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Goethe-Jahrbuch. 



Herausgegeben 



Ludwig Geiger. 



Dreizehnter Band. 



Mit dem siebenten Jahresbericht 



Goethe-Gesellschaft. 




Frankfürt vm. 

Literarische Anstalt 

RüTTEN & LoENING. 
18^2. 



'20^6 
GG7 



)/7' 



Mit einer Silhouette der Barbara Schulthess 

UND einer Handzeichnung Goethes 

IN Lichtdruck. 






Druckerei von August Osterrieth in Frankfurt a. M. 



Vorwort. 




ereits zum siebenten Male hat der Herausgeber 
die angenehme Pflicht, in seinem Namen und 
gewiss im Namen aller Leser des Jahrbuches, 
Ihrer KönigUchen Hoheit der Frau Grossherzogin Sophie 
von Sachsen den ehrerbietigsten Dank dafür auszusprechen, 
<lass Sie die Gnade hatte, dem Jahrbuche wichtige und 
interessante Materiahen aus den in Ihrem Besitze be- 
findlichen Schätzen des Goethe- und Schiller-Archivs zu- 
zuwenden. Diesem Dank ist der an Seine Königliche 
Hoheit den Grossherzog Karl Alexander von Sachsen 
anzuschliessen, der die Erlaubniss zur Benutzung einer 
Handschrift und zur Reproduktion zweier Zeichnungen aus 
dem Goethe-National-Museum huldvoll gewährte. 

Die immer grössere Bedeutung, welche das Goethe- 
und Schiller-Archiv für unsere Studien erlangt, geht aus 
der Thatsache hervor, dass ausser in den eigentlichen 
Archiv-Mittheilungen werthvolle Stücke des Archivs auch 
sonst benutzt und veröffentUcht wurden. Dies gilt in 
erster Linie von den anatomischen Arbeiten Goethes in 
V. Bardelebens Aufsatz (S. 167 — 180 passim), sodann von 
den Gersdorffschen Briefen S. 99 ff. Aber auch an anderen 
Stellen durften die Schätze des Archivs verwerthet werden. 
(Vgl. S. 191. 212 Anm. 227. 228. 239.) 

Die Mittheilungen aus dem Goethe-National-Museum 
nehmen diesmal einen geringeren Umfang als sonst ein. 
Eine grössere Arbeit über das Haushaltungsbuch des Herrn 
Rath, die ursprünglich für diesen Band geplant war, musste 
für den nächsten zurückgelegt werden. 

Ueber den doppelten künstlerischen Schmuck, der 
diesem Bande beigegeben ist, braucht hier nichts Besonderes 
gesagt zu werden, da an den Stellen, zu denen die Bilder 
gehören (S. 161 und 96), das Nöthige bemerkt wurde. 



IV Vorwort. 

Ueber das Schmerzenskind des Jahrbuches, die Biblio- 
graphie seien einige Worte gestattet. Bei dem ungeheuren 
Anwachsen der Goethe-Litteratur muss die BibHographie 
immer mehr Umfang einnehmen^ trotzdem der Satz seit 
einigen Jahren noch compresser als früher ist und der 
Herausgeber sich in seinen Bemerkungen der äussersten Kürze 
befleissigt. Gleichwohl wird der für die Bibliographie zur 
Verfügung stehende Raum immer geringer. Während früher 
22 bis 24 Bogen wissenschaftlicher Text geliefert wurden, 
ist dieser in Folge der in den jüngsten Jahren bedeutend 
erhöhten Satz- und Druckpreise, die der Verlagshandlung 
eine derartige Ausdehnung des Goethe-Jahrbuches 
zur Unmöglichkeit machten, mit der Goethe- 
Gesellschaft contractiich auf 20 Druckbogen (exclus. 
Register) festgesetzt worden. 

Schon beim 12. Bande zeigte sich eine ähnliche 
Schwierigkeit. Ich suchte mir dadurch zu helfen, dass 
ich im Texte des Jahrbuches grossentheils nur die Titel 
anführte, die unverkürzte Bibliographie aber separat er- 
scheinen liess (vgl. unten S. 291). Da indessen diese Ver- 
öffentlichung keinen buchhändlerischen Erfolg erlangte, so 
war an eine Wiederholung dieses Versuchs nicht zu denken. 
Daher blieb nichts anders übrig, als die Bibliographie nur 
bruchstücksweise zu veröffentlichen. In Folge dessen 
erscheinen die Abschnitte D und E der zweiten Abtheilung, 
die gesammte dritte Abtheilung und der Anhang gar nicht; 
in der ganzen übrigen Bibliographie wurden die meisten 
referirenden Bemerkungen gestrichen. Diese Streichungen 
und Auslassungen betragen etwa drei Druckbogen, sie 
bedeuten die \^ernichtung einer während eines ganzen 
Jahres mit grosser Mühe und Zeitaufwand gemachten Arbeit. 
Ein andrer Ausweg bUeb mir als Herausgeber nicht 
übrig. Als solcher darf ich nicht, um Platz für meinen 
Antheil zu gewinnen, den Raum für den darstellenden und 
urkundlichen Theil des Jahrbuches übermässig beschränken. 
Eine derartige halbe Mittheilung soll aber in Zukunft 
vermieden werden. Entweder muss die Bibliographie 
vollständig oder sie darf gar nicht gegeben werden. Ein 
Ausweg muss hier gefunden werden, über den ich im Vor- 



Vorwort. V 

Worte des folgenden Bandes den Lesern nähere Mittheilung 
zu geben hoffe. 

Den Mitarbeitern des Goethe-Jahrbuches möchte ich 
auf diesem Wege mittheilen, dass der 15. Oktober der 
äusserste Termin für Einsendung ihrer Arbeiten bleibt. 
Da das Jahrbuch von nun an spätestens am 15. April 
erscheinen soll, die Prüfung des Materials seitens der von 
der Goethe-Gesellschaft bestellten Gommission eine gewisse 
Zeit in Anspruch nimmt, so kann ich später einlaufende 
Anerbietungen nicht mehr annehmen. Ich sage dies haupt- 
sächlich deswegen, weil durch solche verspätete Anfragen 
oder Einsendungen dem Jahrbuche werthvolle Beiträge 
verloren gehen. Es ist den Einsendern nicht zu verdenken, 
dass sie, statt anderthalb Jahre auf Veröffentlichung ihrer 
Aufsätze zu warten, andre Publikationsorgane autsuchen. 
Leider wird durch derartige Erfahrungen bei manchen 
Eachgenossen auch eine Empfindlichkeit hervorgerufen, 
die dem Jahrbuche manchen werthen Mitarbeiter entzogen 
hat. Wieviele direkte und indirekte Vorwürfe — denn es 
gibt gar Empfindliche, die sich nicht scheuen, ihre gegen 
mich gerichteten Klagen vor einem fremden Forum an- 
hängig zu machen — habe ich nicht schon hören müssen, 
die ihren Grund nicht in meiner Strenge oder Abweisungs- 
lust, sondern nur in Platzmangel und äusseren Umständen 
fanden, über die ich keine Herrschaft besitze. 

Ich möchte diese Bemerkungen nicht schliessen, ohne 
des am 30. November 1891 erfolgten Todes des Verlegers, 
des Herrn Heinrich Oswalt zu gedenken. Seit der Begrün- 
dung des Goethe-Jahrbuches interessirte er sich lebhaft für 
das Unternehmen; seit dem frühen Hinscheiden seines Mit- 
arbeiters, des Herrn Gottfried Loening, bis zu seiner eignen 
Erkrankung führte er ganz allein die Correspondenz mit 
dem Herausgeber und der Goethe-Gesellschaft ; auch 
während seiner Krankheit hörte er nicht auf, dem Jahrbuche 
liebevolle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sein edler Ge- 
schmack, seine vielseitigen Kenntnisse, sein hochherziger 
Sinn brachten dem Jahrbuche mannigfache Förderung. 
Sein Andenken bleibe in Ehren. 

Berlin, 3. März 1892. LUDWIG GEIGER. 

W. 62. Schaperstrasse 8. 




Inhalt. 



I. Neue Mittheilungen. Seite 

I. Mittheilungen aus dem Goethe- und Schüler-Archiv. 

1. Vorschlag zur Einführung der deutschen Sprache in Polen. 
Herausgegeben von Bernhard Suphan 3 

2. Siebzehn Briefe von Barbara Schulthess an Goethe, ein 
Brief Goethes an Barbara Schulthess. Beigefügt: Ein Brief 
von Georg Gessner (Bäbes Schwiegersohn) und zwei Briefe 
von Phil. Christoph Kayser an Goethe. Herausgegeben 

von Bernhard Suphax 10 

3. Zwei Briefe von Elisabeth v. Türckheim an Goethe und 
Goethes Antworten. Herausgegeben von Bernhard Suphan 30 

4. Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. Herausgegeben 

von Eduard von der Hellen 41 

5. Zwei Briefe von J. G. D. Arnold an Goethe. Heraus- 
gegeben von Ernst Martin 80 

6. Stackeiberg bei Goethe. 1829. Herausgegeben von Eduard 
VON DER Hellen 87 

Weitere Beiträge aus dem Goethe- und Schiller-Archiv 
finden sich in den Mittheilungen von Lily von Kretschman 
(S. 98) und in der Abhandlung von K. v. Bardeleben (S. 163). 

II. Mittheilungen aus dem Goethe-National-Museum. 
Goethes Reiseskizzen aus der Schweiz 1775. Besprochen von 

C. Ruland 94 

III. Verschiedenes. 

1. Briefwechsel zwischen Goethe und Minister von Gersdorff. 
Mit politischen Berichten des Letzteren. Mitgetheilt von 
Lily von Kretsch.man 98 

2. Mittheilungen von Zeitgenossen über Goethe. Vorangehen 
zwei Briefe Goethes (1798 und 18 18) und ein Brief der 
Frau Rath (1776). Mitgetheilt von E. Dümmler, H. From- 
mann, L. Geiger, L. Hirzel, O. Hoffmann, F. Lamey, 
Freiherr v. Meysenbug, E. Wolff 117 



Inhalt. VII 

II. Abhandlungen. ^"^'^'^ 

1. Bernhard Suphan, Goethe und Barbara Schulthess . . 149 

2. Karl von Bardeleben, Goethe als Anatom 165 

3. Otto Pniower, Goethes Faust und das hohe Lied . . 181 

4. Georg Ellinger, Goethe und Johannes Secundus . . . 199 

5. Rudolf Jung, Goethes Ausscheiden aus dem Frankfurter 
Bürgerverbande 211 

III. Miscellen, Chronik, BibHographie. 

1. Miscellen. 

A. Einzelnes zu Goethes Leben und Werken. 

1. Zu Faust. Von A. Bettelheim 225 

2. »Deutscher Parnass«. Von Richard M. Meyer . . 225 

3. »Der getreue Eckart«. Von Alexander Tille . . . 226 

4. Verse Goethes auf Friedricli den Grossen. Von 

G. von Loeper 227 

5. Zur Chronologie der Ballade: » Der Junggesell und 

der Mühlbach.« Von G. von Loeper 228 

6. Zur Elegie »Hermann und Dorothea«. Von Ludwig 
Frankel 228 

7. »Innere Form«. Von Richard M. Meyer .... 229 

8. Goethes Handzeichnungen im K. Kupferstichkabinet 

in Berlin. Von Jaro Springer 231 

9. Die Begegnung des schwedischen Grafen Trolle- 
Wachtmeister mit Goethe, 1804. Von Fritz Arnheim 257 

10. Goethe und Metternich. Von Lndwig Geiger . . 238 

11. Joh. Erasmus Senckenberg über den Rathsherrn 
Hermann Jakob Goethe. Von G. Schnapper-Arndt 239. 

12. Zu Goethes Stammbaum. Von Theodor Distel . . 241 

B. Nachträge und Berichtigungen 241 

2. Chronik. 

A. Nekrologe. 

Gustav von Loeper. Von Ludwig Geiger .... 243 

Gottfried Theodor Stichling. Von Bernhard Suphan . 246 

Friedrich Zarncke. Von Ernst Elster 248 

Kurze Todesanzeigen. 

Robert Boxberger 251 

Alexander Jachontow ...., 251 

Ferdinand Gregorovius 252 

B. Vermischte Nachrichten 252 

3. Bibliographie. 
I. Schriften. 

A. Weimarer Goethe-Ausgabe. 

Bericht der Redactoren und Herausgeber. . . . 259 



VIII Inhalt. 

B. Ungedi'ucktes. Seite 

1. Schriften und Gedichte 278 

2. Briefe 280 

3. Regesten 282 

4. Briefe. Litteratur, Autographen-Cataloge, Neue 
Ausgaben, Gespräche 284 

C. Gesammt-Ausgaben 288 

D. Hinzelschriften und Erläuterungen. 

1. Allgemeines. Bibliographisches. Sprachliches . 288 

2. Dramen 291 

3. Gedichte 301 

4. Prosaschriften 305 

E. Uebersetzungen 307 

II. Biographisches. 

A. Allgemeines 309 

B. Biographische Einzelheiten 3 10 

C. Goethes Eltern, Gattin, Sohn, Enkel 311 

D. Goethes Verhältniss zu seinen Vorgängern, Freunden 

und Nachfolgern ji-^ 

Register 321 



Siebenter Jahresbericht der Goethe-Gesellschaft. 
Mitglieder -Verzeichniss. 




i. Neue Mittheilungen. 



Go);the-Jahhbuch XIII. 



I. Mittheilungen aus dem Goethe- 
UND Schiller-Archiv. 



I. VORSCHLAG ZUR EINFÜHRUNG DER DEUTSCHEN 
SPRACHE IN POLEN.' 

Ein unbekannter publicistischer Versuch Goethes. 

Wenn man ein Land zu erobern gedenckt, so nimmt 
man keinen Anstand Truppen marschieren zu lassen, man 
ruckt in die Provinzen ein, verzehrt was man vor sich 
findet, verwüstet gelegentUch ein paar Dörfer und ver- 
brennt eine Stadt, ^ wie es Gebrauch und Nothdurft des 
Krieges mit sich bringt, und mehrere tausend Menschen 
kostet es das Leben ohne dass man deshalb viel Wesens 
macht. Ist aber' das Land in Besitz genommen und ge- 
hört"* nun, durch Uebereinkunft und Friedenschluss, dem 
neuen Fürsten, so glaubt man sogleich mitten im Frieden 
zu seyn und alles auf die gewöhnlichste Friedensweise 
behandeln zu können, obgleich ein innerer Krieg noch 
lange fortdauert, besonders wenn der eroberte Staat von 
dem erobernden an Sprache und Sitte verschieden ist. 



' Der Titel, von Eckermunn verfasst, auf dem ersten Blatte; 
darunter, gleichfalls von Eckermanns Hand : n Um eine höhere Qt/tiir der 
niedern Classen \u bewirken.« 

- Stadt und schont keine Menschen. 

5 bringt; ist aber (Das dazwischen Stehende gestrichen). 

^ gehört es 

I* 



4 Neue Mittheilungen. 



So hat man' in Schriften und auch neuerhch in dieser 
Zeitung^ die Frage aufgeworfen: auf welche Weise wohl 
der Polnischen Nation die deutsche Sprache einzuimpfen 
seyn möge? und sind' dabe}^ die Schwierigkeiten der 
Operation auf dem gewöhnlichen pädagogischen VVege'^ 
nicht verborgen geblieben. 

Wir wagten ' daher einen zwar nicht gewaltsamen, aber 
doch^ vielleicht seltsam scheinenden Vorschlag und bitten 
dabey zu bedenken dass, wie der Krieg, so auch der Friede 
seine ausserordentlichen Fälle habe^ und deshalb auch 
ausserordentliche Mittel nöthig sind. Also zur Sache ! 

Man errichte mehrere herumziehende Theater Gesell- 
schaften, in solcher Anzahl dass sie des Jahrs einigemal 
an jedem Hauptort ^ kurze Zeit spielen können. Es müsste 
ihnen durchaus untersagt seyn irgend eine Art von vor- 
handenem Schauspiel zu geben. Ihnen würde von höchster 
Behörde eine Sammlung Dialogen, oder wenn man will 
kleiner Stücke überliefert, auf welche sie sämtlich ver- 
pflichtet würden, diese wären in der Art geschrieben 
wie die Gespräche in den Grammatiken und enthielten 
alles was gewöhnlich im Leben jenes Volckes vorkommt, 
in reiner fliessender deutscher Sprache. Was die Imagi- 
nation, w^as die Leidenschaft anspricht, würde vermieden, 
alle sentimentale Aeusserungen und Zwecke nicht weniger.^ 
Nur die realen Aeusserungen der Sittlichkeit würden dar- 
gestellt und ausgesprochen. Man sähe die mittlere und 
geringe Klasse, von Morgen bis Abend, von der Kindheit 
bis zum Alter, in den gewöhnlichsten Zuständen, denen 
niemand ausweicht und mit Sorgfalt würden diejenigen 



' »Man hat«; zuerst verbessert »Daher hat man« 

^ auch in Zeitungen. 

3 mögte? und es sind 

■* Operation, wenn sie auf . . . Wege eingeleitet werden soll, 

> wagen 

6 gewaltsamen, doch 

" hat 

^ an bedeutenden Orten 

9 so wie alle sentimentale Gesinnungen und Zwecke. 



Vorschlag zur Eikführun'g der deutschen Sprache ix Polek. 5 

Ausdrücke, deren man sich im gemeinen Leben am öfter- 
sten bedient angebracht ' und nützUch gestelh. 

Wir haben bey dem Interesse das Famihenscenen auf 
dem deutschen Theater erregen schon die Erfahrung^ ge- 
macht, wie schon das beynahe gleich lautende des gemeinen 
Lebens, wenn es mit Sinn und Talent auf der Bühne dar- 
gestellt wird, ein grosses Interesse erregen könne. Ja 
wir lesen be}' Kämpfer* dass der Japanische Kaiser sich 
sehr unterhalten gefunden als ihm die Holländer ihre ge- 
wöhnlichen Reverenzen, Begegnungen und tägliche Hand- 
lungen vorgespielt. Wenn man nun dem ungebildetem 
Volcke, mit Erfindung und Geist, theils seine eigene Sitte 
und Unsitte, theils die gebildetere Sitte der herrschenden 
Nation darstellte, dergestalt dass die Handlung schon als 
Pantomime verständlich wäre und die Sprache sich nur als 
Complement hinzufügte, so würde schon manches ge- 
wonnen sevn. 

Eine Samlung solcher kleinen Dramen würde' alsdann 
gedruckt und zum Schulbuche gemacht und zwar derge- 
stalt dass Nahmen und alle Handlungen polnisch, der Dialog 
aber deutsch wäre, woraus ein sehr vielfacher Gebrauch 
entstände. Der polnische Theil des Buches würde zum 
Lesebuch in der Nationalsprache dienen, es sey nun für 
eingeborne oder deutsche Kinder, er würde für sie nichts 
todtes enthalten, sondern eine lebhafte Erinnerung dessen 
was sie gesehen, oder ein Verlangen nach dem was sie 
zu sehen wünschen aufregen; der deutsche Theil würde 
denn nun ganz eigentlich zum Entzweck dienen die näch- 
sten Sprachbedürfnisse zu befriedigen. 



* Engelbert Kämpfer 163 1 — 1716. The history of Japan togcther 
with a description of the kingdoni of Siam written in highdutch by 
E. Kämpfer and translated from bis original manuscript never before 
printed by J. G. Scheuchzer, London 1727. Deutsch erst 1777 her- 
ausgegeben von C. \V. Dohm. (Anmerkung des Herausgebers.) 

■ und alle diejenigen — bedient, würden mit Sorgfalt angebracht 

- Wir haben an den Famihenscenen auf dem deutschen Theater 
die Erfahrung gemacht (»auf« über gestrichenem «bey«, das wohl 
nur verhört war. 

5 »würde« über gestrichenem »wird« (Hörfehler). 



Neue Mittheilungex. 



Bey Composition solcher Dialogen hätte man sich 
eben [so sehr] für Frechheit und Leichfertigkeit als' für 
Pedanterie zu hüten. Die äussere Achtung welche Kinder 
ihren Eltern, Untergebene ihren Vorgesetzten zu beweisen 
haben, wäre mit Gebärden und Worten auszudrücken, die 
Folgen von Reinlichkeit und Unreinlichkeit, von Nach- 
lässigkeit oder Aufmerksamkeit, von Nüchternheit und 
Trunckenheit,wäre|n] mit Maas und Sinn darzustellen. Auch 
was man auf Kleidung und äusseres^ Betragen wirken 
wollte mit in Betracht zu ziehen, da sich ja, in so manchen' 
ausgebildeten Staaten, Mode sowohl als Betragen von dem 
Theater herab mit Schnelligkeit ausbreiten. 

Es Hessen sich dergleichen Stücke auf mancherley 
Weise variiren und beleben. Man fingire ' z. B. einen 
Fohlen von geringem Stande, der aber gedient hat und 
neben einem guten äusserlichen Betragen auch deutsch 
kann. Man bringe' ihn in Situationen wo er sich und 
andern durch diese Sprachkenntniss wichtige Dienste leistet 
und so ist ein auffallendes Beyspiel dargestellt. Was er 
mit sich selbst, oder zu den Zuschauern sagte^ könnte 
polnisch sein, der übrige Dialog deutsch. 

Es gibt geistreiche Männer gewiss" in jenen Staaten, 
denen die Erfindung und Ausführung solcher Arbeit 
nicht schwer fallen^ müsste. 

Hätte man solche Dialogen, wie es ohnehin mit jeder 
Grammatik geschieht, der Jugend in die Hände gegeben, 
so würde vielleicht bald daraus folgen dass die Schulkinder 
geneigt wären die Stücke selbst aufzuführen'^ wodurch ein 
grosser Gewinn sowohl für äusseres Betragen als für die 



' sicli lur Frechheit . . so sehr als (Beim Dictat muss nach deni 
gestrichenen «als« das »so sehr« überhört sein). 

^ sonstiges äusseres 

3 manigfahig 

■* sähe (Statt fingire steht geschrieben »find hiero«) 

5 brächte ^ spräche 

' gewiss geistreiche Männer 

s Arbeit gehngen 

9 »die Handlungen selbst vorzustellen« über gestrichenem »aus- 
zuführen« 



Vorschlag zur Einführung der deutschen Sprache in Polen. 7 

Sprache zu hoffen wäre. Haben nicht' die Jesuiten, die 
gewiss wussten wie man Menschen behandeln muss/ das 
Schauspiel mit in den Plan ihrer Erziehung aufgenommen, 
verschmäht die neuere Pädagogik keines Wegs die Ein- 
wirkung dramatischer Darstellung, haben wir Deutsche für 
Kinder eigens eingerichtete kleine Stücke, ist' durch das 
Sprüchwortspiel nicht^ unsre Societät nicht immer' zum 
Dramatisiren aufgerufen, haben Sprüchwörter nicht den 
Franzosen Gelegenheit zu den anmuthigsten^ Scherzen 
gegeben, mag man in grossen und kleinen Städten, selbst 
neben wohl eingerichteten öffentlichen Bühnen, sich auf 
Privattheatern immer üben und zeigen; warum sollte man 
einen so wirksamen Hebel nicht auch da^ gebrauchen 
wo er, und vielleicht allein, so viel in kurzer Zeit zu 
würcken im Stande ist. Ereilich zeigt sich so bald man 
die Ausführung überdenckt manche Schwierigkeit; aber 
ist nicht eben Schwierigkeiten zu heben das Lebensgeschätt 
des Staats- und Weltbürgers. Entsetzt sich unsre Zeit vor 
neuen Einrichtungen und Organisationen ? und ward der 
nicht vorzüglich geschätzt der das Unmöglich scheinende 
möglich zu machen weiss. ^ Man erinnere sich unsres 
vom Kriege hergenommenen Gleichnisses ! dort fragt 
man nicht was fällt'' und zu Grunde geht.'° 

Will man aber auch unserm Vorschlag alle Ausführ- 
barkeit absprechen; so betrachte man ihn auch als Gleich- 
niss, das weiter deuten und zu tieferm" Nachdencken 



^ »nicht« gestrichen; darüber ein ebenfalls gestrichenes »doch«. 
Der Vordersatz hat beim Dictiren die Form der rhetorischen Frage 
erhalten sollen, wobei die Negationen sich unbequem häuften. 

^ zu behandeln hat, 

5 wird 

•< »nicht« gestrichen, 
j Societät öfter 

6 zu anmuthigen 

7 auch zweckmässig da 

^ »Entsetzt — weiss«, am Rande nachgetragen. 

9 ■was bey den grössten Anstrengungen fällt 
'° geht, sondern was erlangt wird. 
" fernerem 



8 Neue Mittheilungen. 

Anlass geben mag, wie die Kunst, wenn sie erst in ihrer 
Tiefe, Fülle und Gewandheit bestünde und anerkannt 
würde, sich willig und geistreich zu grossen und heiligen ' 
Zwecken hergeben könnte und dabey für sich zugleich 
unendlich gewinnen niüsste. 



1. Als deutscher Culturkämpfer im wahren Sinne des 
Wortes, das heisst als Vorkämpfer für vaterländische Sprache 
und Sitte und deren Verbreitung zeigt sich unser Goethe 
hier seinen Verehrern und Freunden von einer neuen Seite. 
Es mag ein jeder sich fragen, ob er wohl, gesetzt dass die 
Abhandlung ihm in einer Zeitung anonym begegnet wäre, 
den Meister erkannt hätte? erkannt wenigstens bei dem voll- 
tönigen Schlusssatz an jenem praktischen Idealismus, der 
hier sich am vernehmlichsten als die Seele des kleinen, be- 
deutungsvollen Werkes offenbart. Wie ein Gruss Goethes 
selbst waren diese herrlichen Worte in den Glückwunsch 
verflochten, den die Goethe-Gesellschaft im vorigen Juni 
dem Weimarischen Hoftheater zur Feier seines hundertjährigen 
Bestehens darbrachte. Dem Andenken dieser schönen Feier 
widmet die Gesellschaft den sechsten Theil ihrer Schriften ; 
im gleichen Sinne eröffnet sich nun der vorliegende Band 
ihres Jahrbuches mit der zu rechter Stunde unter den Schätzen 
des Goethe-Archivs gefundenen Abhandlung. 

2. Wann ist dieser merkwürdige Essay entstanden? Die 
Antwort hierauf wird der glückliche Finder der Zeitung geben, 
durch welche jener hervorgerufen ist. Ich kann hier zunächst 
nur sagen: höchst wahrscheinlich in den neunziger Jahren 
und schwerlich vor der zweiten Theilung von Polen. Also 
ehestens 1793 — 95; denn von 1796 an würden wir wohl 
einen Ausweis in den Tagebüchern finden. Die äusseren 
Umstände der Herstellung führen uns vor der Hand nicht 
weiter, sie können aber auf die Spur leiten und mittelbar 
zur Entdeckung verhelfen, ich theile sie deshalb ausführlich 
mit. 

3. Der Aufsatz ist dictirt, die Niederschrift von der unbe- 
holfenen Hand eines Unbekannten ausgeführt. Goethe hat 
sie durchcorrigirt und mit eigenhändigen kürzeren und 
längeren Zusätzen versehen. Der Concipient war von dem 
Schlage der hartöhrigen Subalternen, die, wenn Goethe gesagt 
hatte »dieses Epos«, zu Papier brachten ;)die Seepost«, die 
ihm aus »vorvorzeitlichen« »vorpolizeiliche« Zustände machten, 



' grossen und würdigen äusseren 



Vorschlag zur Einführung der deutschen Sprache in Polen. 9 

und wenn er »im Sessel gedämmert hatte«, schriftlich beur- 
kundeten, er habe »entsetzlich gedämmert'-. Ja unser Mann 
ist ein noch schlimmerer Musikant. Er hat es fertig gebracht, 
dass Goethe am nächsten Tage (oder sobald er die Durch- 
sicht vornahm) selbst nicht mehr wusste, was er gesagt hatte : 
so dass heute nur ein gltlcklicher Einfall zu dem verhilft, 
was Er hat sagen wollen. »Man find hiero!« (6'*). Man 
erräth es kaum, was hinter dieser grausamen Kanzleiformel 
steckt. Goethe sprach, indem er, als ein guter Recitator, 
das Wort voll ausklingen Hess und beim Endvocal die 
Stimme hob : »Man fingire !« Er hat sich aber durch das 
»find« nachher irre machen lassen, und eigenhändig corrigirt : 
»Man sähe.'' — Thiaaogen (Dialogen) varigiren (variiren) 
u. dergl. m. So ungefüge hat auch Paul Götze, weiland 
Goethe's »Schildknappe«' in seinen Anfängen (1790 — 92) 
geschrieben, an unserem Aufsatz aber ist seine biedere Rechte 
nicht betheiligt. Diesen denken wir uns entstanden auf 
irgend einer auswärtigen Station, wo die gewohnte Schreib - 
hülfe nicht zur Hand war. Den köstlichen Schluss, die acht 
Zeilen »wie die Kunst u. f« hat Er, auf der letzten Seite 
oben, mitten in der Periode einsetzend, selbst geschrieben, 
als ob ihm der Nothgehülfe nicht gut genug gewesen, die 
Worte aufzuzeichnen. 

4. Inhalt und Geist interessirt bei dieser Gelegenheits- 
schrift mehr als die endgültige Form. Ich bin deshalb 
einmal bei der Constitution des Textes von dem lieblichen 
abgegangen und habe die Sätze oben in der ersten Form 
gegeben, wie sie Goethes Munde entflossen sind, seine 
Correcturen aber sowie die Zusätzchen unter dem Texte 
beigebracht. Nur einen raehrzeiligen Randzusatz gegen Ende, 
der bei der ersten Durchsicht, also gleichzeitig mit jenen 
Correcturen und, wie diese, mit rother Tinte angebracht ist, 
habe ich gleich oben in den Text eingefügt. (7*) In der 
Ausgabe von Goethes Werken wird selbstverständlich die 
letztwillige Form den Haupttext bilden. 

Bernhard Suphan. 



' Schriften der Goethe-Gesellschaft 4, 364 zu Nr. 7 und die im 
Register S. 406 zu Götzes Namen nachgewiesenen Stellen. Goethes 
Werke, Dritte Abtheilung (Tagebücher) 2, 13 fgg. 34 fgg. mit der 
Bemerkung S. 324 fgg. 336. Goethe-Jahrbuch XI, 64. 



"^W^ 



10 Neue Mittheilungen. 



2. SIEBZEHN BRIEFE VON BARBARA SCHULTHESS 

AN GOETHE, 

EIN BRIEF GOETHES AN BARBARA SCHULTHESS. 

Beigefügt: Ein Brief von Georg Gessner (Bäbe's Schwiegersohn) 

UND ZWEI Briefe von Phil. Christoph Kayser am Goethe. 
(Vgl. die Abhandlung »Goethe und Barbara Schulthess.«) 

I. 

So lange vernahm ich kein wort von dir — du kannst 
denken wie mich nun um so viel mehr interessirt, auch 
nur einen laut zu vernehmen — wie oft wünschte ich 
mir auch nur einen halben Tag neben dir — wer kann 
das wünschen lassen . . . 

izt eine bitte — 

ob du nicht vor Kayser bey deinen Freunden in 
Frankfort das mögliche thun wolltest, ihm auf die vacante 
Capellmeister Stelle zu verhelfen auf die ihn sein Vater 
schon lange aufmerksam machte — seine geschwister die 
unversorgten baten Ihn sich dahin zu melden — Er that 
es nun — und es zeigen sich Schwierigkeiten — die ich 
Ihn aut diess blätchen das beyliegt schreiben Hess, um sie 
dir deutlicher vorzulegen, als ich bey der unbekanntheit 
der Sache dir hätte sagen können — ich weiss nicht 
warum er dir diess nicht selbst schrieb — und ob er 
glaubt das durch meine Hand die bitte vermögender sey — 
ich will dich wenigstens gerne bitten dein mögliches zu 
thun — dann diese auskonft scheint nun wirklich die 
einzige Rettung seiner Existenz zu seyn — — und ich 
denke du entziehest deine Hand zu dem vernünftigen 
Entschluss nicht — es wäre ja ein Unglück wann er zu 
Späth genommen worden wäre — — in eine concurenz 
möchte er freylich nicht kommen — er jammert uns — 
auch der Riss in meinem Haus hat tief auf ihn gewirkt — 



Meiner Bäben Kind, ist eine quelle der Freuden in 
unsrer Mitte, es ist so gesund als nur ein Kind seyn 
knnr: und verspricht überall viel — auch sein äusserliches 



Siebzehn Briefe von Barbara Schulthess an Goethe u. s. w. i i 



ist anmuth und Lieblichkeit — wie manche Thräne der 
wehmuth, und der freude fiel schon nieder auf den holden 
Engel — 

Lebe wohl — sage mir doch bald auch nur Ein wort 

von dir — den 17 9^' 92 

Seh. 

Meyers Apoll steht nun schon einige Zeit bev mir — 
welch ein oft wohlthuender anblick — unser kleines 
Bäbeli führt ganze gespräche in höchster Verwunderung 
mit dieser grossen Vorstellung — und mir ist Lieber — 
als ob ein Schleier über all die Sachen hinunter gefallen 
wäre, mit den zwey sich geschlossnen Augen. — 

Du wirst es wohl schon wissen dass Willemers Frau 
auch in dem Kindbet gestorben ist — 

Beilage: Philipp Christoph Kayser an Goethe. 
(Vergl. Nr. 20.) 

Der Movent, Herr Synd. Seeger in Frft am Mayn, 
ein Tübinger, der sich in Kaysers persönUcher Vorstellung 
an ihn auf Bekanntschaft mit dem Herrn G. R. Goethe 
berief; übrigens ein Freund Willemers, und beyde grosse 
Begünstiger des neuen Nationaltheaters, dessen Musik- 
director, Kunzen, Synd. Seeger auch zum Capellmeister 
an die Kirchen in Vorschlag bringt, und die übrigen 
Glieder der Capelle, wie eins abgeht, mit Gliedern des 
Schauspielorchesters in nicht grössern Kosten des ge- 
meinen Wesens besetzen will. 



Z: den 27. Mz [?] :93. ' 
So lange ist es schon dass ich dein Brief vom Jenner 
her habe mein Lieber! — Ein paar Tage sehens sollten 

die Tag . . ^ ausfüllen am hebsten die bey Jacobi ! 

so dachtest du freylich nicht, einmahl auf den Weg nach 
Paris zu kommen ! ich gönne dir's herzlich dass du zurük 
bist . . aber ja die Eindrüke der traurigen geschichten — 
die dabey immer trauriger werden, müssen schreklich seyn. 
Die Menschheit giebt fürchterliche Proben von Unmensch- 
lichkeiten — indem sie die schönsten fahnen aufstekt. 



' Die Monatsangübe ist nicht zu entziflern. ^ Noten [?] 



12 NliUE MiTTHEILUNGEK. 



Hotz schrieb mir gestern » » der Zwek ist gross und 
»gut, Rettung der Menschheit — die Mittel sind Nothwehr 
»gegen Tirannen » « So spricht die Schaar der aufge- 
»klärten — Es geht hierin wie mit VerHebtheit — Man 
»sieht die herrhche einzige Sonne — und wird durchs 
»wonnigliche Beschauen so erleuchtet, dass man nichts 
»für unmöglicher hält als dass sie fleken habe — 

»ach! der Paradiesapfel den die Schlange anbietet 
»freyheit, gleichheit, fürsten und göttern gleich werden, 
»scheint so schön in's aug — und da beissen an alle 
»Ruhm und Rachsüchtige, alle eitele und Ehrgeizige, alle 
»Missvergnügte und unzufriedne — alle die sich hintange- 
»setzt und verkürzt oder gedrükt glauben, alle Müssig- 
»gänger und alle Lumpen — — und wer giebt mir eine 
»Zahl die diese Legionen ausspricht ...» 



Die meinen sind wohl — der Bäbe Kind ist wie ein 
wohlthätiger Engel unter uns — so gesund und munter 
schön und Lieblich — o wie manche Thräne der weh- 
muth fällt auf das holde Kind — wie manche troknct 
sein holdes Lächeln — seine aufwachende entgegen- 
kommende freundlichkeit — adieu Lieber — hielten mich 
meine Kinder nicht noch fest an diesem Leben ich sehnte 
mich oft sehr hinüber — 

schreib mir auch bald wieder — sonst kommen wir 

ganz aus einander. Mögest du dich immer der deinen 

freuen. 

Seh. 

3- 

Lieber ! 

du hast mich mit deiner Sendung überrascht — ich 
wäre bald gewohnt nichts mehr von dir selbst zu sehen, 
und zu hören — und wusste nicht ob ich dich im 
feld oder in der friedlichen Hütte denken musste — bis 
mir Fernow der dich gesehen, sagte du seyest wieder in 
Weimar, 8 Tage eh ich dein Brief empfieng . . . ich gönne 
dir sehr das wieder zu Hause seyn — und du hast recht 
zu sagen »wer mag nur zum Fenster hinaus sehen« — 



Siebzehn Briefe von Barbara Schulthess an Goethe u. s. \v. 13 



die empörendsten Nachrichten kommen einem überall 
entgegen — wüthende Raserey ist der einzige Stempel 
der Dinge die geschehen — die unter dem Titel von auf- 
klärung erst, und dann fortschreitend mit den Namen der 
Freyheit u. s. w, sich fest zu setzen suchte — 

hätte man sie nur in Ihrem Lande lassen Ihren Thurm 
bauen — da die Vereinigung gegen sie — die keine ist 
' — nur so viel unschuldig Blut kostet . . . 

Verzeihe mir Lieber! ich will nun nichts weiter sagen 

— — ich danke dir vor dein Stük und die Bläter, die 
neue Einrichtung der Monate lohnt sich nicht der Mühe 

es bleibt ja doch Sommer und winter frühling und 

herbst — lang und Kurze Tage wie vor altem Herr 

Schnaps sollte auch da noch darhinter gehen und Re- 
formiren. 

Lieber — ich sitze neben meinem schlafenden Engel 

— und es ist Sünde sich von diesem weg nach solchen 
dingen zu wenden . . . hier ist eine weit und ein Himmel 
der Seeligkeit in die Seele ausgiesst! wer nur werden 
könnte wie ein solches — und dann Heim gehen ! ! 

Es ist nicht recht dass du nicht gekommen bist diesen 
Sommer, wir waren den ganzen Sommer auf dem Land 

— und ich glaube es wäre dir wohl gewesen bey uns — 
warum kämest du denn nicht!? 

Du wärest mir nur 4 Neue Thlr [schuldig] und 
sendest 5 — soll ich dir vor den übrigen Rechnung halten 

— oder ihn verschenken einem armen Emigrirten . . oder 
geplünderten. — 

Dann bitte ich dich mir das blätchen von Kaysers 
band um die 6 . . ' [?] an Lavater zurük zu senden — die 
Sache kann nun berichtigt werden — und das blat wird 
von mir gefordert — hilf mir zur Ordnung — 

Du versprichst mir bald wieder und mehr zu schreiben 

— sey brav und thue es — und behalte Lieb — die dich 
lieb hält — 

Z. den 29 X. 93. Seh: 



' Unleserliche Abkürzung. «Laubthaler«? 



14 Neue Mittheilungen. 



unser Bäbeli ist ein gesundes Kind, so stark an Körper 
als nur seine jähre mit sich bringen — und wie ich meine 
— gescheuter als viel andre . . . 

Döde empfiehlt sich — und hätte sich und denen 
Sie wohl will gar zu sehr dein herkommen gewünscht . . 

4- 

Schon so lange mein Lieber liegt dein Blat und der 
zweyte Band deiner Schriften in meiner Hand, und ich 
sagte dir noch nichts — dankte dir nicht! — 

ach! mein Lieber! das Schicksaal liegt wieder schwer 
auf mir! und viele wunden zerreissen diess arme Hertz ! 
ich habe wieder eine meiner töchter in die Erde ver- 
•senken sehen — Lise — die gesundeste — munterste — 
die ich am ruhigsten einst zurückgelassen hätte — mit 
Ihr trat immer Freude und Leben in unsre Mitte — Sie 
war Krank, da Schlosser mit seiner Frau hier war — und 
schien sich aber in den Tagen ganz zu erhohlen — war 
wieder ausser dem Bette und Ihre munterkeit Hess uns 
über die spuren des üblen aussehens und ungewohnter 
Schwäche hinsehen — so wandelte sie einige Tage als 
genesend scheinende umher — bis Sie sich wieder legte — 
an heftigen Schmertzen in Eingeweiden 3 Tage entsetzlich 
Litte — und dahin schied — die letzten Stunden waren 
noch wie Ihr Leben — ein leichtes hingehen — Sie 
schied so tröstend wie möglich — aber — fühle das 
Herz der Mutter, der Schwestern — Döden war be- 
sonders sehr mitgenommen — und macht mir viel 
Kummer — 

So geht es Lieber auf dieser Erde ~ und so sehnt 
man sich auch hinaus oft ist mir nun dass ich nicht 
weiss ob ich wünschen möchte auch die übrigen voraus- 
schiken zu können — 

Der kleine Engel den Bäben uns zurükliess ist 
ein freudenquellchen dem man sich ja nicht ver- 
schliessen kann — aber wie es durch die Seele dringt 
wan's fragt »wo ist auch das liebe liebe Lisli — ■« das 
spricht sich nicht aus — 



Siebzehn Briefe von Barbara Schulthess an Goethe u.s. w . 15 

ich bin zur Erhohlung mit den meinen hier auf dem 
Land — es ist 5 Stunden von der Stadt in den Bergen 
gegen Einsiedehi — so ganz abgeschieden — auf alle 
weise uns erwünscht . . . aussichten die ich dir möchte 
hinzeichnen können — wild und schauerHch — und andre 
heer und Schön — Ein Hirten Volk hat uns aufgenommen 
ich möchte nur bleiben können . . . 

könntest du uns nur besuchen. 

ich höhre Lips sey in Zürich — noch seh ich Ihn 
nicht — 

adieu Lieber — wir sprachen viel von dir — die 
Schlosserin und ich ärgerten uns besonders an deinem 
Betragen gegen deine abwesenden Freunde . . . bessere 
dich - ' ^ 
und Lebe wohl. 
Hütten den 10 äugst 94. 
Hotz erwartet täglich seine Tochter von 
Ffurt mit ihrem Kind ! Seh. 

5- 

So lange schon wollte ich dir schreiben mein Lieber ! 
und ich weiss nicht warum es immer aufgeschoben blieb, 
ein wort von dir, macht mich dann gleich die feder 
ergreiffen, und den glauben leichter — 'dass dir auch eins 
von mir nicht unwillkommen sey — 

Schon sint dem august hebe ich dir einen lieben gruss 
auf . . da sähe ich zum ersten mahle die Eise Türk- 
heim — und genoss ein paar schöne stille Stunden mit 
Ihr — so fühlte ich mich wohl noch kaum mit jemandem 
gleich zu Hause wie mit Ihr — 

ach ! aber Sie ist durch Leiden und Schicksaale 
Körperlich sehr mitgenommen — aber desto erhöhter 
Ihr Muth — desto fester die Kraft Ihrer Seele — 

Es that mir sehr wohl auch von dir mit Ihr zu 
sprechen — sie sagte: 

»ich lass Ihn grüssen, und freue mich bevm andenken 
»an Ihn das Reine Bild dass Er durch Sein betragen gegen 
»mich in meine Seele gelegt darinn zu wahren, und werde 
»es durch nichts dass mir gesagt werden mag verwischen 
»lassen ! « 



l6 Neue Mittheilungen. 

Sie war lange in Erlang mit ihrer Familie, der Mann 
gieng früher zurük — und Sie folgte nun auch wieder mit 
Ihren holden Kindern — wie's Ihr nun wohl weiter er- 
gehen mag ? — und doch wann eine Sterbliche von guten 
Geistern bewacht und hindurchgeführt wird so ist's 
diese ... es war mir so wohl neben Ihr als wann ich in 
deiner Iphigenia lese — — so wohl und so wehmüthig 

als wann ich mir eine Stelle in Werthern aufschlage 

so wohl von dir mit Ihr zu sprechen ! 

Dank Lieber vor deine Sendung — das lezte Buch 
deines W: brachte viele Erinnerungen in meine Seele . . . 
viele Erinnerungen von einer Seele die ich so hoch ehrte, 
so innig liebte — ohne ganz Ihren weg zu gehen . . . 
ich hoffe das Buch sey auch nicht ohne Wirkung auf 
unsern Freund vor den uns oft bange zu werden be- 
ginnt. 

Du willt wieder nach Italien — ich wünsche dir glück 
mein Lieber — du hast ein schönes Vorhaben — lass es 
nicht zu gründe gehen — aber ja dass wir uns sehen ! — 

Meine Kinder sind sehr wohl — und das 3jährige 
Bäbeli unsrer Bäben ist unser aller Trost und freude — 
der geist seiner Mutter lebt in Ihr — 

auch meine schöne Niece lebt wieder neu auf seit 

Pfefers — sie lebt izt wieder im väterlichen Hause 

mit Ihrem Kind — und hat auf eine Kluge Stille weise 
den Mann vom Halse geschaft — 

so wüstest du nun wieder einiges von mir — sage mir 
bald wieder etwas von dir — dein brief war so kurz — 
und sagte nichts von den Deinen. 

Lebe wohl — und lass mich dir lieb bleiben, 
den 27 X. 95 Seh: 

6. 

So lange höhrt und sähe ich nichts von dir — ich 
feyre heut wieder einen 19 9^' der dich im Jahr 79 zu mir 
brachte — er fällt just wie damals auf einen Samstag — 
wie lange sint dem und nur Einmahl sah ich dich in der 
Zwischenzeit — es thut mir wohl an meinem Herzen zu 



Siebzehn Briefe von Barbara Schulthess an Goethe u. s. \v. 17 

fühlen dass ich dich mit den gleichen gefühlen heut vor 
mir sehen würde wie vor den vielen Jahren — mit den 
gleichen dich verlassen würde wie in C — — und lass 
mich hoffen dass auch du der gleiche seyest — dass ich 
in dir den gleichen finden würde — lass mir in meinen 
gefühlen den Beweiss der deinen finden ... o es ist so 
wohlthuend in all den Veränderlichkeiten dieses Dasevns 
etwas unveränderliches zu wissen und zu besitzen. 

$age mir bald ein wort von dir — von den deinen — 

mich verlangt sehr nach Wilhelm — 

Meine Niece macht mich sehr Leiden — mit ihrem 
viel leidenden Körper — Sie ist so hinwelkend die himmels- 
schöne Rose — 

behalte mich lieb und lass mich's wissen, 
den 19 9^' 96. 

Seh. 

Die meinen sind wohl — und das Kind meiner Bäben 
nun ^A jähr alt blühet lieblich auf. 

7. 
[Zürich, 19 Sept. 97 Abends] 
Lieber — Soll ich dir nicht gestehen, dass eine ge- 
wisse Missstimmtheit die ich kaum bey deinem daseyn 
bemerkte erst da du fort wärest tiefer fühlte, mich sehr 
betrübt — der Himmel ist so schön — die Natur nur 
wohlthuend und wir sind Schuld da-ss uns der Tag trüb 
seyn soll — 

und in der Stimmung dich wieder weiter gehen lassen 
v.nllt du das auf mich legen? — und nicht noch eine Stunde 
den Morgen kommen — dass wir mit andern Gefühlen 
uns Lebe wohl sagen ? — ich kann mir's nicht denken — 

Seh. 

8. 
[Zürich, den 20 Sept. 97 Abends.] 
Lieber — So vermögen auch wir — auch du nichts 
gegen das Schicksaal dann du hättest^ doch kommen 



' Constanz. 

^ Statt »dann du hättest« zuerst »du hättest aber« 

Gülthe-Jahrevch XIII. 



iS Neue Mittheiluxgek. 



sollen — ich danke dir noch vor dein heutiges — meine 
Seele ist vielfach verwundet! — 

ich freue mich in mir zu fühlen dass ich mir immer 
gleich bleiben werde — — du musst etwas von mir mit 
dir haben — ich weiss dir nichts bessres zu geben als 
dich selbst — bewahre mir den Schaz -- und sende mir 
Ihn bald wieder — Lebe wohl — 

ach — heut am fenster gegen dem See hättest du die 
beleuchtung sehen sollen — du wärest so nahe — und 
nicht da — ich werde dich abfahren sehen — Lebe wohl — 

9- 

Sonntag abend, 
ich sitze da Mein Lieber in dern Zimmerchen da du 
wärest, und läse wieder einmahl deine zwe}' Briefe — 
ich kann mich nie bereden dass Euer geschlecht sich einen 
wahren begriff von den gefühlen eines weiblichen Herzens 
machen kann — und darum kannst du dir wohl nicht 
vorstellen wie mir war beym gedanken dieses Nahe ferne 
se3'ns der paar Tage — ich kann es auch nur darum 
begreiffen dass du ohne wieder zu kommen hast können 
fortgehen — 

was besorgtest du ? sollte ein verhältniss wie das unsre 
das so schön so rein ist — so viel Einziges hat zu gründe 
gehen können — ich fühl es in mir unmöglich ! soll ich 
an dir zweifeln? Nein alles in dieser alles zu gründe 
richtenden weit • — aber das nicht — 

lass uns lieber alles was war einander zu sagen haben 
frey und offen sagen — die Liebe wird nicht beleidigen 
die Liebe wird duldsam seyn — 
so weit diesen abend. 

Der Himmel ist überzogen, ich freue mich sehr 
wanns hell ist — freute mich besonders gestern des 
schönen abends und hätte mögen mit dir am See stehen 
die glühenden Schneegebürge sehen. 

C [Montag] den 25 7^' 97 
umsonst hoffte ich heute ein wort von dir — diess blätchen 
soll doch in deine Hand kommen — Lebe wohl — sage 
mir bald ein wort und behalte mich Lieb — Seh. 



SiEBZEHK Briefe von Barbara Schclthess ax Goethe v. s. \v. 19 

10. 
Goethe an ßarham Schulthess. 
[Concept]' [Stäfa, den 27. September 1797] 

Du hast wohl recht es kann niemand wissen wie 
eigentUch dem andern zu Muthe sey, wenn aber gleich, 
und dafür sey der bildenden Natur gedankt, kein Fenster- 
chen unsere Brust wider unsern Willen durchsichtig macht, 
so sind doch die Worte dem Menschen gegeben, dass er, 
wem" er vertraut, zu seiner eignen Zufriedenheit und mit 
Genuss sich offenbaren kann. Wir waren ' zu karg, ein 
paar hundert Worte mehr hätten uns beyden drey Wochen 
ÜnbehagÜchkeit erspart, da sie uns eben so lange Zeit 
ein entschiedenes Vergnügen hätten verschaff"en'^ können. 
Alles ist mir bisher über meine Wünsche geglückt, ausser 
das, was ich so lebhaft wünschte : mich mit dir gleich, 
und unmittelbar auf dem alten Flecke wieder zu iinden. 
Vor der Hälfte Octobers werde ich kaum nach Zürch 
zurück kommen und erwarte manche gute und besondere 
Stunde von meiner^ Bergreise. Meyern habe ich gefunden 
wie einen Steuermann, der aus Ophyr zurückkehrt, es 
ist eine herrliche Empfindung mit einer so bedeutenden 
Natur*', nach einerley Schätzen zu streben und sie nach 
einerlev Sinn zu bewahren und zu" verarbeiten. Hätte 
ich doch auch M. L.^ die Ueberzeugung mitnehmen 
können dass wir uns beyde noch in demselben Fall 
befinden. Prüfe du diese Zweifel indessen an meiner 
letzten Arbeit, wovon ich dir die erste Hälfte überschickte. 
Ich habe da hinein, so wie immer, den ganzen lautenden 
Ertrag meines Daseyns verwendet. Sollte dieses Gedicht 



' Dictat, von Geist geschrieben, mit eigenhändigen Correcturen 
Goethes. 

' «wenn« [verschrieben] eigenhändig über gestrichenem «denen, 
denen« 

3 nach «waren« gestrichen »hierinn« 

■* eigenhändig über gestrichenem «gewähren« 

5 nach «meiner« gestrichen «bevorstehenden« 

6 eigenhändig über gestr. »Figur« 

' »bewahren und zu« eigenhändig über der Zeile eingefügt. 
* »M. L.« d. i. »Meine Liebe« eioenhändio; über der Zeile. 



20 Neue Mittheilungex. 

ein Mittler zwischen uns werden, so würde mich seine 
Existenz um so mehr freuen. Lebe wohl und sey bey 
Regen und Sonnenschein, in den nächsten Wochen meiner 
eingedenk, der' mich entweder in den Hütten festhalten 
oder auf den Bergen erfreuen wird. 

II. 

Kur auf ein paar augenblicke verlass ich ein geschäft 
dass mich fest hält, Dir zu danken dein blatt — 

lass mich von deiner Reise her von dir hörej^n] — 

und du höre die Stimme das gefühl dass im ersten 
Momente so v,'ahr zu dir sprach über das wesen deiner 
Freundin die verlohrnen 3 wochen lagen an dem Tag 
deines Nichtkommens — es ist nun geschehen, aber mir 
ist aufs neue — es sollte zwischen uns weder Fensterchen 
noch Worte bedürfen sich zu erkennen — 

ich bitte dich sage mir von deiner Reise her was du 
kannst — und wann du kannst, lass mich nälier wissen 

wann du wiederkommst könnten wir uns nur in 

Schloss Wädenschweil sehen wo ich eine freundin habe — 

Lebe wohl — dein büchlein macht mir freude — 

mir fällt eben bey — dass mein dank vor den letzten 
Th. Wilhelm dir mit dem Schinz der dich nun verfehlt 
dir zu kommen sollte — 

Verzeih das eilende gesudel.^ 

den 28 7^ 97. 

Seh. 

An den Herrn Geheimen Rath v. Goethe in Stäfa 

12. 
Ich danke dir Lieber vor dein blatt — und freue mich 
dass du zufrieden bist mit deiner Reise — du wärest es 
noch mehr wann du mir gefolgt hättest und das schöne 
Engelberger Thal mit genommen hättest — dann nur dahin 
wies ich dich — in's Kloster hätt ich's wohl auch gethan 
— wanns mit der Überzeugung hätte geschehen können, 
dass du da bliebest — dann hätt ich diesen Herbst noch 
eine wahlfarth dahin gemacht — 



' »der« über gestrichenem «ich werde« 

^ Die Schriftzüge werden gegen das Ende immer hastiger. 



Siebzehn Briefe vox Barbara Schulthess an Goethe u. s. w. 21 

Dein Hermann macht mir grosse freüde ist's einem 
doch der alte Homer lebe unter uns — und Erzähle ge- 
schichten unsrer Tage — — — werden wir wohl weiter 
von dir hören wann du kommst ? — 

Möchte nur M:' Scenen aus dem köstlichen Stüke 
uns zeichnen wie ich lezthin mit der Feder gemachte 
Copien Homerischer Scenen sähe nach einem — Fiaxmann, 
glaub ich , 

Nur die gänse in die geflüchteten Ställe müsst er 
nicht vergessen — dass sie dem Bäbeli nicht mangelten 
wie bey der Erzählung «warum die Ställe ohne die gänse.« 
Lebe wohl Lieber — Z. den lo 8^' 97 

Seh. 
13. 

Ob diess Blätchen dich noch treffen wird bin ich 
nicht sicher — doch soll es noch abgehen 

ich wünsche Sehnlich noch freundlichere Tage dass 
nicht die letzten Eindrüke die du aus unsern Gegenden mit 
dir fortnehmen möchtest so trübe und unhold seyen . . . 

du wirst nun kommen — um zu gehen o möge 
dazwischen sich eine Stunde finden von der wir bevde 
sagen — »sie kam die rechte« eine Stunde ruhigen 
Vertrauens voller Mittheilung — die die lange Vergangen- 
heit vergütet — und auf die, eine vielleicht noch längere 
Entfernung nur zurük sehen darf, um aus jedem gegen- 
wärtigen Moment den schönsten vertraulichsten zu schaffen, 
der immer sich mitzutheilen weiss — 



dass du doch deine mit zu nehmenden Schäze nicht 
nlle zu sehr Einpaken liessest, dass uns auch noch ein 
anblick zu theil würde. 



C [Montag] Morgen den 16. Oct: 97. 
der eine meiner gestrigen wünsche scheint sich zu 
erfüllen — ich will vor den andern auch hoffen. 
Lebe recht wohl — 

Seh. 

' Mever. 



22 NtUE MlTTHEILUXGEM. 



14. 

wann du Lieber diesen abend die Suppe bey uns 
nehmen willt — so bitte ich dich es Meyern zu sagen, 
dass er dann auch komme ich wollte es nicht lassen 
darauf ankommen, bis ich dich sehe, weil Er vielleicht 
dann nicht aufzufinden wäre . . . 

Lieber — wann die götter die Menschen sehen wollen 
wie sie sind — so müssen sie nicht in der wahren Gestalt 
vor ihnen stehen — darum die Unbefangenheit der einen — 
und die Ernste Geschlossenheit dieser weiber — 

Lebe indessen wohl — 

den 22 8^' 97. Seh. 

Adresse: 
An den Herrn Geheimen Rath v. Goethe beym Schwerdt.' 

15- 

Das versiegelte Päckgen werde ich nach deiner 
anweisung abgeben — so wie das so noch kommen 
soll - 

Lebe wohl — ich dachte dich so gerne gegen Süden — 
nun muss ich mich wieder nach Norden wenden — gieb 
mir von Zeit zu Zeit nachricht wie du reisest — behalte 
mich Lieb — und gedenke mein — gruss an Meyer — 
was soll ich mit Seinem Apoll machen? 

Lebe wohl. den 26 8^' 97. 

Magst du das Buch durchsehen — so send mir's mit 
Freud weiler [?] — oder — wann nicht — vom Schwerdt 
zurük — 

16. 

Nun rukst du fort und immer weiter — und deine 
Erscheinung ist vorüber M, Lieber — Ich danke dir vieles! 
du hast mir vieles zurukgelassen — doch waren die Tage 
nicht Constanzer Tage — die Schuld mag an mir liegen, 
und auch nicht an mir, ich weiss nicht was deiner sonst 



' Auf dem zweiten Blatte folgende eigenhändige Notizen Goethes: 

Über Arau 18 Lbth 

den and[ern] W[eg] 15 Lbth 

Nach Schaf h. 10 Neue Th. 

^y. Neue Thal. Tägl. 



Siebzehn Briefe von Barbara Schulthess an Goethe u. s. \v. 23 

»Stummen Freundin« so oft noch mehr die Lippen zu 
drükte ach weiss nicht warum mir die freude nicht ward, 
dich recht in meinen Häuslichen Kreis in dem mir so 

wohl ist hineinsehen zu lassen — verzeih dass ich 

dir klage — über mich klage — und sage mir bald ein 
wort dass mich wieder mit mir selbst zufriedner macht — 
nimm meine Parthie gegen mich ' — ob du mich dabey 
auch gleich lieb behalten mögest — 

wandtest du dich noch um gegen unsre gebürge die 
sich dir am lezten Tag noch so klar darstellen wollten — 
und sähest du gestern auf der höhe vor Duttlingen den 
Boden see ? — ich folge dir die so bekannten weege so 
gerne nach — 

mit dem rükkehrenden wagen hoff ich ein wort von 
dir — von deiner lieben Hand — 

hältst du dich in Stuttgardt auf — und machst du 
gern den anmuthigen weg nach Esslingen, so wird sich 
das Palmische Haus sehr freuen dich zu sehen — 

Lebe wohl — den 28 8^"' 97. 

Seh. 

Z: den 25 9/' 97. 
Immer wollte ich ein treündliches wort von dir ab- 
warten, ein erfreuendes von deiner glüklichen ankonft bey 
Hause — noch gestern abend täuschte mich ein Brief den 
ich unwillig öftnete, doch söhnten mich die worte darinn 
wieder aus «ich habe Hermann und Dorothea verschlungen, 
gelesen, und aber gelesen, und wann ich's noch sieben- 
mahl lese, werd ich's nur immer schöner finden« . . und 
ich kann nicht länger zögern, dir meine freüde über deine 
Dorothea zu sagen .... wie lieblich hast du das trefflich 
begonnene vollendet, das vorgesehene auf den unvor- 
gesehensten wegen zum ziele geführt, mit all den schön- 
sten Farben den Charakter der Edeln im hellsten Glänze 
vorgestellt. Dass Hermann den Mondschein vorüber gehen 
liess ist mir or^r so lieb das hätt auch nicht ^ einer eethan. 



' Nach »mich« gestrichen »selbst« 
- über gestrichenem »kaum« 



24 Neue Mittheii.uxgen. 



und dann die Scene mit dem Vater, und die des geist- 
lichen die bevde ihr das erwünschte geständniss abnöthigen, 
das sie so unbefangen ablegte . . ich meyne diese drey 
se5'en das schönste von allem . . und aber was hat man 
nicht lieb am ganzen wie kann man genug Ehren dieses 
Kunstverbergende Kunstwerk. — den Reichtlnnn und geisi 
der durch das ganze athmet und Lebt.' 

Nur eine Frage, möchte ich dir noch ein mahl machen 
über Eine Stelle; von der ich mir das ■wariiiii nicht denken 
kann. 

den 13 diess ist das Päkgen an die Cothaische Buch- 
handlung zu deiner weitern Disposition abgegangen, ich 
erhielt es nicht früher — und so ist auch das gelt richtig 
abgegeben worden gegen Empfang schein — 

Lebe wohl Lieber — und lass mich nicht so lange 
auf ein wort von dir harren. 

Seh. 
18.^ 

Z. d. I 9'' 97. 

Nimm freundlich auch hier meinen dir begegnenden 
gruss auf — ich folge dir so gern nach in gedanken — 
noch vernahm ich nichts von dir nichts — weder von 
Tübingen noch Stuttg. her — sey freundlich und sage 
mir bald wieder ein wort — ich habe mich diese letzten 
Tage köstlich an deinen Briefen geweidet — adieu Lieber! 
Lebe wohl, und sage mir bald von dir — Gessner ist 
deiner antwort werth — und du versagst sie ihm nicht — 

Seh. 
noch liegt das gelt bev mir — es ist nichts ankommen. 

19- 
Georg Gessner (Schwiegersohn Bäbe's) an Goethe. 

Zürich den i Nov. 1797. 
Dürft ich wohl so frey seyn Ihnen noch schrittlich 
einige Fragen vorzulegen? Sie um einige Belehrungen 
zu bitten? Mamma macht mir Muth dazu, und ich wag" 



' »den Reichthum — lebt« nach Abschluss des Briefes zugesetzt. 
^ Einlage in Georg Gessners Brief (Nr. 19). 



Siebzehn Briefe von Barbara Schulthess an Goethe u. s. \v. 25 

es um der Güte willen, womit Sie mir jene belehrenden 
Winke gaben, in dem allzu kurzen Stündchen, da ich Sie 
m Ihrem Logis zu sehen die Ehre hatte. So gerne hätt' 
ich Sie noch um mehrers gebethen, aber es entfiel mir, 
indem ich dem nachdachte was Sie mir sagten, oder ich 
war zu schüchtern um weiter zu fragen ; freylich ein 
Widerspruch, wenn ich doch itzt dreist genug bin, Ihnen 
gar schriftlich beschwerlich zu fallen. Doch solche Wider- 
sprüche hat der Menschenkenner, an den ich schreibe, 
schon manchen gesehen. 

Was hätten Sie mir wohl noch bey meiner Bearbeitung 
der Geschichte der Ruth zu sagen über die Verbindung 
der durch die Zeit nothwendig getrennten Theile des 
Ganzen? Hat das Gedicht die Stetigkeit, die es haben 
soll? Aus welchen Grundsätzen sollte diess angesehen 
werden ? 

Was sagen Sie von der gewählten \'ersart? Was von 
dem Reim? Was hätten Sie wohl noch sonst zu bemerken? 
das ich, wenn mein Verleger allenfalls eine zweyte Aus- 
gabe übernehmen wollte, bey meiner Be:arbcitung benutzen 
könnte. 

Koch immer sah ich vergebens in den Journalen die 
mir zu Gesichte kommen, nach dem Urtheil und den 
Belehrungen eines Kenners. Ich weiss zwar, dass mein 
Verleger, das Manuscript von Herrn Wieland beurtheilen 
liess, aber ich erfuhr nie kein Wort der Belebntug; und 
da Wieland hier war, hatt' ich nicht den Muth ihn zu 
befragen. 

Finden Sie meine Freymüthigkeit tadelnswerth, oder 
zudringlich so weisen Sie mich ab — ich werde dennoch 
bleiben 

Ihr dankbar ergebener 
Gessner. 
20. 
Philipp Christoph Kavser an Goethe. 
(Vgl. die Beilage zu Nr. i.) 

Ganz zufällig, höchst unerwartet, aber tröstlich genug 
habe ich gestern über Frankfurt gehört, dass Sie wieder 
nach Weimar zurück 2:ekommen sevn. Ich habe diese 



26 Neue Mittheiluxgen. 



Nachricht sogleich der Fr. Schukhess mitgetheilt, und habe 
nun nichts angelegenthcheres, als Sie zu fragen, ob Sie 
einen gewissen Brief erhalten haben, welchen die Frau 
Schukhess vor ungefähr sechs bis sieben Wochen, in 
meiner Angelegenheit, und als ich nicht wohl war, die 
vacant gewordene Capellmeister-Stelle in Frankfurt und 
meine Empfehlung durch Sie, Applanirung des durch einen 
andern occupirten Terrains u. s. f. betreffend, erhalten 
haben. Es ist dieser Brief an Sie durch Lipsen über 
Weimar gegangen und war möglichst empfohlen, damit 
er Ihnen zukommen mögte, weil wir nicht wüsten wo 
Sie seyn mögten, und doch wieder (freylich in Unbe- 
wusstheit aller nachher vorgefallenen Umstände) nichts 
versäumen wollten, wenn Sie etwa Gelegenheit haben 
sollten sich zu meinem Vortheil zu verwenden. Indess, 
wer weiss wie es unter den jetzigen fatalen Umständen 
in meiner Vaterstadt geht; hingegen ist, wie ich eben 
auch erfahre, Wolf todt. — Ich habe viel gelitten, bin 
geprüft, und wiederstrebe nicht mehr, wenn ich mein armes 
Schiffchen in Sicherheit bringen könnte. Habe ich bey 
Ihnen nichts verscherzet, glauben Sie an die ehrliche Reue 
meines Herzens, wenn ich aus Unverstand und Unerfahren- 
heit etwas verscherzet haben sollte, so lassen Sie mich 
Ihnen empfohlen se}^. Prüfen Sie mich, prüfen Sie die 
Umstände, ob Sie etwas für mich thun können, ob ich 
es noch werth bin, dass Sie etwas für mich thun, und 
lassen Sie mich Sie bitten es zu thun. Ich will mich 
zusammen nehmen ; und da alles mir sagt, dass Ruhe 
in mein Gemüth gehen werde und Gesundheit über meinen 
Körper kommen, wenn ich mir irgend eine Aussicht zu 
verschaffen wüste, auch hoffen (sie), dass mein Wesen 
noch der Erhohlung von beyden Seiten fähig sey, zumahl 
wenn mir Frist dazu vergönnt werden sollte. Schlag auf 
Schlag des Schicksals hat mich dieses Jahr über getroffen, 
mich durch mich selbst und durch die Leiden anderer 
einwirkend getroffen. Ich bin sehr erweicht worden, und 
überhaupt ruhet, seitdem ich Sie vor vier Jahren so 
unbesonnen in Weimar verliess, kein Segen mehr auf mir. 
Soll ich an mir selbst verzweifeln, oder gibt es noch eine 



Siebzehn Briefe vox Barbara Schulthess an Goethe u. s. w. 27 

Hülfe für mich? Ich sage nichts weiter. Von der einen 
Seite steht Frankfurt vor mir, von der andern eine geringe 
Spur mich nach Russland zu retten, in so fern ich nehmlich 
vieles über mich zu nehmen fähig seyn sollte. Von der 
hiesigen, so 'nahe es meinem Herzen geht, sehe ich nicht 
vor, mich zu retten: Bleiben also Sie mir, wenn ich 
dessen werth bin oder noch werth werden kann. 
Zürich d. 29. Dez. 1792. 

Kayser. 

Ich wage noch das. Schlagen Sie, wenn mir doch 
nicht vergönnt seyn sollte darauf zu aspiriren, dem Herzog 
Kunzen, als den ohnedem würdigern und vollendetem, 
vor. Vielleicht, dass dadurch das Terrain in Frankfurt 
wieder hergestellt wird, um hernach für mich darauf zu 
arbeiten. 



Von Bäbes siebzehn Briefen sind drei (i. 3. und der 
letzte) noch jetzt in den Quartalheften -enthalten, die übrigen 
in früherer Zeit herausgelöst; mittelst der von Goethe selbst 
herrührenden Bezifferung der meisten war die ursprüngliche 
Stelle leicht zu ermitteln. Auf No. 6 hat Riemer, wohl in 
dem Glauben, es sei ein Brief von Goethes Mutter, das 
Datum oben bemerkt. Die meisten Nummern (7 — 18) waren 
enthalten in einem Bande mit der Aufschrift »Briefe auf der 
Reise erhalten August, sodann bis December ijp/« (das 
Gesperrte eigenhändig), hier auch das Concept des ein- 
zigen Briefes von Goethe an Bäbe. No. 5, unbeziffert 
und ungeheftet, war vielleicht seines Inhalts wegen besonders 
verwahrt. Bäbe schreibt auf schlichte weisse Blätter (Octav), 
das Siegel (zwei Köpfchen, Mann und Frau, einander an- 
blickend) findet sich noch an No. 7 und 14. 

Bei den folgenden Erläuterungen kamen mir zum Nach- 
weis der verwandtschaftlichen Beziehungen die Notizen zu 
statten, welche Herr Dr. August Gessner in Zürich, Bäbes 
Urenkel, auf Jacob Ä?(r///(?/i/^ Anregung, freundlichst für mich 
zusammengestellt hat. 

I. Goethe war vor kurzem erst zurück, vom Rhein aus 
der »Campagne", als er diesen Brief erhielt, vgl. Schriften 
der Goethe -Gesellschaft 4, 363 zu No. 3. Er hat sich der 
ihm nahe gebrachten Angelegenheit schwerlich angenommen, 
da Kayser, als er 1788 mit Anna Amalia auf Goethes Em- 
pfehlung nach Italien gehen sollte, sich durch sein äusserst 
unziemliches Verhalten unmöglich gemacht hatte; Schriften der 



28 Neue Mittheilungek. 



G.G. 5, 86 fg. und die übrigen im Register (S. 255) ver- 
zeichneten Stellen. — Die Frankfurter Persönlichkeiten s. im 
Register des vierten Theils der »Schriften.« Kunzcfi (Friedr. 
Ludw. Aemilius), geb. 1761 oder 1763 in Lübeck, kam 1789 
von Kopenhagen, wo seine erste Oper »Holger Danske« 
aufgeführt war, nach Berlin, wirkte dort freundschaftlich mit 
Reichardt zusammen, wurde dann Musikdirector in Frank- 
furt a. M. Seit 1795 Kapellmeister in Kopenhagen, wo er 
181 7 starb. — Barbara Gessner, das in den Briefen vielge- 
nannte Bäbeli, Bäbes Enkelin, heirathete im Jahre 1810 den 
Kaufmann Joh. Martin Usteri zu Zürich. Ihr Enkel Martin 
Usteri f 1890 als Professor in Erlangen. — »Meyers Apollo«, 
wohl eine von seinen grossen Sepia-Zeichnungen, dergleichen 
noch mehrere im Weimarer Museum erhalten sind. 

2. Antwort auf einen Brief Goethes vom 25. Januar. 
(Postsendungen.) Wahrscheinlich März 1793, da Bäbe die lange 
Frist betont. — Dr. Joh. Hotzc, Arzt in Richterswyl, Lavaters 
Freund, in seinem praktischen Christenthum und seiner freieren 
Weise überhaupt näher mit Bäbe verwandt. Georg Gessner 
schildert ihn in seinem Tagebuch (Finsler S. 42) als einen 
Mann von feinem Adel und Menschensinn, fest, liebend, 
gerade, treu, offen und tiefblickend. Goethe besuchte ihn 
1779 mit dem Herzog (Carl Augusts Briefe an Knebel S. 10). 
Seine Beziehungen zu ihm erhellen aus den im Register des 
7. Brief bandes der Weimarer Ausgabe gesammelten Stellen. 

3. Carl lAidvvig Fernotu (in den »Tag- und Jahresheften« 
zuerst erwähnt 1802, wo er Professor in Jena wurde) hielt 
sich in Zürich vom 19. — 29. October auf. In seinem Tage- 
buch (Carl Ludwig Fernows Leben , herausgegeben von 
Johanna Schopenhauer, Tübingen 1810 S. 65 fgg.) erwähnt 
er seinen Verkehr mit Lavater, der ihn »recht liebreich 
aufgenommen « ; der Name der Frau Schulthess kommt nicht 
vor. — Das »Stück«, für welches Bäbe dankt, ist der 
»Bürgergeneral«; die »Blätter« bezogen sich wohl auf die 
republikanische Kalender- Aenderung. — Der Vorwurf Z. 21 
erklärt sich daraus, dass Goethe in der Zeit der Belagerung 
von Mainz Bäben, wie anderseits den Freunden in Pempelfort 
(Werke IV, 10, 74,7. 89,15) Aussicht auf seinen Besuch gemacht 
hatte. Er ging nach der Capitulation nur bis Heidelberg, 
wo er mit seinem Schwager Schlosser zusammentraf. — 
Döde — Kosename für Dorothea. 

4. Der zweite Band von »Goethes neuen Schriften«, 
Berlin bey Joh. Friedr. LTnger, 1794 erschienen, enthielt den 
Reinecke Fuchs. — Ueber Lips, Joh. Heinr. s. Schriften der 
G. G. 5 S. XXX. 



Siebzehn Briefe von Barbara Schulthess ak Goethe ü.s.w. 29 

5. Ein Brief Goethes an Bäbe findet sich unter dem 
29. Juni verzeichnet; auf den hier vorHegenden antwortet 
er am 7. December (Postsendungen). Durch Bäbes unge- 
schminkten Bericht wird zum Theil wenigstens bestätigt, 
was Henriette v. Beaulieu-Marconnay (geb. v. Egloffstein, 
verw. V. Egloffstein) aus später Erinnerung für Goethe 
niederschrieb (gedruckt in den Grenzboten XXVIII, 2 
S. 209 fgg., vgl. V. Löpers Bemerkungen in seiner Ausgabe 
von Dichtung und Wahrheit 4, Werke, Hempel 23, 154, 
213 fg.). Henriette war als junge Frau 1794 in Erlangen 
mit Frau v. Türckheim bekannt geworden. Vor mir liegt 
Goethes Erwiderung an Henriette vom 7. December 1830: 
»Ihr theures Blat musste ich, mit Rührung, an die Lippen 
drücken. Mehr wüsst ich nicht zu sagen.« Ueber Bäbes 
schöne Niece entnehme ich einer aus der Familienchronik 
gezogenen Angabe des Herrn Dr. Aug. Gessner, dass es 
wahrscheinlich eine Frau Meiss, geb. Schinz gewesen ist. 
»Frau Meiss war in ihrer Jugend ausgezeichnet schön, eine 
sehr gebildete und sehr verständige Frau, welche, wie jemand 
von ihr sagte, einen einzigen dummen Streich in ihrem Leben 
gemacht hatte, nämlich den, dass sie ihren Gatten geheirathet.« 

8. Der »Schaz« wird ein Ring oder sonst ein Kleinod 
mit Goethes Bild gewesen sein. 

IG. »27 Sept. 97. Mad. Schult /less. Nachricht von meiner 
Abreise.« Verzeichniss der abgesandten Briefe vor dem Ein- 
gangs benannten Reise-Bande. — »Ophir« — i Buch d. Könige 
9,28. 10,11. »Schiffe aus Ophir« u. s. w. als Gleichniss im Brief 
an F. H. Jacobi vom 3. December 1784, Werke IV, 6, 402,23. 

11. Z. 7 aus »Hermann und Dorothea« Gedichte 2 
(Hempel) S. 122 »Lebet wohl! ich bleibe nicht länger! es 
ist nun geschehen!« — Die Herrschaft IVädens'ccyl war die 
Hauptstätte der Baumwollen - Hand - Industrie im Züricher 
Gebiete. Herzfelder S. 164. 

Der junge Schinz — einer von den zwei Neffen Bäbes, 
den Brüdern der »schönen Niece «(V). Eine Schwester von 
David Schulthess war mit Wilhelm Schinz, Pfarrer in Seengen 
im Canton Aargau, verheirathet. Von ihren Söhnen wurde 
der ältere (geb. 1775), Wilhelm Schinz, Nachfolger seines 
Vaters, der jüngere Pfarrer in Zollikon. » Empfehlung eines 
jungen Schinz, der zu Jena Medicin studirt « steht auf einem 
Blatt Notanda im dritten Volumen der Reiseacten von 1797. 

12. John Flaxmann, die Iliade und Odyssee des Homer, 
in L'mrissen. a. O. u. J. 2 Hefte. — Z. 9 »Also führten 
auch hier mit unbesonnener Sorgfalt Schlechte Dinge sie 
fort, die Ochsen und Pferde beschwerend, Alte Bretter und 
Fässer, den Gänsestall und den Käfig«. (Schicksal und 
Antheil.) 



30 Neue Mittheiluxgex. 



13. Z. 8 »Nun ist die Stunde gekommen«. Polyhymnia 
zu Anfang. (2, 90 Hempel.) 

15. Das Datum »26. Oktober« ist auffallend. Goethe 
ging schon am Morgen des 2 6ten früh 8 Uhr aus Zürich. — 
»Das Buch« wird G. Gessners »Ruth« sein. 

16. »Höhe vor Duttlingen« — Tagebuch: 27. Oktober. 
»Die drey Basaltfelsen Hohentwiel, Hohenkrähen und der 
dritte bey Engen. . . . Abends in Tuttlingen.« Vom Hohen- 
twiel herrliche Aussicht über den See, 

18. Einlage in Gessners Brief No. 19. »Ruth oder die 
gekrönte häusliche Tugend, in 6 Gesängen« war anonym 
1795 in Zürich (bei Ziegler) erschienen. 

20. Wolf, Ernst Wilhelm, geb. 1735, seit 1772 Hof- 
kapellmeister in Weimar, war am 7. Dezember gestorben. 
— Sichere Aussicht auf eine Anstellung in St. Petersburg 
war Kayser durch seinen Freund Klinger eröffnet worden. 
S. Klingers Brief an Kayser vom 19. Oct. 92 a. St., den 
O. Heuer in den Berichten des Freien Deutschen Hochstifts 
1891 Heft 3.4 S. 453 fgg. veröffentlicht hat. Es war eine 
Stelle am adlichen Land -Kadettencorps, die eine behaglich 
auskömmliche Existenz versprach. „Ich hoffe dich mit deinem 
widrigen Geschike auszusöhnen«, schreibt Klinger, »das übrige 
thue nun selbst und fordere Deine Kraft auf.« Vgl. Burkhardt, 
Goethe und Kayser S. 47 fgg. 

Bernhard Suphan. 




3. ZWEI BRIEFE VON ELIS.A.BETH v. TÜRCKHEIM 

AN GOETHE 

UND GOETHES ANTWORTEN. 

I. 

Strasburg d. 25. Hornung 1801. 

Der Gedanke, und die frohe Hofnung, einem Jungen, 
Verdienstvollen Mann behülflich zu seyn, erlaubt mir nicht, 
erst die Frage zu untersuchen, ob Sie Verehrungswürdiger 
Freund, sich wohl meiner, nach einer Trennung von 27 
Jahren erinnern mögen. 

Ich weis nicht, ob es Bescheidenheit, oder Stolz ist, 
dass ich mir diese Frage nicht erlaube, das aber weis ich 
gewis, dass es meinem Herzen wohlthätig ist einem Freund 



UEFE VON Elisabeth v. Türckheim ak Goethe. ^I 



zu dienen, und dass mir die Veranlassung, Sie, Verehrunos- 
würdiger, um diesen Dienst zu bitten erwünscht ist. 

Herr Kocher, dessen Bekanntschaft wir nach unserer 
unglückHchen Flucht, und während unserm Auffenthalt in 
Erlangen machten, wo er Jura studierte, Freud und Leid 
mit uns theilte, und nun bereits 4 Jahre bey meinem 
Schwager Türckheim sich aufhalt, wünscht, und sucht 
den platz welchen Herr Strobel begleitet, als Legations 
Secretair von der Gesandschaft des Hennenbergischen 
Hausses und welchen die Sachsische Häuser zu vergeben 
haben. — 

Seine Fähigkeiten, sein Fleiss, und seine RechtschafFen- 
heit, die auch den Verfolgungen, und den Versuchungen 
des Unglüks wiederstanden, gewinnen Ihm die Achtung 
aller derer, die Ihn kennen. Die Anhänglichkeit die er 
meiner Familie, und die Opfer die er der, meines 
Schwagers brachte, verpflichten uns ganz besonders gegen 
Ihn, und ich wünschte zu den vielen Bemühungen meines 
Schwagers, auch ein Wort, eine bitte zufügen zu können, 
die zugleich, meine Freundschaft, Herrn Kochers \"er- 
dienste, und meinen Glauben an alte Freundschaft, Ihnen 
lebhaft Schilderten. 

Ich weis wie viel Sie, Edler Mann, vermögen, wie 
gerne Sie beglükken und schmeichle mir gerne, dass Sie 
meine Bitte, Herrn Kocher zu diesem Platz behülflich zu 
seyn, schonend beurtheilen, und wo möglich befriedigen 
werden. Ich entschuldige mich eben so wenig meiner 
Zudringlichkeit, als des Zutrauens wegen, mit dem ich 
mich vorzügUch an Sie Verehrungswürdiger gewandt, 
und weis, dass Sie den Glauben an Freundschaft billigen 
werden, der mir die Überzeugung giebt, dass Sie thun 
werden, was Sie thun können. Die Reinheit meiner 
Absicht, bürgt mir für die auslegung, wie für den Erfolg 
meiner Bitte, so wie das reine Gefühl meines Herzens, 
mir für alte Freundschaft bürgt. — 

Türckheim ist in begleitung seiner zwey ältesten, mir 
innigst lieben Söhne in Franckfurt, wo der zweite bey 
meinem Bruder Friz wohnen, und bey Herrn Gontard 
arbeiten wird. Der älteste wird nach Bremen, oder Ham- 



Neue Mittheilungex. 



bourg abreißen, wohin er auch gehe, so wird ihn der 
Seegen seiner Eltern begleiten, beyde haben uns, noch 
keine Stunde getrübt, meine Tochter wohnt bey mir, 
und ist seit 6 monath mit einem sanften, Edlen Jungen 
Mann verheurathet, der Sohn unsers Kachbars, Herr 
ßrunck, der Übersetzer, und herausgeber mehrerer Griech- 
icher Werke. Ihr reines Gefühl für das guthe, und ihr 
fester ruhiger Charakter, bringen sie meinem Herzen nahe, 
und Ihre Heldenmüthige anhänglichkeit an uns, bindet 
unsre Herzen für die Ewigkeit, auch meine zwey jüngste 
Söhne sind noch bey uns, der eine Studiert mit vielem 
Eifer mineralogie, und Mathematique, hat einen eisernen 
Fleiss, und gehet festen Schrittes vorwärths; der jüngste 
wünscht sich den Studien wittmen zu können, und krönt 
des Erziehers Freundschaftliches bemühen durch liebe, und 
Fleiss. gerne mögte die Mutter hinzufügen wie glüklich 
Sie durch die Entwiklung Ihrer Kinder ist, und wie 
reine guthe Geschöpfe sie alle sind; aber das Urtheil 
einer liebenden Mutter scheint immer verdächtich, und ich 
schweige also, und schliesse mit der Bitte, mir meine 
Schwazhaftigkeit zu verzeihen und die Versicherung meiner 
vollkomensten Hochachtung, und aufrichtigen Freundschaft 
zu genehmigen, von Ihrer alten Freundin 

Elise V. Türckheim. 
Adresse von einer Männerhand : S. Hochwohlgeborn 
Dem Herrn Geheimdten Rath von Goethe in Weimar. 

Nach so langer Zeit einen Brief von Ihrer Hand, ver- 
ehrte Freundin, zu erhalten, war mir eine sehr angenehme 
Erscheinung. Schon vor einigen Jahren versicherte' mich 
Frau* von Egloffstein, dass Sie meiner, während Ihres 
Aufenthalts in Deutschland, manchmal gedacht hätten, ich 
freute mich herzhch^ darüber, in Erinnerung früherer 
Verhältnisse. 



Concept ' «versicherte« eigenhändig statt des dictirten »hatte. . . 
versichert« 

^ Frau Gräfin 

5 »ich . . herzh'ch« eigenhändig statt »wie sehr freute ich mich« 



Briefe von Elisabeth v. Türckheim an Goethe. 33 

Sie haben in den vergangenen Jahren viel ausge- 
standen und dabey, wie ich weiss, einen entschlossenen 
Muth bewiesen, der' Ihnen Ehre macht. 

Wie sehr verdienen Sie das Glück, dass die Ihrigen 
gerettet sind und Ihre Kinder alle so gutartig vor Ihnen 
heranwachsen. 

Nun möcht' ich auch gerne ^ etwas zu Ihrer Zu- 
friedenheit beitragen, indem ich den Wunsch des Hrn. 
Kochers begünstigte: sein bei mir eingelaufnes Schreiben 
soll zwar bestens empfohlen werden; allein ich befürchte, 
theils' dass man die Stelle eine Zeitlang offen lässt, bis die 
neue Gestalt der deutschen Angelegenheiten zu mehrerer 
Bestimmtheit und Festigkeit gelangt; theils'* dass einige 
unter den mehrern Competenten, durch nähere Verhältnisse 
einer 5 Art von Anwartschaft darauf^ sich getrösten können. 
Dem ohngeachtet will ich nicht verfehlen, das, was unter 
den gegebenen Verhältnissen mögHch sein sollte, zu 
bewirken. 

Leben Sie recht wohl und gedenken meiner auch 
künftig. Geniessen Sie mit' den Ihrigen, nach so viel 
Stürmen, der Früchte des Friedens und einer neuen 
Ordnung der Dinge. 

Weimar, den 30. März 1801.^ 

:>• 

Strasburg d. 21. yl^re 1807 

Der Gedanken eines meiner Kinder in Weimar zu 

wissen verbindet sich mit dem lebhaften Wunsche dass 

es ihm in Göthe's nähe wohl werden mögte. Gönnen 

Sie meinem guthen Carl, und seiner Heben Frau, das 



' eine Entschlossenheit [und] bewiesen, die 

* »Nun ... gerne« eigenhändig aus »Wie gern möchte ich nun auch« 
5 »theils« aus »zweierley, einmal« 

•♦ »theils« aus »sodann auch« (»auch« ist nicht gestrichen und im 
Mundum wohl nur versehentlich ausgelassen) 

5 vor »einer« (corrigirt aus »eine«) gestrichen »gleichsam« 

6 auf diese Stelle 

7 wohl, gedenken Sie mein auch künftig und geniessen mit 

'^ Im Concept fehlt, wie gewöhnlich, Datum und Unterschrift. 
Die Unterschrift des Originals ist im Druck nicht wiedergegeben. 

Goethe-Jahrbuch XIH. -> 



34 Neue Mittheilungek. 



Glük den Freund meiner Jugend kennen zu lernen, und 
schenken Sie Ihre Gewogenheit einem Jungen Manne 
dessen Leben, bis izt, eine Reihe beglükkender Tage für 
seine Eltern war. — Der Reissende Strom der Begeben- 
heiten, und das zu frühe Eintretten in das ^yIechanische 
seiner Laufbahn, haben seinem Geiste zwar eine bestimmte, 
ruhige, Richtung gegeben, aber ihn des Glückes einer 
feineren Bildung, im Wissenschaftlichen, beraubt. 

Beurtheilen Sie meinen Carl mit Schonung, und Liebe, 
und lassen Sie des Gedanckens mich froh werden, dass 
Ihr belehrender Umgang, eben so glücklich auf meine 
Kinder würken wird, als die, in meinem Herzen so unaus- 
löschbar tief eingegrabene Errinerung an Ihre Freundschaft. 

Ihre Freundin 
Elise V Türckheim 

Sollte der 3 meiner Söhne, Wilhelm, das Glück haben, 
Sie auf seiner Rückreisse zu seinem Regimente kennen 
zu lernen so darf ich auch für Ihn um eine gütige Aut- 
nahme bitten, sein Biedersinn, und das Empfehlungs 
Schreiben dass ihm die Natur ertheilte, wird ihm auch 
ihr Herz gewinnen, dies wünscht, dies hoft die glückliche 
Mutter. — ' 

4- 
Ihr lieber Brief, verehrte Freundinn, kam zu spät, Ihr 
Hr. Sohn schickte mir ihn von Dresden. Er war bey mir 
gewesen, ohne dass ich's wusste er sey es. Ich ver- 
wechselte die beyden Familien, ähnliches Nahmen, und 
hielt ihn von der andern. Aber auch so, als mir ganz 
fremde hat er mir sehr Wohlgefallen, das zweytemal kam 
ein Regenguss gelegen, der ihn lange bei mir festhielt. 
Ich machte mir Vorwürfe ihn nicht bei Tische behalten 
zu haben, da es eben an der Zeit war, denn ich em- 



' Adresse eigenhändig aufgeschrieben : A Monsieur Monsieur 
de Goethe Conseille intime de s. a. s. Monseigneur le Duc de Saxe 
Wevmar ä Weymar. 

Siegel: ein Ross, den Kopf umwendend, dessen Zügel eine aus den 
Wolken herabgreifende Hand lenkt. Umschrift: Quo nie Fata trahunt. 



Briefe vox Elisabeth v. Türckheim an Goethe. 35 

phmd eine wahrhafte Neigung zu ihm. Mit Ungeduld 
erwarte ich den andern Angekündigten schon lange ver- 
gebens, ich wünschte bey diesem nach zuholen was ich 
bey dem ersten versäumte. 

Zum Schluss erlauben Sie mir zu sagen: dass es mir 
unendliche Freude machte, nach so langer Zeit, einige 
Zeilen wieder von Ihrer lieben Hand zu sehen, die ich 
tausendmal küsse in Erinnerung jener Tage, die ich unter 
die glücklichsten meines Lebens zähle. Leben Sie wohl 
und ruhig nach so vielen äussern Leiden und Prüfungen, 
die zu uns später gelangt sind und bei denen ich oft Ur- 
sache habe an Ihre Standhaftigkeit und ausdauernde Gros- 
heit zu denken. Nochmals ein Lebewohl mit der Bitte 
meiner zu gedenken. 

Weimar 
d. 14 Dec. Ihr ewig verbundener 

1807 Goethe.' 



Der Beitrag des Archivs war abgeschlossen und befand 
sich schon etliche Zeit in den Händen des Herrn Heraus- 
gebers, als mit einem zu guter Stunde anlangenden Geschenke 
die Anregung zu einer Zugabe kam, die sich hier auf das 
beste anreiht. Briefe von und an Lilli sollten sich an die 
Briefe der Frau anschliessen, die Lilli's Bild in dem lauteren 
Spiegel eines feinen, treuen Herzens so schön aufgefasst hat. 

Ein langjähriges Mitglied der Gesellschaft, Herr Eugen 
V. Dursy, Kaiserl. Ministerialrath zu Strassburg i. E. über- 
sandte mir eine genaue Abschrift des unter Ziffer 4 ge- 
druckten Briefes von Goethe an Lilli, der sich im Besitz 
eines Enkels Lillis, des Herrn Barons Eduard v. Türckheim 
zu Niederbronn im Unter-Elsass befindet, und übermittelte 
mir zugleich die Erlaubniss zur Publication. »Den Freunden 



' Bogen mit Goldschnitt, in blauem Couvert. 
Adresse eigenhändig: A Madame 

Madame Elise de Türkheim 
nee de Schönemann 
a 
fr. Strasburg 

Siegel: Amor mit Löwenhaut und Keule. 



36 Neue Mittheilungek. 



Goethes wird durch die Mittheilung des warmen und herz- 
lichen Briefes eine grosse Freude bereitet werden«, schrieb 
mir Herr v. Dursy, und sicherlich hat er sich in dieser 
Erwartung nicht getäuscht. Viele werden ihm Dank wissen 
für die willkommene Gabe; den Dank des Archivs trage ich 
ab, indem ich sie vermehre. 

Man kannte bisher nur den einen Brief Goethes an seine 
einstige Verlobte, den Graf Ferd. Eckbr. v. Dürckheim in 
seinem mit schöner Wärme geschriebenen biographischen 
Essay »Lilli's Bild, geschichtlich entworfen« (Nördlingen 
1879) veröffentlicht hat. Dort ist der Brief (oben No. 2) 
nach der eigenhändigen Reinschrift des Dichters gegeben. 
Im Archiv befindet sich das einem Schreiber dictirte, von 
Goethe durchcorrigirte Concept, dessen Besonderheiten bei- 
zufügen ich mich nicht enthalten konnte; denn bei einem 
solchen Schriftstück giebt man gern auch auf die kleinste 
Aenderung acht und lauscht ihr ihren Sinn ab. Ungleich 
wichtiger aber ist es, dass uns beide Briefe Lilli's erhalten sind. 

Es ist hier nicht der Ort zu erzählen, was vor der 
»Trennung« liegt. Lilli redet als Mutter, und als mütterlich 
um das Wohl und Fortkommen eines Jüngeren besorgte 
Freundin. Im ersten Mutterglück hatte Goethe sie bei seinem 
Besuche im September 1779 wiedergesehen; die «Puppe«, die 
sie damals im Arme wiegte, ihr erstes Kind, ist die Tochter 
(Lilli, Elisabeth), die sie als glücklich »verheurathet« im 
ersten Briefe erwähnt. Merkwürdiger Weise scheint sie an 
jenes Wiedersehen nicht zu gedenken, indem sie von einer 
Trennung von 27 Jahren redet. 

Sie erwähnt nur ein Erlebniss: ihre «unglückliche Flucht.« 
Schwere Schicksale waren mit dem Jahre 1793 über ihr Haus 
hereingebrochen. Ihr Gemahl, in gefahrvoller Zeit zum 
Maire von Strassburg ernannt, ward durch Commissare des 
National-Convents seines Amtes entsetzt und auf 20 Stunden 
Entfernung exilirt, Januar 1793. Er lebt mit ihr zurück- 
gezogen in einem lothringischen Dörfchen. Seiner sterbenden 
Mutter zu Liebe wagt er sich zurück, wird in Strassburg 
festgenonmien, aber nach einiger Zeit aus der Haft ent- 
lassen : so gelangt er wieder in sein ländliches Asyl: September, 
October 93. Im Juli des nächsten Jahres aber befiehlt das 
Comite du salut public wiederum seine Verhaftung, er soll 
vor das Blutgericht gestellt werden. Im letzten Augenblicke 
gewarnt, ergreift er die Flucht und rettet sich, in der Tracht 
eines Holzfällers, auf deutsches Gebiet. Nach drei Tagen 
qualvoller Ungewissheit beschreitet seine Gattin ohne Zagen 
den gleichen Weg. «Nur das Einzige lass mich erwähnen«, 
schreibt sie an ihren Bruder nach Frankfurt, sobald sie sich 



Briefe von Elisabeth v. Türckheim an Goethe. 37 

und die Kinder geborgen weiss — »dass ich nach fünf- 
zehnstUndiger Wanderung, meinen Heinrich auf dem Rücken, 
Wilhelm an der Hand und die andern mir zu Seite, glück- 
lich durch alle französischen Vorposten und nun hier in 
Kaiserslautern angelangt bin.« Nach einigen in Frank- 
furt, bei den Angehörigen Lilli's, verlebten Wochen wandte 
sich das v. Türckheim'sche Paar nach Erlangen. Hier 
verlebten sie zurückgezogen und in häuslich emsiger Thätig- 
keit ein volles Jahr. Sie hatten sich auf ein längeres Exil 
eingerichtet, aber im Juli 95 hielt es v. Türckheim für ge- 
boten, seines gefährdeten Besitzthums wegen zurückzukehren. 
Leben und Freiheit stand auf dem Spiele. Aber wider 
Verhoffen konnte er bald eines gesicherten Zustandes ge- 
niessen, und durfte die Gattin heiinrufen, der es den schwer- 
sten Kampf gekostet hatte, ihn allein ziehen zu lassen. Auf 
der Heimreise, die über Stuttgart, Basel, Schaffhausen ging, 
ist Lilli in Zürich gewesen, eine Erkrankung der Kinder ver- 
ursachte hier gerade einen längeren Aufenthalt. Damals 
also, im September 95, haben Lilli und Frau Schulthess (doch 
wohl durch Lavaters Vermittlung) einander kennen gelernt. 
In dem genannten Büchlein des Grafen Eckbrecht v. Dürck- 
heim findet man die Geschichte dieser Tage nach den Auf- 
zeichnungen und Erinnerungen seines Schwiegervaters, des 
ältesten von Lilli's Söhnen (Johann Friedrich v. Türckheim) 
wahrheitsgetreu erzählt. Wie Lilli auf der Flucht , als 
Bäuerin verkleidet, Soldaten der Republik, die sich ihr frech 
nahen wollen, in Respect hält ; wie sie ihrem kleinen, kaum 
neunjährigen Wilhelm, weil er ihr so tapfer zur Seite ge- 
schritten, neue Stiefel verspricht — das alles ist köstlich zu lesen. 
Die Briefe, die Lilli damals und während der Zeit des Exils 
an ihren mit Marie Gontard verheiratheten Bruder ge- 
schrieben, hatte schon früher (1857) JUgel in seinem Buche 
»Das Puppenhaus« aus dem Gontard'schen Familien- Archiv 
bekannt gegeben (S. 361). Der Geist dieser Briefe ist ein 
schlichtes Heldenthum : »Ich will nicht klagen; still und 
muthig will ich jedem Ereigniss entgegensehen und ver- 
trauensvoll den Winken meines Vaters folgen, der mich bis 
daher so glücklich geleitet«, schreibt sie im ersten Briefe 
aus Erlangen. Und als Türckheim, mit Gefahr der Freiheit 
und des Lebens, die Rückkehr gewagt hat : »Er ging, durch 
die Macht der Umstände und den Zuruf der Freundschaft 
fortgerissen, und Gott wird ihn segnen und schützen. Ich 
ergebe mich darein mit dem Gedanken, dass der, welcher 
so rein wie er handelt , nicht von ihm verlassen werden 
kann«. Wir begreifen es beim Lesen dieser Briefe, dass es 
Barbara Schulthess in Lilli's Nähe zu Muth war, als lese sie 
Iphigenia. »Ich glaubte Iphigenia vor mir zu sehen«, sagt 



38 Neue Mittheilungex. 



ja auch Henriette von Egloffstein, um mit einem Worte 
Erscheinung und Wesen der einzigen Frau zu bezeichnen. 
Eine Vergleichung, die Goethe selbst bestätigt, indem er 
von LilU's »ausdauernder Grossheit« redet. Antike Seelen- 
grösse hat er im Sinne, wenn er, um persönhche Eigenart 
zu bezeichnen, das von Winckelmann geprägte und von 
neuem geschaffene Wort anwendet. »Ich kann nicht leiden, 
dass du grosse Seele mit einem falschen AVort betrogen wer- 
dest«, sagt Orest zur Schwester. 

Goethe hat sicher noch von andrer Seite , als durch 
Henriette von Egloffstein, über die Schicksale Lilli's Nachricht 
erhalten. Es ist nicht denkbar, dass seine Mutter, dass 
Frankfurter Freunde davon gegen ihn geschwiegen haben. 
Ich will hier nur daran erinnern, dass Senator Metzler, ein 
alter bewährter Freund der Türckheim'schen Familie, die 
Flüchtigen aus Heidelberg abgeholt hat. Er war auch mit 
Goethes Mutter bekannt. Nur gelegentlich kommt zum 
Vorschein, wie Goethe damals die Erinnerungen an die 
entschwundene schöne Zeit hegte. Ich will hier ein Stück 
eines Briefes mittheilen, den er im September 1799 an einen 
Genossen jener Tage richtet, deren Inhalt und Gefühl er als 
Greis noch in die Worte des Hohen Liedes gefasst hat : 
»Ich schlafe, aber mein Herz wacht.« Aus seinem stillen 
Gartenhause schreibt er an Georg d'Orville' nach Offenbach: 

Lieber würdiger Freund 

Ihre Hand und Ihren Nahmen wieder zu sehen hat 
mir, in einem stillen Gartenaufenthalt, wo ich mich jetzo 
befinde, eine ausserordentliche Freude gemacht. Glauben 
Sie mir dass ich, in Erinnerung früherer Zeiten und 
Anhänglichkeit an alte Freunde, Ihnen nicht nachstehe. 
So wenig man sich wieder Brüder und Schwestern 
schaffen kann, wenn Vater und Mutter todt sind, so 
wenig kann man sich Freunde erwerben wie die sind, 
die ein früheres, völlig verschwundnes Jugendverhältniss 
uns verschaffte. Wir haben im Alter noch Ueberzeugung 
und Wahl ; aber die süsse Nothwendigkeit der Jugend 
erscheint uns nicht wieder. « — 

Hiermit kann denn die Betrachtung schliessen, die sich 
um »Schicksal und Antheil« bewegte. Wenn im ersten Briefe 
Goethes der Ausdruck des Antheils gehaltener und fast förm- 
lich erscheint, im Vergleich wenigstens mit dem zweiten, wo 
die Empfindung warm hervorbricht, so erklärt sich das auch 



' Piraz;ii, Aus OBenbachs Vergangenheil S. 192 fg. 



Briefe von Elisabeth v. Türckheim an Goethe. 39 

aus der Situation. Goethe sah sich ausser Stande jenen 
Wunsch der verehrten Frau zu verwirkHchen, der den Anlass 
zum Wiederanknüpfen, gegeben hatte. 

Zu No. I. 2. Gesandte der Hennebergischen Häuser zur 
Fränkischen Kreisversammlung zu Nürnberg sind Anfang 1801 
Geh. Rath Freiherr v. Türkheiin und Legationsrath Strobel. 
Am 5. August 1801 resolvirt Carl August »dass die durch 
Absterben des Hof- und Legationsraths Strobel erledigte 
Agentenstelle bei dem fränkischen Kreis durch den Legations- 
rath Johann Wilhelm Thon zu besetzen sei«. (Freundliche 
Mittheilung von C. A. H. Burkhardt.) Ueber Lilli's Protege, 
Kocher, habe ich nichts erkundet. — Der Erzieher der 
v. Turkheim'schen Söhne hiess Redslob. Er gehörte, wie 
Arnold, der Dichter des Pfingstmontags, zu den Freunden 
des Hauses und bewährte seine Treue in den Gefahren der 
Flucht Juli 94 und während des Exils der Familie. 

No. 3. 4. Die Zeilen, mit denen Karl v. Türkheim den 
Brief seiner Mutter an Goethe gesandt hat, liegen vor. »Je 
me fais un devoir de vous exprimer ma reconnaissance pour 
Taccueil gracieux et obligeant que vous avez bien voulu me 
faire en vous rendant ma visite«. Dresde ce 17 Oct 1S07. 
«Karl v. Türkheim war 1807 im Bankhause seines Vaters, er 
verheirathete sich 1807 mit Cäcilie Gräfin Waldner v. Freund- 
stein«. (Gütige Mittheilung des Herrn Barons Eduard v. Türk- 
heim, durch Herrn v. Dursy.) Ein Briefchen aus späterer 
Zeit (Strassburg ce 6 Avril — ?), das sie einem Cousin, 
Leon de Bussierre zur Einführung mitgegeben, knüpft an den 
Besuch des Jahres 1807 an. »Je ne sais si le grand poete 
se rappellera d'une personne qui n'a d'autre raerite que de 
savoir l'admirer et qui ne pense qu'avec reconnaissance ä 
Taccueil aimable qu'elle a recu de lui. Si donc Monsieur de 
Goethe veut bien me conserver un petit souvenir, je demande 
qu'il se reparte tout entier sur le jeune homme partenu de 
cette lettre, et c][ue Taccueillant »Salven soit poTir lui ce 
cpril a ete pour moi«. Die Unterschrift Cecile de Turckheirn 
nee de Waldner setzt es ausser Zweifel, dass Karl v. Türck- 
heim mit seiner jungen Gattin bei Goethe gewesen ist. 
Auffallender Weise aber erwähnt Goethe im Briefe nur die 
Bekanntschaft des Sohnes, und auch im Tagebuch steht unter 
dem 30. September 1807 nur »Besuch von Herrn von Dürk- 
heira.« Die Eintragung ist von Riemers Hand, zuerst 
(scheint es) war der Name mit T geschrieben. Man sollte 
das Umgekehrte erwarten, denn die Correctur hängt doch 
wohl mit der Irrung zusammen, die Goethen widerfuhr, 
indem er die beiden ihm bekannten Familien ähnlichen 
Namens verwechselte. Im Anfang der achtziger Jahre schon 



40 Neue Mittheilungen. 



finden wir ihn in geschäftlichem Verkehr mit dem meiningi- 
schen Geheimen Rath Franz Christian Eckbrecht v. Dürckheim 
(Werke IV, 4, 302,12. 5, 328,8 Weim. Ausg.) und so lag es 
ihm nahe , an diesen Zweig der Familie zu denken. — 
Wilhelm, der dritte der v. Türckheims, war im Frühjahr 1806 
in die Armee eingetreten und hatte als Husarenoffizier den 
Herbst- und Winterfeldzug bei der Avant-Garde mitgemacht. 
Im Mai 1807 schreibt er seiner Mutter aus Potsdam er hoffe 
sie bald zu umarmen, da er, um seine Hand zu heilen, sich 
»aux eaux thermales en Francea begeben müsse. (Lilli's 
Bild S. 108.) Im Frühjahr 1808 steht er wieder bei dem 
Corps des Generals Rapp, dessen Adjutant er damals ge- 
worden ist. (Schreiben aus Bayows [V] pres Brandenburg, 
April 1808. a. a. O. iii.) Die Ueberlieferung, dass Wilhelm 
V. TUrckheim der Husarenoffizier gewesen, der unmittelbar 
nach der Schlacht bei Jena Goethe aufgesucht habe, lässt 
sich mit unsern Briefen schwer vereinigen. (Riemer, Mit- 
theilungen I, 363; Vgl. Goethe's lagebuch unter dem 
17. October: »Geheimnissvolle Unterhaltung mit dem Husaren- 
offizier.«) Die »glückliche Mutter« würde doch wohl davon 
erfahren haben, und alsdann hätte sie (bedurfte es dessen) 
den Besuch ihres Wilhelm dem alten Freunde anders ange- 
kündigt. — Erwähnt sei noch, dass der aus Weimar datirte 
Brief No. 4 in Jena geschrieben ist. — 

x\m Ende unsrer kleinen Sammlung liegt ein gedrucktes 
Blatt, schwarz verschlossen, Poststempel Francfort 23 May 1817. 
Adressirt Monsieur Monsieur de Goethe, Conseiller d'Etat ä 
Weymar. 

La Familie de Turckhcim a l'honneur de vous faire 
part de la perte qu'elle vient d'eprouver par la mort 
de Dame Anne-Elisabeth Schoenemann, Epouse de M. 
Bernard-Frederic Baron de TurekJieiiii, ancien Banquier 
ä Strasbourg, et ancien Ministre d'Etat de S. A. Royale 
le Grand-Duc de Baden; decedee en son habitation de 
Krautergersheim,' dans la nuit du 6 Mai, ä Tage de 59 ans. 



' Dorf unweit der Strasse nach Barr, in der Mitte der Ebene 
zwisclien dem Rhein und den Vogesen. Lilli wohnte gern in dem 
kleinen Landhause, das v. Türckheim i. J. 1800 für sie angekauft hatte. 



Bernhard Suphax. 



"^^ 



Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. 4^^ 

4. BRIEFE VON CHARLOTTE V. KALB 
AN GOETHE. 

Goethes Freundschaft mit Frau Charlotte v. Kalb fällt 
in die Zeit zwischen ihrer rücksichtslos leidenschaftlichen 
Liebe zu Schiller und deren fast noch gesteigerter Wieder- 
holung in ihrem Verhältnisse zu Jean Paul. Diese beiden 
umgebenden Freundschaften sind vielfach Gegenstand ein- 
gehender Darstellung geworden auf Grund eines urkundlichen 
Materials, das trotz manches bedeutenden auto da fe reichlich 
genannt werden muss gegenüber demjenigen, das bisher zur 
Beurtheilung der mittleren vorlag. Dreizehn Briefe und 
Briefchen von Goethe an Charlotte v. Kalb, zur Hälfte 
undatirt obendrein, — das war alles. 

Sie sind in einem ruhigen Ton aufrichtiger Zuneigung 
geschrieben und bekunden, dass Goethe sich von Charlotte 
v. Kalb als Freund geschätzt, als Dichter verstanden fühlte. 
Er zeigt sich in ihnen hilfreich in Geschäften, bereit zu 
Diensten der Höflichkeit ; gemeinsame Freundschaft mit den 
geistig führenden Männern der Zeit, gemeinsame Abneigung 
gegen die zerstreuende Societät verbindet sie, und die Lässig- 
keit, den Unglauben der Menschen findet er nicht in ihr. 

Das beweist immerhin, dass Goethe -in Charlotte v. Kalb 
eine ungewöhnliche Erscheinung sah. Aber eben die Un- 
gewöhnlichkeit, die wir sonst an ihr kennen aus Briefen, 
Roman und Memoiren, scheint doch durchaus nicht von der 
Art gewesen zu sein, dass sie auf Goethe hätte anziehend 
wirken können. Vielmehr scheinen ihre innersten Naturen 
entschiedene Gegensätze darzustellen: Klarheit und Ver- 
wirrung, Stätigkeit und Schwärmerei stehen sich gegenüber; 
ein Mann, der den Strom des bald wildaufschäumenden, bald 
melancholisch versinkenden Gefühlswesens mit starkem Arm 
durchschwömmen hat, und eine an Leib und Seele kranke 
Frau, die willenlos in diesem Strudel umhergewirbelt wird, 
bis eine rohe ^^■elle sie hart auf ein unfreundliches Ufer 
schleudert. 

Gab sie sich Goethe gegenüber anders, als wir sie sonst 
kennen? Vermochte sie sich im Verkehr mit ihm zu befreien 
von der zügellosen Sprunghafiigkeit ihrer Gedanken, von 
der krankhaften Selbstbespiegelei ihres Gemüths? Man könnte 
das vermuthen, zumal ja Charlotte auch in ihren ersten 
Briefen an Jean Paul eine klare Beherrschung zeigt, die mit 
ihrem sonstigen Wesen im Widerspruch erscheint und die 
erst dann in Verwirrung und Leidenschaft mehr und mehr 
sich verliert, als Jean Paul antwortend die Fesseln löst, die 
sie sich angelegt, als er nach Weimar kommt und diese Reise 
seine Himmelfahrt zu ihr nennt. 



42 Neue Mittheilungen. 



Das war am loten Juni 1796, und vom yten desselben 
Monats ist der letzte der bisher bekannten Briefe Goethes 
an Charlotte datirt. War das ein Zufall? Vielleicht kann 
auch dies die Annahme stützen, dass sie in der Zeit zwischen 
den beiden leidenschaftlichen Verirrungen ihres Herzens, eben 
in der Zeit ihrer Freundschaft mit Goethe, gesunder und 
klarer zu denken und zu sein vermochte als vordem und 
nachdem. 

Von ihren Briefen an Goethe wird man auf diese Fragen 
und Vermuthungen Antwort erwarten dürfen. Sein Nachlass 
hat sie aufbewahrt, und man muss ihnen mit einiger Span- 
nung entgegensehen, wenn man liest, was er ihr am i. Mai 
1796 antwortete auf einen 12 Seiten langen Brief: «Lassen 
Sie mich sagen, dass ich ihn zu kurz fand und dass ich 
immer so fort gelesen hätte, und nun immer von vorn 
anfange.« 

Freilich, verbindliche Höflichkeit hat Goethe manches 
Wort entlockt, das nicht als Ausdruck voller Aufrichtigkeit 
betrachtet werden darf. Aber als ein solches, als eine blosse 
Phrase, wird Niemand dieses Bekenntniss von vorn herein 
abthun mögen. Den Herausgeber ihrer Briefe muss es vielmehr 
verpflichten, im Auslassen enthaltsamer zu sein, als eine rein 
stoffliche Abschätzung ihres Werthes empfehlen würde. 

Von 32 überlieferten Schreiben werden daher im folgen- 
den nur 2 ganz ausgeschieden ; in den angehängten An- 
merkungen wird zu der Stelle, die ihnen der Zeitfolge nach 
gebührte, über ihren Inhalt berichtet, ebenso über einige 
weitere Theil - Auslassungen, die jedesmal durch drei Punkte 
angezeigt sind. Mit den Gründen, die zur Zeitbestimmung 
der meist ohne Datum überlieferten Schreiben führten, soll 
der Leser nicht aufgehalten, sondern nur hier im Allgemeinen 
unterrichtet werden , dass sie theils durch ihren Platz in 
den »Eingegangenen Briefen« datirt sind, die Goethe seit 
1792 quartalweise zusammenheften Hess, theils durch ent- 
sprechende Angaben in Tagebüchern und Briefen Goethes, 



L 

[Jena, Ende 1793.] 
Sie hatten Herrn Brehm erlaubt Ihnen aufzuwarten — 
er wünscht also sehr dass ihm heute diese Gunst werde. 
Diesen angenehmen Ciavier Spieler begleidet Herr Valz, 
welcher einen schönen Bass singt. Wenn Ihnen seine 
Stimme gefält — so glaube ich die Kirche und der Lehr- 
stand — könnten wohl diesen Hirten und Mehrer abgeben. 



Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. 43 

(ich kenne seine Gesinnungen hierüber nicht) aber nach 
der neuen Philosophie soll ja eben durch die Vermischung 
der Stande das Reich des Friedens hervor gehn. — 

So bald es meine Mutter Pflicht erlaubt kome ich 
nach Weimar — wo es mir eine hohe Freude sein wird — 
Stunden zu verleben einer belehrenden nährenden reifen 
Unterhaltung — durch die nur einigen Menschen mög- 
lich zu begreifende entschleirung Ihres grosen schönen 
Geistes, — zu sein indem einem das seyn eines andern 
klarer wird — ist auch eine Existenz! 

d. Sonnabend. Charlotte K. Marschlk. 

IL 
[Weimar, Ende Februar 1794. j 
Können die Thrcinen des Himmels Sie nicht auf- 
halten?! — was ist das Paradies in solcher Laage? ich 
wünsche herzlich dass der Engel mit dem Schwerd Ihnen 
den Eingang wenigstens erschwere und seine aufsieht Ihnen 
das bleiben unmöglich mache — abermehrnoch;, ich wünsche 
Ihnen alles Übel. Zahnweh, Gicht und Fieber — eine 
solche Episode in diesen Tagen wäre mir heute lieber 
gew-esen als Ihr Tasso. mein Gemüth kann das unerwartete 
nicht tragen — und noch eins mein Gemüth sucht Sie 
und möchte behnlten was es erworben hat. \v\q Spinoza 
meynt ? 

Charlotte. 

Morgen Abend bey Herders denke ich Ihrer und 
meines Lieblings Ihres August. 

IIL 

Waltershausen den ijten Merz [1794]. 
Je mehr ich mich Persönnlich von Weimar entfernde — 
je mehr kehrt mein — Andenken, still und fest — mit 
Sehnsucht vermischt, zurück — hin — zu Ihnen wieder, 
zu meinen Freunden. Ihr Bild wird sichtlich — ich 
möchte es vor meinen Augen zaubern — bemüth noch — 
schwindet sie schon wieder die angenehme Täuschung 
wie ein leichter Rauch! ich bemerke denn lebhafter in 
mir die Erinnerung an Ihre gute für mich — des wohls 



44 Neue Mittheilungek. 



was mir durch Sie ward; was mir durch Sie werden 
wird — denn ruhig Einsam ohne Zerstreuung als die 
meiner f\mtasie und meines begehrenden Wesens lebe ich 
hier — und Ihre Schriften sollen auch mein bestes Seyn 
mit erhalten und nähren. 

Sie erlaubten mir Ihnen zu schreiben, tadien Sie mich 
nicht dass es so bald geschieht. Hätte jetzo gleich — 
Unbestimmtheit mich zurück gehalten — vielleicht hätte 
ich nie wieder voll Zufersicht an Sie die Feder gefasst. 
Hätte ich so oft schreiben können als ich an Sie dachte — 
oder dachte was mann nur einem Wesen wie Sie sind 
sagen und fragen kann — so wäre mein Wesen Ihnen 
viel deutlicher geworden. Ach darum ist die Unterredung 
so schön weil mann dann ist, in Briefen erzehlt mann nur 
von sich. Die gebogene Stellung wie wiederich. In 
Briefen verleidet mann, in der Unterredung geführt! — 
Und doch wie dumpf und oed wäre der Schlummer 
meiner Seele gewesen — hätten diese Blätter nicht — 
gleich der erinnerung abgeschiedener Freunde, mich beym 
glauben an Liebe — - an Zweck und mögliche vervol- 
kommung des Daseins erhalten — einst schwand dieser 
glaube — und ich ward ein Elender Materialist — denn 
was kann mann anders in diesen beschränkten dummen 
Einrichtungen des Lebens sein — wo Geist und Herz alle 
Augenblicke verläugnet wird — wo die besten und innigsten 
so oft auch zu dieser Sünde verleidet werden, wo diesen 
Funke der allein wärmt und leuchtet der Mensch in 
Menschen nicht mehr erblickt — Was ist er dann, was 
muss er werden — ein darbendes Thier. 

Die Liebe — ich rede von der Liebe die mann in 
sich bildet — und sozusagen selbst zur Liebe wird — 
nicht von der die mann haben will. Freilich verweilt sie 
oft mit festerer dauernder Betrachtung bey höheren 
Wesen. — Und leise entsteht der Wunsch : Durch sie zu 
sein für sie zu sein — Freundschaft ist das reinste Ver- 
langen die köstlichste Habe der Sterblichen ! Sie steht 
auf einer Höhe — alle niedren Begierden unter ihr — sie 
wird von ihnen gemustert verspottet selbst gelobt — ach 
und wird sie eine dieser Art dann ists aus mit ihr — Die 



Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. 45 

erste Liebe ist Gottes Art — und geht über alle Ver- 
nunft — sagt wenn ich nicht irre ein Apostel. Die zweite 
Liebe — geht wohl mit der Vernunft, und ich kann ja 
wohl Sagen Schreiben Denken — ich liehe Dich! — ich 
streiche diese Worte aus und daran ist auch Mistrauen 
und Unglaube schuld . . 

ich habe angefangen in Woldemar zu lesen — mein 
Gott mit Ihnen das Buch zu lesen mit Ihnen von Ihnen 
darüber reden zu hören was wäre das werthü — 

Sie werden mir nicht antworten — aber Sie werden 
mir schreiben ob ich Ihnen manchmahl so über manches 
und mancherley schreiben darf. 

Gesundheit (zu dieser gehört Kissingen) Freiheit und 
Liebe werde Ihnen immer mehr und mehr! 

Charlotte. 

IV. 

Waltershausen bey Meyningen den 18. Juni [1794]. 

Oft sehr oft denke ich an Sie — an den schönsten 

Sommertagen — stunden — und gegenden dieses Thaies! 

— Mir scheint es würklich eine Probe von der Vortreff- 
lichkeit der Wesen — und des gehaltes unserer Vor- 
stellungen und Gesinnungen von ihnen, und für sie zu 
sein — Wenn die Erinnerung — die reizensten Scenen 

— nein die schönsten Decorationen der Natur — erhöht 
und belebt ! So wie alles was uns unangenehm ist — den 
Genuss der Natur stört, und oft vernichtet — So ist hin- 
gegen ein Wesen das sie Ehrt das höchste was wir in 
ihr erkennen — und Lieben ! — Ich glaube unter einem 
Italienischen Himmel — am Reinfall — bey jeder grosen 
Natur Erscheinung würde mein Geist am würdigsten das 
Fest eines solchen Andenkens feyern ! — Das wird vielen 

— (und doch vielleicht leider auch nicht) so verständlich 
sein — dass ich über das warum kein Wort verheren 
mag! ich war im Geist oft wieder in Jena — dachte an 
Ideen die Sie in mir erweckten — an den Strahlen die 
mir so manches beleuchteten — und wie mir so manches 
anders sein — anders vorkommen würde wenn ich mehr 
um Sie wandelte. Da war der Sommertas — in dem 



46 Neue Mittheilungen. 



Schatten des Buchenwaldes — bey dem Gesang der Nach- 
tigal — umweht von Süssen Düften — mir nicht mehr 
so schön — Als der Winter Tag an der beeisten Saale — 
unter den entblätterten Bäumen — und der rauheren luft! 

— Ist mir das Schicksaal günstig so bin ich künftigen 
Winter wieder an diesen Orten, und wie solte es mich 
freun wenn ich dann oft Sie sehe — nicht den Welt und 
Hofmann oder dgl. sondern Goethe v\ie ich ihn einige 
mahl be}- Herders fand! und auch allein hörte — Wenn 
Sie laut sein wollen, was Sie sind — Wenn Sie ahnden 
dass man Sie verstehen könnte. 

ich danke Ihnen für die Gedichte, wie freue ich mich 
in denen Zerstreuten Blättern mehr von diesem schönen 
Denker zu lesen. Wohl verteilt die Welt und die Zeit 
mancherlev Rollen — glücklich wer sein eigenstes Seyn 
dabey erhält oder daraus rettet. Die meisten suchen in 
diesem Zufall ihr Glück ihre Pflicht und ihren Ruhm — 
einigen erhält es das Leben, die meisten aber werden ver- 
nichtet, sodass an ihnen nichts mehr ist als Schaale, wan- 
delnde Leichname — ich weis aber dennoch ein Dasein 
welches nicht zu diesem Spiel gehört: — das leben Sie! 

— und bey Ihnen hören auch die Rollen auf so die Welt 
erteilt, und eine andre Zeit beginnt! — O ich komme 
wieder nach Weimar höre Sie wieder bey Ihren Werken 
und über die Kunstwerke reden die Meyer für Ihnen 
sammlet. 

Ist der 3te Band von Fichte über die Revolution schon 
erschienen ? — ich bin begierig von ihm, seiner Lehre und 
deren Folgen zu hören, 

Herder ist doch wohl . und heiter? — Ihr August? 
sagen Sie mir. ein w^örtchen von dem lieben Kinde . und 
schicken mir Ihre Optik. 

Charlotte K Mlk. 

V. 

[Waltershausen] 9. August [1794J. 
Tausend Dank für Ihren Reineke — ich wolte ihn 
lesen aber siehe ich bin zu hipokonder, als dass ich mich 
möchte und könnte mit den Thaten und Ruhm dieses 



Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. 47 

Erzschelms abgeben; besonders jetzo wo diese Art so 
grausam herrscht. — Diese Stimmun" wird bald vorüber- 
gehn und dann will ich mit doppelter Lust die Wahrheit 
Kunst und Schönheit dieses Werks bewundern. 

Es freut mich sehr dass Schiller sich Ihnen hat nähern 
können, — dies war Längst einer meiner liebsten Wünsche — 
geben Sie ihm oft die Freude Sie zu hören — und in 
Ihrer Nähe den Werth seines Geistes zu empfinden ! 

VI. 

. . . Waltershausen, d. 3. Sept. [1794-] 

Almählich kommt uns nun auch der Winter näher, 
ein jedes sorgt sich in dieser Eisernen Zeit durch zu bringen 
und zu erhalten — ich käme gern mit meinem Mann nach 
Weimar — aber viele Schwierigkeiten biethen diesem 
Verlangen Troz ! — ich muss mir recht lebhaft die langen 
Tage Sonntag und Mitwoch vorstellen — und all den 
Raub der Zeit und Ruhe, durch welche man in Verbindung 
mit einer grösern Societät gerathen kann — um diese 
Sehnsucht einzuschlummern. Ich hasse über alles die Zer- 
streuung, das tönende Erz und die klingenden Schellen. 
Ruhe des Gemüths ist mir so lieb — auch ohne dies kann 
ich weder thätig noch wachsam für meine Kinder sein. — 
Denke ich dann wieder an Sie an Herder — dass ich in 
Weimar zu Herders komme, dass ich Sie beyde höre — 
dass Sie freundlich und gütig mir antworten, wie mein 
Herz und Geist bey solchem Umgang gewinnt — wie ich 
so besser und glücklicher werde! Da wird dann meine 
Seele sich Ihres Daseins lebhafter bewusst; denn ich er- 
kenne mit inniger Freude die Schönheit und Macht eines 
gebildeten würkenden Geistes. Täusche ich mich wieder? 
oder ist es wahr, was ich mir ott sage, dass dies ein 
bleibendes edles Verlangen meines Gemüths ist — bleiben 
wird — und es schwäche von mir wäre wenn dieser 
Wunsch unbefriedigt bliebe? 

ich habe aber auch noch eine Ursache dies zu wünschen. 
Der Erzieher meines Sohnes ist ein sehr achtungswerther 
Jüngling. Einsichtsvoll Gewissenhaft Thätig in seinem 



48 Neue Mittheilungen. 



Beruf. — er hat mit vielem Fleiss Studiert — und hat 
wie mich dünkt viel Anlage selbst in dem Gebieth 
der schönen Wissenschaften etwas hervorzubringen. Ich 
wünsche für Ihn sehr dass er seine Zeit so nüzlich und 
edel wie möglich hinbringen möge — Benutzung guter 
Bibliotheken — Rath und Leitung reifer Geister, dies fehlt 
ihm — wenn ich auch nicht komme so werde ich doch 
wohl ihn mit Fritz nach Jena schicken — damit ihm diese 
Vortheile werden. Ich gedenke Ihres Augusts. 

Charlotte. 
Vergeben Sie diesem Zeichen meiner Ungeschicklich- 
keit, ich schreib so ungerne ab — dies Blatt wird ja 
doch so gleich verbrannt — 

VII. 
Waltershausen, d. 10. Dec. [1794.] 
Sie gedenken meiner nicht mehr — es thut mir 
weh! — Von Herders höre ich nichts, es ist also ein 
doppelter Schmerz für mich!! 

VIII. 
[Weimar, Mitte December 1794.] 
Sie werden vor wenigen Tagen einen Brief von mir 
erhalten haben . . . Icli gehe in einer halben Stunde ins 
Pallais. Komen Sie doch zur Goechhaussen, gleich nach 
Tisch fahre ich nach Jena. Dass ich Sie bey meinem 
Aufenthalt wiedersehe ist keine geringe Freude für mich. 

Charlotte Kalb. 

IX. 

Jena d. 23ten Dec. [1794.] 
Ich eilte nach Jena um mich wieder etwas zu er- 
holen — bey einer Stimmung wie sie war und beynahe 
noch ist — war ich nicht würdig der nähern Unter- 
haltung — mit meinen Freunden in Weimar, — ob ich 
zw^ar schneller durch sie zum freiem Bewusstsein meines 
Daseins gelangen könnte. Doch vielleicht ists stolz oder 
Hipokondrie dass ich nicht gerne mit so vielem mir jetzo 



Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. 49 

so tief bemerkbarem Mangel für Sie erscheinen möchte. — 
Ich weiss nicht wie lange mich noch diese und jene Sorge 
hier aufhalten wird. — Haben Sie vielleicht bald hier 
Geschcäfte oder besuchen Ihre Freunde? Das wäre für 
mich in mancher Rücksicht auch sehr interessant ! — Sie 
lieben ja auch den Ort und die Gegend, und die mehrere 
Unbefangenheit mit welcher mann hier des Daseins inne 
wird als in Weimar. — Sie bedürfen des nicht aber andere 
können selbst zur aufnähme besserer ideen dieser Ruhe 
und entfernung von aller unnötigen Zeit Zerstreuung nicht 
entbehren. 

X. 

[Weimar, etwa 20. Januar 1795.] 
Es war bey Ihnen — Lieber verehrter Goethe — wo 
endlich der Wunsch wieder in Weimar zu leben, von der 
Hoffnung belebt zum Vorsatz in mir wurde; und den 
lebendigen Odem erhielt ich, nahm mir vor nur dafür zu 
empfinden, und zu handeln — und a-lles dafür zu leiden 
bis ich dieses Ziel meiner Sehnsucht erreicht hätte! — 
Entfernt bringe ich meine Tage in oedem Trübsinn hin — 
ich bin nicht; und meine Kinder sind für mich fremde 
unbelebte Gestalten die ich nicht liebe — weil ich nicht 
für sie würken kann! — Ist nur etw^as noch in mir was 
Rettung und erhaltung verdiente, — so muss ich hier und 
in dieser Gegend bleiben — Es wäre unverzeylich wenn 
ich mir eine Laage wolte rauben lassen, die mich in den 
Stand setzte mich endlich mit reger Vernunft meiner 
Kinder anzunehmen; und Anstalten für sie zu benutzen 
welche Aufklärung und Cultur hier schon gebildet haben. 
Vortheile — die ich nur hier in dem Grad und in der 
Mannigfaltigkeit vereiniget finde ! — Und dies alles wofür 
ich nur allein lebe — was mein ist — und noch mehr 
werden kann — Alles — das höchste Gut das ich kenne — 
was mir als Mensch — als Mutter, als Freundin heilig 
ist — alles ! das Leben — soll ich verlassen ! — Das will, 
das gebietet — darum quält mich meine ganze Verwandt- 
schaft! — und glauben Sie nicht dass sie einen andern 
Ort vorschlagen — wo nach ihrer Meynung ähnliche 

G0tTHE-J*HRBUCH XIIL 4 



50 



Neue Mittheilungen. 



Vortheile für die Bildung der Kinder zu erreichen wären, 
(für mich zwar war jeder andere Ort eine Wüste.) Aber 
nein — ich soll nach Franken ins Grabfeld zurück — 
meine Kinder sollen so unbrauchbar und unleidlich — 
daher ?o schädlich — wie der übrige Baron isirte Pöbel — 
Jahrhunderte schon klagt und schimpft mann über die 
Verterbtheit des Adels. — Und das stets überhand neh- 
mende Übel droht seiner Vertilgung — aber sie haben 
keine Ohren zu hören! — ich soll nach Waltershausen 
zurück — Ach ich will Ihnen das grosse Tableau meiner 
dortigen Existenz nicht Schildern — Das Thier kann dort 
verdauen und schlafen — dasjenige aber welches nur etwas 
von einer bessern Natur in sich kennt, und fühlt kann 
dort nicht schlafen und verdauen — wenn es lebt, — so 
fühlt es nur die Zerstörung die Atonie die Agonie seines 
Menschlichen Daseins — seiner Geistigen Natur ! ! Ahnden 
Sie die Tiefe und das Endlose meines Leidens? Wie viele 
scheuen das Licht, und misgönnen das Licht — Misbrauch 
der Natur und Kreatur pp 

Ich habe dumpf gedultet als ich nur allein lebte. Aber 
jetzt gild es die Errettung von drey lebenden — der Ver- 
nunft fähigen Wesen! — ich will mir alle erdenkliche 
Mühe geben — Wenn nur auch gute Geister mir beystehn? 
Aber ein Hauptgrund den sie vorgeben warum ich Weimar 
absolut verlassen soll Ist der Prozess meines Schwagers — 
mein Mann findet dadurch den aufcnthalt ganz unmöglich, 
ich dachte gleich dass dieser mein Unglück — vermehren 
würde ! — Ist denn in dieser Sache nichts zu aendern ist 
denn gar keine andere Vorstellung möglich? — 

... Es ist nichts unmöglich der Vernunft, und einem 
Goethe mehr als ich begreifen kann. — Wolten Sie diesen 
fatalen Process der durch die Laage der Dinge so furcht- 
bar für mich ist schlichten — Wie dankbar — wie beruhigt 
und heiterer würde ich mich wieder, gebeugt durch Leiden 
nach und nach erheben — und Leben. — 

, . . Der Herzog war immer über allen Ausdruck 
Grosmütig gegen diese Famillie. Er sey es nur noch dies- 
mahl! — Grosmütig kann mann nur gegen ein Geschöpf 
sein — gegen welches wir nicht einmahl gütig zu sein 



Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. 5 ^ 

Ursach haben, Grosmütig nur gegen ein Geschöpf welches 
uns unbedeudent und gleichgültig ist — welches wir selbst 
unglücklich machen könnten — und was nur dadurch weil 
wir eine schöne Handlung — weil dies Wesen ist ausüben 
könnten, einigen Werth in unsern Augen erhält. — Er 
Erbarme sich. Er sey gegen mich Grosmütig. — 

O lieber Goethe könnte ich es erflehen ! Dann dürfte 
nichts mehr mich entfernen wollen von einem Ort einer 
Gegend wo ein besserer Geist weht — Wo ideen voll 
Wahrheit und Energie im Schwünge sind — die Er selbst 
lockte, schüzt und vermehrt. — Könnte ich nahe bey den 
wenigen bleiben die noch Leben, und sehen — muss ich 
zurück kehren — Lebendig begraben zu sein ist ein er- 
schreckliches Loos. — Ich erröthe über meine Kühnheit; 
Er sey Grosmütig gegen mich! — 

Welcher Triumpf wäre es für mich wenn ich dies 
dem Kalb wiedererwerben könnte — aber nur gegen //;;/. 

An diese idee knüpfen sich noch mehrere — ich könnte 
meine Verhältnisse in Harmonie mit meinem Innern Wesen 
bringen . und so in selbstgenügsamem Frieden — meine 
Tage hinbringen ! 

Süsse liebe Hoffnung die du mir bisher die Feder 
führtest — gehe nun mit diesem Blatte . und belebe für 
mein Wohl die Brust meines Freundes ! Denn nur zu Ihm 
strebt jezt mein Vertrauen — und mein Gemüth ! 

Charlotte Kalb Marschalk. 

XL 

[Weimar, Ende Januar 1795.] 
Sie sollen von denen Angelegenheiten des Prozess Kalb 
kein wort mehr von mir hören. — Auch von m.einen 
eigenen Leiden nicht! — Es war nicht Feigheit dass ich 
in diesem Schmerz Sie auffoderte mir den Weg den ich 
wandlen will zu erweitern und zu ebnen. — Ihre negative 
Antwort hat meinen Willen und meine Neigung nicht ge- 
mindert. ~ Der Zweck — das Bild welches nur allein vor 
meinen Augen schwebt — darf ich nur nicht aus dem Ge- 
sichtskreiss verschwinden lassen ! — Ein dünner Faden 
führt durchs Labirinth, und nur allein windet mann sich 

4'^ 



>- 



Neue Mittheiluxgex. 



durch seine Irgänge. — Lächeln Sie immer — ich bin 
gewiss so dehmütig — als mann immer von uns fodern 
kann — es ist ein Unterschied — in dem sorglichen Schritt 
eines Weibes ; und dem zerstörenden — ertrotzenden ge- 
bietenden Gang eines Helden!! — ich mag nicht länger 
in diesem Sinn fortschreiben — nur das noch — mich 
dünkt das ganze Leben eines Weibes — die doch gerne 
möchte, dass aus diesen Steinen Brod werde — ist mit 
nichts erfült — als stets den Schutt wegzureumen — der 
von den Decken unserer grosen MoraHschen, Kirchlichen 
und Polizev Gebräuche über sie fält, und sie zu ersticken 
droht. 

Mir ist's nur lieb dass ich einen Saducaeer kenne mit 
dem über dergleichen Unfug zu plaudern ist. 

Senden Sie mir doch etwas nagelneu Philosophisches 
und auch etwas das erliebt und ergözt. 

Charlotte. 

XIL 

[Weimar, Mitte September 1795. | 
An einem Ort mit Ihnen zu wohnen — Von Ihnen 
gekannt zu seyn, Ihres Wohlwollens versichert — Sehr 
oft an Sie zu denken — mit den besten Gesinnungen, 
mit dem lebhaften Wohlgefallen an der Erinnerung Ihres 
Wesens, und Sie nie zu sehn ! es ist doch sonderbar ! — 
Ich hätte längst mich nach Ihnen erkundiget — Ihre 
Wohnung aufgesucht, — Wenn der Mangel an Umgang 
und Mitteilung mir nicht stets mehr die Fähigkeit raubte, 
Empfindung und Gedanken mit Fertigkeit aufzufassen, und 
durch die Sprache wiederzugeben. Ich schien mir nicht — 
zu se3-n, was ich sein kann, ich hatte mich besser gekannt; 
darum habe ich Sie nicht besucht ! — Ich fühle noch leb- 
haft wie Krankheit, Verlust, und Einsamkeit erdötend auf 
mich würkte ; auch habe ich keine Lectur die mich er- 
gözte. — ich sehne mich nach dem 3ten Theil Ihres 
Wilhelms, wie nach der Wärme des Sonnenlichts, wie 
nach dem Besuch eines vertrauten Gemüths. Ich höre Sie 
gehn nach Italien, wohl Ihnen, es steht nicht gut mit 



Briefe von Charlotte v. Kalb ax Goethe. 5^ 

Deutschland, — es scheint alles leer ohne Leben Willen 
und Energie zu seyn. 

Leben Sie recht wohl ! Charlotte. 



XIIL 
[Weimar, Anfang Octobcr 1795.] 

Die Tage sind jetzo so schön — ich möchte wohl 
mit Ihnen vor ;Ihrer abreise — noch einmahl Spazieren 
gehn — bestimmen Sie wenn? und die Stunde. — ich habe 
just keine mir jeztvorzüglich gegenwärtige idee die ich 
Ihnen vortragen möchte. — Aber es wird mir angenehm 
sein, und ist's nicht verständig — dass mann nach denen- 
jenigen sich sehnt die Leben — Denken, und denselben 
Ort bewohnen — — Wie wenige denken können das war 
mir längst begreiflich. Dass aber sowenige Leben können; 
und dürfen, w'ird — mir immer klarer, ich wundere mich 
nicht dass man sowenig werth auf das Leben legt ! Das 
schaale Ding — durch die Form die 'ihm unsere Societät 
gegeben. — 

Wenn ich ans Fenster gehe so wird es mir so klar 
und hoch zu Muthe. — Gehe ich aber zu andern zu 
Kranken, Trocknen, Kargen, so werde ich schnell Elender 
als sie; und ahnde wirklich die Spur jeder Krankheit jedes 
Übels. — Diese rauben mir meine Welt. — ich kann die 
ihrige doch vielleicht noch etwas aufputzen? — 

Leben Sie wohl, und lassen mir bald sagen wenn ich 
Sie sehn werde. 

C. Kalb. 
XIV. 
[Weimar, etwa 20. November 1795.] 

Sie haben ein Wesen verlohren, das Ihren Hoffnungen 
Ihrer Sorge und Liebe gehörte — es thut mir Leid! — 
ich kenne diesen lange nicht zu besiegenden Schmerz — 
Vielleicht muss ihn aber ein Weib mehr empfinden ! 

Den 3. Band von W. Meister hab ich noch nicht 
gelesen — er ist noch beym Buchbinder. Aber das 
Mährgen. ich will es wiederlesen, und dann will ich 
Ihnen meinen Wahn und Thraum von diesem Mährchen 



54 Neue Mittheiluxgen. 



sagen. — Es haben schon viele über meine Deutung ge- 
Lächelt, und andere gestuzt — für mich ist viel Wahrheit 
und Sinn darin und das Licht welches mir das ganze 
beleuchtet, wird hoffe ich noch kommen, einiges dünkt 
mir bekannt, vieles ist mir verständlich! — 

Wenn sehe ich Sie wieder, besuchen Sie mich wenns 
Ihnen einmahl gemüthhch ist. Ich bin wohl. Ruhig und 
meist schwei2:end. — Unterhalten kann ich Sie nicht — 



aber wohl Hören. 



Charlotte Kalb Mlk. 



XV. 

[Weimar, 25. März 1796.) 
Ich bin noch immer in dem Mittel Zustand zwischen 
Kranksein und Wohlsein — obgleich ich mir alle Mühe 
gebe mir zu einem oder dem Andern zu verhelfen. 

Sie haben heute Abend Geseelschaft darf ich auch mit 
kommen? Oder ist es — dünkt es Ihnen nicht ziemlich? 

— ich thue gern was Sie hierin fürs beste halten. 

Sagen Sie Schillern den freundlichsten guten morgen 
von mir — auch gedenke ich — Augusts und Carls — 
Es ist doch schön wenn gute Freunde Kinder haben 

— es ist mit der Liebe wie mit dem Feuer, je gröser die 
Flamme je schöner. Aber ohne viele Gegenstände der 
Liebe kann die Liebe nicht gewaltig werden ! — ich wils 
nicht wieder überlesen sonst schick ichs nicht! — und 
fürchte den Schalk in uns — der immer geschäftiger wird 
jedes Flämmchen auszublasen ! — 

C. Kalb. 

XVL 

[Weimar, 25. März 1796.] 
Sonderbar! Aber ich glaube würklich es ist der 
Lebendige Tod — der mich hinderte Sie und Schillern 
zu besuchen. Denn wie ich höre so ist nach Stand und 
Würden, ein jeder etwas mit dieser Epidemie behaftet! — 
Die — wenn noch einige Paroxismen mich anwandlen 
solten — an und in mir nur ein volkommenes Zeugniss 
ihrer Würkung geben würde;. — und ein jeder Kenner 



Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. 55 

und Liebluiber dieses modischen Seyns könnte an mir 
diese Gabe der Zeit beobachten und demonstriren. — 
Denn weniges ausgenommen so ist fast alles nuäusetot: — 
Als da sind Liebe und Hass — Freude und Schmerz — 
Furcht und Hoffnung! — Und wir harren in den Leichen 
Häusern auf den Gots Bliz der uns erwecken werde — 
(dass mann immer giebt wo schon die Fülle ist — in 
unsern Zeiten ein Leichen Haus mehr — heisst das nicht 
auch wieder den Eimer ins Meer getragen?) Aber viele 
sind berufen und wenige auserwählt. Denn die da er- 
leuchtet werden — wandlen über die Schwelle der kalten — 
zur reinen — und endHch in den ^ten Himmel — ins 
Reich der kritischen Vernunft! und wenn mann einmahl 
die Schwelle der kalten Vernunft überstiegen hat, dann 
sols immer weiter in Millionen Himmel gehn ? — Aber 
ich kenne bis jetzo nur diese 3 dem Nahmen nach! — 



Wenn ich nicht Willkommen bin — so lassen Sie 
mir nur sagen ich möchte zu Hause bleiben und so will 
ich im Glauben leben — und nicht im Schaun ; denn nach 
meiner Erfahrung ist der Glaube das beste was uns werden 
kann, und expres für uns Frauens in die Welt gekommen — 



Der Doctor war hier und sagte ich habe etwas Cathar- 
iieber — werfen Sie also dies ungemach zu den übrigen 
Unarten die Ihnen bekannt sind — und endschuldigen 



gefälligst die Tolheit Ihrer Verehrerin 



C. Kalb. 



XVII. 

[Weimar, 26. April 1796.] 
Gestern Abend sagte ich mir — Wenn du jetzo aus- 
geschlafen hast — und du könntest — den andern Tag 
wieder den Egmont sehen — und es stünde ein anders 
Clärchen da — dass mir dieser Geist erschien — ein 
andrer Ferdinand — Heute habe ich einen andern aber 
einen gewiss eben so schwer mir gelingenden Wunsch — 
Ich möchte den Egmont vorlesen hören, und von Ihnen! — 
ach wenn es nur 2. 3 natürlich so dasselbe verlangten wie 



56 Neue Mittheilungek. 

ich — dann thäten Sie es vielleicht — aber — ach ! — 
Sie — ich kann Sie nicht Tadeln ich darf Sie nicht 
Loben! denn wer lobt gerne was er immer entbehrt! —- 
Ja wenn 2. 3 Versamlet wären in diesem Nahmen — 
dann — nicht wahr, dann wären Sie mitten unter ihnen. 
Wenn mehrere wären — Aber Sie haben allen Glauben 
und Hoffnung zu uns verlohren ! — Wer sind Sie denn — 
Sie! Sie sind vieles aber Sie sind auch noch der Egmont 
und Alba in einer Person — und gegen mir meist nur 
der Alba! — Das Tödtet aber — oft, gewiss mehr als 
das Schwerth. — Verzeihen Sie dass ich so klage! — ich 
hab vielleicht unrecht, und Sie sind gut gegen mich — 
aber nur unsichtbar — und schweigend! — Schiller ist 
auch für mich schon längst, ins Schattenreich hinüber 
gegangen! — 

O es sind in diesem Egmont Göttliche Worte ganz 
getrennt von der Composition — voll Geist und er- 
höhend — diese will meine Seele fest halten. — — 

Ifland wenn er sie erst noch mehr spielt wird sich 
mehr dieses Geistes eigen machen. Er hat sie aber in 
seinem Gemüth erwogen — das hab ich wohl gefühlt. 
Der Traum, er ist prächtig aufgestanden! 

Ich danke Ihnen sehr, unaussprechlich für die Freude 
die Sie uns verschaff haben — für den Göttlichen Genuss 
den es mir gewährte — Jeder Traum zeige Ihnen eine 
himmlische Erscheinung und Ihr Leben sey umgeben von 
schönen Harmonien — Sie weihen es ja der Betrachtung 
der ewigen Harmonien . und tiefer und reiner werden 
durch Sie — ihre ewigen Gesetze — den Menschenkindern 
bekannt! — HerzHchen Dank für diesen Moment meines 
Daseins — Die Musik war auch — so lieb — so vereint 

mit dem Geist ich will aufhören, schicken Sie mir 

mein Billet wieder, wenns Ihnen sonderbar dünkt. — — 
oder schreiben Sie mir ein freundliches Wort! — eins ist 
mir Lieb — das andere ist mir recht! Schmerzlich ist mir 
kein Versagen — denn meine Seele gabs die keinen 
Schmerz empfindet — meine Seele — zeigt ja nur die 
Schätze die sie von Ihnen empfangen hat! 

Charlotte. 



Briefe vox Charlotte v. Kalb an Goethe. 57 

XVIII. 

[Weimar, Ende April 1796.] 
O warum gaben Sie der Feder den Gedanken nicht — 
der sclion aus Ihrem Gemüth geflohen war — und zu mir 
wolte! — ich weiss nicht von welchem \'erhältnis Sie 
reden welches Sie fesselt dass Sie sich nicht seihst hin- 
geben, für uns — und dass andere unschuldig dabev darben 
müssen! — o wie viel wäre alles anders tür das ganze, 
und fürs individium. — Aber es gehört Liebe dazu — 
diese freie grose himmlische Liebe; nicht die Elende 
dumme beschränkte: Liebe die giebt — Liebe die Em- 
pfängt — wer weiss das besser als — ich habe noch nie- 
manden gefunden der durch die Gaben der Liebe arm 
geworden wäre — Nein! die Sonne wäre, auch ohne eine 
Welt — aber diese Erde ist schöner, wenn sie die Sonne 
beleuchtet ! — (Es ist ja nur eine Kunst eine freie Kunst 
weil Sie diese so sehr lieben.) was sage ich da — das 
ist unsinn! — Ach ich weiss es ja wohl, ich bin arm — 
und doch bin ich viel lieber Einsam — ganz einsam — 
als dass ich unter der Welt sein wolte, und mich selbst 
verleugnen — O wie oft wie unendlich oft habe ich das 

gethan — Aber meistens hats doch nur so geschienen 

und das ist ja nur der Schmerz über den meine Seele 
klagt — dem sie entfliehn, entfliehn möchte — Lieber 
vernichtet — stum — einsam einsam! — als verworren 
mit diesen hederogenen — unlautern Vermischungen. — 
Unter allen wiederwärtigkeiten Leibes und der Seele, sind 
die kalten leeren Essigsauern Qualen — der Geselligkeit 
wie mann sie findet mir die schwersten gewesen ! — weil 
ich wenn ich heraus kam — mich nicht wieder hatte — 
laut rief ich meinen Nahmen — aber ich erschien nicht — 
O was hätte ich bleiben sollen was hätte ich werden 
können! Dies zurück sehen ist unnüz, Verzeihn Sie 
mir's. — Ihr Egmont brachte mich darauf. Der falsche 
Tropfen in seinem Blut — sein Ewiges Leben ! Aber wie 
himlisch ist das zusammen finden — von Wesen die sich 
geben wie sie sind — Nur der Wahrheit — Schönheit 
und dem Verstand huldigen, das höchste Ueben — mit 
allem Leben und seyn! — ich verstehe Sie wie mich 



58 Neue Mittheilungex. 



dünkt meist, mehr, als — Sie ^verden verkannt. Das 
wundert mich nicht — ach Sie wissen ja was wir alles 
für masquen bekommen haben — wie der Mensch ver- 
mumt ist — und der Geist nicht erweckt. — und wo er 
auch ist wie bey mir, regt er sich nur mit kleinem 
Fittig wo die Federn verdorben — oder ausgezogen sind — 
das Bild ist nicht schön aber leider wahr — — 

Mein Fritz war in der Comedie der Junge hat mich 
gefreut, die letzte Scene meynt er war das schönste und 
rührendste was er je gesehen hätte — (mein Verlangen es 
wieder zu sehn ist unaussprechlich) — und die Mad. 
Becker wie sie die Worte sagt wo ist meine. Heirnalh? 
die habe ich ihm erklären müssen, ach meynte er das ist 
Prächtig, dass Sie nicht mehr Leben kann ohne ihren 
Freund, — das Kind hat etwas von dieser reinen Harmonie 
verstanden — o wie hat mir das gefallen ! — ich könnte 
Ihnen noch vieles sagen — wollen Sie einmahl zu mir 
kommen — wir können ungestört sprechen — 

Ich habe Ifland gesagt wie Sie ihn lobten wie einzig 
Sie ihn erkennen und Lieben — das wüste er so noch 
■ nicht — glauben Sie mir über die besten Menschen muss 
immer ein Dritter den andern die Augen öfnen — und er 
wurde sehend — und seine Seele wurde es, heiter, und 
er dankte mir, wie er mir noch nie gedankt hatte. — — ■ 

Ich war bey der Herzogin Mutter — Ifland hatte mir 
einen Auftrag an sie gegeben. Da wird mir wie Egmont 
in den Mauern — ich gieng — fand andere — es war 
wieder so. — ich thue nicht gut unter sie zu sein, für 
sie, und mich. — Aber bey Herders bin ich gerne. Ebe 
und Fluth bin ich bey ihnen gewohnt das thut mir nichts 
mehr — ich habe es ja bey allen müssen gewohnt werden 
— und Lebe noch — und weiss es nun, wie ich es auch 
als Kind wusste dass in mir das Leben ist — Die Natur 
hat eiserne Geseze. Bis die Vernunft diese erkennt Glauben 
wir alles durch andere zu seyn, alles mit andern zu ver- 
lieren ! — Es ist ein Sieg über den Tod wenn wir aus 
diesem Kampf das Leben davon tragen ! Ihr Brakenburg 
ist ewig wahr! Jammer über den Menschen ders nicht 
empfinden kann!! weinet mit dem Wesen — ach drückt 



Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. 59 



es fest ans Herz dass es an den euern wieder erwärme — 
nach solchen Epoken — dann kommt eine öde lange Zeit, 
die keinen Tag hat. — Wenn das Herz endlich müde des 
krampfhaften Schmerzes — Tod in unserer Brust ruht — 
dann wird uns das Geräusch, das verworrene Murmeln der 
Menge wieder hörbar. Ach ich war fast immer nur im 
Geräusch — Aber im wehen der Liebe — verschwindet 
das Geräusch — die Welt ist uns ein bewegtes Spiel von 
ideen — Gestalten — hie und da hören wir ein Wort, 
und wir erkennen wieder und sehnen uns nach ähnlichen 
Naturen — Im Geräusch findest du dich nie wieder — 
Nein — unter dem Himmel wo du deine Gattung nicht 
siehst, wo nichts sich bewegt, als das Wallende Gras, und 
der Säuselnde Baum — Wo ein Sturm dich fesselt, mit 
Almächtigem Zauber, und die hohe Simphonie der Natur 

— zu deinem Herzen redet — es schlägt wieder — 
der feurichte Strahl entzündet es wieder, in dieser 
Nacht — Es wird helle — Immer «janfter süsser leiser 
weht der Zauber — Eine heilige Andacht verbreitet sich 
über uns — der Himmel wird heiter — es wird wie 
ein Göttliches Auge über uns — und wo das Gewitter 
war — ist nun ein siebenfarbiger Bogen — Welche Ver- 
kündigung. HeiHger Gott! ich bin! und in Wehmuth 
aufgelösst weiht sich — mein Seyn der Betrachtung — 
der Liebe — des Alls und des Einzigen!! O las mich 
nur Menschen finden die das unnenbare ahnden in dieser 
Pracht! 

