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Full text of "Geschichte des Osmanischen Reiches. Nach den Quellen Dargestellt"

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ALLGEMEINE STAATENGESCHICHTE. 

Herausgegeben von KARL LAMPRECHT. 
I. ABTEILUNG: GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN STAATEN. — II. ABTEILUNG: GE- 
SCHICHTE DER AUSZEREUROPÄISCHEN STAATEN. — HI. ABTEILUNG : DEUTSCHE 
LANDESGESCHICHTEN. 




Erste Abteilung; 





Herausg-egeben 

von 

A. H. L. HEEREN, F. A. UKERT, 
W. V. GIESEBRECHT UND K. LAMPRECHT. 



Siebenunddreifsigstes Werk. 

JORGA, GESCHICHTE DES OSMANISCHEN REICHES. 
Dritter Band. 

(Bis 1640.) 




GOTHA 1910. 
FRIEDRICH ANDREAS PERTHES 

AKTIENGESELLSCHAFT. 



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GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN STAATEN. 

Herausgegeben von 

A. H. L. HEEREN, F. A. UKERT, W. v. GIESEBRECHT 

UND K. LAMPRECHT. 

Siebenunddreifsigstes Werk. 



GESCHICHTE 

DES 

OSMANISCHEN REICHES. 

NACH DEN QUELLEN DARGESTELLT 

VON 



N. JORGA, 

Professor an der Universität Bukarest. 



Dritter Band. 
(Bis 1640.) 




GOTHA 1910. 
FRIEDRICH ANDREAS PERTHES 

AKTIENGESELLSCHAFT. 



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Vorrede. 

Die Kritik der Zeitschriften hat keine dauernde Geltung-, 
Manches Werk wird noch lange gelesen und benutzt, nachdem 
der Tadel seiner ersten Beurteiler völlig vergessen ist. Dennoch 
bin ich zur Abwehr wieder genötigt, einigen von ihnen zu ant- 
worten. 

Wenn ich die nationale Geschichte des türkischen Stammes 
hätte schreiben wollen und dieser Stamm eine geistige Entwick- 
lung, wie sie christliche Völker durchgemacht haben, g-ehabt 
hätte, so wäre ich freilich unbedingt verpflichtet gewesen, die 
türkische Sprache und Literatur zu kennen. Nun aber g-ibt es 
keine türkische Nationalliteratur, sondern nur eine knechtische 
Nachahmung fremder orientalischer Muster in einer Sprache, die 
nicht einmal die des Volkes selbst ist. Geistig hat sich die 
eigentliche Nation der Türken nie entwickelt. 

Und endlich und vor allem ist meine Absicht nicht ge- 
wesen, über das türkische Volk oder über seinen osmanischen 
Bruchteil zu schreiben, sondern das osmanische Reich in seiner 
Entwicklung zu verfolg-en. Das osmanische Reich ist aber eine 
politische und militärische Schöpfung, die sich zwar auf 



VI Vorrede. 

die Türken stützt, aber weder von ihnen noch mit Rücksicht 
auf ihre Lebens- und Wesensinteressen, sondern durch die Dy- 
nastie und die Klasse der Renegaten beherrscht worden ist. 
Diese Dynastie und diese Renegatenklasse gilt es also zu kennen : 
kaum findet man darüber etwas in den türkischen Chroniken, die 
Krieg-szügen , Aufständen, Festlichkeiten und aufserordentlichen 
Ereignissen ihr Augenmerk widmen. Die Wehr- und Nährmittel 
des Reiches : das Heer und die Finanzen sind von Wichtigkeit, 
auch hierüber versagen die türkischen Chroniken. Zum dritten 
handelt es sich um die Beziehungen zu den Nachbarn, unter 
denen als einzige orientalische Macht die Perser eine besondere 
Stellung einnehmen : diese aber hatten nicht wie Venezianer, 
Deutsche , Franzosen , Niederländer usw. die Gewohnheit , Ge- 
sandtschaftsberichte zu schreiben und in Archiven zu verwahren. 
Schliefslich ist es notwendig, sich von den Zuständen und Be- 
strebungen der unterworfenen Völker Rechenschaft zu geben; 
diese Völker aber, die eine nationale Entwicklung gehabt haben, 
sind keine Orientalen und bedienen sich europäischer, christlicher 
Sprachen. 

Nach allem kann die Pflicht eines Geschichtschreibers des 
osmanischen Reiches, zugleich auch ein berufener und bewährter 
Orientalist zu sein, nicht als so gebieterisch anerkannt werden. 
Auch der darf sich wohl einer solchen Aufgabe unterziehen, der 
seit zwanzig Jahren die Geschichte einer besonderen Provinz 
dieses Reiches in ihrem Zusammenhang mit dem Leben des 
Ganzen in allen Zeitaltern studiert hat : das aber ist meine Tätig- 
keit innerhalb der historischen Wissenschaft bisher gewesen. 
Wenn er die orientalischen Quellen nötig hat, findet er ihren 



Vorrede. yu 

Inhalt genau im alten Hammer wiedergegeben, sofern sie ihm 
nicht in Übersetzungen oder Auszügen , wie denen des unga- 
rischen Gelehrten Thüry, zugänglich sind. Die Arbeiten Ham- 
mers haben unsere Kenntnis über orientalische Völker, Staaten 
und Literaturen so wesentlich gefördert, dafs ihn als ,, unzuver- 
lässig" zu bezeichnen ein etwas hartes Urteil ist. Als Historiker 
habe ich ihn bei Vergleichung mit solchen türkischen Quellen, 
die übersetzt worden sind, im Gegenteil immer höchst zuver- 
lässig erfunden. 

Die von dem gegenwärtigen Herrscher der Osmanen ein- 
gesetzte Kommission , die die Nationalgeschichte des Volkes 
schreiben soll, hätte vielleicht zunächst eine dringendere Pflicht : 
die türkischen Chroniken und bisher unbekannte Urkunden im 
Original und gleichzeitig in eine der abendländischen Welt- 
sprachen übersetzt herauszugeben. 

Manchmal wird dem vorliegenden Werke das Zinkeisens 
entgegengehalten. Gegen Vorgänger kritisierend aufzutreten, war 
mir von jeher peinlich. Doch zwingen mich solche systema- 
tischen Vorwürfe, einmal unumwunden auszusprechen, dafs Zink- 
eisen — der kein Wort Türkisch verstand und dem Orient in 
jeder Hinsicht fremd geblieben ist — keine Geschichte des osma- 
nischen Reiches gegeben hat. Durch fleifsige Zusammenstellung 
der in seinen Quellen enthaltenen Nachrichten hat er diese dem 
Publikum zugänglich gemacht, hängt aber sowohl von ihrem Um- 
fange als auch von ihren Tendenzen vollständig ab. Er schreibt 
lediglich nach byzantinischen Chronisten , nach venezianischen 
Berichten, nach der engUschen Korrespondenz Roes, nach dem 
preufsischen Gesandtschaftsbriefwechsel usw. Sein Werk kennt 



Vm Vorrede. 

kein Gleichmafs und entbehrt jedes Systems. Es ist kein orga- 
nisches Ganze , und da Zinkeisen das bequeme chronologische 
Schema verschmähte, so kann nur der, der seine ,, Geschichte" 
benutzen mufs, sich Rechenschaft darüber geben, wie schwer es 
ist, sich in ihr zurechtzufinden. 

Der vorurteilsfreie Leser wird anerkennen , dafs dem vor- 
liegenden Werke ein solcher Fehler der Methode nicht anhaftet 

Meinem Kollegen Prof. Dr. K. Richter schulde ich wiederum 
besten Dank für die Retuschierung des Stils, Herrn Horatio 
F. Brown desgleichen für freundliche Mitteilung unentbehrlicher 
Bücher. 

Välenil-de-Munte, 15. Dezember 1909. 

N. Jorga. 



Inhaltsverzeichnis. 



Erstes Buch. Die kaiserliche Politik Solimans II 

Erstes Kapitel: Bildung der türkischen Provinz Ungarn .... 

Tod Johann Zäpolyas , S. 3. Sieben bürgische Wirren , S. 3. Hal- 
tung Solimans in der ungarischen Frage, S. 5. Wiedereinsetzung 
des moldauischen Fürsten Peter Rare^ , S. 7. Gefangennahme des 
siebenbürgischen Woiwoden Stephan Majlath , S. 9. Aufbruch der 
Türken gegen Ungarn, S. 9. Belagerung Ofens durch die Deutschen, 
S. 10. Soliman in Ofen, S. il. Regelung der Thronfolge in Un- 
garn, S. 13. Stellung der verwitweten Königin Isabella, S. 14. Der 
Kreuzzug des Markgrafen Joachim von Brandenburg zum Zwecke, Un- 
garn wiederzuerobern, S. 14 Politische Ziele Solimans an der mitt- 
leren Donau, S. 20. Versöhnung Isabellas mit dem österreichischen 
Thronprätendenten, S. 21. Neuer Feldzug Solimans, um dem 
Paschalik von Ofen feste Grenzen zu bilden, S. 22. Einnahme Grans, 
S. 24. Einnahme Stuhlweifsenburgs, S. 25. Die Tataren in Ungarn, 
S. 25. Rückkehr Solimans, S. 25. Das Inventar Khalils, S. 26. 
Eroberung Visegräds, S. 27. Weitere türkische Erfolge, S. 27. 
Waffenstillstand mit den Kaiserlichen , S. 28. Österreichische Ge- 
sandtschaft nach Konstantinopel, S. 28. Dauernde Grenzzustände nach 
dem Vertrage von 1547, S. 29. Wiederaufrollen der ungarisch- 
siebenbürgischen Frage durch den Hader zwischen den Vormündern 
des jungen Königs Johann Sigismund Zäpolya, S. 29. Verhandlungen 
des Bischofs Georg Martinuzzi mit König Ferdinand, S. 30. Angriff 
der Türken gegen denselben, S. 31. Stellung der kaiserlichen Truppen, 
S. 32. Isabella erklärt, dafs Martinuzzi kein Verräter sei, S. 33. 
Vertrag derselben mit Ferdinand, S. 33. Neue Angriffe gegen den 
Bischof, S. 34. Österreichische Truppen in Siebenbürgen, S. 34. 
Eindringen der Türken, S. 35. Einnahme der Festungen im Banat, 
S. 37. Furchtsames Betragen der Österreicher, S. 38. Martinuzzi be- 
gibt sich zu den Türken als Vermittler, S. 38. Ermordung des Bischofs, 
S. 39. Bewegungen der Heiducken, S. 39. Hoffnungslose Zustände 
im Banat und in Siebenbürgen: Einnahme Temesvars, S. 40. Bil- 
dung eines österreichischen Heeres ; Besiegung desselben durch den 
Pascha von Ofen, S. 42. Übergabe Szolnoks , S. 43. Erfolglose 
Belagerung Erlaus, S. 43. Türkische Drohungen in Siebenbürgen, S. 43. 
Gesandtschaft des Bischofs Verancsics nach Konstantinopel, S. 44. Die 
Pläne des Grafen Petrovics , S. 45. Türkische Streifereien, S. 46. 
Siebenbürgische Zustände, S. 47. Sendung Busbecqs an die Pforte, 



Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
S. 48. Neue Angriffe der Türken gegen die österreichischen Be- 
sitzungen in Ungarn, S. 49. Anarchie im herrenlosen Siebenbürgen, 
S. 50. Wiedereinsetzung Isabellas durch die rumänischen Fürsten, 
S. 51. Belagerung Szigets , S. ^l. Rückzug der österreichischen 
Streitmacht, S. 52. Regelung der siebenbürgischen Zustände; Tod 
Isabellas, S. 53. Neue Verhandlungen Ferdinands mit dem Sultan, S. 53. 
Abenteuerliclie Unternehmen Jakob Basilikos' gegen die Moldau, S. 54. 
Konflikte zwischen Türken , Österreichern und den ungarischen 
Magnaten, S. 55. Türkischer Frieden mit dem neuen König Maxi- 
milian, S. 55. Grenzstreitigkeiten der unbändigen Söldner und Aben- 
teurer, S. 56. Wiedereröffnung des türkisch -österreichischen Krieges, 
S. 57. Aufbruch des Sultans selbst, S. 58. Audienz Johann Sigis- 
munds bei Soliman , S. 58. Ankunft des osmanischen Heeres vor 
Sziget, S. 59. Belagerung der Stadt, S. 60. Tod Solimans, S. 61. 
Entwicklung der türkisch -österreichischen Angelegenheiten bis zum 
Frieden von 1568, S. 62. 

Zweites Kapitel: Die türkische Provinz Ungarn 64 

Osmanischer Begriff der Zustände in Ungarn, S. 64. Tribut Sieben- 
bürgens und der benachbarten rumänischen Fürstentümer, S. 65. 
Grenze des türkischen Ungarns, S. 66. Der Pascha von Ofen, S. 67. 
Der Pascha von Temesvär, S. 68. Andere höhere Befehlshaber im 
türkischen Ungarn, S. 68. Verfall der Städte in der osmanischen 
Provinz, S. 69. Janitscharen in Ungarn, S. 69. Zustände in den 
Dörfern der neuen Provinz, S. 70. Ungarische Spahis, S. 70. Ver- 
hältnismäfsige Sicherheit in Ungarn, S. 71. Empfang der christ- 
lichen Nachbarn durch die osmanischen Offiziere, S. 71. Heiducken, 
Martolodschen , Uskoken und ihr Räuberhandwerk, S. 73. Grenz- 
fehden und deren Beurteilung durch die Türken, S. 73. Zweikämpfe 
zwischen Osmanen und Ungarn, S. 74. Sklavenhandel mit Ungarn, 

s. 74. 

Drittes Kapitel: Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soli- 
man, sein Verhältnis zu den europäischen Mächten. Besondere Be- 
ziehungen zu Frankreich, Spanien und Venedig ; ferner zu Polen 

und Moskau 76 

Anerkennung des osmanischen Reichs als Mitglied des neuen euro- 
päischen Staatensystems , S. 76. Meinungen der Christen über die 
türkischen Fehler und Laster, S. 77. Begriff des Krieges bei den 
Osmanen, S. 78. Die Pforte des Sultans; ihr Charakter; Behand- 
lung der christlichen Gesandten , S. 79. Osmanische Diplomatie, 
S. 79. Die Audienzen beim Sultan ; türkische Verstellungskunst und 
ihre Ursachen, S. 80. Angebliche verräterische Neigungen der Wesire, 
S. 81. Österreichische Diplomaten in Konstantinopel; Schätzung der 
Macht des „Königs von Wien" und des „Königs von Spanien" 
durch die Türken, S. 81. Beziehungen des französischen Königs 
Franz I. zu den Türken , S. 83. Erste königliche Gesandte an den 
Sultan, S. 84. Antonio Rincon, der erste öffentliche Vertreter Frank- 
reichs im osmanischen Reiche, S. 85. Franz I. und der Vizekönig 
Afrikas, Barbarossa, S. 86. Die Kapitulationen Frankreichs, S. 87. 
Eine französische Flotte in den türkischen Gewässern, S. 88. Er- 
mordung Rincons durch die Kaiserlichen, S. 89. Verachtung Karls V. 
durch die Türken , S. 89. Die Spanier in Nordafrika, S. 90. An- 
griff des Kaisers gegen Algier und furchtbare Katastrophe der spa- 
nischen Flotte, S. 90. Barbarossa an der italienischen Küste, S. 91. 



Inhaltsverzeichnis. xT 

Seite 
Überwinterung seiner Janitscharen und Marinesoldaten in Toulon, 
S. 92. Französische Vermittlung für den türkisch-spanischen Frieden, 
S. 92. Aramont, französischer Gesandter in Konstantinopel, und seine 
Nachfolger; Sinken des Einflusses Frankreichs an der Pforte, S. 93. 
Aramont in Amasieh, S. 95. Tod Barbarossas, S. 96. Sein Nach- 
folger Torghud und dessen Fahrten, S. 96. Einnahme der Stadt Afri- 
kijeh durch die Spanier, S. 97. Rüstungen Solimans, S. 97. Er- 
oberung Tripolis' von Afrika durch die osmanische Seemacht, S. 98. 
Wiedereroberung der Insel Dscherbe, S. 98. Verheerungen des Ad- 
mirals Sinan an den italienischen Küsten, S. 99. Türkische Re- 
vanche in Nordafrika, S. 99. Neue Ausfahrt der französischen Ga- 
leeren in die türkischen Gevcässer des Mittelmeeres, S. 99. Neue 
Verheerungen der Türken an den Küsten Italiens, S. 100. Osma- 
nische Seefahrten im Jahre 1555, S. loo. Französisch -spanischer 
Frieden; diplomatische Vertretung Frankreichs in Konstantinopel, 
S. loi. Kriegerische Beziehungen zwischen Osmanen und Spaniern 
in Nordafrika; Piraterie der Malteser Ritter, S. 102. Sinken des 
französischen Einflusses in Konstantinopel gegen 1560, S. 102. Tür- 
kisch-französischer Seezug des Jahres 1558 in den italienischen Ge- 
wässern, S. 102. Beziehungen des Kapudans zu Genua, S. 103. Ve- 
nedig fürchtet für die Ionischen Inseln, S. 104. Versuch der Spanier 
gegen Tripolis; Einnahme der Insel Dscherbe durch die Christen, 
S. 104. Wiedereinnahme derselben durch den Kapudan Piali und 
grofser Sieg desselben, S. 104. Einbringung der spanischen Gefangenen 
in Konstantinopel, S. 105. Plan eines Angriffs der Türken gegen 
Goletta, S. 105. Ali-Portuk als Befehlshaber der türkischen Piraten; 
Malleser Seefahrten gegen die osmanischen Küsten, S. 106. Belage- 
rung Maltas durch den Kapudan Mustafa; Tod Torghuds, S. 107. 
Zustände in den osmanischen Provinzen Nordafrikas , S. 108. Ein- 
nahme der Insel Chios durch Piali, S. 109. Beziehungen der Osmanen 
zu den westlichen Seemächten, S. 109. Beziehungen zu Polen; die 
Kosaken, S. 110. Ihre Führer: Albrecht Laski , S. III. Polnische 
Gesandtschaften in Konstantinopel, S. I12. Beziehungen der Osmanen 
zu den Moskowitern, S. 113. Östliches Allianzsystem unter Soliman, 
S. 114. 

Viertes Kapitel: Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren 
der Regierung Solimans. Streit um die Thronfolge zwischen 

dessen Söhnen. Persische Wirren 116 

Schach Thamasp , S. 116. Persische Anhänger in Kleinasien, 
S. 117. Tod des ältesten Sohnes Sultan Solimans, S. 117. Geor- 
gien und die Anarchie im Kaukasus, S. I18. Flucht des persischen 
Prinzen Elkafs-Mirza zu den Osmanen, S. II9. Feldzug Solimans 
gegen Persien im Jahre 1548, S. II9. Eroberung der Stadt Tebriz, 
S. 120. Schwierigkeilen des persischen Feldzugs, S. 120. Soliman 
in Alep, S. 121. Rückkehr desselben, S. 121. Offensive Thamasps 
gegen die Osmanen, S. 122. Zweiter Feldzug Solimans gegen die 
Perser im Jahre 1553, S. 122. Ermordung des osmanischen Prinzen 
Mustafa auf den Befehl des Vaters, S. 123. Aufenthalt Solimans in 
Syrien, S. 124. Angriff gegen die Festung Kars; Ruinierung der 
persischen Residenzstädte, S. 124. Friedensvorschläge des Schachs, 
S. 125. Solimans Aufenthalt in Amasieh, S. 125. Rückkehr nach 
Konstantinopel, S. 125. Revolte in der Dobrudscha, S. 125. Tod 
des Prinzen Dschihandschir, S. 126. Regelung der Stellungen der 
Prinzen Selim und Bajesid , S. 126. Wiedereinsetzung des Wesirs 



Xn Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
Rustem , S. 126. Neue persische Schwierigkeiten und Herausforde- 
rungen, S. 127. Georgische Wirren, S. 127. Prinz Bajesid, S. 128. 
Ausbrach des Krieges zwischen Bajesid und Selim wegen der Thron- 
folge, 129. Erscheinen Solimans in Kleinasien, S. 130. Verjagung 
Bajesids, S. 130. Aufenthalt an dem Hofe des Schachs und Hinrich- 
tung desselben, S. 131. Betrüger, die sich als Sultan Mustafa aus- 
gaben, S. 132. Erste Beziehungen des neuen Sultans Selim zu den 
Persern, S. 132. 

Zweites Buch. Verfall des osmanischen Hauses und der 

leitenden Reneg^atenklasse 135 

Erstes Kapitel: Sultan Selim 11. Seine Persönlichkeit und seine 
Umgebung. Beziehungen zu den westlichen Mächten. Zyprischer 

Krieg. Schlacht von Lepanto 137 

Wesir Rustem und seine Eigenschaften, S 137. Sein Nachfolger 
Mohammed Sokoli und andere Wesire, S. 138. Das verminderte 
Ansehen Frankreichs in Konstantinopel, S. 138. Mafsregeln gegen 
französische Schiffe als Repressalien, S. 139. Der „ Grofse Jude'' 
Jose Miquez, S. 140. Sein Herzogtum des Archipelagus, S. 141. An- 
dere Ursachen des zyprischen Krieges ; Meinungen der venezianischen 
Diplomaten, S. 142 Haltung Sokolis gegen Venedig; Vorwand des 
Krieges, S. 142. Zustand der osmanischen Seemacht, S. 143. Die 
Insel Zypern vor der Eroberung durch die Türken, S. 144. Einnahme 
Nikosias; dann Famagustas, S. 145. Veränderung der zyprischen 
Einrichtungen unter dem neuen Regime, S. 146. Verarmung der Insel, 
S. 147. Plan eines neuen Kreuzzugs, S. 147. Französische Anerbie- 
tungen, S. 148. Versuche der Venezianer, einen Frieden zu schliefsen, 
S. 149. Bildung der christlichen Liga, S 149. Zusammenbringung 
der Flotte, S. 151. Schlacht von Lepanto, S. 151. Folgen des 
christlichen Sieges; Hader unter den Alliierten, S. 152. Die Türken 
nach ihrer Niederlage, S. 154. Bildung einer neuen Flotte des os- 
manischen Reichs, S. 154. Abbruch der christlichen Flotte, S. 155. 
Einflufs der verschiedenen Staatsinteressen auf die Unterbrechung des 
Kreuzzugs, S. 155. Verhandlungen für den venezianisch-osmanischen 
Frieden, S. 156. Friedliche Anerbietungen der Spanier, S. 157. 
Einnahme Golettas durch Don Juan von Österreich, S. 158. Wieder- 
eroberung Tunis' durch Sinan-Pascha , S. 158. Osmanisches Protek- 
torat über Marokko, S. 159. Tod Sultan Selims II., S. 159. Bewegungen 
der osmanischen und spanischen Flotten, S. 160. Die Agenten Philipps II. 
in Konstantinopel; Waffenstillstand der Pforte mit Spanien, S. 160. 

Zweites Kapitel: Ursachen des Verfalls. Erste Zeichen desselben 
bis zum neuen ungarischen Kriege. Untätige Sultane : Selim II. 
und Murad III. Günstlinge und Weiberregiment. Neue Rene- 
gaten 162 

Charakter Selims II., S. 162. Stellung des Grofswesirs Sokoli, S. 165. 
Die anderen Wesire Selims, S. 167. Der Grofswesir Ahmed, S.169. 
Mustafa, der Eroberer Zyperns, S. 169. Die zwei albanesischen Pa- 
schas: Ferhad und Sinan , S. 170. Reichtum der Wesire, S. 171. 
Korruptionssystem Sokolis; das ,, Schmieren", S. 173. Verkauf aller 
Ämter, S. 173. Charakter Sultan Murads III., S. 174. Seine Mutter 
und seine Lieblingsfrau, S. 176. Die Günstlinge (Musaips), S. 177. 
Die Geldgier Sultan Murads, S. 177. Tod Sokolis, S. 178. Die 
Wesire Murads, S. 179. Die „inneren Einflüsse"; die Frauen, S. 180. 



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Inhaltsverz.eichnis. -yiTT 

Seite 
Die Sultaninnen, S. i8i. Die Abenteurer; Cigalas Sohn, S. 183. 
Andere italienische Renegaten, S. 184. Deutsche, französische, spa- 
nische Renegaten, S. 186. Ursachen des Religionsübertritts, S. 187. 
Renegaten aus den unterworfenen Völkern, S. 187. Falsche Mos- 
lemio, S. 188. Die den geborenen Türken vorbehaltenen Stellungen, 
S. 188. 

Drittes Kapitel: Einflufs der unterworfenen Völker (Franken, Armenier, 

Juden, Griechen) auf die Leitung des Reiches 190 

Pera und die Franken, S. 190. Fränkische Ärzte, S. 191. Fränkische 
Bankiers ; Beziehungen der Franken zu den rumänischen Fürstenhäusern, 
S. 192. Armenische Kirche und armenisciie Wucherer, S. 193. Die 
„Grofsen Juden", S. 193. Juden und Venezianer in Handelskonkurrenz, 
S. 194. Verfolgung und Verachtung der Juden, S. 195. Die Jüdinnen 
im Serail des Grofsherrn , S. 195. Die Griechen: Schicksal der 
alten byzantinischen Familien nach der osmanischen Eroberung, S. 196. 
Verfall und Verarmung des ökumenischen Patriarchats, S. 197. Die 
noch bestehenden Metropolitensitze im 15. Jahrhundert, S. 199. 
Slawischer Einflufs auf die griechische Kirche, S. 199. Tribut der 
Patriarchate und andere Lasten, S. 200. Wiederbelebung der grie- 
chischen Geistlichkeit; Kampf in den Synoden. S. 201. Besetzung 
der griechischen Kirchen durch die Türken unter Selim II., S. 201. 
Zustand der griechischen Orthodoxie in Europa und Kleinasien; die 
Almosensammler. S. 202. Bettelnde Patriarchen, S. 203. Griechische 
Gelehrsamkeit, S. 204. Beziehungen griechischer Humanisten zu den 
Westeuropäern, S. 204. Berg Athos und seine Mönchsrepublik, 
S. 205. Bemühungen des Patriarchen Joasaph, S. 205. Beziehungen 
desselben zu den slawischen Bischöfen, S. 205. Die Patriarchen 
Metrophanes und Jeremias, S. 206. Griechen und Lateiner im Osten, 
S. 207. Beziehungen der Griechen zu den rumänischen Fürstentümern, 
S. 207. Griechische Abenteurer im lateinisch -deutschen Europa, 
S. 208. Kauf leute ; die neuen Kantakuzenen und Paläologen, S. 209. 
Stellung der neuen griechischen Aristokratie im osmanischen Reiche, 
S. 210. Michael Kantakuzenos, die ,, Säule der Christen", S. 21 1. 
Sein Einflufs auf die griechische Kirche, S. 212. Neuer Glanz der 
Hauptstadt, S. 213. Strafsenbilder, S. 214. Opium, Kaffee, S. 213. 
Aberglauben, S. 215. Anbrechende Anarchie in den Geistern, S. 216. 
Mangel in der Verproviantierung Konstantinopels, S. 216. 

Viertes Kapitel: Verfall des türkischen Heeres unter den Sultanen 

Selim IL und Murad III 217 

Anzahl der Sandschaks und Spahis, S. 217. Verfall der militärischen 
Lehen, S. 218. Ausbleiben der Spahis im Kriege, S. 219. Ver- 
gebung der Lehen an nicht militärische Personen, S. 219. Die 
permanente Reiterei der Sultane, S. 219. Zustand der Janitscharen, 
S. 220. Die Rekruteure; Bestechung derselben, S. 221. Die aus 
der Mitte der konstantinopolitanischen Türken entnommenen neuen 
Janitscharen, S. 221. Schlechte Disziplin der Soldaten in der Haupt- 
stadt, S. 223. Revolten derselben, S. 224. Die Flotte nach dem 
zyprischen Kriege. S. 225. Uludsch-Ali und seine Kalabrier, S. 226. 
Verminderung der Anzahl der Kriegsgefangenen als Matrosen, S. 227. 
Korruption der Reis, S. 227. Einkünfte des Reichs in der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts, S. 228. Das innere Khasna des Sultans 
und die Konfiskationen, S. 231. Unbezahlte Soldaten und ausgesaugte 
Provinzen; Staatsanleihen. S. 231. Verschlechterung der Münze, S. 232. 



XIV Inhaltsverzeichnis. 



Seite 



Fünftes Kapitel: Das osmanische Heer im Kriege mit Persien 233 

Persische Botschaften unter Selim IL; Altersjahre Schach Thamasps, 
S. 233. Arabische Unruhen und Kriege, S. 234. Die persische 
Botschaft vom Jahre 1576, S. 235. Tod Schach Thamasps; Streit und 
Mord in der herrschenden Familie Persiens, S. 236. Friedliche An- 
erbietungen gegen die Osmanen, S 236. Beginn des persischen 
Kriegs, S. 236. Unordnung im türkischen Heere, S. 237. Zustände 
in Georgien und Eindringen der Osmanen in diese Länder, S. 237. 
Mangel an Lebensmitteln, S. 238. Anstrengungen des Seraskiers 
Mustafa, S. 238. Rückzug der Türken, S. 239. Osman-Pascha ver- 
teidigt die östliche Grenze im Gebirge, S. 240. Zweiter Kriegszug 
Mustafas, S. 241. Beorderung Sinans zum Kriegsschauplatze, S. 242. 
Waffenstillstand, dann neuer Feldzug unter Wesir Ferhad, S. 243. 
Leitung des Kriegs durch Osman-Pascha ; Schlacht von Baschdepe ; 
Änderung des Tataren-Khans ; vceitere Schlachten, S. 244. Schlacht 
von Schenb-Ghasan; Cigala als Führer des persischen Kriegs; Anarchie 
in Persien, S. 245. Rücktritt Cigalas ; persische Gesandtschaft und 
persischer Frieden ; Ergebnisse desselben, S. 246. 

Sechstes Kapitel: Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, 
Polen und Osterreich. Unzufriedenheit und Verschwörungen der 
christlichen Untertanen. Neue Kreuzzugsprojekte 248 

Behutsame Politik der Venezianer nach dem zyprischen Kriege, S. 248. 
Verfall des venezianischen Handels im Osten, S. 249. Sinkender 
Eintlufs Frankreichs, herausforderndes Betragen der französischen 
Diplomaten in Konstantinopel, S. 249. Die osmanische Provinz 
Nordafrika, S. 251. Erste Beziehungen der Florentiner und Engländer 
zu den Osmanen, S. 252. Verachtung der Polen durch die Türken; 
Plan eines Kanals von der Wolga zum Don, S. 253. Die Thronfolge 
König Sigismund Augusts, S. 254. Erwählung Heinrichs von Anjou 
zum König von Polen, S. 255. Das neue polnische Interregnum; 
tatarische Verheerungszüge in Polen ; türkische Kandidaten zum pol- 
nischen Thron, S. 256. Erwählung König Stephan Bäthorys, S. 257. 
Tatarische Raubzüge und Einfälle der Kosaken in die Moldau, S. 257. 
Hinrichtung des moldauischen Kronprätendenten Johann Potcoava in 
Lemberg ; andere Einfälle der Kosaken, S. 259. Hafs Wesir Sinans 
gegen Polen, S. 261. Kämpfe zwischen Kosaken und Moldauern; 
Bewegungen türkischer Truppen; Raubzüge der Tataren, S. 261. 
Das dritte polnische Interregnum : Erwählung König Sigismund Wasas 
und Konflikt desselben mit Erzherzog Maximilian, S. 262. Die 
Politik Johann Zamoyskis, S. 263. Einfall des Beglerbegs von 
Rum in Polen, S. 263. Polnisch - türkischer Frieden, S. 264. 
Ursachen des Friedens, S. 265. Beziehungen zum Hause Osterreich: 
Kämpfe Gaspar Bekes' um den siebenbürgischen Fürstenthron, S. 266. 
Fürst Stephan Bathory, S. 266. Verlängerung des türkisch-öster- 
reichischen Waffenstillstands, S. 267. Niederlage des wieder aufge- 
brochenen Bekes, S. 267. Bosnische Streifereien, S. 268. Türkische 
Gesandtschaft in Wien, S. 268. Weitere Verhandlungen und Einfälle 
in die Grenzländer, S. 269. Hoffnung der Christen, nach der Schlacht 
von Lepanto einen Kreuzzug, durch eine allgemeine Revolte der christ- 
lichen Untertanen der Pforte unterstützt, beginnen zu können; die 
Griechen von Kleinasien, S. 271. Zustände in Syrien, S. 273. Alep, 
Damaskus, Jerusalem, S. 273, Berg Sinai; Beziehungen der Griechen 



Inhaltsverzeichnis. jj^Y 

Seite 
zum Grofsfiirsten von Moskau, S. 274. Zustände in Ägypten, S. 275. 
Die Inseln des Archipelagus ; Chios, S. 276. Rhodos, S. 277. Zu- 
stände in Thrazien und Morea, S. 278. Aufstand der Moreoten; 
Albanien und seine Erinnerungen, S. 279. Anerbietungen der Alba- 
nesen und Aufwiegelung derselben durch katholische Mönche für das 
Haus Österreich, S. 280. Die Bulgaren, S. 281. Die griechischen 
Oberhirten derselben und ihre Neigung zur Revolte, S. 282. Zustände 
und Aufrühre in Bosnien, S. 283. Serbien und seine slawische Kirche, 
S. 284. Die Serben in Ungarn, ihre Bischöfe und Heiduckenhäupt- 
linge, S. 285. Das türkische Ungarn und die Bauernaufiuhre, S. 286. 
Siebenbürgen unter Sigismund Bäthory und der Ehrgeiz desselben, 
S. 286. Katholische Propaganda in den rumänischen Fürstentümern, 
S. 287. Die Jesuiten in Siebenbürgen als Hetzer zum Aufstande, 
S. 288. Unzufriedenheit der rumänischen Fürsten; der neue walachische 
Herrscher Michael der Tapfere, S. 289. Der Papst und die Idee des 
Kreuzzugs, S. 290. 

Siebentes Kapitel: Neuer Krieg mit dem Hause Österreich. Ab- 
fall Siebenbürgens, der Moldau und Walachei 291 

Wiedereinsetzung Sinans als Grofswesir, S. 291. Hassan-Pascha von 
Bosnien und seine Herausforderungen, S. 292. Schlacht von Sissek 
und Tod Hassans, S. 293. Aufbruch Sinans gegen die Kaiserlichen, 
S. 294. Erfolge der Christen : Sieg vor Stuhlweifsenburg ; Einnahme 
nordungarischer Schlösser, S. 295. Vorbereitung der christlichen Re- 
volte auf beiden Ufern der Donau, S. 295. Versuche des Papstes, die 
Rumänen, Kosaken, Polen, sogar Tataren zu gewinnen, S. 296. Ver- 
handlungen des siebenbürgischen Landtags wegen der Revolte, S. 298. 
Revolte der Serben im Banat ; die Kosaken an der Donau, S. 299. 
Heerbewegungen im Winter 1593 — 1594; Belagerung Grans durch 
Erzherzog Matthias ; Kämpfe in Kroatien, S. 300. Erscheinen Sinans ; 
Entsatz Grans und Hatvans durch denselben; Einnahme Raabs, S. 301. 
Papa, Komorn von den Türken angegriffen, S. 302. Offene Revolte 
Siebenbürgens , S. 302. Abfall der rumänischen Fürstentümer und 
erste Siej^e Michaels , S. 303. Sturz Sinans , S. 304. Tod Sultan 
Murads III., S. 305. Mohammed III. und die auf ihn gesetzten Hoff- 
nungen, S. 305. Angriff der Türken gegen die abgefallenen rumänischen 
Fürsten und Sieg der letzteren, S. 305. Neuer moldauischer Fürst: 
Stephan Räzvan; Vertrag desselben und Michaels mit Sigismund Bäthory, 
S. 306. Kämpfe im Banat und an der walachischen Donau, S. 307. 
Die Fürstentümer werden als Sandschakate erklärt , S. 308. Beginn 
des Kriegs gegen Michael, unter der Leitung Ferhads; Unruhen im 
osmanischen Heere, S. 309. Absetzung Ferhads; Sinan nimmt die 
Führung der Feindseligkeiten, S. 310. Kämpfe in der Walachei: 
Schlacht von Cälugäreni, S. 311. Besetzung der Walachei, S. 312. 
Eindringen der Polen in die Moldau und Einsetzung des Fürsten 
leremia Movilä, S. 313. Sieg Mansfelds über die Türken vor Gran, 
S. 314. Eroberung Grans durch die Kaiserlichen; Schlacht bei Ofen; 
Einnahme Visegräds und Väcz' durch Erzherzog Matthias: weitere Er- 
folge; die Siebenbürger im Banat, S. 315. Offensives Vordringen 
Sigismunds und Michaels gegen Sinan, S. 316. Verluste der Türken 
beim Donauübergang; Einnahme der Festung Giurgiu durch die Christen, 
S. 317. Rückzug der in die Moldau eingefallenen Tataren, S. 317. Fest- 
setzung leremias daselbst; Wechsel des Grofswesirs; Tod Sinans, S. 318. 
Kämpfe Michaels gegen Türken und Prätendenten, S. 319. Persönlicher 
Kriegszug des Sultans ; vorbereitende Kämpfe in Ungarn und Bosnien, 



XVI 



Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
S. 320. Dann im Banat; die Tataren in den Fürstentümern; Einnahme 
Hatvans und grofses Morden, S. 321. Belagerung Erlaus durch 
die Türken, S. 321. Schlacht in der Keresztes-Ebene, S. 322. Flucht 
der Christen, S. 323. Rückzug Mohammeds III; Besetzung Tatas, 
Papas durch die Kaiserlichen ; Entsatz Raabs durch die Osmanen, die 
Tata und Vacz wiedererobern; Sigismund Bäthory vor Temesvär; 
Friedensverhandlungen desselben mit den Türken, S. 325. Einnahme 
Raabs durch die Christen; dann jene der Festungen Tata, Palota, 
Veszprem; Kämpfe im Banat, S. 325. Sigismund Bäthory kehrt als 
siebenbürgischer Fürst zurück ; die Türken und Tataren im Banat ; 
Belagerung Alt-Ofens durch die Christen und Grofs -Wardeins durch 
die Türken; schwieriger Rückzug derselben, S. 326. Beziehungen 
Michaels zu den Türken; Sieg desselben bei Nikopolis; weitere Unter- 
nehmungen der Rumänen, S. 327. Abdikation Sigismunds; Andreas 
Bäthory sein Nachfolger; Verhandlungen Andreas' mit den Türken, S. 328. 
Angriff der Kaiserliclien gegen Stuhlweifsenburg, S. 329. Verhandlungen 
zwischen denselben und den Türken bei Gran, S. 330. Eroberung 
Siebenbürgens durch Michael; Beziehungen desselben zu den Türken, 
S. 330. Weitere Schicksale desselben, S. 332. Entwicklung der sieben- 
bürgischen Verhältnisse bis 1603; Verrat der Franzosen von Papa, S. 333. 
Kämpfe des Grofswesirs Ibrahim in Ungarn ; Einnahme Kanizsas und Klein- 
Komorns durch die Türken ; Tod Ibrahims ; die Christen belagern 
Kanizsa und Stuhlweifsenburg, S. 334. Besiegung des neuen Grofswesirs; 
Revolte der osraanischen Truppen ; Einnahme Stuhlweifsenbnrgs durch die 
Türken; Kämpfe im Banat; Einschliefsung Ofens, S. 335. Verheerung 
von Pest durch die Christen; die Tataren in der Walachei; walachische 
Streifzüge an der Donau ; Besiegung des siebenbürgischen Fürsten 
Moses Szekely durch Radu Serban, den Fürsten der Walachei, S. 336. 
Besiegung der Türken im Jahre 1603; Tod des Sultans Mohammed 
(1603); Verhandlungen für den Frieden; Ankunft des Grofswesirs Lala- 
Mohammed auf dem Kriegsschauplatze; Eroberung Väczs und Belagerung 
Grans durch denselben, S. 337. Stephan Bocskai, König von Ungarn, 
S. 337. Einnahme Grans durch die Türken; weitere Eroberungen 
derselben, S. 338. Audienz Bocskais beim Grofswesir, S. 338. Ver- 
handlungen zwischen Bocskai, den Kaiserlichen und den Türken, S. 338. 
Frieden von Zsitvatorok, S. 339. 

Achtes Kapitel: Weitere Verhandlungen mit den Kaiserlichen über 

den Inhalt des eben geschlossenen Friedens 341 

Bedeutung des Friedens für die Christen, S. 341. Verschwinden der 
Kreuzzugsidee, S. 342. Tod Bocskais; Kampf um dessen Erbschaft, 
S. 343. Gabriel Bäthory, Fürst von Siebenbürgen, und seine Be- 
ziehungen zu den rumänischen Nachbarn , S. 344. Verhandlungen 
zwischen Österreichern und Türken zu Neuhäusel ; Mission Herber- 
steins, dann Negronis, S. 345. Einfall Gabriel Bäthorys in die Wa- 
lachei, S. 346. Folgen dieses Einfalls, S. 347. Verjagung und 
Tod desselben durch die Türken, S. 348. Bethlen Gabor Fürst von 
Siebenbürgen, S. 350. Er nimmt für die Türken die Schlösser im 
Banat; Skender-Pascha jenseits der Donau, S. 351. Versöhnung Bethlens 
mit dem Kaiser; Bekräftigung des deutsch-türkischen Friedens, S. 352. 
Feierliche Gesandtschaft Herrn von Czernins in Konstantinopel und 
die dadurch hervorgerufene Revolte, S. 353. Frage der Grenzdörfer 
und Konvention von Komorn, S. 355. Versuche der böhmischen Re- 
bellen, die Osmanen gegen den Kaiser aufzuwiegeln, S. 355. Letzte 
Kämpfe Bethlens, S. 356. 



Inhaltsverzeichnis.! XVII 

Seite 
Neuntes Kapitel: Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen . 358 
Beziehlangen der Polen zu den Türken nach dem Frieden von 1590, 
S. 358. Türkisch-polnische Freundschaft während des Krieges an der 
Donau, S. 359. Einmengung der Polen in die rumänischen Angelegen- 
heiten, als Bescliützer der Brüder Movila, S. 361. Polnische Gesandt- 
schaften unter Sultan Ahmed, S. 363. Die Erbschaft der Brüder 
Movila ; Erscheinen der Kosaken auf dem Schwarzen Meere, S. 363. 
Die durch den Einfall Gabriel Bathorys hervorgerufenen rumänischen 
Wirren und die Haltung der Polen, S. 364. Drohungen der Türken, 
S. 366. Weitere Einmischung polnischer Edelleute für die Sache 
Konstantin Moviläs und seiner Brüder; polnische Gefangene in Kon- 
stantinopel, S. 366. Katastrophe der Familie Movila, S. 367. Schlechte 
Absichten Skender-Paschas gegen Polen; Vertrag von Jaruga; Raub- 
züge der Tataren, S. 369. Gaspar Gratiani, Fürst der Moldau, sein 
Abfall und die Anrufung der Polen, S. 370. Vernichtung des polnischen 
Heers durch die Türken, S. 371. Der neue Sultan Osman und seine 
Kriegspläne. S. 372. Aufbruch desselben von Konstantinopel, S. 373. 
Kämpfe am Dnjestr, S. 373. Frieden von Hotin, S. 375. Gesandt- 
schaft des Herzogs von Zbaraz, S. 376. Der gefälschte Vertrag; Raub 
züge der Kosaken im Schwarzen Meere, S. 377. Antwort der Tataren; 
weitere kosakische Züge, S. 378. Die Tataren in den Kriegen an der 
Donau, S. 379. Ihr Ungehorsam gegen die Türken, S. 380. Thron- 
streitigkeiten zwischen den Giraiden, S. 382. Kantemir -Mirza, der 
Führer der Budschak- Tataren, S. 383. Kantemir nach dem Frieden 
von Hotin, S. 384. Verjagung aus dem Budschak und Rückkeln- 
desselben; seine Fehde mit dem Khan, S. 386. Veränderung 
Khan Mohammeds : höchste Macht Kantemirs, S. 386. Abasa-Pascha 
an der Donau; Beziehungen mit den Tributären, S. 387. Niederlage 
Kantemirs in der Moldau, S. 384. Feldzv.g gegen die Polen (1633): 
Tod Abasas. S. 386. Erneuerung des türkisch -polnischen Friedens; 
Murteza- Pascha jenseits der Donau; Verjagung Kantemirs aus dem 
Budschak und Rückkehr desselben; Ränke gegen den Khan, S. 389. 
Siebenbürgische Wirren: der neue Fürst, Georg Räköczy, schlägt die 
Türken bei Szalonta ; Kantemir in Konstantinopel ; Ermordung de> 
Khans Inajet, dann Kantemirs selbst, S. 390. Versetzung seiner Krieger 
in die Krim, S. 391. 

Zehntes Kapitel: Beziehungen zu den westlichen Mächten. Verfall 

der osmanischen Seemacht 392 

Furcht Venedigs für die Ionischen Inseln und Kreta, S. 393. Einflufs 
und Handel Englands ; Versuche des Grofsherzogs \on Toskana, S. 393. 
Holländischer Handel ; Wettbewerb der Gesandten ; Politik Heinrichs IV., 
des französischen Königs, S. 394. Der französische und englische 
Gesandte als Freunde der Pforte während des Krieges derselben gegen 
den Kaiser, S. 396. Verminderung des englischen Einflusses nach 
1598, S. 397. Die englischen und holländischen Gesandten als aus- 
schliefsliche Handelsvertreter , S. 39S. Die französischen Vertreter 
nach 1598, S. 399. Franzosen und Barbaresken ; andere Konflikte 
Frankreichs mit der Pforte ; Mifshandlung des französisclien Vertreters, 
S. 400. Schlechter Zustand der osmanischen Flotte; der Kapudan 
Cigala, S. 401. Die Seefahrten des Kapudans Khalil und die Angriffe 
der christlichen Piraten, S. 403. Die neue osmanische Flotte; Kämpfe 
im Scliwarzen Meere gegen die Kosaken, S. 404. Verliandlungen mit 
Spanien und Gegenbemüliungen des englischen Vertreters. S. '^04. 



Xvill Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

Drittes Buch. Tiefste Erniedrigung- der Dynastie Osmans 

und die von Murad IV. versuchte Reaktion . . . 405 

Erstes Kapitel: Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640. Günst- 
linge. Leitende Klasse. Priesterliche Klasse. Heer. Asiatische 
Unruhen. Krieg gegen Persien 407 

Charakter Sultan Mohammds III. , S. 407. Charakter Sultan Ahmeds, 
S. 410. Thronfolge Sultan Osmans, S. 413. Die letzten grofsen 
Vertreter der Renegatenklasse, S. 414. Korruption der Janitscharen 
und Spahioglane, S. 417. Die speziellen Truppen, S. 417. Militärische 
Tugenden der Osmanen, S. 417. Beispiele von Ungehorsam und 
P'eigheit der Söldner, S. 418. Herbeiziehung christlicher Elemente 
und besonders der asiatischen Truppen im Donaukriege, S. 419. 
Unzufriedenheit der Perser, S. 420. Unruhen in Georgien; persischer 
Bevollmächtigter an den europäischen Höfen, S. 420. Schlechter 
Zustand der türkischen Finanzen, S. 422. Asiatische Revolte des 
Kara-Jasidschi, Hussein-Paschas und Deli-Husseins, S. 424. Andere 
anatolische Rebellen, S. 426. Ende Deli-Husseins, S. 427. Wachsender 
Einflufs der religiösen Klasse unter Sultan Ahmed, S. 427. Einmiscliung 
des Mufti in die politischen Angelegenheiten, S. 428. Streitigkeiten 
zwischen Ulemas und Soldaten im Jahre 1603; Hinrichtung des Grofs- 
wesirs Dschemischdschi-Hassan, S. 429. Wiedereröffnung des persischen 
Kriegs; Fall von Tebriz, S. 431. Feldzug des Jahres 1604, S. 432. 
Flucht des von Cigala geführten Heeres; Revolte Kalenderoglis und 
Karasaids ; Zug Nassuf-Paschas gegen dieselben. Besuch Kleinasiens 
durch Sultan Ahmed, S. 433. Aufruhr der konstantinopolitanischen 
Söldner, S. 434. Tod des Grofswesirs Lala-Mohammed ; Anarchie; 
Fortschritte der anatolischen Rebellen, S. 435. Empörung des Mufti 
über die Haltung des Sultans ; Zug des Wesirs Nassuf gegen die 
Perser bis nach Bagdad; Erfolge gegen die Aufrührer, S. 435. Feld- 
zug Wesir Murads gegen Kalenderogli. Dschambulad und Fakhreddin, 
Besetzung Bagdads durch die Reichstruppen; Versöhnung Dschambulads, 
S. 437. Zweiter Feldzug Wesir Murads: Besiegung Kalenderoglis; 
Wiederherstellung der Ordnung in Ägypten , S. 438. Zug Murads 
gegen die letzten anatolischen Rebellen ; Angriff gegen Fakhreddin ; 
Zug gegen Tebriz, S. 439. Sieg gegen den Schach; Tod des Wesirs; 
Frieden mit dem Schach, S. 440. Wiederausbruch des Kriegs ; Zug 
Damad-Ogüz-Mohammed-Paschas, S. 441. Sultan Mustafa; Absetzung 
desselben ; Sultan Osman ; Zug des Wesirs Khalil , von den Tataren 
unterstützt ; Frieden mit Persien, S. 442. Persische Gesandte, Pläne 
Osmans, Mängel im Charakter desselben, S. 443. Entthronung Sultan 
Osmans und Ermordung desselben, S. 444. Anarchie unter dem tollen 
Sultan Mustafa, S. 445. Revolte der Provinzen gegen die Janitscharen- 
herrscliaft ; Abasa-Pascha, Revolte der Spahis gegen Gurdschi-Mohammed- 
Pascha und die Teilnehmer am Morde Osmans, S. 446. Schändliche 
Regierung des Wesirs Mere - Hussein, Revolte der Ulemas, dann der 
Spahis, S. 447. Absetzung Sultan Mustafas; Beginn der Regierung 
Sultan Murads IV., S. 448. 

Zweites Kapitel: Persönliche Herrschaft Sultan Murads IV. und 
Wiederherstellung der Ordnung. Tätigkeit Sultan Murads im Innern. 

Persischer Krieg 449 

.Schicksal Sultan Mustafas, die Brüder Murads IV., Charakter desselben, 
S. 449. Erniedrigende Bedingungen des Regierungsantritts Murads IV., 



Inhallsverzeichnis. j^jX 

Seite 
S. 451. Der Rebell Bekir von Bagdad; Abtretung Bagdads an die 
Perser; erste Absetzungen und Hinrichtungen nach den Befehlen des 
neuen Sultans, S. 452. Wiederberufung der Berater Osmans IL; Hin- 
richtung des Wesirs Kemankesch : Mafsregeln gegen Abasa, S. 453. 
Abasa vollzieht seine Unterwerfung; Hafiz Ahmed-Pascha richtet sich 
gegen die Perser, S. 454. Vergebliche Belagerung Bagdads; Aufruhr 
in Konstantinopel; Hinmetzelung Gurdschi Mohammeds, S. 455. Züge 
des Wesirs Khalil in Asien; Belagerung Erzerums ; Wesir Khosrevir 
zwingt Abasa, Erzerum zu verlassen, vS. 456. Grausamkeiten Khosrews 
während seines Krieges in Anadol; Konfiskationen; Angriff auf Bagdad, 
S. 457. Neue Revolte der Söldner; Hafiz -Ahmed Grofswesir; vor 
dem Sultan wird er von den Janitscharen zerstückelt, S. 458. Hin- 
richtung Khosrews; Ermordung der intimen Freunde Murads IV., S. 459 
Wendepunkt im Charakter des Sultans ; Sympathien der geborenen 
Türken für seine grausame Politik; S. 460. Murad IV. sammelt sich 
einen riesigen Schatz, S. 461. Fall des Wesirs Redscheb, S. 463. 
Erniedrigung des Grofswesirates ; Jassi-Tabani-Mohammed, Grofswesir, 
S. 464. Mafsregeln um die Ordnung wiederiierzustellen ; Bezwingung 
der Rebellen; Zertretung der Verdäclitigen , S. 465. Grausamkeiten 
des Sultans. S. 466. Bildung eines neuen Heeres, S. 467. Die Seimens 
und die speziellen Korps; Aufbruch Murads. S. 468 Besuch in 
Nikomedien und Brussa; Hinrichtung des Muftis, S. 469. Militärischer 
Aufruhr ; Angriff auf Fakhreddin, Gefangennahme und Plinrichtung des- 
selben, S. 470. Erster Zug Murads IV. nach Asien ; Einnahme von Tebriz, 
S. 471. Einahme von Akhiska; Triumph des Sultans, S. 472. Er- 
oberung Eriwans durch den Schach; Schlacht vor Mihreban. S. 473. 
Wesir Bairam in Asien; zweiter Zug Murads IV., S. 474. Einnahme 
Bagdads; Triumph; Frieden mit Persien; Abtreten arabisclier Land- 
schaften, S. 475. Tod des Sultans, S. 476. Das von ihm vollbrachte 
Werk, S. 476. Sein Nachfolger Sultan Ibrahim, S. 477. Wesir Kara- 
Mustafa und der neue Krieg gegen die Christen, S. 478. 



Berichtigungen. 

S. 57, Z. 8 von unten: Eck von Salms. 

S. 96, Absatz 2, Z. I von oben: der Sultan. 

Im Titel des vierten Kapitels des zweiten Buchs: Mur.id III.; „der per- 
sische Krieg" fällt weg. 

S. 237, Z. 3 von oben: 16. Dezember 1603. 

Einige Ungenauigkeiten in der Schreibart wird der Leser selbsi erkennen 
und berichtigen. 



Erstes Buch. 

Die kaiserliche Politik Solimans IL 



Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. 



Erstes Kapitel. 
Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 



Trotz den 1538 und 1539 vielfach ausgesprochenen Be- 
fürchtungen, dafs der Sultan auf das Verderben Zäpolyas sinne ^), 
war Soliman mit seinem „Erdely Bän", dem Ban von Sieben- 
bürgen , dem das Königreich Ungarn erblich verliehen war, 
durchaus zufrieden: war derselbe doch nicht mächtig genug, um 
den osmaniscHen Einflufs in diesem Gebiet zu gefährden, ander- 
seits aber auch nicht so ohnmächtig, dafs er dem Ehrgeize des 
Hauses Österreich keine Schranken hätte setzen können. Da starb 
Johann Zäpolya plötzlich, nicht lange nach seiner Heirat mit der 
polnisch enTvohigstochter Isabella und einige Tage nach der frohen 
Nachricht von der Geburt eines Knaben, den die Mutter nach 
Gemahl und Vater zugleich Johann Sigismund nennen liefs, und 
dieser Tod änderte die ungarischen Verhältnisse von Grund aus 
und nötigte den Sultan, der sonst keinen neuen Krieg an dieser 
Grenze begonnen hätte, zu einem entscheidenden Einschreiten, 
aus dem zwei langdauernde Feldzüge hervorgehen sollten. 

Der siebenbürgische Woiwode Stephan Majläth hatte sich 
mit Emerich Balassa verbündet, um gegen König Johann seine 
Stellung zu behaupten; zuletzt trat auch der w'alachische Woiwode 
Radu Paisie in Einverständnis mit ihm -). Der Moldauer Stephan, 

i) Vgl. auch Hurmuzaki II, S. 207 ff. 

2) Walachische Hilfe in Siebenbürgen, August 1540; ,, Quellen der Stadt 
Kron.stadt" II, S. 667; vgl. Fefsler-Klein III, S. 495 ; Chronik Oster mayers 
in „Quellen zur Geschichte der Stadt Brassö" IV, S. 503; „Mon. Hung. Hist., 
Script." IX, S. 82 ff. ; Hurmuzaki II*, S. 218 — 219; Georgius Sirmius, 
„Mon. Hung. Hist., Script." I, S. 352 ff. 

1* 



4 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

der der Heuschreckenplag'e, die unter ihm die Felder verwüstete, 
seinen Beinamen Läcustä verdankte, hatte sich ebenfalls in engere 
Beziehungen zu den Deutschen eingelassen und hoffte, mit ihrer 
Hilfe das im jetzigen Süd-Bessarabien verlorene Gebiet wieder- 
zuerlangen ^). Aber die Landstände verweigerten dieser gefahr- 
vollen Politik die Unterstützung -), und auch von selten Ferdinands 
kam dem verdächtigen Aufrührer in Siebenbürgen weder Hilfe 
materieller noch moralischer Art. 

Zäpolya hatte diese Verletzung des Friedens nicht ruhig 
hingenommen ; mit eilig zusammengerafften ungarischen Truppen 
kam er nach Siebenbürgen, berief sogleich einen Landtag nach 
Torda, erwirkte die Verurteilung der Hauptschuldigen und er- 
oberte die Schlösser Balassas, so dafs dieser sich zur Unter- 
werfung bequemen mufste. Majläth dagegen schlofs sich in sein 
starkes Fogaras ein. Als Zäpolya die Belagerung persönlich zu 
leiten herbeieilte , zwang ihn Krankheit , sich nach Mühlbach zu 
begeben ^). Während er dort einem Zweikampfe zuschaute, traf 
ihn ein wiederholter Schlaganfall, und nach einigen Stunden war 
er eine Leiche. 

Es war am 22. Juli*) 1540. Am 26. liefsen die Kronstädter 
Georg Utischenowitsch, den mächtigen Schatzmeister des Reiches, 
der nach seiner Mutter Martinuzzi genannt wurde, den ver- 
schmitzten, in alle Geheimnisse des Verstorbenen eingeweihten 
,, Mönch", diesen ,, Bruder Georg", der die besten Beziehungen 
mit den Türken unterhielt, fragen, ,,wie sie sich zu verhalten 
hätten" 5). 

Nun herrschten in dieser östlichen Mark Ungarns als Vor- 
münder eines Königs , der erst einige Wochen zählte , der ge- 
nannte ,, Mönch" und der einflufsreiche Serbe Peter Petrovics, 
ein Verwandter, ein ,,Vetter" *') König Johanns, der über seine 

i) Hurrauz aki 11. 

2) Fefsler III, S. 496. 

3) Briefe des Verancsics in „Mon. Hung. Hist. , Script." IX oder Hur- 
muzaki II*. Vgl. Katona XX, S. I374flf. 

4) „II giorno XXII di luglio, el di de laMadalena"; Bericht des Nuncio; 
„Mon. Hung. Hist., Dipl." XVI, S. 161. 

5) „Quellen" II, S. 667: ,,quomodo nos gerere debeamus". 

6) „Mon. Hung. Hist., Dipl." XVI, S. 113. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 5 

Stammesgenossen im Banat und gewifs auch über die dortigen 
Rumänen unumschränkt verfügte. Die Walachen verliefsen so- 
gleich ihr Lager bei Bodola, die Szekler gelang es auf die Seite 
der Königin zu ziehen , und die sächsischen Städte besetzte als 
neuer Woiwode des Landes Balthasar Bornemissa ^). Im August be- 
reits wurden nun Majläth und der aus seiner Erniedrigung wieder 
aufstrebende Balassa zu „Hauptleuten des Landes" gewählt. 

Doch hatten lokale Ränke und Neuerungen jetzt nur eine 
untergeordnete Bedeutung: war doch durch den Tod Zäpolyas 
die ungarische Frage selbst aufs neue aufgerollt worden. Zwar er- 
kannte eine im September auf dem Räkosfelde abgehaltene Wähler- 
versammlung den unmündigen König an , während kaum sechs 
Magnaten, an ihrer Spitze Peter Perenyi, sich an König Ferdi- 
nand und tatsächlich dadurch an Kaiser Karl wandten '-). So 
sprach man denn seit dem Ende des Jahres 1540 überall von 
türkischen Vorbereitungen, die ganz Ungarn bedrohten. Die 
Nachrichten von Konstantinopel stellten ein erneutes Eingreifen 
des Sultans als gewifs hin •^). 

Soliman hatte die noch von Johann Zapolya geschickten 
Gesandten — unter denen sich der Rechtsgelehrte Verböczy 
befand — in Konstantinopel wohlwollend empfangen; für ihn 
war die Lage klar: wenn wirklich ein Sohn seines Vasallen 
existierte — ein Tschausch ging nach Ofen, um sich davon zu 
überzeugen — , so mufste dieser an des Vaters Stelle treten. 
Ihm wurde denn auch unter der Bedingung , im Oktober jedes 
Jahres den Kharadsch von 50000 Gulden, und zwar zur Hälfte 
in Silbermünze und Samtstoffen, zu zahlen und die rückständige 
Summe derselben nachträglich zu entrichten, — ein kaiserliches 
Ernennungsdiplom nebst Kaftan, Schwert und Streitkolben als 
Zeichen der fürstlichen Würde überschickt '^). 

Dafs , wie der Bischof Verancsics glauben machen will , ein, 
sei es auch nur falscher Beauftragter des Sultans auf dem von 



i) Verancsics, „Mon. Hung. Hist., Script." I, 

2) Gevay IH^ S. 88. 

3) Vgl. „Quellen" HI, Jahrgang 1541. 

4) Hammer; Pray U, S. 87—88; Gevay IIP. 



B Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Majlath beherrschten siebenbürg-ischen Landtage erschienen sei, 
um dessen Anerkennung- als Fürsten dieses Teiles Ungarns aus- 
zusprechen , ist nicht anzunehmen^). Zu so plumpem Betrug 
und so gemeinen politischen Mitteln grifif die osmanische Pforte 
niemals, am wenigsten zur Zeit eines Soliman. Der türkische 
Standpunkt ist in dem vom 27. April datierten Ernennungsbrief 
für ,, König Stephan" — so sollte das noch nicht getaufte Kind 
zuerst heifsen 2) — kurz und klar gekennzeichnet: ,, Majlath und 
Emerich Balassa haben den ganzen Streit hervorgerufen. Ich 
habe aber das Reich Ungarn dem Sohne König Johanns verliehen 
(contuli) , auf dafs er König von ganz Ungarn sei. Doch ge- 
horchen sie dem Königssohne nicht, sondern haben sich dem 
König- Ferdinand unterworfen und schicken unaufhörlich Beauf- 
tragte ab , um deutsche Truppen zu verlangen . . . Ich habe 
mit Gottes Willen das Reich Ungarn und Siebenbürgen, gleich 
wie meine anderen Reiche, mit dem Schwerte gewonnen und 
werde nicht dulden, dafs mein Gebiet auf irgendeine Art in Un- 
ruhe versetzt werde. Auf Grund meiner Hoheitsrechte habe ich 
dies Reich dem Sohne König Johanns verliehen und das allein 
ist die Wahrheit ^)." 

Bereits am 31. Oktober^) weilte der jetzt in Ferdinands 
Diensten stehende Hieronymus Laski in Konstantinopel; aber 
diesen zweiten Gesandten in dem ungarischen Streit um die 
Thronfolge weigerte sich Soliman zu empfangen. Bald gelangten 
so schlimme Nachrichten an die Pforte, dafs grofse Empörung- 
über das Vorg-ehen Ferdinands herrschte : ein deutsches Heer 
unter Nikolaus Fels hatte, von Pereny und dessen Partei unter- 
stützt, — trotzdem sich der polnische König für seine Tochter 
verwandte und mit Isabella Unterhandlungen begonnen waren, 
die darauf zielten, sie mit Siebenbürgen und den Herzogtümern 
Oppeln und Ratibor zufriedenzustellen, — die den Besitz Ofens 
sichernden oder g-efährdenden Donaustädte, die alte Königsburg 



i) Verancsics in Katona XX, S. 14 19 ff. 

2) Fefsler III, S. 506 — 507, nach Lad. Szalay, Adalekok (Anhang), 

S. 195. 

3) Hurmuzaki II, S. 219. 

4) Nach Fefsler III, S. 507 (= Gcvay IIP, S. 3). 



Eildung der türkischen Provinz Ungarn, 7 

Visegräd und Waitzen eing-enommen ^) ; Perenyi brachte Stuhl- 
weifsenburg- auf Seite der Christen; und sogar in Pest trafen 
deutsche Scharen ein. 

So wurde denn Laski am 7. November vom Sultan selbst 
beschieden, dafs — wie man ihm schon im Jahre zuvor bei 
Gelegenheit des Grofswardeiner Vertrags, der die Abtretung an 
Ferdinand nach dem Tode Zäpolyas in Aussicht nahm 2) , ge- 
antwortet habe — seine kaiserliche Majestät allein berechtigt sei, 
über das Königreich Ungarn als über sein mit dem Schwerte 
erobertes Eigentum zu verfügen und kein Vertrag seitens eines 
Königs, der nicht durch seinen Oberherrn legitimiert sei, für 
die Pforte rechtsverbindlich sei. Die Eroberungen der Kaiser- 
lichen wurden einfach als offener Friedensbruch betrachtet. „Auf 
den Winter folge Frühling und Sommer", d. h. Krieg und grau- 
same Bestrafung der Friedensstörer und Meineidigen, klang So- 
limans Drohung, und aufs neue machte Laski, ein bewährter 
Märtyrer diplomatischer Verhandlungen in Konstantinopel, Be- 
kanntschaft, zwar nicht mit den dunkeln Zellen der politischen 
Gefängnisse am Bosporus, aber mit der unfreiwilligen Gastfreund- 
schaft des Grofswesirs, nach dem erprobten türkischen System. 

Am 4. April 1541 kehrte der Sultan aus seinem Winter- 
quartier in Adrianopel nach seiner Hauptstadt zurück. Er hatte 
seine Vorbereitungen zum neuen ungarischen Kriege getroffen. 

An die Siebenbürger erging die Mahnung, die verlorene 
Sache Majläths zu verlassen. Der walachische Fürst Radu er- 
hielt Befehl, beim ersten Winke für Isabella und ,, König Stephan" 
loszuschlagen : in Bräila, dem bedeutendsten Hafen des Landes, 
lag 1 540 eine Besatzung von Janitscharen ^). In der Moldau 
hatten die Bojaren dem von den Türken eingesetzten, bevor- 
mundeten und bewachten Stephan schon manchen Prätendenten 
entgegengestellt, weil man ihm den Niedergang und die Berau- 
bung des Landes vorwarf; war doch letzthin auch Orheiü , die 
alte Festung Stephans des Grofsen gegen die Tataren, zu einem 



i) Istvänffy nach Giovio. 2) Fefsler III, S. 492. 

3) Meine „Chilia ^i Cetatea-Albä '' S. 323. 



8 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

türkischen Wachtposten geworden i) ; jetzt wurde er in seiner 
Hauptstadt Suceava ermordet (Dezember 1540). Der an seiner 
Statt von den Verschworenen ausgerufene Bojare Cornea, der 
sich Fürst Alexander nannte, Hefs die Janitscharen des fürstlichen 
Wachtkorps töten und versuchte einen Einfall in der Richtung 
der seit langem verlorenen Städte Chilia (Kili) und Akkerman; 
einige hundert Spahis verloren dabei ihr Leben -). 

Schon aber nahte der Besiegte von 1538, der auf geheimen 
Wegen aus Siebenbürgen an die Pforte (Juni 1540) gelangt war 
und hier looooo Gulden geliehen, freilich auch 50000 weitere 
versprochen hatte , von seinem ältesten Sohne Ilie begleitet. 
Am 28. Januar 1541 stand in Silistrien der Grofs-Imrochor mit 
3000 Spahis und Janitscharen aus dem Serail , um den zum 
zweitenmal zum Fürsten der Moldau ernannten Peter gegen den 
Willen der Grofsen in sein Land zu führen; von dort aus gab 
Peter kund, dafs der ,,unüberwindHche Kaiser, unser allergnä- 
digster Herr, und die allerhöchsten Wesire, unsere gnädigen 
Herren", ihn wieder auf den fürstlichen Stuhl erhoben hätten. 
Er begab sich dann in das türkisch gewordene Bräila: hier 
unterwarfen sich ihm , um Verzeihung flehend , die stolzen Bo- 
jaren , der Vornic des Unteren Landes an ihrer Spitze •^). Der 
neue Alexander kam mit wenigen Anhängern von Roman her 
bis Galati, um seinem Feinde eine Schlacht anzubieten ; er wurde 
aber von den Seinigen verraten und fiel unter der Hand des 
Henkers (Februar) ^). Peter liefs (Ende Mai) seine Familie aus 
Siebenbürgen zu sich kommen und ging bald daran, dem kaiser- 
lich-türkischen ,,hoküm" (Befehl) gehorchend, in das Nachbar- 
land , in dem er einst mit genauer Not dem Tode entronnen 
war, einzufallen, um, mit einigen Walachen und den Türken des 
Kiitschük-Bali-beg und des Sandschaks von Nikopolis vereint ■'), 
der aufrührerischen Herrschaft Majlaths ein Ziel zu setzen. 



i) Meine „Chilia §i Cetatea-AIba" S. 323. 

2) Ebenda S. 326, Nr. xxxrv. 

3) Engel, Geschichte der Moldau S. 184 — 185. 

4) U reche S. 200—202; „Chilia si Cetatea-Albä." S. 327, Nr. xxxvi. 

5) Vgl. Ureche S. 204: „ Tschubali-beg " ; Hurmuzaki II, S. 232: 
„Kwchy Ballybek". 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 9 

Das verbündete Heer drang- durch den Ojtuzpafs, und am 
20. Juli wurde Majläth nahe bei Fogaras von Peter, der selbst 
gern in dem von seinen Stammesgenossen bewohnten Sieben- 
bürgen geblieben wäre , gefangengenommen ; der moldauische 
Chronist ^) spricht von einem „von beiden Seiten tapfer durch- 
geführten Kampfe", während die ungarischen und polnischen 
Quellen das Unglück des siebenbürgischen Woiwoden, als eines 
Vertreters ihrer nationalen Sache, einem Betrüge des Sandschaks 
zuschreiben, der Majlath zwei gemeine Soldaten als wichtige 
Geiseln in die Hände geliefert hätte -). So mufste der stolze 
Herr Siebenbürgens nun den Weg nach Konstantinopel antreten 
und kam aus dem Kerker der Sieben Türme niemals wieder 
zum Vorschein. 

Erst etwa einen Monat vor dem Treffen von Fogaras, am 
20. Juni hatte Soliman seine Hauptstadt verlassen. Er hatte es 
also mit dem längst ang-ekündigten ungarischen Kriege nicht so 
sehr eihg. Schon Ende 1540 hatten zwar die Bosnier unter 
dem Pascha Usref und die Spahis von Khs an der Adria unter 
Murad in Kroatien geraubt; dem Grafen Zriny gelang es aber, 
sie von den Mauern ihres Familiennestes abzuschlagen, ja sie 
griffen sogar zur Rache Dubicza und Kamengrad im türkischen 
Grenzgebiete an •''). Im Frühling ging nun derselbe Usref, diesmal 
mit einem neuen Gefährten , Mehemed, mit Valentin Török und 
seinen ungarischen Truppen zusammen, gegen Waiczen vor, das 
sie auch zurückgewannen. Ihre Truppen bestanden aber nur 
aus so minderwertigen Elementen wie Akindschis und verwei- 
gerten ihre Dienste bei dem Angriffe auf Pest, das von den 
Donauschiffen Mario Spiciacafios verteidigt wurde , und der 
Mangel an Proviant nötigte die Dalmatiner und Bosnier zum Rück- 
zuge ^). 

i) Ureche S. 204; vgl. Bogdan, Vechile Cronici. 

2) Verancsics; vgl. Hurmuzaki, Supl. II', S. 155, Nr. Lxxviii: ,,fiducia 
avocatum ad colloquium"; auch Szabö, Szekely Okleveltär U, S. 69; Hurmu- 
zaki 11*, S. 282, Nr. CL; S. 332. In der Tat werden die Geiseln 1542 von den 
Türken energisch zurückverlangt; ebenda S. 301 — 302, Nr. CLXVn ; S. 327. 

3) Istvänffy S. 138 ff. (nach Giovio, wie gewöhnlich). 

4) Istvänffy S. I44ff. ; vgl. Forgäch im .\nfange. 



10 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Soliman hätte sich auch wohl mit diesen halben Erfolgen 
begnügt, wenn die Söldlinge des Königs nicht nach dem 
Abbruche der Unterhandlungen mit Isabella Ofen selbst an- 
gegriffen hätten. 

In Erwartung der auf dem Tage von Regensburg von den 
deutschen Ständen versprochenen Hilfe gab Ferdinand, trotzdem 
des Kaisers Kriegsmacht durch das Unternehmen auf Algier in 
Anspruch genommen war ^) , einem alten Hauptmanne Roggen- 
dorf den Auftrag, Ofen anzugreifen. Bereits am 3. Mai befand 
er sich vor der königlichen Stadt, die von 2000 Ungarn der 
Königin verteidigt wurde, und begann vom Berge St. Gerhard 
die Beschiefsung mit grofsen , von Komorn herübergebrachten 
Geschützen. Einige Tage darauf wurde zweimal ein Sturmangriff 
unternommen, aber die Belagerten, von den beiden Vormündern 
des königlichen Kindes angespornt, vermochten auch das zweite 
Mal die schon eindringenden Deutschen zurückzuwerfen. So 
wurde der Thron des zweiten Zäpolya ohne Zutun Isabellas, die 
sehnlichst einen Vertrag erwünschte und schon im Begriffe stand, 
nach Polen aufzubrechen, aufs beste verteidigt -). 

Soliman, der lieber einen Zug gegen die Perser unter- 
nommen hätte und der den Eunuchen Soliman, der bei Diu ge- 
kämpft hatte, gegen diese schickte, hatte einen starken Vortrab 
unter Mohammed Jahjaogli, dem Pascha von Belgrad und Se- 
mendrien, und dem persischen Flüchtling Ulama, dem Gemahl 
einer Tochter Schach Ismails^), nunmehrigem bosnischem Be- 
fehlshaber, vorausgehen lassen. Die Türken zeigten sich fried- 
lich und wohlwollend: sie nahmen die Insel Csepel in die 
Reihe ihrer Befestigungen auf*), aber zu bedeutenderen Treffen 
kam es nicht. Die Deutschen hatten nicht den Mut, eine 

i) Siehe das betreffende Kapitel unten. 

2) Fefsler III, S. 510 — 511 ; vgl. Verefs Endre, Izabella Kirdlyne, 
Budapest 1902 passim. 

3) Istvanffy S. 148 — 149; Giovio, Buch XXXHI. 

4) Bericlit von Neustadt, 24. August, in ,,Mon. Hung. Hist., Dipl." XVI, 
S. 131 ; vgl. Verancsics, „Mon. Hung. Hist., Script." I, S. 163. Mohammed 
stand am 30. Juli vor Ofen. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 11 

Schlacht ZU wagen, und die Paschas erwarteten die Ankunft 
des Sultans. 

Dieser hatte die Donau noch nicht erreicht, als es Pereny 
gelang, Roggendorf zu überreden, seine Truppen über die Donau 
nach Pest zurückzuführen, ohne einen dahin lautenden Befehl 
des Königs Ferdinand, bei dem man in Wien darüber anfragte, 
abzuwarten. Eintretendes Hochwasser aber zerstörte die Brücken, 
und nun fielen die Türken Mohammeds über die Scharen der 
Fliehenden her. Die eingeschüchterten Befehlshaber der Flotte 
zogen sich nach Komorn zurück, und 3000 Deutsche mufsten 
sich ergeben. Der türkische Flottenhauptmann Kasim nahm Pest 
in Besitz, und der flüchtige Roggendorf erlag auf dem Wege 
nach Wien der Schmach und Reue und einer im Kampfe er- 
haltenen Wunde, ehe er seinem erzürnten Herrn vor Augen 
treten konnte i). Schon am 15. Juli konnten der Kanzler Ver- 
böczy, der ,, Mönch" und Petrovics, sowie Valentin Török, der 
Oberhauptmann der Königin, und ,, andere in Ofen befindliche 
Edelleute" die fröhliche Nachricht abgehen lassen, dafs ,,die 
Gnade" ihres Kaisers schon durch die Ankunft des Wesirs 
Mohammed ihre Rettung bewirkt habe -). 

Der Sultan mit seinen Söhnen Selim und Bajesid war in 
Eilmärschen nach der nördlichen Grenze seines Reiches unter- 
wegs , als er in Peterwardein die Nachricht erhielt , dafs seine 
Stadt Ofen entsetzt sei und die Angreifer für ihre Frevel durch 
zahlreiche Hinrichtungen bestraft waren. Nun ging es langsamer 
vorwärts. Erst am 26. August wurde das kaiserliche Zelt vor 
Pest aufgeschlagen. Dann setzte man über die Donau, und im 
neuen Lager wurde dem Belgrader Pascha die Würde eines ru- 
mischen Beglerbegs übertragen und viele christlichen Gefangenen 
bei dieser Gelegenheit hingeschlachtet, während die zum ersten 
Male auf ungarischem Boden erscheinenden Tataren bis nach 
Gran, Neutra und Stuhlweifsenburg hin raubten. Einige der 
Edelleute, die Ofen verteidigt hatten, erschienen bereits am 28. 
vor dem Sultan. 



i) Giovio und nach ihm Istvänffy. 

2) Szabö, Szekely Okleveltar II, S. 66—68; Hurmuzaki II 4, S. 277—278. 



13 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Soliman blieb auch diesmal seiner gerechten und ritterlichen 
Art treu. Statt die Geschenke der von ihren Feinden befreiten 
Königin zu erwarten , begabte er s]e und ihren jSohn seinerseits 
mit Ringen, Ketten, feinem Musselin, drei Pferden und drei Kaf- 
tanen, die ,, König Stephan" freilich erst sehr viel später bewun- 
dern konnte. Aber türkischem Gebrauch gemäfs beanspruchte 
er dagegen, dafs dieser sein Vasall ihm ins Lager gebracht 
werde. Es gab keinen Ausweg, und so erschien die Amme mit 
dem Kind und einem prächtigen Gefolge, in dem sich Mönch 
Georg, Petrovics, Valentin Török und Verböczy nebst einigen 
anderen Grofsen befanden. Auch die Senatoren von Ofen be- 
teiligten sich (29. August) an diesem gebieterisch verlangten 
Staatsakte. Durch zwei Reihen finsterer Janitscharen bewegte 
sich der Zug bis zum Zelte des Sultans , wo die ganze Pforte 
ihren kaiserlichen Herrn pomphaft umgab. 

Soliman verehrte der Amme seines Schützlings goldene 
Münzen und gab den Edelleuten ein Festmahl , wobei sie nach 
türkischer Sitte auf Kissen safsen und süfses Sorbett erhielten. 
Und während der Zeremonien unter den Wällen drangen un- 
versehens am I. September Tausende von Janitscharen und So- 
laken durch die Judenpforte in die Stadt Ofen ein, wo niemand 
sie aufzuhalten oder auch nur zu befragen in den Sinn kam. 
Eine Strafse nach der anderen konnten die ganz planvoll vor- 
gehenden Gäste besetzen ^) und bald lagerten sie auf allen Plätzen 
der Stadt -). Der Janitscharenaga wählte die St. Georgskirche 
zum Quartier, und alle Waffen mufsten den Eindringlingen ab- 
geliefert werden. Am nächsten Tage sah sich Isabella, die ver- 
gebens auch für die Frau des Wesirs Rustem Geschenke ge- 
schickt hatte , gezwungen , den neuen Herren Ofens aujch die 
Pforte des Schlosses zu öffnen. 

Es ist zweifelhaft, ob der Wesir Mohammed, Ulama und 
Mohammed Jahjaogli im kaiserlichen Diwan für den Tod des 
jungen Königs, der am 29. schon zurückgegeben wurde, oder 
für seine Überführung nach Konstantinopel stimmten; Solimans 



i) Siehe auch Hammer II, S. I72flf. 

2) Verancsics S. 167, 183 ff. ; Sirmius S. 355 ff. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 13 

Verhalten wurde jedenfalls von Prinzipien und eiserner Logik 
wie stets bestimmt. Um einen neuen Versuch der „Deutschen" 
auf Ofen zu verhindern , überg-ab er Ofen der Obhut eines 
Paschas, des ungarischen Renegaten Soliman, der über 2000 Jani- 
tscharen, looo Spahis und ebenso viele Martolodschen ^) verfügte. 
Die Magnaten aber hielt man auch die folgenden Tage mit Ge- 
sprächen hin ; Valentin Török wurde die Abreise geradezu unter- 
sagt. Die Königin sollte ganz Siebenbürgen, das südliche 
Ungarn, das Banat mit den Festen Lippa und Temesvär, als 
dessen Befehlshaber oder ,,Sandschak" -) Petrovics anerkannt 
wurde, die Salzkammer von Marmoros für ihr Kind behalten 
und dieses unter der Vormundschaft des ,, Mönches" verbleiben •'). 
Verböczy erhielt Auftrag, dem Kadilisker von Ofen für ein Gehalt 
von 500 Aspern täglich bei der Neuordnung der Dinge zu helfen^). 

Diese Bestimmungen nebst anderen von geringerer Be- 
deutung wurden in einer prachtvollen, mit goldenen und blauen 
Buchstaben geschriebenen Urkunde niedergelegt, die der Ni- 
schandschi der Königin vorlesen mufste. Am folgenden Tage, 
dem 2. September, verrichtete Soliman mit zwei Söhnen sein 
Gebet in Ofen, und am 5. September verliefs Isabella, ,,die arme 
Königin" '^), auf einem Ochsenkarren die Stadt ihres kurzen Glückes 
und vieler bitteren Sorgen, um, von wenigen begleitet, sich nach 
Siebenbürgen zu begeben. 

Damals endlich stellten sich auch als Gesandte Ferdinands 
Salms und Siegmund von Herberstein ein und überbrachten gol- 
dene Becher und eine kunstvolle alte Uhr als Geschenke, — 
Laski war wegen Krankheit als politischer Gefangener in Nisch, 
dann in Belgrad geblieben ^). Die Antwort lautete kurz, Ferdinand 
möge das kaiserliche Ungarn unverzüglich räumen und die in un- 
gerechtem Kriege Gefangenen ohne Entschädigung zurückgeben : 



i) Hammer, z. J. 2) Verancsics S. 172. 

3) Grofswardein wurde dem „Mönche" verliehen; Fogaras und Kaschau ent- 
zog man ebenfalls der Macht der Königin und unterstellte sie anderen; „Mon. com. 
Trans." I, S. 76—79; Hurmuzaki U*, S. 284—286. 

4) Verancsics S. 185 ff. 

5) Traut — siehe den weiteren Titel unten S. 14, Anm. 4 — S. 55, Anm. i. 

6) Er wurde aber bald darauf freigelassen. 



14 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

der schriftliche Bescheid verlang-te ausdrückhch Gran, Viseg-räd, 
Stuhhveifsenburg' und Tata , die Eroberungen des Jahres 1540, 
zurück ^). Mit Mühe wurde ein kurzer Waffenstillstand erlangt -). 
Nach drei Tagen Aufenthalt in Belgrad, wo Török fünf lange 
Jahre in der Gefangenschaft schmachten mufste, richtete Soliman 
seinen Marsch endlich nach Konstantinopel zurück mit dem Be- 
wufstsein, in seinem durch das Schwert eroberten Donaureiche 
Ungarn eine endgültige Ordnung hergestellt zu haben '^). 

Der Verlust Ofens war für Ungarn und die ganze Christen- 
heit von grofser Bedeutung. Es bedurfte dieses schwer ins Ge- 
wicht fallenden Ereignisses, um in vielen Magnaten und anderen 
politischen Faktoren des Landes den bisherigen unruhigen, 
trotzigen oder leichtsinnigen Geist zu brechen. Fünfzehn Gespan- 
schaften wandten sich jetzt bald an König Ferdinand als den 
allein möglichen Retter, und nach einigen Verhandlungen kam 
es sogar am 29. Dezember im siebenbürgischen Gyalu, wo sie 
mit dem Kinde unter der Obhut Martinuzzis residierte, zu einem 
neuen Vertrag mit Isabella auf Grund der Grofswardeiner Be- 
dingungen. 

Ja die antitürkische Bewegung schlug ihre Wellen bis weit 
nach Westen; jetzt zum ersten Male wurde eine Reichsarmee 
mit einem Reichshauptmann gebildet, um auf Kosten der Fürsten 
und Städte des Reiches in Ungarn einzudringen und Ofen den 
Händen der Türken zu entreifsen. Es erfolgte im Sommer des 
Jahres 1543 der interessante, nicht gerade lange vorbereitete 
und schlecht geführte Zug des Markgrafen Joachim von Branden- 
burg, der einen tragikomischen Ausgang nahm ^). 

Am 14. Januar 1542 trat ein Reichstag zusammen, um sich 
vorzüglich mit der neu aufgetauchten und nähergerückten Türken- 

i) Hammer, z. J. 

2) Bericht Herbersteins in Kovachich, Ungedruckte Stücke S. 259ff. ; Be- 
richt des Sekretärs seines Kollegen, ungedruckt, bei Fefsler-Klein III, S. 51?, 
Anm. I zitiert. Vgl. Katona XXI, S. 85. 

3) Giovio, Istvänffy. 

4) Über diesen Zug siehe Hermann Traut, Kurfürst Joachim 11. von 
Brandenburg und der Türkenfeldzug vom Jahre 1542; Gummersbach 1892, 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 15 

g'efahr zu beschäftig"en ; auch die protestantischen Fürsten waren 
bereit, das Ihrige zu dem zu veranstaltenden Zug^e beizutragen. 
Schon war unter der Mehrzahl der Fürsten, ohne Unterschied 
der Religion — die damals ja im übrigen die politische Stellung 
eines jeden bestimmte — vereinbart worden , dafs Kurfürst 
Joachim IL von Brandenburg die politisch geeignetste Persönlich- 
keit sei, die Führung des Krieges in die Hand zu nehmen. Aber 
erst am 9. Februar wurden die Sitzungen des Reichsparlaments 
eröffnet. König Ferdinand zeigte sich geneigt, zum Wohle der 
Christenheit, d. h. seines Anteils an dem zerrissenen Ungarn und 
seiner erblichen österreichischen Staaten, 20000 Reiter, Geschütze 
und eine Donauflotte zu stellen, und der Papst sandte das Ver- 
sprechen, 10 000 Mann Fufsvolk zu besolden. Ja man glaubte 
teilweise sogar an die Möglichkeit einer Hilfe von schweizerischer 
und französischer Seite und einer Allianz mit Venedig, das den 
türkischen Akindschis seine Pässe sperren sollte. Und weil bei 
dem langsamen Eingehen aller Reichssteuern mit Geldmangel 
gerechnet werden mufste, so trat Joachim noch im Winter 1541 
mit dem wieder eingesetzten moldauischen Fürsten^ Peter Rares 
in Beziehungen. 

Peter hatte in Konstantinopel bedeutende Schulden und sein 
Kharadsch war erhöht worden ^) ; er war von Janitscharen um- 
geben, die alle seine Bewegungen überwachten ; schon hatte man 
seinen Sohn Ilie als Geisel einverlangt, so dafs der Vater, wie er 
sich selbst ausgedrückt haben soll , ihn bereits als tot betrach- 
tete-); außerdem schmerzte ihn die Festsetzung der Türken in 
Bender, in Orheiü und dem ganzen benachbarten Gebiete, die 
ihn zu ihrem bedingungslosen Werkzeug herabzuwürdigen geeignet 
war. So war er entschlossen, eine solche erniedrigende Stellung 
nicht länger zu dulden; es war der Wunsch seines Herzens, 
einen „starken und beständigen christlichen König" gegen die 
Türken erstehen zu sehen, um sich ,,ihm selbst anzuschUefsen 
und mit allen Kräften zu helfen" ^). Auch sein Nachbar, der 

1) Hurmuzaki, Supl. P, S. 2, Nr. v: 12000 Skudi. 

2) Hurmuzaki II, S. 224, Nr. cxci : Erklärungen an den polnischen 
Dolmetsch Nikolaus den Armenier; 2. Juni 1542. 

3) „ Si viderem quod aliquis rex christianus potenter et fideliter insnrgeret 



Iß Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Walache Radu Paisie, zeigte sich der immer wachsenden Geld- 
fordening-en der Pforte überdrüssig- ^). 

Nach Verhandlungen, deren Einzelheiten unbekannt geblieben 
sind, verpflichtete sich der Moldauer, um seinem christlichen 
Glauben treu bleiben zu können und seine verlorenen Schlösser 
wiederzugewinnen, am i. März 1543 dazu, für das christliche 
Heer, das er schon aufgebrochen wähnte, Kundschaft einzuziehen, 
bei gemeinsamer kriegerischer Aktion den ,, türkischen Kaiser" 
zu verraten und ihn lebendig oder tot dem Reichshauptmann zu 
überliefern und gegen Bezahlung 30000 Ochsen zur Verprovian- 
tierung des christlichen Heeres ihm durch Polen zuzuführen; 
dafür wollte er nach erwünschtem Siege als Mitglied des Heiligen 
Römischen Reiches anerkannt werden -). 

Am 26. März wurde Joachim in aller Form zum Leit er des 
Unternehmens gewählt; bereits am i, Mai sollte er in Wien 
sein. Seine Ankunft verzögerte sich, weil er noch Truppen und 
Gelder vom Regensburger Reichstage, den böhmischen und 
mährischen Ständen und den Ungarn erwartete , die ihm ihre 
Unterstützung schon im Februar zugesagt hatten, als sich auch 
Isabella entschlofs, die königliche Erbschaft ihres Gemahls ab- 
zutreten'^). Noch am 24. Juni, zwei Wochen nach seiner An- 
kunft in Wien , fehlten Joachim die Mittel , um mit seinen 
30000 Fufsknechten und 4000 deutschen Reitern ins Feld rücken 
zu können; der Moldauer mufste ihm 200 000 Dukaten — deren 
Hälfte der Verkauf der aus der Moldau geschickten Ochsen auf 
dem polnischen Jahrmarkte zu Jaroslaw ergab — leihen; dafür 
versprach ihm Joachim, im Falle er den Sultan in seine Hände 
liefere, 300000 oder gar 500 000 ungarische Dukaten *). Zahl- 



contra Turcos, tunc fideliter adhererem illi et omnibus viribus adiuvarem eum"; 
siehe die schon zitierte , dem Dolmetsch Nikolaus abgegebene Erklärung ; vgl. 
Hurmuzaki X, S, i ff. 

1) Hurmuzaki II, S. 228 — 229, Nr. cxcYll. Schon 1541 hatte er heimlich 
Beziehungen zu den Deutschen unterhalten; Pray II, S. 108 f.; Hurmuzaki 
II*, S. 280 — 281. 

2) Papiu, Tesauru de monumente istorice III, S. 13 ff. 

3) Traut S 54. 

4) Papiu a. a. O. S. 19 ff. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. l"? 

reiche Söldner waren unbezahlt oder die Zahlung-sfrist schon 
wieder vorüber ^). 

Am 7. und 8. Juli wurde von Ferdinand und der König^in 
Anna grofse Heerschau g-ehalten : die Truppen machten den Ein- 
druck „eines trefflichen, auserlesenen guten Krieg-svolks " -). Es 
waren brandenburgische eisengepanzerte Knechte des „Schwarzen 
Herzogs", päpstliche Italiener mit Vitelli, Sforza, Tornielli an 
ihrer Spitze •^) und verschiedene Kontingente der spät und schlecht 
zahlenden Reichsfürsten; Giangiacomo de' Medici befehligte die 
Donauflotte. Die Ungarn waren gering an Zahl und bildeten 
ein sehr mifstrauisches und unsicheres Element, weshalb man 
sie dann später auch nicht in den Schanzen duldete; im Namen 
vieler Edelleute erklärte Thurzo die Zustände im Reiche Ungarn 
für derart, dafs ein allgemeines Aufgebot des Adels ganz un- 
möglich sei ^). Denn in der Tat hausten die Akindschis im 
Herbste 1541 in Mähren bis zur Waag, auf den Gütern Emerich 
Balassas, in Kroatien bis Agram hin und in der Steiermark, und 
es verlautete , dafs sie mit dem Frühlinge zurückzukehren ge- 
dächten •''). Die 8000 böhmischen Reiter Ungnads lagen im Juni 
an der Drau, dann zwischen Fünfkirchen und Stuhlweifsenburg ''). 
Die Türken fürchteten aber, wenn des Rares Nachrichten recht 
hatten, einen Angriff der Deutschen auf Fogaras ''). 

Als das christliche Heejv^ von den in Nürnberg versammelten 
Ständen durch neue Verheifsungen angespornt, Wien endlich ver- 
liefs, geschah es w^eniger, weil man einem noch nicht erschienenen 
Feind entgegengehen oder Ofen, wo der Albanese Bali -Pascha 
nach dem Hintritt Solimans als ,, Stellvertreter Seiner allermäch- 
tigsten und unüberwindlichsten kaiserlichen Majestät im Reiche 
Ungarn" '') über eine starke Besatzung gebot, belagern wollte, 

i) Traut S. 57. 

2) Ebenda S. 58. Eine glänzende Revue der Galeeren und 130 anderen 
Schiffe fand am 12. August bei Gran statt; ebenda S. 79. 

3) Vgl. „Mon. Hung. Hist., Dipl." XVI, S. 165—166. 

4) Traut S. I28f. 5) Ebenda S. 102. 6) Ebenda S. 78. 

7) Hurmuzaki U, S. 226, Nr. cxciv. 

8) ,, Bali-Pascha, locumtenens potentissimae ac invictissimae Caesareae Maies- 
tatis Budae et in hoc regno Hungariae constitutus" ; Traut S. 139. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. 2 



18 Erstes Buch. Erstes Kapitel, 

sondern um der anarchischen Unordnung unter den unbezahlten 
Söldnern ein Ende zu bereiten. So wurde denn auch, angeb- 
lich gegen den Rat Perenys, Medicis und Ungnads, nicht Ofen 
selbst, sondern das schwache Pest zum Objekt des Angriffs aus- 
ersehen. Erst am 2. September stiefsen einige ungarische Scharen 
zum deutschen Heere; der Herbst machte sich durch ,, trefflich 
Kalt und ein unzeitiges Gewitter" unangenehm fühlbar: viele 
gingen ,,an Hunger und Frost" zugrunde, so dafs am ii. Sep- 
tember die Hauptleute tumultuarisch die Rückkehr verlangten. 
Dennoch stand das Heer am 15. auf der Andreasinsel vor Pest. 
Einige Erfolge bei einem Zusammenstofse zwischen den christ- 
lichen und türkischen Schiffen mochten als ein schwacher Aus- 
gleich für das ausgestandene Elend gelten , obwohl die Türken 
auch zu Wasser bald die Oberhand gewannen ^). Waitzen wurde 
besetzt und der zweite Donauarm überbrückt 2). Doch erst am 
28. begann die eigentliche Belagerung Pests und die 1 1000 Türken 
Bali-Paschas, Ulamas, Murads von Klis und des Janitscharen-Segban- 
baschas Jussuf waren mehr als genügend, um der meuterischen 
Menge, Leuten, die nach dem Urteile Balis ,,gern muessig schlafen 
und werden vol Wein 3)", Widerpart zu halten. 

Der nach der Donau beorderte Beglerbeg Rums brauchte 
sich ihretwegen nicht allzusehr zu beeilen^); der walachische 
Woiwode Radu , der ihn begleiten sollte , machte sich freilich 
im September nur sehr ungern in der Richtung des von den 
Türken besetzten Schlosses Severin auf^), und man befürchtete 
auch durch den Ojtuzpafs einen neuen Einfall des Moldauers ^), 
der den Türken einen Gesandten Ferdinands überlieferte ''). 
, Aber als er im September wirklich kam, wurde Peter von Mar- 
tinuzzi, dessen Leitung sich alle Stände untergeordnet hatten, 
über das Gebirge zurückgejagt *). Er war bis zu seinem früheren 
Besitz Küküllövar, rumänisch Cetatea-de-Baltä, vorgedrungen und 



i) Istvänffy S. 153«. 2) Traut S. gSff. 

3) Traut S. 104, Anm. i. 4) Istvänffy S. 154 ff. 

5) Hurmuzaki II, S. 232 ; lI"*, S. 309 — 310. 

6) Hurmuzaki II, S. 233(1. 7) Ebenda S. 235; Supl. II S S. 166. 
8) Am 30. des Monats war der „Möncli" in Bistritz; ebenda II, S. 238 — 239, 

Nr. ccvil. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 10 

hatte das Schlofs, das noch heute die von ihm gestiftete, jetzt 
dem kalvinischen Gottesdienste geweihte Kirche aufweist, sechs 
Tage hindurch vergeblich belagert ^). 

Der Kampf um Pest zog sich einige Tage hin. Ein Versuch 
Vitellis und Perenys, die Türken (am i. Oktober) in einen Hinter- 
halt zu locken und sie dann in Masse niederzumetzeln, mifslang; 
nur wenige hundert fielen im Handgemenge. Am 4. Oktober hatten 
die christlichen Geschütze wirklich drei Breschen in den Wällen 
Pests eröffnet; aber ein noch am selben Tage unternommener 
und ohne Ordnung durchgeführter Sturm, dem der oberste Haupt- 
mann wie auch Ungnad freilich tatenlos zusahen, wurde für die 
Italiener, die das meiste dabei taten, verhängnisvoll. Vitelli 
stimmte trotzdem für Verlängerung der Feindseligkeiten, aber 
seine Meinung drang im Kriegsrate nicht durch. Am 9. Oktober 
brachen die Christen ihr I^ager ab und traten unter grofsen 
Schwierigkeiten den Rückzug an ; den kühn nachdrängenden 
Bosniern vermochte die gepanzerte deutsche Reiterei kaum zu 
wehren. Joachim wurde jetzt von vielen der Unfähigkeit und 
sogar des Verrats beschuldigt; er selbst hatte Pereny unter 
demselben Verdachte in Gran verhaften lassen ^). Das End- 
ergebnis des Ganzen war, wie ein Zeitgenosse sagte: ,,ein 
Nullitet" 3). 

Peter Rare^, dessen Sohn am 19. Mai die Donau über- 
schritten hatte, was auf seine Politik einen wesentlichen Einflufs 
haben mufste ^), hatte im August ganz zutreffend geschrieben ^), 



i) Ureche S. 204; Hurmuzaki II, S. 238 — 239, Nr. ccvil; S. 240, 
Nr. ccix; Supl. 11 ', S. 162 ff. Dagegen erkennt Radu König Ferdinand im Ja- 
nuar 1543 als seinen Oberherrn an; Hurmuzaki II, S. 240 ff. 

2) Die Beweggründe dafür gibt Ferdinand selbst an; Hurmuzaki II *, 

s. 315. 

3) Traut S. 115 ff. 

4) Vgl. Hurmuzaki II, S. 225, Nr. cxcii; IP, S. 324, Nr. CLXXXViii; 
Ureche S. 205: 15. Mai 1544, Datum der Abreise. 

5) J°rj,'ä> Acte §i fragmente I, S. 108— iio; vgl. Traut S. 104, Anm. 3. 
Ebenso berichtete der walachische Fürst; Hurmuzaki II, S. 228 — 229, Nr. cxcvii- 
vgl. auch S. 227—228, Nr. cxcvi ; S. 228 — 229, Nr. cxcvir; S. 229-230, 
Nr. cxcvni; II*, S. 299 — 300. 

2* 



20 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

„Türkischer Kaiser kerne dis Jar aigner Person nit, sonder schick 
hundert tausent (!) Mener seines besten Krig-svolks Ofen und 
Hungern zu retten", dafs aber Soliman mit dem Frühlinge seinen 
„Auszug" nach Ungarn vorbereite, wozu er ,,alberit in allen 
seinen Landen angebottcn und die Seinen in Rüstung gefordert" — 
angeblich um „ganz Deutschland zu verderben". Der stolze 
Kaiser war verpflichtet, und die Zeit war gekommen, seiner 
ungarischen Politik eine andere Richtung zu geben. 

Um die persische Gefahr sorgend und in dem Wunsche, 
am Euphrat eine natürliche und sichere Grenze zu erlangen, 
hätte Soliman den Fortbestand des unter Johann Zäpolya ge- 
schaffenen Verhältnisses ohne Zweifel sehr gern gesehen. Als 
der Sultan nach dessen Tode den Sohn als alleinigen Herrscher 
Ungarns unter seiner Oberhoheit anerkannt hatte und die Truppen 
Ferdinands einige Donaustädte von der Erbschaft losrissen, war 
es Soliman sich schuldig, selbst zu erscheinen, um die Feinde 
durch seine Anwesenheit einzuschüchtern, die türke.nfreundliche 
Partei Martinuzzis zu ermutigen und Ofen vor einem Angriffe 
oder Verrate, wie ihn die KöniginwfEwe^irTTerson begünstigte, 
zu sichern. Wenn er die Hauptstadt des ungarischen Reiches, 
d. h. der einmal eroberten und dann einem getreuen und zins- 
pflichtigen Vasallen verliehenen Provinz Ungarn zeitweilig, bis 
zur Majorität des Thronerben, einem türkischen ,, Stellvertreter 
für ganz Ungarn" anvertraute, so handelte er aufrichtig und 
durchaus ehrlich , da er keine Annexionsgelüste bezeigt hatte. 
Nun aber war seine, mit seinen Janitscharen, Spahis, Akindschis 
besetzte Stadt Ofen von einem deutschen Heere, dessen Auf- 
stellung hauptsächlich dem seit vielen Jahren immer wieder um 
Waffenstillstand bettelnden Ferdinand in Rechnung zu stellen 
war, angegriffen worden; Muselmanen waren bei der Vertei- 
digung einer Stadt gefallen, die ihren christlichen Charakter noch 
behalten hatte und in der die Türken nur in der von Soliman 
zur Moschee geweihten Marienkirche ein Bethaus hatten. Solche 
Ereignisse konnten sich wiederholen und mufsten, trotz augen- 
blicklichen und sehr natürlichen Mifslingens der feindlichen Ten- 
denzen, doch das Ansehen des Reiches schmälern. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 31 

Der Vertrag', den Isabella im Februar mit Ferdinand ge- 
schlossenTiäHe, war em Treubruch gegen den Kaiser, der allein 
über seine Eroberungen zu bestimmen hatte, und ein übler Dank 
für die 1541, wenn auch in türkischem Interesse, gewährte Unter- 
stützung. Zahlreiche Ungarn waren im Reichsheere gewesen; 
mit nichts hatte die Königin und die beiden Vormünder ,, König 
Stephans" dem osmanischen Reiche, das auch das ihrige sein 
sollte, Vorschub geleistet, sondern als müfsige Zuschauer den 
Ausgang des Kampfes um Pest abgewartet. Petrovics hatte 
sich 1542 damit entschuldigt, dafs seine Truppen das Land vor 
der Verheerung durch das türkische Heer schützen müfsten, 
Martinuzzi damit, dafs er ,,nur auf die Ankunft des Grafen 
von Temesvär (Petrovics) geharrt"^), während er in Wirklich- 
keit seine Siebenbürger, die ,,alle unbeständige Diebe" seien, 
nicht aus den Augen zu lassen wagte. So war Soliman , als 
sein Eingreifen nötig geworden war, durchaus berechtigt, ohne 
weitere Rücksichten Ofen als seinen Besitz anzusehen und rund 
um diese erst jetzt für immer annektierte Stadt herum aus den 
kurz zuvor von den Deutschen besetzten Städten Waitzen, Vise- 
gräd, Gran, Stuhlweifsenburg und Fünfkirchen eine Raja, eine 
Provinz zu bildeo. 

Dies war das Ziel des Krieges, den der Sultan 1543 in 
Ungarn zu führen dachte. Von der regelmäfsigen Korrespon- 
denz, die Bruder Georg mit Ferdinand unterhielt, um diesen 
von den Gesinnungen des walachischcn Woiwoden, der ,,Un- 
zuverlässigkeit" des Moldauers zu unterrichten '-), hatte die Pforte 
vermutlich ebenfalls Kunde •^). ,, Bruder Georg", der ein kluger 
Diplomat im italienisch -orientalischen Stil genannt werden darf, 
hatte sich als Stellvertreter des christlichen Königs, als Anwalt 
seiner Sache in Siebenbürgen gegen die Annexionsgelüste des 
Peter Rares aufgespielt ^) , und war von der Anerkennung der 



1) Hurmuzaki, Suppl. U', S. 165. 

2) Ebenda II, S. 226 ff. 

3) Ebenda 11*, S. 328. Über seine Beziehungen zu Khosrew - Pascha siehe 
„Mon. Com Trans." I, S. 158 ff. ; Hurmuzaki II*, S. 332. 

4) Hurmuzaki II*, S. 346. 



23 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Oberherrlichkeit Ferdinands durch die deutschen Städte Sieben- 
bürg-ens unterrichtet gewesen ^). 

Der Krieg'szug" des Jahres 1543 zeigt also einen von früheren 
verschiedenen Charakter, Diesmal will Soliman nichts weiter, 
als für sein neues Paschalik Ofen feste Grenzen bis zur Donau 
hin gewinnen. Schon im Frühling hatten die Befehlshaber in 
Bosnien und im dalmatinischen Klis die Schlösser einiger mehr 
oder weniger freien Feudalen oder Glücksritter an der slawo- 
nischen Grenze angegriffen. So fiel nach kurzem Widerstände 
ein Schlofs Urban Battyanys in türkische Hände ; ein anderes 
Stephan Banffys folgte; ein drittes war das, welches Keglevich, 
der von Nikolaus Bänffy kürzlich gefangen genommen war, als 
er die Türken zu Hilfe rufen wollte, Katharina Battyäny, der Witwe 
des serbischen Titular-Despoten Johann, entrissen hatte ; Rahocza 
verliert der Raubritter Ladislas More, der seine Nachbarn zu 
überfallen und bis zur Zahlung eines hohen Lösegeldes ein- 
zusperren pflegte; sein Verwandter Stephan Losonczy Nona; More 
mit seinen zwei Söhnen nahmen in Konstantinopel den musel- 
manischen Glauben an, um dem verdienten Kerker zu entgehen. 

Soliman hatte den Winter in Adrianopel zugebracht und 
verliefs die Stadt am St. Georgstage (dem 18. Muharrem), als 
dem hergebrachten Termin für den Beginn eines Feldzugs 2). 
Anfang Juni überschritt er bei Semendria die Donau und ver- 
einigte sich mit Ulama und den anderen Führern der Akindschis 
an der Grenze. Das ganze Heer setzte sich dann in Bewegung, 
um die Schlösser einzunehmen, die das rechte Ufer der mitt- 
leren Donau verteidigten und beherrschten. 

Nirgends hielt ihn ein christliches Heer auf. Denn Ferdinand 
hatte keinerlei Mafsnahmen getroffen, einem so starken Feinde 
im Felde die Spitze bieten zu können. Er hatte sich vielmehr 
darauf beschränkt, in das Gebiet, das teils dem unglücklichen 



i) „Archiv des Vereins für siebenbiirgische Landeskunde", N. F. III, 
S. 189 — 190; Hurmuzaki II*, S. 341 — 342. 

2) Die Beschreibung des Alais in Hanimer. Ein Kundschafter des vva- 
lachischen Fürsten weilte im April in Prefsburg ; Hurmuzaki II, S. 243 — 244, 
Nr. ccxu. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 33 

Kronprätendenten Peter Perenyi, teils ihm selbst, nicht, wie in 
Slawonien, verschiedenen edlen Geschlechtern gehörte, Proviant 
und Truppen verschiedener Herkunft, meist deutsche und unga- 
rische, aber gelegentlich auch italienische oder spanische Söldner 
zu schicken, wie z. B. den Befehlshaber Francesco Salamanca 
in Gran. Auch keine christlichen Schiffe kreuzten diesmal auf 
der Donau und keine fremde Hilfe stand in Aussicht. Der 
Nimbus eines Kreuzzuges ging diesmal dem Kriege gegen den 
mächtigen Sultan ab; erst als der Eroberungszug bereits voll- 
bracht war, kamen die 4000 Mann päpstlichen Fufsvolks unter 
Giulio Orsino und Battista Sabello an ^). Jeder Schlofshaupt- 
mann und Söldnerführer schlug sich nach eigenem Gutdünken 
und auf eigene Verantwortung herum. Ebensowenig wie ein 
Kriegsplan und Entsatzheer war eine organisierte und allgemein 
anerkannte Regierung vorhanden, und mit Recht konnten die 
ungarischen Stände im September laute Klage erheben, dafs 
man das Land ,, seinem Schicksale überlassen habe". So kam 
es, dafs die Bauern zahlreicher Dörfer ihre Herren angriffen und 
sich aufs schnellste der volkstümlichen und volksfreundlichen 
türkischen Regierung unterwarfen. 

So bieten die Ereignisse dieses von Soliman in Person ge- 
führten Krieges ^) nur für den Interesse, der die lokale Geschichte 
verfolgt oder Beispiele für die Art und Weise sucht, wie man 
damals Schlösser und Städte verteidigte. Dieselben Umstände 
kehren in den einzelnen Momenten des Zuges beständig wieder. 

Valpö an der Drau, eine Besitzung der Familie Perenyi, 
wurde noch vor der Ankunft des Sultans durch Vertrag mit 
der ungarischen Besatzung genommen (23. Juni); das war die 
Strafe für Peter Perenyis Abfall ^). Das benachbarte starke 
Felsennest Sziklos, das ebenfalls den Perenyis gehörte, hatte 
dasselbe Schicksal (7. Juli) *). Dagegen wurde das links davon 



i) Istvänffy S. 167. 

2) Er wurde wie gewöhnlich am 23. April begonnen; Hurmuzaki II*, 
S. 343 — 345. Am I. Juni verliefs Soliman Sofia; S. 346. 

3) Siehe auch Leunclavius Sp. 792. 

4) Siehe auch Th einer, Mon. Slav. merid. I, S. 654; Hurmuzaki U*, 



24 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

gelegene Sziget, eine Besitzung des unglücklichen Valentin Török, 
verschont, und die ganze osmanische Macht, mit dem Sultan, 
dem Wesir Ibrahim, den beiden Beglerbegs, Achmed und Ibrahim, 
und dem Janitscharen-Aga Ali wandte sich gegen Fünfkirchen. 
Dies war die erste Stadt, die nach dem Tode Zäpolyas an Fer- 
dinand gefallen war. Die berühmte, einst stark besuchte Schule 
bestand freilich nicht mehr; der Bischof jedoch residierte noch 
daselbst und mufste vor den Türken fliehen ; der ungarische 
Befehlshaber, der über 2000 von den steirischen Ständen be- 
zahlte Söldner verfügte , war abwesend ; die Bevölkerung zer- 
streute sich bei der Nachricht von der Annäherung der Feinde 
aufs eiligste, so dafs noch vor der Einnahme von Siklos einige 
Rottenführer der bosnischen Sandschaks Fünfkirchen zu besetzen 
vermochten ^). So konnte denn Soliman am 20. Juli, in diese 
bedeutende Stadt seinen Einzug halten. ^^ 

Von hier aus ging es nach Gran weiter, dessen spanische 
Besatzung jedoch Türken und zahlreichen Tataren hartnäckigen 
Widerstand zu leisten wagte -). Drei Stürme wurden abgeschlagen 
und ein energischer Angriff auf die osmanischen Donauschiffe 
unternommen, die Ali-beg und dem Befehlshaber von Szegedin 
anvertraut waren '^) ; erst als Ulama von der Insel aus eine er- 
folgreiche Beschiefsung der Wälle begann, mufste Salamanca 
mit dem Wesir unterhandeln, und am 10. August verliefsen die 
Spanier Gran: — das nunmehr türkische Ostrigon — , nachdem 
sie noch bei der Bestattung der Toten und "dei^ Reinigung der 
Stadt mit Hand angelegt hatten; einige Italiener traten zum 
mosleminischen Glauben über. Gleich danach fiel durch Verrat 
der feigen Besatzung auch Tata an die Türken. Das starke 
Stuhlweifsenburg — von den Türken nach dem slawischen Stol- 



S. 351 ; „Mon. Hung. Hist. Dipl." XVI, S. 171— 172 ; dann VerancsicsS. 23iflF. ; 
Sirmius S. 383 ff. 

i) Hammer berichtigt derart nach den zuverlässigen osmanischen Quellen 
die in den christlichen gegebene falsche Aufeinanderfolge der Ereignisse : Ein- 
nahme Fünfkirchens durch Soliman selbst nach dem Falle von Sziklos. 

2) Beginn der Belagerung am 23. Juli; Theiner a. a. O. ; „Mon. Hung. 
Hist." a. a. O. S. 173. 

3) Hammer; Verancsics und Sirmius a. a. O. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 35 

Beligrad genannt — , lag vor dem siegreichen osmanischen Im- 
perator. 

Soliman langte am 20. August mit seiner ganzen Macht an. 
Der Befehlshaber, der Ungar Varköczy, fiel bei der Verteidigung 
der eigentlichen Stadt, als es den Türken gelungen war, in die 
starke Vorstadt einzudringen (2. September) ^). Bald darauf 
mufsten sich die Reste der deutschen , italienischen und unga- 
rischen Besatzungstruppen ergeben. Sie erhielten freien Abzug; 
dagegen wurden die Einwohner als Rebellen gegen ihren Kaiser 
behandelt, ins Lager gebracht und zahlreich hingeschlachtet; 
ihren sonstigen Besitz erhielten die neuen Spahis, ihre Häuser 
die Janitscharen , die die Wacht übernahmen (4. September). 
Die königlichen Gräber schonte man aber voller Pietät. 

Jenseits der Donau befanden sich Raab und Komorn , die 
Schlüssel der ganzen oberungarischen Landschaft, in gutem Ver- 
teidigungszustande. Die bekanntesten magyarischen Edelleute 
auf Seiten Ferdinands waren entschlossen, sich den räuberischen 
.Tatarenscharen Emin Sultans, des Sohnes Sahib-Girais, wie dem 
osmanischen Kaiser selbst aufs äufserste zu widersetzen. Hier 
an der oberen Donau zuerst erlagen abendländische Krieger den 
zahllosen leichten Pfeilen der krimschen und der seit kurzem 
in der Dobrudscha angesiedelten nogaischen Tataren, aber auch 
viele der Söhne der Wüste liefsen in den Wäldern und Sümpfen, 
in die sie auf ihrer schnellen Jagd gerieten, ihr Leben ; aus den 
blutigen Säcken der Tataren rollten zu Füfsen der türkischen 
Grolsen Hunderte von abgeschnittenen Christenköpfen, und nie- 
mand fragte danach, ob sie einem feindlichen Führer oder ge- 
meinen Bauern gehört hatten. 

Nach einem dreitägigen Aufenthalte in Ofen, wo nun der 
dritte Pascha Mohammed Jahjaogli an der Stelle des im Früh- 
ling gestorbenen Balibegs waltete -) , und einem schwierigen 
Rückmarsche in regnerischer Jahreszeit langte der siegreiche 
Soliman Ende November wieder in Konstantinopel an 3). Der 
Wesir folgte erst, nachdem er einige Wochen auf dem Rakos- 

1) „Mon. Hung. Hist., Dipl." XVI, S. 182, 

2) Siehe Sirmius S. 399. 

3) 17 Schaban; Leunclavius Sp. 793. 



26 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

felde verweilt hatte ^). Bei der Nachricht , dafs das ganze tür- 
kische Heer Ungarn geräumt habe und nur einige tausend Asapen, 
Martolodschen , Beschlis von der Garde, Freiwillige oder Gö- 
nüilüs nebst Kadis und Imams in den gewonnenen Städten ver- 
blieben seien, zerstreuten sich die ungarischen, mährischen und 
böhmischen Truppen wieder, die man zur Abwehr weiterer Ge- 
fahr zusammengebracht hatte -). 

Der tatsächliche Besitz der Türken in Ungarn war freilich 
durch Solimans Erfolge im Jahre 1543 noch kein abgerundetes' 
Ganzes geworden. Die Aufgabe , dieses Ziel zu erstreben , lag 
von nun an wieder den Grenzbegs ob, die sämtlich dem Ofener 
Pascha unterstanden ; um Streifzüge in christliches Gebiet zu 
unternehmen oder schlecht verteidigte Plätze in ihrer Nähe an- 
zugreifen , bedurfte keiner von ihnen erst eines ausdrücklichen 
Befehls von der Pforte. Der Kadi Chalil hatte das Tefter, das 
Inventar der kaiserlichen Besitzungen in Ungarn aufgenommen ; 
eine langwierige Arbeit, da sie neben dem Grund und Boden 
auch Gebäude und Bäume, ja alle Kostbarkeiten und alles Gold 
in den Gräbern der ungarischen Könige umfafste. Auch die 
Schlösser aller ungarischen Grofsen, die sich durch besiegelte 
Urkunden dem Sultan unterworfen hatten oder als Gefangene im 
konstantinopolitanischen Kerker der Sieben Türme schmachteten, 
also die eines Török, eines Perenyi, eines Homonay, w^aren 
darin verzeichnet, und jeder kaiserliche Offizier hatte die Pflicht, 
alles, was seinem Herrn von Rechts wegen gehörte und sich noch 
in fremden Händen befand, bei passender Gelegenheit in Be- 
schlag zu nehmen. 

So ging zuerst 1544 der Pascha von Ofen mit seinem Bruder, 
dem Befehlshaber von Stuhlweifsenburg, ferner den Sandschaks 
von Mohäcs und Szegedin und den Scharen des Akindschi- 
führers Murad von Poschega gegen das starke, an der Donau 

i) Istvänffy, dann Verancsics, Stella, De Turcarum successibus in 
Schwandtner I; Giovio. 

2) Über diese ergebnislosen Vorbereitungen Fefsler, nach Buchhol tz V, 
S. 203 flf. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 37 

in der Ecke zwischen Gran und Waitzen gelegene Visegräd vor. 
Sie nahmen das untere Schlofs mit Leichtigkeit ein, während 
zum Transport der Geschütze gegen das obere Kamele und 
Büffel herbeigebracht werden mufsten, Mangel an Wasser und 
die Gewifsheit, dafs die erflehte Hilfe von keiner Seite zu er- 
warten war, nötigte den ungarischen Befehlshaber Amady, beide 
Schlösser zu übergeben. Doch rettete er die ungarische Besatzung 
dadurch nicht; als Rebellen wurden die Verteidiger hingemetzelt ^). 

Darauf besetzten die Türken , ohne Widerstand anzutreffen, 
zum ersten Male einige jenseits der Donau belegene Plätze, 
wie die bischöfliche Stadt Nögräd, Orosfalva und Hatvan. Etwas 
später freilich erlitten die Graner Janitscharen auf einem nächt- 
lichen Zuge nach Leva bei Szalka gegen Franz Nyäry und die 
Komorner eine Niederlage '-). 

Im Süden erreichte der osmanische Angriff schliefslich das 
entfernte Tolna ^) , und es gelang auch hier, das Land von den 
Überbleibseln der christlichen Herrschaft zu säubern. Zu gleicher 
Zeit schlössen die Bosnier mehrere Schlösser an der slawonisch- 
kroatischen Grenze ein; Velika wurde dem Ulama und seinem 
herzegowinischen Heergesellen Malkotsch von den dorthin ge- 
flüchteten Bauern übergeben ; auch hier machte man die Kapi- 
tulanten nieder. Das Warasdiner Gebiet hatte von neuem unter 
der räuberischen Wut der Akindschis zu leiden. Vergebens 
versuchten Nikolaus Zrinyi und Georg Blindenstein, der deutsche 
Befehlshaber in Steiermark und Kärnten, dem Unheil zu wehren; 
sie verloren den Tag von Lonska, und Bildenstein hätte auf der 
wilden Flucht fast das Leben in sumpfigem Grunde ein- 
gebüfst ■*). 

Diese letzten Errungenschaften der Türken liefsen Friedens- 
verhandlungen als möglich erscheinen. Denn ihre Begs herrschten 
nun in Ofen, Gran, Stuhlweifsenburg, Mohäcs, Fünfkirchen, Sziklos, 
Nögräd , Hatvan , — diese beiden letzteren dienten ihnen als 
Stützpunkte auf dem linken Donauufer — , in Szekszärd , Vesz- 



l) Stella a. a. O. 2) Istvdnffy S. 1 70 ff. 3) Istvanffy ebenda. 

4) Istvanffy. 



38 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

prem, Szimontornya und, jenseits der Theifs, in Szegedin, und 
eine weitere Ausdehnung' war in nächster Zukunft kaum ratsam. 
Freilich erhoben sie auf alles, was ungarische Edle ihrer Ober- 
hoheit zuerkannt hatten, Anspruch ; aber Geschenke an die We- 
sire hatten doch dem Frieden wirksam vorgearbeitet. 

An erster Stelle hatten die könig-lichen Befehlshaber im 
ungarischen Grenzgebiet Anlafs , an einen Waffenstillstand mit 
dem Pascha von Ofen zu denken. Schon 1544 kam ein Ein- 
verständnis mit Mohammed Jahjaogli zustande ; die Streitigkeiten 
sollten bis zur Rückkehr der nach Konstantinopel geschickten 
Unterhändler ausgesetzt werden. Dieser Waffenstillstand wurde 
noch zweimal verlängert. 

Zu Ende des Jahres 1544 erhielten endlich der Genuese 
Eduard Cattaneo, der im Auftrage des Königs von Portugal mit 
der Pforte über die indischen Interessen der Untertanen desselben 
verhandeln sollte, und ein ungarischer Geistlicher, gleichfalls 
genuesischen Ursprungs, aus der Dogenfamilie Adorno, aus Wien 
Instruktionen ^). Adorno aber starb in Konstantinopel bereits im 
März des folgenden Jahres, und in Worms wurde dem Dr. Nikolaus 
Siccus die schwierige Mission erteilt, durch ausharrende diplo- 
matische Bemühungen von den türkischen Forderungen etwas 
abzuhandeln (Mai). Hassan, der Pfortendolmetsch, und der fran- 
zösische Vertreter arbeiteten ihm entgegen , und einige Monate 
mufste er im Kerker verbringen. Erst der von Kaiser Karl V. 
selbst mit Vollmachten versehene Flame Veltwyck erreichte 
(10. November 1545), durch den neuen Vertreter Frankreichs, 
Blaise de Montluc — nun war der Friede von Crespy zwischen 
Franz I. und Karl V. geschlossen — mehr oder weniger auf- 
richtig unterstützt, einen Waffenstillstand auf 18 Monate 2), 

Im Sommer des Jahres 1546 wurde Veltwyck zum zweiten 
Maie an die Pforte abgeschickt, aber erst im Oktober empfing 
ihn der Sultan in Audienz zur Überreichung der kaiserlichen 
und königlichen Briefe, Endlich kam es am 19. Juni des 
folgenden Jahres zum Friedensschlüsse, und der Bolognese Gian- 



1) Hammer II. 

2) Siehe darüber das Kapitel über die Beziehungen zu Frankreich und Spanien. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 39 

maria Malvezzi, der frühere Sekretär Adornos, blieb als erster 
ständiger Internuntius iri_K.onstantinopel ^). 

Ferdinand behielt seine ungarische Provinz ungeschmälert; 
sie kostete ihm frenich 30000 Dukaten jährlich, im März zahl- 
bar -), und auch das gewöhnliche Geschenk an Falken und Jagd- 
hunden wurde von dem neuen Tributär ausdrücklich verlangt; 
die Dauer des Friedens war auf fünf Jahre festgesetzt ^). Der 
Tod des französischen Königs und der Sieg der kaiserlichen 
Waffen bei Mühlberg über die religiöse Opposition in Deutsch- 
land hatten den Türken den Nutzen dieser neuen friedlichen Be- 
ziehungen zum Hause Österreich in helles Licht gerückt ^). Daher 
beobachteten sie den mit dem Tughra ihres Sultans bekräftigten 
Vertrag pünktlich genug. Als König Ferdinand seine Truppen 
unter Nikolaus Salms gegen Melchior Balassa vorrücken liefs, 
erklärte der Ofener Pascha Mohammed, dafs er keinem der 
streitenden Teile Hilfe zu gewähren willens sei ^). Leva wurde 
von den Deutschen eingenommen und der Rebell nach Sieben- 
bürgen verbannt. Nur die Räuber an der Grenze übten ihr 
altes nutzbringendes Handwerk unbekümmert weiter aus, und 
denen aus Stuhlweifsenburg, die bei Raab Beute suchten, lieferten 
die benachbarten ungarischen Hauptleute eine förmliche Schlacht''). 
Auch erwies sich als unmöglich, in gemischter Kommission über 
die zahlreichen, von der einen oder anderen Seite vorgebrachten 
Klagen zu einer Einigung zu gelangen ''). 

Erst die Zwietracht der beiden Vormünder des jungen Königs 
Zäpolya, Petrovics' und des ,, Mönches", erschlofs das Wicder- 
aufrollen der siebenbürgischen F'rage, die der türkischen 
Habsucht und Ländergier einen neuen Weg ins östliche Ungarn 
jenseits der Theifs und ins eigentliche Siebenbürgen öffnete. 



i) Siehe vorige Anmerkung. 2) Hatvanill, S. 143; nach Fefsler zitiert. 

3) Hammer, Ende des XXX. Buchs; Zink eisen II, S. 858 ff. ; Katona 
XXI, S. 530, 683. Vgl. Istvänffy S. 170; Busbecq, Briefe. 

4) Die Ratifikation seitens Karls V. erfolgte am l. August 1547; Zink- 
eisen a. a. O. S. 864 — 865. Einige Bruchstücke der deutschen Gesandtschafts- 
berichte auch in Hurmuzaki II 

5) Istvänffy S. I75ff. 6) Hammer II. 7) Istvänffy S. 175 ff. 



30 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Der Pforte galt als der berufene Vertreter ihres unmündigen 
ungarischen, und nicht nur siebenbürgischen, Vasallen nicht etwa 
Petrovics, der wie die ganzen neuerdings ins Banat gekommenen 
serbischen Ansiedler unzuverlässig war i), sondern der „Mönch", 
der Bischof von Grofswardein und Schatzmeister des Reiches, 
der ,, erste unter den ungarischen Grofsen", der ,, Seelenhirt und 
Vogt der Christen" ^), der den Türken seit seiner Gesandtschaft 
vom Jahre 1540 bekannt war und von dem sie regelraäfsig jeden 
Herbst ihr Karadsch von loooo Dukaten, nebst Jagdhunden, 
Kriegspferden und anderen Geschenken ^) erhielten *), mit der be- 
ruhigenden Versicherung, dafs die Königin und das Königskind 
,,in der Gnade des allmächtigen Kaisers ein stilles Leben führen ^)". 
Georg liebte als Sohn eines von den Türken getöteten kroatischen 
Edelmanns *') die „Ungläubigen" gewifs nicht, er wufste aber ihre 
Macht richtig einzuschätzen. Er verstand es, 1546, ihrem Be- 
gehren nach Abtretung von Temesvär, Becse und Becskcrek an 
den Sultan geschickt auszuweichen ''). 

In Wirklichkeit war der Mönch fast unabhängiger Herr über 
den ganzen Norden: die Bischofsstädte Grofswardein und Csanäd, 
dann die Schlösser Szathmär, Arad, Szolnok und Bekes waren 
in seiner Hand, während Petrovics nur unter seinen Serben, den 
,,Raszianern" in Temesvär, Lippa, Lugas, Karansebes, vom 
Marosflusse bis zur Donau Anerkennung fand, — sie ehrten in 
ihm den Stammesgenossen, den Spröfsling einer Familie, die 
aus Bosnien , bei Jaice , stammte ^). Vergebens versuchte die 



i) Hurmuzaki, Suppl. II \ S. 163. 

2) „Tanquam pastor et christianorura gubernator"; ebenda II, S. 252, 
Nr. ccxxiv. 

3) Pray II, S. 198 — 200 ; Hurmuzaki II*, S. 471; „Mon. Hung. Hist., 
Script." X, S. 71 — 73; vgl. Hurmuzaki II*, S. 475. 

4) Vgl. ebenda Suppl. II', S. 210, Nr. cxvn. Er trat aber den Weg nach 
Konstantinopel niclit an; ebenda 11*, S. 225; ,,Mon. Hung. Hist., Dipl." XVI, 
S. 95 ff. 

5) ,,In graliam et clementiam potentissimi Caesaris quietam vitam ducent"; 
ebenda S. 254, Nr. ccxxvi. 

6) Verancsics, „Mon. Hung. Hist." IX, S. 183 ff. 

7) Ebenda S. 187 — 188; vgl. S. 197. 

8) Forgach, Commentarii (Prefsburg-Kaschau 1788) S. 2 — 3; vgl. oben. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 31 

Königin sich dieser drückenden Vormundschaft zu entledigen : 
ganz Siebenbürgen gehorchte Martinuzzi, er vermochte ihr den 
Eintritt in diese oder jene Stadt des Landes zu verwehren ^). 

In kurzer Zeit aber gelangte von mehreren Seiten die Nach- 
richt an die Pforte, dafs der vom Kaiser eingesetzte Gubernator 
des unter türkischer Botmäfsigkeit stehenden Ungarn mit dem 
„Könige von Wien" einen Vertrag abgeschlossen habe, dem- 
zufolge der kaiserlich türkische Vasall in Siebenbürgen gegen 
eine bedeutende Entschädigung sein Land verlassen sollte ^). 
Petrovics war unter solchen Umständen sicher , dafs ein Einfall 
in das Gebiet seines Nebenbuhlers bei den Türken einer wohl- 
wollenden Beurteilung begegnen werde. Er drang mit 3000 Serben 
unter Nikolaus Kerepowitsch durch die Haczeger Pässe, griff 
einige Festungen im Westen der Provinz an und erreichte 
Weifsenburg. Alwincz w^urde eingenommen, Csanäd eingeäschert •^) 
(Sommer 1550J. Doch auch diesmal erwies sich Georg als der 
Stärkere : zunächst schlofs er mit den Gegnern einen Waffen- 
stillstand, erhob, als dieser gebrochen wurde, vor den Land- 
ständen in Torda feierlich Klage, verjagte (im Oktober) den 
Petrovics und zwang, von allen Siebenbürgern unterstützt, von 
den Szeklern stürmisch begrüfst und von dem Befehlshaber in 
Wardein tatkräftig unterstützt, die Königin, seine Macht an- 
zuerkennen. 

Darauf erwartete er im Lager von Szäszsebes und bei Vä- 
särhely furchtlos die auf türkischen Befehl gegen ihn auf- 
gebrochene Streitmacht, an erster Stelle den Ofener Pascha 
Kasim, der zuerst nur mit einer kleinen Reiterschar aufbrach 
und dessen Truppen das siebenbürgischc Gebiet tatsächlich bis 
nach Maros-Ilye, ja sogar bis über die Festung Deva hinaus 
durchzogen , dann die Krieger des walachischen Fürsten Mircea 
Ciobanul, die, mit einigen Osmanen vereint, durch den Roten- 
turmpafs ins Land kamen, und die des neuen moldauischen 
Herrschers Ilie, des Sohnes des im September 1546 gestorbenen 
Peter Rares, die unter dessen Bruder Stephan schon früher ins 



i) Forgach S. 5. 2) Fefsler II, S. 539-540. 

3) Pray II, S. 207; vgl. Hurmuzaki II*, S. 472, Nr. ccLXXXvn. 



53 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Szeklergebiet eing'ebrochen und bis vor Kronstadt gelangt 
waren, ohne das Land zu verheeren ^). Alle diese Feinde aber 
waren nach einigen Wochen wieder verschwunden -) , was um 
so leichter erklärlich erscheint, als die rumänischen Fürsten sich 
mit Bruder Georg schon im voraus verständigt hatten '^). Die 
herbeigeeilten bosnischen Türken des Pascha Hadum hatten 
beim eiligen Rückzuge im Anfange des Winters viel von den 
Heiducken am Marosflusse zu leiden, was sie aber sogleich grau- 
sam vergalten : Arad wurde vollständig verbrannt ^). 

So ging das Jahr zu Ende, ohne dafs der angekündigte 
kaiserliche Zug gegen Erlau oder Sziget ^) zustande kam oder 
die versprochenen Hilfstruppen Ferdinands, der keinen Friedens- 
bruch mit dem Sultan wünschte , das wieder in Anarchie ver- 
sunkene Siebenbürgen betreten hätten ") : Ferdinands Heerführer 
hatten sich begnügt, auf eigenem Boden, bei Szolnok, ein Schlofs 
zu Verteidigungszwecken zu erbauen '') und sich dann schon im 
September nach Erlau zu begeben, während türkische Rotten 
das benachbarte königliche Gebiet durchquerten ^). 

Beides entsprach der schlau bedachten PoUtik des ,, Mönches", 
der die türkische Habgier und die „deutsche" Freude an unter- 
würfigen Bitten und ,, christlichen" Aufrufen gegen die ,, treu- 
brüchigen Heiden" gleicherweise zu befriedigen verstand, ohne 



i) Brief des Vera ncs ics ; 15. November 1550; Kronstädter Wandchronik, 
„Quellen" IV, S. 8; Ostermayer, ebenda S. 510; Hurmuzaki II, S. 362. 

2) Forgäch S. 6 — 12; Pray, Ep. procerum S. 209 f.; Briefe des Ve- 
r an csics in „Mon. Hung. Hist., Script." X; andere Quellen in Fefslerlll, S. 541. 

3) Der schon erwähnte Brief des Verancsics: „Recte Valachi itaque . , . 
laudandi, qui tarn constanter, vel pecunia, vel pietate christiani nominis, cum Heremita 
consenserunt (quod fama fertur), ut ei ultro primam de se victoriae partem conces- 
serunt, fugam simulati." Martinuzzi beherbergte drei Prätendenten auf den wala- 
chischen Stuhl ; einem von Ferdinand bevorzugten vierten verweigerte er im Früh- 
ling des Jahres militärische Hilfe; Hurmuzaki II, S. 259. Vgl. aber ebenda 
II*, S. 514, dann S. 623, Nr. ccGXCm. 

4) Brief des Verancsics; 11. Dezember. 

5) Hurmuzaki II*, S. 474, Nr. cclxxxix. 

6) Ebenda S. 479—480, Nr. ccxciv. 

7) Pray II, S. 210. 

8) Hurmuzaki ll\ S. 488—489. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 33 

etwas anderes zu bezwecken als die Fortsetzung seiner, als Vor- 
mundschaft verschleierten unumschränkten Herrschaft ^). Der 
Königin gegenüber bezeugte er die geziemende Ehrfurcht und 
liefs sie mit Petrovics zusammen — dem er grofsmütig zu ver- 
zeihen schien — in Diöd eine Zuflucht finden : ihm genügte, 
dafs er seine Übermacht gegen jeden Nebenbuhler glänzend 
bewiesen hatte. Isabella schrieb denn auch an die Pforte, dafs 
sie Martinuzzi unschuldigerweise als Verräter bezeichnet habe 
und ihr Reich wieder in völliger Eintracht lebe und gedeihe '^). 

Um Feindseligkeiten seitens Ferdinands vorzubeugen, mufste 
Georg freilich seine Beziehungen zu den Österreichern aufrecht- 
erhalten ^). Die frühere Basis einer Verständigung war dieselbe 
geblieben: der Königin sollte ihre Mitgift ausgezahlt und der 
junge Erbe der Krone Ungarns zum Herzog von Oppeln und 
Ratibor erhoben werden; seine Heirat mit der Erzherzogin Jo- 
hanna, der Tochter seines bisherigen Nebenbuhlers, war in Aus- 
sicht genommen. 

Der dahin lautende Vertrag wurde erst am i8. Juli von 
beiden Seiten unterzeichnet. Bis sie diesen Schritt zu tun sich 
entschlofs , machte die Königin alle möglichen Versuche , den 
sie erniedrigenden Staatsakt zu vermeiden. Aber ein von ihr 
nach Weifsenburg berufener Landtag wollte (Februar 1551) keinen 
Beschlufs ohne Vorwissen des bereits beargwöhnten Guberna- 
tors , der nicht erschienen war, fassen : dagegen hatte sich ein 
Tschausch eingefunden, um von den Landständen einen förm- 
lichen Eid, und zwar dem Sultan, seinem jungen Vasallen, und 
der Regentin geltend, ferner einen Vorschufs von 50000 Du- 
katen auf den Tribut hin zu fordern. Petrovics, der den Mönch 
in einem fort bei der Pforte verklagte, sollte seine Festung Becse 
abtreten ^). Gleichzeitig gab er die Erklärung ab , dafs Marti- 
nuzzi die Würde eines Gubernators, die er 1550 eingebüfst habe. 



i) Vgl. im Briefe Verancsics' vom 22. November: „ut in transsylvana 
dominatione sine collega atque censore confirmetur , servata Turcae clandestina 
amicitia." 

2) Brief Verancsics'; 20. November. . 

3) Fefsler III, S. 542. 

4) „Mon. comit. Transs." I, S. 312 — 316; Hurmuzaki II*, S. 521 ff. 
Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. HI. 3 



34 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

wieder erhalte, nachdem seine Herrin schriftlich für ihn Zeugnis 
abgelegt habe ^). 

Nicht lange darauf wurde ein allgemeiner Reichstag zu Nagy- 
Enyed abgehalten, und wiederum verlangten die Anwesenden 
eine neue, vollzählige Versammlung, genehmigten aber die Zah- 
lung des seit zwei Jahren schuldig gebliebenen Tributs -). 
Schliefslich drangen die ungarischen Gegner des Mönches und 
einige Sachsen darauf, ihn zum Verräter zu erklären, und der 
Antrag ging durch. Als aber nun Martinuzzi selbst von Wardein 
aus eilig mit einigen Truppen nach Enyed aufbrach, genügte 
dies , um die Ränke seiner Feinde zuschanden zu machen •^). 
Mit den zurückgebliebenen Abgeordneten traf er die nötigen 
Mafsregeln zur Zahlung des Tributs ^) , und demütige Briefe 
gingen nach Konstantinopel, um den Sultan und den allmäch- 
tigen Wesir Rustem von seiner unbedingten Treue zu über- 
zeugen ^). Am 31. März schrieb er dagegen an Ferdinand, dafs 
er die Sache des ,, Kindes" endgültig verlassen wolle, um die 
Gefahr einer türkischen Eroberung Siebenbürgens zu beschwören ^). 
Und in dringenden Briefen verlangte er von den furchtsam zö- 
gernden Heerführern Ferdinands , die bei Bathor und Tokaj 
standen , dafs sie unverzüglich ins Land einfallen möchten , um 
die wankelmütigen Stände im Zaum zu halten ''). 

Endlich erschien wirklich mit den erwünschten schweren 
Reitern und spanischem Fufsvolk Gian-Battista Castaldo , selbst 
ein Spanier von Geburt. Am i. Juni stand er vor Klausenburg, 
Petrovics eilte mit seinen ,, Ratzen" und dem Kontingent der 
tapferen Rumänen von Lugas, die von der Königin schliefslich 
gewonnen wurden, an die Grenze; die letzteren hatten zuerst 
aus Feindschaft gegen den Grafen von Temesvär, der ihre alten 

i) Ebenda. 

2) „Mon. com. Transs," I, S. 319—322; Hurmuzaki U*, S. 524—526, 
Nr. cccxnv. 

3) Pray a. a. O. S. 3698?. 

4) „Törtenelmi Tär" 1880, S. 60—63; Hurmuzaki U*, S. 535—537- 

5) Hurmuzaki II, S. 266—267. 

6) „Tört6nelmi Tär" 1880, S. 58—59; Hurmuzaki II*, S. 533—534, 
Nr. cccxm. 

7) „Törtenelmi Tar" 1882, S. 118— 120 ; Hurmuzaki U*, S. 544—545. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 35 

Privilegien angetastet hatte, mit ihren Stammesgenossen und 
Nachbarn in Karansebes den Kaiserlichen Unterstützung ver- 
sprochen ^). Die Besatzung von Csanäd aber gab Petrovics 
hinreichend zu schaffen, und die Annäherung der Truppen 
Castaldos, der nach längerer Belagerung Weifsenburg einnahm, 
zwang ihn zum Rückzuge. Nun mufste Isabella der Gewalt 
weichen; nachdem sie auf dem Landtage von Klausenburg (im 
August) die Abdankung ihres Sohnes feierlich kundgegeben 
hatte , ging sie , die Überantwortung der versprochenen schle- 
sischen Herzogtümer erwartend, nach Kaschau -). 

Damit war die Einmischung der Türken zu einer Notwen- 
digkeit geworden. Gegen Bruder Georg zwar erfolgte von selten 
der Pforte diesmal keine Erklärung, und Petrovics erhielt nicht 
das Versprechen, an dessen Stelle Gubernator zu werden. Da- 
gegen erging an den Beglerbeg Mohammed Sokoli von Rum, an 
die beiden rumänischen Fürsten — Stephan war an die Stelle 
seines Bruders getreten , der (im Juni) in Konstantinopel den 
mosleminischen Glauben angenommen hatte — , ferner an die 
Donaubegs, die Befehlshaber an der serbischen Grenze, an den 
Ofener Pascha, die Sandschaks von Nikopolis und Vidin, die 
Tataren der Krim und der Dobrudscha, an Georg, die ,, Säule 
der Christenheit", an den Grafen Petrovics der Befehl, die 
Deutschen zu verjagen ^). Auch soll der Grofswesir selbst die 
Weisung erhalten haben, sich zu einem grofsen Kriegszuge be- 
reit zu halten ^). 

Der deutsche Vertreter in Konstantinopel , Malvezzi , wurde 
in Haft gesetzt ^). Denn der neue Kriegszug galt weder den 
Siebenbürgern, die in Martinuzzis Briefen als treue ,, Sklaven" 



i) Ihr Vertreter wurde von Ferdinand in Audienz empfangen; vgl. Hurmo- 

zaki n*, s. 513—515. 524—527, 534-536, 547—548. 

2) Fefsler UI, S. 544—545- 

3) Hnrmuzaki II, S. 264; IX, S. 41fr. Vgl. Pray II, S. 266—270; 
Hurmnzaki II*, S. 565 — 568, Nr. CCCLH". 

4) Ebenda. 

5) Hurmuzaki II*, S. 571 ; „Törtenelmi Tär" 1880, S. 90— 91 ; Ve- 
rancsics in „Scriptores" II, S. 253. 

3* 



gO Erstes Bach. Erstes Kapitel. 

ihres osmanischen Kaisers erschienen , noch Petrovics , der im 
JuU seinen Vertrag mit den Eindring-ling-en noch nicht ab- 
geschlossen hatte, sondern allein Ferdinand^). Um die Fest- 
setzung der Kaiserhchen jenseits der Theifs zu verhindern, dazu 
vor allem waren die türkischen und christlichen Truppen der 
Begs und der Vasallen-Fürsten aufgeboten worden. Den Ränken 
Georgs, vorzüglich aber dem Ehrgeiz und der Ländergier Fer- 
dinands, die der Pforte wohl bekannt waren, war der neue Krieg 
zuzuschreiben. Erst am 20. Juli erfolgte die erste Rüge des 
Sultans an den ,, Mönch"; sie bedeutete ihm eindringlich, dafs 
niemand die Königin aus dem Lande zu entfernen versuchen 
möge , der sich nicht mit allen seinen Anhängern einem ge- 
wissen Tode unter dem osmanischen Schwerte aussetzen wolle -). 

Damals stand der Beglerbeg bereits in Belgrad. Andreas 
Bäthory, Ferdinands Oberfeldherr in Ungarn, hatte die meisten 
Schlösser Petrovics', Lippa, Solymos, Becse, Becskerek, Temesvär 
(im August) in Besitz genommen und war in Lippa eingezogen. 
Die Furcht vor den sich nähernden Türken hatte die Verhand- 
lungen mit Petrovics, der seine Königin begleiten wollte, be- 
schleunigt. Als Mohammed bei Peterwardein die Donau über- 
schritt ^) , war sein Ziel noch nicht recht ersichtlich ; er richtete 
an Georg ein zweideutiges Schreiben, in dem scharfe Drohungen 
durchklangen und er ihm mitteilte , dafs er 30 Sandschaks mit 
8000 Janitscharen und unzähligen Akindschis bei sich habe, 
während ein zweites Heer unter Mehemed Rares sich durch die 
walachischen und moldauischen Pässe gegen Hermannstadt wenden 
werde : als Vereinigungspunkt beider Heere gab er Szegedin an 
der Theifs an ^). 

Martinuzzi weilte zurzeit noch ruhig in seiner siebenbürgischen 
Residenz Alvincz und gebärdete sich als Gubernator im Namen 
des neuen Herrn des Landes , nicht auf die Macht Castaldos, 
sondern auf seine eigene Macht vertrauend; er hatte die Stirn, 



i) Vgl. Hurmuzaki II, S. 265, Nr. CCXLH; IP, S. 568fF., S. 6345. 

2) „Törtenelmi Tär" 1880, S. 236—237; Hurmuzaki U*, S. 578. 

3) „Törtenelmi Tär" 1880, S. 245 — 246; Hurmuzaki IT*, S. 589 — 590, 
Nr. ccCLXX. 

4) Ebenda. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 37 

den Türken den Glauben zuzumuten, dafs die ins Land ge- 
fallenen Deutschen nur die bevorstehende Hochzeit des jungen 
Königs, die in Kaschau stattfinden sollte, mit ihrer Anwesenheit 
beehren wollten i). Es beunruhigte ihn auch nicht, dafs Mohammed 
sich gegen die Theifs wandte, um ins ehemalige Gebiet Petro- 
vics' einzudringen, und durch Verheifsung vollständiger und ge- 
sicherter Freiheit sowohl die Serben um Temesvär, wie auch die 
Rumänen von Lugas und Karansebes gewann -). Er liefs sich 
daran genügen, dafs der nach Hermannstadt berufene Landtag 
die erforderlichen Mafsnahmen zur Behauptung der Städte Sieben- 
bürg-ens getroffen hatte '^). 

Der Beglerbeg nahm nach viertägiger Belagerung das am 
rechten Ufer der Theifs gelegene, von den Siebenbürgern schon 
1550 verlangte^) Becse ein. Becskerek im Banat erging es 
nicht besser. In beiden Festungen zeigte die ungarische Be- 
satzung keinerlei Begeisterung, sich für die deutsche Herrschaft 
zu opfern. Auch Csanäd wurde widerstandslos übergeben, und 
Schlofs auf Schlofs öffnete freiwillig seine Tore. In Lippa sogar 
zog der Perser Ulama mit 5000 Türken ein. Temesvär vertei- 
digte sich besser: die Energie des Befehlshabers Stephan Lo- 
sonczy spornte die Besatzung, unter der sich auch Spanier be- 
fanden, an ^). Übrigens war Mohammed auf seine eigenen Kräfte 
angewiesen ; der Ofener Pascha — jetzt der harte Albanese Ali- 
Hadum , der den alten Kasim ersetzt hatte ^) — kam ihm erst 
im letzten Augenblick ') zu Hilfe, und auch die rumänischen Fürsten 



1) Brief Mohammeds Sokoli vom Ende Schaban, d. h. August, Pray II, 
S. 282 — 284; Theiner, Mon. Slav. Mer. II, S. 20; Hur muzaki II*, S. 603—604, 
Nr. CCCLXXIX. Vgl. auch den in diesen Sammlungen folgenden kaiserlich osma- 
nischen Brief, dann der» Brief Georgs an den Beglerbeg vom 10. September. 

2) „Törtenelmi Tar" 1881, S. 51 ; Hurmuzaki II*, S. 605, Nr. cccLXXXl, 

3) 8. — 15. September; „Törtenelmi Tär" 1880, S. 269 — 270; Hurmuzaki 

n*, s. 615. 

4) Hurmuzaki, Sappl. I ^, S. 4 — 5. 

5)Forgäch S. i/ff. ; Details in der umfangreichen Kompilation Ist- 
vanffy s. 

6)Verancsics in „Script." U, S. 254; Is tvanffy S. 195. Seine Bewegungen 
im ersten Verwaltungsjahre ebenda S. 256 — 258: er machte 5000 Sklaven. 

7) „Törtenelmi Tär" 1881, S. 64—65; Hurmuzaki II ^ S. 647—649. 



38 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

schienen die Entwicklung- der Verhältnisse abwarten zu wollen, 
um sich in ihrem Verhalten zu entscheiden. 

Ferdinand war nicht willens, seine eigenen Heerkräfte ins 
Spiel zu bringen, wollte vielmehr alle Mittel versuchen, um einen 
Konflikt mit dem Sultan zu vermeiden; was er hatte tun können, 
glaubte er durch die Entsendung Castaldos geleistet zu haben. 

Von Martinuzzi verlangte er unaufhörlich Geld und einen 
energischen Kriegszug gegen den Beglerbeg, während der 
,, Mönch" seinerseits nichts anderes vom König erwartete, ohne 
dafs sich einer von beiden vom anderen hätte überreden lassen. 
Gleichzeitig gab sich Bruder Georg- alle erdenkliche Mühe, die 
Türken von der ,, Reinheit seines Antlitzes", seiner ,,facies Can- 
dida", und von der Wahrheit seiner Worte zu überzeugen; 
Petrovics, der die Deutschen in seine Burgen eingelassen hatte, 
wurde als der einzig" Schuldige hingestellt und sollte gesteinig-t 
werden, wie der Beglerbeg am 2. Okober schrieb ^). 

Mitte Oktober beschlofs Mohammed, sich nach Belgrad zu 
wenden , um dort zu überwintern -) : er gab vor , vom Kaiser 
dazu ermächtigt zu sein •^). 

Da endlich hielt Martinuzzi den Augenblick für gekommen, 
sich durch sein Eingreifen den Nimbus eines christlichen Prä- 
laten, der für seinen Glauben streitet, mit leichter Mühe zu 
retten ; hatte doch Kaiser Karl V. ihm letzthin den roten Kar- 
dinalshut erwirkt. Mit Castaldo vereint, ohne sich aber ihm 
unterordnen zu wollen, machte er sich durch die Eiserne Pforte 
nach dem von zurückgebliebenen Türken verteidigten Banat auf. 
Andreas Bäthory hatte Lippa angegriffen; die Stadt wurde nun 
mit vereinigten Kräften belagert und zuletzt eingenommen, wobei 
viele von den Verteidigern das Leben verloren. Die Burg frei- 
lich hielt sich. Georg, der eigentlich mehr als Zuschauer im 



i) Pray U, S. 300 — 303; Theiner a. a. O. II, S. 23; Hurmuzaki II*, 
S. 631 — 632, Nr. ccccm. Vgl. auch den in diesen Sammlungen folgenden Brief. 

2) Ebenda. 

3) „Törtenelmi Tär" 1881, S. 65—66; Hurmuzaki II*, S. 650—651, 
Nr, CCCCXVI. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 39 

Lager weilte, spielte sich nun als Vermittler auf, und so konnte 
der Beg- mit den noch erhaltenen Kräften Lippa ungekränkt 
räumen ; ja der Mönch verehrte ihm noch kostbare Geschenke ^). 
Da auch Csanäd, Mako und andere Schlösser von Mohammed 
verlassen worden waren-), betrachtete der Mönch den Kampf 
als beendet ; Becse und Becskerek hoffte er auf friedlichem Weg-e 
zurückzuerlang-en '^). Dem Rat des Königs folgend, eine winter- 
liche Unternehmung wie die Matthias Hunyadys gegen Schabatz 
ins Werk zu setzen, war seine Sache nicht. So wurde er in 
den Augen der Deutschen zum Verräter. Castaldo erhielt den 
Wink, sich des unbequemen siebenbürgischen Gubernators und 
allzu unabhängig gebärdenden ,,Woiwoden" im geeigneten Augen- 
blicke zu entledigen. Georg weilte bereits wieder in seinem 
Schlosse Alvincz, als er von kaiserlichen Soldaten im Auftrage 
ihres Generals auf barbarische Weise ermordet wurde (17. De- 
zember) •^) : „Gott habe ihn rasch zu sich gerufen", schrieb 
Castaldo lakonisch ^), und bedauerte vor allem, dafs der erhoffte 
Schatz des Verstorbenen sich als eine ,, elende Kleinigkeit", una 
picciola miseria, herausstellte^). Durch dieses Verbrechen 
gegen einen Greis, einen Kardinal, einen Mann, der, gleichgültig, 
ob aus aufrichtiger Freundschaft oder nicht, dem österreichischen 
Hause den Besitz einer blühenden, stark bevölkerten Provinz ver- 
schafft hatte, wurde nicht nur dem Glück eines zweiten Gritti ein 
jähes Ende bereitet, sondern zugleich die Aussicht auf die frühe 
oder späte Rückkehr des jungen Zäpolya eröffnet. 

Der Beglerbeg, der am 8. Dezember in Belgrad stand ^'), 
zog sich weiter zurück. So konnten im März 1552, als Castaldo 
mit der Besetzung der siebenbürgischen Städte und Grofswardeins 
beschäftigt war, einige tausend unbändiger Heiducken durch 



i) Forgdch S. 22ff.; Hurmuzaki II*, S. 645 — 646; „Törtenelmi Tar* 
1881, S. 61—62. 

2) „Törtenelmi Tär" 1881, S. 64—65; Hurmuzaki II*, S. 647—649. 

3) „Törtenelmi Tär" 1881, S. 72—74; Hurmuzaki II*, S. 657. 

4) Pray II, S. 317-318; Hurmuzaki II*, S. 658, Nr. ccccxxu. 

5) Theiner a. a. O. II, S. 31 — 32. 

6) „Törtenelmi Tär" 1881, S. 74; Hurmuzaki U*, S. 657. 



