic^en Scbcnö, welche 
t)ier audgebilbct unb angenommen worben, einfach bibelmdfig un* 
fc^ulbig utib großartig wie fie erfc^ienen, entfprac^en an unb für jlc^ 
einem weit t>erbreiteten religiöfen ©ebürfnif. 2)urc^ bie firc^lic^en 
Sinrid^tungen, bie mit il)nen t>erbunben würben, legte ftc^ gleic^fam 



§ 12. Zwinglii Elencbus 364. — dtelation ber 9la(^c)ander. 9äg(t I. 266. 
- «uefagen, ebb. 11. 36!. — 53rdbli« ©riefe, I. 201. 224. — ®tebel« SBerant* 
tocTtung. I. 243. — SWan^en a3eranttt)ortung. I. 253. — örfenntnig be« ^ai^€ 
1525 gebt. 7. IL 336. — Q3eri^t ber «nad&gänger fammt Urt^eil über 3Wan| 
unb 33lauro(f. II. 339. — Unterfud(>ung gegen «öan« J&ottinger. II. 344. — Un* 
terfud^ung gegen Slubolf IRutfc^mann unb anbre von 3oIlifon. II. 351. — tSibet^ 
fefclt(i^feit §u 3o«ifon. IL 356. — g^ittf^rift einiger Siebertäufer. IL 358. — 
Saittfirtft (SJrebel« k. IL 367. — (Srfenntntg be6 IRatl^«. III. 217. — (»effftnb* 
mg toegen ber glud^t au« bem X^urm. IIL 252. — 3tt)ingli an 93abian 1525. 
SRg. 31. — iSBulUnger Sl^eformationegef^. L 239. — 



28 3tofttee mdi. 

um bcn Sttxn eine Jpüllc, tauglid^ alö ^anbl)abe jugleic^ unb al^ 
©(l^u$tt)el)c- @cJ war eine gönn gewonnen, in welcher bie Slbfonbe- 
tung t?on ber 3Belt unb bie brübcrlic^e ©cmeinfc^aft im iDienfi be^ 
J^crm mit Seic^tigteit t)on Ort ju Drt »erpflanjt unb übet ben mu 
tejien JÄaum au^gebeljnt werben fonnte» 3)edf)a[b muf te nun, gerabe 
ie »oHfidnbiger bie ^imü^ti ©emeinbe unterbrürft würbe, befto rafc^er 
bie tduferifc^e Äirc^e fic^ über bie Sänber beutfc^er Bunge t>erbreiten. 

5)ie Zi)at aber, weld^er biefe Äirc^e i^rc gormen unb il)r SDafcin 
t)erbantt, \)at iugJeic^ il)rem @eift unD 'Sßc]tn ein entfd^iebenereö ®e^ 
pxäQt aufgebriicft, 

3)ie 2;aufe ber Srwac^fenen, in fofern fie eine SBiebertaufe ber 
in x\)xti Äinb^eit ®etauften war, barf feineöweg^ ald eine unbebingte 
unb natürliche golgcrung aii^ ber SSertDerfung ber ilinbertaufe ange* 
fe^en werben. Unter ben et)angelif(^en ^4Jrebigern unb ©c^riftficffcrn 
gab ed t)ie(e unb au^gejeid&nete, welcf)e fid^ früljer unb fpdter gegen 
bie Äinbcrtaufc ober boc^ gegen bie SJerpflic^tung jur Äinbertaufc 
au6fprac^en, aber burc^auö nicf)t baran badeten, f)ierburdb ber SBicber* 
taufe Eingang t?erfcf)atfeu ju wollen. Selbft 3tt>ingli war eine ßtit 
lang ber 5liul>ertaufe abgeneigt gewefen, unl) er ^dtte feinen ®eban^ 
fen feftljalten unb wirflic^ biefelbe abpellen f&nnen, of)ne SBefen unb 
Slrt feiner Äirc^e erljeblic^ ju dnbern, wdl^reub bem ®eift bed 3tt)ing^ 
lianiömuö nie tttoa^ ferner lag aU bie SSäiebertaufc. Unb auc^ bie 
Slabicalen, obwol)l bei il)nen bie entfc^iebenfte unb unbebingte äJcr- 
werfung ber Äinbertaufe fo allgemein t)erbreitet gewefen ift, ba^ fic 
fafi al^ ein gemcinfame^ 3Rerfmal für fie gelten fann, finb bod^ nir- 
genb6 bid jur gorberung ber SBiebertaufe fortgefc^rittenj nic^t einmal 
SWunjer, ber bod) bie Äinbertaufe für ben Urfprung beö SBerberbnif^ 
fed ber S^riftenljeit ertldrte. Sogar unter ben 3öric^em finbet fid^ 
wenigftenö einer, Subwig ^d^er, ber 33laurocfd Schritten eine ßdt 
lang feinen SeifaU t)erfagte. 3n ber 2;^at war bie S3el)auptung t)on 
ber SRotl)wenbigfeit ber SBiebertaufe unter allen Se^ren eine6 bibli* 
fc^en 9iabicatid]nuö bie rabicalfte: fie fprac^ ber gefammten 6^ri* 
fien^eit bie Sljriftlic^feit ab unb jerfc^nitt bad le^te S3anb mit SScr* 
gangen^eit unb ®egenwart. Durc^ bie wirtliche ©infü^rung ber 
aaSicbertaufe würbe ^arum nic^t bloß eine Äirc^e begrünbet unb ab^ 
gegrenjt, fonbern bie tief innerliche ©onberung i^rer ©lieber t>on allem, 
wa^ nic^t ju if)rer ®emeinfd^aft geborte, jur Ijoc^fien aSoBtommen^ 
^eit erhoben. 



1. S)tt Urfprung ber Sffitebertaufc. 29 

3ug(eic^ enn)fieng butd) fle bie Anlage jui ®rf)n)dnncrci, meiere 
ber ganjen 3iid)tung angeboren mar, ben wirffamften älnfio^. ®lei(^ 
ber erfie @ntf(f)Iu^ jur SOBiebertaufe unb if^r SInfang trar nic^t ein 
9Berf rul)iger, wenn aud) frommer Ueberlegung, fonbem eine Zf^at 
ber l)öc^ften Slufwallung be6 ®efül)(6. Unb in berfelben Slrt würbe 
fie weiter tjerbreitet. 3n abgefc^iebenen SSerfammlungen, t?on SBibcU 
lefen unb ^rebigt erfc^üttert, eri)ebt ftc^ ber ©c^üIer. SBie eine plbi^ 
lic^e (Eingebung ifi über'i^n gefommen, er beflagt fein t>ergangcne6 
?eben, gelobt Siebe ®otted unb be6 Sldc^ften unb t^erlangt auf feinen 
©tauben unb ©ntfd^Iuß baö S^i^^n beö S3unbe6 mit ®ott. Ober 
brausen in ber (Sinfamfeit t)on SQBalb unb glur bleibt er, wie ber 
Ädmmerer mit $^ilij)pud, an einem Duett fielen unb richtet an 
feinen 8el)rer bie biblifc^en SQBorte: @ie^e ba SBaffer, xt>a6 I^inbert 
baf ic^ getauft werbe? 3Bie er bann bie S^aufe emj)fangen l)at, fu^lt 
er jtc^ in eine t)6ttig neue Orbnung ber SDinge \)erfe^t. (5r ifi mit 
©Ott unb ben 93rübern t^erbunben, aber \)on einer ganj fremben, 
I)5c6fi fcinbfeligen SBelt umgeben, in beren 2fugen baffelbe ^txä)tn, 
weld&ea il)n jum Äinbe ©otted mac^t, für eine 93ranbmarfe gilt 
Die 3fit ber unenblid)en Verfolgung unb 3fngft ift t^or^anben, unb 
in feiner ©eele beginnt baö Stufen unb Schreien jum ^immef, ju 
ber bannl^erjigen ^ülfe bed 2lttert)6c^fien. 2)ajwifd^en tonen, furcht* 
bar unb troflreic^, bie biblifc^cn äßeiffagungen. 333e(c^er anberen 3«t 
alö ber gegenwärtigen fonnen bie Drohungen unb Ser^eipungen ber 
^rop^eten unb St^rifti gelten? §at nid^t ber §err feine SBoten aM^ 
gefanbt, um fein Solf mit bem ßcid^tn bcö Sunbeö ju tjerfiegeln? 
9iun wirb er feine ilenne reinigen unb bie ©ottlofen fhafen. ^til 
unb griebe ben 8fu6erwä^lten beö ^^erm, unb 3Be^e über SOBe^e ber 
SBelt, bie bem 9luf jur 93uße bie Ol)ren t^erfc^Iie^t unb il)re ^anb 
an bie ^eiligen ©otteö (egt! 

Sogleich, ald ßwingli t)on neuem, unb nun bringenber nod^ 
aU früher, ben 5tamj)fruf erfc^atten lie^, fc^Iug blenbenb unb er^ 
fc^redtenb bie gfamme fc^wdrmerifc^er Segeifterung empor. ?ßl6ftlic^ 
fat) man eine 2Renge itxtU, wie jur JReife fertig, gegürtet mit ©trirfen, 
burd) 3öric^ jiel)en. 2Iuf üWarft unb ^lä^en blieben fte flel^en unb 
prebigten t)on ber Sefferung bed Sebend, t?on ber S3efe^mng jur Un* 
f(^ulb unb ©ered&tigfeit unb brüberlid^en Siebe* !Dajwifc^en riefen fte 
gegen ben alten Drad^en unb feine ^äupter, baö i^ gegen 3tt>ittgU 
unb feine amt6genoffen, unb weiffagten ben Untergang ber ©tabt 



30 itßtiM md), 

binnen f urjcm , wofern fte bie Stimme be6 Jperrn nicöt I)oren motte. 
,,9BeI)e, »el^e über ^äxxä^V tonte bad Stufen balb flagenb balb bro^ 
^enb, wie eine SDlal^nung an^ einer anbeten SBeft, überatt burc^ bie 
engen Straßen ber t^offreid^en §aupt|iabt* 

2)er Statt) liep \)iele jur ^aft bringen, unter i^nen auc^ 9Äanj 
unb ©laurodt. @d folgten Verbote, SSerljore unb ©trafen, bann tt)ie^ 
ber 9Scrt)aftungen, Unterfuc^ungen , ©efpric^e, \)erftärfte Strafen. 
Aber biefe Seute \)aütn einen ®eip, meld^er ber 3winglifc^en S^^eo* 
logie fpottete, unb bie ®en)a(t trieb, wie ber SBinb bie geuer6brunfi, 
ben ©amen il)rer üird^e in bie ffieite. 



II. 

^te oBetbeutfc^en f&ithtttmftu 

1. 

SQBät)renb in Swrid^ Dbrigfeit unb ^rebicanten bemuf)t waren, 
burd^ et>ange(ifc^e S9ele{)rung, iterfer unb ©elbbufen ber tduferifc^en 
Bewegung ©inl^alt ju tf)un, würbe burc^ bie t)ertriebenen unb flüc^^ 
tigen ©ruber ?ef)re unb 2^ufc in ber 5Rad)barfci^aft t>erbreitet* 



§ 1. UeBer «^ubmater, «^ofmeiflcr unb ba^, toa^ @(^aff^aufen angebt/ f. bie 
gu (ia)ß. 1. § 6^ angffüifrten ^äd^er. — Staffagen «^ubmater« ^u 3ärt(^, %üiii 
lil. 240* ' ^ubmöt; IDer uralten unb gar neuen lerem urtail, bad man bie jun^ 
gen finblen nit taufen folfe, bid fv im glauben unberrtc^t ftnb. 9ltfolfpurg 1526. 
SR©. — (3o]^. Saber) Urfad^ toarumb ber »ieberteuffer patron unb erfler anfen^ 
ger boctor ©alt^afar ^ubmat^er }u Sien auf ben jel^nten tag ^axiii a, 1528 
»erbrannt fei. mf&. — aSröbli« 93riefe. «ügli I. 201. 224. — Strang an 3»ingU 
1529. Zw. Epp. II. 390. — ©d^aff^aufen an ©tragburg 1528 9lotJ. 4. 3:9(. - 
IKubtoig ^ornecf von ^ornberg, Sd^ult^eif ju äOalD^l^ut, an (Strasburg 1528 
9lot). 6. Z^. — Regler« ©abat^a. SWf. ber ®©. f. 157 sqq. ©in 9(u«gug 
au6 biefem STIf. ifl bie 9teformaticn«gef^i<i^te ber ®tabt (S. fallen bti @tm(er, 
^mmlung alter unb neuer Urfunben ^ur i^eleuc^tung ber itirc^engefc^i^te vor« 
nel^mli<i^ bed ©(^n^etgerlanb«. 1767. - (S^ur an Sürid^ 1525 3ul. 25. SnSli 
I. 269. — ^ofmeifler« 9lu«fagen. gügli 1. 240. — ©alanbroniu« an 3»ingli 
1525 aWai 15. — Malier an 3»ingli 1525 9lotJ. 29. — aber 53afel »gl. «&ergog, 
JDecolam^jab unb bie ^Deformation in JBafel 1843. I. 306. — 9lin gefpre^ etti^er 
prebicanten gu ©afel, gehalten mit etlid^en befennem M toibertaufs. 1525. 



II. 5)ie obcrteutfc^en ffiiebfttdufer. ' 31 

6ic befa^en bort bereite Slnfnüpfung^punftc* 

^ubmaicr Ijattc gwar an ber cigentl)umlic^cn (Sntwicfelung bc* 
3uric^eT 9labicaliömu6 feinen 2lntl)eil genommen, \)ie(mel^r mit 
ßwingli, in beffen 6inn er auc^ auf ber Octoberbiöputation 1523 
fid) au^fprac^, bie langfie 3fit gleichen ©d^ritt gel^alten, nur bie SSer* 
änberungen beö 3wn^cr ©otteöbienfieö unb S3efenntniffc6 eine nad^ 
ber anberen in SBalbö^ut eingefül)rt, fo baß [eine ©emeinbe t)on 
3wingli felber noc^ gegen ©nbe beö 3a^re^ 1524 in ber ©c^rift 
gegen bie 3wrid^er SJabicalen af6 2Äufter et^angelifd^er ilugenb gc* 
priefen würbe. 8lber er füf)Ite ftc^ boc^ einerfeit^ ju felbftänbig al6 
Zi)toloQt, um fid^ an einen anberen SWann fc^Ied^tweg ju binben; 
unb anbererfeitd >t?ar felbfi ber 3winglifc^e gortfc^ritt für il)n, bet 
nac^ breißigjä^rigem treuen unb juweilen fogar übereifrigen fat^oli* 
fd^en ^riefierleben fic^ fpater al^ anbere ber JRefonnation angefd^Iof* 
fen })aiU, fo auferorbentlic^ rafd^, ber Sdrm ber \)on i^m felbft ent^ 
jünbeten 3SJaIböl)uter Unruhen fo betäubenb, bap er mel^r Sefonnen* 
\)tit unb weniger (Sitelfeit \)ittc Ijaben muffen, um ju ber 3cit, aW 
ring6 um i^n ber ©treit über bie Äinbertaufe erfc^oU, ^inter anberen 
in et^angelifd^er ©rfenntnif jurücfbleiben ju fönnen. @r l)ielt Umfrage 
bei feinen tl)eoIogifd^en S3efannten, fammelte bie beifälligen ober 
fc^wanfenben Urt^eile, erinnerte ftc^, t>a^ and) 3w>ingli frü{)er in t)er* 
trautem ®efpr5c^ mit iljm bie Äinbertaufe tjerworfen l)atte, unb fo^ 
balb er feiner ©ac^e ftc^er ju fein glaubte, prebigte er nic^t allein 
gegen ben SWißbrauc^, fonbern begann unt^erjüglic^ einen neuen 
Slitud an bie ©teile beffelben ju fe^en, ©c^on t)or ber ^nxi(S)n 
Sanuarbi^putation 1525 würben in S5Jalböl)ut nur noc^ bie jtinber 
berjenigen ßltern getauft, bie im ©loangelium ju frf)tt)ac^ waren, um 
^ubmaierö 5ßrebigt folgen ju fönnen; bie anberen ließ ber ^faner 
tjor bie ?lugen ber t)erfammelten ©emeinbe bringen, lad bad @t)an* 
gelium t)on 6f)ripo ber bie Jfinblein ju fid^ fommen läßt t?or, er» 
tl^eilte i^nen bie Siamen unb empfai^l fie bem ®ebete ber ©laubigem 

3n ©d^aff^aufen fonnte man nic^t eben fo rafd^ t)orfc^reiten; 
benn bie ©tabt gel)orte noc^ nic^t fo unbebingt wie ffialbd^ut ber 
{Reformation, aber ^ofmeifter, obwol)l geifiig t)iel abl^ängiger t)on 
3wingli unb auc^ perfonlic^ nä^er mit i^m t?erbunben ald ^ubmaier, 
äußerte boc^ laut unb untjer^olen biefelbe ÜWeinung wie biefer, unt 
»erfagte feinem eigenen Äinb bie Xaufe» 

iHn beiben Orten war ed bie ®emeinfamfeit bed rabicalen 



32 3tocile« ^u^. 

Stanbpunftcd, welche ben ©tebelifc^en eine 2lud(tc^t eröffnete. 3n 
einem no(^ loiel engeren SSet^ältnif fianben fie ju einem 2;i)eil bei 
®t»angelifc^en ber ©tabt ®. ©allem @in Sln^nger ©rebeld, bec 
SBebei ?aurenj ^oc^rütiner, mar, afö er gegen @nbe bed Sal^red 1523 
»egen ®ilberfret)el^ aud ^üxiä) t)erbannt worben, nac^ feiner ^eimat 
6. ©alten gewanbert unb l^atte bie Sefirebungen feiner greunbe, 
mit welchen er tro^ ber perfonlic^en S^rennung fic^ in SSerbinbung 
erhielt, ^ier^in tjcrpflanjt. 2)er ©treit über bic Äinbertaufe, ben er 
plo^lid^ in bie SSerfammtungen ber @t)angelifc6en brad^te, tjerliet) i^m, 
ber mit §ülfe eineö ©rebelfc^en 93riefe^ ben befiellten SBibelerfldrer 
3oI)ann £c^tcr in bie @nge trieb, grofered 2lnfc{}en, unb feitbem, 
fc^on n)ä^renb beö 3al)reö 1 524, ftanb er an ber ©pi^e einer Partei, 
bie in ben 3önc^er Srubern i^ren geiftigen ©tü^punft t^atte. 

Dieß waren bie Orte, n>el(be juerft bie golgen ber S^^'^^^^ Vor- 
gänge erfaljren mußten. SDiejenigen unter ben gtuc^tigen, beren 
8at)n n)ir genauer t>erfoIgen fönnen, begaben fic^ nac^ ©c^aff^aufen* 
®rebel, ber einen \)orne^men Sürger ber ©tabt, ^an^ aSalbfirc^, 
jum ©dbmager fjatte, na^m ^ier tjorläufig feinen Slufent^alt. !£ie 
anberen jogen weiter. SBrobli fieng in bcm ©c^aff^aufer Ort ^aU 
lau ju prebigen an, fanb 3lufna^mc unb 93cifall unb fiebelte fic^ at^ 
Pfarrer auö bem ©tegreif bort an. 9?eublin wanberte nacf) SÖalbd* 
^ut. !Der Srfolg i^rer SBerbungen war am geringjlen ju ©d^aff^ 
I)aufen, wo ^ofmeifter ben 93rübern jwar freunblid^ begegnete unb 
feine 3wftimmung in ^infic^t ber Äinbertaufe au^fprad^, aber, wie 
e6 fd^eint, feinen ©cf)ritt weiter ju bringen war. ©ine offentlid^e 
2)i6putation würbe angefunbigt, unterblieb aber, t>iellci(^t in golge 
einer SBarnung, welche ber 3«rid^er diail) an bie 9?aAbarfiabt richtete. 
9lur im füllen unb langfam griff bie 3^aufe bort um jtc^. Siel 
bef[er gieng eci in 2Ba(bßi|)ut. ^ier würbe wirflic^ ein ®efprdc^ 
t)eranftaltet. 3la<i) einigem ©träuben liep ^ubmaier fic^ t)on Steub* 
Un fortreifen unb empfieng bie S^aufe t>on i^m. Dief war ein ©ieg 
t)on nirf)t geringem aöert^, bcnn bie ©tabt l^ieng an ^ubmaierö 
Slugen. Srüf)er, ba ed fic^ um baö 3»»ingfif*^ @t>angelium ^an^ 
belte, unb SOBatbe^ut in ber SBafjl jwifc^en ber ®efal)r, bie §ub^ 
maierö längere ®egenwart broI)te, unb jwifc^en ber Unterwerfung 
unter bie aufgehobene ^anb ber öfheic^ifc^en 8anbed-'9legicrung 
fc^wanfte, i}attm SWänner unb SBeiber fid^ auf bad JRat^^aud ge* 
krängt, i^re^ ^farrer6 93eibel)altung erobert unb mit bem ®eläut 



II. IDte oberbeutfd^en SBiebert&ufer. 33 

aller Olorfen ben ©ieg gefeiert 3e^t brauchte ^ubmaier nur ju 
ixoljtn, er ttjurbe »e9gel)en, fo t>crfiummte ber SBiberjianb gegen ba* 
neue frembartige beginnen* ^unberte liefen fic^ taufen, unb Jpub* 
maier erhielt t)on feinen getauften ?ßfarrfinbem bad Sfmt jurfldt, »et 
(^e6 er t?orI)er entfagenb in ber Ungetauften ^dnbe nicbergelegt l)attf* 
©0 mürbe SBalbö^ut eine S3urg ber täuferifc^en Jtirc^e, t)on mo Sin* 
trieb unb S95erbung nac^ allen Seiten audgieng. 8[m eifrigjien folgte 
bent 3Balbdl)uter Seifpiel bad benad)barte ^allau, mo Steublin fic^ 
für bie ndc^fle 3eit neben Srobli fe^fe^te- !Die ©emeinbe lief jld^ 
fa^ 9Rann für 2»ann taufen unb fc^ü^te troftig ben neuen ^reW* 
canten unb fein 3Berf gegen bad @ebot unb gegen bie Äned^te be6 
fRatl)^ tfon ©c^aff^aufen, ^ubmaierd Uebertrüt f)attt aber nod^ eine 
anbere unb größere S3ebeutung für bie ^Partei, baburc^ baf fle an 
il^nt einen angefel)enen Jl^eologen unb einen fel)r fd^igen Schrift* 
fieller gemann* ^xoax gieng er feine6n)egd t)oll|idnbig in U)xt SBeife 
unb il)re Slnfc^auungen ein, fonbem bemal^rte fic^ t)on Anfang an 
eine gtof e ©elbftdnbigfeit» 2)ad 8lbenbmal)l, melc^ee er um bie 3^11 
feined Uebertrittd jur SSBicbertaufe l)\tlt, mit einem Ofierlamm nnh 
mit gufwafc^ung ber 3;i)eilne^mer, war nic^t tduferifd^, unb nodj 
me^r n)iberfpra(^ i^ren ©runbfd^en, baf ber !Doctor ein grope* 
©c^lac^tfd^mert in ber §anb am %i)oxt ber ©tabt Sffiac^e jianb, unb 
ben aufrü^rifd^en Sauern fricgati^menbe Slrtifet fc^rieK 8lllein er 
war bod^ in ^auptt)unften mit il)nen einig, ^atte ber Jtinbertaufe, 
ber 9icc^tfertigungdlel)re unb mand^em xt>a^ bamit jufammenl^ieng 
abgefagt, war ein SBiebertdufer unb ein geinb ber ©loangelifc^en ge* 
tt>orben, unb mufte unb wollte feine ®clel)rfamfeit »ie feine tjolfd^ 
t^ümlic^e fd^lagfertige Serebfamfcit in SBort unb ©c^rift bem stampfe 
gegen bie Unterbrücfer »ibmen* 

2)oc^ ben gldnjenbften %xi\mp\) feierten bie S^dufer balb barouf 
in ©• ©allem SBotfgang ©d^orant, genannt Ulimann, ©oI)n eine« 
©* ©aUifc^en 3unftmeifter6 , I)atte bem aÄonc^^panb in 6^ur ent^ 
fagt unb bal)eim bei bem ajater ein ^anbwerf ju lernen begonnen^ 
»ar aber bancben einer ber bepen Oe^ülfen Jtefter6 in bei etmngeli^ 
fc^en »ibelfhinbe geworben. 2)iefer aÄann ^atte fld^ auf ^oc^ruti* 
nerd Seite gefd^lagen unb wanberte jieftt nad^ ©d^aff!)aufen, um tjon 
Orebet in bie rechte Seigre eingeweiht ju werben unb bie Skiufe ju 
empfangen- aw er t)oU be« tduferifc^en ©eified I)eimfe^rte, brdng* 
im ftc^ bie ©ürger, begierig na^ ben Offenbarungen bie i^m )U 

ftorneliu«, «nfnt^r in gtfinfler. n. 3 



34 3»eited ^u^. 

S^^cil gctvorben, um bcn beliebten SRebner, unb liefen fic^ t)on i^m, 
bcr bie Äirc^en bei ©ottlofen t>erabfc^eute unb mieb, an un9ett)oI)nte 
aSerfammlungdplifte, ijimn^ in SQSalb unb glur fül)ren. (Sd folgte 
®rebclö anfunft, bet mi) jubelnbem ©mpfang jur ©ittcr t>orangieng 
unb öffentlich bie Siaufe ert^eilte. 3la&} furjer Seit ftanben bie et>an^ 
gelifc^en 5fanjeln fafi einfani, bie ©cmeinbe ber ©etauften aber, bie 
fld^ um Ulimann unb anbete jum 33rotbrec^en unb jur Grbauung t>tu 
fammelten, muc^ö auf ac^tfjunbert (S. ®aUif(^e ßinwoljner, unb 
tdglic^ fa^ man Seute an^ 8(ppenjel( uhb bem ©cbiet beö 2lbtd nac^ 
bem neuen Serufalem fommen unb um \l)x ^cil beforgt bie ilauf^ 
fidtte auffuc^en. 

Unterbeö luf^tcn bie Srüber in ^üüd) unb ßollifon nic^t. Da^ 
ganje ®ebiet Söric^ö würbe t>on S^dufern burc^jogen, bie namentlich 
bei bem empfdnglid^en 33olf in ber Jperrfcfcaft ©rüningen großen ^In- 
Hang fanben, ®rebel felbft unb Slaurocf, al^ er ber ,^aft lebig ge- 
l»orbcn, famen bort^in unb lehrten. aSeiter f)inauö brang ''Iftani, 
bet in ©raubünbten bie S^aufe einfüf^rte, wd^renb anbere ^ofttl an 
bem entgegengefe^ten Snbe ber ©ibgenoffenfd^aft ju 93ern unb 33afel 
bie 3winglianer erfc^recften. 

2. 

Der erfte ©inbrucf, meieren bie frembartige rdtl)felt)afte ©rfd^ei^ 
nung auf biejenigen mad^te, bie \?erftdnbig unb fül)t genug waren, 
um nid^t fetbfl mit fortgeriffcn ju werben, war 93cftürjung unb SSer^ 
legen^eit. 3Äan burfte wo^l fragen, ob man baö SRec^t t)abe, ben 
Säufern in ben ffieg ju treten- 3)ie religiofe Segeifierung , bie un^ 
t)erfennbar au6 iijxtm Zl)ün ^ertjorleuc^tete, gebot ?(c^tung, wd^renb 



§ 2. Regler a. a. £). — atringli, 93cm touf. 9Berfc II. I, 230. — ^einr* 
©c^rftber a. a. O, — Ucber ©d^ajf^aufen unb J&cfmeifter f. ohtn, — Stoinglt, Uebcr 
boctor ^aUffaiaxt toufbüd^ltn »ar^aftc grünbte antivurt. 3Derfe 11. 1 , 343. — 
Stoinglt an 93abtan 1525 mai 28. Dct II. 1526 SWj. 7.— ®rebel an geabtan 
1525 mai 30. ®93. öetl. III. - fallet an SmnQÜ 1525 9lot). 29. 1527 «^r. 
25. 3Äai 16. — Stoingü an ^a((er unb Äolb 1527 9(pr. 28, — 3tt)tngli an bie 
S3tübcr gu IBcrn 1527 mau — Swinglt an (Som 1527 <Bpt 1. — 2)tf ©rünin* 
ger ^dnbcl bei gügli I. 279. 286. 11. 358 (?). III. 205. 207. 210. 219.— S3ul^ 
Itnget 8«eformation«gef<i^. I. 261. 294. 303. — «erid^t bcr ölac^gSnger. %ü$ii 
III. 211. — Untfrfu^ung gegen ^ubmaier. gügli III. 229. — @efl&nbniffe toe^ 
Qtn ber gluckt ou« bem a:^urm. III. 252. — 9lat^«erfenntnijfe* IV. 252—255. — 



II. JDic oberbeutfc^en SBiebertäufer. 35 

bic fc^wannerifc^cn Uebcrfd^manglic^feiten minbcficnö Surc^t )>ox itn 
gcigcn cincö gcwaltfamcn SBibcrftanbeö crmecften. SBor altem gc* 
reicfctc ben ildufcni jum 93ort^eiI, baß über bie @tattl)aftigfeit ber 
Äinbertaufe bei bem SWangel eineö unjtrcifcl^aften biblifc^eit 3^ug* 
niffeeJ unter ben St>ange(ifc^en felbft Ungewißljeit imb @d)n>anfcn 
I)en[cf)te» 3ene mußten baö fe^r tvo^l, unb inbem fie mit SJorlicbe 
unb ftürmifc^em Gifer bicfe grage immer wieber in ben 33orbergrunb 
fc^oben, beriefen fit fid) auf baö ©etriffen il)rer ®egner felbft unb 
rühmten fic^ laut, baß alle, felbfi 3tt)ingliö eigene Slmt^genoffcn, 
tt>cnn bie gurc^t fie nic^t abhielte i^re wirflic^c SReinung ju offen* 
baren, in bie 9Sern>erfung Der Äinbertaufe mit einftimmen wiirbcm 
Slußerbem gebot bie Unfic^er^eit ber öffentlichen SwP'inbe SSorjid^t 
unb läljmte überall bie ^anb ber Obrigfeit. Wtan lebte in ber ^tlt 
beö 33auernf riegö , in bem ungefc^icften 3a^r, wie bie ©rüninger 
Slmtleute e^ fpdter entfc^ulbigenb nannten, unb wenn aud^ S^dufetei 
unb 33auernaufru^r feinen bewußten 3ufammen^ang l)atttn unb bie 
2;i)eilnal)me ber 2ßalbö^uter unb ^allauer an bem weltlichen S^reiben 
ber benachbarten Sanbfd^aften nur eine Sluöna^me "oon ber fonft aU^ 
gemeinen ©onberung beiber Bewegungen war, fo würbe boc^ burd^ 
bie t)orüberge^enbe ©elbftdnbigfeit ber ©emeinben unb bie O^nmac^t 
ber Obrigteiten baö SBirten ber ©laubendbotcn fel)r wefentlic^ bef6r^ 
bert unb gefc^ü(^t. 