Ich will aufhören — besuchen Sie mich heute. Morgen 

— oder Übermorgen um die Comedien Zeit — Lassen Sie 
mirs aber sagen, damit ich Sie erwarte und allein bin — 
ich hab viel zu sagen und zu fragen. Se3'n Sie nicht Alba 
gegen mich es thut nicht wohl — 

Es ist nicht genug an der Vermummung ! Zwischen 
den Freunden sind noch dichte Nebel — aber durch sie 
können wir gehen — und je näher je dünner. Es sind 
schläusen und gränzen? — Mann wähnt es nur — ach 
ein Spann ist nicht leichter zu brechen; ich fodere nichts, 
aber ich habe doch kein Ziel und Maas — aber wo ich 
bin, da bedarf mann auch dessen nicht. 



6o Neue Mitthf.iluxgek. 



ich weiss nicht woher es körnt dass ich Ihnen so 
leicht schreiben kann — wenn ich Sie sehe, oft — nicht 
immer, wenn ich ein Billet von Sie bekommen habe — 
dann sag ich mir oft, das ist der Mensch nicht an den ich 
geschrieben habe — dann verschwindet mir alles das — 
besonders wenn ich allein bin — und ich — ahnde — ich 
glaube ein Wesen und an das schreibe ich — erklären Sie 
mir das ! — — 

ich lege diese blätter in ein Buch — damit mann nicht 
bemerkt dass ich Ihnen so viel geschrieben — sonderbar — 
einfältig — ich muss mit Ihnen über vieles und mancher- 
ley Personen reden. — Werden Sie das Geschmier lesen 
können ? — Betrachten Sie es nicht mit den Augen der 
Kritik mein Gott es wird mir eiss kalt ! — 

Sisifus ich glaube so heisst die Art. — Dann sind 
auch Weiber die auch so unglücklich waren, ich weiss 
aber nicht mehr was sie zu thun hatten. Der eine Vv^elzte 
einen Stein der wenn er den Berg herauf war wieder 
herunter rohe. Dieser Stein heisst Critik. Die Weiber 
sollen auch steine haben wälzen müssen — die immer 
wieder herab rollen, und wenn sie oben sind keine Bahn 
finden und keine stütze — diese Steine heisen Pflicht — 

Adieu. Der Herr gebe uns seinen Frieden. 

XIX. 

Weimar den 4. May [1796]. 
Die Schillern und Körner hat mir geschrieben ich 
möchte kommen — ich kann nicht ehr bis mein Mann 
wieder zurück ist — und dieser wird mich wohl sehr 
bitten, nicht Schillern zu besuchen — Es war ihm Schmerz- 
haft und er kann es nicht vergessen — dass mich Schiller 
bey seinem 4 wöchentlichen aufenthalt nicht besucht — 
dass er für alle, nur für mich nicht war. — »Es ist ihm 
ja gar nichts an dir gelegen, er kann ja keinen Schritt 
für dich thun« — ich habe ihm nichts versprochen. — 
Aber ich will ihn nicht kränken — ich will nichts ver- 
tischen, was zu seinen edlern unterscheidenden Gesinnungen 
gehört — besonders — da ich wohl selbst weis, dass es 
fast drollich von mir wäre den Schiller wieder zu be- 



Briefe von Chaklotte v. Kalb an Goethe. 6l 

suchen — ich lege einen werth auf mich — und wo es 
mir nur erlaubt zu sein scheint, zu sein — da bin ich 
nicht — und hätte ich lo mahl das Brod mit euch ge- 
brochen. — Die Weiber sind gut — aber ich bin — 
schlimmer und besser als die andern, ich hebe sie fast — 

aber klar wird's unter uns nicht — Körner Ehre ich 

er könnte kommen und mich besuchen — aber er ist ver- 
heirathet — für den Mann der Verheirathet ist — und 
doch nicht genug — bin ich ein Kamelion den jedes in 
einer andern Gestalt sieht, ich kann nur viel oder nichts 
sagen. — Wenn Heinrich komt so gebe ich ihm den 
Brief von der Schillern und Körner — giebt er es zu, so 
komme ich auf wenige Stunden — 

Sagen Sie mn" bald ein Wort, ich lebe jetzo in einer 
sonderbaren masque — lesen Sie diese Blätter in einer stillen 
Stunde — sagen Sie mir ein Wort darüber. 7 Jahr war 
ich noch nicht als ich der Wärterin einen 24 ger gab — 
damit sie mich einen ganzen Nachnjittag bey der Ent- 
schlafenen lies — — 

Haben Sie über Jena und die Freunde andere ideen 
so sagen Sie mir solche. Ich höre gern — ich folge 

eilend des Freundes Rath. 

Charlotte. 

Herders Rinaldo ist tödHch schrecklich Krank, ach 
wo finden wir einen Balsam für diese Leidenden ! — 



Sie fanden den Brief zu kurz, Sie lesen ihn oit 
wieder ? — O wenn Sie solche Briefe gerne lesen so kann 
ich Ihnen viel schreiben — dann eile nur Feder! ich habe 
ein ganz unbekanntes Leben — Von einer doppelten 
Täuschung über meine Erscheinung viel zu sagen. Freunde 
und Feinde irrten sich in mir, und fast die Letztern mehr, 
als die erstem — in ihrem Hass erkannt ich mich, in ihrer 
Liebe nicht. — Dies gab mir eine Gleichgültigkeit, eine 
Willenlosigkeit ein Pflegma — wo der Nachtwandler — 
am rande des Daches sicherer gieng, als ich — ach wenn 
eine stimme mich rief — von den meinigen, dann erst 
erwachte ich und bemerkte den abgrund wo ich herabzu- 
stürzen drohte — oft wars nur ein schall — nur selten 



62 Neue Mittheilungek. 



weilte die Stimme der Simpathie länger um mein ohr -- 
und fachte die Flamme der Seele an, die mit himmlischem 
Feuer aus dem Auge, auf das antliz des Freundes sich, 
ergos — ich zähle nur wenige stunden einer so Gött- 
lichen Wehmuth in meinem Leben — durch diese stunden 
allein scheint mir die stunde der Gehurth einen Werth zu 
gewinnen; wenige Augenblicke der Verklärung! — Auch 
habe ich nie laut wünschen — nie bitten ach wohl nie 
bekennen können, ach dachte ich wenn mein sein euch 
nicht gefält — wie könnte euch meine Dürftigkeit ge- 
fallen — bald war ich wieder Einsam — ich ahndete 
keine Seele, ich fühlte kein Herz — so sind mir Jahre im 
Grabe verschwunden. — Es ist 1 1 Uhr ich will schlafen 
es wird mir Morgen früh wohl sein als hätte ich ausge- 
schlafen! als ich Ihnen meinen lezten Brief schickte war 
mirs als wenn ihn eine Macht foderte. — ich hörte nicht 
ein Wort von Ihnen wieder! ich will nur immer ein 
Wort aber das recht bald — denn schreiben können Sie 
mir eigentlich nicht, vielleicht nie! — Das bedeutet mir 
nichts (Sie haben mir genug geschrieben — und werden 
mir wiederschreiben — wenn Sie wieder glauben hätten ! — ) 
nun hörte ich am Sonnabend Sie wären nach Jena, meine 
Nerven waren etwas gespannt ich bin immer allein — ich 
erwartete auch eine Zeile von Ihnen — nichts — das war 
nun der Alba leibhaftig — der Sie auch sind — heute 
erhielt ich das Buch — mein Herz hob sich — tränen 
glitten mir die Wange herab — von einer Seele ein 
Wort — nach langer Zeit — ich werde schlafen Gute 

Nacht! 

Der May ist drausen und ich kann nicht hinaus — es 
beklemmt mich wenn ich jemand unvermuthet begegne 
und ich habe meist etwas sehr dummes gesagt, oder ge- 
schienen — ich sehe nicht — aber mir ist's als fühlte ich 
mit den Augen — ich höre sehr leise — und in meinem 
Ohr liegt mein Himmel und meine Hölle. — Es ist besser 
ich höre nicht — ich rede nicht — Vor 2. 3 Jahren war 
es schön — ich war allein auf dem Land — früh war ich 
in der blühenden Laube, spät abends gieng ich den Berg 
hinauf ich hatte nichts gethan — in Ahndung Erinnerung 



Briefe vox Charlotte v. Kalb ax Goethe. 6^ 

und reizender Betrachtung war die Zeit nicht mehr — und 
alte Zeit nah! — Der hohe Saal empfing mich das weise 
Zimmer das ruhige Kabinet — die Nachtigal schlug am 
lautesten in der allgemeinen Simphonie die jetzo meinem 
Ohr hörbar wurde — vorüber tönte. — (Dich haben noch 
wenige Komponisten belauscht. — Die Ouvertüre vor dem 
Gesang der Hirten in Handels Mesias da ist es so! — ich 
hörte sie lezt — aber sehr unvolkommen !) Wo ist die 
Luft weicher — und schmeichelnder — wo kosender als 
dorten, der Mann hatte den Berg verlassen — der das 
Thal beschüzt — ein Gewölk begleidete ihn — der Mond 
stieg herauf und sein Schleier herab — hin über das Dörf- 
chen — und dies Enge Thal — hin schwamm er über 
den Wald der die anhöhe begränzt — beglänzte die Kirchen 
Fenster — den schlängelnden Bach, und spiegelte sich 
lichthell — in dem klaren Teich — den die dunkle Wiese 
umfaht — Die Lüfte kosten wie Geister um mich — die 
Locke wehte das Band berührte meine Lippen — der 
süsseste kühlte mein Auge — Was bewegt mich — wer 
ist mir nah — welche Seeliche theilt mit mir ihre Wonne 

— Bist du mir nah seelicher Geist — der einst in hehrer 
Gestalt auch hier ruhte — schöne Aurora meines Lebens ! 

— gieb sie alle hin Erinnerung, nur diese Zeichnung las 
nicht erblassen, ströhme wärmer durch mein Herz — dass 
ich die edelsten Farben finde, — ich möchte einmahl eine 
HeiHge mahlen ! — Hier lag die Lilie als sie in der Sehn- 
sucht nach ihrem Ideal entschlafen war. — Das braune 
Haar walte unter dem Schleier hervor und begleidete die 
weiche hingegossene Gestalt — wer hätte dieser Hand — 
ein irdisches Beginnen mehr wünschen — zumuthen wollen 
warum hat sie kein Marmor verewigt? — — Die Lippe 
war noch geröthet — und das Antliz mit der Ruhe ge- 
weiht — die keiner noch beschrieben — wer nicht weinen 
konnte , weinte — wer geweint hatte trocknete die 
Thränen um die Verklärte zu schauen — ich ward so 
ruhig so seelich — • und hätte mein Leben hindurch da- 
gestanden : ich sah den Himmel an die Glorie dieser 
Heiligen und jezt erhielt er seine Azurfarbe die in meiner 
Seele ist — ein Flor umstrickte mein Herz — eine 



64 Neue Mittheilungen:. 



unsterbliche Sehnsucht glänzte in meinem Auge — und 
die ich nachher liebte in denen leuchtete sie auch ! 

Ich könnte ein Evangelium schreiben von diesem Weib 
und ihrem Sohn! meinem Bruder! — 

XX. 

Weimar d. 21. May 11796]. 

Haben Sie am Mitwoch vor 14 Tagen — einen Brief 
von mir erhalten? — 

Es ist eine Spannung zwischen mir Schiller und 
Körners, in einer hipocondern Stimmung, nahm ich es 
schmerzlich dass ich ihn bey seinem hiersein gar nicht 
gesehn — und Körners unter so vielen nur auf wenige 
stunden sehen konnte — denn ein längerer Aufenthalt 
von mir in Jena glaube ich wäre Schillern nicht recht. — 
In der Einsamkeit wenn eine Laune sich befestiget — 
und nichts in der äusern Welt diese Vorstellung haben 
mag — erscheinen leicht alle Wesen die uns bedeutend 
sind, gleich quälenden Dämonen, ich schrieb — so, was 
ich wohl denken durfte — aber nicht schreiben solte — 
an Körner — dass ich nicht nur auf so wenige stunden 
allein hinüber fahren möchte. — bald that es mir aber 
leid dass ich sie bey ihrer Anwesenheit gar nicht sprechen 
würde. — So schrieb ich an Schillern selbst, bekannte ihm 
meine ganze Stimmung — bat dass Körner und seine Frau 
die Schillern nach Weimar auf einen Mittag kommen 
möchten. Dieser Beweiss ihrer Güte hätte leicht den 
trüben Nebel verscheucht. Es sind 8 Tage ich habe nichts 
gehört. — ich möchte gerne diese Disonanz in meinem 
Seyn wieder aufheben. Wollen Sie das Edle Wesen sein 
welches mir diese Wohlthat erzeichen möchte? — W^enn 
Sie mich dieser Güte Werth achten — so werden Sie 
auch diese Angelegenheit meines Gemüths — mit dieser 
milden — schönen Eigenschaft behandlen. — Der höchste 
Grad Ihrer gute wäre — wenn Sie mich in einem leichten 
Chaischen selbst abholten, in dieser kranken Stimmung 
fürchte ich mich fürs allein fahren, und hier hab ich 
niemand — als stumme. Will aber Schiller alle bekannt- 
schatt aufgeben — so ist eine Frage ob Körner — Ja wohl 



Briefe vox Charlotte v. Kalb an Goethe. 



Misdrauen — und Härte halten uns sonderbar aus einander. 
Darf ich bitten dass Sie sich nichts von diesem Brief 
merken lassen — mir morgen nur eine Zeile mit der Post 
antworten. — Sonderbar wär's und mir höchst unangenehm 
wenn der Brief den ich Ihnen am Mitwoch vor 14 Tagen 
schrieb verlohren gegangen wäre? 

Charlotte K Mlk. 

XXII. 
[Weimar, Ende October 1796.] 

Immer nahm ich mir vor Ihnen für das köstliche Ge- 
schenk Ihres Werks zu danken — aber umsonst giengen 
mir schon 3 Tage vorbey. Dem der wenig spricht — 
wird's auch schwer zu schreiben — und die Empfindung 
bleibt lange ohne das Vermögen, sich in Worten zu äusern! 

Wie hat mich diese Lecture bezaubert, ich lebte ganz 
in dieser Welt — ich betrachtete alles mit reger Aufmerk- 
samkeit — ich lauschte auf jeden Gedanken — der Ein- 
druck gieng nicht vorüber — es war ja keine Täuschung 

— für die Wahrheit selbst empfand ich so. — Tief war 
der Schmerz der mein Gemüth bewegte, und der es immer 
noch fesselt ! — 

Welche Demant Schrift — welche Mäsigung und 
welcher Reichthum — wie viele Schönheiten habe ich schon 
erblickt — diesen Brauch des Gifts des Wahns ohne Ge- 
brauch desselben — diese Volendung im einzelnen — und 
die Verbindung die in einer so schönen Volendung glänzt 

— Welch ein Leben welcher ström voll Wesen geleidet 
mir vorüber ! O erkennen Sie meinen Dank ! ich Liebe 
dieses Buch sehr ! — Auch mein Gemüth hat es erweitert, 
und erheitert — und ich hab ihn wohl oft verstanden, den 
herrhchen Geist — voll Kraft Einsicht und Bildent der in 
diesen worten weht! Charlotte 

XXIII. 

[Weimar, 21. Januar 1799.] 
Darf ich nach so langem Sclnveigen — und so langer 
unsichtbarkeit wieder vor Ihnen Erscheinen, und Sie bitten 
diesen Abend nach der Comedie zu mir zu kommen ! 

Goethe-Jahrbuch XIIL c 



66 Neue Mittheilukgek. 



Schiller soupirt bev mir und diesen möchte ich gerne 
mit der Gegenwart eines Wesens Ehren das Schillern 
freundlich achtet und Liebt, und das ihm stets seinen 
Genius erweckt, und nährt. 

Charl. V. Kalb. 

XXIV. 

[Jena, 29. März 1799.J 
Wer Sie erkennt — und inimer mehr zu erkennen 
wünscht — würde der nicht gerne einen Planeten ver- 
lassen — und in einen andern eilen um mit Ihnen zu 
seyn ! Aber der den ich bewohne giebt nur den Anblick 
der Verwirrung der Seele die sich von dieser zu befreien 
trachtet. Den Geist der am hellsten die Welt erblickt 
und ausspricht — begegnet nirgends das aufmerksame 
Gemüth. In Weimar ist dieser Geist Gebannt; und ich 
bin Verbannt. — In Jena spielt ein Hämischer Dämon mit 
meinem Wunsch — Also will ich meinen Willen nicht 
lange nur im Herzen tragen sondern mit der Feder be- 
kennen. Finde ich Sie heute bey Schiller — um 6 Uhr 
komme ich hin. Und in den wenigen Tagen die ich 
noch hier bleiben will — . . Sie ein Stündchen wo ich 
Sie besuchen darf. 

Charl. V. Kalb. 

XXVI. 

Trabeisdorf bey Bamberg d. 19. 8ber [1803]. 

Vor einigen Tagen fand ich Zeilen von Ihrer Hand 
in denen Sie mit Innigkeit einiger Blätter erwähnen die 
ich Ihnen einmahl nach Jena geschickt. Haben Sie diese 
noch so schicken Sie mir dies Papier — Wer sehnt sich 
nicht — wie nach guten Geistern — die Erinnerung solcher 
hellbelebten Stunden wieder zu erneuern und der Seele 
Licht an dem eigensten Leben wieder zu zünden! Ist es 
nicht verbrennt so erfüllen Sie meine Einfältige Bitte. 

Sie haben eine schöne Tochter — Eugenia — ich 
weiss sonst kein Wort — irre ich? mir ist's als hätte es 
ähnlichkeit mit dem Fragment in Ihren Schriften (ich habe 



Briefe von Charlotte v. Kalb ax Goethe. 67 

sie nicht hier) die Geheimnisse wie ich meyne genant — 
Wie sehr ich danach verlange will ich nicht ausdrücken ! 
Charlotte Kalb gb. Mlk. v. Ostheim. 

XXVII. 

Berlin, Linden Strase 66. d. 20. September [1807]. 

So oft ich Zelter sehe frage ich nach Ihnen — seine 
Lezten Nachrichten sind mir schmerzlich. Ein Würdiges 
seelenvolles Andenken bleibt Ihnen ewig ! — O wenn 
sich doch noch einmahl ein Gespräch unter uns erneute. 
Erquickend und belebend, Einzig sind solche stunden 
reiner Mittheilung wo der Gedanke neu sich vor dem 
sehnenden entwickelt! Ich habe keine freundschaftlichen 
Verhältnisse wieder gefunden, wie ehemahls — und werde 
die Erinnerung meiner Freunde nicht entweyhn durch 
vergleich oder den wünsch ähnlicher Verbindungen — 
die selbstständige Genügsamkeit meines Herzens habe ich 
mir durch die Liebe für die Freunde in Weimar erworben. 

Ich habe viel unangenehmes erfahren, zwar habe ich 
meine äusern Verheltnisse immer für gefährlich erkant — 
ohne die strengste Sorgfalt hätte mich Längst das Übel 
überwältiget. — Man sagt die meisten zählten in ihrem 
Leben alle Momente Menschlicher Verhältnisse. — Herschen 
und gehorchen, geben, und bitten. Jetzo bin ich eine 
arme Frau — und um aus diesem Übel mich zu retten 
will ich eine Handelsfrau sein — es gelingt mir — aber 
leider habe ich jetzo nichts mehr zum Einkauf. Hätten 
Sie die Neigung, die Ruhe meiner Tage zu befördern so 
geben Sie mir eine kleine Summe — etwa 100 Rthlr. an 
meiner Gewissenhaftigkeit, Sorgfalt und strengen Mäsig- 
keit wird es nicht fehlen dass es bald möglichst wieder- 
erstattet werde. So kan ich glauben — weil alles was 
ich erhalten kan zu Arbeiten verwandt werden — die 

jeden Monats verkauft sind Wenn ich gleich diese 

Wahrscheinlichkeit habe — nehme ich es von Ihnen mit 
dem innigsten Dank für die Milde Ruhe des Schlafs, den 
heitern Tag, der die starre Sorge vernichtete ! — Ver- 
wandte Hesen mich bey solchen bitten ohne Antwort — 
Hier finde ich keine Stätte für ein Vertrauendes Wort. 

5* 



68 Neue Mittheilunghw 



Doch bin ich gerne hier — alles wiedrige kan man in der 
weiten Umgebung so leicht vermeiden. — 

Gott wolle mächtig Sie stärken ! Dem unerforsch- 
lichen vertraut die Seele das Liebste. Es giebt eine 
Zuversicht die kein Wort ausspricht. 

Charlotte von Kalb iMarschalk von Ostheim, 

XXVIII. 

Berhn den 25. Junv 1814. 
(An Goethe und Voigt.) 

Ob zwar ich fürchte dass dieses Schreiben Ew. Ex- 
zellenz lästig sein könnte — und die äuserung meiner 
Sorge nicht Ihrer Aufmerksamkeit würdig ist; So kan ich 
es dennoch nicht unterlassen — denn mein Zutrauen nur 
auf Sie gerichtet ist — Wo ich nur allein Klarheit Rath 
und erspriessliche beendigung des mir so viel Sorge er- 
reeenten Geschäfts hoffen kan. 

Auch werden Sie Hochverehrte Herrn die Pflicht an- 
erkennen dass eine Mutter ihre Gedanken und Wünsche 
bekennen dürfe — wenn sie die Hofnung hegt dass diese 
auch zum wohl ihrer Kinder föderlich sein könnten. 

Mein Schwager der Praesident von Kalb starb d. 
25. May zu Offenau bey Heilbron. In der Zeit als die 
erneuerte Wahrscheinlichkeit ihn aufrichtete einiges noch 
für seine Famillie retten zu können. Der Lohn seiner oft 
schmerzvollen Anstrengungen ist ihm nicht geworden, 
dieses vergrössert noch unser trauervolles Andenken ! 

Es ist nun mehr meinen Söhnen hingegeben die 
Verhältnisse einzusehen, aufzugeben was nicht zu retten 
wäre, und das übrig gebliebene sorgfältig zu verwalten. . . 

. . . Ein Wort Ihrer Theilnahme wird mich beruhigen, 
und mir ein Zeichen sein dass gute Geister dieses erneuerte 
Bestreben — für die Nachkommen Segnen wollen. 

Charlotte von Kalb geb. Marschalk von Ostheim, 

(An Goethe.) 
Indem ich Ihnen Verehrter Herr dieses Schreiben 
übersende und auch bitte es dem Herrn G. R. Voigt mit- 



Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. 69 

zLitheilen — Lebe ich in der Erwartung einer baldigen 
freimütigen Antwort. 

Ich bin beruhiget — da ich es Ihnen anbei m gegeben 
habe — Die Entscheidung ist dann für mich ein höherer 
Rathschluss — dem ich mich willig füge! 

Lassen Sie sich auch sagen wie sehr ich in den vielen 
Jahren wo ich Ihnen nicht schreiben konnte an Sie ge- 
dacht — In der Zeit die mir wie ein schwerer Schlummer 
vorübergieng — schenkten Sie mir Tage des Frühlings, 
stunden der Vertraulichkeit — in dem Buch Ihres Lebens, 
es war mir oft als hörte ich Ihre stimme! war aber zu 
schüchtern um auch des Herzens Wort zu sagen. Wie 
viele erhalten mit diesem Buch die Wiedertaufe der 
Jugend, ich lese es noch einmahl wenn mir Zeit auf 
Erden bleibt. Wo fanden Sie die Zauberey diese Geister 
wiederhervor zu rufen? wie leicht und scharf sind die 
gestalten gezeichnet — die Gegenwart der Dichtung, des 
vergangenen Daseins so tief und fest' gehalten. Viele die 
ich kannte giengen meinem Geist vorüber wie neu- 
erstanden. Seelige — Herder in tiefschaffender Wahrheit! — 

Sie haben Ihren Werken einen so Lichtvollen grund 
gegeben, wo himlische blüthen im Gotsodem wallen der 
diese so den Zeiten hinträgt und überstrahlt. O, dass 
Mahomet und Prometheus nur der Sehnsucht gezeigt 
sind — Da ich die Gefilde kenne wo die nächste Zukunft 
spielt, so ist es mir in dieser Erwartung schauerlich. — 
Dort wo die Geister so dicht — ich darf nicht sagen 
gebannt, und die Lebenskräfte so spärlich! — Dort lebte 
das Wort. — Da zündet das herrHche Licht. Soviele 
haben diese Stürme nicht gehört. Goethe soll noch von 
ihnen Kunde geben. Ihm wohl wohl — und langes Leben. 

Charlotte. 

XXIX. 

Weimar d. 22. ybr [1816]. 
Hochverehrter Herr Geheime Rath ! 
Dass es mein innigster Wunsch — wieder einmahl 
die Ehre und Freude zu haben Persönlich Ihnen meine 
Verehrung zu bezeugen; werden dieselben wohl von mir 



70 Neue Mittheilungex. 



versichert sein. Ich bitte daher mir wissen zu lassen wann 
ich in Ihre Wohnung kommen darf? — Wo die Gegen- 
warth mir so viel würdige Erinnerungen erneuert — 

Charlotte Kalb «leb. Marschlk v. Ostheim. 



XXX. 

Homburg vor der Höh den 23ten May 1S17. 

Ich wage Ihnen diese Blätter zu übersenden; früher 
wollte ich diese Ihnen durch einen Freund in Weimar zu- 
stellen lassen ; doch meine, Ihnen Längst bekannte Hoch- 
achtung und Vertrauen, hat es mir verbothen. Ich will 
bey Ihnen keine Fürsprecher suchen, aber doch sehr bitten 
es mir ja zu vergeben dass ich mich dadurch unterstanden 
habe auf solche edle Zeit Anspruch zu machen ! ! 

Ueber eine Krisis des körperUchen Befindens können 
erfahrne Aerzte urtheilen; über einen so eignen Zustand 
des Gemüthes welches unbedingt Aussprache und Dar- 
stellung fodert, dieses können allein Dichter, erfahrne 
Denker beurtheilen, ob es eine Krisis des Lebens oder des 
Uebels ist. Ich habe darüber wie für ein lebendig ge- 
bohrnes Kind, gar keine Meynung. 

Die andern Dialoge sind auch fertig, das Ende ist sehr 
mild. Für das Gespräch der Madam und Johann ist mir 
aber am meisten bange pp. 

Einen Namen hab ich nicht finden können. 

Ich habe an die 5 Brode für mich nicht gedacht als 
ich anfing dieses zu schreiben, aber nun wünsch ich auch 
sehr dass ich Brod davor brechen kann und will es also 
gerne bey Theater verkaufen und aufgeführt wissen. Wäre 
dies denkbar? — So möchte ich ja nicht dass mein Name 
dabey bekannt würde, es könnte den Eindruck dagegen 
wohl sehr schärfen. 

Mit der grössten Verehrung 
Ihre Charlotte Kalb geb. Marschlk v. Ostheim. 

Ich habe keinen Copisten hier finden können und 
muss daher fast fürchten dass meine jämmerHche Hand 
nicht kann gelesen werden. 



Briefe vox Charlotte v. Kalb ak Goethe. 



XXXI. 

Verehrter Herr Geheiraerath. 

Ich wünsche dass diese Zeilen Euch in Wohlbefinden 
und erspriesslichen Gesinnungen finden mögen. So war 
ehemals der Anfang bey trauHchen Briefen; auch ist es 
ohne solche Hoff'nung nicht möglich, den Fernen ein 
gemüthliches Wort zu sagen. In Gedanken war ich oit bey 
Ihnen, aber diese zaubern mir Ihre Antwort nicht zurück. 
Doch will ich die Hemmung lösen und Ihnen endlich 
einmal mit flüchtigen Worten begegnen. Leicht ist es 
auch von meiner Existenz Kunde zu geben, denn zwar 
in Abgeschiedenheit, kann ich dennoch sagen : den Mangel 
äusserer Erregungen, die Andre Ehre und Freude nennen, 
vermisse ich nicht, denn nur in schweigsamer Stille lösen 
sich die Bande der Verworrenheit und Mitschmach. O 
möchte mir die friedsame Ruhe bleiben und die befreitere 
Seele nicht nach dem Hades zurückblicken. Die Sehnsucht 
aller ist ja das Verlangen nach Erlösung und dies ist ja 
die Aufgabe der geistigen Macht. Was Sie dafür gewirkt, 
höre ich jetzt mit beseligterem Erwcägen. Ich bescheide 
mich wohl, dass kunstreiche Fertigkeit, diese dädalischen 
Wunder mir Erstaunen erregen, aber dass ich die sinnigen 
Fügungen nicht zu unterscheiden vermag. 

Durch die gänzliche Schwäche meiner Augen entbehre 
ich die Unterhaltung, die mir das Selbstlesen verschaff"en 
könnte, doch kann ich die Genüsse der Litteratur und 
Selbstthätigkeit des Geistes mir nicht versagen wollen. 
Diese allein bestimmt die Gegenwart und schenkt sie uns 
gleichsam. Aus dem eignen Ich schöpfend kann ich leider 
nicht geben, aber ich habe Schriften gefunden, deren Be- 
wahrung in unserer Sprache eine besondre Erwägung und 
Sichtung verdient. Ich nenne hier nur St. Martin, der in 
seinen oeuvres posihnmes uns angiebt , was in seinen 
Schriften innige Gesinnung und was überflüssige Zugabe 
ist. So habe ich von einigen die \'erdeutschung be- 
gonnen, nicht in der Meinung dass es mir besonders ge- 
lingen könnte, sondern in dem Bewusstsein, dass es zur 
Heilung und ßeseligung dient, und ich so den nagenden 
Schmerz, der auf so traurigen Erinnerungen haftet, Imdre. 



72 Neue Mittheilungex. 



So will ich fortfahren, mich in diese geistige Wesenheit 
zu denken, und in Geduld harren der Anschauungen, die 
sie mir gewähren könnten. So isolirt ich mich auch 
damit beschäftige, so bedurfte es doch mancher Bitte und 
Nachfrage, allein es ist sonderbar, wie seit der ersten 
Nennung St. Martins bis jetzt . . dies Geschäft begleiten, 
von denen einige noch nicht verklungen sind, und so 
begegnen uns Misslaune oder dämonische Subtilität — 
nein, nicht diese, sondern Starrheit, diese Sucht erregt 
mir mehr Scheu, als eine andre Epidemie. 



Durch einen Traum verleitet habe ich schon vor 
mehreren Wochen diese Zeilen niedergelegt, ich sah Sie, 
was ich wachend nicht mehr vermöchte, in der grünen 
Hof- Uniform. Aber das entschwundene Bild hat mir 
dennoch das Zeichen gelassen, die Frage: wenn du leichter 
Mittheilung noch fähig, warum wolltest du nicht schrift- 
lich meiner gedenken? Auch sagte ich mir, dass die Zahl 
der älteren Bekannten sich so vermindert habe, und Sie 
die Aeusserungen eines noch lebenden Gemüths traulich 
aufnehmen werden. So lausch ich noch des Traumes, 
wie wir gern dem Geflüster der Lüfte lauschen durch 
weiches Laub. 

Berlin den i2ten März 1829. 

Charlotte v. Kalb geb. v. Ostheim. 

xxxn. 

Berlin, im Februar 1830. 
Hochverehrter Herr, 
In der Hoffnung, dass die Genesung der durchlauchtig- 
sten Frau die erwünschteste Bestätigung erhalte, habe ich 
aus Vorsicht, doch mit gänzlicher Ueberlassung, ob Sie 
es geziemend werden finden, Folgendes darlegen wollen. 
Dazu konnte allein das mir durch Ihro Königl. Hoheit 
die verwittwete Frau Grossherzogin sowohl schriftlich 
als durch Andre geäusserte gnädigste Andenken mich 
ermuthigen, über meine individuelle Lage zu sprechen, be- 
drängt durch die Entbehrungen, welche mir der Verlust 
des Gesichts bereitet. So liegen Bücher uneröff"net, und 



Briefe von Charlotte v. Kalb an Goethe. 73 

für Manches, was ich niederschreiben möchte, mangelt die 
Feder, denn die einsame Stille ist geeignet für geistige 
Thcätigkeit. 

Wohl bin ich in der Resignation, aber entsagen möchte 
ich nicht der Mittheilnahme an den Wirkungen des Genius, 
die mir durch solches Begegnen noch werden kann. Das 
intensive Wohl ist auch stets eine Gabe höherer Milde. 

Ich würde mich eines relativen Unverständnisses zeihen 
müssen, wenn ich nicht gewagt hcätte, diese Wünsche zu 
bekennen. Durch Ihre Vermittelung, verehrter Herr, (nicht 
durch eine andre Person) dies fasst meine Bitte, werde es 
der Hoheit ausgesprochen. 

Indem ich mit Vertrauen auch in dieser Beziehung 
auf Ihre Nachsicht hoife, sei es mir erlaubt, die Hoch- 
achtung zu bezeigen, mit welcher ich ersterbe 

Charlotte v. Kalb geb. Ostheim. 



Greifen wir am Schluss mit kurzem Wort zurück auf 
die Eingangs gestellten Fragen, so können wir allerdings 
nicht antworten, dass Charlotte v. Kalb sich Goethe gegen- 
über wesentlich anders gab als wir sie sonst kennen. Aber 
sie gab sich ganz wie sie Avar, und diese Ganzheit ihrer 
wunderlichen Existenz war dem grossen Seelenkermer eine 
Offenbarung, die sein Interesse und sein Mitleid gleicher- 
massen erregen musste. Ihr unerschütterliches Vertrauen auf 
ihn, ihr begeistert ahnendes Verständniss für die bewegenden 
Grundsätze seines Lebens und Schaffens konnten ihn nicht 
ungerührt lassen, in ihrem heissen Drang nach Erkenntniss, 
ihrer schwärmerischen Naturverehrung, ihrer tiefen poetischen 
Begabun^f^ ringend mit dem Nebel phantastisch gefühlsseliger 
Unklarheit, musste er eine typische Verkörperung eines Zu- 
standes erkennen, aus dem er selbst sich herausgerungen 
hatte. Er kannte ihre Schicksale, er wusste, wie schwer 
Erziehung und Erfahrung ihr die Befreiung durch eigne 
Kraft gemacht, und hilfbereit reichte er ihr seine starke 
Hand. Aber sein Eifer war umsonst, und als sich die 
36jährige Frau, gänzlich zurückfallend in die blinde Leiden- 
schaftlichkeit, mit der sie einst Schiller verfolgt hatte, dem 
Virtuosen einer neuen Unklarheit, Jean Paul, in die Arme 
warf, — da zog sich Goethe von ihr zurück. Und es ent- 
spricht durchaus seiner Natur, dass dieser Rückzug ein voll- 



74 Neue Mittheilungew 



ständiger war, ohne dass er jedoch zunächst, sowie bei einer 
Wiederbegegnung nach zwanzig Jahren, die Pflichten der 
Höflichkeit ausser Acht gelassen hätte. Höhere Pflicht 
machte es ihm zu einem mit Strenge, ja wenn es sein musste 
mit Härte befolgten Gebot, das aussichtlos Unfruchtbare von 
sich zu weisen. 



Anmerkungen. 

I. S. 43, Z. 4 Charlottens drittes Kind, August ^^'ilhelm, 
war am 7. October 1793 in Jena geboren. Seit 1787 hatte 
sie sich theils in Weimar und Jena, theils auf den Farnilien- 
gütern Waltershausen und Kalbsrieth aufgehalten. 

II. S. 43, Z. 13 Die Anlagen an der Saale in Jena. 
Goethe fuhr damals wegen Einrichtung des neuen botanischen 
Instituts öfter hinüber (vgl. Goethes Briefe X, 145,11). 

III. S. 45, Z. 4 Die Worte von »ich streichecf an stehen 
gedrängt am Rande, es folgt ihnen noch ein Satz, von dem 
nur folgendes halbwegs leserlich ist : »Ob sie . . von mir 
geschrieben diese Worte . . wie ich möchte, dass Sie auch . . 
Gesinnungen erkennen , . sie Sind — a. Z. 7 Fritz Jacobis 
»Woldemar« erschien 1794 in zweiter Auflage, vgl. Goethes 
Briefe X, 152,1s. — Z. 10 Goethe antwortete am 29. April 1794, 
s. Briefe X, 156,6. 

IV. S. 46, Z. 12 Goethe hatte seinem Brief vom 29. April 
einige der Oden des bairischen Jesuiten Jacob Bälde (1603 bis 
1668) beigelegt, die Herder für seine »Zerstreuten Blätter« 
aus dem Lateinischen übersetzte, aber erst im 3. Theil der 
»Terpsichore« 1796 veröffentlichte (Werke, hrsg. v. B. Suphan 
27,199 f.). Vgl. Goethes Briefe X, 156,9. 157,1s. — Z. 27 Fichte 
Hess nur zwei Theile seiner »Beiträge zur BerichDigung der 
Urtheile des Publikums über die französische Revolution« 
erscheinen, ohne Druckort 1793. — Z. 32 Als Charlotte zuletzt in 
Weimar und Jena weilte, arbeitete Goethe an dem in der 
Hempelschen Ausgabe XXXV, 49 f. zuerst gedruckten »Ver- 
such, die Elemente der Farbenlehre zu entdecken«. 

V. S. 46, Z. 34 Goethe sandte ihr das Werk am 28. Juni 
1794, vgl. Briefe X, 168,9. — S. 47, Z. 5 Dieses meldet ihr 
Goethe ebenda 169,6. — Z. 9 Der ausgelassene Abschnitt enthält 
die umständliche Bitte, Goethe möge ihr beim Verkauf einer 
beträchtlichen Quantität »auf gut Glück und Speculation« 
angekaufter sehr guter Rheinweine helfen. Seine Antwort 



Briefe von Charlotte v. Kalb ak Goethe. 75 

vom 29. August s. Briefe X, 187,7: bisherige Bemühung 
leider noch erfolglos. 

VI. S. 47, Z. u Vergl. die Anm. zu 47,9. — Z. 37 Hölderlin 
war, durch Schillers Vermittlung, seit dem October 1793 
Hofmeister von Charlottens ältestem Sohn Fritz (geb. 1784) 
und begleitete diesen Ende 1794 nach Jena, gab aber schon 
im Anfang des folgenden Jahres seine Stellung auf. — 
S. 48, Z. 11 Tintenfleck. 

Yll. S. 48, Z. 18 Vgl. die Anm. zu 47,9. 

VIII. S. 48, Z. 20 Desgl. 

IX. S. 48, Z. 28 Die in VIII erbetene Zusammenkunft 
fand nicht statt. Goethe an Schiller 23. Dec. 1794: » . . . 
grUssen Frau v. Kalb, die diessmal leider nur in der Ferne 
an mir vorbeigegangen ist.a Vgl. Briefe X, 216, 12. — 
S. 49, Z. 12 Vgl. die Anm. zu 47,9. 

X. S. 49, Z. 20 Ausser den schon erwähnten beiden 
Knaben die 7jährige Tochter Edda. Diese allein überlebte 
die Mutter: Fritz stand noch 1828 als Rittmeister in Düssel- 
dorf, sein Todesjahr ist unbekannt; August Wilhelm, gleich- 
falls Officier, erschoss sich 1825, dem Beispiel des Vaters 
folgend; ein viertes und letztes Kind, Eleonore, wurde im 
Juni 1795 geboren und lebte nur wenige Wochen. — S. 50, Z. 3 
Nach Waltershausen, dem Marschalk v. Ostheim"schen Gute, auf 
dem sie 1761 geboren war. Es blieb am längsten von allen 
Besitzungen der Familie erhalten (bis 1827), alles andere ver- 
schlang schon vordem der im folgenden erwähnte unglück- 
liche Process Johann August Alexanders von Kalb mit dem 
Herzoge Carl August, — desselben, der Goethe von Frank- 
furt nach Weimar geleitete und sein Vorgänger als Cammer- 
Praesident war. Er war der ältere Bruder von Charlottens 
Gatten, seit 1782 vermählt mit ihrer jüngeren Schwester 
Eleonore. — Z. 30 In diesem und den zunächst ausgelassenen 
Abschnitten versucht Charlotte eine solche Vorstellung zu 
entwickeln. 

XL S. 51, Z. 32 Sie ist nicht überliefert, und es ist 
möglich, dass Goethe sie mündlich ertheilte oder durch einen 
Dritten, etwaKnebel, ertheilen Hess. — S. 52, Z. 10 „Decken'' un- 
deutlich. Bei dieser Gelegenheit sei das Bekenntniss abgelegt, 
dass auch manche andere Worte und Stellen nicht mit Sicherheit 
gelesen sind. Die Handschrift der schon früh schwer an den 
Augen Leidenden ist nirgends ohne Mühe zu entziifern, und 
die Unleserlichkeit wächst mit dem Grade der Erregung. 

XII. S. 52, Z. 18 Sie hatte ihren Willen durchzusetzen 
vermocht und blieb bis Ende 1799 in Weimar. — Z. 30 Vgl. die 
Anm. zu 49,20. — Hierauf antwortet Goethes undatirtes Billet 
»Sie können glauben« u. s. f. Briefe X, 300,21. 



76 Neue Mittheilungek. 



XIII. S. 53, Z. 5 Ziel der am 11. October angetretenen 
Reise war Frankfurt, Grund eine politische Mission; doch 
kam Goethe nur bis Eisenach. 

XIV. S. 53, Z. 25 Am 1. Nov. wurde Christiane Vulpius 
von einem Knaben entbunden, der schon am 18. starb. — 
Z. 27 Vergl. dieAnm. zu 49,20. — Z. 31 Das »Mährchen«, welches 
das letzte Stück der »Unterhaltungen deutscher Ausge- 
wanderten« in den »Hören" 1795 bildete und in dessen 
Auslegung Goethes ganzer Bekanntenkreis wetteiferte. Am 
23. Dec. 1795 schrieb Goethe an Schiller: »Hier liegt eine 
Erklärung der dramatischen Personen des Mährchens bey, 
von Freundin Charlotte. Schicken Sie mir doch geschwind 
eine andere Erklärung dagegen , die ich ihr mittheilen 
könnte. Vgl. Briefe X, 353,10. — Nächste Verbindung: 
Goethes Tagebuch 21. Jan. 1796 »Mittags Kalbs«. 

XV. S. 54, Z. 11 Aehnliches berichtete Charlotte am 
folgenden Tage an Jean Paul, mit dem sie am 29. Februar 1796 
einen Briefwechsel angeknüpft hatte; am 10. Juni traf er in 
Weimar ein und blieb einen Monat. In einem Schreiben 
Charlottens an Jean Paul, aus Jena vom 19. Juni, heisst es: 
»Goethe habe ich immer wahr gefunden in seinen Äusser- 
ungen. Die Zukunft wirds Ihnen zeigen. Sie sind ein Wesen 
das ihn interessiren muss.« Und am 23: »Schiller kann 
Ihre Ankunft kaum erwarten. Goethe muss sehr interessant 
von Ihnen geschrieben haben.« Dieser erwähnt ihn damals 
im Tagebuch nur am 17. Juni »Knebel und Richter von 
Hof zu Tische«. Vgl. Briefwechsel mit Schiller. — Z. 14 Vgl. 
Goethes Tagebuch 25. März 1796 »Abends Thee und 
Collation. Wand kam.« Knebels Tagebuch »Abends grosse 
Gesellschaft bey Göthe. Iffland und Schiller da.. Soupirt.« — 
Am 21. Jan. 1796 hatten Kalbs bei Goethe gespeist. 

XVI. Als selbständiger Brief neben dem vorigen über- 
liefert und augenscheinlich von demselben Tage. — Dem 
Februar des Jahres 1796 scheint ein bisher nicht gedruckter 
Brief Goethes an Charlotte anzugehören, der sich im Besitz 
der Frau Baronin v. Leuzendorf auf Schloss Gradnitz bei St. 
Marein im Mürzthale befindet. Goethe verabschiedet sich 
darin, nach Jena fahrend, von Charlotte, verspricht Schiller 
»in ihrem Namen« zu grüssen und schickt ihr ein Fässchen 
Caviar, — damit doch der culinarische Beigeschmack auch 
dieser Freundschaft nicht fehle. 

XVII. S. 55, Z. 29 Am 25. April 1796 wurde »Egmont« 
gegeben, in Schillers Bearbeitung. Mand spielte den Egmont, 
eine Wiederholung fand erst nach 1 1 Jahren statt. — S. 56, Z. 34 
Man muss Goethes freundliche Antwort (undatirt, Köpke S. 120) 
lesen, um selber nicht der Versuchung eines unfreundlichen 
Urteils nachzugeben. 



Briefe von Charlotte v. Kalb am Goethe. 77 

XVIII. S. 57, Z. 1 Goethes in voriger Anmerkung er- 
wähnte Antwort enthielt die Wendung: »und dass es [Vor- 
trag aus früheren und neuen Werken] nicht geschah, nicht 
geschieht, sollte die Ursache blos in einer trüben Vorstel- 
lungsart über gewisse Verhältnisse liegen? da ich andre so 
hell und heiter sehe. Ich darf nicht umwenden, denn sonst 
sagte ich vielleicht was besser in der Feder bleibt.« Char- 
lotte sah darin, und wohl mit Recht, eine Anspielung auf die 
mannigfachen Ungelegenheiten, die ihm nach wie vor aus 
seinem häuslichen Verhältniss erwuchsen. — S. 58,Z. 12 Christiane 
Becker, geb. Neumann (Euphrosyne) als Clärchen. — Vgl. 
Goethes Antwort vom i. Mai, bei Köpke S. 146. 

XIX. S. 60, Z. 30 Vom 23. März bis zum 20. April. — 
S. 61, Z. 11 Ihr Mann. — Z. 19 Der Tod der Mutter war einer der 
frühsten von den vielen schmerzlichen Eindrücken, die schon 
das aufgeregte Kind unheilvoll verwirrten. Charlottens Mutter, 
geb. V. Stein-Nordheim, starb im April 1769, ein halbes Jahr 
nach dem Vater; Charlotte war am 25. Juli 1761 geboren. 
Unheimlich klingt in ihrem kranken Gemüth plötzlich diese 
Saite an. — Z. 25 Der Knabe genas; Charlotte war ihm durch 
Pathenschaft besonders eng verbunden. — S. 62, Z. 20 In welchem 
sie Brief XVIII überschickt hatte. — S. 64, Z. 4 Friedrich, im Sept. 
1760 (kurz nach dem Tode eines nur ein Jahr alt gewordenen 
Bruders) geboren, starb im Nov. 1782 in Goettingen, ver- 
muthlich an einer im Duell erhaltenen Wunde. Mit ihm sank 
die Hoffnung der Familie in's Grab; die überlebenden 
Schwestern vermochten nicht, der Speculations- und Process- 
wuth des Praesidenten v. Kalb Einhalt zu gebieten. 

XX. Goethes Antwort bei Köpke S. 145. Er war am 
20. Mai einige Stunden in Weimar gewesen, von Jena aus, 
wo er bis zum 8. Juni blieb. 

XXII. Der ausgelassene Brief XXI, vom 6. Juni 1796, 
enthält die Bitte: Goethe möge für ihre Tante, Frau v. Stein- 
Nordheim, die sich in Jena einer Operation unterziehen 
müsse , dort eine stille Wohnung besorgen ; da er selbst 
zur Zeit im Jenaer Schloss wohne , könne sie von des 
Herzogs Erlaubnis, dort die Tante unterzubringen, keinen 
Gebrauch machen. Goethe kehrte am 8. Juni nach Weimar 
zurück, um der Kranken den Platz zu räumen ; vgl. seine 
Antwort bei Köpke S. 146. — S. 65, Z. 9 Den letzten Band von 
Wilhelm Meisters Lehrjahren. 

XXIII. S. 65, Z. 32 Das Tagebuch Goethes erwähnt in 
dieser Pause Charlottens nicht, auch sie nennt ihn in ihren 
Briefen an Jean Paul nur, indem sie am 10. Nov. 1797 
»Hermann und Dorothea« vortrefflich nennt und berichtet, 



yS Neue Mittheilungex. 



seine ihr noch nicht bekannten Gedichte sollten »sehr anti- 
christianisch« sein. Dass aber Goethe ihr Geschick mit 
herzlichem Antheil verfolgte, — ihr Augenleiden führte schon 
damals fast zur Blindheit — , zeigt sein Brief an Schiller 
vom 6. Jan. 1798, vgl. auch 6. April 1798. — Goethes 
Tagebuch 21. Jan. 1799: »Abends Emilia Galotti. Zu Kalbs. 
Schiller. Richter.«" (Jean Paul war seit dem 27. Oct. 1798 
in Weimar.) Am 23. Jan. 1799 speisten Kalbs bei Goethe. 
XXIY. Goethes Tagebuch 29. März 1799: »Nachmittag 
zu Schiller, fand Fr. v. Kalb noch einen Augenblick.« 31. März: 
Abends: »Kam Frau von Kalb.« — S. 66, Z. 19 Unleserlich. 

XXVL Der ausgelassene Brief XXV, vom 23. Oct. i8oc, 
ist aus Heidelberg geschrieben. Charlotte bittet Goethe, 
dem dortigen Professor Wolfter, welcher gleich den anderen 
»Dienern in der Pfalz« seit fünf Vierteljahren keine Besol- 
dung mehr erhalte, in Weimar eine Stellung zu verschaffen. 
Goethes Tagebuch erwähnt weder Empfang noch Beantv.ortung 
dieses Briefes. — S. 66, Z. 24 Ohne Zweifel Goethes Brief 
vom I.Mai 1796, bei Köpke S. 146. — Z. 30 Ein entsprechen- 
der Tagebuchvermerk fehlt, die Ueberlieferung des Briefes 
in Goethes Nachlass erweist die Nichterfüllung der Bitte. — 
Z. 31 Die erste Aufführung der »Natürlichen Tochter« fand 
am 2. April 1803 statt. Goethe scheint das Drama nicht 
an Charlotte geschickt zu haben, es erschien im Cotta'- 
schen Taschenbuch auf 1804. 

XXVII. 1800 — 1804 hatte Charlotte an verschiedenen 
Orten Süddeutschlands gelebt. 1804 ging der Process des 
Schwagers endgiltig verloren : Charlotte zog nach Berlin, 
wo sie einen Handel mit Kurzwaaren, Thee u. a. anfing; ihr 
Mann erschoss sich 1806 in München. — S. 67, Z 6 
Wohl der Brief an Zelter vom 27. Juli 1807, in welchem 
Goethe sich über sein Befinden beklagt. — Goethes 
Tagebuch schweigt. Die Rechnungen der Postämter, die 
ich von 1792 — 1809 durchgesehen habe, verzeichnen über- 
haupt nur einen Brief Goethes an Frau v. Kalb, den vom 
29. August 1794. 

XXVIII. Adresse »An Ihro Excellenz denen Herrn 
Ghm Käthen Voigt und Goethe.« Dieser Theil des Briefes 
füllt sechs Seiten gross 4°, mühsam von der Halberblindeten, 
zwischen Linien, geschrieben. Ausgelassen ist im Druck 
eine ausführliche Darlegung der Rechtsansprüche ihrer Söhne 
auf Kalbsrieth und der Verkaufsbeschränkungen dieses 
Seniorat- und Fideicommiss-Gutes. Die sachliche und sti- 
listische Klarheit des ganzen Schreibens zwingt nicht zur 
Annahme, dass ein Rechtskundiger ihr geholfen. Auch andere 
Schriftstücke Charlottens, nicht nur aus ihrem Alter, beweisen, 



Briefe vox Charlotte v, Kalb ax Goethe. 79 

dass sie klar, ja nüchtern denken und schreiben konnte. 
wenn sie wollte und von Aufgeregtheit nicht fortgerissen 
wurde. — S. 68, Z. 25 Vgl. Anmerkung i zu Brief X. — Z. 32 Ein 
Blatt gross 4°, Adresse »An Herrn von Göthe«. — S. 69, Z. 10 
Die drei ersten Theile von »Dichtung und Wahrheit« er- 
schienen 181 1, 1812, 1814. — Z. 24 Werke (Weim. Ausg.)XXVIII, 
295,3, 312,16. — Weder in Goethes Briefwechsel mit Voigt 
noch in seinem Tagebuch findet sich eine Erwähnung dieses 
Gesuchs oder einer Antwort. 

XXIX. Goethes Tagebuch 24. Sept. 1816 »Frau Major 
von Kalb.« 

XXX. Schreiberhand bis auf die Unterschrift. — Diesen 
Brief beantwortete Goethe am i. Juni 181 7 (ungedruckt, 
Concept im Goethe-Archiv) dahin : er sei für den Beweis 
fortgesetzten Vertrauens dankbar, habe jedoch inzwischen 
»dem Theaterteufel nebst allen seinen Werken, Worten 
und Wesen förmlich entsagt« ; auch könne er in der That 
das Manuscript nicht entziffern und müsse es daher , mit 
aufrichtigem Bedauern , ungelesen sogleich zurücksenden. 
Das dialogische Werk Charlottens blieb unbekannt. Im 
Tagebuch vermerkt Goethe nur unter den abgesendeten 
Briefen am i. Juni »Frau Major von Kalb nach Homburg, 
zurückgesendetes Drama.« 

XXXI. Von Schreiberhand, auch die Unterschrift. Im 
Jahre 1820 war die Sechzigjährige vollständig erblindet und 
lebte in dieser Nacht noch dreiundzwanzig Jahre. Auf Ver- 
wendung der Prinzessin Marianne von Preussen hatte die 
blinde Greisin im Königlichen Schloss zu Berlin eine Woh- 
nung angewiesen erhalten. — S. 70, Z. 31 Sein »Buch des Irr- 
thums und der Wahrheit« hatte Goethe im April 1781 mit 
lebhaftem Interesse gelesen. — S. 72, Z. e Unleserlich. 

XXXII. Schreiberhand, nur die Unterschrift ist eigen- 
händig durch verwirrte Zeichen angedeutet. — Die Gross- 
herzogin Mutter Louise starb am 14. Febr. 1830. — S. 73, Z. s 
Die Rahel gehörte in Berlin zu Charlottens Besucherinnen, 
das verräth auch die Sprache der beiden letzten Briefe. — 
Antworten auf XXXI und XXXII sind in Goethes Tagebuch 
nicht erwähnt. 

Eduard von der Hellen. 



-^ 



8o Neue Mittheilungen. 



5. ZWEI BRIEFE VON J. G. D. ARNOLD AN GOETHE. 

I. 

Strassburg den 28. August 1822. 
Hochzuverchrender Herr Geheimer Rath, 

Die gegründete Hoffnung die ich mehrere Jahre lang 
hegte Ew. Excellenz meine Aufwartung machen zu können, 
um Ihnen mündlich für die liebevolle Aufnahme die Sie 
einem Produkt meiner Muse erzeigt haben zu danken, 
veranlasste mich den schriftlichen Ausdruck der vollen 
Erkenntlichkeit die ich Ihnen schuldig bin auf eine günstige 
Gelegenheit hin zu verschieben. Diese zeigt sich nun 
auf's erwünschteste durch die Anwesenheit des Hr: Kanzlers 
V. Müller welcher die Güte haben will der Überbringer 
eines Briefs zu seyn worinn ich Ew. Excellenz ausser der 
herzlichen Bezeugung meines Dankes und meiner Ver- 
ehrung noch von einigem anderem zu sprechen mich an- 
geregt fühle das aut den von Ihnen so wohl verstandnen 
und geprüften Pfingstmontag Bezug hat. 

Die Schärfe und Zartheit zugleich mit welcher Sie 
Sinn und Plan so wie die speciellsten Bezweckungen des 
Stücks ergriffen haben, hätte mich in höchstes Erstaunen 
setzen können, wenn die ßeurtheilung anders woher als 
von Ihnen gekommen wäre. Es deuchte mir bei der 
wiederhohlten Lektüre derselben, als müssten Sie während 
der Composition um mich gewesen seyn und mir die 
treffendsten Inspirationen gegeben haben. So errathen 
zu werden hätte ich mir vorher als etwas unmögliches 
denken müssen, und Sie vermuthen wohl selbst wie hoch 
ich diesen Umstand, welcher tausendmal mehr Lob in sich 
schliesst, als alles was mir wohl sonst an Beifall zuge- 
flossen zu schätzen weiss. Sie haben fürwahr in mir 
geblättert wie in einem Buche und keine Seite unbe- 
sichtigt gelassen. Ich möchte dabei fast an einen Zauber 
besondrer Art glauben, wenn ich als Kenner und Be- 
wundrer Ihrer Schriften nur einen Augenblick des Zaubers 
uneingedenk seyn könnte, der Ihren Geist umgiebt, Ur- 
sprung und Frucht aller seiner Werke ist. 



Zvn'ei Briefe von J. G. D. Arnold a\ Goethe. 8l 

Besonders auch danke ich Ew. Excellenz für die 
Winke die Sie die Güte halten mir über mehreres zu 
gehen. Dass ich die Lokalitäten nicht jedesmal angezeigt, 
geschah blos aus einer Art von Schüchternheit um dem 
Büchlein nicht die letzte Form eines zum Theater be- 
stimmten Stückes zu geben. Denn ich musste äusserst 
behutsam seyn um die Empfindlichkeit meiner Landsleute 
nicht zu reitzen. Die Massen, \vie die Individuen, ver- 
stehn sich nicht gerne dazu als blosse Objecte oder 
Sachen der Welt zur Schau gebracht zu werden besonders 
wenn Komisches sich der Darstellung anschliessen soll. 
Nun musste ich voraussehn, dass der Vorwurf die 
Strassburger von selten ihres Sprechens und Handelns in 
ein lächerliches Licht zu stellen mir von den Unver- 
ständigen und Ungebildeten aller Klassen gemacht werden 
würde und musste so mit ungemeinei; Klugheit zu werke 
gehn. Ohne diesen Zwang hätte gar manches eigen- 
thümliche und höchstmerkwürdige mit einfliessen und 
dem Werkchen eine vielleicht hinreissende Originalität 
geben können. So arg indessen wie Hebeln, den seine 
Landsleute in Schopfheim, der allemannischen Gedichte 
wegeii, todtschlagen wollten, ist mir's nicht gegangen. 
Der Hader bheb verborgen und still, da der Verständigen 
Ausspruch einstimmig war. Und endlich vor Ihrer Be- 
urtheilung verschwand wie vor einem unerwarteten Meteor 
der feuchte Nebel des letzten Tadels und mancher, be- 
sonders unter den Theologen, musste wünschen sein 
früheres laut ausgesprochenes Urtheil wieder zurücknehmen 
zu können. 

Ihre Vermuthung dieses Büchlein sei das Ergebniss 
der Erfahrung und der Bilderwelt eines ganzen Lebens ist 
durchaus gegründet. Alles was ich von Kindheit an hier 
in meiner Vaterstadt gesehn, gehört, gefühlt floss da wie 
in einem Brennpunkt wieder zusammen. Die Gabe Zustände 
empfindend aufzufassen und sie nach Jahren erinnernd 
ebenso lebhaft und umständlich wieder zu empfinden, die 
mir glücklicher oder unglücklicher Weise in besonderm 
Grade eigen ist, sezte mich in Stand eine Zeit wieder 
lebendig hervorzurufen in welche sich mit gewaltigem 

Goethe-Jahrbvch XIII. 6 



82 Neue Mittheilukgek. 



Sehnen mein Geist gerne zurück verlieren möchte. Dabei 
half mir mein weitumfangendes Wortgedächtniss auf eine 
Art über die ich mich selbst oft wundern musste. Und 
so konnte ich in etwa anderthalb Jahren, in freien Stunden, 
ein Werkchen schreiben dessen bester Werth in meinen 
Augen darinn besteht dass es Ew. Excellenz einige frohe 
Augenblicke und Erinnerungen gebracht hat. 

Und da Sie dasselbe mit einem so lieblichen Gewände 
geschmückt haben, müssen Sie mir auch gestatten Ihnen 
einige sauber aufgepuzte Exemplare zuschicken zu dürfen. 
Eines davon, das schönste das ich in meinem Besitz habe, 
ist Ihnen schon seit langem her bestimmt, und empfiehlt 
sich Ihnen als Beweiss dass in unsrer Stadt Guttenbergs 
Kunst immer noch in besonderm Flor ist. Hr. Kanzler 
von Müller lässt mich hoffen dass eine Elegie die ich auf 
meines alten Lehrers Blessigs Tode ' schrieb von Ihnen 
mit einigem Interesse aufgenommen werden dürfte. Sie 
verzeihen daher wenn ich das Päckchen (worinn noch 
zwei Trachten Schilderungen Elsassischer Bäurinnen sind) 
mit einem Exemplar in etwas vergrössere. 
Mit höchster Verehrung 
Ew. Excellenz 

gehorsamst ergeben 
Arnold 
Professor d. Rechte. 

II. 

Strassburg d. 9. September 1828. 
Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath, 
Wir Strassburger haben so äusserst selten Gelegenheit 
Ew. Excellenz mündlich unsre Verehrung auszudrücken, 
dass wir es als Pflicht ansehen, jede die sich hiezu dar- 
bietet freudig zu ergreifen. 

Ich erlaube mir daher Ihnen einen unsrer ausgezeich- 
netsten Mitbürger, m.einen Freund und KoUega Dr. Rauter, 



^ Blessigs Todtentever, Strassburg 1816 4° ist ebenso wie zwei 
Exemplare des «Pfingstmontag«, das eine in Prachtausgabe, in Goethes 
Bibliothek im Goethe-National-Museum noch vorhanden (Gütige Mit- 
theilung des Hrn. Geh. Hofrath Dr. Ruland). 



Zwei Briefe von J. G. D. Arnold an Goethe. 83 

Professor der Rechte, vorzustellen. Es ist derselbe ein 
geistvoller Mann und zugleich höchst gründlicher Jurist, 
was, wie Ew. Excellenz wohl wissen, sich eben nicht 
immer zusammen findet. 

Wenn es bei der allgemeinen gerechten Bewunderung 
der Schriften, die den Ruhm Ew. Excellenz so fest in 
allen civihsirten Gegenden der Erde begründen, noch ein 
besonderes Verdienst se3-n könnte diese Bev^'underung in 
hohem Grade zu theilen so hätte Dr. Rauter gewiss einen 
besondern Rechtsgrund für sich, bei Ihnen eingeführt zu 
zu werden. 

Ich habe gegen dreissig Jahre meines Lebens zuge- 
bracht bei jeder Gelegenheit gebildeten Franzosen das 
Charakteristische von Ew. Excellenz Geistesprodukten be- 
greiflich zu machen. Nun hab ich es doch erlebt, da ich 
mit nächstem ein Fünfziger bin, dass ein für den Geschmack 
in Frankreich erspriessliches Resultat gewonnen worden 
ist. Mein erster Versuch fällt ins Jahr 1806 wo ich in 
einem Aufsaze über die Elsassischen Dichter, in Millin's 
Magazin cncyclopcdiqite gelegentlich Winke in dieser Hin- 
sicht zu geben für Pflicht hielt. Denn der Dienst der 
Musen ist mir von Jugend auf Geistes und Herzensbedürf- 
niss gewesen, und ich sehe es als ein seltnes Glück an, 
dass in so langer und schrecklichbunter Verwirrung der 
Zeiten, mir immer Lust und Müsse dazu geblieben sind. 
Und wenn ich nicht ein eifriger Jurist und Staatsbeamter 
hätte werden müssen, so hätte ich vielleicht der Hoffnung 
leben können mit Ew. Excellenz in einigen litterärischen 
Verkehr treten zu dürfen. 

An Ihrem vor einigen Jahren gefeyerten Jubelfeste 
haben wir, Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath, hier 
in Strassburg, innigen Antheil genommen. Wir Juristen 
haben dabei sehr bedauert dass es nicht bei uns stand Ew. 
Excellenz ein Doktordiplom unsrer Fakultät überreichen 
zu können. Das Recht Ehrendiplome zu ertheilen existirt 
leider in Frankreich nicht mehr. Nur Studiendiplome 
dürfen ausgefertigt werden, und diese sogar nur von Paris 
nus, auf die Attestate der respektiven Fakultäten hin. 

6* 



84 Neue Mittheilungen. 



Sollte es denn nicht möglich seyn, dass wir Ew. 
Excellenz auch einmal wieder hier in Strassburg sähen? 
Unser alter Münster würde von Freude verjüngt sich 
Ihnen erzeigen, und Sie sollten an uns allen sehn wie 
sehr Ihr Besuch uns beglücken würde. 

Genehmigen Ew. Excellenz den Ausdruck der Ver- 
ehrung und unbegränztesten Hochachtung anzunehmen, 
mit welcher ich stets beharre 

Ew. Excellenz 

ergebenster Diener 

Arnold 

Prof. u. Dekan der Juristen Fakultät 

u. Mitglied des Generaldirektoriums 

Augsb. Konfession. 



Goethes Aufenthalt im Elsass hat dort nicht den Ein- 
druck hinterlassen, welchen wir heute gern annehmen würden. 
Das ungünstige Urteil, welches der anerkannteste Dichter des 
Landes in jener Zeit, Pfeffel, über den jungen Goethe wie 
über seine Genossen in Sturm und Drang, insbesondere über 
Klinger fällte, wird weiter gewirkt haben'. Die Strassburger 
Jugendfreunde hatten noch mehr als von Goethe sich von 
Lenz begeistern lassen, und mit dessen unglücklichem Ausgang 
scheint auch die in der Saltzmannschen Gesellschaft ent- 
zündete Liebe zur deutschen Dichtung wieder erloschen 
zu sein. 

Erst ein späterer Dichter, der die Dialectpoesie des 
Elsasses mit einem wirklich classischen Werk beschenkt hat, 
ist auch für die Verehrung Goethes mit aller Kraft und mit 
vollem Erfolge eingetreten : Johann Georg Daniel Arnold, der 
Dichter des »Pfingstmontaga. 1780 geboren, sah er seine 
Jugendbildung auf das äusserste durch die Revolution gestört, 
welche den Wohlstand seines Vaters vernichtete und das 
Gymnasium wie die Universität seiner Vaterstadt aufhob. 
Doch gelangte er dazu seine Studien, zuletzt in Göttingen 
zu Ende zu führen und übte seit 1806 als Professor der 
Rechte, erst in Coblenz, später in seiner Heimatstadt, und 
hier auch als Berater des ausgezeichneten Präfecten Lezay de 



' Doch Hess sich 1780 Frau L. S. Schweighäuser in Strassburg 
Goethes Iphigenie miUeilen: s. H. Düntzer, Ungedruckte Briefe aus 
Knebels Nachjass, Nürnberg 1858, i. S. 72. 



Zwei Briefe von J. G. D. Arnold a\ Goethi;. 85 

Marnesia eine tiefgreifende Wirksamkeit , bis das Empor- 
kommen der jesuitisch-reactionären Richtung in der Restau- 
rationszeit diese einschränkte, und dann der Tod noch in 
kräftigem Mannesalter 1829 ihr ein Ziel setzte. 

Für Arnold ist durchaus bezeichnend der Brief, mit 
welchem Schiller ihn bei einem Besuch in Weimar am 
9. August 1803 an Goethe empfahl. »Er hängt an dem 
deutschen Wesen mit Ernst und Liebe« schreibt Schiller, und 
vor allem Arnolds Dichtung rechtfertigt dies Wort durchaus. 
Wir besitzen auf der Strassburger Universitätsbibliothek hand- 
schriftlich die »Erholungen junger Alsatier«, welche Arnold 
1800 verfasst hat; Proben daraus hat A. Schricker in seiner 
hübschen Erzählung nach Arnolds Drama » Pfingstsonntag 
und Pfingstmontag« (Nördlingen 1880) durch den Druck 
veröffentlicht. Der jugendliche Dichter wünscht den Krieg 
am Rhein endlich aufhören zu sehn, kräftig lehnt er die 
Nachahmung der Franzosen ab. In Form und Ausdruck 
schliesst er sich an Lessing und Kleist an. 

Seine späteren Gedichte zeigen, dass er bald zu Goethe 
vorgedrungen ist : dessen Euphrosyne hat er in einer Elegie 
nachgebildet. Mit Recht behauptet er im II. der oben ab- 
gedruckten Briefe, dass er Goethes Ruhm früh und dauernd 
verkündet hat. Er beruft sich dabei auf seine Notice litterairc 
et historique sur les poctes Alsaciens, welche er 1806 in 
Millin's Magasiu Encyclopcdiqiic und in Sonderabdruck hat 
erscheinen lassen. In dieser kurzen Geschichte der elsässischen 
Litteratur, welche sich durch gelehrte Kenntnis und feinen 
Geschmack weit über ähnliche Arbeiten auch noch der 
s])äteren Zeit erhebt, sagt er S. 35 über den neueren Auf- 
schwung der deutschen Dichtung : C'est en imitant les Anglais, 
les Francais, les Italiens que Hagedorn, Klopstock et Wie- 
land, essayerent et reussirent d'introduire dans la langue de 
leur pays des genres inconnus jusqu'alors. Mais ce n'est pas 
seulement comme imitateurs que les poetes allemands devoient 
se distinguer, ils surent aussi se frayer de routes nouvelles, 
et donner ä leurs productions ce caractere d'originalite qui 
est le Premier merite de tout ouvrage de l'art. Un homme 
surtout auquel la nature departit avec une Imagination bril- 
lante les talens de toute espece, honore ä jamais sa patrie, 
et la venge du reproche qui a ete fait si longtemps ä ses 
poetes de n'avoir rien produit de veritablement classique, 
rien qui approche de pres les modeles inimitables de la 
litterature grecque. Cet homme qui n'est connu en France 
que par une production de sa premiere jeunesse, et qui 
meriteroit bien plus de l'etre par ses poesies pleines de gräce 
et parfaites dans leur genre, c'est M. GOETHE. Un goüt 
pur, une noble simplicite, et cette facilite gracieuse qui' est 



86 Neue Mittheilungen. 

le caractere distinctif du genie, regnent dans toutes ses pro- 
ductions, et ce goüt est le fruit d'une connaissance profonde 
des Anciens et d'une etude particuliere des beaux-arts. Sa 
prose est aussi accomplie que ses vers, et Ton peut dire que 
c"est lui qui a fixe enfin la langue de son pays. 

In Goethes Geist ist auch Arnolds Hauptwerk gedichtet, 
sein »Pfingstmontag«, der zuerst 1816 erschien. Die Grund- 
idee zu diesem Lustspiel kann man mit der von »Hermann 
und Dorothea« vergleichen, und wenn Goethe seinen Stoff, 
wie er zuerst beabsichtigte, in dramatische Form gekleidet 
hätte, so wäre wohl die Verwandtschaft beider Gedichte noch 
stärker hervorgetreten. Wie in Hermann und Dorothea ein 
fremdes Mädchen in einen kleinen, festgeschlossenen Kreis 
eintritt und vor ihrer Verbindung mit dem Geliebten erst 
noch mancherlei Widerstand überwunden werden rnuss, so 
ist es bei Arnold ein fremder Jüngling, der in der eng- 
zusammenhängenden Bürgerschaft des alten Strassburgs sich 
eine Braut erwirbt. Goethes Plan bedingte eine zarte 
idyllische Auffassung, bei Arnold hat sich von selbst die 
komische Seite hervorgekehrt. Aber wenn Goethe mit 
leisem Spott die Beschränktheit der Umgebung zum Hinter- 
grunde nimmt, auf welchem die edle Menschlichkeit seiner 
Hauptpersonen um so leuchtender sich abhebt, so treten 
in Arnolds Lustspiel neben der reichen Fülle komischer 
Scenen und Charactere um so gewinnender auch Aeusserungen 
tiefen Gefühls und selbst bitteren Schmerzes: die Treue, mit 
welcher die Mädchen trotz Verleumdung und Drohung an 
den Geliebten festhalten, die Rührung die der Vater em- 
pfindet, als er das geliebte Kind als glückliche Braut vor 
sich sieht, das alles ist vom elsässischen Dichter ebenso 
ergreifend dargestellt worden, als er es verstanden hat die 
kleinen Schwächen der Menschen im Allgemeinen und seiner 
Landsleute im Besondern treffend abzuschildern. Wiederum 
ist es nicht zufällig, dass sein Held ein über den Rhein ge- 
kommener Deutscher ist, dass die Person, der am schlimmsten 
mitgespielt wird, sich als kläglichen Nachäffer des Franzosen- 
tums darstellt. 

Die Vorzüge der Arnoldischen Dichtung hat Goethe, 
indem er den zuletzt angegebenen Ausfall nach seiner Art 
milde ablehnt, wunderbar ins Licht gesetzt, als er das Stück 
im IL Band, Heft 2 seiner Zeitschrift » Ueber Kunst und 
Alterthum« (Stuttgart 1820) besprach, und der begeisterte 
Dank für diese Anzeige, welchen Arnold im I. der obigen 
Briefe dem Meister darbringt, ist voll berechtigt. Arnolds 
Freunde in Strassburg Hessen sofort die Besprechung Goethes 
nachdrucken und verbreiten und sie bildet seitdem in allen 
Ausgaben des Stückes die unentbehrliche Beigabe. 



Stackelberg BEI Goethe 1829. 87 

Von diesen Ausgaben ist die 1850 erschienene, durch 
eine Auswahl aus Arnolds hochdeutschen Gedichten und 
durch treffliche Illustrationen des Strassburger Malers Theophil 
Schuler bereicherte von Arnolds Freund Rauter besorgt 
worden, demselben den der IL Brief Arriolds an Goethe 
empfiehlt. Ueber den von Rauter benutzten Nachlass Arnolds 
habe ich leider trotz vieler Umfragen nichts erfahren können: 
mit ihm werden auch die vorauszusetzenden Zuschriften 
Goethes an Arnold für immer verloren sein. 

Um so wertvoller erscheinen die beiden im Goethe- 
archiv bewahrten Briefe des elsässischen Dichters und ich 
bin für die von der Hohen Besitzerin huldvoll ertheilte 
Erlaubniss sie zu veröffentlichen zu tiefgefühltem Danke ver- 
pflichtet. 

Strassburg 15. Sept. 1891. 

Ernst Martin. 






6. STACKELBERG BEI GOETHE. 1829. 

Otto Magnus Freiherr von Stackelberg, als Archaeologe 
besonders durch seine Werke über den Apollotempel zu 
Phigalia (1826) und die »Gräber der Hellenen« (1837) be- 
kannt, zog sich nach langen Wanderungen durch die Länder 
der antiken Cultur im Jahre 1829, dem dreiundvierzigsten 
seines Lebens, nach Dresden zurück. Ueber seine Reise 
dorthin, die ihn durch Frankreich, England, Holland, Belgien 
sowie die rheinischen und mitteldeutschen Hauptorte führte, 
hat er seinen in Rom zurückgebliebenen Freunden August 
Kestner und Eduard Gerhard einen ausführlichen Reisebericht 
gesandt, der sich gegenwärtig im Besitze des Herrn Sanitäts- 
rat Dr. Kestner zu Mülhausen i. E. befindet. Aus einer 
dem Goethe- und Schiller- Archiv freundlichst übersandten 
Abschrift wird mit Genehmigung des Herrn Besitzers der 
auf Weimar und Goethe bezügliche Abschnitt hier ver- 
öffentlicht. 

»Dresden, 15. Nov. 1829. 
... In Weimar wurde ich in Goethes Schoosse auf- 
genommen ; der alte, einzige Sänger kam mir mit Achtung 
und Freundschaft entgegen, überraschend bey seinem all- 



Nkue Mittheilungex. 



bekannten Ernst und bey der Vergötterung, die er in 
seinem Leben erreicht hat. Wie er Andre behandelt, das 
habe ich an dem Kanzler Müller gesehen, der Dir wohl 
einen Gruss von mir brachte, mein guter August. Denn 
er verstummt, sobald er jemand nicht gern mag, geht 
ans Fenster und nimmt ein Buch in die Hand. Aber der 
Kanzler des Herzogthums liess sich nicht decontenanciren, 
sondern ich wurde sein Vertrauter und nachmals wurde 
viel über alles gelacht. Goethe liess mich nicht von sich, 
und stolz auf die Auszeichnung von einem, solchen Manne, 
wäre ich ganz geblieben, hätte ich nicht das Ziel meiner 
Reise immer vor Augen behalten. Während fünf ganzer 
Tage liess er mich doch nicht los. Ich bekam seine 
Kunstsammlung zu sehen, das Manuscript seiner Italischen 
Reise zu lesen, welches jetzt zum Druck vorbereitet wird 
und Interessantes über sein Verhältniss mit AngeHka, seinen 
Aufenthalt in Albano mit Kunstübungen, und das Leben 
des heiligen Ignazius enthält, voll geistreicher Betrach- 
tungen. Von Morgens um lo Uhr bis gegen Mitternacht 
musste ich bey ihm täghch zubringen, sein Tischgenosse, 
Spaziergefährte, und wenn der gute Alte früher sich 
zurückzog, sagte er immer: Sie bleiben doch morgen 
noch ? und übergab mich seiner geistgebildeten Schwieger- 
tochter, welche er mich einzunehmen lehrte, indem ich 
Lord Byron gesehn und gekannt hatte, und ihr, als einer 
Anglomanin und Gräkomanin, willkommenster Bericht- 
erstatter werden sollte. Da ward denn zu meiner Unter- 
haltung die schönste junge Dame von Weimar täglich 
eingeladen, ein Fräulein Gersdorf, sanft und jungfräulich, 
mit einem Paar der schönsten Augen, bey hoher schlanker 
Gestalt. Bald wurde nach Belvedere gefahren, bald am 
Hofe bey der trefflichen alten Grossherzogin zugebracht, 
bald Schlösser und Gärten besucht; bald spazierten wir in 
seinem Gartenhause an der Um unter selbstgepflanzten 
Bäumen umher, bald nahm er meinen Apollotempel von 
der Bibliothek vor und musterte den PhigaUschen Fries, 



' Vielmehr Jenny v. Pappenheim, die iSjährige Stieftochter des 
Ministers v. Gersdorff. Vergl. Goethe-Jahrbuch XII, i8i. 



über den icn mit inm angenenme ijespracne tunrte, unü 
mich freute, doch in einem Stücke klarer als er zu 
sehen. Creuzern ' ist er ganz abgeneigt, doch ist er es 
mir nicht. Er legte mir einige antike Fragmente vor, 
die ihm unerklärlich vorkamen und freute sich, dass 
ich sie ihm lösen konnte ; die Nüsse waren nicht 
schwer aufzuknacken. Zum Andenken gab er mir die 
Zeichnung davon. Wir wechselten Gastgeschenke. Eine 
ziemUch unbedeutende, grosse Aussicht von Taormina, 
die ihm Kniep gezeichnet, ersetzte ich mit meiner 
Aussicht von einem weit schöneren Standpunkte. » Sie 
haben erreicht, was ich strebte« sagte er über meine 
Zeichnungen. Vier Medaillen mit seinem Porträt erhielt 
ich auch zum Andenken. Es war eine Lust den Alten 
mit Kindern, die immer ab und zu bey ihm vorkamen, 
sprechen zu hören, denn er hat eine rührende Art sich 
mit ihnen zu unterhalten und spricht dann ganz in ihrem 
Sinne, drum sie auch an ihm hängen und ganz mit ihm 
vertraut sind. Ich könnte nicht aufhören von ihm zu 
erzählen, so hat er mich bezaubert, so schlicht und naiv 
ist sein Reden, so ungekünstelt und ungewählt sind seine 
Worte und immer treftend; er hat die Natursprache in 
seinem Besitz. Ich war froh wenn icli allein se3'n konnte 
und über ihn nachdenken. Ich zeichnete sein Landhäuschen 
an der Um eines Morgens ganz früh und glaubte mich 
ganz unbemerkt von ihm; da kam es aber nachher doch 
heraus, dass er mich gesehen hatte und auf denselben 
Standpunkt hingegangen war, wo er über die Wahl des 
Ortes sich verwunderte, weil man das Haus sogar ge- 
stochen hatte, aber niemand darauf gefallen war, es von 
dem Punkte zu nehmen, von welchem es ihm am besten 
zu einem Bilde sich zu eignen schien. Es ist wirklich der 
schwierigste Gegenstand, um etwas daraus zu machen, das 
nicht bloss des Namens wegen gezeichnet erscheinen soll. 
Ich war hocherfreut Goethe mit dem Raoul Rochettischen* 
Streit bekannt zu wissen, über den er sich völlig indignirt 



' Dem Heidelberger Professor der Archaeologie. 

^ Raoul-Rochette, französischer Archaeologe und Historiker. 



IÄ;i^r^"^«Si-;.ÄS;Ä.::^'Ä 



.lÄ^V. 



■siiiä^m^mnnai'iäSaM 



90 Neue Mittheilungen. 



zeigte. Meine Broschüre, die Quelques mots sur une 
diatribe anonyme, nannte er ein wahres Meisterstück, und 
bat sich zwey Exemplare davon aus, obgleich er schon aus 
Paris eins früher erhalten. Die Vignette war ganz nach 
seinem Sinn und ich musste ihm sagen, ob sie denn nicht 
wirklich nach einem antiken Vasengemälde gemacht se_v, 
denn er konnte nicht glauben, dass man so täuschend in 
dem Styl erfinden könnte. Verdientermassen hat Raoul 
denn auch genug Strafe für seine Verläumdungen einge- 
ärndtet, und nachher noch, wie mir Bröndsted' geschrieben, 
ein paar recht grobe Zurechtweisungen in den Journalen 
in Rücksicht auf diese Schrift bekommen von einem uns 
unbekannten Gelehrten. Der einzige Feind, der sich mir 
gezeigt bisher in meinem Leben, ist längst völlig zer- 
schlagen, — Goethe's Gesicht ist, den festen, ernsten 
Charakterausdruck abgerechnet, nicht mehr schön zu 
nennen ; die Nase ist sehr stark geworden, denn die Haut 
hat sich hüglig erhoben, die Augen stehen schräg, denn 
die äusseren Augenwinkel haben sich stark gesenkt, die 
Augensterne sind kleiner geworden, weil sich durch eine 
staarartige Verbildung ein weisser Rand umhergegossen 
hat. Er geht mit den Füssen schurrend auf dem Boden, 
aber dennocli über die Treppen herunter, ohne sich anzu- 
stützen oder den Arm eines Begleiters zu brauchen. Rauch 
hat eine kleine Figur von ihm modellirt, w^ovon ich Gyps- 
abgüsse gesehn, die ihm sehr ähnlich ist, im Ueberrock, 
die beyden Hände auf dem Rücken zusammengefasst, wie 
er oft zu thun pflegt. . . « 

Gleicher Quelle entstammt der folgende Ergänzungs- 
bericht, dessen Veranlassung der Eingang ergiebt. 

»Dresden, 29. Januar 1830. 

. . . Du mögtest mehr über Goethe von mir hören 
und besonders sein Urtheil über die Blätter der Albunea. ^ 
Ueber diese habe ich aber nicht ein Wort verlauten lassen, 

' Begleiter Stackeibergs in Griechenland und Mitentdecker des 
Apollotempels. 

^ Quelle bei Tibur und weissagende Quellnvmphe, vgl. Horaz 
Od. I, 7, 12. Creuzer, Symbolik und Mythologie 3. Aufl. III, 494 
684. IV, 236. 



Stackelberg bei Goethe 1829. 91 

um das künftige Incognito der Seherin nicht unniögHch 
zu machen. Sie wächst noch im Dunkel heran, und wenn 
sie erschienen ist und geschienen hat, geht sie ins Dunkel 
wieder hinüber. Aber ich unterliess nicht, ihm überliaupt 
seine Meinung über die neuesten Ansichten der Mytho- 
logie in Creuzers Werke abzugewinnen und hörte, dass 
er gar nicht damit zufrieden sev, dass er kein Gefallen 
daran fände. Ich wurde grade damals durch das Eintreten 
des Kanzlers Müller aus Weimar verhindert, weiter darin 
einzugehen, und dieser langweilige gebildete Mann, den 
du vermuthlich wirst kennen gelernt haben, wurde darauf 
sc sonderbar von dem Dichter behandelt, dass ich ihn aus 
der Verlegenheit ziehen zu müssen glaubte, denn nach ein 
Paar trockenen Worten Erwiederung liess Goethe den 
grossen Staatsmann sitzen, ging ans Fenster und nahm ein 
Buch in die Hand, in welchem er fortlas bis der Kanzler 
fortgegangen war. So behandelte er ihn für die Störung 
und ich musste die Conversation in seinem Hause führen. 
Der Kanzler schien aber an solche Launen gewöhnt, liess 
sich nicht stören und quälte mich am Ende auch mit 
Gesprächen eine Stunde lang, so dass ich nachher von 
Goethe über meine Gutmüthigkeit, ihm geantwortet zu 
haben, ausgelacht wurde, worauf ich ihm bemerklich 
machte, dass ich auch einen Unbekannten gern aus einer 
Verlegenheit zöge, und der treffliche Alte mich umarmte. 
Sein Leben in Weimar ist durchaus nicht, wie es seyn 
sollte. Er bringt [esj fast immer auf dem kleinen hübschen 
Landhause im Park zu, wo er mir wie Rousseau erschien, 
abgeschieden von der Welt, nur in sich selbst lebend und 
durch Journale und Zeitungen von allen Gegenden dem 
Lauf der Begebenheiten und der Entwicklung des Geistes 
zusehend, indem er seine eigenen Sachen sammelt und zu 
der Cottaischen Herausgabe fördert. So ist er denn viel- 
fältig beschäftigt und pflanzt im Frühjahr selber seine 
Malven von allen bunten Farben, die, wie er selbst sagte 
(in ihren bunten Röcken an hohen Stöcken hinaufgezogen) 
Schildwache bey seinem Spaziergange halten. . . « 



92 Neue Mittheilukgek. 



Zur Erklärung, Ergänzung und Berichtigung dieser Dar- 
stellung folgen hier die entsprechenden Abschnitte aus dem 
Tagebuch des achtzigjährigen Dichters. 

Soinitag, (). August iS2<): » . . . Um lo Uhr Baron 
Stackeiberg, mit welchem ich seine Reisen höchst be- 
deutenden Unternehmungen durch sprach ; auch über Kunst 
und Alterthum manches verhandelte. Ich bheb nachher für 
mich und fuhr in allerley Geschäften und Arbeiten fort. 
Gegen 2 Uhr kam er wieder und speiste mit uns wodurch 
das Gespräch fortgesetzt wurde und seine Gefangenschaft 
bei den Piraten ' zur Sprache kam. Er wurde beredet noch 
einen Tag zu bleiben und sich bey der Frau Grossherzogin 
zu melden. Nach Tische besahen wir die Probedrücke der 
merkwürdigen Zeichnung nach den Gräbern vonCorneto; 
merkwürdige kleine Kunstwerke von gebranntem Thon, 
colorirt, gleichfalls sehr sorgfältig abgebildet. Ich fuhr 
mit ihm ums Webicht, hernach in den Garten. Er ver~ 
Hess mich nach 7 Uhr und ich fuhr in Arbeiten und Be- 
trachtungen fort.« 

Montag, 10. August iSzp : » . . . Graf Stackeiberg 
speiste bey der Frau Grossherzogin. Ich mit der Familie. 
Beschäftigte mich im Hause mit nachsuchen und Anordnen. 
Kam Baron Stackeiberg. Wir besprachen ferner seine 
Reisen seine Unternehmungen und was sonst interessant 
war. Kam Geh. R. v. Müller, Abschied'' zu nehmen. Be- 
sprach sich mit Bar. Stackeiberg über Itahen, Rom, Be- 
quemlichkeiten und Angelegenheiten. Ich fuhr spät in den 
Garten mit Wölfchen , . .'ff 

Dienstag, 11. August iS2(): »Einiges am römischen 
Aufenthalt. Mancherley sonst. Der Baron besuchte das 
Museum, die Bibliothek und fuhr mit Ottilien nach Tiefurt. 
Ich fuhr zu Tische hinein. ■♦ Prof Riemer war von der 
Gesellschaft. Wir gingen die kleine Sammlung unsrer 



' aus der ihn Kaiser Nikolaus diirch ein Lösegeld von 18000 
Piastern befreit hatte. 
^ nach Italien. 

3 dem fast neunjährigen Enkel. 
^ vom Garten in die Stadt. 



Stackelberg bei Goethe 1829. 93 

griechischen Münzen durch. Einige unbekannte wurden 
näher bestimmt. Abends Frl. Pappenheim. Manches wurde 
durchgesprochen und der Gast entschloss sich noch Morgen 
zu bleiben. Ich fulir wie gestern begleitet spät in den 
Garten.« 

Mittzuoch, 12. August iS2(): » . . . Baron Stackelberg 
der meinen Garten gezeichnet hatte auf einen Augen- 
blick . . . Frl. V. Pappenheim und Baron Stackelberg 
kamen mit den Kindern von Belvedere und speisten mit 
uns; der bedeutende Reisende erzählte manches höchst 
Interessante, seine Kupfer und Zeichnungen wurden aber- 
mals durchgesehen. Ich fuhr fort einiges zu berichtigen. 
Nahm Abschied von dem vorzüglichen Manne und ging 
wieder in den Garten hinunter. . . « 



Die so lebhaft angeknüpfte Verbindung ward nicht fort- 
gesetzt, nicht einmal ein Brief Stackeibergs findet sich in 
des Dichters Nachlass. Auf eine, wie es scheint mündliche, 
archaeologische Mitteilung Stackeibergs beruft sich Goethe 
in einem nachgelassenen Aufsatz » Zwei antike weibliche 
Figuren« (Hempel XXVIII, 407). 

Eduard von der Hellen. 




II. Mittheilungen aus dem Goethe- 
National - Museum. 



GOETHES REISESKIZZEN AUS DER SCHWEIZ 

1775- 
Besprochen vo\ C. RULAND. 

Während einer langen Reihe von Jahren findet sich in 
Goethes vertrauteren Briefen (z. B. in denen an Frau von 
Stein) wie in den Tagebüchern häufig der Vermerk, dass er 
»gezeichnet«. In der Umgebung der Vaterstadt, in der 
Schweiz, auf den Höhen des Thüringer Waldes, auf der Reise 
nach Italien, überall bemühte sich der Dichter, das Gesehene 
mit dem Stift festzuhalten. Freilich des öfteren nicht zu 
seiner Zufriedenheit ; einmal nennt er die Versuche geradezu 
schwach. (Weimarer Goethe- Ausgabe XXIX, 228, 7,) Immer- 
hin hätten diese Blätter, wenn sie sich einigermassen voll- 
ständig erhalten hätten, zumal mit den nöthigen Zeit- und 
Ortsangaben versehen, für uns ein grosses Interesse. Sie 
würden ein den anderen Aufzeichnungen und Briefen ]jarallel- 
laufendes illustrirtes Tagebuch bilden. Unter den hunderten 
von Zeichnungen und Skizzen, die das Goethe-National- 
Museum bewahrt, weitaus die meisten landschaftlicher Natur, 
sind leider nur sehr wenige , deren Entstehungszeit und 
-Ort sich mit Sicherheit angeben lässt. Nur zwei Serien machen 
eine willkommene Ausnahme, zumal da sie beide von Goethe 
selbst schon zusammengestellt sind. Die eine bilden die 
äusserst zahlreichen zeichnerischen Ergebnisse der Italiänischen 
Reise von der ersten Poststation Zwota bis an die Küste 
Siciliens : sie zu ordnen und in ein Album einzufügen war 
eine Beschäftigung, die Goethe, wie er selbst schreibt, die 
trüben Tage des ersten wieder in Weimar zugebrachten 



Goethes Reiseskizzen aus der Schweiz. 95 

Winters erhellt hat. Noch heute steht der stattliche Folio - 
band auf Goethes Schreibtisch, wo er seit dem Winter 1789 
bewahrt wurde ; vielleicht bietet sich eine Gelegenheit, eine 
Auswahl der zum Theil überraschend guten Skizzen und Sepia- 
zeichnungen auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen. 

Die zweite, dem äusseren Umfange wie dem künstlerischen 
Gelingen nach viel geringere Sammlung betrifft die erste 
Schweizer -Reise von 1775, genauer den mit seinem Lands- 
mann Passavant in den Tagen vom i7ten bis 25ten Juni in 
die Urkantone und auf den Gotthard unternommenen Ausflug. 
Die sechszehn Blatt fanden sich in einem alten Umschlag 
vereinigt in Goethes Bibliothek, wo sie wahrscheinlich geruht 
haben, seitdem der Dichter sie beim Entstehen der Bücher 
XVIII und XIX von Dichtung und Wahrheit zu Rathe ge- 
zogen. Dass er dies gethan, ist kaum zu bezweifeln, wenn 
man die flüchtigen Skizzen mit den Seiten 116 — 123 von 
Band XXIX vergleicht. Schon dass da in Abweichung von 
der sonstigen Gepflogenheit des Werkes ganz bestimmte Daten 
angegeben werden, würde die Vermuthung nahelegen, dass 
Goethe bei diesem kurzen Abschnitte wahrscheinlich ausser 
den wenigen Worten des Tagebuches irgend welche alte 
Aufzeichnungen benutzt habe; aber er ^ sagt es ausdrücklich 
selbst bei einer älteren Notiz über die Rückkehr vom Gott- 
hard (S. 243,8): »von nun an (23. Juni) verlässt mich das 
Datum wieder«, nachdem er unter dem i6ten Juni (S. 116,19) 
das »erste Datum verzeichnet« gefunden hatte. Unsere 
Zeichnungen decken sich gerade mit diesen acht Tagen durch 
ihre, im Augenblicke des Entstehens beigeschriebenen Daten. 
Sie gehören in gewissem Sinne auch zu dem handschriftlichen 
Material von Dichtung und Wahrheit ; im ersten Band der 
Tagebücher (S. 344) hat die neue Goethe-Ausgabe eine kurze 
Erwähnung unserer Zeichnungen gebracht, mögen einige 
nähere Angaben als kleiner Nachtrag zu dem kritischen 
Apparat des jüngst erschienenen 29ten Bandes nicht un- 
willkommen sein. 

Die sechszehn Reiseskizzen sind mit geringen Ausnahmen 
sehr flüchtiger Natur, meist leichte Bleistiftumrisse, nur zwei- 
mal sorgfältiger ausgeführt, auf Schreibpapier gewöhnlichen 
Folio-Formates; bei der Beschreibung der einzelnen Blätter 
stellen wir Goethes beigeschriebene Notizen in Cursiv voran, 
und verweisen jedesmal,- soweit möglich, auf die betreffende 
Stelle in Dichtung und Wahrheit. 

1. »d. ij. /inii Yß.H Blick auf den Vierwaldstätter See 
herab, rechts unten ein Städtchen. 

2. d. ly. /u/ii. Aehnliche noch flüchtigere Skizze von 
einem etwas höheren Standpunkt, beide wohl während 
des Aufstieges auf den Rigi entworfen. 



96 Neue Mittheilüxgen. 



3. Rigi. ii.JimiiYyß. itnOc/ise?i: Inneres eines bäurischen 
Wirthszimmers, rechts vorn ein Reisender, vom Rücken 
gesehen, mit der Wirthin im Gespräch. (S. 118,7.) 

4. Rigi 18. J. Mit Tannen bewaldeter Abhang, rechts 
vorn ein Haus, dessen Dach mit Steinen belastet ist: 
vielleicht die S. 118,8 erwähnte Zeichnung. 

5. In Iziiau d. ig (statt Vitznau): Bauernhaus, das Dach 
mit Steinen beschwert ; neben steht : NB. die Steine 
dunkel, das Holziverck heller und durch den aus- 
blickenden dunkeln Grund erhohen. Ein Beispiel für 
die Bemerkung Goethes: »schwache Versuche nach 
der Natur gezeichnet und der Skizze gleich auf 
demselben Blatte mit Beschreibung nachzuhelfen, wo- 
durch aus beidem nichts wird.« (S. 228,7 f^j '^'g'- 
auch S. 133.) 

6. /p Juni 75. Wirthshaus am Vier IValdst. S. Nahe 
am Ufer, vorn ein Kahn angebunden. (S. 119,9.) 

7. Altdorf ip J. Fluchtigster Umriss von Höhen. 
(S. 119,15.) 

8. d. 20 J. Gothard. Sehr flüchtige Andeutung des 
sich berganziehenden Saumpfades. (S. 170, 10 ff.) 

9. d. 21 J. Drachenthal. Ein über und zwischen Felsen 
herabschäumender Bach : Feder mit Tusche recht 
wirkungsvoll lavirt. 

0. 22. J. Im Urner Loch. Flüchtigste Andeutung in 
Umrissen. 

1. Scheideblick nach Italien vom Gotthard. d. 22 Juni ly/j. 
Doppelblatt; die höheren, zum Theil mit Schnee be- 
deckten Gebirgspartien mit Tusche lavirt, vorn die 
sich hinabziehende Strasse, auf einem Felsblock sitzt 
ein Reisender, ein zweiter steht neben ihm. (Vgl. die 
verkleinerte Nachbildung, welche von diesem zeich- 
nerisch wie historisch interessantesten Blatte dem 
Bande beigegeben ist.) 

Goethe sagt darüber : »ich hatte mich an den Fuss- 
pfad, der nach Italien hinunter ging, niedergelassen 
und zeichnete . . . die nächsten Gebirgskuppen, deren 
Seiten der herabschmelzende Schnee mit weissen Furchen 
und schwarzen Rücken sehen Hess.« (S. 128, 20 ff.) 

Die Worte stimmen so genau mit der Zeich- 
nung, dass ihm diese bei dem Niederschreiben vor- 
gelegen haben muss ; der sitzende Wanderer ist dem- 
nach Goethe selbst, der stehende Passavant ; wie die 
Erinnerung an Lili den Dichter übermannte und ihn 
Italien den Rücken kehren Hess, ist bekannt. 




•Jffr-''Ä/'tt.f-*f»i";:ft'f'<''r^!;r'rftJT-r-.. 







:cn.^ 









4 






Goethes Reiseskizzen aus der Schweiz. 97 

12. 2 j. Juni. Urner Loch, Nur wenig bestimmte Andeutung 
der sich nach dem Loch sanft emporziehenden Strasse. 

13. 2^. Jiin. Teufelsbrücke. Sehr flüchtige Skizze. 

14. 2j. J. Teuf eis brücke. Doppelblatt: die Brücke mit 
ihrem Geländer etwas bestimmter ausgeführt. 

15. 2j.Jun. Teufels Stein ; ein einzelner grosser Felsblock 
auf Passavants Ermunterung gezeichnet. (S. 121, 12). 

16. Johanni Tag. Gerstenfeld (so für Erstfelden, halb- 
wegs zwischen Amsteg und Altdorf.) Auf einem 
Doppelblatt : Skizze des unter Bäumen im Thal 
liegenden Ortes, links dahinter ansteigende Hügel. 

In Dichtung und Wahrheit sind die drei Zeichnungen 
13 — 15, unter dem 2iten, also noch beim Aufstieg auf den 
Gotthard erwähnt, — der Aufenthalt in Erstfelden aber wird 
übergangen : sicher weil mit dem Scheideblick vom Gotthard 
die Beschreibung dieser achttägigen Wanderung ihren künst- 
lerischen Höhepunkt und Abschluss gefunden, und der Dichter 
nicht durch eine abermalige Erwähnung _des Reussthales die 
Rückkehr nach Zürich verzögern wollte. An der chrono- 
logischen Richtigkeit der an Ort und Stelle beigeschriebenen 
Angaben auf unseren Blättern ist sicher nicht zu zweifeln; 
auf jeden Fall haben diese flüchtigen Skizzen ihren Zweck 
erfüllt und Goethen eine solche »innere Gegenwart« von den 
durchwanderten Bergthälern gewinnen lassen, dass eine jede 
Localität, wie er sie vierzig Jahre später bei der Nieder- 
schrift von Dichtung und AYahrheit brauchen mochte, ihm 
alsobald vorschwebte und zu Gebote stand. (S. 133,15 ff-) 




Goethe-Jahrbuch XIII. 



III. Verschiedenes. 



I. BRIEFWECHSEL ZWISCHEN GOETHE ÜNJ) 
MINISTER VON GERSDORFF. 

MIT POLITISCHEN BERICHTEN DES LETZTEREN. 
MiTGETHEILT VON LiLY VON' KrETSCHMAN. 



Kicht ohne Bedenken und dennoch wage ich es Ew. 
Excellenz die Bevlage — eine frühere, jetzt gedruckte 
Arbeit von mir gehorsamst zu überreichen. 

Geschieden durch meinen jetzigen Beruf von solchen, 
sonst mir so werthen Bestrebungen , dürfte ich nicht 
dankbar im Tempel niederlegen, den Himmlischen reichend, 
was, auch in schwacher Nachbildung, von ihnen zeugt? 
Dann aber, welchem Altar möchte ich andächtiger und 
ehrfurchtsvoller nahen können, als dem, der, wie uns der 
nächste, so dem gemeinsamen Vaterlande der erhabenste 
im Heiligthum der Dichtkunst ist ? 

Von solcher Gesinnung diesen Versuch anzunehmen, 
wollen Ew. Excellenz nicht verschmähen. Ich verbinde 
damit den lebhaften Wunsch, dass Ew. Excellenz noch 
lang im besten Wohlseyn in unserer Mitte verweilen mögen. 

Mit erneuertem Ausdruck meiner grössten Verehrung 
habe ich die Ehre zu verharren 

Ew. Excellenz 

ganz gehorsamster Diener 

V. Gersdorff 

Weimar, den i6ten April 1822 



Briefwechsel zwischen- Goethe un-d Minister v. Gersdorff. 99 



•y 



Ew. Excellenz 
haben mir die schönen Frühlingstage höchst erfreuHch 
werden lassen und mir darin einen seltenen Genuss 
verliehen. 

Denn ich muss leider gestehen dass ich Sophokles, 
dem grossen Meister meiner früheren Jahre, in der letzten 
Zeit, durch Lebens- und Literatur-Zerstreuungen abgehalten, 
mich nicht mehr zu nahen wusste. Nun aber lässt mich 
Ihre Vermittelung ihn auf einmal wieder, in Vaterländischer 
Sprache, ohne Anstoss, fasshch und geniessbar vernehmen, 
zugleich neu und alt, immer von demselben, ja von er- 
höhtem Werthe. 

Empf^mgen Ew. Excellenz daher meinen verbindlichsten 
Dank ^für die so schätzbare Aufregung, mit dem Glück- 
wunsche : dass bei so bedeutenden, verwickelten Geschäften 
noch ein heiterer Rückbhck in freyere Zeiten und eine 
Anmuthung an die höchsten, einfachsten Kunstgenüsse 
geblieben ; wahrer Antheil sich so frisch erhalten hat, dass 
Sie uns noch jetzt das gültigste Zeugniss davon mittheilen 
mögen. 

Der ich mich zu dauerndem Wohlwollen, so lan<^ es 
in Ihrer Nähe zu verweilen gegönnt ist, angelegentlichst 
empfehlend, eine geneigte Fortsetzung für die Meinigen 
späterhin wünschen und hoflen darf. 

Wahrhaft verehrend aufrichtig anerkennend 

ganz gehorsamst 

J. W. V. Goethe 
Weimar d. 20 Apr. 1822. 

Ew. Excellenz 
beehre ich mich in den Anfügen einige Stellen aus 
den letzten Berichten des Herrn Piquot zu Wien in 
Betreff der neuesten Regierungsveränderung in Frankreich 
initzutheilen und zugleich die Copie desj. Circularschreibens, 
welches von Seiten des Ministers des Auswärtigen des 
Königs der Franzosen an alle diplomatische Bevollmächtigte 
der verschiedenen Höfe zu Paris unter dem Dato des 
II. August 1830 ist erlassen worden. Da es Zeuoniss ab- 



100 Neue Mittheilungen. 



legt von dem Ton in welchem das neue Frankreich sich 
den Mitmächten ankündigt, so ist es nicht ohne Beziehung 
auf die Piquotschen Berichte und die Frage: ob die An- 
erkennung Ludwig Philipps von Seiten der Grossmächte 
erfolgen wird ? 

Die Verträge, von deren Anerkennung man vorzüglich 
diejenige des neuen Königs scheint abhängen lassen zu 
wollen, sind hauptsächlich der Vertrag vom Jahre 1814 
(Mai), der Vertrag vom 20. November 181 5, die Wiener 
Congress -Verträge, die Aachener Verträge von 1818; der 
Vertrag vom 10. Juny 18 17, in Bezug auf Articul 99 der 
Wiener Congressacte bestimmend la revcrsion (h V Antriebe) 
des duches de Parme, de Plaisance et de Gnastalle h la maison 
de Lucqnes et de la principaute de Lucqiies a la Toscanc^ 
apres le deces de Marie Louise. Nachträglich' bestimmt der 
art. XI des Vertrags vom 20. November 181 5 mit Frank- 
reich : Ce traite de Paris du )0 uiai 1S14, ainsi qiie Vacte 
ßiial du Congres de Vienne du 5? jiiin iSij, soiit confirmcs 
et luahiti'uus dans toiites Celles de Iciirs dispositioiis qni iiau- 
raicnt pas ele iiiodißees par les clanses du prcseut traite. 
Es ist also eigenthch die Anerkennung der Gültigkeit des 
Pariser Vertrags vom Jahre 1815 (20. November), welche, 
wenn die neue französische Regierung sie genügend be- 
wirkt, von wesentlich beruhigender Bedeutung sein würde. 
Mit ausgezeichneter Hochachtung habe ich 
die Ehre zu sein Ew. Excellenz 

ganz gehorsamster Diener 
Ernst August v. GersdorfF. 
Weimar, am 29. Aug. 1830. 

Beilage zu Brief j. 

Extrait. 

Rapport de Mr. Piquot, ministre resident Grand ducal 

ä Vienne en data du 19 aoüt 1830: 

II m'est revenu qua le prince de Metternich et le comte 

de Nesselrode, qu'on croit devoir passer a Vienne, avant de 

retourner de Carlsbad ä son poste, se sont concertes even- 

tuellemcnt et si j'en crois une source que j'ai souvent trouve 

exacte, les trois cours et peut-etre aussi l'Angleterre ne 

' Unleserliches Wort, vielleicht »Nachdrücklich«, »Nachträglich« 
wohl nicht ! 



Briefwechsel zwischen Goethe und Minister v. Gersdorff. 10 1 

prendront point TofTensive et verront tranquillement venir 
les choses, tout en se preparant ä s'opposer vigoureusement 
ä toute attaque de la part d'un gouverneraent qui est loin 
encore de sa consolidation. 



Rapport du meme, en date du 24 aoüt 1830. 
D'apres quelques renseignements que je crois exactes, 
Ja Cour de Vienne toujours d'accord avec la Prusse et la 
Russie pourrait reconnaitre le nouveau gouverneraent en France, 
pourvu que ce dernier veuille ou puisse sanctionner les 
anciens traites solennellement conclus avec TEurope entiere. 
C'est le ton et la forme de la notification ofificielle toujours 
attendue qui mettra le sceau aux determinations des grandes 
cours alliees. 

Extrait de la lettre circulaire adressee aux agents diplo- 
matiques des differentes cours accredites ä Paris par Mr. le 
Comte de Mole ministre des relations exterieures de Sa Maj. 
le roi des Francais. (11 aoüt 1830): 

Monsieur ! 

Le Roi m*a ordonne de porter ä votre connaissance les 
evenements qui se sont succede en France depuis le 4'"- juillet 
jusqu'ä ce jour et qui ont amene Tavenement de S. M. au 

trone comme Roi des Francais 

II fallait sauver la France et j'ajouterai, Monsieur, preserver 
l'Europe d'un grand ebranlement. C'est dans cette grave 
conjoncture que tous les yeux se sont tournes vers son Altesse 
Royale Msgr. le Duc d'Orleans et tous les coeurs l'ont 
appele ä sauver la patrie. 

Malgre la profonde e'motion qu'excitaient en Lui les 
malheurs trop prevus de la branche ainee de sa famille, il a 
entendu la voix de la France et s'est devoue ä un penible 
devoir. Le glorieux drapeau tricolore ne s'est deploye que 
comme un embleme de moderation et de defense, de con- 
servation et de paix. La chambre des Deputes et la chambre des 
Pairs en proclamant un divorce absolu, eternel entre la France 
et la branche ainee de la maison regente ont consomme un fait 
qui est hors de toute puissance humaine d'etre detruit; mais 
le maintien du Systeme raonarchique en France dans la 
branche d"Orleans attestent assez les salutaires effets de 
l'experience et du temps sur Pesprit et le caractere de la 
nation francaise. Aujourd'hui — et l'Europe ne saurait en 
douter! — le plus vif desir, le besoin unanimement senti de 
la France est de se reposer dans un gouverneraent juste et 
fort. Vos gouverneraents connaltront quels efforts S. Maj. 
a du faire sur Elle-meme pour se resoudre ä monter sur un 
trone, qui cependant pour le bonheur general ne pouvait 



102 Neue Mittheiluxgex. 



etre occupe que par Elle ; son devouement en acceptant la 
couronne a ete un bienfait pour la Royaute meme, comme 
pour les peuples. Mediateur entre la France et l'Europe, qui 
connaissent egalement sa loyaute et sa droiture S. Maj. en 
des circonstances si difficiles pouvait seule retenir la France 
dans la limite d'une sage liberte et presenter aux puissances 
etrangeres le gage d'une securite pleine et permanente. En 
Vous donnant cette communication, Monsieur, je dois Vous 
repeter, par ordre du roi, combien S. Maj. met de prix ä 
maintenir, ä fortifier les relations amicales qui existent entre 
les Cabinets desquels vous etes accredite et !a France .... 

signe INIole'. 

4- 

Ew. Excellenz 

verzeihen die etwas verspätete Rücksendung der bedeutenden 
Papiere und genehmigen die Bitte: mir von ähnlichen 
Ereignissen und Gesinnungen, in diesen bewegten Tagen^ 
fernerhin geneigte Kenntniss zu geben. 

Erlauben Hochdieselben zugleich mit dem verpflichteten 
Danke für den so schleunig bewirkten Urlaub meines 
abwesenden Sohnes, die Meldung : dass er den 19 August, 
nach vollendeter Heilung, von Spezia entlassen worden. 
Er hatte das Glück von einem sehr geschickten Chirurgischen 
Arzte behandelt zu werden. Da er denn seinen Weg nach 
Livorno forzusetzen im Begriff stand. 

Er suchte sich seinen Aufenthalt so nützlich als mög- 
lich zu machen und es gelang ihm, durch Empfehlung, 
das Haus der Quarantäne zu besuchen und durchaus in 
Augenschein zu nehmen ; hier nun möchte es Ew. Excellenz 
ein Lächeln abgewinnen, dass er das Zimmer betrat, in 
welchem Hr. von Müffling 35 Tage, bey seiner Rückkehr 
von dem tüchtigsten Geschäft, zu verweilen hatte, da er 
denn freyhch, bei Vergleichung seines eigenen Schicksals, 
sich noch immer gewissermassen im Vortheil befand. 

Verzeihen Ew. Excellenz diese Mittheilungen, sie ge- 
schehen in dem Augenblick der erhaltenen günstigen 
Nachricht. Mich und das Meinige zu ferneren Hulden und 
Gunsten empfehlend Ew. Excellenz 

Weimar ganz gehorsamster Diener 

den 3 Sept. J. W. v. Goethe 

1830. 



Briefwechsel zwischen Goethe und Minister v. Gersdouff. 103 

5- 

Ew. Excellenz 
Wunsche gehorche ich, wenn ich in der Beikge die 
Freiheit nehme, die wichtigsten der gestern eingegangenen 
Notizen zu Ew. Excellenz Kenntniss zu bringen. 

Sehr freut es mich dero Herrn Sohn von seinem 
Leiden befreit und durch die Kunst der ItaUenischen 
Chirurgen von einer nicht minder unfreywiUigen Quaran- 
taine, als die des Herrn v. Müffling war, befreyt zu wissen. 
Noch darf man hoffen, dass die Sendung des Grafen 
Athalin an S. M. den Kayser von Russland diesen Monarchen 
besänftigen und so wenigstens ein's der Elemente, dessen 
zur Combination der Friedensdauer wesentlich bedurft wird, 
günstiger gestalten werde. 

Mit ausgezeichneter V^erehrung habe ich die Ehre 
zu sein 

Ev.'. Excellenz 
ganz gehorsamster Diener 
Gersdorff 
Weimar, am 4. September 
1830. 

Beilage zu Brief 5. 

Weimar, den 4. Septbr 1S30. 

Die gestern eingegangenen Nachrichten von Berlin 
(Herr v, L'Estocq) melden, dass der von dem Könige der 
Franzosen an S. M. den König von Preussen abgesandte 
General Graf Lobau bei S. M. dem Könige von Preussen, 
vorgestellt durch den Staatsminister Grafen von Bernstorff, 
Audienz gehabt habe und beruhigende Nachrichten bringend 
gut sei aufgenommen worden. Alex, von Humboldt ist zur 
Gegensendung bestimmt. 

In Wien war der dahin gesandte General Belliard an- 
gekommen und dem Fürsten Metternich durch den Legations- 
secretair Herrn Schwebel vorgestellt worden. Der franz. 
Botschafter Graf Rayneval hatte Wien verlassen um nach 
Paris zu reisen, welches dem General Belliard bei seiner 
Ankunft sehr befremdlich war. 

Die in der Niederlande und selbst in Aachen ausge- 
brochenen Unruhen sind zu beklagen. Sie können die Ver- 
hältnisse compliciren wenn die franz. Regierung nicht Kraft 
genug haben sollte , den aufregenden , aufruhrbilligenden 



104 Neue Mittheiluxgek. 



Aeusserungen der franz. Blätter zumal des Globe das Gewicht 
eines festen, enthaltsamen, bei Mässigung ev. Erhaltung der 
bestehenden Verträge und geltenden politischen Ordnung 
beharrenden Regierungs-Systems wirksam entgegen zu setzen 
und so die auswärtigen Mächte zu beruhigen. 

Die Zügellosigkeit der periodischen Presse in Frankreich, 
der sich in den Blättern zum Theil kund gebende Geist des 
Ueberschreitens der selbst durch die neue Charte gezogenen 
Grenzen und eines kühnen, unbesonnenen Fortschreitens zu 
einem nur in der Republik seine Befriedigung findenden 
Democratismus, dessen Gipfel jacobinische Anarchie ist, — 
scheinen für die innere Ruhe Frankreichs wie für die Er- 
haltung des europäischen Friedens wahrhaft feindliche, leider 
nicht sattsam unmächtige Genien oder vielmehr Dämone 
zu sein. 

Gersdorff. 

6. 

Excellenz 
Hätt ich mich nicht schon durchaus überzeugen können, 
dass Ew. Excellenz Thätigkeit Ihrem Wohlwollen völlig 
gleich sey, so würden mich die wiederholten Sendungen 
beschämen ; so aber darf ich wohl die Bitte wagen damit 
geneigtest fortzufahren. 

Besonders da auch in unserer Nähe sich Bewegungen 
ereignen, welche nur in stumpfer Ueberlieferung zu mir 
kommen; dagegen denn nichts wünschenswerther wäre, 
als solche Ereignisse, zuverlässig und mit einsichtigen Be- 
merkungen begleitet, zu erhalten. 

Verehrend wie vertrauend 
Ew. Excellenz 
ganz gehorsamster 
Diener 
Weimar J. W. v. Goethe 

d. 7 Sept. 
1830 

Politischer Bericht. 

Weimar den 6 Septbr. 1830. 
In Leipzig ist 3 Tage lang grosser Tumult gewesen. 
Volk und Studenten hatten gemeinsame Sache gemacht ; das 
Haus welches Fhr. v. Ende bewohnt ist gänzlich demolirt, 
die Möbel geplündert worden. Der von Ende hat sich auf 
das Rathhaus geflüchtet. 



Briefwechsel zwischen Goethe und Minister v. Gersdorff. 105 

Eine Bürgergarde wurde errichtet, sie trägt 7ceisse Binden 
am Arm. Herr Präsident v. Ende wurde am 3. Tage des 
Aufruhres vermocht, seinen Aufenthalt zu verlassen und vor 
die empörte !Menge zu treten. Er entliess verhaftete Studenten 
ihres Arrestes, versprach die Handhabung der Polizei den 
Bürgern und der Bürgergarde anzuvertrauen. Eigentliches 
IMilitair sei noch nicht gebraucht worden, nur einige Ab- 
theilungen hätten sich gezeigt, seien aber auch wieder zurück- 
gezogen worden. Vorzüglich des Nachts habe der Aufruhr 
gewüthet. Bei Tage sei es ruhiger gewesen. Ueber die Ver- 
anlassung des Aufstandes wurde angeführt, eine Anzahl 
Bürger von einem Polterabend lärmend zurückkehrend sei 
von der Polizei misshandelt worden. 

(Aussage des Postmeisters Kahlert in Weimar.) 

gez. V. Gersdorff. 

Ew. Excellenz 

gehorche ich und bitte im \'oraus um Verzeihung, 
wenn in rascher Xiederschreibung, neben Thatsachen sich 
Beurtheilungen drängen, deren Werrh, nur vom Augen- 
blick gebohren, wie sie sind, um so unbedeutender ist, 
je mehr wir immer noch im Nebel wandeln, je öfter die 
Thatsache des Morgens, die \'^oraussetzungen des ^'or- 
abends widerlegt. 

In grösster \'erehrung verharrend 

Ew. Excellenz 
ganz gehorsamster Diener 
Weimar, am 7. Sept. Gersdorff 

1830. 

Politischer Bericht. (Auszug) 

6. bis 9. Sept. 183c. 
Die wiederholten Unruhen in Leipzig und Aachen haben 
nur geringe, politische Bedeutung. — Aus Frankfurt schreibt 
Graf Beust, dass der Prinz von Oranien allein in Brüssel ein- 
gezogen sei. Herr v. L'Estocq meldet aus Berlin, der König 
habe den französischen Gesandten, Grafen Loban sehr gnä- 
dig empfangen : man sei jedoch dort, wie in Paris und Lon- 
don erregt über die in Aussicht stehende ausserordentliche 
Sendung des Grafen Diebitsch aus Petersburg. Man könnte 
diese Sendung als den Zeitpunkt bezeichnen, wo das Schick- 
sal es für angezeigt erachtet nunmehr auf das dem Aus- 
brennen nahe Flackerfeuer der europäischen, politischen Cul- 



lo6 Neue Mittheilungek. 



tur einen tüchtigen Kohlenaufschutt zu giessen. Dieser 
Kohlenaufschutt sind die Russen ; dem Siege des durch sie 
verfochtenen Princips der strengen Autocratie folgt tiefe 
Dunkelheit, oder mit der Zeit wird dies Prinzip selbst durch- 
drungen und erleuchtet von dem unterdrückten, aber nicht 
erstickten Geiste der freioi Intelligenz im staatsbürgerlichen 
Dasein. 

Gersdorff. 
8. 
Excellenz 

Jemehr sich diese wundersamen Ereignisse verwickeln 
und das in Frankreich entzündete Feuer sich, nicht sowohl 
verbreitet als verderblich überspringt ; erwehr' ich mich 
nicht der Erinnerung an jene, wie es damals schien, frevel- 
hafte Aeusserung Cannings, welche doch dahin deutete : 
es komme nur auf eine Anregung an, so wäre der ganze 
Norden in Revolution gesetzt. 

Dies alles bedenkend habe ich immer mehr die Ge- 
neigtheit zu verehren, womit Hochdieselben mich mit 
dem Augenblick so einsichtig bekannt machen wollen. 

Verpflichtet, angehörig, 

Ew. Excellenz 
ganz gehorsamster 
W. 9 Sept. Diener 

1830. J. W. V. Goethe. 

Politischer Bericht. 

Der General-Consul Küstner schreibt mir soeben : 

In Dresden ist ein Tumult ausgebrochen. . . . 

So grenzt Aufruhr an Aufruhr, und hier zu lösen bemüht, 
flammt dort die Gluth in die Höhe ! . . . . 

Nur eins kann retten; Mässigung im Bunde mit besonnener 
Kraft, mit Beseitigung veralteter Vor urt heile ! 

1. Das Prinzip der Non Intervention beherrsche das 
System der auswärtigen, europäischen Politik; 

2. Die Kraft der Regierungen, von aussen her in Ge- 
mässheit jenes Princips, gesichert vor Zersplitterung, wende 
sich zur BeivaJiriing der öffentlichen Ordnung auf das Innere ; 
komme billigen Forderungen und Wünschen zuvor, beseitige 
kräftig Missbräuche, und scheue nicht sie anzugreifen, wo 
sie sind, ehe sie zum Vorwande dienen, die Regierung an- 
zugreifen. Uebrigens weder Popularität aus Furcht, sondern 
auf den gebahnten liegen ruhigen gehaltenen Fortgang. 
Concessionen neuer Institutionen ; z. B. repräsentative, stän- 



Briefwechsel zwischen' Goethe und Minister v. Gersdokff. 107 

dische Einrichtungen nur da, wo sie nach Vorgeschichte und 
kundgewordenen reellen Bedürfnissen indicirt sind; aber 
offene Geltung der bestehenden Verfassungen und Modification 
derselben im Sinne der gebildeten öffentlichen Meinung. 

3. Deutschland als Staatenbund kann das Princip der 
Non-Intervention nur in soweit anerkennen^ als solches den 
Bundesverträgen und der Wiener Schlussacte gemäss ist. Kann 
eine Regierung den Aufruhr im eigenen Land nicht dämpfen, 
so liegt es in der Verfassung des Bundes, dass von Seiten 
desselben eingeschritten wird. 

Mit dem Aufruhr in Deutschland kein Vertrag, keine 
Concession mit den Waffen in der Hand von der Menge 
oder im Tumulte abgetrotzt ! Aber dem ruhigen, gehorsamen 
Unterthan jede mögliche Erleichterung. Strafe den Rädels- 
führern in Leipzig und Dresden. 

Aber um dies zu können, dürfen die Grosstaaten des 
deutschen Bundes ihre Heere nicht im Auslande verbrauchen, 
sie müssen ihre Macht zusammenhalten. 

a. um die eigene Ruhe 

b. um die Ruhe der übrigen Bundesstaaten Nothfalls 
mit bewaffneter Macht aufrecht zu erhalten. 

Daher kein Krieg! Alles gethan um Frieden zu halten 
und in Be/gieis — manum de tabula ! 

Aber was sagt man dazu, wenn ein angesehener Militair, 
General v. Wolzogen, aus Frankfurt a. M. schreibt: »Ich 
»bin der Meinung, dass die Monarchen ihre Heere schwer- 
»lich wegen Theorien in Bewegung setzen, sondern die Noth 
»der Selbsterhaltung wird sie selbst zur Offensive zwingen, 
»indem einen gerüsteten auf die 13efensive berechneten Zu- 
»stand kein Staat aushalten kann. Welche Garantien können 
»Philipp, Benjamin Constant, Lafitte, Sebastiani geben? Auch 
»erkennen selbst England den König Philipp nur bedingungs- 
»weise an, wofern die Grenzen respectirt und jedes Propagiren 
»vermieden würde. Wenn nun aber Mole an Herrn v. Werthern 
»erklärt, die Franzosen könnten nicht zugeben, dass Preussen 
»dem König der Niederlande zu Hülfe komme, wenn darauf 
»Letzterer antwortet : wer könne dem König v. Preussen 
»das verwehren, wozu ihn Verträge und Blutsfreundschaften 
»nöthigten, so antwortet Mole : Dann könne die Ruhe in 
»Frankreich nicht erhalten werden ! Uebrigens hat meines 
»Wissens der König der Niederlande den König v. Preussen 
»noch nicht zur Hülfe aufgerufen ; der Prinz v. Oranien führt 
»es aber vielleicht herbei. Dem sei aber wie ihm wolle, 
y)ich betrachte den Krieg als bereits unterschrieben. Es sind 
»nicht die Vortheile und Nachtheile, welche dabei eintreten 
»können zu balanciren, sondern die Noth gebietet ihr Wohl 



Io8 Neue Mittheilungek. 

»uns wenn wir noch bis in März künftigen Jahres Zeit haben, 
»und daher ist alle Klugheit anzuwenden, bis dahin den 
»Krieg hinzuhalten; denn vor dem Frühjahr können die 
»europäischen Heere nicht gesammelt sein.« 

So weit Herr v. Wolzogen in einem gestern eingegan- 
genen Schreiben an Unterzeichneten. 

Dieser hat ihm geantwortet: »Ob er zwar nicht im Rathe 
»der Götter sässe, auch nicht Stratege, sondern bloss auf 
»sein armes bischen Menschenverstand angewiesen sei, so 
»sähe er doch die Nothwendigkeit loszuschlagen und sich 
»in die belgischen Unruhen zu mischen nicht ein. Polen, 
»Italien, die Rheinlande überhaupt aufrührerische Länder 
»im Rücken seien freilich besondere Garantien für Ruhe und 
»Ordnung; Garantien welche Philipp, Benjamin Constant, 
»Lafitte, Sebastiani pp. wenn nicht darbieten, doch benützen 
»könnten! Auf Parteien in Frankreich zu rechnen sei Thor- 
»heit; gegen das Ausland gebe es nur Franzosen !v 

Nun das wird denn alles seinen Schicksal bestimmten 
Gang gehen, volentem fata ducunt, nolentem trahunt. 

In Braunschweig soll Tumult gewesen sein. Der Herzog 
mit Steinwürfen verfolgt aus dem Theater Hess eine Batterie 
reitender Artillerie gegen die pflichtvergessene Menge agiren. 
Eine dunkle Sage behauptet, das Volk hätte das Schloss an- 
gesteckt. 

In Belgien gedeihen die Dinge zur Crise. Der Prinz 
von Oranien hat Brüssel verlassen und sich nach dem Haag 
begeben. Der Wunsch der Belgier, den der Prinz befür- 
worten will, ist : 

1. Trennung Belgiens von Holland. 

2. Vereinigung Belgiens und Hollands als besondere 
coordinirte Staaten unter der Krone und dem 
Scepter des Königs der Niederlande. 

Wie hängt das Schwert des Damocles über den Staaten 
Europas! — 

Giebt der König nach, dann kann Ruhe und Frieden 
bleiben! Giebt er nicht, oder nicht genügend, nicht gross- 
artig diesem Wunsche nach, so ist binnen hier und 4 Wochen 
Krieg ! 

Denn Frankreich leidet keine Einmischung, ohne Ein- 
mischung kann der König nicht fertig werden mit den Bel- 
giern. Dann ist Krieg gegen Frankreich, und in Belgien 
und in Deutschland drohen alle Gefahren des Aufruhrs und 
Jacobinismus. Frankreich //(// seine Revolution gemacht, 
Deutschland beginnt dann seine Volks-Revolution ! Das hängt 
alles an einem Haar. 

gez. Gersdorff. 

Weimar 11 Sept. 1830. 



Briefwechsel zwischen Goethe un'd Minister v. Gersdorff. 109 

Politischer Bericht. 

Herr v. L'Estocq berichtet d. d. Berlin den 9t. Septbr. 1S30 
dass S. M. der König v. Preussen am 9t. Sptb. Louis Philipp 
Herzog von Orleans als König der Franzosen förmlich an- 
erkannt hat. 

Des Kaisers von Russland Maj. hatte durch Graf Nessei- 
rode in Berlin anfragen lassen ob des Königs Maj. Louis 
Philipp als König anerkennen werde, wenn ja! so werde der 
Kaiser von Russland desgleiche thun. Dasselbe hatte der 
Kaiser von Oesterreich in Berlin erklären lassen. So ist also 
durch Prcussens Kötiig Europa sicher, dass über die An- 
erkennungsfrage kein Krieg entstehen werde ! Heil dem 
weisen König. 

In Dresden Aufruhr vom 9t. Abends bis den iiten früh. 
Das Polizeihaus niedergebrannt, die Acten geplündert, das 
Rathhaus geplündert, Acten, Rechnungen zerstört, zerworfen. 
LTrsache : Unzufriedenheit mit Polizei und Rath und jener 
vage Geist der Anarchie! Rufe: es lebe die Freiheit! 
Gefechte in der Stadt. Hauptwache zerstört. 

Der König in der Stadt, von 5 Uhr Nachm. bis Abends 
1 1 Uhr rathlos in der kathol. Kirche ! Selbst Versuch das 
königl. Schloss zu stürmen ! 2 Offiziere verwundet, einer an 
seiner Wunde gestorben. 

Aber Prinz Fried. August stellt Ruhe wieder her und 
tritt an die Spitze einer Commission zur Herstellung der 
öffentlichen Ordnung. Er proclamirt, dass die Bürger sich 
bewaffnen, eine Nationalgarde bilden sollen, Waffen werde 
erhalten, wer keine habe. Weisse Binden um den Arm sind 
das Kennzeichen. Draussen tritt der Prinz an die Spitze 
der Nationalgarde, erklärt sich zu ihrem Chef und Ober- 
Commandanten, besteigt sein Ross, reitet unter das Volk, 
beruhigt es mit freundlichen aber festen \V'orten, verspricht 
Untersuchung und Abstellung der Beschv/erden. Die schnell 
versammelten 4000 Mann Nationalgarde redet er an mit 
Worten, die aus Geist und Herzen kommen, ein unendliches 
Lebehoch tönt ihm entgegen. Das Wort wird zur That. 
Was die Linientruppen nicht vermochten, die Bürgergarden 
haben's bereits am Abend ihrer Errichtung vollbracht — 
2j Rädelsführer sind in Arrest gebracht und harren gesetz- 
licher Strafe entgegen. 

So wirkt es, wenn die richtigen Massregeln ergriffen 
werden; wenn von denen, zu welchen Alles hinmifblickt, das 
Rechte und Tüchtige ausfliesst ; wenn mit Kopf und Herz 
von den Fürsten gehandelt wird. Fürsten können sich 7mr 
selbst entthronen; nur den Leichnam nur den Scheinen hebt 
das Volk vom Thron, — denn der schon nicht mehr Fürst 



HO Neue MiTTHEILUKGEN. 



7var, so wie und /// den Formen und A\'issen worin er es 
sein sollte. Nur so wird es erklärlich wie der Urenkel 
Heinrich des Löwen vom eigenen, seinem Hause so er- 
gebenen braunschweigischen Volke konnte gestrichen werden; 
wie es dahin kommt wohin es allerdings gekommen ist, dass 
die Unterthanen Feuer an das Schloss ihres angestammten 
Herrn legen, es zum Theil niederbrennen, es plündern 
mochten. So aber ist es : der Herzog hat sich nach Blanken- 
burg begeben, ein Adjutant desselben ist verwundet worden. 
Welche Lehre ! Dies geschieht dem Sohne und Nachfolger des 
Herzogs von Braunschweig um den sich, als er 1809 seinen 
kühnen und abentheuerlichenZug von Böhmens Grenze nach 
der Nordsee unternahm und vor seiner Vaterstadt bivuakirte, 
jede Rücksicht welche Klugheit gebieten konnte vergessend 
die treuen Braunschweiger drängten, bereit für ihn aufzustehn 
und kaum durch seine Bitten abgehalten ihr Schicksal dem 
seinigen zum Opfer zu bringen und den Zorn des mächtigen 
Napoleons vernichtend auf sich zu laden. LTnd den Sohn 
steinigt dasselbe Volk 21 Jahre darauf, frevelt an der Burg 
seiner Ahnen und treibt ihn aus dem Sitz seiner Väter! 
Und warum ? Weil er Sich Selbst entthront hatte durch seine 
Willkür, durch die Bösartigkeit seines Betragens, durch die 
Verläugnung der Eigenschaften wodurch seine Väter die 
Herzen fesselten und der Gewohnheit Macht gaben, ihre 
Bande zu weben ! 

Weimar 13t. Sptbr. 1830. v. Gersdorff. 



9- 
E\v. Excellenz 

die geneigtest mitgetheilten Papiere, mit wiederholtem 

Danke, zurücksendend, erbitte mir eine fernere unschwere, 

gelegentliche Communication solcher Nachrichten, Papiere 

und Documente, welche hoffentlich auf eine gewünschte 

Entwirrung öffentlicher Zustände hindeuten. Möge sich 

fernerhin ohne vergossenes Blut und wilde Zerstörung, 

das Unvermeidliche baldigst entfalten. 

In dankbarer Anerkennung 

u Verehrung 

Ew. Excellenz 

ganz gehorsamster 

Weimar Diener 

den 18 Septbr. J. W. v. Goethe 

1830 



Briefwechsel zwischen Goethe und Minister v. Gersdorff. III 

Anmerkungen. 

Vorstehende Briefe Goethes an den Minister v. Gersdorff, 
sowie die pob'tischen Berichte, die Letzterer für Goethe nieder- 
schrieb, befinden sich im Archiv zu Ostrichen und wurden 
mir von dem Besitzer, dem Enkel des Ministers, Freiherrn 
Karl V. Gersdorff, zwecks Veröffentlichung, bereitwilligst über- 
assen. Ihre Königl. Höh. die Frau Grossherzogin von 
Sachsen-Weimar hatte die Gnade mir die Abschrift der im 
Goethe-Archiv vorhandenen Briefe Gersdorffs zu gestatten, 
so dass ich im Stande bin die Correspondenz vollständig 
wiederzugeben. Nur der erste Brief Gersdorffs befindet sich 
nicht im Goethe-Archiv, dagegen zwei andere kurze Schreiben, 
vom Jahre 1813 und 1825, die sich auf eine Einladung Goethes 
und auf die Empfehlung eines Gersdorffschen Verwandten an 
Goethe beziehen. Die Mittheilungen über den persönlichen 
Verkehr Goethes mit Gersdorff verdanke ich seinen im 
Nachlass seiner Stieftochter, meiner verstorbenen Grossmutter 
Baronin v. Gustedt, befindlichen Briefen an dieselbe. Was die 
biographischen Notizen betrifft, so habe ich dieselben grössten- 
teils der Lebensbeschreibung Gersdorffs entnommen , die 
durch den im vorigen Sommer verstorbenen Staatsminister 
Dr. G. Th. Stichling veröffentlicht wurde. Auch hat derselbe, 
wenige Monate vor seinem Tode, schon schwer leidend, mir 
noch in liebenswürdigster Weise von Gersdorff, seinem »ver- 
ehrten Lehrmeister« erzählt. 

I und 2. Beide Briefe liegen in einer Mappe mit der 
Aufschrift: »Goethe«, in der Mitte auf weissem Etikett fol- 
gende Worte Gersdorffs: 

»Eigenhändiges Handschreiben des verewigten Herrn 
von Goethe, Excell. an den Herrn von Gersdorff, als dieser 
ihm seine Uebersetzung des Philoktetes gesandt hatte. 

April 1S22. V. G. « 

Der Brief Goethes liegt in Couvert mit Goethes Auf- 
schrift und seinem Handsiegel gesiegelt. Gersdorffs Brief- 
Entwurf zeigt auf der letzten Seite die Worte : 

»Eine von mir — in früheren Jahren — gefertigte, 
1822 in den ersten Monaten gedruckte Verdeutschung der 
Tragödie des Sophokles — Philoktetes, übersandte ich Herrn 
v. Goethe, welcher mir darauf die anliegende eigenhändige 
Antwort ertheilte. 

Gersdorff. « 

Der Philoktet ist im Versinass des Originals übersetzt 
und als Manuscript gedruckt worden. 



112 Neue Mittheilukgen. 

Eine zweite Mappe enthält die übrigen Briefe Goethes 
und die politischen Berichte Gersdorffs und trägt die Aufschrift: 

1830 » Correspondenz mit Herrn v. Goethe Excellenz die 
Zeitverhältnisse betreffend v. G. « 

Die vier Briefe Goethes sind diktirt, nur der Schluss- 
passus eines jeden ist von seiner eigenen Hand. 

3. Ueber den Anlass dieses Briefes schreibt Gersdorff: 
»Goethe war in grosser Erregung über die französischen 
Zustände, die ich ihm zu erklären versuchte. Das ist mir 
neu, ganz neu, warf er oft dazwischen, da er, v.-ie du weisst, 
alles politisch Aufregende als demagogisch verabscheute und 
selten die historische Nothwendigkeit solcher staatlicher 
Gewitter sofort einsah. Er war aber auch hier für jede Art 
Belehrung zugänglich, die jedoch eine sehr gründliche sein 
musste, sonst kam er zu leicht mit verblüffenden Einwürfen. 
Seinem Wunsche folgend, machte ich ihm von nun an regel- 
mässig Mittheilung von den mir zugehenden Nachrichten und 
da es meist solche geheimer Natur waren, schrieb ich sie 
selbst, wobei selbstverständlich eigene Auffassung und Beur- 
theilung mit unterlief.« 

4. Ueber die Krankheit von Goethes Sohn vgl. Goethe 
an Zelter, 23. Februar 1831. Unter dem »tüchtigsten Ge- 
schäft«, von welchem zurückkehrend der Chef des General- 
stabes von Preussen, General v. Müffling, durch die Quaran- 
täne in Spezia aufgehalten wurde , versteht Goethe den 
Frieden von Adrianopel. Müffling beteiligte sich als Bevoll- 
mächtigter Friedrich Wilhelms III. an den Verhandlungen, 
die zu einem, für Russland günstigen Endresultat führten, ob- 
wohl das siegreiche russische Heer unter Diebitsch durch Krank- 
heiten und Unfälle aller Art sehr zusammengeschmolzen war. 

5. Gersdorff, als höflicher Mann, spricht seine Freude 
über die Genesung August Goethes dem Vater gegenüber 
aus, sagte jedoch zu seiner Tochter : » Ich wünschte der 
Goethesche Name stürbe aus, da die Goethesche Race doch 
mit dem alten Herrn aussterben wird ! « 

6. Die »Bewegungen in der Rähn« sind die in Leipzig 
und Dresden. 

Beilage zu Brief 7 : Zu gleicher Zeit als Graf Diebitsch, 
der Held des russisch-türkischen Feldzuges, vom Kaiser Nico- 
laus nach Berlin geschickt wurde um sich über die An- 
erkennungsfrage Louis Philips und die ablehnende Stellung 
seines Monarchen dazu mit der preussischen Regierung aus- 
zusprechen, kam Graf Orloff in derselben Angelegenheit 
nach Wien. Schliesslich erfolgte die Anerkennung Louis 
Philips durch Kaiser Nicolaus. 

8. Die Aeusserung Goethes über George Canning bezieht 
sich auf dessen berühmte Rede vom 12. Dec. 1S26, in der er 



Briefwechsel zwischen Goethe und Minister v. Gersdorff. 1 1 3 

die Macht der Revolution mit dem Schlauch des Aeolus ver- 
glich, den England jeden Augenblick entfesseln könne. 

Die Stelle Wolzogens »Einen gerüsteten auf die Defensive 
berechneten Zustand kann kaum ein Staat aushalten« über- 
trug Goethe in ein Notizbuch, wie v. Loeper, Hempelsche 
Ausg. Bd. 19 S. 9 notirt hat. 

Zum politischen Bericht vom 11. Sept. 1830. Das Princip 
der Non-Intervention, für das sich Gersdorff ausspricht, wurde 
von Metternich und seinen Gesinnungsgenossen verworfen. 
)) Mon empereur«, schreibt er 1830, »n'admettra jamais le 
principe de non- Intervention, en face de Taction active de 
la propagande revolutionnaire.« 

9. Eine leichte Erkrankung Gersdorifs, später der Tod 
August Goethes und die darauf folgende schwere Krankheit 
seines Vaters, Hessen diese nochmalige Bitte Goethes um 
Nachrichten unbeantwortet. Von einer mündlichen längeren 
Unterhaltung, politische Ereignisse betreffend, erzählte Gers- 
dorff und ist anzunehmen, dass sie in die ersten Monate des 
Jahres 1831 fiel. »Goethe, so schreibt er, frug mich damals 
wieder in der peremptorischen Art eines' Examinators nach 
der Entwickelung der revolutionären Bewegungen, die ihm in- 
zwischen aus dem näheren Gesichtskreis verschwunden waren und 
ich musste ihm wohl zwei Stunden Rede und Antwort stehen.« 

Goethe sagte von Gersdorff: »diesem Mann müsste 
Weimar ein Denkmal setzen.« und er hatte insofern Recht, 
als Karl August in seinem Minister die kräftigste Unter- 
stützung seiner Ideen, die grösste Anregung zu segensreicher 
Regierung gefunden hat. 

Ernst August v. Gersdorff wurde lySr zu Herrnhut ge- 
boren, besuchte das Pädagogium zu Barby , später die 
Universitäten Leipzig und Wittenberg und trat 1803 als 
Lieutenant in die sächsische Garde du Gorps ein. Das glän- 
zende Dresdener Leben stiess ihn aber mehr ab, als dass 
es ihn anzog, denn ungewöhnlich früh schon hatte sich in 
ihm die Liebe zu ernster , wissenschaftlicher Arbeit ent- 
wickelt ; er studirte mit besonderer Freude die griechi- 
schen Classiker und ging selbst in seinen späteren Lebens- 
jahren nie spazieren , ohne eines ihrer Werke mitzunehmen, 
das er aufschlug, so bald er ausser dem Bereich neugieriger 
Augen war. Von Dresden aus zog er sich nach seiner Be- 
sitzung Altseidenberg zurück, von wo aus er 1807 nach 
Eisenach ging und sich dem Geheimen Rath und Kanzler 
v. Damnitz vorstellte , an den er empfohlen worden war. 
Durch dessen Vermittelung wurde er als Herzoglicher Kammer- 
junker und Assessor beim Regierungs-Collegium in Eisenach 
angestellt und gründete dort, mit Amalie v. Damnitz ver- 
mählt, seinen häuslichen Herd. Mit der ihm Zeit seines 

Goethe-Jahrbuch XIII. 3 



114 Neue Mittheilukgen. 



Lebens eigenen grossen Lebhaftigkeit und dem ausgeprägtesten 
Pflichteifer widmete er sich seinem Amt und suchte auch 
schon im kleinen Kreise, Land und Leute, Gesinnungen und 
Fähigkeiten kennen zu lernen. Diese Thatkraft und Gründ- 
lichkeit war es, die Karl August in jedem Menschen schätzte, 
am meisten in denen, die Staatsgeschäfte zu leiten hatten. 
Er berief ihn » wegen seiner bekannten Gelehrsamkeit und 
Geschäftsfähigkeit « als Geheimen Assistenzrath in das Con- 
silium zu Weimar. Vorher hatte der Verlust seiner jungen 
Gattin ihn so tief gebeugt, dass es ihm, wie er selbst sagte, 
heb war, in neuer Umgebung und Wirksamkeit die nöthige 
Fassung zu finden; doch ehe er noch mit seinem kleinen 
Sohn nach Weimar übersiedelte, begleitete er den jungen 
Herzog Bernhard nach Italien, und bewahrte ihm von da an 
die wärmste Freundschaft, die sich in Wort und That häufig 
aussprach. Sein Aufenthalt in Rom wurde ihm sehr vergällt, 
da er schwer erkrankte und erst nach mehreren Monaten 
allein die Rückreise antreten musste. Von jener Zeit spricht 
er, wenn er sagt: »Ich stand in eigensinnigem Gegensatz zu 
allem Weimarer Götzendienst: ich detestirte Rom und be- 
gegnete Goethe ebenso kühl, wie er mir«. Diese Kühle 
steigerte sich während der folgenden Jahre des Freiheits- 
krieges, den Gersdorff mit aufgeregter Begeisterung verfolgte, 
ungehalten gegen Jeden, der in Napoleon etwas anderes als 
einen Tyrannen sah. Er fühlte sich in jener Zeit nur als 
Patriot, als Politiker, der mitten im Schlachtgewühle stand, 
während der einsame Weise hoch vom Berge aus nach- 
denklich zusah. 