40 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

einen gelungenen Handstreich die Stadt Szegedin erobern ^). 
Sehr bald aber erschien Ali-Pascha mit Janitscharen und Serben 
von Ofen her und zahlte ihnen die Untat durch ein furchtbares 
Gemetzel heim -'). Auf dem Rückwege nahm er Veszprem ein, 
das ein Teil der Besatzung verriet ^). 

Dies war nur das Vorspiel gröfserer Ereignisse. Der listige 
und erfinderische „Barat" Georg, der unnützes Vergiefsen christ- 
lichen Blutes und die Verwüstung blühender Landschaften durch 
seine kluge, zweideutige Politik zu verhindern verstanden hatte, 
war nicht mehr am Leben. Solimans Hauptinteresse galt frei- 
lich noch immer den persischen Angelegenheiten. Es war aber 
die Pflicht jedes Sultans, so noch besonders eines solchen, das 
einmal siegreich betretene Gebiet nicht mehr den Feinden zu 
überantworten, und eine nicht minder heilige Pflicht, die Vasallen 
seiner Macht niemals im Stich zu lassen. Das Banat mufste jwieder 
erobert werden, und die Königin Isabella und ihr Sohn mufsten 
in die Erbschaft des ersten Zäpolya zurückkehren. Durch die 
Ereignisse des letzten Jahres war dies für die Osmanen zu einer 
politischen Notwendigkeit geworden, der sie sich nicht entziehen 
konnten ^). 

Den Befehl über das Heer, das sich zu Anfang des Sommers 
gegen Temesvär wandte, führten der Wesir Achmed, der Ofener 
Pascha Ali, Mohammed, dem der Sultan den Verlust Lippas ver- 
ziehen hatte, und der Beg Mehemed Rares von Silistrien ^) ; auf 
der Donau erschien eine bedeutende Flottille ^). Schon Ende 
Juni standen die Vorläufer des türkischen Heeres vor Temesvär, 
dessen Verteidigung Stephan Losonczy selbst übernommen hatte. 

Er verfügte über kaum einige tausend Mann verschiedener 
Nationalität : Spanier, Deutsche, Böhmen und auch Ungarn ; die 
zwei Festungen, deren eine die Wasserfeste hiefs, befanden sich 



ij Forgacli S. 41 — 43; Theiner a. a. O. II, S. 32; Hurmuzaki II*, 
S. 686—687. 

2) Ebenda. 3) Istvdnffy. 

4) Über die Vorbereitungen des Feldzugs siehe Hurmuzaki II, z. J. 1552. 

5) Über seine Teilnahme an dem Feldzuge siehe Istvänffy S. 202. 

6) „Mon. com. Transs." I, S. 413 — 415; Hurmuzaki II*, S. 23, Nr. x. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 41 

in gutem Zustande. Auf Entsatz durch die in Siebenbürgen 
stehenden kaiserHchen Truppen durfte er nicht hoffen: denn 
unter den „Deutschen" daselbst herrschte derartige Zuchtlosig- 
keit, dafs die unbezahlten Söldlinge in Abwesenheit des krank- 
heitshalber noch nicht angekommenen neuen Woiwoden Andreas 
Bäthory Klausenburg auf einer Seite zu belagern, auf der anderen 
Weifsenburg in Brand zu stecken und Hermannstadt anzugreifen 
sich erdreisteten; die rumänischen Bauern rotteten sich in den 
Wäldern zusammen, um ihre Hütten gegen die herumstreifenden 
Truppen zu verteidigen ; darum war das Land gegen die Türken 
aufzubieten eine bare Unmöglichkeit, denn jede organisierte 
Mannschaft hätte sich gegen die Bedrücker und Aussauger der 
eigenen Heimat gewandt! Lachten die Siebenbürger doch nur 
über die Pläne Castaldos, dem Feind in offener Schlacht ent- 
gegenzutreten ^). Zudem stand der Moldauer Stephan, der noch 
kurz vorher unter den Töchtern des ungarischen Adels eine 
Braut gesucht hatte, schon jenseits des Ojtuzpasses und konnte 
Tartlau einnehmen und im Juni verheerend bis Kronstadt vor- 
dringen -). An der südlichen Grenze wartete der walachische 
Fürst nur auf ein Zeichen, um aus seinem Lager in Siebenbürgen 
einzurücken 3). ,,Ich hoffte vergebens, in einer Schlacht sterben 
zu können . . . Die ausgesaugte Erde will uns nicht mehr 
dulden", schrieb Castaldo verzweifelt am 21. August^). 

i) „Mon. com. Transs." I, S. 421 — 424; Hurmuzaki IP, S. 25 — 27. 

2) „Quellen" IV, S. 53, 80, 490, 514; Forgäch S. 67; Hurmuzaki II, 
S. 278 — 281, 283, 312. Fürst Stephan wurde im September bald nach seiner 
Rückkehr von den mit Castaldo im Einverständnis stehenden Bojaren getötet. 
Sein Nachfolger Alexander, der aus Polen kam, war bei der Belagerung Temes- 
vars anwesend gewesen; vgl. Hurmuzaki 11^, Brief Alexanders; ebenda 11^, 
S. 288 ff. ; Buchholz, Gesch. K. Ferdinands, IX, S. 609 — 61 1 (auch Hurmuzaki II); 
Jorga, Märun^i^uri istorice culese in Ungaria. — Ferner in der Zeitschrift „Lu- 
ceafärul" 1904, S. I5ff. : auch über einen von Castaldo beherbergten Aron-Vodä. 
Eine Schwester und eine Nichte Alexanders waren im Reiche; Hurmuzaki II, 
S. 297. — Im Herbst fiel Radu Ilie in die Walachei ein und vertrieb Mircea für 
einige Monate nach Giurgiu; Vorrede zu Hurmuzaki XI. 

3) Pray II, S. 327 — 328; Hurmuzaki 11*, S. 25, Nr. xn. 

4) The in er a. a. O. II, S. 35; Hurmuzaki 11^, S. 30, Nr. xvn. Er 
hatte kaum 4000 Deutsche, 400 Spanier und ebenso viele Husaren; Hurmuzaki 
II, S. 281, Nr. CCLVUI. 



43 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

So fiel denn trotz hartnäckig-en Widerstandes Temesvar am 
32. Tage der Beschiefsung- aus den starken türkischen Geschützen, 
ohne auch nur aus dem benachbarten Wardein Hilfe bekommen 
zu haben ; Losonczy sah sich am 30. Juli gezwungen, die wich- 
tige Festung zu übergeben. Die Gegner hatten ihm Leben und 
Freiheit versprochen; als aber die Türken unter den Aus- 
ziehenden Sklaven ausmustern wollten, erneuerte er nun auiser- 
halb der von ihm so glänzend verteidigten Wälle noch einmal 
den Kampf und fiel sogleich : sein Kopf wurde auf eine Lanze 
gesteckt, um die letzten seiner Tapferen zu entmutigen ^). We- 
nige Tage darauf überlieferte der Spanier Aldana den Türken 
das von ihm befehligte Lippa; auch das Schlofs Solymos ergab 
sich. Die Rumänen von Lugas und Karansebes, die ihrem 
Oberherrn bis zu 40000 Reiter stellen konnten, verständigten 
sich mit dem Wesir dahin, dafs sie 3000 Dukaten jährlichen 
Tribut zu zahlen versprachen -). 

So weit war das Unternehmen bis Ende Juli gediehen: es 
war ersichtlich, dafs die zahlreichen zusammengebrachten tür- 
kischen Kräfte sich damit nicht begnügen würden. Und schon 
war in der Richtung auf Erlau das Schlofs Dregely erobert 
worden ^). Erst in diesem Augenblicke dachte Ferdinand , der 
berufene Verteidiger Ungarns, an seine kriegerische Aktion gegen 
den siegreichen Feind. Aus Italienern, aus den überall verschrieenen 
Landsknechten und Heiducken, so wohlfeilen wie wertlosen Kriegern, 
sammelte er ein Heer, das in zwei Abteilungen, bei Leva und 
Fülek, Lager bezog. Eine offene Schlacht mit Ali von Ofen 
erfolgte; mit 12 000 Leuten und 14 Geschützen griff dieser die 
von Matthias Teuffei befehligte, kaum 9000 Mann zählende 
deutsche Armee an. Die Christen erlitten eine furchtbare Nieder- 
lage : unter den Gefangenen befanden sich Teuffei, der in Kon- 
stantinopel gehängt wurde*), und Sforza, der sich loskaufen durfte ^). 



1) Siehe die schon zitierten ungarischen Chroniken; vgl. Fefsler III, 

s. 554—556. 

2) Forgach S. 56. 3) Fefsler III, S. 558—559- 

4) Weil er Namen und Würde hartnäckig verleugnete ; s. auch IstvanffyS. 206. 

5) Forgach S. 66 — 67; vgl. Katona XXU, S. 305: Zeugnis Tinodys. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 43 

Nach diesem grofsen Erfolge vereinigte sich Ali unter den 
Mauern der neuen Festung Szolnok, deren Belagerung er selbst 
begonnen hatte, wieder mit dem Wesir Achmed, und die Gar- 
nison hatte nicht den Mut, solchen Kräften zu trotzen ; Laurentius 
Nyäry, der Befehlshaber der Festung, die sowohl durch starke 
Mauern, wie durch ihre ausgezeichnete Lage von Bedeutung war, 
sah sich genötigt, sie zu übergeben ^). 

Die Jahreszeit erlaubte den Türken , auch noch einen Ver- 
such gegen die bischöfliche Stadt Erlau, die Residenz des be- 
kannten Humanisten Nikolaus Oläh (,, des Rumänen"), zu unter- 
nehmen. Am II. September begann die Belagerung des mit 
allem Nötigen versehenen, überaus wichtigen Platzes. Ein Sturm 
scheiterte an dem Heldenmut der Besatzung und der geschickten 
Verteidigungskunst Stephan Dobös. Ein zweiter , nach Monats- 
frist versuchter hatte kein besseres Ergebnis. Als bald darauf 
die Zeit nahte, da man die Winterquartiere zu beziehen pflegte, 
teilte einer der Belagerer den Eingeschlossenen in ungarischer 
Sprache den bevorstehenden Abzug des Heeres mit, der am 
i8. Oktober auch erfolgte. Das Verdienst dieser ruhmreichen 
Verteidigung, die schnell überall in der Christenheit bekannt und 
belobt wurde -), kam ausschliefslich der aus Ungarn bestehenden 
Garnison zu; wie gewöhnlich hatte Ferdinand auch diese seine 
Untertanen aus Mangel an Mut wie aus Unvermögen schmählich 
im Stich gelassen. 

Noch im Sommer des Jahres 1552 hatte ein Tschausch, 
wie auch der walachische Fürst Mircea Ciobanul "^), den Sachsen 
und durch sie den anderen Einwohnern Siebenbürgens die Wei- 
sung zukommen lassen , Tribut zu zahlen , sich einen neuen 
Woiwoden ungarischer Nationalität zu wählen und den jungen 
König zurückzuberufen, weil der Sultan die deutsche Herrschaft 
unter keiner Bedingung dulden wolle. Die zu Szäszsebes ver- 
sammelten Stände suchten dem Befehle auszuweichen, indem sie 
die anderen Punkte annahmen, aber den ihnen von Georg, als 

i) Siehe die eben angegebenen Quellen. 

2) Siehe auch Hurmuzaki 11^, S. 55 — 56. 

3) Vgl. dessen vom 15. Juni datierten Brief, Hurmuzaki II. 



44 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

dem vom osmanischen Kaiser ernannten Gubernator, auferleg^ten 
Treueid geg^en Ferdinand halten zu müssen erklärten ^) ; sie baten 
zugleich in aller Demut um Wiedererstattung- der neuerding^s be- 
setzten „äufseren Teile" Siebenbürg-ens von den Türken. Zu- 
g-leich brachen sie gegen den Willen Castaldos ihr Lager ab '). 

Es war Solimans fester Entschlufs, sich durch keinerlei Ein- 
wendungen umstimmen zu lassen, sondern die Deutschen aus 
Siebenbürgen zu verjagen und „König Stephan", seinen vom 
Feinde gefangen genommenen und entführten Schützling, und 
dessen Mutter, die Witwe seines treuen Vasallen, in Klausen- 
burg wieder einzusetzen. 

Am I. März 1553 begab sich Bischof Verancsics zunächst 
nach Ofen und erwirkte einen Waffenstillstand ■^), dann reiste er 
mit Franz Zay nach Konstantinopel weiter, um das Unmögliche 
zu versuchen , nämlich die Anerkennung Ferdinands als Be- 
herrschers von Landesteilen zu erreichen , die er gern behalten 
hätte, ohne Geld und allzu viele Truppen aufzuwenden, und die 
er vor den vereinigten türkischen Grenzsoldaten zu schützen sich 
unfähig erwiesen hatte. Der Grofswesir Rustem, der den Deutschen 
günstig gesinnt war, weil sie seine Freundschaft bei jeder Ge- 
legenheit durch Ehrenkleider und Geld zu erneuern wufsten, gab 
den Gesandten den Rat, die siebenbürgische Frage nicht zu 
berühren und sich mit einem Waffenstillstand für Ungarn zu 
begnügen. So erklärten sie denn , dafs sie nur einen Frieden 
begehrten , wie ihn der Kaiser selbst gewähren wolle ^) ; das 
Verbot, Siebenbürgen in ihren Reden zu erwähnen^), war 
anfangs sogar formell ausgesprochen worden. Der Sultan, den 
es nach Asien zog, um gegen die Perser zu kämpfen, stellte 
grofsmütig nur die Bedingung, 15 000 Dukaten Tribut zu er- 



i) 21. September; „Mon. com. Transs." I, S. 426 — 428; Hurmuzaki II*, 
S- 34—36, Nr. XX. 

2) „Mon. com. Tranrs." S, 428 — 431; Hurmuzaki U^ S. 36 — 38, Nr. xxi. 

3) „Mon. Hung. Hist." XXXII, S. 100 ff.; Hurmuzaki II s, S. 46—47- 

4) „Eam pacem Vestrae Maiestatis nomine petemus quam et Imperator ipse 
vult concedere"; Hurmuzaki II *, S. loi. 

5) Ebenda. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 45 

halten, und am 29. Aug-ust erfolgte die Ausfertig-ung der Urkunde. 
Doch blieben die ungarischen Herren auf Veranlassung des We- 
sirs noch bei der Pforte in der Hoffnung, später auch den anderen 
Teil ihrer Mission vorzubringen. Freilich hatten sie Rüstern 
schon einen Verzicht Ferdinands in Aussicht gestellt, wenn ,,das 
Kind", puer, nur das eigentliche Siebenbürgen und lediglich 
auf Lebenszeit, unbeschadet der Rechte des Königs auf seine 
ungarische Erbschaft, erhalten solle ^). Malvezzi ging allein nach 
Österreich, um seinem Herrn die Friedensbedingungen zu über- 
bringen. 

Gleichzeitig aber begann sich die Partei des jungen Königs 
wieder zu regen. Von seinem stärkeren Nebenbuhler befreit, er- 
schien Petrovics nochmals auf der politischen Bühne, obwohl er 
statt des noch nicht türkisch gewordenen Temesvärs schliefslich 
die feste Stadt Munkäcs im Marmarosgebiet erhalten hatte; er 
schrieb an die Pforte, rief seine treuen Serben auf, gewann den 
Ofener Pascha, der, trotz des kaum geschlossenen Waffenstill- 
standes, Rundbriefe gegen die deutsche Herrschaft in Ungarn 
ausgehen liefs -), und brachte den neuen 1552 aus Polen gegen 
Stephan erschienenen moldauischen Fürsten Alexander (Läpus- 
neanu) durch Szeklergebiet wieder in die früher zu seinem Lande 
gehörigen Landstriche bei Rodna und Naszöd; ja Petrovics •^) 
traf sogar Vorbereitungen zu einem Angriff auf Siebenbürgen 
durch die westliche Eiserne Pforte ^). Es wäre ihm, obgleich er 
nicht mehr auf die Unterstützung des im fernen Asien beschäf- 
tigten Sultans hoffen konnte, wohl wirklich gelungen, Sieben- 
bürgen zum zweiten Male zu beunruhigen, wenn die Provinz noch 
wie früher einem Castaldo und Bäthory überlassen gewesen wäre : 
aber in Stephan Dobö , dem Verteidiger Erlaus , und in Franz 

i) Die Gesandten schmeichelten sich auch, gelegentlich Fülek und Salgo und 
die Ruinen mehrerer gefährlicher Schlösser zurückzuerhalten; Hurmuzaki 11^, 
S. 116; Instruktion bei Miller, Epistolae Ferdinandi et Maximiliani I. S. 24; 
Berichte in „Magyar Emlekek" II, S. 268 ff. (bei Fefsler); Pray II, S. 339. 
Vgl. auch „Mon. Hung. Hist., Script." XXXII, S. 118 — 125; Hurmuzaki IP, 
S. 57 — 59; Vertrag in Hurmuzaki a. a. O. S. 114 Anm. 

2) Pray 11, S. 348—353; Hurmuzaki 11^, S. 95. 

3) Ebenda S. 499 — 500 ; Hurmuzaki II ^, S. 122 — 123, Nr. XLVni. 

4) Pesty IV, S. 65; Hurmuzaki II*, S. 133, Nr. ui. 



46 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Kendy hatte sie jetzt bessere Verteidiger ^), die auch die bis 
dahin unwandelbare Treue der Szekler den Zäpolyas gegen- 
über auszuschalten verstanden. Die Pforte begnügte sich ihrer- 
seits damit, die Wiedereinsetzung „König Stephans" durch einen 
Tschausch feierlich anzuordnen '-) 

So hoffte denn Ferdinand am Ende des Jahres, Sieben- 
bürgen, das sich nun ganz in seiner Macht befand, auch weiter 
unangefochten behalten zu können und liefs den Gesandten bei 
der Pforte in diesem Sinne schreiben. Er fühlte sich sogar stark 
genug — solange Soliman den asiatischen Krieg noch nicht be- 
endet hatte — , die Sendung des Tributs bis zu einer endgül- 
tigen Antwort des Sultans aufzuschieben ; Malvezzi, der die Rati- 
fikationsurkunde des fünfjährigen Friedens nach Konstantinopel 
bringen sollte, erhielt Weisung, seine Reise zu unterbrechen: er 
setzte sie niemals mehr fort. 

Freilich hielten sich nun wieder die Türken in Bosnien und 
dem neuen Sandschakate Ofen für ermächtigt — und sie hatten 
auch wahrscheinlich aus Konstantinopel Instruktionen in diesem 
Sinne erhalten — , die benachbarten Schlösser anzugreifen. Im 
Monat September erschienen die Türken von Szecseny vor 
Fülek, und nach kurzer Belagerung fiel die Festung in ihre 
Hände, ohne dafs der König sich um ihr Schicksal gekümmert 
hätte: vielmehr überliefs er wie früher alles der lokalen Vertei- 
digung. Franz Bebek, der aus eigenem Entschlüsse einen Ver- 
such machte, der bedrängten Besatzung zu helfen, wurde zurück- 
geworfen. Ebenso erging es dem Schlosse Salgö ^). Palota 
ging in Flammen auf. Zwar streiften auch die Heiducken der 
königlichen Plätze ins türkische Gebiet hinüber, aber der Schaden, 
den die Begs den christlichen Nachbarn , besonders im Waras- 
diner Gebiete, wo Ulama einfiel, beibrachten, war viel bedeu- 
tender *). 



i) Forgäch S. Ii2ff.; Verancsics in „Script." II, S. 273ff. 

2) Ebenda. 

3) Hnrmnzaki U^ S. 263 — 264: Instruktionen Basbecqs. 

4) Forgdch S. 126 — 129, 133 — 135; vgl. wie gewöhnlich die Kompilation 
Istvänffys; dann „Mon. Hang. Hist." V, S. 380—385. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 47 

Doch kam es zu keinem Kriege in Siebenbürgen ^). Isa- 
bella verweigerte nur entschieden die Bestätigung der 1552 gegen 
ihren Willen vereinbarten Abdankungsurkunde , obwohl ihr seit 
kurzem mit Ferdinand verschwägerter Bruder, der König von 
Polen, sie dazu bestimmen wollte; die Gesandten des recht- 
mäfsigen Königs waren im Januar 1554 nach Asien gereist, um 
dem Sultan die von der Pforte erlangten Versicherungen zu über- 
bringen -). Auch wenn die Woiwoden und der neue Bischof 
von Weifsenburg eine Gesandtschaft nach Konstantinopel schickten, 
arbeiteten sie zwar der gewaltsamen Wiedereinsetzung des jungen 
Zäpolya mit türkischer Hilfe entgegen, wirkten aber nicht etwa 
aufrichtig im Interesse des deutschen Königs, dem sie als Ungarn 
wenig Sympathie entgegenbrachten ; vielmehr lag ihnen an der 
Bewahrung ihrer beinahe unabhängigen Stellung — hatte doch 
das letzte fremde Kriegsvolk das Land geräumt. Mit dem mol- 
dauischen Fürsten, dem walachischen Mircea und seinem Nach- 
folger, dem milden Petrascu, einem Sohn des grofsen Radu, der 
im Monat März mit türkischer Hilfe nach der Einäscherung Bu- 
karests an Mirceas Stelle getreten war, lebten sie nicht in den 
besten nachbarlichen Beziehungen ^) , Alexander sprach von 
,, Hunden, die dort Woiwoden sind" ^), und empfahl ihnen ohne 
Erfolg eine Änderung ihrer Politik ^). Aber zu einem bewaff- 
neten Einschreiten zugunsten Isabellas kam es noch nicht. Auch 
Petrovics, der angeblich als Sandschak der ,, freien" Gebiete 
Lugas und Karansebes im Banat blieb , hatte nicht den Mut, 
seine früheren Versuche zu wiederholen ^). Die Aussicht auf 



1) Briefe des Sultans an die Bewohner des Landes, denen sie Isabellas An- 
erkennung empfahlen, in Hurmuzaki II, S. 322 — 325. Sie entrichteten den 
Tribut nicht; ebenda XI, S. 49, Nr. LXVIU. 

2) „Mon. Hung. Hist., Script." IV und Hurmuzaki 11^, a. D. 

3) Vgl. Pray III, S. 7 — 11 ; Hurmuzaki IP, S. 175 — 176. Ein deutscher 
Gesandter kam 1554 zu Alexander; Hurmuzaki II*, S. 335 — 336, Nr. cccxm. 
Petrascu machte sogleich seinen Frieden mit den Siebenbürgern ; Krönst. Archiv, 
Jahrgang 1554, Fronius I, Nr. 286; Schnell III, Nr. 150. 

4) „Mon. com. Transs." I, 508 ff. ; Hurmuzaki II*, S. 178. 

5) Hurmuzaki II, S. 327 — 328. 

6) „Mon. Hung. Hist., Script." IV, S. 216 — ai?; Hurmuzaki II ^, S. 182, 
Nr. LXXVI. 



48 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

einen Einfall des Prätendenten Radu llie in die Walachei trug 
ebenfalls dazu bei, Petrascu einzuschüchtern i), 

Ende November, nach der Eroberung- der ungarischen 
Schlösser, schickte Ferdinand dann statt Malvezzis einen neuen Ge- 
sandten, den gelehrten und geschickten Flamen Augerius^von 
Busbecq an den Sultan: dessen diplomatisches Geschick sollte 
ihm die endliche Anerkennung seiner Herrschaft in Siebenbürgen 
und dem angrenzenden Gebiete bis zur Theifs gegen Übernahme 
eines Tributs von 25000 Dukaten auswirken -). 

Soliman verblieb während des ganzen Winters und noch wäh- 
rend des Frühlings 1555 in Asien. Also mufsten die österreichischen 
Gesandten nach Amasieh gehen, um des Kaisers endgültigen 
Bescheid zu holen. Sie wurden aufserordentlich wohlwollend 
empfangen und vernahmen von den Lippen Solimans das günstige 
Güsel, Güsel (,,gut, gut"). Aber der vom 10. Redscheb datierte 
Brief des mächtigen Herrschers an den ,, Wiener König" betonte 
den Standpunkt der osmanischen Politik Siebenbürgen gegenüber 
energischer als je: es sei ein ,, durch unser allerschärfstes kaiser- 
liches Schwert" erobertes Land; die beiden Zäpolyas hätten es 
nur als ein ,, Gnadenbrot" , eleemosynae gratia, besessen, 
,,um davon leben zu können". Niemand habe folglich irgendein 
Recht auf diese durch Wafiiengewalt gewonnene Provinz des 
Reiches, und indem er vom ,, ungehorsamen" (non est obediens) 
Schach, seiner Schwäche und seinem Unvermögen (,,debilis et 
impotens") und der an ihm vollzogenen Strafe sprach, gab 
Soliman Ferdinand zu verstehen, dafs er andere Gegner ebenso 
zu behandeln nicht abgeneigt sei ^). Mit diesem Schreiben 
mufste Busbecq im Juli zu seinem Herrn zurückkehren. 

Gleichzeitig wiederholten Petrovics und die Königin ihre 
früheren Bittgesuche *) um Hilfe um so dringender, als die schle- 



i) „Mon. com. Transs." I, S. 530 — 531 ; Hurmuzaki IP, S. 241 — 242. Vgl. 
febenda VIII, S. 69, Nr. xc. Über die letzten Schicksale Radus und seines Be- 
schützers Socol, Hurmuzaki IP, S. 359 ff. 

2) „Mon. Hung. Hist., Script." IV, S. 427«.; Hurmuzaki 11^ S. 251 ff. 

3) „Mon. Hung. Hist." V, S. 44ff. ; Hurmuzaki II ^ S. 289—290. 

4) Ein Brief Johann Sigismunds vom 27. Februar; Hurmuzaki 11^, 
S. 343 — 344, Nr. cccxxn. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 49 

sischen Herzogtümer der verbannten königlichen Familie immer 
empfindlicher nur einen sehr mageren Unterhalt gewährten. So 
antwortete eben in den Tagen, als die Gesandten Ferdinands das 
so angenehme Hoffnungen erweckende ,,Güsel" vernahmen, die 
kaiserliche Kanzlei im Mai von Amasieh aus an „Stephan", den 
wahren König von Ungarn und Sklaven des Sultans, dafs er im 
Grenzschlosse Zanok nur weiter auf die türkische Unterstützung, 
die nicht ausbleiben werde, warten möge ^). 

Als nun statt eines Friedens die Gesandten nur eine Ver- 
längerung des Waffenstillstandes zurückbrachten, schritten die 
ungarischen Sandschaks wieder zum Angriff auf die Besitzungen 
Ferdinands vor; der neue Grofswesir Ahmed, den freilich gleich 
nach der Rückkehr Solimans wieder Rüstern ersetzte , um aufs 
neue seine friedliche Politik aufzunehmen, soll sie zu Feindselig- 
keiten ermuntert haben. Den Vorwand zum Friedensbruche gab 
der Bischof von Grofswardein , indem er ein türkisches Schlofs 
in seiner Nähe angriff; kurze Zeit darauf brachte der Ofener 
Pascha Babocsa, Kaposvär, Korothna an sich ^). Busbecq über- 
mittelte infolgedessen neben den gewöhnlichen Entschuldigungen, 
die der Besitznahme Siebenbürgens durch seinen Herrn galten, 
auch Klagen über diese eigenmächtigen Eroberungen der Be- 
fehlshaber des ungarischen Grenzgebietes ^. 

Da aber der König ein oder zwei Jahre Frist verlangte, um 
Bescheid in der Angelegenheit der ihm streitig gemachten Pro- 
vinz zu geben, so ist es nicht verwunderlich, dafs der Sultan 
allen Begs und Vasallen an der Donau Befehl schickte, sich zu 
einem Kriege für die Wiedereinsetzung ,, König Stephans" bereit 
zu halten. Verancsics und Zay erhielten die kurze und grobe 
Antwort: sie dürften ja oder nein sagen (velle vel nolle, o si 
o no); ihr Herr solle aber nicht einmal ,,ein Blatt von einem 
siebenbürgischen Baume" behalten*). Soliman sehe vielmehr 



i) Pray III, S. 42—43; Hurmuzaki 11^, S. 274 — 275, Nr. cxiv. 

2) Forgäch S. 134—135; „Mon. Hung. Hist." V, S. 124—125, 153, 398 ff., 
401 ff. 

3) „Mon. Hung. Hist." V, S. i3off. ; auch in Hurmuzaki II *. 

4) „Folium arboris"; „Mon. Hung. Hist." V, S. 149, 160. Vgl. den Be- 
Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. lU. 4 



50 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

in einer letzten ungarischen Unternehmung eine Krönung seines 
Wirkens und Lebens ^). 

Zunächst hatte keine ernste Absicht auf türkischer Seite be- 
standen, den Krieg wieder zu eröffnen, denn die Truppen waren 
vom persischen Feldzug her noch sehr erschöpft, und im ganzen 
Reiche machte sich grofser Proviantmangel fühlbar -). Als aber 
Busbecq die unannehmbare Antwort Ferdinands überbrachte, er- 
gingen überallhin die nötigen Befehle zu einem Feldzuge im 
nächsten Frühlinge : sein Ziel sollte die Wiedereinsetzung des 
zweiten Zäpolya sein. 

Den siebenbürgischen Ständen war es durchaus klar, dafs 
Ferdinand ohne Blut- und Geldopfer, die sie für ihn zu über- 
nehmen nicht gewillt waren, nicht länger ihr Herr bleiben könne. 
Der Landtag zu Marcs -Väsärhely, im Gebiet der grollenden 
Szekler, wählte im Dezember, in Abwesenheit beider Woiwoden, 
Melchior Balassa, den Feind Dobö's , zum Befehlshaber der 
Landestruppen ^''). Als der König unumwunden erklärte, keine 
Hilfe gewähren zu können, kamen die Stände im neuen Jahre 
auf einer zweiten Versammlung zu Szäszsebes zum Beschlüsse, 
Johann Sigismund ins Land zu holen und Petrovics als dessen 
Stellvertreter anzuerkennen *). 

Während die Söldner Dobö's, der sich bald in Szamosujvär, 
der Festung Martinuzzis, einschlofs, überall raubend herumzogen, 
während die rumänischen Bauern sich zur Abwehr zusammen- 
rotteten und die Ankunft der Türken erwartet wurde, nahm Ba- 
lassa das vom Bischof verteidigte Weifsenburg ein ; im März 
brach Petrovics, der dennoch den Titel eines Grafen von Mun- 
kacs weiterführte, durch die Eiserne Pforte vor und griff Deva 
und Szäszsebes an. 8000 Moldauer unter dem bekannten Bo- 
jaren loan Motoc, der schon im Jahre vorher eingedrungen war, 



rieht vom 14. November, ebenda S. 168: ., Non esse iam quid in posterum loqui 
nos velint, nisi prias unico verbo respondcrimus." 

i) „Finem ac metam gestis suis collocare"; ebenda S. 168. 

2) Berichte der Gesandten in Konstantinopel ; a. a. O. 

3) „Mon. com. Transs." I, S. 553— 561 ; Hurmuzaki 11^, S. 343ff- 

4) „Mon. com. Transs." I, S. 566—573; Hurmuzaki II*, S. 354ff. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 51 

ohne den furchtsamen Petrovics zum Handeln gebracht zu 
haben ^) , und zahlreiche Walachen unter dem mächtigen Socol 
überschritten gleichzeitig die Grenze; jene hatten bereits teil 
an der Einnahme Weifsenburgs, während die walachischen Reiter 
bei der Belagerung Szamosujvärs halfen-). Grofswardein , Hust 
wurden berannt. Ferdinand mufste erkennen, dafs alles für ihn 
verloren sei, und gab seinen Gesandten in Konstantinopel den 
Rat, aus dem Verluste Siebenbürgens, als des eigentlichen An- 
lasses zum Kriege , Vorteil für den schnellen Abschlufs eines 
Friedens zu ziehen , der wenigstens Grofswardein , Gyula und 
Kaschau rette; man sollte selbst genötigt sein, 50000 Dukaten 
Tribut zu zahlen; für einen ewigen Frieden wurden gar looooo 
geboten '^). 

Erst im Monat Juli gingen die Abgesandten der Stände 
nach Polen , um ihrer Königin von neuem zu huldigen ; die ru- 
mänischen Fürsten drangen mit zahlreichen Reiterscharen bis zum 
äufsersten Norden des Landes — das sie möglichst schonten *) — , 
und nach einer Reise , die einen ununterbrochenen Triumphzug 
von der Dauer eines Monats darstellte, hielt die Witwe Johann 
Zäpolyas mit ihrem Sohne, dem nun fünfzehnjährigen Johann 
Sigismund, ihren Einzug in Klausenburg. 

Zu derselben Zeit drang Ali , der den friedlichen Tuighun 
in der Würde eines Paschas von Ofen ersetzt hatte, ins deutsche 
Gebiet ein und belagerte vom 21. Mai bis zum 22. Juli mit seinen 



i) Istvänffy S. 229. 

2) Oder umgekehrt? Die erste Version bei Forgäch S. 142, 144. Die 
Stände wollten sie im April gern los werden. ,, Mon. Com. Transs." I, S. 574 
bis 579; Hurmuzaki 11^, S. SÖgff, 

3) „Mon. Hung. Hist." V, S. 183, 197 ff. 

4) Forgäch S. 188; über ihre Ankunft „Quellen" IV: Chronik Oster- 
mayers. Der Bericht Petra^cus, ,,des Sklaven und Kots unter den Pferdehufen 
(fango delle zapade; calciamentorum suorum cutus) des Kaisers", an 
den Sultan vom 4. November 1556 in Hurmuzaki II, S. 351 — 352, Nr. cccxxx; 
S. 354. Der Prätendent Vlad, Socol und Radu Ilia§ wurden der Pforte Anfang 
1558 von Isabella ausgeliefert; Hurmuzaki, Suppl. I', S. 12, Nr. xxi; Char- 
ri^re II, S. 438: man warf sie ins Meer. Vgl. Hurmuzaki, Suppl. I*, S. 13; 
Charriere U, S. 488; Hurmuzaki VUI, S. 84, Nr. cxn. 

4* 



53 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

eigenen Streitkräften und denen Bosniens und des osmanischen 
Dalmatiens das starke Szig^et. Um dem König- diese Festung, 
die eine aufserordentliche Bedeutung- hatte, zu erhalten, gingen 
sowohl der Palatin Thomas Nädasdy wie auch der Ban von 
Kroatien, Nikolaus Zriny, und alle Befehlshaber an der Grenze 
mit Geschützen, die bis aus Graz herbeigebracht worden waren, 
gegen Babocsa vor (19. Juli) ; am 23. kam es unter den Mauern 
desselben zu einer Schlacht mit dem eilig herbeigekommenen 
Ali. Es gelang ihm nicht, über die 1 0000 Mann, die meistens 
Christen waren, einen Sieg zu gewinnen, und so gab er am 31. des 
Monats das gegen Sziget begonnene feindliche Unternehmen 
wieder auf ^). Auf diese Weise erhielt der Krieg gröfsere Aus- 
dehnung und höhere Bedeutung. Und mochte Ferdinand selbst 
sich ihr versagen, so fühlte doch sein älterer Sohn die mora- 
lische Verpflichtung , unter solchen Verhältnissen persönlich ins 
Feld zu ziehen. Mit einigen tausend erlesener Truppen kam 
er nach Kanizsa und schickte Sforza Fallavicini als einen Ve- 
teranen dieser Grenzkriege gegen Korothna, das man mit Hilfe 
eines Zufalls einnahm. Babocsa wurde von den Türken ver- 
lassen. Ali trat ihm nicht entgegen; nachdem er bei Tolna 
vergeblich auf den Pascha von Bosnien gewartet hatte, zog er 
sich nach Fünfkirchen zurück. 

Als dann aber der Beglerbeg von Rum selbst erschien, um 
sich mit den Ofener Truppen zu vereinigen, und die bosnischen 
Akindschis bis Babocsa vordrangen , mufste der junge Königs- 
sohn jenseits der Mur zurückweichen; Zriny ging nach Sla- 
wonien, der Palatin in der Richtung auf Kanizsa, während andere 
Kriegsführer Ferdinands Kaschau und Grofswardein erfolgreich 
verteidigten -). Der Mangel an Lebensmitteln und die späte 
Jahreszeit liefsen auch den Türken eine Unterbrechung des 
Krieges notwendig erscheinen ^). Im Frühlinge nahmen zunächst 
die Scharen des Begs von Erlau die Festung Tata ein ^). Die 



i) „Mon. Hung. Hist." V, S. 203 ff. ; Forgäch S. 145 ff. 

2) Dieses letztere wie auch Munkäcs allerdings nur bis zum folgenden Jahre. 

3) Forgäch S. lö^ff. 

4) In dem Treffen von Szent-Ilona errangen die christlichen Truppen einen 
Sieg über die in Kroatien eingedrungenen Bosnier. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 53 

irregulären Banden des türkischen Vortrabs erfüllten bis in die 
Kaschauer Gegend alles mit Grausen. Der neue ,,Sandschak" Be- 
bek , der in Konstantinopel die Macht für sich verlang-t hatte ^) 
und ein neuer Martinuzzi zu werden drohte, wurde ermordet; 
der frühere Woiwode Franz Kendy starb gleichfalls eines ge- 
waltsamen Todes ; Dobö war seit langem schon ein hoffnungs- 
loser Flüchtling; ihren polnischen Freunden, Liebhabern und 
anderen Abenteurern gelang es, Petrovics aus dem Rate der 
Königin zu entfernen, und bald darauf im Oktober starb er; die 
Regierungssorgen gingen nun auf Balassa über, und all diese 
Veränderungen bedeuteten die Lösung der siebenbürgischen 
Wirren. 1560 starb auch Isabella: ihr Sohn eröffnete eine neue, 
energischere Politik -). 

Der Sultan bezweckte keinen Krieg und vertraute die Hut 
der ungarischen Grenze dem neuen Ofener Pascha Mehmed 
Jahja an. Den Gesandten Ferdinands wurde im Juni 1557 ein 
sehr guter Empfang zuteil, obwohl sie auf eine bestimmte Ant- 
wort drangen und von der Zession Erlaus, Palotas und Grans 
sprachen, während die Pforte die Schleifung des gefährlichen 
Sziget verlangte ^). Im August traten Verancsics und Zay die 
Rückreise an, um die Bedingungen des Sultans zu überbringen. 

Ihre Beantwortung verzögerte sich, da jetzt nach der Ab- 
dankung Kaiser Karls gröfsere Interessen für dessen natürlichen 
Nachfolger Ferdinand auf dem Spiele standen. Im März 1558 
wurde er zum römischen König erwählt und hielt sich nun für 
berechtigt, die Schleifung Szigets abzulehnen und vielmehr 

i) Berichte der deutschen Gesandten; „Mon. Hung. Hist." V; Pray lU, 
S. 123 — 125; Hurmuzaki IP, S. 442; ebenda U, S. 355 — 356. 

2) Der Mitteilung Caspar Magochys aus Gyula vom 15. Juli 1557, die Pforte 
habe die Einkünfte des Burzenlandes für sich beansprucht — Pray III, S. 121 
bis X23; Hurmuzaki II*, S. 417 — , ist kaum Glauben beizumessen. Alexander, 
der Fürst der Moldau, verlangte seine siebenbürgischen Besitzungen zurück; Pray 
III, S. 130 — 132; Hurmuzaki IP, S. 447. Auch die in einem serbischen Be- 
richte enthaltenen Angaben, der Sultan habe einen Sandschak in Hermannstadt und 
einen zweiten in Deva einsetzen wollen, sind unwahrscheinlich; Hurmuzaki II, 
-''. 334, Nr. cccix. 

3) „Mon. Hung. Hist." V, S. 284 ff., 2896?. 



54 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

seinerseits Tata zurückzuverlang-en. Als darauf der Beg- von 
Fülek dem Balassa zu Hilfe kam, erlitt er am 13. Oktober am 
Sajöfiusse eine schwere Niederlage. 

Doch Soliman wollte keinen Krieg. Auch als später im 
Juni die Verhandlungen mit Busbecq in der Szigeter Frage ab- 
gebrochen wurden ^) , blieb der Friede erhalten. Ungestört 
konnten die Bevollmächtigten des neuen Kaisers mit denen Jo- 
hann Sigismunds über seine Anerkennung als Fürst von Sieben- 
bürgen — den Königstitel lehnte er ab — und Besitzer des 
ganzen Märmarosgebietes verhandeln -). Über die Unterstützung 
des Abenteurers Johann Basilikos, der 1561 mit Hilfe des jetzt 
in Kaschau schaltenden Zays , des Hauptmanns Anton Szekely 
und burgundischer und deutscher Hauptleute die Moldau er- 
oberte und drei Jahre lang festhielt, sah man hinweg, obschon 
der vertriebene Alexander in dem Treffen bei Verbia und Husi 
auch Janitscharen bei sich hatte ^). Der Tschausch Mehemed, 
der sich nach Prag begeben hatte, begnügte sich mit der leeren 
Entschuldigung, daß das Geschehene nur einigen Grenzoffizieren 
zur Last falle, die ohne Vorwissen des Königs gehandelt hätten, 
während dieser in Wahrheit das Geld für den Feldzug des Basi- 
likos gegeben hatte *). Der Beglerbeg von Rum schritt gegen 
den hochfahrenden griechischen Abenteurer, der sich Despot 
und Markgraf von Samos und Faros, die dem Sultan gehörten, 
nannte, nicht ein; vielmehr erkannte man ihn gegen die üblichen 
Versprechungen und Zahlung des Tributs wenigstens vorläufig 
an. Als die Moldauer sich erhoben und der Despot nach längerer 
Belagerung in Suceava, an der auch ein starkes siebenbür- 
gisches Kontingent teilnahm , den Tod gefunden hatte , wurde 
Stephan (Tomsa) zum Fürsten ausgerufen. Diesen griff der Sohn 
des wieder zur Herrschaft gelangten Mircea, Peter der Lahme, an 
und zwang ihn zuletzt zur Flucht; in Lemberg aufgehalten, wurde 
er mit seinen Ratgebern, darunter Motoc, in Anwesenheit eines 
Tschausch, des ersten Dragomans Ibrahim, enthauptet (5. Mai 1564); 
die Nachrichten von Rüstungen Stephans gegen die Türken, die 

l) Fefsler III, S. 580. 2) Ebenda S. 581. 

3) „Gesch. des rum. Volkes" I, S. 391 ; Details in Forgäch S. 2752., 323ff. 

4) Is tvan ffy S. 252. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 55 

den Aufbruch des Beg^lerbeg-s (am i. Februar 1564) verur- 
sachten 1) , waren blofse Erdichtungen ; die Bojaren boten alles 
auf, den grausamen Alexander fernzuhalten-), der mit Waffen- 
g-e\valt eing-esetzt wurde ; die Tataren hatten ihren Anteil daran. 
Alexander führte, von Türken umg-eben, die alte ,, treue" Politik 
in der Moldau zu neuer Herrschaft. Den Umtrieben eines Radu 
Ilie, eines Socol, der in Konstantinopel ermordet wurde, in 
der Walachei war auch ein Ziel g-esetzt. 

Der Sultan nahm sog'ar den durch den Übertritt Balassas 
veranlafsten Verlust Szathmärs und Nag^ybänyas an die Deutschen 
ruhig- hin, obg^leich die Ofener Türken unter der ersten dieser 
Festung-en erschienen und es im Jahre 1562 an vielen Punkten 
zu Konflikten zwischen Österreichern und Osmanen kam. 1562 
griff Johann Sigismund, der durch keinen Vertrag mit Ferdinand 
und dem neuen römischen König Maximilian gebunden war, 
Hadad an, unter dessen Mauern es zur Schlacht kam. Der 
Ofener Pascha Ibrahim leistete ihm die verlangte Hilfe, und der 
Pascha von Temesvär stellte sich ein, um Szath mär zu belagern: 
die Stadt ging in Flammen auf. Der Beg von Fülek raubte 
und plünderte, wie immer in Mifsachtung aller gegenteiligen Be- 
fehle; Zrinyi griff ein türkisches Schlofs der Grenze an. Georg 
Bebek geriet endlich in türkische Gefangenschaft ^). 

Monatelang hatte Busbecq als Staatsgefangener in Konstan- 
tinopel geweilt, als er endlich entlassen wurde, und im September 
des Jahres traf der Dragoman Ibrahim, ein Pole von Geburt, in 
Frankfurt ein, wo Ferdinand soeben seinen Sohn Maximilian zum 
römischen König hatte wählen lassen ; er überbrachte die Rati- 
fikation des am i. Juni von Ferdinand unterzeichneten Friedens- 
dokumentes *). Es sah aufser der endgültigen Zession Sieben- 
bürgens die Zahlung eines jährlichen Tributs von 30000 Dukaten 
vor; der Waffenstillstand sollte acht Jahre dauern. 



i) Hurmazaki XI, S. 66ff. 2) Ebenda. 3) Istvänffy. 

4) Die vom i. Juni datierte Urkunde in „Mon. Hung. Hist." VI, S. 283 bis 
297; Hurmuzaki 11^, S. 507 ff. Die des Sultans ebenda II, S. 365 — 367. 
Vgl. die Briefe Busbecqs. Ferdinand sollte auch für ein Jahr den rückständigen 
Tribut entrichten. 



56 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Ferdinand überlebte die Regelung- des langjährigen Streites 
mit einem weit stärkeren Gegner, dem er zuletzt vollständig 
nachzugeben sich genötigt fand, nur um einige Monate. 

Maximilian, sein Sohn und Nachfolger, erneuerte den Frieden 
durch Vermittlung des Tschausch Schaban. Man hatte auch 
Mafsregeln vorgesehen, die Streitigkeiten an der Grenze zu ver- 
hindern; doch mufsten dieselben bei dem Wesen und Geiste der 
beiderseitigen Besatzungen, die aus irregulären Heiducken und 
Martolodschen bestanden, und dem Fortbestande der Anarchie 
in Siebenbürgen und den angrenzenden Gespanschaften durchaus 
unwirksam bleiben. 

So wollten 1563 die Heiducken Oberungarns unter Balassa 
und Zay ein moldauisches Kloster berauben oder, nach anderer 
Meinung, ,, einen Verwandten des Despoten" zum Fürsten der 
Moldau machen ^). Die Kaiserlichen beherbergten einen Präten- 
denten Bogdan 2), dessen Versuch, ins Land zu fallen, 1565 ver- 
eitelt wurde. Ein zweiter Prätendent Stephan, der Zay ,, seinen 
Herrn" nannte, stand in Kaschau zum Einfall bereit ^). Balassas 
Besitzungen Szathmär und Nagy-Bänya waren ein Herd von Un- 
ruhen, weshalb die ungarische Besatzung Grofswardeins sich ihrer 
bemächtigte, um sie später zu schleifen^). Johann Sigismund 
setzte den Rekuperationskrieg ohne Unterbrechung fort : er nahm 
Hadad, Bathor und Ecsed ein und griff Kisvärda und andere 
Schlösser an. Kaschau hoffte er gleichfalls an sich zu bringen. 
Um Tokaj ging der Kampf: es kam, wie auch Erdöd, an die 
Deutschen. Erst der im gleichen Jahre zwischen Maximilian und 
dem jungen Zäpolya geschlossene Friede setzte diesen Zu- 
ständen ein Ende ^). Johann sollte Siebenbürgen als Fürstentum 
bis zu seinem Tode behalten , die marmaroscher Gespanschaft 
aber räumen. 



i) Forgäch S. 340 ff. ; Istvänffy S. 268. Siehe auch Hurmuzaki 11 *, 

s. 530-531 ff- 

2) Siehe über ihn Hurmuzaki XI, S. 72 — 73 und meine „Pretenden'^i 
domne^ti", „Denkwürdigkeiten der rumänischen Akademie" XIX. 

3) Hurmuzaki, Supl. II, Bd. I, S. 247—248, 258—259; vgl. aber „Preten- 
den^i domne^ti" S. 28 ff. 

4) Hurmuzaki II, S. 545—546. 5) Ebenda. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 57 

Gleichzeitig- brach der Krieg- zwischen dem Sultan und dem 
römischen König, der kurz zuvor den Tribut für drei Jahre ent- 
richtet hatte ^), von neuem aus. Im April 1565 kam ein osma- 
nischer Gesandter nach Wien, um den Kharadsch einzuholen 
und auf üble Grenzverhältnisse tadelnd hinzuweisen; von selber 
Seite verlangte man zugleich Tokaj zurück, und die Feindselig- 
keiten nahmen ihren Anfang -). Zunächst bemächtig-te sich der 
Pascha Mustafa Sokoli Kruppas, einer bosnischen Besitzung- Niko- 
laus Zrinyis, dann folgte Novi; im Banat wurden Jenö, Vilagos 
und Pankota für den siebenbürgischen ,, König" gewonnen. Bei 
Szathmär kämpften die Türken des Ofener und Temesvärer Be- 
zirks gegen den kaiserlichen Befehlshaber Lazar Schwendi , und 
Erdöd fiel an den Pascha. Im Laufe des Jahres kam es zu 
weiteren Zusammenstöfsen an der Theifs ; den Bosnier schlug 
der Ban Peter Erdödy aufs Haupt ^). 

Soliman hatte 1565, wie gesagt, durch den Tschausch Hidajet- 
Aga die Zurückgabe Tokajs verlangt ^). Statt diesem Beg-ehren zu 
entsprechen, beanspruchte Maximilian 1566 durch einen neuen Ge- 
sandten '"), Georg Hosszuthöti, der weder Tribut noch Ehrengaben 
brachte , Siebenbürgen , mit Munkäcs , Hust und Szathmär *^). 
Darauf beschlofs ein zu Pferde abgehaltener Diwan den Krieg; 
der Gesandte wurde festgehalten und die Belagerung Palotas 
durch den Ofener Pascha Arslan (Juni 1566) beg-onnen; sie 
dauerte , da deutsche Truppen sich unter Nikolaus von Salms 
bei Tata sammelten, nur zwölf Tage. Es gelang dem christ- 
lichen Heere, das schwach verteidigte Veszprem, Tata und andere 
Schlösser einzunehmen, und im Lager von Komorn sammelte 
sich eine bedeutende, zu weiteren Unternehmungen bereite Kriegs- 
macht. Maximilian selbst sollte eintreffen, um gegen Gran vor- 
zugehen. 

So war ein Kriegszug des alten, seit vielen Jahren schon 



1) Forgach S. 345- 

2) Ebenda S. 353 — 356; Hurmuzaki II, S. 546ff. 

3) Ebenda S. 358—359, 386-389; Istvanffy a. a. O. 

4) Vgl. auch ebenda S. 386 - 3S7. 

5) Die früheren waren Tschernowitsch, Csaby und Albert von Wyfs gewesen. 

6) Ebenda S. 408. 



58 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

g-ichtbrüchig-en Sultans zu einer Ehrenpflicht und einer unabwend- 
baren politischen Notwendigkeit geworden. 

Im Sommer erschien eine türkische Flottille von sieben grofsen 
Schiffen auf der Donau ; Soliman hatte seine Hauptstadt mit dem 
bei einem kaiserlichen Auszug zum Kriege üblichen Gepränge 
am I. Mai verlassen. Schon vorher hatte er Pertew-Pascha, den 
Sohn seiner Schwester, mit dem Beglerbeg von Rum und zahl- 
reichen europäischen Truppen gegen Gyula, der gleichzeitig vom 
Temesvärer Pascha und 12000 Walachen belagert wurde ^), ge- 
schickt; auch Tataren aus der Krim und der Dobrudscha wurden 
erwartet, um bei diesem Vorspiele des Krieges mitzuwirken. Im 
Juli hatte die Belagerung ihren Anfang genommen, aber die 
eingeschlossenen Deutschen und Serben hielten sich tapfer und 
schlugen im August einen Sturm erfolgreich zurück; schliefslich 
entschlofs sich die kleine Besatzung, unter g-ünstigen Bedingungen 
zu kapitulieren (am 2. September) -). Darauf nahm Pertew Jenö 
und Vilägosvär ein. Seinem Kampfe mit Schwendi und der Be- 
lag'erung Tokajs setzten freilich unerwartete Ereignisse an einem 
anderen Punkte des Kriegsschauplatzes ein Ende. Unter seinen 
Truppen waren Tataren , und ihre räuberische Kriegführung 
brachte unsäg'liches Elend über die Täler des Marmorosgebietes : 
Johann Sigismund lieferte ihnen eine Schlacht, um ihnen wenigstens 
einen Teil der zu Tausenden fortgeschleppten Sklaven wieder 
abzunehmen. 

In Semlin angelangt ^), empfing Soliman Johann Sigismund, 
den hundert Karren mit vielen Magnaten aus Siebenbürgen eben 
dahin gebracht hatten, und liefs ihm wahrhaft königliche Ehren 
erweisen. Der „Woiwode" setzte auf einer vergoldeten Galeere 
über die Save, stieg- auf ein ihm geschenktes Paradepferd, er- 
hielt aufserordentlich kostbare Gaben — nebst den üblichen 



i) In die Moldau dachte Ferdinand einen der Prätendenten Bogdan oder 
Stephan — vgl. Hurmuzaki 11^, J. 1567 — zu schicken, um Alexander zu be- 
schäftigen; ebenda II, S. 558—559. 

2) Ebenda. 

3) Man fürchtete, dafs er die Stadt Erlau angreifen werde; Hurmuzaki XI, 
S. 75, Nr. cxiv. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 59 

Kleidern aus Goldbrokat auch einen Ringf — ; und als er, vom 
Kapudschibascha geführt, ins Zelt seines Kaisers trat, nickte 
dieser huldvoll mit dem Kopfe zu und bot ihm sogar die rechte 
Hand; zwanzig Siebenbürger wurden zum Fufskusse zugelassen, 
und der Vasallkönig durfte auf einem niedrigeren Sitze Platz 
nehmen. Nach der Verabschiedung fand er andere Geschenke, 
darunter vier schöne Pferde, vor. Auch eine Einladung zur 
festlichen Tafel wäre ihm zuteil geworden, wenn er nicht durch 
Bekes, der in seiner Gunst immer höher stieg, eine Einladung 
des Wesirs Mohammed Sokoli, der schon die gröfsten Vorberei- 
tungen zum Empfange getroffen hatte, abgeschlagen hätte, um ihm 
dagegen eine Zusammenkunft auf offenem Felde vorzuschlagen : 
Mohammed antwortete, dafs er geringe Neigung verspüre, sich im 
Freien zu ergehen ^). Das Gesuch Johann Sigismunds, eine Rekti- 
fikation der Grenzen vorzunehmen, das heifst die 155 i besetzten 
Schlösser im Banat zurückzugeben, nahm der Sultan gnädig 
genug auf. 

Meister aus Belgrad mufsten eine Brücke bei Peterwardein 
errichten; Mustafa Sokoli wurde an die Stelle des zum Tode 
verurteilten Arslan nach Ofen beordert, der Kilardschibascha 
kam als Statthalter nach Bosnien. Osman, der Befehlshaber in 
Karamanien, ging nach Stuhlweifsenburg, und die Flotte segelte 
nach Gran. 

Als der gewesene Tschisnedschirbascha bei Soklos unver- 
sehens von Truppen Zrinyis, der in Sziget befehligte, überfallen 
und getötet wurde, entschlofs sich Soliman, statt gegen Erlau, 
sich gegen dieses Sziget zu wenden. Der Übergang über die ge- 
schwollene Drau erfolgte unter grofser Schwierigkeit, und wiederum 
kam Soliman über das Feld von Mohäcs , auf dem er in seiner 
Jugend durch eine einzige Schlacht Ungarn gewonnen hatte. Bei 
Harsäny wurde Arslan-Pascha erdrosselt. Am 2. August befand 
sich das kaiserlich osmanische Lager vor Sziget, auf dessen Mauern 
60 Geschütze standen und das auch sonst im besten Vertei- 
digungszustande war. Am Ende des Monats fanden mehrere 

l) Forgdch und Istvänffy; Hurmuzaki VIII, S. 105, Nr. CXLI; ein 
gleichzeitiger Bericht in Katona XXIV, S. 207 ff. ; vgl. Hammer II, S. 315 
bis 316, nach türkischen Quellen. 



60 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Tage hindurch Sturmangriffe unter den Augen des Sultans statt; 
sie führten zu keinem Erfolg , und auch , als sie nach einiger 
Zeit wiederholt wurden, erwies sich alle Tapferkeit unvermögend, 
Sziget einzunehmen. 

Maximilian schien entschlossen, den wichtigen Platz zu ent- 
setzen. Mitte August befand er sich bei Oväry- Altenburg; er 
stand an der Spitze eines schönen deutschen Heeres, zu dessen 
Führern nebst den Prinzen Wolfgang von der Pfalz, Richard von 
Brandenburg, Wilhelm von Bayern hervorragende Mitglieder 
seines Adels, wie Leonard von Harrach, Günter von Schwarzen- 
berg , Markgraf Philipp von Baden , Eck von Salms gehörten ; 
auf der Donau lag ihm eine Flottille von zwölf gröfseren Schiffen 
zur Verfügung, Ungarische Truppen , bei denen sich Andreas 
Bdthory, der Erzbischof Nikolaus Olahus, Verancsics, Stephan 
Dobö befanden, verstärkten das königliche Lager, und 3000 Mann 
italienischen Fufsvolkes schickte der Herzog von Florenz; wie 
zur Zeit der Schlacht von Nikopolis waren auch junge Franzosen 
wie Charles de Guise, Brissac erschienen. Die Zahl der Fremden 
vermehrten ferner Prospero Colonna, Alfonso von Ferrara, ein 
Pole Sborowski und der unruhige Abenteurer Albrecht Laski. 
Erzherzog Karl von Österreich stand mit anderen Scharen an 
der Drau, um die innerösterreichischen Provinzen schützen zu 
können ^). 

Die Meinungen waren geteilt: einige wollten Gran angreifen, 
andere ein Lager bei Raab beziehen ; diese letztere Ansicht drang 
durch, und die genannte Festung wurde zu Ende August durch 
einige Truppen beschützt. Salms erschien bei Stuhlweifsenburg. 
Zu einem ernsten Kampfe kam es aber nirgends; dafs einige 
bedeutendere türkische Gefangene, wie Sandschak Mahmud 
von Stuhlweifsenburg, vor König Maximilian geführt werden 
konnten, war ein Haupterfolg des prunkvollen, aber schlecht 
geführten Heeres , an dem es sich genügen liefs. Als die 
Nachricht vom Rückzuge Pertews und der Tataren kam, setzte 
Maximilian dem ganzen Unternehmen ein unrühmliches Ende 



i) Istvanffy S. 20 — 22. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 61 

und kehrte Ende Oktober nach Wien zurück. Die Söld- 
Hnge, denen man den Sold grofsenteils schuldig' geblieben war, 
liefen auseinander und entschädigten sich in barbarischer Weise 
auf Kosten der geplagten Bewohner des unglücklichen Grenz- 
gebietes. 

Soliman aber weilte nicht mehr unter den Lebenden: sein 
eigener Wunsch , während eines Kriegszuges zu sterben , war in 
Erfüllung gegangen ^). Die Dysenterie hatte den 66jährigen 
Greis am 5. bis 6. September unter den Mauern Szigets lang- 
sam hingerafft -). 

Die Belagerung nahm aber, indem Mohammed Sokoli mit 
gröfster Sorgfalt den Tod des Sultans verheimlichte, ihren Fort- 
gang. Die innere Festung ging schliefslich in Flammen auf, 
und nun erschien Zrinyi mit den wenigen Verteidigern vor dem 
Tor, um den letzten Todeskampf zu bestehen: einige Stunden 
später steckte sein Kopf auf einer Stange im Ang^esichte des 
osmanischen Heeres. 

Soliman war bereits drei Tage tot, als Sziget fiel ^). Mit 
trauriger Verwunderung warteten die Sieger umsonst auf das 
Erscheinen ihres alten Kaisers in der eingenommenen Stadt. 
Erst als der aus Asien eilig herbeigerufene neue Sultan Selim 
nach geraumer Zeit in Konstantinopel eingezogen war, wurde 
der Hintritt des mächtigsten aller Sultane öffentlich kundgetan. 
Darauf besetzte das Heer noch Babocsa, die Akindschis streiften 
raubend rings umher, als wenn sie ihren verstorbenen Feldherrn 
rächen wollten, und die Janitscharen, die Spahioglane, der g^anze 
Hof setzten sich nun langsam in Bewegung, um die Leiche des 



i) Bericht des Verancsics, „Mon. Hung. Hist." V, S. 168: Soliman 
wünscht „vel mori vel potiri Hungariae reliquiis et urbe Vienna , in eaque , si 
vicerit, finem ac metam gestis suis coUocare". 

2) Vgl. über die Krankheit des Sultans Zinkeisen II, S. 908, Anm. i. 

3) Vgl. auch die Erzählung Budinas in Schwandtner I, S. 723 ff. Über 
die früheren Feldzüge AscanioCentorio degliHortensii, Commentarii della 
guerra di Transilvania, Venedig 1565. Der Bericht Mark Horväths an den König über 
die erste Belagerung Szigeths wurde Wittenberg 1557 gedruckt. Vgl. auch 
Hammer II, S. 258, Anm. 4. Die meisten Quellen, darunter der früher oft be- 
nutzte Bizarr US, sind in Schwandtner gesammelt. 



63 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Sultans nach Konstantinopel zu überführen : an der Donau trafen 
sie auf den neuen Herrscher. Der Gesandte Maximilians, Hos- 
szuthoti, der auf seiner Rückreise bei Adrianopel dem Trauerzug 
begegnete, war erstaunt, nur ,, einen bulgarischen Karren mit 
mageren Pferden, von ungefähr vierhundert Reitern umgeben," 
zu sehen: so kehrte Soliman Ende 1566 in sein Konstantinopel 
zurück. 

Durch seinen Tod hatte die erste Phase der siebenbürgisch- 
ungarischen Frage ihren Abschlufs gefunden. Gleich nach Selims 
Ankunft durften die bis dahin als Kriegsgefangene behandelten 
Gesandten Maximilians vor dem neuen Sultan erscheinen. Hosszu- 
thöti war zu Ende des Jahres 1566 abgesandt worden, um zu 
erklären, dafs der ,, Wiener König" seine Ansprüche auf Mär- 
moros vergessen und den Türken Sziget überlassen dürfte ^). 

Während seiner Rückreise fanden im Gebiete von Szathmär 
und in Märmoros heftige Kämpfe zwischen den Kaiserlichen und 
Johann Sigismund statt, besonders nach dem Übertritt Georg Be- 
beks, der durch die Fürbitten der Siebenbürger befreit worden 
war, zur Gegenpartei. Schwendi nahm Munkäcs ein und wollte auch 
Hust erobern; als er sich aber bei der Annäherung der Türken 
aus Szolnok und Temesvär nach Kaschau zurückzog, fielen Nagy- 
Bänya und Kövär an die Siebenbürger -). Einige Schlösser ge- 
langten bei dieser Gelegenheit in den Besitz der Türken. 

Auf die Nachricht von diesem Friedensbruche wurde Albrecht 
von Wyfs zum Wesir beschieden und aufs schlimmste empfangen : 
er sei ein Hund und sein König ebenfalls, warfen ihm die Mit- 
glieder des kaiserlichen Diwans ins Gesicht. Man drohte mit 
Rüstungen des Beglerbegs von Rum zu einem neuen Feldzuge, 
den Maximilian freilich rechtzeitig zu vereiteln wufste. Denn 
während der Tagung des nach Prefsburg berufenen ungarischen 
Reichstags sandte er Christoph von Teuffenbach und den er- 
probten Dalmatiner Verancsics nach Konstantinopel (am 25. Juni); 
sie überbrachten den Tribut und kostbare Geschenke für den 



i) Hammer U, S. 364 ff. 

2) Forgäch — sehr umständlich — und Istvänffy. 



Bildung der türkischen Provinz Ungarn. 03 

Sultan und verlangten Rückerstattung- der letzthin an Johann 
Sigismund verlorenen Plätze und die Zerstörung Babocsas , ohne 
jedoch von Maximilians Seite die Schleifung Tatas und Vesz- 
prems versprechen zu wollen ^). Erst am 17. Februar des fol- 
genden Jahres, 1568, kam ein Friede auf acht Jahre zustande: 
er bestätigte den Status quo an den Grenzen und die Zahlung 
des gewöhnlichen Tributs '). 



i) H am mer a. a. O. 

2) Ebenda S. 366 fif. ; „Mon. Hung. Hist." VI, S. 11—48, 208—253. 



Zweites Kapitel. 
Die türkische Provinz Ungarn. 



Durch den Feldzug Solimans gegen die Deutschen in Ofen, 
-durch die jährlichen Überfälle der Grenzbegs, einige gröfsere 
Unternehmungen der Beglerbegs von Rum oder der Wesire 
und endlich durch den letzten vom alten Sultan geführten 
Vorstofs war eine Art türkischer Provinz Ungarn entstanden, die 
1566 ihre endgültigen Grenzen gefunden zu haben schien. 

Nach der osmanischen Staatstheorie war das einmal vom 
-zweiten Zäpolya beherrschte Siebenbürgen mit den benachbarten 
Gebieten — dieses wahre, von einem König geerbte Königreich 
Ungarn , wie er und seine Anhänger es auffafsten , — eine Er- 
oberung des allmächtigsten Kaisers, der es ,,mit dem Schwerte 
genommen und von den Hufen seines Pferdes hatte zerstampfen 
lassen" ^). ,, König Stephan", den die Christen, seines Vaters 
wegen auch Johann, und der ihm zugesicherten Erbfolge in Polen 
wegen, Sigismund nannten, hatte gewifs auch nach türkischer Über- 
zeugung keinen Rechtsanspruch auf den Besitz von Ländern, die 
ihm verliehen worden waren , damit er sozusagen nicht in der 
Fremde als Bettler den Hungertod sterbe '^). In seinen Briefen an 
den Kaiser verwandte er die gewähltesten orientalischen Phrasen, 
um seine demütige Dienstfertigkeit, seine vollständige sklavische 
Ergebenheit dem Herrn gegenüber zum Ausdruck zu bringen. 
So glich er den moldauischen und walachischen Fürsten, die 
ihre alten Rechte und ihre vormalige Würde durch ränkevolle 

1) „Regnum gladio eius acquisitum et vestigio equi percalcatum" ; Ausspruch 
_Rustenis; „Mon. Hung. Hist." V, S. 306. 

2) Ausspruch der deutschen Gesandten an Rustem ; Hurmuzaki 11^,8. 1 13 — 1 14. 



Die türkische Provinz Ungarn. 65 

Thronstreitig-keiten und unaufhörliche Zwistigkeiten der zahlreichen 
Bojaren (des oberen Adels) eingebüfst hatten, so dafs Petrascu 
sich den „Kot" unter den Füfsen des Sultans zu nennen sich 
nicht entblödete^) und sein Gegner Mircea, denen die ihn gut 
kannten, als „kein wahrer Christ und kein wahrer Türke" er- 
schien 2). 

Allerdings gingen die Walachen darin voran; die Moldauer 
waren immerhin noch imstande, wie in der Zeit Tomsas, Heere 
aus stolzen Bojaren und zahlreichen Bauern ins Feld zu stellen 
und auf die Pforte einigen Eindruck zu machen: ihre Botschaften 
an den Kaiser bestanden oft aus über zweihundert Personen, so 
dafs sie hinter denen eines mächtigen Herrschers nicht zurück- 
standen ^). 

1558 zahlte das walachische Fürstentum 50000 Dukaten 
Tribut ^) , jener der Moldau war bei der Thronbesteig"ung des 
Abenteurers Johann Basilikos (1561) von 30000 auf 50000 Skudi 
erhöht worden^); 5000 Dukaten waren schon 1551 bei der Ab- 
dankung Ilies hinzugekommen *•). Zu Kriegszwecken wurden 
aufsergewöhnliche Summen, meistens als Vorauszahlung auf den 
Tribut hin nach Konstantinopel geschickt '') ; dann 500 bis 
600 Pferde und an Proviant einmal bis an 15 000 Mafs Korn 
und Gerste *). Das Zäpolya verliehene Ungarn entrichtete dagegen 
nur loooo Dukaten jährlich und wurde von Kriegskontributionen 
verschont ^). 



1) Siehe oben S. 51, Anm. 4. 

2) Hurmuzaki 11^, S. 132. 

3) Ebenda Vm. S. 112, Nr. CLV. 

4) Ebenda S. 84, Nr. cxii. 

5) Ebenda, Suppl. P, S. 16, Nr. xxix. 

6) Ebenda S. 7 , Nr. xin. In einem polnischen Briefe wird der Tribut um 
1550 äuf 30000 Dukaten oder 50000 polnische Gulden berechnet; Hurmuzaki, 
Suppl. 11^, S. 195. Die Geschenke betrugen dann noch weitere 40000 Gulden 
nach polnischem Kurse. 

7) Ebenda, Suppl. l\ S. 6, Nr. x; vgl. II, S. 256, Nr. ccxx— IX. 

8) Vgl. ebenda II , S. 229—230, Nr. cxcvui ; XI, S. 580; „Documente §i 
cercetäri asupra istoriei financiare, Bukarest 1900, S. 174 ff. 

9) Siehe auch Hurmuzaki XI, S. 40, Nr. lv; S. 56, Nr. lxxxi. 
Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. O 



66 Erstes Buch. Zweites Kapitel. 

Die 1567 von den Türken vorgeschlagene Grenze entsprach 
ungefähr dem tatsächlichen Status -quo, als vorgerückteste Linie 
der türkischen Eroberung in Ungarn. Sie sollte vom „Berge 
Erlau", d. h. vom gebirgigen Gebiete bei Erlau, anfangen, um 
sich dann gegen die Theifs hinzuziehen, die sie bei Szolnok er- 
reichte; letzteres gehörte den Christen; Hatvan, Fülek, ,,Nygles", 
Leva, Csokakö und der Flufs ,,Rigna" werden als Grenzpunkte im 
nördlichen Ungarn angegeben. Abgesehen von Siebenbürgen 
und den angrenzenden Landesteilen, die zusammen ein wahres 
Ganze bildeten , stellte das unmittelbar türkische Ungarn anders 
als das österreichische Ungarn Ferdinands und Maximilians, das 
fast das ganze westliche Gebirgsland, dann die nördlichen Ge- 
spanschaften und das kroatisch - slawonische Gebiet umfafste, 
nur einen schmalen, unregelmäfsigen Landstrich dar ; es handelte 
sich dabei eigentlich nur um ein Hinaufschieben der älteren 
Grenze an der Donau und zwar auf beiden Ufern des grofsen 
Flusses. 

Die Türken besafsen also jetzt das westliche_^Banat mit 
Becskerek und Becse an der Theifs , und der starken Feste 
Temesvär, das bald zu einer Stadt heranwuchs; ferner Arad, am 
Marosflusse; die östlichen Distrikte Lugas und Karänsebes, die 
an die Walachei grenzten und von Rumänen bewohnt waren, 
blieben frei, um später an das Fürstentum Siebenbürgen zurück- 
zufallen ; die Einwohner derselben , seit längerer Zeit gewohnt, 
die Rolle der Grenzwächter zu spielen, unterhielten zum neuen 
osmanischen Kaiser selbständige Beziehungen ^) , und ihre Woi- 
woden trugen kein Bedenken, walachische Prätendenten, wie 
Radu Ilias, gegen den vom Sultan ernannten Fürsten von Buka- 
rest zu unterstützen -). Jenseits des Maros standen die Türken 
im wichtigen Gyula ^) , das die österreichische Festung Grofs- 
wardein in Schach hielt; weiter aufwärts waren die osmanischen 
Fahnen bis Debreczen gedrungen, von wo aus ein Vorstofs 



1) Hurmuzaki VIII, S. 103 — 104. 

2) Radu fiel durch das Gebiet von Karänsebes in die Walachei ein. Siehe 
die Chronik Ostermayers in „Quellen" IV. 

3) Siehe auch Hurmuzaki VIII, S. 106, Nr. cxLr7. 



Die türkische Provinz Ungarn. 67 

der Deutschen in Szathmär und Nagy-Bänya verhindert werden 
konnte ^). 

Im Gebiete Hnks von der Theifs, zwischen diesem Flusse und 
der Donau hatten die Türken keine festen militärischen An- 
siedlungen: Szolnok und Erlau g^ehörten den Christen. Jenseits 
der Drau aber, die man bei Eszek zu überschreiten pflegte, war 
das Land bis zur Save, mit dem starken Schlofs Posega, türkisch; 
Türken standen in Mohäcs, dann westlich in Fünfkirchen, und 
ihr Gebiet stiefs nördlich mit dem von Szekszärd , Tolna und 
Földvär an der Donau zusammen -). Daran schlofs sich die stark 
befestigte Linie Stuhlweifsenburg-Veszprem, die noch durch Tata, 
Papa, Palota, Hatvan verstärkt wurde. 

Ofen war die Hauptstadt des kaiserlich - osmanischen Un- 
garns; auch Gran hielten die Türken besetzt, aber in westlicher 
Richtung bewachten die Festungen Raab und Komorn — jen- 
seits des Flusses — , die Donau für die Österreicher. Auf der 
linken Donauseite war noch Nögräd türkisch; dieses bildete den 
vorgeschobensten Punkt der osmanischen Ausdehnungstendenz. 

In dem oft erwähnten Buche Chalils , des ersten Steuer- 
einnehmers, das als Basis der Unterhandlungen mit den Kaiser- 
lichen diente, waren alle Städte, Schlösser, Dörfer, Felder, 
Baumgärten, Weingärten, alle Einwohner, die dem Kaiser unter- 
tänig waren , sorgfältig in der alten genauen mongolischen Art 
verzeichnet ^). 

Die Oberleitung des beständigen Raubwesens , von dieser 
eigentümlich gestalteten Provinz her ins feindliche Gebiet, hatte 
der Ofener Pascha, der sich aber keineswegs nur als einen mili- 
tärischen Befehlshaber wie andere, sondern als den ,, Stell- 
vertreter", den Vizekönig seines Kaisers betrachtete. So be- 
titelte sich denn der friedliche T huigun ,, Stellvertreter des 
türkischen Kaisers in Ungarn"-*); und sein Nachfolger 1567: 



i) Eine türkisch-siebenbürgische Grenzfestsetzung 1567; „Mon. Hung. Hist." 
VI, S. 103. 

2) Vgl. über diese Schlösser die Reise Busbecqs S. 63. 

3) Vgl. auch u. a. „Mon. Hung. Hist." VI, S. 125; Hurmuzaki 11, S. 361. 

4) „Imperatoris Turcarum in Hungaria locumtenens" ; Hurmuzaki II, 
S. 329, Nr. 304. 

5* 



68 Erstes Buch. Zweites Kapitel. 

„Stellvertreter des allermächtigsten türkischen Kaisers in Ofen 
und in ganz Ung-arn" ^). Auch von den Christen wurde ihm 
der Rang" eines Beg^lerbegs zuerkannt; für ihn war der „König 
von Wien", sein Nachbar, nichts als ein Vizekönig- des Papstes 
in den päpstlichen Provinzen Deutschland und Böhmen, und die 
Briefe des Ofener Potentaten ergingen an den ,, König der Pro- 
vinzen der Deutschen und Böhmen, die dem römischen Erz- 
priester gehören"-): also und nicht anders deutete er sich den 
Begriff eines „Römischen Königs". 

Daneben hatte der Pascha von Temesvär eine von Ofen 
fast unabhängige Stellung; und dieser Oberbefehlshaber in den 
neuerworbenen Landgebieten bezeichnete sich ebenso stolz als 
Verwalter des ganzen Komplexes von Bosnien bis nach Ungarn ■^). 

Die übrigen Schlofshauptleute standen entweder unter dem 
Ofener Pascha oder diesem neuen Pascha von Temesvär. Sand- 
schaks waren in Gran, Hatvan, Veszprem, Nögräd, Stuhlweifsen- 
burg, Fünfkirchen ^) , Siklös, Mohäcs , Szegedin und Arad zu 
finden ^). In den Festungen von geringerer Bedeutung komman- 
dierten gewöhnliche Begs. Diese seine Untergebenen mufsten 
dem Vizekönig in Ofen das rechte Ansehen geben: wenn er die 
christlichen Gesandten im Diwan empfing, standen vier Sand- 
schaks neben seinem Stuhle; er fühlte sich als Abbild des von 
vier Wesieren umgebenen Sultans *") ; und wie die alten Könige 
Ungarns, in deren Hauptstadt er jetzt residierte, erschien der 
Pascha im Frühling auf dem Räkosfeld inmitten der zahlreichen 
Offiziere des nach Ungarn beorderten Heeres des Sultans ''). 



1) „Potentissimi Caesaris Turcarum Budae et in tota Hungaria locumtenens" ; 
Pray III, S. i8i. 

2) „Germanorum, Bohemorum et Romani Pontificis provinciarum rex"; ,,in 
Germaniae, Bohemiae et Romani pontificis provinciis" ; Hurmuzakill, S. 334, 
Nr. cccx; S. 336, Nr. cccxni; S. 337, Nr. cccxv. 

3) Vgl. Hammer II, S. 221. 

4) Irrig spricht B usb ec q 1569 vom Pascha Mustafa von Fünfkirchen; S. 277. 

5) Vgl. Hurmuzaki II, S. 389, Nr. ccCLXll; 11^, S. 46 — 47, 117; Zink- 
eisen II, S. 867. Über die benachbarten bosnischen Sandschaks siehe Hurmu- 
zaki II, S. 233. 

6) Hammer II. 7) B usb e c q S. 64— 65. 



Die türkisclie Provinz Ungarn. 69 

Die Städte, die jetzt unter osmanischer Herrschaft standen, 
hatten von ihrer früheren betriebsamen Regsamkeit und dem 
einstmaligen Glänze viel eing-ebüfst. Nach türkischen Begriffen, 
wie sie auf dem Grunde der Religion im Leben des Volkes 
mehrere Jahrhunderte hindurch sich eingewurzelt hatten, war 
eine Wohnung nur ein zeitweiliges Obdach für den Krieger, und 
besonders für seine Pferde , die empfindlich und teuer waren. 
Viele der besseren Häuser waren fast ganz zerstört worden, und 
niemand dachte daran , sie wieder herzustellen ; ein solches Be- 
mühen hätte nicht nur für überflüssig, sondern sogar für pietätlos 
gegolten i). Nur die öffentlichen Bäder, die neuen Moscheen, 
die hier und da , wenn auch nicht so zahlreich und schön , wie 
über Belgrad hinaus im alten türkischen Gebiete , die an den 
Landstrafsen erbauten Karawansereien und die Gärten konnten 
das Auge erfreuen und wurden sorgfältig unterhalten '■^). Dagegen 
waren die Festungswerke immer in gutem Verteidigungszustande, 
mochten sie mitunter wie in Eszek auch nur aus zusammen- 
geflochtenem, mit Lehm verklebtem Gezweige bestehen. 

Janitscharen , von Agas oder Woiwoden befehligt, auch 
Beschlis ^) , bildeten die Besatzung ^). Ein Kadi sprach den 
Glaubensgenossen, und oft genug auch in Prozessen mit Anders- 
gläubigen, Recht. Im übrigen waren die alten Verhältnisse ge- 
schont worden. So durfte z. B. der Graner Erzbischof sowohl 
seiner Gerichtsbarkeit wie seiner schönen Einkünfte auch unter 
türkischer Herrschaft erfreuen ^). Die Türken waren unbefangen 
genug, Petrovics und dem älteren Bebek , obgleich sie Christen 
geblieben waren, Sandschakate zu verleihen, die sonst nur Mos- 
limen anvertraut wurden , und solche auch anderen ungarischen 
Edelleuten und sogar Zay, der als Gesandter Ferdinands nach 
Konstantinopel gekommen war, anzubieten ^). 

i) In Kamoncza waren 1553 statt 150 steinerner Häuser nur noch 15, und 
zwar mit Strohdächern versehen, vorhanden ; ,, Mon. Hung. Hist." V, S. 293. 

2) Siehe Busbecq im Anfange seiner Reisebeschreibung und Ger lach, 
Tagebuch einer in die Türekey öjärigen Gesandtschafft, Frankfurt a. Main 1674. 

3) Siehe z. B. Istvänffy S. 286: 1566, Beschlis in Tata. 

4) ,,Neque uUus est paulo frequentior pagus, municipium oppidumve in quo 
non sint aliquot lanizari " ; Busbecq S. 7. Vgl. ebenda S. 216. 

5) Busbecq S. 6. 6) „Mon. Hung. Hist." V. 



70 Erstes Buch. Zweites Kapitel. 

Die Dörfer auf dem Lande standen nach wie vor unter 
ihren „Richtern" ^). Die an der Grenze gelegenen zahlten einen 
Teil ihrer Zehnten an die Christen, einen anderen an die Türken, 
um sich einigermafsen friedlich und sicher zu fühlen ; die kaiser- 
lich deutschen Grenzdörfer waren dagegen gewöhnlich der un- 
bändigen Soldateska zum Unterhalte angewiesen -). Diejenigen, 
deren Einwohner als ,, kaiserliche Sklaven" im Katasteichos des 
Chalil zum Kharadsch veranlagt waren , entrichteten für die Er- 
laubnis, ihre christliche Existenz fortzuführen, diese einzige Steuer 
an die Pächter des Sultans. Freilich wurden zahlreiche Klagen 
über die Erhöhung des Kharadschs laut, der auf unglaubliche 
Summen gestiegen sein sollte ; doch handelte es sich in diesem 
Falle nicht um neue , von Konstantinopel , oder auch nur von 
Ofen, aus getroffene Bestimmungen, sondern nur um Mifsbräuche 
der betreffenden Begs oder Sandschaks ^). Von der Erhebung 
des Kinderzehnten, wie sie damals auf der Balkanhalbinsel nicht 
nur mehr alle fünf, sondern alle zwei, drei Jahre stattfand, so 
dafs viele Bewohner sich in die Wälder flüchteten ^) , wird für 
Ungarn nichts erwähnt. 

An Stelle der alten Magnaten, die als Feudalherren Anteil 
an den Erzeugnissen des Bodens hatten, waren nun die Spahis 
getreten. Es waren nicht, wie in Bosnien, zum Islam über- 
getretene einheimische Edelleute, sondern Eindringlinge, die sich 
ihre Lehen, ihre Timars durch Tapferkeit und Treue erworben 
hatten. Aus ihnen bestand die Reiterei im ungarischen Heere 
des Kaisers , aber an Zahl waren sie gering und verfügten , da 
sie unter lauter Christen lebten , nicht über die prächtige Ge- 
folgschaft von Kriegern, wie sie die bosnischen Spahis unterhielten. 

Das Land hätte unter solchen klug geregelten Verhältnissen, 
wie sie übrigens für das osmanische Staatssystem typisch sind, 
sehr wohl gedeihen können. Nur der nervöse französische Ge- 

I) „Mon. Hung, Hist." V, S. 253. 2) Ebenda VI, S. 130. 

3) Vgl. Hurmuzaki II'', S. iii, 115 Anna., S. 511: Vertrag von 1562; 
„Mon. Hung. Hist." VI, S. 37—38. 

4) „Mon. Hung. Hist." V, S. 303. 



Die türkische Provinz Ungarn. 71 

sandte La Vigne klag"t 1555 über Räuber: ,,Le pais est com- 
munement si piain de larrons ..." ^). Dennoch sprechen alle 
Reisenden von der „auffallenden Unbewohntheit", der mira 
solitudo und der spärlichen Bauernbevölkerung' -). Gleichzeitig" 
müssen sie jedoch den völligen Frieden und die Sicherheit in 
den Provinzen der Donauhalbinsel, wo man keine Räuber an- 
traft) und in den Schluchten des Gebirges sogar steuerfreie 
christliche Dörfer zu finden waren, die einzig die Verpflichtung 
hatten, die Strafsen zu überwachen^), sowie die Zufriedenheit 
der serbischen und bulgarischen Bauern, die ihren Schmuck 
furchtlos öffentlich zur Schau tragen konnten, anerkennen. Die 
Schuld an der Anarchie in Ungarn trugen weniger die Türken, 
als die zügellosen christlichen Nachbarn und wohlfeilen Soldaten, 
deren Lebenszweck in Raubzügen bestand. Es lohnt der Mühe, 
diese eigenartigen Zustände an der immer bedrohten und ge- 
fahrvollen Grenze näher zu schildern. 

Im Frieden, während eines Waffenstillstands und bei vor- 
kommenden Besuchen waren die Osmanen keine üblen Nach- 
barn. Als ein deutscher Gesandter in Ofen erschien, wurde er 
von Tschauschen empfangen und jubelnd von der Menge be- 
grüfst; er erhielt einen täglichen tain aus Lebensmitteln, und 
es wurde ihm gestattet, in einem christlichen Hause Aufenthalt 
zu nehmen. Jugendliche Soldaten führten dem Gaste militärische 
Spiele, besonders das Dscherid vor; Tataren mit langem 
Haare und blofsen Köpfen trugen durch ihre sonderbare Er- 
scheinung zum Eindruck der Vorstellungen bei ^). Die Janit- 
scharen, diese gefürchteten Krieger, kamen paarweise, begrüfsten 
den Gast ihres Herrn erfurchtsvoU , machten sogar Miene , ihm 
die Hand und den Saum seines Kleides zu küssen, boten ihm, 
nach der neuesten und gewinnendsten Stambuler Art, Blumen, 



i) Charriere II, S. 375. 

2) „Rarus agricola, rarum pecus et crebra solitudo"; „Mon. Hung. Hist." 
V, S. 290. 

3) Das ungarische Getreide erfreute sich höherer Schätzung als das asiatische; 
B usbecq S. 63. 

4) Busbecq. 5) Busbecq S. 6 — 7. 



73 Erstes Buch. Zweites Kapitel. 

dankten laut für ein paar Tausend g^espendeter Aspern und zogen 
sich zurück, ohne das Gesicht abzuwenden ^). Der Beglerbeg ging- 
als mächtiger Vizekönig zwar nicht zu den Abgesandten hin, und, 
wenn er krank oder übler Laune war, durften auch sie ihn nicht 
besuchen. Aber, wenn er sie empfing, unterhielt sich dieser oberste 
Pascha mit ihnen, ebenso wie die untergeordneten Sandschaks, über 
Ärzte, die man brauchte, über merkwürdige Geschehnisse im ent- 
fernten Abendlande, Verschwägerungen, Krönungen, Allianzen, 
Kriege '^), Sonn- und Mondfinsternisse, welch' letztere die Türken 
als bedeutungsvolle Vorzeichen immer aufserordentlich interes- 
sierten. Man erwies sich wohlwollend, höflich und manchmal 
sehr naiv, doch vermochte die ,, barbarische" Schlauheit in dem- 
selben Augenblicke, wenn sie den Feinden des Reiches von 
allerhand Verratsplänen sprach, den wirklichen Gegner geschickt 
auszuspionieren. Zu den Mahlzeiten der Fremden liefsen sich 
türkische Grofse gern Gäste bitten und berauschten sich am ver- 
botenen Weine, indem sie sich durch allerlei Mittelchen mit den 
Vorschriften ihrer Religion abfanden ^). Anderwärts kamen statt- 
Hche Spahis mit elegantem Turban und reichem Federbusch in 
rotem Mantel mit buntglänzenden Waffen und auf Pferden, die 
von Gold und Edelsteinen schimmerten , vornehmen Reisenden 
entgegen ^). 

Aber diese selben umgänglichen Menschen, die dem Ver- 
kehr mit den Fremden, ihrem Geld, ihren Geschenken, und ihren 
vom Koran verbotenen Getränken durchaus nicht abhold waren, 
hatten anderseits die wichtigsten Beweggründe, den Frieden 
immer wieder zu brechen. Zunächst war es der Umstand, dafs 
die Kaiserlichen aus Sparsamkeitsrücksichten die Verteidigung 
der Grenze den sogenannten Heiducken überliefsen, nach denen 
das Gebiet von der Theifs bis nach Szathmär hin noch später 
,, Heiduckenland" hiefs. Diesem christlichen Gesindel, das zu 
allen Freveltaten bis zum Schinden von Leichen fähig war und 
als Kriegsvolk im wahren Sinne des Wortes nur sehr wenig be- 
deutete, stellten die Türken ihre Martolodschen entgegen, die 

i) Busbecq S. 7, 12. 

2) „Mon. Hung. Hist." V, S. 69—70. 

3) Busbecq S. 9 — 10. 4) Ebenda S. 6. 



Die türkische Provinz Ungarn. 73 

den Baschibusuks von 1877 ähnlich waren. „Heiducken, Mar- 
tolodschen und Uskoken sind im Grunde immer dieselben Frei- 
beuterscharen", sagt ein gleichzeitiger Chronist, der ihre Helden- 
taten täglich zu bewundern Gelegenheit hatte ^). Nicht einmal 
die Reise eines deutschen Gesandten liefsen die Heiducken, wie 
immer lauernde, hungrige Wölfe, ungestört vor sich gehen, son- 
dern mufsten ihr blutiges Handwerk auch bei solchem Anlafs 
üben. So hatte Busbecq einen Türken im Gefolge , dem die 
Nase abgeschnitten worden war und der für diese nicht weiter 
aufsergewöhnliche Schändung nur eine Entschädigung von etwa 
zwei Dukaten verlangte -). Pferderaub war eine alltägliche Be- 
schäftigung beider Teile ^). Die Donau beherrschten türkische 
Flufspiraten in Wettbewerb mit christlichen ,, Nassadisten" ^) und 
unterbanden jeden friedlichen Verkehr. 

Anderseits war die allgemeine Meinung der Türken , dafs 
die kleinen regelmäfsigen Streifzüge keinen Friedensbruch be- 
deuteten. Es waren das natürliche Zerstreuungen , notwendige 
Kriegsübungen der Spahis und ihrer Gefährten. Bei deren Unter- 
bleiben waren sie imstande, einen Aufruhr, wie den der Janit- 
scharen in Ofen, die 1564 den Tefterdar des Paschas ermordeten, 
weil ihnen ihr Sold nicht pünktlich gezahlt wurde ^) oder doch 
wenigstens Zwistigkeiten und Unruhen zu erregen, über die man 
in Konstantinopel darum so hart urteilte, weil die streitenden 
Parteien beide ,,das Brod des Kaisers afsen" und sich durch 
die Nähe des Feindes nicht zurückhalten liefsen. Wenn deutsche 
Gesandte in Konstantinopel über Grenzverletzung klagten, lachten 
die Wesire wohl und frohlockten , dafs die Ihrigen im Schar- 
mützel oder im schlau ausgedachten, mit ungarischen Hüten aus- 
geführten Überfall eines Schlosses Erfolg gehabt hatten. ,,Gott 
hat ihnen", sagten sie, ,,10 — 12 Moslems geschickt, und sie 
haben 2 — 3000 gesehen"*^)! Einmal lautete die Antwort des 
Ofener Paschas auf Klagen wegen Friedensverletzung sehr charak- 
teristisch: entweder habe er nichts versprochen und brauche 
auch nichts zu halten, oder, wenn er wirklich etwas versprochen 

i) Vgl. Istvänffy S. 292. 2) S. 64—65. 3) Ebenda, 

4) Busbecq S. 12, 221. 5) Charriere a. a O., S. 754. 

6) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 89—91, 92, 144; Busbecq S. 12. 



74 Erstes Buch. Zweites Kapitel. 

haben sollte, so habe er's für den Kaiser g-ebrochen, der ihn 
nach Ofen schickte, um seine Besitzungen zu erweitern ^). 

Der Brauch des Zweikampfs , der dem Starken , Tapferen 
und Kriegsgeübten ermöglichte, sich einen Namen zu erwerben, 
stand damals in seiner Blüte. Oft wurden deutsche, besonders 
aber ungarische Edelleute von einem der benachbarten osmani- 
schen Spahis und Führer herausgefordert. So kämpfte Mehemed 
von Arad, — aus dem Gefolge Valentin Töröks — , der vorher 
Michael Kunowitsch geheifsen hatte, gegen Blasius Szekely von 
Grofswardein '-). Ein Moslem aus dem Gebiete des Euphrat trat 
einem Bänffy gegenüber; Ali von Bosnien wählte sich Zriny 
zum Gegner ^). 

Zuweilen erschien wohl auf einem der entfernten asiatischen 
Kriegsschauplätze ein langlockiger und wildbärtiger Sänger, er- 
zählte das Schicksal eines in Ungarn gefallenen Kameraden, und 
die Anwesenden fielen in den Trauergesang ein, um später 
einmal selbst in diesem Ungarn der Zweikämpfe sich einen 
christlichen Feind zu suchen und den gefallenen Helden zu 
rächen ^). 

Aber auch niedrige Gier nach Beute, Blutdurst und vor 
allem die Jagd nach Gefangenen in einer Zeit, als der Sklaven- 
handel in hoher Blüte stand, waren Anlafs, einen mühsam ab- 
geschlossenen Waffenstillstand wieder zu brechen. Bis aus Ana- 
tolien kamen reiche Sklavenhändler nach Ungarn; bedeutendere 
Gefangene wurden mit verdecktem Gesicht in Körben fortgeführt^), 
die anderen an Ketten hinweggeschleppt ^). Ein Sklave galt 
durchschnittlich 40 — 50 Kronen; wer sich durch irgendeine 
Eigenschaft besonders auszeichnete, konnte es auf das Doppelte 
bringen ''). Bei einem erfolgreichen grofsen Feldzuge wurden 
freilich wohl auch für ein Pferd fünf deutsche Gefangene ge- 



1) Busbecq S. II — 12. 

2) Istvänffy S. 292. 

3) Ebenda S. 227, 284. 

4) Busbecq S. 147. 

5) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 226, 302 — 303. 

6) Busbecq S. 60. 

7) Ebenda S. 93. 



Die türkische Provinz Ungarn. 75 

geben ^). Alle Klagen des ungarischen Königs in Wien halfen 
um wenig : der gewinnbringende Handel bildete einen der Haupt- 
antriebe zu kriegerischen Unternehmungen -). 

Unter solchen Verhältnissen mufste die osmanische Provinz 
Ungarn hinsiechen. Dem Reiche legte sie beständig neue Opfer 
auf, und es war keine Aussicht, dafs sie dieselben je bezahlen 
würde. 



1) Hurmuzaki U, S. 356. 

2) Vgl. ebenda S. 122. 



Drittes Kapitel. 

Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman, 
sein Verhältnis zu den europäischen Mächten. Be- 
sondere Beziehungen zu Frankreich, Spanien und | 
Venedig; ferner zu Polen und Moskau. 



Durch Soliman hatte das osmanische Reich den höchsten 
Gipfel seiner Macht und inneren Ausbildung", seines Reichtums 
und Ruhms erreicht. Kein Kenner der türkischen Verhältnisse 
hätte mehr, wie noch bei Beginn der Regierung Solimans der 
Dalmatiner Petancius, von der Möglichkeit gesprochen, die Macht 
der Barbaren durch einen vereinten Angriff von Ungarn und 
Italien her, über Durazzo und Avlona, in kurzer Zeit zu brechen, 
wobei man auf einen allgemeinen Aufstand der christlichen 
Untertanen des Sultans ^) rechnen zu dürfen früher sich ein- 
gebildet hatte. Wenigstens die Projektemacher waren für einige 
Jahrzehnte verstummt. Höchstens beklagte ein fanatischer Be- 
wunderer der glänzenden hellenischen Kultur, ein geborener 
Feind der Barbaren, wie Busbecq, der flämische Gesandte König 
Ferdinands an die Pforte, die Zwietracht unter den Christen als 
alleiniges Hindernis, dafs sie, statt nach Indien oder zu den 
Antipoden zu segeln, wie ihre Vorfahren Gewinn und Ehre in 
Europa, im gemeinsamen Kampfe gegen die Moslemin suchten. 
Soliman erscheint seinen Zeitgenossen nicht mehr in der Gestalt 
eines Räuberhäuptlings, der bald nach Asien werde zurückgejagt 
werden, sondern als unbestrittener Herrscher über ein ungeheures 



i) „Aderunt ex finitimis provintiis omnes fideles populi, solum christianam 
expeditionem expectantes"; in Schwandtner (hier nach einer Mailänder Hand- 
schrift der Ambrosiana zitiert). 



VVeltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 77 

Reich und als Führer des besten und sieggewohntesten Heeres 
der Welt, das sich sowohl durch Tapferkeit, als auch durch Dis- 
ziplin , Treue , Religiosität , schweigsame Einfachheit im Leben 
und im Kriege auszeichnete ^). Man hatte jetzt in Europa die 
Kraft, die aus dem freien Wettbewerbe aller Talente und Ener- 
gien, bei Ausschaltung jeder Rücksicht auf Herkunft und äufsere 
Umstände eines jeden , sich zur Geltung zu bringen vermag, 
schätzen gelernt -). Und die zahlreichen Gesandten , die von 
den ältesten und vornehmsten christlichen Höfen, ebenso wie von 
den nahen oder ferneren Potentaten Asiens an die Hohe Pforte 
gingen, gaben sich über die Gesinnungen der christlichen Ein- 
wohner dieses Reiches keiner Täuschung mehr hin : Alle christ- 
lichen Elemente waren doch froh, sich durch Leistung des Kha- 
radsch Frieden und Ordnung zu sichern , ohne ihre religiösen, 
sozialen und sogar politischen Einrichtungen irgendwie gefährdet 
zu sehen. 

Den meisten Beurteilern freilich erschien das türkische Re- 
gierungssystem brutal, ungerecht, hochfahrend und treulos''). 
So spricht Busbecq, einer derjenigen europäischen Vertreter, die 
am besten imstande waren, ein so mannigfach gestaltetes Leben 
wie das der Osmanen in seinen tieferen Grundlagen zu verstehen, 
von der Neigung der Türken im Erfolge eine Rechtfertigung 
ihres Tuns zu finden^). ,, Alles was sie wollen", schreibt er ein 
andermal, ,,gilt ihnen, den vom Glück Verwöhnten, als gerecht, 
und als ungerecht alles, was sie nicht wollen" ^). Auch kennen 
sie kein Mafs in ihrem Verhalten, urteilt er, sondern bezeigen 
dem Freund allzu viel Ehre und dem Feind allzu grofse Gering- 



i) Busbecq S. loi : „Immensae Imperii opes, vires integrae, armorum usus 
et exercitatio, railes veteranus, victoriarum assiduitas, laborum patientia, concordia, 
ordo, disciplina, frugalitas, vigilantia"; „silentium et modestia . . .; nulluni mur- 
mur . . ., nuUa concursatio . , ., summa quies"; S. 56. 

2) Ebenda S. 55. 

3) „Barbares corruptibles ... et sans foy", schreibt ein französischer Agent; 
Charri^re II, S. 8. Vgl. Gerlach, passim. 

4) S. 210 — 211. 

5) ,,Tantos longinqui temporis felicitas huic genti Spiritus fecit, ut nihil 
iniquum putet quod velit, nihil aequum quod nolit"; ebenda S. 69 ff. 



78 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

Schätzung ^), Ja sie übertrafen in * der Kunst der Verstellung 
sogar alle anderen Diplomaten der Renaissance und des Zeit- 
alters Machiavels -) , bemerkt ein anderer Humanist und Bot- 
schafter an der Pforte, der erfahrene Bischof Verancsics. 

In Wirklichkeit verhielt es sich damit allerdings anders. Als 
gläubiges Volk des allein allmächtigen Allah , dem sie überall 
und immer huldigten und dienten, als Krieger, denen ihr Gott 
fast stets den Sieg gegeben hatte und die er fast niemals im 
Stich liefs , hatten die Türken nach langer und entscheidender 
Erfahrung wohl das Recht, ihren besonderen Beruf zum Kampf 
aufs lebhafteste zu empfmden. Im Frühlinge jedes Jahres waren 
sie bereit, von neuem Krieg anzufangen: nicht, wie ein Christ 
glaubte •^), um den Nachbarn Schrecken einzuflöfsen oder in der 
Übung zu bleiben, sondern um einer althergebrachten nationalen 
Pflicht Genüge zu leisten. Sie brauchten nicht ängstlich nach 
nie zureichenden Geldmitteln Ausschau zu halten, wie es in der 
ganzen Christenheit der Fall war; sie waren vielmehr sofort im- 
stande, in beliebiger Richtung und gegen beliebige Feinde aus- 
zurücken. Diese stete Bereitschaft gab ihnen selbstverständlich 
ein starkes Übergewicht den immer in Geldverlegenheiten be- 
findlichen Mächten gegenüber, die ohne Sold niemals erfahrene 
Soldaten finden konnten. Wem am Frieden nichts liegt, wer 
ihn mitunter offensichtlich , im Grunde aber immer verachtet, 
der vermag jedem Bedingungen vorzuschreiben. Auch eine 
Niederlage fürchteten sie nicht , weil die Furcht ihnen wenig 
genützt hätte, und nicht einmal die Pest schreckte sie: sie ver- 
baten sich alle Mafsregeln, um sie abzuwehren, und Soliman 
sah in der Seuche, die mehr als looo Opfer täglich forderte, 
nichts anderes als die Pfeile Gottes, die ihr Ziel schliefslich 
doch erreichen müssen ^)." 



i) „In utramque partem Turcae volent esse immodici , sive honorem amicis 
deferant, sive hostes per contumeliam dedignantur" ; ebenda S. 57. 

2) „Turcarum more, qui fuco omnes res gerere solent " ; Verancsics in 
„Mon. Hung. Hist." HI, S. 235. 

3) Ebenda V, S. 225. 

4) „Sagittas esse Dei quae a proposito scopo non aberrarent"; Busbecq 
S. 176; vgl. ebenda S. 182. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 79 

Allen aber, die dem mächtigsten Herrscher auf Erden ihre 
oder ihrer Herren Huldigung" darzubringen wünschten, steht die 
Pforte des Kaisers often ^). Kommen sie als Vertreter eines 
Freundes , so wartete ihrer der ehrenvollste Empfang 2) ; die 
Boten der Feinde dagegen gelten als Geiseln, die im Kerker 
oder durch sonstige Beschränkung ihrer Freiheit — Malvezzi 
wurde zwei Jahre als Gefangener angesehen — für die Friedens- 
verletzungen seitens ihrer Auftraggeber büfsen mufsten, und es 
ist statthaft, ihre Güter und Sklaven auf öffentlichem Markte zu 
verkaufen^); die Drohung, dafs man ihnen Nasen und Ohren 
abschneiden und sie so verstümmelt zu ihrem Herrn zurück- 
schicken werde, schreckte die Unglücklichen öfter, als sie wirk- 
lich ausgeführt wurde ^). Ein Frieden ist nur ein Waffenstillstand, 
der Tod des Sultans kann sogleich den Krieg nach sich ziehen, 
denn : alles ist mit dem Verstorbenen zugleich dahin ^) , das ist 
für die Türken altes, unveränderliches Staatsprinzip. 

Bei Verhandlungen wollen die Türken die nackte Wahrheit, 
die wirklichen Absichten ohne weitere Umschweife hören. Wenn 
sie von Adam und Eva, von den Vorzügen des mohammeda- 
nischen Glaubens , den Familienverbindungen der verschiedenen 
Dynastien und den neuesten Weltereignissen in beinahe kin- 
dischem Tone plaudern, so ist darin nicht Schlauheit, die ihre 
Zwecke verbirgt, noch Umvissenheit, die alles durcheinander 
wirft, zu erblicken. Denn durch den siebenbürgischen König, 
die rumänischen Fürsten, die Renegaten, ihre Dolmetscher und 
die in beständigem gegenseitigen Hader lebenden Gesandten der 
christlichen Staaten sind die Mächtigen Konstantinopels von 
allem, was sie interessieren und bewegen kann, zur rechten Zeit 
und zuverlässig unterrichtet. ,,Fast kein Diwan", berichtet 
Verancsics , ,, findet statt, der nicht Kundschafter oder Kuriere 
schickt und empfängt, und infolge dieser fleifsigen Bemühung 
erfahren die Türken beinahe täglich, sei es daheim in friedlicher 



i) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 188; Charri^re lü, S. 823—824. 

2) Siehe Bd. 11, letztes Kapitel. 

3) Busbecq S. 3 — 4. 

4) „Mon. Hung. Hist." V, S. 178; Busbecq S. 69«. 

5) „ Omnia cum eodem simul decesserunt"; ebenda VI, S. 133. 



80 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

Mufse oder draufsen im Kriege, alles was in ihren Provinzen und 
in unseren Reichen geschieht ^)." Kein noch so unbedeutendes 
Ereignis, das in ihren Interessenkreis fällt, entgeht ihnen. „Es 
lohnt der Mühe nicht, sich um einen Mann wie Martinuzzi zu 
kümmern", wenden die Gesandten ein, als auf die von diesem 
zu König Ferdinand angesponnenen Beziehungen die Rede kommt. 
,,Auch die Mücken sind klein", antwortet der kluge und schlag- 
fertige Rüstern, ,,aber sie stechen" -). 

,, Die Gemüter der Fürsten sind Spiegeln vergleichbar; man 
darf sie nicht anhauchen", ist ein anderer Ausspruch Rustems ^). 
Wer dem Sultane naht, um seinen kurzen Entscheid entgegen- 
zunehmen und auf das Wort ,,Vergeth" (abite) '^) abzutreten, soll 
nicht lügen. Mehr als einmal aber werden die christlichen Ge- 
sandten auf schlauer diplomatischer Lüge ertappt ■'). Sie haben 
mehrfache Instruktionen, die sie nacheinander vorbringen; und 
weil die Türken das wissen , darum brauchen sie grobe Worte, 
darum rollen sie die Augen , um sich ein zorniges Ansehen zu 
^eben und so schneller zum springenden Punkt der Unterhand- 
lungen vorzudringen '''). 

f~ Zuletzt setzen die Türken denn auch gewöhnlich ihre von 
Anfang an aufgestellten Bedingungen durch, nachdem sie mit 
eiserner Zähigkeit Monate und Jahre hindurch ihren Standpunkt 
unverändert verfochten haben. Um so leichter verzichten sie 
auf das, was ihnen nebensächlich erscheint. Nur die wirklichen 
grofsen Interessen des Reiches vertritt und verteidigt jeder Grofs- 
wesir erfolgreich. Niemals lassen sich diese gern als so be- 
stechlich verschrieenen türkischen Staatsmänner durch Geschenke 
zu einem Entschlufs bestimmen, der einem Verrate gegen den 
Kaiser gleichkäme. ,,Der Sultan", sagt Rustem einmal, ,, schläft 

i) „Nulli fcre Dyvan eis pretereunt, quibus aut exploratores aut tabellarios 
non et mittant et recipiant, fitque studio et diligentia huiusniodi, ut pene quotidie, 
sive domi in otio , sive foris in hello agant , omnia intelligant quecumque et in 
suis provinciis et in regnis nostris gerantur"; „ Mon. Hung. Hist." V, S. 220 — 221. 

2) Hurmuzaki II, S. 247, Nr. CGXvm. 

3) Busbe cq S. 185. 

4) Hurmuzaki II*, S 229 

5) Vgl. Busbecqs Urteil über seinen Vorgänger Malvezzi S. 3. 

6) Ebenda S. 129 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 81 

auf einem Kissen, in dem 50000 Dukaten stecken" i). Wenn 
sie Kaftane aus Goldbrokat, Edelsteinen oder gemünztem Geld 
annehmen, g-eschieht dies öfifentlich -). Bei den Morgenländern 
bedeutet das Erscheinen eines Gesandten und sogar eines Gastes, 
der mit leeren Händen kommt, nicht nur einen Verlust, sondern 
eine Kränkung für den , der etwas erwartet , denn man erkennt 
ihm dadurch die Macht ab , nützen oder schaden zu können. 
Aber zu glauben, dafs in einem so streng organisierten Staats- 
wesen die Staatsinteressen der privaten Habsucht preisgegeben 
worden wären , ist eine Verkennung des Geistes dieser Gesell- 
schaft. 

Diejenige Macht, die die regsten Beziehungen zur Pforte 
unterhält und das gröfste Interesse daran hat, ist jetzt nicht 
mehr Venedig, das seine östlichen Besitzungen aufser Kreta, 
Zypern , Korfu , den anderen Jonischen Inseln und Dalmatien 
verloren hat, sondern das neue ös t er reichis che Ungarn, das 
an Stelle des Staates Matthias Hunyadys und der Jagellonen 
getreten ist. 

Häufige Gesandten des ,, Königs von Wien" — den der 
Sultan, „dem die Kraft der ganzen Welt und die Macht des 
Himmels eignet", einen Herrn „vieler Gebiete, die früher an 
seinem Hofe Rückhalt gesucht hätten", also einen Vasallen 
seiner eigenen kaiserlichen Majestät nannte — gehen auf der 
vielbenutzten Belgrader Strafse an die Pforte, von Bewaffneten 
des Ofener Paschas bis zur unteren Donau geleitet ^). Die Türken 
erwarteten von ihm, als einem alten Feinde, nichts Gutes; alles 
was mit diesem christlichen Potentaten in Verbindung stand, 
erschien ihnen verdächtig ^). Die Gesandten brachten aufser 



i) Hurmuzaki II ^, S. 106. 

2) Vgl. Busbecq S. 183. 

3) „Mecum est fortitudo totius mundi et virtus firmamenti . . . Multarum aliarum 
ditionnm superiori tempore ad aulam meam confugientium"; Brief Solimans aus 
dem Jahre 1562; Busbecq S. 271 ff. 

4) „Maiestati Vestrae , cuius vel minimos motns maximara laesionem putant. 
Adeo potens est veterum odiorum recordatio"; Hurmuzaki II*, S. loo — 10 1 ; 
Jahr 1553. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. IIl. 6 



83 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

barem Gelde in g-uten Gulden auch Mäntel aus feinem vene- 
tianischen Brokat , goldene Becher, kunstvolle , von metallenen 
Elefanten getragene Uhren und andere Geschenke derart mit, 
für welche die Türken eine ungemeine Vorliebe bezeigten ^). 

Man gestattete den ,, Wiener" Gesandten meist nicht, wie 
die anderen christlichen Vertreter ein bequemes Privathaus zu 
beziehen; vielmehr hatte der Sultan ein gut bewachtes Haus 
bei der Porphyrsäule für sie gemietet. Nur sehr schwer erhielt 
Busbecq die Erlaubnis, in eine andere Wohnung überzusiedeln 
und, während der Pest, nach der schönen Insel Prinkipo hinüber- 
zufahren, um mit Fischfang und im Gespräch mit Franziskanern 
und lateinerfreundlichen griechischen Prälaten die Zeit hin- 
zubringen 2). Sehr leicht kamen diese Gäste in Gefahr , mit 
dem Gefängnis im Schwarzen Turme, der Jedi-Kule, Bekannt- 
schaft zu machen '^). Sie mufsten die Paschas im Diwan von 
nichtswürdigen deutschen ,, Schweinen" sprechen hören. Einmal 
verlangte der Grofswesir von ihnen, dafs sie die an ihren Herrn 
geschriebenen Briefe vorwiesen, wohingegen Busbecq seinerseits 
demselben nur solche Briefe überbringen wollte, deren Inhalt ihm 
mitgeteilt worden wäre ^). Rustem erdreistete sich im Zorn, mit 
einer neuen Belagerung Wiens zu drohen ^) und erregte die 
Entrüstung der Gesandten, indem er ihnen unumwunden erklärte, 
ihr Herr, den alle vernünftigen Ungarn einmal verlassen sollten, 
um der Gnade eines wahren Kaisers teilhaft zu werden, halte 
sein Wort nicht ♦'). 

Erst gegen das Ende der Regierung Solimans wurde — die 
Gründe werden später ersichtlich werden — der Herr des west- 
lichen Ungarns einer Geltung teilhaft, die er bisher nicht ge- 
nossen hatte. Als der Dolmetsch Ibrahim zum zweiten Male nach 
Österreich kam , brachte er, aufser einem kaiserlichen Briefe an 
„Ferdinand den erwählten Kaiser der Christen" ^), zwei kristallene 



i) Busbecq S. 153. 2) Busbecq S. 36, 180—182. 

3) Hammer 11, S. 213. 

4) Vgl. Busbecq S. 163 mit „Mon. Hung. Hist." VI, S. 127. 

5) Hurmuzaki IP, S. 112. 

6) „Rex vester non habet fidem"; ebenda S. 107. 

7) „Potentissimus ac Serenissimus christianorum electus Caesar Ferdinandus " ; 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 83 

Becher, ein türkisches Pferd mit goldenem Zaumzeug und vier 
Kamele mit; mit den letzteren zog er bis Frankfurt, wo er den 
Kaiser in seinem Festzuge sah und von ihm in Audienz emp- 
fangen wurde ^). Als dann 1567 die neuen Gesandten König 
Maximilians in Konstantinopel eintrafen, entschuldigte sich Sultan 
Selim , dafs er sie nicht , wie sein Wunsch gewesen wäre , mit 
seinem ganzen Hofe empfange -). 

Schon vor der Schlacht bei Pavia hatte der französische 
König Franz I. vonseiten der christlichen Höfe Osteuropas, von- 
seiten Ungarns und Polens Briefe und Botschaften empfangen, 
die gegen die österreichische Annexionspolitik Stimmung machen 
und die üblichen Klagen gegen die türkischen Eroberer erheben 
sollten. Aber der ritterliche französische König war ein Kind 
der Renaissance, die sich in der Politik ohne Bedenken und 
ausschliefslich nur von den eigenen Interessen bestimmen liefs. 
Zwar hatte auch er früher von einem Kreuzzuge gesprochen 
und den Traum von glänzenden Abenteuern in fernen Ländern 
sich zeitweilig zueigen gemacht , aber er hatte damit nur den 
letzten Vorurteilen des Mittelalters , die in der anbrechenden 
modernen Zeit noch fortlebten , seinen Tribut gezollt und den 
Ruhm, als Rächer der Christenheit sich aufzuspielen, einem an- 
deren, dem Kaiser, streitig machen wollen. In Wirklichkeit 
aber war er als natürlicher und nie versöhnter Gegner des 
Hauses Österreich am Rheine und in Italien auf eine Allianz 
mit den Türken angewiesen uiid verschmähte es nicht — weil er 
es nicht verschmähen konnte — , um die nützliche Freund- 
schaft des jungen Soliman zu buhlen. Über eine von religiösen 
Motiven diktierte Politik war schon mancher Herrscher des Mittel- 
alters hinausgewachsen, und seit Jahrzehnten bereits war den von 
modernem Geiste erfüllten Mächten das Glaubensbekenntnis ihrer 
Alliierten und ihrer Gegner gleichgültig geworden. ,,Für einen 
Fürsten, wie unseren König", sagt einer der Beauftragten im 



dabei aber: „invictissimus, ter maximus ac potentissimus Turcarum Imperator, 
princeps clementissimus." 

i) Busbecq S. 58, 22ofif. 

2) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 105. 

6* 



84 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

Osten, „ist es nicht nur erlaubt und ehrenhaft (honneste) , die 
Freundschaft und wohlwollenden Anerbietungen (officieuses de- 
monstrations) anzunehmen, die uns Fürsten oder andere g'ering'ere 
Fremde , wer sie auch seien (quels qu'ils soyent) , entgegen- 
bring-en, sondern es ist vielmehr eine Forderung und Notwendig- 
keit der Zeit und der gegenwärtigen Verhältnisse (requis et 
necessaire), solche Beziehungen zum gemeinschaftlichen Nutzen 
seiner selbst und seiner Freunde und, im allgemeinen, zum 
Besten (benefice) der Christenheit zu pflegen" ^). 

So ging, 1525, ein französischer Agent mit goldenen 
Leuchtern, einem edelsteingeschmückten Band, einem glänzenden 
Karbunkel und vielem gemünzten Geld nach Konstantinopel, 
um die neue Allianz anzubahnen -) ; da er aber ohne Pässe und 
amtlichen Charakter reiste , wurde er unterwegs von den Bos- 
niern aufgehalten und ermordet •^). Noch im selben Jahre begab 
sich dann Johann Frangepani, ein Sohn des ungarischen Grafen 
Andreas Frangepani , der mit den bosnischen Türken in den 
besten Beziehungen lebte, zur Pforte; und dieser ,, treue Agent", 
der seine Eigenschaft übrigens erst in Konstantinopel kundgab, 
verlangte im Namen der Regentin, der Mutter des Königs, vom 
Sultan, dafs er in die österreichischen Besitzungen einfalle, um 
die Freilassung des bei Pavia in Gefangenschaft geratenen Franz I. 
zu erwirken^). Frangepani erhielt die Antwort, dafs die Pforte 
durch ihre Donaubegs und Piratenschiffe die österreichischen und 
italienischen Besitzungen des erzherzogUchen Hauses beunruhigen 
werde; der Brief des Sultans an den König enthielt freilich nur 
die hergebrachten trostreichen Redensarten im geblümten rheto- 
rischen Stile ^). In Paris wurde Frangepani bei seiner Rückkehr 
nicht als ein geheimer Agent fremder Nationalität, sondern als 
,, türkischer Gesandter" aufgenommen, was keinerlei Berechtigung 
hatte 6). 



i) Charriere II, S. 99. 

2) Sanudo, Diarii XL, S. 700. 

3) Ebenda XXXIX, S. 268. 

4) Ebenda S. 119; Gevay III; Charriere I, S. 117. 

5) Ebenda XLI, S. 116— 118. 

6) J. Ursu, La politique Orientale de Franjois I, Paris 1908, S. 36, Anm. 2. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 85 

Ein Katalane , Antonio Rincon , der bereits eine geheime 
Sendung nach Ungarn gehabt und Zapolya Kriegssubsidien über- 
bracht hatte, verlangte während des ungarischen Feldzuges von 
1529 in privater Eigenschaft Zutritt zum Lager Solimans ^). 
Aber erst beim dritten Feldzuge Solimans in dieses Gebiet, erst 
im Jahre 1532, wurde Rincon, der über Venedig und Ragusa 
herbeigekommen war, vom Sultan in Person empfangen. Da die 
Umstände seiner Sendung durchaus nichts ungewöhnliches hatten 
und er weder Edelmann war noch eine höhere militärische 
Würde bekleidete, mag der Agent ziemlich überrascht gewesen 
sein, als er in Belgrad mit Artillerieschüssen feierlicher als König 
Zapolya zur Audienz zugelassen wurde. Soliman hatte dem 
Empfang diesen besonderen Charakter gegeben, um die von den 
Franzosen bisher sorgfältig geheim gehaltenen Beziehungen zu 
dem mächtigen König des Westens, dem , .würdigsten unter allen 
Fürsten , dem Herrn der Herren vom Glauben an den Messias 
Jesus, dem grofsen Restaurator der Christenheit"-), und dem 
natürlichen Feinde seines gröfsten Feindes, in dem Augenblick, 
als er Wien einzunehmen hoffte, vor aller Welt offen kund zu 
tun : die vergebliche Belagerung der armseligen Festung Güns 
und der Abbruch des Feldzuges unter den Mauern dieses stei- 
rischen Gebirgnestes konnte er damals nicht voraussehen. 

König Franz freilich war dieses Aufsehen erregende Ent- 
gegenkommen unangenehm genug, und er rechtfertigte sich vor 
den anderen Christen selbst damit , dafs sein Gesandter vom 
Sultan nur Schonung der christlichen Länder Ungarn und Öster- 
reich verlangt hatte •^). Denn im selben Jahre 1532 schlofs er 
in Boulogne einen Vertrag mit dem englischen König, der an- 
geblich einen gemeinsamen Krieg gegen die Türken zum 
Zweck hatte. 

Im Winter des Jahres 1532 kam weiter Camillo Orsino nach 



i) über Giorgio Grittis, des Bruders Lodovicos, Aufenthalt in Paris im Jahre 
1531, anscheinend in Privatangelegenheiten, siehe Ursu S, 60 — 61. 

2) „AI piü degno principe delli principi, signore delli signori de la lege 
del Messias Jesu, gran restaurator de la cristianita"; Charrierell, S. 13, Anm. 

3) Charriere, a. J. ; vgl. mit den Berichten in Sanudo. Von Rincon 
selbst ist kein Bericht vorhanden. 



86 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

Konstantinopel ^) ; doch ist der Inhalt seiner Sendung unbekannt. 
Der französische König" hatte jedenfalls bald darauf den Mut, 
öffentlich und feierlich einen Gesandten Khaireddin Barbarossas zu 
empfangen -) : Soliman hatte es vermeiden wollen, mit einem christ- 
lichen Herrscher unmittelbar durch einen kaiserlichen Gesandten 
in Verkehr zu treten. Der berberische Vertreter führte befreite 
christliche Sklaven mit sich, um damit den speziellen Charakter 
seiner Sendung- anzudeuten. Daran schlofs sich eine Mission 
Rincons an Barbarossa und den Grofswesir, den er in Alep an- 
traf ^). Die Folge dieses Gesandtenwechsels soll die Proklamation 
des türkisch-französischen Bündnisses — allerdings nur mit dem 
Umweg über den algerischen Vizekönig Solimans, der ziemlich 
eigene politische Interessen hatte — und das bewaffnete Ein- 
schreiten des Piratenführers im Mittelmeer gewesen sein. 

Doch Barbarossa war es um andere Pläne zu tun : zwar ver- 
heerte er in französischem Interesse die italienische Küste; für 
sich selbst aber nahm er Tunis in Besitz, das er dem recht- 
mäfsigen Dynasten entrifs ^). Ein ,, Bruder", der vom Sultan, 
statt ihm Geld zu schicken, Geld verlangte, wie Franz I. dies 
tat, war jedenfalls kein Alliierter, den man tatkräftig zu unter- 
stützen sich verpflichtet gefühlt hätte, und die osmanische Macht 
durfte immer nur den osmanischen Staatszwecken dienen. Das 
hinderte nicht , dafs die guten Beziehungen zu Frankreich bei 
der feierlichen Kundgebung der Einnahme Algers aufs neue ans 
Licht traten: mit Barbarossa, ,,dem König von Algier", und 
nicht mit dem Sultan wurde ein Vertrag auf drei Jahre ab- 
geschlossen, der die Freiheit des Handels in den berberischen 
Gewässern zum Gegenstand hatte. 

Diesen neuen ,, König" hetzte der französische Agent La 
Forest, ein Schüler Johann Laskaris' ^), 1535 gegen das ab- 
trünnige Genua; seine Instruktionen aber bezogen sich auch auf 
den Sultan : er sollte von ihm Unterstützung zur Wiedererwer- 
bung der von den Franzosen verlorenen Länder verlangen; Si- 

i) Ursu S. 76. 2) Juli 1533. Ebenda S. 77. 

3) Gevay VI, S. 34, 57; Ursu S. 79—80. 

4) Vgl. Band II, S. 376«. 5) Ursu S. 175. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. S7 

Zilien und Sardinien sollten , von Barbarossa erobert , ein tribu- 
täres F"ürstentum unter einem französischen Schutzbefohlenen 
bilden ^). Karl V. seg-elte in demselben Jahre allein geg-en die 
afrikanische Küste aus, um die Macht Barbarossas zu brechen; 
Franz I. hatte die von ihm verlangte Mitwirkung versagt. Von 
einer Unterstützung Barbarossas durch französische Schiffe war 
selbstverständlich nicht die Rede. 

Die von König Franz verfolgte eigennützige Politik ver- 
mochte in den Türken nur naive Barbaren zu erblicken, die immer 
bereit waren , ihm zu Diensten zu stehen , selbst wenn sie ihre 
eigenen Interessen dadurch gefährdeten. Nichts war irriger als 
dieser Glaube. Denn Soliman sprach wohl bei jeder Gelegen- 
heit von seinem ,, Bruder" und dessen Interessen und benutzte 
die Freundschaft mit ihm zur Erhöhung der eigenen Stellung; 
aber die Wichtigkeit der französischen Vorschläge und Vorwände 
durchschaute er seit langem. Den Handelsvertrag, die Kapitu- 
lationen 2) geruhte er 1536 zwar zu unterzeichnen, aber darauf 
beschränkte er die Verpflichtungen, die er gegen den treulosen 
,, Alliierten" zu haben glaubte. Der französische König seiner- 
seits konnte mit der seinen Untertanen gewährten Gleichstellung 
in Zollsachen, mit dem Versprechen des Saluts zur See und mit 
der Anerkennung der Gerichtsbarkeit seines Gesandten in Kon- 
stantinopel und seines Konsuls in Alexandrien wohl zufrieden 
sein. Aber die Franzosen wufsten die ihnen in diesem Vertrage 
zugesicherten kommerziellen Vorteile fast gar nicht auszunutzen; 
selten kam ein Schiff aus der Normandie oder der Provence in 
die Gewässer der Levante, und der erste Konsul in Alexandrien 
war bald genötigt, mit einem Nebenbuhler um den Einflufs zu 
kämpfen (1539); in Konstantinopel fiel es keinem der königlichen 
Agenten ein , Handelsbeziehungen anzubahnen oder zu vertei- 
digen. Das Projekt, die gegen Ende der Regierung Solimans 
erlassenen Verbote gegen die Ausfuhr von Korn nach Venedig 
zu benutzen, um einen regelmäfsigen Verkehr von sechs Schiffen 



i) Ursu S. 88ff. 

2) Charriere I, S. 283 ff. ; Nouradounghian, Recueil I, S. 83 ff. 



88 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

von Frankreich nach dem Oriente : Konstantinopel , TripoHs in 
Syrien, Alexandrien, einzurichten, fand keine Beachtung- ^). 

Im Jahre dieses Vertrages brach ein neuer Krieg zwischen 
dem französischen König- und dem Kaiser aus, in den Barbarossa 
nur insofern eingriff, als er die italienische Küste des König- 
reichs Neapel überfiel ^). Hier traf er einen französischen 
Agenten ^). Erst 1537 erhielt der ,, König von Algier" ernstere 
Instruktion, den ,, spanischen König" anzugreifen, und Soliman 
selbst erschien an der albanesischen Küste **), von La Forest be- 
gleitet. Aber statt eines Krieges mit dem Kaiser kam es zu 
einem solchen mit Venedig ^). Zwar erschien Saint-Blancard mit 
der französischen Flotte in den Gewässern des vom Sultane an- 
gegriffenen Korfu, aber er blieb untätiger Zuschauer der Er- 
eignisse ^) ; seine Fahrt nach Konstantinopel war lediglich eine 
Demonstration. Als neuer Vertreter des Königs Franz begleitete 
Marrillac die osmanischen Heere auf dem Wege nach Konstan- 
tinopel. Nach einigen Wochen setzte der Friede von Aigues- 
Mortes dem Kriege im Westen ein Ende. 

Rincon brachte die Nachricht davon an die Pforte : der 
Sultan, der die französische Allianz nicht brauchte, sah die ,, Ver- 
brüderung" der zwei mächstigsten christlichen Könige mit voller 
Gleichgültigkeit. Er nahm es ebenso wenig übel, dafs die Fran- 
zosen mit dem Kaiser über einen Waffenstillstand unterhandelten. 
Erst als Karl V. 1540 als willkommener Gast in Frankreich emp- 
fangen wurde, war Rincon drohend bedeutet, dafs er verdient 
habe, den Kopf zu verlieren '). 

Sobald aber der Krieg zwischen den beiden Königen aufs 
neue ausbrach, begann auch die französische Diplomatie wieder 
von der Freundschaft Franz' I. für Sohman zu sprechen. Nach 
einer langen Audienz reiste Rincon im November 1540 nach 



i) Charriere 11, S. 315 Anm. 2) Bd. II, S. 380. 

3) Charriere I, S. 327—328. 4) Bd- U, a- »• O. 

5) Ebenda. 6) Charriere a. J. 

7) Nach Ribier, Papiers d'Etat I, S. 116, Ursn S. 116 -117. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 89 

Frankreich. Militärische Unterstützung im Mittelmeere war es, 
was man vonseiten des König^s gern erlangt hätte. 

Rincon wurde auf dem Rückwege nach Konstantinopel 1541 
in Italien von den Kaiserlichen ermordet und sein Nachfolger 
Antoine des Escalins, später Baron de la Garde und gewöhnlich 
Capitaine Paulin genannt, der Soliman auf dem neuen ungarischen 
Feldzuge begleiten sollte , entbehrte der langjährigen Erfahrung 
und hervorragenden Klugheit des Vorgängers. Er traf Soliman 
im Lager bei Ofen an , wohin dieser sich begeben hatte , um 
dort den ersten Pascha einzusetzen ^). Der Franzose führte be- 
wegliche Klage über den mafslosen Ehrgeiz, den Hochmut und 
die Treulosigkeit des Kaisers und verlangte vom allmächtigen 
Sultan Hilfe gegen jenen. Aber erst im Frühjahre 1543 erhielt 
Khaireddin Barbarossa, diesmal als Kapudan-Pascha des Reiches, 
Befehl, sich dem König von Frankreich zu Diensten zu stellen. 

Die Türken achteten Kaiser Karl darum nicht höher, weil 
er viele Länder im Westen beherrschte ; in ihren Augen war er 
der ,, spanische Hund" '^), der Feind des Islams, der die Mohren 
in Granada bedrückte , der Bruder des feigen und schwachen 
,, Königs von Wien", des ,, armen Ferranda", der der Pforte 
Tribut entrichtete ; sie erwarteten von ihm keine andere Politik, 
als sie der Österreicher trieb. Wenn er seine eigenen Länder 
nicht verteidigen kann, warum greift er die anderer an? fragte 
Rustem, als spanische Gefangene vor ihn geführt wurden, die 
er rücksichtslos in die am Kara-Deniz, am Schwarzen Meer und 
in Galata befindlichen Türme werfen liefs ^). Wenn er Christ ist, 
warum bekämpft er einen christlichen König, seinen franzö- 
sischen Nachbar? fragte er bei anderer Gelegenheit^). 

Die überhebliche Selbsttäuschung der Agenten des Hauses 

1) Ursu S. I36ff. 

2) Vgl. Hurmuzaki II ^ S. 113, 172; Alberi XIV, S. 139. 

3) Busbecq; Alberi XIV, S. 158. 

4) Busbecq S, III. Busbecq erwiderte geschickt, dafs ihr gemeinsamer 
muselmännischer Glaube auch kein Hindernis für die Osinanen sei, den Persern 
feindlich gegenüber zu stehen. Der Unterschied war freilich , dafs Karl V. und 
Franz I. gleich gute Katholiken waren, während der Schah den sunitischen Türken 
als profaner Schute galt. 



90 Erstes Buch. Erstes Kapitel. 

Österreich mufste den Spott der türkischen Wesire herausfordern 
1540 prahlte Laski, der Schah hätte Gesandten an den Kaiser 
geschickt und ihm die alleinige Herrschaft in ganz Europa an- 
bieten lassen, wenn die Perser mit deutscher und spanischer 
Hilfe ganz Asien einnähmen. Sie seien wohl über die Grenzen 
nicht einig geworden, lautete die feine und bissige Antwort Lutfis ^). 

Mehr als einmal hatten die Türken in Ungarn und in Bar- 
barien, auch bei Castelnuovo, in Kriegen, die freilich nicht direkt 
zwischen Osmanen und der spanischen Macht geführt wurden, 
Gelegenheit gehabt, gegen spanische Truppen zu kämpfen. Sie 
konnten als ehrliche Kriegsleute die Tapferkeit dieser Feinde 
nicht leugnen und erkannten bald, dafs die spanische Infanterie 
das beste Fufsvolk der Christenheit war. Aber die spanische 
Politik, der spanische König imponierten ihnen herzHch wenig; 
das fortwährende Mifsgeschick Ferdinands von Ungarn, des immer 
unruhigen und doch ohnmächtigen Vasallenkönigs , stand dem 
im Wege -). 

An der afrikanischen Küste hatte der ,,Spagna" durch den 
grofsen Feldzug des Jahres 1535 in der Person des Begs von 
Tunis aus der Dynastie der Hafsiden einen Vasallen gefunden 
und ihm das Versprechen gegeben, auch die diesem noch nicht 
gehörigen Städte in seine Gewalt zu bringen ^). Zu dem Zwecke 
erschien 1540 der Vizekönig von Neapel vor dem schon von 
Muley belagerten Afrikijeh (Mehdieh) und unterwarf es ohne 
Blutvergiefsen dem rechtmäfsigen Herrn ^). 

1541 rüsteten die Türken eine Flotte von 200 Schiffen aus, 
die Sinan der Jude , der Corsetto und Sala-Reis führen sollten ; 
sie segelte aber nicht gegen die Spanier: Barbarossa bekam keine 
Gelegenheit, eine neue Mission zu erfüllen. 

Erst im Oktober mufste er wieder den Oberbefehl über die 
Seekräfte des Reichs übernehmen. Karl V. hatte einen neuen 
Zug nach Afrika vorbereitet: diesmal hatte er mehr als 200 gut 
ausgerüstete Schiffe, darunter siebzehn Galeeren zu seiner Ver- 



l) Hammer, J. 1540. 2) Vgl. Hurmuzaki II = , S. 113. 

3) Bd. II, S. 378—379- 4) Charriere I, S. 459- 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 91 

fügning. Am 20. Oktober landeten die Truppen, darunter Mal- 
teser Ritter, die von der Unterstützung des Kaisers die Bildung- 
eines kleinen christlichen Reiches für ihren von Soliman aus 
Rhodos vertriebenen Orden erhofften, bei Algier, im Meerbusen 
von Matefus. Seit kurzem herrschte Khaireddin in Algier, 
und verfügte über wenige Janitscharen der Besatzung und 
Araber. Ein zahlreiches Heer von 18000 Mann ging gegen die 
befestigte Stadt vor und bereitete sich zum Angriffe, als ein 
furchtbarer Sturm die Flotte fast vollständig vernichtete; die Ar- 
tillerie war noch nicht gelandet und versank ins Meer, während 
Khaireddin die Feinde erfolgreich von den Mauern Algers aus 
beschofs. Bei den schlechten Wegen brauchten diese fünf Tage, 
um nach Matefus zu gelangen und sich dort auf einigen geretteten 
Fahrzeugen einzuschiffen; auf der Fahrt nach dem Hafen Bougie 
(Budschia) nahm ein zweiter Sturm die Unglücklichen mit 
Aufserdem mangelte es ihnen an Lebensmitteln und die Soldaten 
des grofsen Kaisers des Westens mufsten ihr Leben mit ,, Hunden, 
Katzen und Kräutern" fristen. Nach einer Reihe fortwährender 
Schicksalsschläge kam Karl V. von seinem ,, Kreuzzuge" nach 
Majorka zurück i). ,,I1 leur deult jusques au coeur", ,,es ist 
ihnen tief im Herzen leid", schrieb der französische Agent in 
Venedig nicht ohne Schadenfreude an seinen Herrn -). 

Einige Monate später brach zwischen Franz L, der Venedig 
zu gewinnen gehofft hatte , und dem geschwächten Kaiser Karl 
(im Mai 1542) der Krieg aus. Vergebens drang La Garde darauf, 
dafs Barbarossa sich gegen Italien wende : der Sultan wies ihn 
sehr höflich ab ^). 

Khaireddin verfügte 1543 über 110 Galeeren, die mit aus- 
erlesenem Kriegsvolk gut bemannt waren. Im Juni erschien er 
in der Nähe von Korfu , griff Reggio an und wandte sich nach 
dem erschrockenen Ostia, ohne jedoch auf den päpstlichen Ufern 
Schaden anzurichten. In Rom mufste der barigello des Nachts 
mit brennender Fackel durch die Strafsen gehen, um die Ein- 



i) Charri^re I, S. 522«. 

2) Ebenda S. 526. Vgl. Zinkeisen II, S. 852. 

3) Giovio bei Charriere I, S. 555, Anm. 



93 Erstes Buch, Drittes Kapitel. 

wohner von der Flucht abzuhalten ^). In Marseille vereinigte 
sich der Kapudan mit 50 französischen Schiffen unter dem Her- 
zog'e von Enghien als Admiral , und die beiden Flotten , deren 
Bündnis eine Schmach für die Christenheit bedeutete, segelten 
nach Villefranche. Nach längerer Belagerung nahmen sie am 
22. August die von den Kaiserlichen besetzte Stadt Nizza ein, 
die dem mit Karl V. verbündeten Herzog von Savoyen gehörte. 
Die Festung dagegen verteidigte sich erfolgreich, zumal die Fran- 
zosen von den Türken Schiefsbedarf erbitten mufsten , und am 
8. September gab Barbarossa sein Vorhaben auf. Mehrmals war 
der Capitaine Faulin in Gefahr geraten , von den entrüsteten 
Türken getötet zu werden. 

Die Türken überwinterten in dem auf königlichen Befehl 
von den Einwohnern geräumten Toulon, und zwar, nach ihrer 
Sitte, schon vom September an. Empfindlichen Abbruch hatte 
der türkische Admiral mit 30000 Mann, ,,dem König von Kairo" 
und vielen ,,San-Jacobeis", d. h. Sandschak-begs, den Spaniern 
nicht getan. „Toulon ist jetzt ein wahres Konstantinopel", 
schrieb ein Lyonese damals. Übrigens war Barbarossa mit der 
Verpflegung und des Königs militärischen Mafsnahmen höchst 
unzufrieden: die Janitscharen verlangten stürmisch den schuldigen 
Sold. Nach dem St. Georgstage segelte der unwillkommene 
Gast endlich ab. Aber erst am 11. Juni erschienen die Türken, 
die Leon Strozzi, der Prior von Capua, mit zehn Galeeren des 
Königs begleitete, vor Talamone, das sich ergab; das Schlofs 
Lipari fiel im Juli in ihre Hände. Nach Piratenart sengend und 
brennend wandte sich der Kapudan endlich heimwärts und traf 
im Herbste wieder in Konstantinopel ein -), 

Es war das einzige Mal , dafs Türken und Franzosen im 
Bunde gegen eine christliche Macht kämpften: La Garde, Ara- 
mont und Montluc , die französischen Agenten , wirkten einige 
Monate später, mehr oder weniger aufrichtig, auf die Beilegung 
des türkisch -spanischen Konfliktes hin (1545). Sie kam, durch 



i) Giovio bei Charri^re I, S. 564, Anm. 

2) Charri^re I, am Ende; vgl. Ursu, letzteres Kapitel. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 93 

die diplomatischen Verdienste Gerhard Veltwycks , des kaiser- 
lichen Vertreters, am lO. November zustande, gleichzeitig mit 
dem Vertrage , den Ferdinand mit Ungarn abschlofs. Die Be- 
dingungen waren , soweit sie den Kaiser betrafen , allgemeinen 
Charakters und weniger bedeutend als die Tatsache selbst, dafs 
es zu einem ersten Vertrage zwischen den Osmanen und den 
von ihnen gehafsten Spaniern kam ^). Die Türken hatten jeden- 
falls ihren Standpunkt, dafs die österreichischen Brüder politisch 
nur eine und dieselbe Macht darstellten — nur so konnten sie 
den Kaiser zur Geltung eines Tributärs herabwürdigen — durch 
Abschlufs eines einzigen Vertrags gewahrt. Dagegen gelang es 
ihnen nicht, den Text so fassen zu lassen, dafs Franz I. auf 
Seite der Osmanen, nicht auf der der christlichen Fürsten im 
Dokumente figuriere. Veltwyck kehrte 1546 wieder nach Kon- 
stantinopel zurück, um den nur einjährigen Frieden verlängern 
zu lassen -) , und , als er Veränderungen an dem Vertrag vor- 
nehmen wollte, lautete die grobe türkische Antwort: ,,Der Kaiser 
habe keine Bedingungen aufzustellen, sondern solche vom Sultan 
zu empfangen" ^). 

Damit war es aber um den französischen Einflufs in Kon- 
stantinopel einigermafsen geschehen : ,, die Türken treiben den 
Franzosen gegenüber nur eine Politik der Verstellung und be- 
dienen sich ihrer", urteilte man 1545, mit Recht, auf kaiserlicher 
Seite ^). Aramont, der neue Gesandte, eigentlich der erste, der 
diesen Titel führte und einen Tain von zehn Sultaninen erhielt ''), 
verfügte, trotzdem, oder eben weil er verschwendete*^), nicht 
über die Mittel, um die von der Etikette vorgeschriebenen 
Geschenke erschwingen zu können, und die Türken wollten von 



i) Siehe oben S. 89 — 90. Veltwyck, schreibt Montluc, ist ,,saige et reserve"; 
Charriere I, S. 600. 

2) Ebenda S. 621 ff. 

3) Ebenda II, S. 38. „Ce n'estoit ä l'empereur mectre loy, ne con- 
dition ä la dicte trefve, mais bien les recevoir de luy, ou laisser les choses en 
leur estat. " — Ein Gesandter des Prinzen von Spanien kam 1548; ebenda S. 84. 
Am 19. Juni 1547 erneuert wurde der Friede von Karl V., am i. August in Augs- 
burg ratifiziert. Vgl. ebenda S. 40. 

4) Ebenda I, S. 593, Anm. 5) Ursu S. 177. 
6) Charriere U, S. 280, Anm. 



94 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

der Theorie , dafs die Franzosen eine andere Stellung als die 
übrigen Christen der Pforte geg-enüber einnehmen und nicht, 
wie diese, die Verpflichtung haben, die türkischen Grofsen zu 
beschenken , nichts wissen. De Cambray — er war zwar ein 
gelehrter Kanoniker, der ,, griechisch wie französisch sprach" 
und auch türkisch verstand ^) — und Codignac, die ihn ersetzten, 
verstanden das diplomatische Handwerk ebenfalls recht schlecht; 
der letztere heiratete die Erbin von Siphanto, ging als Feudal- 
herr auf diese Insel, wurde von den Bauern verjagt und wollte 
Renegat werden -) ; auch haderten die Gesandten Frankreichs be- 
ständig vor den Augen der Türken miteinander. Nur selten, 
wie bei der feierlichen Audienz, die Aramont 1547 bei seiner 
Rückkehr hatte , kamen kunstreiche Pariser Uhren und andere 
Kostbarkeiten westlicher Industrie zu ihrem Rechte. Gewöhnlich 
warteten sowohl der Sultan selbst wie seine Wesire und höheren 
Beamten und sogar der franzosenfreundliche Kapi-Aga vergebens, 
obwohl sie ihr Verlangen, nach morgenländischem Gebrauche, 
ganz offen aussprachen, auf seidene Tücher und Leinwandproben 
aus Paris, auf kleine Hunde und besonders auf Uhren — der 
Uhrmacher des Sultans war ein Franzose, Guillaume l'Horlogier, 
der auch als Dolmetsch Verwendung fand — ; Soliman pflegte 
auf seinen Reisen und tagelangen Jagden auf den Feldern und 
in den Wäldern um Adrianopel zahlreiche Uhren mit sich zu 
führen ^). Die Franzosen, hiefs es an der Pforte, verlangen von 
uns manches und möchten immer die erste Rolle spielen, ohne 
uns ,,ein einziges kleines Geschenk mitzubringen, sei es nur eine 
Uhr oder ein paar Früchte, da doch kein armseliger Chiot, 
Ragusäer, Walache oder Moldauer mit leeren Händen zur Pforte 
kommt" ^). 



i) Charriere II, S. 53, Anm. Der König schickte Pierre Gille und Guillaume 
Postel eigentlich zu dem Zwecke nach Konstantinopel „livres principallement ä 
langues grecque et h^braique, des plus anciens qu'il pourroit trouver", zu kaufen; 
ebenda S. iio, Anm. 

2) Ebenda, passim. 

3) Karl V. vertrieb sich die Langeweile seiner kranken Tage ebenfalls damit, 
den Gang der besten, eigens für ihn verfertigten Uhren zu regeln. Vgl. Char- 
riere II, S. 95, Anm., 297, Anm. 2, 432, Anm., 444, Anm.; III, S. 266 — 267, Anm. 

4) „Sans toutes fois apporter un seul petit present, fust-il d'une orloge ou 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 95 

Obwohl im Frühling-e des Jahres 1548, einige Monate nach 
dem Tode Königs Franz, die Türken sich fragen mufsten, ob 
sein Nachfolger Heinrich II. die osmanische Allianz ebenso hoch 
schätzen werde, setzte Soliman nach Asien über, um den per- 
sischen Krieg wieder aufzunehmen. Aramont entschlofs sich, 
ihn dorthin zu begleiten, um den Morgenländern und vor allem 
den Politikern des europäischen Westens das Bündnis mit dem 
Sultane als noch immer wirksam zu erweisen. Er führte nicht 
weniger als 75 bis 80 bewaffnete Personen, 112 Pferde, 40 Kamele, 
18 Maultiere und 12 Zelte mit sich; dieser kleinen Armee wehte 
die Fahne mit den Lilien voran — es war das einzige ,, Kon- 
tingent", das jemals von einem französischen Herrscher dem 
geliebten ,, Bruder" in Konstantinopel geschickt werden sollte! 
„Niemals hat ein Gesandter", sagten die Franzosen stolz, ,,sich 
in einem solchen Aufzuge und mit so viel Ordnung auf den 
Weg gemacht" ^). D'Aramont datierte seine Kriegsberichte aus 
Ardschisch in Armenien und empfing in Erzerum seinen Anteil 
an den Geschenken von Schafen, Käse, Früchten, die die geor- 
gianischen Fürsten ins kaiserUche Lager brachten; sie sprachen 
dabei vom König als dem ,,gröfsten unter den christlichen 
Herrschern" und bekamen vom Gesandten den niemals ge- 
nossenen Wein von Malvasia, den süfsen M a 1 v o i s i e vorgesetzt ^) ; 
man behauptete sogar, der Franzose führe die osmanischen 
Toptschis in die Prinzipien moderner Artillerie ein. 

Der österreichische Vertreter, der in Konstantinopel ge- 
blieben war, begnügte sich dagegen, den Sieg Solimans über 
die Perser mit grofsem Aufwände zu feiern '^). Noch war von 
einem Zerwürfnisse zwischen dem Kaiser und dem neuen fran- 
zösischen König nicht die Rede, und der grofse Khaireddin, 



d'un panier de fruict, et qu'il n'y a petit Sciote, Ragusois, Vallacque ou Moldave 
qni vienne ä la Porte du Grand-Seigneur les mains vides", Hurmuzaki, Suppl. 
P, S. 17, Nr. XXXII. 

i) „Jamais anabassadeur ne chemina en tel ordre et equipage"; Char- 
rifere 11, S. 52 und Anm. 

2) Ebenda S. 66, 68, Anm. 

3) Ebenda S. 89 — 90. 



96 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

Barbarossa, der eig-entliche Begründer der osmanischen Herr- 
schaft in Nordafrika bis zu den Ländern der Hafsiden und des 
Scherifs von Marokko, der, wie sein Nachbar, von den Spaniern 
bevormundet wurde , war schon am 4. Juli 1 546 in seiner 
Moschee von Beschiktasch begraben ^). Torg-hud , der seinen 
Unternehmungsgeist, seinen Hafs gegen die Christen, seine rast- 
lose Energie geerbt zu haben schien, beschränkte sich zunächst 
auf Piratenstreifereien im Ägäischen Meer und auf Drohungen an 
die Adresse der Venetianer 2) , während Salah - Reis , als Sand- 
schak von Rhodos, über den Frieden im Archipelagus und 
Mittelmeer zu wachen hatte ^). 

Als aber der den räuberischen Fahrten Torghuds auf dem 
Meere seine Nachsicht zuteil werden liefs, obwohl die christ- 
lichen Fürsten und Republiken, deren Untertanen davon be- 
troffen wurden, mit dem Reiche im Vertragsverhältnisse standen, 
entwickelte sich dieser mehr zu einem neuen Barbarossa. Be- 
reits im Jahre 1550 entrifs er den Hafsiden Afrikijeh und setzte 
seinen Bruder dort ein. Seine Schiffe erschienen unter Tarent 
und man sprach mit Schrecken von seiner bevorstehenden Ver- 
einigung mit Salah-Reis ^) ; im Juli belagerte er das genuesische 
Rapallo ^). Mit dem in Algier herrschenden Sohne Khaireddins 
stand er in den besten Beziehungen , und der marokkanische 
Scherif, der den Spaniern Tlemcen fortnahm und über eine stän- 
dige Truppe von 15000 Soldaten sowie zahlreiche berittene 
Mohren verfügte ^), zeigte seinerseits nicht übel Lust, der gegen- 
überliegenden spanischen Küste einen Besuch abzustatten '^). 
Die Insel Dscherbe, zwischen Sizilien, Malta und der berberischen 
Küste gelegen, schien der Mittelpunkt für die Unternehmungen 

i) Leunclavius S. 795; Charriere I, S. 624. 

2) Siehe z. B, ebenda II, S. 95, Anm., S. 73 — 74, 82, 98; „Commemoriali" 
VI, S. 265, Nr. 167. 

3) Charriere S. 103. Unterwerfung Thorguds 1550, ebenda S. 112 — 113. 
Vgl. ebenda S. 115 — 117. 

4) Ebenda S. 115 — I17. 

5) Varese, Storia di Genova VI, S. 335 ff. 

6) Alberi S. III, Bd. I, S 87, 

7) Charriere S. 117, Anm. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 97 

der verbündeten Seeräuber, von denen allerdings keiner direkt 
im Dienst des Sultans stand, werden zu sollen ^). 

Für den spanischen König- bedeuteten diese Übergriffe eine 
offene Herausforderung-, und er traf Mafsregeln, die frechen 
Friedensbrecher zu bestrafen. Zehn oder zwanzig- Galeeren An- 
tonio Dorias, mit zwei weiteren des Papstes vereint, seg-elten im 
Sommer aus, um Afrikijeh mit looo Spaniern, dem von seinem 
Sohne ausg-ewiesenen tributären Beg von Tunis und einigen 
Arabern zu belag-ern -). Die Stadt fiel am lo. September, nicht 
ohne langwierigen Kampf, in die Hände der Christen, ebenso 
Monastir, und Doria suchte bei Dscherbe den fliehenden Torghud, 
der den mosleminischen Herrn den Insel, den Scheikh Soliman, 
für sich gewonnen hatte ■^) ; doch wufste dieser seinem Feinde 
geschickt zu entweichen ■^). In einem Briefe an Soliman stellte 
Karl V. die ganze Unternehmung freilich als belanglos hin; es 
handle sich dabei nur um die Bestrafung des Korsarenführers •''). 
So traf Salah-Reis nur gegen die Genuesen einige Vergeltungs- 
mafsnahmen *'). 

Im Jahre 1551 aber befahl Soliman, eine starke Flotte von 
150 Schiffen auszurüsten, die dem Könige von Algier gegen 
den Scherif von Marokko und Torghud gegen seine christlichen 
Feinde zn Hilfe kommen sollte ; auch der Beg von Tunis , der 
nach dem Tode seines Vaters beim Schlosse Dscherbe den 
Vertrag mit Spanien auf sechs Jahre erneuerte und dem König 
einen jährlichen Tribut von 12000 Dukaten nebst einigen Jagd- 
falken versprach '), hatte dadurch die Osmanen gegen sich auf- 
gebracht. Kassum-Pascha sollte in Algier eingesetzt werden, und 
Torghud, den die offizielle türkische Politik damit zum ersten 



i) Alb eri a. a. O. S. 1 19. 

2) Charriere II, S. 120—122; vgl. Hammer II, S. 294 — 295, und be- 
sonders Stella am Ende der Ausgabe des Chalkokondylas 1556. 

3) Charriöre II, S. 122 — 125, 131, 139; Varese a. a. O. S. 335 ff. 

4) Vgl. auch Varese S. 340 — 342. 

5) Lanz, Politische Korrespondenz Karls V. III, S. 9. 

6) Charriere II, S. 126. 

7) Ebenda S. 130— 131, 136, 138—139. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. HI. 7 



98 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

Male anerkannte , wurde zum Sandschak von Afrikijeh , mit 
. lOOOO Dukaten jährlichen Gehalts, ernannt^); es war ihm, wie 
schon erwähnt, gelungen, der Umschliefsung Dorias bei Dscherbe 
mit vier Galeeren zu entkommen '^). Auch den Nachstellungen 
der Venezianer entging er glücklich. 

Indessen segelte eine starke osmanische Flotte unter Salah- 
Reis, der mehr als hundert Schiffe befehligte, aus Konstantinopel 
aus, um vom sizilischen Vizekönig die Schlüssel Afrikijehs zu 
verlangen ^). Sie erschien bei Zante, und Karl V. fürchtete für 
die Sicherheit des böhmischen Königs, der von Barcelona nach 
Italien übersetzen wollte. Lagosta in Sizilien wurde eingenommen 
und verwüstet; Malta hatte von zahlreichen Piraten zu leiden^); 
die Insel Goze nahmen sie Qin. Aramont begegnete ihnen auf 
der Fahrt. Dann erschienen die drei Führer dieser ,,invincible 
armada", Sinan, der Bruder Rustems, Salah und Torghud, vor 
dem schönen Hafen von Tripolis, das von Johannitern, unter 
denen viele Franzosen waren, verteidigt wurde. Aramont, der 
festgehalten worden war, mufste der Belagerung, die nur neun 
Tage dauerte und am 14. August mit der Übergabe von Tri- 
polis endete , zusehen : auf seinem Schiffe wurde der Komtur 
von Chambery, der Verteidiger der Stadt, mit einigen Rittern 
nach Malta hinübergeführt. Auch Dscherbe mufste sich der 
türkischen Oberhoheit abermals unterwerfen ■') ; einen Versuch 
Dorias, mit seinen 23 Galeeren Torghud zwischen den Inseln 
abzufangen, vereitelte die Flucht des schlauen Korsaren *"). Erst 
im Spätherbst kam die Flotte triumphierend nach Konstantinopel 
zurück "), während Salah und Torghud mit ungefähr fünfzig Ga- 
leeren bei Frevesa Winterquartier nahmen ^) ; die Statthaltereien 
von Algier und Lepanto waren der Lohn ihrer Unternehmung •'). 

i) Charriere II, S. 140 — 143 und die Anm. Anfang 1552 ist Salah 
Beglerbeg von ganz Afrika mit 50000 Dukaten Einkünften; ebenda S. 177. 