Unter biefen Umftdnben war eö t)on l)bd)fin aSJic^tigfeit, ja e« 
rettete t>ielleicbt bie ei^angelifc^e Partei in ber ©c^weij t)or bem Un* 
tergang, baß 3wtngli unb ber ^m6)tx 9lat^, beren SSorgang man 
in allen 3?eformation^angelegen^eiten alö maßgebend ju betrachten 
gewohnt war, fein @cf)wanfen funb gaben, t)ielme^r mit aller QnU 
fct)iebcn^eit bie Slu^rottung ber SBiebertaufe erftrebten. 3winglt l^atte 



53ittf(fcrtft J&ubmater« in ber ©cfangenf^aft ju Büri^. Ott. Ann. Anab. 25. — 
Bipmglt an «öabtan 1525 I)cc. 23, — Swingli an «Petra« ®t)noräu« 1526 Slug. 
31. — 5(in gefpred^ ©alt^afar ^ubmör« tjon gribberg bcctorö, auf maifter Ulrt^« 
Swinglen« gu 3üt^ toufbüc^len, tjon bem »ibcrtauf. fRtcelfpurg 1526. SW33,— 
^ubmater« SBcfenntntg ju 3üri^ unb be« didti)^ örfenntntg gegen i^n. 1526 
S^jr. IK (5taat«ar^b ju 3üri(&. — 93u((mger, IDer toibertouiferen urf^jrungjc* 
1560. f. II sqq. — ©. ®aKer fRatf}i)pxotchlit 1525 St^jr. 7. 21. 25. 26. SWal 
12. 19. 3un. 5. 6. 8. 9. 16. 3ul. 17. 9lug. 29. ©pt. 6. 11. £)ct. 3. 1526 
3anu. 22. SWateftjbnc^ ber ©tabt <B, ©alten 1526 JWrj. 23. 8(pr. 13. k. ®. 
©aller Slrc^i», — (S^fur an Süri^ 1525 3ul. 25. güflt I. 269. 

3* 



/ 



36 3n>etted f&\xä). 

in ben kämpfen bcd t^ergangcnen 3al)rö eine Seweiöfü^rung für bie 
JKnbertaufc eibac^t unb au^gebilbet, ml^t er nun [einen greunben 
überaU \)m mitt^eilte unb balb in einem eigenen S3uc^ jum ©emein^ 
gut ber 5ßartei machte. (Sie litt jtt>ar an bem angeborenen 9Rangel 
M 3winglifc^en ©tanbpunfte6, für welchen bie SJergreid^ung mit 
A bet S3ef(^neibung ber if inber im alten Sunb unb alle anberen ^ülfd» 
mittel ber Sibelerfldrung feinen genügenben 6rfa^ boten, fonnte ba^ 
^er auc^, wie jut?erftd)ttic^ immer ber Url)eber auf fein SBerf ^inmei^ 
fen mochte, bie SBiebertdufer nic^t t?on i^rem Unrecht überzeugen» 
dr fetber empfanb bad (Sewic^t ber ^ubmaierfcfien ©egenfc^rift fo 
fd^merjtic^, baf er an^ ber gewol^nten gaffung gericti) unb in feiner 
6rtt)ieberung ben tl)tmaU get)riefenen ®enoffen mit unn)ürbigen 
©cl^m(Sl)ungen überljäufte. Slber 3wingli atö ein unermüblid^er unb 
gewanbter SBortfec^ter rebete bod) in ben ©efprdc^en alle ©egner ju 
©oben, unb biefe Siege jufammen mit bem 8lnfet)en bed JRefonna^ 
tord unb mit ber 9?otl) ber Jage t)erfcfcafften feinen S3en)eifen fet)r 
Jalb eine ärt canonifc^er ®eltung bei feiner ^Partei. Die ®t>ange^ 
Kfc^en gemannen einen bogmatifc^en 8lnt)alt jum 2Biber|ianb gegen 
We Sidufer, bie 3w>ciffl tjerfc^wanben, bie confen^atitje Stnfcbauung 
befeftigte jtc^. Unb nun beburfte eö eigentlich nur einer §intt>eifung 
auf bad 3winglif(^e Äird^enrec^t, um bed geinbed lebig ju ti[)erben» 
(S^ ^anbete fid^, rief 3wingli ben greunben ju, nic^t fo tt>ol)l um 
We 2taufe, aW t)ielme^r um (Spaltung unb iie^erei, 9?iemanb f)am 
nai) feiner änfid^t bad JRec^t, fic^ i^on ber itird^e ju trennen, bad 
l^ift einer anberen SKeinung ju folgen, al6 bie 2»el)rl)eit, aW bie 
gefe^lic^en Vertreter ber Staatsbürger» 

Der 8tngriff gegen bie S^dufer begann gegen bie 9Äitte beS 3a^^ 
ted 1525, ungefähr um bie ^tit aU bie Sauernbemegung t)on ber 
glutl)6l)e ^erunterfanf* Sin bem Ort ber l)6c^fien ®efa^r fiel ber erfie 
Schlag. g3idl)er I^atte ber JRat^ t)on S» ©atten feinen emfi ge^ 
braucht» anfangt tub er bie Jldufer ein, gemeinfam mit ben übri^ 
gen @intt)ol)nern auf ber SBa^lfiatt religiofer (Erörterung unb S3ibet 
erlWrung, in ber gaurenjfirc^e nämlicfe, ju erfd^einen unb i^re 
?Ptebigten bem Urt^eil ber t?ier et)angelifc^en Sc^iebSmdnner ju untere 
werfen» Dann würben Ulimann unb anbere unter Drol)ungen unb 
Sitten aufgeforbert, bia man über bie Sa(^e ind Älare lomme, t)on 
JEaufen unb Srotbred^en abjulaffen» ^albe aÄafregeln, bie ju »eiter 
nt^ts bienten, aW Sieben ber Sdufer gegen bie I^eibnifc^e Obrigleit, 



i 



II. ^te cberbeutf(^cn Stebertäufer, 37 

bie gegen 6^rifium fic^ auflel)ne, {)ert>orjurufeiu Se^t aber ftellte fic^ ber 
angefe^enfte SWann bec Stabt, bei Sürgermeifier 3oac^im ^on SBatt^ 
ben bie geleierte 3Bett unter bem 5Ramen SSabianud fannte, entfc^toffeti 
an bie ©pi^e be^ aaJiberfianba. 9ticf)t ben neuen 3)ogmen galt fein 
angriff» @r l^ielt bie Äinbertaufe gleich jenen für einen ÜÄi^brauc^, aber 
er moUte bie Stbfiettung biefe^ 3Äif brauc^ö unb jebe anbere SSerbefferung 
auf bem SBege aUmdl)Iic^er unb regelmäßiger Siefonn erreicht Ziffern 
I)er aSiebertdufer Orbnung unb Sraucö ju prebigen, erfidrte er t)or. 
bem JRat^, fei ein unorbentlic^er Sre\)el, n)iber ber Slpoftel Sraud^ 
unb ?e^re, ol^ne Seruf unb au^ eigener 2Billtür unternommen 3 iM 
wolle er au6 göttlicher Schrift bartljum 3luf bie ©nlfc^eibung, 
welche nun nic^t lange ausbleiben fonnte, fuc^ten beibe, 3tt)ingli unb 
®rebel, einjutvirfen. 3)er erfiere wibmete fein in benfelben Za^m 
fertig gen^orbeneS Sud^ über bie %an\t ber ©tabt @. ©allen mit 
einer heftigen 33onebe- 3)er anbere, noc^ aufgeregter, fcf)rieb ©riefe 
an bie SBürgcrmeifier unb inSbefonbcre an feinen ©c^mager Sabion» 
2)en ÜRann, bem er mit aller ©^rfurc^t, beren er fdl)ig tt^ax, ergeben 
gewefen, ben er nod^ immer als feinen t?dterlic^cn greunb unb SQSo^U 
tl)dter liebte, tt)arnte er je^t mit l)oc^erl)obenem Singer, anberen 
Stdbten nicl)t baS 93eifpiel ber SJerfolgung ju geben, feine ^dnbc 
t)on unfc^ulbigem Slut ju enthalten, feine Seele üor bem ©erid&t 
beS §eirn unb bem ewigen Serberben ju retten» Slber SSabian oc^ 
tete fo wenig auf ben ©c^merjenSruf feineS Sieblingd, als bie ©• 
®allifc^en 2;dufer auf bie ®rünbe beS 3winglifc^en S3uc^S, baS man 
\i)mn in ber Saurenjfirc^e t^orjulefen t)erfu(^te* 8lm 5. 3uni würbe 
bie ©c^rift beS SürgermeißerS, am folgenben %aQ bie ©egenfc^rift 
ber 2;dufer üor bem 9iat^ gelefen. !Darauf ergieng baS SSerbot bed 
2;aufenS unb beS Srotbrcc^enS; als ©träfe für bie 3^dufer würbe 
©efdngnip unb SJerbannung, für bie ©etauften eine ©elbbuße be^ 
fiimmt. Um bie SluSfü^rung ju ficf)ern, berief ber fRai\) jweil)unbert 
33ürger auf baS JRat^^auS, unb ließ fte fc^woren, ber Obrigfeit mit 
SaSort unb Z\)at beijufie^en» 9iur einer weigerte ben ©ib : er muf te 
mit aSeib unb Äinb baS ©ebiet ber ©tabt räumen. Darauf begann 
bie gewaltfame Unterbrürfung ber tduferifd^en Äirc^e in ©. ©allen» 
©eitbem folgte ringsum eine 5Rieberlage auf bie anbere. 3m 3uH 
würbe SRanj in S^ur \)erl)aftet unb in bie Jg)dnbe 3ürid)S geliefert 
3m Sfugufi, als ©c^aff^aufen beS Slufru^rS in feiner ©emeinbe ^en 
würbe, traf auc^ ben Doctor ^ofmeifler baS 800S ber SSerbannung, 



38 3mitti öu*. 

unb mm flcUtc er ficfc, über bic @tatt^aftigfcit bcr Äinbertaufc be^ 
TU^igt, tt)ieber unter Swingliö Sefel)l, ber il)n in ^üxid) tjcrforgte. 
3m October würben ®rebel unb Slaurocf im ©rüningif^en gefan* 
gen genommen. 5Roc^ jogerte \)orftc^tig ber diati) \)on ^miä), gegen 
bie ©rüninger, welche if^ren ^artnärfigen täuferifc^en 93rübem baö 
Sffiort rebeten, ©ewalt anjuwenben. Slber nac^bcm biefen ju ©efal- 
len im 9iot)ember nod^ eine le^te grope 2)i^putation über bie 2^ufe 
gel^alten worben \r>ax, bulbete er feinen Söiberftanb mti)i t>on ben 
atmtleuten unb begann bie @tanbt)aftigfeit ber ©etauften mit fc^we^ 
ren ©elbbupen auf bie $robe ju ftellcn. 3u gleicher 3^it belegte 
©em bie Siduferei mit ber Strafe bcr ?anbeöi^erweifung. 3m 3)e^ 
cember enblic^ fiel 2BaIb6f)ut, nac6 bem ©rlofc^en beeJ Sauernfriegd 
t)on jebcr ^ülfe entblößt, ol)ne ©c^wertftreid) in bie ®ewalt ber oft* 
uic^ifc^en S^egierung. 5Run tonnte auc^ ^attau bem ©c^aff^aufer 
Statt) nic^t länger bm ©e^orfam t^crfagen. Xie Idufer flol^en. Jpub^ 
maier, t)on Oeflreic^ auf Jlob unb Seben t>erfoIgt, fuc^te auf bem 
SBeg über 3üric^ ju entrinnen, würbe aber bort fogleid^ ergriffen unb 
t)on bem 9lat^, jwar nid^t an Oeflreic^ audgeliefert, aber gefangen 
flel)alten unb jur !Diöputation mit 3wingli genotljigt, bi^ er felber 
jum Söiberruf ftd^ erbot. 3« biefem ßwtd auf bie ifanjel gcfüljrt, 
^at ber unbeftdnbige SRann, iiatt für bie Äinbertaufe, gegen fte ge* 
tebet. 2)arauf würbe er in ptinliä^t Unterfuc^ung gejogen, ju brei* 
maligem feierlidjen SSSiberruf gejwungen, unb nac^bem er baö ®ebiet 
wn ^üxid) auf immer t?erfc^woren, ber ^aft entlaffen. 

3. 

Die gewaltfame Unterbrücfung, welche feit bem 3ludgang bed 
Sa^reö 1525 überall in ber Gibgenoffenfc^aft gegen bie S^äufer geübt 
würbe, gab, ot)nt bie ©c^weijer ©emeinben t)ernic^ten ju fönnen, ben 



§ 3. Uebcr 9leublm: Siütngli an @om 1527 ©pt 1. — ®a^Ux, ^iftox. 
JDenfttjürDigfeiten »on S^eutltngcn. 1840. p. 297 sqq. — DleuWin an bte 93rÜ5 
^t unb €d^»e)iern (ju ^^aKau), Dleutlingen 1527 Sunt. Slu^^ug tn ©endfer« 
Acten. X^. — Soa^tm ®raf ju 3oUern, ^au^^tmann ber 'öerrf(%aft J&ol^cns 
berg, an (Shagburg, bat. 9lotenburg 1528 9lotj. 16. ebb. — ©tragbutget ^tn 
gid^tbü^er. X^. S3etl. VII. — (^apito m 3tt)tngU 1526 «^Jt. 4. 

Ueber ^äter: Sttim a. a. O. — Sttagburgcr 33ergic^tbüc^er. f&tiU VII. — 
(Stttad au« ben ©agebü^ern. X^. — 93efcnntntg 3org 5)orf4 au« SHbel«:: 



n. 3)te oberbeutfc^en SBicbett&ufer. 39 

froftigfien »nftof jui weiteren audbreitung bei neuen Äirc^c. 3n 
ber erfien ^dljrte M 3al)ted 1526 beginnen bie ©puren ber täuferi* 
fc^en aBirffamtcit in bcn [üblichen Sanbfc^aften be6 ?Hti6)^ ftc^ ju 
jeigen- 

ÜWe^rere t)on ben ^i'iuj)tern jogen in bie JJerne unb fugten in 
Dcutfc^Ianb eine Swflu^t für fic^ unb i\)xm ©lauben. SReublfn, 
fd&on üorbem an SBanberfdjaft Qtvoo\)ni, jog \)on aQBaIbd{)ut nad^ 
Strasburg, bann nac^ feiner fd^wäbifc^en ^eintat, n)o er abwec^felnb 
in ^Rotenburg, ^orb, 9ieutlingen, Solingen, Ulm fic^ auffielt ^ bann 
U\)ik er wieber nac^ Strasburg jurürf. .^a^er war, m6) feiner SSer* 
bannung im 3anuar 1525, \)on ^mid) gen 9lug6burg gejogen, wo 
er fc^on früher l)eimifcl^ geworben» @r l)attc an ben legten S3efd^lftf^ 
fen feiner ßnii^tx ©cfinnungögenoffen ftd^ nid^t bet^ciligt, unb war 
überi)aupt nod^ fo fc^wanfenb in feinen ©runbfd^en ober t^ieHeic^t 
noc^ fo unbeftdnbigen Sinnet, baß er balb barauf, alö er nac^ Safel, 
bann burcf) Oecolampabd gürwort gefc^ü^t nac^ 3wric^ 5" 3^t)ingli 
jurürffe^rte, auc^ feine Slnfic^t über bie jtinbertaufe gleich ^ofmeijier 



Ufbcr ^ubmater: «pctru« @^tiorau« an Btotngli 1526 Slug. 22. — «&an« 
$ut« 93cfenntntffe. Sorg, 5)eutW(anb in ber «Äeüoluttonö^jeriobc 1522—26. 1851. 
p. 736. — Decolam^ab an 3njmg(i 1526 !Dec. 1. — ^ubmaier« ^lifoUburger 
®4nften, f. oben jju § 1 unb 2 unb 9{au^ad^, Erläuterte« etjangeltfd^ed Ceflrei^ 
p. 52 sqq. — 3o^. Saber, Urfac^ öjarumb k. 

Ueber JBlaurod: gügli I. 254. 265. - SBoIn^ a. a. O. 75. 

Ueber Slnbrc« auf ber @tülten: (Somanber an Swtngli 1528 SWj. 17. 

Ueber 3afob ®rog : ©tragb. S3ergi^tbü<i^er. SBeil. VII. — Sorg a. a. O. — 
SlugÄburg an (Strasburg 1527 <Spt. 20. X^, — (Stragburger SHat^d^rotofctte, 
tm 9(u«jug. ©t«. «eil. VII. - «rucjg an 3ürid^ 1527 @pt. 26. 393. 

Ueber SÄicä^ael (Sattler: 2Doln\) 75. - ©a^ito an ben 9«at^ gu *orb 1527 
SWai 31. 393. - ©in fentbrief SWid^el ©atlerg an ein gemein ®otte«, ^ampi 
furgem boc^ »arl^aftigem an^eig, »ie er feine ler gu Dlottenburg am dltätx mit 
feinem Wut bezeuget i^at 1527. gufammen gebrurft mit ber fp&ter ju erwähnen* 
ben 93rüberli(^en Vereinigung. aÄ93. 

Ueber ^an« 2)encf : J&eberlc, Sodann S^enf unb fein ©«(i^lein »om ©efe^j, 
in 2:^eol. (Stubien unb JJritifen 1851, ^eft 1. 2. unb im 3a|frg. 1855. 4. — 
Äeim, f^. ^efcer. — 3üri^ an 5lug«burg unb (Sonflanj 1527 «ug. 3*8. — 
aug«burg an Strasburg 1527 ©pt. 20. X% — SWarr SWair« öefenntnifl 
(1528?) ina. - Sorg mof^ji^er« «efenntnig 1530 3ul. 20. SU«. 

Ueber 3afob Staui^ : Äcim , 8. ^efcer , unb bie bort angeführten 93riefe ber 
^tragburger. — ®etre»e toamung ber prebiger be6 ®\)angelii ju (Straf bürg fiber 
bie articfel, fo 3afob Äaufc prebiger gu SBormb« für^li^ ^at lajfcn außge^n k. 



40 3mxtu $u(4. 

aufgab* Slbet in Stra^urg, wo er im Sommer 1526 eintraf, f)at 
er fic^ lieber nnb nun »oUftänbig ben SBrübem angefc^Ioffen, unb er 
\)at in ber folgenben 3eit ju SBorm^ unb anberwartd eifrig alö Ziu^ 
fer gewirft ^ubmaier, nac^bem er im «pril 1526 au6 ^üxiii) tnU 
laffen worben, gieng nac^ Slugöburg, bann nac^ turjem »ufentl^alt 
weiten 3^m war t)or allem baran gelegen, einen Ort ju finben, wo 
er in greil)eit feinen literarifc^cn jfampf gegen 3it)ingli unb bie 
(gt)angelifc^en fortfe^en fonnte- 2llö er bie erfel)nte ©tdttc nac^ ra^ 
fc^er aOBanberung ju Siifolöburg in 2Rat)ren fanb, wo ^en 8ienl)art 
\>on 8i(^tenfiein jwei ^ßrebiger t)on folc^er et)angelif(^en einfielt unb 
SRann^aftigfeit ^egte, baß ^ubmaier bergteid^en noc^ nirgenbd auf 
6rben gefe^en ju l)aben bett)euerte, tief er in bem mdl)rifc^en 
(Smmaud, wie er e« nannte, ftc^ nieber -— ed war etwa im 3uli 
1526 — , gab bort eine ©trcitfd^rift nac^ ber anberen jur treffe, 
wirfte aber jugteic^ ald Sel)rer mit folc^em ©rfolg, baß ^en unb 
ißrebiger unb ©emeinbe bie iaufe annal)men unb weithin alle Siac^^^ 

bat. 3tragbur9 1521 3ul. 2. SWIB. — fflomt« an (Strasburg 1528 9lcü. 3. 3:9t. 

— Oit. 46. — (Ea)pito an 3tt>ing(t 1527 (Spt. 21.: — Cutius, homo sibi confi- 
dens ac pertioax, mirifica, ut ferunt, gratia dicendi praeditus etc. 

UcBer ^an« ^ut: a3efenntntffe ^utö bd 3örg 736 sqq. - JBcfenntnig J'^o- 
man ^^jiegel« »on £)fietm. 9131. — 93cfcnntnt6 ^tit 2Dcifd»enfclber« »on U^tng. 
1527. ma. — «nümberg an aWarfgraf daftmir 1527 aWj. 26. 9121. - ^tUnnU 
niß bct JU 53aieretorf gefangenen ffitebertäufcr. 91^. — 93efenntniffc Stmbrojiue 
6»)itlmau« 1527 €Dt. 20. Cct. 25. 1««. — öefenntnig 3org l«ofptter« 1530 
3ul. 20. SHa. 

Uebet SWeld^ior Sltnd: Suflu« SWeniu«, $)er totbbertauffer lere unt ge^eim> 
ni« au6 tieiliger f^rift toibberlegt. ffiittemb. 1530. Eij. Hiiij. Lij. Qij. aj. — 
JDer Stmtmann ju SDartburg an ben (J^urfürften von (Saufen 1531 9lct>. 25. 
mit dopten tjon jtoei 93nefen Sltnd«. 9B91. — ^Beibcmann, illfcmad SWünjcr 30. 

— «&c(^^utl^, SWtttl^etlungen au« ber ^jrctefl. (Sectengef(^i(^te. 3ettf(^rift f. ^iftor, 
Zi)tcl 1858. 4. 

Ueber bie Stug^burger: ^mH ^efenntntffe Ui 3crg 736. — Historica relatio 
de oriu et progressu baeresum in GermaDia, praesertim ?ero Augustae Viod. 3ns 
gotftatt 1654. — JDr. 3oti. ®cf an ^erjcg ®eorg tJon (Saufen 1527 %?». 26. 
Ui ©ctbemann, Htfoma« aWunjer 150. — SWarr SWatr« iöcfcnntnig. 9191. ~ 
ötn götltd^ unb grüntltci^ Offenbarung tJon ben »ar^afttgen »iberteuffern, mit göt* 
It^er »ar^ait angeijaigt. 1527. aWS3. — SBibber ben newen touforben, notteen* 
bige Tarnung an allt (^rtjJgläubigen, bur(^ bie biener be« Cbangelti gu 9tugfpurg. 
1527. 33©. 2Ä©. — 3»en »unberfeltam fenbbrief jtt?eter »ibertouffer, an tre 
rotten gen Stugfpurg gefanbt. ißerantwortung alter irt^um bifer obgenannten 
{»rief bur^ Urbanum St^egtum. 1528. fBlfB, 



II. Vit obrrbeutf^en ffitcbettiufet. 41 

barfd^aft bic Slugcn auf 5RifoWburg richtete. Dtx leftte t)on bcn 6c* 
fannten Scannern, bereit ©pur mir verfolgen fonnen, t)erHef 93IaU' 
rorf bie Sc^tvcij: er tt>urbe noc^ im Slnfang be6 3al)red 1527 ju 
3üric^ mit 9iut^en au^gefiaupt unb t)or ba^ It)or gefül)rt; barauf 
wanberte er aW ©laubenöbote nod^ lirol, 

Dod) waren eö nicf)t au^fc^lie^lid^ bie 8ül)rer, mli)t bie ilaufe 
in bie gerne trugen, noc^ gab allein bie 5Rotl) ben 2lntrieb jur 
ffianberung. 2)urc^ baö ®ebot beö §errn, bie SSolfer ju tel^rett, 
unb burc^ baö 93orbitb ber apoflolifc^en JReifen hielten gleic^erweife 
alle ©ruber, bie bcn Seruf in ftd^ füllten, jur ^ilgerfd)aft im 3)ienft 
bc^ aBortcö fic^ verpflichtet, unb njcnn bie ildufcr bcn evangelifc^cn 
5ßrcbigern if^rc fdSirtftwibrige Haltung vonücften, pflegten fte aud^ 
i^r ©tillft^cn bei 8(mt unb ^frünbc ju rügen. Ueberbief fül)rtc ber 
®efcf)äftdbetrjeb viele ©ruber in bic grembe; alle n)anbernben §anb* 
mxttx aber, bic ber ©emeinbc angel)6rten, fo 3Äeifter ald ©efeUett^ 
tt)urben SlpoPct. SBie ju @. ©allen juerft ein 3Beber bie 6aat bcd 
3üri(^er ©laubend auögcftreut t)am, fo fiettte fic^ in ©raubünbten 
ber ^uc^frdmer 2fnbreö auf ber Stülpen an bic ©pi^c ber S^dufcr 
unb bic (Semeinbc ju ©traf bürg verbanfte bem Äürfc^ner 3afob ®rof 
von 9Balböl)ut i^re Scgrunbung. @d jtnb nur wenig 9?amcn au^ 
biefeu bunfeln ©c^ic^ten ju allgemeinerer Äunbe gelangt, aber bic ßa\)i 
i^rer ungenannten ®enoffen ifi grop unb i^rc ©irffamfcit umfaffenb 
unb tiefgreifenb gewefen. Denn fie waren burc^ ©prac^e Denfart 
S3eruf mel)r al^ anbere in ber Sage, auf ben gemeinen 9Kann (Sin* 
brucf ju machen, unb gerabe bic Slrmen unb ^fiebrigen waren cd ja 
vorjug6wcife, an weld^e bic neue evangelifd)e Sotfc^aft fic^ richtete* 

!I)ann war cd von großem Söertt) für ben rafd^cren gortfc^ritt 
bed 33cfct)rung6werfeö im JReic^, bap cö ben 33rübcrn bort gleich an* 
fangd gelang, einige SMdnner von ^o^erer pcrfonlic^er SBebeutung ju 
gewinnen. !Dcr gelehrte 5Kic^ael Sattler, feiner ^crfunft nac^ aud 
©taufen in ber ©c^weij, ber ju ©. ^eter im ©c^warjwalb aW 
9H6nc^ gelebt l)attc, wirfte nun feit 1526 mit bibelfcrtiger Serebfam^ 
feit unb mit ber Slnbacfttöglut cincd tobeömutf^igen Sefenncrd in 
Strasburg, am Oberrl)ein unb in ©d)waben für bie tduferifc^e ©ac^e^ 
Der Saier ^and Denrf, cinfi Oecolampabiuö ©c^ü^ling, eine ^tit 
lang ju 9türnberg ©c^ulmcifier, bann vertrieben unb unftdt, ^atte ju* 
erft in ©. ®allen bic Idufcrei fennen gelernt; fpdter mit ^ubmaier 
ju Slugöburg Umgang gepflogen; war barauf mit Jpdpcr in ©traf* 



42 3u>etted Q3ud^. 

bürg ju einem nterarifcf)en Unternel)men jufammengetreten. ^tnn 
nid^t früher, fo durften boc^ {)ier, gegen Snbe be6 3at)te^ 1526, bie 
©ruber il^n ju ben irrigen jdf)Ien- Sie machten an i^m eine @r^ 
Werbung, bie jeber Partei jur ^ititt gereicht i)attt. 'I)mn, obxt>o\)l 
no6) jung, voai er bereite ein t?ielgenannter ©c^riftfieUer , ber burc^ 
feine I)ert?orragenbe ®etef)rfamfeit in ben ^eiligen ©j)ra(^en unb nod) 
mt\)i \>md) bie ©elbfidnbigfeit unb S^iefe feinet tl^eologifc^en SDen- 
lend bie Slufmerffamfeit ber ^üt^mo^tn gefeffelt, burc^ bie 3nnig* 
feit feiner m^ftifc^en ©d^riften ben 9Beg ju \)ielen ^erjen gefunben 
^otte. 3)enrf unb ^djer gemcinfam nal)men bann wd^renb if^red 
SQBormfer 3lufentl)a(td ben jungen Äau^, unter ben bortigen ^rebi^ 
canten ben angefe^enften, bergefialt für i^re 5D?einungen ein, baf er 
öffentlid^ unb mit ©erdufc^ auf il)xt ©eite trat unb fic^ anfc^icfte, 
burc^ SBort unb Zi)at 2Bormö für bie tduferifc^e Äirc^e ju gewinnen, 
©tabtrati) unb ^Pfaljgraf liefen if)m jwar nic^t bie SRupe, fein tftx^ 
wegened beginnen ju @nbe ju führen; er mupte "oon bannen jie^en; 
aber bie Serebfamfeit unb ber Sifer, welche i^m ju SQSormö einen 
8lnl)ang üerfc^afft l)atten, mad^ten il)n auc^ anbentjdrtö ju einem ge* 
fd^rlic^en ®egner ber et^angelifc^en Äirc^en. ^oc^ft wirfungöt>oK er^ 
tt>ieö fic^ ferner ber Uebertritt jweier 2lnl)dnger aWünjerö ju ber neuen 
©emeinbe» Der Suc^frdmer i^and ^ut auö §ain in JJranfen, ber 
im Sauerntrieg mit ben SQBorten, bie er t>on SKünjer gelernt, in fei^ 
ncr ^eimat ben Slufru^r geprebigt Ijattt, erfannte je^t feinen 3ntf)um 
unb Tiep fic^ unter bie frieblic^er geftnnten 33rüber aufnehmen. 9luf 
rajifofer SBSanberung unermüblic^ (e^renb unb taufenb, erwecfte er 
if)ntn in granfen, in ben ©tiftern 5ßaffau unb ©aljburg, in Oefit^ 
reic^, 3Wä^ren, ©c^Iefien ja^treic^en ain^ang. !Der anbere, ÜWeld^ior 
JRincf, ber ®refe genannt, get)orte ben gebilbeten ©tdnben an. @r 
war ©c^ulmeiftcr ju ,^eröfelb, bann 5ßfaner ju ©rfartö^aufen im 
SImt ßifenac^ gewefen, bi^ i^n ber ©trubel bed 3a{)red 1525 fort^ 
ri^. ©eine 9iettung aud bem SQBürgen t)on granfen^aufen empfanb 
er alö eine gügung ©otteö, bie i{)n jur gortfe^ung be^ 9Rünjerifc^en 
S95erW aufbewaljrt ijabt. 3)arum feljrte er nic^t ju ^eimat unb 3Beib 
jururf unb fuc^te feine ®nabe t?om gürfien, fonbem bebarrte, ald 
SaSinferprebiger, t^erfolgt unb umgetrieben, im itampf mit aBort unb 
©d^rift für feineö SKeifterd Se^re gegen ben eitlen faulen unb tobten 
®la\ibm ber 8utl)erifc^en- Dann würbe er S^dufer, unb t>erbreitete mit 
bemfelben (Sifer bie neue ?e^re in bem gewol)nten Umfrci^ feiner 