Das Jahr 1814 sollte die Probe auf Gersdorffs Befähigung 
sein, denn der Herzog hatte ihn ausersehen, als sein Bevoll- 
mächtigter am Wiener Congress theilzunehmen. »Ich verab- 
schiedete mich auch von Goethe«, schrieb er viele Jahre später, 
»trat steif herein, und verliessihn voll der höchsten Begeisterung, 
denn seine Abschiedsworte an mich waren ungefähr diese 
gewesen: der Herzog und das Weimarsche Volk verdienen es, 
dass ein Mann wie Sie Gut und Blut, Gedanken- und Thatkraft 
für ihre Sache einsetzt«. Gersdorff hat es redlich gethan. 
Mit scharfem Blick, der zu seinen grössten staatsmännischen 
Talenten gehörte und sich oft bis zum prophetischen steigerte, 
übersah er die Disposition zu dieser »grossen Comödie« und 
wusste vom ersten Augenblick an, welche Rolle ihm zufiel. 
Es war nicht die eines Statisten oder eines Bannerträgers der 
Fahne Talleyrands oder Metternichs, er trat selbständig auf 
und fand in dem Nassauischen Gesandten Freiherrn v. Gagern, 
vor Allem aber in dem Minister v. Stein ernste Gesinnungs- 
genossen. Das Hauptinteresse Weimars, das Gersdorff zu 
vertreten hatte, bestand in der von Preussen und Russland 



Briefwechsel zwischen Goethe und Ministeh v. Gersdorff. II5 



bei Gelegenheit des ersten Pariser Friedens versprochenen 
Abtretung eines Gebietes mit einer Bevölkerung von 50,000 
Seelen. Für den Gesandten eines kleinen Staates war es sehr 
schwer nait seinen Wünschen, so berechtigt sie auch waren, 
durchzudringen, nur die Grossherzogliche Würde für seinen 
Landesherrn wurde schnell und ohne Schwierigkeit zugestanden. 
Es gelang ihm, nach unendlichen Mühen, wenigstens etwas 
zu erreichen: der König von Preussen entschloss sich den 
Neustädter Kreis und mehrere kleinere Distrikte abzutreten, 
reiste jedoch ab, ohne dass ein förmlicher Vertrag unterzeichnet 
worden Avar, auch entsprach dieser Erfolg durchaus nicht den 
Erwartungen Weimars. Gersdorff schrieb darüber im April 1 8 1 5 : 
»Das Herzogliche Haus Oldenburg, für welches von der talent- 
vollen Grossfürstin Catharina bedeutende Vergrösserungen sowie 
auch die Grossherzogliche Würde waren negociirt worden, 
erhält nichts; Koburg erhält nichts«, wodurch er bewies, dass 
man mit dem Errungenen zufrieden sein müsse. Nun galt es 
den Vertrag darüber und die Uebergabe so bald als möglich 
zu bewerkstelligen, denn der politische Horizont verfinsterte 
sich mehr und mehr; der Krieg hatte, nach Napoleons Rückkehr 
von Elba, wieder begonnen, der König von Preussen, sowie 
Fürst Hardenberg waren auf dem Wege nach Berlin. »Ich 
reise dem Kanzler nach, und wenn er zur Hölle führ« schrieb 
Gersdorff. »Ich schlafe selbst im Hauptquartier auf blosser 
Erde, bis die Sache purificirt ist.« Von Berlin reiste er unter 
den schwierigsten Verhältnissen über Frankfurt und Brüssel 
nach Paris und erreichte auch wirklich die definitive Territorial- 
Abtretung von Seiten Preussens. Mit dem Vertrag in der 
Hand trat er vor seinen Grossherzog und trug ihm zu gleicher 
Zeit seine Ideen über die dem Lande zu gebende Verfassung 
vor, die sofort Karl Augusts Billigung fanden. Gersdorff wurde 
zum Geheimen Rath ernannt und sollte ein werthvolles Geschenk 
erhalten, das er jedoch bescheiden ausschlug und sich dafür 
ein Bild seines geliebten Landesherrn erbat. Die nun folgende 
ruhige Zeit wurde ausschliesslich den Arbeiten für die Landes- 
verfassung gewidmet, die schon am 5. i\Iai 1816 veröffentlicht 
werden konnte. Natürlich war das Aufsehen über diesen 
grossen Schritt eines einzelnen kleinen Staates ungeheuer ; 
Metternich und Genossen verfehlten nicht ihren Bedenken 
offenen Ausdruck zu geben ; erst die Zukunft lehrte, dass der 
klare Blick eines einzelnen Mannes, der hochherzige Sinn 
eines einzelnen Fürsten Grösseres und Bedeutungsvolleres zu 
leisten im Stande waren, als die diplomatischen Schachzüge 
des gewandten Spielers in Wien. Auf dem betretenen Wege 
schritt Gersdorff ruhig fort, ohne sich einschüchtern zu lassen, 
indem er, auch als der erste Minister, der es in Deutsch- 
land wagte, ein Gesetz über die allgemeine Einkommensteuer 

8* 



1 1 6 Neue Mittheilungen. 



ins Leben rief. »Häufig, so schreibt er, musste ich Goethe über 
den Gang der Geschäfte orientiren, er debattirte oft heftig 
mit mir und zeigte immer die grösste Aufmerksamkeit. Sehr 
erfreulich war mir seine Aeusserung, dass die Neueren zwar 
sehr ungestüm zu Werke gingen, er sich aber trotzdem ruhig 
und sicher fühle unter Leitung unseres gnädigen Herrn, und 
thatkräftigen Wirkens meinerseits. Auch von der grossen 
Zukunft Preussens schien er sich nach und nach zu über- 
zeugen, so fremd ihm auch Preussen als Militärslaat immer 
bleiben musste.« Damit berührt Gersdorff selbst einen Punkt, 
der einen grossen Theil seines Denkens und Hoffens einnahm: 
seine Liebe zu Preussen. »Ich bin von Herzen preussisch ge- 
sinnt. Preussen ist der Grundstein zu einem künftigen Deutsch- 
land« so sprach er schon im Jahre 15! — 

Sein persönliches Leben hatte sich seit seiner Vermäh- 
lung mit Gräfin Diana von Waldner-Freundstein, verwittweten 
Freifrau von Pappenheim, zu einem äusserst glücklichen ge- 
staltet. Sein Humor, seine geistreiche Art der Unterhaltung, 
sein liebevolles Interesse für das Thun und Treiben seiner Kin- 
der und Stiefkinder, belebten und verschönten den grossen 
Familienkreis. Seine Stieftochter Jenny war es hauptsächlich, 
deren frühreifen Geist er zu leiten suchte. In langen Briefen 
setzte er ihr seine Anschauungen über Philosophie, Politik und 
Literatur auseinander, als sie noch in Pension war und später, 
als ihre Heirath sie von ihm trennte. Ehe sie von der Pension 
nach Weimar zurückkehrte, weihte er sie in das gesellige Leben 
und Treiben dort ein und schrieb: »Was Goethe uns war, 
uns ist und uns nach seinem Tode, wenn man ihn voll und 
ganz zu erkennen im Stande sein wird, noch werden kann, 
weiss Niemand höher zu schätzen als ich und grade deshalb 
wünsche ich, dass Du nicht zu denen gehörst, die ihn, wie 
die Heiden ihren Götzen, anbeten, ohne iJni zu kennen, nur 
des berühmten Namens wegen. Das ist Heuchelei und Eitelkeit, 
zeugt aber von keinem grossen Geist, denn ein solcher ge- 
hört dazu, um ihn zu verstehen und wahrhaft zu würdigen, 
wie ich es von Dir erwarte.« 

Der Tod Karl Augusts war ein schwerer Schlag für 
seinen treuen Minister, erschütterte aber nicht im geringsten 
dessen äussere Stellung. Noch 20 Jahre diente er dem Gross- 
herzog Karl Friedrich und legte erst im Jahre 1848, kurz 
vor Ausbruch der Revolution sein Amt nieder, das er auf 
so grossartige Weise ausgefüllt hatte. Seiner ungeheuren, oft 
bis ins Nervöse sich steigernden Lebendigkeit, fehlte jetzt die 
gewohnte Arbeit sehr. Er griff wieder zu seinen geliebten 
Klassikern, verfolgte aber dabei mit Aufmerksamkeit die 
politischen Tagesereignisse. Es sei mir noch gestattet den 
Schlusssatz eines Briefes an seine Stieftochter wiederzu- 



MiTTHEILUKGEX VON ZeITGEN'OSSEX ÜBER GOETHE. II7 

geben, der, im Jahre 1850 geschrieben, von seinem wahr- 
haft prophetischen Blick Zeugniss ablegt : »Preussen bleibe 
jetzt ruhig, es bilde seine parlamentarischen und sonstigen 
Institutionen aus , es erstarke in diesen Formen mit- 
wirkenden Nationallebens. Datin, Avenn Preussen auf der 
Bahn der Intelligenz und im Lichte der Oeffentlichkeit wird 
fortschreitend geblieben sein, dann wird es — ohne Gefahr 
zu laufen sich in einem ungleichen Kampfe mit den europäi- 
schen Grossmächten, noch dazu gegen deutsche Mitmenschen 
kämpfend, zu verbluten — die Augenblicke benutzen können, 
welche dem aufmerksamen und von phantastisch-sentimental- 
pietistischer Politik nicht umwölkten Blick eines zukünftigen 
Regenten, die Vorsehung darbieten wird, um Deutschland 
das zu werden, wozu es innerlich bestimmt ist, sein Hort, 
sein Fuhrer, sein Retter vor Fremden. Möge das neue Reich 
dann diejenigen nicht vergessen, die still und ohne zu prunken 
an semem Werden mitgearbeitet haben : Karl August in seiner 
Politik, Goethe ohne Politik, aber das bewirkend, was jeder 
Völkergrösse vorangeht : freies, grossartig^s Denken in freier, 
grossartiger Sprache !« 



2. MITTHEILUNGEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER 
GOETHE. 

VORANGEHEN ZWEI BRIEFE GOETHES (1798 UND 1818) 

UND EIN BRIEF DER FRAU RATH (1776). 

MlTGETHEILT VON E. DC.MMLER, H. FroMMANX, L. GeIGER, L. HirZEL, 

O. HoFFMAKN, F. Lamey, Freih. V. Meysenbug, E. Wolfe. 

Briefe. 
[An?] 28. Jan. 1798^ 

Bey unserm Schlossbau kommt eine Einrichtung zur 
Sprache, davon die erste Idee, wenn ich nicht irre, von Ew. 
Hochwohlgeb. sich herschreibt, nämlich keine Meister zur 
Autsicht über die Gesellen anzustellen, sondern das was jene 
leisteten auf einem andern Wege zu bewirken. Auf bey- 

' Mitgetheilt von L. Hirzel. In dessen Sammlung. Ein Regest 
des Briefes G.-J. VI, 382. Schluss von »der ich mich« an eigen- 
händig. Adressat ijt wohl Eines der Mitglieder der Bau-Commission, 
Schmidt oder Voigt. 



1 1 8 Neue Mittheilungen. 

liegendem Blatt habe ich die beyden Verhältnisse kürzlich 
gegeneinander gesetzt und erbitte mir von Ew. Hochwohlgeb. 
die nähere Bestimmung der letztern, um so mehr baldigst, 
weil meo voto wenigstens ein Dutzend Maurer dieses Jahr 
im Schlosse anzustellen wären und man, wenn Seienissimus 
sich iür die neue Einrichtung entschiede, bey Zeiten gute 
Gesellen anwerben müsste. Der ich mich bestens empfehle 
Weimar am 28. Jan. 1798 Goethe. 

J)i August V. Goethe 18. Nov. 181S ' 

Mit meinen Tugenden geht es zum schönsten; Ottilie 
wird daher eine löbliche Entschuldigung nehmen dass ich 
Freytag nicht komme. Auch bis auf den Sonntag werd ich 
nicht fertig, viel aber hoff ich soll gethan sevn. Macht 
Eure Geschäfte gleichfalls gut und lebt wohl und vergnügt, 
Berka d. 18. Nov. 

1818 G. 

Frau Rath an J. G. Zimmermann 

Fft a Main 16 Febr. 1776 
Lieber Herr Leibmedicus ! Ihr lieber Brief machte mir 
von der einen seite viel Freude: Aber, aber, das was ich 
an Ihnen in Spass schrieb, ist also nicht gantz ohne grundt, 
Sie sind nicht gesundt, glauben Sie mir, ich bin von Hertzen 
drüber erschrocken. Gott im Himmel! Wie kommt ein so 
vortrefflicher, geschickter, freundlicher, herrlicher, lieber Mann 
zu der Verdammten Krankheit ? Worum just ari die brauch- 
barsten Menschen, ich kenne eine menge Schurken, die solten 
Krank seyn, die sind ja doch der Welt nichts nütze, und mann 
hat von ihrem A\'achen oder Schlafen nicht den geringsten 
nutzen. Lieber bester Freund ! Wollen Sie von einer Frau 
einen Rath annehmen, die zwar von der gantzen Medicin 
nicht das mindeste versteht, die aber doch Gelegenheit gehabt 
hat, mit vielen Menschen in genauer Verbindung zu stehn, 
welche von diesem Uebel geplagt wurden. Die Veränderung 
der gegenstände War immer die beste Cur, da braucht mann 
nun nicht eben 30 Meilen zu reisen, wenn man nur aus seinen 
vier Mauren komt, nur nicht zu Hauss gebheben, so sauer 
es gemeiniglich denen Kranken ankomt, in die freye Luft, 
aufs Landt, unter Menschen gegangen, die man leiden kan, 
und alle schwartze Gedanken dem Teufel vor die Füsse ge- 



^ Mitgetheilt von Otto Hotfmann. Das Original, ein in Quartform 
gebrochener Halbbogen, eigenhändig von Goethe, ohne Adresse, ist 
im Besitze des Herrn Professor Heinrich Bellermann in Berlin. 



Mittheilungen VON Zeitgenossen ÜBER Goethe. II9 

schmissen, dieses Mittel hat docter Luther schon probatum 
gefunden und in seinen herrlichen trost Briefen dem Spaladinus 
seinem Vertrauten Freund angerathen. Folgen Sie also bester 
Mann dem Rath einer Frau, das thut Ihrer grossen Gelehr- 
samkeit keinen schaden , gab doch ehmals ein Esel einen 
Proplieten einen guten Rath. Den Ducaten habe richtig 
erhalten, aber Lieber Freund Sie haben mir Zu viel geschickt, 
ich habe ja nur 3 fl. 24 er. ausgelegt, ich wills auflieben, 
es wird sich schon eine Gelegenheit finden, dass ichs Ihnen 
verrechnen kan. Gott lob dass die Schlossern sich besser 
befindet! Wer war aber ihr Helfer? Wem hat sies zu danken? 
nechst Gott gewiss niemandt als unserm theuren Zimtnermann. 
Das Zeugnüss von Wielandt Liebe gegen meinen Sohn, das 
Sie die Freundschaft hatten, mir mitzutheilen freute mich 
hertzlich ; das ist nun einmahl das glückliche Loos von Docter 
Wolf, dass ihn alle Leute lieben denen er nahe kommt, das 
ist nun freylich gantz natürlich, er hat ein gutes Hertz, liebt 
seine mitmenschen, sucht wo er hinkommt Freude zu verbreiten, 
mann sieht in der Nähe nur den Menschen Freund, und vergiesst 
gerne den Satiren Schreiber. Dass Ihre Liebenswürdige Jungfer 
Tochter noch an uns denkt, und sich wohl und vergnügt 
befindet, war auch eine Nachricht nach meinem hertzen : 
erlauben Sie, dass ich mir die Freude mache und die Zahl 
meiner Kinder durch dieselbe vermehre, dieses süsse liebe 
Mägdgen kommt in gute Gesellschaft, ausser denen Zwey 
die unter meinem Hertzen gelegen, habe ich das Glück noch 
viele Söhne und Töchter zu haben, als da sind, die zwey 
Grafen Christian und Friedrich von Stollberg, Lavater, Wie- 
land, Von Knebel, Von Kalb, Demoiselle Fahimer, Delph, 
von VVreden u. s. w. und da meine liebe Tochter Zimmer- 
mann den Seel und Leib erfreuenden Mutter Nahmen leyder 
schon lange nicht mehr nent, so hoffe ich Sie nimbt meinen 
Vorschlag an, um nur den Nahmen nicht gantz Zu Verlernen. 
Mein lieber Mann empfiehlt sich Ihnen und meiner lieben 
Tochter aufs beste. Behalten Sie uns in gutem Andenken, 
und seyn versichert dass wir sind, biss ins Grab, ja noch 
drüber hinaus Ihre wahre und aufrichtige Freunde 

C. E. Goethe. 

N. S. Claus Kienemundt Wird nun bald ankommen, 
die Wege sind freylich jetzt schlimm aber gemach kommt 
man auch Weit. 

Noch eins, es ist wieder aus dem Gehirn des Docter 
Fausts etwas in der Welt erschienen, ist gedruckt zu haben, 
und heisst Stella.a 

Der vorstehende Brief ist zuerst mitgetheilt von Rechts- 
anwalt Dr. Linckelmann (Hannover) in der Beil. zur Allg. 



120 Neue Mittheilungek. 



Zeitg. No. 128, 5 Juni, und wird nach eingeholter Erlaubniss 
des Genannten hier wiederholt. Zur Erklärung des ent- 
zückenden Briefes ist nicht viel zu sagen. Die erwähnten 
Namen erklären sich von selbst: Ueber Frl. v. Wrede be- 
merkt mir Herr v. Loeper » Die v. Wrede ist die Tochter 
des Heidelberger Oberamtmanns dieses Namens (Schwester 
des spätem Fürsten Wrede), von der Goethe im letzten Buche 
von Dicht, u. Wahrh. sagt »die eine Tochter ähnelte Friedriken«; 
er stand schon in Frankfurt mit ihr in Verkehr a. Was »Claus 
Kienemundt« bedeutet, vermag ich nicht anzugeben. »Stella« 
erschien bekanntlich 1776 in Berlin; die Notiz unseres Briefes 
vom 16. Febr. ist wichtig. 

Ueber den Besuch Zimmermanns und seiner Tochter im 
Goetheschen Hause in Frankfurt ist Goethes Bericht in 
Dichtung u. Wahrheit« zu vergleichen, der freilich mit der 
enthusiastischen Erinnerung der Mutter in seltsamem Contraste 
steht. Dass die »Schlossern«, Goethes Schwester Cornelia, dem 
Arzte Zimmermann die zeitweilige leider nur kurze Besserung 
ihres Zustandes zu verdanken glaubte, ist auch sonst bezeugt. 
Ueber »das Zeugniss von Wielands Liebe« sagt Linckelraann 
Folgendes: 

»Nicht sicher ist es, worin das Zeugniss von Wielands 
Liebe für Goethe bestanden hat. Die Zeitfolge berechtigt 
jedoch wohl zu dem Schlüsse, dass Zimmermann der Frau 
Rath seinen von Wieland erhaltenen Brief vom S.Januar 1776 
mitgetheilt hatte, abgedruckt in »Ausgewählte Briefe von 
C. M. Wieland an verschiedene Freunde«, Bd. III, S. 246, 
welcher von Freundschaft und Verehrung für Goethe geradezu 
überströmt. Folgende Worte seien aus jenem Briefe mit- 
getheilt: ». . . Heute war eine Stunde, wo ich ihn erst in 
seiner ganzen Herrlichkeit — der ganzen schönen gefühl- 
vollen reinen Menschlichkeit — sah. Ausser mir kniet' ich 
neben ihm, drückte meine Seele an seine Brust, und betete 
Gott an.« — 



Mittheilungen von Zeitgenossen. 

De inet an Nicolai} 

Frkf a/M. 20. Dec. 73. 
»Mich Solls Wunder nehmen, wie und mit welchem succes 
Götz mit der Eisernen Hand wird aufgeführt worden seyn. 
Können Sie eine gute Parthie davon brauchen ? Er schwitzt bey 
mir unter der Presse des Verf. Wer die Originale verschiedener 
Charaktere in dem Stücke kennt, die zu verschiedenen Zeiten 
gelebt haben und noch leben, bewundert das Genie des Verf. 



' Mitsretheilt von O. Hoffmann. Original in der Könis^l. Bibl. Berlin. 



MiTTHEiLUNGEK VON' Zeitgenossen ÜBER Goethe. 121 

um so mehr, weil dem ungeachtet alles zusammenpasst. Wer 
sieht unter Martin nicht den ehrlichen Liither, und wem ist 
das Schicksal eines Papius in Wetzlar [vgl. G.-J. III, 343] 
unbekannt, das den Fratzen itzt ungemein zu statten kommt. 
Die Lehrbücher der Religion werden ja über einen andern 
Leisten geschlagen, warum sollte sich das iVristoteles nicht 
müssen gefallen lassen. Man lasse die Köpfe ausbrausen. 
Zuletzt bleiben doch die Alten die Gewährsmänner. Jetzt 
heisst es, schicke dich in die Zeit.« 

19. November 1774: 

»Hr Weygand scheint viele Feinde zu haben. Alles wird 
ihm brühwarm nachgedruckt. Puppenspiel ä 12 xr, Werther 
30 xr u. s. w. werden einem ins Haus gebracht. Übrigens 
machen diese 2 Produkte von Göthe grosses Aufsehen. Wer 
den Schlüssel zu Werther?! hat, erchrickt über manche Satyre, 
die sich bloss in Frankfurt erschliesst. Und doch braucht 
man keinen Schlüssel um das Ganze mit Yergnügen zu lesen. 
So ist der Brief vom iß. Sept. im 2ten Theii die Geschichte 
eines hiesigen Pfarrhauses, das ich nun aber freilich nicht 
öffentlich sagen möchte.« 

25. Februar 1775 : 
»Empfangen Sie meinen Dank, vortrefflicher Mann, für 
Ihre Freuden des Wert her s ; für das grosse Publikum sind 
sie nicht geschrieben. Dem Vernehmen nach werden Sie 
eine Lanze zu brechen bekommen. Zween rüstige Reuter! 
Wollen sehen, wer den Sieg davon tragen wird. Von Goue 
zu Braunschweig soll der Verfasser der Berichtigung der 
Leyden des j. Werthers seyn [Goedeke nennt v. Breidenbach 
in Wetzlar als Verf.], die der Offenbacher Nachdrucker den 
Freuden angehängt hat. Nun sollen auch schon Letzte 
Stunden des jungen Werthers erschienen seyn. Alles Werther ! 
Lassen Sie Ihren Sebald Nothanker 2ten Theil frisch in alle 
Welt gehen , sonst kommt er Ihnen zurück. Glücklicher 
Buchhändler, der den Musen ungestört frohnen kann.« 

Meusel ati Reich. Erfurt 22 Febr. 1776' 

Mit Vergnügen melde ich Ew. Hochedelgeb., dass mein 
Freund, der Verf. des Werther-Fiebers auf meine Vorstellung 
Ihrer Gründe, zu denen ich nocli ein Paar andre gethan, 
sich entschlossen 10 Louisd'or an dem Honorario für das 
Werther - Fieber fahren zu lassen und sich mit 25 zu be- 
gnügen, unter der Bedingung, dass Sie ihm ... 12 Exem- 
plarien auf holländisch und noch 6 auf ander Papier wollen 
zukommen lassen. Die Umstände des jetzigen Buchhandels 



' In meinem Besitz. Geiger. 



122 Neue Mittheilunge\. 



mögen auch beschaffen seyn, wie sie wollen; so müsst' es 
nicht gut seyn, wenn nicht von einer solche/?, Werthers 
Leiden betreffenden Schrift in Einer Messe looo Exemplarien 
sollten gekauft werden, des Nachdrucks ohngeachtet, denn 
es giebt doch, wie ich gewiss weiss, noch Personen genug, 
die den Originaldruck zu schätzen wissen, zumahl wenn er 
aus Ihrem Verlage kommt. 

Erbprinzessin Auguste v. Coburg an ihre Mutter.^ 

Nov. 1777 
Est-ce que Toncle 26 ne trouve pas v. Goethe joli? Car 
tous ceux de Weimar en fönt un Adonis et les femmes se 
l'arrachent, et celle ä qui il fait la cour est une creature 
enviee. N'a-t-il pas vu aussi ce Husaren-Rittmeister, qui est 
aussi une espece de favori ? — — — 

Weisse an Blankenburg.^ 

Leipz. 18. Juni (1776) 
. . . Unsere Druckerpressen schwitzen schon auf die 
Ostermesse los. Lavater erscheint wieder mit dem 3. Theile 
seiner Physionomik, die nun endlich auch nach viel vergebener 
Bemühung des Verfs. von der Uebersetzerin der Gellertschen 
Moral in Holland ins Französische übersetzt wird : ein gutes 
Stück Arbeit. Vor Kurzem sprach ich Göthen, der, wie er 
sagt, seine literarische Laufbahn Lenzen überlassen : dieser 
wird uns mit einer Menge Trauerspiele beschenken, wovon 
der Engländer eine dramatische Phantasie ein Pröbchen ist. 
Ich kann diese dramatischen Ungeheuer unmöglich mit Ver- 
gnügen lesen und werde bald dem Pastor Götze recht geben; 
doch scheint das Publikum auch nach und nach von der 
Bewunderung nachzulassen und die Dramen und Volkslieder 
werden auch ihre Zeit gehabt haben. 

Reiseerinnerungen eines Zürichers {1^82 fg.)} 

Vorbemerkung. 

Die folgenden Auszüge sind aus einem handschriftlichen 

\Verke geschöpft, welches den Titel führt: »Tagebuch auf 

einer Reise durch Deutschland, Dänemark, die Niederlande, 



' Mitgetheilt von Herrn Hofmarschall Freiherrn v. Meysenbug 
in Gera. Die Briefschreiberin ist die Erbprinzessin (später Herzogin) 
Auguste von Sachsen-Coburg-Saalfeld (geb. 1757 f 183 1, Grossmutter 
des ietzt regierenden Herzogs von S. Coburg-Gotha, der Königin von 
England). Die Adressatin die Grafin Caroline Reuss-Ebersdorf geb. 
Gräfin zu Erbach-Schönberg (f 1796) aus Coburg. Der oncle 26 
ist Graf Heinrich XXVI. Reuss-Ebersdorf, geb. 1725 f 1796, der damals 
einen Besuch am Hofe zu Weimar gemacht hatte. 

^ In meinem Besitz. Geiger. 

3 Mitgetheilt von Ernst Dümmler. 



MlTTHEILUNGEM VOX ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE. I23 



Frankreich, Italien und Hungarn. In den Jahren 1782. 1783. 
1784. 1785 und 1786. In 12 Bänden von Joh. Heinrich 
Landolt«. Der Verfasser dieses sauber geschriebenen Manu- 
scriptes war der Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters von 
Zürich (t 1780), selbst später Ratsherr seiner Vaterstadt, in 
welcher er 1850 in hohem Alter starb. Seine mehr als vier- 
jährige Bildungsreise, auf welcher er 3 Semester in Halle 
studierte, trat er in dem jugendlichen Alter von 19 Jahren 
in Begleitung eines Freundes, des Junkers Escher vom Blauen 
Himmel, an. Empfehlungen Lavaters und andrer namhafter 
Züricher verschafften ihm überall leichten Zugang und viele 
interessante Bekanntschaften, denen er mit Eifer nachgino-. 
Von den nachstehend genannten Orten besuchte er Frankfurt 
auf der Hinreise nach Halle, Weimar und namentlich Leipzig 
auf wiederholten Ausflügen, die er von dort aus in den Ferien 
unternahm. Vgl. 15. Neujahrsblatt der historischen Kommission 
der Provinz Sachsen. Halle 1892. 

Besitzer der culturgeschichtlich sehr interessanten Hand- 
schrift ist gegenwärtig der Enkel des Verfassers, der Geh. 
Regierungsrat und Universitätsprofessor Heinrich Landolt in 
Berlin, dem wir die freundliche Erlaubnis zur Benutzuno- 
derselben verdanken. ^ 

J. H. Landolt I/S2 fg. 

Frankfurth ist eine kaiserliche freye Reichsstadt, die ihr 
kleines Gebieth hat, und unter ihrem eignen Magistrat steht. 
Sie ist ziemlich gross, und fällt beim ersten Anblik schon 
gut in die Augen. Die Strassen sind geräumig und wohl 
gepflastert; die Häuser grossentheils schön, reinlich und 
bequem; vorzüglich an der Strasse welche die Zeil heisst. 
Freylich trift man in andern Quartiren auch sehr schlechte 
und alte Gebäude, krumme und unregelmässige Strassen an, 
wie es aber in einer alten Stadt nicht anders zu erwarten 
ist. Die Kaufmannsläden sind zalreich und wohl angefüllt. 
Ueberall zeigt sich der Wolstand. Unter gewissen Beding- 
ungen werden alle Religionen geduldet: aber die Lutherische 
ist die herrschende. In der Katholischen Hauptkirche ist 
eine Kapelle, wohin der Kaiser sogleich nach seiner Wahl 
geführt und vom Churfürsten von Maynz gekrönt wird. Die 
Juden haben ihre Synagoge, aber die Reformirten keine 
Kirche. Die Juden müssen alle in einer einzigen engen 
Gasse wohnen; ihre Streitigkeiten dörfen sie selbst unter 
einander ausmachen und in zweyter Instanz an den Magistrat 
appehren. Die Gesellschaft theilt sich hier in Adel- und 
Bürgerstand ein; jeder hat Assemblees und Gesellschaften 
unter sich selbst, und vermischt sich nicht mit den andern; 



124 Neue Mittheilungek. 



besonders die Adlichen Damen lassen sich nie zu den Bürger- 
lichen herab; die Männer hingegen nehmen eher an den 
Vergnügungen derselben Theil. Die Gasthöfe der Kaiser und 
das Rothe Haus sind wegen ihrer Reinlichkeit, Bequemlich- 
keit und Menge der Zimmer unter die Wirthshäuser der ersten 
Klasse zu zählen, und stehen nur sehr wenigen hierinn nach. 

Donnerstags, 12. Septembr. . . . darauf spazirten wir in 
der Messe, und am Römerberg (einem kleinen, in der Stadt 
befindlichen Hügel, der ganz mit Häusern bebaut ist) herum, 
und amüsirten uns an dem entsetzlichen Gedränge von 
Menschen, und an den unzähligen, mit allen möglichen 
Arten von Waaren angefüllten Buden und Gewölben .... 
Bey unsrer Rückkonft (von Offenbach) erhielten wir von 
Hrn. (Banquier) Willemer eine Einladung zum Nachtessen. 
Die Gesellschaft bestand aus der ältesten (hier verheiratheten) 
Tochter der Frau v. Laroche, Hrn. Hofrath Bode, einem 
Hamburger, einem Lübeker, einem Manheimer Kaufmann, 
Hr. Stallherr Schulthess, und uns beyden. Die junge La 
Roche verräth sich gleich als die Tochter ihrer vortreflichen 
Mutter; ausser dem Verstand und Wiz dieser leztern hat sie 
izt noch jugendliche Munterkeit und Lebhaftigkeit, auch einen 
ungemeinen Anstand in ihren Reden und Handlungen. Sie 
war es beynahe immer, welche während der Tafel das Wort 
hatte, und jedermann hörte ihr gerne zu; wenn auch gleich 
der Inhalt ihrer Erzählungen nicht sehr wichtig war. — Hr. 
Willemer ist der wahre Abglanz von Lavatern, den er in 
seinen Reden, Handlungen und Gebehrden nachzuahmen 
sucht ; dass er ein enthusiastischer Verehrer von ihm seye, 
ergiebt sich daraus von selbst. — Um Mitternacht kamen 
wir von dem Souper nach Hause. 

Frey tags. 13. Nach einem kurzen Besuch beym jungen 
Hrn. Schulthess in seinem Gewölb, giengen wir zur Madame 
Göthe, der Muter des berühmten Gelehrten dieses Namens. 
Sie ist eine Dame von vielem Verstand, und eine grosse 
Verehrerin Lavaters. Sie spricht gern von gelehrten Sachen, 
und zieht bey jeder Gelegenheit gegen die Französirung 
Deutschlands, und gegen die parfumirten süssen Herren los, 
deren Annäherung man durch den Geruch schon auf viele 
Schritte weit fühlt. So wenig sie das gezierte im Aeusser- 
lichen leiden kann, so unausstehlich ist es ihr auch im 
Wissenschaftlichen. Auf Bahrdten und andre neumodische 
Theologen ist sie daher sehr übel zu sprechen ; weil diese 
Herren, wie sie sagt, uns die Bibel alzustark modernisiren 
wollen, und die Apostel und Jünger Christi, und andre ehr- 
würdige, weise, und vortrefliche Männer des grauen Alterthums 
zu hochfrisirten französischen petitmaitres umschaffen, und sie 
da mit dem Degen an der Seite, und dem Chapeau -bas 



MlTTHEILüXGEN' VON' ZEITGENOSSEN ÜBER GoETHE. 125 

Hütchen unterm Arm auftretten, und hundert wunderliche 
Sprünge machen lassen. In diesem Thon unterhielt sie uns 

die ganze Zeit über 

Mittwochs, 9 October (Leipzig) . . . Gegen Abend 
besuchten wir noch den Prof. Clodius, einen höflichen 
und aufgeräumten Mann. Er scheint viele Kenntnisse zu 
besizen theils in der Dichtkunst, besonders aber in der 
Philologie, welche sein Hauptfach ist, und auf die er 
sehr viel hält , weil er sie für eins der schiklichsten 
Mittel hält, den Verstand zu schärfen; neben dem, dass die 
Sachen selbst, die wir aus den Schriften der Vorwelt lernen 
können, höchst wichtig und nüzlich sind. Bey diesem Anlass 
erzählte er uns eine artige Anekdote. Als er einst den 
Preussischen Minister Zedliz besuchte, sähe dieser eben einer 
Anzal Dragoner zu, welche sich übten im Vorbeyreiten 
strohernen Figuren die Köpfe abzuschlagen. Was mag das 
wol nüzen V fragte Clodius. Denn wenn sie schon diesen 
Figuren hier die Köpfe wegschlagen, so werden sie doch um 
desswillen wenn es Ernst gilt keinen Nuzen davon haben, 
weil sie dann gegen lebendige Kreaturen streiten, die auch 
gegen sie agiren. Wollen Sie es versuchen und ihren Kopf 
wagen, versezte Zedliz, so werden Sie sehen, dass es ihm 
ebenso geht wie jenen strohernen. Denn wenn einmal der 
Arm sich gewöhnt hat, eine gewisse Handlung im Scherz zu 
verrichten, so hat er sich dadurch auch die Fertigkeit er- 
worben, dieselbe — wenn es Ernst ist, gut zu vollziehen — 
weil genau eben dieselbe Bewegung der Nerven erfordert 
wird, die ihnen schon geläufig ist. Da geben Sie mir eine 
schöne Lehre, erwiederte Clodius, allein das, was Sie da von 
den Leibskräften sagen, das passt auch genau auf den Ver- 
stand. Denn wenn sich dieser einmal an einem Gegenstand 
geübt, und ihn auf eine gewisse Art behandelt hat, so wird 
er nachher alles übrige was er unternihmt, auf gleiche Weise 
behandeln. Es ist also nicht nothwendig, dass man sich 
immer nur auf seinen Hauptgegenstand einschränke ; sondern 
wenn man seinen Geist auch an andern wichtigen Wissen- 
schaften übt, so wird er nur desto geschikter sein Haupt- 
studium gründlich und wol zu bearbeiten. Und zu diesem 
(lebrauch hält Hr. Clodius die Bearbeitung der alten Sprachen, 
besonders der Lateinischen, für sehr gut. Dessnahen haben 
auch alle grossen Gelehrten diess Studium betrieben. Und 
gegenwärtig haben wir noch viele Männer, welche die 
höchsten Würden bekleiden, Staatsminister und sogar Könige, 
die sich nicht schämen ihre philologischen Kenntnisse in 
ruhigen Stunden zu erweitern. — So unterhielten wir uns 
mit Clodius, Seine Höflichkeit und munteres Wesen nahmen 
uns für ihn ein. Für einige Augenblike sahen wir seine 



126 Neue Mittheilukgek. 



Schwester, die sehr gesprächig und lebhaft ist. Seine Ge- 
mahlin bekamen wir nicht zu sehen ; sie soll ziemlich gelehrt 
seyn, und erst neulich ein Produkt ihrer Gelehrsamkeit durch 
den Druk bekannt gemacht haben, das einer andern piece, 
die ihr Mann um eben die Zeit bekannt machte, weit vor- 
gezogen worden seyn soll 

Montags, 5 (May). Noch machten wir einen Spazier- 
gang nach dem sogenannten Kohlgarten. Hier ist, etwa 
eine halbe Stunde von der Stadt, ein kleines Dörfgen, welches 
wegen der guten Kuchen, die da gebaken werden, sehr 
renomirt ist; besonders einer mit Namen Hendel, verfertigt 
sie so vortreflich, dass sie vor einiger Zeit häufig in die 
Stadt verkauft wurden, so dass die dortigen Beker in grossen 
Schaden kamen; dessnahen ist izt das Hereinbringen dieser 
Kuchen in die Stadt mit einer hohen Taxe belegt. 

Montags, 3. May (1783) . . Gleich darauf gierigen wir 
zu Prof. Ciodius, mehr um der Originalität dieses Mannes 
willen, als um etwas durch seinen Umgang zu lernen — zum 
Glück hatte Bacchus ihn noch nicht überwältigt, wie es ge- 
meiniglich Nachmittags zu geschehen pflegt. Er erapfieng 
uns gleich mit der Versicherung, dass er ausserordentlich 
viele Geschäfte habe ; kam dann auf sein Stekenpferd, die 
Dichtkunst, und sagte, dass es nicht änderst möglich wäre als 
dass ein Dichter immerfort beschäftigt seye, den seine unauf- 
hörlich thätige Imagination in einem Nu in allen 4 Welt- 
theilen, in dem ganzen Planetensystem, und in allen ver- 
gangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Zeiten herumtrüge. 
Dies führte ihn natürlich auf seine eignen dichterschen Ver- 
dienste, und da erzählte er uns der Länge und Breite nach, 
was er all für Oden, Poesien, Epigrammen u. s. w. bey allen 
wichtigen Vorfällen aus dem Stegreif gemacht, und wie 
gnädig er insonderheit von der Churfürstin von Sachsen be- 
handelt worden seye wegen der Gedichte, Aufschriften u. s. w. 
die er bey Anlass ihrer Vermählung mit dem Churfürsten ver- 
fertigt und wegen der Feste, die er dabey angeordnet habe. 
Verschiedne seiner neuern Poesien las er uns in extenso^^ 
andre nur Stellenweis vor, machte uns aufmerksam auf die 
ungeheuren Schwierigkeiten, die er dabey mit Herkulischem 
Muth glüklich überwunden ; besonders seine neuste Ode auf 
den König von Preussen scheint er für sein Meisterstük 
zu halten. — Kaum waren wir einige Zeit bey ihm , so 
erklärte er uns, dass er nun sint kurzem sich fest vorge- 
nohmen habe ein Contrestammbuch zu halten, in welchem 
sich alle Fremden, die ihn besuchten, einschreiben sollten ; 
wir mussten also unsere Namen auch mit rother Dinte in 
diesen Folianten eintragen. — Nun, hub er an, wenn es 
ihnen gefällig ist, so will ich Sie bey meiner Frau melden. 



Mittheilungen von Zeitgenossen über Goethe. 127 

und ihr präsentiren : dann gieng er in ein Nebenzimmer und 
einige Augenblike nachher erschien er wieder, angethan 
mit einem schönen Kleid ; und gleich darauf erthönte im 
Nebenzimmer ein Gesang, vom Klavier begleitet. Ohne 
Zweifel wollte er uns Fremden auch dies Talent seiner Frau 
nicht unbekannt lassen, auf welches er sich viel zu gute thut. 
(So nöthigte er sie einst auch in Gegenwart eines gewissen 
grossen Gelehrten, eine von ihm selbst verfertigte Ode zu 
singen und zu spielen ; er stand hinter ihrem Stuhl, und von 
der Vortreflichkeit seiner Arbeit und der Geschiklichkeit 
seiner Frau aufs innigste gerührt, weinte er heisse Zähren). 
— Wir sprachen noch das eine und andre; endlich hörte die 
Musik auf, und bald darauf führte er uns in ein andres 
Zimmer, wo auch seine Frau hinkam. Sie scheint eine sehr 
artige und verständige Dame zu seyn ; es war als ob sie es 
an seiner Statt fühlte, wenn er etwas unschikliches oder 
ruhmsüchtiges sagte. Er erklärte uns die im Zimmer aufge- 
hängten Kupferstiche, die alle Bezug auf einen Theil der 
Moral haben, nemlich auf die Liebe, die Elterliche, Kindliche, 
freundschaftliche, brüderliche, Liebe zum Vaterland u. s. w. 
Wenn ein grosser Herr diese Idee hätte, so könnte in einer 
zahlreichen Kupferstichsammlung ein vollständiges System 
der Moral aufgestellt werden. — Nachher erzählte er uns, 
wie er schon in seiner frühen Jugend den Beruff zur Poesie 
so stark gefühlt habe, dass er in seinem i8ten Jahr bereits 
an 80 Gedichte fertig hatte; unter denen einige (er könne 
es mit Grund der Wahrheit sagen, da Eigenliebe gar seine 
Sache nicht seye) recht vortreflich gewesen wären. Ueber 
dies sich so frühe entwikelnde Talent hätten mehrere Männer 
vom grössten Ansehen in diesem Fach, ihm die verbind- 
lichsten Sachen geschrieben und gesagt. Endlich konnte er 
sich nicht länger halten, und rükte mit dem Brief heraus, 
den der grosse König von Preussen ihm geschrieben, als 
Clodius demselben die neulich herausgekommene Sammlung 
seiner Schriften dedizirte, und worinn er den Talenten und 
Verdiensten des Dichters die angenehmsten Lobsprüche er- 
theilt. Zulezt wies er uns noch sein und seiner Frauen 
Portrait, nebst denen von einigen seiner Freunde; womit 
sich diese sehr lange Visite endigte. 

Sonntags, 8 (Juni 1783). Frühe um halb 5 Uhr trennten 
wir uns. Niemeyer ritt nach Jena und wir andern beyden 
nach Weimar. Der Weg dahin führt durch mehrere Dörfer, 
und ist ziemlich angenehm. Um Mittag langten wir an. 
Die Stadt Weimar ligt in einem sanften Thale, und man 
sieht sie nicht eher als in der Entfernung einer kleinen Stunde. 
Die Zugänge sind auf eine ziemliche Streke weit zu Alleen 
gemacht, die dem Reisenden einen angenehmen Schatten 



128 Neue Mittheilungen. 



gewähren. Das erste, was ihm auf eine wiedrige Art in die 
Augen fällt, ist das a. 1774 am hellen Mittag abgebrannte 
Schloss, welches in seinen Ruinen da ligt. Das abgebrannte 
Schloss war von schöner Bauart und ziemlich weitläuftig, 
obgleich man noch im Stand war, die grössten Kostbarkeiten 
zu retten, so war doch der Schade gar sehr beträchtlich. 
Wir spazierten eine Zeitlang auf der Esplanade, einem artigen 
Spazierplaz. Dann sahen wir die sogenannte x\kademie oder 
Zeichnungsschule, worüber Hr. Kraus Direktor ist. VVöchentiich 
versammeln sich hier einigemale eine gewisse Anzal junger 
Herrn und Frauenzimmer zu verschiednen Stunden, um sich 
im Zeichnen und Malen zu üben. Der Herzog muntert sie 
oft durch seine Gegenwart auf. Hr. Kraus ist ein Schüler 
von Hrn. Rath Tischbein; und hier sieht man verschiedene 
recht gute Arbeiten von ihm, worunter auch einige Studien 
nach der Natur. Von dieser leztern Art ist hier ein Gemälde, 
das eine ganz nakte männliche Figur vorstellt. Es stand ihm 
dazu als Modell ein hiesiger Soldat. Einige Satyren mögen 
auch gut seyn, wenn man die Geschichte weiss, worauf sie 
anspielen. Z. Ex. ein Französicher Stuzer, der sich abmalen 
lässt. Der Bediente, der uns herumführte, konnte oder wollte 
uns aber nicht alles erklären. Mehrere schöne Mahlereyen 
von Landschaften und Portraits und eine Suite von Kupfer- 
stichen, einige Schauspieler in dem interessantsten Punkt ihrer 
Rolle, u. a. m. beschäftigte unsre Aufmerksamkeit eine 
Zeitlang. 

Abends konnten wir noch Hr. Wieland sprechen; er 
empfieng uns mit vieler Höflichkeit. Da er eben vom 
Hofe kam, so war er sehr gepuzt. Allein ich fand den 
Mann gar nicht an ihm, den ich erwartet hatte. In seiner 
Phisiognomie konnte ich nie den Verfasser des Oberon und 
so vieler schlüpfriger Gedichte erkennen. Seine hohe Stirne 
kündigt Verstand und Wiz an ; sein Mund ist ziemlich weit, 
und die Nase etwas habichtsartig; sein Auge scheint etwas 
wollüstig. Hie und da haben zwahr die allmählig heran- 
nahenden mehreren Jahre in seinem Gesicht Furchen zu 
graben angefangen ; indessen blikt noch ein Schimmer von 
sanfter Röthe auf seinen Wangen durch. In Gesellschaft 
scheint er ziemlich gern das grosse Wort zu führen. Wir 
blieben wol eine halbe Stunde bey ihm ; er schwazte uns 
eine Menge Zeug von Zürich vor, und gasconnirte mit unter 
ein wenig. Da das Gespräch auf Bodmern kam, so erzälte 
er uns: wie dieser ihn als einen sich vortheilhaft auszeich- 
nenden Jüngling in Affektion genohmen, wie er sich alle 
Mühe gegeben habe ihn nach Zürich zu bringen, und wie 
er gleichsam das Kind im Haus mehrere Jahre durch gewesen 
seye. Allein diese Lebensart habe ihm — als einem nach 



Mittheilungen vox Zei tgenossen über Goethe. 129 

Thätigkeit strebenden Geist - nicht behagen wollen- ob er 
gleich immer studirte, und mit den vortreflichsten Männern 
Zürichs Lmgang hatte, mit Breitinger, Heidegger (den er für 
den grösten Kopf hält, welchen er jemals gesdien) u a m 
Er gerieth daher auf den Gedanken ein Erziehungs-Insiitut 
zu errichten (was man in Zürich Informationen geben heisst) 
Heidegger u. a grosse Männer billigten es im höchsten 
Crrad, allein es kam doch nichts rechts zu Stande — Nun 
ward er der ganzen Welt Feind, und hielt sie für efnen 
.\arrenhaufen; auf allen Köpfen entdekte er Geläute, nur 
sich selbst glaubte er davon frey. Er schuff sich eine Idealische 
V\ elt, und gieng nach Belieben darinn spaziren. Immer hielt 
er sich zu den Weisen im Volk, als Bodmer, Heidegger 
Breitmger u. s. w. Zu ihren Füssen sass er immer und 
philosophirte mit ihnen. Das schöne Geschlecht machte 
damals auf ihn, als einen kaum 20jährigen Jüngling gar keinen 
..indruk ,• er sah sie alle für eitle, unwissende flatterhafte 
Geschöpfe an. Wollte ja etwa ein Frauenzimmer sich seine 
Gewogenheit erwerben, so musste sie wenigstens 40 Jahre 
auf dem Rüken haben, und fein gesezt und ein wenig o-elehrt 
und weise seyn Damals war es da Bodm. seine Nolichide 
Herausgab. V> leland als ein feuriger Jüngling empfand die 
bchonheiten und unerreichbaren Vorzüge dieses Gedichts in 
vo lern Grade, und hätte beynahe im Gefühl seiner ^Nichtigkeit 
sich dafür hin m den Staub werfen mögen: im Taumel der 
Bewuiiderung schrieb er einen grossen Commentar über die 
Schönheiten desselben, den er izt nicht mehr schreiben würde 
denn da ihm Bodmers Bibliothek immer offen stand, und er 
sich öfters em wenig darinn umsah, so entdekte er nach und 
nach die ganze Noachide in andern Schriftstellern. Fast jede 
Idee, jede Charakterzeichnung fand er in irgend einem Eng- 
lischen oder Itahänischen Dichter, so dass also nur die Zu- 
sammenordnung und das Gewebe Bodmers Arbeit war Mit 
dieser Entdekung nahm auch seine Bewundrung ab, ob-leich 
- wie Bodmer Ihm öfters vorpredigte - diess den Dichter 
gar nicht zum plagianus mache, indem es ihm gar wol erlaubt 
seye die Schönheiten, die er schon vor sich findet, so gu 
den d'^, "'f "• - ^"^^^^ gl^^'b^ ^•■' seye Bodmers Ver- 
sehrten. T ''"'''''' '!^' S^°^^' ""d ^^^"^ ei"st jene 
Schriften, aus denen er geschöpft hat, nicht mehr wol bekannt 
seyen, so werde sein Dichterruhm bey den Nachkommen 
wieder von neuem aufleben. So seye er also mit Bodmern 
ange auf dem bessten Fuss gestanden; allein hie und da 
haben sie sich m ihren Meynungen bisweilen widersprochen- 
Oderd" \'\^'' Beurtheilung über eine von Rammlers 
Oden deren Verfasser man aber damals nicht wusste. Bodmer 
und Breitinger schrieben sie Gottscheden zu, und fanden sie 

Goethe-Jähkbüch XIH. 



1^0 Neue Mittheilukgek. 



ganz unausstehlich. Wiel. hingegen lobte sie, und behauptete, 
sie wäre nicht von Gottsched. Dieser Streit ward nun ziemlich 
lebhaft. Nach und nach gab es mehrere Auftritte dieser Art. 
VVieland wollte nicht überall in Bodmers Ideen einschlagen. 
Hiezu kam noch das heftige Genie des erstem, welches sich 
einen grösseren und geschäftsvolleren Wirkungskreis suchte. 
Diess alles bewog ihn, anderweitige Aussichten, die sich ihm 
öffneten, anzunehmen, und so kam er nach und nach von 
Bodmern ab. Immer behielt er noch Freundschaft gegen 
ihn in seinem Herzen. Sie unterhielten einen Briefwechsel, 
aber nur sehr sparsam. Denn, sagte Wieland, in diesem 
Punkt kommen meine bessten Freunde immer zu kurz; andern 
Leuten schreibe ich etwas weniges und damit gut, aber meinen 
bessten Freunden möchte ich immer recht viel und interes- 
santes schreiben, weil mir nun meine häufigen und wichtigen 
Geschäfte beynahe alle Zeit rauben, so wird es mir nur gar 
selten so gut an sie zu schreiben. Wenn wir daher nicht 
auf einen solchen Fuss mit einander stehen, dass wir denken, 
es bleibt gleichwol immer beym alten, so komme ich mit 
meinen Freunden schlecht weg. So redete er von Bodmern, 
und seinen Verbindungen mit ihm; und sagte endlich: Er 
verlange sehr Hirzels Biographie von ihm zu sehen; er werde 
dann auch in seinem Merkur etwas über ihn sagen, so wie 
Er ihn gekannt habe, und sich dadurch öffentlich als seinen 
Freund und Verehrer beweisen, wie er es bisher im Herzen 
gewesen seye. Da das Gespräch auf Schlözern und seinen 
Hass gegen Zürich kam, so erzählte er, er habe unlängst 
einen Aufsaz zur Rettung der Schweiz gegen Schlözers An- 
griffe eingeschikt bekommen, um im D. Merkur abgedrukt 
zu werden. Der Verfasser nannte sich nicht, sondern unter- 
schrieb sich nur: Z*. . . in Sachsen. (Vielleicht unser Freund 
Zehnder in Göttingen). Er hätte den Aufsaz herzlich gern 
abdruken lassen, aber aus verschiednen Ursachen schien es 
ihm, dass derselbe sein Gluk nicht machen würde; denn er 
war oft alzu unbestimmt, bisweilen gar zu heftig, und beynahe 
schimpfend, aber nie ganz überzeugend. — Diess war ungefähr 
das wichtigste in unsrer Unterhaltung mit Wieland. Da wir 
noch bey ihm waren, so kam Bertuch Verf. des Spanischen 
Magazins, um mit ihm wegen der übermorgen vorzunehmenden 
Reise nach Dessau Abrede zu treffen. Er scheint ein artiger 
und gescheuter Mann zu seyn. Sehr unangenehm ist für einen 
Fremden die fatale Gewohnheit, dass wenn man mit Wiel. im 
Gespräche ist, alle Augenblike eins seiner vielen Kinder (denn 
er wird deren nun in wenigen Wochen 9 haben) bisweilen auch 
erwachsene Leute, die Thüre halb aufmachen, um die Fremden 
zu besehen, und dann wieder schnell zuschliessen ; man weiss 
nicht ob man sizen bleiben oder aufstehen soll. Er entschuldigte 



MlTTHEILUN-GEN- VON ZtlTGEXOSSEX ÜBER GoETHE. 



i;r 



Sich seine Kinder, die kleinen Aifen, wären immer so neugierig 
die Fremden zu sehen, die zu ihm kämen. Indess sollS em 
solcher Mann dergleichen Unanständigkeiten nicht dulden - 
Montags, 9. Junii. Heute entdekte uns unser Friseur 
dass er auch die Ehre habe den Hrn. Geheimderath Göthe 
zu bedienen; und da wir ihn fragten, ob wir denselben wol 
diesen Morgen sehen könnten, so sagte er: O! ja wir sollten 
nur hingehen, er werde uns gewiss annehmen. A\ir e" 
suchten es, und es war so. - Etwas unangenehm ist es 
dass man oft im ganzen Hause herumlauffenr und an allen 
Thuren anpochen kann, ohne dass jemand Antwort giebt 
penn bey allen hiesigen Gelehrten scheint der Thon zu 
herrschen, dass der Kammerdiener unten beym Eingan<. des 
Hauses em Zimmerchen hat, dessen Thür mit einem Fenster 
versehen ist; sieht er nun jemand kommen, so muss man um 
angemeldet zu werden, seinen Namen, Vaterland, Charakte 
etc. pünktlich angeben, und so oft wiederholen tis der Be- 
diente es versteht und behalten kann. Ergt dann wird nach- 

)vil . (Eben diess Examen hat man auch bey Prof. Plattner 
m Leipzig auszustehen.) Ist nun der Bediente gerade nich 
auf seinem Posten, so kann man ungesehen lange herim 

G lehrte?rch'd"'"™'''f"- ^'--^^^^-1^ -"-en die hiesig". 
Gelehrten auch darum etwas grösser thun, weil sie alle den 
Titel von Hofräthen, Geheimderäthen u. s w. haben Göthe 
ist Geheimer Rath, und lässt sich Excellenz hdssen denn 
der Herzog hat ihn geadelt! - Er empfieng uns ehr höflich 
Seme Phisionomie ist stark, und eben nichf einnehmend de 
Gesichtsfarbe schwärzlich, und die Nase ziemlich gross seme 
schwarzen Augen sind lebhaft, und verrathen einen feurigen 
Geist Izt scJireibt er nicht mehr viel, weil er wie ersaS 
so sehr mit Geschäften überhäuft ist. Wir blieben eine kfet; 
^;Iertelstunde bey ihm, unser Gespräch be af gan aj t h 
gültige Dinge. Man merkt es ihm an, dass er stch^mhe" ' ebi 
seine ^^ Urde zu behaupten und immer zu representiren.^ 

^rü/e von Ricnm- an Fr. Frommann. 1^04-1819.' 

^^'eimar 11 Jan. 1804. 

' Folgen Schilderungen der Besuche bei R^H^ t , • 

einem ungenannten Hofbüdhauer ^.ZTl ^ode, Jagemann, bei 

Zuschauen? bei einen" her.oÄnrMP'r^'^,'^ "" ^^e''"' ^ines 
Zweck ferner lielen thefls .n R '' ^'\ '^^^'^' ^^'^'^ ^'^ ""^^^ni 
mussten. * ' ^^^'^' ''"' Raummangel weggelassen werden 

' Mitgetheiit von H. Frommann. ^- *^- 

9* 



1^2 Neue Mittheiluxgex. 

wahrscheinlich von einem zurückgetriebenen echauffement 
her und scheint weiter Nichts auf sich zu haben, als dass er 
nun nicht ausgehn kann und manchmal nicht guten Humors 
ist. Gestern Abend las ich ihm einen Gesang von der 
Vossischen Iliade vor. Da war er sehr gesprächig und ich 
habe Manches dabei gelernt, was man eben nicht in der 
Schule lernt . . . Ich möchte gern, so lange es ginge, noch 
in dieser Schule aushalten, um noch recht viele schöne und 
neue Ansichten durch diesen ,?f7oc und ^föc zu gewinnen. 

Die Frau von Stael ist noch immer hier und scheint sich 
mit den schönen Geistern Wieland und Schiller gut zu stehn; 
wie man in der Stadt sagt, aber nicht mit G. Was daran 
wahr ist, weiss ich nicht und will es auch nicht wissen. 

4 Febr. 1804. 
. . . Von G"s Hinkunft oder Advent weiss ich nichts. Nur 
dass ich mich öfterer mit ihm unterhalte und finde, dass er 
mir sehr wohl will. Ich gehe ihm gewiss nicht so bald weg. 
Auch das Leben wird mir lustiger, ich bin nicht mehr so 
kürig und wählig, und was mir in den W'urf kommt, das 
küss' ich und herz' ich, ohne mich zu verlieben. Ich bin 
doch sonst so dumm eben nicht; sollte ich denn hierin Nichts 
begreifen? G. will auch Hegeln sehr wohl und er urtheilt, 
finde ich, im Schlafrock ein wenig anders, als wenn er in 
Gesellschaft urtheilen soll. Aber ich begreife ihn ; weil man 
ihn auspumpen will, so giebt er eben nur das. was ihm be- 
liebt, und womit er zwischen den Partheien so eben durch- 
kommt. Wo er keine Hinterlist ahndet, da giebt er sich 
auch frei. Mir wird immer wohler bei ihm. 

22 Mai 1804. 

Sieht man Sie bald in Weimar V Zum Götz kommen Sie 
zu früh, wir werden ihn wohl vor dem Winter nicht sehn. 
G. wollte vor einigen Wochen nach Jena gehn, aber die 
Abwesenheit Ihrer, Eichstädts und anderer, nebst Manchem, 
was in die Quere kam, hielt ihn davon ab. 

Ich lebe ziemlich schlaraffisch : esse, trinke, schlafe, 
spaziere, küsse mitunter, weiter kommt es aber nicht. Bei 
G. höre ich einige Collegia über Metamorphose der Pflanzen, 
Theorie der Farben, wir besehen den Mond durch einen 
siebenfüssigen Herschel und wissen uns sonst über Allerlei 
zu unterhalten. Die Signora aus Rom war zum 2ten Mal 
hier und kommt in Kurzem wieder. Vermutlich werden 
Sie sie auch in Jena zu sehen und zu sprechen bekommen. 
Ihre Frauen und Fräulein grUssen Sie schönstens von mir 
und die kleinen Stammhalter herzen Sie einmal recht ab 
von meinetwegen. 



MiTTHEILUKGEN VON ZEITGENOSSEN' ÜBER GoETHE. Ij'y 

Weimar d. 30 Aug. 1S04. 

Goethe ist seit 14 Tagen in Lauchstädt und kommt erst 
diesen Sonnabend zurück. Dann wird er nach Jena gehen. 
Tag und Stunde weiss ich noch nicht. Der Götz Avird ein- 
gelernt und ehe Sie zur Messe gehn, hoffe ich, soll er noch 
gegeben werden. Auf jeden Fall geben sie ihn doch diesen 
^Vinter gewiss. 

Weimar d. 18. Febr. 1807. 

.... Der Tasso ist ganz gut abgelaufen. Das bessere 
Publikum welches einigerraassen an dem Stück Antheil 
nimmt oder nehmen zu müssen glaubt, ist zufrieden, und 
die Aussenbleiber bedauern es hinterher nicht gesehen zu 
haben. Wolff hat sich übertroffen. Er hat leidenschaftliche 
Heftigkeit gezeigt, die man ihm nicht zutraute. Die WolflF 
machte die Leonore Sanvitale : man konnte sich begnügen: 
Becker spielte sehr gut und erhielt sich das ganze Stück 
hindurch gleich. Die Silie machte die Leonore und mir am 
wenigsten zu Dank. Hätte sie aber auch die Wolff gemacht, 
so wäre etwas anders zu desideriren gewesen. Das Ganze 
machte sich indessen recht gut, und man desiderirte keines- 
weges Handlung wie man's nennt; den Plebs etwa aus- 
genommen. 

Wir waren seither an Newtons Optik geschäftig und 
übersetzten vor ein paar Tagen zwischendurch Müllers Rede 
in der Academie zu Berlin: de la gloire de Frederic. Sie 
werden sie schon zu lesen kriegen. 

Mit der Pause könnte es wohl 3 ^^'ochen dauern, aufs 
höchste jedoch. Die Frage ist nur , ob Sie uns alsdann 
nicht im Stich lassen müssen der Messarbeiten wegen. Wir 
haben soviel Manuscript, dass wir Sie alsdann sehr gut 
beschäftigen können und zwar ununterbrochen. Es wird 
wohl circa 1 2 Bogen Vorrath seyn. 

Weimar, d. iS April 1807. 
In der Hoffnung dass dieser Brief Sie noch in Jena an- 
treffe, lege ich mit einem freundlichen Grusse von G. den 
von den Kanzeln zu verlesenden Aufsatz zum Andenken der 
Herzoginn bey. Ein erweiterter wird zu andern Zwecken 
mit nächster Gelegenheit anderen Orts erscheinen. Der Tod 
der Herzoginn, die unverhoffte Rükkehr der Geheimeräthinn, 
die Ankunft Wolfs und seiner Reisegefährten, die zwischen- 
fallende Ausarbeitung gedachten Aufsatzes, eine Vorlesung 
für die Damen , die Uebertretung der gewohnten Diät 
führten am Donnerstag Abend den alten Anfall mit schon 
vergessener Heftigkeit herbey, und G. musste gestern noch 
den ganzen Tag im Bette zubringen. Erst heute hat er es 
verlassen und ist in soweit wieder hergestellt, doch muss er 



134 Neue Mittheilungen. 



sich noch ein paar Tage schonen. Die Abäscherung in 
4 Tagen hintereinander war bey seiner gewohnten Ruhe zu 
gross. Es hess sich aber nicht anders machen. Gott sey 
Dank dass es vorüber ist! 

Weimar d. 30 September 1807. 

Den Prolog der heute nochmals gegeben wird werden 
Sie, wenn nicht bald in einem öffentlichen Blatte gedruckt, 
doch in kurzem, wenn er für G. selbst, der ihn noch nicht 
einmal abgeschrieben besitzt, von mir besorgt seyn wird, 
erhalten können. Es wollen ihn freylich sehr viele. Ein- 
heimische und Auswärtige lesen; und so wäre es besser ihn 
drucken zu lassen ; obgleich grade das Hauptmotiv blos auf 
dem Theater zu bewerksteUigen ist und das Ganze aufs 
Sehen berechnet. 

Mit nächstem — eher war's nicht möglich — wird G, 
auch an der Polemik wieder fortfahren. Sich zu dieser 
Winterarbeit vorzubereiten und Lust dazu zu erwecken hat 
er sich vorläufig an den zweyten Theil, der Geschichte 
nehmlich, gemacht, sammelt und liest dazu. Und es wird 
sehr interessant werden. Von Carlsbad aus gleich in die 
Polemik einzuschreiten, war eine zu ennuyante Sache. 

Mit G.'s Gesundheit geht es sehr gut; und wenn es 
auch nur in diesem Grade besteht, so ist schon alles ge- 
wonnen : denn ihn wieder jung zu machen , möchte wohl 
Medeens Sprudel selbst unfähig seyn. Gott sey Dank, dass 
er sich so, heiter und thätig, befindet. 

Weimar d. 16. April. 1808. 
G. wird schon künftige Woche hinüber kommen und 
dann werden wir auch bald nach Karlsbad aufbrechen. Es 
ist noch ein gichtisches Uebel dazu gekommen, oder vielmehr 
der Antheil Gicht bey dem bisherigen hat sich auf die Beine 
geworfen, welches ihm grosse Schmerzen macht und weswegen 
er je eher je lieber ins Bad eilt. Karlsbad hat ihm schon 
einmal diesen Zufall vertrieben ; es war wie er nach Italien 
ging. — Doch lassen Sie sich nichts merken, als wüssten 
Sie was davon : er scheint mir's nicht gern zu haben, dass 
man davon spricht. 

Weimar d. 4. May 1808. 

.... G's Ankunft am Sonntag Morgen war mir eben 
so unerwartet als Ihnen seine Abreise. Er entschliesst sich 
immer plötzlich. Nun ist unsere Abreise nach Karlsbad auf 
morgen über acht Tage festgesetzt und wir rüsten uns dazu. 
Er will wo möglich in einem Tage von Weimar nach Schleiz, 
wenigstens nach Pösneck. Ich werde also Mad. Frommann 
nur einen Augenblick sehen aber auch diesen nicht versäumen. 
Dass ich Mienchen nicht sehen soll, thut mir sehr leid. Das 



Mittheilungen von Zeitgenossen über Goethe. 135 

gute Kind ist halb auch unter meinen Augen aufgewachsen, 
und ich bilde mir ein, dass ich ein Stück Onkel oder der- 
gleichen von ihr sey, um eine natürliche Verwandtschaft an 
ihr zu haben. Sagen Sie ihr meinen besten Glückwunsch 
zu ihrer Reise und dass ich mich blos auf ihre Rückkehr freue. 

.... G. ist übrigens wohl, bis auf die Unbequemlichkeit 
bey Tische. Er trinkt jetzt wieder Champagner, der ihm gut 
bekommt. Sonderbar er darf nicht während des Essens 
trinken ; aber nachher um 4 Uhr. Dann fühlt er keine 
Beschwerde. 

Zu arbeiten haben wir uns beide viel vorgesetzt, und 
nehmen das Gehörige dazu mit. Wenn auch nicht alles 
erfüllt wird so ist es doch gut sich immer mehr vorzusetzen : 
man thut sonst gar nichts. 

An literarischen Neuigkeiten des Tages werden wir in 
Carlsbad sehr arm seyn. Es wäre daher schön, wenn Sie 
uns gefälhgst auf das Neuste aufmerksam machen möchten, 
damit wir uns bey unsrer Zurückkunft darnach umthun und 
aus Schichten, die unterdess sich wieder drübergezogen haben, 
hervorsuchen. Man kann nicht alles zugleich haben, Ruhe 
und Zerstreuung. 

Ich soll Sie schönstens von G. grüssen und Ihnen 
glückliche Reise und Geschäfte wünschen. 

Ohne Datum. 

(Sept. 180S nach Frommanns Notiz: 

empfangen am 21.9.) 

Glücklich wären wir nun wohl angekommen und auch 
freundlich aufgenommen ! Die jungen Schauspieler hatten 
die Treppe mit Teppichen und Blumengewinden und Orangerie 
geschmückt das einen sehr guten Anblick machte. G. war 
sehr erfreut. Den Nachmittag aber kam die Trauerpost, dass 
seine Mutter gestorben sey. Es hat ihn natürlich sehr betrübt; 
und wir vermeiden alles was den Schmerz in ihm erneuern 
kann. Sonst ist er wohl und es hat keine körperlichen Folgen 
gehabt, so viel ich wenigstens weiss. 

Weimar den 12 November 1808. 
Sie erhalten hier mein bester, die angekündigte Fort- 
setzung des jManuscriptes zum 2t. Theil der Farbenlehre mit 
den besten Empfehlungen von G. und mit Bitte es bald setzen 
zu lassen. Die Revision wünschen wir ebenfalls Wieder in 
doppelten Bogen zu erhalten, wo möglich aber schon sorg- 
fältiger corrigirt als es bisher zwischendurch geschehen mögen, 
damit wir die Aufmerksamkeit rein auf die Sache behalten, und 
keine abermaligen Revisionen von uns begehrt werden. Vor 
bedeutenden und den Satz zerreissenden Aenderungen wollen 
wir uns sehr in Acht nehmen. Unterbrechungen werden 



136 Neue Mittheilukgen. 

nicht statt finden, vielmehr soll der Setzer ein Sporn seyn 
uns sobald als möglich zu expediren. 

. . . Die Friedrichschen Zeichnungen bleiben bis zum 
nächsten Freytag hier als dem längsten Termin und werden 
nun wohl bey Meyern zu sehen seyn, im Fürstenhause. 
Morgen zeigt sie G. der Frau Hofräthin Schopenhauer. 

AVeimar d, 2. December 1809. 

Sie erhalten hier die Correktur des 26. Bogens. So viel 
wie möglich wird sie in der Folge sogleich besorgt werden 
und im schlimmsten Falle die Donnerstags- oder Sonntags- 
post sie abliefern. 

Der Vorrath von Manuscript zum 2t. Theile ist freylich 
mit dem was Sie drüben haben vor itzt zu Ende ; Sie mögen 
daher immer mit dem vollen Bogen abbrechen. Wir sind 
jetzt am 2t. Theile der Optik und das Polemische muss mit 
dem Historischen gegeneinander gearbeitet werden ; so wird 
es theils leichter und angenehmer, theils kürzer indem eins 
dem andern aushilft. Sowie wir damit vorgerückt sind, geht 
es wieder ans Historische im 2t. Theile ; wo gegen das Ende 
zu gute Vorarbeiten vorhanden sind. 

Sonnabend d. 20. Januar 1810. 

G. ist keinesweges unwohl, obgleich hin und 

wieder das Gerücht davon erschallen wird, und worüber ich 
Sie ins Klare setzen will, damit Sie nicht unnölhige Sorge 
haben. Er mag und kann nicht an den Hoffestivitäten Theil 
nehmen, und so geht er auch an keinen andern Ort, und 
sieht auch weniger Leute bey sich, die ihn oft ungestüm 
überlaufen. Nun heisst es, er befinde sich nicht wohl; 
welches denn wahr und nicht wahr ist. Aber wie würde er 
sonst nur etwas vor sich bringen ! 

Carlsbad den 10. July 1810. 

. . . . G. ist die Zeit her sehr wohl, beschäftigt und 
doch auch in Gesellschaft gewesen. Die Anwesenheit der 
Kaiserinn veranlasste beyfolgende Gedichte, wovon das erste 
und zweyte auf Ersuchen und aus Gefälligkeit gegen die 
Einwohner ; das dritte aus eigenem Antriebe, bey Dedication 
eines Platzes durch den Grafen Corveillan; das vierte endlich 
auf den Wunsch der Kaiserinn, dass in ihrem Namen den 
Carlsbadern etwas freundliches erwiedert würde, von Goethe 
gedichtet worden. Sie machten bey den guten Oestreichern 
den besten Eindruck, der durch die Gegenwart alles dessen, 
wovon darin die Rede ist, noch vielmehr verstärkt wird. 

Für alles übersendete soll ich Ihnen, in Göthes Namen 
aufs beste danken und zugleich die Versicherung hinzufügen, 
dass Sie einen Theil der Wanderjahre womöglich durch Mad. 
Bohn, sonst aber auf alle Fälle so erhalten werden, dass er 



MiTTHEILCXGEN VON ZeITGEXOSSEX ÜBER GoETHE. I37 

ZU Michael noch erscheinen kann, indem er nicht stärker 
wird, als der erste der ^^'ahlver\vandtschaften. Der zweyte 
mag dann Ostern erscheinen: und es ist immer gut, dass die 
Neugier etwas gespannt bleibe. 

Töplitz d. 12. Aug. 1810 
.... G. ist wohl und hat sein Vertrauen auf die 
hiesigen Bäder gesetzt, da ihn in Carlsbad seine Übel befielen. 
Er badet täglich und glaubt Wirkung zu verspüren ; auf alle 
Fälle bleiben wir 3 Wochen hier. In Carlsbad ward er die 
letzte Zeit schon sehr am Arbeiten verhindert, hier nun 
vollends durch das Bad und unsern Dux. Deswegen ich 
denn mit der Vorklage komme . d. h. bevorworte, wenn 
das Manuscript nicht zum Termin erscheint. Doch v>ürd es 
eine Winterarbeit werden, und es ist immer gut, dass er ein 
so wichtiges \\'erk nicht aus der Hand schleudert. 

Töplitz, den 29t August 18 10. 

Freytag den 30t geht der Herzog fort und etwa 

8 oder 10 Tage später denken wir auch aufzubrechen, und 
nach — Dresden zu gehn. Behalten Sie es aber noch ein 
Weilchen ganz für sich, und sagen es den Frauenzimmern 
nicht. Keineswegs etwa darum, weil man sie für siebartig 
zu halten geneigt wäre, sondern um sie zu überraschen : denn 
das würde es doch wenn sie auf einmal G. in der Galerie 
erblickten. Und auch der Künstler wegen, denen ein unver- 
hoffter Besuch zugedacht ist, wünschte ich, dass wenn sogar 
das Gerücht von seiner Ankunft sich verbreitet hätte, man 
es durch einige kalte Zweifel und Unwahrscheinlichkeiten 
niederschlüge, oder wenigstens niederhielte. 

Mit uns werden Sie nicht ganz zufrieden seyn, dass wir 
nicht Wort gehalten haben. Allein es war unmöglich, ob- 
gleich der Vorsatz uns bis Töplitz begleitete. Denn G. war 
in der letzten Zeit, theils durch Zelters, theils durch anderer 
Freunde Gegenwart; theils auch durch den Anfall von seinem 
Übel aus der Continuität des Arbeitens herausgekommen, und 
konnte zuletzt bey dem schlechten Wetter nicht wieder mit 
der ersten Wärme daran kommen. Hier occupirte ihn nun 
der Herzog und das Baden scheint noch weniger als das 
Trinken grosse Geistesbewegungen zuzulassen. Wären wir 
nicht soweit ins Jahr vorgerückt, so dass G. länger hier 
bleiben und dazwischen pausiren könnte ; so würde es bey 
der übrigens sehr ruhigen Lage wohl möglich seyn, das 
Ganze noch vom Stapel zu lassen. Unterdess ist ja daran 
nichts verloren, und ich sehe mich schon im Geiste diesen 
Winter oder Herbst nach Jena versetzt, wo wir dann in 
grösster Sammlung ans Werk gehen würden. 



138 Neue Mittheilungen. 



G. befindet sich übrigens sehr wohl und heiter, das Bad 
scheint anzuschlagen, und alle Menschen freuen sich ihn so 
heiter gesellig und mittheilend zu finden. Ich habe leider 
das Glück nicht, ihn beständig zu umgeben indem die Hälfte 
des Tages, von 11 Uhr an mit Baden, Ruhen, dem Diner 
beym Herzog, und der Gesellschaft bey Fürst Clary oder 
andern hingeht, wobey ich denn nicht allerorten gegenwärtig 
seyn kann. Doch haben wir zusammen schon einige Spazier- 
fahrten gemacht, nach Bilin, wo der Sauerbrunnen ist, nach 
Kloster Osseg, nach Graupen, und morgen soll es nach Dux 
gehen, das einem Grafen Waldstein, Nachkommen Wallen- 
steins gehört, wo viel Alterthümer zu sehen seyn sollen. — 
Zelter, der vorige Woche abgereist ist, war mein täglicher 
Umgang und man stärkt sich nicht wenig an seiner durchaus 
tüchtigen und kräftigen Natur. Er hat wieder mehrere Sachen 
von Goethe, bekannte und noch nicht bekannte, componirt. 
die wunderschön sind. Ich denke dass er sie uns von Berlin 
schickt, um unsere Academie mit frischen Ergötzungen zu 
versehen. 

Weimar d. 14. August 1813. 

Es erfolgt hier die Revision und soviel neues Manuscript 
als ich habe anfertigen können. Vor Ende künftiger Woche 
aber kann ich nichts senden. Ich muss mich jetzt an das 
Göthische halten, das mir, bey seiner Entfernung und da 
ich das Risico tragen muss, wirklich einige Noth macht: denn 
es enthält gewaltige Nachlässigkeiten im Styl, theils wohl 
durch die Aehnlichkeit ja Gleichheit der Zustände veranlasst, 
öfter aber auch durch Mangel an Aufmerksamkeit des Dictators 
oder des Schreibers. Unterdess will ich sehen, ob ich Ihnen 
zum Mondtag nicht etwa die Hälfte des 12. Buchs sende. 
Es liegt mir selbst daran, damit wegzukommen. 

Heute heisst es, kehre die Herzoginn zurück ; auch der 
Erbprinz werde erwartet ; vom Herzog weiss man nichts 
bestmimts. Morgen soll Souper und Cour seyn, andre sagen 
wieder der Gesandte werde eine kleine Festivität veranstalten. 
Mir ist alles einerley, denn ich habe von beyden nichts, und 
ich sehne mich nur nach G. Rückkehr : denn er mag seyn 
wie er will, nach so langer Abwesenheit hat man sich immer 
viel zu sagen. 

Wenn Ihnen das 11. Buch schon Vergnügen gemacht 
hat, so wird es das 12. Buch noch mehr; ich weiss nicht ob 
die Psychologie je einen solchen Ruck auf einmal gethan 
hat, als ihn diese Bücher, diese Bekenntnisse eines grossen 
Geistes, der Lust hat sich selbst zu betrachten, von nun an 
geben müssen. 13 und 14 fahren fort und sind äusserst 
interessant. 



MiTTHEILUXGEX VON ZEITGENOSSEN ÜBER GoETHE. 139 

Weimar d. lo October 1813. 

Um mich auf andre Weise zu beruhigen und eine 
wissenschaftliche Unterhaltung mit G. zu haben, bin ich in 
ihn gedrungen mir etwas von seinen physiologischen Ab- 
handlungen mitzutheilen, und er hat sich bewogen gefunden, 
diese Papiere vorzunehmen und wir lesen sie zusammen. So 
dürfte die Metamorphose der Pflanzen in einer neuen und 
reichern Umgebung auftreten, wenn sie auch der ausge- 
arbeitetste Theil wäre. Aber die Einleitung ist ganz wie sie 
daliegt brauchbar, das Uebrige mehr schematisch, aber doch 
sehr interessant. Soviel davon ; behalten Sie aber gütigst 
alles für sich, damit nichts verlaute. 

9 Juni 181 6. 

Durch Herrn Wesselhöft habe ich gestern die Nachricht 
erhalten, dass Sie dicht vor dem Feste wieder in Jena ein- 
getroffen sind. Sonach werden Sie unmittelbar unterrichtet 
worden sein von dem Schicksale das unsern theuern Ge- 
heimerath betroffen hat. Der Tod gleicht Alles aus, und so 
müssen wir mit Antheil und Bedauern gestehn, dass es ein 
hartes und schreckliches Ende war, welches die Frau ge- 
nommen, ob man gleich voraussehn konnte, dass es über 
kurz oder lang so kommen musste. Das Detail weiss G. 
selber schwerlich so wie wir, und zu seinem Glücke bleibe 
es ihm ferner verhüllt. Bei seiner Art zu sein und zu leben 
wird er sie nur zu oft vermissen. Ob er gleich gefasst er- 
scheint und von allem Andern spricht, so überfällt ihn doch 
mitten unter Anderm der Schmerz, dessen Thränen er um- 
sonst zurückzudrängen strebt. Die Einsamkeit wird immer 
grösser werden, sobald der Sohn erst wieder seinen Geschäften 
und Vergnügungen nachgeht. Denn ausser Meyern und mir 
sieht er nur wenige und selten; und wir können gerade in 
den einsamsten Stunden am wenigsten um ihn sein. Auch 
wird die ökonomische Gesinnung des Sohnes ziemlich Alles 
von ihm entfernen, was ihn zerstreuen und aufheitern könnte. 
Ein Aufenthalt in Jena und dann eine Reise nach Töplitz 
wird also wohl das Beste und Wirksamste sein, um sein 
unschätzbares Leben uns länger zu fristen. 

Weimar 26 Dez. 181 8 
Die sorg und drangvollen Tage sind glücklich vorüber, 
und ich benutze die Ruhe des Festes, mich über Manches 
gegen Sie auszusprechen. Von Goethes INIaskenzug, ' der un- 
streitig das Imposanteste geworden sein würde, wenn der 
Verfasser nicht die Probe gescheut, und zuvörderst die Theil- 
nehmer durch ein Programm vorher von seiner Idee hätte 



^ Maskenzus; zu Ehren der Kaiserin von Russland. 



140 



Neue Mittheiluxgex. 



unterrichten, auch in der Ordnung des Aufzuges dem sach- 
verständigen Rathe Coudray's hätte folgen wollen. Die Verse 
haben nur sehr wenige gehört, noch wenigere verstanden, 
und weder vom Ganzen noch vom Einzelnen ist ein Bild 
übrig geblieben, weil nirgends ein Bild erschien. Das Ganze 
hatte etwas von einem Hasentreiben. Die Gruppen con- 
centrirten sich immer mehr und wurden vor den hohen 
Herrschaften durch die Tragödie und das Epos abgefangen. 
Erst hinterher sind mir in einem freundscliaftlichen C'irkel die 
einzelnen Verse, zum Theil jedoch nur, bekannt geworden, 
und mein Urtheil ist dieses, dass das Ganze etwas bunt- 
schäckig, das Erhabenste und Tiefste neben dem Plattesten 
und Unbedeutendsten Platz findet, und letzteres nicht einmal 
durch einen geglätteten Ausdruck ausgeglichen wird. Das 
Programm ist sehr steif und verspricht hin und wieder mehr 
als wirklich geleistet worden. Von 500 Exemplaren, die 
oben ausgetheilt worden sein sollen, ist keins an mich, und 
ebenso wenig an die übrigen Mitglieder gekommen. Auf 
alle Nachfragen und Bitten erhielt ich obigen Bescheid, und 
ich musste mir von Vulpius eins borgen. Es hat mit dem 
Ganzen eine eigene Bewandtniss, die ich Ihnen wohl ge- 
legentlich aufklären kann. Die Verse übrigens sollen erst 
zu Ostern erscheinen, weil G. wie es heisst, noch hinzu 
setzen und verbessern wolle. Schade dass die Lektüre und 
Effekt nicht zusammentreffen! Was er über Wieland und 
Herder sagen lässt, ist sehr schön, ebenso auch der Epilog. 
Auch wohl noch hie und da einzelnes. Was Tragödie und 
Epos sagte, weiss ich nicht alles. Soviel ich von Andern 
vernommen, ist das Ganze doch zu reflexiv und nicht immer 
klar. — Doch ich kehre vor fremder Thür, werden Sie 
sagen; Wohl! Da aber seine Dichtung die imposanteste sein 
sollte und in gewisser Hinsicht auch gewesen ist, so ist es 
natürlich, dass ich darüber spreche, indem ich über meine 
Sachen kein reines Urtheil habe. Uebrigens hätte ich wohl 
verdient, wenn G. mich nicht das Ganze lesen lassen wollte, 
ich wenigstens wie mancher Andere, der weniger von der 
Sache versteht, bei der Leseprobe zugegen gewesen wäre. 
Wir haben die Rollen, die er uns zuertheilt, ohne Wider- 
spruch angenommen, ihn in der ganzen Zeit mit keiner Frage 
noch Ueberlauf behelligt. Es hat mir und meiner Frau 
Geld genug, ja mehr als billig gekostet; der Sohn hat meine 
Verse gesprochen ; ihm habe ich die Handschrift meiner 
Anreden mitgetheilt, kurz ich habe Nichts versäumt, ein 
Verhältniss , das sich wieder einleiten wollte , zart und 
schonend zu behandeln — und nun habe ich nicht einmal 
das Vergnügen zu wissen, was denn eigentlich gesprochen 
und dargestellt worden. Versteht es einer hier zu beurtheilen 



MiTTHEILUXGEN VON' ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE. I4I 

in ästhetischer und sprachverständiger Hinsicht, so bin ich 
es ; und in Hinsicht auf Gedanken und Urtheile habe ich in 
dem bisherigen Nichts entdeckt, das mir fremd und un- 
erreichbar gewesen wäre. Woher und wozu also diese 
Zurückgezogenheit und VerheimHchung! Ich gestehe, dass 
mich dieses einigermassen um die angenehme Erinnerung 
der schönen Tage bringen könnte, indem es mir den Genuss 
derselben trübt. 

Die Kaiserin hat persönlich mir das angenehmste und 
schmeichelhafteste zu erkennen gegeben, und ein nicht un- 
bedeutender Brillantring wurde mir vom Fürsten Narischky 
in ihrem Namen überreicht. Die Hoheit erhöhte noch den 
Werth durch eine goldene Dose, die sie mir mit den Ausdrücken 
der aufrichtigsten Huld und Gnade überreichen Hess, wie sie 
sich denn auch während der ganzen Zeit in der liebens- 
würdigsten Herablassung zeigte .... — 

Weimar 17 Febr. i8ig. 

.... zu den erfreulichen Dingen melde ich Ihnen, dass 
ich schon mehrere Abende bei Goethe gewesen bin, und 
das alte gute Verhältniss wieder angeknüpft ist. Ich glaube, 
dass Ihnen dies lieb sein wird, zu vernehmen. 

\^'eimar 28 Juli 181 9. 

.... Goethe habe ich seit seinem Hiersein noch nicht 
wieder gesehen. Ich wusste anfangs Nichts davon, und diese 
Woche hat sichs noch nicht machen wollen, dass ich hin 
ging. Ich komme ausser meinem Morgengange und in die 
Schule nirgends hin ; es ist auch Niemand hier, und Stadt 
und Gegend sind mir längst zuwider. Er ist der Einzige, 
um den es sich noch der Mühe verlohnt, hier auszuharren. 



Zelter an Heijirich Voss d. y. ' 

Berlin 25. Mai 1805. 
Ich danke Ihnen, edler Freund, für die Mittheilung Ihrer 
sehr interessanten Nachrichten und bitte Sie recht sehr darin 
fortzufahren und mir ja genau und sicher zu schreiben, wie 
es mit d. Geh. R. v. Goethe ist. Ich zittre wenn ich daran 
denke. Wie schmerzhaft mir Schillers Tod ist, davon schweige 
ich, ich habe es selber nicht gewusst, wie ich ihn liebte. 

' Dieser und die folgenden Briefe an H, Voss d. j. behnden 
sich im Voss-Archiv der Eutiner Gymnasialbibliothek. Mitgetheilt von 
Eugen Wolff. 

Heinrich Voss wirkte 1804 — 6 als Professor am Gvmnasium in 
Weimar, mit Goethes Protection beehrt; vgl. ausser seinen Briefen 
Herbst: J. H. Voss II, 2, S. 20 i. Zahlreiche Freunde erkundigen sich 
bei ihm nach Goethes und Schillers Krankheit, s. namentlich »Zeit- 
genossen« 2. Bd. IX, g4 ff. Er übersetzte damals »Lear« und »Othello« 
(erschienen Jena if 



1^.2 Neue Mittheilukgen. 

Schreiben Sie mir ein Mehreres über seine Angelegenheiten, 
ich werde es dankbar aufnehmen. . . . 

Haben Sie denn über der Unruhe mit Goethe auch wohl 
die Composition Ihres Liedes zum Othello erhalten ? ich 
hatte es in einen Brief an Goethe eingelegt, der mir seit 
29 Januar keine Zeile geschrieben hat. 



Rieinei- an Heinrich Voss d. j. 

Weimar 8. Mai 1807. 

. . . Goethe hatte vor kurzem wieder einen Anfall von 
seinem alten Übel. Das bestimmt ihn diesmal zeitiger nach 
Carlsbad zu gehen . . . 

Der Tod der Herzogin Mutter hat nicht blos äusserliche 
Trauer, sondern wirklich innere verursacht. Sie belebte noch 
immer den Cirkel von Freunden, der sie umgab, und war 
in mehr als einem Sinne für litterarischen Verkehr sowohl 
als artistischen erweckend . . . 

Goethe grüsst Dich schönstens, so auch sie und August. 

Weimar 25. April 1808, 

[Hoffnung auf lebhafteren Briefwechsel] da August in 
der Nähe ist, ' den ich Deiner freundlichen Theilnahme und 
Berathung auch von meinem Theile empfehle, wie es Goethe 
bereits gethan hat. 

Wir gehen in etwa 14 Tagen nach C'arlsbad . . . Werner 
las bei seinem Hiersein viele Sonette vor, die Du zum Theil 
kennen wirst, mystische, heilige, geniale und drollige. Und 
nun war es eine Art von Reaction von meiner Seite, dass 
ich närrische machte. 

• . . Von Goethe soll ich Dich schönstens grüssen. Er 
ist zwar gegenwärtig in Jena, hat aber diese Bestellung 
zurückgelassen . . . 

Wenn ich Zeit gewinne, lege ich einen Brief an August bei. 



Reinbeck an Johanna Schopenhauer.'^ 

Stuttgart 16 Dez 1809 
Dass wir hier des grossen Göthe neuestes Geschenk, die 
Wahlverwandschaften, mit unbeschreiblichem Vergnügen ge- 
nossen und bewundert haben, können Sie leicht glauben und 



' August Goethe studirt Frühjahr 1808 bis Herbst 9 in Heidelberg. 
Über seine Beziehungen zum Vossischen Hause belehren die Briefe 
im Goethe -Jahrbuch' V, 38 ff. und X, i ff. Über Werners Eindruck 
auf Goethe s. bes. Briefe an Jacobi S. 259 und 242 ff. Ein Briet 
Riemers an August ist thatsächlich beigelegt; er steht G.-J. X, 4 f. 

^ Mitgetheilt von F. Lamey. Das »Bruchstück« ist »die pilgernde 
Thörin«. — Dieser und der folgende Brief aus der Bd. X, S. 95 A. i. 
erwähnten Handschriftensammluns:. 



MiTTHEILCNGEN VOK ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE. I43 

hier giebt es fast nur eine Stimme darüber. — Welch eine 
Gabe des reichen Genius! — Und wir haben deren noch 
mehrere — gebe der Himmel noch recht viele! — • zu 
erwarten — Wenigstens ist unter uns die frohe Kunde davon 
erschollen. — Welch einen Vorgeschmack gibt uns nicht 
das göttliche Bruchstück im Damenkalender! — Wenn man 
so etwas liest, möchte man gleich verschwören, jemals wieder 
eine Feder anzusetzen, und ist man damit zu Ende, so ist 
es einem wieder, als ob man sich in sich neue Quellen 
eröfnen fühlte. — So oft ich Göthe lese, ist es für mich 
eine Stahlkur. — 



Elisa V. d. Recke an Johanna Schopenhaiier} 

Carlsbad, d: 3 July 
1816. 
Mit schmerzhafter Rührung, liebe Theure, habe ich Ihre 
Darstellung, der traurigen A^erlassenheit, der guten Göthe, in 
ihrem schreckhaften Todeskampfe, gelesen. Wahrlich! Diese 
gutmüthige Frau, hätte es wohl verdient dass danckbare 
Herzen ihren letzten bittern Kampf erleichtert, und die unter 
furchtbaren Krämpfen, Sterbende nicht verlassen hätten. Im 
Leben That sie vielen wohl! und aus meiner Erfahrung weiss 
ich es, dass das Bewusstseyn uns bey heftigen Krämpfen, und 

Todesähnlichen Erstarrungen bleibt Der furchtbare 

Tod der noch im Grabe verfolgten Göthe hat mich schmerzhaft 
erschüttert ! — Sie haben Recht, theure Frau ! Die im Leben 
auf einer Seite so glückliche — im Sterben aber höchst un- 
glückliche Göthe hatte doch viele gute Seiten ! Warum richten 
die Menschen denn immer ihre Blicke nur auf die Fehler der 
andern, statt diese nur stille für sich als Warnungen zu be- 
trachten die uns vor Fehler schützen ? — U'odurch die Ver- 
storbene sich mir empfohlen hat; ist, dass ich sie nie von 
andern böses sprechen hörte; auch war ihre Unterhaltung, 
so weit ich sie kannte, immer so, dass ich mir es wohl er- 
klären konnte, dass ihr anspruchsloser heller ganz nathürlicher 
Verstand Interesse für unsern Göthe haben konnte, der mir 
seine Frau mit diesen Worten vorstellte, — )ilch empfehle 
Ihnen meine Frau mit dem Zeugnisse, dass, seit sie ihren 
ersten Schritt in mein Hauss that, ich ihr nur Freuden zu 
danken habe.« — Die Frau, welche von ihrem Gatten ein 
solches Zeugniss erhält, über deren Fehler werden alle Die- 
jenigen, welche den Gatten schätzen einen Schleier zu werfen 
suchen. Wir, liebe Theure ! wir wollen immer der guten 
Seiten der Verstorbenen gedenken, und ihre Schwächen in 
Vergessenheit zu bringen uns bemühen ! — \\'ann Sie Ge- 

' Mitgetheilt von F. Lamey. 



I^^ Neue Mittheiluxgen. 



leeenlieit dazu finden so versichern Sie unseren Göthe auch 
meiner Theihiame. 



Klinger an ' 

S. Petersb. 9. Febr. 1822. 

Was Sie mir von Goethe und den Insecten- 

stichen gegen ihn schreiben, war mir schon bekandt ge- 
worden, und Ihre Ansicht der Sache macht Ihrem Herzen 
und Ihrem Verstände gleiche Ehre. Er wird stehen bleiben 
und bleiben was er ist, in der Gegenwart und der Zukunft, 
und diese Phantasie nicht von Geistern sondern von Irwi- 
schen Welt wird verschwinden. Man sagt dass Einer dieser 
neuen Phantasie Welt, dem es vermuthlich an Kraft etwas 
hervorzubringen, fehlt, mit Geist gegen ihn geschrieben habe, 
wenn es eben dieselbe ist, der den 3t. Thl. gegeben hat, 
den ich durchblättert habe, so hat er in eben diesem Thle 
den Stachel selbst vernichtet, der in den 2 ersten wirken 
soll; denn dieser 3t. Thl. (unter einem andern Titel) zeigt 
einen beschränkten Wicht, aus der neuen Schule, Ich hoffe 
Goethe wird der Angreifer lachen, und es bereuen hin und 
wieder, durch eins und das andre, dieser verzerrten Schule, 
Veranlassung gegeben zu haben, zu glauben er selbst liebe 
dergleichen Bildnerey. 



Marianne von Uillcnier an Fr. Froniniann.^ 

Frankf 30. Nov. 1830. 
[Trostworte über den Tod der Frau Johanna Frommann.] 
Dieser traurigen Nachricht sollte bald eine zweite folgen, 
als ich in den Zeitungen Augusts Todesanzeige las ; mit Be- 
stürzung und Betrübniss dachte ich an den armen Vater und 
welchen Eindruck es auf ihn machen würde, als ich gestern 
einen Brief von ihm erhielt, der vom 9. Nov. datirt beweist, 
dass er noch keine Ahnung von seinem Verlust hat, aber 
doch mehr als gewöhnlich von seinem Sohn spricht, unter 
Anderem die unter diesen Umständen erschütternden Worte : 
»Mein Sohn hat auf eine eisrne Weise mit Heil und Unheil 



' Mitgetheilt von L. Geiger. Original im Besitze des Herrn 
Alexander Meyer Cohn, der den Abdruck in bekannter Liberalität ge- 
stattet hat. 

^ Mitgetheilt von H. Frommann. [Der Brief bildet eine gute 
Ergänzung zu dem Briefwechsel zwischen Goethe und Marianne 
S. 291 ff. Doch muss das Datum unseres Briefes falsch sein, viel- 
leicht 13.N0V. ; das hier angekündigte Schreiben ist vom 18. Nov., die 
genaueren Miltheilungen von Alwine Frommann am 16. Die ange- 
führte Stelle Goethes vom 9. Nov. lautet im Druck S. 290 nicht ganz 
so ; nach »vollbracht« heisst es vielmehr : »von da er nun wohl sachte 
zurückkehren wird.« L. G.] 



MiTTHElLUKGEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE. IJC 

seine Reise nach Rom vollbracht, wenn er zuletzt glücklich 
nach Hause gelangt, soll er mir willkommen seyn« Sie 
können sich denken wie peinlich uns zu Muthe war ich 
weiss nun wirklich nicht, was ich thun soll: mit der mon- 
tagigen Post schicke ich einiges von Goethe Verlangte nach 
Weimar, wage aber nicht den Brief zu beantworten," weil ich 
nicht weiss, ob und wie ihm der Tod Augusts beigebracht 
wurde, wenn Sie etwas erfahren, so würden Sie mich sehr 
verbinden, lieber Herr F., wenn Sie mich davon benachrich- 
tigen wollten. . . . 



Brinckmajiti an ? u \pi._ jS^j.' 

Nein, mein Lieber, die güldne Bulle hilft mir nunmehr 
ebensowenig wie dem Deutschen Reiche. Der Herr von 
Olenschlager, welcher geb. 17 ii gest. 1778 die Erläuterungen 
über das alte Reichsgesetz geschrieben kann nicht der 
mütterliche Grossvater des seligen Apollos gewesen sein 
wie Sie selber einsehen werden aus dem beifolgenden dritten 
Iheil aus meinem Leben Seite 273, 274, und es bleibt immer 
merkwürdig, dass in dem ganzen Werke- dieser mütterliche 
Ahn nirgends mit Namen aufgeführt wird. Auch war der 
Bullenbeisser nur Schöfif nicht Schultheiss wie Goethes Gross- 
vater. Der alte Herr wird mich wohl also einen Brief kosten 
an den allwissenden Böttiger in Dresden, der mir wohl ehe- 
dem^ aergleichen Zweifel gelöst hat. Hiebei folgt mit vielem 
Dante der 50. Theil von Goethe zurück; dagegen erbitte 
ich mir den zweiten Theil des Faust, den Sie wahrscheinlich 
bei der Hand haben. Zugleich würden Sie mich sehr ver- 
binden durch Wiederleihung von Nicolovius über Goethe. 

13- Juni 1S34. 
Mit herzlichem Dank kommen die beiden Goetheana 
zurück. Mich haben beide Schriften angezogen und belehrt. 
Die Briefe Lavaters sind ein sehr wichtiger Beitrag zur 
näheren Kenntniss des grossen Mannes, denn das soll er 
bleiben, so lange die Lumpenjungen dieser überklugen Zeit 
noch nicht alle geistige Grösse in den Koth |etreten. 

H. i-i^^Kr%'"^^ dieses und des folgenden Briefes befindet sich in 
der Riksbibhothek in Stockholm und zwar in einem Bande der Brief- 
sammlung Bs, der hauptsächlich Briefe an einen schwedischen Redacteur 
und an ein Fraulem später Frau von Pollett enthält. Ich verdanke es 
der Liebenswürdigkeit des Herrn Bibliothekars Dr. Wiesel^räd dass 
ich die Briefe bei einem kurzen Aufenthalte in Stockholm (^ept'iSSo) 
copiren durfte und sage für die freundlich ertheiltc Erlaubniss auch 
an dieser Stelle meinen Dank. 

Goethe-Jährelch XIII. 



1^.6 Neue Mittheilungen. 



Freilich könnte auch aus diesen Briefen die gute Hälfte 
ungedruckt geblieben sein, aber was wir uns nicht nehmen 
lassen möchten, ist um so köstlicher und gediegener. Es 
bestätigt mir manches, was ich längst schon erahndet und 
geglaubt hatte und mir, wie ich nun finde, richtig abgezogen 
hatte aus Goethes öffentlichen Schriften. Das Mitlesen des 
Meisten unter den Zeilen ist doch eine gar nützliche Sache. 
Das Büchlein betrachtet und zeichnet G. überall aus einem 
schiefen Gesichtspunkte auch wo es Wahrheit, nicht zu ver- 
läugnende Wahrheit entwickelt. Es wird vorzüglich eine 
Saite sehr hart angeschlagen, die in meinem Innern längst, 
wenn auch leiser geschwillt hat: diese untheilnehrnende 
Selbstgenügsamkeit von den Epikurs Göttern. Verglichen 
mit andern Herrlichen der Vor- und Mitwelt, vor allem mit 
dem von ihm selbst gefeierten Spinoza, war G. gemUthlos. 
Ueberhaupt war es keineswegs Spinozas Persönlichkeit sondern 
die folgerechte Naturnothwendigkeit seines Lehrgebäudes, was 
Goethe anzog, weil es ihn zu berechtigen schien die Welt 
und die Menschen als blosse Naturerzeugnisse anzusehen 
und zu behandeln. Seine kalte Behandlung der Einzelnen 
ging doch eher vom Denker als vom Menschen aus aber 
der erstere war auch der mächtigere in ihm — eine Heirath 
mit dem Gefühl war ihm unbequem, aber seine Hure, die 
Sinnlichkeit, bereicherte der stolze Genius fürstlich und 
grossmüthig. 

In dem Büchlein ist dies auch schief und etwas platt 
aufgefasst. Einzelne Witzworte, Einfälle des Augenblicks, 
Unarten der Laune, wodurch dies alles beurkundet werden 
soll, beweisen durchaus nichts. Was Diderot irgendwo mot 
de Situation nennt, nach welchen die Gesinnungen keines 
vorzüglichen Menschen beurtheilt werden dürfen, findet auch 
hier die vortrefflichste Anwendung. 

Und dann, welche Kunstrichterei, Goethe soll kein Genie 
sein! ein blosses Talent! was ist denn der grosse Verfasser 
des Ryno ? und neun Zehntheile aller Dichter seit der Sünd- 
fluth ? Und das, weil er hie und da einen altern Stoff be- 
arbeitet. Ist ein Gott ein blosses Talent, wenn er aus dem 
Chaos eine Welt gestaltete? was that Homer? Und nun die 
Beurtheilung von Goethes lyrischen Gedichten, die ihn ganz 
allein unsterblich gemacht hätten. Dagegen ist der Einleitungs- 
gesang zum Büchlein ganz herrlich und vortrefflich. Ich habe 
ihn mehrmals gelesen und er verdient auswendig gelernt zu 
werden. Wer mag der Verfasser sein? 



IL Abhandlungen. 



10' 



Goethe und Barbara Schulthess. 



Von 

Bernhard Suphan. 




jn Goethes Freundin in Zürich, Barbara (Bäbe) 
Schuhhess, sind wir in den letzten Jahren mehr- 

mals freundhch erinnert worden. Ein Bild von ihr 

schmückte das »Neujahrsblatt der Züricher Stadtbibliothek 
auf das Jahr 1888«, worin Ludwig Hir:^el als gründlicher 
Kenner litterarischer und heimathlicher Zustände «Goethes 
Beziehungen zu Zürich und zu Bewohnern der Stadt und 
Landschaft Zürich« lehrreich dargestelh hat. Durch Hirzels 
Mittheilungen, besonders aber auch durch jenes Bild_ der 
trefflichen Frau mit den sinnig ernsten, anmuthig kräftigen 
Zügen fühlte sich ein Landsmann Bäbes, Friedrich Bcriheau,' 
dazu angeregt, ihr Ebenbild in einer der späteren Dichtungen 
Goethes aufzuweisen — er glaubte es in der Gestalt der 
Frau Susanna, der «Schönen -Guten« in den »Wander- 
jahren« gefunden zu haben — ein Versuch, der auch für 
den nicht Ueberzeugten Ansprechendes genug behält, 

' Goethe und seine Beziehungen zur schweizerischen BaumwoII- 
Industrie. Nebst dem Nachweis, dass unter Frau Susanna, der 
Fabrikantenfrau in Wilh. Meisters W.-J., Frau Barbara Schulthess von 
Zürich zu verstehen ist. Wetzikon 1888. Das Schriftchen ist dem 
Schweizer Spinner-, Zwirner- und Weber -Verein gewidmet. Dieser 
Verein hat auf Bertheaus, seines Aktuars, Antrag eine marmorne 
Gedenktafel an dem Hause in Rapperswyl anbringen lassen, wo 
Goethe 1797 gewohnt hat. 



ijO Abhandlungen. 



und dem man ja damit nichts anhaben kann, dass man 
den sonderbaren Einfall belächelt, in dem Neben -Namen 
Susannas, Nachodine, verberge sich Barbaras Familien- 
name. Wer will es einem tüchtigen Geschäftsmanne, der 
seine Erholung bei Goethe sucht, und darüber gar zum 
Goetheforscher wird, verdenken, dass er sich auf das 
philologische Aufzwirnen eines Namens nicht recht ver- 
steht. Für das Sachliche hat Bertheau einen sicheren 
Blick und eine glückliche Hand. Den Nachweis, dass es 
die Zustände und Eigenheiten des Schweizer Gewerks 
sind, die Goethe in der so anschaulichen Beschreibung 
der Spinner- und Webertechnik im dritten Buche der 
Wanderjahre (Kapitel 5 und 13), wiedergiebt, diesen Nach- 
weis hat Bertheau überzeuo;end geführt. Es wird ihm und 
den Goethefreunden zumal in der Schweiz erfreulich sein 
zu erfahren, dass auch diese Beschreibung selbst im eigent- 
lichsten Sinne Schweizer Technik ist. In Goethes Nach- 
lass habe ich unlängst die umfassende Aufzeichnung 
aufgefunden, die Heinrich Meyer, der Kunstfreund und 
Reisefreund von 1797, für Goethe, als er jene Kapitel 
entwarf, hergestellt hat. ' Nur die künstlerische Ver- 
theilung dieser zum grossen Theil wörtlich benutzten 
Aufzeichnungen gehört dem Dichter. Wer hat nicht mit 
Entzücken die leSendig bewegte Schilderung gelesen, wie 
die Marktleute, von den Ihrigen erwartet, des Abends 
auf dem See heimwärts fahren, ^ wer hätte nicht laut oder 
leise gesagt: so kann nur Goethe sehen, so nur Er seinen 
Leser" sehen lassen. Aber das Lob gebührt dieses Mal 
einem Andern. Die ganze Stelle, fast zwei Seiten in der 
Ausgabe letzter Hand (23, 172 i^,"^ liegt in Meyers Concept 
vor. Ein einzig Wörtchen hat Goethe hinzugethan, ein 
»kaum« — das den Zauber dieser Schilderung erhöht: 

»wenn dann der Mond aufgeht und seinen Schimmer 

über die kaum bewegte Fläche streut«. Es steckt doch 
mehr in dem Manne, als man insgemein zugesteht und 
Goethe hat wohl gewusst, was er an ihm besass. — 
Nächst den landsmännischen Publicationen von Hirzel 
und Bertheau ist nun noch die jüngst erschienene ange- 
nehme Schrift von /. Her^^felder »Goethe in der Schweiz« 
zu nennen (Leipzig, Hirzel 1891). Bäbe, die Immergleiche 
— kein schönerer Name kann für sie gefunden werden 



' io]4 Folio-Halbseiten. Neben der Beschreibung die Zeichnungen 
»die wir leider nicht mitgeben können« (Werlce 23,52). Vgl. Goetnes 
Tagebücher (Werke, Dritte Abtheilung) 4, 379 fg. zu 115,1. 

^ »Aber nicht allein — tragen zu helfen«. 23, 172, 178. Werke 
Hempel 18, 382 fg. 



Goethe und Barbara Schulthess. 15 1 



als dieser, den Lavater ihr in guter Stunde beigelegt hat' 
— erhält auch in diesem Buche einen Ehrenplatz unter 
den helvetischen Freunden. (S. 34 fgg. u. a.) 

An das Goethe-Archiv und dessen verborgene Schätze 
haben sich gelegentlich dieser Publicationen mancherlei 
Erwartungen geheftet. Hirzel wiederholt (S. 10) die Klage 
darüber, dass Bäbe zwei Jahre vor ihrem 18 18 erfolgten 
Tode sämmtliche Briefe Goethes, die in ihrer Hand ge- 
wesen, vernichtet habe. »Für die verbrannten Briefe des 
Dichters müssen nun die in Weimar erhaltenen Briefe 
Bäbes als Ersatz« — wäre das möglich? — »dienen.« Und 
Bertheau schliesst, indem er jene köstliche Stelle anführt, 
die das leidenschaftslos innige Verhalten Susannas zu 
Lenardo, dies »reinste Wohlwollen« ausdrückt (23, 215 fg.)^ 
mit folgenden Sätzen : »Diese Stelle macht ganz den Ein- 
druck, als sei sie ein Auszug aus einem Briefe der treff- 
lichen Frau an Goethe. Ob sich ein solcher im Goethe- 
Archiv wohl finden wird?« 

Das Archiv hat nun an dieser Stelle (S. 10 f.) alles ge- 
geben, was es besitzt. Ein einzelnes Stück, der älteste der 
erhaltenen Briefe Bäbes, ist den Mitgliedern der Goethe-Ge- 
sellschaft schon im fünften Theil ihrer »Schriften« (S. 8) mit- 
getheilt w orden : »Dein Brief, mein Lieber ! war wäeder einmahl 
gleich einem Besuch von höheren Wesen aufgenommen!« 
u. s. w. (Zürich, den 20 März 1788). Wer das Schicksal 
der älteren Goethischen Correspondenz kennt, wird sich 
nicht wundern, wenn er diesem Einen nur eine beschränkte 
Anzahl nachfolgen sieht. Vor dem Aufbruch zur Reise 
von 1797 ^^^ Goethe mit den Urkunden der früheren 
Epochen gründlich aufgeräumt und alle bis 1792 einge- 



' Erhalten ist uns das Wort in der kleinen Gediichtnissschrift, 
die Georg Gessner, Bäbes Tochtermann, bald nach ihrem Tode 
verfasst hat, »Denkmahl einer Edeln.« o. O. 181 8 (nicht 181 7, wie 
von alter Hand auf dem aus der Züricher Stadtbibliothek mir freund- 
lich dargeliehenen Exemplar steht) 23 S. 8°. Gessner nimmt die Worte 
auf, mit denen ein Freund Bäbes Charakter geschildert. »Bev etwas 
Ernstem, das in ihrem Charakter lag, und das für manchen, der sie 
nur oberflächlich, und nicht nach dem innei-n Grunde aus dem es floss, 
und gani kannte, etwas Zurückschreckendes hatte, war sie dennoch 
voll herzlicher Güte und wohlwollender Theilnahme, aber ohne Ziererev, 
die der untermischte Ernst verschlang; und wer durch diesen >Jebel 
durchdrang, der ward von ihrer heitern und warmen Sonne erquickt.« 
Er fügt S. 1 5 hinzu : »Diesen Charakter behielt sie immer, und be- 
wahrheitete bis an ihr Ende das Urtheil ihres Freundes Lavater, der 
sie oft die Immergleiche zu nennen pflegte.« Das beste Wort in dem 
ganzen Büchlein. 

^ »Aus ihrem Erwidern — Dankbarkeit übrig bleibe«, Kap. 14 
gegen Ende. Werke Hempel 28, 408. 



1^2 Abhandlungen. 



gangenen Briefe den Flammen überliefert. Nur was sich 
zufällig nicht bei der Briefmasse befand, ist verschont ge- 
blieben, so jener mit den Papieren aus Italien aufbewahrte 
Brief; sodann auch alle in die sogenannten Quartalhefte 
eingebundenen Stücke (vgl. Schriften der Goethe-Ge- 
sellschaft 4, 358). In solchen aktenmässig geführten Heften 
haben sich noch siebzehn Briefe von Bcäbe gefunden und, 
zu guter Letzt, das Concept eines Briefes von Goethe.' 

Wir besitzen also, ausser jenem einen von 1788, die 
zusammenhängende Reihe, die vom November 1792 bis 
zum November 1797 reicht. Jede Spur einer Fortsetzung 
der Correspondenz verschwindet von da ab in unsern 
Akten. Hat Goethe spätere Briefe Bäbes besonders auf- 
bewahrt (wie er es z. B. mit den letzten Jahrgängen der 
Briefe seiner Mutter hielt) und etwa diese Sammlung, auf 
Verlangen, zurückgegeben? Hat ein Verkehr über 1797 
hinaus nicht stattgefunden? Ich komme auf diese Frage 
in anderem Zusammenhans: zurück. 



Der letzten Phase des Verhältnisses gehören die uns 
erhaltenen Briefe ohne Zweifel an. Aber das Vergangene 
lebt in ihnen weiter. Bäbe bewährt sich als die Immer- 
gleiche in der Treue, mit der sie ihre Erinnerungen hegt 
und wahrt. Im Juni 1775 hat Goethe sie zuerst gesehen, 
sie gehörte zu Lavaters Kreise.^ Sie war damals noch 
nicht dreissig Jahre alt (geb. den 5 October 1745), Gattin 
des Kaufmanns David Schulthess im »Schönen Hof«, mit 
dem sie seit 1763 vermählt war. Lavater hat unter die 
Charakterbilder seiner »Lieben«, die er im Oktober 1775 
an Herder sendet, auch das ihre aufgenommen. »Frau 
Schulthess ist, kurz und gut, eine — Männin.' Sie spricht 
fast nichts und fühlt nur ohne Wortgepränge. Sie ist 
nicht schön und nicht fein gebildet. Nur stark und 
fest, ohne Grobheit. Sie ist streng und stolz — unausge- 
breitet, eine treffliche Frau, eine herrliche Mutter. Ihr 
Schweigen ist belehrende Kritik. Sie ist mir Warnerin 
und Stab . . . Sie ist mir nur durch Schweigen nützlich ; 
sie empfängt nur und gibt mir nicht — aus wahrer 
Demuth und — wahrem Stolz.« Eine acht Lavaterische 
Schaustellung, wahr und unwahr, im Zu- und (besonders !) 
im Absprechen »superlativisch«, auf gemachte Gegensätze 



' Nur ein Brief Bäbes (No. 5) war nicht eingeheftet. 
^ Düntzer »Freundesbilder« (1853) S. 40. 

' »Männin«, wie Eva, i Mos... 2, 23. Ich denke an Herders be- 
redte Auslegung des Wortes in der »Äkesten Urkunde«, Werke 7, 47 fgg. 



Goethe und Barbara Schulthess. 1 5 3 

hinausgespielt. Der Pliysiognomist hebt hervor, was sie 
von ihm, dem Gottesschwätzer, und von den himmels- 
durstigen Seelen unterschied, mit denen er sich besser ver- 
stand. Unter den Frauen, die sich zu ihm hielten, hatte 
Bäbe wohl den klarsten Verstand und sicher das tiefste 
Gemüth. Den Kern ihres Wesens hat er erkannt ; das ist, 
mit einem alten Worte gesagt, »die State«. Diesen Ein- 
druck muss Bäbe bei erster Begegnung auch auf Goethe 
gemacht haben. Er hat sich sogleich ein Herz zu ihr, der 
»Herzlichen« (so nennt er sie bald) gefasst. Er brauchte 
eine Beichtigerin damals, oder richtiger, noch eine andere 
ßeichtigerin als seine Schwester Cornelia, die ihm in 
schmerzlich mächtiger Zurede die Trennung von Lilli zur 
Pflicht gemacht hatte. Es liegt etwas von Cornelias Ernst 
aut Barbaras Stirn und in ihren Augen. Ganz war sie 
dazu geartet, in einem freien menschlichen Sinne das 
evangelische »Amt der Schlüssel« zu üben und die Seele 
zu lösen, die sich ihr zutraulich erschloss. »Warnerin und 
Stab«, Von der »Eise Türckheim« ist bald zwischen ihr und 
Goethe die Rede gewesen, sie hat um das Verlöbniss 
gewusst, und zwanzig Jahre später ist sie auch Lillis Ver- 
traute geworden! »Es war mir so wohl neben ihr, als 

wenn ich in deiner Iphigenie lese so wohl von dir 

mit ihr zu sprechen«. (No. 5.) 

Der Schweigsamen und Zuverlässigen hat Goethe in 
jenen Jahren der unmittelbaren »Confessionen« sich willig 
anvertraut. »Goethe hat der Frau Schulthess einen herr- 
lichen Briet über sein Wesen in Weimar — und das 
Getratsch« (die Ausstreuungen der Missgünstigen) »ge- 
schrieben«. Lavater an Zimmermann, 22. Juni 1776. Sie 
gehörte alsbald auch zu dem engsten Kreise, der sich 
an Goethes dichterischen Bekenntnissen erbaute, ja sie 
besass zeitweilig die »einzigen Abschriften«.' Durch 
Bäbe, die ihn zuerst erhielt, wurde den Züricher Freunden 
der älteste »Tasso« mitgetheilt, Juni und November 1781.^ 
Wenn Lavater seiner hastenden Vielgeschäftigkeit erliegen 
will, appellirt Goethe an die gemeinsame Freundin. »Lass 
mir doch durch Bäben wenigstens etwas ausführliches 
sagen« — (19. Februar 8r.) Und Bäbe macht getreulich 
den Secretär.' 



' Werke, Weimarer Ausgabe Vierte Abtheilung, 5, 56,22. 4, 280,7. 
329,23. Das Verzeichniss ihrer Sammlung (64 Nummern) hat v. Loeper 
veröffentlicht, Werke, i, 564 tgg. 

^ Goethes Werke, Vierte Abtheilung 5, 150,3. 216,18. 229,24. 

5 Goethes Werke, Vierte Abtheilung 4, 329,9. 5, 56,5. 6, 20,i4. 
Inhalt solcher aufgetragenen Briefe: 5, 55,7. 86,11. 89,10. 



154 Abhandlungen. 



Inzwischen aber war wiederum in der Nähe, in per- 
sönHchem Verkehr Neigung und Vertrauen ausgetauscht, 
und man war sich des gegenseitigen Werthes dabei noch 
inniger bewusst worden. Wie mit Lavater, so hat Goethe 
sich mit Bäben noch enger befreundet bei dem Besuche, 
den er im Spätjahr 1779 in Zürich machte, auf der 
Schweizerreise, die er mit seinem fürstlichen Freunde 
unternahm. Er hatte in Strassburg Lilli Schönemann als 
glückliche junge Mutter wiedergefunden, hatte das Grab 
seiner Schwester Cornelia in Emmendingen besucht. Den 
Tag des Wiedersehens hat Bäbe noch in späteren Jahren 
als einen Feiertag begegangen »den i9ten November, der 
dich zu mir brachte«. (No. 6.) Sie trat ihm als Witwe ent- 
gegen, ihr Gatte war 1778 gestorben. Goethe hat von 
dieser Begegnung seiner »vielgeliebten« Charlotte nichts 
mitgetheilt. Er schreibt ihr in den zwei Züricher Wochen 
zwei Mal von Lavater, wie sehr ihm sein Umgang wohl- 
thue, Barbara Schulthess aber erw'ähnt er nicht. Er wusste 
es wohl, Frau von Stein »forderte ihn ganz für sich«. 
So galt es denn auch später, nachdem er ihr von der 
Schweizerin erzählt hatte, Regungen der Eifersucht zu 
beschwichtigen. Bäbe war drei Jahre jünger als Frau von 
Stein, und von der Zeit der ersten Bekanntschaft bestand 
zwischen ihr und Goethe das trauliche Du. Charlotte hat 
Einblick in die Correspondenz verlangt und erhalten. »Hier 
sind Lavaters und der Schulthess Briefe, mein Herz hat 
vor deinem nichts verborgen« (30. Mai 81). So legt ihr 
Goethe noch später (18. November) »eine Antwort an 
Bäbe Schulthess« vor. Wenn er sich in den nächsten 
Jahren meistens auf ein »Grus Bäben« in den Briefen 
an Lavater beschränkte, so mag die Nähe der Frau, der 
er sich ganz zu eigen gegeben, dabei mitgesprochen haben. 
Eine Entfernung aber, ein Erkalten ist nicht im mindesten 
eingetreten, und die Mittheilungen gehen wie in früheren 
Zeiten fort. Ueber Frankfurt, von Goethes Mutter, erhält 
Frau Bäbe die Tiefurter Journale und das vierte Buch 
Wilhelm Meisters (1783, Dezember)', Und während 
Goethe sich von Lavater und seinem übersinnlichen 
Wesen und Treiben innerlich immer mehr abkehrt, 
rechnet er darauf, dass die Freundin sich das Ver- 



' Werke IV, 6, 225. Unter den »Postsendungen« der Goethe- 
schen Ausgabe-Bücher ist vorn 15. Juni 1781 bis zum 20. April 1785 
keine an »Madame Schulthess« aufi^eführt. Aber die Postnotizen sind 
in diesen Jahren überhaupt dürftig. Ein Brief von Mitte November 81 
wird nachgewiesen durch IV, 5, 2i6,i,s; ebenso fehlt in den Rechnungs- 
büchern der vom 4. Dec. 85, der sich aus IV, 7, 137,7 ergiebt. Jene 
verzeichnen in 1785 bloss einen Brief, 20. April. 



Goethe und Barbara Schulthess. 155 

stänJniss für seine Welt wahre. Nun wird jeweilig 
Kavser, der musikalische Freund und Landsmann, zum 
Uebermittler der Grüsse: er componirte jetzt »Scherz, List 
und Rache«, wie er vormals für das »Christliche Magazin«, 
das Organ des Lavater'schen Kreises, »Der Du von dem 
Himmel bist« in Töne gesetzt hatte. Er, der »haltlose 
Freund«, damals, zu Zeiten wenigstens, noch hoffnungsvoll 
in seinem Schaffen, war in Bähes Hause wohl gelitten, er 
leitete die musikalische Bildung ihrer heranwachsenden 
Töchter. »Weis Frau Schulthess etwas von unserm Unter- 
nehmen?« fragt Goethe bei Kayser an, den 4. December 85, 
und nachdem es ihm bestätigt worden, erwidert er: »JMich 
vergnügt sehr dass Sie Frau Schulthess wie sie mir schreibt 
Theil an unserm Wercke nehmen lassen. Ich habe es 
heimlich gewünscht doch sagte ich nichts davon weil ich 
Ihr Verhältniss zu ihr nicht kannte. Grusen sie die liebe 
Frau, sie wird ein Briefgen vom 4. December von mir 
erhalten haben«. (Werke IV, 137,7. 148,6.) 

Mit der italienischen Reise tritt ein Aufschwung des 
brieflichen Verkehrs ein. Er beginnt schon in der Zeit 
der Vorbereitung und Erwartung. Den fünf Briefen des 
Jahres 1786 reihen sich, nach den Post- und Tagebuchs- 
vermerken, acht aus 1787, sechzehn aus 17S8 an'; diese 
und die sieben aus 1789 beweisen, dass auch nach der 
Heimkehr der Faden eifrig weitergesponnen wurde. Wäre 
das Klagen nicht müssig — der Verlust dieser Zeugnisse 
lässt sich am wenigsten verschmerzen. Wir haben nur 
den einen Brief Bäbes vom 20. März. Welche entgegen- 
wallende Freude darin, welch ein herzig traulicher Ton, 
bis zum schalkhaften Scherz »und — sollte das Weibchen 
umsonst so lang schon sich zersinnet haben, wie sie gefällig 
genug vor dir erscheinen wolle ! Das kann nicht seyn !« 
Und daneben gleich der sittliche Ernst in der Entrüstung 
über die verführerisch gleissenden Schönheiten von 
Heinses Roman. 

»Sollten die Träume, die wachend und schlafend so 
oft diese viele Monate durch dich hinüber gezaubert haben 
— Träume bleiben — ich mag nichts als hoffen !« Der 
Hüffnungstraum verwirklichte sich in — Constanz. Nomen 
omen. »Wir gedenken über Chiavenna und Chur zu gehen« 
schreibt Goethe auf der Heimreise begriffen, von Mailand 
an Carl August, 23. Mai 88 — und dann ein wenig seitwärts 



' Wenigstens ein Brief, der nicht notirt ist, fällt in den April 
oder Mai 88. 



156 Abhandlungen. 



nach Constanz zu rücken. Dort wollen wir den 4 Juni . . . 
die gute Schulthess von Zürich antreffen, welche ich 
sprechen und begrüssen muss, ohne den Kreis des Propheten 
(Lavater) zu berühren«. Wir wissen nichts von diesen 
»Constanzer Tagen«, nichts weiter, als dass sie wie ein 
schönstes Glück in Bäbes Erinnerung fortlebten. (No. 6.) 
Ein grosses Vertrauen muss gegenseitig gewaltet haben 
und ein reines Einverständniss. Mehr noch als an jenem 
neunzehnten November konnte Bäbe, die treue Seele, 
dessen inne werden, wie viel sie dem Freunde gab, wie 
viel sie ihm war; damals hatte sie sich noch mit Lavater 
in seine Neigung getheilt, jetzt galt sie, die »Gute« ihm 
mehr, als Er, den Goethe einst »den besten, grössten, 
weisesten, innigsten aller Menschen« genannt hatte, »dessen 
Trefflichkeit kein Mund ausspreche«. Goethe aber mochte 
sich tragen, ob er einer gleich anspruchslosen Hingabe 
daheim bei der Frau begegnen werde, an die er jahrelang 
und bis jetzt so viel Liebe gewandt hatte. Und neben 
Bäbe stellte sich wohl, aus jüngster Erinnerung, das Bild 
der römischen Freundin, die ihm in gleicher Selbstlosigkeit 
zugethan war.' Aber Bäbes, der Hausfrau, kräftiges Gemüth 
war seinem Wesen mehr verwandt, als das zarte Seelchen 
Angelika's, der Künstlerin. 

4- 
Wir nähern uns der Zeit, wo die in Einer Folge er- 
haltenen Briefe Bäbes einsetzen. Sie hat den zweiten 
grossen Schmerz ihres Lebens erlitten durch den Verlust 
ihrer ältesten Tochter, die nach kurzer Ehe in's Grab ge- 
sunken war (1792); von diesem Schkige und von einem 
zweiten, der sie mit gleicher Schwere nach kaum zwei 
Jahren trifft (Nr. 4), erhebt sie sich kraft ihres frommen, 
schlicht gläubigen Gemüths. Ungeschwächt bleibt ihr An- 
theil an den Schicksalen ihrer Freunde und Lieben, ihre 
Theilnahme an den Leiden der Menscheit. Still ihren häus- 
lichen und geschäftlichen Pflichten hingegeben, beobachtet 
sie mit schmerzlicher Besorgniss den Gang jener fürchter- 
lichen Bewegung, die, von Westen vordringend, die 
Länder, auch ihre engere Heimath schliesslich ergreift. 
Sie begleitet in Gedanken den liebsten Freund, in dessen 
Lebensgang die Kriegsläufte mehr als ein Mal eingreifen^ 
häusliches Behagen und stilles Schaffen unterbrechend. 
Goethe hat in der Zwischezeit den Verkehr nicht stocken 
lassen^; die Stimme der Freundschaft, wie er sie aus 



' Schriften der Goethe-Gesellschaft 5, 15 fgg., Angelika's Briefe 
an Goethe. 

^ 1790 ergeben sich vier, 1791 drei Briefe aus den Verzeichnissen. 



Goethe und Barbara Schulthess. 157 

Bäbes Briefen vernahm, muss ihm in diesen Jahren doppelt 
wohhhuend erklungen sein. Denn mit der Trennung von 
Charlotte von Stein war das Seelenband gelöst, das ihn 
so lange und innig festgehalten hatte, und von dieser Seite 
war nun (man thut Christianen kein Unrecht, wenn man 
das ehrlich bekennt) sein Leben verarmt. Zwei Frauen 
aber hielten treu zu ihm: Frau Aja, die sich ihre Froh- 
natur auch in den Nöthen jener schlimmen Jahre wahrte, 
und die Freundin in der Schweiz, die ernstere, gesetzte. 
Und Bäbes Schriftzüge, denen der Mutter ähnUch, mochten 
ihn manchmal an diese selbst erinnern. 

Ganz in der Stille bereitete sich Goethe aut neue 
Wanderjahre, eine zweite Reise nach Italien vor. Mit dem 
Versprechen wiederzukommen, war er im April 1788 von 
den römischen Freunden geschieden. Um die Verwirk- 
lichung des Liebhngsplanes hat Bäbe früh o;ewusst, und 
sie knüpft daran sofort die Hoffnung des Wiedersehens 
(Nr. 5). Erst im zweitnächsten Sommer aber konnte 
Goethe die Reise antreten, die ihn nach Zürich und wenig 
darüber hinaus nach Stäfa führte, dem Geburtsorte Meyers, 
der dem Plane nach sein Genosse nach Italien sein sollte; 
nach elftägiger Alpenwanderung aber und einem noch- 
maligen Aufenthalt in Stäfa, ging es wieder zurück nach 
Zürich, und von da heimwärts. Es ist hier nicht der Ort 
zu erzählen, was der Leser von Goethes Werken aus den 
von Eckermann redigirten Akten dieser Reise kennt. 
Alles Persönliche wird in diesen Akten, soweit sie Tage- 
buchform haben, dürr und knapp abgethan. So auch, was 
uns hier zunächst interessirt. «Den 19 Sept. Gegen 6 Uhr 
[Abends] nach Zürch bey sehr schönem Wetter. Brief an 
Herrn Meyer abgeschickt. Zu Frau Schulthess. Bei Herrn 
Ott im Schwert eingekehrt.« — »Den 20. Sept. [Morgens] 
Ging ich bey schönem Wetter oberhalb der Stadt an den 
See. . . . [Nachmittags] Das Wetter war sehr trüb, dem 
ohngeachtet ging ich nach Tische ein wenig über die 
neuen Anlagen nach dem Schönehof spatzieren. Auf dem 
Rückweg begegnete ich den Kranich.' [»Der Kranich« 
Lavaters Spitzname. Goethe ist ihm aus dem Wege ge- 
gangen.] Gegen 4 Uhr kam Herr Meyer.« — »Den 21 Sept. 
Fuhren wir gegen 8 Uhr ab. Der Tag war heiter. Wir 
kehrten bey Herrn Escher auf seinem Gute bey Herrliberg 
zu Mittage ein und kamen Abends nach Stäfa.« — Am 



' Vgl. die »Kurze Nachricht von meiner Reise« (Briefwechsel 
mit Schiller i, 314): »Nachmittags veränderte sich das Wetter, Pro- 
fessor Meyer kam, und weil es regnete und stürmte, blieben wir die 
Nacht in Zürich.« 



158 AßHAKDLUNGEX. 



21. October Abends traf Goethe mit Meyer wieder in 
Zürich ein. Am 26. früh 8 Uhr reiste er ab. Das Tage- 
buch nennt in diesen Tagen den Kamen der Freundin nur 
einmal. »Abends bey Frau Schulthess« ist zum 23 October 
eingetragen. Fälschlich: die Einladung, der Goethe mit 
Meyer folgte, erging zum 22. Das ist eine Kleinigkeit, 
die sich nebenbei aus unsern Briefen (s. Nr. 14) ergiebt.' 

Wir wüssten aus diesen Tagen so gut wie nichts, 
w-enn uns nicht gerade die Briefe erhalten wären, die vom 
Schönen Hot in das Gasthaus zum Schwert, und über den 
See nach Stäfa gegangen sind, von Goethes Antworten 
aber wenigstens eine (Nr. 10). »Deshalb sind Briefe so 
viel werth, weil sie das Unmittelbare des Daseyns auf- 
bewahren.« (Goethe in der »Aristeia der Mutter«.) Diese 
Briefe geben uns einen Blick in das innerste Wesen des 
Verhältnisses, und sie lassen uns den Wendepunkt und 
Niedergang desselben erkennen, wenigstens ahnen. Erst 
durch sie gewinnen die kargen Notizen, die ich oben aus- 
geschrieben habe, einen Inhalt. 

Goethe ist am 19. September sogleich nach der An- 
kunft in den Schönen Plof gegangen. Er hatte sich nicht 
angemeldet. »Die Madame Schulthess im Schönehoft«, 
hatte ihm Meyer am 5. September aus Stäfa berichtet, »hat 
mir vor ein paar Tagen geschrieben und angefragt, ob 
Sie bald kämen. Sie habe vernommen, dass Sie in der 
Nähe seyen und freue sich dessen. Ich habe dieselbe 
letzthin nicht angetroffen, als ich in der Stadt war und 
sie besuchen wollte.« Bald nachdem Goethe gegangen, sendet 
Bäbe das Briefchen (No. 7), eine »Missstimmtheit« zu 
heben, die sie glaubt an ihm bemerkt zu haben. Ihre 
Bitte, sie vor der Abreise noch ein Mal zu besuchen, er- 
füllt er nicht, wiewohl er des schlimmen Wetters wegen 
(als ob es »das Schicksal« so gewollt hätte) eine Nacht 
länger, als im Plane lag, in der Stadt bleiben musste. Am 
Nachmittag des 20. ist er auf seinem Spaziergange dem 
Schönen Hof »so nahe« gewesen, und nicht zu ihr ge- 
kommen. Weshalb? Sie kann es selbst nicht begreifen. 
Ist ihm in Bäbes Wesen, beim Wiedersehen, etwas »Herz- 
liches« aufgefallen, wofür er keinen Sinn mehr hatte? 
Sie hat das »Nahe-Ferneseyn« schmerzlich empfunden. 
Ihre Briefe an Goethe hat sie mit einem Stein »esie^elt 



' Zu einem kleinen Nachtrag war am 22. und 23. Raum gelassen, 
und der erste Eintrag schliesst an beiden Stellen mit dem Worte ent- 
hält; so erklärt sich das Versehen des Schreibers. Die Zeilen »Nach 
Tische zu Chorherr Hottinger und Dr. Lavater. Abends bey Frau 
Schulthess«, II, 2, 188, 23 — 25, sind also an Zeile 19 ebenda anzufügen. 



Goethe und Barbara Schulthess. 159 

(es war wohl ein Geschenk des Freundes), in den zwei 
Köpfchen, Mann und Frau einander anbhckend^ geschnitten 
sind. In ihrer Hand war es das Symbol engster Zu- 
sammengehörigkeit. Die »Immergleiche« ist sie auch in 
allen diesen Briefen. An ihrer guten Meinung hat es nicht 
gelegen, wenn nicht alles »auf dem alten Flecke« war. 
Rührend ist es, wie sie nun Goethes warme Erwiederung 
aufnimmt. (Nr. 10. 11.) Er hat ihr dann noch ein Mal 
von der Reise »ein Blatt« geschickt im ersten Drittel des 
Oktober (die Antwort darauf ist Nr. 12) und einen längeren 
Brief, über den sich im Briefregister folgende gleichzeitige 
Angabe (von der Hand des Schreibers) findet: »13 October. 
Mad. Schulthess. Über epische Dichtung, kleines Gedicht 
von Üri«. Den Hauptinhalt also bildete wohl eine Mit- 
theilung über das epische Gedicht »Teil«, das sich damals 
in ihm gestalten wollte, und beigelegt waren die »Distichen«, 
die später die Überschrift »Schweizeralpe« erhielten, zu- 
nächst aber nur bezeichnet waren »Uri, den i October«. 
Schon vor der Abreise (scheint es) oder alsbald von 
Stäfa aus hatte er ihr, als ein Symbol, seiner Gesinnung, 
das Gedicht niitgetheilt, das in seiner treuherzigen Schlicht- 
heit ihr zu Herzen gehen musste. In ihren nächsten Briefen 
klingen bescheiden Laute des idvllischen Epos nach. 

Aber so redlich auch von seiner Seite das Bemühen 
und der Wunsch gewesen sein mag, das alte Freund- 
schaftsrecht walten zu lassen, es ist doch auch bei dem 
zweiten Wiedersehen, nach monatlichem Fernsein, nicht 
zur Geltung gekommen. Die Stunde, die rechte, nach der 
Bäbe sich sehnt (Nr. 13), sie kam auch dieses Mal nicht. 
»Es waren nicht Constanzer Tage.« (Nr. 16.) Die frühere 
rückhaltlose Offenheit hat sich nicht einfinden wollen, man 
hat sich nicht verstanden wie sonst. Sie beklagt es auch 
ihrerseits, dass ihr Gemüth beklommen, und es ihr ver- 
sagt gewesen, aus sich herauszugehen. 

Bäbe hat sich wohl nicht getäuscht in dem Gefühl, 
dass Goethe nicht mehr ganz derselbe sei. Es w^ar so. 
Goethes Wesen war, nachdem er sein Häusliches ganz 
nach seinem Geschmack und Bedürfniss eingerichtet hatte, 
mehr denn je auf eine gesunde Sinnlichkeit gestellt. Er 
hatte, indem er die Reise begann, seine Christiane und 
sein Söhnchen zur Mutter gebracht, und auf dieser ganzen 
Reise begleitete ihn Frau Ajas fröhUcher Geist. Des 
Zwanges entledigt, gab er sich, wenn es galt, ganz seiner 
jovialen Natur hin. Es sind uns aus dieser Zeit einige er- 
götzliche Geschichtchen aufbewahrt, die ganz den Stempel 
der Wahrheit tragen. Wie er am Tage der Fahrt nach 
Stäfa in dem gastlichen Hause des Freihauptmanns Escher 



l6o Abhandlukgen. 



einen grossen Saal betreten, in welchem sich eine Orgel 
befand, sofort ausgerufen »Hier muss man tanzen!« und, 
dem reigenführenden Apoll vergleichbar, durch den Raum 
im Tanzschritt gewandelt sei. Wie er dann, im Gasthaus 
zum Löwen in Stäfa, Freund Meyer und einem alten 
Herrn, die wegen der hübschen Wirthstochter in komische 
Eifersucht gerathen, das Leiblied seiner Mutter, »Freut 
euch des Lebens!« (damals ein neues Lied) vorgesungen 
habe/ Mit seinen achtundvierzig Jahren genoss er damals 
eine neue Jugend. Bei Frau Bäbe hat er sich über »ernste 
Geschlossenheit der Weiber« (sie war wohl selbst mit ein- 
gerechnet) beschwert (Nr. 14); sie ihrerseits hat wohl nicht 
das rechte Verständniss für seine »Unbefangenheit« gehabt. 
Sie war eben in ihr dreiundfünfzigstes Jahr eingetreten. 
Die harten Prüfungen der letzten Jahre können nicht 
ohne Spur über ihr Haupt hingegangen sein, und ihr 
Gemüth war mehr als zuvor auf seinen ernsten Grundton 
gestimmt. 

»Jugend ist, ach! dem Alter so nah; durchs Leben verbunden, 
Wie ein beweglicher Traum gestern und heute verband« — 

SO schHesst das Gedicht, das er an Bäben am 13. October 
gesandt hat. Und hat er ihr wohl von der Geliebten 
erzählt, an deren braune Locken er in diesem Ge- 
dichte mit Entzücken gedenkt ; so offen erzählt, dass 
sie ihm von Herzen zu ihr Glück wünschen konnte? Es 
scheint, er hat nur Eine ganz in die traute Heimlich- 
keit, die ihn beglückte, hineinblicken lassen, seine Mutter. 
Frau Aja verstand seine Zärtlichkeit für den »Bettschatz«, 
und sie nannte Christianen von Herzen ihre »liebe Tochter«. 
Bäben, die sich in ihren früheren Briefen so angelegent- 
lich nach den »Seinen« erkundigt, hat er schwerlich Ge- 
nüge gethan. Er redete nicht gern von Christianen, wie 
er es bekanntlich vermied, sie vorzustellen und bloss- 
zustellen. So stand etwas Unausgesprochenes und (nach 
seiner Denkart) Unaussprechbares zwischen ihm und der 
alten Freundin. Ueberhaupt aber : der häusliche Bund mit 
Christianen, ganz in der gesunden Sinnlichkeit wurzelnd, 
war eine Absage allen jenen Seelenbünden gegenüber, die 
sich auf der zarten GrenzUnie zwischen Liebe und Freund- 
schaft zu halten suchten. Diese Idylle in antikem Stil 
schloss alles »Sentimentalische« aus. 

5- 

Und von dieser Seite wäre es denn schliesslich auch 
zu verstehen, wenn das letzte Wiedersehen zugleich das 



' Herzfelder a. a. O. S. 158. 160. 



Goethe und Barbara Schulthess. l6l 

letzte Stadium, den Abend des in seiner Art einzigen 
Freundscliaftsverliältnisses bezeichnete. Es fehlen uns Be- 
lege eines weiteren Verkehrs. Man darf sich der An- 
nahme nicht verschliessen, dass er eingestellt sei. Denkt 
man, wünscht man das Gegentheil, so geschieht es 
darum, w eil man Goethe nicht der Härte gegen eine treue, 
liebe Seele zeihen möchte. Aber Goethe konnte hart sein, 
wenn er einsah, es komme bei Weiche und Lässlichkeit 
nichts heraus. »Der erste Undank ist besser als der letzte«, 
war da seine Maxime. Besser ein entschlossenes Abbrechen 
als ein unerquickliches Hinschleppen. Die alte Freundin 
hatte ihm nichts mehr zu sagen. Ein lamentabler Ton 
nimmt in ihren letzten Briefen überhand. Er hatte sich 
vergeblich bemüht, diese Stimmung durch gütlich ernste 
Zurede zurückzudrängen. Begreiflich, dass er schwieg. 
Der brave Schwiegersohn, ein Mann nach Lavaters Herzen, 
Diakonus und Poet, den ihm die »Mamma« zuführt, hat 
ihm am wenigsten Lust gemacht, den Mund zu offnen. 
(No. i8. 19.) " 

Bäbe hat aufgehört, ihn mit Bitten und Antragen auf- 
zusuchen; aber das Gefühl der Kränkung hat bei ihr, der 
Immergleichen, keinesfalls lange die Oberhand behalten. Sie 
hat seine Briefe still verwahrt, niemand hat sie nach ihrem 
Tode besitzen sollen. An ihnen, den Zeugen lange ge- 
nossenen Glückes, hat sie sicherlich sich fort und fort 
»köstlich geweidet«, und Erinnerungen an den Freund, 
dessen Kommen ihr stets gleich der Erscheinung eines 
Himmlischen gewesen, haben sternengleich ihren Pfad 
beglänzt. 

In Goethes Nachlass befindet sich eine fast lebens- 
grosse, wohl ausgeführte Silhouette Bäbes; das Bild, das die 
Leser dieses Bandes begrüsst, ist nach derselben herge- 
stellt. Auch zwei kleinere Schattenrisse, gleichfalls aus 
den Zeiten der ersten Bekanntschaft herrührend, vielleicht 
Geschenke Lavaters, hat Goethe aufbewahrt. In seiner 
Lebensbeschreibung, bei Erzählung der ersten Schweizer- 
reise, erwähnt er Bäben nicht. Aber das beweist nicht, 
dass er sie vergessen. Undenkbar geradezu wäre es, dass 
sie keine Spur in seiner Dichtung gelassen habe. Mit den 
Erinnerungen an den See und die ihn umgebende Land- 
schaft, an die Betriebsamkeit guter Menschen, die Land- 
schaft und See belebte, musste in seiner Seele auch das 
Bild der Frau auferstehen, die ihm so schön erschienen 
war, weil sie so gut war. 

Freilich dass Barbara Schulthess »unter der Susanna der 
Wanderjahre :^u verstehen sei«, ist ein gewagtes Wort. 
Aber man wird nicht umhin können, bei diesem edeln 

Goethe- Jahrdlch XIII. II 



l62 Abhandlungen. 



dichterischen Gebilde an sie zu denken. Beziehungen 
zwischen ihr und der »Schönen-Guten« zu suchen, deren 
schönste Tugend die ist, dass sie sich immer treu bleibt, 
wird auch der Leser der oben abgedruckten Briefe mancherlei 
Anlass haben. Ich erinnere nur an einen Zug, den ich 
oben schon andeutete : ihre Richtung zum Göttlichen. 
Susanna hat sich in einer frömmelnden Umgebung die 
Freiheit des religiösen Sinnes bewahrt. So Barbara 
Schulthess in Lavaters Kreise. Bedeutsam ist hier eine 
Äusserung, die man bei erstem Lesen leicht übersieht 
(Nr. 5, 27. Oktober 95): »Das letzte Buch deines W. 
brachte viele Erinnerungen in meine Seele . . . viele 
Erinnerungen von einer Seele die ich so hoch ehrte, so 
innig liebte — ohne ganz ihren Weg zu gehen«. Sie hat 
das sechste Buch von Wilhelm Meisters Lehrjahren ge- 
lesen, die »Bekenntnisse einer schönen Seele.« V/ir 
dürfen die Frage bei Seite lassen, wie und durch wen sie 
von Susanna von Klettenberg Kunde erhalten hat. Das 
Wesentliche ist, dass der Weg dieser »entschiedenen 
Christin« nicht ganz ihr Weg gewesen ist. Zu dem 
Christenthum im Schönenhof hatte denn auch der junge 
Gessner lange kein rechtes Vertrauen, es wollte ihm 
schier »weltlich und jüdisch« erscheinen. Er plagte sich 
lange mit der Frage, ob das Heil seiner christlichen Seele 
durch die Heirat mit Bäbes Tochter wohl berathen sei.' 
Von der Sprache der frommen Conventikel ist in ihren 
Briefen nicht die geringste Spur zu bemerken. Wenn sie 
in schweren Leidensstunden sehnsuchtsvoll nach einem 
besseren Zustande ausschaut, nach einem Frieden, der 
nicht von dieser Erde ist, so ist das ja etwas ganz anderes 
als das Grauen der Frommen vor der bösen sündigen 
Welt. Ihre Religion ist die Liebe. »Die Liebe wird nicht 
beleidigen, die Liebe wird duldsam sein.« (Brief Nr. 9. 
I Cor.^ 13, 4. 7.) ,. . 

Und so schliesse ich hier, da es sich um dichterisch 
Gebildetes handelt, mit einem Bilde. In dem Aufzug des 
Gewebes, das uns Susannas Bild und ihre Schicksale dar- 
stellt, glaubt man Grundfäden von dem Wesen und Walten 
der »guten Schulthess« zu erkennen; das Ganze aber ist 
ein Werk der frei schaffenden Phantasie. 



' G. Finsler, Georg Gessner, weiland Pfarrer am Grossmünster 
und Antistes in Zürich. Basel 1862. S. 36. 



2. 



Goethe als Anatom. 

Von 

Karl von Bardeleben. 




eit verbreitet — auch innerhalb der Goethe-Ge- 
meinde — ist die Ansicht, dass Goethe nur 

gelegenthch und nebenbei sich wie mit vielem 

anderen so auch mit Anatomie beschäftigt habe und dass 
es ein glücklicher Zufall gewesen sei, dass er als Laie eine 
Entdeckung gemacht habe, die später eine gewisse Be- 
deutung erlangt hätte. Nichts kann verkehrter sein als 
diese Ansicht. Schon die bisher bekannten oder richtiger 
die bisher veröffentlichten anatomischen Schriften und 
Briefe Goethes zeigen, dass Goethe sich viele Jahre lang 
planmässig mit der Anatomie des Menschen, wie mit der 
vergleichenden Anatomie der anatomisch und zoologisch 
dem Menschen nahe stehenden Säugethiere beschäftigt 
hat. Noch viel mehr aber beweisen dies die neuerdings 
im Goethe -Archiv aufgefundenen, bisher unbekannten 
Schriften anatomischen Inhalts, wie die gleichfalls erst 
jetzt im Goethe-Hause entdeckten Zeichnungen und die 
dort sowie auf der Anatomie in Jena aufbewahrten, von 
Goethe stammenden osteologischen Praeparate. 

Veranlassung zu einem gründlichen Studium der schon 
früher bekannten, wie der neu gefundenen anatomischen 
Arbeiten Goethes gab dem Verfasser der mit höchster 
Genehmigung Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Gross- 
herzogin Sophie von Sachsen gewordene ehrenvolle Auf- 
trag, die anatomischen Schriften Goethes in der Weimarer 

ii" 



164 Abhandlungen. 



Ausgabe herauszugeben. Mit höchster Genehmigung soll 
hier Einzehies daraus schon jetzt veröffentlicht werden, 
wofür ich der hohen Besitzerin des Archivs den ehr- 
erbietigsten Dank ausspreche. Von dem Direktor des Archivs, 
Herrn Prof. B. Siiphan, hatte ich mich freundwi-Uiger Unter- 
stützung zu erfreuen, ebenso seitens des Direktors des Goethe- 
National-Museums, Herrn Geh. Hofrath Dr. Ritland, welcher 
mir gestattete, die im Goethe-Hause gefundenen Zeich- 
nungen zu benutzen. 

Auf Grund dieser neuen MateriaHen wird es nun leicht 
sein nachzuweisen, in wie hohem Maasse Goethe als selb- 
ständiger, ebenso zielbewusster wie erfolgreicher Forscher 
auf anatomischem Gebiete betrachtet werden muss. Anderer- 
seits aber wird sich zeigen, dass Goethes Studien und ihre 
Erfolge nicht unvermittelt dastehen seiner sonstigen Thätig- 
keit, seinem ganzen Dichten und Trachten gegenüber, 
sondern dass sie gerade den bedeutendsten, werthvollsten, 
bisher sehr unterschätzten Theil seiner naturwissenschaft- 
lichen Forschungen bilden und im engsten Zusammen- 
hange mit seiner ganzen Lebens- und Weltanschauung 
stehen. 

Bekanntlich hat Goethe »zu Anfang der achtziger 
Jahre« zuerst ernsthafte anatomische Studien betrieben, 
— unter Anleitung des damaligen Anatomen in Jena, 
Professor Lader. Aeussere Veranlassung hierzu ist wohl 
vor allem das Interesse an den physiognomischen Be- 
strebungen Lavaters gewesen — vielleicht auch künst- 
lerische Neigungen, die immer wiederkehrende Lust zum 
Zeichnen und Malen. Ein neues Zeugniss für den frühen 
Beginn der anatomischen Arbeiten befindet sich unter den 
neuerdings im Goethe-Hause aufgefundenen Zeichnungen. 
Eine davon zeigt das Skelet des Armes und das Datum 
des 20. October 1781, eine andere denselben Gegenstand, 
auf der Rückseite die Skizze der Collegienkirche in Jena, 
in deren nächster Nähe sich die Anatomie heute befindet. 
Dass Goethe das Skelet des Menschen und der Säuge- 
thiere bis in die kleinsten Details durchgearbeitet hat, dafür 
zeugen die sonst noch vorhandenen Skizzen und Zeich- 
nungen, welche sich auf sämmtliche Teile des Skelets 
beziehen. Sehr bald wurde aus dem recipirenden Schüler 
Loders ein selbständiger Forscher. Wahrscheinlich ist. 
Goethe von Anfang an mit bestimmten Ideen, die sich 
dann wohl verändert und geklärt haben mögen, an die 
Anatomie herangegangen, nicht lange hat er nur gelernt 
— sehr bald hat er gesucht, geforscht, — vor allem that- 
sächliche Beweise für seine grosse Idee des »Typus« 
gesucht und gefunden. 



Goethe als Anatom. i6> 



Goethes Art, naturwissenschaftlich, insbesondere ana- 
tomisch zu arbeiten, ist von seiner Art zu arbeiten über- 
haupt nicht wesentlich verschieden gewesen. Jahre lang, 
Jahrzehnte hat ihn ein Gedanke beschäftigt, — er hat ihm 
immer und immer wieder andere Seiten abzugewinnen 
gestrebt, er hat ihm in den mannigfachsten Wendungen 
Ausdruck zu geben versucht, bis er ihn nach allen 
Richtungen hin, man möchte sagen, plastisch, stereo- 
metrisch dargestellt hatte. Goethe vertieft sich in das 
Thatsächliche, er durchstudirt die grossen und kleinen 
Skelettheile, er lernt ihre Namen, die ihrer einzelnen Theile, 
Flächen, Fortsätze und Oeffnungen, er studirt die Ver- 
bindungen und Beziehungen, er beobachtet alles, was sich 
irgend sehen lässt, — er sammelt Material aus der 
Litieratur und der Natur, aus Büchern und Atlanten, vor 
allem aber wirkliche Schädel und Thiergebeine, er macht 
Notizen, zeichnet Skizzen, — er wirft seine Idee in knappster 
Form auf das Papier und versucht nun nach allen Richtungen 
hin ihre Geltung zu erproben. Goethe macht grosse ana- 
tomische Entdeckungen, weil er nicht .nur mit dem körper- 
lichen Auge sieht — nicht nur der exacte Untersucher 
ist, — sondern weil er die Idee, den Typus vor seinem 
geistigen Auge stehen hat, weil er weiss, w\as er linden 
will, was er linden muss. — Dann lässt er es sich nicht 
der Mühe verdriessen, seine Aufsätze zwei, drei mal um- 
zuarbeiten, immer wieder etwas hinzuzuthun und fortzu- 
nehmen, bis das Werk nach aussen und innen hin har- 
monisch geworden ist, die Form dem Inhalt entspricht. 

Und des alten Satzes eingedenk: »Docendo uiscimus« 
hält sich der Geheimerath von Goethe nicht für zu gut, 
den Künstlern in Weimar Vorträge über das Skelet zu 
halten und für diese die Tafeln selbst zu zeichnen — 
oder doch nach eignen Skizzen zeichnen zu lassen. 
Wenigstens möchte ich die im Goethe-Hause gefundenen, 
mit Conturen-Tafeln und Erklärungen versehenen grossen 
Abbildungen als das Unterrichtsmaterial für diese Künstler- 
Vorträge ansehen. Jedenfalls können sie weder für eigene 
Studien — noch auch für die Veröffentlichung bestimmt 
gewesen sein. 



Die Zwischenkiefer-Arbeit Goethes ist nur ein kleiner 
Theil eines grossen organischen Ganzen, welches aber 
leider nicht vollendet worden ist. Schon unter den bisher 
bekannten, zum Zwischenkiefer gehörigen Materialien 
linden sich Hinweise darauf, dass auch andere Knochen 
des Schädels, so das das innere Gehörorgan umschliessende 



l66 Abhandlungen. 



Felsenbein, ferner die vor dem Schläfenbeine an der Basis 
des Schädels gelegenen Flügelbeine in mehrere Elemente 
aufgelöst werden müssten — wie es die vergleichende 
Anatomie und Entwickelungsgeschichte inzwischen ge- 
than hat. 

Aus Goethes Andeutungen in den bisher bekannten 
Schriften war schon zu entnehmen, worauf auch in den in- 
zwischen im Band 6 der Naturwissenschaftlichen Abtheilung 
(herausgegeben von Rudolf Steiner) erschienenen Schriften 
sich Hinweise linden, dass Goethe noch andere, umfassendere 
Arbeiten als die in ihrer Idee immerhin bedeutende, aber 
wie gesagt, nur einen kleinen Bruchtheil darstellende 
Zwischentiefer-Arbeit unter der Feder gehabt hat. 

Doch bleiben wir zunächst bei dieser stehen. Der 
Zwischenkiefer der Säugethiere (Zwischenknochen, Os inter- 
maxillare, Os incisivum, Schneideknochen) ist der paarige 
(rechts und links vorhandene) Knochen, der die oberen 
Schneidezähne trägt — der aber auch da vorhanden ist, 
wo letztere fehlen. Dass aber der Knochen tehlen sollte,, 
während die Zähne vorhanden sind, dass also der Mensch 
ihn nicht besitzen sollte, der sich doch oberer Schneide- 
zähne erfreut, das fand Goethe mit Recht »seltsam« und 
ruhte nicht eher, als bis er sich von der Existenz des 
Zwischenkiefers auch beim Menschen und davon überzeugt 
hatte, dass die Lehre von seinem Fehlen hier ein Irrthum 
sei. Schwieriger allerdings als sich selbst überzeugte er die 
Fach- Anatomen — ja er stiess bei den meisten und be- 
rühmtesten derselben auf solchen Widerspruch, dass er 
auf lange Jahre die Lust verlor — nicht anatomisch zu 
arbeiten, wie man bisher glaubte — sondern zu veröffent- 
lichen, was er gefunden, geschrieben und gezeichnet hatte. 
Im Alter hat öoethe sich selbst des jugendhchen Selbst- 
sinns angeklagt, und es als Zeugniss für eine besondere 
Unbekanntschaft mit der Welt hingestellt, dass er als 
laienhafter Schüler den Gildemeistern zu widersprechen ge- 
wagt, ja, was noch thörichter, sie zu überzeugen gedacht 
habe. »Fortgesetzte vieljährige Versuche haben mich eines 
Andern belehrt, mich belehrt, dass immerfort wiederholte 
Phrasen sich zuletzt zur Ueberzeugung verknöchern und 
die Organe des Anschauens völlig verstumpfen.« 

Bis zu Goethes Entdeckung und noch lange nachher 
hielt man das Fehlen des Zwischenkiefers beim Menschen 
für das charakteristische, für das einzige osteologische 
Unterscheidungs-Merkmal gegenüber den Affen. Goethes 
Idee von dem' Typus, von der alles beherrschenden und 
durchdringenden Grund- oder Urform widerstrebte solcher 
Auffassung. 