2) Ebenda S. 144—145. 

3) Ebenda S. 159. 

4) Ebenda S. 145— 151, 156, Anm. i. 

5) Ebenda S. 158 — 165; vgl. S. 301, Anm. I. 

6) Varesc S. 340—342. 7) Charriere II, S. 164 — 165. 

8) Ebenda S. 167. Über ihre Schicksale S. 177, 181, Anm., 182, Anm. 

9) Ebenda. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 99 

Anfang" Juni 1552 kamen die kaiserlichen Schiffe unter 
Sinan-Pascha von neuem aus den Meerengen heraus, und wieder 
befand sich Aramont auf einem derselben , nicht aber in der 
Eigenschaft eines allmächtigen Gesandten , der auf alle Bewe- 
gungen entscheidenden Einflufs üben kann , sondern lediglich 
als unmafsgeblicher Ratgeber. Diesmal wurde zunächst Reggio 
ausgeraubt und in Brand gesteckt; auch bei Scaglia und Poli- 
castro landeten die Mannschaften der osmanischen Galeeren. 
Kaum die Besitzungen des Verbündeten seines Königs , des 
Prinzen von Salerno, vermochte Aramont vor Verwüstung zu 
retten. Vor Neapel hatten die Türken ein Gefecht mit den we- 
nigen hier gesammelten Schiffen des Vizekönigs, und bei Pro- 
cida erwarteten sie die französische Flotte und vereinigten sich 
mit ihr. Die gesamte Seemacht wurde dann bei Terracina, bei 
den Inseln Ponza — von wo Dorias 39 Galeeren zurückgetrieben 
wurden ^) — und bei Porto-Ercole gesehen. Sie griff aber Elba 
und die Insel Piombino, auf französischen Vorschlag, nicht an; 
und als der September gekommen war, kehrten die türkischen 
Galeeren in Begleitung einiger königlicher Schiffe nach Santa- 
Maura zurück. Weil aber die Malteser, unter dem Prior von 
Kapua , auf dem Meere kreuzten , blieb Torghud wieder mit 
sechzig Schiffen ,, zurück" -). 

Im Frühling 1553 schlofs endlich Murad-Aga, der Befehls- 
haber von Tripolis, Afrikijeh ein: der dortige christliche Kom- 
mandant verfügte über kaum tausend unbezahlte Soldaten. Auch 
Goletta befand sich in den traurigsten Umständen 3) , und Afri- 
kijeh war in Gefahr, sich zu übergeben *^). 

Nun segelten die französischen Schiffe unter St. Blancard 
(im Juli) nach Osten , um in den Gewässern Korfus den vom 
Könige ,,magnificque" betitelten Torghud aufzusuchen. Die 
türkisch -französische Flotte verweilte dann bei Cotrone und 
Castello. Das Verbot, in einem Gebiet, das keinem Feinde König 



1) Er verlor sieben derselben; Varese VI, S. 345. 

2) Charriere a. a. O. S. 201, 209, 211 — 213, 2i7ff., 219, Anm. , 231, 
233—235. 239, 247, 254—255. 

3) Ebenda S. 256—258. 

4) Vgl. aber Hurmuzaki IP, S. II3, II9. 

7* 



100 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

Heinrichs gehörte, zu plündern, war nicht geeignet, die Dienst- 
willigkeit der Matrosen des Begs und des ebenfalls herbeigeeilten 
Salah zu steigern. Sie besetzten die Insel Pantelaria und hielten 
dann die Route des Vorjahres ein. Dem Wunsche der Fran- 
zosen entsprechend, wurde auf der Insel Korsika, die den genue- 
sischen Rebellen gehörte, Portovecchio angegriffen und Bastia 
erobert^); Bonifacio teilte dieses Schicksal nicht-), obwohl es 
nicht nur durch die türkisch -französische Flotte, sondern auch 
von der Landseite her belagert wurde ^). 

Damit aber war die Bereitwilligkeit der Türken, französischen 
Interessen zu dienen, auch zu Ende. Nun gehörten ihnen wahr- 
scheinlich sowohl Afrikijeh wie Tripolis ; Dscherbe zahlte dem 
Sultan Tribut; in Algier waltete an Stelle des Sohnes Barbarossas 
der Sandschak Ali *); der Scherif von Marokko war besiegt und der 
Kopf seines Sohnes nach Konstantinopel geschickt worden. Sich 
weiter für die Franzosen zu bemühen — ein ,,travailler pour le 
roi de France" im i6. Jahrhundert, noch dazu ohne nach Be- 
lieben rauben und plündern zu dürfen, erschien den praktischen 
Politikern und Kriegern wenig verlockend. So blieb denn Torghud 
1554 bei Prevesa im Adriatischen Meere, und keine Bitten der 
Franzosen vermochten ihn gegen Korsika in Tätigkeit zu setzen, 
wo die Genuesen sich die verlorenen Stellungen zurückeroberten ■''). 

Erst als König Heinrich seine Galeeren unter St. Blancard 
nach Prevesa schickte und durch einen eigenhändigen Brief (im 
Juli) die Hilfe des ,,sehr hohen, sehr ausgezeichneten, sehr 
mächtigen , sehr grofsmütigen und unüberwindlichen Fürsten, 
des grofsen Kaisers der Moslems, des Sultans Soliman Schach" 
in Anspruch nahm, segelten die Türken nach Italien, und Piom- 
bino, Calvi, Elba, Bastia (17. August 1555) wurden von den Reis und 



i) Charriere 11, S. 260, 264 — 265, Anm., 273 — 275. 

2) Ebenda S. 277(1., Anm., 291, 306, 308. 

3) Varese VI, S. 357 fif. 

4) Charriere II, S. 379, Anm. 

5) Ebenda S. 319 — 320, Anm.; S. 321 — 322, Anm. Der französische Agent 
Codignac war beim Sultan in Amasieh gewesen; ebenda S. 327, Anm.; S. 330, Anm. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 101 

Seeleuten Torghuds und Salahs heimgesucht, die der junge Piali, 
ein „jeune homme de fort bon cceur", befehligte ^). 

Bereits zu Ende des Jahres 1555 war ein Friede zwischen 
Frankreich und Spanien angebahnt worden. Infolgedessen blieben 
in den folgenden Jahren auch die Bitten des königlichen „Bruders" 
im christlichen Westen aus, die türkische Flotte möge im Mittel- 
meer vor den neapolitanischen und genuesischen Küsten und 
Inseln erscheinen. Der französische Vertreter war seit 1557 
de la Vigne, ein kränklicher, mürrischer Mann; er schalt in 
seinen Berichten beständig über die ,, hündischen Barbaren", ihre 
Arroganz und Halsstarrigkeit, — sie seien ,,wie die Maultiere, 
wie der Teufel"-) — , ihre Neigung zur Lüge^), und sagte 
den Wesiren ungewöhnliche Grobheiten ins Gesicht; so erklärte 
er wohl, Soliman habe es allein seinem Herrn zu verdanken, 
wenn er Ofen und andere wichtige Festungen in Ungarn besitze, 
und als Rustem ihm von den grofsen Mitteln des Sultans sprach, 
der allen Christen zusammen überlegen sei , verliefs er zornig 
den Audienzsaal ^). Es war sein fester Glaube, dafs die Christen 
dies unwürdige, zügellose, ordnungsfeindliche Gesindel in einem 
einzigen Sommer nach Asien zurückzuwerfen ■') vermöchten und 
diese Aufgabe weniger als die Wiedereinnahme Calais' durch 
die Franzosen koste ^). Über seine Vorgänger sprach er sich 
unumwunden dahin aus, dafs sie manche ,,dem Interesse und 
der Reputation ihres Herrn nachteilige Dummheiten" begangen 
hätten '). Er glaubte sich unter Feinden und behandelte 
jedermann als solchen ^). 



i) Charriere ü, S. 331—333. 346 ff., 351—354, Anm. 

2) Ebenda S. 397, 415, Anm., 451, Anm. 

3) Ebenda II, S. 388, Anm. 

4) Busbecq S. iSgff. 

5) Charriere II, S. 397. 

6) Ebenda S. 474, Anm. Über die türkische Flotte im Jahre 1556 siehe 
Hurmuzaki VIII, S. 72, 77. 

7) ,,Ces messieurs ont fait icy de grandes sottises, qui ne servent que pour 
empescher le service dudict roy et donner mauvaise reputation"; Charriere 
U, S. 377. 

8) Ebenda S. 384, 395, Anm. 



103 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

Der Lokalkrieg zwischen Algier und dem von Spanien aus 
unterstützten Marokko g"ing- indessen seinen Gang; der Algierier 
nahm zwar Budschia und Oran (1556) ein, wurde aber dann von 
seinem Feinde besiegt und grausam getötet ^). Schiffe der Mal- 
teser — la Vigne sprach auch von Genuesen, die dabei beteiligt 
wären , und verlangte Mafsregeln gegen sie -) — raubten im 
Archipelagus und bis hin zur syrischen Küste ^). Vergebens 
verlangte die Pforte von den Franzosen Hilfe in den afrika- 
nischen Wirren (faire epaule) ^) : die türkischen Schiffe mufsten 
allein in der Richtung auf Oran segeln^). ,,Die Franzosen sind 
unzuverlässig, sie lügen", sagten die Wesire dem königlichen 
Vertreter bei dieser Gelegenheit ins Angesicht ''). 

Das Ansehen Frankreichs sank noch mehr nach der Schlacht 
von Saint - Quentin , über deren Verlust Soliman seinen Freund 
und ehemaligen Alliierten, übrigens in aufrichtiger Meinung, zu 
trösten versuchte ''), ohne ihm freilich, trotz des unverminderten 
Hasses aller Türken gegen den ,, teuflischen und vermalledeiten 
Spagna"^) die erbetenen zwei Millionen Dukaten zu leihen'*). 
Der Umstand, dafs die Seekräfte der Johanniter vom Prior von 
Frankreich befehligt wurden, trug gleichfalls zur Verschlechterung 
der gegenseitigen Beziehungen bei: die Türken verlangten das 
Einschreiten des Königs ^^). 

Am 14. Mai 1558 verliefsen dann mehr als hundert Galeeren 
den Hafen von Konstantinopel, um dem in Algier bedrohten 
Torghud zu Hilfe zu eilen ^^). In Sorrento machten die Türken 
nicht weniger als 3000 Sklaven; und als die ,, heidnische" Flotte 

1) Charri^re II, S. 399; vgl. S. 403. Über dessen Besuch in Konstan- 
tinopel Ende 1555 Verancsics, „Mon. Hung. Hist." V, S. 102; s. auch ebenda 
S. 235 — 236 , 242 ff. Über die Einnahme des Hafens Benefert bei Tunis und 
Angriffe auf die spanische Küste und Inseln (1557 — 1558) siehe Hammer II, S. 299. 

2) Charriere II, S. 391. 3) Busbecq S. 188—189. 
4) Charriere 11, S. 379, Anm. 5) Ebenda; vgl. S. 381. 

6) ,, Gallos esse leves; Gallos esse mendaces"; ebenda S. 385. 

7) Ebenda S. 406, Anm. 

8) Ebenda S. 419: ,,il diabolico et maladetto re di Spagna". 

9) Ebenda S. 414, Anm., S. 425, 453 ff. 10) Ebenda S. 456. 
11) Ebenda S. 457 ff., 461, Anm., 462 und Anm., 464 und Anm., 472. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 103 

bei San-Severo erschien und die Stadt bestrafte, weil sie den 
Feind mit Artillerieschüssen beg^rüfst hatte, brach in Rom eine 
neue Panik aus. Am 15. Juli vereinigte sich die osmanische 
Seemacht doch wieder mit der französischen , um einen Angriff 
auf Port-Mahon zu unternehmen ^). Korsika aber liefsen die 
Türken, obgleich sie bei Calvi Station gemacht hatten, diesmal 
in Ruhe ; wie es hiefs, weil der Kapudan von den Genuesen, wie 
früher 1552 einer seiner Vorgänger von dem neapolitanischen 
Vizekönige , Geld und andere Geschenke erhalten hatte -). In 
der Tat ordnete derselbe, unter dem Verwände, dafs die bei 
Toulon versammelten französischen Schiffe zu schwach und 
jedenfalls unzureichend seien, um Villafranca, Bastide oder Nizza 
angreifen zu können, Anfang September den Rückzug an '^j. Er 
erlaubte der Seemacht der Alliierten nicht einmal, ihn zu be- 
gleiten *). 

Auch fanden die Anklagen der Franzosen, dafs der Beglerbeg 
des Meeres mit den Genuesen verhandelt und von Doria kost- 
bare golddurchwirkte und seidene Tücher und 4000 Skudi an- 
genommen habe , keine öffentliche Widerlegung. Genua hatte 
seit einiger Zeit Agenten in Konstantinopel , wie Tortorino ^), 
die in seinem wie im Interesse seiner im Osten ihm noch ver- 
bliebenen Kolonie Chios und seiner Getreideeinkäufe •') mit Ge- 
schenken und Versprechungen eines hohen Tributs zu arbeiten 
verstanden '). Man behauptete, dafs die Genuesen dem Beglerbeg 
von einem Vasallenverhältnis gesprochen hätten und er deshalb 
die Besitzungen der Republik nicht angetastet habe ^) ; sie sollten 
dem Sultan allein in zehn Jahren 400000 Dukaten und dem 
Grofswesir looooo versprochen haben ^). Der Beglerbeg er- 
hielt jedenfalls eine Provinz in Asien 1°). 



i) Charriere II, S. 487. 

2) Vgl. ebenda S. 491 — 493 und 493, Anm. mit Varese VI, S. 346. 

3) Charriere; vgl. S. 501. 

4) Vgl. ebenda S. 508 ff., Anm., 5 16 ff., Anm., 520, 521, Anm., 524 — 525 ff. 

5) Ebenda II, J. 1558; s. S. 433. 

6) Vgl. ebenda S. 746 ff., Anm. 

7) Ebenda U, S. 528. 8) Ebenda S. 525 — 526. 
9) Ebenda S. 528. 10) Ebenda S. 548, Anm. 



104 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

Währenddessen gingen die berberischen Unruhen wie ge- 
wöhnlich fort ^). Als die Flotte des Sultans 1559 wieder rüstete, 
fürchteten die neutralen Venezianer für ihr Zypern-), und die 
Gemüter waren so erregt, dafs ein Seehauptmann der Republik 
gegen die Türken in Durazzo wegen eines Korsarenschiffs Feind- 
seligkeiten begann ^). Korfu wurde in Verteidigungszustand ge- 
setzt, und türkische Schiffe erschienen im Juli bei Zante '^). Die 
asiatischen Unruhen erlaubten dem Sultan aber keine offensive 
Politik auf dem Meere, und so kam ihm der neue französisch- 
spanische Vertrag sehr zupafs ^). 

Bald aber erfolgte eine neue Herausforderung von spanischer 
Seite, und der Seekrieg wurde wieder aufgenommen. 

Im Sommer 1559 rüstete der Herzog von Medina-Coeli eine 
Flotte gegen Tripolis; statt spanischer Truppen bestand die 
Mannschaft aber nur aus schlecht bewaffneten Italienern. So 
mufste er sein Unternehmen aufschieben, und Piali kehrte am 
14. November nach Konstantinopel zurück, ohne Feinde an- 
getroffen zu haben*'). Seine Abwesenheit benutzend, segelten 
dann 54 christliche Schiffe in hartem Winter unter dem spa- 
nischen Herzoge gegen Dscherbe aus, dessen vertriebener 
Scheikh sich den Christen angeschlossen hatte '). Das Schlofs 
ergab sich nach kurzer Belagerung ^) , und die Insel sollte dem 
Könige von Spanien jährlich 6000 Taler, ,,vier Straufse, vier 
Gazellen, vier Fohlen und ein Kamel " schicken •'). 

1560 wurde dann Torghud von Medina-Coeli und Doria in 
Dscherbe eingeschlossen; Piali eilte ihm als Kapudan zu Hilfe. 
Am 15. Mai traf er vor der Insel ein. Der Kampf auf der See 
dauerte drei Tage : am zweiten hatte Piali 20 Galeeren gewonnen 

i) 1558 behaupteten die Algierier, einen Sieg über die Spanier errungen zu 
haben; ebenda S. 533. 

2) Ebenda S. 557, Anm., 559, Anm. 

3) Ebenda S. 573—574; vgl. S. 584, Anm. 

4) Ebenda S. 599. 

5) Ebenda S. 583 ff.; vgl. S. 588—589, Anm. i, 598, Anm. 

6) Ebenda S. 600, Anm. 

7) Februar bis März 1560. 8) Forgäch S. 237 ff. 

9) Nach Hads chi-Kh alf a, Gesch. der Seekriege, in Hammer II, S. 301. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 105 

und eine weitere in Brand gesetzt, ,,so dafs ihre Asche in die 
Luft flog"; nur elf Schiffe waren von der spanischen Flotte 
übrig- geblieben. Zahlreiche Araber belagerten unterdessen, von 
der Artillerie des Kapudans unterstützt, das Schlofs von Dscherbe 
von der Landseite. Da es 70 bis 80 Geschütze hatte und nur 
an Wassermangel litt, verzögerte sich die Einnahme ^). Am 
27. September traf die triumphierende Flotte mit vielen Ge- 
fangenen , wie Alvaro de Sande , Sancho de Leyva , Berenger 
de Requesens , Juan de Cardona und Guasto , dem Sohn des 
Herzogs von Medina, und mit zahlreichen Kreuzesfahnen an 
Bord in dem Hafen von Konstantinopel ein , wo Soliman sie 
,, ernst und melancholisch" wie gewöhnlich empfing-), und die 
Sklaven aus den besten Häusern Spaniens, die blutigen Standarten 
des Erbfeindes, die 21 eroberten Galeeren, die befreiten Hadschis 
und andere Moslems, die ,,seit dreifsig oder vierzig Jahren" in 
den Händen der Christen gewesen waren , an sich vorbeiziehen 
liefs. ,,Der Spanier ist nun gezähmt", hiefs es in Konstanti- 
nopel, ,,wer kann den Osmanen noch Trotz bieten 3)?" 

Im Archipelagus blieben trotz des Sieges 25 Galeeren unter 
dem Portugiesen Ali, ,,An Portuk", zurück^). Streifereien der 
Malteser waren freilich nicht mehr zu befürchten , und die spa- 
nische Seemacht war im Mittelmeer für längere Zeit unschäd- 
lich gemacht worden. Der „König von Algier" konnte nun 
an die Wiedereroberung Golettas selbst denken und verlangte 
dazu die Unterstützung des Sultans ^) ; 15 Galeeren wurden ihm 
bewilligt ^). Doch bUeb dieser Zug einer späteren Zeit vor- 
behalten^); 1561 wurden nur einige sizilische Schifie von der 
osmanischen Flotte bei Lipari weggenommen*). Noch 1563 

1) Charriere II, S. 611 — 612, Anm., S. 614, Anm., 616, 620, 625 — 626 
und Anm.; Busbecq S. i65ff.; Forgäch S. 25off.; nach Hadschi-Khalf a, 
Hammer 11, S. 301 — 302. Vgl. Zink eisen II, S. 886. 

2) „Eadem erat frontis severitas et tristitia"-; Busbecq S. 168. 

3) Ebenda; vgl. Varese VII, S. 37. 

4) Charriere U, S. 628. 5) Ebenda S. 628—629. 

6) Ebenda S. 631. 7) Ebenda S. 646, 652, 657, 659. 

8) Ebenda S. 661; vgl. S. 665 — 666, 674, 695 — 696: Ali-Portuk mit 20 Ga- 
leeren im Ägäischen Meere; S. 701, Anm.: Konflikt mit den Venezianern im 



106 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

kämpften die Spanier bei Oran g"eg-en die Algerier, und obgleich 
Ali-Portuk mit 30 Galeeren auf dem Meere lag-, enthielt er sich 
der Einmischung in diesen als lokal angesehenen Krieg ^). 

Die Klagen gegen die maltesischen Piraten verstummten auch 
später nicht. Ein Chevalier Charlu erwarb sich im Dienste der 
Ritter, als Seeräuber, besonderen Ruf-). Im Januar 1564 segelte 
Ali-Portuk mit zehn Galeeren gegen Rhodos aus, um die dreisten 
Abenteurer zu bestrafen •^). Aber, obgleich die türkischen 
Schiffe im selben Jahre wieder bis Elba und Korsika drangen 
und sich mit denen Torghuds vereinigten, raubten die Malteser 
bei Cerigo, und mehr als 30 Galeeren mufsten auch diesmal im 
September nach dem Rückzuge des Kapudans die Wache im 
Archipelagus übernehmen ^). Schon damals war die Rede davon, 
gegen Malta selbst zu rüsten ^). Was den Entschlufs Solimans, 
diese Insel der Johanniter, die mit Spanien verbündet war und 
auf spanische Unterstützung rechnete, weil sie dem König oft 
wesentliche Dienste geleistet hatte , anzugreifen , schliefslich be- 
stimmte, war aber die Einnahme der bereits 1554 angegriffenen'') 
Feste Peiion de Vellez von selten der Spanier Ende 1564: 
der besiegte Beg flüchtete nach Konstantinopel und schürte das 
Feuer '^). 

Anfang 1565 wurde der Ofener Beglerbeg, der die Witwe 
des Beglerbegs von Rum, eine Tochter Sultan Selims und Soli- 
mans Enkelin, geheiratet hatte, zum Kapudan ernannt; Mustafa 
sollte die Landtruppen befehligen. Nicht weniger als 150 Ga- 
leeren , die glänzendste Flotte , die die Osmanen jemals aus- 



Adriatischen Meere; S. 713 ff. : Reise Sanpier Ornanos, des Verbündeten der 
Franzosen, nach Algier; es wird nach Konstantinopel geschickt; vgl. Varese 
a. a. O. S. 43; Charri^re a. a. O. S. 718, Anm. : Verlust spanischer Galeeren, 
die nach Oran segeln; S. 718 — 719; S. 7241?., Anra. 

i) Charribre II, S. 724 — 726, 737, Anm., 740, 749 — 751. 

2) Ebenda S. 737, 743. 

3) Ebenda S. 744. 

4) Ebenda S. 755, Anm., 757. 

5) Ebenda S. 768. 

6) Hammer II, S. 299. 

7) Charriere II, S. 770; Rom an in, Storia documentata di Venezia VI, z. J. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 107 

g^erüstet hatten , nahm im Hafen von Konstantinopel ein Heer 
von 50000 Soldaten auf; auch von Syrien und Ägypten wurden 
Schiffe verlang-t ^). Die Abfahrt erfolgte am i. April, als alg-ie- 
rische Boten mit neuen Nachrichten gekommen waren '). 

Venedig fürchtete für Zypern, der spanische Vizekönig 
Unteritaliens für die sizilische und neapolitanische Küste; die 
Franzosen, die seit einiger Zeit von den Türken vernachlässigt 
worden und durch die Religionsunruhen geschwächt waren ^), 
glaubten an die Möglichkeit eines Angriffes auf die blühende 
Provence ^). Aber die grofse Flotte segelte gegen Malta ab ^). 

Die Belagerung der befestigten Stadt , die den Johannitern 
nach dem Verluste von Rhodos zu einer neuen Hauptstadt ge- 
worden war, begann Anfang Juni. Uludsch-Ali, ein neuer Pi- 
ratenführer unter osmanischem Schutze, und Torghud vereinigten 
sich mit den kaiserlichen See- und Landkräften. Die Ritter 
waren nicht zahlreich, aber ihre Schlösser aufserordentlich stark 
und seit längerer Zeit für eine Verteidigung gegen überlegene 
türkische Kräfte gerüstet. Am 23. Juni wurde das Schlofs 
St.-Elme gestürmt; dabei büfste Torghud das Leben ein, tief 
betrauert von seinen Glaubens- und Stammesgenossen, die den 
aufserordentlichen Mut und die raffinierte Schlauheit des alten 
Korsaren bewunderten; zwei Galeeren brachten seine Leiche nach 
Tripolis, wo sie begraben wurde *^). Die Schlösser St.-Ange und 
St.-Michel dagegen hielten sich tapfer gegen einen neuen Angriff. 
Als die Spanier Garcia de Toledos auf der Insel landeten und 
der September anbrach, mufste die Heimfahrt befohlen werden. 
So kehrte Mustafa-Pascha im Oktober mit 60 Galeeren zurück. 



i) Charriere II, S. 770 — 772, 777. 

2) Ebenda S. 782, 784—785. 

3) Siehe auch „Mon. Hung. Hist." VI, S. 261. 

4) Charriere II, S. 786; vgl. S. 790—791. In der Tat raubten einige 
Korsaren an der südlichen Küste Frankreichs ; ebenda S. 799. 

5) Ebenda S. 787 — 789. 

6) Ebenda S. 800, Anm., 801, Anm. ; Hammer II, 3. J. ; Vertot, Histoirc 
des Chevaliers de St. Jean. Als erzählende Quellen Vandonio in Sansovino 
S. 414 ff. ; Uberto Foglietta, Opera S. 259 ff. ; Gryphius bei Hammer 
II, S. 305 — 306; siehe auch Forgäch S. 390. 



108 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

ohne Malta erobert zu haben. Doch nahm man allgemein 
an, dafs der Frühling- 1566 die Wiedereröffnung des Krieges 
gegen die halsstarrigen Ritter sehen werde ^). Mancher wollte 
wissen, dafs der Grofsmeister Jean de la V^alette, trotz spanischer 
Subsidien und Hilfstruppen unter Pompeo Colonna und Don 
Garcia, die auch 3000 Schweizer brachten, und der Ankunft 
junger französischer Herren, die nach Abenteuern begierig waren, 
wie Frangois de Brissac, Strozzi, La Riviere, de Clermont, Talart, 
de Guiche und der Memoirenschreiber Brantome , nach Sizilien 
übersiedeln werde. 

Er blieb aber in seiner starken Hauptstadt, und die Hilfs- 
bereitschaft so vieler christlicher Krieger aus allen Ländern des 
Westens machte auf die Türken um so gröfseren Eindruck, als 
Soliman sich wieder nach Ungarn gewandt hatte. So erfolgte 
kein zweiter Angriff auf Malta, und Soliman, der die Einnahme 
Szigets nicht sehen sollte, mufste auch auf die Freude, den 
zweiten Sitz der Johanniter erobert zu wissen, Verzicht leisten -). 
Dem zum Sandschak von Tripolis ernannten Uludsch-Ali, dem 
diese Würde grofse Summen für die entscheidenden Faktoren 
gekostet hatte, wurde die Aufrechterhaltung eines vorsichtigen 
Statusquo in diesem Gebiete anvertraut '). 

Durch die rastlose Tätigkeit von Piraten errichtet, wurde 
die osmanische Herrschaft in Nordafrika mittels Sandschaks und 
tributärer ,, Könige" auch weiterhin wesentlich durch den Mut 
und das Wirken von Piraten aufrechterhalten. Denn die offi- 
zielle Seemacht des Reiches litt einigermafsen unter dem Mangel 
an Matrosen, die sich gern durch Zahlung einer Entschädigungs- 
summe vom Dienst befreiten ^). Ein Barbarossa, und Torghud, 
und Uludsch-Ali, die zuerst Sklaven in christlichen Ländern oder 
sonst gewöhnlicher Herkunft waren, glückliche Abenteurer, die 



i) Ebenda S. 802, 804—806, 808, Anm. 

2) Vgl. Charri^re II, S. 809, Anm., 810, Anm., 811, Anm., 812, Anm.; 
Forgäch S. 461. 

3) Hurmuzaki VIII, S. 112, Nr. CLV. Vgl. auch Gerlach S. 50. 

4) Äufserung eines deutschen Gesandten im J. 1557: „Omnes fere etiam 
duplo et triplo stipendio redimunt se ab incuria reraigii." 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 109 

die Lust zu rauben, ungewollt zu hohen Stellungen hatte kommen 
lassen und die dann vom Kaiser in öffentlicher Audienz empfangen 
worden waren , um seinen Dank entgegenzunehmen , waren un- 
entbehrlich für den Schein einer türkischen Suprematie im west- 
lichen Mittelmeer , die auch mit den besonderen Fähigkeiten 
solcher aufserordentlichen Persönlichkeiten eines Tages wieder 
aufhören mufste. 

Vor dem Tode Solimans gelang es auch Piali, die Insel 
Chios, die Zufluchtsstätte der Genuesen im östlichen Mittelmeer, 
die mehr als einmal in den Verdacht geraten war, die Korsaren 
des spanischen Königs zu beherbergen und zu verproviantieren, 
flüchtige Sklaven aufzunehmen und die Malteser möglichst unter- 
stützt zu haben, und ihre Rettung bisher nur einer aufserordent- 
lich wachsamen und geschickten Diplomatie verdankte, endlich 
doch zu besetzen. Als Vorwand wurde der Rückstand des 
Tributs für zwei Jahre genommen ; die Türken waren von den 
feindlichen Gesinnungen der griechischen Einwohner gegen die 
gierigen Genuesen vollauf unterrichtet. Am 14. und 15. April 
1566, den letzten Ostertagen unter den genuesischen Maonesen, 
bemächtigte sich der Kapudan der vorhin berufenen zwölf Mit- 
glieder der Familie Giustiniani , die hier walteten , und schickte 
sie als Staatsgefangene nach Konstantinopel oder Kaffa ^). Da- 
durch verlor Chios seine bisherige Bedeutung für den Handel 
und sank bald zu der Armseligkeit der benachbarten Inseln, wie 
Tenedos-Boktschada, herab. 

In der Folge beschränkten sich die Beziehungen zwischen 
den Osmanen und den christlichen Mächten des Westens auf 
gelegentliche Gesandtschaften, wie die des Herzogs von Urbino, 
als eines französischen Alliierten, des Herzogs von Ferrara, der 
den Handel mit Spezereien in Pacht nehmen wollte -), des Königs 



i) Nach der mir nicht zugänglichen französisch verfafsten Geschichte der 
Insel Chios von Girolarao Giustiniano , dem etwas späteren Berichte des Jacobus 
Paläologns — vgl. über ihn Zinkeisen II, S. 901 — 902; siehe auch Ger lach 
S. 50, 161 ; Crusius, Turcograecia (Basel 1584), S. 512 — 513. 

2) Alb^ri S. III, Bd. I, S. 165. 



110 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

von Portugal , in derselben Absicht ^) ; einmal wird sog'ar von 
geheimer Korrespondenz mit dem Papste gesprochen 2). 

Von den christlichen Staaten des östlichen Europas stand 
das Königreich Polen , das seit langem die türkische Allianz, 
d. h, die Erhaltung des Friedens an der tatarischen und der 
moldauischen Grenze, als unwandelbares Staatsprinzip betrachtete, 
in erster Reihe. 

Eine Gefahr für den Frieden an der Grenze bedeutete seit 
einiger Zeit das Vagabundengesindel christlichen Glaubens, meist 
griechischer Konfession, das auf den Inseln in der Nähe der 
Dnjeprkatarakte hauste und von seinen natürlichen Feinden und 
Nebenbuhlern im Sengen und Brennen ,,die Vagabunden", 
Kosak, genannt wurde. Es hatte sich nach der Vereinigung 
der tatarischen Macht in der Krim, nach 15 10, besonders stark 
entwickelt. Die polnischen Befehlshaber an den Ufern des 
Flusses, vor allen anderen Ostafej Daszkiewicz, bedienten sich 
seiner in den dreifsiger Jahren des Jahrhunderts des öfteren, 
ohne allerdings die Verantwortung für ihre Helden- oder Greuel- 
taten zu übernehmen, und suchten sogar diesen verlaufenen 
Bauern und Soldaten, diesen Berufsbanditen, eine festere mili- 
tärische Organisation zu geben. Doch waren sie bis zum Jahre 
1576 jedenfalls nicht regelrechte Truppen und wurden nicht 
vom Reiche Polen besoldet. Die ,,Zaporozanen" , die ,, Be- 
wohner der Porogs", d. h. Katarakte des Dnjepr, verstanden 
mit ihren langen Lanzen und Büchsen sowohl zu Fufs als zu 
Pferd zu kämpfen und fuhren als Piraten, wie die Nazadisten auf 
der Donau, auf kleinen Scheiks, Booten, bis weit ins feind- 
liche Gebiet hinein , um Beschäftigung , Gewinn und Ehre zu 
suchen ^. 



i) Charriere U, S. 512, 537, 618. — Ein falscher türkischer Gesandter 
weilte 1557 in Ferrara ; ebenda S. 381. Später kam eine Gesandtschaft des Prinzen 
von Oranien , des Führers der Reformierten in den Niederlanden, nach Konstan- 
tinopel ; ebenda III, S. 59, 199, Anm. 

2) Hurmuzaki II '^j S. I18, J. 1553. 

3) Vgl. auch meine „Pretenden^i domnesti", „Denkwürdigkeiten der rum. 
Akademie" XIX, S. 203 — 204 = ii — 12. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 111 

Häufig- fanden sie in den Moskowitern Alliierte in ihrem 
Kriege geg-en die Tataren, gelegentlich auch wohl gegen die 
Türken in Kaffa, aus welchem Hafen Galeeren und kleinere 
Schiffe mit Korn, Holz, Pelzwerk und Kaviar nach Konstanti- 
nopel auszulaufen pflegten i). Zwar liefsen sie Karawanen des 
,,Grofskaufmanns" in Konstantinopel, eines Armeniers oder 
Griechen, der von der kaiserlichen Khasna jährlich 14000 Du- 
katen erhielt und nach Moskau reiste , um kostbare Zobelpelze 
und andere Waren des Nordens einzukaufen, unbelästigt passieren; 
denn das Unterfangen, diese aufzuhalten, hätte leicht einen Ver- 
nichtungskrieg- gegen sie heraufbeschwören können -). Aber 
tatarische Rotten, die mit Beute und Sklaven nach Hause zu- 
rückkehrten , private Handelsleute , Moslems oder christliche 
Untertanen des Sultans , mufsten den Kosaken Zoll von ihrer 
Habe und ihrem Gewinne entrichten. Die Grenzfestungen des 
Königreichs Polen dienten ihnen zum Unterschlupf; in Braclaw, 
Kaniew und Tscherkask hatten sie Freunde, die ihnen Zu- 
flucht boten und denen sie ihre Beute zu niedrigen Preisen ver- 
kauften. 

Einen anerkannten Führer, einen erwählten lebenslänglichen 
Hetman hatten sie noch nicht. Es fand sich vielmehr stets 
ein tapferer, ehrgeiziger, armer oder verschwenderischer und zu 
Abenteuern geneigter polnischer Edelmann, der sie für seine 
mehr oder weniger erreichbaren Zwecke anzuwerben beieit war. 
Der erste, der dies tat, war Albrecht Laski, ein Verwandter des 
erfahrenen Diplomaten Hieronymus Laski , dem er im übrigen 
recht unähnlich war 3). Mit einigem Talent begabt, aber ohne 
Beständigkeit und unruhigen Sinnes, jagte er nach Ruhm: gegen 
die Tataren , deren Bollwerk Oczakow am Dnjepr er angriff, 
gegen die Kaiserlichen und den Moldauer Alexander Läpus- 
neanu — gegen diesen letzteren leistete er dem Despoten Hilfe 
und wurde dafür im Besitz des wichtigen Hotin beslätig-t und 



i) Hurmuzaki XI, S. 63, Nr. lxxxix. 

2) Ebenda, Suppl. II, I, S. 217—218. 

3) Eine Biographie Laskis von Albrecht Kraushaar, Olbracht Lacki, 
Wojevoda Sieradzki (Warschau-Krakau 1882), 2 Bde. (mir unzugänglich). 



113 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

als Erbe des moldauischen Fürstenstuhls anerkannt ^) — , und 
die Kosaken fanden mehr als einmal einen beliebten Führer in 
ihm. Ein anderer polnischer Edelmann, Pretwitz, streifte gegen 
1554 ebenfalls mit Kosaken im tatarischen Gebiet umher-). Sie 
fanden endlich in dem Russen Dimitraschko Wiszniewiecki, dem 
Bruder des Starosten von Tscherkask, der Stephan, den grofsen 
Fürsten der Moldau, zu seinen Vorfahren zählte, einen beständigeren 
Hauptmann. 1549 ging er von den Polen, die ihm die Statt- 
halterschaft von Kanievv und Tscherkask verweigert hatten , zu 
den Türken über; 1560 stand er wieder auf christlicher Seite 
und es hiefs, dafs er Tana-Azow, das tatarische Asak, angreifen 
werde '^). Als die Regierung des Despoten zu Ende war und 
bereits Stephan Tomsa an der Spitze der rebellischen Bojaren 
stand, fiel Wiszniewiecki, der die Polen wiederum verraten hatte, 
um den Moskowitern zuzuziehen, von einer anderen Partei der 
Bojaren gerufen und mit grofsen Versprechungen gelockt, in die 
Moldau ein. In seinem Gefolge befanden sich sein polnischer 
Freund Piasecki und 3000 Reiter, meist Kosaken; auch führte 
er einige Stücke Artillerie mit. In einem Treffen mit dem 
stärkeren Heere seines Nebenbuhlers wurde er am Serethfluls 
gefangengenommen , mit seinem Gefährten nach Konstantinopel 
geschickt und hier, trotz aller Verwendungen und Fürbitten der 
Polen, zu einem grausamen Tode verurteilt; zweihundert seiner 
Soldaten wurden türkische Sklaven ^). 

Solche Friedensverletzungen bei der Pforte zu entschuldigen, 
gingen einfache Agenten , öfter noch vornehme Gesandte mit 
zahlreichem Gefolge, nach Konstantinopel und überbrachten dem 
Sultan Zobelpelze, vergoldete silberne Becher, Jagdhunde und 

1) Siehe „Pretenden^I domne^ti" a. a. O. S. 221 — 222 = 29 — 30; für 
Otschakow Hammer II, S. 212. 

2) Hurmuzaki XI, S. 48. 

3) Ebenda II, S. 362; vgl. Suppl. I, I, S. 18, Nr. xxxm; Charriere 
II, S. 632, 647—648, 651, 672. 

4) Siehe meine „Nouveaux materiaux pour servir ä l'histoire de Jacques Ba- 
silikos rH^raclide, dit le Despote" (Bukarest 1909), S. 8ff. ; Legrand, Deux 
vies de Jacques Basilicos, Paris 1889, passim ; Hurmuzaki, Suppl. I, I, 
S. 18 — 19, Nr. XXXIV— XXXV. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 113 

weifse Falken i). So suchte Nikolaus Bohusz 1550 seinen König- 
des Angriffs auf Otschakovv wegen zu rechtfertigen -). Durch 
Stanislas T^czynski wurde im Namen des neuen Königs Sigis- 
mund August der alte Waffenstillstand über das Jahr 1553 hinaus 
erneuert, — selbstverständlich nach türkischem Brauche nur „bis 
zum Ableben des Königs und des allmächtigsten Kaisers der 
Türken" •^). 1563 kam Georg Jaszlowiecki nach Konstantinopel, 
um für Dimitraschko Verzeihung zu erbitten ; dennoch wurde 
dieser, wie gesagt, als Verräter am osmanischen Reich behandelt. 
Ende 1564 erfolgte eine neue Bestätigung des Friedens*), weil 
Selim , der älteste Sohn Solimans , zum designierten Nachfolger 
ausgerufen worden war und der jetzt vereinbarte Waffenstillstand 
auch für die künftige Regierung desselben rechtsverbindlich sein 
sollte 5). 

In den Türken erblickten die Polen ihre natürlichen Alliierten 
gegen die Moskowiter, die ihrerseits in den Tataren den Erb- 
feind ihrer Nation hafsten ^). 1552 hatten die letzteren die mos- 
kowitischen Grenzen angegriffen und viele Tausende von Sklaven 
in die Krim fortgeschleppt '). Nach einem russischen Rache- 
zuge zu Anfang des Jahres 1557 *) fielen 1559 die wilden Krieger 
des Khans wieder in die Besitzungen des Zaren ein, zur Winter- 
zeit, wenn ,, die armen Landeseinwohner, ihrer Gewohnheit nach, 
an nichts anderes als an gutes Essen und vieles Trinken zu denken 
pflegen" ^). Freilich hatten die Moskowiter vorher Azow und 
Kaffa bedroht ^^), wo, wie in Tana, ein Beglerbeg untergeordneten 
Ranges waltete, der aber anderen Offizieren gegenüber eine 
selbständige Stellung hatte ^^). Im nächsten Jahre soll sogar der 



1) Charri^re II, S. 758. 

2) Ebenda S. 11 1; Hammer II, S. 212. 

3) Hurmuzaki, Suppl. II, I, S. 202; XI, S. 47, Nr. lxvi. 

4) Ebenda S. 226 — 227, 243 — 244. 5) Ebenda S. 251 ff. 

6) Vgl. Charriere II, S. 17. 

7) Hurmuzaki II, S. 281, Nr. CCLXI. 

8) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 230. 

9) Charrifere 11, S. 449, Anm. 

10) Ebenda S. 464, Anm., 473, Anm. 

11) Alberi S. UI, Bd. I, S. 124—125. . 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. ö 



114 Erstes Buch. Drittes Kapitel. 

moldauische Fürst Befehl erhalten haben , den Tataren gegen 
die Moskowiter beizustehen ^). 

Als in den sechziger Jahren endlich der Krieg zwischen 
Moskau und Polen ausbrach, verlangte Sigismund August im Jahre 
1564 durch eine prunkvolle Gesandtschaft bewaffnete Unter- 
stützung; Jaszlowiecki erhielt das Versprechen, dafs die Tataren 
von neuem das Gebiet des benachbarten christlichen Zaren an- 
greifen würden -). 

So entsprach dem" westlichen Allianzsysteme mit den Christen 
in den letzten Regierungsjahren Solimans ein östliches. Das 
osmanische Reich nahm anerkanntermafsen an dem neuen po- 
litischen Leben in Europa teil, das auf diplomatischen Beziehungen 
und wechselseitigen, oft erneuerten Staatsverträgen beruhte. Es 
war das grofse Verdienst des jetzt bereits kranken und müden 
Kaisers des mosleminischen Ostens und der kämpfenden osma- 
nischen Kriegerklasse, dies erreicht zu haben. 

Schon seit den ersten Jahrzehnten der langen und glor- 
reichen Regierung Solimans hatte die Stellung des osmanischen 
Reiches in Europa endgültig festgestanden. Keine christliche 
Macht war imstande, gegen die Osmanen die Offensive zu er- 
greifen, um ihren Besitzstand gewaltsam zu schmälern. Alle 
diplomatischen Kombinationen rechneten mit dem Fortbestande 
des osmanischen Reiches in seinen natürlichen Grenzen , die 
denen des byzantinischen Reiches entsprachen und nur in Ungarn 
über sie hinausgingen. Für Frankreich und andere Staaten war 
das Bestehen einer solchen politischen Bildung im europäischen 
Osten eine absolute Notwendigkeit. Die Protestanten Deutsch- 
lands brauchten , trotz aller Ermahnungen und Prophezeiungen 
Luthers, der in dem ,, Türken" den zweiten Antichristus nach 
dem ,,Babste" sah^), den Sultan als Nachbarn ihres FCaisers, 

1) Hurmuzaki VIII, S. 85, Nr. cxin. Die polnischen Könige erklärten, 
dafs die Moldauer ihnen zwar Untertan seien , aber nicht wie andere Untertanen, 
und sie ihnen somit nicht befehlen könnten; ebenda XI, S. 48, 67. 

2) Char r i ere II , S. 758. Der Gesandte hatte weiter den Auftrag, mit 
Sultan Selim in dem bereits erwähnten Sinne über den erneuerten Waffenstillstand 
zu verhandeln. Ebenda S. 760. 

3) Siehe seine 1529 erschienene Predigt an die Deutschen. 



Weltstellung des osmanischen Reiches unter Soliman usw. 115 

um nicht in kurzer Zeit der Glaubensfreiheit verlustig- zu gehen. 
Im politischen Gleichgewicht, das für das von den Prinzipien 
und Vorurteilen des JVIittelalters befreite neue Europa immer 
mehr zu einem Dogma wurde, nahmen die Türken und ihr „all- 
mächtigster" Kaiser und Padischach ihre bestimmte Stelle ein, 
die niemand mehr glaubte, ihnen streitig machen zu sollen oder 
zu können. 



8* 



Viertes Kapitel. 

Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren der Re- 
gierung Solimans. Streit um die Thronfolge zwischen 
dessen Söhnen. Persische Wirren. 



Weit wenig-er sicher war die asiatische Stellung dieses 
durch Solimans Klugheit zu einem wirklichen Kaiserreiche ge- 
wordenen Staates, der aus den Eroberungen einer Klasse von 
Kriegern hervorgegangen war, die die Macht in Händen behielt 
und die höchsten Ämter nur den Sklaven des Oberfeldherrn 
anvertraute. 

Hier, in Asien, lief vom Tigris und Euphrat ausgehend 
eine alte Grenze zwischen zwei feindlichen Reichen hin. Bis weit 
östlich in die turkmenische Wüste erstreckte sich ein anderer 
mosleminischer Staat, mit älteren Traditionen als der der Sultane, 
mit einer allgemein verehrten Dynastie, einer stolzen Ritter- 
klasse, die die Spahis an Bildung und adligem Sinne weit über- 
traf, und einer arbeitsamen Bevölkerung, die in den Werkstätten 
einer kunstvollen Industrie die Geheimnisse der alten iranischen 
Kultur mit den Erfindungen der Araber vereinigte. Selbst ein 
Schach wie Thamasp (Tahmasp) , der in seinem Palaste unter 
Frauen und Zauberern ein träges Dasein hinlebte, wurde von 
seinen Untertanen abgöttisch verehrt ^) : küfsten sie doch die Tür 
der königlichen Wohnung- und benutzten das Wasser, worin 
Thamasp sich gebadet hatte, zu allerlei Heilkuren -). 

Zugleich vertrat dieses Reich der Schache, der Sufis, dieser 

i) Vgl. Navagero in Alb^ri S. III, Bd. I, S. 85: „poco manco che 
adorato ". 

2) Busbecq S. 154 ff. 



Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren Solimans usw. 117 

von den Türken immer beargwöhnte und bekämpfte Staat der 
„Kasilbaschen", eine andere Form des Islams, als die von 
den Osmanen anerkannte ; wie diese jene als Häretiker und Pro- 
fane verschrien , so sahen jene im Sunnismus des neuen Padi- 
schachs, seiner Krieg-er und Sklaven nur eine grobe Vulgari- 
sation des wahren, echten, reinen Glaubens, und mehr als einmal 
erzeugte der Schiismus in seinen Anhängern einen Fanatismus, 
der vor keinem Opfer zurückschreckte, während bei den Türken 
die nüchterne Staatsräson dem gefährlichen Überschwang weniger 
Raum gab. 

In Kleinasien besafsen die Perser zahlreiche Freunde , die 
ihre Invasion als grofses Glück und wahre Erlösung betrachtet 
hatten , vor allem , weil in dem losen feudalen Staatsgefüge im 
Osten von so harten und rücksichtslosen Gesetzen über Ab- 
gaben und militärischen Dienst nicht die Rede war, wie sie im 
Osmanenreiche bestanden. Auch gab es in Kleinasien manche 
Schiiten, und in dem Hause eines solchen, in dem Soliman ab- 
gestiegen war, wurde nach seinem Abzüge gereinigt. Ein 
Perser ist soviel wie zwei, drei Osmanen wert, sagten die dortigen 
Bauern ^). 

Entscheidend aber war, dafs gegen Ende der Regierung 
Solimans der alte asiatische Separatismus in dem Ehrgeize der 
drei Söhne des Sultans neue Nahrung fand und wieder auflebte. 
Solimans älterer Sohn, Mohammed, der Schach-Zadeh, ruhte seit 
langem (1542) in der eigens für ihn gebauten und nach ihm ge- 
nannten Moschee neben der alten Janitscharenkaserne '-). Seine 
Brüder aber mufsten , da die Erbfolge der Herrscher nicht ge- 
setzlich geregelt war, notwendig miteinander in Konflikt geraten. 
Ein Bruderkrieg war unvermeidlich, und das kränkliche Aussehen 
des Vaters in seinen letzten Jahren — unehrerbietig genug 

i) Busbecq S. 60: „populi illi asiatici religionem imperiumque Otho- 
manorum gravate ferunt." „Ycelluy Sophy est grandement ayme et desire de tout 
le peuple"; Charriere II, S. 41 ; „La maggior parte dei Turchi h inclinata al 
Sofi, perche vedono e intendono come son ben trattati li suoi sudditi da lui"; 
Alberi S. III, Bd. I, S. 86 — 87; vgl. auch das Zeugnis Rustems, ebenda S. 170, 

2) Leunclavius Sp. 794; Alberi S. III, Bd. I, S. 116. 



118 Erstes Buch. Viertes Kapitel. 

nannte ihn der französische Gesandte La Vig^ne: le p au vre 
bonhomme — beschleunigte seinen Ausbruch. Als Nachbar 
des Gebietes, in dem der Kampf zum Austrag" kommen mufste, 
wie auch als Oberherr der unruhigen christlichen und mosle- 
minischen Bevölkerung in den Fürstentümern des Kaukasus und 
des armenischen Gebirges , konnte der Schach in dem Wett- 
bewerb um den konstantinopolitanischen Thron eine Rolle spielen, 
deren Bedeutung er wohl erkannte, und die zu übernehmen er 
nicht zögerte. 

Auch nach dem letzten , zwischen Soliman und Schach 
Thamasp abgeschlossenen Waffenstillstände ^) hatten die Zu- 
sammenstöfse zwischen Persern und Georgianern oder Kolchen, 
Mingrelen, Albanen, Iberen, wie sie in den gleichzeitigen Quellen 
abwechselnd genannt werden, ihren Fortgang genommen -). Bei 
diesen kaukasischen Völkerschaften war der beständige innere 
Zwiespalt übrigens ein natürlicher Zustand; sie töteten sich 
wechselseitig ihre Krieger und Könige , und Unternehmungen, 
bei denen sie ihre schweren Panzer, ihre schönen Säbel, ihre 
Geschicklichkeit im Schiefsen und Gebrauche der Lanze, ihre 
Meisterschaft über schöne wilde Pferde zeigen vermochten, können 
jedenfalls als edlere Betätigung gelten gegenüber der Unsitte, 
sich in Wein zu berauschen und zu plündern und zu rauben '^). 
Jeder Streifzug in Feindesland gab den Sängern neues Material 
zum grofsen nationalen Epos ^). 

Die osmanischen Befehlshaber und Prinzen, denen, wie 
Mustafa, dem älteren Sohne Solimans, ferne östliche Provinzen 
in Asien anvertraut wurden, trugen kein Bedenken, einen König 
,,Dadian" ^) oder andere christliche Talfürsten, im offiziellen Stil 
,, Könige" derselben Art*'), gegen den Schach zu unterstützen. 



i) Siehe Bd. 11, S. 364—365. 2) Charriere I, S. 469. 

3) Busbecq S. 117 ff. Siehe im allgemeinen über die persischen Zustände 
Trevisano in Alberi S. III, Bd. I, S. 168 ff. 

4) Busbecq S. 120. 

5) Über den Sinn des Wortes Dadian siehe Alberi XIII, S. 314. 

6) Über den Dadian , der die osmanische Allianz bald wieder aufgab , siehe 
auch Alberi S. III, Bd. I, S. 279. 



Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren Solimans usw. 119 

und zum Zeichen der Dankbarkeit wurden dem mächtig-en Alli- 
ierten abg-eschnittene Köpfe , Nasen und Ohren überschickt ^). 
Auch an dem Kampf zwischen dem persischen Herrscher und 
seinen Brüdern (1543) nahmen die benachbarten osmanischen 
Befehlshaber teil, und einer der besiegten Prinzen fand im tür- 
kischen Amid Aufnahme -). 

Wahrscheinlich war dies Elkafs - Mirza , der bis dahin Ver- 
walter von Schirwan gewesen war und durch das Land der 
Tscherkessen und über das tatarische Kaffa 1546 nach Kon- 
stantinopel kam •^). Hier wurde er als künftiger Schach von des 
türkischen Kaisers Gnaden mit aufserordentlichen Ehren und Ge- 
schenken empfangen "*). Soliman behandelte den fremden, ketze- 
rischen Prinzen, dessen Familie vom Schach hingemetzelt worden 
war, als intimen Freund, der der Zerstreuung, des Trostes und 
der Ermunterung bedarf; man sah beide Ausfahrten durch die 
Strafsen der Hauptstadt und die umliegende Gegend unter- 
nehmen ■'). Und trotz der schon allgemein bekannten Zwistig- 
keiten seiner Söhne untereinander ^) und der Unruhen bei Bas- 
sora '), liefs sich der Sultan durch die Hasseki, den Wesir Rustem 
und den Perser Ulama, welcher jetzt über Bosnien herrschte^), 
zu einem neuen asiatischen Zuge bewegen. 

Am 29. März 1 548 setzte SoHman über den Bosporus ^). 
Über Konieh zog er nach Siwas, wo er mit seinen drei Söhnen, 
Mustafa, Bajesid und Selim, anlangte. Während der letztere 
dann nach Europa ging, um hier den Vater zu vertreten, trat 
dieser den langen Marsch nach Amasieh an, dessen Lehmhütten 

1) Charriere I, S. 473. 

2) Vgl. Hammer I, S. 670. 

3) Leunclavius Sp. 795, 

4) Ebenda; vgl. nach osmanischen Quellen Hammer II, S. 207 — 208. 
Empfänge persischer Gesandter, Busbecq S. 57 — S^. 

5) Charriere II, S. 22, Anm., 34 — 35. 

6) Ebenda S. 7, 12. 

7) Ebenda S. 45—46. 

8) Ein Perser Esedullah gofs bei Stuhlweifsenburg kleine Feldgeschütze für 
die Türken ; nach Hammer. 

9) Charriere II, S. 50. 



130 Erstes Buch. Viertes Kapitel. 

sich Über Trümmern antiker Säulen erhoben i). In Erzerum wurde 
Ulama zum Beglerbeg der armenischen Gebietsteile eingesetzt. 
Während der bei Tebriz lagernde Schach sich vorsichtig zurück- 
zog, um nicht wie sein Vater Verluste in offener Schlacht zu 
erleiden -) , ging Ulama (im Juni) mit dem Beglerbeg Piri von 
Karaman gegen die starke Festung Wan vor. 

In Erzerum verfügte der Sultan über ein Heer, das der 
französische Gesandte Aramont als Augenzeuge auf 300 OOO Mann 
schätzte; jedenfalls waren 60 OOO Zelte notwendig, es zu be- 
hausen; Kamele schleppten die 300 Geschütze, vor denen als 
etwas Ungewohntem die persische Armee grofse Furcht hatte 
und die auch den Widerwillen der asiatischen Soldaten der 
Osmanen erregten ^). Soliman setzte in Schirwan einen Befehls- 
haber persischer Nationalität ein, den Schach Thamasp mit seinem 
Hasse verfolgt hatte ; die reiche Stadt Tebriz wurde von den 
Osmanen erobert und dem Prinzen Elkafs übergeben. Wan sollte 
dagegen dem Reiche verbleiben, und Soliman vertraute es dem 
Tscherkessen Iskender - Pascha an ; ein anderer Tscherkesse er- 
hielt für seine Verdienste in diesem Kriege Alep ^). 

Thamasps Heer aber blieb von diesen Erfolgen unberührt 
und konnte seinerseits ungestraft ganze Provinzen am alten Chleat 
(Achlat) verheeren. Dazu kam, dafs die Janitscharen trotz ihrer 
bewunderten Disziplin ^) gegen diesen Krieg waren , der ihnen 
keine Beute und keine Sklaven einbrachte, weil die Feinde 
Moslems waren. Der Marsch über das Gebirge war aufser- 
ordentlich schwierig; Aramont sah überall — ,,chose fascheuse 
et desplaisante ä voir" — unzählige Leichen von Menschen und 
Tieren am Wege liegen *^). Ferner mangelte es an Lebens- 
mitteln, so einfach und frugal die osmanischen Krieger auch 



i) Busbecq S. 52ff. ; vgl. über Nikäa, Nikomedien und ihre aufs roheste 
mifsachteten Altertümer das Urteil dieses Kenners; ebenda S. 40 ff. 

2) Busbecq sah bei den Türken ein Mosaikbild, das die Schlacht von 
Tschaldiran darstellte; S. 37, 

3) Busbecq S, I16; Charri^re II, S. 61 — 62, 64, 68. 

4) Hammer II, S. 209 — 210. 

5) Siehe auch Busbecq S. i4off,, 148, 151, 153, 157 — 158. 

6) Charriere II, S. 69 und Anm. 



Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren Solimans usw. 131 

lebten ^). Die kostbaren Geschenke des persischen Prinzen, die 
Freude, seinen geliebten Sohn Selim bei sich zu haben, konnten 
Soliman nicht für die Strapazen eines Feldzugs entschädigen, 
der den Türken und ihren Alliierten zwar einige Schlösser ein- 
brachte , aber die militärische Stärke Persiens bis jetzt keines- 
wegs geschwächt hatte, da der Gegner ihm beständig an der 
Spitze von 60000 Mann frischer Truppen gegenüberstand -). 

Noch von Alep aus ordnete der Sultan (im Februar 1549) 
Siegesfeierlichkeiten in Konstantinopel an "'). Aber der nächste 
Frühling brachte keine Erneuerung der Feindseligkeiten mit sich, 
obwohl aus Europa neue Geschütze und die jüngsten Jahrgänge 
der Janitscharen , die vierzigjährigen Knaben , nach Asien be- 
ordert wurden. Elkafs galt jetzt als Verräter, und, als er erfuhr, 
dafs Ulama wegen Unfähigkeit und Feigheit in Ungnade ge- 
fallen war ^) , hatte er nicht den Mut , auf den Ruf des Sultans 
vor diesem zu erscheinen. Schliefslich , Ende 1550, nahm ihn 
einer seiner Brüder gefangen und überlieferte ihn dem Schach •''). 

Erst am 8. Juni brach Soliman von Alep auf, wo er mehr 
als ein halbes Jahr zugebracht hatte, und zog, unterwegs seiner 
Neigung zur Jagd frönend, nach Karahamid, wo er, wie in Wan 
und Erzerum , einen Grenzbeglerbeg einsetzte ''). Hier hielt ihn 
die Gicht längere Zeit fest, und es kam zu keiner kriegerischen 
Unternehmung. Das einzige, was in diesem zweiten Jahre des 
Krieges geschah , war ein Streifzug des Wesirs Ahmed nach 
Georgien hinein, wo er einige Schlösser besetzte '). Am 21. De- 
zember war der Sultan endlich wieder in Konstantinopel *). 



i) über die Nahrung der Janitscharen Busbecq S. 148; vgl. Charriere II, 
S. 83 mit Leunclavius Sp. 795 — 79S. Über die Schwierigkeiten der Ver- 
proviantierung in einem persischen Kriege Busbecq S. 99. 

2) Vgl. auch Hurmuzaki II, S. 248. 3) Charriere II, S. 88 — 90. 

4) Ebenda S. 96 — 98. Doch wurde er nicht hingerichtet. Er starb erst 
Dezember 1556 in der ihm anvertrauten asiatischen Provinz; „Mon. Hung. Hist." 
V, S. 239. 

5) Hammer II, S. 2io; Leunclavius a. a. O.; Charriere II, S. 136. 

6) Alberi a. a. O. S. 199; Charriere II, S. 99 ff. 

7) Hammer II, S. 210 — 211. 

8) „Mon. Hung. Hist." V, S. 335; Cliarriere II, S. 108. 



123 Erstes Buch. Viertes Kapitel. 

Wie es im ersten Kriege Solimans gegen die Perser eben- 
falls schon der Fall gewesen, ging nun seinerseits wieder Schach 
Thamasp gegen die zeitweilig von den Türken besetzten Schlösser 
und Städte , darunter Wan i) , angrififsweise vor. Der Beglerbeg 
von Erzerura sah sich nach einer verlorenen Schlacht von Prinz 
Ismail genötigt, sich zurückzuziehen-). Der nach Brussa be- 
orderte Sultanssohn Selim verhefs aber seine Residenz nicht, und 
als Soliman im Sommer selbst nach Kleinasien übersiedelte, ge- 
schah es nur, um dort dem Vergnügen der Jagd zu frönen ^). 

Auch im Jahre 1551 griffen die Perser die Grenzwächter 
an und brannten viele Dörfer nieder ^). Im folgenden Jahre 
verhinderten die Krankheit Solimans und in geringerem Mafse 
die Verwicklungen in Ungarn eine Erneuerung des Krieges ; 
mancher war der Meinung, der junge Sultan Mustafa (geb. 15 16) 
sei mit den asiatischen Reichsfeinden im Einverständnis, um später 
ihrer Hilfe gegen seine Brüder gewifs zu sein ^). Die Janitscharen 
Rusteras verliefsen diesen 1552 in Konieh, um sich dem jungen 
Herrn in Amasieh zur Verfügung zu stellen ''). 

Um dieses Vorgangs willen, nicht aber um den Gegner aufs 
neue herauszufordern — hatte doch ein persischer Gesandter soeben 
Audienz gehabt ') — , setzte Soliman am 28. August 1553 wieder 
über den Bosporus*); sein buckliger Sohn Dschihandschir, der 
den Vater oft durch seine Scherze belustigte, begleitete ihn >*); die 
Statthalterschaft Europas war diesmal Bajesid anvertraut worden ; in 
Konstantinopel selbst waltete Sinan, der Bruder Rustems i'^). 



i) Charriere II, S. in — 112, 124 — 125. 

2) Ebenda S. 115; Alberi a. a. O. S. 200—202. 

3) Charriere II, S. in, 118— 119. 

4) Ebenda S. 137 — 139; Hammer II, S. 228. 

5) Hurmuzaki U, S. 289 — 290, 290—291, 307; Alberi a. a. O. S. 115. 

6) Alberi a. a. O. S. 202 ff. 7) Charriere II, S. 277 — 279. 

8) Hurmuzaki 11^ S. iio; Albferi a. a. O. S. 207. 

9) Siehe über ihn Navagero in Alberi S. III, Bd. I, S. 77; Trevisano 
in derselben Sammlung S. 116 — 117, 174. Über Dschihandschir „il gobbetto", 
Gerlach S. 418. 

10) Siehe über den ganzen Feldzug die anonyme venezianische Erzählung in 
Alböri Serie III, Bd. I, S. 193 ff. 



Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren Solimans usw. 133 

Am 21. September stellte sich Selim bei seinem Vater ein; 
das öffentliche Gerede ging-, dafs die Sympathie der Truppen 
Mustafa gehörte, den man für fähig hielt, über die Perser den 
Sieg zu erringen. Mustafa wurde aus Amasieh eilig herbei- 
gerufen und erschien bald im Lager von Eregli (am 6. Ok- 
tober), keines Unheils gewärtig; viele seiner Frauen umgaben 
ihn bei diesem Besuche beim Vater. Als er das Zelt Solimans 
betrat, erwürgten ihn vor dessen Augen die Stummen des Serails, 
die solche Urteile zu vollstrecken gewöhnt waren, mit einem 
Bogenstricke als Verräter. Sein Kapudschibaschi und sein Im- 
rohor, der venezianische Renegat Michel^), starben zur selben 
Stunde und wurden auf einem Teppiche den Truppen öffentlich 
zur Schau gestellt. Als die Janitscharen murrten, erhielten sie 
ein Geschenk von 500000 bis 600000 Dukaten, und, um ihren 
Zorn von Rustem , dem habgierigen und harten Günstlinge So- 
limans, abzulenken -), wurde dieser und mit ihm der Wesir Haidar 
abgesetzt ; an seine Stelle trat Ahmed als erster Wesir ^). 

In Brussa suchte der Beglerbeg von Rum den vierzigjährigen 
Sohn Mustafas auf und liefs ihn ebenfalls hinrichten *). Die 
Provinz Mustafas erhielt Selim, dessen Mutter, die Hasseki, die 
,,Roxolane", die eigentliche Urheberin dieser Familientragödie 
war. Ein Fetwa des Muftis hatte Mustafa für einen Verräter er- 
klärt, der die kaiserlichen Insignien zu tragen sich erdreistet 
habe , und das Todesurteil über ihn und seine Familie aus- 
gesprochen. 

Durch dieses gemeine Verbrechen hielt Soliman den inneren 
Frieden und eine regelmäfsige Thronfolge für gesichert ^). Am 
5. November zog er, ohne eine Schlacht geliefert zu haben, 

i) Alberi a. a. O. S. 212. 

2) Vgl. Busbecq S. 26 — 27: „ acri ingenio praeditus et perspicaci." 

3) Eine Audienz ßusbecqs bei ihm in dem schon zitierten Werke desselben, 
S. 54 ff. 

4) Vgl. Charriere II, S. 277 — 278, 289 — 290, 290 — 291, 301—302; 
Busbecq S. 27, 29 — 32; Hurmuzaki II*, S. 127 — 129, 131 — 132; Alberi 
Serie III, Bd. I, S. 171 ff.; dann Bd. XII, S. 29; XIV, S. 149, 176—177; 
Gerlach S. 178; vgl. auch Navagero a. a. O. S. 78. 

5) Alberi Serie III, Bd. I, S. 224 ff. 



124 Erstes Buch. Viertes Kapitel. 

als Triumphator in Alep ein, wo er zum zweiten Male Winter- 
quartier nahm ^). Sein Gesicht war noch bleich, smarrito, und 
zeigte deutliche Spuren der überstandenen seelischen Krisis ^). 
In Alep starb sein jüngerer Sohn Dschihandschir , der immer 
gekränkelt hatte ■'). Selim, von zwei Nebenbuhlern um die Thron- 
folge befreit, durfte erleichtert und dankbar die Hand des Vaters 
küssen. 

Im Frühling 1554 schien dann Soliman gegen Jerusalem 
aufbrechen zu wollen , aber Rüstungen des Schachs , heilst es^ 
riefen ihn zurück ^). Jedenfalls war der Sultan zu einem Feldzug 
gegen Persien entschlossen. 

Diesmal ging Soliman nicht über Wan, sondern über Kara- 
hamid, Erzerum, die Festungen am oberen Euphrat, und das 
hohe Gebiet der wilden Kurden und vereinigte seine frischen 
Truppen mit denen, die der frühere Admiral ^) und nunmehrige 
Beglerbeg Rums, der ,, Priestersohn" Mehemed, aus dem bosnischen 
Sokol herbeigeführt hatte ; bald darauf traf auch Prinz Selim 
im Lager ein. Noch im F'rühling — die Nachricht kam im Mai 
nach Konstantinopel, wo Ibrahim statt des abgesetzten Sinan das 
Kommando führte — erreichte man die starke Festung Kars im 
armenischen Gebirge. Nachtschiwan, Eriwan (Juni), vom Schach 
kurz vorher geräumt '') , wurden in Trümmerhaufen verwandelt ; 
dann drang das Heer bis zu den von den Persern bewachten Ufern 
des Araxes vor '). Der kurdische Sultan Hussein zog raubend und 
brennend bis nach Tebriz hin und warf die Truppen der Provinz 
Khorasan zurück. Andere Streifkorps aus Bagdad drangen bis 
Hamadan. Die in Georgien eingefallenen Soldaten des Schachs 
sahen sich gezwungen, vor dem Wesir i\hmed, den rumischen 

1) Charriere II, S. 301 — 302. 

2) Alberi a. a. O. S. 230. 

3) Ebenda S. 236 — 237. 

4) Charriere II, S. 302, 310— 311, Anm. ; Alberi a. a. O. S. 238«. 
Auch soll Rustem die Erlaubnis verlangt haben, nach Mekka zu wallfahren; Hur- 
muzaki 11^, S. 172. 

5) Hammer II, S. 213. 

6) Vgl. Hurmuzaki IP, S. 238 — 239; VIII, S. 68, Nr. xc. 

7) Hammer II, S. 233fT.; Alberi a. a. O. Vgl. Hurmuzaki IP, S. 182, 
202, 204-205, 232, 234, 238 — 239; VIII, S. 68, Nr. xc. 



Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren Solimans asw. 125 

Truppen und denen aus Damaskus und Karamanien zurück- 
zug^ehen ^). 

Bereits am 28. September hatte der Schach seinem Gegner 
durch einen „Greis von hohem Rang-e" Frieden anbieten lassen. 
Nun wurde der Rückzug- ang-etreten und ein grofser Teil der 
Truppen schon in Erzerum verabschiedet. Den osmanischen 
Kriegern hatte ein F'etwa , ein Rechtsspruch des Muftis , ver- 
sprochen, dafs die persischen Ketzer ebenso wie die Christen 
mit Leib und Habe ihnen überantwortet werden sollten -). Die 
in Aussicht gestellte feierliche Gesandtschaft liefs aber bedenk- 
lich auf sich warten ■^). 

Den Winter brachte Soliman in Amasieh zu. Hier erschien 
endlich am 10. Mai 1555 ein zweiter Gesandter des Schachs mit 
reichen Geschenken und schön aufgesetzten Episteln über Religion 
und Politik ^), und am 29. des Monats kam ein endgültiger Friede 
mit ihm zustande , der die Grenzverhältnisse unverändert liefs. 
Am 20. Juni konnte sich denn Soliman nach Konstantinopel 
zurückwenden '"). 

Er fand bei seiner Ankunft in Europa (im August) nicht 
nur die Pest, die auf seiner Flotte Verheerungen anrichtete, 
sondern auch eine gefährliche Revolte vor, die im Namen seines 
hingerichteten Sohnes Mustafa ausgebrochen war. In der Do- 
brudscha, oberhalb Warnas , war ein junger Mensch aufgetreten 
und hatte sich als Sohn des Sultans ausgegeben, der den Henkern 
in Asien entkommen sein sollte. Als stattlichem Manne und 
tapferem Ritter gelang es ihm , nicht weniger als 14000 Spahis 
aus Bulgarien und den thrazischen Provinzen um sich zu sammeln. 
Der rumische Beglerbeg und der Wesir Mohammed Sokoli, 
vielleicht auch Pertew-Pascha mit treuen Janitscharen gingen gegen 



i) Ebenda; Hammer II, S. 236 — 237; Brief des Sultans an den König von 
Frankreich, Oktober 1554, in Charriere II, S. 324 ff., Anm. 

2) Navagero in Alberi Serie III, Bd. I, S. 86, 170 — 171. 

3) Alberi a. a. O. S. 263«. 

4) Vgl. „Mon. Hung. Hist." V, S. 32, 43. 

5) Ebenda S. 59 ff., 64, 69. 



136 Erstes Buch. Viertes Kapitel. 

ihn ins Feld ; doch sollte es zu keinem Kampf kommen : der 
falsche Mustafa wurde gefangengenommen und grausam er- 
mordet ^). 

Eine andere Frage , die den Sultan erwartet hatte , war die 
Regelung der Beziehungen zwischen seinen noch lebenden Söhnen. 
Dschihandschir war, wie erwähnt, aus Gram über die Hinrichtung 
Mustafas gestorben und wäre ohnedies seines physischen Ge- 
brechens wegen für die Thronfolge nicht in Betracht gekommen. 
Selim aber und Bajesid hafsten sich herzlich. Als der Vater 
den ersteren nach Kappadozien beorderte , weigerte sich der 
zweite, die ihm angebotene asiatische Statthalterschaft an- 
zunehmen -). SchhefsHch verglich sich Soliman mit dem jüngeren 
Sohn und liefs ihn in Bithynien, von wo aus er die Vorgänge 
in Konstantinopel besser zu seinem Vorteile beobachten konnte '^). 

Endlich mufsten die mit der Absetzung Rustems begangenen 
politischen Fehler wieder gutgemacht werden. Um einen Vor- 
wand nicht verlegen, gab man Ahmed-Pascha schuld, dafs der 
neue Pascha Dukaschin, der bald darauf, kaum zum Beglerbeg 
ernannt, starb, angeblich von Rustem vergiftet ^) , als Statthalter 
von Ägypten ein zu drückendes Regiment geführt habe ; Ahmed- 
Pascha habe sich mit hohen Einkünften aus diesem Teile des 
Reiches — 150000 Dukaten mehr als unter AU, der zum Wesir 
befördert worden war — bei der Pforte empfehlen wollen; und 
auf diese Anklage hin wurde er trotz seiner grofsen Leistungen 
in Ungarn und Asien vom Diwan verurteilt und hingerichtet. 
Sein Nachfolger war der energische und schlaue Rustem, von 
dem es mit Recht hiefs, er wisse den Sultan nach seinem Be- 
lieben zu bestimmen. So konnte der deutsche Vertreter be- 
richten, dafs Rustem am i. Oktober 1555 wieder zu „regieren" 
(regnat) begonnen habe ^). 

i) „Mon. Hung. Hist." V, S. 81—82, 86, 96; Hurmuzaki XI, S. 578; 
Busbecq S. 70 ff.; Alb^ri XIV, S. 134. 

2) Charri^re 11, S. 505 — 506, Anm. 

3) „Mon. Hung. Hist." V, S. 96. 

4) Ebenda VI, S. 239, 241. 

5) „Mon. Hung. Hist." V, S. 97—98, 113— "4, 116— 117; Busbecq 
S. 27: „consiliorum omnium auctor". „Unus ille traxit ad se omnia et impera- 
torem gerit"; Hurmuzaki U', S. 1 10. 



Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren Solimans usw. 137 

Das Wesirat Rustems, den die Hasseki bis zu ihrem Tode 
1558 1) unterstützte, bedeutete aber den Krieg- gegen Persien 
und die Verdrängung des Prinzen Bajesid im Kampf um die 
Thronfolge zug"unsten Selims. 

Gegen Ende des Jahres 1555 verlangte der Schach die 
Übergabe einer Grenzfestung, deren Besatzung bis gegen Tebriz 
hin Streifzüge zu unternehmen pflegte ; doch lud er seinen kaiser- 
lichen Nachbarn gleichzeitig zur Heirat des Sohnes mit einer 
kaukasischen Prinzessin ein-). Das Jahr 1556 schien einen Feld- 
zug" der ägyptischen Truppen gegen das arabische Jemen bringen 
zu sollen ^) ; im Herbst und Winter erwartete man einen neuen 
persischen Gesandten. Rustem erklärte damals ohne Umschweife: 
,,Der Perser wird niemals ein Freund des Sultans sein und nie- 
mals die Gelegenheit, ihm Schaden zuzufügen, versäumen^)." 

Es mangelte nie an Klagen aus Georgien als einem Vor- 
wand, die Feindseligkeiten zu beginnen ^). Dazu stand zu An- 
fang des Jahres 1557 auch in Asien ein falscher Mustafa auf, 
den die Tscherkessen unterstützten, weil des Prinzen Mutter eine 
Tscherkessin war; Perser, darunter zwei Söhne Thamasps, 
kämpften für seine Sache, und mit ihrer Hilfe gewann er das 
von Soliman, seinem angeblichen Vater, letzthin eroberte Schir- 
wan •'), Gleichzeitig trat der Schach die Erbschaft des Herrschers 
von Dschilan an und sammelte im Lager von Tebriz Truppen 
um sich '). Im März erschien aufserdem der Mingrelenkönig 
Dadian auf der Bildfläche , den die deutschen Gesandten unehr- 
erbietig genug mit einem Zigeunerwoiwoden verglichen, — ein 
halber Wilder, der aus seinem ererbten, durch Raub vermehrten 
und oft von anderen Räuberhäuptlingen wieder verminderten 

i) Charri^re II, S. 464, Anm. 

2) „Mon. Hung. Hist." V, S. 128; siehe auch S. 103 — 104. 

3) Hurmuzaki VIII, S. 76, Nr. xcix. 

4) „II Persiano mal sarä amico del Gran-Signor, et, ogni volta che potesse 
trovar occasione di far qualche bella botta, non mancharia di farla"; Hurmu- 
zaki II, S. 353. 

5) Ebenda. 

6) „Mon. Hung. Hist." V, S. 239, 244, 261. 

7) Ebenda S. 247. 



138 Erstes Buch. Viertes Kapitel, 

Schatze dem Sultan als einem Oberherrn , dem er Tribut ver- 
sprach, grofse Edelsteine schickte. Dieser ,, König Dadian", der 
übrigens Christ war, wollte sich mit Hilfe türkischer Schiffe an 
seinen Feinden, den benachbarten Königen, rächen, deren einer, 
der ,, König" der Kolchen, ihm den Vater getötet hatte ^); vom 
Schach war er überzeugt, dafs er ihm sein ,, Reich" zu entreifsen 
trachte -). Im Sommer aber beseitigte eine neue persische Ge- 
sandtschaft auch für dieses Jahr die Gefahr eines Krieges •^) ; 
einige christliche Agenten argwöhnten freilich, dieselbe habe ein 
paar armenische Schlösser, eine Berichtigung der Grenzlinie und 
das Sandschakat von ,,Babylonien" (Bagdad) verlangt^). 

1559 kam der lang genährte Hafs zwischen Bajesid und 
Selim endlich zum Ausbruch. Bajesid, 1524 geboren, glich 
Mustafa: eine edle, ritterliche Natur, die an ernsteren Studien 
Gefallen fand und darum den Beinamen Softa, ,,der Student", 
erhalten hatte, besafs er die Neigung der Soldaten, während der 
39jährige Selim, als ,,bon compagnon" seiner Freunde, ,,sich 
täglich betrank" •'') , auf reichliches Essen hielt und sich gegen 
jedermann brutal betrug. Mit dem Vater hatte er nur die Lust 
zur Jagd gemein, der er mit Hunderten und Tausenden von Be- 
gleitern frönte •"') ; man munkelte , er sei jüdischer Herkunft und 
anstatt eines verstorbenen echten Sohns des Sultans heimlich 
untergeschoben worden, Bajesids Abneigung, ihn über sich zu 
dulden, war berechtigt, und so herrschte zwischen den Brüdern, 
von denen einer in Magnesien - Manissa , der andere in Kiutajeh 
waltete, bereits seit 1558 ein ununterbrochener kleiner Krieg 
von Ränken, Gewalttätigkeiten und persönlichen Beleidigungen ''). 



i] „Mon. Hung. Hist." V, S. 249 ff. 

2) Ebenda. 

3) Ebenda S. 297 ff., 319 — 320. 

4) Ebenda S. 340 ; vgl. Busbecq S. 81 ff. 

5) Charrifere II, S. 468, Anm.; „religieux tyran et resvenu et qui ne fait 
jamais qu'estudier" ; ebenda S.469; ,,ventri et somno natus"; B usb e cq S. l6off. ; 
über das Alter der Söhne des Sultans siehe Alb tri Serie III, Bd. I, S. 116. 

6) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 231 ; Charritre II, S. 544, Anm. 

7) Busbecq S. 131 ff. 



Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren Solimans usw. 139 

Soliman hatte Selim , dessen Söhne unter seinen Augen in 
Konstantinopel erzogen wurden , nach Konieh , Bajesid dagegen 
nach Amasieh geschickt, um dem häfsHchen Zwiespalt den Boden 
abzugraben. Aber während sich jener in den Willen des Vaters 
fügte, zögerte Bajesid, sammelte ein kleines Heer und wollte 
Brussa an sich bringen. Pertew und Mohammed Sokoli gingen 
nach Asien, um die hadernden Prinzen miteinander zu versöhnen 
oder sie wenigstens zu bestimmen, voneinander getrennt in den 
ihnen neu verliehenen Provinzen zu bleiben. Dennoch, trotz 
der Vermittlung zweier Wesire und des rumischen Beglerbegs, 
war ein Zusammenstofs zwischen Selim und Bajesid unvermeid- 
lich. Letzterer hatte gegen 30000 Reiter um sich gesammelt 
und besafs unter den früheren Soldaten Sultan Mustafas und den 
Kurden Anhang. 

Der Plan Bajesids soll gewesen sein, nach Syrien und nach 
Ägypten überzusiedeln, dort seine Streitkräfte zu vermehren und 
die Schätze dieser reichen Provinzen in seine Hand zu bringen ^). 
Da aber die Tauruspässe gut bewacht waren, bemächtigte er 
sich Aksuwars, wo Selims Sohn befehligte, und schlug sein 
Lager vor Angora auf-). 

Bajesid hatte es vermieden, sich offen gegen den Vater zu 
erklären, diesen vielmehr, trotzdem sein Verhalten nichts anderes 
als Rebellion war, zur Feier der Beschneidung eines seiner Söhne 
eingeladen. Dem alten Sultan gereichte, besonders in seinem 
damaligen Geisteszustände '^) , der Bruderkrieg zur höchsten Be- 
trübnis. Liefs er doch gerade an seiner grofsen Moschee, seiner 
Wasserleitung aufs eifrigste arbeiten, gönnte sich keine musika- 
lischen Genüsse mehr, speiste nicht mehr von silbernem Gerät ^), 
verbot den Anbau von Wein aufs strengste und drang in allem 
auf pünktlichste Befolgung des ,, Gesetzes" ^). Öffentlich ver- 
richtete er jetzt auf dem Hügel von Pera das Gebet im Angesicht 



i) Busbecq a. a. O. und Charriere II, S. 549, 551, 553, 565, Anm. 

2) Busbecq a. a. O. ; Charriere II, S. 575, Anm. 

3) Vgl. auch Alberi XIV, S. 148. 

4) Busbecq S. 174. 

5) Vgl. Busbecq S. 174 — 175, 229; Charriere II, S. 474, Anm., 651, 
718 — Entlassung der Schuldner — , 733; Hur muzaki VIII, S. 90, Nr. cxx. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. 9 



130 Erstes Buch. Viertes Kapitel. 

einer zahllosen Meng-e, die den vom Alter gebeugten, von häus- 
lichem Unglück traurig gestimmten und in religiösen Träumereien 
befangenen Sultan voller Ehrfurcht anstaunte ^). 

Solimans Absicht war, aufs schnellste im Mai nach Asien 
hinüberzugehen '') ; die Flotte stand vor Gallipolis bereit ^). Aber 
die Gicht hielt ihn in Europa fest. So bekämpften sich Bajesid 
und Selim zunächst nur mit ihren eigenen Streitkräften. Beide 
verfügten über Janitscharen und Feldgeschütze, beide benutzten 
keine anderen Truppen als osmanische. Bajesid wurde am 
29. bis 30. Mai geschlagen, konnte sich aber in guter Ordnung 
zurückziehen. 

Am 5. Juni verliefs Soliman endlich Konstantinopel; doch 
hatte er es verschmäht, sich an die Spitze eines prachtvollen 
Gefolges zu stellen, wie die Sultane pflegten; nur einige tausend 
auserlesene Janitscharen und Spahis begleiteten ihn. Bajesid 
stand inAmasieh; die Sieger dachten nicht daran, ihn dort auf- 
zusuchen. Nach den Festlichkeiten des Bairams kehrte der Sultan 
wieder in seine Hauptstadt zurück, ohne nochmals sein eigenes 
Blut vergossen zu haben; vielmehr wurde Bajesids Sohn in Brussa 
von Offizieren des Grofsvaters aufs schonendste behandelt ^). 

Von Amasieh flüchtete Bajesid dann nach Erzerum, dessen 
Sandschak ihn einliefs ; Selim liefs diesen und seine zwei Söhne 
hinrichten. Denn der Beglerbeg Rums und Mohammed Sokoli 
waren dem Flüchtigen bereits auf den Fersen, der erst jenseits 
des Flusses Araxes auf persischem Gebiet Ruhe und Sicherheit 
fand. Es lag in der Natur der Verhältnisse, dafs er hier seine 
letzte Zuflucht suchte ^). 

Schach Thamasp hatte damit Gelegenheit erhalten, sich an 
Soliman für den, Elkafs-Mirza einst gewährten Schutz zu rächen. 
Zwar erfreute sich Bajesid der Freundschaft des persischen 



1) Charri^re II, S. 569, Anm. 

2) Ebenda S. 574. 

3) Ebenda. 

4) Busbecq S. 154«.; Charriere II, S. 575, Anm., 578, 590, 596—597,. 
Anm., 597, Anm., 598 — 599, Anm. 

5) Busbecq S. I58ff. ; vgl. nach türkischen Quellen Hammer II, S. 2645. 



Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren Solimans usw. 131 

Herrschers, der anfänglich sogar seine Tochter mit Urkhan, dem 
Sohne seines Gastes, hatte vermählen wollen, nicht allzulange. 
Vielmehr wurde Solimans unglücklicher Sohn sehr bald unter 
der Anklage, auch in Persien Unruhen angestiftet zu haben, ins 
Gefängnis geworfen, wo er lange Zeit schmachten mufste. 
Immerhin aber berechtigte die Tatsache seiner blofsen Anwesen- 
heit bei ihnen die Feinde des Reiches, die Zurückgabe Meso- 
potamiens, Bagdads, Wans und Erzerums zu erhoffen ^). 

So ging denn der Beglerbeg von Meraasch im Dezember 
1 560 als osmanischer Gesandter zum Schach, um die Auslieferung 
oder den Tod Bajesids und seiner Söhne zu verlangen; in seinem 
glänzenden Gefolge befanden sich der erste Kapudschi - Baschi 
des Serails, zehn Kapudschis, zwei Tschausche, zwei Tschisne- 
dschirs und sechzig Spahioglane ; sie brachten goldene und sei- 
dene Tücher, edelsteingeschmückte Schwerter, silberne, in ,, un- 
garischer" Art gearbeitete Becher und looooo Dukaten mit-). 
Damit war eine Folge von gegenseitigen Gesandtschaften glück- 
lich eröffnet : solche interessierten türkischen Gefälligkeiten beant- 
worteten die Perser ihrerseits damit, dafs sie Soliman mit kost- 
baren Teppichen und Zelten, Porzellanarbeiten, zahlreichen weifsen 
Falken für die Jagd des gichtbrüchigen Kaisers ^) und anderen 
seltenen Tieren des Orients — Busbecq spricht mit Verwun- 
derung von der „indischen Ameise, die grofs wie ein Hund 
sei" ^) — und mit schönen miniaturenreichen Koranhandschriften 
beschenkten ^). Während die Töchter Selims Mohammed So- 
koli, Piali und Hassan, den Aga der Janitscharen, welche der Re- 



i) Busbecq S. i6off. ; vgl. Charriere II, S. 621, 627, 666. Von einem 
angeblich von Bajesid an Genua und den spanischen Hof in Toledo geschickten 
Agenten v?eifs der französische Vertreter in Konstantinopel zu berichten; ebenda 
n, S. 630, Anm. 

2) Charriere II, S. 634, 636. 

3) „Bassarum iudicio ocii et quietis magis indigit quam non necessariorum 
militiae laborum"; Busbecq S. 163. Vgl. aber Hurmuzaki VIII, S. 91, 
Nr. cxxii ; Charriere U, S. 758, 781, 798 — 799. Über die Jagden Solimans 
Busbecq S. 83. 

4) S. 204 ff.; vgl. S. 36-37, 57-58. 

5) Ebenda; auch Charriere II, S. 657. Über den weiteren Verlauf der 
Verhandlungen ebenda S. 671 — 672, 677, 679. 

9* 



1S3 Erstes Buch. Viertes Kapitel. 

gierung- ihres Schwiegervaters wesentliche Dienste leisten konnten ^), 
heirateten , erhielt Soliman vom Schach das lange vergeblich 
begehrte Versprechen , er wolle Bajesid an seinem Hofe diirch 
den eigens zu diesem Zwecke übersandten hochgestellten Henker 
des Sultans erwürgen lassen -). Der Statthalter von Wan und 
Sinan-Aga, der Kapudschi-Baschi, richteten in der Tat am 25. Sep- 
tember 1561 ihren entsetzlichen Auftrag aus, und der in Brussa 
befindliche Sohn Bajesids teilte das Schicksal seiner vier Brüder •^). 
Nur die „ Pseudo- Mustafas " , deren bis 1566 immer neue 
auftauchten *), hielten nun noch Solimans Sorge um die Thron- 
folge wach. Erst nach einem Jahre überführte ein eigener per- 
sischer Gesandter Bajesids Asche nach Konstantinopel -'). Der 
Schach erhielt als Preis für die Ermordung seines Gastes nur 
einige Privilegien von geringerer Bedeutung, so besonders Er- 
leichterungen für die persischen Pilger, die nach den heiligen 
Stätten wallfahren wollten; doch befestigte er aufserdem an der 
osraanischen Grenze das Schlofs Kars, das ihm der Sultan, der 
den Ansprüchen des Nachbars jetzt wieder entschiedener ent- 
gegentreten durfte, streitig machte "). 

Einige Wochen darauf war Selim, der Freund des Schachs, 
der den ihm lästigen Bruder beseitigt hatte , Herrscher der Os- 
manen. Die Befürchtungen, dafs es zu einem asiatischen Kriege 
kommen werde, waren damit für längere Zeit hinfällig geworden. 

Nach einem Versuch der Perser, sich Wans zu bemächtigen '), 



i) Charriere II, S. 688, 691, 707 

2) Ebenda S. 694—695, 696. 

3) Busbecq S. 204ff.; Hammer II, S. 275; vgl. Hurmuzaki, Sappl. 
P, S. 15, Nr. xxvin; Charrifere II, S. 707; Hurmuzaki II, S. 414. 

4) Ein „belistre" 1564, Charriere II, S. 767 — 768, 770 — 771 ; einen 
anderen sandte Torghud, ebenda S. 784; ein dritter wurde im Juni 1565 gehängt, 
ebenda S. 790. 

5) Ebenda S. 709, 715. Ein weiterer Gesandter kam im März 1563; ebenda 
S. 723—724. 

6) Ebenda S. 726. Indische Gesandte führten über die Portugiesen Klage, 
ebenda S. 732. Persische Gesandte kamen auch im Oktober 1563; ebenda 
S. 740. — Vgl. Gerlach S. 130; AlböriXIV, S. 135, 148, 167—168, 183, 199 flf. 

7) Vgl. Hurmuzaki VIII, S. iii, 169, 174. 



Asiatische Verhältnisse in den späteren Jahren Solimans usw. 138 

und dem Ausbruch von Unruhen in Mesopotamien, die der 
Schach vielleicht direkt hervorgerufen hatte und an denen jeden- 
falls die Hoffnung- auf Unterstützung von persischer Seite mit 
Schuld trugi), traf im Februar 1568 Schach-Kuli als feierlicher 
Gesandter Thamasps in Konstantinopel ein, um einen endgültigen 
Frieden anzubieten. Sein Gefolge bildeten 400 Reiter, und er 
überbrachte prächtige Geschenke. So kam es sehr schnell zum 
Abschlufs eines Friedens, der für die Lebenszeit beider Herrscher 
Geltung haben sollte. ,,Bis zu seinem Tode verpflichtete sich 
der Schach, das Schwert nicht gegen den Sultan zu ziehen, und, 
wenn sich beide im Felde träfen, solle die Öffnung seines Zeltes 
nie gegen die Öffnung des Zeltes seines Bruders gerichtet sein, 
sondern dahin, wo er dessen Feind wisse -)." Die Turkmenen 
Ketsche und Jesil mufsten ihre Einfälle und Streifereien nun 
einstellen ^). 



1) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 237. 

2) „Quoadusque vivet, nunquam ensem suum stringet in illum, et, si forte 
contingeret eum cum ipso simul quopiam loco castra habere — huiusmodi enim 
metaphoris utebatur — nunquam portas tentorii sui oppositurus est portis eius 
tentorii, sed illas seniper vertet ad eam plagam in qua senserit illius hostes esse " ; 
ebenda S. 267; vgl. S. 237, 245, 250. 

3) Ebenda S. 268 — 269. Über Friedensstörungen des Jahres 1568 in der 
Provinz Bagdad siehe ebenda S. 271 — 272. 



Zweites Buch. 

Verfall des osmanischen Hauses und der 
leitenden Renegatenklasse. 



Erstes Kapitel. 

Sultan Selim 11. Seine Persönlichkeit und seine Um- 
gebung. Beziehungen zu den westlichen Mächten. 
Zyprischer Krieg. Schlacht von Lepanto. 



Der „Judensohn", der Trinker Selim war kein Mann der 
Kriege. Wie er es schon als Verwalter eines asiatischen Sand- 
schakats gehalten hatte, so war auch als Sultan sein Streben 
darauf gerichtet, sich in Ruhe den Freuden einer sorgfältig be- 
reiteten Tafel und des verbotenen süfsen Weines widmen zu 
können. Zu einem neuen Feldzuge, einer Vergröfserung des 
Reiches, einer Rechtfertigung seiner Thronbesteigung fühlte er 
keine Verpflichtung in sich. 

Auch fehlte dem neuen Herrscher der überragende Wille 
eines Grofswesirs, der ihn zum Kriege hätte anspornen können. 
Der Serbe Rustem war bereits am 8. Juli 1561 gestorben; der 
,,homme haguard" der Franzosen, der gefürchtete Tyrann der 
Venezianer, der von den deutschen Gesandten als brutal gehafste 
Unterhändler (tristis et atrox), der Mann, dessen ganzes 
Trachten nach Geld und Gefangenen für sich und seinen Herrn 
ging — hinterliefs er doch nicht weniger als 2000 Sklaven — , 
war mit ihm dahingeschieden ^). In Wirklichkeit freilich war er 
als Minister sparsam, als Ratgeber bescheiden gewesen, obwohl 
der Sultan ihn zu seinen Spazierritten hinzuzog, um Staatssachen 
mit ihm zu bereden 2). Alles in allem durfte er als kluger. 



i) Vgl. Busbecq S. 26 — 27, 176; Charri^re II, S. 661, 667; Alberi 
Serie III, Bd. I, S. 205. 

2) Dennoch war er nicht wie Ibrahim im Serail zugelassen worden; Alberi 
a. a. O. S. 90. 



138 Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

arbeitsamer Mann gelten , der die g-rofse Kunst verstand , sich 
seine Macht verzeihen zu lassen ^), Sein Nachfolger Ali , ein 
sanfter, alter Mann slawischer Herkunft aus Dalmatien , erzeigte 
sich den Gesandten gegenüber wohlwollend, höflich und dankbar ; 
seine Verwaltung war von kurzer Dauer, da er schon 1565 starb -). 
Auf ihn folgte Mohammed Sokoli, habgierig, energisch und 
verständig, dem die Soldaten den Beinamen ,,die lange Huhr" 
gaben ^). Einzig Lala-Mustafa , Selims Erzieher, der ihm durch 
Ränke und nützlichen Rat den Sieg über Bajesid gesichert hatte, 
ein ,, blutgieriger, grausamer, schamloser und untreuer" Mon- 
tenegriner, wie ihn die Venezianer, die viel von ihm zu leiden 
hatten, schilderten, trieb, als alter Günstling, der sich nicht wie 
andere des Vorzugs erfreute, mit dem osmanischen Hause ver- 
schwägert zu sein, grundsätzlich zum Kriege ^). 

Lala-Mustafa war es auch, der den Oberbefehl im Seekriege 
gegen Zypern führte, der einzigen kriegerischen Unternehmung 
unter Sultan Selim IL Veranlafst hatte er diese allerdings nicht. 

Auch auf Aufhetzung von selten einer der europäischen, 
Venedig feindlichen Mächte, etwa Frankreichs, ist die Eroberung 
Zyperns durch die Osmanen nicht zurückzuführen. Denn die 
unaufhörlichen inneren Religionskriege hatten die Geltung Frank- 
reichs bei den Türken fast völlig verschwinden lassen. ,,Der 
König von Frankreich täte besser, sich um seine eigenen An- 
gelegenheiten zu bekümmern", rief ein Wesir dem französischen 
Agenten zu '"). „Wir essen beide das Brot des Kaisers", warf ein 
Minister Solimans .ein andermal einem Gesandten vor, indem er 
höhnisch auf das ,,Tain" (den täglichen Vorrat), das den fremden 
Vertretern gegeben wurde, anspielte. Die Geschenke, die der neue 



' i) Ebenda, dann S. 121 — 122; vgl. ebenda S. 295; Navagero S. 89, 92. 

2) Charriöre II, S. 793; Busbecq S. 176, 183, 186, 213; Alb^ri 
a. a. O. S. 365; XIU, S. 28—29, 32, 64«.; XIV, S. 185. 

3) Hammer; vgl. über ihn Gerlach S. 38, 130, 378, 398; „Archiv für 
österr. Geschichte" LIII, 1875, S. 52 — 53; Pray a. a. O. S. 317. 

4) Alb^ri a. a. O. S. 366—367; Charriere III, S. 87ff., 1905; Ger- 
lach S. 30. 

5) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 261. 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 139 

Agent Grantrie de Grandchamp brachte, erreg-ten durch ihre Ärm- 
lichkeit Entrüstung' ^). Aufserdem g-ehörten Grandchamps Interessen 
weit mehr dem Plane einer Heirat mit der Tochter der reichen 
Witwe des früheren walachischen Fürsten Mircea Ciobanul, die ihm 
30000 Dukaten mitbring;en sollte, als den Staatsg-eschäften seines 
Herrn; er soll sogar das von Petru Schiopul, dem Bruder der 
Braut, besetzte Fürstentum der Walachei für sich selbst erstrebt 
und Sokoli viele Hug-enottenrotten dafür versprochen haben; so 
verfiel er dem Fluch der Lächerlichkeit, und die Wesire nahmen 
ihn nicht mehr ernst -). Eine zwischen den beiden Gesandten 
des König-s, Grandchamp und du Bourg", ausgebrochene Fehde 
gab Anlafs, die französischen Dolmetscher einzukerkern-^). Mit 
28 jährigen Günstlingen und Projektmachern liefs sich eben keine 
ernste Politik betreiben. Charakteristisch für den Mangel an 
Achtung gegen Grandchamp war, dafs er bei seiner Abschieds- 
audienz von Tschauschen einer körperlichen Untersuchung unter- 
zogen wurde; man wollte sich vergewissern, dafs er keine Waffen 
bei sich führe, weil man ihm zutraute, er möge seine Prahlereien 
gegen den Sultan bei der Gelegenheit verwirklichen wollen ^). 

1568 wurden die französischen Schiffe im Hafen von Alexan- 
drien mit Beschlag belegt; der Anteil Mohammed Sokolis an 
der Beute betrug allein 16000 Dukaten; alle fremden Schiffe, 
die nur unter französischer Flagge gesegelt waren, liefs man frei. 
Diese unerhörte Beleidigung eines befreundeten Herrschers durfte 
sich ein Günstling des neuen Sultans erlauben, um sich für eine 
alte Schuld auf dem Wege von Represalien bezahlt zu machen ^). 
Erst nach einigen Monaten, im Sommer 1 569, wurden die alten 
Peziehungen wiederhergestellt *'). 



i) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 134. 

2) Vgl. ebenda: „Affeetat quoque nuptias filiae Petri Vojvodae Transalpinensis 
et eum principatum, potitusque utroque desiderio, multas legiones Ugonottorum 
cum rebus et familiis suis Passae poUicetur . . . Cuius pleraque Passam ridere 
aiunt"; siehe auch ebenda S. 261 : ,,Odiosissimus Grandchamp"; auch Hurmu- 
zaki XI, S. 76 — 77, Nr. 117 — 118 und die Vorrede. 

3) Charriere III, S. 96 ff. und Anm. 
r. 4) Ebenda. S. 71. 

5) Ebenda S. 6off. ; Marcantonio Barbaro in Alberi S. 334. 

6) Charriere III, S. 64 ff. und Anm. 



i4fd Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

In Wirklichkeit handelte es sich bei dem Unternehmen geg"en 
Zypern für die Osmanen darum, aus dem Archipelagus und dem 
östlichen Mittelmeere die letzten Nebenbuhler, Spione und Piraten- 
beschützer christlicher Nation zu verdräng-en. Piali-Pascha hatte 
im letzten Lebensjahre Solimans, als eigentlich Selim schon die 
Leitung- der Reichsangeleg^enheiten hatte, Chios besetzt, ohne 
Widerstand zu finden. Im Verfolg" dieser Politik wurde jetzt 
auch Zypern angegriffen. 

Die treibende Kraft fand sich zur rechten Zeit. Selim be- 
safs seit seinem Aufenthalt in Asien einen Freund jüdischen 
Glaubens ^) , ein Verhältnis , das um so weniger verwunderlich 
ist, als Soliman selbst sich von der Chasseki leiten liefs , deren 
beste Freundin eine bekannte Jüdin und Verkäuferin im Serail 
war 2); der Reichtum dieser letzteren war so grofs, dafs sie den 
1540 niedergebrannten Palast sofort aus eigenen Mitteln wieder 
aufbauen lassen konnte^). Durch ,,tours judaicques", jüdische 
Kniffe, hatte der ,,Grofse Jude" Jose Miquez Einflufs auf den 
Sultan erlangt *). Er war ein portugiesischer Abenteurer, vorher 
Mitglied der Handelsgesellschaft in Lyon , der durch die reiche 
Mitgift einer gewissen Beatriz de Luna ein Faktor der osma- 
nischen Geschichte geworden ist. Schon vor Selims Regierungs- 
antritt war Miquez in der Lage, den Gesandtschaften Dienste zu 
erweisen und dem vertriebenen Alexandru Läpusneanu die Herr- 
schaft über die Moldau zu erwerben ^) ; er vermochte später 
Solimans Mafsnahmen gegen den Vertrieb von Wein rückgängig- 
zu machen und bereicherte sich durch Pachtung des Weinzolles *"). 
Sein Geld verwandte er unter anderem dazu , in Konstantinopel 
eine hebräische Buchdruckerei einzurichten , um die Bibel zu 
drucken. 



i) Charriere II, S. 183. 

2) Busbecq S. 145 — 146. 

3) Hurmuzaki 11, S. 215, Nr. CLXXIV; über den Brand vom 15. Sefer 
1540 siehe Leunclavius Sp. 784: im alten Serail wohnten nur Frauen. 

4) Siehe Charrifere II, S. 735. 

5) Vgl. ebenda S. 403, Anm., 415, Anm., 740, 742, 779, Anm. u. a. ; HI, 
S. 80 fr. 

6) Gerlach S. 303 ^ 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 141 

Es war sein Ehrgeiz , eine öffentliche Stellung im Reiche 
einzunehmen, und da er kein Moslem war und also weder Pascha 
noch Offizier des Serails werden konnte, so verlangte und erhielt 
er, den tributären Donaufürstentümern entsprechend, ein Herzogtum 
des Meeres, das nach dem der ehemaligen Herrscher von Naxos 
genannt wurde. 1566 hatte der letzte Herzog aus der Familie 
Crispo, Jacopo mit Namen, seine Inseln verloren ^). So wurde 
aus Jose Miquez der erlauchte Herr Don Jose, Herzog von Naxos, 
oder, nach türkischer Ausdrucksweise, Jose Nassi, Er entrichtete 
für Naxos, Faros, Milo, Syra, Santorino und Suda 6000 Dukaten 
Tribut 2) und liefs sich durch Francesco Coronello ^) vertreten. 
Nun griff er bis zu seinem im Sommer 1578 '^) erfolgten Tode 
mehr als einmal entscheidend in die Staatsgeschäfte ein. Zypern 
reizte ihn; der französische Vertreter schrieb 1569 wie von einer 
bekannten Tatsache, dafs sich der ,,Grofse Jude" mit dem Ge- 
danken trage, ,,tributärer König oder lebenslänglicher Verwalter 
der Insel" zu werden^). 

Die Existenz der Uskoken, der Heiducken des Meeres, ver- 
laufener türkischer Untertanen ^) , die die Schiffahrt an der dal- 
matinischen Küste gefährdeten und die doch kein Proveditore 
vernichten wollte oder konnte , bedeutete die beständige Mög- 
lichkeit eines Konflikts mit dem geschwächten und verachteten 
Venedig ^), dessen Bailo nur durch Bestechung in Konstantinopel 
etwas erreichen konnte ®). Dazu kam der unaufhörliche Streit 



1) Vgl. „Comm." VI, S. 327—328, Nr. 160. 

2) Alb^ri Serie III, Bd. I, S. 150. 

3) Ebenda Bd. III, S. 431 — 432, Anm. Zinkeisen III, S. 375, Anm. 

4) Alb^ri XI, S. 638, Anm. 

5) „Micques n'a poinct este si degoutte que de poulcer ä la roue , pour ne 
pas moings pencer que d'en demourer roy tributaire ou gouverneur perpetuel --, 
j'entends de Chippres", Charriere III, S. 87—88 und S. 88, Anm. Vgl. Al- 
beri XV, S. 390-39I; J- i573- 

6) Alberi Serie UI, Bd. I, S. 289. 

7) Vom „ affaiblissement de leurs forces et diminution de leur grandeur", 
schreibt ein französischer Gesandter schon 1547; Charriere 11, S. 21. 

8) Über die Uskoken in Segna (Zengg) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 267. Vgl. 
Hurmuzaki VIII, S. 67, 88; Busbecq S. 104, 200. 



143 Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

Über die Dörfer, die casali, bei Zara ^). Um 1550 gingen die 
Türken mit der Absicht um, Spalato zu schleifen ^). Auch brachten 
sie die Venezianer gern dadurch in Verlegenheit, dafs sie die 
für die Republik unentbehrliche Ausfuhr von Getreide verboten ^). 
Mehr als einmal fürchteten die Venezianer für Korfu, besonders 
als Torghud, der venezianischen Schiffen öfter übel mitspielte *), 
Sandschak von Lepanto geworden war; sie dachten 1550 daran, 
Butrintö zu befestigen. Später griff ein unvorsichtiger Seehaupt- 
mann der Republik bei Durazzo Piratenschiffe an ^). Fast jedesmal, 
wenn von gröfseren Rüstungen der osmanischen Flotte die Rede 
war, ging das Gerücht, dafs es auf Zypern abgesehen sei; bereits 
1562, noch vor der Thronbesteigung Selims, machte der Sekretär 
Donini auf dessen Absicht, Zypern zu erobern, aufmerksam^). 
Erfahrene Diplomaten, wie Cavallo, den ein französischer Kollege 
,,rescole des affaires du monde" ') nannte, wufsten die Gefahr noch 
hinauszuschieben — Cavallo glaubte sogar, dafs ein Angriff auf 
Zypern erfolglos sein werde ^) — , aber Mafsnahmen, wie die In- 
standsetzung des Schlosses Satalieh auf dem asiatischen Ufer der 
östlichen Spitze Zyperns gegenüber-'), liefsen schon 1564 fast 
unfehlbar erkennen, dafs die zyprischen Heldentaten gegen tür- 
kische Emire Asiens in den glorreichen Zeiten König Peters von 
Lusignan eine baldige Sühne finden würden. 1567, im ersten 
Regierungsjahre Selims, harrten mehr als 150 grofse Schiffe des 
Winkes, gegen Zypern die Anker zu lichten 1°). 

Wenn dennoch Mohammed Sokoli dem Bailo noch zu An- 
fang des Jahres 1570 von der Möglichkeit sprach, durch Er- 
höhung des Tributs von 3000 auf 4000 Dukaten die venezia- 



i) Charriere U, S. 117 — 118; auch im Jahre 1547; ebenda. 

2) Alb^ri, Serie III, Bd. I, S. 109. 

3) Navagero in Alberi S. 83—84, 183 — 184. 

4) Charriere II, S. 62; Jahr 1548. 

5) Siehe ebenda S. 113 und oben. 

6) „Avea piü volte detto di voler aggiunger a quell' impero l'isola di Cipro, 
per lasciar quelche segno di s^"; Alberi XIX, S. 182. 

7) Charriere II, S. 417. 

8) Alböri Serie UI, Bd. I, S. 282. 

9) Charriere II, S. 768. 

10) „Mon. Hung. Hist." VI, S. 76, 99, 142, 171 — 172. 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 143 

nische Herrschaft über Zypern zu retten , so war das ledig-lich 
eine List, die die Wachsamkeit der Republik einzuschläfern be- 
zweckte 1). So seg-elte im Frühling- 1570 Piali-Pascha, der Beglerbeg- 
des Meeres, durch die Meerengen; und nur ein Sturm verhin- 
derte ihn, das wahre Ziel der Pforte durch die Tat offenbar 
werden zu lassen -). Aber es bedurfte dessen eigentlich nicht 
mehr. Denn schon hatte Selim von den Venezianern die Aus- 
lieferung Zyperns förmlich verlangt ^). Den Vorwand hatte er 
in seiner Eigenschaft als Nachfolger der ägyptischen Herrscher 
gefunden, die die Insel erobert hatten *). Der Tschausch Kobad 
überbrachte der Republik den Befehl , Zypern unverzüglich zu 
räumen ^) , und das Fetwa des Mufti als verbindlichen Rechts- 
spruch ^). Gleichzeitig erhob er den Vorwurf, dafs die zyprischen 
Häfen Piraten Zuflucht und Unterstützung zu bieten pflegten. 

Die Flotte des Sultans wurde seit den sechziger Jahren von 
dem Beglerbeg des Meeres, deren erster Barbarossa gewesen 
war, g-eführt; ihm unterstanden die Sandschaks von Negroponte, 
Rhodos, Chios, Lepanto, Prevesa; 200 bis 250 aus dem kaiser- 
lichen Schatze bezahlte Reis hatten die Pflicht, auf Befehl des 
Admirals die Schiffe auszurüsten und zu bemannen '). In kür- 
zester Zeit konnte eine Flotte von 100 bis 150 Galeeren'^) im 
Archipelagus und Mittelmeer erscheinen. Die etwas später im 
selben Jahre 1570 unter Piali-Pascha, dem Piratenführer Ulud- 
schali , dem Wesir Mustafa ausgelaufene brachte ein zahlreiches 



i) Brosch, Geschichten aus dem Leben dreier Grofswesire, Gotha 1S99, 
S. 8. — Zypern und Zante zahlten 1558 zusammen 8000 Dukaten; Alb^ri 
Serie III, Bd. I, S. 150. Noch 1573 war schon der neue erhöhte Tribut verlangt 
worden; Albferi XV, S. 398. 

2) Brosch a. a. O. S. 9. 3) Charriere III, S. 102. 

4) Mas Latrie, Histoire de l'ile de Chypre II, Paris 1855, S. 565. 

5) Der Befehl ist in Alberi XII, S. 347, Anm. abgedruckt. 

6) Hammer; vgl. Foglietta und Paruta; Romanin a. a. O. ; Char- 
riere III, S. 102 fif. Der Bailo Marcantonio Barbaro hatte den Mufti freilich 
veranlafst, dem Sultan eine Unternehmung zugunsten der bedrängten spanischen 
Mohren zur wichtigsten Pflicht zu machen; Alberi XII, S. 324 — 325. 

7) Trevisano, 1558, in Alberi Serie III, Bd. I, S. 135 ff. 

8) Nach dem Wesirate Sokolis sogar 240 ; Charriere II, S. 136. 



144 Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

Heer nach dem Hafen Satalieh und von da weiter nach dem 
berühmten Famagusta, wo sich im Mittelalter die Kaufleute aus 
Osten und Westen zu begegnen pflegten ^). 

Die Insel Zypern war nach eigenem venezianischem Aus- 
druck zwar das entfernteste, aber auch das ruhmvollste und 
fruchtbarste „Reich" (regno) der Republik -). Getreide, Baum- 
wolle, Ol, Zuckerrohr, Leinen und Seesalz stellten seine wich- 
tigsten Einnahmequellen dar, aus denen jährlich mehr als 
360000 Dukaten netto in den Schatz flössen; auch die syrischen 
Waren gingen damals noch über den Hafen Saline ^). Waren 
die meisten Städte auch bereits verfallen, so bildete Zypern 
für Venedig doch immer ein unschätzbarer Besitz. 

Der Zustand der Verteidigungswerke entsprach dem Wert 
der Insel nicht. Nur Famagusta hatte noch alte Mauern; um 
Nikosia waren kaum Trümmer derselben stehen geblieben; Ce- 
rines hatte keine militärische Bedeutung. Von den Schlössern 
der Könige aus dem unternehmenden Geschlechte der Lusignans 
waren Buflavento, St. Hilaire nur noch Ruinen. Die Ritterschaft 
hatte ihren französischen Charakter gänzlich verloren, damit aber 
nicht auch ihre kriegerischen Eigenschaften; ihre Mitglieder waren 
freilich vom regelmäfsigen Dienste befreit, begnügten sich, Waffen- 
spiele nach dem Vorbilde des Mittelalters abzuhalten, und machten 
sich kein Gewissen daraus, ihre Leibeigenen, die parici {7taQor/,oi), 
Pächter, die pattuarii, und die freien Bauern, die francomati, 
auszusaugen ^). Die Wacht auf den Bergen und am Gestade des 
Meeres wurde von armen Paröken und Frankomaten besorgt, 
denen diese Verpflichtung, die angaria, eine grofse Last war; 
die meisten liefsen sich von ihren Kindern in dem unangenehmen 
Dienste vertreten ^). 

Nicht 10 000 Einwohner waren Pächter, etwa 50000 aber 
Frankomaten, denen noch im letzten Jahre von der Regierung 



i) Vgl. Charriere III, S. 131 — 132. 

2) Bericht Bernardo Sagredos in Mas Latrie III, S. 540. 

3) Ebenda S. 555 - 556. 

4) Vgl. Gerlach S. 123, 216. 

5) Mas Latrie III, S. 545. 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 145 

36 Tag-e Frondienst auferlegt worden waren, was „scharfen Hafs" 
(grandissimo odio) hervorrief; etwas gröfser war die Anzahl 
der „faulen und träg-en" Leibeigenen, die von ihren lateinischen 
Herren alles leiden mufsten und vor einem venezianischen Ge- 
richte kein Gehör fanden. Der griechische Klerus, der über 
zahlreiche Klöster verfügte, war über die Unterstützung, die die 
Beamten seinen katholischen Gegnern gewährten, erbittert und 
wäre froh gewesen, statt der herrischen Franken türkische Sand- 
schaks und Subaschis über sich zu haben; eine osmanische Er- 
oberung mufste die Eindringlinge aus dem Westen beseitigen. 
Mehrmals war es in den letzten Jahren zu Verschwörungen ge- 
kommen, um die Türken, die mit Famagusta viel verkehrten, 
als Herren nach Zypern zu bringen i). 

Im Juli 1570 traf die osmanische Flotte vor dem un- 
befestigten Nikosia ein, und schon am 9. September fiel diese 
alte Hauptstadt der Insel -) ; Cerines folgte. Es war 2u spät, 
auch das starke Famagusta noch einnehmen zu können; die 
Flotte segelte an dem für den Abbruch aller Unternehmungen 
festgesetzten Tage nach Konstantinopel zurück ^) ; einige tausend 
Janitscharen und Spahis blieben unter den Mauern der Stadt 
stehen, um das Eintreffen venezianischer Hilfstruppen zu ver- 
hindern. 

Im Frühling erschien Mustafa-Pascha wieder, und nach helden- 
mütiger Verteidigung, die elf Monate dauerte, geriet der beste 
Hafen Zyperns am i. August 1571 in die Hände der Osmanen. 
Die Kapitulation sollte nicht gehalten werden; der unglückliche 
Hauptmann Famagustas, Bragadino, wurde auf ausdrücklichen Be- 
fehl des rücksichtslosen Mustafa geschunden und seine Haut 
nach Konstantinopel geschickt. 

Das Haus Savoyen gab freilich noch nicht jede Hoffnung 
auf, auf friedlichem Wege oder durch eine Empörung der Griechen 



i) Vgl. den oben erwähnten Bericht und Hurrauzaki VIII, S. 95ff. ; Char- 
ri^re III, S. 74, Anm. 

2) Brief Sokolis, Charri^re III, S. 137. Vgl. Forgäch S. 587». 

3) Wo Piali am 2. Dezember angekommen war; Charriere III, S. 143. Vgl. 
Crusius a. a. O. S. 209; Garzoni in Alb^ri S. 379; Forgäch S. 600 — 601. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches, III. 10 



146 Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

unter dem Erzbischof von Nikosia und unzufriedenen Renegaten 
Zypern an sich zu bringen. Aber die von Lala - Mustafa er- 
oberte Insel sollte fortan osmanische Provinz bleiben. Die Feu- 
dalen verloren alle ihre Rechte und mufsten auch von dem in 
eigenem Betriebe bebauten Grunde den Zehnten entrichten ; die 
reiche, bisher bevorzugte Einwohnerschaft verliefs die zyprischen 
Städte, Schlösser und casali (Dörfer) zum Teil; die Einkünfte 
aus der Salzsteuer sanken von 35 000 auf 4000 Dukaten^). Der 
ganze lateinische Klerus, darunter der Geschichtschreiber Etienne 
de Lusignan, aus dem alten königlichen Geschlechte, mufsten 
ihre Bistümer und Klöster räumen -). 

Die verschiedenen Kategorien der Bauern wurden, wie in 
allen anderen Provinzen des türkischen Reiches, unter der neuen 
Herrschaft zu einer einzigen Klasse, die ihre christlichen Feudal- 
herren losgeworden waren: sie zalilten ohne Unterschied den 
Kharadsch an die kaiserliche Khasna — der in den ersten Jahren 
nur wenig mehr als 50000 Dukaten einbrachte — , den Zehnten 
und die Steuer von Haus- und Schlachttieren, die Goschtina, die 
auf Zypern übrigens nur für Schweine erhoben worden sein soll ^). 
Die Salzwerke wurden nach türkischer Gewohnheit an Christen 
oder Juden verpachtet und verloren dadurch für den Fiskus an 
Wert ^). Aus Asien wurden türkische Kolonisten eingeführt, die 
bald ein Drittel der Bevölkerung bildeten und in den fünfziger 
Jahren des letzten Jahrhunderts zu einer Bevölkerung von über 
30000 Einwohnern mosleminischen Glaubens sich entwickelt 
hatten. 

Die Anzahl der Spahis war dagegen gering; nach 1600 
waren kaum dreifsig Zaime über die ganze Insel verteilt zu finden, 
unter deren Befehlen 3000 gemeine Spahis standen. Janitscharen 
waren in die befestigten Plätze gelegt; ihre Disziplin liefs häufig 
zu wünschen übrig, und mancher Abenteurer, wie der junge 
Lanzac , schmeichelte sich mit der Hoffnung , mit ihrer Hilfe 



i) Mas Latrie III, S. 561. 

2) Griechische Prälaten waren der bereits erwähnte Erzbischof und die 
Bischöfe von Famagusta, Paphos, Limisso, Soli, Karpasso, Lefkara-Amathunda. 

3) Mas Latrie lU, S. 582. 

4) Nach 1580 brachten sie kaum 8000 Dukaten ein; ebenda S. 56off. 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 147 

„seine Erbschaft" vielleicht irg'end einmal antreten zu können i). 
1578 ermordeten sie den Pascha Arab-Ahmat, den früheren 
Beg-lerbeg von Algier 2); einige der venezianischen Senatoren 
wollten die Gelegenheit benutzen, einen Versuch zur Wieder- 
eroberung der Insel zu machen ^). Geschütze waren den festen 
Plätzen in gröfserer Zahl zugeteilt worden. Die christlichen 
Wächter behielt auch das neue Regime bei ; den übrigen Rajahs 
aber war das Waffentragen bei harten Strafen untersagt. Für 
jeden Friedensbruch war der Bezirk, die Stadt oder das Dorf, 
wo ein Raub oder Mord geschehen war, verantwortlich, und die 
Geldbufsen waren so hoch und drückend, dafs die Einwohner 
vor jedem Versuch eines Aufstandes oder einer Guerilla zurück- 
schrecken mufsten •*). 

Finanziellen Gewinn hatte das Reich von der Angliederung 
Zyperns übrigens nicht. Obwohl das Khasna alle feudalen Güter 
eingezogen hatte, überstiegen die Einkünfte kaum 200000 Dukaten, 
und die Pforte mufste jährlich 70000 bis 80000 beisteuern, damit 
die Verwaltung alle für die Verteidigung nötigen Ausgaben be- 
streiten konnte. Aber durch die Konfiskation von Chios, die 
Verleihung des Herzogtums des Archipelagus an den Grofsen 
Juden und die Einnahme Zyperns war die friedliche Herrschaft 
der Osmanen in den östlichen Gewässern gesichert und einer 
alten zwingenden Notwendigkeit für die osmanische Politik genug- 
getan worden. Im Ak-Deniz, im ,,Weifsen Meere" des Südens 
waren die Türken jetzt ausschliefsliche Gebieter. 

Selbst eine so entscheidende Niederlage wie die von Le- 
panto konnte unter so beschaffenen Verhältnissen nur zeitweilig 
unangenehm sein, aber die Grundlagen der osmanischen Macht 
nicht mehr erschüttern. 

Bereits im Mai 1570 war den Diplomaten die Absicht des 
Papstes, die Venezianer in dem neuen, ihnen so unwillkommenen 
und gefährlichen Kriege zu unterstützen, bekannt geworden '') ; 



i) Mas Latrie III, S. 563 — 564. 

2) Charri^re UI, S. 739, Anm., 743ff. und Anm., 752, Anm. 

3) Ebenda S. 755, Anm. 4) Mas Latrie III, S. 582. 
5) Charriere III, S. ii2ff. 

10* 



14<S Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

die neuen päpstlichen Schifte sollten aus Ancona als dem Sammel- 
platz der Flotte Pius' II. auslaufen; die römische Aristokratie 
war eingeladen worden, zum Besten der Christenheit auf ihnen 
Dienste zu nehmen^), und der Herzog- von Pagliano, Marcan- 
tino Colonna, bestimmt, das päpstliche Kontingent zu führen -). 
Die Liga des Jahres 1538 schien wieder aufzuerstehen, aber zu 
den früheren Mitgliedern , dem römischen Stuhl , den Spaniern 
und den Venezianern sollten diesmal auch die Könige von Frank- 
reich, von Portugal und sogar von Polen kommen ^). 

Die Türken waren von diesem neuen Kreuzzugsplan nicht 
nur rechtzeitig unterrichtet, sondern hatten derartiges klug voraus- 
gesehen. Grund genug, dafs Mohammed Sokoli mit dem ein- 
gebildeten französischen Agenten eine andere türkenfreundliche 
Kombination ins Auge fafste: Madame, die Schwester des fran- 
zösischen Königs, sollte mit dem siebenbürgischen Tributär 
Johann Sigismund, dessen schon Mitte März 1571 erfolgender 
Tod freilich einen Strich durch die Rechnung machte, verheiratet 
werden; der Sultan war bereit, diesem, um ihm mehr Relief zu 
geben , beide Fürstentümer anzuvertrauen und ihm auch noch 
zur polnischen Krone zu verhelfen; denn die jagelionische Dy- 
nastie stand nur noch auf zwei Augen und erlosch mit dem 
regierenden König Sigismund August. War Zäpolya doch der 
Sohn einer polnischen Prinzessin, der Königstochter Isabella. 
Oder man konnte eine Heirat zwischen der Schwester des letzten 
Jagellonen , der anerkannten , aber allerdings auch etwas an- 
gejahrten Erbin Polens, und dem Herzog von Anjou, dem Bruder 
des Königs von Frankreich, anbahnen; so hätte die Pforte auf 
dem polnischen Throne, dessen Bedeutung der moskowitischen 
Wirren wegen ^) immer mehr wuchs , ein Mitglied der ihr seit 
langem befreundeten ,, kaiserlichen" Dynastie Frankreichs ge- 
sehen 5). 

i) Chariiere III, S. ii2ff. 2) Ebenda S. 115. 

3) Ebenda S. 114. 4) Siehe unten. 

5) Charriere UI, S. 75, Anm, , 86 — 87. 1570 wurde das Projekt einer 
Heirat zwischen Z;ipolya und der Erbin Polens ventiliert. Ebenda S. 140. Siehe 
auch S. 169, Anm. 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 140 

Der Sommer 1570 verging-, ohne dafs den Venezianern Hilfe 
gekommen wäre; die Verhandlungen über die christUche Liga 
zwischen den vom Papste beorderten Kardinalen, dem vom spa- 
nischen König geschickten Granvella und den venezianischen 
Gesandten dauerten noch fort. Gian- Andrea Doria erhielt Be- 
fehl, seine Galeeren mit denen des Papstes zu vereinigen, um 
die allgemeinen christlichen Interessen zu verteidigen. 

Auch der Schlufs des Jahres sah die Liga noch nicht zur 
Realität werden. Die wenigen Galeeren des Papstes und des 
spanischen Königs waren im Herbst unverrichteter Sache zurück- 
gekehrt; bald darauf traf die demütigende Nachricht vom Falle 
Nikosias ein. Frankreich, das einen von du Bourg zugeleiteten 
türkischen Gesandten Mahmud nicht hatte empfangen wollen ^), 
nahm nach kurzer Frist Briefe des Sultans und des Grofswesirs 
entgegen, die in freundschaftlichstem Stile verfafst waren -). So- 
koli ging darin so weit, von einer Ofifensivallianz gegen den 
„vermaledeiten gemeinschaftlichen Feind, den König von Spanien" 
zu sprechen ^). 

Nicht einmal Venedig, ,,die hochmütige und unwissende 
Nation und Regierung" "i), verschmähte es im März 1571, durch 
den eigens zu diesem Zwecke geschickten Sekretär Ragazzoni 
geheime Verhandlungen anzuspinnen '") ; der neue Unterhändler 
sollte mit dem Bailo Barbaro, der sich in Konstantinopel beinahe 
frei bewegen konnte, Rats pflegen; er hatte die Ermächtigung, 
Famagusta gegen Avlona, Castelnuovo, Durazzo abzutreten *'). 

Aber im April änderten die Venezianer ihren Entschlufs '), 

und am 25. Mai war die christliche Liga zustande gekommen*). 

Der Papst, Spanien und Venedig bildeten sie, deren Dauer 



i) Charriere III, S. 99, 100, Anra., 176 ff. und Anm. 

2) Ebenda S. 133 ff. 

3) Ebenda S. 138. 

4) ,,Tres süperbe et ignorante nation et Seigneurie de Venize"; ebenda S. 136. 

5) Siehe auch Bros eh a. a. O. S. 12 ff. 

6) Ebenda S. 13 ff.; vgl. Alberi XIII, S. 89. 

7) Brosch a. a. O. S. 15. 

8) „Comm." VI, S. 321—322, Nr. 141, 



150 Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

nicht bestimmt war. Ihr Zweck war die Verteidig-ung- der g-eg-en- 
seitigen Besitzungen und Interessen gegen die Osmanen. Auch 
für den Fall, dafs Philipp II. Algier, Tunis, Tripolis und das 
Piratenreich des von den Christen Ucchiali genannten kala- 
bresischen Renegaten Uludschali, der in Torghuds Spuren ge- 
treten war, angreifen wolle, sollte sie gelten. Venedig ver- 
pflichtete sich noch im besonderen , den König gegen die ber- 
berischen Häfen und Inseln unterstützen zu wollen, wogegen 
Spanien seinerseits seine Mitwirkung im Adriatischen Meer von 
Avlona aufwärts versprach. 

Die Seemacht der Liga sollte aus 200 Galeeren und 
100 Transportschiffen bestehen; die Bemannung berechnete man 
auf 50000 italienische, spanische und deutsche Söldner nebst 
4500 Reitern. Der Papst wollle 12 Galeeren stellen und 3000 Mann 
besolden; aufserdem sicherte er den Teilnehmern an dem heiligen 
Kriege in den spanischen und venezianischen Provinzen auiser- 
ordentliche kirchliche Einkünfte zu. Die Ausgaben nahm Spanien 
zu drei Sechsteln und Venedig zu zwei Sechsteln auf sich ; den 
Rest wollte der päpstliche Schatz beisteuern i). 

Für das erste Jahr aber kam man bald genug überein, nur 
80 Galeeren und 20 andere Schiffe der spanischen Flotte zu 
Otranto vereinigen zu wollen -). 

Erst am 2. Juli wurde der Vertrag bekanntgegeben; die 
spanische Ratifikation kam am 25. August. Doch war die Allianz 
durch Rundschreiben und Prozessionen schon länger zur all- 
gemeinen Kenntnis gelangt. Die Vorbereitungen zum Seekriege 
gegen die Türken traf man mit ungewöhnlicher Schnelligkeit '^). 

Don Juan, der uneheliche Bruder Philipps IL, der als Führer 
im Kriege gegen die rebellischen Mohren in Spanien hervor- 
ragende kriegerische Eigenschaften bewiesen hatte, schiffte sich 
in Cartagena ein, und zahlreiche spanische Edelleute begleiteten 
ihn in der Hoffnung auf glänzende Abenteuer im türkischen 



i) Vgl. ebenda S. 324, Nr. 143. 

2) Ebenda S. 325, Nr. 145. Vgl. die folgenden Seiten, ebenda. 

3) Vgl. Foglietta, De sacro foedere contra Solymum, Teile I — IL 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 15 1 

Osten ^). Am 9. August war Don Juan in Neapel und nahm 
am 14. die heilige Fahne des Kreuzzugs entgegen; die Herzöge 
von Urbino und Parma schlössen sich ihm an. In Messina 
stellte sich die Flotte Dorias zu seiner Verfügung. Die vene- 
zianischen Schiffe, die sich vor der Insel Kreta aufgehalten hatten, 
um einen türkischen Angriff auf dieselbe zu verhindern, ver- 
einigten sich ebenfalls bei Messina mit den anderen. Am 25. Sep- 
tember stand Don Juan bei Korfu und blieb daselbst bis zum 
Ende des Monats -). 

Die türkische Flotte, die Konstantinopel am 25. April ver- 
lassen hatte, wandte sich zuerst gegen Kandia, wo besonders 
die Piraten Uludsch-Alis einige Dörfer niederbrannten. Darauf 
segelte sie ins Adriatische Meer und bis Cattaro, als hätte es 
Ali-Pascha auf diese venezianische Besitzung in Dalmatien ab- 
gesehen ; die Sandschaks des Hinterlandes waren unter den 
Mauern der Stadt erschienen. Überall machten die Türken 
Sklaven. Sopoto , Chimaira, Dulcigno, Budua, Antivari und 
Spizza ergaben sich dem Pascha Pertew, dem Befehlshaber 
der Truppen ^). Die Schiffe blieben einige Zeit vor Prevesa 
liegen und fuhren am 16. September gegen Zante ab. Die 
Nachricht von der Vereinigung der christlichen Flottenmacht 
vor Messina war eingetroffen. Im Golf von Lepanto begann 
der Kapudan-Pascha seine Vorbereitungen für die entscheidende 
Schlacht. 

Es war nicht seine Absicht, sie dort zu liefern ; den Christen 
gelang es , ihn dazu zu zwingen. Am 6. September ^) waren 
aus Messina 208 Galeeren, sechs Galeassen und mehr als sechzig 
andere, mit 12 000 Italienern, Sooo Spaniern, 3000 Deutschen 
und 1000 ,, Abenteurern" bemannte Schiffe ausgesegelt, und, wie 
gesagt, weilten sie einige Tage in den Gewässern Korfus. Als 
sich Don Juan zur Schlacht entschlossen hatte und die Flotte von 



i'i Charriere III, S. 15S, Anm. 

2) Ebenda S. 184—185. 

3) Reufsner, Epistolae turcicae, Frankfurt a. M. 1590, Buch XI, S. 121 ff.; 
Forgdch S. 657. 

4) Am 12., nach Forgäch S. 674 ff. 



153 Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

Korfu abgesegelt war, erhielt sie bei Kephallenia die Nachricht vom 
Verluste Famagustas, das am i. August nach sechs Stürmen und 
einer Einschliefsung, die elf Monate gedauert hatte, gefallen war ^). 

Am 6. Oktober trafen die beiderseitigen Streitkräfte in der 
Nähe der Inseln Curzolare aufeinander. Don Juan , der Ober- 
befehlshaber der Christen, verfügte über ein eigenes Geschwader 
von 70 Galeeren; Doria stand mit 50 anderen auf dem rechten 
Flügel, auf dem linken Agostino Barbadigo mit den venezia- 
nischen Schiffen; der Markgraf von Santa-Croce hielt mit 31 Ga- 
leeren im Hinterhalt. Unter den Fahnen des Kreuzes, der Mutter 
Gottes und der drei Mitglieder der Liga griffen die Christen an. 

Die Schlacht begann am Mittag, und drei Stunden später 
war der Sieg des linken christhchen Flügels durch die Über- 
legenheit der grofsen Schiffe, die ,,wie Schlösser aussahen", 
und der Bewaffnung 2) bereits entschieden. Bei einbrechender 
Dunkelheit flüchteten etwa 30 türkische Schiffe mit Uludschali 
gegen Lepanto oder Prevesa zu ; die übrigen 230 waren ver- 
nichtet oder gekapert ^). Der osmanische Admiral war tot, viele 
angesehene Osmanen in Gefangenschaft geraten ^). Die christ- 
lichen Sklaven , die den Osmanen als Ruderer dienten , waren 
an dem Siege der christlichen Sache nicht ohne Anteil ^). 

Vielleicht war es zu spät, um weitere Aktionen gegen Le- 
panto oder Koron und Modon zu unternehmen *^). Auch der 
Umstand aber, dafs sie nur den Venezianern zugute gekommen 
wären, mag deren selbstsüchtige Alliierten davon abgehalten 
haben. Venedig, so hocherfreut es über die Vernichtung der 



i) Reufsner a. a. O. S. 117 — 121. Vgl. auch Forgäch S. 586ff., 650 ff. 
Siehe oben S. 145. 

2) Forgäch S. 663 — 664. 

3) Gekapert wurden 190, nach Forgäch S. 665 — 666. 

4) Bericht eines Augenzeugen in Charri^re III, S. 185 ff.; vgl. Reufsner 
a. a. O. S. 122 — 127. Pertew-Pascha wurde übrigens nicht zur Verantwortung ge- 
zogen; er lebte vielmehr bis Ende 1572; Charrifere III, S. 319, Anm. 

5) Alberi XIII, S. 150: Bericht vom Jahre 1576. Die Spanier hatten grofse 
Verluste zu verzeichnen; ebenda S. 203; vgl. S. 218. Vgl. Gerlach S. 333; 
Forgäch a. a. O. 

6) Charrifere UI, S. iSgff. 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 155 

türkischen Flotte auch war ^) , empfand anderseits den Verlust 
Famagustas doch schmerzlich. Der Versuch, den Türken Santa- 
Maura zu entreifsen , mifslang ; nach zwei Wochen zogen sich 
die 70 Galeeren, die 4000 Mann mit sich geführt hatten, zurück '^). 

Die Republik mochte auch hoffen , zu einem Frieden zu 
gelangen, der ihr, etwa gegen einen Tribut, das Innere Zyperns 
sicherte. Den Sultan zu reizen und dem Kriege einen spezifisch 
venezianischen Charakter zu geben, konnte jedenfalls nicht in 
den Absichten der Signoria liegen : die dauernde Feindschaft 
des Sultans mufste den Untergang Venedigs bedeuten ^). 

Zudem waren die Beziehungen zwischen den Alliierten be- 
sonders infolge der Verteilung der Beute, bei der Don Juan die 
Venezianer hintangesetzt hatte, so gespannt, dafs Colonna von 
der Möglichkeit einer ,, zweiten Schlacht", zwischen den Christen, 
redete ^). Ferner waren die Verluste der Sieger schwer genug 
gewesen; die Venezianer hatten aufser ihrem Proveditore 5000 Sol- 
daten und Matrosen zu betrauern '"). 

Selim und sein erster Berater scheinen der ,, Schlacht von 
Lepanto" keine allzu grofse Bedeutung beigelegt zu haben; sie 
wufsten zu wohl , dafs das osmanische System in einigen Mo- 
naten eine neue F'lotte zusammenbringen könne, und aufserdem, 
dafs die siegreichen Christen nicht einig genug seien, um zu einem 
zweiten Unternehmen zur See sich zusammenzufmden. Die tür- 
kische Version über die Schlacht erkannte die Schwäche der 
eigenen Flotte und den ausgezeichneten Zustand der christlichen 
Galeeren an; der Kapudan habe die Ehre der Osmanen dennoch 
wahren wollen und sei als erster zum Angriff übergegangen; 
als ihn eine Kugel getötet hatte, habe der Beglerbeg Ali von 
Algier den Rückzug zum Ufer befohlen , ,,wo einige Galeeren 



i) Den Ideen der Zeit entsprach der Plan, den Sultan zu ermorden; Brosch 
a. a. O. S. 24. 

2) Charriere III, S. 261. Ein späterer Versuch des Verwalters von Zara 
schlug gleichfalls fehl ; S. 264, Anm. 

3) Ebenda S. 265, Anm. 

4) Brosch a. a. O. S. 22. 

5) Charriere III, S. 207. 



154 Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

von den Feinden g-ekapert worden seien ; dies sei der ganze 
Sieg-, den die Christen errungen hätten" i). Die Gefangenen 
auszulösen, schickte Selim dem „ausgezeichneten Krieger" Don 
Juan Pelze, Waffen, Teppiche, Sättel, Ehrenkleider zum Ge- 
schenk -). Der Vorschlag, den der neue französische Gesandte, 
der Bischof von Acqs, etwas später machte, nämlich Algier an 
seinen König oder vielmehr dessen Bruder, den Herzog von 
Anjou, abzutreten, wurde, trotz der aufserordentlichen Ehrung, die 
dem Überbringer durch den Empfang seines Gefolges von i8 Edel- 
leuten durch den Sultan erwiesen wurde ^) , gewifs mit dem ge- 
wöhnlichen verächtlichen Lächeln aufgenommen ^). Eifrig arbeitete 
man im Arsenal an der Fertigstellung neuer Schiffe, und im Früh- 
ling war eine Flotte bereit, mit 20000 Büchsenträgern bemannt, 
auszuseg-eln '"). 300 Sandschaks hatten ihrem Oberherrn je eine 
Galeere gestellt*''). ,,Ohne einen Pfennig auszugeben", war der 
Sultan in den Besitz neuer Schiffe gelangt '), und diese Tatsache 
überzeugte auch den französischen Gesandten, der einen Frieden 
mit Venedig vermitteln sollte, von der grofsartigen Organisation 
und Leistungsfähigkeit der Monarchie ^). Die berberischen Städte 
hatten dabei die erforderlichen Verstärkungen für den Fall eines 
Angriffs von selten der Spanier unverzüglich erhalten "). Der 
Beglerbeg Uludsch-Ali von Algerien wurde zum Kapudan ernannt, 
und sein berberisches Vizekönigtum erhielt Arab-Ahmat ^°). 

Dag-eg-en konnten sich denn die christlichen Schiffe in den 



i) Charriere III, S. 243, Anm. 

2) Ebenda S. 248, Anm. Vgl. M. Rosi, Alcuni documenti relativi alla libe- 
razione dei principali prigonieri turchi presi a Lepanto, in „Archivio della societä 
romana di storia patria" XXI (1898), S. 141 ff. Siehe auch Gerlach S. 37. 

3) Charriere III, S. 251; vgl. S. 264, Anm. 

4) Ebenda S. 231—232, 291—292, Anm., 293ff. 

5) Vgl. ebenda S. 240fif., 272; auch Alberi XII, S. 306. Der Bischof von 
Acqs entwirft allerdings ein reclit wenig schmeichelhaftes Bild von ihr; Char- 
riere UI, S. 362, Anm. 

6) Ebenda S. 247, Anm. 

7) Ebenda S. 269. 

8) Ebenda. 

9) Ebenda S. 243, Anm., 270, Anm. 
10) Ebenda S. 251. 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 155 

Gewässern Korfus nicht einmal zusammenfinden ^) ; ein Angriff 
der Venezianer unter dem Befehlshaber von Zara auf Castelnuovo 
führte zu keinem Erfolg -). Im Sommer stand Don Juan in 
Messina, wie es hiefs, um sich gegen die afrikanische Küste zu 
wenden ^) ; dadurch wäre dann der Kreuzzug zur Bedeutung eines 
der üblichen Kriege zwischen Spanien und dem osmanischen 
Reiche herabgesunken , wie sie in den dreifsiger und fünfziger 
Jahren ständig gewesen waren. Die venezianischen Schiffe, durch 
die des Markgrafen von Santa-Croce noch verstärkt, lagen un- 
tätig in der Nähe der Ionischen Inseln ^). 

Und auch als schliefslich eine neue Kreuzzugsflotte zusammen- 
kam und vor Cerigo und dem Kap Matapan auf die türkischen 
Schiffe stiefs, vermied sie, ebenso wie es seinerseits Uludsch-Ali 
tat, den Kampfe); das Projekt, Modon wiederzuerobern , schei- 
terte an dem Mangel an gutem Willen von selten Don Juans *'). 
Die Malteser verweigerten ihr Kontingent offen '). 

Ende Oktober 1572 erteilte König Karl IX. auf Philipps II. 
Einladung , in die Liga einzutreten , die entscheidende abschlä- 
gige Antwort''): er sei allzu beschäftigt, sein Reich vom ,, Auf- 
ruhr zu reinigen (nettoy er)" •'). Kaiser Maximilian schickte 
als König von Ungarn durch eine glänzende Gesandtschaft von 
60 Edelleuten seinen Tribut nebst vielen Uhren, Bechern, Kleidern 
nach Konstantinopel und bekundete dadurch seinen Entschlufs, 
sich von der absterbenden Liga fernzuhalten ^^). Sokoli dachte 
für 1573 bereits an ein offensives Vorgehen gegen die Spanier 
und riet den Franzosen, dieselben in den Grenzprovinzen an- 
zugreifen. Endlich war Papst Pius V., der Urheber des Kreuz- 
zugs, schon im Mai des Jahres 1572 gestorben, und sein Nach- 
folger Gregor XIII. hatte andere Gesinnungen ^^). 

i) Charriere III, S. 262, Anm. 

2) Ebenda S. 281, 284; Forgach S. 669—670. 

3) Siehe Charriere III, S. 290 — 291, Anm. 

4) Ebenda Anm., S. 294 ff., Anm. 

5) Ebenda S. 295, Anm.; Forgäch S. 6700. 

6) Charriere III a. a. O. 7) Ebenda S. 283, Anm. 

8) Ebenda S. 329 fr., Anm., S. 342 ff. 

9) Ebenda. 10) Ebenda S. 285 ff., Anm. 
II) Brosch a. a. O. S. 26. 



156 Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

Schon im September des Jahres waren Verhandlungen 
zwischen dem Bailo und Sokoli angebahnt; der einflufsreiche 
Jude Rabbi Salomon nahm für gutes venezianisches Geld die 
Interessen der Repubhk beim Grofswesir wahr. Am 7. März des 
folgenden Jahres 1573, an demselben Tage, an dem venezia- 
nische Gesandte in Rom die Liga erneuerten ^) , geschah die 
gnädige Verabfolgung des Friedensaktes von selten der Pforte, 
Venedig gab Zypern und das Schlofs Sopoto auf, verpflichtete 
sich zur Zahlung von 300000 Dukaten Kriegsentschädigung 
innerhalb dreier Jahre, erhöhte den Tribut für Zante um 500 Du- 
katen, und in Dalmatien wurden alle Eroberungen beiderseits 
zurückgegeben-). Es war, ,,als wenn die Türken die Schlacht 
von Lepanto gewonnen hätten" ^). Der französische Gesandte, 
der nur wenige Tage vorher eingetroffen war und sich gern ge- 
rühmt hätte, die Verhandlungen durch sein Arz (Bittgesuch) zu 
einem Ende geführt zu haben ^), wollte an der Festsetzung solcher 
Bedingungen doch nicht teilhaben : ,, Unter den Agenten seines 
Königs hatte übrigens einer Plan und Hoffnung geschöpft, 
Zypern für Frankreich selbst zu gewinnen als ein Reich, das zu 
den Eroberungen der Vorfahren des Königs gehört habe und 
von den Venezianern nur usurpiert worden sei^). " Die Furcht 
vor der 300 Galeeren starken Flotte des Sultans , die zur Aus- 
fahrt bereit stand ^) , und das Bedürfnis nach Ruhe waren in 
Venedig dennoch so entwickelt, dafs in der Stadt einem solchen 
Frieden zu Ehren Kundgebungen erfolgten ') ; die Signoria glaubte 
ihren Besitz in Kandia und Dalmatien gesichert zu haben ^) und 



i) Charriere a. a. O. S. 377, Anm. 

2) Bericht des aufserordentlichen Gesandten Andrea Badoaro (in Albferi) 
S. 349 ff., dann der Garzonis ebenda S. 371 ff. 

3) Charriere lU, S. 361, Anm. 

4) „La paix des Venitiens, laquelle le Bassa et bayle avoient couv^e secre- 
tement depuis trois moys, et je Tay faict esclore en huict jours"; ebenda S. 367, 
Anm. ; vgl. S. 586, Anm. 

5) „ Le royaume de Cypre , qui est des anciens conquestes de vos prede- 
cesseurs, plutost que de le rendre ä ces seigneurs, qui l'ont usurpe"; ebenda 
S. 360 Anm. 

6) Ebenda S. 375. 

7) Ebenda S. 376, Anm. 8) Ebenda S. 379, Anm. 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 157 

schmeichelte sich mit der Hoffnung-, Zypern noch einmal auf fried- 
lichem Wege durch Erhöhung des Tributs wiederzugewinnen ^). 
Hatte doch der letzte Krieg 12000000 Dukaten gekostet 2)! 

So war Spanien allein geblieben, und am i. Juni 1572 
segelten 160 Galeeren ins Mittelmeer aus, um dieser letzten 
der Liga treuen Macht die Lust zu irgendeinem feindlichen 
Unternehmen — gerade damals sprach man wieder von einem 
solchen nach Algier s) — zu benehmen ^). Doch auch der ,, ver- 
maledeite Spagna" war im Grunde einem Friedensschlüsse ge- 
neigt, und seine Agenten arbeiteten in diesem Sinne heimlich 
in Konstantinopel 5) ; der Grofse Jude war für die spanischen 
Interessen auch bereits gewonnen. Mit dem befreiten Sohne 
Ali-Paschas kamen der Florentiner Vergilio Polidori und andere 
Sendlinge , um die Verhandlungen fortzuführen ^) ; die Türken 
verlangten grundsätzlich zunächst die Anerkennung ihrer Ober- 
hoheit durch feierliche Übersendung eines noch festzusetzenden 
Tributs '). Der kaiserliche Vertreter, Karl von Rym, unterstützte 
die Friedensboten, und auch der zum zweiten Male in Konstan- 
tinopel weilende aufserordentliche Gesandte David Ungnad hatte 
die Mission, für einen Herrscher, der dem eigenen Herrn so 
nahe verwandt war, seinen Einflufs einzusetzen ^) , er führte auch 
eine Vollmacht Philipps II. mit sich. 

Währenddessen zeigten sich die türkischen Schiffe in den 
Gewässern Moreas, der Ionischen Inseln und Südalbaniens ^). 
Die Spanier traten ihnen nicht entgegen. Am 2. November 
kehrte der Kapudan Piali nach Konstantinopel zurück, ohne 
einen Kanonenschufs abgefeuert zu haben; Uludsch-AH bheb 
mit seinem Geschwader noch in den Gewässern Modons 1°) : er 
liefs bei Navarino ein neues Fort erbauen. Einige Tage später 
kamen auch seine Galeeren im Goldenen Hörn an^^). 



i) Brosch a. a. O. Kap. II. 2) Charriere III, S. 380, Anm. 

3) Ebenda S. 388 — 389, Anm. 4) Ebenda S. 387, Anm. 

5) Ebenda S. 400, Anm., 402 — 403, Anm., 404, Anm., 411, Anm., 413 ff. 

6) Ebenda. 7) Ebenda S. 419 ff. 

8) Ebenda S. 424 ff. 9) Ebenda S. 426, Anm. 

10) Ebenda S. 439. 11) Ebenda S. 452, Anm. 



158 Zweites Buch. Erstes Kapitel. 

Von der Abfahrt der Türken, am festgesetzten Tage, unter- 
richtet, verliefs nun Don Juan am 7. Oktober den kleinen sizi- 
lischen Hafen Favignana mit gegen hundert Galeeren und wandte 
sich gegen Goletta. Tunis war auf einen Angriff nicht vor- 
bereitet, und so gelang es, einen der Söhne Muley-Hassans als 
spanischen Tributär einzusetzen ^). Die Spanier sollten bei dieser 
Gelegenheit die schönen Moscheen der Stadt geplündert haben 2), 

Infolgedessen war es denn freilich Ungnad, der den un- 
garischen Waffenstillstand glücklich auf acht Jahre verlängern 
sollte ^), unmöglich geworden, einen solchen für Spanien zustande 
zu bringen ^). Und während nun der Papst den Gedanken der 
Liga neu zu beleben suchte, rüsteten die Türken mit Macht, um 
Tunis wiederzuerobern. Ohne Grund fürchteten die Vene- 
zianer, die einiger dalmatinischen Dörfer wegen noch immerfort 
zu verhandeln hatten, für Kreta, Zara und andere ihrer Be- 
sitzungen ^). Im Mai 1574 liefen mehr als 200 Galeeren mit 20000 
Mann Besatzung aus ; darunter waren 7 000 Janitscharen und 
9000 Spahis; den Befehl führte der Wesir Sinan- Pascha, ein 
finsterer und grausamer , von Christenhafs erfüllter Albanese ''), 
der sich in Arabien als tüchtiger Kriegsführer bewährt hatte ^). 
Am 22. Juh stand Uludsch-Ali mit seinen Schiffen vor Goletta; 
etwa einen Monat später, am 24. August, wurde die Festung 
von Sinan erobert, und damit fiel auch Tunis an die Türken 
zurück^). Ein Sandschak wurde eingesetzt, dem die Aufgabe 
zufiel, mit Kaid-Ramadan, dem neuen Sandschak von Algier ^), 



1) Hammer II, S. 427; Charriere III, S. 440—441, Anm. 

2) Ebenda S. 456; vgl. AlböriXII, S. 335—336; auch Forg ach S. 603—604. 

3) Hammer II, S. 450; Charriere III, S. 441. 

4) Vgl. ebenda S. 450—451. 

5) Siehe besonders ebenda S. 472, Anm., 474, Anm., 480, Anm. 

6) Ebenda S. 473: „fort aust^re , cruel et ennemy des chrestiens " ; „brave 
et hazardeux", S. 490. 

7) Ebenda S. 494, Anm. 

8) Ebenda S. 5i4ff., Anm., 520, 552 ff., Anm., 575—576, Anm., 579 und Anm. 

9) Charriere III, S. 554, Anm. Ein Aufruhr der Mohren brach angeblich 
1577 gegen ihn aus, ebenda S. 699. Die Franzosen entsandten damals ihren 
ersten Konsul dorthin; ebenda S. 718. Vgl. S. 745, Anm. Eine französische 
Gesellschaft zur Ausbeutung der Korallenschätze bildete sich, S. 767 ff. , Anm. 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 159 

und mit dem von Tripolis das nunmehr unmittelbar unter osma- 
nischer Herrschatt stehende Berberien zu verteidigen. Don Juan 
hatte keinen Versuch g-emacht, seine Eroberung auch zu ver- 
teidigen, und die spanischen Agenten waren während des Krieges 
in Konstantinopel geblieben ^). Zwei Jahre später begab sich 
Ramadan, als Pascha von Tripolis, nach dem Westen, um dem 
König Muley- Abdul -Melek von Fez gegen den Angriff des 
jungen portugiesischen Königs Sebastian, der dann in der Schlacht 
fiel , beizustehen. Dadurch gelangte auch Marokko in die tür- 
kische Einflufssphäre ^). 

So war eine neue afrikanische Provinz dauernd gewonnen 
worden. Sie brachte dem Reiche freilich mehr äufseres Ansehen 
als Geld ein, und die tapferen Krieger des Sultans fanden keine 
neuen Lehen in ihr. Denn, wie in Ägypten und Syrien, blieb 
der einheimische Adel, nicht türkischen Ursprungs, — hier die 
Mohren und ihre Führer, die Piraten, im Besitze des Landes. 
Die Pforte ernannte nur die Beglerbegs und erhielt jährlich einen 
Tribut 3). 

Wenige Tage nach der Rückkehr des Pleeres , das Tunis 
zurückerobert hatte, am 12. Dezember 1574, starb der apoplek- 
tische Selim IL, der Sultan des Seekrieges, der während seiner 
kurzen Regierung niemals ein Heer befehligt hatte ^). 

Im Juni 1575 erchien Don Juan von Österreich mit 45 Ga- 
leeren und 6000 Spaniern in der Nähe Venedigs ^). Anderseits 
befürchtete man, Murad III. werde ,, Italien oder Malta", viel- 
leicht auch Kandia und Oran angreifen ''). Vierzig spanische 



Auch S. 788 — 789. Siehe dann 799 — 800, Anm. Über einen Konsul in Tripolis 
ebenda S. 833, Anm., 861, Anm. 

i) Ebenda S. 566, Anm., 570 — 571. 

2) Hammer II, S. 465; Charri^re III, S. 746 — 747, 756 — 757, Anm., 
764, Anm., 797, Anm. 

3) Siehe auch Alböri XIII, S. 140. 

4) Über die falsche Nachricht von seinem Tode im Jahre 1573; Char- 
riere lU, z. J. 

5) Ebenda S. 599. 

6) Ebenda S. 614, 634, 640, 675. 