IL 3)ic cbcrbfutfd^cn ®tfbertäufer. 43 

SBanbcrungen, im Stift ,^erdfcll) unb 8(mt (Jifenac^ unb weiter 
in ben" benachbarten ^efftfc^en unb tt)ütingifc^en Sanbfc^aften. SSiele 
^aben bott i^ten Seruf, 5ßfarrer i^re ©eelforge, @l)eleute jtinb unb 
®emal^l »erlaffen unb ftnb bem ^Ptebigei gefolgt* 

5Rid^t überatt laffen 3eit aßerfjeug unb «rt bcö einbringen« V 
unb ber Sfu^brcitung be« tduferifc^en aßefenö ficfe genauer befiiinmem 
3)oc^ i)at feit bem Anfang M Sa^red 1526 unb biö jum Snbe be6 
folgenben 3a^red in allen ober fafl in alten Sanbfc^aften oberbeut* 
fc^er 3wnge bie neue jtirc^c fid^ eingebürgert, unb ift ein 3tt^ Heiner 
Oemeinben audgefpannt worben, bad t)om @lfaf bid Sredtau, t)on 
Reffen bid nac^ bem etfcf)lanbe reicht. 3^r 2Rittelpunft war ju 
biefcr ^tit Slugöburg, wo, burc^ ben anbauernben £ampf ber 8utl)e* 
rif^en unb 3tt>inglifcl^en 8ef)re begünftigt, bie ©emeinbe au^erorbent* 
li^ rafc^ ftd^ \>amtt)xU unb felbft in ben l)oc^ften itreifen ber (Sin* 
wo^nerfc^aft 2lnf)<5ngcr gewann. SSorftet^er waren l)ier jwei ehemalige 
Älofierbrübcr, 3afob 2)ac^fer t)on Sngolfiabt unb (Sigmunb 6almin* 
ger t>on 2Münd)en, unb ber Äürfc^ner Safob ®ro^, ber t)on Stra|k 
bürg audgewiefen in 8lugöburg fid^ niebergelaffen ^attc. Sieben bie* 
fen wirfte ber ^atricier ©itel^and Sangenmantel alö ©c^riftfteller für 
bie ©ac^e ber 33rüber. Slber auc^ eine 3lnjaf)l anbercr unb jwar ber 
bebeutenbften Se^rer fa^ man ju längerem ober fürjerem Slufent^att 
l^ier einfe^ren: im Sauf bed ©ommerö 1527 wirften juäugdburg nad^ 
unb miteinanber !Dencf, ^ä^er, ^au^, ^ut. !Dama(d würben bort 
in befiimmten ^fiufem regelmäßige unb äuperft ja^lreic^ befuc^te • 
SBerfammlungen gel^alten; e^ würben 8el)rpunfte berat^en, 93efd&lüffe 
gefaßt, Slpojiet t?erorbnet unb auögefanbt, ©enbfc^reibcn an bie Srü* 
ber in ber gerne gefd^icft: eine 2;i)ätigfeit, bie fic^ weitl^in fü^t* 
bar machte unb oI)ne 3^eifel ganj ©übbeutfc^lanb ju umfaffen be* 
fiimmt war. 

* 

4. 

3)ie außerorbentlic^ rafc^c Verbreitung ber SBiebertaufe l^atte 
il)ren ®runb in bem 3wftanb ber et)angelif(^en £irc^e; ebcnfo wie 

§4. Slmbrcflud ^lauter an feinen trüber I^cma« f&, 1533 3anu. II 
3^.: — Helenam nobilem iilam secundum carnem mulierem missam factam a 
senatu multum gratnlor urbi nostrae, cum non possit non serpere contagio ana- 
baptisticum istud malum. Ego profecto magis ac magis odi factionem banc pesti- 
lentem et exitialem Cbristiaae caritati unitatique ecclesiarum, quaotumvis ia specieoi 



44 ätctitu ^u$. 

t)or^ unb nac^^er bic ©icge ber cvangclifc^cn SBcwcgung nur burc^ 
ben innerlidfecn SJcrfaU bcr alten itirc^c möglich geworben ftnb. Sd 
fehlte an bcr religicfen Segeifterung für bic ©ac^e ber Sieformation. 
Darum wichen i^re ©enbboten in ber Siegel aud benjenigen ?anb^ 
f(^aften, in welchen y?on ber njcltlic^en @ewa(t im Flamen unb jum 
©c^u^ ber alten ifirc^e aJcrfolgung geübt würbe, unb überliefen bie 
@mbte bort ben ilduferifc^en, bie \)or ben ®efa^ren ber Wolter unb 
bed ilobed ni^t jurücffc^racfen; n)ä{)renb cd in ben ©cbieten, bic ber 
^errfc^aft bed @\)angeliumd anf)eim fielen, nic^t gelang, bic äWaffc 
bed QJolfö ju lebenbiger 3;^eilna^mc an bem neuen ifirc^entl)um an^ 
juregcn, unb baburcft ba$ man notl)gebrungen mit bem äußerlichen 
SSetenntnip ftc^ begnügte unb öon ber Sinfü^rung firenger 3uc^t unb 



piam et inculpatain. Imo hoc potius odi, quo subtilius vitae sanctimonia siinplici- 
cibus imponit. Vocamli tarnen hie et nos sumus in culpe partem non modicam. 
Apud nos adiM» friget vera poenitentia, ut inerito sit et doctrina nosira licet sanis- 
sima cordatioribus quibusquc suspecta. Pudet me sepe, frater, huius stupidissime 
tocordie, piget laboris ac vitae etiam tedet, quoties omnium rerum statum et de- 
formem faciem multarum male evangeiicarum urbium pressius intueor, apud quas 
vix vestigium quidem uliuni germane resipiscentiae inveuias. Libertatem christia- 
nam, illud coelestis principis beneßcium, latissime, addo etiara impiissime, inter- 
pretantur et peccandi licentiam faciunt. Scrvatoris gratiam commendant omnes. 
Volupe est gratis iustificari, servari, beari, at carnis mortiflcationem, exercitium 
crucis et cbristianam resignationem nemo non /manibus ac pedibus deprecatur, ut 
periculum sit huius seculi ingratissimos homines brevi daturos impietatis sue gra- 
vissimas poenas, nisi Christus ipse nos ad meliorem frugem quam primum revocet, 
quod ut faciat sacris ac perpetuis precibus ab ipso impetrure conemur. U^oris 
tue adcoque tuam vicem unice ac fraternc doleo, quod aspcrsus nonnihil sit illius 
animus hac labe. Spes tamen est fore ut rursus ipsani, bene adspirante divino 
nomine, ab hoc errore vindicemus, posteaquam non adeo alias radices etiamnum 
egil. etc. — aUeniu«, ber totbberteuffcr lere. Kij. — SDi^ei an SR. ©. g. 1531 
IDec. 24 (VViceiii epp. Lps. 1537. Nij): — Istorum hominum secta oronibus facile 
invidiiuu movet, qui vel mcnlionem eorum faciunt. Qui aliquid de Deo, de vita 
cbristiana, in improbos saeculi huius mores dicit, nae isttim insignem retincturera 
esse oportet. Et sunt qui cam notam fugiendam crebris potationibus censeant. 
Nam eo pcrduxit orbem libertas vestratis evangeiii, ut si quis detrectet cum ebrio- 
sis suibus volutari, hoc est sodomiCtiy , at vero vitae corrigendae studeat, is sit 
reiinctor oportet. — I)ie %xt, tt?ie fi^ in jenen Seiten bie OBür^erf^aften an ber 
fÄeformation bet^eiUgten, [Gilbert unter anbern -öa^er in fetner S^rift )öon ben 
et)anijelif(^en 3ed)cn unb von ber Ö^rifien reb, au§ Eiliger gef^rift. 1525. 9R1B. 
— ^eb. grancf (So^mogr. 37. — Sut^er, 5)eutf(^e meffc unb orbnung ®otti« 
bienftd. ^ittemb. 1526. bti fRid^tex, ^vangeL ittr^enorbnungen bed 16. 3a^r^. 
I. 36. 



11. (Die oberbeutfc^en SDtebert&ufer. 45 

firc^Iid&en gebend aibfianb nal^m, bad ^erjendbcbürfnif einer xtÜQib^ 
CTwerften aRinberja^l jebem fremben Ginflup preisgegeben würbe» 
„SBir felber/' befannte ber (Sonftanjer Sieformator 8lmbrofiuS SSIaurer, 
„tragen einen großen X\)tH ber ©d^ulb. Wlan tciU bei und fo wenig 
t>on n>al;rl)after 33uße ^oren, baß unfere it\)xt felbfi baburd^ \>tt^ 
bdd^tig werben muß. Slrbeit unb Seben wirb mir juwiber, wenn ic^ 
ben 3wf*<inb t)ieler wenig et)angelifc^en ©tdbte betrachte, in welchen 
faum irgenb eine ©pur echter S3efe^rung ficft aufweifen läßt Slud 
ber c^riftlid^en greil^eit wirb burd^ eine gottlofe 8ludlegung bie ^xti^ 
f)tit Sünbe ju üben gemacht ?ltled preifi bie ®nabe bed ^eitanbd» 
@d ifi be^aglic^, umfonfi gerechtfertigt, erloft, befeligt ju werben» 
Slber ba ifi feiner, ber gegen bie 8lbtöbtung bed gleifd^ed, gegen 
£reuj unb Reiben unb gegen c^rifilic^e (Ergebung fic^ nic^t mit ^dn* 
ben unb gußen fträubt." S3laurer gebort ju benjenigen aRdnnem, 
welche bad ©runbübel bed bamaligen ei>angelifc^en SBefend erfannten 
unb fic^ um ©efferung beffetben bemühten. ^Tnberdwo würbe t)on 
Jg)duptern ber Äiri^e felbft über bergleic^en 2)inge in ber leic^tfinnig* 
flen Slrt gefprod^en. „SBenn biefe JRottengcifter," fc^rieb ÜReniud, 
ber Iutt)erif(^e ^faner t)on (Sifenac^, „über und fauer feigen unb 
munen, beßl^alb baß fle ein ^rtered Seben führen ald wir, fo woU 
len wir i^nen mit bem gemeinen ©prüc^wort antworten unb fagen: 
volenti non fit iniuria, bed SKenfi^en 8ufi ifl feined ^erjend ^im* 
melreic^. 2)aß fie t)iel leiben, ift il)re eigene ©c^ulb unb äBol^Ige* 
fallen: wad fönnen wir baju? 3)aß wir il^nen aber foltten nac^* 
folgen, bad laffen wir. (Sd wirb und noc^ Seibed genug, ja me^r 
unb früher fommen, ald ed unferer faulen ^aut lieb ift." Solche 
Sieben bienen einigermaßen jur ©efidtigung bed SJorwurfd, ben äBi^ct 
feinen lut^erifd^en 3^itgenoffen in einem ©rief bed Sal^red 1531 
ma6)t, wo er behauptet, fo weit ^abe il^re etjangelifc^e greiljeit flc 
geführt, baß wer öon ®ott unb c^rifilic^em geben fpred^e, ober wer 
fi(^ cmfit)aft um bie eigene ©effcrung bemühe, in \\)xm Slugen für 
einen ©rjwiebertfiufer gelten müf[e. 

5)er ©turj ber alten Äirc^e war eine ©ac^e bed 93olfd. @o 
lange ed galt bieß 3*^' i^ erreichen, fammelte ed ftc^ gern um bie 
Äanjeln, welche t)on bem JRuf gegen ?Pfaffen SWönc^e unb 5Ronnen 
erbro^nten, unb na\)m in feiner SBeife, ii> ben SQBirt^dl)dufem unb 
auf ben ©traßen, an bem Jfampfe Si^eil. Slber mit ber ©eftiebigung 
il^ired 3omd gegen ben Slerud gelangte auc^ bie S^i^dtigfeit ber 9Renge 



46 3wcitce *^u^« 

jum @ubc, unb il)rc ©Icic^gultigfcit tt?ürbe ba^ ct>an9cHf(f)c Äirc^eii^ 
tt)C|"en im Äeime crftirft ^abcn, wenn nic^t bic weltliche Dbrigteit bie 
©rünbung unb ©rljaltung bcjfelbcn ju it)rem eigenen ©efc^dft gc^ 
niac^t ^tte. Sin ©mnbjug aller e\)angelifc^cn Äirc^en beutfc^er 
3unge, fo 3tt?inglifcf)cn alö Sut^erifc^en Setenntniffe^, muptc barum 
bie ^Äb^ängigteit t>on bcr weltlichen ®ewalt fein. (Sin 3uftanb firc^- 
lieber grei^cit unb ©elbftregierung, wie i^n fpdter ber Kalt>ini^mud 
in t>ielen Sdnbern ber (S^riften^eit unb anä) in Deutfc^lanb mit Äraft 
unb ßrfolg ju begri'inbcn geftrcbt \)ai, war unter ben bamaligen 93er^ 
j^dltniffcn unmöglich- SDiefer 2ßat)rl)eit, welche \)on allen Sleforma^ 
torcn burd) SBort ober 2:i;at anerfannt würbe, t?erfc^lop fic^ nur bie 
eitle Stnmapung bcö granjofen granj Lambert, ald er im Stuftrag 
bcö Sanbgrafen bem ^effifc^en 93olf eine Äird^en^erfaffung gab unb 
baö ^Regiment in bic ,!pdnbc ber ©cmeinbe legten aber nie ift dm 
§anb gerül)rt worben, um feine SJerfaffung 'inö Seben ju führen, 
unb nict)t^ gibt ber 3tac^welt t>on il)r Äunbc alö bie pra^lerifc^en 
2öortc beö tl)6ricl)ten ?drmma^er^ felbft. 

9?ic^t auf bie eigene Äraft unb auf bie Siebe beö SJoltö, fon* 
bern auf ben 2lrm ber Obrigtcit ftü^te fic^ bie neue ifirc^e» !Die 
Obrigteit war e6, bic für bic ifirc^enorbnung forgte, bie ^faner 
gro^tenttjeilö beftclttc, il;neu ben Unterhalt fc^affte, jte burc^ SSerorb- 
nungcn lenfte, burc^ SJijitationen jum ®el;orfam anfielt I)urc^ ben 
©c^u^ ber Obrigfeit würbe bic Ä'irc^e gegen bic gcinbfeligfeit bcr 
Äatl)olifen unb ber ©cctirer aufrecht crljalten, burcl& i^re ©ebotc unb 
©ittenorbnungen bie eigenen ©lieber jur Drbnung \)crwicfen, bcr 
®otte0bienji t)or Störung bewahrt, bic 3ugcnb jum J^irc^cnbefucft 
gcn6tl)igt* !^iefc 2;i)dtigfeit, wcld^e allcrbingd burc^ i^re crjic^enbe 
Ginwirtung für bic fommcnben ©cfc^lec^ter nic^t o^nc gruc^t gcblie^ 
ben ift, fonntc baö Icbenbc ©efc^lcc^t woljl im 3^wm i^altcn, aber 
nic^t innerlich für ^Religion unb Äirc^c gewinnen. Dad war eine 
Stufgabc, welcl)e nur bie Äirc^c felbji erfüllen fonntc» Slbcr wo im^ 
mer fic eö ftc^ t)ornal)m, fd^citerte jic. Seben äJerfuc^ einer fclbftdn^ 
bigen unb nac^brücflitfccn (Sinwirfung berfelben auf bie ©emeinbe, 
jcben ©cbanfen an SBann unb Jf irc^enjud^t, branbmarfte bcr 3citgci|l 
al6 ^apidmud, gegen ben er im 9?amcn bcr errungenen c^riftlic^cn 
grcil)eit fid^ empörte. ®ö t)erfielen bic @t)angelifc^en in m aScrtjdlt^ 
nip t>ölliger Äncd^tfc^aft jur Staatsgewalt, welches ftdrfcr alö t)ieleö 
anbere Unglücf ben bcutf^en ®eifi gelahmt l;at. V/®'^ i^^^^ glaubt 




11. 2)ie cbcrfccutf^cn aBicbcrtdufct. 47 

^r Cbrigfcit ju Sieb/' fagt Scbaftian grancf, ,,unb muß ben San^ 
bcdgott anbeten, Stirbt ein Surft unb fommt ein anberer änric^ter 
bed ®lauben^, [o tt?cd^[elt aud) balb baö ©otte^wort. (So fallt ber 
gemeine ^436be( oi)nt allen ®runb ^in unb ^er; unb auc^ bie, n)el(f)e 
feine Vorgänger unb SBifc^ofe fein tvoUen, weö Sofung ifi, beö l)aben 
fie SDiünj." 

SBie fe^r biefe Sage ber Dinge baö Unternef)men ber Jläufer ju 
förbern geeignet war, wirb burc^ nic^tö offener bargelegt alö babur^, 
baß 8utl)er'felbft ju ber ßüt alö bie SBiebertaufe im Sitid) fic^ au^* 
breitete, im 3al)r 1526, einem ©ebanfen SRaum gab, ber ungefähr 
in biefelbc Stiftung führte, welche bie Sruber t?erfo(gten, „Diejeni^ 
gen, meint er, fo mit Srnft (Jljriften wollen fein unb baö (Strange* 
lium mit Jpanb unb SRunb betennen, müßten mit 9tamen ftd) cin^ 
jeic^nen unb abgefonbert t)on bem allerlei 3?olt in einem ^auö allein 
ftc^ t>erfammetn, jum ®cbet, jum Sefen, jum 2^aufen, bad (gacramcnt 
ju empfangen unb anbere cf)rifttic^e SBerfe ju üben. 3n biefer Drb^^ 
nung tonnte man bie, fo fi6) nicf)t c^riftlid) Ijieltcn, fennen, [trafen, 
beffern, auöftoßen ober in ben ^ann tl)un. Jpier fonnte man auc^ 
ein gemeine^ Sllmofen ben (S^riften auflegen, baö williglicf) gegeben 
unb unter bie 9lrmen auöget^cilt würbe." 2)ic 2luöfü|rung bicfed 
©ebanfen^ gab Sut^er ber 3wfunft an^eim. „3ciö fann nod) nid^t, j 

fagt er, eine fol^c ®emeine errichten, benn id) t)abt no6) nid^t bie 
Seute baju, fe^e auc^ nic^t t»ielc, bie baju bringen." 9lber wä^renb 
er fein Sbeal jurücffc^ob, fanbcn bie S^dufer bie SWenfc^en, bie er 
wgebtic^ fuc^te, unb grünbeten bie ®emeine, welcf)e er wünfc^te. 

o. 

Die Senbboten ber tauferifc^en Äirc^e begannen it)re ^rebigt 
mit bem SRuf jur 93uße unb mit ber aJertünbigung bet na^en ^u^ 



§ 5. Slugcr ben früher angeführten 9(ctcnflücfen unb (Schriften \)ernjeife t^ 
no<^ auf folgenbe: ^efcnntnig ber grauen be« ^an« $er unb ^an« Q^abler. 
1527. ÖflSC. — ^an« «nabler« juörlangcn Jöefenntniffe 1529 3anu. 17, gebr. 13. 
9191. — Suliue «ober« 93efenntniffc 1531 SWai 6. 12. 9191. — 93rüberli^e »er* 
einigung ejUc^er finber ®ctte«, fiben artidfel betreffenb. 1527. SW©. — - Sorg 
®ro«, genannt ?pfer«felber , an «^an« »on (Secfenborf, 9lmtmann gu S3aier«borf. 
1531 5(pr.20. 919(.; »gl. 3örg 714, beffen tn^aUre%« ffierf au(^ jur ©ef^ic^te 
bet oberbeutf^en »BiebertÄufer »ert^öoHe SDiitt^eilungen au« ben batnf(6en Sit* 
^mn gibt« 



38 3mit€i ^ucft. 

unb nun ficHtc er fic^, über bie Statt^aftigteit bcr Äinbertaufe be^ 
TU^igt, tt>ieber unter Swinglid 33efef)l, ber i^n in 3üri^ t»erforgte, 
3m October würben ©rebel unb 33(aurocf im ©rüningif^en gefan* 
gen genommen. 9Zo(f) jogerte t)orfi^iig ber ?liati) t»on S^ric^, gegen 
bie ©rüninger, welche iljren ^artndcfigen tduferifc^en Srübern baö 
SBort rebeten, ®ett)a(t anjuwenben. 9(ber nacf)bem biefen ju ©efal- 
len im 9lo\)ember noc^ eine le^te grope 2)iö^utation über bie S^aufc 
gel^alten werben war, butbete er feinen Sßiberftanb mef)r t>on ben 
ämtleuten unb begann bie Stanb^aftigteit ber ®etauften mit fc^we^ 
ren ©elbbupen auf bie ^ßrobe ju fi^Hen. 3" gleicher 3^1^ belegte 
S5ern bie Xduferei mit ber ©träfe ber Sanbeöt>ermeifung. 3m De^ 
cember enblic^ fiel S33alb^t)ut, nacfe bem @rI6f^en bed Sauernfriegd 
t)on jeber ^ülfe entblößt, ol)ne ©c^wertftreidE) in bie (Sewalt ber oft^ 
teic^ifc^en Regierung. 5Run fonnte auc^ Jpattau bem ©c^aff^aufer 
8lat^ nic^t länger ben ©e^orfam t>erfagen. Xie S^dufer flogen. Jpub^ 
maier, \)on Defireic^ auf S^ob unb Seben t>erfolgt, fuc^te auf bem 
SBeg über 3öric^ ju entrinnen, würbe aber bort fogteid) ergriffen unb 
t)on bem 9tat^, jwar nicf)t an Deftreic^ ausgeliefert, aber gefangen 
gehalten unb jur 2)iöputation mit 3»^i"g'i gf»&tl)igt, bis er felber 
jum aSJiberruf ftc^ erbot. 3" biefem ß\\>cd auf bie ifanjel gefüljrt, 
^at ber unbeftdnbige äWann, ftatt für bie Äinbertaufe, gegen jte ge* 
tebet. Darauf würbe er in peinliche Unterfuctjung gejogen, ju brei* 
maligcm feierlidjen ffiiberruf gejwungen, unb nac^bem er baS ©ebiet 
t)on 3örid^ auf immer t)erfc^woren, ber §aft entlaffen. 

3)ie gewaltfame Unterbrücf ung , welche feit bem StuSgang bed 
3al)reS 1525 überall in ber (Sibgenoffenfc^aft gegen bie S^dufer geübt 
würbe, gab, ol)ne bie ©c^weijer ®emeinben »eruierten ju fonnen, ben 



§ 3. Uebcr JReublin: Stringli an @om 1527 (Bpt. 1. — ©atjlcr, J&iflor. 
XDenfirütbtgfctten »on JReutltngtn. 1840. p. 297 sqq. — SÄeubltn an tie ©rü? 
ber unb €(^weflem (gu ^aKau), Sleutlingen 1527 Sunt. SluÄ^ug in Sencfer« 
Acten. X^. — Soacjtm ®raf ju 3oUern, J&auj)tmann ber J&errf^aft ^o^en^ 
berg, an iStragburg, bat. Siotcnburg 1528 9loü. 16. ebb. — (Strajburger iöer^ 
öi(]^tbü*er. X^. JBeÜ. VII. — ©a^ito an Stringlt 1526 «pr. 4» 

Ueber ^Sii^n: Sttim a. a. £). - ^Stragburger SSergid^tbüc^er. S3ei(. VII. — 
örtract au« ben (Sagebü^em. X8(. — ©cfenntntg Sorg $)orfd^ au« fS^iU^ 
l^eim. 9131. 



n. JDie oberbeutMen Siebett&ufcr. 39 

fräftigfien Sfnfioß jur weiteren Stu^breitung ber neuen ifirc^e* 3n 
ber erfien ^älfte M 3a^red 1526 beginnen bie ©puren ber tduferi* 
fcfcen aOBirffamfeit in ben [üblichen Sanbfc^aften bed 9iei(^d fic^ ju 
jeigen. 

SWe^rere t)on ben Jpauptern jogen in bie gerne unb fud^ten in 
2)eut[c^Ianb eine ^nfln^t für fic^ unb if)ren ®lauben» JReublin, 
[(fcon t)orbem an 2Banberfd)aft gewohnt, jog t»on SBalbdl^ut nad^ 
Strasburg, bann nac^ feiner fc^wäbifd^en ^eimat, tco er abwec^felnb 
in ^Rotenburg; §orb, Reutlingen, ßflingen, Ulm ficf) aufl^ielt; bann 
feierte er wieber nac^ Strasburg jurucf» ^a^^r war, nac^ feiner SJer* 
bannung im 3anuar 1525, öon ^Md) gen Slug^burg gejogen, wo 
er fc^on früher Ijeimifc^ geworben» @r l^atte an ben legten 93ef(^lüf* 
fen feiner ^nxid)n ©efinnungdgenoffen ftc^ nic^t betl^eiligt, unb war 
überhaupt noc^ fo fd^wantenb in feinen ©runbfi^en ober t>ielleic^t 
noc^ fo unbefidnbigen ©inned, baf er balb barauf, afö er nac^ Safel, 
bann burc^ Decolampabö gürwort gefc^ü^t nac^ 3öi^i^ i^ 3^t)ingli 
äuriicffef)rte, auc^ feine Slnftc^t über bie itinbeitaufe gleich ^ofmeifler 



Ucber ^ubmater: ^etru« @^norau« an 3tt)ingli 1526 »ug. 22. — J&ait« 
$ut« gScfcnntniffc. ^'oxq, 3)cutf^lanb in bc r SÄcvolutiond^jertobe 1522—26. IS5I. 
p. 736. — Cccclampab an Sttingli 1526 5)ec. 1. — «öubmaier« 9iifoldburget 
(Sänften, f. oben gu § 1 unb 2 unb JXaupac^, örläuterte« ewangelif^e« Cefiretc^ 
p. 52 sqq. — 3o^. gaber, Urfac^ toatumb k. 

Ueber 33tauro(f: gügti I. 254. 265. - ffiotn^ a. a. O. 75. 

Uebcr 5lnbrc« auf bct ©tülften: (Somanber an Swingli 1528 SWj. 17. 

UebcT Safob ®rog : ©traf b. SSergi^tbfi^er. «eil. VlI. — 3ör0 a. a. £). — 
Slugeburg an ©traf bürg 1527 <Spt. 20. X^. — ©trajburger «Äat^e^jrotofotte, 
im 5(u«jug. ®tQ3. «eil. VII. - S3rugg an Suri* 1527 (Spt. 26. 3». 

Ueber «Wtc^ael (Sattler: Söolnl) 75. - 6a^)ito an ben ^atf) gu ^orb 1527 
a»ai 31. 353. - ©in fentbrief aHli^el (Satlerf an ein gemein ®otte«, famj)t 
furjem boc^ war^afttgem anjeig, tote er feine ler ju Siottenburg am 9lecfer mit 
feinem blut bejeuget f)at 1527. jufammen gebrudft mit ber fp&ter ju ertoSlfnen* 
ben 53rüberli(^en Vereinigung. SW©. 

Ueber ^an« 5)encf; ^eberle, Sodann JDenf unb fein 93ü^lein »om ©efej, 
in !r^eol. (Stubien unb itritifen 1851, J&eft 1. 2. unb im 3a^rg. 1855. 4. — 
ifeim, ?. Hefter. — 3üric^ an 5lug«burg unb Sonfianj 1527 «ug. 3*S. — 
Augsburg an ^trafburg 1527 ^pt 20. 131. — aRarr SWatr« SSefenntnig 
(1528 ?) g^a. - Sorg mof^ji^er« S3efenntnif 1530 3ul. 20» 91«. 

Ueber 3afob Äau^: Äeim, 8. ^e^er, unb bie bort angefül^rten ^Briefe ber 
^tragburger. — ®etretoe toamung ber ^)rebiger be« övangelü ju (Strasburg über 
bie articfel, fo 3afob itau^ pxM^tx ju SBormb« füx^li^ f)at lajfen augge^^n k. 