Goethe als Anatom. 167 



Die erste Niederschrift der Zwisclienkiefer-Arbeit, — 
Goethe nennt sie später mal das »Concept« — hat sich 
im Goethe-Archiv, mit Goethes eigenhändiger, sehr viel 
späterer Aufschrift : »wahrscheinlich Concept der Arbeit« 
gefunden. Sie ist in Form eines Schreibens an Sömmerriug 
abgefasst, der damals Lehrer der Anatomie und Chirurgie 
am Carolinum in Cassel war, und gerade im Begriffe stand, 
einem an ihn ergangenem Rufe an die Universität Mainz 
Folge zu leisten. 

Sömmerring galt damals, wie noch heute — und 
gewiss mit Recht — für einen der bedeutendsten Ana- 
tomen Deutschlands. Die Handschrift ist Seidels, vielfache 
Veränderungen stammen von eigener Hand. Die Zeit der 
Abfassung muss der Sommer 1784 gewesen sein, wie 
Goethes Briefe an Herder und an Frau von Stein beweisen. 
Grösstentheils hat sich Goethe damals in Jena aufgehalten, 
wo er Material, — den Beirath von Loder und Müsse 
zum Arbeiten fand. 

Der Eingang lautet: 

»Mit einem aufrichtigen Wunsche," dass die Veränderung 
Ihres Aufenthaltes zu Ihrem Glücke gereichen möge, sende 
ich Ihnen einige Versuche osteologischer Zeichnungen, die 
in der Absicht zusammen geheftet sind, um Ihnen eine 
kleine Entdeckung vorzulegen, die ich glaube gemacht zu 
haben. Sollte ich mich aber irren und Ihnen statt einer 
Neuigkeit wie ich glaube, nur etwas bekanntes vortragen, 
so verzeihen Sie es, da mir meine Geschäfte wohl er- 
lauben, manchmal einen Blick auf die Natur und die 
Bücher zu thun, welche Sie uns kennen lehren, es aber 
in meiner Lage unmöglich ist von dem was andere vor 
uns entdeckt haben genau unterrichtet zu sein.« 

Ehe der Aufsatz an Sönunerring abging, sandte Goethe 
denselben im October 1784 von Weimar aus zur Durch- 
sicht an seinen Lehrer und Mitarbeiter Loder, welcher 
ihm die Aufstellung der lateinischen Nomenclatur für die 
einzelnen Theile des Zwischenkiefers besorgt hatte, wie 
die fast ausschliesslich von Laders Hand geschriebene 
Tabelle im ersten Entwurf der Arbeit bezeugt. Goethe 
hat an derselben nur vereinzelte Zusätze und Veränderungen 
angebracht, wie die Correcturen von seiner Hand und die 
von ihm niedergeschriebene Tabelle mit ihren Buchstaben 
und Ziffern beweisen. Diese dient gleichzeitig als Schlüssel 
für das gesammte, höchst umfangreiche Material zum 
Zwischenkiefer, welches, wohl noch ganz vollständig vor- 
handen, in der »Ausgabe« erscheinen soll. Goethe wird 
die Tabelle beim Dictiren in der Hand gehabt haben. 



l68 Abhandlungen. 



Lader antwortete am 31. October, Nachmittags 4 Uhr 
mit folgendem im Goethe -Archiv befindlichen Briefe, der 
nach mehreren Seiten hin Interesse erwecken dürfte und 
hier folgen möge : 

»Jena den 31 Oct. Nachmittags 4 Uhr: 

Ewr Hochwohlgeboren sende ich den mir geneigtest 
communicirten Aufsatz mit dem verbindlichsten Danlc zu- 
rück. Ich habe bey Durchlesung desselben so viel Ver- 
gnügen empfunden, und Ihre Präcision in der anatomischen 
Beschreibung so wol, als Ihren BHck in die Physiologie 
des Theils so sehr bewundert, dass ich in der anatomischen 
Begeisterung es in vollem Ernst bedauerte, dass Sie 
Minister und nicht Professor anatomiae sind. Sie werden 
mir aber antworten, wie Kayser Leopold einem Musicus, 
der dem Kayser, der ihm etwas auf dem Ciavier vorgespielt 
hatte, in voller Exstase um den Hals fiel, und es bedauerte, 
dass er kein Musicus geworden: »Wir stehen uns halter 
so auch gut«. 

Ich habe nichts zu ändern gefunden, als ein Paar 
Kleinigkeiten, die der Mühe des Nennens nicht werth sind. 

Den Titel vom Cheselden habe ich am Rande bey- 
gefügt, aber das durchgestrichen, was man wegzulassen 
pflegt, wenn man das Buch citirt. Auch den Titel vom 
John Hunter habe ich beygesezt. Das Buch von Scarpa 
ist noch nicht heraus; es wird aber den Titel kriegen: 
Anatomicarum annotationum liber secundus. Er hat mir 
eben seine Werke zugeschickt, weil seine grosse Eil- 
fertigkeit ihn nöthigte, Jena aus dem Wege zu lassen, 
ob er mir gleich seine Ankunft annoncirt hatte, auch 
seine Briefe hieher hatte addressiren lassen. Unter 
seinen Werken ist das erste Buch von den anat. annotatt. 
und eine oration, die er be}' dem Antritt seiner neuen 
Lehrstelle in Pavia (er war vorher in Modena) gehalten 
hat ; in dieser kündigt er das zweyte Buch der annotatt. 
an, verspricht mir auch im Brief, mir es, so bald es 
herauskommen würde, zu schicken. Das Kupfer quaest. 
ist also eigentlich noch nicht zum öffentlichen Gebrauch 
qualificirt. 

Ein Paar sehr merkwürdige Stellen aus dem Vesal 
lege ich in copia bey. Weil die Zeichnung im Vesal 
Ihnen sehr interessant seyn wird, so will ich ihn diesen 
Abend mit der Post überschicken; ich bitte mir ihn aber 
bald wieder aus, weil ich ihn immer brauche. 

Den Albin habe ich von Durchl. dem Herzog noch 
nicht zurück. Weil ich ihn — zumal die Tafeln von den 
Muskeln — sehr nothwendig brauche, so habe ich schon 



Goethe als Anatom. 169 



vor 8 Tagen Hrn. Rath Kraus gebeten, mir ihn durch 
Hrn. K-MhEertuch wieder zu schaffen. Sie haben ihn in Weimar 
vergeblich gesucht, und daher geglaubt, dass er noch bey 
der Frau Gräfin Werther liegen mag. Hr. R. J{raiis hat mir 
versprochen, drum zu schreiben, weil ich ihn sehr drum bat. 

Da ich meine Köpfe revidire, finde ich, dass die Sutur 
des ossis intermaxillaris im processu palatino ossis maxill. 
superioris bey einigen craniis, wo die andern Suturen alle 
noch sehr sichtbar und nicht verwachsen sind, doch schon 
völlig verwachsen ist. Dies lässt die Ursache errathen, warum 
diese Sutur von so vielen Anatomen (die aber freylich Vesals 
Zeichnung übersehen haben müssen) nicht bemerkt worden ist. 

An einem Kopf eines Jungen von 12 Jahren, den ich 
mit schicke, und mir gelegentlich wieder zurück erbitte, 
läuft aus der Sutur eine andre kleine Spalte zwischen 
dem ersten und zweyten Schneidezahn, wodurch gleichsam 
eine Art von kleiner Insel im Knochen gebildet wird. 
Weil dieses eine artige Varietät ist, so schicke ich den 
Schädel mit. 

Den Didelphis-Kopf lege ich auch mit bey. Weil an 
dem einen die Schneidezähne der obern Kinlade ausgefallen 
sind, so habe ich geschwind noch einen skeletirt. « 

Die Arbeit w^urde dann bald darauf (im November) 
an Knebel^ am 19. December an Merck, von diesem an 
Sömmerring, schliesslich an Camper (mit einer lateinischen, 
in Jena unter Laders Aufsicht angefertigten Übersetzung) 
gesandt. Beigegeben wurden siebenzehn grosse Tafeln, 
von denen vierzehn im Goethe-Hause noch vorhanden 
sind. Auch an Herzog Ernst von Gotha sandte Goethe 
ein Exemplar der Abhandlung mit einem Briefe (20. De- 
cember 1784) in dem es heisst: »ich werde nur erst ab- 
warten, wie es die Herren vom Handwerke aufnehmen 
dass ein Laye in einem so bekannten Lande eine neue 
Entdeckung gemacht haben will.« Die ziemlich kurze 
zusammenfassende Darstellung Goethes beruhte auf sehr 
gründlichen und umfassenden Untersuchungen, in welche 
uns die im Goethe-Archiv noch vorhandenen theilweise 
von Seidels, theilweise von eigner Hand herrührenden 
genauen Beschreibungen des Zwischenkiefers bei einer 
grossen Anzahl von Thieren Einblick gestatten. Auch die 
Erklärungen zu den 17 ursprünglichen Tafeln sind erhalten. 
Sie stellen den Zwischenkiefer von nicht weniger als 
zwanzig Säugethieren und dem Menschen (jung und er- 
wachsen) dar. 

Trotz dieser — auch modernen Ansprüchen an eine 
wissenschaftliche Arbeit genügenden — Begründung fand 



170 Abhandlukgen. 



Goethes Aufsatz bei keinem der genannten Anatomen 
ausser bei Loder Gnade. Bekannt sind die fast weg- 
werfenden Beurtheilungen Sömmerr'mgs und Campers aus 
dem Jahre 1785. Dies ist um so mehr zu bedauern, als 
nach den Funden im Archiv Goethe doch wohl die Ab- 
sicht gehabt haben muss, eine grössere Abhandlung über 
den Zwischenkiefer zu veröffentlichen, nachdem er das 

— wie er bestimmt annehmen musste — ^usiiinmende 
Urtheil Sömnierrings und Campers eingezogen. Wenn Goethe 
am 6. März 1785 an Sömmerring schreibt: »da meine 
kleine Abhandlung gar keinen Anspruch an Publicität hat 
und bloss als ein Conzept anzusehen ist . . .«, so bezieht 
sich das eben auf den Jdeinen, ^ewissermassen nur eine 
»vorläufige Mittheilung« bildenden Aufsatz — auf das 
))Con:{ept((, aber nicht auf die geplante grosse Arbeit, zu 
der massenhaftes Material an Schädeln, Notizen, Ab- 
bildungen vorhanden war. Nach dem Papier und der 
Handschrift (Seidel) stammen diese schriftlichen Materialien 
alle aus derselben Zeit wie das Conzept. Dazu kommt, 
dass eine Einleitung (Seidels Hand, Correcturen von eigner 
Hand) vorhanden ist, die sich nur auf eine wirkliche Ver- 
öffentlichung beziehen kann. In dieser wird, ohne Nennung 
von Namen, Loders gedacht, während Sömmerring und 
Camper ignorirt w^erden. Dass die Einleitung vor Abgang 
des Aufsatzes an diese Coryphäen geschrieben sein 
könnte, erscheint durch den Hinweis auf die »Kupfer« 
ausgeschlossen. 

In einem von eigner Hand mit der Aufschrift : 
»IL Beschreibung des Zwischenknochens mehrerer Thiere 
bezüglich auf die beliebte Eintheilung und Terminologie« 
versehenen Umschlage findet sich zunächst die oben er- 
wähnte Einleitung, dann das auf Säugethiere und Mensch 

— ferner auf Vögel bezügliche Einzelmaterial, sodann, 
wiederum von eigner Hand überschrieben (Seidel dictirt): 
»Versuch die Beschreibungen No. II Stylo continuo fass- 
licher und angenehmer darzustellen.« 

Aus der »Einleitung« mögen hier die ersten Absätze 
folgen : 

» IL Beschreibung des Ziuischenhwcheus mehrerer Thiere 
be^iiglich auf die beliebte Eintheilung und Terminologie. 

Ein Liebhaber der Naturlehre war durch Nachdenken 
und Zufall auf die Entdeckung geführt die er dem PubUko 
hier mittheilt. Er eröffnete sie einem gelehrten Anatomen, 
der ihm in Bestimmung der Terminologie und kunst- 
mässiger Beschreibung behülflich war. Ein geschickter 
Zeichner übernahm die Sorge der Kupfer und der Verfasser 



Goethe als Anatom. 171 



erkennt eines ieden Antheil öffentlich mit Dank und 
wünscht dass diesem kleinen Werke ohngeachtet seiner 
Unvollkommenheit nicht ganz der Beyfall der Kenner und 
dieser Materie zu ihrer weiteren Ausbildung die Bemühung 
eines Meisters nicht fehlen möge. 

Wie merkwürdig und wichtig eine nähere Untersuchung 
dieses einen Knochens in der Naturlehre sey, wird man 
leicht gestehen, wenn man bedenkt, dass er zu der Absicht 
gebildet ist, dass ein Thier sich hauptsächlich seine Nahrung 
wovon die ganze Existenz des Thieres doch abhängt zu 
eigne. Das Linneische System beruht vorzüglich aut 
diesem Knochen und es käme darauf an, ob man bey 
näherer Untersuchung die untere Kinnlade nicht ganz in 
der Classification weglassen und bloss nach dem Os 
intermaxillare classificiren könnte. Die Linie welche der 
berühmte Camper zu Bestimmung der Physiognomie an- 
giebt, beruhet auch auf der mehr oder weniger Vorge- 
schobenheit dieses Knochens. Und ob man wohl gleich 
von einem ieden Beine am Thier sagen kann, es trage 
durch seine Umänderung zu der verschiedenen Gestalt nach 
seiner Art bey: so sind doch vielleicht wenige so ausge- 
zeichnet, so ins Gesicht fallend abwechselnd als dieses.« 



Die ganze Einleitung, sowie der »Versuch der Darstel- 
lung Stylo continuo « werden in der Ausgabe veröffentHcht 
werden. 



Bekanntlich hat Goethe von seiner »Wirbeltheorie«, 
d. h. der Entdeckung der Wirbelnatur der Schädelknochen 
zwei von einander abweichende Darstellungen gegeben. 
Die vom Jahre 1823 (Morphol. II, i, 50), in der auch die 
Jahreszahl 1791 irrthümlich ist (auch beim »Zwischen- 
kiefer« hat Goethe sich später ja um zwei Jahre geirrt: 
1786 statt 1784) führt die erste Idee, dass nicht nur die 
eigentlichen Schädelknochen, sondern auch die Gesichts- 
kjwchen von Wirbeln abgeleitet seien, auf den Fund des 
Schöpsenkopfes auf dem Judenkirchhof von Venedig 
zurück. Die andere (Annalen zu 1790) spricht davon, 
dass dieser Fund die »früher von mir erkannte Wahrheit, 
die sämmtlichen Schädelknochen seien aus verwandelten 
Wirbelknochen entstanden, abermals hethätigte.« Ich halte 
aus inneren Gründen dafür, dass die letztere Darstellung die 
richtige ist und dass Goethe durch seine Studien am 
Zwischenkiefer und die sich naturgemäss daran schliessenden 
sonstigen Untersuchungen am Schädel schon in der Mitte 



172 Abhandlungen. 



der achtzioer Jahre zu jener grossen Idee gekommen ist, 
die bis auf unsere Tage fördernd und befruchtend auf die 
Lehre von der Natur und Entstehung des Kopfskelets 
eingewirkt hat — wenn sie sich auch für die Gesichts- 
knochen als irrthümHch, betreffs der Schädelknochen als 
unzureichend erwiesen hat. Erst durch den Vergleich der 
Kopfknochen mit den Wirbeln, durch die Auflösung des 
Schädels in einzelne Elemente, die man mit mehr oder 
weniger Recht als Wirbel oder Wirbeltheile oder den 
Rippen entsprechende Bildungen anzusehen sich bemühte, 
hat man für die Lösung des überaus schwierigen Problems 
von der Entstehung und Bedeutung des Kopfskelets eine 
Grundlage gewonnen, — ebenso wie für die Anatomie 
des Gehirns und der Kopfnerven in dem Vergleiche mit 
dem Rückenmark und den aus ihm austretenden Nerven. 
Trotzdem die entwickelungsgeschichtliche und vergleichend- 
anatomische Basis, von der aus wir heutzutage arbeiten, 
eine unvergleichlich breitere, vor allem tiefer gelegene 
ist, so sind wir, wenn wir offen sein wollen, von der 
Lösung des grossen Räthsels noch immer sehr weit entfernt. 

Erhellt schon aus dem oben Angeführten, dass die 
Zwischenkiefer-Arbeit nur als der Theil eines grösseren 
Ganzen aufzufassen ist, so wird der vollgiltige Beweis 
dafür durch die neuen Funde im Archiv erbracht. »Der 
Versuch einer allgemeinen Knochenlehre« hat, wie Goethes 
eigene Aufschrift: »i. Abschnitt« vor diesem Titel be- 
zeugt, nur den ersten Theil eines grossen Werkes über 
vergleichende Anatomie bilden sollen, das leider niemals 
geschrieben wurde. Auch die von dem Versuch einer 
allgemeinen Knochenlehre vorhandenen Blätter umfassen 
nur einen kleinen, wenn auch den schwierigsten und wichtig- 
sten Theil der vergleichenden Osteologie, den Kopf, 
nämlich den Schneideknochen — wie Goethe jetzt den 
Zwischenkiefer nennt — den Oberkiefer, das Jochbein, das 
Thränenbein, das Gaumenbein; darauf folgt eine Recapitu- 
lation der bis dahin beschriebenen fünf Knochen, sodann 
»Übergang zu den zunächst zu beschreibenden Knochen«, 
worauf mit dem Stirnbein fortgefahren wird, auf welches 
das Keilbein (vorderes und hinteres), Schläfenbein, »Zizen- 
bein« und Felsenbein folgen. Sechs Blätter mit zehn Ab- 
bildungen von dem schwierigsten der Schädelknochen, dem 
das innnere Gehörorgan bergenden Felsenbein, liegen dem 
Manuscript bei. 

Dieses ist in Form eines Aktenbündels geheftet und 
grösstentheils dem Schreiber Goetze diktirt, mit Ausnahme 
des Abschnittes »Gaumenbein«, der von einer bisher im 
Archiv unbekannt gewesenen Hand geschrieben ist, — 



Goethe als Anatom. 175 



während zwei lateinische Dispositionen (Gaumenbein, Os 
temporum) von eigener Hand herrühren, ebenso wie die, 
allerdings nur auf die ersten Blätter beschränkten Cor- 
recturen. 

Die Beantwortung der Frage, von welcher Hand das 
Kapitel »Gaumenbein« geschrieben sei, erschien besonders 
wichtig für die Erledigung der Hauptfrage, luanii die 
Arbeit abgefasst ist. Eine glückliciie Verkettung von Um- 
ständen führte zu einer sicheren Lösung. Ihrer König- 
lichen Hoheit der Frau Erbgrossherzogin von Sachsen, 
welche das Archiv mit Höchstihrem Besuche beehrte, fiel eine 
gewisse Aehnlichkeit der fraglichen Handschrift mit der Ihr 
zufällig vorgelegten von J. G. Herder auf; und so gelang 
es, unter Zuthun Suphans, die Handschrift als die des 
zweiten Sohnes Herders, August, festzustellen, von dem 
Briefe aus dem Januar 1793 und November 1795 im Archiv 
vorhanden sind. Nun ging August Herder im Herbste 
1794 nach Neuenburg, während Goethe Ende August 1793 
von der Belagerung von Mainz heimkehrte. Das fragliche 
Kapitel muss also zwischen dem Herbst 93 und dem Herbst 
94 diktirt sein. Höchst wahrscheinlich ist somit die ganze 
Arbeit in diesen Zeitraum, also wesentlich in das Jahr 
1794 zu setzen. 

Goethes vergleichende Anatomie des Schädels bezieht 
sich allerdings nur auf die höheren Wirbelthiere, auf die 
Classe der Säugethiere, aber die Beschreibung der hier 
allgemein vorkommenden Skelettheile, der kunstvolle Auf- 
bau des Schädels, den Goethe vor den Augen des Lesers 
vollzieht, können noch heute als Muster einer anatomischen 
Darstellung dienen. Die Goethesche Methode ist es, welche 
in ihrer Genauigkeit im Einzelnen und in ihren weiten ver- 
gleichenden wie mechanischen, ich möchte sagen archi- 
tektonischen Gesichtspunkten so ungemein fesselt, dazu 
der classische Styl, der sich sogar diesen spröden, für die 
zusammenhängende Darstellung so schwierigen, zu Wieder- 
holungen von Worten und Wendungen geradezu heraus- 
tordernden Gegenstand zu unterwerfen weiss: diese Ver- 
einigung exacter nüchterner prosaischer Angaben und 
künstlerischer Gestaltung der Form ist so echt Goethisch, 
dass gewisss auch Laien diesen leider Torso gebliebenen 
Aufsatz nicht ohne Genuss lesen werden. Einige Proben 
mögen dies bezeugen. , 

Goethe beginnt: 

»Wenn es natürlich war, dass man die Betrachtung 
des menschlichen Schädels mit dem Stirnknochen anfing, 
als dessen Gestalt die menschliche Natur am meisten be- 
zeichnet, so finden wir uns dagegen, indem wir den 



174 Abhandlungen. 



Thierschädel beschreiben wollen, zu einer andern Methode 
genöthiget, wozu uns das Anschauen die einfache An- 
leitung giebt. 

Wir mögen nehmlich das Thier ansehen, wie es im freien 
Zustand sein Haupt trägt, oder dessen Schädel zur Betrach- 
tung vor uns legen; so finden wir immer, dass die Werk- 
zeuge der Nahrung uns am stärksten in die Augen fallen. 

I. Der Schneide-Knochen. 
Am skelettirten Kopfe des Thiers bemerken wir 
zuerst denjenigen Knochen, durch welchen es seine 
Nahrung ergreift. Ich darf ihn gegenwärtig getrost in 
den allgemeinen Typus einführen, da er nun auch an dem 
Menschen anerkannt' wird, wo er sich selbst den scharf- 
sichtigsten Beobachtern eine Zeitlang eigensinnig zu ver- 
bergen schien.« 

Dass Goethe schon bei der Abfassung des Conzeptes 
zum Zwischenkiefer die Absicht hatte, seine Unter- 
suchungen weiter auszudehnen, geht aus dem Briefe an 
Sömmcrring (VII, 3. 7. Januar 1785) hervor: »Ich werde 
meine Beobachtungen über diesen Knochen fortsetzen, 
und wenn meine Bemühungen Beifall finden, auch über 
die übrigen Knochen des Kopfes Vergleichungen anstellen 
und mittheilen. Das Feld ist so gross, dass man bei ein- 
geschränkter Zeit und Kräften wohl thut, sich ein 
Winkelchen auszusuchen und es zu bearbeiten. a 

Ja aus einem aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem 
Jahre 1784, vermuthlich dem Herbste dieses Jahres 
stammenden Briefe an Merck, dessen Urschrift (diktirt 
an zwei verschiedene Schreiber, Zusätze und Ver- 
besserungen von eigener Hand) sich im Archiv unter den 
osteologischen Manuscripten fand, geht hervor, dass Goethe 
schon damals das allgemeine Prinzip erkannt hatte und 
verfolgte, dass die sclieinbar einfachen Knochen des 
Schädels sich in mehrere Elemente auflösen lassen und 
zwar sowohl vergleichend-anatomisch als entwickelungs- 
geschichtlich. Goethe schreibt: «Ich beziehe mich hier 
wieder auf das, was ich von der Theilbarkeit der Knochen 
in meinem vorigen gesagt habe und würde, wenn ich so 
glücklich wäre, den Schädel eines Elephantenfoetus zu 
besitzen, noch weit mehr darüber sagen können.« Die 
Zerlegung des Oberkiefers in seine Bestandtheile, welche 
Goethe damals versuchte, ist bis heute noch nicht in be- 
friedigender Weise gelungen. 

' Loder, Handbuch der Anatomie 1788. — Vicq iVAiyr. — Auch 
Sömwerring bekehrte sich zu Goethes Auffassung — um 1791. 



Goethe als Axatom. 175 



In diesen Gedankengang gehören wohl Notizen auf 
einem von eigner Hand geschriebenen Blatte, die sich 
auf die Zerlegung des Körpers in Partes propriae und 
impropriae beziehen: 

»Alle Theile des organischen Körpers insofern er lebt 
sind partes impropriae. 

Insofern er seiner Katur gemäss zerlegt wird, wird 
er aber in partes proprias zertheilt. 

Diese hat man in der Myologie schon verfolgt. 

Warum nicht in der Osteolo2;ie.« 



Dass sich Goethe aber nicht nur mit der Osteologie, 
sondern auch mit den Bändern, den Muskeln, sowie dem 
Gehirne beschäftigt hat, zeigen verschiedene Notizen, auf 
meist losen Blättern. In dem Venezianischen Tagebuche 
von 1790 fand R. Steiner folgenden Satz, der in innerem 
Zusammenhange mit den Gedanken über die Wirbelnatur 
der Schädelknochen stehen dürfte : »Das Hirn selbst nur 
ein grosses Hauptganglion. Die Organisation des Gehirns 
wird in jedem GangUon wiederhohlt, so dass jedes Gang- 
lion [als] ein kleines subordinirtes Gehir.n anzusehen ist.« — 
Dass Goethe sich später genauer mit den Furchen und 
Windungen an der Oberfläche des Gehirns — die erst in 
unseren Tagen näher untersucht worden sind — beschäftigt 
hat, bezeugt eine Notiz über die starke Prominenz der 
»Gyrorum« des Kalbshirns auf einem einzelnen Blatte, das 
ferner Notizen über das Innere dieses Organs und seiner 
Umhüllung enthält. — Auf einem anderen Blatte desselben 
Bündels liest man : »Es ist ein angenehmes Geschäft die 
Natur zugleich und sich selbst erforschen, weder ihr noch 
seinem Geiste Gewalt anzuthun, sondern beyde durch 
gelinden Wechsel Einfluss mit einander ins Gleichgewicht 
zu setzen.« 

Der interessanteste Fund für die Beurtheilung von 
Goethes anatomischem Forschen und Denken ist unstreitig 
der leider auch nur Bruchstück gebliebene »Versuch über 
die Gestalt der Thiere.« Derselbe stammt höchst wahr- 
scheinlich aus dem Jahre 1790 und ist in Breslau während 
des militärischen Getümmels geschrieben. Hierfür sprechen 
sowohl die Annalen von 1790, als das Papier und die 
Schreiherhand (Götze) — schliesslich auch innere Gründe. 
Wir finden nämlich einen Theil der hier in der Disposition 
angedeuteten oder bereits ausgeführten Gedanken und 
Wendungen sowohl in dem »Ersten Entwurf einer all- 
gemeinen Einleitung in die vergleichende Anatomie, aus- 



176 Abhandlungen. 



gehend von der Osteologie« (Jena, Januar 1795), als 
auch in den Vorträgen über die drei ersten Capitel des 
eben genannten Entwurfs (1795) wieder. Goethe hat 
jedenfalls die Absicht gehabt, eine umfassende, um es 
modern auszudrücken. Generelle Morphologie zu schreiben. 
Er wird diese Absicht später aus äusseren wie inneren 
Gründen aufgegeben, und sich auf die Veröftentlichung 
einzelner Capitel in den genannten, gedruckt vorliegenden 
Aufsätzen beschränkt haben. Bemerkenswerth ist nun, 
dass auch der Versuch über die Gestalt der Thiere bereits 
vorläufig ausgearbeitete Capitel zeigt, die aber von den 
mehr oder weniger entsprechenden der beiden späteren 
Arbeiten von 1795 und 1796 ganz erheblich abweichen — 
ein neuer Beweis für die Unermüdlichkeit Goethes, seine 
Gedanken immer wieder in neues Gewand zu kleiden. 

Der eigenhändige, mit verblasster Tinte geschriebene 
Entwurf besteht aus Capitel-Überschriften an den Köpfen 
der Bogenblätter ; theilweise ist der Inhalt der Capitel 
etwas weiter ausgeführt. Das Papier ist später zu osteo- 
logischen Details verwandt worden. 

Der Entwurf lautet : 

»Vorerinnerung. 

Nähere Bestimmung. 
Säugethiere. 
Osteologisch. 

I. Cap. Bemühungen der vergleichenden Anatomie 
und Hindernisse die ihnen entgegen stehen. 

a) Aenlichkeit der Thiere untereinander. Vierfüssig. 

b) Aenlichkeit der Thiere mit dem Menschen. 

a. b. beydes auffallend auch der flüchtigsten Be- 
trachtung. Gegenstand des Nachdenkens der Philo- 
sophen, Aerzte und Zergliederer. Bemühungen unseres 
Jahrhunderts. 

c) Schwierigkeit der Vergleichung wegen Mangel 
eines Tertii comparationis. 

man mag Menschen \ n ^ : 

A n-i ■ I zum Grunde legen. 

oder Ihieie \ ^ 

d) Übergang zu einem Typus. 

2. Cap. Vorschlag zu einem Schema oder Typus. 

e) Bedürfniss da man im allgemeinen einig war im 
besondern aber die Anwendung des allgemeinen 
Prinzips der Übereinstimmung nicht gestatten wollte. 



Goethe als Anatom. 



f) Aufsuchung und Ordnung der Theile. Insofern 
sie entw. immer gegenwärtig sind oder sich ver- 
bergen, oder verHeren d. h. sehr untergeordnet 
oder gar aufgehoben werden. 

übereinstimmen. 

abweichen. 

beydes letzte an Gestalt und Zahl. 

3. Cap. 

g) Typus selbst osteologisch. 

(Folgt Aufzählung der einzelnen Theile des Skelets.) 

h) Ursachen warum der Typus so geordnet worden. 

Damit die Gestalt mehr rationell werde. Die 

einzelnen Theile durchzugehen und zu betrachten. 

os intermax. ist das vordere Ende des Thieres 

wir bemerken es nicht beym Menschen weil die 

Stirne praedominirt. 

Es wird nach Vergleichung verschiedener Thiere 
jederzeit anzuzeigen seyn welcher Theil (Knochen) 
in seiner fre3^sten und ausgebildetsten Gestalt er- 
scheint. 

Erst die Grundgestalt des Knochens 
Veränderung desselben 

durch innere Determination 
durch innere ' Einwirkung, 
i) Theilbarkeit der Knochen auf möglichste zu ver- 
folgen, 
k) Mangelnde Theile an den Extremitäten. 
1) Veränderlichkeit der Theile in ihrer Gestalt und 
Richtung pp. 

Base der Mannigfaltigkeit. 
m) Beständigkeit der Theile in ihrer Lage gegen 
einander. 

Base der Übereinstimmung, 
n) In der Balance dieser bevden Bestimmungen liegt der 
Grund des ganzen Mechanismus der Organisation. 
In dem mehreren was gegeben in dem minderen was 
entzogen wird 

Hegt I ^^^, carackteristische I ^^^^^ gjjj^ 

^ l und zweckmassige (nach aussen) J '^ 

4. Cap. Princip des Gebens und Entziehen s 
o) Die Natur kann nur einen Theil auf Unkosten '.des 

andern begünstigen, sie muss also in einem ge- 
wissen Maasse bleiben. 
p) Osteologische Beyspiele. 

' Jedenfalls verschrieben für »äussere«. 

Goethe- Jahkuuch XIII. 12 



lyS Abhandlungen. 



q) Beyspiele von weichen Theilen. 

rj Anwendung auf den Charackter der Thiere. 

s) Grosse Bedeutsamkeit (Übergewicht) der Zähne be- 
sonders der Schneidezähne. Urspr. der Hörner etc. 

t) Verschiedene Charaktere der Thiere durchgegangen. 

u) Charackter des Menschen. 

v) Charakter des Affen des Esels. 

w) Anwendung des Princips auf die Gestalt der beyden 
Geschlechter. 

5. Cap. Allgemeine Betrachtungen. 

x) Grösse und Kleinheit, viel oder wenig Masse 
machen keinen Unterschied in Betrachtung des 
Typus. 

y) Bemerckungen über grosse und kleine Thiere. Ihre 
eminenten Disproportionen. 

6. Cap. Princip nach aussen. 

z) Das scheinende Zweckmässige als 
Bestimmung von aussen 
Verhältniss nach aussen. 

7. Cap. Einige Blicke auf die übrigen Thiere. 
«) Vögel. 

/?) Amphibien. 
y) Fische. 
Cap. 8. Schluss über die Behandlungsart selbst. 

8) Bemühung dem Mechanismus der Natur näher zu 
rücken und fruchtbare Principien auszusprechen. 

besser. Den Gesetzen der Natur nachzuspüren 
nach welchen sie in einer gewissen bestimmten 
Folge würckt. 

Entsagung auf einen Endzweck loszugehen. 
Zwecke nach innen, Naturzwecke, Ursache und 
Wirkung. 

ri) Pflicht des Forschers und Denkers so zu Werke zu 
gehen. 

Weil sonst nichts gefunden noch geordnet werden 
kann. Freyheit eines jeden weiter zu gehen und 
sich des Dargelegten zu bedienen. 
Cap. 9. Schluss. 
d^ Rückblick von dem Punckte . . .« 

Auf dem Titelblatt des »Versuchs« findet sich noch 
eine andere, mit schwarzer Tinte eigenhändig geschriebene 
Disposition, welche Kapitel enthält, über die sich Goethe, 
soweit bekannt, niemals ausführlicher geäussert hat. Viel- 
leicht ist dies der allererste Entwurf, den Goethe später, 
als zu viel umfassend, eingeengt hat : 



Goethe als AnatoxM. 179 



»Inhalt, Absicht, des Werckes. 
Vergleichende Anatomie. Wirkung auf Naturlehre. 
Phisiologie. 
I. Geschichte. 
Schwierigkeiten. 
Reunions Punkt. 

Versuch des Typus. 
II. Typus generalis. 

Rechtfertigung desselben. 

III. Bildung der Thiergestalt, Im Allgemeinen. Princip 

des Gebens und Nehmens. 
Beständigkeit desselben. 
Versatilität desselben. 
Würckungen von innen. 
— von aussen. 
Exempel. 

IV. Bildung der Thiergestalt in osteologischer Rück- 

sicht. Typus specialis osteologicus. 
V. Übergang der weicheren in festere Theile. Fest 

und weich muss gleich gedacht werden. 
VI. Würckung des Gehirns, der Nerven. 
VII. Der Eingeweide. 
VIII. Der Muskeln in dieser Hinsicht. 
IX. Haut Haare Überfluss andeutend.« 



Diese Entwürfe zu dem »Versuch« sind deswegen hier 
ausführlich mitgetheilt worden, weil sie Goethes Ideen 
über vergleichende Anatomie und den viel besprochenen 
Typus viel vollständiger und anschauUcher zeigen, als die 
nur die ersten Capitel des Entwurfs enthaltenden ausführ- 
licheren Darstellungen. — Goethe entwickelt hier Gedanken, 
wie sie erst sehr viel später von den Begründern der 
Naturphilosophie, theilweise erst in den letzten Jahr- 
zehnten geäussert wurden. Goethe spricht ja nirgends von 
einer »Abstammung«, einer wirklichen Bluts -Verwandt- 
schaft der Thiere unter einander oder zwischen den 
Thieren und dem Menschen. Aber, w'enn er das Wort 
auch nicht ausgesprochen hat, so scheint er doch stark an 
eine innere Verwandtschaft der Formen, von der Urpflanze 
bis zum Menschen gedacht zu haben. Jedenfalls hat er 
die Vorstellung einer zusammenhängenden Entwicklungs- 
reihe der Organismen gehabt, welche indes nicht — wie 
Darwin will — mehr auf Zufall, auf »Anpassung an äussere 
Einwirkungen und Vererbung« von den durch solche An- 



I 8o Abhandlungen. 



passung erworbenen Eigenschaften, sondern wesentlich oder 
ledigUch auf inneren Geset:ien beruhe. So dürfte meines 
Erachtens Goethe der Lamarck' sehen Descendenzlehre näher 
stehen als dem eigentlichen Darwinismus, wenn man über- 
haupt die ganz eigenartige' und selbständige Anschauung 
Goethes mit modernen Theorien vergleichen darf oder will. 
Nach einer etwa zehnjährigen Unterbrechung der 
anatomischen Studien während des gemeinsamen Wirkens 
mit Schiller — von 1795 bis 1805 — hat Goethe diese 
Lieblingsbeschäftigung bald nach dem Tode Schillers 
wieder aufgenommen, wie Papiere aus dem Jahre 1807 
beweisen. In den zwanziger Jahren, bis zu seinem Tode, 
hat dann bekanntlich Goethe sich wieder ganz besonders 
mit Anatomie betasst, wobei er vielfach auf seine früheren 
ersten Entwürfe und Ausarbeitungen zurückkam, wie die 
neu gefundene » Geschichte des Manuscripts « und andere 
Schriften zeigen, die aus der Mitte der zwanziger Jahre 
stammen müssen. Goethe berichtet in diesem kleinen 
Fragmente zu einer Autobiographie u. a. über den »Versuch, 
den Versuch umzuarbeiten. Mislingt. Weil man es besser 
machen will ohne gleiches Feuer und Gegenwart. Bleibt 
liegen. Jetzt wieder aufs erste zurückgeführt, da das 
alte Mspt. noch :{ii handen ist.(( In der »Schlussbetrachtunga 
spricht Goethe von seinem »dreissigjährigen noch nicht 
erkalteten Interesse;« er fragt: »Warum soll man aber nicht 
lebendig erhalten was einmal gelebt hat?« — und schhesst 
höchst charakteristisch : »Velleitäten. Man tröstet sich, 
dass die Geschichte der Wissenschaften, ja die ganze Ge- 
schichte nur dergleichen aufweist. Und ich wüsste daraus 
keine weitere Nutzanwendung zu ziehen, als dass wir 
nichts sorgfältiger thun sollten, als das Entdeckte, Ge- 
fundene, Bedachte, Geordnete, wie und wo wir es finden, 
redlich zu ehren und zu unserm wie zu andrer Nutzen 
sträcklich anzuwenden. Hora ruit.« 



' Folgender Satz (im Bündel : »Thierwelt«) spricht allerdings 
nicht sehr für Descendenz-Gedanken : 

»Der Arte hat etwas ähnliches vom Krebse darinnen, dass bey 
der möglichsten Verwandlungsfähigkeit aller Theile kein regulirendes 
und constituirendes Prinzip irgend wo obwaltet. Deswegen jeder Theil 
sich ungestraft erweitern, verengern, verlängern oder verkürzen mag, 
und das Ganze darum, es mag sich geberden, wie es will, immer absurd 
bleibt«. »Den Affen« (Goethe spricht stets in der Einzahl von diesen 
Thieren) scheint Goethe überhaupt nicht sehr geliebt zu haben. 



3- 

Goethes Faust und das hohe Lied. 

Von 

Otto Pniower. 




ie sehr die Bibel, das alte wie das neue Testament, 
auf Goethe eingewirkt hat, ist bekannt. Er selbst 
spricht sich darüber im vierten und im zwölften 
Buche von Dichtung und Wahrheit eingehend, an anderen 
Stellen seiner Autobiographie (sechstes und siebentes Buch 
Werke 27, 57 ff. 27, 95 ff.) weniger genau aus. Die 
Forschung hat denn auch neuerdings den Versuch unter- 
nommen, den Spuren dieses Einflusses in der Sprache des 
Dichters, den er selbst constatirt (Werke 27, 59), nach- 
zugehen (Victor Hehn: Goethe-Jahrb. 8, 187 ff. und G. Hauff 
Goethe- Jahrb. 11, 176, Henkel, Goethe und die Bibel 
Leipzig 1890). Auch das ist bekannt, dass die Beschäftigung 
Goethes mit der Bibel eine so eindringende war, dass er 
bis zur Production auf dem Gebiete der Kritik schritt. 
1773 erschienen von ihm die beiden Schriftchen: »Brief des 
Pastors zu • . • an den neuen Pastor zu • . • Aus dem 
Französischen« und »Zwo wichtige .... biblische Fragen 
u. s. w\ « Gegen das Ende der neunziger Jahre erwachte 
dann das alte Interesse von neuem. Er betrieb jetzt eifrige 
Studien zum zweiten Buch Mosis, Studien, die sich haupt- 
sächlich um die Person Mosis und um das Problem vom 
Zuge der Kinder Israel in der Wüste bewegten. Die 
Ergebnisse dieser Forschungen hat der Dichter erst viel 
später (1819) in den Noten zum Divan veröffentlicht. 



l82 Abhandlungen. 



Doch selbstverständlich hat Goethe nicht bloss vom 
Standpunkte des sachlichen Kritikers aus die Bibel be- 
trachtet. Auch als er schon der Kritik fähig und zu ihr 
sehr geneigt war, hat er sie vor allem ästhetisch auf sich 
wirken lassen. Ausser durch die in der Sprache des 
Dichters nachweisbaren Spuren des biblischen Einflusses 
wird uns das durch Goethe selbst bezeugt, der im vierten 
Buch von Dichtung und Wahrheit ausdrücklich hervorhebt, 
wie die idyllischen Bilder des orientalischen Lebens in 
den fünf Büchern Mosis ihn zur Sammlung und Beruhigung 
stimmten. Es wird uns für die Frühzeit ferner durch 
eine Reihe dichterischer Pläne, die aus der Bibel flössen 
(vgl. darüber Elenkel a. a. O. S. 2), sowie durch die ganz 
vom biblischen Geiste getragenen »Fünfzehn Parabeln. 
Salomons Königs von Israel und Juda güldne Worte von 
der Ceder biss zum Issop « (Der junge Goethe 3, 500 ff.) 
bezeugt, wie endlich durch den Umstand, dass Goethe 
von einem Stück der Bibel, dem hohen Liede, so ergriffen 
wurde, dass er es in sein geliebtes Deutsch übertrug. 

Man wusste von dieser Uebersetzung lange Zeit nur 
durch den Brief Goethes an Merck vom 10. oder 11. Oc- 
tober 1775, worin es heisst: »Ich habe das hohe Lied 
Salomons übersezt, welches ist die herrlichste Sammlung 
Liebeslieder, die Gott erschaffen hat. « Später hat dann 
A. Scholl in seinen Briefen und Aufsätzen von Goethe (1846) 
S. 155 fl. kleine Bruckstücke der Uebertragung veröffent- 
licht. Das Ganze kennen wir erst, seit Gustav von Loeper 
es in seiner Ausgabe der Briefe Goethes an Sophie La 
Roche und Bettina Brentano (Berlin 1879) hat abdrucken 
lassen. 

Diese Uebertragung lehnt sich im Ganzen an die 
Luther'sche Verdeutschung eng genug an, was bei der 
geringen Kenntniss, die Goethe vom Hebräischen besass, 
begreiflich ist. Doch berichtigt sie manche ihrer Irr- 
thümer (vgl. V, 16 und Goethe oei v. Loeper S. 135 Z. 3/4 
V. u.). Im Uebrigen verleugnet sie Goetnisches Gepräge 
nicht. Man spürt in ihr sogleich das Walten eines 
dichterischen Geistes, der vorzugsweise von künstlerischen 
Gesichtspunkten geleitet wird. Die vielen dem orien- 
talischen Stile so gemässen Wiederholungen im Original 
sind auf eine ganz geringe Zahl beschränkt, und die An- 
ordnung der Strophen ist neu und selbständig durch- 
geführt. Die übliche Capiteleintheilung hob Goethe auf 
und suchte seine Auffassung, dass das hohe Lied die 
herrlichste Sammlung von Liebesliedern sei, schon in der 
Gruppirung der Strophen zur Geltung zu bringen, indem 
er das Ganze in 31 Stücke zerlegte, von denen wohl ein 



Goethes Faust und das hohe Lied. 183 

jedes eine Art Liebeslied darstellen soll. Die Reihenfolge 
der Strophen im Original ist dabei, abgesehen davon, dass 
viele gestrichen sind, genau befolgt. In einzelnen Wen- 
dungen bricht dann der dichterische Geist des Ueber- 
setzers lebhaft durch. So wenn er die Stelle, in der 
Sulamiths sinnhches Erbeben bei der Berührung des Ge- 
liebten geschildert wird et venter meiis intremiiit ad tacium 
eins (V, 4) kurz wiedergibt mit: mich iiberliefs. 

Bei diesem »mich überliefs« denkt man sogleich an 
das mnich überläuftsv, mit dem in der ersten Gartenscene 
Gretchen Fausts machtvoll hervorsprudelnden Liebeserguss 
unterbricht. Nach den Worten : 

»Ja, mein Kind ! Lass dieses Blumenwort 
Dir Götterausspruch sein! Er hebt Dich! 
Verstehst Du, was das heisst? Er liebt Dich!« 

murmelt Gretchen: »Mich überläufts«. Dazu gibt der 
Dichter die scenische Anweisung, dass Faust nach seinen 
Worten Gretchens beide Hände fasst. Ich merke diesen 
Umstand an, weil er die Aehnlichkeit der Situation schärfer 
hervortreten lässt. Wie es in der Bibel heisst ad tactiim 
eins intremuit, so erscheint hier das Schaudern mit als 
eine Folge der Berührung. 

Dieselbe Wendung »mich überliefs« treffen wir bei 
Goethe im ersten Act des Egmont (Werke 8, 199), da 
Klärchen, kurz bevor der weggeschickte Brackenburg 
wiederkehrt, im Gespräch mit ihrer Mutter erzählt, wie 
sie auf einem ärmlichen Holzschnitt die Schlacht bei 
Gravelingen dargestellt sah : »Ich finde oben im Bilde den 
Buchstaben C. und suche unten in der Beschreibung C. 
Steht da: »Graf Egmont, dem das Pferd unter dem Leibe 
todt geschossen wird. Mich überliefs«. — Man sieht: 
hier handelt es sich nicht um ein Erwachen schlummernder 
Leidenschaft, sondern um den Ausdruck eines plötzlichen 
Angstgefühls. Die Stelle steht darum der im hohen Liede 
nicht so nahe wie die im Faust und ich erwähne sie hier 
auch weniger wegen ihrer Aehnlichkeit mit ihr als weil 
die Wendung sprachlich merkwürdig ist und schon des- 
halb bis in ihre Schlupfwinkel hinein verfolgt sein will. 

Das Characteristische an ihr ist die Prägnanz. Es wird 
das blosse Verbum gebraucht ohne das Substantiv Schauder 
und ohne ein Adverb wie kalt oder heiss. An den andern 
Stellen an denen überlaufen in diesem Sinne nach dem 
Sandersschen Lexikon bei Goethe erscheint, steht Schauder. 
»Ein Schauder überlief mich vom Kopf bis auf die Füsse« 
schreibt Werther in den Briefen aus der Schweiz (Hempel 
16, 232). »Ein Schauder überläuft die Erde« sagt der Dämon 



184 Abhandlungen. 



des Krieges in des Epimenides Erwachen (Auftritt 5). 
Dazu kann ich aus dem Tankred (Act 4, Scene 6, Hempel 
10, 498) fügen: »Hätte damals Dich ein Schauer über- 
htufen u. s. w.« Aehnlich heisst es in dem Monolog, den 
Gretchen spricht, bevor sie den König in Thule singt 
(Urfaust V. 609) : Mir läuft ein Schauer am ganzen Leib. 
Sonst ist der prägnante Gebrauch von »mich überläufts,« 
der wie ich höre heute noch dialectisch ist, weder bei 
Sanders belegt noch bei Adelung. Bei Goethe kenne ich 
ihn nur noch in der Fischerin, wo der Vater, bevor Niklas 
die Ballade vom Wassermann vorträgt, sagt : » So sing 
nur! Ich bin nun schon so alt geworden, und manchmal 
überläuft mich's doch«. 

Der Umstand, dass die Goethische Uebertragung des 
hohen Liedes und der Faust sich in einer so charac- 
teristischen Wendung begegnen, lässt schon an irgend 
einen näheren Zusammenhang der Uebersetzung mJt dem 
Drama denken. Doch ist das nicht der einzige Punkt, 
durch den wir darauf geführt werden, etwaige Beziehungen 
zwischen beiden ins Auge zu fassen. Es kommt noch 
ein äusseres werthvoUes Zeugniss hinzu. In demselben 
Brief, in dem Goethe Merck von seiner Uebersetzung 
Mittheilung macht, heisst es: »Hab an Faust viel ge- 
schrieben«. Und nun erhebt sich wie von selbst die Frage, 
ob sich nicht in Goethes Drama Spuren seiner eindring- 
lichen Beschäftigung mit dem Liede der Lieder nach- 
weisen lassen. 

Die Bedeutung der Bibel überhaupt für den Faust und 
ihr dichterischer Einfluss auf ihn ist häufig bemerkt worden 
und aus jedem Commentar ersichtlich. Hier sei nur an 
den »Prolog im Himmel« erinnert, dessen Conception be- 
kanntlich auf dem Buche Hiob I, 6 beruht. Auch kennen 
wir in ihm seit Langem Anlehnungen gerade an das hohe 
Lied oder Anspielungen darauf. In der Stelle der Scene 
»Wald und Höhle«, wo Mephisto, um Fausts Lüsternheit 
rege zu machen, ausruft : 

»Gar wohl mein Freund! Ich hab' euch oft beneidet 
Um's Zwillingspaar, das unter Rosen weidet.« 

benutzt der letzte Vers eine Wendung, die in ihm häufig 
begegnet (IV, 5, VI, 2, VII, 3), vgl. auch die Ausgabe von 
Loeper zu v. 2981. Und die Verse, die Faust in der Walpurgis- 
nacht, als er mit der Jungen tanzt, spricht: (v. 4128 ff.) 
»Einst hatt' ich einen schönen Traum; 
Da sah ich einen Apfelbaum, 
Zwei schöne Aepfel glänzten dran, 
Sie reizten mich, ich stieg hinan.« 



Goethes Faust und das hohe Lied. 185 

nehmen namentlich in ihrem Schluss Bezug auf jene Stelle 
im hohen Lied (VII, 8), wo es heisst : »Ich will auf den 
Palmbaum steigen und seine Zweige ergreifen«. Vgl. 
Loeper zu v. 3775. 

Aber diese Verse sind erst gegen Ende der neunziger 
Jahre gedichtet und jene Stelle in der Scene »Wald und 
Höhlecf sicherlich nicht früher verfasst als zu der Zeit, da 
Goethe in Italien für das Fragment die Scene theils neu 
schuf, theils aus vorhandenen Stücken zusammenstellte. 
Wir aber müssen nach Spuren der Einwirkung des 
hebräischen Gesanges im Urfaust suchen. 

Natürlich denken wir vor allem an diejenigen Parthien 
des Werkes, die sich im Charakter mit dem Geiste des 
hohen Liedes begegnen, an die Liebesepisode, die Gretchen- 
scenen, die uns ja auch schon dadurch nahe gelegt werden, 
dass in einer von ihnen die besprochene Wendung sich 
findet. Erinnern wir uns ferner, dass Goethe in dem 
Original seiner Uebersetzung die herrhchste Sammlung 
von Liebesliedern sah, die Gott erschaffen hat, so denken 
wir bestimmter an ein Lied. 

Als ein solches darf Goethes Monolog »Am Spinn- 
rad: Meine Ruh ist hin. Mein Herz ist schwer« u. s. w. 
immerhin gelten, wenn es auch nicht in jedem Sinne ein 
Lied ist. Ein liedartiger, lyrischer Charakter ist ihm 
jedenfalls nach Form wie nach Gehalt unverkennbar auf- 
geprägt. Und in der That zeigt dieser Monolog Einfluss 
des biblischen Gedichtes. Manchem schon mag die Art, 
wie in der sechsten und siebenten Strophe die körperlichen 
Vorzüge des Geliebten geschildert werden, aufgefallen 
sein. Sie ist biblisch, und dass sie uns nun aus dem 
Munde eines deutschen Mädchens entgegentönt, scheint 
auf dem starken Eindruck zu beruhen, den der hebräische 
Gesang in der Seele des jugendlich empfänglichen Dichters 
hinterlassen hat. 

Zweimal wird im hohen Lied die Schönheit des 
Mädchens (IV, i; bei Goethe No. 13 und VI, 4 — 6; bei 
Goethe ausgelassen) und einmal die des Geliebten (V, 
II — 16; Goethe No. 18) mit all der Ausführlichkeit be- 
schrieben, die dem orientalischen Stil eigen ist. In der 
Methode der Vergleichung werden seine Augen, die Haare, 
die Zähne, die Lippen, die Wangen, der Hals u. s. w. 
characterisirt. Beim deutschen Dichter werden wir nicht 
dieselbe Breite erwarten. Bei ihm beschränkt sich die 
Beschreibung auf den Gang des Geliebten, die Gestalt, 
den Mund, die Augen, die Rede und den Händedruck. 
Aber beinahe für jeden Zug dieser Characteristik bietet 



l86 Abhandlungen. 



das hohe Lied entsprechendes. Zwar wird der Gang des 
Gehebten nicht ausdrückhch erwähnt, dagegen heisst es, 
was immerhin daraufführen iconnte: » crura illius cohumnae 
marmoreae quae fundatae sunt super bases aureas «, was 
Goethe übersetzt : » Seine Beine wie Marmorsäulen auf gül- 
denen Sockeln « (Luther: gegründet auf goldenen Füssen). 
Von der Geliebten Sulamith wird dann VII, i der schöne 
Gang in den Schuhen hervorgehoben. Dem Goethischen 
»Seine edle Gestalt« entspricht das biblische, gleich nach 
der Erwähnung der Beine folgende: »Seine Gestalt (species) 
luie der Libanon, auserwählet wie Cedern.« Der Mund 
wird im hohen Liede nicht genannt, dafür aber die Lippen, 
von denen es heisst, sie seien »Rosen träufelnd köstliche 
Myrrhen.« (Luther: wie Rosen, die mit fliessenden 
Myrrhen triefen). Die Augen werden genannt (Tauben- 
augen an den Wasserbächen, gewaschen in Milch, stehend 
in Fülle). Ebenso ist seiner Rede Zanberßuss vorgebildet 
durch guttiir suavissimmn, was Goethe übersetzt mit: »seine 
Kehle voll Süsigkeit«. »Sein Händedruck« ist natürlich 
Goethisch, doch kann auch dieser Zug immerhin durch 
die Bibel angeregt sein. Die Hände des Geliebten werden 
erwähnt und »Goldringe« genannt, »mit Türkisen besezzt« 
(Luther: goldene Ringe, voll Türkisse). 

Dass diese Uebereinstimmungen beachtenswerth sind, 
wird Niemand bezweifeln. Sie sollen aber nicht bloss für 
beachtenswerth gelten, sondern ich wünsche darzuthun, 
dass sie auch wirklich auf der Beeinflussung Goethes durch 
das bibhsche Gedicht beruhen. Es kommt mir darauf an 
zu zeigen, dass er bei der Conception seines Liedes ausser 
durch andere Momente, die auf ihn einwirkten, auch durch 
eine gleichsam active Erinnerung an das biblische Werk 
bestirnmt wurde, das ihn gepackt hatte und in seiner Ge- 
dankenwelt weiter lebte und webte dergestalt, dass die 
angeregte Phantasie sich in eine jenem Werke verwandte 
Art der Production umsetzte, dass der Dichter unwnllkür- 
hch, ja wahrscheinlich unbewusst Töne anschlug, die ihm 
von dorther erklangen. 

Um das zu beweisen, reichen die hervorgehobenen 
Uebereinstimmungen allerdings nicht aus. Setze ich den 
nicht unwahrscheinlichen Fall, dass unter meinen Lesern 
sich ein Skeptiker findet, der dazu noch der in der 
Literaturgeschichte jetzt so eifrig betriebenen »Motiven- 
jagd« abhold ist, so muss ich von ihm zunächst den Ein- 
wand befürchten, dass ein Dichter wie Goethe, dem eine 
reichlichst queflende Begabung eine Fülle von Formen 
zur Verfügung stellte, ganz von selbst und unabhängig 
von äusserer "Beeinflussung darauf kommen konnte, den 



Goethes Faust und das hohe Lied. 187 

Geliebten von Gretchen in dieser Art scliildern zu lassen, 
wie fremd sie uns auch anmuthet. 

Darauf erwidere ich, dass mir schon die Theorie, die 
diesem Einwand zu Grunde liegt, bedenklich erscheint. 
Bei der Frage nach dem Ursprung einer dichterischen 
Manifestation gilt der Satz: »ganz von selbst« producirt 
der Dichter üoerhaupt nicht. Zu dem, was das Innere 
spendet, gehört allemal ein von aussen gekommenes 
Moment, mag das nun etwas vom Dichter erfahrenes, 
erlebtes, mag es von ihm durch Leetüre oder sonst mittel- 
bar erworben sein. Aber selbst zugegeben, dass jene Auf- 
fassung richtig wäre, bliebe sie auch nur wahrscheinlich 
angesichts des Umstandes, dass wir auf diese Art der 
Darstellung gerade in dem biblischen Gedicht stossen, mit 
dem Goethe sich zu einer Zeit beschäftigte, als er ein- 
gestandener Maassen viel am Faust arbeitete.'^ 

Es kommt hinzu, dass wir bei genauerem Zusehen 
noch mehr verwandte Züge zwischen dem Monolog und 
dem hebräischen Liede finden. Zunächst khngt das 

»Ach dürft ich fassen 
Und halten ihn!« 

in der vorletzten Strophe des Monologes bedeutungsvoll 
an eine Stelle im hohen Lied an III, 4 tenui eum nee 
dimittam, besonders wenn man die Goethische Ueber- 
tragung berücksichtigt : ich fass ihn, ich lass ihn nicht 
(Luther: ich halte ihn und will ihn nicht lassen). Dann 
scheint mir vor allem die starke sinnliche Gluth, von der der 
Monolog namentlich in den letzten Strophen durchhaucht 
ist und die Goethe später etwas zu dämpfen sich veranlasst 
sah, auf der Einwirkung des eigentlichen Liedes der Liebe 
zu beruhen. Welch heisse Leidenschaft in dem biblischen 
Gesänge lodert, ist bekannt. Ausser in dieser allgemeinen 
Uebereinstimmung im Temperament der Dichtung, wenn 
ich so sagen darf, begegnen sich das biblische Werk und 
das deutsche Lied auch noch in einer Reihe kleiner Züge, 
in denen jene Gluth sich äussert. Wie er, der Gehebte, so 
bekennt auch Sulamith in der Bibel unverhüllt ihre lieben- 
den Wünsche. VII, 12 heisst es: ibi dabo tibi ubera mea, 
was Goethe wiedergibt (No. 26) : Da will ich Dich her~en 
nach Feniiögen, Luther hingegen im wörtlichen Sinne: »Da 
will ich Dir meine Brüste geben«. Wie verwandt sind mit 
der Goethischen Uebertragung die Worte des Liedes: »Und 
küssen ihn, so wie ich luollt.« ! VIII, i heisst es noch ein- 
mal: ut inveniam te foris et deosculer te »fand ich Dich 
draus, ich küsste Dich«. Und genau wie in dem Monolog 
auf die Charakteristik des Geliebten die Verse folgen, in 



Abhandlungen. 



denen die Sehnsucht nach ihm mit leidenschafthcher Gewalt 
durchbricht, heisst es am Schluss der Beschreibung des Ge- 
liebten in der Bibel V, i6: Totus desiderabilis, was Goethe 
übersetzte: »er ganz mein Begehren.« (N0.18), später (No. 25) 
noch einmal: »Ich bin meinem Freunde, bin auch sein ganzes 
Begehren« =et ad me conversio ejus, Luther viel gemässigter 
»und er hält sich auch zu mir«. Ja, wir beobachten in dieser 
Beziehung eine Aehnlichkeit zwischen der Gestalt, die der 
biblische Gesang in der Goethischen üebertragung erhalten 
hat und dem Monolog. Wie hier am Schluss die Liebe 
mit stürmischen Schritten zum Gipfel heissen A'^erlangens 
aufsteigt, so endet die Uebersetzung, indem Goethe die 
sieben letzten Strophen des Originals kühn fortlässt, 
wirkungsvoll mit einem Hymnus auf die unendliche Macht 
der Liebe : »Sezze mich wie ein Siegel auf Dein Herz, wie 
ein Siegel auf Deinen Arm. Denn stark wie der Todt ist 
die Liebe. Eifer gev^-altig wie die Hölle. Ihre Glut Feuer 
Glut, eine fressende Flamme. Viel Wasser können die 
Liebe nicht löschen, Ströme sie nicht ersäufen. Bot einer 
all sein Haab und Gut um Liebe, man spottete nur sein«. 

Eine ähnlich geartete Schilderung des Geliebten aus 
dem Munde seines Mädchens wie in dem Monolog am 
Spinnrad bietet Goethe noch einmal in dem merkw^ürdigen 
Gedicht: So ist der Held, der mir gefällt (Der junge 
Goethe 2, 37 f. Werke 4, 361 f.). Darauf hat mich mein 
Freund August Fresenius aufmerksam gemacht, dem über- 
haupt diese Betrachtungen die entschiedenste Förderung und 
eine Fülle von Hinweisen verdanken. Nachträglich sehe 
ich, dass auch G. v. Loeper in seiner ersten Ausgabe von 
Goethes Faust (Hempel 12, iio) die Verwandtschaft des 
Liedes mit unserem Monolog kurz bemerkt hat. 

In diesem Gedichte scheint die Annäherung Goethes 
an die orientalische Manier viel grösser als in dem Stück 
des Faust. Vor allem ist der Dichter breiter und aus- 
führlicher. Wie Fausts hoher Gang gleich im Eingang 
der Schilderung, die Gretchen von ihm entwirft, gerühmt 
wird, so heisst es hier vom Geliebten zunächst: »Hoch 
ist sein Schritt, fest ist sein Tritt«. Dann »Schwarzes 
Haar auf runder Stirne bebet,« wie im hohen Lied das 
rabenschwarze Haar des Geliebten gepriesen wird. Darauf 
w^erden die Stirne, die Wangen, die Brust, die Augen, 
der Mund and die Lippen beschrieben. Zuletzt werden 
in dichterischer Weise moralische Eigenschaften mit 
Körpertheilen combiniert: »Treu ist sein Blut .... Schutz 
und Stärke wohnt in weichen Armen. Auf dem Antlitz 
wohnet edles Erbarmen«. Von dieser Schilderung kommt 
der Bibel recht nahe: »Auf den Wangen ew'ger Frühling 



Goethes Faust und das hohe Lied. 189 

lebet,« da die Wangen im hohen Liede Würzgärtlein 
genannt werden »voller Büsche des Weihrauchs« wie 
Goethe übersetzt, »wachsende Würzgärtlein der Apotheker« 
wie Luther mehr im wörtlichen Sinne sagt. Doch linden 
sich in der Lyrik des 18. Jahrhunderts, namentlich in der 
Anakreontik, viele gerade diesem Ausdruck ähnliche oder 
verwandte Wendungen. Es sei nur an das Goethische 
»Ein rosenfarbes Frühlingsw etier lag auf dem lieblichen 
Gesicht« errinnert, vgl. auch Uz (hrsg. v. Sauer in Seufferts 
Deutschen Litteraturdenkmalen No. 33 — 38) 87, 23 ff. »So 
lang auf Wangen junger Schönen Ein blühend Morgenroth 
entzückt«. S. 22. v. 3. »Das (Auge) nach den Rosen ihrer 
Wangen Durch manchen Umweg lüstern schleicht.« S. in 
v. 46 ff. »Flattert nun der Gott der Lust Um die rosenvollen 
Wangen Und um jede Liljen-Brust«. S. 100 v. 15 ebenfalls 
»roscnvoUe Wangen«. Sehr characteristisch dagegen ist, 
was von den Lippen des Helden ausgesagt wird: 

»Auf den Lippen träufeln Morgendüfte, 
Auf den Lippen säuseln kühle Lüfte«. 

Bernhard Seuffert (Zeitschr. f. deutsches Alterthum 
Bd. 26 S. 262) nannte die Verse .anakreontisch, ein 
anderer, ein Anonymus (Paul Lindaus Gegenwart 1879 
No. 31) ossianisch. Doch weist dieser schon auf ihre 
eigentliche Quelle hin: die Bibel. Wie sehr klingen die 
Worte an diejenigen an, mit denen Goethe die ent- 
sprechende Stelle des hohen Liedes in seiner Uebersetzung 
wiedergibt: »Seine Lippen Rosen träufelnd köstliche 
Myrrhen !« 

Auch Inhalt und Gedankengang des Gedichtes be- 
weisen, dass das hohe Lied Motive dafür spendete und 
einmal erkhngt ein Ton, ähnlich, wie wir ihn in Gret- 
chens Herzenserguss am Spinnrad vernehmen. Ent- 
sprechend dem biblischen toiiis desiderahills und genau 
wie Gretchen im Monolog, nachdem sie Faustens Ge- 
stalt vor ihr geistiges Auge gerückt hat, das Verlangen 
ihn zu besitzen kund gibt, ringt sich auch von Chloens 
Lippen, nachdem sie den Geliebten sich vergegenwärtigt 
hat, der sehnsüchtige Rut : »Selig ! wer an seinem 
Busen ruht« (v. 30). 

Auch andere Momente sprechen dafür, dass bei der 
Conception des Gedichtes, wenn nicht orientalischer, so 
doch fremder Einfluss massgebend war. Denn erst wenn 
wir eine solche Einwirkung von aussen annehmen, er- 
halten wir über die Natur des Gedichtes wie über die 
Intention des Autors bestimmtere Aufklärung und erst so 
wird eine Episode in seiner Geschichte begreiflich. 



190 Abhandlungen. 



Durch sich selbst ist das Lied nicht eben klar und ver- 
ständlich. Man hat darum auch die Goethische Autorschaft zu 
bestreiten versucht (Archiv für Litteraturgeschichte X, 270), 
und V. Loeper hat es in der Weimarer Ausgabe unter die 
Rubrik »Gedichte zweifelhaften Ursprungs« gestellt. Doch ist 
die Verfasserschaft Goethes unseres Erachtens, so unsicher 
es auch mit der handschriftlichen Ueberlieferung des Ge- 
dichtes steht, aus vielen Gründen nicht zu bezweifein. Hier 
sei nur angeführt, dass sich in Goethes Tagebuch am 
I. September 18 16 eine Einzeichnung findet, wonach er an 
einem früheren Lied »Flieh Täubchen flieh« — dies ist 
der Anfang unseres Gedichtes — emendirt hat. 

Auch schimmert trotz allem Ungoethischen durch das 
Ganze eine dichterische Kraft, die man in den siebziger 
Jahren keinem anderen als Goethe zutrauen möchte und die 
um so mehr ins Gewicht fällt, als der improvisatorische 
Character des Gedichtes nicht zu verkennen ist. Seine 
Dunkelheit besteht nicht bloss darin, dass Einzelheiten wie 
die V. 32 

»Soll mein deutsches Herz mit weichen Flöten 
Rasches Blut in meinen Adern tödten?« 
jeder Erklärung Trotz zu bieten scheinen, sondern auch 
sein Grundcharacter tritt nicht scharf genug heraus. Un- 
bestimmt schillert die Haltung des Dichters zwischen Scherz 
und Ernst und wenn uns der Schluss nicht, was er aller- 
dings mit grosser Entschiedenheit thut, verriethe, wohin 
seine Auffassung zielt, wir würden schwerlich erkennen, 
dass wir es mit einer Parodie zu thun haben. Nehmen 
wir dagegen an, dass der Dichter in dem Gedicht fremde 
Anregungen verarbeitet, so sehen wir sogleich genauer, 
wie es um das Lied bestellt ist. Einen so undeutschen 
Eindruck es nämlich im Ganzen macht und so wenig 
deutsch uns eine Wendung anmuthet wie etwa die schon 
hervorgehobene: »Schutz und Stärke wohnt in weichen 
Armen«, ebenso unverkennbar stellt es andrerseits das 
Ideal eines deutschen Helden auf. Dreimal wird das 
Deutsche betont. 

v. 15. Edler Deutschen Füsse gleiten nit. 
V. 32. Soll mein (1. sein ?) deutsches Herz mit weichen Flöten 
V. 40. Bis ihr deutschen Glanz zu Grabe bringt. 

Bedenken wir dabei, dass der Dichter die Farben zu 
diesem Gemälde eines deutschen Jünglings sich aus der 
Fremde, dem Orient, geholt hat, so kann uns die wahre 
Absicht, die er mit dem Liede verfolgte, nicht mehr ver- 
hüllt bleiben und dass es sich in ihm um die bitterste 
Ironie handelt, wird klar genug. 



Goethes Faust und das hohe Lied. 191 

Was die Episode aus der Geschichte des Liedes be- 
trifft, auf die ich anspielte^ so meine ich damit die That- 
sache, dass Goethe selbst das Gedicht später verleugnet 
hat. Es geschah das in einem Brief an den Kanzler 
Müller vom 22. Juni 1827, der bisher ungedruckt ist und 
von dem nur die Stellen bekannt waren, auf die sich Burk- 
hardt (Archiv f. Litteraturgesch. 2, 517) und v. Loeper 
(Hempel 5, 249 f. Anm.) b'erufen. 

Dank dem freundlichen Entgegenkommen der Direction 
des Goethe- u. Schiller-Archivs, die mir auch Collationen aller 
Handschriften des Gedichtes bereitwilligst überliess, bin 
ich in der Lage, ihn hier in seinem kurzem Wortlaut mit- 
zutheilen. Er ist von Johns Hand geschrieben und eigen- 
händig G unterzeichnet. Eine von einer Schreiberhand 
herrührende Abschrift unseres Gedichtes geht ihm voran. 

»Vorstehendes Gedicht wird mir freylich zuge- 
»schrieben, ich erinnere mich aber nicht es gemacht 
»zu haben und wollte es daher nicht aufnehmen aus 
»Furcht es möchte von dem wahren Autor zurück- 
»gefordert werden. Auch scheint es mir nicht ganz 
»mit meiner Sinnes- und Dichtart .übereinzutreften. 

»Inzwischen habe einige höchst nothwendige Emen- 
»dationen daran gewendet. 
Weimar 
den 22. Juny 
1827 

Um zu verstehen, dass Goethe das von ihm verfasste 
Gedicht nicht als das seinige erkannte, muss man im Auge 
behalten, dass es ihm, als er den Brief dictirte, nicht in 
seiner ursprünglichen Gestalt vorlag, sondern in derjenigen, 
die es in der Zelterschen in demselben Jahr erschienenen 
Sammlung »Sechs deutsche Lieder für die Altstimme. 
Berlin, Trautwein 1827« zeigt. Hier ist es mit dem Namen 
des Dichters unterzeichnet und von Goethe hatte es der 
Componist im Jahre 18 16 erhalten, nachdem es, wie wür 
aus dem Tagebuch wissen, einer neuen Durchsicht unter- 
zogen war. Zwölf Jahre vergingen, ehe es publicirt wurde, 
und als es Goethe endUch vor Augen trat, hatte es ein 
wesentlich anderes Aussehen als damals, da es entstanden 
war. Nicht nur waren im Interesse leichterer Componir- 
barkeit Einzelheiten, wie jene hervorgehobene dunkle 
Stelle geändert, sondern die ganze letzte polemische 
Strophe, mit der der Musiker nichts anfangen konnte, war 
fortgelassen. Mit ihr fiel der nur in ihr genannte Name 
des Mannes, der, sei es allein, sei es mit anderen zu- 
sammen dem Dichter einst den Anlass zur Improvisation 



1^2 Abhandlungen. 



gab, der Name Wielands. So war dem Gedächtniss ein 
wichtiger Anknüpfungspunkt entzogen, zugleich aber war 
mit dem Wegfall die ursprüngliche Tendenz des Liedes 
in ihr gerades Gegentheil verkehrt. Was als Satire be- 
absichtigt war, erschien nun als ernsthafte dichterische 
Intention und eine Art von Poesie, die Goethe, nur um 
sie lächerlich zu machen, nachahmte, trat ihm als eine 
von ihm selbst widerspruchslos geübte entgegen. Kein 
Wunder, wenn er nun seine Sinnes- und Dichtart darin 
vermisste. Um wie viel begreiflicher aber wird, dass er 
seine »Dichtart« in dem Liede nicht wiederfand, wenn 
wir hinzunehmen, dass sein Colorit zum grossen Theil 
dem Orient entlehnt war! Wir kommen auf das Gedicht 
noch zurück. 

Fassen wir nach dieser nothwendigen Abschweifung 
den iMonolog wieder ins Auge und die Einwirkung, die 
er von dem biblischen Werke erfuhr, so findet ni diesem Ein- 
fluss auch seine eigenartige Form in einem gewissen Sinne 
ihre Erklärung. Dass ein Monolog in einem Drama die 
Gestalt eines Liedes zeigt, ist sicherlich merkwürdig und 
Scherer war das Auffallende der Erscheinung auch nicht 
entgangen. (Betrachtungen über Faust. Goethe-Aufsätze 
S- 307O Js^2;t sehen wir wenigstens den Weg, auf dem 
Goethe dazu gelangte, die liedartige Form für ihn zu 
wählen. Wenn sich ihm das biblische Stück, wie er selbst 
bekennt, als die herrlichste Sammlung von Liehcsliedeni 
erwies, wird es ihn, sofern es ihn zum Dichten befeuerte, 
vor Allem zu einer liedartigen Composition hingetrieben 
haben. 

Doch ist damit nicht gesagt, dass der Dichter nicht 
auch für die rein dramatischen Scenen, den Dialog, aus 
dem biblischen Gesang Anregung hätte schöpfen können. 
Ja, man darf sogar die Frage aufwerfen, ob es nicht wirk- 
lich geschehen ist. Dass in den Gretchenparthien, be- 
sonders in der ersten Gartenscene, ein Ton ange- 
schlagen ist, von dem wir verwandte Klänge auch in dem 
biblischen Werke vernehmen, dafür können wir Goethe 
selbst zum Zeugen aufrufen. Li den Noten zum Divan 
kommt er gleich im Beginn auch auf das hohe Lied als 
eines der wichtigsten Denkmäler östlicher Poesie zu 
sprechen. In der kurzen Charakteristik, die er von ihm 
entwirft, sagt er: »Durch und durch wehet eine milde 
Luft des lieblichsten Bezirksvon Canaan; ländlich trauliche 
Verhältnisse, Wein-, Garten- und Gewürzbau, etwas von 
städtischer Beschränkung«. Ist mit diesen Worten nicht 
auch — wenigstens ungefähr — die Atmosphäre der ersten 
Gartenscene gekennzeichnet? Athmet nicht auch hier der 



Goethes Faust UND DAS HOHE Lied. 193 

Geist »städtischer Beschränkung?« Ich verkenne nicht, 
welche Verschiedenheit trotz aller Aehnlichkeit des Milieus 
herrscht hier in dem Gemälde eines deutsch-bürgerlichen 
Interieurs, dort in der Darstellung orientalischen Hirten- 
lebens. Es soll ja auch nicht mehr vermuthet werden als 
möglicher Weise eine Einwirkung des biblischen Gesanges 
auf die Conception der ersten Gartenscene in der Weise, 
dass Goethe von ihm den Impuls zur Ausführung einer 
im Geiste längst umrissenen Scene empfing, so dass sie 
jetzt unter dem lebendigen Eindruck des hebräischen 
Liedes Form und Farbe erhielt. Es war dadurch nur der 
Anstoss zur Production gegeben, die nun ganz eigenartig 
in gewaltigem Strom hervorschoss und in einer Fülle 
neuer kleiner Züge von unvergänglicher Wirkung sich ergoss. 

Für diese Vermuthung möchte ich noch Folgendes 
geltend machen. Charakteristisch für die erste Gartenscene 
ist besonders die Art, w4e Goethe die häuslichen Verrich- 
tungen eines deutschen Bürgermädchens in ein poetisches 
Licht zu rücken weiss, wie er Gretchen in ihrer Sphäre 
schildert: das Schwesterchen wartend, kochend, fegend, 
strickend und nähend und wie er das Prosaische dieser 
alltäglichen Beschäftigung nicht nur völlig vergessen lässr, 
sondern geradezu mit dem strahlenden Glänze der Poesie 
zu umgeben weiss. Diese anscheinend so nüchterne All- 
täglichkeit im hohen Drama und bei einem Stoffe, wie 
ihn die Faustsage bot, dichterisch zu verwerthen, war 
immerhin ein Wagniss und es zeigt sich darin die ganze 
geniale Sorglosigkeit des jungen Dichters um das, was 
dem allgemeinen Geschmacke für poetisch oder nicht 
poetisch galt. An sich ist das Naiv-Idyllische, das sich in 
diesem Zug ausspricht, ein gleichsam nur natürlicher Aus- 
druck der Goethischen Individualität und schon der Werther 
bewies, dass das Register des Dichters auch über solche 
Töne verfügte. Aber diese Seite des Goethischen Genius 
zeigt sich in dieser Partie des Faust viel schärfer und 
ausgeprägter und so darf man vielleicht fragen, ob nicht 
für die Erklärung dieser Erscheinung die Einwirkung des 
hohen Liedes heranzuziehen sei. Wenigstens geht es dem 
deutschen Dichter mit einer noch viel derberen Aeusserung 
naiver Natürlichkeit voran als er wagen durfte. Ihrem 
an die Thüre pochenden Geliebten ruft Sulamith zu: »Bin 
ich doch entkleidet, wie soll ich mich anziehen ? Hab ich doch 
die Füsse gewaschen, soll ich sie wieder besudeln?« (V, 3.) 

Einfluss des hohen Liedes auf die Conception einer 
Goethischen Dichtung ist schon früher beobachtet worden 
und zwar für ein Drama des Dichters, das ihn in derselben 
Zeit beschäftigte, in der er den biblischen Gesang übersetzte. 

GotTHE-jAHRBLCH XIII. 12 



194 Abhandlungen. 



Wilhelm Scherer hat in seinem Aufsatz : Sophie von 
La Roche und ihre Enkelin (Goethe- Aufsätze S. 85 ff.) 
darauf hingewiesen, dass im Egmont die Situation zu 
Beginn des fünften Aufzuges, da Klärchen in den Strassen 
umherirrend ihren Geliebten sucht und die Bürger iür ihn 
aufzureizen unternimmt, von jenen Stellen im hohen Lied 
eingegeben sein wird, in denen Sulamith nach ihrem 
Bräutigam forschend geschildert wird, III, 2 (Goethe 
No. 11). »Aufstehen will ich und umgehen in der Stadt, 
auf den Märkten und Strasen. Suchen, den meine Seele 
liebt, ich sucht ihn, aber fand ihn nicht. Mich trafen die 
umgehenden Hüter der Stadt : den meine Seele liebt, 
saht ihr ihn nicht?« Aehnlich V, 6 (Goethe No. 17) 
»Mich trafen die umgehenden Wächter der Stadt. Schlugen 
mich, verwundeten mich, nahmen mir den Schleier die 
Wächter der Mauern«. Bedenken wnr, wie sehr der 
Egmont sich in entscheidenden Motiven gerade mit dem 
Faust berührt, wie er mit ihm die charakteristische Wendung 
»mich überliefs« gemein hat, so werden wir, wenn wir 
eine Einwirkung des hebräischen Liedes auf jenen kennen, 
eine auf diesen auch da nicht mehr unwahrscheinlich 
finden, wo wir zwar keine so concrete Uebereinstimmung 
wahrnehmen, wie sie gleicher Wortlaut, ähnliche Situation 
oder dgl. bieten, wo wir aber doch einen Hauch ver- 
wandten Geistes verspüren. 

Wir dürfen darnach für den Monolog am Spinnrad 
mit einiger Sicherheit von einem Einfluss der bibHschen 
Dichtung sprechen und für die erste Gartenscene ihn wenig- 
stens vermuthen. Damit aber gewinnen wir auch etwas 
für die Chronologie des Urfaust. Ich habe schon früher 
(\'ierteljahrsschritt für Litteraturgesch. 4, 354) die Ansicht 
ausgesprochen, dass die beiden Gartenscenen wiegen der 
Höhe der Kunst, auf der sie stehn und wegen der in ihnen 
herrschenden Metrik dem Ende der Frankfurter Zeit, dem 
Herbst 1775, zuzuweisen sind. In dieser Ansicht w^erde 
ich jetzt erheblich bestärkt. Zwar hat Goethe das hohe 
Lied sicherlich auch schon vor dem Herbst 1775 gekannt, 
und dass es voreilig und unmethodisch wäre, aus den 
Anklängen daran allein schon den unmittelbaren Schluss 
auf die Entstehungszeit im Herbst 1775 zu ziehen, ist 
mir nicht verborgen. Man vergegenwärtige sich jedoch 
folgende Momente: Im Herbst 1775 wird Goethe von der 
Leetüre des biblischen Liedes so gepackt, dass er es erst 
jetzt gleichsam entdeckt, seinen hohen dichterischen Werth 
erkennt und sogleich zu seiner Uebersetzung schreitet. Er 
macht davon in einem Briefe Mittheilung, in dem er gleich- 
zeitig von seiner starken Thätigkeit am Faust spricht. Nun 



Goethes Faust und das hohe Lif.d. 195 

hat die erste Gartenscene mit der Uebersetzung jenen 
Ausdruck »mich überläufts« gemeinsam und dazu kommt 
endlich, dass früher angestelhe Erwägungen metrischer 
Natur auch schon für die Abfassung im Herbst 75 sprechen. 
Liegt es nun nicht nahe genug anzunehmen, jene Scene 
wie die Uebersetzung des hohen Liedes gehören in eine 
und dieselbe Zeit und sind in den letzten Wochen des 
Frankfurter Aufenthaltes gedichtet? Was aber von der 
ersten Gartenscene gilt, wird man auch für die zweite 
gelten lassen müssen, da wir keinen Anlass haben, die 
beiden zeitlich aus einander zu rücken. Mit noch grösserem 
Recht dürfen wir den Monolog am Spinnrad in den 
Herbst 1775 verweisen. Scherer hat allerdings die Ansicht 
aufgestellt, er sei zwar 1775, jedoch schon vor der 
Sciiweizer Reise, die Mitte Mai angetreten wurde (Dichtung 
und Wahrheit, hrsg. v. Loeper Bd. 23, 177), verfasst. 
Lidern er nämlich das » Lied in der Abwesenheit « von Fritz 
Stolberg als eine Nachahmung von Gretchens Monolog 
erkannte, nahm er an, dass der Dichter diesen kennen 
gelernt habe, als er im Mai 1775 in Frankfurt bei Goethe 
weilte. Das Lied würde darnach die Existenz des Monologes 
schon für das Frühjahr 1775 vorausse'tzen (Anzeiger Tür 
deutsches Alterthum 2, 284). Lidessen reicht der Umstand, 
dass Stolberg in der Gesammtausgabe seiner Gedichte 
das Lied ganz allgemein dem Jahre 1775 zuweist, zu einem 
so bestimmten Schluss nicht aus. Es ist ebenso gut 
möghch, dass der Graf von dem Monolog erst im Herbst 
durch eine Abschrift, die ihm Goethe zusandte, Kenntniss 
erhielt und dass dann erst das in den Motiven sich so 
sichtbar an ihn anlehnende Lied entstand. Ein Brief gerade 
aus diesen Tagen an Friedrich Leopold Stolberg und 
Genossen ist uns noch erhalten (Werke I\', 2 No" 358). 
Schwieriger ist die Frage, wann das Gedicht: So ist 
der Held, der mir gefällt, verfasst ist. Seuftert a. a. O. 
5.263 ist der Ansicht, dass es im Herbst 1772 entstanden 
sei. Damals waren die Hirtenlieder von F. A. C. Werthes 
erschienen und sie sollen Goethe die Veranlassung zur Ver- 
spottung jener weichlichen Poesie gegeben haben. Anders 
datirt das Gedicht Georg Witkowski (Vierteljahrsschrift für 
Litteraturgeschichte 3, 509 ff.Y Er verweist es in den Herbst 
1771 und bringt es mit der Pastor Amor-Aliaire des 
Joh. Benjamin Michaelis in Zusammenhang. Aber beider 
Beweisführung erscheint uns nicht zwingend. Weder sieht 
man, warum gerade die unschuldigen Gedichte des Werthes 
Goethe so zur Satire reizen konnten, noch findet man irgend 
engere Beziehungen des Liedes zum Pastor Amor-Streit, 
Ich möchte hinblickend auf die Verwandtschaft des Ge- 



196 Abhandlungen. 



dichtes mit dem Monolog am Spinnrad und den biblischen 
Einfluss bedenkend, auf den wir geführt wurden, vermuthen, 
dass es in die gleiche Zeit wie jener, in den Herbst 1775 
gehört. 

Freilich vermag ich diese Datirung ausser durch die 
behandelten stiHstischen Momente sonst, namentlich biogra- 
phisch, nicht weiter zu begründen. Auch bedarf es hierzu 
noch weiterer Feststellungen. In erster Linie müsste klar 
sein, gegen welche bestimmten Vertreter einer tändelnden 
Poesie das Gedicht gerichtet ist. In zweiter Linie, ob es 
nur auf diese d. h. im Wesentlichen die Anakreontiker 
zielt, oder ob auch gegen Wieland. Zu dieser AutTassung 
neigt nämlich Seuffert, indem er meint, dass das »seines 
gleichen(( in V. 37: 

»Singt, Schäfer, singt, wie's auch gelingt, 
Wieland soll nicht mehr ;;/// seines gleicher, 
Edlen Muth von eurer Brust verscheuchen. 
Singt, Schäfer, singt, wie's euch gelingt, 
— Bis ihr deutschen Glanz zu Grabe bringt«. 

unverkennbar etwas Verächtliches gegen Wieland enthalte. 
Dieser Umstand aber, dass Wieland mit einem leicht 
ironischen Blicke gestreift wird, findet, wie Seuffert meint, 
darin seine Erklärung, dass im Jahre 1772 wenigstens der 
Schein entstehen konnte, als begünstigte er dieWerthes'schen 
Lieder, insofern diese Sammlung als Anhang das Fragment 
des »Verklagten Amors« von Wieland enthielt, die Ge- 
dichte mithin als von ihm geschätzte gelten konnten. 
Dagegen ist jedoch einzuwenden, dass das »seines gleichen« 
nicht nothwendig etwas Verächtliches involvire. Es kann 
auch ganz gut aus dem Sinne der »Schäfer« gesprochen 
sein und ein spöttischer Seitenhieb Goethes auf Wieland 
braucht nicht darin zu liegen. Wie schwer ist es aber zu 
einer endgiltigen Entscheidung zu gelangen, wenn das nicht 
einmal sicher ist ! Irgend Klarheit zu gewinnen dürfen 
wir nicht eher erwarten, als bis wir den bestimmten An- 
lass kennen, aus dem heraus Goethe das Gedicht conci- 
pirte. Leider vermag ich zur Enthüllung dieses Anlasses 
nichts beizutragen. Nur auf eine Briefstelle will ich auf- 
merksam machen, die freilich nur für den Fall beherzigens- 
werth ist, dass das Gedicht mit seiner Verspottung auch 
Wieland treffen soll. Am 11. October 1775 d. h. ent- 
weder an demselben Tage, an dem Goethe jenen Brief 
an Merck richtete, von dem wir ausgingen oder einen 
Tag später, schreibt er an Sophie von La Roche: »Wieland 
ist doch der alte auch in der Neuwiedischen Affaire, diese 
Weiber Ader wird mich furcht ich von ihm abscheiden«. 



Goethes Faust und das hohe Lied. 197 

Dem Brief legt er dann Lenzens eben erschienene Satyre 
auf Wieland, die Ekloge Menall: und Mopsus, bei. Dabei 
ist allerdings wieder zu bemerken, dass bisher nicht er- 
mittelt ist, was es es mit der Neuwieder Affaire auf sich 
hat. G. von Loeper sagt in seinem Commentar zu 
Goethes Briefen an Frau von La Roche (S. 104) nicht 
mehr als: »Die Neuwiedische Aftaire betraf wohl auch 
Buri«, der allerdings in Neuwied lebte. Seuffert in seinem 
wiederholt citirten, sonst so aufschlussreichen Aufsatz 
»Der junge Goethe und Wieland« schweigt darüber völlig 
und auch auf eine an ihn gerichtete Anfrage war er, der 
beste Kenner Wielands, nicht im Stande, bestimmte Aus- 
kunft zu geben. Ob trotzdem in den herausgehobenen 
Worten der Schlüssel zu dem Goethischen Gedichte 
liegt? .... 

Den starken Eindruck, den das hohe Lied auf den 
jungen Dichter gemacht hat, bestätigen auch spätere Werke 
Goethes. Ausser jenen in den achtziger und neunziger 
Jahren gedichteten Stellen im Faust, die wir erwähnt 
haben, zeigen auch die Pandora, Dichtung und Wahrheit 
und das Gedicht »Der Bräutigam« (Hempel 3, looj Nach- 
wirkungen davon oder Anspielungen darauf. Allemal ist 
es die Stelle V, 2 »Ich schlafe, aber mein Herz wachet,« 
die dem Dichter vorschwebt. In der Pandora ruft Phileros 
in dem mächtigen Hymnus durch die Nacht: 

»Was hilft es, und neiget das Haupt auch sich nieder, 
»Und sinken ohnmächtig ermüdete Glieder, 
»Das Herz, es ist munter es regt sich, es wacht, 
»Es lebt den lebendigsten Tag in der Nacht«. 

Im siebzehnten Buch von Dichtung und Wahrheit, in 
der Darstellung gerade der Zeit, um die es sich hier han- 
delt, was vielleicht auch beziehungsvoll ist, sagt Goethe : »Es 
war ein Zustand, von welchem geschrieben steht : Ich schlafe 
aber mein Herz wacht.« Und das Gedicht beginnt : 

»Um Mitternacht ich schlief, im Busen wachte 
»Das liebevolle Herz, als war' es Tag.« 

Sichtlich haben wir es bei diesem Bilde mit einer 
Vorstellung_ zu thun, die sich dem Dichter tief eingeprägt 
hatte und ihn bis in sein hohes Alter hinein begleitete. 
Doch soll damit nicht gesagt sein, dass Goethe nur von 
der Erinnerung an das einst so tief empfundene Werk 
zehrte. Bekennt er doch selbst, dass er sich wiederholt 
mit dem hohen Liede beschäftigt hat. Mehrmals, sagt 
er an der schon angeführten Stelle im Divan, habe er 
daran gedacht, aus dieser lieblichen Verwirrung einiges 



I98 Abhandlungen. 



herauszuheben, an einander 7.u reihen. Er hat sich dann 
noch einmal über das Werk in einer Recension der Ueber- 
setzung von Friedrich Umbreit (Hannover 1820) aus- 
gesprochen, einer Recension, die erst nach seinem Tode 
gedruckt wurde (Hempel 29, 805). Hier erklärt er sich 
mit der Auffassung des Uebersetzers, dass Ankage und 
Ausführung des Gedichtes dramatisch seien, einverstanden. 
Als er es 1775 übertrug, war ihm das zwar nicht mit 
völliger Klarheit aufgegangen, doch ahnte er es. Eine 
nähere Betrachtung des Princips, nach dem er die acht 
Kapitel der Bibel zu 31 Liedern gruppirte, würde das hin- 
länglich erweisen. Doch dürfen w"ir hier auf diese Er- 
örterung w^ohl verzichten. 




Goethe und Johannes Secundus. 



Von 

Georg Ellinger. 




s ist bekannt, dass Goethe in die landläufige Be- 
urtheilung der neulateinischefi Poesie nicht ein- 
. gestimmt hat, sondern einzelnen Erscheinungen 

derselben' mit Theilnahme nachgegangen ist. Sowohl 
aus den bekannten Worten Kunst und Alterthum, I; 3,45 
als auch aus sonstigen gelegentlichen Aeusscrungen (von 
denen die charakteristischste, Goethe-Jahrb. II, 284 ff. Ifier 
ausdrückhch hervorgehoben werden möge) ergibt sich die 
Thatsache, dass Goethe den Werth der neulateinischen 
Dichtung im Ganzen nicht gering anschlug. Mit be- 
wunderungswürdigem Scharfblick hat er, trotzdem ihm 
nur ein ganz geringer Bruchtheil der neulateinischen 
Dichtung "bekannt war, doch sofort glänzend erkannt, 
welcher" Hauptgesichtspunkt für eine "Erforschung der 
Leistungen Deutschlands auf diesem Gebiete zunächst 
massgebend sein müsste. Er betonte vollkommen richtig, 
dass "der Kern einer solchen Aufgabe in einer genauen 
Erkenntniss des nationalen Unterschiedes zu suchen sei; 
und je tiefer man in das einschlägige Material eindringt, 
desto schärfer tritt der von Goethe mit divinatorischer 
Sicherheit erfasste Massstab heraus. In der That: während 
die übrigen neulateinischen Dichter eine ziemlich gleich- 
artige und nur durch die einzelnen Individualitäten unter- 
schi^edene Masse bilden, heben sich die deutschen Neu- 
lateiner durch gewisse, ihnen Allen gemeinsame Züge, 
heraus, freilich, von rein poetischem Standpunkt betrachtet, 
keineswegs immer zu ihrem Vortheil. 



200 Abhandlungen. 



Stammesverwandtschaft und Gleichheit oder doch 
wenigstens Aehnhchkeit in den wichtigsten Lebensan- 
schauungen erlauben uns sonst die niederländischen Neu- 
lateiner den deutschen zuzurechnen. Der neulateinische 
Dichter, der am Längsten und stärksten auf Goethe ein- 
gewirkt hat, steht im Ganzen genommen, der bieder- 
männischen Tüchtigkeit der deutschen Neulateinei ebenso 
ferne wie ihrer steifleinenen Pedanterie und nähert sich 
mehr etwa der Weise der Neulateiner Italiens. Johannes 
(Janus) Secundus, (der Name Nicolai, den er noch zu- 
weilen führt, nach seinem Oheim), Sohn des Rechts- 
gelehrten Nicolaus Everard ist am 14. November 151 1 im 
Haag geboren und zu Utrecht am 24. September 1536 
gestorben. Während seines kurzen Lebens hat er sich 
nicht nur als Dichter, sondern auch als Bildhauer und 
Maler ausgezeichnet, und auf Reisen, die ihn durch 
Frankreich, Spanien und Italien, ja in dem Kriegszuge 
Karls V. gegen Tunis bis an die Küste von Afrika führten, 
durch aufmerksames Beobachten der Sitten von Völkern 
und Menschen sich eine Fülle von Erfahrungen und An- 
regungen gewonnen. Goethe lernte seine Gedichte am 
Anfange der siebziger Jahre kennen; aufs Neue griff er 
dann im Herbst 1776 zu dem Gedichtcyklus: Basia, und 
der Eindruck, den diese Stücke damals auf ihn ausübten, 
war der stärkste. Das beredteste Zeugniss dafür ist das 
schöne Gedicht: an den Geist des Johannes Secundus, 
welches Goethe, wie bekannt, am 2. November 1776 an 
Frau von Stein sandte (vgl. Loepers Ausgabe der Gedichte, 
11,^, 339) und aus dem er später (1789), nicht zum 
Vortheil des Gedichtes, die Beziehungen auf Johannes 
Secundus strich und es unter dem Namen »Liebesbedürfniss« 
in seine Lyrik einreihte. Dass Goethe auch die übrigen 
Gedichte des Johannes Secundus kannte, ist zweifellos, 
wenn er auch seit 1776 nur die Basia erwähnt. Es kommen 
von den andren Werken noch in Betracht die drei Bücher 
Elegieen, die zwei Bücher Episteln, die Oden und 
Epigramme; weniger sind die Funera sowie sein Liber 
sylvarum für die Erkenntniss seines dichterischen Charakters 
und seines Einflusses auf Goethe von Werth.' 

Es ist leicht erklärlich, dass Goethe von den Dich- 
tungen des Johannes Secundus und der Persönlichkeit, die 
ihm aus ihnen entgegentrat, sich angezogen fühlte, auch 
wenn wir von dem Interesse absehen, das Goethe ohnehin 
der neulateinischen Poesie entgegenbrachte. Johannes 



' Ich citire nach der Ausgabe : Joannis Secundi Hagiensis opera, 
nunc pnmum in lucem edita. Trajecti 1541. 



Goethe ukd Johakxes Secündus. 201 

Secundus gehört zu den eigenthümlichsten Erscheinungen 
nicht allein der neulateinischen Dichtung, sondern der 
deutschen und niederländischen Litteratur des sechzehnten 
Jahrhunderts überhaupt. Es sind nur wenige gleichzeitige 
Dichter zu nennen, die mit der gleichen Unmittelbarkeit 
und Frische die inneren und äusseren Ereignisse, den 
wesentlichen Inhalt ihres Lebens im Gedichte festzuhalten 
versucht hätten, wie Johannes Secundus. Ihn mit Celtis 
zu vergleichen, liegt nahe ; aber während uns bei Celtis 
noch allerhand Nüchternheiten stören und der humanistische 
Zopf nirgends vollständig überwunden ist, hat sich Johannes 
Secundus davon frei zu halten und die vom Alterthum 
empfangenen Anregungen selbständig zu verarbeiten und 
auszugestalten verstanden. 

Denn dass er stark unter dem Banne der klassischen 
Dichter steht, ist bei einem neulateinischen Dichter 
selbstverständlich. Aber selten haben wir es mit einer 
äusserlichen Nachahmung zu thun ; nur ganz vereinzelt, 
und, wie es scheint, in Anfangsgedichten findet sich die 
frostige und leere Rhetorik, die das Einzige ist, was so 
viele neulateinische Dichter vom Alterthum gelernt haben 
und die ihre dicken Bände so ungeniessbar macht. (So 
etv,-a Epistolae, II, i, auch die priamelhaften Anhäufungen 
in Ode IV. mag man hierher rechnen.) Am stärksten hat 
von den Dichtern des klassischen Alterthums Catull auf 
ihn eingewirkt; das viel nachgeahmte Eingangsgedicht an 
Cornelius Nepos ist auch von ihm nachgebildet worden 
(Ad Romoldum Stenemolam, in der Gesammt-Ausgabe 
in den Epigrammen abgedruckt ; trotz der Anlehnung an 
Catull ist es nicht ohne eigne hübsche Züge, man ver- 
gleiche namentlich die anmuthige Ausmalung des künftigen 
Zusammenseins mit dem Freunde am Schluss); Lesbias 
Sperling hat auch ihm Stoff zu zwei Gedichten gegeben, 
in denen CatuUische Erfindungen weiter ausgeführt werden, 
und das ganze Buch: Basia baut sich im Grunde auf den 
Motiven auf, die Catull in den bekannten beiden Stücken 
No. 5 und 7 niedergelegt hat. Aehnliche Anlehnungen 
wären noch mehr anzuführen, aber sie treten nirgends 
störend hervor. Im Gegentheil: was man trotz der 
Herübernahme des Gewandes von nur wenigen neu- 
lateinischen Dichtern behaupten kann, das lässt sich 
Johannes Secundus ohne Uebertreibung nachrühmen : in 
ihm ist wirklich das klassische Alterthum wieder lebendig 
geworden. Das Antike ist bei ihm nirgends angelernt, 
sondern stark und wahr wiederempfunden. So w-erden 
ihm die Gestalten der klassischen Dichter zu lebendigen 
Menschen, zu Gebilden, die er aus eignem poetischen 



202 Abhandlungen. 



Empfinden neu in sich erstehen lässt. Dass dieses Lob 
nicht übertrieben ist, möge man aus der Art ersehen, in 
der der Dichter Eleg. III, i6 sich und seinem Freunde 
dichterische Gestalten der klassischen Autoren greifbar 
vor die Augen zaubert, und ebenso schön zeigt sich die 
unmittelbare Vergegenwärtigung des überlieferten Mate- 
riales in dem Gedicht: in libellos Catulli, Tibulli et Pro- 
pertii, Eleg, III, 3., welches als Beweis für die Richtigkeit 
des Gesagten hier folgen möge : 

Intemerata vides linguae monimenta Latinae, 

Delicias dominae lautitiasque togae. 
Scilicet, heic omne est, colles audire Quirini 

Molle vel argutum quod potuere prius. 
Heic et Pompeia spatiaris serus in umbra 

Subque tuos oculos multa puella venit, 
Laxa comam, religata comam, distincta capillum, 

Culta, nigris oculis, crine decora nigro, 
Inter quas prima procedit Lesbia pompa, 

Passeris interitu nunc quoque moesta sui 
Totque tibi blando promittit basia vultu, 

Lenis amatori quot dedit ante suo. 
Proxima progreditur lascivo Delia passu, 

Felicem Nemesis quam prope radit humum. 
Fortunatae ambae, quarum sancta fama virebit, 

Pectora dum vatum parvus aduret Amor! 
Cynthia deinde, potens oculis iaculantibus ignem, 

Subsequitur Coa mobilis in tunica. 
Haec domuit forteni tactumque Cupidine nullo, 

Et fastus spolium celsa tuentis habet. 
Tu quoque qui cernes, cave ne laedaris ab illa, 

Spirat adhuc flammas et sua tela gerit. 

Was ihn dazu befähigte, in dieser Weise das Alter- 
thum wirklich zu erfassen und zu durchdringen, war neben 
seiner Kenntniss desselben hauptsächlich seine Abneigung 
gegen alle Pedanterie und Schulfuchserei, — Eigenschaften, 
die den meisten neulateinischen Dichtern so tief im Blute 
steckten. Daher kehren Ausfälle gegen die Pedanten be- 
ständig in seinen Gedichten wieder ; er wünscht sich als 
Leser keine Gelehrten, die mit seinen Liedern doch 
nichts anzufangen wüssten, sondern Liebende und Freunde 
der Dichtkunst, die im Stande seien, ihn wirklich nachzu- 
fühlen. Weil er so wenig Pedant war, blieb er auch nicht 
an der Aussenseite des klassischen Alterthums kleben; er 
suchte den Kern, und so hat er wirklich den Geist der 
Antike erfasst und aus ihm herausgedichtet. Aus diesem 
Grunde erscheint auch der mythologische Apparat, den 



Goethe und Johannes Secundus. 203 

er überall verwendet, nirgends als etwas Künstliches; er 
fügt sich vielmehr so ungezwungen und der »anzen Art 
seines Dichtens angemessen ein, dass man ihn ungern 
entbehren möchte. 

Durch die gleichzeitigen weltgeschichtlichen Ereignisse 
scheint Johannes Secundus wenig berührt; von den beiden 
Oden an Karl V. (Ode i und 6) zeigt namentlich die erste 
durch ihr pomphaftes und etwas gespreiztes Pathos, wie 
wenig das Herz des Dichters bei der Sache war, und ein ge- 
plantes Gedicht über den Zug Karls nach Tunis ist über 
die Anfangszeilen nicht hinausgekommen. Sonst hat er 
von den grossen Begebenheiten der Zeit, auch hierin 
Goethe ähnlich, nur das berücksichtigt, was störend in 
seinen Kreis trat und die heitere Harmonie seines Lebens 
unterbrach. Darum beklagt er die von den Täufern her- 
vorgerufenen Wirren und begrüsst freudig den Damen- 
frieden von Cambrai, indem er ausdrücklich ausführt, wie 
nun an die Stelle der blutigen Kämpfe die heiteren Spiele 
der Liebe treten würden. Den Krieg überhaupt ver- 
wünscht er und schätzt den durch die Waffen erworbenen 
Ruhm gering; deshalb verflucht er den Erfinder des 
Schwertes; den schrecklichsten Frevel aber hat nach seiner 
Meinung der begangen, der die höllische Kunst des Pulvers 
erfunden und dadurch mehr als Salmoneus die rächenden 
Blitze des Zeus verdient hat. 

Sein Lebensideal hat seine Wurzeln in Freundschaft 
und Liebe, Die Freundschaft hat er wiederholt in Liedern 
gefeiert, auch sein Verhähniss zu bestimmten Freunden 
zum Theil in sehr schönen Worten auseinandergesetzt, 
(vgl. namentlich Epistolae, I, 12.) Ein ruhiges, dem ge- 
meinsamen Verkehr mit den Freunden und der Pflege der 
Musen gewidmetes Leben erklärt er für das Ziel seiner 
Wünsche. Aber weit mehr noch als die Freundschaft 
beherrscht die Liebe sein ganzes Leben, und man geht 
nicht fehl, wenn man das ganze Schäften des Dichters als 
Liebespoesie bezeichnet. Denn auch wo er andere Gegen- 
stände behandelt, verlässt ihn doch der Gedanke an die 
Liebe fast nie. Er wiederholt beständig, dass der eigent- 
Hche Vorwurf seiner Dichtung die Liebe sei, und ebenso 
hebt er hervor, dass ihn erst die Liebe zum Dichter ge- 
macht hat. Dem Amor und der Venus weiht der Dichter 
daher mit Recht seine Lieder wie Goethe den Grazien. 
(Eleg. I, II.) — Aehnlich wie bei Celtis sind auch die 
Gegenstände der Neigung des Johannes Secundus keines- 
wegs einwandsfreie Frauen, und in seinen offenen Klagen 
über die Geldgier der Geliebten, in den eifersüchtigen 
Worten, mit denen er die eine oder die andere Geliebte 



204 Abhandlungen. 



der Untreue oder der buhlerischen Koketterie anklagt, 
offenbart sich diese Thatsache deutlich genug. Aber gerade 
die naive Offenheit, mit welcher Johannes Secundus die 
Freuden und Leiden seines Liebeslebens im Liede nach- 
tönen lässt, verleiht seiner Dichtung das Gepräge des 
Unmittelbaren und Erlebten. Man fühlt, wenn man diese 
individuellen Bekenntnisse liest, dass es sich nicht bloss 
um fingirte Persönlichkeiten handelt, die der Dichter be- 
singt. Die poetische Kraft, die ihm aus dem Umstände 
fliesst, dass seiner Dichtung überall wirklich Erlebtes zu 
Grunde liegt, darf gewiss nicht zu gering angeschlagen 
werden. Dazu kommt, dass der Dichter sich selten in 
vagen Schilderungen ergeht: in lebendiger und anschau- 
licher Weise führt er uns die einzelnen Stadien seines 
Liebeslebens vor, sein glühendes Werben, die endliche 
Erhörung, sein kurzes Glück, dem bald ein Ende dadurch 
gemacht wird, dass die Geliebte einem andren Mann als 
Gemahlin folgen muss; seine unendliche Sehnsucht, die ihn 
nach der Stadt zurücktreibt, wo sie einst geweil: und wo 
er durch Alles, was ihn an die Verlorene erinnert, 
das Andenken des Glückes früherer Tage wieder in 
sich aufleben lassen will. Auch wo der Dichter sich 
in Liebesrhetorik, in Klagen, in eifersüchtigen Ver- 
wünschungen ergeht, erweckt er doch keinen Ueber- 
druss, indem die zu Grunde liegenden Thatsachen 
immer deutlich hervortreten und die Ausmalung des 
Seelenzustandes beständig die Theilnahme des Lesers wach- 
hält. Aber auch die Geliebte weiss Johannes Secundus im 
scharigezeichneten Bilde festzuhalten; wenn auch hier 
naturgemäss Schilderungen nicht ganz fehlen, so kam es 
ihm doch mehr darauf an, die Gestalt der Geliebten in 
lebensvollen Situationen zu erlassen; er vergegenwärtigt 
sie, wie sie im Walde beim anmuthigen Spiele Erhörung 
verheisst oder wie sie vor ihm sitzt, während er ihre Züge 
im Marmor festzuhalten sucht; er zeigt die Geliebte, 
wie sie im Tanze dahin gleitet oder ihm neckisch Schnee 
in den Busen wirft und grade dadurch sein Liebesfeuer 
anfacht; wir sehen sie im Kuss an seinem Halse hängen 
oder mit ihm zusammen auf verschwiegenem und liebe- 
erwärmtem Lager ruhn. Auch' in die Betrachtung der 



' Man vgl. z. B. Elegia Solennis I (am Ende des ersten Buches); 
daselbst die schöne Stelle: 

Nigrescit viridi velata cacumine silva, 

Garrula flebilium carmine Dauliadum. 
lila sonans tremulum Zephyro spirante, viroris 
Tempora conqueritur non diuturna sui. 
Derselbe Gedanke ist weitläufiger ausgeführt in Ode II. 



GOKTHE UND JOHANNES SeCUNDUS. 205 

Natur, ihres ewigen Wechsels und ihrer beständigen 
Wiederkehr trägt er die Lust und Pein seines eignen 
Liebeslebens hinein. So finden wir in seinen Gedichten 
fast nirgends etw^as Gemachtes ; überall spüren wir den 
Hauch des warmen und ursprünglichen Lebens. 

Eine gewnsse Verwandtschaft der dichterischen Natur 
des Johannes Secundus mit der Goethes wird sich, wenn 
wir die soeben auseinandergesetzten Merkmale seiner poe- 
tischen Production im Auge behalten, nicht in Abrede 
stellen lassen. Dass Goethe diese Ueberstimmung empfand, 
geht aus den Anfangsworten des an Frau von Stein ge- 
richteten Gedichtes hervor: »Lieber, heiliger, grosser Küsser 
— der Du mir's in lechzend athmender — Glückseligkeit 
fast vorgethan hast — Wem soll ich's klagen ! klagt ich 
Dir's nicht!« Das Gedicht selbst bezeugt den starken Ein- 
druck, den die Basia auf Goethe ausgeübt haben. Directe 
Anlehnungen an dieselben finden sich in dem Gedicht 
nicht ; die Thatsache, auf welche sich Goethe bezieht, dass 
die Geliebte nämlich dem Dichter in die Lippen gebissen 
hat, ist auf Bas. V. und allenfalls noch auf die fünf An- 
fangszeilen von Bas. VIIL zurückzufühfen, dessen Schluss- 
worte Goethe sich später noch als ein schönes Wort be- 
sonders aufgezeichnet hat. (Sprüche in Prosa, No. ^21. 
Hempelsche Ausg. XIX, 72.) Sehen wir nun schon während 
der Zeit seines Verkehres mit Frau von Stein Göthe von 
der heiteren Sinnlichkeit des Johannes Secundus und dessen 
Art, sein eigenes Liebesglück mit den Augen der Antike 
zu betrachten, stark angezogen, so erhebt sich die Frage, 
ob die Dichtung des Johannes Secundus Goethe in anderen 
Epochen seines Lebens nicht noch intensiver beeinflussen 
musste. Zur Beantwortung dieser Frage müssen w'ir noch 
einmal zu den Liebes- und Lebens-Anschauungen unseres 
Dichters zurückkehren. 

Johannes Secundus hasste den Zwang der Ehe. In 
freier, durch keine Fesseln eingeengter Vereinigung sich 
mit dem erkorenen Mädchen seiner Liebe zu freuen, war 
sein höchster Wunsch. Beständig tritt diese Anschauung bei 
ihm zu Tage. Darum preist er die goldene Zeit, da noch kein 
Ehebund die Neigungen zwang und niederdrückte : (El. I, 7.) 

Quam bene priscorum currebat vita parentum, 

Ingenuae Veneris libera sacra colens! 
Nondum coniugii nomen servile patebat 

Nee fuerat Divis adnumeratus Hymen. 
Passim communes exercebantur amores 

Omnibus et proprii nescius orbis erat .... 



2o6 'Abhandlungen. 



Mortales sceleri leges praescribite vestro, 

InnocLiam vinclis nee cohibete Deam ! 
An quia Lemniacis semel est elusa catenis, 

Digna erit a vobis quae graviora ferat ? 
Tempora, si fas est, iterum primaeva redite 

Falciferoque iterum sub sene mundus eat. 
Inscia tunc rastri, tunc vomeris inscia curvi, 

Sponte sua segetem terra benigna feret 
Et repetent iterum desertas numina terras 

Et fruar, o, longum tutus amore meo. 

Ebenso wiederholt er mehrfach den Wunsch, in dem 
Genuss seiner Liebe niroends durch drückende Pflichten 
gehemmt zu werden, vgl. Eleg. II, 8. am Schluss und 
Ode V: At nos interea, quando relinquimur — Abs te, 
cum reliquis tamen, — Quos non ista tenent iura, sodalibus, 
— Donec canities ahest, — Carpamus Veneris gaudia 
liberae. Auch wo diese Anschauung nicht direkt aus- 
gesprochen wird, beherrscht sie doch seine ganze Liebes- 
dichtung : es ist die Furcht, dass die Prosa des Ehestandes 
ihm die volle Glückseligkeit der Liebe zerstören möchte. 

Es leuchtet nun ein, dass eine solche Auffassung bei 
Goethe grade während der ersten Zeit seines Verhältnisses 
zu Christiane auf eine verwandte Seite treffen musste. 
Dass diese Thatsache auch von Zeitgenossen beobachtet 
wurde, dafür bilden die im Goethe -Jahrb. VIII, 26 ab- 
gedruckten Distichen einen Beweis, die Herder am 
28. August 1788 an Goethe richtete, nachdem dieser ihm 
den soeben entstandenen Theil der römischen Elegieen 
vorgelesen. Diese Verse, in denen Herder Goethe als 
Johannes Tertius bezeichnet, zeigen deuthch, dass Herder 
"eine gewisse Vorbildlichkeit der Dichtung des Johannes 
Secundus für die römischen Elegieen empfunden hat. Es 
ist möglich, dass er selbst auf diesen Zusammenhang ge- 
kommen, zumal er ja Goethes Verehrung für Johannes 
Secundus zweifellos kannte und auch eine Abschrift des 
Gedichtes an den Geist des Johannes Secundus besass; es 
ist andrerseits aber ebenfalls keineswegs ausgeschlossen, 
dass Goethe selbst beim Vorlesen der römischen Elegieen 
Herder auf Johannes Secundus als auf seinen Vorgänger 
in dieser Art der Dichtung hingewiesen hat. Bei der Art, 
in der sich Goethe über sein Verhältniss zu dem neu- 
lateinischen Dichter ausgesprochen hat, kann eine solche 
Vermuthung wohl nicht'als allzu ausschweifend bezeichnet 
werden. Wie dem aber auch sei : es darf unter diesen 
Umständen nicht als öde Reminicenzenjägerei betrachtet 
werden, wenn man festzustellen versucht, ob und in wie 



Goethe und Johannes Secundus. 207 

weit in den römischen Elegieen und in den gleichzeitigen 
Gedichten eine Nachwirkung der Poesie des Johannes 
Secundus sich nachweisen lässt. 

Zunächst ist eine deutHch wahrnehmbare Aehnhchkeit 
der Gesammtstimmung zwischen den römischen Elegieen 
und den Elegieen des Johannes Secundus, in denen das Glück 
der erhörten Liebe gefeiert wird, nicht zu verkennen. Die 
volle Ausfüllung der Existenz des Dichters durch die 
Freuden, die ihm die Liebe gewährt, spricht sich in beiden 
Fällen mit der gleichen Offenheit aus. Bei Johannes 
Secundus wie bei Goethe ruht der Hauptnachdruck aut 
der Ausmalung der sinnlichen Seite der Liebesfreuden, 
und wenn Johannes Secundus es auch nicht verstanden 
hat, dieselben in ähnlicher Weise geistig zu verklären wie 
Goethe, so findet sich doch auch bei ihm nichts, was ab- 
stossend wirken könnte. Wie stark der Zauber der 
schönen Form auf den Mann einwirken und ihn in 
schweigender Bewunderung festhalten kann, wollte Johannes 
Secundus durch lebendige Vergegenwärtigung zeigen, und 
die Worte, welche Goethe aushob: O vis superba formae, 
(s. o. S. 205) könnte man als Motto über seine ganze 
Liebesdichtung setzen. Die poetischen Mittel, die er ver- 
wendet, um diese Thatsache darzustellen, ähneln so sehr 
den von Goethe zu dem gleichen Zwecke gebrauchten, 
dass eine absichtliche Anlehnung nicht bestritten werden 
kann. Auch mit dem Einwurf ist eine solche directe 
Beeinflussung Goethes durch Johannes Secundus nicht 
zu entkräften, dass man etwa annähme, die Ueberein- 
stimmung zwischen beiden sei durch Anlehnung an 
die gleichen Vorbilder, also an die römischen Elegiker, 
zu erklären. Das ist aber keineswegs der Fall. Grade 
bei den Punkten, die hier vorgeführt werden sollen, 
zeigt sich eine viel intensivere Wirkung des Johannes 
Secundus als irgend eines der römischen Elegiker 
auf Goethe. Deshalb kann man auch davon absehen, 
darauf hinzuweisen, dass z. B. die allgemeine Handhabung 
der mythologischen Figuren (einen einzelnen Fall s. unten) 
und der poetischen Personifikationen bei Goethe und bei 
Johannes Secundus manches Analoge bietet ; da ja in 
diesem Falle auch zweifellos eine Einwirkung der römi- 
schen Elegiker anzunehmen ist, soll darauf verzichtet 
werden, auf diesen Punkt ausführlich einzugehen, wenn 
auch die anschauliche Kraft, mit der namenthch die Per- 
sonifikationen bei Johannes Secundus ausgemalt sind, 
unwillkürlich den Gedanken an Gestalten wie etwa die 
Gelegenheit aus den römischen Elegieen in uns w^achrufen. 
Weit stärker aber zeigt sich die Beeinflussung Goethes 



2o8 Abhandlungen. 



durch Johannes Secundus noch in der Art, in der bei 
beiden Dichtern die Geliebte dargestellt wird. Denn wie 
bereits hervorgehoben, hält sich Johannes Secundus so 
wenig wie Goethe lange beim Schildern auf, sondern er 
trachtet danach, die lebensvolle Bewegung und Handlung 
anstatt der starren Ausmalung zu geben. Wie sehr in 
dieser Beziehung eine unverkennbare AehnÜchkeit mit den 
durch Goethe in den römischen Elegieen verwandten 
Mitteln hervortritt, möge man an folgenden wenigen 
Versen ersehen, die das Aufwachen der neben dem 
Dichter schlafenden Geliebten schildern sollen: (II, 9.) 
Somnus iucundis iam fluet ex oculis. — In niveo lapsos 
formavit poUice crineis, — Lumina permulsit semireclusa 
manu. Wie bei Goethe erscheint auch hier die Schilderung 
in Handlung umgesetzt. 

Die Elegie, aus welcher die eben angeführten Worte 
entnommen sind, bildet überhaupt einen Beweis dafür, 
dass Johannes Secundus auch im Einzelnen die römischen 
Elegieen stark beeinflusst hat. Der Inhalt ist im Wesent- 
lichen der : der Dichter ruht mit der Geliebten zusammen 
auf dem Lager; während erwacht, ist sie in festen Schlaf 
gesunken; nachdem er verschiedene Weisen, sie zu wecken, 
als zu hart verworfen hat, erwacht sie endlich durch ein 
Zauberlied, das er ihr vormurmelt und zeigt sich ihm, 
neu erwacht, von neuer Schönheit. Die Aehnlichkeit der 
Situation mit der in der fünften, namentUch aber in der 
dreizehnten römischen Elegie dargestellten, springt sofort 
in die Augen. Wenn Goethe die unwillkürlichen Be- 
wegungen der Geliebten verfolgt, so findet sich hier ganz 
etwas Aehnliches : Ipsa negat tibi (sc. sommo) se cubitoque 
innixa supino — Erigitur nostrum labitur inque sinum. — 
Sed rursum nitidos oculos devicta remittit, — Fractaque 
anhelanteis vox cadit in gemitus. Sagt Goethe : »Einen 
Druck der Hand, ich sehe die himmlischen Augen — 
Wieder offen«, so mag an folgende Stelle der Elegie des 
Johannes Secundus erinnert werden : Nam neque subducam 
lapsuro brachia coUo — Nee tibi stridendi voce molestus 
ero, — Nee digitis vellam digitos tibi nee pede duro — 
Vrgebo suras marmoreumque pedem. Und schildert 
Goethe in den letzten Versen die Gewalt, die das Auge 
der wieder erwachenden Geliebten auf ihn ausübt, so sind 
damit die Worte zu vergleichen, die sich bei Johannes 
Secundus ebenfalls gegen Ende des Gedichtes finden: 
Iam dormisse decet, iam te formosior ipsa es, — Mollior 
ex oculis iam tibi flamma venit. 

Auch in dem Anfang der dreizehnten römischen Elegie 
glaubt man gewisse Einwirkungen des Johannes Secundus 



Goethe und Johannes Seccndcs. 209 



y.u spüren. Tritt in jener Amor zum Dichter mit den 
Worten: »Stoff zum Liede, wo nimmst Du ihn her? 
Ich muss Dir ihn geben«, so treffen wir eine verwandte 
Erfindung in Eleg. 1, i. des Joh. Secundus, wo Amor dem 
Dichter den Pfeil mit den Worten in den Busen schleudert: 
»Empfange damit den Stoff zu langem und reichem Ge- 
sänge«. Gesteht bei Goethe Amor dem Dichter zu, dass 
er sein ganzes Leben und Dichten Amors Verehrung ge- 
widmet habe, so kehrt derselbe Gedanke auch in dem 
Gedicht des Joh. Secundus wieder, nur dass er umgekehrt 
von dem Dichter dem Amor gegenüber geäussert wird. 
(Vgl. dazu, sowie zu der Eingangszeile : »Amor bleibet 
ein Schalk, und wer ihm vertraut, ist betrogen« und zu 
der Aufforderung des Amor an den Dichter, nicht altklug, 
sondern munter zu sein, den Anfang von El. I, 7. Insidiose 
puer, maternis saevior undis, — Hac ne tuus vates fraude 
petendus eram. — Tu mihi iussiste, numeris levioribus 
irem, — Assumpsi facileis ad tua iussa modos — 
Materiesque mihi curvato venit ab arcu — Longa, sub 
undenos digna venire pedes.) 

Wie Goethe so vergeht auch Johannes Secundus die 
Zeit im Wechsel des Studiums der Classiker und des 
Spieles der Liebe (Eleg. III, 16.); der Gegensatz zwischen 
dem düsteren Norden und dem heiteren Italien, der bei 
Goethe so häufig auftaucht (röm. Eleg. 7 und 15), findet 
sich ebenfalls schon bei Johannes Secundus vorgebildet. 
(Epist. I, 6.) Und ganz auf Motiven eines Gedichtes des 
Neulateiners (Eleg. II, 2.) beruhen Goethes Morgenklagen. 
Zunächst ist der Inhalt beider Gedichte im Wesenthchen 
der gleiche : dem Dichter hat sein Mädchen versprochen, 
ihn des Nachts aufzusuchen, und er erwartet vergebens 
die Ersehnte. In beiden Fällen haben wir einen Monolog 
des Dichters vor uns ; bei Secundus wie bei Goethe wird 
in den ersten Zeilen das erwartete Mädchen angeredet 
und ihm Wortbrüchigkeit vorgeworfen. Auch die Neben- 
motive sind in ihren Anfängen bei Joh. Secundus schon 
vorhanden : das langsame Hinschleichen der Stunden, das 
Lauschen des Dichters auf jedes Geräusch (. . . Et quera- 
cumque movet strepitum levis aura per aedeis, — Dilectos 
Dominae suspicor esse pedes; vgl. Goethe: Regte sich, ich 
weiss nicht was, im Hause, — Immer hofft' ich, Deinen 
Schritt zu hören, — Immer glaubt' ich. Deinen Tritt zu 
hören.) — Freilich hat Goethe grade diese ungleich 
reicher und lebendiger ausgestaltet. Einzelnes, wie die 
eifersüchtigen Klagen und Vermuthungen bei Johannes 
Secundus hat Goethe fortgelassen; auch der Schluss ist 
ganz sein Eigenthum, denn während bei Goethe die Er- 

Goethe-Jahrbucii XIII. 1^ 



210 Abhandlungen. 



wartete nicht erscheint und vom Dichter nachher auch 
vergebHch im Garten gesucht wird, beglückt bei Secundas 
die GeUebte den Dichter endUch durch ihr Kommen: 
Fallor? an in nostro Umine latrat Hylax. Wenn dieser 
Schluss nun aber auch für die Morgenklagen nicht benutzt 
worden ist, so scheint er doch auf Goethe keineswegs 
ohne Einfluss gebheben zu sein. Es ist viehiiehr durchaus 
nicht unwahrscheinhch, dass Goethe durch die Schkisszeile 
die Anregung zu dem schönen Gedicht erhalten hat (röra. 
Eleg. No. i6), in welchem er von seiner allgemeinen Ab- 
neigung gegen Hundegekläff das Bellen des Hundes aus- 
nimmt, der ihm auf diese Weise das Nahen seines 
Mädchens anzeigte. 

So kann eine directe Einwirkung der Gedichte des 
Johannes Secundus auf Goethes dichterische Production 
wohl nicht in Abrede gestellt werden'. Wie die populäre 
Strömung, so hat also auch die gelehrte Richtung des 
sechzehnten Jahrhunderts in seinem Dichten einen Platz 
ijefunden. 



' Es mag wenigstens darauf hingewiesen werden, dass Johannes 
Secundus scliönes Gedicht: In vicissitudinem rerum instabilemque 
tortunam (abgedr. in dem Sylvarum über) in der Stimmung an 
Goethesche Gedichte wie Grenzen der Menschheit, Gesang der Geister 
über den Wassern und verwandte erinnert; man vergl. den Anfang: 

Omnibus horis 

Nemo beatus. 

Lubrica sors est, 

Nescia certa 

Sede morari. 

Quom stat in imo, 

Tendit in altum, 

Quom stat in aho, 

Tendit ad imum. 
Eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Gedankeninhah der Grenzen 
der Menschheit weist übrigens auch der Anfang von Eleg. III, 9 auf. 



5- 

Goethes Ausscheiden 

AUS DEM 

Frankfurter Bürgerverbande. 

Von 

Rudolf Jung.' 




jie nachfolgende Darstellung bezweckt, den bekann- 
ten Aufsatz des Rathes Fritz Schlosser »Goethes 

.....^ .-,i bürgerliches Verhältniss zu Frankfurt« aus den 

Akten des Frankfurter Archivs und der dortigen Hypo- 
thekenbehörde zu ergänzen und auf Grund dieser urkund- 
lichen Zeugnisse Goethes Verhältniss zu den Behörden 
seiner Vaterstadt zu schildern. Wenn ich von vornherein 
anerkenne, dass der Senat der freien Stadt deren grössten 
Sohn in kleinlicher Weise chikanirte, indem er dem aus- 
getretenen Bürger gegenüber, ohne eine Spur des sonst 
geübten Wohlwollens gegen Fremde bedeutenderen Namens, 
sich auf den strengen Buchstaben des Gesetzes stellte, ja 
mit Misstrauen nachforschen Hess, ob der Ausgeschiedene 
auch jeden im Gesetze dem Frankfurter Bürger vorbehal- 
tenen Vortheiles sich begeben habe, so möchte ich damit 
von den folgenden Ausführungen den Verdacht ablenken, 
dass es sich hier um eine Rechtfertigung der Frankfurter 
Behörde handle, deren kleinliche Anschauungsweise die 
Nachkommen heute einstimmig verdammen. Als vor 
kurzem in den hiesigen Archiven Nachforschungen nach 
den bisherigen Verleihungen des Ehrenbürgerrechtes der 
Stadt angestellt wurden, empfanden es die jetzigen Frank- 

14* 



2T2 Abhandlungen. 



fnrter schmerzlich, dass in der Liste der Männer, welche 
die Stadt mit ihrer höchsten Würde ehrte, unser glän- 
zendster Name fehlt, und es war ein kümmerlicher Trost, 
dass wir uns sagen konnten : er wäre heinahe unser Ehren- 
bürger geworden — wenn er nur gewollt hätte. Aber 
auch dieser schwache Trost ist hinfällig — denn bei der 
ersten und schicklichsten Gelegenheit fehlte der Wille auf 
Seiten des Senates. Wie das kam, sollen die nachfolgen- 
den Ausführungen darlegen.' 

Das Ausscheiden Goethes a^us dem Bürgerverbande 
seiner Vaterstadt fällt in eine Zeit, da seine freundschaft- 
lichen Beziehungen zu Frankfurter Landsleuten in persön- 
lichem Verkehre eine neue Belebung erfahren hatten, und 
da er selbst kurz vorher die Vergangenheit der alten 
Reichsstadt in herrlichen Farben seinen Zeitgenossen ge- 
schildert hatte. Es ist allgemein bekannt, dass lediglich 
ökonomische Gründe Goethe veranlassten, ein bürger- 
liches Verhältniss zu lösen, welchem er schw^ere finan- 
zielle Opfer bringen musste, ohne dass er dafür einen an- 
deren Vortheil hatte als die Ehre, sich einen Bürger seiner 
Vaterstadt nennen zu dürfen. So lange die Mutter lebte, 
war das Vermögen der Familie, welches zum Theil in 
Lnmobilien und Hypotheken bestand, an die Stadt ge- 
bunden; nach deren Tode und nach der Erbtheilung mit 
seiner Nichte Luise Nicolovius , der einzig überlebenden, 
dem Onkel niemals persönlich bekannt gewordenen Tochter 
der Schwester , hätte Goethe sein Vermögen aus der 
Vaterstadt herausziehen und sein Bürgerrecht ohne Nach- 
theil aufgeben können.' Aber er dachte nicht daran ; viel- 



' Im Folgenden muss naturgemäss gar Manches wiederholt 
werden, was bereits aus Schlossers Aufsatz (J. Frese, Goethebriefe aus 
Fritz Schlossers Nachlass, Stuttgart 1877, S. 22 ff.), aus dem Brief- 
vvechsc:! zwischen Goethe und Marianne v. Willemer (herausgeg. von 
Th. Creizenach, zweite Auflage, Stuttgart 1878) und Rüppells bissigen 
Bemerkungen zur Entstehung des Frankfurter Goethedenkmals (Ar- 
chiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, Heft 7, 1855, S. 55 ff.) 
bekannt ist. Ueber die Frage der Verleihung der Ehrenbürgerwürde 
an Goethe habe ich das Nöthige in meinem Aufsatz über die Frank- 
furter Ehrenbürger (Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, 
dritte Folge, dritter Band, S. 136 ff.) zusammengestellt. Das Wenige, 
was sich aus den im Goethe-Archive verwahrten Briefen Schlossers 
an Goethe ergibt, hat mir Herr Prof. Dr. B. Suphan freundlichst mit- 
getheilt. Die Frankfurter Akten befinden sich theils im Stadtarchiv II 
(Bürgerrechts-Aufgabe), theils in der Registratur des königlichen 
Amtsgerichtes V (Insatzangelegenheiten). 

^ Die Akten über die Immission in die Erbschaft der am 15. Sept. 
1808 verstorbenen Frau Rath, natürlich rein formellen Inhalts, befinden sich 
im Stadtarchiv I zu Frankfurt a. M. ; ebenda das Versteigerungsprotokoll 
über ihre fahrende Habe und iliren Garten vor dem Friedberger Thore. 



Goethes Ausscheiden aus dem Frankfurt. BCrgervekbande. 213 

mehr war seine Absicht, auch seine Gattin Christiane und 
den jugendhchen August ins Frankfurter Bürgerrecht auf- 
nehmen zu lassen, »um auch für die Zukunft alles arran- 
girt zu sehen. a Als ihm sein treuer Vermögensverwalter 
in Frankfurt, Rath Fritz Schlosser, das fürstlich Primatische 
Statut vom 10. Febr. 1808 mittheilte, welches neue Be- 
stimmungen über die Erwerbung des Frankfurter Bürger- 
rechts getroffen hatte, da gab er seinen Plan auf, »da so 
manche Dinge dabey zur Sprache kommen, die man lieber 
nicht anregt,ft d. h. weil er die Offenbarung seiner Ver- 
mögensverhältnisse scheute. Er sprach die Hoffnung aus, 
spater vielleicht durch die Gnade des Fürsten Primas 
Karl V. Dalberg der Unannehmlichkeiten enthoben zu 
werden, w^elche die Erwerbung des Bürgerrechtes für 
Frau und Sohn ihm verursachen mussten. 

Aus Schlossers Darstellung ist bekannt, in welch 
schwerer Weise Goethe zu den Lasten seiner Vaterstadt 
während der Jahre 1808 — 1817 herangezogen wurde. 
Mehrfacli klagte er in seinen Briefen an Schlosser über 
die Ausgaben, die ihm sein Frankfurter Bürgerrecht auf- 
erlegte. Im März 1812 wandte sich August v. Goethe an 
Schlosser mit der Anfrage, wie die Lösung des bürger- 
lichen Verhältnisses seines Vaters zu Frankfurt am 
leichtesten einzuleiten sei; Zweck dieser Lösung war, die 
freie Verfügung über den Rest des väterUchen Vermögens, 
soweit es noch in Frankfurt angelegt war, zu gewinnen. 
»Mein Vater,« schreibt August, »kann sich nach seiner 
Denkweise mit Geschäften dieser Art weniger abgeben, 
doch halte ich es für meine Schuldigkeit, uns das wenige 
(in Frankfurt angelegte Vermögen) soviel als möglich zu 
erhalten.« Dem Vater Goethe widerstrebte also damals 
die persönliche Bemühung, sein Verhältniss zu Frankfurt 
aufzugeben ; er liess aber dem Sohne, den keine Bande an 
die väterliche Heimath fesselten, freie Hand. In seinem 
erwähnten Aufsatz hat Schlosser ausführlich geschildert, 
wie diese Angelegenheit von ihm behandelt wurde, wie 
der Grossherzog von Frankfurt ihm schliesslich eröffnete, 
dass er die bedeutenden Abzugsgelder, welche Goethe im 
Falle des Ausscheidens an die Stadt zahlen musste, auf 
seine Kasse zu übernehmen und ausserdem dem Scheidenden 
eine Medaille zu widmen gewillt wäre. Dass der Gross- 
herzog, wie Rüppell erzählt, damals schon Goethe das 
Ehrenbürgerrecht seiner Vaterstadt in Aussicht stellte, ist 
offenbar ein Irrthum, denn Schlosser, der die ganzen Ver- 
handlungen mit dem Grossherzog führte und auf dessen 
mündliche Mittheilung sich Rüppell beruft, weiss davon 
in seinem Aufsatze nichts zu berichten. Die Ereignisse 



214 Abhandlungen. 



des Jahres 1813, welche der Herrschaft Dalbergs ein jähes 
Ende bereiteten, liessen dessen gute Absichten gegen 
Goethe nicht zur Ausführung kommen. 

Der Wunsch, das heimische Bürgerrecht aufzugeben, 
verUess Goetlie nicht mehr, zumal ihn noch die Jahre 1813 
und 18 14 mit schweren Abgaben getroffen hatten. Aber 
noch waren die Bestimmungen über die Abzugsgelder in 
Kraft, und Goethe scheute diese Ausgabe. Der Artikel 18 
der deutschen Bundesakte von 1815 sprach im Prinzip 
die Freizügigkeit für die Unterthanen der Bundesstaaten 
aus ; die Frankfurter Konstitutionsergänzungsakte vom 
19. Juli 1816, welche die mehrjährigen, von Goethe mit 
interessirter Theilnahme verfolgten städtischen Ver- 
fassungskämpfe abschloss, setzte im Artikel 4 fest, dass 
jenes »Recht des freien Wegziehens aus einem deutschen 
Bundesstaat in den andern mit der Freiheit von Nach- 
steuer . . . unter keinerlei Vorwand geschmälert, auch 
den um ein desfallsiges Zeugniss Nachsuchenden damit 
ohne Anstand an Händen gegangen werden sollen Aber 
erst als der Bund durch Beschluss vom 23. Juni 1817 die 
Freizügigkeit mit dem i. Juli als praktisch eintretend 
verkündet hatte, benachrichtigte Schlosser den Freund, 
dass jetzt der richtige Augenblick gekommen sei. 

Daraufhin ertheilte Goethe dem Advokaten Dr. Schulin 
Vollmacht, die Angelegenheit bei den Frankfurter Behörden 
zu erledigen. Rath Schlosser konnte den Dichter in dieser 
Sache nicht vertreten, da er keine juristische Praxis ausübte. 
Der Wortlaut der Urkunde ist folgender: 

Da ich das Frankfurter Bürgerrecht nicht länger bey- 
zubehalten, sondern auf dasselbe Verzicht zu leisten ge- 
sonnen bin, so ertheile ich dem Herrn Doctor Johann 
Friedrich Gabriel Schulin zu Frankfurt a. M. Special- 
Vollmacht und Gewalt, hiervon bei Hochedlem Senat 
daselbst die nöthige Anzeige zu machen , damit ich, 
gegen Berichtigung der lauffenden Schatzungs- und son- 
stigen Gebühren, in den Bürger-Registern gelöscht, meine 
zum Insatzbuch geleistete Caution aber wiederum frey- 
gegeben werde. Kraft eigenhändiger Namens-Unterschrift 
und beygedrucktem Pettschaft. Weimar den 19. Nvbr. 18 17, 

J. W. V. Goethe. 

Nur die Unterschrift ist eigenhändig ; neben dieser 
links ist das Siegel mittelst rothem Siegellack mit dem 
bekannten Wappen aufgedrückt. Am Fusse des Folio- 
bogens unterhalb der Unterschrift findet sich die Be- 
glaubigung derselben durch das Grossherzoglich Säch- 



Goethes Ausscheiden aus dem Frankfurt. Bürgerverbande. 215 

sische Staatsministerium (gez. Christian Gottlob Voigt) 
mit beigefügtem Staatssiegel. 

Sofort nach Empfang der Vollmacht reichte Dr. 
Schiilin am 25. November ein diesbezügliches Gesuch^ beim 
Senate ein, worin dieser gebeten wird, »Herrn Staats- 
minister von Goethe von dem hiesigen Bürger Verband 
frey und loszuzählen, sofort die Ausstreichung aus den 
Bürger-Büchern zu verordnen, auch die zum Insatzbuch 
geleistete Caution frey zu geben.« 

Am 2. Dezember wurde das Gesuch im Engeren 
Rathe vorgetragen und darauf beschlossen: 

«Wenn der Herr Geheimerath und Staatsminister von 
Goethe, mit 1. Einkommensteuer Commission Richtigkeit 
gepflogen haben wird, zu welchem Ende diese Com- 
mission davon in Kenntniss gesezt wird, so kann die 
zum Insatzbuch geleistete Caution gelöscht werden, und 
ist demnach der Herr von Goethe des hiesigen bürger- 
lichen Verbandes entlassen.« 

Bereits am 19. Dezember wurde mit der Einkommen- 
steuer-Commission die verlangte »Richtigkeit gepflogen«; 
d. h. es wurde von der Commission »eprüft, ob der das 
Bürgerrecht Aufgebende seine Verpflichtungen gegen die 
Stadt erfüllt hatte, und, als dies feststand, die als Unter- 
pfand gesetzte Caution freigegeben; in Folge dessen wurde 
der Name Goethes im Bürgerbuche, in welchem er unter 
dem 3. September 1771 eingetragen worden war', aus- 
gestrichen und daneben eine diesbezügliche Erklärung nebst 
der Bemerkung geschrieben, dass für diese Tilgung 30 Kr. 
im Stadtkanzlei-Accidentienbuche verrechnet seien. 

So der aktenmässige Verlauf dieser Angelegenheit, 
wie ihn bereits Schlosser, Rüppell, Kriegk und Creizenach 
in den Hauptzügen wahrheitsgetreu berichtet haben. Die 
Darstellungen der beiden ersteren, welche an dem Ver- 
fahren der Frankfurter Behörden eine herbe Kritik übten, 
veranlassen mich zu folgenden Bemerkungen. 

Schlossers Tadel gegen den Senat beschränkt sich 
auf die folgenden Sätze: »Natürlich konnte die Bitte vom 
Senat nicht versagt werden. Viele hatten erwartet, der 
Senat werde Goethen von der Last des Bürgerrechts befreit 
erklären, ihn aber bitten Ehrenbürger zu sein. Dies geschah 
aber nicht. Vielmehr ward in fast unanständig formloser 
Weise dem Gesuche willfahrt.« Dass der Senat Goethe 
nicht zum Ehrenbürger der Stadt ernannte, beklagt Schlosser 



' Vgl. Kriegk, Die Brüder Senckenberg (Frankfurt 1869) S. 328 ff., 
woselbst dieser Eintrag nebst den späteren Zusätzen wörtlich mit- 
getheilt ist. 



2l6 Abhandlungen. 



mit Recht und beklagen noch heute die jetzigen Frankfurter, 
die Nachkommen der Männer, welche den grössten Sohn 
der Stadt damals ziehen Hessen, ohne ihn auf immer 
durch ein Ehrenverhältniss an Frankfurt zu binden. Wie 
Schlosser selbst sagt, war man hier auf jeden »Ausbürger«, 
zumal von bekannterem Namen, erbittert, der sein Bürger- 
recht aufgab;' zweifellos fanden unter den Mitgliedern 
des Senates Besprechungen statt, ob Goethe nicht durch 
Verleihung des Ehrenbürgerrechtes auszuzeichnen sei; 
man nahm davon Abstand, weil das Gesuch des Dichters 
bei einigen Herren Anstoss erregt hatte und liess seinen 
Namen wie den eines jeden Austretenden im Bürgerver- 
zeichniss löschen. Man verfuhr in kalter, geschäfts- 
mässiger Weise, nicht unanständig und noch viel weniger 
formlos, wie Schlosser dem Senate vorwirft; man be- 
handelte Goethe, ohne auf seine Verdienste, ohne auf 
seinen gefeierten Namen Rücksicht zu nehmen, wie jeden 
anderen Bittsteller in gleicher Sache. Sicherlich hätte der 
Senat — um seine Unterlassung zu erklären, nicht zu ent- 
schuldigen — sich nicht im Einverständniss mit der erbit- 
terten Bürgerschaft befunden, wenn er Goethe das Ehren- 
bürgerrecht angetragen hätte. 

Rüppells Darstellung, die sich weniger mit dem 
Austritt Goethes aus dem Bürgerrecht als mit der daraus 
entsprungenen »Missliebigkeit« des Dichters bei seinen 
Landsleuten befasst, gründet sich auf mündliche Mittheilung 
Schlossers und auf die eigenen Erlebnisse; sie ist eine 
ganz einseitige, von bitterem Groll gegen seine Mitbürger 
eingegebene Schilderung der Vorgänge, welche zur Er- 
richtung der beiden Frankfurter Goethestatuen von Pompejo 
Marchesi und Ludwig Schwanthaler führten; die nöthige 
Kritik an dieser Darstellung hat Frese leider nicht geübt. 
Wenn Rüppell behauptet, Goethe sei ausgetreten, um sich 
gegen »Steuererpressungen« zu sichern, so kann dieser 
hässliche Vorwurf gegen den Frankfurter Senat durch die 
einfitche Bemerkung erledigt werden, dass die städtische 
Behörde nur ihre Pflicht that, wenn sie den Bürger Goethe 
zu den der Bürgerschaft auferlegten Lasten heranzog; und 
wenn er behauptet, Goethe habe »keineswegs aus Ver- 
achtung gegen die Stätte seiner Geburt« das Bürgerrecht 
aufgegeben, so kämpft er damit gegen einen ^'orwurf, 
der, wenn überhaupt, nur vom Unverstände dem Dichter 
gemacht worden ist. 



' Wenige Monate nach Goethe gab auch der Wirkl. Geh. Ober- 
Reg.-Rath Nicolovius, der Gatte der 1811 verstorbenen Tochter von 
Cornelia Schlosser, geb. Goethe, das Frankfurter Bürgerrecht auf. 



Goethes Ausscheiden aus dem Frankfurt. Bürgerverbande. 217 

Zu dem Eintrag im Bürgerbuche, dass für die Aus- 
streichung des Namens Goethes 30 Kreuzer berechnet 
wurden, macht Frese die wenig geschmackvolle Bemer- 
kung: »Das mahnt an dreissig Silberlinge!« Jedermann 
sieht ein, dass dieser Eintrag ein nothwendiges Glied in 
der amtlichen Geschäftsbehandlung einer Austrittserklärung 
ist, und dass lediglich die Zahl 30 Frese zu der unglück- 
lichen Erinnerung an Judas Ischarioth verleitet hat. 

Im Jahre 18 18, bald nach seinem Ausscheiden, war 
Goethe genöthigt, den Frankfurter Senat in einer privaten 
Angelegenheit anzugehen. 

Als »Ausbürger«, d. h. als auswärts wohnender Bürger, 
hatte Goethe für die als hiesiger Bürger zu leistenden 
Abgaben der Stadt eine Caution zu stellen. Als solche 
diente der grösste Theil einer Hypothek, welche er aut 
dem Hause der Wittwe Ochs Lit. L Nr. 156 (jetzt Alter 
Markt Nr. 2, »zum kleinen weissen Becher«) stehen hatte. 
Die Frau Rath hatte 1792 diesen Insatz auf das Haus ge- 
geben, 1798 hatte sie den Insatzantheil ihres Mitgläubigers 
an sich gebracht, 1809 war bei der Theilung ihres Nach- 
lasses der ganze Insatz an Goethe gefallen; dieser ver- 
pfändete ihn 1810 bis zum Betrage von 3200 fl. der Stadt 
zur Sicherung der von ihm zu leistenden Abgaben.' Die 
Insatzschuldn'erin, eine »arme, aber brave« Frau, wie 
Schlosser an Goethe schrieb, gerieth in so bedrängte Um- 
stände, dass sie die Zinsen nicht zahlen konnte; es kam 
1817, nachdem Goethe sie mit menschlicher Nachsicht 
behandelt hatte, zur hypothekarischen Ausklage, in welcher 
das Haus am 19. Nov. dem Insatzgläubiger Goethe zu- 
gesprochen wurde. Es war ein »erbärmlicher« Besitz, den 
Dr. Schulin in Goethes Auftrage am 29. April 1818 an 
den Bürger und Packer Liebig verkaufte. Er wurde dazu 
durch nachfolgende Vollmacht Goethes ermächtigt: 

»Ich genehmige den von dem Herrn Doctor Schulin 
zu Frankfurt vorgenommenen Verkauf des in der Ausklage 
mir zugefallenen Wittib Ochsschen Hauses Lit. L No. 156 
auf dem Markt zu Frankfurt a. M. gelegen und zum 
kleinen weisen Becher genannt an den dasigen Bürger 
Herrn Heinrich Gottfried Liebig für die Summe von 
4400 fl., sage viertausend vierhundert Gulden im 24 fl.- 
Fuss dergestalt, dass Eintausend Gulden äussersten Falls 
Neunhundert Gulden sogleich baar bezahlt werden und 
die übrigen vier und dreissig Hundert oder fünf und 
dreissig Hundert Gulden zu vier und ein halb Prozent 



' Die diesbezügliche Vollmacht Goethes für Schlosser hat Frese 
a. a. O. S. 33 abgedruckt. 



2l8 Abhandlungen. 



[ährlicher Zinnsen ein bis ein und ein halb Jahre gegen 
Versatz des verkauften Hauses stehen bleiben, dabey die 
Kosten des Kaufbriefs und der Währschaft von dem 
Käufer Herrn Liebig getragen werden und ermächtige ge- 
dachten Herrn Doctor Schulin den Hauptkaufbrief in 
meinem Namen zu unterzeichnen, sofort bey dem Herrn 
Insatzführer Frank Wohlgeboren zu erscheinen und ge- 
dachtem Käufer die W^ährschaft zu leisten, auch in meinem 
Namen anzugeloben, dass das Haus ausser den Grund- 
zinsen von y'fl. i6 ß ins Liebfrauenstift, i fl. 15 Alb. ins 
Dominicaner Kloster und 6 fl. Laternen Geld auf löbl. Bau- 
amt mit weiter keinen Lasten behaftet ist, auch sich Namens 
meiner aus dem Besitz, hingegen gedachten Herrn Liebig 
in den Besitz bemeldeten Hauses einsetzen zu lassen. 

Unter Gutheissen alles dessen, was solcher Gestalt mein 
Herr Mandatar dieses Verkaufs und der Währschaft halben 
thun und verrichten wird, habe ich diese Vollmacht eigen- 
händig unterschrieben und besiegelt und demnächst ge- 
richtlich legalisiren lassen. Weimar den i6ten April 181 8. 

J. W. V. Goethe. 

Neben der Unterschrift links ist das bekannte Pett- 
schaft in rothem Siegellack abgedruckt, unterhalb desselben 
befindet sich die Beglaubigung der »wohlbekannten Hand- 
schrift« Goethes durch die GrossherzogHche Regierung, 
gez. V. Müller. 