J60 Zweites Buch. Erstes Kapitel, 

Galeeren segelten nach Berberien und in die Gewässer der Le- 
vante ^). Ein Kampf war aber ausgeschlossen : der neue Sultan 
hatte auf dem Meere nichts mehr zu erobern, und der spanische 
König- war nach den gemachten Erfahrungen überzeugt, dafs er 
in Afrika keinen dauernden Besitz gewinnen könne -). Die per- 
sischen Verwicklungen, die beim Thronwechsel des Sultans 
wieder ausgebrochen waren, begünstigten das Zustandekommen 
eines Waffenstillstandes zwischen den seit langem fast ununter- 
brochen miteinander ringenden Mächten ^). Zwar zeigte sich 
Uludsch-Ali 1577 auf dem Meere, aber nur, um schnellstens 
wieder ans Land zurückzukehren ^). 

Gegen Ende dieses Jahres weilten neue geheime spanische 
Agenten italienischer Abkunft in Konstantinopel; der Mailänder 
Marigliano und der Albanese Bruti hatten den Auftrag, über den 
in Madrid gewünschten Frieden zu unterhandeln ^). Die Türken 
hätten öffentlich und pomphaft auftretende Gesandtschaften vor- 
gezogen; sie verlangten als Preis des Friedens das von den 
Spaniern besetzte Oran ''). So schalt denn der Wesir Ahmed 
den armen Marigliano verächtlich einen ,, blinden Sklaven" und 
entliefs ihn unhöflich mit der Drohung, die kaiserliche Flotte 
werde den Papst, das ,, Haupt der Christenheit", zu finden 
wissen ''). 

Erst am 21. März 1580, als die algierischen Mohren in 
offenem Aufstande gegen den Beglerbeg waren, erreichte Mari- 
gliano endlich einen Waffenstillstand bis zum Januar 1581 ^). 
Der Agent, der gern den Gesandten spielte, und sogar drauf 
und dran war, das Prioritätsrecht des französischen Vertreters in 
Frage zu stellen, wurde trotzdem eigentlich nicht viel besser als 
ein Gefangener behandelt. Nur in den Venezianern fand er ge- 
heime Freunde ^), die eine Verlängerung des Waffenstillstandes 



i) Ebenda S. 617. 2) Vgl. ebenda S. 144. 

3) Vgl. ebenda S. 689, Anm. 4) Ebenda S. 697, Anco. 

5) Ebenda S. 705 ff. 6) Ebenda S. 707, 710 — 714. 

7) Ebenda S. 872, Anm., 876, Anm. 

8) Ebenda S. 886 und Anm., S. 887 ff., 902, Anm., 910 ff., 912 ff., 917, Anm., 
919 ff., Anm. 

9) Ebenda S. 926, Anm., 935, Anm. 



Sultan Selim II. Seine Persönlichkeit und seine Umgebung usw. 161 

auf acht Jahre begünstigten ^). Zum Glück für ihn bUeben die 
Verdächtigungen des unermüdHchen französischen Gesandten 
Germigny, dafs der König von Spanien, seit er auch Herr von 
Portugal und den asiatischen Kolonien dieses Landes geworden, 
auf niehts anderes sinne, als, nach Befestigung seiner Stellung 
in den neuenvorbenen Ländern, mit den Osmanen um die Ober- 
herrschaft im ganzen Mittelmeere und den entfernten gewürz- 
reichen Ländern zu ringen, bei der Pforte erfolglos. Der P'riede 
wurde nicht gebrochen, und Marigliano hatte sich mit der Zeit 
auch ohne hochklingenden Titel einiges Ansehen zu erwerben 
verstanden. Bis 1585 wurde der Waffenstillstand zweimal ver- 
längert , und die Ankunft eines wirklichen Gesandten wäre den 
Türken durchaus genehm gewesen -). Die Befestigung der spa- 
nischen Herrschaft auf den portugiesischen Inseln hatte ihr An- 
sehen und ihre Bedeutung in Konstantinopel wesentlich erhöht, 
und wohlfeilerem Pfeffer zuliebe schien die Pforte nicht übel 
geneigt, alte Vorurteile endlich aufzugeben ^). 



i) Charri^re III, S. 931 ff. 

2) Alb er i XIV, S. 309. 

3) Ebenda; Charriere III, S. 746ff.; yögff., Anm. ; 872, Anm., 908 ff., 913, 
Anm.; Gerlach S. 322, 363, 368, 404 — 405, 460 — 461, 539 — 540. Monsieur 
hatte türkische Hilfe gegen Spanien angerufen; dasselbe tat Heinrich, der künftige 
Henri lY. ; ebenda S. yjoff., Anm., 777ff. und Anm., 781 ff. und Anm., 799 — 800, 
804 ff., 830 ff., 843 ff., Anm. Nebst Marigliano schickte der spanische König auch 
einen Martin de Acuna, einen Fabio Romano und Aurelio di Santa Croce nach 
Konstantinopel. Siehe auch weiter unten. 



Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. HI. 11 



Zweites Kapitel. 

Ursachen des Verfalls. Erste Zeichen desselben bis 
zum neuen ungarischen Kriege. Untätige Sultane: 
Selim n. und Murad III. Günstlinge und Weiber- 
regiment. Neue Renegaten. 



Bis zum letzten Atemzug- hatte Soliman II, für Ausdehnung-, 
Befestigung und Ruhm seines Reiches gekämpft. Er hatte die 
Sitte, das „heihge" Prinzip, nach welchem ein Sultan jedes Jahr 
zii einer neuen Eroberung ausziehen mufste, getreulich befolgt. 

Sein Sohn Selim hatte wenigstens eine neue Provinz ge- 
winnen wollen : Zypern i). Damit war den Erwartungen und An- 
sprüchen seiner Wesire, die sämtlich noch der alte militärische 
Geist beseelte, entsprochen worden. Als der deutsche Gesandte 
einmal zu dem energischen Mustafa-Pascha, der unter der Re- 
gierung SeUms als Eroberer eine Rolle spielte , von den Wohl- 
taten des Friedens sprach, entgegnete ihm dieser ungeduldig: 
,, Seinesgleichen Leuten seye keine grössere Freude dann wann 
sie sollen zu Feinde ziehen, und ihnen eben als ob man sie in 
lauter Geld kleidete und ihnen die besten Speisen fürsetzete" -). 

Selim war im Kriegswesen nicht durchaus unerfahren ge- 
wesen, hatte er doch die Thronfolge in der Schlacht gewonnen ; 
ein Feldherr wie Mustafa hatte ihn allerdings zum Siege gewisser- 
mafsen zwingen müssen. Die Jagd blieb für ihn eine bevorzugte 
Unterhaltung zeit seines Lebens: 50000 Dukaten gingen jähr- 
lich für prächtige Jagdveranstaltungen mit Tausenden von Sol- 

i) „Ognuno dci loro imperatori h tenuto per obbligo di religione di far 
qualche acquisto e segnalata impresa"; Alb^ri XV, S. 389. 
2) Gerlach S. 108. 



Ursachen des Verfalls usw. 103 

daten , Pferden , Mauleseln , Kamelen usw. drauf. Zum Ober- 
befehlshaber im Kriege aber war der kleine, beleibte Mann, mit 
dem roten Gesicht, der ,, einem Unholde ähnlicher als einem 
Menschen sah", wenig geeignet^). Schon als er von Amasieh 
nach Konstantinopel kam, um die kaiserliche Erbschaft des Va- 
ters anzutreten, wufsten die Eingeweihten, dafs er den gröfsten 
Teil seiner Zeit den vom Koran verbotenen alkoholischen Ge- 
nüssen widmete, und sein gerötetes Gesicht -) verriet schon da- 
mals untrüglich den tapferen Trunkenbold. 

So erblickte die Welt nach einem Herrscher, der keinen 
Becher Weins je kosten wollte und seinen mosleminischen Unter- 
tanen den Wein unter Androhung harter Strafen untersagt hatte 
— Weinfässer wurden öffentlich verbrannt — ^), auf dem osma- 
nischen Throne einen moralisch gesunkenen Mann, der für die 
hohen und schweren Pflichten seines Amtes keinen Sinn mehr 
hatte und auf dem doch die ganze Verantwortlichkeit des Staats- 
lebens um so schwerer ruhte, als ihm allein als dem einzigen 
wirklich freien Manne die Initiative in allen Zweigen der Regie- 
rung zukam ^). Eins zwar, seine religiösen Obliegenheiten, ver- 
nachlässigte er ebensowenig wie sein Vorgänger, dessen gröfster 
Stolz gewesen war, dafs sein Name bei dem Gebet in 2060 
Moscheen genannt wurde '") ; Selim liefs die Mauern der Hagia 
Sophia, in der er auch beigesetzt wurde, befestigen *') und stiftete 
in Adrianopel eine glänzende Moschee, die durch kostbare Mar- 
morsäulen und edlen Porzellanschmuck nicht minder als durch 
architektonisches Ebenmafs bemerkenswert ist '). Wenn Soli- 
man auf neun Schiffen alle Dirnen aus Konstantinopel nach Zy- 



1) „Piü simile ad un mostro che ad un uomo"; Badoer in Alb^ri S. 361. 

2) „Pieno di carne, con faccia rossa e quäl piuttosto infiammata" ; Marc- 
antonio Barbaro, in Alberi, S. 318, Jahr 1573. 

3) Vgl. Navagero, in Alberi, S. 72; ebenda XIII, S. 17. 

4) Vgl. auchGarzoni, in Alberi, S. 432 ; ebenda XII, S. 462 ; Marcan- 
tonio Barbaro S. 327 — 328: „siccome dal sole prendono figura tutte le cose 
create". 

5) Vgl. Alberi XIII, S. 17 mit E v 1 i y a- Ef f f n d i , Travels, übersetzt von 
Hammer I, London 1834, S. 108. 

6) Gerlach S. 21. 

7) Vgl. Hammer II, S. 436. 

11* 



1^4 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

pern, der alten Insel der Göttin der Wollust, hatte überführen 
lassen, so wurde diese Mafsregel nach Selims Tode 1577 er- 
neuert i). Auch lebte er selbst fast nur mit der Hasseki, einer 
geborenen Bafifo aus Korfu, von wo sie durch Seeräuber in 
früher Jugend, erst 12 Jahre alt, geraubt worden war 2); nur ein 
einziges Liebesabenteuer, mit der Frau des Beglerbegs von Rum, 
der sich deswegen erhängte, wird Selim nachgesagt ^). 

Aber selten nur erschien er im Diwan und beschäftigte sich 
mit Staatsangelegenheiten. Denn bereits in den ersten Stunden 
des Tages pflegte er berauscht zu sein; seine Stummen ver- 
schafften dem Herrn, der nur für sie nicht geizig war, Genufs 
und Zerstreuung. Im Winter mufsten sie draufsen im Schnee 
vor ihm tanzen, und mit umnebelten Augen schaute er ihren 
schmerzvollen Kunstproben zu. Im Zorne freilich schonte er 
dieser niedrigen Umgebung nicht, und sein Pfeil traf von Zeit zu 
Zeit einen der verächtlichen Günstlinge, Zwerge, Narren, Stum- 
men, ,,Gauckler", Ringer, um den er dann reuevoll weinte. 
Seine Leistungsfähigkeit war staunenswert: drei Tage und drei 
Nächte hindurch konnte er mit dem Günstling Ali zechen. 

Eine edlere Beschäftigung war es, wenn Selim mit der Mutter 
Ahmeds, seiner gewesenen Amme, die hübsch zu plaudern ver- 
stand, Schach spielte*), Abends liefs er sich etwas vorsingen; 
denn er war ein Freund von Musik und auch in die persische 
Poesie eingeweiht ^) : unter dem Klange der orientalischen Weisen 
entschlief er, um frühmorgens zu neuem Gelage zu erwachen. 
Nur wenn er mit prachtvollem Gefolge von gegen 6000 Menschen 
zur Jagd und von den entfernten Plätzen seiner Zerstreuung, Jam- 



1) Gerlach S. 359, 385. 

2) Ebenda S. 71: „Eine Sclavin von Korfu oder Korzira"; aber S. 334: 
„eine Griechin von Pario"; siehe auch ebenda S. 177—178. Gerlach ver- 
sichert auch S. 29, dafs ., die Käyserin" aus Korfu gebürtig sei. Und endlich, 
S. 383, wird sie gar zu einer Bosniakin! Vgl. Badoer, in Alb^ri, S. 361 — 362: 
„di Casa Baffo"; Alberi XIV, S, 286; Garzoni a. a. O. S. 403: „una sua 
schiava di Corfü , di Casa Baffo". Sie sollte eine Base Gianfrancesco Veniers 
sein, des Schlofshauptmanns von Korfu; Alberi XIV, S. 235. 

3) Ebenda S. 180. 

4) Garzoni a. a. O. S. 401 — 402. 

5) Ebenda S. 403; Gerlach S. 372; Evliya I, S. 108. 



Ursachen des Verfalls usw. 165 

boli, Demotika, wieder zurückritt, wenn er seinen wöchentlichen 
Besuch in der Moschee abstattete, wenn ein fremder Vertreter 
ihn zu pomphafter Audienz im g-rofsen Diwan veranlafste, und end- 
hch, wenn seine Galeote auf dem Goldenen Hörne in der Rich- 
tung- auf Siliwri oder die Süfsen Wasser sichtbar wurde ^), nur 
bei solchen Gelegenheiten wurden seine trotz alledem g^etreuen 
Untertanen der Existenz und Gegenwart des kaiserlichen Herrn 
unter ihnen gewahr 2). Als er am 12. Dezember 1574 nach 
mehreren Schlaganfällen seinen letzten gastronomischen Aus- 
schweifungen erlag — ,,dass er zu viel Schepswürste geessen und 
zu viel darauf getruncken" ^) — , weinte ihm niemand nach, weil 
die meisten ihn gar nicht gekannt hatten, und die wenigen, denen 
diese seltene Ehre zuteil geworden war, ein solches Leben nur 
mit Abscheu hatten ansehen können. 

Weit unumschränkter als selbst in den letzten Jahren des 
alten, kränklichen und müden Soliman, der sich doch immer die 
letzte Entscheidung vorbehielt, so dafs seine Wesire und Feld- 
herren beständig zwischen Zuversicht und Furcht schwebten ^), 
war unter Selim Mohammed Sokoli Herr im Reiche. Zwar er- 
freute er sich nicht der Vorrechte eines persönlichen Günstlings, 
wie Ibrahim , Solimans Jugendfreund (z. B. hatte er nicht den 
privaten Diwan desselben^); der Sultan ordnete nicht an, wie 
Soliman es für Ali-Pascha gemacht hatte, keinen Diwan während 
seiner Krankheit zu halten, und liefs ihn nicht sehnsüchtig als" 



i) G arzo n i a. a. O. 

2) Vgl. Badoer a. a. O. S. 361 ; Navagero a. a. O. S. 76; Garzoni 
a. a. O. S. 431; Alb^ri XIII, S. 24, 97; XIV, S. 134, 166-167, I79ff.; 
„Mon. Hung. Hist." VI, S. 181, — vgl. S. 95, 99: „ingenio mitis ej moribus 
quietuS"; Gerlacli S. 247, 336, 397, 411; auch Charriöre III, S, 395, 
Anm.: „homme de foy et bien vivant" (in religiöser Hinsicht) ; aber .S, 374: 
„l'homme le plus -avare et sordide de la terre"; S. 259, Anm.: ^,le plus imbe^ 
cille subject qui ait jamais command6 en cest Estat"; S. 283: „il n'y eust oncques 
avarice si extresme, ne si sordide en ce monde, qu'est celle dudit Grand-Seigneur 
et de sondit Bassa". 

3I Gerl ach S. 71. 

4) Albferi XIV, S. 166; vgl. ebenda S. 136, Anm. 3. 

5) Ebenda S. 136, Jahr 1557; vgl. Navagero a. a. O. S. 88—90. 



166 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

Rekonvaleszent zu ihm rufen, sei es auch, gegen allen Gebrauch, 
beritten ^)), noch der engen Beziehungen Rustems zu seinem Herrn -) ; 
er blieb immer nur ein hoher Beamter, der dem Herrn seine Be- 
richte, Arz, vortrug, zu welchem Zwecke er zweimal in der Woche 
Audienz hatte '^). Aber als Gemahl der 40 Jahre jüngeren Tochter 
seines Herrn ^) genofs er während der ganzen Regierung dessel- 
ben einer wahren Allmacht. Seine Wohnung, ,, wie ein Schlofs " ^), 
war eine zweite ,, Pforte" des Reiches: täglich fand man eine zahl- 
reiche Gesellschaft — bis zu 500 Personen — daselbst zu Tisch. 
Die Sultanin, seine Frau, ,, klein und hesslich von Angesicht", 
liefs sich von 300 Sklavinnen bedienen ^'). 200 Tschisnedschirs 
weilten in diesem glänzenden Fürstenhause ausschliefslich um 
die Speisen aufzutragen ''). Die Hausschneider zählten nach Hun- 
derten; die Anzahl der gemeinen Sklaven beHef sich fast auf 
tausend. Seine Söhne von Selims Tochter, die kein langes Leben 
hatten, wurden wie osmanische Prinzen zu Grabe geführt ^). Aus 
der Million in Gold , die er jährlich ersparen konnte , liefs er 
zahlreiche Bauten zum ewigen Gedächtnisse seines Namens auf- 
führen: in Galata stiftete er eine, in Konstantinopel eine andere 
Moschee, Karawanseraien in Adrianopel, Belgrad, Pergamon, 
Brussa und in den zahlreichen thrazischen und bulgarischen Dör- 
fern und Märkten — wie Lüle-Burgas — , die ihm gehörten ^), 
eine Begräbnisstätte bei der altehrwürdigen Ejubsmoschee ; der 
Hauptstadt schenkte er aufserdem prachtvolle Bäder und einen 
Tiergarten ^^). Gegen Christen war er rücksichtsvoll und von einer 
bei Renegaten noch mehr als bei geborenen Türken auffälligen 
Höflichkeit und sogar Freundlichkeit ^^) : sowohl die Venezianer, 



1) Alb er i XIV, S. 27; vgl. S. 28—29, 185. 

2) Vgl. ebenda S. 157. 3) Ebenda S. 376 — 377. 

4) Über den Tod einer anderen Tochter Selims siehe Gerlach S. 402. 

5) Die Italiener freilich urteilten, dafs sie sich mit der Wohnung eines Edel- 
manns ihrer Nation nicht messen könne; Alberi XIII, S. 225. 

6) Ger lach S. 130, 324—325, 349, 373, 383—384. 

7) Ebenda S. 378. 

8) Ebenda S. 157, 318, 445; Alberi XII, S. 442. 

9) Gerlach S. 52, 510— 511. 

10) Gerlach S. 187, 266 — 267, 529; Alberi XII, S. 441. 

11) Vgl. Charrifere III, S. 404, Anm. 



Ursachen des Verfalls usw. 167 

denen der letzte Friede ein Geschenk von 15000 Dukaten ge- 
kostet hatte, wie die Franzosen und Deutschen, die ihm jährHch 
9000 Taler verehrten ^), rechneten ihn zu ihren Freunden; er 
liefs sich, einem Gesandten der Republik zu Gefallen, porträtieren, 
und man verg-lich ihn einem christlichen Prinzen -). In seinen 
letzten Jahren liebte es der g-ewesene Kirchendiener von S. Sab- 
bas ^) übrigens , von seinem fürstlichen Ursprünge aus der ser- 
bischen Despotenfamilie zu sprechen ^). Jedenfalls hatte er den 
Serben in der Person seines Verwandten Makarius einen neuen 
Patriarchen von Pec (Ipek) gegeben ^). 

Die übrigen Wesire waren, dem Ausdruck des deutschen 
Predigers Gerlach zufolge, neben diesem eigentlichen Lenker 
der Reichsgeschäfte nur ,, stumme Personen" der grofsen Staats- 
aktion, ,,Jaherren" *>), Mit ihnen geruhte Sultan Selim nur in 
den zu Pferde abgehaltenen Diwanen, wenn er mit ihnen Ausflüge 
in die Umgebung der Stadt unternahm, Rats zu pflegen ^). Die 
meisten waren Renegaten und keine ,, geborenen Türken"^), 
und verdankten ihre Erhebung weniger persönlichen Verdiensten, 
kriegerischer Tapferkeit, bewährter Treue, diplomatischem Ta- 
lente, langjährigen Diensten, sondern vielmehr den zufälligen 
oder schlau gesuchten Beziehungen zur kaiserlichen Familie, der 
sie dennoch als Sklaven keineswegs angehörten. 

Zwar der energische, mit natürlicher Beredsamkeit begabte 
Osman, eine starke, schöne Kriegergestalt ^), und der gelehrte, 
hochangesehene und unbestechliche NischandschiMehemed-Pascha 



i) Gerlach S. 38. 

2) Alböri Xin, S. 157: „piuttosto principe cristiano che Turco", 198 — 199; 
Ger lach S. 54; Brosch a. a. O. S. 35 — 36 und Anm., 64 — 65. 

3) Garzoni a. a. O. S. 405. 

4) Alb^ri Xm, S. 98; Jahr 1571. 

5) Jirecek im „Archiv für slavische Philologie" IX, S. 291 flf, 

6) S. 450. 

7) Marcantonio Barbaro, Jahr 1573; in Alb^ri S. 321; Charriere III, 
S. 613 (1576); Alb^ri XIII, S. 363 (1592); XIV, S. 365, 376 (1590). 

8) Über die adligen Geschlechter der Osmanen jener Zeit, die meist den 
besiegten Dynastien entsprossen waren, siehe Alb^ri XIII, S. 19. 

9) Ebenda XIV, S. 287 — 288. 



168 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

hatten türkische Eltern gehabt ^). Aber der kleine Piali (g-estorben 
21. Januar 1578'-)) war christlicher Herkunft, angeblich das Kind 
eines Schusters von Tolna, das Soliman während des ersten un- 
garischen Feldzugs in einer Schanze gefunden hatte, und dieser 
reiche Opiumesser, der in Dummheit, Unwissenheit und Selbst- 
vertrauen Soliman versprach , innerhalb eines Jahres alle christ- 
lichen Prinzen gefangen nach Konstantinopel zu bringen , und 
1569 einen Angriff auf Otranto empfahl, wurde Selims Schwieger- 
sohn 3). Der gutmütige Deutsche Sal-Mahmud war der Gemahl 
einer Prinzessin, die zuerst Hassan-Pascha geheiratet hatte ^). Der 
Slawe Ali-Pascha, der gewesene Beglerbeg von Ofen , heiratete 
später die Witwe Sokolis ^). Ein Schwiegersohn Selims war ferner 
der unbedeutende Bulgare Mahmud *') , Wesir unter Murad , der 
seine Laufbahn als Gehilfe des kaiserlichen Barbiers begonnen 
hatte und darum bei der Beschneidung seines prinzlichen Neffens 
persönlich seine Geschicklichkeit bewähren konnte ; seine Frau war 
die Witwe Pialis, deren Söhne aus erster Ehe 1585 zu Sandschaks 
von Hersek und Klis bestellt wurden '). Der Kroate Siawusch, 
ein schöner Mann, der hoffärtig, geschmeidig, witzig, manieroso, 
furchtsam und geizig zugleich war, sollte zuerst die Tochter Se- 
hms heiraten, um dann von Murads Gnade ihre Nichte zur Ge- 
mahlin zu erhalten ^). 

Später erfreute sich Schemsi-Pascha grofsen Einflusses, nicht 
etwa, weil er Schöngeist war und persisch dichtete, sondern weil 



i) Alb'^ri XIV, S. 295; Jahr 1585; 370— 37i ; vgl. ebenda S. 315. Über 
die verminderte Geltung des Nischandschi, dessen Amt der Grofswesir usurpiert 
hatte, siehe ebenda S. 155. 
• ' '2) Gerlach S. 448. 

3) Vgl. über ihn Charri^r e III, S. 59, 712, Arim. ; G arz oni, in Alberi, 
S. 407; ebenda XIV, S. 188 ff.; Gerlach S. 37, 90. Si«he auch weiterhin. 

4) Garzoni a. a. O. S. 480; nach Badoer S. 365—366 wäre sie die 
Gattin Rustems gewesen. Vgl. Evliya I, S. 108. 

5) Alberi XIV, S. 291, Jahr 1585. 

'6) Gerlach S. 393; Alberi XIH, S. 156, 234, 241, 243 — 244. 

7) Alberi XIV, S. 289 ; Vgl. ebenda S. 366, 368—369; er soll übrigens 
aus' Köhstantinopel gebürtig gewesen sein; S. 433. 

8) Alberi XIII, S. 239, 243, 357, 366—367, 418-419; XIV, S. 293— 294;- 
Charrifere III, S. 849, Anm. 



Ursachen des Verfalls usw. 169 

er eine Sultanin zur Mutter gehabt hatte ^). Ahmed, der die 
Erbschaft SokoHs antrat-), war eine derbe Natur, die jeg-licher 
Habsucht, aber auch jeghcher Kenntnisse und Talente bar blieb ; 
da er der Sohn eines Spröfslings einer der Töchter Bajesids und 
in seiner Jugend ein stattlicher und lustiger Gesell war, so gab 
ihm die Witwe Rustems, auch eine Sultanin, die eine eigene 
Moschee gestiftet hatte ^), ihre Tochter zur F'rau; sein Bruder, 
Mustafa, führte während der Unternehmung gegen Malta das 
Kommando. Von der Schwiegermutter stand Ali eine Riesen- 
erbschaft in Aussicht: was Rustem an Geschenken und regel- 
mäfsigen Einkünften gespart hatte. 

Sultan Selim pflegte das Haus dieses Verwandten in Skutari 
zu besuchen, weil er gern mit dem starken, gesprächigen Manne 
zechte. Als Wesir taugte freilich dieser ,,Deli-Pascha", d. h.' 
Wagehals, der auch dem Opiumgenufs huldigte, so wenig, dafs 
alle über seinen raschen Hintritt froh waren ■*). Mustafa, der 
Eroberer Zyperns, der die Verantwortung für die an Bragadino 
verübte scheufsliche Grausamkeit Arab - Ahmat zuschob , einem 
Mohren, früheren Kaikdschi und späteren Küchenmeister ^), war 
ein verständiger Kopf und feiner Diplomat, tapfer im Kriege,- 
von untadelhafter Treue und alles Ehrgeizes bar; zuerst hatte er 
die sehr reiche Enkelin ^') des letzten Herrschers von Ägypten 
geheiratet, wurde aber bald der Gemahl der Tochter Moham- 
meds, jenes Sohnes Solimans, den ein allzu früher Tod um die 
Erbschaft des Vaters gebracht hatte; die Sultanin -Mutter war 
seine ,, geschworene Schwester" ^), Mustafa starb, ohne Grofs-.. 
wesir geworden zu sein, am 4. August 1580, — schon 1573 war 



i) Gerlach S. 311, 376; Charriere III, S. 835, 841—842, Anm.: 
„ayant ja gouverne heureusement troiz empereiirs". .■■/' 

2) Gestorben 27. April 1580. 

3) Gerlach S. 187. 

4) Garzoni, in Alberi, Jahr 1573, S. 404: Bad o er a. a. O. S. 366; 
ebenda XII, S. 444; Gerlach S. 452 — 453; Charriere III, S. 833 — 834, S39, 
842 Anm., 848, 856, Anm., 901 — 903, 911, Anm., 918. Über die feierliche Be- 
schneidung des Sohnes, ,,mit Feuerwerck", siehe Gerlack S. 269. 

5) Gerlach S. 138, 154. Vgl. auch Reufsner Buch XII, S. 120 — 12K • 

6) „Figliuola di un figlio". ' ii 

7) Alberi XIII, S. 467. . , , -i 



170 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

sein Sohn Pascha von Alep g"e\vesen ^). Und alle diese Grofsen 
des neuen friedlichen Reiches hingen fast durchaus von dem Ein- 
flufs der Sultaninnen ab, stolzer Frauen, donne di gran spi- 
rito, die ein Messer im Gürtel-) trugen und freien Eintritt ins 
Serail ihres kaiserlichen Verwandten hatten ^). Da die frühere 
Anzahl der Wesirate nicht mehr ausreichte, um jeden Familien- 
ehrgeiz befriedigen zu können, so wurde sie ohne Notwendigkeit 
von vier auf sechs, dann auf acht erhöht ■^). 

Zwei albanesische Paschas lebten in Konstantinopel, deren 
einer bereits im August 1580 die Stellung eines Grofswesirs erhielt, 
obgleich ihn niemand unterstützte, weil ihn niemand liebte. Beide 
verdankten ihren Rang und ihr Ansehen sich allein, und nicht der 
Geburt und dem ,, Geiste " ihrer Frauen. Ferhad, der nicht ein- 
mal türkisch lesen konnte , erwarb sich in Persien ^) durch die 
Gefangennahme eines Neffen des Schachs wohlverdienten Ruhm 
und wufste mit den Gesandten christlicher Mächte geschickt zu 
unterhandeln ^). Sinan, sein späterer Rivale, war sein Verwandter ^) ; 
er übertraf ihn an Persönlichkeit und hatte die Eigenschaften 
eines hervorragenden Mannes. ,, Ohne jegliche Milde " ■^) war 
dieser Sohn eines Bauern von Dibra ein gläubiger Moslem und 
ein sicherer Führer im Kriege, und bewährte sich als solcher bei 



i) Garzoni a. a. O. S. 409 ff.; Alb^ ri XII, S. 444— 445 ff. ; XIII, S. 154—155; 
XIV, S. 238; Gerlach S. 513 — 514: seine Stiftungen in Thrazien; Char- 
riere III, S. 904ff., 911, Anm., 912, 923, 934: „regrette de tous les gens de 
bien". Nach einem venezianischen Berichte war 1562 auch der „Kroate" Ferhad 
der Gemahl „der Tochter Mohammeds"; Alb^ri XIV, S. 187. 

2) Gerlach S. 398. 

3) Vgl. Marcantonio Barbaro, Jahr 1573, S. 330; Alböri XII, S. 442. 

4) Sechs im Jahre 1564; Alb^ri XIII, S. 25; acht im Jahre 1588; ebenda 
XIV, S. 286. 

5) Siehe weiter unten. 

6) Gerlach S. 85—86; Alberi XIII, S. 356; XIV, S. 290—291, 371, 
416-418; Cavallo a. a. O. S. 296. 

7) Auch Pertew - Pascha war mit Ferhad verwandt: seine Frau war dessen 
Schwiegermutter; Alberi XIV, S. 188. 

8) „Di aspetto feroce et senza punto di dolcezza, . . . di animo terribile 
superbo, vano et pieno di pensieri vasti et smisurati et, quanto alla militia, gli 
si viene piu il nome di soldato, per esser temerario et impetuoso et valoroso et 
prudente"; Wien, Kais. Bibl., Ms. 6318, fol. 275. 



Ursachen des Verfalls usw. 171 

der Bekämpfung- und der Einnahme Golettas, die er als Kapudan 
erzwang-, und später im ungarisch -rumänischen Krieg-e. In der 
auswärtig-en Politik war er ein entschiedener Feind der Christen, 
besonders der Deutschen in Ung-arn und der Venezianer. Als 
Richter war er unbeug-sam g-erecht, als Verwalter ehrlich und 
streng-, in seinen Beziehung-en zu den Gesandten rauh und allem 
Hinausschieben, allen persönlichen Komplimenten und mitunter 
sog-ar allen Geschenken abhold, in denen zum Kaiser bis zu 
einem g-ewissen Zeitpunkt, als — ung-efähr um 1590 — sein 
eiserner Charakter inmitten der allg-emeinen Immoralität Rostflecke 
zu zeig-en begann, von fester Entschiedenheit. 

Auch er war ein ,,Deli", ein ,, toller Kopf" ^). Aber das 
hinderte ihn nicht, in der Politik selbständig- zu urteilen ; vielleicht 
war er der einzig-e Mann, der nach dem Muster eines Sokoli, aber 
mit einem Krieg-seifer und einem Stolze, die dieser nicht g-ekannt 
hatte, das Reich mit sicherer Hand im Namen eines untätig-en 
Kaisers zu führen imstande war -). Die Frauen des kaiserlichen 
Palastes unterstützten ihn g-eleg-entlich — so die Hasseki Murads, 
die ebenfalls Albanesin war '^) — und bekämpften ihn ein andermal, 
wie die ,,Kaikatun"; er selbst blieb vom Anfang- bis zum Ende 
seiner Laufbahn g-egen jedermann derselbe und war die letzte 
unter den grofsen Persönlichkeiten der eisernen osmanischen Ära. 

Die früheren Wesire des Reiches hatten keine bedeuten- 
deren Vermächtnisse hinterlassen; denn sie waren sich noch be- 
wufst, dafs sie als Sklaven eig-entlich nichts besitzen durften; 
und für den Herrn, ihren natürlichen Erben, mochten sie nicht 
sparen. Es fehlte ihnen infolg-edessen auch an einem Motive, 
unehrliche Mittel zur Erhöhung ihrer Habe zu g-ebrauchen. Sie 
trieben Luxus mit Gewändern , Turbanen , Waffen , Edelsteinen 



1) Alb^ri XII, S. 445 ff. 

2) Grofswesir 1580 bis 5. Dez. 1582; April 1589 bis August 1591 ; Januar 
1593 bis Februar 1595; Juli bis Nov, 1595; Nov. 1595 bis t 3- April 1596. 
Über ihn Garzoni a. a. O. S. 4"; Alb^ri XIII, S. 154, 358; XIV, S, 240, 
293. 329. 372—373» 42off.; Gerlach S. 31, Jahr 1573: „ein junger starcker 
Mann, mit einem dicken schwartzen Bart"; S. 109. 

3) Alb^ri XIII, S. 242, 293. 



17ti Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

und Perlen, prahlten mit dem Aufwände ihres Hauses, gefielen 
sich im Glänze der von ihnen für das Heil ihrer Seele g;estifteten 
Moscheen und öffentlichen Bauten; all das konnten sie von den 
ihnen dargebrachten Geschenken bestreiten, die sie annahmen, 
ohne sie anzusehen i). Rustem, der ebenfalls als Erbauer ein 
Verschwender war -), befand sich als erster in einer anderen Lage: 
Gemahl einer Sultanstochter, hatte er die Gewifsheit, dafs seine 
Reichtümer ihr und den mit ihr erzeugten Kindern verbleiben 
würden, und die ehrgeizige, an jeden Luxus gewöhnte Frau war 
selbstverständlich nicht gewillt, ihn bei der Jagd nach gemünz- 
tem Geld auf jedem gangbaren Wege aufzuhalten. So genofs 
seine Witwe — trotzdem der Sultan ein Drittel der Erbschaft 
an sich nahm und die Sultanstochter selbst in der Wüste mit 
grofsem Aufwand eine Wasserleitung für die nach Mekka Pil- 
gernden gebaut hatte — ein Einkommen von 2000 — 3000 Du- 
katen täglich aus einem Vermögen von 15 Millionen und konnte 
beinahe mit dem Sultan selbst wetteifern; ihr Schwiegersohn 
Ahmed hatte also berechtigten Anspruch, Grofswesir zu werden ^); 
nach späterer Schätzung hat er seinerseits 14 Millionen Dukaten 
angehäuft '*). Ali-Pascha erwarb während eines viel kürzeren 
Grofswesirats 8 Millionen ^). 

Dennoch hätten die täglichen 5000 Taler Sokolis*'), die schon 
erwähnten Gaben der Venezianer und Deutschen, die Geschenke 
aus der Moldau und Walachei — von letzterem Fürstentum er- 
hielt er jährlich bis zu 24000 Talern ''') , und im ganzen er- 
gaben alle diese Einnahmen jährlich doch nur i Million, — wie 
auch sein Gehalt ^) und die Erträgnisse seiner zahlreichen Güter 
in Europa und Asien — nicht weniger als 18 Millionen jähr- 

i) Alberi XIII, S. 228. 

2) Ebenda S. 222. 

3) Ebenda S. 158, 400—402; Marcantonio Barbaro a. a. O. S. 312; 
Ger lach S. 266, 449. 

4) Charri^re III, S. 918. 

5) Gerlach S. 449. 

6) Ebenda. 

7) Ebenda S. 397 — 398. 

8) Siehe darüber Navagero a. a. O. S. 62 — 63, Jahr 1553: damals 
24000 D-ikaten. 



Ursachen des Verfalls usw, 173 

lieh ^) — , nicht g-enügt, die Anhäufung- einer Summe von 22 Mil- 
lionen Dukaten zu erklären, die er seinen Erben hinterUefs -). 

Da aber alle Ernennungen im Reiche von ihm ausgingen, 
so kam zu den reichen Geschenken, meistens in Geld, der Für- 
sten der Moldau und Walachei , der Patriarchen , Metropoliten, 
Bischöfe und Pächter der kaiserlichen Einkünfte noch die un- 
geheure Einnahme , die das , auch bei Verteilung der Reichs- 
ämter in Anwendung gebrachte System der Erpressungen zur 
Folge hatte. Dadurch allein wurde Sokoli ,, reicher dann kein 
teulscher Fürst an Geldt"^); denn ,,alle Aempter mus man 
kauffen"^), sagt eine deutsche gleichzeitige Quelle, das Werk 
eines guten Kenners der türkischen Verhältnisse, der diese Worte 
mit Entrüstung über das System , nicht aber aus Feindschaft 
gegen den Mann schrieb. Die Moral des ,,Schmierens", der 
,,Schmieralia", wie er sich ausdrückt, stand zu der Zeit, da 
Sultan Selim, der nicht regieren wollte, seine Scheinregierung' 
schlofs, im inneren politischen Leben des Reiches bereits in voller 
Blüte. ,,In der Türekey richtet der Achdscha, der Asper, das 
Geld, alles auss ■^)." 

Ihrerseits mufsten natürlich die für Geld ernannten, bestä- 
tigten und gewechselten Sandschaks wieder die ,, Schwämme dess 
Bässen " werden ^). 

In alter Zeit war jeder Rang, jede Stellung, jeder Timar oder 
gröfsere Ziamet auf dem Schlachtfelde erworben worden , unter 
den Augen des Kaisers, der unmittelbar nach dem Siege dem 
Verdienst öffentlich die gebührende Belohnung zuerkannte. Die 
Ära der gewinnbringenden Kriege schien jetzt abgeschlossen; 

i) Garzoni S. 405 — 406; Jahr 1573. 

2) Charriere III, S. 918. Sein und einer Sklavin Sohn Hassan wurde 
Pascha in Erzerum, Hersek und Ofen; Alberi XIII, S. 80—81; 157, 358; 
XIV, S. 435; Brosch a. a. O. S. 68; Gerlach S. 219. Ein Neffe, Sand- 
schak von Klis; AlbJ;ri XUI, S. 41. 

3) Gerlach S. 37, 

4) Ebenda S. 93 — 94. 

5) Ebenda S. 370. 

6) Ebenda S. 130, 414; vgl. S. 450; Alberi XIV, S. 171 — 172; XII, 

s. 439—440- 



174 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

die Sultane mochten ihre behagHche Residenz nicht mehr ver- 
lassen, um sich den Strapazen eines im Erfolge fraglichen Krieges 
auszusetzen. Die Folge war, dafs dem Grofswesir und seinen 
Kollegen, später auch anderen einflufsreichen Personen die Ver- 
fügung über Ämter und Würden überlassen blieb. Diesen allen 
aber fehlte jedes sachliche Kriterium bei der Ausübung des 
ihnen zugefallenen Ernennungsrechtes oder der von ihnen usur- 
pierten Ernennungsgewalt, Familienrücksichten konnten nicht ent- 
scheidend sein; kaum die Söhne eines Sokoli, eines Sinan — der 
Sohn Sinans war 1594 Beglerbeg von Rum ^), ein Sohn Pialis 
in demselben Jahre Sandschak von Klis und Lepanto -) — wur- 
den aus solchen befördert; aber Sklaven derer, die selbst als 
Sklaven ins kaiserliche Serail, die Pepiniere für alle Ämter und 
Würden, gelangt waren, konnten eine glänzende Laufbahn machen, 
eben weil sie keine persönlichen Beziehungen hatten und somit 
ausschliefslich von der Gnade des Herrn abhingen. Eine beson- 
dere Vorbildung für diese oder jene Stellung wurde nicht ge- 
fordert. Und, da also von einem Bewerber nicht Gewährleistung 
seiner Fähigkeit und Tüchtigkeit erwartet werden konnte, so spielte 
naturgemäfs das aufgewandte Geld , gelegentlich auch die Rein- 
heit oder aufserordentliche Gröfse der Edelsteine, die Seltenheit 
eines Pelzes die gröfste und oft entscheidende Rolle. 

Ein Sultanswechsel hätte diese Vorzeichen eines politischen, 
wenn auch noch nicht sittlichen Verfalls bei ihrem ersten Auf- 
treten beseitigen können. Der neue Sultan brauchte sich nur 
wieder dem Kriege zu widmen. Diese Besserung trat aber beim 
Tode des zweiten Selim nicht ein. Selims persönliche Fehler 
hatten vielmehr den allgemeinen Ursachen einer raschen Deka- 
denz noch andere von grofser Tragweite gesellt. 

Dennoch hatte manch einer von Sultan Murad, solange er 
noch als junger Prinz (geb. 27. August 1546) in Asien residierte 
und, wie üblich, ohne Einflufs auf die Staatsangelegenheiten war, 
gehofft, dafs er das ,, Frauenzimmer " verlassen werde, um, nach 



1) Alberi XIV, S. 435. Siehe weiter. Vgl. oben S. 173, Anm. 2. 

2) Alberi XIV, S. 433. 



Ursachen des Verfalls usw, 175 

dem Beispiele seiner kriegerischen Vorfahren, „in den Zelten auff 
dem Felde zu liegen" ^). Auch nach seinem Einzüge in Konstan- 
tinopel, wo er zunächst seine fünf unmündigen Brüder erwürgen 
liefs"-), hegte man grofse Erwartungen von ihm. Denn seine 
,, mittelmässige Person, nicht starck von Gliedern, mit einem 
braunen Bart und Habichtsnasen" ''^), hatte ein zwar finsteres und 
verschlossenes, aber auch energisches Aussehen. Man sprach 
von seiner Frömmigkeit, seinem gerechten Sinne, seiner Frei- 
gebigkeit und Mildtätigkeit und seinem Verständnis für die Staats- 
geschäfte ^). Man erfuhr, dafs er mit besonderer Vorliebe lite- 
rarischen Studien oblag ^). Er entfernte in der Tat die unwür- 
digen Diener des Vaters sogleich vom Hofe , bestrafte die des 
Verkaufes von Ämtern Schuldigen hart, enthielt sich des Trunkes 
und lebte mit seiner Hasseki, einer Sklavin, häusHch, sehr ein- 
fach, ohne jeglichen Luxus in der Kleidung ''). Der kleine blonde 
melancholische Mann mit langem Halse, einer Habichtsnase und 
träumerischen blauen Augen — ein Venezianertypus — schien 
die guten Traditionen auf den Thron zurückzubringen '). 

Das Verhängnis aber wollte , dafs der neue Sultan Epilep- 
tiker war, und die furchtbare Krankheit machte ihn zurückhal- 
tend und menschenscheu. Nur in der ersten Zeit seiner Regie- 
rung liefs er sich, wie es sein Vater getan hatte, auf Jagdzügen 
mit zahlreichen Soldaten, die nach persischer Mode glänzende 



1) Gerlach S. 383. 

2) Ebenda S. 71. Ein siebenter Sohn Selims war bereits 1572, erst 5 Jahre 
alt, gestorben; Charriere II, S. 319, Anm. 

3) Gerlach S. 77. 

4) Ebenda S. 71 ; Marcantonio Barbaro a. a. O. S. 318—319: „di 
modesti costumi". 

5) Alben XII, S. 463 — 464; XIII, S. 25, Jahr 1564; S. 97, Jahr 1571; 
vgl. Badoer a. a. O. S. 361 — 362; Garzoni a. a. O. S. 403; Gerlach 
S. 322. 

6) Noch 1590 erliefs er Gesetze gegen den Luxus: „Id quoque decreverunt 
cum imperatore ne mercatores vel institores cari fori panno vel serico vestiantur, 
sed bagazya et fosztan , quibus ut tantumraodo militares viri et aulici imperatoris 
utantur"; Graz, Staatsarchiv, 1589 — 1590, 15906, fol. 89. 

7) Siehe Alberi XII, S. 463—464; XIII, S. 165—166, 195—196; XIV, 
S. 327 — 329. Über jugendliche Liebesabenteuer Murads als Prinz Alberi XIV, 
S. 181, Jahr 1562. 



ii76 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

Panzer trugen, bei einig-en prachtvollen Aufzügen, die den frem- 
den Gesandten imponieren sollten, auf dem Wege zur Moschee 
-oder bei Spazierritten auf dem Kanäle vor seinen Untertanen 
sehen, wobei er, der nie einen Krieg mitgemacht hatte, bich am 
'lauten Lärm der Geschütze ergötzte ^). Sehr bald aber entzog 
er seine Person der Öffentlichkeit; um 1590 vergingen sechs 
Monate, ohne dafs er ein einziges Mal sein neues Serail verlas'^en 
hätte, wo er von seiner Familie und seinen Günstlingen um- 
geben elend hinsiechte -). 

Wenn Murad bei Audienzen fremder Gesandten widerwillig 
erscheinen mufste, blieb er stumm und unbeweglich, ,,wie ein 
lebloses Standbild"; und unbe.^-chreibliche Wehmut sprach aus 
den sonderbaren, müden blauen Augen ^). 

In seiner Jugend war er als P>ind der Christen, besonders 
der Venezianer, bekannt gewesen^); jetzt hafste er keine Nation 
mehr, auch die Perser nicht, die ihm so grofse Schwierigkeiten 
bereiten und so manche bittere Stunde verursachen sollten; aber 
er liebte und bevorzugte auch keine ; seinen schwachen Händen 
waren die Zügel der Regierung", was die auswärtigen Beziehungen 
anlangte, zu schwer. In seine Zimmer gebannt, verschmähte er 
es zwar, sich wie Selim zu betrinken, aber auch er war unmäfsig 
im Essen; bis zu 50 Gerichten wurden ihm auf silbernen Schüs- 
seln aufgetragen. Die Mutter und die albanesische oder bos- 
nische ^) Hasseki waren seine gewöhnliche Gesellschaft; aber er 
hatte den Ausschweifungen des Harems sehr bald Geschmack 
abgewonnen; 300 Haremsfrauen gebaren ihm nicht weniger als 
fünfzig Kinder *'). Seinen ältesten Sohn Mohammed, einen schö- 
nen, aber grausamen und ehrgeizigen Jüngling '), duldete Murad 
nicht in seiner Nähe, weil er der Liebling der Janitscharen war; 

i) Gerlach S. 77, 116, 311, 342, 367; Alberi XIII, S. 298—299. 

2) Charri^re III, S. 922; Gerlach S. 23. 

3) Alberi XIII, S. 237; XIV, S. 330. 

4) Charri^re III, S. 402, Anm. ; S. 428, Anm. 

5) Siehe Gerlach S. 177. 

6) Albferi XIII, S. 352; XIV, S. 201: sieben Sklavinnen waren ihm schon 
•1562 geschenkt worden; Charriere III, S. 915, Anm.: ,,se donnant ä ses plai- 
isirs parmy les delices"; vgl. Gerlach S. 230. 

7) Vgl. auch Alberi XIH, S. 237 — 238. 



Ursachen des Verfalls usw. 177 

er verlieh ihm nicht einmal das übliche asiatische Sandschakat, 
sondern hielt ihn in Asien unter strenger Aufsicht ^) und sandte 
ihm Frauen allein in der Absicht, den lebhaften und aufrühre- 
rischen jungen Geist zu entnerven ; im Alter von 20 Jahren hatte 
Mohammed schon drei Söhne, deren ältestem der bedeutungs- 
volle Name Soliman gegeben worden war -). 

Dagegen stand Ibrahim-Aga ■^) als Musaip, als Günstling, dem 
mürrischen, in Träumen versunkenen Herrn zur Seite. Ein Dichter, 
der vorgab, aus dem Geschlechte Osmans zu sein, liefs vor den 
Ohren des melancholischen ,, Verwandten" persische Verse er- 
tönen ; ein Astrolog aus Kairo und ein Jude aus Saloniki deu- 
teten ihm die Zukunft, die den Furchtsamen schreckte*); ein 
maurischer Arzt bewachte den Kranken '"). Nur selten ging er 
noch im Garten , wo ihm die Adschemoglane Löwen , Bären, 
Wildschweine und Hirsche auftreiben mufsten, der Jagd nach; 
noch seltener kümmerte er sich um den gutbesetzten Tiergarten. 
Papageien, kleine Hunde, jüdische Tänzer und Stumme, wie 
Nasuf, der Mörder der Söhne Selims — der dem Grofswesir und 
dem Thronfolger trotzen durfte'^) — , vertrieben dem Einsamen 
und Mifstrauischen die Zeit '^). 

Dazu kam, dafs er gleich nach Antritt seiner Regierung von 
einer unstillbaren, krankhaften Gier nach Geld befallen wurde. 
Um seine 2^ Millionen jährlich zusammen zu bekommen und in 
eigener Münze umschmelzen und in seiner Nähe vergraben lassen 
zu können , forderte er von den Anwärtern auf den Thron der / 

Moldau und der Walachei ungeheure Summen; sein Gewinnanteil 
bei Verleihungen geistlicher Würden an Griechen und bei Ver- 
gebung von Staatsämtern war öffentlich bekannt. Ja der mora- 
lische Verfall dieses Sultans ging so weit, dafs er die ihm dar- 
gebrachten Ehrenkleider aus Goldbrokat an Leute , die solche 



i) Alb^ri XIII, S. 373, 375; XIV, S. 232, 243, 286, 332, 438-439. 
Über andere Söhne Murads siehe Gerlach S. 316 — 317, 471. 

2) Alb^ri XIV, S. 352-353- 

3) Siehe über ihn auch Charriere III, S. 895, Anm. 

4) Gerlach S. 401, 408 — 409. 

5) Gerlach S. 87. 6) Alb^ri XIV, S. 242—243. 
7) Vgl. ebenda XIV, S. 295; Gerlach S. 79, 383, 400, 459. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. HI. 12 



178 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

brauchten, um sie ihrerseits wieder zum Geschenke zu machen, 
verhandeln Hefs i). Erst 1594, beim Ausbruche des neuen un- 
garischen Kriegs, kam der gewöhnlich gleichgültige Fürst end- 
lich einigermafsen zur Besinnung und traf Mafsrcgeln gegen die 
furchtbare Korruption , die beinahe alles überschwemmt hatte ^). 
Dieser Bufsakt sollte der Beschlufs seiner unglücklichen Regie- 
rung sein. 

Gegen Mohammed Sokoli zeigte Murad gleich nach seiner 
Thronbesteigung Mifstrauen und Übelwollen ^). Der bisherige 
Vizekaiser mufste erleben , dafs einige seiner Schutzbefohlenen 
und Helfershelfer, wie der reiche Grieche Michael Kantakuzenos, 
verfolgt, eingesperrt und später sogar ermordet wurden; unan- 
genehme Kollegen sah er sich zur Seite treten. Sokoli beugte 
sich vor dem wilden und stürmischen Charakter des neuen Herrn, 
der keinen Anstand nahm , seinen Wesiren mit Pfählen zu dro- 
hen '^). Aber er sollte der schwierigen Situation bald überhoben 
werden. Der von Soldaten und Volk gleicherweise gehafste 
Lenker des Reiches wurde von einem tollen Derwische, den er 
mit einer Bitte abgewiesen hatte , auf offener Strafse angefallen 
und getötet (11. Oktober 1579)^). 

Ihm einen Nachfolger zu finden, war nicht leicht. Keinem 
von denen, die nach Sokoli die Leitung der Staatsgeschäfte auf 
sich nahmen, schenkte Murad völliges Vertrauen. Es ist nicht 
zuviel behauptet, wenn man sagt, der grofse Minister sei über- 
haupt nicht ersetzt worden. Das Wesirat bestand fort; ein wirk- 
licher Grofswesir aber fehlte, obgleich der Sultan alles durch den 
Grofswesir erfahren und anordnen wollte *"). Jeder der sechs und 



i) Alb^ri XIV, S. 336—338, 411 — 412; Cavalli a. a. O. S. 275. 

2) Alböri XIV, S. 416. 

3) „Secret et couvert"; Charrifere III, S. 918. 

4) Gerlacb S. 307. 

5) Siehe besonders Gerlach S. 307 ff. ; vgl. Uadoer S. 364 ; Alböri XIV, 
S. 328; Brosch a. a. O. S. 65—67; Charriere III, S. 833, Anm. 

6) Alb^ri XIV, S. 234. Er fragte aber oft seinen gewesenen Lehrer, einen 
strengen Mann, einsamen Lebens; ebenda S. 435 — 436. 



Ursachen des Verfalls usw. 179 

später acht obersten Paschas mufste sich vor seinen Kolleg"en 
fürchten und zu schützen suchen. Der unsichtbare Sultan liefs 
jede ihrer Beweg-ung-en überwachen; sie waren nicht einmal der 
nächsten Zukunft sicher. 

Sinan, den der Einsiedler im Serail fürchtete, der unentbehr- 
liche Ferhad und eine kurze Zeit lang- auch Mustafa, dem Selim 
so viel zu verdanken hatte, bildeten Ausnahmen; Murads eig-ent- 
liche Wesire aber, die er selbst zu ihren hohen Stellungen er- 
hoben hatte, waren unbedeutende Persönlichkeiten. Seine Ver- 
wandten, die durch Heirat zu ihrem Rang^e g^elangten, sind oben 
bereits verzeichnet worden. Die übrigen waren ebensowenig 
durch irgendwelche Talente ausgezeichnet: der kleine, bucklige 
Slawe Mesih, der Beglerbeg von Kairo gewesen war, geizig und 
fromm, einfach und ärmlich im Aufseren, verstand die Schuld- 
ner des Khasna meisterlich zu bedrängen; der gierige Eunuche 
Hassan , der in Ägypten , Jemen und Persien eine militärische 
Rolle gespielt hatte und dem der Auftrag zuteil wurde, Demir- 
kapi am Kaukasus zu befestigen; Haidar, ebenfalls ein Slawe, 
der den bald abgebrochenen Zug gegen Polen leitete und 
auch in Georgien gekämpft hatte ; der milde Eunuche Dschafer, 
der am persischen Kriege teilnahm ; der grausame Jussuf , den 
die Seinigen ermordeten; der reiche Armenier Mohammed, der 
durch die Hände der Spahis umkam, weil er ihnen in schlechter 
Münze zahlen wollte ^) ; der Albanese Khalil, der Schwiegersohn 
des Sultans war, und besonders der Günstling Ibrahim, der auch 
eine Tochter seines Herrn heiratete, aus Prepolje in der Herze- 
gowina, angeblich von türkischen Eltern gebürtig, die ihn statt 
eines rekrutierten Christenkindes verkauft hatten ; als feinerer Geist 
suchte er allen zu gefallen und gefiel auch; im Grunde aber war 
er falsch, betrügerisch und feig. Solchen Schlages waren die so- 
genannten leitenden Persönlichkeiten des Reiches zu einer Zeit, 
wo „alle raubten und alle beraubt wurden" '^). Die meisten sind 



1) Alberi XIV, S. 294. 

2) „Tutti in quel governo rubano e sono anche rubati"; Alberi XIV, 
S. 336. Siehe über die Wesire: Mesili , Alberi XIII, S. 241, 243; XIV, 
S. 288 — 289; über Hassan ebe da XIII, S. 357; XIV, S. 373, 375, 434: über 
Haidar ebenda XIII, S. 352, 356; XIV, S. 434 — 435; über Dschafer ebenda XIII, 

12* 



180 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

Albanesen oder Slawen ; nur der Kapi-Agz wurde als g-eborener 
Türke bezeichnet ^). 

„Es gibt jetzt nicht mehr eine einzige Pforte", schrieb ein 
Gesandter, der es müde geworden war, all diese Grofsen von 
gleicher Macht und gleichem Einflufs der Reihe nach zu be- 
suchen, zu umschmeicheln und zu gewinnen, ,, sondern vielleicht 
tausend -)." Und dieses Chaos noch zu vermehren , trugen die 
sogenannten ,, inneren Einflüsse", die favori di dentro^) das 
Ihre bei. 

Da Murad im Serail eingeschlossen blieb , hatte seine Um- 
gebung einen weit gröfseren Einflufs auf seinen schwachen und 
verworrenen Geist, als ihn die niedrigen Günstlinge Selims auf 
diesen ausgeübt hatten. Es ward bereits erwähnt, dafs der Stumme 
Nasuf niemandem im Reiche nachstehen zu müssen wähnte. Aber 
noch mehr Frauen gegenüber zeigte sich der Sultan willfährig 
und mitunter willenlos. 

,,Die Frauen spielen in diesem Reiche eine grofse Rolle", 
schreibt ein französischer Vertreter, dem Weiberregiment doch 
schon aus seiner Heimat bekannt genug sein mufste ^). ,,Die 
Wesire haben vor allem die Pflicht, die Befehle auszuführen, die 
ihnen von der inneren Regierung zukommen ^)." Obgleich Si- 
nan öffentlich betonte, dafs es ,, unmöglich sei, Reiche mit 
Frauenrat zu regieren"*^), mufste er mehr als einmal die Hilfe 



S. 357; XIV, S. 291, 374 — 375; über Jussuf ebenda S. 370; über Mohammed 
ebenda S. 294, 369 — 370; über Khalil ebenda S. 427, 434; über Ibrahim, 
Beglerbeg von Rum und Wesir ebenda XIII, S. 238, 244, 357: „leggiero di cer- 
vello e vano"; XIV, S. 241 — 242, 290, 367 — 368, 432 — 433. 
i) Ebenda S. 299. 

2) „Onde non e piü vero che a Constantinopoli vi sia una Porta sola, ma 
ferse mille"; ebenda S. 415. 

3) Ebenda S. 416. 

4) „Les femmes ont bonne part en cest empire"; Charriere III, S. 840. 

5) „Piuttosto esecutori degli ordini che vengono di dentro che consiglieri " ; 
Alberi XIV, S. 234. 

6) „Gli imperii non si governano con il consiglio delle donne"; ebenda 
S. 235. 



Ursachen des Verfalls usw. 181 

der Hasseki in Anspruch nehmen , um das Staatsruder behalten 
zu können oder wieder in die Hände zu bekommen. 

In der ersten Zeit hatte die Gattin Pialis, die, freilich in Ge- 
sellschaft des letzteren, in ihren Gärten unverschleiert spazieren 
zu g-ehen pflegte und schliefslich dafür in aller Form bestraft 
wurde, merklichen Einflufs auf den Willen Murads ^). Noch mäch- 
tiger war, bis zu ihrem im Februar 1578 erfolgten Tode, die 
reiche Witwe Rustems, die für eine ihrer Sklavinnen eine Haube 
im Werte von 600000 Dukaten anfertigen liefs -) und unter der 
Regierung Selims alle Perlen und Edelsteine, die überhaupt auf 
dem Markte erschienen, zu kaufen pflegte ^) ; während der Strei- 
tigkeiten zwischen Selim und Bajesid ergrifi" sie öffentlich die 
Partei des letzteren und lieh ihm Geld ; später wurden die 
Töchter jenes unter ihrer Aufsicht erzogen '^). Die fremden Ge- 
sandten machten ihr wie den Wesiren kunstvolle Uhren , mit 
Löwen, die ,,ihre Zunge herauss strecken", zum Geschenk ■'), und 
der deutsche Vertreter trat des öfteren in Beziehungen zur mäch- 
tigen ,, alten Rustanin" ^''). Trotz ihrer glänzenden Erbschaft von 
700000 Dukaten verstand ihre Tochter, als Gemahlin Ahmed- 
Paschas, keinen solchen Einflufs auszuüben, wenn sie sich auch 
in die Ernennung rumänischer Wojwoden einmischte ''). 

Unter Murad aber konnte sich keine der Frauen, die aus 
Osmans Geschlechte zu sein sich rühmten, an politischer Macht 
mit der Mutter und der Frau des Sultans messen. Jene , eine 
stolze Venezianerin ^), die für ihre Landsleute Sympathien hegte 
und dem Baili Kaftan, Balsam, Theriak und terra sigillata 
von Lemnos •') zuwandte, hatte sich mit einem grofsen Anhange 
von Werkzeugen und Hoffrauen, Ränkestiftern und Vermittlerin- 



i) Alberi XU, S. 461; XIII, S. 91; Jahre 1571, 1579. 

2) Garzoni a. a. O. S. 400 — 401. 

3) Ebenda S. 399 — 400. 

4) Alberi XIV, S. 184. 

5) Gerlach S. 354. 

6) Ebenda S. 445. 

7) Charriere III, S. 840—841. 

8) Siehe oben S. 164. 

9) Über diese berühmte Arznei siehe De Launay, Chez les Grecs de Turquie, 
Paris 1897, S. 121 ff. 



183 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

nen umg-eben ; dazu gehörten z. B. die Jüdin Kiratza und ge- 
wissermafsen auch die Witwe des walachischen Fürsten Mircea 
Ciobanul, Chiajna, die energische Tochter des Peter Rares. Auf 
der Strafse erschien sie mit zwanzig- Wagen und einem Gefolge 
von Janitscharen und Verschnittenen i). Als „ein sehr verstän- 
diges Weib " hatte sie auch bei Ernennungen die Hand im Spiele, 
und die Geschichte des abenteuerlichen walachischen Prätenden- 
ten Petru Cercel, der, obwohl von französischen Gesandten unter- 
stützt, erst nach langen Monaten seinen väterlichen Thron -) be- 
steigen durfte, weil die Sultanin-Mutter und ihre Schwiegertochter 
für Chiajna und deren Enkel Vlad, später für den regierenden 
Fürsten Mihnea, den Sohn Alexanders (gest. 1577), eintraten, 
bezeugt die grofse Macht dieser Walideh ^). Ihrer grofsen Ver- 
schwendungssucht wegen trug sich Murad einmal mit der Ab- 
sicht, sie ins alte Serail zu schicken, aber sie blieb bis zu ihrem 
Tode, am 29. November 1585, Herrin der Lage ^). 

In der Folge hatte die Hasseki allein den entscheidenden 
Einflufs. Der Sultan liebte sie aufrichtig, obgleich sie nicht 
schön war, auch noch, als er sie bereits vernachlässigte, um sich 
schönen Sklavinnen seines Palastes zu widmen ^). Seine Berater 
waren, aufser der Kiratza, die ,, Kaikatun", der Kapi-Ag-a und der 
Eunuch Mehemed-Aga. Die Gesandten wetteiferten, ihr kleine 
Hunde und französische Schminke zu verehren. Ein Zettelchen 
von ihrer Hand vermochte die Ernennung eines Donaufürsten, 
eines Patriarchen, Metropoliten und Sandschaks zu entscheiden*^). 

Die Sultaninnen schwelgten jetzt in ausgesuchtem orientali- 
schem Luxus, den die Geschenke der Interessenten, der Gewinn 
der ,, grofsen Schiffe", die sie auf eigene Kosten nach Alexan- 

i) Vgl. Gerlach S. 29; Charri^re III, S. 849, Anm. 

2) Er war ein Sohn des Radu Paisie. 

3) Siehe die französische Korrespondenz darüber in Hurmuzaki, Suppl. I "^ 
und XL 

4) Charriere III, S. 840— 841 ; Gerlach S. 177 — 178. 

5) Auch eine Tochter des Mircea Ciobanul war seine „Frau "; Gerlach S. 77. 

6) Alb^ri XIII, S. 351, 359 -360; vgl. XIV, S. 439—440, Jahr 1594, wo 
die Sultanin als Tscherkessin erscheint; Gerlach S. 177, 180. Vgl. meine 
„Contribu^ii" in den „Denkschriften der rumänischen Akademie" XVIII. 



Ursachen des Verfalls usw. 183 

drien und anderen Levantehäfen schickten ^), und die Einkünfte 
der ihnen verHehenen militärischen Lehen, die ausschliefslich 
Krieg'ern hätten g-ehören sollen, ermög-lichten. ,,Die faisten 
schönen, jungen Herren"-), die sie heirateten, hingen in ihrer 
Laufbahn ganz von ihnen ab. Nach glänzenden Hochzeitsfeier- 
lichkeiten, bei denen die kaiserHche Braut unter goldener Krone, 
perlenübersät, in brokatenen Kleidern erschien'^) — auch aus 
dem Frankenland im Westen wurden bereits kundige Arbeiterin- 
nen berufen, goldene Stoffe in abendländischem Geschmack zu 
' weben ^) — , übte die Prinzessin alle Macht über den Sklaven 
aus, den sie sich erlesen hatte. Die stolzeren Renegaten ver- 
zichteten oft auf eine Ehre, die mit so tiefer Erniedrigung er- 
kauft werden mufste ; so der weise Murad-Pascha, dem in seinem 
Alter noch die Ehe mit einer der Schwester des Sultans zuge- 
mutet wurde 5). 1578 wurde der Ofener Beglerbeg angeblich 
deswegen erdrosselt, weil er sich nicht zu dem gefährlichen 
Schritt, eine osmanische Prinzessin zu heiraten, entschliefsen 
konnte ''). 

Gewinn auf ehrlichem oder unehrlichem Wege war das Ziel 
fast aller derer geworden, die an der Leitung des Reiches be- 
teiligt waren, vom Sultan bis zum letzten Beg hinunter. Aben- 
teurer aus dem Westen drängten sich herzu, um durch einen 
Religionswechsel das Glück zu finden, das andere Stammes- 
genossen dem Zufall verdankten, in einer Schlacht gefangen ge- 
nommen zu werden. Italienern konnte das rasche Emporkommen 
eines Cigala zum ermunternden Beispiel dienen. Das Leben dieses 
von den Umständen begünstigten Renegaten ist so interessant 
und lehrreich, dafs es eine kurze Skizzierung verlohnt. 

Er war als Gefangener mit seinem Vater zusammen nach 



1) Alberi XIV, S. 40. 

2) Ger lach S. 40. 

3) Vgl. ebenda S. 40, 87, 98; Alberi XIII, S. 141; Charriere III, 
S. 878, Anm., 915, Anm. 

4) Ebenda S. 862, Anm. 

5) Alberi XIII, S. 356. 

6) Brosch a. a. O. S. 63. 



184 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

Konstantinopel gebracht worden; Piraten hatten sie bei Messina 
aufgegriffen ; nach anderer Nachricht waren sie Genuesen , weil 
in Genua die edle Familie der Cigala eine Rolle gespielt hatte. 
Der Vater starb bald im Kerker der Sieben Türme. Als Ka- 
pudschi-Bascha heiratete der Sohn 1573 die älteste Tochter Ah- 
med-Paschas, eine Enkelin Rustems und einer osmanischen Prin- 
zessin, und nach ihrem Tode ihre Schwester ^). So empfohlen, 
erhielt er den Auftrag, den abtrünnigen moldauischen Fürsten 
loan-Cel-Cumplit, Johann den Grausamen, zu verjagen und Petru 
Schiopul, Peter den Hinkenden, den Sohn des Mircea Ciobanul, 
an dessen Stelle zu setzen ; trotz der grofsen Schwierigkeiten der 
Mission und persönlicher Leichtfertigkeit und Feigheit führte er 
den Befehl durch -). Christen gegenüber betrug er sich unzu- 
gänglich , um seine Herkunft vergessen zu machen. Im Alter 
von 28 Jahren war er Janitscharen-Aga ^), kämpfte später gegen 
die Perser und wurde schon 1589, obgleich ihm alle nötigen 
Kenntnisse mangelten, zum Kapudan-Pascha ernannt^); gleich- 
zeitig war er Beglerbeg der Inseln, die einmal das Herzogtum 
des Grofsen Juden gebildet hatten ; in dieser Würde liefs er sich 
in der Folge durch den Italiener Francesco Coronello vertreten. 
Der neue Sinan, gewöhnlich Dschighali-Zadeh (Sohn Cigalas) ge- 
nannt, durfte, da er viel Geld gewonnen hatte, gegen den Sultan 
und die Mächtigen ,,des Innern" äufserst freigebig sein; im 
übrigen war er stolz und gefiel sich in langen, schönen Reden ^). 
Der Korsar Arnaut-Memi-Aga , ein Venezianer von Geburt, 
der die Tochter Hassan-Paschas geheiratet hatte, war sein Ver- 
trauter und Kehaja (Stellvertreter) *^). Memis Stütze bildete der 
Kapi-Aga Kasanfer, der Wächter der Haremfrauen ; dieser Offizier 
des Serails hiefs in seiner ersten Jugend Michiel und war eben- 



i) Gerlach S. 27, 217, 244, 265 — 266, 269; Alb eri XIII, S. 355; Gar- 
zoni a. a. O. S. 380. Vgl. auch Alber i XIII, S. 166. 

2) Siehe Hurmuzaki XI, Vorrede. 

3) Alb^ri XIII, S. 143. 

4) Ebenda XIV, S. 292, 374, 424 ff. 

5) Ebenda XIII, S. 355; XIV, S. 424«. 428. Seine Feindschaft gegen 
Venedig XIV, S. 429; seine Haltung gegen Malta ebenda S. 427. 

6) Ebenda S. 428. 



Ursachen des Verfalls usw. 185 

falls einmal Untertan der venezianischen Republik gewesen ^) 
und aus Chioggia gebürtig', seine Tochter verleugnete ihren 
Glauben nicht, und er selbst schickte einen Mönch aus Pera an 
den Papst -). Cigala rief auch seinen eigenen Bruder Carlo nach 
Konstantinopel, der sich auf den Fürstenhut der Moldau oder 
Walachei, zum mindesten aber auf die Stellung eines Herzogs 
des Archipelagus Hoffnungen machte und später im Westen als 
geheimer türkischer Gesandter auftauchte ^). V^iele Jahre nach 
dem 1605 erfolgten Tode des Dschighali-Zadeh bereiste ein in 
Polen getaufter Johann Michael Cigala, ein angeblicher Sohn 
Sinans , dem Kundige rumänische Herkunft zuschrieben ^) , als 
frommer Christ und Fürst eines ungenannten Landes die euro- 
päischen Höfe und Städte. 

Dschafer-Pascha, der einige Zeit im syrischen Tripolis be- 
fehligte, war Kalabrese, und Kriegsgefangener der osmanischen 
Galeeren gewesen ^). Der Silichdar Ali stammte aus Ancona; 
die Türken nahmen ihn im zyprischen Kriege gefangen ''). Omer- 
Aga von Zara war mit Francesco Civallelli verschwägert '). Ein 
Mehemed Querini spielte in Konstantinopel selbst eine Rolle ^), 
Ein anderer Mehemed hatte ehemals in Venedig Columbina ge- 
heifsen ■'). Schon unter Soliman war Michele Benetto Toptschi- 
Bascha des Sultans ^'*) ; ein Genuese wird unter den in türki- 
schen Diensten tätigen Seeräubern aufgezählt. Der Dragoman 
Giambattista, der Gemahl einer vornehmen Griechin, nahm eben- 
falls den mosleminischen Glauben an ^^). 



1) Alberi XlII, S. 361; XIV, S. 361. 

2) Ebenda S. 437—438. 

3) Vgl. ebenda S. 431 — 432; auch „Prinos lui D. A. Sturdza *', Bukarest 1903, 
S. 279 ff. ; über den Aufenthalt Carlo Cigalas in Konstantinopel siehe Brown, 
Calendar of State papers, Venetian 1592 — 1603. 

4) ,,Historia de tribus huius seculi famosis impostoribus, aus dem Eng- 
lischen ins Teutsche uebersetzet ", 1669. 

5) Alberi XHI, S. 355; XIV, S. 42S. 

6) Ebenda XlII, S. 361. Ein Projekt, Ancona durch Verrat einzunehmen, 
Gerlach S. 27. 

7) Alberi XIV, S. 438. 8) Ebenda. 

9j Gerlach S. 172. 10) Navagero S. 67. 

11) Ebenda S. 69; Gerlach S. 158. Vgl. auch über den Dragoman Orun- 
bey, der vorher in venezianischem Dienste stand, Alberi XIII, S. 224 — 225. 



186 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

Das kaiserliche Ung"arn stellte nur ein g-ering^es Kontingent 
Türken, gröfser war die Zahl renegierter Kroaten^). „Deutsche 
Türken" begegnen häufig. Freilich sind nur zwei, der vierte Wesir 
Mehemed, von Laibach, Sal-Mehemed, und der Beglerbegvon 1592, 
Ahmed-Pascha von Graz, zu leitenden Stellungen gekommen ^) ; 
aber der Kärntner Weltzer wurde Kapudschibascha ^). Max Rohrer 
war Musiker bei Mohammed Sokoli ^) ; Mustafa-Beg von Würz- 
burg und Oswald arbeiteten als Uhrmacher ^) ; der religiöse Dissi- 
dent Adam Neuser beschäftigte sich unter anderem mit Her- 
stellung ,, eines Wagens der geschwind und selbsten für sich 
lauffe, hab auch die Prob in kleinen Sachen gethan, aber in 
grossen ihm nie recht gerathen wollen" ; er versicherte, aus be- 
liebigem Material gemünztes Geld machen zu können, und trieb 
manche anderen ,,seltzame Künsten" **). Kamacher, ,,des Schärt- 
lins zu Augspurg Sohn", wurde Tschausch Mahmud Tschis- 
nedschir. Andere dienten als Dolmetscher '). Viele lebten be- 
scheiden bei einem täg-lichen Tain zu ihrem Unterhalt dahin ^). 

Auch auf französische Renegaten trifft man hier und da: 
über Polen gekommene Goldschmiede, in Ofen tätige Dolmet- 
scher^). Spanier erschienen in prachtvollen Kleidern: tags dar- 
auf war aus einem Don Francisco ein Mehemed-Beg von Ara- 
g-onien, aus einem Marco ein Ibrahim usw. geworden; sie er- 
hielten Stellen in Heer oder Flotte ^^). Ein geborener Spanier, 
Hassan-Beg-, der ,,gar wenig türckisch konnte", war Befehlshaber 
kaiserlicher Schiffe ^^). 



1) Gerlach S. 253. 

2) Alb^ri XIII, S. 358; Gerlach S. 283; Crusius, Germanograecia 
S. 224; vgl, auch Reufsner, Epistolae turcicae, Buch XI, S. 149. 

3) Crusius a. a. O. S. 224. 4) Gerlach S. 487. 
5) Ebenda S. 238, 283, 470. 6) Ebenda S. 284. 

7) Ebenda S. 33, 52. 

8) Ebenda S. 69: aus Pfromdorf in Österreich; S. 134: aus Bayern; S. 314: 
aus Württemberg; S. 319: aus Frankfurt, der Sohn des Bürgermeisters; Crusius, 
Germanograecia , S. 224: aus Württemberg, Graz usw. Nichtrenegierte , die in 
Konstantinopel Beschäftigung fanden: ein „künstlicher Büchsenmeister", Gei lach 
S. 304; ein holländischer Maler S. 281. 

9) Ebenda S. 271, 384; vgl. S. 123. 

10) Ebenda S. 173 — 174, 181. 11) Ebenda S. 177. 



Ursachen des Verfalls usw. IS? 

Nur höchst selten wurde jemand zur Annahme des mosle- 
minischen Glaubens gezwungen; doch heilst es, dafs beim Tode 
eines Kriegsgefangenen kein Priester, sondern ein Khodscha hin- 
zugezogen wurde ^). ,, Süfs und sauer Zureden" nebst ,, Maul- 
taschen" waren die Mittel, durch welche Sklavenbesitzer die Zahl 
der Gläubigen vermehrten -). Manchmal mufsten abenteuerliche 
Kandidaten grob zurückgewiesen werden : ,, Ihr bringt mir", sagt 
der Grofswesir einmal von einem Franzosen , der sein Christen- 
tum ableugnen wollte, ,, abermahl einen Esel; wo soll ich ihm 
gleich einen Stall fmden 3)?" Hohe türkische Beamte riefen ihre 
im Abendlande gebliebenen Verwandten herbei, wie Sokoli seine 
Bosniaken 1) und Cigala den Bruder, der aber ein Christ blieb. 
Was sie lockte, war die Aussicht, sie ,, dörftten darbey nur müssig 
und auff einem Polster sitzen " •^). Verurteilte Verbrecher hofften 
Milderung ihres Schicksals durch einen Übertritt und täuschten 
sich auch nur selten''). Schlaue Italiener traten über, um die 
Erlösung von Kriegsgefangenen zum einträglichen Geschäft zu 
machen, indem sie täglich ,, Verwandte" unter denselben ent- 
deckten '). Abenteurer erschienen ,,in vergülten Degen und 
Martern-Beltzen" , um ihr Glück zu suchen'*). Unzufriedene 
Diener der Gesandtschaften entflohen aus dem Hause ihrer Herren 
und erzählten den Wesiren, ein Traum habe sie zur Erkenntnis 
des wahren Glaubens gebracht ■'). 

Neben den ,, fränkischen" Renegaten standen diejenigen, die 
den verschiedenen Nationen der Rajahs entstammten. Ungarn 
waren nur wenige , wie der aus Sziget gebürtige Uhrmacher Mu- 
rads, als dieser in Asien residierte ^-'). Grieche war z. B. der 
Sandschak von Siwri-Hissar im Jahre 15641^). Es gab einige 

1) Ebenda S. 123, 304; vgl. S. 301, 309. 

2) Ebenda S. 245. 3) Ebenda S. 123. 

4) Vgl. Gerlach S. 283. 5) Ebenda S. 127-128. 

6) Gerlach S. 176, 451 ; griechische Diebe wurden aber wohl, trotzdem 
sie Moslems wurden, gepfählt; ebenda S. 170. 

7) Busbecq S. 152. 8) Gerlach S. 172. 

9) Ebenda S. 163. 10) Gerlach S. 86—87. 

11) Alböri XIII, S. 43; vgl. über die Griechen im allgemeinen Ger lach 
S. 379- 



188 Zweites Buch. Zweites Kapitel. 

Dalmatiner und sehr viele Bosniaken ^) , so dafs die slawische 
Sprache am Hofe gleich nach der türkischen kam -). Auch die 
Albanesen waren zahlreich — ein Gesandter sagt gegen 1590, 
dafs nur wenige Wesire nicht albanesischen Ursprungs seien — ; 
gelegentlich begegnen auch Armenier ^), aber kein einziger Ru- 
mäne. 

Diejenigen Renegaten, die bereits vorher Untertanen des 
Reiches gewesen waren , hatten gröfstenteils — mit Ausnahme 
der Ungarn, in deren Land die Erhebung des Knabenzinses für 
das Janitscharenkorps und das Serail nicht nachzuweisen ist — 
schon in früher Jugend ihre Erziehung in einem mosleminischen 
Milieu erhalten und sich türkische Sprache und Sitten sowie 
Frömmigkeit im Dienst des Islams angeeignet. Sie behielten 
die Eigenschaften ihrer Rasse , serbische Geschmeidigkeit, alba- 
nesischen Mut, bulgarische Beharrlichkeit, griechische Feinheit, 
und gleichzeitig hatte langjährige Schulung sie fähig gemacht, 
in hoher Stellung unter den Türken leben zu können, ohne als 
Fremde auffällig und mifsliebig zu werden. Einige Renegaten, 
Glücksjäger der schlechtesten Art, entgingen aber in einigen 
Fällen sogar der Beschneidung ; manche liefsen ihre Kinder heim- 
lich taufen. Zur Moschee gingen sie selten und liefsen sich ge- 
wöhnlich durch einen Gläubigen vertreten ■^). 

Die Renegaten der früheren Zeit, die als Adschemoglane 
des Janitscharenkorps und als Schüler im Serail ihre Laufbahn 
unter schwierigen Verhältnissen begonnen hatten , erregten die 
Unzufriedenheit der geborenen Türken dadurch, dafs sie, wäh- 
rend die türkische Plebs von den Dienern der Gesandtschaften 
mit Stockhieben verjagt wurde und die Begründer des Staates 



1) Ali von Brazza, 1558; Alberi XIV, S. 154 und Anm.; der Sandschak 
von Klis aus dem Hause Kosatsclia; ebenda XIII, S. 70, Jahr 1564; ein Vetter 
Sokolis Gerlach S. 318. 

2) „La lingua schiava, la quäle e quella che al presente dopo la turchesca 
si usa in quella corte"; Alberi XIV, Jahr 1562. 

3) Ein Armenier, der Türke wurde, um auf den Strafsen zu betteln, bei 
Gerlach S. 357. 

4) Gerlach S. 50, 80— Si, 242, 314, 378. 



Ursachen des Verfalls usw. 1 89 

sich nur einiger Schonung v^on selten des Fiskus als einzigen 
Vorzugs erfreuten ^), Ehre und Beförderung- erwarten konnten, 
weil sie nichts weiter als Sklaven ihres Herrn waren, keine Ver- 
wandten und Freunde hatten und keine Erbschaft zurückzulassen 
hoffen durften. Die echten Türken waren als Kadis , Khod- 
schas usw. in religiösen Ämtern und auch als Dragomane , wie 
Junus (gest. 1571) und die beiden Ali-Beg, tätig, weil jetzt manche 
Tschausche griechisch, italienisch, französisch, spanisch spra- 
chen-); die anderen aber gaben dem Sultan seine Wesire. Die 
Renegaten älteren Datums verachteten wieder ihre Nachfolger 
in der Gesinnungslosigkeit; so rief Sinan einmal: ,,Es kommen 
der armen Baurenleute Kinder soviel her in den Käysers Palasten 
und werden hernach zu grossen Herren, dass unsere Kinder da- 
hinden bleiben und jenen unterthan seyn müssen •^)." Noch 
schiefer sahen geborene Türken die neuen, unaufrichtigen Re- 
negaten an, die nicht einmal die türkische Sprache kannten ^). 



i) Garzoni a. a. O. S. 398: Alberi XII, S. 462; XIV, S. 413. 

2) Vgl. auch Alberi XV, S. 399, 402 — 403. Schon 1558 schrieb Trevisano 
(in Alberi S. 118): „ [i secretarii] sono tuUi Turchi , e scrivono tutte le cose 
in lingua turchesca, sebbene non sono molti anni che quelli erano cristiani e greci 
e scrivevano li commandamenti in lingua greca". 

3) Gerlach S. 280. 

4) „Animo male affetto dei nativi Turchi verso li rinnegati, per la forma 
del governo, che li esclude dalli carichi principali o di maggior confidenza"; 
Alberi XIV, S. 406. Ebenda S. 414: „Li Turchi nativi siano loro soggetti, 
come sono li servi alli padroni , il che non avveniva in altri tempi con tanto 
eccesso come al presente. " Vgl. auch ebenda S. 389. Dann S. 188, 190. 
„Sebbene egli fü figliuolo di Turco, sarä nondimeno fatto grande". 



Drittes Kapitel. 

Einflufs der unterworfenen Völker (Franken, Armenier, 
Juden, Griechen) auf die Leitung des Reiches. 



In einem Milieu unaufhörlichen Wechsels und Haders, unter 
der Leitung- unermüdlicher Ränkeschmiede und Geldjäger, unter 
der Herrschaft eines tatenlosen und unsichtbaren Sultans, der nur 
für seinen Schatz und für kindische Zerstreuungen Sinn hatte, 
begannen die während eines ganzen Jahrhunderts ausgeschalteten 
Nationen sich wieder zu regen, wenn sie auch freilich nicht zum 
Bewufstsein ihrer Vergangenheit oder einer möglichen Zukunft 
erwachten. 

Einige dieser Völkerschaften hatten übrigens zu einem selb- 
ständigen Leben keinerlei Beruf. So die Franken in Pera, mei- 
stens Italiener levantinischen Ursprungs , die Armenier und die 
Juden. 

In der Vorstadt der Frengis pflegten die Europäer vorzu- 
sprechen , wenn sie guten Wein trinken und Musik und Spiel 
abendländischer Art hören und sehen wollten ^). Fremde Kauf- 
leute und die Mitglieder der Gesandtschaften kamen hierher, wo 
die ansässigen Franken mit gemieteten Frauen ,,alerhand Lust- 
und Kurzweil wider die Melancholey und Traurig-keit " suchten ^). 
Hier waren nicht weniger als acht Kirchen oder Klöster mit ita- 
lienischen und gelegentlich auch ungarischen Mönchen vorhan- 
den : S. Francesco, S. Benedetto, S. Pietro, S. Giorgio, S. Maria, 

i) Gerlach S. 47. 

2) Ebenda S. 22, 152 — 153; über Luxus bei den Levantinerinnen Gerlach 

s. 155—156. 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 191 

S. Anna, S. Clara, S. Giovanni ^). In allen wurde reg-elmäfsig- 
Gottesdienst abg^ehalten ; auch Türken erschienen dazu, um sich, 
nach ihrer Art, daran zu belustigen; die wachthabenden Jani- 
tscharen hinderten sie nicht. Frei bewegten sich Prozessionen in 
den engen Gäfschen des alten genuesischen und venezianischen 
Pera -). Während der Fasten wurden auch Predigten gehalten, 
und der lateinische Patriarch von Konstantinopel besuchte im 
Juni 1576 seinen Sprengel °). Gewöhnlich leitete in den achtziger 
Jahren des XVI. Jahrhunderts der Bischof von Chios die katho- 
lische Gemeinde; der französische Gesandte, dann der Bailo 
liefsen sich deren Schutz angelegen sein ^). Einer der BaiU und 
der deutsche Vertreter Albrecht von Wyfs wurden in Kirchlein 
des fränkischen Stadtviertels begraben, um die eine eigentüm- 
liche Welt fortlebte, ohne sich um die türkische Herrschaft allzu- 
sehr zu bekümmern. Nur von den Griechen hatte sie in religiöser 
Hinsicht zu fürchten; um 1570 gewannen deren Papas (Priester) 
nicht weniger als 2000 katholische Seelen ^) ; häufige Familien- 
verbindungen und Interessengemeinschaft im Handel und in Staats- 
angelegenheiten trug viel zum religiösen Aufgehen in die alte 
einheimische Orthodoxie bei. Die Gesandten der katholischen 
Mächte, denen die Wesire oft sogar alle Beziehungen zu ihren 
Kollegen verboten *^), waren nicht einflufsreich und selbständig 
genug, um Glaubensverrat verhindern zu können. 

Die Ärzte in Pera erfreuten sich in christlichen Kreisen eines 
besseren Rufes als ihre maurischen oder jüdischen Kollegen, vor 
denen sich die Türen der Serails öffneten. Dr. Franz von Chios, 



i) Gerlach S. 205; Charriere III, S. 894; vgl. S. 29. Der englische 
Gesandte warb in Pera eine Kapelle an. Alb^ri XIV, S. 405; Brown a. a. O. 
Siehe weiter. 

2) Gerlach S. 213. 

3) Ebenda S. 20S. Vgl. ebenda S. 161 und „Die lateinischen Kirchen- 
gemeinden in der Türkei und ihre Visitation durch Petrus Cedulini, Bischof von 
Nona, 1580 — 1581", von Dr. Adolf Gottlob im „Hist. Jahrbuch der Görres- 
gesellschaft" 1885, S. 42 ff. 

4) Vgl. Charriere III, S. 904, Anm. 

5) Alberi XII, S. 455. 

6) So verbot Sokoli dem deutschen Internuntius den Besuch des Bailo ; 
Gerlach S. 88. 



192 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

„ein gelehrter und sehr höffhcher Mann", wurde vom Fürsten 
der Moldau berufen; aufser dem Tain waren ihm 200 Kronen 
jährlich zugesichert ^). Ein anderer perotischer „Doktor", Ber- 
nardino Rosso, wollte sich nach 1570 für 10 000 Dukaten den 
walachischen Fürstenhut kaufen und brachte zu diesem Zweck 
auch einen von mehreren Bojaren unterzeichneten Brief vor, der 
seine Herkunft aus dem fürstlichen Geschlechte der Walachei 
bezeugte -) ; der in der Walachei regierende Fürst erreichte es 
aber durch aufserordentliche Geschenke, dafs der Nebenbuhler 
in dem Kerker des Jedikule verschwand, aus dem er wahrschein- 
lich ins Meer geworfen wurde. 

Auch reiche Bankiers, Levantiner und Ragusaner, w^ie Be- 
nedetto da Gagliano (Gajan) , der Verancsics Geld lieh , Babali 
und Luccari wohnten in Pera. Die ihnen, besonders Benedetto 
da Gagliano, durch Schemsi-Pascha gewährte Protektion beruhte 
selbstverständlich auf eigennützigen Motiven '^) ; durch diesen 
Wesir übten sie auch merklichen Einflufs auf die Staatsgeschäfte 
aus. So stand Benedetto in engen Beziehungen zu dem Herr- 
scherhaus des walachischen Fürstentums; er nannte die Fürstin 
Katharine, die Witwe Alexander Mirceas , ,, Schwester" (quanto 
sorella). Katharine war eine geborene Salvaresso, aus chio- 
tischem Geschlecht; ihre Mutter hatte in erster Ehe einen Vallarga 
geheiratet; die daraus entsprossene Tochter hiefs nach rumäni- 
schem Brauche Märioara, blieb aber katholisch, heiratete einen 
Adorno und beschlofs ihr Leben im Kloster Murano bei Vene- 
dig. Als der griechische Abenteurer Jakob Paläologus von Chios 
die Walachei besuchte , wurde er von seiner Verwandten glän- 
zend empfangen*). Maria Amirali, die Gemahlin Peters des 
Lahmen, jenes moldauischen Fürsten, der Doktor Franz von Chios 
zu sich berief, war aus Rhodos ^), und von einer der Inseln 

i) Gerlach S. 389, 397. 

2) Ger lach S. 353; meine „Contributii" in den „Denkmälern der rumä- 
nischen Akademie" XVIII, S. 22. 

3) Vgl. Charriere III, S. 870 — 871, Anra. , S87, Anm. Auch Hurmu- 
zaki XII für eine deutsch-feindliche politische Haltung Ende des Jahrhunderts. 

4) Reufsner, Epistolae turcicae a. a. O. S. 150; vgl. meine ,,Contributii" 
a. a. O. S. 6ff. 

5) Hurmuzaki XI, Register. 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 193 

stammte auch die Frau des Fürsten lancu Sasul, eine Paläologin; 
beide waren orthodoxe Griechinnen und anscheinend ohne Be- 
ziehungen zur Gesellschaft der katholischen Levantiner, die aber 
alle diese Fürsten mehr als einmal mit Geld unterstützten. 

Aus dem türkischen und persischen Armenien kamen zahl- 
reiche Goldschmiede und Kaufleute nach Konstantinopel, wo sie 
ein g-anzes Stadtviertel innehatten ; ihr Patriarch residierte in der 
Nähe des Gefängnisses der Sieben Türme, wo die Kirche St. Georg 
ihm gehörte ; unter Murad traten hier sogar nationale Synoden 
zusammen. Auch als Gläubiger der rumänischen Fürsten spielten 
die Armenier eine politische Rolle im Reiche ^). 

Viel öfter trifft man jüdische Namen in der Geschichte des 
Verfalls osmanischer Sitten und gesunder Staatspolitik. Die Lauf- 
bahn des berühmten ,,Grofsen Juden", Don Jose Nassi, wurde 
bereits skizziert; vom Wesir Ali, von der Sultanin - Mutter und 
ihrer Tochter unterstützt, blieb er ohne Unterbrechung Pächter 
des Weinzolls, aus dem er jährlich 13000 Kronen gewann, und 
Herzog des Archipelagus -). Den Sultan wufste er durch neue 
Speisen und Getränke sich geneigt zu machen^). ,, Nassi" war 
mit seinem Bruder und nicht weniger als 500 jüdischen Renegaten, 
,,Mondejare", zum Christentum übergetreten; wie er selbst, waren 
sie alle zum früheren Glauben zurückgekehrt-^); sein erstes Kapital 
hatte 300000 Dukaten betragen ^}. Aufser ihm besafs noch ein 
zweiter Jude, D. Bendus, das Vertrauen Sultan Selims, des ver- 
meintlichen ,, Judensohns" ''). In allen Angelegenheiten, selbst zu 
den geheimsten Verhandlungen mit fremden Mächten, benutzte 
Sokoli — und später Fcrhad — seinen Juden, den deutschen Na- 

1) Gerlach S. 1S4, 203-204, 337, 339; vgl. Hurmuzaki XI, am Worte 
„Armenier" und „Bostan". 

2) Gerlach S. 303; „das Spiel von Esther bey dem Grofsen Juden"; S. 48; 
Cliarriere III, S. 648, Anm., 772, 809, 820, Anra., 931, Anm. ; Alböri XIII, 
S. 66ff.; XV, S. 390 — 391; Reufsner a. a. O. Buch XI, S. 147. 

3) Badoer a. a. O. S. 361. 

4) Gerlach S. 90; Alberi XIV, S. 3S9 — 390. 

5) Ebenda S. 426. 

6) Gerl ach S. 59, 96. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. lU. lo 



1{)4 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

than Solomon Askenazi , der, Arzt von Beruf, seiner Herkunft 
wegen von den Italienern Rabbi Solomon Tedeschi genannt 
wurde — er stammte in Wirklichkeit aus Udine — ^) ; er trieb 
Handel und Wucher durch dritte Personen, und sein Haus war 
voll von Geld und Geschenken aller Gesandten. Einen Bruder 
Solomons — ein dritter Bruder, Paul , lebte in Wien — prote- 
tegierte der Wesir Ibrahim 2). Der Jude des Wesirs Mustafa war 
Rabbi Isaak ^). Ein Benvenisti, der für Siawusch tätig war, und 
die Juden Abraham und Chaim werden als Makler in politischen 
Angelegenheiten genannt ^). 

Einige Juden Konstantinopels , aus deren Mitte auch diese 
,, Berater" und Spione^) der Wesire hervorgingen, trieben aus- 
gedehnte Handelsgeschäfte. Die Venezianer mufsten Wolle jetzt 
von jüdischen Verkäufern zu höheren Preisen erstehen und ihnen 
ihre Tücher wohlfeiler ablassen; auch die ,, ciambellotti" (Ka- 
melott), das Alumen waren von ihnen monopolisiert worden. Alle 
Anschläge, dieser drückenden Abhängigkeit abzuhelfen, blieben 
erfolglos ^); die ,, jüdische Schlauheit" erwies sich als überlegen. 
In Ragusa, Philippopolis und Adrianopel bestanden jüdische Häuser; 
der Handel mit Ancona wurde durch sie vermittelt '). Dabei 
hafsten die Juden die Venezianer, nachdem sie ihre Erbschaft 
angetreten hatten ; Solomon Tedeschi umgab die Baili mit 
Spähern ^) und beleidigte sie öffentlich nach dem unglücklichen 
zyprischen Kriege ^). ,,Die Türkei ist eigentlich 4hr~Land, wenn 
sie auch darin mehr als Fremde denn als wirkliche Bürger auf- 
treten ^°)." Übertritte von Christen zum jüdischen Glauben wer- 



i) Gerlach S. 59, 96, 155, 323; Albferi XIII, S. 166, 188—189; XIV, 
S. 215; XV, S. 399; Charri^re III, S. 883 und Anm. i. 

2) Alböri XIV, S. 389. 

3) Charrifere III, S. 905, 932, Anm. 

4) Gerlach S. 26; Alberi XIV, S. 389, 419. 

5) Gerlach S. 421; Alberi XUI, S. 82—83; XIV, S. 316. 

6) Gerlach S. 212; Trevisano a. a. O. S. 182; Cavalli a. a. O. 
S. 274 — 275; Navagero a. a. O. S. loi ; Alberi XIII, S. 53. 

7) Brosch a. a. O. S. 4; Alberi XIII, S. 96—97. 

8) Alberi XIV, S. 215. 

9) Ebenda. 

10) „Vi sono anco molti Ebrei, perche quello si puo dir propriamente il loro 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 1D5 

den erwähnt ^). Wenn solche die christliche Religion beschimpf- 
ten, entgingen sie freilich kaum der Todesstrafe -). 

Die Türken beneideten und verfolgten solche reichen Juden: 
die Janitscharen pflegten bei einem Regierungswechsel jüdische 
Läden zu plündern; man drohte den Juden den Tod an, wenn 
sie nicht Galeeren für den Sultan ausrüsteten, und eine Verord- 
nung Murads wollte sie zwingen , nur bei Tage , in ärmlicher 
Kleidung, mit Bettlerhüten und nicht aulserhalb des eigentlichen 
Stambuls zu erscheinen ^). Dennoch prahlten sie mit schönen 
Häusern, trugen seidene Stoffe, und es kam vor, dafs eine Jü- 
din Kleinodien im Werte von 40 000 Dukaten auf sich trug •^) ; 
die Habe eines reichen Juden der Zeit konnte sich auf 200000 
Dukaten belaufen, teils in liegenden Gütern, teils in barem Gelde, 
das oft verborgen gehalten wurde '-'). 

Mancher Jude war durch Wucher reich geworden; sie stan- 
den allgemein im Rufe, die Goldmünzen zu beschneiden ^). Reichs- 
zölle, wie z. B. in den siebziger Jahren den Fischzoll, nahmen 
sie in Pacht"). Jüdinnen, die ,,so halben Doctorinnen waren", 
kamen als Ärztinnen ins Serail und verkauften den müfsigen 
Frauen, deren ganzes Sinnen und Trachten auf neue kostbare 
Kleider und glänzende Juwelen gerichtet war, die verschiedensten 
Kostbarkeiten, mitunter auch auf Kredit; gleichzeitig waren sie 
es, die in diese sorgfältig abgeschlossene Welt der Unwissenheit 
wahre und falsche Nachrichten aus Stadt und Reich brachten ; 
so erwarben sie das Vertrauen der Sklavinnen und Sultansfrauen, 
und die Kiratza g-ewann entscheidenden Einflufs auf die Witwe 



paese , sebene vivano piuttosto come forestieri , che corae terrazzani"; Alb^ri 
XIV, S. 263, Jahr 1585. 

i) Drei Polen; Gerlach S. 491. 

2) Ebenda S. 374. 

3) Brosch S. 62; Gerlach S. 52, 152; Alberi XIII, S. 299; XIV, 
S. 389; Charriere III, S. 888, Anm. 

4) Gerlach S. 342, 381. 

5) Ebenda S. 192, 340. Sie waren zu fiskalischen Zwecken nach Synagogen, 
der deutschen, ungarischen, italienischen, spanischen und griechischen, eingeteilt; 
ebenda S. 49, 174. 

6) Ebenda S. 95 — 96. 

7) Ebenda S. 454; Alberi XIV, S. 409. 

13* 



190 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

Murads, die den Sohn nach ihrem Gefallen lenkte ^). Auch stan- 
den viele portugiesische Juden als Ärzte des Sultans und bedeu- 
tender Persönlichkeiten des Reiches unter der Aufsicht des He- 
kim-Paschas, des obersten Hofarztes, der Araber war; so, aufser 
Solomon Tedeschi, Chaim Abenxuxen, Hamon u. a. -). Murad 
hatte zwar auch eine aus Mohren zusammeng-estellte Hofkapelle, 
doch überwog" die Zahl der jüdischen Spieler und Tänzer; Jü- 
dinnen wurden von den Griechen sog'ar als Klageweiber bei 
Leichenbegängnissen benutzt '''). 

Ungleich bedeutender war der Einflufs des zu neuer Macht 
gelangten griechischen Elementes, das ein Jahrhundert vorher 
die leitende Klasse des byzantinischen Reiches dargestellt hatte. 

Nach dem Falle Konstantinopels flüchteten viele der edlen 
Familien und Kleriker nach Morea, in die venezianischen Be- 
sitzungen, auf die Inseln, die unter christlicher Herrschaft stan- 
den, und nach Venedig selbst, wo seit alter Zeit die griechische 
Sankt-Georgs-Kirche, San-Giorgio deiGreci, besteht, Theo- 
dor Gaza ging nach Rom, und die Laskaris siedelten nach Mes- 
sina über ^). Ein Spandugino Kantakuzenos hielt sich in Modon, 
ein Manuel Kantakuzenos in den genuesischen Kolonien auf 5). 
Viele wurden Stratioten im Dienste Venedigs, und ihre Helden- 
taten, an die nur erinnert zu werden braucht, die Erfolge eines 
Manoli Blessi und anderer, gaben der neuen griechischen Volks- 
poesie Stoff zu erzählenden Gedichten von beträchtlicher Länge; 
wie Georgillas Limenites von Rhodos die Laufbahn des alten 
byzantinischen Helden Belisarios und die Pest von Rhodos be- 
sang, wie Manuel Sklavos den F'all Korons beklagte, so verdiente 

i) Vyl. Ger lach S. 381; Brosch S. 63: der Sohn der Kiratza handelte 
in Venedig mit Edelsteinen; Charrierelll, S. 831, Anm.: „Une Juive qui 
gouverne la mfere dudict Seigneur". Vgl. auch Gerlach S. 313, 471. 

2)Busbecq S. 233 erwähnt einen Sohn des jüdischen Serailarztes, der 
kostbare griechische Handschriften verkauft; dann Gerlach S. 59, 245 — 247. 
Über einen jüdischen Arzt in Philippopolis ebenda S. 20. 

3) Gerlach S. 156—157, 253 — 254, 331, 402, 410, 449. 

4) Grus i US, Turcograecia S. 90 — 91. 

5) Jorga, Documente privitoare la familia Cantacuzino, Bukarest 1902, S. i ff. 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 197 

sich 1519 Johann Koronaios, d. h. aus Koron , seinen Platz in 
der neugriechischen Literaturgeschichte durch den Preis des Al- 
banesenhäupthngs Merkurios Bua, in dessen Umg-ebung auch 
' Griechen kämpften ^). Einem griechischen Flüchthng, einem bis 
nach Frankreich verschlagenen Stratioten verdankt die Wissen- 
schaft eine der besten Beschreibungen des osmanischen Reiches 
unter Soliman I., die der Verfasser dem französischen König 
i widmete -). In Paris lehrte schon 1478 der Lakedämonier Pier-, 
monymos, dessen Schüler der bedeutende deutsche Humanist 
I Reuchlin-Kapnion wurde, seine hellenische Sprache; fast gleich- 
1 zeitig bestand in Florenz, wo am Ende des XIV. Jahrhunderts 
I der alte Chrysoloras gewirkt hatte , die Schule des Demetrios 
! Chalkondylas ^). In Kreta hielt Hermodoros Lestarchos berühmte 
Vorlesungen; der auf den moldauischen Fürstenthron gelangte 
Jakobos Basilikos erkannte ihn als Kollegen bei Johann Laska- 
ris an ^). In Venedig selbst war Laskaris ansässig, der uns be- 
reits durch seine Ermahnungen zum Türkenkriege und zur Be- 
freiung seiner geliebten Hellas bekannt wurde ''). 

1 Der erste Patriarch, den die Türken in Konstantinopel ein- 

setzten, um über seine griechische religiöse ,, Nation", den ,,Rum- 

I Millet" •'), zu wachen, war Gennadios Scholarios. In der Kirche 
der Heiligen Apostel erhielt er durch den Metropoliten von He- 
raklea die Weihe '). Nur wenige gelehrte Kleriker umgaben ihn ; 

{ Edelleute, Archonten und reiche Handelsleute mangelten, die der 

\ Kirche hohe Beamte , Logotheten , Skeuophylaken usw. hätten 
geben können. Für die noch lebenden Mitglieder der entthronten 
Dynastie war der Aufenthalt in der Hauptstadt des von ihnen 

i) Sath as, 'EXXrjvixa uvsa^ot« I, S. 4 ff. ; S at h as , Documents Bde. VII — VIIL 

2) Handschrift ital. 881 in der Pariser Nationalbibliothek; Ausg. von Sathas, 
Documents V; eine andere Ausgabe in Sansovino. Vgl. den zweiten Band 
dieses Werkes. 

3) Crusius, Germano-Graecia S. 235. 

4) Crusius, Turcograecia S. 21, 249 — 250, 433. 

5) Siehe den zweiten Band. 

6) Siehe auch Ritter v. Sax, Geschichte des Machtverfalls der Türkei, 
Wien 1908, S. i ff . 

7) Crusius, Turcograecia S. 108. 



J98 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

verlorenen Reiches eine politische und soziale Unmög-lichkeit. 
Einer der Despoten war in Italien als Schützling- und Pensionär 
des Papstes mit seiner ganzen Familie katholisch geworden. Sein 
Bruder Demetrios lebte auf seinen thrazischen Gütern; er wurde 
beim Sultan Geldangelegenheiten halber denunziert und mufste 
zur Strafe und Erniedrigung unberitten vor ihm erscheinen ^). 
Manuel, der Sohn Thomas', den einige in Konstantinopel zurück- 
gebliebene Archonten, Mangaphas, Kontu u. a., dahin zurück- 
gerufen hatten, erhielt von Mohammed II. die Dörfer Syretzion, 
Ampelitzion und zwei andere, zwei Sklaven und zwei ,, schöne 
Sklavinnen", und ein Tain von loo Aspern täglich; er starb in 
diesem Syretzion, in dessen Dorfkirche er begraben wurde. Sein 
Bruder Andreas wurde zum Hofknaben Mehemed; ein dritter 
Bruder, Johann, starb in Konstantinopel und erhielt im Patriar- 
cheion eine bescheidene Begräbnisstätte. Mara, die Witwe Mu- 
rads , die Güter bei Serrhais hatte , unterhielt die Enkelin des 
Despoten Thomas, die in Bosnien gefangengenommene Kralitza. 
Auf dem bosnischen Zuge begleitete Matthäos Asanes den Er- 
oberer -). Ein Sohn des Paläologos Gidos wurde als Has-Murad 
Beglerbeg von Rum ^). Aus Trapezunt kam der Kaiser selbst, 
der sich bis zu seinem gewaltsamen Tode einige Zeit bei Serrhais 
im Kloster des Prodromos aufhielt, ferner der Grofswestiar Ka- 
bazites , der die Herzog-in-Witwe von Athen , eine Tochter des 
Demetrios Asanes, heiraten wollte ^); die Söhne des einflufsreichen 
kaiserlichen Rates Amirutzi wurden sofort Türken ^). Mit Aus- 
nahme der Basilis Mara hatte keiner dieser unglücklichen Staats- 
gefangenen , die unter der beständigen Drohung eines unnatür- 
lichen Todes elend hinlebten, keiner dieser Renegaten, die alles 
zu vergessen bestrebt waren, Lust oder Möglichkeit, als Be- 
schützer der ,,Grofsen Kirche", der Msydlri Ey./.Xriaia in Kon- 
stantinopel aufzutreten. Höchstens verlangten Mohammed-Beg 
und einer der Söhne Amirutzis vom Patriarchen Maximos, einem 



l) Crusius a. a. O. S. 19 — 20. 2' Ebenda S. 18 — 19. 

3) Ebenda S. 24. Mohammed -Pascha war der Sohn der in Serbien verhei- 
rateten Tochter des Jagaris: ebenda S. 121. 

4) Ebenda S. 22, 121. 

5) Ebenda S. 21. 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 199 

Nachfolg"er Gennadios', eine Erklärung' des christlichen Glaubens 
zur Belehrung ihres Herrn, des Sultans. 

Unter solchen Verhältnissen konnte die griechische Patri- 
archalkirche keine politische Rolle in Konstantinopel spielen, g-e- 
schweig"e denn eine kulturelle und nationale. Der Patriarch Gen- 
nadios sah sich g'enötig't, die Kirche der Apostel, in der weiter- 
hin die kaiserliche Münze mit ihren griechischen Arbeitern unter- 
gebracht wurde ^), zu verlassen ; er übersiedelte in das Pamma- 
karistos , ein altes Nonnenkloster in rein griechischem Viertel ; 
später nahmen die Patriarchen ihre Residenz in der Kirche des 
Wlach-Sarais, d. h. der Kapelle der walachischen Kapukehajas 
oder Stellvertreter der Fürsten -); Bajesid II. nahm den Griechen 
noch andere Kirchen fort, ohne sie in Moscheen zu verwandeln, 
so dafs sein Sohn Selim sie den früheren Besitzern gegen Rück- 
kaufsummen wieder ausliefern konnte ^). 

Nur wenige Metropoliten und müfsige Mönche standen dem 
religiösen Oberhaupt der griechischen Nation zur Seite; so die 
Metropoliten von Heraklea, Ankyra, Ephesos , Kaisareia, Niko- 
medien, Pisidien, Chios, Kyzikos (Avlaki) ^), Saloniki; ein Grofs- 
ekklesiarch, ein Prediger (Rhetor) und wenige andere Kleriker bil- 
deten den Hof des ersten unter den Patriarchen, mit dem die 
von Antiochien, Jerusalem und Alexandrien erst später, nach der 
Eroberung Syriens und Ägyptens durch Selim , in engere Be- 
ziehungen traten -'^). Mit Raphael wurde (1475), wahrscheinlich 
durch den Einflufs Maras , ein Serbe Patriarch der Reichshaupt- 
stadt; die Griechen hafsten diesen ,, fremdsprachigen" Hirten, 
hatten aber seine Erhebung nicht verhindern können. Auch der 
Patriarch Niphon (i486— 1489; 1502) war vom Vater her Alba- 
nese, nicht Grieche im nationalen Sinne, und Schüler des Pa- 
triarchen Nikolaus von Achrida, im slawischen Sprachgebiet*^); 



i) Gerlach S. 77. 

2) Crusius a. a. O. S. 16, 108. 

3) Ebenda S. 40; Gerlach S. 212. 

4) Vgl. ebenda S. 258. 

5) Ebenda S. 188. 

6) Siehe die beiden Patriarchenchroniken in Crusius, Turcograecia. 



200 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

er kam nach Konstantinopel, als der Sultan Nikolaus' Nachfolger, 
Zacharias, durch den Griechen Markos Xylokarabes ersetzte ^), 

Von Anfang- an wohl — jedenfalls bereits unter Simeon -') — 
entrichtete der Patriarch an den kaiserlichen Fiskus einen jähr- 
lichen Zins, ein Peschkesch, TrsoT-taaiov; aufserdem mufsten alle, 
die den Patriarchenstuhl besteigen wollten, den Mächtigen der 
Pforte die üblichen Geschenke machen. Der Sultan erkannte 
den Führern der griechischen Kirche nicht das Recht zu, über 
ihre Hinterlassenschaft zu verfügen, und ein renegierter Amirutzi, 
Skenderbeg , konfiszierte , als osmanischer Tefterdar , nicht nur 
alles, was dem verstorbenen Patriarchen Simeon persönlich ge- 
hört hatte, sondern auch Kirchengerät im Werte von 3000 Du- 
katen; als nun der neue Patriarch Niphon einen Neffen Simeons 
herausfand, wurde er verjagt, und drei Mönche, die als Zeugen 
gedient hatten, verstümmelt ^). 

Das Bauen von neuen Kirchen war streng untersagt; weil 
er sich dessen erdreistet hatte, wurde Patriarch Joachim abge- 
setzt ^). Der Tribut wurde wie für die zinsbaren Fürstentümer 
und Städte bei jeder Gelegenheit erhöht; unter Joachim von 
Drama (1498 — 1502) ^) zahlte die ganz verarmte Kirche bereits 
1000 Dukaten mehr als vorher '^), im ganzen 3000, und Joachim 
brachte den Tribut bald auf 3500 Dukaten '). Wenn ein Pa- 
triarch die versprochenen Summen nicht aufzutreiben vermochte, 
war er den gröbsten Beleidigungen ausgesetzt; so sah man den 
Serben Raphael, als er den Kharadsch nicht entrichtet hatte, 
mit einer Kette um den Plals auf den Strafsen Konstantinopels 
betteln; und er starb im Gefängnis für untreue Beamte und 

1) Siehe auch das Leben Niphons , von Gabriel, dem Protos des heiligen 
Berges Athos, alte rumänische Übersetzung, Bukarest 1888, S. I3ff. ; auch in der 
neuesten Ausgabe der griechischen „Menaia", als Leben des heiligen Niphon. 

2) Crusius a. a. O. S. 22 — 24, 124 — 125. 

3) Ebenda S. 33 ; vgl. B a n d u r i , Imperium Orientale, Paris i 7 1 1 — 1 7 1 2, passim. 

4) Crusius a. a. O. S. 39. 

5) Über die Chronologie der Patriarchen siehe die schon — Bd. II, S. 437, 
Anm. 8 — angegebenen Arbeiten Manuel Gedeons. 

6) Crusius a. a. O. S. 39. 

7) Ebenda S. 39 — 40, 145 — 146. 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 201 

Staatsverräter i). Nach dem Tode des Patriarchen Pachomios 
war die Kirche in derartig"e Abhängigkeit vom andersgläubigen 
Staate geraten, dafs Theoleptos von Janina (um 15 14) direkt 
nach Adrianopel zur Pforte ging, um sich den Patriarchenstuhl 
zu verschaffen; die Synode ,, des Ostens und Westens" trat 
erst nach erfolgter kaiserlicher Ernennung zusammen , um sie 
kanonisch anzuerkennen "-). Und um bald darauf diesen selben 
Theoleptos anklagen zu können, verlangten die Mitglieder det 
„nationalen" Synode wiederum zuerst die Einwilligung des Sul* 
tans ■^). 

Erst unter der Regierung Solimans begann sich etwas wie 
ein neuer Geist im religiösen Griechentum zu regen. Man setzte 
den Patriarchen Jeremias von Sofia, während er auf einer Reise 
nach Jerusalem begriffen war, ab, und der Kandidat seiner sieg- 
reichen Widersacher, Joannikios von Sozopolis, erkaufte sich den 
Stab durch eine weitere Tributerhöhung auf 4000 Dukaten. 
Aber das gläubige Volk von Stambul und Galata verweigerte 
ihm die Begrüfsung. Von Jerusalem aus wurde der Eindringling 
von Jeremias und den anderen Patriarchen exkommuniziert ^), und 
der rechtmäfsige Patriarch kehrte mit Hilfe des ,, guten " Ibra- 
him-Pascha unter dem Jubel der Bevölkerung wieder in seine 
Residenz zurück. Darauf mufste er noch im Diw-an mit dem 
Nebenbuhler rechten; erst als seine Anhänger die pünktliche 
Zahlung des erhöhten Tributs versprochen hatten, konnte er, 
vom Tschausch-Bascha geleitet, das Patriarcheion wieder in Be- 
sitz nehmen ^). Nach Jeremias wurde, trotz des Haders zwischen 
den ,,Karamaniten" und den Griechen in Galata, der von ihm 
designierte Kleriker, Dionysios, durch die von den Türken ein- 
berufene Synode '') regelrecht gewählt. 

Aber der unreligiöse und unnationale Eifer der Feinde des 
neuen Patriarchen führte zu neuer Erniedrigung der Kirche, die 



i) Crusius a. a. O. S. 131. 

2) Ebenda S. 152. 

3) Ebenda S. 153. 

4) Vgl. auch ebenda S. 509. 

5) Ebenda S. 153«. 

6) Ebenda S. 165. 



303 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

sich kaum zu erheben schien. Sie behaupteten, dafs es bei der 
Wahl tumultuarisch zugeg-ang-en sei, und verlangten eine neue und 
freie Wahl. Darauf kamen die Türken mit den gewöhnhchen 
Geldforderungen, voran der Grofswesir Rüstern. Aus seinem Ver- 
steck in Galata wurde Dionysios in den Diwan geholt, um den 
Berat zu empfangen. Bald darauf befahl Rustem, das hoch auf 
dem Patriarcheion angebrachte Kreuz, weil es ganz Konstanti- 
nopel zu beherrschen und zu regieren scheine , zu entfernen ^). 
Die Kirche Sankt Demetrios', die als Wallfahrtsort berühmt war, 
entrifs derselbe Wesir den Griechen ebenfalls und liefs sie ab- 
tragen 2). Auch viele Türkinnen besuchten solche Wallfahrtsorte ^). 
So verblieben denn dem orthodoxen Kultus nur 7 bis 8 Kirch- 
lein ; so Sankt Nikolaus , Sankt Georg, Sankt Konstantin und in 
Galata Panagia und Chrysopyge , nebst einem in Stambul be- 
findlichen Nonnenkloster *). 

Von den Besitzungen des Patriarchats waren damals nur 
einige Weingärten bei Konstantinopel übrig ^). Noch weiter ging 
der Wesir Piali: er zwang dem Patriarchen die zu ernennenden 
Metropoliten auf*'). Die Fürrede eines jüdischen Arztes konnte 
ebenfalls ins Gewicht gefallen sein '). 

Die dem Patriarchat notwendigen Summen allein aufzubringen 
vermochten die Griechen in Konstantinopel und in den benachbarten 
Ortschaften nicht. Alle fünf, dann vier und sogar drei Jahre be- 
reisten Agenten des Patriarchats, gewöhnlich Kleriker, mitunter 
auch der Ökumenikos selbst, unter dem Schutze eines Jani- 
tscharen, die Provinzen des „ Rum-Millets " und das entfernte 
achaische und moräotische Gebiet, wo mehrere Bischoftümer fried- 
lich gediehen s), um den Zins für die ,,Grofse Kirche" einzu- 

i) Crnsius a. a. O. S. 165. 

2) Gerlach S. 99. 

3) Ebenda. 

4) Ebenda S. 58, 62, 83— 84, 95, 157, 164, 188, 205, 217, 339, 455, 467 ff- 

5) Ebenda S. 119. 

6) Ebenda S. 395 — 396, 502—503. Ernennungen erfolgten wohl auch mit 
Hilfe der christlichen Gesandten; ebenda S. 81. 

7) Ebenda S. 247 — 248. 

8) Crusius a. a. O. S. 492. 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 303 

treiben ^). Sie g-ingen meist nach Thrazien, wo die Anzahl der 
Kirchen viel geringer als ein Jahrhundert vorher war -), — und 
dem Peloponnesos, auch auf die Inseln. Asien brachte nur wenig- 
Geld ein ; die massenhafte Übersiedlung- der dortig-en Griechen 
nach Konstantinopel (so aus Trapezunt und Sinope, wie aus Ka- 
ramanien, dessen frühere Bewohner, die Karamaniten, zwar grie- 
chischer Relig-ion, aber türkisch sprechend, in der Reichshaupt- 
stadt ein besonderes Viertel bewohnten und eigene Kandidaten 
für die Patriarchenwürde aufstellten •^)) und der Übertritt vieler 
Dörfler zum islamitischen Glauben, der ihnen einfacher erschien, 
hatten viele Gebiete von der früheren orthodoxen Bevölkerung 
fast völlig cntblöfst. ,,Die vornehmste Orte seyen verwüstet und, 
wo noch Christen da sich finden, seyen sie vielerley Secten zu- 
gethan i)." Aber von Trapezunt bis Satalieh, und in Kerasunt, 
Nikäa, Chalkedon, Brussa, Nikomedien, Smyrna, Ephesos wurde 
griechisch gesprochen ^) , während in der Gegend von Philadel- 
phia und Siwas nur türkisch zu hören war -'). Die schon ge- 
nannten asiatischen Bischöfe weilten meist in der Nähe des Pa- 
triarchen '). 

Patriarch Joachim war bis nach Iberien gereist , um den 
drückenden Forderungen der Tefterdare eine Zeitlang zu ent- 
gehen und von den dortigen Fürsten und Grofsen Hilfsgelder zu 
erbetteln '^). Seinem Nachfolger Pachomios war es vorbehalten, 
eine solche Reise nach der Moldau zu unternehmen, wo ihn 



i) Ger lach S. 33—34, 249, 462, 469 — 470. Sultan Soliman nahm 1569 
die Einkünfte der griechischen Gemeinden in Konstantinopel , Adrianopel und 
Brussa in Anspruch; Charriere III, S. 61. 

2) Gerlach S. 509 — 510. 

3) Siehe Crusius a. a. O. S. 166; Gerlach S. 173, 186, 217, 484. 

4) Ebenda S. 122. 

5) Crusius a. a. O. S. 4S9. 

6) Gerlach S. 367, 372. Aufzählung der griechischen Kirchen im nord- 
westlichen Winkel Kleinasiens ebenda S 25 — 29. 

7) Über das Schicksal der Bistümer in Asien, noch mehr als über das der 
Bevölkerung, die noch lange christlich verblieb und, wenn auch nicht immer 
Bischöfe, so doch die notwendigen Priester hatte, siehe Albert Wächter, Der 
Verfall des Griechentums in Kleinasien im XIV. Jahrhundert; Leipzig 1903. 

8) Crusius a. a. O. S. 39. 



304 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

Stephan der Grofse oder sein Nachfolger Bogdan nicht aufneh- 
men wollten, weil er durch Erhöhung- des Tributs die Lasten der 
Kirche selbst vermehrt habe, um sich behaupten zu können; der 
fromme walachische Fürst Radu beherbergte ihn. In dessen 
Landeshauptstadt Tirgoviste verschied er auch ^). Ein halbes Jahr- 
hundert später unternahm der Patriarch Joasaph wieder eine Reise 
nach der Moldau, wo er in den ersten Tagen des Jahres 1562 
vom Fürsten Alexander Läpusneanu, den Bojaren und den drei 
Erzhirten des Landes voll Freuden empfangen wurde -). 

In der Patriarchalkirche zu Konstantinopel redeten die Pre- 
diger ,,fein, nach der Grammatic, aber einfältig" '^). Einige gute 
Musiker waren zur Hand , wie der Metropolit Arsenios von Pa- 
laiopatrai ^) , und Nikephoros Karykios aus Athen wurde durch 
sein Talent als Vorsinger einer der Führer der griechischen 
Kirche^). Arsenios von Monembasia, Arsenios von Trnovo, 
Damascenus von Naupakt, die Metropoliten von Ephesus und 
Damaskus, die Prediger Matthäos und Hierotheos werden als ge- 
lehrte Mönche gelobt, ebenso ihre unter venezianischem Schutze 
lebenden Kollegen, Maximos von Cerigo und Gabriel Severos 
von Venedig *'). Der Logothet Hierax verfafste eine metrische 
Chronik des byzantinischen Verfalls ') ; auch der spätere Prediger 
Theodosios Zygomalas, aus Nauplion *) , war ein guter Kenner 
hellenischen Stils und ein geschickter Schriftsteller, wie vor ihm 
der Rhetor Manuel von Morea •'). Auch in Saloniki bestand eine 
gute Schule , aus der der neue Patriarch Joasaph Argyropulos 
hervorging, und angeblich auch eine Buchdruckerei ^^). 

In Padua lernten damals zahlreiche griechische Studenten ^^), 

1) Crusius a. a. O. S. 40, 145 — 146. 

2) Bog d an, Cronicele moldovenesti S. 11 ; vgl. Gerlach S. 393. 

3) Gerlach S. 84. 

4) Ebenda S. 133, 184. 5) Ebenda S. 389. 

6) Crusius a. a. O. S. 531; Gerlach S. 56, 58, 118, 133, 274, 282, 363. 

7) Sathas, Bibliotheca graeca medii aevi I. 

8) Crusius a. a. O. S. 270 — 271. 

9) Vgl. Gerlach, passim und Crusius a. a. O. S. 146. 

10) Crusius a. a. O. S. 210. 

11) Ebenda a. a. O. S. 205, 537; Ger lach S. 200. 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 205 

und der Diakon Demetrios ging- bis Wittenberg, dessen Gelehrte, 
der alten hellenischen Literatur zuliebe, grofse Sympathie für 
das unglückliche Volk der neuen Griechen hegten; schrieb doch 
Melanchthon an den Patriarchen Joasaph und wurden doch be- 
lesene griechische Abenteurer, wie Jakob Basiiikos, sein Freund 
Diasorinos und Jakob Paläologos, in Deutschland aufserordent- 
lich gefeiert ^). 

Der Berg Athos, der zwei Patriarchen — darunter Niphon — 
gab, bildete, dank einem Tribute von 18000 Talern, gleichsam 
eine freie Republik für 6000 Mönche, die sich unter anderm 
mit Malerei, kalligraphischen Arbeiten und fleifsiger Lektüre be- 
schäftigten -). Mancher Metropolit freilich war einfacher Gärtner, 
Maler •"') usw. ; der von Adrianopel soll in den siebziger Jahren 
sogar des Schreibens ziemlich unkundig g-ewesen sein ^). ,,Böse 
Stücke" und ,, Skandale" waren für viele von ihnen ein Lebcns- 
element°), und der Rhetor pflegte sich mit dem eigenen Sohn 
um Geld und ,, Buhlschafft" herumzuschlagen*'). 

In den letzten Jahren Solimans hatte der Patriarch Joasaph 
seine Kirche auf eine festere materielle Basis gestellt. Dem 
geschickten Mann gelang es, den Türken 1000 Dukaten vom 
Tribute abzuhandeln ') ; er verschönerte das Patriarcheion und 
vergröfserte es*). Vielleicht hätten damals die Slawen, die 
durch ihren Landsmann und ständigen Beschützer Mohammed 
Sokoli ein eigenes Patriarchat in Ipek (Pec) erlangt hatten — die 
dortigen Erzhirten setzten auch im rumänischen Siebenbürgen 
Bischöfe ein •*) — , zur hierarchischen Union mit Konstantinopel 
veranlafst werden können. Jedenfalls war dies die nächste und 



i) Crusius a. a. O. S. 364, 556 — 55S. Der alte Zygomalas prahlte mit 
seiner Absicht, in Wien Vorlesungen zu halten; Gerlach S. 303, 372. 

2) Ebenda S. 270, 448, 459. 

3) Ebenda S. 503, 516. 

4) Ebenda S. 512; vgl. S. 99—100, 114. 

5) Vgl. ebenda S. 100, 103, 115, 323. 

6) Ebenda S. 233—234, 323, 371—372. 

7) Die Kirche von Ipek zahlte 2000 Dukaten Tribut; Gerlach S. 530. 

8) Crusius a. a. O. S. 169 ff.; vgl. Gerlach S. 502. 

9) Siehe meine Geschichte der rumänischen Kirche (rumänisch) I, Bukarest 1 909. 



206 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

schönste Pflicht des Patriarchen, ebenso wichtig- wie soHda- 
risches Vorgehen in allen Angelegenheiten mit den übrigen 
griechischen Patriarchen, die ihn ja ebenfalls im Unglück unter- 
stützten 1). Eine orthodoxe Union unter dem Leiter der ,, Grofsen 
Kirche" kam aber erst später, am Ende des Jahrhunderts und 
besonders in den ersten Jahren des nächsten , zustande. Zwar 
verhandelte Sophronios von Achrida schon damals mit seinem 
Kollegen in Konstantinopel über die strittigen Bistümer von 
Kastoria und Koritza durchaus freundschaftlich '^); und als der 
von seinen alten Feinden entthronte Joasaph eine allgemeine 
Synode anrufen wollte, dachte er nicht nur an seine asiatischen 
Kollegen griechischer Nationalität, sondern auch an diesen So- 
phronios von Achrida und au Makarios von Ipek, ,,dess Mehe- 
met-Bassen nächsten Blutsfreund" ^). An der Synode, die ihn 
absetzte, hatte übrigens, aufser den mazedonischen Metropoliten 
slawischer oder slawisch-griechischer Liturgiesprache in Kastoria, 
Strumnitza und Melenikos, auch Paisios von Achrida teilgenom- 
men •*). 

Metrophanes von Cäsarea folgte, als Joasaph endgültig ver- 
schwand ^), auf dem Patriarchenstuhle in Konstantinopel ; ihn er- 
setzte bereits nach kurzer Zeit Jeremias von Larissa '^) (1572), 
ein gelehrter, tugendhafter und tüchtiger Prälat, dazu ,, freundlich 
und holdseelig" '), der freilich sich schon vom ersten Tage seiner 
Amtsführung zu Erniedrigungen und beständigem Nachgeben 
verurteilt sah. Denn die Kirche Konstantinopels und die ganze 
orthodoxe Hierarchie des Griechen- und Slawentums gehörten 
sich nicht mehr selbst, sondern fielen der auf dem losen Fun- 
dament des Reiches wild und dreist emporwuchernden neuen 

i) Crusius a. a. O. S. 290. So handelte sein Nachfolger Jeremias II. in 
der Angelegenheit der von mancher Seite mit Türken angesponnenen Ränke tat- 
sächlich; Gerlach S. 324. 

2) Crusius a. a. O. S. 339 — 341 ; vgl. Geiz er, Patriarchat von Achrida, 
Leipzig 1902. 

3) Crusius a. a. O. S. 290; Gerlach S. 329 — 330. 

4) Crusius a. a. O. 8. 174. 

5) Vgl. auch Charrifere III, S. 779: Februar 1565. 

6) Vgl. Crusius a. a. O. S. 176 — 180. 

7) Gerlach S. 29. 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 307 

Archontenklasse zur Beute, die ein neues, wenn auch kein reines 
und edles Leben des Griechentums darstellt. 

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte sich all- 
mählich, trotz der türkischen Herrschaft, oder besser dank der- 
selben, ein reiches griechisches Bürgertum entwickelt. Nicht nur 
in Konstantinopel: trieben doch z. B. auch die Alexandriner, 
deren Patriarch der bekannte Freund des venezianischen Guber- 
nators von Zante, Leonardo Emo, war, bis nach Antwerpen hin 
Handel ^). Mit ihren Stammesg-enossen auf den venezianischen 
Inseln unterhielten die Rajah- Griechen die engsten Handels- 
beziehungen. Der reiche Prokurator der Kreter in Galata, Leo- 
nino , war gegen 1 580 und später eine wichtige Persönlichkeit, 
die mit hohen Klerikern und rumänischen Thronprätendenten in 
Verbindung stand -). Der Kreter Konstantin Korniaktos , der 
in der orthodoxen Kirche von Lemberg sein Bild als Stifter hat, 
leitete die Finanzen der Moldau unter Alexander Läpusneanu; 
ebendort gewann später ein anderer kretischer Handelsmann, 
Konstantin Battista Vevelli, eine einflufsreiche Stellung ^). Viele 
andere Griechen kamen mit Levantinern und Ragusanern , um 
als Gläubiger des Woiwoden, als Pächter von Einkünften und 
Zöllen des Landes eine Rolle zu spielen. Für die nach Polen 
geflüchtete Witwe des Fürsten lancu Sasul trieb deren aus erster 
Ehe geborener Sohn Philipp mit Malvasier, Spezereien und pol- 
nischen Tüchern deutscher Herkunft Handel *}. Die Griechen, 
die man besonders in der Umgebung Mircea Ciobanuls und der 
Fürsten aus seinem Geschlechte bereits früher in der Walachei 
antrifft, waren nach altem Brauche ihres Volkes — Kaliani von 
Asprokastron kommt unter Stephan dem Grofsen als einer der 
gröfsten Kapitalisten der Moldau vor — über die Donau ge- 
kommen, um sich durch Handel, Wucher und Unternehmungs- 
geist zu bereichern und dann nach Konstantinopel zurückzukehren. 



i) Vgl. Crusius a. a. O. S. 270, 534. 

2) Gerlach S. 364 — 365. 

3) Siehe meine „Relatiile cu Lembergul" aus der Zeitschrift „Economia 
Na^ionalä" 1900, I. 

4) Ebenda. 



208 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

WO sie vermittels des gfewonnenen Reichtums unter einem Re- 
gime der Korruption g-rofse Macht ausübten und besonderer 
Ehren teilhaftig wurden ^). Mit den Kapukehajas der Fürsten- 
tümer, den als Geiseln in Konstantinopel lebenden Fürsten- 
söhnen -) und Fürstenbrüdern, und den unruhigen, immer einem 
Herrschaftswechsel geneigten Mazulen waren sie bekannt und 
manchmal eng befreundet oder gar verschwägert; die Vertreter 
der rumänischen Dynastien, meist uneheliche Söhne, Abenteurer 
und Betrüger, hatten durch langen Aufenthalt unter Griechen 
in der Hauptstadt des Reiches oder an den von Verbannten 
bevorzugten Plätzen wie Chics , Rhodos , Zypern , Kiutayeh, 
Konieh und Alep, oft auch durch ihre griechischen ?"rauen oder 
Mütter einen gewissen griechischen Anstrich bekommen, und so 
fühlten sich die Politik treibenden Kaufleute in der Moldau und 
Walachei unter dem Schutze solcher ,, Volksgenossen" wie zu 
Haus % 

Zu jener Zeit beginnen dann griechische x'\benteurer auf- 
zutreten, die ihre hohe Herkunft, ihren kaiserlichen oder gar 
hellenisch göttlichen Charakter ins rechte Licht zu setzen ver- 
standen, und von dem leichtgläubigen Europa als Träger und 
Lehrer der hellenischen Sprache bewundert und bezahlt wurden. 
Für manchen Gelehrten und Fürsten galt Jakob Basilikos als 
echter Nachfolger der Herakliden und der Despoten Serbiens, 
als authentischer Erbe von Paros , sein Freund Diasorinos als 
Edelmann aus bekanntem Geschlechte, Jakob der Paläologe, der 
„Sohn des Theodoros Olympidareios, des Sohnes des Andreas", 
als Spröfsling der alten kaiserlichen Dynastie'^). 1595 erteilte 
die Republik Venedig Lusignano Paleologo, dem Hauptmann 
von Peschiera, seiner eigenen Verdienste als Stratiote und ,,der 



i) Siehe auch Crusius a. a. O. S. 310. 

2) Vgl. Gerlach S. 236. Das Grab des Prinzen Milo? in einer konstan- 
tinopolitanischen Kirche mit den Gebeinen der heiligen Salomea; ebenda S. 66. 

3) Über die Pflicht der reichen, in der Walachei befindlichen Griechen, Kon- 
stantinopel mit Ochsen zu versorgen, ebenda S. 407. 

4) Vgl. Crusius a. a. O. S. 497 ; über ihn siehe Landsteiner, Jacobus Pa- 
läologus; aus dem „Programm des Josefstädter Gymnasiums", Wien 1873, S. 8. 



Einfliifs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 209 

vielen Verdienste seines Grolsvaters, seines Vaters, seiner Oheime 
und anderer seiner Vorfahren" wegen ein Privileg" ^). Ein Ge- 
lehrter, Rhallis, fand in Rom gegen 1570 eine griechische Schule 
des Papstes vor -). Die alten Vorurteile gegen die Häresie der 
Lateiner und ihre Ansteckungsgefahr lebten nur in den unteren 
Kreisen der Bevölkerung •'■) , in den oberen hatte unersättliche 
Abenteuerlust, wie sie manchen rumänischen Kronprätendenten 
ins ferne Abendland führte ^), alle anderen Gefühle überwuchert. 

Aber weder in den Handelsleuten, die als Grofskaufleute 
des Sultans in die Moldau oder bis nach Moskau und dem 
fränkischen Antwerpen gingen und segelten, noch in betrüge- 
rischen Abenteurern mit falschen tönenden Namen fanden die 
Griechen ihre nationalen Führer. Sie verlangten von dem , der 
eine solche Rolle zu übernehmen den Ehrgeiz hatte, Reichtum, 
echte Abkunft von den kaiserlichen Familien der heimlich und 
heifs beweinten Vergangenheit, diplomatisches Geschick und 
sorgsam unterhaltene Beziehungen zu türkischen Grofsen. 

Schon am Sturze des Patriarchen Joasaph hatten aufser dem 
Grofs-Sakellarios Anastasios und dem Grofs-Logotheten Hierax 
auch Michael Gabras und Antonios Kantakuzenos mitgearbeitet ^). 
Der letztere wohnte in Galata und spielte als Führer unter der 
Bevölkerung der griechischen Vorstädte eine Rolle '^). Ebenda 
besafs auch der Paläologe Konstantin ein schönes Haus; seine 
Frau war eine Kantakuzenin '). Durch Ränke seiner Verwandten 
gezwungen , nahm dieser später Aufenthalt beim Khan in der 
Krim. Ein Kantakuzene starb als Mönch auf dem Berge Athos *). 
Wie Rhallis in Rom, so lebten andere im Reiche, die über 
grofse Reichtümer verfügten, so dafs einer seiner Tochter 
50000 Dukaten mitgeben konnte, beinahe die Hälfte davon in 

i) ,, Senate Terra" in dem Archiv von Venedig LXVII, fol. 17 vo — 18. 

2) Gerlach S. 122; Crusins a. a. O. S. 94. 

3) Gerlach S. 61. 

4) Siehe ,, Geschichte des rum. Volkes" II. 

5) Crusius a. a. O. S. lögff. Sein Sohn Georg, Gerlach S. 500. 

6) Vgl. ebenda S. 87, 425. 

7) Über seine Eltern siehe Crusius a. a. O. S. 90 — 91. 

8) Gerlach S. 127, 183 — 184, 223, 388, 465, 468; Crusius a. a. O. 
S. 269. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. HI. 14 



310 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

barem Geld ^). Dionysius, einer der jüngeren Spröfsling-e der 
Familie , ein Kleriker , wurde als Metropolit von Trnowo eine 
politische Persönlichkeit , als die erste Erhebung- der Christen 
gegen das osmanische Regime erfolgte. Im Leichenzuge des 
reichen Griechen Skarlatti befand sich der Patriarch in Person '). 
Die Koressi , Muzalon , Vatatzes und Diplovatatzes , Asanes, 
Chrysoloras, Laskaris — letztere verschwinden bis gegen 1550^) — 
zählten ebenfalls zu den vornehmen griechischen Geschlechtern 
in Konstantinopel und den Seestädten Midia, Mesembria, Sozo- 
pohs ^). Ein Rhaul (Rhallis) ging nach Rufsland, sein schönes 
Haus wurde von einem anderen Archonten und dem Fürsten 
der Moldau erstanden ^). 

Diese neue Aristokratie, mit klingenden, alten Namen, diese 
,, hochedlen Herren" (svyeveaTaTOL aQxovTeg) '''), die mitunter den 
Doppeladler im Siegel führten, hatten mit dem ,, christlichen 
Volk" der griechischen Plebs, die aus Fischern, an der Münze 
und im Arsenale beschäftigten Arbeitern und aus Krämern be- 
stand"), und von den Türken geschmäht und beleidigt werden 
durfte, nichts gemein ^). Sie traten beritten auf, bauten sich Pa- 
läste, hatten Janitscharenwachen um sich, standen in den engsten 
Beziehungen zu den Wesiren, nahmen Zölle des Reiches in 
Pacht, und ihre Frauen trugen Kleider, die kostbarer als die 
einer Kaiserin des Westens waren ^). Goldener Haarschmuck, 
Edelsteine vor der Stirn, Armbänder von kostbarem Metall, 
Hals- und Brustketten und „silberne Pantoffeln", die mit Perlen 
bestickt waren, erregten Aufsehen und Bewunderung an ihnen ^^). 



i) Gerlach S. 200. 2) Ebenda S. 270. 

3) Crusius a. a. O. S. 90 — 91. 

4) Gerlach S. 476. 

5) Ebenda S. 456. 

6) Crusius a. a. O. S. 179. 

7) Busbecq S. 34; Navagero a. a. O. S. 53, 67. 

8) Man schlug Leuten aus dem Volke wohl die Hüte herunter; Gerlach 
S. 272 — 273, 348. Mancher trug schlechtere Kleider, um die Türken über seinen 
Reichtum zu täuschen; ebenda S. 6l. 

9) Ebenda S. 249, 279, 262, 339, 368. 

10) Ebenda S. 31 ; vgl. das Verzeichnis des Schatzes des moldauischen Fürsten 
Peter des Lahmen, Hurmuzaki XI, S. 454 ff. 



Eir.flufs (Jer unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 311 

Über alle Stammesgenossen erhob sich gegen 1570 „ein 
alter und anzusehen lustiger Mann", ,,auss dem alten griechischen 
Käysergeschlecht der Kantakuziner", der evdoSoTazog xal Evye- 
vioxaroq Iv aqyovoi, der „erlauchteste und höchstgeborene Edel- 
mann", Michael Kantakuzenos , die ,, Säule der Christen", der 
,, göttliche" Beschützer der Griechen, der Patron der Patriarchal- 
kirche, ,,Saltzmeister, Oberster Zollner", Verkäufer des Fischzolls, 
Herr des feudalen Gutes Anchialo, wo Meersalz gewonnen wurde, 
später Grofskaufmann des Sultans , der Freund Sokolis und der 
Günstling zweier Sultane, kurze Zeit Schwager des walachischen 
Fürsten Petru SchiopuP) : er entrichtete jährlich 160000 Taler 
an den Sultan-), baute ihm 20 — 30 Galeeren und füllte die 
Häuser der Mächtigen mit kostbaren Geschenken ; dafür liefs man 
ihm freie Hand , die ihm mifsliebigen Stammesgenossen nach 
dem Heiligen Berge zu verbannen ^) oder zur Flucht zu zwingen, 
die Fürsten an der Donau nach Belieben zu wechseln und vor 
allem über die Sitze der Patriarchen und Metropoliten zu ver- 
fügen. Sein Bruder Konstantin, seine Söhne, deren ältester den 
kaiserlichen Namen Andronikos trug, den der Vater trotzdem 
mit Stockhieben bedrohte ^), drei Schwiegersöhne ^), der Rhallis, 
der die Schwester des allmächtigen Griechen geheiratet hatte, 
dessen Sohn Dionysios, für den er das Patriarchat bestimmte ^'), 
zahlreiche Freunde und Klienten bildeten einen Hof um ihn, 
wie um einen Fürsten. Einmal, in den letzen Jahren Sokolis, 
wurde er eingekerkert, weil er 100 000 Kronen Salzpacht schul- 
dig war, und mancher war der Meinung, dafs seines Glückes 
letzte Stunde geschlagen habe ; aber durch Zahlung von 55 000 Du- 
katen wufste er der Rache seiner zahlreichen Feinde zu ent- 
gehen '). Erst im März 1576, als die Nachricht von neuen 
inneren Kriegen und Kosakeneinfällen aus der Moldau kam, 



i) Die Frau, Maria, entfloh auf dem Wege nach Konstantinopel; Hurmu- 
zaki XI, Vorrede, S. vi. Über die anderen Titel und Tätigkeiten siehe Crusius 
a. a. O. S. 60, 225, 269; Gerlach S. 303, 392, 454. 

2) Gerlach S. 60, 237. 3) Ebenda S. 55—56. 

4) Ebenda S. 462 — 464, 486. 5) Ebenda S. 222. 

6) Ebenda S. 223, 465 — 468. 

7) Ebenda S. 233, 395. 

u» 



3J3 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

wurde er von einem Kapudschi-Baschi in g-eheimem Auftrage zu 
Anchialo erdrosselt ^). 

Der Einflufs dieses bedeutenden Mannes war im g-anzen so- 
wohl für das Reich als auch für seine eigene Nation höchst 
schädlich, das Werk eines „Teufelskindes", Schaitanog-li, 
wie ihn die Türken g-ewöhnlich, sog"ar in öffentlichen Akten- 
stücken, nannten. Ein zynischer Vertreter der fortschreitenden 
Korruption , war er der eig-entliche Anlafs der Aussaugung- der 
beiden Donaufürstentümer; dafs er von loan-Cel-Cumplit, dem 
Fürsten der Moldau, 50000 Dukaten verlang-te -) , und die Er- 
höhung- des Tributs von selten dieses Landes betrieb , zwang- 
den entschlossenen Mann 1574 zum Aufstand. Dieser wurde von 
den Truppen Cigalas g-edämpft, und loan von Kamelen in 
Stücke g-erissen ; aber die Kosaken, die er zu Hilfe gerufen und 
mit denen, als besoldeten Alliierten, er in Glück und Unglück 
bis zuletzt Seite an Seite kämpfte, hatten den Weg- vom Dnjepr 
nach Suceava und lasi, wohin die kecken Abenteurer nun nicht 
müde wurden, wahre und falsche Fürstensöhne zu bringen, und 
nach den türkischen Schlössern Bender, Kili und Akkerman für 
lange Zeit gelernt. 

Der Patriarch Joasaph , ein ,, redlicher Mann", verdankte 
Michael Kantakuzenos und dessen politischen Verbündeten und 
Mitinteressierten, seinen Fall-^). Als der gelehrte Metrophanes das 
Geld für eine aufser der regelmäfsig geschuldeten Rente von 
2 000 Dukaten verlangte Anleihe nicht aufbringen konnte, teilte 
er das Schicksal seines Vorgängers; als Vorwand mufste dienen, 
dafs er als Mönch Rom besucht und den Fufs des Papstes ge- 
küfst hatte ^). Der neue Patriarch Jeremias II. ^) war ,,wie dess 
Cantacuzenis Sclav", sein Steueragent (collectaneus) ; er kam 



i) Vgl. Charriere III, S. 742, Anin.; Gerlach S. 462 ff. ; Crusius 
a. a. O. S. 274; auch meine „Contributii" in den „Denkmälern der rumänischen 
Akademie" XVIII und „Despre Cantacuzini", Bukarest 1902. 

2) Gerlach S. 464. 

3) Ebenda S. 183 — 184; Crusius a. a. O. S. 96. 

4) Ebenda S. 59, 459; vgl, ebenda S. 30, 267. 

5) Ebenda S. 271; Crusius a. a. O. S. 335, 491. 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 313 

einmal wöchentlich zu ihm, um Befehle entg-egenzunehmen. Der 
grofse Archont betrat das Patriarcheion nicht: er hatte seine 
eigene Kapelle im Hause ^). Jeremias mufste in Anchialos er- 
scheinen, um bei der Heirat des jungen Andronikos zu zele- 
brieren -). Die Metropoliten wurden in Wahrheit von Kantaku- 
zenos ernannt, der für jeden Stuhl 600 Dukaten zu nehmen 
pflegte und mit Sokoli teilte ^). Das Patriarchat allein brachte 
für diesen seinen Patron und dessen türkische Schutzherren bis 
zu 12000 Dukaten jährlich zusammen^). 

Kantakuzenos' Interesse war es, den Streit zwischen Jeremias 
und dem unruhigen Metrophanes zu verewigen, bei dem er den 
eigenen und den Vorteil des Grofswesirs fand. 1577 verhörte 
ein Diwan die Nebenbuhler ^), und Jeremias gewann den Prozefs. 
Doch mufste er dem unterlegenen Gegner eine Pension aus- 
zahlen "j. Nach dem Tode Sokolis erhielt Metrophanes am 
24. Dezember 1579 den Stab zurück, den er behielt, bis er am 
II. August 1580 ebenfalls starb '). Den Türken waren die 
beständigen Klagen und Anklagen nur ein Anlafs gewesen, 
von einer Aufhebung des so heifs umstrittenen Patriarchats zu 
sprechen *). 

Die beständige Anwesenheit des Sultans im Serail, die Bil- 
dung einer führenden Klasse von Renegaten jeder Art und Her- 
kunft, in der Franken, Juden, Armenier, Griechen vertreten 
waren, und der Luxus einer müfsigen Gesellschaft hatten Kon- 
stantinopel, das früher viele Monate und manchmal sogar Jahre 
hindurch seinen Herrn, dessen Heer und Pforte und alle, die 
davon lebten, nicht in seinen Mauern sah, nun plötzlich zur 
wirkUchen und ständieren kaiserlichen Residenz eines von un- 



i) Gerlach S. 60, 395. 

2) Ebenda S. 133; vgl. S. 187 — 188. 

3) Ebenda S. 52—53, 211 — 212, 249, 267, 367, 

4) Ebenda S. 211, 224. 

5) Ebenda S. 311 — 312, 342. 

6) Ebenda S. 403; vgl. S. 408, 425. 

7) Charrifere III, S. 839, 897, Anm.: 29. November 1579; Crusius 
. O. S. 212. 

8) Ebenda. 



214 Zweites Buch. Drittes Kapitel. 

beschreiblicher Pracht umgebenen und von unzähliger Diener- 
schaft bedienten Monarchen werden lassen. Je mehr die Pro- 
vinzen, deren Bewohner nur für ihren täglichen Unterhalt, das 
Kharadsch des Kaisers und das des Patriarchen arbeiteten, herunter- 
gingen, um so mehr steigerte sich der Glanz des unvergleichlichen 
,,Islambul", wie Schmeichler Stambul, den Hort des Islams, mit 
seinen vielen und reichen kaiserlichen Moscheen ^) , die den 
Christen verschlossen blieben , mit seinen Serails und Gärten 
gern zu nennen liebten. Nur Italiener -) und andere Fremde, 
vielleicht auch die Perser, die eine feinere Kunst kannten, waren 
gegen eine Bewunderung gefeit, die sich den Landesgeborenen 
notwendigerweise aufdrängen mufste. 

Denn schöne Häuser, nach westlichem Muster gebaut — der 
Palast Grittis hatte Raum für hundert Diener und fünfhundert 
Pferde ") — erhoben sich jetzt in den engen, krummen Gassen 
der Hauptstadt; Wesire, die Sultaninnen geheiratet hatten und 
meist in ihrer Nähe weilten, bewohnten sie. Die Frauenkleidung 
wurde bei Türkinnen wie bei Armenierinnen und Griechinnen 
immer verschwenderischer: ,,was der Mann vermag, das hänget 
er dem Weib an, und ist also Gebrauch"^). Auch die Mahl- 
zeiten hatten die frühere Einfachheit eingebüfst -"). Bei Familien- 
feierlichkeiten, wie Hochzeiten und der Beschneidung der Söhne, 
entfalteten die Türken nun einen bisher nicht geahnten Luxus ; 
die bei Beschneidung der Söhne Murads veranstalteten Festlich- 
keiten bilden in dieser Hinsicht ein interessantes Moment in der 
Entwicklung der Sitten der stolzen Hauptstadt ''). 

Auf den öffentlichen Plätzen, besonders um die Moschee 
Bajesids sammelte sich täglich eine müfsige Menge und staunte 
über das Spiel dressierter Affen und Hunde, ,,Narrentheidungen", 
Derwische, die sich mit Steinen die Brust zerschlugen und glü- 



i) Gerlach S. 413; vgl. Busbecq S. 330. 

2) „Queste fabbriche unite fatte da tre Imperatori non vagliono per il mi- 
nimo giardino di Napoli"; Alberi XII, S. 467. 

3) Gerlach S. 34. 4) Ebenda S. 339, 375. 
5) Vgl. Busbecq S. 50—51. 

6j Vgl. Gerlach S. 410; Alberi XIU, S. 222 und für die letzterwähnten 
Feste Hammer lU, S. 5i6fif. ; siehe auch „Contribu^ii" S. 34. 



Einflufs der unterworfenen Völker auf die Leitung des Reiches. 315 

hendes Eisen in die Hand oder gar in den Mund nahmen, 
andere, die sich Schnitte in die Kopfhaut beibrachten, um Federn 
aufzustecken , oder sich sonstwie verstümmelten ; Bettler , die 
einen Hirsch mitführten, der bei Erwähnung des Namens Allah 
nickte; Araber mit heiliger Fahne, die geweihte Kleinigkeiten 
verkauften , und Vögel , die ein in die Höhe geworfenes Stück 
Mangur (eine kleine Münze) in der Menge aufzufinden wufsten ^). 
Auch ,, Zauberer und Wahrsager" mit ,, Steinlein und Bohnen, 
WürfFel, Büchlein" produzierten sich "-). Öffentliche Weinschenken 
für Moslems wurden nicht geduldet; ein kaiserlicher Befehl 
setzte 1575 Strafen für alle in Diensten des Sultans Stehenden 
fest, die \ erbotenen Getränken zuzusprechen wagten-^). Aber in 
den von Christen und Juden gehaltenen Schenken waren 
Tschisnedschirs, Tschausche und sogar hochgeborene Mutefaria- 
kas zu sehen ^). Die Soldaten tranken ohne Scheu; wer sich 
ihnen widersetzte, trieb sie zu offenem Widerstand und gab An- 
lafs zu grofsen Skandalen '"). Betrunkene waren stets auf den 
Strafsen anzutreffen. Türkische Grofse kamen eigens zu den 
christlichen Gesandten, um zu trinken, und selbst die Priester 
der Hagia-Sophia und Suleimanieh verschmähten nicht, zu solchem 
Zwecke Besuch zu machen ^). 

Die Wesire berauschten sich auch mit Opium, das der Koran 
nicht verbot: Piali, Ahmed und andere waren leidenschaftliche 
Opiumesser'). Und schon begann das ,, schwarze Wasser mit 
Opium bereitet", ,,das heifse schwarze Wasser, so heifs, wie man 
es nur erdulden kann, aus einem Samen bereitet, das Kaffee 
heifst und, wie man sagt, die Macht besitzt, den Schlaf zu ent- 
fernen", das spätere nationale Gift der Türken, raschen Eingang 
zu finden *=*). 

Die Religiosität mufste in der grofsen Stadt, wo alle Kate- 

i) Vgl. Gerlach S. 393; Busbecq S. 91—92, 105, 196 — 197, 219. 

2) Gerlach S. 393. 

3) Ebenda S. 85; vgl. Alberi XIV, S. 191 ; Busbecq S. 148—149. 

4) Gerlach S. 411. 5) Siehe ebenda S. 253. 

6) Ebenda S. 213; Alberi XIV, S. 231. 

7) Vgl. Charriere ÜI, S. 927—928, Anm.; Albferi XII, S. 461; XIII, 
S. 8, 156. 

8) Siehe z. B. Alberi XIV, S. 268. 



316 Zweites Bucli. Drittes Kapitel. Einflufs deu unterworfenen Völker usw. 

gorien der Bewohner des Reiches zusammentrafen und sich 
gegenseitig beeinflufsten, abnehmen. Eine Art halbchristlichen 
Aberglaubens verbreitete sich und fand öffentliche Propheten, 
die mitunter zu schnellem Tode verurteilt wurden ^). Kinder- 
taufe, Wallfahrten zu wunderwirkenden Quellen und Heiligen- 
bildern, priesterlicher Segen verführte besonders die Frauen -). 
Falsche Eide zu schwören war die Erwerbsquelle zahlreicher 
müfsiger Bewohner Stambuls geworden ^). 