40 3tt>ette6 Sdu^. 

aufgab* Slbet in Strasburg, wo er im Sommer 1526 eintraf, \)at 
er fid^ n)ieber unb nun »oUftdnbig bcn Srübern angefc^lojfen, unb er 
\)at in ber folgenben 3eit ju SBormö unb anbcrwdrtd eifrig ald %äu^ 
fer gewirtu ^ubmaier, nac^bem er im Sfpril 1526 an^ ßüxid) mU 
laffen »orben, gieng nac^ Slugöburg, bann nac^ furjem »ufent^alt 
weiten 3^m war t)or allem baran gelegen, einen Ort ju finben, wo 
er in grei^eit feinen literarifc^en ifampf gegen ^mnQli unb bie 
(&)angelifcl^en fortfe^en fonnte. 2lld er bie erfel)nte Statte nac^ ra^ 
fd^er äBanberung ju Slifolöburg in 9Rä^ren fanb, wo Jperr Sicn^rt 
t)on Sic^tenfiein jwei ?Prebiger \)on folcf)er et>angelifdE)en ßinfic^t unb 
SWann^aftigfeit ^egte, bap ^ubmaier bcrgleicf)cn noc^ nirgenbd auf 
ßrben gefe^en ju l^aben bet^euerte, ließ er in bem mdl)rifc^en 
@mmaud, wie er ed nannte, ftc^ nieber -— ed war etwa im 3uli 
1526 — , gab bort eine ®treitfd)rift nac^ ber anberen jur ^ßreffe, 
Wirfte aber jugleic^ ald 8el)rer mit fotd^cm ßrfolg, baß §err unb 
$rebiger unb ©emeinbe bie S^aufe annal^men unb weitl)in alle Siac^- 

M. ^ttafburg ibll Sul. 2. 9)193. — ffionnö an ©tragburg 1528 ^o». 3. X^. 

— Oll. 46, — (5a^üo an Sttingli 1527 (£pt. 21.: — Culius, hoino sibi confi- 
dens ac pertinax, mirifica, ul ferunt, gratia dicendi praedilus etc. 

\Xthtx ^an« ^ut: ©efenntniffe «&ut« bei ^org 736 sqq. - ^cUmtnii Zijo^ 
man ^)pitQtU »on Dfieim. 9^191. ~ 93c!fnntnif ^tit fficifd»enfelberd von U^ing. 
1527, 9^81. — Sflümberg an SWarfgraf (Saftmir 1527 SWj. 26. 9fl9l. - f&tUnnU 
nig ber §u 93aier«torf gefangenen ©iebertaufcr. 91%. — 93efenntnitTc SCmbrofiud 
€^itlmatr« 1527 €Dt, 20. Oct 25, ^ii, — «efenntnif Sorg «nof^ji^er« 1530 
3ul. 20, ma. 

Ueber SWelc^tor ^inä: Sufiud SWeniu«, 2)er ttibbertauffer lere unb ge^etm> 
ni« au« ^eiliger f^rift totbberlcgt. Sßittemb. 1530, Eij. Hiiij. Lij. Qij. aj. — 
25er Slmtmann ju SBartburg an ben 61|urfüriien von (Sac^fen 1531 9lov. 25. 
mit (Sorten von g»ei ©riefen diinä^. 3Ö91. — Seibemann, X^cma« aUJünjcr 30. 

— ^c6)ffutf}, aUitt^eilungen au« ber proteft. ©ectengefc^ i^te. 3eitfd^rift f. ^iflor. 
3:i!^eoI. 1858. 4. 

Ueber bie Stug«burger: ^ut« 93efenntniffe hti 3örg 736, — Hisiorica relaiio 
de orlu et progressu baeresum in GermaDia, praeserlim vero Auguslae Vind. 3n* 
golflabt 1654, — JDr. 3o^, da an ^ergog ®eorg von ©ac^fen 1527 9lov. 26. 
bei (Seibemann, 2:^oma« SWünjer 150, — 3J?arr SWair« iöefcnntnig. m^. — 
Hin götlic^ unb grüntli^ Offenbarung von ben war^aftigen »iberteuffern, mit göt* 
lieber toaxiiait angejaigt. 1527. 3^93. — SBibber ben newen touforbcn, nottoen* 
bige »amung an alle c^riflgläubigen, burc^ bie biener be« (Svangelii ju Slugfpurg, 
1527, 9393. S)'l93. — 3n)en »unberfeljam fenbbrief jtt?eier toibertouffer , an irc 
rotten gen Slugfpurg gefanbt. iöeranttoortung aller irt^um bifer obgenannten 
brief burc^ Urbanum SR^egium. 1528. 3W93. 



II. !Die obcrbfutfcftcn SQBiebert&ufer. 41 

barfc^aft bie äugen auf Stifoldburg richtete» 2)er Ic^tc y?on ben bc* 
fanntcn 9Wdnnern, bereu ©pur n)ir verfolgen fonuen, tjerlief ©lau*' 
Tod bie ®c^tt)cij: er tt>urbe no(§ im Sfnfang bed 3öf)ted 1527 ju 
3üric^ mit Stützen au^gefidupt unb t>or bad ilfjor geführt; barauf 
wanberte er ald ©lauben^bote nai) Zixol 

Dod^ n>aren eö nic^t audfc^fief (ic^ bie güfjrer, »efc^e bie JEaufc 
in bie ^erne trugen, ncc^ gab allein bie 9iot^ ben Slntrieb jur 
Sffianberung* !Durcl^ bad ®ebot beö Jperrn, bie SSolfer ju lef)ren, 
unb burd^ bad SSorbilb ber apoftolifc^en Steifen i)\tUm gleic^ertt>eife 
alte Sruber, bie ben SBeruf in fic^ füllten, jur ^ilgerfc^aft im !Dienfl 
bed SBorted ftc^ \)erp flicktet, unb tt>enn bie Jldufer ben et>ange(ifc^en 
5ßrebigern if)re fc^riftwibrige Spaltung t^onücften, pflegten fie au(^ 
it)r ©tiUft^en bei 8tmt unb ^ßfrünbe ju rügen. Ueberbief führte ber 
Oefc^dftöbetrieb nitk SSrüber in bie gtembe; alle n>anbernben ^anb* 
»erfer aber, bie ber ©emeinbe angehörten, fo 9Weifier ald ®efeßen, 
»urben Slpoftel» 2Bie ju ©. ©allen juerfi ein SBeber bie ©aat bed 
Süric^er ©lauben^ audgcftreut \)atk, fo jiellte jtc^ in ©raubünbten 
ber ©u(^trdmer SJnbred auf ber Stülpen an bie ©pi^e ber S^dufer 
unb bie ©emeinbe ju ©tra^burg t>erbanfte bem Äürfc^ner 3atob ®rof 
\)on 9Balbdl)ut i^re SBcgrünbung. ©ö jtnb nur wenig Flamen aud 
biefen bunfeln ©c^ic^ten ju allgemeinerer Äunbe gelangt, aber bie ^af)l 
i^rer ungenannten ©enoffen ift grof unb il)re SBirtfamfeit umfaf[enb 
unb tiefgreifenb gewefen. !£enn jte waren burc^ ©prac^e 2)enfart 
93eruf mel)r alö anbere in ber Sage, auf ben gemeinen 2Rann @in^ 
brucf ju machen, unb gerabe bie Slrmen unb SRiebrigen waren ed ja 
t?orjugdweife, an welche bie neue et>angelifc^e 93otfd^aft fiel) rid^tete. 

2)ann war ed t)on gropem SBertt) für ben rafd^cren Sortfc^ritt 
bed S5efel)rungdwerfed im Sieic^, baf ed ben SBrübern bort gleich an^ 
fangö gelang, einige SKdnner t)on l^o^erer perfonlic^er 93ebeutung ju 
gewinnen. Der gelehrte 3Kicf)ael ©attler, feiner Jpertunft nac^ aud 
©taufen in ber ©c^weij, ber ju ©. $eter im ©cf)warjwalb ald 
SRonc^ gelebt Ijatte, wirfte nun feit 1526 mit bibelfertiger 93erebfanu» 
feit unb mit ber Slnbac^t^glut eincd tobeömutl^igen SSefennerd in 
Straf bürg, am Dberrt)ein unb in Bd^t^abtn für bie tduferifc^e ©ac^e. 
Der S3aier §and Dencf, einfl Decolampabiu^ ©c^ü^ling, eine 3^it 
lang ju Siürnberg ©(^ulmeifier, bann t>ertrieben unb unftdt, f)attt ju* 
erft in ©. ©allen bie ilduferci fennen gelernt; fpdter mit Jpubmaier 
JU Slugöburg Umgang gepflogen; war barauf mit Jpdjer in ©traß* 



52 ämiiu ®u4. 

Ijerein unb gleichet SBeife ju rurffid^tdlofer SBcrfoIgung berfclben ent-- 
fc^loffcn» 2lm rafc^efien unb entfc^iebenflen ^anbelten biejenigen, 



damnare et via facta est ad laedendam muiestatem , non desinunt donec motum 
aliquem exsuscitent. Nam diabolus agit impios bomines, ne possint quiescere. — 
3tt« ®röbere ifl biefe Stnfid^t fiberttagen Ui äWeniu«, JDer toibbett. lere. Vüj : — 
(5d ift ni6)i fafi lang, bad feieret unbef^etben prebtger tintx an einem frembben 
Ott ofentltd^ gelert ^at, )a>o unterm pofel bie gewonlt^e teic^tfertigfeiten mit ben 
))areten, jerfc^nieten fleibem, gutrinfen k. ni^t aufhören, ba feien aud^ feine 
re^te et^angelifc^e )>rebiger. ^d fagt aber ein anber ba(b barauf: toenn biefe 
nafeweifen flugling ber ban^ren i^axtt unb ^ofen reformirt Ij^aben, fo woHtn f!e 
bama^ ber furfien marbernf(^a»ben auc^ reformiren, folgenbd bie ^engfl, unb 
naä) bem ganzen regiment greifen. (Uebrigend tin 9(udfpru^ von ^ona€, mit au0 
bem oben angefül^rten 93rief 3)ielan^t^ond er^eflt) — Zwingl. Viestio 1526 9lpr. 
10. — ^ut^er in ber SÖorrebe gu ^eniud, 5)er toibbert. lere. Aüj : — teil i^ boc^ 
oud^ ein tt)enig angeigung t^un, bad man greifen mag, ber teuffei f^aht fte aui^ 

gefanbt. (frfllic^ ifi ba« tin gewi« jeic^en be« teuffel«, ba« fie burc^ bie 

l^euffer fo f^leic^en unb laufen im lanbe umb unb nic^t ofentli<^ auftretten, toit 

bie a))oflel getrau unb teglic^ alle orbenlic^e prebiger t^un. 3um anbern 

tf i^r lere nid^t« anberd benn mUÜd)t guter, geitli^e feif((li^e unb irbifc^e "otn 
l^eifiung, bie ber v^bel gern ^oret, nemlt^ ba« fe tvie bie^uben unb fturdfen auf 
erben ein rei4 erti^ten, barin alle gotlofen erfc^lagen unb fte allein gute tage 
^aben follen. SBer möchte ba« nic^t? — — 3)arumb ift bi« flücf ein gett?i« itU 
dftn, ba« fie ber teufel reitte. 3um britten, ba« fle leren, Ö^riflu« »erbe bie 
gotlofen bur^« f^»ert umbbringen unb toerbe ba« f(^it)ert folc^en bunb«brubern 

befelli^en. 3um vierben, fi^e toit fein fle »on guten »erden leren. @)>re^en, 

fle geben i^re guten »crcf umb einen groffc^en. 3)amit »oHen fle unfer afen fein 
unb un« nobleren, »eil fl e gelftört l^aben, ba« »ir leren, gute »er(f ma^en nic^t 
frum, tilgen auc^ bie funbe niä^t, ))erfünen au(^ ®ot ni^t. Über fo^« t^ut ^ie 
ber teufel feinen )ufa( unb Derart bie guten »erd fo gar, ba« er fle alle umb 
einen groffcjen »erfauffen »ill. 3)a lobe id) ®ot meinen ^erm, ba« ber teufel 
fi^ felb« in feiner flug^eit fo f^enblic^ mu« bef^meiffen unb betören, k. — 
Capitonis apologia pro anabaptistis 1527 SHai 31. 3^.: ~ Et tarnen fateor in- 
genue, in plerisque extare signa tinioris Oomini et veram dedilionem adeoque 
zeinm fuci nesniiim. Quid enim eroolumenti exilio tormentis infandis suppliciis 
carni sperare possentT Testificor coram Deo, me non possedicere, amentia potius 
quam divino spiritu vitam negligerc hanc presentem. iNon est furor, nibil temerc, 
nihil iracundCf sed cum iudicio et tolerantia stupenda mortem oppetunt confessores 
nominis cbristiani. — S3uter an SWargaret^a ^laurer 1531 @ej)t. 19. ^Vir. — 
\ 3)an mir fein j»eifel ifi, ba« liebe finber ®otte« unter benen leuten finb. — 

®etre»e »amung» Ciij : 9Bir a^ten aber bod^, ba« @ott au(^ ug ben feinen tn 
fol^ irt^umb fommen lag, al« »ir ni^t ^»eiffcln, aUi^el <Satlcr, ber §u SRoten* 
Burg »erbrant ifl, fei ein lieber frunt ®ot«, »ie »cl er ein fürnemer im tauforben 
ge»efcn ifl, bo^ viel gefd^idfter unb erbarli^er bann etli^e anbere. — ©apito an 
ben ^atii ju ^orb 1527 a»at 31. 3».: — bifet SWic^ael ((Sattler) ift un« ^te 



II. JDie oberbfutf^en ffiiebertdufer» 53 

xotldjt bid^er ber JReformation ftc^ entgegengcfiellt unb bcn ©tanb^ 
pmU be« aOBormfer (Jbictd fefigc^alten l)attcn» !Da bie aBicbcrtaufe 
t>on bem befie^cnbcn JÄed^t al6 ein Sapitaberbrec^cn bcjeic^nct wurbf, 
fo »erfolgten fie Z&n^tx unb ©ctaufte, fobalb fie »on if)rem 3)afein 
itunbe empfiengen, unbebentlic^ auf ?eib unb ?ebcn» 3^ren Sifer 
fc^ärfte bann ein faiferlid^ed 3Ranbat \)om 4- 3anuar 1528, tt>di)t^ 
baran erinnerte, bap nac^ gcifiUc^en unb mUUi)tn Siechten auf bie 
SBiebertaufe ber Zoi gefegt fei, unb befaf)!, butc^ ©ebote unb ^rebig* 
ten toatnen ju laffen, gegen bie SSerbrec^er aber mit ber Sebend^ unb 
anberen gebütjrlic^en ©trafen einjufi^reitem 

I)ie et^angelifd^en ^Regierungen f)ingegen fonnten flc^ nid^t auf. 
benfelben ©tanbpunft fiellen, ba bie Berufung auf 9leicf)dgefe^ unb 
ÜRanbat fte felb^ am erfien getroffen \)&tu. 3)ie ?ef)re aber, baf 
i^nen aud eigenem obrigfeitlicf)em Steckte gejieme, religiöfe Slbwef^ 
c^ungen mit ©trafen ju befegen, tt>ar if)nm anfangt nod^ nicfet 



}u ^trafburg htfant, unb f^at tool tttoa^ trning tm tt)ort Qt^aht, bie tcix im 
getrütolic^ burc^ Wrift ^abcn angezeigt, aber birif er neben unfer unb anber ^)re* 
biger koarbafttger lere ^i\[iä)t etn^ad mangels unb im )>olcf, bte ^^rtflen toblitn 
fein, &rgerlt(( leben befünben, l^at in, mtner a^tung na^, fo ^il weniger be^er|^t^ 
get, toai toix ^u berieft ber tt)ar^eit grünblic^ fürbrac^ten. IDo^ i)at er aiitmai 
betoifen ein trejflic^ eiffer jur eren ®oH unb ber gemein (F^rifli, bie er begert ffat 
from unb erbar, rein von laflern, unanflbgig unb ben, bie u§»enbtg fln, bur^ 
gottfetigen »anbei befferlic^ ju fin. k. — 8ut^er an 3Benc. tind 1528 SWai 12: 
— CoQstanüain anabaptisiarum morieotium arbitror sirailem esse ilii, qua Augusti- 
nus celebrat Donutistas et Jusephus Judaeos in vastata Jerusalem, et multa talia 
furorem esse Satanae non est dubium, praesertim ubi sie muriuntur cum blasphe- 
mia sacramenti. Sancti martyres, ut noster Leonhardus Keiser, cum timore et 
humilitate magnaque animi erga hostes leuilate moriuntur, illi vero quasi bostium 
taedio et indignatioDe pertinaciam suam augere et sie mori videotur. — Fabian 
an 3»tcf 1540 Slug. 1. bei SügU V. 390: — lu Denggio illo oniatissimo iuvene 
omnia profecto ita erant eximia, ul aetatem eliam vinceret et ipso etiam maior 
fideretur. — itegler a. a. O.: — iJla^ finer ^jerfon toar er (3)encf) lang, ganj 
frfintlid^ unb ju^tigen toanbeU, ja l^o^ ju verrumen, too er nit fin gemut unb 
ler fo mit grufamen irtl^umben befliecft ^it. — SBiftcl an m. 33. g. 1531 5)ec. 
24: — Rincbium veterem sodalem per literas monuif ut anabaptismo renuotiaret 
et doccret quae propius ad salutem animarum faciunt, sed in proposito perstat. 
Vir is est iocredibili fortiludine, vita austera et excelieuti eruditione, si modo fa- 
feote Deo ab illa retingendi dementia avocari posset. — 3n ^e^ug auf Seonl^arb 
Äafer »gl, SEBolni) 75. Sorg 723. — Stin fenbbrief unb ratf^lag an »ercrbnete 
ri<^ter fiber bie armen gefangnen ju 9tltje\j, fo man nennet toiberteuffer. IDur^ 
3o^nn £)^tnhaä), ^rebicanten )u 9^ofd^eln unber 8anbebergf. 1528. fOlfS, 



54 3^titti ©u(^. 

geläufig genug, um ben ffiiberfireft if^rer natürlichen ®efüt)fe t^ollig 
ju ubertt>inben. I)a^er fc^wanften mandbc unb jaubertcn unb fuc^- 
tcn junac^ft lieber audfd^tieplic^ burc^ Sele^rung ju wirfen. ?lttein 
biefe erreicf)te nur in ben feltenfien gdüen tl)ren S^(d. ""IRaxtin 
S3u$er, ber in gett>an^ter fcfctagfertiger SBe^anbfung t^eologifc^er gra* 
gen fauni feinet gleichen unter ben 3^'^9^»<>f[fn ^atte, ]ai) fiä) boc^, 
nac^beni er t)ier 3a^re fafi ununterbrochen mit SBiebertäufern i^erfe^rt 
unb geftritten, ju bem Scfenntniß gejtrungen, er \)aht erft einen ge- 
funben, beffen tjollfommene Sefe{)rung gelungen fei. Slnbere be^an^ 
belten bie SBiebertAufer fcblecf)tn>eg a\^ politifcfce SSerbrec^er. 9?ament- 
lic^ anfangt, ba man nocfi in ber frifc^en Srinnerung an ben 
Sauernfrieg befangen war, unb nun plo^Ii^ überall biefe SRenfc^en 
gewaljrte, bie in fo auffSlliger 9Beife von alten anberen ftcf) unter- 
fc^ieben unb abfonberten, i>erfa^en fic^ \)iele eineö 8fufrul)r^ t>on i^nen. 
9Kit biefem 3}orurtl)eil begann man ju unterfu^en, unb erhielt burd^ 
mancf)e^ aKißt>erftanbnip ber täuferifd)en Seigren bie 93ett>eife, bie man 
begehrte. @o oft bie Xiufer axi^ verfic^ern mod^ten, ba^ il)re ®üter^ 
gemeinfcf)aft nur eine ganj freiwillige fein foUe, bie Oiic^ter fonnten 
fx(f) t?on ber 93orftellung ni^t trennen, ed fei bamit auf eine Se* 
raubung ber 3leicf)en abgefeljen. 3)ie biblifc^en ffieiffagungen, welche 
bie Käufer im 9Wunbe führten, t)on ben legten 2)ingen unb y?on ber 
a3ernicf)tung ber ©ottlofen, würben alö Slufforberungen unb aJerab- 
rebungen jum Slufru^r aufgefaßt, unb eifrig nac^ ben getroffenen 
Slnflatten unb 3uriiftungen, ®efcf)ü5 ^^utt?er unb Sunbeögenoffen, 
geforfc^t. Diep waren freiließ 3rrt^inner, bie ftc^ auf bie 2)aucr nic^t 
4 feft^alten liefen, ©ebaflian grancf in feiner 6l)ronit fertigt fie mit 
ber fpöttifc^en Semerfung ah, er würbe, unb wenn er Äaifer *45apft 
ober ber Jürfe felbft wäre, t^on feinem SJolf weniger atö \?on biefem 
einen 8lufrul)r beforgen. Dagegen war, auc^ wenn man aller fflor* 
urt^eile fic^ entlebigte, boc^ nic^t ju i>erfennen, baß bie neuen @e* 
meinben ficft in einem fc^roffen ©egenfaf jum Staat befanben, ber 
allerbingd ein politif^ed SSerbammungöurt^eil über fte begrünbetc. 
Diefen ^JßixnU t)en)orju^eben unb aii^ il)m ein Siecht ber Obrigfeit 
jur ©ewaltübung abzuleiten, waren 3;i)eologen wie Suriflcn gefc^df^ 
tig» ®o gieng aRelanc^tl^on y?on bem ©a^e auö, baf aUe SBieber^ 
tdufer, auc^ bie unfc^ulbigften , irgenb einen S^^eil ber bürgerlichen 
?ßflic^ten v>erwerfen» Daö mag, fäl)rt er fort, an fid& geringfügig 
fein, aber e« ifi ein Slnfang, ber 9Beg ifl gebal^nt, unb fte werben 



> 



II. IDte oberbeutfd^en SS^teberi&ufer. 55 

auf ll^m fortgcl^en Md jum Slufrul^r, beim ber <Batan treibt bie ®ott^ 
(ofen unb l&^t fte nic^t rul^en* 

a33äl)renb bed aber [c^ritten bie X\)tolo^m and) auf beut religio* 
fen ®ebiet jum Slngriff unb riefen bie c^rifHid^en ®efmnungen be« 
SBoIfd unb ber Dbrigteiten gegen bad tduferifc^e SBefcn auf. !Dief 
gef(^a^ mit ber gcibenfrfjaftlic^feit, welche ju jener ^tit ben Streitern 
aller ©efenntniffe gemein tt)ar, unb bie fie bem neuen ^tinit gegen^ 
über um fo weniger t>er(eugneten, je groper il^nen bie ®efa^r erfd^ien, 
t)on ber fie fic^ bebro^t wußten. 3wingli war mit @d&mäf)ungcn 
unb aJerbäc^tigungen t)orangcgangen. %\d) feinem Urt^eil waren 
alle, bie in ber ^nxii^tx ©taat^firc^e ii)it religiöfe Scfriebigung nid^t 
fanben, ^euc^ler unb 6t)rgcijige. ,,@ie ijabtn ed meiji leicht, fd^rieb 
er, ber grcuben biefer @rbe ftcf) ju entljalten, ba fte ber ^efe be6 
93olte« angeboren, itönnten fie, wie fie wollten, fte würben ©arbo^ 
napal unb ,!^eliogabal hinter fic^ laffen^ jc^t aber machen fte au« 
it)rer 9iiebrigfeit ftc^ einen 2lbel jurec^t." I)em Seifpiel M ©d^wei* 
jerd folgten bie Jljeologcn im JReicf). 9tur bie ©trapburger machten 
eine 2tudnal)me, bie überl^aupt unter ben @t>angelifd^en burc^ maf^ 
t)olIere Haltung ficf) au^äeid^neten. I)agcgcn überbot Sutl)er ben 
3ürirf)er ^Reformator bur^ bie blinbe ^cftigteit feiner SScfc^utbigungen. 
3t)m finb bie S^iufer ©enblinge beö S^eufcl^, unb um bieß ju be* 
weifen, mac^t er i^nen SBorwürfr, bie tf)eild feltfam finb, t^cild ba6 
©egent^eit \)on ber SBa^r^eit entl)alten. !I)ie eine Siugenb, bie alle 
SBelt i^nen juerfannte, bie ©tanbl)aftigfeit nämlic^ mit welcher fie 
ben 9Rart9rtob erlitten, nennt 8utl)er ein 2ßerf bed Satans, /^^^ilifl^ 
SWart^rer, fagt er, wie unfer 8eont)arb Äeifer, fterben mit iDcmut^ 
unb großer ©anftmutt) gegen itjre geinbe, biefe aber gelten in ben 
Job, inbem fte burc^ ben ^oxn gegen it)re geinbe in i^rer ^artnädfig* 
feit fic^ beftdrfen." !Dergleic^en ©a^e würben t>on feinen Stn^ingem 
weiter auögefül)rt. 9liemanb gab ft^ bie 9Wül)e, nac^ bem Jtem unb 
®runb beö t<iuferif(f)en ®tauben6 ju fragen. äBd^renb man nad^ 
biefer ©eite ftc^ begnügte, für bie ifinbertaufc unb tjereinjette anberc 
©treitpunfte bie gew6l)nltc^cn 93eweiömittel in bem Jone bed ®roW 
unb ber SJerac^tung ju wieberl^olen, würbe mit größerem ©fer ge* 
ftrebt bie ®egner perfonlic^ ju y^ernic^ten, würben bie SBorjüge ber 
Säufer lac^erlic^ gemacht ober bem S^eufel jugefc^rieben 5 tva^ ein 
ü^eil t)on i^nen ober auc^ nur einjelne fel^lten, allen jugerec^netj 
wal)re unb falfc^e Stnflagen unter einanber gemengt, SRan gieng 



-h 



56 3vmM ®tt(^. 

fo weit, fle t>tx itlfxt »on bei SBffbergtmrinfc^aft ju loerbdc^ 

tigen. 

(Sint folc^e ^^olemif wibetlcgt jtc^ »or t»en Slugen bcr 9iÄ(^tt)eIt 
bUTC^ ficfe felbft. 2luc^ fc^lt cd nic^t an cntgcgenftct^cnbcn Seugniffen, 
,,3c^ gefiele offen, fc^reibt Sapito, baf bei ben meiften äBiebcrtäufcrn 
®ottc6furc^t unb reiner (?ifer ftd^ tunbgeben» Denn welche irbifc^en 
IBort^eile tonnten fie burcf) Verbannung golter unb greuliche Jpin* 
ric^tungen ju eneid&en ^offen? SSor @ott bejeuge i4 baf ic^ nic^t 
fagcn fann, i^re ?ebendt>eracl^tung ftamme aud SJerblenbung y?ielme^r 
benn aud göttlichem Slntrieb. 2)a ifi nid^tö t)on Seibenfc^aft unb 
Stufregung wafirjune^men ; nein, mit SSefonnen^eit unb ftaunend- 
»ert^er ®ebulb ge^en fie in ben S^ob ald SSefenner bed d^rifilic^en 
Samend." Sapito, ber biefed Urt^eil über fie fdttt, tt)ar il^nen frei^ 
Hd^ felbfi in ®eftnnung unb ?et)re y?ertt)anbt, Sfber auc^ 93u$cr, i^r 
cntfc^iebener ©egner, gibt ju, bag liebe Äinber ©otted unter i^nen 
feien» 3n ber Sd^rift, ml6)t bie ©traßburger ^rebiger gegen bie 
unter Denrfd (Sinfluf t)on itau^ in 333orm6 l^eraudgcgebenen tiuferi* 
fc^en Strtifel gerichtet l^aben, erftdren fte SKid^ael ©attler für einen 
lieben greunb ®otted unb SRart^rer si)rifii- Unb iDencf, ben fte in 
iener ©c^rift angreifen, mirb wieber t)on anbcren ®ewä^rdmÄnneni 
in ©c^u^ genommen: t)on SSabian, ber feine bogmatifcf)en Sludfc^rei^ 
tungen gleichfalls tabelt, aber i\)n übrigen^ mit ben ^od^fien SBorten 
preift, unb t)on Äe^ler, ber in feiner Kl)ronif il)n fc^ilbert als ganj 
freunblic^ t)on SBefen, jüc^tigen SBanbelS unb ^o^en 9lul)meS »ertl^, 
»enn er nic^t mit fo fc^limmen 3rrt{)ümern fxä) beflecft ^dtte. WtU 
c^ior 9lindf, ber t)on bem lut^crifd^en ÜDleniuS mit polternben ©c^md* 
l)ungen überhäuft wirb, war nai) SBi^elö 93efc^reibung ein SRann 
t)on unglaublid^er ©tanb^aftigfcit unb auSgegeic^neter ®cle{)rfamfeit, 
unb nichts an i\)xti ju tabeln auf er bem tduferifd^en 3m^um. ©ogor 
A gütiger felbfi ^at, of)ne eS ju wiffen, ben mif Baubeiten ®egnem ein 
gldnjenbeS 3cugnifi auSgefielU: benn jener SKann, ben er ben SBie*^ 
bertdufern als ein befc^dmenbeS ffiotbilb beS rechten gottgefdlligen 
SWartvrtobeS gegenüber fiellt, — geon^arb Ädfer war fein 9tame, — 
ifl nic^t, wie 8utl)er glaubte, ein ?ut^eraner gewefen, fonbern 9}or^ 
ftt\)tx ber tduferifd^en ®emeinbe ju ©d^erbing- 

8lllein bie ©(^u^reben ertonten in ber Siegel nur leife in ben 
SBinfeln, wdl)renb bie Eingriffe ju ben O^ren ber aSdc^tigen brangen. 
Das tjerjente S3ilb beS tduferif^en SOBefenS, weld^eS bie ißolemit ber 



U. !Die obcrbeutWen SBiebertdufer. 57 

$tfbicanten ju ZaQt forderte, bcf)auptetc ftc^ in ©ültigfeit, erfüllte 
We mafgebenben Äreifc \nit einem auö äbfc^eu unb Oeringfc^iS^ung 
getnifc^ten ®efü^l, txftidx^. bie ategungen bed 3Kitleib6 unb t)er* 
fd^euc^te jeben 3tt)eifel an btr Mec^tmäpigteit ber Strafe* 3uriften 
unb J^eologen riefen jum ®ebxaurf) bed ©c^werted, unb einfam t>er^ 
fykütt bie Stimme beö ^rebicanten t)on 3Jtof(^eIn, ^and Obenbac^, 
bcr ed wagte, ben pfdljifc^en JRic^tem ju fagen, baf man bie 9Bie^ 
bcrtdufer mit gottlid^er ©c^rift, nic^t burc^ beö ^enferö ^dnbe t)er^ 
tilgen feile* 

7- 

Dad meifte Slut flo^ in tatt)oHfc^en ?anbern* 3n lirol unb 
®örj fc^d^t Äirc^mai^r bie ^ai)l ber ^inri(f)tungen bereite im 3at)re 
1531 auf taufenb. 3" Sn^ö^eim, am Si^ ber t^orberofteneic^ifc^en 
Regierung, jd^lt ©ebaftian grancf beren fe(f)^^unbert, 3" ?inj tt>ur* 
ben in fec^d SBoc^en breiunbfiebenjig getcbtet. am weiteften gieng 
^erjog 9Bil{)cIm y?on 93aiern, ber bie entfe^Iic^e SBorf^rift gab: 2Ber 
»iberruft, wirb geföpft, wer nicbt wibenuft, wirb tjerbrannt» ©onfl 
würbe nacfc ber Siegel y?erfa^ren, bie ein faiferlic^eö äWanbat y?om 

§ 7. Jtaifcrl. fWanbat. @peier 1529 5tpr. 23. 9181. — :3örg 730 ff. — 
9. itttpp, (Sin f&iihaQ ^ur ©efc^tc^te ber SDicbertäufer in XiroU ®t)mna^ai)pxof 
gramm. Snöbnicf 1857, — 5) r. Sodann (S(f an «öcrjcg ©eotg von @a^fcn 1527 
910». 26. bei ©eibemann, Xf}, 3)iünjer 150. — iTobcÄurt^eil übet SWanj. güf li 
IV. 259. »9I. IV. 74. JCob (Sonrab 3Bincf(erd ab bem SBafferberg. IV. 121. — 
5)ie aWart^töef^i^te (Sattler«, leintet feinem ©enbfc^reiben, f. oben gu §3. 5(u^ 
gttjli II. 374. — Kelaiio liisior. 25. 28. 30. — 93erjei<^nig ber au6 «ug^burg 
au«geh)iefenen H&uferif^en. 9151. — ^rcclamation be« 9lattfe \u Stug^burg 1527 
SDct 9. Sfl5(. 