Der grösste Theil des Kaufpreises sollte also mit 
3500 fl. 13^ Jahre lang hypothekarisch auf dem Hause 
stehen bleiben. Der Insatzbuchführer verweigerte die Ein- 
tragung der Hypothek auf Goethes Namen, da nach den 
bestehenden Gesetzen nur Frankfurter Bürger sich Gelder 
auf liegende Güter insatzweise einschreiben lassen durften.' 
Als sich zur Uebernahme des Insatzes kein Bürger finden 
liess, wandte sich Dr. Schulin mit der Bitte an den Senat, 
»dass Hochderselbe dem Herrn Geheimen Rath von Goethe 
zu bewilligen hochgeneigtest geruhen wolle, zu seinen 
Gunsten gedachtes Insatz-Kapital bis zur schicklichen 
Transportirung auf einen hiesigen Bürger _ besitzen zu 
dürfen.« Schlosser behauptet, man habe in ähnlichen 
Fällen Fremden und Juden die Einschreibung immer 
dispensando bewilligt, »der Senat schlug aber das Gesuch 
in herben Worten als ordnungswidrig ab.« Schlossers 
Tadel ist hier ein wohlberechtigter, wenn anders der Dis- 
pens hier ausnahmsweise nicht ertheilt wurde. Auf Schulins 
Gesuch beschloss der Engere Rath am 16. Juni 1S18: 



1 Eine Bestimmung, die erst durch Gesetz vom 29. Sept. 1863 
aufgehoben wurde. 



Goethes Ausscheiden aus dem Frankfurt. Bürgerverbande. 219 

»i) Es kann dem Ansuchen als den hiesigen Gesetzen 
zuwider nicht willfahrt werden; 2) hat der Insatzbuchführer 
berichtlich anhero gelangen zu lassen, ob wirklich alle dem 
Herrn Geheimen Rath von Goethe angehörigen Insätze an 
hiesige verbürgerte Personen übertragen worden sind?« 

In der Ablehnung sowohl als in dem »wirklich« des 
zweiten Beschlusses spricht sich die starke Erbitterung 
des Senates, wenigstens in seiner Mehrheit, gegen Goethe 
aus : das Gesuch wird abgeschlagen, ohne dass man von 
dem verfassungsmässigen und sonst stets ausgeübten Dis- 
pensationsrecht Gebrauch macht, und^ der bestimmten 
Angabe des Anw^altes Goethes misstrauend, fordert man 
Bericht von der Hypothekenbehörde, ob der Gesuchsteller 
»wirklich« seiner aus der Aufgabe des Bürgerrechtes 
resultirenden Verpflichtung nachgekommen ist. Der Bericht 
des Insatzbuchführers zeigte, wie grundlos das Misstrauen 
gegen Goethe gewesen war. Denn dieser hatte einen 
weiteren Insatz, den seine Mutter und er seit 1801 auf 
dem Hause des Kartenmachers Wüst Lit. M No. 184 (jetzt 
Alter Markt No. 27, »Zum Paradies«) im Betrage von 
8000 fl. im 22 Gulden-Fuss stehen hatten und der nach 
dem Ochsschen Insatzprozess der Stadt bis zu 3200 fl. als 
Caution verpfändet war, im März 18 18, also kurz nach 
der Aufgabe des Bürgerrechtes, an einen hiesigen Bürger 
verkaufen lassen. Der Senat beschloss Wiedervorlage der 
Angelegenheit nach sechs Monaten, d. h. er wollte 
später die Gewissheit haben, dass Goethe sich »wirklich« 
seines letzten Insatzes oder vielmehr des Rechtes auf einen 
solchen in seiner Vaterstadt entledigt hätte ; zur Wieder- 
vorlage im Senate ist es übrigens nicht gekommen. In 
Folge der unfreundlichen Abweisung musste Goethe sein 
Recht zur Hypothek auf das von ihm verkaufte Haus mit 
Verlust, wie Schlosser behauptet, an einen Frankfurter 
Bürger verkaufen : durch diese Veräusserung benahm er 
dem Senat den Grund zu weiteren unangenehmen Schritten 
gegen den abtrünnigen Sohn der Stadt. 

Es war das letzte Mal, dass Goethe zu den Behörden 
seiner Vaterstadt in offizielle Beziehung trat. Das ihm 
gegenüber behebte Verfahren war aber offenbar von nach- 
haltiger Wirkung auf ihn. Als 1829 Frau v. Willemer, 
deren Schwiegersohn, Dr. Gerhard Thomas, gerade das 
jüngere Bürgermeisteramt bekleidete, ihm den Wunsch zu 
erkennen gab, sich zur Annahme des Ehrenbürgerrechtes 
bereit zu erklären, da lehnte er mit Dank das Ansinnen 
kurz ab ; zwar führt er als Grund der Ablehnung die un- 
freundliche Behandlung seitens des Senates nicht an, sondern 
vielmehr dessen Versäumniss, ihn bei früheren passenden 



220 Abhandlun'gex. 



Gelegenheiten um die Annahme der Ehrenwürde zu be- 
grüssen ; aber wir müssen wohl annehmen, dass die Ab- 
weisung, die ihm die Behörde bei seinem Ausscheiden 
aus dem Bürgerrechte hatte zu Theil werden lassen, ihm 
noch zwölf Jahre später die Lust verleidete, wieder in 
den Verband der Bürgerschaft, wenn auch als Ehrenbürger, 
zurückzutreten. 

Andererseits verharrte der Frankfurter Senat nicht 
lange in der unfreundlichen Gesinnung, mit der er Goethe 
1818 behandelt hatte. Als am 16. Dez. 1819 die beiden 
Senatoren v. Guaita und Thomas dem Senate den im Ein- 
vernehmen mit Thorwaldsen ausgearbeiteten »Vorschlag 
zu einem Denkmal für Goethe«' von Sulpiz Boisseree 
vorlegten und um einen Platz für dasselbe auf der ehemaligen 
Mühleninsel am Schneidwall baten, da kamen die Behörden 
dem Antrage mit bereitem Wohlwollen entgegen, und es 
lag nicht am Senate, dass der schöne Plan, eine Frucht 
der Frankfurter Goethefeier von 18 19, nicht zur Aus- 
führung kam. Er scheiterte an der Abneigung des Dichters, 
sich bei Lebzeiten ein Denkmal setzen zu lassen, und nicht 
zum geringsten Theil auch an der Theilnahmlosigkeit 
der Frankfurter Bürgerschaft. Denn weite Kreise derselben, 
nicht etwa nur die Ungebildeten und die Halbgebildeten, 
konnten Goethe den Austritt aus dem Bürgerrechte lange 
nicht verzeihen; und noch heute klingt dieser Groll aus 
dem Munde mancher Alt-Frankfurter von echtem Schrot 
und Korn vernehmlich nach: sie sehen das Unrecht nur 
auf Seiten Goethes, ohne zu wissen oder zu bedenken, 
wie gewichtige und auch für den beschränktesten Lokal- 
patriotismus begreifliche Gründe ihn zur Lösung seines 
Dürgerlichen Verhältnisses zur Vaterstadt veranlasst haben. 

Mit vollem Recht weist Frese darauf hin, dass Goethe 
seinen Unmuth gegen den Frankfurter Senat nicht laut 
werden Hess; was er Widriges erfuhr, hat er für sich 
behalten, hat er keinem seiner Freunde brieflich vertraut, 
hat er den Zeitgenossen verschwiegen und es verschmäht, 
sie zu Richtern zwischen sich und der Waterstadt anzu- 
rufen. Ihr Urtheil wäre für Frankfurt ein ungünstiges 
gewesen — und leider nicht mit Unrecht ! 



' Das Goethe-Denkmal in Frankfurt a. M. 1844. S. 2 ff. 



iii. MiscELLEN, Chronik, 
Bibliographie. 



MiSCELLEN. 



Ä. Einzelnes zu Goethes Leben und Werken. 

I. Zu Faust. 

Eine merkwürdige Uebereinstimnuing findet sich zwischen 
folgenden Stellen: 

»Essais de Montaigne III, 13: Si avons nous beau 

monter sur des eschasses; car sur des eschasses encores fault 

il marcher de nos jambes et au plus esleve throsne du 

raonde si ne sommes nous assis que sur notre cul . . .« 

und Faust 1808 ff. 

»Setz Dir PerrUcken auf von Millionen Locken 
Setz Deinen Fuss auf ellenhohe Socken.« 

A. Bettelheim. 



2. »Deutscher Parnassu. 

Das schöne Gedicht Goethes, welches Schiller »Sänger- 
würde«, später Riemer erst »Dithyrambe«, dann »Deutscher 
Parnass« getauft hat, während Goethe selbst es in seinem 
Tagebuch »Wächter auf dem Parnass« nennt, deutet schon 
durch diese Vielnamigkeit an, dass es verschiedenartige Aus- 
legungen finden könnte. In der Regel wird es als eine Pa- 
rodie anakreontischen Jammers über die Dioskurenherrschaft 
Goethes und Schillers aufgefasst. In feinsinniger Weise hat 
besonders D. Jacoby (Goethe-Jahrbuch 6, 274 f.) diese An- 
schauung ausgeführt, der z. B. auch G. v. Loeper (Gedichte, 
Zweite Ausgabe 2, 305) sich anschliesst, während Strehlke 
(Hempels Ausgabe i, 10 1) die Polemik gegen die Aus- 
schreitungen der Sturm- und Drangperiode gerichtet glaubt. 



224 MiSCELLEN. 

Henkel (Archiv für Litg. IX. 200 f.) und Hehn (Goethe- 
Jahrbuch 6, 324) bestreiten die satirische Absicht überhaupt. 
Diese aber ist durch Worte Schillers verbürgt, denen Goethe 
in keiner Weise widerspricht; es geht schwerlich an, dies 
Zeugniss so leichthin wegzuschieben, wie es Hehn thut. Gibt 
man jedoch die satirische Tendenz zu, so haben die bisher 
gegebenen Deutungen mancherlei Bedenken. Nach der An- 
nahme Jacobys und Loepers hätte Goethe die glückliche Je- 
remiade der Xenien »Alles hat sich bei uns in Vers und 
Prosa verschlechtert« nach Jahren in dithyrambischer Form 
wiederholt, etwa wie Platen in den »Klagen eines Ramle- 
rianers« es in lyrischer Form that : 

Ha! beim Styx! mit kecker Stirn und Nase 
Stürmen lockre Knaben den Parnass. 

Aber Platen hatte an Knebels Tadel einen äusseren An- 
lass; dieser scheint bei einer verspäteten Antwort Goethes 
auf Gleims oder Herders Klagen zu fehlen. — Folgt man 
Strehlke, so hätte der Dichter ganz plötzlich auf fernliegende 
»Excentricitäten« zurückgegriffen; hier ist noch weniger eine 
Veranlassung ersichtlich. 

Diese Bedenken fallen fort, wenn das Gedicht sich gegen 
eine 1798 eben frische, herausfordernde Richtung der Lite- 
ratur wendet. Und in der That glauben wir auch in der 
Schilderung der wilden Neuerer die Romantiker wieder- 
zuerkennen. 

Ganz und gar nicht würde die Schilderung des wild 
bacchantisch hereinbrechenden Chores auf Goethe und Schiller 
gepasst haben, wenn selbst man sie mit den Augen eines 
Gleim betrachtete. Und ist es nicht wirklich die eigene 
Anschauung Goethes, wenn er den bacchantischen Lärm sich 
selbst preisgebender Leidenschaft, wenn er ein Spiel, das 
die Schranken übertobt, tadelt? 1799 im April ist das be- 
rüchtigste Buch der Romantik fertig geworden : Friedrich 
Schlegels Lucinde. Es hat zwei Heldinnen: die erste, Lisette, 
ist ein Zerrbild aus Goethischen Bestandtheilen zusammen- 
gesetzt: »Es steckt in dieser Täsette viel von Philine, viel 
von den Lacerten der venetianischen Epigramme, etwas 
Mignon, etwas Manon Lescaut, aber auch Eignes« bemerkt 
Julian Schmidt. Der Dichter selbst schreibt ihr »schöne 
bacchantische Wuth« zu; und kaum weniger Mänade ist Lucinde 
selbst. Der Held aber glaubt nicht an die Liebe, er ergibt 
sich dem Witz, er schreibt ein Loblied der Frechheit, er 
macht ganz und gar Goethes empörte Schilderung zur Wahrheit: 

O, wie möcht' ich gern mich täuschen! 
Aber Schmerzen fühlt das Ohr; 



MlSCELLEN. 225 

Aus den keuschen 
Heil'gen Schatten 
Dringt verhasster Ton hervor, 
Wild Gelächter 

Statt der Liebe süssem Wahn ! 
Weiberhasser und -Verächter 
Stimmen ein Triumphlied an. 
Selbst Einzelheiten stimmen : 
Mann und Weib 
Ohne Scheu 
Zeigt den Leib, 
heisst es, wie der Dichter selbst sich rtlhmt, der Geliebten 
oft die fatalen Kleider wie Reste falscher Scham abgerissen 
zu haben; der arme Gutzkow hat dann in seiner »Wallya, 
die zum Verbot der Schriften des »Jungen Deutschland« 
Anlass gab, dies anmuthige Motiv in seiner Art breit ge- 
treten. Und wenn es heisst: 

Aus den blauen Wasserfällen 
Aus den zarten Rieselwellen 
Tränket Ihr 

Gar Silen's abscheulich Thier? 
so bezieht sich das auf Kotzebues »Hyperboreischen Esel«, ein 
in gleichem Jahre erschienenes plumpes dramatisches Pamphlet, 
welches sich von Citaten aus Schlegelschen Schriften nährte. 
— Es bedarf wohl kaum der Erinnerung, wie leicht Goethe 
von Schlegels wie von Kotzebues Schrift schon vor der Ver- 
öffentlichung Kenntniss haben konnte ; dazu kommt noch die 
übliche Vordatirung der Bücher durch den Verleger. 

Die Schlegel aber hatten ja wirklich zu Goethes Ge- 
nossen gehört, Aug. Wilh. Schlegel und Tieck gehörten noch 
jetzt zu seinen, gegen Schiller oft vertheidigten »Brüdern«, 
die diesen Bacchanten den Weg zeigen, den »Frechen«, wie 
F. Schlegel und seine Gestalten um der Allegorie auf die 
Frechheit wegen genannt werden. 

Die Romantiker also sind hier die widerwärtigen Be- 
gleiter des Neuen. Aber auch sie können das Schlechte 
abstossen, die rohe Formlosigkeit, die Empörung wider den 
guten Geist : 

Wenn euch nichts so sehr beglücket. 
Als was ihr bei uns erprobt. 
Euch nicht mehr ein Spiel entzücket. 
Das die Schranken übertobt : 
Kommt als gute Pilger wieder, 
Steiget froh den Berg heran. 
Tief gefühlte Reuelieder 
Künden uns die Brüder an. 

Goktme-Jahrbuch XIII. je 



226 MiSCELLEN. 

Und ein wahrhaft dithyrambischer Schluss lässt dies 
Gedicht wie den »Gott und die Bajaderea auskUngen, die 
Ballade, in der Goethe in so ganz anderem Geiste ein der 
»Lucinde« verwandtes Thema behandelt hatte : 
Wenn sich der Verirrte findet, 
Freuen alle Götter sich. — 

Worin besteht denn aber die Ironie, die Satire, von 
der Schiller spricht, wenn er am 23. Juli 1798 an Goethe 
schreibt, die Ueberschrift »Sängerwürde« solle die Ironie ver- 
stecken und doch die Satire für den Kundigen ausdrücken? 

Darin, wie es scheint, dass Goethe einen ästhetischen 
Vorwurf auf das moralische Gebiet überspielt. Immerfort 
hörte er an seinen Werken unmoralische Tendenz anklagen, 
während er sie von aller Tendenz frei, lediglich als Kunst- 
werke angesehen wissen wollte. Nun wird er ironisch selbst 
zum Tugendwächter : er greift die künstlerische Zuchtlosig- 
keit an, als sei es sittliche Verworfenheit, er fordert Busse 
und Reuelieder, er droht mit Donnerkeilen, und dabei weiss 
es doch der Kundige, dass in Goethes Sinn es nur Eine 
Moral für den Künstler gibt: »strebe zur höchsten Form!« — 

Richard M. Meyer. 

j. »Der getreue Eckart«. 

Dass Goethe in der Absicht, sich für seinen Faust in 
den Volksglauben hineinzuarbeiten, Prätorius studirt hat, 
steht fest. Höchst wahrscheinlicherweise sind ihm dabei 
auch die Saturnalien in die Hand gekommen, in denen 
S. 403 Propositio XV die Geschichte vom getreuen Eckart 
ziemlich genau wie bei Goethe erzählt ist. Doch kann Prä- 
torius nur die mittelbare Quelle für Goethe gewesen sein, 
da dieser den Stoff durch John erhielt (Weim. Ausg. III, 448). 

Praetorius. Der Treue Eckart machet auff Weynachten 
sempervolle Kannen. 

Weiter soll es zu Schwartze (welches ein Dorff ist in 
Thüringen) geschehen seyn | auff Weynachten; dass auch die 
Frau Holla fürüber gezogen | da der Treue Eckart vorne an 
im Troppe gewesen | und die begegneten Leute gewarnet 
hat j damit sie möchten aus dem Weg treten | dass ihnen 
kein Leid wiederfahre. Bey solchem Zuge aber sollen ein 
paar Knaben desselbigen Dorffs zugesehen haben | welche 
aus der Schencke Bier geholet | und solches nach Hause 
tragen wollen : Weil aber die Gespenster im vollen Marg 
gewesen, so wahren sie ein wenig abseits gewichen mit 
ihren Kannen | an einer Ecke : Da sollen unterschiedliche 
Weiber derselben Rotte solche ihre Kannen genommen und 
daraus gleichsam getruncken haben. Darzu doch die Knaben 



MlSCELLE\. 227 

aus Forcht stille geschwiegen ; wiewohl sie nicht gewust, wie 
sie ihnen gethun selten I wenn sie nach Hause mit leeren 
Gefässen kommen würden: Endlich soll der Treue Eckart 
drauff zu sie gesprochen haben: Das heisset euch Gott spre- 
chen I dass ihr nichtes geredet habet; sonsten solten eure 
Hälse ummegedrehet worden seyn ; und nun gehet drauff 
flugs nach Hause | und saget von dieser Geschichte keinem 
Menschen etwas | so werden eure Kannen immer voll seyn | 
und wird ihnen niemahl an Bier gebrechen oder fehlen. 
Solches hatten die Knaben bey 3 Tage in acht genommen; 
da es ihnen ergangen | wie jener Witwen | in der Bibel | mit 
ihrem Oelkruge. Aber endlich hatten sie es doch aus Vor- 
witz nicht länger verbergen können; sondern die Sache ihren 
Eltern erzehlet. Da war es mit dem Cornu copiae aus- 
gewesen I und hatte der Brunnenquell versiegen. Andere 
sagen | es sey dieses nicht eben in Weynachten geschehen, 
sondern auff eine andere Zeit. 

Alexander Tille. 



4. Verse Goethes auf Friedf-ich den Grossen 

finden sich unter den Paralipomenis aus Goethes Nachlass, 
welche demnächst im Kritischen i\pparat zu den Gedicht- 
bänden der Weimarischen Ausgabe 4 und 5 erscheinen werden. 
In dem kaum leserlichen Entwurf von des Dichters Hand 
lauten sie, wie wir annehmen, bestimmt eine Fortsetzung 
der Episteln für die Hören zu bilden, etwa folgendermassen : 
Willst du aber die Meinung beherrschen, beherrsche 

durch That sie, 
Nicht durch Geheiss und Verbot. Der wackre 

Mann, der beständige. 
Der den Seinen und sich zu nützen versteht und 

gross dem Zufall gebietet, 
Der den Augenblick kennt, dem unverschleiert 

die Zukunft 
In der stillen Zelle des hohen Denkers erscheint, 
Der wo alle wanken, noch steht: 
Der beherrscht sein Volk, er gebietet der Menge 

der Menschen. 
Einen solchen habt ihr gesehen vor Kurzem 

hinaufwärts 
Zu den Göttern getragen, woher er kam, Ihm 

schauten 
Alle Völker der Welt mit traurigen Blicken nach, 
Jeder schien u. s. w. 

G. V. LOEPER. 

IS* 



228 MiSCKLLEN. 

5. Zur Chronologie der Ballade : Der Jioiggeseli 
und der Mühlbach. 

Nach Goethes Tagebuch von der Schweizer Reise 1797 
(Werke 2, 363) ist diese Gesprächsballade in Stuttgart den 
4. September gedachten Jahres vollendet worden. Eine Be- 
stätigung dieser Angabe enthält ein, mir von Bernhard Suphan 
aus dem Goethe-Archiv (Fascikel der auf der Reise einge- 
gangenen Briefe), mitgetheiltes Schreiben von Zumsteeg, 
Stuttgart den 13. September 1797, mit welchem Schreiben 
Goethe, bereits in Stäfa, jenes Gedicht mit Musik für Gesang 
zurückerhielt. Zumsteeg bezeichnet es darin als »das mir 
gütigst zugesandte Lied«. Da Goethe Stuttgart am 7. Sep- 
tember verlassen hatte, so wird er das Gedicht dem Musiker 
spätestens am 6. in Stuttgart von Haus zu Haus überschickt 
haben. Wenn Goethe es unterliess, das Gedicht in Tübingen 
seinem Briefe an Schiller vom 14. desselben Monats beizu- 
legen, die Uebersendung desselben an seinen und Zumsteegs 
Freund vielmehr erst am 25. aus Stäfa erfolgte, so geschah 
diess wohl, weil er zuvor den Eingang der Zumsteegschen 
Komposition abwarten wollte. Jedoch erhellt aus dem Briefe 
vom 25. nicht, ob ihm die Zumsteegschen Noten beigelegen 
haben. Dass Zumsteeg die Ballade schon in der uns be- 
kannten Gestalt zugegangen war, ergiebt die Stelle seines 
Briefs : »So muss die sechste Strophe : Dann stürz' ich auf 
die Räder mich mit ungleich mehr Stärke, und die achte : 
mir wird so schwer, etwas langsamer als die übrigen vorge- 
tragen werden.« 

G. V. LOEPER. 



6. Zur Elegie n Her mann und Dorotheaa. 

Im Januar 1888 entdeckte ich beim Buchhändler Max 
Harrwitz in Berlin unter allerhand alten kürzlich bei einem 
Büchertrödler gekauften Skripturen diejenige zeitgenössische 
Abschrift der Elegie »Hermann und Dorothea«, deren ab- 
weichende Lesarten dann von Gustav von Loeper in der 
Weimarer Ausgabe II, S. 364 f. nachgetragen wurden. Prof. 
E. Schmidt beaugenscheinigte den Fund mit mir, stellte 
dessen textkritische Bedeutung fest und erwarb die beiden 
Folioblätter, um sie dem Goethe-Archiv zu schenken (s. Viert. 
Jahresbericht der Goethe-Gesellsch. S. 10). Meine wieder- 
holten Nachforschungen nach dem früheren Besitzer — Herr 
Antiquar H. führte das Schriftstück, der Bleistiftnotiz am 
Kopfe entsprechend, mittelbar auf die Auction von Wilh. 
Körte's Nachlass zurück — sowie nach dem Schreiber blieben 
bis heute leider erfolglos. Eine bezügliche Ermittelung wäre 



MiSCELLEX. 229 

für die Kenntniss von Goethes Arbeitsweise gar wohl inter- 
essant gewesen. Denn die fertige Gestalt, wie sie uns Weim. 
Ausg. I, S. 293 f. entgegentritt, weicht in so vielen Fällen 
von der nun bekannt gewordenen Rohform ab, dass eine 
sorgfältige Nachprüfung der bislang zur Verfügung stehenden 
Varianten (I. S. 431 f.) manches lehrreiche Beispiel zur 
vergleichenden Stilgeschichte der Goetheschen Lyrik zu 
Tage fördern möchte. Es sei nur u. A. auf V. 42 hin- 
gewiesen, wo wir anscheinend jetzt die älteste Ausdrucksart 
für den betreffenden Eingang erhalten. Auch ward die Wort- 
wahl verschiedenfach bedeutsamer Modelung unterworfen, wie 
die Verse 5, 7, 11, 25, ^;^, 37, 40 deutlich belegen. Die 
Interpunktion ist an mehreren Stellen noch ungeregelt und 
dem Gedanken nicht durchweg analog. Besonders aber liegt 
die Metrik im Argen, und hier hat auch dann die bessernde 
Hand überall energisch eingegriffen. Die stetige Rücksicht 
auf eine möglichst sinngemässe Wortstellung bildete dabei 
einen leitenden Grundsatz, ohne dass dem Sprachgebrauche 
irgend Gewalt angethan wurde (vgl. 4, 9, 28, 41 u. ö.). 
Grammatikalische Nachhilfe trat V. 10, vielleicht auch V. 16, 
in bezeichnender Weise ein. Reich ist, wie Loepers genaue 
CoUation ergibt, die Zahl der Versumstellungen in der end- 
giltigen Feststellung. Andererseits bleibt nicht zu verkennen, 
wie schon in der älteren Fassung selbst mancherlei verändert 
und zugesetzt worden ist, und ich meine, dass die von einer 
zweiten Feder am Rande nachgetragenen Verse 13 und 14 
zweifellos die Vermuthung nahelegen, dass wir es mit einem 
Manuscript zu thun haben, welches zum wenigsten in Goethes 
nächster Umgebung nach dem Gehör geschrieben und später 
durchcorrigirt wurde. 

Ludwig Fränkel. 



/. ))Innere Formv. 

Scherers Beispiel folgend pflegt man den für die Sprach- 
und Literaturgeschichte so wichtigen Begriff der »inneren 
Form« ^^'ilhelm von Humboldt zuzuschreiben, der ihn zum 
centralen Begriff der psychologischen Sprachvergleichung 
gemacht hat. Humboldt aber hat nur Herders »geistreiche 
aber noch vage Bestimmungen schärfer gefasst« (Haym 
Humboldt S. 502) und Herders Schüler war vor ihm schon 
— Goethe. Goethe nun hat, was man bisher allgemein 
übersehen zu haben scheint, nicht blos die Idee, sondern 
auch bereits den Ausdruck. 

In dem Anhang zu H. L. Wagners Uebersetzung von 
Merciers Versuch über die Schauspielkunst, den Wagner 
«Aus Goethes Brieftasche« überschreibt, heisst es : »Es ist 



230 MiSCELLEN. 

endlich einmal Zeit, dass man aufgehöret hat, über die Form 
dramatischer Stücke zu reden, über ihre Länge und Kürze, 
ihre Einheiten, ihren Anfang, ihr Mittel und Ende, und wie 
das Zeug alle heisst. Auch geht unser Verfasser ziemlich 
stracks auf den Inhalt zu, der sich sonst so von selbst zu 
geben schien. — Deswegen gibts doch eine Form, die sich 
von jener unterscheidet, wie der innere Sinn vom äussern, 
die nicht mit Händen gegriffen, die gefühlt sein will«. Und 
dann weiter: »Freilich wenn mehrere das Gefühl dieser innern 
Form hätten, die alle Formen in sich begreift, würden wir 
weniger verschobene Geburten des Geistes aneklen [sie ; vgl. 
Strehlke in Hempels Ausgabe 28, 621 Anm. 2]. Man würde sich 
nicht einfallen lassen, jede tragische Begebenheit zum Drama 
zu strecken, nicht jeden Roman zum Schauspiel zerstückeln !« 
(Der junge Goethe 3, 687. Hempel 28, 621. vgl. 348.) — jedem 
wird die Uebereinstimmung mit Herders Ossian -Aufsatz (bes. 
Suphan 5, 227) klar sein. 

Goethe hat also bereits Idee und Ausdruck der »inneren 
Form« für die vom Geist geforderte Art, einen Gegenstand 
eigenthümlich, seiner Eigenart entsprechend an- und auf- 
zufassen. Wenn nun Scherer den Terminus »innere Form", 
den Humboldt für die Sprache prägte, auf den Stil neu an- 
zuwenden glaubte (Goethe -Jahrbuch 6, 234, Aufsätze über 
Goethe S. 298), so kehrte er damit vielmehr nur congenial 
zu der Anwendung zurück, die der Erfinder des Ausdruckes 
mit ihm verknüpft hatte. Denn Goethe scheint allerdings 
den wichtigen Terminus geschaffen zu haben. M. v. Waldberg 
ist demselben weiter nachgegangen und hat ihn als alten 
juristischen Kunstausdruck für Testamente schon 1780 nach- 
gewiesen ; ich habe seine Mittheilung im Anhang zu Scherers 
Poetik S. 296 abdrucken lassen. Wagners Uebersetzung aber 
erschien schon 1776, Goethes Beiträge stammen wahrschein- 
lich schon aus 1775 (über dieselben vergl. Erich Schmidt, 
H. L. Wagner S. 51 Anm. 26). Sollte aber der Strassburger 
Licentiatus juris und Frankfurter Advokat selbst das ^Vort 
aus der juristischen Praxis geholt haben, so bliebe ihm doch 
immer die eigenthümliche und bedeutsame Anwendung. Ge- 
rade hier erkennt man, wie E. Schmidt bemerkt, den jungen 
Goethe ganz und voll ; in dem Kampf der Stürmer gegen 
die äussere Form tritt Herders Freund bedeutsam ein mit 
der Lehre von der inneren Form, von dem »Typus«, den die 
Natur selbst in jedem Wesen wiederholt und den der Künstler 
nur klarer zu entwickeln hat. 

Es wäre ganz wohl möglich, dass der Ausdruck, den 
Scherer von der Sprachbetrachtung auf die Literaturvergleichung 
übertragen wollte, ursprünglich den umgekehrten Weg ge- 
macht hätte. Denn erst allmählich hat sich Humboldt zu 



MiSCELLEN. 231 

seiner Anschauung durchgearbeitet und erst sein bedeutendstes, 
letztes Werk, die Abhandlung „über die Verschiedenheit des 
menschlichen Sprachbaus« gebraucht als Ueberschrift des 
§11 den Terminus »Innere Form« (vergl. v. d. Gabelentz, 
Sprachwissenschaft S. 320), während er bis dahin von »Cha- 
rakter«, »intellektueller Form« u. s. w. spricht. Nun erschien 
allerdings Goethes Aufsatz erst 1832 im vierten Band der 
»nachgelassenen Werke« von neuem; aber gerade damals 
war Humboldt in eifrigster Arbeit an jener Abhandlung, die 
ihn von 1S28 bis zu seinem Tode im Jahr 1835 ununter- 
brochen beschäftigte (Dove, Die Forsters und die Humboldts 
S. 77); so könnte ihm wohl von dem grossen Freund das 
»erlösende Wort« gekommen sein. 

Weder über die Bedeutung des Begriffes für Goethe 
selbst noch über seine Ausbildung durch Steinthal und 
Scherer ist hier zu handeln ; es galt nur an einem neuen 
Fall zu zeigen, wie die unvergleichliche Genialität schon des 
jungen Goethe die grössten wissenschaftlichen Eroberungen 
fast im Spiel vorausnimmt. 

Richard M. Meyer. 



c?. Goethes Handzdchnungeii im K. Kiipferstichkabinet 
in Berlin. 

Goethes Zeichnungen tragen keinen gleichmässigen Cha- 
rakter, er ändert jeweilig Auffassung und Manier, gibt sich 
verschieden und bietet durchaus nicht das Bild fortschreiten- 
der künstlerischer Entwicklung, nicht einmal in technischer 
Beziehung. Am meisten befriedigen seine breit und male- 
risch behandelten Federzeichnungen. Von diesen besitzt das 
Berliner Kabinet nur zwei, No. i und 2 des nachfolgenden 
Verzeichnisses. In der Landschaft mit der untergehenden 
Sonne (No. i), von der ich muthmasse, dass sie ein Bild 
Claude Lorrain's wiedergibt, wird eine allerdings wohl nicht 
beabsichtigte hübsche Wirkung durch die erste Skizzirung 
der Zeichnung in Rothstift erzielt. In dieser Manier scheint 
Goethe in der späteren Zeit nicht mehr gearbeitet zu haben. 
Die Zeichnungen verlieren den malerischen und flotten 
Charakter, die Umrisse sind mit bestimmten festen Linien 
gezogen. Das Berliner Kabinet besitzt eine Anzahl Land- 
schaftszeichnungen aus den Jahren 1809 und 1810, die meist 
Jenenser Ansichten darstellen. Man möchte in diesen trocke- 
nen und reizlosen Aufnahmen das rein geognostische Inter- 
esse des Zeichners für die Formationen der Berge erkennen. 
Künstlerisch sind sie überaus dürftig. Am schlimmsten ist 
das Blatt, welches den Schweizer Bergsturz (No. 7) schildert. 
Einige mit Tusche lavirte Landschaftsstudien derselben Zeit 



2^2 MiSCELLEN. 

sind glücklicher, die Ausführung ist peinlich genau, nichts 
weniger als geistreich und verzichtet auf malerische Wirkung. 
Für ein Blatt lässt sich vielleicht ein früheres Datum ge- 
winnen. Die kräftige Federzeichnung auf blauem Papier No. 3 
stellt ein antikes Monument dar, in dem trotz starker Ab- 
weichungen das römische Denkmal von Igel bei Trier erkannt 
werden muss.' Goethe sah dies Denkmal 1792. Er schreibt 
in der Campagne in Frankreich : »Auf dem Wege von Trier 
nach Luxemburg erfreute mich bald das Monument in der 
Nähe von Igel« und gibt dann eine Beschreibung. Das 
Denkmal ist oftenbar damals bald darauf aus der Erinnerung 
von ihm gezeichnet worden. 

Das reizvollste Goetheblatt der Berliner Sammlung ist 
der Entwurf zu einem Redoutenaufzug (No. 19), die getuschte 
Federzeichnung ist mit Wasserfarben in wenigen Tönen leicht 
colorirt und durch diese . zarte Färbung von glücklichster 
Wirkung. Leider ist dieses Blatt nicht datirt. 

Die Beschreibungen der einzelnen Blätter in dem nach- 
folgenden Verzeichniss ist nach den im Berliner Kupferstich- 
Kabinet befolgten Grundsätzen der Zeichnungsbeschreibung 
angefertigt^. Die Maasse sind in Millimeter angegeben, die 
erste Zahl bezieht sich auf die Höhe (linker Seitenrand), die 
zweite auf die Breite (unterer Rand). Die Bezeichnungen 
sind meist später hinzugefügt, sie sind von Goethes eigner 
Hand (so scheint mir wenigstens), wenn nicht das Gegentheil 
angegeben ist. 

i) Landschaft mit untergehender Sonne, rechts ein antiker 
Tempel auf einem Stufenunterbau. Vorn zwei Schwäne 
auf dem Fluss, der von der Mitte des Vordergrundes 
nach dem Hintergrunde zu fliesst. (Vielleicht nach 
Claude Lorrain?) 

Breit behandelte Federzeichnung, mit Rothstift vor- 
skizzirt. Rechts unten die (spätere) Bezeichnung: 
»Goethe«. 

238:296. Katalog der Zeichnungen No. 3969'. 

2) Italienische Landschaft. Ueber einen Fluss führt in 
der Mitte eine halb verfallene Brücke zu einer links 
gelegenen Villa, am linken Rande vor der Villa ein 



■ C. W. Schmidt, Baudenkmale der Römischen Periode und des 
Mittelalters in Trier und seiner Umgebung, 2. Heft Trier 1845, gibt 
auf Tafel 8 Abbildungen der vier Seiten des Denkmals. 

^ vgl. Lippmann, Zeichnungen aUer Meister im K. Kupferstich- 
Kabinet zu Berlin. 

3 Handschriftlicher Katalog der Handzeichnungen im Besitz des 
K. Kupferstich-Kabinets. Die Nr. ist unveränderlich, wird dem Unter- 
satzcarton aufgedruckt und genügt als Citat, um jede Zeichnung auf- 
zufinden. 



MiSCELLEN. 233 

rundes Brunnenbecken, rechts zwei Bäume. Im Hinter- 
grund ein Höhenzug. Sehr breit behandelte Feder- 
zeichnung, so dass manches, wie z. B. die Brücke 
schwer erkennbar ist. Rechts unten die (spätere) 
Bezeichnung : »Goethea. 

238 : 300. K. d. Z. 3970. 

Auf der Rückseite leicht mit Bleistift gezeichnet und 
halb verwischt die Halbfigur eines lorbeerbekränzten 
Mannes mit ausgestrecktem Arm, wohl nach einer 
antiken Kaiserstatue. 

3) Ein antikes Denkmal in der ungefähren Gestalt des 
römischen Denkmals zu Igel. 

Federzeichnung auf blauem Papier. Unten rechts 
die (spätere) Bezeichnung: »Goethe«. 
335: 195. K. d. Z. 3971. 

4) Der Hausberg und Ziegenhain. Flüchtige Zeichnung 
in Kreide und Feder. Am oberen Rande die mit 
Richtungspfeilen versehenen Aufschriften : »Hausberg 
mit dem Fuchsthurm« und »Ziegenhain«, rechts oben 
die (spätere) Bezeichnung: »Ggethe«. Unten links: 
»1809«. 

234:322. K. d. Z. 3972. 

5) Die Kernberge. Flüchtige Kreidezeichnung. Oben in der 
Mitte die Aufschrift: »Die Kernberge«, rechts : »Goethe«, 
unten links: »1809«. Die Aufschriften in Tinte. 

236 : 322. K. d. Z. 3973. 

6) Die Kernberge, vorn ein Haus vor einem hohen Laub- 
baum. Flüchtige Kreidezeichnung. Oben in der Mitte 
die Aufschrift: »Kernberge«, rechts: »Goethe«, unten 
links : »1809«. 

233 :32o. K. d. Z. 3974. 

7) Der Einsturz des Rossberges bei Schwyz (2. Sept. 1806). 

Bleistiftzeichnung, mit der Feder nachgezeichnet. 
Rechts unten die (spätere) Bezeichnung : »Goethe«. 

Auf der Rückseite die Aufschrift : »Als Goethe von 
dem berühmten Einsturz des Rosseberges in der Nähe 
des Rigi erzählte, entwarf er diese Zeichnung während 
der Erzäh (die übrigen Buchstaben des am Rande 
stehenden Wortes sind abgeschnitten) zur besseren 
Verständniss. (v K)« (Knebel). 

228:314. K. d. Z. 3975. 

8) Der Schwalbenstein bei Ilmenau. 

Flüchtige, halbvervvischte Kreidezeichnung. Oben 
links in Tinte die Aufschrift : »Schwalbenstein bei 
Ilmenau«, rechts (später) »Goethe«. 

149 : 138. K. d. Z. 3976. 



234 MiSCELLEN. 

9) Ansicht von Karlsbad. Im Vordergrund eine Häuser- 
reihe, dahinter ein Höhenzug, auf dern Gipfel in der 
Mitte ein Kreuz. 

Federzeichnung. Unten in der Mitte steht >;Carls- 
bad«, rechts »Goethe«. 

Auf der Rückseite eine anatomische Zeichnung in 
Bleistift, der Durchschnitt eines Thierschädeis. 

192 : 285. K. d. Z. 3977. 

10) Landschaft mit einer Brücke. Ueber einen Fluss führt 
im Vordergrund auf der rechten Seite eine steinerne 
Brücke, auf der zwei Personen stehen. Zu beiden 
Seiten der Brücke grosse Laubbäume. Auf dem Wege 
links ein mit einem Pferd bespannter zvveiräderiger 
Karren, der auf die Brücke zufährt, dahinter eine 
Frau mit einem Rückenkorb und ein Kind. Im 
Hintergrund ein Höhenzug, hinter dem die Sonne 
untergeht. 

Getuschte Federzeichnung. Unten rechts die (spätere) 
Bezeichnung »Goethe« in anderer, 1 ostfarbiger Tinte. 
211 : 348. K. d. Z. 3978. 

11) Ansicht aus Jena. 

Flüchtige Kreidezeichnung, mit Beischriften m Tinte. 
Oben links: »Kunitzburg«, in der Mitte: »Genzig«, 
rechts: »Jena Döbereiners Haus Goethe fec«. Unten 
links: »1809«, rechts: »Panorama der Ansicht aus 
dem Fenster des Grossherzoglichen Hauses, welches 
Herr Geheinier Hofrath Döbereiner jetzt bewohnet«. 

234: 321. K. d. Z. 3979. 

12) Ein Hofthor mit einem Schlagbaum. Durch ein ge- 
öffnetes Hofthor, vor dem sich ein Schlagbaum be- 
findet, sieht man auf eine bergige Gegend. Links 
neben dem Thor ein einstöckiges Haus mit hohem 
Dach. 

Getuschte Federzeichnung, unten rechts: »Goethe«. 
Auf der Rückseite unten links in Tinte von Goethes 
Hand: »d. 24. Juli 1809.« 

137 : 187. K. d. Z. 3980. 

13) Das Mühlthal bei Jena. In Thal von Bäumen um- 
standene Häuser, im Hintergrund steilabfallende Berge 
mit geringer Vegetation. 

Braungetuschte Bleistiftzeichnung. Oben rechts: 
»Goethe«. Auf der Rückseite unten rechts in Tinte 
von Goethes Hand: »das Mühlthal bei Jena 1809.« 

189 : 275. K. d. Z. 3981. 

14) Das Rasenmühlenwehr bei Jena. Ein breiter Fluss 
wird quer von einem Wehr durchschnitten. Im Hinter- 



MiSCELLEN. 235 

grund waldige Berge, auf der Höhe des vordersten 
nach hnks zu ein Haus. 

Federzeichnung, aufgeklebt auf blauem Papier, auf 
diesem steht unten : »Zum Andenken des vierten 
Octobers 1809 Goethe.« Auf der Rückseite unten 
rechts in Tinte gleichfalls von Goethes Hand : »Das 
RasenmUhlen W'eev bei Jena.« 

111:189 (Grösse der Zeichnung). K. d. Z. 3982. 

15) Bergige Landschaft. In der Mitte des Vordergrundes 
führt eine steinerne Brücke über einen Fluss mit steilen 
Ufern, im Hintergrund BergzUge, in der Mitte ein 
Berg mit spitzem nach rechts überhängendem Gipfel. 

Getuschte Federzeichnung, aufgeklebt auf ein grosses 
Blatt mit graugrün angetuschtem Rand. Auf diesem 
Untersatzpapier unten rechts : »Goethe fec.« 

76 : 172 (Grösse der Zeichnung). K. d. Z. 3983. 

16) Landschaft bei Karlsbad. Von der Mitte des Vorder- 
grundes führt ein Weg im Bogen nach rechts um einen 
steil abfallenden Höhenzug. Auf der Höhe ein Kreuz. 
Am Wege stehen nach rechts zu vier hohe Bäume, 
ganz links im Vordergrund ein Geländer. 

Braungetuschte Federzeichnung auf grauem Papier. 
Auf der Rückseite unten rechts die Aufschrift in Tinte : 
»Carlsbad May 18 10«. Darunter ist am Rand noch 
der obere Theil des G der Namensunterschrift sicht- 
bar, das übrige ist abgeschnitten. 

108 : 209, K. d. Z. 3984. 

17) Flusslandschaft. Ein breiter Fluss mit bergigen Ufern 
zieht sich in Windungen von der linken Seite des 
Vordergrundes nach der Mitte des Hintergrundes. Im 
Vordergrund am rechten Ufer ein hoher Baum, am 
gegenüberliegenden Ufer eine Gruppe von Bäumen, 
daneben auf der Höhe ganz am linken Rande Ge- 
bäude. 

Kreide- und Tuschzeichnung auf blauem Papier. 
203 : 264. K. d. Z. 3985. 

18) Landschaft mit zwei Hasen. Im Vordergrund zwei 
junge Männer, der eine, der rechts neben einem Baum 
steht, bläst auf einem Hörn, der andere steht, das 
rechte Bein auf einen Felsblock aufgestützt, mit einem 
Stock in der Hand links. Zwischen beiden zwei 
Hasen. Im Hintergrund ein Weg, der zu einer hoch- 
gelegenen Burg emporführt, links am Wege eine Frau 
neben einem Ziehbrunnen. 

Kräftige Federzeichnung. Rechts unten »Goethe«. 
Vielleicht Copie nach einem Kupferstich der allerlei 



236 MiSCELLEN. 

DUrerische Reminiscenzen verwerthet, so sind die 
Hasen dem Dürerschen Holzschnitt » die Madonna mit 
den Hasen« (Bartsch 102), die Landschaft des Hinter- 
grundes mit der Burg und dem Ziehbrunnen dem 
Holzschnitt »das Männerbad a (B. 128) entlehnt. 
347 : 222. K. d. Z. 3986. 

19) Entwurf zu einem Redoutenfest. In einem Schlitten, 
der vorn in einen Hirschkopf endigt, sitzt nach links 
gewendet ein alter weissbärtiger Mann (der Winter?) 
in einem pelzverbrämten blauen Mantel eingewickelt. 
Neben dem Schlitten stehen zwei jugendliche Personen, 
die links in einem pelzverbrämten langen rosa Mantel, 
die rechts in einem ebensolchen gelben Mantel. 
Hinter dem Schlitten links steht von vorn gesehen 
hinter Schilf eine weibliche allegorische Gestalt. 
Getuschte und leicht aquarellirte Federzeichnung. 
Unten rechts in Tinte die Aufschrift : »Goethe (ein 
Redoutenaufzug in Weimar)«. 

202 : 276. K. d. Z. 3987. 

20) Zeichnung nach einer Theateraufführung einer unbe- 
kannten Scene (?) 

Vor einem felsigen Hintergrund, der sich in der 
Mitte in einer Grotte öffnet, stehen in langem Zuge 
alle in lebhafter Bewegung nach rechts gewendet 
Männer und Frauen in langen Gewändern, einige 
haben sich auf die Knie niedergeworfen. Rechts an 
der Spitze des Zuges eine Figur mit einem Kreuz in 
der Hand. 

Getuschte Federzeichnung (in sonst bei Goethe 
nicht vorkommenden zitterigen Zügen). 

296:421. K. d. Z, 3988. 

21) Studienblatt, ein in der Mitte gebrochenen Bogen 
Papier. 1. Seite: Drei Studien nach einem antiken 
weiblichen Kopf im Profil. — 2. Seite: Ein Mann im 
Profil nach rechts gewendet sitzt in einem Lehnstuhl 
und hält ein beschriebenes Blatt (?) in der Hand, um 
ihn drei Thiere von phantastischer Form in der Art 
der Spukgestalten des Hieronymus Bosch. Rechts 
der Teufel mit zwei Hörnern hinter einem Vorhang (?) 
hervorsehend. (Hexenküche?) Darüber Zahlentabellen 
in Bleistift. — 3. Seite: Fünf Studien nach einem 
antiken weiblichen Kopf im Profil. Rechts unten : 
»Goethe«. — 4. Seite : Ein antiker jugendlicher 
Kopf mit Locken im Profil. 

Kräftige Federzeichnung. 
342 : 215. K. d. Z. 3980. 



MiSCKLLEN. 237 

22) Studienblatt. Links eine junge Frau mit kurzen Locken 
in halber Figur, rechts zwei ähnliche Köpfe über- 
einander, ferner zwei Augen, eine Nase etc. Auf der 
Rückseite unten rechts der Kopf eines kahlen alten 
Mannes, links zweimal der Kopf einer Frau mit ver- 
hülltem Haar, mit Stirn- und Kinntuch (Riese), meh- 
rere Nasen etc. 

Kräftige Federzeichnung (wie die vorige No. aus- 
geführt). Auf der Rückseite unten rechts »Goethe«. 
231 : 190. K. d. Z. 3990. 
Ueber die Herkunft der 22 Goethezeichnungen ist nichts 
bekannt. Aus der Sammlung des Generalpostmeisters von 
Nagler, die den Grundstock der Sammlungen des Berliner 
Kupferstichkabinets bildet, stammen sie jedenfalls nicht her. 

Jaro Springer. 



p. Die Begegnung des schwedischen Grafen Trolle- 
Wachtmeister mit Goethe, 1804. 

Im Frühjahr 1804 unternahm der daiiials kaum 22jährige 
Graf H. G. Trolle-Wachtmeister eine grössere Reise durch 
Europa. Als Mitglied eines der angesehensten Adelsge- 
schlechter Schwedens wurde er natürlich an allen Fürsten- 
höfen mit ausgesuchter Zuvorkommenheit empfangen und 
überall fand er Gelegenheit, mit den hervorragendsten Staats- 
männern, Gelehrten, Künstlern und Schriftstellern in nähere 
Berührung zu treten. Li seinem Tagebuch über jene Reise, 
welches der schwedische Historiker Elof Tegner, ein Enkel 
des berühmten Dichters, vor Kurzem auszüglich veröffentlicht 
hat', finden sich auch über die Begegnung mit Goethe in 
Weimar einige Notizen, die vielleicht nicht des Interesses 
entbehren. Denn Wachtmeister war schon in seiner Jugend 
ein ungemein scharfer Beobachter und ein ungewöhnlich be- 
gabter Kopf. 

Die Aufzeichnungen des jungen Grafen über seinen 
Weimarer Aufenthalt lauten in deutscher Uebersetzung wie 
folgt: »Bei Goethe sah ich zum ersten Male den bedeutenden 
Staatsbeamten und den grossen Dichter in einer Person ver- 
einigt. Unser Oxenstjerna ist nie etwas mehr als der blosse 
Schatten eines Staatsbeamten gewesen. Goethe hingegen 
steht an der Spitze der fünf Geheimräthe, welche das 
Weimarer Geheimconseil ausmachen. Anfangs wirkte sein 
Benehmen abstossend auf mich. Ich glaubte bei ihm einen 



■ Vergl. Anteckningar och Minnen af Hans Gabriel Trolle- 
Wachtmeister. Inival ordnade och utgifna af Elof Jegner. Band i. 
Stockh. i88q. 



238 MiSCELLEN. 

schlecht angebrachten bureaukratischen Stolz zu bemerken, 
vereint mit der Eigenliebe eines umschmeichelten Schrift- 
stellers. Bald erkannte ich indessen, dass ich ihm Unrecht 
gethan. Seine Zurückhaltung muss wohl einer Art von 
Hypochondrie zugeschrieben werden, die durch das Gefühl 
der ihn umgebenden Leere hervorgerufen worden. Denn 
die Bevölkerung Weimars ist nicht derart, wie ich es mir 

versprochen hatte ' Nach unserm ersten und zweiten 

Zusammensein wurden wir recht gut bekannt und ich hatte 
das besondere Glück seiner zweimaligen Nachbarschaft bei 
Tische. Jedesmal, nachdem Goethe einige Gläser Champagner 
geleert, erfuhr sein Wesen eine Veränderung und dann war 
der Anfang zu einer näheren Bekanntschaft leicht gemacht. 
Ein guter Einfall war es schon, dass ich mit meinem halb- 
schwedischen Deutsch auf ihn einredete ; denn er spricht 
gleich Voss, Schiller und Wieland höchst ungern Französisch. 
Nie zuvor habe ich ein Antlitz gesehen, welches sich mit 
dem Goethes vergleichen Hesse. So männlich schöne Gesichts- 
züge, die so deutlich das Gepräge der Elevation, der Energie 
und der Genialität tragen oder ein solches Feuer, wie es 
aus seinen grossen schwarz-braunen Augen blitzt, vermag 
man sich nicht vorzustellen. — Sonderbar ist es, dass Goethe, 
wie bei uns, so auch hier als Schriftsteller minder gekannt 
ist als Schiller und Wieland. Der Absatz ihrer Arbeiten in 
den Buchandlungen ist sehr verschieden. Goethes Schriften 
führen ein ziemlich ruhiges Dasein in den Bibliotheken, 
während die der andern sich beständig in Circulation be- 
finden . . . .« 

Fritz Arnheim. 



10. Goethe und Adeiternich. 

Von Briefen Goethes an Metternich verzeichnet Strehlke 

I, 440 zwei: 1817 und 1825, den ersten mit Beziehung auf 
einen Aufsatz von Hammers, den zweiten mit Bezug auf das 
gewünschte Nachdrucksprivilegium des Bundestags. (Eine kleine 
Datumsberichtigung, die den ersten Brief angeht, bei Strehlke 

II, 511.) Dass Goethe den Fürsten wahrscheinlich 1813, dann 
18 14 und 15 am Rhein, 181 9 in Karlsbad gesehen hat, setzt 
Strehlke (I, 440) gleichfalls auseinander. Dass frühere Be- 
ziehungen bestanden haben, lehrt der G.-J. VI, 383 als Regest 
mitgetheilte Brief Goethes vom 16. März 18 12, eine Antwort 
auf Metternichs Schreiben (im Goethe- u. Schiller-Archiv, nach 



' Wachtmeister hielt dieselbe für roh und ungebildet und fasste 
seine Eindrücke in die Worte zusammen: »Schiller, Wieland und 
Goethe sind Fremdling-e in Weimar«. 



MiSCELLEX. 239 

Suphans freundlicher Mittheilung) vom 19. Febr. 18 12, in 
welchem IMetternich eigenhändig Goethe die Ernennung 
zum Ehrenmitgliede der Kais. Akademie der vereinigten 
bildenden Künste anzeigt. Eine neue Beziehung kann ich 
jetzt nachweisen. In der Spenerschen Zeitung vom 10. Aug. 
181 5 — der Jahrgang enthält überhaupt INIancherlei von 
Goethe : den von der Singakademie vorgetragenen Chor aus 
des »Epimenides Erwachen«, einen Bericht über das zu 
Berlin aufgeführte Stück mit mancherlei Auszügen — findet 
sich folgender kleiner Artikel : »Goethe erhielt mit dem 
Commandeur-Kreuz des österreichischen Leopold-Ordens ein 
Schreiben des Fürsten Metternich aus Paris vom 16. Juli 
1815, worin es hiess : »Ich benutze die Gelegenheit dieser 
ehrenvollen Anerkennung Ihrer ausgezeichneten Verdienste 
um die deutsche Sprache und Litteratur, um Denenselben den 
Ausdruck meiner persönlichen Hochachtung zu erneuern. 
Mögen Ew. Hochwohlgeb. auf Ihrer langen und ruhmvollen 
Laufbahn eine besondere Belohnung dessen, was Sie für die 
Ausbildung des Geistes und die Veredlung des Geschmacks 
in Deutschland geleistet haben, darin finden, dass Se. k. k. 
Majestät unter dem Drange der Geschäfte und unter der 
unausgesetzten Sorge für das Glück Ihrer Völker in Aller- 
höchst Ihrem Feldhoflager diese Auszeichnung zu beschliessen 
geruhten.« Der Brief befindet sich, wie mich Suphan wie- 
derum freundlichst belehrt, im Goethe- u. Schiller- Archiv. Der 
Wortlaut ist richtig, nur dass die Worte »m Allerhöchst Ihrem 
Feldhoflager« nach »Geschäfte« stehen. Der Anfang lautet, 
nach Suphans gefälliger Mittheilung, folgendermassen : »Paris 
den 16. Julius 181 5. Seine Kaiserlich- Königlich- Apostol. 
Majestät mein Allergnädigster Herr haben aus Höchsteigener 
Bewegung geruhet .... Indem ich' anliegend Denenselben 
die Dekoration dieses Ordens zu überreichen die Ehre habe, 
benütze ich . . . .« Man erkennt auch aus diesem höchst in- 
teressanten Schriftstück, mit welcher Achtung und Verehrung 
Metternich Goethes Wirken betrachtete. L. G. 



II. Joh. Erasmus Senckenberg über den Rathsherrn 
Hermann Jakob Goethe. 

Eine nach zwei Seiten hin nicht uninteressante Cha- 
rakteristik, den wenig bekannten Rathsherrn Hermann Jakob 
Goethe, den Stiefbruder von Goethes Vater betreffend, hat 
Einsender vor kurzem zufällig beim Studium der Münzakten 
des Frankfurter Stadtarchivs gefunden.' Das in Frage kom- 
mende Schreiben sei hier vollinhaltlich mitsretheilt: 



' Signatur des Bandes: Uglb B 83 Gg no i et 2. Hh Ji et Kk. 



240 MiSCELLEN. 

Hochwohlgebohrner Herr 

Hochgeehrtester Herr Burger Meister 
Aus dem bey E. HEdl. und Hw. Rath gestern in 
re monetaria ergangenen decreto habe muthmassen 
müssen, dass die Meynung auf das Ausprägen neuer 
Müntzen gerichtet sey, wie dann auch diese würckHch 
das einige Mittel ist, wodurch die Stadt Emküffte folg- 
lich auch die Stadt Besoldungen welche ich nach 
Unserer Verfassung immer darneben allegiren muss 
wenigstens um zehen pro Cent können erhöhet werden. 
Gleichwie aber ich in meinem Müntz Guthachten nicht 
alle meine Gedancken habe sagen dürffen, gleichwohl 
aber nöthig fället überall auf die Zukunfft die Absicht 
zu nehmen. 

Als werden Ew Hochwohlgebohrnen leichtlich er- 
messen, dass wann es dereinsten mit der Ausprägung 
einen Fortgang gewinnet, die Müntz Deputation noth- 
wendiger Weisse auch eine Wechsel Deputation werden 
müsse. 

Dicweilen nun die Gelehrten mit dem Project sclbsten 
genugsam beschäfftiget seyn werdest mithin denenselben 
das Beständige Geld Zehlen nicht wohl a?izumuthen ist, 
hingegen die Herrn Dritt-Bänker hierzu vortrefflich zu 
gebrauchen seyn werderi} 

Als wollte Euw Hochwohlgebohrnen geziemend er- 
suchen bey E. HEdl. Rath die Proposition dahin zu 
thun, dass noch einer von diesen Herrn gleich anfangs 
ernennet werde. 

Wozu ich dann einen sittsamen und gedultigen Mann 
dergleichefi der Herr Goethe ist ohnvorgreifflich vor- 
schlagest tvollte.^ 

Der ich in geziemender Veneration beharre 
Ew Hochwohlgebohren 

Ganz Gehorsamster 
Fft. d. II. Oct. J. E. Senckenberg 

1747 
Hermann Jacob Goethe, Sohn aus Friedrich Georg Goethes 
erster Ehe mit der Tochter des Schneidermeisters Eutz, ist 
wie G. L. Kriegk mittheilt, geboren im Jahre 1697 und ge- 
storben 1761, er etablirte sich als Zinngiesser und wurde 
1747 als Mitglied der dritten oder Handwerkerbank in den 
Rath gewählt. Kriegk hat ihn im Uebrigen nur einmal in 
den archivalischen Akten erwähnt gefunden. Im Frühjahr 1755 
erhoben nämlich die städtischen bürs;erlichen CoUegien Be- 



Sperrschrift des Einsenders. 



MlSCELLEN'. 241 

schwerde gegen »den pflichtlosen Salzhandel des Admodiators 
[Pächters] Hrn, Goethe des Raths« und verlangten eine 
anderweitige Verleihung der Salzpacht vermittelst öffentlicher 
Versteigerung; es wurde daraufhin eine neue Vergebung der 
Salz -Verpachtung decretirt mit dem Zusatz, dass der Pächter 
dieser Accise auf eine gemessene Instruction handtreulich 
verpflichtet werden solle. 

Der Verfasser des raitgetheilten Schreibens, der bekannte 
und in vielen Hinsichten sehr berüchtigte Johann Erasmus 
Senckcnberg — einer der drei in »Dichtung und Wahrheit« er- 
wähnten Brüder — ist geboren 17 17 und nach jahrzehnte- 
langer Staatsgefangenschaft gestorben am 21. Juni 1795. 
Am 5. September 1746 war er in den Senat gew-ählt und 
im November des gleichen Jahres dem Syndikus Lucius zur 
Führung des Frankfurter Votums auf dem oberrheinischen 
Kreistag beigegeben worden. Mit letztgedachter Stellung 
steht Senckenbergs von Belesenheit und vielfach von Einsicht 
zeugende Beschäftigung mit dem Münzwesen offenbar in 
Zusammenhang. Die Aufsicht über das IMünzwesen gehörte 
zu den wesentlicheren Obliegenheiten der Kreisconvente. 

Der spitzige Stil, der in dem Schreiben zu Tage tritt, 
gehörte zu den Eigenthümlichkeiten Senckenbergs und zog 
ihm vielfach Verweise und Strafandrohungen von Seiten des 
Rathes zu.' 

G. ScHXAPPER -Arndt. 



12. Zu Goethes Stanunbaunie. 

In Friedrich Chrysanders dreibändigem Werke : G. F. 
Händel (1858 — 1867, III, 2 ist noch nicht erschienen) spielt 
der bekannte Georg Philipp Telemann (man vgl. z. B. S. 57) 
eine Rolle. Derselbe ist durch seine zweite Heirath mit der 
ältesten Tochter des Rathskornschreibers Andreas Textor zu 
Frankfurt a. M., Maria Katharina, welche er 1714 einging, 
auch in Goethes Stammbaum hineingewachsen. 

Theodor Distel. 



B. Nachträge und Berichtigungen. 

Zu Bd. VI, 322. Näher als das von G. Ellinger hervor- 
gehobene Gedicht Pfeffels »Die Nelke« steht, nach M. Kochs 
Meinung (Berichte des Fr. D. Hochstifts, N. F. Bd. VII, S. 
190) den Goetheschen Liedern »Gefunden« und »Im Vor- 



' V'gl. hierzu G. L. Kriegk, die Brüder Senckenberg (Frank- 
furt a. M. 1869) bes. pp. 317. 331. 97. 98. 

Coethe-Jaiirbuc 1 XIII. l6 



242 Kachtrage und Berichtigungen. 

übergehn« das Gedicht Cl. Brentanos »Ich wollt' einSträuss- 
lein binden« (Liebeslied an Sophie Mereau gerichtet). 

Zu Bd. XI, S, 168. Zur Correspondenz Goethes mit 
dem Maler J. H. Mencken, gest. 1837, schreibt mir Herr 
Dr. G. Hartlaub in Bremen Folgendes: 

»Es ist mir darüber bekannt geworden, dass der brief- 
liche Nachlass des »alten Mencken« in die Hände seines 
hier noch lebenden Schwagers, des Herrn G. Bagelmann kam, 
eines 82jährigen, aber geistig noch sehr frischen Mannes, 
nach dessen Aussage der grössere Theil der Briefschaften 
Menckens bei einem Schadenfeuer in dessen Hause vor dem 
Osterthor mit verbrannte. Der Rest sei in seinen Besitz 
gelangt. Er habe sämmtliche Briefe aufmerksam durch- 
gesehen und könne mit Bestimmtheit versichern, dass kein 
Brief von Goethe darunter gewesen sei. Es ist also v.-ohl 
ausser allem Zweifel, dass jene Briefe ein Raub der Flammen 
geworden sind.« 

So unbefriedigend diese Nachricht ist, so erfreulich ist 
es doch zu constaiiren, dass die im Goethe-Jahrbuch ent- 
haltenen Notizen auch Mitglieder weiterer Kreise zu Nach- 
forschungen anreizen. Ein Brief Goethes an Mencken, freilich 
in anderer Angelegenheit als der XI, S. 168 erwähnte, ist 
Bd. XII S. 16. 17. abgedruckt. 

Zu Bd. XI, S. 171 bemerkt die »Goethehaus-Commission« 
(Berichte des Fr. D. Hochstifts N. F. Bd. VII, S. 163), dass 
die »Ausfuhrliche Abhandlung« sich in den Bibliotheken von 
Goethe Vater und Sohn nicht befunden hat. Goethe aber be- 
zeuge (Weim. Ausg. 26, 117), dass er die »Anmerkungen und 
also auch die Polizeiverordnung« genau gelesen habe. 

Bd. XI, S. 250 ZI. 4: Bölsches Aufsatz steht nicht in 
der »Gegenwart«, sondern in der »Gesellschaft« (herausgeg. 
von M. G. Conrad). 

Zu Bd. XII, 307 und Register: Jenlke -Jenikego nicht 
zwei Personen, sondern Jenikego Genitiv. Mitgetheilt von 
K. Jaenicke. (Durch B. Suphans Vermittlung.) 




2. Chronik 



A. NEKROLOGE. 



Gustav V. Loeper, geb. am 27. Sept. 1822, ist uns am 13. Dez. 
1891 entrissen worden. Er wurde seiner Bestimmung gemäss 
auf einer Farailienbesitzung in Pommern beigesetzt. Dadurcli 
wurden seine Amtsgenossen, Freunde unti Verehrer, deren er in 
Berlin viele besass, verhindert, dem Verstorbenen die letzte 
Ehre zu erweisen. Schon diese Bestimmung bewies zwei 
wesentliche Züge seines Charakters: eine rührende Pietät dem 
Aelteren und Vergangenen gegenüber und eine gewinnende 
Schlichtheit seiner Persönlichkeit. Gerade die letztere machte 
sich im Verkehr ungemein erfreulich geltend. Niemals kehrte 
er den hohen Beamten hervor, niemals trug er den gerühmten 
Forscher, den Aeltern, Erfahrenen weniger bewährten Ge- 
lehrten, jüngeren Fachgenossen gegenüber zur Schau. Be- 
scheidenheit, Hilfsbereitschaft waren hervorstechende Züge 
seines Wesens. Nur auf die Sache sah er, nicht auf die 
Person. Von jener Vornehmheit getragen, die man als Cha- 
rakterzug wahren Adels zu bezeichnen gewohnt ist, war er 
allen, denen er ernstes Streben zutraute, ein hilfsbereiter 
Förderer, dessen Wissen nie versagte. 

Loeper war ein grosser Gelehrter. Aber seine Gelehr- 
samkeit unterschied sich in mannigfacher Weise von der 
berufsmännischen und fachmässigen. Loeper war nicht von 
Hause aus Philologe. Seine Berufsstudien gehörten vielmehr 
der Jurisprudenz an; 1854 war er in das Ministerium des 
Königlichen Hauses eingetreten, dem er bis 1886, zuletzt in 
hervorragendster Stellung, angehörte. Aber während er seine 
Berufsstudien nur in seinem Amte und für sein Amt trieb, 
widmete er alle seine Mussestunden seiner Lieblingsneigung. 
Schon als Schüler des Joachimsthalschen Gymnasiums machte 
er sich CoUectaneen zu Goethe. Dieser Schülerneigung blieb 

16* 



244 Chkonik. 

er bis zum Ende seines Lebens treu. Mit dieser Liebhaberei 
verband sich die Lust zum Sammehi Goethescher Schrift- 
stücke. Vermöge der von ihm zusammengebrachten Schätze 
war er wohlgeeignet in der Berliner Goethe-Ausstellung des 
Jahres 1860 eine hervorragende Rolle zu spielen. Die J->iebe 
zu Goethe, die Lust, Unbekanntes zusammenzubringen, 
machten ihn zum Herausgeber und Erklärer Goethes. Dieser 
Dilettantismus war sein besonderes Kennzeichen. Denn er 
war ein Dilettant, wie Schopenhauer ihn charakterisirt hat, 
einer »dem die Sache Zweck ist«. Mit dem Frankfurter 
Philosophen wird man fortfahren dürfen »nur der aber wird 
eine Sache mit ganzem Ernste treiben, dem unmittelbar an 
ihr gelegen ist und der sich aus Liebe zu ihr damit be- 
schäftigt, sie con amore treibt. Von solchen, und nicht von 
den Lohndienern, ist stets das Grösste ausgegangen. (f 

Loeper war der Erste, der den Gedanken einer methodisch 
geordneten Ausgabe von Goethes Werken fasste und aus- 
führte. Sie theilte einen kritisch gesichteten, mit den Varianten 
der früheren Ausgaben versehenen Text mit, gab dazu grosse 
Einleitungen, welche in das Verständniss der Werke ein- 
führten und die Entstehungsgeschichte derselben boten, ent- 
hielt ferner ausführliche Anmerkungen mit reichen Wort-, 
Sinn- und Sacherklärungen. Die sogenannte Hempelsche Aus- 
gabe, welche 1867 alsbald nach der Ereigebung der Privi- 
legien von Goethes Werken begann, hatte in Loeper ihr 
eigentliches Haupt. Er war schon in dem dritten Gedicht- 
band als ßerather, als gelegentlicher Spender ungedruckter 
Verse und einiger Erklärungen aufgetreten. Seine Haupt- 
beiträge lieferte er jedoch in seinen Ausgaben des Divan 
(Bd. 4 und 5), des »Faust« (Bd. 12 und 13, einige Jahre 
darauf in neuer Bearbeitung), der »Sprüche in Prosa« (Bd. 19), 
»Dichtung und Wahrheit« (Bd. 20 — 23). Diese Bände nebst 
einigen weniger wichtigen, später ausserdem als Anfang einer 
neuen, schöner ausgestatteten und gleichmässiger bearbeiteten 
Ausgabe, drei Bände, die den Gedichten gewidmet waren 
und etwa zwei Bänden der früheren Edition entsprachen, 
machten den Namen des Herausgebers allgemein bekannt 
und begründeten seinen Ruhm. Andrerseits bereiteten sie 
ihm neben vieler Ehre auch viele Feindschaft. Denn 
leichtfertige Journalisten, die sich einbilden, mit einem 
flüchtig hingeworfenen geistreichelnden Wort jahrelange 
ernste Arbeit und solide Gelehrsamkeit aburtheilen und 
vernichten zu können, nahmen oft genug Loeper zum Stich- 
blatt ihrer Witzeleien. Allen aber, denen es mit dem Studium 
von Goethes Werken ernst war, leistete Loeper durch seine 
Erklärungen die wesentlichsten Dienste. Man würde den 
bescheidenen Sinn des Verstorbenen selbst arn meisten vcr- 



("hronik. 245 

letzen, wenn man sagen wollte, in diesen Bänden sei das 
letzte Wort von und über Goethe gesprochen. Zur ästhetischen 
Würdigung der Gediclite einerseits, zur Aufhellung schwieriger, 
absichtlich oder unabsichtlich unklarer Stellen des Faust- 
werkes andrerseits bleibt noch Vieles zu thun. Loepers Haupt- 
stärke lag eben nicht in ästhetischen Darlegungen und Auf- 
hellung gedanklicher Schwierigkeiten, sondern in gelehrtem 
A\'issen. Darum sind, so rühnienswerth und vielfach nützlich 
auch seine Ausgaben der Gedichte und Dramen heissen 
müssen, doch die von »Dichtung und Wahrheit« und den 
»Sprüchen in Prosa« seine Hauptleistungen. Denn die ersteren 
sind nicht nur ein ausführlicher Commentar zu Goethes 
Jugendleben, sondern eine Fundgrube von Nachrichten über 
Frankfurter l>okalgeschichte, über Goethes Jugend- und Zeit- 
genossen. Die letzteren bilden eine gelehrte Rüstkammer, 
aus der man ebensowohl die Entstehung dieser Goetheschen 
Sprüche als ihre Nachwirkung in den verschiedensten Litte- 
raturen erkennen kann. Mögen diese beiden, auch ihrem 
Umfange nach unter den Commentaren die ausführlichsten, 
in Einzelheiten berichtigt und vermehrt werden, sie werden 
stets die Grundlage für alle weitere Forschung bleiben. 

Man kann von wenigen Goetheforschern in demselben 
Masse wie von Loeper sagen, dass er in Goethe lebte. Dies be- 
kundete er nicht nur dadurch, dass er seine wissenschaftliche 
Beschäftigung ausschliesslich Goethe widmete, wenige Artikel 
abgerechnet, in denen er einzelne gleichfalls Goethe nahe- 
.stehende Persönlichkeiten, z. B. Fiettina von Arnim und Felix 
Mendelssohn-Bartholdy schildert, während Jeder von uns in 
dem weiten Gebiete der Litteratur noch seine anderen Lieblings- 
felder hat, sondern dadurch, dass er bei allem Schreiben über 
den Schriftsteller die Werke selbst nicht vergass. Er kannte wie 
Wenige seinen Goethe. Im Privatgespräche und in seinen 
wenigen öffentlichen Reden unterliess er nie, mit seiner 
hellen, fast kindlich klingenden Stimme Goethesche Verse 
zu citiren. Sie waren ihm U'egweiser und Lebensführer. 
Die vveitumfassende ^^'eltanschauung des Meisters, die humane 
allem Kleinlichen abholde Gesinnung hatte er sich zum 
Muster genommen. 

Die Goethe-Gesellschaft beklagt in dem Dahingeschiedenen 
einen ihrer eifrigst wirkenden Vorsitzenden, die \\'eimarer 
Goethe-Ausgabe einen ihrer thätigsten Mitarbeiter, das Goethe- 
Jahrbuch seinen ununterbrochen thätigsten Förderer. Als 
ich ihn, vor Begründung des Jahrbuchs, persönlich zur 
Theilnahme einlud, begegnete ich allerdings nicht unbedingter 
Zustimmung, so dass ich für den ersten Band, für den ich 
von den zwei anderen Berliner Koryphäen. H. (irimm und 
W. Scherer. je einen »rossen Aufsatz zu erhalten so glücklich 



246 Chronik. 

war, von ihm nur zwei kleine Briefe Goethes empfing. Nach- 
dem er aber gesehen hatte, dass gewisse Befürchtungen, die 
er gehegt hatte, nämUch die Bildung eines Privatvereins, 
durch den die Goethe-Forschung eine Parteisache geworden 
wäre, grundlos gewesen waren, wurde er der regelmässigste 
Mitarbeiter. Einigemale, wenn der Band zu lange ausblieb, 
kam er zu mir, um ihn sich zu erbitten oder anzusehen; 
manchmal, wenn ihn das Jahrbuch besonders erfreute, gab 
er mir schriftlich eine Beurtheilung mit werthvoUen Be- 
richtigungen. Vom zweiten Bande an ist kein einziger ohne 
einen grösseren Beitrag von ihm erschienen, manche, wie der 
zweite und fünfte, weisen 7 bis 8 Mittheilungen von ihm auf; 
auch für den vorliegenden Band spendete er v/enige Wochen 
vor seinem Tode (25. Nov.) noch zwei Miscellen. Seit dem 
J. 18S7 war er Mitglied der von der Goethe-Gesellschaft 
bestel-lten Jahrbuchs-Commission. Auch hier bewährte er 
sein umfassendes, nie versagendes Wissen, sein wohlwollendes, 
menschenfreundliches Urtheil, seine edle Gesinnung, die im 
schönsten Sinne des Wortes vorurtheilslos war. In den 
Kreisen aller derer, die das Studium Goethes ernstlich be- 
treiben, wird sein Verlust als ein unersetzlicher tief und 
schmerzlich betrauert. 

Ludwig Geiger. 



Am 22. Juni 1S91 verschied zu \Veimar der Gross- 
herzoglich Sächsische Staatsminister D. Gottfried Theodor 
Stichii/ig, Herders Enkel, Ehrenmitglied der Goethe-Gesell- 
schaft. Er war geboren am 14. Juni 1814. Sein Leben, 
seine ganze dienstliche Thätigkeit hat Weimar angehört. Im 
Anfang des Jahres 1890 war er in den Ruhestand getreten, 
nach einem an Mühe und Erfolg reichen amtlichen Leben, 
als dessen köstlichsten Gewinn er die Freundschaft des Herren 
und das Vertrauen der Fürstin des Landes bewahrte, denen 
beiden er ein treuer Diener bis an sein Ende geblieben ist. 

Wenig Wochen vor seinem Tode erschien seine Selbst- 
biographie: »Aus drei und fünfzig Dienstjahren« (Weimar, 
Böhlau). Dem Abschluss dieser »Erinnerungen« hat er seine 
letzten Kräfte gewidmet. »An meine Kinder« lautet die 
Zuschrift; aber die Blätter sprechen auch zu einem weiteren 
Kreise. 

Er erzählt, wie er in Dornburg, wo sein Stiefbruder 
Justizbeamter war, Goethe im Garten gesehen. Wie er als 
Deputirter des Gymnasiums an Goethes Leichenbegängniss 
theilgenommen. »Im v. Knebeischen Hause war ich oft 
(als Jenaer Student) ; den alten ehrwürdigen Knebel, den 
Freund Herders und Goethes, war ich so glücklich, auf 



Chronik. 247 

seinem Sterbebette noch mit seinem jüngsten Sohn Bernhard 
pflegen zu dürfen.« 

Und derselbe Mann, dessen lebendige Erinnerung noch 
in Goethes Tage zurückreichte, ist in geistiger Vollkraft mit 
thätig gewesen bei der Begründung des Reiches. Mit be- 
rechtigtem Stolz erzählt er davon, wie er, auf Weisung 
seines Landesfürsten, den Antrag auf Annahme des Kaiser- 
titels formulirt habe, der (mit geringer Modification) vom 
Präsidium des Bundesraths an den Reichstag gebracht wurde 
am denkwürdigen 10. December 1870. Auch in den nächsten 
Jahren war er Vertreter von Weimar im Bundesrath. Die 
Deutsche Kaiserin, Weimars Fürstentochter, und der greise 
Kaiser waren ihm in Huld gewogen, Fürst Bismarck wusste 
den einsichtigen Genossen am Werke der Einigung wohl zu 
schätzen. Es war die glänzendste Zeit in seinem Leben. 

Den Idealismus der classischen, hiuiianen Zeit brachte 
Stichling, ein achtes Kind derselben an Geblüt und Ge- 
müth, zu den Aufgaben der Gegenwart, Als ein mütter- 
liches Erbtheil hatte er Herders hohe, geistvolle Stirn und 
sein dunkles, lebhafces Auge. Aber von der Mutter, Herders 
einziger Tochter Luise, einer Frau von zartem Empfinden und 
poetischer Begabung, hatte er auch einen Theil von Herders 
sinnend-dichterischeni Geiste und die Anlage zum Schriftsteller 
überkommen. Er fühlte Beruf zur Geschichtsschreibung. Eine 
Anzahl historischer Arbeiten veröffentlichte er in den Jahren 
1852 — 63, die erste ist ein Leben des Ministers v. Gersdorff, 
der sein erster Vorgesetzter und in dem Verein von freier 
Bildung und Tüchtigkeit in Geschäften sein Vorbild war. 
Ein grösseres Werk über die Geschichte der deutschen 
Reichsverfassung hat er im Pulte behalten. Auch von seinen 
Poesien ist, ausser Wenigem, das zu festlichen Gelegenheiten 
entstand, nichts an die Oeffentlichkeit gelangt. Sein 
schöpferischer Trieb ward zurückgehalten von der praktischen 
Wirksamkeit, und in ihr wiederum suchte uud fand derselbe 
einen Ausdruck. Am schönsten wohl auf dem Gebiete, das 
ihm vom Ahnen her theuer war, der Sorge für die Bildungs- 
anstalten des Landes. An Goethische Traditionen galt es 
anzuknüpfen, als ihm (1848) das Referat über die Angelegen- 
heiten der Universität Jena zufiel, woran sich später (1864) 
auch das über die »unmittelbaren Anstalten für Wissenschaft 
und Kunst« anschloss. Er hat seine schönste Befriedigung 
in diesem Wirken gefunden, auch hat es ihm an Dank und 
Anerkennung dafür nicht gefehlt. Bei dem 300 jährigen 
Jubiläum der Universität (1S58) ernannte ihn die juristische 
Facultät zu ihrem Ehrendoctor. Als, nach seinem Rücktritt, 
auch die medicinische ihn rite promovirte, war er Ehren- 
doctor aller Facultäten. 



248 Chronik. 

Zu dieser Zeit auch geschah es, dass die Goethe - 
Gesellschaft ihn zum Ehrenmitgliede machte in Anerkennung 
der Verdienste, die er sich, zur Zeit ihrer Begründung und 
fortan, um die Anstalten und Arbeiten erworben, in deren 
Förderung die Gesellschaft ihre Aufgabe sieht, insbesondere 
aber auch wegen jener opferwilligen Mitwirkung, der es in 
erster I-inie zu danken war, dass eine würdige Ausgabe von 
Herders sämmtlichen Werken zu Stande kam. 

Bis ans Ende hat Stichling diese Familiengesinnung, die 
in der Verehrung des grossen Vorfahren wurzelte, bethätigt. 
Aus dieser Gesinnung erfolgte die Stiftung an das Goethe- 
und Schiller- Archiv, von der dieses Jahrbuch an anderer 
Stelle berichtet. Fhr ist noch nach seinem Hingang ein schöner 
Erfolg beschieden gewesen : die Erhaltung des vom Verfall 
bedrohten Geburtshauses Herders in Mohrungen. 

In dieser Gesinnung hat er auch meine Bemühungen 
für Herder aufgenommen und hat sie mir mit väterlicher 
Freundschaft gelohnt. Sein Andenken ist mir theuer. Am 
23. Juni sah ich das ehrwürdige Haupt zum letzten Male. 
Friedlicher Schlaf hatte die Augen geschlossen, die ich so 
manchmal in Ernst und Freude hatte erglänzen sehen, und 
den beredten Mund — der Schlaf eines Mannes, der aus- 
ruht vom wohl vollbrachten Tagewerk. 

Bernhard Suphan. 



Friedrich Zamckc. 

Geb. in Zahrenstorf in Meckl. den 7. Juli 1825, 
gest. in Leipzig, 15. October 1891. 

Durch den Tod Friedrich Zarnckes haben die deutsche 
Philologie und die Universität Leipzig einen Verlust erlitten, 
dessen vielseitige Bedeutung sich schwer in wenigen ^^'orten 
zusammenfassen lässt. Zarncke war einer jener arbeitsfrohen 
Männer, die keine Erholung kennen ausser der, die in der 
Abwechselung des Schaffens selbst liegt; er vermochte mit 
einem bürdevollen Amt und mit allzeit reger Forscherthätig- 
keit noch die Leitung eines bedeutenden kritischen Blattes 
und zahlreiche Ehrenämter zu vereinigen. Rastlose Thätig- 
keit war sein Lebenselement; mit leichten Schritten durch- 
eilte er weite Wissensgebiete, und überall fand er sich schnell 
zu Hause mit dem behenden Scharfblick des schaffens- 
gewandten Forschers. 

Nach Abschluss seiner namentlich unter Lachmann und 
Haupt betriebenen Studien zog Zarncke 184S nach Baum- 
gartenbrück bei Potsdam, wo er die Meusebachsche Bibliothek 
ordnete, und nahm seit 1850 seinen dauernden ^^'ohnsitz in 
Leipzig; hier habilitirte er sich 1S52 und ward 185S zum 



Chronik. 249 

ordentlichen Professor ernannt: hier blieb er bis an sein Lebens- 
ende. Das stille Gelehrtenzimmer auf der Goethe-Strasse 
war länger als 30 Jahre Zeuge jener litterarischen Thaten, 
die mit dem Namen Zarnckes verbunden sind: von Leipzig 
aus schlug Zarncke die heissen Schlachten um das Nibelungen- 
lied : hier ward aus der mühsamen Vergleichung aller Hand- 
schriften des »Jüngeren Titurel« der »Graltempel« hergestellt, 
hier die Sage vom Priester Johannes durch weiteste Länder 
verfolgt, hier über die deutschen Uebertragungen des lehr- 
reichen Cato unterrichtet, von hier aus zog Brants Narren- 
schiff aufs Neue in die Welt, hier ward Christian Reuters 
Name wieder entdeckt unrl über sein Schaffen glänzend be- 
richtet, und von hier gingen kleinere Schriften und Artikel in 
schier ungezählter Fülle hinaus. Wir können all dieser 
Arbeiten an dieser Stelle nicht genauer gedenken: nur die 
ihnen allen gemeinsame geistige Eigenart, die freilich im 
persönlichen \'erkehr noch deutlicher hervortrat, mag skizzirt 
werden. Zarncke war nicht ein Mann, der mit kaltem Sinn 
seine Arbeit ruhig und behäbig abthat; er setzte stets seine 
ganze Person ein ; jedes Problem beunruhigte ihn so lange, 
bis er es auf diese oder jene Weise zurevhtgestellt hatte: er 
war von unermüdlicher Gründlichkeit: treffsicher und behende 
erwog er schnell alles was in Betracht kam. stets vom »ge- 
sunden Menschenverstand« geleitet, kritisch-vorsichtig, und 
unwillig-ablehnend gegen unfertige, vorschnelle Hypothesen. 
Zarncke war Philologe im engeren Sinne des Wortes: die 
Aufdeckung grosser geschichtlicher Zusammenhänge war 
"\\eniger seine Sache als die liebevolle Vertiefung in den 
einzelnen Cregenstand : frisch und natürlich wusste er die 
Schönheiten einer Dichtung auseinander zu legen, und dabei 
ward beim mündlichen Vortrag durch sein feines Mienenspiel 
und den durchdringenden Flüsterton, der ihm eigen war. 
der Inhalt der Worte bedeutsam gehoben. Zarnckes Analysen 
waren schlicht und einfach ; er verschmähte es, in den 
Fortschritten der Philosophie, besonders der Psychologie und 
Poetik, Bereicherung der Massstäbe litterarischer Inter])retalion 
zu suchen; methodisch gründliche Textkritik, verständige 
Erklärung, rastlose Aufspürung der Quellen und objektiven 
Entstehungsbedingungen, alles Positive, Sichere. Klare, das 
war seine Stärke. 

In diesem Sinne war er auch thätig für die Erforschung 
von Goethes Leben und Werken, als Lehrer sowohl — in 
seinen vielbesuchten Vorlesungen über Faust — wie vor 
allem als Schriftsteller. Seine Bibliographie des Faustbiichs 
(in Braunes Neudruck, Halle 1S7S) und der sorgfältige Artikel 
über Johann Spies. den Herausgeber (Allg. Zeitung vorn 
4/9. 1883, Beilage), dessen streng lutherische Verlagsrichtung 



250 Chronik. 

erwiesen ward, stehen gleichsam an der Schwelle dieser Arbeiten, 
x^ber auch die Schrift über den fünffüssigen Jambus, durch die 
Zarnckeim Narnen der Universität die 1 00 jährige Wiederkehr des 
Tages von Goethes Leipziger Immatrikulation feierte, beschäftigt 
sich nur zum geringeren Theile mit unserm Dichter. Die 
Beobachtungen über die Versbehandlung bei Lessing, Schiller 
und — in geringer Ausdehnung — bei Goethe sind wohl 
allgemein als ein Gewinn der Wissenschaft dankbar begrüsst 
worden. Minder einwurfsfrei erschien die Arbeit über den 
yyElpenorc. (Festschrift für Karl Hase, 1880), wenn auch der 
Hauptgedanke, der Hinweis auf Hygin, trotz Ellinger als 
eine positiv-werthvolle Belehrung bestehen bleibt. Die durch- 
dringende Gründlichkeit Zarnckes bekundete sich bei Heraus- 
gabe des Goetheschen NotizbiicJis von der Schksischen Reise 
im Jahre lypo (zur Begrüssung der deutsch-roman. Sektion 
der Dessauer Philologen- Versammlung 1884): ein Notiz- 
büchlein, dessen hastig hingeworfene Schrift aller Entzifferung 
zu spotten schien, ward hier mit grosser Ausdauer fast lücken- 
los enträthselt und nach allen Gesichtspunkten sorgfältig 
erläutert. Im 11. Bande des Jahrbuchs brachte Zarncke 
hierzu Ergänzungen aus dem inzwischen aufgefundenen Notiz- 
buche von Goethes Diener. Sein grösstes Verdienst um die 
sogenannte Goethe-Philologie erwarb er sich aber durch die 
kritische Bearbeitung der Bildnisse Goethes (y)Kiirzgefasstes 
Verzeichniss der Originalauf naiimen von Goethes Bildnissv. 
Leipzig 1888). Man muss Einblick in Zarnckes Sammlung 
gewonnen haben, um den Werth seiner Riesenarbeit vollauf zu 
würdigen. Nur ein Mann von der zähen Energie Zarnckes, 
nur ein so gründlicher Kenner jedes Details konnte ein der- 
artiges Unicum, von dem die im Druck erschienene Schrift 
nur einen allgemeinen Begriff gibt, zusammenstellen. In 
dieser Sammlung sind allein 1394 Reproduktionen von Ori- 
ginal-Aufnahmen Goethes enthalten, darunter etliche, die nur 
in einem Exemplar für Zarncke hergestellt worden ; hier be- 
finden sich gegen 1000 alte Ansichten und Pläne von Frank- 
furt, Leipzig, Weimar, Italien, gegen 3000 Porträts von 
Freunden und Zeitgenossen des Dichters und endlich eine 
grössere Mappe mit Reliquien und Illustrationen zu Goethes 
Leben. Die Hauptsache ist aber die mustergültige kritische 
Bearbeitung, die nur auf Grund langjähriger Forschung und 
von mehr als tausend Erkundigungsbriefen ermöglicht wurde. 
So hat Zarncke auf diesem Gebiete, wo er mit der Findig- 
keit des Sammlers die Gründlichkeit des philologischen Ken- 
ners vereinigte, ein Werk geschaffen, das in gleich verdienst- 
licher Vollständigkeit nicht zum zweiten Male vorhanden ist. 
Allzu früh und aus der Fülle seines Schaffens heraus 
ist der mannhafte Forscher dahin gegangen ; plötzlich und 



Chrokik. 251 

schmerzlich überraschend brach sein tödliches Siechthum aus. 
Die Welt kannte die gediegene Tüchtigkeit seines Geistes, 
aber nur die Näherstehenden kannten die Tiefe und Güte 
seines Herzens : seine Selbstlosigkeit, sein unermüdliches 
Wohlwollen, seine bestrickende Liebenswürdigkeit — wer 
all dies erfahren, der wird das Bild des theuren ^Mannes in 
treuem Gedächtniss halten für immerdar. 

Ernst Elster. 

In Stadt-Sulza in Thüringen ist am 28. März 1S90 plötz- 
lich im Alter von 53 Jahren der angesehene und verdienst- 
volle Literarhistoriker und Schriftsteller Dr. Robert Boxherger 
am Herzschlage verstorben. Seine wissenschaftliche Thätigkeil 
war hauptsächlich den Klassikern gewidmet; es verdanken ins- 
besondere die Hempelsche und Grotesche Klassikerausgabe, 
sowie die »Deutsche Nationalliteratur« von Kürschner dem Ver- 
storbenen eine Reihe von gediegenen Bänden. Auch seine 
»Rückertstudien« (1878) haben viele Freunde gefunden. Ein 
Beispiel trefflicher Uebersetzungskunst ist sein »Bhagavad-Gitä« 
(1870), übersetzt aus dem Sanskrit. Boxbeuger war längere Zeit 
Lehrer in Erfurt, später Oberlehrer am Posenschen Gym- 
nasium. Seit etwa drei Jahren lebte er in Stadt-Sulza in 
wissenschaftlicher Müsse. — Den vorstehenden Notizen, die 
dem Berl. Tagebl. vom 30. März entnommen sind, ist nur hinzu- 
zufügen, dass Boxbergers literarische Arbeit, wenn sie auch 
hauptsächlich Schiller und Lessing gewidmet war, sich ge- 
legentlich auch Goethe zuwandte. Einzelne auf Goethe be- 
zügliche Briefe edirte er im i. Band des G.-J. ; von seinen 
vielfachen Besprechungen und seinen die Goethe-Literatur 
angehenden Notizen gibt die Bibliographie Kunde (vgl. die 
im Gesammtregister S. 11 angeführten Stellen). Er war mehr 
ein Sammler und Verarbeiter des von Anderen Erbrachten, 
als Kritiker und Forscher; ein fleissiger Arbeiter, ein ge- 
lehrter, bescheidener Mann, der gerne von dem Seinigen 
spendete und reine Freude an dem Thun Anderer besass und 
zu äussern wusste. 



Auf seinem bei Pleskau gelegenen Landgute starb am 
24. Oktober 1890 der ausgezeichnete russische Goethe- und 
Lessing - Uebersetzer Alexander Jachontoio im Alter von 
70 Jahren. Ln Lyceum von Zarskoje Selo, wo einst auch 
Puschkin erzogen wurde, empfing er seine wissenschaftliche 
Bildung und begann bereits da Lessings »Emilia Galotti« 
und einzelne Abschnitte aus Goethes »Faust« ins Russische 
zu übertragen. Später trat er in den Staatsdienst, war viele 
Jahre Gymnasialdirektor in Pleskau und schliesslich Kreis- 



-)- 



Chronik. 



adelsmarschall. Aus den fünfziger und sechziger Jahren 
stammen seine als vorzüglich anerkannten Uebersetzungen 
\on Goethes »Iphigenie« und »Tasso« sowie von einer Reihe 
Dichtungen Lessings, Schillers und H. Heines. In seinem 
eigenen dichterischen Schaffen stand Jachontow völlig im 
Banne des nur wenig altern grossen N. Ä. Nekrassow. (Einige 
nähere Angaben über J. giebt L. R. im »Magazin für Lite- 
ratur« 59, 48 [29. Nov. 1890] S. 759 f.). L. F. 



Am I. Mai starb in München Ferdinand Gregorovius, 
nachdem er am 18. Jan. seinen siebzigsten Cieburtstag an- 
scheinend in körperlicher Frische und Rüstigkeit gefeiert 
hatte. Des berühmten Forschers und Darstellers, der, wie 
wenige deutsche Gelehrte, die beneidenswerthe Kunst besass, 
die Resultate seiner gelehrten Untersuchungen in geschmack- 
vollster Form darzul)ieten, sei auch an dieser Stelle gedacht, 
obwohl, wie bekannt, seine Hauptbedeutung auf einem andern 
Felde liegt. Er hatte einen Beitrag zur Goethe-Litteratur 
geliefert: »VN'ilhelm Meister in seinen sozialistischen Elemen- 
ten (1849)«, eine Schrift, die, seit ihrem Erscheinen von denen, 
die sich mit Goethes Roman beschäftigten, geschätzt, grade 
in der gegenwärtigen Bewegung besondere Beachtung ver- 
dient. 



B. VERMISCHTE NACHRICHTEN. 

Napoleon und Goethe (vgl. unten Bibliographie). 

(Die folgende Unterredung, gegen Ende Januar vom Her- 
zog V. Broglie in der franz. Akademie vorgelesen, im »Corre- 
spondant« mitgetheilt, ist in viele deutsche Blätter überge- 
gangen vgl. ^'oss. Ztg. 29 Jan. Hauptblatt Ffter. Ztg. 30 Jan. 
Feuilleton. Talleyrand behau])tet, er habe sie unmittelbar 
nach der Zusammenkunft niedergeschrieben und Goethe vor- 
gelegt, der sie auf ihre Richtigkeit geprüft habe.) Hier folgt 
die Uebersetzung der Voss. Ztg. 

»Herr Goethe, ich bin entzückt fcharme), Sie zu sehen. 
— Sire, ich sehe, wenn Ew. Majestät reisen, so verfehlen 
Sie nicht, Ihre Blicke auch den geringfügigsten Dingen zu- 
zuwenden. — Ich weiss, dass Sie der erste Tragödiendichter 
Deutschlands sind. — Sire, Sie thun unserm Vaterlande schweres 
Unrecht ; wir glauben auch unsere grossen Männer zu haben : 
Schiller, Lessing und Wieland müssen Ew. Majestät bekannt 
sein. — Ich gestehe, dass ich sie kaum kenne. Indessen, 
den »dreissigjährigen Krieg« habe ich gelesen : nehmen Sie 
mir es nicht übel, aber es hat mir freschienen, als ob dieses 



Chkonik. 



-^)> 



Werk höchstens für unsere Boulevards Tragödienstoffe liefern 
könnte. — Sire, Ihre Boulevards kenne ich nicht. Ich glaube, 
dass dort die Volksstücke gespielt werden ; es thut mir leid, 
Sie über eins der schönsten Genies der neuern Zeit so streng 
urtheilen zu hören. — Sie wohnen gewöhnlich in Weimar; 
das ist ja wohl der Ort, wo die berühmten Schriftsteller 
Deutschlands sich versammeln ? — Sire, man ist dort sehr 
wohlwollend für sie; aber augenblicklich haben wir in Weimar 
von Männern, die in ganz Europa bekannt sind, blos Wieland. 

— Ich würde gern Herrn AVieland sehen. — \\enn Ew. Majestät 
mir gestatten, ihn rufen zu lassen, so bin ich sicher, dass er 
sich sofort hierher begeben wird. — Spricht er Französisch V 

— Er versteht es, er hat mehrere Uebersetzungen seiner 
Werke ins Französische selbst durchgesehen. — So lange Sie 
hier sind, müssen Sie jeden Abend zu unseren Theatervor- 
stellungen kommen. Es wird Ihnen nicht schaden, gute 
französische Trauerspiele darstellen zu sehen. — Sire, ich 
werde sehr gern hingehen und ich rauss Ew. Majestät be- 
kennen, dass dies meine Absicht war; ich habe selbst einige 
französische Stücke übersetzt oder richtiger nachgeahmt. — 
Welche? — »Mahomed« und »Tankr.ed«. — Ich werde 
Remusat fragen lassen, ob wir Schauspieler hier liaben, die 
sie spielen können. Ich hätte sehr gern, dass Sie sie in 
unserer Sprache spielen hörten. Sie sind nicht so streng wie 
wir in den Regeln des Theaters. — Sire, die Einheiten sind für 
uns nicht von Bedeutung. — Wie finden Sie unseren Aufenthalt 
hier ? — Sire, sehr glänzend, und ich hoffe, er wird für unser 
Vaterland nützlich sein. — Ist Ihr Volk glücklich? — Es hofft 
viel. — Herr Goethe, Sie sollten während der ganzen Reise 
hier bleiben und den Eindruck beschreiben, den das grosse 
Schauspiel, welches wir Ihnen bieten, auf Sie macht. — Ah, 
Sire, es würde die Feder irgend eines Schriftstellers des 
Alterthums dazu gehören, um eine derartige Arbeit zu unter- 
nehmen. — Gehören Sie zu denen, die Tacitus lieben? — 
Ja, Sire, sehr. — Nun denn, ich nicht. Doch davon wollen 
wir ein ander Mal reden. Schreiben Sie Herrn Wieland, er 
soll hierher kommen. Ich werde ihm seinen Besuch in Weimar 
erwidern, wohin der Herzog mich eingeladen hat. Es wird 
mich sehr freuen, die Herzogin zu sehen. Sie ist eine hoch- 
begabte Frau. Der Herzog war während einiger Zeit recht 
schlimm, aber er ist zurechtgewiesen. — Sire, wenn er 
schlimm gewesen ist, so war doch die Zurechtweisung etwas 
stark. Doch ich bin nicht Richter über solche Dinge. Er 
beschützt die Dichtung, die Wissenschaften, und wir können 
Alle mit ihm sehr zufrieden sein. — Herr Goethe, kommen 
Sie heute Abend zur »Iphigenie«. Es ist ein gutes Stück, 
zwar keins von denen, die mir am liebsten sind, aber die 



254 Chronik. 

Franzosen schätzen es sehr hoch. Sie werden in meinem 
Parterre eine schöne Anzahl Souveräne sehen. Kennen Sie 
den Fürst-Primas ? — Ja wohl, Sire, beinahe intim. Es ist 
ein Fürst von sehr viel Geist, sehr viel Wissen und viel 
Grossherzigkeit. — Nun gut, Sie werden ihn heute Abend 
an der Schulter des Königs von Württemberg schlafen sehen. 
Haben Sie schon den Kaiser von Russland gesehen? — 
Nein, Sire, noch niemals. Ich hoffe aber, ihm vorgestellt zu 
werden. — Er spricht Ihre Sprache gut. Wenn Sie etwas 
über die Begegnung in Erfurt machen, so müssen Sie es ihm 
widmen. — Sire, das ist nicht meine Gewohnheit. Als ich 
anfing zu schreiben, machte ich es mir zum Grundsatze, 
niemals eine Widmung zu machen, damit ich es nicht später 
2u bereuen habe. — Die grossen Schriftsteller des Jahr- 
hunderts Ludwigs XIV. sind nicht so gewesen. — Das ist 
richtig, Sire, aber Ew. Majestät würden mir nicht versichern 
wollen, dass sie es niemals bereut haben. — Was ist aus 
diesem schlechten Kerl (mauvais sujet) Kotzebue geworden ? 

— Sire, man sagt, er ist in Sibirien, und Ew. Majestät 
werden vom Kaiser Alexander seine Begnadigung verlangen. 

— Sie wissen ja, dass er nicht mein Mann ist. — Sire. er 
ist sehr unglücklich, und er hat viel Talent. — Leben Sie 
wohl, Herr Goethe.« 

Die zweite Unterredung, auf einem Balle, eigentlich mit 
Wieland, bei der Goethe aber zugegen war, begann so (nach 
der Uebers. der Frankf. Zeitg.) : »Ich hoffe, Sie sind zufrieden 
mit unseren Schaustücken, Herr Goethe. Sind diese Herren 
auch desswegen gekommen"? — Zu dem heutigen, ja, aber 
nicht zu dem Erfurter Theater. — Das thut mir leid ; eine 
gute Tragödie muss als die beste Schule höherer Menschen 
angesehen werden. Von einem bestimmten Gesichtspunkte 
aus, steht sie sogar über der Geschichte. Man kann mit der 
besten Geschichte nur wenig Wirkung erzielen. Wenn der 
Mensch allein ist, wird er nur schwach erregt ; eine ganze 
Versammlung empfängt viel stärkere und dauerhaftere Ein- 
drücke. Ich versichere Sie, dass ich von dem Geschichts- 
schreiber, von dem am meisten gesprochen wird, von Tacitus 
nämlich, nie etwas gelernt habe. Kennen Sie einen grösse- 
ren und oft ungerechteren Verleumder des Menschen- 
geschlechtes?« (Folgt noch eine längere Deklamation gegen 
Tacitus, die aber von den Zuhörern durch keine Bemerkung 
unterbrochen wird.) 

In der Berliner »Gesellschaft für deutsche Litteratur« 
fand am 24. Juni eine Besprechung des »Heidenröslein« 
statt. (Ich folge dem Bericht der »Deutschen Literatur- 



Chroxik. 255 

Zeitung«.) Zum Zwecke derselben hatte Herr Erich Schmidt 
die vier vorhandenen Formen des Liedes nebst Quellen- 
nachweisen und Belegstellen zusammengestellt. Die älteste 
Gestalt des Volksliedes (A) findet sich in einem Unicum der 
Weimarer Bibliothek: Paul von der Aelst, Blum vnd Auss- 
bund Allerhandt Auserlesener Weltlicher, Züchtiger Lieder 
vnd Rheymen . . . Deventer 1602 und ist zum grössten Theil 
bei Uhland, Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder 
(No. 56) abgedruckt. Die zweite Gestalt des Liedes (B) 
theilt Herder unter der Ueberschrift Fabelliedchen in den 
»Blättern von deutscher Art und Kunst« mit; sie ist im 
zweiten Theil der Volkslieder 1779 wieder abgedruckt. Bei 
einzelnen nicht unwesentlichen Abweichungen zeigt B im 
ganzen die engste Verwandtschaft mit C, dem bekannten 
Goetheschen Liede Heidenröslein. D endlich ist eine morali- 
sirende Umarbeitung, welche sich unter dem Titel »Die 
BlUthe« im Silbernen Buch, der von Caroline Flachsland an- 
gelegten Sammelhandschrift findet. — An diese Zusammen- 
stellung knüpfte Herr Erich Schmidt folgende 4 Thesen : 
I. B hängt mit A zusammen. 2. Herder sollte den Aelst 
besessen und zufällig B aus dem Vojksmund aufgefangen 
haben? 3. B ist von Goethe, der es Herdern vorsagte. 
4. D ist Contrafactur Herders. Durch Schreiben an . Herrn 
Seh. hatten auswärtige Forscher, die Herren Suphan, Seuffert, 
Burdach, Schönbach, R. M. Werner, Zarncke, zu diesen 
Thesen Stellung genommen, und namentlich hatte die These 4 
einstimmig Billigung gefunden. Auch in der Debatte, an 
welcher die Herren Jacoby, Steig, Bellermann und Meyer 
theilnahmen, fanden die Thesen im wesentlichen Beistimmung. 



Ueber die Examina der Studenten der King's, Christ's 
and St. Johns Colleges in Cambridge 1889 und 1890 geben 
die Mittheilungen : Intercollegiate examination in medieval 
and modern languages erwünschte Kunde. Danach wurde 
Goethe betr. von den Studenten des ersten Jahres erfordert: 
Uebersetzung einer Stelle aus »Dichtung und Wahrheit«, 
kritische und literarhistorische Betrachtung des ganzen ^Verkes, 
Behandlung der Zeit des jungen Goethe, Uebersetzung einiger 
Gedichtstellen, Darlegung der Gedichte, aus denen die betr. 
Stellen entnommen sind, Entstehung des »Wilhelm Meister«, 
Beziehungen zwischen dem ersten und zweiten Theil des 
»Faust«. — Für die des zweiten Jahres waren ausser Ueber- 
setzungen Fragen gestellt über das Verhältniss Goethes zu 
Lessing, den anakreontischen Dichtern ; ferner verlangt eine 
Erklärung über schwierige Stellen vieler Gedichte, ein Com- 
mentar über einzelne Briefstellen an Herder und Schiller. 



256 Chronik. 

und einige Aeusserungen Scherers und H. Grnnms über 
Goethe. — Für die des dritten Jahres waren ähnliche Aufgaben 
bestimmt, dazu Quellenuntersuchungen z. B. über »Werthers« 
literarische Modelle , persönliche Beziehungen ; Parallelen 
zwischen dem Schluss von »Dichtung und Wahrheit« und 
anderen Goetheschen Schriften, psychologisch-literarische Er- 
klärung derselben. — Die Aufgaben sind gestellt von Prof. 
K. Breul, dem ich auch die Uebersendung der gedruckten 
Formulare verdanke. Man sieht aus den hervorgehobenen 
Notizen, dass die Anforderungen, denen ja ähnliche aus an- 
deren Gebieten der deutschen Literatur zur Seite stehen, 
sehr grosse sind. Da, wie Prof. Breul mir schreibt, den An- 
forderungen gut genügt wird, so bietet diese Thatsache für 
Lehrende und Lernende ein ausgezeichnetes Zeugniss. 



Aus der »List of Lectures for the year 1890 — 91 proposed 
by the special boards of studies issued by autliority of the 
general board of studies, Cambridge at the University Press« 
ist zu entnehmen, dass Prof. Breul drei aufeinander 
folgende Curse Goethe widmet. Die beiden ersten beziehen 
sich auf den Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller ; 
der dritte auf Erklärung ausgewählter Scenen von Goethes 
Faust L Prof. Breul schreibt dazu : »in jedem Semester werden 
hier Vorlesungen und Uebungen über Goethe vor eifrig 
theilnehmenden Studenten und Studentinnen gehalten und 
sollen auch in Zukunft auf jeden Fall nicht aufgegeben 
werden, da das w^issenschaftliche liebevolle Studium Goethes 
und seiner Zeit hier ein Theil des von allen Studenten ver- 
langten Pensums ist.« 



Ein kleines Programm: Intercollegiate examination in 
medieval and modern languages. King"s, Chrisfs and 
St. John's Colleges (Cambridge) vom 11. Juni 1S91, das mir 
durch die Güte des Herrn Prof. K. Breul zugeht, beweist 
aufs Neue, wie gründlich in England die Goethe-Studien be- 
trieben werden. Das Prüfungsprogramm, das nur für Studenten 
des I, und 2. Jahres gilt, enthält, Goethe betr., 12 Fragen: 
Uebersetzungen und Erklärungen einzelner Stellen aus Briefen, 
Prosawerken, Gedichten. Unter den literargeschichtlichen 
Aufgaben befindet sich u. A. Stellung Goethes zu Homer, 
zur französischen Revolution, zu Karl August, Einzelheiten aus 
Wilhelm ]\Ielster, Vergleich des Faustfragments von 1790 und 
der Fassung von 1808, Darlegung der Widersprüche im 
Charakter "des Mephistopheles, Abfassungszeit der Scene 
»Vor dem Thore«. 



Chkon'ik. 257 

Die Verlagshandlung L. Ehlermann in Dresden und 
Dr. A. Bettelheim in Wien veröffentlichen ein für die von 
ihnen herausgegebene Sammlung »Führende Geistera be- 
stimmtes Preis-Ausschreiben (15. Juli 1891), aus welchem 
Folgendes an dieser Stelle mitgetheilt werden mag : Als 
Preise sind ausgesetzt: Erster Preis: Dreitausend Mark, 
Zweiter Preis: Tausend fünfhundert Mark, Dritter Preis: 
Tausend Mark. Diese Beträge sollen jedenfalls und ungetheilt 
zuerkannt werden. Die Bedingungen sind folgende : Der 
erste Preis soll in erster Linie einer Biographie Goethes zu- 
kommen. Nicht nur als historisch zu erfassende Persönlich- 
keit, auch als unerreichtes Vorbild der Kunst, sich in die 
Dinge einzuleben, als Muster der Auffassung und Anpassung, 
kuizum als Einziger, weder vorher noch seither Erschienener, 
ist Goethe und die Würdigung seiner Allseitigkeit ein Vor- 
wurf, dessen Schwierigkeit es bisher kaum zu einer, die Ge- 
sammtheit seiner Leistungen umfassenden, und doch zugleich 
wahrhaft künstlerischen und echt volksthümlichen Darstellung 
hat kommen lassen. Zu einer solchen Darstellung wünschen 
wir in erster Linie anzuregen ; ihr soll der erste Preis zu- 
erkannt werden und nur, wenn eine solche Darstellung nicht 
oder in unzulänglicher Weise versucht werden sollte, bleibt 
es dem Preisgericht vorbehalten, einer der anderen Preis- 
arbeiten den ersten Preis zuzusprechen. Bei der Beurtheilung 
der Manuscripte werden die Gesichtspunkte zum Ausgang 
genommen werden, welche in dem Grundplan der »Führenden 
Geister« ausgesprochen wurden. Die Darstellung soll durch- 
weg unmittelbar aus den Quellen geschöpft sein und, bei 
aller Rücksicht auf Gemeinverständlichkeit, nie den tiefsten 
Ton der Leutseligkeit anschlagen, sondern bemüht sein, dem 
Künstler durch ein Kunstwerk gerecht zu werden. Der Text 
selbst darf durch gelehrte Hinweise und Anmerkungen nicht 
beschwert, dagegen kann im Anhang dem Weiterstrebenden 
durch sorgfältige Auswahl der wichtigsten litterarischen Hilfs- 
mittel der rechte Weg zu weiterem, selbständigen Nach- 
prüfen und Studium vorgezeichnet werden. Der LTmfang 
einer Biographie soll 10 bis 12 Bogen Octavformat der 
Sammlung »Führende Geister« betragen ; nur bei Männern 
von ausserordentlich grosser Bedeutung ist es den Herren 
Autoren anheimgestellt, den Umfang auf das Doppelte, also 
20 bis 24 Bogen auszudehnen. Die Manuscripte, aus denen 
in keiner Weise der Name des Verfassers erkenntlich seia 
darf, sind, verschlossen und mit einem Kennwort versehen» 
bis spätestens zum 30. September 1892 eingeschrieben und 
frei an die Verlagshandlung L. Ehlermann in Dresden-Alt- 
stadt, Grunaerstrasse i. einzusenden. Dagegen ist ein aussen 
mit demselben Kennwort versehener, verschlossener Brief- 

GobTllt-jAURULCH XIII. 17 



258 Chronik. 

Umschlag, welcher Namen und genaue Adresse des Autors 
enthält, mit dem Manuskript gleichzeitig einzusenden. 

Die eingelaufenen Goethe-Biographien werden beurtheilen 
die Herren : Regierungsrath Professor Dr. Anton E. Schön- 
bach in Graz, Dr. Adolf Wilbrandt in Rostock, der Heraus- 
geber Dr. Anton Bettelheim in Wien und der Verleger 
Dr. Erich Ehlermann in Dresden. 

Die Entscheidung des Preisgerichtes wird am i. Februar 
1893 in folgenden Blättern veröffentlicht werden: Beilage 
zur (Münchner) »Allgemeinen Zeitung«, Litterarisches Central- 
blatt, Rödigers Deutsche Ditteraturzeitung, Das Magazin ftir 
Litteratur. 

Gleichzeitig erfolgt die Auszahlung der Preise, für welche 
die Verlagshandlung haftet und durch welche sie das Recht 
der Veröffentlichung der betreffenden Biographie für die 
erste und alle folgenden Auflagen erwirbt. Der zuerkannte 
Preis gilt dabei als Honorar für die erste Auflage und die 
Verlagshandlung wird das bei weiteren Auflagen zu zahlende 
Honorar mit den betreffenden Herren Autoren vor Erscheinen 
der ersten Auflage vereinbaren. 

Die Notizen über Theateraufführungen Goethescher 
Stücke sowie über Goethe betreffende Universitäts- und an- 
dere Vorlesungen können des beschränkten Raumes wegen 
nicht gebracht werden. 




:>• 



Bibliographie. 



I. Schriften. 

A. WEIMARER GOETHE-AUSGABE. 

Goethes Werke. Herausgegeben im Auftrage der Grossherzogin 
von Sachsen. Weimar, H. Böhlau. 

Siehe J.-B. XII, 275. Zu den dort aufgezähhen Bänden 
kommen hinzu: i. Abtheilung, Band 4 (Gedichte, heraus- 
gegeben von G. V. Loeper), 9 (Dramen, herausgegeben von 
G. Roethe, Fr. Scimorr von Carolsfeld, K. J. Sc/irocr, /. Jla/i/e. 
O. Hoffmanii), 1 1 (Dramen und Singspiele, herausgegeben 
von F. Zarnckc, R. M. Meyer. K. J. Schröer, E. von der 
Hellen, R. M. Werner, B. Suphan), 29 (Dichtung und Wahr- 
heit, herausgegeben von J. Bächtold), 46 (Winckelmann. 
Philipp Hackert, herausgegeben von A. ATichaelis, O. Har- 
nack). 2. Abtheilung, Band 6, 7 (Zur Morphologie, I. II. Theil, 
herausgegeben von R. Steiner). 3. Abtheilung, Band 4. 
Tagebücher 1809 — 18 12, herausgegeben von /. Wähle, C. A. 
H. Burkhardt). 4. Abtheilung, Band 7 (Briefe 1785 bis 
24. Juli 1786. Register zu Band i — 7). 9. 10 (Briefe 
18. Juni 1788— 1795, herausgegeben von E. von der Hellen').^ 



' Die Zusammenstellung der einzelnen Berichte ist im Goethe- 
und Schiller-Archiv erfolgt, sie werden zumeist in der Gestalt, wie 
sie an die Direction gelangt sind, mit Namensunterschrift mitgetheilt; 
einige wenige sind auf Grund der erhaltenen Angaben hier redigirt. 
Bemerkt wird, dass drei Bände, welche zur Jahreslieferung 1891 ge- 
hören, jedoch des Setzerausstandes wegen erst in diesem Frühjahr 
ercheinen, in das Gesammtreferat mit einbeschlossen sind: I, 11. II, 7. 

IV, 10. B. SUPHAK. 



17* 



26o Bibliographie. 



BERICHT DER REDACTOREN UND HERAUSGEBER. 

ERSTE ARTHEILUNG. 

Band j. 4. Es mag als eine eigene Fügung jetzt er- 
scheinen, dass, an Statt des üblichen Berichtes über die ein- 
zelnen den Jahresertrag ausmachenden Bände, im vorigen 
Jahre eine auf das ganze Unternehmen und seinen bisherigen 
A''erlauf und Erfolg bezügliche Erklärung eintrat, ausgehend 
von dem Manne, der bei dessen Begründung an hervor- 
ragender Stelle bethätigt gewesen, der, mit dem Vollgewinn 
eines reichen Forscherlebens ausgestattet, zuerst auch an die 
handschriftlichen Schätze herangetreten ist, weiche die Grund- 
lage unsrer Ausgabe bilden. Von dem Manne, der jahrelang mit 
freudiger Hingabe sein Bestes für die Sache, die ihm am 
Herzen lag, eingesetzt hat. Es sollte ihm, Gustav v. Loeper, 
vergönnt sein auszusprechen, dass er die Grundsätze, nach 
denen man das Ganze eingerichtet, im Wesentlichen bewährt 
gefunden, dass er sich im Fortgange der Arbeit immer mehr 
darin beglaubigt habe, auf dem richtigen Wege zu sein. 
Dass Erhebliches und Erfreuliches in der Vereinigung, im 
Wetteifer vieler Kräfte geleistet sei. Mit dem Behagen, das 
nur aus solcher Ueberzeugung fliesst, hat er jene oratio pro 
domo (die hier nur nach diesem positiven Gehalt in Be- 
tracht kommt) verfasst und gehalten. Dixit. Er hätte noch 
so Vieles zu sagen, zu thun, zu geben gehabt. — 

Hier habe ich nur von seiner letzten Arbeit einiges 
andeutend zu berichten. Ich weiss, indem ich dies nieder- 
schreibe, noch nicht, was und wie viel er für den Abschluss 
gethan hat. Er erwähnt selbst meine Theilnahme am vierten 
Bande, Inhalt S. VI. Mehr als ein anderer könnte ich, be- 
dürfte es dessen, bezeugen, wie ernst und peinlich er des 
Dienstes am Worte waltete, zu dem der Herausgeber sich 
verpflichtet. Er liebte die gemeinsame FLrörterung, Hess Ein- 
rede und Widerspruch gelten, war immer bereit eine strittige 
Sache, so lange es nur anging, wieder aufzunehmen, und wo 
er in seiner Position verharrte, musste man seine Gründe 
achten. Ungezählte Briefe und Karten wurden, so lange ein 
Band im Druck war, gewechselt, und jeder Bogen war mit 
Marginalien gespickt. Das scheinbar Kleinste rief umständliche 
Erörterungen hervor. Bei No. VIII der »Chinesisch-Deutschen 
Jahres- und Tageszeiten« (4, 113) waren mir in V. 68 »Ahn' 
ich Mondenglanz und -Gluth« die von ihm eingeführten Ver- 
bindungsstriche bedenklich. Er wies mir aber sofort des Mondes 
»Gluth« in Reisebeschreibungen, ja in dem Journal eines 
deutschen Offiziers aus 1870 auf, das er unlängst gelesen hatte. 
So war ihm alles zum Zwecke gegenwärtig. In den Versen an 



Bibliographie. 261 



Peucer, ob der verlorenen »frechen« Wette vom 15. August 
1813 (4, 244) bestand er auf der Zeilenabtheilung des Ori- 
ginals (des Büchleins mit dem blanken rheinischen Ducaten, 
den die Wette gegolten hatte), er meinte, es hafte an der 
Abtheilung, die mir zufällig und capriciös erschien, etwas 
von dem Eindrucke des kleinen merkwürdigen Gedichts. So 
lehnte er es denn hier, und auch sonst wohl ab, zu reguliren. 
Ueberhaupt hat er es weniger, als es scheinen könnte, mit 
dem Reguliren und Normiren gehalten. Er hat in dem ge- 
nannten Manifest das Verhältniss der Weimarer Ausgabe zur 
Ausgabe letzter Hand mit einer, ich möchte sagen, juristischen 
Schärfe fixirt ; doch wusste er sehr wohl, wie jeder allgemeine 
Grundsatz in der Praxis, der lebendigen Uebung sich modi- 
ficirt, und er hätte als Redactor so wenig wie als Heraus- 
geber eine schlechthin bindende Formel anerkannt. Mir 
scheint es wichtiger, sein eigenes Verhalten bei dieser Ge- 
legenheit zu charakterisiren, als Einzelheiten anzuhäufen. 
Zum dritten Bande, welcher C3 entspricht (nur dass den 
Zahmen Xenien sogleich die homogenen Sammlungen aus 
C4 angegliedert sind), hat der Herausgeber selbst sich bereits 
in der »Bibliographie der Goethe-Literatur« 1891, S. 14 ge- 
äussert, als ein Ganzes und in seiner Besonderheit charak- 
terisirt er ihn in der Einleitung zu den »Lesarten«. Band 4 
eröffnet sich mit dem (aus C4, S. 83 — 187) übernommenen 
Bestände der »Inschriften, Denk- und Sendeblätter«. Daran 
schliesst sich, in einer dem Aufbau der ersten Bände ent- 
sprechenden Gliederung, die Masse der Gedichte »aus dem 
Nachlass«, innerhalb der Rubriken chronologisch geordnet. 
»Gedichte zweifelhaften Ursprungs« machen den Schluss. 
Die Xenien von 1797 nebst Invectiven und dem verwandten 
Spruchart'gen sind für Band 5 aufgespart, der in zwei be- 
sondern Abtheilungen zunächst diese schönen Reste schön (zumal 
w-egen der köstlichen Ausbeute des Xenienmanuscripts von 
1796), dann die Band 4 mit umfassende Sammlung der 
Lesarten bringen wird, unter denen es , der zahlreichen 
persönlichen und Zeitbeziehungen wegen an Beigaben 
erklärender Art nicht fehlen darf. An Neuem ist unser Band 
nicht arm. Unter den unbekannten Stücken ist eins der 
schönsten die Uebersetzung aus dem siebenten Buch der 
Odyssee, V. 78 — 131: »Haus und Garten des Königs der 
Phaiaken«. (S. 326 f.) Ich habe es aus dem Fach »Homerica« 
hervorgeholt. Unter der Rubrik »Uebersetzungen« wird man 
umsonst die im »freien Metrum« übertragenen Stücke aus Os- 
sian suchen, mit denen sich neuere Ausgaben von Goethes 
Gedichten bereichert haben: sie sind unzweifelhaft Herders 
Eigenthum. B. Suphan. 



262 Bibliographie. 



Band p. Der Laune des Verliebten kam eine Abschrift 
zu Gute, die vor dem 6. März 1805, also vor dem Erscheinen 
des ersten Drucks (1806) für das Grossherzogl. Hoftheater in 
Weimar nach Goethes Original-Handschrift angefertigt wurde; 
das Heft ist jetzt aus dem Theaterarchiv in den Besitz des Goethe- 
und Schiller-Archivs übergegangen. Die Abschrift lehrt uns, 
so unzuverlässig sie zumal in Interpunction und Orthographie 
ist, jedenfalls, dass Goethe für den Druck an seiner Jugend- 
dichtung nicht ernstlich änderte: nur 4 Verse sind (nach 
425) mit glücklichem Tact gestrichen, einige Bühnenanwei- 
sungen geändert worden ; die sonst bemerkenswertheslen 
Abweichungen der x\bschrift V. 374 Tag (für Tanz) und 
522 bekehrte (statt belehrte) sind vielleicht nur Schreibfehler. 
Für den Text wurde sie lediglich insofern fruchtbar, als sie 
einige auch ohnedem nothwendige Abweichungen von C 
sicherte: 126. 231. nach 237. 450/1. Abgesehen von diesen 
Stellen wich ich von C ab 346 (rührt') und mehrmals in der 
Interpunction: ich weise namentlich auf 105 und 255 hin. 
In den Lesarten bitte ich die Versziffer 234 in 235 zu ver- 
bessern. ROETHE. 



Die Mitschuldigen. Um den Gewinn an Neuem, den 
unsere Ausgabe erbringt, in Kürze zu bezeichnen, genügt es 
darauf hinzuweisen, dass in ihr zuerst die älteste Bearbeitung 
des Stückes »in Einem Ackte« aus der Wenzelschen Hand- 
schrift (Dresden) bekannt gemacht, dass ferner aus H"', der 
Druckvorlage zu S (Göschen), der einen von den zwei 
Handschriften des Goethe-Archivs, die Thätigkeit ans Licht 
gezogen ist, welche Herder der Revision des Textes gewidmet 
hat. Interessant sind besonders, um nur einiges Wenige an- 
zuführen, in H' die Varianten zu 537 und 676 fgg. »Vom 
Prinz von Traventhal« (es ist der Incognito-Name, den 
Christian VII von Dänemark auf seiner Reise 1768 ange- 
nommen hatte). Verbesserung der Textgestalt betreffend, 
sei beispielsweise das aus H-* als Druckfehler nachgewiesene 
Ausrufungszeichen der Ausgaben S— C Vers 460, und das 
ebenso falsche, gleichfalls S — C durchgehende »erschrickt« 
für »erschreckt« hervorgehoben. — Dies nach des Heraus- 
gebers, Dr. Schnorr von Carolsfeld, freundlicher Mittheilung. 
Zu den Lesarten bietet an zwei Stellen ein neuerdings in 
Goethes Bibliothek (Goethehaus) aufgefundenes Exemplar 
von S (Göschen, Band 2) mit etlichen eigenhändigen Ein- 
tragungen einen Zuschuss. Vielleicht zur Vorbereitung der 
nächsten Gesammtausgabe (A), etwa auch in Anlass der 
Aufführung des Stückes auf der Weimarer Bühne, die am 
16. Januar 1805 stattfand, hat Goethe einige Aenderungen 



Bibliographie. 263 



in den Versen 671 fg. und 55 — 58 vorgenommen. An der 
erstgenannten Stelle ersichtlich, um das Stück mit der Zeit 
fortgehen zu lassen. V. 679 »Lord Nelson kreuzt noch stets? 
— Wie kann es anders seyn ?« Spätere (und bessere) Ueber- 
legung aber hat ihn dazu geführt, das Alte an seiner Stelle 
zu belassen. 

B. SUPHAN. 



Die Geschwister. Herausgeber K. Jitl. Schröer. 
Benutzt sind 3 Handschriften : eine von Seidels Hand 
im Besitze der Familie v. Stein auf Kochberg (H'), eine von 
der Hand des Fräuleins von Göchhausen im Besitze des 
Herrn Georg Kestner in Dresden (H^), eine von Vogels 
Hand irn Besitze der Herzoglichen Bibliothek in Gotha (H^). 
Als Gewinn aus denselben sind folgende Besserungen dem 
Texte zu Gute gekommen: 126,9 und ihm zu essen geben 
nach H' statt zu essen geben; 121, 11 wenn du hernach sa 
bei Tische sitzest nach allen Handschriften statt wenn du 
bei Tische sitzest, 127, 89 wurde aus H' und H^ der Satz 
gewonnen : sie soll nicht heftig lieben. Der Schreiber von 
H' irrte mit dem Auge von Zeile 8 lieben auf dasselbe Wort 
in Zeile 9, so dass die dazwischen liegenden Worte ausfielen. 
Ein Gewinn aus H' und H^ ist 130,14 auch das gewiss nur 
zufällig ausgefallen ist. 131,9 fehlt in den Drucken das 
zweite und, 12 fehlt so; 133,7 ist aus den Handschriften die 
scenische Bemerkung aufgenommen (er fasst ihre Hand) ; 
134,8 wurde aus H^ immer aufgenommen, i4. i5 aus allen 
Handschriften auf die Wege legte und; 136,15 vorerzählen 
aus H' und H^ gegen H^ und die Drucke; 139,14.15 bist du 
so weit gebracht — ? nach den Handschriften, die du bist sa 
weit gebracht — ? — haben; 141,28 ihr nur so beisammen 
seyd H' zusatnmen H' wir nur so zusammen sind H^; 143,1s 
blieb im Text wenns an die Enttvicklung kam, wofür die 
Handschriften wenns an (aus H^) Bundriemen kam haben. 



Die Wette ist gedruckt nach einer in Teplitz am 30. Juli 181 2 
von Goethe seinem Sekretär Vogel dictirten und von ihn> 
dann durchcorrigirten Handschrift. Es konnten aus ihr einige 
Versehen des erst nach Goethes Tode von Riemer in der 
Quartausgabe 1837 gedruckten Stückes verbessert werden 
(vgl. zu 155,5; 162,12; 166, 2i; 167,20). 

Die Theaterbearbeitung von Romeo und Julie erscheint 
hier zum ersten Male im Corpus einer Gesammtausgabe von 
Goethes Werken. Der erste Druck, den Boas in den »Nach- 
trägen zu Goethes sämmtlichen Werken «(1841) veranstaltete, 



264 Bibliographie. 



konnte dabei ausser Acht gelassen werden, da sich im Besitze 
der Hoftheater-Intendanz zwei vollständige Manuscripte der 
Bearbeitung erhalten haben, von denen das eine wohl eine 
Abschrift der ersten Niederschrift ist und Correcturen von 
Goethes Hand enthält. Die Handschrift ist auch von Riemer 
durchgesehen und mit einzelnen Aenderungen und Zusätzen 
versehen worden, die, da sie Goethes Billigung erhalten haben, 
auch in unserem Texte wiedergegeben sind. Die Fehler des 
Boasschen Drucks sind stillschweigend verbessert worden. 

J. Wähle. 

Makomet. Von dem Text in C weicht unsere Ausgabe 
in 12 Versen ab. Achtmal wurde die richtige Lesart aus 
dem Einzeldruck und der ersten Gesammtausgabe wieder- 
hergestellt (40. 200. 232. 660. 686. 746. 758. 1744). Auf 
Grund des Voltaireschen Textes wurde Vers 1358 geändert. 
Druckfehler in C enthielten die Verse 1136 und 1469. Aus 
den Propyläen ist in Vers 710 die Form worum gerettet. 

Tancred. Die zehn Verse (240. 436. 526. 587. 592. 
^Z'h- 919- ^37°- 1912. 1952), welche in unserer Ausgabe von 
dem Texte in C abweichen, sind auf Grund des Einzeldrucks 
und der ersten Gesammtausgabe geändert worden. In Vers 
1294 wagten wir nicht die Form bereit (pret) statt bereitet 
gegen alle Ueberlieferung einzusetzen. 

O. Hoffmann. 



Band u. Elpenor, das Frometheus -YxdigvixtXiX. und die 
»Bruchstücke einer Tragödie» hat Friedrich Zartuke beige- 
tragen. Er hat sich noch an der Correctur des Elpenor- 
Textes betheiligt ; das Weitere, auch einige abschliessende 
Arbeit an den Lesarten und Paralipomena haben wir im 
Archiv besorgt, in Treue des verehrten Mitarbeiters und 
seiner gewissenhaften Mühewaltung gedenkend. An den 
schwierigen Vorlagen zum »Prometheus« (Goethe -Jahrbuch 
9, 3 f.), zu dem fragmentarischen »Trauerspiel« und dessen 
bis jetzt ungedruckten ersten Entwürfen (sicher aus dem Spät- 
sommer 1807)' seinen Scharfblick zu bewähren, war ihm 
eine Erfrischung ; am Elpenor hatte sich seine Kunst schon 
vormals erprobt. Fröhliche Tage für ihn und uns, als er, 
im Herbst 1889, die Vorarbeiten im Archiv betrieb. Zum 



' Die weitere Ausführung (H^ H*j ist Zarncke geneigt mit Riemer 
in das Jahr 1810 zu verlegen. Jedenfalls war, was uns vorliegt, im 
Sommer 18 10 schon vorhanden, nach einem ungedruckten Briefe 
Goethes an Kirms, wo das Stück als »eine Tragödie aus der Zeit 
Carls des Grossen« bezeichnet wird. 



Bibliographie. 265 



»Elpenor« bot ihm der Nachlass die älteste d. h. die rein 
Goethische Gestalt, das »Schauspiel« in Prosa (1781. 83), 
in der von Vogel gefertigten Reinschrift, mit den Spuren 
von Herders Revision. Herder ist es, der durch Striche und 
kleine Aenderungen auf den ersten Seiten, zuerst (1786) den 
Versuch gemacht hat, die rhythmische Prosa in Verse zu 
schneiden. Er hat also zu der später von Riemer durchge- 
führten Bearbeitung den Anstoss gegeben. Auf dieser Be- 
arbeitung (Februar 1806) beruht bekanntlich der zuerst in 
A veröffentlichte Text. Da Goethe sie gebilligt, sie vor dem 
Druck einer Redaction unterzogen hat, so muss sie fernerhin 
in den Werken ihren Platz behalten. Die älteste Gestalt 
aber gab Zarncke mit Recht vollständig im Anhang, ein 
Paralipomenon edelster Art. Aus H', der ersten Niederschrift 
Riemers mit seinen Veränderungen, hat er durch Vergleichung 
mit dem Drucke Goethes redactorischen Antheil festgestellt: 
den Weg vorzuführen, auf dem Goethes Gedicht die Rie- 
mersche Gestalt empfangen hat, hielt er für überflüssig. 

B. SUPHAN. 

Zum Clavigo hat sich handschriftliches Material nicht 
gefunden. Für die Reinigung des Textes hat Barnays (Kritik 
und Geschichte des Goetheschen Textes S. 45 fg.) den Weg 
gewiesen ; ihm bin ich in der Verbesserung von C fast durch- 
weg gefolgt. 

Unsere Ausgabe weicht von dem Text in C ab: i. durch 
Beseitigung von Druckfehlern 54,15; 65,13; 73,24 und 27; 
76.17; 93,26; 97,7; 103,24; 2. durch Herstellung der älteren, 
seit C aufgegebenen Lesarten: 51,8; 54,25; 70,13; 85,14 — 15: 
89,14; 101,21; 102,15; 103,15. Ferner ist 121,17 die scenische 
Bemerkung eingehängt und 115,25 — 116,2 die falsche Ver- 
iheilung der Reden gebessert, endlich die Schreibung Madrid 
durchgeführt worden. — In andern Fällen sind die Vor- 
schläge von Bernays nicht in den Text aufgenommen worden, 
so namentlich zu 56,23; 58,3; 86,13; 90,8; 99,1 und 3; 100, 11; 
123,1. — Die Interpunktion bedurfte nur weniger Aenderungen. 

Richard M. Meyer. 

Stella. Herausgeber K. Jul. Schröer. 
Die Textgestaltung von Stella ist wie die vom Clavigo 
und besonders vom Werther erschwert durch die eigenthüm- 
lichen Schicksale, die der Text von der ersten Ausgabe (1776) 
zur ersten rechtmässigen Göschenschen Gesammtausgabe (1787) 
und von da weiter in die Cottaschen Ausgaben erlitten hat. 
Die Himburgschen Nachdrucke (1776, 1777 und 1779) haben 
in den Text eine Menge willkürlicher Verschlechterungen 



266 Bibliographie. 



eingeführt und diese sind, wie Bernays lieber Kritik und 
Geschichte des Goetheschen Textes nachgewiesen hat, in die 
Göschensche Ausgabe übergegangen und haben sich zum 
grössten Theil bis in die Ausgabe letzter Hand fortgeschleppt. 
Unsere Ausgabe geht auf den ursprünglichen Text zurück, 
wie er in der der Königlichen Bibliothek zu München ge- 
hörigen, von Seidel geschriebenen und von Goethe durch- 
corrigirten Handschrift (H) und dem darauf beruhenden 
ersten Drucke (E) vorliegt. Die Fälle, wo unser Text von 
der Ausgabe letzter Hand abweicht, sind so zahlreich, dass 
sie hier nicht einzeln aufgezählt werden können. Nur in 
einigen Fällen, wo Goethe in der Göschenschen Ausgabe 
gegen H und E änderte, ist auf diese Besserungen in unserem 
Texte Rücksicht genommen worden (z. B. 165,16; 190,17). 
Ein Fehler der zweiten Cottaschen Ausgabe (B) ist im Per- 
sonenverzeichniss gebessert : »Cäcilie, Anfangs unter dem 
Namen Sommer«. Der Schluss ist mit C der tragische; in 
den Lesarten ist der des »Schauspiels für Liebende« nach 
H wiedergegeben. Zur Controle der Lesarten dienten dem 
Herausgeber Aufzeichnungen von Bernays in seinem von ihm 
bereitwilligst dargeliehenen Handexemplare von C und vom 
3. Band des »Jungen Goethe«. 



Claudine von Villa Bella. Die Handschrift, in Italien 
eigenhändig von Goethe geschrieben, bietet nur wenige 
grössere Varianten, giebt aber mehrfach sichere Grundlage 
zur Herstellung des Textes, der auf dem Wege von S (1788) 
bis C (1828) mannigfach Schaden genommen hat, besonders 
in B (181 6). Ungewöhnliche Erscheinungen sind nicht zu 
verzeichnen, doch mag auf Vers 285 hingedeutet werden als 
ein classisches Beispiel dafür, dass ein völliger Unsinn 104 
Jahre lang durch alle Goethe-Ausgaben sich hindurchschleppen 
und dann sogar noch durch des Dichters Niederschrift als 
dessen eigne Schuld erwiesen werden konnte. 

E. VON DER Hellen. 



Erwin und Elinire. Da die erste Fassung dieses Stückes 
nach dem Plane der Ausgabe für einen späteren Band be- 
stimmt ist, kam nur die Gestalt in Betracht, die Goethe 
nach seinen Erfahrungen als Bewunderer italienischer Sing- 
spiele, zum Theil beeinflusst durch den Componisten Kayser 
in Italien so gut wie neu schuf Uns liegt Goethes Original- 
manuscript vor, das noch einige ursprüngliche, später ver- 
worfene Lesarten aufweist. Besonders interessant ist die von 
Scene II, 9 zu bemerkende Verschreibung Litcinde für Ro- 



Bibliographie. 267 



sette^ weil sie uns zeigt, dass Goethe damals gleichzeitig an 
Claudine von Villa Bella gearbeitet haben muss, wo eine 
während des italienischen Aufenthaltes neu eingeführte Person 
den Namen Lucinde führt. Ein paarmal können wir sehen, 
dass Goethe erst bei einer durchgehenden Correctur — worauf 
die gleichmässig blassere Tinte dieser Correcturen hindeutet 
— grössere Rücksicht auf die Bühne nahm, scenische An- 
gabe hinzusetzte und einen besseren musikalischen Abschluss 
ermöglichte. Von dem Versuche Goethes mit kleineren 
Aenderungen der Prosafassung auszureichen, giebt vielleicht 
ein kleiner Rest, der sich handschriftlich erhalten hat, eine 
Spur, wenn darin nicht etwa die Unterschrift zu einer ge- 
planten Illustration zu erkennen ist. Verbesserungen von C 
legte des Dichters Handschrift in Uebereinstimmung mit den 
älteren Drucken nahe: V. 463 Blühte für Blühet, V. 578 
Ach wehe ! iveh ! für Ach weh ! Nur auf die Autorität von H' 
wurde V. 209 das unverständliche tan aller Ausgaben und 
der ersten Abschrift in nii7i verbessert, worauf auch die 
Prosa führt. Gegen die Handschrift habe ich in der Ueber- 
schrift des Ersten Aufzugs das Land von C in Land- ge- 
ändert, was die anderen Ausgaben sinngemäss haben. Zur 
Aufnahme des schon durch Herrn von Loeper vorgeschlagenen 
noch in V. 45 statt und konnte ich mich nicht entschliessen. 
V. 181 wäre vielleicht dann statt denn einzuführen gewesen, 
doch steht dieses detm auch in den Gedichten und der Prosa, 
so dass Goethe die Correctur wohl selbst fallen Hess. Ob 
V. 286 nicht mit Hi das statt diess zu schreiben war, bleibt 
dahingestellt. Sonst gibt die klare Ueberlieferung dieser 
italienischen Fassung zu Bemerkungen nicht Anlass. 

R. M. Werner. 



Die abschliessenden Bruchstücke, Dramatisches aus 
fremden Sprachen, hat der Redactor dieses Bandes, wie der 
ganzen Reihe von 8 an, B. Suphan, aus dem Nachlass 
hinzugethan. Sie bilden, mit Zarnckes kleineren Beiträgen 
zusammen, einen Anhang, der wie jene Reihe grosser dra- 
matischer Werke selbst. Eigenes und durch Nachdichtung 
Angeeignetes enthält. Unbekannt wo bis jetzt das Fragment 
zu Einsiedeis Lustspiel »Die Mohrin«, einer freien Nach- 
bildung des Terenzischen »Eunuchus«. B. S. 



Mit Band 28 und 29 liegt die Ausgabe von Dichtiitig 
und Wahrheit abgeschlossen vor. Ueber das Verhältniss der 
zu Grunde gelegten Ausgaben, namentlich die Incorrectheit 



268 Bibliographie. 



von C war bereits im Goethe-Jahrb. XI, 211 die Rede^ 
Das Interesse an der neuen Ausgabe wird sich hauptsächlich 
auf Band 29, den vierten Theil, concentriren. Einmal lag 
dazu eine von John gefertigte, von Goethe mit zahlreichen 
Correcturen versehene Handschrift, nicht das endgiltige Druck- 
manuscript, vor. Dieselbe (H) weicht von dem durch Ecker- 
mann besorgten Druck in stilistischer Hinsicht mehrfach ab. 
Nach reiflicher Erwägung sind wir jedoch — abgesehen von 
Stellen, an denen C gegenüber H offenbare Fehler gibt — 
nicht auf den Text von H zurückgekehrt : es wäre daraus 
eine unverantwortliche stilistische Verschlimmerung des vierten 
Theils geworden. Wir durften dies um so weniger thun, weil 
alle wohl motivirten Aenderungen und Zusätze in C Goethe- 
schen Intentionen zu entsprechen scheinen, ja geradezu 
Goethesche Bleistift-Correcturen, welche mitunter in H noch 
leserlich hervortreten, voraussetzen. Selbstverständlich sind 
dagegen alle Varianten von H im Apparat sorgsam verzeichnet. 
Was diesen vierten Theil von D. und W. in der Weimarer 
Goethe-Ausgabe im weiteren so anziehend gestaltet, sind die 
ausserordentlich reichhaltigen Paralipomena und Schemata 
dazu. Sie zeigen, dass die Anlage einzelner Bücher, wie die 
des 17. ursprünglich eine ganz andere war. So sollte z. B. 
die Lili-Geschichte, deren Darstellung über die Bücher 16, 
17 und 19 vertheilt ist, hier in ununterbrochenem Zusammen- 
hange erzählt werden. Die Episode von Jung Stillings ver- 
unglückter Frankfurter Operation, jetzt in Buch 16 mitgetheilt, 
sollte anfänglich in 17 ihre Stelle finden u. s. w. Ein wich- 
tiger Bestandtheil des 18. Buches, jene interessante Skizze 
der ursprünglichen Gestalt des zweiten Faust, ist schon früher 
aus diesem Zusammenhang losgetrennt und in Bd. 15, 2. Abth. 
S. 173 derWeimarer Goethe-Ausgabe abgedruckt worden. Dafür 
wird hier 29, 231 ff. der Wortlaut der in jüngster Zeit so oft 
genannten Aristeia der Mutter an die Oeffentlichkeit gebracht. 
Es haben sich auch einige Andeutungen über einen von 
Goethe geplanten fünften Theil von D. und W. erhalten, der 
die Ereignisse von 1775 — 1786 kurz zusammengefasst hätte 
und an den sich dann zunächst die Italienische Reise an- 
schliessen sollte. 

Ich kann die Feder nicht aus der Hand legen, ohne 
dankbar der lehrreichen Zeit zu gedenken, da es mir ver- 
gönnt war, mit dem unvergesslichen G. v. Loeper zusammen, 



' Leider hat sich an jenem Orte S. 212 Z. 19 v. u. ein schlimmer 
Druckfehler eingeschlichen. Die richtige und ursprüngliche Lesart in Bd. 27 
S. 194,15 ist »Seelenconcent« (nicht »Seelenconcert«). — Hierbei sei 
auch (nach Suphans Mittheilung) das letzte Wort von Band 26 be- 
richtigt. S. 581 ist zu lesen: Die Vortrefflichkeit des ganzen Genres 
(nicht Genies). 



Bibliographie. 269 



die vier Bände unserer Ausgabe zu besorgen. Seine er- 
giebigen Anmerkungen zu den einzelnen Correcturbogen 
waren gewöhnlich neue Beiträge zu seinem unschätzbaren 
Commentar von D. und W., wobei er nie den Zusatz unter- 
liess : »vgl. die zweite Ausgabe meines Commentars«. Wahr- 
scheinlich liegt in seinem Nachlass ein reichhaltiges Material 
zu einer solchen vor, welches hoffentlich jene neue Auflage, 
die unsere liebe »Goethe-Excellenz« nicht mehr erleben sollte, 
beschleunigen wird. 

J. Baechtold. 



Band 43. 44. Benvenuto Cellini. Die Pflicht, als Redactor 
der beiden Bände, sie Wort für W^ort durchnehmen zu müssen, 
hat mir den Genuss gewährt, von Neuem die Kunst zu be- 
wundern, mit der Goethe ein im Grossen und Ganzen clas- 
sisches, in den zufälligen Einzelheiten provincial betontem, 
gesprochenem Florentinisch entsprungenes \^'erk deutsch 
wiedergegeben hat. Die Nachlässigkeiten Cellinis, mit der 
er darauf losschrieb, sind reproducirt, durch ganz eigen- 
thUmliche Behandlung der deutschen Sprache aber mehr im 
Effect als durch Nachahmung des Satzbaues hergestellt 
worden. Goethe würde, hätte ihm der heute vorhandene 
Text zu Gebote gestanden, manche Stelle anders geschrieben 
haben, denn wie wir Cellinis Niederschrift seiner Erinnerungen 
heute lesen, liegen sie erst seit neuerer Zeit vor : allein der 
Umstand, dass Goethe nach einer mangelhaften Ausgabe 
arbeitete, kommt doch kaum in Betracht. Sein Buch wird 
immer den Rang behaupten, der ihm gebührt, und auch 
irrthümliches Verständniss der Worte und Dinge, das ilim ja 
nachgewiesen werden kann, nimmt seinem Verdienste nichts. 

Ich habe Herrn Dr. von der Hellen ersucht, über das 
Technisch-philologische der Ausgabe, bei deren Revision 
er mir zur Seite gestanden hat, zu berichten. Er schreibt: 

»Der Grundsatz der Weimarischen Ausgabe, unter 
möglichstem Anschluss an die Ausgabe letzter Hand (C) 
einer vorurtheilslosen, strengen Kritik alle Pflichten und 
Rechte zu wahren , musste in den beiden Bänden des 
»Benvenuto Cellini« zu grösseren Abweichungen von C führen 
als in allen anderen Werken Goethes. J)er Grund dieser 
Nothwendigkeit liegt im Verhältniss des Dichters zu seiner 
Arbeit : bis an sein Lebensende bewahrte er dem Inhalt ein 
reges Interesse, für den Text als solchen aber konnte es 
diesem Uebersetzungswerk nicht in gleichem Mass erhalten 
bleiben wie den eignen Schöpfungen. Die erste Gestalt der 
Uebersetzung entstand schnell, mit ungleicher Lust, und ihren 
Abdruck in den Hören 1796/97 entstellten viele Fehler. 



270 Bibliographie. 



Diese haften zum grossen Theil auch der Abschrift an, die 
Goethe bereits während und kurz nach dieser Drucklegung 
von dem Druckmanuscript der Hören machen Hess, unter 
HinzufUgung der dort noch nicht mit veröffentlichten Ab- 
schnitte. Als er dann im Jahre 1798 diese ergänzte Abschrift 
nochmals durcharbeitete, wiederum mit ungleichmässiger 
Hingabe und Gründlichkeit, nahm er den italienischen Text 
vielleicht stellenweise wieder zur Hand, machte sich aber eine 
Berichtigung der Uebersetzung als solcher nicht zur Aufgabe, 
sondern begnügte sich mit einer vorwiegend formalen 
Correctur in ästhetisch-stilistischer Absicht. Die so durch- 
gearbeitete, im Goethe- und Schiller-Archiv erhaltene Abschrift 
wurde dann 1803 der ersten Einzelausgabe als Druckmanuscript 
zu Grunde gelegt, und dieser vielfach fehlerhafte Abdruck 
pflanzte sich durch die vier Cottaschen Werkausgaben fort, 
mit immer wachsender Verderbniss des Textes.« 

»Die Weimarische x\usgabe nun, durch iA'olfgang von 
Oettingen und Eduard von der Hellen in Gemeinschaft besorgt, 
musste sich zunächst an C halten, in zahllosen Fällen aber 
von ihr abweichen in Rückgriff auf jene von Goethe durch- 
gearbeitete Abschrift des Horenmanuscriptes. Da aber auch 
diese keineswegs überall das zweifellos Richtige bietet und 
andererseits die Abweichungen der Drucke bis C vielfach 
einen guten Sinn geben, so dass die Annahme ihrer Ein- 
führung oder Gutheissung durch Goethe wohl zulässig er- 
scheinen muss, hatten die Herausgeber vielen einzelnen 
Fällen gegenüber einen schweren Stand, — um so mehr als 
ja der italienische Text nicht unbedingt den Ausschlag geben 
durfte, seit Goethe selbst schon durch die Bearbeitung von 
1798 sich so entschieden von ihm emancipirt hatte. Der 
Grundsatz möglichsten Anschlusses an C wurde daher nach 
Kräften gewahrt, um überhaupt einen principiellen Stand- 
punkt zu gewinnen, und manche an sich recht annehmbare 
Variante der Handschrift mit einiger Ueberwindung unter 
die »Lesarten« verwiesen ; wo aber solche Varianten nicht 
nur für das GefUhlsurtheil den Vorzug verdienten, sondern 
durch kritische Gründe gestützt werden konnten, ist ihnen 
ihr Recht für den Text nicht vorenthalten. Die Subjectivität 
solcher Entscheidungen wurde freilich dadurch vor Ungleich- 
mässigkeiten und Ausschreitungen einigermassen bewahrt, 
dass ziuei Herausgeber sich in jedem Fall zu einigen hatten, 
— ob aber dadurch immer das objectiv Richtige getroffen 
wurde, ist Niemandem zweifelhafter als diesen selbst, und 
eine Anzahl von Berichtigungen am Schluss beider Bände 
legen offenes Zeugniss nicht nur dafür ab, dass sie nach 
Abschluss des Textdruckes in der Entscheidung mancher 
zweifelhaften Frage ihre Ansicht geändert, sondern auch 



Bibliographie. 27 1 



dafür, dass sie unter der Fülle der Varianten einige un- 
zweifelhafte Textverbesserungen übersehen hatten.« 

»Ueber die Grundsätze, die in der Behandlung der Inter- 
punction und Orthographie, besonders hinsichtlich der vielen 
italienischen Namen befolgt wurden, berichtet die Einleitung 
zu den »Lesarten« des ersten Theiles. Auf sie ist auch be- 
züglich näherer Begründung des oben Gesagten zu verweisen.« 

»Zu dem »Anhang bezüglich auf Sitten, Kunst und Tech- 
nik« bieten die »Lesarten« Beschreibung und Abdruck um- 
fangreicher Vorstudien, die in Goethes Arbeitsweise interes- 
sante Einblicke gewähren. Die beständigere Theilnahme, die 
Goethe diesem Anhang, als einer eigenen Arbeit, im Ver- 
hältniss zu der nur übersetzten Hauptmasse bewahrte, ver- 
räth sich auch durch die reinere Ueberlieferung des Textes.« 

Gern würde ich, wenn der Plan unserer Goetheausgabe 
es erlaubt hätte, Dr. von der Hellens Mittheilungen Folgendes 
in breiterer Ausführung noch zugefügt haben. 

Goethes Cellini kann als erster Theil einer Geschichte 
der Italienischen Kunst im 16. und 17. Jahrhundert gefasst 
werden, deren zweiten der »Winckelmann« bildete. Dem 
Anscheine nach handelt es sich bei der Uebertragung des 
Cellini nur um die Biographie, bei Winckelmann nur um 
dessen Briefe, in Wahrheit aber hier wie dort um viel mehr. 
Der Aufbau der zwei Bücher lässt Goethes Absicht hervor- 
treten. Das Zusammenfügen der litterarischen Bestandtheile 
beider Werke war kein zufälliges Aneinanderhängen des sich 
darbietenden Materiales. Goethes Wille war, es müssten bei 
dieser Geschichtsschreibung Cellini und Winckelmann das 
Wort ergreifen und werde von ihm selbst und seinen Mit- 
arbeitern Anderes nur in Form von Zuthaten beigegeben, 
die allenfalls auch fehlen dürften. Was wir empfangen jedoch 
sind inhaltreiche selbstständige Capitel und hieraus erklärt sich 
der Eindruck, den beide Bücher zurücklassen : den einheitlich 
concipierter, grosser historischer Anschauungen, zu denen 
Goethe uns emporhebt. 

Herman Grimm. 