Von den Subaschis, die das Volk aussaugten, pflegte einer 
wohl zu sagen: ,,Mein Name ist: ich fürchte Gott nicht "^). 
Der Anwendung von Tortur und sonstiger Grausamkeit seitens 
derselben Subaschis und aller örtlichen Solidarität der Bewohner 
desselben Stadtviertels ^) zum Trotz, war die Ordnung nicht mehr 
so musterhaft wie früher*'). Ulemas, Theologen steckten 1592 
das Serail des Sultans in Brand ''); militärische Tumulte fanden 
statt, wie an anderer Stelle belegt werden wird. 

Unter Sinan war die Verproviantierung Konstantinopels noch 
zuverlässig, aber andere Wesire vernachlässigten diese wichtige 
Pflicht; es wurde Klage über betrügerische Bäcker geführt; man 
sah Hunderte und Tausende von Menschen lärmend vor den 
Backöfen stehen und die Bäckerjungen ,,Beg" und ,, Sultan" 
titulieren, um ihnen ein Stück Brot abzulocken ^). 

In der schlechten Verwaltung der Reichshauptstadt, auf die 
es vor allem ankam, in der wachsenden Korruption, die von den 
Wesiren und Priestern abwärts bis zum armen Trunkenbold, 
Opiumesser und Besucher der aufkommenden Kahvenes, 
Kaffeehäuser, reichte, und in der noch zu besprechenden Dis- 
ziplinlosigkeit des Militärs , lag der Keim einer grofsen Gefahr, 
vielleicht der gröfsten, die dem Reich drohte. 

1) Gerlach S. 22, 58; vgl. Barbaro a. a. O. S. 325 — 326, 

2) Vgl. Busbecq S. 125. 3) Gerlach S. 32, 413. 
4) Ebenda S. 306, 310. 5) Ebenda S. 176, aiS.fj 

6) Ebenda S. 121; Trevisano in Albferi S. 122. 

7) Alberi XIII, S. 371. 

8) Vgl. Ger lach S. 31, 85—86, 236—237; Alberi XIV, S. 363, Jahr 1390, 



Viertes Kapitel. 

Verfall des türkischen Heeres unter den Sultanen 
Selim II. und Murad II. Der persische Krieg. 



Die numerische Stärke und die Disziplin der „besten Sol- 
daten der Welt" ^) sicherte dem nach einem Jahrhundert der 
Blüte schon erschlafften Reich noch für lange Zeit , wenn auch 
nicht Sieg- und Eroberungen, so wenigstens die bisherige Gel- 
tung-). Aber so übertrieben es wäre, vom türkischen Heer 
jener Zeit verächtlich zu sprechen , so deuteten doch manche 
Zeichen auf eine Schwächung auch dieses einige Jahrzehnte vor- 
her noch so wunderbar leistungsfähigen Werkzeugs der Erobe- 
rung und Unterjochung. 

Nach dem Tode Solimans hatte der Beglerbeg von Rum 
33 Sandschaks mit 20000 Kriegern unter sich, während der von 
Ofen nur über 12000 Mann befehligte ■'). Gegen 1583 wurden 
drei weitere europäische Beglerbegate begründet: in Bosnien 
gegen die Kaiserlichen , in Kaffa gegen Polen und Moskowiter 
und in Demirkapi gegen die Perser ^). Nach späteren Zahlen- 
angaben stieg die Ziffer der europäischen Spahis auf 60 — 80000^); 
30 — 50000 immer kriegsbereite Akindschis standen an der Donau, 
bis nach Sofia hin und um Saloniki '^). Die asiatischen Truppen 

i) Cavalli a. a. O. S. 280 und Alberi XIV, S. 265; XII, S. 440; vgl. 
Gerlach S. 244. 

2) Die Meinung des Bailo Morosini, dafs loooo Christen 30000 Türken zu 
besiegen vermöchten, war lediglich eitle Prahlerei; Alberi XIV, S. 261. 

3) Gerlach S. 219. 4) Alberi XIV, S. 21S, z. Jahre 1583. 

5) Ebenda S. 139, 339?., Jahr 1590; S. 394, Jahr 1594; Marcantonio 
Barbaro a. a. O. S. 304 — 305. 

6) Albferi XIV, a. a. O. ; vgl. ebenda XIII, S. 143; XIV, S. 151, 344; 
Trevisano a. a. O. S. 132. 



218 Zweites Bucli. Viertes Kapitel. 

zählten unter 14 Beglerbeg-s und 150 Sandschaks g"egen 1590 
100 000 Spahis, konnten sich an Wert aber nicht mit den euro- 
päischen vergleichen ^). Unter Soliman rechnete ein Bailo 
300000 Spahis zusammen-). 1592 wird nur von 200000 •^), 
15S1 sogar nur von 150000^) und 1573 — 1576 von 130— 140000 
g'esprochen ^). Der persische Krieg" hatte die Erhöhung der Zahl 
der Reiter veranlafst ''). 

Die Spahis, eigentlich Timar-Spahis, lebten auf dem Lande, 
wo sie die Bauern dadurch hart bedrückten, dafs sie mehr als 
den üblichen Abgabenteil an Bodenerzeugnissen von ihnen be- 
anspruchten. Sie waren jetzt zu Gutsbesitzern im alten, üblen 
Sinne der griechischen, slawischen und lateinischen Zeit vor der 
Eroberung geworden. Nicht nur einzelne Dorfbewohner, sondern 
auch ganze Dörfer flüchteten vor der Habgier und Grausamkeit 
ihrer Herren ''). 

Wer über Einkünfte bis zu 10 000 Aspern jährlich verfügte 
— nach dem Wertsatz der ersten Belehnungszeit gerechnet ^) — , 
war verpflichtet, mit einem Pferde selbst zu dienen; jede weiteren 
4 — 5000 Aspern bedingten die Stellung eines berittenen Knechtes^). 
Manche hatten drei Pferde und einen Sklaven, andere vier Pferde 
und zwei Sklaven , die reicheren Zaims sechs Pferde und vier 
Sklaven i«). 

Es kam jetzt vor, dafs die Spahis am festgesetzten Tage 
ausblieben und das kaiserliche Heer mit der Pforte der Jani- 
tscharen und der Elitekorps nicht so schnell zusammenkam, Sie 



i) Alb er i XIV, S. 339. 2) Ebenda S. 150. 

3) Ebenda XIII, S. 329-330- 

4) Ebenda S. 253. 

5) Ebenda S. 197; Marcantonio Barbaro a. a. O. S. 304 — 305; 
Garzoni a. a. O. S. 411— 414. — 160000 werden 1564 gezäiilt ; ebenda 
S. 33, — aber ohne Sklaven und Abenteurer. 

6) Über ihre Lust an Pferden Busbecq S. 96 ff. Über die Bewaffnung 
S. 123, 126, 143 ff. 

7) Garzoni a. a. O. S. 411 — 413; Gerlach S. 214, 251, 369—370, 376. 

8) Vgl. Alberi XIV, S. 339. 

9) Navagero a. a. O. S. 40 — 41. 

10) Vgl. Trevisano a. a. O. S. 125, Jahr 1558; Marcantonio Barbaro 
a. a. 0. S. 304 — 305, Jahr 1573. 



Verfall des türkischen Heeres unter Selim II. and Murad II. usw. 319 

verlang-ten die persönliche Anwesenheit des Sultans ^) , suchten 
sich, wie im zyprischen Kriege, loszukaufen-), oder benutzten 
den Einflufs der Frauen und Günstlinge ^) , um sich ihren mili- 
tärischen Pflichten zu entziehen. Während des persischen Krieges 
gaben sie vor, ein Kampf zwischen mosleminischen Herrschern sei 
wider den Islam ■^). Und auch die, die im Lager erschienen, 
entbehrten mancher guten Eigenschaften der alten osmanischen 
Kavallerie; 30000 gute Reiter wurden gezählt, die übrigen 
trugen schlechte Kleidung, hatten magere, abgearbeitete Pferde 
und waren kaum imstande, die Waffen zu führen •''). Der religiöse 
Eifer war dahin; der grofsen Menge war das V^ertrauen auf den 
göttlichen Schutz abhanden gekommen ''). 

Auch der Umstand, dafs jetzt auch an Hofgünstlinge, Kleriker, 
alte Leute und Frauen, die sich irgendeiner Protektion erfreuten, 
Timars verliehen wurden, und an solche Feudalherren, die nicht 
imstande waren, die gesetzmäfsige Anzahl Pferde und Sklaven 
aufzustellen , geschweige denn sie in den Krieg zu führen , be- 
einträchtigte die Wehrhaftigkeit "). Eine von dem habgierigen 
Sultan in Angriff genommene Revision der Timars nach dem 
neuen Bodenwerte , die allen im Verhältnis zu dem von ihnen 
gestellten Kontingent Begünstigten einen Teil des Lehens nehmen 
sollte, steigerte die vorhandene Unzufriedenheit und verursachte 
eine bedeutende Störung im militärischen Lehenswesen ^). 

Dagegen verfügte der Sultan jetzt über eine Hoftruppe von 
zahlreichen Spahis, die dauernd in Konstantinopel standen und 
auch als Spahioglane, Silichdare, Ulufedschis, Tscharkadschis 
oder Mutefariakas (Edelknaben) auftraten. Es war eine Art be- 
vorzugter Miliz; beim Ausbruch eines Krieges pflegte man jedem 



i) Alberi XIV, S. 230—231. 

2) Marcantonio Barbaro a. a. O. S. 310; Gerlach S. 31, 

3) Alberi XIII, S. 369. 

4) Ebenda XIV, S. 230-231. 

5) Vgl. Gerlach S. 482; Alberi XIV, S. 220. 

6) Ebenda XIII, S. 368. 

7) Ebenda XIV, S. 339, 379, 397,' 410. 

8) Ger lach S. 129, 306, 370. 



220 Zweites Buch. Viertes Kapitel. 

von ihnen 20 Dukaten auszuzahlen ^). Ihre Zahl ging- um 1590 
auf 20000 Mann herunter, weil einem Sultan, der sein Geld für 
sicli behalten wollte, ihr Unterhalt zu kostspielig dünkte -). Zu- 
erst trugen sie ,,Panter- und gefleckelte Haut", „lange Wolffs- 
Beltz " — so sah sie noch der Prediger Gerlach "') ; einige Jahre 
später waren sie bereits verarmt ^). 

Den Kern des Heeres bildeten nach wie vor die Janitscharen. 
Einst hatten diese Söhne des Sultans, diese Zöglinge der Serail- 
schule, die heilige Person des Herrn begleitet und beschützt. 
Unter seinen Augen hatten sie Proben ihrer Tapferkeit abgelegt 
und von seiner Anerkennung und Gerechtigkeit ein reiches Timar 
zum Lohne erwartet. Jetzt freilich hatte die ,, Bewegungslosig- 
keit" der faulen, kranken, vergnügungssüchtigen, verdorbenen 
Sultane diesen Sporn zu kriegerischer Tüchtigkeit ausgeschaltet, 
1579 durfte ein Alai-beg erklären, dafs er dem Wesir Sinan nicht 
folgen werde -'). 

Die Anzahl der Janitscharen, des ,, Felsens im Heere" (rocca 
deir esercito), wurde, besonders während des persischen Krieges, 
erhöht. 1573 unter Sultan Selim betrug diese eiserne Infanterie 
12 — 14000 Mann, die durchschnittlich 4 Aspern täglichen Sol- 
des, alle zwei Monate zahlbar, erhielten; alle waren mit Flinten 
bewaffnet; mehrere tausend Toptschis bedienten die Artillerie, 
deren Arsenal sich bei Bosna-Serai befand'^). 1576 — 1581 gab- 
es nur 12000 Janitscharen; ihre Zahl war verringert worden, weil 
kein Krieg in Aussicht stand '). Bald darauf wurden wieder 



i) Alböri XIV, S. 341 ; Garzoni a. a. O. S. 411—412. 

2) Alberi XIV, S. 339, 410— 411; vgl. ebenda XIII, S. 140, Jahr 1576t 
14000; Marcantonio Barbaro, Jahr 1573, S. 304 — 305. 

3) S. 38. Vgl. Bd. II, S. 452-453- 

4) „Ridotta in povertä e miseria"; Albferi XIV, S. 219. 

5) Charri^re III, S. 852, Anm. 

6) Alberi XIII, S. 331 ; XIV, S. 244, 393; vgl. Busbecq S. 142; Nava- 
gero a. a. O. S. 58; Garzoni a. a. O. S. 422; vgl. Alberi XII, S. 9. 
Über ihr Kasernenleben Busbecq S. 148. Über die numerische Stärke der- 
selben Trevisano a. a. O. S. 128 — 129; Garzoni a. a. O. S. 415. Unter 
Soliman Alberi XIII, S. 33; XIV, S. 127, 150. 

7) Ebenda XIII, S. 141 — 142, 247; vgl. aber S. 253. 



Verfall des türkisclien Heeres unter Selim II. und Murad II. usw. 221 

viele neue Janitscharen rekrutiert, um die östliche Grenze zu 
beschützen; das Korps bestand 1583 — 1585 aus 16 — 19000, 
1590— 1592 aus 24 — 25000 Soldaten i). Doch wurden zahlreiche 
Oltizierc aus Geldmang-el entlassen -). Die meisten Janitscharen 
erhielten jetzt 8 Aspern täglich ^^). 

Wie früher gingen jedes vierte Jahr Rekruteure aus , um 
durch die Protogeri der Dörfer Adschemoglane , künftige Jani- 
tscharen, anzuwerben. Die Regel war, dafs einzige Söhne, die 
Jugend in den an kaiserlichen Strafsen begründeten Ansied- 
lungen , schon verheiratete oder verlobte Burschen nicht zu 
dienen hatten. Darum beeilten sich Albanesen und Bulgaren, 
ihren kaum erwachsenen Kindern eine Familie zu gründen. Doch 
kam es vor, dafs auch 20 — 24 Jahre alte Bauern, die ihr eigenes 
Haus hatten, ja sogar solche, die in Diensten der Kirche stan- 
den, fortgeführt wurden. Bestechung spielte bei den Agenten 
der Pforte eine grofse Rolle. Arme Dorfleute mufsten entfliehen, 
um ihrer mitleidlosen Härte zu entgehen; so siedelte sich in den 
siebziger Jahren ganz Parga anderswo an ^). Anderseits gaben 
noch, gerade aus Armut, manche Christen ihre Knaben gern 
hin, in der Hoffnung, sie zu grofsen Ehren im Reiche gelangen 
zu sehen ■''). 

Um die durch Korruption , Entvölkerung einiger Gebiete 
und den unglücklichen persischen Krieg im Janitscharenkorps 
entstandenen Lücken auszufüllen, nahm man schon vor 1560 in 
der letzten Zeit Solimans '') , dann besonders unter Selim und 
Murad, seine Zuflucht zu jungen Türken, für die die Eltern um 
eine andere Laufbahn in Verlegenheit waren, und zu den Müfsig- 
gängern, Übeltätern und Trunkenbolden der Hauptstadt, die unter 
der Janitscharenmütze die Berechtigung hatten, in Freiheit bei 



i) ,,Xelle guerre di Persia sono accresciuti [i gianizzeri] a ventiquattro mila " • 
Alben XIII, S. 331 ; vgl. XIV, S. 219, 258, 343, 392. 

2) Ebenda XIII, S. 332. 

3) Ebenda XIV, S. 258. 

4I Ger lach S. 48—49, 80, 306, 314; Alb er i XIII, S. 136 — 137, 245: 
Garzoni a. a. O. S. 396. 

5) Trevisano a. a. O. S. 130. 

6) Ein Zeugnis aus dem Jahre 1556, bei Zinkeisen III, S. 247. 



333 Zweites Buch. Viertes Kapitel. 

Besoldung und Tain zu betteln , zu rauben und Schlägereien 
hervorzurufen. 1573 gab ein Bailo Nachricht von der Einführung- 
dieses nicht geschulten und ungehorsamen Elements, das die 
Disziplin verderben mufste ^) ; mancher zahlte auch bereits , um 
in die berühmte, glorreiche Truppe eintreten zu dürfen "-). 1586 
wird noch von einem anderen venezianischen Vertreter das Auf- 
geben des althergebrachten Systems bestätigt und scharf ge- 
tadelt^). Nach 1590 war die Zahl der Adschemoglane, die im 
mosleminischen Hause von Renegaten oder geborenen Türken er- 
zogen worden waren, bereits gröfser als die derjenigen, die mit 
dem gelben Hütlein und im blauen Rocke unter der F'ührung 
von Rekruteuren aus den Provinzen gekommen waren ; auch 
liefsen sich Moslems bereit fmden, gegen Geldentschädigung ihre 
Kinder, an Stelle von Christen, herzugeben, in der Hoffnung, 
ihnen eine glänzende Zukunft zu sichern ^). Und die Janitscharen 
selbst suchten Söhne, Brüder und andere Verwandte, ja sogar 
Freunde, die ihnen dafür irgendeine Bezahlung in Aussicht 
stellten, in ihr früher ausschliefslich von Renegaten gebildetes 
Korps hineinzubringen ^). Auch war es nicht mehr ungewöhn- 
lich, dafs verheiratete Janitscharen sich mit besonderer Erlaubnis, 
nicht nur in entlegenen Dörfern an der Grenze, sondern in Kon- 
stantinopel selbst aufhielten '^). 

Ein bedeutender Teil der Janitscharen war auf die verschie- 
denen Garnisonen verteilt: so standen z.B. 7000 im g-efährdeten 
Barbarien '). Gewöhnlich lag ein Drittel in befestigten Städten, 
ein Drittel befand sich im Kriege, wenn ein solcher geführt 



1) „Hanno corrotto in qualche parte la disciplina militare di essi giannizzeri" ; 
Garzoni a. a. O. S. 415- 

2) Marcantonio Barbaro a. a. O. S. 317. „Per favore e introdotto 
che molti figliuoli di Turchi, non ailevati con la severa educazione dei giannizzeri, 
sono ammessi a questo luogo"; ebenda S. 305. 

3) Alberi XIII, S. 298; vgl. XIV, S. 343; Jahr 1590. 

4) „ La maggior parte di questi azamoglani sono figliuoli di Turchi, li quali, 
per dar partito ai medesimi , sollevarsi della spesa e guadagnar denari, danno 11 
loro figli a cristiani, per pagar il loro carazzo"; Alberi XIII, S. 332. 

5) Ebenda XIV, S. 219. 

6) Ebenda XIII, S. 247, 

7) Ebenda XIV, S. 219. 



Verfall des türkischen Heeres unter Selim II. und Murad II. usw. 333 

wurde; manche hielten sich, auch ohne Vorwissen ihrer Vor- 
gesetzten, als unbeschäftigte Dorfbewohner auf dem Lande auf ^). 
Ein letztes Drittel, ungefähr loooo Janitscharen, nebst mehr als 
600 Adschemoglanen , blieben als Garde des Sultans beständig 
in der Hauptstadt -). 

Die Janitscharen Konstantinopels traten als stattliche, kost- 
bar in meist rotem Tuche ^) gekleidete Miliz auf. Vor der Stirne 
trugen sie ,, ein lang silberin vergüldes Ding mit allerley Edel- 
gesteinen"; als Waffen ,, schöne, mit Sammet überzogene und 
mit seidenen Zolten oder Quasten gezierte Helleparten, auch andere 
seltzame Gewehr und Spiess, die sie den Christen geraubet "^): 
manche hatten auch künstlich gearbeitete Säbel ^). Die anerkannten 
Delis, die ,, Tapferen", prahlten mit Leopardenfellen und Adler- 
flügeln ^). Auch war die Zeit vorbei , dafs sie auf der nackten 
Erde schliefen; jetzt waren kostbare Zobelpelze gerade gut ge- 
nug für ihre Lager '). 

Obgleich sie in den Kasernen nach der Regel ihres Ordens 
,, brüderlich" fortlebten und, wenn sie Schläge bekamen, die 
Hand dessen, der sie strafte, küfsten, waren sie draufsen auf der 
Strafse gefürchtete Ruhestörer geworden '^). Lärmend zogen sie 
umher, um Brände zu löschen, und raubten dabei alles, was 
ihnen unter die Hände kam •'). Sie fielen zur Last, wenn sie um 
ein Bakschisch bettelten , stahlen ohne Scheu und zeigten sich 
oft betrunken in der Öffentlichkeit ^^). Als der Aga ihnen den 
Rausch verbot , verweigerten sie ihm den Gehorsam , und er 



i) So bei Cyzikus; Gerlach S. 256. In Spahi-Köi, ebenda S. 524. 

2) Alb^ri XIII, S. 332; Gerlach S. 33—34- 

3) ,,Des Freyherrn von Wratislaw Gesandtschaftsreise von Wien nach 
Konstantinopel , so gut als aus dem englischen (sie ; tatsächlich aus dem tsche- 
chischen Originale) übersetzt ", Leipzig 1 786, S. 8 ff. Es ist eine ausgezeichnete, 
unter allen Gesichtspunkten hochinteressante Beschreibung des Lebens in der tür- 
kischen Residenz. 

4) Gerlach S. 9, 116. 5) Ebenda S. 461. 

6) Albferi XII, S. 459. 7) Ebenda XIV, S. 364. 

8) Vgl. Busbecq S. 151. 

9) Gerlach S. 340; Busbecq S. 53. 
10) Gerlach S. 43, 134, 282, 300. 



334 Zweites Buch. Viertes Kapitel. 

mufste als Sandschak nach Asien gehen ^). Ihre Wut machte 
vor niemand halt. Dem Wesir Osman schnitten sie auf einem 
asiatischen Zuge die Stricke durch, die sein Zelt festhielten, um 
die Erhöhung- ihres Gehaltes zu erzwingen -). Schon Soliman 
der Grofse zitterte vor ihnen, und manchem Sultan drohten sie 
mit Erhebung eines anderen Mitgliedes des Plauses Osman ^). 
Bei dem Regierungsantritte Selims schössen sie auf ihn, weil sie 
ihr Donativum haben wollten ^). Sultan Murad wurde in den 
ersten Jahren seiner Regierung von trunkenen Adschemoglanen 
beleidigt : sie zogen unter seine Fenster, und sie tranken öffentlich 
weiter zum Glücke ihres Herrn. Als die Subaschis Befehl er- 
hielten , jeden berauschten Soldaten festzunehmen, brach eine 
offene Revolte der Janitscharen und Spahis aus; Sokoli wurde 
mit dem Rufe: ,, Lange Huhr" begrüfst, und mancher rühmte 
sich laut, er werde im nächsten Kriege den Grofswesir und den 
Padischach ermorden. Schliefslich erhielten sie wirklich die Er- 
laubnis, Schenken zu besuchen -'). 

Sultan Murad mufste ihnen auch den Beglerbeg von Rum 
und den Tefterdar opfern und aufserdem 500000 Skudi zahlen, 
ehe ihre Rebellion und die der Spahis gedämpft war ''). Als er 
alt geworden war, überfielen die Janitscharen das Haus Ibrahims, 
des Bruders der Kaikatun, und zerstörten es, weil dieser Günst- 
ling des Sultans als Pascha in Diabekr gegen ihre Genossen 
rücksichtslos vorgegangen war '). Weiter erhoben sie den An- 
spruch , diesen oder jeden Kandidaten, weil er ihnen ein gutes 
Tain versprochen hatte, zum Fürsten der Moldau oder Walachei 
ernannt zu sehen "'^). 

Bei ihren Revolten rollten die Köpfe der ihnen zum Opfer 
gefallenen Feinde auf die Strafse ") ; nur selten wurden die Täter 
heimlicherweise ins Meer geworfen; eine öffentliche Hinrichtung 
war bereits zur Unmöglichkeit geworden ^^). So hatte die Träg- 



I) Gerlach S. 93. 2) Alb^ri XIII, S. 372. 

3) BusbecqS. 153; vgl. S. 28 : „ Salvus frater sit ; fratrem Dens nobis servet ' 

4) Alberi XIV, S. 220. 5) Gerlach S. 89. 

6) Alberi XIII, S. 351-352; Wratislaw S. 2386". 

7) Ebenda S. 371—372. 8) Ebenda S. 392. 9) Ebenda S. 371. 
10) Ebenda XIV, S. 154; vgl. Gerlach S. 151. 



Verfall des türkischen Heeres unter Selim II. und Murad II. usw. 335 

heit der Sultane aus einem geschulten Heere, das nur auf Krieg-, 
Ehre und Beute sann, eine erbärmUche und von Bürgern, Frem- 
den, der Obrigkeit und dem Herrn selbst gleicherweise gefürch- 
tete Prätorianerklasse werden lassen ^). 

Die osmanische Flotte pflegte nach dem zyprischen Kriege 
und der Wiedereroberung von Tunis noch einige Jahre hier und 
da aufzutauchen, und nach Einnahme irgendeines unbedeutenden 
spanischen Schlosses oder Erbauung einer Feste unter dem 
Donner der Kanonen und im Flaggenschmuck nach Konstanti- 
nopel zurückzukehren "'). Aber die dem Herzog von Toskana 
gehörenden Galeeren vom Orden Sankt Stephans konnten eine 
Zeitlang ruhig in das Ionische Meer und den Archipelagus 
kommen und nach ,, heidnischer" Beute fahnden 3). Ein 1581 
gegen Fez unternommener Zug scheiterte infolge eines Aufruhrs 
der Janitscharen in Algier und der Freigebigkeit des bedrängten 
Scherifs ^). 

Diese Flotte zählte vor 1590 etwa 300 grofse und 100 klei- 
nere Schiffe, und 10 000 Sklaven waren als Galeoten auf ihr be- 
schäftigt ■'). Kampf und Raub genügten den Asapen. Die Steuer 
der Awaris lieferte die Mittel, die Galeeren auszurüsten; aus 
Marseille führte man Hanf ein , das übrige Material wie die 
Lebensmittel lieferten die verschiedenen Provinzen. Den bezahlten 
Reis war die ganze Sorge um Bau und Bemannung überlassen. 
Grofse des Reiches und reiche Griechen hatten die Verpflich- 
tung, dem Sultan Schiffe zu schenken *'). 

Diese neue, nach der Schlacht von Lepanto schnell genug 
erstandene Seemacht war im Grunde das Werk des an die Stelle 



i) Vgl., was Cavalli schon 1560 — a. a. O. S. 281 — schreibt. 

2) 1574, Gerlach S. 39 — 40; 1576, ebenda S. 198, 238, 244, 266; vgl. 
Alberi XIII, S. 198; 1577, Gerlach S. 361. 

3) Alberi XIV, S. 245; Gerlach S. 75 — 76; Charri^re lU, S. 915, 
Anni., 926. Siehe besonders weiter. 

4) Alböri XIV, S. 224—225. 

5) Barbaro a. a. O. S. 306; Gerlach S. 37; Alberi XIII, S. 345. 

6) Ebenda XU, S. 22; XIII, S. 22, 145, 316; XIV, S. 129], 164«., 275ff., 
399ff., 402, 42off.; Garzoni in derselben Sammlung S. 422; Cavalli a. a. O. 
S. 295; Gerlach S. 37—38, 40—41, 5', 9°, 151, 174- 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. lO 



33(J Zweites Buch. Viertes Kapitel. 

des verstorbenen Ali -Pascha getretenen Kapudans Uludsch-Ali 
(g-estorben Juni 1587), eines bei li Castelli geborenen Renegaten, 
von verdorbenem Charakter, aber im Dienste eiserner Natur. 
Als Beglerbeg des Meeres hatte er aufser den Arsenalen von 
Konstantinopel, Bassora, Suez, die Städte Pera, Gallipolis, Le- 
panto, die Inseln Rhodos, Mitylene, Chios und Negroponte unter 
sich. Auch alle Korsaren, die nützlichen Helfer der Flotte, 
standen unter seiner Leitung. Sein Schüler Hassan bekleidete 
das Beglerbegat von Algier i). 2500 — 3000 Sklaven gehörten 
persönlich dem Admiral, und dessen Einkünfte waren derart, 
dafs er bei der Kanonengiefserei , dem Top-Hane, eine neue 
Moschee errichten konnte. Gegen Christen im allgemeinen grob, 
antwortete er auf die schönen Redensarten des Bailo einmal, 
dafs er, ein einfacher Diener seines Herrn, solche nicht brauche 2). 
Man rühmte ihm nach, er habe zuerst die Türken in die wahre 
Kunst des Seekriegs und des Schiffbaus eingeführt, während 
vorher Griechen und Italiener — wie Gianfrancesco Giustiniani — 
in den kaiserlichen Arsenalen Meister waren ^). Auch die Schiffs- 
artillerie — ein grofses und vier kleine Geschütze auf jedem 
Schiff — verdankte ihm ihre Existenz ^). 

Seine mosleminischen Arbeiter machte Uludsch in einem Dorfe 
sefshaft, das er nach seiner Heimat Neu-Kalabrien nannte 5): aus 
den um ihn sich sammelnden Renegaten, ebenfalls itaUenischen 
Ursprungs, gingen die letzten geschickten Führer der osmanischen 
Marine hervor, wie Hassan von Algier, ein 1563 in die Gefangen- 
schaft geratener armer Venezianer, der es (1587 — 1589) zum 
Kapudan- Pascha brachte ^). Sultan Murad schätzte ihn aufser- 



1) über das immer mehr unabhängige Algier siehe Dali am (1599) in „Early 
voyages and travels in the Levant (I. Dallam; IL Covel), edited by J. Theodore 
Bent", London 1893, S. 13 ff. Auch hier weiter. 

2) Gerlach S. 28, 373; Garzoni a. a. O. S. 382 — 383; Alberi XIII, 
S. 151; XIV, S. 223, 298ff., 356; Charriöre III, S. 780, Anm. ; Brosch 
S. 51. Vgl. Trevisano a. a. O. S. 135—136. 

3) Ludovisi, in Albferi XII, S. 17. 

4) Vgl. Navagero a. a. O. S. 68; Jahr 1553. 

5) Alberi XIV, S. 22off. 

6) Ebenda auch S. 357 — 359. 



Verfall des türkischen Heeres unter Selim II. und Murad II. usw. 237 

ordentlich und liefs sich von ihm sogar im Goldenen Hörne 
fahren ^). 

Geld vermochte jetzt alles im Reiche ; Geldgeschenke, Los- 
kaufsummen erhielt auch das Militär. Das einzige, was sich 
im Reiche immer fortentwickelte, war der Fiskus, dem Heer, 
Verwaltung- und Ehre des Reiches untergeordnet worden waren. 
Unter und vor Uludsch ^) wurden Griechen aus den veneziani- 
schen Besitzungen, aus Kreta und den Ionischen Inseln, die so- 
genannten mariuoli, auf türkischen Galeeren beschäftigt^). 
Einige Zeit später dagegen gab es , dank den von den Vene- 
zianern getroffenen Mafsregeln ■^) und infolge des vollständigen 
Mangels an Beschäftigung, und also an Gelegenheit zu Raub 
und Plünderung, keine christlichen Matrosen mehr, und gleich- 
zeitig sank die Zahl der Sklaven aus Ungarn, Rufsland usw., 
weil der Krieg ein Ende hatte und keinen Nachwuchs brachte, 
immer mehr bis auf 3 — 4000 Mann ^) , und schon vor 1580 
flöfste deren unbotmäfsiges Verhalten Besorgnisse ein ^). Der 
Kapudan mufste zufrieden sein, durch Konskription in einigen 
Gebieten ^) türkische Bootführer und griechische Bauern zu finden, 
die ihre geschickten, mit dem Meere wohl vertrauten Vorgänger 
nur sehr unvollkommen ersetzen konnten ^). 

Auch begannen die habgierigen Reis •') ihr Amt zu scham- 
losen Handelsgeschäften zu mifsbrauchen : sie liefsen sich von 
denen Geld geben, die sich ihren militärischen Pflichten entziehen 
wollten, verwandten die Materialien zur Hälfte für sich oder ver- 
kauften sie , nahmen zum Schiffbau grünes Holz , so dafs die 
Fahrzeuge oft nicht länger als ein Jahr dauerten, und bereicherten 

i) Alberi XIV, S. 224. 

2) Ebenda S. 151 ff. 

3) Ebenda S. 223. 

4) Ebenda S. 315; Navagero a. a. O. S. 67 — 68. 
5j Alberi XIII, S. 335—337; XIV, S. 349, 403. 

6) Gerlach S. 209. 

7) Genaue Angaben über das System in Zinkeisen III, S. 303 — 304. 

8) Alböri XIV, S. 354, 402 — 403. 

9) „Pochi essendo che per altra ragione che di godere la paga piglino cr- 
rico di rais"; Alberi ebenda S. 148; Jahr 1576. 

15* 



22S Zweites Buch. Viertes Kapitel. 

sich sog^ar durch Aneig'nung' des geUeferten Proviants ^). Geg-en 
1590 zählte man 360 Reis, 3000 Asapen, 4000 Toptschis, 4000 
Dschebedschis , die armaiuoli, 600 Baumeister (Kalafadschis) 
für 200 Galeeren in Konstantinopel, 104 in Alexandrien und 
einige weitere in Damietta, Rhodos, den anatolischen Häfen, den 
Inseln des Archipelagus und Zypern -). 

Die Einkünfte des Reiches waren der Art nach dieselben 
geblieben. Der Kharadsch der christlichen Untertanen von zwölf 
Jahren aufwärts kam besonders den Moscheen zugute; die in 
Konstantinopel ansässigen zahlten mehr als die gewöhnlichen 40 
oder 70 Aspern (40 Aspern = i Dukaten älteren Wertes), und 
4 weitere für den Steuererheber; ihre Kontribution richtete sich nach 
dem Vermögen eines jeden, und betrug von 48 bis zu 200 Aspern, 
Auch Fremde, die F'amilie hatten, und solche, die Verfolgungen 
entgehen wollten, waren steuerpflichtig ^). So unterhielt die Mo- 
hammedieh ihre Imams und Schüler aus dem Kharadsch Kon- 
stantinopels und Peras, Kaffas, der Insel Negroponte und des 
Archipelagus, weil dies Eroberungen des Stifters waren; dem- 
entsprechend kamen für die Bajesidieh Koron, Modon, Lepanto 
und Durazzo in Betracht '^). Diese Kapitation brachte 1558 
2000000 ^) und Ende des Jahrhunderts nicht weniger als 3000000 
Dukaten ein ''), und Sultan Murad verfehlte nicht, einen g-rofsen 
Teil dieser Einkünfte , mit Einwilligung eines eingeschüchterten 
Muftis, in das eigene, ,, innere" Khasna abfliefsen zu lassen^). 

Dazu kam der Zehnte von allem Vieh, die D es et in a oder 
Goschtina der Slawen: 1558 auf 2000000, dann auf etwas 
weniger berechnet''); der vom Getreide 1553 — 1558: 800000, 

i) Alberi XIII, S. I48ff., 340—341; XIV, S. 262—263, 275ff.; vgl. 
Garzoni a. a. O. S. 424 — 425. 

2) Alberi XIV, S. 347 ff. 

3) Trevisano a. a. O. S. 185. 

4) Ebenda S. 150 — 152. 

5) 1553= 1500000; Navagero a. a. O. S. 37. 

6) Vgl. I'd. II, S. 215 — 216; Zinkeisen III, S. 790 — 792; Trevisano 
a. a. O. S. 149 — 150; Alberi XIV, S. 334, Jahr 1590. 

7) Zane, in Alberi S. 408. 

8) Barbaro a. a. O. S. 31 1. 



Verfall des türkischen Heeres unter Selim II. und Murad II. usw. 339 

dann i 500000 ; der Ertrag der kaiserlichen Berg-werke : 1553 bis 
1558: loooooo — I 5000OQ, später nur 500000 (1590); die Erb- 
schaftstaxe brachte 1553 — 1558: 200 — 300000, später bis zu 
einer Milhon (1573); die Taxen der Kanzlei für Ausfertigung- 
kaiserlicher Befehle 1553 — 1558: looooo. Die Zölle ^) lieferten dem 
Schatze jährlich recht bedeutende Summen, etwa i 200000 (1553) 
bis 2000000 -), die zur Hälfte nach Mekka geschenkt wurden ^) ; 
die livelli e affitti (Pachtsummen) 400000. Was den Tribut 
betrifft, waren für das Jahr 1558 die Summen folgende: Moldau 
und Walachei zahlten 20000 Dukaten ^), Ungarn 30000, Sieben- 
bürgen loooo, Naxos 6000 — Sooo""), Chios 10 — 12000, Zante 
500, Zypern 8000, Ragusa 12000 — 12500^'). Unter Selim 
zahlte die Moldau 35000') — dann nur 26 — 29000^), die Wa- 
lachei 55 — 60000''), Siebenbürgen bis 1575 dieselbe Summe, 
dann 1 5 ooo, Ungarn immer noch 30000. Auch die Summe für 
Zante, Ragusa und den Archipelagus blieb die gleiche; bei der 
Eroberung von Chios und Zypern fielen deren Tribute fort ^^). 
Alles in allem brachten die Tribute dem Schatze weniger, als 
man erwarten sollte, etwa 500000 ^^). 

1) Der auf Fische gelegte brachte 25 ooo Kronen jährlich ; Gerlach S. 302. 

2) Siehe Zinkeisen III, S. 793; vgl. Gerlach S. 52. Nach AlbäriXIV 
S. 335 brachten die dazi 5000000. 

3) Alberi XIII, S. 4. 

4) Ebenda XIV, S. 441, Jahr 1594. 1553 gibt aber Navagero für die Moldau 
16000, für die Walachei 12000 an; S. 37. Eine falsche Rechnung in Char- 
riere III, S. 913, Anm.: Moldau 80000 Dukaten (!), Walachei 80 Sommi, 
160000 Skudi. 

5) Mit dem übrigen Archipelagus zusammen '553: 14 000 ; Navagero 
a. a. O. S. 37. 

6) Trevisano a. a. O. 

7) In den sechziger Jahren 30 000 ; Alberi XIV, S. 168. 

8) Ebenda XIII, S. 388: 32000 Skudi die Moldau; 63000 die Walachei; 
XIV, S. 335 — 336; vgl. „Denkwürdigkeiten der rumänischen Akademie" XX, 
S. 5ff. ; „Geschichte des rumänischen Volkes" II, S. 74 ff. 

9) 1577 entrichtete die Moldau 40 — 50000 Kronen, die Walachei 150 — 200000, 
nach Ger lach S. 369. 

10) Alberi XII, S. 311 ; Garzoni a. a. O. S. 425 — 427; vgl. Alberi 
XIII, S. 133, Jahr 1576. Die 5000 Aspern Peras, Gerlach S. 161. 

11) Barbaro a. a. O. S. 311, Jahr 1573. Nach Garzoni a. a. O. nur 
136500; S. 425 — 426. 



230 Zweites Buch. Viertes Kapitel. 

Die Einkünfte der Timars, jährlich 18000000, zögerte der 
Schatzmeister anzutasten ^). Dem Sultan vorbehalten waren da- 
gegen die Einkünfte einiger Provinzen, wie Ägypten — wo er 
freilich die Mameluken bezahlte — , Arabien, Syrien und Meso- 
potamien — auch in diesen beiden Provinzen bezahlte der Sultan 
die Soldaten — , die Eroberungen Selims I., vielleicht auch von 
Argos: 1558 zahlte Kairo 500000 — 700000, ja sogar loooooo^) 
Dukaten, Arabien 500000'^), Alep 300000, Bagdad 250000*). 
Ferner flössen bei allen Ernennungen ungeheure Summen in das 
„innere Khasna "•''): ein rumänischer Thron kostete nach 1590 
400000 Taler '^). 

Im ganzen beliefen sich gegen das Ende des 16. Jahrhun- 
derts die Einkünfte des Reiches auf 9 bis 10 MiUionen Dukaten, 
d. h. auf I bis 2 Millionen mehr als unter Selim ''). 1573, als 
die Summe nur 8 000 000 betrug, blieb jährlich ein Überschufs 
von 2000000 in der Kasse'*), früher unter Soliman ein solcher 
von I 000000 ■'). 

Einst hatte das innere Khasna für die Bedürfnisse des Staates 
zur Verfügung gestanden und der Sultan sagen dürfen, dafs sein 



i) Alberi XIII, S. 226 — 227, 253. 

2) Ebenda XIV, S. 411. 

3) Nach Charriere III, S. 82: i Million, früher auch 150000. 

4) Trevisano a. a. O. S. 149 — 150; vgl. Navagero a. a. O. S. 37 — 39. 

5) Alberi XIV, S. 178. 

6) Ebenda XKI, S. 388. 

7) Ebenda S. 347. — I557: 4600000 Einkünfte — gewifs für ein Khasna; 
Alböri XIV, S. 130 — ; 1558: Einkünfte 7740000; Ausgaben 4100000; ebenda 
S. 150; 1562: Einkünfte 4330396 Skudi — ein Khasna; Ausgaben 41 31 639; 
ebenda S. 191. — Eine angeblich genaue Berechnung auf Grund der Khasna- 
register nimmt 1564: 3518333 und 5541666 Dukaten Einkünfte, 4988333 Aus- 
gaben an; ebenda S. 15 — 16. 

8) Barbaro a. a. O.; Garzoni a. a. O. S. 427. — Schon 1576 werden 
die 9000000 angegeben; Alberi XIII, 'S. 197; 1590 sogar über looooooo 
(ebenda XIV, S. 335), und zwar: 3000000 das Kharadsch, 5000000 die Zölle 
(dazi), 500000 die Bergwerke, 1 000000 die ledigen Erbschaften, 700000 von 
den Pächtern (livelli e affitti); dann die Tribute der unterworfenen Länder: 
die Moldau 29000 Dukaten (sie), die Walachei 60000, Siebenbürgen 15000, 
Ragusa 12500, Venedig 1500, der Kaiser 70000 (!) (ebenda; siehe weiter). 

9) Navagero a. a. O. S. 38 — 39. 



Verfall des türkischen Heeres unter Selim IL und Murad IL usw. 231 

persönlicher Schatz mitunter nichts enthalte ^). Nun aber wurde 
g-ewöhnlich -) alles verschlossen und verriegelt, um der krank- 
haften Habsucht des Herrn keinen Raum zum Arg-wohn zu geben ^). 
Gegen 1592 hatte Murad 50 Millionen beiseite gebracht^). Da 
aber der persische Krieg gröfsere Ausgaben verursachte und 
die asiatischen Einnahmequellen sich manchmal verringerten, 
mufste die Pforte zu neuen Mitteln greifen, um einer Geldkrisis 
zu entgehen. Unter dem Vorwand , dafs der Sultan berechtigt 
sei, über die Habe seiner christlichen Untertanen und aller 
Andersgläubigen nach Belieben zu seinen Gunsten zu verfügen, 
liefs er jährlich die Summen beitreiben, die eigentlich nur im 
Fall eines Seekrieges erhoben werden sollten, und verlangte auch 
von Tributären Hilfsgelder '"). Die Hinterlassenschaft verstor- 
bener Beamten, der zu hohen Würden aufgestiegenen Sklaven 
war eine weitere ergiebige Quelle : beim Tode des Beglerbegs 
Hassan nahm das innere Khasna aufser vielen Edelsteinen 40000 
Dukaten bar ''). In den achtziger Jahren ergab die Konfiskation 
der Habe von neun Paschas 3^ Millionen '). 

Dennoch blieben die Soldaten manchmal unbezahlt, so dafs 
sie die Läden der im Serail Handel treibenden Kaufleute be- 
rauben mufsten *). Der Kriegsschatz in den Sieben Türmen be- 
stand nicht mehr ^). Die nach 1593 fast monatlich erfolgende 
Vorausnahme des Tributs zwang die rumänischen Fürstentümer, 
sich vom Reiche loszutrennen ^^). Geld zu hohen Zinsen von 
reichen Griechen und Juden zu leihen, war damals noch eine 
unbekannte Lösung solcher Schwierigkeit ^^). Vielmehr liefs der 



i) Zinkeisen III, S. 7630?. 

2) Vgl. Alberi XIV, S. 225fr. 

3) Siehe auch Ranke, Fürsten und Völker von Südeuropa im 16. und 
17. Jahrhundert, I, Hamburg 1827, S. 43 — 44. 

4) Alberi XÜI, S. 347. 

5) Ebenda S. 388. 

6) Ebenda XIII, S. 346. 

7) Ebenda XIV, S. 225 ff. 

S) Ebenda XIII, S. 347 — 348. Der Sold erforderte 4^ Millionen jährlich; 
ebenda XIV, S. 410. 

9) Ebenda S. 225 ff., 274. 
IC) Ebenda S. 441. 11) Ebenda XUI, S. 348 — 349. 



332 Zweites Buch. Viertes Kapitel. Verfall des türkischen Heeres usw. 

Sultan den silbernen Asper verschlechtern, so dafs statt 40, 60 
und mehr Aspern auf einen venezianischen oder osmanischen 
Dukaten ging-en ; g-leichzeitig wurde der Wert der Goldmünze 
durch kaiserlichen Befehl verdoppelt. Nach vielen Schwankungen 
gelangte man endlich zu dem Verhältnis : 80 Aspern = i Taler, 
120 Aspern = i Dukaten. Die täglichen acht Aspern und der 
betreffende Sold der Spahis wurden in der neuen Münze aus- 
gezahlt ^). Dagegen nahmen die Tefterdare nur solche Aspern 
an, deren 60 auf den Dukaten gingen 2). Freilich ging es dabei 
nicht ohne Revolten seitens der Soldaten ab. 



i) Ebenda; Zinkeisen lU, Anhang; vgl. „Denkwürdigkeiten der rumä- 
nischen Akademie" XX, S. 5 — 6. 

2) Alb^ri XIV, S. 413—414; Jahr 1594. 



Fünftes Kapitel. 
Das osmanische Heer im Kriege mit Persien. 



Der in den ersten Jahren Murads neu ausbrechende Krieg- 
mit Persien sollte das im Verfall begriffene osmanische Heer, 
das seines natürlichen Leiters, der Quelle der Gerechtigkeit, des 
Lobs und der verdienten Belohnungen , seit langem entbehrte, 
auf eine harte Probe stellen. 

Zwei Jahre nach Selims Thronbesteigung ^) war ein persischer 
Edelmann bei ihm erschienen , um über die Bestätigung des 
Friedens mit dem neuen osmanischen Herrscher zu verhandeln -). 
Die stattliche Gesandtschaft bestand aus 8oo Personen, Soldaten 
und Dienern '^). Der Zweitälteste Sohn des Schahs Thamasp, 
der wilde IsmaiH), wurde zur Sühne für einen Angriff auf den 
Beg von Erzerum von den Osmanen in Gefangenschaft gehalten ^). 
Der alte Schach blieb, von Kurden bewacht, in seinem Palaste 
eing-eschlossen, w^echselte fünfmal am Tage seine Kleidung, zählte 
Edelsteine und Geld, spekulierte mit Juwelen, und verkehrte mit 
Wahrsagern und Frauen, die ihn vollständig beherrschten. Seine 
Brüder hatte er durch natürlichen Tod oder Mord verloren, 
sein Neffe irrte jenseits des Indus umher; seine Söhne durften 
sich in Staatsangelegenheiten nicht einmischen. So lebte der 

i) über die Beziehungen des alten Soliman zu den Persern siehe Alb^ri XIII, 
S. 23: Erbauung eines Schlosses in der Gegend von Wan. 

2) Ger lach S. 190. 

3) Ebenda S. 80. 

4) Sein älterer Bruder Mohammed verwaltete 1562 die Provinz Khorassan ; 
Alböri XIII, S. 199L; XIV, S. 198; Cavalli a. a. O. S. 27S. 

5) Ebenda. 



334 Zweites Buch. Fünftes Kapitel. 

Greis , von den Untertanen abg-öttisch verehrt , g-lückliche Tag-e 
hin; seine Erben hatte er dem Sultan freundschaftUch empfohlen. 
Seine Kurden, die er aus den spärlichen Einkünften des Reichs 
— Zehnten der fünf von Christen erhobenen Prozente usw. — , 
jährlich kaum 3 Millionen, unterhalten mufste, die feudalen Truppen 
der fünfzig- abhängigen Sultane, deren jeder 300 — 500 prächtige 
Reiter nebst zahlreicher Dienerschaft aufbringen konnte, die 
neuen, mit besten Feuerwaffen versehenen Arkebusiere ^) sicherten 
ihn vor der Kriegslust der Osmanen. 

Diese hatten allerdings in Arabien genug zu tun. Im Jahre 
1 569 standen in Jemen zahlreiche Truppen unter den Paschas Sinan 
und Osman Usdemir, um diese beinahe verlorene Provinz aufs 
neue zu erobern , wieder eine Folge der sich widersprechenden 
Befehle der Pforte. Nichts war ihnen damals schrecklicher, als 
der Gedanke einer persischen Einmischung in diese Schwierig- 
keiten 2). 

Bereits bei Gelegenheit dieser, durch die Erhebung der so- 
genannten Seidijes hervorgerufenen arabischen Wirren, waren 
die Mängel in der Kriegsleitung klar zutage getreten. Zum 
Seraskier war zuerst Lala-Mustafa ernannt worden; nach einigen 
Monaten aber, nach einer Niederlage, die das Leben von 3000 
Türken und den Verlust der Artillerie gekostet hatte ^), zwangen 
ihn die Ränke seiner Kollegen , zurückzukehren. Sinan war 
schuld , dafs Osman , nach Einnahme des wichtigen Taas , sein 
Kommando verliefs, um sich in der Hauptstadt der Gegnerschaft 
Mohammed Sokolis zu erwehren. Im Mai nahm die osmanische 



1) „Gli archibusi, il quäle non vi e soldato che non l'usi, ed e ridotta quest' 
arte in tanta eccellenza, che, quanto alla perfezione, superano i loro archibusi 
quelli di ogni altro luogo, ed anco quanto alla tempra eccellente che gli danno " ; 
Vincenzo de gli Alessandri, in Alberi XIII, S. 125. 

2) Charriöre III, S. 82 — 83, 89 — 90. Über den Ursprung und die Einzel- 
heiten des Krieges gegen die Seidijes siehe Hammer II, S. 379 ff. Vgl. auch 
Charriere III, S. 56, 62, 132, 473 — 474; Alberi XIII, S. 5. — Über die 
Pilgerfahrten der Christen Gerlach S. 53; der Moslems ebenda S. 54. — Über 
das Paschalik Abessiniens — Habesch — Alberi XIV, S. 256; vgl. XIII, S. 3. — 
Über die Verachtung der Araber gegen die Türken ebenda S. 367. 

3) Forgach S. 562 ff., 568 — 569. 



Das osmanische Heer im Kriege mit Persien. 335 

Flotte Aden ein i), und Sinan belagerte Ssanaa; es gelang- ihm, 
sich mit Mutaher, dem Imam und zugleich politischen Führer 
der Aufständischen, zu verständigen, und der Sultan erhielt seine 
verlorenen Besitzungen und Hoheitsrechte zurück. Behram- 
Pascha, der an dem schwierigen Zuge teilgenommen hatte, blieb 
als Verwalter in dem wieder türkisch gewordenen Jemen -j. 

Nachdem der asiatische Friede fünf Jahre gedauert hatte, 
war im März 1576 wieder eine persische Gesandtschaft unter- 
wegs um dem zur Regierung gelangten Murad die gebührende 
Ehre zu erweisen ^). Im Mai empfing sie der Beglerbeg von 
Rum feierlich in Skutari; an der judischen Pforte wartete der 
Janitscharen-Aga mit seinem Gefolge; Uludsch-Ali gab den 
Gästen ein prunkvolles Mahl auf einer der dreifsig im Hafen 
befindlichen Galeeren. Unter dem Donner der Kanonen hielten 
die Fremden durch die von Janitscharen besetzten Strafsen ihren 
Einzug; sie prangten in Brokat-, Seiden- und Samtkleidern, die 
reich gemustert waren ; zahlreiche Berittene und 500 Kamele 
folgten. So kamen sie, Sultan Tokmak an der Spitze, zu ihrem 
Quartiere; der Pöbel von Konstantinopel, der die persischen 
Giaurs hafste, war sorgfältig beiseite gehalten worden ^). 

Die von den Persern mitgebrachten Geschenke waren aufser- 
ordentlich reich und mannigfaltig: sie bestanden in Koranhand- 
schriften, Edelsteinen und Perlen, Teppichen, Waffen, Straufsen- 
federn, ,,Filtzen von Horosan, bunte Leinwanten", Spezereien usw. 
Tokmak wohnte dann dem feierlichen Aufzug Murads '") an der 
Spitze von lO — 12 000 Soldaten bei, der ihm die Macht des 
Grofsherrn vor Augen führen sollte ''). 

Der Gesandte weilte noch in dem rohen Konstantinopel der 
Sunniten, als Schach Thamasp im Alter von 85 Jahren an Gift 



i) über den Verlust Adens an die freien Araber 1570, Charriere III, S. 141. 

2) Hammer a. a. O. Vgl. Charrifere III, S. 639. — Über spätere 
Kämpfe Hassan -Paschas gegen den „Marabut" in Arabien siehe Alberi XIII, 

s. 327, 389. 

3) Gerlach S. 163. 

4) Ebenda S. 189 — 191. 5) Ebenda. 

6) Ebenda S. 192, 199, 201 : Hammer II, S. 473—474. 



2gß Zweites Buch. Fünftes Kapitel. 

Starb. Sein jüngster Sohn und Nachfolg^er, Haider, wurde bald 
nach der Thronbesteigung" von Turkmenen, die den Georgiern 
am Hofe der Schachs den Platz streitig machten , ermordet. 
Darauf verliefs der den Soldaten genehme Wüstling Ismail, ,,ein 
toller, unsinniger Mann", seinen Kerker in Alamut, dem alten 
Räuberneste der Assassinen, und seine erste Sorge als Schach 
war, die Ermordung seiner Brüder, mit Ausnahme des blinden 
Mohammed Chodabende , den er als ungefährlich erachtete , ins 
Werk zu setzen. Er selbst aber starb gleichfalls eines gewaltsamen 
Todes ; die Prinzessin, die dessen Urheberin war, hatte das Ver- 
dienst, dem Reiche gröfsere Greueltaten dadurch zu ersijaren^). 
,,Wann sich der neue König in Persien solte regen, meynet 
man dass alle orientalischen Länder vom Türeken abfallen wurden, 
dann sie bey den Persiern gar leidenlich gehalten werden", 
schreibt der bei Ismails Regierungsantritt in Konstantinopel 
lebende Gerlach ^). Doch waren bald Nachrichten eingetroffen, 
dafs Ismail Frieden wünsche und einen Gesandten schicken 
werde ^). Als dann nach dem Tode des gefürchteten alten 
Gegners der blinde Sohn Thamasps auf den Thron gelangte 
und seine Unfähigkeit, die Regierungspflichten wahrzunehmen, 
den Krieg unter seinen drei Söhnen, Hamza, Abbas und Thamasp, 
hervorrief, hausten die Uzbegen in Persien nach freiem Be- 
lieben ^) , und mancher Wesir hielt die Zeit für gekommen, den 
östlichen Erbfeind zu vernichten, den ,, aufgetischten Kuchen an- 
zuschneiden" ^). 

Im FrühHng des Jahres 1578 sammelte sich bei Erzerum 
ein Heer von 5000 Janitscharen , 3000 Spahioglanen und 400 



1) Gerlach S. 206—207, 214, 220; Charrifere III, S. 689, 696, 745, 
Anm.; Alböri XIII, S. 429—430 Vgl. Gerlach S. 310, 337, 401, 410, 423, 

427, 517. 

2) S. 206 — 207. 

3) Ebenda S. 193, 219, 220, 223, 245; vgl. Alböri XIII, S. 173. 

4) Ebenda S. 391 ff. 

5) Siehe Kaufmann von Alep, in Alböri S. 258 ff. ; Charriöre III, S. 707: 
„On faict deja estat de la Perse comme si on la tenoit en l'escarcelle" ; „repar- 
tement du gasteau", S. 709. 



Das osmanische Heer im Kriege mit Persien. 337 

Buch seil trägern, die freilich sämüich wenig Lust zum Krieo^e er- 
kennen hefsen; aus dem Beglerbeg-at von Asien kamen 4000 
Mann von Karamanien, Siwas, Karahamid und Erzerum her — 
die letzteren unter Behram -Pascha. Die übrigen Truppen 
waren aus Syrien, Mesopotamien und Meraasch gerufen worden ; 
auch ägyptische Mameluken sollten noch eintreffen , und eine 
gewaltige Menge von Akindschis hatte sich unter den Fahnen 
Mustafas zusammengefunden, der, durch Verdrängung Sinans, 
zum alleinigen Seraskier des östlichen Krieges und zum Ver- 
treter des Sultans geworden war. Er verfügte über viele grofse 
und einige kleinere Kanonen , die die Perser nicht mehr so 
fürchteten, seit sie selbst von ihren portugiesischen Nach- 
barn brauchbare Geschütze erhielten — andere, osmanische, 
fielen ihnen aufserdem noch hier und da in die Hände — und 
Feuerwafifen schmiedeten i). Das Heer war von 1500 Kamelen 
begleitet und führte einen Schatz von 275000 Dukaten mit sich -). 

Am 13. April richtete sich der Vortrab der Janitscharen 
gegen Trapezunt, und nach längerem Aufenthalte in Skutari brach 
Mustafa das Lager ab, um ihnen zu folgen (5. Mai). Der Sultan 
wohnte dem Abzüge des prachtvollen Heeres , das er selbst zu 
befehligen verschmähte, in Person bei. Über Konieh und Siwas 
gelangte der Generalissimus nach Erzerum , wo , im Lager von 
Tschernik, ein längerer Aufenthalt stattfinden sollte. 

Aber Truppen und vor allem Geld und Lebensmittel kamen 
nur sehr langsam zusammen. Ende Juli stand Mustafa noch 
unter den Mauern der alten armenischen Grenzfestung. Ahmed 
von Meraasch hatte dem Befehle des Seraskiers, trotzdem dieser 
vom Sultan in aller Form bevollmächtigt war, einfach nicht 
Folge geleistet und war als Leiter des Vortrabs nicht auf- 
gebrochen. Er wurde abgesetzt; und dieser Vorfall zeigt am 
besten die Gesinnungen des Heeres. 

Zum Kriegsschauplatz hatte man Georgien bestimmt. Hier 

i) Gerlach S. 217. 

2) Siehe die zwei venezianischen Quellen: Alber i XIII, S. 4276?. und den 
Kaufmann von Alep a. a. O. ; daneben die in Charri^re III, S. 732 ff. enthaltenen 
Notizen. Orientalische Quellen in Hammer II; vgl. auch Gerlach S. 219, 332, 
446, 463, 465, 479. — Über die vorhergehenden Grenzkonflikte Gerlach S. 473. 



Zweites Buch. Fünftes Kapitel. 

teilten sich die Prinzen Georg Bachatschuk in Imeretien, Lewan 
in Kachethi, die gern Tiflis gewonnen hätten, und Minotschehr 
und Gregor, die Söhne der Frau Dede-Semid, in die Macht; 
in Tiflis herrschte der Schwiegervater Thamasps, David, der sich 
Khan nennen liefs und persische Interessen vertrat ^). Den 
türkischen Vortrab befehligte beim Eindringen in dieses Land 
der Statthalter Karahamids; am 14. August nahm er das Schlofs 
Tschildir ein, und in dessen unmittelbarer Nähe fand, am 16. ^), 
eine grofse Schlacht gegen 25 000 Perser und 7000 Georgier 
statt, die von Tokmak^), nach anderen von Mohammed -Khan, 
geführt wurden. Die Osmanen verloren nicht weniger als drei- 
zehn Sandschaks, die auf den hart angegriffenen Flügeln standen, 
und ohne die Dazwischenkunft Osman - Paschas wäre das Heer 
geschlagen worden. Von den Persern blieben 5000 Mann auf 
dem Schlachtfelde, und der georgische Prinz befand sich unter 
den 3000 Gefangenen. 

Beim Eintritt in Georgien besetzte man das Minotschehr 
gehörige Gebiet; er hatte ein paar Schlösser und den Rang 
eines Sandschaks verlangt. Das bisher christliche Tiflis wurde 
von dem perserfreundlichen ,,Khan" verlassen und erhielt eine 
türkische Besatzung mit 36 grofsen Geschützen. Die Georgier 
mufsten den Kharadsch für ein Jahr zahlen und den Sultan als 
Kaiser anerkennen. 

Aber im Herbste wurde der Mangel an Lebensmitteln emp- 
findlich. Sumpfige Gegenden machten ein Vordringen des Heeres 
immer schwieriger. Georgier und Perser lauerten den Abteilungen 
auf, wenn sie in den engen Tälern nach Futter und Getreide 
suchten. Eine zweite Schlacht mufste gegen Emir -Khan ge- 
liefert werden: am Flusse Kanak verloren die Perser viele 
Soldaten und Edlen, aber die Türken ihrerseits hatten 10 000 
Tote zu verzeichnen *). 

Und der Hungertod erhob sich immer drohender vor den 
ermüdeten Siegern. Endlich brach offene Meuterei aus. Die 

1) Hammer II, S. 482 — 483. 2) Charriere a. a. O. 

3) Ebenda S. 754 — 755; Porsius, inReufsner, Res memorabiles, Frank- 
furt 1603, S. 176—177, 182. 

4) Albferi XIII, S. 444 — 445; Charriere III, S. 760«., 766—768, 772. 



Das osmanische Heer im Kriege mit Fersien. 339 

Janitscharen wollten den Flufs nicht überschreiten; in Derwisch- 
Pascha und Behram hatten die Unzufriedenen Führer gefunden; 
keine Schläge und Strafen halfen. Mustafa bestand auf Fort- 
setzung des Krieges; er liefs 12000 Dukaten für den Rückzug 
verteilen und wollte selbst das andere Ufer gewinnen : wenn er 
ertränke, sollte man seine Leiche in einem Sacke dort begraben. 
„Wer das Brot des Grofsherrn Sultans Murad ifst und mir in 
seinem Dienst zu folgen zögert, den treffe mein Fluch ^)!" 
Diese Energie des Feldherrn wirkte: alle folgten, aber 5000 
Mann fanden im Flufsbette den Tod; auch die dem Seraskier 
verliehenen kostbaren Ehrensäbel verschwanden im geschwol- 
lenen Wasser. 

Der Rest der erschöpften Armee zog nun nach Aresch und 
besetzte es; dann nach Sumach, wo ebenfalls einige Truppen 
zurückblieben. Der Führer der Tataren, des Khans Bruder, Ab- 
dul-Girai, setzte sich in Demirkapi, am berühmten kaukasischen 
Passe, fest; er geriet später in die Hände der Perser und wurde 
hingerichtet, als er den Frauen seiner Feinde zu aufdringlich den 
Hof machte. 

Als Mustafa sich endlich zum Rückzuge entschlofs, teilte 
er das eroberte und noch zu erobernde Gebiet in die vier Begler- 
begate Schirwan, Tiflis, Suchum und Gurdschistan; das letztere 
war einem Christen, Alexander, dem Sohne Lewans, zugedacht; 
den Beglerbegs unterstanden neu ernannte Sandschaks. Es 
fanden sich aber keine Anwärter auf die Statthalterposten in 
diesen zwar bereisten, jedoch kaum eingeschüchterten, noch viel 
weniger vollständig annektierten Grenzgebieten; Georgier und 
Kurden erwarteten — trotzdem die Fürsten der ersteren um Gnade 
gebeten hatten und die Brüder Minotschehr und Gregor im Lager 
des Seraskiers weilten — nur den Abzug der Armee , um mit 
den kühnen Einfällen wieder zu beginnen. Nur Osman hatte 
den Mut zu bleiben: er wurde zum Wesir-Kehaja ausgerufen, 
und 10 000 Reiter, 200ü mit Flinten bewaffnete Janitscharen und 



I) „Sia maladetto chi mangia il pane del Gran-Signore Sultan Amurat e non 
mi seguitera in suo servigio"; ebenda S. 449. 



840 Zweites Buch. Fünftes Kapitel. 

die Toptschis mit ihren Geschützen wurden ihm zurückg^elassen. 
Osman sollte die Tochter des in der Nähe von Schirwan mächtig-en 
Königs des Gebirgslandes heiraten; auch das den Türken er- 
gebene Derbend wurde seiner Statthalterschaft unterstellt. 

Behram mufste seine Weigerung, im Gebiete von Aresch 
die Wacht zu übernehmen , mit dem Kopfe bezahlen , und mit 
Mühe fand man in Haider-Pascha den Mann, den dieser Ehren- 
posten nicht schreckte. Als der Seraskier endlich von Tiflis 
nach Westen zog, wurden die Truppen der Nachhut von 
den Georgiern Simons , des Neffen des früheren Herrn der 
Gegend, und von den Persern Ali -Kuli -Khans fortwährend be- 
unruhigt (November). Hoher Schnee erschwerte den Rückzug 
noch mehr. 

Während Mustafa in Erzerum, durch die 56 Sandschaks 
Ahadols und Reiter aus Damaskus verstärkt, Winterquartiere be- 
zog, wurde Osmans Lage sehr bald gefährlich. Einen ersten 
Angriff der Perser , unter dem Statthalter von Schirwan , schlug 
er zwar noch glücklich zurück ^). Dann aber waren es die Ge- 
mahlin des ,, blinden" Schachs "-) und dessen ,, Thronfolger", 
Prinz Seimas, die 50000 Berittene gegen ihn ins Feld brachten. 
Zu derselben Zeit wurde Haider bei Aresch von Emir -Khan 
getötet und das Schlofs wieder von den Persern eingenommen. 
Der Sieger schlofs auch Osman in Sumach ein, in dessen Nähe 
ein persisches Beobachtungskorps stehen blieb. 

Osman versuchte, im Verein mit dem jungen Tatarenführer, 
dieses Korps in einem nächtlichen Angriff, besonders durch den 
Anprall der Tataren , zu vernichten oder zu zerstreuen , Aresch 
zu nehmen, die ,, Königin" daraus zu verjagen und seiner Statt- 
halterschaft einige Schlösser einzuverleiben. Er sah sich aber 
gezwungen, Sumach zu verlassen, und gelangte erst nach einiger 
Zeit und mit Hilfe seines Schwiegervaters wieder in den Besitz 
seiner Hauptstadt. Den letzteren beseitigte er dann in Derair- 
Kapi , wo er Zuflucht gesucht hatte , durch Gift , um die Herr- 
schaft über sein Gebiet an sich zu bringen ^). Gleichzeitig er- 

1) Hammer II, S. 487; Porsius a. a. O. S. i79ff. 

2) „Lousche et comme aveugle"; Charriere 111, S. 743, Anm. 

3) Alb^ri XIV, S. 227f?.; Porsius a. a. O. S. 183. 



Das osmanische Heer im Kriege mit Persien. 241 

schien Ali-Kuli-Khan vor Tiflis, und der Georg-ier Simon wurde 
überall, wo er sich sehen liefs, von seinen Stammg-enossen freudig 
begrüfst. 

Erst spät im Sommer des Jahres 1579 konnte Mustafa, durch 
Tataren neuerding-s verstärkt, Erzerum verlassen i). Von den 
ihm anvertrauten Janitscharen hatte er über die Hälfte verloren, 
in Konstantinopel mufsten, um die Lücken auszufüllen, alle sich 
irg'end darbietenden Elemente angeworben werden 2). 

Mustafa trat seinen zweiten Zug am i. Juli 1579 an, zunächst 
mit dem Zweck, die Festung Kars auszubauen, was 24 Tage in 
Anspruch nahm ^). Der vom Sultan eingeladene und beschenkte 
tatarische Khan Mohammed , dem auch eine Abteilung Jani- 
tscharen zur Verfügung gestellt worden war, hatte sich mit Osman 
vereinigt, und beider Truppen verheerten die den Persern noch 
gehörigen Teile der Provinz Schirwan, wie auch das Gebiet des 
Fürsten Alexander ^). Der Vortrab des Seraskiers drang unter 
dem Pascha von Meraasch bis Tiflis, fand aber die Perser nicht 
mehr dort vor; Hassan Sokoli von Damaskus zog, nachdem er 
Ali-Kuli-Khan gefangen genommen hatte, mit 2000 Janitscharen 
in die Stadt ein. Durch einen fünftägigen Marsch gelangte 
Mustafa nach Rewan (Eriwan) , ohne die persischen Friedens- 
vorschläge zu beachten. Am 15. November war der Generalis- 
simus dann wieder in Erzerum, wo er Befehl erhielt, das Kom- 
mando niederzulegen ^). Sokoli war gestorben , und der Streit 
um seine Erbschaft in Konstantinopel, wohin sich der Mazul 
sogleich begab ^) (April 1580), aufs lebhafteste entbrannt^). 



i) Bericht über den Krieg der Jahre 1577 — 1581 in Alböri XIII; Char- 
riere III, S. 773 ff. 

2) Ebenda S. 787, Anm., 792 — 793. Uludsch-Ali wurde nach der Mündung 
des Phasis beordert (Juni bis September); Charri^re III, S. 825 ff., 842 — 844, 
847, 849, 851—853, Anm., 881—882. 

3) Kaufmann von Alep a. a. O. S. 270 — 271; Hammer II, S. 488; Alb^ri 
XIII, S. 462. 

4) Ebenda S. 490 ; vgl. ebenda S. 464 — 465; Porsius S. 181. 

5) Alb^ri XUI, S. 465—466. 6} Ebenda. 

7) Vgl. auch Charri^re III, S. 789, 792 — 793, 794 ff. , 796, Anm., 797, 
Anm., 806—807, Anm., 808 und Anm., 811 und Anm., 812, Anm., 813, Anm. 
Am g. März war Mustafa in Konstantinopel; Charriere III, S. 895 — 899. 
Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. 16 



343 Zweites Buch. Fünftes Kapitel. 

Ehe noch das Intrigenspiel in der Hauptstadt eine Lösung- 
gefunden hatte, wurde Sinan mit 700 — 800 Kanonen und den 
neurekrutierten Janitscharen ^) nach Asien beordert, obwohl der 
Schach durch den Gesandten Masud aufs neue Frieden verlangte 
und sich erbot, Tiflis und Kars, freilich aber nicht auch die 
Provinz Schirwan , abzutreten 2). Der neue Seraskier ging von 
Erzerum nach Kars (am 15. Juli) und dann nach Tiflis, dessen 
Pascha er durch den jetzt Jussuf genannten Georgier Gregor 
ersetzte ; er erschien auch auf dem Felde von Tschildir, während 
das zahlreiche Heer der Perser unter persönlicher Führung des 
Schachs bei Tebriz stehen blieb. Zu einer Schlacht kam es 
nicht. Die Türken waren des Krieges überdrüssig, wozu die den 
Truppen nicht genehme Persönlichkeit ihres Führers das Ihrige 
beitrug. Dieser seinerseits dachte nur an das Grofswesirat , das 
er schon bekleidet hatte. So kehrte er im frühen Herbste von 
seinem militärischen Spaziergange nach Erzerum zurück, ent- 
schlossen, mit den Persern um jeden Preis, selbst den der Räu- 
mung Schirwans, Frieden zu schliefsen. Ohne eine Ermäch- 
tigung irgendwelcher Art machte er sich dann auf den Weg' 
nach Konstantinopel. 

Nach Wan gingen als Grenzwächter Mohammed, Mustafas; 
Neffe, der Pascha von Alep und Minotschehr, als Feind Alexan- 
ders : der erstere wurde vollständig geschlagen und flüchtete, 
durch einen Georgier verwundet, nach Erzerum. Den Persern 
lagen die östlichen Provinzen nun offen. Zum Glück für die 
Türken hatte aber in Persien der innere Krieg um den Thron 
begonnen. Bei der Pforte war jedenfalls augenblicklich so 
wenig Interesse für diesen Teil des Reiches vorhanden, dais der 
Deserteur Sinan, der am 6. August 1581 mit zehn georgischen 
Geiseln feierlich in Konstantinopel einzog ^) , Grofswesir bleiben 
konnte ^). 



i) Charriere III, S. 904. 

2) Kaufmann von Alep a. a. O. S. 272 — 273. 

3) „Epistola Constantinopoli recens scripta de praesenti turcici Imperii statu 
et gubernatoribus praecipuis et de hello persico"; Wittenberg 1582. Vgl. Por- 
sius S. 187. 

4) Siehe die angebenen Quellen. 



Das osmanische Heer im Kriege mit Persien. 343 

Nach Abschlufs eines Waffenstillstandes und Abbruch der 
weiteren Friedensverhandlung-en mit dem „ nichtswürdig-en Häre- 
tiker" 1) erhielt Sinans Nebenbuhler Ferhad 1581 die schwierige 
Mission , den asiatischen Wirren doch ein Ende zu setzen. Das 
Heer in Georgien litt dauernd unter dem Mangel an Lebens- 
mitteln; eine Abteilung, die Proviant nach Tiflis bringen sollte, 
wurde überfallen, wobei zwei Beglerbegs und drei Sandschaks 
das Leben einbüfsten -). Minotschehr- Mustafa, der mit Simon, 
dem nunmehrigen Schwiegersohn des Schachs, in Beziehungen 
trat 3), erhob die Fahne des Aufruhrs *). Sinan wurde jetzt end- 
lich die Schuld für diese Mifserfolge und Verluste zugeschoben, 
und er mufste das Grofswesirat an Siawusch abgeben; gleich- 
zeitig trat Ferhad sein Seraskierat an ^). 

Er führte das Heer zunächst nach Kars und dann nach 
Eriwan , das er mit hohen Mauern umgeben liefs und wo er 
über fünfzig Kanonen und einen Pascha als Statthalter zurück- 
liefs ^). Um den abtrünnigen Minotschehr zu bestrafen, ging ein 
Teil der Truppen nach Altunkalaa ab ''). 

Im Jahre 1582 verliefs Ferhad sein Lager in Erzerum aufs 
neue, um Nakschiwan anzugreifen und Tiflis Verstärkungen zu- 
zuführen. Tomanis wurde neu befestigt. Von Seiten der Georgier 
erklärte Simons Bruder, Daud, seine Unterwerfung, und fast wäre 
es gelungen, Simon selbst gefangen zu nehmen. Aber der glück- 
lich begonnene Feldzug sollte auf das traurigste ausgehen : 
georgianische Freibeuter fügten den Osmanen empfindliche Ver- 
luste zu ; die Spahis aus Rum meuterten , und die Janitscharen 
beraubten, wo sie konnten , die Bagage ^). Ferhad wurde nach 
Konstantinopel abberufen, ohne die in ihn gesetzten Hoffnungen 
erfüllt zu haben ^). 

i) „D'ignoble et heretique vie"; Charri^re III, S. 929, Anm., 933 — 934. 
Vgl. ebenda S. 904, Anm. 

2) Alböri XIV, S. 227». 

3) Charriöre III, S. 900, Anm. 4) Ebenda S. 901, Anm. 

5) Hammer II, S. 493 — 495. Neue persische Botschaft nebst Beschrei- 
bung des Beschneidungsfestes in Porsius S. 183. 

6) Alberi a. a. O. S. 283—284. 

7) Ebenda S. 284; Hammer II, S. 496 — 497; Porsius S. 188 — 189. 

8) Alböri a. a. O. S. 286 — 287; Hammer a. a. O. 9) Ebenda. 

16* 



244 Zweites Buch. Fünftes Kapitel. 

Die Lage verbesserte sich auch keineswegs, als Osman zum 
vierten Seraskier gegen die Georgier und Perser, trotz der neuer- 
dings vom Schach gemachten Friedenseröfifnungen ^) , ernannt 
wurde. Sich selbst im fernen Osten überlassen , war er um so 
machtloser, als auch von der ihm in Aussicht gestellten Hilfe 
der tatarischen Horden zunächst wenig die Rede war. Endlich, 
1582, setzte sich ein türkisches Heer in Bewegung, um ihm Ver- 
stärkungen zu bringen, und gelangte unter dem Beglerbeg von 
Rum über Kaffa und durch die Tscherkessensteppe mit grofsen 
Schwierigkeiten nach Derbend-Kapu. 

Die Donaubegs sollten 1583 die 50000 Perser Kulichans 
— Imam- oder Ali-Kulichans — unschädlich machen. Zwar wurde 
der osmanische Vortrab geschlagen, aber, freilich nur unter 
Einsetzung aller Kräfte, gewann Osman am 9. Mai eine ent- 
scheidende Schlacht bei Beschdepe, nicht weit von Derbend. 
Um in der Tatarei einen sicheren Freund zu haben , ernannte 
die Pforte an der Stelle Mohammed-Girais dessen jungen Bruder 
Islam-Girai, der vorher als Mewlewi-Derwisch gelebt hatte und 
seine Belehnung in Konstantinopel erhielt ^). Die Feierlichkeit, 
die erste ihrer Art, vollzog sich in den Formen der Einsetzung 
eines Beglerbegs; die rote Fahne, der Säbel und das Pferd fehlten 
nicht. Der Kapudan-Pascha führte den neuen Khan, den seine 
Landsleute zuletzt anerkennen mufsten. So tief war die kaiser- 
liche Würde der Giraiden gesunken^)! 

Der Sohn des Schachs stand im Sommer des Jahres 1585 
mit 20000 Mann bei Tebriz^), als Osman-Pascha sein Lager in 
Kastemuni abbrach und sich wieder nach Erzerum wandte ^) 
(i. August). Bei Tschaldiran, auf dem alten berühmten Schlacht- 
feld, vernichtete der ritterliche Prinz Hamsa den türkischen Vor- 
trab, und die lierbeieilcnden Befehlshaber, Cigala von Wan und 



i) Reufsner, Epistolae XII, S. 3 1 üf. 

2) Er war seit 1577 an den Hof des Sultans gekommen; Ge riach S. 380, 391. 

3) Hammer II, S. 50ofif.; vgl. Garzoni a. a. O. S. 414—415; Albferi 
XUI, S. 144; XIV, S. 304—307. 

4) Alberi XIV, S. 303. — Zurzeit reiste ein persischer Gesandter nach 
Spanien; Brown, Calendar of State Papers 1581 — 1591, S. 150, 184, 217. 

5) Hammer II, S. 551 — 552. 



Das osmanische Heer im Kriege mit Persien. 245 

der von Karahamid, vermochten die Scharte nicht auszuwetzen ^). 
Zwar konnte Osman Tebriz einnehmen, weil Kulichan nur über 
wenige Turkmenen verfügte und die reiche, berühmte Stadt, die 
schon Soliman in Besitz gehabt hatte, verlassen mulste Drei 
Tag-e hindurch raubten Janitscharen und Spahis gründlich in 
Tebriz. Aber bald darauf liefs Kulichan wieder von sich hören: 
während einer Krankheit des Seraskiers brachte er den bereits 
einmal von ihm geschlagenen Statthaltern eine zweite Niederlage 
bei. Als dann Osman selbst am 27. September bei Schenb- 
Ghasan eine grofse Schlacht anbot, erlitten die Türken eine 
furchtbare Niederlage; der unglückliche Pascha von Karahamid 
und der von Trapezunt fielen, und der Befehlshaber der kara- 
manischen Reiterei geriet in Gefangenschaft -). Nach einer wei- 
teren Niederlage starb Osman , von Krankheit und Gram er- 
schöpft ^). 

Cigala trat an seine Stelle ^) und eröffnete im Herbst sein 
Seraskierat mit einem durch die Geschicklichkeit der Toptschis 
gewonnenen Sieg glücklich genug ^). Da aber erschien , dank 
dem in Konstantinopel eingerissenen Chaos, Ferhad in Erzerum 
mit einem ähnlichen kaiserlichen Handschreiben, um die Leitung 
des Krieges zu übernehmen. 

Doch kamen die Verhältnisse den bedrängten Türken, deren 
Führer nun noch untereinander haderten, unverdienterweise zu- 
statten. Persien stand im Kampf mit den Usbegen, deren be- 
liebter Führer Emirchan Kulichan zu Gefallen geblendet und 
dann im Gefängnisse ermordet worden war. Söldlinge solcher 
Art waren es , die dem Schachsohn Thamasp zum Throne ver- 
helfen wollten. Der tapfere Hamsa, der den Türken so viele 
Niederlagen beigebracht hatte, endete durch Meuchelmord. Die 
Thronbesteigung Schach Abbas' hatte ein Blutbad unter den ge- 



i) Vgl. die Geschichte des Kriegs mit Persien in Alb^ri a. a. O. S. 387 — 289; 
Hammer a. a. O. 

2) Siehe die oben angegebenen Quellen. 

3) Ebenda. 

4) Vgl. Charriere III, S. 744 — 745 und die Anmerkungen. — Über Meso- 
potamien Gerlach S. 120 — 121. 

5) H ammer II, S. 554. 



346 Zweites Buch. Fünftes Kapitel. 

fürchteten turkmenischen Begs zur Folg-e. Es kam schliefslich 
zu neuen persischen Friedensvorschläg-en ^). 

Im Sommer 1587 errang- dann Ferhad einen Sieg über einige 
persische Sultane. Cigala begab sich nach Bagdad und über- 
nahm die Herrschaft in dieser Stadt, die ihm neuerdings ver- 
liehen worden war. 1588 kam Ferhad ins Karabagh und be- 
setzte die Stadt Gendsche. 

Inzwischen wurde, seit dem Ende des Jahres vorher, bereits 
über den Frieden verhandelt : Haider-Mirsa , des Schachs Neffe, 
weilte zu diesem Zwecke in Konstantinopel, wo er mit Entfaltung 
grofser Pracht empfangen worden war. Der im Frühling 1590 
wirklich ratifizierte Staatsakt gab dem osmanischen Reich Schirwan, 
Georgien, Tebriz und weiter das Gebiet des Karadagh 2). Die 
georgischen Fürsten, Simon und Minotschehr, und der Fürst 
von Gilan, der sich auch in Konstantinopel vorstellte, waren 
Tributäre der Pforte geworden ^). 

Die neuen Provinzen brachten freilich nur wenig ein. Die 
in ihnen angesiedelten Spahis fanden keine Arbeiter für die 
Felder; die Janitscharen bildeten, mit Frauen und Kindern, eine 
wahre Kaste für sich. Militärischer Aufruhr war durchaus keine 
Seltenheit ^). Die Bevölkerung schien höchst unzuverlässig zu 
sein: bis in Kleinasien hinein mufste das Waffentragen verboten 
werden ^). Der Georgier Simon wurde nur durch die Furcht vor 
seinen Untertanen abgehalten, sich wieder zu erheben''). Die 
Einkünfte deckten nicht einmal die Kosten der Verwaltung '). Vor 
allem aber trug dieser schwere Krieg die wesentliche Schuld am 
Niedergang des Heeres, an der Lockerung des Staatsorganismus, 

i) Hammer II, S. 555 — 556; Alberi a. a. O. S. 292 — 293; vgl. ebenda 
XUI, S. 297 — 298. — Über die Verhältnisse an der westlichen Grenze Persiens siehe 
Vämbery, Transoxanien S. Soff. 

2) Hammer U, S. 559— 560 ; vgl. Alberi XIII, S. 328, 393 — 394; XIV, 

s. 347. 

3) Ebenda XIII, S. 328; XIV, S. 391 ; vgl. auch Istvänffy S. 360. 

4) Ebenda XIV, S. 386—387. 

5) Ebenda S. 406 — 407; vgl. Marcantonio Barbaro a. a. O. S. 338. 

6) Alberi XIV, S. 441. 

7) Ebenda S. 410. 



Das osmanische Heer im Kriege mit Persien, 247 

der Verarmung der Provinzen ^) und der wachsenden Korruption 
unter den leitenden Persönlichkeiten 2). 



i) Vgl. den unedierten Bericht des berühmten Jesuiten Possevino an David 
Pfeiffer; Rom, Vatik. Archiv, „Polonia, additamenti, varia", vol. II, Abschrift in 
der Bibliothek der rum. Akademie; April 1584: „Est autem verissimum illud me, 
cum superiore anno Daciam obirem cognovisse, eo Turcarum opes decidisse ut Va- 
lachis equi ad arandum iam deessent, quod illorum Imperator ad persicum bellum 
circumquaque abduci, vel pessimos quosque, iussisset. " 

2) Das bei Zinkeisen benutzte Werk von Minadoi, Historia della guerra 
fra Turchi e Persiani, Venedig 1588, ist mir erst später zu Gesicht gekommen. 



Sechstes Kapitel. 

Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen 
und Österreich. Unzufriedenheit und Verschwörungen 
der christlichen Untertanen. Neue Kreuzzugsprojekte. 



1583 tat ein hoher Beamter des Reiches den Ausspruch: 
„Die Giaurs erheben ihr Haupt des persischen Krieg-es weg-en, 
aber der Krieg" wird einmal zu Ende sein, und dann werden sie 
die Macht des Kaisers empfinden ^)." Diese Drohung war eitel 
Prahlerei: das Reich war keineswegs für einen europäischen 
Krieg vorbereitet, und der Sultan hatte ebensowenig Lust, im 
Westen der ,, Franken" wie im Osten der ,,Kasilbaschen" zu 
kämpfen. 

Der zyprische Krieg hatte die Venezianer gelehrt, dafs sie 
ihren Handelsinteressen im Osten zuliebe am besten ,,den Sultan 
am Saume seines Gewandes zu halten" bemüht sein müfsten -). 
Sinan gefiel sich wohl im Gedanken an einen Angriff auf Korfu, 
Ferhad wünschte vielmehr Cattaro für das Reich, andere Wesire 
das wichtige Zara oder Novigrad, und Cigala die Insel Cerigo, 
,,die Leuchte des Archipelagus " ^). Auch setzten die Uskoken 
ihre Räubereien auf osmanischem Boden fort ^) , und die Affäre 

1) Alb^ri XIV, S. 244. 

2) „Tenersi con la mano a un lenibo della veste del suo Signore"; Alberi 
XIII, S. 95; Navagero bezeugt 1553, wie die Türken ihr Verhältnis zu den 
Venezianern auffafsten : ,, essendo noi mercanti , non possiamo viver senza loto", 
a. a. O. S. 83. 

3) „Fanale e lanterna dell' Archipelago e la lingua e la spia di tulti li an- 
damenti turcheschi"; Alb^ri XIV, S. 430; vgl. ebenda S. 310, 442. 

4) Ebenda Xm, S. 68—69, 399«-, 4o6; XIV, S. 187, 315; Charriere III, 
S. 471, Anm. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 349 

des Clans der Pastrowitsch rief eine Krisis in den venezianisch- 
türkischen Beziehung'en hervor. Dennoch konnte es bei den 
Gesinnungen beider Teile zu einem Friedensbruche nicht kommen. 
Der Handel Venedigs im Osten war, schon weil die Juden der 
Levante ihre Tätigkeit immer weiter ausdehnten, sehr nieder- 
gegangen ; besonders brachte der Umsatz in Wolle und Tuchen 
nicht annähernd mehr so viel ein wie früher; doch bestand nach 
venezianischem Glas und Papier noch starke Nachfrage ; und die 
Venezianer ihrerseits waren sich der Notwendigkeit bewufst, für 
ihre grofse , stark bevölkerte Stadt auf die Zufuhr von Getreide 
aus den Besitzungen des Sultans angewiesen zu bleiben ^). 

Der Bailo erschien also wie gewöhnlich mit bedeutendem 
Gefolge zur Audienz beim osmanischen Kaiser und brachte 
Falken und andere Geschenke mit, um dann in seinen Berichten 
bitter über türkische Anmafsungen Klage zu führen; er war näm- 
lich mit dem Tode oder erniedrigenden Strafen bedroht worden. 
Seit einiger Zeit verstanden die Baili auch schon etwas türkisch, 
und Venedig schickte junge Leute, um beim Khodscha Studien 
zu machen -). In Kairo , Alep und Chios residierten wie früher 
venezianische Konsuln ^). 

Der Einflufs Frankreichs, der wenigstens eine Zeitlang sich 
im Sinne eines beständigen Seekrieges im Mittelmeere gegen die 
Spanier geltend gemacht hatte, war sehr gesunken. ,,Die Türken", 
schreibt ein Gesandter, ,,sind so unverschämt, hochmütig und 
blind, dafs sie weder auf Feind, noch Freund mehr Rücksicht 
nehmen^)." Ein aktiver französischer Levantehandel hatte sich 
als Unmöglichkeit herausgestellt: nur in Alep wurde ein jähr- 
licher Umsatz von 80000 — looooo Dukaten erzielt; eine Korallen- 



i) Vgl. oben S. 194; dann Albferi XIII, S. 22, 46 — 47: XIV, S. 214—215 
Brosch a. a. O. S. 57 — 58. 

2I Vgl. Barbaro a. a. O. S. 340 ; Garzoni a. a. O. S. 397; Nava 
gero a. a. O. S. 104; Alböri XIII, S. 56, 166— 167, 183— 184, 186, 416 
XIV, S. 248, 314, 331, 443; vgl. Charriere III, S. 584. 

3) Alb^ri XIII, S. 56 — 57. 

4) „Ceulx-cy sont si insolents , si gorgez et si aveuglez, qu'ilz n'estimn t 
plus ni amys, ni ennemis"; Charriere III, S. 58. 



250 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

kompag"nie scheiterte an genuesischer Konkurrenz und die Kon- 
suln von Algier, Tunis und Tripolis in Berberien hatten herz- 
lich wenig zu tun ^). Die Vertreter des ersten Königs im Franken- 
lande -) brachten zwar jetzt auch Geschenke, in ,,spherischen 
Uhren", Schminke für die Sultaninnen, Spiegeln, Fächern usw. 
bestehend'^); aber ihre Ansprüche waren unverhältnismäfsig hoch: 
sie verlangten Prioritätsrechte in Konstantinopel , Anerkennung 
des Hoheitsrechtes über die lateinische Kirche im Osten , Frei- 
lassung der vom Gesandten bezeichneten Sklaven, ein Vorrecht 
der Kornausfuhr, Ernennung eines dem Könige genehmen Kan- 
didaten auf den walachischen Fürstenstuhl — es handelte sich 
um die lange hinausgeschobene Einsetzung Peter Cercels, der 
als Günstling Heinrichs III. eine Zeitlang am Pariser Hofe ge- 
weilt hatte *), Aufserdem waren die Franzosen im diplomatischen 
Verkehr mit hochgestellten und doch rohen Türken nervös und 
herausfordernd. Als Sokoli dem Bischof von Acqs zu bedenken 
gab, „was und mit wem er rede", erhielt er die scharfe Ant- 
wort: „Mit einem Sklaven"; der Grofswesir schwieg, aber konnte 
eine solche Beleidigung nicht mehr vergessen ^). Was aber dem 
französischen Prestige am meisten schadete, war nicht sowohl 
die Scheu der Könige, türkische Gesandte Öffentlich zu emp- 
fangen — wie denn die Ankunft Mahmuds im Jahre 1570 sehr 
ungern gesehen wurde ^) — , als vielmehr die sonderbaren Vor- 
schläge, die während der Religionskriege von verschiedenen Ge- 
sandten und kühnen Projektmachern den vorsichtigen osmanischen 
Staatsmännern vorgetragen wurden; einmal sollten 200 türkische 
Schiffe bei Aigues-Mortes erscheinen, um, mit den französischen 



1) Charri^re III, S. gzgfi., Anm. ; vgl. ebenda S. 254, Anm., 275, Anm., 
353, Anm., 360, Anm., 591, Anm., 695, Anm. 

2) Siehe Gerlach S. 317. 

3) Charriere III, S. 585, 589, Anm., 605 ff., 821, Anm., 822, Anm., S23, 
Anm.; Gerlach S. 450. 

4) Vgl. meine „Contribu^ii" und „Gesch. des rum. Volkes" II , S. 35 ff. 
Dazu Charriere III, S. 823, Anm., 829ff., 892, Anm., 902 — 903, Anm., 916, 
Anm., 917, Anm., 923, Anm., 928, Anm.; Alb er i XIII, S. 232 — 233. 

5) Gerlach S. 78—79. 

6) Charriere III, S. 99 ff. und Anmerkungen. Im gleichen Jahre raubten 
Biosleminische Korsaren an den Küsten der Provence; ebenda S. 108, Anm. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 251 

Hug-enotten vereint, die Spanier zu bekämpfen ^), ein anderes 
Mal erbot sich der Herzog von Anjou, ein türkisches Heer zur 
Eroberung Itahens zu führen -) oder verlangte gegen den spa- 
nischen Nebenbuhler der Valois, Philipp II., ein Königreich Algier 
für sich ^); für den neuen ,,Erdelybeg", Stephan Bäthory, brachte 
der König in ,,demoiselle de Chasteauneuf", die aus dem Hause 
von Rieux und ,,eine der tugendhaftesten und schönsten Damen 
sei, die man sehen könne", eine passende Braut in Anregung ^). 
Mit allen Mitteln wurde dahin gearbeitet, um beim Aussterben 
der alten jagellonischen Dynastie den Königsbruder Heinrich in 
Polen auf den Thron zu bringen, und wenigstens dieser Plan 
gelang s). 

Während des zyprischen Krieges hatte Uludsch-Ali die Stadt 
Tunis eingenommen ^). In Algier hausten die Janitscharen, deren 
Aufführung freilich keine disziplinierten Truppen, sondern viel- 
mehr eine zügellose, herrschende Kriegerkaste voraussetzen liefs. 
Uludsch-Alis ZögHng, Hassan, wurde 1577 ihr Befehlshaber. 
Die Mauren trugen wieder mehr oder minder geduldig ihr Joch ; 
1580 wurde ihr letzter Aufruhr gedämpft ''). Bald erkannte auch 
der neue Scherif des benachbarten Marokko die türkische Ober- 
hoheit an, und seine Gesandten erschienen in Konstantinopel, 
um demütig den Tribut von 5000 Dukaten nebst Geschenken, 
darunter Stühle aus Elfenbein, darzubringen^). Hier war der 
spanische Einflufs vollständig vernichtet worden, und dadurch auch 



1) Charriere III, S. XX, Anm., 680, Anm. ; vgl. S. 770 ff. 

2) Ebenda S. 321, Anm. 

3) Ebenda S. 231 — 232. 

4) „L'une des plus honnestes, belies et vertueuses damoiselles qui se puisse 
voir"; ebenda S. 325, Anm. 

5) Ebenda S. 368, Anm. Hierüber siehe weiter unten, Polen. — Vgl. über 
die Beziehungen mit Frankreich oben S. 138 ff. 

6) Siehe oben S. 158 — 159, dann Ger lach S. 28, 88; vgl. Charriere 
III, S. 26, Anm., 42, Anm., 47, Anm., 94, Anm., 144. 

7) Vgl. Gerlach S. 346; Charriere lU, S. 884—885; Alb^ri XIV, 
S. 403 — 404. Die Beglerbegate Tunis und Tripolis wurden 1576 in eins ver- 
schmolzen; Ger lach S. 342. 

8) Ebenda S. 307, 315, 342, 344—345, 376—377; Alb^ri XIV, S. 217. 



252 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

die Mög'lichkeit neuer Verwicklungen mit den Spaniern ver- 
schwunden. 

Die Florentiner, deren Galeeren durch erfolg-reiche See- 
räuberei den Sultan erzürnt hatten, erlangten 1578 einen F'rieden; 
Bongianni Gianfigliazzi führte mancherlei Geschenke, wie Pferde, 
kristallne Becher, marmorne Tische, genuesisches Zuckerwerk 
und ,,eine grofse, breite, umlängliche Mappa mundi" mit ^). 

Mehr mittelbar, durch die spanischen Verhältnisse, als durch 
unmittelbare Handelsinteressen bahnten sich damals auch die 
ersten Beziehungen Englands zum osmanischen Reiche an. 1579 
wufste Sokoli von der Königin Elisabeth nur, dafs ,, diese Königin 
schon alt sei und im Glauben häretisch", so dafs eine Heirat 
zwischen ihr und dem Papste der gefährdeten Seele nur zum 
Heile gereichen könne -). Nur wenige englische Schiffe kamen 
unter französischer Flagge bis in die Levante ^). Einige Eng- 
länder ritten wohl auch durch die Moldau, und Peter der Lahme 
gab diesen Fremdlingen, wie er solche bis dahin noch nicht ge- 
sehen hatte , Erlaubnis , in seinem Lande Pferde aufzukaufen '^). 
Sokoli war es auch , der mit England eine Kapitulation von 
35 Artikeln abschliefsen wollte, doch wurde sie im Oktober durch 
französische Umtriebe vereitelt ''). Erst nach langem Drängen 
erlangte der mit Geschenken in Metall, in Eisen und Erz er- 
schienene Harebone 1580 endlich eine dauernde Stellung als 
englischer Vertreter*'). Seine Bestätigungsbriefe vom 13. Mai 

i) Charriere lU, S. 697, Anm. , 733 — 734, 737, Anm. , 765, Anm., 793, 
Anm. ; üerlach S. 359, 512, 525 — 526. Ein Gesandter Ferraras, Gerlach 
S. 90. Über angebliche Beziehungen zu den Flamen und Portugiesen siehe Char- 
riere 1I[, S. 906, Anm. Vgl. Brown, Calendar of State Papers, Venice I, S. 94. 

2) „ Cette roine, ja surannee et mal sentante de la foy, laquelle, dit-il, seroit 
plus propre pour estre mariee avec le pape , qui , par ses saintes persuasions , la 
pourroit rdduire an vray sentier"; Charriere lU, S. 824, Anm. 

3) Ebenda S. 884, Anm. 

4) Hackluyt, The principal navigations, voiages, traffiques and discoveries 
of the english nation , London 1589, in fol. ; 2. Ausgabe, ebenda 1809 — 181 2, 
in Grofs-4, S. 194 — 195 (Jahr 1586). 

5) Charriere III, S. 924, Anm. 

6) Vgl. ebenda S. 884, Anm., 897, Anm., 906, Anm., 907, Anm., 913, Anm.; 
Crii.sius, Turco-Graecia S. 534; Alb^ri XIV, S. 309 — 310. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich. Spanien, Polen und Österreich usw. 253 

1580 wurden aber bald, nach vielem Dräng-en des Gesandten 
Frankreichs, zurückgenommen. Nun aber erschien Harebone 
wieder in Konstantinopel und gewann sich mächtige Patrone. 1582 
konnte er auch Briefe der Königin an den Sultan und an Mo- 
hammed-Pascha vorzeigen. Unter Kanonendonner traf das eng- 
lische Schiff mit dem neuen Gesandten in den Hafen der osma- 
nischen Hauptstadt ein; am 3. Mai 1583 wurde er vom Sultan 
empfangen und erhielt die Erneuerung der Kapitulation. Trotzdem 
Cigala sich mit ihm verfeindete — sie gerieten beim Grofswesir 
zusammen — . blieb Harebone bis zu seinem 1588 geschehenen 
Abzüge der anerkannte Vertreter Englands ^). 

Dafs ,,die Völcker des Reichs Polen bisher unter seineni 
Schatten und Schutz in Ruh und Frieden vor ihren Feinden 
sicher sinnd", und seine Edelleute sich in nichts von ,,den andern 
Begen und Herren" unterschieden, mit dieser Bemerkung rieten 
im Mai 1576 die Türken dem Kaiser ab, sich um den erledigten 
Thron des Königreichs, einen ,,hortus vacans", zu bemühen-). 
Und in denselben Worten ist die ganze politische Theorie der 
Pforte dem früher ruhmreichen Staate der Jagelloniden gegen- 
über enthalten. 

1569 plante Sokoli eine Verbindung der Wolga mit dem 
Don zu dem Zwecke, sich einen bequemeren Einfallsweg in 
Persien zu sichern •^). Das Projekt kam nicht zur Ausführung, 
weil russische Truppen die mit den Arbeiten und ihrer Be- 
wachung betrauten Janitscharen und Akindschis schlugen und 
verjagten ^), und die in Azow aufgehäuften Kriegsvorräte wurden 
im Herbst durch einen Brand vernichtet ^'. Kasan und Astrachan 



i) Brown, Calendar of State Papers, Venice 1581 — 1591, Vorrede S. xxx 
bis XLI und die betreffenden Berichte; auch die Vorrede zu den „Early voyages 
and travels in the Levant, Dallam-Covel", London 1893, S. vff. 

2) Vgl. Gerlach S. 197, 200, 220, 293 — 295. 

3) Charriere III, S. 63; Marcantonio Barbaro a. a. O. S. 337; 
Forgäch S. 569 — 570. 

4) Hammer II, S. 377—378. 

5) Charriere HI, S. 89. 



354 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

blieben in den Händen des feindlich gesinnten russischen Zaren ^), 
mit dem der Friede ohne Verzug erneuert wurde (1570). 

1572 starb König- Sigismund August, unter dessen Regie- 
rung das geschwächte Polen von den Osmanen immerhin nicht 
behelligt worden war ^). Während des nun folgenden Inter- 
regnums aber begannen sie das verwaiste Reich durch Ansprüche 
und Forderungen , durch Mafsregeln gegen polnische Gesandte 
und hochfahrende Briefe an die Schützlinge des Kaisers zu be- 
leidigen. Als noch unter König Sigismund August Alexander 
Läpusneanus junger Sohn Bogdan die Grenze überschritt, um 
sich aus edlem polnischen Hause eine Fürstin für die Moldau 
zu suchen, als er dann im Streit mit einem polnischen Magnaten 
verwundet und gefangen genommen wurde, verlangte der Sultan, 
nachdem er einen angeblichen Sohn des alten Bogdan an Stelle 
des ,, Flüchtigen" ernannt hatte, die Auslieferung beider Söhne 
Läpusneanus (1572)^), und zwar weil Bogdan, von Mielecki und 
seinen Polen unterstützt, in die Moldau eingebrochen war ^). Die 
moldauische Frage wurde durch die ablehnende Antwort der 
Polen offen gelassen. 

Während die Wesire den Vertreter der Stände Polens in 
Konstantinopel aufs demütigendste behandelten, suchten sie dem 
befreundeten Reiche einen König zu empfehlen oder ihm wenigstens 
die Wahl eines ihnen mifsliebigen Kandidaten zu verbieten. 
Sokoli scheint den orthodoxen russischen Fürsten Konstantin 
von Ostrog bevorzugt zu haben ^) ; man hoffte von ihm einen 
Tribut für den Kaiser und ein Geschenk von 30000 Dukaten 
für den eine beständige Drohung darstellenden Khan der Ta- 
taren zu erreichen *'). Als dann aber die Franzosen auf Erwäh- 

i) Charri^re EI, S. 56—58, 67. 

2) Die Türken hatten ihn sogar mit dem Moskowiter ausgesöhnt ; ebenda S. 157, 
Anra.; vgl. S. 132 — 133, 140. 

3) Ebenda S. 286 — 287, Anm., 299 — 301. 

4) L a s i c k i , am Schlufs der Arbeit Goreckis, Bellum Ivoniae , Frankfurt 
1578; nachgedruckt in den Sammlungen von Pistorius und Guagnini und zu- 
letzt in Papiu Ilarian, Tesaur Hl. 

5) Ebenda S. 390. 

6) Ebenda S. 374 — 375, Anm. 



Beziehungen zu Venedig, P'rankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 355 

lung- Heinrichs von Valois drangen, schaltete die Pforte zwar 
die weiteren unannehmbaren und phantastischen Vorschläge der- 
selben, wie Vereinigung- der Moldau und Walachei mit dem an- 
geblich Süzeränen Staate Polen, Verzicht auf die tatarischen 
Dienste usw. aus den Verhandlungen aus ^) , aber Sokoli liefs 
sich herbei, die Stände zugunsten des französischen Kronpräten- 
denten zu beeinflussen. Und als Murad III. von dessen erfolgter 
Wahl in Kenntnis gesetzt wurde, beglückwünschte er seine pol- 
nischen Vasallen zu dieser Entscheidung, da sie „aus ihrer Mitte 
keinen für die Krone tauglichen Bewerber gefunden hätten " -). 

König Heinrich war trotz des Ehrgeizes seiner Familie und 
der eigenen Neigung zu phantastischen Plänen ein ruhiger Nachbar 
für die Türken. Als der moldauische Fürst loan-cel- CumpHt, 
durch neue Geldforderungen der Pforte zur Verzweiflung ge- 
trieben, dem an seiner Stelle ernannten Peter dem Lahmen nicht 
weichen wollte und die Fahne offener Empörung erhob, fand er 
beim polnischen Hofe kein Gehör. Nur die Nisowier kamen 
unter dem Hetman Schwierschewschi dem tapferen Mann, den sie 
kleinrussisch ,,Iwonia" nannten, zu Hilfe; und mit diesen kühnen 
Reitern verwüstete der Rebell das Gebiet von Bender und den 
Städten an der Donau und setzte in der Walachei einen Fürsten, 
Vintilä, ein. Da er aber den Türken mit den Bojaren seines 
Landes im letzten entscheidenden Kampfe entgegentrat, verliefsen 
sie ihn, und nachdem er bei Roscani seine letzte Schlacht ge- 
liefert hatte, mufste er sich den Osmanen ergeben und starb 
eines gräfslichen Todes. Seine Gemahlin Maria, seinen Schwieger- 
vater Lupea Huru und seine Schätze lieferten die Polen den 
Siegern nicht aus •^) (Juni 1574). 

Bald darauf entwich Heinrich aus Polen, um die franzö- 



1) Charriere III, S. 346 — 347, Anm., 351, Anm. 

2) „Poiche infra di voi non si sia trovato alcuno chi fusse conveniente a 
essere re di PoUonia"; ebenda S. 403 ff. , Anm.; vgl. S. 369 — 370, Anm., 
372 — 375, Anm., 388, Anm., 382, 390, 431, Anm.; Marcantonio Barbaro 
a. a. O. S. 334. Über einen polnischen, d. h. kosakischen Einfall von 1573 in 
die Tatarei während des Interregnums siehe Charriere III, S. 446 — 447, Anm., 
469, Anm. 

3) Hurmuzaki XI, Vorrede. 



856 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

sische Thronerbschaft anzutreten. Ein neues Interregnum öffnete 
der Pforte wieder die Tür zu drohender Intervention in Polen. 

Die Feindseligkeiten zwischen den Befehlshabern am Dnjepr 
und den Tataren waren auch aufs neue begonnen. Während der 
vielbeschäftigte Unterhändler Andreas Taranowski in Konstan- 
tinopel weilte , langte die Nachricht dort an , dafs Georg Jaslo- 
wiecki die Reiter des Khans geschlagen, dessen Sohn gefangen 
genommen und zahlreiche Tataren getötet habe ^). 

Die Antwort der Tataren war ein furchtbarer Einfall des 
Khans , den vier Söhne und zahlreiche Neffen begleiteten , in 
Polen während des Jahres 1575 -). In dem wieder ausgebrochenen 
Thronstreite, an dem sich auch ein französischer Prinz, der Herzog 
von Alengon, beteiligte, trat Sokoli zunächst für den schwedischen 
König ein , der die Schwester des letzten Jagellonen geheiratet 
hatte. An der kosakisch - polnischen Grenze am Dnjestr wurde 
ein Schlofs erbaut, um die Überfälle der christlichen Banditti 
zu verhindern. Und die Zusammenstöfse zwischen Polen und 
Tataren dauerten fort. 

Ihren ersten Kandidaten gab die Pforte dann auf und ver- 
wandte sich für den ihr viel bequemeren siebenbürgischen 
Woiwoden Stephan Bäthory, der 1571 den zweiten und letzten 
Zäpolya, den Schwächling Johann Sigismund ersetzt hatte. Am 
13 März 1575 schickte der Sultan einen Brief an die Stände 
Polens, in dem er diesen seinen Vasallen aufs wärmste zur Wahl 
empfahl ^). Der im Sommer nach Konstantinopel geschickte 
Cristophorus Dzierzek wurde in demselben Sinne beeinflufst. Ja 
die Türken drohten sogar mit einem Einfalle des Khans , wenn 
ihr Schützling nicht durchdringen sollte '^). 

In der Tat wurde im Dezember Bäthory erwählt. Aber 
diejenigen, die eine unterwürfige Vasallenpolitik gegenüber der 



i) Vgl. Charri^re III, S. 555— 556, Anm., 557, Anm., 558, Anm., 562 — 563, 
Anm., 571, 585, Anm.; Gerlach S. 70. 

2) Ebenda S. 127. 

3) Ebenda S. 142; vgl. ebenda S. 86, 89, 96, 103, 127, 140 — 141; Char- 
ri ^re III, S. 523, Anm. 

4) Gerlach S. 154. 



Beziehangen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 257 

Pforte von ihm erwartet hatten, sollten enttäuscht werden. Zwar 
schonte er, solang-e er sich als Fremder auf seinem Throne noch 
unsicher fühlte, Empfindlichkeit und Vorurteile der Türken mög- 
lichst, und wandte sich 1577 gegen Danzig ^). Aber obwohl er 
1576 die Kosaken unter einem einigermafsen vom Könige ab- 
hängigen Hetman neu organisiert hatte -), vermochte er wenige 
Monate nach seinem Regierungsantritte doch nicht, sie an dem 
ihnen zur Gewohnheit gewordenen Zuge nach der Moldau zu 
verhindern. 

Zunächst erfolgte ein entsetzlicher Raubzug der Tataren bis 
nach Warschau hin (im März 1577), auf dem sie eine grofse Zahl 
wohlfeiler Gefangener für die konstantinopolitanischen Sklaven- 
händler erbeuteten ^). Dann drangen, gerade als die Pforte von 
einem jährlichen Geschenke von Zobelpelzen zu sprechen begann 
und nichtsdestoweniger ein neuer Vertrag mit dem Sultan ver- 
handelt und abgeschlossen wurde, die Räuber vom Dnjepr in das 
Fürstentum Peters des Lahmen ein , um einen neuerstandenen 
falschen Johann, loan-Vodä, ,,der Krause", Cretul zubenannt, 
ins Land zu bringen (Juni), und einige Wochen darauf versuchte 
ein zweiter PseudoJohann, der, weil er Hufeisen zu brechen ver- 
mochte, als Potcoavä, ,, Hufeisen", bekannt ist, sein Glück. 
Als er zum zweiten Male kam, gelang es ihm wirklich, sich als 
,, wahrer Erbe" des fürstlichen Thrones zu bemächtigen (No- 
vember). Von Walachen und Siebenbürgern, an deren Spitze 
Christophorus , der Bruder des neuen polnischen Königs, stand, 
unterstützt, kehrte Peter freilich nicht lange darauf in die Moldau 
zurück (i. Januar 1578)"^). Die nach der Moldau beorderten 
Begs von SiHstrien und Nikomedien fanden keine Gelegenheit 
einzugreifen ^). 

i) Gerlach S. 343. 

2) Engel, Geschichte der Kosaken, zum Jahre 1576. 

3) Vgl. Gerlach S. 487, 492: „Wie die Schaafe treibet man sie hauffenweise 
zu 40, 50, 60 und mehr in den Betzenstein und in die Karnbazareyen zu verkauffen." 

4) Vgl. Gerlach S. 157, 317, 329, 333, 343, 360, 429—431, 434ff-; 
Charriere III, S. 704, 706, 710, 714, Anm., 733, Anm., 739, Anm., 743, Anm. 
und die Zusammenstellung in meiner Vorrede zum XI. Bande der Sammlung 
Hur muzak i. 

5) Gerlach S. 478 — 479. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. 1' 



358 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

Vergebens hatte Stephan Bathory schon 1577 türkische 
Hilfe, besonders tatarische Kontingente zum Kampf gegen den 
grollenden moskowitischen Zaren verlangt i). Als Taranowski 
sich dem neuen Khan Mohammed-Girai vorstellen und die „kaiser- 
liche" Freundschaft dieses gefürchteten Nachbars erbitten wollte, 
wurde er ins Gefängnis geworfen, und Markus Sobieski mufste 
nach Konstantinopel reiten , um Beschwerde zu führen ^). Zwar 
war der Khan noch 1576 vom Grofsfürsten von Moskau im Felde 
geschlagen worden ^), jetzt aber kam zwischen den beiden nächsten 
polnischen Feinden ein Übereinkommen zustande ^). Infolgedessen 
konnten die Tataren in den benachbarten polnischen Provinzen, 
besonders in Podolien , dem Lande des Fürsten Konstantin von 
Ostrog, wieder furchtbar hausen; der Khan verlangte nicht nur 
das übliche jährliche Geschenk an wollenen Kleidern , sondern 
sogar dessen nachträgliche Lieferung für die Jahre seit dem Tode 
Sigismund Augusts ^). 

Als nun Ahmed Tschausch wieder bei der Pforte eintraf 
und den bestätigten Vertrag nebst Entschuldigungen des Ein- 
falles Johanns Potcoavä wegen mitbrachte , standen die Helden 
vom Dnjepr bereits wieder in der Moldau, um einem neuen Thron- 
kandidaten, selbstverständlich wieder einem authentischen ,, Erben", 
diesmal Alexander mit Namen, zu seinem Rechte zu verhelfen. 
Die Entrüstung Sokolis war so grofs , dafs sie alle Gesetze der 
Höflichkeit einem fremden Gesandten gegenüber mifsachtete: 
,,Möge das Antlitz des Tatarenkhans schwarz werden! Warum 
hat er die schönste Gelegenheit versäumt, den König selbst mit 
allen seinen Herren gefangen zu nehmen*')?" Den Polen wurde 
mit Krieg gedroht, als ob man dadurch für die Einfälle der 
Nisowier, die in zwei Jahren 700000 Schafe geraubt und die 



1) Gerlach S. 4296". 

2) Ebenda S. 441 — 444, 451, 487 — 488; Charri^re III, S. 738, Anm. 

3) Gerlach S. 207 — 208. 

4) Vgl. ebenda S. 460 — 461. 

5) Ebenda S. 548 ff., 550—551. 

6) „Nigra fiat facies principis Tartarorum, quod, oblata tarn pulcherrima 
occasione , regem ipsum cum omnibus dominis suis non abstulerit"; ebenda 

s. 550. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 359 

neue Grenzfestung- Islam-Kerman zerstört hatten, so wie für die 
moldauischen Wirren Vergeltung- geübt hätte i). Der ,, Sklave" 
in Polen, ,,die Zucht und Frucht" des Sultans sollte endlich den 
Zorn seines Herrn empfinden -). 

Alexander wurde von den Siebenbürgern besiegt und nach 
Konstantinopel geschickt, wo der übliche entsetzliche Tod der 
Hains, der Rebellen, seiner wartete. Michael Kantakuzenos, 
dessen unersättliche Geldgier die rumänischen Unruhen veranlafst 
hatte, wurde erdrosselt. Bathory bemühte sich, die Türken von 
seinen freundUch-,, sklavischen" Absichten zu überzeugen: er ent- 
fernte den Kosaken-Hetman und verurteilte einige der Aufrührer 
unter seiner Führung zum Tode. Doch noch ein schwereres 
Opfer, was seine und des Reiches Ehre anlangte, mufste fallen : 
am i6. Juni wurde der tapfere Potcoavä (von den Polen Podkowa 
genannt) unter den Augen eines Tschausch in Lemberg, von 
allen bewundert und beklagt, öffentlich enthauptet. Seine letzten 
Worte blieben in der Erinnerung der Zuschauer noch lange 
lebendig: „Liebe Leute, wisset Ihr auch, worumb das man mir 
itzo den Kopf abschlagen wil? Darumb das ich meinen Schebel 
mit Türken -Bludt genetzelt und wider eure und aller Christen 
Feindt mein Leben vielfeltig in Gefahr gesetzt habe ^) ! " 

Trotz dieses warnenden Beispiels versammelten sehr bald 
wieder andere moldauische Fürstensöhne, wie Peter Läpusneanu, 
ein Bruder Bogdans , Konstantin , ein Sohn des Potcoavä , und 
ein zweiter Konstantin, ein Sohn des Stephan Läcustä, Kosaken 
um sich und versuchten von neuem, sich der an ,, Fremde" ge- 
fallenen ,, Erbschaft" zu bemächtigen. Wieder liefsen die Türken in 
groben Worten ihre Absicht verlauten, den ohnmächtigen Vasallen 
in Polen abzusetzen, ihn zum ,,masul" zu machen. Während des 
ganzen Jahres 1579 weilten Kosaken in der Moldau, wo die 
Unterstützung von Kronprätendenten ihnen stets einen Vorwand 
zum Aufenthalt im eigensten Interesse gab. Doch gelang es dem 

i) Vgl. Gerlach S. 551; auch S. 542 — 544. 

2) Ebenda S. 481—482. 

3) Bericht des Danziger Intemunzius in meiner Vorrede zu Hurmuzaki XI; 
vgl. Charri^re III, S. 752 — 753, 760 — 761, 769 — 770, Anm. 

17* 



260 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

wieder nach Konstantinopel g-eeilten Taranovvski, den Zorn det 
Türken zu beschwichtigen ^) ; er hoffte sogar die Unterstützung 
der Tataren, die einen Tribut von 30000 Talern erhalten hatten, 
gegen die Moskowiter durchzusetzen 2). Diese Bitte wurde ihm 
allerdings abgeschlagen, aber die Absetzung Peters des Lahmen 
(Herbst 1579) und die Ernennung des Sachsen lancu, eines un- 
ehelichen Sohns des Peter Rares, machte den Einfällen der 
Kosaken, der Uskoken des Dnjeprs ^), ein Ende. 

Infolge des Abscheidens Sokolis und besonders der Erhebung 
Sinan-Paschas zum Grofswesir spitzte sich der Gegensatz zwischen 
Türken und Polen noch mehr zu. Die Ränke siebenbürgischer 
Magnaten, die an Stelle des 1581 verstorbenen Christophorus 
Bäthory und seines zum Nachfolger gewählten unmündigen Sohnes 
Sigismund den Abenteurer Paul Markhäzy durch kaiserlich- 
türkisches Dekret zum Fürsten von Siebenbürgen erhoben zu 
sehen wünschten, trugen auch nicht zur Verbesserung der Be- 
ziehungen zwischen König Stephan und den mafsgebenden Fak- 
toren in Konstantinopel bei. Für Sinan war Bäthory, trotz seiner 
Bemühungen, die Pforte zu befriedigen, nur ein ,, schlauer Hund", 
der gezüchtigt werden mufste. Der Khan verlangte die Frei- 
lassung zweier Mitglieder seiner Familie, die aus der Gefangen- 
schaft der Kosaken in die Hände des Königs gelangt waren; 
der neue Fürst der Moldau war den Nachbarn ebenfalls feind- 
lich gesinnt und legte dem polnischen Handel alle möglichen 
Schwierigkeiten in den Weg. 

Die Folge war, dafs die an der Grenze stehenden könig- 
lichen Offiziere eine Revolte in der östlichen Moldau unter- 
stützten und ihnen dann deren Anzettelung zugeschrieben wurde. 
In öffentlicher Diwansitzung wurde der polnische Gesandte Dzierzek 
mit einem moldauischen Kundschafter handgemein. Die Grenz- 
streitigkeiten dauerten trotz der Auslieferung der Giraiden fort, 
doch wurden sie jetzt in Konstantinopel und nicht am Hofe des 
feindlichen Verwandten ausgetragen. Dem von der Pforte ab- 

1) Charri^re III, S. 789 ff., 794 ff., 797, 800. 

2) Ebenda vgl. S. 807, Anm., 914. 

3) „Cosacchi, che sono come Uscocchi"; Alberi XIV, S. 310. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 361 

gesetzten Fürsten lancu liefs der König- in Lemberg den Kopf 
abschlagen (im September 1582), und er durfte gewifs sein, dafs 
diese Gewalttätigkeit gegen einen Flüchtling, den die Pforte als 
einen Ungehorsamen und Ungetreuen von ihm gefordert hatte, 
nicht deren Zorn erregen werde ^). 

Aber im Jahre 1583 überschritten die Türken von Bender 
den Dnjestr, um auf dem polnischen Ufer „Dörfer zu gründen". 
Diesen Friedensbruch zahlten die Kosaken ihrerseits heim, indem 
sie Akkerman belagerten, den dort hausenden Beg töteten 
und Bender selbst einzunehmen versuchten. Ein moldauisches 
Heer von angeblich 1 5 000 Mann trat den Eindringlingen ent- 
gegen, und bis im Herbst standen die Soldaten Peters des 
Lahmen bereit, den Abenteurern vom Dnjepr eine Schlacht zu 
Hefern. 

Der Beglerbeg von Rum wandte sich nach Norden und 
hielt sich längere Zeit in Adrianopel auf. Ein neuer polnischer 
Gesandter Podlodowski wurde angeblich von Räubern in der Nähe 
dieser Stadt meuchlings ermordet. Ihm folgte sehr bald (zu 
Anfang des Jahres 1584) ein zweiter, um demütige Entschul- 
digungen von Seiten des Königs zu überbringen. Wieder fielen 
einige Kosakenköpfe, und 38 Geschütze wurden einem neuen 
Tschausch ausgeliefert. Auch wurde Samuel Zborowski, der 
Führer der Helden vom Dnjepr, in Krakau enthauptet. 

Gleichzeitig erfolgten neue Raubzüge der Tataren, die wieder 
zahlreiche Gefangene fortschleppten -). Einige Monate später 
tauchten die Kosaken sowohl bei Bender als im tatarischen Ge- 
biete auf. 1586 kam die tatarische Vergeltung: zum dritten Male 
wurde das Gebiet von Bender durch die Tataren heimgesucht. 
Unter solchen traurigen, unentwirrbaren Verhältnissen schlofs 
König Stephan im Januar 1587 die Augen: er hatte den Krieg 
nicht gewollt, den Frieden zu erzwingen aber nicht die Kraft 
besessen ^). 



i) Vorrede zu Hurmuzaki XI; vgl. Alb^ri XIV, S. 295. 

2) 1585 erschien ein moskowitischer Gesandter in Konstantinopel; Alberi 
XIV, S. 310. 

3) Vorrede zu Hurmuzaki XI. 



263 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

Jetzt hielt die Pforte die Zeit für g-ekommen, das immer 
unruhige, aber feige Polen als wirklichen Vasallenstaat zu be- 
handeln. Sie schien zuerst dem jungen siebenbürgischen Va- 
sallen Sigismund den Vorzug zu geben , dann befürwortete sie 
dessen Vetter, den Kardinal Andreas Bäthory, einige Jagel- 
loniden unehelichen Ursprungs, oder den alternden lahmen 
Fürsten der Moldau, Peter, der sich einige Zeit mit der Hoffnung 
trug, orthodoxer König von Polen werden zu können. Mit Ent- 
rüstung aber verwarf Dzierzek solche Vorschläge und führte 
über den in den Beziehungen zu den Ständen und Palatinen be- 
liebten Ton Klage. Diese machte freilich auf die Wesire wenig 
Eindruck, und der endgültige Bescheid erging, die Polen hätten 
keinen „Deutschen, Spanier, Engländer, Franzosen oder Mosko- 
witer" zu wählen, widrigenfalls sie aufs neue von den Tataren 
heimgesucht werden würden. 

Und während die Kosaken nach ihrer Gewohnheit sowohl 
im Gebiet des Fürsten der Moldau als dem der Sandschake von 
Bender raubten und plünderten, schritten die Polen am 22. August 
1587 zur Königswahl und erkoren den von der Partei Zborowski 
bevorzugten Kandidaten , den Erzherzog Maximilian von Öster- 
reich ; drei Tage später freilich riefen die in der Minderheit ge- 
bliebenen Anhänger Sigismund Wasas, des schwedischen Königs, 
in einer zweiten Versammlung diesen aus. Mit Einfällen ins 
Gebiet von Oczakow am Dnjepr und in den Bezirk der Festungen 
Bender und Akkerman , wie durch Einäscherung der Lagerstadt 
Babadagh in der tatarischen Dobrudscha und Aufstellung eines 
neuen moldauischen Kronprätendenten, wiederum eines loan- 
Vodä, begrüfsten die Kosaken die doppelte Wahl. Der Beg 
von Nikopolis mufste an der östlichen Grenze erscheinen, um 
die hartnäckigen Räuber zu bestrafen. 

Zwar versuchte Maximilian, die königliche Gewalt in Polen 
an sich zu bringen; aber am 24. Januar 1588 glückte es dem 
Kanzler Johann Zamoyski, einem gelehrten, reichen und mäch- 
tigen Manne, der aufserdem ein geschickter Feldherr und der 
Erbe der Politik und der Zukunftspläne König Stephans war, 
ihn in Schlesien gefangen zu nehmen, und im März des nächsten 
Jahres mufste er im Frieden von Beuthen auf seine Ansprüche 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 203 

Verzicht leisten i). Dieser Erfolg- machte Zamoyski für lange 
Jahre zum leitenden Mann in Polen, so dafs neben seiner kräf- 
tigen Heldengestalt der hilflose Puppenkönig Sigismund III. voll- 
ständig: verschwand. 



Seine Politik suchte ihre Aufgaben darin, dem eroberungs- 
lustigen Hause Österreich Widerstand zu leisten, siebenbürgische 
dynastische Ansprüche hintanzuhalten, die Annexion der in 
der Theorie ,,vasallen" Fürstentümer der Moldau und Walachei 
mit allen irgend verfügbaren Mitteln zu betreiben und zu diesem 
Zwecke sich die Freundschaft der Türken durch glänzende Ge- 
sandtschaften, zahlreiche kostbare Geschenke und unterwürfige 
Höflichkeit sorgfältig zu erhalten. 

Ein Element, das sich in dieses klug berechnete und mit 
Meisterschaft in die WirkUchkeit übersetzte politische System 
nicht fügen wollte noch konnte, waren die Kosaken. Dieses fast 
unabhängige und jedenfalls unzähmbare Kriegervolk war in seiner 
Existenz auf Einfälle, Raubzüge und Prätendentenhändel an- 
gewiesen. So setzten sie denn ihr bisheriges Wesen nach wie 
vor fort und liefsen in den Jahren 1588 — 1589 die Grenzstädte 
Otschakow und Koslow in Flammen aufgehen. Die Türken 
ihrerseits waren es trotz erneuter Erklärungen und Beteuerungen 
des Reichshauptmanns und Kanzlers überdrüssig, auf solche 
Herausforderungen nur mit Schimpfworten und Drohungen zu 
antworten. Am 3. Juli 1589 trat denn der Beglerbeg von Rum, 
Khidr (Haidar), den Marsch an die Donau an. 

Der Plan war, dafs er sich mit dem Tataren-Khan vereinige. 
Dieser aber hatte sich schon mit vielen Tausenden von Sklaven 
als Beute auf den Rückweg begeben, als die Türken bei Bender 
ankamen. Also mufsten die Vorläufer des osmanischen Heeres, 
die bis Sniatyn gedrungen waren, umkehren, Kamienietz wurde 



i) Stephan Ehses, Das polnische Interregnum von 1587, in der „Rö- 
mischen Quartalsschrift" IX, S. 377 ff.; Moriz Ritter, Deutsche Geschichte im 
Zeitalter der Gegenreformation und des 30jährigen Krieges II, Stuttgart 1895 
(„Bibl. deutscher Geschichte". Herausgegeben von H. v. Zwiedin e ck-Süden- 
horst), S. 84 ff. — Den ersten Brief des Sultans an den neuen polnischen König 
in Reufsner a. a. O. Buch XII, S. 36 — 37. Vgl. ebenda S. 46. 



204 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

nicht angegriffen und der Beglerbeg befahl im Lager von Hotin 
den Rückzug. Sechs Sandschaks unter dem von NikopoHs blieben 
bei Bender zurück; Khidr selbst nahm während des Winters in 
Silistrien Aufenthalt. 

In den ersten Tagen des Jahres 1590 traf Paul Uchanski 
als neuer polnischer Gesandter in Konstantinopel ein. Die For- 
derungen der Türken bestanden in einem Tribut von lOOOOO Aspern, 
der Vernichtung der Kosaken und der Erbauung von zwei Grenz- 
festungen auf polnischem Grunde 1). Uchanski starb während der 
Verhandlungen; und die Gerüchte über neue Pläne der Kosaken, 
dann die Nachrichten über die von ihnen verübten Verheerungen 
schienen den Krieg neu anfachen zu wollen. Aber Zamoyski, 
der furchtsame Moldauer Peter, der einflufsreiche Ban Jani, ein 
Grieche, der immerhin von anderem Schlage war als Michael 
Kantakuzenos, einige bezahlte türkische Würdenträger, der ehe- 
malige spanische Agent Bartolomeo Bruti, der nunmehr als Bo- 
jar in der Moldau den Ton angab , und der zweite englische 
Gesandte Burton wirkten mit allen Kräften auf Erneuerung des 
Friedens hin. 

Im Juni nahmen also Zamoyski, ein Vetter des Kanzlers, 
und Bruti die Verhandlungen in Konstantinopel geschickt wieder 
auf Statt eines Tributs in barem Geld verlangten die Türken 
jetzt nur noch hundert Zobelpelze als Entschädigung für die 
zahlreichen Muselmanen, die durch Kosaken umgekommen waren. 

Auf dieser Grundlage kam es denn auch schnell zu einem 
Vertrage , dessen Bestätigung infolge der inneren polnischen 
Schwierigkeiten sich bedeutend in die Länge zog. Erst im Sep- 
tember kamen Dzierzek und Bruti in Konstantinopel an, und im 
Januar des folgenden Jahres waren die guten Beziehungen zwischen 
der Pforte und Polen endlich wiederhergestellt-). 1592 aber 
berechnete man die Vasallenpflicht Polens dem Sultan gegen- 
über auf 25000 Dukaten und das Doppelte an Geschenken ^). 
Aber wenigstens waren die Tataren jetzt als Ersatz auf Verhee- 

1) Vgl. Alböri XIV, S. 344-345- 

2) Hurmuzaki III*, S. i6off.; Vorrede zu Hurmuzaki XI. 

3) Alb^ri XIV, S. 442; vgl. XIII, S. 384-385. 



Beziehungen za Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 365 

rung-en im moskowitischen Gebiet angewiesen ^) , denen sie sich 
hingaben, sobald der Zar ihnen den übHchen Tribut nicht pünkt- 
lich entrichtete •^). 

Zu einem Kriege gegen Polen waren die Türken wenig 
vorbereitet; vor allem mangelte ihnen die nötige Erfahrung, um 
mit den Truppen des ,,Lechbegs" sich ohne weiteres messen 
zu können; und die durch ihren Reichtum sehr einflufsreichen 
rumänischen Fürsten scheuten einen solchen Krieg, einmal der 
Kosten wegen, dann aber auch um der Gefahr für sich selbst 
willen, Sie hatten bereits nach dem Kriegszuge des Beglerbegs 
Khidr gefürchtet, durch Beglerbegs ersetzt zu werden, und Peter 
der Lahme, der glauben mochte, dafs der Sultan seinem jungen 
Sohn Stephan den Übertritt zum Islam aufzwingen wolle, suchte 
im September 1591 Zuflucht im Reich, wo er drei Jahre später 
starb. Bei dem neueingerissenen System der Pforte, die Er- 
nennung solcher Fürsten nach der gröfseren oder geringeren 
Menge Goldes vorzunehmen, das ein Prätendent in die Wag- 
schale zu werfen vermochte, nachdem er es selbst von Griechen, 
Armeniern oder reichen Janitscharen entliehen hatte ^), waren 
diese Geldgeber, die überall Zutritt und Gehör fanden und unter 
denen die letztgenannten einen Wesir zu stürzen, vielleicht sogar 
einen Sultan zu töten imstande waren, an der Aufrechterhaltung 
der bisherigen Verhältnisse an der Donau besonders interessiert. 
Denn ein erfolgreicher türkisch -polnischer Krieg- mufste solche 
von Grund aus zu ihren Ungunsten umgestalten. 

Anders stand es um die Beziehungen der Pforte zum Hause 
Österreich. Einen Krieg gegen den ,, König von Ofen" er- 
sehnten alle Türken. Niemand hatte irgendein besonderes 
Interesse , Feindseligkeiten gegen diesen schwächeren Nachbar 
zu verhindern. Und für eine Kriegserklärung' lieferten das immer 
unsichere und unruhige Siebenbürgen sowie die Grenzfehden im 
eigentlichen Ungarn bequemen und genügenden Vorwand. 

i) Alberi XIII, S. 386. 

2) Ebenda XIV, S. 441. 

3) Siehe meine „Geschichte des rumänischen Volkes" II. 



3ßC Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

Anfang 1570 g"ing- der einflufsreiche Caspar Bekes als sieben- 
bürg-ischer Gesandter nach Wien , um zwischen Maximilian und 
Johann Sig"ismund Zapolya einen endg-ültig-en Frieden zustande 
zu bringen ; letzterer sollte Siebenbürgen und die äufseren Ge- 
spanschaften mit erblichem Rechte behalten, aber auf den Königs- 
titel verzichten. Auch wurde ihm für den Fall, dafs ihn die 
Türken verjagten, Oppeln in Schlesien als Zufluchtsort zugesichert 
und seine Heirat mit einer Nichte des Kaisers in Aussicht ge- 
nommen. Die Stände Siebenbürgens nahmen diesen geheimen 
Frieden — von dem die Türken freilich Kunde erhielten und 
für den ein Tschausch dem Vasallen eine Rüge übermitteln 
mufste ^) — , wenn auch nicht ohne Vorbehalt, an. 

Aber bald darauf (im März 1571) starb der schwache Johann 
Sigismund, und da er keine Kinder hinterliefs, so war die Frage 
der Nachfolge in diesem neuen Fürstentum aufs neue offen. 

Gegen den ehrgeizigen Bekes wählte ein Landtag, auf dem, 
bevor die Abstimmung begann, ein Befehl des Sultans verlesen 
wurde, Stephan Bäthory, den künftigen König von Polen (25. Mai) -). 
Die Pforte, die bei den Siebenbürgern in Verdacht gestanden 
hatte, bei dieser Gelegenheit das Land besetzen zu wollen 3), 
bestätigte ihn nach der Sendung des Tributs mit den gewöhn- 
lichen Zeichen der moldauischen und walachischen Fürstenwürde, 
der roten Fahne und dem Kaftan , ohne dafs er sich dadurch 
irgendwie erniedrigt gefühlt hätte ^). Die Bestätigung wurde ihm 
übrigens durch eine glänzende Gesandtschaft überbracht , die 
mit 200 Pferden und einigen Kamelen reiste ^). Der Tschausch 
erhielt eine Belohnung von nicht weniger als 9000 Dukaten nebst 
anderen Geschenken, und seine Begleiter bekamen 6000 Dukaten''). 
Später wurde dem Fürsten ein neues Diplom zugestellt ''). 

Maximilian versuchte nun Bekes, der in seinem Schlosse 
Fogaras den Gang der Ereignisse abwartete , zum kaiserhchen 
Woiwoden von Siebenbürgen zu machen. Unverzüglich über- 



i) Forgäch S. 609—610. 

2) Ebenda S. 637ff.; Fefsler-Kl ein II, S. öoyff. 

3) Forgäch S. 629 — 630. 

4) Ebenda S. 610. 5) Ebenda S. 644. 
6) Ebenda S. 645—646. 7) Ebenda S. 648. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 267 

schritten die ung-arischen Begs die Grenze, und einige kleinere 
Gefechte fanden statt. 1573 steckte der Pascha von Szigeth 
Kanizsa in Brand und raubte es aus ^). Aufserdem verlangte die 
Pforte die Schleifung- der ihr unbequemen Festung Kalo '-). Die 
Zahl der ohne Kriegserklärung gefangen genommenen Christen 
betrug 1574 15000 Menschen^), und für die Unterhaltung der 
Grenzschlösser gab der Kaiser nicht weniger als eine Million 
Dukaten aus ^). 

1573 erlangte der neue kaiserliche Gesandte 5), David Un- 
gnad, eine Verlängerung des Friedens auf weitere acht Jahre. 
Maximilian hatte der Unterstützung Bekes' wegen Entschuldigungen 
vorgebracht und entfernte die vom Ofener Beglerbeg verklagten 
Schlofshauptleute. Ende 1574 begab sich der Dragoman Mah- 
mud-Beg mit dem Friedensdokument nach Prag ; der türkische 
Gesandte beschlofs sein Leben in der Residenzstadt Maximilians ^). 

Während des polnischen Interregnums sammelte aber, von 
den Deutschen aufgemuntert, Bekes in Kaschau Truppen und 
rief auch die Szekler zu Hilfe, um aufs neue zu versuchen , das 
Fürstentum an sich zu bringen. Er wurde aber (im Juli i575) 
bei Szent-Päl vollständig geschlagen und mufste in das von den 
Deutschen besetzte Szathmär flüchten ''). Die Türken klagten 
über offenen Friedensbruch ; wiederum mufsten sich die Kaiser- 
lichen in Konstantinopel weg-en des Geschehenen entschuldigen ^). 
Da aber gleichzeitig ein neuer Sultan die Regierung antrat, der 
nach osmanischem Staatsrecht nicht verbunden war, den vom 
Vater versprochenen Frieden einzuhalten, so raubten Mustafa 



i) Istvänffy S. 376 — 377; vgl. auch S. 328: über einen christlichen An- 
griff auf die Türken in Fülek. 

2) Vgl. auch Charriere III, S. 469. 

3) Gerlach S. 10, 53; vgl. 72 — 73, 103; vgl. Forgäch S. 687 ff., öggff. 

4) Gerlach S. iii; vgl. S. 304 — 305. 

5) Über den Tod Wyfs' Gerlach S. 25. Ihm war zunächst Karl von Rym 
gefolgt. Charriere III, S. 98, Anra. 

6) Gerlach S. 68, 73—75. 9i, I34— 135. 142—144, I74; vgl. Char- 
riere lU, S, 45 7 ff. 

7) Istvänffy S. 332 ff. 

8) Gerlach S. 118, 126—127, 323. 



268 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

Sokoli von Ofen und Ferhad von Bosnien aus nach Belieben 
auf deutschem Gebiete. Zahlreiche Dörfer gingen in Flammen 
auf, viele Sklaven wurden aus Ungarn fortgeschleppt ^) ; der Herr 
von Auersperg verlor in derselben Schlacht das Leben, die 
seinem Sohne die Freiheit kostete. Der kaiserliche Vertreter 
in Konstantinopel mufste den Kopf des Vaters auf einer Lanze 
durch die Strafsen der Hauptstadt tragen sehen und den Jubel 
des Volkes anhören -) ; für den Sohn verlangte die Pforte nicht 
weniger als 80000 Dukaten ^). Die Zahl der an den Einfällen 
in Ungarn beteiligten Türken betrug mitunter 4000 Mann '^). In 
dem dann am 22. November 1575 vom Sultan bestätigten Frieden 
übernahmen die Kaiserlichen die Verpflichtung, Kallö zu schleifen ^). 
Neben den üblichen 9000 Talern erhielt Sokoli seitens des ,, Ofener 
Königs" weitere 1200 Dukaten zum Geschenk, damit er sich auch 
weiterhin für Aufrechterhaltung des Friedens verwende *^) ; in der 
Tat verwarf er den Plan, eine Revolte gegen die habsburgische 
Herrschaft in Ungarn anzustiften ^). 

Die Aufstellung eines deutschen Kandidaten für den Thron 
Polens gab zwar keinen Anlafs, den Frieden zu unterbrechen; 
doch erschien ein Tschausch in Wien und machte den Kaiser 
darauf aufmerksam, dafs Polen seit beinahe ,,130 Jahren" dem 
Sultan gehöre und ein Habsburger als König unannehmbar sei *). 
An den deutschen Vertreter wurde das Verlangen gestellt, seine 
Berichte einer Kontrolle zu unterwerfen, und er mufste sich 
dieser erniedrigenden Bedingung fügen ^). Auch dauerten die 
gewöhnlichen Grenzkonflikte nach wie vor fort ^^). Doch er- 
reichte der neue Kaiser Rudolf am i. Januar 1577 eine neue 
Bestätigung des Friedens ^i). 



i) Istvänffy S. 335 ff. Vgl. Gerlach S. 313—314; vgl. S, 320, 385, 
389 — 390; Crusius, Turcograecia S. 503. 

2) Gerlach S, 132. 

3) Ebenda S. 137, 353, 358; vgl. Fefsle r-Kle in III, S. 615. 

4) Gerlach S. 140; vgl. S. 112 — 113. 5) Ebenda S. 131, 295 ff. 
6) Ebenda S. 136. 7) Ebenda S. 358. 

8) Ebenda S. 182. 9) Ebenda S. 159, 174—175. 

10) Ebenda S. 158, 221, 225, 229, 236 — 237, 252, 261 — 263, 286, 387. 

11) Ebenda S. 299, 300. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 269 

In den darauffolgenden Jahren drangen die Kaiserlichen 
ihrerseits auf Schleifung- einiger Schlösser und Zurückgabe an- 
derer; die Grenzbegs suchten wie gewöhnlich ihre kleinen Vor- 
teile, und bei Erlau wurde ein deutsches Schlofs erbaut ^). 

Aber 1579 schien dieser unsichere Frieden -) die längste 
Zeit gedauert zu haben. Erzherzog Karl eröffnete die Feind- 
seligkeiten gegen die Bosnier, liefs einige Festungen besetzen 
und die Grenze verstärken ; der Pascha Ali-Beg von Szigeth, der 
herbeieilte, wurde geschlagen ^). Der Beglerbeg von Rum ging 
nach Sofia und machte Miene, in Kroatien einzufallen*). 1580 
wandte er sich wiederum nach Norden ^) ; im gleichen Jahre hatte 
Erzherzog Ernst einen Zusammenstofs mit dem Ofener Pascha, 
der daraufhin abgesetzt wurde; der ,, Donauhauptmann" fiel im 
Kampfe ^). Es verlautete etwas von der Absicht des Sultans, 
Siawusch-Pascha zum Generalissimus gegen Ungarn zu ernennen ''). 
Die Szolnoker Türken wurden verjagt und Skanderbeg von 
Possega getötet ^). 

Auch 1585 dauerte der Grenzkrieg fort; der Graf von Turn 
hielt die Bosnier im Zaum ^). Ferhad, der solche Beleidigungen 
wohl gerächt hätte, fiel schon 1589 unter den Händen seiner 
eigenen Soldaten , die seine Geldgier empört hatte ^^) , und fast 
in jedem Jahre waren Zusammenstöfse der Türken von Szigeth und 
anderen Festungen des Beglerbegats von Ofen mit den zum Kaiser 
haltenden ungarischen Edelleuten oder Heiduckenhäuptlingen zu 
verzeichnen: so 1585 der Kampf Zrinys gegen Hassan von Szi- 



i) Gerlach S. 319, 321, 332—333, 343, 379—380, 428—429, 438 ff-, 462, 
8 ff., 491 — 492; Charriere III, 765, Anm., 770. 

2) „Sospetta ed inquieta pace". Marcantonio Barbaro a. a. O. 

333- 

3) Istvänffy S. 338. 

4) Charriere EI, S. 798, 826. 

5) Ebenda S. 904, Anm. 

6) Ebenda S. 914, Anm., 962 — 967, Anm. 

7) Ebenda; vgl. Albferi XIÜ, S. 298. 

8) Istvänffy S. 340—341; Reufsner a. a. O. Buch XII, S. 32fr. 

9) Istvänffy S. 343- 

10) Klagen über sein Betragen werden auch in Gerlach S. 518 erwähnt. 



370 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

g-eth 1) ; 1587 ein Angriff der Kaiserlichen auf die Dörfer am 
Balatonsee, die ihre Steuern nicht bezahlt hatten; die Einnahme 
Koppans -) ; ein Sieg der Ofener Türken unter Ferhad über Frei- 
beuterscharen ^) ; Verheerungen seitens des neuen Paschas von 
Szigeth ^) : Georg Zriny, Nadasdy und Pälffy schlugen ihn zurück 
und töteten den Beg- von Mohäcs '^); 1588 ein Feldzug- der Türken 
von Ofen gegen die ungehorsamen Bürger von Sikso ; die Nieder- 
lage der Angreifer gegenüber den benachbarten christlichen Be- 
satzungen *') ; die „berühmte Schlacht" bei Siksö'^); die Ein- 
nahme der Festung Gestesy ^) , die aber wieder zurückgegeben 
wurde, durch den serbischen Woiwoden Raditsch; 1588 ein Zu- 
sammenstofs bei Gran -'). Auch dauerte der Krieg g^egen Persien 
noch an, und der Pforte waren die 45 000 Tal er in Geld und 
60000 in Geschenken, die der Kaiser jährlich nach Konstanti- 
nopel schickte, allzu wertvoll, als dafs sie sich leicht hätte ent- 
schliefsen können, zeitweilig darauf zu verzichten 1^). 

Sinan allein war es , dem am Wiederausbruch des Krieges 
mit dem Kaiser aufrichtig gelegen war ^^). Als seine Stellung er- 
starkte und die persische Gefahr keinen Truppen- und Geldaufwand 
mehr verlangte, gelang es ihm, seinen alten Plan durchzusetzen. 

Doch ist zum Verständnis des Krieges erforderlich, einen 
Überblick über den Zustand der Provinzen zu g-ewinnen und die 
immer deutlicher hervortretenden Vorzeichen einer allgemeinen 
christlichen Gärung im einzelnen zu verfolgen. 

Marcantonio Barbaro, der unter dem Eindrucke des Verlustes 
Zyperns schrieb, bemerkte, dafs ,,alle unterjochten Völker feind- 
lich gegen die Türken gesinnt sind; besonders der Teil, der nach 
Westen schaut " ^~). ,, Alle Bürden", schrieb derBailo 1576, „wären 

l) Istvänffy S. 345 — 346. 2) Ebenda S. 346 ff. 

3) Ebenda. 4) Ebenda S. 352—353. 

5) Ebenda S. 354-355. 6) Ebenda S. 356 ff. 

7) Ebenda. 8) Ebenda. 

9) Ebenda S. 358—359- 

10) Vgl. Alberi XIII, S. 383; XIV, S. 307 — 308. 

11) Siehe Reufsner a. a. O. 

12) „Tutti li popoli soggetti sono nemici loro , e massimamente quella parte 
che risguarda ponente"; S. 314, Jahr 1573; vgl. auch Cavalli a. a, O. S. 277. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 371 

erträglich", wenn die Provinzen gute Beamte hätten ^). Der oft- 
malige Wechsel der Beamten und die damit verbundenen Übel- 
stände waren es, die gegen das Ende des Jahrhunderts eine rasche 
Verschlechterung der materiellen Zustände herbeiführten und eine 
latente Unzufriedenheit hervorriefen, die den Boden für verzweifelte 
Gedanken und Versuche vorbereitete. So waren die grofsen 
Hoffnungen , die der Sieg bei Lepanto in den Christen aus- 
löste, — sprach man doch schon allgemein von einer ,, künf- 
tigen Empörung" und glaubte, dafs die ,,mehr als 40000 Mann 
zählende christliche Bevölkerung von Konstantinopel und Pera" 
ihr vornehmster Träger sein werde -), — nicht so durchaus un- 
berechtigt und schienen einer allmählichen Verwirklichung ent- 
gegenzureifen ^), 

In Asien freilich hatte das christliche Element seine Be-. 
deutung eingebüfst. Im ehemaligen Pisidien residierte jetzt nicht 
mehr der Metropolit, der unumwunden anerkannte, ,,er habe 
wenig Kirchen, dieweil gar wenig Christen in Asia, die vor- 
nehmbste Orte wüst oder von den Türeken bewohnet seyen" ^), 
Er wohnte meist in Konstantinopel oder zog in den Donauländern 
umher, um Almosen für den Patriarchen zu sammeln 5) , ebenso 
wie es der Metropolit von Nikäa tat *^). Der Prediger Gerlach, 
dem solche Erklärungen gegeben wurden, fand in diesen früher 
blühenden Landschaften nur ,,ein faules müssig gehendes Volck, 
das nur so viel bauet, als es dess Jahrs zu essen vermeynet"; 



i) ,,Tutte queste gravezze , nondimeno , essi medesimi sogliono confessare, 
per quello che tocca all' utile del Gran-Signore , essere assai supportabili " ; Al- 
be ri XIII, S. 134. 

2) ,,La prochaine revolte, qu'ilz fönt semblant d'esperer parmi ses subjectz"; 
,,La revolte de plus de quarante mil chrestiens, qui sont dans las villes de Con- 
stantinople et de Peyra ou ä moins de 3 lieues d'icy." Charriöre III, 
S. 211 — 212, 259, Anm. 

3) Kreuzzugsprojekte nach der Schlacht von Lepanto finden sich in der Bibl, 
Ambrosiana von Mailand, G. 56 Inf. Nr. 2, fol. 67ff. ; R. 121 Sup. , fol. 233 ff. 

4) Gerlach S. 99. 

5) Ebenda S. 95. 

6) Ebenda S. 103. 



273 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

christliche Bauern waren froh, ihre Kinder ins Serail schicken 
zu können ^). 

Ihre türkischen Nachbarn lebten noch nach ihrer alten natio- 
nalen Art, einfach und idyllisch, von Viehzucht, Fischfang- und 
etwas Ackerbau ^) ; sie lieferten dem kaiserlichen Heere zahl- 
reichen Nachwuchs, der aber nicht so geschätzt war wie die 
Renegaten Rums. 

Noch wohnten viele Griechen in den Städten; in Brussa 
fand Gerlach einen griechischen Metropoliten, der an der Kirche 
der heiligen Apostel gastierte; die Christen hatten in der be- 
deutenden Handelsstadt, die besonders Seidenstoffe erzeugte und 
verkaufte, für tausend Gläubige zwei Kirchen, die von drei 
Priestern bedient wurden ^). Nikäa besafs drei Kirchen: St. Theodor, 
St. Georg und die Kirche des Pantokrators ; 50 Dorfpfarrer ge- 
hörten dem Sprengel an ^). Lopadions griechische Bevölkerung 
war stärker; sie verfügte über sechs, von drei Priestern bediente 
Kirchen ^). Über die anderen gröfseren Städte Kleinasiens mangeln 
uns leider derartige Nachrichten vollständig ^). 

In Syrien hatten die Damaszener einen Bischof, der 1573 
das Vikariat in Konstantinopel antrat '^). Der syrische Patriarch 
von Antiochien unterhielt mit seinem Kollegen in der Reichs- 
hauptstadt nur selten Beziehungen; er hatte viele Verfolgungen 
von türkischer Seite zu erdulden; einer dieser Erzhirten soll Gift 
genommen haben, um die Überlegenheit seines von den Mos- 
lems verleumdeten Glaubens darzutun •'*). In den siebziger Jahren 
bekleidete der alte Michael diese hohe geistliche Würde; er war 
angeblich über hundert Jahre alt und sprach, obgleich er wahr- 
scheinlich griechischer Herkunft war, arabisch und syrisch ^). Er 
befand sich 1583 in Konstantinopel, wo alle drei Patriarchen 



i) Gerlach S. 257. 2) Busbecq S. 49. 

3) Gerlach S. 258 — 259. 4) Ebenda S. 95. 

5) Ebenda S. 257. 

6) Über ApoUonias als Residenz eines Metropoliten siehe aber ebenda S. 257. 

7) Ebenda S. 60. 

8) Ebenda S. 56. 

9) Ebenda S. 97. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 373 

des Orients an der Beerdigung- des walachischcn Fürstensohns 
Petrascu teilnahmen i). 

Alep bewahrte seine einstige Bedeutung besser als Da- 
maskus; die gelegentliche Anwesenheit abgesetzter rumänischer 
Fürsten kam dem christlichen gesellschaftlichen Leben zugute -). 
In späterer Zeit waren die Syrer der Stadt zur Auflehnung gegen 
ihre Unterdrücker geneigt: 1598 mufste Hassan-Pascha mit einer 
starken und auserlesenen Truppe einen Aufstand daselbst stillen ^). 
Von allgemeiner Unzufriedenheit der zahlreichen syrischen Be- 
völkerung war aber keine Rede. Übrigens galten die Janitscharen, 
die zur Besatzung von Damaskus gehörten , als tüchtige und 
tapfere Soldaten ^). 

In Jerusalem dagegen, wo fünf griechische Klöster mit zahl- 
reichen Mönchen bestanden, war im griechischen Klerus nicht 
selten ein Geist der Empörung zu spüren. Gegen das Jahr 1570 
wandte sich der Patriarch Sophronius durch Vermittlung des 
walachischen Prätendenten Milos an den Kaiser, ,,als Herrn des 
ganzen Weld", und bat, ,,S. K. M. welle sich über die arme 
Christen ihn Griechenland von Grund ihres Hertzens erbarmen 
und mit deren grosse Macht . . . die Turcken angreiffen, heim- 
suchen, zustören . . ., der gewissen Zuversicht, des gottlestlingen 
Feinds Reich werde zugehen und das S. K. M. , nicht alein 
werde Constantinopel, sondern auch die heylige Stadt Jerusalem, 
sampt dem ganzen Weld, regieren" ^). Die griechischen Kleriker 
genossen Pensionen von selten des spanischen Königs — 6000 
Gulden jährlich — -, der Vizekönigin von Sizilien und des Papstes •'). 
Das Kloster St. Sabbas machte bedeutende Geldgeschäfte und 
konnte im moldauischen Jassy ein Metochion begründen. 



i) Hurmuzaki XI, S. 183, Nr. CCCII. 

2) Vgl. ebenda II, S. 607, 612—613; IV % S. 107 ff.; XI, S. 78, 643, 
Anm. I, 664, Nr. cvii; Gerlach S. 315. 

3) Hurmuzaki XII, S. 341 — 342, Nr. DXiv—'DXV; S. 348, Nr. Dxxin. 

4) Ebenda S. 139, Nr. ccxiv. 

5) Ebenda S. 234 — 235, Nr. cccxlvii. Über Mafsnahmen, die die Pforte 
1599 gegen die Christen in Jerusalem traf, siehe ebenda S. 426, Nr. DCXxrx, 
S. 448, Anm. I. 