^ubmaier« ©cfangenfc^aft unb 3^üb : Siaupac^ , (f rläuterte« evang. Oefirei^ 
57. — S^ber, Urfacb Warumb )c. — Doctoris Jo. Fabri adversus ductoreni Baltba- 
saram Pacimontanum, anabaptislanim nustri saeculi priinum autborem, orthodoxae 
fidei calbolica defensio. !Bpg. 152S. mVL^. 

Oll. ad a. 1528 fü^rt J&an6 «Pretle (o^ne 3njeifel S3töbli) al^SWarivrer auf.— 
S3(auro(f. 2Bo(n^ 75. — ^ä^er. f. Äeim, 

SWelc^ior Slincf: (J^urfürfl Sodann »on (Saufen an ben 8anbgrafen ^on 
J&tffen 1529 2)ec.4. 9B9C. — JDerf. an benfe(ben 1531 3)ec.21. 2B9C. — 3)et 
8anbgtaf an ben S^urfürjlen t)on@a(^fen 1532 3anu. 3. ffiÄ. — 2)er «mtmann 
ju ©artburg an ben ß^utfürfien »on (Saufen 1531 9'lot>.25. SGB51. — ^od^^ut^, 
aWitt^eilungen k, 546 ff. 

(Urebel« Xob wirb erwähnt: Stoingli an €ecolam»)ab 1526 9lot). 29. gügli 
IV. 71. — Uebet JDenc! »gl. ^eberle a. a. O. 



-h 



56 BmiM ®u(^. 

fo mit, fle ber itl)xt »on bei SBelbergtmeinfc^aft ju t)crbäc^:^ 

tigen. 

@ine folc^c ?ßoIemif wibcrlcgt ftc^ t)or bcn Slugen bcr Siöc^wclt 
bUTC^ ficfe felbfi* 2luc^ fel^It cö nic^t an cntgeflcnfic^cnbeu Seugniffen. 
„^^ gefiele offen, [c^reibt Sapito, baf bei ben meiften SBiebcrtdufcrn 
©ottedfur^t unb reiner @ifer ftc^ funbgeben. Denn tt>elc^e irbifc^en 
93ortf)eiIe tonnten fie burd) Verbannung golter unb greu(icf)e ^in* 
ric^tungen ju eneic^en l^offcn? Sor ®ott bcjeuge id), baß ic^ nic^t 
fagen fann, if)re Sebenööerac^tung ftamnte aud SSerblenbung t>ielme^r 
benn aud gottlid^em Slntrieb. Da ift nic^td y?on Seibenfc^aft unb 
Aufregung n>af)rjune{)men ; nein, mit 93efonnen{)eit unb ftaunend^ 
mxti)n ®ebulb getreu fie in ben ilob ald Sefenner beö (t)riftlict)en 
9iamenö/' Sapito, ber biefe^ Urt^eil über fte fdttt, war i^nen frei^ 
lic^ felbft in ®eftnnung unb Se^re t>ertt)anbt. Sfber auc^ 8u$er, i^r 
entfcfciebener ®egner, gibt ju, baß liebe Äinber ©otteö unter i^nen 
feien. 3n ber ©c^rift, tt)e(c^e bie ©traßburger ^rebiger gegen bie 
unter Denrfd Sinfluß t>on itau^ in SBormö herausgegebenen tduferi* 
fc^en Strtifel gericf)tet ^aben, erfliren fte SKic^ael Sattler für einen 
lieben greunb ©otteö unb äWart^rer S^rifii. Unb Denrf, ben fie in 
iener ©c^rift angreifen, wirb wieber t)on anberen ®ewäl)rdmannem 
in ©c^u^ genommen: y?on ffiabian, ber feine bogmatif(f)en Sluöfc^rei^ 
tungen gleichfalls tabelt, aber i^n übrigens mit ben f)b6)fUn SBorten 
prei|i, unb t)on Äeßter, ber in feiner (5l)ronif i^n fc^ilbert als ganj 
freunblic^ t>on SOBefen, jüc^tigen SBanbelS unb l)ot)en 9tul)meS wert^, 
wenn er nic^t mit fo fd^limmen 3rrtl)ümern fid& beflerft ^citte. SWeU 
c^ior Siinrf, ber »on bem lutl)erifcl^en aWeniuS mit potternbcn ©d^md* 
I)ungen überhäuft wirb, war nac^ aBi^etS ©efc^reibung ein 9Wann 
t)on unglaublicher ©tanbl)aftigfeit unb auSgejeic^neter fflcleljrfamfeit, 
unb nichts an i^m ju tabeln auf er bem tduferifc^en 3ntl)um. ©ogar 
8ut^er felbfi \)at, ol)ne eS ju wiffen, ben mif()anbelten ®egnern ein 
gfdnjenbeS S^wflnifi ausgefeilt: benn jener aWann, ben er ben SBie* 
bertdufern als ein befc^dmcnbeS ffiotbilb beS rechten gottgefdlligen 
SRartvrtobeS gegenüber ftellt, — ?eonl)arb Ädfer war fein Sfame, — 
iji nic^t, wie Sut^er glaubte, ein ?utl)eraner gewefen. fonbern SJor^ 
fiet)er ber tduferifc^en ®emeinbe ju ©c^erbing- 

Slllein bie ©^u^reben ertonten in ber Siegel nur leife in ben 
SBinfeln, wd^renb bie Eingriffe ju ben Oljren ber üRdc^tigen brangem 
Das tjerjerrte S3ilb beS tduferifd^en SOBefenS, welches bie ^olemif ber 



U. ^k obftbfutf(^fn ©iebettäufcr. 57 

^Ptfbicanten ju Züqz jorbertc, bcl)auptctc ftc^ in ©ultigfeit, erfüllte 
We ma^gebenben Greife \nit einem aud äbfc^eu unb Oeringfc^ä^ung 
gemifd^ten ©efü^I, erfiirfie bie Siegungen M SRitleibö unb "otu 
ft^euc^re jeben 3tt>«fel an btr JRecfennäfigteit ber ©träfe. Suriften 
unb Jl^eologen riefen jum ©ebtauc^ bed ©(^n)erted, unb einfam t>er* 
fyiütt bie Stimme bed ^rebicanteit t)on SKofc^eln, ^and Obenba(^, 
ber ed »agte, ben pfäljifc^en Süc^tern ju fagen, baf man bie SBie^ 
bertdufer mit gottlid^er ©c^rift, nic^t burc^ M ^enter6 ^Änbe t>er* 
tilgen foUe. 

7. 

Dad meifte S3Iut flo^ in tatl)o(ifc^en Säubern. 3n 2;irol unb 
®6rj fc^d^t Äirc^ma^r bie ^a\)l ber Einrichtungen bereit« im Sa^re 
1531 auf taufenb. 3" Gnftö^eim, am ©ift ber tjorberofterreic^ifd^en 
Regierung, iäl)h ©ebafiian grand beren fec^öf)unbert. ßu ?inj n>ur* 
ben in fec^d ffioc^en breiunbficbenjig getobtet. 9lm weiteficn gieng 
^erjog aa3ilt)elm t)on S3aiern, ber bie entfe^Iic^e SJorfc^rift gab: Ser 
»ibenuft, wirb geföpft, tt>ti nicf)t wibenuft, n^irb t>erbrannt. Sonfl 
ttjurbe nacö ber Siegel tjerfa^ren, bie ein taifcrlic^eö a)?anbat \)om 

§ 7. Äaiferl. SJlanbat. <Svder 1529 5lpr. 23. 9^9(. — ^öcg 730 ff. — 
». Äripp, ©in ^Beitrag \ux ©cfc^ic^te ber Siebert&ufec in Xirol. ®i)mnaj!a(pro? 
gramm. 3n«bru(f 1857. — 2)r. Sodann öcf an ^erjog ©ecrg öcn @a(^fen 1527 
9lot>.26. Bei <5eibemann, 3:^. SJiünjer 150. — ^Tobeeud^eil über SWanj. gügll 
IV. 259. »gl. IV. 74. Xoh (Sonrab «ffiincfUr« ab bem SBafferberg. IV. 121. — 
J)tc SWart^rgef(^i^te ©attter«, l^inter feinem (Senbfc^reiben, f. oben gu § 3. 9(u^ 
güfli II. 374. — Relaiio liisior. 25. 28. 36. — 3ßerjeid)nig ber m& 9lug6burg 
au«gen)iefenen 3:4uferif(^en. 91%, — ^^roclamation be« SKat^« i^u 5(ug«burg 1527 
Dct. 9. 91«. 

^ubmaier« ©cfangenfc^aft unb ^ob : 9lam)a(§ , ©rUtuterte« ewang. Oefireid^ 
57. — 8abet, Urfa(^ toarumb JC. — Docloris Jo. Fabri adyersus duclorem Baltba- 
sarum Pacimontenuin, anabaptistariim nustri saeculi priinum authoreni, orlhodoxae 
fidei catbolica defensio. ip^, 152S. fDlVi^. 

Ou. ad a. 1528 fü^rt ^an« ^Jretle (ot)ne 3ttJeifel SSrcbli) aUSWart^ter auf.— 
äßlaurccf. SBoln^ 75. — J&äJ^r. f. jleim. 

aWel^ior JRincf: ^^urfürjt Sodann von @a(§fen an ben 8anbgrafen uon 
Reffen 1529 lDec.4. 20«. — JDerf. an benfelben 1531 5)ec.21. aB«. — JDer 
^anbgraf an ben ^^urförjien \)on@o(^fen 1532 3anu. 3. ffi«. — 5)er amtmann 
JU ffiartburg an ben S^urfürflen t>on ©ac^fen 1531 9lo».25. S«. — ^o^^utl^, 
»litt^eilungen k. 546 ff. 

Orebel« Xob toirb ertoa^nt: 3»ing(i an Cecolam^ab 1526 9lo». 29. gügli 
IV. 71. — Ueber ^enc! »gl. ^eberlc o. a. O. 



58 Stoeitf« 33u^. 

23. april J529 jum ©efeft tx\)oi, baf nitr tit 8el)rer unb 3;äuffr 
unb t)on ben ©ctauftcn bie rücffdlligen uut) ^artnädigen mit bcm 
Sob ju bcfirafcn, bic bercucnbcu ju bcgnaMgen feien. 

8lber aud^ in ben et^angelifc^en ©eheten fiieg man t)on verl^dlu 
nifimaßig milben ©trafen balb ju ftrengeren unb ju ben firengften. 
3üric^ gab ben Swinglifd^en, ß^urfac^fen ben 8utf)erifc^en Obrigfeiten 
bad S3eifpiel. Dort n)urbe ertr<inft, i)itx mit bem ©c^n^ert f)inge^ 
lichtet. 9tur wenige tf)eilten bie mildere ©efinnung beö ?anbgrafen 
»on JQt\\tn, ber bie SWa^nungen ©ac^fenö mit ben SBorten abwies : 
fein @en)iffen erlaube i^m nic^t, ©lauben^abweic^ungen mit bem 
©c^n^ert ju befirafen, fonfi n>flrbe er 3uben unb ^apiften ebenfo 
»enig a(ö aOBiebertäufer »erfc^onen bürfen. Durc^ ben größten S^^eil 
Dberbeutfc^Ianbd bef)nte ftcfc bie Verfolgung au6 mt eine wifbe 3agb. 
Der fc^mäbifc^e SSunb fteUte fogar eigene ©treiffc^aaten auf, um 
9Biebertdufer ju fangen unb bie Oefangencn ol)ne Urtt)eil unb Med^t 
auf ber ©teile ju tobten. 3)ad S3(ut ber Slrmen flofi ton SBaffer, 
ba^ fie auffc^rieen ju ®oü, warum et fie nic^t fc^ü^e. 

3n biefer QJerfolgung giengen bie meiften Url)eber unb Jpdupter 
ber tduferifc^en itird^e ju ®runbe. ^elir 3Kan^ würbe am 5. 3anuar 
1527 in 3üric^ ertrdnft. Slm 21.aÄai beffelben 3a^r« würbe m^ 
6)ad ©attler ju ^Rotenburg am Siedar ber3unge beraubt, mit glühen* 
ben 3<J"gcn jerfleifcl^t unb bann i>erbrannt. 3n Slugdburg begann 
bie QJerfoIgung im ©eptember 1527, unb meljrere 5uf)rer fielen in 
bie t&anb ber Obrigfeit. Giner von il)nen, i^an^ ^ut, fanb bei 
einem SSerfuc^, ftc^ aud bem ®efdngni^ ju retten, ben Zot-, barauf 
würbe feine ?eic^e jum S^uer »erurt^eilt unb im December auf ber 
JRic^tftdtte »erbrannt, 3atob Dac^fer unb anbere blieben in §aft, 
bi« fie nac^ 3af)rcn jum Sffiibetruf fic^ entfc^loffen. ?angenmantel, 
\)om Slugdburget JRatf) nur mit Verbannung beftraft, getiett) balb 
barauf in bie ®ewalt eineö fc^wdbifc^en S3unbeö^auptmannd , ber 
i^n JU äSeifien^orn am 12. SÄai 1528 entl)aupten liefi. ?lm 10. aXdrj 
beffelben 3al)red würbe ^ubmaier ju Sffiien t)erbtannt. Äonig gerbi^ 
nanbö 33efel)l ^atte feinen Sefc^ü^er, ben §errn t)on Siec^tenfiein, 
gezwungen il)n audjuliefern. 3m ©efdngnip, ben Zoi t)or Slugen, 
jeigte er fic^, wie früt^er in ^Mä), wieber nachgiebig, begehrte ein 
t^eologifc^ed ®efprdc^ mit feinem et)emaligen greunb 3o^ann gaber 
unb war ben Belehrungen beffelben fo jugdnglicf), baf er jule^t nur 
noc^ in ben beiben ^ßunften ber Zau\t unb bed äbcnbmaljlö einigen 



11. JDie oberbeutf^cn SBiebertiufer. 59 

SBlberfianb leitete, unb anä) })xmn bcr Sntfc^eibung cined ßonciW, 
ja fogar bed Äonigd fi;^ fugen ju wollen etfidrte* @rft ald i^m 
^ieß nic^t l)alf, ennannfe tr fic^ wieber, unb gicng, »on feinem treuen 
SBeib enna^nt unb beftärft, fro^Hc^ unb ftanbl)aft jum 3;ob. 3n 
terfelben 3fit ^nt ^an6 S3r6bU, wir wiffen nic^t wo, ben 9Rarti?rtob 
erlitten. 93(auro(f warb 1529 ju ©laufen in 3:iro( verbrannt, 2lu(^ 
^d^er würbe am 4. gebruar 1 529 ju 6onftanj mit bcm ©d^wert 
gerichtet, bod^ biefer nicf)t wegen beö tduferifd^en ®(aubend, obwohl 
et an bemfelben bid jum Jlobe fefige^aiten, fonbern wegen fc^mä^-- 
li^en (S^ebruc^d. JRinrf war einmal ber ^effifc^en ^aft entlaffen 
worben, mit ber ffieifung, nic^t wieber bieffeit bed SBefierwalb^ fic^ 
blirfen ju laffen* @r aber erfUute, bie 6rbe fei bed §errn, unb teerte 
jurüd. Da geriet^ er im December 1531 »on neuem in bie ®ewalt 
bed ?anbgrafen, ber i^n nun ju ewiger ©efangenfc^aft tjerbammte. 
Slnbere, wie ©rebel unb Dencf, würben burc^ früt^cn Xob t^or ^drte^^ 
rem ©efc^id bewahrt. Der erfiere war fc^on im Sommer 1526 an 
ber 5franfl)eit feiner legten 3a^re geworben, ben anberen raffte gegen 
@nbe beö 3al)red 1527 eine Seuche ju SSafel l)inweg, wof)in er t)on 
Slug^burg gewanbert war, 

8- 

Die 53rubcr würben burd) bie 93erfo(gung nid)t erfc^redt noc^ ^ 
niebergcbeugt* Sie fam iljnen nic^t unerwartet, ^ei bem Gintritt 
in bie ©emeinbe war fie jebem \)oraudgefagt worben unb all i^r 
©ottedbienfi war eine Vorbereitung auf biefclbe gewefen, bie S^aufe 
ein ®elöbnif, bad 8lbenbmal)l eine ©tdrtung, bie ^JJrebigt eine @rma^^ 
nung jur ©tanbt^aftigfcit im Seiben. 3e^t erfc^ien i^nen baö grau* 
fame SJer^angnifi, bad über fie ^ereinbrad^, alö bie erfe^nte Sollen^ 
bung i^red Strebend, ald bie 33luttaufe, bie ber 9Jater feinen Äinbern 
fc^enft; unb t)unberte ertrugen wie 8lmbrofiud Spitalmair bie grim* 
mige 5ßein ber ^oUcx, o^ne ein ©c^merjgefu^I ju äußern, nur ®ott 
^)reifenb unb lobenb, baß er il^nen folc^ed jufc^ide; unb l)unberte, 
ol)ne Unterfc^ieb bed 8llterd ober ©efc^led^td, t)erfc^mdl)ten ii)x itbtn 



§ 8. !Der 9(mtmann gu ^abcl^burg an (Statthalter unb fftätf^t ^u Dnotj^« 
Uä). 1528 3anu 26. SRÄ. — ^ia^, ®ff(^id^te ber l»ei4«flabt dflingen. 1840. 
p. 476. — ©eb. grond, JDrit G^romca, f. 193. — 5(ugbunb etlicher fd^cnet 
^ripii^er öefeng k. 1583. aK33. — (Sottler« ©enbfc^reiben. Biij. 



-4 



60 3tt)citf« ©u(^. 

burc^ t)ad SBort bcd SBibetrufd gu erlaufen, unb gtengen frö^fid^ tt)ie 
ber fc^öne 3üng(iiig 3oacf)im gleiner ju Sf fingen, unben)egt t)on ben 
Schieden bed S^obeö wie von ben Xljränm ber irrigen, ^falmen 
fingenb juni JRid^tplaft. 

3nbem ber Xoi i^re Steigen l)inmä\)tt, fprofi aud bem S3Iut 
micber eine lebenbige (Baal empor. 3{)te Äirc^e, erjdljlt Sebafiian 
grand, na^m ju unb mürbe gro^j benn ba fie fo gebutbig litten^ 
meinte jebermann, if)re @acf)e tt)dre rec^t unb fie allein bie n)al)ren 
6t)riften. 3)er ®eift aber, ber fie befeelte, n)urbe fiärfer unb unüber^ 
winblic^er mit jebem J&aupt, t>a^ jum Opfer fiel. 3)enn mächtiger 
noc^ ald bie Se^re wirften bie S^l^aten ber Vorangegangenen , unb 
enger nod^ aW burc^ bie S33erfe ber Siebe würben bie S3rüber tjereint 
burcfc bad S3e»u|itfein il)red gemeinfamen ©c^idfaW unb burc^ bie 
©efc^ic^te i^rer 5firc^e, fo turj an ßdi unb fo reic^ an 8eil)en, fo 
eintönigen unb fo ergreifenben 3n^attd. 3)ie Oemeinben t>erjeid^nc* 
ten bie 9?amen il)rer SJtart^rer unb tl)eilten bie Siften ben anberen 
mit. 2)ie S3ericf)te t)on bem Sterben ^ertjorragenber ßcMQm, jum 
!£^eit gebrudt, giengen t)on ,&anb ju ^anb. 8lü i^r 3)enfen erfüllte 
fid) mit ben SBorftellungen \>cn bem blutigen itampf ber ©ebulb unb 
Srgebung für baö SReid^ ®otteö. Die geiftlic^en Sieber, bie bamaW 
in ÜKenge bei it)nen entfianben, liaben feinen anberen ®egenfianb 
ald biefen. ßnm Zl)tH finb ed auc^ wieber SRart^rgefc^ic^ten, wie 
bad Sieb von 36rg SBagner in SRünc^en ober t)on ben fieben S3rü^ 
bem in ©emünbj bod) auc^ bie übrigen wiffen in mannic^fac^en 
S^onen, fc^ilbernb flagenb troftenb ermaf)nenb, xion nid^td alö SÄar* 
t^rt^um JU fagen. Sie fingen oon 6l)rifiu6, wie er in biefen legten 
3eiten fid^ erl)oben, um fein reined S33ort wieber über bie @rbe ju 
t?erbreiten, unb wie ©atan burc^ S3lutt)ergief en fic^ wiber i^n fc^irmt* 
S)ie falfd^en ^ropt^eten, rei^enbe SBolfe in ©c^af^fleibern , wehren 
ben 2Beg jum Seben unb ju bem wahren ©cfcaffiall; fie, bie jugleid^ 
beten unb fluchen, rufen bie Obrigteit an, un6 ju tobten. Die äßelt 
tobt unb biegtet Sügen auf und unb erfc^redt und mit ©rennen unb 
2Korben. S33ir finb jerftreut wie bie ©d^afe, bie ii)xtn Jpirten oer^^ 
loren; wir fc^weifen in ben SBälbern um^erj wir ^abcn in gcffen 
unb ©teinflüften gleid) bem Siad^traben unfer ©emac^. aWan fiellt 
und nad^ wie ben 936geln in ber 8uft, man fpürt und auf mit 
^unben, man fü^rt und gefangen unb gebunben wie bie ftummen 
Sämmer. Durc^ 2;obed^?fngfi unb 3ömmer eilt bie Staut bed ^enn 



U. IDie obcrbeutfd^en SBtfbett&ufcr. 61 

jum l)0(6äeitlic^en 8lbcnbmaI)L — 3n Staurorfd Sieb Ift cd ein Ärieg, 
beit bif fromme (Seele fü^rt: bei %t\ni, t)ei|it ed bort, gegen ben ic^ 
im gelbe liege, ifi mit fd)arfer ffiaffe auf mic^ eingebrungen, t>a$ 
mein Seib erjitterte t)or falfc^er ?e^re unb 3tt>angj aber bu, o S^ax, 
f)a^ mir ^ulfe geliehen unb mic^ peg^aft gemacht* Dagegen fc^it 
bert Sinnelein t)on greiburg bad ?eben ald eine ^ilgerreife auf bem 
SBeg bed ^enn: ber Äelc^ bed Seibend unb bie falfc^e Seigre lorfen 
ben SRenfd^en »on ber rechten S3al^n ab. — Dort fc^wingt ein ?ieb 
jid^ jiürmifc^ empor: o ^en, n)ie lange »illft bu fc^weigcn? richte 
ben S^oä^mnÜ) , laß beiner ^eiligen ®tut t)or beinen 3;^ron fteigen! 
^ier t)erfünben anberc troftenb, bad Äreuj fei lange nietet fo fc^tt>et 
aW ed erfc^eine ; ober preifen eö ald bie l^ödbfie greube biefed gebend 
»oBer Diirftigfeit unb ilrübfal, baß 6^rifiud und mxt\) ^alte, um 
feined 9?amend n^illen »erfolgt unb getobtet ju werben. Dann >on^ 
flingen Ätagen unb S^rojtungen in bem ®ebet ber SIrmen um 93er^ 
jei^ung für i^rer geinbe unwiffenbe -äKiffci^at. 

So I^at burc^ bie (Sinbrüde, n^elc^e fie I)ert)orrief, weit entfernt 
bie neue Äirrf^e ju tjernicfcten, bie SBerfolgung nur it)re Ätaft unb 
i^ren SBiberftanb »ermel^rt. äud^ unmittelbar \)at fit ben ®lauben 
unb bie Hoffnung ber SSrüber gel)oben. Denn fie »ar bie (Erfüllung 
bed legten ^tidjm^, welc^ed t>or bad Snbe ber Jage gefegt ift; unb 
je unerl)orter unb grunblofer bad ßlenb »ar, in welc^ed bie ©ruber 
»erfanfen, gerabe um fo jutjerftd^tlic^er ern^arteten fie nun bie t>erl)et^ 
ßene 3ufunft bed §erm* Sie foUen fleißiger flcfe t^erfammeln, ma^nt 
Sattler bie ©einigen, im ®ebet unb im Srotbrec^en, je ndljer ber 
Sag bed S^txm l^eranfomme. „Sittet, baß bie Sd^nitter in bie @rnbte 
gejwungen »erben, benn bie ^tit bed Drefc^end ift na^e ^erbeige^ 
!ommen. Der ®reuel ber 3^tf*&^""9 ifi offenbar unter eud^. Die 
auderwd^lten Änec^te unb ÜHSgbe ®otted n^erben bejeicfenet mit bem 
3?amen i^rcd SSaterd an i^ren Stirnen. Die ffielt enegt fic^ wiber 
bie @rloflen t)on i^rem Stren. Dad @t)angetium n^irb gejcugt »or 
aller ffielt, i^r ju einem 3cugniß." Unb mit ben SUorten bed $ro^ 
Poeten ruft er ben ®tdubigen ju: „SQBartet auf euern Wirten, benn 
ber ifi nal)t, ber in bem Snbe ber SBelt !ommen wirb; feib bereit 
jur S3elol)nung bed SReic^d." 



62 3mitt^ f&üd), 

93on t>tn nac^tfjciligftcn folgen aber voax ber !I)rucf bcr ®etralt 
auf bie innere (^ntmidelung ber neuen Äirc^e. 

!l)ie ©runbfegung ber religiofcn ©emeinfc^aft war in >ocxl)älu 
ni^mdfiger Siuf)t unb ©tiUe »or fic^ gcg«ingen, biö fte Im Strange 
be^ 8IugenMi(fd burc^ bie ©infü^rung ber SBiebertaufe i^ren 2lbf(^lufi 
erhalten f)attt. Seitbem begann ein jn)eiter 8lbfcf)nitt i^rer ©efc^ic^te, 
in welchem eine nic^t t>iel minber bebeutfame unb weit muffeligere 
3lrbeit bcöorjianb, @d galt nunmelir, ben 3nbegriff t)on Orunb^ 
fd^en gormen unb 8el)ren, ben man befaß, im Äampf mit äußeren 
unb inneren ©egnern unb mit bem Seben felbfi ju t»ert^eibigen unb 
ju erhalten, jugleic^ nacfe S3cbürfniß auöjubilben unb ju erweitern^ 
unb bie neuen gragen 3weifel unb Stnforberungen, bie im Sauf ber 
3eit ficf) erjeugten, im Sinn ber urfprünglic^en ®runbung ju löfen 
unb JU befriebigen; eine 2lufgabe, weld^e fc^wieriger unb t>erwicfc(ter 
»urbe burc^ bie rafc^e Sluöbreitung ber Äird^e über weite ©ebiete 
unb inebefonbere burc^ ben (Eintritt fo mand^er 3Kdnner t>on felb^ 
fidnbiger unb cigent^ümüd^er ©eifte^ric^tung. 9Sor aUem mußte 

§ 9. 5(uper ben früher an^efü^^rten Duellen ver»eife i^ auf fclgenbe : itunb? 
f(t^aften bei Süflt II. 365. «i^etnrid^ Stet fa^t bcrt, t^re SRetnung fei bamald ge« 
toefen, bag alte fTinge gemein unb alled ^ufammengef^üttet n^erben folle, unD »ae 
einer hxaud^t, fcde er vcn bem Raufen nehmen, dagegen ^txfitijt !SRani, M 
%ü^ii I. 253, unter ber ©ütergemetnf^aft nur bräberli^'e SDlttt^ettung. — vSeb. 
grancf f. 193—200.— Äefler a. a. D., vgl. ^imler, Sammlung I. 140 sqq. — 
6. (Waller S^at^^protofclle 1520 gebr. 17. 9^r. 26. SRateft^bu^ ber Stabt 3. 
®allen 1526 gebr. 16. Stpr. 9. 10. S. ©aller ^xd^w. — 3örg 672. 733. — 
@a^ttc, (Sin kounberbar gefc^tc^t unb emftlic^ Warnung Q^otiU, fo ftc^ an eim 
»ibertäuffer, genant 6lau« %xttf, zugetragen k. 1534. aW^. — ^ei)b, -^ergcg 
Ulrit^ 1S41. II. 318. — SBalc^ner, Iru^feg ©eorg III. »on fflaltburg. 1832. 
p. 362. — (Fa^tto an Ämbr. 33iaurer 1528 ^5pt. 13. 3^.: — Inter anabaptisias 
inveni peclora opiinia et comparata ad veram pietatem, quos tua lenitate gregi pu- 
sillo facile redderes, a quo temerc discesserunt per insciliam Cbrisli, qua orbis 
boc seculo fere iaborat. Sunt praeterea plurimi qoq solum erroribus, sed etiam 
malevolentia obruli, qui rebus moveodis anxie studeot per legem Mosis instauran- 
dam, advcrsus quos upus est insigoi vigilantia inteulisque precibus. Quemadmodum 
enim alii negant cbristiaoum magistratum esse posse, ita Uli dant operam, ut vul- 
gu8 gladiü, praefeclis in boc ducibus, occidat Lutberanos papistas Zwinglianos, boc 
est omoes qui suis seditiosis opinionibus non sub^cripserinl. Habent io ore sen- 
teolias in speciem pias, Eliae spiritum, reditionem ad priocipia et id |eDus, ut 
macterous scilicet idolatras et Gedeonis gladium arripiamus. 