Der 46. Band (Ausgabe letzter Hand 37.) enthält den 
»Winckelmann« von Adolf Michaelis, den »Philipp Hackert« 
von Otto Harnack bearbeitet. Redactor war Erich Schmidt. 
Mit Ausschluss der Briefe an Berendis, des Meyerschen 
»Entwurfs einer Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts«, 
des chronologischen Briefverzeichnisses und des Namen- 
registers folgen auf Goethes Widmung und Vorwort die drei 
Aufsätze Goethes, Meyers und Wolfs. Der mehrfach emendirte 
Text des »Winckelmann« beruht, soweit nicht bestimmte 
Gründe der Aenderung in C ersichtlich waren, auf dem 



272 Bibliographie. 



Einzeldruck E von 1805. Die Lesarten bieten auch die 
Ankündigung aus der Allgemeinen Litteraturzeitung und Daten 
der Druckgeschichte, Abweichungen eines unvollständigen 
Riemerschen Manuscriptes, Varianten des Humbokltschen 
Briefes über Rom, die lateinischen Citate. — Dem »Hackert« 
ist Meyers Aufsatz beigegeben. Im Text sind manche russische, 
englische, italienische Namen richtig gestellt. Das Register 
aus E findet sich mit veränderten Ziffern S. 405. Der 
Apparat verwerthet vier Handschriften Hackerts für die Auf- 
sätze (S. 411 ist der Brief vom 4. März 1806 treu nach dem 
Original abgedruckt), Knights englische Reisebeschreibung, 
die englische Vita Gores und legt so die Bearbeitung Goethes 
kritisch dar. E. Schmidt. 



ZWEITE ABTHEILUNG. 

Von der Eckermann-Riemerschen Ausgabe der Natur- 
wissenschaftlichen Schriften in den »Nachgelassenen Werken« 
unterscheidet sich die unsrige zunächst durch ihre Anordnung. 
Diese beruht, dem für uns geltenden Princip gemäss, auf 
dem, was uns als Goethes letztwillige Verfügung bekannt ist. 
In seinem Codicill vom 10. Juni 1831 ist bestimmt, dass die 
Farbenlehre die Reihe der naturwissenschaftlichen Werke 
eröffnen, Morphologie folgen soll, sodann Mineralogie ; »Natur 
im Allgemeinen« soll schliessen. 

Auf dieser Grundlage wurde die Anordnung mit den be- 
theiligten Mitarbeitern berathen und festgestellt. Die fünf 
ersten Bände (Farbenlehre und Zugehöriges) bilden geschlossen 
S. Kalischei's Antheil. Das Uebrige hat R. Steiner über- 
nommen, mit Ausnahme der Arbeiten zur Osteologie und 
Anatomie, die als besonderer Band (8) von K. v. Bardeleben 
herausgegeben werden. Von Sachverständigen zum ersten 
Mal durchforscht und ausgewirkt, kommt nun erst, besonders 
in der zweiten Hälfte (Band 6 fgg.), die Fülle des hand- 
schriftlichen Nachlasses zur Geltung. 

B. SUPHAN. 

Band i. 2. Barbenlehre, didaktiseJier und polemischer 
Theil. Massgebend für den Text der Farbenlehre ist das 
1810 in zwei Bänden erschienene Werk, da sie in C erst 
unter den Nachgelassenen Werken Aufnahme fand. Das 
handschriftliche Material des Archivs, so reichhaltig es ist an 
Entwürfen, Dispositionen, Excerpten u. s. w., enthält nur 
wenig Druckmanuscript, zum polemischen Theil mehr als 
zum didaktischen, und zu irgend welcher Aenderung des 
Textes auf Grund des handschriftlichen Materials bot sich 



Bibliographie. 273 



kein Anlass. Auch findet sich im Texte kaum etwas, das 
auf eine Verderbtheit desselben schUessen Hesse. 

S. Kalischer. 

Band 6. 7. Der 6. und 7. Band der zweiten Abtheilung 
(naturwissenschaftliche Schriften) enthält Goethes morpho- 
logische Arbeiten, insofern sie sich auf Botanik beziehen. 
Was aus den Heften »Zur Morphologie« (181 7 — 1824) in die 
»Nachgelassenen Werke« übergegangen ist, wurde hier ver- 
einigt mit den noch ungedruckten Abhandlungen und Skizzen 
zu diesem Gegenstande, an denen das Archiv besonders reich 
ist. Dadurch ist Goethes »Theorie der Pflanze« in ihrer 
vollen Ausdehnung und in sich geschlossenen Gestalt in 
diesen beiden Bänden enthalten. Die in den »Nachgelassenen 
Werken« veröffentlichten Aufsätze Hessen manche Frage offen 
über die Prinzipien, auf denen diese Theorie beruht, und 
über die Consequenzen, die Goethe daraus gezogen hat. Der 
kundige Leser musste durch eingefügte Hypothesen die Sache 
erst abrunden. Manche der hiermit angedeuteten Lücken 
erscheinen durch die Veröffentlichung des handschriftlichen 
Nachlasses nunmehr ausgefüllt. 

Als Grundstock des 6. Bandes wurde angesehen, was in 
dem 1831 erschienenen »Versuch über die Metamorphose 
der Pflanzen. Uebersetzt von Friedrich Soret, nebst geschicht- 
lichen Nachträgen« enthalten ist. Das Archiv enthält für 
den grössten Theil dieser Parthie die handschriftlichen Unter- 
lagen. Daran schliesst sich das Zugehörige aus dem unge- 
druckten Nachlass in solcher Anordnung, dass Goethes Ideen 
in jener systematischen Folge erscheinen, die durch ihren 
Inhalt gefordert ist, und zwar i. Zur Morphologie der Pflanzen 
im Allgemeinen, die Prinzipien enthaltend (S. 279 — 322); 
2. Specielle Fragen und Beispiele aus der Metamorphosen - 
lehre (323 — 344); 3. Naturphilosophische Grundlagen und 
Consequenzen der ganzen Lehre (345 — 361); 4. Auf Grenz- 
gebiete zwischen Morphologie und Aesthetik Bezügliches 
(362 — 363). Diese Aufsätze enthalten die Grundprinzipien 
der Goetheschen Anschauungen über Organik, seine Gedanken 
über das Wesen und die Verwandtschaft der Lebewesen und 
über die nothwendigen Anforderungen an eine wissenschaft- 
liche Systematik derselben. Paralipomena I (S. 401 — 446) 
umfassen Vorarbeiten über die Metamorphose der Insecten ; 
Paralipomena II (446—451) eine Definition der Morphologie in 
jenem grossen Stile, wie sich Goethe diese Wissenschaft dachte, 
und Anmerkungen zu den einzelnen Sätzen der Metamor- 
phosenlehre , endlich Skizzen über die Metamorphose der 
Würmer und Insecten. Alles unter »Paralipomena« unter- 
gebrachte ist bisher ungedruckt. 

Goethe-Jahrbuch XIII. jg 



274 Bibliographie. 



Der 7. Band bringt alle botanischen Arbeiten Goethes 
aus der Zeit vor der Entdeckung der Metamorphose, in denen 
sich erst das Ringen mit dieser Idee kundgibt, dann die 
Autsätze, welche die Auseinandersetzung mit gleichzeitigen 
oder geschichtlichen Erscheinungen vom Standpunkte der 
Metamorphosenlehre enthalten. In die erste Reihe gehören 
die »Vorarbeiten zur Morphologie« (bisher ungedruckt), in 
die zweite die Aufsätze über die Spiraltendenz der Vege- 
tation, über die Systematik der Pflanzen, Recensionen bo- 
tanischer Werke, die Arbeit über Joachim Jungius, die Apho- 
rismen »über den Weinbau« (ungedruckt), die Uebersetzung 
des Capitels »de la symetrie vegetale« aus de Candolles 
»Organographie vegetale« (ungedruckt), die Besprechung des 
in der französischen Academie zwischen Geoffroy de Saint- 
Hilaire und Cuvier ausgebrochenen Streites und endlich der 
»Versuch einer allgemeinen Vergleichungslehre« (ungedruckt), 
welcher die letzte Consequenz der Goetheschen Organik 
zieht und mit der teleologischen Naturanschauung Abrechnung 
hält. Für den gedruckten Theil waren wieder die im Archiv 
befindlichen Handschriften massgebend. Die »Paralipomena« 
enthalten durchwegs Ungedrucktes und zwar: Goethes No- 
tizen über Botanik, wie er sich sie auf der italienischen 
Reise gemacht hat, seine Studien über die Infusorien und 
über die Wirkung des Lichtes und der Farben auf die Pflanzen, 
zuletzt Skizzen und Vorarbeiten u. s. w. Bei der Frage, 
was von dem handschriftlichen Nachlasse in den Text auf- 
genommen werden sollte, trat die Rücksicht auf die formelle 
Vollendung in den Hintergrund gegenüber der Nothwendig- 
keit, dass im Wissenschaftlichen alles beigebracht werden 
muss, was dem Gedankciigcbäude Goethes angehört. Auch 
Fragmentarisches und Skizzenhaftes wurde aufgenommen, 
wenn es zur Anschauung Goethes Neues hinzubrachte oder 
anderwärts ausgesprochene Ideen in einem neuen Zusammen- 
hange zeigte. Grundsatz war: alle vorhandenen Materialien 
so zusammenzustellen, dass der Leser ein vollständiges, 
lückenloses Bild von Goethes »System der Botanik« erhält. 

Rudolf Steiner. 

DRITTE UND VIERTE ABTHEILUNG. 

Der kritische Anhang, anfänglich auf knappe Angaben 
über Quellen und Ueberlieferung der Textgestalt beschränkt, 
hat jetzt eine Erweiterung erfahren, indem Anmerkungen 
erklärenden Inhalts unter die »Lesarten« aufgenommen sind. 
Auflösungen abgekürzter Deutungen dunkler Ausdrücke dien- 
ten schon in den ersten Bänden dem Verständniss, freilich 
nur in beschränkter \\eise ; und schon in III, 2 bin ich 



Bibliographie. 275 



über diese Grenze hinausgegangen. Die späteren Tagebücher 
mit ihrem geschäftlichen J.akonismus, die Briefe mit ihren 
auf der Persönlichkeit und den Umständen des Empfängers 
beruhenden Voraussetzungen, beide Arten von Documenten 
aber in ihrem Localen und Zeitmässigen, bieten dem heutigen 
Leser so mancherlei, das ihm gleich einer Abbreviatur, gleich 
einem fremden oder entstellten Namen unklar sein muss. 
Der Versuch, die erläuternden Beigaben planmässig auszu- 
dehnen (zu dem von aussen manche Aufforderung an uns 
gelangte), durfte um so weniger unterlassen werden, als das 
Archiv in seinem ungedruckten Bestände (den Briefen an 
Goethe, Akten u. s. w.) Mittel besitzt, deren Verwerthung 
nirgends zweckmässiger erfolgen könnte. Die Erklärungen 
beschränken sich (wo nicht der Zweck, wichtiges Material 
ausgiebiger mitzutheilen, eine berechtigte Ausnahme schafft) 
streng auf das Nothwendige, und das rechte Maass zu treffen, 
sind Redactor und Herausgeber gemeinschaftlich, in genauer 
Prüfung des Darzubietenden, bemüht. Wenn man, bezüglich 
der Briefe, sich das Ziel gesteckt hat, den heutigen und 
künftigen Leser in die Lage des einstigen Empfängers zu 
versetzen, so weiss man sehr wohl, dass 'das ein Ideal ist, 
welches durch Anmerkungen allein schwerlich ganz erreicht 
werden kann. 

B. SUPHAN. 



Der vierte Band der Tagebücher enthält die Jahre 
1809 — 1812. Den Text der Jahre 1809, 1810 hat Julius 
Wähle, den der beiden anderen C. A. H. Burkhardt bearbeitet; 
der erstere hat den Apparat zum ganzen Bande geliefert. 
S. 397 ff. des Apparates ist aus dem Nachlass der Wortlaut 
eines Goethischen Promemoria mitgetheilt, worin Goethe sich 
dem Bezirksvorstand von Garlsbad gegenüber über die 
Prellerei eines dortigen Wirths beklagt und einen Vorschlag 
zur Abhülfe für die Zukunft macht (Juni 1811). Wirth- 
schaftliche Notizen, Agenda und Aehnliches wurde auch in 
diesem Bande in den Lesarten gegeben, damit der Zusammen- 
hang des Textes nicht durch Unbedeutendes unterbrochen 
werde. Abkürzungen und Falschschreibungen von Namen, 
Titeln etc. wurden, wenn von Schreiberhand, gleich im Text 
aufgelöst und richtig gestellt; wenn eigenhändig, erfolgte 
Auflösung und Berichtigung in den Lesarten und im ange- 
hängten Wörter verzeichniss. 

J. Wähle. 

Band 6 und 7 enthalten Goethes Briefe aus der Zeit vom 
i. Juli 1782 bis zur Abreise nach Carlsbad und Italien 

18* 



276 Bibliographie. 



(24. Juli 1786), ohne sehr erhebliche Vermehrung durch 
bisher ungedruckte Stücke. Band 7 bietet ausser einer Gruppe 
undatirter Billets aus der Zeit vor der italienischen Reise 
einen dreigliederigen Anhang zu der geschlossenen Einheit 
der ersten sieben Bände: Nachträge (S. 353 — 372), Berich- 
tigungen (S. 375 — 382) und Register (S. 385—478). Letzteres 
sucht alle genannten und nach Möglichkeit auch alle nur 
angedeuteten Personen und Orte in vollständiger Aufzählung 
aller Stellen zu umfassen und vor Allem in dem Sonder- 
verzeichniss »Goethes Schriften« (S. 469 f.) auch den An- 
spielungen und versteckteren Beziehungen gerecht zu werden, 
vgl. z. B. VII, 33,9 unter »Faust« oder VII, 159,4 unter 
»Geschichte Bernhards von Weimar«. Andererseits mussten 
bestimmte Schranken gezogen werden, über welche die Vor- 
bemerkung zum Register Nachricht gibt. 

E. VON DER Hellen. 



Band 8, von Erich Schmidt bearbeitet, umfasst die ita- 
lienische Reise, No. 2490 Carlsbad 13. August 1786 — 
No. 2656 Konstanz 5. Juni 1788, mit wenigen Ausnahmen 
auf Grund neuer Collationen, denen auch Suphans Hilfe zu 
Gute gekommen ist. Ergänzt wurden die Briefe an Carl 
August, unbedeutender die an Seidel, zum ersten Mal mit- 
getheilt drei Nummern und ein Beiblättchen an Frau v. Stein 
(aus Eckermanns Nachlass). In den Lesarten findet man 
auch die Druckvorschriften für Göschen 1786, die Briefe 
Tischbeins, Verhandlungen Göschens und Seidels , endlich 
Concepte Goethes über Lavaters »Nathanael« und an einen 
unbekannten italienischen Naturforscher, sowie das Nord und 
Süd vergleichende Bruchstück einer lateinischen Abhandlung 
für Prinz August von Gotha; am Schlüsse die römische 
Brieftabelle mit A''erweisen und ein Personenregister. Seitdem 
ist No. 2610 — richtig an Schnauss adressirt — in der Ur- 
schrift aufgetaucht und ein ungedrucktes Schreiben an Harden- 
berg (3. Nov. 87) entdeckt worden; beides wird Suphan zu- 
nächst im 4. Bande der »Vierteljahrschrift für Litteratur- 
geschichte« veröffentlichen. E_ Schmidt. 



Band p und 10 umfassen die Zeit von der Rückkehr 
aus Italien (18. Juni 1788) bis zum Ende des Jahres 1795. 
Es ist hier nicht der Ort auszuführen, welche Aenderungen 
in den persönlichen und litterarischen Beziehungen Goethes 
in dieser Zeit eingetreten sind, — ein Blick über die Reihe 
der Adressaten zeigt diese \N'andlung mit überraschender Deut- 



Bibliographie. 



lichkeit: Charlotte v. Stein, an die drei Viertel aller Briefe in 
Bd. 3 — Sgerichtetwaren, kehrt in den 593 Nummern dieser beiden 
Bände nur noch neun Mal wieder, und eine Fülle von Gestalten 
tritt an ihre Stelle, deren Mehrzahl bisher noch gar nicht erschien. 
Die Thatsache, dass in Band 9 und 10 achtzig Adressaten 
auftreten, statt 24 in Band 7, zeigt allein schon die Un- 
thulichkeit einer Aufzählung. Es genüge daher ein Hinweis 
auf die Hauptgruppen des wirklich Neuen, bisher nirgends 
Veröffentlichten, das diese beiden Bände bieten und das im 
loten mehr als ein Drittel des Ganzen ausmacht. Dem Gross- 
herzoglich Sächsischen Hausarchiv entstammen geschichtlich 
bedeutende Briefe aus der Zeit der Campagne in Frankreich 
und der Belagerung von Mainz an die Herzogin Amalia 
und den Geheimrath Voigt; die auf dem Goethe- und Schiller- 
Archiv verwahrten Schätze der Grossherzoglichen Bibliothek 
zu Weimar lieferten eine grosse Reihe ausführlicher Briefe 
an den Kunstfreund Heinrich Meyer; sehr ergiebig waren 
ferner die Berge alter Acten von sämmtlichen Behörden des 
Grossherzogthums, und zwar vor allem hinsichtlich des 
botanischen Institutes in Jena sowie des Hoftheaters in 
Weimar: öffentliche und private Sammlimgen boten viel- 
fachen Zuwachs, und nicht minder bedeutende Bereicherung 
spendete das Goethe- und Schiller-Archiv selbst : Neben zahl- 
reichen Concepten, die entweder ganz neue Briefe (z. B. an 
Lichtenberg und Forster) oder überraschende Varianten zu schon 
gedruckten (z. B. an Fichte, Fr. A. Wolf, Schiller) darstellen, 
tritt eine Gruppe auf, welche die Neugier wie das ernste 
Interesse gleichermassen zu erregen und zu befriedigen ge- 
eignet ist : 39 Briefe an Christiane Vulpius. 

E. VON DER Hellen. 




27'S Bibliographie. 



B. ÜNGEDRUCKTES. ' 

I. SCHRIFTEN UND GEDICHTE. 

Katalog einer schönen Autographen-Sammlung zum. Theil 
aus dem Nachlasse des Dichters Eduard Mörike, welche von 
Leo Liepmannssohn . . ii. Mai versteigert wird. 86 SS. 

Verzeichnet 5 gedruckte Briefe Goethes an Gaedicke, Genast, 
|. H. G. Schlegel, Stromeyer, Thouret, ferner an Batsch (ungedruckt? 
undatirt) »Mit Ew. Wohlgeb. Freytag Abends einige Stunden zuzu- 
bringen.« — Ueber zwei andere Handschriften lasse ich die Angaben 
des Catalogs wörtlich folgen, »i. Complete Abschrift eines franzö- 
sisclien Schmähgedichts »Testament de Mdme la Duchesse D'Orleans«. 
4 volle Seiten 4° 91 Zeilen. Das satirische und ziemlich stark zotige 
Gedicht besteht aus 18 vierzeiligen Couplets (also 72 Zeilen), die 
übrigen Zeilen sind auf das Gedicht bezügliche Anmerkungen. Es 
wäre interessant festzustellen, was Goethe zur Abschrift veranlasst hat. 
Als Specimen lasse ich zwei Couplets folgen: 

3. Mon gros mari tout consolc 
Par ma mort se croira venge 

Des Cornes qu'ä sa tete — he bien 

Ont place mes conquetes, Vous m'entendez bien. 

4. Vous le verres chez sa Putain 
Bien renferme soir et matin 
Negligeant !a decence he bien 

II est du sang de France, Vous m'entendez bien. 

II. Facsimilirtes Blatt quer-8: Was der für Käufer haben sollte — Der 
Waare gratis geben wollte! JW v Goethe Johanni 1830. — Auf der 
Rückseite eigenhändig: »Lithographirt G«. Höchst seltenes Blättchen, 
von dem Goethe selbst in einem Brief an Sulp. Boisseree (23. Juli 1850) 
sagt: Sie haben für mich selbst etwas magisches, denn ich habe sie 
geschrieben und nicht geschrieben — Beigefügt sind zwei auf dies 
Facsimile bezügliche interessante Notizen von Eduard Mörike«. — 
Aus dem Stammbuch des Schauspielers Heinrich Beck wird folgende 
Einzeichnung Goethes mitgetheilt »Blumen reicht die Natur, es windet 
die Kunst sie zum Kranze. Weimar 31. Jan. 1791. Goethe.« — In 
den übrigen Briefen z. B. des Schauspielers A. Durand, Hch. Meyers 
Erwähnungen Goethes; Brief Arthur Schopenhauers (1858) an Grävell 
über Goethes Farbenlehre; Knebel schreibt (5. Nov. 1824): »Goethe 
hat mir kürzlich eine neue Ausgabe in Taschenformat seines jungen 
Werthers zugeschickt. Er hat ein hübsches elegisches Gedicht voran- 
geselzt und scheint viel verändert zu haben.« etc. Sehr seltsam ist 
ein Brief von Fr. Körner (Mechaniker?) 21. Mai 1803 an einen 
Schauspieler, der früher mit seiner Frau in Weimar gewesen war. 
In diesem Brief heisst es : »Und wenn auch die »elegante Welt« sagt. 



' Im Allgemeinen vgl. die Vorbemerkung G.-J. X, 282. Die 
nicht unterzeichneten Artikel sind vom Herausgeber. Das Zeichen f 
bedeutet, dass die Schrift vor dem J. 1891 erschienen ist. Den Dank 
an die Herren Fränkel, Marckwald und Westenberger wiederhole ich gern. 
An die Stelle des Herrn Oswalt, der dieser Abtheilung ein eifriger 
Förderer war, trat Herr Ludolph St. Goar mit ausserordentlich reichen 
bibliographischen Beiträgen. 



Bibliographie. 279 



dass er u. seine Frau durch Herrn Haide u. Md. Müller ganz ersetzt 
seien, so fühlt doch jedes gebildete Individuum, dass nur ein sehr 
partheiischer Referent und speichelleckender Anhänger der hiesigen 
Direktion so etwas in die elegant-elende Zeitung einrücken lassen 
konnte.« — Ferner heisst es: »Man fährt hier bis jetzt noch immer 
fort, das Publikum mit dem höhern Cothurn vertraut und vertrauter 
machen zu wollen, aber obgleich Schillers neuere Stücke bei dem ge- 
bildeten Theile so ziemlich zu Halse gehn, so wollen doch die Göthi- 
schen vielen Gaumen gar nicht schmecken. Besonders ist dies der 
Fall mit seinem letzten Werke (die natürliche Tochter?). Man war 
äusserst gespannt auf dieses genialische Product, da schon die grosse 
Trompete längst voraus davon posaunt hatte.« 

Gaedertz = K. Th. Gaedertz, Ein unbekanntes Gedicht 
von Goethe. (Die Gegenwart. Bd. XXXIX, Nr. 5, S. 68, 69.) 

Theilt ein Gedicht mit, das, nach seiner Meinung an Bettina ge- 
dichtet und in Goethes Brief 22. Febr. 1809, als an des Dichters 
Mutler geschickt, erwähnt wird. Das Gedicht wird nach einer Ab- 
schrift mitgetheilt, die sich in dem Poesie-Album von Cäcilie 
Wattenbach findet. Dorthin gelangte sie (Mai 1840) durch E. R. ^= 
Elisabeth Rumohr oder Emmi Rist. — Die Authenticität ist keines- 
wegs über allen Zweifel erhaben. Dass das Gedicht sich den Worten 
und dem Inhalte nach mit Prosazeilen Goethes und Bettinas deckt, 
könnte ebenso gegen als für die Echtheit sprechen : Bekanntlich com- 
ponirte Bettina ebensowohl aus Goetheschen Gedichten ihre Briefe als 
aus ihren Prosawerken Verse, die sie für Goethesche passiren lassen 
wollte. Der Mangel jeder Originalhandschrift und eines wirklich zeit- 
genössischen Zeugnisses ist sehr verdächtig. 

[An Bettina] 

Da ich dir alle Wünsche muss gewähren 

Und nichts in mir dir darf verborgen bleiben, 

So muss ich dir, was du beklagst, erklären, 

Warum ich nicht, wie sonst dir mehr kann schreiben. 

Es sind mir die Gedanken all entflogen, 
Die sonst der Seele treue Diener waren, 
Sind alle deinen Spuren nachgezogen 
Und schweben um dich wohl in ganzen Schaaren. 

O lass sie selber dir von mir erzählen, 
Lass sie dich mahnen meiner zu gedenken, 
Lass mit den Deinen sie sich dort vermählen 
Und dann zurück zu mir die Schwingen lenken ! 

Gaedertz, S. 69. 

[Carlsbader Sprudel] 

Wasserstrahlen reichsten Schwalles 
Drohn den Himmel zu erreichen. 
Sammelquellen raschen Falles 
Nur vermögen so zu steigen. 



28o Bibliographie. 



Also muss die Feuerquelle 
Sich im Abgrund erst entzünden, 
Und die Niederfahrt zur Hölle 
Soll die Himmelfahrt verkünden. 

Aus dem Chaos. Als Goethes Eigenthum wegen des 
darunter stehenden Zeichens (eines Sterns) vermuthet. — 
Westermanns Monatshefte Nov. S. 254 fg. 



2. BRIEFE. 

Biedermann I. = W. v. Biedermann. Am 7. Mai 17 91. 
(Wissenschaftliche Beilage der Leipz. Zeitung. No. 54. 6. Mai 
S. 213 — 215.) 

Angabe von Quellen zur Weimarer Theatergeschichte; >iotizen 
aus und kritische Bemerkungen zu Burkhardts Buch ; Miuheilung ein- 
zelner Actenstücke und Briefe (s. Regesten); der eine der abgedruckten 
Briefe an die Unzelmann war schon gedruckt, vgl. G.-J. XII, 287. 

Biedermann IL = Literarisches Jahrbuch. Central-Organ 
für die wissenschaftlichen, literarischen und künstlerischen 
Interessen Nordwestböhmens und der deutschen Grenzlande. 
Begründet und herausgegeben von Alois John. IL Band. 
Eger. Im Selbstverlag des Herausgebers. III u. 96 SS. 

S. 32 fg. W. V. Biedermann: Zu Goethe in Böhmen theilt den 
Brief i. Juni 1822 mit, ferner Auszüge aus dem Tagebuch der Herzogin 
von Curland (Carlsbad, Mai 1820), die zwei wichtigsten sind folgende: 

18. Mai. »Nachmittag kam Goethe ; er brachte mir Blumen von 
den Bergen, nannte sie mir, zeigte mir einige gefundene Kieselsteine, 
war heiter, witzig und doch gutmüthig. Der Abend verging sehr 
angenehm.« 

23. Mai. »Gegen Abend kam Goethe; er blieb lange und es 
wurde viel von Kunstsachen gesprochen; ich gab ihm das grosse 
Kupfer vom Wiener Congress ; es machte ihm Freude, auch will er 
mich diesen Sommer in Löbichau besuchen.« 

Franzos. ^ Aus Goethes Briefwechsel mit Friedrike 
Unzelmann -Bethmann. Mitgetheilt von K. E. Franzos. 
(Deutsche Dichtung hgg. von Franzos. IX. Band. 10. H., 
S. 254 — 260.) 

Vgl. G.-J. XII S. 284. In dem hier anzuzeigenden Schlussartikel 
werden folgende Briefe der Schauspielerin an Goethe mitgetheilt : 
19. Juli 1804 (über Leipziger Gastspiel) 29. Mai 1805 (Goethes Krank- 
heit; Verheirathung mit Bethmann) 28. Aug. 1806 (Fürbitte für ihren 
Sohn Carl) 12. Nov. 1806 (Erbittet das »Räthsel«) 25. Juni 1807 
(Fragt, ob sie ihre Tochter nach Weimar schicken kann) 17. Jan. 1808 
(Neue Fürbitte für den Sohn; über Z. Werner) 11. Dez. 1809 (Erneute 
Bitte, die Tochter Minna nach Weimar bringen zu dürfen) 30. Juli 
1810 (Bittet im August einige Male in Lauchstädt auftreten zu können) 
26. Nov. 181 1 (über Aufführung des Tasso in Berlin) 6. Jan. 1813 



Bibliographie. 2öI 



(Versendet Holzschnitte von Gubitz und ihrem Sohne Fritz). — 
Der Brief Goethes an Friderike (ii. Juli 1804) s. Regesten. 

Gaedertz I. = K. Th. Gaedertz: Goethe und Maler Kolbe. 
(Beil. z. Allg. Zeitg. No. 158, 8. Juli S. 4 ff.) 

Ergänzungen und Berichtigungen zu seinem gleichnamigen Büch- 
lein ; Notizen über Kolbes Goethe-Bilder, Abdruck zweier Briefe s. 
Regesten. 

Gaedertz II. = Ein kleiner Goethefund in der Königlichen 
Bibliothek zu Berlin. Mitgetheilt von Karl Theodor Gaedertz. 
(Magazin für Literatur. 60. Jahrgang. No. 36 S. 561 — 563.) 

Die 6 Inedita befinden sich in der Meusebachschen Sammlung 
zusammen mit schon bekannten Briefen von H. v. Kleist und A. Schopen- 
hauer 1808 und 181 5. Den Briefen (s. Regesten) sind erklärende Be- 
merkungen beigefügt. — Doch ist, wie ich einer freundlichen Mittheilung 
W. V. Biedermanns entnehme, der Brief vom 22. Febr. 18 15 nicht an 
Diez, sondern an Lorsbach, der vom 9. Nov. 1816, dessen Adressat 
Gaedertz nicht zu nennen wusste, an Herrn v. Münchow gerichtet ; 
der Sender der Materialiensammlung (19. Jan. 1818) ist der Kammer- 
herr V. Prenn. Zum Brief an Lorsbach bemerkt Herr v. B. : »Die 
erwähnte Recension war die von A descriptive Catalogue of the 
oriental Library of the late Tippoo Sultan of Mysore etc. By Ch. Stewart, 
und steht in No. 8 — 11 der »Ergänzungsblätter zur Jenaischen Allg. 
Literatur-Zeitung von 181 5«. 

Heuer. = O.Heuer: Ph. Chr. Kayser, Goetheund Klinger. 
(Berichte des Fr. D. Hochstiftes. N. F., VII. Bd., 3. 4. H., 

S. 443 — 459-) 

Mit zwei Bildertafeln, auf deren einer die Silhouette Kaysers, 
auf deren andrer die von Klinger und Agnes Klinger sich befinden. Die 
letztere trägt die Inschrift: »A. Klinger, nachher verehelichte Anthäus, 
von Wolfgang Goethe gefertigt.« Der Aufsatz selbst mit Briefen aus 
dem Nachlass Kaysers u. A. 2 von Goethe (s. Regesten). Unter den 
übrigen einer des Ph. Seidel an Dorothea Kayser 13. Nov. 1787. 
»Seine (Goethes) Reise nach Rom wird aller Wahrscheinlichkeit nach 
eine neue Epoche in seinem Leben machen. Es schien mir als sey er 
einer von den Menschen, welche das Schicksal nicht im Treibhause 
erziehen wollte; sein Charakter, seine Talente haben vielleicht so lang- 
sam reifen sollen, um ihn glücklich zu machen.« 

Schröer. = Altgraf Hugo Franz Graf zu Salm und Goethe. 
(Chronik des Wiener Goethe-Vereins. Nr. 8. 9. S. 29 — 31.) 

Graf zu Salm, i. April 1776 zu Wien geboren, lange Zeit in 
Frankreich lebend, durch die Revolutionsstürme in die Heimath zurück- 
gebracht, Liebhaber der Wissenschaft : Chemie, Mineralogie, Medizin, 
gest. 31. März 1836. Goethe hat ihm 21. März 18 16 ein Diplom als 
Ehrenmitglied der mineralogischen Gesellschaft zugehen lassen, unter- 
zeichnet ausserdem von Trebra, J. G. Lenz, J. F. Fuchs, wofür Salm 
sich bedankte (3. Juli 1816). Ein fernerer Brief Salms an Goethe 
13. März 1817 rief eine Antwort hervor 20. Juli 1817 (s. Regesten). Das 
Diplom selbst ist nach dem Original des Goethe- und Schiller-Archivs 
mitgetheilt in »Chronik des Wiener Goethe-Vereins« Nr. 10, S. 56. 



282 Bibliographie. 



Valentin. = Eigenhändiger Brief Goethes, mitgetheilt 
von Prof. V. Valentin. (Berichte des Fr. D. Höchst. N. Folge 
Bd. VII, S. 206 fg.) 

Brief (Bruchstück) im Besitze des Herrn Max von Guaita in 
Frankfurt. Das erste Blatt des Bogens ist abgerissen. 



3. REGESTEN. 

An Kayser. (Herhst 1784.) 

»Ihren Brief, wodurch Sie mir Nachricht«. Hatte gehofft, ihm 
die Operette (»Scherz, List und Rache«) mitzusenden, Ist durch viele 
Reisen verhindert gewesen z. B. in Braunschweig, von wo er Operetten- 
Partituren zu erhalten denkt. Wünscht mit ihm etwas zusammen zu 
arbeiten »damit wir sehen, in wie ferne wir in Geschmak und Grund- 
sätzen übereinstimmen.« 
Heuer S. 448 fg. 

Jn ? jo. Aug. 1/8^. 

»Beykommendes Buch nehme Ew. Hochedelgeb. als ein Merkmal 
des Vergnügens auf, welches mir Ihre lehrreiche Unterhaltung ver- 
schaift, und erfreuen mich, wenn es Ihre Geschäfte erlauben, bald mit 
den versprochenen Merkwürdigkeiten Ihrer Gegend. Ich werde suchen, 
dagegen etwas angenehmes für Ihre Sammlung zu überschicken.« 
Valentin S. 207. 

An Dorothea Kayser. Weimar, <j. Sept. lySS. 

»Ihr Bruder hat wegen einiger unvermutheter Zufalle« die Reise 

nach Italien nicht fortgesetzt. Wird von Zürich aus schreiben. 
Heuer S. 452. 

Theateraktenstück (i(^. Mär^ i']<)4.) 

«Die Oberdirection des Weimarischen Theaters und Madame Weber« 

(Mutter von Karl Maria v. W.) 
Contractentwurf, wonach die Genannte sich den zu Weimar 
geltenden Bedingungen unterwirft, sich bis Ostern n. J. als Sängerin 
verpflichtet, auch als Schauspielerin selbst in Nebenrollen auftreten zu 
wollen erklärt. Dafür soll sie ausser den Reisegeldern 8 Thlr. 
wöchentlich erhalten. 

Biedermann I, S. 215. 

An H. Kolhe. S- ^^l- 1^00. 

»Indem ich Ihnen« schickt die Zeichnung Rhesus zurück; 
14 Dukaten für den Hektor. Räth billige Preise an und vertröstet 
auf spätere bessere Bezahlung. Erbittet Nachrichten von Düsseldorfer 
Künstlern, das Alter derselben und die Geschichte ihrer Studien. 

Gaedertz I, S. 4. 

(An Ch. G. V. Voigt?) 26. Nov. \Soi. 

»Herr v. Wolzogen, den ich heute früh an seinem Bett be- 
suchte,« hat beifolgende von dem Kaiser dem Ministerium zugedachte 
Dose übergeben. 

Gaedertz II, S. 561. 



HiRLTOGRAPHIE. 283 



(An Ol. G. V. Voigt?) undalirt. 

»Zu Ew. Exe. Zwecken und Absichten mitzuwirken, ist mir 
jederzeit sehr angenehm, da es immer mit vollkommener eigner 
Ueberzeugung geschieht.« 

Gaedertz II, S. 561. 

An Friederike Belbnuinn-Un{elniann. Weimar, 11. Juli 1804. 

»Aeusserst unangenehm ist mirs, Sie nah (in Leipzig) zu wissen 
und Ihnen nicht begegnen zu können.« Bittet um einen Brief; Karl 
U. werde nach Leipzig Urlaub bekommen, unter der Bedingung, dass 
er nicht spiele. 

Franzos S. 254. 

An Kinns. Carlsbad, 9. Aug. 1808. 

»Der ehemals bey uns angestellte Theaterschneider Eimann«; 
bittet ihm seine in Weimar zurückgelassenen Sachen zu übergeben. 
Biedermann I, S. 213. 

An Lorshach. Weimar, 22. Febr. iSi). 

»Ew. Wohlg. erhalten abermals hiebey ein schönes Persisches 
Manuscript.« Bittet um die beste Uebersetzung von Medschnun und 
Leila. Fragt, ob Rumi ein Zeitgenosse des Motanahbi ist. Dankt für 
die Recension. 

Gaedertz II, S. 562. 

An Kirms (her:^. Connnission). Weimar, 20. Mai 181^. 

»Die Unzelmannsche Sache ist von solcher Wichtigkeit.« Ver- 
sichert seine Debereinstimmung mit den Beschlüssen der Kommission. 
Hat Unzelmann »keineswegs einen Urlaub zugestanden.« Erklärt, dass 
er ausser dem Kunstfach nie etwas persönlich anordne. 

Biedermann I, S. 214, 215. 

An H. G. V. Willleben. Weimar, 22. Okt. 1816. 

»Ew. Hochwohlg. haben die ersten Bogen meiner Italiänischen 
Briefe so freundlich aufgenommen.« Sendet die Fortsetzung. Wünscht 
guten Erfolg des Bades. 

Gaedertz II, S. 562. 

An [Herrn v. Münchow.] Weimar, <). Nov. 1816. 

»Ew. Hochwohlg. verfehle nicht anzuzeigen« betr. eine Arbeit 
»die Unterschiede der Wolken«. Wird seine eigne Arbeit, wenn sie 
fertig ist, einsenden. 

Gaedertz II S. 563. 

An Graf H. F. :{u Salm. Weimar, 10. (20.) Juli iSij. 

»E. E. geneigtes Schreiben mit ehrenvoller Beylage« (Diplom 
der Ehrenmitgliedschaft der k. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft 
des Ackerbaus u. s. w.). Schickt 3 Hefte (Zur Naturwissenschaft). 
»Da mir für jetzt .Absonderung und Müsse gegönnt ist, so denke ich 
früher aufgestellte, bisher bestrittene Behauptungen zu völliger Klarheit 
zu bringen, welches ich mir um so mehr zur Pflicht rechne, weil ich 
hoffen darf, dass der Theoretiker sowohl als der Praktiker erleichternde 
Vortheile dabei finden werde«. 
Schröer S. 32. 



284 Bibliographie. 



An Geh. R. A. H. Eichhorn. Weimar, ip. Jan. iSiS. 

>)E. W. mussten mich länger als zwc}- Jahre für sehr undankbar 
halten« dass er für eine Mineraliensendung nicht gedankt. Die Kiste 
war zerbrochen, die Sendung in Frankfurt liegengeblieben. Drückt 
seinen verspäteten Dank aus. 
Gaedertz II S. 563. 

An Frau v. Brösigke. Weimar, i, Juni 1822. 

»Ew. Gnaden berichte nunmehr mit Gewissheit, dass meine Absicht 
ist, zu Ende dieses Monats bei Ihnen einzutreffen und etwa vier Wochen 
zu verweilen . . . .« 

Biedermann II, S. 32. 



4. BRIEFE. LITTERATUR, AUTOGRAPHEN-CATALOGE, 
NEUE AUSGABEN, GESPRÄCHE. 

Gesammelte Aufsätze von H. Wichmann. Band 111 
Florenz, Löscher und Seeber. VIII u. 291 SS. 

S. 152 fg. Wiederabdruck des Briefes Goethes an den Bildhauer 
Wichmann (vgl. G.-J. VI, S. 23, 24) mit erläuternden Bemerkungen; 
S. 151. Notiz über einen Brief Goethes an Radziwill, jedenfalls den 
bei Strehlke II, S. 60 gedruckten. — S. 158 fg. Goethe über Opern- 
Stoffe. S. 171 fg. Genaues über den von Goethe besungenen Land- 
schaftsmaler Samuel Rösel. S. 183 fg. Anekdoten von dem alten Zelter. 

E, Götze : Zu Goethes Briefen. (Vjs. f. Litgesch. IV., 5 1 1 fg.) 

Brief 175 an J. G. Kestner (Weim. Ausg.) nicht Oct., sondern 
25. Dez. 1773, also zweiter Theil zu dem Briefe No. 196. 

F. Meyer von Waldeck. In Klingers Bibliothek. (Beil. 
zur Allg. Ztg. No. 168, 22. Juli.) 

Mittheilung der in der Dorpater Bibliothek Klingers aufbewahrten 
Schriften Goethes mit dessen eigenhändigen Inschriften (»Hefte zur 
Naturwissenschaft, Festgedichte 1818, Iphigenie 1825«). 

Briefe von Goethes Mutter. Mit einer Einleitung : Chri- 
stiane und Goethe, neu herausgegeben von Philipp Stein. 
Leipzig, Reclam. (Universalbibliothek No. 2786 — 2788)295SS. 

Druckt die 209 Briefe der Frau Rath an die Ihrigen in Weimar 
1780— 1808 buchstabengetreu nach der 4. Publikation der Goethe- 
Gesellschaft ab. Gibt erklärende Anmerkungen unter dem Text. Ein- 
leitung (S. 1 — 40) Charakteristik des Verhältnisses zwischen Frau Rath 
und ihrer Schwiegertochter, schildert Letztere unter Mittheilung vieler 
Urtheile der Zeitgenossen. 

Lagercatalog von Rieh. Bertling in Dresden. No. 17, 
Autographen. 29 SS. 

Verz. von Goethe eine Tischeinladung 1825 an den Weimarer 
Kammersänger Moltke »Herr C. S. Moltke. Einladung zur geselligen 
Speisestunde um zwey Uhr Mittwoch d. 9. Nov. Goethe.« 



Bibliographie. 285 



Katalog einer werthvollen Sammlung von Autographen 
(Versteigerung von Albert Cohn, 27. Jan.) 102 S. 

Joh. Falk an Fanny Tarnow (i. Febr. 1826) : »Die jetzt fast allgemein 
herrschende kurzsichtige Idee von einem Frankfurter, von einem Wei- 
marischen, ja von einem Oberweimarischen Herrn Christus, wovon 
einer den andern nichts angeht.« — Von Goethe sind verzeichnet un- 
gedruckter Brief an Batsch 9. JuH 1790; franz. Brief an Gaetano Catta- 
neo I. Dez. 1851, vgl. G.-J. XII, S. 287; Schriftstück Weimar 14. Okt. 
1783 betr. die von Kirms an die Berg-Commission abgelieferten Acten 
und Papiere; Antworten vom 13. April 1798 auf »Anfragen beiliegenden 
unterm 11. April 1798 aus Copenhagen eingegangenen Briet betr.« Zettel 
»Wöchentliche Beschäftigung 1816« vgl. G.-J. X. Stammbuch des 
Studenten Wilh. Ludw. Rodowe aus Osnabrück 1774— 1782 mit Ein- 
zeichnung Goethes »Leipzig den letzten Merz 1776« mit einer bei- 
gezeichneten Silhouette. — Vulpius (27. Juli 1825) »Zu der Entre- 
prise zu Goethes Werken haben sich schon 6 Buchhändler gemeldet. 
Erst kürzlich kam deshalb einer von Berlin hierher gereiset. Es werden 
40 Bde; man bietet zu hunderttausenden. Er selbst erklärt sich noch 
für gar nichts und scheint sicher noch etwas in petto zu haben. 
Wer ihn kennt, weiss davon gewiss noch nichts positives zu sagen. 
Das Privilegium des Bundestages geht sicher noch auf mehr, als 
man sich denkt. In solchen Sachen ist er gar sehr verschlossen. 
Uebrigens arbeitet er fleissig u. ist sehr wohl, doch ganz mit sich 
u. seinen Unternehmungen beschäftigt.« 

Der Wiener antiquarische Büchermarkt hgg. von S. Kende 
No. 8. Autographen und historische Urkunden 40 SS. 

Verzeichnet einen Brief Goethes i. Febr. 1779 (10 Zeilen) vielleicht 
an Castrop? (Weim. Ausg. 4, S. 79 fg.) 

Rudolf Lepkes 831. Auctions-Catalog. Auction von 
antiken Kunstsachen . . sowie werthvollen Autographen von 
Goethe, Schiller u. s. w. Versteigerung Dienstag, 8. Dez. 
und folgende Tage. 

S. 13 ff. Briefe und Gedichte Goethes an Caroline und Julie 
von Egloffstein. An die Erstere die Verse: »Vielgeduldetes«; dabei 
die Unterschrift »Weimar 25. Dez. 18 16. Freundlichem Andenken. 
Goethe« und »Musterstuhl \u Schmerz und Sorgen« dat. »W. den 
ij. Mai 1826«, ferner Dedicationsblatt mit Unterschrift, am 28. Jan. 1815. 
Darunter schrieb Goethe eigenhändig: »Dankbar der holden Besitzerin, 
mit vielem Vergnügen gelesen. Am 20. Juni 1824. Goethe.« Für 
dieselbe Autographenalbum, enthaltend fünf Blatt Goethe-Autographen: 
Poetische Widmung »Der geprüften Freundin Caroline Grätin Egloft- 
stein am i. Jan. 1828« in 6 Zeilen nebst Unterschrift; dazu die 
Dichtung: Erklärung der Ansichten des Albumdeckels in 16 Versen, 
darauf poetisches Souvenir, 9 Zeilen, bezeichnet »Jena, den 17. Ma}- 1817. 
Goethe.« Dann Gedicht von 4 Zeilen (bei Gelegenheit der Ueber- 
sendung des Fouque'schen Zauberringes) auf einer Briefadresse. Ferner 
Gedicht von 10 Zeilen, betitelt »Oelzweig mit Früchten« und unter- 
zeichnet »Wevnachten 1827. Goethe«. — An Letztere das Gedicht 
»Entoptische Farben« mit der Unterschrift »Jena am 17. Mai 1817«. 
Derselben »Sei die Zierde des Geschlechts« mit der Ueberschritt »Reise- 
segen« und der Unterschrift »Weimar am 4 Juni 1819.« Derselben 
»Ein guter Geist ist schon genug« in 3 Strophen abgetheilt, »an Julien« 



286 Bibliographie. 



Datum »Jena 22. Apr. 18 19«. Derselben »Abgeschlossen sei das Buch« 
mit Unterschrift »W. den 10. Febr. 1825.« — Gedicht »Bei Tag der 
Wolken«, unten : »Weimar Nov. 1826.« Derselben drei Zeichnungen 
a) Sepiazeichnung: Blick auf Neapel mit der Spitze des Posilippo. 
vom Hafen aus gesehen. Mit der eigenhändigen Widmung: »Gräfin 
Julien zum neuen Jahre 1824. J. W. v. Goethe« auf der Rückseite 
des Blattes. Auf der Vorderseite findet sich von der Gräfin notirt: 
»Am Schlussdes glücklichen Jahr's von Goethes Genesung als Neujahrs- 
Geschenk für 1824 in weiter Entfernung von ihm, dem Nt'u-Gcschnikfcn 
erhalten!« — b) Sepiazeichnung: Skizze einer Gebirgslandschaft in dem 
unglücklichen Kriegsjahr 1806 als Erheiterung im Freundeskreise ent- 
worfen. — Auf dem Untersatzblatt findet sich von der Gräfin notirt: 
»Als Geburtstagsgeschenk von dem theuern Meister eigenhändig er- 
halten. Weimar 1827.« — c) Sepiazeichnung: Posilippo bei Neapel. 
Im Jahr 1806 in geselligem Kreise am Theetisch gezeichnet. Auf dem 
Untersatzblatt von der Gräfin Hand : »Theures Angedenken an den . 
väterlichen Freund und dessen wichtige Lehren. Flrhalten in Weimar 
am Weihnachtsfest 1826. Julie Eglofi'stein.« — Von derselben zwei 
Originalbildnisse Goethes und eine Copie nach May's Gemälde. Ferner 
an dieselbe : Gedruckte Gedichte, Titelblätter mit Autographen, der 
schon gedruckte Brief 2. Juni 1821. — Auch Handschriften anderer 
Gedichte, ohne Daten oder andere Zusätze. 

Katalog einer . . Autographensammlung, welche bei . . 
Leo Liepmanssohn 9. März 1891 versteigert wird. Berlin 22 SS. 

Verzeichnet einen ungedruckten Brief Goethes 11. Apr. 1831 an 
Cotta oder Soret : handelt von dem Aufsatz über Spiralität und dessen 
Uebersetzung. 

Verzeichniss einer Autographen-Sammliing, welche am 
29. und 30. Mai von List tind Francke versteigert werden 
soll. 43 SS. 

Verzeichnet von Goethe einen Brief: Weimar 1827; ferner eine 
Handschrift (2 Seiten in 12°). i. Seite Adresse: »Des Herren Baron von 
Ende .... Excellenz« 8 Zeilen; 2. Seite: Notizzettel 11 Zeilen. Ausser- 
dem : Brief Alex. v. Humboldts an Mad. Reinhardt (21. Okt. iSoo) 
über Schillers Wallenstein, wo es heisst : »Gegen Goethe gehalten, 
hat Schiller oftenbar weniger Ruhe, weniger schönes Ebenmass, 
weniger Haltung, aber wie mich wenigstens dünnkt, auch schlechter- 
dings mehr Feuer, mehr Schwung, mehr Erhabenheit . . .« u. s. w. 
Li einem Briefe von Johanna Schopenhauer ist von dem Verkauf eines 
Kerstingschen Bildes und dem Verhalten Goethes bei dieser Ange- 
legenheit die Rede. — 

Berühmte Frauen und Dichter der Liebe. XX. Auto- 
graphen-Catalog von Otto Aug. Schultz in Leipzig. 74 SS. 

Enthält von Goethe i Brief an Mech. Körner und 2 an From- 
mann, gedruckt G.-J. IV, 159 fg. VIII, 151. 154., ein ungedrucktes 
Gedicht an Graf Sternberg (Weimar 1827), eigenhändige Q.uittung 
9. April 180J über 100 Thlr. für Communikation des Manuskripts der 
»Natürlichen Tochter«, Q.uittung der Sophie Ackermann, von Goethe 
mitunterzeichnet 16. Okt. 1803. Die Frauen des Goetheschen Kreises 
sind sehr zahlreich vertreten. Goethes Mutter Quittung 50. Sept. 1786, 
Brief 21. Mai 1791; Ottilie Brief 26. Aug. 1S41 an F. v. Schober und 



Bibliographie. 287 



Wien 1852. — An Goethe: Briefchen der Maria Paulowna, o. Ü. u. J. 
— lieber Goethe mancherlei Notizen; Hervorhebung verdienen fol- 
gende: Müller an Kayser 24. Sept. 1775: » . . . . Goethe und Stol- 
bergs freuen mich unendlich, Dich, und sie, und Klopstock will ich 
unter Glas fassen und aufhängen, das sollen meine Heilige und 
Schutzpatronen se3-n . . . Von Stolberg weiss ich gar nichts. Wagner, 
der seiner Umstände wegen aus Frankfurt weg, wohin? weiss ich 
nicht, gieng, schreibt mir, vor einiger Zeit seyen sie in Marschlins bei 
Salis gewesen. Ich und Goethe haben uns kaum halb kennen 
lernen. Kürtze der Zeit und Umstände brachten uns nicht gantz zu- 
sammen. Ich glaub Dir, dass er so gross, ist, und schätz ihn desto 
mehr . . . .« In einem Briefe Schillers an Iffland (18. Dez. 1800) 
heisst es: ». . . . Unter den Stücken, in denen wir Sie so gern 
hätten auttreten sehen ist «Mahomet«, welches wir, im Falle Sie den 

Mahomet spielen, ziemlich vollständig gut besetzen können 

Goethe ist jetzt sehr pressirt, den Tancred zu vollenden, Sie haben 
uns dadurch, dass Sie ihn ein wenig drängen und treiben, einen guten 
Dienst gethan.« etc. etc. Nicht näher bezeichnete Goethe-Autogr;;phen 
befinden sich in drei Dichter-Albums; auch ein Goethe-Album wird 
erwähnt, das 50 Blätter Portraits, eine Originalzeichnung und Original- 
handschriften enthält. 

Stargardts Literarischer Anzeiger. Berlin. 

Verzeichnet ausser einigen gedruckten Gedichten Goethes folgende 
ungedruckte Stücke: — Brief mit Unterschrift. Weimar 24. V. "1827. 
iV^"». 4- (An K. G. Reinhardt.) — Brief mit der Unterschrift: »Das 
Beste wünschend ergebenst J. W. v. Goethe.« Weimar 10. VII. 1827. 
2 p. 4. (An denselben.) — Eigenhändiges Stammbuchblatt mit Unter- 
schrift. Weimar den drevzehnten Juni 1827. i p. 8. Für den Kgl. 
Sächsischen Berg- und Gegenschreiber Fr. Aug. Schmidt in Altenburg 
»in freundlichster Erinnerung des eiJflcn Jul. iSij.k 

Die Briefe an Reinhardt, inhaltlich sehr unbedeutend, beziehen sich 
auf die von R. angefertigten Abdrücke der Stoschischen Sammlung, 
deren Bezahlung (150 Thlr. in 3 Raten) und Sendung nach Weimar. 

Goethes Gespräche. Herausgeber W'oldemar Freiherr 
V. Biedermann. 9. Bd. i. Hälfte. Register. 2. Hälfte Erläute- 
rungen zu Goethes Gesprächen von Dr. Otto Lyon. Leipzig, 
F. W. V. Biedermann. VI. 123 u. 280 Seiten. 

Das Register enthält s Abschnitte, i. Personen. 2. Schriften 
und Gedichte Goethes. 3. Geographisches und Ethnographisches. 

4. Verschiedenes. 5. Quellen. Auch die Qiiellen sind alphabetisch, 
nach gedruckten, handschriftlichen und unbekannten geordnet, i. Hälfte 

5. 199 — 224 und 2. Hälfte S. 279, 280, im Ganzen 18 Ergänzungen von 
1774 — 183 1, u. A. auch das von Talle\'rand berichtete (apokryphische) 
Gespräch mit Napoleon ; ferner Berichtigungen zum 8. Band. Die 
Anmerkungen enthalten Biographisches über die Unterredner und geben 
sehr sorgsame Erläuterungen über die berührten Gegenstände (in der 
Einleitung Einzelnes zur mündlichen Ausdrucksweise Goethes), so dass 
sie als eine Art Commentar zu Goethes Leben betrachtet werden können. 

Otto Lyon: Goethes Gespräche. (Zeitschrift für d. d. 
Unterr. 5. Jahrg. 9. H. S. 588-608.) 



288 Bibliographie. 



Charakteristik der Biedermannschen Sammlung, von der es heisst 
»sie gehört zu dem Hervorragendsten, was bisher überhaupt auf dem 
Gebiete der Goethe-Literatur veröffentHcht worden ist.« 



C. GESAMMT-AUSGABEN. 

Goethes Werke. Elfter Theil. Erste und zweite Abtheilung. 
Dramen. Sechster Band. Herausgegeben von Prof. K.J. Schröer. 
Stuttgart, Union. X u. 564 SS. (Kürschners deutsche National- 
Literatur. Bd. 92.) 

Goethes Werke. Einunddreissigster Theil. Herausgegeben 
von Georg Witkowski. Stuttgart, Union. (Kürschner's deutsche 
National-Literatur.) (3 Lieferungen.) 

Goethes Werke. FUnfunddreissigster Theil. Natur- 
wissenschaftliche Schriften dritter Band. Herausgegeben von 
Rudolf Steiner. Stuttgart, Union. XXXII, 540 SS. u. 2 Tafeln. 
(Kürschners deutsche Nationalliteratur. Bd. 116.) 

Goethes ausgewählte Werke in 12 Bden. 12°. Stuttgart, 
Cotta Nachfolger. (208, 208. 260, 200, 298. 236, 203, 220, 
267, 268, 192 und 268 S. mit Bildern). 

Deutsche Klassiker - Bibliothek hrsgeg. von Rudolf 
V. Gottschall. 24 Abtheilungen. Berlin, Urania. 

Enth.: Goethe's, Schiller's, Lessing's, Heine's, Hauti's, Körners, 
Kleist's, Lenau's Werke in Auswahl. 



D. EINZELSCHRIFTEN UND ERLÄUTERUNGEN. 

I. ALLGEMEINES. BIBLIOGRAPHISCHES. SPRACHLICHES. 

Chronik des Wiener Goethe -Vereins. Nummer i — 12. 
Verlag des Wiener Goethe -Vereins. 48 SS. 4°. 

Herausgeber und hauptsächlicher Mitarbeiter ist K. J. Schröer. 
Viele Beiträge sind später einzeln genannt. Ausserdem ist eine;Notiz 
über einen Vortrag Alfred v. Bergers »Juridische Fragen aus Goethes 
Faust« hervorzuheben. — Ein grosser philosophischer Aufsatz »Zu 
Goethes Leben und Wirken« (No. 5 tf.) verträgt keine Analyse. 
No. tS, 9 enthält Notizen über die Doctor-Üissertation J. C. Goethes. 
Ferner Brief Karl Augusts vom 26. Juli 181 2 an die Jagemann mit Notizen 
über seine Reise, Theater, Anspielung auf Weimarer Verhältnisse, Politik. 
Aus No. II ist hervorzuheben: Mittheilung über ein Bild von Georg 
Schütz: Tasso -Vorlesung durch Herder unter den Cypressen der Villa 
d'Este mit den Porträts der Herzogin Amalia, Angelika KaufTmann, 



Bibliographie. 289 



Frl. V. Göchhausen, ferner von Bur\-, Zucchi, Verschaffelt, H. v. Ein- 
siedel, Rath Reiffenstein. In No. 12"^ J. C. G. Lowes Mittheilung über 
seinen Besuch bei Goethe. 

Zur Cjoetheforschung. Neue Beiträge von Heinrich 
Düntzer, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt. VIII u. 440 SS. 

Enthält folgende Aufsätze: Goethes »befreiter Prometheus«, Wie- 
lands Matinee: »Goethe und die jüngste Niobetochter« ; Goethes 
Unterstützung des jungen Klinger; Herder und der junge Goethe in 
Strassburg ; Zu Goethes »Natürlicher Tochter«; Die Gochhausensche 
Abschrift von Goethes Faust; Die Sendung der Lenzischen »Lustspiele 
nach Plautus« an Merck; Das Ghasel auf den Eilfer in doppelter 
Fassung; Die Entstehung der beiden ersten Akte des zweiten Theiles 
des »Faust« bis zur klassischen Walpurgisnacht; Die Entstehung der 
beiden letzten Akte des zweiten Theiles des »Faust«; Shakespeare und 
der junge Goethe. 

Neue Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache 
und Literatur. Von Karl Biltz. Berlin, I. A. Stargardt. 251 SS. 

S. 180 — 193: »Aussprüche unserer Klassiker über Publikum und 
öffentliche Meinung.« Anführung Goethescher Aeusserungen aus 
Sprüchen, Gedichten, Briefen; an Schiller 5. Mai 1798 anklingend an 
einen Satz aus Seb. Francks Sprüchwörter-Sammlung. Die stärkste 
Aeusserung an Kestner, 21. Nov. 1774. S. 115 — 220. 

Literarische Essays von ]3r. Ernst Gnad. Zweite ver- 
mehrte und verbesserte Auflage. Wien, C.Konegen. IV u. 37 5 SS. 

Enthält S. I — 176 fünf Goethe-Aufsätze: über Lyrik, Briefe an 
Lotte und Werthers Leiden, Tasso, Egmont, Faust. 

Literarisches Jahrbuch. Central-Organ für die wissen- 
schaftlichen, literarischen und künstlerischen Interessen Nord- 
westböhmens und der deutschen Grenzlande. Begründet und 
herausgegeben von Alois John. i. Band. Im Selbstverlag 
des Herausgebers. III u. 96 SS. mit 2 Bild. 

Enthält S. 17—38 u. d. T. »Neue Beiträge zu Goethes Be- 
ziehungen zu Deutsch-Böhmen«, den Wiederabdruck von Prem : Goethe 
und Abt Reitenberger (vgl. G.-J. XK, 312) und John: Der Kammer- 
bühl und das Goethe-Denkmal mit Abbildung (das. 321). — In der 
Bibliographie S. 89 »Neue Goethe-Literatur in Bezug auf Deutsch- 
Böhmen.« 

Reinhardstöttner, K. v., Der Kaufmann in der Dichtung. 
(Frankfurter Zeitung Nr. 233 u. 234, i. Morgenblatt.) 

Erwähnt: Geschwister, Wilh. Meister, Hermann u. Dorothea. 

Gross. Ferdinand, Im Vorbeigehen. Geschichten und 
Skizzen. Leipzig, W. Friedrich. V u. 214 SS. 
Enthält u. A.: Wer war Goethe? 

Goethe-Jaiir)ilcii XIII. jg 



290 Bibliographie. 



Beiträge zur Literaturgeschichte Schwabens von Hermann. 
Fischer. Tübingen, H. Laupp. VIII u. 247 SS. Vgl. G.-j. XI, 
S. 232. 

P. Mitzschke: Goethe als »Diktator«. (Magazin für Steno- 
graphie hgg. V. Max Bäckler. 12. Jahrg. Nr. 16, S. 251 — 255.) 

Diktator = Diktirender. Verhältniss zu den ersten Weimarer 
Stenographen: Mosengeil, Horstig, Thou? Analyse des Aufsatzes: 
»Hör-, Schreib- und Druckfehler«. 

P. Mitzschke: Zu Goethe. (Magazin für Stenographie. 
Nr. 21, S. 336 fg.) 

Zuschrift H. Düntzers, dass Goethe nicht systematisclie Kurz- 
schrift anwendete. »Schnellschreiberf, ))^\''anderjahre« III. 10 = die 
nach einem Dictat schreiben. 

Non miilta. Litterarische Streiflichter von Da\ id Halpert. 
Breslau, V. Zimmer. 

Enthält zwei nichts Neues bietende Aufsätze: »Friederike von 
Sesenheim in ihrer idealen Erscheinung« und »Antikes Element in 
Goethes Iphigenie.« 

Heuwes : Eine Reihenfolge ähnlich lautender Versstellen. 
(Zeitschr. f. d. d. Unterr. 5 Jahrg. 9 H. S. 647 — 649.) 

Stellt Stellen aus Goethes Gedichten Götz, Faust mit solchen 
aus Schiller, Shakespeare, Theognis zusammen. 

Goethes Sprache und die Antike. Studien zum Einfluss 
der classischen Sprachen auf Goethes poetischen Stil von 
Dr. Karl Olbrich. Leipzig, F. W. v. Biedermann. III u. 116 SS. 

Sodom und Gomorrha. Heft 2. München, F. A. Acker- 
mann. 

Enthält in der Abtheilung: Die Modernen und ihre geistige Pro- 
stitution u. A. : Goethelästerer. 

Goethe als Hemmschuh. Von einem Berliner. Dem Ver- 
fasser des »Rembrandt als Erzieher« gewidmet. Berlin, Paul 
Scheller. 1892. 15 SS. 

Max Koch: Neuere Goethe- und Schiller-Litteratur. (Be- 
richte des Freien Deutschen Hochstifts. N. F. VII Bd. 
S. 161 — 199.) 

Max Koch : Neuere Goethe- und Schiller-Litteratur III. 
(Berichte des Fr. d. Hochstifts. N. F. VII. Heft 3/4 S. 395—442.) 

Eine besondere Erwähnung verdient die Notiz (S. 429), dass 
eine Untersuchung: über den Einfluss des Griechischen auf Goethes 



Bibliographie. ' 291 



Sprache demnächst in Breslau erscheinen wird; und die Vermuthung 
Ferdinand Cohns (S. 431), dass Goethe die Worte »Morphologietf und 
»vergleichende Anatomie« als erster gebraucht habe. 

Bibliographie der Goethe-Literatur für 1890 von Ludwig 
Geiger. Mit einem Beitrage von G. v. Loeper und Mittheilun- 
gen von Fachgenossen. Erweiterter Abdruck aus Goethe- 
lahrbuch Bd. XIL Frankfurt a. M., Literarische Anstalt 
kütten & Loening. 80 SS. 

Diese Bibliographie entspricht keineswegs der im G.-J. Bd. XII. 
.S. 275 — 328 mitgetheilten, wie schon aus den 80 Seiten gleichen 
Druckes (statt der 53 des Jahrbuchs) hervorgeht. Ausgelassen sind 
in dem Neudruck vielmehr Erwähnung und Besprechung aller im 
j. 1889 und früher veröffentlichten Erscheinungen, ebenso die englisch- 
an:!erikanische Bibliographie, weil diese im Wesentlichen auf frühere 
Jahre zurückgreift, hinzugefügt dagegen alle diejenigen Abschnitte aus 
dem Aufsatze G. v. Loepers, welche kritische Einzelheiten liefern, 
ferner die orientirenden Erörterungen, Auszüge über Aufsätze und 
Monographien, von denen im Text des G.-|. aus Raummangel nur 
die Titel angegeben werden konnten. 

K. W. Hiersemann, Buchhandlung in Leipzig. Catal. 89. 
Deutsche Literatur mit einer umfangreichen' Goethe-Sammlung. 
56 SS. 

Die Goethe-Sammlung, 456 Nummern umfassend, in folgende 
Rubriken geordnet: Werke nebst Gommentaren zu den einzelnen 
Schriften; Briefwechsel; Biographisches und Literarisches über Goethe; 
Faust. Die letztere Abtheilung besonders reichhaltig. Den Schluss 
bildet die Rubrik »Die Vor-Goethesche Faustsage, Puppenspiele, 
Travestien, poetische Bearbeitungen der Faustsage von verschiedenen 
Schriftstellern.« 

2. DRAMEN. 

Die Theaterstücke der Weltliteratur ihrem Inhalt nach 
wiedergegeben. Mit einem Brief Max Nordaus als Einleitung. 
(Der gebildete Mann. Ein Bildungs-Handbuch für alle Lebens- 
lagen.) Berlin, A. H. Fried & Cie. XVI u. 648 SS. 

Kippenberg, K. : Ueber Goethes »Claudine von Villa 
Bella«. Progr. Beil. d. Realsch. in d. Altstadt zu Bremen. 
Bremen, A. Guthe. 4°. 27 S. 

Emil Söffe: Die erlebten und literarischen Grundlagen 
von Goethes Clavigo. (Programm der k. k. Staats-Oberreal- 
schule in Brunn.) 16 SS. 

Christian Semler: Carlos in Goethes Clavigo und die 
Weltanschauung der Neuzeit. (Zeitschr. f. d. deutschen L^^nter- 
richt. 5. Jahrg. S. 817—822.) 

19' 



292 Bibliographie. 



Düntzer, H. : Erläuterungen zu den deutschen Classikern.. 
1 2. Bdchen. Goethes Egmont. 4. Aufl. Leipzig, E. Wartig. 
163 SS. 

Gustav Kettner: Goethes Elpenor. (Preuss. Jahrb. Bd. 67. 
S. 149 — 172.) 

Bernhard Seuftert : Merope und Elpenor (Vierteljs. für 
Litteraturgesch. IV, S. 115 — 116.) 

t Goethe, Faust, i'^ partie. Texte allemand, publie avcc 
un avant-propos et des notes en franrais par A. Büchner. 
Nouvelle edition. Paris, Hachette et Cie. XVf u. 195 SS- 
Goethes Faust. Mit einem Lichtdruckbild von Franz 
Simm, 74 Text-Illustrationen und 16 Tonbildern von Franz 
Simm, E. Kanoldt, F. Schmidt-Pocht und C. Brünner. Gross- 
Quart. Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt. 183 SS. 

Wörterbuch zu Goethes Faust. Von Fr. Strehlke. Stute- 
gart, Deutsche Verlags-Anstalt. VI u. 157 SS. 

Verszählung nach der Weimarer Ausgabe, deren neue Gaben 
benutzt sind. Das Wörterbuch berücksichtigt Realien, auch die Per- 
sonen des Dramas, bei Mephistopheles z. B. eine fünf Spalten grosse 
Charakteristik; grössere Artikel, z. B. Erdgeist, Faust, Geisterchor, 
Homunkulus, Metrisches, Mütter — gibt bei den genannten Worten die 
Stelle oder Stellen an, Vv-o es sich findet, häufig auch kurze Erklärungen. 
Audi Erläuterungen schwieriger Stellen werden versucht. Am Schlüsse 
werden eine grosse Reihe Zusammensetzungen aufgeführt. Nur solche 
Worte, bei denen etwas zu sagen ist, sind aufgeführt. Das Buch ist 
kein Verzeichniss aller vorkommenden Wörter. Kommt ein Wort 
häufiger vor, so wird gewöhnlich nur eine Stelle angegeben, wo es 
sich findet. 

Paralipomena zu Goethe's Faust. Entwürfe, Skizzen, 
Vorarbeiten und Fragmente geordnet und erläutert von 
Fr. Strehlke. Stuttgart, Deutsche \'erlags - Anstalt. XV u. 
151 SS. . 

Bringt nicht den »Urfaust« und den Entwurf der Helena von 1800, 
sonst aber alle in den verschiedensten Ausgaben, bes. auch der Weimarer 
von Goethes Werken und in den Mittheilungen der Zeitgenossen ent- 
haltenen Bruchstücke, auch die Prosa-Entwürfe, Skizzen über den Inhalt, 
Ankündigungen einzelner Stücke. Die Eintheilung folgt genau dem 
Goetheschen Stücke ; bei dem ersten Theil ist eine Einreihung in die 
einzelnen Sccnen, bei dem zweiten in die Akte und die Verse derselben 
versucht. Jedem einzelnen Fragmente sind sprachliche und sachliche 
F2rläuterungen, Bemerkungen über Entstehung, soweit darüber etwas 
bekannt ist, und ersten Druck derselben angefügt. In den Anhang ist 
ausser kurzen Angaben »zur Feststellung des Textes« dasjenige ver- 
wiesen, »wovon es den Anschein hat, dass es nicht eigentlich zu den 
Faustpapieren gehört oder auf die Erklärung von keinem Fj'nflusse 
sein kann.« 



Bibliographie. 293 



Erich Schmidt : Aufgaben und U'ege der Faust-Philologie. 
Vortrag, gehalten am 20. Mai in der Versammlung deutscher 
Philologen und Schulmänner zu München. (Beil. zur Allg. 
Zeitg. No. 119, 25. Mai.) 

Warnung vor zu schneller Conibination, vor chronologischer 
Parallelenforschung. Bei der Stilunterscheidung zu berücksichtigen, dass 
verschiedene Getühls- und Stilwelten zu derselben Zeit vorkommen 
können. Speciell Betrachtung der Grethchen-Scenen und Würdigung 
<.ier in Italien entstandenen Theile. 

Zur neuen Faustphilologie. (Grenzboten. No. 18) 

Veit Valentin : Die Einheit der Goetheschen Faustdichtung. 
(Deutsche Dichtung herausgegeben von K. E. Franzos. 
X. Band. 5—7 Heft. S. 126—128; 143 — 147; 175 — 177.) 

Die Faustdichtung giebt in dichterischer Weise die transscendente 
Lösung des Problems, die Goethe im Wilhelm Meister für das imma- 
nente Leben versucht hatte. Die Mittel sind dieselben : eine stufen- 
weise Durchlebung aufsteigender Lebenskreise, die eine Reihe von 
Experimenten darstellen, unter Führung einer verborgen wirkenden 
Macht, von der der Held selbst keine Ahnung hat noch haben darf. 
Nachdem Faust die seiner Gegenwart angehörenden Lebenskreise durch- 
probt hat, svird ihm die Möglichkeit gewährt auch die Vergangenheit 
zu durchleben: in ihr hatte es Verhältnisse geben können, die ihm die 
erstrebte Befriedigung gewährt hätten, wenn er nicht zufällig in eine 
andere Epoche hineingeboren worden wäre. Die Lösung dieser 
dichterisch schwierigen Aufgabe erreicht Goethe durch die Neuver- 
wirklichung der hinter Faust liegenden Vergangenheit : dies ist die 
Aufgabe der klassischen Walpurgisnacht und der »Helena«, die theils 
realistisch, theils andeutungsweise die zu einer allseitigen Behandlung 
der Frage nothwendig herbeizuziehenden Entwicklungsstufen vorführen. 
Die Vorbedingung für die realistische Wiedererstehung der Helena ist 
der Homunkulus. Hat auch die \'ergangenheit die Lösung nicht ge- 
boten, so bleibt als letzte Möglichkeit die Schaffung eines neuen Da- 
seins, wie es auf Erden noch nicht vorhanden war. Nachdem sich 
■schon vorher Faust mehr und mehr von Mephistopheles gelöst und 
eigene Wege eingeschlagen hat, befreit er sich jetzt endgiltig von ihm 
und bahnt sich durchaus selbständig seinen Weg, auf dem er zu der 
erlösenden Erkenntniss gelangt. Faust, der vom Vorspiel im Himmel 
nichts wissen kann, vermag das Auftreten der überirdischen Persön- 
lichkeit des Mephistopheles nur dem Erdgeist zuzuschreiben : es ist ein 
Meisterzug des Dichters, dass er seinen Faust nur aus dem schliessen 
lässt, was die Persönlichkeit des Dramas selbst wissen kann, nicht aus 
dem, was der Dichter von dem Thatbestande weiss. Die Faustdichtung 
führt so nicht eine Reihe mühselig verkörperter Ideen vor, sondern 
realistische Gestalten, deren Handlung in streng kausaler Entwickelung 
ununterbrochenen Zusammenhang zeigt, sobald man die Dichtung vom 
Standpunkt des fertigen Kunstwerkes betrachtet, von dem sie der 
Dichter allein betrachtet wissen wollte. 

Calvin Thomas: Description of courses German course 5 
(The University Record vol. I Nr. 3 University of INIichigan, 
Nov.) S. 55-58. 

Ausführliche Auseinandersetzung der an der bniversität zu hal- 
tenden »Faustvorlesunsren.« 



294 Bibliographie. 



Goethes Leben und sein Faust. Eine Untersuchung von 
Wilhehii Kühn. Berlin, Mayer u. Müller. 32 S. 

Robert Sprenger : Zum Urfaust. (Zeitschr. f. d. deutschen 
Unterr. V. Bd. 5 H. S. 349-352.) 

Otto Pniower : Die Schülerscene im Urtaust. (Vierteljs. 
f. Literaturgesch. IV. 317—335.) 

Wiederholungen im »Faust«. Die Schülerscene im »Urfaust« 
zerfällt in zwei Partieen a und b, die zu verschiedenen Zeiten ent- 
standen, erst nachträglich durch einige aus b geflossene Flickworte 
miteinander verbunden worden sind, a ist in der von der Klpistel an 
Merck (1771) und dem Pater Brey begrenzten Periode, b vielleicht in 
der letzten Frankfurter Zeit (Jan. 1775) entstanden. 

Edward Schröder : Faust und das Spiel von Frau Jutta. 
(Vierteljs. f. Literaturgesch. IV. S. 336.) 

Bernhard Seuffert : Die älteste Scene im Faust. (Vierteljs. 
f. Literaturgesch. IV. S. 339 — 342.) 

Die Schülerscene (etwa in Leipzig entstanden); vielleicht ist darin 
eine Verspottung von Gottsched oder Clodius zu sehen. — Der Plan 
zur ernsten Faustdichtung fällt nach der Leipziger Zeit. 

Alfred Biese: Zur Szene in Auerbachs Keller. (Wissenschaft!. 
Beilage des Hamburger Correspondent. Nr. 17. 18. 19.) 

Rudolf Hildebrand : Zu Fausts Glaubensbekenntniss, 
dabei von einer bedeutsamen Eigenheit in Goethes Denk- 
und Sprachweise. (Zeitschr. für den deutschen Unterricht. 
5. Jahrg. 6. Heft, S. 369-376.) 

Alfred Biese: Hiob, Herakles und Faust. (Zeitschrift für 
vergleichende Literaturgeschichte und Ren. Lit. N. F. IV. 
S. 287 — 302.) 

F. Graffunder: Der Erdgeist und Mephistopheles in 
Goethes Faust. (Preussische Jahrbücher. Bd. 68. H. 5, S. 700 
— 7250 

Gl., Homunkulus. (Wissenschaftliche Beilage der Leip- 
ziger Zeitung Nr. 69.) 

Otto Pniower: Goethe und Heinrich Leopold Wagner. 
(Sonntagsbeilage Nr. 15 zur Vossischen Zeitung 12. April.) 

Für Goethe gegen Froitzheims Vorwürfe. — Vermuthet, die Dom- 
scene im Faust sei zu derselben Zeit wie das gleichfalls in vierfüssigeii 
Trochäen gedichtete Chorlied in der letzten Scene des »Satyros« ab- 
eetasst, in welchem u. A. die Stelle »Schrecklicli nahet sein Gerichte — 



Bibliographie. 295 



J. Minor: Erläuterungsschriften zu den deutschen Clas- 
sikern. (Zeitschrift für österr. Gymnasien. 218 — 2 28.) 

R. Sprenger : Zu Goethes Faust. Erläuternde Be- 
merkungen im Anschluss an Schröers erklärende Ausgabe 
2. Auflage. (Zeitschrift für deutsche Philologie. Bd. XXIII. 
S. 451-457-) 

Heinrich Düntzer: Ein neues räthselhaftes Blatt Goethes 
über seinen »Faust«. (Blätter für literarische Unterhaltung. 
Xr. 39, S. 609-613.) 

t Faust und Brand. Hamlet. Zwei Vorträge aus Johannes 
Petersens Nachlass. Gotha, F. A. Perthes, 1890. VII u. 64 SS. 

Otto Harnack : Beiträge zur Chronologie der Faust- 
Paralipomena. (Vjs. f. Literaturgesch. IV. 169 — 173.) 

Otto Stiller: Goethes Entwürfe zum Faust. Berlin, R. 
Gaertners Verlag (H. Heyfelder). Wissenschaftliche Beilage 
zum Programm des Berl. Gymnasiums ztim Grauen Kloster. 
43 SS. in 4°. 

Die naturgemässe Entwickelung des Menschen und 
Goethes Faust. Eine neue Würdigung der Faustdichtung von 
Humanus. Leipzig, J. G. Findel. 140 S. 

Alfred v. Berger: Eine juridische Frage in Goethes 
Faust. (N. Fr. Presse. 23. März, Abendblatt.) 

Technikers Faust-Erklärung. Festrede, gehalten bei der 
Schinkelfeier des Architekten-Vereins in Berlin am 13. Mai 
1891 von Dr. Guido Hauck, Geh. Regierungsrath und Pro- 
fessor. Berlin, W. Ernst u. Sohn. 14 S. 

L. Irmisch : Das Buchgewerbe in Goethes Faust. (Zeit- 
schrift für Deutschlands Buchdrucker. Jahrg. 3 No. 15. S. 143 f.) 

Verf. war beim Druck des Louvierschen Buches betheiligt und 
wies L. darauf hin, dass in den Worten des Phorkyas »Auch Streifen, 
gold und schwarz, und silbern, blau und roth« die Farben des Buch- 
druckerwappens genannt seien. Nun versucht er zu beweisen, dass 
Goethe absichtlich diese Farben genannt habe; die ganze vorangehende 
Stelle beziehe sich auf die Buchdruckerwappen. Der in den früheren 
Reden des Phorkyas erwälinte »muntere, kecke, wohlgebildetc« Mann, 
den man »Barbaren« mit Unrecht nenne, der »alles nehmen konnte, 
doch begnügt' er sich mit wenigen Freigeschenken« sei J. Fr. Cotta; 
die hervorgehobenen Stellen bezögen sich auf seine Verlegerthätiö;keit ; 
die ganze vorangegangene Stelle behandle das Verhältniss des Buch- 
handeis zur Literatur. 



296 Bibliographie. 



H. Ströhl : Das Buchgewerbe in Goethes Faust. Ent- 
gegnung. (Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker. III. 17, 
S. 163.) 

Meint, Goethe wollte nur die äubsere Erscheinung der Marinen 
oder Wappen skizziren. Die Farbenangabe sei allgemein; wolle man 
darin ein specielles Wappen suchen, so könnte man in gold und 
schwarz die Schildfarben des Buchdruckerwappens, in silbern, blau 
und roth die Farben des Geschlechts der Cotta von Cottendorf sehen. 

Ludwig Fränkel: Entlehnungen im ältesten Faustbuch. 
(Vierteljs. f Literaturgesch. IV, 361 — 384.) 

Das Faustbuch des Christlich Meynenden nach dem 
Druck von 1725, herausgegeben von Siegfried Szamatölski. 
Mit drei Faustporträts nach Rembrandt. Stuttgart. G.J.Göschen. 
(Deutsche Literatur-Denkmale, begründet von B. Seuftert. 
fortgeführt von A. Sauer. No. 39) XXVI u. ^o SS. 

Deutsche Puppenspiele. Gesammelt und mit erläuternden 

Abhandlungen und Anmerkungen herausgegeben von Artur 

Kollmann. Erstes Heft. Leipzig, F.W. Grunow. IV u. 109 SS. 

> 

Die deutschen Faustbücher nebst einem Anhange zum 
Widmanschen Faustbuche. Inauguraldissertation zur Erlangung 
der philosophischen Doctorwürde an der LTniversität Leipzig 
eingereicht von Julius Dumcke aus Königsberg. Leipzig- 
Rednitz, Oswald Schmidt. 8^. loi SS. 

Vergleich der vier älteren deutschen Faustbücher, des Volksbuches, 
des Widnian, des Pfitzer und des Christlich-Meynenden. Es wird ge- 
zeigt, wieweit sie von einander abhängig sind, und was sie selbständiges 
bieten. Durchaus nebensächliches wird nicht erwähnt. Die Erinne- 
rungen bezw. Anmerkungen bleiben ausser Betracht. 

Albert Bielschowsky : Das Alter der Faustspiele. (Vierteljs. 
f. Literaturgesch. IV. 193 — 226.) 

Das böhmische Puppenspiel vom Doctor Faust. Ab- 
handlung und Uebersetzung von Ernst Kraus. Breslau, 
W. Koebner. VI u. 169 SS. 

Karl Trautmann : Faustaufführungen in Basel und Nürn- 
berg. (Vierteljs. f. Literaturgesch. IV. 157 — 159-) 

Ferdinand Holthausen : Zu Lessings Faust - Vorspiel. 
(Vierteljs. f. Literaturgesch. IV. S. 167.) 

]\Iadach, Emmerich, Die Tragödie des Menschen. Aus 
dem Ungarischen von Ludwig Doczi. Stuttgart, J. G. Cottasche 
Buchhdlg. Nachfolger. 200 SS. 



Bibliographie. 29' 



Allotria von Friedrich Theodor Vischer. Herausgegeben 
\0Y) Robert Vischer. Stuttgart, A. Bonz & Co., 1892. XX 
u. 486 SS. 

FeUx Saiten : Mephistopheles. (Moderne Rundschau. 
Heft 2. Wien, L. Weiss.) 

Schilf, H. Faust. Tragödie. St. Petersburg, H. Schmitz- 
dorff. 12S SS. 

Goethes Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. 
Besorgt von V. Uellner. 140 SS. m. Bildern. (Meisterwerke 
der deutschen Litteratur. Herausgegeben von K. Holdermann, 
F. Sevin, V. Uellner. 14. Bändchen. Berlin, H. Reuther.) 

Ferd. Bender: Zu Goethes Götz von Berlichingen. (Zeit- 
schrift f. d. deutsch. Unterricht. V. 2, S. 136 — 138.) 

Zur Bilhnengeschichte des Götz von Berlichingen von 
Fr. Winter und Eugen Kilian. (Theatergeschichtliche For- 
schungen, herausgeg. von Litzmann. IL) Hamburg, Leop. 
Voss. VI u. 99 SS. 

Eugen Kilian : Eine Karlsruher Handschrift der ersten 
Goetheschen Bühnenbearbeitung des Götz. (Allg. Zeitung. 
Beilage Nr. 211.) 

Goethes Iphigenie auf Tauris. Herausgeg. u. bearbeitet 
V. Gustav Hofmeister. Teubners Sammlung deutscher Dicht- 
und Schriftwerke. 18. Bändchen. Leipzig. B. G. Teubner. 
X u. 67 SS. 

Goethe, Iphigenie auf Tauris. Schulausg., bearb. von 
L. Sevin. Mit Anhang: »Iphigenie bei den Tauriern« von 
Euripides. 2. Aufl. Berlin, H. Reuter. 78 SS. mit Titelbild. 

Goethes Iphigenie auf Tauris. Für die Zwecke der Schule 
erläutert und methodisdi bearb. v. H. Vockeradt. 3. Aufl. 
Paderborn, F. Schöningh. VIII u. 174 SS. 

Goethe: Iphigenie en Tauride. Nouvelle edition, publice 
avec une notice et des notes en francais ]jar L. Schmitt. 
2e edition. Paris, Delagrave. IV u. 104 SS (Cours superieur 
de langue allemande.) 

G'oethe: Iphigenie en Tauride. Texte allemand,publie avec 
une notice, un argument analytique et des notes en francais 
par B. Levy, ancien inspecteur general de Tinstruction pu- 
blique. Nouvelle edition. Paris. Hachette et Cie. 16°. 135 SS. 



298 Bibliographie. 



Goethes Iphigenie auf Tauris und das gleichnamige Eu- 
ripideische Stück. Von Egon Schunck. i. Theil. (Programm 
des Gymnasiums zu Paderborn.) 28 S., 4°. 

Hans Morsch, Aus der Vorgeschichte von Goethes 
Iphigenie. (Vierteljahrsschr. f. Literaturg. IV. S. 80 — 115.) 

Heinzehaiann, W. , Goethes Iphigenie. Ein Vortrag. 
Erfurt, H. Neumann. V u. ;^8 SS. 

\"orträge von Gustav Schlosser. (Jütersloh, E. Bertels- 
mann. III u. 432 SS. 

Enth. u. A.: Goethes Iphigenie nach ihrem religiös-sittlichen 
Gehalte. 

Die Verwendung historischer Stoffe in der erzählenden 
Literatur von Leo Gregorovius. München, Werner. 71 SS. 

Jery und Eätely. Ein Singspiel von Goethe. Musik 
von Heinrich Stiehl. Aufgeführt am Kränzchen des Lese- 
zirkels Hottingen 14. März 1891 im Pfauentheater. Zürich, 
Societätsdruckerei. 18 SS. 

Enthält die Gesänge aus Goethes Singspiel mit einer kurzen Ein- 
leitung über das Stück, seine Gompositionen, Goethe und die Schweiz. 
Der Aufführung ging eine Recitation des Gedichtes von C. F. Meyer: 
Schutzgeister voran (vgl. G.-J. Bd. VIII), ihr folgte u. A. der Vortrag 
der Mendelssohnschen Composition des Gedichtes »Auf dem See«. 
Ueber das Fest theilt mir Herr H. Bodmer, Vorsitzender des genannten 
Vereins, mit, dass das »Fest von 400 — 500 Personen besucht war, dass 
Jery und Bätely trefflich inscenirt war (Urnerkostüm, Zeit: letzt. 
Viertel d. 18. Jh., neben den Solisten ein Chor von etwa 50 Sennen und 
Sennerinnen) und dass wir durch einen jungen Bildhauer das etwa 
5 M. hohe Modell eines Goethe-Denkmals improvisiren Hessen. Der 
Erfolg des reizenden Spiels mit der allerliebsten Musik von Stiehl 
war glänzend.« 

t P. Schwenke: Kleine Beiträge zur Schillerliteratur. 
Festgruss, Herrn Geh. Staatsrath Dr. jur. Julius Schomburg in 
Weimar, ihrem lieben und verehrten Senior, zur Feier seines 
50jährigen Doktorjubiläums am 20. ,Juni 1890 dargebracht 
von den Familien Schomburg und Schwenke. Eisenach und 
Göttingen. 

(Aus M. Kochs Bericht s. oben S. 290.) ^\'. v. Wolzogen ärgert 
sich über Klingers Verurtheilung der »Natürlichen Tochter«. Er schreibt 
an Charlotte v. Schiller aus Petersburg : »Wir armen Weimaraner sind 
überall angefeindet, weil man uns schätzt und beneidet.« 

M. M. Arnold Schröer: Ueber Titus Andronicus. Zur 
Kritik der neuesten Shakespeareforschung. Marburg i/H., 
N. G. Ehvert. VI u. 140 SS. 

S. 100 — 104: A'ergleichendes zur Frage nach den duellen von 
Goethes »Satvros oder der vergötterte Waldteufel.« 



Bibliographie. 299 



Fr. Heibig: Zur Geschichte des Problems des Grafen 
von Gleichen. (Mag. f. Literatur. 60. Jahrg. No. 7. S. 102 — 105.) 
Ausführlich auch über Goethes Stella. 

AV. Buchner, Beiträge zur Erläuterung von Goethes Tasso. 
Crefeld, Gustav Köhler. (Jahresbericht der Höheren Mädchen- 
schule zu Crefeld. No. 43.) 55 SS. 

Franz Kern: Goethes Tasso und Kuno Fischer. (Sonn- 
tagsbeilage No. 40, 41 zur Vossischen Zeitung, 4. u. 11. Okt.) 

Goethes Tasso und Kuno Fischer nebst einem Anhange 
von Goethes Tasso und Goldonis Tasso von Franz Kern. 
Berlin, Nicolai. 1S92. VI u. 102 S. 

Kuno Fischer: Goethes Antonio und unsere Tasso-Er- 
klärer. (Allg. Ztg. 2. Jan. 1892, Beil. Nr. i.) 

»Triumph der Empfindsamkeit«. 

Dietrich im Rhein. Museum XLA'I, 57 weist nach, dass die Verse 
»Du gedrechselte Laterne« aus Aristophanes Ecclvsiazusen entlehnt sind. 
(Vgl R. Förster in Z. f. vergl. Literaturgesch. X. F. IV, 407.) 

Anton Schmitter : Das serbische Theater. (Beil. z. Allg. 
Ztg, Nr. 115, 20. Mai.) 

Theilt mit, dass von Goethes Dramen 1885 »Clavigo«, am 7. Dec. 
1886 «Faustw aufgeführt wurden, aber beide ohne Erfolg. 

Albert Köster: Das lyrische Drama im iS. Jahrhundert. 
(Preuss. Jahrbücher. Augustheft. Berlin, G. Reimer.) 

Ludwig Geiger: Berliner Dramaturgie 1797/8. (Vossische 
Zeitung 16. Juli.) 

Weist darauf hin, dass in dieser von Friedrich Schulz und C. A. 
Nicolai herausgegebenen Zeitschrift Goethe kaum erwähnt, kein 
Goethesches Stück kritisirt \\-ird. Dagegen ist die Jagemann be- 
geistert gepriesen ; ihr Engagement für Berlin wird dringend empfohlen. 

Das Repertoire des Weimarischen Theaters unter Goethes 
Leitung 1 791 — 181 7. Bearbeitet und herausgegeben von 
C. A. H. Burkhardt, Grossh. Sachs. Archivdirector. (Theater- 
geschichtliche Forschungen. Hgg. von Berth. Litzmann. L) 
Hamburg, Leop. Voss. XL u. 152 SS. 

Die Einleitung handelt über Goethes Grundsalze der Theater- 
leitung, Schauspielerhonorare, Theaterkosten überhaupt, Gastspiele in 
Lauchstädt, Erfurt, Rudolstadt, Leipzig. Goeth.e liess im Ganzen unter 
den an 4136 Spiehagen gebrachten '4809 Stücken 600 verschiedene 
aufführen, von denen nur 84 dem Bellomoschen Repertoire entnommen 
waren — Kotzebue war darunter mit 87, Goethe mit 19 vertreten; 



500 Bibliographie. 



letztere wurden 238 Mal, 18 Schillersche 367 Mal aulgelulirt. (Stellt 
eine Arbeit über die Vorstellungen des Weimarer Hoftheaters in Naum- 
burg in Aussicht.) Die Qiiellen, aus denen die Zusammenstellung ent- 
nommen ist, sind die Genastsche Sammlung der Theaterzettel; die 
Portabücher (Einnahme der Auftührungen), die alphabetischen Ver- 
zeichnisse der Auftührungen von Ch. A. Vulpius und H. P. F. Burck- 
hard, ferner das Material in Goethes Tagebüchern. — Das Bucli zer- 
fallt in 5 Abschnitte: Chronologisches Verzeichniss der aufgeführten 
Stücke; alphabetisches Verzeichniss derselben; Nanienverzeichniss der 
Verfasser, Bearbeiter und Componisten der Stücke. 

Bernhard Suphan : Urkunden aus den Zeiten der Theater- 
direktion Goethes. Vortrag gehalten in der Generalver- 
sammlung der Goethe-Gesellschaft am 8. Mai 1 89 1 . (Weimarische 
Zeitg. No. X08, 3. Blatt.) 

Vgl. die 6. Schrift der Goethe-Gesellchaft. 

Carl Heine: Die ausländischen Dramen im Spielplane des 
Weimarischen Theaters unter Goethes Leitung. (Zeitschrift f. 
vgl. Literaturgesch. u. Ren.-Lit. N. F. IV. S. 313 — 319.) 

Eugen Kilian : Das Repertoire des AVeimarischen Theaters 
unter Goethes Leitung. (Beil. zur AUg. Zeitung No. 85.) 

Otto Neumann-Hofer: A\"eimarer Festtage, i. Goethes 
Theaterleitung. (Berliner Tageblatt. No. 226, 6. Mai, Abendbl.) 

Julius Wähle: Das Weimarische Hoftheater unter Goethes 
Leitung. Zur Feier des hundertsten Jahrestages seiner Grün- 
dung. Braunschweig, G. Westermann. (Sonderabdruck aus 
Westermanns illustr. deutschen Monatsheften). 29 SS. lex. 8°. 

Mit Rückblicken auf die frühere Zeit: Döbbelin 1756 f., Seyler, 
Liebhabertheater. Goethes Wirksamkeit bes. Christiane Neumann. 
Zusammenwirken mit Schiller. Humboldts Brief über die Zustände 
der franz. Bühne 1799 als Richtschnur für Schauspieler und Theater- 
dichter. Durchführung des idealen Darstellungsprinzips. Beigegeben 
sind die Bilder von Karl August, Christiane Neumann, Caroline 
jagemann, |. J. Graff, P. A. Woltt", von Schiller nach Frau Simonawitz, 
Goethe nach dem Stich von Lips, die beiden letzteren mit Unter- 
schrift; ferner Ansicht des alten Theaters 1779— 1825, des neuen 
Theaters bis zur Errichtung des Goethe-Schiller-Denkmals 1825 — 1857; 
des neuen Theaters mit dem Goethe-Schiller-Denkmal. Facsimile des 
ersten Theaterzettels (»Die Jäger« von Mand). 

Lothar Schmidt (ps. für Julius Wähle): Weimars klas- 
sische Theaterzeit. Zum hundertjährigen Jubiläum des ^^'ei- 
marer Hoftheaters. (Magazin für Literatur. Jahrg. 60. No. 18, 
2. Mai, S. 278 — 280.) 

Die hundertjährige Gedenkfeier des Grossherzoglichen 
Hoftheaters in Weimar. (Kölnische Zeitung 2. Mai, No. 367.) 



BiBLIOGRAPHIK. tOI 



Paul Schlenther : Das Weimarische Theaterjubiläum. 
(Sonntagsbeilage der Voss. Ztg. No. i8.) 

Robert Keil: Zur hundertjährigen Jubelfeier des 'W'ei- 
marischen Hoftheaters. Mit Illustrationen. (Vom Fels zum 
Meer. lo. Jahrg., lo. Heft.) 

H. Düntzer: Zur Jubelfeier des Weimarischen Theaters. 
(Grenzboten Xo. 17.) 

Der hundertjährige Gedenktag des Weimarer Hoftheaters. 
Theater-Almanach für das Jahr 1892 (III. Jahrgang), heraus- 
gegeben von der Genossenschaft deutscher Buhnenangehöriger. 

Max Roediger: (joethes Theaterleitung. (Herrigs Archiv. 
Bd. 87. S. 55-60.) 

Proelss, Johannes : Zur Jubelfeier des Weimarer Hof- 
theaters. Mit lUustr. (Gartenlaube No. 19.) 

tttf: Zum hundertjährigen Jubeltage des Weimarer Hof- 
theaters. (Ueber Land und Meer. Bd. 66. S. 683 f.) 

tttf: Die Säcularfeier des Hoftheaters in Weimar. 
(Ueber Land und Meer. Bd. 66. S. 743.) 

Wildenbruch, E. v. : Scenischer Epilog zur Festvorstellung 
des Weimarer Theaters am 7. Mai 1891. (Deutsche Rund- 
schau. XVII, Heft 9.) 



5. GEDICHTE. 

Goethe. Langue allemande. Extraits des auteurs du 
Programme, relies par des analyses et accompagnes de notes 
et notices par L. Schmitt. Poesies lyriques de Goethe. Classe 
de rhetorique. 4"^ edition. Paris, Delagrave. VIII u. 52 SS. 

(lOethes (jedichte. Für die Frauenwelt ausgewählt von 
Klara Braun. Mit Lichtdruckbildern. Stuttgart, Greiner und 
Pfeiffer. XI u. 368 SS. 

Auswahl deutscher Gedichte. Von Dr. Otto Lyon, Ober- 
lehrer am Annen-Realgymnasium zu Dresden. Bielefeld, Vel- 
hagen und Klasing. X u. 504 SS. 

Entliäh auf S. iif — 55. 52 Gedichte Goethes u. a. m. 



!02 Bibliographie. 



Choix de ballades allemandes. Balladenbuch. Avec une 
introduction et des notes par J. Kont, agrege de TUniver- 
site, professeur au Lyree du Havre. Paris. Garnier freres. 
XXVIII u. r .3 SS. 

Ludwig Chevalier : Zur Poetik der Ballade I. (Zehnter 
Jahresbericht des k. k. Staatsobergymnasiums in Prag Neu- 
stadt). Prag, Rohlicek und Sievers. 6i SS. 

Seite 20—26: Ueber Goethes Balladen. 

Wold. Freih. v. Biedermann: Die Wiederholung als Ur- 
form der Dichtung bei Goethe. (Ztschr. f. vgl. Litg. u. 
Ren. Lit. N. F. IV. S. 267- 273.) 

f A critical examination of Goethes sonnets. A lecture 
read at the North-West Dondon division of the Goethe- 
Society, on Wednesday evening 2 2nd January 1890 by 
Charles Tomlinson, F. R. S. Member of the Goethe Societv. 
London, D. Nutt. 16 SS. S°. 

R. Sprenger: Zu Goethes Gedichten. (Zeitschr. f. d. dtschen. 
l^nterr. 5. Jahrg. 11. H. S. 781 — 783.) 

Heinrich DUntzer: Goethes Sesenheimer Lieder. (Allg. 
Zeitg. Beil. No. 252.) 

Zur Geschichte der freien Verse in der deutschen Dichtung. 
Von Klopstock bis Goethe. Kieler Inaugural-Dissertation 
von Adolf Goldbeck-Loewe. München, Buchholz. IV u. 82 SS. 

Friedrich Försters Urkunden -Fälschungen zur Geschichte 
des Jahres 1813 mit besonderer Rücksicht auf Theodor Körners 
Leben und Dichten von Friedr. Latendorf. Pösneck, C. Laten- 
dorf. 37 SS. 

S. 9—16 Fälschungen an Goethe: i. Das bekannte Gedicht »Als 
ich ein junger Geselle«; als Fälschung wird das Nichtprotestiren 
Försters gegen die Aufnahme der Verse in Goethes Werke bezeichnet. 
2. Der Bericht über die Begegnung mit Goethe in Meissen 12. April 
(während es 19. April heissen muss); 3. Die Fassung des Goetheschen 
Verses »Als an der Elb' ich die Waffen Dir segnete« (während Goethe 
ihm schrieb.) Derartige Ungenauigkeiten und Nachlässigkeiten als 
Fälschungen zu denunciren, ist doch wohl etwas hart. 

Woldemar Frhr. v. Biedermann : Heidenröslein. (Zeitschr. 
f. d. deutschen Unterr. V. Bd. 5. H. S. 334—340.) 

Goethe habe sein »Heidenröslein« Herder als Volkslied mitge- 
theilt; es liege daher von Goethes oder Herders Seite eine wissentliche 



Bibliographie. 303 



Täuschung vor. Sucht nachzuweisen, dass folgende Verse auf die 
Schauspielerin Caroline Schulze, angedeutet in Goethes Aufsatz über 
das Leipziger Theater, eine Parodie der \'erse, welche unter dem 
Kupferstich der Genannten standen, von Goethe herrühren: 

O Du, die in dem Heiligthum 
Der Grazien verdient zu glänzen. 
Auch ohngebeten krönt der Ruhm 
Dich mit den besten Kränzen. 

Doch soll des Lobes Melodie 
Dir immer gleich erschallen. 
So gieb Dir nicht vergebne Müh 
Durch Tanzen zu gefallen. 

(Gedruckt in »Sanmilung theatralischer Gedichte«. Erste Sammlung. 
Leipzig 1776.) 

Heuwes: Zu Goethes »Herbstgefühl«. (Z. f. d. d. Unterr. 
5. J. 9. H.. S. 649 fg.) 

Sprachliche Bemerkungen zu einem Spruch Goethes, be- 
sonders in Bezug auf Bedingungssätze. (Zeitschrift für deutsche 
Sprache. Jahrg. V. Heft i, S. 17—21.) 

Es ist der Spruch »Keins von allen« in der Abtheilung »Epigram- 
matisch«, der von der Ueberschrift an bis zu den Schlussworten sprach- 
lich durchgenommen und bis in die kleinsten Einzelheiten analvsirt 
und critisirt wird. 

Daniel Jacoby : Hans Sachsens poetische Sendung. 
(Vjschr. f. Litgesch. IV. 622.) 

Der bekannte Schluss des Gedichts »In Froschpfuhl all das Volk 
verbannt« ist zwei Aeusserungen Schubarts nachgebildet. 

Das Tagebuch. Gedicht von J. V\'. von Goethe. Fünfte 
Auflage. Dresden, Th. Lemke. 13 Seiten kl. 16°. 

Ludwig Blume: Zu Goethes Gedicht »Willkommen und 
Abschied«. (Chronik des Wiener Goethe-Vereins. No. 7. S., 
S. 26-28.) 

Katalog 183. Autographen. Urkunden, Manuscripte, 
Bücher. J. A. Stargardt, Berlin. 45 SS. 

Verzeichnet S. 40 fg. eigenhändige Niederschriften von vier 
Goetheschen Gedichten: »Pfingsten 1814; In ein Stammbuch zum 
Bildchen von Ulrichs Garten; Campes Laokoon; Wasserbildung«. Die 
im Catalog abgedruckten Fassungen bieten gegen die bekannten Drucke 
ausser unbedeutendsten orthographischen Abweichungen keine Varianten. 

Paul Hoftmann : L^ntersuchungen über Goethes Ewigen 
Juden. (Vierteljs. f. Litgesch. IV. S. 116 — 152.) 



504 Bibliographie. 



Goethe, Hermann und Dorothea. Herausgeg. und bearb. 
von G. Hofmeister. Leipzig, B. G. Teubner. (Samml. dtsch. 
Dicht, u. Schriftwerke für höhere Töchterschulen, herausgeg. 
von G. Bornhak, 15. Bdchen.) XIV u. 68 SS. 

Goethe, Hermann und Dorothea. Schulausg. Bearbeit. 
von L. Sevin. 2. Aufl. Berlin, H. Reuther. 64 SS. 

t Goethe, Hermann et Dorothee. Edition annotee par 
J. N.Wagner. Paris, Poussielgue, 1S90. IV u. 119 SS. 

Goethe, Hermann und Dorothea. Mit 45 Handz. von 
H. Looschen. (Classiker-Bibliothek, illustrirte 2. Band.) Berlin, 
Bong & Co. 123 SS. 

Heats Moderne Language Series. Goethes Hermann and 
Dorothea. Edited with an introduction and notes by Water- 
mann T. Hewett Ph. D. Professor of the german language 
and literature in Cornell University. Boston, D. C. Heath 
and Co. L u. 243 SS. 

Der Text nach der A. 1. H., nur Orthographie und hiterpunktioa 
geändert. Die Einleitung enthält Abhandlungen über die Quellen : 
Salzburger Emigration, Campagne in Frankreich; über den historischen 
Hintergrund; über die Entstehung des Gedichts (Zusammenstellung 
von Daten aus Tagebuch und Briefen 18. Aug. 1796 bis 5. Sept. 1797); 
über Voss Louise; über den Text [nach Schreyer] ; Varianten der 
I. Ausg.; über den Vers. — Dem Texte folgen (S. 105 — 212) un- 
gemein reichhaltige Anmerkungen, sprachliche, geschichtliche Er- 
klärungen, Parallelstellen aus Goetheschen Schritten, älteren und 
neueren Autoren. — S. 215 — 228 Bibliographie der benutzten all- 
gemeinen Schriften, ferner der (in verschiedenen Ländern erschienenen) 
deutschen Ausgaben des Gedichts, der Uebersetzungen, Monographieen 
und Zeitschriftenartikel über dasselbe, Illustrationen. S. 229 bis Schluss : 
Wort-Index. 

In derselben Sammlung sind bereits erschienen Tasso hgg. von 
Thomas; Sesenheim aus »Dichtung und Wahrheit« von Huss. — 
Unter der Presse befindet sich »Dichtung und Wahrheit« Buch 1 — 5 
von Buchheim. 

Goethe, Hermann et Dorothe'e. Texte allemand, publie 
avec un avant-propos, des sommaires et des notes explicatives 
par B. Levy. Nouvelle edition. Paris, Hachette etC'"'". IV u. 
115 SS. 

Goethes Hermann und Dorothea. Herausg. von J- Pötzl. 
3. .^ufl. (Hölders Classiker - Ausgaben für den Schulgebrauch. 
15. Heft. Wien, A. Holder.) IV u. 66 SS. 



Bibliographie. 505 



Goethe, Hennann und Dorothea. Mit ausführl, Er- 
läuterungen für den Schulgebrauch und. das Privatstudium 
von A. Funke. 6. Aufl. Paderborn, F. Schöningh. 147 SS. 

Erläuterungen zu deutschen Classikern von J. Schrammen I. 
Köln, Ahn. kl. 8. 64 SS. 

Goethes Hermann und Dorothea erläutert in 100 Dispositionen. 

R. Löbell: Zum Capitel »Goethe ein grosser Nehmer«. 
Goethe und J. H. Merck. (Zeitschr. f. d. deutsch. Unterricht. 
5. Jahrg. II. H. S. 77o— 775-) 

Einige Züge in »Hermann und Dorothea« : Neigung des Helden 
zum Landbau, Erlebniss, Kränkung im Kaufmannshause aus Mercks 
Skizze »Geschichte des Herrn Oheim« entnommen. 

H. Draheim: Zu Goethe und Schiller. (Zeitschr. f. d. 
deutsch. Unterricht. V. Jahrg. 8. Heft. S. 557 — 560.) 

Der Pfarrer in »Hermann und Dorothea«. Darstellung der Be- 
deutung- des geistlichen Berufs. 



4. P R O S A S C H R I F T E N. 

Velhagen & Klasings Sammlung deutscher Schulausgaben. 
54. Lief. Goethe, kleinere Prosaschriften. Herausgegeben von 
W. Nöldeke. II. Campagne in Frankreich, 1792. IV u. 116 SS. 

Goethe. Campagne de France. Texte allemand. Avec 
une carte, une introduction et un commentaire par E. Bailly. 
Paris, Belin freres. 12°. XVIII u. 246 SS. 

t Goethe. Extrait des oeuvres en prose, precedes de 
notices et annotes par L. Schmitt. Paris, Delagrave, 1890. 
8°. VI u. 120 SS. 

Goethe. Poesie et Verite. Extraits publies avec une in- 
troduction et des notes par The'ophile Gart. Paris, Belin 
freres. 8°. XVI u. 224 SS. 

Goethe. Extraits de IWutobiographie . . . pre'cedes de deux 
notices et annotes par I>. Schmitt. Classe de troisieme. 
26 edition. Paris, Delagrave. VIII u. 76 SS. (Cours superieur 
de langue allemande.) 

Die Franzosen in Frankfurt am Main und der Königs- 
lieutenant in Goethes Elternhause 1759. (Zeitschr. f. deutsche 
Sprache. Jahrg. V. H. i. S. 1 — 6.) 

Gokthe-Jahuevch XIII. 20 



306 Bibliographie. 



Herders sämmtliche Werke. Herausgegeben von Bernhard 
Suphan. Fünfter Band. Berlin, \A'eidmann. XXXI u. 732 SS. 

Ist es auch an dieser Stelle nicht möglich, dem Fortschreiten 
dieser monumentalen Ausgabe Schritt für Schritt zu folgen, so soll 
dieser von B. Suphan, liauptsächlich von R. Steig bearbeitete Band 
doch genannt werden. Hauptsächlich deshalb, weil er Herders Antheil 
an der Schriit »Von deutscher Art und Kunst. Einige fliegende Blättere 
enthält, ausserdem Herders Recensionen aus den »Frankf gelelirten 
Anzeigen« vom Jahre 1772. Solcher werden im Ganzen 14 mitgetheilt. 
Leider werden die Gründe, welche für die Aufnahme der einzelnen 
Artikel sprechen, nicht angegeben; die Auseinandersetzung derselben 
soll in einem besonderen Aufsatz geliefert werden. 

Rudolf Steiner: Geheimniss in Goethes Räthselmärchen 
in den Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten. (Wiener 
Chronik. No. 12, S. 44.) 

Goethes Wilhelm Meister und die ästhetische Doctrin 
der älteren Romantik von Heinrich Prodnigg. (S.-A. aus 
dem XL. Jahresbericht der steierm. Landes-Oberrealschule.) 
31 SS. 

F. Meyer von Waldeck : Die Memoiren des Marschalls 
V. Bassompiere und Goethes Unterhaltungen der Ausge- 
wanderten. (Archiv f. d. Stud. neuerer Sprachen. LXXXVII. 

S. 252 — 255.) 

Daniel Sanders : Sprachliche Anmerkungen zu dem 
2. Theil von Goethes Wahlverwandtschaften bis zur Novelle. 
4obändige Ausgabe, Bd. 15, S. 151 — 242. (Zeitschrift für 
deutsche Sprache. Heft lo, 11, S. 389 — 393, S. 429 — 434.) 

Werther. 

M. Landau betont in einer Besprechung von Tiemann : Deutsche 
Literatur im Lichte der italienischen Kritik (Zeitschr. f. vgl. Lit. IV, 
255), dass die vollständige Abhängigkeit Foscolos von Goethe nun- 
mehr keinem Zweifel unterliegt. 

Fritz Winter: Goethes Antheil am Wandsbecker Boten. 
(Vjschr. f. Litgesch. IV, H. 4, S. 513—528.) 

Abdruck des Aufsatzes 14. Jan. 1774 »Ueber die Frage: Welche 
Hand Götzens von ßerlichingen eisern gewesen« nach C. H. Schmids 
Zeugniss von Goethe, als Erwiderung auf einen Angrift" Kästners. 
(Für Goethe sprechen einzelne Ausdrücke, ferner häufige Anwendung 
der Ausrufungszeichen, Gedankenstriclie, des Semikolons, um die 
Glieder eines Causalsatzes zu trennen.) — Möchte für Goethe ausser- 
dem in Anspruch nehmen 17. Sept. 1773: Der geistliche Don Q.ui- 
xote; 5. März 1774: Entwurf einiger Abhandlungen vom Herzen; 
12. Sept. 1774: Die Mädcheninsel, eine Elegie. 



Bibliographie. ^OJ 



E. ÜBERSETZUNGEN. 

Diderot. Le neveu de Rameau, satyre publice pour 
la premiere fois sur le manuscrit original aulographe avec 
iine introduction et des notes par Georges Monval accompagnee 
d'une notice sur les premieres editions de l'ouvrage et de 
la vie de Jean-Francois Rameau par Er. Thoinan. Paris, 
l.ibrairie Plön. (Bibliotheque Elze'virienne. 126. Band.) 16°. 
XXXm u. 233 SS. 

Das Originalmanuscript ist von G. Monval in einer bei einem 
Pariser Antiquar erstandenen 30obändigen Sammlung von Tragödien 
-entdeckt worden. Es scheint in der Zeit 1774 bis 1777 geschrieben. — 
Die Einleitung S. XVIII fg. geht auf Goethes Uebersetzung und die 
(1821) nach derselben gemachte französisclie Ausgabe ein. — Das 
Verhältniss dieses ursprünglichen Textes zu dem von Goethe benutzten 
l;ann hier nicht erörtert werden. 

f William P. Andrews: On the translations of Goethes 
j)Faust«. (The Atlantic Monthly 1890, Decbr.) 

Hippolytus des Euripides. Ausgabe und Uebersetzung 
-von U. V. Willamovitz-Möllendorf. Berlin, Weidmann. 245 SS. 

Im Vorwort über Goethe als Uebersetzer. Mittheilung zweier 
griechischen Uebersetzungen des Gedichts »Wandrers Nachtlied« (Ueber 
allen Gipfeln). 

f Goethe. Hermann et Dorothee, poeme. Traduction 
franraise par Bitaube. Paris, Delalain freres, 1890. XX u. 95 SS. 

Goethe, W., Armin i Doroteja, pjesan, preveo V. Vezic. 
Agram. (Verlag der Aktien-Buchhandl.) Kroatisch. 

Goethe, Iphigenie en Tauride, drame en cinq actes. 
Avec une introduction et des notes par Emile Riquiez. Paris, 
Garnier freres. 12°. VIII u. loi SS. 

— Iphigenia Taurisban. Forditotta Czengeri J. Kiadja a 
Kisfaludytärsasag. Budapest, Franklin-Verein. 

Goethes Wilhelm Meisters Apprenticeship and Travels. 
Translated by Thomas Carlyle. VVith critical introduction 
by Edward Dowden. Edited, with notes, by Glement King 
Shorter. 2 vols. London, Stott. 12°. 860 SS. 

t Goethes Faust ; from the German, by J- Anster. Vignette 
ed., ill. by F. J. Boston. New Vork, F. A. Stokes Go., 1890. 
c. 4-360 SS. 

20* 



3o8 Bibliographie. 



Goethuo. Faust, tragedie. Preloiil Jaroslao Vrchlicky. 
V Praze, F. Simacek. 2 Bde. 16". XVII 208 u. 328 SS. 

— Hermann et Dorothee. Traduction francaise parB. Levy, 
ancien inspecteur general de l'instruction publique. Avec le 
texte allemand et des notes. Paris, Hachette et Cie. 16°. 
IV u. 187 SS. 

Goethe. Clavigo. Et Sörgespil. Oversat af J. Magnussen. 
Kjöbenhavn, Schou. 70 SS. 

Goethe, Autobiografia : poesia e verita. Prima versione 
itaUana di A. Courtheoux. Parte IL Alilano, Sonzogno. 16'. 
196 SS. 

— Knabenjahre (1749— 1761). Goethes Boyhood: Being 
the First Three Books of his Autobiography. x\rranged and 
annotated by Wilhelm Wagner. New ed., revised and 
enlarged by ]. W. Cartmell. London, Cambridge Warehouse. 
8°. 166 SS. ' 

— Campagne de France. Avec notices et notes par 
L. Schmitt, agrege de l'Universite, professeur. Classe de se- 
conde. 36 edition. Paris, Delagrave. 12°. VIII u. 64 SS. 

Goethe, Campagne de France. Traduction francaise par 
Jacques Porchat. Paris, Hachette (S: Cie. 32". 236 SS. 

Goethe, Viaje a Italia, traducido directamente del ale- 
män, por F. G. Garrido de Rodriguez Mourelo, Tomo I. 
Madrid, Hernando y Comp. 8°. VIII u. 374 SS. 

Goethe-Schiller, Egmont. Treurspel in vijf bedrijven 
(8 tafereelen] voor het Nederlandsch tooneel bewerkt; met 
een voorwoord door Jac. de Vos. Zaandijk, J. Heijnis Tz. 
Kl. 8°. 108 SS. 

t II libro dell' amore. Poesie italiano raccolte et ethmiere 
raccolte e tradotte da M. A. Canini. 5 Bände. Venezia, 
C. Coen, später J. Merto, 1885 — 1890. 

Enthält viele Uebersetzun^^en Goethescher Lieder. Im Einzelnen 
nach einer freundlichen Mittheilung Munckers: Bd. i : (Mailied:) »Wie 
herrlich leuchtet« (Rastlose Liebe), »Dem Schnee, dem Regen«, Wonne 
der Wehmut (»Trocknet nicht«), Wehmut (»Ihr verblühet, süsse 
Rosen«), »Sie liebt mich« (aus Erwin II, 8), »Sieh mich, Heilger, wie 
ich bin« (ebendaher), »Meine Ruh' ist hin«; in Bd. 2: »Wunderlichstes 
Buch der Bücher« (Divan, Buch 3), »Ueber meines Liebchens Aeugeln«, 
»Wie mit innigstem Behagen« (Buch Suleika), »Voll Locken krau?« 



BiBLIOGRAPHIi;. 309 



(Divan, Buch 3); )Ja die Augen warens, ja der Mund« (Divan, Buch j); 
in Bd. j : Der Abschied (»Lass mein Aug' den Abschied sagen«), 
An die Entfernte (oSo hab' ich wirkhch dicli verloren?«), Willkommen 
und Abschied («Es schlug mein Herz«), Pilgers Morgenlied («Morgen- 
nebel, Lila«); in Bd. 4: «Höret alle mich, ihr Götter« (Erwin I, 2), 
»Locken, haltet mich gefangen« (Divan), Neue Liebe, neues Leben 
(«Herz, mein Herz«); in Bd. )'.■ ist kein Goethesches Gedicht übersetzt. 
Die des »Mailied« mit Gegenüberstellung des Originals druckt F. Muncker 
in einer Besprechung des Werkes (Allg. Zeitg. Beil. No. 97) ab und 
charakterisirt sie als «viel promphafter und steifer« denn jenes. 

t The bride of Corinth. (Die Braut von Corinth.) 
Translated in the metre of the original, by Charles Thom- 
linson, F. R. S. Member of the Goethe Society. Printed 
for the author. January 1890. VIII SS. in 8°. 



II. Biographisches. 

A. ALLGEMEINES. ^ 

Browning, O., Goethe, bis life and writings. London, 
Sonnenschein & Co. 

Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus 
den Quellen von Karl Goedeke. Zweite ganz neu bearbeitete 
Auflage. Nach dem Tode des Verfassers in Verbindung mit 
D. Jacoby, Karl Justi, Max Koch u. A. fortgeführt von 
Edmund Götze. Vierter Band. Vom siebenjährigen bis zum 
Weltkriege. Erste Abtheilung. Dresden . L. Ehlermann. 
XII u. 780 SS. 

Goethe S. 419 — 756, dazu einige Nachträge 760 fg., Goethe 
Register 769—776. Der grosse Abschnitt ist von Max Koch voll- 
ständig neu bearbeitet; den 200 Seiten der ersten Auflage stehen etwa 
350 gegenüber. Schon die Biographie zeigt einschneidende Aender- 
ungen ; in derselben »tritt mehr der dichterische Entwickelungsgang 
hervor, ohne dass er von Inhaltsangaben seiner Werke unterbrochen 
wird.« Wesentliche Bereicherung, Umgestaltung mit fleissigster Be- 
nutzung und Registrirung der ins Ungeheure angewachsenen Litteratur 
zeigt der bibliographische Theil. Seine Anordnung ist wesentlich 
anders als in der ersten Ausgabe. Auf Einzelnes hinzuweisen, ist 
leider nicht möglich. Auslassungen zu bemängeln wäre eine grosse 
Ungerechtigkeit gegen den Fleiss des Sammlers, eine um so grössere 
als es S. 565 A. ausdrücklich heisst: »Vollständigkeit ist bei der Aus- 
nahmsstellung der Goetheliteratur dem ^^■illen Goedekes gemäss nicht 
erstrebt.« 

Histoire abregee de la litterature allemande depuis les 
origines jusqu'en 1870. Avec un choix de morceaux traduits, 



;I0 Bibliographie. 



des notices et des analyses par A. Bessert, inspecteur general 
de rinstruction publique. Paris, Hachette et Cie, III u. 569 SS. 

S. 276 — 527: Goethe. Dabei ein Bild d::s alten Goethe; als 
Titelbild das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar. 

Franz Muncker : Goethe. (Pierers Conversationslexikon. 
7. Auflage. VI. S. 906 — 921.) 

A. Bettelheim: Die Unmöglichkeit einer Goethe-Bio- 
graphie. (Allg. Zeitg. Beil. No. 212.) 



B. BIOGRAPHISCHE EINZELHEITEN. 

Hallberg: La prämiere jeunesse de Goethe; son sejour 
a Leipzig, d'apres sa correspondance. (Mem. de l'acad. des 
Sciences de Toulouse. IX. ser. II. tome.) 

t [Jan], Hermann Ludwig [von] : Strassburg. Von der 
alten und der jungen Hochschule. (Burschenschaftliche Blätter. 
1S90, Nr. 6.) 

Betr. auch Goethes Aufenthalt in Strassburg. 

Wolff, Henry W. : The country of the Vosges. With a 
map. London, Longmans, Green & Co. XIII u. 368 SS. 

Chapter V: Strassbourg. : .... The City in Goethes Time. 
Goethes fondness for it. — Chapter VI : The Zorn and the »Goethe 
Country«. — Chapter VIII: Ste. Odille and Hohwald: S. Odilias 
Storv — its influencc on Goethe .... 

Goethe in der Schweiz. Eine Studie zu Goethes Leben. 
Von J. Herzfelder. Leipzig, S. Hirzel. 221 SS. 

J. Herzfelder: Goethe und der ZUrichersee. (lieber Land 
und Meer. XXXIIL No. 44.) 

Erich Petzet: Goethe in Italien. (Frkf. Ztg. 10. Juni.) 

Lily von Kretschman: Weimars Gesellschaft und das 
Chaos. (Westermanns illustr. deutsche Monatshefte. Heft 422. 
Nov. S. 235 — 264.) 

Mit einer blattgrossen Abbildung »eine Hofgesellscliaft in Weimar 
unter dem Grossherzog Karl Friedrich«, nach einem Original aus d. 
J. 1856 und den Bildern der Gräfinnen Caroline Auguste Julie v. Egloff- 
stein, sowie den Ansichten von Tiefurt und Ettersi^erg (1836). Schil- 
derung der Weimaraner, der Fremden, K. v. Holtei, der Engländer. 



Bibliographie. tII 



Namentlich die Umgebung der Ottilie wird bevorzugt; die Aufzeich- 
nungen der Jenny von Pappenheim gehen als Quelle. ^Idria Paulownu 
und ihr Kreis. Gelegentliche Besucher: Rahe!, David, Mickiewicz. Be- 
gründung der Gesellschaft, die das »Chaos« herausgiebt. Mittheilungen 
von Beitragen der Ottilie, des August von Goethe, Holtei, Jenny 
V. Pappenheim, Sarazin, Davantry, Charles des Voeu\, de la .Viotte 
Fouque, Chamisso, Riemer, Eckermann, Auguste Jakobi, J. D. Gries, 
K. V. Meyer, Stephan Schütze, Knebel, Peucer, Zelter, Felix Mendelssohn, 
Fr. Förster, Adele Schopenhauer. — Die mannigfachen Gedichte »An 
Ihn« als Erwiderung des Gedichtes Goethe »an Sie« (Hempel I, 95) 
werden mitgetheilt. — Die Verse »Mit einem buntgestickten Kissen« 
sind an Auguste Gräfin Egloffstein gerichtet. Goethe als Redacteur. 
Gedichte auf Goethe, üebersetzungen seiner prosaischen Aufsätze. 

Goethes Tod und Bestattung. (Deutsche Bühnengenossen- 
schaft. No. 26.) 



C. GOETHES ELTERN, GATTIN, SOHN, ENKEL. 

O. Heuer. Die Aufzeichnungen des Stadtschultheissen 
Joh, Wolfg. Textor. (Berichte des Fr. D. Hochstifts. N. F. 
Bd. Vn. S. 199 — 206.) 

.\uszüge aus dem seit 1883 dem Hochstift gehörigen duartheft 
des Genannten, Goethes Grossvaters; beginnend mit einer Selbstbiographie, 
dann Mittheilungen über Rathsverhandlungen bis 1735. Die Aul- 
zeichnungen sind erst 1747 begonnen. Bestreitet die gehässige 
Schilderung Textors durch den Arzt Senckenberg, seinen persönlichen 
Feind. Betont, dass die eigenen Aufzeichnungen Textors Goethe in 
keiner Weise widersprochen, sondern in manchen Punkten seine 
Richtigkeit bestätigen. 

Die Familie der Mutter Goethes. (N. Fr. Presse, Abendbl. 
27. März.) 

Goethes Mutter. Ein Lebensbild nach den Quellen von 
Dr. Karl Heinemann. Mit vielen Abbildungen in und ausser 
dem Text und zwei Heliogravüren. Leipzig, Arthur Seemann. 
XII und 368 SS. 

K. Heinemann: Frau Christiane von Goethe geb. Vulpius. 
(Westermanns Monatshefte. März.) 

Walter Vulpius : Das Stammbuch von August von Goethe. 
(Deutsche Rundschau. Juli, Jahrg. 18. H. 7.) 

Lily von Kretschman: Ottilie von Goethe und ihre Söhne. 
Aus den Erinnerungen einer Zeitgenossin. (Westermanns 
Monatshefte. 35. Jahrg. 415. Heft, S. 97 — 109.) 



312 Bibliographie. 



Lily von Kretschman: Dichtungen von August und Ottilie 
von Goethe. (Deutsche Dichtung, herausgeg. von K. E. 
Franzos. X. Bd., lo. Heft, S. 249 fg.) 

Schwabe, J. : Goethes Enkel. (Deutsche Revue. XVI. 
Jahrg., Decemberheft.) 



D. GOETHES VERHÄLTNISS ZU SEINEN VORGÄNGERN, 
FREUNDEN UND NACHFOLGERN. 

Lina Morgenstern : Erinnerungen an die Herzogin Anna 
Amalia zu Weimar. (Deutsche Hausfrauenzeitung. No. 19. 20.) 

Aus meinem Leben. Die ersten dreissig Jahre 1S19 — 1S49. 
Von Alfred Ritter von Arneth. Als Manuscript gedruckt. 
Wien. VIII und 438 SS. 

S. 51 fg. Berichte der Mutter (Toni Adamberger) über ihre 
Leetüre und Erlernung Goethescher Stücke. S. 61 ff. Aufführung des 
»Egmont« mit der Beethovenschen Musik in Wien. S. 75 fg. »Iphigenie.« 
S. 123 Grillparzers Lob des Harfnerliedes. 

R. Köhler: Goethe e il poeta italiano Domenico Batacchi. 
(Archivio per lo studio delle tradizioni popolari X I.) 

Ital. Wiedergabe der 1890 in den Abhandlungen der Königl. 
Sachs. Gesellschaft der Wissenschaften erschienenen Arbeh. 

C. Gerhard : Ludwig von Beethoven in seinen Beziehungen 
zu berühmten Musikern und Dichtern, Dresden, Oscar 
Damm, 1892. 30 SS. 

Jakob Baechtold: Bodmers Tagebuch 1752 bis 1783 
in: Jubiläumsschrift der Allgemeinen Geschichtsforschenden 
Gesellschaft der Schweiz S. 190 — 216. 

1775 »In diesem Sommer kam Goethe zu Lavater«. Der Aufent- 
halt 1779 w'ird nicht erwähnt. 1777 heisst es: »Lenz war zu Lavatern 
gekommen. Man sagte, dass Lenz vor Genie zerspringen möchte. Ich 
sehe nicht, dass er in dieser Gefahr stehe«. 

Bürgers Homerübersetzung. Von Dr. Otto Linke, Ober- 
lehrer. Berlin, R. Gärtner. 39 SS. 4°. 

Geht auch auf die G.-J. V passim mitgetheilten Notizen über die 
Uebersetzung und Goethes Förderung derselben (1778) ein. S. 19 Goethes 
Ansichten über Homerübersetzungen. S. 21 fg. Goethe und Bürger. 



Bibliographie. 



30 



Hermann Hager: Joseph Green Cogswells Beziehungen 
zu Goethe. (Archiv f. d. Stud. neuerer Sprachen. i.XXXVII. 
S. 247 — 252.) 

Einzehie Nachträge zu G.-J. Xll, 284, 2S8, 528. 

1 1 1 Goethe ein Vorgänger Charles Darwins. (Natur- 
wissenschaftL Wochenschrift. No. 38.) 

Am 100. Geburtstage Grillparzers. Von S. M. Prem. 
BieUtz. Im Verlage des Verfassers. 17 SS. 

Gelegentlich Erwähnung von Goethes Werken ; Beziehungen Grill 
parzers zur Goetheschen Familie; sein Faust-Entwurf als Fortsetzung 
des Goetheschen geplant. 

K. J. Schröer: Grillparzer bei Goethe. (Chronik des 
Wiener Goethe-Vereins. 6. Jahrg. No. i, S. 4—8.) 

Julius Wähle: Grillparzer in Weimar, (Weimarer Zeitung. 
15., 16., 17. Jan.) 

Auf alle übrigen Grillparzer-Artikel, welche gelegentlich auch 
von den Beziehungen Grillparzers zu Goethe spreclien, kann selbst- 
verständlich an dieser Stelle nicht hingewiesen werden. 

Grillparzers Ansichten über Literatur, Bühne und Leben. 
Aus Unterredungen mit Adolf Foglar. Zweite und vermehrte 
Auflage. Stuttgart, J. G. Göschen. VI u. 71 SS. 

Die erste Auflage erschien vor etwa 20 Jahren. S. 4 Goethes 
Egmont. S. 22 fg. Sehr bewundernde Stelle über Goethe: gegen Tasso 
und gegen Bettina. S. 26 Bemerkungen über »Clavigo«. S. 27 Rai- 
mund konnte Goethe durchaus nicht leiden. 

Michael Berna3-s : Zur Kenntniss Jacob Grimms. (Allg. 
Ztg. Beil. No. 46 ff., 24. Febr. ff.) 

Im Anschluss an die Briefe Jacobs an S. Hirzel (Z. f. d. Alterth. 
Anzeiger 16, 220 — 264). Mittheilungen über Jacobs Verhältniss zu 
Goethe: Citate aus Goethe, Goethe als Sprachkünstler, ^\'ilhelms 
Vertheidigung der Deutschen gegen Goethe. — W^ilhelms Bezugnahme 
auf zwei Briefe Goethes an Reichardt 28. Febr. 1790, 5. Febr. 1801. 
— Begeisterte, auf tiefer Kenntniss gegründete Verehrung Hirzels 
für Goethe. 

Lebenserinnerungen von Klaus Groth. Herausgegeben 
von Eugen Wolff. Kiel, Lipsius & Tischer. 12°. 125 SS. 

S. 86 ft". Begegnung mit Eckermann (1854), der Vieles von 
Goethe erzählte. »So gross war der alte Herr«, sagte er bald nach 
der Begrüssung; dann »Wenn der alte Herr doch noch Ihren Q.uick- 
born erlebt hätte. c 



314 Bibliographie. 



Goethe, das Haus Habsburg und Oesterreich. Aus An- 
lass des 600jährigen Gedenktages des Todes Kaisers Rudolf I. 
von Habsburg, 15. Juli 1291. Eine Studie von Pr. Radics. 
Wien. 79 SS. (S. A. aus der Oesterr.-Ung. Revue. Juli 
bis Sept.) 

Chroiiologiscli geordnete ZusamniensteUang der Aeusserungen 
Goethes über Land und Leute in Oesterreich (Böhmen, Tirol, Galizien), 
über Haus Habsburg (die einzelnen Mitglieder des Kaiserhauses, wiederum 
nach der Reihenfolge der Regenten), über k. und k. Armee, über 
Staatswesen und Staatsbeamte, über Gesellschaft und das Curieben, 
über Kunst und Wissen (Urtheile und Beziehungen zu Schriftstellern, 
Künstlern), — Todesfeier Goethes in Oesterreich, Erinnerungsstätten 
daselbst. 

Ludwig Geiger: Aus der Blüthezeit der Charlotte von 
Hagn. (Berliner Tageblatt. 29. April, No. 213, Abendblatt.) 

Goethes Aeusserung über ihr Bild, Zelter (an Goethe) über 
dasselbe und ihre ersten Berliner schauspielerischen Leistungen. 

Lang, Wilhelm: Von und aus Schwaben. Geschichte, 
Biographie, Litteratur. 7. Heft: Gottlob David Hartmann. 
Ein Lebensbild aus der Sturm- und Drangzeit. Stuttgart, 
W. Kohlhammer, 1890. [Auf dem Umschlage: 1891.] IX u. 
132 SS. 

S. 88 bis 95. Reise nach Mitau. Bei Goethe und Wieland. In 
Berlin. 

Grotthuss, J. E. v. : Minna Herzlieb. Eine Spätherbst- 
blüthe aus Goethes Liebes- und Dichterleben. ]\Iit ihrem 
Bild von L. Seidler. (Velhagen und Klasings Neue Monatshefte. 
V. Jahrg. Heft 11.) 

Hermann Schreyer: Die Hochzeit des Achilleus. Drama. 
Nebst einem Anhang : Achilleus bei Homer und Goethe 
Gütersloh, Bertelsmann. V u. 147 SS. 

Goethe. Ses precurseurs et ses contemporains Klopstock, 
Lessing, Herder, Wieland, Lavater, la jeunesse de Goethe par 
A. Bossert, inspecteur general de llnstruction publique. 
Ouvrage couronne par l'Academie francaise. Troisieme edition 
revue et corrigee. Paris, Hachette et Cie. 327 SS. 

Vom Verf. rührt das oben S. 509/310 skizzirte und das G.-J. IV, 449 
genannte Werk her. In dem vorliegenden beziehen sich speziell 
auf Goethe der Anfang des 3. Capitels: Verhältniss zu Klopstock. 
Im Gap. 7—9 wird Goethes Jugend dargestellt; Gap. 10 ist über- 
schrieben: Premier groupe litteräire de Goethe, Götz von Berlichingen; 
Cap. 11: Werther; Cap. 12: Transformation de la poesie de Goethe. 



Bibliographie. 315 



Im Cap. 15 werden die Beziehungen zu Lavater, im Cap. 14 die zu 
F. H. Jacobi, F. L. und Auo;uste von Stolberg, Lili Schönemann und 
die Abreise Goethes nach Weimar behandelt. 

Theodor Körner. Zum 23. September 1S91. Von Rudolf 
Brockhaus. Leipzig, F. A. Brockhaus. 198 SS. in 4°. 

Iinthält Materialien aus der reichen Auto^raphensammlung des 
Herausgebers mit werthvollen Anlagen und Erläuterungen. Es sind 
65 Briefe von, an und über Körner. — S. 47 schreibt Emma an ihren 
Bruder (27. Mai 181 2) »Da ich eine gute Gelegenheit gefunden habe, 
Dir die üriginalzeichnung der Weimarischen Decoration zur Toni zu 
senden, habe ich die längst versprochene verkleinerte Copie nicht ge- 
macht und bin jetzt recht froh darüber, dass Du lieber den EtTekt aus 
dem grösseren Blatt bcurtheilen kannst. ** sagte uns, dass diese De- 
coration in Wien weit einfacher gewesen, was nach meinem Gefühl 
auch der Situation mehr entspricht, besonders ist mir die Thüre im 
Fond bei der Weimarischen nicht massiv genug und zu sehr verziert; 
die vordere Halle muss aber einen sehr hübschen Eftekt machen. Ich 
sehe Goethen ordentlich, wie er sich in den Verzierungen derselben 
gefallen hat und es muss Dir eine sehr angenehme Empfindung machen, 
dass ein Geist wie der seinio;e so warmes Interesse an Deinem Pro- 
dukt genommen, dass er auch bis in das kleinste Detail alles zur Auf- 
führung wohl angeordnet hat.« S. 145 Anm. zu dieser Stelle. — 
S. 149 fg. Ausführung des Herausgebers übei' das Verhältniss C. G. 
Körners zu Goethe; Zusammentreffen 1789; S. 162. Wichtig die 
Notiz aus einer Aufzeichnung Körners über die von ihm herzustellende 
Ausgabe von Schillers Werken: ^jFragmente von Briefen. — Goethens 
CorrcSpoudeii-.» 

Paul Lindau : Ferdinand Lasalles Tagebuch. (Nord und 
Süd. Mai. S. 184— 211.) 

Der Fünfzehnjährige (die Aufzeichnungen sind aus dem J. 1840) 
liest Schriften Goethes und beurtheilt dieselben: Wahlverwandtschaften, 
Clavigo, Wilhelm Meister. Ueber letztern heisst es (3. Aug. S. 205): 
»Sonderbar! Ich glaube bis auf einige Abweichungen mich im Meister 
geschildert zu sehen. Auch icli stand vor drei Monaten an diesem 
Scheidewege. Auch mein Herz lebte nur für die Kunst, die ich lassen 
musste, scheinbar lassen musste, um mir ein Gewerbe zu wählen. 
Aber welcher Unterschied!« 

Johann Kaspar Lavater. Ein Gedenkblatt zu seinem 
150jährigen Geburtstage, 15. November 1891. Von einem 
Urenkel Lavaters. (Illustrirte Zeitung, No. 2524.) 

Lenau und Sophie Lüwenthal. Tagebuch und Briefe 
des Dichters nebst Jugendgedichten und Briefen an Fritz 
Kleyle, herausgegeben von Ludwig August Frankl. Mit Lenaus 
und Sophiens Porträt und der Abbildung des Lenau-Denkmals 
in Wien. Stuttgart, J. G. Cotta Nachfolger. VIII u. 267 SS. 

S. 199: »Mir hat Goethe bei meiner Faustdichtung durchaus nicht 
geschadet. Ich schreibe keine Ilias post Homerum«. — Ueber seinen 
Faust sehr merkwürdige Bekenntnisse, S. 240. 



3^6 Bibliographie. 



Curt Grottewitz: Der Dichter Jakob Reinhold Lenz nach 
seiner Verbannung von Weimar. (Wissensch. Beil der Leip- 
ziger Zeltung. No. 155, 31. Dez.) 

W. V. Biedermann : Imaginärer Hass gegen Goethe. 
(Wissensch. Beil. der Leipziger Zeitung. No. 30, 12. März, 
S. 117 — 119.) 

Kritik von Froitzheims Schrift «Lenz und Goethe« (vgl G.-J. XII, 
311.) In der Verurth:;ilung Fr.'scher Behauptungen stimme ich mh 
Biedermann überein ; vgl. m. Artikel »Lenz und Goethe« (Allg. Ztg. 9. 
Jan. Beil. No. 7.} 

Lessing. Geschichte seines Lebens und seiner Schriften 
von Dr. Erich Schmidt, Professor an der Universität Berlin. 
Zweiten Bandes zweite Abtheilung (Schluss). Berlin, Weid- 
mann 1892. IV, SS. 347 — 822. 

S. 562 fg. 574, 581 Goethe über »Nathan der Weise«, 579 Auf- 
führung in Weimar. S. 634 fg. Goethes Betrachtung der Bibel und des 
Judenthums. S. 651 Goethe und die Seelenwanderung. 660 fg. 666 fg. 
Goethe im Lessing-Jacobischen Streit, über Mendelssohn, Verhältniss 
zu Spinoza. S. 681 Das Gedicht »die Geheimnisse.« S. 694 Goethes 
stilistische Umgestaltung seiner Werke. 708 fg. Gegensatz von Goethes 
und Lessings Stil und Schriftstellerart. 728, 734 Goethes Gleichnisse. 
750 fg. Lessings Verhältniss zu den W'eimarer Grössen. 756 Lessings 
Urtheile über Goethe. 777 Goethe über Lessings Tod. S. 781 fg. 
Goethe (auch die Xenien) über Lessings Schriften und Editionen. 

Otto Ludwigs gesammelte Schriften, 6 Bände. (Herausge- 
geben von Adolf Stern und Erich Schmidt.) Leipzig, P.W. Grunow. 

Bd. V in dem Abschnitt »Ueber ältere und neuere Dramen« 
folgende Capitel: »Die naiven Frauen Goethes«; »Gretchen im Faust« 
daselbst in den Shakespeare-Studien das Capitel »Goethe über Hamlet.« 
— Bd. I (Biographie) theilt S. 81. 86. 88. 115 Näheres über Otto 
Ludwigs Compositionen Goethescher Balladen mit (einige erschienen 
im Druck 1839). Er componirte ausserdem das Gretchenlied »Ach 
neige du Schmerzensreiche« und verzeichnete sich »Oberons und Titanias 
goldene Hochzeit« als Programm zu einer Concertouverture. 

König Ludwig I. von Bayern in seinen Briefen an seinen 
Sohn den König Otto von Griechenland. Von Legationsrath 
Dr. Ludwig Trost, k. bayer. Geheimer Haus- und Staats- 
archivar. Bamberg, C. C. Buchner. XII u. 202 SS. 

S. 19, 100, loi. Goethes Sympathie für König Ludwig. Mit- 
theilung der bekannten Stelle aus Eckermanns Gesprächen. 

Lily von Kretschman : Felix Mendelssohn-Bartholdy in 
Weimar. Aus dem Nachlass der Baronin Jenny von Gustedt 
geb. von Pappenheim. (Deutsche Rundschau. 18. Jahrgang. 
2. Heft, S. 311—315-) 



Bibliographie. 5^7 



Anniuthige Schilderung des Aufenthaltes Felix Mendelssohns in 
Weimar, besonders im Goetheschen Hause mit manchen unbekannten 
Anekdoten, Notizen über seine Theilnahme am »Chaos«, einem un- 
gedruckten Gedicht. 

Albert Heintz: Felix Mendelssohns Briefe an|Goethe. 
Nach Max Friedländers Veröffentlichungen im Goethe-Jahr- 
buch mitgetheilt. (Allgemeine Musik-Zeitung. XVIIT. 32 — 34.) 

A. K. Zu Joh. Heinr. Mercks i5ojährigem Geburtstage. 
(Illustr. Ztg. Nr. 2493, S. 3S7.) 

Auch mit Hinweis auf das Verhältniss zu Goethe. 

Heinrich Düntzer: Joh. Heinr. Merck f 27, Juni 1791. 
(Beil. z. Allg. Ztg. No. 143, 144, 146.) 

Neues über die Studienzeit in Erlangen. Ausführlich über die 
Verbindung mit Goethe in dessen Frankfurter Zeit. Bruch Herders mit 
Goethe 1775. Kürzer über die Zeit seit 1775. 

Briefe des General-Feldmarsch. Grafen Helmuth v. Moltke 
an seine Mutter und an seine Brüder Adolf und Ludwig. 
(Gesammelte Schriften 4. Band, Briefe, i. Sammlung.) Berlin, 
E. S. Mittler u. Sohn. XV u. 319 SS. 

Verdient auch an dieser Stelle Erwähnung, weil Moltke häutig 
Steilen aus »Faust« und anderen Goetheschen Werken citirt. Hört 
Winter 1828/29 Universitätsvorlesungen über Goethe. [H. G. flotho 
De Goethio poeta ejusque scriptis poeticis, Montag 6 — 7 gratis.] 

Goethe und Napoleon. (Deutsche Post V. 8. Febr. S. 88 
bis 90. [Vgl, oben Chronik S. 252 — 54.] 

H. W(ittma)nn, Goethe und Napoleon. Nach Talleyrands 
Memoiren. (Neue Freie Presse No. 9564.) 

Richard George : Napoleon I. und seine Beziehungen 
zu Goethe und Wieland. (Literarischer Merkur. No. 18, 19, 
S. 137 ff. 145 ff-) 

K. Menge, Goethe und Wieland vor Napoleon in Erfurt 
und Weimar. Nach Talleyrands Memoiren. (Ztschr. f. d. deut- 
schen Unterr. V. Bd., 5. H., S. 321 — 333.) 

Napoleon, Goethe und Wieland. (National-Zeitung. 21., 
24. Febr., 2 Feuilletons.) 

Theilt Talleyrands Bericht mit, macht schon auf einige Wider- 
sprüche aufmerksam, welche zwischen diesem und der Erzählung 
Goethes herrschen, meint aber, dass daraus nicht die Unechtheit von 



3l8 Bibliographie. 



T.s Darstellung zu folgern sei; »T. habe wiedergegeben, was bei Goethe 
fehlt.« 

(Otto von Leixner) : Ein Lügner übers Grab hinaus. 
(Deutsche Roman-Zeitung. 28. Jahrg. No. 26, 3. 919 — 922.) 

Eine in den Abweichungen frappirende Gegenüberstellung von 
»Talleyrand (in seinen Memoires) über Goethe bei Napoleon« und 
»Goethe über sich selbst bei Napoleon«. 

Ludwig Geiger : Na])oleon und Goethe. Kritisches zu 
Talleyrands Memoiren. (»Nation« No. 32, S. 500 — 502.) 

Stellt die Berichte Goethes und Talleyrands über die Erfurter 
Unterredung (1808) zusammen, macht auf die Widersprüche beider 
aufmerksam und erklärt T.s Erzählung für eine spätere willkürliche 
Composition. 

Goethe und Oehlenschläger. Ein Autograph des Letzteren. 
(Chronik des Wiener Goethe- Vereins. No. 3, S. 14.) 

Billet an Riemer (für Goethe bestimmt, 1806?) aus der Auto- 
graphen-Sammlung der Frau Fürstin Marie zu Hohenlohe-Schillings- 
fürst: »Ich wurde gestern von der Herzogin zum Mittag heute ein- 
geladen, und da musste ich mich also in die fürstliche Gnade schicken, 
obschon wie Sie wohl wissen können ich weit lieber bey Goethe wäre; 
haben Sie die Güte und entschuldigen Sie mich für heute. F2s ist mir 
immer ein Fest, wenn ich bey Goethe bin und dann (!) hab ich armer 
Teufel denn heute aus lauter Gnade verloren«. 

Goethe und Oehlenschläger. (Chronik des ^^'iener Goethe- 
Vereins. No. 7, 8. S. 25 fg.) 

Zweimaliger Aufenthalt Oehlenschlägers in \\'eimar 1806 u. 1809. 
Notiz über den letzten. 

Briefwechsel zwischen Rauch und Rietschel. Heraus- 
gegeben von Karl Eggers. Zweiter Band. Mit einem Licht- 
druck des Profilbildes, der Phototypie eines Briefes Riet- 
schels und mehreren Hochätzungen. Berlin, F. Fontane. X 
u. 607 SS. 

Ueber den ersten Band vgl. G.-J. XI, 260. Der zweite Band 
enthält wenige Erwähnungen Goethes; interessant eine Aeusserung 
Rauchs (15. Febr. 1852): »Meine Winterlectüre höchsten Genusses ist 
der Briefwechsel Goeihes mit Schiller vom J. 1794 bis 1805, wovon 
ich zu meinem Bedauern nur Bruchstücke kannte und nun erst das 
Glück geniesse, in diese lebensthätige, dichterische Kunstwerkstätte zu 
blicken und daraus zu lernen, was vor 30 Jahren dem Leben und dem 
Berufe gewiss eine andere Richtung (wozu diese Einsicht jetzt zu 
spät) bereitet haben würde.« 

Edward Dovvden: Goethes friendship with Schiller. 
(The Fortnightly Review. August.) 



Bibliographie. 3^9 



Das Brandmal der Seele oder Schiller und Goethe. "\'on 
Rudolf MUgge. Bromberg, Grünauer. 164 SS. 

Der Inhalt des Schriftchens, von dem es auf dem Titel wörtlich 
heisst, es koste 71 Mark (6 Ex. zu 300 Mark), ist (soweit er Goetlie angeht) 
folgender: Einlehung. Moral und Kunst. Die Körpersprache. Tasso. 
Leonore. Faust als Dichter. Goethe und Schiller. Schiller und Goethe. 
Beschränkung des Geistes. Shakespeare. Mephisto. Egoismus. Freund- 
schaft. Prometheus und Liebe. Gott und Götter. Das Schriftchen sollte 
nur eine Einleitung sein »zu einem von dem \'erfasser geschriebenen 
allgemeinen historisclien Drama, das die zwei Jahrtausende seit Christi 
Geburt und der Entstehung der christlichen Kirche umfassend den Unter- 
schied zwischen der lügnerischen Goetheschen Denk- und Schreibweise 
und der wahren Schillerschen und den Uebergang von der einen Dich- 
tungsart zur andern aufs deutlichste zu zeigen bestimmt ist.« 

t Haarhaus, Julius R. : Goethes Verhältniss zu Käthchen 
Schönkopf. (Wissenschaftl. Beilage d. Leipziger Zeitung 1890. 
No. 125, S. 497—499.) 

Linker, O.: Schubert und Goethe. (Neue Musik-Zeitung. 
Xn. Jahrg. No. 18.) 

Rudolph Genee: lieber die scenischen Fragen Shake- 
speares in ihrem Verhältniss zur Bühne seiner Zeit. (Jahrbuch 
der deutschen Shakespeare-Gesellschaft. Jahrgang XXVL 
Weimar.) 

S. 139—142: Goethes Ansichten und Praxis bezüglich der Bühnen- 
darstellung Shakespearescher Dramen. 

f Leyser : Lillis Grab (in Krautergersheim im Elsass). Eine 
Reiseerinnerung. (Pfälzisches Museum. VII [1890]. S. 5 — 6.) 

B. Litzmann: Fr, U. L. Schroeder. (Allg. d. Biogr. Bd. 32, 
S. 506—512.) 

Berührt auch das Verhältniss des grossen Sciiauspielers zu Goethe 
und seine Bemühungen um Aufführung Goethescher Dramen. 

D. Jacoby: Karl Ernst Schubarth. (Allg. d. Biogr, Bd. 32. 
S. 606 — 612.) 

Ausführlich über Schubarths persönhches Verhältniss zu Goethe, be- 
sonders über seine Goethe behandelnden Schriften. 

August Wilhelm und Friedrich Schlegel. Herausgegeben 
von O. Walzel. Deutsche National-Litteratur. Bd. 102. Stuttgart, 
Union. 

S. 369—382. Abdruck von Friedr. Schlegels Recension über Goethes 
Werke (Ausg. 1806) aus den Heidelberger Jahrbüchern (1808) mit 
Angabe der in den Werken (1825) vorgenommenen Aenderungen. 



{20 



Bibliographie. 



Christian August Vulpius : Rinaldo Rinaldinis Räuber- 
und Liebesabenteuer. Roman. Neu bearbeitet und heraus- 
gegeben von Johann Friedrich Gildemeister. Berlin. 244 SS. 

Als Zeichen der Zeit, nach welchen Richtungen sich die Neu- 
drucksucht verirrt, bemerkenswerth. 

J. Froitzheim : Zur Jugendgeschichte des Strassburger 
Dichters Heinr. Leop. Wagner, geb. 1747, gest. 1779. (Strass- 
burger Post. 6. Sept., No. 247, 3. Blatt.) 

Wagners Gedicht (Olla Potrida 1778) auf die Vermählung des 
Herrn v. Türckheim beziehe sich nicht auf Lilis Mann, sondern auf 
Joh. V. Türckheim, vermählt 2. Febr. 177S mit Frl. v. Seufferheld. — 
Will beweisen, dass Wagner ehedem preussischer Grenadier in Magde- 
burg gewesen. Gibt Notizen über Wagner aus den Strassburger 
Rectoratsprotokollen 1761 — 1764, aus denen hervorgeht, dass 1764 
Wagner sich schuldenhalber aus Strassburg entfernte. 