6) Ger lach S. 57. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. lU. lö 



374 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

Der Berg- Sinai erfreute sich damals fast derselben Freiheit 
wie der uns aus dieser Zeit weniger bekannte Athos. Die Mönche 
verfügten über reiche Kapitalien, hielten das durch Erpressungen 
gewonnene Kapital der rumänischen Fürsten in Verwahrung, ver- 
liehen für hohe Zinsen Geld und wurden von Philipp II. und 
dem moskowitischen Zaren — mit 500 Dukaten jährlich — 
unterstützt ^). Sie wandten sich auch an den deutschen Kaiser 
als ihren künftigen Erlöser 2). 

Bereits 1584 begab sich ein Gesandter von Moskau über 
Konstantinopel nach Jerusalem ^). Schon begannen die Zaren 
an die Möglichkeit zu denken, ein neues orthodoxes Reich des 
Ostens zu bilden; jedenfalls sahen die scharfblickenden Vene- 
zianer diese Entwicklung der Dinge voraus: ,,Die Türken sind 
auch in Sorge , weil dieser Grofsfürst griechischer Religion ist, 
wie die Völker Bulgariens, Serbiens, Bosniens, Moreas und 
Griechenlands, die darum seinem Namen sehr ergeben sind, als 
derselben griechischen Religion angehörend; sie wären alle be- 
reit, die Waffen zu ergreifen und sich zu erheben, um der tür- 
kischen Sklaverei ledig zu werden und die Oberhoheit jenes 
Fürsten anzuerkennen ^)." Der verdienstvolle Patriarch Jeremias 
von Konstantinopel bereiste nicht nur die rumänischen Länder, 
sondern begab sich auch nach Moskau, sammelte reiche Al- 
mosen in Geld und begründete bei seiner Rückkehr 1589 ein 
fünftes Patriarchat des Ostens für die russische Kirche ^). Ein 



i) Gerlach S. 276, 316. 

2) Crusius, Turcograecia S. 261 — 262. 

3) Hurmuzaki XI, S. 676, Nr. cxx. 

4) „ Dubita poi anche perch^ quel Gran-Duca e della Chiesa greca, come 
i popoli della Bulgaria, Servia, Bosnia, Morea e Grecia, divotissimi perciö al suo 
nome, come quelli che tengono il medesimo rito greco di religione, e sarian 
sempre prontissitni a prender l'armi in mano e sollevarsi per liberarsi della schia- 
vitü turchesca e sottoporsi al dominio di quello"; Alberi XIII, S. 206; Jahr 
1576. — Über ein russisches Kreuzzugsprojekt in den dreifsiger Jahren siehe 
V. Th. Rziga, I. S. Peresvetov, Moskau 1908. — Während des zyprischen 
Kriegs wollte Venedig moskowitische Hilfe anrufen; Forgäch S. 591. 

5) Siehe Athanasios Komnenos Hypsilantes, 7« xaTct rfjv liXwaiv 
und die Geschichten der russischen Kirche, so z. B. von Golubinski. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 375 

Erzbischof Paläolog-os kam 1603 mit Empfehlungsschreiben des 
Zaren nach Prag- ^). 

In Ägypten nahmen die Erpressungen an Ausdehnung und 
Schwere beständig zu , weil jeder Pascha das Interesse hatte, 
wenn anders er rascher vorwärts kommen wollte, die Einkünfte 
des ihm unterstellten Gebietes zu erhöhen. Kairo war aufserdem 
noch verpflichtet, zum Kriegsschatz beizusteuern und die Haupt- 
stadt zu verproviantieren -). Die arme ländliche Bevölkerung 
der Fellahs aber dachte nicht daran , sich aufzulehnen ; sie war 
durch eine ununterbrochene Sklaverei von mehreren Jahrtausenden 
zu blindem Gehorsam erzogen worden. Nur die freie Kavallerie 
der alttürkischen Mameluken, die jetzt auch in Europa im Kampfe 
Verwendung fand '^), gab ihrer Unzufriedenheit mit der drückenden 
Verwaltung Ausdruck: 1578 und 1589 empörte sie sich offen, 
und der Pascha-Beglerbeg mufste sich mehrere Monate hindurch 
in seinem Schlosse halten. Doch sahen sich die Aufständischen 
bald gezwungen, sich zu unterwerfen, und hatten ihr kühnes Unter- 
nehmen mit allerlei ausgesuchten Demütigungen zu büfsen ^). 
Nach wie vor lastete der schwere Druck der Angebereien auf 
dem Lande : überall lauerten Spione '"). 

Der Patriarch von Alexandrien, der oft in Konstantinopel 
anzutreffen war und dessen Residenz mitunter auch abgesetzten 
rumänischen Fürsten, wie Radu Paisie , eine Zuflucht bot '') , er- 
mangelte jeder Autorität. Das griechische Element seines Sprengeis 
spielte im Leben der Nation, selbst unter späteren Patriarchen 
wie Meletios Pegas und Cyrillus, kaum eine Rolle ''). Auch der 
Handel war im Verfall; umsonst befand sich ein venezianischer, 
zeitweilig auch ein französischer Konsul in der Stadt. 

i) Brief vom 11. August; Innsbruck, Statthaltereiarchiv. 

2) Alberi XIV, S. 414; vgl. ebenda XIII, S. 345; Hurmuzaki XII, 
S. 62, 248, 433. 

3) Ebenda S. 231 ; Jahr 1596. 

4) Charriere III, S. 743, Anm.; Alberi XIV, S. 373. 

5) Gerlach S. 31. 6) Hurmuzaki XI, S. i. 

7) Vgl. Gerlach S. 64. — Über Pegas siehe seine von E. Legrand 
herausgegebenen Briefe und über Lukaris die neueste Biographie von Chrys. 
Papadopulos, Triest 1907 (Separatabdruck aus der Nta 'M/h^qu). 

18* 



376 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

Ein besonderes Schicksal hatten die Inseln Andros, Milo, 
Naxos, Faros und deren italienische Fürsten. In den ersten 
Jahren des i6. Jahrhunderts waren diese noch in Venedig- be- 
stätigt und feierlich ausg-erufen worden, und die Republik hatte 
sich zwischen 15 18 und 1520 sog^ar Hoffnung^en g-emacht, die Erb- 
folge der Herren von Faros selber anzutreten. 1537 — 1538 aber 
bereitete Khaireddin der Unabhängigkeit der Inseln des Archi- 
pelagus vom osmanischen Reiche grausam ein Ende; Skyros, 
Skopelos, Skiathos wurden türkischen Begs unterstellt, Naxos, 
Andros, Milo u. a. mufsten durch Zahlung eines Tributs — 5000 
Dukaten für Naxos, 35000 Aspern für Andros — die Erlaubnis 
erkaufen, sich nach alter Art selbst weiter zu regieren. 1562 
herrschte z. B. ein Sommaripa in Andros und Jakob IV. Crispo 
in Naxos. 1566 beseitigte aber Fiali sie für immer ^J. 

Bereits der moldauische ,, Despot" Johann Basilikos hatte 
von der ,, Markgrafschaft" Samos und Faros, als seiner angeb- 
lichen Erbschaft, gesprochen. Nach dem griechischen Aben- 
teurer kam der jüdische Spekulant, und ihm gelang es, aus den 
vielen Inseln des Archipelagus ein neues Herzogtum für sich 
zusammenzusetzen , das von einem christlichen Vertreter ver- 
waltet wurde. Nach dem Tode des hochfahrenden Herzogs Don 
Joseph bemühte sich Cigala um die Belehnung mit diesem Insel- 
staat. 1579 verlangten der französische Gesandte Germigny und 
der Tschausch Soliman die Wiederherstellung dieses Herzogtums 
von Naxos -). 1583 hatten die Türken einen Aufruhr im Archi- 
pelagus zu dämpfen , welche Aufgabe Mehemed-Fascha zufiel ^). 

Die kurze Autonomie unter christHchen Befehlshabern blieb 
im ganzen ohne Wirkung und hinterliefs auch den Insulanern keine 
Erinnerung, die stark genug gewesen wäre, als Antrieb zu Auf- 
stand und Empörung lebendig zu werden. 

In Chios hielten sich noch einige der alten und edlen frän- 
kischen Familien auf und Dominikaner verrichteten in einem 
Kirchlein Gottesdienst. In der Hauptstadt aber hatten die Er- 



i) Oben Bd. II, S. 381 — 382; vgl. Hopf, Andros, letzte Kapitel. 

2) Charriere III, S. 840 — 841, Anm. ; S. 842, Anm. Über die Insel Milo 
Albferi XIII, S. 219. 

3) Hopf, Andros. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 377 

oberer fast überall Wohnungen und Reichtum an sich gebracht; 
Piali-Pascha besafs hier 12 Paläste und 32 Gärten. In der grie- 
chischen Bevölkerung war kein Verlangen nach freiem politischem 
Leben zu spüren ^). 

Rhodos hatte noch Ende des 16. Jahrhunderts eine zwar 
schwache, aber vorwiegend griechische Bevölkerung; nur in der 
Hauptstadt wohnten ausschliefslich Türken und jüdische Krämer. 
Der Beg hauste im starken Johanniterschlosse, das sich noch in 
gutem Zustande befand. Auch war die Stadt Residenz eines 
griechischen Metropoliten ; den abendländischen Kaufleuten war 
die Kirche St. Johann verblieben -'). Die Fürsten der Moldau 
und Walachei pflegten das 'Schlofs in Unglückszeiten zu längerem 
Aufenthalt aufzusuchen; nach 1570 fanden sich dort ein Petrascu, 
der Sohn des gleichnamigen Fürsten der Walachei, und Johann, 
d. h. lancu Sasul, der spätere Fürst der Moldau, ein. Die Masuls 
und ihre Gefährten beschäftigten sich mit literarischen und kalli- 
graphischen Arbeiten. Später verbrachte Fürst Mihnea zwei Jahre 
mit seiner Familie dort, bis er nach Tripolis in Syrien verschickt 
wurde '^). Die Griechen murrten über die Herrschaft der Türken, 
obgleich sie gewifs nicht härter als die der Ritter auf ihnen 
lastete; von Kreta aus liefsen sie sich zu einer Verschwörung 
aufreizen, die aber vorzeitig entdeckt und vereitelt wurde. Seitdem 
standen — schon in den siebziger Jahren — sieben Galeeren 
in der Nähe der Insel, um diese und die benachbarten Gewässer 
zu überwachen ^). Denn gleichzeitig etwa hatten die Janitscharen 
in Zypern ihren Pascha Arab-Ahmat ,, dergestalt zuhauen , dass 
man die Stücke von ihm zusammen lesen müssen" ">); ein solches 
Beispiel konnte immerhin auch auf die Griechen ansteckend wirken. 

i) Brief des Jacobus Palaeologus in Reufsner a. a. O. Buch XI, S. 1426". 
Ein englischer Konsul William Aldrige in Chios, 1599, Dali am a. a. O. S. 46. 

2) Gerlach S. 319, 349— 350; Crusius, Turcograecia S. 301; vgl. meine 
„Contribu^ii" S. 57». 

3) Siehe auch Hurmuzaki XI, S. 654, Nr. cxiv ; S. 717, Nr. cLXXlx; 
S. 718, Nr. CLXXXI; S. 762, Nr. ccxxxv. 

4) Gerlach S. 349 — 350, Über die Zustände in Rhodos 1599 siehe 
Dali am a. a. O. S. 34 ff. 

5) Gerlach S. 480; vgl. Hurmuzaki XI, S. 194, Nr cccxx. 



378 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

Einer besonderen Stellung erfreuten sich die thrazischen 
Provinzen von Philipp opolis bis Konstantinopel hin; sie genossen 
manche Vorrechte und wurden schonender als andere Teile des 
Reiches behandelt. Korn-, Mais- und einige Reisfelder, sowie 
schöne Gärten dehnten sich über die blühende Landschaft aus. 
Philippopolis selbst freilich war eine vollständig herunterge- 
kommene Stadt mit elenden Holz- und Lehmhäusern, schmutzigen 
Strafsen und einer ärmlichen und unsauberen Bevölkerung von 
bogomilisch-katholischen Bulgaren, die an Zahl die Türken und 
griechischen, ragusanischen Kaufleute weit übertrafen ^). 

Die gröfste Aufregung herrschte dagegen seit der Schlacht 
von Lepanto unter den Griechen Moreas, einmal, weil sie durch 
das Verbot der Ausfuhr nach Venedig mehr und mehr ver- 
armten -), besonders aber, weil fremde Agenten und ihre eigenen 
Priester und Mönche, die eine neue christliche Zukunft erhofften ^), 
sie beständig aufhetzten. Ein moreotischer Bischof sollte mit 
hochverräterischen Plänen nach Italien gereist sein; man hörte 
von Sendungen Don Juans von Österreich, das Vorhandensein 
eines Einverständnisses mit den Mönchen in Saloniki, Skarpanto 
und auf dem Berg Athos wurde behauptet. Man munkelte von 
christenfreundlichen Gesinnungen osmanischer Befehlshaber, von 
dem Entschlüsse der Mainoten, einen Aufstand zu wagen wie 
den von 1568, als eine Burg gebaut wurde, um sie im Zaum zu 
halten ; der Erzbischof von Saloniki , hiefs es , sei zum obersten 
Führer der künftigen Erhebung ausersehen *). Die Christen, die 
alle griechischer Nationalität waren, konnten in stark bevölkerten 
Städten wie Saloniki, mit 20 Kirchen und 4 Klöstern gegen nur 



i) BusbecqS. 22— 23;Verancsics' Reise, in „ Mon. HuDg. Hist., Script." 
S. 324 — 326; Gerlach S. 52. Über die Reisen ins Innere der Balkanhalbinsel 
vgl. Matkovic, Putovanie im Rad von Agram CXXX (1897) ^"^^ ^^ 

2) Albferi XIII, S. 137, 202, 302, 313—314. 

3) Vgl. ein späteres Kreuzzugsprojekt ,,della facil impresa di Grecia": „ la 
piü fiaccha e debole a resistere e la Grecia", Venedig, S. - Marco -Bibliothek, 
It. XI, c. 206, Nr. 3, fol. 6. 

4) Charriere III, S. 62, 211— 212, 259, Anm. , 262, Anm. , 264, Anni. ; 
Gerlach S. 216; Alböri XIII, S. 306. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 379 

6 Moscheen ^), in Athen-Stines — mit ang-eblich 60 Kirchen bei 
2 Moscheen — und Korinth -) Rückhalt zu finden hoffen. 

Doch kam es zu keinem Ausbruch der feindseUg-en Stim- 
mung, weil das nationale Gewissen der unteren Volksschichten 
noch schlief. Nur 1602, während des Krieges zwischen Kaiser- 
lichen und Türken, erfolgte ein Aufstand der Griechen Moreas ; 
ihr Wortführer, der Metropolit Dionysios von Larissa, stand mit 
den Spaniern im Einvernehmen und schrieb von Rom und Neapel 
aus an Kaiser Rudolf um Hilfe; er schien übrigens fest über- 
zeugt zu sein, dafs man in Bälde ,, Griechenland und dann auch 
das übrige Europa" vom Türken befreit sehen werde ^). 

Auch die Priester der Albanesen waren meist griechischer 
Herkunft, predigten aber auch ,,arnautisch" ^). Das Volk hatte 
seine alte Tapferkeit bewahrt, aber sein kostbarstes Blut war 
in den Renegaten dem osmanischen Reiche zugeflossen; die in 
der Heimat verbliebenen Amanten waren, den alten Clanen ent- 
sprechend, in Parteien gespalten und befehdeten einander un- 
aufhörlich ^). Während des zyprischen Kriegs besetzten auf- 
rührerische Albanesen das Schlofs Sopoto, doch gewann es der 
Beglerbeg von Europa ihnen bald wieder ab ^). Auch in Fama- 
gusta kämpften Albanesen '). Noch vor 1580 erschien der Mönch 
Domenico Andreassi, ein Herzegowiner Franziskaner, im Westen, 
um dem Kaiser die Anzettelung einer allgemeinen Empörung 
auf dem Balkan unter dem Serben Grdan Wojewod vorzu- 
schlagen; der Bischof von Trebinje und der Patriarch von Ipek 
sollten mit dem Plane einverstanden sein ^). Später besuchte 
Gabriel, der Patriarch von Achrida, d. h. ,,von Bulgarien, Serbien, 
Mazedonien, Albanien, Bogdanien und Ungrowlachien (der Moldau 



i) Gerlach S. 209—210. 

2) Ebenda S. 161. 

3) Hurmuzaki VIII, S. 258, Nr. cccLXX; vgl. IV ^, S. 324 — 325, Nr. CCLXX. 

4) Gerlach S. 151. 

5) Alb^ri XIV, S. 407, Jahr 1594. 

6) Forgäch S. 594. 

7) Ebenda S. 651. 

8) Hurmuzaki XII, S. 440 — 441, Anm. 



380 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

und der Walachei)", den Kaiser und den Papst, um sich über 
den hohen Tribut, ,,um die 18000 ung-arische Dukaten", zu be- 
schweren und Hilfe zu erflehen 1). Gegen 1595 schickten einige 
Albanesen, von den Nachfolgern der Dukaschin angestiftet, eine 
geheime Gesandtschaft an den Papst, die eine allgemeine Er- 
hebung unter einem Dulcignoten und die Überlieferung der 
Schlösser Skutari, Dulcigno (sie) und Kroia versprach und Waffen, 
einen Hauptmann und 500 Arkebusiere verlangte; der Bischof 
von Stefano erhielt den Auftrag, mit ihnen zu verhandeln -). 

Auch aus Janina kam im Namen des dortigen Bischofs und 
als Vertreter der Albanesen, die einige Geschütze wünschten, 
ein griechischer Mönch nach Spanien ^) ; er gab sich als Patriarch 
Athanasios Risea von Achrida zu erkennen und behauptete, dafs 
,,alle Christen von Thessalien, Epirus und Makedonien" in das 
Geheimnis eingeweiht seien und die Bischöfe von Larissa, Nau- 
pakt und Arta nur auf einen Wink warteten , um den heiligen 
Befreiungskrieg auszurufen ^). Sein Neffe und der Metropolit 
Jeremias von Pelagonien und Prilep begleiteten ihn 5). 1598 
reiste ,,Nektarius, Erzbischof von Achrida", nach Moskau ''). 

1596 standen die Albanesen in Waffen und verbrannten, 
mit Serben vereint, die wichtige Handelsstadt Kiprovaö '^). Sku- 
tari soll in der Tat von ihnen spanischen Truppen in die Hände 
gespielt worden sein ^). Viel später, im Jahre 161 1, als der 
Bischof von Pvroia in Rom weilte, spricht ein Abenteurer, der 
Malteser ,, Ritter frä Francesco Antonio Bertuccio" aus Dal- 
matien, der als spanischer Agent Bosnien, Albanien und ganz 
Mazedonien in Aufruhr zu versetzen sich anmafste, von ,, einem 
gewissen Alexander Cieco von Pastrovich", der mit dem fran- 
zösischen König über die Befreiung Albaniens verhandelt haben 

i) Hurmuzaki XI, S. 708, Anm. i ; vgl. III^, S. 383. Über die neue Reihe 
des Patriarchen von Achrida seit 1574 siehe Gerlach S. 64 und Geizer a. a. O. 

2) Hurmuzaki S. 49, Anm. 2. 

3) Ebenda S. 420, Anm. i. 

4) Ebenda S. 420, Anm. i. Vgl. ebenda III*, S. 318, Nr: CCXLVI. 

5) Ebenda IIP, S. 307, Nr. cccLVii — cccLvni. 

6) Ebenda Suppl, n*, S. 478. 

7) Ebenda XU, S. 277, Anm. i; vgl. S. 361. 

8) Ebenda S, 1112, Nr. MDCVin, Jahr 1600 ; vgl. S. 1181, Nr. siDCCXVin. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 381 

sollte 1). Der Herzog von Toskana und der Bischof Nikolaus 
Topia von Stefano, der apostolische Visitator Albaniens, sprachen 
ebenfalls für Bertuccio -). In demselben Jahre wurde ein geschun- 
dener Albanese nach Konstantinopel gebracht und im priesterlichen 
Ornat durch die Strafsen geführt 3). 162 1 tauchte endlich in Ve- 
nedig ein ,, Fürst von Mazedonien", Johann Andreas Angelus 
Flavius Comnenus, ,, Herzog von Drivasto und Durazzo" auf*). 

Die Bulgaren lebten als ,, geplagte", aber ,,halb wilde Leute" 
in bescheidenen Verhältnissen , ohne ihren Zustand allzusehr zu 
beklagen. ,,Es ist ein sclav- und knechtisches Volck", schreibt 
Gerlach, ,,dass es nichts thut, man poch und schlag es dann 
zuvor, alsdann rennen und lauffen sie und bringen was man 
haben wil; zuvor thun sie kein gut ^)." Sie mufsten im Gebirgs- 
gebiet des Balkans Wacht halten und zeigten mit Trommeln 
das Erscheinen von Fremden an; die Dörfer bürgten solidarisch 
für Aufrechterhaltung des Friedens ^). Freie bulgarische Bauern 
kamen jährHch nach Konstantinopel, um die Pferde des Sultans 
auszuführen, Holz zu schneiden usw., — es waren die Vojni- 
klars ■'). Die Bewohner der niedrigen Hütten scheuten den 
Reisenden nicht und verkauften ihm gern und wohlfeil Lebens- 
mittel ^). In einigen Klöstern gab es etwas religiösen Unter- 
richt ; nur Rylo bewahrte seine frühere Bedeutung ^). Sofia war 



1) Neapel, 6. April 161 1; Innsbrucker Archiv. 

2) Hurmuzaki, Suppl. U *, S. 478. 

3) Ebenda IV 2, S. 335—336. 

4) In seinem Siegel hiefs er: Prin. M. M. R. S. G. ; Innsbrucker Archiv, IX, 87. 

5) Gerlach S. 19, 517; vgl. „Mon. Hung. Hist." VI, S. 76. 

6) Verancsics a. a. O. S. 317 — 318; Gerlach S. 520. 

7) Ebenda S. 54, 487, 525; vgl. ebenda S. 317: „Die Bulgarer oder 
Schaafhirten". 

8) Busbecq S. 20— 21; vgl. Gerlach S. 515. Nach zwei Jahrzehnten 
fand aber Wenner von Crailsstain andere Zustände: die Dörfler flohen vor dem 
Reisenden und die Frauen weinten laut über den Verlust der von ihnen ge- 
nommenen Lebensmittel. „Ein gantz new Reysebuch von Prag auss biss gen Con- 
stantinopel", Nürnberg 1622, S. 102—103. Die Bulgaren lauerten auf die fah- 
renden Türken (ebenda). 

9) Gerlach S. 524; Jirecek, Fürstentum Bulgarien S. 497; Heerstrafse 
S. 128 — 129. 



383 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

noch immer eine gfrofse Stadt, die zahlreiche nach NationaUtät 
und Glauben verschiedene Kaufleute beherbergte; die Eroberer 
hatten 13 Moscheen erbaut; dem christlichen Gottesdienst waren 
die alte eponyme Kirche aus dem 14. Jahrhundert, weiter die 
des heiligen Nikolaus, der heiligen Paraskeve, der heiligen Marina, 
der Erzengel, der Kiriake usw. vorbehalten; dem Metropoliten, 
den Gerlach in den siebziger Jahren als einen ,, feinen freund- 
lichen Mann" kennen lernte, unterstanden noch 300 Kirchen 
und zwei kirchliche Schulen ^). 

In der bulgarischen Hierarchie waren fast nur Griechen zu 
finden. Und während der bulgarische Bauer keine weiter- 
gehenden Wünsche nährte , als einen menschlichen Spahi und 
einen gerechten Pascha über sich zu haben, während die christ- 
lichen Bürger Sofias und einiger anderer Handelsstädte im fried- 
lichen Bestehen des Reiches die beste Bürgschaft für das Ge- 
deihen ihrer Geschäfte erblickten, dachten die griechischen Geist- 
lichen, genau wie ihre Stammesgenossen auf dem Sinai, in 
Jerusalem, Konstantinopel, Rhodos, Saloniki und Albanien, nur 
an den „elenden" Zustand ihrer Nation und den in Prophe- 
zeiungen verheifsenen nahe bevorstehenden Untergang des osma- 
nischen Staates, mochte dazu selbst die Hilfe der abendländischen 
,, Lateiner", deren Unreinlichkeit und lächerliche Art sich zu 
kleiden , deren unsteten und unbedachten Sinn sie verachten zu 
dürfen glaubten, nicht entbehrlich sein. Schon während des 
ersten polnischen Interregnums erhielt der bekannte Pläneschmied 
Albrecht Laski von „räzischen und bulgarischen Priestern" die 
Versicherung, ,,dass sie, sobald er mit einigen Truppen bei ihnen 
erscheinen und die Fahne mit dem Kreuze Christi erheben werde, 
alle ohne Unterschied gegen die Türken aufzustehen bereit seien" -). 
Unter dem walachischen Fürsten Alexander (bis 1593) ging eine 
Anzahl Arkebusiere nach Bulgarien und die kleine, nur 60 Mann 
starke Schar konnte, sicherhch mit Unterstützung der Einwohner, 



i) Gerlach S. 20, 517, 520 — 521, 524; Verancsics a. a. O. S. 315 — 316; 
Busbecq S. 20; vgl. Jirecek a. a. O. S. 362—366. 

2) „Quamprimum ad eos cum aliqua manu militutn advenerit et vexillum 
crucis Christi erexerit atque illis arma attulerit, omnes contra Turcara insurrec- 
turos"; Hurmuzaki XI, S. 215, Nr. cccxLix; vgl. S. 363, Nr. Div. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 388 

frei im Lande umherstreifen ^). Bald darauf gewann der Erz- 
bischof Dionysius RalH von Trnowo , ein Schwestersohn des 
Michael Kantakuzenos, grofsen Einflufs auf die gesamte griechische 
Geistlichkeit Bulgariens, und die Bischöfe von Lowtscha, Tscher- 
wen-Rustschuk, Schumla, sowie der reiche Gutsbesitzer Theodor 
,, Ballina" in NikopoUs fühlten sich mit ihm eins in dem Wunsche, 
bei der ersten günstigen Gelegenheit einen Versuch zu machen, 
die heidnische Tyrannei ihrer Bedrücker abzuschütteln -). Später 
wandten sich Bulgaren aus der Gegend um Nikopolis, im Sinne 
und durch die Hand ihrer griechischen Hirten, brieflich an den 
„undter allenn Potentatten ausserwöllten , auch mit Weisshaitt, 
rüehmlichen Geschlecht, Glickh unnd mit ritterlichen Tugendten 
vonn Gott dem Allmechtigen begabten, durchleichtigen Khönig" 
von Siebenbürgen, der die Waffen gegen den Sultan ergriffen 
hatte, und verlangten, wie alle unzufriedenen Elemente des 
Balkans, ,,aine Anntzaall Volckh" und einen Feldherrn. Dio- 
nysius vergafs nicht, den Klageschriften dieser Leute seine 
eigenen Bitten beizufügen ^). 

In Bosnien folgten alle Paschas, vom „tollen" Ferhad an- 
gefangen, der Tradition rücksichtsloser Aussaugung. Dennoch be- 
zeigten während des Krieges der Deutschen gegen die Türken die 
bosnischen Christen zunächst keine Unzufriedenheit. Anfang i597 
aber stand Grdan Wojwod ,,in Niksid und Onogost" dem dortigen 
Beg feindlich gegenüber; in dem Treffen bei Gackopolje erlitt 
er eine schwere Niederlage und mufste mit dem Pascha von 
Vidin Hafiz -Ahmed dem Eunuchen seinen Frieden machen^). 



i) „Sebene una quantitä de Turcbi gli vennero adosso, non perö gli possero 
far alcun danno , anzi furono sforzati per il ritorno loro darli libero passo " ; 
Bericht Paolo Giorgios von Ragusa an Sigismund Bäthory, „Ambrosiana" R. 94 
Sup., Nr. 32, fol. 326 ff. ; auch von Makuscew veröffentlicht. 

2) Hurmuzaki XII, S. 289—290, Nr. CCCCXXXHI ; S. 292 — 293; S. 370, 
Nr. DLXn. Über Ralli siehe meine „Geschichte der rumänischen Kirche" I (rumänisch). 

3) Hurmuzaki IIP, S. 243; XII, S. 269 — 270, Nr. cccxcn. Ein wahr- 
scheinlich an ihn gerichteter griechischer Brief ebenda S. 907 — 908, Nr. MCCLXI ; 
vgl. ebenda III-, S. 359. 

4) Serbische Annalen im „Archiv za povjestnicu jugoslavensku" III, Agram 
1854; auch meine „Studii ^i Doc." III, S. 5. 



384 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

Im Frühling-e 1605 weilte ein bosnischer Abg^esandter in Prag-, 
um einen Führer für den von seinen Auftrag-g-ebern vorbereiteten 
Aufstand zu erlangen; er mufste aber unverrichteter Sache ab- 
ziehen ^). 

Vollkommen ruhig- schien Serbien bleiben zu wollen. In 
Belgrad lebten zahlreiche Kaufleute slawischer, griechischer, ra- 
gusanischer, ungarischer und jüdischer Abstammung, die in vier 
Basare organisiert waren. Die Festung befand sich in gutem 
Zustande und enthielt ein grofses Proviantmagazin -). Auch das 
unbefestigte Nisch, das fünf Kirchen besafs, war ein bedeutendes 
Handelszentrum , in dem seltene europäische Besucher wohl in 
den Trümmern nach Inschriften und Spuren des Altertums zu 
suchen neugierig waren ^). Die gegenwärtigen Herren des Landes 
hatten Moscheen , Karawanseraien , Brücken und schöne Wohn- 
häuser auf dem Lande gebaut — Verancsics erwähnt 1553 unter 
den letzteren das des Kütschük-Balibeg in Lukawitza ^). 

Sokoli hatte die alte serbische Hierarchie wieder ins Leben 
gerufen : von Petsch (Ipek) aus verwalteten die Patriarchen 
Makarij , Antonij und Gerasim das serbische Kirchengebiet und 
vermochten in den siebziger Jahren auch die noch nicht organi- 
sierte „rechtgläubige" Kirche der siebenbürgischen Rumänen, 
der der Kalvinismus des Landesfürsten viel zu schaffen machte, 
unter sich zu bringen, während die Walachei und Moldau seit den 
Tagen des Patriarchen Niphon in engen kirchlichen Beziehungen 
zu der konstantinopolitanischen Patriarchenschule stand '^). Die 
Schule in Opowo und die im Kloster St. Nikolaus untergebrachte 
erfreuten sich immer noch starken Besuches ^), aber ,,der Priester 
war gekleidet wie ein anderer servischer Bauer, gieng mit blossen 



i) Neapel, Archivio di Stato, „Farnesiane" 129; Brief des Giovanni Re- 
duccini, 18. April 1605. 

2) Verancsics a. a. O. S. 297; Gerlach S. 16; Busbecq S. 13, 18, 62. 

3) Verancsics a. a. O. S. 306. 

4) A. a. O. S. 304. 

5) Siehe meine „Geschichte der rumänischen Kirche" I (rumänisch). 

6) Gerlach S. 530, 532. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 285 

Füssen biss über die Knye"^). Der Protopope Lazar von Bel- 
grad war ein ,, Färber" gewesen-). 

Der griechische Ehrgeiz mochte immer mehr erstarken und 
die Wiederherstellung des orthodoxen Reiches der Rhomäer 
erhoffen : hier hatte er keinen Einflufs. Noch weniger natürlich 
in dem anderen ehemals slawischen Staate, im schon erwähnten 
Bosnien, das jetzt ein verarmtes, heruntergekommenes Land war, 
dessen Bevölkerung zum Teil den Islam angenommen hatte, während 
der andere dem überlieferten Patarenismus treu geblieben war ^). 

Aber jenseits der Donau, Save und Drau lag ein anderes 
Serbien, das erst spät unter osmanische Botmäfsigkeit gelangt 
war. Hier, auf altem ungarischen Staatsgebiet, lebten die an- 
gesiedelten serbischen Bauern in freieren Verhältnissen. In dem 
Städtchen Jenö residierte ein Bischof, ein Wladika — um 1590, 
Theodor mit Namen ^) — , der zeitweilig auch in Lippa Aufenthalt 
nahm ; Mönche hausten nach wie vor im Kloster Hodos-Bodrog, 
das wohl im 15. Jahrhundert gebaut worden war; Woiwoden, 
wie Dokian, walteten über blühende Dörfer, und in ihrem 
Dienste standen zahlreiche Heiducken , die gegen Bezahlung 
sich jeder Sache verschrieben, denen aber der Kampf für 
Glauben und Freiheit und gegen die in allen serbischen Liedern 
verfluchten Ungläubigen die grofse Sehnsucht ihres Lebens war. 
Der berühmte Heiduckenhauptmann Baba- Nowak stammte von 
einer Insel vor Orschowa her ^). In Temesvär handelten schlaue 
bewegliche Ragusaner, die viel von der Macht der westlichen 
Christen zu erzählen wufsten *'). Hier genügte ein einziger Funke, 
das Feuer der Empörung auflodern zu lassen, und der be- 
nachbarte siebenbürgische Woiwode wurde von manchem im 
stillen als zukünftiger serbischer König betrachtet. 



i) Gerlach S. 528. 

2) Ebenda S. 530. 

3) Vgl. über die bosnischen Zustände auch ebenda S. 518; oben S. 283 — 284. 

4) Wolfgang Bethlen, Historia de rebus transylvanicis , z. J. 1594 
bis 1595. 

5) Pesty, Szörenyi Bansäg II, S. 463. 

6) Fermendzinin den „Acta Slavorum meridionalium" XVIII, S. 320 — 321. 



380 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

Über die türkische Provinz des eigentlichen Ung-arns schreibt 
ein Zeitgenosse: „Es ist dass Land ein rechts Paradeiss ge- 
wesen, aber ietzunder der Jamer so gross, dass wer es nicht 
gewont ist , Blut weinen möcht ^)." Die Städte waren tief ge- 
sunken: aus Ofen, das manche Erinnerung an die Vergangen- 
heit behielt, hatte sich der Handel allmählich verzogen, und es 
konnte mit seinen zwei Moscheen und ärmlichen Kramläden 
nicht einmal mit Belgrad mehr wetteifern -). Die Ungarn, deren 
leitende Klasse sich unter das deutsche Gubernium oder das 
des siebenbürgischen ,,Wayda" begeben hatte, verharrten in 
todesähnlicher Gleichgültigkeit. Zu Unrecht, schreibt ein vene- 
zianischer Gesandter, die Ungarn schauten ,,wie die Seelen im 
Purgatorium nach einem Lichtstrahl aus , der ihnen den Weg 
zur Befreiung vom türkischen Joche weise" •^). Das Auftreten 
des ,, Vaters", des ,, schwarzen Manns" Karacsöny oder Ladislas 
Szeks von Nagy-Bänya, der 1572 die Verjagung der Türken 
predigte und versicherte, jedes von den armen Christen an- 
gegriffene Schlofs werde durch den Willen Gottes wie Jericho 
ihnen zufallen, blieb vereinzelt^). Im übrigen gaben die ver- 
armten Bauern, die Bürger, die ein elendes Dasein fristeten, 
durch nichts zu erkennen , dafs ihnen an Wiederherstellung des 
alten christlichen Staatswesens etwas gelegen sei. Im Gegenteil 
rotteten sich im angegebenen Jahre die Bauern an der Save 
unter ,, König" Matthias Gubek zusammen, um der Tyrannei 
ihrer christlichen ungarischen Feudalen ein Ende zu be- 
reiten ^). Ein türkisches Ungarn bestand, aber die darin leben- 
den Ungarn waren als Nation , die sich erinnert und hofft , wie 
aus der Geschichte verschwunden. 

Siebenbürgen stand in den letzten Jahrzehnten in leidlichem 
Frieden ,, unter dem Schatten der kaiserlichen Fittiche". Der 

1) Crusius a. a. O. S. 505. 

2) Gerlach S. lO; Reufsner a. a. O. Buch XII, S. 31. 

3) „Stanno come l'anime del lembo aspettando un lume che mostri loro la 
strada di levarsi dal giogo turchesco"; Cavalli in Alb^ri a. a. O. S. 280. 

4) Forgäch S. 6i6ff. ; Istvänffy S. 322—323. Er wurde in Debreczen 
gefangen genommen und geköpft. 

5) Ebenda S. 333—334- 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 287 

Woiwode, der Fürst, bis in die letzten Jahre des jungen Zapolya 
der ,, König", dünkte sich vornehmer als die benachbarten 
rumänischen Fürsten. Er empfing ihre öffentlich feierlichen oder 
geheimen Gesandtschaften , liefs ihnen bei der Pforte durch die 
siebenbürgischen Kapukehajas seine Fürsprache angedeihen ^) 
und entsandte Truppen durch die Karpathenpässe, wenn es galt, 
rumänische Aufstände gegen die jetzt direkt von Konstantinopel 
aus geschickten Steuerpächter in prinzlichem Aufzuge zu dämpfen; 
oftmals beherbergten sächsische Städte und fürstliche Schlösser 
Prätendenten , die zu geeigneter Stunde nach Suceava und lasi 
oder Bukarest und Tirgoviste losgelassen werden konnten, um 
einen unbequemen Nachbar zu strafen. Aber auch Siebenbürgen 
zahlte Tribut, und der Fürst hatte seit einiger Zeit sogar in 
dessen Erhöhung willigen müssen; er machte den Mächtigen in 
Konstantinopel Präsente -) , und Stephan Bäthory lieferte gegen 
geziemende Bezahlung den Hanf zur Rekonstruktion der in der 
Schlacht von Lepanto zerstörten türkischen Flotte ^). 

Im Grunde bestand also zwischen Walachen und Moldauern 
und diesen angeblichen Erben des mächtigen, stolzen Königreichs 
Ungarn nur der eine Unterschied, dafs die Fürsten im Lande 
selbst von den aus alter Zeit überkommenen Ständen gewählt, 
nicht aber in der Reichshauptstadt durch den Einflufs des Geldes 
und interessierter Griechen, Armenier, Juden und Janitscharen 
ernannt wurden. Aber bereits Christophorus Bäthory mufste die 
rote Fahne, den roten Solakenhut mit goldenem Rand, Kaftane 
und Ehrenpferde als Bestätigungszeichen aus Stambul her ehr- 
erbietig entgegennehmen •^). 

Sein Sohn Sigismund, ein schwächlicher Dekadent, hätte 
vielleicht ein ruhigeres Leben geführt, aber auch in der Zeit- 
geschichte eine bescheidenere Rolle gespielt, als sie ihm be- 
schieden sein sollte, wenn er nicht von jesuitischen Lehrern 
eine besondere Erziehung genossen hätte. Aber die zweite 
Hälfte des i6. Jahrhunderts war die Zeit, da die Gegenrefor- 



i) Gerlach S. 538—539- 

2) Albferi Xül, S. 346; Gerlach S. 148. 

3) Forgach S. 669. 

4) Gerlach S. 208 — 209. 



388 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 

mation im christlich-griechischen Osten immer stärker nach Be- 
tätigung, Vorteilen und Ruhm strebte. In Polen hatten sich die 
Jesuiten fest eingenistet, und ihr Kollegium in Lemberg machte 
die eifrigste Propaganda unter den Russen der polnischen 
Krone , die schon halb gewonnen waren , wie unter den Ru- 
mänen. Peter der Lahme empfing in seiner moldauischen Resi- 
denz ehrfürchtig eine Delegation der Väter, sein Metropolit 
Georg- Movilä erkannte die Wahrheit der abendländischen Glau- 
benssätze an, der einflufsreiche Albanese Bartolomeo Bruti unter- 
stützte die Arbeit der Jesuiten und Franziskaner aufs wirksamste ; 
die Sachsen und Ungarn des Fürstentums wurden gedrängt, ihren 
lutherischen oder kalvinistischen Irrglauben abzuschwören ; schon 
1583 erschien in Galizien eine russische Bibel, und der Druck 
eines slawischen Katechismus römischer Konfession war be- 
gonnen 1). Der walachische Fürst Alexander begabte Kirchen 
in Rom, und einer seiner Nachfolger, Petru Cercel , der italie- 
nische Concetti dichtete und Günstling des französischen Königs 
Heinrich III. gewesen war, dem er zu gutem Teile auch den 
Antritt seiner Erbschaft verdankte, durfte mit Recht als Eiferer 
für die Proselytenmacherei Roms gelten -). 

So war es kein Wunder, dafs der Neffe des katholischen 
Königs von Polen Jesuiten zur Erziehung anvertraut wurde. Man 
brachte ihm alle Sporte und guten Manieren der Zeit bei; vor 
allem aber sorgten seine Lehrer, dafs er sich ihr Ideal aneigne : 
wenn er die grofsen Helden des Altertums bewundern und sich 
ihnen gleichstellen durfte, so mufste er anderseits die Verbrei- 
tung des Glaubens als seine vornehmste Aufgabe ansehen lernen, 
und der blofse Name der Türken war in seinen Augen ein Vor- 
wurf der Nachlässigkeit und Feigheit für alle christlichen Fürsten 
seines Alters. Wie ein Achilles, ein Alexander wollte er sein 
g^anzes Leben einem einzigen Werke widmen: und dies konnte 
nur sein , den europäischen Orient vom Joche der verhafsten 



1) Abschriften aus Aktenstücken des Vatikanischen Archivs in der Bibl. der 
rum. Akademie. 

2) Vgl. auch Pierling, Bathory et Possevino , dann „Papes et Tzars " 
(1574 — 1597), Paris 1890, 1887; meine „Geschichte der rum. Kirche"; Vor- 
rede zu Hurmuzaki XI. 



Beziehungen zu Venedig, Frankreich, Spanien, Polen und Österreich usw. 289 

Barbaren zu befreien und sich als Wiederhersteller des wahren 
Reiches im Osten an die Stelle des Sultans zu setzen ^). 

Freilich konnten selbst der Gröfsenwahn , die Jugend und 
die geistige Beschränktheit Sigismund Bathorys Siebenbürgen 
nicht für stark genug halten, um das grofse Werk allein zu 
unternehmen. Aber er durfte bestimmt auf die Hilfe der rumä- 
nischen Fürsten rechnen , die er sich gefiel , als Vasallen nach 
dem historischen Rechte des Mittelalters anzusehen. Denn für 
die Moldau und Walachei war der monatlich im voraus ver- 
langte Tribut fast unerschwinglich geworden, und aufserdcm 
mufsten diese Provinzen für die Janitscharen, das Serail, die 
kaiserliche Hauptstadt, die Mächtigen der Pforte und die Heere 
noch Weizen, Hafer, Gerste, Holz, Butter, Honig usw. liefern. 
Die Verarmung der Donaugebiete war die unausbleibliche Folge -j ; 
die Bauern, jeder Geldwirtschaft unkundig, waren gezwungen, ihre 
Felder an die Bojaren zu verkaufen , die durch ihre Handels- 
beziehungen mit dem Auslande allein über gemünztes Geld ver- 
fügten, und büfsten damit auch ihre persönliche Freiheit ein •'). 
Mit dem Reichtum und der Macht der Edelleute, von denen 
mancher als unbeschränkter Herr über hundert Dörfer gebot, 
wuchs aber auch der Anreiz und der Wunsch in ihnen, den ,, Un- 
gläubigen" ihre ,, Freveltaten" zu vergelten. Und — wie das Ende 
des Petru Schiopul zeigt, der vor dem Verlangen höheren Tri- 
buts und der Drohung, seinen jungen Sohn zur Annahme des 
türkischen Glaubens zu zwingen , nach Polen und von da nach 
Österreich floh , um sein Leben kümmerlich in Bozen zu be- 
schliefsen — auch die Fürsten waren vom aufrührerischen Geiste 
der konstantinopolitanischen Griechen erfüllt. 

Am lebhaftesten empfand in dieser Hinsicht der neue wa- 
lachische Fürst Michael, der spätere Mihai Viteazul (,,der Tapfere") 
(seit 1593), der seine Erhebung auf den Vasallenthron seines 
Vaters Petrascu dem einflufsreichen griechischen Ban Jani und An- 

i) Vgl. Hurmuzaki XI, S. 28, Nr. Lxn. 

2) ,,A peggior condizione di tutte le altre provincie dell' impero turchesco"; 
Alberi XIV, S. 217-218; Jahr 1583. 

3) Siehe meine „Constatarl cu privire la via^a agrarä", Bukarest 1908. 
Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches, lll. 1" 



390 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. Beziehungen zu Venedig usw. 

dronikos Kantakuzenos ^) verdankte. Übrigens mufsten die sich 
immer häufenden Schulden , die sie für ihre abgesetzten , g-e- 
flohenen, verstorbenen Vorgänger übernahmen, die hohen Zinsen 
und die unersätthche Geldgier ihrer Beschützer in Konstantinopel 
allein auch den ruhigsten und furchtsamsten Charakter zum Ent- 
schlufs eines Verzweiflungskampfes drängen, wie loan-Cel-Cum- 
plit ihn wagte -). 

Auch die vereinten Kräfte Bäthorys, Michaels und des mol- 
dauischen Fürsten Aron , eines Janitscharenschützlings , hätten 
nicht genügt, das ungeheure Reich zum Kriege herauszufordern. 
Aber die Gesinnungen des griechischen Klerus und der Va- 
sallenfürsten, die Bestrebungen Klemens' VIII., durch einen 
neuen Kreuzzug, wie ihn der Bischof Pietro Cedolini von Lesina 
in einer bekannten Denkschrift sehr optimistisch geschildert 
hatte ^) , dem päpstlichen Stuhle das verlorene Ansehen wieder- 
zugewinnen, lassen verständlich erscheinen, wie der neue, 1593 
ausgebrochene Krieg zwischen dem Hause Österreich und der 
Pforte eine unverhoffte Bedeutung erhalten, Dauer haben und sich 
zu einem wahren heiligen Kriege unter der Fahne des Kaisers 
und des Heiligen Vaters entwickeln konnte. 



i) Hurmuzaki XI, S. 373 — 374. 

2) Ich folge hier in allem meiner in den „Convorbirl Literare" von Bukarest, 
XXXVI— XXXVII, veröffentlichten „Geschichte Michaels des Tapferen" (bis 1595). 
Vgl. die Arbeit I. Sirbus unter gleichem Titel, 2 Bde., ebenda 1905 — 1908, 
bis 1600. 

3) „Tesoro politico", Tours 1605, 8", S. 85 ff. ; vgl. meine „Acte ^i 
fragm." I, S. 126. 



siebentes Kapitel. 

Neuer Krieg mit dem Hause Österreich. Abfall 
Siebenbürgens, der Moldau und Walachei. 



März 1592 fiel Ferhad; der friedliche Siawusch trat nur an 
seine Stelle, weil Sinan nicht zug-egen war ^). Nach dem Aufruhr 
der Spahis, denen man den Sold schuldig- geblieben war, wurde 
dann, 1593, Sinan zum dritten Male Grofswesir; eine ung-eheure 
Menschenmeng-e kam ihm jubelnd bis Malg^ara entg-eg-en -). Dafs 
er den Krieg- mit den verachteten Deutschen wollte, war für 
niemand, der den Charakter dieses grimmig-en Christenfeindes 
kannte, ein Geheimnis. ,,Es werden anjezo", schreibt ein Be- 
richterstatter, ,,die Christen und Türckhen wenig Ruehe haben 3)." 
Der Friedensschlufs mit den Persern bedeutete gleichzeitig den 
Beginn des vom Wesir schon lange betriebenen Krieges. 

An Vorwänden zur Eröffnung der Feindseligkeiten mangelte 
es gewifs nicht, trotz der 1591 erkauften Verlängerung des Frie- 
dens ^). Denn die bestehenden Verträge und die oft wieder- 
holten Erklärungen und Versicherungen hinderten nicht, dafs 
der Kriegszustand zwischen Kaiserlichen und Osmanen sowohl 
an der bosnisch-kroatischen wie auch an der engeren ungarischen 



i) Brown, Calendar of State Papers, Venice 1592 — 1603, S. 22 — 23. 

2) Vgl. auch Hurmuzaki XI, S. 315, Nr. ccccxLiV; S. 769, Anna. i. 

3) Ebenda S. 315, Nr. CCCCXLIV; vgl. Naima, Annais of the turkish Empire, 
übersetzt von Charles Fräser, London 1832, I, S. 10 — 12. Im Mai 1593 
liefs Sinan den deutschen Dragoman gefangen setzen, weil das herkömmliche Ge- 
schenk sich verspätete. Brown, Calendar of State papers, Venice, 1592 — 1603, 

S. 70, 73, 76-77- 

4) Katona XXVI, S. 465—490. 

19* 



393 Zweites Buch. Sielsentes Kapitel. 

Grenze eig-entlich die Regel war. Wer zu rauben, brennen, töten, 
eine Festung oder Burg zu besetzen imstande war, durfte von 
vornherein versichert sein, dafs sein Herr, der König von Un- 
garn oder der Sultan, eine erfolgreiche kühne Tat zwar ver- 
leugnen, aber niemals bestrafen werde. 

Der neue Pascha Hassan von Bosnien bedurfte übrigens 
keines Anspornes von selten Sinans, um wie sein Vorgänger 
Ferhad in Kroatien einzufallen; brannte doch gerade damals auch 
der Beg von Szigeth die Festung Klein -Komorn nieder. 1591 
drangen die Bosnier bis nach Agram. Das bedeutete allerdings 
noch keinen formellen Bruch des Friedens. Den Christen ge- 
lang es, die Feinde auf dem Rückzug abzufassen und Rache zu 
nehmen. Schon im nächsten Jahre wandte sich Hassan dann 
gegen die an der Save gelegene Stadt Sissek, die gut befestigt 
war und gröfseren militärischen Wert hatte. Er erreichte seinen 
Zweck nicht und mufste es geschehen lassen, dafs der Ban 
Erdödy das schwache Monoslo einnahm. All das gehörte zu 
den gewöhnlichen Übergriffen der Befehlshaber an der Grenze, 
und so bereitete der Wiener Hof denn auch den für zwei Jahre 
rückständigen Tribut vor und ernannte Adam Gall Poppel zu 
dessen Überbringer. Vorher schon, noch im Jahre 1591, war 
der Herr von Kreckwitz mit Präsenten in Konstantinopel ein- 
getroffen ^). 

Das Vorgehen des ,, tapferen und tatenlustigen" Hassan -) 
billigte Sinan, und so wandte dieser sich gegen den kroatischen 
Platz Bihitsch, den ihm Christoph Lamberg übergab. Nicht zu- 
frieden mit diesem Erfolge, traf er wie ein Eroberer nach vor- 
bedachtem Annexionsplane seine Mafsnahmen. Wo der Bach 
Petrinia in den Flufs Kulpa mündet, begann er eine Brücke und 
Schanzen aus Zweigen und Lehm aufzuführen und trieb den 



i) Wratislaw, Merkwürdige Gesandtschaftsreise von Wien nach Konstan- 
tinopel, Leipzig 1787 (schon erwähnt); Seidel, Denkwürdige Gesandtschafft an 
die ottomanische Pforte, Görlitz 1711, — das letzte mir unzugänglich; vgl. Zink- 
eisen III, S. 58511. — Der Brief Erzherzog Ernsts an Hassan, in dem er sich 
über dessen feindseliges Vorgehen beschwert, in Reufsner a. a. O. Buch XII, 
S. 46 — 47. Ein Schreiben Hassans an Peter Erdödy, ebenda S. 47 — 48. 

2) N aima a. a. O. S. 4. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 298 

herbeieilenden Ban in die Flucht. Dann belag-erte er zum 
zweiten Male Sissek ^), obwohl der Sultan, in Rücksicht auf den 
erwarteten Tribut, ihm hatte bedeuten lassen, dafs er den Frie- 
den wolle. Auch diesmal fand er die Festung- zur Verteidigung 
vorbereitet. Es verlautete, dafs Agram gefallen sei-), und Lai- 
bach wurde von panischer Furcht ergriffen "■). 

Jetzt begannen auch die Kaiserlichen sich zur Verteidigung 
Kroatiens aufzuraffen; Pälffy, Nädasdy, der Bischof Kutassy von 
Raab und der Markgraf von Burgau sollten die Truppen führen 
(Oktober bis November 1592). Im Herbst hatten sie keine Ge- 
legenheit mehr zu kämpfen, aber im Frühling 1593 kam Hassan, 
den vom Kaiser nach Konstantinopel geschickten Klagebriefen 
zum Trotz -^) , wieder nach Petrinia und zog allerlei Elemente 
aus den türkischen Besatzungen in Ungarn an sich. So brachte 
er ein bedeutendes Heer zusammen und griff Sissek zum dritten 
Male in der sicheren Hoffnung an , es endUch erobern zu 
können ^). 

Das zum Entsatz heranrückende deutsche Heer bestand aus 
8000 Mann; zu seinen Führern gehörten Erdödy, der junge 
Auersperg, der die Taktik der Bosnier kannte, und der Schlesier 
Melchior von Rhedern, ein Schüler des verstorbenen polnischen 
Königs Stephan. Am 22. Juni kam es bei Sissek zur Schlacht, 
die mit dem vollständigen Siege der Christen endete : Hassan, sein 
Gefährte Mehemed- Pascha, der in der Herzegowina befehligte, 
und der Befehlshaber von Klis, Sinan, ein Verwandter Sultan 
Murads (auch Mehemed war ein ,, Enkel Rustems" •')), wurden von 
der Brücke in den Flufs gestofsen und ertranken. Die abgeschnit- 
tenen Köpfe der Gefallenen wurden nach türkischem Brauche 
auf Stangen gesteckt und dem siegreichen Heere vorangetragen. 

Die Kaiserlichen wagten es nicht, Petrinia zu schleifen; sie 
wollten in Hassan nicht den Vertreter des Sultans, ihres Nach- 



1) Reufsner Buch XII, S. 48 ff. 

2) Ebenda S. 50. 

3) Ebenda. 

4) Ebenda S. 52 ff. 

5) Ebenda S. 58. 

6) Naima S. 15. Vgl. aber Reufsner a. a. O. S. 61, 62 ff. 



394 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

barn und Freundes, sondern nur den Führer einer Räuberbande 
sehen , der den heiligen Frieden auf eigene Verantwortung" ge- 
brochen hatte und dafür bestraft worden war. In Konstantinopel 
beurteilte man den Fall wesentlich anders : Hassan war der Ge- 
mahl einer Prinzessin aus dem Osten , der früheren Frau des 
Wesirs Osman, Mohammed ein Verwandter des osmanischen 
Hauses und Sinan ein anderer „Neffe" des Sultans. Unter einem 
Weiberregimente, wie es am Hofe Murads bestand, konnten die 
Mütter und Witwen der gefallenen Paschas laut Rache ver- 
langen und sie in der Tat durchsetzen. Der Sultan soll sogleich 
bei Eintreffen der Nachricht von der Niederlage bei Sissek ge- 
schworen haben, sie die Christen teuer bezahlen zu lassen. Der 
Einfall des Prätendenten Peter Läpusneanu in die Moldau im 
Jahre 1592, seine Verjagung und Hinrichtung, die Drohungen 
gegen Polen waren jetzt vergessen i). Friedrich von Kreckwitz, 
der deutsche Vertreter, wurde in der Nacht vom 3. zum 4. Juli 
gefangengesetzt, die Paschas von Temesvär und Ofen und der 
Beglerbeg von Rum gegen die Deutschen beordert und Sinan 
Vollmacht erteilt, sich nach der Donau und Save zu begeben, 
um die Mörder zu strafen (29, Juli) -). Sinan schleppte den 
kranken Gesandten des Kaisers mit sich, bis er in Belgrad starb ^), 
während die anderen Mitglieder der Gesellschaft im Arsenale, 
auf den Galeeren und dann im Schwarzen Turme am Bosporus 
elend als Sklaven untergebracht wurden *). Erst auf diese Nach- 
richten hin gingen die Deutschen gegen Petrinia vor. 

Sie waren zu schwach, um dem Grofswesir die Stirn bieten 
zu können. Mühelos besetzten die Türken die Festung Sissek, 
die das Leben so vieler tapferen und hochangesehenen Mos- 
lems gekostet hatte, und der Beglerbeg Hassan, Sokolis Sohn 
— und jetziger Pascha von Ofen --, konnte sich in aller Ruhe 
nach Ofen wenden, wo er den Wesir, dem die Regelung der 
ungarischen Verhältnisse anvertraut worden war, erwartete. Im 



1) Siehe Hurmuzaki XI. 

2) Über die Stellung des Wesirs vgl. Alberi XtV , S. 421—424. Vgl. die 
venezianischen Berichte aus Konstantinopel in Brown a. a. O. 

3) Brown a. a. O. S. göff., 116— 117, 195, 206, 217, 222, 232 — 233. 

4) Wratislaw a. a. O. passim. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 395 

späten Herbste bemächtig-te sich dieser dann auch noch Wesz- 
prems, das nur sehr unzulängHch verteidig-t war (13 Oktober); 
die Itahener und Deutschen des Ortes flüchteten in die benach- 
barten Wälder. Ebensowenig- war Palota imstande , Widerstand 
zu leisten ^). 

Auf die Nachricht von diesen Verlusten bildete sich unter 
dem Befehle der bereits genannten ungarischen Herren und des 
Hauptmanns von Raab, Ferdinand von Hardegk, ein neues 
kaiserliches Heer; das Lager wurde Ende Oktober in Komorn 
aufgeschlagen. Doch konnte Sinan Ofen ganz unbehelligt ver- 
lassen und seinen Weg nach Belgrad fortsetzen. Die Christen 
belagerten Stuhlweifsenburg; und, als Anfang November Hassan 
Sokoli mit 2000 von Sinan zurückgelassenen Janitscharen und 
mehr als 40 Geschützen herbeieilte, um die wichtige Stadt zu 
entsetzen, errangen die Kaiserlichen am 3. des Monats einen 
zweiten grofsen Sieg; die Janitscharen wurden von der neuen 
Kavallerie des Westens, den in Eisen gekleideten schweren 
Reitern auf gepanzerten Pferden, und von den Arkebusieren 
aufgerieben -). Die Belagerung brach man dennoch ab. 

Im nördlichen Ungarn fafsten nun die kaiserlichen Befehls- 
haber ebenfalls Mut und nahmen Szabadka und Fülek ein; 
die ungarischen Magnaten unterstützten den deutschen Befehls- 
haber Christoph von Teuffenbach hierbei aufs wirksamste; auch 
aus vielen anderen Burgen wurden die sich selbst überlassenen 
Türken mit Schimpf verjagt, und Nögrad später angegriffen ■'). 

Von Anfang an trat der Kreuzzugscharakter des Krieges in 
die Erscheinung. Die Serben im Banate standen im Begrift", 

1) Reufs n e r a. a. O. S. 64 — 66; derselbe, Rerum Memorabilium S. 189 ff. 

2) Dies heben sowohl Naima S. 19 als auch der unterrichtete polnische 
Kanzler Zamoyski, Hurmuzaki XI, S. 127—128 ausdrücklich hervor. 

3) Reufsner, Epistolae S. 64; besonders Istvanffy, z. J. 1593. Auch die 
Zeitungskompilation Ortelins', Chronica dess ungarischen Kriegswesens, Nürn- 
berg 1620 ; holländische Ausgabe von Peter Neander, Amsterdam 1619, und das 
kritische Werk Katonas kann man benutzen. Vgl. Zinkeisen III, S. 595, 
Anm. Türkische Nachrichten in Naima. Über die Schlacht bei Sissek siehe 
auch Giro Spontoni, Historia della Transilvania, Venedig 1638, S. 12 — 13. 



396 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

sich gegen die Türken zu erheben; in Bulgarien gärte es. 
Fürst Aron, der 1592 die Moldau wieder an sich gebracht hatte, 
trat, weil er die eigenen und seiner Vorgänger Schulden nicht 
zu tilgen vermochte , gleich nach Empfang der Nachricht von 
den christlichen Erfolgen in Oberungarn mit dem Hauptmann 
von Kaschau, der sie ihm geschickt hatte, und mit Kaiser 
Rudolf II. in Beziehungen. Dafs der im September 1593 er- 
nannte neue Herr der Walachei, der energische, stolze und mit 
grofsen Feldherrntalenten begabte Michael sich der christlichen 
Sache anschliefsen werde, durfte als sicher gelten^). Die un- 
garischen Edelleute unter kaiserlicher Herrschaft, wie Sigismund 
Raköczy, Nikolaus Pälfty, dachten, durch ihre letzten Erfolge be- 
geistert, schon an Absendung einer Botschaft nach Siebenbürgen. 
die dem ehrgeizigen jungen Fürsten die Befreiung vom ,, türkischen 
Joche" und den drückenden jährlichen Abgaben, Tribut und 
Präsenten an die Mächtigen der Pforte, in Aussicht stellen sollte ; 
die von ihm auf türkischen Befehl zusammengebrachten Truppen-), 
die bestimmt waren , mit dem Pascha von Temesvär zusammen 
Kallö anzugreifen, hätten dann gegen seine ,, Tyrannen" bessere 
Verwendung gefunden. Im Jesuiten Alfonso Carrillo, dem 
spanischen Beichtvater des Fürsten, hofften sie einen wertvollen 
Bundesgenossen ihrer Absichten sehen zu dürfen ■'). Übrigens 
war Sigismund schon im Frühling 1594 mit dem ungarischen 
Palatin in Verhandlungen getreten ^). 

Anderseits hatte der Papst gleichzeitig zwei Nunzien nach 
dem Osten entsandt. Giambattista Doria sollte sich ins ungarische 
Lager begeben und die Kaiserlichen bei ihren künftigen Unter- 
nehmungen begleiten ^) ; der kroatische Erzpriester don Alessan- 
dro Comuleo, alias Komulovic, ein erfahrener Agent der katho- 



i) Hurmazaki III, S. 176 — 177, Nr. CLXVI — CLXvn ; XI, S. 366; S. 372, 
Nr. Dxvni ; XII, S. i — 2. 

2) Bethl en, z. J. 

3) Racki-Pierling, L. Komulovica izvjestajilistovi o poslanstvu njegovu o 
Tursku, Erdelj, Moldavsku i Pojku, aus den Agramer „Starine" XIV, S. 1882; 
,,Novi izvori o L. Komulovicu", aus denselben, XV; die Biographie Carrillos von 
Szilägyi, Budapest 1877. 

4) Hurmuzaki XI, S. 425, Nr. dlx. 

5) Ebenda IIP, S. 480—481, Nr. XLUI. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 397 

lischen revolutionären Propag^anda, erhielt zwischen dem 8. und 
lO. November 1593 Instruktionen i) für Siebenbürgen, die beiden 
Fürstentümer, in denen ,, Nachkommen der Italiener leben, die 
nicht verwandtes Blut vergiefsen dürfen", und die Kosaken, die 
unter Mykoszinski und Loboda eben die bessarabischen Fe- 
stungen Orheiü und Bender angegriffen hatten -) und für einen 
Vertrag mit dem Kaiser gewonnen werden sollten ^). Denn man 
wollte die letzteren gegen Kozlow , i\.kkerman und die anderen 
osmanischen Besitzungen am Dnjepr, am Dnjestr, am Schwarzen 
Meere und an der unteren Donau loslassen ^). Zwar schieden der 
mit den Deutschen infolge des kaum beendeten Kriegs mit Erz- 
herzog Maximilian verfeindete König Sigismund III. von Polen 
und sein Kanzler und Vormund , der gebildete und verständige 
Johann Zamoyski, als Erzfeind der Kaiserlichen, als mögliche 
Verbündete aus ^) , aber wenigstens die fast selbständigen polni- 
schen Grenzoffiziere , besonders den pokuzischen Befehlshaber 
Nikolaus Jaszlowiecki , hoffte der römische Hof für den heiligen 
Krieg zu gewinnen '"'). Auch auf den bekannten Türkenfeind 
Konstantin von Ostrog hatte man Hoffnungen gesetzt '). Die 
Instruktionen sprechen sogar von der Möglichkeit , nicht nur 
Bulgaren und Serben , sondern auch Tscherkessen , Mingrelen 
und selbst die Tataren der Krim zum Anschlufs an die Lig'a 
gegen die Türken zu bestimmen ^). So schienen die Träumereien 
aus dem Zeitalter Usun- Hassans wieder aufleben zu sollen! 



i) Hurmuzaki IIP, S. ijsff., Nr. cLXi ff. 

2) Meine „Acte ?i fragmente" I, S. 134^ — 136; Hurmuzaki IIP, S. 40, 
Nr. LV; XI, S. 429, Nr. dxliv; „Starine" der Akademie von Agram XVI, S. 228 ff. 

3) Ihr Vertreter Chlopicki war mit Vorschlägen nach Prag gekommen. 
Reufsner a. a. O. S. 7 2 ff. Siehe auch Hurmuzaki XI, S. 406, Nr. DXLV : 
4. oder 3. Februar 1594. 

4) Racki-Pierling a. a. O. ; Hurmuzaki IIP, S. I73ff.; UP, S. 36». 

5) Dennoch liefs der Kaiser über Berufung einer Reichsversammlung auf 
Januar 1594 zur Beschlufsfassung über die Stellung Polens im Türkenkrieg mit ihm 
verhandeln; Hurmuzaki XI, S. 427— 42S. Darin auch die merkwürdigen An- 
sichten Zamoyskis über den Kreuzzug. 

6) Racki-Pierling a. a. O. S. 20 ff. Vgl. meine „Chilia si Cetatea- 
Albä" S. 208—209. 

7) Siehe Hurmuzaki IIP-, S. 37. 

8) Ebenda. 



398 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

Die in Moskau eintreffende persische Gesandtschaft war den 
hoffnung^svollen Idealisten ein sicheres Zeichen , dafs der Schah 
einen neuen Kriege gegen die Türken beginnen werde ^) : man 
nahm an , sie bringe nichts mehr und nichts weniger mit als 
Vorschläge „wegen Zerstörung der türggischen Macht" -). Dem 
Zaren und dem moldauischen Fürsten liefs der Kaiser in der 
Tat den Abschlufs eines Vertrages mit Stanislas Chlopicki als 
dem Vertreter der Kosaken kundgeben'^): die Helden vom 
Dnjepr hatten versprochen, 8000 — lOOOO Mann stark über 
Silistrien bis gegen Adrianopel vorzudringen ^). 

Was von diesem umfangreichen und schwierigen Programm 
erreichbar war, wurde in der Tat noch vor der Eröffnung des 
neuen Kriegsjahrs in die Wege geleitet. Anfang März reiste der 
Ragusaner Giovanni de' Marini Poli nach Osten, um mit Sigis- 
mund Bäthory, den rumänischen Fürsten und den Kosaken die 
Allianz gegen die Osmanen zu endgültigem Abschlufs zu bringen'^); 
im Mai, noch bevor die Tataren auf ihrem Zuge nach Ungarn 
in seinem Lande aufs entsetzlichste hausten , verständigte sich 
Marini mit Aron, am 16. August verpflichtete er sich für den 
Kaiser, den Moldauer zu schützen und ihm, wenn er verjagt wer- 
den sollte, Zuflucht zu gewähren *'). Der siebenbürgische Land- 
tag vom Februar 1594 traf allerdings keine Entscheidung über 
die Politik des Landes: eine starke Partei der älteren Mitglieder 
und der Neider der Dynastie Bäthory wollte die bisherige 
Richtung nicht aufgeben. Aber die jüngeren Elemente in der 
Umgebung Sigismunds nahmen keinen Anstand, den Padre 
Carrillo mit der Erklärung nach Prag zu schicken , dafs Sieben- 
bürgen eine Allianz mit den Christen und Beteiligung an ihrem 
Kampfe gegen die Heiden wünsche ; dagegen erwartete der 
Fürst eine Verschwägerung mit dem kaiserlichen Hause, den Titel 



1) Hurmuzaki XI, S. 400, Nr. dxl. 

2) Ebenda. 

3) Ebenda S. 407 — 408, Nr. dxl VI. 

4) Vgl. auch Engel, Geschichte der Kosaken S. 96 — 98 und Karamsin, 
deutsche Ausgabe IX, S. 233 — 234. 

5) Hurmuzaki IIP, S. 186 fit. 

6) Ebenda S. 193—194. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 399 

eines Reichsfürsten und die Verleihung- des Goldenen Vlieses ^). 
Aron hatte dem mächtigeren Nachbar geschrieben und ihn seiner 
Ergebenheit versichert; so konnte Bäthory an ein neues König- 
reich Dazien unter seiner Herrschaft denken '-'). Im Mai tagte 
eine neue siebenbürgische Ständeversammlung; sie ermangelte 
wiederum des Mutes, den verhängnisvollen Entschlufs zu fassen. 
Darauf liefs Sigismund die Vertreter des Landes im Juni von 
neuem zusammentreten, bot bei dieser Gelegenheit einen grofsen 
kriegerischen Apparat auf und führte dennoch den angedrohten 
Schlag gegen die Opposition nicht. Die Serben des Banats 
nahmen Becskerek ein und töteten den Sohn des Temesvarer 
Paschas in offener Schlacht ■^) , mufsten sich aber bald darauf 
den an Zahl überlegenen osmanischen Streitkräften unter- 
werfen. Die im Monat Juli mit dem walachischen Fürsten 
Michael vor dem päpstlichen und kaiserlichen Vertreter ge- 
schlossene Allianz und die nur wenig später erfolgende eidlich 
bestätigte Vereinigung aller drei Vasallenländer zum Kriege 
gegen die Osmanen blieb vorläufig noch geheim. Die von 
Komulovic gemieteten Kosaken standen schon im Monat Juli an 
der unteren Donau ^) , ohne sich jedoch zu einem kriegerischen 
Unternehmen entschliefsen zu können. 

Währenddessen hatte der Krieg in Ungarn einen lässigeren 
Charakter angenommen und schien sich in die Länge ziehen zu 
wollen, was die Neigung der Vasallen zur Empörung nur ver- 
stärken konnte. 

Im Winter war Sinan in Belgrad geblieben; Siebenbürger 
und Walachen ">) , die den Unterhalt seines Heeres bestreiten 
mufsten, waren infolgedessen schlecht genug auf ihn zu sprechen. 
Der Frühling kam, und er beeilte sich noch immer nicht, sein 
Lager an der Donau zu verlassen ''). Vielleicht erwartete er die 



1) Bethlen, z. J. ; Hurmuzaki III', S. 20off. 

2) Ebenda S. 179, 185. 

3) Bethlen III, S. i8lff.; 2796".; Hurmuzaki XI, S. 447, Nr. dxc. 

4) Racki-Pierling, z. J. 

5) Naima S. 32. 

6) Vgl. Hurmuzaki IIP, S. 198. 



300 Zweites Bucli. Siebentes Kapitel. 

siebenbürgischen Truppen, sicherlich aber die tatarischen Scharen 
des Khans, die jedoch erst im Juni den moldauischen Boden 
betraten ^) , sowie die ebenfalls sehr spät eintreffenden Ver- 
stärkungen aus Konstantinopel, mit Janitscharen und den Paschas 
von Siwas, Meraasch usw. Die Kaiserlichen, die auf Erzherzog^ 
Ferdinand von Tirol als ihren Führer gerechnet hatten, kamen 
unter Erzherzog Matthias den Türken diesmal zuvor. 

Bereits im Februar erschienen deutsche Truppen vor der 
Festung Nögräd : die Besatzung ergab sich, wie im Jahre vorher 
die von Fülek ; solche Kapitulationen fanden in der ganzen mili- 
tärischen Geschichte der Osmanen kaum ihresgleichen. Wenige 
Tage später fielen Bersencze und andere Burgen an der Drau 
in die Hände der von Zriny geführten Kaiserlichen. Teuffen- 
bach belagerte das starke Hatvan -), zu dessen Entsätze Hassan 
Sokoli von Ofen mit Sinans Sohn Mehemed herbeieilte (im 
April) ; wiederum aber mufste er besiegt den Rückzug antreten, 
als er selbst verwundet worden war und 4000 Grenzsoldaten, mit 
dem Temesvärer Aga an der Spitze, verloren hatte (i. Mai) ••). 

Noch im Mai entschlofs sich Matthias, der nun über zahlreiche 
erlesene Truppen, hauptsächlich Deutsche, verfügte, zum Angriff 
auf Gran, das Esztergom von Ungarn, das Osterghun der Türken. 
Die Mauern wurden mit rotglühenden eisernen Kugeln beschossen. 
Da die Besatzung aber stark genug und von bestem Geiste be- 
seelt war, so konnte die Stadt nur durch Verrat der darin be- 
findlichen Serben von Semendria und der Bosnier in kaiserliche 
Gewalt gelangen. Die Festung hielt sich trotz des Todes des 
Befehlshabers wacker, so dafs der Grofswesir Zeit erhielt, ihr zu 
Hilfe zu kommen ^). 

Auf dem dritten Teile des Kriegstheaters, im kroatischen 
Süden , wurde von einigen der dortigen Edelleute Petrinia ein- 
geschlossen. Erzherzog Maximilian erschien im christlichen 



1) Reufsner a. a. O. S. 82 — 84, 856".; meine ,,Acte ^i fragmente" II, 
Anhang. 

2) Hurmuzaki III'-, S. 536. 

3) Naima S. 24; Reufsner a. a. O. S. 75 — 77, Brief von Hatvan, 4. Mai; 
Hurmuzaki III-, S. 481-483, 508 ff. 

4) Vgl. ebenda S. 41. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 301 

Lag^er, um die ermüdeten Belag"erer neu zu ermutigen, und hatte 
die Genug"tuung- , Petrinia und Sissek von den Verteidigern auf- 
gegeben zu sehen und besetzen oder schleifen zu dürfen. 

Im Juli setzte sich Sinan endlich in Bewegung : die Paschas von 
Temesvär und Bosnien befehligten den eilig nach Pest beorderten 
Vortrab. Die Nachricht von seiner Annäherung wirkte allein schon 
Grofses. Gran und Hatvan konnten wieder aufatmen. Um die 
Kühnheit des Feindes zu züchtigen, nahm der Grofswesir zunächst 
Tata ein und beschlofs dann Raab (türkisch Januk) anzugreifen, 
wo Plardegk befehligte. Auf dem Wege dahin liefs er den Beg 
von Nögräd als Verräter aufhängen und nach Tata noch Szt-Marton 
besetzen. Unter den Mauern dieser Stadt stiefsen die Tataren 
zu ihm, die durch die Pässe von Marmaros gekommen waren. 

Raab wurde durch auserlesene Truppen , darunter die vom 
Herzog von Florenz geschickten Italiener unter Vergilio Orsini, 
verteidigt. In der Nähe stand Erzherzog Matthias mit Pälffy, 
Zriny und dem sächsischen Herzog von Lauenburg , aber die 
meisten jungen Edelleute hatten ihn verlassen. Die herbei- 
gerufenen ungarischen Kontingente von zweifelhaftem Werte 
mufste man nach einigen Wochen wieder in die Heimat ent- 
lassen. Schliefslich trat dieses ganze Entsatzheer den Rückzug 
an, und auch die Flotte segelte nach Westen. So aufs schmäh- 
lichste im Stich gelassen, sah sich Hardegk nach einem energi- 
schen türkischen Angriffe genötigt, zu kapitulieren ^j : er wurde 
dafür dann als Gefangener behandelt, verurteilt und hingerichtet, 
weniger aus Entrüstung über einen Verräter, als aus dem Wunsche 
derjenigen, die den Unglücklichen zum Tode verdammten, das 
eigene Gewissen zum Schweigen zu bringen -). Hassan, der Be- 
siegte von Hatvan, und sein Gefährte waren dagegen für die be- 
wiesene Tapferkeit von der Pforte belobt und belohnt worden -^l. 

1) Siehe seinen Entschuldigungsbrief vom 21. September, in Reufsner 
a. a. O. S. 92 — 93. Vgl. den Brief des Beglerbegs Mohammed an ihn, ebenda 
S. 98 ff. 

2) Freilich betrachteten auch seine Kollegen Hardegks Führung als „infame 
e vergognoso" und der Ingenieur Perlino nannte es „abbietta viltä codarda"; 
Spontoni S. 13. 

3) Naima S. 24. 



303 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

So zog" Sinan in Raab ein und wusch den darin eingeschlossen 
g-ewesenen Türken im Angesichte des ganzen Heeres die stau- 
big"en, blutigen Füfse, noch einmal die moralische Überlegen- 
heit der Osmanen allen, die Verständnis dafür hatten, kundtuend. 
Ebenso schmählich wurde Papa aufgegeben : die Türken 
trafen nur klagende Weiber und Kinder darin an und brannten 
die Festung nieder. Dann gingen sie an die Belagerung von 
Komorn , wo kurz zuvor eine bedeutende christliche Heeres- 
abteilung eingedrungen war. Hierhin eilten auch Matthias , die 
ungarischen Magnaten aus dem Norden, die Florentiner Orsinos, 
die Deutschen des Markgrafen von Burgau und die Böhmen, 
kurz alle verfügbaren Kräfte. Sie sollten aber keine Gelegen- 
heit mehr finden , die von Zamoyski aufs wärmste angeratene 
offene Schlacht zu wagen : da im Monat Oktober die harte 
Jahreszeit einsetzte , in der die Türken nur höchst ungern 
kämpften, und diesen auch der Proviant zu mangeln begann, so 
wandte sich Sinan wieder nach Ofen zurück, dem Feinde die 
eitle Freude eines Triumphes gönnend. Pälffy blieb als Befehls- 
haber im geretteten Komorn. In Ofen stand als neuer Pascha 
der Sohn des Grofswesirs mit den Spahis von Rum , allen Ja- 
nitscharen und den Geschützen , die Tataren hausten an der 
siebenbürgischen Grenze, und nur die asiatischen Truppen wurden 
in die Heimat entlassen ^). Als Eroberer von Raab feierte Sinan 
seinerseits einen besser verdienten Triumph -). 

Mittlerweile hatten sich die Vasallenfürsten gegen den Sultan 
erklärt. In Siebenbürgen war eine Verschwörung gegen Sigis- 
mund zustande gekommen; als der Fürst davon Kenntnis er- 
hielt, zog er sich, angeblich um sich vor einem Handstreich der 
Tataren von Hust zu sichern •^) , nach der Festung Kövär im 
nordwestlichen Teile seiner Besitzungen zurück. Auf dem Land- 
tage von Torda wurde seine Absetzung betrieben , die mafs- 
gebenden Magnaten aber, Stephan Bocskay, Stephan Csäky, 

i) Naima S. 34—35- 

2) Die schon angegebenen Quellen; Reufsner Buch XIV, S. 97ff. ; Hur- 
muzaki IV'', S. 185 — 186, Nr. cxLvn ; Wratislaw S. 379ff. 

3) Spontoni a. a. O. S. 16 — 17. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 303 

Gaspar Kornis, Stephan Josika und Franz Geszty, veranlafsten 
seine Rückkehr, und die sächsischen Städte hielten es ebenfalls 
mit dem Freunde des deutschen Kaisers; desg-leichen die kriege- 
rischen, seit einig-er Zeit für ihre Unbotmäfsigkeit der alten Pri- 
vilegien beraubten Szekler. Sigismund erschien in einer Ver- 
sammlung zu Klausenburg und liefs , als die Verhandlungen zu 
keinem Ende führten, die Führer der Opposition, welche für 
Aufrechterhaltung des bisherigen Vasallitätsverhältnisses eintraten, 
verhaften (am 28. August). Im Monat darauf mufsten einige von 
ihnen, darunter Sigismunds Vetter, der Thronprätendent Balthazar 
Bäthory, ihre abweichende Meinung mit dem Tode büfsen. 
Einige Wochen später stimmte dann ein neuer Landtag in 
Weifsenburg einstimmig für den Aufstand. Eine Gesandtschaft 
begab sich nach Prag, um den Beschlufs dort kundzutun und 
den Vertrag mit dem Kaiser abzuschliefsen , der bereits An- 
fang des Jahres 1595 unterzeichnet wurde. Gleichzeitig ging 
Geszty ins Banat, verjagte ein Korps Tataren, nahm einige Trans- 
portschiffe auf der Donau fort und griff kleinere türkische 
Schlösser an ^). 

Mitte Oktober 1594, als gerade eine moldauische Gesandt- 
schaft in Prag erwartet wurde -) , rückten siebenbürgische Hilfs- 
truppen in die Moldau und Walachei ein. Am 15. des Monats 
entledigte sich Fürst Michael der in Bukarest befindlichen Ja- 
nitscharen und Gläubigen, die aus Konstantinopel gekommen 
waren •^) , indem er das Haus , worin sie Zuflucht suchten , mit 
Kanonenkugeln beschiefsen liefs ^). Der auf dem Rückwege aus 
Ungarn betroffene Emir und Kadilisker wurde, ehe er noch von 
dem Mord Kunde erhielt, überfallen und mit seiner kleinen 
Truppe ebenfalls niedergemacht. Ebenso tötete Aron den 



i) Bethlen III; Spontoni S. 2if=f.; Hurmuzaki III-, S. 45 ff. 

2) Ebenda XII, S. 10 ff., Nr. xxniff. 

3) Brief Sigismunds vom 23. Oktober: „ante octiduum"; Hurmuzaki XII, 
S. 18, Nr. XLVl; vgl. Walter in Papiu a. a. O. S. 13; walachische Chronik 
der Buze^ti, Ausg. Jorga, Välenii-de - Munte 1908; venezianische Nachrichten, 
Hurmuzaki lUS S. 463^- 

4) Sinan soll die betreffenden Geschütze für den ungarischen Krieg verlangt 
haben; Brovirn a. a. O. S. 147—148. 



304 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

Tschausch, der ihm nach einem treulosen Einfalle der Kosaken 
die Nachricht von seiner Absetzimg- überbring-en sollte. So 
büfsten Janitscharen und Geschäftsleute für die g-rofse, viele Jahr- 
zehnte hindurch dem Lande zug-efüg-te Unbill. 

Jetzt fielen Rumänen, Ungarn aus dem kleinen stehenden 
Heere Sigismunds und die von beiden Fürsten gemieteten Ko- 
saken die Donaufestungen an. Die starke Stadt Giurgiu, das an 
der Mündung der lalomita gelegene Floci, das gegenüberliegende 
Hirsova oder Hirsova in der türkischen Dobrudscha, Mäcin, gegen- 
über Bräila, und Silistrien, in westlicher Richtung Swischtow und 
Rachowo, vielleicht auch Vidin sahen endlich die raubenden und 
brennenden Scharen der empörten Walachen erscheinen. 

Die Nachricht von diesem Aufstande vcranlafste den Sturz 
Sinans. Die Türken schrieben die Schuld am Abfall der Donau- 
fürstentümer dem durch ihn und des Sultans Günstling Kurt- 
Aga ^) vertretenen harten und rücksichtslosen Regierungssystem 
zu. ,,Die Woivvoden der Moldau und Walachei", schreibt Naima, 
,, erlangten für die ihnen zugefügten schweren Beleidigungen nicht 
nur keine Sühne , sondern sahen sich immer härterem Drucke 
ausgesetzt; wenn sie die üblichen Geschenke schickten, so wurden 
ihnen diese mit Verachtung zurückgewiesen und die Überbringer 
mit dem Tode bedroht. Und diese grausame und unsinnige Be- 
handlung weckte den Geist des Aufruhrs und der Empörung, der 
in den zwei Provinzen zum Ausbruch kam -)." In demselben 
Sinne äufserte später auch der Wesir Ibrahim , dafs alles Un- 
glück nur dem ,, ungetreuen und teuflischen Manne zuzuschreiben 
sei" ^). Sinan selbst schien seinen Irrtum anzuerkennen, indem 
er Anfang 1595 durch seinen Sohn Verhandlungen mit den 
Kaiserlichen anknüpfte ^). 



l) Siehe Hurmuzaki IV', S. 194. 2) Naima S. 36. 

3) Hurmuzaki III, S. 503—504, Nr. lxh ; IV^, S. 216, Nr. CLXXlx. Vgl. 
auch ebenda III ^, S. 48. 

4) Reufsner Buch XIV, S. 98 flf. Ein venezianischer Bericht spricht I593 
von der Erhöhung des Tributs der beiden Donauländer ,, di 30 mille cecchini " ; 
Hurmuzaki IV'-, S. 171, Nr. cxxxiv. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 305 

Sinan wurde noch vor seiner Ankunft in Konstantinopel (am 
6. Februar) abgesetzt, kurze Zeit nach seinem Triumphe. Zu 
seinem Falle trug- auch der Tod Sultan Murads bei (16./17. Ja- 
nuar 1595) ^). Der verweichlichte Kaiser der Osmanen starb in- 
folge eines epileptischen Anfalls, von Frauen und Tänzern um- 
geben, die ihm auf sein Geheifs ein melanchoHsches Gedicht über 
das Schicksal vorsingen mufsten -). Er hatte noch Zeit, um das 
Leben seines Sohnes Mahmud zu bitten •'). Dennoch wurden 
,,in den Wirren des Begräbnisses" neunzehn Söhne, darunter 
auch Mahmud, und 80 schwangere Sklavinnen des Verstorbenen 
erdrosselt^): er hatte 102 Kinder gehabt. 

Der durch den jungen , von vielen Hoffnungen freudig be- 
grüfsten Sultan Mohammed III. ernannte neue Grofswesir Ferhad 
traf sogleich, noch im tiefen Winter und unter den ungünstigsten '') 
Verhältnissen militärische Mafsnahmen, um die Fürstentümer, die 
für die Ernährung Konstantinopels und der in Ungarn kämpfen- 
den osmanischen Truppen unentbehrlich waren, wieder zu be- 
ruhigen. Zum Fürsten der Moldau wurde Stephan Bogdan, der 
vorher schon in Bukarest regiert hatte , bestimmt : Herrscher in 
der Walachei , von Ferhads Gnaden , wurde nicht Radu , der 
junge Sohn des 1591 zum Islam übergetretenen walachischen 
Fürsten Mihnea, sondern ein Sohn des lancu Sasul, Bogdan mit 
Namen, ein untauglicher junger Mensch. 

Um sie in ihre Provinzen einzuführen , kamen der Aga der 
Janitscharen und zwei asiatische Paschas, Mustafa von Meraasch, 
ein Neffe Sinans*^'), und Hassan von Aidin aus Konstantinopel 
herbei; der Tatarenkhan, der die Monate November und De- 



i) Für das Datum Brown a. a. O. S. 150 — 151. 

2) Naima S. 39. 

3) Brown a. a. O. 

4) Ebenda Reufsner Buch XIV, S. 121. 

5) Vi^l. die Äufserung Polo Giorgios: ,,E cosa certa che la cittä di Constan- 
tinopoli sin qui h stata sostenuta dalla Vallacchia e Moldavia con grani, orzi, 
carne, mele e butiro ; il medesimo ha fatto la ßulgheria. " Nach der Handschnft 
zitiert. Der Bericht ist ebenda unter anderen auch in der Handschrift S. 86 
{Pinelli), fol. 172 — 175 vo zu finden. 

6) Hurmuzaki IV'-, S. 186, Nr. cXLvm. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. ai) 



306 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

zember in der ungarischen Pufsta gelegen hatte, wollte sich mit 
ihnen vereinigen. Aber noch vor dem Zusammentreffen der 
beiden Heere schlugen Michael und seine Genossen, die drei 
Brüder Buzescu — die reichsten Bojaren im Lande — , die 
Tataren zweimal ^) ; dann mit dem osmanischen Vortrabe bei 
Serpätesti zum dritten Male -). 

Nach dem Siege setzte der Fürst über die Donau und ver- 
jagte das bei Rustschuk angesammelte Heer ^). Der moldauische 
Thronprätendent wurde bald darauf vom Ban Mihalce an der 
Furt von Silistrien mit dem Pascha von Meraasch zusammen 
besiegt und dieser letztere getötet ^). Im März begann Aron die 
Belagerung Benders ; auch vor Akkcrman und dem bessarabi- 
schen Schlosse Ismail, das die Christen (am 22. März) eroberten, 
fanden Kämpfe statt. Bräila, das türkische Ibraila, das seit mehr 
als einem halben Jahrhundert von den Osmanen besetzt war und 
jetzt von den Tataren der Dobrudscha verteidigt wurde, brannte 
der Ban Manta von Craiova nieder und nahm die Festung ein.. Die 
Sieger drangen bis Babadagh ■'). Auch Nikopolis wurde etwas 
später (10. Juni) in Asche gelegt. Aber ein Angriff auf Vidin 
schlug fehl -'). Die Kosaken brachten nur Oczakow in ihre Gewalt. 

Nach diesen ersten Erfolgen unternahm Sigismund frohlockend 
die Ordnung der neuen Verhältnisse an der Donau. Aron wurde, 
wahrscheinlich wegen seiner Beziehungen zu Polen, wegen der An- 
wesenheit des bekannten griechischen Predigers Nikephoros Didas- 
kalos an seinem Hofe und der Unzufriedenheit einiger ihm auf- 
sässigen Bojaren ') , von seiner ungarischen Garde gefangen ge- 
nommen und in Siebenbürgen bis zu seinem Tode einge- 



i) Vgl. Hurmuzaki XII, S. 31 und Anm. 

2) Ebenda IV ^, S. 188 ff. ; vgl. die beiden Landeschroniken. 

3) Neue Schlacht bei Silistrien, ebenda XII, S. 36. 

4) Ebenda IV « a. a. O. ; XII, S. 37; IIP, Nachrichten; III^ S. loo— loi, 
N. cxxii; S. 124, Nr. cxLin. 

5) Ebenda XÜ, S. 45. 

6) Walter; Brief Albert Kiralys , des Befehlshabers der siebenbürgischen 
Truppen in der Walachei, Colentina , Juni 1595, in Reufsner a. a. O. S. 132; 
vgl. Hurmuzaki IIP, S. 116, Nr. CXXXV. 

7) Vgl. die von Sigismund dem Nunzius di Cervia gegebenen Erklärungen, 
ebenda S. 52, Nr. cxi; Hurmuzaki XII, S. 35, Nr. Lxxxrv : S. 21, 38, 42, 70. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 307 

kerkert. An seine Stelle trat sein bisherig-er Hauptmann Räzvan, 
der Sohn einer Zig^eunerin, der sich als Fürst Stephan nennen 
liefs. Mit dessen und Michaels Bevollmächtig-ten, welch letztere 
nicht sowohl ihn selbst, als die Interessen des immer mächtiger 
aufstrebenden einheimischen Adels vertraten, kam es im Juni 
zu Verträgen, die beiden Fürsten die Stellung untergeordneter 
siebenbürgischer Gouverneure anwiesen; dagegen erhielten die 
Bojaren das Recht, durch einen aus zwölf Mitgliedern bestehen- 
den Rat den Fürsten zu beschränken und auf den Land- 
tagen ihres neuen Oberherrn zu erscheinen, auf denen auch 
über moldauisch -walachische Angelegenheiten verhandelt und 
beschlossen werden sollte. Sie durften nicht zum Tode ver- 
urteilt werden und sollten über die auf ihren Gütern ansässigen 
Bauern nach ungarischem Rechte, das damit eingeführt wurde, 
als über Leibeigene verfügen können ; in der Moldau stand 
Todesstrafe darauf, den Hof eines Edelmannes anzugreifen ^). 

x^n dem Tage , da der Grofswesir , durch Ränke und 
Zänkereien zwischen Toptschis und Janitscharen, besonders aber 
durch das Ausbleiben der sonst gewöhnlich von der Donau her 
eintreffenden Vorräte genötigt, aufbrechen mufste, am 8. Juli, 
verliefs Georg Borbely, der neue Ban von Lugas und Karan- 
sebes, dieses letztere, um Versecz, Tatvaradia, Facset und Lippa 
zu besetzen, und schlug den Pascha von Temesvär, der ihn 
daran hindern wollte, aus dem F'elde (August ^595); Csanäd 
und Arad wurden von den Osmanen geräumt. Mit Ausnahme 
der starken Festungen Temesvär, Klein -Nikopolis und Giurgiu 
befand sich somit die ganze Donaulinie von der Theifsmündung 
bis zum Schwarzen Meere hin, mit der ganzen Dobrudscha, in 
den Händen der Christen , deren Reiter ohne Gefahr bis in die 
Ebene von Adrianopel schweifen konnten -). 



i) Hurmuzaki III », S. 209 ff., 472«.; III-, S. 120-121. 

2) Ebenda IV', S. 191 — 192, Nr. CLin. Vgl. auch Reufsner Buch XIV, 
S. 168 ff.; Szädeczky, Erdely es Mihaly Vajda törtenete , Temesvär 1893, 
S. 33S; meine „Acte ^i fragmente" I, S. 139 — 140: Brief des Kornis ; vgl. 
ebenda S. 140 — 141. Über die Begebenheiten im Banat siehe Bethlen III; 
Hurmuzaki XU, S. 29; über die in der Walachei und Moldau die Nachrichten 

20* 



308 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

Mohammed III., ,,ein dem Aussehen nach entschlossener 
und grausamer Mann" \), schien den Türken ein zweiter Alexan- 
der der Grofse werden zu wollen. ,,Er ist ein Falke, dem man 
nur schwer die Kappe aufsetzen kann", urteilte Ferhad -') Er 
jagte die Frauen und Knaben des Serails fort und sorgte für 
Verbesserung des zu einer Kalamität gewordenen Münzwesens •') ; 
viele schlechte Provinzverwalter wurden einfach abgesetzt^). 
Gleich nach seiner Thronbesteigung hatte er die energische 
Aufnahme des Feldzuges gegen die Aufständischen angeordnet: 
die Spahis die keine Pferde hatten, sollten zu Fufs marschieren; 
die konstantinopolitanischen Zünfte erhielten Befehl , sich dem 
Heere anzuschliefsen ; gegen Deserteure wurden die schärfsten 
Mafsnahmen ergriffen. Noch vor Beginn des Frühlings wurden 
aus den Fürstentümern zwei neue Sandschakate gebildet: die 
Walachei erhielt^) Saturdschi Mohammed, und Dschafer, der 
Beglerbeg des persischen Schirwan , die Moldau. Diese Ver- 
fügungen waren allerdings um so dringender notwendig ge- 
worden, als die grofse Menge in Stambul über den Mangel an 
Lebensmitteln *') zu murren begann und die Unzufriedenheit so 



in meinen „Acte ^i fragmente" I, in Johannes Decius Barovius, Com- 
mentariorum de rebus ungaricis ac transylvanicis decas decima, in Kovachich, 
Scriptores II, S. 233 ff. ; neue Ausgabe in „Mon. Hung. Hist., Script." XIV, nebst 
Gyulafi Lestär in derselben Sammlung; Chronik Michaels, lateinisch übersetzt und 
erläutert vom Schlesier Walter, auch in Papiu, Tesaur I; Hurmuzaki III ^, 
z. J. ; den Brief Arons an Sigismund vom 28. Februar, in Reufsner, Epistolae 
turcicae lY, S. 122 und Hurmuzaki XII, S. 31, Anm. 3; Suppl. II, Bd. I* 
Heidenstein, De vita Zamoscii; „Törtenelmi Tär", Jahrgang 1893; über die 
Kosaken Eugen ßarwinski, IIpH^HHKH fl,0 icTOpm SHOCini I^icapH 

PyAOJrb<i>a II. i nanii Kjuimbhthh Vlll. 3 KoaaKaum b p. 1593» i594, 

Lemberg 1896 und Racki-Pierling a. a. O. Vgl. auch Makuscev, Mon. 
historica Slavorum meridionalium II, im „Glasnik" von Belgrad 1882. Spa- 
nische Nachrichten in „Correspondencia inedita de don Guilh6n de San de- 
mente, publicada por el marques de Ayerbe", Saragossa 1892. 

1) Brown II, S. 153. 

2) Hurmuzaki IV*, S. 194. 

3) Ebenda XII, S. 36; Naima S. 48. 

4) Ebenda S. 43; Brown a. a. O. 

5) Naima S. 55. 

6) Siehe besonders Hurmuzaki IV-, S. 198. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 309 

allg-emein war, dafs ein Janitschar es wagen konnte, dem jungen 
Sultan auf offener Strafse die Unfähigkeit seiner Wesire vorzu- 
werfen ^). Von Seiten der Soldaten wurde laut und lauter das 
Verlangen gestellt, dafs der Sultan selbst nach altem Brauche 
das Kommando übernehme , und Ferhad schnitt man aa der 
Adrianopolitaner Pforte die Schnüre des Zeltes durch — nach 
alter byzantinisch-türkicher Tradition — und vernagelte die Ge- 
schütze -). 

Am 27. April verliefs Ferhad Konstantinopel; der Glaube 
vieler war, dafs er sich nach Belgrad wenden werde, wo eine 
Brücke im Bau bcgriften war. Er blieb aber geraume Zeit in 
Adrianopel liegen; sein körperliches Befinden war schlecht und 
er litt unter der Unsicherheit seiner Stellung; auch mangelte es, 
der Wirren an der Donau und besonders in der Walachei, 
,, seinem Prodtkasten", wegen, an Proviant-^). Die Spahis ver- 
suchten gegen den schwachen Generalissimus einen Aufstand. 
Möglicherweise hatte dessen Zaudern übrigens auch eine andere 
Ursache: er wollte vielleicht, ehe seine Truppen gegen die 
Walachei marschierten, Gewifsheit, dafs die Kaiserlichen nichts 
Ernsteres in Ungarn vorhätten. Oder man erwartete das Er- 
gebnis der durch den englischen Agenten Eduard Burton ge- 
führten Verhandlungen Sigismunds mit dem Pascha von Temesvär, 
mit Ahmed von Ofen und dem eigens zu diesem Zwecke ab- 
geschickten Tschausch Hussein i). Im Mai harrten Hassan So- 

1) Hurmuzaki IIP, S. 235, 470; IV-, S. 195, Nr. CLv ; XII, S. 38—39, 
Nr. Lxxxvii. 

2) Ebenda S. 75, Nr. cxxxix. 

3) Ebenda XI, S. 55. Die Kornsendungen Ägyptens mufsten auf der Donau 
weiter nach Belgrad und Ofen geschafft werden. Leipzig, Stadtbibl., Rep. IV, 45, 
fol. 102: „La terza [via delle vettovaglie] e per il Danubio, conciosiache le 
barche che vengono dal Cairo et altre parti vengono qul scaricate e poste nelle 
barche, che si fabricano in Moldavia, e cosi, a forza di venti, overo bufali o huo 
mini, vengono condotte e scaricate in Buda, Belgrado ; la maggior parte di 
queste vettovaglie vien per questa strada." Deutsche Übersetzung ebenda fol. 132 ff, 

4) Vgl. den Brief Ferhads in Hurmuzaki XII, S. 94 ff-; vgl. ebenda S. 49 
Anm. 2; S. 54 — 55, Nr. cxv; S. 69—70, Nr. cxxn^; S. 74, Nr. cxxxv: es hiefs 
Sigismund solle der Königstitel zugestanden werden und die Herabsetzung des 
Tributs auf 5000 Dukaten sei in Aussicht genommen. 



310 Zweites Ruch. Siebentes Kapitel. 

koli in Rustschuk und der Pascha von Karamanien in Vidin auf 
die endliche Ankunft des Grofswesirs ^). Der erstere soll von 
den Truppen Michaels überfallen und geschlagen worden sein -) ; 
tatsächlich aber vermochte er die gegen Vidin anrückenden 
3000 Walachen zurückzudrängen ^). 

Ein Aufruhr der Spahioglane, denen man den Sold schuldig 
war, wurde von treu gebliebenen Janitscharen unterdrückt; er hatte 
jedenfalls nicht dazu beigetragen, den Krieg zu beschleunigen ^). 

Im Juni aber war Ferhad in Rustschuk, wo der Beglerbeg 
Hassan von Rum sich mit ihm vereinigte. Eifrig wurde an der 
Brücke gebaut, die das bulgarische Ufer mit der Donauinsel vor 
Giurgiu verbinden sollte. Da erhielt der alte Grofswesir die 
Nachricht von seiner Absetzung (am 6. Juli) : Sinan hatte durch 
den Einflufs Ibrahims , des Schwagers des Sultans , die Leitung 
des Reiches und die Führung- des Krieges aufs neue an sich ge- 
bracht. Während Ferhad seinem Tode entgegenging, eilte Sinan 
zum Lager an der Donau, und man konnte gewifs sein, dafs 
die Entwicklung der Dinge unter ihm eine schnelle Wendung 
nehmen würde ^). 

Im Winter noch waren die Stände des Reiches und ebenso 
die von Ungarn und Böhmen einberufen worden, um für den 
heiligen Krieg Geld und Soldaten zu bewilligen. Die Böhmen 
versprachen auch wirklich einige tausend schwere Reiter zu 
stellen; dem Grafen Karl von Mansfeld, dem ,, christlichen Sinan", 
sollte die Leitung des Krieges anvertraut werden. Mansfelds 
Wallonen, italienische Truppen, unter Francesco Aldobrandini, 
die der päpstliche Schatz besoldete, und die Florentiner Gio- 

1) Hurniuzaki XII, S. 51, Nr. cvin. Nach Nainia kam Lala-Mohammed, 
der Beglerbeg von Anatolien, nach Vidin, S. $1. 

2) Ebenda IV-, Berichte aus den Monaten Mai und Juni. Angriff auf Baba- 
dagh, ebenda S. 200, Nr. CLX. 

3) Serbische Annalen von Pejacevic lateinisch iibersetzt , ,, Archiv za po- 
vjestnicu jugoslavensku" von Kukuljevic und Sakcinski, Agram 1854, III; 
auch in „Studii si Documenta" III, S. 4. 

4) Hurmuzaki XII, S. 65, Nr. cxvi. 

5) Naima S. 55 — 58; Aufserungen des konstantinopolitanischen Vikars Nike- 
phoros in Hurmuzaki, Suppl. II', S. 362; vgl. auch ebenda IV % S. 202. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 31 J 

vanni de Medicis, des Bruders Heizog Ferdinands, verstärkten das 
Heer ^). Am i. Juli bcg-ann die Belagerung- Grans -). 

Sinan hatte indessen Mafsnahmen getroffen, die Walachei 
zur Botmäfsigkeit zurückzubringen, und liefs die bedrängten Ver- 
teidiger Grans im Stiche. Denn mehr als der Besitz einer 
Grenzfestung mufste ihm am Besitz der beiden Donauländer und 
an der Unterwerfung Siebenbürgens gelegen sein. Während die 
Türken in Ungarn voller Sorge Nachrichten über sein Vorrücken 
erwarteten, schickte er von Silistrien aus Hassan, den Sohn So- 
kolis, mit I2 000 Mann nach dem westlichen Kriegsschauplatze •^) 
— von dem dieser aber bald zurückgekommen zu sein scheint *) — , 
überschritt dagegen selbst die neue Brücke und betiat bei Giur- 
giu das linke Donauufer ^). 

Michael eilte herbei, um ihm wenigstens den Weg nach 
seiner Hauptstadt zu verlegen. Er hatte kaum 16000 Mann, 
Bauern, Bojaren, Siebenbürger und Kosaken unter sich; der 
siebenbürgische Befehlshaber Albert Kiräly verfügte über einige 
Geschütze. Am Neajlovflusse trafen die Türken (am 23. August) 
auf das rumänische Lager. Mehrere Stunden vergingen in vor- 
läufigen Plänkeleien; dann griff Sinan das kleine Heer Michaels 
an , das durch Hügel und Moräste geschützt stand ; er drängte 
es zurück und nahm dem Feinde einige Kanonen. Darauf aber 
schritt Michael zum Angriffe vor; der Pascha Karamaniens fiel 
von seiner Hand, und an der Brücke, die über den verschlammten 
Bach führte , entstand ein wirres Handgemenge , dem zahl- 
reiche Türken, darunter die Paschas Khidr, Hassan und Mu- 
stafa, zum Opfer fielen; die Janitscharen von Damaskus sollen 
dabei fast vernichtet worden sein '')• Ein rumelischer Veteran 



i) Zink eisen III, S. 600—601, nach Ortelius. 

2) Istvanffy S. 398 — 402; vgl. Arnold Helius in Reufsner, Narrationes 
S. 255 ff. 

3) Hurmuzaki III', S. 484; XII, S. 119, Nr. cxcu : vgl. S. 130, Nr. cc. 

4) Ebenda III ^ S. 488. 

5) Vgl. einen Brief Sinans an seinen Sohn ebenda XII. S. 59 — 60. 

6) Ebenda S. 138-139, Nr. ccxiv; III', S. 488; serbische Annalen in 
meinen „Studil §i documente" III, S. 4 — S- 



313 Zweites Bucli. Siebentes Kapitel. 

rettete dem Wesir das Leben. Die heilig-e Fahne ging ver- 
loren ^). 

Beide Heere behaupteten ihre SteUungen, vmd der rumä- 
nische Fürst erkannte nur zu gut, dafs ein weiterer Versuch, den 
Marsch des türkischen Heeres aufzuhalten, aussichtslos sei. Ob- 
wohl er der eigentliche Sieger war, zog er sich also zurück, und 
Sinan gelangte einige Tage später in das verlassene , offen da- 
liegende Bukarest -). 

Jetzt erst begannen die Schwierigkeiten des nicht vorsichtig- 
genug vorbereiteten Zuges. Wie Sultan Mohammed im Jahre 
1462, so befand sich jetzt der Grofswesir in einem schwach be- 
völkerten Land mit endlosen Wäldern , schlechten Wegen , un- 
auffindbaren Dörfern ; grofse Städte und befestigte Plätze fehlten 
gleicherweise. Nichts war leichter als die nominelle Annexion 
einer solchen Provinz auszusprechen , nichts schwieriger , als sie 
festzuhalten und zu sichern. 

Sinan unternahm es , die damalige und die alte Hauptstadt 
der Walachei zu verstärken. In Bukarest, einer ausgedehnten, 
in einer Ebene liegenden Stadt, die von vier früher mit Klöstern 
besiedelten Hügeln beherrscht wird, liefs er die Kirche des 
F'ürsten Alexander, die später von dessen Enkel Radu neu ge- 
baut wurde, so dafs die Anhöhe heute noch Radu-Vodä ge- 
nannt wird , niederreifsen und an ihrer Stelle ein Schlofs auf- 
führen. Ebenso verfuhr er in Tirgoviste, wo er die Kirche Peter 
Cercels zum Mittelpunkt der Festung wählte. Beide Bauten 
wurden nicht aus Stein, sondern der grofsen Eile wegen recht 
primitiv ausgeführt ■'). 

Saturdschi-Mohammed sollte als wal achischer Beglerbeg an 
Stelle der seit dreihundert Jahren herrschenden Fürsten das Land 



1) Vgl. den Brief Sigismunds in Hurmuzaki XII, S. 57 — 58 mit Walter 
und der walachischen Chronik. 

2) Vgl. die Briefe in Hurmuzaki XII, S. 57-58, 98 — 99, Nr. CLVi: Brief 
Kirälys S. 204 — 205 ; den venezianischen Bericht von Konstantinopel aus, ebenda 
IIP, S. 487 — 489; den Brief Sinans an den Nischandschi-Baschi ebenda S. 492 
bis 494; vgl. ebenda III-, S. 132 — 133, Nr. CLiv; S. 135. 

3) Schon Ende September fanden diese Mafsregeln in Konstantinopel bei 
Sachverständigen scliarfe Kritik; ebenda IV'-, S. 206, Nr. CLXVii ; Suppl. II', S. 361. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 313 

verwalten; zehn Begs standen unter ihm, deren Residenzen in 
der Mehrzahl allerdings erst noch zu bestimmen waren. Das 
niedergebrannte Bräila wurde von dem mit Galeeren eintreffenden 
Schaban-Pascha zu einer neuen starken Festung umgewandelt ^). 
An den „flüchtigen" Walachen dachte der Grofswesir nicht. 

Mit Sigismund, der damals gerade seine Heirat mit der 
Grazer Erzherzogin Maria Christierna vollzog, hatte Sinan die 
Verhandlungen fortgeführt -) , und da jener im entscheidenden 
Augenblick seinen ,, Vasallen" und ,, Hauptmann" im Stiche liefs, 
so durfte Sinan sich der Hoffnung hingeben, dafs der junge Fürst 
zur Vernunft gekommen sei und den Entschlufs , für die christ- 
liche Sache zu kämpfen, bereits aufgegeben habe. 

Von den Kosaken war nirgends etwas zu spüren. An die 
Polen hatten die Kaiserlichen noch neuerdings durch eine glän- 
zende Gesandtschaft vergebens das Verlangen gestellt, ihre Kräfte 
mit denen des Westens zu vereinigen, um der türkischen Tyrannei 
ein Ende zu bereiten. Umsonst Hefs auch der Papst den König 
und den allmächtigen Kanzler durch seinen Nunzius, Monsignore 
di San Severo, zum Kreuzzug mahnen. Von Anfang an betonte 
Zamoyski, dafs sowohl die Moldau wie die Walachei im Falle 
eines Bündnisses polnische Beute sein müfsten. Als Sinan die 
Walachei besetzt hatte, schien der Leiter der polnischen Politik 
zu befürchten, dafs auch die Moldau, auf die das Reich ernstere 
Besitzansprüche zu haben vermeinte, in die Hände eines Begler- 
begs fallen könne. Die Verjagung Arons und die gewaltsame 
Einsetzung Räzvans fafste Sigismund III. als eine Beleidigung 
seiner Krone und als Friedensbruch auf. So liefs der Kanzler im 
August die Flüchtlinge an der Spitze kosakischer und polnischer 
Truppen in die Moldau einrücken; und Ende August bestieg 
der Bojar Jeremia Movilä in Abwesenheit Räzvans, der sich nach 
dem walachischen Kriegsschauplatz gewandt hatte ^), den mol- 
dauischen Thron, ohne sich auf irgendwelche Rechte daran be- 



i) Hurmuzaki, Suppl. II', S. 361. 

2) Ein Brief des Sultans an Sigismund, Oktober 1595; ebenda III-, S. 483 
bis 484. 

■ 3) Über seinen Aufenthalt in Trotu§ an den Pässen siehe ebenda XII, S. 103, 
Nr. CLXlv; siehe auch ebenda S. 206. 



314 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

rufen zu können '). Zamoyski .selbst fand sich bei den Festlich- 
keiten in Jassy ein -) und g"ab vor, das Eindring"en Sinans in die 
Walachei und die „Flucht" Razvans im Augenblicke der höchsten 
Gefahr habe ihn veranlafst, zum Heile der Christenheit in das 
verwaiste Fürstentum der Moldau zu kommen "^). 

Zamoyskis Vorgehen vielleicht noch mehr als der Eingriff 
Sinans bewogen Sigismund , durch eine Anzahl schlesischer 
Reiter und die in der Belagerung von Städten erfahrenen Floren- 
tiner verstärkt, die Karpathenpässe zu überschreiten. Er hatte 
bis zum gewöhnlichen Tage des Rückzugs der osmanischen 
Heere gewartet, und wirklich ordnete Sinan Anfang Oktober den 
Marsch nach der Donau an. Sogleich bezog Sigismund mit 
Michael und dem vertriebenen Stephan das Lager von Rucär, 
in dem er acht Tage gelegen hatte, um sich dann gegen Tirgo- 
viste zu wenden. 

Auch der Gang der ungarischen Ereignisse hatte den Sieben- 
bürger zu diesem späten Feldzuge ermutigt. Anfang August 
waren der Pascha von Ofen und mit ihm jene von Raab, 
Temesvär, Skutari und Alep herangerückt, um Gran von der 
christlichen Belagerung zu befreien ^) ; nach Nikolaus Gabel- 
mann, einem zuverlässigen Berichterstatter^), war auch der 
Beglerbeg von Asien, Mohammed, gekommen. Durch 2000 
Wallonen verstärkt, wagte Mansfeld eine offene Schlacht, und 
wiederum mufsten die Türken vor der schweren Reiterei , den 
gepanzerten Soldaten des Westens, den ,, schwarzen Teufeln", 
und der überlegenen Artillerie nach hartnäckigem Kampfe *'•) 



1) Siehe besonders Hurmuzaki S. 104 — 105 und das Leben Zamoyskis 
ebenda XL 

2) Heidenstein, Rerum polonicarum libii XII, S. 317; Bälcescu, 
Rominii sub Mihai Viteazul , Ausg. Läpedatu , 1909, S. 1486".; der Treueid, den 
Hieremias Polen leistete, in Hurmuzaki IIP, S. 485; Suppl. II \ S. 344—345 
(27. August). 

3) Ebenda XII, S. iio — in. 

4) Ein diesbezüglicher türkischer Briefwechsel Reufsner Buch XIV, S. 136 ff. 

5) Ebenda S. 140. 

6) Ebenda S. 1386".; Hurmuzaki III-, S. 485— 4S6. Falsche Nachricht 
von einem türkischen Siege ebenda Suppl. II', S. 361 ff. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 315 

am 4. August weichen; 27 Geschütze fielen in die Hände der 
Sieger und wurden dem Kaiser geschickt; viele erschöpfte und 
um ihr Leben flehende Janitscharen wurden auf der Fhicht ge- 
tötet; die Beute im türl<ischen Lager war aufserordenthch reich. 
Am 13. 1) des Monats wurde die Stadt Gran besetzt-'); aber erst 
am 2. September sollten die christlichen Truppen wirklich in 
die Festung einziehen, die sich ihnen ergeben hatte. 

PälfFy und Nädasdy, die der Markgraf von Burgau nur sehr 
ungenügend unterstützte, schlugen zuerst die sich bei Ofen wieder 
sammelnden Osmanen So konnte die Festung Gran, die noch 
der glorreiche Soliman erobert hatte, ihrem Schicksal nicht ent- 
gehen: triumphierend zogen am 2. September, nach Abschlufs 
einer für die Türken erträglichen Kapitulation, Deutsche, Italiener 
und Ungarn in die von jenen geräumte Festung ein. Mansfeld 
war einige Tage zuvor einer Krankheit erlegen und die Belage- 
rung zuletzt unter Führung von Erzherzog Matthias zu Ende ge- 
bracht worden. 

Matthias leitete auch die weiteren Eroberungen. Visegräd 
ergab sich am 21. September-') infolge des Kleinmutes des 
Begs Osman, und noch schmählicher entzog sich die Besatzung 
von Väcz der Gefahr einer Einschliefsung durch die siegreichen 
Christen. 

Und währenddessen nahmen Georg Zrinyi und Johann Sieg- 
mund von Herberstein, denen sich später der Ban Thomas 
Erdödy anschlofs, Baböcsa ein, das sie befestigten ; Petrinia und 
zwei in der Nähe befmdliche Burgen folgten *). 

Die Nachricht vom Falle dieser Schlösser — die Sieben- 
bürger schlugen, wie schon gesagt, am 13. August den Bassa 
von Temesvar; dieselben Truppen, unter Albert Kiraly, nahmen 
am 23. Lippa, gaben es aber bald wieder auf'') — war bereits 
längere Zeit nach Siebenbürgen gelangt, als Sigismund mit seinen 



i) Reufsner a. a. O. Buch XIV, S. 148. 

2) Hurmuzaki III'-, S. 492 ff. 

3) Reufsner Buch XIV, S. 157 ff. 

4) Istvänffy z. J. 1595. 

5) Hurmuzaki III-, S. 4S6 ff. ; oben S. 305 



316 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

Szeklern, die ihre früheren Freiheiten zurückerhalten hatten, mit 
den sächsischen Kontingenten und den wertvolleren, vom Kaiser 
ihm g"eschickten Truppen das bereits erwähnte Lager von Rucär 
bezog". Der Nunzius, Bischof von Cervia, Alfonso Visconti, hatte 
ihn dahin begleitet. Bald hatte er sich mit den Walachen 
Michaels vereinigt. Im ganzen bestand das Heer kaum aus 
30 — 40000 Mann, aber es verfügte über nicht weniger als 53, 
allerdings meist kleine Geschütze. 

In Tirgoviste hauste der Pascha Ali-Khaidarogli von Tra- 
pezunt^), mit dem Kadi oder Beg von Avlona. Schon nach 
dreitägiger Belagerung, am 18. Oktober, erlag die neue aus Lehm, 
Zweigen und eilig zusammengehäuften Steinen gebaute Festung 
einem Sturmangriff. Da Sigismund einen Zusammenstofs mit 
dem Grofswesir nicht gerade wünschte, so setzte er seinen Weg 
ohne allzu grofse Eile fort, wandte sich übrigens nicht nach 
Bukarest, das der rumänische Pascha Saturdschi- Mohammed 
bereits verlassen hatte, sondern direkt nach Giurgiu -). Am 21. 
waren die Christen von Tirgoviste aufgebrochen , und erst am 
25. standen sie vor den Mauern der alten, aus dem Anfange des 
15. Jahrhunderts stammenden Festung. 

Sinan war schon über die Donau gesetzt; er war ebenso- 
wenig gesonnen, in so später Jahreszeit mit seinen ermüdeten 
und ausgehungerten Truppen ohne Arkebusiere und die lange 
erwartete tatarische Hilfe ^) den frischen Streitkräften Sigismunds 



i) Nach anderen der von Karamanien ; vgl. Istvanffy (oder J ac ob inus in 
Schwandtner), Acte si fragmente I, S. 145 — 146; Hurmuzaki III^, S. 247—248; 
Bericht des Nunzius von Cervia in Hurmuzaki XII. Nach dem an zweiter Stelle 
erwähnten Briefe hätten sich ein Hassan-Pascha, Ali-Beg und Mihnea, der frühere 
Fürst der Walachei, in Tirgoviste befunden. Siehe auch ebenda XII, S. 131, 
Nr. ccni; vgl. ,, Denkwürdigkeiten der rumänischen Akademie" XVIII, S. 105 und 
Anm. 2. Eine Verwechslung Hassans mit dem Sohne Sokolis fand statt, in Hur- 
muzaki XII, S. 208. Siehe auch ebenda S. 577; IIP, S. 422, Nr. cccxxxv. — 
In Wirklichkeit hiefs der Befehlshaber Karaman-Trebezond -Pascha; ebenda XII, 
S. 153, Nr. CCXXVHI. Mustafa von Vucitrn verfügte über drei andere Begs, sechs 
Alaibegs, 6000 Soldaten, 154 (!) Geschütze, 30000 Dukaten; serbische Annalen. 

2) Walter in Papiu S. 34. Doch schrieb Räzvan am 12./22. Oktober an 
seine früheren Bojaren, die an der Milcovgrenze gegen iiin Wacht hielten, aus 
Bukarest, Hurmuzaki XII, S. 214, Anm. i; vgl. Suppl. II', S. 367. 

3) Ebenda III, S. 493. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 317 

entgeg^enzutreten, unter denen sich ausgezeichnete Elemente be- 
fanden; auch kam den Christen das aufserordentliche mihtärische 
Talent Michaels, der jetzt im eig-enen Lande um so zuversicht- 
licher sein durfte , zugute. Mehrere tausend rumänischer Ge- 
fang-ener und die ung-eheure Beute, die nach der alten Tradition 
des byzantinischen Pentamerions für den Sultan in Kontribution 
g-enommen werden sollte, befanden sich unter dem Schutz einer 
osmanischen Nachhut noch auf dem linken Donauufer, (jcrade 
als sie die Brücke überschreiten wollten, beschofs sie der christ- 
liche Vortrab heftig' und ging- zum Ang-riff auf sie vor. Der 
Kampf endete mit der Zerstörung- der von Kug-eln durchlöcherten 
hölzernen Brücke. Sinan, der das Khasna und seine Kamele 
verloren hatte ^) , mufste dem g-rausamen Schauspiel müfsig- zu- 
schauen. Er weilte noch in Rustschuk, als am 27. , besonders 
durch die Geschicklichkeit der Italiener unter Silvio Piccolomini, 
die Festung- in Brand g"eschossen und eing-enommen wurde -). 

Damit war der Krieg zu Ende, und die Alliierten, unter denen 
das alte Vasallitätsverhältnis nicht mehr bestand , gingen jeder 
seinen eigenen Weg weiter: Michael blieb in Gherghita, einer 
alten Landesresidenz aus dem 15. Jahrhundert, die noch keine 
osmanischen Truppen beherbergt hatte , Sigismund kehrte nach 
Siebenbürgen zurück und Stephan begab sich nach Suceava. 

Zwei Monate früher, im Oktober, war der Kanzler Zamoyski, 
wieder ohne Ermächtigung des Königs und der Stände, auf den 
Feldern von Tutora am Pruth dem ins Land eingefallenen tatari- 
sehen Sultan Ahmed von Bender und Kili, einem Neffen des 
ebenfalls anwesenden Khans, entgegengetreten (19. — 21. Oktober); 
auf die Statthalterschaft der Moldau, die ihm vom Khan, infolge 
einer Ermächtigung des Sultans , anvertraut worden war — der 
Sultan soll dem Khan dieses Recht für erwiesene kriegerische 
Dienste abgetreten haben — , verzichtete Ahmed am 22. des 
Monats schriftlich und der Khan bestätigte den Vertrag. Za- 



i) Hurmuzaki lU, S. 215. 

2) Die Beschreibung der Belagerung ebenda XII von einem der beteiligten 
Italiener und dem Nunzius; vgl. ebenda III', S. 250 ff., 4996".; VIII, S. 194 bis 
195 usw. 



318 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

moyski hatte nur 5000 gering'wertig'e Soldaten zur Verfüg-ung- 
gehabt; nur wenige davon waren gefallen, und der Friede mit 
der Pforte wurde durch dieses Meisterstück von Politik nicht 
gestört ^). 

Als Zamoyski nun den Rückzug antrat, liefs er leremia 
einige Truppen da. Diese genügten, um 2000 Szekler und einige 
Bojaren des zurückkehrenden Stephan in die Flucht zu schlagen 
(10. Dezember): letzterer fiel in die Hände des Feindes, der 
ihn als Aufrührer und seinem Schutzherrn , den Siebenbürgern 
zum Hohn, spiefsen liefs -). 

Sinan hatte die Festungen am rechten Ufer der Donau ge- 
nügend mit Mannschaft und Proviant versehen, bevor er sich 
nach Konstantinopel wandte ^). Hier erwartete ihn das Ab- 
setzungsdekret. Aber schon nach einigen Tagen wurde er durch 
den Tod Lala-Mohammeds (19. bis 22. November) wieder Grofs- 
wesir ^) und durfte sogar wagen, seinen ihm feindlich gesinnten 
Schwiegersohn Ibrahim , in Abwesenheit des Sultans , aus dem 
Diwan zu verjagen ■'). Einige Monate später wurde der Greis, 
in dem die unermüdliche Kampfeslust und der unüberwindliche 
Stolz der Paladine Solimans des Grofsen noch einmal aufgelebt 
war, im April, kurz vor Beginn eines neuen Feldzugs, durch den 
Tod ereilt. Andere sollten nun seine Fehler wiederholen , die 
Erfahrung seines Mifsgeschicks erneuern, ohne für das Wohl und 
den Ruhm des Reiches seinen Eifer, seine opferwillige Hingebung, 
seine bis ins höchste Alter wunderbare Arbeitskraft und vor 
allem sein unbedingtes Vertrauen auf die Überlegenheit der 



i) Siehe Heidenstein und Hurmuzaki III*, S. 244 ff. ; XII, S. 102, 
134—135, Nr. CCVII, 138, 146 — 148 u. a.; III'^, S. iSyff., 2i2ff., 4i2ff.; 
Suppl. II', S. 351 ff., 366 ff. , 409 ff. ; meine „Acte §i fragraente" I, S. 146 
bis 151 ; Reufsner a. a. O. S. isgff.; vgl. „Acte §i fragmente" I, S. 149 — 151; 
Hss. Czartoryski in Krakau 347, fol. 327 — 330. 

2) Hurmuzaki, Suppl. II', S. 371 — 372, 411 ; XII, besonders S. 237 — 238; 
III', S. 505; UV, S. 162—163. 

3) Ebenda IV», S. 207. 

4) Naima S. 66ff.; vgl. Hurmuzaki XII, S. 220, Nr. cccxx:\ni; IV-, 
S. 208, Nr. CLXXi. 

5) Ebenda. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 319 

Osmanen , seinen festen Glauben an die ihnen von oben über- 
trag'ene und ewige Mission einsetzen zu können. 

Von Sinan und dem gelehrten, von ihm hochverehrten Sead- 
eddin Khodscha beraten, hatte sich der junge Sultan entschlossen, 
sich selbst nach Ungarn aufzumachen, um die erUttene Schmach 
zu rächen und den Feinden und Aufrührern zu zeigen, dafs die 
Stunde des Verfalls seines mächtigen Reiches noch nicht ge- 
kommen sei. Der neue Grofswesir Ibrahim - Pascha sollte ihn 
begleiten. 

Gegen Michael, der jetzt dauernd in Gherghita residierte ^), 
wurde im Jahre 1596 nichts Ernsteres unternommen. Den von 
der Moldau aus gegen ihn aufgestellten Gegenfürsten Radu, 
Mihneas Sohn, schlug er aus dem Felde -) und verheerte das an 
die Walachei grenzende moldauische Gebiet. Zur Vergeltung 
für frühere türkische Unbill wurden im Frühling das bulgarische 
Plewna, in dem reiche Juden ansässig waren •■) , und im Herbst 
Babadagh, in der Dobrudscha ^), von Heiducken und Freibeutern 
ausgebrannt; ein Angriff auf Vidin mifslang. Auch eine mit 
einigen mifsvergnügten Bojaren angezettelte Verschwörung glückte 
ihren Urhebern nicht. Es kam zu Friedensverhandlungen, und 
Michael war durchaus geneigt, sein verwüstetes Land vor neuen 
Bedrängnissen zu bewahren ^). 

Die Walachei war nach türkischen Begriffen kein Streit- 
objekt, um das sich der Sultan in Person bemühen durfte; in 
Ungarn vielmehr wollte sich dieser für die gefallenen Krieger 
und verlorenen Städte rächen. Auch Sigismund Bäthory konnte 
in aller Ruhe nach dem Besitz des Banats streben ''). 



1) Siehe Hurmuzaki, Suppl. II', S. 379 — 3S0. 

2) Vgl. ebenda S. 377 ff, 411. 

3I Ebenda XII, S. 258, Nr. cccLXxni; S. 1259, Anra. Im allgemeinen vgl. 
ebenda IE >, S. 504 ff.; IIP, S. 504. 

4) Ebenda IV-, S. 221, Nr. CLXXxni ; XII, S. 276 — 277 und Anm. i; 
S. 279, Nr. ccccx. — Über angebliche Zusammenstöfse mit den Tataren ebenda 
8. 280 ff.; ein Brief des Khans aus Bender ebenda S. 286 — 287, Nr. ccccxx^riu. 

5] Vgl. Naima S. 69 71. 

6) Hurmuzaki III-, S. 194 ff. 



320 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

Am 20. Juni ^) verliefs Mohammed, an der Spitze von meist 
asiatischen Truppen -'), seine von Hoffnung"en erfüllte Hauptstadt; 
der Janitscharenag-a und Cigala ging-en vor ihm her. In Philip- 
popel fand festlicher Empfang statt. Weiterhin kam ihm Sinans 
Sohn Mohammed entgegen und mufste für die in Ungarn er- 
littenen Verluste büfsen. In Belgrad ■^) fand der Sultan alles für 
den Kriegszug vorbereitet. Nach dem Übergang über die Save 
beriet man über das Ziel der Unternehmung : eine Meinung war, 
Komorn, die andere, Erlau zu belagern. Im August befand sich 
das Lager bei Szegedin , wo der Beglerbeg Rums zum Sultan 
stiefs ^). Die jetzt offen ausgesprochene Absicht des jungen 
Herrschers war, wie ,,sein Grofsvater Soliman, der nun im Para- 
diese weilt" •''), Wien selbst zu belagern ^). 

Noch im tiefen Winter hatte Erzherzog Maximilian, der neue 
Befehlshaber in Ungarn, den Versuch unternommen, sich durch 
einen Handstreich Szolnoks zu bemächtigen. Im Frühling über- 
fiel die Besatzung Segnas (Zenggs) Klifs und eroberte es; die 
wichtige Festung ging aber im Juni wieder an die Türken ver- 
loren, und die unter Lembkowitz herbeieilenden Christen erlitten 
eine schwere Niederlage '). Ein nach Bosnien unternommener 
Zug Herbersteins führte, trotzdem die dortigen ,,Walachen", zu 
Serben gewordene Rumänen , die unter ihren Erzpriestern und 
Dorfknesen sich fast völliger Freiheit erfreuten, die Ankunft der 
Christen freudig begrüfsten , zu keinem dauernden Erfolge : bei 
Ankunft des in Vidin befehligenden Hafiz- Ahmed gaben jene 
die Belagerung der Feste Kostanitza wieder auf; nur vor Petrinia 
schlug der Befehlshaber der Festung, der serbische Walache 
Daniel Frincul, den türkischen Pascha. 

1) Den 10./20., nach einem Briefe des moldauischen Fürsten; Hurmu- 
zaki, Suppl. IP, S. 390 — 391. 

2) Ebenda XII, S. 248; vgl. den Brief Michaels ebenda S. 269, Nr. CCCXCI. 

3) Am 14. Juli war der Sultan in Sofia; ebenda XII, S. 1259, Anm. 

4) Naima S. 71 — 73. 5) Hurmuzaki, Suppl. II', S. 411. 

6) Es soll auch das Vermächtnis seines Vaters gewesen sein; Reufsner Buch 
XIV, S. 127; vgl. V^ratislaw a. a. O. S. 438 ff. 

7) Reufsner Buch XIV, S. 185 ff. Vgl. J. N. Tomitsch, Grad Klis im 
Jahre 1596 (serbisch), Belgrad 1908. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 321 

Ein Anschlag der Türken auf Lippa (im Mai) glückte nicht ^), 
ebensowenig der des siebenbürgischen Fürsten auf das starke 
Temesvär (lO. bis 24. Juni). Auch die Ankunft des tatarischen 
Khans führte zu nichts Entscheidendem ; er verwüstete ohne Er- 
Ermächtigung des Sultans, der ihn dafür absetzte, ohne ihn ver- 
jagen zu können-), die Walachei; aber seine Absicht, darin 
Simeon, den Bruder des leremia, zum Fürsten einzusetzen, er- 
reichte er nicht, und seine Tataren hatten im Banat unglückliche 
Zusammenstöfse mit Sigismund Bäthory, der, wie gesagt, bis in 
den Juli Temesvär vergebens belagerte ^). Die von Michael unter- 
nommene Belagerung der Festung Turnu, des alten ,,Klein-Niko- 
polis" am linken Donauufer, war ebenfalls ergebnislos. 

Indessen besetzte das grofse kaiserliche Heer noch vor der 
Ankunft des Sultans das verlassene Väcz *) und ging am 15. August 
an die Belagerung Hatvans : die Festung wurde am 3. September 
durch einen glückUchen Zufall ■') erobert, Arslan-beg, ihr Befehls- 
haber, im Kampfe getötet; darauf mordeten die Christen die 
ganze rauselmanische Bevölkerung und wüteten sogar noch gegen 
die Toten aufs entsetzlichste; aber bei Annäherung des Sultans 
wagte niemand die Verantwortlichkeit der Verteidigung Hatvans, 
das geschleift wurde, zu übernehmen *'). 

Am 22. September ''), noch vor dem Eintreffen der Tataren 
— der Khan kämpfte mit seinem aufständischen Bruder Feti, 
den er 1597 töten liefs •'^) — , begannen die türkischen Geschütze 

i) Hurmuzaki III-, S. 507 — 508; VIII, S. 198, Nr. ccxc: Brief Sigismunds. 

2) Ebenda Suppl. IP, S. 407. 

3) Ein Brief des Paschas Ahmed von Temesvär und des Tschausch' Bostandschi- 
Hussein, in der Bibl. Ambrosiana, H. S. III, 19, fol. 203. — Ein anderer, des 
englischen Agenten in Konstantinopel, denselben auch von Ahmed empfohlenen 
Hussein betreffend (14. Mai 1595), ebenda fol. 194 vo, 230 — 231 ; vgl. Hur- 
muzaki in-, S. 197 — 198, 201 — 203, 204ff. 

4) Reufsner Buch XIV, S. 191. 

5) Ebenda S. 191 — 192. 

6) Die Beschreibung der Belagerung Hatvans durch Nikolaus Gabelmann wird 
im Staatsarchiv von Wien, Hungarica 1596, ,,sine mense et die", handschriftlich 
aufbewahrt. 

7) Hurmuzaki III"-, S. 214, Nr. ccxxxrv'n. 

8) Ebenda Suppl. II*, S. 423 — 424. — Über die Befürchtungen, die ihr 
Marsch erregte, siehe ebenda XII, Jahr 1 596, passim ; vgl. oben S. 305 ff. Siehe 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. Hl. ^1 



323 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

Erlau zu beschiefsen. Die Stadt fiel sogleich, die Festung- aber 
wurde von Paul Nyary hartnäckig verteidigt. Zu ihrer Rettung 
glaubte Erzherzog Maximilian mit allen Kräften herbeieilen zu 
sollen. Aber am I2. Oktober'), nach einem wilden Sturm- 
angriff der diesmal unter den Augen ihres Kaisers kämpfenden 
Türken, übergaben die deutschen und wallonischen Söldner auch 
die Burg. Der Besatzung sicherte der Inhalt der Kapitulation 
das Leben. 

Am i8. vollzog sich Maximilians Vereinigung mit dem aus 
seinem Lager bei Grofswardein herbeigekommenen siebenbürgi- 
schen Fürsten ') ; das gemeinsame Heer zählte wenigstens 40000 
Mann und verfügte über 95 Geschütze. Am 22. stand es in der 
Keresztes-Ebene an einem grofsen Sumpfe. Hier traf Maximilian 
auf die Osmanen unter persönlicher Führung des Sultans. 

Am ersten Schlachttage (den 23. Oktober) gaben die Ge- 
schütze den Christen ein Übergewicht, von türkischer Seite aber 
trat nur der Vortrab unter Dschafer- Pascha ins Gefecht. Erst 
tags darauf griff der Sultan selbst ein. Es gelang den Christen, 
am 24. einen Versuch des Vortrabs unter Hassan Sokoli, Sinan, 
dem Sohne Ferhads und Cigala, sie zu umgehen, rechtzeitig zu 
vereiteln ; dabei fiel der Beglerbeg von Asien. Am vierten Tage, 
dem 26., wurden die türkischen Streitkräfte, die über den Sumpf 
zum Angriff herübergekommen waren, zurückgeworfen. Vergebens 
mahnten vorsichtige Warner die Sieger, die Osmanen nicht in 
ihrem Lager aufzusuchen : die heifsblütigcn Ungarn und besonders 
der ehrgeizige Bathory ^) drangen mit ihrem Verlangen , den 
Sumpf in ihren Rücken zu bringen, durch. Sie fanden das 
türkische Lager von Verteidigern fast entblöfst, beinahe alles 
war geflohen; aber der beleibte und furchtsame ,, Schahin-Schach 
der Welt", der sich schon vor der Schlacht hatte zurückziehen 



auch Hurmuzaki XII, S. 310; vgl. S. 313—314, Nr. ccccLXX ; S. 315 — 316, 
Nr. ccccLXXVi; S. 325 — 326, Nr. ccccxc. 

ij Ebenda Suppl. II \ S. 401: Brief eines polnischen Gesandten als Augen- 
zejgen. 

2) Reufsner Buch XIV, S. 155, 165 ff. 

3) Brown a. a. O. S. 247— 24S, 258. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 333 

wollen, war nicht auf dem VVeye nach Szolnok, wie die Christen 
vermeinten, sondern weilte in seinem von Wesiren und Paschas, 
der eigentlichen Garde und der ganzen Artillerie geschützten 
kaiserlichen Zelte ^). Im Siegesräusche und der Gier nach Beute 
löste sich die Ordnung des christlichen Heeres, besonders der 
deutschen Söldner vollständig auf. So wurden die Eingedrun- 
genen von den zurückgebliebenen Trofsknechten des türkischen 
Heeres angefallen, dann von den unter Sinan Cigala und den 
Tataren Feti - Girais -) zurückgekehrten Spahis und Janitscharen 
in die Flucht gejagt und zu Tausenden elend hingemetzelt. 
Erzherzog Maximilian floh nach Miskolcz. Nur Teufifenbach und 
Palffy gelang es, ihre Truppen zu sammeln und in leidlicher 
Ordnung zurückzuziehen. Die übrigen wurden vernichtet oder 
für immer auseinandergesprengt. Die von Maximilian zur Feier 
des Sieges angeordneten Festlichkeiten waren eine elende Ko- 
mödie. 

Mohammed zog mit einem zwar an Zahl geschwächten 
Heere ^), unter Cigjila als Grofswesir und Hassan - Pascha , nach 
Belgrad — die , welche geflohen waren , verloren ihre Timars 
und manche auch ihr Leben; der Pascha von Ägypten wurde 
abgesetzt ^). Der Erzherzog dagegen hatte aus der unerwarteten 
Katastrophe so gut wie nichts zu retten vermocht ^). 

Dennoch kehrte Mohammed, den die Arzte für krank er- 
klärt hatten , niemals mehr nach Ungarn zurück *•) , obwohl ein 
neuer Zug dreimal feierlich ausgerufen wurde ") , und bis gegen 
Ende des 17. Jahrhunderts erschien auch kein anderer Sultan 



i) Hurmuzaki III - , S. 224 — 225; vgl. eine christliche Nachricht aus tür- 
kischem Lager, ebenda Suppl. 11^, S. 401. 

2) Vgl. oben S. 321. 

3) „ II suo campo unito, fermato, numeroso et patron di tutta la campagna " ; 
ebenda IIP, S. 222, Nr. ccxlix ; Brown a. a. O. S. 244. 

4) N aima S. 93. 

5) Nur Babocsa, das die Türken belagerten, hielt sich aufs tapferste; vgl. 
aucli Hurmuzaki III-, S. 219 ff. , 499 ff. Für die Details der Kriegsbegeben- 
heiten siehe die in Keufsner, Narrationes S. 269 ff. veröffentlichten Berichte. 

6) Vgl. Spontoni a. a. O. S. 47. 

7) Brown a. a. O. S. 252, 255 — 256, 263. 

21* 



J534 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

mehr im Lande. Dem vierten Wesir Hassan blieb die Sorg-e 
für den ungarischen Krieg überlassen, denn auch der wieder in 
sein Amt eingesetzte Grofswesir Ibrahim kümmerte sich persön- 
lich ebensowenig um diesen wie um den Krieg gegen Michael, der 
nunmehr in direkte Beziehungen zum Kaiser getreten war und 
von seinem neuen Oberherrn 4000 schwere Reiter erhalten hatte. 
Infolge der Explosion einer Petarde gewannen die Kaiser- 
lichen Tata. Maximilian nahm Papa ein ; auch hier wieder hielt 
man die Kapitulation nicht, und die unbotmäfsigen Söldner ver- 
gossen wortbrüchig osmanisches Blut. Als man aber zur Be- 
lagerung von Raab schritt, kam Saturdschi-Mehemed ^) mit dem 
Beglerbeg von Asien und Hafiz- Ahmed von Belgrad heran; 
später stiefsen auch die Beglerbegs von Rum, von Ofen und zu- 
letzt der von Karamanien -) dazu. Sie entsetzten die gröfste Er- 
oberung Sinans (September 1597); der neue Seraskier konnte auch 
Tata und Väcz wieder einnehmen; die Kaiserlichen wagten nicht, 
ihm eine Schlacht zu liefern. Erst als Saturdschi dann das stark 
befestigte christliche Lager angriff, fand er erfolgreichen Wider- 
stand, und so bezog er das Winterlager in Pest, gerade als 
Sigismund Bäthory die Belagerung von Temesvär aufhob ^). 

Bald darauf aber sollte der letztere sein Land gegen die 
schlesischen Herzogtümer an den Kaiser abtreten. Mit den 
Türken hatte er vergebens unterhandelt. Schon am 4. Sep- 
tember 1596 war Ali-Tschausch in Weifsenburg eingezogen*); 
im selben Jahre riet Hassan Sokoli dem Siebenbürger zum 
Frieden unter den gleichen Bedingungen wie zur Zeit des 
grofsen Soliman ^). In den ersten Monaten des Jahres 1597 
suchte dann auch die Mutter des Sultans eine Versöhnung mit 
Sigismund herbeizuführen. Dieser verlangte die Entsendung eines 
Hofbeamten des Sultans, um ihm Anerbietungen zu machen; 



1) über die Zahl der ihm zur Verfügung stehenden Kräfte Hurmuzaki 
1112, s. 257—258. 

2) Naima S. loo; Hurmuzaki XII, S. 1269. 

3) Darüber Berichte in Hurmuzaki III-'. 

4) Hurmuzaki III-, S. 505flf.; Reufsner a. a. O. S. laSff. 

5) Hurmuzaki IIP, S. 208 — 209, 2roft'. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 335 

er empfing- den Tschausch-Ali und schickte im April einen ei.s^enen 
Gesandten, Martin, mit ihm nach Konstantinopel zurück ^). ,,Wir 
wol wüssten dass du solches vonn dir selbst nit gethan hast", 
damit entschuldigten die Türken den Abfall ihres früheren Schutz- 
befohlenen, und der Grofswesir Ibrahim wälzte, ebenso wie Sigis- 
mund selbst , alle Schuld auf Sinan, Mohammed , der dritte 
Wesir, erinnerte an die Zeiten, da er als Tschausch in Sieben- 
bürgen geweilt hatte, ,,und hab viel Brotts mit deinen Vattcni 
gessen, und ist mein Freindt gewesen". An Versprechungen 
mangelte es nicht: ,,Du wirst sehen das deine Reputation grosser 
werden wirdet dann zuvor . . . Du wirst über andere Khunig 
höcher und ehrlicher gehaltten werden, unnd dein Land wirdt 
zufriden bleiben." Der englische Agent Burton bemühte sich 
ebenfalls um Vermittlung des siebenbürgischen Friedens 2). Aber, 
statt die dargebotene Hand anzunehmen ■'), belagerte Sigismund, 
der auch Csanad besetzte, vom 16. Oktober bis zum 26. No- 
vember Temesvär und schlofs schon 1597 das Abkommen mit 
dem Kaiser ab , das diesem Siebenbürgen überliefs. Im Mai 
1598 verliefs er auch seine Erbschaft. 

Seitdem der ungarische Krieg nicht mehr vom Sultan oder 
Grofswesir ^) geführt wurde , zog er sich in die Länge und be- 
stand nur noch aus Unternehmungen gegen Grenzstädte und 
Grenzschlösser. Am 29. März 1598 nahm Schwarzenberg mit 
wenig Truppen, wieder durch Verwendung einer Petarde ^), Raab 
ein und erbeutete hier 188 Geschütze*^); auch Tata und Palota, 
später Veszprem, kamen in kaiserlichen Besitz '). Die nun unter 
kaiserlichen Fahnen kämpfenden Siebenbürger verteidigten Csanad 

i) Vgl. Hurmuzakilll-, S. 239 ff., 252 ff. ; Browna. a. O. S. 268—269, 272. 

2) Hurmuzaki XII, S. 1261, Anm.; vgl. IIP, S. 513. 

3) Ebenda S. 1261, Anm. 2, S. 1263, Anm. 

4) Im Oktober 1597 trat Hafiz-Hassan-Hadum als Wesir an Ibrahims Stelle; 
Brown a. a. O. S. 292, 299; im April 1598 folgte ihm Mohammed; ebend.i 
S. 318. 

5) Siehe Beschreibung dieser kriegstechnischen Neuheit von seiten eines 
Türken in Naima S. lli — 112. 

6) Hurmuzaki IIP, S. 5 14 ff. 

7) Naima S. 115. Vgl. Pray, Epistolae procerum III, S. 250—260. 



336 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

gegen die Türken von Temesvär, dessen Pascha bei Lugas am 
7. Juli eine Niederlage erlitt. 

Die Rückkehr des seiner neuen Stellung bald überdrüssigen 
Sigismund, den seine ehemaligen Untertanen mit Jubel empfingen 
(20. August 1598), trug gewifs nicht zur Klärung der verwickel- 
ten Verhältnisse bei. Saturdschi Mohammed kam mit zahlreichen 
Truppen von Konstantinopel über Belgrad heran, vereinigte sich 
im Lager von Becskerek mit den später eintreffenden Tataren, 
die unter dem Befehl des wieder zu Gnaden aufgenommenen 
Khans standen ^) , und besetzte Csanäd und Arad -). Friedens- 
vorschläge des Siebenbürgers wurden jetzt vorläufig unhöflich 
abgewiesen. 

Der Belagerung Alt -Ofens von deutscher Seite, die unter 
Erzherzog Matthias 40 Tage dauerte •"), entsprach die Belagerung 
des von Deutschen und den Italienern Isolanos verteidigten Grofs- 
Wardein (Oktober bis November 1598)^); der Serdar verfügte 
nicht über die erforderliche Artillerie , um die starken Mauern 
zu brechen , und die Tataren waren gewifs nicht das beste Be- 
lagerungsheer. Saturdschi mufste unverrichteter Sache abziehen, 
und die schlechten, vom Herbstregen aufgeweichten Wege 
machten diesen Rückzug in seinen Folgen zu mehr als einer 
Niederlage '). Die verhungerten Janitscharen beraubten die Geld- 
wagen und vergriffen sich an dem Generalissimus, der daiür 
später mit dem Tode büfste ''). Durch Vermittlung des eng- 
lischen Agenten Burton und des geschickten Patriarchen Meletios 
Pegas von Alexandrien war im Juli 1597 eine Versöhnung zwischen 
dem Sultan und Michael zustande gekommen'), aber bald 
schwor letzterer am 9. Juni 1598 in der Dealkirche bei Tirgoviste 

1) Vgl. Hurmuzaki, Suppl. II', z. J. 
2 1 Vgl. auch den Brief Michaels, ebenda XII, S. 364 ff. 
3) Er nahm auch Tata; Istvanffy S. 449. 
■'4) Siehe aucli Sp o n toni S. 65 ff. 

5) Naima S. 122 — 123. 
■ 6) Ebenda; vgl. „Mon. Hung. Hist., Dipl." III, S. 97 ff. 

7) Brown a. a. O. S. 26c, 263, 265, 272, 1303 — 1304; vgl. Hnrmuzaki 

XII, s. 1260; xm, s. 345ff.; ni', s. 516—517, 518—522: iii-, s. 229—330; 

Suppl. li\ S. 418 — 419, 484; IV-, S. 222 ff. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 327 

den kaiserlichen Kommissaren den Treueid; diese hatten für den 
Kaiser die Verpflichtung- übernommen, Michael loooo Söldner 
zu besolden ^). 

Michael vernachlässigte aber nicht seine Beziehung-en zu den 
Türken. Schon 1597 hatte er 6000 Dukaten als einen Teil des 
Tributs, wahrscheinlich eines verminderten Tributs, an die Pforte g-e- 
schickt -): diese beanspruchte jetzt 30000 Dukaten für die Moldau 
und nur 20 000 für die Walachei •'). Später — 1599 — verlangte 
Michael sogar, dafs die Pforte für drei Jahre auf den Tribut ver- 
zichte und die Donaugrenze respektiere ^). Als er auch in den 
Besitz Siebenbürgens (Oktober) gelangt war, erbot er sich endlich, 
im ganzen 80000 Taler imd aufserdem ein Geschenk von 16000 
zu leisten ■'). 

Schon 159S aber griff die vor drei Jahren von Michael er- 
beutete Artillerie die Donautürken wieder an *'). Als er die Nach- 
richt erhielt, dafs Radu Mihnea von neuem zum Fürsten der Wa- 
lachei ernannt worden war und Hafiz-Ahmed, der Pascha Ahmed 
von Silistrien , des Khans Schwiegersohn , und die Tataren der 
Dobrudscha den Flufs überschritten hatten, rückte Michael selbst 
imter dem Vorwande dieser Friedensverhandlungen ins osmanischc 
Gebiet und schlug Hafiz mit zwölf Sandschaks bei Nikopolis, das 
in Feuer aufging; walachische Reiter schweiften bis Swischtow, 
Rachowo, Florentin, Kladowo, Zaridal, Vraca und Plewna und 
brachten zahlreiche bulgarische Ansiedler zurück. Vidin er- 
wartete, nach Besiegung des dortigen Paschas, das gleiche Schick- 
sal. Dann gingen Truppen gegen Silistrien und die Moldau vor; 
doch brachte der Eintritt des harten Winters auch auf diesem 
zweiten Kriegsschauplatze eine Unterbrechung der Feindselig- 
keiten mit sich '). Im Frühling hatte aber Michael neue Zu- 



i) Hurmuzaki IIP, S. 287 ff.; vgl. ebenda XII. 

2) Ebenda S. 522 — 523; IV-, S. 227. 

3) Ebenda III -, S. 173. 

4) Ebenda IV 2, S. 238. 

5) Ebenia S. 250, Nr. rcxxi. 

6) Ebenda III, S. 521 — 522. 

7) Das Epos Stavrinos', eines Schatzmeisters Michaels; Separatausgaben oder 
in l'apiu I; in Legrand, Recueil, Paris 1877; die Landeschronik, die sieben- 



B38 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

sammenstöfse mit den Türken, die angeblich die Besatzung von 
Giurgiu verstäricen sollten ^). 

Zu Anfang- des Jahres 1599 stand Sigismund, der mit den 
Türken im Kampf lag, an dessen Stelle der rumänische Nachbar 
gern getreten wäre und den die Kaiserlichen als flüchtigen Herzog 
von Oppeln und Usurpator des Reichslandes Siebenbürgen be- 
trachteten, mit den letzteren sowohl wie mit den Polen in den 
schlechtesten Beziehungen. Während er noch von Rudolf II. 
höhere Pension und ein besseres Dominium in Böhmen verlangte, 
hatte er schon seinen Vetter Andreas, der Kardinal und polni- 
scher Bischof von Ermeland war, ins Land gerufen und liefs 
ihn auf dem Landtage von Mediasch (am 27. März) zum Fürsten 
erheben. 

Sobald er Siebenbürgen in Besitz genommen hatte, knüpfte 
Andreas mit dem türkenfreundlichen Moldauer, der sich auf die 
Polen stützen mufste , und mit den Türken selbst Beziehungen 
an. Der Grofswesir Ibrahim, dem (im Dezember 1598) an Stelle 
Dscherah-Paschas wieder die Reichssiegel anvertraut worden waren, 
zeigte sich geneigt, mit Siebenbürgen Frieden zu schliefsen. 
Durch den Tataren - Khan -) , der früher mit den Kaiserlichen 
unterhandelt hatte, dann durch eigene Briefe aus dem Monat April 
und den vom 7. Juni liefs er an den Pascha von Temesvar, 
den Grofswesir und den ,, Kaiser" Friedenseröffnungen ergehen ^) 
Die Türken wollten aber auf die Abtretung Lippas und Jenös, auf 
die Anerkennung der Vasallenverhältnisse der Walachei, die Ver- 
minderung des Tributs und sechsjährigen Verzicht auf denselben 
nicht eingehen '). Trotzdem waren am 7. November die Zeichen 

bürgische Chronik Szamosközys in „Mon. Hang. Hist."; die serbischen An- 
nalen; dann die Briefe und Berichte in Hurmuzaki IIP, S. 324: XII, S, 395^ 
401, 406, 4o8flf., 414—415, 417, 420, 431, 1246; IIP, S. 300ff., 520—521. 
Vgl. wie gewöhnlicli die Darlegungen Sirbus' a. a. O. Siehe auch Naima 
S. 127— 129. 

1) Hurmuzaki IIP, S. 524—526; XII, S. 426; IIP, S. 524—525, 
Nr. DCXLix— dcl; S. 433, Nr. dclxiv, S. 434, Nr. dclxv. 

2) Vgl. ebenda IV», S. 199 ff. 

3) Vgl. ebenda IIP, S. 320 ff., 425; XII, S. 445, Antn. 

4) Vgl. ebenda IIP, S. 528-529; IV', S. 233»., 448-449: XII, S. 452 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 389 

der türkischen Bestätig-ung- für Andreas, Pferd, Streitkolben, Ja- 
nitscharenhut und rote Fahne, den siebenbürgischen Gesandten 
schon zugestellt worden ^). Caraiman, der moldauische Agent, 
und der Tschausch Mustafa hatten den Frieden zustande ge- 
bracht -). Auch Michael, der die Oberhoheit des neuen sieben- 
bürgischen Fürsten am 26. Juni anerkannte, erklärte sich im An- 
gesicht der unter Serdar Mahmud-Pascha von Vidin bei Rasgrad 
versammelten Truppen •^) bereit, seine aufrührerische Haltung auf- 
zugeben ■*). Die Donaugrenze wurde ihm bewilligt, ein dreijähriger 
Verzicht auf den Tribut zugestanden; er erhielt vor dem Aufbruch 
Ibrahims von Belgrad nicht allein die Fahne als Zeichen der 
Bestätigung, sondern auch die üblichen Geschenke, die ein von 
fast 60 Personen begleiteter Osman-Aga Tschausch darbrachte ■'■) ; 
doch fehlte es nicht an einem Versuche, ihn eben damals durch 
eine Verschwörung zu beseitigen ''). Ibrahim erhielt dennoch 
1 5 000 Dukaten vom Tribute '). 