11. IDtc cbetbeutf(4fn Siebett&ufct. 63 

man iaxan bcntcn, fiel) bad SBerfjeug jur ©rfüttung bicfer Aufgabe 
ju fc^affen, inbem man bie tjorl^anbencn ©runblinien einet ®emeJnbe^ 
OTbnung ju einer SBerfaffung unb l)ierarc^ifc^en Orbnung fiir bad 
®anje ber Äirc^e cntn)icfelte. §eil unb ®ebeii)en beruhten a(fo barauf, 
baf fofort tint umfaffenbe 3;^dtigfeit bed ^Regierend fon)oI)I aW ber 
(Befejgebitng unb Se^renttvidelung fic^ entfaltete unb ununterbrochen, 
»enigflend bi6 bie wic^tigften Sntfc^eibungcn erfolgt tvaren, fort^ 
bauerte» 

!Diefe Slrbeit toax ed, welche burc^ bie l^eftige 5Jerfolgung t^eild 
gel^emmt, ti)tM ganj t)er^inbert n^urbe, Xit Äirc^e tvurbe burc^ fle 
in einen 3«^^«^ fortivd^renber gluckt unb 3crfJreuung »erfe^t. I)ie 
rinjelnen ©emeinben n^ec^felten oft unb rafd^ if)re SSorfle^er unb gro^ 
f entl^eil^ if)ie ©lieber, ©ine aJerbinbung jtt^ifc^en ben ©emeinben 
fonnte nur mit SKü^e unb fef)r unt)oUfommen erhalten n^erben. Die 
atu^flc^t, einen SÄittetpunft ober 9Jorort ju gen^innen, bie ftc^ erfi in 
3ürici^, bann in ®. ©allen ju bieten fc^icn, t^crfc^manb balb, unb 
ber ip&itxt SJerfuc^ ber 8lugdburger ©emeinbe, an bie ©pi^e ju tre^ 
ten unb bie allgemeine Leitung ju übernel)men, fc^eiterte an ii)xn 
eigenen SSebrängni^, al6 jte faum begonnen I^atte, eine burd^greifenbe 
SBirtfamfeit ju üben* 8(uc^ bie ©t^noben, n^elc^e ^ier unb ba ju^ 
fammentraten, \)atttn nur einen befc^rdnften SBirfung^freid unb blie^ 
ben t)ereinjelt, So gcfd^al) ed, ba^ gerabe in ben äal^ren, meiere 
über il)re 3wrwnft entfc^eiben mußten, bie junge Äirc^e einer regeU 
mdfigen unb einheitlichen Sntwicfelung entbehrte, mdl^renb bie rei^ 
d)tn Ärdfte unb J^riebe, bie fie entl)ielt, auf eigenen S33egen ind 
SBilbe fJrebten. 

Sc^on über bie einfac^ften Etagen ber Ifirc^enorbnung, über bie 
gorm ber (Srt^eilung ber 3;aufe, über bie SBeife ber (Ernennung be6 
98orjiel)er6 , ift feine »oUfommene Uebereinjiimmung erreicht worbem 
8[m bebenflic^flen aber mar bie Unfic^er^eit in t^ielen fünften ber 
8el)re. 9lur n^enige Dogmen, wie bie Sinfe^ung ber S^aufe ber (Sx^ 
»ac^fenen, bie Sertverfung ber leiblid^en ©egenwart 6l)rifti im 
8[benbmal)l, bie itl)xt Xion bem ©ebrauc^ unb ber 33ebeutung bed S3rot* 
brec^en6, ber SBiberfprud^ gegen bie lut^erifc^e 9iec^tfertigungdlef)re 
waren ju allgemein gültigem Sludbrucf gelangte !I)agegen machte 
fld^ in Sejug auf ben ©runbfaft ber ©ütergemeinfc^aft t)on ?lnfang 
an ein ©c^wanfen fül^lbar jn)ifd)en einer firengeren unb milberen 
8lu6legung, 3)a6 93erbot bed ©c^werted unb bad ©ebot bed ®e^ 



64 3toeite« IBud;. 

l^orfam« gegen bie Obrigfeit tDurben nic^t überaß auf gleiche SBeife 
mit einander »ermitteU. 3)er @ib »urbe nid^t >oon aütn unbeWngt 
unb immer »emjeigert. 9teue Streitfragen, »elc^e bad ?cben fc^uf, 
wie jene, ob ber ®(äubige an bad ungläubige @^egemal)l, melc^ed 
if)m bic gortfe^ung ber Scbendgemeinfc^aft weigert, gebunben fei, 
würben in t)erf (^ebener ffieife beantwortet- ®egen Srrlel^ren, auc^ 
wenn fte ben ©runbbau ber iduferifc^en itirc^e bebro^ten, fel^Iten bie 
au^reidbenben 3)?ittel beö SÖiberftanbed, ba man eined au^gebilbeten 
©laubenöf^jiemd unb fafi ber Slnfange einer wiffenfc^aftlicfeen Zi)to^ 
logie entbehrte. So fonnten Denrfö Se^re t)on ber jufünftigen ®e* 
ligfeit ber 93erbammten, fein aBiberfprud^ gegen bie (Srlöfungdle^re, 
Jpdfter^ 93erwerfung ber ©ottl^eit S^rifii Eingang ftnben unb in 
jiemlic^ weiten Greifen fic^ ausbreitend fo fonnte felbfi eine 3Äeinunfl 
^la^ greifen, welche bie 2^ufe unb alle Seremonicn t)erwarf unb fo* 
mit bad le^te äußere ®anb unb bad 35efiel)en ber Äirc^e felbji um 
mittelbar gefdl^rbete. Durc^ all bieß entfianb atlmd^tic^ eine folc^e 
bogmatifc^e 93erwinung unter ben Sriibem, baß granrf bemerft, ^e 
Ratten fc^ier fo t)iel t)erfc^iebene Se^ren ald 93orftel)er. 

änbere Äeime bed 93erberbend lagen \)on Anfang an in ber 
Iduferci unb cntwicfelten ftc^ nun bei bem 9Kangel an Sluffid^t unb 
Seitung rafd^ ind SRaßtofe unb Ungei^euere- 3n @. ©allen t)at, 
nac^bem bie ^tit ber Unterbrücfung begonnen, nur ein S^^eil ber ®e^ 
tauften an ®rebeld einfachen Seigren fefige^alten. 35ie anberen wur^ 
ben t^eild burd^ ben Suc^fiabenbienfi ber Ijeiligen ©d^rift, ju bem fte 
angeleitet worben waren, t^eild burd^ fc^wdrmerifc^e 8lnbac^t unb 
bad l^offdrtigc ®efüf)l befonberer Segnabigung , mit bem il^re (Sm 
falt fic^ erfüllte, ju Ueberf(^wdnglic^feiten unb fetbft ju ©reuetn f)in^ 
geriffen. @d war ein feltfamed ffiefen, bad geraume ^tit ju ©• 
®allen unb in ber Umgegenb, im äppenjellifc^en, in ber ©tabt ®e^ 
richten unb unter ben ®otteö^auöleuten l^errfc^te unb bie jufc^auenbe 
33et)olterung mit Staunen unb 8cf)recfen erfüllte* 2)a ^orte man bie 
Seute t)or offener ©emeinbe if)xc l)eimlicl^ften unb anfioßigfien ©ün* 
ben erjdl)len, benn 2lnton Äürfener t)atte bie redeten K^riften auf ben 
©pru4 3afobi, baß einer bem anberen feine ©ünben befennen foHe, 
I)ingewiefen. Sfnbere waren t)on einem ®otbfc^mieb, ber im 8Jppen^ 
jcller ?anb um^erjog, ernftl)afi ennaljnt worben, ju werben wie bic 
itinber, ba fie fonft bad Himmelreich nic^t beft^en fonnten, unb wett^ 
eiferten nun mit einanber in allerlei finbifc^em ©eba^ren. 9toc^ 



II. IDtc cberbeutfc^m SBiebert&ufer. 65 

anbete ftaxbm ber (Sunbe ab, inbem fie j)I6^Uc^ in itrdmpfen ju 
Soben fielen; eine SBeife bie anfterfenb mxttt unb oft unfreiwillig 
mit großer »ngfi unb förderlichen ©c^merjen nac^gealimt würbe. S3ei 
»ielen fc^Iug ber ainbac^tö^oc^mut^ in Unjuc^t um, ber fte a(« bem 
gleifd^e abgeworbene unb burd^ ben Job jur grei^eit burc^gebrungene 
€f)ri(ien o^ne ©d^eu unb in ©efeßfc^aft fld^ ergaben. Die aSenücft^ 
^eit, welche wie eine Seuche ©tabt unb 8anb ergriffen liatte, fteigerte 
fic^ bid JU IjeHem ffia^nfinn in bem S^reiben ber SRagbalen aRüße* 
rin unb i^rer ©efpielinnen, bie ftc^ für Sl)rijtud unb bie Slpopel 
Rieften, unb in ber furchtbaren Zl)ai be« Zf)t>man ©c^ugger, ber auf 
53efeI)I be6 ^immlifc^en SSatcrö feinem leiblichen S3ruber mit beffen 
Einwilligung ben Äopf abfc^lug. 

Sle^nlic^e grobe 9}erirrungcn, gruc^te t^cild öerbtenbeter ©infalt, 

tt)eiW ber 3w^ttofigfeit, bie ftd^ mit ^od^mut^ paarte, famen auc^ 

anberwdrtd unter ben neuen 6I)rifien t)or* Unter anberen wirb ber 

gall mehrmals erwdt^nt, baf ©rüber ober ©c^wefiern, bed e^eticf)cn 

Sanbeö, welc^ed fte an Ungläubige feffelte, nic^t ac^tenb, in ber 

grembc ein neue^ fogenannt geifilic^ed (S^egema^l flc^ erwdt)lten* 

3)od^ wät)renb ©ünben ober Jl^orl^eiten wie bie erwähnten im gan* 

Jen bod& nur t)ereinjett auftraten ober fic^ wenigfiend auf befiimmte 

Oertlic^teiten bcfc^rdnfien, bro^te eine itranft)eit anberer 2lrt bie ganje 

©emeinfc^aft ju ergreifen unb auf unabfel^lic^e unb gefa^rt)olle 3lb^ 

Wege ju leiten. 2)er ©laube ndmlid^ an bie 5Rä^e ber 3wJunft bed 

^enn, entfproffen juer|i aud bem ßinbrurf, ben bie erfc^üttemben 

Umwdljungen jener 3cit ^er^orbrac^ten, unb barum t)on t)ielen from^ 

wen ®enoffen auc^ anberer ©lauben^befenntniffe get^cilt, bann bei 

ben gBiebertdufern indbefonbere bcfefiigt burc^ bie furchtbare SJerfol* 

gung beren Opfer fie waren, geftaltete flc^ allmdl^lic^ bei oielen ber^ 

felben ju einer ungebulbigen ©pannung, welche x\)x ©emüt^ ber t)er^ 

meffenften Sludlegung ber biblifct^en Sffieiffagungen günfiig fttmmte 

unb allen prop^etifc^en Ueberfc^wdnglic^feiten freie 33a^n machte. 

Der erfte ^ropl^et biefer Slic^tung war i^an^ S^nt ©r Ijatte 
fc^on t)or ber 99Siebertaufe, im »auemhieg, be6 ÜWönjerifc^en ©eifJe« 
yooü, »on ber Sufunft bed ^enn geprebigt. Der Uebertritt ju ben 
^Tübem, ber i^n t)on aufruljrbefhebungen feilte unb jur Hoffnung 
auf ben ^enn anwies, befidrfte i^n im ©innen unb Did^ten über 
bie biblifd^en ^Propljejeiungen, unb burc^ fortwd^renbe »efc^dftigung 
mit feinet SSBiffenfc^aft gelangte er ju einem fo fieberen ©elbjitjer* 

Corneltit«, flufru^r in aRnnfler. II. 5 



66 3»ette0 f&nä}, 

trauen, baf er ftd^ für ben l)ielt, »eichen ®ott t)on Slnbeginn ju bcm 
Amt ermd^It, t)or bem Gnbe ber Za^t bie aSerfünbiguitfl ber legten 
aDinge audjuric^tcn- SDiefer Aufgabe ju genügen, war er auf atten 
feinen apofioUfc^en SBanberungen btmü\)t, unb 99Sort unb ©dbrift 
getvannen il)m ber äfn^anger t)iele. @r f(t)ilberte if)nen am Hebftcn 
bfe betjorfie^enbe große ffienbung in bem Sc^irf fal ber g^riften» „Sie 
»erben, feierte er, alle jerftreut unb geprüft n)erben, aber barauf n)irb 
ber ^en feine ^eiligen tjerfammeln unb burc^ fie bie ©ünber jlrafen* 
3)a »erben bie Pfaffen, bie falfc^ geprebigt, über i\)xt Seigre jur JRe* 
d^enfc^aft geforbert »erben, unb bie ®e»a(tigen über il)r JRegiment^ 
bie ^eiligen aber »erben \xbijl\i) fein unb j»eifc^neibige ©c^»ertcr 
in ben §dnben i}abm, auf baß fie Stacke tljun in ben Sdnbern, ju 
binben bie Äonige mit Letten unb i^re @blen mit eifernen geffeln/' 
@r gab bie SBeife, in ber fic^ biefe Dinge t)oUjieI)en foHen, unb felbft 
bie 3^it auf bad beftimmtefle an. 3)urc^ ben Sinbruc^ beö Jlürfen 
in ba^ fRtiä) »irb bie 3^tft6rung erfolgen. aSdljrenb bcö foüen bie 
©laubigen in bie SBdlber unb an fiebere Orte fliegen, ^aben bie 
»ilben 33otfer i\)x S33erf get^an, fo »irb ber S^m fein tteineö ^^duf^ 
lein t)on allen ßnben ber SBelt jufammenfü^ren, unb bicfc »erben 
erfc^lagen »ad übrig ifi. 2)arna(^ »irb 6^riftud unb ber jüngfte 
JEag erfc^einen, auf ^fingften beö 3al)red 1528. 

Slld ^ut gefiorben »ar unb feine ^Prop^ejeiungen unerfüllt blie- 
ben, t?erfünbete im 3a^r 1529 ber Äürfc^ner Sluguftin ©aber »on 
aiugöburg einen 8lufrul)r, ber brittljalb 3al)re bauern folle, barnac^ 
be6 taufenbjd^rigen JReic^ed SSeginn, in »elc^em bed 5propl)eten eige- 
ned Äinb regieren »erbe. 3Kit 5trone ©cepter Äette unb foniglid^em 
Äleib angetl^an, ließ er t>on feinem Sln^ang fic^ @l)re er»eifen, jum 
Seugniß ber fünftigen @e»alt feined unmünbigen ^tndbleind. 

2)ieß alled »aren nic^t Slufforberungen jur @c»alt, fonbern nur 
J^offnungen unb @r»artungen. @d ift aber atterbingö t>on ber Ue* 
berjeugung, baß nac^ gejd^lten 3:agen ®ott burc^ bie ©Idubigen bie 
Sffielt flrafen »irb, unb »on ber Spannung auf ben 2lugenblicf »o 
fein 9tuf an feine ^eiligen ergel^en foU, nur ein v5cf)ritt ju ber "SSltu 
nung unb bem ®efül)l, baß ®ott »irtlic^ rufe unb baß bie ®ldu^ 
bigen bad ©c^»ert in bie ^anb ju nehmen ^aben. Sener S3aber 
»oUte ju einer befiimmten ^üt feine ®efellen nac^ ben öier @nben 
ber äBelt au^ifc^irf en , um bie jufünftigen Dinge ju tjerfünben, unb 
mm bann bie S^duferifc^en jic^ »erfammeln unb ber Jürfe ^eran* 



U. 5)ic oberbwtfd^rn ffiiebertdufcr. 67 

jie^cn tt)ürbc, fo tooütc er aufbrechen unb ju bem Jg>aufcn jiefiem 
Dann, »ar fein ®(aube, «würben bie 5propl)ejeiungen in ©rfüllung 
ge^en» 2)er ®ebanfe an Oen^altübung fanb oI)nebem, menn ber Sinn 
bafür einmal Qcmdt tt>ax, im alten S^efiament unb in ber ©rinnen 
rung an baö SJoIt Ootteö, bem man fic^ tjerglic^, 3lal)xunQ unb 8ln* 
triebt bie gülle, ,,9?eben ben frömmften unb ebelften ^erjen, fcl)reibt 
ßapito, gibt eö unter ben Säufern fe^r t>iele, bie an Slufru^r unb 
an bie SBieber^erfteUung bed ©efefteö SWofid benfen- @6 lautet 
fromm, wmn fie t)om (Seift @tid, t)on ©ibeond ©c^mert unb »on ber 
8Iu6rottung ber ©ö^enbiener fprec^enj fie meinen aber ben Zoi ber 
Jut^erifc^en 3tt)inglif(t)en ^kpifien, baö tviß fagen aller, bie nic^t 
i^rer aWeinung finb." ^ ^ ^^^^ /Uil>^H'^ 

10- 






SlHe biefe SJerirrungen fanben SBiberfprud^ unb würben be*^ 
fdmpft, n)o immer eine größere SScrfammlung ben ©rübern bie @e* 
legenl)eit barbot, baö religiofe Semu^tfcin ber tduferifc^en ©enoffen* 
fc^aft jum Sluöbrud ju bringen. (Sine ®i;nobe trat am 24. gebruar 
1527 ju ©d^Ieit^eim am SRanben im Schaff l)aufer ®ebiet jufammen, 
um bie burc^ ßtcd^tl unb Unorbnung t)erbuntelten ©runbfafte ber 
3üricf)er aJiutterfirc^e «lieber ind £Iare ju bringen unb ju beftdtigem 
@ie wanbte fid^ tjorjügtic^ gegen bad äergerniß, »elc^eö baburd) ent* 
ftanben, baß bie grei^eit be^ ©eifted in bie grei^eit bed g(eifcJ)ed 
»erte^rt n)orben, erinnerte baran, baß, bie S^rifii finb, if)r Sleifdb mit 
allen Süfien unb SBeglerben. gefreujigt Ijaben follen, unb wieö Die 
allenthalben jerfireuten Äinber beö Sic^ted an, burc^ ben ©ebraud^ 
bed Sannd ba6 S36fe abjufonbern unb ben dntxitt ber falfc^en ©rit» 
ber JU t)ert)inbem. Slld ^ut feine 8el)re t)on ben legten !l)ingfn unb 
jugleic^ bie ^5$erifc^e Äe^erei »on ber ^erfon (S^rifii nac^ 9?itold^ 
bürg brachte, t>eranlaßte Jpubmaier ein öffentlid^e^ ©efprdc^ über biefe 
unb anbere fireitig geworbene ^ßunfte, ju welchem ber ^err »on 8ied^* 
tenftein bie ©elel)rten t)on nai) unb fern einlub, unb enang l)itt 
einen fo entfc^iebenen ©ieg, baß jener burd) (Entfernung fid^ ber bro* 
I)enben Strafe entjog. 5lu(f) in ben großen SJerfammlungen ber 



§ 10. JBrübetUc^f »ereinigung c^lic^er finter ®otte« k. — ^an« ^ut« 
©cnbbrief. S3fil. IV. - JDie mifoUburöer Slrttfcl. SdtiU VIH. — ©attler« @enb» 
f<^|reibnu — ®eb. grand a, a, £)♦ 

5* 



68 3n)ettcd Su(^. 

aiugdburgcr ®cmeint)c würben ^nt^ SBeiffagungm erörtert unb bem 
^ropt)eren, jt)ie e« fc^eint, ttjenigficnö eine Sefc^räntung feiner 
aBirffamfeit auferlegt SBermut^Iic^ ift ed in golge eined ät)nlxd}m 
aSerfal^renö gefc^el^en, baß Slugufiin S3aber fid^ t)on ben 2lugdburger 
33rübern trennte, unb erfldrie, fie l)dtten nic^t ben @eift ©otted, fon^ 
bem bed Jleufeld. 

Dergleichen SSemü^ungen fanben ol^ne 3weifel noc^ bei mand^en 
anberen 93eranlaffungen unb an fielen Orten ftatt, unb fie blieben, 
tt)ie ber ©rfolg jeigt, nic^t o^ne grud^t. 2lber ber ©fer noc^ fo 
ja^lreid^er ©lieber, bie me^r ober n)eniger »ereinjelt wirfen mußten, 
fonnte ben 3Kangel eined regelmäßigen tird)lic^en 3wföwiwien^angd 
nic^t t)ergüten unb bie ßw^^nft ber ®efammtf)eit t)or ben ®efat)ren, 
bie fie in il^rem Snnem liegte, nic^t fidler flellen. 

2Im erfolgreic^fien waren bie 93efhcbungen rein fittlic^en ^tt>tdt^. 
Q^ fehlte am »enigften an feurigen ^rcbigten, bie wie ©attlerd 
©enbfc^reiben an bie SBrüber ju §orb bie ©emeine ermahnten, T)or 
©Ott unb ben 9Jtenfd^en unfirdflic^ ju wanbeln unb fid) bem ^erm 
aW ein reined S^bemafel ju ben)af)renj unb um \\)xtn SBorten (Sin^ 
flang ju tjerfc^affen unb bie 9Ke^r^eit auf bem SBeg ber ßntfagung 
unb ber Slbtobtung ju erl^alten, genügte bie Ätaft beö frifc^en rdi^ 
fliöfen Jlriebeö, aud weld^em i^re itirc^e ftammte, jumal in jener ^tit, 
bie burc^ tägliche Scibeöbebroi^ung bie Se^re t)om Äreuj unaufhörlich 
einfc^ärfte, 3n ber Jl^at mürbe meiftentl^eilö bie 3uc^t auf ba^ 
Prengfte aufredet erl^alten, »ie burc^ bie ©eifpiele faft aller ©emeinben, 
t)on benen »ir einige jtunbe I^aben, unit noc^ me^r burc^ bie ^ole* 
mif ber ©egner erroicfen mirb, bie nicf)td eifriger ald ben (Sinbrutf 
befdmpft, »eichen bie äußere Jg>ciligteit ber täuferifc^en 8ebendtt>eife 
aller Orten ^ert)orbra(^te. 

Unenblic^ fc^wieriger aber war unter ben obwaltenben Umfiän* 
ben ber Sßiberfianb gegen bie Sludfc^reitungen in ber 8e^re, motzten 
fie rabicaler m^fiifd^er ober j)rop^etifc^er 2lrt fein* 3)a man ein gc* 
orbneted eint^eitlic^eö 8el)ramt entbehrte, unb bie einzelnen ^erüona^ 
genben ÜWänner, beren fc^riftfieUerifc^e aBirffamfeit biefen SRangcl 
einigermaßen erfeften fonnte, ju rafc^ burc^ ifranf^eit ober ajerfotgung 
l^ingerafft »orben, fo fonnte jundd^fi ber bogmatifc^en Unorbnung 
nirgenb« ein 3iel gefegt werben* ßwax bewdt^rte fid^ auc^ nac^ bie* 
fer Seite ber ©eifl ber jungen Äirc^e mäd^tig genug, um felbfi o^nc 
^tnldnglic^ed SSBerfieug bie ©runblagen bed täuferifd^en ©loubend 



II. !Die cberbcutWen Sicbertaufet. 69 

einfhteifcn ju wahren unb bic 8cbendfrift ber ®cnof[cnfd)aft bi6 ju 
gfinfiigeren Seiten ju tjexldngern» äfbcr bie ^Rettung, bic er Qttt>äl)xtt, 
laQ, fÄum minbcr bebenflid^ ald bic bcfampftc Unorbnung, nic^t in 
tl^eofogifc^en Siegen, fonbcxn in ber 2lbtt)cifung ber n^iffenfc^aftlic^en 
Untcrfu^ung überhaupt 6r offenbarte fic^ in ber Xtmntl) cinfalti^ 
gcr grommigfcit, bie t)or ben ^oc^fliegcnbcn ©eificrn unb Sc^riftge^ 
lehrten fld^ gern in bic ©title jurürfjog, in buntter Sl^nung be^ 
ted^tcn aBege6 nur »on ©ußc unb Siebe t)6ren wollte, t)or [pi^fün* 
Wgcn gragen ©d^eu trug, fid^ an baö ©ort ber SBibel l)ieli unb an 
Wc einfachen 3iiric^er ©laubenöfd^c, n^clc^e fie in aller Schärfe unb 
©d^rof^cit ind itkn ju führen trachtete* 3n biefcm Sinn wirttc 
©attter, wenn er t>or fold)cn warnte, bie nic^t burc^ bie Siebe erbauen 
wollen, fonbem burc^ eitlem SBifTcn unb Grfennen ber !Dinge, welche 
®ott f[(^ löorbe^alten ^abe, aufgcblafcn unb unnüfr geworben feien j 
unb wenn er ben SBrubern jurief, fie follen »on niemanb fic^ bad 
3icl »errucfen laffen, welc^ed gelegt fei burc^ ben ©ud^fiaben ber i)tu 
Kgm ©(^rift^ SOßenn biefe SRic^tung bie ,&errfc^aft gewann, fo wur* 
bm mit ben jügetlofcn unb unbdnbigen auc^ bie tieferen ©emut^er 
abge^ofen unb bie geiftigen ©efa^ren burc^ ben J^ob be^ ®eifted 
übctwunbcn» Sfber felbft bie anne unb enge ^utnn\t, we(cf)e fie ber 
SBiebcrtaufe t>er^ieß, i)ant feine ®ewä^rleiftung, fo lange bie ©türme 
ber Verfolgung fortfuljren, ben äußeren Sau ber neuen Äircf)e ju 
t>cr^inbern* 

IK 

@ine dttii)t oon 3af)ren »ergieng, o^ne baß bie SSerl^dltniffe, in 
wcld^cn bic tduferifd^c Äirc^c lebte, eine merftic^c Slenberung crful^rcm 
Unaufhörlich unb überall »erfolgt, würbe fie boc^ nirgenbö t?crnicf)tet 
unb wi^ nirgenbd ber ®ewalt» SJietme^r ert)6f)te fid^ im Seiben bie 
rdigiöfc ifraft, weld^e iliren ja^lreic^en aSärti^rcrn ben ÜHut^ jum 
JEobe gab unb burcf) bic ^nd^i unb Siebedt^dtigfeit ber Ueberlebenbcn 
fat^olifd&c unb et>angelif(^e S^itg^ttoffen befi^dmte. Slber fte blieb in 
btm 3wfianb ber Unterbrürfung. Wirgenb^ gelang cd i^r bie geinbc 
JU überwinbenj ber ©taat fügte ftc^ i^ren Slnfd^auungcn nic^t; 
ba6 obrigfeitlic^c 8(mt, welc^ed fie verneinte, blieb in itraft, unb 
unter feinem ©c^uj befianben bort bie f atl)olifd&e , ^ier bie etjange^ 
lifc^en itirc^cn fort, unb füt)rten auf ben Äanjeln unb in ben JRat^* 
fiubrn ba« ©ort, wd^renb bie Xdufer in abgelegenen SOBinfcln ober 



68 Stotitu Su(^. 

aiugöburger ©cmcinbe »urben ^utö SBeiffagungcn erörtert unb bem 
5ßropI)eteit, jpit ed fc^eint, »enigftend eine ©efc^rdnfung feiner 
SBirffamfeit auferlegt* fflermut^lic^ ift ed in golge eined df^nlid^en 
93erfa]^ren6 gefc^el^en, baß Slugufiin 33aber fic^ »on ben 2lugöburger 
Srübern trennte, unb erfldrte, fie f)dtten nic^t ben @eift Ootted, fon* 
bern bed JleufcW* 

Dergleichen SSemü^ungen fanben ol^ne ^tt>ti\tl noc^ bei manchen 
anbercn SSeranlaffungen unb an t^ielen Orten ftatt, unb fle blieben, 
tt)ie ber ßrfolg jeigt, nic^t o^ne gruc^t- 2lber ber 6ifer nod^ fo 
jal^lreic^er ®(ieber, bie me^r ober n)eniger \)erein}elt »irfen mufiten, 
fonnte ben 3Kangel eined regelmäßigen Uxd)l\6)m 3ufamnten{)angd 
nic^t vergüten unb bie 3ufunft ber ®efammtf)eit \)or ben (gefahren, 
bie fie in il^reni Snnern liegte, nic^t ftc^cr fieUen. 