(Der Rest der Bibliographie musste wegen Raum- 
mangels fortfallen. Vgl. Vorwort.) 




i-./f^-^rX. " ,-f-,g' ^ (•^ 




I. Personen -Register. 



Die hinter den cursivgedruckten Namen stehenden Zahlen geben die 

Seiten an, auf denen Abhandlungen oder Mittheikingen der Betreffenden 

gedruckt sind. Ein (r.) hinter der Seitenzahl eines Briefes bedeutet, dass 

von dem Briefe nur ein Regest geo:eben ist. 



Ackermann, Sophie 286. 

Adamberger, Toni 312. 

Adelung, 184. 

Albinus, 168 fg. 

Aelst, Paul von der, 255. 

Andrews, William P. 507. 

Anster, J. 307. 

Aristophanes, 299. 

Aristoteles, 121. 

Arneth, Alfred Ritter von, 312. 

Arneth, Toni s. Adamberger. 

Arnheiin, Fritx 237 fg. 

Arnim, Bettina von, s. Brentano, 

Bettina. 
Arnold, J. G. D. 39. Zwei Briefe an 

Goethe von 80-84. Erläuterungen 

dazu 84 ff. 
Arnold, Vater d. Vor. 84. 
Athalin, Graf 103. 
d'Azyr, Vicq 174. 

Bächtold, ]acoh 267 ff. 

Bächtold, Jacob 27. 259. 312. 

Bäckler, M. 290. 

Bagelmann, G. 242. 

Bahrdt, 124. 

Bälde, Jacob 46. 74. 

Bardclehcn, Karl v. 163-180. 

Bardeleben, Karl v. 272. 

Bassompiere, Marschall 306. 

Batacchi, Domenico 312. 

Batsch, 278. 285. 

Bayern, Ludwig I., König von 516. 

Bayneval, Graf 103. 

Beaulieu-Marconnav,Henriette,geb. 

v. Egloffstem s. Egloffstein. 
Beck, Heinrich 278. 
Becker, Christiane, geb. Neumann, 

(Euphrosyne) 58. 77. 300. 

Goethe-Jahrbuch XIII. 



Becker, Schauspieler 135. 

Beethoven, Ludwig v. 312. 

Bellermann, Heinrich 118. 255. 

Belliard, General 103. 

Bellomo, 299. 

Bender, Ferd. 297. 

Berendis, 271. 

Berger, Alfred v. 288. 295. 

Berlichingen, Götz von 306. 

Bernays, Michael 265 fg. 313. 

Bernstorff, Graf 203. 

Bertheau, Friedrich 149 fg. 

Bertling, Richard 284. 

Bertuch, 130. 169. 

Bethmann, Schauspieler 280. 

BdlcIJjf'nii, Anton 223. 

Bettelheim, Anton 257 fg. 310. 

Beust, Graf 105. 

Biedermann, Woldemar v. 2S0 fg. 

282 ff. 287. 302. 316. 
Bielschowsky, Albert 296. 
Biese, Alfred 294. 
Biltz, Karl 289. 
Bismarck, Fürst 247. 
Bitaube, 307. 

Blankenburg, Brief v.Weisse an 122. 
Blessig, 82, 
Blume, Ludwig 303. 
Boas, 263 ig. 
Bode, 151. 
Bodmer, 128 ff. 312. 
Bodmer, H. 298. 
Bohn, Frau 136. 
Boisseree, Sulpiz 226. 278. 
Bölsche, 242. 
Bornhack, G. 304. 
Bosch, Hieronymus 234. 
Bossen, A. 310. 314. 
Boston, F. J. 307. 



322 



Personen-Register. 



Böttiger, 145. 

Boxberger, Robert, Nekrolog 251. 
Brant, Seb. 249. 
Braun, Klara 301. 
Braune, 249. 

Braunschweig, Carl, Herzog von 
108. HO. 

— Heinrich d. Löwe iio. 

— Wilhelm, Herzog v. iio. 
Brehm, 42. 
Breidenbach, v. 121. 
Breitinger, 129 fg. 

Brentano, Bettina 182. 194. 245. 

279. 313. 
Brentano, Clemens 242. 
Brentano, Maximiliane 124. 
Breul, K. 256. 

Brinckmann, Briefe an ? 145 (g. 
Brion, Friederike 120. 290. 
Brockhaus, Rudolf 315. 
Broglie, Herzog v. 252. 
Bröndsted, 90. 
Brösigke, Frau von Brief von Goethe 

an 284 (r.) 
Browning, O. 309. 
Brunck, 32. 
Brünner, C. 292. 
Buchheim, 504. 
Büchner, A. 292. 
Buchner, W. 299. 
Buff, Lotte s. Kestner, Charlotte. 
Burckhard, K. P. F. 300. 
Burdach, 255. 
Bürger, 312. 
Buri, 197. 
Burkhardt, C. A. H. 30. 39. 191. 

259. 275. 280. 299. 
Bury, 289. 

Bussierre, Leon de 39. 
Byron, Lord 88. 

Campe, 303. 
Camper, 169 fg. 
Candolle, de 274. 
Canini, 308. 
Canning, 106. 112. 
Carl der Grosse, 264. 
Carlyle, Thomas 307. 
Cart, Theophile 305. 
Cartmell, J. \V. 308. 
Castrop, v. 285. 
Cato, 249. 

Cattaneo, Gaetano 285. 
Catull, 201 f. 
Cellini, Benvenuto 269. 
Celtis, 201. 203. 



Chamisso, 311. 

Cheselden, 168. 

Chevalier, Ludwig 302. 

Chrvsander, Friedrich 241. 

Cl.,^294. 

Clary, Fürst 138. 

Claude, Lorrain 231 fg. 

Claudius, 306. 

Clodiu:;, 294. j. H. Landolt über, 

123 ff. 
Clodius, Schwester d. Vor. 126. 
Clodius, Frau 126 fg. 
Coburg-Gotha, Herzog v. 122. 
Coburg-Saalfeld, Auguste Herzogin 

von, Brief an ihre Mutter 122. 
Cogswell, Josef Green 313. 
Cohn, Albert 285. 
Cohn, Alexander Meyer 144. 
Cohn, Ferdinand 291. 
Conrad, M. G. 242. 
Constant, Benjamin 107 (g. 
Corveillan, Graf 136. 
Cotta, J. F. 286. 295 fg. 
Cotta'sche Buchhandlung 24. 78. 

91. 265 fg. 270. 
Coudray, 140. 
Courtheouse, 308. 
Creizenach, Th. 212. 215. 
Creuzer, Prof. 89. 91. 
Cuvier, 274. 

Dalberg, Karl v., Grossherzog von 

Frankfurt 213 fg. 254. 
Damnitz, Amalie v. 1 1 5 fg. 
Damnitz, v. Kanzler 113. 
Dänemark, Christian VIL, König 

von (Prinz von Traventhal) 262. 
Darwin, 179. 313. 
Davantrv, 311. 
David, 311. 

Deinet, Briefe an Nicolai 120 fg. 
Delph, 119. 

Deutschland, Augusta, Kaiserin von 
247. 

— Karl V., Kaiser von 200. 203. 

— Rudolf (von Habsburg), Kaiser 
von 314. 

— Wilhelm L, Kaiser von 247. 
Diderot, 146. 307. 
Diebitsch, Graf 105. 112. 
Dieslel, Theodor 241. 
Dietrich, 299. 

Döbbelin, 300. 
Döbereiner, 234. 
Doczi, Ludwig 296. 
Dohm, C. W. 5. 



Personen-Register. 






Dove, 231. 

Dowden, Edward 307. 518. 

Draheim, H. 305. 

Dumcke, Julius 296. 

Dümmler, Ernst 122 ff. 

Dümmler, Ernst 117. 

Düntzer, Heinrich 84. 152. 289. 
292. 295. 301 fg. 517. 

Durand, 278. 

Dürckheim, Franz Christian Eck- 
brecht V. 40. 

Dürckheim, Famihe 34. 39 fg. 

Dürer, Albrecht 236. 

Dursy, Eugen v. 55 ig. 39. 

Eckermann, 3. 157. 268. 272. 276. 

311. 313. 316. 
Eggers, Karl 318. 
Egloffstein, Auguste von 3 10 fg. 
Egloflstein, Caroline von 285. 310. 
Egloffstein, Henriette, verw. von 

Egloffstein, später Freifrau von 

Beaulieu-Marconnay 29. 32. 38. 
Egloffstein, Julie von 285. 310. 
Ehiermann, Erich 258. 
Ehlermann, L. 257. 
Eichhorn, A.H. Brief von Goethe 

an 284 (r.) 
Eichstädt, 152. 
Eimann, 283. 
Einsiedel, H. v. 267. 289. 
ElHnger, Georg 199-210. 
Ellinger, Georg 241. 250. 
Elster, Ernst 248 ft". 
Ende, Freiherr v. 104 fg. 286. 
England, Victoria, Königin v. 122. 
Escher, Freihauptmann 157. 159. 
Escher vom Blauen Himmel, 123. 

127. 
Euripides, 297 fg. 307. 
Everard, Nicolaus 200. 

Fahimer, Johanna 14 fg. 119. 
Falk, Johannes 285. 
Fernow, Carl Ludw. 12. 28. 
Fichte, 46. 74. 277. 
Finsler, 28. 162. 
Fischer, Hermann 290. 
Fischer, Kuno 299. 
Flachsland, Karoline 255. 
Flaxmann, John 21. 29. 
Foglar, Adolf 313 
Förster, Friedrich 502. 311. 
Förster, R. 299. 
Forster, 277, 
Forster, die 231. 



Foscolo, 306. 

Fouque, 285. 311. 

Franck, Seb. 289. 

Frank, 218. 

Frankl, Ludwig August 315. 

Franke! , Ludwig 228 (g. 251 fg. 

Fränkel, Ludwig 296. 

Frankreich, Louis Pilippe, König v. 
99 ff. 107 ff. 112. 

— Ludwig XIV. von 254. 

Franzos, Karl Emil 280. 283. 293. 
312. 

Frese, J. 212. 216 fg. 220. 

Fresenius, August i88. 

Freudweiler, (?) 22. 

Friederike s. Brion. 

Friedländer, Max 317. 

Friedrich, 136. 

Froitzheim, 294. 316. 320. 

Frommann, Alwine 144. 

Frommann, Fr. 286 IBriefe von 
Riemer an 131 ff. Brief von 
Marianne von Willemer an 144 fg. 

Frommann, Johanna 134. 144. 

Frommamf, H. 131 ff. 144 fg. 

Frommann, Familie 132. 137. 

Frommann, H. 117. 

Fuchs, J. F. 281. 

Funke, A. 305. 

Gabelentz, v. d. 231. 

Gaedertz, Carl Theodor 279. 281 ig. 

Gaedicke, 278. 

Gagern, v. 114. 

Garrido de Rodriguez Mourelo, F. 

G. de 308. 
Geiger, Ludivig 1 18 ff. 144 ff. 238 fg. 

241 fg. 243 ff. 251 ff. 278-320.' 
Geiger, Ludwig 117. 291. 299. 314. 

318. 
Geist, Goethes Schreiber 19. 
Geliert, 122. 
Genast, 278. 
Genee, Rudolf 319. 
George, Richard 317. 
Gerhard, C. 312. 
Gerhard, Eduard 87. 
Gersdorff, Amalie s. Damnitz. 
Gersdorff, Diana s. Pappenheim. 
Gersdorff, Ernst August, Minister v. 

88. 247. — Briefwechsel zwischen 

Goethe und 98-1 10. — Politische 

Berichte 103 ff. — Erläuterungen 

dazu 1 1 1 ff. 
Gersdorff, Frl. v. s. Pappenheim, 

Jenny v. 



324 



Personen-Register. 



Gersdorff, Karl v. in. 
Gcrsdorff, Sohn d. Vor. 114. 
Gessner, August 27. 29. 
Gessner, Barbara, geb. Schulthess 

10, 14, 16 fg. 156. 162. 
Gessner, Barbara, Tochter d. Vor. 

(BäbeH) 10 ff. 16 fg. 21. 28. 
Gessner, Georg 10. 22. 24. 28. 50. 

151. 161 fg. — Brief an Goethe 

24%- 
Gildenieister, Johann Friedrich 320. 
Gleim, 224. 
Gnad, Ernst 289. 
Goeciihausen, E. A. v. 121. 
Goechhausen, Luise V. 48. 263. 289. 
Goedel^e, 121. 309. 
Goldbeck-Löwe, 302. 
Goldoni, 299. 
Gontard, 31. 
Gontard, Marie 37. 
Gontardsches Familien-Archiv, 57. 
Gore, 272. 

Göschen, 202. 265 fg. 276. 
Gotha, Prinz August von 276. 
Gotha, Herzog Ernst v. 169. 
Goethe, August v. 43. 46. 48. 54. 

102 fg. 112 fg. 139 fg. 142. 144 fg. 

159. 213. 311 fg. — Briet v. 

Goethe an 118. 
Goethe, Cornelia 119 fg. 153 fg- 

212. 216. 
Goethe, Friedrich Georg 240. 
Goethe, erste Frau d. Vor., geb. 

Lutz 240. 
Goethe. Katharina Elisabeth (Frau 

Rath) 27. 38. 117. 135. 152. 154. 

157. 159 fg. 212. 217. 219. 268. 

284. 286. — Brief an J. G. 

Zimmermann 118 fg. — Erläute- 
rungen dazu 119 fg. — J. H. 

Landolt über I2_i. — Schriften 

über 311. 
Goethe, Christiane von 76. 133. 

142. 157. 159 fg. 206. 213. 277. 

284. 311. — Riemer über ihren 

Tod 139. — Elisa v. d. Recke 

145 %• 

Goethes 1795 geborener und ge- 
storbener Sohn 53. 76. 

Goethe, Hermann Jacob, Joh. Eras- 
mus Senckenberg über den Rats- 
herrn 239 ff. 

Goethe, Johann Caspar 119. 239. 
242. 288. 

Goethe, Ottilie von 88. 92. 118. 
286. 311 {'g. — Ihre Kinder 93. 



Goethe, Walther von 311 fg. 

Goethe, Wolfgang v. 92. 311 \'g. 

Gottschall, Rud. v. 288. 

Gottsched, 129 fg. 294. 

Götz, J. N. 306. 

Götze, Edmund 284. 309. 

Götze, Pastor 122. 

Götze, Paul, Schreiber Goethes 9. 

173- i75- 
Goue, V. 121. 
Graff, J. J. 300. 
Graffunder, P. 294. 
Graevell, 278. 
Gregorovius, Ferdinand, Nekrolog 

auf 252. 
Gregorovius, Leo 298. 
Griechenland, Otto, König v. 316. 
Gries, J. D. 311. 
Grillparzer, 3 12 fg. 
Grimm, Hermann 269 tt. 
Grimm, Herman 243, 256. 
Grimm, Jacob 313. 
Grimm, Wilhelm 513. 
Gross, Ferdinand 289. 
Groth, Klaus 313. 
Grottewitz, Kurt 316. 
Grotthuss, J. E. v. 314. 
Guaita, Max v. 282. 
Guaita, v. Senator 220. 
Gustedt, Baronin s. v. Pappenheim, 

Jenny. 
Guttenberg, Johann 82. 
Gutzkow, 225. 

Haarhaus, Julius R. 319. 

Habsburg, Haus das 314. 

Habsburg, Rudolf v.s. Deutschland. 

Hackert, Philipp 259. 271 {g. 

Hagedorn, 83. 

Hager, Hermann 315. 

Hagn, Charlotte von 314. 

Haide, Schauspieler 279. 

Hallberg, 310. 

Halpert, David 290. 

Hammers, 238. 

Händel, 63. 

Händel, G. F. 241. 

Hardenberg, Minister 115. 276. 

Harnack, Otto 259. 271. 295. 

Harrwitz, Max 228. 

Hartlaub, G. 242. 

Hartmann, Gottlob David 314. 

Hase, Karl 250. 

Hauck, Guido 295. 

Hauff, G. 181. 

Hauff, Wilhehn 288. 



Pf.rsonen-Register. 



j-i) 



Haupt, 248. 

Hayin, 229. 

Heäth, D. C. 504. 

Hebel, 81. 

Hegel, 132. 

Hchii, Viktor 181. 224. 

Heidegger, 129. 

Heine, Carl 500. 

Heine, Heinrich 252. 288. 

Heinemann, Carl 511. 

Heinse, 155. 

Heintz, Albert 317. 

Heinzelmann, W. 298. 

Heibig, Fr. 299. 

Hellcii, Eduard von der 41-79. 87-95. 

266. 275 ff. 
Hellen, Eduard von der 259. 269 ff. 
Hempelsche Ausgabe, 244 fg. 251, 
Hendel, Bäckermeister 126. 
Henkel, 181 fg. 224. 
Herder, August 175. 
Herder, Caroline s. Flachsland. 
Herder, J. G. 45. 46 ff. 58. 61. 69. 

74. 140. 152. 167. 173. 206. 224. 

229 fg. 246 ff. 255. 261 fg. 265. 

288 fg. 302. 306. 314. 317. 
Herder, Luise s. Stichling. 
Herder, Rinaldo 61. 77. 
Herschel, 132. 

Hcrzfelder, J. 150. 160. 310. 
Herzlieb, Wilhelmine (Minchen) 

134%- 514- 
Heuer, O. 30. 281 tg. 311. 
Heuwes, 290. 303. 
Hewett, Watermann T. 304. 
Hiersemann, K. W. 291. 
Hildebrand, Rud. 294. 
Himburg, 265. 
Hi.'iel, L. XI7 fg. 
Hirzel, L. 117. 149 ff. 
Hirzel, 130. 
Hirzel, S. 313. 

Hoff mann, Otto 118. 120 fg. 264. 
Hoft'mann, Otto 117. 259. 
Hoffmann, Paul 303. 
Hofmeister, Gustav 297. 304. 
Hohenlohe- Schillingsfürst, Marie, 

Fürstin zu 318. 
Holder, 304. 
Hölderlin, 47 fg. 75. 
Holdermann, K. 297. 
Holtei, K. V. 310 fg. 
Holthausen, Ferdinand 296 
Homer, 21. 29. 146. 256. 261. 312. 

514%. 
Horstig, 290. 



Hotho, 317. 

Hottinger, Chorherr 158. 

Hotze, Joh. 12. 15. 28. Seine 

Tochter und sein Enkel 15. 
Humboldt, Alexander v. 105. 286. 
Humboldt, Wilhelm v. 229 ff. 272. 

300. 
Hunter, John 168. 
Huss, 304. 
Hygin, 250. 

Jachontow, Alexander, Nekrolog 

auf 251 fg. 
Jacobi, Auguste 311. 
"jacobi, F. H. 29. 43. 74. 142. 313. 

316. 
Jacobi, II. 28. 
Jacob}', Daniel 225 {g. 255. 303. 

309". 319. 
Jagemann, Caroline 288. 299 tg. 
Jänicke, K. 242. 

Jean Paul (Richter), 41. 73. 76 ff. 
Jenike (Jenikego), 242. 
Iffland. 56. 58. 76. 287. 300. 
John. Alois 280. 289. 
John, Schreiber 191. 226. 268. 
Irmisch, L. 293. 
Jügel, 37- 

Jungins, Joachim 274. 
Jung, Rudolf 210-220. 
Jung-Stilling, 268. 
justi, Karl 309 

K. A., 317. 

Kahlen, Postmeister 103. 

Kalb, Charlotte von. Ihre Kinder 
47. 49 fg. 68. 73. — Briefe an 
Goethe 41-71. — Erläuterungen 
dazu 72 fg. — Briefe an Goethe 
u. Voigt 68. — Erläuterungen 
dazu 78 fg. 

Kalb, Aug. Wilhelm 74 fg. 78. 

Kalb, Edda 75. 

Kalb, Eleonore v. geb. v. Marschalk 

75- 77- 
Kalb, Fritz v. 48. 58. 75. 78. 
Kalb, Heinrich v. 47. 50 fg. 60 lg. 

75 fg. 
Kalb, Johann August Alexander v. 

50 fg. 68. 7). 77 fg. 119. 
Kalischer, S. 272 tg. 
Kalischer, S. 272. 
Kämpfer, Engelbert 5. 
Kanoldt, E. 292. 
Kästner, 306. 
Kauffmann, Angelika 88. 156, 288. 



326 



Person-ex-Register. 



Kayser, Dorothea 281. — Brief 

von Goethe an 282. (r.) 
Kayser, Phil. Christoph 10 fg. 13. 

27. 155. 266. 281. 287. — Brief 

an Goethe 25 ff. - Erläuterungen 

dazu 30. — Brief von Goethe an 

282. (r.) 
Kayser, Vater und Geschwister des 

Vor. IG. 
Keil, Robert 301. 
Kende, 285. 
Kern, Franz 299. 
Kersting, 286. 
Kestner, August 87. 
Kestner, Charlotte 289. 
Kestner, Georg 263. 
Kestner, J. G.' 284. 289. 
Kestner, Sanitätsrath 87. 
Kettner, Gustav 292. 
Kienemundt, Claus 119 fg. 
Kilian, Eugen 297. 300. 
Kippenberg, K. 291. 
Kirms, 264, 285. — Briefe von 

Goethe an 283. (r.) 
Kleist, Ewald v. 85. 
Kleist, Heinrich v. 281. 288. 
Klettenberg, S. C. S. 16. 161. 
Kleyle, Fritz 315. 
Klinger, Agnes 281. 
Klinger, F' M. 30. 84. 281. 284. 

289. 298. — Brief an ? 144. 
Klopstock, 85. 302. 314. 
Knebel, v. 28. 75 fg. 84. 1 19. 122 (?). 

169. 224. 233. 246 fg. 311. 
Knebel, Bernhard v. 247. 
Kniep, 89. 
Knight, 272. 

Koch, M. 241. 290. 298. 309. 
Kocher, 31, 33. 39. 
Köhler, R. 312. 
Kolbe, 281. — Brief von Goethe 

an 282. (r.) 
Kollmann, Artur 296. 
Kont, J. 302. 
Köpke, 76 ft". 

Körner, C. G. 60 fg. 64. 315. 
Körner, Emma 315. 
Körner, Friedrich, Mechaniker 278. 

286. 
Körner, Theodor 288. 302. 315. 
Körte, Wilhelm 228. 
Köster, Albert 299. 
Kotzebue, 223. 254. 299. 
Kraus, 128. 169. 
Kraus, Ernst 296. 
Kretschnian, Lilv v. 98-117. 



Kretschman, Lily v. 3 10 fg. 316. 

Kriegk, 215. 246 fg. 

Kühn, Wilhelm 294. 

Kunzen, Friedr. Ludw. Aemilius 

II. 27 fg. 
Kurland, Herzogin von 280. 
Kürschner, Joseph 251. 
Küstner, General-Consul 106. 

Lachmann, 248. 

Lafitte, 107 fg. 

Lamarck, 180. 

Lamey, F. 142 ff. 

Lamey, F. 117. 

Landau, M. 306. 

Landolt, Joh. Heinrich. Aus seinen 
Reiseerinnerungen 123 ff. — Vor- 
bemerkung dazu 122 fg. 

Landolt, Vater d. Vor. 123. 

Landolt, Heinrich 123. 

Lang, Wilhelm 314. 

Laroche, Maximiliane, s. Brentano. 

Laroche, Sophie v. 124. 182. 194. 
196 fg. 

Lassalle, Ferdinand 315. 

Latendorf, Friedrich 302. 

Lavater, 13. 16. 28. 37. 119. 122 ff. 
145 fg. 1)1 ff. 161 fg. 164. 276. 
312. 3 14 fg. 

Lei.Kner, Otto v. 518. 

Lenau, 288. 315. 

Lenz, J. R. 84. 122. 197. 289. 312. 
316. 

Lenz, J. G. 281. 

Lepke, Rud. 285. 

Lessing, Gotthold Ephraim 78. 85. 
250 ff. 255. 288. 296. 314. 516. 

L'Estocq, 103. 105. 109. 

Leuzendorf, Baronin v. 76. 

Levin, Rahel 79. 311. 

Levy, B. 297. 304. 308. 

Leyser, 319. 

Lezay de Marnesia, 84 fg. 

Lichtenberg, 277. 

Liebig, Heinrich Gottfried 217 fg. 

Liepmannssohn, Leo 278. 286. 

Lili s. Türckheim, Elisabeth v. 

Linckelmann, Rechtsanwalt 119 fg. 

Lindau, Paul 189. 315. 

Linke, Otto 312. 319. 

Linne, 171. 

Lippmann, 232. 

Lips, Job. Heinr. 14. 26. 28. 300. 

List und Francke, 286. 

Litzmann, Berthold 297. 299. 310. 

Lobau, Graf 103. 105. 



Personen-Register. 



^27 



Löbel], R. 505. 

Loder, 164. 167. 169 fg. 174. — 

Brief an Goethe von 168 fg. 
Looschen, H. 304. 
Loeper, Gustav v. 227 fg. 
Loeper, Gustav v. 29. 113. 120. 

153. 182. 184 fg. 188. 190 fg. 195. 

197. 200. 223 fg. 228 ig. 259 fg. 

267 fg. 291. — Nekrolog auf 

243 ff. 
Lorsbach, 281. — Brief von Goethe 

an 283. (r.) 
Louvier, 295. 
Löwe, J. C. G. 289. 
Löwenthal, Sophie 315. 
Lucius, Syndicus 241. 
Ludwig, Hermann 310. 
Ludwig, Otto 316. 
Luther, Martin 119. 121. 182. 

186 ff. 
Lutz, Schneidermeister 240. — 

Seine Tochter s. Goethe Frau 

v. Friedrich Georg. 
Lyon, Otto 287. 301. 

Madach, Emmerich 296. 
Magnus, J. 508. 
Marchesi, Pompe jo 216. 
Marschalk v. Ostheim, Charlotte 

s. Kalb. 
Marschalk, Eleonore von s. Kalb, 

Eleonore v. 
Marschalk, Mutter d. Vor., geb. v. 

Stein-Nordheim 61. 63 fg. 77. 
Marschalk, Mann d. Vor. 77. 
Marschalk, Friedrich 64. 77. Sein 

Bruder 77. 
Marlin, Ernst 80-87. 
Meiss, Frau geb. Schinz 16 fg. (?) 

29. fhr Kind 16. 
Meiss, Mann d. Vor. 16. 29. 
Mencken, J. H. 242. 
Mendelssohn-Bartholdy, Felix 245. 

298. 311. 3 16 fg. 
Mendelssohn, Moses 316. 
Menge, K. 317. 
Mercier, 229. 
Merck, 169, 174. 182. 184. 196. 

289. 294. 305. 311. 
Mereau, Sophie 242. 
Metternich, Fürst 100. 103. 113 ff. 

Goethe und 258 fg. 
Metzler, Senator 38. 
Meusebach, 248. 
Meusel, Brief an Reich 121 fg. 
Mever, C. F. 298. 



Meyer, Heinrich 11. 19. 21 fg. 28. 

46. 136. 139. 150. 157 fg. 160. 

271 fg. 277 fg. 
Meyer, K. v. 311. 
Meyer, Richard M. 225 ff. 229 ff. 

265. 
Meyer, Richard M. 255. 259. 
Meyer von Waldeck, 284. 306. 
Meyseiihug, Freih. v. 122. 
Mevsenbug, Freih. v. 117. 
Michaelis, Adolf 2^9. 271. 
Michaelis, Joh. Benjamin 195. 
Mickiewicz, 311. 
Miller, 287. 
Miliin, 83. 85. 

Minchen s. Herzlieb, Wilhelmine. 
Minor, J. 295. 
Mitschke, P. 290. 

Mole, Franz. Minister 99. 107. Rund- 
schreiben lOI fg. 
Moltke, Adolf V. 317. 
Moltke, C. S. Sänger, Karte Goethes 

an 284. 
Moltke, Helmuth v. 317. 
Moltke, Ludwig v. 317. 
Montaigne, 223. 
Monval, 307. 
Morgenstern, Lina 312. 
Möricke, Eduard 278. 
Morsch, Hans 298. 
Mosengeil, 290. 
Motanabbi, 283. 
Müffling, v. 102 fg. 112. 
Mügge, Rudolf 319. 
Müller, Friedrich v. Kanzler 80. 

82. 88. 90. 92. 218. Briefe von 

Goethe an 191. 
Müller, Johann v. 133. 
Müller, Frau, Schauspielerin 279. 
Münchow, von 281. — Brief von 

Goethe an 283 (r.) 
Muncker, F. 308 ff. 

Nagler, V., Generalpostmcister 237. 
Napoleon L, iio. 114 fg- 287. 

317 fg. — und Goethe 252 ff. 
Narischky, Fürst 141. 
Nekrassow, N. A. 252. 
Nelson, Lord 263. 
Nepos, Cornelius 2or. 
Nesselrode, Graf 100. 109. 
Neumann, Christiane s. Becker, 

Christiane. 
Neumann-Hofer, Otto 300. 
Newton, 133. 
Nicolai, C. A. 299. 



S28 



Personen-Register. 



Nicolai, Fr. — Briefe v. Deinet an 

1 20 fg. 
Nicolai, s. Secundus, Johannes. 
Nicolovius, 145 fg. 
Nicolovius, Luise 212 fg. 
Niederlande, Wilhelm, König der 

107. 
Niemeyer, 127. 
Nöldeke, 505. 
Nordau, Max 291. 

Ochs, Wittwe 217. 219. 
Öhlenschläger, 318. 
Olbrich, Karl 290. 
Olenschläger von, 145. 
Oranicn,Prinz V. (1830) 105. 107 fg. 
Orleans, Herzogin von 278. 
Orloff, Graf 112. 
d'Orville, Georg 38. 
Oesterreich, Kaiser Franz v. 109. 
113. 239. 

— Kaiser Leopold von 168. 

— Kaiserin Marie Louise von 100. 
136. 

Ossian 250. 261. 

Ott, 157. 

Oettingen, Wolfgang von 270. 

Oxenstjerna, 237. 

Palmische Haus in Stuttgart, 23. 
Papius, 121. 

Pappenheim, Diana v. 116. 
Pappenheim, Jenny v. 88. 93. 1 1 1 fg. 

116 fg. 311. 316. 
Passavant, 95 ff. 
Petersen, Johannes 295. 
Petzet, Erich 310. 
Peucer, 261. 311. 
Pfeffel, 84. 241. 
Pfitzer, 296. 
Pierer, 510. 

Piquot, 99 f. — Berichte 100 fg. 
Pirazzi, 38. 
Platen, 224. 
Plattner, Prof. 131. 
Plautus, 289. 
Pniower, Otto 181- 198. 
Pniovver, Otto 294. 
Pollett, Frau v. 145. 
Porchat, Jacques 308. 
Pötzl, 304. 
Praetorius, 226 fg. 
Prem, 289. 313. 
Prenn v., 281. 

Preussen, Friedrich IL König v. 
126 fg. 133. — Verse Goethes 
auf 227. 



Preussen, Friedrich Wilhelm III., 
König V. 103. 105. 107 ff. 112. 

II 5-. 
— Prinzessin Marianne v. 79. 
Prodnigg, Hermann 306. 
Proelss, Johannes 301. 
Properz. 202. 
Puschkin, 251. 

Racine, 253. 

Radics, Fr. 314. 

Radziwili, Fürst 284. 

Rahel s. Levin. 

Raimund, 313. 

Rameau, 307. 

Rameau, Jean Framjois 307. 

Raoul-Rochette, 89 fg. 

Rapp, General 40. 

Ramler, 129. 224. 

Rauch, D. 90. 318. 

Rauter, 82 fg. 87. 

Recke, Elisa v. d. — Brief an 
Johanna Schopenhauer 143 i^^ 

Redslob, 39. 

Reich — Brief von Mensel an 121 ig. 

Reichardt, 313. 

Reichardt, Musiker 28. 

Reiffenstein, Rath 289. 

Reinbeck — Brief an Johanna 
Schopenhauer 142 fg. 

Reinhardstöttner, K. v. 289. 

Reinhardt, K. G. 287. 

Reinhardt, Frau 286. 

Reitenberger, Abt 289. 

Rembrandt, 290. 296. 

Remusat, 253. 

Reuss-Ebersdorf, Grätin Caroline 
v. — Brief der Erbprinzessin 
Auguste v. Coburg an 122. 

Reuss-Ebersdorf, Grat Heinr.XXVI. 
v. 122. 

Reuter, Christian 249. 

Richter s. Jean Paul. 

Riemer 27. 39. 92. 223. 263 ff. 272. 
311. 318. — Briefe an Fr. From- 
mann 1 5 1 ff. — Briefe an Heinrich 
Voss 142. 

Riemer, Frau d. Vor. 140. 

Rietschel, 318. 

Riquiez, Emile 307. 

Rist, Emmi 279. 

Rödiger, Max 301. 

Rodowe, W. L. — Stammbuch- 
blatt für 285. 

Rösel, 284. 

Rocihe, G. 262. 



Personen-Register. 



329 



Roethe, G. 259. 
Rousseau, J. J. 91. 
Rückert, Friedrich 251. 
Ruland, Carl 94-97. 
Ruland, Carl 82. 164. 
Runii, 283. 

Rumohr, Elisabeth 279. 
Rüppell, 212 ft'. 

Russland, Alexander I. Kaiser von 
254 282. 

— Catharina, Grossfürstin von 115. 

— Kaiserin von 139. 141. 

— Kaiser Nikolaus v. 92. 105. 109. 
112. 

Sachsen, Anton, König v. 109. 

— Friedrich August, Kurfürst von 
126. 

— Kurfürstin v. Frau d. Vor. 126. 

— Prinz Friedrich August v. 109. 
Saint-Hilaire, Geoffroy de 274. 
Saint-Martin, 71 fg. 79. 

Salm, Hugo Franz, Graf zu 281. 

— Brief von Goethe an 283 (r.). 
Salomo, (Hohe Lied) 182 ff. 
Saiten, Felix 296. 
•Saltzmann, 84. 

Sanders, Daniel 183 fg. 303. 306. 

Sarazin, 311. 

Sauer, A. 189. 296. 

Scarpa, 168. 

Scherer, Wilhelm 192. 194 fg. 229 ff. 

245. 256. 
Scheuchzer, J. G. 5. 
Schilf, H. 297. 
Schiller, Carl v. 54. 
Schiller, Charlotte v. 60 fg. 64. 

298. 
Schiller, Friedrich v. 41. 47. 54. 

56. 60. 64. 66. 73. 75 ig. 78. 85. 

132. 141. 157. 180. 223 ff. 228. 

258. ajoft". 255 fg. 277. 279. 

285 ff. 289 fg. 300. 305. 308. 

310. 315. 3 18 fg. 
Schinz, 20. 
Schinz, Wilhelm 29. 
Schinz, Wilhelm, älterer Sohn d. 

Vor. 29. 
Schinz, jüngerer Sohn 29. 
Schlegel, Aug. Wilhelm 229. 319. 
Schlegel, Friedrich 224 fg. 319. 
Schlegel, J. H. G. 278. 
Schienther, Paul 301. 
Schlosser, Cornelia s. Goethe, 

Cornelia. 
Schlosser, Fritz 211 ff. 217 ff. 



Schlosser, J. G. 14. 28. 

Schlosser, zweite Frau d. Vor. s. 
Fahimer, Johanna. 

Schlosser, Gustav 298. 

Schlözer, 1 50. 

Schmid, C. H. 306. 

Schmidt, C. W. 232. 

Schmidt, Erich 271 fg. 276. 

Schmidt, Erich 228. 230. 255. 293. 
316. 

Schmidt, Fr. Aug., Stammbuch- 
blatt für 287. 

Schmidt, Julian 224. 
j Schmidt, Lothar 300. 

Schmidt-Pocht, F. 292. 

Schmidt, Regierungsrath 117. 

Schmitt, L. 297. 301. 305. 308. 

Schmitter, Anton 299. 

Schnauss, 276. 

Schnapper-Arndt, Gott lieb 239 fg. 

Schnorr von Carolsfeld, Fr. 259.262. 

Schober, F. v. 286. 

Scholl, A. 182. 

Schomburg, Julius 298. 

Schönbach,' Anton 255. 258. 

Schönemann, Fritz 31. 36 fg. 

Schcnemann, Lili s. Türckheim, 
Elisabeth von. 

Schönkopf, Käthchen 319. 

Schopenhauer, Adele 311. 

Schopenhauer, Arthur 244. 278. 28 1 . 

Schopenhauer, Johanna 28. 156. 
286. — Brief von Reinbeck an 
142 fg. — Brief von Elisa von 
der Recke an 143 fg. 

Schrammen, J. 305. 

Schreyer, Hermann 304. 314. 

Schricker, A. 85. 

Schröder, Edward 294. 

Schröder, Fr. U. L. 319. 

Schröer, K. J. 259. 263. 265. --81. 
283. 288. 295. 313. 

Schröer, M. M. Arnold 298. 

Schubart, 303. 

Schubarth, Karl Ernst 319. 

Schubert, 319. 

Schuler, Theophil 87. 

Schulin, Johann Friedrich Gabriel 
214 fg. 217 fg. 

Schulthess, Barbara (Bäbe) 24. 26. 
35. 37. - Siebzehn Briefe an 
Goethe von 10-24. — Erläute- 
rungen dazu 27 ff. — Brief von 
Goethe an 19 fg. Erläute- 

rungen dazu 29. — Goethe und 
149 162. 



3^0 



Personen-Register . 



Schulthess, Barbara, Tochter der 

Vor. s. Gessner. 
Schulthess, David 29. 152. 154. — 

Seine Schwester 29. 
Schuhhess, Döde 14. 28. 
Schulthess, Lise 14. 
Schulthess, Stadtherr 124. 
Schultz, O. A. 286. 
Schulz, Friedrich 299. 
Schunck, Egon 298. 
Schütz, Georg 288. 
Schütze, Stephan 511. 
Schwabe, J. 312. 
Schwanthaler, Ludwig 216. 
Schwebe!, Legationssecretair 103. 
Schweighäuser, L. S., Frau 84. 
Schwenke, P. 298. 
Sebastian!, 107 fg. 
Secundus, Johannes (Nicolai) — 

Goethe und 199-210. 
Seeger, Syndikus 11. 
Seidel, Philipp 167. 169 ig. 263. 

266. 276. 281. 
Seidler, Luise 314. 
Semler, Christian 291. 
.Senckenberg, Arzt 311. 
Senckenberg, Brüder 215. 241. 
Senckenberg, Joh. Erasmus — über 

den Rathsherrn Hermann Jacob 

Goethe 259 ff. 
Seuffert, Bernhard 189. 195 fT. 255. 

292. 294. 296. 
Sevin, L. 297. 304. 
Seyler, 300. 
Shakespeare, William 141 (g. 289fg. 

295. 298. 316. 319. 
Silie, Schauspielerin 133. 
Simonawitz, Frau 300. 
Simm, Franz 292. 
Sofie, Emil 291. 
Sömmerring, 167. 169 fg. 174. 
Sophokles, 99. in. 
Soret, Friedrich 273. 286. 
Spalatinus, 119. 
Spenersche Zeitung, 259. 
Spies, Johann 249. 
Spinoza, .Baruch 43. 146. 316. 
Sprenger, Robert 294 fg. 302. 
Springer, Jaro 23 1 fi. 
Stackeiberg, Otto Magnus v., bei 

Goethe 87 — 93. 
Stael, Mme. de 152. 
Stargardt, J. A. 287. 303. 
Steig, R. 255. 306. 
Stein, Charlotte V. 94. 154. 156 fg. 

167. 200. 205. 276 fg. 



Stein, V., Familie 263. 

Stein, V., Minister 114. 

Stein, Philipp 284. 

Steiner, Rudolf 273 fg. 

Steiner, Rudolf 166. 175. 259. 272. 

288. 306. 
Stein-Nordheim, Frau v. 77. 
Steinthal, 231, 
Stern, Adolf 316. 
Sternberg, Caspar v., Graf 286. 
Stewart, Ch. 281. 
Stichling, Gottfried Theodor in. 

— Nekrolog auf 246 ff. 
Stichling, Luise 247. 
Stiehl, Heinrich 298. 
Stiller, Otto 295. 
Stolberg, Auguste von 515. 
Stolberg, Christian v. 119. 
Stolberg, Friedrich Leopold v. 119. 

195-287. 315. 
Stosch, 287. 

Strehlke, 223 fg. 250. 238. 292. 
Strobel, 31. 39. 
Ströhl, H. 296. 
Stromevr, 278. 
Siipban, Bernhard 3-40. 149-162. 

246 ff. 259 ff. 265. 267. 272. 

274 fg. 
Suphan, Bernhard 164. 173. 212. 

228. 230. 239. 242. 255. 259. 

268. 276. 300. 306. 
Szamatölski, Siegfried 296. 

Tacitus, 253 fg. 

Talleyrand, 114. 252. 287. 317 fg- 

Tarnow, Fanny 285. 

Tegni!;r, Elof 257. 

Telemann, Georg Philipp 241. 

Terenz, 267. 

Teubner, 297. 

Textor, Andreas 241. 

Textor, Maria Katharina 241. 

Textor, Johann Wolfgang 311. 

Theognis, 290. 

Tloman, Er. 307. 

Thomas, Calvin 293. 

Thon, 290. 

Thon, Johann Wilhelm 39. 

Thorane, (Königslieutenant) 305. 

Thouret, 278. 

Thomas, 304. 

Thomas, Gerhard 219 fg. 

Thorwaldsen, 220. 

Tibull, 202. 

Tieck, Ludwig 225. 

Tiemann, 306. 



Personen- Register. 



331 



Tille, Alexander 226 fg. 
Tischbein, 128. 276. 
Tomlinson, Charles 502. 309. 
Trautmann, Karl 296. 
Trebra, 281. 

Trolle-Wachtmeister, Hans Gabriel 
Graf, Begegnung mit Goethe 

237 %• 
Trost, Ludwig 516. 
Türckheim, Carl 33 fg. 39. 
Türckheim, Cäcilie, geb. Gräfin 

Waldner, Frau d. Vor. 33. 39. 
Türckheim, Edward v. 35. 39. 
Türckheim, Ferd. Eckbrecht v. 36fg. 
Türckheim, Joh. Friedr. v. 37. 
Türckheim, Elisabeth (Lili) 15 fg. 

29. 96. 1)3 fg. 197. 268. 315. 

519 tg. — Zwei Briefe von ihr 

und Goethes Antworten 30 — 35. 

— Erläuterungen dazu 35 ff. 
Türckheim, Mann d.Vor. 16. 36fg. 40. 

320. — Ihre Kinder 16. 31 ff". 
Türckheim, Bruder d. Vor. 31. 39. 

— Mutter 36. 

Türckheim, Elisabeth, Tochter von 

Lili 32. 36. 
Türckheim, Heinrich v. 37. 
Türckheim, Joh. v. 320. — Seine 

Frau geb. von Seufferheld 320. 
Türckheim, Wilhelm v. 34 fg. 37. 40. 

Uellner, V. 297. 

LUiland, Ludwig 255. 

Umbreit, Friedrich 197. 

Unger, Joh. Friedr. 28. 

Usteri, Barbara s. Gessner. 

Usteri, Joh. Martin 28. 

Usteri, Martin 28. 

Unzelmann - Bethmann, Friederike 

280. 283. — Brief von Goethe 

an 285. (r.) 
Unzelmann, Fritz 281. 
Unzelmann, Karl 280. 283. 
Unzelmann, Minna 280. 
Uz, 189. 

Valentin, Veit 282. 293. 

Valz, 42. 

Velhagen und Klasing, 305. 

Verschaffelt, 289. 

Vesalius, 168 fg. 

Vezik, V. 307. 

Vischer, Friedrich Theodor 297. 

Vischer, Robert 297. 

Vockeradt, H. 297. 

Voeux, Charles de 311. 



Vogel, Sekretär 263. 265. 

Voigt, C. G. V. 68. 117. 215. 277. 
— Brief von Charlotte v. Kalb 
an Goethe und V. 68. — Er- 
läuterungen dazu 78 fg. — Briefe 
von Goethe an 282 fg. (r.) 

Voltaire, 253. 264. 

Vos, Jac. de 308. 

Voss, Joh. Heinrich 132. 141. 238. 

Voss, Heinrich — Briet v. Zelter an 
141 fg. — Brief v. Riemer an 142. 

Vrchlicky, Jaroslav 308. 

Vulpius, Christiane s. Goethe, 
Christiane. 

Vulpius, Christian August 140. 
285. 300. 320. 

Vulpius, Walther 311. 

Wagner, Heinrich Leopold 229 fg. 

294. 320. 
Wagner, J. N. 304. 
Wagner, Wilhelm 308. 
Wähle, Julius 263 fg. 275. 
Wähle, Julius 259. 300. 313. 
Waldner -Freundstein, Diana von 

s. Pappenheim. 
Waldberg, Max v. 230. 
Waldstein, Graf v. 138. 
Wallenstein, Albrecht v. 138. 
Walzel, O. F. 319. 
Wattenbach, Caecilie 279. 
Weber, Frau. — Contractentwurf 

Goethes mit 282 (r.) 
Weber, Karl Maria v. 282. 
Weimar, Anna Amalia, Herzogin v. 
27. 58. 133. 142. 277. 288. 312. 

— Bernhard, Herzog v. (17. Jahrh.) 
276. 

— Bernhard, von 114. 

— Carl Alexander, Grossherzog v. 
246 fg. 

— Carl August, Grossherzog von 
27%- 39- 50 fg. 75- 77- 88. 
ii3ff. 118. 128. 131. 137 fg. 
154. 155. 169. 253. 256. 276. 
288. 300. 

— Carl Friedrich, Grossherzog v. 
116. 138. 310. 

— Erbgrossherzogin von 173. 

— Luise, Grossherzogin von 72 fg. 
79. 88. 92. 138. 253. 318. 

— Maria Paulowna, Grossherzogin 
von 141. 287. 311. 

~ Sophie, Grossherzogin von 87. 
163. 246. 259. 



332 



Goethe-Register. 



Weisse, — Briet" an Blankenburg 

von 122. 
Wenzel, 262. 
Werner, R. M. 266 fg. 
Werner, R. M. 255. 259. 
Werner, Z. 142. 280. 
Werther, Gräfin 169. 
Werthern, von 107. 
Werthes, F. A. C. 195 fg. 
Wesselhöft, 139. 
Weygand, 121. 
Wichmann, H. 284. 
Wichmann, L. 284. 
Widmann, 296. 
Wieland, C. M. 25. 85. 119 fg. 152. 

140. 191 fg. i96fg. 258. 252tf. 289. 

314. 317. — J. H. Landolt über 

128 ff. — Seine Kinder 130 fg. 
Wieselgräd, Dr. 145. 
Wilbra'ndt, Adolf 258. 
Wildenbruch, E. v. 301. 
Willamovitz-Möllendorf, 307. 
Willenier, u. 124. — Seine erste 

Frau II. 
Willemer, Marianne von 212. 219. 

— Brief an Fr. Frommann 144 fg., 
Winckelmann, 58. 259. 271 fg. 
Winter, Fr. 297. 506. 
Witkowski, Georg 195. 288. 
Wittmann, H. 317. 
Witzleben, H. G. v. — Brief von 

Goethe an 283. (r.) 



Wolf, Ernst Wilhelm 26. 30. 
Wolf, Friedrich August 133. 271. 

277. 
Wolft, Amalie 153. 
IVolff, Engen 141 fg. 
Woiff, Eugen 117. 313. 
Wolff, Henry W'. 510. 
WolfT, Pius "^Alexander 153. 500. 
Wolfter, Prof. 78. 
Wolzogen, General v, 107 fg. 113. 
Wolzogen, Wilhelm von 282. 298. 
Wrede, Frl. v. 119 fg. 
Wrede, Fürst 120. 
Wrede, v. Oberamtmann 120. 
Württemberg, Friedrich II., König 

von 254. 
Wüst, Kartenmacher 219. 

Zarncke, Friedrich 255. 259. 264 fg. 
267. — Nekrolog auf 248 flf. 

Zedlitz, Minister 125. 

Zehnder, 130. 

Zelter, K. F. 67. 78. 112. 137 fg. 
191. 284. 311. 314. — Brief an 
Voss 141 fg. 

Ziegler, Verleger 25. 50. 

Zimmermann,]. G. 153. — Brief der 
Frau Rath an 118 fg. — Erläute- 
rungen dazu 1 19 fg. 

Zimmermann, Tochter d. Vor. i i9tg. 

Zucchi, 289. 

Zumsteeg, 228. 



II. Register über Goethes Werke und Leben. 



I. Biographische Schriften. 

Annalen oder Tag- und Jahreshefte, 

28. 171. 175. 
Campagne in Frankreich, 232. Neue 

Ausgaben, 305. Übersetzungen, 

308. 
Dichtung und Wahrheit, 29. 69. 79. 

120. 138. 14s. 161. 181 fg. 195. 

197. 241. 244 fg- 255 fg. 504. 

Reiseskizzen aus der Schweiz, 

Hülfsmittel zu 95 ff. Weimarer 

Ausgabe, 259. 267 ff. Ueber- 

Setzungen, 308. 
Italienische Reise, 88. Übersetzung, 

308. 
Notizbuch von der schlesischen 

Reise 1790, 250. 



Reise 1797, 157 fg. 

Tagebuch, venetianisches 173. 

Tagebüclier, 8 fg. 42. 76 ff. 92 fg. 
95. 150. 155. 157 fg. 190 fg. 223. 
228. 300. 304. Weimarer Aus- 
gabe, 259. 275. Neue Ausgaben 
und Bemerkungen zu 305. 

2. Briefe an: 
Ein (r.) hinter einer Zahl bedeutet, 
dass von dem Briefe nur ein Regest 

gegeben ist. 
An ? 117 fg. 
Batsch, 278. (r.) 
Beck, Heinrich, Stammbuchblatt 

für 278. 
Brösigke, Frau v. 284 (r.) 
Eichhorn, A. H. 284 (r.) 



Goethe-Register. 



333 



GersdorfF,Minister von, Briefwechsel 

zwischen Goethe und 98-110. 

Erläuterungen dazu iioff. 
Goethe, August 118. 
Kavser, Dorothea 282 (r.) 
Kayser, PhiHpp Christoph 282 (r.) 
Kirms, 283 (r.) 
Kolbe, 282. 
Lorsbach, 28 3 (r.) 
Müller, Kanzler von 191. 
Minchen, 283 (r.) 
Reinhardt, 287 (r.) 
Rodowe, Stammbuchblatt für 285. 
Salm, Graf zu 285 (r.) 
Schulthess, Barbara (Bäbe) 19 fg. 

Erläuterungen dazu 29. 
Türckheim, Elisabeth vonrLili)52 fg. 

34 t'g. Erläuterungen dazu 35 ff. 
L nzelmann - Bethmann, Friederike 

von 283 (r.) 
Witzleben, H. G. v. 283 (r.) 

Weimarer Ausgabe, 259. 275 ff. 

3. Briefe an Goethe von: 

Arnold, J. G. D. 80-84. Erläute- 
rungen dazu 84 ft. 

Gersdorff, Minister von, Brief- 
wechsel zwischen Goethe und 
mit politischen Berichten von 
Gersdorff 98-1 10. Erläuterungen 
dazu III ff. 

Gessner, Georg 24 fg. 

Knlb, Charlotte von 41-71. Erläute- 
rungen dazu 72 ff. 

Kayser. Philipp Christoph 25 ff. 
Erläuterungen dazu 30. 

Loder, 168 fg. 

Schulthess, Barbara (Bäbe), Sieb- 
zehn Briefe 10-24. Erläuterungen 
dazu 27 ff. 

Türckheim, Elisabeth v. (Lili), Zwei 
Briefe und Goethes Antworten 
30-3). Erläuterungen dazu 35 ff 

4. Dramen. 
Bürgergeneral, der 13. 28. 
Claudine von Villa Bella, 267. 291. 

Weimarer Ausgabe, 266. 
Clavigo, 291. 299. 313. 315. Wei- 



26> 



üeber- 



marer Ausgabe, 
Setzung, 308. 

Egmont, 5 5 ff. 76. 183. 194. 289. 
292. 312 fg. Uebersetzung, 308. 

Elpenor, 250. 292. Weimarer Aus- 
gabe, 264 fg. 



Epimenides, des, Erwachen, 184.2 39. 

Erwin und Elmire. Weimarer Aus- 
gabe, 266 fg. Uebersetzungen aus 
308 fg. 

Faust, 226. 244 tg. 249. 2)1. 255 fg. 
276. 288 ff. 299. 313. 315 ff. 319. 
- IL Theil, 145. 268. Das Hohe 
Lied und 181-198. Meine Ruh 
ist hin, 185 ff. 192. 194 ff. Zu 223. 
Neue Ausgabe und Abhand- 
lungen über 292 ff. 307. Ueber- 
setzungen, 307. 308. 

Geschwister, die 289. Weimarer 
Ausgabe, 263. 

Götz von Berlichingen, 120. 132 t'g. 
290. 314. — Neue Ausgaben und 
Abhandlungen über 297. 

Jery und Bätely, 298. 

Iphigenie auf Tauris, 16. 37 fg. 84. 
153. 2)2. 284. 290. 312. Neue 
Ausgaben und Abhandlungen 
über297fg. Uebersetzungen, 307. 

Laune des Verliebten. Weimarer 
Ausgabe,^ 262. 

Mahomed, '6g. 253. 287. Weimarer 
Ausgabe, 264. 

Mitschuldigen, die. Weimarer Aus- 
gabe, 262. 

Natürliche Tochter, die, 66. 78. 
279. 286. 289. 298. 

Pandora, 197. 

Pater Brey, 294. 

Prometheus, Fragment, 69. Wei- 
marer Ausgabe, 264 ig. 

Prometheus, der befreite 289. 

Puppenspiel, neueröffnetes mora- 
lisch-politisches 121. 

Romeo und Julie (Bearbeitung) 
Weimarer Ausgabe, 263 fg. 

Satyros, 294. 298. 

Scherz, List und Rache, 155. 

Stella, 119 fg. 29S. Weimarer Aus- 
gabe, 265 ig. 

Tancred, 184. 253. 287. Weimarer 
Ausgabe, 264. 

Tasso, 43. 133. 153. 252. 289. 304. 
313. 319. Erläuterungen und Ab- 
handlungen über 299. 

Triumph der Empfindsamkeit, 299. 

Wette, die. Weimarer Ausgabe, 
263 fg- 

Bruchstück einer Tragödie, 264. 
Fragment zuEinbiedels))dieMohrin«, 
267. 



334 



Goethe-Register. 



Weimarer Ausgabe, 259. 262 ft". 
Neue Ausgaben, 291 ff. 

5. Episches. 

Hermann und Dorothea, 19 ff. 23 fg. 
29 fg. 77. 289. — Vergleich mit 
Arnolds Pfingstmontag, 86. Neue 
Ausgaben und Abhandlungen, 
304%. Übersetzungen in fremde 
Sprachen, 308. 

Reinecke Fuchs, 14. 28. 46. 74. 



Teil, Plan 159. 

6. Erzählendes. 

Unterhaltungen deutscher Ausge- 
wanderten, 306. Märchen, 55 fg. 
76. 506. 

Wahlverwandtschaften, 137. 142 fg. 
306. 315. 

Werthers Leiden, 16. 121 lg. 183. 
193. 256. 265. 278. 289. 306. 314. 

Wilhelm Meister, 16 fg. 20. 52 fg. 
224. 252. 255 fg. 289. 306. 315. 
Lehrjahre, 65. 77. 154. 162. 
Wanderjahre, 1 36fg. i49ff. 161 fg. 
290. Die pilgernde Thörin, 142 fg. 
Übersetzung, 307. 

7. Gedichte. 

Abschied, der, Übersetzung 309. 
Achneige,duSchmerzensreiche,3i6. 
Als an der Elb' ich die Waffen ihm 

segnete, 302. 
Als ich ein junger Geselle, (von 

Förster) 302. 
An Bettina, Da ich dir alle Wünsche 

etc., (von Goethe?) 279. 
An den Geist des Johannes Secun- 

dus s. LiebesbedQrfniss. 
An die Entfernte, Übersetzung 309. 
An Sie, 311. 
Auf dem See, 298. 
Braut, die von Corinth,Übersetzung 

309. 
Campes Laokoon, 303. 
Carlsbader Gedichte, 136. 
Carlsbader Sprudel, Wasserstrahlen 

reichsten Schwalles etc., (von 

Goethe ?) 279 fg. 
Chinesisch-Deutsche Jahres- und 

Tageszeiten, 260. 
Deutscher Parnass, Sängerwürde, 

Dithyrambe, Wächter auf dem 

Parnass, 223 ff. (Erklärung.) 



Eckart, der getreue. Prätorius als 

mittelbare Q.uelle 226 fg. 
Egloffstein, Caroline und Julie von, 

Handschriften der Gedichte an 

285 fg. 
Eilfer, Ghasel aut den, 289. 
Elegieen, römische. Anlehnung an 

Johannes Secundus 206 fi. 
Epiorammatisch, 303. (Keins von 

ahen.) 
Epigramme, venetianische, 224. 
Episteln, 227. 
Euphrosyne, 83. 
Ewige Jude, 303. 
Friedrich der Grosse, Verse auf, 

227 (Zum ersten Male gedruckt.) 
Gefunden, 241. 

Geheimnisse, die, 67. 316. 
Gesang der Geister über den 

W^assern, 210. 
Gott, der und die Bajadere, 226. 
Grenzen der Menschheit, 210. 
Hans Sachsens poetische Sendung, 

303. 
Harinerlieder, 312. 
Heidenröslein, 302 fg. Besprechung 

in der Ges. f. deutsch Litt., 254 fg. 
Herbstgefühl, 303. 
Hermann und Dorothea, zur Elegie, 

228 fg. 

Hohe Lied, (Übersetzung) 182 ff. 

1 94 fg. 
Im Vorübergehen, 241 fg. 
Inschriften, Denk- und Sendeblätter, 

261. 
Invectiven, 261. 
Junggesell, der, und der Mühlbach, 

zur Chronologie, 228. 
König in Thule, 184. 
Liebesbedürfniss, 200. 205 fg. 
Mädchens Held, Anlehnung an das 

Hohe Lied, 188 ff. 196 fg. 
Mailied, Übersetzung des 308 fg. 
Maskenzug, (1818) 139 fg. 
Meine Ruh ist hin, 185 ff. 192. 

194 ff. Übersetzung 308. 
MiteinembuntgesticktenKissen,3 1 1. 
Morgenklagen, 209 fg. 
O Du, die in dem Heiligthum,(von 

Goethe?) 303. 
Parabeln,Fünfzehn Salomons,König 

von Lsrael und Juda etc., 182. 
Peucer, Herrn Regierungsraih, 261. 
Pfingsten 1814, 303. 
Pilgers Morgenlied, Übersetzung, 

309. 



Goethe-Register, 



'> -» r 



Prolog, 1807, n.4. 

Rastlose Liebe, Übersetzung, 308. 

Schweizeralpe, i59tg. 

So ist der Held s. Mädchens Held. 

Tagebuch, das 305. 

Uri den i. Oktober s. Schvveizer- 

alpe. 
Wandrers Nachtlied, 155. (Der du 

etc.) 207. (Über allen Gipfeln etc.) 
Wasserbildung, 505. 
Wehmut, Übersetzung, 508. 
Westöstlicher Divan, 244. Noten 

und Abhandlungen zum 181. 

192. 197. Übersetzungen aus 

dem 308 ig. 
Willkommen und Abschied, 305. 

Uebersetzung 309. 
Wonne der Wehmut, ueber- 
setzung, 308. 
Xenien, 224. (Alles hat sich etc.), 

261. 316. 
Zahme Xenien, 261. 
Zum Bildchen von Ulrichs Garten, 

In ein Stammbuch, 303. 



Neue Ausgaben und Abhandlungen, 

301 ff. 
Weimarer Ausgabe, 259 ff. 

8. Kunst. 

Cellini, Benvenuto, Weimarer Aus- 
gabe, 269 if. 

Hackert, Weimarer Ausgabe, 259. 
271 fg. 

Kunst und Alterthuni, 86. 92. 199. 

Rameaus Neffe, 307. 

Winckelmann, 271. Weimarer Aus- 
gabe, 259. 271 fg. 

Zwei antike weibliche Figuren, 93. 

9. Naturwissenschaftliches. 

de Candolle, Uebersetzung aus, 
Weimarer Ausgabe, 274. 

Farbenlehre, zur, 133 ff. Weimarer 
Ausgabe, 272 fg. 

Hefte, naturwissenschaftliche,285fg. 

Metamorphose der Pflanzen, 139. 
Weimarer Ausgabe 273. 

Mineralogie, zur. Weimarer Aus- 
gabe, 272. 

Morphologie, Vorarbeiten zur. Wei- 
marer Ausgabe, 274. 

Morphologie, zur, 171. Weimarer 
Ausgabe, 259. 272 fg. 

Optik, Beiträge zur, 46. 



Osteologie und Anatomie, Arbeiten 
zur, Weimarer Ausgabe, 272. 

Vergleichungslehre, Versuch einer 
allgemeinen. Weimarer Ausgabe, 
274. 

Versuch, die Elemente der Farben- 
lehre zu entdecken, 74. 

Weinbau, über den. Weimarer 
Ausgabe, 274. 

Zwischenknochen, über den, 165 ff. 

Manuscript vom Typus, (unge- 
druckt) 180. 

Versuch über dieGestalt der Thiere, 
(Bruchstück 1790 ungedruckt) 

175 ff- 
Entwurf einer Einleitung in die 

vergl. Anatomie, (1795) 175. 
Vorträge darüber, (ungedr.) 176. 

Weimarer Ausgabe, 272. 

10. Sonstige prosaische 
Schriften. 

Anna Amalia, Herzogin zu Sachsen- 
Weimar und Eisenach, zum 
feierlichen Andenken, 133. 

Aristeia, der Mutter, 158. 268, 

Brief des Pastors zu *** an den 
Pastor zu ***, 181. 

Leipziger Theater, 305. 

Müllers Rede: de la gloire de 
Frederic. Übersetzung von, 133. 

Briefmappe aus Goethes, Anhang 
zu H. L. Wagner, 229 ff. 

Polen, Vorschlag zur Einführung 
der deutschen Sprache in, 3-8. 

Recension der Uebersetzung des 
hohen Liedes von Friedrich 
ümbreit 197 fg. 

Sprüche in Prosa 205. 244 fg. 

Zwo wichtige biblische Fragen, 181. 

Tiefurter Journal, 154. 
Wandsbecker Boten, Goethes 
Arbeiten im, 306. 

II. Biographische Einzel- 
heiten, Lebensbeziehungen, 

Verhältnisse, zu : 
Batacchi, Domenico, Goethe und, 

Baj'ern, Ludwig L, König v., 316. 

Beethoven, 312. 

Bodmer über Goethe, 312. 



336 



Goethe-Register. 



Brinckmann über Goethe, 145 fg. 

Coburg, Erbprinzessin Auguste 
über Goethe, 122. 

Cogswell, Josef Green 315. 

Deinet über Goetlie, 120 fg. 

Frankfurter Bürger -Verbände, 
Goethes Ausscheiden aus dem, 
211-220. 

Gespräche, 287. 

Goethe, Katharina Ehsabeth (Frau 
Rath) über Goethe, 119. Erläute- 
rungen dazu, 120. 

Grillparzer, 313. 

Hagn, Charlotte v. 314. 

Herzlieb, Minna 314. 

Italien, Goethe und, 310. 

Kayser, Ph. Chr. 28. 

Klinger über Goethe, 144. Goethes 
Verhältniss zu, 281. 

Kolbe, 281. 

Kurland, Herzogin von, 280. 

Landolt, J. H. über Goethe, 131. 

Leipzig, Goethe in, 310. 

Lenz, 516. 

Mendelssohn - Barthold}-, Fcli.\ 

Merck, Joh. Heinr. 317. 

Metternich, Goethe und, 238 fg. 

Meusel über Goethe, 121 fg. 

Napoleon und Goethe, 2 5 2 ff. 3 1 7 fg. 

Oehlenschläger, 318. 

Rauch über Goethe, 318. 

Recke, Elisa v. d. über Goethe,i43 fg. 

Reinbeck über Goethe, 142 fg. 

Riemer über Goethe, 131 ff. 142. 

Salm, Graf zu, 281. 

Schlegel, Aug. Wilh. und Friedrich 

. 319- 

Schönkopf, Kathchen 319. 

Schröder, Fr. W. L. 319. 

Schubarth, 319. 

Schubert, 319. 

Schulthess, Barbara (Bäbe) Goethe 
und, 149-162. 

Schweiz, Goethe in der, 310. 

Secundus,Joh. Goethe und, 199-210. 

Stackeiberg, O.M.,Freih., bei Goethe 
87-93. 

Strassburg, Goethe in, 310. 

Tod und Bestattung, 311. 

Trolle-Wachtmeister, H. G., Begeg- 
nung mit Goethe, 237 fg. 

Unzelmann - Bethmann, Friederike 
280. 



Vogesen, 310. 

Weimars Gesellschaft und das 

Chaos, 3 10 fg. 
Weisse über Goethe, 122. 
Willemer, Marianne v. über Goethe, 

144%. 
Zeitgenossen, Mittheilungen von, 

über Goethe, 1 17-146. 
Zelter über Goethe, 141 fg. 
Zürichersee, Goethe und der, 310. 

Verschiedenes. 

Anatom, Goethe als, 163-180. 

Archiv in Weimar, Mittheilungen 
aus dem, 5-93. 

Ausgabe letzter Hand, 261. 266. 
269. 285. 304. 

Bildnisse Goethes, von Julie von 
EglofTstein, 286. 

Biographie Goethes, Preisaus- 
schreiben für eine, 257 fg. 

Biographische Schriften über, 309 ff. 

Cambridge, Studium Goethes in 
den Colleges undExamina, 25 5 fg. 

Chaos, 3 10 fg. 

Darwins, Goethi einVorgänger, 313. 

Grimm, Jakob, zur Kenntniss, 313. 

Handzeichnungen Goethes im Kup- 
ferstichkabinet in Berlin, 231 ff. 

Habsburg, d. Haus, und Oesterreich, 
Goethe über, 314. 

Hempelsche Ausgabe, 244 fg. 

Innere Form, von Goethe her- 
rührender Ausdruck, 229 ff. 

Kammerbühl, Goethedenkmal auf 
dem, 289. 

Ludwig, Otto, Komponist Goethe- 
scher Gedichte, 316. 

Nachträge und Berichtigungen, 
241 fg. 

National-Museum, Mitteilungen aus 
dem, 94-97. 

Neue Ausgaben, 288 ff. 

Sepiazeichnungen, 286. 

Stammbaum, zu Goethes, 241. 

Theaterleiter, Goethe als, 280. 299 ff. 

Übersetzungen Goethescher Werke 
in fremde Sprachen, 307 ff. 

Vorgängern, Freunden und Nach- 
folgern, Goethes Verhältniss zu, 
312 ff. 

Weimarer Ausgabe, 165 fg. 166. 
Bericht, 259 ff. 



Siebenter Jahresbericht 



Dhr 



Goethe-Gesellschaft. 



GütTHE-jAHRI)l.CH XIIl. 




Ijie satzungsgemiisse VII. General -Versammlung der 
Goethe -Gesellschaft wurde am 8. Mai 1891 im 
grossen Saale der »Erholung« zu Weimar durch 
den ersten \'icepräsidenten, Excellen^ von Loeper, eröffnet, 
da leider der \'orsitzende der Gesellschaft, ExceUen:^^ 
Dr. von Sinison, durch seine Gesundheit verhindert war, 
an der \'ersamm]ung Theil zu nehmen. 

I. I. K. K. H. H. der Grossherzog und die Frau Gross- 
herzogin, der Erbgrossherzog und die Frau Erbgrossherzogin, 
Prinzessin Hermann und Prinzessin Olga zu Sachsen- 
Weimar beehrten die Versammlung mit ihrer Gegenwart, 
zu der sich eine ungewöhnliche Anzahl von Gästen aus 
allen Thcüen Deutschlands eingefunden hatten. 

Nachdem der Vorsitzende des Geschäftsführenden 
Ausschusses, Dr. Ruland, eine kurze Uebersicht über den 
schon gedruckt vorliegenden Jahresbericht gegeben, die 
keine weitere Besprechung veranlasste, bestieg Herr Professor 
Dr. Veit Valentin aus Frankfurt a. M. die Rednerbühne, 
um den von ihm gütigst übernommenen Festvortrag über 
Goethes »Klassische Walpurgisnacht« zu halten. Reicher 
anhaltender Beifall lohnte den Redner, zumal auch an 
den Stellen, die auf Goethes erfolgreiche Bühnenthätigkeit 
und das Weimarische Theater Bezug nehmen konnten. 
Stand doch diese ganze VII. General -Versammlung unter 
dem Zeichen des hundertjährigen Jubiläums des Weimarischen 
Hoftheaters, welches in denselben Tagen geleiert wurde, 
so dass überall die Beziehungen Goethes zum Theater in 
den. Vordergrund traten; darum erregte auch die von 
Heim Professor Dr. Supban der Versammlung gemachte 

22* 



—^ 4 44 — 

Mitiheilung über einen Fund von wichtigem Aktenmaterial 
zur, Geschichte von Goethes Theaterleitung und die An- 
kündigung, dass der Vorstand Tags zuvor beschlossen 
habe, dasselbe in der W. Schrift der Gesellschaft zu- 
gänglich zu machen, allseitige freudige Zustimmung 

Nach einer Pause wurde zunächst auf Antrag Herrn 
Professor Dr. Geigers der bisherige Vorstand durch Zuruf 
für die Periode 1892 — 94 wiedergewählt, und erklärte der 
Vorsitzende die dankende Annahme. 

Die Berichte über Goethe-Archiv und Bibliothek und 
Goethe-National-Museum wurden von den Vorständen 
dieser Anstalten erstattet, und von der Versammlung 
freundlich entgegengenommen. 

Die von dem Schatzmeister, Herrn Commerzienrath 
Dr. Morit;, abgelegte Jahresrechnung wies die sehr günstige 
Vermögenslage der Gesellschaft, die Aufwendungen auf 
Goethe-Jahrbuch und Schrift etc. genau nach, und indem 
die Versammlung Entlastung ertheilte, sprach sie zugleich 
dem Schatzmeister ihren Dank für seine erfolgreiche Mühe- 
w-altung aus. 

Eine Stunde später vereinigte sich eine sehr zahlreiche 
Tafelrunde in denselben Räumen wieder zu dem üblichen 
Festmahl, das durch zahlreiche Toaste belebt, in heiterster 
Stimmung verlief. Der in Rücksicht auf die Theaterfest- 
woche angesetzte Spielplan hatte es leider nicht ermög- 
lichen können, der Gesellschaft, wie üblich, eins der selten 
gehörten Goetheschen Stücke im Grossherzoglichen Hot- 
theater vorzuführen ; statt dessen waren die Festtheil- 
nehmer eingeladen, der ersten Aufführung von Paul Heyses 
»Schlimmen Brüdern« beizuwohnen. 

Ueber das mit dem 31. Dezember abschliessende Ge- 
schäftsjahr als solches lässt sich im allgemeinen nur Be- 
friedigendes berichten ; in ihrem Mitgliedbestande hat die 
Goethe-Gesellschaft leider bedeutende und schwer wiegende 
Verluste zu verzeichnen : in erster Linie Seine Majestät 
weiland König Karl von Württemberg, der der Gesellschaft 
von ihrem Bestehen an Seine gütige Theilnahme an ihren 
Bestrebungen in thatkräftiger Förderung erwiesen hat. 
Sodann zwei ihrer Vorstandsmitglieder, Excellcnz von 



— -^ 5 ♦>— 

Gerber, der seiner Zeit an der Gründung der Gesellschaft 
den lebhaftesten Antlieil genommen hatte, und Excellenz 
von Loeper, seit 1887, dem Tode Herrn von Loens, der 
erste Stellverteter des Vorsitzenden. Um die Gesellschaft 
hat sich Herr von Loeper durch einsichtsvolle ßetheiligung 
an allen ihren Veranstaltungen, z. B. am Goethe-Jahrbuch, 
grossen Dank erworben ; die durch seinen Tod entstandene 
Lücke hierbei wie bei der Bearbeitung der neuen grossen 
Goethe-Ausgabe wird nicht leicht auszulüUen sein. 

Li Herrn Hch. Oswalt, dem umsichtigen Verleger des 
Goethe-Jahrbuches, hat die Gesellschaft ein treues Mitglied 
verloren, auf dessen wohlwollende Unterstützung der Ge- 
schäftsführende Ausschuss bei den vielen das Jahrbuch betref- 
fenden Verhandlungen jederzeit mit Sicherheit rechnen durfte. 

Der Herr Schatzmeister berichtet: 

Am 31. Dezember 1891 bestand die Goethe-Gesell- 
schaft aus 2960 Mitgliedern ; darunter befanden sich 20 Mit- 
glieder auf Lebenszeit und 102 durch die Herren Alfred 
Nutt in London und Heinrich Preisinger in Manchester 
gemeldete englische Mitglieder. Die Mitgliederzahl der 
Goethe- Gesellschaft hat gegen das Vorjahr eine Ver- 
minderung von 28 Mitgliedern erfahren. Ist diese Ver- 
minderung auch an sich unbeträchtlich und bei einer Ge- 
sellschaft, die sich zum grossen Theil aus Angehörigen 
eines höheren Lebensalters zusammensetzt, auf den natür- 
lichen Lauf der Dinge zurückzuführen, so enthält sie doch 
eine Mahnung an unsere Mitglieder, ihr Interesse an dem 
Gedeihen der Gesellschaft dadurch zu bethätigen, dass sie 
in ihren Kreisen den Zielen derselben neue Freunde ge- 
winnen, die die entstandenen Lücken ausfüllen. 

Thatsächlich hat sich die Mitgliederzahl auf dem 
Continent um ca. 30 gehoben, während wir an englischen 
Mitgliedern nur mehr 102 (statt früher 160) verzeichnen. 
Es erklärt sich dies aus einer Umgestaltung in welche 
die English Goethe Society im vorigen Jahre nach den 
uns vorliegenden Mittheilungen eingetreten zu sein scheint. 
Wenn die Veränderungen dahin führen, dass die englischen 
Goethelreunde in ein engeres, persönliches Verhältniss 
zu unserer Gesellschaft, — wie dies zum Theil schon 



— «^ 6 ^ — 

geschehen ist — treten, so dürfen wir sie von unserem 
Standpunkte aus nur mit Freuden begrüssen. 

Am 31. Dezember 1891 verfügte die Gesellschaft 
über einen Baarbestand von M. 9088.46, während M. 3S5 38.46 
in Werthpapieren verzinslich angelegt waren. Die Werth- 
papiere sind hier zum Ankaufspreis und ohne laufende 
Zinsen berechnet. Das finanzielle Ergebniss bietet ein 
erfreuliches Bild gesunder Fortentwäckelung der Gesellschaft. 
Es ist um so erfreulicher, als es nicht auf Grund eines 
Sparsystems erzielt worden ist, sondern unter freigebigster 
Förderung aller Aufgaben, welche sich die Gesellschaft 
gestellt hat. Gleichwohl ist es gelungen, auch für die 
Zukunft vorzusorgen und ohne Beklemmungen der Möglich- 
keit zu gedenken, dass politische Stürme der Gesellschaft 
einmal ein paar magere Jahre bringen können. 

Der hohe Baarbestand am Jahresschlüsse erklärt sich 
daraus, dass die VL Schrift der Gesellschaft nicht, wie 
beabsichtigt war, im Laufe des Dezembers zur Ausgabe 
gelangen konnte, und daher die für sie bereit gehaltenen 
Mittel noch nicht zur Verwendung gekommen sind. Von 
den Gründen der Verzögerung hat der Geschäftsführende 
Ausschuss allen Mitgliedern seiner Zeit direct Kenntniss 
gegeben. 

ausserordentliche Geldspenden hat die Gesellschaft im 
abgelaufenen Jahre empfangen von weiland Sr. Majestät 
dem König Karl von Württemberg (6. Spende), dem wir 
für die wiederholte Förderung unserer Bestrebungen auch 
noch an dieser Stelle unseren ehrerbietigsten Dank aus- 
sprechen. 

Herr Bankier Albert Holz in Breslau erfreute uns auch 
in diesem Jahre mit einer besonderen Geldspende. 

Die geschäftlichen Beziehungen zu unseren Mitgliedern 
erleichterten und förderten neben den bereits genannten 
Herren Alfred Nutt in London und Heinrich Preisinger in 
Manchester die Herren 

Buchhändler Lucas Gräfe, FLmiburg, 
Buchhändler Paul Kurtz, Stuttgart, 
Hofbuchhändler Gust. Liebermann, Karlsruhe, 
Rentier Ferdinand Meyer, Berlin, 



' Buchhändler Max Niemeyer, Halle, 
Bankier Bernhard Rosenthal, Wien, 
Rütten & Loening, Literarische Anstalt, Frank- 

lurt a. M.^ 
die Schletter'sche Buchhandlung, Breslau, 
Buchhändler von Zahn & Jaensch, Dresden. 

Der geschäftliche Verkehr mit unseren Mitgliedern 
vollzieht sich ohne nennenswerthe Störung. Fände unsere 
wiederholte Bitte um sorgfältige Beachtung der folgenden 
auch hier wieder abgedruckten Bestimmungen Gehör, so 
bliche in dieser Beziehung nichts zu wünschen. 

1. Der Beitrag für das laufende Jahr, der am i. Januar 
fällig wird, ist ohne besondere Aufforderung 
spätestens bis zum i. März an den Schatzmeister 
einzusenden. 

2. Die Beiträge sind mit dem Vermerk zu hegleiten 
»Beitrag zur Goethe-Gesellschaft für das Jahr i8 . .«. 

3. Name und Wohnort sowie die genaue Adresse 
des Absenders ist deutlich anzugeben. 

4. Wohnungsveränderungen sind dem Schatzmeister 
rccht:(eiiig mitzutheilen. 

5. Jahrbücher und Schriften dürfen nur nach erfolgter 
Zahlung des Jahresbeitrags übersendet werden. — 

Der Geschäftsführende Ausschuss kann nur die vor- 
stehende Bitte des Herrn Schatzmeisters mit voller Ueber- 
zeugung zu der seinigen machen: W' ollen unsere verehrlichen 
Mitglieder sie noch etwas mehr als bisher beherzigen, so 
werden sie selbst in erster Linie von den erfreulichen 
Folgen sich überzeugen können. 

Wie bekannt hat der Geschäftsführende Ausschuss 
mit Genehmigung des Vorstandes sich schon seit mehreren 
Jahren bemüht für würdige Erhaltung der Grabstätten aus 
Goethes Zeit Vorsorge zu tragen. Nachdem die Gräber 
der beiden Christianen, Goethes Gattin und Euphrosynens 
durch Herrn Geh. Regierungsrath Dr. Kuhn ermittelt, und 
angemessen geschmückt worden waren, hat der Ausschuss 
sein Augenmerk auf das leider sehr beschädigte Denkmal 
gerichtet , welches seiner Zeit nach einer Zeichnung 



— ¥^ 8 *i — 

Heinrich Meyers Euphrosynen am Abiiange des Hörn 
war errichtet worden; es ist in würdiger Weise wieder 
hergesteUt worden. In demselben Sinne ist das Erbbe- 
gräbniss von Pius Alexander Wolff durch Vertrag von 
seinen Nachkommen erworben worden, und hat die Goethe- 
Gesellschaft die Verpflichtung von dessen Erhaltung über- 
nommen. 

An dem oben schon mehrfach erwähnten Jubiläum 
des Grossherzoglichen Hoftheaters hat sich die Goethe- 
Gesellschaft auch officiell betheiligt, indem Herrn General- 
Intendanten von Bronsart am 8. Mai eine von Vorstand 
und Ausschuss unterzeichnete Glückwunsch-Adre'sse über- 
reicht wurde. 

Die Bibliothek der Gesellschaft ist auch im letzten 
Vereinsjahr in der bisher bewährten Weise verwaltet und 
nach Massgabe der verfügbaren Mittel zweckmässig ver- 
mehrt worden. Die neuen Publikationen auf dem Gebiete 
der Goethe-Literatur wurden im weitesten Umfange be- 
rücksichtigt, bei antiquarischen Ankäufen war das Augen- 
merk besonders auf Vervollständigung des älteren Bestandes 
der Schriften über Goethe und einzelne Werke gerichtet. 

Schenkungen sind der Bibliothek in beträchtlicher 
Anzahl zugegangen. Wir nennen mit aufrichtigem Danke 
die Xamen der freundlichen Geber: 

Prof. Dr. Baechtold (Zürich), Geheime Rath Freiherr 
W, V. Biedermann (Dresden), Freiherr F. W. v. Bieder- 
mann (Leipzig), H. Böhlau (Weimar), Büchner (Crefeld), 
C. Freyer (Berhn), Dr. K. Th. Gaedertz (Berlin), Prof. 
Dr. Ludwig Geiger (Berhn), Dr. Otto Harnack (Rom), 
Prof. Dr. O. Hartwig (Halle a/S.), Dr. Heinzelmann (Erfurt), 
Th. Held (Aussig a/E.), Prof. Dr. W. T.Hewett (Ithaka,N.Y.), 
Prof. Dr. Daniel Jacoby (Berlin), Emil Jonas, L. Irmisch, 
Dr. Albert Köster (Berlin), Lese- und Redehalle deutscher 
Studenten (Prag), Excell. Wirkl. Geh. Rath Dr. Gustav 
von Loeper (Berlin), Prof. Dr. Ernst Martin (Strass- 
burg i/E.), Ferdinand Meyer (Berlin), Dr. Otto Pniower 
(Berlin), Geh. Hofrath Dr. Carl Ruland (Weimar), Prof. 
Dr. Erich Schmidt (Berlin), Prof. Dr. Carl Julius Schröer 
(Wien), Mr. H. Schütz- Wilson (London), Emil Söffe (Brunn), 



— -|h- 9 *^ — 

Prof. Dr. Bernhard Suphan (Weimar), Charles Tomlinson 
(London), Gustav Wagner (Achern). 

In übHcher Weise schHessen sich hier die Mittheilungen 
über das Goethe- und SchiUer- Archiv Ihrer Königlichen 
Hoheit der Frau Grossher~ogin an, welche die Direction 
zur Verfügung gestellt hat. 

Der bedeutendste und umfiingreichste Zuwachs, den 
das Archiv erhalten hat, besteht in den Akten des Weimar- 
schen Hoftheaters aus der Zeit der Goetheschen Leitung 
und den nächsten Jahren. Von der Auffindung derselben 
ist in der vorigen Generalversammlung Bericht erstattet 
worden (s. S. 3 und 4) und der sechste Theil der 
»Schriften« führt der Gesellschaft den geschichtlichen Er- 
trag dieser Urkunden zu. 

Seine Königliche Hoheit der Grossher-og, dem das Archiv 
die werthvoUe Bereicherung verdankt, steht auch in diesem 
Jahre unter den Spendern voran mit folgenden Zu- 
w^endungen : 

Goethe an C. F. Schnauss, Frascati i. Oct. 87. (das lange 
verloren geglaubte Original dieses köstlichen Briefes) ; 
Schiller an Kirms (Turandot betreffend); Wieland und Herder 
an die Herzogin Amalia (sechs Briefe, auf A. A's. Tagebuch 
von der italienischen Reise bezüglich); »Erinnerungsblätter« 
aus der Privatbibliothek weiland Sr. K. H. des Grossherzogs 
Carl Friedrich, darunter: Knebel, Im November 1804: 
»Neben einander stehn zwei holde Gestirn' an dem 
Himmel« (Distichon) ; — Hemsterhuis, Alexis ou de Tage 
d'or, ein Manuscript, das, wohl als ein Geschenk Goethes, 
im Besitze der Frau von Stein gewesen. 

Ferner schenkte der Grossherzog eine umfängliche 
Sammlung von Briefen neuerer Schriftsteller an Höchst- 
denselben, und zwar von Fanny Lewald und Adolf Stahr 
1848— 1883 (139 Nummern), Victor von Scheffel (23 Num- 
mern), Bettina von Arnim 1843 — 1847 (6 Nummern), 
Fürst Pückler 1845— 1869 (34 Nummern), Alfred von Reu- 
mont. Schliesslich die Briefe der Ottilie von Goethe an 
Bratranek, welche Dr. Wilhelm Schramm abschriftlich 
nebst einer Biographie Bratraneks Seiner Königlichen 
Hoheit überreicht hatte. 



— -^ 10 ■»^— 

Ihre Kihiiglicbe Hoheit die Frau Erbgross})cr:^opn spen- 
dete Carl Augusts Resolution, die Errichtung des Hof- 
theaters betreffend, die Herr Dr. Kilian Steiner (in Stutt- 
gart) Höchstderselben übergehen hatte. 

Ihre Excellenz die verwittwete Frau Staatsminister 
Stichling, Weimar: Stücke zu Herders Briefwechsel mit 
seiner Braut 1770, 1771 ; eine umfängliche Sammlung 
amtlicher Niederschriften und Arbeiten Herders ; Briete 
von Herder und Caroline Herder und Briefe an Herder. 
Es fügte sich diese Gabe, die auch einige Briefe Wielands 
und einen Brief von Claudius enthält, an jene Schenkung 
an, die Herders Enkel, der Staatsminister Stichling im 
Februar 1889 der Frau Grossherzogin dargebracht (5. Jahres- 
bericht, Jahrb. XI, 9) und in der Folge er^^eitert hat. 
Auf die Vervollständigung durch jene in seiner Hand 
verbliebenen Stücke ist er selbst noch in seinen letzten 
Lebenstagen bedacht gewesen, und mit der Uebergabe 
wurde sein Wille vollzogen. Theodor Stichling verschied 
am 23. Juni 1891; ein warmer Gönner des Archivs, ein 
einsichtsvoller Förderer seiner Bestrebungen ist in ihm 
dahingegangen. Er hat sich auch bei uns ein dauerndes 
Andenken gestiftet. 

Dankbar verzeichnen wir nun folgende meist von aus- 
wärts zugekommene Spenden : Prof. Dr. Carl von ßarde- 
leben, Jena, schenkte Stücke aus den alten Akten der 
Jenaer Anatomischen Anstalt aus den Jahren 1805 — 1821 
(»Zeugnisse von Goethes Antheil an der Errichtung und 
Verbesserung der dortigen Sammlungen«). Dr. Kilian 
Steiner, Stuttgart, schenkte ein amtliches Schreiben Herders 
(Weimar i. September 1793). Dr. Max Friedländer, BerVm: 
Fanny Mendelssohn, Composition des ihr gewidmeten 
Goetheschen Liedes »Wenn ich mir in stiller Seele«. 
Fräulein Dora Hartmann, Hannover: ein Blatt von Christo- 
phine Reinwald, geb. Schiller (Blumenstück nebst Unter- 
schrift). Oberhofmeister von Donop, Weimar: Brief von 
Christian Rauch an Zelter, Berlin 14. November 1830 
(August von Goethes Tod betreffend). CoUegienrath 
Dr. Friedrich Meyer von IValdech, Heidelberg: Alte Ab- 
schrift des Gedichts »Urw^orte, Orphisch«, aus Creuzers 



— -^ II *§' — 

Nachlass stammend. Freiherr Ludiuic^ von Gicicbcii-Rass- 
li'unii, Weimar: Brief DöUin^ers an Hmilie von Gleichen- 
Russwurm. Alexander Me\er-Cohu, ßerHn: Brief Goethes 
an den Bibliothekar GülJenapfel, 15. Juni 1818. 

Bücher und Druclce wurden der Sammlung des Archivs 
zugewandt von Dr. Friedrich Latcudorf, Schwerin, Prof. 
Dr. Hermann Schreyer, Schulpforta, Riidoif Broridjaiis, 
Leipzig, Prof. Dr. Jdoif Stern, Dresden, Dr. WaJtJjer 
VuJpius, Weimar, Fräulein Charlotte und Sophie Kraclww, 
Weimar. 

Besonders ist sodann zu erwähnen eine Schenkung 
von künstlerischem Werthe. Die Wittwe und die Schwester 
des zu Dresden verstorbenen Hofraths Carus, Frau Caroline 
Carus und Fräulein Caroline Cäcilie Carus übergaben 
Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Grossherzogin zwei 
Modelle zu Goethe-Statuen, die sich einst im Besitze des 
Vaters des Verstorbenen, des mit Goethe befreundeten 
Geh. Raths Carl Gustav Carus befunden haben. Beide 
stellen den Dichter sitzend dar^, in antiker Gewandung. 
Das ältere von Rauch hat Zarncke unter die »Goethe- 
bildnisse« S. 84, No. 3. aufgenommen; das jüngere ist 
von Ernst Rietschel für die Gesellschaft »Harmonie« in 
Dresden entworfen : Goethe mit der Lyra, den Blick in 
Begeisterung nach oben richtend. Ihre Königliche Hoheit 
hat die »im Sinn des Vaters« dargebrachte Stiftung gnädigst 
entgegengenommen und beide Kunstwerke Höchstihrem 
Goethe-Archiv zur Bewahrung überwiesen. 

Zur Erweiterung des Bestandes durch Ankauf hat die 
hohe Besitzerin in ihrer stetigen Fürsorge für das Institut 
die Mittel gewährt. Eine eben vollzogene Er Werbung wurde 
bereits in der vorjährigen Generalversammlung bekannt ge- 
geben : Otto Ludwios Nachlass, in Dresden von des Dichters 
Wittwe gehütet, dramatische Arbeiten, Shakespeare-Studien, 
mannigfache Entwürfe und Fragmente umfassend. Neuer- 
dings noch ist der Nachlass für die von Adolf Stern und Erich 
Schmidt besorgte Gesammtausgabe nutzbar gemacht, konnte 
jedoch und sollte da nicht völlig ausgenutzt werden. 
Den Niederschriften Otto Ludwigs ist zufolge meiner 
retractirenden Arbeitsweise immer ein eiyenthümlicher 



— «^f 12 «i« — 

Werth gesichert, sie bleiben eine Fundgrube für den 
Theoretiker und Dramaturgen. 

Unter den weiteren Ankäufen befinden sich die Briefe 
Goethes an Carus, Handschriften von Herder, auch drei 
Briefe desselben an Schiller, schliesslich Briefe und andere 
Handschriften aus dem Kreise der Romantiker (Novalis, 
Tieck, A. W. Schlegel, Clemens und Sophie Brentano, 
Bettina). 

Die Arbeiten des Archivs gehen auf den in den beiden 
vorigen Berichten näher bezeichneten Wegen vorwärts, 
sind also vorwiegend der im Auftrage Ihrer Königlichen 
Hoheit der Frau Grossherzogin erscheinenden Ausgabe 
von Goethes Werken zugewandt. 

In Folge des nun beendeten Setzer-Ausstandes ist bei 
mehreren noch für 1891 bestimmten Bänden der Druck 
in's Stocken gerathen. So werden zunächst jene unter- 
brochenen Bände fertiggestellt (Abth. I, 11. Abth. II, 7. 
Abth. IV, ID.). Weiter wird man darauf bedacht sein, die 
Reihe der poetischen Bände bis XIV vollständig zu machen 
mit Band XII (Singspiele), XIII (Paläophron und Neoterpe, 
Vorspiel 1807, Was wir bringen u. f.). 

Von Prosawerken sind in Aussicht genommen die 
Wahlverwandtschaften (Bd. 20), demnächst die Tag- und 
Jahreshefte (Bd. 35 fg.). 

In der zweiten Abtheilung (Naturwissenschaftliche 
Schriften), sowie in der vierten (Briefe) werden die An- 
schlussbände gefördert. 

Mehrfach ist uns die bereitwillig gewährte Beihülfe 
von Autographenbesitzern zu statten gekommen. In her- 
vorragender Weise wurde eine solche geleistet von dem 
Besitzer der Briefe Goethes an v. \'oigt, Herrn Rechts- 
anwalt Dr. Arthur Osaun 1. zu Darmstadt, der auf mehrere 
Monate sich des reichen handschriftlichen Schatzes ent- 
äussert hat, welcher jetzt erst. Dank dieser Unterstützung 
vollständig für die Ausgabe verwerthet worden ist. Der 
Vorstand der Aiiisik-Gesellschaft in Zürich verwilligte die 
dort befindliche Handschrift des Singspiels »Scherz, List 
und Rache«. Collationen einzelner Stücke wurden freund- 



h 1 3 ♦^— 

liehst gewährt oder besorgt von Frau Preusser, geb. vou 
Gntschrnidt, Herrn G. Kestner und Fräulein Lilly Wüste- 
feldt in Dresden, Rudolf Brochhaus und O. Reisland in 
Leipzig, Ministerialrath von Dursy in Strassburg i. E., 
Dr. iv7/^ Jonas in Berlin. Die Anstalten und Archivfreunde, 
die sich bei der »vierten Abtheilung« förderlich erwiesen 
haben, sind im 9. Band der Briefe namhaft gemacht. 

Wenn wir hier, nach dem Brauch, fast nur mit Namen 
und Daten kurz berichten, was im Jahreslaufe tür das 
Archiv und in seinem Bereich gethan und geschehen ist, so 
bleibt ein Name zu nennen, der mit der Anstalt aufs 
engste verknüpft ist, und ein Ereigniss, das sie aufs Tiefste 
berührt. Wir betrauern den Tod des iMannes, der des 
Archivs erster freiwilliger Beamter, ja sein Begründer 
gewesen ist. Der, wenn er hereintrat, nicht wie ein Gast, 
sondern als der geehrteste Hausgenosse begrüsst war. 
Der zu uns gehörte in jedem Betracht, Gustav v. Loeper 
war der Unsrige, und er bleibt es. In seiner Treue und 
Hingabe wird er den Genossen des Archivs stets ein 
Vorbild sein, und so lange wir am Werke sind, wnrd 
seiner gedacht werden an der Stätte, wo er sich so 
heimisch fühlte. Die Idee einer fortwirkenden Arbeits- 
gemeinschaft hat ihn selbst beseelt, und an seinem Theil 
hat er ihr noch in seinem letzten Willen Ausdruck ge- 
geben. Seine Vorarbeiten und CoUectaneen, auch seine 
Bücher, soweit sie auf Goethe, auch auf Schiller Bezug 
haben, inbesondere diejenigen, in denen sich eigenhändige 
Eintragungen befinden, sollen laut testamentarischer Be- 
stimmung dem Goethe- und Schiller-Archiv auf Grund 
einer vom Direktor desselben zu treffenden Auswahl und 
der Bibliothek der Goethe-Gesellschaft übereignet werden. 

Aus dem Goethe-National-Mnseum ist nur zu berichten, 
dass die bisher getroffenen Einrichtungen tortfahren sich 
zu bewähren; ausser dem anhaltend sehr zahlreichen Be- 
suche ist die stetig zunehmende Benutzung durch Goethe- 
Freunde und -Forscher zu erwähnen. Die Erkenntniss 
verbreitet sich eben immer mehr, dass über gar viele Seiten 
in Goethes Geistesleben und Schaffen man sich nur aus 



— ^ 14 ^ — 

dem Studium seiner so verschiedenartigen Sammlungen wie 
seiner Bibliotiiek den richtigen Einblick verschatfen kann. 
Wie die Goethe-Gesellschatt sich von allem Anfang 
an die Förderung des Goethe-Museums zur Aufgabe ge- 
macht hat, so hat sie ihm auch in dem abgelaufenen Jahre 
wieder bedeutende Vermehrungen zutühren können. Von 
der in der Königlichen National-Gallerie zu Berlin befind- 
lichen Marmorbüste Goethes von Schadow aus dem 
Jahre 18 17 wurde mit Genehmigung des Preussischen 
Cultusministers, Herrn von Gossler, ein trefliicher Gvps- 
abguss für die Sammlung des Goethe-National-Museums 
auf Kosten der Gesellschaft hergestellt. — Die zuletzt im 
Besitze des Herrn Anders in Leipzig befindliche Sammlung 
von 16 Original-Silhouetten Goetiies aus seinem Freundes- 
kreise im Schönkopfschen Hause, welche J. G. Hermann 
treu bewahrt und eigenhändig bezeichnet hatte, wairde 
durch den Vorstand angekauft und dem Goethe-Hause 
überwiesen; Herr Anders stiftete zu gleicher Zeit noch 
32 Skizzen von der Hand Goethes und Hermanns aus 
denselben Jahren 1766 — 1768, eine werthvolle Ergänzung 
dieser Reliquien aus Goethes Jugend. 

Im Dezember 1891 kam in Berlin ein von Julie von 
Egloffstem in Oel gemaltes kleines, aber ungemein er- 
freuliches Bildniss Goethes zu öffentlichem Verkaute : 
Dank der gütigen Vermittelung Herrn Alexander Meyer- 
Cohns konnte der Geschäftsführende Ausschuss das wich- 
tige Stück erwerben und es dem Goethe-National-Museum 
überweisen. 

Von den dem Goethe-Museum im Jahre 1891 zuge- 
gangenen Geschenken sind folgende mit geziemendem 
Danke zu verzeichnen: Von /. K. H. der Frau Gross- 
her ~ogin 7 Goethesche Handzeichnungen ; — von Freiherrn 
von Biedermann in Leipzig die Schlussbände der Gespräche 
Goethes; — von Herrn Emil Jonas in Berlin eine dänische 
Uebersetzung von Goethes Clavigo u. a.; — von Fräulein 
L. V. Kretschman in Berlin eine interessante Zeichnung 
Bernhard von Arnswalds, Goethes Enkel im Salon des 
Grossvaters darstellend ; — von Professor Dr. Lehfeldt in 
Berlin, Portraits von Eckhof, Koch, Wieland etc. ; — von 



— «^ 1) *^ — 

der Literarischen Anstalt in Frankfurt, Band XII des Goethe- 
Jahrbuchs; — von Advokat L, Meyet in Warschau, eine 
Abhandlung über ein in Stahl geschnittenes Siegel mit 
Goethes Bildniss. 



Wir hotfen dass unsere Mitglieder auch aus dem 
diesmaligen Jahresberichte den Eindruck einer regen 
geistigen Thätigkeit gewinnen mögen, welche nach ver- 
schiedenen Seiten sich erstreckend, sich um den Namen 
gruppirt, auf welchen unsere Gesellschaft gegründet 
worden ist. 

Weimar, ij. Februar 18^2. 

Im Auftrage des Geschaftsführenden Ausschusses: 
Dr. C. RnJand. 




-^ i6 +^— 



Mitglieder -Verzeichniss 

DER 

Goethe-Gesellschaft 

(Abgeschlossen März 1892.) 



Protektor: 

Seine Königl. Hoheit der Grossherzog Oarl Alexander 

von Sachsen -Weimar -Eisenach, 



Vorstand: 

Präsident: 

Präsident des Reichsgerichts a. D., Wirkl. Geh. Rath Dr. von 
Sinison, Excellenz, in Berlin. 



Vice-Präsident : 

Geh. Hofrath Dr. C. RitJand, Director des Grossherzog- 
lichen Museums und des Goethe -National -Museums 
in Weimar. 

Vorstands-Mitglieder : 

Staatsrath Dr. E^geling, Curator der Universität in Jena. 

Wirkl. Geh. Rath Professor Dr. Kiiiio Fischer, Excellenz, 
in Heidelberg. 

Dr. Paul Heyse in München. 

Professor Dr. Erich Schmidt in Berlin. 

Wirkl. Geh. Rath Dr. Carl von Stremayr, Präsident des 
K. K. obersten Gerichtshofes, Excellenz, in Wien. 

Professor Dr. B. Suphan, Director des Goethe- und Schiller- 
Archivs in Weimar. 

Professor Dr. Feil Faleniin in Frankfurt am Main. 



— -I* 17 +^ — 



G e s c h li f t s { ü h r ende r A ii s s c h u s s 
i n W e i m a r. 



Vorsitzender: Geh. Hotrath Dr. C. RulancL 
Stellvertreter: Geh. Hofrath P. von Bojanoiusl^y. 
Schriftführer : Geh. Regierungsrath Dr. K. Kuhn. 
Schatzmeister: Commerzienrnth Dr. jur. R. Morit:^^ 



Verlagsbuchhändler H, Böklail. 
General-Intendant Bvonsart von Schellendorf. 
Archivdirector Dr. H. Biirkhardi. 
Generallieutenant z. D. Criiger, Exe. 
Oberbibliothekar Dr. R. Köhler. 
Dr. H. Oelschläger. 
Professor Dr. B. Siiphan. 
Oberhofmarschall Graf IVedel. 



GouTHE- Jahrbuch XIII. 2? 



-^ i8 *4 — 



M i t 2: 1 i e d e r 



ir> 



Seine K. u. K. Majestät Wilhelm II., Deutscher Kaiser 

und König von Preussen. 
Ihre K. u. K. Majestät Augusta Victoria, Deutsche Kaiserin 

und Königin von Preussen. 
Ihre K. u. K. Majestät Victoria, Kaiserin und Königin 

Friedrich. 
Seine K. u. K. Apost. Majestät der Kaiser von Oester- 

reich, König von Ungarn. 
Seine Majestät der König von Schweden u. Norwegen. 
Ihre Majestät die Königin von Italien. 
Ihre Majestät die Königin Marie von Neapel. 
Ihre Majestät die Königin von Rumänien. 
Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau Grossfürstin Elisabeth 

Maurikiewna von ßussland. 
Seine Königliche Hoheit der G-rossherzog von Baden. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Grossherzogin von Baden. 
Seine Königliche Hoheit der Grossherzog von Mecklen- 
burg-Schwerin. 
Seine Königliche Hoheit der Grossherzog von Oldenburg. 
Seine Königliche Hoheit der Grossherzog von Sachsen. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Grossherzogin von Sachsen. 
Seine Königliche Hoheit der Erbgrossherzog von Sachsen. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Erbgrossherzogin von 

Sachsen. 
Seine Königliche Hoheit Prinz Alexander von Preussen. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Herzogin Carl Theodor 

in Bayern. 



— ^ 19 *^— 

Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Amelie, Herzogin 
in Bayern. 

Seine Königliche Hoheit Alexander Friedrich, Landgraf 
von Hessen. 

Ihre Königliche Hoheit die Frau Gräfin von Flandern. 

Seine Hoheit der Herzog von Sachsen-Altenburg. 

Seine Hoheit der Herzog von Sachsen-Ooburg und Gotha. 

Ihre Hoheit die Frau Herzogin von Sachsen - Coburg 
und Gotha. 

Seine Durchlaucht Fürst Reuss j. L. 

Seine Hoheit der Erbprinz von Sachsen-Meiningen. 

Seine Hoheit der Herzog Johann Albrecht von Mecklen- 
burg-Schwerin. 

Ihre Hoheit die Frau Herzogin Johann Albrecht von 
Mecklenburg-Schwerin. 

Seine Durchlaucht der Prinz Heinrich VII. Eeuss. 

Ihre Hoheit Frau Prinzessin Heinrich VII. Reuss. 

Ihre Hoheit Frau Prinzessin Moritz von Sachsen- Altenburg. 

Ihre Hoheit Prinzessin Marie von Sachsen-Meiningen. 

Seine Hoheit Prinz Hermann von Sachsen-Weimar. 

Seine Hoheit Prinz Ernst von Sachsen -Weimar. 

Seine Hoheit Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen. 

Seine Hoheit Prioz Friedrich von Sachsen-Meiningen. 

Seine DurchlauchtErbprinz Heinrich XXVII. von Reuss j.L. 

Seine Hoheit Prinz Friedrich Carl von Hessen. 

Ihre Hoheit die Frau Erbprinzessin von Schaumburg-Lippe. 

Ihre Hoheit die Frau Erbprinzessin- Wittwe von Anhalt. 

Seine Hoheit der Herzog zu Schleswig-Holstein. 






— -^ 20 ^ — 

E h r e n - M i t g 1 i c d er: 

von Gleichen- Riissivnnu, rreiherr L., Könii;!. Bayerisch er 

Kämmerer in Weimar. 
Leo Graf Heriekel von Donnersinarek, General-Adjutant und 

General-Lieutenant, Excellenz, in Weimar. 
Ulrike von Levet^oiu, Stiftsdame, auf Schloss Triblitz in 

Böhmen. 
Sanitätsrath Dr. F. Viilpins in Weimar. 



Mitglieder auf L e b e n s z e i t : 

Majestät cler Kaiser von Oesterrcich, 



Seine K. ii. K. aposlol 
Könic' von Un^ai 
Seine K. Hoheit Alexa 
Aachen - Burtscheid : 
Berlin: 
Budapest: 

Bukarest : 

Charlottenburg : 
Dorpat: 

Hamburg : 
Mitau: 

München : 
Nassau : 

Nieder-Ingelheim : 
St. Petersburg: 
Siegersleben b. Eilslb. : 
Weimar: 

Wien: 



nder Friedrich, Landgraf vo^i Hessen. 
Frau Lucy Freni:{^en, geb. Hoesch. 
vonRheinbahen,Gt\\.^Qg\Qr\mg^x-,\\\\, 
Kornfeld, Signinnd, Director der 

Ungarischen Allgem. Creditbank. 
Sturd:{a, Denieirins , Königl. rum. 

Staatsminister a, D., Excellenz. 
Frau Geh. Reg.-Rath von Siemens. 
IVoldemar Masing, Docent :\n der 

Universität. 
Dr. jur. Adolf Axel von Dehn. 
Paia von Petrovics, Serbischer Woje- 

wode. 
Dr. M. Schubarl. 

Frau Gräfin L. G. von Kiehnansegge, 
Frau Baronin vo7i Frlanger-Bernus. 
Rndolf IFolfgang Reyher. 
: Frau Kreisrichter M. Fi'ihrling. 
Frau M. von Göben. 
Seine Erlaucht Graf Gö/7^ von Schiit:^. 
Ihre Durchlaucht Frau Fürstin M. :^ii 

Hohenlohe - Schillingsfnrst , geb. 

Prinzessin Wil1gens1ei)i. 
D///7//'rt,A7V()/rt//5jReichsrath,Hcrren- 

haus-Mitglied. 
Frau Rosa von Gerold, geb. Henneberg. 



'"•^^^'Sw^ 



■'^ 21 



DEUTSCHES REICH. 



Aachen. 

Pastor, Heinrich, Rentner. 
Stadtbibliothek 

Ächera i/Baden. 
Wagner, G., Privatier. 

Ällenstein i Ostpr. 
Seidel, E'.isenbahn-Bau- u. ße- 
triebs-Inspector. 

Ältenburg 

(Sachsen-Altenburg). 

Landesbibliothek, herzogliche. 
V. Scheffler, kgl. preuss. General 
der Infanterie z. D.. Excellenz. 

Ältlandsberg b/Berlin. 
Loevvy, Dr., Amtsrichter. 

Altona. 

Callisen, Frau Dr. 

Heitmüller, Dr. phil., Ferdinand. 

Matthiessen, Dr., Gymnasial- 

Oberlehrer a. D. 
Pieck, Dr., Regierungsrath. 
Sieveking, Carl, Rechtsanwalt und 

Notar. 

Amtitz i/Lausitz (Kr. Guben). 
Heinrich, Prinz zu Carolath-Schoen- 
aich, Durchlaucht, Freier Stan- 
desherr und Majoratsherr. 

Annaberg (Erzgebirge). 
Warmann, Eduard. 

Annettenhöh b/Schleswig. 
V. Brockdorff, Frau Baronin. 

Apolda. 

Deinhardt, Frau Dr. Maria. 
Stechow, Oscar, Bürgermeister. 

Ärnswalde. 

Sarre, Dr., Amtsrichter. 

Ars a/ Mosel (Lothringen). 
Carlebach, Dr. Ed., Notar. 



Aschaflfenburg. 
Hepp, C. 

Reber, Dr. Joseph, Director. 

Augsburg. 
Bauer, Ludwig, Rechtsanwalt. 
Flesch, Gustav, Bankier. 
Herzfelder, J., Reclitsanwalt. 
Stadtbibliothek. 

Baden-Baden. 

Me_yer, Dr. Heinrich, Gymnasial- 
lehrer a. D. 

Bamberg. 

Marschalk von Ostheim, Freiherr 
Emil.. 

Barmen. 

V. Evnern, Ernst, Stadtverordneter, 
Mitglied des Abgeordneten- 
hauses. 

Frank, Amtsrichter. 

Jäger, Otto. 

Nordhaus, Hermann, Kaufmann. 

Rittershaus, Emil, Schriftsteller. 

Rudolph, A., Oberstlieutenant und 
Bezirkscommandeur. 

Stadtbibliothek. 

Bautzen. 

Kunz, Dr. Heinrich, Staatsanwalt. 

Bayreuth (Bayern). 
Gymnasialbibliothek. 
Wagner, Siegfried. 
I Würzburger, C, Rechtsanwalt. 

Beilin b/Bärwalde (Neu-Mark). 
v. Kahle, Fräulein Julie. 

Beizig. 

Friedländer, Max, Amtsrichter. 

Berka a/d. Hm. 
v. Pflugk-Harttung, Professor. 

Berlin. 

Abraham-Römer, Dr. jur. A., Jour- 
nalist. 



— 4+ 22 ■^- 



Berlin. 

Aegidi, Dr. L., Professor 



Ge- 



heimer Legationsrath. 
Althoff, Dr., Geh. Ober-Reg.-Rath, 
vortr. Rathi. Cultusministerium. 
Arendt, Dr. Otto, Mitglied des 

Abgeordnetenhauses. 
Asch, Eugen, Kaufmann. 
V. Asten, "Fräulein Julie. 
Bach, Dr. Th., Director des Falk- 

Realgymnasiums. 
Bnerwald, S. 

Bahlsen, Dr. Leopold, Gymnasial- 
lehrer. 
Bardt, Dr. C., Gymnasialdirector. 
Barschall, Fräulein Alma. 
Becker, Fräulein Hanna. 
V. Beckerath, A. 
Behrend, Adolf, Buchhändler. 
Beiger, Dr. Chr., Oberlehrer. 
Bellermann, Dr. B., Director des 
Königstädtischen Gymnasiums. 
Bereut, Fräulein Selma. 
Bernhard, Arthur, Bankier. 
Bornstein, Dr. C., Professor. 
Bibliothek, Königliche. 
Bibliothek, Städtische der Goeritz- 
Lübeck-Stiftung (O. Goeritz). 
Bibliothek des Kgl. Realgymna- 
siums. 
Bibliothek des Kgl.Wilhelms-Gym- 

nasiums. 
V. Bibow, Fräulein Marie, Privat- 
lehrerin. 
Bielschowsky, Dr., Oberlehrer. 
Biltz, Dr., Carl. 
V. Bissing, Freiherr, Friedrich 

Wilhelm. 
Blumenthal, Dr. Oskar, Director 

des Lessing-Theaters. 
Bodländer, liechtsamvalt. 
Booth, Fräulein Esther. 
Borchardt, Dr. Oskar. 
Borchardt, Frau Comm.-Rath Rud. 
Borkenhagen , Frau Corvetten- 

Capitän. 
Boretius, Fräulein Charlotte. 
V. Bothmer, Ernst, Wirkl. Legat.- 

Rath. 
Brahm, Dr. Otto, Schriftsteller. 
Brandis, Dr. K. 
Brandt, Hermann, Kaufmann. 
Brandt, Dr. phil. Ludwig. 
Braumüller, Dr., Oberlehrer. 
V. Braunschweig, Kaiserl. Ge- 
sandter 7.. D. 



Berlin. 

Breiderhoff, Frau Dr. 

Breslauer, Bernhard, Rechtsanwalt. 

Broicher, Otto, Kammergerichts- 
rath. 

Brück, Ignatz, Bankier. 

V. Brühl, Grähn Hedwig, Palast- 
dame, Excellenz. 

Buhlmann, Georg, Fabrikbesitzer. 

V. Bunsen, Dr. Georg. 

Bunsen, Fräuleiti Marianne. 

Bürgers, Max, Bankier. 

Cassirer, Fritz, cand. phil. 

Cohn, Albert, Buchhändler. 
I Cohn, Alexander Meyer, Bankier. 
j Cohn, Dr. Heinrich, Rechtsanwalt. 
I Collin, D., Verlagsbuchhändler. 
I Cornicelius, Dr. phil. Max. 

Coste, Dr. David, Lehrer am As- 
I kanischen Gymnasium. 

V. Cramm-Burgdorf, Freiherr, Her- 
zogl. Braunschweig. Gesandter. 

Curtius, Dr. Rud., Reg.-Refereadar. 

Daffis, Dr. Anton. 

Daffis, Eduard, Kammergerichts- 
Referendar. 

V. Dallwitz-tornow, Frau W., geb. 
V. Gräfe. 

Darmstädter, Dr. Ludwig, Fabrik- 
besitzer. 

Davidson, George, Chef-Redacteur 
des Berliner Börsen-Couriers. 

Delbrück, Dr., Staatsminister, Ex- 
cellenz. 

Delbrück, Frau Geh. Commerzien- 
rath Luise. 

Delbrück, Hans, Professor. 

Delbrück, Heinrich, Landrichter. 

Delbrück, Ludwig, Bankier. 

V. Donop, Dr. L., Professor. 

Doss, Fräulein Marie. 

Dümmler, Dr. E., Professor. 

Duncker, Frau Cäcilie, Schulvor- 
steherin. 

Duncker, H., Geheimer Regierungs- 
rath, Bürgermeister. 

Eberty, Dr. E., Syndikus. 

Eger, W. 

Eggers, Dr. Karl, Senator. 

Eisenmann, Dr. Carl, .\ssessor. 

Elias, Max, Rentier. 

Ellinger, Dr. Georg, Realschul- 
lehrer. 

Engel, G., Professor an der König- 
lichen Hochschule für Musik. 



-^ 23 +4 — 



Berlin. 

Ephraim, Hermann. 
Euchel, F., Justizrath. 
Ewe, E., Privatier. 

Feig, Dr. M., Sanitätsrath. 

Felber, Emü, Verlagsbuchhdndler. 

Fink, Fräulein Maria. 

Flatau, Dr., Rechtsanwalt. 

Fleischhammer, Dr., Geheimer Hof- 
justizrath. 

Fleischmann, H., Reg.-Referendar. 

Fhnsch, Alexander, Kaufmann. 

Fränkel, Dr. Max, Bibliothekar der 
Kgl. Museen. 

Fraenkel, Max, Maurermeister. 

V. Frankenberg, Rittmeister im 
Garde-Kürassierregiment. 

Franzos, Dr. K. E., Schriftsteller. 

Frenkel, H., Bankier. 

Frenzel, Frau Bertha. 

Frenzel, Dr. Karl. 

Fresenius, Dr. phil. A. 

Freund, Ernst. 

Fre}', Dr. Karl, Professor. 

V. Friedberg, Dr., Staatsminister, 
Excellenz. 

Friedeberg, Frau Bernhardine, geb. 
Oppenheim. 

Friedenthal, Frau Margaretha. 

Friedländer, Frau Adelheid. 

Friedländer, Frau Professor. 

Friedländer, Dr. phil. Max, Musik- 
schriftsteller. 

Friedmann, Dr. Alfred, Schrift- 
steller. 

Friedmann, Dr.jur. Felix, Gerichts- 
Assessor. 

Fritze, Frau Geheimrath. 

Gärtner, Heinrich, Landschafts- 
maler. 

Gaupp, Berth., Geheim.Regierungs- 
rath. 

V. Gavling, Freiherr, Rittmeister 
im Garde-Kürassierregiment. 

Geiger, Dr. Ludwig, Professor. 

Gerb, Fräulein Franziska. 

Gernsheim, Dr. Fr. W., Professor. 

Gesenius, Stadtältester, Director 
des Berliner Pfandbrief- Amtes. 

Glaser, Dr. Adolf, Redakteur. 

Gloeden, Lehrer an der Sophien- 
schule. 

V. Gneist, Dr. R., Professor, Geh. 
Oberjustizrath. 

Goerke, Franz. 



Berlin. 

V. Goldbeck, Ober-Reg.Rath. 

Goldbeck, Dr. Ernst, Gymnasial- 
lehrer. 

Goldschmidt, Professor, Geheimer 
Justizrath. 

Goldschmidt, Arthur, Schriftsteller. 

Goldschmidt, Rob., Bankier. 

Goldschmidt, Frau Tacie. 

Gottheiner, Fräulein Marie. 

Gottheiner, P., Stadt-Bauinspector. 

Gotthelf, M. 

Gradenwitz, Alfred, Bankier. 

Grandke, Geh. Ober-Finanzrath. 

Greift", Wirklicher Geheimer Rath, 
Ministerialdirector a. D., Excell. 

Grimm, Dr. Herman, Professor, 
Geheimer Regierungsrath. 

Gropius, Frau Manon. 

V. Guldencrone, Frau Baronin. 

Gurlitt, Fritz, Kunsthändler. 

Güterbock, Dr., Geheimer Sani- 
tätsrath. 

Güterbock, Dr. phil. Bruno. 

Haase, Frau Rentier Henriette. 

Hagen, Werner, G. A., stud. jur. 

Hagens, Senatspräsident am Kam- 
mergericht. 

Hartmann, Hugo, stud. phil. 

Hass, Regierungsrath. 

Hausmann, Frau Luise. 

Heckmann, Aug., Geh. Commer- 
zienrath. 

Heerwart, Dr. Adolf, Wirkl. Ge- 
heimer Rath, Excellenz. 

Heinitz, Franz, Rechtsanwalt. 

Heimann, A., Rechtsanwalt. 

Hellmuth, Frau Martha. 

Henning, Theodor, Architekt. 

Herrmann, Dr. phil. Max, Privat- 
docent an der Universität. 

Hertz, Hans, Verlagsbuchhändler. 

Hertz, Wilh., Verlagsbuchhändler. 

Hevdemann, Dr. phil. V. 

Hiller von Gaertringen, Freiherr, 
Dr. phil. Friedrich. 

Hilzheimer-Schulhotf, Fräul. E. 

Hirschberg, Paul, Kaufmann. 

Hirschfeld, Philipp. 

Hoeber, Frau Amalia. 

Hoflmann, Dr. Ed., Geh. Reg.-Rath. 

Hoffor)-, Dr. Julius, Professor an 
der Universität. 

Hofmann, Rudolf, Verlagsbuch- 
händler. 

Hopfen, Dr. Hans, Schriftsteller. 



—4*- 24 *^— 



Berlin. | 

Hörn, Frau Eleonore, Oberin der | 

Dr. Martins'schen Klinik. ! 

Horsfall, Charles. I 

Hübler, Dr. jur. Bernhard, Geh. 

Ober-Reg.-Rath, Professor. 
V. Hülsen, G., Lieutenant im Garde- 
Kürassierregiment. 

Jablonski, Berthold. 

Jacobi, Fräulein Clara. 

Jacoby, Dr., Daniel, Gymnasial- 

Oberlehrer. 
Jacoby, Frau Margaretha. 
Jaffe, Frau Dr. Helene. 
Jarie, Rechtsanwalt. 
Jagor, Dr. F. 
Jaquet, Dr. med. M., Sanitätsrath, 

pract. Arzt. 
Imelmann, Dr. J., Professor am 

Joachimsthal'schenG^'ninasium. 
Joachim, Dr. Joseph, Professor an 

der König!. Hochschule für 

Musik. 
Jonas, Dr. Fr., Städtischer Schul- 

inspector. 
Jonas, Frau Clara. 
Jordan, Dr. Max, Geheimer Ober- 

Regierungsrath. 
Josephthal, Fräulein Lili. 

Kainz, Josef, Schauspieler. 

V. Kalckreuth, Frau Gräfin B., geb. 

Meyer. 
Kalischer, Dr. S. 
Kapp, Fräulein Ida. 
Karo, Fräulein Hedwig. 
Kastan, Dr. 

V. Kaufmann, Dr., Professor. 
Kayser, Dr. Paul, Wirklicher Le- 

gationsrath und vortragender 

Rath im auswärtigen Amt. 
Kehrbach, Dr. phil. Karl. 
Kekule, Dr. Reinhard, Professor. 
Kekulc, Stephan, Lieutenant. 
Kern, Dr. Franz, Professor, Gym- 

nasial-Director. 
Kestner, Dr. phil. Ernst. 
V. Keudell, Wirkl. Geh. Rath, Exe. 
Klix, Dr., Geheimer Regierungs- 

rath, Schulrath. 
v.Knebel-Doeberitz,Geh.Reg.-Rath. 
von dem Knesebeck, Kabinetsrath. 
Koch, Karl, Rentier. 
Koegel, Dr. phil. Fritz. 
Koehne, Frau Clara. 
Koenigs, Fräulein Elise. 



Berlin. 

Koepp, Dr. Friedr. 

Kraft, Bernhard, Rechtsanwalt. 

Krauel, Dr. R., GeheimerLegations- 
rath im auswärtigen Amt. 

Krause, Dr. jur. 

Krause, Dr. jur. Paul, Rechtsanwalt. 

V. Kretschman, Fräulein Lilv. 

Krich, W., Hofrath. 

Kriegel, Fr., stud. phil. 

Kronfeld, Dr., Rechtsanv/alt. 

Kronheim, Georg. 

Kubier, Dr., Professor, Director 
des Wilhelm-Gymnasiums. 

V. Kühlewein, Regierungsrath. 

Kükelhaus, Theodor, cand. phil. 

Landau, Dr. jur. Felix, Rechts- 
anwalt. 

Lazarus, Dr. Moritz, Professor. 

V. Le Coq, A., Kaufmann. 

Leffmann, Gustav, Kauhnann. 

Lehmann, Gustav, Geh. Kirchen- 
rath. 

Lehmann, Paul, Buchhändler. 

Leo, Dr. F. A., Professor. 

Leske, Dr., Landrichter. 

Lesse, Justizrath, Rechtsanwalt und 
Notar. 

Lesser, Adolf, Reichsgerichtsrath 
a. D. 

Lesser, Paul Ph. 

Lessing, Frau Alma. geb. Marschall 
V. Biberstein. 

Lessing, Landgerichtsdirector. 

Lessing, Dr. phil. Oscar. 

Levin, Albert, Rentier. 

Levin, Dr. Mor., Prediger. 

Levy, Dr. Adolf Magnus, Arzt. 

Levy, Martin. 

Levy, Richard, Bankier. 

Levy, Richard, vereideter Wechsel- 
Makler. 

Levy, Robert, Kaufmaun. 

Levysohn, Alfred, Kaufmann. 

Levyson, Frau Dr. Auguste. 

Levyson, Frau Clara. 

Lewald , Theodor , Regierungs- 
Assessor. 

Lewinson, Dr. G. 

Lewinsohn, L., Fabrikbesitzer. 

Lichtenthai, Simon, Kaufmaun. 

Liebermann, Dr. F. 

Liepmannssolin, Leo, Buchhändler. 

Lilienhain, Frau Kreisrichter C. 

Lindau, Dr. Paul. 

Lisko, Walter, Rechtsanwalt. 



— ^ 25 ^ — 



Berlin. 

Lobe, F., Rechtsanwalt. 

Loeffler, Ludw., stud. phil. 

Loeweiistein, Dr. Otto. 

Lorentz, Dr. phil. P., Gymnasial- 
lehrer. 

Ludert, Frau Auguste, geb. Klage- 
mann. 

Manasse -Waldeck , erster Vor- 
sitzender des Literar. Vereins 
»Schiller«. 

Marck, Frau Bankier Rina, geb. 
Hermann. 

Marcus, Dr. Georg, Landgerichts- 
rr.th. 

Martius, Frau Margaretha, geb.Veit. 

Marx, Frau Maria, geb. Höber. 

Marx, S. 

Matthiae, Dr. Otto , Professor, 
Oberlehrer. 

Mauthner, Fritz, Schriftsteller. 

Meder, Albert, Kunsthändler. 

Meder, Louis, Kunsthändler. 

Mellien, Fräulein Marie. 

Mendelssohn-Bartholdy,FrauMarie. 

Meyer, Dr. jur. Alexander. 

Meyer, Ferdinand, Rentier. 

Meyer, Georg. 

Meyer, Dr. Ludwig. 

Meyer, Frau Geh.Ober-Regierungs- 
rath Marie. 

Meyer, Paul, Rechtsanwalt. 

Meyer, Dr.RichardM., Privatdocent. 

Meyer-Michaelis, Frau Elise. 

Michaelis, Dr. Carl Theodor. 

Michels, Dr. phil. Victor. 

Möbius, Dr. Karl, Professor, Direc- 
tor der zool. Abth. des Museums 
für Naturkunde. 

Möller, Dr. W., Oberlehrer am 
Königl. Stadt. Gymnasium. 

V. Moltke, Frau Landrath. 

Morris, Dr. M., prakt. Arzt. 

Morsch, Dr. Hans, Realgymnasial- 
lehrer. 

Müller, Dr. Hans, Professor. 

Müller, Paul, cand. prob. 

Müller, Wilhelm, Geh. Regierungs- 
rath im Hausministerium. 

MüUer-Grote, Carl, Verlagsbuch- 
händler. 

Munk, W., Landrichter. 

Nathan, Frau Hedwig. 
Nathan, Dr. P. 
Nehring, K., Oberlehrer. 



Berlin. 

Nelke, Frau Em.ma. 

Neubauer, Dr. Richard, Professor 

am Gymnasium zum Grauen 

Kloster. 
Neumann-Hofer, Otto, Redacteur. 
Niemann-Seebach, Frau Marie. 
Noeldechen, Frau Stadtrath Marie. 
Nothmann, Siegfried, Fabrikant. 

Ohrtmann, Dr. W.. Geheimer 

Sanitätsrath. 
Oldenberg, C. M. 
V. Oriolla, Frau Gräfin M., geb. 

V. Arnim, Excellenz. 
Osborn, Max, cand. phil. 

Paetow, Walter, Dr. phil., Schrift- 
steller. 

Paetsch, Dr. J., Sanitätsrath, Prof. 

Parey, Paul, Verlagsbuchhändler. 

Pernice. Dr. A., Professor, Geh. 
Regierungsrath. 

Peters, Dr. Carl, Afrikaforscher. 

Pfaff, Albert, Commerzienrath. 

Philipp, Fj-äulein Marie. 

Philippi, Felix, Schriftsteller. 

V. Philipsborn, Ernst, Geh. Reg.- 
Rath. 

Piaget, Frau Fanny. 

Pietsch, Ludwig, Maler. 

Pietsch, Dr. P., Professor. 

Pilger, Dr., Prov.-Schulrath. 

Plantier, Fräulein Clara. 

Plessner, Dr., prakt. Arzt. 

Pniower, Dr. phil. Otto. 

Poppenberg, Felix, stud. phil. 

Posner, Dr. med. Karl, prakt. Arzt. 

Preuss, Dr. R., Assistent an der 
Königl. Bibliothek. 

Preyer, Dr. W.. Professor, Hofrath. 

Pringsheim, Fräulein Martha. 

Pringsheim, Frau Paula. 

Radecke, Ernst, cand. phil. 
Rading, F. 

V. Radolin, Fürst, Durchlaucht. 
Ransohoff, stud. phil. 
Raschdau, Frau Geh. Leg.-Rath. 
vom Rath, Adolf 
vom Rath, Frau Anna. 
Reimann, Rud., Fabrikbesitzer. 
Reiss, Dr. Wilhelm. 
Reissert, Dr. Arnold, Privatdocent. 
Remy, Fräulein Marie, Malerin. 
Reschke, Max, Schiffskapitän a. D. 
Rhode, Fräulein Anna. 
Richter, Frau Professor. 



^ 26 -»4- 



Berlin, 

von Richthofen, Freifrau, geb. Men- 
delssohn-Bartholdy. 

Riesenfeld, Hugo, Kaufmann. 

Riesser, Frau Dr. 

Rietschel, H., Professor. 

Ring, Louis, Bankdirector. 

Robert-tornow, Walter. 

Rodenber^, Dr. Julius. 

Rödiger, Dr. Max, Professor. 

Rohde, John, Director. 

V. Rönne, Frau Land^erichtsrath. 

Roenneberg, Frau Melida, Schul- 
vorsteherin. 

Rössler, Dr. Constantin, Geheimer 
Regierungsrath. 

V. Rotenhan, Freiherr, Unterstaats- 
Secretär im Auswärtigen Amt. 

Saegert, Fniulein Anna. 

Schanze, Dr. jur. Oscar, Kais. 
Regierungsrath. 

Schaper, Fritz, Professor, Bildhauer. 

Schaum, Frau Professor Clara. 

V. Schelling, Dr., Justizminister, 
Excellenz. 

Schelske, Dr. R., Privatdocent. 

Scherer, Frau Geh. Reg.-Rath Marie. 

Schermann, Leo, vereideter Fonds- 
makler. 

Schiff, Alfred, cand. phil. 

Schiff, Dr. med. Emil, Schriftsteller. 

Schiff, Julius, Bankier. 

Schleicher, Dr. Iwan. 

Schienther, Dr. phil. Paul, Schrift- 
steller. 

Schlesinger, Albert, Kaufmann. 

Schlesinger, Frau Alice. 

Schlesinger, P., Gymnasiallehrer. 

Schlesinger-Trier, Karl, Bankier. 

V. Schlippenbach, Frau Gräfin. 

Schmidt, Dr. Erich, Professor. 

Schmidt, Frau Dr. Julian. 

Schmidt, Dr. Max C. P., ord. Lehrer 
am Askanischen Gymnasium. 

Schmidtlein, Dr. med. C., Arzt. 

Schmieden, Kgl. Baurath. 

Schneider, Dr. E. 

Schöne , Dr. , Wirkl. Geheimer 
Ober-Regierungsrath, General- 
director der Kgl. Museen. 

Schönlank, Alexis, Schauspieler. 

Schönlank, Frau Consul William. 

Schröder, Dr. Otto, Professor am 
Joachimsthalschen Gymnasium. 

Schroedet, Dr. 

Schubert, Kammergerichtsrath. 



Berlin. 

Schultzen-v. Asten, Frau Professor. 

Schulz, Dr., Geh. Ober-Regierungs- 
rath. 

Schulze, Adolf, Professor an der 
Königl. Hochschule für Musik. 

Schütte, Dr. med. Paul, Sanitätsrath. 

Schwabach, Frau Dr. 

Schwabe, Frau Mathilde. 

Schweitzer, Eugen, Kaufmann. 

Schwieger, Dr. Paul, Oberlehreram 
Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. 

Seckt, Dr. Felix, Oberlehrer am 
Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. 

Selckmann, Fräulein E. 

Sello, Dr. F., Rechtsanwalt. 

Seminar, Kgl., für Germanistische 
Philologie. 

Servaes, Dr. phiL F. 

Siemenroth, Franz, Verlagsbuch- 
händler. 

Silberstein, Dr. Max, Rechtsanwalt. 

Simon, Dr. Hermann Veit, Rechts- 
anwalt. 

Simrock, Fritz, Musikverleger. 

v. Simson, Dr., Wirkl. Geh. Rath., 
Präsid. des Reichsgerichts a. D., 
Excellenz. 

V. Simson, August, Justizrath und 
Notar. 

V. Simson, Fräulein Elisabeth. 

V. Simson, Fräulein Margarethe. 

V. Simson, Fräulein Marie Sophie. 

Sobernheim , Siegfried, Handels- 
richter. 

Sommerstorff, Otto, Mitglied des 
Deutschen Theaters. 

Spannagel-Karthaus, Frau Auguste. 

Spielhagen, Friedrich, Schriftsteller. 

Spiering, Theodor B. 

Stahr, Alwin, Consul a. D. 

Stange, Max, Lehrer an der Königl. 
Hochschule für Musik. 

Steig, Dr. Reinhold, Gymnasial- 
lehrer. 

V. Steinau-Steinrück , Frau Dr. 
Martha. 

Stein, Philipp, Redacteur. 

Steinbrück, Fräulein Margaretha, 
Lehrerin an der Margarethen- 
schule. 

Stengel, Dr. Paul, Oberlehrer am 
JoachimsthalschenGvmnasium. 

Stern, Dr. med. E. 

Stern, Dr. med. Julius. 

Sternheim, Siegmund, Bankier. 



■^ 27 +1» — 



Berlin. 

Stettenheim, Julius, Redacteur. 

Stettenheim, Ludwig, cand. phil. 

Stettiner, Frau Mathilde. 

Stobwasscr, Hans. 

StrausS; Frau Moritz. 

Strehlke,Dr. Fr., Gymnasialdirector 
a. D. 

Suse, Dr. Theodor. 

V. Sybel, Dr. Heinrich, Wirkl. Geh. 
Über-Regierungsrath, Director 
der Staatsarchive. 

Sydow, Frau Elisabeth, geb. Fuhr- 
mann. 

Szamatölski, Dr. phil. Siegfried. 

Tiktin, Paul, Referendar. 

Tobler, Dr. A., Professor. 

Toeche, Ernst, Verlagsbuchhänder. 

Toeche, Dr. Theodor, Königlicher 
Hofbuchhändler. 

Türk, Rechtsanwalt. 

V. Uhden, Dr. jur. Richard. 

Ullrich, Dr. phil. Richard. 

Universitätsbibliothek, König]. 

Vahlen, Dr., Prof. und Geh. Re- 
gierungsrath. 

Veit, Ernst, stud. med. 

Victoria-Lyceum. 

Vierling, G., Professor. 

V. Vignau, Frau Margarethe. 

V. Vignau, H., Major z. D. 

Violet, Dr. Franz. 

Vogeler, Julius, Schuldirector. 

Vogeler, Richard, Director einer 
höheren Mädchenschule. 

Voigt, Frl. Margarete. 

Waetzoldt, Dr. Stephan, Professor, 
Director der Königl. Elisabeth- 
Schule. 

Wagner, Dr. A., Professor, Geh. 
Regierungsrath. 

Wagner, Dr. B. A., Professor. 

Wahlländer, Frau Geh. Rath. 

Warschauer, Frau Geh. Commer- 
zienrath Marie, gb. Mendelssohn. 

Wattenbach, Dr. W., Professor, 
Geh. Regierungsrath. 

V. Wedel, Graf E., Kaiserl. Ober- 
Stallmeister. 

Wehrenpfennig, Frau Geheimrath, 
geb. Kopp. 

Weigert, Dr. Max, Fabrikbesitzer. 

Weinhagen, Ernst. 

Weinhold, Dr. Karl, Professor, 
Geh. Regierungsrath. 

Weisstein, Gotthilf, Schriftsteller. 



Berlin. 

Wellmann, Dr. E., Professor am 
Königstädtisclien Gymnasium. 

Wehi, Dr. Heinrich. 

Wendriner, Frau Johanna, geb. 
Vogel. 

Werner, Dr. R. 

Wesendonck, Frau Mathilde. 

Wesendonck, Otto. 

Wessely, Dr. Hermann. 

Wetze], Johannes, Gymnasiallehrer. 

V. Weyrauch, Dr., Unterstaats- 
sekretär. 

v.Wildenbruch,Dr.Ernst,Legations- 
rath. 

V. Wildenbruch, Frau Legations- 
rath, geb. v. Weber. 

Wilhelmi,Richard,Holbuchhändler. 

Wilnianns, Dr. A., Professor, Gene- 
raldirector der Kgl. Bibliothek. 

Wimmel, Frau L. 

Wohlwill, Paul, stud. jur. 

WolfF, Charles. 

Wolff, Justizrath. 

WoliT, Df., Oberst.absarzt. 

Wollmann, Siegfried, Kaufmann. 

Zabel, Dr., Redacteur. 

Zeller, Dr. Eduard, Professor, Geh. 

Regierungsrath. 
Zupitza, Dr. Julius, Professor. 

Bernburg. 

Köhler, Fr., Director der höheren 
Töchterschule. 

Bielefeld. 

Loebell'sche Bibliothek. 

Bingen. 

Feist, Leopold. 

Blankenburg a/Harz. 
Wellmer, A., Schriftsteller. 

Blankenburg (Thüringen). 
Matthaei, Kgl. Reg.-Baumeister. 

Blasewitz. 

Schmid, Dr. jur. Carl. 

Bochum i/Westf. 
Beneke, Dr., Gymnasial-Oberlehrer. 
Generotzky, F^räulein Auguste. 
Leseverein. 



--^ 28 ^— 



Boeblingen i/Württemberg. 
Bacher, Dr. jur. Albert, Amts- 
richter. 

Bogenhausen b/München. 
Weigand, Wilhelm, Schriftsteller. 

Bonn. 

Akadem. - germanistischer Verein. 

Andresen, Waldemar. 

Berger, Dr. phil. Arnold E., Privat- 

docent. 
Franck, Dr. Joh., Professor. 
Goldschmidt, Joseph, Bankier. 
Harkort, Frau Comnierzienrath P. 
Hüffer, Dr. Hermann, Professor, 

Geh. Justizrath. 
Leo, Fräulein Therese. 
Loeschke, Dr. G., Professor. 
Magnus, Gustav, Justizrath. 
Pflüger, Dr. jur. H. H., Privat^ 

docent. 
Prym, Dr. Eugen, Professor. 
Rosenmund, Dr. phil. Richard, 

Privatgelehrter. 
Schnitze, Dr. Fr., Prof., Director 

der medic. Klinik. 
Toennies, Frau Adelheid, geb. 

Gramer. 
Universitäts-Bibliothek, Königl. 
Usener, Dr. Hermann, Professor. 
Wilmans, Dr. \V., Professor. 
Zitelmann, Dr. Ernst, Professor. 

Borghorst (Westf.). 

Wutte. Johannes. 

Borsfleth bei Krempe. 
Gerber, W., Hauptpastor. 

Schloss Bothmer bei Klütz 

(Mecklenburg-Schwerin). 

V. Bothmer, Frau Gräfin Bertha. 

Brake b/Lemgo. 
Roller, Dr., Director. 

Brandenburg a/H. 
Frühling, Hermann. 
Heyne, Dr., Domherr, Director der 

Ritter-Akademie. 
Köpke, Fräulein Suse. 

Braunschweig. 

Aronheim, Dr. med. Felix. 
Bergmann, Ernst, Gymnasiallehrer. 



Braunschweig. 

Blasius, Dr. Wilhelm, Professor. 

Magnus, Dr. O., Rechtsanwalt. 

Magnus, Karl, Bankier. 

Westermann, Friedrich, Verlags- 
Buchhändler. 

Wilhelmv, R., Ober-Postkommissar 
a. D.' 

Bremen. 

Deetjen, Gustav. 

Frese, Fräulein Anna. 

Fritze, Dr. phil. Edmund, Professor. 

Fritze, Frau Johs. 

Graef, Frau Sophie. 

Hackfeld, Frau M., geb. Pflüger. 

Hartlaub, Dr. G. 

Krug, E., Director der Deutsclier. 
Bank. 

Lammers, Hermann. 

Oelze, Wilhelm, Kaufmann. 

Pauli, Dr. jur., Senator, Bürger- 
meister. 

Rassow, Gustav. 

Ruperti, Fräulein Amalie. 

Sattler, W., Professor. 

Sparkuhle, Frau Amalie. 

Stadt-Bibliothek. 

Wilkens, Dr. Friedrich H. 

Breslau. 

Akademisch-Literarischer Verein. 

Banasch, Dr. phil. Richard. 

Beyersdorf, Frau Stadtverordneten- 
vorsteher. 

Bollert , Frau Amtshauptmann 
Clara, geb. Schwanfelder. 

Breslauer Dichterschule. 

Cohn, Dr.' Ferdinand, Professor. 

V. Flottwell, Regierungspräsident. 

Franck, Fräulein A. H. 

Friederici, I'rau Stadtrath Anna. 

Friedenthal, Adolf, Kaufmann. 

Germanistisches Seminar der Uni- 
versität. 

Gesellschaft der Freunde. 

Grünwald, Samuel Ludwig. 

Hainauer,Jul.,Kais. Hof-Musikalien- 
und Buchhändler. 

Hamburger, Dr. phil. Paul. 

Hirschfeld, Fräulein Margaretha. 

Holz, Albert, Bankier. 

Jänicke, Karl, Stadtrath. 

Immerwahr, Leopold, Kaufmann. 

Kielmann, Fräulein Anna. 

Koch, Dr. Max, Professor. 



-If 29 ■^- 



Breslau. 

Ladenburg, Frau Geheimrnth, Pro- 
fessor M. 

Lucee, C, Buclihändler. 

Milch, Dr. phil. Louis. 

Molinari, Frau Commerzienrath. 

Morgenstern, E., Verlagsbuchhdlr. 

Nather, Dr. Ernst. 

Neisser, Dr. med., Professor. 

Paiischer, Dr. phil. A.,Privatdocent. 

Partsch, Dr. med. Carl, Professor. 

Pinder, Frau Caroline. 

Ponfick, Emil, Professor. Medicinal- 
rath. 

Pringsheim, Max A., Kaufmann. 

Richter, Dr.. Professor. 

V. Richthofen - Damsdorf, Frhr., 
Ober-Regierungsrath. 

Rösler, Frau Marie. 

Sagawe, Dr., Konrad, Gymnasial- 
lehrer. 

Schneider, Lothar. 

Silbergleit, Frau Seraphine. 

Sitte, Otto, Opticus. 

Sommerbrodt, Dr., Professor. 

Stadt-Bibliothek. 

Storch, A., Director. 

Treutier, Ludwig, Regisseur und 
Dramaturg. 

Trev.-endt, Ernst, Verlagsbuchhdlr. 

Universitäts-Bibliothek, Königl. 

Urbach, Fräulein Rosa. 

Vogt, Dr. F., Professor. 

Wendriner, Dr. phil. R. 

Zimpel, Frau Helene, Schul-Vor- 
steherin. 

Bretten. 

Kahn, Dr. Franz, Amtsrichter. 
Bromberg. 

Belling, Dr. phil. Eduard, Gym- 

nasial-Oberlehrer. 
Lüdicke, Max , Ober-Regierungs- 

rath. 
Mehrtens, Eisenbahnbau-Inspector. 

Büdesheim (Oberhessen). 
V. Oriolla, Frau (jrätin VV. 

Bülow b/Crivitz i/Mecklenburg. 
V. Barner, Friedrich, Gutsbesitzer. 

Burgsteinfurt (Westfalen). 
Eschmann, Dr. Gustav. 



Calw (Württemberg). 
Weizsäcker, Dr. phil. Paul, Director 
des Reallyceums. 

Cannstatt. 

Geiger, Emil, i/Fa. L. Bosheuyers 
Buchhandlung. 

Cassel. 

Drescher, Dr. phil. Karl. 

Förster, Auguste, Lehrerin. 

V. Hutten-Czapski, Graf, Rittmeister 
und Escadronschet". 

Landesbibliothek, Ständische. 

Magnus, Dr., Landrichter. 

Riess, Justizrath. 

Rinald, Victor. 

Rockwitz, Dr., Geh. Regierungs- 
und Medicinalrath. 

Rubensohn, Hermann. 

Schmitt, Dr. phil. H., Gymnasial- 
lehrer. 

Seelig, Dr. phil. Fritz, Assistent der 
Ständischen Landesbibliothek. 

Stölting, G., Consistorialrath. 

Charlottenburg. 

Bernhard, Ludwig. 

Boeckh, Dr. R., Professor, Geh. 
Regierungsrath. 

Cohn, Frau Stadtrath Dr. Anna. 

Dernburg, Dr. Heinrich, Professor, 
Geh. Justizrath. 

Grisebach, Hans, Architekt. 

V. Helmholtz, Dr. H., Prof, Wirkl. 
Geh. Rath, Excellenz. 

Hirschfeld, Dr. Otto, Professor. 

V. Holst, Mathias, Baumeister. 

Lehrerbibliothek des Kgl. Gym- 
nasiums. 

Lessmann, Otto, Herausgeber der 
Allg. Deutschen Musik-Zeitung. 

V. d. Leyen, Dr., Geh. Ober- 
Regierungsrath. 

March, Otto, Regierungsbaumeister. 

Mommsen, Dr. Theodor, Professor. 

Sachau, Dr. phil. E., Professor. 

Serlo, Walter, Königl. Bergbau- 
Referendar. 

Slaby, Dr., Professor. 

Thür, Fräulein Anna. 

Weber, Dr. jur. M., Stadtrath von 
Berlin. 

Wolff, Julius. 

Zimmermann, FrauGeneral Johanna. 



— ^ 



50 



Chemnitz. 

Bibliothek des Kg]. Gymnasiums. 
Kirchner, Dr. Carl, Oberlehrer. 
Kühn, Dr. Bernhard, Assessor. 
Morell, Georg. 
Opitz, Dr. med. W. 
Stadtbibliothek. 

Ullrich, Dr. phil. H., Oberlehrer. 
Wächter, Dr. med. R. 

Coblenz. 

Deiters, Dr. Hermann, Provinzial- 

Schulrath. 
v.Vincke, Freiherr, Oberregierungs- 

rath a. D. 
Wahl, G., Realgymnasiallehrer. 

Coburg. 

Beck, Dr. Heinrich, Professor. 
Gymnasial-Bibliothek. 
Qiiincke, Wolfg., Oberregisseur. 
v.Unruh-Wiebei,Freiherr,Kammer- 
herr Rittmeister a. D. 

Colmar i/Elsass. 
Weber, Dr. Wolf, Landgerichtsrath. 

Cöln a/Rhein. 

Bürgers-Stein, Frau Geh. Justiz- 
rath J. 

Deichmann, Theodor, Bankier. 

Düntzer, Dr. Heinrich, Professor, 
Bibliothekar. 

Hauck, Karl, stud. 

Herbertz, Otto. 

Herstatt, Arthur, Landgerichtsrath 
a. D. 

Heuser, Frau Eugenie, geb. Nico- 
lovius. 

Heuser, F. Robert. 

Heuser-Nicolovius, Robert. 

Lempertz sen., Heinrich, Rentner. 

Lewinger, Ernst, Oberregisseur. 

Meuser, Paul, Rechtsanwalt. 

V. Mevissen, Dr. G., Geh. Commer- 
zienrath. 

V. Mevissen, Fräulein Mathilde. 

V. Mevissen, Frau Therese. 

Oelbermann, Emil. 

Pabst, Dr., Director des Kunst- 
gewerbe-Museums. 

Peill, Wilh., Kaufmann. 

Pfeifer-Schnitzler, Frau Paula. 

Ratjen, Adolf, Landgerichtsdirector. 

Schneider, Frau Professor Lina. 

Schnitzler, Eduard. 

Schnitzler,FrauAmtsrichter,Robert. 



Cöln a Rhein. 

Schnitzler, Robert, Geh. Rath. 

Schnitzler, Dr. jur. Victor, Gerichts- 
Assessor. 

Schuch, Paul, Reg.-Rath. 

Stein, Frau EHse, geb. v. Mevissen. 

Wüllner, Dr. Franz, Professor, 
Kapellmeister. 

Coeslin (Pommern). 
Hochdanz, Dr., Gvmnasialobcr- 
lehrer. 

Comptendorf (Kreis Cottbus). 
v. Berndt, Alfred, Lieutenant. 

Cottbus. 

Sommerfeld, Otto, Fabrikbesitzer. 

Crefeld. 

Goecke, Rudolf, Kaufmann. 
Peltzer. Dr. jur. Rudolf. 

Culmitzsch b/Berga a/Elster. 
Hoffmann, Max, Pfarrer. 

Cüstrin. 

Lewinsohn, E., Amtsrichter. 

Danzig. 
Baum, Dr. med., Oberstabsarzt a. D., 

Chefarzt des Stadtlazareths. 
Bischoff, Gerichtsassessor. 
V. Gossler, Dr., Staatsminister a. D., 

Excellenz. 
Jüncke, Wilhelm. 
Löschins Bibliothek des Realgvm- 

nasiums zu St. Johann. 
Scheinert, Adolf, Buchhändler. 
Stadtbibliothek. 

Darmstadt. 

Bergsträsser, A.. Hofbuchhändler. 
Edward, Hugo, Hofschauspieler. 
Hotbibliothek, Grossherzogliche. 
Literarischer Verein. 
Merck, Dr. Louis. 
Merck, Wilhelm. 
Rieger, Dr. Max. 
Roquette, Dr. Otto, Professor. 
Wulkow, Director Dr. 
Wünzer, Theodor, Hoftheater-Di- 
rector. 

Dessau. 

Antoinettenschule, Herzogl. 
Friedrichs-Gymnasium, Herzogl. 
Meinen, Carl, Fabrikbesitzer. 



—^ 



^ 



Dessau. 

Murray, C, Regierungs- und Bau- 



rray, 
rath. 



Oechelhäuser, Geh. Comnierzien- 

rath. 
V. Oechelhäuser, W., General- 

Director der Deutschen Con- 

tinental-Gesellschaft. 

Detmold. 

Gymnasium Leopoldinum. 
Runnenberg, W., Rechtsanwalt. 

Diedenhofen (Elsass- Lothringen). 
Brodrück, Georg, Hauptmann und 
Compagniechef. 

Dieuze i/Els.-Lothr. 
Hoffer, Fräulein Eugenie. 

Donaueschingen. 

Bissinger, C., Director des Pro- 
gymnasiums. 

Dortmund. 

Gymnasial-Curatorium. 

Nagel, Bernhard, Amtsgerichtsrath. 

Dresden. 

Aicheln, Fräulein H. 

Amen, Frau Dr. 

V. Biedermann, Dr., Freiherr, Geh.- 
Rath. 

Boek V. Wülfingen, Frau Marie, 
geb. Scheller. 

Bondi, Dr. phil. Georg. 

V. Boxberg-Zschorna, Frau Oswine, 
geb. Keil. 

Choulant, L. Th., Kgl. Hofmaler. 

Diestel, Dr., Professor. 

Ehlermann, Dr. phil. Erich, Ver- 
lagsbuchhändler. 

V. Einsiedel, Fräulein Helene. 

V. Finck-Nöthnitz, Freiherr, Kam- 
merherr. 

Förster, Dr. med. Richard, Hofrath. 

Franck, Dr. Albert, Rentier. 

Franck, Eugen, i/Fa. Albanus'sche 
Buchdruckerei (Fürst ScFranck). 

Gaedeke, Dr. phil. Arnold, Prof. 

V. Gerbel-Embach, Dr. N. 

V. Gerber, Frau Staatsminister, 
Excellenz. 

Gmeiner-Benndorf, Frau Commer- 
zienrath Rosa. 



Dresden. 

Götze, Dr. Edmund, Professor beim 

Kadettencorps. 
Graf, Dr. phil. Hans. 
Guth, Berthold, Lehrer. 

V. Haber, Baron R., Premier- 
Lieutenant a. D. 

Hasper, Dr. Theodor, Professor. 