Im Mai, bevor Ibrahim, der den Saturdschi angeblicher ge- 
heimer Beziehungen zum tatarischen Khan wegen in Belgrad er- 
drosseln liefs, auf dem Kriegsschauplatze erschien ^), griffen die 
Kaiserlichen Stuhlweifsenburg an, aber diesmal brachte die sonst 
Wunder wirkende Petarde keinen Erfolg. Da die Tataren des er- 
zürnten Khans sie im Stich liefsen, hatten die Türken Ibrahims, der 
aus Konstantinopel am 15. Mai aufgebrochen war, keine Neigung, 
auf diese Herausforderung einzugehen. In Pest angelangt, blieben 



bis 453; auch einen Brief des Temesvärer Paschas an den Fürsten, Florenz, 
Magliabecchiana 37, 4, 87, Nr. 4— 5. Auch Hurmuzaki IV, S. 231 — 232. 

1) Hurmuzaki III», S. 531«.; HI«, S. 230; IV«, S. 241 ; XII, S. 493, 
496 ff., 1276; die Briefe in der Handschrift Czartorysky 362, S. 89 ff. 

2) Hurmuzaki XII, a. a. O. ; Suppl. II', S. 534- 

3) Ebenda IV-, S. 230. 

4) Vgl. ebenda IIP, S. 528«.; IV-, S. 238; XII, S. 153, 447. 462—463, 
47S, 497 — 499. — Walachische Streifereien im Sommer; ebenda XII, S. 448. 

5) Ebenda lU', S. 528 — 529; XII, S. 477—478, Nr. DCCLvm. 

6) Ebenda; vgl. S. 480, Nr. DCCLXUI; S. 515, Nr. DCCCXXvn; III», S. 529 
bis 530. 

7) Ebenda S. 500. 

81 Naima S. 129 — 135. 



Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

sie dort längere Zeit ruhig- im Lager liegen ^). Nachdem der Khan^ 
längere Zeit ohne Ergebnis die Vermittlerrolle gespielt hatte -), 
unterhandelten im September die Kommissare des Kaisers, der 
Erzbischof Johann Kutassy von Gran, Pälfify, der bekannte Kriegs- 
hauptmann, David Ungnad, der früher Gesandter in Konstan- 
tinopel gewesen war, jetzt aber Bedenken trug, sich auf irgend 
etwas einzulassen, und der erfahrene Rechtsgelehrte Dr. Bartholo- 
mäus Pezzen mit den türkischen und tatarischen Befehlshabern, 
mit Murad-Pascha von Bosnien, der ,,ein alter feiner Mann" •') 
war, mit Ahmed, dem Aga des Khans, und Mohammed Ketkoda, 
denen der Grieche Alexander der Paläologe, nunmehr ein Günst- 
ling des Khans, als Dolmetsch und Berater diente ^). Auf einer 
Donauinsel bei Gran fand die Zusammenkunft statt : da aber die 
Türken die ihnen abgenommenen Städte und Schlösser zurück- 
verlangten und die Deutschen dagegen Siebenbürgen und die 
Walachei, oder wenigstens die Neutralität der letzteren wollten 
mit dem Recht des Kaisers, die Fürsten zu ernennen, und aufser- 
dem noch Grofs -Wardein , Erlau, diese Eroberung des Sultans, 
und Hatvan beanspruchten, so waren die Verhandlungen schon 
am ersten Tage, dem 5. Oktober, zu Ende. Die Forderungen 
der Christen, antworteten die osmanischen Unterhändler, sind 
„ein solche Sachen die unsern Chisilgiebassa, das ist der Aesopi 
Fabeln gleich sein, welcher, zur Zeit als er Massla gefressen imd 
frölich war, auch solche Begeren gethan" •'). Die Besetzung 
einiger unbedeutenden, von den Christen verlassenen Häuser und 
furchtbare Raubzüge der Tataren, die niemand hindern konnie, 
schlössen das Jahr ab. 

Wenige Tage nach der Zusammenkunft bei Gran gewann 
Michael das von Andreas schlecht verwaltete, von den Kaiser- 



i) Naima S. 137; vgl. Hurmuzaki IV-, S. 2336".; XII, S. 426, Nr. dcxlix; 
S. 430, Anm., 431-432, 434, Nr. üclxv. 

2) Siehe besonders ebenda IIP, S. 323(1.; VIII, S. 201; IV ', S. 329-330. 

3) Ebenda XII, S. 1208. 

4) Siehe ebenda S. 45S , Nr. dccxxu und Anni. ; S. 459, Nr. dccxxvu; 
S. 460 — 462 und Anmerkungen, 465 — 467, 491, Nr. dcclxxxui ; S. 1274— 1276, 
Anm.; III*, S. 346, 363 — 364; III'; vgl. „Mon. comitialia Hungariae" IV. 

5) Hurmuzaki XII, S. 563, Nr. c.mxiv. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 331 

liehen seinem Schicksale überlassene Siebenbürgen im Namen 
Kaiser Rudolfs, dessen Stellvertreter er sich nannte, durch die 
einzige Schlacht bei Hermannstadt (am 28. Oktober). Ibrahim 
erhielt die überraschende Nachricht bei Erlau, als er sich nach 
Belgrad begab ^) ; gleichzeitig gelangten nach Konstantinopel 
Briefe Mahmuds, die berichteten, dafs Michael sich mit 15000 
Mann und 40 Geschützen nach Siebenbürgen geflüchtet und hier 
,, viele Dörfer, Burgen und starkbevölkerte Orte verwüstet und 
verbrannt habe"; der rumänische Gesandte und seine Gefährten 
wurden daraufhin sogleich in Gefangenschaft gesetzt -'). Aber 
Michael beeilte sich, durch einen slawonisch geschriebenen Brief 
— Saturdschi schrieb rumänisch ^) — die tatsächlichen Vor- 
gänge zur Kenntnis der Pforte zu bringen, und der F'riede an 
der Donau, wo der junge Fürstensohn Nicolae Petrascu, vom 
Wornik Dimitrie beraten, in Abwesenheit des Vaters waltete, er- 
litt keine Störung ^). Die im November ins Land fallenden Donau- 
truppen, die mit einem neuen Thronprätendenten Basarab bis Buka- 
rest g-edrungen sein sollen, zogen sich jedenfalls bald zurück ^), 
wenn diese Nachricht überhaupt der Wahrheit entspricht. Michael 
verlangte als Herrscher von Siebenbürgen für sich und seinen 
Sohn die Zeichen der kaiserlichen Bestätigung *'); und in der Tat 
weilte im März 1600 der Tschausch Hussein in Siebenbürgen, 
angeblich allerdings nur im Auftrage des Grofswesirs '). Wesir 
Mahmud blieb an der Donau stehen, um die weiteren Bewegungen 
des ,,Walachen" zu überwachen ''^). Jedenfalls war das Zustande- 

1) Nai m a S. 140. 

2) Hurmuzaki lU', S. 531 ff.; IV ', S. 440 ff. ; XU, .S. 497-499. 

3) Ebenda Suppl. II', S. 416. 

4j Ebenda. Vgl. aucli S. 519 über die Befreiung der türkischen Gefangenen 
in Siebenbürgen durch Michael; S. 559—560, Nr. CMV — CMVI. 

5) Ebenda S. 520. 

6) Ebenda S. 644-645, ^'r. miv. vgl. S. 663, Nr. MXXV; S. 676 — 677, 
Nr. MXLin; ebenda IV", S. 165 — 166; vgl. ebenda S. 264, 278—279, Nr. ccxxxrn. 

7) Ebenda XII, S. 765; S. 768, Nr. MCXXXVi; S. 770, Nr. mcxli; S. 776, 
Nr. MCXLV: S. 780, 7S4, 790 — 791, 793, 806, 828; vgl. ebenda Suppl. II S 
S. 589, Nr. cccxni. 

8) Ebenda S. 802, Nr. MCLXVi; S. 894, Nr. mccxlvi ; vgl. die falschen Briefe 
Miciiaels ebenda IV', S. 250, 255, 278—279 und Szädeczky a. a. O. S. 4146- 



333 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

kommen des Friedens jetzt noch mehr erschwert worden, und 
zu den schon bestehenden Fragen eine neue hinzugetreten : die 
nach der Berechtigung des „Walachen", sich in Siebenbürgen, 
das seine Herrschaft nicht wünschte, einzumischen ^). 

Die Türken freiUch verhielten sich den Unternehmungen 
Michaels gegenüber im allgemeinen dauernd ziemlich passiv. Sein 
Einfall in die Moldau , die Verjagung des leremia nach Polen, 
die Besetzung der Landeshauptstädte (im Juni 1600), und weiter 
der Aufruhr der Siebenbürger gegen den Rumänen, die Ver- 
einigung der Stände mit Georg Basta, dem kaiserlichen Befehls- 
haber in Nordungarn, der mit dem ,,Waida" seit einiger Zeit 
persönlich verfeindet war, die Niederlage des letzteren in der 
Schlacht von Miriszlö (am 18. September) liefsen die Pforte 
ebenso gleichgültig wie ein neuer Einbruch Zamoyskis, der seinen 
Schützling wieder auf den Thron der Moldau setzte und mit 
dessen Bruder Simeon in die Walachei eindrang. Michael mufste 
sich nach mehreren unglücklichen Treffen, deren wichtigstes bei 
Bucovel stattfand ^) , aus dem Lande zurückziehen und wandte 
sich mit Klagen über das Verhalten Bastas an den Kaiser, der 
dasselbe in der Tat nicht gutgeheifsen hatte. Erst nach der 
Flucht Michaels erinnerte sich die Pforte, dafs die Walachei von 
Rechts wegen noch immer ein ihr tributäres Land sei und ernannte 
auch diesmal ohne Erfolg zum vierten Male •'•) den Radu Mihnea 
zum Fürsten der Walachei, die die Polen mit ihrem Fürsten ein- 
genommen hatten. Im Februar 1602 verzichteten die Türken 
dann auf ihre Kandidatur und schickten Simeon Movilä die Zeichen 
der fürstlichen Gewalt; Radu, der einige Zeit hindurch von der 
Familie Buzescu tatkräftig unterstützt worden war, flüchtete wieder 
nach Konstantinopen). Aber als Radu Serban, ein Parteigänger 
des 1601 von Basta in Siebenbürgen ermordeten Michael, mit 

1) Vgl, über den Verlauf des Tiirkenkriegs bis 1600 auch die „Relatione" 
Paolo Sartorios in Sansovino, Historia universale dell' origine et Imperio 
de' Turchi, Ausgabe 1600. 

2) Siehe darüber die rumänische Arbeit des Leutnants Zage ri^, Bukarest 1907. 

3) Auch 1 598 hatte er eine solche, leere Form bleibende Ernennung erhalten. 

4) Siehe meine Arbeit „ Contributiunl la istoria Munteniei" in den „Denk- 
würdigkeiten der rumänischen Akademie" XVIII; dann „Studil ^i documente" JV, 
Vorrede. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 33S 

Hilfe der Deutschen, die den wieder zurückgekehrten Sigismund 
Bathory verjagt hatten, und der nationalen Elemente die Walachei 
besetzte, erschien der ung-lückliche Kandidat der Türken zum 
fünften Male im wiederherg-estellten Giurgiu und in Silistrien, bis 
er seine Hoftnungen 1603 scheinbar endgültig begraben mufste '). 

Ein Blick auf die weiteren Veränderungen in Siebenbürgen 
kann nur dem Verständnisse der Kriegsbegebenheiten und 
Friedensverhandlungen nützen. In Siebenbürgen stellten sich 
nach der von Sigismund bei Goroszlö erlittenen Niederlage, 
Michael und Basta als Eroberer ein, dann blieb Basta durch sein 
politisches Verbrechen , die Ermordung seines Kriegsgefährten, 
auf kurze Zeit allein Herr im Lande, um seinerseits wieder Sigismund 
Platz zu machen. SchHefslich sah sich auch dieser genötigt, sich 
auf das ihm vom Kaiser überwiesene Leibgedinge zurückzuziehen, 
wo er mehrere Jahre darauf sein merkwürdiges Leben beschlofs. 

Von Temesvär aus machte nun Moses Szekely den Kaiser- 
lichen die Herrschaft streitig. Türkische Hilfstruppen unterstützten 
ihn, aber im Juli 1603 besiegte und tötete ihn Radu Serban. Bald 
waltete Stephan Bocskai in Kaschau wie ein König; sein alter 
Kamerad Sigismund Räköczy regierte nach ihm auch nur kurze 
Zeit gegen die rechtmäfsige Herrschaft der Deutschen. Endlich 
trat wieder ein Bathory, Gabriel, die Erbschaft seiner Verwandten 
Sigismund und Andreas an, ohne dafs sich die Pforte in diese fort- 
währenden Unruhen und Besitzwechsel eingemischt hätte. Sie 
schien von der natürlichen Entwicklung der Verhältnisse zu er- 
warten, dafs sie ihr die Suzeränität über die Donau- und Karpathen- 
länder von selbst wieder in die Hände spielen werde "-'). 

Nach 1599 war das ganze Augenmerk des Grofswesirs Ibrahim 
nur auf die ungarischen Zustände gerichtet ^). Unter den Christen 
in Ungarn herrschte dagegen Geldmangel, Unentschlossenheit und 
Unordnung und manchmal offene Empörung. 1600 erhob sich 
z. B. die französische Besatzung Papas, weil die 60000 Dukaten 
Subsidien, die man ihr schuldete, vorenthalten wurden ; sie mufste 

i) Ebenda. 2) Siehe auch weiter. 

3) Michael schickte zwar damals durcli seinen Agenten Dimo Geschenke iiacli 
Konstantinopel; Naima S. 14S. 



3S4 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

in aller Form belagert werden. Der herbeigfeeilte Schwarzenberg- 
fiel, und die gefang-enen Söldner büfsten schliefslich ihren Wider- 
stand mit ausgesuchten Qualen. In demselben Jahre ^) bereitete 
Ibrahim mit dem Janitscharen-Aga und den Tataren einen Angriff 
auf Gran vor, aber Räubereien der Heiducken riefen ihn gegen Ba- 
bocsa und Kanizsa ins Feld. Als der neue Generalissimus, der Herzog 
von Mercoeur, und Erzherzog Matthias zum Entsätze heranrückten, 
suchte der Wesir einen neuen Frieden zustande zu bringen. Die 
Kaiserlichen aber zogen vor, in offener Schlacht ihr Glück zu ver- 
suchen. Dabei bewiesen die Janitscharen eine in ihrer Geschichte 
unerhörte Feigheit; mit einigen hundert Spahis und Silichdars 
und mit den Toptschis mufste Ibrahim die Ehre der osmanischen 
Fahne retten ^). Nach mehreren für sie erfolgreichen Zusammen- 
stöfsen aber sahen sich die Christen durch Mangel an Lebens- 
mitteln zum Rückzug gezwungen, und nun ergab sich Kanizsa 
auf das Drängen der Ungarn (Oktober). Die Besatzung wurde 
mit der gröfsten Schonung behandelt. Auch Klein-Komorn fiel 
in die Hände der Osmanen '^). 

Am lo. Juli 1601 starb Ibrahim im Augenbhcke, als er die 
Friedensverhandlungen mit den Bevollmächtigten des Kaisers er- 
neuern wollte , in Belgrad ^) : sein Körper fand in der Moschee 
Schach-Zade seine Ruhestätte ^), worauf er als Gemahl der Sultanin 
Aischa Anspruch hatte. Nach dem Tode dieses besten türkischen 
Heerführers traten Aldobrandino und Giovanni de' Medici mit zahl- 
reichen italienischen Kreuzfahrern unter die Fahnen des Kaisers. 
Mit ihrer Hilfe schlofs man Kanizsa ein, und gleichzeitig begann 
Mercoeur am 9. September die Belagerung von Stuhlweifsenburg. 
Die Stadt fiel am 22. in die Hände der Christen ^). 

i) Vgl. das Kriegsprojekt Bastas , 4. Mai 1600; Hurmuzaki XII, S. 888 
bis 889, Nr. MCCXLl. 

2) Naima S. 152; vgl. S. 156 ff. 

3) Ebenda S. 155. 

4) Ebenda S. 160 — 161. Über die Verhandlungen Hurmuzaki XII, S. 838, 
Nr. Mccv ; S. 893, Nr. mccxlv; S. 907, Nr. mcclx ; S. 909, Nr. MCCLXiv; S. 923, 
Nr. MCCXCi; S. 1022, Nr. MCCCCLXIX; S. 1056, Nr. mdxxui; S. 1190—1191, 
Nr. MDCcxxxvni; S. 1196, Nr. mdccui; S. 1204, Nr. mdcclxvii; S. 1208—1209, 
Nr. MDCCLXxv; S. 12 14, Nr. mdcclxxxv. 

5) Naim a a. a. O. 6) Hurmuzaki III*, S. 534 — 536. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. JJJJ5 

Wenige Tage darauf erschien der neue ') Grofswesir Dsche- 
mischdschi Hassan, ein Albanese, um für die Eroberung Stuhl- 
weifsenburgs Rache zu nehmen-): am 15. Oktober traf er auf 
die Christen, deren Flügel sich an zwei Berge lehnten und deren 
Front durch eine tiefe Schanze geschützt war; die Osmanen 
mufsten aufserdem über einen Flufs setzen ^), um zum Angriff zu 
kommen. Wieder versagten die demoralisierten Janitscharen ^). 

Der Wesir verlor somit eine entscheidende Schlacht; 
Mohammed Munker - Kuschi , der Beglerbeg von Ofen, und 
Mohammed Ketkoda, der Kehaia Ibrahims, befanden sich unter 
den Toten ^). Kanizsa hielt sich doch bis zum Winter*'), und 
als die Christen dann abzogen, machten die endlich befrei- 
ten Osmanen im verlassenen Lager reiche Beute. Der Wesir 
war aber durch eine Revolte der Soldaten, die mit Steinen nach 
ihm warfen, verhindert worden, zum Entsätze herbeizueilen'). 
Die Aufhebung der Belagerung wurde doch als unvergleichlicher 
Waffenerfolg von osmanischer Seite gefeiert und brachte Hassan, 
dem Führer der Belagerten, die Würde eines Wesirs ein. 

1602 schien sich der Krieg wieder zugunsten der Osmanen 
wenden zu wollen. Hassan kam mit dem Janitscharen-Aga von 
neuem und schlug sein Lager vor Stuhlweifsenburg auf^); um- 
sonst wollte der Befehlshaber Erlaus Widerstand leisten : die aus 
Deutschen bestehende Besatzung übergab die hochwichtige Stadt 
(29. August). Während sich der Wesir dann gegen die Theifs 
wandte, um Lippa und Jenö einzunehmen und den Rebellen 
Moses Szekely zu unterstützen '^), griff der neue Oberbefehlshaber 
in Ungarn Ofen an, das zum zweitenmal in diesem Kriege ein 
christliches Heer vor sich sah ; und das früher von den Kreuz- 

i) Vgl. Hurmazaki, Suppl. II ', S. 154 — 155. 

2) Vgl. ebenda XII, S. 12 12, Nr. mdcclxxxi. 

3) Naima S. 167. 4) Ebenda. 

5) Bald darauf starb in Nürnberg auch Mercceur ; Istvanffy S. 480. 

6) Umständliche Beschreibung der Belagerung in Naima S. 168 ff. 

7) Ebenda S. 196 ff. 

8) Über die Stärke seines Heeres Hurmuzaki IV*, S. 307, Nr. CCL. 

9) Naima S. 204 ff. ; unedierte Bericlitc im Briefwechsel des Jahres l6o2,- 
Statthaltereiarchiv von Innsbruck. 



336 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 

zugssoldaten des Markgrafen Joachim von Brandenburg- vergebens 
bestürmte Pest wurde eingenommen und ausgeraubt. Einige 
Tage später besiegte der in Eile herang-ekommene Hassan die 
Belagerer Ofens, war aber nicht imstande, sie zum Rückzug zu 
zwingen, und einige Wochen hindurch, bis zum Abzug der Türken 
im späten Oktober, konnte man sich des sonderbaren Schau- 
spieles erfreuen, dafs ein christliches Heer Ofen und ein osma- 
nisches Pest belagerte, ohne dafs einer den Mut besessen hätte, 
eine offene Schlacht zu erzwingen. Etwas später zogen sich auch 
Rofswurmb ^) und Erzherzog Matthias zurück. 

Die Tataren waren viel zu spät in Ungarn erschienen : sie 
hatten im September unter dem Khan -) den Versuch gemacht, 
Radu Serban zu verjagen und den moldauischen Fürsten Simeon 
auf den Thron der Walachei zu erheben; aber, von den Truppen 
Bastas unterstützt, behauptete Radu seine befestigte Stellung beim 
Dorfe TeisanI am Teleajenflusse, und Gazi-Girai mufste sich 
zurückziehen ^). Durch diesen Erfolg ermuntert, erneuerte Radu 
seine Streifzüge über die Donau nach Silistrien und in die Do- 
brudscha *). Der vom walachischen Radu im Juli 1603 über Moses 
Szekely errungene grofse Sieg mufste, da der letztere vom 
Temesvarer Pascha Bektasch unterstützt worden war, als gegen 
die Türken gewonnen gelten ''). 

Im folgenden Jahre wurde der Sultan , gefährlicher Wirren 
in Konstantinopel wegen, durch Lala-Mohammed und den neuen 
Murad-Pascha von Ofen vertreten. Am 29. September erlitt der 
erstgenannte gegen die Belagerer Ofens eine Niederlage, die den 



1) Siehe über ihn A. Stauffer, H. Ch. Graf von Rusworm, Feldmaischall 
in den Türkenkämpfen, München 1884; F. W. Barthold im „Historischen 
Taschenbuch" IX, Leipzig 1838. 

2) Über das Erscheinen des Khans in Ungarn Naima S. 210 — 211. Er 
hatte zwei Jahre mit seinen Brüdern gekämpft. 

3) Vgl. die Briefe des kaiserlichen Befehlshabers Tommaso Cavriolo und 
Bastas in Hurmuzaki VIII, S. 253 — 255; Spontoni und die in „ Studii §1 
documente" IV, Vorrede, von mir gegebene Beschreibung; im erwähnten Werke 
auch einige Aktenstücke. 

4) Meine „Studii ^ii documente" a. a. O. ; Spontoni S. 216. 

5) Ebenda. 



^ % 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 337 

Paschas von Belgrad und Semendrien das Leben kostete ^). Im 
Winter kam Hatvan in die Gewalt Rofswurmbs -). 

Bald darauf, am i6. Dezember 1604 ^), schlofs Mohammed IV. 
im Alter von nur 37 bis 38 Jahren unerwarteterweise die Augen ^), 
und der Reg-ierungsantritt des Knaben Ahmed bedeutete eine 
Verstärkung- der Friedensaussichten ^). Verhandlung-en zwischen 
Ah von Ofen und den Kaiserlichen in Pest begannen. Pezzen 
führte sie für die let/.teren; der Bischof Stephan Szuhay, Thomas 
Erdödy, Adolf von Altham und Johann von Molart unterstützten 
ihn ; Cesare Gallo, Neg^roni und andere erfahrene Italiener dienten 
ihnen als Werkzeug-e. Aber die Forderung- der Türken, Erlau 
und Kanizsa behalten zu dürfen, machte diesem zweiten Friedens- 
versuche ebenfalls ein schnelles Ende. 

So unternahm denn im Frühling- der Grofswesir Jawuz-Ali 
die Führung- des Krieg-es , aber er starb bei seiner Ankunft in 
Belgrad. An seine Stelle trat Lala-Mohammed wieder: er hoffte 
das von den Christen beinahe verlassene Pest zu erobern , zog 
in Ofen ein, verstärkte Hatvan , eroberte Väcz **) und versuchte 
sich Grans zu bemächtigen. Doch war es ihm mit der begonnenen 
Belagerung nicht Ernst, und die Janitscharen zeigten üblen Willen; 
so machte der Wesir zu mehreren Malen Friedensvorschläge, die 
auf einen Austausch von Gran gegen Kanizsa hinausliefen '). Am 
14. Oktober hob er dann die Belagerung Grans auf^). 

Der Befehlshaber in Ungarn, Georg Basta, mufste dann gegen 
den Rebellen ,, König" Stephan Bocskai ins Feld ziehen, den 
die Heiducken auf den Schild erhoben , den die Türken feier- 



i) Nach Istvanffy; vgl. Naima S. 228ff. 

2) Tatarische Streifereien nach Westen hin, Hurmuzaki VIII, S. 261. 

3) Ebenda Suppl. II-, S. 327. 

4) >^aima S. 249 — 251 ; Brown a. a. O., 1603 — 1607, S. 125. 

5) Im Januar 1604 sollte Khalil die Staatssiegel übernehmen; Brown a. a. O. 
127. 

6) Naima S. 275 — 276. 

7) Vgl. ebenda S. 278 — 279. 

8) Spontoni S. 255, 263!?. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. ^^ 



338 Zweites Bach. Siebentes Kapitel. 

lieh anerkannt hatten ^) und von dem sie eroberte Fahnen und 
junge Kriegsgefangene erhielten -). Die osmanischen Truppen 
führten hier eigentlich keinen Krieg mehr, sondern beschränkten 
sich darauf, raubend umherzuziehen und sich an den sieben- 
bürgischen Wirren zu beteiligen. 

Die Einnahme Grofswardeins , Tokajs usw. durch Bocskai 
begrüfsten die Türken daher als eigene Eroberungen ^). Erst 
im August 1605 griff der Grofswesir Lala-Mohammed, dem sich 
Visegräd und andere Städte unterwarfen, das von türkischer Seite 
heifs begehrte Gran an. Der Befehlshaber, Graf von Öttingen, 
fiel im Kampfe , und schliefslich übergab die Besatzung die ihr 
anvertraute Festung. Ujvär entging einem ähnlichen Lose nur 
dadurch, dafs es sich an die Ungarn Bocskais wandte, die es vorher 
belagert hatten. Auch Visegräd , Palota wurden eingenommen 
und Veszprem mit demselben guten Erfolge angegriffen *). 

Bald darauf empfing der Wesir in Ofen diesen ,, König" 
von Sultans Gnaden und krönte ihn unter Kanonendonner auf 
dem Räkosfelde eigenhändig mit einem ,, drei Tausend Dukaten 
werten" altertümlichen griechischen Diadem; auf zehn Jahre 
wurde ihm der Tribut erlassen , der nach Ablauf dieser Frist 
sich nur auf loooo Dukaten belaufen sollte. Die Rufe der 
Janitscharen : ,,Lang lebe der König von Ungarn" begleiteten 
ihn, als er die ehemalige Hauptstadt seiner ,, Vorgänger" ver- 
liefs, die von der Hand christlicher Prälaten zu freien ungarischen 
Königen von Gottes Gnaden gekrönt worden waren. 

Im Juni 1606 begannen, obwohl in demselben Jahre Zu- 
sammenstöfse in Niederungarn stattfanden, wo seit kurzem der 
Neffe des Grofswesirs befehligte '") , die Friedensverhandlungen 
zwischen Bocskai und dem Kaiser, der den ehemaligen Besitz 
Sigismund Bäthorys nebst Szathmar und Tokaj, den Grafschaften 
Bereg und Ugocsa an den Rebellen abtrat ^). Im Oktober ver- 
handelten dann die Türken und ihr neuer Wesir Murad '') mit. 



i) Istvanffy S. 505; Spontoni a. a. O. S. 33off. 
2) Ebenda, 3) Naima S. 281. 

4) Ebeada S. 296. 5) Ebenda S. 307. 

6) Istvanffy S. 517 — 518. 7) Naima S. 330. 



Neuer Krieg mit dem Hause Österreich usw. 339 

den Kaiserlichen bei Komorn. Am 31. Oktober wurden endlich 
folgende Bedingungen vereinbart: die Türken sollten Erlau und 
Kanizsa behalten, mufsten aber dem Kaiser den ihm zukommenden 
Titel zugestehen und auf die verächtliche Bezeichnung „König 
von Wien" verzichten; die üblichen Raubzüge der Martolodschen 
sowohl wie die der Heiducken sollten aufhören und die Türken 
keine ungebührlichen Tribute von den Grenzdörfern verlangen; 
der Befehlshaber von Raab und in den südlichen Landstrichen 
der kroatische Ban wurden ermächtigt, mit dem Ofener Pascha 
über Friedensbrüche zu verhandeln; aufser Vacz sollte keine 
neue Festung erbaut werden ; der Kaiser sollte durch eine feier- 
liche Gesandtschaft an seinen Freund , den Sultan , sofort und 
ein für allemal 200000 Taler nach Konstantinopel schicken; 
diesen und allen folgenden Gesandtschaften wurde das Recht 
zugesichert, sich in Konstantinopel eine Behausung nach eigener 
Wahl suchen zu dürfen; in Zukunft waren beide Herrscher ver- 
pflichtet, sich alle drei Jahre einmal zu beschenken; den Ta- 
taren wurden ihre Streifereien verboten; die Dauer des Friedens 
wurde auf zwanzig Jahre festgesetzt, und zwar ohne Rücksicht 
auf die Person der Herrscher ^). Am 11. November erhielt dann 
der Vertrag seine endgültige Form -). 

Das Haus Österreich hatte damit Grofses erreicht; es hatte 
an Besitz, Sicherheit und Würde gewonnen. Die Zeiten, da 
man in Konstantinopel über die Gesandten des ärmlichen ,, Königs 
von Wien", der nur die eine Kunst verstehe, sich besiegen zu 
lassen, und sich doch in diese Rolle nicht finden wolle, sich be- 
lustigte, da man ihnen die Briefe an ihren Herrn abverlangte, um 
sie vor der Absendung zu lesen, da sie als ,, deutsche Schweine" 
bezeichnet wurden und in den Kerkern der Sieben Türme immer 
einige Räume für sie zur Verfügung standen, da die ,, siegreichen" 
Räuberbanden der Grenzfestungen mit aufgespiefsten blutigen 
Köpfen und blassen und müden Gefangenen aus dem fernen 
Kroatien, Ungarn und Deutschland durch die Strafsen zogen, 



1) Istvanffy S. 519 — 520. 

2) Katona, z. J., S. 612 — 624. 

22* 



340 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. Neuer Krieg mit Österreich usw. 

— diese Zeiten waren vorbei. Nicht Tapferkeit, Treue, Disziplin 
und Geist der im Dienste des Kaisers stehenden italienischen, 
wallonischen, französischen, kosakischen und deutschen Söldner, 
nicht Krieg^skunst und Hingebung der unruhigen und heifsblütigen 
Ungarn hatten diesen grofsen Erfolg davongetragen, sondern es 
war aufser der Demoralisation der osmanischen Gesellschaft, der 
Feigheit des Sultans und dem mangelnden militärischen Talente 
der Wesire , die überlegene Bewaffnung und Artillerie , die in 
den italienischen und flandrischen Kriegszügen ausgebildete Taktik 
Westeuropas, die den Umschwung herbeigeführt hatte. Es han- 
delte sich nicht um vorübergehende Erscheinungen; vielmehr 
war es das Schicksal des alten osmanischen Militärstaates, das 
sich vollzog, sobald die Grundsätze der beständigen Fortdauer 
des Krieges und der Selbstverständlichkeit des Sieges einmal 
nicht mehr zutrafen. Bei Zsitvatorok zum ersten Male mufste 
das Reich schwere und genau umschriebene Bedingungen an- 
nehmen und erkannte damit seine bisherige Allmacht selbst als 
gebrochen an. 



Achtes Kapitel. 

Weitere Verhandlungen mit den Kaiserlichen über 
den Inhalt des eben geschlossenen Friedens. 



„Gewifs wurde niemals ein Friede geschlossen, der der 
Christenheit mehr zum Schaden gereicht hätte, als dieser", schrieb 
der französische Vertreter, den die Türken als Vermittler heran- 
gezogen hatten, im Oktober 1606^). ,, Dieser Friede mit Un- 
garn", fügte er weiter hinzu, ,,ist die ganze Hoffnung der 
Türken -)." Aber seiner Meinung nach war der ganze Vertrag 
nur eine ,,fmesse" '^). 

Trotz der von den Heiducken heraufbeschworenen Konflikte, 
der durch den baldigen Tod Bocskais entstehenden siebenbürgi- 
schen Schwierigkeiten und der Versuche beider Teile, die wich- 
tigsten Grenzfestungen zu behalten , war der Friede von Zsitva- 
torok dennoch ein entscheidendes Ereignis. Die asiatischen An- 
gelegenheiten ^) hatten für die Türken, für ihr „ an Kriegsbereit- 
schaft und Reputation so geschwächtes Reich ", wie Heinrich IV. 
sich ausdrückte ^), eine so gefährliche Wendung genommen, dafs 
sie zu grofsen Opfern bereit waren, nur um nicht mehr ihre 
Kräfte in Europa festlegen zu müssen. 

Anderseits hatten die Kaiserlichen und die ganze Christen- 



i) „Sans doubte jamais payx ne fut faicte sy fort au dommage de la Crestientt- 
que ceste-cy"; Hurmuzaki, Suppl. P, S. 123, Nr. CLXXXVI. 

2) „Ceste paix de Hongrie est toute leur esperance"; ebenda S. 124, 
Nr. cLXXXVin. 

3) Ebenda S. 126. 

4) Siehe weiter. 

5j Hurmuzaki, Suppl. I', S. II 5. 



343 Zweites Bach. Achtes Kapitel. 

hcit im Westen die Hoffnung" aufg^egeben , die unheiligen Ein- 
dringlinge in der von allzu zuversichtlichen Propheten festge- 
setzten Frist wieder nach Asien zurückwerfen zu können. Nach- 
dem durch einen vierzehnjährigen Krieg die Grenzgebiete Un- 
garns zu einer traurigen Einöde geworden waren — hatte doch 
mancher Bauer keine Ochsen mehr, um seinen Acker zu pflügen, 
und mufste den Pflug selbst ziehen ^) — , rechneten die öster- 
reichischen Hofleute imd Krieger nicht mehr mit dem Einzug 
von Kreuzfahrern in Konstantinopel -). Kein beredter Zeitungs- 
schreiber schlug- mehr die Umwandlung des Namens Konstan- 
tinopel in Clementina vor, um bei der nahe bevorstehenden Rück- 
eroberung der Stadt den Papst Klemens VIII. zu verewigen ^). 
,, Die leichte Besatzung- Griechenlands" hatte aufgehört, für Träu- 
mer das Programm des Tages zu bilden ^). Der Plan des Her- 
zogs von Nevers war seit langem vergessen •''). Wenn ein Wie- 
ner Kapuziner, Valeriano Magno, oder ein Francesco Antonio 
Bertucci, aus dem Orden Sankt Johanns, die Etappen des grofscn 
Krieges zur Vernichtung- der osmanischen Macht festsetzte und 
der letztere den Erzherzog Maximilian triumphierend in Kon- 
stantins Stadt einziehen liefs •'), wenn sich der Kandiote Minotto 
an den französischen König Heinrich IV. wandte , um ihn zum 
Kreuzzugsführer zu stempeln, und der berühmte Pere Joseph 
einem Erzherzog- den Thron von Konstantinopel zudachte ^), wenn 
endlich um 1609 ein unbekannter Italiener den Spaniern den 
alten Weg- Peters von Lusignan , des zyprischen Helden , über 
Alexandrien nach Jerusalem und die Einnahme Zyperns empfahl, 



i) So nach Naima, in der Gegend von Raab, S. iio. 

2) Gabelmann versprach ihn allerdings nocli 1595; Reufsner a. a. O. 
Buch XIV, S. 159. 

3) Hurmuzaki XII, S. 433, Nr. dclxv. 

4) Ein derartiges Projekt, das schon erwähnt wurde, noch in der Handschrift 
It. XI, fol. I, c. 206, Nr. 3 der Marciana von Venedig. 

5) Vgl. auch meine „Acte ^;i fragmente" I, S. 48 — 50. 

6) ,,Che Vostra Altezza trionfante andara in Costantinopoli"; Brief aas 
Neapel vom 6. April 161 1; Innsbrucker Statthaltereiarchiv. Das Projekt Magnos 
in einem Briefe vom 15. Mai 1618; ebenda. 

7) Zinkeisen III, S. 8596".; IV, S. 267 — 269, 268 und Anm. 1. 



Weitere Verhandlungen mit den Kaiserlichen usw. 343 

um dann zur Teilung der türkischen Besitzungen zwischen den 
zum Anspruch berechtig-ten christlichen Mächten überzug-ehen, 
so fanden derartige Phantasien jetzt weder wohlwollende Be- 
achtung noch Widerhall ^). Der grolse Kampf um die katho- 
lische Einheit der westeuropäischen Welt war entbrannt, und der 
verarmte Kaiser wie der von gläubigem Eifer erfüllte Heilige 
Vater waren derart davon in Anspruch genommen, dafs sie von 
„Befreiung der östlichen Christenheit" und Wiederherstellung 
des byzantinischen Reiches zugunsten des Hauses Österreich 
und der Jesuiten nichts hören wollten. 

Am 29. Dezember 1606, einige Wochen nach Abschlufs 
des Vertrages von Zsitvatorok, starb Stephan Bocskai, der vom 
Kaiser anerkannte Regent Siebenbürgens und Nordungarns. Er 
hatte seit 1604 mit dem walachischen Fürsten Radu Serban in 
einem förmlichen Bündnis gestanden und war dem Fürsten der 
Moldau, leremia Movila, befreundet gewesen — der letztere hatte 
sogar im Sommer des erwähnten Jahres Truppen in Sieben- 
bürgen einrücken lassen , um , ebenso wie Ali - Pascha im Auf- 
trage der Pforte tat, die Herrschaft Bocskais gegen die kaiser- 
lichen Söldner zu unterstützen -). Auf Grund dieser Verbindungen 
hatte der verstorbene Fürst wie ein wahrer König in seinem Lande 
gewaltet. Mit seinem Hinscheiden sank das siebenbürgische Un- 
garn wieder in das Chaos zurück, aus dem seine Geschicklich- 
keit es eine Zeitlang herausgehoben hatte. 

Auf seine Erbschaft erhoben sowohl der längst nicht mehr 
im Lande weilende Sigismund Bäthory und dessen Verwandter 
Gabriel als auch der Landesgubernator Sigismund Rakoczy, ein 
gebrechlicher Greis, und, von den Kaiserlichen unterstützt, Va- 
lentin Homonay Anspruch, — letzterer „ ein junger hochtragner 
Kopff", dem, trotz seiner grofsen Eigenschaften, das Glück nicht 
günstig sein sollte. Denn am 12. Februar 1607 wählte ein sie- 



i) über den Vorschlag von 1609 siehe „Un projet relatif ä la conquete de 
Jerusalem" 1609 in der „Revue de l'Orient latin" II, Nr. 2. Ein Kreuzzugs- 
projekt von 1600 für Ottavio Farnese ist in Hurmuzaki XII, S. 660, Anm. 
erwälint. 

2) Siehe meine Vorrede zu „ Studii ^i Documente" IV, S. unff. 



B44 Zweites Buch. Achtes Kapitel. 

benbürg-ischer Landtag- Räköczy, und die Türken — der Grofs- 
wesir, der Homonay seine Unterstützung- zugesagt hatte, weilte 
während des Winters in Belgrad — beeilten sich , diesen als 
einen für sie sehr bequemen Tributär anzuerkennen ^). Im Monat 
Mai aber waren auch dem Homonay durch einen Tschausch 
Ehrenkleid, Zepter und Schwert, nebst ,, etlichen alten Rossen 
und Fahnen " zugestellt worden -). Andere Kandidaturen konn- 
ten auftauchen, und ein Brief aus Füllek erwähnt in der Tat Radu 
Serban als Prätendenten ^). Kaiser Rudolf gab schliefslich dem 
jüngeren Gabriel Bäthory den Vorzug. Aber auf Verwendung- 
des friedlichen Matthias wurde Räköczy noch im Sommer an- 
erkannt, und so behielt er Siebenbürgen, während Oberungarn 
wieder an die Österreicher fiel '^). 

Auch mit den benachbarten rumänischen Fürsten kam der 
neue siebenbürgische Fürst schnell zu einem Einvernehmen. 
Aber sein Rücktritt brachte nach kurzer Zeit Gabriel Bäthory auf 
den Thron, und unter diesem ,,Deli-Kiral" der Türken, dem 
,, tollen Könige", geriet Siebenbürgen von neuem in das Hin und 
Her der türkisch - österreichischen Wirren hinein (März 1608). 
Von Radu Serban sogleich — durch einen am 31. Mai in Arges 
abgeschlossenen Vertrag — als Oberherr anerkannt, von den 
Vertretern des neuen moldauischen Fürsten Konstantin, des 
Sohnes des leremia Movilä, in Kronstadt freundschaftUch begrüfst, 
noch bevor im November die türkische Belehnung eintraf, büfste 
Gabriel diese günstige Stellung durch unbesonnenen Ehrgeiz in 



1) Sie betrachteten die mit Sigismund Bäthory, 1601 — Hurmuzaki IV'-, 
S. 253 ff. — und dann mit Bocskai geschlossene Kapitulation als verbindlich. 

2) Döczy an Erzherzog Maximilian, Kaschau, 7. Mai 1607; Innsbrucker 
Statthaltereiarchiv. — Vgl. auch Naima S. 335. — Nach einem Brief aus 
Lewenz vom 20. Mai vrollte Homonay die türkische Belehnung nicht annehmen, 
und die Türken wufsten, dafs er ,,nit von Herzem ihr gueter Freündt ist"; 
Bericht aus Ofen vom 9. Juni; Innsbrucker Statthaltereiarchiv, „Ambraser 
Akten ". 

3) „ Die Sibeubürger halten es gar still ; wie aber in Gehaimb die Sag 
gebet, so vyöUen sy den Radul Weida ins Landt bringen, ans Ragozi Stell 
einsetzen und publiciren " ; Gottfried KoUonitsch an Erzherzog Maximilian, 
10. Mai 1607; ebenda. 

4) Nach den Innsbrucker ,, Ambraser Akten" in der erwähnten Vorrede. 



Weitere Verhandlungen mit den Kaiserlichen usw. 345 

einigen Monaten wieder ein und ermög-lichte den Türken aufs 
neue den Zugang- zu Siebenbürgen ^). 

Bereits im Sommer 1607 sollte sich der kaiserliche Agent, 
Teufel, nach Konstantinopel begeben, um zur Herstellung einer 
sicheren natürlichen Grenze die Abtretung von Kanizsa oder Gran 
zu verlangen -). Damit war der Friede von Zsitvatorok eigent- 
lich ,, schon gebrochen" ^). In Neuhäusel-Üjvar trafen sich denn 
im März 1608 Johann Preiner, Georg Thurzö, Stephan Illyeshäzy, 
Siegfried von Kollonitsch und Adam von Puechheim, als Ver- 
treter des Kaisers, mit dem Kehaja des Ofener Paschas, Ahmed, 
und zwei untergeordneten osmanischen Offizieren und schlössen 
am 27. März eine Konvention dahinlautend ab, dafs der ,,grofse 
Gesandte" des Kaisers in höchstens 40 Tagen zur Reise sich 
bereit halten solle, um 150000 Dukaten sofort als einen Teil 
des Geschenkes nach Konstantinopel zu bringen *). Im Mai 1608 
verliefs Adam von Herberstein, ein ziemlich ,, einfacher Mann", 
der zu Verhandlungen mit den Türken wenig geeignet war, Wien 
und am 20. September des nächsten Jahres kehrte er mit einem 
neuen, vom Mufti gefälschten Vertrage zurück, in welchem 
vom spanischen König überhaupt keine Rede war, der Rechte 
des Hauses Österreich auf Siebenbürgen nicht Erwähnung geschah, 
die Zession der Festung Väcz gar nicht berührt und die Frage 
der Grenzdörfer absichtlich in Unklarheit gelassen wurde '*). 

Die Wiederherstellung des ursprünglichen Textes zu betrei- 
ben , entsandte der neue ungarische König Matthias 16 10 die 
zwei Levantiner Peter Buonuomo und Andreas Negroni, und den 



i) Er liefs 1609 den alten moldauischen Vertreter Caraiman meuchlings er- 
morden; Hurmuzaki IV ^, S. 306, Nr. CCCXI. 

2) Molart an Erzherzog Maximilian; 22. Juni 1607; „Ambraser einkommene 
Schriften". 

3) „Toute rompue"; Hurmuzaki, Suppl. l^, S. 128, Nr. cxcm. 

4) Eine Ergänzung betreffs einiger Grenzdörfer wurde am 19. Juni vereinbart; 
vgl, Katona a. a. O. S. 792; Hammer z. J. 

5) Vgl. Zinkeisen III, S. 681--683. Die Schilderung der Verhandlungen 
durch Max von Brandstetter, den Sekretär Herbersteins, im Cod. monacensis 
1277; vgl. Barozzi und Berchet, Relazioni degli ambasciatori e baili veneti 
a Costantinopoli I, Venedig 1873, S. 205; Hurmuzaki VIII, S. 37z, Nr. dxlvi. 



346 Zweites Buch. Achtes Kapitel. 

Sekretär Michael Starzer nach Konstantinopel; der letztere ver- 
blieb bis 1622 daselbst ^). Da die Pforte damals vollauf an ihren 
asiatischen Schwierigkeiten genug- hatte, so zeigten sich die We- 
sire zum ersten Male von auffallender Liebenswürdigkeit christ- 
lichen Gesandten gegenüber, die nicht einmal hohen Standes 
waren und keine Geschenke brachten; sie erhielten Kaftane und 
Pferde, und der Vertrag wurde unverzüglich verbessert -). 

Ende 1610 fiel Gabriel Bdthory in die Walachei ein, ver- 
jagte den auf keinen Angriff vorbereiteten Radu nach der Mol- 
dau, liefs sich in Tirgoviste zum Fürsten ausrufen und hatte den 
Mut, am 7. Januar 161 1 von der Pforte nicht weniger als Über- 
sendung der Fahne für die ,, eroberte " Walachei, eventuell auch 
für die Moldau, die er sich zu ,, verteidigen" erbot, Genehmi- 
gung zur Verlegung seiner Residenz in das sächsische Hermann- 
stadt, das er seiner Privilegien beraubt hatte, Unterstützung durch 
den neuen Beglerbeg von Silistrien und Otschakow und Ent- 
lohnung für den Sold von 32000 Heiducken zu verlangen •'). Das 
merkwürdige Schreiben war für den Geisteszustand des sieben- 
bürgischen Fürsten kennzeichnend, dem die ihm als ,,Deli-Kiral" 
gewährte Duldung nicht mehr genügte. Die Antwort der Pforte 
war, dafs sie Radu Mihnea als walachischen F"ürsten gegen ihn 
ausspielte , und vor dem kaiserlichen Tschisnedschir zog sich 
Gabriel vorsichtig nach seinem Siebenbürgen zurück. 

Als darauf der andere Radu sein Asyl in der Moldau mit 
gemieteten polnischen Reitern verliefs und am 10. Juli in der 
Schlacht bei Kronstadt Bathory, wie vorher Moses Szekely, aufs 
Haupt schlug, wagte der an die Donau entsandte Omer-Aga 
nicht, diesen Rebellen ,, gebunden an die Pforte zu schicken" ^). 

i) Vgl. in den Wiener „Turcica", Nachtrag, 1601 — 1650, fol. 26 ff. : 
„Summarische Erzehlung meiner vom a. 1610 an die Porten Absendung und biss 
1622 continuirliches Verharren aldortten, item meine Verrichtung in Ofen a. 1623 
nnd 1624, auch was ich neben meiner Fidelitet ettliche segnalata officia durch 
Gottes Genadt verricht." 

2) Siehe auch Barozzi und Bercliet a. a. O. S. 206 — 207. 

3) Hurmuzaki IV-, S. 313 ff.; S. 318, Nr. ccuxxvi ; VIII, S. 338—339, 
Nr. ccccLXXXVl; vgl. ,,Studii ?i documente" IV, Urkunden Nr. xvi. 

4) Hurmuzaki IV-', S. 331, Nr. cccxxxiv. 



Weitere Verhandlungen mit den Kaiserlichen usw. 347 

Von den Kaiserlichen im Stich gelassen, obgleich der ungarische 
König gegen den Besiegten ein Manifest richtete und in letzter 
Stunde Sigismund Forgäch in Siebenbürgen einrücken liefs, be- 
gab sich Radu Serban wieder in die Walachei, dann in die Mol- 
dau zurück, wo die Tataren den Rest seines Heeres dezimierten. 
Bald darauf weilte er als Flüchtling in den Ländern des Kaisers, 
und sein moldauischer Bundesgenosse Konstantin Movilä wurde 
abgesetzt ^). Wieder ging man in Konstantinopel mit der Ab- 
sicht um, in den drei tributären Ländern Beglerbegs einzusetzen -). 

Als dann i6i2 die Kronstädter unter Führung Michael Weii's' •'■) 
mit Bäthory im Kampf standen, ernannte die Pforte im geheimen 
Peter Göczy zum Fürsten von Siebenbürgen. Da ihn der Wa- 
lache Radu Mihnea aber nur lau unterstützte, sich vielmehr bei 
den Mächtigen Konstantinopels für Gabriel verwandte , so liefs 
man diesen Prätendenten endlich wieder fallen und bestätigte 
den bisherigen Regenten in seiner W^ürde *). 

Am 19. Juni 161 2 ging Negroni aufs neue mit Aufträgen 
nach Konstantinopel ab '•). Aber er fand nicht mehr die frühere 
Bereitwilligkeit: ,,Dic dreisten Forderungen würden es dahin 
bringen", hiefs es, ,,dafs der Grofs-Herr einen Pascha in Sieben- 
bürgen einsetzen werde , dann wolle man sehen, was geschehen 
werde . . . Der Kaiser habe weder in Siebenbürgen noch in der 
Moldau noch in der Walachei irgendein Recht *^)." Diese im 
Herbste abgegebenen Erklärungen zeigten deutlich genug, dals 
die Türken ihre Rechte in Siebenbürgen mit Heereskraft geltend 
zu machen willens seien. Auf Radu Mihnea und seine Vasallen- 



1) Vorrede zu „Studil ^i documente" IV. 

2) Hurmuzaki IV 2, S. 335, Nr. cccxxxix: „Ambraser Akten", Konstan- 
tinopolitaner Brief im Anschlufs an den vom 5. Januar 161 2. 

3) Mika Sandor, Weiss Mihdly, Budapest 1893. 

4) Vorrede zu „Studii $i documente" IV, S. civ ff. 

5) Wiener Staatsarchiv Ms. I, 755: „Anno 1612, vera et fidelissima relatione 
di Andrea Negroni, mandata per Sua Cesarea Maestä Nostro Signore a Costan- 
tinopoli". 

6) „Questa vostre gagliarde dimande saranno causa che il nostro Gran -Sig- 
nore ponerä un Bassa in Transilvania, et poi vedererao quello potete fare . . . 
Sua Cesarea Maiestä non abi acione ne in Transilvania , ne in Valacchia , ne in 
Moldavia"; ebenda; vgl. Hurmuzaki VIII, S. 343, Nr. rcccxcvn. 



348 Zweites Buch. Achtes Kapitel. 

treue konnte man sich in Konstantinopel verlassen; und Sefer- 
Pascha von Temesvar hatte , von Tataren und den Walachen 
Radus unterstützt, 1612 den stolzen Konstantin Movilä, der sich 
in der Moldau als unabhängiger Fürst gebärdete , verjagt und 
Stephan Tomsa, einen alten Abenteurer, an seine Stelle ge- 
setzt. Nun galt es also, den unbequemen und immer zu uner- 
warteten Streichen geneigten Bäthory, der noch neuerdings Lippa 
und Jenö , ein Verfügungsrecht über die benachbarten Woiwo- 
den und Paschas und die Hälfte der Einkünfte aus beiden ru- 
mänischen Fürstentümern verlangt hatte, ebenfalls zu beseitigen 
und das siebenbürgische Fürstentum zwar keinem ungeschickten 
Göczy mehr, sondern einem so schlauen orientalischen Politiker 
wie Bethlen Gabor , einem alten Vertrauten Bäthorys , zu über- 
tragen ^). 

Zwar gelang es Gabriel noch einmal , mit allen Nachbarn 
und mit dem ungarischen Könige ein gutes Verhältnis herzu- 
stellen, Göczy liefs seine Kandidatur fallen, und die Kronstädter 
schlössen mit ihrem Herrn Frieden; aber als dieser, im Gefühl 
seiner neubefestigten Stellung, die zwei Festungen im Banat, Pen- 
sion für seine Heiducken und das Recht der Erbfolge verlangte, 
war sein Schicksal entschieden. 

Schon im Frühling T613 wollten Berichterstatter in Konstan- 
tinopel wissen, dafs der Sultan in Person zu Felde ziehen werde, um 
den Rebellen, der den Frieden an der Grenze so oft gebrochen 
hatte 2), zu züchtigen ^). Jedenfalls war es der feste Entschlufs des 
Grofswesirs Nasuf, die siebenbürgische Frage zu einer endgültigen 



i) Vgl. auch „Studii ^i docuniente " IV, S. 145; „ Arch. für sieb. Landes- 
kunde», N. F. XVII, S. 705 ff.; XXII, S. 345ff.; Kemeny und Koväcs, Erde- 
lyorszäg törtenetei' Tara II, S. 38 ff. 

2) Hurmuzaki IV^ S. 513 — 516. 

3) Ein sonderbares Gerücht taucht in einem Kaschauer Briefe vom 30. Ok- 
tober 1613 auf: „Under Andern, meldet auch Herr Obrist von Toggey das man 
von der Portten Khundschafft wie das dem türkhisch Khaiser durch den Nasuff- 
Bascha Oberster Vesier, so jetzt selbst in Siebenbürg ist (!), geschreiben und ge- 
rathen worden, er solle khunfftig sein Residenz zu Weissenburg in Sibenpürgen 
heben ; von dannen khüne er nit allein Hungern , sondern auch die benahtbarten 
Länder zur Huldigung und Gehorsamb bringen." 



Weitere Verhandlungen mit den Kaiserlichen usw. 341) 

Lösung- ZU bringen. Nach einer letzten Aufforderung-, Hermann - 
Stadt aufzug-eben, sich mit Bethlen zu versöhnen und den rück- 
ständig-en Tribut zu entrichten, traf das Heer des Beglerbeg-s 
Skender-Pascha von Kanizsa durch die Eiserne Pforte in Sieben- 
bürgen ein. Es g-elang- Radu, der bis zuletzt an die Mög-lichkeit 
glaubte, seinen Freund, den ,, König" halten zu können, ein 
zweites, vom ungarischen Renegaten Ali-Magyarogli, dem Begler- 
beg von Otschakow, einem dem Trunk ergebenen Wüterich, der 
auf walachische Bojaren mit dem Säbel einschlug, geführtes Heer 
bis in den Herbst hinein hinzuhalten. Schliefslich mufsten sich 
aber auch die rumänischen Truppen aus Walachei und Moldau 
dem Lager dieses beschwerlichen Gastes anschliefsen ; .und auch 
der Tatarenhäuptling Schahim-Girai folgte dem kaiserlichen Be- 
fehle. Freilich untersagte der Serdar dem letzteren das Betreten 
Siebenbürgens, da er dem Land die unausbleibliche Verheerung 
ersparen wollte ^). 

Trotz seiner gewöhnlichen Grofstuerei wagte Bäthory nicht, 
der türkischen Übermacht entgegenzutreten ; nach einigen letzten 
Versuchen, den Oberherrn zu versöhnen, schlofs sich der Un- 
glückliche in Grofs-Wardein ein, wo ihn seine eigenen Heiducken 
ermordeten. „Ich danke ihnen", schrieb Magyarogli an die 
Kronstädter, ,,für die Nachricht, dafs Bäthory Gabor gestorben 
ist." Am 23. Oktober wählte ein Landtag unter dem Drucke, 
den die Nähe der türkischen Heere ausübte , Gabriel Bethlen 
zum Fürsten, und einige Tage darauf erschien dieser im Lager 
Skender - Paschas , um aus den Händen dieses Bevollmächtigten 
des Sultans die Herrschaftszeichen entgegenzunehmen. Hier 
traf er die rumänischen Fürsten an, und die drei Tributäre 
der Pforte verpflichteten sich bei dieser Gelegenheit eidlich, 
ihrem Kaiser zu gehorchen und bis an den Tod ,,als Brüder 
zusammen zu leben" -). Am 14. Juni 1614 bestätigte die Pforte 
durch einen Atname die Privilegien Siebenbürgens: das Land 



1) Vorrede zu „ Studii §i documente" IV, S. cvnff. Die rumänischen Briefe 
desselben an die Kronstädter im Band X, „Bra^ovul ^i Rominii" S. 286 ff. 

2) Nach den „Ambraser Akten" und den siebenbürgischen Chroniken in 
Trauschenf eis, Fundgruben S. 297, die oft erwähnte Vorrede. Vgl. Szi- 
lägyi, Bethlen Gabor fejedelem trönfoglalasa, Budapest 1867, S. 58 ff. 



350 Zweites Bach. Achtes Kapitel. 

sollte vollständigfe Autonomie g-enielsen und sich seinen Für- 
sten frei wählen dürfen , den der Sultan nur zu bestätigen das 
Recht sich vorbehielt; der Tribut, erst nach drei Jahren zahlbar, 
solle die Summe von 15000 Dukaten nicht übersteigen i). Die 
Moldau zahlte bereits unter Konstantin Movilä 32000 Skudi 2) 
und etwas später deren sogar 5 8 000 ^). Die Fürstentümer waren 
also wieder die ,, Schmalz- und Speiszgruebel " Konstantinopels 
und der osmanischen Heere geworden ^). 

Alle Anstrengungen der Kaiserlichen, denen es zu einem 
neuen Kreuzzugsunternehmen sowohl an Geld als an Unterstützung 
von ungarischer Seite und Sympathien des westlichen Europas 
mangelte, blieben erfolglos. ,,Die Lage des Kaisers ist derart, 
dafs sie keinen Krieg möglich macht ^)." Als ein Tschausch 
mit grofsem Gefolge nach Wien kam, um Bethlen die kaiser- 
liche Anerkennung und aufserdem die Theifsgrenze für seine 
Besitzungen, zu denen auch ganz Marmaros gerechnet wurde, zu 
erwirken (Juni), und gleichzeitig auch eine siebenbürgische Ge- 
sandtschaft deswegen eintraf, zögerte die Hofkanzlei, eine ab- 
schlägige Antwort zu erteilen *^). Das grofse Projekt, durch Hei- 
ducken und fremde Mietstruppen die Walachei Radu Serban, die 
Moldau dem Sohne Michaels des Tapferen , der ebenfalls unter 
kaiserlicher Obhut lebte, oder dessen Neffen Marco, den der 



i) Katona a. a. O. S. 504 ff. Siehe auch den Brief Starzers vom 2. Juli 
1614 in den „Ambraser Akten" von Innsbruck. Vgl. Barozzi und Berchet 
a. a. O. S. 220—221 : 40000 Taler für das Jahr 1612. 

2) „16 mille scudi, ch'e la meta del tributo"; Hurmuzaki IV*, S. 298, 
Nr. ccxcvi. 

3) Ebenda IV*, S. 598. Nach einem venezianischen Bericht; 35000 Taler 
die Walachei, 35000 Taler, 250 Pferde für Geschütze, 300 Ochsen usw., die 
Moldau; Barozzi und Berchet a. a. O. S. 221 — 222. Vgl. ebenda S. 36: 
27000 Ochsen, Schafe usw. für beide Donauländer. 

4) Hurmuzaki III, S. 235. 

5) „ Essendo le cosse di Cesare in uno stato tale , che non hanno bisogno 
di guerra"; ebenda VIII, S. 370, Nr. dxlui. 

6) Ebenda S. 360, 364, 369 — 370. Über die Reise des Tschausch, den der 
deutsche Dragoman Negroni begleitete, siehe ebenda IV*, S. 547 — 548. Vgl, 
auch die Briefe vom 29. April, i. Juni 16 14 in den „Ambraser einkommenen 
Schriften" von Innsbruck; „Turcica" des Wiener Archivs, Nachtrag 1601 — 1650, 
fol. 66—6 vo. 



Weitere Verhandlungen mit den Kaiserlichen usw. 351 

Oheim früher als Sohn Cercels zum moldauischen Fürsten aus- 
ersehen hatte, und Siebenbürgen dem jungen Bekes zuzuschanzen, 
scheiterte einesteils an dem Mangel an Mitteln, anderseits an 
der furchtsamen Unentschlossenheit der Hofkreise. 

Am 30. Juni verliefs Skender-Pascha Konstantinopel, um 
,, den Fuchs Bethlen" bei Befestigung und Ergänzung seiner 
Herrschaft zu unterstützen. Er verblieb längere Zeit in der Wa- 
lachei und Siebenbürgen, um dieses letztere unter Augen zu 
haben und jeden feindlichen Versuch der Kaiserlichen rechtzeitig 
vereiteln zu können ^). In dieser Zeit besetzte Bethlen Lippa 
und Jenö (November) und schickte die Schlüssel an den Sul- 
tan "). Den Vorstellungen des deutschen Agenten Starzer ant- 
wortete der Grofswesir einfach, dafs ,,Sibenpürgen nicht Seiner 
Mayestät Erbgueth " sei und ,,in der Capitulation, das der Sultan 
solche nicht annemben möchte, nicht gemellt werde ■'')". Die Pforte 
hatte den Derwisch-Tschausch und den Tefterdar-Kehaja Ali-beg, 
zu denen sich als einflufsreicher Dolmetsch der Kroate Caspar 
Gratiani gesellte ^), nach Wien geschickt, um des weiteren über 
das Verhältnis Bethlens zum Kaiser zu verhandeln ■"), Bei seiner 
Rückkehr fand Gratiani, der ,,den verbrecherischen" (scelerato) 
Bethlen wohl persönlich hafste, Skender-Pascha in Temesvär und 
erfuhr durch ihn von der Bereitwilligkeit der Pforte, den Frieden 
mit dem Kaiser zu bestätigen*'). Sie wollte ,,das arme, von 
Gott dem Allmächtigen zu seiner Ebenbildt auserschaffene Volkh " 
nicht ,,mit Fleiss verderben, sondern vill mehrers sich der armen 
unschuldigen Unnderthannen erbarmen , welches hie und dort 
das ewige Leben von unns erfordert" "). 



i) Vorrede zu ,,Studii §i documente" IV, S. rxiy — cxv. 

2) Über die Besetzung durch die Türken Hurmuzaki VIII, S. 378, Nr. DLVm. 

3) Starzers Briefe, August bis September, im Innsbrucker Archiv a. a. O. 

4) Seine Lebensbeschreibung von Jankovic in Hurmuzaki, Suppl. II '^ 
S. 62ff. ; vgl. „Denkschriften der rumänischen Akademie" XXI, S. 3off. 

5) Am 6. September hatten die Abgesandten Audienz bei dem allmächtigen 
Kardinal Khlesl; Molart an Erzherzog Maximilian, Linz, 9. September 1614; „Am- 
braser Akten". Ali wurde zurückgeschickt, um dem neuen Reziprozitätsverhältnis 
entsprechend Geschenke zu holen. 

6) Brief Gratianis vom 14. Oktober; „Ambraser Akten" a. a. O. 

7) Brief Ali-Paschas vom 7. Februar 161 5 aus Belgrad; „Ambraser Akten" a.a.O. 



353 Zweites liucli. Achtes Kapitel. 

Noch vor der Ankunft einer neuen türkischen Gesandtschaft 
vergHch sich Bethlen mit dem Kaiser; der Friede vom 6. Mai 
1615 brachte dem siebenbürgischen Fürsten die beanspruchte 
Anerkennung- des Landes als „ein frey F'ürstenthumb und under 
dem türggischen Imperio geschützt und erhaltten " ^) ; erwähnte 
die bedeutungslosen Rechte des Hauses Österreich an Sieben- 
bürgen und bestimmte ausdrücklich , dafs die Verpflichtung des 
Fürsten, auf Geheifs des christlichen Kaisers die Waffen zu er- 
greifen, nicht auch gegen die Türken gelten solle "■^). Bethlen 
behielt Nagy-Banya und beliefs Hust und Kövär in den Händen 
der Kaiserlichen. Der Kaiser weigerte sich übrigens, seine Unter- 
schrift unter dieses Abkommen zu setzen. 

Am 12. des Monats trafen dann die Bevollmächtigten des 
Sultans in Wien ein , an ihrer Spitze Ahmed , der von Gratiani 
begleitete Kehaja des Wesirs Nasuf. Da es ihm an einer schrift- 
lichen Vollmacht fehlte , begab sich der Dolmetsch mit dem 
deutschen Agenten Cesare Gallo zum Pascha Ali ^), um dieselbe 
einzuholen. Khlesl, F'ranz Forgäcs, Mollart, Altheim, Pecse und 
Paul Apponyi waren zu kaiserlichen Kommissaren ernannt worden, 
und am 14. Juli wurde in der Tat der Friede auf zwanzig Jahre 
bestätigt. Die Palanken, kleine Festungen, sollten geschleift 
werden, eine Kommission über die streitigen Dörfer um Gran 
entscheiden, alle türkischen Friedensstörer dem Sultan geschickt 
werden; die Jesuiten erhielten das Recht, im osmanischen Reiche 
Häuser zu halten und neue Kirchen für den katholischen 
Gottesdienst zu bauen; allen Provinzen des Hauses Habsburg 
sollte unter der nun befreundeten kaiserlichen Flagge der Handel 
im ganzen osmanischen Reiche freistehen und österreichische 
Waren nur einer Maut von drei Prozent unterliegen; der Kaiser 
erlangte das Recht, Konsuln einzusetzen, die eine Taxe von 20/q, 
dem venezianischen cottimo entsprechend, von allen Waren 
österreichischen Ursprungs erheben durften; auch der Depeschen- 
wechsel wurde in diesem präzisen und sehr praktischen Vertrage 



1) Brief Döczys vom 15. März 161 5, ,, Ambraser Akten" a. a. O. 

2) Katona a. a. O. S. 583». 

3) Vgl. die Audienz eines walachischen Gesandten bei diesem, ,,Studii ^i 
documente" IV, S. 167 ff. 



Weitere Verhandlungen mit den Kaiserlichen usw. 353 

zum ersten Male garantiert, und die direkte Eintreibung- des 
Tributs zinspflichtiger Dörfer durch Soldaten verboten ^). Auch 
dadurch ist dieser Frieden merkwürdig, dafs die Türken sich 
zur Unterzeichnung aufserhalb ihres Gebietes , in der Residenz 
des deutschen Kaisers, herbeiliefsen. 

Nun hätte sich den Abmachungen entsprechend ein ,,Grofser 
Gesandter" mit den vereinbarten Geschenken nach Konstanti- 
nopel begeben sollen. Die Kaiserlichen aber verlangten die 
vorgängige Regelung der Grenzdörferfrage. Auch wünschten 
sie, der Sultan möge Radu Serban wieder zu Gnaden annehmen 
und ihm die Walachei verleihen, die nach Aussage des nun in 
Ofen tätigen Wesirs Ali ,,eine Gasse der Stadt Constantinopl " 
wäre -) ; Ali erklärte sich auch bereit, Homonnay zu unterstützen : 
die Wahrnehmung der jämmerlichen Zustände im türkischen 
Ungarn, mit seinen ,,paufelligen und übl versehenen" Schlössern 
und undisziplinierten Soldaten, der Plan einer ,,general Gräniz- 
Reformation" und die Ratschläge Gratianis bewogen den unga- 
rischen Wesir zu dieser Politik, die der nach dem Sturze und 
der Hinrichtung Nasufs nach Konstantinopel berufene Skender 
als verräterisch bezeichnete ^). Im Frühjahr 1616 trat dann eine 
feierliche Gesandtschaft des Kaisers unter Führung des Freiherrn 
Hermann von Czernin die Reise nach Konstantinopel an, wo 
sie unter einer mit dem Kreuzeszeichen versehenen Fahne ihren 
Einzug hielt. 

Das rief aber unter dem Stambuler Pöbel eine solche Er- 
regung hervor, dafs eine richtige Empörung ausbrach. Zum ersten 
Male seit der Eroberung der Stadt wurden christliche Gottes- 



i) Katona a. a. O. S. 618 ff. Vgl. Naima S. 437—439. 

2) Brief Alis an Molart; Szolnok, 27. Juni n. St.; „Ambraser Akten" a. a. O. 

3) Brief des Erzherzogs Matthias an den Kaiser vom 19. Juli 1616; „Am- 
braser Akten" a. a. O. Über die damaligen Zustände in Konstantinopel vgl. 
„Relatio turcica vonn jessiegen türckhischen Sultans Achmats Person, Regierung, etc., 
gestellet durch Wolff Wilhelm Lamminger von Albernreuth, equitem bohemum, so 
im J. 161 5 dieselben Örter persönlich ersuecht und selbsten was gemelt zum 
Theil erfahren , zum Theil von fiirnehmen, verständigen und in seibiegen Ländern 
lang residirenden Leuth erkündiget"; Wiener Staatsarchiv, Turcica, Nachtrag, 
1601 — 1650, fol. 141 ff. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. UI. ^O 



^54 Zweites Buch. Achtes Kapitel. 

häuser entweiht ; den Vikar der Franziskaner warf man ins Meer ; 
die spanischen Jesuiten mufsten eine Zeitlang- als Staatsverbrecher 
in Jedi-Kule zubringen; einige Christen wurden von wütenden 
Fanatikern erschlagen. Der Sultan mufste persönlich durch die 
Strafsen reiten, um nach einigen Tagen wilden Aufruhrs die Ruhe 
wieder herzustellen. Der unvorsichtige Czernin , der die gemei- 
nen echten Türken nach den unechten Türken, die über den 
Frieden zu verhandeln pflegten, beurteilt hatte, war mehrere Tage 
lang unter der Obhut einer Janitscharenwache in seinem Hause 
geblieben und wurde erst am 4. Se[)tcmbcr zur Audienz zuge- 
lassen, um bald ziemlich mifsvergnügt die osmanische Residenz 
zu verlassen ^). 

Obwohl Ali -Pascha zu Anfang des Jahres 1617 starb und 
nicht der von Gratiani empfohlene Ahmed-Kehaja, sondern Mo- 
hammed von Kairo an seine Stelle trat, schritt man zur Rege- 
lung der noch schwebenden Frage der Grenzdörfer -). Skendcr- 
Pascha, den man in Konstantinopel für die neuen bosnischen 
Unruhen verantwortlich machte , wurde an eine andere Grenze 
versetzt, die er gegen Kosaken zu verteidigen hatte; mit ihm 
verschwand ein Feind der Kaiserlichen. Einige Zeit blieb Czer- 
nin, der Konstantinopel im Juni verlassen hatte, eines Sklaven- 
handels wegen in Ofen, und so mufsten die türkischen Gesandten, 
die im Juli feierlich in Ofen eingezogen waren ^), in Wien warten. 
Im November verhandelten dann Ahmed-Pascha aus Kanizsa, der 

i) Vgl. auch Hurmuzaki IV-, S. 365, Nr. cccxcii ; VIII, S. 372, Nr. dxlvit. 
Über die Jesuiten „Consultatio inter potentissimum Imperatorem Amuralhem, eius 
oominis IV . . ., et inter Serenissimum Hungariae regem Gabrielem instituta, inter- 
ventu ill-mi Regep-Passae Visirii . . ., necnon habita anno Domini MDCXXIX 
iulji IX, de Patrum lesuitarum in Imperii turcici terris fuiidatione." — Den 
Skandal in Konstantinopel beschreibt Adam Wenner von Craillsheim, Ein 
gantz new Reysebuch von Prag auss biss gen Constantinopel, das ist Beschreibung 
der Legation und Reise, welche von der Roem. Kays. M. . . . an den tuerckischen 
Käyser . . . abgeordnet (1616— 1618). alles in vier Theil abgetheilt ; Selbsten mit 
Fleiss observirt unnd beschrieben"; Nürnberg 1622 (schon erwähnt). — Siehe 
auch Grazer Archiv Ms. 344. 

2) „Quei poco che resta a perfettionare qui cosl santo negotio"; „Am- 
braser Akten" a. a. O. 

3) Bericlit Cornazzanis an den Herzog von Parma, 27. Juli 1617; Archiv 
von Neapel, Carte farnesiane. 



Weitere Verhandlungen mit den Kaiserlichen usw. 355 

gewesene Kehaja, Abil-EfFendi, Ali-Ag-a, der Kapudschi-Baschi des 
Wesirs Hassan, und Mustafa-Efifendi mit den kaiserlichen Bevoll- 
mächtig-ten in der Angelegenheit der Grenzdörfer i) und schlössen 
am 27. Februar 161 8 die Konvention von Komorn ab ^), die der 
neue Sultan Mustafa, der Nachfolger Ahmeds, annahm ^). 

Umsonst wandten sich die böhmischen Rebellen um Hilfe 
an den Ofener Pascha Hassan ^) ; dieser war wie Ali ein Freund 
des Friedens, und Herr von Molart begab sich nach Konstan- 
tinopcl , um dem neuen Sultan Osman Glückwünsche zu über- 
bringen, die der Nachfolger Mustafas aufs freundlichste entgegen- 
nahm ^). 

Der Tod des Kaisers Matthias (März 1619) und die Thron- 
besteigung Ferdinands, dessen wahres Ziel die Ausrottung seiner 
andersgläubigen Untertanen war, liefsen oberflächlichen Beobach- 
tern der Ereignisse den Krieg im Osten wieder in nächster Zu- 
kunft bevorstehend erscheinen. Denn Bethlen nahm sofort den 
Titel eines Königs von Ungarn an, und im September über- 
schritten seine Truppen die Grenze, um bis Wien vorzudringen. 
Seine Alliierten waren die Böhmen des Grafen von Thurn, die 
zum zweiten Male, diesmal bereit, sich zu Tributzahlungen an 
die Pforte zu verpflichten , türkische Hilfe anriefen ^). Ein Ein- 
fall Homonays in Siebenbürgen mifslang, obgleich Gratiani, der 
zu Anfang des Jahres gegen Recht und Überlieferung Fürst der 
Moldau geworden war, ihm Hilfe angedeihen liefs '). Eine Em- 

1) „Ambraser Akten" a. a. O. ; vgl. Naima S. 445 — 446. 

2) Katona a. a. O. S. 939 ff. 

3) Vgl. den Briefwechsel Cesare Gallos und Starzers in den „Ambraser 
Akten" a. a. O. ; Hurmuzaki IV ^, S. 380, Nr. ccccxiv. 

4) Vgl. Katona a. a. O. XXX, S. i ff. 

5) Hurmuzaki IV, S. 580—581, Nr. Di. 

6) Vgl. ebenda IV S S. 384, Nr. ccccxix und Zinkeisen III, S. 716 ff. 

7) H u r m u z a k i IV * ; vgl. Vorrede zu „ Studil ^i documente " IV, S. cxxxviil ff. 
und Gindely, Bethlen Gabor levelezese S. 53ff. Vgl. Szilägyi, Bethlen Gabor 
fejedelem levelezese, und: Bethlen Gabor fejedelem kiadatlan politikai levelei, 
Budapest 1879; auch Pray, G. Bethlen principatus ; die Memoiren Borsos; 
Mikö, Erdelyi lörtenelmi adatok II, Klausenburg 1856, und: Török-Magyarkori 
allam okmdnytdr I. 

23* 



ggg Zweites Buch. Achtes Kapitel. 

pörung der Sachsen zu dem Zweck, denselben Abenteurer zum 
siebenbürg-ischen Fürsten zu erheben, kam nicht zustande ^). 

1620 erschienen Vertreter der aufrührerischen Provinzen und 
des Gegenkönigs Friedrich von der Pfalz, um demütig den tür- 
kischen Schutz nachzusuchen ; Bethlen gab ihnen Führer mit und 
liefs sie zu den Audienzen geleiten. Da aber die Pforte in einen 
Krieg mit Polen verwickelt war, begnügte sie sich, den Bitt- 
stellern im August ein Privileg zu erteilen, das den Zsitvatoroker 
Frieden zugunsten „König" Gabor bestätigte und seine neuen 
Alliierten darin einschlofs ~). Nach drei Monaten besiegelte dann 
die Schlacht vom Weifsen Berge das traurige Schicksal der 
Böhmen (November). 

Bethlen aber setzte seinen Kampf um die Krone Ungarns 
dennoch fort. Doch vertraten Starzer und Cesare Gallo die kai- 
serlichen Interessen bei der Pforte so gut, dafs die Wesire sich 
im Frühling 162 1 bereit erklärten, einen Frieden zu vermitteln ^). 
Und nach nicht ganz einem Jahre mufste Bethlen mit Kaiser Fer- 
dinand den Vertrag von Nikolsburg schliefsen : er war Fürst von 
Siebenbürgen geblieben (7. Januar 1622). 

Schon 1623 eröffnete er aber den Krieg von neuem. Dies- 
mal versprach der Friedensstörer der Pforte einen Tribut von 
40000 Skudi, und dessen Vorausbezahlung auf drei Jahre, aufser- 
dem Fülek, Nögräd und andere Schlösser, wenn man ihm Hilfe 
leisten wolle *). Die Gegenbemühungen der kaiserlichen Agenten 
Starzer und Gallo kamen dagegen nicht an, und eines Janitscharen- 
handels wegen sah sich der deutsche Vertreter sogar mit Kerker- 
haft und Schlägen bedroht ^). Türkische und rumänische Kon- 

i) „Studii §i documente" IV, Anhang, Nr. xxx; Jorga, Documentele 
Bistritei II, S. XLVn. Vgl. „Studii ?i documente" IV, S. CXLI, Anm. i; Hur- 
muzaki, Suppl. U^, S. 64. 

2) Katona a. a. O. S. 617«. Vgl. Hurmuzaki IV', S. 593—594, 
Nr. DXll; S. 595 — 596, Nr. dxv; S. 609. Vgl. Innsbrucker Archiv IX, S. 118, 
Nr. 1026: Briefe aus Konstantinopel vom 20. Mai 1620. 

3) Hammer III, S. 773 ff. 

4) Hurmuzaki, Suppl. I', S. 203. 

5) Ebenda S. 207 — 211, 215; vgl. ,,Cod. germ. monacensis" 5941, S. 41 ff.: 
„Raiss, so der kayserlich Orator H. Jacob Khurtz Freiherr auff Senfftenauw, etc., 



Weitere Verhandlungen mit den Kaiserlichen usw. 357 

tingente erschienen während des Sommers in Ungarn ^), und der 
bosnische Pascha erhielt vorübergehend Auftrag-, ins Feld zu 
ziehen -). Doch vermied man einen offenen Bruch des Friedens 
zwischen beiden Reichen, und Bethlen wurde durch den verfehlten 
Zug von 1626 friedlicher gestimmt. Seine Umtriebe gegen den 
Kaiser nahmen freilich erst mit seinem Tode ein Ende, aber die 
Beglerbegs an der deutschen Grenze , der von Ofen , dem jetzt 
auch das Donauufer bis nach Silistrien, der Residenz des Begler- 
begs dem die Überwachung von Polen und den Donauländern 
anvertraut war, unterstand , und die von Erlau und Kanizsa ^) 
hüteten sich, ihm zu Gefallen den von Sinan begonnenen Ver- 
nichtungskrieg gegen das Haus Österreich zu erneuern. 



anno 1623 nach Constantinopel fiirgenommen" ; auch den Gesamtbericht Starzers 
a. a. O. 

1) Siehe auch die Denkwürdigkeiten Johann Kemenys ; vgl. Vorrede zu „Studil 
§i documente" IV, S. CXLIX — CLI. 

2) Hurmuzaki, Suppl. P, S. 207, Nr. CCCVT. 

3) Vgl. Naima S. 296; B arozzi e Ber chet a. a. O. I, S. 153. 



Neuntes Kapitel. 
Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 



Vor dem Kriege gegen die Deutschen waren polnische Ge- 
sandte an der Pforte nicht gerade Hebenswürdig empfangen wor- 
den ; denn im ehemaUgen Reiche der Jagelionen sahen die Os- 
manen einen Vasallenstaat, dessen Autonomie nur zeitweilig ge- 
duldet werden mufste. Die letzten türkischen Eingriffe hatten 
die Polen gezwungen, einen jährlichen Tribut — der Geschenke 
an die Tatarenkhane ganz zu geschweigen — an die Pforte zu 
entrichten, und als Anfang 1594 ein Gesandter in Konstantinopel 
erschien, ohne das erwartete Geld zu bringen, verweigerte man 
ihm zunächst die Audienz beim Sultan, und man hätte ihn, da 
er dem Grofswesir seine Briefe nicht zeigen wollte, beinahe einige 
Tage gefangengesetzt 1). Ein Jahr später aber, im Herbst 1595, 
sah sich Sinan genötigt, den zwischen Zamoyski und dem Khan 
abgeschlossenen Vertrag von "fu^ora anzuerkennen, obwohl der- 
selbe den Polen ziemlich unbeschränkt das Recht zusprach, mol- 
dauische Fürsten einzusetzen -}. 

Bei seiner Thronbesteigung bestätigte Mohammed III. den 
Polenschützling leremia Movilä, der dem Nachbarkönig tribut- 
pflichtig war — sein Bruder Simeon, den der polnische Kanzler 
zeitweilig in der Walachei zu halten vermochte, zahlte gleichfalls 
Tribut an Polen ^); und moldauische und walachische Vertreter 



1) Brown, Calendar of State papers, Venice I, S. 123 — 124. 

2) Die Beschreibung der Schlacht von futora durch Sigismund III. in II u r- 
mnzaki IV-, S. 218 ff. ; 10. Januar 1596. 

3) Freilich erliielt auch die Pforte 1597 von leremia 24000 Dukaten alj 
Zins für sechs Jahre; ebenda IV*, S. 224. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 359 

beteiliqrten sich ungehindert an polnischen Landtagen ';. Die Er- 
mordung- Räzvans, den die Türken als Usurpator und Rebellen, 
als Werkzeug des abtrünnigen Sigismund Bäthory ansehen mufsten, 
wurde in Konstantinopel freudig begrüfst. 

Mit der antideutschen Politik Zamoyskis sehr einverstanden, 
lud der junge Sultan seine Freunde jenseit des Dnjestrs zur 
Teilnahme an dem für 1596 geplanten Angriff auf Wien ein"'); 
wenigstens sollten sie mit den Tataren gegen die aufrührerischen 
Vasallen des osmanischen Kaisers zusammenwirken ^). Die von 
den Teilnehmern an dem neuen Kreuzzug gegen die Osmanen 
herbeigerufenen Kosaken sahen sich in Polen aufgehalten: ihr 
Führer Xaliwayko wurde ergriffen, verurteilt und geköpft ^), und 
wenn dennoch einige tausend Kosaken sich unter den Fahnen 
Michaels sammeln konnten, so war dies nur dem Freunde des 
taptcrcn rumänischen Fürsten, dem Knez Wassili von Kiew, zu- 
zuschreiben, dem es gelang, dieselben nach der Donau zu brin- 
gen ^) ; den früheren walachischen Fürsten Alexander aber liefs 
der Grofswesir unter dem Verdachte , dafs er mit den Kosaken 
im Einverständnis stehe, als einen ,,Hain", einen Rebellen, öffent- 
lich hängen ''). Mit den Tataren schlössen die Polen am 8. Ok- 
tober 1599 einen Vertrag ab, dem zufolge sie jährlich an den 
Khan in Akkerman das übliche Geschenk einzuliefern hatten '). 



1) Vgl. ebenda Suppl. II *, S. 413; ebenda Snppl. II"', S. 11. Die mit 
Polen vereinbarten Bedingungen ebenda Suppl. II', S. 642 — 643: beide fürst- 
lichen Brüder sollten jährlich 40000 Dukaten entrichten, 3000 polnische Soldaten 
nnter eigenen Hauptleuten unterhalten ; allen in den Fürstentümern weilenden 
Polen wurden Gehalt und besonders Gerichtsbarkeit verbürgt, wie sie die cin- 
lieimischen Bojaren genossen, denen das polnische Indigenat verliehen worden 
war ; ebenda. 

2) Ebenda Suppl. I', S. 409 — 410. Ein polnischer Edelmann weilte März 
1596 mit Briefen in Konstantinopel; Brown a. a. O. S. 1S6. 

3) Hnrmnzaki IV-, S. 213 — 214. 

4) Siehe auch den Brief vom 24. August 1596 in den „Gesandtschaftssachen" 
des Archivs von Königsberg. 

5) Hurmnzaki XII, S. 331 — 332; vgl. III, S. 318—319, Nr. ccxlvu. 

6) Vgl. Walter in Papiu I; Brown a. a. O. S. 265. 

7) Vgl. Inventarium , Ausg. Rykaczewski S. 166; Barovius, Commen- 
tariorum de rebus ungaricis decas decima, Ausg. der ungarischen Akademie 1866, 



350 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

Die guten Beziehungen zwischen der Pforte und Polen ^) 
hielten auch während des Zuges Zamoyskis gegen Michael an, 
obwohl derselbe auch in die Walachei drang, um Simeon, den 
zweiten polnischen Vasallen an der Donau, dort zum Fürsten 
einzusetzen. Vor der Erhebung der siebenbürgischen Stände 
gegen Michael und dessen Fall glaubte Sigismund III. das os- 
manische Reich geschwächt und gedemütigt genug, um nicht 
nur eine Herabsetzung des moldauischen Tributs auf 2000 Du- 
katen (!), sondern auch auf Grund der ersten Suzeränitätsansprüche 
des Reichs das benachbarte Fürstentum auf ,, wenigstens" 30 
bis 40 Jahre für sich fordern zu dürfen 2)! Mit türkischer 
Hilfe, so schmeichelte sich der König, könne er die ihm 
nach historischem Rechte in Nordungarn zustehenden Städte bei 
dem daselbst herrschenden Chaos noch in seine Hände be- 
kommen ■''). 

Übrigens verzichteten sowohl die Kosaken des mit den kö- 
niglichen Pächtern mifsvergnügten Stanislas Kostka, als auch die 
Tataren , denen jährlich ihr Tribut entrichtet wurde , in diesen 
Jahren auf ihre gewöhnlichen Streifereien fast gänzlich ^). 

Mit dem Tode Michaels aber wechselten die Türken, denen 
der Walache ein Gegenstand schwerer Sorge gewesen war, auch 
in ihren Beziehungen zu Polen den Ton, und dieses mufste wahr- 
nehmen, dafs es sich umsonst eingebildet hatte, eine Art Vor- 
mundschaft über das geschwächte Osmanenreich ausüben und 
es eigenen Zwecken dienstbar machen zu können. Sofort wurde 
gegen Simeon eine Untersuchung angestellt und er des Thrones 
verlustig erklärt; an seiner Stelle erhielt der junge Radu Mihnea 



S. 204 — 205; Hurmuzaki, Suppl. II', S. 249 — 250, 252 — 253, 293—294, 
310— 311, 544. 

i) Die Korrespondenz des Grofsvvesirs Ibrahim mit Polen, 1599, Handschrift 
Czartoryski in Krakau 360, S. 345 — 347; vgl. S. 349 — 351. 

2) Adrian R(jbowski wurde mit diesem Auftrage betraut; siehe Hurmu- 
zaki, Suppl. II ', S. 6o9flf. 

3) Ebenda IV 2, S. 267 flf. 

4) Über die Kosaken ebenda Suppl. II», S. 576, 586—587; IP, S. 3; über 
die Tataren ebenda Suppl. II', S. 626 — 627; 11^, S. 20 — 21. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 361 

Ende 1601 die F'ahne für die Walachei. Simcon hielt sich frei- 
lich gegen Radu Serban, den Kandidaten der Kaiserlichen, und 
wufste sich durch Geschenke auch die Unterstützung- des Paschas 
Ali von Silistrien zu erkaufen i) ; im Februar 1602 erlangte er 
sogar die Bestätigung des Sultans und das Kind Radu mufste 
bei Bojaren die Hilfe suchen , die ihm die Türken jetzt verwei- 
gerten -). Simeons Polen verjagten diesen Radu, und so hielt sich 
der zweite Movilä bis in den Sommer, als, nach dem Rücktritt Si- 
gismund Bathorys von Siebenbürgen , die von dieser Sorge be- 
freiten Kaiserlichen wieder den ritterlichen Radu Serban auf den 
Thron erheben konnten, diesmal für längere Zeit. Vergebens 
kam der tatarische Khan in Person herbei, um Simeon die ver- 
lorene Stellung zurückzugewinnen ; gegen die Taktik europäischer 
Verschanzungskunst machtlos, kehrte er mit seinem Schützlinge 
nach der Moldau zurück und gefiel sich darin, diesem die Schuld 
an ihrem Mifserfolge zuzuschreiben. 

In eben der Zeit, als sich das Schicksal Simeons auf solche 
Weise entschied, verlangten zwei polnische Gesandte, die wiederum 
ohne Geschenke erschienen, nicht nur die Beibehaltung des ihnen 
genehmen Prätendenten in der Walachei, sondern zugleich auch 
nicht mehr und nicht weniger als die Überlassung beider Donau- 
fürstentümer an Polen, das auf diese Art das verlorene Südbess- 
arabien , wo die Tataren sich eingenistet hatten , mit Akkerman, 
Kili, Ismail und Bender zurückerhalten hätte ; für alle diese Pro- 
vinzen war der König übrigens grofsmütig genug, zweitausend 
Dukaten jährlichen Tributes anzubieten ^). Der Empfang war 
derart, dafs ihren Auftraggebern klar werden konnte, dafs sie 
die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatten *). Als Moses 
Szekely, der neue siebenbürgische Führer der Ungarn, die jeder 
deutschen Verwaltung abhold waren, im Kampfe mit den Kaiser- 



i) Vorrede zu „Studii ?i documente" IV, S. xff.; vgl. „Turcica" des 
Wiener Archivs, 1601, Mai, fol. 14. 

2) Die schon zitierte Vorrede. 

3) Vgl. Hurmuzaki IV*, S. 260, Nr. ccxxxii ; S. 264 — 265; Suppl. 11% 
S. 155; Brief aus Konstantinopel vom 26. Mai 1602 in den „Ambraser Akten" 
a. a. O. 

4) Ebenda. 



3^3' Zweites Bucli. Neuntes Kapitel. 

liehen und Radu Serban lag, sandte die Pforte jenem Tataren 
zu Hilfe und wies den polnischen König- an, ihrem treuen Diener 
in der Stunde der Gefahr Hilfe zu leisten ^). Gleichzeitig raubten 
die Kosaken in Soroca, in dem von den Tataren besetzten Bud- 
schak bis Ismail und Isaktsche hin und in dem anderen , etwas 
älteren Kolonisationsgebiet der Krieger des Khans, in der Do- 
brudscha -). 

Mit der Entsendung eines Tschausch nach Polen begann 
Sultan Ahmed, wenige Monate nach dem Hinscheiden Zamoys- 
kis, seine Regierung; er verlangte die übliche Gesandtschaft, 
um die freundschaftlichen Beziehungen neu aufzunehmen •'). Wäh- 
rend die moldauischen Fürsten aufser dem Tribut von 32000 
Skudi *) Kutschen, kostbare Hunde, Wolf- und Schwarzfuchspelze, 
Hunderte von Pferden und Tausende von Schafen übermittelten, 
stellte sich 1607 der polnische Vertreter mit drei armseligen 
Zobelfellen, vier Falken und vier Jagdhunden ein (cani corsi) ''). 
N chtsdestoweniger machte er im Namen seines stolzen Königs 
grofse Forderungen : den Söhnen leremias sollte die Erbschaft 
der Moldau zugesichert werden. Die Frage der ungarischen 
Städte war schon 1607, als Nikolaus Danilowicz den erneuerten 
Vertrag ,,in einem Secklein vernehet " zurückbrachte, aufs neue 
berührt worden "). 1608 verlangte Danilowicz, aufser den Kapi- 
tulationen aus der Zeit Sultan Solimans , für seinen Herrn das 
Recht der Frnennung der rumänischen Fürsten , die Thronfolge 



i) Hurmuzaki IV, S. 340, Nr. CCLXXXV; S. 342 — 343, Nr. CCLXXXIX ; 
S. 357 — 359, Nr. cccvi; IV'^, S. 277; Suppl. 11-, S. 272 — 274, 288, 290, 
306 —307, 320 — 321, Nr. cLix. 

2) Siehe meine „Chilia §i Cetatea Alba" S. 217 — 220; die Quellen ebenda, 
besonders S. 218, Anm. i. 

3) Königsberger Archiv, „Gesandtschaftssachen"; Brief Orliks an Eizherzog 
Maximilian, „Ambraser Akten". 

4) Hurmuzaki IV*, S. 290, Nr. cccLXXxni ; vgl. S. 287, Nr. cclxxvii; 
S. 289 , Nr. ccLXXXi — ccLXXxn ; S. 306 , Nr. ccxcix. Der walachisclie Tribut 
wird auch diesmal, S. 306, auf 62000 Skudi berechnet. 

5) Ebenda Suppl. I *, S. 128, Nr. cxciv. 

6) Königsberger Archiv, „Gesandtschaftssachen", Brief vom 10. Oktober 
1607. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 363 

des jungen Konstantin Movilä in der Moldau und erklärte den 
von ihm selbst überbrachten Vertrag für eine Fälschung ^). 

Die Türken hatten die gewaltsame Einsetzung dieses Konstantin 
durch polnische Truppen ged-uldet. Ende September 1607 war 
Simeon gestorben; seine Witwe hatte ihren Sohn Mihael, Mihäilas, 
zum Fürsten ausrufen lassen. Bei der damals in Polen herrschenden 
Anarchie konnte Elisabeth, die Witwe Icremias, ihre Schwieger- 
söhne, Wisniewiecki und Potocki, zu einem Einfall zugimsten 
ihres Sohnes bewegen. Als Danilowicz mit dem ,, gefälschten" 
Vertrage zurückkam , standen die polnischen Herren im Felde 
und die Anhänger Konstantins eroberten Jassy. Bald aber wurde 
Konstantin verjagt: die Polen waren nicht geneigt, den von der 
Pforte bestätigten Michael in dem ruhigen Besitz seines F'ürsten- 
stuhls zu lassen. Im Lager von Stefanesti am Pruth erwartete 
Michael den Zusammenstofs; Mitte Dezember wurde er von den 
Tataren im Stich gelassen, und die Kosaken Konstantins er- 
rangen den Sieg. Konstantin machte kund, dafs er ,, durch 
Gottes und Seiner Majestät des türkischen Kaisers Gnade und 
mit Erlaubnis des gnädigen Königs von Polen " die Herrschaft 
angetreten habe. Michael starb in der walachischen Hauptstadt, 
und nach einem tatarischen Verheerungszuge erkaufte der junge 
Fürst die Bestätigung des Sultans-). 

Schon 1607 aber sah sich der Sultan genötigt, im Schwarzen 
Meere ernste Mafsnahmen gegen das immer frecher auftretende Ko- 
sakengesindel zu treffen, über das der König jeden Einflufs verloren 
hatte. Schaban-Pascha segelte mit einer kleinen Flotte, auf der 
einige der französischen Verräter aus der ehemaligen Besatzung 
von Papa waren, ins Schwarze Meer ab ^). Während der polnische 
König, den ein erfolgreicher Krieg gegen die Moskowiter doch 
vollauf beschäftigte, die Kosaken als ,, elenden aus Räubern ver- 



i) Ebenda; Brief vom 14. November 1607. Türkisciie Tschausche erschienen 
während des Sommers 160S in Krakau ; ebenda, Biief vom 9. Juli 1608. Vgl. 
Hurmuzaki IV'-, S. 297, Nr. ccxcill. 

2) Vorrede zu „Sludii $i documente" IV, S. LXVI ff. ; vgl. Xaima S. 353 
bis 354. 

3) Hurmuzaki, Suppl. I', S. 126, 127, Nr. cxcil. 



364 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

schiedener Völkerschaften zusammengesetzten Auswurf" ^) brand- 
markte und durch Gregor Smolki über die tatarischen Friedens- 
brecher Klage führen liefs -), arbeiteten die Türken am Wieder- 
aufbau der starken, von den Kosaken schon vor mehr als einem 
halben Jahrhundert bedrohten '') Festung Otschakow, des Schlüssels 
der Dnjeprgrenze. 

Der unvernünftige Ehrgeiz Gabriel Bäthorys und die von 
ihm an der Donau hervorgerufenen Unruhen waren auch Ursache, 
dafs ein langwieriger Konflikt mit den Polen ausbrach und bald 
in einen offenen Krieg ausartete, den ersten seit den Tagen 
König Johann Albrechts. 

Im Sommer i6io erwartete der polnische Landtag ,,dic Ge- 
sandten der Moldau und Walachei; der erstere sollte" — im 
Namen Konstantin Moviläs, der nach der kurzen Regierung seines, 
angeblich von der eigenen Schwägerin vergifteten Onkels Simeon, 
und jener des Vetters Michael die Erbschaft der Moldau, wie 
schon gesagt, angetreten hatte — ,,dem König den Treueid 
ablegen, der zweite" — den Radu Serban geschickt hatte — 
,,den Tribut" — wahrscheinlich aber nur die üblichen Ge- 
schenke — ,, überbringen " -1). Bald darauf mufste Radu vor den 
Siebenbürgern Gabriel Bäthorys flüchten, sammelte im Lande 
Konstantins ein neues Heer, brach wieder ins Gebiet seines 
Feindes ein, besiegte ihn und wurde dann, zusammen mit dem 
kaiserlichen Befehlshaber Forgäch , von den herbeigeeilten Ta- 
taren des Budschaks bis in die Moldau verfolgt, bei Bacäü ge- 
schlagen und verjagt, während der türkische Schützling Radu 
Mihnea aufs neue in seine Residenz einziehen konnte ^). Nun 
sollte auch der junge Movilä seine kühne und selbständige Po- 



i) „ Fex hominum , ex variarum gentium latronibus collecta"; Brief Sigis- 
nmnds III.; Königsberger Archiv 1568 — 1607. 

2) Barozzi e Berchet a. a. O. I, S. 214 — 215. 

3) Siehe oben S. 113 — 114 und Barwinski a. a. O. 

4) „Legati Wallachiae et Moldaviae adveniunt, quoruni unns iuramentum fideli- 
tatis Regiae Maiestati deponit, alter tributum adfert"; Königsberger Archiv, „Pol- 
nischer Briefwechsel"; Bericht von Smolensk, Juli 1610. 

5) Siebe oben S. 347. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 365 

litik einem osmanischen Vasallen g-egenüber, den die Pforte noch 
nicht fallen gelassen hatte, büfsen. Er hatte sich übrigens am 
20. Februar 161 1 durch Vermittlung Cesare Gallos nicht anders 
als der von den Kaiserlichen eingesetzte und beschützte Radu 
Serban in einem förmlichen Vertrag unter den Schutz der Deut- 
schen begeben, und seine Gesandtschaft war offen in Wien und 
Prag erschienen , um beim ungarischen König- Audienz zu er- 
halten 1). 

Dem polnischen König war die Aufforderung zugegangen, 
Radu Serban, der sich bereits auf kaiserliches Gebiet begeben 
hatte, den Osmanen zu überliefern. Am 20. November i6ii 
wurde Stephan Tomsa IL , ein angeblicher Sohn des ersten 
Tomsa, zum Fürsten der Moldau ernannt; er hatte sowohl im 
französisch-spanischen als auch in dem Kriege der Osmanen mit 
dem Schach gedient und war jetzt ein Greis. Da Konstantin 
nicht als Mazul nach Konstantinopel gehen wollte , kam Sefer- 
Pascha mit dem neuen Woiwoden ins Land, um ihn, eventuell 
auch gegen die Polen, einzusetzen; Tataren und die Walachen 
Radu Mihneas begleiteten die osmanische Heeresmacht, die von 
Babadagh in der Dobrudscha aufbrach, das nunmehr zum Kon- 
2entrationsort der türkischen Heere gegen nordöstliche Feinde 
geworden war. Konstantin floh mit seinem Berater, Nistor Ureche, 
nach Hotin und von dieser Festung aus, die von polnischen 
Truppen besetzt wurde, nach Kamieniec, jenseit des Dnjestrs, 
auf königliches Gebiet. 

Auch die Auslieferung dieses zweiten fürstlichen Flüchtlings 
verlangten die Türken von ihrem polnischen Nachbar sehr drin- 
gend. ,,Man möge zur Kenntnis nehmen", liefs der Kanzler dem 
Wesir Kaimakam antworten, ,,dafs mein allmächtigster Herr und 
König der Kapitulation und der Verträge eingedenk ist und so- 
mit keiner Ermahnungen bedürfe, noch sich von Drohungen be- 
einflussen lasse 2)." Im Juni 1612 langte dann ein polnischer 
Agent in Konstantinopel an, um über türkischen Friedensbruch 
Klagen vorzubringen. 

1) Vorrede zu „Studii §i documente" IV, S. LXXXVin — xc. 

2) „Sciat D. V. Illn»a dominum et regem meum potentissimum capitulationum 
et pactorum memorem , nee adhortationibus indigere , minus commandamentis 



3()6 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

Nach einig'en Wochen drang- Konstantin mit einem kleinen 
Heere von Moldauern, Kosaken, Polen, die sein Schvvag^er Ste- 
phan Potocki führte, und Tataren des Aufrührers Kantemir von 
neuem in die Moldau ein , wurde aber bei Stefanestl von dem 
Landheere Tomsas, zu dem auch Türken und Tataren des Khans 
gestofsen waren , geschlagen. Viele junge Bojaren gerieten in 
Gefangenschaft und wurden getötet, auch Potocki fiel in die 
Hände der Sieger und mufste nach Konstantinopel wandern; 
Konstantin schleppten die Tataren in die Sklaverei fort, doch 
kam er auf dem Wege ums Leben, wahrscheinlich in den Wellen 
des Dnjeprs ^). 

Diese neuen Kämpfe um die Moldau und die Einmischung 
der Polen die Konstantin als Verwandten ansahen, waren Anlafs, 
dafs der königliche Gesandte bis Oktober 1612 in Konstanlinopel 
zurückgehalten wurde. Am 8. des Monats schlofs der König 
dann einen Grenzvertrag mit dem neuen moldauischen Woiwoden, 
dem zufolge dieser Hotin bis zur endgültigen Regelung der tür- 
kisch-polnischen Streitigkeiten in den Händen der Nachbarn liefs 2) ; 
Potocki aber erhielt, trotzdem die beiderseitigen Gefangenen aus- 
gewechselt wurden, die Freiheit noch nicht wieder; während die 
neuen polnischen Sklaven und die Köpfe polnischer Toten auf 
den Strafsen Konstantinopels umhergeführt wurden, lag der stolze 
Edelmann im Kerker der Jedi-Kule, ohne dafs man von den 
seinem Range zustehenden Privilegien etwas wissen wollte ^). 
Der Sultan verlangte Hotin und die Auslieferung der moldaui- 
schen Flüchtlinge aus dem Gefolge Konstantins. Als ein pol- 
nischer Gesandter im Dezember 161 3 die Verjagung Tomsas, 
der sich als unbequemer Nachbar erwiesen hatte, forderte, fand 
er zwar ehrenvolle Aufnahme, mufste aber den Rückweg antreten, 



vestris alligari"; vgl. Ilurmuzaki IV-, S. 335, Nr. cccLl ; S. 337, 339; 
Suppl. I', S. 148, 152-153; „Acte §i fragrnente" I, S. 182 — 187; Un- 
gedrucktes. 

i) Orä^anu, Cronicaril moldoveni S. 49 ff. ; Vorrede zu „Studii §i docu- 
mente" IV, S. ci — cn. 

2) Hurmuzaki, Suppl. II*, S. 369 ff. 

3) Ebenda Suppl. I', S. 161, Nr. ccXLVni. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 367 

ohne irg-endwelche Genugtuung- für seinen Herrn erlangt zu ha- 
ben i). 1614 schienen die Türken die Absicht zu haben, den 
Pascha Jahja von SiHstrien gegen die Kosaken zu schicken; der 
Beglerbeg von Rum kam selbst mit 3000 „berittenen Janitscharen" 
und weiteren ,, aus dem Gebiete der Festungen Akkerman, Kili 
und Bender", d. h. dem Budschak rekrutierten 3000 an die 
Donau, und auch die Tataren der Krim wurden über den Dnjestr 
gerufen -). 

Gegen Tomsa, der den Türken einige bei Kili gelegene 
moldauische Dörfer als Wakuf, d. h. einem Heiligtum ver- 
gebene Güter abgetreten hatte 3), brach 1615 ein Aufstand der- 
jenigen Bojaren aus, die die Dynastie der Movilä, d. h. ein auf 
das Bündnis mit Polen gestütztes oligarch'sches Regiment be- 
vorzugten. Noch lebten bei ihrer ehrgeizigen , rastlos tätigen 
Mutter zwei Söhne leremias — Simeon hatte aufser Michael 
vier Knaben hinterlassen — , Alexander und Bogdan. In einer 
Vorstadt Jassys aber erlitten die Aufrührer eine Niederlage, 
und es erfolgte (im September) ein grofses Blutbad unter 
den Edelleuten. Bald darauf überschritt Elisabeth mit dem 
neuen Fürsten Alexander, mit Wiszniewiecki und einem anderen 
Schwiegersohne Korecki den Dnjestr und besiegte Tomsa , der 
dann im Januar 16 16 vergebens noch einmal sein Glück ver- 
suchte. 

Der junge Alexander wurde sowohl von Bethlen und dem 
walachischen Fürsten als auch von den französischen und hollän- 
dischen Gesandten in Konstantinoptl unterstützt und hoffte, bei 



1) Vgl. die polnisch -türkischen Briefe im Königsberger Archiv, Etats- 
ministerium, 1612 — 1615; Hurmuzaki IV, S. 549 — 550; IV^, S. 344 — 345; 
Suppl. I*, S. 161, Nr. ccxLVUi; Suppl. II'*, S. 380 — 381 ; vgl. ebenda S. 385 
bis 386; holländische Korrespondenz aus Konstantinopel, Haager Archiv, De- 
zember 1613. 

2) Hurmuzaki, Suppl. I', S. 164, Nr. ccun; Suppl. II*, S. 386. Vgl. 
ebenda Suppl. I', S. 163, Nr. CCLU; Suppl. II-, S. 388-389. In der Hand- 
schrift Czartoryski 360, fol. 80—82: Brief des Sultans an den König, die 
Gesandtschaften Andreas Gorskis und des Tschausch Aiwat betreffend. 

3) Hurmuzaki IV ^, S. 349, Nr. cccLXXU. Gegen eine Erhöhung des Tri- 
buts hatte Konstantin die von leremia den Tataren zedierten „sieben Dörfer" 
anrückerhalten; ebenda S. 304 — 305, Nr. CCCLII. 



3C8 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

der Pforte mit den unwiderstehlichen ,, goldenen und silbernen 
Speeren" Erfolg" zu haben i). Aber der Kaimakam war nicht 
gesonnen, sich den Eindringling gefallen zu lassen, und bei An- 
näherung Ibrahims von Silistrien zogen sich die Polen, nach 
Wiszniewickis Tod, auf Hotin zurück. Stephan Tomsa aber sollte 
nicht mehr zur Ruhe kommen. Während Radu Serban auf Rück- 
eroberung seines walachischen Fürstentums sann, drang Korecki 
von neuem in die Moldau ein und gab sie Alexander, als recht- 
mäfsigem Fürsten, zurück. Darauf trat Skender- Pascha gegen 
den Usurpator und dessen Vormund in Person auf den Plan. 
Zuerst schien er mit dem letzteren unterhandeln zu wollen, über- 
fiel aber dann in der Nacht des 2. August das polnisch - mol- 
dauische Lager und nahm die Witwe leremias , die er an einen 
Aga verheiratete, ihre Tochter, die Gemahlin Koreckis, die einem 
Tataren übergeben wurde und ihm zwei Kinder gebar, Alexan- 
der und einen jüngeren Bruder, die den mosleminischen Glauben 
annehmen mufsten, und Korecki, den Gratiani loskaufen wollte ^), 
gefangen. Tomsa wurde beim Fall des Kaimakams als unfähig 
abgesetzt, und die Moldau am 7. Juli dem verständigen walachi- 
schen Fürsten Radu Mihnea übertragen ^) ; obwohl man ihn als 
treuesten Diener des Sultans pries, mufste Radu seinen jungen 
Sohn Alexander als Pfand zurücklassen ^). Von neuem war die 
Rede davon gewesen, dafs ein Pascha die Nachfolge Tomsas an- 
treten werde ^). 

1) „Törtenelnii Tar" 1880, S. 472ff. ; „Török-Magyarkori Allam-Okmänytär" 
I, S. 139 ff. Im übrigen Vorrede zu „Studil §i documente" IV, S. cxixff. 

2) Holländische Korrespondenz; Wenn er von Crailsshaim S. 59 
(Schilderung des Eintritts der Do am na). 

3) Vorrede zu „Sludii ^i documente" IV, S. cxixff.; Naima S. 446 — 450. 
Ein polnischer Gesandter weilte 161 6 in Konstantinopel; Hurmuzaki IV*, 
S. 366, 367, Nr. cccxciv - cccxcv ; Suppl. P, S. 173; ,,Acte §i fragmente" I, 
S. 188 ff. 

4) Holländische Korrespondenz aus Konstantinopel. Vgl. den türkisch- 
polnischen Briefwechsel in den Handschriften Czartoryski 318, fol. 369; 320, 
fol. 409. Ein polnischer Gesandter, Gregor Kochanski, ging im Frühling nach 
Konstantinopel; Hurmuzaki IV, S. 360—361, 363; holländische Korre- 
spondenz. 

5) Hurmuzaki, Suppl. IP, S. 414 — 415 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen, 369 

Im Juni i6i6 rief der polnische Hetman Stanislas Zolkiewski, 
der einen Krieg mit den Türken herbeizuwünschen schien, in 
einer Proklamation alle Truppen des Reiches gegen Skender ins 
Feld ^). Als die Polen über die Tataren Klage führten, warf 
ihnen der Sultan ihre Kosaken vor , die er entschlossen sei , zu 
Wasser und zu Land zu bekriegen -'). 

Ein dahin gehender Auftrag wurde wieder Skender -Pascha 
zuteil, der sich rühmte, dafs er ,, Polen zu vernichten" ver- 
möge •^). Aber keiner der Tributärfürsten beeilte sich, zu seinem 
Heere zu stofsen ; Radu sowohl wie Bethlen benutzten allen ihren 
Ein Hufs , um diesen für ihre Länder höchst unbequemen Krieg 
zu hintertreiben. Dennoch zwang ein neuer Angriff der Kosaken 
auf Akkerman den noch zögernden Skender (im Juli 1617) die 
Donau zu überschreiten. Erst Mitte August jedoch befand sich 
Bethlen mit 10 000 Mann in der Walachei, fest entschlossen, nichts 
gegen die Polen zu unternehmen^). Durch seine Vermittlung 
kam es zu dem Vertrag von Jaruga (22. September) am Dnjestr, 
der die Ruhe an der moldauisch -polnischen Grenze wiederher- 
stellen sollte -^j. 

Die Tataren aber hielten sich nicht für verbunden, den Ver- 
trag zu beobachten; sie raubten vielmehr auf polnischem Ge- 
biet aufs entsetzlichste, und so sammelte sich unter Koniecpolski 
ein mächtiges Heer, um sie zu züchtigen. Am Dnjestr trat der 
Hetman den von Kalga und Kantemir-Mirza geführten Horden 
entgegen. Zu einer Schlacht kam es nicht; die Türken Sken- 
ders und des früheren Kapudans Daud , der an die Donau ge- 
schickt worden war, um die Empörung der walachischen Bojaren 
gegen den Fürsten Alexander Ilias und seine griechischen Be- 
rater zu dämpfen, nahmen an ein paar unbedeutenden Zusammen- 
stöfsen keinen Anteil ; der moldauische Fürst Radu Mihnea führte 



i) Ebenda Suppl. 11* a. a. O. 

2) Ebenda S. 419 ff. 

3) Ebenda S. 429. 

4) Siehe die Urkunden in der Sammlung Niemcewicz', VI, und in jener 
Bielowskis; im allgemeinen Vorrede zu „ Studii §i documente" VI, S. cxxviff. 

5) Hurmuzaki, Suppl. II-, S. 429 ff. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. HI. 2* 



370 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

wiederum die Unterhandlungen und brachte sie zu erfolgreichem 
Abschlufs. Peter Ozdze ging nach Konstantinopel, um den Frie- 
den endgültig zu sichern ^). Skender, dem die Statthalterschaft 
von Silistrien anstatt seines bosnischen Paschaliks übertragen 
worden war, glaubte ihn noch weiter zu befestigen, wenn er die 
durch den Rücktritt des angeblich augenkranken Radu, der einen 
Krieg verabscheute, erledigte Moldau dem erfahrenen Diplomaten 
Gratiani verschaffte, der bis dahin als Herzog Naxos und Faros 
von Konstantinopel aus verwaltet hatte -) (4. Februar 16 19). Der 
neue Woiwodc Caspar hatte den Tribut auf 40 000 Dukaten er- 
höht ^). Der Friedensstifter sollte freilich im Gegenteil Anlafs 
zum Kriege geben. 

Im ersten Jahre seiner Regierung zwar schien der abenteuer- 
liche Fürst wirklich imstande zu sein, die auf ihn gesetzten Frie- 
denshoffnungen zu erfüllen. Ruhig konnte Skender in Akkerman 
und dann in Otschakow bleiben, wohin sich Gratiani mit dem 
Gesandten Kochowski begeben sollte. Das tatarische Geschenk 
von 7000 Dukaten jährlich, mit dem man seit fünf Jahren im 
Rückstande war ^) , wurde dem Khan überantwortet und Hiero- 
nymus Otwinowski an die Pforte abgesandt. Die Kosaken , die 
im März 1620 wieder im Schwarzen Meer erschienen, richteten 
nichts Bedeutendes aus, und so unterblieb der angekündigte Zug 
Skenders. Der walachische Fürst, Gabriel Movilä, den Gratiani 
als Hindernis für seine Pläne betrachtete, wurde im Juli durch 
Radu Mihnea ersetzt ^). 

,, Brenne dir die Verträge in den Kopf ein", lautete im April 
die Antwort der Türken auf die Klagen des ,, in einer elenden 
Schenke" untergebrachten Otwinowski^); der deutsche Vertreter 

1) Vgl. Hurmuzaki, Suppl. II*, S. 45iff. ; Suppl. I*, S. 278; „Acte §i 
fragmente" I, S. 192 — 193; polnische Briefe in Bielowski. 

2) Siehe in den „Denkwürdigkeiten der rumänischen Akademie" XXI meinen 
Aufsatz über Gratiani. 

3) „Denkwürdigkeiten der rumänischen Akademie" XXI, S. 46; oben S. 350' 

4) „Denkwürdigkeiten der rumänischen Akademie" XXI, S. 44. 

5) Vorrede zu „Studii §i documente" IV, S. cxxxvifif. ; Brief Gratianis vom 
II. Juni 1620; ebenda S. 174—175. 

6) „Combure illa in capite tuo"; Hurmuzaki, Suppl. II*, S. 472. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 371 

war ebenso übel empfangen worden. Bethlen ergriff von neuem die 
Offensive gegen die Kaiserlichen, fand aber diesmal auch die Polen, 
denen die Österreicher als Vorkämpfer des katholischen Glaubens 
gegen die ungarischen , böhmischen und deutschen Ketzer er- 
schienen, als natürliche Bundesgenossen an deren Seite. Gratianis 
Feindschaft gegen den Siebenbürger war jedoch nicht erloschen; 
nach seiner Thronbesteigung war sein ganzes Trachten darauf 
gerichtet, Homonay an dessen Stelle zu setzen oder, nach dem 
Beispiel Michaels, das reiche Land für sich selbst zu gewinnen. 
Als Bethlen dann von der Pforte als ,, ungarischer König" an- 
erkannt wurde, war der Sturz Gratianis, den jener als Schwärmer 
für einen Kreuzzug und Mitglied des von Radu Serban geleiteten 
Ordens des Heilandes hinstellte ^), entschieden; den Befehl, sich 
nach Konstantinopel zu begeben, beantwortete er, der den Schlag 
vorausgesehen und sich in das Lager am Pruth begeben hatte, 
mit der Ermordung seiner türkischen Umgebung und dem Über- 
tritt zu den Polen, die auf seinen Vorschlag unter Zolkiewski 
über den Dnjestr nach Hotin gekommen waren ^) (i. September). 
Das vereinigte Heer aber bestand aus kaum 13 — 15 000 Mann. 

Die moldauischen Bojaren und die polnischen Veteranen 
erteilten wahrscheinlich den Rat, das türkische Heer, das Skender 
und Kalga mit seinen Tataren und Kantemir verstärkten, in den 
alten Schanzen bei Tutora zu erwarten, die Gratiani neuerdings 
hatte vertiefen lassen und wo ihn die Nachricht von seiner Ab- 
setzung erreicht hatte. Drei Tage, vom 17. bis zum 20. Sep- 
tember, dauerte das Hin und Her der Streitigkeiten; ein Teil der 
Moldauer verriet die Sache des ihnen mifsliebigen fremden Herrn. 
Einige tausend Polen verliefsen das Lager, ohne Befehle von 
Seiten Zolkiewskis erhalten zu haben. Gratiani mufste fürchten, 
dafs sein Leben der Preis eines neuen Vertrages zwischen Türken 
und Polen sein werde , und flüchtete gegen das Gebirge hin, wo 
er von der Hand eines seiner Bojaren den Tod fand. Vergebens 



i) Siehe auch den holländischen Bericht aus Konstantinopel vom 24. August 1620. 

2) Hurmuzaki IV*, S. 387, Nr. ccccxxv; „Denkwürdigkeiten der rumä- 
nischen Akademie" XXI (Erzählung Montalbanos, des Sekretärs Gratianis) und 
Vorrede zu „Studil §i documente" IV. Ein Diarium des darauf folgenden Zugs 
in der Handschrift Czartoryski 350, S. 434 ff.; vgl. S. 445 ff. 

24* 



373 Zweites Bucli, Neuntes Kapitel. 

versuchten die noch im Lagfer gebHebenen Truppen sich durch 
Geld den Weg nach dem Dnjestr hin zu erkaufen: ihren schwie- 
rigen Rückmarsch bewerkstelhgten sie unter täg-Hchen Angriffen 
von Seiten der sie umlauernden tatarischen Schwärme. Elende 
Reste erreichten erst am 8. Oktober die Grenze, und am Dnjestr 
fielen die ermüdeten Polen zu Tausenden in die Hände ihrer 
Verfolger; hier, bei Slobozia-Saucäi, fiel auch der Hetman des 
Reiches unter dem Streiche eines Tataren. Der Sohn und der 
Neffe Zolkiewskis, dann der Unterfeldherr Koniecpolski — der 
für 30000 ,,hartte Thaler" an Bethlen ausgeliefert wurde ^) — und 
Korecki, der, weil er schon einmal aus Konstantinopel geflüchtet 
war, sein Leben verwirkt hatte -), gerieten in tatarische Gefangen- 
schaft. I20 Geschütze und viele Karren wurden von den Fein- 
den erbeutet. Das Unheil war so entsetzlich , dafs es in den 
Annalen Polens einzig dasteht. ,,In solches Verderben ", schrieb 
der holländische Gesandte, ,, hat der schlechte Rat Gratianis das 
Reich Polen gebracht •'')." 

Mit diesem Erfolge begann die Regierung des unter- 
nehmungslustigen neuen Sultans Osman aufs glücklichste. Vor 
der Schlacht hatte der junge Fürst aufs strengste untersagt, ihn 
durch Einreden und Ratschläge um das Vergnügen eines Sieges 
zu bringen ; aus Asien waren Elefanten verschrieben worden, um 
den kaiserlichen Kriegszug imposanter zu machen. Die Nach- 
richt, dafs ein ganzes polnisches Heer unter Führung des Reichs- 
hauptmanns vernichtet worden sei, bestärkte Osman noch in dem 
Entschlüsse, seine Janitscharen persönlich gegen das geschwächte 
Polen ins Feld zu führen. Das Ziel seiner kriegerischen Aus- 

i) Königsberger Archiv, Etatsministerium, 1623: Brief aus Konstantinopel 
vom 8. Februar 1623. 

2) Holländischer Briefwechsel, 11. und 27. Juli 1622. 

3) Bericht aus Konstantinopel, 22. Oktober 1620. — Die Quellen und 
Jankovic in Hurmuzaki, Suppl. II-, Berichte der polnischen Hauptleute und 
Kundschafter ebenda; ferner der Bericht Zolkiewskis vom 24. September; die 
moldauische Chronik Miron Costins S. 273 — 275; Erzählung Montalbanos, des 
Sekretärs Gratianis, in den „Denkwürdigkeiten der rumänischen Akademie" XXI, 
S. 40 ff.; Hurmuzaki IV-, S. 389; Nainia in „Acte ^i fragmente" I, S. 56 — 57. 
Hamm e r II. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 373 

fahrt sollte zunächst Hotin sein, das Gratianis Schlofshauptmann 
Annibale Amati nach der Niederlag-e am Pruth dem polnischen 
Kastellan Kalinowski überantwortet hatte i). 

Während des Winters ergingen polnische Bittg-esuche an 
das westliche Europa, das freilich für die Kreuzzugsidee nur noch 
wenig übrig hatte -). Ein polnischer Reichstag beschlofs, ein 
Heer von 30000 Kämpfern aufzubringen und zu besolden und 
15000 Kosaken zur Hilfe heranzuziehen; der König selbst sollte 
das Kommando übernehmen ^). Aber nur Wladislaw, der Sohn 
des Königs, und der litauische Hetman Chodkiewicz, ein achtzig- 
jähriger Greis, erschienen im Lager. Nachdem der polnische 
Vortrab unter Liubomirski die Moldau bis Jassy hin verheert 
und den an Gratianis Stelle ernannten Fürsten Alexander Ilias 
geschlagen hatte, wurde Hotin zum Versammlungsort der könig- 
lichen Truppen bestimmt. Nicht weniger als 20000 Kosaken 
stiefsen später zu diesen. 

Osman liefs zur gröfseren Sicherheit seinen Bruder Mohammed 
hinrichten und brach am 21. Mai 1621 aus Konstantinopel auf. 
12000 Janitscharen ^) , Toptschis und Dschebedschis und zahl- 
reiche Spahis, besonders aus Asien und sogar aus Alep und 
Damaskus folgten ihm. Skender begleitete seinen Herrn nicht 
mehr: er war in Akkerman gestorben ^), wie es heifst an Gift, das 
ihm der Kalga, dem er den Ruhm des Sieges von Tutora streitig 
zu machen versucht hatte, hätte beibringen lassen. 

Vor der Ankunft des kaiserlichen Heeres im Juni und am 
30. August errangen die Polen in Zusammenstöfsen mit den Ta- 
taren einige Erfolge *'). Anfang September befand sich dann 
das Lager Osmans am Dnjestr, aber bald wurde ersichtlich, dafs 
es der ungeheuren Menge an jeder Leitung vollständig mangelte. 



i) ,, Denkwürdigkeiten der rumänischen Akademie" XXI, S. 50- 

2) Vgl. ,,Acte si fragmente" I, S. 63. 

3) Miron Costin S. 276. 

4) Nach Hurmuzaki, Suppl. P, S. 190, 18000. 

5) Vg^- „Denkwürdigkeiten der rumänischen Akademie" a. a. O. S. 81 und 
Miron Costin S. 275. 

6) Siehe auch einen Brief des Martin Beccanus in den „Carte Farnesiane" 
des Archivs von Neapel. 



974 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

,, Unter den Türken", schreibt ein Aug"enzeug"e , ,,ist kein ein- 
ziger, der führen und das Heer befehligen könnte ; infolgedessen 
geht alles in Unordnung und Verwirrung seinen Gang i)." Am 
3. September errangen die Kosaken einen richtigen Sieg; der 
Pascha von Silistrien war unter den zahlreichen Toten, die die 
Janitscharen verloren hatten. Am 4. versuchten sich die Spahis 
vergeblich gegen die polnischen Schanzen, und am 5. versagte 
die türkische Artillerie vollständig; die den Toptschis gegenüber- 
stehenden Kosaken bemächtigten sich sogar einiger Geschütze. 

Am 7. schritten die Türken mit allen ihren Kräften zum 
Angriff auf die Polen und wurden zurückgeschlagen; ein zweiter 
gegen Abend unternommener Angriff hatte gleichen Mifserfolg. 
Doch mufste auch das königliche Heer grofse Verluste ver- 
zeichnen und verdankte seine Rettung vor allem den Anstrengungen 
Chodkiewicz' -). 

Inzwischen hatten die Verhandlungen, die der walachische 
Fürst Radu Mihnea — der Fürst der Moldau, Alexander Ilias, 
war abgesetzt und eingekerkert worden, weil er beim Brückenbau 
seiner Pflicht nicht nachgekommen war — durch seinen Ver- 
trauten, den Kreter Konstantin Battista Vevelli, führen liefs, ihren 
Anfang genommen. 

Am 15. standen die Türken auf dem linken, polnischen 
Ufer des Dnjestr; der Pascha von Ofen, Karakasch, war zu ihnen 
gestofsen. Er befehligte auch den Angriff auf einen Teil des 
königlichen Lagers, das sich bei Zwaniec befand; im Kampfe 
aber traf ihn eine Kugel durch den Kopf. Dieser Unfall ent- 
mutigte das osmanische Heer derart, dafs kein weiterer Sturm- 
versuch erfolgen konnte. Anderseits war im christlichen Lager 
eine Seuche ausgebrochen, der nach einigen Tagen auch Chod- 
kiewicz erlag. An Vorräten mangelte es ebenfalls , denn bis 
weit ins Innere war alles Land von den Tataren verwüstet worden. 
Schon drohten die Litauer mit dem Abzüge. 

Sultan Osman sah von einer Anhöhe aus den täglichen 

i) „II n'y a parmy les Turcz un seul homme capable de conduire , ny de 
Commander leur arm6e , et que tout se fait avec desordre et confusion"; Hur- 
muzaki, Suppl. I ', S. 190 — 191. 

2) Vgl. ebenda Suppl. 11-, S. 516 ff. ; Miron Co st in S. 279. 



Polnisclie Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 375 

Kämpfen seiner Janitscharen und Spahis mit den Kosaken und Polen 
des Königssohns und des neuen Hetmans Liubomirski zu. Die 
Köpfe der getöteten Christen rollten vor seine Füfse, und er weidete 
sich an der wachsenden Zahl der den gefallenen Polen und Kosaken 
ausgerissenen Zungen. „Der Anblick seines Zeltes spornte den 
Mut der Gläubigen aufs höchste", schreibt der gleichzeitige tür- 
kische Chronist Naima ^). Vom neuen Grofswesir erwartete er 
den endlichen Sieg und sah voll Verlangen nach der starken 
Festung Kamieniec. Aber bald mufste sich Osman überzeugen, 
dafs nichts zu erreichen sei : der König von Polen hatte sich 
schon nach Lemberg begeben, und am 9. Oktober wurde von 
Jakob Zielenski der Frieden von Hotin vereinbart. Aufser den 
üblichen Abmachungen über Kosaken und Tataren enthielt der 
vorläufige Vertrag die Klausel, dafs Hotin dem moldauischen 
Fürsten als rechtmäfsigem Besitzer überantwortet werden sollte -). 
Osman rühmte sich, dafs er seinen Staaten eine wichtige 
Grenzfestung wiedergegeben ^) und besonders die polnischen 
Ansprüche in dem eben geschlossenen Staatsakt vollständig un- 
beachtet gelassen habe ■^), Sigismund III. lenkte dagegen die Auf- 
merksamkeit der christlichen Welt auf die aufserordentliche Tat- 
sache , dafs der Sultan Frieden begehrt und ihn ,, den Vor- 
schriften des Gesetzes entgegen auf eigenem Boden" geschlossen 
habe''). Aber das Unternehmen von 1621 blieb ein ,, verfehlter 



i) Meine „Acte ^i Fragmente " I, S. 58. 

2) Über den ganzen Feldzug die bei Zinkeisen III, S. 740 ff. wiedergegebenen 
Berichte des englischen Vertreters Thomas Roe. 

3) Auf dem Rückwege vereinigte er noch die moldauische Ortschaft Reni- 
Tomarowa mit dem Gebiet Ismails, das Wakuf für das Grab des Propheten war; 
Miron Costin S. 283. 

4) Vgl. auch meinen Aufsatz über die holländische und sächsisch -polnische 
Korrespondenz aus Konstantinopel im 18. Jahrhundert in den „Denkwürdigkeiten 
der rumänischen Akademie" I, Jahrgang 1909, S. 2. 

5) Brief vom 30. Dezember 1621 an den König von Frankreich: „Hostis is 
qui pro more ac instituto gentilicio machometanaeque legis praescripto in proprio 
solo de pacis conditionibus cum adversario agere minime consuesset, non tantum 
egit, verum etiam per Palatinum Moldaviae atque Valachiae illam depoposcit pro 
eaque stabilienda Czausium suum ad nos ablegavit"; Briefe Sigismunds, Hand- 
schrift in der Leipziger Stadtbibliothek, Rep. II, 85, fol. 33fr. Vgl. meine 
„Acte si fragmente" I, S. 193 — 194; „Relation und kurze Ertzehlung Herren 



376 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

Kricg-szug-" von türkischer Seite i). Osman, der am 30. Dezem- 
ber triumphierend in Konstantinopel einzogt, büfste den Mifserfolg 
seiner ungeduldigfen Jugend mit baldiger Absetzung- und frühem 
Tode. 

Einer Bedingung- des Hotiner Friedens entsprechend, begab 
sich 1622 der Herzog von Zbaraz an der Spitze einer unver- 
gleichlich glänzenden Gesandtschaft von 300 Personen nach Kon- 
stantinopel. Auf den Strafsen der türkischen Hauptstadt ver- 
loren ihre Pferde silberne Hufeisen -). Der Herzog traf wäh- 
rend der Palastrevolution ein , der Osman zum Opfer fiel , weil 
er den unfähigen Janitscharen nicht genehm war und einen neuen 
Kriegszug nach Asien vorbereitete; an seine Stelle trat der 
schwachsinnige Mustafa. Der polnische Gesandte fand kaum 
Unterkunft, denn in dem ihm angewiesenen Hause safsen Spahis 
und weigerten sich, es zu räumen ; nach einiger Zeit erhielt er 
kein „Tain" für seinen täglichen Unterhalt mehr und stand be- 
ständig unter der Drohung der Einkerkerung •^). Nur mit Mühe 
erlangte der polnische Gesandte eine Audienz bei dem Sultan, 

Georgen Woroczky, welcher den 16. July von Constantinopel, do er etliche Woclien 
gewesen , in Polen widerumb angelangt , sampt gewisen Bericht was in der Kon. 
Mayst. in Polen Feldlaeger wider den Tuerck sich biss zu End Septembris ver- 
loffen, etc."; Augsburg 162 1 ; auch in den „Turcica" des Münchener Staatsarchivs 
86 (28) ; die Kriegsberichte in der Handschrift Czartoryski von Krakau 347 und 
in Hurmuzaki, Suppl. 11^. Aufserdem Sobieski, Comm. Chotinensis belli, 
Danzig 1646; Wassemberg, Gestorum Vladislai IV, pars I, 2. Ausgabe, 
Danzig 1646. 

i) „Sultan Othman liaving in 1030 failed in his attempt to reduce the for- 
tress of Hotin"; The travels of Evliya Efendi, Übersetzung Hammers, London 
I, 1834, S. 115 und besonders S. 123. 

2) „Narratio legationis zbaravianae et rerum apud Otthomannos anno 1622 
gestarum, conscripta a Samuele Kuszewicz ", Danzig 1645. Vgl. MironCostin 
S. 28. In der holländischen Korrespondenz aus Konstantinopel findet sich ein 
Brief des Königs vom 6. Februar 1622 und ein anderer unter dem 10. März an 
den Wesir Dilawer gerichteter; darin geschieht Mohammed Agas, einer türkischen 
Gesandtschaft des Tschausch Ahmed und Vevellis Erwähnung. 

3) Hurmuzaki, Suppl. IP, S. 201 — 204. Der Brief des Königs an den 
Grofswesir Mere-Hussein vom 15. November 1623; Königsberger Archiv, Staats- 
ministerium ; vgl. Handschrift Czartoryski 360, fol. 340 — 343 : Brief des Sultans an 
den König Sigismund III, Jahr der Hedschra 1007. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 377 

der nichts von alledem, was um ihn herum vorging-, verstand ^). 
Neue Einfälle der Kosaken , die zur Verg^eltung- für tatarische 
Streifereien nicht nur in der Moldau, sondern auch bis nach 
Kleinasien hinein mitleidlos hausten -), trugen sicherlich zu die- 
sem Empfange bei. Im November wurde der Gesandte mit 
Schmähworten und Drohungen überhäuft, und der alte Wesir 
ging so weit, den König ,, einen Juden und Dieb zu nennen" 
und seinem Boten zu drohen, dafs er ihm Ketten um den Hals 
legen werde; die Spahis verlangten, dafs Zbarawski Konstanti- 
nopel nicht verlasse '■'). Auch der moskowitische Agent, der 
Frieden und Bündnis auf sieben Jahre verlangte, hatte die schnöde 
Behandlung des Polen mit veranlafst ^). Die Hauptschuld trugen 
aber die vom Regierungswechsel verursachten anarchischen Zu- 
stände in Konstantinopel. 

Den dem Gesandten eingehändigten Vertrag betrachtete 
man als gefälscht, weil er angeblich die Klausel enthielt, dafs 
die Polen sich nicht zugunsten des Kaisers in die ungarischen 
Streitigkeiten einmischen dürften und verpflichtet seien, mit dem 
moskowitischen Potentaten einen für diesen günstigen Frieden zu 
schliefsen. Man schickte das Schriftstück also zurück ■'). Die 
Kosaken hatten damals gerade das anatolische Samsun in Brand 
gesteckt "). Erst 1624 wurde dann der Vertrag in authentischer 
Form bestätigt '). 

Nach dem grofsen Raubzuge, den die Tataren in demselben 
Jahre in die von Radu Mihnea und seinem Sohne verwalteten 



i) Vgl. Roe in Zinkeisen III, S. 755 ff. 

2) Hurmuzaki, Suppl. II-, S. 522 — 523. 

3) Roe S. 120, bei Zinkeisen III, S. 757—758; Hurmuzaki, Suppl. P, 
S. 194 — 196. — Der Gesandte verliefs die Reichshauptstadt am letzten Februar; 
Münchener Hofbibliothek, Sammlung Camerarius 53, fol. 136, Brief aus Konstan- 
tinopel vom 4. März 1623. 

4) Hurmuzaki, Suppl. P, S. 191 — 192, Nr, ccxciv. 

5) Ebenda S. 207 — 210, Nr. cccvi— cccix. 

6) Ebenda S. 218 — 219, Nr. cccxix; vgl. Naima S. 421 ff. — dann 
Evliya III, S. 37, — auch über die Erbauung Otschakows durch den Beglerbeg 
Ahmed von Rum; vgl. Zinkeisen IV, S. 502. 

7) Vgl. ebenda S. 486 — 487, nach den Depeschen Roes. 



378 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

Fürstentümer unternahmen, drangen aber die Kosaken auf ihren 
Piratenbooten bis nach Trapezunt, Konstantinopel und dem 
geg^enüberliegenden asiatischen Skutari ^). Obgleich sie mit Polen 
in relig-iösen Gegensatz geraten waren, lieferten die bewährten See- 
räuber 1625 dem Kapudan eine offene Schlacht-). 1626 raubten 
sie bis zur Vorstadt Phanar in Konstantinopel hin •^) und besetzten 
Karaharman ^). Auch hatte Osman die Bevölkerung der um- 
liegenden Provinz zwangsweise in die Hauptstadt ziehen wollen ^). 
Im Juli 1627 erschien der Kapudan mit zehn Galeeren und 
mehr als 250 Booten kosakischer Bauart vor Kili; nach seinem 
Abzug blieben die türkischen Scheiken (Boote) unter Sakadschi- 
Pascha an der unteren Donau ; die Kosaken beunruhigten und 
schlugen ihn sogar "). Der moldauische Fürst Miron Barnowski, 
der mütterlicherseits ein Movilä und Schwiegersohn des eben 
verstorbenen Radu Mihnea, aufserdem ein erklärter Polenfreund 
war und eine polnische Indigenatsurkunde besafs, bemühte 
sich aufs äufserste , den Frieden zu erhalten ; er ging nach 
ütschakow und weilte daselbst im Jahre 1627 zwei Monate, 
bis er eine Verlängerung desselben um wenigstens ein Jahr er- 
langte ''). 

1628 aber erschienen die kosakischen Räuber wieder auf 
dem Meere und erdreisteten sich, Kafta zu belagern'^). 1630 
reiste dann Alexander Piaseczyiiski an die Pforte ^). Mehr aber 
als alle Erklärungen polnischer Gesandter trug, aufser den reli- 

T) Nach Hurmuzaki IV- und „Fragmente" III in „Chilia §i Cetatea-Albä " 
S. 223. Siehe auch „Törtenelmi Tar" 1881, S. 106 und die holländische 
Korrespondenz; die englische Korrespondenz in Zinkeisen IV, S. 494^495. 

2) Ebenda S. 496 — 497. 

3) Holländischer Bericht vom Mai 1626. 

4) Ebenda vom 8. und 22. August. 

5) Siehe ebenda vom 23. März 1625. 

6) Holländische Berichte vom 9. bis 26. August 1626. 

7) Hurmuzaki, Suppl. II-, S. 539 — 54°, 545 — 546, 551, 561, 565 — 566, 
568 — 569, 571 — 572, 576 — 577. Über den 1627 zur Erneuerung des Friedens 
nach Konstantinopel geschickten polnischen Unterhändler ebenda S. 537 — 53^- 

8) Ebenda Suppl. P, S. 229—230; „Törtenelmi Tar" 1883, II, S. 260 bis 
261, 270. 

9) Handschrift Czartoryski 365, S. 256'., 533, 53S— 539, 555 — 557, 562; 
Zink eisen IV, S. 504 — 505. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 379 

g-iösen Interessen der Kosaken, die unter dem neuen Erzbischofe 
Peter Movila (Mohyla) von Kiew, dem Sohne des moldauischen 
Fürsten Simeon, zum Bewufstsein ihrer Orthodoxie gekommen 
waren und sich geg-en die katholische Propag-anda der Polen auf- 
lehnten 1), auiser den asiatischen Schwierig-keiten der Pforte und 
den fortwährenden inneren Umwälzungen in Konstantinopel, ein 
anderer Umstand zur Erhaltung des Friedens bei. In den Bud- 
schaker Tataren Kantemirs hatten die Türken das geeignete Werk- 
zeug zur Verfolgung und Bestrafung der Kosaken gefunden, wenn 
der mächtige Häuptling sich auch keineswegs blindlings für die 
Zwecke des Sultans gebrauchen liefs, vielmehr eine eigene Po- 
litik trieb, die besondere Beachtung verdient. 

Zur Bildung der tatarischen Herrschaft an der Donau hatten 
seit dem Ausbruche des deutsch - türkischen Krieges alle Ereig- 
nisse hingedrängt; und jetzt zum erstenmal kennt die Geschichte 
des osmanischen Reiches ein eigenes Tatarenkapitel. 

Schon in den ungarischen Kriegen des grofsen Soliman, 
dann weiter in den asiatischen Kämpfen unter Sultan Murad hatte 
man sich der Tataren bedient; und die Beziehungen zwischen 
dem Oberherrn und seinen Vasallen waren enger geworden. Als 
dann der neue Krieg mit dem Kaiser ausbrach, waren bei dem 
Mangel an tauglichen , tapferen und disziplinierten Truppen und 
infolge der Feigheit der Akindschis, die nicht mehr unter ihrem 
alten Xamen auftreten, sondern ihre Aufgabe, das feindliche Land 
durch kühne Streifereien auszurauben, dem Feind die Wege ab- 
zuschneiden, Kundschaft einzuholen, Vorräte wegzufangen, an 
andere Truppen abgetreten hatten, die Tataren — wie Sinan 
wohl als erster klar erkannte — für künftige Reichskriege un- 
entbehrlich geworden. 

Bei einem neuen Kriegszuge erhielten der Khan, der Kalga, 
sowie seine Sultane und Mirzas . Geschenke , sei es in barem 
Geld — Summen bis zu 50000 und lOOOOO Dukaten — , ..für 
ihre abeetrag-enen Schuhe", wie es hiefs "-), sei es in Ehrenklei- 



1) Siehe auch den holländischen Bericht vom 13. Juli 1630. 

2) „Che dicono per li stivalli"; Hurmuzaki lY-, S. 175, Nr. cxxxvn; 
Barozzi und Berchet U, S. 78: „un zecchino per ciaschednno per una volta 



380 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

dern und Waffen ^); ein gfanzes Jahr lang- bezog der tatarische 
„Hof" seinen Unterhalt gelegentlich aus dem osmanischen 
Schatze-'). Dafür waren sie zu jeder Verwüstung bereit, und 
Tataren in Winterquartier zu sehen , bedeutete eine entsetz- 
liche Plage für die umliegende Landschaft; sie verliefscn die- 
selbe dann mit Tausenden von Gefangenen und hausten so- 
gar in Bosnien nicht anders''); in reicher Fülle gingen ihre 
Sklavensendungen nach Konstantinopel ab , und die Mächtigen, 
an erster Stelle der Sultan selbst, erhielten schöne Sklavinnen 
als ihren Anteil an der Beute '). P'reilich protestierten selbst die 
in Ungarn angesiedelten Türken entrüstet gegen die Begünsti- 
gung dieses unmenschlichen Handwerks ''). Seine Beziehungen 
zur Pforte hinderten den Khan übrigens nicht, sehr bald auch 
allen christlichen Nachbarn durch christliche Agenten, westlichen 
und östlichen Ursprungs, wie Gian- Antonio Spinola, einen Ge- 
nuesen aus der Krim , oder einen aus Konstantinopel flüchtigen 
Paläologen , und tatarische Abgesandte , wie Dschantimir-Aga, 
Mustafa-Tschelebi und Seferkazi, Friedensvorschläge zu machen; 
er war gern bereit, gegen Zahlung einer ,, unbedeutenden" jähr- 
lichen Summe seine Feindseligkeiten einzustellen ''). 

Allzu sichere Vasallen waren die Barbaren in der Krim also 
keineswegs. Auch standen ihre Ansprüche oft in keinem Ver- 
hältnis zu den von ihnen geleisteten Diensten: 1594 verlangte 
der Khan erneut für seine Brüder, deren Ehrgeiz ihn beunruhigte, 
die rumänischen Fürstentümer '), und im folgenden Jahre gab 



tanto, per li stivali, come chiaraano". Ebenso bezahlte man in der Moldau den 
Gerichtsdienern die „ciobote'' (Stiefel), 
i) Hurmuzaki a. a. O. 

2) Ebenda Suppl. 11-, S. 43 — 44. 

3) „Ambraser Akten", Niary an Erzherzog Maximilian, i. Januar 1603. 

4) Barozzi und Bar che t a. a. O. I, S. 70 ; vgl. ebenda S. 204. 

5) Hurmuzaki XII, S. 828. 

6) Ebenda lU», S. 280 ff. ; IV 1, S. 376«.; Suppl. II ' , S. 310 — 311, 543 
bis 544 ff. — Nach 1603 sprach Rabufs in einem Briefe aus Prag vom I. Dezember 
von der Absicht des Sultans, „die ganze Provinz, von Nicopoli an, biss aufl 
Achilleam und Nester-Albam , sambt der Wallachey und Moldau", auf Lebenszeit 
dem Khan zu übertragen; „Ambraser Akten". 

7) Hurmuzaki III, S. 463, Nr. xxx. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 5581 

Gazi-Girai bei einem Einbruch in die Moldau vor, der Sultan 
habe das Land seinem Neffen, dem Sandschak Ahmed von Ben- 
der, verliehen ^). Als sie solche Hoffnungen aufg-eben mufsten 
und man ihnen Raubzüge in die Walachei Michaels, der damals 
über einen Frieden verhandelte, verbot, scheute sich der Khan 
nicht, mit einem Aufstand zu drohen: ,,Mit Gottes Hilfe", schrieb 
er an seine christlichen Nachbarn, ,,wird sichtbar werden, was 
ich nunmehr mit den Truppen der weibischen Türken zu tun 
gedenke und welche Streitkräfte sie gegen die Ungarn ins Feld 
stellen werden. . . . Von jetzt an habe ich die Sache der Türken 
aufgegeben und will keine Beziehungen mehr zu ihnen unter- 
halten -)." Als Sicherheitsmafsregel hielt darum die Pforte, die 
damals die tatarischen ,, Kaiser" genau so wie die rumänischen 
Fürsten aus den Mitgliedern der betreffenden Dynastie zu er- 
nennen pflegte, einen Bruder Ghazis in Konstantinopel fest, 
und überall bettelte der Khan um Geld, um den geliebten Ver- 
wandten auslösen zu können •'). Als dann später tatarische Hilfe 
bei allen osmanischen Unternehmungen die Regel wurde, ge- 
stattete man die Ansiedlung der Nogais an der südlichen Donau, 
im sogenannten Budschak, der Rajah den Festungen Kili, Ismail 
und Akkerman und den Dörfern der Brüder in der Dobrudscha 
gegenüber ■^). Denn diese von der Hauptmasse losgelösten Ta- 
taren, die immer nach Unabhängigkeit strebten, konnten gegen 
die anderen ausgespielt werden ; auch hielt die Pforte in den 
hergebrachten Verbannungsorten, Kütajeh oder Rhodos, immer 
einen Giraiden, einen abgesetzten Kalga oder Thronprätendenten 
zu ihrer Verfüeungf ■'). 



1) Siehe oben S. 317 — 318. 

2) Ilurmuzaki, Suppl. IP , S. 407. Tatsächlich befanden sich tatarische 
Scharen im Heer der asiatischen Rebellen; Naima S. 210. Über Beziehungen 
zum Schach im Jahre 1606 Hurmuzaki, Suppl. I*, S. 121 — 122, Nr. clxxxiv. 

3) Ebenda III, S. 421, Nr. cccxxxiv; S. 516, Nr. lxxii; XII, S. 345, 
Nr. Bxx; S. 377 — 378, Nr. dlxxvh; Barozzi und Berchet I, S. 30. 

4) Über die „Doberzaner" der Polen Hurmuzaki IV ^, S. 211, Nr. clx5;v; 
S. 256, Nr. ccxxv; S. 328 — 329, Nr. cccxxx. Vgl. ebenda, S. 191 — 192, 
Nr. cun. 

5) Vgl. ebenda, S. 330, Nr. ccx^XLn; Suppl. IP, S. 114, Nr. CXVTI; 
S. 291, 303. 



383 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

Die Einmischung' in die allgemeine Politik der Zeit, die 
lange Abwesenheit des Khans, das Bestreben vieler, Gewinn 
bringende Raubzüge auf eigene Faust zu unternehmen, und end- 
lich die Neigung Khan Ghazis, sich mit orientalischer Poesie zu 
beschäftigen ^) , brachten es mit sich , dafs der alte Geist der 
sklavischen, unbedingten mongolischen Unterwürfigkeit dem ,, Kai- 
ser" gegenüber geschwächt wurde. Das wurde zuerst im per- 
sischen Kriege, dann noch mehr bei der Erhebung Fethgirais, 
des Bruders Ghazis (1595), offenbar-'). Cigala hatte ihm seine 
Zuneigung geschenkt und glaubte, seinen Günstling auf den Thron 
bringen zu können ; Wesir Ibrahim aber trat dann für den frü- 
heren Khan ein, der die Bestätigungsurkunde erhielt, als er 
gerade nach Konstantinopel absegeln wollte. Feth-Girai mufste 
sich Ende 1 596 unterwerfen und büfste seinen Ehrgeiz mit dem 
Leben; auch seine Söhne wurden nicht verschont ^). Nach kurzer 
Zeit, 1601, wagte Dewlet, der Sohn Seadets, eines zweiten Bru- 
ders Ghazis , eine neue Verschwörung gegen den Oheim : bei 
festlichem Schmause am Beiramtage liefs dieser den Neffen und 
einige seiner Anhänger aus der geachteten Familie der Schirins 
überfallen und ermorden; doch entkamen einige Giraiden und 
Schirins nach Akkerman und Kaffa. Auch der Kalga begab 
sich später, als ihm der Befehl über die nach Ungarn geschickten 
Tataren vorenthalten wurde, zu den Türken in die Festung am 
Dnjestr ■*). 

Nach Ghazis Tode (November 1607) bestieg nicht sein von 
ihm zum Nachfolger designierter Sohn Toktamisch den Thron der 
Giraiden, sondern in Konstantinopel wurde sein Bruder Selamet 
ernannt. Dschanibek, der auf diesen folgte, hatte sich weniger 
gegen Toktamisch, der schon getötet worden war, als gegen dessen 
Bruder Sefer, gegen den Kalga Mohammed, seinen eigenen Bruder, 
der sich zu den Tscherkessen flüchtete, gegen diesen Mohammed 
Girai, der eine Zeitlang in Konstantinopel im Jedi-Kule gefangen 



1) Naima S. 210 — 211. 

2) Hammer, Geschichte der Chane der Krim, S. 81 ff. 

3) Hammer a. a. O. S. 84— 85 ; „Gesch. des osm. Reiches" II, S. 623—624. 

4) Hurmuzaki, Suppl. IH, S. 43 — 44, 65. 



Polnische Wirren und Kriegsziige gegen Polen. 38B 

gehalten wurde ^), und einen anderen Verwandten mit Namen 
Schahim zu verteidigen; letzterer begab sich dann nach Akker- 
man und Persien -'). Hier kämpfte er an der Spitze seiner Ta- 
taren; ein andermal wieder raubten seine Tataren polnische Pro- 
vinzen aus und verschonten auch, trotz des Einspruches der sie 
begleitenden osmanischen Offiziere, die rumänischen Fürsten- 
tümer nicht ^). Als Dschanibek die Einschiffung seines in Rho- 
dos lebenden Vetters Mohammed erfuhr, machte er sich in Be- 
gleitung seines Bruders mit dem Schatze auf zwei Plandels- 
schiffen nach Konstantinopel auf, und im Juni 1623 konnten die 
Bewohner der Hauptstadt einen mosleminischen Prinzen, der ihrer 
Meinung nach dem osmanischen Thron am nächsten stand, sein 
Schicksal vor ihren Toren erwarten sehen ^). 

Aber weder der abgesetzte Khan Dschanibek, noch dessen 
1623 aus Rhodos herübergebrachter Nachfolger Mohammed, 
ein Sohn Seadets '"), spielten damals die erste Rolle unter den 
Tataren; vielmehr der schon erwähnte Kantemir Mirza, der zwar 
kein Giraide, aber ein hochbegabter Mann war und nicht nur das 
Budschak, allen den Polen gegebenen türkischen Versprechungen 
zum Trotz , behielt, sondern sich auch , während der Regierung 
Sultan Osmans, zum Nachfolger Skenders und des 162 1 getöteten 
Helden, zum Pascha von Silistrien, Babadagh und Otschakow 
und zum ,, Oberaufseher" der polnisch-kosakischen Grenze und 
der drei Vasallenfürstentümer ^) aufgeschwungen hatte. Er ver^ 
fügte über 40000 Tataren, die ihm blindlings gehorchten, und 
stützte sich auf die Freundschaft manches Grofswesirs, der ihn 
seinen ,,Sohn" nannte. Später führte er sogar den Titel eines 
,, Verwalters der Küsten des Schwarzen Meeres an den Donau- 
mündungen" ^). 

i) Naima S. 351—352, 396, 430, 456fr. 

2) Vgl. Hurmuzaki IV*, S. 408, Nr. cccclx; Suppl. P, S. 163, Nr. CCLII; 
Barozzi und Berchet a. a. O. I, S. 287—289. 

3) Hurmuzaki, Suppl. l\ S. 185, Nr. CCLXXXUI; vgl. auch „Ambraser 
Akten" 1613 — 1614. 

4) Hurmuzaki a. a. O. S. 2io, Nr. CCCIX. 

5) Ebenda S. 420—421, Nr. ccccLXXvm. 

6) Vgl. „Denkwürdigkeiten der rumänischen Akademie" XXI, S. 42. 

7) „Chilia §i Cetatea-Albä " S. 222 — 223. Siehe auch Hurmuzaki, Suppl, 



384 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

Der Friede von Hotin hinderte Kantemir nicht, den Strei- 
fereien der Kosaken mit eigenen zu antworten i); auf das dem 
Dräng-en der polnischen Gesandten zufolge ihm genommene Si- 
listrien dachte er keineswegs zu verzichten und wurde in der 
Tat 1623 im Besitz auch dieser Statthalterschaft bestätigt-); er 
liefs Vevelli, den Unterhändler des Vertrags, gefangensetzen; 
in der Moldau suchte er den erklärten Polenfeind Tomsa zu 
halten''). Da ihm Radu Mihnca, der im August 1623 an die 
Stelle seines moldauischen Freundes trat und die Walachei sei- 
nem jungen Sohne Alexander überliefs, unbequem war, weil er 
für die Polen vermittelt hatte, verlangte er zunächst seine Ent- 
fernung^) und liefs dann, 1624, die Moldau und die Walachei 
von seinen Scharen fürchterlich verheeren '"). Doch taten die 
herbeigeeilten Grenzwächter der Moldau diesen auf dem Rück- 
zuge empfmdlichen Schaden. Ein anderes Streifkorps drang bis 
Sniatyn in Polen •'). Der bei Akkerman erschienene Bruder des 
Khans, Schahin, der an Sultan Murad geschickte moskowitische 
Gesandte getötet') und Mohammed -Girais Interessen siegreich 
gegen den in der Krim erschienenen Kapudan-Pascha in offener 
Schlacht verteidigt hatte ^), hatte nicht den Mut, den frechen 
Empörer aufzuhalten ^). 