2Im erfotgreid^fien waren bie Seftrebungen rein fittlic^en Swecfeö. 
®d fehlte am »enigften an feurigen 5ßrebigten, bie »ie ©attferd 
Senbfc^reiben an bie SSrüber ju ^orb bie Oemeine ennaf)nten, r>ox 
®ott unb ben 9Renfc^en unfirdflic^ ju n^anbeln unb fid) bem ^enn 
ald ein reined S^abernafel ju ben)al)ren; unb um i^ren SBorten Sin* 
gang ju tjerfc^affen unb bie SKe^r^eit auf bem SBeg ber Sntfagung 
unb ber Slbtobtung ju erl^alten, genügte bie itraft bed frifc^en reli^ 
fliofen 3;riebeö, au6 n)elcl^em i^re jfirc^e ftammte, jumal in jener 3^it, 
bie burc^ tägliche Seibedbebro^ung bie Sef^re t)om Äreuj unauf^orlid^ 
einfc^drfte, 3n ber Zl)at n^urbe meiftent^eild bie 3uc^t auf ba« 
Prengfie aufrecht erhalten, mt burc^ bie ©eifpielc faft aller ®emeinben, 
»on X>mtn mx einige jtunbe })abtn, unb. nod^ me^r burc^ bie ^ole;^ 
mif ber ®egner erwiefen wirb, bie nic^td eifriger aW ben (Sinbrurf 
befdmpft, welchen bie dußere i&eiligteit ber tduferifc^en 8eben6tt)eifc 
aller Orten l)ert)orbracl^te* 

Unenblic^ fc^wieriger aber war unter ben obwaltenben Umfidn^ 
ben ber SBiberfianb gegen bie Sluöfd^reitungen in ber 8e^re, motzten 
fle rabicaler m^fiifc^er ober prop^etifdber 2lrt fein* S)a man ein ge* 
orbneted einljeitlid^ed Se^ramt entbehrte, unb bie einjelnen fftroona- 
genben 2Ädnner, beren fc^riftfiellerifc^e SBirffamf eit biefen SRangel 
einigennaßen erfetjen tonnte, ju rafc^ burc^ Äranf^eit ober Verfolgung 
l^ingerafft worben, fo fonnte jundc^fi ber bogmatifc^en Unorbnung 
ttirgenbd ein 3i^I Qt\t^t »erben* ßwax bewdl^rte fiä) and) nad) bie* 
fer Seite ber ®eifl ber jungen Äirc^e mdc^tig genug, um felbfi o^nc 
^inldnglic^ed SBerfjeug bie ®runbtagen bed tduferifd^rn ©loubend 



II. IDie cberbtuif4en Sßicbert&ufer. 69 

c{njin)eifcn ju wahren unb bic 8cbendfrift bcr ©enoffcnfc^aft bid ju 
gfinfiigerett ^nttn ju tjetidngcrn» 8Iber bic ^Rettung, bic er getva^rte, 
lag, faum minber bcbcnflid^ ald bic bctdmpfte Unorbnung, nid^t in 
t^eofogifc^en ©iegen, fonbctn in bcr Slbweifung bcr »iffcnfd^aftlic^cn 
Untcrfu^ung übcrl^aupt 6r offenbarte ftc^ in bcr I^cmutf) einfältig 
gcr grommigf eit , bic t)or bcn ^orf)flicgenbcn ©eiftern unb Sc^riftge* 
lehrten fld^ gern in bic ©title jurfirfjog, in bunficr Sl^nung be^ 
redeten SBBcgcd nur t)on SSußc unb Siebe ^oren woütc, t)or fpi^ffln* 
bigcn gragcn ©c^cu trug, fic^ an bad SBort bcr S3ibcl l^iclt unb an 
bic einfachen 3öric^cr Olaubcndfd^c, n^ctc^c fie in aKcr ©c^arfe unb 
©c^roff^cit ind itbtn ju führen trachtete* 3n bicfem ©inn wirftc 
©attfer, »enn er t>or fold^en toaxnk, bic nid^t burc^ bic Siebe erbauen 
»ollen, fonbem burc^ eitied SBiffen unb Grfennen bcr Dinge, n^clc^e 
®ott jtc^ löorbel^attcn liabc, aufgcblafcn unb unnüft geworben feien j 
unb rnenn er bcn SBrübern jurief, fic foHen t>on niemanb fic^ ba6 
3icl öcrrucfcn laffcn, »eld^eö gelegt fei burc^ ben S3u(^ftaben bcr l)ci^ 
Kgcn ©c^rift* 933cnn biefe JRic^tung bic ,&enfc^aft gewann, fo »ur* 
ben mit ben jügellofen unb unbdnbigen auc^ bic tieferen ©cmüt^cr 
abgcfiofcn unb bic geiftigen ©cfa^ren burc^ ben Zoh bcö ®cijicd 
übcrwunbcn» äfber fclbft bic arme unb enge ^utunU, welche fte bct 
SBicbcrtaufc »cr^ic^, l)attc feine ®en)dl^rleiftung, fo lange bic ©türme 
bcr SBerfolgung fortful)rcn, ben äußeren Sau bcr ntntn Äircf)c ju 
»cr^inbcrn* 

Sine 9lcil)c t)on 3af)rcn »ergieng, o\)m baß bic 9Ser^dltniffc, in 
welchen bic tduferifc^c Äird^c lebte, eine mcrtlic^e Slenberung crfut)rcm 
Unaufhörlich unb überall ))erfo(gt, mürbe fte boc^ nirgenbd tjcrnid&tct 
unb tt)ic^ nirgcnbö bcr ©croatt* 9Sielme^r cr^o^te fid^ im Seiben bic 
Tcligiofc ifraft, meldte i^ren ja^lreic^en 3Kdrti?rern bcn üRut^ jum 
iEobc gab unb burd^ bic 3wcf)t unb Siebeöt^tigteit bcr Ucbcrlcbcnbett 
fatl^olifc^c Mnb ct>angclifd^c S^itgenoffen befd^dmte, 3lbcr fic blieb in 
bcm SwfiÄnb bcr Untcrbrürfung» Wirgenb^ gelang cd i^r bic geinbr 
JU überwinbcn; bcr ®taat fügte fid^ il)rcn Slnfc^auungcn nid^tj 
ba6 obriflfeitltc^c Amt, wclc^cd fic tjcmcintc, blieb in itraft, unb 
unter feinem ©c^uft befJanben bort bic fat^olifc^c, ^ier bic coange^ 
Hfc^en Äird^cn fort, unb füf^rten auf ben Äanjcln unb in ben JRot^^ 
ßubm bad 9ßort, mdl^rcnb bic S^dufer in abgelegenen SBinfeln ober 



n ä6a(b unb S(ur t>erflo^(ene Sufammenfunfte ^ieUen, unb gftüc^t^ 
iinge bad !93anb t>on ®emeinbe }u ®rmdnbe }citn)dfc not^bärftig 
erneuerten. * 

hiermit aber war ba« ©c^icffal bcr SBiebertaufe in Oberbeutft^« 
lanb entfc^ieben. 3)fnn nac^bem ed \i)x in beu ^txtm be« erjlen 8ttf* 
f(^n)ungd unb ber übenafcf)cnb fc^neüen Sludbreitung über bie ober^ 
beutfc^en ®auc nirgcnbö gelungen n>ar, bcn ©ieg ju erfechten unb 
neben bie ^errfc^cnbcn Äircften ober an \i)xt Stelle ju treten, blieb 
für bie folgcnbcn ^citm nur geringe Jpoffnung, bie überbieß t>on 
3tt()r }u 3a^r nie^r jufammenfc^wanb. ' 9?ic^t nur baf fortwd^renb 
bie geifHg bebeutcnbftcn unb überijaupt bie ebeljien unb bejien i^rer 
S5efenner t)orjugdwcife ber unerbittlichen SBerfolgung jum Opfer fie^ 
len, ein äJerluft ber burc^ bie wac^fenbe Slnja^l i^rer Slnge^örigen 
nic^t erfe^t »erben fonnte^ fonbem bie Unterbrürfung an unb für ftc^, 
ru()etod fortgefe^t, mu^te allmä^lic^ g^if^ig l&l)menb auf bie tduferi^ 
fc^c itirc^e einwirfen. 3e langer fie in bem 3w|i<»nb ber Unfreiheit 
tr^lten würbe, befto mel)r t)ergieng xl)x, wenn auc^ nic^t bie ifraft 
be« aßiberflanbd , boc^ bie fcfe6pferifd)c itraft, welche bie Äeime be« 
gebend entfaltet unb bie SQBelt nac^ ii)xm SSebürfniffen umgefialtet* 
3)er Schwung bed ©eifle«, bie (Sr^ebung bed ®emütl)« liefen na^ 
unb fanfen jurücf; bad großartige weltumfaffenbe Streben unb ^a^ 
gen t^erwanbelte fic^ in ein t)erfünimerted ©tilllcben; bie Serü^run* 
gen mit ben allgemeinen geijiigen Strömungen minberten fid) auf bad 
geringfle 9Kaß; unb fo würbe, wad im Einfang bie abenblänbifc^e 
6l)riftenl)eit ober wenigfiend bad SReic^ beutfc^er Station mit einer 
tiefen unb t)ollfommenen Umwdljung ju bebroI)en fcfeien, aUmäf)lic^ 
auf ben niebrigen Stanbpunft einer Seete f^erabgebrücft. 

Dad Jpoc^fic, wa« auf biefer S3al)n ju eneic^en war, ifi ben 
iJäufern burc^ eine befonbere ®unfi bed ©c^irffald in ÜDiiUjren ju 
2:f)eil geworben. 

Sc^on in ben 3a^ren 1526 unb 1527, ald Jpubmaier in Äifold^ 

§ 12. SScM, bie SDiebert&ufet in aRa^ren. — ^ut« IBefenntntffe. 3öcg 
737. — ». Ärip», »citraö. - SDil^elm SÄeuWtn an «Piljjram SWarberf 153^ 
3anu. 26. 91«. S3eit. V. — ®fb. Svanrf f. 194. — !Die WfoUburger «rtift 
©eil. VIII. — t)gl. ®inbclt), ©ö^mcn unb SRi^ten im Seitalter Der 9leformaHo 
1857. I. 210. U. 19. 



II. IDie obetbeutf^en aßtebertöufer« 71 

bürg n>irltc, n>ar bic 3<J^' ^^^ ©ruber in STOa^rcn nid^t unbetrad^u 
lic^. 3)ic 6intt)ol)nerfc^aft t)on 9?ifoIdburg unb ben umliegcubcn 
3)6rfcm war \i)ntn gro^tentI)eifö jugefaßen, unb and) in ßn^iw 
SJrünn unb anbcren Orten Ratten fie ®emeinbcn geflifteL §ut jd^Ite 
bei feiner Slnn)cfenl)eit bereite je^n SBorfte^er in 3Raf)un. 2)ann er^ 
gieng ()ier wie in aütn SÄnbern itonig gerbinanbd baö ®ebot bcr 
SSerfoIgung. SEßä^renb ^ubmaier im ©cfdngniß bcm S^obc entgegen* 
faf), jog ber ^rofop jur SBcrtilgung ber SQBiebertdufer in SWÄ^ren 
uml)er* 3)ie auf offenem gelb ergriffenen würben geföpft; bie man 
in ben 2)örfem fieng, an ben S^^iirpfoften ii)xn Sffio^nungen aufgc* 
fnüpftj wer fliegen fonnte, t)erbarg fic^ in ben Sffiälbern unb auf 
ben Sergen. SWit biefem ©erfahren waren aber bie Sanb^errn, enU 
Weber aud religiöfem 9ÄitgefiiI)l ober eingeben! bed SSort^eifö, ben 
bie fleißigen unb geI)orfamen Seute brachten, nic^t überaß eintjerflan- 
ben. ^err 8ienl)art t)on Siec^tenftein unb fein Setter ^and festen 
il)redtl)eifö ber Verfolgung ein @nbe, unb liefen in ben Sc^lupfwin^ 
fein t)erfünben, baf jieber in fein ^aud jurücf Ferren börfe. änberc 
^errn ahmten baö 93eifpiel nac^, boten Sanb unb SQBo^nftdtten, unb 
vergießen Befreiung t)om JRobot auf etliche 'iaf)u. SQBie bie jfunbe 
fic^ \>erbreitete, baß in SDid^ren ben Xaufern eine Suflw^t geöffnet 
fei, wanberten \>kk 93rüber auö allen oberbeutfd^en Oauen, fowof)l 
bed Sieic^d ald ber (Sibgenof[enfc^aft, nac^ bem gelobten 8anb. 93e*= 
fonberd jal)treicl^ lamcn fie aud S^irol. 

®roße 2)inge waren \)iti nid)t audjuric^tcn : »on aBem anbe* 
ren abgefel)en, t)er^inberte fc^on bie flat^ifc^e Sprad^e ber UmwoI)ner 
ein ffiac^öt^um, welc^ed ber f^errfc^enben ilird^e \)&ttt gefd^rlid^ wer* 
ben fönnen. Slber in i^rem engen streife f)atten fie "ooUt grci^eit, 
itird^e unb Seben nac^ i^ren ©runbfdften einjuric^ten unb bem 
Sbeale fid) ju nd^ern, baö in ber ganjen übrigen SBelt in unberec^en* 
bare gerne gerürft fc^ien. 

Sofort begann ^ier ber ©laubenöflreit. 3^ Siifoldburg ^errfc^te 
bie 3kiufe, aber nic^t bie Bwnc^cr ©runbfd^e bed c^rifilic^en itbtn^, 
bie t)ielleic^t Jpubmaierd ©influf t)on feiner ®emeinbe abgewehrt 
I)atte. 5Run fonberte fic^ t)on ber ^errfc^enben a)lel)rjal)t, an beren 
®pi0e §ubmaierd greunb unb ©c^üter, ^an^ ©pitalmaier, flanb, 
eine ftrengere 5ßartei ab. 3Jtan nannte fie Stdbler, i^re ®egner 
©c^wertter. 3)enn unter anbcrem \)erwarfen fie ber Snxid)tx 8el)re 
gemäß ben @ebrauc^ bed ©c^werted unbebingt, unb machten bem 



72 3trtitt« !Bu^. 

Sicc^lcnPnn unt feinem 9tatl)iicbtt ©pitalniüi« jum Sßottruif, 
bell Zubern ju (iet> bei föntglic()e ^tofoß mit ®e)i>alt abgei 
loar. l;iE Spalrung fiiljm ju »öUiger Stciinung. Unter ber 
luiig ici allen 3a[ob ^iCeniann, bei einJugige SaFob gcnaniti 
liefen am 22. äJlärj 1528 bie 6iüblet Siifolöburg unb jpgen 
Sufietlip, roo fit bei bem Jptrrn »oii Äaunift bErciimiliigt Vlufi 
faiibtn. Die Sttdie, lüflc^e fic £)ict auf bem Ormib Bötlige 
ffttiiger ©üter^ unb Seben^gemeinfc^aft ettic^ceieii, mürbe ^oxbii 
SItiticIpmiFt ber mdijiifd)en ©emeinben. 3Ibet neue ®trfitii 
Erhoben ftc^. 9{i^t alle moUien jugeben, fca^ dib unb bürg 
!jjfli(^t ben S^rifien unbcbingt oetboten feien: aui^ 6f)rifHiä, ■ 
bie milbergeftnnten , fei Sütg« ju Äapdtnaum gemefen. SOidi 
uneinö übel bie größere ober geringere ©ebeurung bei 2ßaffei 
über bie <£eligFett ber ungetauft geflorbenen ilinbei unb anbeic % 
bet ßet)re. Slufetbem rourbe gcflagt, baß SBibemann unb anbere 
f)e[)c[ it)rc 9tmtägeivalt ju ^rannet unb eigenem tßortljcii mi^b 
icn, nidl)reiib fic bei aßelt gegenüber ni(^t ftarf genug feien, bii 
«jcigeiung bei luc^fofen Äiiegöfteu« buid)jufüt|icit. Sßüljcim Se 
bei fic^ 001 Fuijem uon Sirafburg auö bei ben Stnfterligern 
funben fiaile, entmitfelie bie Spannung bct ^larieien jum S 
Unter feinet Leitung trennten fic^ am 8. Sanuai 1531 bie JH 
Bon ben Unreinen, unb gtünbeicn j" Stuöpiß eine neue ®em 
üuf ivelt^e, unter bei Ginroirtung tirolift^er St^ieböiic^ter, ber 
rang unter ben mäijitft^en @)emeinben, ben Sufterlig btä^ei be 
fu^ übertrug. S(ui$ ^ier bauerte efl einige 3"' f|)f inin jut 
tarn. Sin 9Joi|ie^ei nacf) bem anbeten lourbe abgefegt, SSeublin 
alö Ütnaniaö unb falfc^ei Sruber ertannt unb auögeftopen; 
^annenö fi^ien fein ®nbe roerbm ju foUen. ßiiblic^ im 3al)r 
giiff bei 5Jufieit^alei Sotob §utet mit fefier ^unb nat^ b« 
fe^uft, bem eö in bet (uijen ^cit feineö äßalten« gelang, eine 
nung IjerjuPeWcn, meiere bie mä^rift^en ©emeinben bem biol) 
SßcrfaK entriß unb feinen 9tomeu bi« auf ben l)eutigen lag in 
bäc^ini^ bei SBiübci «(»allen fjat. 

(Si ift nii^tfl neueö, wai jguter unb feine Ülat^folger br 
aSrübern, bie nun ba(b mit bem 9tamen ber §uterif(^en gei 
TOUtben, eingefüt)« ^aben, fonbern nur eine fotgetic^tige Sluebil 
bei Sagungen, iBcIi^e bereits in bet aufttilißet ffii^e Ijetrf 
S^ie uifprünglie^en 3üii(^ei Serien rouibcn unbebingt unb ii 



II. ^it cbccteutf^en SQ3iebett&ufer. 73 

fd^roffften gorm befolgt Obrigtcitlic^cd %mt, (Sit, ©affcngcbraucfe 
toaxtn t)crbotciu deiner bcfa^ (5igentl)um* Der grembe, bcr bic 
iEaufe t?erlangte, mu^te all fein ®ut t)or^er an bic ©emeinbe abtxw 
im, unb würbe er fpdter gebannt unb audgefc^loffen, fo erijiett er 
nic^t^ t?on bem jugebrac^ten jurücf* 8ln bie Stelle beö gamilien* 
lebend, »eld^ed mit ber Sigentljumdlofigfeit unvereinbar ift, trat eine 
anbere Drbnung. ^k @^en würben, o^ne nac^ bem SäJillen ber 
^eirat^dfd^igen ju fragen, burc^ bic !£iener bed Sffiorted angeorbnet 
unb gefnupft, bic Äinber balb nac^ ber Oeburt einer Slmme antjcr^ 
traut, fpäter in baö gemeinfame @d^ull)aud abgegeben* 3n gleicher 
®eife getleibet unb genährt, lebten bie (Srwac^fenen, je nac^ bcn @c^ 
»erben eingctljeilt, in ^auö^aben unter ber auffielt bcö t?erorbneten 
Dienert ber ^iot^burft jufammen. Dad ganje Sebcn bewegte fid^, 
34g für 3;ag gleichförmig, in bcn cngflcn ©c^ranfen* 3ebe SRegung 
perfönlic{)cr Unabl)ängigfeit unb Sreil)eit fül)rte jum Sann, bad ifi, 
ju ^ülflofem (Slenb* 

13- 

©c^on burc^ iijxt dunere Sage, noc^ mc^r burcf) bie ßinric^tun* 
gen, welche fte fid^ gegeben l)atten, "oon bem itbm ber beutfc^en 
"Slation gefc^ieben, fonnten bie md^rifd^cn ©emeinben, obwol)l fie 
fortfuhren in tduferifc^er SQBeife il)rc 8lVo)lel regclmdjig auöjufenben, 
eine unmittelbare tl)attrdftige Ginwirfung auf bie beutfc^en SBer^dlt» 
niffe nic^t ausüben. 3m ©egent^eil i)abm fie il^re größte Scbeutung 
gerabe baburd^ erlangt, baß il)r Dafein bie 9Kad^t ber aOBiebertaufe 
im 9leic^ jerjioren ^alf* 3al)r für 3at)r jogen met)r unb immer 
mt\)x ber trüber, einjeln ober in ©efeüfc^aft aud bcn oberbeutfc^en 
®auen nac^ SDld^ren, juerji a\i^ religiofem Drang unb um bed 
Drucfeö lebig ju »erben, balb auc^ um bcn Sorgen ber Slrmutl) ju 
entrinnem ^tnn wd^renb bort bad geiftige Seben, ber grei^eit bc^ 
raubt, allmd^lic^ in bie SRu^e beö Jobeö tjcrfant, gebiel) bie @e^ 
fammt^cit burd^ bie ge^orfame arbeit rüftiger §dnbe rafc^ ju einem 
SBol^lfianb, ber bie Slufmerffamfeit unb bcn Sieib nid^t bloß ber 9?ac^' 
bam erregte* 9Ber aber nac^ SKd^ren gieng, war auf immer für 
Deutfc^lanl) »erlcrcn, unb fo fc^wdc^te bie Sludwanberung unauf^or* 
lic^, ot)ne irgenb einen ©rfaj ju bieten, bie ilrdfte ber tdufcrifd^en 
Jfird^e auf jenem SBa^lplaft, wo allein über if)xt Stellung in ber 
MAi enbgültig entfc^ieben werben fonnte. 



74 itotitu 8u^» 

3)ic ungefiortc Jottbaucr ber gefd^itbcrtcn 3w|iänbc f^dttc binnen 
lurjcm bic SBicbcrtaufc \>büiQ in bcn ^intcrgrunb ber bcutfc^cn ®c^ 
fc^ic^tc gebrängt Die tt)dtigen unb entfc^Ioffenen ©lieber waren 
nac^ SRä^ren gen>anbert, ber 9?eji in Unterbrucfung SBerwirrung unb 
Spaltung aUmä^Iid) t^erfümmert unb ^ingefiorben. Slber c^e bie 
5ßartei i\)u itraft eingebüßt, el)e nod^ bie glut^ beutlicf) in Sbbe ftc^ 
t)em)anbelt ^atte, trat ein ©reigniß ein, n>elc^ed ben lläufern plö^lic^ 
bie größten 8ludfic^ten, fernab t)on ber mä^rifc^en Srftarrung, mitten 
in ben Greifen bed nationalen 8eben6, eröffnete. 

2Baö über bad ©c^icffal ber wiebertduferifc^en Bewegung in 
Oberbeutfd^lanb entfc^ieben i)attt, tcax t^orgugdweife ber Umftanb, baß 
xt)xc äu^breitung nic^t in bie 3cit t)or, fonbern nad^ ber aUgemeinen 
SJoIf^bewegung gefallen n>ar. Die reügiöfe Äraft, bic i^r inne 
woljntt, mar für flc^ aHein nic^t fäf)ig, bie yjöBige UmgefJaltung bed 
religiöfen unb politifd^en 3ttflanbed, welche ii)xm 2rnfc{)auungen ent^ 
fprac^, burc{)jufeten* 8tber fie n)ar ftarf genug, um in einer ^tii 
allgemeiner ®d^rung unb ©rfc^ütterung ben übrigen S^rieben im 
SSolf ben SSonang abjugeminnen, ber Bewegung garbe unb [Richtung 
ju geben unb i^ren Sd^wung unermeßlich ju fteigem. O^ne 3^t)ei* 
fei ^dtte auc^ bie tduferifc^e Äirc^e bie ^di ber SBerminung nic^t, 
o^ne »efentlid^e (Sinbrücfe ju erfahren, burd^lebt, unb am menigfien 
eine mdl)rifc^e SSerfaffung fonnte fid^ in folc^em ©türm entwicfelm 
Slber baö neue religiöfe unb politifc^e ®efe0, welc^ed ber ©ieg ber 
nieberen Stdnbe bem JReid^ auferlegt ^aben würbe, wdre t)on tdufe^ 
rifc^en 8tnfc^auungen burc^brungen gewefen unb ^dtte ju iljren 
®unften Äat^olifc^e unb @t)angelifc{)e ju 33oben geworfen. 9?ac^* 
bem aber bie Dbrigfeiten (ic^ unb bie befteljenben 3wftdnbe in hartem 
Äampfe be^uptet, ben gemeinen STOann tief niebergebeugt, feine 
S^wungfraft gebrochen l)atten, mußte bie fpdter beginnenbe religiöfe 
Bewegung bed 93eifianbd, ben fte beburfte, entbehren unb in Ijoff^ 
nung^lofem itampf allmdl)li(^ boc^ (ic^er ermatten» 

Daö vierte 3al)rjel)ent bed fe^djel)nten 3al)rl)unbertd fc^ien in 
Stieberbeutfc^lanb gewd^ren ju wollen, toa^ baö britte |3a^räe^ent in 
Oberbeutfc^lanb t^erfagt l^atte. Die SBolWbewegung war ^icr ju 
@nbe, alö fte bort erfi begann. Sangfam fieigenb unb über bie norb* 
beutfd^e Sbene ficf) auöbreitenb, i)attt fie jeftt einen Umfang unb eine 
©tdrfe erlangt, baß eine allgemeine @rl)ebung jum Umfturj ber be* 
fte^enben Drbnung möglid^ würbe. SSW biefe Dinge reiften, war 



III. ^trapurg unb Sfitlä^iox ^ofmann. 75 

iie Ätaft ber obetbeutfc^en 3;dufer noc^ nic^t tmxam, bic ®cifiet 
nod) im ®ä^rcn unb glut^en begriffen* aud^ befa^en jte noc^, in 
aRitten bed Sebenö ber SRation, einen ^n^u^t^oit, ber fid^ alö Stud^ 
gangdpunft unb JRüftfammer ju neuen Eroberungen benu^en lief» 
@d n>ar in Strasburg , ber großen unb blüf)enben SReic^öjiabt, too 
eigentl)ümlic^e a3erl)dltnifl'e ben S3rübern eine befc^rdnfte SDuIbung 
t)erf(^afft Ratten* 3)aö ©d&icffal unb bic 6ntn)i(flung , welche bad 
3^ufert^um ^ier erfuf^r, würben maßgebenb für Stieberbeutfc^Ianb» 



III. 

1. 

2)er SRang, ben bie Staatdfird^e Straßburg^ unter ben (St^ange^ 
Uferen einnal)m, entfprac^ t?oüfommen ber ^o^en SBebeutung, n>el^c 
biefe ©tabt biö jur Siefomtation fon>o^I in ben SBelt^dnbeln ald 
namentlich in ber ®efd^i(^tc beö beutfd^en ®eified ftd) erworben t^attu 
Sie jd^Ite unter H)xt Jpdupter jmei ber gele^rteften unb geiftrei^jien 
X^eologen bed äa^r^unbertö, SRartin 93u0er unb SBolfgang Kapito, 
außerbem nocö jwei anbere SRänner t)on weitbelanntem 9?amen unb 
t)ielgepriefencn äjerbienflen, (Saöpar Jpebio unb SÄatt^id ^tU. ®e* 
tragen t)on bem Slnfel)en i^rer ^ßrebiger, gefc^üftt burc^ bie SRac^t 



§ 1. IDa« ^auvtkoer! für bte SRefonnattonddef(!^i(^te ^trafburgd ifi fRbf^xiä^^ 
(Sfefc^td^te bei [Reformation im QllfafI 1830, ein ^n^, tctl^U an %Uii ©tünb« 
Mö^Uit ^oUjIänbtgfett unb ^reue ber Sorf^ung bie metflen äßonogra^l^ten auf 
bem ©ebtet ber beutfd^en dleformattondgefd^i^te »eit übertrifft» fRöf)xid} i)at 
bann eine (Sammlung \}on n^ert^voUen 3uf&^en unb Ergänzungen gegeben in ben 
3Ritt^eitungen au« ber ©efc^ic^te ber evangelif^en Jtirc^e be« ©Ifaffe« 1855. — 
5lugerbem finb bea^tendhjert^ : 3ung, ©efc^i^te ber ^Reformation ber Äir<^e in 
^trafburg (Seitrdge jur ®efc^. ber [Reformation. 2. ^bti^etlung) 1830. De 
Rusitierre, Histoire de r^tabiissemenl du protestantisme ä Strasbourg et eo Al- 
sace 185Ö. id., Hist. du developpcment du protestantisme a Strasbourg et en 
Alsace 1859. — fSltint ^arfieUung beruht auf [Rö^rid^« IRu^ri^ten, auf ber ge^ 
brurften StoingUfc^en ©orrefponbeng, auf ben 33riefrönimlungen ber 333 unb be« 
X9i, unb auf ben in ber ©tS unb bem X^ aufben^a^rten ^utfjugen au« ben 
<Stra{lburger 8llatl^«^rotofonen unb S3ergt(^tbv(^ern. 



76 3tt?eüed iöu(^. 

bcr gefürd^tcten 9ieicf)dflat)t, durfte fie cd wagen, mit SBittcnbcrcj felbfl 
in t)ie ©dferanfen ju treten unb fic^ an bie Spi^e ber 3tt)ing(ifci)en 
Partei im SReic^ ju (teilen- @d war ber fleinere, aber fein unbcbeu^ 
tenber 2;i)eil ber Gt^angelifc^en, ber iljrer Jpenfc^aft anl)eimfieL I)er 
Sübtt)eften Deutfc^Ianbd gel)6rte il)r faft ganj, Jreunbe unb Sc^up^ 
Hnge ber ©traßburger regierten bie Äirc^en im Qi\a^, in ScfctDabcn, 
am 3)iittelrl)ein» äJereinjelter, aber ja^lreic^ waien bie 5Jcrbinbungen, 
weld^e fic in bet gerne, bid nac^ Scf)Ie(ten SKeflenburg Oftfrieölanb 
SImfterbam, unter()ieltcn. Diefe Stellung im JReic^ »erlief) ber Strafe 
burger Äircf)e jugleid) eine über bie ©renjen beffelben ^inauö rcic^cnbe 
Sebeutung: fie it?ar baö roic^tigfte SSerbinbungöglieb jtt)ifcf)en bem 
SReid) unb ber ©c^weij unb ftanb in fo innigen S3e^ief)ungen ju 
93afef Sern ^üxid) tt)ie ju Sonftanj Ulm iant^axi unt) anbercn 
beutfc^en ©täbten* 3luf biefen S3unb unb auf bie giinfiige Sage ber 
Stabt griinbete fic^ bann »eiterljin i^r einflußreiche« 9}erf)ä(tniß ju 
ben Slnfängen ber etjangelifc^en Semegung in granfreic^. (5in mä^^ 
tiger äßirfungdfreid, ber mit ber 3«t noc^ umfaiJenber n)ur^e, unb 
bem SKanne, ber mit feinem ®eific ii)n auöjufüHen ftrebte, eine ©teU 
lung in ber,®efc^icl^te jener Seiten tjerfc^afft f)at, bie nur t)on Sut^er« 
unb 6atoin0 2;^aten t?erbünfelt wirb. 

aber bie ©runblage fo großen 9iul)med unb fo meitgreifenber 
äBirtfamfeit n>ar fd^wac^ unb gebrechlich: n)äl)renb 93u$er anberen 
itirc^en feine oielbege^rten 9latl)fc^lage ertl)eilte, war er ^ilufig nal)c 
baran, bie 3ufunft feiner eigenen ©traßburgifc^en Äirc^e, nic^t wegen 
ber äußeren ©efa^ren, t)on benen fte bebrol)t war, fonbern im §in^ 
blicf auf ii)xt inneren 3wfiÄnbe, ratl)^ unb l)offnungdlod auf5ugcben. 