Hassel, Dr. Paul, Geh. Regierungs- 
rath, Director des Haupt-Staats- 
archivs. 

Heyl, Frau Anna, geb. Hübler. 

Jaensch, Emil, Buchhändler (i/Fa. 

von Zahn & Jaensch). 
Jensen, Paul, Königl. Hofopern- 
sänger. 
i Judeich, FrauMarie, geb. Brockhaus. 

Kaemmerer, Frau Luise. 

Kayser-Langerhanns, Frau Sani- 
tätsrath Agnes. 

Kestner, Georg. 

Knoop, Wilhelm, Consul. 

V. Könneritz, Fräulein Marie, Staats- 
dame 'a. D. 

Körner-Museum der Stadt Dresden. 

Krausse, Robert, Bildnissmaler. 

V. Kyaw,Curt, Landgerichtsdirector. 

Leopold, Dr., Professor, Geheimer 

Medicinalrath. 
Lesky, Wilhelm, Rechtsanwalt. 

V. Mangoldt, Fräulein Helene. 

Mannl, Johannes. 

Meinert, Dr. med. E. 

Müller, Hugo, Grossherzogl. Sachs. 

Wirkl. Geh.-Rath, Excellenz. 
Müller, Dr. Theodor, Oberlandes- 

gerichtsrath. 

Osterloh, Dr. med. Paul. 
V. Otto, Fräulein Marie. 
Overbeck, Fräulein Camilla. 

Paul, A., Königl. Sächsischer Hof- 
schauspieler. 
Posse, Dr. phil., Regierungsrath. 
Pusinelli, Dr. med., prakt. Arzt, 

Rachel, Dr. Paul, Oberlehrer 
Richelsen, Christel, Regisseur am 

Kgl. Hoftheater. 
Ritterstädt, Dr., Geh. Finanzrath. 
V. Ross, Frau Gräfin Luise. 

Scheidemantel, K., Kammersänger. 
Schmidt, Heinrich, Lehrer. 
Schnorr v. Carolsfeld, Dr. Franz, 
Professor,Kgl. Oberbibliothekar. 



■^ 32 ^- 



Dresden. 

Schramm, Otto E., Ingenieur. 
V. Schultzendorft", W., Kammerherr. 
Schwender, G. E. 
Sieferi, Rieh., Kaufmann. 
Singer, Dr. phil. Hans W. 
Sontag, Carl, Hofschauspieler. 
Stern, Dr. A., Professor. 
Stürenburg, Dr. H., Professor, 

Rector der Krcuzschule. 
V. Uechtritz, Fräulein Clara. 
Undeutsch, Max, Rechtsanwalt. 
Vogel, Dr. Theodor, Professor, 

Geh. Schulrath. 
Vollmöller, Dr. Karl, Professor. 
Vorländer, H., Rittergutsbesitzer. 
Wiesand, Dr. jur., Königl. Ober- 

Justizrath 
Woermann, Dr. Karl, Prof., Direc- 

tor der Kgl. Gemäldegallerie. 
Wolf-Baudissin,Frau Gräfin Sophie. 
Worms, Frau Amalie. 
V. Zahn, Robert, Buchhändler (i/Fa. 

V. Zahn & Jaensch). 
Zschille, Frau Therese, geb. v. Ein- 

siedel. 

Duisburg a/Rh. 

Boeninger, Otto, Fabrikant. 
Feller, W., Gymnasial-Oberlehrer. 
vom Rath, Frau Theodor. 
Vijgen, Dr. jur. Max, Referendar. 

Dulzen b/Preuss. Eylau. 

Rosenow, Frau Johanna, geb. 
Fredenhagen. 

Düren. 

Hoesch, Frau Gustav. 
Schoeller, Fräulein Helene. 

Düsseldorf. 

Böninger,Ferdinand, Fabrikbesitzer. 
Künstler -Verein «Malkasten«. 

Ebcrswalde. 

Klein, Dr. J., Gymnasialdirector. 

Eisenach. 

Hergenhahn, Theodor, Oberlandes- 

gerichtsrath. 
Hossfeld, Dr. Carl, Gymnasiallehrer. 
Kieser, Hugo, Archidiakonus. 
Koellner, Dr., Arzt. 
Michels-Schnitzler, Frau Kaufmann 

Julius. 



Eisenach. 

Musculus, Fräulein E. 

Reuter, Frau Dr. Fritz. 

Scbneidewind, Dr. E., Gvmnasial- 
Professor. 

Schwabe, Fräulein Luise, Instituts- 
vorsteherin. 

Streck, Carl, Apotheker. 

Voss, Richard, Bibliothekar der 
Wartburg. 

Weber, Dr. FL, Hofrath, Gym- 
nasialdirector. 

V. Wurmb, Frau E., geb. Gräfin 
Bothmer. 

Eisenberg (Sachsen- Altenburg). 

Frenzel, Carl, Stadtrath. 
Gvmnasial-Bibliothek. 

Elberfeld. 

Blank, Frau Alexander. 
Dieterich, Dr. phil. Albr. 
Graf, Dr., Sanitätsrath. 
von der Heydt, Freiherr A. 
Krall jun., Carl. 

Martens, Dr. Ludwig, Gymnasial- 
Oberlehrer. 
Neuhaus, Frau Otto. 
Schlieper jun., Frau Gustav. 
Simons, Walter, Commerzienrath. 
Weychardt, Conrad. 
Zurhellen, Dr. Joh., Justizrath. 

Emden. 

Bibliothek des Kgl. Wilhelmsgym- 
nasiums. 

Emmendingen. 

Feldbausch, Dr. Otto, Arzt a. d. 
Irrenanstalt. 

Erdeborn (Rittergut) b/Ober- 
voeslingen a/See. 

Marckwald, Fräulein Marie. 

Erfurt. 

Barth, M., Reg.-Rath. 
Burkhardt, Dr. med. Friedrich, 

Augenarzt. 
Gressler, Emil, Realgymnasial- 

Lehrer. 
Kutter, Frau Gustav. 
Lochner, K., Eisenbahndirector. 
Lucius, Geh. Commerzienrath. 
Pick, Dr. Albert, AVissenschaftlicher 

Lehrer. 



— §* 



:>:> 



Erfurt. 

Roerig, A., König]. Eisenbahn- 
Verkehrsinspector. 

Stürcke, Hermann, Geh. Commer- 
zienrath. 

Erlangen. 

Penzoldt, Dr. F., Professor. 
Rosenthal, Dr., Professor. 
Universitäts-Bibliothek, Königliche. 
Vogel, Dr. W., Professor. 

Eutin. 

V. Beaulieu-Marconnay, Freiherr, 
Grossherzogl. Oldenburgischer 
Ober-Jägermeister. 

Eutritzsch b/ Leipzig. 
Müller, Dr. jur. Carl Otto, Prof., 
Geh. Hofrath. 

Ferchel b/Tangerhütte. 
V. Krosigk, Major. 

Flensburg. 

Fischer, Max, Kaiserl. Telegraphen- 
Inspector. 

Flonheim (Rheinhessen). 
Knell, Dr. Karl, pr. Arzt. 

Frankenthal (Rheinpfalz). 
Baum, W., I. Kgl. Staatsanwalt. 

Frankfurt a/M. 
Stadt Frankfurt a/M. 
Abendroth, Moritz, Buchhändler. 
Auerbach, Fritz. 

Baer, Simon Leopold, Buchhändler. 

Baerwald, Dr. Hermann, Realschul- 
Director. 

de Bary, Dr. med. Joh. Jacob. 

Beil, Dr. med. W. 

Berghoeffer, Dr., Bibliothekar der 
Freihcrrl. Carl v. Rothschild- 
schen öffentlichen Bibliothek. 

V. Bethmann, Freiherr SimonMoritz. 

Bibliothek, Freiherr!. Carl v. Roth- 
schildsche öffentliche. 

Bibliothek des Freien Deutschen 
Hochstifis. 

Bibliothek der Polytechnischen Ge- 
sellschaft. 

Braunfels, Otto. 

V. Brüning, Frau Dr. Clara. 

Bürgerverein. 

GobTHÜ-jAUREUCH XIII 



Frankfurt a/M. 

Cahn-Blumenthal, Heinrich, Kauf- 
mann. 

Carl, Dr. med. August. 

Cohnstaedt, Ludwig, Redacteur. 

Detloff, Adolf, Buchhändler. 

Dondorf, Bernhard, Rentier. 

Donner- v. Richter, Otto, Historien- 
maler. 

Dotter, Fräulein Doris. 

Eckhard, Frau Dr., Ober-Landes- 

gerichtsrath-Wwe. 
Ehlers, Dr. R., Consistorialrath. 
Ellissen, August. 
Emden, Heinrich. 

Fischer, Fräulein Clara, Lehrerin 

am Philantropiii. 
Flersheini, Frau Eduard. 
Flersheim, Robert. 
Frankfurter Zeitung (Redaction). 
Friedmann, Joseph, Rentier. 
Fries, Jacob, Ingenieur u. Fabrikant. 
Fulda, Dr. Ludwig, Schriftsteller. 

Geiger , Dr. Berthold, Rechts- 
anwalt. 

Goldschmidt, Dr. jur. Hermann, 
Gerichtsassessor. 

Goldschmidt , Marcus Moritz, 
Bankier. 

V. Guaita, Frau Pauline. 

Günther, Ferdinand, Kunsthändler. 

Hahn, Louis Alfred, Bankdirector. 

Hammeran, Dr. phil. A. 

Hanau, Heinrich A. 

Herxheimer, Dr. med. S., pr. Arzt. 

Hessenberg, Fräulein Auguste. 

Hoffmann, Dr. Heinrich, Geh. Sani- 
tätsrath. 

Jacquet, Frau Margarethe. 

Jeanrenaud, Frau Dr. Johanna, Wwe. 

Jung, Dr. phil. Hllidolf, Stadt- 
archivar. 

Kahn, Bernhard, Bankier. 

Kahn, Julius. 

Keyl, G. A. 

Koch, Frau Anna Louise^ geb. 
v. St. George. 

Koenitzer, Carl Wolfgang. 

Kohn-Spever, S. 

Lentz, A., Professor. 

Lichtenstein, Leopold, Kaufmann. 

Liebmann, Dr., Landrichter. 

Lion, Jacob, Bankdirector. 

Lucius, Dr. Eugen. 

24 



-^ 34 ^ 



Frankfurt a'M. 
Maas, Dr. Max. 
Maier, Gustav, Bankier. 
V. Marx, Ritter Ernst. 
V. Marx, Ritter Heinrich. 
V. Marx, Ritter Louis, Rentier. 
May, Eduard Gustav. 
Mayerfeld, Anton, Kaufmann. 
Meister, Frau C. F. Wilhelm. 
Melber, Walter Wolfgang. 
Merton, W., Kaufmann. 
Müller, Karl, Musikdirector, Pro- 
fessor. 
V. Mumm, P. H. 

Neher, Ludwig, Architekt. 
Neumann, Dr. jur. Paul, Rechts- 
anwalt. 

Osterrieth, Eduard. 
Osterrieth-Laurin, August, 
Oswalt, Frau Wwe. Brandine, Ver- 
lagsbuchhändlerin. 
Oswalt, Dr. jur. H., Rechtsanwalt. 

Pallmann, Dr. phil. Heinrich. 

Pfeiffer, C. W. 

Philippi, Fräulein Helene. 

Rawitscher, Dr., Landgerichtsrath. 
Reinhardt, Dr. phil. Carl, Director 

des Stadt. Gymnasiums. 
Reitz & Köhler, Buchhandlung. 
Rosenmeyer, Dr. med. Ludwig. 
Rothschild, August, Bankier. 

Sachs, Dr. Otto, Rechtsanwalt. 

Sanct-Goar, Ludolph. 

Schmidt-Metzler, Dr. Moritz, Sani- 
tätsrath. 

Scholderer, Dr. Emil, Director. 

SchöUes, Frau Dr. Henriette, Sani- 
tätsraths-Wwe. 

Scholz, Dr. Bernhard, Professor. 

Schott, Siegmund. 

Schultheiss, Albrecht. 

Siebert, Dr. jur. Jacob, Justizrath. 

Singer, Fräulein M., Institutsvor- 
steherin. 

Speyer, Georg, Bankier. 
, Speyer, Dr. jur. Otto, General- 
Sekretär der Mitteid. Creditbank. 

Stern, Theodor, Bankier. 

Stiebel, Dr. med. Fritz. 

Stockhausen, Julius, Professor. 

Teblee, Adolf. 
Textor, C. W. 

Trommershausen, Dr. E., Ober- 
lehrer am Gymnasium. 



Frankfurt a'M. 

Valentin, Dr. Veit, Professor. 
Varrentrapp, Dr. A., Stadtrat!:. 
Völcker, Georg, Buchhändler. 
Vohsen, Dr. med. Carl. 
Weigert, Dr. Carl, Professor der 

Anatomie an der Sencken- 

bergischen Stiftung. 
Weiss, Dr. Guido. 
Wohl, Jacques. 

Frankfurt a/O. 
Dittmer, Geh.Ober-Regierungsrath. 
Kempner, L., Kaufmann, 
Kühn-Schuhmann, Frau Antonie. 
Nickel, M. Ph., Kaufmann. 
Scheller, Fräulein Emilie. 

Freiberg i/S. 
Heisterbergk, Ulrich, Rechtsanwalt. 

Freiburg i/Br. 
Faehndrich, H. A., Amtsrichter a. D 
Manz, Otto, cand. phil. 
Meyer, C. M. Robert. 
Paul, H., Professor. 
Rudioff, Geh. Regierungsrath. 
Rümelin, Dr., Professor. 
Schieiden, Dr. R., Minister-Resi- 
dent a. D. 
Schmitt, Dr. H., Professor. 
V. Simson, Dr. B., Professor. 
Studniczka, Frau Professor Lili. 
Universitäts-Bibliothek, Grossher- 
zogliche. 
V. Vincke, Freifrau Utta. 
Weissenfeis, Dr. phil. Richard. 

Freiburg i/Schlesien. 
Realprogymnasium. 

Freienwalde a/O. 
Q.uedefeld, Dr. G., Gymnasial- 

Oberlehrer. 
Sandvoss, Dr. Franz (Xanthippus). 

Friedberg (Hessen). 
Trapp, Carl, Fabrikbesitzer. 

Friedenau b/ Berlin. 
Bruch, Max, Kapellmeister, Pro- 
fessor. 
Raabe, Dr. phil. 

Fürth i/ Bayern. 
Besels. Heinrich, Kaufmann. 
Türkheim, Leo. 



j) 



^— 



Georgengarten b Dessau. 
V. Ditiurth, Fräulein Else, Hofdame 
I. K. H. der Landgräfin von 
Hessen. 

Gera (Reuss j. L.) 

Bibliothek des Fürst). Reuss-Pl. 
Gymnasiums. 

Ferber, Walter, Commerzienrath. 

Golle, Rügold, Kaufmann. 

V. Meysenbug, Freiherr, über- 
Hotmarschall. 

Schlotter, Dr. jur. Alfred, Rechts- 
anwalt und Notar. 

Schopper, Dr. jur. Alfred, Gerichts- 
assessor. 

Gernsbach i B. 

Kriesche, Dr. med. A. 

Giessen. 

Behaghel, Dr. Otto, Professor. 

Bock, Alfred. 

V. Bradke, P., Professor. 

Collin, J.. Gymnasiallehrer. 

Gati'ky, Dr., Professor. 

Höhlb'aum, Dr., Professor. 

Hüter, Ludwig, Gymnasiallehrer. 

Löhlein, Dr. med. Hermann, 
Professor. 

Oncken, Dr. Wilhelm, Professor. 

Schmidt, Dr. jur. Arthur, Professor. 

Siebeck, Dr. H., Professor. 

Strack, Dr. Adolf, Realgymnasial- 
lehrer. 

Strassmann, Dr. med. Paul, Assistenz- 
arzt a. d. Grossherzogl. Frauen- 
klinik. 

Universitäts-Bibliothek, Grossh. 

Bergisch-Gladbach. 

Zanders, Frau ALirie. 

M.-Gladbach. 

Quack, Wm., Commerzienrath. 

Gleiwitz. 

Freund, Dr., Sanitätsrath. 
Winkler, Siegfried. 
Zuckerkandl, Viktor. 

Glogau i'Schl. 

Cohn, Frau Rechtsanwalt Carohne. 
Kempner, Frau Bankier Ida. 
Sachs, Leopold (i'Fa. Sachs & 
Gellin). 



Glücksbrunn bei Schweina 
(Meiningen) 

Gontard, Alexander. 

Glückstadt. 

Gymnasium, Königl. 

Göppingen. 

Gutmann, Frau Fabrikant Bern- 
hard. 

Görlitz. 

Heyne, Alfred, Staatsbahn-Betriebs- 

secretair. 
Köhn, Dr. phil. Karl. 
Neumann, Fräulein Clara. 
Remer, E., Buchhändler. 
Thiel, Dr. H., Stadt- und Schul- 

rath a. D. 

Goslar. 

Hirsch, Fr., Obergerichtsrath a. D. 

Gotha. 

Bibliothek des Gymnasium Ernesti- 
num. 

Bibliothek, Herzogliche. 

Doebel, J., Bankdirector. 

V. Ebart, Freiherr P., Kammerherr, 
Intendant des Herzoglichen Hof- 
theaters. 

Ehwald, Dr. R., Professor. 

Fleischmann, Julius. 

Gilbert, Dr., Professor. 

Müller, Dr. Otto, Lehrer an der 
höheren Bürgerschule. 

Purgold, Dr. K., Director des Her- 
zoglichen Museums. 

Rohrbach, Dr. phil. Carl E. M. 
Gymnasiallehrer. 

Schwarz, Dr. med., prakt. Arzt. 

Göttingen. 

Andresen, Dr. Hugo, Privatdocent. 

Dilthey, Dr. Karl, Professor. 

Droysen, Dr. med. Felix, Privat- 
docent und prakt. Arzt. 

Ehlers, Dr., Professor. 

FrensdortT, Dr. F., Professor, Geh. 
Justizrath. 

Hentze, Dr. Kr., Professor. 

Leo, Dr. F., Professor. 

Lexis, Dr., Professor. 

V. Meier, Dr. jur. Ernst, Geh. 
Regierungsrath, Curator der 
Universität. 

24* 



-&f 36 ^— 



Göttingen. 

Meissner, Dr. G., Professor. 

Röthe, Dr., Professor. 

Sauppe, Dr. Hermann, Professor, 

Geh. Regierungsrath. 
Seminar, Königliches, für deutsche 

Philologie. 
Universitäts-Bibliothek, Königliche. 
V, Wilamowitz - Möllendorf, Frau 

Professor Dr. 
Wildhagen, Dr., Rechtsanwalt. 

Greifenstein ob 'Bonnland. 
V. Gleichen - Russwurm , Freiherr 
Alexander, Kgl. bavr. Kammer- 
i unker. 

Greifswald. 

Berndt, Frau Professor Marie. 

Bibliothek des germanistischen Se- 
minars. 

Gerstaecker, Dr. Professor. 

Maas, Dr. E., Professor. 

Pernice, Frau Geheimrath Agnes, 
geb. Bennecke. 

Reifferscheid, Dr. A., Professor. 

L'niversitäts-Bibliothek, Kgl. 

Grimma b/Leipzig. 
Schmidt, Rudolph, Rechtsanwalt 
u. Notar. 

Grossalsleben (Anhalt). 
Exter, Pastor. 

Grosskarben (Hessen). 
V. Leonhardi, Freiherr Moritz, Guts- 
besitzer. 

Gross-Lichterfelde b/ Berlin. 
d'Albert, Eugen, Hofpianist. 
Quincke, Walter, Kaufmann. 
Rudorfl", Ernst, Professor an der 

Kgl. Hochschule für Musik. 
Vatke, Dr. Theodor. 

Gross-Tabarz (Thüringen). 
V. Wogau, Fräulein F. 

Grünstadt (Bayern). 

Chally, P., Kgl. Studienlehrer. 
Steigenberger, Franz, Kgl. Studien- 
lehrcr. 

Guben. 

Dricse, Emil, Kaufmann. 



Gumbinnen (Ostpr.). 
Bibliothek des Gymnasiums. 
Hecht, Dr. phil. Max, Gymnasial- 
lehrer. 
Lewald, Dr. Otto, Regierungsrath. 

Gundelsheira b/Gunzenhausen. 
Putz, Karl, Piarrer. 

Güstrow (Mecklenburg). 
V. Monroy, Dr. jur., Übergerichts- 
präsident a. D. 

Hagelsberg b/Ragnit i/Ostpr. 
V. Sanden, Fräulein Margarethe. 

Haggn (Schloss) b/ Bogen a/ Donau. 
V. Schrenk, Freiherr Leopold, Kgl. 

bavr. Hauptmann a. D. und 

Gutsbesitzer. 

Hainholz (vor Hannover). 
Seligmann, Sigmund, Fabrikant. 

Halle a/S. 

Ackermann, Dr. Th., Professor, 
Geh. Medicinalrath. 

Anders, Friedrich, Rentner. 

Bertram, Frau Constanze, Ober- 
bürgermeisterwittwe. 

Bethke, L., Bankier. 

Brauns, Frau Professor C. W. E. 

Brode, Dr. Reinh., Privatdocent. 

Burdach, Dr. Konrad, Professor. 

Deetjen, Carl, stud. phil. 

Dittenberger, Dr. W., Professor. 

Erdmann, Dr. Benno, Professor. 

Erdmann, Dr. E., Professor. 

Erdmann, Dr. H., Privatdocent. 

Friedberg, Dr. R., Professor. 

v. Fritsch, Dr. K., Professor. 

Genzmer, Dr. A., Professor. 

Goeschen, Assessor. 

Gosche, Fräulein Agnes. 

Gräfe, Dr. A., Professor, Geh. 
Medicinalrath. 

Grenacher, Dr. H., Professor. 

Grulich, Dr. phil. O., Custos. 

Hartwig, Dr. O., Geh. Rath, Ober- 
bibliothekar. 

Haym, Dr. R., Professor. 

Heine, Frau Professor Sophie. 

Heinichen, Bernhard, Kgl. Stations- 
Assistent. 

Hcssler, Dr. H., Privatdocent. 



— ^ 



Halle a S. 

Hiller, Frau Professor Dr. E. 
Kohlschütter, Dr. E., Professor. 
Koepke, Frau Oberstlieutenant M. 
Kraus, Dr. Gregor, Professor. 
Kühn, Dr. J., Geh. Regierungsrath. 
Küssner, Dr. B., Professor. 
Lehmann, Heinrich, Bankier. 
Leser, Dr. Edmund, Privatdocent. 
V. Lippmann, Dr. Edmund, Director 

der Zuckerratfinerie. 
Lothholz, Dr., Professor, Gvm- 

nasialdirector a. D. 
Meier, Dr. phil. John. 
Mekus, Dr., Arzt. 

Nasemann, Dr., Gvmnasialdirector. 
Niemever, Frau Stadtrath. 
Niemever, Fräulein Marianne. 
Niemever. Max, Buchhändler. 
Perlbach, Dr. M., Unterbibliothekar. 
Pott, Dr. jur. R., Professor. 
Robert, Dr. Karl, Professor. 
Ross, Frau Professor Emma, geb. 

Schwetschke. 
Schlieckmann, Justizrath. 
Schulze, August, Director der 

Zuckerraffinerie. 
Schwarz, Dr. E., Professor. 
Sievers, Dr. E., Professor. 
Universitäts-Bibliothek, Königliche. 
Voigt, Rechtsanwalt, 
v. Voss, Fräulein Elisabeth. 
Wagner, Dr. Albrecht, Professor. 
Wankel, Hauptmann a. D. 
Welcker, Dr. H., Professor, Geh. 
Medicinalrath. 

Hamburg. 

Arndt, Oskar (i/Fa. Arndt &Cohn). 
Arnold, Fräulein Susanna. 
Behn, Dr. jur. Hermann. 
Behrmann, G., Hauptpastor. 
v.Berenberg-Gossler,John, Bankier. 
Berkefeld, O. 

Bertheau, Dr. theol. Carl, Pastor. 
Blume, Karl. 
Bohl, Ferdinand. 

Brackenhoeft, Dr. jur. E., Rechts- 
anwalt. 
Bülau, Dr. med. Gotthard. 
Döimer, Friedrich A.. Fabrikant. 
Eisenlohr, Dr. Carl. 
Elkan, Eduard Ferdinand. 



Hamburg. 

Ellmenreich, Frau Franziska, Schau- 
spielerin. 

Fertsch, F. (i/Fa. Fertsch &: Laeisz). 

Fraenkel, Dr. Eugen. 

Gerstenberg, Dr. phil. Heinr. 

Gloede, Dr. phil. Hermann. 

Goldschmidt, Dr. phil. Adolf. 

Goldschmidt, Alfred O., Kaufmann. 

Gräfe, Lucas, Buchhändler. 

Groothotf, H., Architekt. 

Groth, G. |. Th., Kreisgerichtsrath. 

Grüner, Dr. Th. W. 

Hahn, Emil. 

Hanne, Dr. J. R., Pastor. 

Hartmann, Dr. K., Rechtsanwalt. 

Hertz, Dr. G., Senator. 

Heylbut, Dr. phil. G. 

Hinrichsen, Siegmund, stellv. Vor- 
sitzender der Handelskammer. 

Hottenroth, Hans, General-Agent. 

Jacobi, Leopold, Bankier. 

Jatfe, Dr. K. 

Kiehn, Heinrich. 

Koehne, Ernst, Kaufmann. 

Köster, Dr. phil. Albert. 

Köster, Paul, Kaufmann. 

Kreusler, Fräulein L. 

Krogmann, Ernst, Referendar. 

Lassallv, Eduard. 

Law, Frau Charles. 

Lehmann, Frau Dr. E. 

Lehmann, Dr. jur. Siegfried. 

Levy. Dr. H. B. 

Lüddeke, Ferdinand. 

May, Anton. 

Meissner jun., Otto, Buchhändler. 

Merschberger, Dr. G., Professor. 

Mertens, Fräulein Anna. 

Metz, Adolf, Lic. theol., Professor 

am Johanneum. 
Mönckeberg, Dr. Rudolf. 
Münchmever, A. 
Oehrens, Dr. med. Wilhelm. 
Oppenheim, Emil. 
Oppenheim, Frau Marie. 
V. Oesterreich, Edmund. 
Petersen, Rudolf, Director. 
Pflüger, Dr. M. 
Piza, Dr. M. 
Rebattu, Dr. .\lb., Pastor zu St. 

Gertrud. 
Redlich, Dr. C, Director der 
höheren Bürgerschule. 



-^ 38 ^f.— 



Hamburg. 

Robinow, Hermann, Kaufmann. 
Röpe, G. H., Hauptpastor. 
Rudolph, G. A., Buchhändler. 
Sasse, Wilhelm. 
Scharlach, Dr. jur., Advokat. 
Schenk, Dr. Adolf. 
Schiff, Fräulein Jenny. 
Seligmann, Frau Clara. 
Sieveking, Dr. med. Wilhelm. 
Sohle, Dr. jur. Martin. 
Sporri, Dr. H., ev. Prediger. 
Stadtbibliothek. 
Steitz, Fräulein Marie. 
Stemann, Dr., Landgerichtsdirector. 
Strack, Dr. Arthur, Rechtsanwalt. 
Vorwerk, jun., Adolf. 
Warburg, Siegmund Rudolf. 
Weisser, Dr., Kgl.preuss.Staabsarzt. 
Wentzel, Dr. Wilh. Toh. 
Wohlwill, Dr. Adolf, Professor. 
Wolffson, Dr. A. 
Wolflfson, Dr. J. 

Hamm i/Westf. 
HanoWjOberlandesgerichts-Senats- 
Präsident. 

Hanau a/M. 
Leisler, Frau Helene. 
Osius, Rechtsanwalt und Notar, 
Justizrath. 

Hannover. 

V. Bennigsen, Rudolph, Ober- 
präsident, Excellenz. 

Graetzel v. Graetz, Dr. P. 

Juncken, Frau Johanna, geb. Maudt. 

Kayser, Dr. H., Professor. 

Kühnemann, Dr. phil. Eugen. 

Mejer, Dr., Consistorialpräsident. 

Meyer, Erich, Gynmasiallehrer. 

Reimers, Dr. phil. J., Director 
des Provinzial-Museums. 

Schaefer,H.,Gymnasial-Oberlehrer. 

Schläfer, Dr. med. Hermann. 

WolC Franz, Ingenieur. 

Wülbern, Senator. 

Harzburg a/Harz. 
Grundner, Dr. F., Forstmeister. 

Hattenheim. 
Wilhelmy, A., Gutsbesitzer. 

Heidelberg. 
Aufrecht, Dr. Theodor, Professor. 
Braune, Dr. W., Professor. 



Heidelberg. 

Buhl, Dr. H., Professor. 

Erb, Dr. Wilhelm, Professor. 

Erdmannsdörflfer, Dr. B., Professor. 

Fischer, Dr. Kuno, Professor, Wirkl. 
Geh. Rath, Excellenz. 

Fürst, Dr., Rechtsanwalt. 

Gegenbauer, Dr. Karl, Professor, 
Geh. Rath. 

Germanisch-Romanisches Seminar 
an der Universität. 

Gernandt, Dr. phil. Carl. 

Groos, Karl, Buchhändler. 

Hausrath, Dr. Adolf, Professor, 
Kirchenrath. 

v. Holle, Baron. 

V. Hörn, Generalmajor. 

Knaps, Fräulein Anna. 

Koehler, Dr. Karl, Professor, 

Meyer v. Waldeck, Dr. Fr., Pro- 
fessor, Kollegienrath. 

Mever, Dr. jur. G., Professor, 
'Hofrath. 

Meyer, Dr. V., Professor. 

v. Öechelhäuser, Dr. Ad., Professor. 

Retters, Otto, Buchhändler. 

Rohde, Dr., Professor, Geh.Hofrath. 

Rosenbusch, Dr. H., Professor, 
Geh. Hofrath. 

Scholl, Dr. F., Professor. 

Universitäts-Bibliothek, Grossher- 
zoglich Badische. 

v. Waldberg, Freiherr, Dr. Max, 
Professor an der Universität. 

Wunderlich, Dr., Privatdocent. 

Heidenheim. 

Meebold , Frau Commerzienrath 

Natalie. 
Meebold, Fräulein Ulla. 

Heilbronn. 

Harmonie-Gesellschaft. 

Heinrichau (b/Breslau). 
Eberhardt, Julius, Generaldirector. 

Heinrichsdorf b/ Wilhelmsfelde 
(Reg.-Bez. Stettin). 
Lenke, Fräulein Jenny. 

Hildesheim (Hannover). 
Schiefler, Gustav, Landgerichtsrath. 

Höchst a Main. 
Epting, Max, Chemiker. 



^ 39 



Höfensieben b'Schöninoen. 
Lüdeke, Dr. jur. Max, Gerichts- 
Assessor. 

Hohenfichte (Sachsen). 
Hauschild, Max E.,Commerzienrath. 

Hohen-Pähl, Schloss b/Wilzhofen 
(Oberbavern). 

Czermak, Ernst, Gutsbesitzer. 

Husum (Schleswig-Holstein). 

Tönnies, Dr. Ferdinand, Privat- 
docent an der Universität Kiel. 

Jena. 

V. Bardeleben, Dr. K., Professor. 
Delbrück, Dr. B., Professor. 
Devrient, Dr. Otto, Professor. 
Eggeling, Dr. H.,Staatsrath,Kurator 

der Universität. 
Eucken, Dr. R., Professor, Hofrath. 
Fischer, G., Verlagsbuchhändler. 
Frommann, Frau Sophie, geb. 

Hildebrandt. 
Fuchs, Dr., Professor, Ober-Landes- 

gerichtsrath. 
Gerstung, G., Commerzienrath. 
Gille, Dr., Geh. Hof-und Justizrath. 
Götz, Dr., Professor. 
V. d. Goltz, Dr., Freiherr, Professor, 

Director der Grossh. landwirth- 

schaftlichen Lehranstalt. 
Haacke, K., Regierungsrath a. D. 
Haeckel, Dr. Ernst, Professor. 
Kluge, Dr. F., Professor. 
Kniep, Dr., Professor. 
Krieger, Ober-Landesgerichtsrath. 
Kuhnt, Dr. Hermann, Professor. 
Leitzmann, Dr. phil. Albert 
Liebenam, Dr. W., Professor. 
Liebmann, Dr. Otto, Professor, 

Hofrath. 
Litzmann, Dr. B., Professor. 
Lorenz, Dr. O., Professor. 
Richter, Dr. G., Gymnasialdirector, 

Hofrath. 
Rosenthal, Dr. Eduard, Professor. 
Rossbach, Dr., Professor. 

Sticke), Dr. G., Professor, Geh. Hof- 
rath. 
Stoy, Dr. Heinrich. 
Stoy, Dr. Stephan. 



Jena. 

Universitäts-Bibliothek. 
Walter,Dr. phil.Johannes,Professor. 
Wilhelm, Dr. Eugen, Professor. 

Illenau b/ Achern. 
Schule, Dr. H., Geh. Hofrath. 

Ilmenau. 

»Gemeinde Gabelbach« (Gesell- 
schaft). 
Preller, Dr., Sanitätsrath. 

Grube Ilse b; Cottbus. 

Strack, Frau Hauptmann Fanny, 
geb. Hertz. 

Ingolstadt. 

Klarmann, J., Hauptmann und 
Compagniechef im kgl. bayr. 
I. Pionier-Bataillon. 

Insterburg. 

Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 
Schienther, Amtsrichter. 

Itzehoe. 

Claussen, Dr., Sanitätsrath. 

Kappeln (Schleswig-Holstein). 

Thomsen jun., Dr. med. Julius, 
prakt. Arzt. 

Karlsruhe i B. 

Bernays, Dr. Michael, Professor. 
Bielefeld, Jos., Verlagsbuchhändler, 

K. K. österr.-ungar. Consul. 
Blankenhorn, Dr. Adolf, Professor. 
Bürklin, Frau Dr. A. 
V. Cederschiöld, Dr. G., Professor. 
V. Chelius, Rieh., Hofjunker und 

Legations-Secretär. 
V. Edelsheim, Freiherr, Grossh. 

bad.Obersthofmeister,Excellenz. 
V. Eisendecher, Frau, geb. Freiin 

V. Eickstedt, Excellenz. 
Ettlinger, Fräulein Anna. 
Funck, Heinrich, Professor, 
von und zu Gemmingen, Freiherr, 

Oberstkammerherr, Excellenz. 
Göller, L., Ministerialrath. 
Hauser , Joseph, Grossh. bad. 

Kammersänger. 
Heinsheimer, Max, Oberlandes- 

gerichtsratli. 



-•!+ 40 ^ 



Karlsruhe i/B 

Liebermann, Gustav, (i/Fa. A.Biele- 
feld's Hüfbuchhandlung.) 

V. Lübke, Dr. W., Professor, Geh. 
Hofrath. 

Mainzer, Fräulein Helene. 

Ministerium der Justiz, des Kultus 
und Unterrichts. 

Ordenstein, Heinrich, Director des 
Conservatoriums für Musik. 

Regensburger, Dr. Leopold, Rechts- 
anwalt. 

Schnorr von Carolsfeld, Frau Mal- 
vina, königl. bayr. Kammer- 
sängerin. 

Schrödter, Frau Prof. Alwine. 

Seubert, Emil, Ministerial-Director. 

Weill, Dr. Fr., Rechtsanwalt. 

Weltzien, Alexander. 

Wendt, Dr. Gustav, Geh. Hofrath. 

Kehl a/Rh. 
Frick, Ludwig, Fabrikant. 

Kiel. 

Biese, Dr. Alfred, Gymnasiallehrer. 

Erdmann, Dr. OscaV, Professor. 

Gering, Dr. H., Professor. 

Keck, Dr. H., Gvmnasialdirector 
a. D. 

Kirchhoff, Frau Corvetten-Capitän. 

Niepa, Ale.xander, Chefredacteur. 

Peters, Johann, Rechtsanwah. 

Rossbach, O., Professor. 

Scheppig, Dr. phil. Richard, Ober- 
lehrer. 

Schiff, Georg, Referendar. 

Schlossmann, Dr., Professor. 

Stange H., Professor. 

Toeche, Paul, Hofbuchhändler. 

Universitäts-Bibliothek, Königliche. 

V. Wardenburg, Wirkl. Geh. Rath, 
Excellenz. 

Wulff, Dr. Eugen, Privatdocent. 

Kirchheimbolanden (Rheinpfalz). 
Bibliothek der Kgl. Lateinschule. 
Moschel, R., Kgl. bayr. Rent- 
beamter. 

Klein-Oels b/Ohlau i/Schlesien. 
Yorck v. Wartenburg, Graf Hans. 
Yorck v. Wartenburg, Graf Paul. 

Klein-Sägewitz b/Kattern 
(Reg.-Bez. Breslau). 
Lewald, Georg. 



Kolbermoor (O; Bayern). 
v.Bippen, Frau Marie, geb. v.Wyden- 
brugk. 

Königsberg i/Pr. 

Alscher, Dr. Walther, Assessor. 

Baumgart, Dr. Hermann, Professor. 

Beer, Justizrath, Rechtsanwalt und 
Notar. 

Bibliothek der höheren Bürger- 
schule. 

Bibliothek des Altstadt. Gym- 
nasiums. 

Bibliothek des Kneiphöfischen Gjan- 
naslums. 

Bibliothek des Realgymnasiums auf 
der Burg. 

Bibliothek des städt. Realgym- 
nasiums. 

Bibliothek des Königl. Willielms- 
Gymnasiums. 

Brode, Max, Dirigent der Sinfonie- 
Konzerte. 

Dehio, Dr., Professor. 

Fränkel, Dr. Carl, Professor. 

Friedländer, Prof, Dr.,Geheimrat!i. 

Frohmann, Julius, cand. med. 

Goldberg, Julius, Bankier. 

Grosse, Dr. Emil, Professor, Gym- 
nasialdirector. 

Gruenhagen, Dr., Professor. 

Güterbock, Dr. jur., Professor, 
Geheimrath. 

Hirsch, Dr. Th., Sanitätsrath. 

Hübner & Matz, Buchhandlung. 

Koch, Arnold, Buchhändler. 

Königliche und Universitäts-Biblio- 
tliek. 

Mendthal, Justizrath. 

Samuel, Dr., Professor. 

Schöndörffer, Dr. Otto, Gymnasial- 
lehrer. 

Schoene, Dr. Alfred, Professor. 

Simon, Dr. Robert. 

Simson, Fräulein Marie. 

Stern, Frau Agnes, geb. Wiehlcr. 

Teppich, Frau Emil. 

Töchterschule, städt. höhere. 

Trosien, E., Geh. Regierungsrath, 
Provinzial-Schulrath. 

Vogel, Rudolf, Rechtsanwalt. 

Konstanz 

Brandes, Wilhelm, Bankdirector. 
Fischer, Dr. med. Gg. 



-4* 41 



Köttendorf b'Mellingen. 
Knoke, Frau Oberamtmann E. 

Krotoschin (Posen). 
Barrelet, Erster Lehrer an der 

Stadt. Mädchenschule. 
Haertel, Frau Oberstabsarzt Dr. 

Anna. 
Jonas, Dr., Professor. Gvmnasial- 

director. 

Kuschen b/Schmiegel. 
Hensel, Karl, Professor a. D. 

Kusel (Rheinpfalz). 
Heydel, f., kgl. Bezirksamtmann. 

Lahr i Baden. 
Stadtbibliothek. 
Stössner, Otto. 

Landau (Pfalz). 
Hitschler, Dr. med. 

Landeshut i/Schlesien. 
Realgymnasium. 

Landsberg a/VV. 
Löbner, Dr. Heinrich. 

Langenburg (Württemberg). 

zu Hohenlohe-Langenburg, Frau 
Fürstin Leopoldine, Grossher- 
zogliche Hoheit. 

Lauban i Schlesien. 
Wissenschaftlicher Verein. 

Legefell b/Weimar. 
Reusse, Rudolf, Pfarrer. 

Leipzig. 

Abraham, Dr. Max, Verlagsbuch- 
händler. 

Arndt, Dr. Wilhelm, Professor. 

V. Bahder, Dr. Karl, Professor. 

Baumgarten, Frau Dr. Mathilde, 
geb. V. Villert. 

Baur, Fräulein Marie. 

Beer, Fräulein Dora. 

Beer, Dr. Rudolph, Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Berlit, Georg, Gymnasial-Ober - 
lehrer. 

Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 

Bibliothek des Nikolaigvmnasiums. 



Leipzig. 

V. Biedermann, Freiherr F. W., 
Verlagsbuchhändler. 

Binding, Dr. Karl, Professor. 

Bontecou, Fräul. Josephine, stud. 

Borchers, Bodo, Gesangslehrer. 

Brockhaus, Dr. Eduard, Verlags- 
buchhändler. 

Brockhaus, Rudolf, Verlagsbuch- 
händler. 

Bronk, Fräulein Isabella, stud. 

Brugmann, Dr. Oskar, Oberlehrer 
am Nikolaigymnasium. 

Cichorius, Johs., Kaufmann, 
Cohnheim, Frau Professor. 
Collins, George Stuart, stud. phil. 
Credner, Hermann, Verlagsbuch- 
händler. 
Curschmann, Dr. med., Direktor. 

Dix, Paul, Rechtsnawalt. 

Dodel, Friedrich Wilhelm, Kauf- 
mann. 

Doering, Dr. B., Professor, Gvm- 
nasial-Oberlehrer. 

Dolega, £)r. med. Max. 

Dorn, Dr. jur. Carl, Justizrath, 
Rechtsanwalt b. Reichsgericht. 

Dürr, Alphons, Stadtrath. 

Dürr, Dr. Alphons, Buchhändler. 

Eelbo, Bruno, Architect. 
Elster, Dr. Ernst, Privatdocent an 
der Universität. 

Flechsig, Eduard, stud. hist. et art. 

Flügel, Dr. Ewald, Docent an der 
Universität. 

Francke, Carl, Versicherungsbank- 
direktor. 

Fränkel, Dr. Albert, Schriftsteller. 

Fränkel, Dr. phil. Ludwig. 

Fränkel, Dr. Max. 

V. Frege, Frau Professor Livia. 

Friedberg, Dr. Emil, Professor, 
Geh. Hofrath. 

Geibel, Frau Leonore, geb. Weisz. 

Geibel, Frau Mathilde, geb. Baum- 
garten. 

Gensei, Dr. jur. Julius, Sekretär 
an der Handelskammer. 

Georgi, Dr., Referendar. 

Giesecke, Herm. F. (Firma Giesecke 
&: Devrient). 

Goetz, Ernst. 

Goetze, Fräulein Auguste, Kam- 
mersänsrerin. 



^ 42 ■»^— 



Leipzig. 

Haessel, H., Verlagsbuchhändler. 
V.Hahn, Dr. F., Reichsgerichtsrath. 
V. Hase, Dr. Oskar, Verlagsbuch- 
händler. 
Heinemann, Dr. phil. Karl. 
Herbst, Günther, Kaufmann. 
Hildebrand, Dr. Rudolf, Professor. 
Hirzel, H., Verlagsbuchhändler. 
V. Holstein, Frau Hedwig. 
Institut, bibliographisches. 
Jungmann, Dr., Professor, Rector 

zu St. Thomae. 
Kettembeil, Dr. jur. Johannes, Re- 
ferendar. 
Köhler, Hugo, Buchhändler. 
Köhler, K. V., Buchhändler. 
König, Wilhelm. 
Krehl, Dr. Ludolf, Professor, Geh. 

Hofrath. 
Lange, Dr. Robert. 
Lemke, Julius, Director der Leip- 
ziger Feuer-Vers.-Anstalt. 
Leskien, Dr. A., Professor. 
Liebisch, Bernhard, Buchhändler. 
Limburger, Referendar. 
Lorentz, Alfred, Buchhändler. 
Loewenstein, Reichsgerichtsrath. 
Meyer, Hermann, J., Buchhändler. 
Mogk, Dr. E., Gymnasial-Ober- 

lehrer. 
Müller, Ernst Heinrich Georg, 

Kunst- und Buchhändler. 
Nachod, Frau Marie. 
Petsch, Frau Reichsgerichtsrath 

Sophie, geb. Sonnenkalb. 
Pfalz, Dr. Franz, Professor, Direc- 
tor der Reallschule. 
Popitz, Frau Margaretha. 
Prüfer, Dr. jur. A. 

Reincke, Frau Reichsgerichtsrath. 
Reisland,O.R., Verlagsbuchhändler. 
Ribbeck, Dr. O., Professor, Geh. 

Rath. 
Röder, Emil, Commerzienrath. 
Romberg, E. L., Justizrath. 
Rost, Adolph, Buchhändler (J. C. 

Hinrichs'sche Buchhandlung). 

Scharf, Hugo, Stadtrath. 
Scheibner, Dr. Wilhelm, Professor. 
Schlösser, Dr. phil. Rudolf. 
Schmidt. Fräulein Clara. 
Schmidt, Frau Ottilie Henriette, 
Privatiere. 



Leipzig. 

Schmidt, Reinhard Bruno, stud. jur. 
Schneider, Carl, Kaufmann. 
Schreber, Frau Dr. Pauline. 
Schulz, Hermann, Buchhändler. 
Schunck, Fräulein Cornelia. 
Schuster, Dr. phil. Hermann, In- 

stitutsdirector. 
Schwabe, Frau Susanne, gh. Klemm. 
Schwarz, H.. Reichsgerichtsrath. 
Seelig, Dr., Rechtsanwalt beim 

Reichsgericht. 
Seminar, Königl. Deutsches. 
Simon, Dr. jur. Gustav Wilhelm, 

Referendar. 
Simon, Frau Stadtrath Hedwig, 

geb. Simon. 
Simon, Dr. jur. Paul. 
Sovaux, Frau Frida, geb. Schanz. 
Stäackmann, L., Buchhändler. 
Stadt-Bibliothek. 
Staegemann, M., Director des 

Stadttheaters. 
Steffen, Dr. Georg, Gymnasial- 

Oberlehrer. 
Stenglein, Reichsgerichtsrath. 
Stolterfoth, P., Regierungsrath. 
Stumme, Emmrich Gerhard, stud. 
med. 

V. Tauchnitz, Bernhard, Freiherr, 
Verlagsbuchhändler. 

Thierbach, Otto. 

Thomsen, Dr. jur. Theodor, Rechts- 
anwalt beim Reichsgericht. 

Titze, Adolf, ^'erlagsbuchhändler. 

Tröndlin, Dr., Bürgermeister. 

Universitäts-Bibliothek, Kgl. 

Voerster, Alfred, Buchhändler. 

Voerster, Karl, Buchhändler. 

Voigt, Dr. phil. Hans, Gvmnasial- 
öberlehrer. 

Wagner, Franz, Commerzienrath, 
Stadtrath. 

Wagner, Dr. med. Paul, Privat- 
docent. 

Walter, Oberpostdirector. 

V. Weber, Hauptmann. 

Weber, Dr. phil. Robert. 

Wiede, Otto. 

Wiegand, Dr. 

Wigand, Fräulein Rosi. 

Windscheid, Dr. Bernhard, Pro- 
fessor, Geheimrath. 

Witkowski, Dr. Georg, Privatdocent. 

Wülker, Dr. Richard, Professor. 



-^ 43 ^ — 



Leipzig. 

Wunderlich jun., Carl Gustav, 

Kaufmann. 
Wundt, Dr. Wilh., Professor. 
Zwintscher, Arthur, stud. phil. 

Liegnitz. 

Dyhrenfurth, Waldemar, König]. 

Staatsanwalt. 
Rawitscher, Frau Assessor. 
Röhricht, Rechtsanwalt. 

Linden b/ Hannover. 
Bibliothek des Königl. Kaiserin 
Augusta-Victoria-Gvmnasiums. 
Grasshof, Dr., Gymnasial director. 
Haase, Frau Helene. 
Laporte, Rechtsanwalt. 

Löcknitz (Pommern). 

V. Eickstedt - Peterswaldt , Frau 

Gräfin, geb. v. Eisendecher. 

Lübeck. 

Achilles, Dr. E. 

Benda, Dr. jur. J., Landrichter. 

Curtius, Frau Senator Dr. 

Eschenburg, Gustav, Consul. 

Fehling, Dr., Rechtsanwalt. 

Hoffmann, Dr. Paul, Director der 
Ernestinenschule. 

Pabst, Dr. jur. Gustav. 

Schillerstiftung, Lübeckische. 

Schmidt, Max, Buchdruckerei- 
hesitzer. 

Stooss, Dr. jur. Alfred, Rechts- 
anwalt und Notar. 

Thoel, Dr., Landrichter. 

Luckenwalde b/Frankfurt a/0. 
Neuhaus, M., Rittmeister a. D. 
Pariser, Frau Elise, geb. Mende. 
Simonson, Frau Amtsrichter Ger- 
trud, geb. Mende. 

Ludwigshafen a/Rh. 

Jacquet, Adolf, Commerzienrath. 
Kaerner, Wilhelm, stud. jur. 

Lüneburg. 

Frederich, Otto, Hofweinhändler. 
Gravenhorst, K., Rechtsanwalt. 

Lyck (Ostpreussenj. 
Dembowski, Dr. Johannes, Ober- 
lehrer. 



Lyck (Ostpreusssn). 
Gymnasium, Königliches. 
Kammer, Dr., Professor, Gym- 

nasialdirector. 
Wiebe, Emil, Buchhändler. 

Magdeburg. 

Aufrecht, Dr. 

Berndt, R., Director der Magdeb. 
Feuer-Vers.-Gesellschaft. 

V. Colomb, Fräulein M. 

Grünhut, Dr. Leo. 

Hürse, K., Königl. Musikdirektor. 

Kawerau, Waldemar, Redacteur 
der Magdeburgischen Zeitung. 

Krühne, Richard, Referendar. 

v. Mevsenbug, Freiherr, Major. 

Sträter, Dr. phil. E., Oberreal- 
schullehrer. 

Weber, Fräulein Clara. 

Wiesenthal, Alfred, Kaufmann. 

Mainz. 

Braun, Dr Carl, Justizrath. 
Feldheim, C. F., Geh. Commer- 
zienrath. 
Hess, Dr. Carl. 

Scholz, Carl (Firma Jos. Scholz). 
Stadtbibliothek. 
Strecker, Fräulein Lina. 
Thomas, Frau Helene. 

Mannheim. 

Bibliothek, öffentliche. 
Darmstaedter, Dr., Rechtsanwalt. 
DirYene, Dr. K. 
Goetjes, L., Hofopernsänger. 
Hecht, Dr. Felix, Hofrath. 
Hirsch, Emil. 
Hirsch, Louis, Kaufmann. 
Hirchhorn, Fritz, Stadtrath. 
Hoftheater -Comite, Grossh. Bad. 
Jacobi, Hermann, Hofschauspieler. 
Kahn, Dr. Richard, Rechtsanwalt. 
Köhler, Martin, Kaufmann. 
Ladenburg, Frau Commerzienrath 

Ida. 
Lenel, Alfred, Kaufmann. 
Lenel, Frau Alfred. 
Lenel, Walter, Cand. phil. 
Levison, Louis. 
Loewe, M. (Firma Loewe 8c Eschell- 

mann). 
Maas, Dr. jur. S., Landgerichtsrath. 
Maas, Wilh., Bankier. 
Mathy, Johann Wolfgang. 



-§f 44 *4.- 



Mannheim. 

Maver, Ludwig. 

Neumann, Dr. Karl. 

Reimann-Diffene, Frau Dr. Clara. 

Reiss, Fräulein Anna. 

Reiss, Karl, Consul. 

Staudt, Dr. med. J., prakt. Arzt. 

Marburg i/Hessen. 

Cohen, Dr. H., Professor. 

Germanistisches Seminar der Uni- 
versität. 

Gymnasium, Königliches. 

Kochendörffer,Dr.Car],Bibliotheks- 
custos. 

Küster, Dr. Ernst, Professor. 

V. Lilienthal, Dr. Karl, Professor. 

V. Oettingen, Dr. Wolfgang, Pri- 
vatdocent. 

Rathke, Dr., Professor. 

Schmidt, Dr. Leopold, Professor, 
Geh. Rath. 

Schröder, Dr. Eduard, Professor. 

Souchay, C. C, Gutsbesitzer. 

Universitäts-Bibliothek, Kgl. 

Wenck, Dr. C, Privatdocent. 

Marklissa. 

Kauffmann,Wilhelm, Fabrikbesitzer. 

Markowitz (Prov. Posen). 

V. Wilamovvitz-Möllendorff, Frei- 
herr, Kgl. Kammerherr, Ober- 
präsident der Provinz Posen, 
Excellenz. 

Maulbronn i/Württemberg. 

Palm, Aug., Professor, Ephorus 

des theologischen Seminars. 

Meerane i,S. 
Scheitz, Dr. Emil, Apotheker. 

Meesendorf b/Backschütz 
(Schlesien). 

Waldersee, Frau Gräfin Helene, 
geb. V. Wilamowitz-Möllendorf. 

Meiningen. 

(Sachsen-Meiningen). 

Baumbach, Dr. Rudolf, Hofrath. 
Kircher, Dr., Geh. Regierungsrath. 
Martinv, Fr., Eisenbahn-Maschinen- 

Inspector. 
WüUner, Dr. Ludwig, Herzogl. 

Meining. Hofschauspieler. 



Meissen. 

Bibliothek der Kgl. Fürsten- 
Landesschule. 
Lese- Gesellschaft. 



und 



Memel. 

Gvmnasialbibiiothek, Kgl. 
Halling, Director der höheren 

Töchterschule. 
Laaser, Dr. med. P., pr. Arzt. 

Merseburg. 

Barth, Frau Generaldirector. 

Morrn b Zantoch. 
Pflug, A., Rittergutsbesitzer. 

Muhrau b/Striegau i/Schl. 
V. Kramsta, Fräulein Marie. 

Mülhausen i/Elsass. 

Deede, Dr. W., Gymnas.-Directo''. 
Kestner, Dr. Flermann, Kreisarzt. 

München. 

Ackermann, Theodor, Königl. Hof- 
buchhändler. 
Albert, Frau Dr. Clara, geb. Reinach. 

Barnstorff, Johann. 
Bernstein, Max, Schriftsteller 
Bittmann, Friedrich. 
Bornemann, Fräulein Mimi. 
V. Bürkel, Ludwig, Kgl. Bayer. 
Ministerialdirector. 

Cornelius, Dr. C. A., Professor. 

Cornelius, Carl, stud. phil. 

Czermak, Leo, stud. med., K. K. 
Lieutenant der Reserve. 

Elias, Dr. Julius. 

Eller, Frau Henriette, Oberhof- 
gerichts- Advokatenwittwe. 

Fiedler, Dr. C. 

V. Gietl, Ritter Max, Ministerialrath. 

Göppinger-Meebold, Frau Adelheid. 

Gotthelf, Fritz, stud. phil. 

Grätz, Dr. Leo, Privc,tdocent. 

Haaser, Ernst. 

Hanfstängl, Edgar, Hotrath. 

Hausmann, Frau Justizrath Dr. 
Betty. 

Hertz, Dr. Wilhelm, Professor. 

Hevse, Dr. Paul. 

Hof- und Staatsbibliothek, Kgl. 

Lachmann, Fräulein Clara. 



— ^ 45 *^— 



München. 

Lehner, Johann, Directorder Baver. 

Notenbank. 
LehrerbibHothek, Städtische. 
Lepsius, Rcinhold, Maler. 
Levi,Hermann,K.General-Director. 
Lexer, Dr. M., Professor. 
Linz-Godin, Frau Oberst A. 
V. Loen, Freiherr, Grossh. Sachs. 

Kammerjunker. 

V. Malsen, Baron, Kgl. Bayer. 
Oberhofmarschall, Excellenz. 

V. Marogna, Gräfin Angela, Hof- 
dame I. K. Hoheit der Frau 
Herzogin Carl Theodor in 
Bayern. 

V. Mayer, Dr. Carl, Kgl. Staatsrath. 

Meyer, Dr. Julius, Director, Geh. 
Regierungsrath. 

Muncker, Dr. Franz, Professor. 

V. Naegeli,Frau Professor Henriette. 
Oertel, Heinrich, cand. phil. 
V. Oettingen, Frau M. 
Oldenbourg sen., R., Verlagsbuch- 
händler. 

V. Perfall, Freiherr, General-Inten- 
dant des Hoftheaters, Excellenz, 
duidde, Dr. phil. L. 
Rau, Frau Anna. 

Savits, Jocza, Oberregisseur des 

Königl. Hoftheaters. 
Scherer, Dr. Georg, Professor. 
Schmidt, Dr. med. Oswald. 
Scholl, Dr., Professor. 
Solbrig,Dr. Veit, k. Ober-Stabsarzt. 
Stauffer, Dr. phil. Albert, Lehrer 

der Geschichte a. d. k. bayr. 

Kriegs-Akademie. 
Steinitzer, Paul, K. K. österr. 

Major a. D. 
Stumpf, Dr., Professor. 

Traube, Dr. Ludwig. 

Weltrich, Richard, Kgl. Professor. 

Münster i/ Westfalen. 
Kiesekamp, Frau Hedwig. 
Paulinische Bibliothek, Kgl. 
Schmedding, Frau Reg.-Rath Laura, 
geb. Hüffer. 

Nastätten (Prov. Nassau). 
Cathrein, Joseph. 



Naumburg a/S. 
Bennecke, Justizrath. 
Breslau, Geh. Regierungsrath. 
Hecker, Ober-Staatsanwalt. 
Holländer, Dr. phil. Ludwig. 
Köster, Dr., Sanitätsrath. 
Lehmann , Ober - Landesgerichts- 

rath a. D. 
Remertz, Rechtsanwalt. 
Seelmann, Fräulein C. L. Gertrud. 
Sturm, Dr. Aug , Rechtsanwalt und 

Notar. 

Naundorf (Bez. Dresden). 
V. Lindenfels, Freiherr, Kgl. Ober- 
förster. 

Neisse. 
BischoflF, Anton, Justizrath. 

Neuburg (Stift) b/ Heidelberg. 
V. Bernus, Freiherr. 

Neudeck (Oberschlesien). 
Burchardi, Frau Bertha. 

Neuhaldensleben b/Magdeburg. 
Gymnasial-Bibliothek. 

Neusalz a,Oder. 
Bertram, M., Fabrikdirector. 
Wenck, W., Prediger. 

Neustrelitz. 

Götz, Dr. G., Obermedicinalrath. 

Neuwied. 

V. Salisch, Oberst und Bezirks- 
kommandeur. 

Niederbreisig. 

Huyssen, W., Ingenieur. 

Niederlössnitz 

b/ Kötzschenbroda. 
V. Biedermann, Freiherr, General- 
Major z. D. 

Niederwalluf. 

Marcuse, H., Consul. 

Norden (Ostfriesland). 
Lücke, Dr. O., Oberlehrer. 

Nordhausen a/H. 
Hasse, Dr. med. 
Kneiff, Rudolf. 



-•^ 46 ^- 



Nordhausen a/H. 

Mylius, C Landgerichtsrath. 

Schenke, Hermann, Premier-Lieute- 
nant, Stadtrath und Brennerei- 
besitzer. 

Nürnberg. 

Enderlein, Oberlandgericlitsrath. 
Hartmann, Bernhard, Kgl. Advokat. 
Lecliner, Max, Gymnasialdirector. 
Merzbacher, Sigm., Rechtsanwalt. 
PcgnesischerBlumenorden(Literar. 

Verein). 
Rau, Rudolf, Rechtsanwalt. 
Stadt Nürnberg. 
Wendriner, Ferd., Kaufmann. 
Wertheimer, Sigm., Kaufmann. 

Oberlahnstein (Rheinprovinz). 
Lessing, A. 

Offenbach a/M. 
Weber, Frau Rechtsanwalt Dr. 

Ohrdruf. 

Gymnasium Gleichense, Herzogl. 

Oldenburg (i/Grossh.). 

V. Alten, F., Oberkammerherr, 

Excellenz. 
V. Beaulieu - Marconnay, Euo;en, 

Freiherr, Ober-Landesgericlits- 

Präsident, Excellenz. 
Becker, Landesgerichts-Präsident. 
Bibliothek, Grossherzogliche öffentl. 
Kelp, W., Apotheker. 
Leesenberg, Dr. phil. F. A. 
Mosen, Dr. R., Ober-Bibliothekar. 
Schwartz, A., Hofbuchhändler. 
Thorade, Bankdirector. 
Wolken, E., Kaufmann. 

Oppeln (Prov. Schlesien). 
Thal, Dr. jur., Regierungs-Re- 
ferendar. 

Osnabrück. 

Crespel, A., Referendar. 

Ostenwalde b/Melle. 
Bibliothek Ostenwalde. 

Ottmachau (Prov. Schlesien). 
V. Humboldt, Freiin Mathilde. 
Parchim (Mecklenburg). 
Garthe, Frau Baurath Caroline, 
geb. Mencke. 



Penzig i. d. Oberlausitz. 
Drevin, Helmuth, Apotheker. 

Pforzheim. 

Ehrismann, Dr. phil. Gustav. 
Fischer, Dr. Franz, Director der 

Irrenanstalt. 
Waag, Alfred, Architekt, Director 

der Kunstgewerbeschule. 

Plagwitz b/Leipzig. 
Keil, Dr. phil. Alfred. 

Plauen i/ Sachsen. 

Hofmann - Stirl, Frau Professor 
Helene, Kammersängerin. 

Hucho, Dr. HeinricU, Landgerichts- 
rath. 

Neumann, Dr. Alfred, Gymnasial- 
lehrer. 

Pless i, Schlesien. 
Fielitz, Dr. W., Professor. 

Poppenbüttel b/Hamburg. 
Henneberg, Albert, Gutsbesitzer. 

Porstendorf b/Jena. 
V. Wurmb, Schlosshauptmann auf 
Dornburg. 

Posen. 

Kantorowicz, Frau Lina. 
Lewald, Dr. Felix, Regierungsrath. 

Potsdam. 

V. Blücher, Rittmeister im Garde- 
Husarenregiment. 

V. Humbracht, Baron Joseph, Kgl. 
Preuss. Kammerjunker, Regie- 
rungsassessor. 

König, Dr. Robert, Daheim-Redac- 
teur a. D. 

V. Mellenthin, F., Premier-Lieute- 
nant im III. Garde-Ulanen- 
regiment. 

V. Treutier, Lieutenant im Garde- 
Husarenregiment. 

v.Zech, FrauGräfin, geb.v.Gersdorff. 

Prenzlau. 

Buscli, Richard, Landgerichtsrath. 

Quedlinburg. 

Zimmer, Rittmeister im Kürassier- 
regiment von Seydlitz. 



"•?*■ 4/ "*^" 



Rastenburg i/Ostpr. 
Kowalski, Kaufmann, Kaiserl. Bank- 
agent. 

Rathenow. 

Rhein, Frau Clara. 

Ratibor. 

Suchsland, Adolf, Amtsrichter. 

Rechtenfleth b/ Bremen. 
Allmers, Hermann. 

Rehnsdorf b/Elstra (Sachsen). 
V. Boxberg, Georg, Ritterguts- 
besitzer. 

Reichenbach i/Schlesien. 
Preu, Dr. med., San.-Rath. 

Remagen a/Rh. 
Linden, Fräulein Lina, Pensionats- 
Vorsteherin. 

Remda b'Jena. 
Reimann, Thilo, Fabrikant. 

Rendsburg. 

Wassner,Dr.phil.Julius, Gymnasial- 
lehrer. 

Retzin b/Priegnitz. 
zu Putlitz, Frau Baronin. 

Reutlingen. 

Kusel, Fräulein Lucie. 

Rheinsberg i/M. 
Pindter, Ludwig, Referendar. 

Rietberg i/Westfalen. 
Tenge , Friedrich , Herrschafts- 
besitzer. 

Risstissen b/Ulm a/D. 
Schenck v. Stauffenberg, Dr. Fr., 
Freiherr. 

Roda i/S.-A. 
Knauth, Amtsgerichtsrath. 

Rösrath b/Cöln a/Rh. 
Benfey, Frau Else, geb. Benfe}'. 

" Rostock i/Mecklenburg. 
Bechstein, Dr. Reinhold, Professor. 
Berlin,. Dr. Rudolf, Professor. 



Rostock i, Mecklenburg. 
Detharding, Frau Dr. Henriette. 
Kipper, Dr. Julius, Gymnasiallehrer. 
Müller, Dr. phil. Walter. 
St411er'sche Hof- und Universitäts- 
Buchhandlung. 
Universitäts-Bibliothek, Grossh. 
Voss, Frau Advokat. 
Wilbrandt, Dr. Adolf. 

Rotenburg i Hannover. 
Boehrs, Dr. D., Kreisphysicus. 

Rudolstadt. 

Bibliothek, Fürstl. öffentliche. 

Ruhrort a/Rh. 
de Gruyter, Albert, 
de Gruyter, Dr. Walter, Kaufmann. 

St. Johann a'Saar. 
V. Veitheim, Frau Baronin. 

Satzkorn b/Potsdam. 
Brandhorst-Satzkorn, W., Ritter- 
gutsbesitzer. 

Schkortleben b/Weissenfels a,S. 
Scharf v. Gauerstedt, Ritterguts- 
besitzer. 

Schleiz. 

Paetz, G., Kammerpräsident. 

Schleswig. 

Bergas, Julius, Buchhändler. 

Hoe'sche Bibliothek. 

Voigt, Dr. Carl, Reg.-Assessor. 

Schlettstadt. 

Kapff, Dr., Stabsarzt. 

Schlobitten i/Ostpreussen. 
zu Dohna, Frau Gräfin Emmy. 

Schmalkalden. 

Fuckel, Heinrich, Kaufmann. 
Winter,Paul,Regierungsbaumeister. 

Schnepfenthal b/ Waltershausen. 
Ausfeld, Dr. Wilhelm, Schulrath. 

Schönbach b'Löbau i/S. 
Rade, M., Lic, Pfarrer. 

Schönebeck. b/Magdeburg. 
Saalwächter, Otto, Fabrikbesitzer. 



-&f 48 ^- 



Schönwerder b/Dölitz i/Pommern. 
V. Bonin, Frau, geb. v. Zanthier. 

Schreitlangken b/Willkischken. 

i/Üstpreussen. 

Dressler, Frau. 

Schulpforta. 

Kettner, Dr. Gustav, Professor. 
Landesschule, Königliche. 
Schrever, Dr. Hermann, Professor. 
Volkniann, Dr. Dietrich, Rector 

der Landesschule. 
Zimmermann , Procurator der 

Landesschule. 

Schwedt a/O. 
duehl sen., Dr. Otto. 
Zschau, Dr. Hermann, Director 
der Hohenzollern-Gymnasiums. 

Schweidnitz i/Schl. 
Kletschke, Landgerichtsrath. 

Schwerin i/M. 
V. Ledebur, Freiherr, Kammerherr, 

Intendant des Hoftheaters. 
Oldenburg, Grossherzogl. Ober- 

zolldirector. 
V. Pritzbuer, Friedrich, stud. jur. 

et cam. 
Schmeitzer, Geh. Ober-Finauzrath. 
Schröder, Dr., Regierungsrath. 

Seesen a/Harz. 
Philippson, Dr. phil. Emil, Director 
der Realschule. 

Seifersdorf b/Radeberg (Sachsen^. 
V. Brühl, Graf Carl. 

Siegen i/W. 
V. Erdberg, Rob. Adalbert, stud. phil. 
Wieruszowski, Alfred, Amtsrichter. 

Soden i/Taunus. 
Volger, Dr. G. H. Otto, Natur- 
forscher. 

S ondershausen. 

Budde, Regierungsrath. 
V. Viebahn, Major. 

Springe (Hannover). 
Kaufmann, Karl, Fabrikbesitzer. 

Stargard i/Pommern. 
Schröder, Dr., Oberstabsarzt L Kl. 
und Regimentsarzt. 



Stassfurt. 

Stengel , Rudolf, Fabrikbesitzer , 
Konsul a. D. 

Steglitz b/Berlin. 

Dahms, Dr. Rud., Professor. 
Hoffhiann, Dr. Otto, Professor, 

Gymnasialoberlehrer. 
Paulsen, Dr. Friedrich, Professor. 
Progymnasium. 

Weber, W., Oberbürgermeister a. D. 
Wendeler, Dr. Camillus. 

Stendal. 

WendortT, Landgerichts-Präsident. 

Stettin. 

Gerstäcker, Otto, .Amtsgerichtsrath. 
Jobst, R., Professor. 
Keddig, C. A., Director. 
Kurtz, Frau Kaufmann Reinhold. 
Muff, Dr., Profe.ssor, Gymnasial- 

director. 
Preusser, Fräulein Marie. 
Schleich, Dr. med. Karl Ludwig, 

Sanitätsrath. 
Steffen, Frau Dr. Sanitätsrath P. 
Weber, Otto, Landgerichtsrath. 

Stockach i/Baden. 
üttendörfer, Dr. Hermann, Ober- 
.\mtsrichter. 

Stolno, Post Klein-Czyste. 
Kreis Kulm i/\Vestpreussen. 
Strübing, Fräulein Frieda. 

Stolp (Pommern). 

Bibliothek desKönigl. Gymnasiums. 
Pickert, W., Gymnasiallehrer und 
Bibliothekar. 

Strasburg W/Pr. 
Gymnasium, Königliches. 

Strassturg i/E. 

Baumgarten, Dr. H., Professor. 

Budde, Dr. Karl, Professor. 

V. Dursy, Eugen, kaiserl.Ministerial- 

rath. 
Dyck, Dr. Franz. 
Henning, R., Professor. 
Jacob, Dr. Carl. 

Joseph, Dr. Eugen, Privatdocent. 
Lorenz, Frau Major Margarethe. 
Martin, Dr. E., Professor. 



— ^ 49 ^- 



Strassburg i/E. 
Michaelis, Dr. Adolf, Professor. 
Pavelt, Olivicr, kais. Ministerialratb. 
Rofthack, Dr. jur., Regierungsrath. 
Seminar für deutsche Philologie 

an der Universität. 
Stilling, Dr. J., Professor. 
Trübner, Karl J., Buchhändler. 
Universitäts- u. Landesbibliothek, 

Kaiserliche. 
Varrentrapp, Dr. C, Professor. 
Wetz, Dr., Privatdocent. 
Weyer, Dr., Landgerichtsrath. 
Ziegler, Dr. Theobald, Professor. 

Strellentien b/Lauenburg 
(Pommern). 
V. Osterrost, Gotthilf. 

Stuttgart. 

Abert, Hotkapellmeister. 
Bacher, Alexander, Rechtsanwalt. 
Bauer, Friedrich. 
Becher, Fräulein Emmy. 
Bibliothek, Königliche öffentliche. 
Bibliothek der Kgl. Technischen 

Hochschule. 
Deahna, Dr., prakt. Arzt. 
Denison, Louis, Kaufmann. 
Donndorf, A., Professor. 
Eisenlohr, Karl. 

Gerok, Dr. Christof, prakt. Arzt. 
Gerschel, Oscar, Antiquar und 

Buchhändler. 
Glason, Arthur, Kaufmann. 
Hartmann, Dr. Julius, Professor. 
Klaiber, Dr.Julius, Professor, Ober- 

studienrath. 
V. Klumpp, Dr. Otto, Director. 
Krabbe, C., Verlagsbuchhändler. 
Kröner, Adolf, Verlagsbuchhändler 

und Commerzienratli. 
Kürschner, Joseph, Professor, Geh. 

Hofrath. 
Kurtz, P., Buchhändler. 
Lang, Dr. Wilhelm. 
Liebmann, Louis, Bankier. 
Mayer, Paul, Regierungsrath. 
Me3'er, Fr. 
Müller, Carl. 

Müller, Gustav, Kaufmann. 
Müller-Palm, Adolf, Professor. 
Museums-Gesellschaft. 
Nast, A., Buchhändler (in Firma 

Göschen'scheVerlagsbuchhdlg). 
Pichler, Carl. 

Gokthe-Jahrih.ch XIII. 



Stuttgart. 

Proelss, Johannes, Redacteur. 

Riecke, Dr. Karl, Staatsrath. 

Rominger jun., Nathanael. 

Rommel, Dr. Otto. 

Schall, Dr. Rieh., Rechtsanwalt. 

Schoenhardt, Dr., Oberlandes- 
gerichtsrath. 

Schott, Frau Amalie. 

Schulz, F. G., Commerzienrath. 

Siegle, Gustav, Geh. Commerzien- 
rath. 

Spemann, W., Verlagsbuchhändler. 

Steiner, Dr. K., Director, Geh. 
Commerzienrath. 

Stockmayer, M. E., Rechtsanwalt. 

Straub, Dr. L. W., Professor. 

Vetter, Leo, Kaufmann. 

Vischer, Fräulein Elise. 

V. Westenholz, Freiherr, Dr. Friedr. 

Zweifel-Heer, Frau Jetty. 

Tangerhütte b/Magdeburg. 

V. Arnim,. Frau Marie. 
Kleinschmidt, Hofrath. 

Tegernsee (Dberbayern). 
Fawcett, Ralph. 

Tempelburg (Pommern). 
Berg, Karl, Amtirichter. 

Thalstein b/Jena. 

V. Tümpling, Kaiserl. Legations- 
rath a. D. 

Thann i/Elsass. 
Curtius, Dr., Kreisdirector. 

Thorn. 

Scheller, Dr., Oberstabs- und Gar- 
nisonsarzt. 

Tiefurt b/ Weimar. 
Graness, Kammergutspächter. 

Torgau. 

Pietsch, Kgl. Baurath. 

Trachenberg (Schlesien). 

V. Hatzfeldt, Frau Fürstin, Durch- 
laucht, geb. Grälin v. Bencken- 
dorff, Oberhofmeisterin L M. 
der Kaiserin Augusta Victoria. 

25 



— &* 5" *^- 



Tübingen. 

Degenkolb, Dr., Professor. 
Froriep, Dr. August, Professor. 
Geib, Frau Professor L. 
Geiger, Dr. Carl, Universitäts- 
Bibliothekar. 
Hüfner, Dr. G., Professor. 
Köstlin, Dr. Karl, Professor. 
Neumann, Dr., Professor. 
Oesterlen, Dr., Professor. 
V. Sigwart, Dr., Professor. 
Spitta, Dr., Professor. 
Strauch, Dr. Philipp, Professor. 
Universitäts-Bibliothek, Königliche. 
Vöchting, Dr. H., Professor. 

Uetersen (Holstein). 
V. Rantzau, Fräulein Helene, Stifts- 
dame. 

Ulm a/D. 
Ulrich, Gustav, Bankier (Firma 
Flesch & Ulrich). 

Unterneubrunn b/Eisfeld 
i/Thüringen. 

Härtung, Dr., Stabsarzt a. D. 

Vegesack b/Bremen. 
Werry, F., Real-Gymn.-Oberlehrer. 
Wilmanns, Dr. med. Georg. 

Verden a/Aller. 
Braun, Landgerichtsdirector. 
Echte, Landrichter. 

Vieselbach. 

Starke, Dr. med., Bezirksarzt. 

Voitersdorf b/Freienwalde 
i/Pommern. 
Kieckebusch, Frau Gertrud, geb. 
Lüdeke. 

Waidenburg i/Schlesien. 
Gothein, Königlicher Bergmeister. 

Wandsbeck. 

Gymnasium. 

Wartnicken (Ostpreussen). 
Simon, Frau Marie. 

Wehlau (Ostpreussen). 
Moldaenkc, Gymnasiallehrer, 



Weilburg a/Lahn. 
Bibliothek der Landwirthschafts- 
Schule. 

Weimar. 

Aberg, Fräulein V., Landschafts- 
malerin. 
V. Ahlefeld-Dehn, Baron Louis. 
Anding, Karl, Kaufmann. 
Apelt, Dr. phil. ü., Professor. 
Aulhorn, G., Rath. 
Aulhorn, Max, Major a. D. 

Baer, Leopold, Fabrikant. 

Beckvvith, Miss K. 

Behrend, Frau Martha. 

Boas, Frau Dr. E. 

Böhlau, H., Verlagsbuchhändler. 

Böhlau, Frau Therese. 

V. Bojanowski, P., Geh. Hofralh. 

V. Bothmer, Graf M., Kammevherr 
S. K. H. d. Grossh. v. Sachsen. 

V. Bothmer, Grälin £., Staatsdame 
L K. H. der Frau Erbgross- 
herzogin von Sachsen-Weimar. 

V. Brederlow, B., Oberst z. D. 

Brock, Paul, Hofschauspielcr und 
Ober-Regisseur. 

Bronsart v. Schellen dorf, Kammer- 
herr, General - Intendant des 
Grossh. Hoftheaters. 

Brüger, E., Geh. Justizrath. 

V. Bülow, Frau Landrath, geb. v. 
Carlowitz. 

Burckhard, Dr. jur. W., Geh. Rath. 

Burkhardt, Dr. H., Archivdirector. 

V. Bylandt-Rheydt, Graf, Ordon- 
nanz-Offizier Sr. K. H. des 
Grossherzogs von Sachsen. 

v. Conta, Dr. A., Geh. Medicinalrath. 

Cox, Miss Alice. 

Crüger, G., Generallieutenant z. D. 
Excellenz. 

V. Derenthall, E., Geh. Legations- 
rath, Kgl. preuss. Gesandter, 
Excellenz. 

Dietrich, .\lbert, Bankier. 

V. Donop, Freiherr Hugo, Ober- 
hofmeister I. K. H. der Frau 
Grossherzogin. 

Emminghaus, Fräulein Marie. 

Ernst, H., Pfarrer. 

Francke, Dr. Otto, Gymnasiallehrer. 

Franke, Fräulein Marie. 

V. Freytag -Loringhoven, Freiin 
Maria. 



I >4— 



Weimar. 

V. Frey tag -Loringhoven, Freiin 
MatFiilde. 

V. Fritsch, Frau Oberlbrstmeister, 
geb. V. Herda. 

Fronep, Fräulein Clara. 

Geister, Carl, Rentier. 

Genast, Frau Ministerialdirector A. 

Giessen, Hanns, Kammersänger. 

Gottschalk, G., Rentier. 

Gray, Frau Jessie, geb. Isles. 

%'. Gross, Dr. R., Freiherr, Wirkl. 
Geh. Rath,Staatsminister,Excell. 

V. Gross, Freiin Melanie, Stiftsdame. 

Gutmann, Georg, Civil-Ingenieur. 

V. Hadeln, H., Freiherr, Hof- 
marschall. 

V.Hagen, K.,Kgl. Preuss. Major z.D. 

Halir, K., Concertmeisler. 

V. Hannecken, Fräulein Minette. 

Hardtmuth, Frau Charlotte, geb. 
Voelkel. 

Hartmann, A., Rentier. 

V. Helldorff, Freiherr, Kammerherr. 

von der Hellen, Dr. phil. Eduard, 
Archivar am Goethe- u. Schiller- 
Archiv. 

V. Hellfeld, General -Lieutenant 
z. D., Excell. 

Hertel, Friedrich, Hofphotograph. 

Hesse, Dr. B., General-Super- 
intendent, Geh. Kirchenrath. 

Hofmann, Gustav, Rechtsanwalt. 

V. Holleben, Frau, geb. v. Kunow. 

V. Höltzke, Baron t., Wirkl. Geh. 
Rath, Kaiserl. Russischer Mi- 
nister-Resident, Excellenz. 

V. Holzhausen , Baron Alexis , 
Kammerherr. 

Hufeland, Fräulein Louise, Stifts- 
dame. 

Hummel, Karl, Professor. 

Hunnius, Dr. jur. Joh., Finanzrath. 

Huschke, A., Hofbuchhändler. 

Jenicke, Fräulein H., Hofschau- 
spielerin. 
Isles, Miss Alison. 

V. Kaufmann, Ludwig, Rentier. 

Keil, Dr. Robert, Rechtsanwalt. 

Kohl, Ernst, Eisenbahndirector, 
Baurath. 

Köhler, Dr. Reinhold, Ober- 
Bibliothekar. 

Kramsta, Frau Maria. 

Krause, O., Kanzleirath. 



Weimar. 

Krehan, Arno. 

Krieger, Fräulein Karoline. 

Kriesche, E., Baurath. 

Küchling, Robert, Sekretär I. K. H. 

der Frau Grossherzogin von 

Sachsen. 
Kuhn, Dr. jur. K., Geh. Regieruiigs- 

rath. 
Kuhn, O., Geh. Finanzrath. 

Lännnerhirt, Dr. phil. Gustav. 
Langenberg, Fritz, Hotelier. 
Lassen, Dr. Eduard, Hofkapell- 
meister. 
V. Loen, Freifrau Marie, Excellenz. 
Loring, Frau S., Rentiere. 

V. Massenbach, Frau Oherhof- 

meisterin, Excellenz. 
Matthcs, Dr. P., Geh. Medicinal- 

rath. 
Meisezahl, Friedr., Steueraufseher 

a. D. 
Merian-Genast, Dr. Hans. 
Meurer, ür. H., Professor. 
V. Müde, Fr., Kammersänger. 
V. Minckwitz, Wirkl. Geh. Rath, 

Kgl. Sachs. Gesandter, Excell. 
Mirus, Dr. A., Gerichts-.\ssessor 

a. D., Schriftsteller. 
V. Montault, Frau Gräfin A., geb. 

Freiin v. Rothkirch. 
Moritz, Dr. jur. R., Commerzien- 

rath. 
Morris, Miss Helen B. 
Müller, Theodor, Hofjuwelier. 
Müller -Härtung, Karl, Professor, 

Hofrath, Director der Grossh. 

Musikschule. 
V. Müller-Schubart, Frau Baronin, 

geb. Gräfin v. Bothmer. 

Neuffer, Dagobert, Hofschauspieler. 

Niemeyer, Garten-Director. 

V. Nostiz, Major a. D., Kammerherr. 

Obrist, Aloys. 

Oelschläger, Dr. phil. Hermann. 

V. Palezieux-Falconnet, Oberst- 
lieutenant und Flügeladjutant. 

Pause, A., Oberst z. D. 

Pause, Frau Oberst. 

V. Pappenheim, Fräulein Julie. 

Pease, Frau Mar}'- F. 

Pfeiffer, Dr. Ludwig, Geh. Medi- 
cinalrath. 

Philipps, Miss M. A. 

25* 



-gfr 



52 ^— 



Weimar. 

Preller, Frau Professor. 

Rasch, Hermann, Buchhändler. 
Rassow, Dr., Geh. Oberschulrath, 

Geh. Hofrath. 
Reuter, Fräulein Lilly. 
V. Richthofen, Freifrau K. 
Ritter, Dr., Professor, Director des 

Sophienstifts. 
Rothe, K., Geh. Regierungsrath. 
V. Rott, Fräulein Amelie. 
Rottmann, A., Rentier. 
Ruickoldt, Dr. med. W., prakt. 

Arzt. 
Ruland, Dr. C, Geh. Hofrath, 

Director des Grossherzoglichen 

Museums und des Goethe- 

National-Museums. 

Sältzer, O., Geh. Hofrath. 

zu Sayn -Wittgenstein - Berleburg, 
Prinz Otto, Major und Flügel- 
adjutant, Durchlaucht. 

V. Scheffler, Dr. phil. Ludwig, 
Privatgelehrter. 

Schenk, Dr.E.,Staatsrath,Ministeria]- 
Director. 

Scholl, Fräulein Louise. 

Schomhurg, Dr., Geh. Staatsrath. 

Schubert, Dr. phil. O., Professor, 
Gymnasiallehrer. 

Schütz, Frau Rath W. 

Schwabe, Dr. B., Oberstabsarzt. 

V. Schwendler, Fräulein E. 

Schwier, K., Photograph. 

V. Seckendorff-Aberdar, Freiherr, 
Oberstlieutenant und Bezirks- 
Commandeur. 

Slevogt, Dr. K., Geh. Regierungs- 
rath. 

Sophienstift. 

Sorgcl, Dr. A., histitutsvorsteher. 

Stapff, A., Rechtsanwalt. 

Stavenhagen, W. 

Steiner, Dr. Rudolf, Schriftsteller. 

Stier, Paul, Geh. Regierungsrath. 

Stollberg, J., Geh. Finanzrath. 

V. Strauch, W. , Oberlandjäger- 
meister. 

Streichhan, Fräulein A. 

Suphan, Dr. Bernhard, Professor, 
Director des Goethe- u. Schiller- 
Archivs. 

Thelemann, Ludwig, Buchhändler. 
V. Thüna, Dr. Freiherr, Bezirks- 
director a. D. 



Weimar. 

Tiedemann , H., Inspektor der 
Leipziger Feuer- Versicherungs- 
Anstalt. 

Tietze, Hermann, stud. ehem. 

Trümpier, Frau Anna. 

Vinkhuyzen, A., Kapitänlieutenant 

zur See a. D., Sekretär L K. H. 

der Frau Grossherzogin von 

Sachsen. 
Voigt, Heinr., Verlagsbuchhändler. 
Vollert, H., Wirk!. Geh. Rath, 

Excellenz. 
Vulpius, Fräulein Helene. 

Wächter, Frau Justizrath Bertha. 

Wähle, Dr. Julius. 

V. V/asmer, Fräulein D. 

V. Wasmer, Fräulein L. 

v. Watzdortf, Fräulein A., Staats- 
dame. 

V. Wedel, Graf O., Ober-Hof- 
marschall. 

Weniger, Dr. L., Professor, Hof- 
rath, Gvmnasialdirector. 

Weniger, Fräulein Elisabeth. 

Wülcker, Dr. Ernst, Grossherzogl. 
Archivrath. 

v. Zedlitz, Frau Oberhofmeister, 

Excellenz. 
Zschuppe, Arno, Redacteur. 

Weinheim (Baden). 

Goebel, Dr. phil., Gymnasiallehrer 
a. D. 

Weissenfeis a/S. 
V. Fran^ois, Fräulein Luise. 

Wernigerode. 

Henkel, Dr., Professor, Gymnasial- 

director a. D. 
zu Stolberg - Wernigerode, Fürst 

Otto, Durchlaucht. 

Westend b/Charlottenburg. 

Werckmeister, Frau Dr. Elisabeth. 
Werckmeister, Frau Emie. 

Wetzlar. 

Hettlcr, Flügen, Kaufmann. 

Wiehe. 

Krewel, Amtsrichter. 



— &♦ 53 *^— 



Wiesbaden. 

IJickel, Dr. Gustav, pract. Arzt. 
Clüsener, Ludwig, Rentier. 
Colin, Dr. Max, Sanitiitsrath. 
Ebers, Dr. Georg, Professor. 
Frank, Dr. Georg, Doccnt. 
Fresenius, Dr. R., Professor, Geh. 

Hofrath. 
Freudentheü, Dr., Sanitätsrath. 
Gecks, Leonhard, Buchhändler. 
Guttmann, Reclitsanwalt. 
Koch, August. 
Konopacka, Fräulein Anna. 
Lugenbühl, Frl. Helene, Rentnerin. 
Meissner, Dr. Carl, Professor. 
Pfaff-Beringer, Otto. 
Pfeiffer, Dr. Emil. 
Preyer, Frau Adele, geb. Kutter. 
Robert, Fräulein Anna. 
Schieiden, Fräulein Eleonore. 
Scholz, Dr. G. 
Seehaus, Dr. phil. Adolf. 
V. Woehrmann, Baron. 
Zinkel, Frau A. 

Wilhelmshaven. 

Darnier, Korvetten-Kapitän. 

Wittenberg. 

Gulirauer, Gymnasialdirector. 

Wittstock i'Mark. 
Plessner, Amtsrichter. 

Wohlau i'Schl. 

Arlt, Albrecht, Cjymnasiallehrer. 

Wolfenbüttel. 

Schüddekopf, Dr. Carl, Assistent 
der Kgl. Bibliothek. 

Wolkramshausen 

(Grafschaft Hohenstein). 
Schreiber, Hauptmann a. D. 



Worms. 

V. Heyl, Major. 

Heyl zu Herrnsheim, Freiherr. 

Reinhart, Frau Nicolaus. 

Wülfel b/ Hannover. 
Oehlmann, Ad., Apotheker. 

Wundlacken i/Ostpreussen. 
zu Dohna, Frau Gräfin Gertrud. 

Würzburg. 
Hotzel, Dr. med. A. 
Prym, Dr. Friedrich, Professor. 
Ro'etteken, Dr. H., Privatdocent. 
Schönborn, Dr., Professor, Geh. 

Medicinalrath. 
Stahel, Oscar, Kgl. Hof- und \'er- 

lags-Buchhändler. 
Universitäts-Bibliothek, Königliche. 
Volkelt, Dr. Johannes, Professor. 

Zeitz. 

Filier, Paul, Fabrikbesitzer. 
Zerbst. 

Historischer Leseverein. 

Zittau i/Sachsen. 
Franz,OscarWilhelm,Amtsgerichts- 

rath. 
Ginsberg,Lud\vig,Commerzienrath. 
Güttich, C, Buchhändler. 
Stadt-Bibliothek, öffentliche. 

Zschopau. 

Raschke, F. A., Buchhändler. , 

Zweibrücken (Rheinpfalz). 
Henigst, Oscar, Kaufmann. 

Zwickau. 

Becker, Erwin Job., stud. phü. 

Goethe-Verein. 

Kellner, Dr. phil. H. C, Professor 

und Gymnasial-Oberlehrer. 
Mensing, Wilhelm, Privatier. 



ÖSTERREICH -UNGARN, 



Baden b/Wien. 

Hallenstein, Conr., K. K. Hof- 
schauspieler i/P. 

Landes-, Real- und Ober-Gym- 
nasium,Nieder- Österreichisches. 

Rollet, Dr. Hermann, Stadtarchivar 
und Museums-Custos. 
Bielitz i Östr. Schlesien. 

Prem, Dr. S. M., Prof. an d. K. K. 
Staatsgewerbeschule. 



Haupt- 



Budapest. 

Elischer, B. 

Hauer, Franz, K. ungar. 

zollamts-Offizial. 
Heinrich, Dr. Gustav, Professor. 

Czernowitz. 

Gymnasium, K. K. 
Hilberg, Dr. J., Professor. 
Paschkis, Dr. Moritz, Advocat und 
Rechtsconsulent. 



—^ 54 ^- 



Czernowitz. 

St\Tcea, Victor, Freiherr, Gutsbe- 
sitzer, Reichsrathsabgeordneter. 
Universitäts-Bibliothek, K. K. 
Walter, Richard, Fabrikant. 

Döbling b/Wien. 
V. Gionima, Eugen, Landgerichts- 
rath. 

Eibenschütz b/Brünn (Mähren). 
\\'lach, Dr., Rechtsanwalt. 

Gaya (Mähren). 
Koch, Dr. Carl, Advocat und 
Bürgermeister. 

Gleichenberg (Steiermark). 
V. Hausen, Frau Bertha. 

Graz. 

Adamek, Dr. Otto, Professor. 
V. Attems, Dr., Graf Ignaz. 
V. Attems, Frau Gräfin Rosa. 
V. Gnad, Dr. Ernst, Ritter, K. K. 
Landesschulinspector, Hofrath. 
Hofmann, Dr. Karl B., Professor. 
Landes-Bibliothck,Steiermärkische. 
Landes-Obcrrealschule. 
Mack, Fräulein Marianne. 
Neuhold, Franz, Bankier. 
Philologen -Verein, Akademischer. 
Potpeschnigg, Dr. Joseph, Advocat. 
Schönbach, Dr. Arnold E., Pro- 
fessor, Regierungsrath. 
Seminar für deutsche Philologie an 

derK. K.Karl-Franz-Universität. 
Seuffert, Dr. Bernhard, Professor. 
Universitäts-Bibliothek, K. K. 

Gries b/Bozen (Tyrol). 
Jansen, Dr. phik A., Professor. 

Güns in Ungarn. 

V. Hornau, Ritter, Karl Gerbert, 
K. K. Hauptmann, Professor 
an der Militär- Unter-Realschule. 

Hermannstadt. 

Raron Samuel v. Brukenthal'sches 
Museum. 

Jaworzno (Galizien). 

Stein , Ernst Eduard . General- 
sekretär. 



Innsbruck (Tyrol). 
Gymnasium, K. K. 
Loewit, Dr. Moritz, Professor. 
Wackerneil, Dr. Jos. E., Professor. 

Klagenfurt (Kärnthen). 
Obermayer, Victor, Ingenieur der 

Ungarischen Staatsbahn. 
Rauscher v. Stainberg, Ernst. 

Krakau. 

Creizenach, Dr. Wilhelm, Professor. 
v. Gorski, Dr. Konstantin. 
Seminar, germanistisches an der 
K. K. Universität. 

Krumpendorf b/Klagenfurt. 
Rauscher v. Stainberg, Eduard. 

Leitmeritz i/Böhmen. 
Lehrcrbibliotliek des K. K. Staats- 
Obergymnasiums. 

Lemberg. 

Seminar für deutsche Philologie. 
Werner, Arnold, Kaufmann. 
Werner, Dr. Richard Maria, Pro- 
fessor. 

Linz (Ober-Österreich). 
Nicoladoni, Dr. A., Hof- und Ge- 
richts-Advocat. 

Matzen b/Brixlegg (Tyrol). 
Lipperhcide, Franz, Verlagsbuch- 
händler aus Berlin. 

Miskolcz (Ungarn). 
Popper, Dr. Josef, Director des 
allgemeinen Hospitals. 

Neubistritz b/Neuhaus (Böhmen). 
V. Steun, Frau Therese, geb. v. Po- 
mian-Dziembowska. 

Neusatz (Ungarn). 
Savic, Dr. Milan, Schriftsteller. 

Oberdöbling b/Wien. 
Bettelheim, Dr. Anton, Schriftsteller. 

Obermais b/Meran (Tyrol). 
V. Biegeleben. Frau Auguste, geb. 

Buiir. 

Olmütz. 
Staats-Gymnasium, Deutsches. 
V. Zierotin, Frau Gräfin Ernestine. 



—5+ 



55 ^- 



Pötzleinsdorf b/Wien. 
Mautner, Jenny. 

Prag. 

Becke, Frau Professor Willielmine. 
Hatschek, Dr. Berthold, Professor 

der Zoologie an der K. K. 

Universität. 
Hauffen, Dr. Adolf, Docent an der 

deutschen Universität. 
Hruschka, .\lois, Professor. 
Keindl, Ottomar, General-Agent. 
Krauss,Dr.p]iil. Ernst, Privatdocent. 
Lanibel, Dr. Hans, Professor. 
Lese- und Rede-Halle der Deutschen 

Studenten in Prag. 
Pick, Dr. Arnold, Professor. 
Rabl, Dr. C, Professor. 
Sauer, Dr. August, Professor. 
Schnabel, Dr. Isidor, Professor. 
Seminar für deutsche Philologie. 
Toischer, Dr. \\'endclin, Professor. 
Universitäts-Bibliothek, K, K. 
Urban, Dr. Karl. 
V. Zdekauer, Frau Anna, geb. Artus. 

Ranshofen (Ober-Österreich). 
Wertheimer, Frau Franziska. 

Ravelsbach (Nieder-Österreich). 
Slaby, Engelbert, Volksschullehrer. 

Rzeszow (Galizien). 
Wessely, Gustav, Bankbeamter. 

Salzburg. 

Jäger, Dr. Anton, Hof- und Gerichts- 

advocat. 
Werner, .\lexander, Civilingenieur. 

Scheibbs (Nieder-Österreich). 

Baumeister, Johann, K. K. Bezirks- 
richter. 

Skomorochy (Galizien) 
Post Potokzlotz. 

V. Antoniewicz, Dr. Johann, Guts- 
besitzer. 

Szczakora (Galizien). 
Pick, Frau Dr. Ottilie. 

Tarnopol (Galizien). 
Glowacki, Felix, Professor. 



Schloss Tribuswinkel 

b/ Baden b/Wien. 
Q.uirini,FrauHermine,geb. Boreken- 
stein. 

Warnsdorf (Böhmen). 

Thiele, Adolf, Fabrikant. 

Weissenbach a/d. Enns 
(Steiermark). 

Sauerländer, Walter. 

Weisskirchen i/Mähren. 
Staats-Gymnasium. 

Wien. 

Adler, Frau Emma. 

Altmann, Mitglied des Burgtheaters. 

V. Andrian-Werburg^ Baron Fer- 
dinand. 

V. Arenberg, Prinz Joseph, Durch- 
laucht. 

Basslinger, Dr. med. Ignaz. 

Bauer, Moritz, Director des Wiener 
Bankvereins. 

Beer, Dr. A., Professor, Hofrath. 

Benndorf, Dr.O., Professor, Hofrath. 

Berl, Richard. 

v. Bezecny, Freiherr, Wirkl. Geh. 
Rath. Mitgl. d. Herrenhauses, 
General - Intendant der Hof- 
theater, Excellenz. 

Bibliothek der K. K. Theresianischen 
Akademie. 

Bibliothek des K. K. Staats-Ciym- 
nasiums im VIII. Bezirke. 

Blume, Dr. Ludwig, Professor. 

Boschan, Wilh., Kaiser!. Rath. 

Brandeis, Arthur, stud. phil. 

Breuer, Dr. Josef, Arzt. 

Bruch, Dr. Hermann, Hof- und 
Gerichts-Advocat. 

Brunnenmeister, Dr. E., Professor 
des Strafrechts. 

Chrobak, Frau Professor Nelly. 
Club, Wissenschaftlicher. 

Daubrawa, Dr. Alfred. 
Demuth, Theodor (Firma Gerold 
& Comp., Buchhandlung). 

V. Egger -Mülhvald, Dr. Alois, 

Ritter, K. K. Regierungsrath. 
Eissler, Arthur. 

Faber, Frau Bertha. 
Federn, Dr. S. 



— ^ 56 ^- 



Wien. 

V. Feifalik, Ritter Hugo, Hofrath 
und Sekretär Ihrer Majestät der 
Kaiserin. 

Feinberg, Frau Anna. 

Figdor, W. 

V. Fleischl, Frau Ida. 

Frankl, Emil, cand. jur. a. d. K. 
K. Universität. 

Frankl, Dr. Ludwig August, Ritter 
V. Hochwart. 

Freund, Theopliil. 

Frick, W., K. K. Hofbuchhandlung. 

Gaber, Dr. Karl, Auskultant. 

Gerold, Friedrich, Verlagsbuch- 
händler. 

Gilhofer &: Ranschburg, Buchhdlg. 

Ginzberger, T. 

Glaser, Frau Geh. Raths-Wwe. 
Wilhelmine, Excellenz. 

Goetheverein, Wiener. 

Göttmann , Karl , Scriptor der 
Kaiserl. Hofbibliothek. 

Gomperz, Dr. Theodor, Professor. 

Guglia, Dr. E., Professor. 

V. Hartel, Ritter, Dr. W., Professor., 
K. K. Hofrath. 

Hartmann, Ernst, Hofschauspieler 
und Regisseur. 

V. Heinzel, Dr. Richard, Professor. 

V. Hess-Diller, Freiherr. 

Heuberger, Richard, Musiker. 

Hofbibliothek, Kaiserl. Königl. 

Hofmann, Dr. med. Julius, Hofrath. 

V. Hohenbruck, Frau Baronin Prisca. 

Holzmann, Dr. Michael. 

Hörn, Joseph. 

V. Hoyos, Graf Rudolf. 

Jettel, Dr. Emil, Sectionsrath im 
Ministerium des Äussern. 

Kalbeck, Dr. Max, Schriftsteller. 

V. Kinsky, Fürst Ferdinand, Durch- 
laucht. 

V. Kinsky, Frau Fürstin Marie, 
Durchlaucht. 

Koenig, Rudolf. 

Konegen, Karl, Buchhändler. 

Krastel, Fritz, Hofschauspieler. 

Kunn, Dr. med. Karl Gustav. 

V. Lanckorönski, Dr., Graf Carl. 

Langer, Frau Irma. 

Lehrerbibliothek des K. K. Staats- 
Gymnasiums im II. Bezirke. 

Lewinsky, Josef, Hofschauspieler 
und Regisseur. 



Wien. 

Lichtenstadt, Dr. Siegmund, Kaiser!. 

Rath. 
V. Lützow, Dr. C., Professor. 

Mayer, Dr. phil. Arnold. 

V. Merey, Alexander, Wirkl. Geh. 
Rath, Sectionschef im Reichs- 
Finanzministerium, Excellenz. 

Minor, Dr. Jacob, Professor. 

Nathorff, Eugen, Bankier. 
Natter, Heinrich, Bildhauer. 
Neumann, Karl. 

Oppenheim, Josef, Rcdacteur. 
Ortonv, Alexander. 

Pinder, Rittmeister. 

Plutzar, Dr. Ernst, Hof- und Ge- 

richts-Advocat. 
V. Popper-Castrone, Frau Baronin 

Blanche. 
Porubszky, Frau Oberkirchenratli 

Bertha. 
Poschacher, Frau Louise, geb. Ried, 

Reiter, Dr. Siegfried, Prof. Cand. 
Reitzes, Fräulein Gisela. 
Reitzes, Frau Marguerita. 
Richter, Fräulein Helene. 
Ried, Fräulein Minka. 
Rieger, Dr. Karl, Professor. 
Robert, Emerich, Hofschauspieler. 
Rösche, Hermann, Ober-Ingenieur 

der K. F. Nordbahn. 
Rosenthal, Bernhard, Bankier. 
Russ, Dr. Victor, Gutsbesitzer, Mit- 
glied des Abgeordnetenhauses. 
Russo, Isidor. 

zu Salm - Lichtenstein, Fürstin, 

Durchlaucht. 
Sauerlaender, Joh. Jacob. 
Schiff, Frau Lina. 
V. Schneider, Dr. Robert, Ritter, 

Gustos der Kaiserl. Antiken- 
sammlung. 
Scholz, J. , Erzherzogl. Sekretär 

und Bevollmächtigter. 
Schöne, Hermann, Hofschauspieler. 
Schröer, Dr. K. J., Professor. 
Schulz v. Strasznitzki, Dr. Johann, 

Sektionsrath im K. K. österr. 

Ackerbau-Ministerium. 
Schwab, Albert, cand. jur. 
Seegen, Dr. Joseph, Professor. 
Seidel, Ludwig, Buchhändler. 
Seminar für deutsche Philologie 

an der K. K. Universität. 



)/ 



7 +#.- 



Wien. 

Senigaglia, Lionello, Professor. 

V. Sizzo-Noris, Frau Gräfin Marie. 

V. Skene, Louis. 

V. Sonnenthal, Ritter Adolf, Hof- 
schauspieler und Regisseur. 

Speidel, Dr. Ludwig, Schriftsteller. 

V. Spiegl, Edgar, Chefredacteur. 

Standthartner, Dr. J., Primarius. 

Streicher, Frau Karoline. 

V. Strema3T, Dr. Karl, Minister 
a. D., Präsident des K. K. 
Obersten Gerichts- und Kassa- 
tionshofes, Excellenz. 

Thimig, Hugo. Hofschauspieler. 

V. Trauschenfels, Dr. Eugen, Ober- 
kirchenrath. 

Unger, Dr. Josef, Prof, Minister 
a. D., Präsident des Reichs- 
gerichts, Wirkl. Geh. Rath, Ex- 
cellenz. 

Universitäts-Bibliothek, K. K. 

Walzel, Dr. pliil. O. F. 



Wien. 

V. \\'eilen, Ritter Dr. Alexander. 

V. Weiss-Starkenfels, Freiherr AI- 
fons,K. K. Minist.- Vice-Sekretär 
im Ackerbau- Ministerium. 

Weiss V. Tessbach, Ritter Adolf, 
Hörer der Rechte. 

Weiss V. Wellenstein, Frau Stefanie. 

Wickhoff, Dr. Franz, Professor. 

Wollheim, Oskar, stud. jur. 

Wolter, Frau Charlotte, K. K. Hof- 
schauspielerin. 

Zweybrück, Dr. Franz. 
Zwierzina, Dr. phil. Konrad. 

Wiener-Neustadt. 

N.-Ö. Landes-Oberreal- und Fach- 
schule für Maschinenwesen. 

Schloss Zalaber. 

Südbahnstation Szt. Jöan (Ungarn). 

V. Gutmann-Gelse, Frau Laczi, geb. 
Rosa Klein. 



SCHWEIZ. 



Äarau. 

Kantons-Bibliothek, Aargauische. 

BaseL 

Burckhard, Dr. jur. C, Rathsherr. 

Kögel, Dr. Rud., Professor. 

Lese-Gesellschaft. 

Sulger, Emil. 

Thommen, Dr. phil. Rudolph. 

Volkiand, Dr. Alfred, Kapellmeister. 

Wackernagel, Dr. R., Stadtarchivar. 

Bern. 

Hirzel, Dr. Ludwig, Professor. 
König, Dr. K. G., Professor. 
Stadtbibliothek. 

Frauenfeld. 

Linnekogel, Otto, Fabrikbesitzer. 

Freiburg. 

Streitberg, Dr. W., Professor. 

Genf. 

Beard, Ernst Alfred, Privatier. 
Bouvier, Bernard H., Professor an 

der Universität. 
Soret, j. Louis. 



Kilchberg b/Zürich. 
Mever. Dr. Conrad Ferdinand. 

Lausanne. 

Gart. Dr. William, Professor. 

Mornex b/Genf. 
'V\*aidthausen, Justus. 

Rappersweil (Canton St. Gallen). 
Bertheau, Dr. F., Spinnereibesitzer. 

Solothurn. 

Cantons-Bibliothek. 

St. Gallen. 

Stadt-Bibliothek. (Vadiania). 

Teufen (Canton Appenzell). 
Roth, Dr., prakt. Arzt. 

Winterthur. 

Stadt-Bibliothek. 

Zürich. 

Baechtold, Dr. J., Professor. 
Blümner, Dr. Hugo, Professor. 
Bodmer, Hans, stud. phil. 



-^ 5S ^— 



Zürich. 

Hirzel, Paul, Schulpräsident. 
Koch, Wilh., Eisengiessereibesitzer. 
Roner, Joh., Rector der Gewerbe- 
schule. 
Schoeller, Rudolf. 



Zürich. 

Tobler,Leonhard,Alt-Obergerichts- 

schreiber. 
Vögeli-Bodmer, A., Oberst. 
"Widmer, C, Director der Schweiz. 

Rentenanstalt. 



BELGIEN. 



Antwerpen. 

Rooses, Max, Conservateur du 
Musee Plantin. 

Brüssel. 

Caratheodory-Efendi, Kaiserl. Tür- 
kischer Gesandter, Excellenz. 



Brüssel. 

Gevaert, Franz Aug., Professor, 
Directeur du Conservatoire 
Royal de Musique. 

V. Villeneuve, Graf, Excellenz. 

Wieniawski, Frau Melanie. 



DÄNEMARK. 



Kopenhagen. 

Bibliothek, Grosse Königliche. 
Hansen, P., Professor. 
Hansen, S., Buchhalter. 



Kopenhugen. 

Schmidt, Rudolf, Schriftsteller. 
Scholl, Rob., Kais. General-Consul. 
Wimmer, Dr. Ludwig, Professor. 



FRANKREICH. 



Mentone (Südfrankreich). 
Zitelmann, Konrad, Schriftsteller 

Paris. 

Andler, Charles. 

Barine, Arvede. 

Bondy, A. E., Bankbeamter. 

Ecole Normale Superieure. 

Goldschmid, F'ugene. 

Goldschniidt, Leopold, Bankier. 



Paris. 

Kapfercr, Fräulein Anna. 

Mendel, Mme. Henry. 

Neumann, Albert, Kaufmann, in Fa. 

Charles Levy & Frere. 
Saling, Jacques, Professor. 

Sens a/Yonne. 
Legras, Jules, Professor. 



GRIECHENLAND. 

Piraeus-Äthen. 

Lüders, Dr. Otto, Kaiserl. Geh. Regierungsrath und General-Consul. 



GROSSBRITANNIEN. 



Bowdon 

b/Manchester. 

Güterbock, Alfred. 

Cambridge. 

Brcul, Dr. phil. Carl. 
Browning, Oscar, M. A. 



Cravenhurst b/London. 
Flügel, Charles, Rentier. 

Dublin. 
Lystcr, Thomas William, M. A. 

Edinburgh. 
Schlapp. Otto. 



— £^ 50 +4- 



Glasgow. 

Rottenburg, Fritz. 
Rottenburg, Paul. 

London. 

Armbruster, Carl, Kapellmeister. 

Behrens, A. 

Broicher, Fritz. 

Buchheim, Dr. C. A., Professor 

am King's College. 
Freund, Max. 
Holzmann, Dr. Moritz. 
Kirby, W. F. 
Lawrence, Miss Mary W. 
Lecky, Mrs. 

Lehmann, Rud., Maler. 
Robb, Mrs. 

vSchlesinger, Henry, Rentier. 
Schütz -Wilson, H. 
Squire, Lionel R. L, 
Stern, James, Bankier. 
Tomlinson, Prof. Charles F. R. S. 



London. 

Weiste, D. 

Wulfson, Miss Johanna. 

Manchester. 

Bibliothek der Manchester Goethe- 
Society. 
Bibliothek des Owens College. 
Schiller-Anstalt. 

Newcastle. 

Merz, Dr. Theodor. 
Seaman-Owen. 

Northhallerton. 

Warner, Mrs. Henry. 
Oxford. 

Bodleian Library. 
Taylor Institution. 

Sheffield. 

Tooke, Miss Frances Ellen. 



Mitglieder der English Goethe-Society, welche, als zugleich 

der deutschen Goethe-Gesellschaft angetiörig, durch Mr. A. Nutt 

bei letzterer angemeldet sind : 



Bath. 

Coumoundouros, Miss. 

Birmingham. 

Farncombe, G. R. 

BristoL 

Cann-Lippincott, R. C. 

Brookwood (Surrey)- 
Scott, H. D. Colvill. 

Cambridge- 
Jones, Miss. 
Lee, Miss Jane. 
Ward, Miss. 

Cheltenham. 

Macgowan, W. S. 

Dublin. 

Bury, J. B. 
Dowden, Prof. E. 
National Library. 
Trinitv College Library. 
Webb; Prof. T. E. 

Dulverton. 

Owen, Rev. J. 



East Twickenham (Surrey). 

Alford, R. G. 

Edinburgh. 

Blackie, Prof. J. S. 
Morris, Rev. A. B. 

Eltham (Kent). 
V. Orsbach, Rev. E. 

Glasgow. 

Aikmann, C. M, 
Caird, Prof. E. 
Robertson, J. G. 

Kendal b/London. 
Copland, J. 

London. 

Althaus, Prof. F. 
Bell, Edward. 

Bonham-Carter, Mrs. Alice. 
Buss, Miss. 
Cash, Mrs. 
Chadwick, Miss M. 
Cooper, Miss L. M. 
Coupland, Dr. W. C. 
Dicks, Miss E. L. 
Dittel, Prof. T. H 
Feis, Jacob. 



•4^ 6o ^ — 



London. 

Heinemann, W. 

Hertz, Miss. 

Kolckmann, J. W. 

Lawson, Mrs. H. 

Lewes, Prof. V. B. 

Leycester, Rafe. 

London Library. 

Martin, A. J. 

Mathews, Mis. A. N. 

Metcalfe, Miss F. 

Meusch, R. A. 

Meyer, H. 

Moenich, Oscar. 

Moraerie, Rev. Prof. A. W. 

Mond, L. 

Mond, Mrs. L. 

Montefiore, C. J. 

Morgan, Miss, 

Northcote, Stafford, The Right 

Hon. Sir. 
Oswald, Dr. Eugen. 
Plattnauer, R. 
Plumptre, Miss C. E. 
Stahlschmidt, E. E, 



London. 

Swanwick, Miss Anna. 
Tatton, R. G. 
Thorne, Dr. L. T. 
Tollemache, Hon. Mrs. Lionel 
Vincent, C. \V. 
Walhouse, M. J. 
Williams, Sydney. 

Marlborough b/London. 
MuUins, W. E. 

Oxford. 

Boulton, Mrs. 
Ritchie, D. G. 
Shields, Cuthbert, C. C. C. 

Ticehurst b/Hawkhurst. 
Cummins, Mrs. 

Watford. 

Herkomer, Prof. H. 

Windsor. 

Vaughan, E. L. 



Mitglieder der Manchester Goethe-Society, welche, als zugleich 

der deutschen Goethe-Gesellschaft angehörig, durch Herrn 

H. Preisinofer bei letzterer angemeldet sind: 



Aberystwith. 
Herford, Prof. C. H., L. D. 

Buxton. 

Hof mann, O. 

LiverpooL 

Meyer, Kuno, Ph. D. 

Manchester. 

ßaerlein, Max. 
Baerlein, Mrs. S. 
Ball, A. B. 
von Bargen, Mrs. 
Bythway, Edward. 
Cornish, Rev F. F. 
Dehn, Rudolf. 
Dreschfeld, Prof. J M. D. 
Dreyfus, Mrs. 
Eckhard, Gustav. 
Gaffron, Miss. 
Hager, Hermann, Ph. D. 
Hanemann, A. 
Heywood, Mrs. Charles. 
Heywood, Oliver, J. P. 
Horkheimer, Ernest. 



Manchester. 

Horkheimer, Otho. 
Kessler, Mrs. 
Keutgen, C. T. 
Koecher, J. M. 
Kolp, N. 

Kulimann, Julius. 
Lange, Mrs. Stephanie. 
Levinstein, Iwan. 
Liebert, E., Consul. 
Lobenhofer, Prof. K. 
Mappes, F. 
Milner, George. 
Morich, R. J. 
Oppenheim, S\g^- 
Preisinger, H. 
Quenzer, Rev. Ph. 
Reiss, Gustav. 
Robinow, M. 
Roskill, Charles. 
Samson, Henry, J. P. 
Schelling, G. 
Schmölder, L. 
Schorlemmer, Prof. C. 
Schuster. Prof. A. 
Simon, Heinrich. 



-•^ 6i +4- 



Manchester. 
Simon, Louis. 
Stade, G. 

Stewart, A., M. D. 
Susmann, Paul. 
Tait. James. 
Toller, Prof. T. N. 
Ward, Prof. A. W., L. D. L. L. D. 



Manchester. 

Wichern, Miss. 
Wilkinson, H. S. 
Wilkinson, T. R. 
Wilkinson, Mrs. T. R. 
Williamson, Mrs. 
V. Zvchlinsky, Leo. 



ITALIEN. 



Florenz. 

Biblioteca Nazionale Centrale. 
Hildebrand, Adolf, Prof., Bildhauer. 
V. Liphart, Baron, Karl Eduard. 
V. Nolde, Baron Wilhelm. 

Genua. 

Bamberg, Dr. Felix, General-Consul 
des deutschen Reichs. 

NeapeL 

Aselmeyer, Julius, Präsident der 

deutschen Gemeinde. 
Aselmeyer, Karl, kaiserl. deutscher 

Vice-Consul. 
Bourguignon, Alfred, Vice-Consu! 

der Niederlande. 
Dohrn, Dr. Anton, Professor. 
Kellner, August, Kgl. dänischer 

Vice-Consul. 



NeapeL 

Meuricoffre, Frau John. 
Wissenschaftlicher Lesezirkel. 

Pisa. 

Weile, J. , Professor an der Uni- 
versität. 

Rom. 

Dausch , Konstantin , Professor, 

Bildhauer. 
Guerrieri - Gonzaga , Frau Mar- 

chesa E. 
Harnack, Dr. Otto. 
Hüffer, Wilhelm. 
Mengarini, Frau Dr. Margherita. 

Venedig. 

V. Hatzfeld - Trachenberg , Frau 
Fürstin Marie, Durchlaucht. 



NIEDERLANDE. 



Amsterdam. 

Hartog, Jacques, Docent für Musik- 
geschichte am Conservatorium. 

Hertz, Dr., Professor, Director der 
med. Universitäts-Klinik. 

Baa'rn b/Amsterdam. 
van Lier, Fräulein Fanny, Lehrerin 
der deutschen Sprache und 
Literatur. 

Groeningen. 

V. Haarst, J. W. G., Universitäts- 
Bibliothekar. 
Symons, Dr. B., Professor. 

Haag. 

Bibliothek, Königl. 

Blum, J. H., Gymnasiallehrer. 



Haag. 

Clifford, Madame. 

de Constant-Rebecque, Baronesse 
Petronella Sara Maria D. 

de Grovcstins, Baronin Sirtema. 

van Hensbrock, P. A. M., Buch- 
händler. 

Israels, Josef, Maler. 

v. Randwyck, Frau Gräfin J., geb. 
Baronesse v. Hogendarp. 

Hilversum. 
Byvanck, Dr. W. G. C. 

Leiden. 

Breuning, H. H., Docent am Gvm- 



—4^ 62 4f.- 



Maarsen b/ Utrecht. 
Smitkleine, Dr., Schriftsteller. 

Tiel. 
Kossmann, Dr. phil. E. F., Gym- 
nasiallehrer und Privatdocent. 



Utrecht. 

de Jonge, Dr. jur. F. W. 
Sutro, Dr. jur. S, 

Waaxens b/Dokkum. 
Riedel, J. P. Bruinwold, Pastor. 



NORWEGEN UND SCHWEDEN. 

Christiania. Stockholm. 



Boeck, Dr. Cäsar. 
Universitäts-Bibliothek. 



Bibliothek, Königl. 
Gyldcn, Frau Professor 
geb. V. Knebel. 



Therese, 



RUSSLAND. 



Schloss Dondangen b/Talsen 
(Kurland). 

V. d. Osten-Sacken, Frau Baronin 
Clara, geb. v. Keudell. 

Dorpat, 

V, Anrep-Ringen, Frau. 

V. Bradke, Fräulein M. 

Christiani, Wilhelm, stud. phil. 

Curonia (Korporation). 

David, Theodor, stud. phil. 

Estonia (Studentische Korporation). 

Fraternitas Rigensis (Studentische 
Korporation). 

Harnack, Frau Professor, geb. 
V. Maydell. 

Hörschelmann, Dr. W., Professor, 
Wirkl. Staatsrath. 

V. Liphart-Rathshof, R. 

Lundmann, Chr., Oberlehrer. 

Meyer, Dr. Leo, Professor, Wirk- 
licher Staatsrath. 

Mühlau, Dr. F., Professor. 

Müller, Dr., Professor. 

Muyschel, Fräulein M., Instituts- 
vcrsteherin. 

V. Oettingen, Dr. Alex., Professor. 

V. Oettingen, Max. 

V. Rohland, Dr. W., Professor. 

Schlüter, Dr. Wolfgang, Universi- 
täts-Bibliothekar. 

Schmidt, Dr. Carl, Professor. 

Sintenis, F., Oberlehrer, Staatsrath. 

Universitäts-Bibiiothek, Kaiserliche. 

Fellin (Livland). 
Felliner Literarische Gesellschaft. 



Friedenthai (Livland). 
V. Nasackin, Reinhold. 

Schloss Gross-Roop (Livland). 
V. Rosen, Freiin Ady, Edelfräulehi. 

SchlossGrünhofb/Mitau(Kurland). 

v.Medem, Frau Reichsgräfin Alexan- 
drine, geb. Fürstin v. Lieven, 
Durchlaucht. 

Helsingfors (Finnland). 
Universitäts-Bibliothek. 

Hinzenberg (Livland). 
V. Wolff, Frau Baronin Ottilie. 

Bad Hungerburg b/Narva. 

Kroug, Frau Dr. Elfriede. 

Inzcem-Quellenhof (Livland). 
V. Tiesenhausen, Frau Baronin F., 
geb. V. Manteuffel. 

Kersel (Livland). 
V. Bock, H., Landrath, Excellenz. 

Libau (Kurland). 
Friede, Fräulein Lucie. 

Loddiger (Livland). 
Girgensohn, Dr. Hans, Kirchspiel- 
arzt. 

Luban b/Wlozlawsk. 
(Gouvernement Warschau). 
V. Korff, Frau Baronin Emma, 
geb. Baronin v. Rhaden. 



-^ 63 *^- 



Menzen i/Livknd. 
V. Wulf, Dr. phil. Max. 

Mitau. 

V. Medem, Frau Reichsgräfin Jenny, 
geb. Baronin von Offenberg.^ 

Moskau. 

Bachmann, Georg, Staatsratli. 
V. Joukowsky, P., Freiherr. 

Narva. 

Zimmermann, Carl Arthur, Apo- 
theker. 

Odessa. 
Meyer, Dr. Heinr.,Wirk]. Staatsrath. 
Schmidt, Dr. Carl. 

Raiskum b/ Wenden (Livland). 
V. Vegesack, Frau L., geb. v. Sievers, 
Rittergutsbesitzerin. 

Riga. 

V. Budberg, Baron Gotthard, Ge- 
nerallieutenant a. D., Excellenz. 

Dannenberg, Hugo, Oberlehrer. 

V. Freytag - Loringhoven , Baron 
Alexander. 

V. Frevtag - Loringhoven , Baron 
Carl. 

Hartmann, j. 

V. Lieven, Fürstin Constanze, Durch- 
laucht. 

Loeffler, H., Oberlehrer. 

Martersteig, Max. Director des 
Stadttheaters. 

V. Mensenkampff, Frau Gabriele, 
geb. Fürstin v. Lieven, Durch- 
laucht. 



Riga. 

V. Meyendorff, Freiin Sophie. 

v. Nolcken, Baron Georg, Majorats- 

herr auf Esern. 
Nölting, Fräulein Bertha (E. Heldt). 
Wehrlin, Eduard, Oberlehrer. 

Semershof (Livland). 
V. Wolff, Freiin Eleonore. 

Smilten (Livland). 
Bergmann, Eugen, Apotheker. 

St. Petersburg. 

Bibliothek, Kaiserl. öffentliche. 

Feldmann, Carl, Schuldirector. 

Heyse, Th., Kaufmann. 

V. Jürgens, Constantin, Redacteur. 

Koenig, Josef, Schuldirector. 

V. Korff, Frau Baronin, Hofdame 
L Kaiserl. Höh. der Frau Gross- 
fürstin Elisabeth Maurikiewna, 
von Russland. 

V. Mey^dortt, Baron Mich. 

V. Radecki, Dr. med., Staatsrath. 

v. Strauch, Eugen, Staatsrath. 

V. Struve, Nicolaus, Oberlehrer. 

V. Tenischeff, Frau Fürstin, Durch- 
laucht. 

v. Wolkenstein -Trostburg, Frau 
Gräfin, geb. v. Buch, Excellenz. 

V. Zoubow, Frau Marie, Excellenz. 

Waldegahlen (Kurland). 
V. d. Brüggen, Baron. 

Warschau. 

Posner, Frau Mathilde. 



SPANIEN. 

Madrid. 

Gayangos de RiaSo, Frau Emilia, Excellenz. 

TÜRKEI. 



Constantinopel. 

Bartsch, Dr. jur. Rudolf., Rechts- 
anwalt. 

V. DiJring, Dr. E., Professeur de 
l'Ecole Imperiale de Medecine. 

Grosser, Dr. Julius, Correspondent 
der Kölnischen Zeitung u. Direc- 
tor d. Agence de Constantinople. 



Constantinopel. 

V. Hobe-Pascha, Frau, Excellenz. 
V. Radowitz, kaiserl. deutscher 

Botschafter, Wirkl. Geh. Rath, 

Excellenz. 
Spitzer, Dr. Albert, Advocat, Con- 

seill. 16g. du Lloyd Austr.-Hongr. 



AFRIKA. 

Alexandrien (Egypten). 
Marogna, Graf. 

Ost-Afrika. 

V. Soden, Freiherr, kaiserl. deutscher Gouverneur. 



Kimberley 

(Gap der guten Hoffnung). 
Reifes, Mrs. Werner. 



Tanger-Marokko. 

V. Tattenbach,Frau Ministerresident, 
Gräfin. 



AMERIKA. 



Andover (Mass.). 
Ripley, A. L., Professor. 

Ann Arbor. 

J.ibrary of University of Michigan. 
Thomas, Calvin, Professor. 

Aurora. (N. Y.). 

Piutti, Fraulein Elise, Lehrerin. 

Baltimore. 

Faust, A. ß. 
Göbel, Dr. Julius. 
Gudemann, Dr. Alfred, Docent an 
der John - Hopkins University. 
Hilken, Fräulein Marie. 
John - Hopkins University. 
Reinhard, Dr. Ferdinand^ 
^^'ood, Henry, Professor. 

Berkeley (Californien). 

Library of University of California. 
Richardson, George M. 

Boston (Mass.). 
V. Blomberg, Freiin Eva. 
Dreher, William C, Instructor of 

Modern Languages am Institute 

of Technology. 
Gardner, Frau J. L. 
Higginson, Mrs. Henry L. 

Brooklyn. 

Genung, Charles H. 

Brownville (Md.). 
Winters, Mrs. P. L. 

Bryn Mav^-r (Pa.). 
Bryn Mawr College. 
Chamberlin, Miss Rosa. 



Bryn Mawr (Pa.). 
Collitz, Dr. phil. Hermann, Prof. 
Moser, Fräulein V. Lillien. 

Cambridge (Mass.). 
Harward College. 

Catonsville (Md.). 
Stellmann, Fraulein Anina. 

Chicago. 

Frank, Henry L. 

Stanley, W. M., Attorney at Law. 

Thielepape, Fräulein Elsbeth F., 

Lehrerin. 
Vocke, William, Attorney and 

Counsellor at Law. 
Wilmarth, H. M., Mrs., Privata. 

Clinton (N. Y.). 
Brandt. H. C. G., Professor. 

Germantown (Pa.). 
Wright, Miss Edith. 

Hampden, Sidney College. 
(Virginia). 

Hennemann,Professor Dr. JohnBell. 

Ithaka (N. Y.). 

Cornell University Library. 
Hart, Professor Dl'. J. M., Cornell- 

University. 
Hewett, Dr.'W. T., Professor. 
White, Dr. Horatio Stevens, Prof. 

Lead City (Dakota). 
Goering, Dr. Robert. 

Madison (Wisc). 
Rosenstcngel, W. H., Professor. 



— •&«• 6) ^ 



Milwaukee (Wisc). 
Colin, Sigmund. 
Grant v. Tetzel, Frau Frances. 
Mendel, Henry M. 
Weis, C. 

New Haven (Conn.). 
Gruener, Gustav J., Tutor in Yale 

College. 
Palmer, A. H., Professor. 

New Orleans (La.). 

V. Meysenbug, Freiherr E., K. K. 

österr.-ungar. Consul. 
Müller, F., Kaufmann. 
Tulane Universitv. 

New-York. 

Astor Library. 

Barnes, Mrs. H. S. 

Baumgarten, \V. 

Bavard-Tavlor, Mrs. 

Billgvist, C. E. 

Boyesen, Hjalmar Hjörth, Professor 
am Columbia College. 

Brookfield, Mrs. William. 

Christern, F. W., Buchhändler. 

Dreier, L. 

Leland, jr. Stanford. 

Lemcke, Ernst, Buchhändler. 

Loewy, Benno, Counsellor at Law. 

Mille/, C. R., Redacteur der New- 
York Times. 



New-York. 
Palmer, A. M. 
Ringer, S., Professor. 
Roe, Fräulein Laura B. C. 
Roelker, A. 
Sachs, Dr. Julius. 
Stechen, Gust. E., Buchhändler. 
Stern, S. M., Direcior of Stern's 

School of Languages. 
Wakeman, T. B. 
Zickel, S., Buchhändler. 
Zollikofer, O. 

Northampton (Mass.). 
Kapp, Mrs. Marie J. 

Philadelphia (Penns.). 
Ebbinghausen, Adele D. 

St. Louis (Mo.). 
Renth, Henry. 

Toronto (Canada). 
van der Smissen, ^^'. H., Professor, 

Bibliojthekar der Universität. 
Universitäts-Bibliothek. 

Wellesley b/Boston. 
Welleslev College. 

Williamstown (Mass.). 
Rice, R. A., Professor. 
Williams College. 



ASIEN. 
Japan. 



Tokio. 

v. Holleben , Baron , Kaiserlich 
Deutscher Gesandter, Excellenz. 



Yokohama. 

Schmidt - Leda , Dr. , Kaiserlich 
Deutscher General-Cousul. 



Indien. 

Bombay. 

v. Syburg, F., Kaiser!. Consul. 

Calcutta. 

Rathsam, Theodor, Kaiserl. Deutscher Consul. 

AUSTRALIEN. 

Melbourne. 

Härtung, Ernst. | Pfaff, Alfred. 



Golthe-Jahrblch XIII. 



26 



—^ 66 +f— 

Sendungen an die nachstehend verzeichneten MitgUeder 
sind von der Post als unbestellbar an den geschäfts- 
fUhrenden Ausschuss zurückgegeben worden. Um Mittheilung 
der jetzt gültigen Adressen wird dringend gebeten. 

Berlin. Px'of. Dr. ß. Bernstein. 

Rittmeister Freiherr von Gaj'ling. 

Lieutenant G. v. Hülsen. 

Dr. F. Jagor. 

Frl. Lili Josephthal. 

Schauspieler Josef Kainz. 

Geh. Legationsrath Dr. R. Krauel. 

Cand. pliil. Th. Kückelhaus. 

Hans Stobwasser. 

Dr. R. Werner. 

Kaufmann Siegfr. Wollmann. 

William C. Dreher. 

Freiherr v. Richthofen-Damsdorf. 

Prof. Dr. Müller. 

Dr. phil. Albrecht Dieterich. 

Edmund von Oesterreich. 

Frau Margarethe Popitz. 

Dr. Paul Simon. 

Frau Frieda Soyaux. 

Hauptmann v. Weber. 

Dr. Julius Elias. 

Stud. phil. Fritz Gotthelf. 

Frl. Clara Lachmann. 
St. Petersburg. Rud. Wolfg. Reyher. 

Oberlehrer Nicolaus von Struve. 
Potsdam. Prem. -Lieutenant von Chelius. 

Stuttgart. Friedrich Bauer. 

Wiesbaden. Dr. phil. Adolf Seehaus. 



Boston. 

Danzig. 

Dorpat. 

Elberfeld. 

Hamburg. 

Leipzig. 



München. 




— <4» 67 ^ — 

Literarische Anstalt, Rütten & Loemikg, Frankfurt a/M. 

Goethe-Jahrbuch. 

Herausgegeben von Ludwig Geiger. 

X., XI, XII. Bd. in Leiuwaiid gebunden k M. 10.—. 

Inhalt des ze hnt en Bande s: 
Nebst einem Schattenriss : Kestner, Lotte nnd deren Kinder. 
I. Neue Mittheilungen: Mittheilungen aus dem Goethe-Archiv. Briefe von 
Goethe und Christiane v. Goethe, von F. AV. Riemer und Christian August 
Vulpius an August von Goethe in Heidelberg nebst drei Briefen von 
Goethe an Thibaut. Mitgetheilt von B. Suphan. - Anfang eines fantasti- 
schen Romans, von Lenz, von dessen eigner Hand. Mitgetheilt von Karl 
"Weinhold. — Original-Mittheilungen zur Geschichte der Theateileitung 
Goethes. Veröifentlicht von C. A. H. Burkhardt. — Eine Denkschrift 
Knebels über die deutsche Literatur. Mitgetheilt von Carl Emil Franzos. — 
Mittheilungen V.Zeitgenossen üb. Goethe, 1774— 1835, v.O.Brahm,Th. Distel, 
L Geiger, 0. Hoffniann, B. Litzmann, J. Minor, B. Seuffert, G. Weisstein. 
II. Abhandlungen: Die Streitigkeiten der Frankfurter Geistlichkeit mit den 
Frankfurter Gelehrten Anzeigen im Jahre 1772. Von Hermann Dechent. -- 
Goethes Arbeit an „Hermann und Dorothea". Von Hermann Schreyer. — 
Classiker und Romantiker. Von Jacob Minor. 

III. Miscellen, Chronik. Bibliographie. 

Vierter Jahresbericht der Goethe-Gesellschaft. 

Inhalt des elften Bandes: 
Mit den Portrait s Goethes, seiner Frau und seines Sohnes in Lichtdruck nach Raabe. 
I. Neue Mittheilungen: Mittheil 11 ugen aus dem Goethe- und Schiller-Archiv. 
Goethes Ghasel auf den Eilfer in ursprünglicher Gestalt. Herausgegeben 
von Konrad Burdach. — Ein mit Goethes Namen überliefertes unbe- 
kanntes Gedicht. Herausgegeben von B. Suphan. — Nachspiel zu Gotters 
„Vasthi". Herausgegeben vi n B. Suphan. — Briefwechsel zwischen Goethe 
und V. Diez. Herausgegeben von Carl Siegfried. — Briefe von Reinhai'd 
an Kanzler Müller mit Anmerkungen von L. Geiger; als Anhang: Aus- 
züge von Briefen Reinhards an Wessenberg. Herausgegeben von W. Lang. 
— Zu Goethes Schlesischer Reise 1790. Von F. Zarncke. — Neunund- 
vierzig Briefe von, neun an Goethe, ein Brief von Goethes Eltern und 
ein Brief von Frau Rath. Mitgetheilt von C. A. H. Burkhardt, J. Elias, 
H. Frommann, L. Geiger, L. Hirzel, F. Lamey, B. Litzmann, H. Rollet, 
M. Schubart, G. Weisstein. 
II. Abhandlungen: Karlsbad 1785. Von B. Suphan. — Zu Goethes Sprüchen 
in Prosa. V^on G. v. I^oeper. — Ueber Goethes botanische Studien. Von 
M. Busgen. — Die Seelsorger der Goethesehen Familie. Von H. Dechent. 

III. Miscellen, Chronik, Bibliographie. 

Fünfter Jahresbericht der Goethe-Gesellschaft. 

Inhalt des z wo 1 f t e n B ande s: 
Mit dem Bildniss Goethes nach der Zeichnung von 6. M. Kraus, 1770. 
I. Neue Mittheilungen: Mittheilungen aus dein Goethe- und Schiller-Arehiv. 
Aus derzeit der Spinoza- Studien Goethes 1784—1785. Herausgegeben 
von B. Suphan. — Anzeige des Trauerspiels „Bertram" nebst Proben 
einer Uebersetzung. Herausgegeben von B. Suphan. — Briefwechsel 
zwischen Goethe und Therese von Jakob. Herausgegeben von R. Steig. — 
Musikerbriefe an Goethe. Mitgetheilt von Max Friedlaender. — Goethes 
Tod und Bestattung. Ein Brief von F. J. Frommann. Herausgegeben 
von Julius Wähle. —Aus Henriettens von Egioffstein Memoiren. Weimar. 
Herausgegeben von Julius Wähle. — Mittheilungen aus dem (ioethe- 
National-Museum : Zu Goethes naturwissenschaftlichen Forschungen. Mit- 
getheilt von C. Ruland. - Das Stammbuch der Frau Rath. Mitgetheilt 
von C. Ruland. 
II. Abhandlungen: Erinnerungen von und an Jenny v. Pappenheim. Von 
Lily von Kretschman. — lieber den Gewinn unserer Anschauungen von 
Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten durch die Publicationen des 
Goethe-Archivs. Von Rudolf Steiner. — Ueber Echtheit und Chronologie 
der Sesenheimer Lieder. Von A. Bielschowsky.— Die Kunst und Technik 
der Charakterschilderung in GoethesDichtung und Wahrheit. Von H. Gilow. 

III. Miscellen, Chronik, Bibliographie: Register zu Band XI. u. XII. 
Sechster Jahresbericht der Goethe-Gesellschaft. 

26* 



_4f 68 ■»#• - 



Verlag von F. W. v. Biedermann in Leipzig. 



Goethes Gesppaeehe 

Herausgeber 

Woldemar Freiherr v. Biedermann. 



Vollständig: in neunBänden. 



Preise des vollständigen Werkes: 

Kleine Ausgabe broschirt M. 45. — 
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Ganzleinwand . . . -> 53.65 

Kleine Ausgabe gebd. in 

Halbsaffian . . . . » 63. — 

Velin-Ausgabe broschirt . » 55. — 
Des 9. Bds. 2. Hälfte enthält: » » geb.inHlbsff. » 82.— 

Erläuterungen 

Des 9, Bandes :. Hälfte enthält fünf- 

ZU Q-OetlieS Qespraecll.en f^^i,^ Register in der bekannten sorgfältigen 

von Dr. Otto Lyon. Weise des Herausgebers bearbeitet. 

Gustav V. Loeper nannte das Werk: 

die schönste Goethebiographie, die existire 
und sobald nicht würde übertroffen werden. 



Goetheforschungen 'GOETHE uro die BIBEL 



Woldemar Freiherr v. Biedermann. 
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Wir empfehlen das Buch, in dem 
jede Zeile treu und ernst erwogen 
ist. (Friedrich Zarnche.) 



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Friedrieh Roehlitz. 

Herausgeber 

Woldemar Freiherr v. Biedermann. 

Preis: brosch. 8 M., geb. 9 M. 

Gewidmet Ihrer König!. Hoheit 
der Grossherzogin von Sachsen. 

Die Ausgabe ist so vorzüglich 
hergerichtet, wie wir es an den Ar- 
beiten des Herausgebers gewohnt 
sind. (Friedrich Zarnche.) 



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Prof. Dr. Herrn. Henkel. 

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Litterarisches Echo 

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Eine Halbmonatsschrift. Vierteljährlicher Bezugs- 
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Probeheft umsonst durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verleger. 



Das Litterarische Echo ist eine Revue der Revueen und 

hat durcli seine Eigenart und vortreffliche Leitung die 

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Bibliothek zeitgenössischer Schriftsteller. 



Der Herausgeber und A''erleger unternimmt es zum ersten 
Mal, die Schöpfungen der modernen Litteratur, mit besonderer 
Bevorzugung der deutschen, Jedermann für ein Billiges zu- 
gänglich zu machen. 

» Ottmann's Bücherschatz « umfasst Werke jeder Art^ 
Belletristik sowohl wie wissenschaftliche Arbeiten von all- 
gemeinem Interesse. 

Die Bände erscheinen in zwangloser Folge zum Preise von 
20 Pf. bis I Mk. Gebundene Bände kosten 30 Pf. mehr. 

Aeusserliche Vorzüge : grosses Oktavformat, holzfreies- 
Papier, klarer Druck, feiner Umschlag. 

Man kauft die Bände einzeln in jeder Buchhandlung. 

M^ Einen ausführlichen Prospekt iibcr die bisherigen Er- 
scheinungen von y)Ottniann's Bücherschatzv. erhält man durch 
jede Buchhandlung oder direkt von der Verlagsbuchhandlung von 

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(Erste Ausgaben, Portraits, Autographen) 

vorräthig bei 

Max Harrwitz, Antiquar. Buclitiandiüiig 

Berlin W., Potsdamerstr. 41a. 
Literarische Anstalt, Rütten & Loening, Franki-urt a. M. 

Goethe-Forschungen 

von Woldemar Freiherr v. Biedermann. 
//; Lciinuand gcbiindcu Mark p.— . 
INHALT: 
Zwei Gedichte Goethes. — Quellen und Anlässe Goethe- 
scher Dramen. — Dramatische Entwürfe. — Goethe mit 
Zeitgenossen. — Vermischtes zur Goethe-Forschung. 

Literarische Anstalt, Rütten & Loening, Frankfurt a. M. 

BIBLIOGRAPHIE 

der 

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Mit einem Beitrage G. von Locpcr's und Mittheilungen 
von Fachgenossen. 

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80 Seiten gross 8°. 

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Dr. K. Heinemann. 



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Texte und vier Heliogravüren. 

Preis geheftet M. 6.50, geb. in Lwd. M. 8.—, in Halbfranz M. 9.—. 



Dass binnen einem halben Jahr drei starke Auflagen eines 
Buches (von 25 Bogen) nöthig wurden, spricht wohl am besten 
für seine Gediegenheit. Das Werk wurde von allen Goethe- 
kennern und Freunden mit Freude begrüsst. Prof. Dr. Ludwig 
Geiger schrieb darüber: »Dies Buch den Lesern zu 
empfehlen, halte ich für meine Pflicht: es macht 
dem Geiste und dem Herzen des Verfassers Ehre.« 
Grosse Zeitungen, wie die Neue freie Presse, die Kölnische 
und die Frankfurter Zeitung, die Fast, die Wiener Zeitung 
haben sich darüber mit hohem I,obe ausgesprochen und Aus- 
züge daraus veröffentlicht ; das Daheim, die Gartenlaube, die 
Leipziger Lllustrirte Zeitung haben von dem reichen, unbe- 
kannten Illustrationsmaterial Proben veröffentlicht. 

Die neue dritte Auflage ist wesentlich bereichert durch 
neues, gänzlich unbekanntes Illustrationsmaterial. Prospecte 
versende ich franco überallhin ; das Werk selbst ist durch alle 
Buchhandlungen zu beziehen. 

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und ihrer Freunde. Von Otto Harnack. 

Mit dem Facsimile eines ungedruckten Gedichtes von Schiller, 
gr. 8«. VIII und 243 Seiten. 5 Mark, geb. 6 Mark. 

Die gemeinsameil Bemühungen Schillers und Goethes um Begründung einer Ästheük und 
Theorie der Künste zu untersuchen und darzustellen, hat sich der Verf. zur Aufgabe gemacht. 
Die diesem Zweck dienenden Arbeiten Beider für die »Hören« und .iPropyläenn stehen im 
Mittelpunkt. Um sie gruppiren sich die der Beihülfe wie der Weiterführung gewidmeten 
Studien ihrer nächsten Freunde: Wilhelm von Humboldt, Henirich Meyer, Johann Gottfried 
Körner. Die im bestimmten W'ortsinn klassische Ästhetik gegenüber der sie schnei! ablösen- 
den romantischen findet hierbei ihre historische Würdigung. 

Früher erschien im gleichen Verlage: 
Goethe in der Epoche seiner Vollendung. (1805— 1832.) 

Versuch einer Darstellung seiner Denkweise und Wehbetrachtung 
von Otto Harnack. 5 Mark, geb. 6 Mark. 

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Inhalt: 

I. über Kunst. II. Über Künster. 



1. Tracht und Mode. 

2. Kunst, S\-mbolik und Allegorie. 

3. Lebende Bilder. 

4. Ein Grundproblem des Kunst- 
gewerbes. 

5. Die Tragik in Werken helle- 
nischer Plastik. 



1. Eine frankfurter Kunstakademie 
und Zeichenschule im XVIII. 
Jahrhundert. 

2. Philipp Veit. 
5. Adrian Ludwig Richter. 
4. Moritz von Schwind. 

III. Über Kunstwerke. 



1. Die Venus von Milo. 

2. Raffaels Transfiguration. 

3. Cornelius und das Weltgericht. 

4. Wallots Reichstagsgebäude. 



»In diesen Aufsätzen vereinigen sich feinsinniges L'rtheil, liebevolle 
Begeisterung und umfassende Kennerschaft mit dem hervorstechendsten 
Zuge wissenschaftlich gediegener Entwickelung der — vielfach origi- 
nellen — Anschauungen des Verfassers zu einem Gesammtcharakter 
der Darstellung, welcher dem Buche einen Ehrenplatz unter den 
kunstwissenschaftlichen Arbeiten der letzten Jahre anweist.« 

»Diese Aufsatzsammlung ist eines jener schönen Bücher, in denen 
man die tempelartige Stille eines .Museums geniesst, auch die reinliche 
und geordnete Harmonie eines solchen Ortes. Wir können uns vor- 
stellen, dass es namentlich Kunstfreunden, die für ihre beschauliche 
Muße nach Büchern von Gehalt Sehnsucht tragen, ein willkommener 
Gast und daher als Festgeschenk sehr verwerthbar sein dürfte. Solcher 
Verwendung entspricht auch die schöne Ausstattung des Buches.« 



—^ 7) ^'- 

Literarische Anstalt, Rütten & Loening, Frankfurt a. M. 

GOETHES BRIEFE ax FRAU VON STEIN. 

Herausgegeben von Adolf Scholl. Zweite vervoll- 
ständigte Auflage bearbeitet von Wilhelm Fielitz. 
2 Bände. Mit dem ßildniss der Frau von Stein nebst 
2 Silhouetten. 1883 — 85. Preis: geh. M. 16.80, geb. 
in Leinw. M. 18. — , geb. in feinem Hlbfrz. M. 22.80. 

»Die Briefe Goethes an Charlotte von Stein« — sagt Hernian 
Grimm — »bilden eines der schönsten und rührendsten Denkmale, 
welches die gesammte Literatur besitzt. Man wird diese Briefe lesen 
und kommentiren, solange unsere heutige deutsche Sprache verstanden 
werden wird .... Wie eine breite ununterbrochene Melodie empfangen 
wir zehn Jahre lang Goethes Leben nach dieser Richtung. So völlig 
sehen wir Tag und Nacht den Gedanken an diese Frau ihn umschweben, 
dass es scheint, als thue und denke er überhaupt nichts Anderes, als 
was diese Briefe enthalten. Das Ganze gewinnt den Anschein einer 
dichterischen Kontinuität. Was er irgend erlebt, nimmt die Gestalt 
einer Mittheilung an Frau von Stein an ... . Unter ihrer Theilnahme 
sehen wir die Dichtungen langsam wachs&n, die als sicherer Gewinn 
dieser zehn Jahre dastehen und die das Höchste sind, was die deutsche 
Literatur an Diclitungen besitzt.« — 

In unserm Verlage erschien soeben : 

GOETHES FAUSTIDEE 

nach der ursprünglichen Conception aufgedeckt und nachgewiesen 

von 

WiLHELIVl GWINNER. 

52 Bogen gr. 8'^ 

brosch. Preis 7 Mark 50 P*f. 

Diese Schrift weist eingehend nach, dass Goethes Faust, L Theil, 
hauptsächlich infolge des dem Gedichte vorausgeschickten »Prologs im 
Himmel«, im Widerspruch mit der vorgeführten Handlung durchgängig 
unrichtig aufgefasst wird. Sie deckt zugleich die in der Handlung der 
»Tragödie« verwirklichte, mit der tiefsinnigen Faustsage übereinstimmende 
wahre Faustidee nach Goethes ursprünglicher Conception zum ersten 
Mal im Zusammenhange der alten Faustscenen auf. 

Frankfurt a. M, 



Joseph Baer & Co. 



— -^ 76 ^ — 
Verlag von Hermann Böhlau in Weimar. 



Goethes Werke. 

Herausgegeben im 
Auftrage der Grossherzogin Sophie von Sachsen. 

Diese Ausgabe zerfällt in vier Abtheilungen: 

I.; Goethes Werke (im engeren Sinne), 50 Binde; 
ir.: Goethes naturwissenschaftliche Schriften, ca. 10 Bände; 
III.: Goethes Tagebücher, \ Der Umfang dieser Abtheilungen ist- im 
IV.: Goethes Briefe. J Voraus nicht zu bestimmen. 

Jede Abtheihing ist für sich zu beziehen; einzelne Bände dagegen werden nicht 

abgegeben. — Der Subskribent einer Abtheilung verpflichtet sich zur Abnahme 

SämmtliCher Bände derselben. — Es erscheinen zwei Au-g.iben: eine in kleinerem und 
eine in grösserem Format, letztere auf starkem Papier mit breitem Rande. — Das Format 
der kleineren Ausgabe ist ein mittleres, handliches Oktavformat, die Ausstattung eine vornehm 
einfache. — Der Umfang eines Bandes beträgt circa 20 bis 50 Bogen. — Der Preis eines 
Bandes der kleineren Ausgabe der I. Abtheilung beträgt bei diesem Umfang circa 
M. 2.40 bis M. 3.60, der der II. — IV. Abtheilung circa M.3.20 bis M. 4.S0. Bei grösserem 
Umfang erhöht, bei geringerem Umfang ermässigt sich der Preis in entsprechender Weise. — 
Der Preis eines Bandes der grösseren Ausgabe beträgt bei dem oben angegebenen 
Umfange für die I. Abtheilung circa M. 3.20 bis M. 4.80, für die übrigen Abtheilungen circa 
M. 4. — bis M. 6. — . 

Auf Wunsch werden auch gebundene Exemplare abgegeben. Der Preis des Ein- 
bandes, feiner Halbsaffi.in-Band, beträgt M. 1.— bei der kleineren Ausgabe, M. 2.60 bei 
der grösseren. jj^^ Mitgrliedem der Goethe-Qesellschaft 

■ft'ird von der kleinen Ausgabe ein Vorzugspreis für je ein Exemplar bewilligt. Derselbe 
erlischt mit dem Austritt des Subskribenten aus der Goethe-Gesellschatt. Eine Ermässigung 
des Preises des Einbandes und der grossen .\iisgabe findet nicht statt. Die Subskrip- 

tions-Anmeldungen von Jttitg-liedern haben aiisschliesslicli bei der 
"Verlag-shandlung zu erfolgen unter Bezeich.nung' derjenigen Buch- 
handlung-, durch welche sie die Goethe- Ausgabe zu beziehen 

wünschen. Die Vcrlagshandlung wird die bestellten Exemplare den bezeichneten Buch- 
handlungen unter .\ngahe i'er Namen der Subskribenten zur Verrechnung mit diesen überweisen. 



Es ist das Erscheinen von ungefähr acht bis zehn Banden alljährlich, in freier Folge, 
geplant, wobei auf möglichst rasche Vollendung zunächst der I. Abtheilung Rücksicht 
genommen werden soll. 

Bis Ende des Jahres 1S91 erschienen von der 

I. Abtheihmg: 19 Bände. Preis M. 57. 55; für Mitglieder M. 48.30. 
II. Abtheilung: 3 Bände. Preis M. 12.40; für Mitglieder M. 10.80. 

III. Abtheilung: 4 Bände. Preis M. 16.50; für Mitf;lieder M. 14.50. 

IV. Abtheilung: 9 Bände. Preis M. 36.70; für Mitglieder M. 32.10. 

o-j Die Preise beziehen sich auf broschierte Exemplare der kleinen Ausgabe. :-o^ 

Vierteljahrssehrift 

flir 

Litteraturgeschichte. 

Unter Mitwirkung von Erich Schmidt und Bernhard Suplian 

herausgegeben von 

Bernhard SeufiFert. 

Preis des Bandes 12 Mark. 

= Jährlich erscheint ein Band von circa 40 Bogen. = 

Der 5. Band ist im Erscheinen begrilTen. — Um neu eintretenden Subskribenten die 

Anschaffung früher erschienener Bände zu erleichtern, werden bis auf Weiteres abgegeben: 

Band I zu M. 7.— statt M. 10.40. 

Band II zu M. 8. — statt M. 12. — . 

Band III zu M. 8.— statt M. 12.—. 

— <5 Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, f^— 

Hermann Böhlau in Weimar. 















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Bd. 13 



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