I*, S. 226, Nr. (ccxx"\a. Über Händel der Polen mit ihm Handschrift Czar- 
toryski 350, fol. 1019 — 1026. 

i) Holländischer Bericht; 27. Juli 1622. 

2) Holländischer Bericht vom 15. Oktober 1623. 

3) Ebenda, 20. August 1622. 

4) Ebenda, 10. November 1623. 

5) Hurmuzaki IV^, S. 404, Nr. ccccLU; Suppl. U', S. 528; „Studii ^i 
documente" IV, S. iS3ff. ; Kraus in „Fontes Rerum Austriacarum, Scriptores" I, 
S. 75; Hurmuzaki, Fragmente III, S. 78; walachische Chronik in „Magazinul 
istoric" IV; Constantin Cäpitanul , Ausg. Jorga; ,, Denkwürdigkeiten der rumä- 
nischen Akademie" XXI, S. i66ff.; Miron Costin S. 288. 

6) Miron Costin a. a. O. 

7) Roe S. 232, bei Zinkeisen IV, S. 488. 

8) Nach Roe, Zinkeisen IV, S. 4896".; Hammer, Chane der Krim 
S. 104«. 

9) Hurmuzaki, Fragmente III, S. 278; Documente IV-, S. 406 — 407, 
Nr. ccccLtX; holländischer Bericht aus Konstantinopel, 21. Dezember 1624. • — 
Kantemir soll Schahim bei Babadagh (?) sogar geschlagen haben ; Z i n k e i s e n a. a. O. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 385 

Zum Schein wurde Kantemir 1625 aus dem Budschak ent- 
fernt 1) ; und jedenfalls ersetzte ihn als Pascha von Silistrien der 
Türke Diak-Mehemed -). Aber weder diese Mafsnahmen noch 
der Krieg- des Khans mit den Tscherkessen ^) verhinderten im 
Winter 1625/26 einen neuen Einfall der Tataren nach Polen: weil 
dieses mit dem Tribut im Rückstand geblieben war, drangen 
der Kalg-a, Salmasa-Mirza und Kantemir bis über Lemberg- hin- 
aus ; Koniecpolski und Liubomirski traten den Barbaren entgegen, 
und es gelang jenem , einige Führer der Räuber gefangen zu 
nehmen "*). 

Der moldauische Radu war am 15. Februar 1626 gestorben 5); 
dem neuen Fürsten Miron Barnowski, einem Freunde Kantemirs, 
gelang es, besonders als er im Sommer 1627 Auftrag erhielt, 
Otschakow *') zu befestigen , die Tataren im Budschak und der 
Krim mit Polen auszusöhnen ''). Einige Wochen darauf, im Sep- 
tember, erschien Kantemir mit Empfehlungen des Kapudans in 
Konstantinopel und verlangte die Absetzung des Khans Moham- 
med ; dessen Bruder Schahim hatte dadurch seinen Zorn erregt, 
dafs er sich der Frau und Kinder des Budschakers bemächtigt und 
sie gefangen und sogar gebraten hatte ^). Die Statthalterschaft 
von Silistrien verschmähte er jetzt; der Zweck seines Besuches 
war vielmehr, Dschanibek von neuem zum ,, kaiserlichen" Thron 
der Giraiden zu verhelfen ''). Er begab sich wiederum an die 
Donau und schlug seinen alten Feind Schahin ; und so fafste 



i) Holländischer Bericht vom 23. März 1625; P. S. vom 26.; Hurmuzaki, 
Fragmente III, S. 79 — 80. 

2) Holländische Berichte vom 23. März und 21. Juni 1625. 

3) Hurmuzaki IV-, S. 415, Nr. CCCCLXIX; „Törtenelmi Tär" 1881, S. 106. 

4) Miron Costin S. 289; vgl. die holländischen Berichte vom Jahre 1625; 
auch vom 21. März, 4. April 1626. 

5) Meine „Inscriptil" I, Bukarest, Kloster Radu-Vodä S. 246. 

6) Siehe oben S. 363. 

7) Hurmuzaki, Suppl. U', z. J. 1626. Im April 1626 stand der Khan 
bei Akkerman und Koniecpolski bei Kamieniec; Bericht des holländischen Ge- 
sandten, 18. April 1626. Später drangen Tataren in Podolien ein 5 ebenda vom 
5. Juli. 

8) Holländische Berichte vom 4., 18. September, 2., 16. Oktober 1627. 

9) Holländische Berichte vom 19. Februar, 8. März 1628. 
Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. HI. 25 



386 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

man am 6. Mai 1628 in Konstantinopel den Entschlufs, den 
alten Khan und seinen Bruder, den Kalg-a, aus Rhodos zurück- 
zuholen und ersterem eine neue Ernennungsurkunde auszustellen. 
Er mufste dann mit 50 Galeeren nach der Krim aufbrechen, wo 
Kantemir Schahim in Baktschi - Sarai belagert hielt. Die osma- 
nischen Truppen landeten in Kaffa und Mohammed sah sich von 
allen Seiten verlassen, Kantemir, mächtiger als je, erhielt ein 
Ehrenschwert, einen Kaftan, die Verwaltung von Silistrien und 
Akkerman, aufserdem Jambolis und endlich den Titel eines 
Wesirs ^). Schahim begab sich nach einer neuen Niederlage im 
Budschak -) zum Schach, Mohammed Girai fand man unter den 
Toten auf dem Schlachtfelde ^). 

Endlich bereiteten Hussein und der neue Pascha Abasa von 
Bosnien, der noch eben in Asien ein berüchtigter Empörer ge- 
wesen war, dem inneren tatarischen Kriege ein Ende ^). 

Dafür, dafs die Polen die Sache Schahins unterstützt hatten, 
dafs die Kosaken bis Sizeboli gedrungen waren und sich des 
Paschas von Chios bemächtigt hatten ^), erfolgte als Strafe im 
Herbste 1629 ein grofser Raubzug Kantemirs ^'). Die Beseitigung 
des Polenschützlings Barnowski, dessen Stellung Bethlen unter- 
graben hatte, gab dann den Verhältnissen an dieser Grenze ein 
verändertes Aussehen ^). Um den glücklich wiederhergestellten 
Frieden zu befestigen, schickte die Pforte den früheren Begler- 
beg von Ofen, Murteza-Pascha, nach Silistrien und Otschakow ^). 



i) Holländische Berichte vom 13., 27. Mai, 10., 24. Juni, S.Juli, 5. August 1628. 

2) Siehe auch „Studii si documente" IV, S. 186 — 187. Bei den Kosaken 
soll er dann als „Ivan äffe Johan Giray" zum Christen geworden sein! Hollän- 
discher Bericht vom 20. Januar 1629. Vgl. denjenigen vom 17. März: „dienen 
nu seyt dat hem niet Johannem Sultanum, maer regem Constantinum doet noemen." 

3) Vgl. Naima S. 430, 456 ff. und die holländischen Berichte des Jahres 
1628; nach Roe, Zinkeisen IV, S. 503. 

4) Holländischer Briefwechsel des Jahres 1629; auch in „Studii §i docu- 
mente" IV, S. 187 ff. 

5) Holländische Berichte vom 18. August, i., 15., 29. September, 13. Ok- 
tober, 22. Dezember 1629 und von 1630. 

6) „Studii ^i documente" IV, S. 190 ff. 

7) Ebenda. 

8) Holländischer Bericht vom 2. März 1630. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 387 

Nachdem er sich in dieser neuen Stellung- g'egen die Kosaken 
tüchtig- bewährt hatte, wurde ihm 1631 Abasa-Pascha als Nach- 
folger g-eg-eben ^). 

Dem letzteren g-elang- es zuerst, den zweimal in die Wa- 
lachei eingefallenen walachischen Flüchtling- Mateiü Basarab, der 
kurz zuvor einem moldauischen Heere entg-egengetreten war, bei 
dem sich ein kaiserlicher Offizier befand, um Radu , dem Sohn 
des Alexander Ilias, des Fürsten der Moldau, die Fahne zu über- 
bring-en, mit der Pforte zu versöhnen , obwohl sein eig-entlicher 
Auftrag- war, ihn zu verjag-en. Mateiü kam mit 600 Beg-leitern 
nach Konstantinopel, führte dort über die Erpressung-en der 
Griechen Klage, die seinen Vorgänger Leon, den Sohn Tomsas, 
umg-eben hatten, und erhielt 1633 die Bestälig-ung- des Sultans, 
angeblich nachdem er in eine Erhöhung- des Tributs auf 100 000 
Taler g-ewilligt hatte -). Zwar konnte Abasa Barnowski, den eine 
Empörung- der moldauischen Bojaren und des Landvolkes geg-en 
Alexanders Griechen aus Polen herbeigerufen hatte, nicht vor 
dem ihn in Konstantinopel erwartenden Tode (Juli) retten ; in 
Moise Movilä aber, den sich die Bojaren zurückerbeten hatten, 
glaubte die Pforte ein gefügiges Werkzeug gefunden zu haben. 

Nun, da Mohammed-Abasa, dessen Ehrgeiz und Stolz keinen 
Nebenbuhler duldeten, oder ein Murteza und Kenaan an der 
unteren Donau walteten , war die Unabhängigkeit des Tataren 
Kantemir auf die Dauer zu einer Unmöglichkeit geworden. Es 
war unzweifelhaft, dafs in dem unausbleiblichen Konflikte der 
Paschas gegen den mächtigen Tatarenhäuptling schliefslich die 
Türken den Sieg davontragen mufsten. 

1632 hatten die Tataren wieder Polen überschwemmt, 1633 
drohte ein neuer Einfall der Kosaken. Als Kantemir die Grenze 
des Reiches überschritt, lauerte ihnen der Kronhauptmann bei 



i) „Ende aen Abasa -Passa van Silistria, Ousi ende de poeische grensen, 
twelck Murtaza- Passa . . . gehadt heeft"; holländischer Bericht vom 6. De- 
zember 1631. 

2) Vgl. „Studii $i documenle" IV, S. 194 ff. und Sirbu, Mateiü Bäsärabäs 
auswärtige Beziehungen. 

25* 



ggg Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

der Rückkehr auf, und am 4. Juli wurden die Barbaren in der 
Nähe von StefänestI, bei der Ortschaft Cornul-hii-Sas geschlagen. 

Diesmal zwar nahm Abasa noch für den unterlegenen 
Kantemir Partei. Er ermächtigte ihn sogar, an dem (seit 1632 
regierenden) neuen König Wladislaw, der das polnische Heer 162 1 
gegen Sultan Osman geführt hatte, Rache zu nehmen. Die Mos- 
kowiter hatten diesmal mit Erfolg das Feuer geschürt. 

Im September vereinigte sich der Pascha von Silistrien mit 
den walachischen Truppen des Fürsten Mateiü und stand Mitte 
Oktober vor Kamieniec am Dnjestr; er nahm, von den Rumänen 
nur dem Scheine nach unterstützt , in dessen Nähe die Feste 
Studeniec ein und kehrte dann nach Bräila zurück. Der pol- 
nische Gesandte, der sich Ende des Jahres in der Umgegend 
von Konstantinopel aufhielt, wurde ins Lager des allmächtigen 
Serdars geschickt. Als ein zweiter Gesandter, Alexander Trze- 
byriski, ihm seine Aufwartung zu machen unterliefs, kam ihm 
Abasa zuvor und war in der Reichshauptsladt, als der Pole am 
I. März 1634 seinen feierlichen Einzug hielt. Wie gewöhnlich 
lenkte man das Gespräch auf die fremdesten und ungeeignetsten 
Gegenstände, und der Brief, den Trzebynski mitbekam, bedeutete 
die Verleugnung des Kriegszuges Abasas. Bald darauf berief 
man diesen, wenn auch nicht als einen in Ungnade gefallenen 
Mazul, nach Adrianopel, wohin sich der Sultan schon aufgemacht 
hatte ^). Am 24. August trug man nun den Leichnam des er- 
drosselten Kriegsherrn zu Grabe. Vor seinem Falle hatte er, 
im April, noch den Fürsten der Moldau als Verräter beseitigt 
und an seiner Stelle den schlauen Albanesen Vasile Lupu er- 
nennen lassen ; Moise Movilä suchte, wie vorher schon Barnowski, 
in Polen Zuflucht und verliefs es nicht mehr. 

Der Kapudan-Pascha erschien zwar auf dem Schwarzen Meere, 



i) Holländischer Briefwechsel; MironCostin — nach Piasecki, Chronica 
gestorum in Europa singulorura. Krakau 1648, S. 552ff. — ; Wassenberg; 
Khevenhiller, Annales Ferdinandei XII, Sp. I4i9ff.; Sansovino, Ausgabe 
1654, S. 426ff.; Ricaut, Die neueröffnete ottomanische Pforte, Augsburg 1694, 
S. 4i9ff.; Adelung, Theatrura europaeum IV, S. 202ff., aößff. Zusammen- 
stellung in meinem Aufsatze „Studii asupra istoriei Rominilor in secolul al 
XVII lea" l^ Separatabdruck aus ,,Noua Revistä Rominä" 1900. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 389 

um den Kosaken Abbruch zu tun ; die Wesire aber nahmen den 
von Koniecpolski, der im Jahre vorher im Felde gestanden hatte, 
angebotenen Frieden an. Als der moskowitische Krieg- zu Ende 
war, begab sich Murteza, der neue Befehlshaber an der Donau, 
zur Grenze, um mit dem Hetman zu unterhandeln. Er setzte 
Anfang August bei Giurgiu über den Flufs; Bethlens Nachfolger, 
Georg Räköczy, den die Pforte schon 1631 anerkannt hatte und 
der, indem er Mateiü unterstützte , sich in der Rolle eines Pro- 
tektors der rumänischen Fürsten gefiel, fürchtete für seine Sicher- 
heit, um so mehr, je unabhängiger er sich bis dahin gebärdet 
hatte. 

Unterdes war Schahin im polnischen Landtag erschienen, 
um im Auftrage des Sultans von den Polen Schleifung der Grenz- 
festungen , Regelung des Geschenkes an die Tataren und Be- 
strafung der Kosaken zu verlangen. Er begegnete offener Wei- 
gerung, der Landtag fafste im Gegenteil die für einen Krieg er- 
forderlichen Beschlüsse. Doch waren die königlichen Briefe in 
versöhnlichem Tone gehalten. Die Pforte ihrerseits versprach 
die drohende Macht Kantemirs zu brechen, sobald Polen dieses 
verlangte. Nach langwierigem Meinungsaustausch ging endlich 
Schahim in Begleitung des neuen polnischen Gesandten nach 
Konstantinopel , wo sie Anfang Oktober eintrafen , und einen 
Monat später kehrte der polnische Edelmann mit den Bestä- 
tigungsbriefen zurück. 

Von neuem verliefs Kantemir das Budschak und befand sich. 
1635 wieder auf dem Schauplatz seiner bisherigen Tätigkeit. 
Vergebens waren alle Beschwerden über den unbequemen Nach- 
bar in Konstantinopel, er konnte seine Vergangenheit nicht 
verleugnen. Die häufigen Nachrichten , die er über den Khan 
Inajet Girai, der an die Stelle des Polenfreundes Dschanibek ^) 
getreten war, an die Pforte sandte, liefsen keinen Zweifel, dafs 
dieser als Alliierter der Kosaken und Feind des Reiches zu be- 
trachten sei; in der Tat hatte er den Pascha und den Kadi von 
Kaffa ermorden lassen. Dadurch mufste der tatarische Inhaber 



i) Barozzi und Berchet U, S. 78 — 79; Hammer, Chane der Krim, 
S. 117— 118. 



390 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 

des Budschaks in der Wertschätzung des Sultans noch steigen. 
Auch die Drohungen eines im April 1635 in Konstantinopel ein- 
treffenden polnischen Gesandten, der unter dem Vortritt von 
Trompetern festlich durch die Strafsen der Hauptstadt zog, hatten 
keine Wirkung. Denn das Versprechen, den Friedensstörer nach 
Asien zu überführen und ihm dort ein Sandschakat zur Ent- 
schädigung zu übertragen, war so wenig ernst gemeint wie je. 

Nachdem ein Versuch der Türken, den siebenbürgischen 
Fürsten durch Stephan Bethlen oder Moses Szekely zu ersetzen, 
infolge der Niederlage des Paschas von Temesvär bei Szalonta 
(3. Oktober), des Vordringens der Siebenbürger bis Jenö ^) und 
der Dazwischenkunft Mateiüs vereitelt worden war, erwartete man 
für das Jahr 1637 einen tatarischen Kriegszug Kenaan- Paschas, 
des Schwagers des neuen Sultans Murad IV., der soeben vom 
persischen Kriege zurückgekehrt und an die Donau geschickt 
worden war. Inajet zog mit einem glänzenden Heere gegen 
Kantemir, der im März geschlagen wurde und sich in die Do- 
brudscha zurückzog. Der Sieger brachte in Warschau eine 
Allianz mit dem Könige in Vorschlag und erbot sich, dem wankel- 
mütigen und ränkesüchtigen Vasile Lupu die Moldau zu nehmen 
und an Polen abzutreten. Am 23. April hielt Kantemir, der in 
die Ungnade der Türken gefallen war, einen recht bescheidenen 
Einzug in Konstantinopel. 

Während Kantemirs Abwesenheit ermordete sein Neffe Sal- 
masar (Seimanschah) den Kalga und Nureddin , die Brüder des 
Khans, die mit der Verwaltung des Budschaks betraut worden 
waren ; die Leichen schickte man dem Sultan. Auch Inajet wurde 
bald wieder abberufen; Behadir, der älteste Sohn Salamet-Girais, 
erhielt die Zeichen ,, kaiserlicher" Gewalt über die hadernden 
Tataren. Der Mazul mufstc seine Erfolge gegen Kantemir und 
seine Beziehungen zu den christlichen Mächten, in deren Inter- 
essenkreis zu geraten er sich verdächtig gemacht hatte, mit dem 
Leben bezahlen. Bald darauf verfiel Kantemirs Sohn einer Mordtat 
wegen dem Gericht, und auch der alte Mirza wurde, nachdem 



l) Barozzi und Berchet II, S. 8ift"., 95; Hurmuzaki VIU, S. 451 ; 
Zinkeisen IV, S. 481—482; Sirbu, Mateiü Bäsäraba S. 95 ff. 



Polnische Wirren und Kriegszüge gegen Polen. 391 

er zum Schein noch zum Sandschak von Kara-Hissar in Anato- 
licn ernannt worden war, nach einer Audienz bei dem grausamen 
SuUan, im asiatischen Skutari geköpft. Durch die Einnahme 
von Azow und Raubfahrten ihrer „polnischen" Brüder ins Bud- 
schak feierten die im Solde des Zaren stehenden Kosaken, die 
alten Feinde Kantemirs, dessen Hinscheiden. 

Der frühere Wesir Mohammed übernahm nun den Befehl 
an der Donau und die Aufgabe, die letzten Spuren der lang- 
jährigen tatarischen Empörung zu beseitigen. Die rumänischen 
F'ürsten sollten ihre Truppen mit denen des alten, erfahrenen 
Paschas vereinigen. Das Heer zog von Ismail nach Akkerman, 
und der neue Beglerbeg Aslan-Ogli von Rum stellte sich eben- 
falls ein, um bei dieser Gelegenheit auch die unsicheren Ver- 
walter der christlichen Vasallenländer unschädlich zu machen. 
Aber Mohammed begnügte sich mit der ,, Reinigung" des Bud- 
schaks: sieben Führer mufsten vor dem Pascha erscheinen, um 
Verzeihung bitten und wurden nach der Krim überführt; Sal- 
masa und Orak flüchteten nach Polen ^). Der polnische Het- 
man war lachender Beobachter dieses tragischen Finales gewesen; 
so waren denn endlich ,,alle, die das Reich Polen einst so grau- 
sam verheert hatten, verschwunden 2) ". 



i) Siehe die angegebenen Quellen, die Memoiren Maiolino Bisaccionis und 
die Berichte inHurmazaki, Suppl. IV, auch Suppl. I*, IV S IV ^ VIII; „Török- 
Magyarkori Allam-Okmänytar" II, S. 451—452. Vgl. „Chilia ?i Cetatea- Alba" 
S. 226 — 228; Bibliographie ebenda S. 228, Anm. 

2) Ebenda. 



Zehntes Kapitel. 

Beziehungen zu den westlichen Mächten. Verfall der 
osmanischen Seemacht. 



Diese vierzig Jahre hatten die Unfähigkeit des Reiches er- 
wiesen, über die Österreicher bedeutende und glänzende Vorteile 
zu erringen, Siebenbürgen zu beherrschen und in der Moldau 
und Walachei sich sichere, treue Vasallen heranzuziehen, die auf 
jeden Wink, vor Furcht zitternd, in Konstantinopel zu erscheinen 
bereit gewesen wären ; Polen war über die Stellung, die es in 
den letzten Jahren der vorangehenden Periode eingenommen 
hatte, weit hinausgewachsen, und die Tataren hatten durch Ver- 
nichtung ihrer militärischen Macht und Erniedrigung der kaiser- 
lichen Würde ihres Khans gefügig gemacht werden müssen. 
Noch weit schlimmer aber war die Einbufse, die die Geltung 
des Reiches als maritime Macht erlitt. 

Bei Beginn des deutsch-türkischen Krieges befand sich die 
Pforte auch mit Spanien im Kriegszustande, ohne dafs dieser zu 
Feindseligkeiten geführt hätte. Frankreich war aus Tradition bei 
seiner freundschaftlichen Haltung verblieben , weil es für seinen 
Krieg mit Spanien Getreide, türkische Pferde ^) und besonders 
türkische Schiffe brauchen konnte, Venedig fürchtete für sein 
schönes Kreta 2), für Korfu und die dalmatinischen Städte und 
war immer geneigt, Beleidigungen hinzunehmen, wenn es sich nur 
die osmanische ,, Freundschaft" erhielt und seiner Privilegien nicht 

i) Brown I, S. 55 — 56. 

2) Siehe auch Hurmuzaki, Sappl. I', S. 121 — 122, Nr. CLXXXV; Barozzi 
und Berchet I, S. 193, 2i6flF., 238, 284ff.; Zinkeisen III, S. 437ff. 



Beziehungen zu den westlichen Mächten usw. 

verlustig" ging ^) ; es begegnete darum selbstverständlich jedem 
Vorschlag, der christlichen Liga beizutreten, sehr kühl -) ; dennoch 
gab Sinan einmal vor, dafs es den Kaiserlichen Vorschub leiste ^). 
So entwaffnete es auch die Feindschaft des Grofswesirs Nassuf, 
der schon den Krieg gegen die Republik angekündigt hatte *). 
Sogar als 1620 der geschätzte Dolmetscher Marcantonio Borisi, 
weil er ,,den mosleminischen Glauben verunglimpft hatte", auf- 
gehängt wurde, ging- Venedig über _ diese zweifellose Gewalttat 
zur Tagesordnung über '"). Es antwortete auf Beleidigungen der 
Art damit , dafs es für das Boot des Sultans Laternen und für 
das Grab Mohammeds Leuchter schickte ''). 

England suchte eine geachtete , vor allem aber materiell 
bevorzugte Stellung in der Levante zu erlangen und scheute 
dabei vor den gemeinsten Mitteln der Piraterie nicht zurück; in 
Zante, Morea, Alep , Tripoli und Alexandrien hatte es Faktoren 
eingesetzt, sein Agent bemühte sich, eine Kirche in Konstanti- 
nopel zu erhalten und der französischen Kompagnie den Ko- 
rallenhandel zu entreifsen ; die wohlfeilen englischen Waren') 
wurden bald überall verlangt, so dafs die Kaufleute den Agenten 
in Konstantinopel wohl zu bezahlen vermochten , der freilich 
nicht immer gerade ehrenvoll behandelt, sondern bei geringstem 
Anlafs mit dem Kerker bedroht *) und dessen ägyptischer Konsul 
Mariani als Verräter gehängt wurde ^). Trotz der Heldentaten 
der florentinischen Galeeren des St. Stephansordens und ihren 
Beziehungen zu den Albanesen ^^), strebte auch der Grofsherzog 



l) Brown I, S. 24, 39. 2) Ebenda S. 127. 

3) Ebenda S. 147. 1597 hiefs es, dafs der Bailo das kaiserliche Lager be- 
gleiten werde; ebenda I, S. 267. 

4) Barozzi und Berchet I, S. 292 — 293. 

5) Holländische Korrespondenz 1620; Montalbano a. a. O. S. 44. 

6) Barozzi und Berchet I, S. 234, Jahr 1612. — Vgl. Zinkeisen IV, 
S. 191 ff. 

7) Barozzi und Berchet I, S. 235. 

8) Brown I, S. 104. 

9) Ebenda S. 247. 

10) Ebenda S. 218, 224. — Vgl. Bibl. Magliabecchiana von Florenz II, i, 98: 
,,Relatione dell' impresa di Famagosta et del regno di Cipri, fatta l'anno 1607 



Zweites Buch. Zehntes Kapitel. 

von Toskana eine Kapitulation mit dem Sultan an, die ihm den 
Handel in Wolle und Brokat sichern sollte ^). Endlich traten 
die Generalstaaten von Holland zum ersten Male in Beziehung-cn 
zu den Türken , da sie im osmanischen Reiche für einig-e ein- 
heimische Produkte mit Recht ein gutes Absatzgebiet ver- 
muteten. 

Die Vertreter der Mächte , die Interessen auf dem Meere 
hatten, benutzten alle erlaubten und unerlaubten Mittel, um die 
Frauen des Serails, die Günstlinge , die brutalen wie die feiner 
gebildeten Wesire auf ihre Seite zu bringen und gegen den 
Nebenbuhler auszuspielen. Nur selten nötigte die politische Kon- 
stellation des Westens einen und den anderen Gesandten zu ge- 
meinsamem Vorgehen ; Venedig freilich, das sich nur durch die 
unbedingteste Zurückhaltung und Vorsicht behaupten konnte, 
beteiligte sich niemals dabei. 

Von Seiten der anderen Mächte -) suchte 1592 sowohl der 
französische König Heinrich IV., der in dem von der Partei der 
Guisen bezahlten Lancosme keinen sehr geeigneten Vertreter an 
der Pforte hatte ^), als auch der englische Agent Edward Burton 
im Namen seiner Königin, die osmanische Flotte zugunsten des 
portugiesischen Prätendenten Don Antonio gegen Spanien ins 
Mittelmeer zu senden ^). Ein Schiff, das die Gemahlin Oweis- 
Paschas aus Ägypten nach Konstantinopel brachte , war an- 



con Otto galere del Ser°io Gran-Duca di Toscana, il galeone, Livorno et nave 
Bertorni , con il viaggio di dette galere , essendo luogotenente generale l'eccn>o 
sr don Antonio Medici." 

i) Siehe Brown I, S. 45, 59—60, 77— 81; Zinkeisen IV, S. 256(1. 

2) Vgl. im allgemeinen ebenda III, S. 631 ff., 869».; IV, S. iSaff.; nach 
den ,,Lettres Missives de Henri IV", Ausg. Berger de Xivrey, Paris 1848 
und einer Denkschrift für den Kreuzzug, und besonders den ersten von Ho ratio 
Brown veiöffentlichten Band des „Calendars of State papers". 

3) Brown a. a. O. 

4) Ebenda S. 5 — 6, 12 — 13; vgl. Alböri XIII, S. 386; Reufsner Buch XÜ, 
S. 42—43; nach Seidel, Denkwürdige Gesandtschaft S. 79—80, 91 ; Zink- 
eisen III, S. 846. 



Bezieliungen zu den westlichen Mächten usvv, 395 

gehalten worden; dies konnte den Vorwand zum Kriege geben ^). 
Der spanische Agent Marigliano bemühte sich nicht zu den We- 
siren, um mit ihnen persönhch zu verhandeln, sondern blieb in Ra- 
gusa und begnügte sich , seine Juden für die Interessen des Königs 
sprechen zu lassen -). Lancosme aber erfuhr die übelste Be- 
handlung und wurde als ein vom Papste und den Spaniern bezahl- 
ter feindlicher Agent in den Kerker geworfen ; schliefslich schick- 
ten ihn die Türken nach Westen zurück, wo er allerlei Projekte 
schmiedete , die seinen Eifer für die katholische Religion be- 
zeugen sollten und jedenfalls seine Abentcurcrlust befriedigten ^). 

An seiner Stelle erhielt sein Neffe de Breves Beglaubigungs- 
briefe Heinrichs IV. ^) Aber, obwohl er ein treuer Diener seines 
Herrn und ein verständiger Diplomat war, gelang es ihm und 
seinem englischen Helfer nicht, die Türken zu einem Kriege zu 
bewegen, zu dem es ihnen an Mitteln, Geld und brauchbaren 
Schiffen, fehlte — , im Arsenal waren, entgegen allen Grofsspre- 
chereien Sinans ^), kaum 50 Galeeren und Galeoten vorhanden. 
Trotz der Unterstützung des Kapudans und Cigalas, trotz den 
von Breves überbrachten Geschenken des Königs *') und denen 
der englischen Königin ') und endlich trotz dem Hasse der Muftis 
gegen Spanien blieben die mafsgebenden Faktoren bei ihrem 
Entschlüsse, keinen Krieg auf dem Meere heraufzubeschwören, 
sondern die Kräfte des Reiches für näherliegende Zwecke aufzu- 
sparen. Dazu trug freilich auch der Christ gebliebene Bruder 
Cigalas, Carlo, der insgeheim spanische Interessen vertrat, bei ^), 
indem er einen Tribut von 8000 Skudi für die Inseln des ver- 
storbenen Don Jose anbot •'). 

1) Ebenda. 

2) Siehe auch Brown a. a. O. S. 23—24, 47 — 50. 

3) Ebenda S. 33 ff., auch S. 319. 

4) Ebenda S. 63 — 64, 70. 

5) Ebenda S. 83. Nach Hurmuzaki IIP, S. 198 hatte das Reich damals 
noch 150 Schiffe, Siehe aber ebenda IV "^ S. 215. Über Arbeiten im Arsenal 
Brown I, S. 156. 

6) Ebenda S. 54, 63, 69, 159. 

7) Ebenda S. 107 — 108. 

8) Ebenda S. 76, 97 ff., 127. 

9) Hurmuzaki IV-, S. 178, Nr. cxxxvin. 



396 Zweites Buch. Zehntes Kapitel. 

Als Sinan gegen das Reich Krieg begann und an der Donau 
mid in den Karpathen die grofse allgemeine Erhebung gegen 
die Türken ausbrach, wandte Edward Burton und seine Agenten, 
wie der Levantiner Pasquale Dabri, der 1596 nach Prag reiste ^), 
alle Mittel an, wie z. B. Bestechung der Haremsfrauen'-), um 
dem von seinem Standpunkte aus bedauerlichen Zwiespalt Ein- 
halt zu tun und die osmanische Kriegslust gegen Spanien zu ent- 
flammen; auch den der Moldau wegen entstandenen Streit suchte 
er zu vertuschen^). ,, Emire und Prediger" setzte er in Bewe- 
gung, um den frommen Eifer der konstantinopolitanischen Be- 
völkerung aufzuregen ^). Er gab in Gesprächen mit Sinan vor, 
zur ,, Vernichtung der Christen" mitwirken zu wollen; 1596 war 
er glücklich, dafs der Sultan ihn und den Franzosen — der sich 
dann aber ausschlofs — mit ins Lager nach Ungarn nahm, und, 
als man ihn beschuldigte, sich mit christlichem Blute befleckt 
zu haben, prahlte er zynisch mit der Zahl der von ihm getö- 
teten Glaubensgenossen •'). Gleichzeitig schrieb König Heinrich 
an den Sultan, dafs nur sein Krieg gegen Spanien dieses mäch- 
tige Reich verhindert habe , mit den Habsburgern in Prag und 
Wien gemeinsame Sache zu machen und die Osmanen zu Land 
und See zu bekämpfen, verlangte daraufhin 200 leere Schiffe, 
um Philipp II. in Italien und Katalonien Abbruch zu tun, und 
versprach das Reich Neapel mit Sultan Mohammed IV. zu tei- 
len '^), Anfang 1596 glaubte man in der Tat, dafs der Kapudan 
nach Marseille absegeln werde ''). Schliefslich erreichte aber der 
von den Türken bewunderte König von F'rankreich nur das Ver- 
sprechen, dafs ihm der Tschisnedschir einen Ehrensäbel über- 
bringen solle ^). 

i) Brown I, S. 243—245, 258, 260, 296, 299; vgl. „Denkwürdigkeiten 
der rumänischen Akademie" XVIIJ, S. i ff. 

2) Brown I, S. 114— 116; siehe auch Ilurmuzaki IV-', S. 196, Nr. CLVI ; 
XII, passim. 

3) Brown I, S. 168, 180; IV-, S. 212. 4) Brown I, S. 74—75, 83. 

5) Ebenda S. 83, 212, 217, 222, 232 — 233, 242, 247 — 248. 

6) „Offrir part en la conqueste dudit royaume de Naples"; Hurmuzaki, 
Sappl. I«, S. 114 fr. 

7) Brown I, S. 184, 190. 

8) Ebenda S. 310; Hammer III, S. 576 — 577. 



Beziehungen zu den westlichen Mächten usw. 397 

Doch schadete sein ReHgionswechsel (1593) Heinrich in den 
Augen der Türken sehr; dazu kam dann bald auch der franzö- 
sisch-spanische Friedensschluls (1598) und brachte ihn um den 
Rest von i.'\nsehen in Konstantinopel ^). Der Tod Burtons (im 
Januar 1598) bedeutete für die eng-lische Politik den Verlust eines 
unermüdlichen Dieners, der in kurzer Zeit eine angesehene Stel- 
lung zu erlangen verstanden hatte -). Sein 1599 ernannter Nach- 
folger Henry Lello überbrachte dem Sultan eine Uhr mit Spiel- 
werk, einen Wagen, silberne Geräte, Stoffe und Geschenke für 
die Sultanin; sein Schiff fand allgemeine Bewunderung, und bei 
seinem Empfange geruhte der Kaiser, der sonst gewöhnlich stumm 
blieb, einige huldvolle Worte zu flüstern. ,,Wie ein König", 
sagt ein Augenzeuge, ,,war er erschienen, nur die Krone fehlte^)." 
Ein englischer Techniker brachte dem Sultan eine Orgel , die 
ihn sehr belustigte, wenn sie vielleicht auch nicht allzusehr seine 
Sympathien für England erhöhte ^). Lello trat auch weiter ent- 
sprechend gebieterisch auf, so dafs der Wesir Khalil ihm die 
Beobachtung der strengen osmanischen Etikette ans Herz legen 
mufste ■'). 

Denn die Zeit des politischen Einflusses Englands war be- 
reits vorüber. Die seeräuberischen Unternehmungen der eng- 
lischen ,,pirateers" und sogar manches Konsuls, wie des von 
Alep , die kein christliches Schiff verschonten — 1603 wurde 
eins, das den französischen Gesandten an Bord hatte, angegrif- 
fen *') — , trugen wesentlich dazu bei, das Ansehen ihrer Nation 
zu schädigen ''). Den entscheidenden Einflufs übte die englische 
Levantekompagnie ^), nicht höhere politische Interessen Englands 



i) Brown I, S. Iio. — „Dapoi che il re di Francia ha fatto pace col 
Cattolico, mostrano i Turchi di non tenerne alcun conto"; Barozzi und Berchet 
I, S. 40, Jahr 1600. 

2) Brown I, S, 308. 3) Ebenda S. 371—372, 379, Anm. 

4) Dallam a. a. O. passim; vgl. Wratislaw S. 115 — 117, I46ff. für 
solche Geschenke. 

5) Brown I, S. 383, 385. 

6) Ebenda U, S. 85 ; vgl. S. 95. 

7) Ebenda I, S. 428 ff.; 431—433; vgl. S. 391 — 392 ff., 394, 407, 411-412, 
414—416, 420, 438, 44off., 452 — 456, 481, 495, 500; Naima S. 202. 

8) Siehe auch Brown 11, S. 125, 153. 



398 Zweites Buch. Zehntes Kapitel. 

in Konstantinopel, die Habsucht der Kaufleute, die nichts respek- 
tierten, nicht die Ehre eines mächtigen Staates. Die ziemlich 
schwer erwirkte Bestätigung- der Kapitulation, die die Verminde- 
rung- des Zolls auf 3 Prozent und die Ausdehnung- der franzö- 
sischen und venezianischen Privileg-ien auf die Eng-länder vorsah, 
die Zulassung der Holländer, das prunkvolle Erscheinen der Schiffe 
der Königin unter englischer Fahne im Goldenen Hörn ^) — 1601 
beschlofs die Pforte, kein Schiff, das mehr als zwei Geschütze 
trüge, in die Dardanellen einzulassen -) — , das alles mufste den 
kläglichen Ausgang einer grofs angelegten und schlecht aus- 
geführten Aktion verdecken. Nur durch regelmäfsige Sendungen 
von Pulver und Eisen für die türkischen Heere und durch den 
Einflufs des erkauften Cigala hielten Lello, der ihn 1606 ab- 
lösende Glover und Paul Pinder wenigstens die kommerzielle 
Geltung ihrer Auftraggeber aufrecht ^). Auch machten die Ge- 
sandten auf eigene Rechnung politische Geschäfte : Glover be- 
mühte sich längere Zeit, den Prätendenten Stephan Bogdan in 
die Moldau zu bringen ^). 

Bald darauf erhielten die Engländer in den 161 2 ^) durch 
den Agenten Cornelius Haga vertretenen Holländern, die am 
6. Juli desselben Jahres ihre Kapitulation erwirkten, Nebenbuhler, 
die sich mit besserem Erfolge geltend zu machen verstanden ^), 
und auf holländischen Schiffen trafen Vertreter des entfernten 
marokkanischen Fez ein ^). Doch hielt sich Osman II. immer- 



1) Brown II, S. 434 ff. : II, S. 493; Berg er de Xivrey, Lettres missives 
IV, S. 243, 443, 547; bei Zinkeisen. 

2) Brown I, S. 442. 

3) Ebenda II, S. 449, 452, 476, 485, 493; Barozzi und Berchet I, 
S. 212 — 214. 

4) Vgl. auch Domestic, James I, S. 376; vgl. Barozzi und Berchet 
a. a. O. — 1609 boten sich englische Schiffe auf die Bedingung an, dafs ihnen 
der Gewinn der Unternehmung verbliebe; Hurmuzaki IV*, S. 302, Nr. ccciv. 

5) Zinkeisen IV, S. 265 ff. 

6) Hurmuzaki, Suppl. P, S. 144, Nr. ccxxni; Naima S. 411 — 412; 
Brown I, S. 291 — 292; vgl. „Studii §i documente" IV, passim ; Zinkeisen 
m, S. 654. 

7) „Ambraser Akten" 1617; vgl. Naima S. 463; Brown II, S. 193: ein 
Sohn des Scherifs in Konstantinopel. 



Beziehungen zu den westlichen Mächten usw. 399 

hin für verpflichtet, seinen Reg-ierungsantritt durch einen Bot- 
schafter in London anzuzeigen ^). 

Frankreich hatte damals beinahe jede Geltung- in Konstan- 
tinopel eingebüfst -). In König Heinrich erblickten die Türken 
bereits seit einiger Zeit nicht mehr den Freund des Sultans, 
sondern denjenigen katholischen Fürsten, der sich durch Tapfer- 
keit und unternehmenden Geist zum Kreuzzugsführer aufschwingen 
konnte; darum bedauerten sie seinen Tod nicht ^). Sein Ver- 
treter Salignac war ein kränklicher Mann, der immer in Geld- 
verlegenheiten steckte, sich von den Dragomanen leiten liefs und 
im Hader mit dem englischen Kollegen seine eigentliche Auf- 
gabe zu sehen schien ^). Dem tätigsten unter seinen Nachfol- 
gern, Cesy, lagen, wie schon seinem Vorgänger und Verwandten 
Achille de Harlay ^) , mehr die Interessen der i6i6 verjagten 
Jesuiten — sie hatten sich zuerst 1609 im Kloster S. Benedetto 
von Pera, einem alten Gebäude aus dem Jahre 1427, nieder- 
gelassen *") — und die Bearbeitung des Patriarchen von Konstan- 
tinopel im Dienste des Katholizismus am Herzen '); er verfein- 
dete sich mit dem kalvinisierenden Cyrill Lukaris, und sein Eifer 
für eine neue Union zwischen Rom und Byzanz brachte es zu 
einem Patriarchenwechsel in der griechischen Kirche ^). Die Er- 



i) Zinkeisen IV, S. 259. 

2) Der Sendung des Renegaten Barthelemy de Coeurs, der 1601 die Ver- 
mittlung des Königs zum Abschlufs eines Friedens mit dem Kaiser verlangen 
sollte, ist keine ernstliche Bedeutung beizumessen; Zinkeisen III, S. 647 — 648. 

3) Barozzi und Berchet I, S. 209; Zinkeisen III, S. 875(1. 

4) Barozzi und Berchet S. 209 — 210. 5) Zinkeisen IV, S. 217. 

6) Rom, Bibl. Vittorio-Emmanuele, Mss. Gesuitici 386 : Bericht des patriarcha- 
lischen Vikars von Konstantinopel Angelo Petricco da Sonnino ; vgl. über die 
Jesuilenhändel Zinkeisen IV, S. 361 ff. 

7) Siehe das erste Kapitel des 4. Bandes. 

8) Hurmuzaki, Suppl. P, S. 144, Nr. ccxxni; vgl. Zinkeisen III, 
S. 651 und das Büchlein des Kapellans C6sys „ Nuevo tratado de Turquia", 
Bibl. Brancacciana von Neapel, I, F 8, fol. i ff. — De Braves hatte in Frank- 
reich türkische Bücher diucken lassen, wozu sich übrigens auch die Venezianer 
erboten; fol. 16 vo. — Vgl. auch Barozzi und Berchet I und das neu 
erschienene Buch des Archimandrilen Chrys. Papadopulos über „Lukaris" 
(Triest 1907). 



400 Zweites Buch. Zehntes Kapitel. 

neuerung der Kapitulationen in den Jahren 1600, 1604 und 1609 
führte keinen Aufschwung des französischen Levantehandels her- 
bei 1). 

Die Franzosen klagten öfter sehr heftig über die Kor- 
saren in Tunis, Algier, Tripolis, die sogenannten Barbaresken -) ; 
deren Zugehörigkeit zum osmanischen Reiche beschränkte sich 
aber lediglich darauf, dafs sie die ihnen von Konstantinopel aus 
geschickten Paschas annahmen ; gelegentlich nötigten sie wohl 
auch einen mifsliebigen Vertreter des Sultans, wie den bekannten 
Admiral Soliman von Catanea, gleich bei seiner Ankunft mit 
Kanonenschüssen zur Rückkehr ^) ; etwas später fand überhaupt 
kein Pascha mehr Anerkennung und Aufnahme, und die Regie- 
rung führten erwählte Deis ^). 

1600 wurden 400 während eines Sturmes auf der Insel Chics 
gelandete Franzosen ermordet ^). Es erregte den Unwillen der 
Türken, dafs sie auf den toskanischen Galeeren, die ihre Schiffe 
kaperten und mit ihren asiatischen Rebellen Beziehungen unter- 
hielten, zahlreiche Franzosen fanden *"). Auch Malta konnte als 
Kolonie des französischen Rittertums gelten ^). 

Die Verstimmung der Wesire führte 161 7, als der polnische 
Staatsgefangene Korecki mit französischer Hilfe aus den Sieben 
Türmen entwich , nicht nur zur Verhaftung des Dragomans und 
des Sekretärs der Gesandtschaft, sondern auch zu einer Haussuchung 
bei de Harlay, die der Tschausch-Baschi und ein Kadi vornah- 
men. Ohne Beobachtung irgendwelcher Rücksicht befahl man 
dem Vertreter des ,, fränkischen Kaisers", sich zum Tschausch- 
Baschi zu verfügen: ,,Geh, denn sonst, bei der Seele meines 
Herrn, lasse ich dir die Hände auf dem Rücken zusammen- 



1) Naima S. 392ff.; Berger de Xivrey a. a. O. S. 303; Zinkeisen 
IV, S. 204, 211 ff., 298 ff. 

2) Hurmuzaki, Suppl. I', S. 145, Nr. ccxxv; Barozzi und Berchet I, 
S. 151 — 152. 

3) Ebenda S. 163; vgl. Hurmuzaki, Suppl. 1', S. 204. 

4) Zinkeisen IV, S. 325 ff. 

5) Naima S. 135. 

6) Barozzi und Berchet I, S. 217 ff. 

7) Ebenda S. 208 ff. 



Beziehungen zu den westlichen Mächten usw. 401 

binden und dich hinbringen" i), rief man ihm zu. Mit Tränen 
in den Augen mufste er den Weg durch die Strafsen antreten, 
von zahlreicher Eskorte begleitet, und blieb mehrere Tage im 
Kerker; seine Freilassung mufste er sich 15000 Dukaten kosten 
lassen. In Paris dachte niemand daran, sich der Sache des un- 
glücklichen Gesandten anzunehmen -). 

Obgleich man in den Gegenden, die keinen Kinderzehnten 
entrichteten — Anatolien, Pera und einigen griechischen Häfen — , 
nach wie vor regelmäfsig drei Dukaten Avaris jährlich für jedes 
„Feuer" von je vier Häusern verlangte, lOOO Reis mit einem 
Gehalt von 4000 Aspern unterhielt, obgleich die Inseln die nötige 
Bemannung stellten und die Güter des Sultans Vorräte lieferten, 
bestand die Flotte nach 1610 aus kaum 30 brauchbaren Ga- 
leeren ; mit den unglücklichen Kriegen begann es an Sklaven 
als Ruderern zu mangeln. Kaum 4000 waren verfügbar, von 
denen lOOO dem Sultan gehörten. Die Offiziere taugten nichts. 
Die Afrikaner blieben häufig aus. Die Arsenale waren in 
schlechtem Zustande und die meisten Galeeren aus grünem Holz 
eilig und nachlässig zusammengezimmert, so dafs sie kaum ein 
Jahr seetüchtig blieben ^^). Diese elende Seemacht war fast eine 
Art Privateigentum des alten Cigala, der die Einkünfte der Marine 
seinem eigenen Schatz zuführte *). 

Da jeder Zug dem habgierigen Admiral die Gelegenheit 
bot, sich zu bereichern, so tat Cigala alles, um jedes Jahr ,, gegen 
die Piraten" aussegeln zu können. Schon im Juni 1596 erschien 
die osmanische Flotte auf dem Meere ^). Da aber ihr Führer 
sowohl die Spanier als die Venezianer fürchtete '') , verlegte er 



1) ,, Camina, che per l'anima del mio re ti farö condur colle mani legale da 
dietro"; Hurmuzaki IV*, S. 369 — 371. 

2) Ebenda. Ein andermal freilich forderte und erlangte Frankreich Genug- 
tuung für Zerstörung einer Bastion bei Algier; Zinkeisen III, S. 873; IV, S. 216. 

3) Vgl. Barozzi und Berchet I, S. 33 — 34, 272ff. 

4) Vgl. auch Des Hayes, Voyages de Levant, in Zi nkeisen IV, S. i8Sff. 

5) Hurmuzaki, Suppl. I', S. 118 — 121. 

6) Barozzi und Berchet I, S. 40, 43 — 44. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. HI. 2o 



403 Zweites Buch. Zehntes Kapitel. 

sich selbst mehr auf das Handwerk eines Korsaren , als dafs er 
als Seehauptmann eines grofsen Reichs aufzutreten versucht 
hätte. Auch die Ausfahrt der osmanischen Galeeren im Juli 
1601 hatte keinen besonderen Zweck ^), ebensowenig- die des 
folgenden Jahres -). 1609 gelang es dem Kapudan Khalil, einem 
Armenier und Freunde Venedigs^), der auch eine erfolgreiche 
Unternehmung gegen syrische Rebellen geführt hatte ^) , den 
Sohn des Vizekönigs von Neapel, den Herzog von Scalona, ge- 
fangen zu nehmen, der in der Hoffnung, sich eine glänzende 
Zukunft zu sichern, sogleich den mosleminischen Glauben an- 
nahm ^). Die Flotte fuhr die Küste Asiens von Chios an bis 
Tripolis entlang auf der Suche nach ,,Ponentinen", ,, westlichen 
Piraten ^)". Im folgenden Jahre besuchte sie Negroponte, Modon, 
Navarino und das zyprische Paphos, tat aber den Florentinern 
kaum Abbruch '). 161 1 segelte man nach Rhodos und wiederum 
nach Zypern, um denselben Piraten nachzuspüren ^). Zwei Jahre 
darauf verheerten die Marinesoldaten die Umgegend von Messina 
und die Küste Maltas; die Aufrührer von Tripolis in Berberien 
erhielten ihre Strafe. Etwas später mufste eine Revolte der 
Maina unterdrückt werden. Im Jahre 1614 machte endlich ein 
Sturm der Tätigkeit dieser Flotte ein jähes Ende ^). So konnten 
161 5 die spanischen Schifte des Herzogs von Ossuiia, des Vize- 
königs von Neapel, alexandrinische Galeeren kapern i"). 1616 
griff Jean Pierre, ein berüchtigter Korsar, osmanische Schiffe vor 



1) Brown I, S. 485-486. 

2) Bericht aus Konstantinopel vom 26. Mai 1602; „Ambraser Akten". 

3) Barozzi und Berchet I, S. 143 — 144, 294. 

4) Naima S. 402. Siehe weiter. 

5) Barozzi und Berchet I, S. 220 

6) Ebenda S. 313 — 314; Naima S. 390 — 392. 

7) Ebenda S. 396-397. Dennoch erhielt Khalil vom Sultan für die Füh- 
rung der ,, schwarze Hölle" genannten Galeere drei Rofsschweife ; Hammer II, 

S. 733- 

8) Naima S. 400-401. 

9) Ebenda S. 417 — 420, 450—451. Im Juni 1619 segelte die Flotte ins 
Mittelmeer; holländischer Bericht vom 11. Juni. Vgl. auch Zink eisen IV, 
S. 273ff. 

10) Ebenda S. 277 — 278. 



Beziehangen zu den westlichen Mächten usw. 40B 

Chios an, 1617 erschien er im Archipelag-us ^). 1619 sammelte 
sich aus florentinischen , päpstHchen, maltesischen und sogar 
genuesischen Schiffen ein Kreuzzugsgeschvvader und griff den 
afrikanischen Hafen Susa an -). 

Endlich sollte, vor allem um der toskanischen Piraterie ein 
Ende zu bereiten, unter den Augen des Sultans selbst eine neue 
Seemacht geschaffen werden ^). Sie bestand 1616 aus 28 bis 
33 seetüchtigen und 20 anderen Schiffen. In den sieben Arse- 
nalen des Schwarzen Meeres arbeitete man auch weiterhin an 
neuen Fahrzeugen. Der wunde Punkt war aber der Mangel an 
Bemannung; die Zahl der Sklaven war auf looo gesunken, die 
der Reis auf 100. Infolge der jährlichen Entwaffnung verdarben 
die gebrechlichen Galeeren. Die Mannschaft ,,hafste das Schiff 
wie den Tod". Cigala, ein Freund der Spanier^), vergeudete 
das Avaris für andere Zwecke und liefs sich aus aufgestapeltem 
Material einen prächtigen Palast bauen. Die einzigen sach- 
kundigen Marineoffiziere des Reichs, Soliman und Memi Reis, 
wufste dieser nichtswürdige und neidische Günstling in den 
Hintergrund zu drängen '^). 

1620 gelang es aber der neuen Flotte Sultan Ahmeds, die 
aus 55 Schiffen und 8000 Mann bestand, den Angriff gegen 
Susa durch Eroberung und Verheerung des nicht verteidigten 
Manfredonias zu rächen *"). Die Seemacht der Osmanen trat 
damals auf einem anderen Schauplatze , im Schwarzen Meere 
und in der Donau, gegen die Kosaken in Tätigkeit, die, wie 
schon angedeutet, an Stelle der riesigen Galeeren ein neues 
System des Schiffsbaus veranlafsten , das freilich nur so lange 
wie die kosakische Gefahr selbst dauerte. Gegen 1640 hatte 



i) Ebenda S. 278 — 279. 

2) Ebenda S. 281 — 283. 

3) Vgl. Naima S. 415; „Ambraser Akten" 1614; Hurmuzaki, Suppl. P, 
S. 164, Nr. ccLin; S. 173. 

4) Barozzi und Berchet I, S. 34. 

5) Ebenda S. 171 — 177, 269— 27oflf. 

6) Zink eisen IV, S. 284. Im selben Jahre fiel das moreotische Castel- 
Tornese in die Hände maltesischer Piraten. 

26* 



404 Zweites Buch. Zehntes Kapitel. Beziehungen zu den westlichen Mächten. 

das Reich seine alte Flotte eingebüfst, und eine neue zu schaffen 
besafs es keine moralische Kraft. 

Auch die alte Feindschaft geg-en Spanien hatte allmählich 
viel von ihrer Schärfe verloren. 162 1 verhandelte Montalbano, 
der Sohn einer Deutschen und eines Bolognesen und früherer 
Sekretär Gratianis, der schon in venezianischen Diensten ge- 
standen hatte, mit den Wesiren, Günstlingen und Frauen des 
Serails über einen Frieden, suchte gleichzeitig aber die Bulgaren 
zum Aufstand zu veranlassen ^). Gratiani, die kaiserlichen Agenten 
Mollart und Starzer und der mächtige Grofswesir Nassuf, der 
spanische und päpstliche Einmischung in die Kosakenhändel be- 
fürchtete, unterstützten die Bemühungen, zu einem Einvernehmen 
zu gelangen ; auch hatte die Pforte gewifs nicht mehr die Macht, 
Spanien Schaden zu tun-). Alle Versuche, auch die des 1626 
angekommenen neuen Agenten des Königs, scheiterten aber an 
dem Einflufs des englischen Vertreters Thomas Roe , der unter 
den christlichen Gesandten die erste Rolle zu spielen sich an- 
mafste; der neue Gesandte wurde gezwungen, von Ragusa aus 
wieder nach Neapel zurückzukehren ^). 

i) Seine Berichte aus dem Jahre 1625 im Archiv von Venedig, „Capi Con- 
siglio Dieci", Costantinopoli ; über seine Ankunft Innsbrucker Archiv IX, 142; 
Bericht des Bailo, 27. August 1625; vgl, Zinkeisen IV, S. 227ff. 

2) Holländische Berichte vom 12. März 1620, 23. März 1625. 

3) Zinkeisen IV, S. 25off.; vgl. Hurmuzaki, Suppl. V, S. 213, 
Nr. cccxn. 



Drittes Buch. 

Tiefste Erniedrigung der Dynastie Osmans 
und die von Murad IV. versuchte Reaktion. 



Erstes Kapitel. 

Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640. Günst- 
linge. Leitende Klasse. Priesterliche Klasse. Heer. 
Asiatische Unruhen. Krieg gegen Persien. 



Das Reich selbst ist lebensfähig-, urteilte Heinrich IV., im 
Charakter der Sultane liegt das ganze Übel. Das ganze freilich 
nicht, aber zu grofsem Teile war die Unzulänglichkeit der Für- 
sten aus dem Hause Osman Ursache des schnellen Verfalles ^), 
der in manchem Feinde allzu grofse Hoffnungen erweckte und 
auch in türkischen Kreisen, trotz der traditionellen Ehrfurcht vor 
dem Herrscher, der doch alles war und aufser dem nichts be- 
stehen konnte, anerkannt zu werden begann. 

Auch in Mohammed III. hatten sich die besten Beobachter 
getäuscht. Der einst so energische Jüngling liefs bald nach 
seiner Thronbesteigung erkennen, dafs er den Lasten der Re- 
g-ierung nicht gewachsen war. Die frische Lebenskraft hielt 
nicht vor, und der Sultan erschien nun als ,,ein dicker, finster, 
grobkopfig^er, unbeweglicher, schwartzlanbardiger Man, von Natur 
diemutich, nit tyrannisch"-). Meist war er gegen jedermann 
liebenswürdig, gerecht ,,und defendierte den armen Paursman 
sehr" ^). Darauf beschränkten sich aber auch seine guten Eigen- 
schaften, die nicht ausreichten, ein zerrüttetes Reich zu festigen 
und zu retten. Einmal gelang es seinen Truppen und den Ule- 
mas, den Mufti an der Spitze, ihn zu zwingen, am ungarischen 
Kriege persönlich teilzunehmen; eine Schöne des Serails, die 

1) Siehe auch den französischen Bericht in Hurmu?. aki, Suppl. I^, S. 143. 

2) Ebenda XII, S. 234. 

3) Ebenda. 



408 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

ihm von dem Zuge abriet, soll er damals erdolcht haben ^). Aber 
schon vor der Schlacht von Keresztes g-ab er untrüg-liche Zei- 
chen seiner „Demütigkeit", denn er fragte, ob es möglich sei, 
alles dem Grofswesir zu überlassen und nach Konstantinopel zu 
seinen ,, gewöhnlichen Vergnügungen ' (soliti piaceri) zurück- 
zukehren -). Die herbeigebrachten ,, Hofnarren, Possenreisser, 
Seiltänzer, Pferdespringer, Taschenkünstler und Gaukler" ge- 
nügten nicht, um von ihm die schwer lastende Melancholie zu 
entfernen ^). 

Seine Hauptstadt sollte er dann niemals mehr verlassen. 
„Die Frauen hatten ihn bezaubert" *), und unter ihnen verbrachte 
er seine Zeit, nur mit ihnen verschwendete er, der ebenso geizig 
war wie sein Vater, sein Geld. Sechsmal am Tage huldigte er 
den Freuden des Mahles^). Selten, immer seltener nahm er, 
der einmal kräftig und männlich dreingeschaut hatte, Bogen und 
Schwert zur Hand ^). Die Wesire suchten ihn über die Trag- 
weite unglücklicher Kriegsnachrichten zu täuschen ; es war der 
Wunsch der eigentlichen Regentin, der Walideh, die alle Auf- 
regungen und Anstrengungen von ihrem Sohn fernzuhalten be- 
müht war; der Überbringer einer Trauerkunde fiel in schwere 
Ungnade; und mancher wurde in aller Stille ertränkt, weil er 
die heitere Ruhe am Hofe des jungen, aus Korpulenz bequemen 
Herrn durch eine Hiobspost zu stören das Ungeschick besessen 
hatte ''). Seine Minister erschienen wohl bei ihm, um sich seine 
Befehle in die Feder diktieren zu lassen*^); noch leichter aber 
wurden sie ihres Herrn habhaft, wenn sie ihm in ihren Gärten 
ein festliches Mahl bei künstlichem Feuer und Kanonendonner 
gaben; die Niederlage von Cälugäreni erfuhr der Sultan, wäh- 
end er mit der Mutter in Skutari bei Mahmud-Pascha zu Gaste 

1) Brown I, S. 217. 

2) Vgl. Naima z. J. ; Hurmuzaki XII, S. 131, Anm. I, S. 235 — 236, 
Nr. ccxLvni; S. 433, Nr. dclxiv. 

3) Wratislaw a. a. O. S. 442. 

4) „Quelle donne l'hanno faturado"; Hurmuzaki XII, S. 1253, Nr. vi. 

5) Barozzi und Berchet I, S. 31. 

6) Ebenda S. 371, Jahr 1600. 

7) Hurmuzaki IV*, S. 199, Nr. CLix; XII, S. 1269. 

8) Brown I, S. 441. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 409 

weilte 1). Es wurde Mode, glänzende Aufzüge zu veranstalten; 
die Gesandten g-ing-en ,, mit Trommetten und Pauggen, von zahl- 
reichen kleinen Pramen" gefolgt, zur See; sie luden die Wesire 
zu Festmahlen ein und liefsen sich wieder von diesen einladen '). 
Einmal, 1596, hielt der Sultan auf dem Schiffe des Kapudan- 
Pascha, von der ganzen Flotte umgeben, grofse Parade ab : der 
Pomp des Krieges sagte ihm zu; an seinen Gefahren und An- 
strengungen teilzunehmen, verschmähte er aber '''). 

Im Charakter des trägen Herrschers, den fremde Gesandte 
wohl als einen Idioten hinstellten ^), fehlte es gelegentlich auch 
an Zügen furchtbarer Grausamkeit nicht. Als der rumänische 
Fürst Michael, der ihn lange in Unruhe versetzt und mit dem 
Schreckbild eines allgemeinen Aufstandes seiner christlichen 
Untertanen geängstigt hatte — noch 1601 nach seinem letzten 
Siege erboten sich die Bulgaren mit einem Hilfskorps von 15 000 
Mann , in Abwesenheit der nach Ofen beorderten Janitscharen, 
das Land bis nach Konstantinopel hin zu verbrennen ^), und bis 
zum Tode des Helden erwarteten die Griechen , selbst die in 
Konstantinopel, von Michael Erlösung *') — , endlich fiel, liefs er 



1) Hurmuzaki IV-, S. 198, 205; vgl. Brown I, S. 269; Hurmuzaki 
XII, S. 139, Nr. ccxiv; dann Barozzi und Berchet S. 95, 101. Über den 
Einflufs der Walideh Brown I, S. 278, 304; Hurmuzaki IIP, S. 502; 1596 
blieb sie mit Hassan als Regentin in Konstantinopel; ebenda XII, S. 1269, Nr. xxi: 
,,E perö per Costantinopoli si vä publichamente dicendo che sono due Signori : 
uno e Sultan Mehmet, Taltro h la Suitana, sua madre , la quäle, et non egli , il 
tuto governa"; III, S. 525, Nr. lxxxv; IIP, S. 253, Nr. ccLXXXVUI ; S. 310, 
Nr. cccLxn; S. 520— 521 ; XII, S. 1280 — 128 1. — Ihre Tochter, Khalils Witwe, 
verheiratete sie mit dem Wesir Murad , der an der Donau Wacht hielt ; N a i ni a 
S. 287 — 288. 

2) Bericht Herbersteins vom Jahre 1608; ungedruckt. 

3) Brown I, S. 196. 

4) „Di ingegno stupido"; Barozzi und Berchet I, S. 37; ,, falls of 
idiocy"; Brown a. a. O. S. 421. 

5) Hurmuzaki XII, S. 1225, Nr. jinccc. — Über Raubzüge der Tataren in 
Bulgarien ebenda IIP, S. 226—227. 159^ hatten bulgarische Bauern Türken 
auf ihrem Rückzug überfallen und ermordet; ebenda XII, S. 234. — Vgl. den 
Brief Peter Gregorowitsch' 1604: „Bulgaros paratos esse contra Turcas insurgere, 
si exercitus a nostris eo mittatur"; ebenda IV*, S. 405, Nr. CCCXLVU. 

6) Barozzi und Berchet I, S. 164; Brown I, S. 465 — 468. 



410 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

dessen Vertreter, den Levantiner Dimo Tschelebi, auf scheufs- 
liche Weise ermorden. Der Unglückliche mulste mit abg-eschnit- 
tenen Ohren und mit Messern in den blofsen Armen, zwischen 
zwei Lichten, die ihm das schmelzende Wachs in die blutenden 
Wunden träufelten , durch die Strafsen Konstantinopels reiten ; 
Hafiz-Ahmed, den Michael, angeblich durch listige Friedens- 
ancrbietungen Dimos ^), bei Nikopolis besiegt hatte, war der Ver- 
anstalter dieses entsetzlichen Schauspiels zimi Vergnügen der 
Stambuler Plebs. Als der Sterbende auf seinem Wege dem mür- 
rischen Sultan begegnete , hielt dieser sein Pferd an und nickte 
befriedigt mit dem Kopfe-). Während alle, die das Schicksal 
des Reiches mit Sorge erfüllte, die doch gewifs traurigen Zeiten 
eines Murad zurückersehnten ^'), und ein angeblicher Sohn Se- 
lims II., Soliman, in der Nähe von Konstantinopel als Kronprä- 
tendent auftauchte, kümmerte ihn der Nebenbuhler wenig, der 
geköpft und an einen Baum genagelt wurde ^) ; aber als sein Sohn 
Mohammed 1603 ihm offen erklärte, dafs im Reiche keine Ord- 
nung mehr herrsche, und das Kommando über die asiatischen 
Truppen verlangte, um an ihrer Spitze die dortigen Rebellen zu 
besiegen, stiefs ihm der Vater den Dolch in die Brust; und der 
Ermordete wurde heimlich , von kaum dreifsig Mann begleitet, 
in Sinans Moschee beigesetzt '"). Kurz darauf machte ein Schlag- 
anfall dem Leben des beleibten jungen Sultans ein Ende. 

Mohammeds Nachfolger war der dreizehn- oder sechzehn- 
jährige *^) Knabe Ahmed ^), der die allmächtige Walideh ins alte 
Serail schickte ^), aber seinen Bruder Mustafa seiner Beschränkt- 



i) Vgl. über Hafiz Barozzi und Berchet I, S. 147. „A man of science 
and a soldier"; Naima S. 351; vgl. ebenda S. 269. 

2) Hurmuzaki W '^, S. 252, Nr. ccxxni. 

3) Ebenda S. 194. 

4) Naima S. 135, Jahr 1600. 

5) Hurmuzaki, Suppl. H", S. 304; vgl. Naima S. 227, 250 — 251; 
Evliya a. a. O. II, S. 5 II. 

6) Hurmuzaki, Suppl. 11-, S. 327. 

7) Über den Tod Mustafas, eines anderen Sohn Mohammeds, Barozzi und 
Berchet I, S. 128. 

8) Ebenda S. 39, 102. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 411 

heit halber am Leben liefs, ihn auch ins Serail berief und liebevoll 
mit ihm plauderte i). Er war von starkem Gliederbau und galt mit 
seinem runden jugendlichen Gesicht, das ihm blieb, für schön — 
nur der Bart seines Vaters fehlte ihm, und er wünschte sich ihn 
wohl im Scherz-) — ; er war unruhig wie sein Ahn Selim ,, und 
ein guter Bogenschütze"''). Ahmed unterhielt sich gern mit 
Bauern und licfs ihnen Gerechtigkeit zuteil werden *). Sehr 
fromm, wie seine Grofsmutter, die am Ufer des Meeres die grofse 
Moschee der Walideh hatte erbauen lassen , stiftete er die 
Achmedijeh ^) und gab riesige Summen — i 830000 Skudi jähr- 
lich ^') — dafür aus; in ihr lebt der Gedanke, die Hagia Sofia, 
wenn nicht durch die Höhe der Kuppel, so wenigstens durch 
die Zahl der Minarette zu übertreffen. Er schmückte auch das 
Grab der Propheten und die bescheidene Beerdigungsstätte des 
Prinzen Soliman , der die Osmanen nach Europa geführt hatte. 
Das Budschak und wohl auch den Tribut der Moldau schenkte 
er den heiligen Stätten '). 

In manchen Zügen ähnelte Ahmed dem Vater; wie dieser 
war er geizig, zum Umgang mit Frauen, Zwergen, Narren, Stum- 
men und Eunuchen, die ihn überallhin begleiteten, neigend. 
Aufser der Tscherkessin Chasseki, die ihn durch ihre Lieder- 
kunst gefesselt hatte , gehörten noch sechs andere Favoritinnen 
zu seinem Harem ^). Der Eunuche Kapi-Aga war ein Grieche, 
der Kizlar-Aga aus Afrika trug dieselbe Kleidung wie sein Herr 
und spielte Schach und tavole mit ihm-'); man sagte Ahmed 
eine unerlaubte Leidenschaft für die schöne Tochter des Wesirs 
Murad, die Gemahlin Ali-Paschas von Bagdad, nach ^^). Er afs 



i) Barozzi und Berchet I, S. 131—132, 186—187, 292. 

2) Ebenda S. 64, 129. 

3) Naima S. 412— 413. 4) Ebenda S. 407. 

5) Vgl. Bartii, Konstantinopel S. i6lff. 

6) Barozzi und Berchet I, S. 180—182. 

7) Vgl. Naima S. 409. 

8) Barozzi und Berciiet I, S. 133-134, 302. 

9) Ebenda S. 38, 147—148, 302: „Lascia in dubio ognuno quäl veramente 
sia il Re." Über Kazanufer, den „ersten Eunuchen" Mohammeds, Brown I, 
S. 268. 

10) Barozzi und Berchet I, S. 13t. 



413 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

g-ern und reichlich , war aber kein Trinker wie Murad und be- 
sonders SeHm. Er suchte die in der Nähe g^elegenen Gärten 
Daud-Paschas und Stavros auf, wo er sich sorglos jugendlichen 
Zerstreuungen hingab, und liefs sich von den Wesiren prunkvoll 
bewirten ^). Im Garten seines Serails hatte er bei dem kost- 
baren Sommerkiosk einen Teich graben lassen, auf dem er sich 
mit den Günstlingen umherrudern liefs und Vergnügen daran 
fand, die armen Diener zum Spafs ins Wasser zu werfen ^). Auch 
die Jagd in der Umgebung von Adrianopel pflegte er mit Vor- 
liebe -^). 

An Grausamkeit stand Ahmed hinter Mohammed III. nicht 
zurück: Kriegsgefangene wurden vor seinen Augen von einer 
Anhöhe herunterg^estürzt ; ins eiskalte Wasser eines Teiches warf 
er Dukaten , um arme Leute zu versuchen , und lachte , wenn 
einer der danach Tauchenden ertrank '^). Keiner seiner Diener war 
je seines Amtes, seiner Habe, seines Lebens sicher; ihr Schicksal 
hing immer an ,, einem ganz feinen und schwachen Faden" ^) 
und hatten ,, Köpfe von Glas" (teste di vetro). Die Berufung 
vor den Herrscher war wie ein Todesurteil : hinter den Gardinen 
lauerten die Stummen, denen das entsetzliche Amt oblag, einen in 
Ungnade gefallenen Wesir diskret verschwinden zu lassen. Bis 
Anfang 1605 war Mustafa Kehaja, dem der Sultan sogar eigene 
Kleidungsstücke abtrat, weil er meisterlich verstand, der Ver- 
gnügungssucht seines Herrn zu frönen und die Mittel dazu aus- 
findig zu machen, seiner Stellung durchaus sicher gewesen; am 
10. Januar des Jahres erhielt er eine Einladung und stellte sich, 
ohne Schlimmes zu ahnen, ein ; nach einigen Augenblicken wurde 
seine Leiche an der Eintrittspforte des Serails den Hunden vor- 



i) Barozzi und Berchet 1, S. 25; Naima S. 412; Brief Slarzers, 16. De- 
zember 16 14; „Ambraser Akten". 

2) Barozzi und Berchet I, S. 63-64, 128 ff., 289 ff. 

3) Naima S. 287, 412 — 413, 415; vgl. „Gesandtschaftssachen" des Königs- 
berger Archivs, Februar 1616; dann Barozzi und Berchet I, S. 278, Jahr 1616: 
mit solchen „Reisen" soll er bis zu 5000000 verbraucht haben. Er ging christ- 
liche Gesandte um wertvolle Hunde, cani corsi, und Papageien an; ebenda 
S. 49, 138. 

4) Brov?n II, S. 211. 

5) „Sottilissimo e debolissimo lilo"; Barozzi und Berchet I, S. 291. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 asw. 413 

g'eworfen; die Sultanin hatte ihn beschuldigt, das für die Truppen 
bestimmte Geld des Kaisers angegriffen zu haben ^). Im De- 
zember 1606 mufste sich der Grofswesir Derwisch durch eine 
heimliche Tür in den Palast führen lassen ; hier fand er den 
wütenden Sultan, der ihn zu ermorden befahl, und fiel nach er- 
bittertem Kampfe unter den Augen des befriedigt zuschauenden 
Herrschers "-). Auch die einflufsreichen Kapi-Aga und Kizlar- 
Aga ereilte das gleiche Schicksal, als die Spahis ihren Tod ver- 
langten '^). Den hoch angesehenen Wesir Nassuf, dem schon 
im Alter von drei Jahren eine Sultanin verlobt worden war, 
umgaben, als er sich krank stellte, die Janitscharen in seinem 
eigenen Hause und die Bostandschis des Serails ermordeten ihn 
(Oktober 16 14) ^). Ebenfalls bei einer Audienz fand der Kaimekam 
Sarukdschi Mustafa den Tod, weil er angeblich den Truppen 
den Sold nicht ausgezahlt hatte ■'). Auch Sinans Sohn Moham- 
med mufste, aus Syrien zurückberufen, im Diwan in Gegenwart 
Ahmeds verbluten *>). 

Ahmed hatte viele Söhne gehabt; die erstgeborenen aber, 
die in Konstantinopel sehr beliebt gewesen waren, starben jung, 
und als der Vater am 21. November 161 7 '') einer Magenkrank- 
heit erlag, konnte ihn der 1604 geborene jüngere Osman '*), der 
also erst im Alter von kaum 13 Jahren stand, nicht beerben; 
der sterbende Sultan mufste seinen 26 Jahre alten schwachsin- 
nigen Bruder Mustafa als Nachfolger bezeichnen ; der Mufti Isaad- 
Efendi sollte die Vormundschaft über ihn führen ^). Mit dem 



1) Brown 11, S. 210 — 211. 

2) Ebenda S. 442. 

3) Hurmuzaki, Suppl. 11-, S. 269 — 270; Hammer II, S. 656. 

4) Nai ma S. 426 flf. 

5) Ebenda S. 286 — 287. 

6) Ebenda S. 307. Über seinen Bruder Hassan Reufsner a. a. O. Buch 
XIV, S. loo. 

7) Brief Starzers an Molart, Konstantinopel, 23. November ; „Ambraser Akten". 

8) Barozzi und Berchet I, S. 38, 133, 292; Naima S. 452—453- 

9) Ebenda. Brief Cesare Gallos an Erzherzog Maximilian, 5. Januar 1618; 
„Cosa insolita fin all di d'hoggi frä Turchi , ne' quali suol succeder il maggior 
figliolo ". 



414 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

Regierungsantritt dieses bedauernswerten jungen Menschen, der 
melancholisch auf den Friedhöfen umherirrte und sich damit ver- 
gnügte, Dukaten ins Meer oder in den Staub des Weges zu 
werfen ^), war das stärkste und heiligste Band, das die osmanische 
Gesellschaft noch zusammenhielt, die absolute Hingebung an den 
Willen des Kaisers, nun ebenfalls zerrissen. 

Während des letztvergangenen halben Jahrhunderts hatte 
die leitende Klasse sich wie gewöhnlich durch Kriegsgefangene, 
freiwilHge Renegaten ^) und die im Serail erzogenen Opfer des 
Knabenzehnten erneuert; aber ein doppelter Umstand machte 
sich immer fühlbarer: die Zahl der durch den Krieg gewonnenen 
Elemente sank beständig, und das Milieu, in dem die Knaben im 
Serail ihre Erziehung fanden, wurde immer verdorbener. Mit den 
Grofswesiren aus der Zeit des ungarischen Krieges: Ferhad, der 
geköpft wurde ^), Sinan , der ebenfalls in Ungnade starb , dem 
gichtbrüchigen Lala-Mohammed (-f Mai 1606), dem milden Ibra- 
him ■*), die ihrer aufreibenden Tätigkeit erlagen ^), Cigala, der als 
einziger zu sparen und festzuhalten wufste ''') , Chadum- Hassan, 
Dscherrah-Mohammed, Dschemischdschi-Hassan, der das Wesirat 
1601 sehr wider seinen Willen übernommen hatte und im Ok- 
tober 1603 hingerichtet wurde ''), und Jawuz-Ali von Ägypten 
{■f Juli 1604), hatte sich die herrschende Klasse der Renegaten er- 
schöpft. Unter den Wesiren waren viele mit dem Sultan verwandt, 
wie Dschemischdschi-Hassan^), dann der Russe Hassan der ,, Maler", 
ein Uhrmacher von Beruf und früher Silichdar Mohammeds III., 
Daud ^), Mustafa, gewesener dritter Wesir im Jahre 161 2 ^^), Mo- 



1) Naima S. 454ff. 

2) Vgl. Barozzi und Berchet I, vS. 161 — 162. 

3) Vgl. Hurmuzaki III, S. 486. 

4) Naima S. 142. 

5) 1594 wurden Ibrahim 2 bis 3 Millionen konfisziert; Brown I, S. 125: 
II> S. 355, andere Summen dem 1598 erwürgten Hadum Hassan; ebenda S. 318. 

6) Barozzi und Berchet I, S. 38 — 39; Brown I, S. 458. 

7) Ebenda S. 447. 

8) Naima S. 162, 198, 200. 

9) Barozzi und Berchet I, S. 142, 294; Hurmuzaki IV ^, S. 398. 
10) Barozzi und Berchet S. 141. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 415 

hammed von Ägypten , ein Schwiegersohn Ahmeds i) , der ein- 
fältige aber tapfere Kapudan Khalil -) und sein Nachfolger Mo- 
hammed ^j, Güseldschi Mohammed, der dritte Gemahl der Sul- 
tanin Aische ^), ferner der Sohn Cigalas und einer Sultanin , der 
als Statthalter von Bagdad abberufen und Beglerbeg von Rum 
wurde '"), und Nassuf, der, nachdem er zuerst die Provinz Diarbekr 
verwaltet hatte, vom Kizlar-Aga protegiert, 16 12 die Tochter 
Ahmeds geheiratet hatte ''). Aber nur in dem Eunuchen Gür- 
dschi-Mohammed, der zunächst in Kairo, Bosnien und Ofen ge- 
waltet hatte, war noch einige Energie und Geschicklichkeit le- 
bendig gewesen '). Der Mangel an wirklich berufenen Staats- 
männern wurde nach der Hinrichtung Dschemischdschi-Hassans, 
kurz vor dem Schlüsse der Regierung Mohammeds III. otTcn an- 
erkannt. ,,Kein Wesir", schreibt Naima, ,, erschien würdig, den 
Kaftan des ersten Wesirs zu tragen, und die Staatssiegel mufsten 
in der Moschee Solimans", als auf dem Grabe der grofsen Ahnen, 
,, deponiert werden*)." ,,Es fehlt hier an allem", schrieb der 
französische Gesandte 1607, ,, besonders an Leuten, die zu be- 
fehlen imstande sind, und an Geld '•*)." Einige Jahre später ur- 
teilte Gratiani ^^^ : ,,Es hett ein Ansehen dass das Imperium otto- 
manicum zu Hauff gehen wolle, dan es ist kein Tag, weder auf 
dise Gränitz, noch in Persia, noch zu Konstantinopel kein bc- 
stättigter Regent und provisor." 

Eine einzige Persönlichkeit ragte über ihre Zeitgenossen 
hinaus: nicht der 1606 gräfslich ermordete Derwisch, sondern 



i) Naima S. 379. — Über die sieben an Wesire verheirateten Töchter der 
Oheime desselben ebenda S. 410 — 411. 

2) Brown I, S. 152; Hurmuzaki, Suppl. I', S. 142; Suppl. II', S. 361, 

3) Barozzi und Berchet I, S. 141, 199. 

4) Naima S. 283. 

5) Barozzi und Berchet I, S. 150. 

6) Ebenda S. 145—146; Hurmuzaki, Suppl. I', S. 142—143, 153; 
Naima S. 317, 402, 404; vgl. Barozzi und Berchet I, S. 73—74, 103— I04. 

7) Ebenda S. 140— 141. 

8) S. 240; vgl. S. 257 — 259. 

9) Hurmuzaki, Suppl. I ', S. 125, Nr. cxc. 
10) Brief von 1618, ,, Ambraser Akten". 



410 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

sein Nachfolger Murad-Pascha, der zu einer Reform der unleid- 
lich gewordenen Verhältnisse mit Recht zunächst die Aufrecht- 
erhaltung des Friedens mit den europäischen Mächten, die 
Wiederherstellung der kaiserlichen Herrschaft in Kleinasien und 
die Niederwerfung der persischen Offensive für nötig hielt. Denn 
die asiatischen Wirren bedrohten in der Tat das osmanische 
Reich in seinem innersten Kern und Wesen. 

Als Sinan sich 1593 zu dem grofsen Kriege rüstete, der 
ihn, wie er hoffte , bis nach Wien führen sollte , hatte er mit 
einem durchaus ungenügenden Heere zu rechnen. Denn seit 
einiger Zeit war das Ergebnis des Kinderzehnten immer geringer 
geworden: die ausg'eschickten Agenten brachten nur noch aus 
einigen Provinzen Adschemoglane heim ; später sank deren An- 
zahl auf kaum 2000 von einer Aushebung; die reicheren Bauern- 
söhne kauften sich alle frei ^). Infolgedessen nahm die Menge 
der zu den 30 — 40000 Janitscharen angeworbenen Konstantino- 
politaner aus den unteren türkischen Klassen jährlich zu; jeder 
Hofbeamte, der Bostandschibaschi voran, hatte seine Protegier- 
ten -). Manche verkauften, den weifsen Filzhut auf dem Kopfe, 
Waren in den Strafsen der Hauptstadt ^). Die Timarspahis durf- 
ten jetzt in vom Grofswesir ausgestellten Zetteln das militärische 
Lehen wie ein Kreditpapier unserer Tage zu einem Handels- 
objekt machen ^), so dafs eine genaue Berechnung der tatsäch- 
lich noch vorhandenen Lehensreiter, die am Kriege hätten teil- 
nehmen können, ganz unmöglich geworden war ^). Von den in 
den Truppenregistern für Europa auf 80000 und für Asien auf 
60000 angegebenen Timardschis *'") wufste wenigstens die Hälfte 



1) Barozzi und Bercliet I, S. 76 — 77. 

2) Ebenda S. 79 — 80. 

3) Ebenda S. 167—168, 265. 

4) Ebenda S. 123. 

5) Ebenda S. 32, 265 — 266. 

6) 16 16 sollten es 144000 sein; ebenda S. 265 — 266. 1600 wären es 
einem anderen Bailo zufolge 400000—500000 gewesen (ebenda S. 32). Die Ver- 
schiedenheit der Ziffern läfst die absolute Unsicherheit der Schätzungen am 
schlagendsten erkennen. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 417 

sich dem Krieg-sdienste zu entziehen 1). Viele verdankten der 
Gunst eines Mächtigen, in dessen „Schatten" sie lebten, Vor- 
teile und Ehre eines Lehens -). Die permanente Reiterei der 
Spahiog-lane, die in der Nähe des Sultans bheb und, als dieser 
sich von seiner Hauptstadt nicht mehr trennte, unter dem Be- 
fehle des Grofswesirs als Serasker in den Krieg- zog, zählte nach 
dem ung-arischen Kriegte, in dem sie für 8 bis 20 Asper täg- 
lich auch den Dienst von Arkebusieren versehen hatte, 28000 
Mann 3). Die speziellen Truppenteile, die jetzt besondere Be- 
deutung' gewonnen hatten , die Toptschis , die 3000 Dschebed- 
schis ^) , die Mutefariakas , deren Zahl ziemlich gestiegen war, 
wurden, mit Ausnahme dieser letzteren, die sich aus Edelknaben 
rekrutierten , in derselben Serailschule wie die Spahioglane er- 
zogen und sollten von diesen eigentlich nicht unterschieden 
werden ^). 

Es wäre gewifs übertrieben, den Truppen im allgemeinen 
militärischen Geist, Disziplin, patriarchalische Eintracht, Hin- 
gebung an den Kaiser und Eifer für den Glauben abzusprechen. 
Im ungarischen Kriege begegnen uns im Gegenteile Beispiele 
der schönsten militärischen Tugenden. An den Befehlshaber 
von Erlau schrieb der Grofswesir Ibrahim : ,, Bruder Pascha, viele 
und aber viele Grüfse an meine Söhne, die Janitscharen ; ich bin 
ihr Vater und sie sind meine Kinder •')." Dem Befehlshaber 
einer belagerten Festung, der eilige Hilfe verlangte, antwortete 
der Beglerbeg von Rum, ,,er möge fliehen, wohin er wolle, denn 
er sei ein furchtsames Weib und habe keinen guten Willen, 



i) Barozzi und Berchet I, S. 122 — 123. Vgl. die Handschrift „Curiositä 
di Turchia" in der Leipziger Stadtbibliothek, Rep. IV, S. 45: in Europa sollen 
kaum 10 000 zur Verfügung gestanden haben! 

2) Hurrauzaki W, S. 331, Nr. cccxxxiv : „questi che si riparano sotto 
l'ombra de' grandi." 

3) Barozzi und Berchet I, S. 265; vgl. S. 157. 

4) Armaruoli übersetzten die Venezianer. 

5) Ebenda S. 266. 

6) „Fratello mio Bassa, molti et molti saluti alli mei figlioli li gianizari; io 
son loro padre et loro miei figlioli"; Hurmuzaki IV', S. 433, Nr. CCCXLI. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. HI. al 



418 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

länger auszuhalten" i). Bei der Eroberung Grans gingen ganze 
Abteilungen des Heeres mit offenen Augen in den sicheren 
Tod"''). Ein Janitschar sagte 1595 dem neuen Sultan ins Gesicht, 
dafs seine Nachlässigkeit das Reich ins Verderben stürze ^). Aber 
unter den geldsüchtigen Janitscharen und den mit schönen Pfer- 
den, Waffen und Schmuck aller Art prunkenden Spahioglanen 
— Christen und Juden aber wurde das Tragen kostbarer Kleider 
verboten ^) und Mafsnahmen mufsten doch gegen den Luxus im 
Kriege getroffen werden '") — hatte sich ein gefährlicher Korps- 
geist ausgebildet. Sie mochten vor allem des angenehmen Lebens 
in der Hauptstadt nicht entraten. Als sich der neue Krieg 
ungewöhnlich schwierig herausstellte, zeigten sich besonders in 
den Reihen der europäischen Miliz die bedenklichsten Sym- 
ptome von Ungehorsam und Mangel an Mut. 1595 weigerten 
sich die Janitscharen, vor dem Eintritt des Frühlings ins Feld 
zu ziehen''); die aus der Schule entlassenen Spahioglane ver- 
langten eine Frist von sechs Monaten, ehe sie in den Krieg 
gingen ''). Zwei Jahre vorher hatten einige Timarspahis den 
Wesir nur bis Belgrad begleiten wollen*). 1593 hauste das 
Heer in Adrianopel wie in einer feindlichen Stadt; 1595 wieder- 
holten sich solche argen Plünderungsszenen in Siliwri^); 1601 
wurde der Basar in Konstantinopel angegriffen ^*^). Unter den 
Soldaten tauchten zuweilen Aufrührer, wie der asiatische Beg- 
zadeh, auf, die der Sultan niemals ernannt hatte und die doch 
über viele Spahis befehligten ^i). 1595 kämpften Janitscharen 
und Spahioglane in Parteinahme für Ferhad und Sinan gegen- 



1) „Quia timida es foeniina et diutius manere nolis, curras quo velis"; 
Reufsner Buch XIV, S. 153. 

2) Ebenda S. 142. 3) Hurmuzaki III, S. 235. 

4) Brown I, S. 404. 

5) Ebenda S. 243—244; Hurmuzaki XII, S. 433, Nr. DCLXIV. 

6) Ebenda IV % S. 195, Nr. clv, 

7) Ebenda S. 188, Nr. CL. 

8) Brown I, S. 98. 

9) Vgl. ebenda S. loo; Hurmuzaki XII, S. 172, Nr. CCL. 

10) Brown I, S. 463 ff. 

11) Naima S. 413 — 415; Jahr der Hedschra 1021. Begzadeh befehligte über 
12000 Spahis. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 419 

einander 1), und der Streit loderte 1596 von neuem auf-). Die 
Spahis von Küstendil und Avlona weigerten sich, in Tirg-oviste 
zu bleiben ^). Während dieses walachischen F'eldzuges des Jahres 
1595 desertierten zahlreiche Reiter^), und die Spahis verloren 
in dem Kriege jeden Begriff von Disziplin so sehr, dafs sie 
ihre Führer ermordeten, um ein Ende ihrer Strapazen zu er- 
zwingen^). Vor Erlau, und dann auch bei anderen Gelegen- 
heiten, mufsten die Truppen vor Beginn der Schlacht oder des 
Sturmes bezahlt und beschenkt werden*'); die ,, verzweifelten" 
Krieger mufste man mit der Aussicht auf Beute locken, um ihren 
schlaffen Eifer einigermafsen zu beleben '). Denn die neue Ge- 
neration der Janitscharen und Spahioglane glaubte nicht mehr 
an die Vorsehung Allahs und beklagte sich bitter, dafs sie für 
den Kaiser zur Schlachtbank geführt werde; 1600 wollten sie 
nicht einmal mehr unter seinem Befehl marschieren ''^) 

Die wachsende Unbotmäfsigkeit und Kriegsuntüchtigkeit der 
Palastmilizen, der neuen osmanischen Prätorianer, die auch deren 
Laster zu zeigen anfingen , die rasche Verminderung ihrer Zahl, 
wie sie das Blutbad von 1596 auf den Keresztesfeldern, wo die 
ganze Reiterei ,, vernichtet" wurde, mit sich brachte^), machten 
das Heranziehen aller irgend verfügbaren militärischen Kräfte zu 
einer dringenden Staatsnotwendigkeit. Wenn, wie nach dem 
Feldzug in der Walachei, zu Griechen, Zigeunern, elenden Marto- 
lodschen 1^) und ganz kriegsunkundigen Bauern christlichen Glau- 



1) Hurmuzaki XII, S. 1255, Nr. ix: ,,chi vol Sinan, chi vol Ferhat"; 
vgl. III, S. 470, Nr. xxxvin. 

2) Brown I, S. 243. 

3) Hurmuzaki III, S. 493. 

4) Ebenda. 

5) Barozzi und Berciiet I, S. 32 — 33. 

6) Vgl. Hurmuzaki IIP, S. 214 — 215, Nr. ccxxxvni ; Naima S. 270. 

7) Hurmuzaki III, S. 523, Nr. LXXXi; S. 525, Nr. lxxxiv; Barozzi 
und ßerchet I, S. 31. 

8) Vgl. Hurmuzaki XII, S. 433, Nr. dclxiv ; S. 676 — 677, Nr. mxliu ; 
S. 803. 

9) Ebenda S. 430, Anm. i. 

10) Vgl. ebenda S. 129 — 130, Nr. cc; S. 172, Nr. ccl; S. 222, Nr. cccxxx; 
S, 518; Barozzi und Berchet I, S. 41, 170—171. 

27* 



^20 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

bens g-egriffen werden mufste, um Menschenmaterial zu haben, 
wenn, wie im Jahre 1599, Arkebusiere aus dem entfernten Fez 
an der Donau im Kampf standen , so war die Berufung- asiati- 
scher Truppen auf europäische Kriegsschauplätze g-erechtfertigt. 
Und bald kämpften die Syrer von Alep und Damaskus, die wil- 
den Milizen von Kurdistan und Diarbekr, die Paschas von Aidin 
und Meraasch , der 1599 aus Schirwan zurückberufene Dsche- 
mischdschi-Hassan 1) g-egen Siebcnbürg-er, Moldauer, Walachen, 
Ungarn, Deutsche, Italiener und Franzosen an den Donauufern 
von Ofen an bis zu den Mündungen des grofsen, ihnen bis da- 
hin fremden Flusses hin -'). 

Dadurch entzog man freilich den asiatischen Provinzen ihre 
Besatzungen. Die Perser aber hatten Grund, sich über schlechte 
Behandlung der georgianischen Fürsten , Alexanders und der 
Neffen Simons, die in Konstantinopel festgehalten wurden, zu 
beklagen ^). Tebriz, dessen Verwaltung ein nach Konstantinopel 
geschickter Neffe des Schahs übernehmen sollte, wurde ihnen 
vorenthalten, und schiitischen Wallfahrten nach Mekka legte man 
Schwierigkeiten in den Weg ^). Die Perser entrichteten ihrerseits 
den im Frieden vorgesehenen Tribut von Seide nur säumig ^), 
hetzten die Kaukasier Lewentoglis und Simons gegen Dschafer, 
den Pascha von Schirwan *^), und später die Araber gegen den 

1) Hurmuzaki IV-, S. 229. 

2) Ebenda; siehe oben S. 305 ff. 

3) Brown I, S. 103 ; Barozzi und B er che t I, S. 219; Hurmuz aki IV '-', 
S. 188, Nr. cl; Barozzi und Berchet I, S. 25 — 26, 33. Minadoi gibt über 
diese Georgianer etwas verschiedene Nachrichten, indem er Alexander an die Stelle 
Gregors setzt. Siehe oben S. 233 ff. Ebenda Buch II, auch eine genaue Be- 
schreibung Georgiens; Minadoi hatte, als Kaufmann in Syrien, viel von seinen 
Bekannten und Freunden gelernt, und seine anziehende Erzählung, überall nach 
Wahrheit strebend, enthält manches Wertvolle in den Einzelheiten. 

4) Hurmuzaki IV*, S. 190 — 191, Nr. cur. 

5) Ein Brief des Sultans über dessen endliches Eintreffen in den „Gesandt- 
schaftssachen" von Königsberg. 

6) Hurmuzaki IV-, S. 192. Über das 1595 dem „Bruder des Georgiers" 
an der Grenze verliehene Sandschakat siehe ebenda S. 210, Nr. CLXXin. — Eine 
persische Gesandtschaft spottete 1597 über die Herrschaft der Walideh, Brown I, 
S. 263; vgl. Hurmuzaki XII, S. 323, Nr. CCCCLXXXVI. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 421 

Statthalter von Bassora auf ^) und rechneten mit der MögHchkeit, 
die letzthin verlorenen Provinzen wieder zu erobern. Schon 1593 
hatte der abenteuerliche Lancosme als Gesandter der t^anzen 
Christenheit nach Persien reisen wollen '-). Simon bemächtigte 
sich der Festung- Guri und liefs sie schleifen, die Paschas von 
Tebriz und Wan nahmen ihn gefangen und schickten ihn nach 
Konstantinopel, wo er Moslem wurde ^), und der energische Schach 
Abbas"*) schlug die Turkomanen Nureddin Mohammed-Khans^). 
Gleichzeitig langte, über Moskowien, Norwegen und Holland, ein 
persischer Gesandter, Hassan, mit 30 Personen und dem Eng- 
länder Shirley, der als sein Dolmetsch und Vormund auftrat, 
am 20. Oktober 1600 in Prag an. Nach längeren Verhandlungen 
reiste er nach Rom, Florenz und Spanien weiter — nur in Frank- 
reich wollte man nichts von ihm wissen — , und brachte überall 
eine Allianz mit ,,dem Schach Sophy Cyhscelbasz" — Kasil- 
basch — , dem ,, König in Persien", und den ihm unterstehen- 
den Georgiern in Vorschlag ''). In Rom wurde er vom Neffen 
des Papstes , Don Silvestro Aldobrandino, prunkvoll empfangen 
und im Palazzo Rovere einquartiert; der Heilige Vater erteilte 
ihm zweimal Audienz''); er zog in Valladolid ein, aber das Er- 
gebnis seiner Sendung waren nur höfliche Antworten auf die von 
ihm überbrachten eitlen Briefe ^). Die Sendung Hassans wurde 



1) Vgl. ebenda IV'-, S. 231 ; XII, S. 447, Nr. DCXCVn ; S. 426, 430, Anm. ; 
453, Nr. Dccx ; Naima S. 114. 

2) Brown I, S. 107; vgl. Berchet, La Repubblica di Venezia e la Persia, 
Torino 1864. 

3) Naima S. 143, 160. Dschafer von Tebriz starb um jene Zeit; ebenda 
S. 160. 

4) Über seine Umtriebe gegen den Vater Minadoi passim. 

5) Ebenda S. 135. 

6) HurmuzakiXII, S. 107 1 — 1072; Brown I, S. 427— 428, 430—431, 434- 

7) Ebenda S. 444«-, 451—452, 45^, 458. 

8) Ebenda S. 462, 467 ; „Turcica" des Wiener Hofarchivs, Anhang, 1593— 1600, 
fol. 3; Hammer II, S. 664—665; Verefs, Kakas Istvan , Pest 1907. Ein 
Armenier Sever Muratowicz kam 1602 von einer persischen Reise nach Polen 
zurück; meine „Studii ?i documente" XI, S. 125». Sein Bericht im Königsberger 
Archiv, Gesandtschaftssachen. Ein Bruder Shirleys weilte unter den englischen 
Piraten, Brown I, S. 550. Am 24. Oktober empfahl der Agent Rosso Thomas 
Shirley, den Bruder „del signore don Antonio, che gia un' anno e mezo fü man- 



483 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

nur von selten des Kaisers erwidert: 1603 reiste der Kapuziner 
Frä Mariano d'Alcamo nach Persien, um den Schach gegen die 
Türken aufzuhetzen ^). 

Aufserdem machte sich die Finanznot des Reiches auch den 
den Schiiten geneigten Asiaten bemerkhch. Der Sultan hatte die 
kroatischen Eroberungen und manche ungarischen Plätze ver- 
loren -), der Tribut der Donauländer blieb aus oder wurde , wie 
es schon längst für Berberien der Fall war ^), durch gelegentliche 
Übersendung kleinerer Summen und Geschenke ersetzt^); der 
europäische Handel stockte, und der ungarische Krieg verschlang 
ungeheure Summen — 15500000 Dukaten in acht Jahren; der 
persönliche Kriegszug des Sultans im Jahre 1596 allein kostete 
5000000 andere, aufser 3000000 als Geschenke an die widerwilligen 
Truppen '^). Der europäische Kharadsch brachte, obwohl er von 
40 Aspern auf einen Dukaten und mehr, bis zu zwei Dukaten, erhöht 
wurde ''), nur i 1 20000 Dukaten ein, und die Einkünfte des Reiches 
erreichten kaum die Summe von 8000000 Dukaten und zeigten 
eine dauernd fallende Tendenz, bis sie kaum noch 5 bis 6 000 000 
Dukaten betrugen ''). Ein Drittel dieser Einkünfte wurde vom 
Sultan und ein zweites Drittel von den Wesiren in Anspruch 
genommen"^): nur ein Drittel kam für die grofsen Kosten des 
Heeres zur Verausgabung. Die Schatzmeister mufsten zu den 
gemeinsten Mitteln greifen , um den wachsenden Verlegenheiten 



dato da Sua Maiestä, mio signore, al r^ di Marocco"; Brief an Erzherzog Maxi- 
milian; „Ambraser Akten". 

1) ,,Per farli mover guerra contra il Turco." 1612 versprach der Kapu- 
ziner Erzherzog Maximilian seine baldige Krönung zum ,, König von Bosnien": 
„perche V. A. S. sarä in breve coronata re di Bosna", und erklärte 
sich bereit, noch einmal nach Persien zu reisen; ,, Ambraser Akten". 

2) Barozzi und Berchet I, S. 282 — 283. 

3) Ebenda S. 121. 

4) Hurmuzaki IV-, S. 251, 346, Nr. cccLXvn; S. 349, Nr. cccLXXni. 

5) Vgl. Barozzi und Berchet I, S. 30 — 31, 35, 277-278. 

6) Ebenda S. 121, 276. 

7) Ebenda S. 35, 87, 156 — 157, 276. Eine genaue Aufzählung der aus jeder 
Provinz eingekommenen Gelder zwischen 1602 und 1608 ebenda. 

8) Ebenda S. 35. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 433 

ZU beg-egrien ^). Man verschlechterte schon vor 1600 und dann 
immer mehr die Münze, so dafs die Soldaten manchmal über 
die schlechten „Äsperln" murrten und der Münzverwalter zum 
Scheine eingekerkert werden mufste , bis die Wesire selbst als 
öffentliche Fälscher und Aussaug^er des armen Volkes hing-estellt 
wurden; ein Dukaten war schliefslich 200 Asper wert-). Man 
konfiszierte das Vermögen der habgierigsten Wesire , die zum 
Tode verurteilt worden waren , und reicher Kauf leute •^). Man 
erprefste alle nur möglichen Summen von den Christen und be- 
sonders von den Juden in Konstantinopel, die man anklagte, an 
der Verschlechterung der Münze schuld und an allen politischen 
Affären beteiligt zu sein, die Geheimnisse des Serails durch Ver- 
käuferinnen, die sich einschlichen, auszuspionieren und den vene- 
zianischen Handel an sich gebracht zu haben ^). Vorräte und 



i) Die Timars nach ihrem jeweiligen wirklichen Werte zu besteuern, was 
14000000 — 20000000 Dukaten eingebracht hätte, hatten sie freilich nicht den 
Mut; ebenda S. 122, 276. 

2) Brown I, S. 272, 450; Naima S. 160, 465; Hur muzaki XII, S. 65 ; 
Suppl. P, S. 205, 209, Nr. ccovni; S. 226, Nr. cccxxvi; Brief aus Komorn vom 

4. September 161 1; „Ambraser Akten". Über einen Versuch, die Münzverhält- 
nisse zu bessern, Barozzi und BerchetI, S. 23 — 24. Vgl. auch Minadoi 

5. 73: das in Ägypten nach dem alten Kurse eingesammelte Geld wurde in Kon- 
stantinopel nach dem neuen Kurse ausgegeben. 

3) Hurmuzaki, Suppl. I ^, S. 178, Nr. cclxxi. 

4) Über die Verdrängung der Venezianer siehe Barozzi und Berchet I, 
S. 165 — 166, 235: „Gii Ebrei vogliono abbracciar tutto" S. 240. — Spione in 
Venedig werden ebenda S. 243 erwähnt ; ihren politischen Einflufs bezeugen Jakob 
Rüben, der Arzt Sinans, Hurmuzaki XII, S. 113, Nr. CLXXx; S. 193—194, 
Nr. ccxcvi; III', S. 228; IIP, S. 305; Brown I, S. 268; der Arzt Mocato; 
Brown I, S. 159; Salomon oder Alvaro Mendez, der 1597 für den spanischen 
Frieden tätig war, ebenda S. 44, 291; David Pati, der den Vorschlag machte, 
die „alten Schulden" an Pächter zu verkaufen (Brown I, S. 514, 51 9) und Don 
Antonio von Portugal vertrat (ebenda S. 529 — 530, 533). — Sie suchten das 
Zustandekommen des Friedens mit Michael zu verhindern; Hurmuzaki IV, 
S. 166—167; XII, S. 1065. Israel Tschelebi unterhandelte über einen Vertrag 
mit dem Kaiser und Toskana, Barozzi und Berchet I, S. 241 — 242. Eine 
jüdische Vertraute der Walideh wurde von den Spahioglanen gegen 1600 ermordet, 
der Vorfall zog den Sturz des Kaimakams nach sich, Naima S. 143 — 144> 157! 
vgl. Barozzi und Berchet I, S. 76. Auch ein Arzt des Sultans und Khalil- 
Paschas war Jude; Hurmuzaki XII, S. 452, Nr. dccx. 



424 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

Hilfsgelder wurden veruntreut ^), der Sultan verkaufte Korn und 
Früchte -), machte die ihm dargebrachten Geschenke zu Geld ^) 
und nahm seine Einkünfte für den „inneren Schatz" auf ein 
Jahr voraus ^). 

Auch die asiatischen Provinzen sollten nun natürlich höhere 
Summen nach Konstantinopel liefern, obwohl die Verhältnisse in 
jedem Betracht unbequemer geworden waren ■'). Die mancherlei 
Bedrückungen mufsten, bei dem nie erloschenen aufrührerischen 
Geiste der religiösen Dissidenten Anatoliens , eine allgemeine 
Empörung begünstigen, die durch die Abwesenheit der Soldaten 
und Offiziere, oft genug der Statthalter selbst begünstigt wurde. 

Im April 1598 wufsten die Christen, dafs in Alep , wo die 
Janitscharen ein barbarisches Regiment führten *'•) , ein Aufstand 
ausgebrochen war und Hassan-Pascha mit 4000 Janitscharen sich 
von der Donau aus in Eilmärschen dorthin begebe '). In Wirk- 
lichkeit hatte sich in Roha, dem christlichen Edessa Syriens, ein 
ehemaliger ägyptischer Beglerbeg Abdul-Halim erhoben , der 
bald unter dem Namen der ,, Schreiber" oder der ,, schwarze 
Schreiber" (scrivano), türkisch Kara-Jasidschi , in aller Munde 
war^); er drang in Karamanien ein und lieferte den von vier Sand- 
schaks zusammengebrachten kaiserlichen Truppen eine oftene 
Schlacht. In dem Pascha Hussein, der der Sohn einer mit Sinans 
Gemahlin verwandten Sultanin zu sein behauptete, hatte er einen an- 
gesehenen Verbündeten gewonnen. Dieser zog nach Konieh und 
setzte sich in den Besitz der Stadt; darauf liefs ersieh Sultan Hussein 
Padischah nennen, verordnete, dafs beim Gebet sein Name statt 
Mohammeds III. genannt werde, und schlug, wie der alte ,,Kö- 



i) Brown I, S. 260 ; holländisclier Bericlit vom 30. September 1623. 

2) Barozzi und Berchet I, S. 277. 

3) Ebenda S. 158. 

4) Ebenda S. 159, 277. 

5) 1594 klagten die Einwohner Diarbekrs über Erpressungen Ibrahims; 
Brown I, S. 125. 

6) Naima S. 143. 

7) Hurmuzaki XII, S. 342, Nr. dxv; S. 344. 

8) Vgl. Naima S. 114, 144 — 145; Brown I, S. 481. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 425 

nigf" Tzachas des XIII. Jahrhunderts, eigene Münzen i). Den 
Christen gegenüber scheint er freundschafthche Absichten her- 
ausgekehrt zu haben; die Juden dagegen verfolgte der neue 
„Padischach ", wo er konnte-). 

1599 sandte man Sinans Sohn Mohammed gegen die Auf- 
rührer ins Feld. Er landete in Alexandretta, besetzte Roha und 
wufste den „Schreiber" durch das Anerbieten des Sandschakats 
Amasieh dahin zu bringen, dafs er den von ihm am Fufse ver- 
wundeten ,, Kaiser" auslieferte; Hussein wurde grausam im Di- 
wan gemartert und dann durch die Strafsen Konstantinopels ge- 
schleppt '^j (Anfang 1600). 

Doch war der Aufstand damit keineswegs gedämpft; Kara- 
Jasidschi fiel von neuem ab, ermordete den Stellvertreter seines 
Bezwingers und konnte, als er geschlagen wurde, in das Gebirge 
bei Siwas flüchten. Man mufste ihm wiederum vergeben und 
ein besseres Sandschakat verleihen ^). Gleichzeitig gelang es 
dem Begleibeg Hassan von Jemen, den Unruhen in Arabien 
durch zahlreiche Hinrichtungen ein Ende zu setzen ■''). 

Im Frühling 1600 hatte der ,, Schreiber" bereits wieder 
vergessen, dafs er sich dem Sultan unterworfen hatte. Der sechste 
Wesir Hadschi-Ibrahim, der vorher Statthalter von Alep gewesen 
war, mufste zum Beglerbeg von Bagdad ernannt werden und 
erhielt den Auftrag, auf dem Wege dahin Kara- Jasidschi und 
dessen Bruder, Deli-Hussein, unschädlich zu machen. Bei Cä- 
sarea lieferte er den Aufrührern eine Schlacht und verlor sie 
(April) "). Der von Bagdad anrückende Hassan Sokoli, den man 
mit Unrecht als Empörer und Alliierten der Araber angesehen 
hatte '), traf die Brüder dann bei Sepetlü und jagte den ,, Schrei- 



1) Siehe oben I, S. 83 ff. Über den Aufstand vgl. die abendländischen Nach- 
richten in Hurmuzaki III-, S. 527-528 mit Naima S. 144—145; vgl. ebenda 

s. 337—338. 

2) Ebenda. 

3) Naima a. a. O. ; Hurmuzaki IV ^, S. 243; venezianischer ]?ericht vom 
24. Januar 1600; vgl. Hammer II, S. 640 — 643. 

4) Naima S. 145 — 146. 5) Ebenda S. 146. 

6) Ebenda S, 156 — 157; 199—200; Hammer a. a. O. Eine gleichzeitige 
Nachricht Hurmuzaki III^, S. 534—535' 

7) Ebenda XII, S. 828 — 829. 



426 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

ber" wieder ins Gebirge. Dort starb er und hinterliefs seine 
,, kaiserlichen " Rechte dem Bruder i). 

Sog-leich sandte man den ehemalig^en Pascha Hafiz-Ahmed von 
Vidin nach Kütayeh, damit er gegen ,,Padischach" DeH-Hussein, 
der bei Tokat seine „Residenz" aufgeschlagen haben sollte und 
die Stadt belagerte , energisch vorgehe. Hassan Sokoli eilte 
herbei, und Khosrew- Pascha von Diarbekr wurde mit Kurden 
und den Spahis von Meraasch und Alep ebenfalls zum Ent- 
satz der Stadt beordert. Hassan aber fiel von der Kugel eines 
Rebellen ^), und Deli-Hussein blieb „sieben oder acht Jahre Herr 
des Landes, das er mit eiserner Strenge verwaltete"^). Hafiz 
wurde während des Winters 1601/02 in seiner Hauptstadt Kü- 
tayeh belagert ^). Dem Güseldschi-Mohammed, der ebenfalls aus 
Ungarn hierher mufste, gelang es so wenig wie seinen Vor- 
gängern , die Macht des Empörers zu brechen ^). Denn Deli- 
Hussein war von einer grofsen Menge von Derwischen und 
anderen Fanatikern umgeben, die ihm nackt, Amulette und 
Ketten am Halse , mit in Locken geflochtenen Haaren und 
Kamelglocken unter weifsen Fahnen überallhin nachzogen ''). Und 
in den Provinzen Erzerum, Siwas, Kastemuni spielten wieder 
andere aufrührerische Häuptlinge, wie Ahmed-Pascha, Kösenefer, 
,, der scheckige Reiter", der ,, schwarze Seid" und der ,, lange 
Said", die Herren '). 

Die Pforte hatte ihre Gründe, den Aufrührern zu verzeihen ; 



i) Naima S. 199 — 200; Hammer II, S. 651. — Im Juni i6oi sprach 
man in Konstantinopel von der Annäherung eines Sohnes Mohammeds III. an der 
Spitze der Rebellen; er wurde von Trapezunt her erwartet; Hurmuzaki IV ', 
S. 253. Vgl. auch ebenda Suppl. 11'^, S. 42—43, 164. 

2) Naima S. 252 - 253. 

3) Ebenda S. 202; Hammer II, S. 652 — 653. Unterdessen ergriff man 
in Brassa umsonst Mafsnahmen gegen die Rebellen; Evliya II, S. 5. 

4) Naima S. 211; Hammer a. a. O. 

5) Naima S. 211. 

6) Ebenda S. 229. 

7) Hammer II, S. 655. Vgl. den Brief Niarys vom 26. Jaü 1603: „Hoc 
etiam audieramus ipsum Kara-Jazakzy , qui preteritis annis insurrexerat contra Im- 
peratorera Turcarum ac contra eum bella gessit, cum Imperatore convenisse ac 
pacem iniisse"; „Ambraser Akten". Bei ihm suchte auch der flüchtige Kalga im 
Jahre 1603 Zuflucht; Hurmuzaki, Suppl. 11", S. 291. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 437 

nachdem Dscherrah-Mohammed und Cigala die Ordnung- der asia- 
tischen Verhältnisse in die Hand g-enommen hatten, ging- ÜcH- 
Hussein als bosnischer Pascha nach Europa ^). Unterwegs und 
in seiner neuen Residenz trat er offen als Feind des Reiches 
auf und seine Banditen beraubten, wen sie irg^end konnten. Eine 
allg-emeine Empörung- verjagte ihn aus Bosnien, und er erhielt 
nun die Statthalterschaft Temesvär. Auch hier machte er sich 
bald unmög-lich und wurde als Verräter, der mit dem Papste 
und Venedig- g-eheime Beziehung-en unterhielt, in Belgrad hin- 
gerichtet -). Kurz darauf wurde ein Aufruhr der ägyptischen 
Truppen, die den Pascha Hadschi-lbrahim erschlagen hatten, 
durch den künftigen Kaimekam Gurdschi-Mohammed blutig unter- 
drückt '■'). 

Die Sultane Mohammed III. und Ahmed standen ganz unter 
dem Einflufs von Frauen und Eunuchen und von Rechtsg-elehrten, 
die, den Mufti an der Spitze, die religiöse Klasse der Ulemas 
bildeten. In Konstantinopel, wo Christen und Juden eine so 
grofse Rolle spielten , ohne ihre Relig-ion aufg-eben zu müssen, 
und wo mancher als Atheist gelten konnte, ohne sich weiteren 
Unannehmlichkeiten dadurch auszusetzen ^), in diesem Paradies 
für alle nicht überzeug-ten Reneg-aten beg-annen in dem Zeit- 
alter des Verfalls und der Anarchie die Chodschas und Muftis, 
das Korps der Ulemas und die zahlreichen Imams und Kadis 
eine g-rofse politische Rolle zu spielen, die durch die ausg-e- 
sprochene Frömmigkeit Ahmeds erklärlich wird. Manche pro- 
phezeiten den nahen Sturz des Reiches, und nicht nur die g-rofse 



i) Naima S. 227; Hammer II, S. 663. 

2) Naima S. 262 — 263, 315; Hammer a. a O. S. 675—676, 691. 

3) Naima S. 2S5. Über die Hinrichtung Kasim-Pasclias von Bagdad, der in 
Kütayeh die Faime des Aufslandes eriiob, ebenda S. 2S3 — 284. 

4) Reufsner Buch XI, S. 151. — 1603 fand allerdings die Hinrichtung 
eines ungläubigen Lehrers statt; Naima S. 227. — Ein Albanese, der reiche 
Ernten zu machen. Köpfe mit blofser Hand abzuschneiden verstehen wollte, sich 
ruhig feindlichen Pfeilen aussetzte, gegen die Immoralilät der Zeit sprach und 
1607 durch die von ihm verkündigte Herabsetzung des Kharadsch auf ein Viertel 
grofsen Anhang gewonnen hatte, wurde zum Tode verurteilt; Hurmuzaki, Suppl. 
U, S. 126—127, N*"- cxci — cxcn. 



4,'>8 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

Menge , sondern auch einflufsreiche Persönlichkeiten bis hinauf 
zum Sultan glaubten, durch pünktliche Erfüllung- des Gesetzes 
dem drohenden Verhängnis zu entgehen. So wurden denn die 
Verordnungen Solimans gegen den Weingenufs wieder in Kraft 
gesetzt, und Fässern mit dem verwünschten Getränk bis in die 
Häuser der Gesandten hinein, die man förmlichen Kriminalverhören 
darüber unterwarf, nachgespürt ^). Meist freilich wollte der We- 
sir durch derartige Mafsregeln nur Raufereien der Soldaten ver- 
hindern -), 

Schon Murad III. beriet alle Staatsangelegenheiten mit dem 
Mufti Seadeddin ^). Dieser und seine Softas, seine ,, Theologen", 
waren gegen die Katholiken und für die Protestanten, d. h. die 
Königin Elisabeth und den ,, Navarresen" eingenommen ^). Auch 
Michael hafsten sie leidenschaftlich ^), und da zur Zeit des in 
völliger Zurückgezogenheit lebenden Sultans Mohammed alle 
Nachrichten dem Oberpriester mitgeteilt wurden ^), übte der Mufti 
entscheidenden Einflufs auf die türkische Politik an der Donau 
aus '). Auch Andreas Bäthory verhandelte mit dem Mufti als 
,, seinem guetten Patron und Schützer" über Frieden ^'*) ; freilich 
gefiel ihm und den Seinigen der Vertrag dann wenig. Und die 
Empörung der Wahdeh machte sich in den Worten Luft: ,,der 
Mufti möge an seine Rechtsbücher und geistliche Dinge denken 
und sich nicht in weltliche, besonders nicht in solche, die den 
Staat und das Reich beträfen, einmischen " '■'). Doch tat solche 
Verwahrung der Macht der oft wechselnden und immer einflufs- 
reichen Muftis keinen Eintrag i*^). 1600 war Seadeddin ,,in alle 



i) Brown I, S. 463—466. 2) Ebenda S. 457 ff-; Naima S. 160, 411. 

3) Brown a. a. O. I, S. 19. 
4j Ebenda S. 57, 59, 347—348. 

5) Hurmuzaki lU, S. 506, Nr. LXVI. 

6) Ebenda S. 517, Nr. Lxxni. 

7) Doch erhielt 1598 der walachischc Fürst ein Fetwah, das ihm Verzeihung 
verbürgte; Hurmuzaki III, S. 523, Nr. lxxxi. 

8) Ebenda XII, S. 1276. 

9) „Che il Muffti attendi alli libri della legge e delle cose spirituali et che 
in modo alcuno non s'impacci alle cose temporale, ne meno alle cose che toc- 
cano al suo stato e Imperio." Ebenda S. 497, Nr. DCCXCVin. 

10) Ebenda S. 1065. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 429 

Staatsang-elegenheiten cing-eweiht " '). Er wirkte im Geiste seiner 
Vorgänger; in den Muftis mufsten auch die polnischen Gesandten 
als Vertreter einer katholischen Macht unversöhnliche Gegner 
sehen ~). Und ein Fetwah war erforderlich, mochte es sich um 
den Oberbefehl über das Heer oder um die Hinrichtung eines 
Wesirs handeln oder das Ziel eines Kriegszuges in Frage stehen ; 
denn Frieden und Krieg waren religiöse Angelegenheiten, und 
wenn der venezianische Dolmetsch gehängt werden konnte, weil 
er die Zuverlässigkeit eines Vertrages mit den Osmanen leugnete 
und dadurch den mosleminischen Glauben beschimpfte , so ist 
erklärlich, wie der Mufti sich dauernd als Diplomat aufspielen zu 
dürfen glaubte ^). Der Mufti, der von türkischen, jedenfalls mos- 
leminischen Eltern stammen mufste und sehr oft arm und un- 
eigennützig blieb, erfreute sich ungemeiner Privilegien: der Sul- 
tan erhob sich, wenn er nahte; er hatte das Recht, so oft er 
wollte, sich schriftlich über Staatsangelegenheiten an den Sultan 
zu wenden, und durfte nur im geheimen gerichtet werden ^). Als 
Sultan Mustafa einen Mufti beim Handkusse ohrfeigte , mufste 
die Geisteskrankheit des unglücklichen Monarchen als Erklärungs- 
grund herhalten, so ungeheuerlich erschien der Vorgang ■'). 

Seadeddin war auch bei den Soldaten beliebt ^'j. Gewöhn- 
lich freilich betrachteten die Krieger die wachsende Macht und 
immer zunehmende Einmischung der Priesterklasse in die Staats- 
geschäfte mit grofsem Mifstrauen, und zuweilen erfolgten laute 
Ausbrüche der Unzufriedenheit. So kam es schon 1602 zwischen 
Spahioglanen und Ulemas zu offenem Konflikte '). Die Ulemas 
beschwerten sich beim Sultan über angebliche Beleidigungen; die 

1) ,,A1 presente si vä intromettendo nelle cose di Stato"; Barozzi und 
Berchet I, S. 36 — 37. 

2) Hurmuzaki XII, S. 1281. 

3) Vgl. N aim a S. 260, 278 — 279, 2S4, 290 — 291 ; Barozzi und Berchet 
I, S. 1081; Hurmuzaki, Suppl. P, S. 136, Nr. ccix. 

4) Barozzi und Berchet I, S. 107 — 108, 148 — 149, 303 — 304; Hur- 
muzaki, Suppl. I\ S. 176, Nr. ccLxvrn. 

5) Ebenda S. 219, Nr. cccxx. 

6) Barozzi und Berchet I, S. 36 — 37. 

7) Naima S. 202. 



430 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

Gegenpartei erreichte aber, dafs der Kaimakam seinen Posten 
verlassen mufste und Güseldschi Mohammed an seine Stelle trat; 
auch wurde ein neuer Mufti nach ihrem Gefallen ernannt. Nun 
gingen sie daran, gegen die Paschas und asiatischen Rebellen, 
„die die ganze Welt eroberten", im Reiche Ordnung zu schaffen. 
Öffentlich und in Gegenwart des Sultans wurde über die Wesire 
Gericht gehalten und die zwei mächtigsten Agas ,,des Innern" 
ermordet ^). Sogleich begab sich der Grofswesir Dschemisch- 
dschi-Hassan von Ungarn nach Konstantinopel. Die Aufrührer 
verklagten ihn beim Mufti, und dieser war bereit ein Fetwah gegen 
ihn erlassen. Auch die Kadilisker erklärten sich für Hinrichtung 
des Grofswesirs. Doch gelang es diesem, sich vor den Meute- 
rern , die sich auf dem Atmeidan versammelt hatten , zu ver- 
bergen. 

Aus seinem Verstecke entkam er zum Janitscharen-Aga, der 
für ihn Partei ergriff; seine Anhänger sammelten sich am näch- 
sten Morgen bei der Solimanijeh, und auch Cigala begab sich 
gezwungen in dieses Lager; der Sultan ernannte einen neuen 
Mufti, und man trat in Unterhandlungen mit den Spahis, um sie 
zu bestimmen, sich dem Fetwah zu fügen. Der frühere Mufti 
flüchtete, und nun verliefsen endlich auch die Spahis ihre Quar- 
tiere auf dem Atmeidan. Einige der Besiegten wurden getötet 
und die Aufrührer der Revolte hingerichtet; triumphierend zogen 
die Janitscharen durch die Strafsen Konstantinopels. So endete 
dieser Streit, der unter den Augen eines ohnmächtigen Sultans 
die Hauptstadt eine Zeitlang in Schrecken und Unsicherheit versetzt 
hatte 2). Aber noch vor Ende des Jahres 1603 wurde der Grofs- 
wesir, weil er angeblich die Absicht hatte , die Walideh aus dem 
Serail zu entfernen, abgesetzt. Wiederum erklärten sich die Ja- 
nitscharen tumultuarisch für ihn, drohten die Hauptstadt in Brand 
zu stecken und riefen einen neuen Janitscharen-Aga aus. Aber 
die Autorität des Muftis, der seinen Wohltäter jetzt verliefs, 
war grofs genug , die aufgeregten Soldaten zu beruhigen. Sie 
gingen auseinander; und einige Tage darauf wurde Dsche- 



1) Hurmuzaki, Suppl. 11 ■^, S. 269 — 270. 

2) N aima S. 212 fT. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 431 

mischdschi im Palaste seiner Frau, der Sultanin, g-anz im stillen 
hingerichtet ^). 

Diese Kundgebung-en militärischer Energ-ie, aber auch voll- 
ständigen Mang-els an Disziplin von selten der Söldner erfolgten 
gerade in dem Augenblicke, als der Perserkrieg von neuem aus- 
brach 2). 

Der Kurdenhäuptling Ghasi-beg, ein Sohn Schach-Kulis, der 
die persische Oberherrschaft anerkannt hatte, war die Veranlas- 
sung, dafs die als unruhig bekannten Bewohner von Tebriz und 
Nakschiwan, vom Wali des benachbarten Eriwan aufgehetzt, gegen 
das Aberdeidschan vorgingen. Schach Abbas eilte den frechen 
Eindringlingen entgegen; am 26. September 1603 besiegte er 
die bürgerlichen Milizen , die ihm entgegentraten ; der frühere 
Verwalter von Nakschiwan und der Pascha von Akhiska, ein 
Beglerbeg neueren Schlages, befanden sich unter den Toten. 
Nach einer Belagerung von 22 Tagen fiel Tebriz den Reitern 
des ,, persischen Königs" anheim. Urdubad, das die Osmanen 
ebenfalls verloren, konnten sie wieder besetzen. Nakschiwan da- 
gegen wurde persisch; das zuletzt eingeschlossene Eriwan wider- 
stand erfolgreich ^). 

Sogleich auf die Kunde von diesen Vorgängen hatte Mo- 
hammed III. Saadschi-Hassan-Pascha zum Serdar ernannt, um 
dem gefährlichen Nachbar die Stirn zu bieten ^). Aber der 
Tod des im Innersten getroffenen Sultans, der in diesen Tagen 
als Ergebnis seiner vollständigen Gleichgültigkeit allen Staats- 

1) Naima S. 234 ff. — Über beide militärische Bewegungen Hammer II, 
S. 655 ff. 

2) Im Werke Minadois findet sich eine genaue Darstellung des persischen 
Krieges unter Murad. Daraus wird ersichtlich, dafs der erste Feldzug Ferhads 
1583 wahrscheinlich nicht gleichzeitig mit jenem Osmans geschah. Die Schlacht 
von 1574 fand nicht „bei" Tschaldiran statt, sondern nachdem das Meer sein 
Lager von Tschaldiran verlassen hatte, um sich gegen Tebriz zu wenden. Vgl. 
oben S. 243 — 244, 247, Anm. 2. 

3) Naima S. 241 ff. ; Hammer II, S. 665 ff. 

4) Ebenda. 



438 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

geschäften g-egenüber militärische Anarchie und westliche und 
östliche Feinde das Haupt erheben sah, kam dazwischen. Wäh- 
rend die Regierung des Knaben Ahmed sich erst durchzusetzen 
hatte, wandte Abbas im Frühling 1604 sich wieder gegen Eri- 
wan, und diesmal mufste die Stadt sich ergeben; die Besatzung, 
der tapfere Scherif-Pascha an der Spitze, wurde niedergemetzelt. 
Darauf fielen auch die von Cigalas Sohn Mahmud verteidigten 
Plätze Sumaki und Schirwan. Der Schah belagerte Kars und 
nahm dieses und Akhiska ein. Der furchtsame Cigala, der vor 
Nakschiwan erschienen war, wagte nicht, ihm entgegenzutreten; 
er sah sich sogar gezwungen, seine Winterquartiere vor den Per- 
sern von Wan nach Erzerum zu verlegen i), während der Schach 
bis zum Anfange des Jahres 1605 in Tebriz verblieb. 

Schach Abbas verfügte über ein Heer von 60000 Kriegern 
und eine Artillerie, die zu einem Teile den Türken abgenommen, 
zum anderen von Portugiesen und Engländern geschenkt war. 
Als kaum 40jähriger, energischer und doch liebenswürdiger Mann, 
den seine Untertanen abgöttisch liebten, weil er an allen ihren 
Vergnügungen als guter Kamerad teilnahm , als guter Krieger, 
der auch Arkebusen herzustellen verstand, und als tadelloser 
Ritter, dessen Wohlwollen und freie ,, französische " Manieren 
die Christen lobten, war der Schach einem Sultan wie dem 
jtmgen Ahmed gegenüber unendlich im Vorteil -). 

Als aber 1605 Cigala ein prächtiges Heer aufbrachte, in 
dem sich fünfzehn Beglerbegs und zwanzig Sandschaks, sowie 
der Statthalter von Alep, der gefürchtete Hassan Dschambulad- 
Zadeh, befanden ^), zog sich der Schach vorsichtig zurück. Bei 
Tebriz, dem der Kriegszug galt, griffen der frühere Beglerbeg 
dieser Provinz, der Wali von Siwas und andere Grenzbefehls- 
haber das persische Heer entschlossen an. Sefer errang in der 
Tat den Sieg, und ein nächtlicher Überfall auf das osmanische 
Lager mifslang. Doch wurde derselbe Sefer gefangengenommen 



i) Naima S. 260, 263 ff. ; ein Bericht von Peter Gregorovvitsch, 20. Februar 
1604, in Ilurmuzaki IV, S. 368. 

2) Barozzi und Berchet I, S. 195—197: „Giustissimo, cortese, valoroso 
cd amato de' suoi e volentieri seguito ed obbedito da tutti." 

3) Er wird auch in Minadoi erwähnt. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 433 

und vor den Aug-en Abbas' niedergemacht. Das rief unter den 
Osmanen eine solche Panik hervor, dafs sich die Überbleibsel 
ihres Heeres erst unter den Mauern von Wan wieder sammeln 
konnten (5. August): als dann der ergrimmte Cigala Dscham- 
bulad, der sich ohne Verluste zurückgezogen hatte, mit eigener 
Hand ermordete, entfesselte diese Tat einen Aufruhr der Brüder 
des Getöteten und der ganzen Landschaft, in der die Mitglieder 
dieses Hauses von jeher die erste Rolle gespielt hatten. Dem 
Bewufstsein seines Mifserfolges erlag der greise Wesir am 2. De- 
zember in Diarbekr i). Die fünf verlorenen Provinzen zurückzu- 
erobern hatte er nicht vermocht -). 

Kurz zuvor hatten sich auch in den Küstenländern Aidin und 
Sarukhan Mohammed Kalenderogli und Karasaid erhoben und 
glücklich gegen die Osmanen behauptet •>). Gegen diesen neuen 
Ausbruch der alten Unbotmäfsigkeit Anadols galt es dringende 
Mafsnahmen zu treffen: nach 1605 ging Nassuf-Pascha nach Asien, 
wurde aber in der Schlacht bei Bulawadin von den Aufständischen 
geschlagen. Da die Walideh eben gestorben war, hielt Ahmed 
die Zeit für gekommen, seiner höchsten Pflicht als Sultan zu ge- 
nügen und selbst auf anatolischem Boden zu erscheinen. 

Aber von den Paschas in Kleinasien, Syrien und Mesopo- 
tamien folgten nur wenige dem Rufe ihres Kaisers ; zahlreiche 
Spahis suchten sich dem Kriegsdienste zu entziehen. In trau- 
rigster Stimmung besuchte Ahmed Brussa und die Gräber seiner 
Vorfahren, der Herrscher eines zerrütteten Reiches, der tatenlose 
Oberfeldherr eines geschlagenen Heeres. Vergebens liefs er dem 
Aufrührer Tujel die Provinzen Anadol, Siwas und Alep anbieten ; 
dieser lehnte den Vorschlag des von ihm verachteten Padischachs 
einfach ab. Und bald kehrte Ahmed auf denselben drei Ga- 
leeren, die ihn von Konstantinopel nach Asien hinübergebracht 
hatten, in seine Hauptstadt zurück. 



i) Naima S. 300 ff. 

2) Barozzi und Berchet I, S. 153, wo auch eine Aufzählung der asiatischen 
Provinzen zu finden ist. — Über die Schlacht siehe auch den Bericht im Königs- 
berger Arcliiv, 34, IV, 121. 

3) Naima S. 288. 

Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches. III. ^O 



434 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

Es war sein erster und zugleich letzter Kriegszug gewesen : 
in den Gärten Konstantinopels war es eher möglich, den gefürch- 
teten Herrn eines mächtigen Reiches zu spielen , als auf dem 
Kriegsschauplätze und in den verwüsteten , von Wölfen durch- 
zogenen Provinzen, wo verhungerte Bauern Gras und stinkende 
Leichname gefallener Pferde und Kamele afsen und den Rei- 
senden um einen Asper anbettelten ^). Aber die mifsvergnügten 
Janitscharen , diesmal im Bunde mit den Spahis, begrüfsten ihn 
auch hier mit einem förmlichen Aufruhr; das Erscheinen des in 
purpurne Gewänder gekleideten Sultans am Portikus Bajesids und 
seine öffentliche Anrede an die zuchtlosen Krieger brachten keine 
Wirkung hervor. Der unglückliche Jüngling mufste sich wieder 
ins Innere seines Palastes zurückziehen und auch diesen Sturm 
über sich ergehen lassen -). 

Ahmed begnügte sich, dem alten Grofswesir Lala-Moham- 
med Befehl zu erteilen, sich im Frühling 1606 nach Asien zu 
begeben ; keine Entschuldigung liefs er gelten, und der Greis 
starb im Lager von Skutari, mit dem Tode die Wahrheit seiner 
Klagen über seinen Gesundheitszustand erweisend (Mai). Seine 
Hinterlassenschaft wurde zu dem für den asiatischen Krieg be- 
stimmten Schatz geschlagen '^). 

Es begann nun eine Zeit der entsetzlichsten Anarchie, noch 
mehr durch den Mangel an tüchtigen Führern, als den inneren 
Verfall veranlafst. Der Sultan weigerte sich, des inneren Khasna 
eigenes Vermögen für den asiatischen Krieg vorzuschiefsen. Der 
neue Grofswesir Derwisch war nicht geneigt, sich nach Asien zu 
begeben. Auf seinen Stellvertreter, den ,, tollen" Ferhad, warfen 
die unbezahlten Spahis bei Skutari Steine; das Lager mufste 
abgebrochen werden, und Kalenderogli konnte sein Räuber- 
handwerk in aller Ruhe betreiben ; er schlug den Beglerbeg 
von Anadol im Lande Sarukhan und rüstete sich zu einem An- 



1) Barozzi und Berchet I, S. 155; Naima S. 307 ff. ; vgl. Hammer 
II, S. 692 ff. 

2) Naima S. 313 — 314; Hammer II, S. 693 ff. 

3) Naima S. 319 — 321; Hammer II, S. 695. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 435 

grifife auf Manissa; Brussa wurde in aller Eile befestigt i). Im 
Dezember setzte dann Ahmed die gräfsliche Hinrichtung Der- 
wischs in Szene. Lichtvoll erhebt sich über all die unfähigen 
Grofsen allein die Gestalt des Muftis Ssanollah, der den jungen 
Sultan ins Gesicht der Feigheit und des Geizes beschuldigte und 
ihm in feuriger Rede die grofsen Tage des nimmermüden Soliman 
ins Gedächtnis zurückrief -). 

Der Zug Nassufs, des einzigen unter den Günstlingen des 
Tages , der noch imstande war, ein Heer zu führen , sollte mit 
einer neuen Niederlage enden. Er war gegen Mohammed Tujel 
Ahmed -Ogli, den Wali von Mesopotamien, ausgezogen. Aber 
die von ihm ins Feld entbotenen kurdischen und arabischen 
Kontingente blieben trotz sechsmonatigen Wartens aus. Nassuf 
machte auch den Versuch , den Bestand der Timars neu fest- 
zulegen ^). Unter den Mauern Bagdads kam es zur Schlacht; 
die numerisch schwachen Osmanen konnten den fast schon ge- 
wonnenen Sieg nicht ausnutzen. Viele verrieten auch die Sache 
ihres Kaisers. Auf einer Insel verbrachte der schliefslich be- 
siegte und verwundete Nassuf einige Wochen, ehe er sich nach 
Konstantinopel begeben konnte. Von der Hand eines Mörders, 
nicht im Kampfe mit Nassuf endete Tujel •^). Bald darauf traf 
die Nachricht ein, dafs auch die Befehlshaber von Alep und 
Tripolis von Dschambulad geschlagen seien ^), dessen Gebiet 
sich bis Damaskus *') erstreckte. Im Libanongebirge waltete der 
Drusenemir Fakhreddin unbeschränkt '). Beide standen zu den 



1) Naima S. 336. Die Ernennung des Rumänen Stephan Bogdan zum 
Sandschak von Brussa Hurmuzaki, Suppl. I', S. 144, Nr. ccxxn. 

2) Naima S. 32 2 ff. ; Hammer II, S. 694 ff. 

3) Barozzi und Berchet I, S. 265 — 266. 

4) Naima S. 333ff. 

5) Ebenda S. 336. 

6) Barozzi und B e r c h e t I , S. 199 — 200. Über Khalil- Pascha von Da- 
maskus ebenda S. 146. 

7) Seine Biographie hat Mariti geschrieben. Über die Kämpfe der Drusen- 
emire gegen den Günstling Ibrahim-Pascha in den achtziger Jahren des 16. Jahr- 
hunderts, über deren Kampfweise, deren Reichtümer, über die Geographie ihrer 
Gebiete berichtet Minadoi umständlich. Diese Begebenheiten wurden aber bisher 
nicht erwähnt, weil sie zur Lokalgeschichte gehören. 

28* 



436 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

florentinischen Piraten des Grofsherzogs von Toskana in Be- 
ziehungen, der von einem Kreuzzug zur Wiedergewinnung Jeru- 
salems träumte ^). 

Wesir Murad war berufen, das osmanische Ansehen in Asien 
wenigstens einigermafsen wieder herzustellen. Er zählte fast 
76 Jahre, als er die Staatssiegel übernahm. Bosniake von Ge- 
burt, früher Statthalter in Jemen, hatte er als Gefangener des 
Schachs die persischen Verhältnisse kennen gelernt. Gleich 
nach seiner Amtsübernahme traf er energische Mafsnahmen zur 
Reform des Heeres und der Flotte. Der feige Kapudan Khalil 
wurde abgesetzt, und bereits nach sechs Monaten verfügte das 
Reich über zwei neue grofsc und 40 kleinere Galeeren in gutem 
Zustande. Den Beziehungen der asiatischen Rebellen zur Haupt- 
stadt bereitete er ein Ende , indem er die nicht fest ansässige 
Bevölkerung Konstantinopels einer strengen Aufsicht unterwarf-.. 
Viele Inhaber der bedeutendsten Ämter verjagte er, der von 
keinem Günstlinge und Verwandten wissen wollte: nur Ali von 
Bagdad, der Sohn eines Kadi, mit dem er seine Tochter ver- 
heiratet hatte, war sein Vertrauter'^). Die Beglerbegate von 
Rum und Anadol vertraute er tüchtigeren Männern an und er- 
nannte für die Dauer seiner Abwesenheit einen neuen Kaimakam '). 

Kalenderogli belagerte Angora, als der Grofswesir sich mit 
einem kleinen, aber erlesenen Heere nach Anatolien aufmachte; 
der neue Befehlshaber von Kastemuni, der sich in der Stadt 
eingeschlossen hatte, vermochte den trotzigen Rebellen mit 
40 Geschützen in Zaum zu halten. Murad schien zur Verzeihung 
geneigt zu sein, liefs aber, als er in Konieh einzog, alle Schul- 
digen und Verdächtigen unter Martern hinrichten. Von Konieh 
brach er gegen den mächtigen Dschambulad auf; er betrat La- 
rendah , die alte karamanische Residenz , besiegte Musseli- 
Tschausch von Selefkeh und in den Pässen des Taurus auch 



i) Galluzzi, Istoria del granducato di Toscana IV, S. 156 flf., 236 ff., 251 ff. ; 
siehe oben S. 342 — 343; Barozzi und Berchet I, S. i6o; Zinkeisen 
IV, S. 209. 

2) Barozzi und Berchet I, S. 136. 

3) Ebenda S. 142-143, 146 — 147. 4) Naima S. 341 ff. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 437 

den g-efährlicheren Dschcmschid, der bei Adana eine Schlacht 
verlor. Dann ging- Murad, mit den Truppen von Meraasch ver- 
eint, geg-en Dschambulad vor, dessen Vortrab am 24. Oktober 
1607 eine entscheidende Niederlag-e erlitt. ,, Zwanzig Personen 
waren beständig beschäftigt, den lebendig eingebrachten Ge- 
fangenen die Köpfe abzuschneiden i)." Dschambulad mufste sich 
nach Alep und dann weiter in die syrische Wüste zurückziehen, 
ebenso Fakhreddin Maanogli, der an dem Kampfe teilgenommen 
hatte. Triumphierend zogen die Osmanen in Alep ein, das sie 
schonend behandelten ; der Grofswesir nahm hier Winterquartier, 
während die Spahioglane nach Damaskus, die Silichdars nach 
Tripolis geschickt wurden ; die gewöhnlichen Spahis erhielten Er- 
laubnis, in ihre Provinzen zu reiten und bis zum Frühling dort 
zu bleiben. 

Im Kampf gegen Mustafa, den Bruder des ermordeten Tujel, 
nahm Cigalas Sohn Mohammed, der zum Pascha in Mesopo- 
tamien ernannt worden war, noch im Winter Bagdad ein -). Nur 
bei Brussa unternahmen Kalenderogli und sein Verbündeter Kine- 
liogli unbehindert in den anatolischen Tälern Raubzüge. Zu 
ihnen begab sich zunächst auch Dschambulad, entwich aber 
dann, statt ihnen im Kampf gegen die verhafsten Osmanen bei- 
zustehen, heimlich nach Konstantinopel. Zur Belohnung erhielt 
er das Paschalik Temesvar, wo ihn das Schicksal Deli-Husseins 
ereilte : nach zwei Jahren wurde er in Belgrad hingerichtet '■^). 

Die beiden anderen Empörer mufsten also Brussa ohne den 
früheren Herrn von Nordsyrien niederbrennen und nahmen 
Mikalitsch in Besitz, so dafs Kalenderogli jetzt das Khodawend- 
kiar, die Wiege der sultanischen Macht, beherrschte. Vergebens 
versuchte der Pascha von Silistrien ihn zu bekämpfen, Kalen- 
derogli schritt dann weiter zur Eroberung Aidins, Sarukhans, 
wo er zuerst aufgetaucht war, und ganz Karamaniens *) , dessen 
Beglerbeg Sulfikar ihm nicht in den Weg zu treten vermochte. 

Im Frühling- 1608 richtete der Grofswesir seinen Marsch in 



1) Naima S. 344; vgl. Hammer II, S. 708. 

2) Naima S. 344 — 347. 

3) Ebenda S. 348—349- 

4) Ebenda S. 347 ff. ; Hammer II, S. 709—711. 



438 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

die Provinz Meraasch und vereinig^te sich hier mit den äg^yp- 
tischen Truppen; auch Syrer von Tripolis stiefsen zu ihm, so 
dafs endHch wirkHch ein neues leistungsfähig-eres Heer zusammen- 
kam ^). Es galt diesmal Kalenderog-li zu bestrafen. Dieser glaubte 
mit dem „alten, schwachen Greis" leichtes Spiel zu haben. 
Musselli aber verliefs seine Fahnen , und als Kalenderogli die 
Ägypter angriff, schlugen ihn die syrischen Truppen unter den 
Paschas von Alep und Tripolis vollständig aufs Haupt. Der 
Besiegte flüchtete mit einigen Getreuen nach Ardachan; die 
Überbleibsel des anatolischen Rebellenheeres traten zum Schiismus 
über, um wenigstens das Leben zu retten -). 

Von Siwas aus ging der Wesir auf ungemein schwierigen 
Wegen weiter vor, um den aus Bagdad flüchtigen Kurden den 
Übertritt über die persische Grenze abzuschneiden. Es gelang 
ihm , sie zu stellen und in einer entscheidenden Schlacht (am 
4. September) , die dem Pascha von Adana das Leben kostete, 
zu besiegen; ein grofses Strafgericht folgte. In Baiburd empfing 
Murad den zu spät eintreffenden Statthalter von Diarbekr, Nassuf- 
Pascha, mit harten Scheltworten. Aber andere Paschas, die ihre 
Ankunft aus persönlicher Feindschaft absichtlich verzögert hatten, 
behandelte der Grofswesir mit versöhnlicher Milde. 

Durch Einflüsterungen der Feinde Murads bewogen, erteilte 
Sultan Ahmed Murad Befehl, in Erzerum zu überwintern, um im 
Frühling gegen Persien aufzubrechen. Aber der Wiederhersteller 
der osmanischen Herrschaft in Anatolien , Syrien und Kurdistan 
verweigerte hierin entschieden den Gehorsam. Auch die Truppen 
wollten nach einem Kriegszuge, der schon zwei Jahre dauerte, 
nach Konstantinopel zurückkehren. Murad wufste, dafs das 
durch die freundliche Schlaft'heit des Paschas Hassan vom Geiste 
des Aufruhrs angesteckte Ägypten schon wieder beruhigt war; 
Mohammed Kulkiran hatte die zuchtlosen Mameluken , die sich 
das Recht anmafsten, das Land zu bedrücken und zu verheeren, 
bestraft und das Land durch weise Reformen und nützliche Ar- 



1) Vgl. Barozzi und Berchet I, S. 167— 16S; Hurmuzaki, Suppl I ', 
S. 123—124, Nr. cLxxxvn. 

2) Naima S. 349ff.; Hammer II, S. 711fr. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 439 

beiten zufriedeng-estellt i). So verbrachte Murad den Winter, 
trotz aller Bemühung-en seiner Feinde, die das Vertrauen des 
Sultans g-enossen, in der Hauptstadt. 

Im Frühling- 1609 erklärte er sich dann bereit, den Schach zu 
bekämpfen, wollte aber vorher die letzten Spuren des anatolischcn 
Aufruhrs tilgen. Dessen letzten Anführer, Musseli-Tschausch 
und Jusuf von Manissa, gewann er durch verlockende Anerbie- 
tung-en ; bald darauf wurde der erstere von Sulfikar ermordet, 
dem letzteren schnitten die Henker des Wesirs den Kopf ab, 
als er im Zelte desselben friedlich eine Tasse Kaffee schlürfte -). 

So blieb von allen Rebellen nur Fakhreddin, der 1607 einen 
förmlichen Vertrag- mit dem Grofsherzog- von Florenz abg-e- 
schlossen hatte •^), im Besitz der von ihm usurpierten Macht. 
Ihn suchte die osmanische Flotte unter dem Kapudan Moham- 
med dann in seinen phönizischen Häfen auf, und 161 2 mufste 
er sich unterwerfen ^). Als er den versprochenen Tribut nicht 
zahlte und zu den ,, Franken" in Beziehung-en trat — die son- 
derbare Gestalt wurde zwei Jahre hindurch in Italien sichtbar — , 
schickte der Wesir Nassuf nach Murads Tode Hafiz Ahmed 
g-eg-en ihn aus. Es gelang- diesem in manchen Krieg-en er- 
probten Pascha, den drusischen Emir zu verjag-en, seine Schlösser 
einzunehmen, seinen Bruder und den von ihm bestellten Ver- 
weser Nasreddin zu schlag-en. Später endete Fakhreddin in Kon- 
stantinopel auf dem Atmeidan ^). 

Noch hatte Murad sein Lag-er bei Skutari, das auch der 
Sultan einmal besuchte, nicht verlassen. Erst nach einigen 
Wochen brach er, dem ausdrücklichen Befehle des Sultans g-e- 
mäfs '•), direkt nach Tebriz auf; den herbeieilenden Schach schlug- 

1) Naima S. 361 ff., 366, 368 — 370, 371—374; vgl. Hammer II, S. 724 
bis 725; Barozzi und Berchet I, S. 147, 162. 

2) Naima S. 380—387. 

3) Zinkeisen IV, S. 85 — 86. 4) Ebenda S. 402. 

5) Ebenda S. 422«.; vgl. Hammer II, S. 732 — 734; HI, S. 127—128, 
143. — Die abendländischen Quellen, von denen Mariti die wichtigste ist, 
scheinen weniger zuverlässig zu sein; nach ihnen und Roe sehr ausführlich 
Zinkeisen IV, S. 88 ff. 

6) Barozzi und Berchet 1, S. 132—133. 



440 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

er in der Nähe der wiedereroberten Stadt zurück (Juni 1610); 
in Diarbekr nahm man Winterquartiere. Sogleich machte der 
Perser Friedensvorschläge, die die Wiederherstellung der unter 
Soliman festgesetzten Grenze bezweckten : damit hatte das os- 
manische Reich die mühsam errungenen Eroberungen Sultan 
Murads aufgegeben. Es erfolgte also eine abschlägige Antwort, 
und der Wesir rüstete sich zu einem neuen Angriff, als ihn das 
Alter endlich besiegte : er starb auf dem von ihm eroberten 
Boden am 5. August 161 1 ^). 

Der neue Generalissimus, der ränkesüchtige Albanese Nassuf, 
der in Asien seine Feigheit und Unfähigkeit schon ausreichend 
erwiesen hatte , führte die persischen Gesandten nach Konstan- 
tinopel -); auch die Reichssiegel wurden ihm anvertraut''), und 
er heiratete eine Tochter des Sultans ^). Nach dreijährigen Ver- 
handlungen mufsten die Osmanen auf die Bedingungen des be- 
siegten Schachs eingehen (161 2). Sie verloren die Provinzen 
Tebriz, Schirwan, Eriwan, Dschilan, Demirkapi, ungefähr 14 Sand- 
schakate mit 136 blühenden Ortschaften; nur die Grenze gegen 
Mesopotamien hin wurde nach den Wünschen des Sultans revi- 
diert, und die osmanischen Alliierten im Daghestan sollten im- 
behelligt bleiben '"). Das jährliche Geschenk von hundert Juks 
Seide weiter zu entrichten erklärte sich der Schach bereit: die 
Annahme dieser Bedingung, die wenigstens den äufseren Schein 
rettete"), war eigentlich der Preis für Tebriz, das dem älteren 
Sohne des Schachs als ,, Lehen" verliehen wurde '). Umsonst 
hatte Sultan Ahmed sich berühmt, einen zweiten Murad finden 
zu wollen *). 

Als das Geschenk zwei Jahre hindurch ausblieb und Geor- 
gien von persischer Seite angegriffen wurde , begann nach dem 

i) Naima S. 394 ff., 397 — 400. 

2) Siehe über ihn „Nuevo tratado de Turquia" fol. 21 vo; „De la vida y 
muerte de Nassuff-Baxa" ; der Verfasser war als Sklave im Lager Murads gewesen. 

3) Auch Barozz i und Berchet I, S. 259. 

4) Hurinuzaki, Suppl. I ', S. 142 — 143. 

5) Naima S. 402ff., 416 — 417. 6) Ebenda. 
7) Baro/.zi und Berchet I, S. 189. 8) Ebenda. 



Die Sultane der Periode von 1595 bis 1640 usw. 44£ 

Tode des imwürdig-en Nassuf, der noch eben geprahlt hatte, dafs 
er der ,, volmechiige Gubernator des ganzen Imperii" sei und 
„alle frembde Potentaten ihre Geschefften ihme bevelchen " i), 
der Krieg mit Persien 1615 aufs neue -). Damad-Ogüz-Moham- 
med-Pascha übernahm als Grofswesir den Befehl über die Truppen. 
Von einem Astrologen begleitet, zogen diese bis Alep, wo man 
Winterquartiere nahm ^). Im folgenden Jahre zog der Wesir 
die Truppen Rums, unter Daud, und die von Wan , Diarbckr 
und Bagdad an sich. Er berührte die Gegend von Kars und 
belagerte Eriwan , dessen Burg einer länger als vierzigtägigen 
Belagerung widerstand. Der Rückzug im Winter führte fast zur 
Auflösung des Heeres '). In Konstantinopel langten die aus 
,, Persien" zurückkehrenden Spahis, ,, aller arm, bloss und zer- 
rissen, mehr Betlern als padischachischen Cavalieri ... gleich", 
an ^). Infolgedessen verlor Anfang 1617 Damad- Mohammed, 
obgleich Schwager des Kaisers, seine Stellung und wäre fast er- 
drosselt worden; der trühere Kapudan, der von Murad wegen Un- 
fähigkeit abgesetzte Khalil , wurde am 18. Januar sein Nach- 
folger '') und erklärte feierlich, sterben oder siegen zu wollen '). 
Der Schach verlangte Herabsetzung des Seidentributs, was Sultan 
Ahmed nicht zugestehen wollte; der persische Botschafter wurde 
gefangengesetzt*^}. Aber im November des Jahres 1617, das 
einen neuen Auszug der osmanischen Truppen nach Asien sah, 
starb dann der Sultan , dem es , seit er dem Kindesalter ent- 
wachsen war, an Stolz, an Bewufstsein der Gröfse des Reiches 
und an einer gewissen Majestät nicht gefehlt hatte. Dem blöd- 
sinnigen Mustafa hintcrliefs er unter anderem auch die Sorge 
des persischen Krieges zur Wahrung der Würde des osmani- 
schen Staates. 



1) Bericlit Stanzers an den Kaiser; 2. Juli 16 14; „Ambraser Akten". Bei 
den Soldaten war er beliebt gewesen, weil er mit Geld nicht kargte; Darozzi 
und Berchet I, S. 203. 

2) Vgl. auch ebenda I, S. 287. 3) Naima S. 436 — 437. 

4) Bericht aus Konstantinopel 1617; „Ambraser Akten". 

5) Wenne r von Crails sh eim S. 67. — Persische Gefangene; ebenda S. 97. 

6) Wenner S. 66, 68 — 69, 77; Naima S. 443ff.; Hammer II, S. 848. 

7) Wenner S. 83. 

8) Naima S. 4456".; Hurmuzaki IV ', S. 349, Nr. cccLXXii. 



443 Drittes Buch. Erstes Kapitel. 

Schon nach drei Monaten, am 26. Februar 1618, miifste der 
Narr mit den grofsen Glotzaug'en in den Käfig, in dem er seine 
g-anze Jugend zugebracht hatte, zurückgeführt und darin ein- 
geschlossen werden, und ein Fetwah erhob Osman , den ehr- 
geizigen älteren Sohn Ahmeds, auf den väterlichen Thron ^). 

Während dieser Vorgänge überwinterte der Wesir Khalil in 
Diarbekr 2). Um sein Heer zu verstärken, wandte er sich, wie 
man bereits 1616 getan hatte '^j, an den Khan. In der Tat er- 
schien Dschanibek in Asien, und während eine andere Abteilung 
des Heeres unter dem neuen Beglerbeg von Batum in Georgien 
eindrang, raubten die Tataren in der Gegend von Nakschiwan '^). 
Im Frühling 1618 begab sich Khalil nach Tebriz, wo die Ver- 
handlungen weiter geführt wurden. Aber der Khan war zu un- 
geduldig, um deren Ergebnis abzuwarten; mit den Kontingenten 
von Diarbekr, Wan, Siwas, mit Abasa von Alep und den rumischen 
Spahis drang er in gröfster Eile bis nach Seraw, um den in Ar- 
debil weilenden