2)ic Urfac^e biefer auffaltenben (Srfd^einung liegt in ber 2lrt, 
wie bie ©traßburger Äircfee entfianben ift. 2lld ^icr r>it et?angelifc^c 
Bewegung fic^ er^ob unb ii)xt erjien ©iege erfocht, ge^orc^te fie nicfet 
wie in SBittenberg 3öric^ unb anbern ©tobten bem SBitten unb 
antrieb eined l)ert>onagenben 3Kanned» ^wax flanDcn ^ier wie überaß 
^rebicanten an ber ©pifte, welche ben SBünfc^en ber ©ürger bie bog^^ 
matifd^e ©runblage unb bie firc^lic^c gorm fc^afften, aber feiner t)on 
i\)mn Ijattt bie 3Rad^t eine« gü^rerd unb ©ebieterd ber auffirebenben 
5ßartei. Unter ben t)ier oben genannten SRÄnnern, bie aud ber ÜWengc 
ber unbebeutenberen ©enoffen emporragten, war t)on Slnfang ^er nur 
3Rattl)id 3ett i« ber Sage, Sinfluß auf bie 93ürgerfc^aft äußern ju 
fonnen. @r war feit 3a^ren $faner }u ©. Sorenj im !Dom, mithin 



i 



III. ©tra^burg unb Tlüäiiex ^ofmann. 77 

im 93eftj einer anfe^nlic^cn unb jicmlic^ unabhängigen Stellung, 
unb feine ^rebigten f)atttn burc^ i^ren »oIIdtt)ömlic^en Zon unb 
Tcformatorifd^en Sn^alt feine Äanjel jum SWittelpunft ber fird&Iid^en 
Oppofition, if)n felbfi jum 9Rann bed SBoIfcd gemacht S)ie übrigen 
langten erft, al6 bie 93ett)egung fd^on in »oUem ®ange n)ar, in bcr 
©tobt an. Su^er tarn öberbieß al6 armer glüc^tling unb blieb ge^ 
räume ^tii t)on ^tü^ ffio^IwoUen abl)dngig unb feinet Unterhalte 
nic^t ftc^er, bid i^n bie ®artner jum 5ßfarrer an @. Slurelien to&l)U 
ten. 3n günfligere aSer^ättniffe traten ßapito unb Jpebio, ber eine 
al6 ?ßrobft be6 S^^omaöftifted, ber anbere al6 2)onH)rebiger, aber M* 
ner »cn beiben ^atte bei feiner Slnfunft bie Slbflc^t, ber et)angetifc^en 
@ac^e jic^ offen ju mibmen, fonbern erji nac^^er njurben fie y)on bet 
^Bewegung ergriffen, mitgerif[en unb t^orroirtd gefc^oben. SlUen breien 
fel)lte au^erbem bie t)oltcltl>ümIicl^e 93erebfamfeit unb bad mannf^aftc 
SBefen, »eld^ed auf bie aWenge (Sinbrurf mac^t* S^U aber, ber biefc 
SBcrt^eile befaß, unb ebenfo burc^ bie Stellung, bie er einnahm, ald 
burd^ feine entfc^iebene ©eftnnung jum gül)rer berufen fd^ien, war 
JU unllar unb unfelbftdnbig, um fic^ felbft bie Sinie feinet SSerfal^* 
rend tjcrjujeic^nen, gefd^n>eige benn um anbere ju leufen. 9Äit bem 
®rotl gegen bie firc^lic^en SKißbräuc^e, ben er t)on feinem 58orgdnger 
im 8lmt, bem e^rwürbigen ® eiler, geerbt Ijattt, begann feine Sauf* 
ba^nj bann lieferten i^m bie 8ut^erifc^en ©c^riften ben Stoff ju 
Ijeftigcren 5ßrebigten 5 mutl)ig gieng er t)oran, fo lang er (ic^ im @im 
Hang mit ber gefammten Oppofition füllte; aber ald ber Streit unter 
ben ($t)angelifd&en felbft begann, n>urbe er unfic^er, yjermieb eö mög* 
lic^fi über bogmatifc^e unb anbere 2kige6fragen eine befiimmte aWei* 
nung ju dufem unb jog flc^ lieber auf baö frieblic^e ®ebiet ber 
9)}oralprebigt jurüd 

Unter folc^en Umfldnben l^atten in ber erjien, alfo in ber tt)id^ 
ligjien ^tit bie rabicalen triebe freied J^Ib, bie in feiner Stabt rafd^er 
ald in Straßburg, in STOitten einer ja^lreirf)en, burc^ 93ilbung SJer* 
fe^r unb a3Bol)lftanb aufgen)ecften unb überbieß ber jhengen ^uil)t 
wenig Qttoof)ntm S5et>ölferung ftc^ entfalteten. 3)er 3wfluß ber grem* 
ben, benen nirgenb anberdwo bie 9?ieberlaffung fo leicht unb lorfenb 
gemacht n>ar, fül)rte Vertreter aller religiofen Siic^tungen unb jeben 
Stoff ber ®d^rung ^ier^in jufammen. Statt »oran ju ge^en unb 
bie 3icle ju bejiimmen, folgten bie ^ßrebiger bem religiofen gortfd^ritt^ 
too^l nic^t fo fel)r au0 $o)>ularitätdfu(^t, toit Sut^erd ^reunb 9tifO' 



78 3»eitf« iBuc^* 

laud ®erbel H)ntn bamal6 tjowarf, aU »eil fic ftc^ im Strom be^ 
fant)en uiib aupes ftc^ ober in ftc^ beii ^alt jum SSSiberftanb nocf^ 
nic^t gefunden i)aitm. Sie fc^ritten niijt blo^ über ben Sut^erifc^en 
©mnbpunft im äbenbma^I; fonbcrn auc^ übet ben S^inglifc^en in 
ber Zaix^t ^inauö* @d fc^ien faft, alö würben fie nod^ meiter flef)en, 
ja ald n)ii^ten fie überl^aupt noc^ t)on feinem fefien ßitl ber Siefor^ 
men. ßtü Äußerte einmal auf ber Äanjel : „9?a(^ und werben wa^r* 
Saftigere ^rebiger lommem" 

Sffiie fd^nell biefer SBeg jum Sleuf erften führen fönne, jeigte ba^ 
35ei|>iel bed Sc^eibenmad^erd 2;^oman ©al^mann, ber im 3a^r 1527 
Ijingeric^tet würbe, weil er erflärt i)attc, (5l)riftuö fei mit 9icc^t ge* 
freujigt worben. So langer 3cit unb fo einbringlid^cr 8e^re beburf^ 
ten ieboc^ bie ^äupter ber Stra^urger Äirc^e nic^t, um bie (Sinftc^t 
ju gewinnen, wie not^wenbig eö fei, bem SRabicalidmuö entgegen 
ju treten* !Die Äraft ju biefer SBenbung gab if^nen ber Umfc^wung 
be^ 3a^red 1525, welker bie Od^rung M SSolfe^ bämpfte unb ber 
Dbrigteit bie ©ewalt auc^ über bie firc^Iic^en Dinge in bie ^änbe 
lieferte» 2)ic geiftige Stufte aber, beren i^re Sc^wdc^e fic^ bebürftig 
füi)lte, fuc^ten fie in ber änlc^nung an 3w>ingli, ju welchem nic^t 
blop bie aJerwanbtfd^aft ber religiofen Slnfc^auung, fonbcrn aucft bie 
innere 9?otf)wenbigfeit ber Sage fie l^inbrdngte. !l)ie^ SSer^dltni^ ge^ 
ftaltete fic^ unter ber (Sinwirfung ber übermächtigen Sffiiüen^fraft bed 
3üricl^er SÜefonnatord ju einer t)oüigen Unterorbnung ber Strapbur- 
gifc^cn ^dupter unter feinen ©influ^; unb ba ju gleid>er 3cit bie 
Dbrigfeit bad ^eil ber Stabt in bem 93unb mit ben et^angelifc^cn 
(Santonen erblirfte, fo n\)klt bie Stra^burger Staatöfirc^e burc^ bad 
3ufammenwirten bed diati)^ unb ber ^4?tebicanten, t)or allem 93ufterd, 
allmd^Iic^ in 3)ogma SBerfaf^ung unb dunerem (Jrfd^einen ein burc^* 
aud fc^weijerifc^eö ®eprdge» 

Sobalb man fic^ anfc^irfte, bem ifircl^entf)um einen beftimmten 
3n^alt ju geben, begann ber Äampf mit aüm ab weic^enben 2Rci^ 
nungen unb Parteien, "oon ben einfam grottenben Lutheranern bid 



§ 2. JDie CueHen f. ju § U — Sleugcrungcn ber (StraSburger ^Prebtcanten 
unb t^rcr Sreunbe ühtt ben ftrd^li<^cn 3ujlanb (Strasburg«» S^tl. VI. — Urteile 
ber 3ettgenoffen über IIBufter f« Ui bedinget, SHeformaticn II. 5. 23. 24. (Bapito 



III. ^ttaßburg unb SRel^ior <&ofmantu 79 

ju ben ^nnifc^en JRabicalen, bic wie bcr ®artner SIcmcnd ßk^kx 
jebe ^ßflanjung ausrotten t\>oUttn, bic bcr ^immlifc^c SSatcr nid)i gc* 
pflanjt ^abc» grut)crc 93unbc0gcnoffcn, 93runfcld Sapibud unb 
anbcrc, Icl)ntcn fid^ gegen ba^ neue ^apfit^um auf. ?luö bcr ^ßrcbl* 
bicanten 3Jiitte erf)ob fic^ SQBolfgang ®c^ultl)ci^ unb warf bcn ifir* 
d^cn^duptcm t)or, ftc woßtcn unc^riftlic^cn 3w>ön9 üben. Solan folfc 
t)iclmcl)r, meinte er, um alle Spaltung grünblic^ ju \)ermeibcn, jcben 
frei feiner Ueberjeugung gemd^ let)ren Iaf[en. Slnbcrcrfcitd trat bei 
bcr SRcngc an bic 6teUe bcd c^angclifd^cn (Sifcr6 aUmd^lic^ ®lcic^* 
gültiglcit unb felbji äBiberwille gegen bic 5ßrcbigt, »eld^c bcn 9leij 
bcr SRcul^eit t)crloren ,t)attc. ,,aWan ^ai, flagtc Sapito, bic Seute 
an ^nQtllofiQMt gewohnt unb faji baju erjogenj nun rufen (ie: ic^ 
l^abe genug Gt>angelium, ic^ lann felbji lefen, prebige benen, bic bic^ 
^ören woUcn." 3)ie SBcrfuc^c aber, t)on bcr Jtirc^e auö auf 93effc* 
rung bcö Seben6 in bcr ©emeinbc ju wirfen, l)attm fo geringen 
Srfolg, baf bcr 9iat^6^en Sctfc^olb in einem amtlicfeen ©utac^ten 
1528 »amenb barauf ^inwied, wie wenig SRu^en bi^ijtx bic 5ßrebi* 
canten unter bem gemeinen SSoIf gefc^afft* Sin i^ren 5rüc{)ten, fugte 
er ^inju, foUt ii)x fic erfennen. 

35eiberlei Ucbel jeigten fic^ überall, wo immer bamald eine et)ange* 
tifc^e itird^e begrünbet würbe, unb Strasburg untcrfc{)ieb fic^ hierin t)Ott 
anberen ©täbten nur in fo fern, ald bic ^a\)l bcr 99ct)6lferung, SQBo^l* 
fianb unb Ueppigfeit, bcr 5tembent?crfcf)r unb bic Siac^fic^t ber 5ßo^ 
lijei in l)b\)mm ®rab ald anbcröwo bic Stoffe beö SBiberftanbö t)cr^ 
mehrten. Slbcr anbcre Stdbtc befa^en ba^ STOittel, wenn auc^ nic^t 
bic Ucbel ju beben, boc^ bic ®cfal)ren ju entfernen. !I)enn faft überaß 
fonfi beftanb eine Partei, welche unter bem 93efe^l cined güljrcrd bie 
9leformation tjoßbradbt ^aiU unb, biefem Süt)rer gel)orfam, fein unb 
\i)x lird^lic^ed SBcrf, wie c6 nun einmal geworben, ju fcf)üftcn bereit 
war; unb fafi überaß ftanb bic wcltlid^e Obrigfeit in 35etreff ber 
Kreislichen !£)ingc unter bem ©influf be6 SRcformatorö. 3n ©tra^urg 
bagegen war bie neue Äird^c ein SBcrt ber Umftdnbc unb JRücffic^ten^ 
^it Sürgerfc^aft ^atte an i^rer ®rünbung nur in fo weit 8lntt)eil, 



an 3wtnöli 1524 $)cc.31. SWcIan^t^on an .^(furf. 3o^ann »cn ©ac^feu 1530 

SKätj 6. Slabicale greunbc ©u^er« jtnb unter anbcrn ^etnrt^ ^t\>tx »cn ^ii^ 

mar unb ^einrid^ ©la^tfcarf öon Xongem. ^ftnr. IWtver an Sufcr 1533 
SIArg 16. X9i. @(a(^tfcaef an ^u(er 1533. X^. 



80 3»eitc« »u^» 

al6 fic ben ©turj bcr alten Äird^c burc^gefcftt I)atte unb auc^ fürber^ 
^in gegen bie SRefte beö Äat^o(icidmu6 (id^ immer bereitwillig ind 
®efec^t führen lief* !Der StabtratI) toax n&i)tx bet^eiligt unb bed^ 
l)alb auc^ n>cl)l im allgemeinen geneigt, bie ^rebicanten unb i^t 
9ßefen aufrecht ju erl)alten, aber für bie 93efonberI)eiten beö ©traf* 
burger 5fircl^ent^um6 mar man auc^ fjier fo wenig eingenommen, 
baf fetbfi ber glänjenbe SSorfec^ter be6 6t>angeliumd, ber Stattmeifier 
3afob 6turm, auö aSiberwillen gegen ben 8ut^erifc^^3ming(ifcfeen 
Streit 3al)re lang ftc^ bed äbenbma^ld enthielt* Der JRat^ liep ben 
politifc^en ©eftcfetö^unft tjorwalten. !Die fhengen 9Kaßregeln, auf 
welche bie ^ßrcbicantcn antrugen, lti)ntt er ab, um baö ^erfommen 
ber ©tabt nic^t ju t?erlcften unb baö SSolf nic^t aufjuregen. @d 
foHte feine ®en>alt gebraud&t werben gegen ben, ber fic^ auf fein 
©ewiffcn berufe, ed wäre benn baf er ben äußeren trieben ftbit. 
Stud bem gleid^en ®runbe weigerte er fo lange ald möglich bie t>on 
Sufter gewünfc^ten öffentlichen ®laubendgefpräc^e, am wenigfien 
war er geneigt, ben ^rebicanten ju Siebe ben SBerfebr ju befd^ränfen 
unb bie @rtl^eilung bed 93ürgcrred^teö ju crfc^weren: bamit, l^ief ed, 
würbe bie @tabt \i)xt grei^eit aufgeben, aber nic^t einmal bie ifir* 
c^en^äupter felbfi waren i\)xtm 2Berfe aufrichtig juget^an. ®d brauchte 
lange ^nt unb t)iele 3Wü^e, biö ^til ftc^ bewegen ließ, bie 3^ing* 
lifc^e äbenbmal)ldle^re anjuerfennen, unb an bem jfampf gegen bie 
©ecten betl^eiligte er fic^ fo wenig ald möglich* Sapito gieng noc^ 
weiter, fc^loß enge greunbfc^aft mit gefät)rlic^en ®ectenJ)äuptern, wie 
mit SKartin ßellariud, mit ©d^wencffelb, unb bilbcte fic^ im Umgang 
mit if)nen eine eigene Zi)toloQn auö, bie fe^r weit t)on bem ortl)o* 
boren 3w>in9li<JJii^^w^ abwid^. 2luf ber Äanjel trug er fie bann 
aUerbing« nic^t t)or, aber im übrigen \)attt er feiner ®ebanfen nid^t 
fonberli^ ^el)l. 3m ®runb wibmete niemanb ber ©taatdfirci^e ^erj 
Siebe unb (Sifer, al6 ber eine, ber ben meinen Slnt^eil an iljrer @tif* 
tung i}atit, 3Wartin SBu^er. 

93u^er befaß nic^t bie ©igenfc^aften eined Sut^er ober 3tt)ingli* 
(Sx wirfte nic^t burd^ ben Sinbrucf feiner ^ßerfon unb bie ifraft fei* 
ned SBillen«, er fonnte nid^t l)inreißen unterwerfen unb ^enfc^em 
Die ®aben, burrf) welrf)e er fid^ emporrang, waren t?or allem ©d^arf* 
ftnn unb ®ewanbtl^eit 3tn 93efift einer ungewö^nlid^en ®ele^rfam* 
feit, wußte er bie bogmatifd^en JEageöfragen mit einem ®efc^icf wie 
fein anberer !£^eologe im 9teic^ ju be^anbeln, ald ©d^riftfieUei in 



III. ^trapburg unb S^elc^tor^ofmann. 81 

umfaffcnber unb burc^fic^tigcr Erörterung bcn ©cgenftanb be^ ©trcited 
ju erfc^opfen, in Siebe unb ®egenrebc bem Singriff fd^Iagenb ju bu 
gegnen, SSerwidtelungen mit (iegrcicl;cr Älarl)eit ju lofen, für jebe 
feinfie Unterfc^eibung ben bcjeid^ncnben 2luöbrurf ju finben. Da er 
biefe nad^ Umftdnben gefdljrlic^en Äünfte nid^t feiten baju gebrauchte, 
um bie ©egenfd^e unter ber 3)ecfe meljrbeutiger Sßorte unb SBen^ 
bungen ju t?erl)ütlen, fo (jabcn ii)n SÄdnner ber t)erfc^iebenftcn ^ßar- 
teien unjutjerldffig unb unreblid^ genannt. Docf), fon)eit ic^ i^n ju 
beurtljeilen t)ermag, glaube ic^, ba^ yjorfdftlid^e Untreue i^m fern lag 
unb baß eö i^m ©ruft mar um Sieligion unb Äirc^e* Slber er war 
"oon Slnfang \)tx nic^t burc^auö felbftdnbig unb auf bie S^iefe ber 
eigenen Seele gegrünbet, unb boc^ ju geifheid^ unb unbefangen, um 
t)6ttig 5ßarteimann ju n^erben: barum gab er fid^ einer angeborenen 
Steigung jum 93ermitteln l)in, unb feine aalglatte SKeifterfd^aft In 
tl)eologifc^en !l)ingen machte e6 i^m möglich, oljne bie ®runblel)ren 
feiner 5ßartei ju t?erleugnen, weiter ald alle Oenoffcn erjl ben ßut^e* 
ranern, barauf ben Äatljolifcn entgegen ju fommen, unb unter feinen 
eigenen Sln^dngem folc^e ju jd^len, bie mit ber 3ci^ jw ben rabi^ 
calften ©runbfdjen \i6) bcfannt l)abem 

Diefelben Sigenfc^aften, auf bie SJer^dltniffe be6 8eben6 ange* 
toanbt, machten il)n ju Strasburg, wo ein 8utl)er ober 3w>t«9li 
wenig am ^^la^ gewefen wdre, jum ÜÄann ber Sage unb jum S^rdgex 
ber Ritd)c. 93orficl)tig unb rü(ffic^töt)oll, »erfuc^te er weniger burd^ 
feine ^erfon unb fein 2lmt ju wirfen, al^ burc^ bie Umftdnbe, bie 
er mit ©c^arffmn auffapte unb benen er mit einer ©ewanbtljeit, bie 
ber aSBürbe nid^t allju t)iel t>ergab, abwed^felnb ftc^ fügte ober fie be* 
nu^te. Seine 2tmtögenoffen ^ielt er burc^ bie gemeinfame Sac^e 
jufammen, beren ®ürbcn er jum allergrößten 2;^eil auf feine Sc^uU 
tern naljm, übrigen^ befliffen, burc^ S^ienftfertigfeit unb Sanftmutlf^ 
JU gewinnen, burc^ Siad^giebigfeit Slnftöpe ju befeitigen. Um ben 
tjölligen Sruc^ mit 6apito ju t?ermeiben, bebiente er fic^ bcö Sln^ 
fegend 3wingli^j bann richtete er mk 3a^re lang au^bauernb unb 
felbft für Ärdnfungen wenig empfinblid^ feine Semü^ungen barauf, 
ben grcunb in ben ftreitigen Dingen erft in ber SReutralitdt feflju^ 
galten, fpdter ju neuem ®unbe ju bewegen* Vereint mit ben 6oU 
legen brdngte er ben 9iatl) unabldffig ju ben SÄaßregeln, bie er jum 
6^uft ber Äirdje für not^wenbig erachtete- Die Slbweifungen, bie 
man i\)n erfal)ren ließ, ermübeten il)n nid^t unb reijten il)n nic^t jur 

Gonicltul, 9lufru]^r tu gRünfieT. II. 6 



82 3»eitc« 93uc^. 

gtbittcrung. (Sr blieb ftctd in bcrfelbcn el)rerbietigen Haltung, \x>ai)^ 
renb burc^ bic DienfJc, bie er ber (Stabt unb ber ctjangelifc^cn Sac^c 
leiftcte, fein 2ln[el)en bei ber Cbrigfeit mit jebcm 3af)r jid) t?erme^rte* 
2)ie (Segner I)ielt er in @c{)ranfen burc^ feine Sc^fagfertigfeit im 
Sffiortflreit unb baö Uebergett^ic^t feine« SBiffcnö, unb jugleid^ firerfte 
er, ber o^ne aufboren bad ^kl i^rer Singriffe war, immer n)ieber bic 
^anb jur SSerfo^nung il)nen entgegen, ju jcbem 3?ac^geben bereit, 
bad i^m mit bem 33efle^en ber Äirc^e t)creinbar fc^ien. (Sine unge- 
meine Slrbeitdfraft unb eine unübertüinblic^e Oeifleöfrifc^e festen i^n 
in ben ©taub, neben fo t>iclen unb U)ic^tigen auönnhtigen ®efcf)aften 
and) aü biefen Straßburger Slufgaben gerecht ju werben. So glücfte 
cd i^m, burc^ bie Älippen ber gefafjrlic^ften 3citen fid^ burcbjuwinben 
unb feiner Äird^e ba« itbm ju erhalten. 

8lber e6 war ein freubtofeö 8eben, "oolkx Sc^wanfen unb Un^ 
fic^cr^eit, in fietcr ®efaf)r beö 3^obcö. !Dic Sectirer l)atten bie i^ber* 
^anb* 3l)nen wanbte fic^ bie öffentliche ®unft ju, i^rc ®ü^er wür- 
ben gelefen unb gelobt, fclbft ®ert)etd Schrift gegen bie ürcieinigfeit 
fanb offenen Seifall, wd^renb bie ©cgenfd^riftcn ber ^^rebicanten 
wenig me^r gefauft würben unb bie Su(f)brucfer fic^ fträubten, i^ren 
SSerlag ju überneljmen. 3^re Äanjeln ftanben t>erlaffcn — nur S^U, 
ber fic^ um !Dogmen ni(l)t fümmerte, Ijatte nod) eine 3wf)6tcrfc^aft — , 
unb ber JRat^ weigerte ficf), burcf) unmittelbaren ^\r)anq bie Äirc^en 
ju füllen. aSon 3a^r ju 3at)r na(^brücf(icf)er maljntcn flc ben diati) 
an bie ^flicf)t einer (^riftlicf)cn Obrigfeit. (5ö fei fo weit getommen, 
fc^rieben fie 1532, ba^ man offentlicf) bie Ijeilige Scf)rift i>eracl^te unb 
über 3)inge lac^e, um welche ber Scl)eibcnmact)cr ben Äoj)f verloren. 
Sluöwdrtd ^ielt man bad Gtjangelium ju Straßburg bcm Untergang 
geweitet, unb 3Äi;coniud fuc^tc Sroft in bcm ©ebanfcn, baß bic SJor- 
fe^ung nur, um bic übrige SBclt "oox bem SSerberben ju bcwaljrcn, 
bort eine folc^c ©runbfuppc von Äc^creien Ijabc r^ufammen laufen 
laffen. Su^cr aber blicftc mit SaSc^mutf) nad^ ben £utl)erifcbcn Stdb^ 
im l)inüber. ,,!Dort," fd^ricb er, „W)o nur vom ©tauben, nic^t von 
ber 95ußc gerebet wirb, bleibt minbeficnö Jj)offnung; bei un^, wo ben 
Äeftern alled erlaubt ifi unb me^r auf bic SOBcrfc al6 ben ©laubcn 
gcbrungen wirb, gibt e6 fafi feine Äirdfie me^r, fein Slnfc^cn bed 
SBorted, feinen ©ebrauc^ beö Sacramente^. Sd^ rebe von un6, ju 
Straßburg." 



III. ®lragburg unb Sfltlä^iox ^cfmann. 83 

3- 

Unter allen geinben i)at feiner ber Strafburger Staatdfirc^c 
größeren ©c^aben jugefügt unb größeren ®en?inn an^ \t)xn 9iotf) gc^« 

§ 3. iDte früher angeführten Slbl^anblungen J&eBcrle« unb Sttim^ über 25en(f 

unb ^ä^er. — ^eberle, (iapttoö 55er^ä(tnig jum 8(naba^H«mu0. Seitfc^rtft für 

^itor. Z^^tcU^it 1857, §eft2. — (Japtto an ShJingft 1526 5lpr.4, — (Eax^ito 

an BkvtngU 1526 ^ai 16: — Calabaptistas modo eiperimur. Nihil vidi prae- 

fractius. Hodie apud senatum congrcssi sumus cum idiota. Nos contumeliosissime 

excepit, sed rcspondimus placide, sicut decet cbristianos. Vir alioqui probus est, 

qui candide bactenus Christum confessus est et fcre alienus fuisse fertur a turbis 

agricolarum. Inter convitia frequentia assevcrabat, nos esse ipsissimos pharisaeos, 

qui foris initio sumto prohitatem et chrislianismum ad externa ligaremus. Quod 

sie coliegit, quia nihil docuissemus, nisi demoliii statuas altaria lempla, eiicere 

raonacbos etmonachas repugnan4es ex coenohiis, abrogare missas et id genus, reiictis 

conscientiis eorum iaesis. — ^u^er an 3». 1526 SWai 17. — (5a^)itü an 3to. 1527 

gebr. 28. — 4)erf. an benf. 1527 S^ow. 7: — Dum nostris respondere nequeunt, 

occiamant: verbis linguam vos, sed pectus Dominus diversa persuasione vicit. — 

^u^er an^laurer 1528 gebr. 8. $31. — <Berf. an benf. 1528 (Se^t. 13. XST. — 

Qaipito an 3». 1529 (3(Vr. 29?). — 33u^er an 3itJ. 1529 (ber J&erauÄgeber fMt 

ben 33rief Slnfang 3uli): — Improbitas catabaptistarum coegil senatum severius 

paiilo in eus agere. Ibi miserum in muduni confusus est Satan. Adeo chaiybaeos 

eniollivit, quosdam tantum exiiii poena, quosdam obscurioris carceris commoratio. 

Quos amicissimae et ex scripturis sacris depromptae admoniliones semper effera- 

runt, mitigavit paucissimis verbis comprehensa senlentia consuli« : extorris esto, in 

carcereni profundiorcm demillitor. Adhuc perstringuntur mullorum oculi ob paulo 

severiora hominum islorum verba et naias ex atra bile, apposita ad Salanae iudibria 

materia, lacrimas. Sed ita exercendi sumus, ut tündem agnoscamus et spiritualia 

riiaja esse eaque corporalibus alrociora. — SSu^er an SO'largaret^a 33laurer 1531 

^ug, 17. XÄ.: — j)ea ?5ilgram ()alb tcü^t, bafi er ein gan^ l^artnäcfiger i)ixttU 

eue ifl. @r f}at »Ü »er(offen, ftd) felb fan er aber nit gan^ verlaffen. Die 

^o^tit teil leiber ntt gebenfen, bag e« alle« on bie Itebc nic^t« i^, wenn iä^ aucb 

O-Itc mein gut unb ben leib in alle marter gebe. Unjitige flrengigfeit unD 

'^^teman nu^enbe ^imrerfung ber jeitti^en guter ©otted ifl ein alter locffogel tu 

<^atan^, — (5d iji warlic^ S^ripu« ein leutfeligerei unb gemeinerer l^eilanb, bau 

^a§ bifer Icut geifl fein fünbe fein. 2)iefem 5^iKjram ragen bie orcn find gefal* 

tcn« unb »crmcinted tt?iffen« jimlic^ T;erfur. 8uft ifl er unb pn toih ein« finen 

x*njirefii(^en t^un«. — Su^er an SWarg. iBlaurcr 1531 9(ug.3L XSl. — JT^erf. 

«^nbief. 1531 »Sept. 19. Z^,: — 2)er teuffer ^alb unb be« mercr teiU c^inionen, 

o|) bcnen man fiä) jejunb §n>eiet, tt?iife Ö)ct, fünbc i^ mit allen, fo no^ @ot 

eif treten unb nur bie firc^ nit veralteten nc^ ji6) funbereten, »ol jufriben fein. 

5!)eren finb aber leiber fll ju tocnig. jc. — 3!5erf. an bief. 1531 Öct. XSl. — 

^u^er an 5lmbrcf. JBlaurer 1531 <Bec. 11. JDec. 19. 1532 3anu. 10. gebr. 2, 

X^ — 9(nbre 5leuf erungen ber ^rebicanten f. S3eil. VI. •— ©er^anblung be« 

6* 



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